# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4b04d3a8-1e47-5098-9241-4cc4f5f4da0b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-11-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.11.2008 D-6404/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6404-2006_2008-11-28.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6404/2006
law/rep
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 8 .  N o v e m b e r  2 0 0 8

Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter Kurt Gysi, Richter Gérald Bovier, 
Gerichtsschreiber Philipp Reimann.

A._______, geboren (...),
Türkei,
vertreten durch Edith Hofmann, Freiplatzaktion Zürich, 
Rechtshilfe Asyl und Migration, (...),
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt 
für Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFF
vom 19. Mai 2003 / N (...)

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6404/2006

Sachverhalt:

A.
Die  Beschwerdeführerin  -  eine  Kurdin  aus  B._______,  C._______ 
(Provinz Sanliurfa) - versuchte gemäss eigenen Angaben im Dezem-
ber 1999 ein erstes Mal erfolglos in die Schweiz zu gelangen. Dabei 
flog sie am 14. Dezember 1999 zusammen mit ihrem Onkel D._______ 
von  Gaziantep  nach  Istanbul  und  anschliessend  von  Istanbul  nach 
Tirana  (Albanien),  wo  sie  ihren  Vater  traf,  welcher  sie  mit  einem 
Schweizer  Reisepass  ausstattete.  Nachdem  der  Kapitän  der  Fähre 
sich indessen geweigert  habe, sie nach Italien mitzunehmen, sei sie 
am 19. Dezember 1999 per Flugzeug wieder in die Türkei zurückge-
kehrt. Für ihre damalige Ausreise und Wiedereinreise benutzte die Be-
schwerdeführerin eigenen Angaben zufolge ihren persönlichen Reise-
pass (vgl. act. A4 S. 14 f.; act. A12 S. 4).

B.
Am 11. Januar 2000 verliess die Beschwerdeführerin ihre Heimat er-
neut auf dem Luftweg und mit ihrem persönlichen Reisepass (vgl. act. 
A12 S. 4 unten) und gelangte am 17. Januar 2000 via Deutschland ille-
gal in die Schweiz, wo sie am folgenden Tag um Asyl nachsuchte. Am 
26. Januar  2000  erhob  das  BFF  in  der  damaligen  Empfangsstelle 
(heute: Empfangs- und Verfahrenszentrum, EVZ) Kreuzlingen ihre Per-
sonalien und befragte sie zu ihrem Reiseweg sowie - summarisch - zu 
ihren Asylgründen. Am 1. Februar 2000 wies sie das BFF für die Dauer 
des Asylverfahrens dem Kanton E._______ zu. Am 24. Februar 2000 
hörte  die  zuständige  kantonale  Behörde  die  Beschwerdeführerin  zu 
ihren Asylgründen an.

Dabei  machte  die  Beschwerdeführerin  namentlich  geltend,  sie  ent-
stamme einer politischen Familie. Ihr  Vater  F._______ und ihr  Onkel 
G._______ seien im Jahre 1994 in die Schweiz eingereist, weil sie in 
der Türkei von staatlichen Behörden verfolgt worden seien. Einige Zeit 
später  sei  auch  ihre  Mutter  mit  ihren  minderjährigen  Kindern  in  die 
Schweiz  gelangt.  Das  Asylgesuch  ihres  damals  bereits  volljährigen 
Bruders H._______ sei  in  der Schweiz abgelehnt  worden,  woraufhin 
dieser nach Deutschland weitergezogen sei. Nach dem Wegzug ihrer 
nächsten  Familienangehörigen  ins  Ausland  sei  sie  aus 
Sicherheitsgründen und weil sie nicht alleine habe leben wollen zu ih-
rer gleichfalls in B._______ wohnhaften Grossmutter gezogen. Im Sep-
tember 1999 habe sie ein Angehöriger der PKK (Kurdische Arbeiter-

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partei)  in ihrem Heimatdorf  bei  ihren Grosseltern aufgesucht und ihr 
aufgetragen,  ihren  im  Gefängnis  in  I._______  inhaftierten  Onkel 
J._______  zu  besuchen  und  diesem  heimlich  ein  in  ein  Päckchen 
gehülltes Schreiben zu überbringen. Am 16. Juli 1999 habe sie ihren 
Onkel im Gefängnis besucht und diesem die geheime Information zu-
spielen können. Nach Ablauf der Besuchszeit  habe der Gefängnisdi-
rektor ihren Identitätsausweis verlangt, diesen kopiert und gleichzeitig 
ihre  Wohnadresse  notiert.  Auf  dem  Weg aus  der  Haftanstalt  hätten 
Soldaten sie im Gefängnishof abgefangen, wobei sie geschlagen und 
beschimpft worden sei. Die Soldaten hätten ihr überdies mit Vergewal-
tigung gedroht, falls sie es wagen sollte, ihren Onkel nochmals im Ge-
fängnis zu besuchen. Etwa zwanzig Tage später sei nachts von unbe-
kannter  Seite  ein  Papier  unter  ihrer  Türe  durchgeschoben  worden. 
Darin sei sie gelobt worden, ihren Auftrag gut erfüllt zu haben. Gleich-
zeitig sei  sie im genannten Schreiben aufgefordert  worden, nunmehr 
auch  politische  Aufklärungsarbeit  zu  übernehmen bzw. ihre  Mitmen-
schen  dazu  zu  veranlassen,  sich  an  politischen  Kundgebungen  und 
Demonstrationen zu beteiligen. Weitere zehn Tage später sei ihr Haus 
von Militärpersonen umstellt worden. Der befehlshabende Leutnant sei 
ins Haus eingetreten und habe sie mit der Tatsache konfrontiert, dass 
kurz nach ihrem Besuch ihres Onkels eine Gefängnisrevolte ausgebro-
chen sei. Er habe sie in diesem Zusammenhang beschuldigt, Kurier-
dienste für die PKK geleistet zu haben. Im Übrigen hätten die Soldaten 
sie aufgefordert, eine Gruppe von PKK-Angehörigen bei sich einzula-
den. Sie habe dieses Ansinnen aber entschieden zurückgewiesen. Im 
September  1999  habe  ihr  ein  Dorfbewohner  zugetragen,  dass  der 
Kommandant des Gendarmeriepostens in C._______ sie zu sprechen 
wünsche.  Tags darauf  habe  jener  Kommandant  sie  anlässlich  eines 
persönlichen  Gesprächs  zur  Zusammenarbeit  zu  überreden  und  ihr 
dabei vor Augen zu führen versucht,  dass die Angehörigen der PKK 
sie niemals der Kollaboration mit  dem türkischen Staat  verdächtigen 
würden,  da  ja  sämtliche  ihrer  Familienangehörigen  mit  der  PKK 
sympathisieren  würden.  Sie  habe  dem  Kommandanten  allerdings 
mitgeteilt,  nicht  gewillt  zu  sein,  mit  dem  türkischen  Staat 
zusammenzuarbeiten. Mitte September 1999 seien abermals Soldaten 
bei  ihr  erschienen und hätten sie beschuldigt,  während der Arbeiten 
auf dem Felde Leute der PKK zu treffen. Da sie letztlich zwischen zwei 
Fronten  gestanden  habe  und  der  Druck  auf  sie  immer  grösser 
geworden  sei,  sei  sie  schliesslich  im  Januar  2000  aus  der  Türkei 
ausgereist, um in der Schweiz ein Asylgesuch zu stellen.

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C.
Mit Verfügung vom 19. Mai 2003 - eröffnet am 20. Mai 2003 - stellte 
das  BFF  fest,  die  Beschwerdeführerin  erfülle  die  Flüchtlingseigen-
schaft nicht, und lehnte deren Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es 
die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz und ordnete 
deren Vollzug an. Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentli-
chen aus,  ihre  Vorbringen hielten  den Anforderungen an die  Flücht-
lingseigenschaft  gemäss Art.  3  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni 1998 
(AsylG, SR 142.31) nicht stand. Darüber hinaus erweise sich der Weg-
weisungsvollzug als zulässig, zumutbar und möglich.

D.
Mit  an die damals zuständige Schweizerische Asylrekurskommission 
(ARK)  gerichteter  Eingabe  vom  19.  Juni  2003  beantragte  die  Be-
schwerdeführerin mittels ihrer Rechtsvertreterin, der negative Asylent-
scheid vom 19. Mai  2003 sei  aufzuheben und es sei  ihr  Asyl  in  der 
Schweiz zu gewähren. Es seien auf jeden Fall die Dossiers ihres Va-
ters und insbesondere seiner Brüder G._______ und J._______ bei-
zuziehen. Eventuell  sei  die  Zulässigkeit  sowie  die  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs zu prüfen bzw. die Unzulässigkeit und Unzumut-
barkeit  des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihr  die vorläufige 
Aufnahme zu gewähren. Im Weiteren beantragte die Beschwerdeführe-
rin,  es sei  auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. 
Die Beschwerdeführerin legte ihrer Rechtsmitteleingabe diverse Artikel 
aus der Zeitung ÖZGÜR POLITIKA vom 17. Juli, vom 21./22. Juli so-
wie vom 21. August 1999, ein Schreiben des anerkannten Flüchtlings 
K._______ vom 3. Juni 2003, einen Brief ihres Onkels J._______ vom 
13. Mai 2003 inklusive Briefumschlag aus dem Gefängnis L._______, 
fünf Kopien weiterer Briefumschläge jenes Onkels aus dem Gefängnis 
L._______,  einen Artikel  aus  der  Zeitung  Cumhüriyet  vom 22. März 
1991  sowie  eine  Kopie  des  Protokolls  der  zweiten  Gerichtsver-
handlung mit einem Urteil hinsichtlich ihres Onkels D._______ vom 30. 
April  1991 bei. Bezüglich des an die Beschwerdeführerin gerichteten 
Briefs  ihres  Onkels  J._______  vom  13.  Mai  2003  sowie  des 
Gerichtsprotokolls  vom  30.  April  1991  sind  der  Rechtsmitteleingabe 
keine deutschen Übersetzungen beigefügt worden. 

E.
Mit  Verfügung vom 25. Juni 2003 bestätigte die zuständige Instrukti-
onsrichterin  der  ARK den Eingang der  Beschwerde und hielt  ergän-

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zend fest, die Beschwerdeführerin könne den Ausgang des Asylverfah-
rens in der Schweiz abwarten.

F.
Mit Verfügung vom 23. September 2003 teilte die zuständige Instrukti-
onsrichterin der ARK der Beschwerdeführerin mit,  die Dossiers ihrer 
Eltern  (N  (...)),  ihrer  beiden  Onkel  G._______  (N  (...)),  J._______ 
sowie  ihres  Bruders H._______ (N (...))  würden für  das  vorliegende 
Verfahren antragsgemäss beigezogen, wobei  hinsichtlich des Onkels 
J._______ noch um Bekanntgabe der N-Nummer seines Asyldossiers 
ersucht  werde.  Im  Weiteren  forderte  sie  die  Rechtsvertreterin  auf, 
sowohl  das Schreiben des Onkels  J._______ vom 13. Mai  2003 als 
auch das Gerichtsurteil bezüglich des Onkels D._______ vom 30. April 
1991  zumindest  ihrem  wesentlichen  Inhalte  nach  in  eine  der 
Schweizer  Amtssprachen  zu  übersetzen  bzw. übersetzen  zu  lassen, 
ansonsten  die  Dokumente  im  vorliegenden  Fall  nicht  berücksichtigt 
würden.  Schliesslich  verzichtete  die  Instruktionsrichterin  auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses.

G.
Mit Begleitschreiben vom 8. Oktober 2003 reichte die Rechtsvertrete-
rin der Beschwerdeführerin eine Übersetzung des Gerichtsurteils vom 
30.  April  1991  ein,  soweit  es  die  Person  von  D._______  betrifft. 
Demgegenüber wurde auf eine genauere Übersetzung des an die Be-
schwerdeführerin gerichteten Schreibens ihres Onkels J._______vom 
13. Mai  2003 verzichtet,  da der  vorgenannte  Brief  rein persönlichen 
Charakter  trage.  Ergänzend  fügte  die  Rechtsvertreterin  an,  das 
eingereichte Gerichtsurteil bezüglich des Onkels D._______ diene als 
Beweis dafür, dass zahlreiche Familienmitglieder ihrer Mandantin mit 
oppositioneller  Politik  -  und  dabei  namentlich  mit  der  PKK  -  in 
Verbindung gebracht  worden seien,  dass gegen viele ihrer  nächsten 
Verwandten politische Prozesse geführt  worden seien und dass ver-
schiedene dieser Verwandten für ihre politische Einstellung lange Jah-
re im Gefängnis gewesen seien und teilweise noch heute in Gefäng-
nissen einsässen. Die Einreichung des Briefs des Onkels J._______ 
aus  dem  Gefängnis  L._______  diene  als  Beleg  dafür,  dass  die 
Beschwerdeführerin mit diesem in regem Briefkontakt stehe.

H.
Mit Eingabe vom 17. Oktober 2003 teilte die Rechtsvertreterin mit, die 
N-Nummer des Asyldossiers des Onkels J._______ (geboren am (...)) 

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lasse  sich  nicht  mehr  eruieren.  Nach  Angaben  seiner  Familie  sei 
dieser  im  Jahre  1987  in  die  Schweiz  gelangt  und  habe  hier  ein 
Asylgesuch gestellt. Er sei indessen bereits Anfang 1989 wieder aus 
der  Schweiz  ausgereist,  bevor  über  seinen  Asylantrag  befunden 
worden  sei.  Anschliessend  soll  er  sich  in  Syrien  direkt  der  Guerilla 
angeschlossen  haben,  bis  er  im  Jahre  1991  festgenommen  worden 
und seither im Gefängnis inhaftiert sei. Zusätzlich legte die Rechtsver-
treterin ihrem Schreiben Auszüge aus einem Urteil  der ARK vom 11. 
März 1996 bezüglich ihres Cousins M._______ (N (...); dessen Mutter 
soll eine Schwester des Vaters der Beschwerdeführerin sein) bei, das 
zahlreiche Hinweise auf ihre eigenen politischen Familienangehörigen 
enthalte.

I.
Das  BFF  beantragte  in  seiner  Vernehmlassung  vom  14.  November 
2003 die Abweisung der Beschwerde.

J.
Am 16. Dezember 2003 machte die Beschwerdeführerin mittels ihrer 
Rechtsvertreterin  von  dem  ihr  eingeräumten  Replikrecht  Gebrauch. 
Dabei reichte sie einen weiteren Brief ihres Onkels J._______ vom 27. 
Oktober 2003 aus dem Gefängnis L._______ zu den Akten.

K.
Am 17. Dezember 2003 ordnete die ARK zwecks Prüfung der Voraus-
setzungen einer schwerwiegenden persönlichen Notlage im Sinne der 
inzwischen  auf  den  1. Januar  2007  aufgehoben  Bestimmungen  von 
Art.  44  Abs. 3-5  aAsylG  und  Art. 14a Abs. 4bis aANAG (vgl.  Ziff. I,  II 
[Anhang Ziff. 1] und VI ["Ergebnis der Volksabstimmung und Inkraftset-
zung"  Abs. 2  Bst. a  und c]  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember 
2005 über die Änderung des AsylG [AS 2006 4745, 4751, 4767 und 
4772, AS 2007 5573]) einen weiteren Schriftenwechsel an.

In seiner diesbezüglichen Vernehmlassung vom 5. März 2004 erachte-
te das BFF entgegen dem Antrag im kantonalen Bericht vom 24. Feb-
ruar 2004 die Voraussetzungen einer schwerwiegenden persönlichen 
Notlage in der Person der Beschwerdeführerin als nicht erfüllt und be-
antragte die Abweisung des kantonalen Antrags auf Anordnung einer 
vorläufigen Aufnahme im Rahmen von Art. 44 Abs. 3 aAsylG.

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Mit Instruktionsverfügung vom 17. März 2004 stellte die ARK der Be-
schwerdeführerin die Vernehmlassung des BFF vom 5. März 2004 so-
wie den kantonalen Bericht vom 24. Februar 2004 zu und räumte ihr 
eine Frist zur Stellungnahme bis zum 20. April 2004 ein. Mit Instrukti-
onsverfügung selben Datums wurde auch die N._______ des Kantons 
E._______ zu einer Stellungnahme zur Vernehmlassung des BFF vom 
5. März 2004 eingeladen.

In ihrer  Stellungnahme vom 18. März  2004 hielt  die  N._______ des 
Kantons E._______ fest, sie könne sich den Vorbringen des Bundes-
amtes  für  Flüchtlinge vom 15. März  2004 (recte: 5. März  2004)  an-
schliessen, zumal es sich im vorliegenden Fall um eine jüngere Einzel-
person ohne minderjährige und schulpflichtige Kinder handle.

Mit  Instruktionsverfügung  vom  24.  März  2004  brachte  die  ARK  der 
Rechtsvertreterin die kantonale Stellungnahme vom 18. März 2004 zur 
Kenntnis und wies gleichzeitig darauf hin, dass die Frist zur Stellung-
nahme zur Vernehmlassung der Vorinstanz vom 5. März 2004 noch bis 
zum 20. April 2004 laufe.

Am 6. Mai 2004 gab die Rechtsvertreterin für ihre Mandantin eine ent-
sprechende Stellungnahme ab.

L.
Mit  Eingabe vom 22. November  2006 ersuchte die  Rechtsvertreterin 
um eine  prioritäre  Behandlung  des  vorliegenden  Beschwerdeverfah-
rens. Gleichzeitig wiederholte sie ihre Einschätzung, wonach die Be-
schwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art. 3 AsylG er-
fülle.  Darüber  hinaus  reichte  sie  mehrere  Zeitungsartikel  zur  politi-
schen Lage in der Türkei ein, welche auf eine allgemeine Verschärfung 
des Klimas - "die Türkei scheint sich wieder von der EU weg zu bewe-
gen" - hindeuten würden.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört zu den Be-
hörden nach  Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundes-
verwaltungsgerichts. Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme im 
Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde 
und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG;  Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die bei der 
vormaligen ARK am 31. Dezember 2006 hängig gewesenen Rechts-
mittel  übernommen. Die  Beurteilung erfolgt  nach neuem Verfahrens-
recht ist (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Die  Beschwerdeführerin  hat  das  Verfahren  vor  dem  Bundesamt 
eingeleitet, ist durch die angefochtene Verfügung berührt  und hat ein 
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bzw. Änderung. Damit 
ist sie zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. 
Art. 48 Abs. 1 VwVG).

1.4 Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 50 
und 52 VwVG). Demzufolge ist auf die Beschwerde einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 

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Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Die  im  Gesetz  so  definierte  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt  eine 
asylsuchende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie 
Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat  bzw. mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  begründeterweise  be-
fürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfol-
gungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatli-
che Akteure  zugefügt  worden sind  bzw. zugefügt  zu  werden drohen 
(vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylre-
kurskommission  [EMARK]  2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff., 2005 Nr. 
21 E. 7 S. 193). Aufgrund der Subsidiarität  des flüchtlingsrechtlichen 
Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem 
voraus, dass die betroffene Person in ihrem Heimatland keinen ausrei-
chenden Schutz finden kann (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193). 
Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die 
Frage  nach  der  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  vorhandenen  Verfolgung 
oder begründete Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt 
des  Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der 
Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen 
der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asyl-
entscheid  sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  ein  Asylgesuch 
stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. EMARK 2000 Nr. 2 E. 8b; 
1994  Nr.  24  E.  8a; WALTER KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens, 
Basel/Frankfurt a. M. 1990, S.135 ff.). 

3.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

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4.
4.1 Die Beschwerdeführerin  begründete ihr  Asylgesuch im Wesentli-
chen damit, sie habe am 16. Juli 1999 im Auftrag der PKK ihren im Ge-
fängnis  in I._______  befindlichen  Onkel  J._______  besucht  und 
diesem  eine  geheime  Information  zugespielt.  In  der  Folge  seien 
Militärpersonen an ihrem Wohnort erschienen und hätten sie beschul-
digt, Kurierdienste für die PKK verrichtet zu haben, was sie abgestrit-
ten habe. Der Verdacht der Militärpersonen sei  auf sie gefallen,  weil 
kurz nach ihrem Besuch beim Onkel Hungerstreiks der PKK-Gefange-
nen in diesem Gefängnis sowie weiteren Gefängnissen der Türkei be-
gonnen und die Behörden angenommen hätten, deren Ursache liege 
in heimlich in die Gefängnisse überbrachten Nachrichten im Rahmen 
einer konzertierten Aktion. Der Verdacht, im Dienste der PKK heimlich 
Botengänge ausgeführt zu haben, sei auch deshalb hartnäckig an ihr 
hängen geblieben, weil sie aus einer sehr politischen Familie stamme, 
deren Mitglieder vielfach mit Hilfestellungen zugunsten der PKK in Ver-
bindung gebracht  und deswegen teilweise auch zu langjährigen Ge-
fängnisstrafen verurteilt  worden seien. Nach ihrem Gefängnisbesuch 
hätten  die  heimatlichen  Behörden daher  immer wieder  versucht,  sie 
als Spionin anzuwerben und sie diesbezüglich massiv unter Druck ge-
setzt. Gleichzeitig habe die PKK sie für ihren am 16. Juli 1999 ausge-
führten Kurierdienst gelobt und gleichzeitig von ihr erwartet, dass sie 
sich nunmehr auch im Bereiche der politischen Aufklärung bzw. Propa-
gandaarbeiten zugunsten der Organisation engagiere. Der Druck auf 
sie sei letztlich derart gross geworden, dass sie gezwungen gewesen 
sei, die Türkei zu verlassen.

4.2 In der Türkei werden staatliche Repressalien gegen Familienange-
hörige von politischen Aktivisten angewandt, die als so genannte Re-
flexverfolgung flüchtlingsrechtlich erheblich im Sinne von Art. 3 AsylG 
sein  können.  Diese  Verfolgungspraxis  der  türkischen  Behörden  hat 
sich im Zuge des Reformprozesses zur Annäherung an die EU inso-
fern geändert, als Fälle, in denen Familienangehörige kurdischer Akti-
visten gefoltert  oder  misshandelt  worden sind,  abgenommen haben. 
Dagegen müssen Familienangehörige nach wie vor mit Hausdurchsu-
chungen und kürzeren Festnahmen rechnen, die oft mit Beschimpfun-
gen und Schikanen verbunden sind. Ein Regelverhalten der türkischen 
Behörden  lässt  sich  jedoch  nicht  ausmachen;  vielmehr  hängen  die 
Wahrscheinlichkeit  einer  Reflexverfolgung  und  deren  Intensität  stark 
von  den  konkreten  Umständen  des  Einzelfalles  ab. Feststellen  lässt 
sich immerhin, dass zurzeit besonders diejenigen Personen von einer 

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Reflexverfolgung bedroht  sind,  die sich offen für  politisch aktive Ver-
wandte einsetzen. Dies wiederum heisst nicht, dass eine Reflexverfol-
gung ausschliesslich von einem besonderen Engagement für politisch 
aktive Verwandte abhinge. Vielmehr kann hinter einer Reflexverfolgung 
auch nur die Absicht liegen, die gesamte Familie für Taten eines Fami-
lienmitglieds zu bestrafen, in der Vermutung, dessen politische Ansich-
ten und Ziele würden von den engeren Angehörigen geteilt,  bzw. mit 
dem Zweck, sie so einzuschüchtern, dass sie sich von oppositionellen 
kurdischen  Gruppierungen  fern  halten  (vgl.  EMARK  2005  Nr. 21  E. 
10.2.3. S. 199 f., mit weiteren Hinweisen).

4.3 Die Beschwerdeführerin gehört zweifellos einer Familie an, deren 
Mitglieder sich teilweise in ausnehmendem Masse politisch engagiert 
haben und dabei erheblichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt wa-
ren. So verbüsste etwa der Vater der Beschwerdeführerin – F._______ 
(N (...)) - zwischen 1980 und 1986 und später erneut für zwei Jahre 
Gefängnisstrafen  in  der  Türkei  wegen  PKK-Aktivitäten.  Ausserdem 
wurde er von den türkischen Behörden später massiv eingeschüchtert 
und auch zur Zusammenarbeit mit der Polizei aufgerufen. Er ersuchte 
am 1. Februar 1995 in der Schweiz um Asyl und wurde am 21. Oktober 
1996 als Flüchtling anerkannt. In der Folge gelangte auch die Mutter 
mit  ihren vier  minderjährigen Kindern  in  die Schweiz und wurde 23. 
Juli  1997 zusammen mit  ihren  Kindern  in  die  Flüchtlingseigenschaft 
ihres Ehemannes eingeschlossen. Dessen Bruder G._______ (N (...)) 
wurde im Jahre 1980 unter dem Vorwurf von PKK-Aktivitäten verhaftet 
und war bis 1990 im Gefängnis, nachdem er im Jahre 1986 noch zur 
Todesstrafe  verurteilt  worden  war.  Auch  hinsichtlich  seiner  Person 
unternahmen  die  türkischen  Behörden  mehrere  Versuche,  ihn  als 
Spitzel  anzuwerben.  Seine  diesbezügliche  Weigerung  führte  zu 
unverhohlenen  Drohungen  dahingehend,  er  könnte  extralegal 
hingerichtet  werden.  G._______  verliess  die  Türkei  schliesslich  im 
Oktober 1994. Mit Verfügung vom 29. Dezember 1995 wurde ihm Asyl 
gewährt.  Ein  weiterer  Bruder  des  Vaters  der  Beschwerdeführerin  – 
J._______  (N  (...))  -  stellte  am  31. Mai  1988  in  der  Schweiz  ein 
Asylgesuch,  verliess  die  Schweiz  indessen  mutmasslich  bereits  im 
Jahre 1990 wieder, ohne den Ausgang seines hiesigen Asylverfahrens 
abzuwarten.  Laut  den  Angaben  der  Rechtsvertreterin  in  ihrer 
Rechtsmitteleingabe vom 19. Juni 2003 schloss sich J._______ in der 
Folge  der  Guerilla  an,  wurde  1991  nach  einem  Schusswechsel  mit 
Angehörigen  der  türkischen  Armee  in  der  Nähe  von  O._______ 
festgenommen  und  befindet  sich  seither  in  Haft.  Ihn  hat  die  Be-

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schwerdeführerin  denn  auch  am  16. Juli  1999  im  Gefängnis  in 
I._______ besucht.

4.4 Aus den Akten der Beschwerdeführerin und denjenigen ihrer An-
gehörigen ergeben sich indessen keine hinreichenden Anhaltspunkte 
dafür, dass sie ihrer politischen Verwandten wegen in der Türkei einer 
in  asylrechtlicher  Hinsicht  relevanten Verfolgungssituation ausgesetzt 
ist. So hat die Beschwerdeführerin nie geltend gemacht, in der Türkei 
jemals  nach  ihren  im  Ausland  befindlichen  politischen 
Familienangehörigen  befragt  und  in  diesem  Zusammenhang 
staatlichen  Repressalien  ausgesetzt  gewesen  zu  sein.  In  dieselbe 
Richtung  weist  auch  die  Bemerkung  der  Beschwerdeführerin,  ihre 
Schwierigkeiten  hätten  begonnen,  nachdem  sie  ihren  Onkel  im 
Gefängnis  besucht  habe. Vor besagtem Gefängnisbesuch hätten die 
Behörden  sie  lediglich  beschattet  und  unter  Kontrolle  gehalten.  Bei 
gelegentlichen  Ausweiskontrollen  habe  sie  beispielsweise  länger  als 
andere  Personen  warten  müssen  (vgl.  act.  A4  S. 11).  Nach  dem 
Gesagten  muss eine asylrechtlich  relevante  Verfolgungssituation  der 
Beschwerdeführerin  zufolge  früherer  -  aus  Sicht  der  türkischen 
Behörden  missliebiger  -  politischer  Aktivitäten  naher 
Familienangehöriger verneint werden.

4.5 Im Weiteren fällt auf, dass die Militärangehörigen die Beschwerde-
führerin erst einen Monat nach deren Besuch ihres Onkels J._______ 
im  Gefängnis  von  I._______  aufgesucht  und  mit  dem  Vorwurf 
konfrontiert  haben  sollen,  diesem  anlässlich  des  Gefängnisbesuchs 
eine  geheime  Botschaft  überbracht  und  damit  die  dortigen  Ge-
fängnisunruhen ausgelöst  zu  haben. Hätten die  heimatlichen Behör-
den  indessen  tatsächlich  einen  ernstlichen  Verdacht  gegen  die  Be-
schwerdeführerin gehegt,  für den Ausbruch der Gefängnisunruhen in 
I._______ mitverantwortlich gewesen zu sein, hätten sie kaum einen 
Monat  lang  mit  der  Befragung  der  Beschwerdeführerin  zugewartet, 
sondern diese unverzüglich mit  den gegen sie erhobenen Anschuldi-
gungen  konfrontiert.  Dies  einerseits  deshalb,  weil  die  Gefängnisver-
waltung von I._______ sowohl im Besitz einer Kopie der Identitätskarte 
sowie der Wohnsitzadresse der Beschwerdeführerin war und demnach 
ohne Weiteres die Möglichkeit  gehabt hätte, ihrer  Person habhaft  zu 
werden.  Andererseits  wären  die  ermittelnden  Behörden  wohl  daran 
interessiert gewesen, allfällige die Beschwerdeführerin belastende Be-
weismittel  sicherzustellen bzw. zu verhindern,  dass sie solche -  falls 
vorhanden - rechtzeitig hätte beseitigen können. Darüber hinaus hät-

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ten die heimatlichen Behörden es kaum bei einer blossen Befragung 
der  Beschwerdeführerin  bewenden lassen,  sondern  mutmasslich  ein 
Untersuchungsverfahren  gegen  sie  eröffnet,  um  eine  einlässliche 
Überprüfung der gegen sie erhobenen Vorwürfe durchführen zu kön-
nen. Letzteres ist jedoch offenbar nicht geschehen, weshalb nicht da-
von  ausgegangen  werden  kann,  die  Beschwerdeführerin  sei  eine  in 
der Türkei gesuchte Person. 

Bereits  diese  Ausführungen machen  deutlich,  dass  die  heimatlichen 
Behörden  trotz  ihres  familiären  Hintergrundes  kein  effektives 
Verfolgungsinteresse  an  der  Beschwerdeführerin  hatten.  Zwar  kann 
nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  die  einen  Monat  nach  dem 
Gefängnisbesuch  erfolgte Befragung  der  Beschwerdeführerin  durch 
Militärangehörige  in  B._______  bezwecken  sollte,  diese  als 
Angehörige  einer  politisch  missliebigen Familie  einzuschüchtern,  um 
sie vor künftigen eigenen regimekritischen Aktivitäten abzuhalten oder 
sie  gar  als  regierungstreue  Agentin  zu  gewinnen.  Derartigen 
Behelligungen  hätte  sich  die  Beschwerdeführerin  indessen  -  wie 
bereits  vom  Bundesamt  in  dessen  Verfügung  vom  19. Mai  2003 
festgestellt  wurde  -  durch  den  Wegzug  in  einen  anderen  Teil  ihres 
Heimatlandes entziehen können. Es ist nicht davon auszugehen, dass 
die Beschwerdeführerin in der Türkei ausserhalb ihrer engeren Heimat 
mit  irgendwelchen  Benachteiligungen  hätte  rechnen  müssen.  Eine 
Verlegung ihres Wohnsitzes wäre ihr auch ohne weiteres zuzumuten, 
zumal  verschiedene Onkel  und Tanten der  Beschwerdeführerin  nach 
deren  Angaben  in  verschiedenen  Provinzen  der  Türkei  (Sanli  Urfa, 
Gaziantep,  Adiyaman  und  Adana)  leben,  womit  die 
Beschwerdeführerin  auch  über  ein  soziales  Beziehungsnetz  an 
verschiedenen Orten in der Türkei verfügen würde (vgl. act. A4 S. 3 
Ziff.  12).  Die  sinngemässe  Behauptung  in  der  Beschwerde,  die 
Beschwerdeführerin  verfüge  über  keine  reale  innerstaatliche 
Fluchtalternative, weil  sie seit ihrem Besuch im Gefängnis I._______ 
und  den  hieran  anschliessenden  Hungerstreiks  generell  als 
Verdächtige gelte (vgl. Beschwerde S. 7), vermag nach dem Gesagten 
nicht  zu  überzeugen.  Entsprechend  erscheinen  auch  die 
Voraussetzungen  für  die  Bejahung  einer  begründeten  Furcht  vor 
künftiger Verfolgung als nicht gegeben, da kein konkreter Anlass zur 
Annahme  besteht,  letztere  werde  sich  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen.

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4.6 Gegen die behauptete - landesweite - Verfolgungssituation der Be-
schwerdeführerin  spricht  schliesslich  der  Umstand,  dass  sie  sowohl 
anlässlich ihrer ersten Ausreise im Dezember 1999 als auch bei ihrer 
zweiten  Ausreise  im  Januar  2000  aus  der  Türkei  (vgl.  Prozessge-
schichte Bstn. A und B) ihren persönlichen Reisepass verwendet hat. 
Darüber hinaus hat sie auch nie geltend gemacht, nach ihrem am 19. 
Dezember 1999 erfolgten Rückflug in die Türkei irgendwelche behörd-
lichen Anstände gehabt zu haben, was im Ergebnis ebenfalls klar ge-
gen ein Verfolgungsinteresse des türkischen Staates an der Beschwer-
deführerin spricht. 

4.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass es der Beschwerdefüh-
rerin nicht gelungen ist, Asylgründe im Sinne von Art. 3 AsylG glaub-
haft zu machen. Das BFM hat ihr Asylgesuch daher zu Recht und mit 
zutreffender Begründung abgelehnt. Es erübrigt sich, auf weitere Vor-
bringen in der Beschwerde einzugehen, da diese am Ergebnis nichts 
zu ändern vermögen.

5.
5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei-
ner  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

6.
6.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

6.2
6.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

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So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 
5  Abs.  1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

6.2.2 Der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  schützt  nur  Personen, 
welche  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO GATTIKER,  Das 
Asyl- und Wegweisungsverfahren,  3. Aufl.,  Bern  1999,  S. 89). Da es 
der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebli-
che Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in 
Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refou-
lements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine 
Rückkehr der Beschwerdeführerin in den Heimatstaat ist demnach un-
ter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführe-
rin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall ei-
ner  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat dort  mit  beachtlicher  Wahr-
scheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen 
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäi-
schen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des 
UN-Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr 
im Fall  einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung 
drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinwei-
sen;  EGMR,  Bensaid  gegen  Grossbritannien,  Urteil  vom 6.  Februar 
2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Auch die all-
gemeine Menschenrechtssituation im  Heimatstaat lässt den Wegwei-
sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.

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6.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

6.3
6.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG -  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

6.3.2 Vorliegend ergeben sich aus den Akten keine Hinweise, die dar-
auf  schliessen liessen,  dass die Beschwerdeführerin  bei  einer Rück-
kehr in die Türkei einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre. Das 
Bundesverwaltungsgericht  erachtet  den  Wegweisungsvollzug  in  die 
Türkei  gestützt  auf  die  allgemeine  Lage  als  generell  zumutbar  (vgl. 
EMARK 2005 Nr. 21). Wiewohl die Eltern und vier Geschwister der Be-
schwerdeführerin in der Schweiz leben und hier als Flüchtlinge aner-
kannt sind, leben noch zahlreiche Onkel und Tanten der Beschwerde-
führerin in verschiedenen Provinzen in der Türkei, weshalb sie in ihrer 
Heimat nach wie vor über ein soziales Beziehungsnetz verfügt, dass 
ihr bei  der Reintegration in der Türkei helfend zur Seite steht. Hinzu 
tritt die Tatsache, dass ihre in der Schweiz wohnhaften Verwandten die 
Beschwerdeführerin finanziell unterstützen können. Der Wegweisungs-
vollzug erweist sich somit nicht als unzumutbar.

6.4 Das BFM hat in seiner Vernehmlassung vom 5. März 2004 im Rah-
men  des  zweiten  Schriftenwechsels  das  Vorliegen  einer  schwerwie-
genden  persönlichen  Notlage  gemäss  Art.  44  Abs. 3  aAsylG in  der 
Fassung vom 26. Juni 1998 geprüft und verneint. Mit der auf den 1. Ja-
nuar 2007 teilweise in Kraft gesetzten Revision des Asylgesetzes vom 
16. Dezember 2005 wurden die bisherigen Bestimmungen betreffend 
die vorläufige Aufnahme im Falle des Vorliegens einer schwerwiegen-
den persönlichen Notlage (Art. 44 Abs. 3-5 aAsylG) aufgehoben. Da 
gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zu den Änderungen vom 
16. Dezember 2005 für die im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Ge-
setzesänderungen hängigen Verfahren neues Recht gilt, fällt eine vor-
läufige Aufnahme wegen einer schwerwiegenden persönlichen Notlage 
nicht (mehr) in Betracht. Auf die Frage der Integration der Beschwer-

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deführerin in der Schweiz ist deshalb in Rahmen des vorliegenden Be-
schwerdeverfahrens nicht mehr einzugehen. Nach geltendem Recht ist 
es nunmehr dem Kanton vorbehalten, mit Zustimmung des Bundesam-
tes einer ihm nach Gesetz zugewiesenen Person eine Aufenthaltsbe-
willigung zu erteilen, wenn wegen der fortgeschrittenen Integration ein 
schwerwiegender persönlicher Härtefall  vorliegt (Art. 14 Abs. 2 Bst. c 
AsylG).

6.5 Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 
83 Abs. 2 AuG).

7.
Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestä-
tigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten der Be-
schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf 
insgesamt  Fr. 600.--  festzusetzen  (Art.  1-3  des  Reglements  vom 
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 17

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N (...) (per Kurier; in Kopie)
- (...)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Philipp Reimann

Versand: 

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