# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fbf0786e-5a04-5e4c-9ede-553669fec11d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-04-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.04.2010 A-2605/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-2605-2008_2010-04-29.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-2605/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 9 .  A p r i l  2 0 1 0

Richter Daniel de Vries Reilingh (Vorsitz), 
Richter Daniel Riedo, Richter Pascal Mollard, 
Gerichtsschreiber Keita Mutombo.

X._______ AG, c/o P._______ AG, ...,
vertreten durch ...,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,
Hauptabteilung Direkte Bundessteuer, 
Verrechnungssteuer, Stempelabgaben, Eigerstrasse 65, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Verrechnungssteuer.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-2605/2008

Sachverhalt:

A.
Die X._______ AG (hiernach: Gesellschaft  oder Beschwerdeführerin) 
wurde  mit  Handelsregistereintrag  vom 9. Mai  1996  unter  der  Firma 
X._______chemie AG mit Sitz in ... gegründet. Der Zweck der Gesell -
schaft bestand im Import und Export von Rohmaterialien und Fertig-
produkten  der  chemisch-pharmazeutischen  Branche  sowie  in  der 
Finanzierung  derartiger  Transaktionen.  Mit  Statutenänderung  vom 
27. November  2002  und  Handelsregistereintrag  vom  4. Dezember 
2002  wurde  die  Gesellschaft  in  X._______  AG  umbenannt.  Laut 
Handelsregisterauszug  verfolgt  die  Gesellschaft  seither  folgenden 
Zweck: "Handel von und mit Rohmaterialien und Fertigprodukten aller 
Art  sowie  Finanzierung  derartiger  Transaktionen.  Die  Gesellschaft 
kann sich an gleichen oder ähnlichen Geschäften und Unternehmen 
beteiligen sowie alle Transaktionen des Mobilienverkehrs tätigen und 
Liegenschaften erwerben und veräussern".

B.
Am 21. und  22. Februar  2005  führte  die  Eidgenössische  Steuerver-
waltung (ESTV) bei der Gesellschaft eine Buchprüfung der Jahre 2000 
bis  2003  durch.  Sie  stellte  dabei  fest,  dass  die  Gesellschaft,  be-
herrscht  von T._______,  ...,  bzw. ihm nahe stehende Personen oder 
Gesellschaften,  als  Zulieferer  von  Rohmaterialien  für  verschiedene 
"T._______"-Gruppengesellschaften  in  ...  gedient  hatte.  Der  Waren-
handel war im Jahre 2001 eingestellt worden, was die Gesellschaft auf 
die massive Abwertung der ... Währung zurückgeführt habe, wodurch 
der Warenbezug über die Schweizer Gesellschaft unattraktiv geworden 
sei.  Infolge  der  Einstellung  des  Warenhandels  mit  der  T._______-
Gruppe wurden sämtliche Debitoren-/Kreditorenkonti  saldiert,  woraus 
ein  Guthaben  von  rund  10 Mio.  Franken  gegenüber  der  T._______-
Gruppe resultierte. Diese Forderung, die über die Jahre nach und nach 
durch Zahlungseingänge reduziert werden konnte und auf welcher per 
Ende 2001 eine Wertberichtigung von 1,6 Mio. Franken vorgenommen 
wurde,  ist  während  der  hier  streitigen  Jahre  nicht  mehr  verzinst 
worden. Mit Schreiben vom 8. Dezember 2005 hielt die ESTV deshalb 
u.a.  fest,  der  Verzicht  auf  eine  angemessene  Verzinsung  zugunsten 
von  Nahestehenden  stelle  eine  geldwerte  Leistung  dar,  die  gemäss 
Art. 4 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 13. Oktober 1965 über 
die  Verrechnungssteuer  (VStG,  SR 642.21)  der  Verrechnungssteuer 
unterliege. Unter Anrechnung einer möglichen Verzinsung des Passiv-

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darlehens im Rahmen von nicht verdecktem Eigenkapital ergebe sich 
somit  für  die Jahre 2001 bis 2003 eine geldwerte Leistung von (ge-
rundet)  Fr. 1'080'000.--,  womit  die  Gesellschaft  eine  Verrechnungs-
steuer im Betrag von Fr. 378'000.-- schulde.

C.
Die  ESTV  verfügte  am  24. Mai  2006,  die  Gesellschaft  schulde  ihr 
Fr. 406'350.-- an Verrechnungssteuer, zuzüglich Verzugszins von 5 %, 
ab  dem 31. Januar  2002. Dieser  Betrag  setzte  sich  zusammen  aus 
dem  eben  genannten  Verrechnungssteuerbetrag  von  Fr. 378'000.--, 
berechnet  auf  dem Zinsverzicht  zugunsten von Nahestehenden,  und 
aus  einem  zusätzlichen  Verrechnungssteuerbetrag  von  Fr. 28'350.-- 
betreffend  eines  Inkassovertrags.  Die  Gesellschaft  leitete  90 %  der 
Einnahmen  aus  dem Inkassovertrag  weiter.  Die  ESTV erkannte  nur 
50 %  der  betroffenen  Einnahmen  als  geschäftsmässig  begründete 
Leistungen und erhob auf dem (Differenz-)Betrag von Fr. 81'000.-- die 
Verrechnungssteuer, ausmachend Fr. 28'350.--.

D.
Mit Einspracheentscheid vom 10. März 2008 wies die ESTV die Ein-
sprache der Gesellschaft vom 22. Juni 2006 (grundsätzlich) ab. Einzig 
was  den  geforderten  Verrechnungssteuerbetrag  von  Fr. 406'350.-- 
anbelangt,  legte  sie  in  teilweiser  Gutheissung  der  Einsprache  die 
Fälligkeitsdaten für den Verzugszins neu fest.

E.
Mit  Eingabe  vom  23. April  2008  liess  die  Gesellschaft  Beschwerde 
beim Bundesverwaltungsgericht  einreichen und beantragen,  der  Ein-
spracheentscheid der ESTV vom 10. März 2008 sei mit Bezug auf die 
geldwerte  Leistung  von  Fr. 1'080'000.--  und  die  damit  verbundenen 
Verzugszinsen aufzuheben und es sei  festzustellen,  dass sie für  die 
Jahre  2001  bis  2003  lediglich  Verrechnungssteuer  von  Fr. 28'350.-- 
zuzüglich Verzugszins ab 31. Januar 2003 schulde – unter Kosten- und 
Entschädigungsfolge zulasten der ESTV. Die Beschwerdeführerin be-
gründete ihren Antrag im Wesentlichen damit,  ihre Forderungen aus 
Lieferungen und Leistungen gegenüber Gruppengesellschaften seien 
steuerlich  wie  Drittforderungen  anerkannt  worden.  Der  Zinsverzicht 
müsse demnach gleichermassen wie  bei  Drittforderungen anerkannt 
werden. Im Drittverhältnis sei  es nicht streitig,  dass unter den gege-
benen Umständen, u.a. aufgrund der wirtschaftlichen Situation der Ab-

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nehmergesellschaften,  kein  Zins  habe  eingetrieben  werden  können. 
Eine Verzinsung sei vertraglich auch nicht vereinbart gewesen.

F.
In Ihrer Vernehmlassung vom 27. Juni 2008 schloss die ESTV auf kos-
tenfällige  Abweisung der  Beschwerde und bestätigte  ihre  bisherigen 
Ausführungen.

Auf die weiteren Eingaben und Vorbringen der Partien wird – soweit  
entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. 
Eine solche liegt nicht vor und die ESTV ist eine Behörde im Sinn von 
Art. 33 VGG. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde 
ist somit – mit der nachfolgend in E. 1.2 gemachten Einschränkung – 
einzutreten.  Soweit  das  VGG  nichts  anderes  bestimmt,  richtet  sich 
gemäss dessen Art. 37 das Verfahren nach dem VwVG.

1.2 Gemäss Art. 25 Abs. 1 VwVG kann die in der Sache zuständige 
Behörde  über  den  Bestand,  den  Nichtbestand  oder  den  Umfang 
öffentlichrechtlicher Rechte und Pflichten auf Begehren oder von Am-
tes wegen eine Feststellungsverfügung treffen. Einem derartigen Be-
gehren ist  nach Art. 25  Abs. 2 VwVG zu entsprechen,  wenn die  ge-
suchstellende  Person  ein  entsprechendes  schutzwürdiges  Interesse 
nachweist. Laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der Anspruch 
auf  Erlass  einer  Feststellungsverfügung  subsidiär  gegenüber  einer 
Leistungs- oder Gestaltungsverfügung. Eine Feststellungsverfügung ist 
nur zu treffen, wenn das Interesse daran nicht durch eine rechtsgestal-
tende Verfügung gewahrt  werden kann (BGE 119 V 13,  114 V 203; 
statt vieler: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-1387/2006 vom 
11. Juni 2007 E. 2.1 und A-710/2007 vom 24. September 2009 E. 1.3; 
vgl. schon  RENÉ RHINOW/BEAT KRÄHENMANN, Schweizerische Verwaltungs-
rechtsprechung, Ergänzungsband, Basel und Frankfurt am Main 1990, 
Nr. 36,  S. 109 f.). Die  Beschwerdeführerin hat  ihren Antrag auch als 

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Feststellungsbegehren formuliert. Es kann jedoch bereits anhand ihres 
Leistungsbegehrens entschieden werden, ob die beanstandete Steuer-
forderung zu Recht  besteht,  was das Feststellungsinteresse hinfällig 
werden  lässt  (vgl.  auch  Urteil  des  Bundesgerichts  2A.90/1999  vom 
26. Februar  2001  E. 1;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-
710/2007  vom 24. September  2009  E. 1.3).  Somit  fällt  die  verlangte 
Feststellung  nicht  unter  Art. 25  Abs. 1  VwVG,  weshalb  darauf  nicht 
einzutreten ist.

1.3 Die  Beschwerdeführerin  bestreitet  die  auf  den  geschäftsmässig 
nicht begründeten Leistungen in Zusammenhang mit dem Inkassoge-
schäft erhobene Verrechnungssteuer von Fr. 28'350.-- zu Recht nicht. 
Zu beurteilen ist somit einzig die von der Vorinstanz erhobene Verrech-
nungssteuer im Betrag von Fr. 378'000.-- auf dem Zinsverzicht der Be-
schwerdeführerin auf Forderungen gegenüber Gruppengesellschaften.

2.
2.1 Der Bund erhebt eine Verrechnungssteuer auf dem Ertrag beweg-
lichen  Kapitalvermögens  (Art. 132  Abs. 2  der  Bundesverfassung  der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; 
Art. 1 Abs. 1 VStG). Steuerpflichtig ist der Schuldner der steuerbaren 
Leistung  (Art. 10  Abs. 1  VStG).  Die  steuerbare  Leistung  ist  bei  der 
Auszahlung,  Überweisung,  Gutschrift  oder  Verrechnung  ohne  Rück-
sicht auf die Person des Gläubigers um den Steuerbetrag zu kürzen, 
bei Kapitalerträgen um 35 % (Art. 13 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 14 Abs. 1 
VStG). Bei Kapitalerträgen entsteht die Steuerforderung im Zeitpunkt, 
in dem die steuerbare Leistung fällig wird (Art. 12 Abs. 1 VStG).

2.2 Gegenstand  der  Verrechnungssteuer  sind  u.a.  Erträge  der  von 
einem Inländer ausgegebenen Aktien (Art. 4 Abs. 1 Bst. b VStG). Zu 
den steuerbaren Erträgen gehört jede geldwerte Leistung der Gesell-
schaft  an  die  Inhaber  gesellschaftlicher  Beteiligungsrechte  oder  an 
ihnen  nahe  stehende  Dritte  (Art. 20  Abs. 1  der  Verrechnungssteuer-
verordnung vom 19. Dezember 1966 [VStV, SR 642.211]). Die Gesetz-
mässigkeit  der  genannten  Verordnungsbestimmung  wurde  vom 
Bundesgericht wiederholt bestätigt (BGE 115 Ib 274 E. 9a, 110 Ib 321 
E. 3, je mit Hinweisen).

2.3 Zu den  geldwerten  Leistungen  an  die  Inhaber  gesellschaftlicher 
Beteiligungsrechte oder an ihnen nahe stehende Dritte sind nach stän-
diger  Rechtsprechung des Bundesgerichts  namentlich  Zuwendungen 
zu rechnen, welche unter folgenden Umständen gewährt werden (vgl. 

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BGE 115 Ib 274 E. 9b mit  Hinweisen; vgl. auch Urteile des Bundes-
gerichts  2A.602/2002  vom  23. Juli  2003  E. 2,  2A.590/2002  vom 
22. Mai  2003  E. 2.1,  2A.263/2003  vom  19. November  2003  E. 2.1, 
jeweils mit Hinweisen): 

• Die Gesellschaft erhält keine gleichwertige Gegenleistung, und die 
Erfolgsrechnung wird dadurch belastet; 

• die Aktionäre oder die ihnen nahe stehenden Personen kommen in 
den Genuss einer Leistung, die aussenstehenden Dritten nicht oder 
zumindest nicht im gleichen Mass gewährt worden wäre; 

• das Missverhältnis zwischen der gewährten Leistung und der erhal-
tenen Gegenleistung muss für die Organe der Gesellschaft erkenn-
bar sein. 

2.4 Mit der Unterstellung der geldwerten Leistungen unter die Verrech-
nungssteuerpflicht  werden diese gleichbehandelt  wie offene Gewinn-
ausschüttungen  (ERNST HÖHN/ROBERT WALDBURGER,  Steuerrecht,  Bd.  I, 
9. Aufl.,  Bern  2001,  § 21  Rz. 13).  In  der  Lehre  wird  terminologisch 
zwischen  verdeckten  Gewinnausschüttungen  einerseits  und  Gewinn-
vorwegnahmen andererseits unterschieden.

2.4.1 Eine verdeckte Gewinnausschüttung liegt vor, wenn die Gesell-
schaft dem Anteilsinhaber oder einer nahe stehenden Person zulasten 
der gegenwärtigen oder einer künftigen Erfolgsrechnung eine Leistung 
erbringt,  welche  im  Vergleich  zu  der  ihr  erbrachten  Gegenleistung 
offensichtlich übersetzt ist (HÖHN/WALDBURGER, a.a.O., § 21 Rz. 15). Die 
gegenwärtige  Erfolgsrechnung  wird  dann  belastet,  wenn  die  Gesell -
schaft  einen  zu  hohen  Aufwand  verbucht  (HÖHN/WALDBURGER,  a.a.O., 
§ 21 Fn. 34). Die zukünftige Erfolgsrechnung wird belastet,  wenn ein 
Aktivum  überpreislich  erworben  und  erst  in  einer  späteren 
Rechnungsperiode auf den Marktwert abgeschrieben wird oder wenn 
eine Leistung zu Unrecht in vollem Umfang aktiviert wird und deshalb 
in  der  Zukunft  wertberichtigt  oder  abgeschrieben  werden  muss 
(HÖHN/WALDBURGER,  a.a.O.,  § 21  Fn. 35).  Eine  verdeckte  Gewinnaus-
schüttung liegt  zum Beispiel  vor, wenn eine Gesellschaft  einem Ge-
sellschafter  auf  einem  von  diesem  der  Gesellschaft  gewährten 
Darlehen  einen  übersetzten  Zins  bezahlt  (vgl.  hierzu  das  Urteil  des 
Bundesgerichts  vom  25. November  1983,  publiziert  in  Archiv  für 
Schweizerisches Abgaberecht  [ASA]  53 S. 84 E. 2;  HÖHN/WALDBURGER, 
a.a.O., § 21 Rz. 15).

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2.4.2 Als  geldwerte  Leistungen  gelten  auch sogenannte  Gewinnvor-
wegnahmen. Hierbei handelt es sich um verdeckte Kapitalentnahmen, 
die bei der Gesellschaft zu einer entsprechenden Kürzung des in der 
Erfolgsrechnung ausgewiesenen  Gewinnes führen. Das  ist  dann der 
Fall, wenn die Gesellschaft auf ihr zustehende Einnahmen ganz oder 
teilweise verzichtet und die entsprechenden Erträge direkt dem Aktio-
när  oder  ihr  nahe  stehenden  Personen  zufliessen  bzw. wenn  diese 
nicht  jene  Gegenleistung  erbringen,  welche  die  Gesellschaft  von 
einem unbeteiligten Dritten fordern würde (Urteile des Bundesgerichts 
2A.590/2002 vom 22. Mai 2003 E. 2.1 und 2A.602/2002 vom 23. Juli 
2003 E. 2.1,  je  mit  weiteren Hinweisen auf  Literatur  und Rechtspre-
chung). Eine  Gewinnvorwegnahme besteht  zum Beispiel  darin,  dass 
eine AG ihren Aktionären oder ihnen nahe stehenden Dritten ein Mie-
tobjekt zu einem unter dem Marktpreis liegenden Preis überlässt (vgl.  
dazu  grundlegend:  BGE  107  Ib  325  ["Bellatrix"];  HÖHN/WALDBURGER, 
a.a.O.,  §  21  Rz. 16  mit  weiteren  Hinweisen).  Diesfalls  ist  nicht  der 
Aufwand der Gesellschaft zu hoch, sondern ihr Ertrag zu tief.

Als Gewinnvorwegnahme und somit geldwerte Leistung gilt  auch der 
Verzicht auf Darlehens- und Verzugszinsen zugunsten von Aktionären 
oder  ihnen  nahe  stehenden  Dritten  (Urteil  des  Bundesgerichts  vom 
8. Oktober  1965,  publiziert  in  ASA 35 S. 209 E. 3;  W. ROBERT PFUND, 
Die Eidgenössische Verrechnungssteuer, I. Teil, Basel 1971, N 3.24 zu 
Art. 4 Abs. 1 Bst. b VStG).

2.5 Nach  ständiger  Rechtsprechung  gehören  ohne  Rücksicht  auf 
Form und Bezeichnung solche freiwilligen Zuwendungen der  Gesell-
schaft zu den geldwerten Leistungen, die den Aktionären oder diesen 
nahestehenden  Dritten  ausgerichtet  werden  und  die  ihren  Rechts-
grund im Beteiligungsverhältnis haben. In dem Masse, als solche Leis-
tungen einem unbeteiligten Dritten unter im Übrigen gleichen Umstän-
den nicht erbracht worden wären und auch keine Kapitalrückzahlung 
darstellen, ist darauf die Verrechnungssteuer geschuldet. Der Verrech-
nungssteuer  unterworfene Leistungen bilden auch die  Zuwendungen 
an  Nichtbeteiligte,  die  den  Inhabern  der  gesellschaftlichen  Beteili-
gungsrechte nahe stehen. Als nahe stehende Personen gelten dabei 
solche, zu denen wirtschaftliche oder persönliche Verbindungen beste-
hen,  welche  nach  den  gesamten  Umständen  als  eigentlicher  Grund 
der zu besteuernden Leistung betrachtet werden müssen (Urteile des 
Bundesgerichts  2C_377/2009  vom  9. September  2009  E. 2.2, 
2C_502/2008 vom 18. Dezember 2008 E. 3.2, 2A.72/2006 vom 9. Juni 

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2006 E. 2.1, 2A.342/2005 vom 9. Mai 2006 E. 2.2). Nahe stehend sind 
auch Personen, denen der Aktionär erlaubt, die Gesellschaft wie eine 
eigene  zu  benutzen  (Urteile  des  Bundesgerichts  2A.192/1996  vom 
5. März 1999, publiziert in ASA 68 S. 596 E. 2, 2A.12/1994 vom 7. No-
vember 1995, publiziert in ASA 65 S. 397 E. 2a).

2.6
2.6.1 Schliesslich hat nach den allgemeinen Regeln die steuerpflichti-
ge Gesellschaft den Nachweis des Aufwandcharakters von Leistungen 
zu erbringen. Diese ist nach Art. 39 VStG auch verpflichtet, der ESTV 
alle nötigen und zumutbaren Auskünfte zu erteilen und ihr Einblick in 
die  Geschäftsbücher  sowie  weitere  Belege  und  Urkunden  zu  ge-
währen.  Es  obliegt  mithin  der  steuerpflichtigen  Gesellschaft  zu  be-
weisen,  dass  eine fragliche Leistung geschäftsmässig begründet  ist. 
Zwar ist es nicht Sache der Steuerbehörden, über die Zweckmässig-
keit  von  Aufwandpositionen  zu  entscheiden  sowie  ihr  eigenes  Er-
messen an die Stelle desjenigen der Geschäftsleitung zu setzen. Aber 
die Steuerbehörde muss sichergehen, dass ausschliesslich geschäft-
liche Gründe – und nicht die engen persönlichen oder wirtschaftlichen 
Beziehungen  zwischen  Gesellschaft  und  Leistungsempfänger  –  für 
eine  bestimmte  Leistung  ausschlaggebend  waren.  Wer  Zahlungen 
leistet,  die  weder  buchhalterisch  erfasst  noch  belegt  sind,  hat  die 
Folgen einer solchen Beweislosigkeit zu tragen, d.h. seine Zahlungen 
werden  als  geldwerte  Leistungen  betrachtet  (Urteile  des  Bundes-
gerichts  2C_502/2008  vom  18. Dezember  2008  E. 3.3,  2A.72/2006 
vom  9. Juni  2006  E. 2.2,  2A.342/2005  vom  9. Mai  2006  E. 2.3, 
2A.237/2000  vom  6. September  2000,  publiziert  in  Rivista  di  diritto 
amministrativo  e tributario  ticinese [RDAT] 2001 I  S 421  E. 3c; BGE 
119  Ib  431  E. 2c).  Bei  Zahlungen  ins  Ausland  ist  nicht  nur  der 
Zahlungsempfänger  zu  nennen,  sondern  es  sind die  gesamten Um-
stände darzulegen, die im konkreten Fall zu deren Ausrichtung geführt  
haben.  Diesfalls  entziehen  sich  die  Verhältnisse  des  ausländischen 
Leistungsempfängers  der  Kontrolle  durch  die  inländischen  Steuer-
behörden  (Urteile  des  Bundesgerichts  2A.457/2002  vom  19. März 
2003 E. 3.2, 2A.458/2001 vom 29. Juli 2002 E. 3.2, 2A.204/1997 vom 
26. Mai  1999,  publiziert  in  ASA  68  S. 746  E. 2b,  2A.12/1994  vom 
7. November  1995,  publiziert  in  ASA 65  S. 397  E. 2b).  Vorzuweisen 
sind  die  Verträge  der  jeweiligen  Grundgeschäfte  sowie  allfällige 
schriftliche  Provisionsvereinbarungen  mit  den  Zahlungsempfängern, 
ferner die lückenlos dokumentierte Korrespondenz mit den Zahlungs-
empfängern  und  den  allenfalls  involvierten  Banken  (Urteile  des 

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Bundesgerichts  2C_377/2009  vom  9. September  2009  E. 2.3, 
2A.523/1997 vom 29. Januar 1999, publiziert in ASA 68 S. 246 E. 3c).

2.6.2 Bei  einer  Gewinnvorwegnahme,  d.h.  wie  im  vorliegenden  Fall 
einem Zinsertragsverzicht,  verhält  es sich nicht anders: Obschon die 
ESTV einen zusätzlichen Ertrag – und damit eine steuerbegründende 
Tatsache  –  annimmt,  trägt  dafür  wie  bei  Aufwendungen  die  Be-
schwerdeführerin  die  Beweislast.  Wie  beim Nachweis  von  Aufwand-
charakter von Leistungen (vgl. E. 2.6.1 hiervor) geht es bei einer Ge-
winnvorwegnahme nämlich auch um eine Leistung der Gesellschaft an 
einen Aktionär oder an ihm nahe stehende Dritten. Ist streitig, ob einer 
Leistung  der  steuerpflichtigen  Gesellschaft  überhaupt  eine  Gegen-
leistung  des  Aktionärs  gegenübersteht,  trägt  nach  der  allgemeinen 
Beweislastregel  die  Gesellschaft  die  (objektive)  Beweislast  für  das 
Vorhandensein einer solchen Gegenleistung. Die Leistung der Gesell-
schaft  ist  nämlich  nur  dann  geschäftsmässig  begründet  und  damit 
steuermindernd, wenn ihr eine Gegenleistung entspricht (MARTIN ZWEI-
FEL,  Die  Sachverhaltsermittlung  im  Steuerveranlagungsverfahren, 
Zürich  1989,  S. 111 f.;  s.  auch  DANIEL SCHÄR,  Grundsätze  der  Be-
weislastverteilung  im  Steuerrecht,  Bamberg  1998,  S. 71 f.;  CLÉMENCE 
GRISEL, L'obligation de collaborer des parties en procédure administra-
tive, Zürich/Basel/Genf 2008, S. 60).

3.
3.1 Im vorliegenden Fall macht die Beschwerdeführerin im Wesentli-
chen geltend, die ESTV habe die steuerliche Drittkonformität ihrer For-
derungen  aus  Lieferungen  und  Leistungen  gegenüber  Abnehmerge-
sellschaften anerkannt. Dieselbe Drittkonformität müsse auch in Bezug 
auf  die  Zinsforderungen  gelten.  Sie  –  so  die  Beschwerdeführerin 
weiter – habe im Jahre 2001 keinen Zins verlangt, weil aus damaliger 
Perspektive die vollständige Einbringlichkeit der Forderung innert ver-
nünftiger  Frist  nicht  realistisch  erschienen  habe  und  zwar  aus  Um-
ständen, welche nicht im Gruppenverhältnis begründet gewesen seien, 
sondern  mit  realisierten  Marktrisiken  zusammen  gehangen  hätten. 
Eine Verzinsung der Forderungen sei auch vertraglich nicht vereinbart 
gewesen.

3.2 Wie soeben gesehen (vgl. E. 2.4.2)  unterstehen geldwerte  Leis-
tungen in Form von Zinsverzichten auf Forderungen und Darlehen ge-
genüber  Aktionären  und  ihnen  nahe  stehende  Dritten  der  Verrech-
nungssteuer. Die ESTV erlässt jährlich Merkblätter betreffend die Zins-

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sätze für die Berechnung geldwerter Leistungen. Deren praktische Be-
deutung liegt darin, dass die Einhaltung der festgelegten Sätze ohne 
weiteren  Nachweis  Marktmässigkeit  aus  steuerrechtlicher  Sicht  be-
wirkt  ("save  haven rules"),  bei  Nichteinhaltung  der  Nachweis  markt-
mässigen Verhaltens aber im Prinzip offen bleibt (MARCO DUSS/JULIA VON 
AH,  in:  Zweifel/Athanas/Bauer-Balmelli  [Hrsg.],  Kommentar  zum 
Schweizerischen  Steuerrecht,  Bd. II/2,  Bundesgesetz  über  die  Ver-
rechnungssteuer  [VStG]  Basel/Genf/München  2004,  N 141  zu  Art. 4 
VStG). Vorliegend  hat  die  Beschwerdeführerin  darauf  verzichtet,  auf 
Forderungen aus Leistungen und Lieferungen an Gruppengesellschaf-
ten Zins zu fordern. Sie hat dadurch auf Ertrag verzichtet. Auf diesem 
Ertragsverzicht  schuldet  sie  die  Verrechnungssteuer,  soweit  sie  die 
Verzichte  unabhängigen Dritten  unter  gleichen Umständen  nicht  ge-
währt hätte. Die ESTV darf dabei ohne gegenteiligen Nachweis davon 
ausgehen,  dass  der  Grund  für  den  Ertragsverzicht  im  Beteiligungs- 
bzw. Gruppenverhältnis liegt und ein solcher Vorteil unabhängigen Drit-
ten nicht gewährt worden wäre.

3.3 Was die Beschwerdeführerin diesbezüglich vorbringt, dringt nicht 
durch: Sie konnte wesentliche Teile der Forderungen gegenüber den 
ausländischen Gruppenabnehmergesellschaften über die hier betroffe-
nen Jahre  eintreiben und so die  Forderungen von Fr. 12'734'726.85 
(Stand am 31. Dezember 2000) auf Fr. 10'064'981.61 (per Ende 2003) 
reduzieren. Was die weiteren, nach dem Jahre 2003 erfolgten Forde-
rungsreduktionen,  teils  durch  Umfinanzierung,  teils  durch  Zahlungs-
eingänge, betrifft, kann offen bleiben, ob diese Vorgänge entscheidre-
levant  sind. Die  in  den  Folgejahren  eingegangen Zahlungen  weisen 
immerhin  darauf  hin,  dass  es  den  Abnehmergesellschaften  möglich 
war, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Aus den beigelegten Bi lan-
zen der hier interessierenden Jahre 2001 bis 2003 der beiden Abneh-
mergesellschaften,  T._______  Chemical  und  T._______ 
Pharmaceutical,  ist  nicht  ersichtlich,  weshalb  diese  nicht  im  Stande 
gewesen  sein  sollten,  auf  den  Verbindlichkeiten  gegenüber  der  Be-
schwerdeführerin Zinsen zu zahlen. Zwar waren – wie die Beschwer-
deführerin ausführt – nur geringe flüssige Mittel vorhanden; die beiden 
Gesellschaften  verfügten  in  den  Jahren  2001-2002  aber  über 
Forderungen ("Accounts Receivables")  in folgender Höhe:  T._______ 
Chemical:  USD  2'628'764.--  (2001),  USD  1'854'139.--  (2002),  USD 
4'956'050.-- (2003) bzw. T._______ Pharmaceutical: USD 1'473'959.-- 
(2001),  USD 1'412'163.--  (2002),  USD 3'384'927.--  (2003). Die kurz-
fristigen  Verbindlichkeiten  ("Accounts  payable")  der  T._______ 

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Chemical  waren  demgegenüber  wesentlich  tiefer  (USD  2'100'428-- 
[2001],  USD  991'511--  [2002]),  USD  246'872.--  [2003])  und  die 
T._______ Pharmaceutical  hatte, mit  Ausnahme anderer kurzfristiger 
Verbindlichkeiten ("Other Short-Term Liabilities"), welche ungefähr die 
Hälfte  der  Bilanzsumme ausmachten,  gar  keine  kurzfristige  Verbind-
lichkeiten.  Somit  verfügten  die  beiden  Gruppengesellschaften  über 
genügend  liquide  oder  quasi-liquide  Mittel  –  wozu  auch  die 
Forderungen  zählen,  die  unter  dem  Titel  "Accounts  Receivables" 
bilanziert  sind  –,  um  die  der  Beschwerdeführerin  geschuldeten 
Beträge zu verzinsen.

Es mag zwar sein, wie die Beschwerdeführerin dies behauptet, dass 
die  Ergebnisse  der  Abnehmergesellschaften  ohne  die  Aufwertungen 
langfristiger Aktiven zur Beseitigung der Unterbilanz gar noch schlech-
ter ausgefallen wären. Dies ist aber aus den beigelegten Bilanzen, die 
allesamt eine stattliche Eigenkapitalbasis  aufweisen,  auch wenn das 
Eigenkapital teilweise auf Aufwertungsreserven gründet – was immer-
hin beweist, dass die Abnehmergesellschaften über substantielle Re-
serven  verfügten  –,  nicht  ersichtlich. Die  Erfolgsrechnungen sind  im 
Übrigen nicht ins Recht gelegt, womit aus den in den Bilanzen ausge-
wiesenen Gewinnen bzw. Verlusten ohnehin nur wenig abgeleitet wer-
den kann.

Doch  selbst  wenn  die  Abnehmergesellschaften  in  den  betreffenden 
Jahren nicht im Stande gewesen wären, einen Zins zu leisten, hätte 
die  Beschwerdeführerin  die  Zinseinnahmen  zumindest  verbuchen 
müssen. Gerade ihr Verzicht auf eine entsprechende buchhalterische 
Erfassung weist darauf hin, dass sie nicht gewillt war, ihre Ansprüche 
geltend zu machen. Damit hält das Vorgehen der Beschwerdeführerin 
dem  Drittvergleich  indes  nicht  stand.  Die  Beschwerdeführerin  hält 
dafür,  dass  es  wirtschaftlich  keinen  Sinn  mache,  Forderungen  zu 
bilanzieren, welche nicht werthaltig seien. Wie soeben gesehen, waren 
diese  Zinsforderungen  aber  während  der  betreffenden  Jahre  ge-
schuldet und hätten deshalb auch verbucht werden müssen. Eine Ab-
schreibung wäre damals nicht gerechtfertigt gewesen, womit das Vor-
gehen der Beschwerdeführerin auch wirtschaftlich betrachtet nicht ge-
schützt werden kann.

3.4 Die Beschwerdeführerin behauptet, es wäre "paradox", wenn die 
Steuerbehörden  mit  Bezug  auf  die  Stammforderung  die  Uneinbring-
lichkeit  steuerlich anerkennen, aber gleichzeitig  auf  dem Erfolgsaus-

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weis von Zinsen beharren würden. Die wirtschaftliche Leistungsfähig-
keit sei nicht teilbar. Sollte die ESTV diesen wohl gerichtsnotorischen 
Konnex betreffend Einbringlichkeit einer Stammforderung und Zinsfor-
derungen bestreiten, sei sie zu verpflichten, ihre steuerliche Praxis be-
treffend  Subprime-Finanzierung  bzw.  generell  betreffend  langfristige 
Zahlungsschwierigkeiten offenzulegen. 

Die  ESTV  ist  entgegen  der  Behauptungen  der  Beschwerdeführerin 
immer von der Einbringlichkeit  der Stammforderung und deren Wert-
haltigkeit ausgegangen. Es kann somit nicht von einem widersprüchli-
chen (oder "paradoxen") Verhalten der Vorinstanz die Rede sein. Was 
die Wertberichtigung im Betrage von 1,65 Mio. Franken anbelangt, sei 
Folgendes festgehalten: die (Einzel-)Wertberichtigung ist eine Vorstufe 
der  Abschreibung  der  entsprechenden  Forderung. Die  Abschreibung 
wird erst nach dem tatsächlichen Ausfall eines Teils oder der gesam-
ten Forderung durchgeführt. Im Gegensatz zur Abschreibung bleibt die 
Forderung in den Büchern als offen stehen, wird aber in der Bilanz um 
den  Wertberichtigungsbetrag  vermindert  dargestellt  (zum  Ganzen: 
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Freiburg vom 7. Dezember 
2001, in: Der Steuerentscheid [StE] 2002 B 23.43.2 Nr. 9 E.  3; ROBERT 
DANON, in: Yersin/Noël [Hrsg.], Impôt fédéral direct - Commentaire de la 
Loi sur l'impôt fédéral direct, Basel 2008, N 67 zu Art. 57-58 DBG und 
N 43 zu Art. 62 DBG), womit die ESTV bis zur Abschreibung zuwarten 
kann,  um  u.U.  die  Verrechnungssteuer  auf  abgeschriebenen 
Forderungen zu erheben.

Aus dem Gesagten  erhellt,  dass  –  wie  die  ESTV in  ihrer  Vernehm-
lassung zutreffend ausführt – der vorliegende Fall, in welchem es um 
die Verzinsbarkeit von Forderungen gegenüber Gruppengesellschaften 
(und damit um nahe stehende Personen) geht, nicht mit der Situation 
der Grossbanken bei den Subprime-Hypothekenportfolios, wo die Ab-
schreibungen  in  der  Regel  definitiv  sein  dürften,  verglichen  werden 
kann. Der  Antrag der  Beschwerdeführerin,  der  ESTV sei  "der Nach-
weis  zu  überbinden,  warum das Eigenkapital  wegen vertraglich  ver-
einbarter Zinsen zunehmen soll, obwohl ein Schuldner nicht mehr als 
zahlungsfähig gilt", kann somit nicht gehört werden.

4.
4.1 Das Bundesverwaltungsgericht kann eine Verfügung zuungunsten 
einer Partei ändern, wenn die Verfügung Bundesrecht verletzt oder auf 
einer unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des Sachverhaltes 

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beruht,  wobei  die angefochtene Verfügung nicht  wegen Unangemes-
senheit zuungunsten einer Partei geändert werden darf, es sei denn, 
sie  werde  zugunsten  einer  Gegenpartei  geändert  (Art. 62  Abs. 2 
VwVG). Die Rechtsprechungsorgane sind in der Regel zurückhaltend, 
wenn es darum geht,  einen vorinstanzlichen Entscheid  zuungunsten 
einer Partei zu ändern. Ihr soll  aus der Ergreifung des Rechtsmittels 
kein Nachteil erwachsen, sofern dies nicht zur richtigen Durchsetzung 
des Bundesrechts notwendig erscheint oder der Sachverhalt unrichtig 
oder unvollständig festgestellt wurde (vgl. MADELEINE CAMPRUBI, in: Auer/-
Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Ver-
waltungsverfahren [VwVG],  Zürich 2008, Rz. 6 zu Art. 62; ANDRÉ MO-
SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.200).

4.2 Die  ESTV hat  die  der  Verrechnungssteuer  unterliegenden  geld-
werten Leistungen (Verzicht auf eine angemessene Verzinsung) unter 
Anrechnung einer möglichen Verzinsung des Passivdarlehens im Rah-
men von nicht verdecktem Eigenkapital berechnet. Mit anderen Worten 
hat  die  Vorinstanz  einen  Teil  der  nicht  vereinnahmten  (Aktiv-)Zinsen 
(Total Fr. 1'309'635.--) mit nicht bezahlten – und somit auch nicht ver-
buchten – (Passiv-)Zinsen (Fr. 228'950.--) verrechnet und nur auf dem 
Differenzbetrag von Fr. 1'080'000.--  die Verrechnungssteuer erhoben. 
Ob  ein  solches  Vorgehen  Bundesrecht  verletzt,  kann  offen  bleiben. 
Aufgrund  der  Zurückhaltung,  die  sich  das  Bundesverwaltungsgericht 
bei einer Reformatio in Pejus auferlegt, erscheint es im vorliegenden 
Fall  nämlich  nicht  notwendig,  den  Entscheid  der  Vorinstanz  zuun-
gunsten der Beschwerdeführerin zu ändern. Es darf der Beschwerde-
führerin  insofern  nicht  zum Nachteil  gereichen,  dass  sie  von  ihrem 
Recht, Beschwerde einzulegen, Gebrauch machte. Der Einspracheent-
scheid  der  ESTV soll  nicht  ohne  Not  zu  ihren  Ungunsten  geändert 
werden (vgl. E. 4.1).

5.
5.1 Damit ist  die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen, soweit  da-
rauf einzutreten ist (vgl. E. 1.2). Der Zinsenlauf gemäss Art. 16 VStG 
ist nicht bestritten.

5.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin 
nach Art. 63 Abs. 1 VwVG die Verfahrenskosten zu tragen. Sie werden 
nach Art. 4  des Reglements  vom 21. Februar  2008 über  die  Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 

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SR 173.320.2)  auf  Fr. 7'500.--  festgesetzt  und  mit  dem  geleisteten 
Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet. Der Beschwerdeführerin 
als unterliegender Partei  steht  keine Parteientschädigung zu (Art. 64 
Abs. 1 VwVG bzw. Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario).

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Die Verfahrenskosten von Fr. 7'500.-- werden der Beschwerdeführerin 
auferlegt  und mit  dem geleisteten Kostenvorschuss in  gleicher Höhe 
verrechnet.

3.
Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Gerichtsurkunde)

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Daniel de Vries Reilingh Keita Mutombo

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Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14 Beschwerde  in  öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 
Die  Rechtsschrift  ist  in  einer  Amtssprache  abzufassen  und  hat  die 
Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die 
Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Be-
weismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen 
hat, beizulegen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

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