# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d7c809f5-70d6-5242-9715-891abd5ca509
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-12-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.12.2023 F-350/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-350-2023_2023-12-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-350/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  D e z e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Susanne Genner (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo,  

Richter Gregor Chatton,    

Gerichtsschreiberin Selina Schmid. 
 

 
 

Parteien 
 1. A._______, 

2. B._______,  

Beschwerdeführende,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Schengen-Visum zu Besuchszwecken zugunsten von  

C._______; Verfügung des SEM vom 9. Dezember 2022. 

 

 

 

F-350/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Am 10. August 2022 ersuchte der ägyptische Staatsangehörige C._______ 

(geb. 1996; Gesuchsteller) bei der Schweizerischen Auslandsvertretung in 

Kairo um Ausstellung eines Schengen-Visums für einen 90-tägigen Be-

suchsaufenthalt bei seinem im Kanton Bern lebenden Bruder B._______ 

(Gastgeber 1 beziehungsweise Beschwerdeführer 1) und dessen Ehefrau 

A._______ (Gastgeberin 2 beziehungsweise Beschwerdeführerin 2).  

B.  

Mit Formularverfügung vom 17. August 2022 wies die Schweizerische Ver-

tretung in Kairo im Namen des SEM das Gesuch mit der Begründung ab, 

der Gesuchsteller habe nicht den Nachweis erbracht, dass er über ausrei-

chende Mittel zur Bestreitung des Lebensunterhalts für die Dauer des ge-

planten Aufenthalts oder für die Rückkehr verfüge; zudem bestünden be-

gründete Zweifel an der Absicht des Gesuchstellers, das Hoheitsgebiet des 

Mitgliedstaates vor Ablauf des Visums zu verlassen. 

C.  

Gegen diesen Entscheid erhoben der Gastgeber 1 und die Gastgeberin 2 

am 5. September 2022 Einsprache bei der Vorinstanz, worauf diese die 

Gesuchsunterlagen zwecks Durchführung ergänzender Abklärungen und 

Stellungnahme an den Migrationsdienst des Kantons Bern übermittelte. 

D.  

Am 9. Dezember 2022 wies die Vorinstanz die Einsprache ab.  

E.  

Gegen den Einspracheentscheid erhoben die Beschwerdeführenden am 

21. Januar 2023 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und ersuch-

ten um die Aufhebung der Verfügung und die Erteilung des beantragten 

Visums; sinngemäss sei eventualiter ein Visum für eine kürzere Dauer aus-

zustellen.  

F.  

Mit Vernehmlassung vom 1. März 2023 beantragte die Vorinstanz die Ab-

weisung der Beschwerde.  

G.  

Die Vernehmlassung wurde den Beschwerdeführenden am 7. März 2023 

zur Kenntnisnahme zugestellt.  

F-350/2023 

Seite 3 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Einspracheentscheide des SEM bezüglich Schengen-Visa sind mit Be-

schwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (vgl. Art. 112 Abs. 1 

AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach 

dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).  

1.2 Die Beschwerdeführenden haben am vorangegangenen Einsprache-

verfahren teilgenommen und sind als Gastgeber des Gesuchstellers durch 

den angefochtenen Entscheid besonders berührt. Obwohl der ursprünglich 

angestrebte Besuchszeitraum inzwischen abgelaufen ist, kann auf ein fort-

bestehendes Rechtsschutzinteresse geschlossen werden. Die Beschwer-

deführenden sind daher zur Erhebung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 48 

Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und 52 Abs. 1 VwVG). 

1.3 In der vorliegenden Beschwerdeangelegenheit entscheidet das Bun-

desverwaltungsgericht endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).  

2.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 

von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-

messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts und – sofern nicht eine kantonale Behörde als Be-

schwerdeinstanz verfügt hat – die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerde-

verfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 

Abs. 4 VwVG nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann 

die Beschwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen 

gutheissen oder abweisen. Massgeblich ist grundsätzlich die Sachlage 

zum Zeitpunkt seines Entscheids (vgl. BVGE 2014/1 E. 2).  

3.  

Dem angefochtenen Entscheid liegt das Gesuch eines ägyptischen Staats-

angehörigen um Erteilung eines Visums zu Besuchszwecken in der 

Schweiz zugrunde. Da sich der Gesuchsteller nicht auf die EU/EFTA-Per-

sonenfreizügigkeitsabkommen berufen kann und die beabsichtigte Aufent-

haltsdauer 90 Tage nicht überschreitet, fällt die vorliegende Streitsache in 

F-350/2023 

Seite 4 

den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der Schengen-As-

soziierungsabkommen, mit denen die Schweiz den Schengen-Besitzstand 

und die dazugehörigen gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte übernom-

men hat (BVGE 2014/1 E. 3; 2011/48 E. 3). Das Ausländer- und Integrati-

onsgesetz (AIG, SR 142.20) und dessen Ausführungsbestimmungen ge-

langen nur soweit zur Anwendung, als die Schengen-Assoziierungsabkom-

men keine abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2–5 AIG).  

4.  

4.1 Die Schweiz ist – wie andere Staaten auch – grundsätzlich nicht ver-

pflichtet, ausländischen Personen die Einreise zu gestatten und entschei-

det darüber, vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtungen, autonom (vgl. 

BVGE 2009/27 E. 3). Das Schengen-Recht schränkt die nationalstaatli-

chen Befugnisse insoweit ein, als es einheitliche Voraussetzungen für Ein-

reise und Visum aufstellt und die Mitgliedstaaten verpflichtet, die Einreise 

beziehungsweise das Visum zu verweigern, wenn die Voraussetzungen 

nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise vermittelt auch das Schen-

gen-Recht nicht (vgl. BVGE 2014/1 E. 4.1.5).  

4.2 Drittstaatsangehörige dürfen über die Aussengrenzen des Schengen-

Raums für einen Aufenthalt von höchstens 90 Tagen innerhalb eines Zeit-

raums von 180 Tagen einreisen, wenn sie im Besitz gültiger Reisedoku-

mente sind, die zum Grenzübertritt berechtigen. Ferner benötigen sie ein 

Visum, sofern dieses gemäss der Verordnung (EU) 2018/1806 des Euro-

päischen Parlaments und des Rates vom 14. November 2018 zur Aufstel-

lung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten 

der Aussengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste 

der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind 

(ABl. L 303/39 vom 28.11.2018) erforderlich ist. Im Weiteren müssen Dritt-

staatsangehörige den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Auf-

enthalts belegen und hierfür über ausreichende finanzielle Mittel verfügen. 

Sie dürfen nicht im Schengener Informationssystem (SIS) zur Einreisever-

weigerung ausgeschrieben sein und keine Gefahr für die öffentliche Ord-

nung, die innere Sicherheit, die öffentliche Gesundheit oder die internatio-

nalen Beziehungen eines Mitgliedstaats darstellen (vgl. zum Ganzen: Art. 5 

Abs. 1 und 2 AIG; Art. 3 Abs. 1 der Verordnung vom 15. August 2018 über 

die Einreise und die Visumerteilung [VEV, SR 142.204] i.V.m. Art. 6 Abs. 1 

und 2 der Verordnung [EG] Nr. 2016/399 des Europäischen Parlaments 

und des Rates vom 9. März 2016 [kodifizierter Text] über einen Gemein-

schaftskodex für das Überschreiten der Grenzen durch Personen [nachfol-

gend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 77/1 vom 23.03.2016]; Art. 14 

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Seite 5 

Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 der Verordnung [EG] Nr. 810/2009 des Europäi-

schen Parlaments und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex 

der Gemeinschaft [nachfolgend: Visakodex, VK, Abl. L 243 vom 

15.9.2009]).  

4.3 Eine drittstaatsangehörige Person muss für die fristgerechte Wieder-

ausreise Gewähr bieten (Art. 5 Abs. 2 AIG). Wenn sie nicht bereit ist, das 

Hoheitsgebiet des Schengen-Raums fristgerecht wieder zu verlassen, ist 

eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Bst. e 

SGK anzunehmen (BVGE 2014/1 E. 4.3 in fine; 2011/48 E. 4.5). Die Be-

hörden haben daher unter Mitwirkung der drittstaatsangehörigen Person 

zu prüfen, ob diese für die gesicherte Wiederausreise Gewähr bietet (vgl. 

Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 21 Abs. 1 VK; BVGE 2014/1 E. 4.4). Das 

Visum wird verweigert, wenn begründete Zweifel an der Echtheit der von 

dem Antragsteller vorgelegten Belege oder am Wahrheitsgehalt ihres In-

halts, an der Glaubwürdigkeit seiner Aussagen oder der von ihm bekunde-

ten Absicht bestehen, das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten vor Ablauf der 

Gültigkeit des beantragten Visums zu verlassen (Art. 32 Abs. 1 Bst. b VK). 

4.4 Sind die erwähnten Einreisevoraussetzungen nicht erfüllt, kann in Aus-

nahmefällen ein Visum mit räumlich beschränkter Gültigkeit erteilt werden, 

das nur für das Hoheitsgebiet des betreffenden Mitgliedstaats gilt. Von die-

ser Möglichkeit kann der betreffende Mitgliedstaat unter anderem Ge-

brauch machen, wenn er es aus humanitären Gründen, aus solchen des 

nationalen Interesses oder aufgrund internationaler Verpflichtungen für er-

forderlich hält (vgl. Art. 3 Abs. 4 und 5 VEV; Art. 25 Abs. 1 Bst. a Visakodex; 

Art. 6 Abs. 5 Bst. c SGK). 

5.  

Aufgrund seiner Staatsangehörigkeit unterliegt der Gesuchsteller der Vi-

sumspflicht. Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach Art. 6 

Abs. 1 SGK ist die Frage der gesicherten Wiederausreise zentral. 

6.  

6.1 Die Vorinstanz zweifelt die anstandslose Wiederausreise des Gesuch-

stellers an und begründet dies zum einen mit den wirtschaftlichen Verhält-

nissen in seiner Heimatregion, zum anderen damit, dass ihm dort keine 

besonderen Verpflichtungen obliegen würden und er keine genügenden fi-

nanziellen Mittel vorweisen könne. Im Hinblick auf die persönlichen Le-

bensumstände des 26-jährigen, verheirateten Gesuchstellers sei lediglich 

bekannt, dass er zusammen mit seiner Ehefrau, seiner einjährigen Tochter 

F-350/2023 

Seite 6 

und seiner 66-jährigen Mutter lebe, die er im Alltag unterstütze. Allgemein 

gelte es zu bedenken, dass die Existenz naher Familienangehöriger häufig 

nicht daran hindert, den Entschluss zur Emigration zu fassen, weil ein sol-

cher Entschluss oft mit der Hoffnung verbunden sei, nahe Angehörige aus 

dem Ausland besser unterstützen und später allenfalls nachziehen zu kön-

nen. In Bezug auf die wirtschaftlichen Verhältnisse des Gesuchstellers 

lasse sich den Akten entnehmen, dass er seit April 2022 als Fahrer für eine 

Firma tätig sei und ein monatliches Einkommen von EGP 8’700.– erziele, 

was umgerechnet ca. Fr. 332.– (Stand Kurs vom 8. Dezember 2022) ent-

spreche. Das erst seit wenigen Monaten bestehende Anstellungsverhältnis 

sowie die lange Dauer des geplanten Besuchsaufenthalts zeugten von ei-

niger Ungebundenheit. Per 8. August 2022 habe der Gesuchsteller über 

ein Bankguthaben von rund EGP 48’636.– verfügt, umgerechnet ca. 

Fr. 1’858.–. Die wirtschaftlichen und beruflichen Verhältnisse des Gesuch-

stellers böten demnach keine genügende Gewähr für eine anstandslose 

Wiederausreise.  

6.2 Demgegenüber machen die Beschwerdeführenden geltend, sie hätten 

sich, zumal der Beschwerdeführer 1 nun schon seit über zehn Jahren in 

der Schweiz lebe, entschlossen, dessen jüngsten Bruder einzuladen und 

ihm ihr Leben zu zeigen. Sie hätten hinreichend nachgewiesen – was auch 

von ihrer Wohngemeinde bestätigt worden sei –, dass sie für alle anfallen-

den Kosten aufkommen und eine Garantiesumme von Fr. 30'000.– über-

nehmen könnten. Die Einschätzung der Vorinstanz, wonach junge Men-

schen aus Ägypten grundsätzlich eine Emigration anstrebten, sei verallge-

meinernd und treffe im vorliegenden Fall nicht zu. Schliesslich habe trotz 

der Wirtschaftslage kein Familienmitglied das Land verlassen. Die Familie 

arbeite viel, bestreite selbstständig ihren Lebensunterhalt und erhalte keine 

finanzielle Unterstützung von ihnen (den Beschwerdeführenden). Ausser-

dem sei die «3-Monate Frist eines Visums gesetzlich vorgegeben», wobei 

der Gesuchsteller lediglich einen zwei- bis vierwöchigen Besuchsaufent-

halt in diesem Zeitraum beabsichtige. Dies sei mit seinem Vorgesetzten 

vereinbart worden und ändere nichts an seinem Anstellungsverhältnis. Fer-

ner sei sich der Beschwerdeführer 1 als (…) vollumfänglich bewusst, dass 

der Gesuchsteller keine Chance auf einen Aufenthalt in der Schweiz habe. 

Ein illegaler Aufenthalt im Schengen-Raum stelle für den Gesuchsteller 

denn auch keine Option dar, zumal er dadurch seine aktuelle persönliche 

und finanzielle Situation verschlechtern würde und weit weg von seiner Fa-

milie und Tochter wäre.  

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Der Gesuchsteller sei Miteigentümer des Elternhauses und besitze darin 

eine grosse Eigentumswohnung, welche er zusammen mit seiner Familie 

bewohne. Im Gebäude befänden sich überdies drei Geschäftslokale, deren 

Vermietung ein zusätzliches Einkommen generiere. Weiter besitze der Ge-

suchsteller ein Grundstück, wo die Tiere der Familie untergebracht seien. 

Die Vorinstanz habe ferner nur das Geldvermögen, aber nicht das Gold-

vermögen berücksichtigt. In der koptischen Kultur werde nämlich zu Beginn 

der Ehe ein Goldvermögen in Form von Schmuck angeschafft, im Falle des 

Gesuchstellers belaufe sich dessen Wert auf EGP 850’000.–. Ferner be-

treibe der Gesuchsteller gemeinsam mit seinen Brüdern nebenberuflich ein 

kleines Bauunternehmen. Der Gesuchsteller sei mit seiner Heimat verbun-

den und versuche auf kreative Weise, seine Familie einigermassen gut 

durch die Wirtschaftskrise zu bringen. Die Vorinstanz missachte mit ihrem 

Entscheid den menschlichen Aspekt, zumal der Gesuchsteller seine Auf-

gabe als Sohn und Familienvater sehr ernst nehme und kein Interesse da-

ran habe, seine Familie für ein hohes Einkommen zu verlassen.  

7.  

7.1 In der Regel lassen sich keine gesicherten Feststellungen darüber tref-

fen, ob eine drittstaatsangehörige Person tatsächlich beabsichtigt, vor Ab-

lauf des Visums den Schengen-Raum zu verlassen, weshalb darüber eine 

Prognose zu erstellen ist. Hierzu sind alle Umstände des Einzelfalls zu wür-

digen. Die Beweisführungslast obliegt dabei der drittstaatsangehörigen 

Person (Art. 14 Abs. 1 Bst. d VK; Art. 14 Abs. 3 i.V.m. Anhang II VK; Art. 6 

Abs. 1 Bst. c SGK; Art. 5 Abs. 2 AIG; BVGE 2014/1 E. 4.4 und E. 6.1). 

Anhaltspunkte zur Beurteilung der Gewähr für eine fristgerechte Wieder-

ausreise können sich zunächst aus der allgemeinen Situation im Herkunfts-

land der drittstaatsangehörigen Person ergeben. Namentlich bei Einreise-

gesuchen von Personen aus Staaten beziehungsweise Regionen mit poli-

tisch, wirtschaftlich und sozial ungünstigen Verhältnissen rechtfertigt sich 

eine strenge Praxis, da die persönliche Interessenlage in solchen Fällen 

erfahrungsgemäss häufig nicht mit dem Ziel und Zweck einer zeitlich be-

fristeten Einreisebewilligung im Einklang steht (BVGE 2014/1 E. 6.1). 

7.2 Mit seinen rund 110 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern, darun-

ter 6 Millionen Flüchtlinge, stellt Ägypten das bevölkerungsreichste arabi-

sche Land dar. Obschon Ägypten den pandemiebedingten Einbruch der 

globalen Wirtschaft verhältnismässig gut überstanden hat, befindet sich die 

ägyptische Wirtschaft zurzeit in Folge politischer Fehlentscheide und der 

negativen Auswirkungen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine in ei-

ner schweren Krise (vgl. < https://www.seco.admin.ch > Aussenwirtschaft 

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Seite 8 

& Wirtschaftliche Zusammenarbeit > Wirtschaftsbeziehungen > Länderin-

formationen > Afrika > Ägypten > Wirtschaftsbericht 2022, abgerufen am 

10.08.2023). Die Bevölkerung leidet unter der massiven Preissteigerung 

bei Lebensmitteln und Gütern des alltäglichen Bedarfs. Auch ist die Infla-

tion stark angestiegen und das ägyptische Pfund hat im Vergleich zum Vor-

jahr über die Hälfte seines Werts verloren. Ferner haben die Fremdwäh-

rungsreserven der ägyptischen Zentralbank einen neuen Tiefststand er-

reicht. Vor diesem Hintergrund hat die Regierung Ende letzten Jahres mit 

dem Internationalen Währungsfonds (IMF) einen (weiteren) Milliardenkre-

dit zur Bewältigung der Wirtschaftskrise und Bekämpfung der Inflation aus-

handeln können.  

Im ganzen Land besteht trotz erhöhter Sicherheitsmassnahmen und einer 

sichtbaren politischen Stabilisierung jederzeit das Risiko von Terroran-

schlägen (< https://www.eda.admin.ch > Reisehinweise & Vertretungen > 

Reisehinweise für Ägypten, abgerufen am 17.11.2023). Auf dem aktuellen 

Index der menschlichen Entwicklung, der durch das Entwicklungspro-

gramm der Vereinten Nationen im Sinne eines Wohlstandsindikators er-

stellt wird, belegt Ägypten Platz 97 von 191 gelisteten Staaten (vgl. 

< https://hdr.undp.org > Data Center ˃  Country Insights > Egypt, abgerufen 

am 17.11.2023).  

7.3 Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz 

das Risiko einer nicht fristgerechten Wiederausreise von Besucherinnen 

und Besuchern aus Ägypten allgemein als hoch einschätzt.  

8.  

8.1 Bei der Risikoanalyse sind allerdings nicht nur solch allgemeine Um-

stände und Erfahrungen, sondern auch sämtliche Gesichtspunkte des kon-

kreten Einzelfalls zu berücksichtigen. Dabei sind in die Prognose über die 

Absicht einer gesuchstellenden Person, den Schengen-Raum fristgerecht 

zu verlassen, deren persönliche, familiäre und berufliche beziehungsweise 

wirtschaftliche Situation sowie deren Interessenlage miteinzubeziehen 

(BVGE 2014/1 E. 6.3.1). Obliegt einer gesuchstellenden Person im Hei-

matland beispielsweise eine besondere berufliche, gesellschaftliche oder 

familiäre Verantwortung, kann dies die Prognose für eine anstandslose 

Wiederausreise begünstigen. Umgekehrt muss bei Personen, die in ihrer 

Heimat keine besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko eines auslän-

derrechtlich nicht regelkonformen Verhaltens nach einer bewilligten Ein-

reise als hoch eingeschätzt werden (BVGE 2014/1 E. 6.3.1; 2009/27 E. 8). 

F-350/2023 

Seite 9 

Zudem ist ein im Zielland Schweiz bestehendes, minimales soziales Be-

ziehungsnetz aus Verwandten oder Freunden ein wichtiges Element, das 

den Entscheid, dorthin auszuwandern, erleichtern kann. Angesichts der 

restriktiven Zulassungsregelung führt dies nicht selten zur Umgehung von 

ausländerrechtlichen Bestimmungen, indem die Gesuchstellenden – ein-

mal eingereist – versuchen, den Aufenthalt auf eine andere rechtliche Ba-

sis abzustützen (BVGE 2014/1 E. 6.2.2). 

8.2  

8.2.1 Beim Gesuchsteller handelt es sich den Akten zufolge um den jüngs-

ten Bruder des Beschwerdeführers 1. Er lebt zusammen mit seiner Ehe-

frau, seiner einjährigen Tochter und seiner Mutter in einer Eigentumswoh-

nung in Ägypten. Der Gesuchsteller verfügt somit über familiäre Verpflich-

tungen, die er gemäss eigenen Angaben sehr ernst nimmt. Das Zurücklas-

sen minderjähriger Kinder – sowie der Ehefrau – bildet für sich allein noch 

keine Garantie für eine anstandslose und fristgerechte Wiederausreise 

nach einem Besuchsaufenthalt. Die Erfahrung zeigt, dass es in der Regel 

vielmehr die individuell herrschenden wirtschaftlichen und sozialen Verhält-

nisse sind, die letztlich über Rückkehr oder Verbleib im Ausland entschei-

den. Dass eine Familie vorübergehend getrennt wird, wird je nach Interes-

senlage in Kauf genommen. Dies umso eher, wenn die Betreuung des Kin-

des durch nahe Angehörige (in casu die Ehefrau und Kindsmutter) sicher-

gestellt werden kann und die Möglichkeit besteht, das Kind sowie die Ehe-

frau später nachziehen zu können (vgl. Urteile des BVGer F-2363/2022 

vom 22. August 2022 E. 6.5 und F-3809/2019 vom 19. Februar 2021 

E. 6.1). Dass dem Gesuchsteller jedoch besondere beziehungsweise über 

das übliche Mass hinausgehende gesellschaftliche oder familiäre Ver-

pflichtungen obliegen würden, ist nicht ersichtlich. Zu berücksichtigen ist 

ferner, dass der Gesuchsteller in der Schweiz durch seinen hier lebenden 

Bruder und dessen Familie ein vorbestehendes familiäres Beziehungsnetz 

besitzt, was das Emigrationsrisiko erhöht. 

8.2.2 Insbesondere sind seine familiären Verpflichtungen – wie die Vor-

instanz treffend festhält – auch mit Blick auf die lange Dauer des geplanten 

Aufenthalts zu relativieren. Es ist in Bezug auf den Einwand der Beschwer-

deführenden, wonach die «3-Monate-Frist eines Visums» gesetzlich vor-

gegeben sei, darauf hinzuweisen, dass die maximale Aufenthaltsdauer im 

Rahmen eines Schengen-Visums drei Monate beträgt (innerhalb von 

180 Tagen). Antragstellenden steht es demnach frei, ein Visum für eine 

kürzere Aufenthaltsdauer zu beantragen. Die Aufenthaltsdauer ist zudem 

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Seite 10 

von der Gültigkeitsdauer des Visums zu unterscheiden. Gemäss Antrags-

formular hat der Gesuchsteller eine Gültigkeitsdauer vom 8. Oktober 2022 

bis zum 7. Januar 2023 beantragt und in Bezug auf die beabsichtigte Auf-

enthaltsdauer im Schengen-Raum den Zeitraum vom 10. Oktober 2022 bis 

zum 4. Januar 2023 angegeben. Beide Angaben beziehen sich somit zwei-

felsfrei auf einen rund dreimonatigen Besuchsaufenthalt. Auch die Reise-

versicherung des Gesuchstellers wurde für einen dreimonatigen Aufenthalt 

abgeschlossen. Mit Schreiben vom 10. Oktober 2022 führten die Be-

schwerdeführenden aus, es sei für den Besuch des Gesuchstellers ein 

Zeitfenster von zwei Monaten – vom 20. Dezember 2022 bis 20. Februar 

2023 – angedacht. Die Beschwerdeführenden bringen sodann erst auf Be-

schwerdeebene vor, dass ein nur zwei- bis vierwöchiger Aufenthalt beab-

sichtigt sei – wobei sie weiterhin an der Ausstellung eines Visums für einen 

Aufenthalt bis maximal 90 Tage festhalten. Die Ausführungen der Be-

schwerdeführenden hinsichtlich der tatsächlich beabsichtigten Aufenthalts-

dauer des Gesuchstellers erweisen sich somit als unklar. Ungeachtet des-

sen ist auf die beantragte Aufenthaltsdauer von drei Monaten abzustellen. 

Angesichts des vorgesehenen längeren Besuchsaufenthalts des Gesuch-

stellers in der Schweiz darf zudem davon ausgegangen werden, dass die 

Betreuung der Tochter auch ohne die dauerhafte Anwesenheit des Ge-

suchstellers gewährleistet ist. 

8.3 In Bezug auf seine wirtschaftlichen Verhältnisse ist bekannt, dass ein 

auf den Gesuchsteller lautendes Bankkonto per 8. August 2022 einen 

Saldo von EGP 48’636.– beziehungsweise umgerechnet Fr. 1’395.– (Um-

rechnungskurs am 17. November 2023) auswies. Ausserdem ist er Mitei-

gentümer des Elternhauses und besitzt darin eine Eigentumswohnung. Als 

Fahrer erzielt er zudem gemäss Akten ein bescheidenes, aber regelmässi-

ges Einkommen. Hinzu kommen die Mieteinnahmen aus dem Elternhaus 

sowie die Einkünfte aus seiner nebenberuflichen Tätigkeit im Bauunterneh-

men, das er gemeinsam mit seinen Brüdern führt. Als Beleg für die Mitei-

gentümerschaft am Elternhaus sowie die Tätigkeit im Bauunternehmen 

wird allerdings lediglich ein von seiner Mutter und seinen Brüdern unter-

zeichnetes Bestätigungsschreiben eingereicht – die geltend gemachten 

Mieteinnahmen bleiben gänzlich unbelegt. Ebenfalls nicht weiter dokumen-

tiert oder belegt sind die Ausführungen zum Goldvermögen sowie zum 

Grundstück, welches der Gesuchsteller von seinem Vater geerbt haben 

soll. Insgesamt stellen sich somit die wirtschaftlichen Verhältnisse des Ge-

suchstellers als nicht genügend gesichert dar. 

F-350/2023 

Seite 11 

8.4 Unter Berücksichtigung der allgemeinen Situation im Herkunftsland 

und vor dem dargelegten persönlichen Hintergrund durfte die Vorinstanz 

davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr für eine fristgerechte 

und anstandslose Wiederausreise des Gesuchstellers nach einem Be-

suchsaufenthalt besteht. 

8.5 An dieser Einschätzung vermag weder die von den Beschwerdeführen-

den unterzeichnete Verpflichtungserklärung, noch ihre Bereitschaft, eine 

Garantiesumme zu hinterlegen, etwas zu ändern. Demnach wurde dem 

Gesuchsteller das Visum für den gesamten Schengen-Raum zu Recht ver-

weigert. Gründe humanitärer oder anderer Art, welche die Erteilung eines 

Visums mit räumlich beschränkter Gültigkeit rechtfertigen würden, wurden 

nicht geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich. 

9.  

Die angefochtene Verfügung erweist sich somit im Lichte von Art. 49 VwVG 

als rechtmässig und die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-

renden aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind durch 

den am 30. Januar 2023 in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss ge-

deckt. 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.‒ werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Sie sind durch den am 30. Januar 2023 in gleicher Höhe geleis-

teten Kostenvorschuss gedeckt.  

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden und die Vorinstanz. 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Susanne Genner Selina Schmid 

 

 

 

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