# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 86b0bbcf-ed68-54fa-bb36-edfbbeed899f
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240125-O2
**Docket/Reference:** SB240125-O2
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240125-O2.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240125-O/U/cwo

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, Oberrichterin lic. iur. S. Fuchs 

und Ersatzoberrichterin Dr. iur. C. Schoder sowie Gerichtsschreibe-

rin MLaw N. Hunziker

Urteil vom 3. März 2025

in Sachen

1.

2.

A._____, 

B._____, 

Beschuldigte und I. Berufungskläger

1 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____, 

2 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X2._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin

sowie

C._____ AG, 

Verfahrensbeteiligte und II. Berufungsklägerin

betreffend qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Meilen, Abteilung, 

vom 19. Dezember 2023 (DG220017)

-   2   -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 1. Dezember 

2022 (Urk. 11) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 145 S. 135 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte 1 ist schuldig







der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 
Abs. 1 und Abs. 3 StGB sowie der Gehilfenschaft dazu (Art. 25 StGB),

der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung gemäss Art. 164 
Ziff. 1 StGB sowie der Gehilfenschaft dazu (Art. 25 StGB),

der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB.

2.

Der Beschuldigte 2 ist schuldig





der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 
Abs. 1 und Abs. 3 StGB sowie

der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung gemäss Art. 164 
Ziff. 1 StGB.

3.

Der Beschuldigte 2 wird freigesprochen vom Vorwurf der Geldwäscherei gemäss 

Art. 305bis Ziff. 1 StGB.

4.

5.

6.

Der Beschuldigte 1 wird bestraft mit 2 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe.

Der Beschuldigte 2 wird bestraft mit 2 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe des Beschuldigten 1 wird im Umfang von 1 Jahr 

und 3 Monaten aufgeschoben. Im Übrigen (1 Jahr und 3 Monate) wird die 

Freiheitsstrafe vollzogen. Die Probezeit wird auf 2 Jahre festgesetzt.

7.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe des Beschuldigten 2 wird im Umfang von 1 Jahr 

und 3 Monaten aufgeschoben. Im Übrigen (1 Jahr und 3 Monate) wird die 

Freiheitsstrafe vollzogen. Die Probezeit wird auf 2 Jahre festgesetzt.

-   3   -

8.

Die Privatklägerin D1._____ GmbH (D2._____ LLP) wird mit ihrem Schadener-

satzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

9.

Der Beschuldigte 1 wird verpflichtet, dem Kanton Zürich als Ersatz für nicht mehr 

vorhandenen, widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil CHF 3'207'730.– 

(USD 3'693'281.97, umgerechnet per 19. Dezember 2023 zum Kurs von 1 USD = 

CHF 0.86853) zu bezahlen. Die folgenden Guthaben auf Konten der E._____ 

[Bank] werden vollumfänglich eingezogen und an die Ersatzforderung des Be-

schuldigten 1 angerechnet:









Konto Nr. 1 lautend auf F1._____ AG in Liq.,

Konto Nr. 2 lautend auf F1._____ AG in Liq., Kontokorrent FRW Firmen; um-
gerechnet in Schweizer Franken per 19. Dezember 2023 (Kurs: 1 EUR = 
CHF 0.94810),

Konto Nr. 3 lautend auf F2._____ AG in Liq.,

Konto Nr. 4 lautend auf F2._____ AG in Liq., Kontokorrent FRW Firmen; um-
gerechnet in Schweizer Franken per 19. Dezember 2023 (Kurs: 1 EUR = 
CHF 0.94810).

10. Der Beschuldigte 2 wird verpflichtet, dem Kanton Zürich als Ersatz für nicht mehr 

vorhandenen, widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil CHF 86'853.– 

(USD 100'000.–, umgerechnet per 19. Dezember 2023 zum Kurs von 1 USD = 

CHF 0.86853) zu bezahlen.

Das Guthaben der G._____ Ltd. auf dem Konto Nr. 5 bei der H._____ AG [Bank] 

wird im Umfang von USD 100'000.– (entsprechend CHF 86'853.–) eingezogen und 

an die Ersatzforderung des Beschuldigten 2 angerechnet.

11. Die C._____ AG wird verpflichtet, dem Kanton Zürich als Ersatz für nicht mehr vor-

handenen, widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil CHF 25'222'159.– 

(USD 29'040021.70, umgerechnet per 19. Dezember 2023 zum Kurs von 1 USD = 

CHF 0.86853) zu bezahlen. Die folgenden Guthaben werden vollumfänglich einge-

zogen und an die Ersatzforderung der C._____ AG angerechnet:





Konto Nr. 6 der I._____ AG [Bank] lautend auf C._____ AG,

Konto Nr. 7 der H._____ AG lautend auf C._____ AG; umgerechnet in 
Schweizer Franken per 19. Dezember 2023 (Kurs: 1 USD = CHF 0.86853).

12.

Im Übrigen werden die in diesem Verfahren angeordneten Kontosperren 

(inklusive der Sperre des Schrankfachs Nr. 8 bei der I._____ AG) aufgehoben.

-   4   -

13. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

40'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

30'000.–   Gebühr Anklagebehörde

7'457.30   Dolmetschkosten Vorverfahren

675.–   Übersetzungskosten Hauptverfahren

2'100.–   offene Kosten Entsiegelungs- und Beschwerdeverfahren

CHF

27'485.40

  amtliche Verteidigung des Beschuldigten 1;
  CHF 2'709.40 wurden akonto im Vorverfahren bezahlt 

CHF

89'424.73

  amtliche Verteidigung des Beschuldigten 2,
  CHF 43'642.73 wurden akonto im Vorverfahren bezahlt 

Die Kosten, ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem 

Beschuldigten 1 im Umfang von CHF 39'516.15 und dem Beschuldigten 2 im Um-

fang von CHF 40'716.15 auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden 

auf die Staatskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss 

Art. 135 Abs. 4 StPO.

14. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten 1 wird entschädigt mit CHF 24'776.– 

(Resthonorarforderung, inkl. Barauslagen und MWST).

15. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten 2 wird entschädigt mit CHF 45'782.– 

(Resthonorarforderung, inkl. Barauslagen und MWST).

16. Dem Beschuldigten 2 wird keine Entschädigung zugesprochen.

17. Der Privatklägerin wird keine Entschädigung zugesprochen.

18.

J._____ wird pauschal mit CHF 2'000.– (inkl. Barauslagen und MWST) aus der 

Staatskasse entschädigt.

19.

(Mitteilungen)

20.

(Rechtsmittel)"

-   5   -

Berufungsanträge:

(Prot. II S. 6 f.)

a)

Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten 1:

(Urk. 146; Prot. II S. 12 und 30)

Der  Beschuldigte  1  sei  vollumfänglich  freizusprechen,  unter  Übernahme 

sämtlicher Kosten durch die Staatskasse.

Demnach  seien  die  folgenden  Ziffern  des  Dispositivs  des  angefochtenen 

Urteils  aufzuheben  bzw.  gemäss  dem  beantragten  vollumfänglichen 

Freispruch abzuändern: Dispositivziffern 1, 4, 6, 9, 13.

Bezüglich Dispositivziffern 13 und 14 sei die von der Vorinstanz vorgenom-

mene Kürzung des Honorars um 540 Minuten aufzuheben und der Honorar-

anspruch somit um CHF 1'980.– zuzüglich entsprechender Mehrwertsteuer 

zu erhöhen.

b)

Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 156; Urk. 191 S. 1 f.)

1.

Dispositiv Ziffer 4 des Urteils des Bezirksgerichts Meilen vom 19. Dezember 

2023 sei wie folgt abzuändern: "Der Beschuldigte A._____ wird bestraft mit 

36 Monaten Freiheitsstrafe".

2.

Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 19. Dezember 2023 

zu bestätigen und die Berufung des Berufungsklägers sei abzuweisen.

-   6   -

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte

1. Mit  Urteil  vom  19. Dezember  2023  (Urk. 145)  sprach  das  Bezirksgericht 

Meilen A._____ der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung und der 

Gehilfenschaft dazu, der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung 

und  der  Gehilfenschaft  dazu  sowie  der  Urkundenfälschung  für  schuldig. 

B._____ sprach das Bezirksgericht der qualifizierten ungetreuen Geschäfts-

besorgung  und  der  Gläubigerschädigung  durch  Vermögensminderung  für 

schuldig  und  sprach  ihn  vom  Vorwurf  der  Geldwäscherei  frei.  Das  Gericht 

bestrafte  die  Beschuldigten  je  mit  einer  Freiheitsstrafe  von  2 Jahren  und 

6 Monaten, schob den Vollzug der Freiheitsstrafe unter Ansetzung einer Pro-

bezeit von 2 Jahren zur Hälfte auf und ordnete im Übrigen den unbedingten 

Vollzug der Freiheitsstrafe an. Weiter verwies das Gericht die als Privatklä-

gerin beteiligte D1._____ GmbH (fortan D1._____) mit ihrer Schadenersatz-

forderung auf den Zivilweg und belegte die Beschuldigten sowie die C._____ 

AG (fortan C._____) je mit einer Ersatzforderung für einen nicht mehr vor-

handenen, widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil.

2.

Die Beschuldigten A._____ und B._____ sowie die als Verfahrensbeteiligte 

auftretende  C._____  meldeten  je  Berufung  gegen  das  bezirksgerichtliche 

Urteil  an  und  reichten  beim  Obergericht  des  Kantons  Zürich  je  eine 

Berufungserklärung ein (Urk. 146-148).

3. Mit  Präsidialverfügung  vom  25. März  2024  wurden  die  Beschuldigten 

A._____  und  B._____,  die  D1._____  als  Privatklägerin,  die  Staatsanwalt-

schaft III des Kantons Zürich und die am Verfahren beteiligte C._____ einge-

laden,  zu  erklären,  ob  hinsichtlich  der  Berufung  einer  Gegenpartei  An-

schlussberufung  erhoben  werde  oder  auf  die  Berufung  einer  Gegenpartei 

nicht  einzutreten  sei  (Urk. 152).  Diese  Verfügung  wurde  der  Rechtsvertre-

tung der D1._____ durch Publikation im kantonalen Amtsblatt mitgeteilt (vgl. 

Urk. 154).

-   7   -

4.

Die  Staatsanwaltschaft  III  des  Kantons  Zürich  erhob  Anschlussberufung 

(Urk. 156).  Der  Beschuldigte  B._____  und  die  am  Verfahren  beteiligte 

C._____  verzichteten  auf  eine  Anschlussberufung  (Urk. 155  und  Urk 158). 

Der Beschuldigte A._____ und die D1._____ liessen sich zur Möglichkeit ei-

ner Anschlussberufung nicht vernehmen.

5.

J._____ beantragte mit Eingabe von 13. Mai 2024 die Ausstellung einer Teil-

rechtskraftbescheinigung betreffend Dispositivziffer 12 des vorinstanzlichen 

Urteils (Urk. 160). Der Beschuldigte B._____ stellte mit Eingabe vom 7. Mai 

2024 an die Vorinstanz den gleichen Antrag (Urk. 165). Die übrigen Parteien 

erhoben keine Einwände gegen die Feststellung der Teilrechtskraft in diesem 

Punkt. Die Kammer erachtete es als gerechtfertigt, die Rechtskraft nicht nur 

betreffend die Dispositivziffer 12, sondern hinsichtlich aller nicht angefochte-

ner  Dispositivziffern 

festzustellen.  Mit  Beschluss  vom  12. Juni  2024 

(Urk. 170) stellte die Kammer die Rechtskraft folgender Dispositivziffern fest: 

3 (Freispruch des Beschuldigten B._____ betr. Geldwäscherei), 8 (Verweis 

des Schadenersatzbegehrens der Privatklägerin auf den Zivilweg), 12 (Auf-

hebung der Kontosperren), 15 (Entschädigung von Rechtsanwalt X2._____), 

17 (keine Entschädigung für die D1._____ als Privatklägerin), 18 (Entschädi-

gung von J._____).

6.

Die  mit  Eingaben  vom  5.  Februar  2025  bzw.  24.  Februar  2025  gestellten 

Gesuche um Zusicherung von freiem Geleit der Beschuldigten A._____ und 

B._____  (Urk.  178,  181  und  185)  wurden  je  abgelehnt  (Urk.  182,  183  und 

186). Was den in Deutschland wohnhaften Beschuldigten A._____ betrifft, so 

ist dieser Schweizer Staatsbürger und im Verurteilungsfall kann er zwecks 

Vollzugs der gegen ihn verhängten Sanktion gestützt auf das EU-Überein-

kommen vom 21. März 1983 über die Überstellung verurteilter Personen in 

die Schweiz überstellt werden (Prot. II S. 7 f.). Der Sinn von Art. 204 StPO 

liegt nicht darin, eine betroffene Person vor dem Strafvollzug zu bewahren, 

sondern  um  zu  Aussagen  zu  gelangen,  ohne  Auslieferungsvorschriften  zu 

verletzen bzw. zu umgehen. Gründe für die Zusicherung von freiem Geleit 

sind nicht ersichtlich.

-   8   -

7. Mit  Eingabe  vom  26.  Februar  2025  zog  der  Beschuldigte  B._____  seine 

Berufung  gegen  das  bezirksgerichtliche  Urteil  zurück  (Urk.  187),  wovon 

Vormerk zu nehmen ist. Folglich ist auch die Anschlussberufung der Staats-

anwaltschaft in Bezug auf den Beschuldigten B._____ dahingefallen.

8.

Die Berufungsverhandlung fand heute in Anwesenheit des amtlichen Vertei-

digers des Beschuldigten A._____ und der Staatsanwaltschaft statt (Prot. II 

S. 6).  Der  Beschuldigte  A._____  ist  unentschuldigt  nicht  erschienen,  liess 

sich aber durch seinen amtlichen Verteidiger vertreten (Art. 407 Abs. 1 lit. a 

StPO). Zwei vom amtlichen Verteidiger des Beschuldigten A._____ als Be-

weismittel offerierte Urkunden wurden zu den Akten genommen (Urk. 190/1-

2). Weitere Beweisanträge wurden nicht gestellt (Prot. II S. 8-10). Vorfragen, 

über welche unmittelbar zu entscheiden gewesen wäre, wurden keine aufge-

worfen (a.a.O. S. 8).

9.

Seitens  der  Verfahrensbeteiligten  C._____  ist  unentschuldigt  niemand  zur 

Berufungsverhandlung erschienen (Prot. II S. 6), weshalb ihre Berufung als 

zurückgezogen gilt (Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO), wovon Vormerk zu nehmen 

ist.

II. Prozessuales

1.

Anwendbares Prozessrecht

Am 1. Januar 2024 traten die revidierten Bestimmungen der StPO in Kraft 

(AS 2023 468; BBl 2019 6697). Nach Art. 453 Abs. 1 StPO werden Rechts-

mittel gegen Entscheide, die vor Inkrafttreten der neuen Regelungen gefällt 

wurden, nach altem Recht beurteilt. Folglich ist für das vorliegende Rechts-

mittelverfahren das vor der Revision geltende Prozessrecht massgebend.

2.

Berufungsumfang

Wie dargelegt stellte die Kammer mit Beschluss vom 12. Juni 2024 (Urk. 170) 

die Rechtskraft der Dispositivziffern 3, 8, 12, 15, 17 und 18 des angefochte-

nen Urteils fest.

-   9   -

Der Beschuldigte A._____ focht die Dispositivziffern 1, 4, 6, 9 und 13 (soweit 

es die Kostenauflage betrifft) an (Urk. 146). Die Staatsanwaltschaft focht ih-

rerseits mit ihrer Anschlussberufung das Strafmass und damit die Dispositiv-

ziffern 4 und 6 an (Urk. 156; Urk. 191). Das Berufungsverfahren erstreckt sich 

auf  die  angefochtenen  und  demnach  noch  nicht  rechtskräftigen  Dispositiv-

ziffern.

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten A._____, Rechtsanwalt lic. iur. 

X1._____,  focht  mittels  Berufung  die  Dispositivziffer  14  an  (Urk.  146).  Der 

bezirksgerichtliche Entscheid wurde gefällt, als die alte Fassung von Art. 135 

StPO in Kraft war, weshalb er gegen die Dispositivziffer 14 das Rechtsmittel 

der Beschwerde hätte ergreifen müssen (Art. 453 Abs. 1 StPO in Verbindung 

mit Art. 135 Abs. 3 lit. a aStPO). Entsprechend ist auf seine Berufung nicht 

einzutreten und die Dispositivziffer 14 ist in Rechtskraft erwachsen, was mit-

tels Beschluss festzustellen ist.

Infolge des Berufungsrückzugs des Beschuldigten B._____ sind die Disposi-

tivziffern 2, 5, 7, 10 und 18 in Rechtskraft erwachsen, was mittels Beschluss 

festzustellen ist.

Infolge  des  Berufungsrückzugs  der  am  Verfahren  beteiligten  C._____  ist 

schliesslich auch die Dispositivziffer 11 in Rechtskraft erwachsen, was eben-

falls mittels Beschluss festzustellen ist.

3.

Kognition / Verschlechterungsverbot

3.1 Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil grundsätzlich nur 

in  angefochtenen  Punkten  (Art. 404  Abs. 1  StPO).  Vorbehalten  bleibt  die 

Überprüfung nicht angefochtener Punkte zugunsten der beschuldigten Per-

son zwecks Verhinderung gesetzwidriger oder unbilliger Entscheide (Art. 404 

Abs. 2 StPO). In den angefochtenen Punkten überprüft das Berufungsgericht 

das  erstinstanzliche  Urteil  umfassend  (Art. 404  Abs. 1  in  Verbindung  mit 

Art. 398  Abs. 2  StPO).  Mit  Berufung  können  Rechtsverletzungen  (einsch-

liesslich  Ermessensüberschreitung  und  -missbrauch,  Rechtsverweigerung, 

-   10   -

Rechtsverzögerung), unvollständige oder unrichtige Sachverhaltsfeststellun-

gen sowie Unangemessenheit gerügt werden (Art. 398 Abs. 3 StPO).

3.2 Das  Verschlechterungsverbot  verbietet  es,  das  angefochtene  Urteil  zum 

Nachteil der beschuldigten Person abzuändern, wenn das Rechtsmittel nur 

zu deren Gunsten ergriffen worden ist (Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO). Ein zu 

Lasten  der  beschuldigten  Person  ergriffenes  Rechtsmittel  hebt  das  Ver-

schlechterungsverbot im Umfang der gestellten Anträge auf (BGE 148 IV 89 

E. 4.3; 147 IV 167 E. 1.5.2).

3.3 Vorliegend  hat  die  Staatsanwaltschaft  Anschlussberufung  erhoben.  Das 

angefochtene Urteil kann folglich im Umfang der Anträge in der Anschluss-

berufung nicht nur zu Gunsten, sondern auch zu Ungunsten des Beschuldig-

ten A._____ abgeändert werden. In den angefochtenen Punkten ist das Ge-

richt nicht an die Anträge der Parteien gebunden (Art. 391 Abs. 1 lit. b StPO). 

In den nicht von der Staatsanwaltschaft angefochtenen Punkten gilt jedoch 

das Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO). Vorbehalten bleibt eine 

strengere  Bestrafung  aufgrund  von  Tatsachen,  die  dem  erstinstanzlichen 

Gericht nicht bekannt sein konnten (Art. 391 Abs. 2 Satz 2 StPO).

4.

Rügepflicht / Begründungsdichte

4.1 Die Partei, die bei der ersten Instanz Berufung angemeldet hat, reicht dem 

Berufungsgericht zunächst eine Berufungserklärung mit den Anträgen nach 

Massgabe  von  Art. 399  Abs. 3  StPO  ein.  Die  eigentliche  Begründung  der 

Berufung erfolgt danach im mündlichen oder schriftlichen Berufungsverfah-

ren (vgl. Art. 405 und Art. 406 Abs. 3 StPO). In der Berufungsbegründung hat 

der  Berufungskläger  gemäss  Art. 385  Abs. 1  StPO  genau  anzugeben, 

welche Punkte des Entscheids er anficht (lit. a), welche Gründe einen ande-

ren Entscheid nahelegen (lit. b) und welche Beweismittel er anruft (lit. c). Dies 

impliziert eine Auseinandersetzung mit dem Entscheid und dessen Motiva-

tion  (BGE  143  IV  40  E. 3.4.1;  vgl.  auch  BGer,  Urteil  6B_1093/2022  vom 

2.8.23  E. 1.4).  Der  Berufungskläger  hat  aufzuzeigen, 

inwiefern  die 

Vorinstanz  die  Beweise  falsch  gewürdigt,  den  Sachverhalt  unrichtig  fest-

-   11   -

gestellt oder das Recht falsch angewendet hat. Pauschale Kritik am ange-

fochtenen Urteil bleibt unbeachtlich.

4.2 Das Berufungsgericht hat die Einwände des Berufungsklägers zu hören, zu 

prüfen  und  bei  der  Entscheidfindung  zu  berücksichtigen.  Jedoch  ist  nicht 

erforderlich, dass sich das Gericht mit allen Parteistandpunkten einlässlich 

auseinandersetzt  und  jedes  einzelne  Vorbringen  ausdrücklich  widerlegt. 

Vielmehr  kann  es  sich  auf  die  für  den  Entscheid  wesentlichen  Punkte 

beschränken (vgl. BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 141 IV 249 E. 1.3.1; 141 III 28 

E. 3.2.4).

5.

Zuständigkeit der Vorinstanz

5.1 Das den Beschuldigten vorgeworfene Verhalten hat Bezüge zu den Kanto-

nen Zürich, Zug und Schwyz Die involvierten Staatsanwaltschaften einigten 

sich nach Durchführung eines Meinungsaustausches im Jahr 2014 darauf, 

dass  die  Strafuntersuchung  von  den  Zürcher  Strafverfolgungsbehörden 

geführt  werden  sollte  (STA  act. 10101001 ff.).  Dieser  gestützt  auf  Art. 38 

Abs. 1 StPO gefällte Gerichtsstandentscheid blieb unangefochten.

Die deutschen Strafverfolgungsbehörden lehnten ein im Jahr 2018 gestelltes 

Gesuch  der  Staatsanwaltschaft  III  des  Kantons  Zürich  um  Übernahme  der 

Strafverfolgung in Ermangelung eines in Deutschland liegenden Tatorts ab 

(STA act. 10401024).

5.2 Die Staatsanwaltschaft III führte die Strafuntersuchung und erhob zunächst 

beim Bezirksgericht Zürich Anklage. Dieses trat mit Beschluss vom 20. Juli 

2022 auf die Anklage nicht ein, da in der vorliegenden Fallkonstellation auf 

den Wohnsitz der Beschuldigten im Deliktszeitraum abzustellen sei, welcher 

im Bezirk Meilen gelegen habe (STA act. 10501062). Dieser Beschluss blieb 

ebenfalls unangefochten.

5.3 Die Vorinstanz bejahte ihre Zuständigkeit mit der Begründung, dass die auf 

qualifizierte  Wirtschaftsdelikte  spezialisierte  Staatsanwaltschaft  III  für  das 

gesamte Kantonsgebiet zuständig sei und der Schwerpunkt der deliktischen 

-   12   -

Tätigkeit  der  Beschuldigten  ausserhalb  des  Kantons  Zürich  gelegen  habe. 

Deshalb erschiene es nicht sachgerecht, für die Anklageerhebung auf den 

Ort  der  ersten  Ermittlungshandlungen  (Zürich)  abzustellen.  Massgebend 

müsse  der  Wohnsitz  der  Beschuldigten  im  Bezirk  Meilen  sein  (Urk. 145 

S. 13).  Der  Beschuldigte  A._____  brachte  gegen  die  Zuständigkeit  der 

Vorinstanz weder im Haupt- noch im Berufungsverfahren Einwände vor. Das 

angefochtene Urteil wäre denn auch nicht zu beanstanden. Wie bereits das 

Bezirksgericht  Zürich  festhielt,  ist  der  Deliktsort  ungewiss  (vgl.  STA 

act. 10501062). Kann der Ort einer oder mehrerer Straftaten nicht ermittelt 

werden,  sind  für  die  Verfolgung  und  Beurteilung  die  Behörden  des  Ortes 

zuständig,  an  dem  die  beschuldigte  Person  ihren  Wohnsitz  oder  ihren 

gewöhnlichen  Aufenthalt  hat  (Art. 32  Abs. 1  StPO).  Der  Beschuldigte 

A._____ wohnte im Deliktszeitraum in K._____, welche Ortschaft im Bezirk 

Meilen liegt. Das Bezirksgericht Meilen (Vorinstanz) war zur Beurteilung der 

dem Beschuldigten A._____ vorgeworfenen Straftaten somit zuständig.

6.

Anwendbares materielles Strafrecht

6.1 Der Deliktszeitraum begann am 26. Juli 2011 und dauerte bis am 20. Januar 

2012. Seither wurden die vorliegend massgebenden Gesetze teilweise revi-

diert.

6.2 Im  materiellen  Strafrecht  herrscht  der  Grundsatz  des  günstigeren  Rechts 

(lex mitior).  Ist  ein  Verbrechen  oder  Vergehen  zu  beurteilen,  das  vor  dem 

Inkrafttreten  einer  Änderung  des  Strafgesetzbuches  begangen  wurde, 

kommen die zur Tatzeit geltenden Bestimmungen zur Anwendung, sofern die 

revidierten  Bestimmungen  für  den  Täter  nicht  günstiger  sind  (Art. 2  Abs. 1 

und  2  StGB).  Beim  Vergleich  der  Schwere  der  Strafnormen  ist  nach  der 

konkreten  Methode  eine  umfassende  Beurteilung  des  Sachverhalts  nach 

altem und neuem Recht vorzunehmen. Es kommt darauf an, nach welchem 

der  beiden  Rechte  der  Täter  für  die  gerade  zu  beurteilende  Tat  besser 

wegkommt  (STEFAN  TRECHSEL/HANS  VEST,  Praxiskommentar  zum  Straf-

gesetzbuch, 4. Aufl. 2021, Art. 2 N. 11).

-   13   -

6.3 Am 1. Juli 2023 trat das Bundesgesetz über die Harmonisierung der Straf-

rahmen (Strafrahmenharmonisierung, AS 2023 259; BBl 2018 2827) in Kraft. 

Mit dieser Gesetzesrevision erfuhr der vorliegend zur Diskussion stehende 

Tatbestand  der  qualifizierten  ungetreuen  Geschäftsbesorgung  (Art. 158 

Ziff. 1 Abs. 3 StGB) eine Änderung. Die Strafbestimmung in ihrer revidierten 

Fassung  statuiert  keine  Mindestfreiheitsstrafe  mehr,  wenngleich  nach  der 

Gerichtspraxis bereits unter altem Recht kein Strafminimum bestand und an-

stelle  einer  Freiheitsstrafe  eine  Geldstrafe  ausgesprochen  werden  konnte 

(vgl.  MARCEL  ALEXANDER  NIGGLI,  in:  Basler  Kommentar  zum  Strafrecht  I, 

4. Aufl.  2019,  Art. 158  N. 8).  Nach  der  revidierten  Bestimmung  kann  als 

Sanktion nicht nur eine Freiheitsstrafe, sondern – explizit – auch eine Gelds-

trafe ausgesprochen werden, die im Vergleich zur Freiheitsstrafe als milder 

gilt (vgl. BGE 144 IV 313 E. 1.1.1; 138 IV 120 E. 5.2). Damit ist die revidierte 

Fassung von Art. 158 StGB zwar abstrakt milder, im konkreten Fall erweist 

sie sich allerdings nicht als günstiger (vgl. E. V/4.2.3), weshalb die Strafbe-

stimmung in der im Deliktsraum geltenden Fassung anzuwenden ist.

Die  weiteren  hier  relevanten  Straftatbestände  des  Insolvenzstrafrechts 

(Art. 164, eventuell Art. 163 StGB) wurden von der Strafrahmenharmonisie-

rung  nicht  tangiert.  Es  kommen  die  zur  Tatzeit  geltenden,  nach  wie  vor  in 

Kraft stehenden Bestimmungen zur Anwendung (Art. 2 Abs. 1 StGB). Die Be-

stimmungen von Art. 171 Abs. 2 aStGB und Art. 171bis aStGB, wonach unter 

gewissen Voraussetzungen von der Bestrafung des Täters abgesehen wer-

den kann, wurden im Zuge der Strafrahmenharmonisierung aufgehoben. Die 

gesetzlichen Voraussetzungen (gerichtlicher Nachlassvertrag, Widerruf des 

Konkurses) sind im vorliegenden Fall nicht gegeben. Die Anwendung der ge-

nannten Bestimmungen steht somit ausser Diskussion.

Der  ebenfalls  zur  Anwendung  kommende  Tatbestand  der  Urkundenfäl-

schung nach Art. 251 StGB wurde im Zuge der Strafrahmenharmonisierung 

mit  der  Streichung  dessen  Ziff. 2  verschärft.  Während  Urkundenfälschung 

gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet 

wird,  sieht  die  nicht  mehr  geltende  Ziff. 2  vor,  dass  in  besonders  leichten 

-   14   -

Fällen auf Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe erkannt werden 

kann. Die revidierte Fassung von Art. 251 StGB erweist sich nicht als milder, 

weshalb  die  Strafbestimmung  in  der  im  Deliktsraum  geltenden  Fassung 

anzuwenden ist.

6.4 Mit der Revision des Aktienrechts (AS 2020 4005; 2022 109; BBl 2017 399), 

die am 1. Januar 2023 in Kraft trat, wurden die Sorgfalts- und Treupflichten 

der  Verwaltungsratsmitglieder  verschärft.  Neu  trifft  die  Verwaltungsratsmit-

glieder  bei  Interessenkonflikten  eine  Informationspflicht  (Art. 717a  OR). 

Diese Bestimmung führt auch zur Verschärfung des Tatbestands der unge-

treuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 StGB), indem der strafbewehrte 

Pflichtenkatalog  der  Verwaltungsratsmitglieder  erweitert  wird.  Dem  Grund-

satz des günstigeren Rechts entsprechend gelangt Art. 717a OR vorliegend 

nicht zur Anwendung, da diese Vorschrift im Deliktszeitraum noch nicht exis-

tierte.

Die  Vorinstanz  hielt  zutreffend  fest,  dass  die  weiteren  Teilrevisionen  des 

Obligationenrechts,  namentlich  auf  dem  Gebiet  des  Rechnungslegungs-

rechts,  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Strafsache  nicht  beeinflussen 

(Urk. 145 S. 16). Massgebend sind die im Deliktszeitraum geltenden Bestim-

mungen.

6.5 Am  1. Januar  2018  trat  das  revidierte  Sanktionenrecht  in  Kraft  (AS  2016 

1249;  BBl  2012  4721).  Die  Vorinstanz  verwies  auf  die  vom  Bundesgericht 

aufgestellten Grundsätze, die bei der Ermittlung des für den Täter günstige-

ren  Rechts  beachtet  werden  müssen.  Soweit  erforderlich,  ist  darauf  im 

Rahmen der Strafzumessung einzugehen.

6.6 Art. 66a  und  Art. 66abis  StGB  über  die  Landesverweisung  von  kriminellen 

Ausländern  traten  am  1. Oktober  2016  in  Kraft  (AS  2016  2329;  BBl  2013 

5975).  Aufgrund  des  strafrechtlichen  Rückwirkungsverbots  (Art. 2  Abs. 1 

StGB)  sind  die  Bestimmungen  über  die  Landesverweisung  intertemporal-

rechtlich nur anwendbar, wenn das auslösende Delikt nach dem 1. Oktober 

-   15   -

2016 begangen wurde. Das Rückwirkungsverbot gilt grundsätzlich auch für 

Massnahmen (BGE 146 IV 311 E. 3.2.2).

Der Beschuldigte A._____ wurde 2014 eingebürgert (vgl. Urk. 145 S. 106). 

Eine Landesverweisung fällt aus diesem Grund ausser Betracht.

6.

Verjährung

Im vorliegenden Berufungsverfahren sind die Tatbestände der qualifizierten 

ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB), der Gläubi-

gerschädigung  durch  Vermögensverminderung  (Art. 164  StGB),  eventuell 

des betrügerischen Konkurses (Art. 163 StGB) sowie der Urkundenfälschung 

(Art. 251 Ziff. 1 StGB) zu prüfen. Diese Straftaten werden mit Freiheitsstrafe 

bis  zu  fünf  Jahren  geahndet.  Es  handelt  sich  um  Verbrechenstatbestände 

(vgl.  Art. 10  Abs. 2  StGB).  Die  Verfolgungsverjährung  tritt  nach  Ablauf  von 

15 Jahren ein (Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB). Ist vor Ablauf der Verjährungsfrist 

ein erstinstanzliches Urteil ergangen, so tritt die Verjährung nicht mehr ein 

(Art. 97 Abs. 3 StGB). Der Deliktszeitraum lag zwischen Juli 2011 und Januar 

2012. Die Verfolgungsverjährung der mutmasslich begangenen Straftaten ist 

aufgrund des bezirksgerichtlichen Urteils nicht eingetreten.

7.

Privatklägerschaft

Der  Beschuldigte  A._____  machte  im  vorliegenden  Berufungsverfahren 

geltend, mangels Teilnahme und Interesse am Verfahren habe die D1._____ 

auf ihre Privatklägerstellung verzichtet (Prot. II S. 8). Die geschädigte Person 

kann  jederzeit  schriftlich  oder  mündlich  zu  Protokoll  erklären,  sie  verzichte 

auf die ihr zustehenden Rechte als Privatklägerschaft (Art. 120 Abs. 1 StPO). 

Ein Verzicht bzw. Rückzug kann jedoch nicht aus dem Umstand abgeleitet 

werden,  dass  auf  die  aktive  Teilnahme  am  Strafverfahren  verzichtet  wird 

(GORAN MAZZUCCHELLI / MARIO POSTIZZI, in: Basler Kommentar zur Strafpro-

zessordnung, 3. Aufl. 2023, Art. 120 N. 4). Ein entsprechender formgültiger 

Verzicht der D1._____ auf ihre Rechte als Privatklägerin liegt nicht vor, wes-

halb ihr weiterhin die Privatklägerstellung zukommt.

-   16   -

8.

Anklageprinzip

8.1 Der  Beschuldigte  A._____  rügte  im  vorliegenden  Berufungsverfahren  erst-

mals  eine  Verletzung  des  Anklageprinzips  betreffend  den  Anklagepunkt  1 

(Prot. II S. 11 f., 27, 33 und 35).

8.2 Eine  Straftat  kann  nur  gerichtlich  beurteilt  werden,  wenn  die  Staatsanwalt-

schaft  gegen  eine  bestimmte  Person  wegen  eine  genau  umschriebenen 

Sachverhalts beim zuständigen Gericht Anklage erhoben hat (Art. 9 Abs. 1 

StPO).  Die  Anklageschrift  bezeichnet  möglichst  kurz,  aber  genau  die  der 

beschuldigten  Person  vorgeworfenen  Taten  mit  Beschreibung  von  Ort, 

Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung und die nach Auffassung der 

Staatsanwaltschaft  erfüllten  Straftatbestände  unter  Angabe  der  anwend-

baren Gesetzesbestimmungen (Art. 325 Abs. 1 lit. f und g StPO).

Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand 

des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und 325 StPO; Art. 29 

Abs. 2 sowie Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). 

Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in 

ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objekti-

ver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt 

das  Anklageprinzip  den  Schutz  der  Verteidigungsrechte  der  beschuldigten 

Person und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunk-

tion). Solange klar ist, welcher Sachverhalt der beschuldigten Person vorge-

worfen wird, kann auch eine fehlerhafte und unpräzise Anklage nicht dazu 

führen, dass es zu keinem Schuldspruch kommen darf. Die nähere Begrün-

dung  der  Anklage  erfolgt  an  Schranken;  es  ist  Sache  des  Gerichts,  den 

Sachverhalt verbindlich festzustellen. Dieses ist an den in der Anklage um-

schriebenen Sachverhalt, nicht aber an die darin vorgenommene rechtliche 

Würdigung gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO) (BGE 149 IV 128 E. 1.2., mit 

weiteren  Hinweisen).  Eine  Verletzung  des  Anklageprinzips  liegt  nur  vor, 

wenn die beschuldigte Person nicht (vor dem Hauptverfahren) in genügender 

Weise  über  den  ihr  vorgeworfenen  Sachverhalt  informiert  wurde.  In  tatbe-

standlicher Hinsicht relevante Anklageelemente können sich unter Umstän-

-   17   -

den  auch  implizit  aus  der  in  der  Anklage  dargestellten  Sachlage  ergeben 

(STEFAN HEIMGARTNER / MARCEL ALEXANDER NIGGLI, in: Basler Kommentar zur 

Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, Art. 120 N. 4).Art. 325 N 37).

8.3 Der Beschuldigte A._____ wusste aufgrund der Anklageschrift genau, was 

ihm konkret vorgeworfen wird. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass er sich 

im erstinstanzlichen Hauptverfahren wie auch im Berufungsverfahren detail-

liert  gegen die  Vorwürfe  verteidigen konnte (Urk.  114; Prot. II  S.  9 ff.) und 

zudem eine umfangreiche persönliche Stellungnahme einreichte (Urk. 180). 

Die Verteidigungsrechte des Beschuldigten  wurden in keiner Weise einge-

schränkt.  Die  Anklageschrift  ist  im  Gesamtkontext  zu  verstehen.  Sie  um-

schreibt hinreichend konkret, durch welche Handlungen die Beschuldigte die 

ihm  vorgeworfenen  Straftaten  erfüllt  haben  soll.  So  geht  daraus  insbeson-

dere  hervor,  dass  der  Beschuldigte  A._____  an  der  Ausarbeitung  der 

Vergleichsvereinbarung  vom  26.  Juli  2011  massgeblich  beteiligt  gewesen 

und  den  Beschuldigten  B._____  bei  dessen  Vorhaben  beraten  und  unter-

stützt habe, wobei er namentlich an der Zusatzvereinbarung vom 20. Januar 

2012 mitgewirkt habe. In Bezug auf die dem Beschuldigten A._____ vorge-

worfene Pflichtverletzung als Liquidator der L._____ geht aus der Anklage-

schrift hinreichend konkret hervor, dass ihm vorgeworfen wird, dass er nichts 

unternahm, um das an die C._____ überwiesene Geld zurückzuholen, mithin 

eine Forderung aus ungerechtfertigter Bereicherung zu stellen. Welches die 

konkreten Pflichten des Beschuldigten als Liquidator waren, ist hingegen Teil 

der rechtlichen Würdigung (vgl. E. IV/2.6).

Die fragliche Anklageschrift genügt den gesetzlichen Anforderungen, weder 

verletzt sie den Anklagegrundsatz noch das rechtliche Gehör des Beschul-

digten A._____ und es ist für die materielle Beurteilung auf sie abzustellen. 

-   18   -

9.

Verwertbarkeit von Beweismitteln

9.1 Betreffend den Beschuldigten B._____

9.1.1 Der  Beschuldigte  B._____  liess  im  bezirksgerichtlichen  Verfahren  geltend 

machen, seine polizeilichen Einvernahmen vom 4. September 2013 und vom 

21. Januar 2016 seien nicht verwertbar, da er nicht verteidigt gewesen sei, 

obschon ein Fall notwendiger Verteidigung vorgelegen habe (Urk. 107). Der 

Beschuldigte A._____ machte diesbezüglich nichts geltend.

9.1.2 Am 29. April 2013 ging seitens der D1._____ unter anderem gegen den Be-

schuldigten  B._____  eine  Strafanzeige  ein  (STA  act. 20101001 ff.).  In  der 

Folge erteilte die Staatsanwaltschaft der Polizei gestützt auf Art. 309 Abs. 2 

StPO den Auftrag zu ergänzenden Ermittlungen, da sie der Ansicht war, dass 

aus der Strafanzeige der D1._____ kein hinreichender Anfangsverdacht her-

vorgehe (STA act. 30101001 ff.). Das Bestehen eines hinreichenden Tatver-

dachts  ist  Voraussetzung  zur  Eröffnung  einer  Strafuntersuchung  (vgl. 

Art. 309  Abs. 1  lit. a  StPO).  Diese  Voraussetzung  war  nach  Ansicht  der 

Staatsanwaltschaft im damaligen Zeitpunkt nicht erfüllt.

9.1.3 Gemäss der dannzumal geltenden Fassung von Art. 131 Abs. 2 StPO ist in 

Fällen,  in  denen  eine  beschuldigte  Person  notwendig  vertreten  sein  muss 

(vgl. Art. 130 lit. a-e aStPO), die Verteidigung nach der ersten Einvernahme 

durch die Staatsanwaltschaft, jedenfalls aber vor Eröffnung der Strafunter-

suchung  sicherzustellen.  Nach  der  Rechtsprechung  ist  diese  altrechtliche 

Bestimmung so zu verstehen, dass die notwendige Verteidigung erst nach 

Abschluss  der  polizeilichen  Vorermittlungen  einsetzt,  selbst  wenn  diese 

Straftaten betreffen, für die grundsätzlich ein notwendiger Verteidiger bestellt 

werden muss (BGer, Urteile 6B_322/2021 vom 2.3.22 E. 1.3; 6B_998/2019 

vom  20.11.20  E. 2.2;  6B_990/2017  vom  18.4.18  E. 2.3.3).  Das  polizeiliche 

Vorermittlungsverfahren gilt als abgeschlossen, wenn die Strafuntersuchung 

formell  eröffnet  wird  bzw.  eröffnet  werden  sollte.  Dies  ist  der  Zeitpunkt,  in 

dem  die  Staatsanwaltschaft  erste  Untersuchungshandlungen  selber  vor-

-   19   -

nimmt  (BGE  141  IV  20  E. 1.1.4;  BGer,  Urteile  6B_563/2021  vom  22.12.22 

E. 2.3.2; 6B_990/2017 vom 18.4.18 E. 2.3.2).

Eine  unter  Verletzung  von  Art. 131  Abs. 2  aStPO  durchgeführte  Einver-

nahme ist, wenn die Verteidigung erkennbar notwendig gewesen wäre, nur 

verwertbar, wenn die beschuldigte Person auf deren Wiederholung verzichtet 

(Art. 131 Abs. 3 aStPO).

9.1.4 Dem  Beschuldigten  B._____  wurde 

in  der  Strafanzeige  ungetreue 

Geschäftsbesorgung vorgeworfen. Diese Straftat wird mit bis zu drei Jahren 

Freiheitsstrafe, in qualifizierten Fällen mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe 

geahndet. Es musste daher damit gerechnet werden, dass der Beschuldigte 

B._____ dereinst mit einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr bestraft 

wird.  Somit  war  erkennbar,  dass  ein  Fall  notwendiger  Verteidigung  vorlag 

(Art. 130 lit. b aStPO).

Die erste Einvernahme des Beschuldigten B._____ erfolgte am 4. September 

2013 im Rahmen der polizeilichen Vorermittlung (STA act. 30201001 ff.). Die 

Vorinstanz  erachtete  diese  Einvernahme  zu  Recht  als  verwertbar.  Dabei 

kann offen bleiben, ob angesichts des Interessenkonflikts – der Beschuldigte 

A._____ wirkte in dieser Einvernahme als Rechtsbeistand des Beschuldigten 

B._____ – letzterer rechtsgenügend verteidigt gewesen wäre, wenn eine Ver-

teidigung bereits in diesem Zeitpunkt hätte sichergestellt sein müssen.

Das polizeiliche Vorermittlungsverfahren fand mit dem Vorermittlungsbericht 

vom 12. November 2013 seinen Abschluss. Ab diesem Zeitpunkt übernahm 

die Staatsanwaltschaft die Untersuchung und war mit ihrem Tätigwerden die 

notwendige Verteidigung des Beschuldigten B._____ sicherzustellen, wenn-

gleich die formelle Eröffnung der Strafuntersuchung erst am 10. November 

2014  erfolgte  (vgl.  STA  act. 10201001).  Folgerichtig  qualifizierte  die  Vor-

instanz  die  delegierte  polizeiliche  Einvernahme  vom  21. Januar  2016  als 

unverwertbar,  da  der  Beschuldigte  in  diesem  Verfahrenszeitpunkt  nicht 

verteidigt  war,  obschon  er  es  hätte  sein  müssen  (vgl.  Urk. 145  S. 30-31; 

STA act. 50101003 ff.).  Der  Beschuldigte  B._____  verweigerte  an  der 

-   20   -

besagten Einvernahme fast durchgehend die Aussagen. Hätte er Aussagen 

getätigt, könnte darauf nicht, jedenfalls nicht zu seinen Ungunsten abgestellt 

werden.

9.2 Betreffend den Beschuldigten A._____

9.2.1 Der Beschuldigte A._____ rügte eine Verletzung seiner Verfahrensrechte. Er 

liess geltend machen, er sei zu Beginn der Untersuchung unter Verletzung 

von Art. 158 StPO nicht auf seine Rechte hingewiesen worden, es sei ihm 

unter Verletzung von Art. 131 aStPO nicht rechtzeitig ein Verteidiger bestellt 

worden  und  er  habe  unter  Verletzung  von  Art. 147  StPO  nicht  an  allen 

Beweiserhebungen  teilnehmen  können.  Konsequenz  davon  sei,  dass  die 

folgenden  Beweismittel  nicht  zu  seinen  Lasten  verwendet  werden  dürften: 

alle Befragungen des Beschuldigten A._____ mit Ausnahme der Befragung 

vom  10. November  2016  und  der  Konfrontationseinvernahme  vom 

18. September 2018; alle Befragungen des Beschuldigten B._____ mit Aus-

nahme der Einvernahme vom 18. September 2018 und der gleichentags er-

folgten  Konfrontationseinvernahme;  die  Zeugenaussagen  von  M._____, 

N._____ und O._____ (Urk. 114 S. 2-5; Prot. II S. 24 f. und 31 ff.). Im vor-

liegenden  Berufungsverfahren  liess  der  Beschuldigte  A._____  zudem  gel-

tend machen, sämtliche von ihm oder den anderen Parteien eingereichten 

Unterlagen sowie das Schreiben von Dr. P._____ vom 20. Juni 2016 an die 

Staatsanwaltschaft  (STA-act.  60401012)  dürften  ebenfalls  nicht  zu  seinen 

Lasten verwendet werden (Prot. II S. 24 und 32).

9.2.2 Die am 29. April 2013 eingegangene Strafanzeige der D1._____ richtete sich 

auch  gegen  den  Beschuldigten  A._____  mit  der  Begründung,  dass  er  das 

Verhalten 

von  B._____  möglicherweise 

gedeckt 

habe 

(STA 

act. 20101001 ff.).  Die  Strafuntersuchung  gegen  A._____  wurde  indessen 

erst am 3. August 2016 formell eröffnet (STA act. 10201002). Massgeblich 

ist wie gesagt nicht die formelle Eröffnungsverfügung, sondern der Zeitpunkt, 

in  dem  die  Untersuchung  zu  eröffnen  gewesen  wäre  (materielle  Eröffnung 

der Strafuntersuchung). Ab diesem Zeitpunkt standen dem Beschuldigten die 

von ihm als verletzt gerügten Verfahrensrechte zu. Laut Vorinstanz sei der 

-   21   -

Zeitpunkt  der  materiellen  Eröffnung  der  Strafuntersuchung  im  Fall  des  Be-

schuldigten A._____ unklar. Jedoch könne dieser Punkt offen bleiben, da die 

vom Beschuldigten A._____ bezeichneten Einvernahmen zur Erstellung des 

ihn  betreffenden  Anklagesachverhalts  nicht  erforderlich  seien  (Urk. 145 

S. 31-32). 

Wie sich aus den folgenden Erwägungen zur Sachverhaltserstellung ergibt, 

trifft  diese  Feststellung  der  Vorinstanz  zu.  Auch  das  vom  Beschuldigten 

A._____ angeführte Schreiben von Dr. P._____ ist zur Erstellung des ihn be-

treffenden Anklagesachverhalts nicht erforderlich. Es erübrigen sich Weite-

rungen.

9.2.3 Laut  Vorinstanz  spreche  nichts  gegen  die  Verwertbarkeit  der  editierten 

Unterlagen, der beigezogenen Verfahrensakten des Bezirksgerichts Meilen, 

des  Kantonsgerichts  Zug  und  des  Konkursamtes  Zug  sowie  der  weiteren 

durch  die  Beschuldigten  selbst  eingereichten  Unterlagen  (Urk.  145  S.  32). 

Diese Feststellung der Vorinstanz trifft ebenfalls zu. Es kann ergänzungslos 

auf die zutreffende Begründung der Vorinstanz verwiesen werden.

III. Sachverhaltserstellung

1.

Ausgangslage

Die Anklageschrift (Urk. 11) ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil betrifft 

ungetreue Geschäftsführung und betrügerischen Konkurs zum Nachteil der 

L._____  AG  (Anklagepunkt 1),  der  zweite  Teil  Geldwäscherei  (Anklage-

punkt 2) und der dritte Teil Urkundenfälschung durch Manipulation der Buch-

haltung (Anklagepunkt 3). Der Vorwurf der Geldwäscherei stand nur gegen 

den Beschuldigten B._____ im Raum. Dieser wurde in diesem Anklagepunkt 

freigesprochen. Das angefochtene Urteil ist somit nur bezüglich der Erstel-

lung der strittigen Teile der Anklagesachverhalte 1 und 3 zu prüfen. Der amt-

liche Verteidiger des Beschuldigten A._____ sprach im vorliegenden Beru-

fungsverfahren vom "Anklagevorwurf 3", meinte aber die dem Beschuldigten 

A._____  vorgeworfenen  Verletzungen  seiner  Pflichten  als  Liquidator  der 

-   22   -

L._____ (Prot. II S. 27 f. und 35), was den ersten Teil der Anklage (Anklage-

punkt 1) betrifft.

2.

Vorgeschichte / Unbestrittener Sachverhalt

Die C._____ mit Sitz in Q._____ wurde 2001 gegründet. Das Unternehmen 

ist  im  internationalen  Rohstoff-  und  Chemikalienhandel  tätig.  Bis  ins  Jahr 

2008 wirkten R._____ und N._____ als Organe der C._____. Danach über-

nahmen die Beschuldigten B._____ und A._____ diese Funktion. Letzterer 

schied  per  11. April  2011  aus  dem  Verwaltungsrat  aus.  Der  Beschuldigte 

B._____ war ab dem 26. Juli 2011 Verwaltungsrat mit Einzelzeichnungsbe-

rechtigung und danach Verwaltungsratspräsident mit Kollektivunterschrift zu 

zweien.  Im  Sommer/Herbst  2011  leitete  er  die  C._____,  zeichnete  für  das 

Rechnungswesen verantwortlich und verfügte auch über Einzelzeichnungs-

berechtigung  bezüglich  der  Bankkonten  der  C._____.  Der  Beschuldigte 

A._____ war für die C._____ derweil als Rechtsvertreter tätig und beriet den 

Beschuldigten B._____ bei seiner Tätigkeit als Verwaltungsrat.

Die  L._____  AG  (L._____),  dereinst  mit  Sitz  in  S._____  wurde  2008  von 

R._____ und N._____ gegründet. Sie betrieb Handel und erbrachte Dienst-

leistungen in der Chemie-, Gas- und Ölbranche. Als Verwaltungsrat fungier-

ten anfänglich R._____ und N._____. Ab dem 26. Juli 2011 wurde der Ver-

waltungsrat ausgewechselt. Der Beschuldigte B._____ wurde zum einzigen 

Verwaltungsrat der L._____ mit Einzelzeichnungsberechtigung ernannt und 

war gleichzeitig als deren Geschäftsführer tätig. Er leitete die Unternehmung, 

veranlasste  sämtliche  Zahlungen  und  verfügte  über  Einzelzeichnungsbe-

rechtigung  bei  den  Banken  der  L._____  (STA  act. 30201004  Frage/  Ant-

wort 23 ff.). Der Beschuldigte A._____ wirkte ab dem 21. November 2011 als 

Liquidator der L._____ mit Einzelzeichnungsbefugnis. Diese fiel im Oktober 

2014  in  Konkurs  und  wurde  2017  nach  Abschluss  des  Konkursverfahrens 

gelöscht (STA act. 41501020-1 ff.).

Bei der D1._____ mit Sitz in T._____ [Land in Zentralasien] handelt es sich 

um  ein  Landwirtschaftsunternehmen.  2008  verkaufte  sie  der  L._____ 

-   23   -

404'000 Tonnen Weizen zum Preis von USD 141'120'000. Die L._____ ver-

kaufte  den  Weizen  danach  an  die  …  [des  Landes  T._____]  Gesellschaft 

U._____ zum Preis von USD 164 Mio. (vgl. STA act. 40201103 ff.).

Im  Juli  2008  reichte  die  C._____  bei  der  Staatsanwaltschaft  Zug  mehrere 

Strafanzeigen gegen N._____ und R._____ ein. Die C._____ beschuldigte 

N._____  und  R._____  der  ungetreuen  Geschäftsbesorgung,  indem  sie  ein 

Konkurrenzunternehmen, mithin die L._____, gegründet und fortan über die 

L._____ statt über die C._____ Geschäfte, u.a. den erwähnten Weizenhan-

del mit der D1._____, abgewickelt hätten, wodurch der C._____ Gewinn ent-

gangen  und  somit  ein  Schaden  entstanden  sei.  In  der  Folge  sperrte  die 

Staatsanwaltschaft Zug die Konten der L._____ bei der V._____ [Bank] und 

bei der W._____ [Bank], Filiale Zürich. Neben der Strafuntersuchung in Zug 

waren zwischen der C._____ und der L._____ und ihren Organen auch zwei 

zivilrechtliche  Verfahren  am  Bezirksgericht  Meilen 

(Geschäfts-Nrn. 

CG090043 und CG090055) hängig. Teil der Verfahren war eine Schadener-

satzforderung der C._____ gegen die L._____ aus unerlaubter Konkurrenz-

tätigkeit  im  Betrag  von  rund  CHF 57 Mio.  (vgl.  STA  act. 40701001 ff.  und 

act. 40702001 ff.).

Am 26. Juli 2011 schlossen die C._____, vertreten durch den Beschuldigten 

B._____, die L._____ vertreten durch N._____ , der Beschuldigte B._____ 

persönlich, N._____ persönlich, R._____, AA._____ (Mehrheitsaktionär der 

C._____) und AB._____ (Treuhänderin von AA._____) eine Vergleichsver-

einbarung mit dem deklarierten Zweck der Beilegung aller Zivil- und Strafver-

fahren. Die Parteien vereinbarten den Verkauf sämtlicher Aktien der L._____ 

zu einem symbolischen Preis von CHF 1.-- an AA._____, die Absetzung von 

N._____ als Verwaltungsrat der L._____ und die Bestellung des Beschuldig-

ten B._____ als neuen Verwaltungsrat der L._____. Sodann listeten sie die 

noch zu begleichenden Verbindlichkeiten der L._____ auf und hielten fest, 

dass sie mit dem Vollzug der Vergleichsvereinbarung per Saldo aller Ansprü-

che auseinandergesetzt seien und von der Verfolgung ihrer Ansprüche ab-

sehen würden (STA act. 10017236-105 ff., 30201020 ff.). Die hängigen Zivil-

-   24   -

verfahren  am  Bezirksgericht  Meilen  wurden  daraufhin  zurückgezogen  und 

als  durch  Vergleich  erledigt  abgeschrieben 

(STA  act. 40701528 ff., 

40702553 ff.). Mit Verfügung vom 9. August 2011 hob die Staatsanwaltschaft 

Zug die im Strafverfahren gegen N._____ verhängten Kontosperren und die 

Grundbuchsperre  auf  (STA  act. 10017236-138,  10017236-150).  N._____ 

wurde  mit  Urteil  des  Strafgerichts  Zug  vom  25. Juni  2013  im  abgekürzten 

Verfahren schuldig gesprochen (STA act. 30101009 ff.).

Ebenfalls am 26. Juli 2011, dem Datum der Vergleichsvereinbarung, schlos-

sen die C._____ und die L._____ ‒ beide nunmehr vertreten durch den Be-

schuldigten B._____ ‒ eine zweite Vereinbarung. Darin wurde festgehalten, 

dass sich die Saldoklausel der Vergleichsvereinbarung nicht auf die im Ver-

fahren vor dem Bezirksgericht Meilen geltend gemachten Schadenersatzan-

sprüche der C._____ gegen die L._____ beziehe (STA act. 30201040).

Am 10. August 2011 stellte der Beschuldigte B._____ der L._____ im Namen 

der  C._____  Rechnung  über  den  Betrag  von  USD 35'833'339.66.  Als 

Zahlungsgrund gab er "Erste Abschlagzahlung auf Schadenersatzforderung 

von CHF 57'773'551.00" an und verwies auf das einstige Zivilverfahren am 

Bezirksgericht Meilen (STA act. 30201039). Als Verwaltungsrat der L._____ 

erteilte er anschliessend der V._____ und der W._____ den Auftrag, die noch 

vorhandenen Guthaben der L._____ auf ein Konto der C._____ bei der Bank 

H._____ zu überweisen (STA act. 40501020, 40601500).

Am  tt. November  2011  wurde  beschlossen,  die  L._____  aufzulösen.  Der 

Beschuldigte A._____ wurde am 21. November 2011 zum Liquidator bestellt 

(STA  act. 41501021 f.).  Am  20. Oktober  2014  wurde  über  die  aufgelöste 

Gesellschaft der Konkurs eröffnet. Mangels Aktiven wurde der Konkurs am 

4. Februar  2015  eingestellt.  Am  30. Juni  2015  wurde  der  Konkurs  erneut 

eröffnet und am tt.mm.2017 wurde die L._____ im Handelsregister gelöscht 

(STA act. 41501020-1 ff.).

Am 20. Januar 2012 schlossen die C._____, vertreten durch den Beschul-

digten B._____ und den Buchhalter der C._____, O._____, und die L._____, 

-   25   -

vertreten durch den Beschuldigten A._____, eine zweite Zusatzvereinbarung 

(STA act. 30201041 ff.). Darin wurde wiederum auf das einstige Zivilverfah-

ren vor dem Bezirksgericht Meilen, den Schadenersatzanspruch der C._____ 

und  die  Vergleichsvereinbarung  vom  26. Juli  2011  Bezug  genommen  und 

festgehalten, dass der Vergleich den Zweck verfolgt habe, das noch vorhan-

dene Vermögen der L._____ so weit als möglich auf die C._____ zu übertra-

gen, deshalb am 10. August 2011 über den Betrag von USD 35'833'339.66 

Rechnung gestellt und diese Rechnung beglichen worden sei.

3.

Vorwurf 1

3.1 Anklageschrift

Die  Staatsanwaltschaft  warf  dem  Beschuldigten  B._____  in  der  Anklage-

schrift (Urk. 11) vor, in seiner Funktion als Verwaltungsrat und Geschäftsfüh-

rer der L._____ die ihm obliegenden Sorgfalts- und Treuepflichten sowie die 

Pflicht zur Vermögensfürsorge verletzt und den Konkurs der L._____ herbei-

geführt  zu  haben.  Die  beim  Bezirksgericht  Meilen  eingeklagte  Schadener-

satzforderung der C._____ sei in der Liste der von der L._____ zu beglei-

chenden Verbindlichkeiten gemäss der Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 

2011 nicht aufgeführt gewesen. Mit der Saldoklausel hätten die Parteien auf 

die  Geltendmachung  aller  nicht  aufgelisteter  Forderungen  verzichtet.  Die 

Schadenersatzforderung der C._____ sei folglich, wenn sie überhaupt je be-

standen habe, durch Verzicht untergegangen. Mit der am 10. August 2011 

erfolgten Rechnungsstellung habe der Beschuldigte B._____ offene Schul-

den  der  L._____  gegenüber  der  C._____  vorgetäuscht  und  durch  die 

Zahlungsanweisung an die Banken die gesamten Aktiven der L._____ an die 

C._____  transferieren  lassen.  Dies  habe  zur  Überschuldung  und  zur  Zah-

lungsunfähigkeit und schliesslich zum Konkurs der L._____ geführt. Dem Be-

schuldigten A._____ warf die Staatsanwaltschaft vor, als Anwalt der C._____ 

den Beschuldigten B._____ beraten und in seinem Vorgehen bestärkt zu ha-

ben,  obschon  er den  Inhalt  der  Vergleichsvereinbarung  bestens  gekannt 

habe (Urk. 11 S. 13-16).

-   26   -

Sodann warf die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten A._____ eine Ver-

letzung  seiner  Pflichten  als  Liquidator  der  L._____  vor.  Der  Beschuldigte 

A._____ habe nichts unternommen, um die rechtswidrige Überweisung der 

Aktiven  der  L._____  an  die  C._____  rückgängig  zu  machen.  Im  Gegenteil 

habe er eine weitere, auf den 20. Januar 2012 datierte Zusatzvereinbarung 

verfasst, um Schulden der L._____ gegen die C._____ vorzutäuschen oder 

die vorgetäuschten Schulden glaubhaft erscheinen zu lassen. Dem Beschul-

digten B._____ warf die Staatsanwaltschaft vor, den Beschuldigten A._____ 

dabei unterstützt und bestärkt zu haben (Urk. 11 S. 16-17).

Laut Anklageschrift hätten die Beschuldigten B._____ und A._____ wissent-

lich und willentlich und in Bereicherungsabsicht gehandelt, indem sie dafür 

gesorgt hätten, dass das Vermögen der L._____ zunächst an die C._____ 

und von dort in das Privatvermögen des Beschuldigten B._____ resp. in das 

Vermögen der Gesellschaften des Beschuldigten A._____ gegangen sei. Die 

Beschuldigten hätten auch gewusst oder zumindest in Kauf genommen, dass 

die D1._____ als Gläubigerin der L._____ zu Schaden komme, da letztere 

über keine Mittel mehr verfügt habe, um die offene Verbindlichkeit zu beglei-

chen (Urk. 11 S. 17).

Der L._____ sei ein Schaden in der Höhe des an die C._____ überwiesenen 

Betrags von USD 35'833'339.66 entstanden. Der D1._____ als Gläubigerin 

der  L._____  sei  durch  denselben  Vorgang  ein  Schaden  im  Umfang  von 

USD 31'407'201.70 zzgl. Zins entstanden (Urk. 11 S. 17).

3.2 Standpunkt des Beschuldigten A._____

3.2.1 Der Beschuldigte A._____ stellte sich im erstinstanzlichen Hauptverfahren im 

Wesentlichen auf den Standpunkt, die Parteien der Vergleichsvereinbarung 

vom  26. Juli  2011  seien tatsächlich übereingekommen,  dass  das freigege-

bene Geld an die C._____ gehe und die D1._____ keine Forderung gegen 

die L._____ habe. In der schriftlichen Umsetzung des Parteiwillens sei von 

diesem  tatsächlichen  Konsens  allerdings  teilweise  abgewichen  worden.  In 

der  schriftlichen  Vergleichsvereinbarung  hätten  die  Parteien  die  Anerken-

-   27   -

nung der Forderung der D1._____ aus dem Weizenhandelsgeschäft mit der 

L._____ und  den  Verzicht der Schadenersatzforderung der  C._____  simu-

liert. Die Schadenersatzforderung der C._____ habe aber nach wie vor Be-

stand  gehabt.  Dies  habe  der  Beschuldigte  B._____  jedenfalls  in  guten 

Treuen annehmen dürfen (Urk. 114 S. 7-10). Die Staatsanwaltschaft Zug sei 

ebenfalls davon ausgegangen, dass das Geld auf den gesperrten Konten der 

L._____ an die C._____ gehe, da die Aushändigung des Deliktsguts an die 

Geschädigte der Einziehung vorgehe (Urk. 114 S. 14).

In  der  Zusatzvereinbarung  vom  20. Januar  2012  sei  lediglich  bestätigt 

worden, was abgemacht gewesen sei. Er, A._____, sei jedenfalls überzeugt 

gewesen,  rechtens  gehandelt  zu  haben.  Gegen  den  Vorwurf,  nichts  unter-

nommen zu haben, um das überwiesene Geld der L._____ zurückzuholen, 

sei einzuwenden, dass der Prozess gegen die C._____ aussichtslos gewe-

sen wäre und zudem ein happiger Prozesskostenvorschuss hätte geleistet 

werden müssen, was nicht im Interesse der L._____ gelegen hätte. Auch in 

diesem  Punkt  sei  er,  A._____,  überzeugt  gewesen,  rechtens  zu  handeln 

(Urk. 114 S. 17).

Ausserdem sei auffallend, dass die D1._____ erst in dem Zeitpunkt gegen 

ihn, A._____, und B._____ aktiv geworden sei, als N._____ im sicheren Rah-

men des abgekürzten Verfahrens ein Geständnis habe ablegen und sich eine 

milde Strafe habe sichern können. Dies lasse sich nur damit erklären, dass 

die  D1._____  mit  N._____  und  R._____  unter  einer  Decke  gesteckt  habe 

(Urk. 114 S. 14 f.).

3.2.2 An der Berufungsverhandlung wiederholte der Beschuldigte A._____ seine 

vor erster Instanz vorgetragenen Argumente. Ergänzend führte er aus, die 

Vorinstanz habe die Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 2011 fälschlicher-

weise nach zivilrechtlichen anstatt nach strafrechtlichen Grundsätzen ausge-

legt  und  eine  Teilsimulation  zu  Unrecht  ausgeschlossen.  Zudem  habe  er, 

A._____, nicht geraten, die Gelder von der L._____ an die C._____ zu über-

weisen. Er habe zur Liquidation der L._____ und Bezahlung der Schadener-

satzforderung  der  C._____  im  Rahmen  der  Liquidation  geraten.  Aufgrund 

-   28   -

des Mandatsverhältnisses zwischen ihm, A._____, als Anwalt, und dem Be-

schuldigten  B._____  habe  er  dies  bislang  nicht  ausführen  können.  Inzwi-

schen sei der Beschuldigte B._____ aber rechtskräftig verurteilt (Prot. II S. 9 

ff.).

3.3 Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt im Anklagepunkt 1 als erstellt. Sie 

interpretierte  die  Vergleichsvereinbarung  vom  26. Juli  2011  in  dem  Sinne, 

dass  die  darin  enthaltene  Saldoklausel  auch  die  vor  dem  Bezirksgericht 

Meilen eingeklagte Schadenersatzforderung der C._____ gegen die L._____ 

umfasst  habe.  Diese  Forderung  sei  nicht  explizit  vorbehalten  worden  und 

deshalb  durch  Verzicht  untergegangen.  Zudem  sei  aktenkundig,  dass  die 

Parteien  der  Vergleichsvereinbarung  vom  Bestehen  der  Forderung  der 

D1._____  aus  dem  Weizenhandelsgeschäft  mit  der  L._____  ausgegangen 

seien und diese Forderung auch stets Thema der Vergleichsgespräche ge-

wesen sei.

Die Beschuldigten B._____ und A._____ hätten sich mit ihrem in der Ankla-

geschrift umschriebenen Vorgehen unter Verletzung ihrer gesetzlichen und 

vertraglichen Pflichten als Organe bewusst und gewollt über die Vergleichs-

vereinbarung vom 26. Juli 2011 ‒ insbesondere über deren Saldoklausel ‒ 

hinweggesetzt.  Die  Überweisung  der  Gelder  der  L._____  an  die  C._____ 

nach Aufhebung der Kontosperren sei rechtsgrundlos erfolgt. Den Beschul-

digten  B._____  und  A._____  sei  bewusst  gewesen,  dass  die  L._____  mit 

dem Abfluss ihrer liquiden Mittel überschuldet und zahlungsunfähig werde.

Die Vorinstanz stützte das Beweisergebnis auf die Aussagen der Beschul-

digten,  den  Wortlaut  der  Vergleichsvereinbarung,  deren  Entstehungs-

geschichte, die Korrespondenz des Beschuldigten A._____ mit den involvier-

ten Parteivertretern und der fallführenden Staatsanwältin der Staatsanwalt-

schaft Zug, das Urteil des Strafgerichts des Kantons Zug betreffend N._____ 

vom 25. Juni 2013 sowie die weiteren Umstände (Urk. 145 S. 38-44).

-   29   -

3.4 Beweiswürdigung

Die Begründung der Vorinstanz ist überzeugend. Darauf kann vollumfänglich 

verwiesen  werden  (Art. 82  Abs. 4  StPO).  Bei  den  folgenden  Erwägungen 

handelt es sich lediglich um Rekapitulationen und Ergänzungen.

3.4.1 Zunächst ist festzuhalten, dass sich entgegen der Darstellung des Beschul-

digten A._____ die Gültigkeit von privatrechtlichen Verträgen nach den pri-

vatrechtlichen Vorschriften beurteilt.

3.4.2 In der Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 2011 (STA act. 10017236-105 ff., 

30201020 ff.)  wurden  unter  dem  Titel  "Vorbemerkungen"  zunächst  die 

laufenden  Zivilverfahren  aufgeführt,  namentlich  das  am  Bezirksgericht 

Meilen hängige Zivilverfahren der L._____ und N._____ gegen die C._____ 

(Geschäfts-Nr.  CG090055)  und  den  Beschuldigten  B._____  sowie  das  an 

demselben  Gericht  hängige  Zivilverfahren  zwischen  der  C._____  und 

R._____ (Geschäfts-Nr. CG090043). Dann wurden die von der C._____ ge-

gen N._____ und R._____ initiierten Strafverfahren im Kanton Zug und die 

verhängte Sperre der Konten der L._____ bei der V._____ und der W._____ 

sowie die Grundbuchsperre auf dem Grundstück der Eheleute N._____ er-

wähnt.  Unter  dem  Titel  "Suspensivbedingung"  wurde  die  Wirksamkeit  der 

Vergleichsvereinbarung  vom  Eintritt  der  Rechtskraft  der  Aufhebung  der 

Konto- und Grundbuchsperren abhängig gemacht.

Unter dem Titel "Vereinbarung" wurde der materielle Inhalt der Vergleichs-

vereinbarung festgehalten. Im vorliegenden Zusammenhang sind vor allem 

die Ziffern 6, 11, 12, 20 und 22 relevant:

--

In Ziffer 6 wurde vereinbart, dass N._____ (Alleinaktionär der L._____) 

per 26. Juli 2011 sämtliche Aktien der L._____ zum symbolischen Preis 

von CHF 1.-- an den Käufer (AA._____) verkauft.

--

In Ziffer 11 wurden die Zusicherungen des Verkäufers (N._____) und 

die offenen Verbindlichkeiten der L._____ aufgeführt.

-   30   -

Abs. 1 Ingress 1 lautete: "Hinsichtlich der L._____ werden vom Verkäu-

fer  N._____  abschliessend  nur  folgende  Gewährleistungen  übernom-

men: Die L._____ sollte per Vollzugsdatum keine Verbindlichkeiten aus-

ser denjenigen (sog. "nicht transferierte Verbindlichkeiten") gegenüber 

den nachfolgenden Parteien haben, nämlich der D1'._____ [...] in Höhe 

von USD 31'410'000 plus angefallene Zinsen aus dem Weizengeschäft 

2008; [...]" Im Ingress 2-4 wurden drei weitere Gläubiger aufgelistet.

In  Abs. 2  verpflichtete  sich  N._____,  die  L._____  für  allfällige  andere 

am  Vollzugsdatum  noch  verbleibende  Verbindlichkeiten  –  mit  Aus-

nahme  der  vorgenannten  "nicht  transferierten  Verbindlichkeiten"  ge-

mäss Ziffer 11 Abs. 1 – spätestens per 30. September 2011 zu entlas-

ten.

In Abs. 3 wurde festgehalten, dass die L._____ per Vollzugsdatum als 

einziges  zugesichertes  Aktivum  über  Guthaben  auf  den  gesperrten 

Konten im Umfang von USD 36'400'000 verfügte.

--

In Ziffer 12 verpflichtete sich N._____, eine Zahlung von CHF 2.5 Mio. 

zur Abdeckung der gemäss Ziffer 11 Abs. 1 Ingress 2-4 bei der L._____ 

verbleibenden Verbindlichkeiten zu leisten.

--

In Ziffer 20 verzichteten alle Parteien unter Vorbehalt der Gewährleis-

tung  gemäss  Ziffer 11  auf  eine  zukünftige  Geltendmachung  von 

Rechten  und  Forderungen  bezüglich  der  in  den  "Vorbemerkungen" 

beschriebenen Sachverhalte, insbesondere bezüglich der Tätigkeit von 

R._____ als ehemaliger Verwaltungsrat der C._____ und N._____ als 

ehemaliger Geschäftsführer der C._____ und bezüglich Konflikten aus 

der konkurrenzierenden Geschäftstätigkeit der L._____ sowie der Tä-

tigkeit von R._____, N._____ und dessen Ehefrau als Verwaltungsräte, 

Geschäftsführer und Eigentümer der L._____. Die Parteien vereinbar-

ten, diesbezüglich keine Zivilgerichte, Strafverfolgungsbehörden, Steu-

erbehörden oder andere Administrativbehörden mehr zu bemühen oder 

durch Anzeigen und Stellungnahmen zum Handeln zu bewegen.

-   31   -

--

In  Ziffer 22  erklärten  die  Parteien,  mit  vollständigem  Vollzug  der  vor-

liegenden Vereinbarung per Saldo aller Ansprüche auseinandergesetzt 

zu  sein  und  wegen  den  streitgegenständlichen  Sachverhalten  keine 

wechselseitigen  Ansprüche  mehr  zu  haben,  und  bekräftigten  erneut, 

von einer weiteren Verfolgung der geltend gemachten Ansprüche, sei 

es straf-, zivil-, verwaltungs- oder steuerrechtlich, abzusehen.

--

In  den  Ziffern 13-21  regelten  die  Parteien  das  weitere  Vorgehen, 

namentlich die Bestellung eines neuen Verwaltungsrats für die L._____, 

die Einreichung eines Gesuchs um Aufhebung der Konto- und Grund-

stücksperren,  die  Abgabe  von  Desinteresseerklärungen  und  den 

Rückzug der hängigen Zivilklagen, namentlich den Rückzug der Klagen 

in  den  am  Bezirksgericht  Meilen  hängigen  Verfahren  mit  Geschäfts-

Nummern  CG090043  und  CG090055,  sowie  die  Zustimmung  zur 

Durchführung eines abgekürzten Strafverfahrens gegen N._____. Die 

Parteien  hielten  zudem  fest,  dass  die  Guthaben  auf  den  gesperrten 

Konten nach Abzug der Kosten im Strafverfahren gegen N._____ voll-

umfänglich der L._____ zukommen sollten.

3.4.3 Der  Beschuldigte  A._____  stellte  sich,  wie  erwähnt,  auf  den  Standpunkt, 

dass die Vergleichsvereinbarung auf den Bestand der Schadenersatzforde-

rung der C._____ gegen die L._____ keinen Einfluss gehabt habe.

In  Ziffer 11  Abs. 1  Ingress 1-4  wurden  die  offenen  Verbindlichkeiten  der 

L._____  aufgeführt  und  es  wurde  festgehalten,  dass  die  L._____  per 

Vollzugsdatum  ‒  ausser  den  vier  aufgelisteten,  als  "nicht  transferiert"  be-

zeichneten ‒ keine Verbindlichkeiten mehr haben sollte. Hierfür verpflichtete 

sich N._____ explizit, die L._____ von allen Verbindlichkeiten ‒ ausser den 

"nicht transferierten " ‒ bis spätestens 30. September 2011 zu entlasten. Ent-

gegen dem Vorbringen des Beschuldigten B._____ kann objektiv betrachtet 

aus der Wendung in Ziffer 11 Abs. 1 nicht abgeleitet werden, dass den "nicht 

transferierten Verbindlichkeiten" eine Liste von "transferierten Verbindlichkei-

ten" gegenüber gestanden hätte, die auf den neuen Eigentümer der L._____ 

übergegangen  wären.  Hierfür  wurden  auch  keine  tatsächlichen  Anhalts-

-   32   -

punkte genannt und anhand der Akten lassen sich keine Anhaltspunkte er-

kennen,  dass  diesbezüglich  ein  tatsächlicher  Konsens  implizit  bestanden 

hätte.

Im Gegenteil gab B._____ in einer Einvernahme vom 11. November 2013 auf 

die Frage, was mit dem Ausdruck "nicht transferierte Verbindlichkeiten" ge-

meint gewesen sei, zu Protokoll, es sei darum gegangen, die L._____ an die 

C._____ zu übergeben, um deren Schadenersatzforderung in der Höhe von 

CHF 57  Mio.  zu  kompensieren.  Die  L._____  hätte  in  einem  "sauberen  Zu-

stand"  übergeben  werden  sollen.  Sämtliche  "Altlasten"  der  L._____  seien 

deshalb  an  eine  Firma  des  L._____-Hauptaktionärs  (N._____)  übertragen 

worden. Als Guthaben hätten sich schliesslich die arretierten Dollarguthaben 

auf der einen Seite und auf der anderen Seite die "nicht transferierten Ver-

bindlichkeiten" gegenübergestanden, die unter Punkt 11 der Vergleichsver-

einbarung aufgeführt seien (STA act. 30201033 Antwort 11). Diese Aussa-

gen decken sich mit den Entwürfen der Vergleichsvereinbarung, wonach die 

L._____ im Zeitpunkt der Übergabe an den neuen Eigentümer (AA._____) 

keine  anderen  Verbindlichkeiten  als  die  ausstehende  Forderung  der 

D1._____  haben  sollte  (vgl. STA  act. 10017236-12  Ziff. 2,  10017236-17 

Ziff. 10,  10017236-28  Ziff. 10,  10017236-35  Ziff. 10,  10017236-66  Ziff. 11, 

10017236-86 Ziff. 11). Die diversen Vertragsentwürfe sprechen durchwegs 

gegen die Annahme, es habe eine Liste mit auf den neuen Eigentümer "trans-

ferierten Verbindlichkeiten" gegeben, wozu die Schadenersatzforderung der 

C._____ gegen die L._____ gehört hätte.

Hinzu kommt, dass die von N._____ übernommene Gewährleistung gemäss 

Ziffer 11 Abs. 2 objektiv keinen Sinn ergeben würde, wenn neben der Liste 

der  "nicht  transferierten  Verbindlichkeiten"  weitere  Verbindlichkeiten  der 

L._____  fortbestanden  hätten.  Die  vereinbarte  Gewährleistung  machte  im 

Gegenteil deutlich, dass die Liste der "nicht transferierten Verbindlichkeiten" 

abschliessend zu verstehen war. Die Schadenersatzforderung der C._____ 

gegen die L._____ war in dieser Liste nicht enthalten.

-   33   -

3.4.4 Wie  die  Vorinstanz  festhielt,  bezweckte  die  Vergleichsvereinbarung  die 

Beendigung  sämtlicher  aus  dem  Konflikt  zwischen  der  C._____  und  der 

L._____ und ihren Organen resultierenden Verfahren (Urk. 145 S. 39). In Zif-

fer 20 nahmen die Parteien explizit Bezug auf die in den "Vorbemerkungen" 

erwähnten Zivil- und Strafverfahren ‒ darunter die am Bezirksgericht Meilen 

hängige Zivilklage der C._____ gegen die L._____ ‒ und verzichteten auf die 

weitere  Geltendmachung  von  daraus  abgeleiteten  Rechten  und  Forder-

ungen.  In  Ziffer 22  vereinbarten  sie  eine  Saldoklausel,  welche  alle  offenen 

Forderungen  betreffen  sollte,  die  nicht  in  Ziffer 11  Ingress 1-4  aufgeführt 

waren. Wie gesagt war die Schadenersatzforderung der C._____ in dieser 

Liste nicht enthalten. Objektiv können diese Bestimmungen nur so ausgelegt 

werden, dass die Schadenersatzforderung der C._____ durch Verzicht un-

tergegangen war.

Der Beschuldigte A._____ machte indessen geltend, der Verzicht sei simu-

liert. Den Parteien sei in Tat und Wahrheit klar gewesen, dass die Schaden-

ersatzforderung  der  C._____  fortbestanden  habe,  die  Forderung  der 

D1._____ gegen die L._____ dagegen nicht berechtigt gewesen sei. Dieses 

Argument steht mit der Entstehungsgeschichte und dem Wortlaut der Ver-

gleichsvereinbarung nicht in Einklang. Gemäss den ersten Vertragsentwür-

fen, an deren Formulierung der Beschuldigte A._____ federführend beteiligt 

war, sollten die Kontoguthaben der L._____ nach Aufhebung der Kontosper-

ren an die C._____ zur Deckung ihrer Schadenersatzforderung überwiesen 

werden.  Auf  dieser  Grundlage  kam  aber  eben  gerade  kein  Vergleich  zu-

stande (vgl. STA act. 10017236-40 ff., act. 10017236-60). Wie die Vorinstanz 

zu Recht folgerte, muss aufgrund der lang andauernden Vergleichsgesprä-

che davon ausgegangen werden, dass sich die Parteien letztendlich bewusst 

für  den  Verkauf  der  L._____  zum  symbolischen  Preis  von  CHF 1.-  an  den 

Hauptaktionär der C._____ (AA._____) und zur Verpflichtung von N._____ 

zur Schadloshaltung der C._____ im Rahmen des Zumutbaren entschieden 

und  dass  die  Schadenersatzforderung  der  C._____  gegen  die  L._____  im 

Gegenzug durch Verzicht unterging (Urk. 145 S. 40). Für die C._____ hatte 

diese Lösung – entgegen der Behauptung des Beschuldigten A._____ – den 

-   34   -

Vorteil, dass die L._____ als Konkurrentin ausgeschaltet und die Prozessri-

siken beseitigt wurden. In Ziff. 13 der Vergleichsvereinbarung stimmten alle 

Parteien ausdrücklich zu, dass die Gelder auf den gesperrten Konten nach 

Abzug  der  Kosten  des  Untersuchungs-  und  Gerichtsverfahrens  gegen 

N._____  vollumfänglich  der  L._____  zukommen  soll.  In  der  Folge  zog  die 

C._____ ihre Klage gegen die L._____ zurück. Auch aus diesem tatsächli-

chen Verhalten im Anschluss an die Unterzeichnung der Vergleichsvereinba-

rung wird ersichtlich, dass die Parteien die Vergleichsvereinbarung so ver-

standen,  dass  auf  die  Geltendmachung  der  Schadenersatzforderung  der 

C._____ verzichtet wurde.

Das  Vorbringen  des  simulierten  Verzichts  auf  die  Schadenersatzforderung 

der C._____ kollidiert des Weiteren mit der Interessenlage anderer Vertrags-

parteien, insbesondere derjenigen von N._____. Als damals einziger Verwal-

tungsrat  der  L._____  hatte  N._____  in  Betracht  ziehen  müssen,  dass  die 

D1._____ als geschädigte Gläubigerin neue Straf- und Zivilverfahren gegen 

ihn persönlich initiieren könnte. Mit dem Abschluss der Vergleichsvereinba-

rung war diese Gefahr gebannt, da die L._____ als Rechtsperson bestehen 

blieb und im Zeitpunkt des Vergleichsabschlusses über rund 36 Mio. USD, 

mithin über genügend finanzielle Mittel verfügte, um die Kaufpreisrestanz aus 

dem Weizenhandelsgeschäft im Betrag von rund 31,5 Mio. USD zu beglei-

chen. Dafür, dass N._____ mit der D1._____ "unter einer Decke gesteckt" 

hätte, um sich den Abschluss des gegen ihn geführten Strafverfahrens am 

Strafgericht  Zug  im  abgekürzten  Verfahren  und  die  Aufhebung  der  Grund-

buchsperre auf seiner selbstbewohnten Liegenschaft zu sichern, wie der Be-

schuldigte  A._____  behauptete  (Urk. 114  S. 14 f.),  gibt  es  keine  konkreten 

Hinweise. Im Gegenteil war N._____ bemüht, den Schaden der C._____ im 

Rahmen des ihm wirtschaftlich Zumutbaren wieder gut zu machen. So ver-

kaufte er dem Mehrheitsaktionär der C._____ seine Aktien an der L._____ 

zu einem symbolischen Preis von CHF 1.- und überwies der C._____ zwei 

namhafte Beträge (USD 2.4 Mio. und CHF 2.5 Mio.) als Schadensausgleich. 

Die Wiedergutmachungsleistungen waren mit ein Grund, weshalb das Straf-

gericht  Zug  dem  abgekürzten  Verfahren  zustimmte 

(vgl.  STA 

-   35   -

act. 30101020 f.). Entgegen der Behauptung des Beschuldigten A._____ war 

es demnach auch nicht so, dass die C._____ (direkt oder indirekt) leer aus-

ging bzw. keinerlei Vorteile aus der Vergleichsvereinbarung hatte.

Mit der Vorinstanz ist das Argument der Teilsimulation der Vergleichsabrede 

zu Recht als Schutzbehauptung zu qualifizieren. Wenn einzig die Beschul-

digten  B._____  und  A._____  ihre  Zustimmung  zum  Forderungsverzicht 

simulierten, so liegt keine Teilsimulation im rechtlichen Sinne, sondern eine 

Mentalreservation vor. Eine solche nicht ernst gemeinte Zustimmung einzel-

ner Vertragsparteien hat auf das Zustandekommen der Vereinbarung keinen 

Einfluss. Auch dies hielt die Vorinstanz zu Recht fest (Urk. 114 S. 41, 43).

Daran würde selbst dann nichts ändern, wenn N._____ wusste oder damit 

rechnete, dass B._____ und A._____ nicht die Absicht hatten, die Forderung 

der D1._____ je zu begleichen, sondern die Gelder der L._____ nach Aufhe-

bung  der  Kontosperre  für  sich  zu  beanspruchen  (so  eine  Vermutung  im 

Untersuchungsverfahren, vgl. STA act. 30101057). Ihm ging es darum, als 

vormaliger Verwaltungsrat der L._____ nicht mehr belangt zu werden.

3.4.5 Zutreffend ist weiter die Feststellung der Vorinstanz, dass sich die Parteien 

der Vergleichsvereinbarung der Forderung der D1._____ aus dem Weizen-

handelsgeschäft  mit  der  L._____  stets  bewusst  waren  (Urk. 145  S. 39 f.). 

Dies ergibt sich zum einen aus den Bestimmungen der Vergleichsentwürfe 

(STA act. 10017236-3 ff., 11 ff., 16 ff., 27 ff., 35 ff.) und aus dem Entwurf ei-

ner Schuldübernahmevereinbarung der L._____ mit der F._____ AG, einer 

vom  Beschuldigten  A._____ 

beherrschten  Unternehmung 

(STA 

act. 10017236-55).  Zum  andern  ist  der  Korrespondenz  des  Beschuldigten 

A._____  mit  der  für  die  Konto-  und  Grundbuchsperren  verantwortlichen 

Staatsanwältin  der  Staatsanwaltschaft  Zug  zu  entnehmen,  dass  die 

D1._____ über das Zustandekommen der Vergleichsvereinbarung nicht in-

formiert  werden  sollte.  Zur  Begründung  machte  der  Beschuldigte  A._____ 

geltend, eine Mitteilung an die D1._____ würde sowohl die C._____ als auch 

die L._____ beschweren und sei nicht erforderlich, da in der Rechtsperson 

der L._____, abgesehen von der Abberufung der Verwaltungsratsmitglieder 

-   36   -

N._____  und  R._____,  keine  Veränderungen  eintreten  würden  (STA 

act. 10017236-75).  Aus  dieser  Äusserung  ist  zu  schliessen,  dass  die  Par-

teien vom tatsächlichen Bestehen der Forderung der D1._____ und von de-

ren  Verbleib  bei  den  Passiven  der  L._____  ausgingen  (vgl.  auch  STA 

act. 10017236-79). Im Übrigen hat der Beschuldigte A._____ auch nie nach-

vollziehbar dargetan, weshalb die Forderung der D1._____ aus dem Weizen-

handelsgeschäft mit der L._____ nicht bestanden haben sollte.

Auch die fallführende Staatsanwältin verstand die Vergleichsvereinbarung in 

diesem  Sinn.  In  der  Verfügung  vom  9. August  2011  betreffend  Aufhebung 

der  Konto-  und  Grundbuchsperren  hielt  sie  fest,  dass  die  Parteien  in  der 

Vergleichsvereinbarung  den  Rückzug  aller  Zivilklagen  vereinbart  und  sich 

zivilrechtlich  umfassend  geeinigt  hätten  und  die  neuen  verantwortlichen 

Organe der L._____ sich nach den Vorgaben von Ziffer 11 der Vergleichs-

vereinbarung zu gegebener Zeit mit den Gläubigern der L._____ und deren 

Forderungen ‒ darunter gemäss Ziffer 11 Abs. 1 Ingress 1 die Forderung der 

D1._____ ‒ befassen müssten (STA act. 10017236-152).

3.4.6 Als Ergebnis ist festzuhalten, dass es keine Hinweise auf einen vom objekti-

ven  Verständnis  der  Vergleichsvereinbarung  abweichenden  tatsächlichen 

Konsens der Vertragsparteien gab, wonach die Schadenersatzforderung der 

C._____ gegen die L._____ trotz gegenteiliger Abreden in Ziffer 20 und 22 

der  Vergleichsvereinbarung  weiterhin Bestand gehabt  hätte.  Mit  der  Vorin-

stanz ist davon auszugehen, dass die Schadenersatzforderung der C._____ 

gegen die L._____ infolge Verzichts auf deren Geltendmachung untergegan-

gen war.

3.4.7 Es  ist  unbestritten  und  aktenkundig,  dass  der  Beschuldigte  B._____  im 

Namen der C._____ und der L._____ eine auf den 26. Juli 2011 datierte Zu-

satzvereinbarung  unterzeichnete,  wonach  die  Schadenersatzforderung  der 

C._____  nicht  unter  die  Saldoklausel  falle  (STA  act. 60101008).  Weiter  ist 

unbestritten  und  aktenkundig,  dass  der  Beschuldigte  B._____  im  Namen 

der C._____  am  10. August  2011  der  L._____  über  den  Betrag  von 

USD 35'833'339.66  Rechnung  stellte  und  als  Zahlungsgrund  auf  die 

-   37   -

Schadenersatzforderung  der  C._____  und  das  einstige  Zivilverfahren  am 

Bezirksgericht Meilen verwies (STA act. 30201039). Sodann ist unbestritten 

und  aktenkundig,  dass  der  Beschuldigte  B._____  als  Verwaltungsrat  der 

L._____ anschliessend der V._____ und der W._____ den Auftrag erteilte, 

die auf den freigegebenen Konten der L._____ liegenden Guthaben an die 

C._____  zu  überweisen  (STA  act. 40501020,  act. 40601499; 

ferner 

act. 30201004 Frage/Antwort 29). Schliesslich ist unbestritten und erwiesen, 

dass der Beschuldigte B._____ im Namen der C._____ eine zweite, auf den 

20. Januar 2012 datierte Zusatzvereinbarung unterzeichnete, worin festge-

halten wurde, dass die Rechnungsstellung und die Transaktion der Gelder 

der L._____ an die C._____ rechtens waren (STA act. 60101009).

3.4.8 Der Beschuldigte B._____ unterzeichnete die Vergleichsvereinbarung im Na-

men der C._____ und in eigenem Namen. Er stellte nicht in Abrede, den In-

halt  der  Vereinbarung  gekannt  zu  haben.  Spätestens  mit  Antritt  des 

Verwaltungsratsmandats bei der L._____ kannte er auch deren wirtschaftli-

che Verhältnisse. Er wusste, dass das einzige Aktivum der L._____ aus den 

Guthaben auf den freigegebenen Konten bestand (vgl. STA act. 30201002 

Antwort 27).  Trotz  seiner  Kenntnisse  veranlasste  er  die  Überweisung  der 

besagten  Guthaben  an  die  C._____,  nachdem  die  Staatsanwaltschaft  Zug 

die Kontosperren aufgehoben hatte. Mit diesem Vorgehen setzte er sich be-

wusst und gewollt über die Vergleichsvereinbarung hinweg. Der Beschuldigte 

B._____ war hauptberuflich als Verwaltungsrat tätig (vgl. STA act. 30201002 

F/A 4).  Er  wusste  daher  zweifelsohne,  dass  er  gegen  die  Interessen  der 

L._____ handelte und als deren Verwaltungsrat verpflichtet gewesen wäre, 

die Gesellschaftsinteressen zu vertreten und zu wahren. In der Folge wurde 

die L._____ überschuldet und war nicht mehr in der Lage, ihren Verbindlich-

keiten gemäss Ziffer 11 der Vergleichsvereinbarung nachzukommen. Auch 

dies war dem Beschuldigten B._____ bewusst.

3.4.9 Der Beschuldigte A._____ war dannzumal zunächst als Anwalt der C._____ 

tätig und beriet den Beschuldigten B._____ bei dessen Vorgehen. Dies ist 

anhand  seiner  Korrespondenz  mit  den  Parteianwälten  und  der  Staatsan-

-   38   -

wältin  der  Staatsanwaltschaft  Zug  ersichtlich  (STA  act. 10017236-1 ff.). 

Zudem unterstützte er den Beschuldigten B._____, indem er die erwähnte, 

auf den 26. Juli 2011 datierte Zusatzvereinbarung aufsetzte, wonach sich die 

Saldoklausel  gemäss  Ziffer 22  der  Vergleichsvereinbarung  nicht  auf  die 

Schadenersatzforderung der C._____ beziehe. Wie die Vorinstanz zutreffend 

feststellte, ergibt sich die Urheberschaft des Beschuldigten A._____ an die-

ser  Zusatzvereinbarung  aus  dem  verwendeten  Briefkopf  auf den  Vertrags-

entwürfen (Urk. 145 S. 42 mit Verweis auf STA act. 60701012 ff.). Gleiches 

gilt  für  die  nachgenannte  Zusatzvereinbarung  vom  20. Januar  2012.  Die 

Behauptung des Beschuldigten A._____, er habe zur Liquidation der L._____ 

und Bezahlung der Schadenersatzforderung der C._____ im Rahmen der Li-

quidation geraten, ist somit durch die Akten widerlegt. Im Übrigen ist nicht 

nachvollziehbar, weshalb er diese Behauptung erstmals im Berufungsverfah-

ren vorbringt. Angesicht der gravierenden Straftaten, mit denen er sich vor-

liegend konfrontiert sieht, hätte er sich vom Anwaltsgeheimnis entbinden las-

sen  und  dies  bereits  früher  vortragen  können  und  müssen,  wenn  dem  tat-

sächlich so gewesen wäre.

Es ist ebenfalls unbestritten und aktenkundig, dass der Beschuldigte A._____ 

in seiner Funktion als Liquidator der L._____ nichts unternahm, um die Gut-

haben der L._____ zurückzuholen. Der Beschuldigte A._____ bestritt auch 

nicht,  die  Zusatzvereinbarung  vom  20. Januar  2012  verfasst  und  in  seiner 

Funktion  als  Liquidator  unterzeichnet  zu  haben.  Darin  wurde  festgehalten, 

dass die Vergleichsvereinbarung den Zweck verfolgt habe, das noch vorhan-

dene Vermögen der L._____ so weit als möglich auf die C._____ zu übertra-

gen. Des Weiteren wurde festgelegt, wie mit der D1._____ umzugehen ist, 

insbesondere wenn diese die Kaufpreisrestanz geltend machen sollte (STA 

act. 60101009 ff.).

3.4.10Der Beschuldigte A._____ war an der Ausarbeitung der Vergleichsvereinba-

rung vom 26. Juli 2011 massgeblich beteiligt. Dies ist aus der Korrespondenz 

des  Beschuldigten  A._____  mit  den  Parteianwälten  und  der  fallführenden 

Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Zug zu ersehen (STA act. 10017236-

-   39   -

39 ff.). Er kannte den Inhalt der Vergleichsvereinbarung daher bestens. Den-

noch entschied er sich dazu, den Beschuldigten B._____ bei dessen Vorge-

hen zu beraten und mit dem Aufsetzen der Zusatzvereinbarung vom 26. Juli 

2011 zu unterstützen. Mit Übernahme seines Mandats als Liquidator war der 

Beschuldigte  A._____  mit  der  Bilanz  der  L._____  ebenfalls  vertraut  und 

wusste über den Vermögensabfluss auf den Konten der L._____ Bescheid. 

Dennoch unterliess er es, das der L._____ abhanden gekommene Geld zu-

rückzuholen, und verfasste eine weitere Zusatzvereinbarung vom 20. Januar 

2012, um die Transaktion der Gelder an die C._____ zu legitimieren. Gleich 

wie B._____ setzte sich der Beschuldigte A._____ bewusst und gewollt über 

den Inhalt der Vergleichsvereinbarung hinweg. Als Rechtsanwalt wusste er 

auch,  dass  er  gegen  die  Interessen  der  L._____  handelte,  obschon  er  als 

Liquidator verpflichtet gewesen wäre, die Interessen der sich in Liquidation 

befindenden Gesellschaft zu vertreten und zu wahren. In der Folge wurde die 

L._____ überschuldet und konnte ihren Verbindlichkeiten nicht mehr nach-

kommen. Der Beschuldigte A._____ war sich dessen bewusst.

3.4.11Die Guthaben der L._____ gingen zunächst auf das USD-Kontokorrentkonto 

der C._____ bei der Bank H._____ AG. Vor der Überweisung der betreffen-

den  Guthaben  wies  dieses  Konto  einen  Stand  von  USD 953'396.63  auf 

(STA act. 40103453). Am 19. August 2011 und am 23. August 2011 gingen 

die Guthaben im Betrag von USD 14'567'224.31 und USD 18'226'079.35 auf 

dem  Kontokorrentkonto  ein.  Nach  einem  Barbezug  und  zwei  Zahlungen 

betrug  der  Kontostand  am  25. August  2011  USD 31'128'021.69 

(STA act. 40103454).

Die Vorinstanz zeichnete im Einzelnen nach, auf welchem Weg die von der 

L._____ stammenden Gelder ab dem USD-Konto der C._____ an den Be-

schuldigten  B._____  persönlich  und  an  Unternehmen  gingen,  die  von  den 

Beschuldigten B._____ und A._____ beherrscht wurden (Urk. 145 S. 46-60). 

Die  Feststellungen  der  Vorinstanz  stimmen  mit  den  Akten  überein  (vgl.  zu 

den  Ersatzforderungen  E. VII/2  und  E. VII/3  hernach).  Auf  der  Grundlage 

dieser Transaktionen schloss die Vorinstanz zu Recht, dass sich die Beschul-

-   40   -

digten B._____ und A._____ an den Geldern der L._____ rechtsgrundlos be-

reichern wollten.

3.4.12 Der Sachverhalt im Anklagepunkt 1 ist erstellt. Das angefochtene Urteil ist 

insoweit zu bestätigen.

4.

Vorwurf 3

4.1 Anklageschrift

Die Staatsanwaltschaft legte dem Beschuldigten A._____ als Liquidator zur 

Last, in einem auf den 9. Mai 2013 datierten Vermerk (recte: Datierung auf 

den 9. Mai 2011) und in einer E-Mail vom 7. Oktober 2013 dafür gesorgt zu 

haben, dass in der Buchhaltung der L._____ die D1._____ als Gläubigerin 

ausgebucht und durch die C._____ ersetzt werde. Dies habe zur Folge ge-

habt,  dass  im  Geschäftsabschluss  der  L._____  per  31. Dezember  2011 

wahrheitswidrig  die  C._____  anstelle  der  D1._____  als  Gläubigerin  aufge-

führt worden sei. Der Beschuldigte A._____ sei sich bewusst gewesen, dass 

mit dieser Änderung in der Buchhaltung der L._____ eine rechtlich erhebliche 

Tatsache unrichtig beurkundet werde. Er habe in Kauf genommen, dass die 

Buchhaltung  der  L._____  mit  den  unwahren  Angaben  zur  Täuschung  von 

Drittpersonen verwendet werde. Er habe dies in der Absicht getan, zunächst 

der C._____ und anschliessend sich selbst einen ungerechtfertigten Vermö-

gensvorteil zu verschaffen und es der D1._____ zu erschweren, ihre berech-

tigte Forderung gegen die L._____ durchzusetzen (Urk. 11 S. 36-37).

4.2 Standpunkt des Beschuldigten A._____

Der Beschuldigte A._____ gab zu, veranlasst zu haben, dass in der Buchhal-

tung der L._____ die Forderung der D1._____ gelöscht und durch die Forde-

rung der C._____ ersetzt worden war. Er machte zu seiner Entlastung gel-

tend, er habe die Buchhaltung einer "kriminellen Organisation" im Bewusst-

sein übernommen, dass diese nicht stimme und korrigiert werden müsse. Er 

habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt (Urk. 114 S. 17-18; Prot. 

II S. 28 f.).

-   41   -

4.3 Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete den Anklagesachverhalt als erstellt. Sie stützte sich 

dabei auf die Bilanzen und Erfolgsrechnungen der L._____ aus den Jahren 

2010 und 2011, einen auf den 9. Mai 2011 datierten Vermerk des Beschul-

digten  A._____  sowie  auf  eine  E-Mail  des  Beschuldigten  A._____  an  den 

Buchhalter der L._____ namens O._____ vom 7. Oktober 2013, in welcher 

der Beschuldigte A._____ nachträglich weitere Anweisungen zur Änderung 

der Bilanz der L._____ erteilt habe. Das Wissen und Wollen des Beschuldig-

ten A._____ sowie dessen Bereicherungsabsicht begründete die Vorinstanz 

mit  dem  Wissen  und  Wollen  gemäss  dem  erstellten  Anklagesachverhalt 1 

(Urk. 145 S. 60-62).

4.4 Beweiswürdigung

Die  Begründung  der  Vorinstanz  stimmt  mit  den  Akten  überein.  Es  kann 

darauf  verwiesen  werden,  zumal  der  Beschuldigte  A._____  zugab,  die 

Löschung der D1._____ als Gläubigerin und an deren Stelle die Einsetzung 

der C._____ in der Buchhaltung der L._____ veranlasst zu haben. Er bestritt 

auch  nicht,  die  Bilanz  der  L._____  am  30. Juni  2012  beim  Steueramt  des 

Kantons Zug eingereicht zu haben.

Rekapitulierend ist festzustellen, dass der Beschuldigte A._____ den Inhalt 

der  Vergleichsvereinbarung  vom  26. Juli  2011  bestens  kannte.  Er  wusste, 

dass die D1._____ gegen die L._____ eine Forderung geltend machte und 

diese  Forderung  als  "nicht  transferierte"  Verbindlichkeit  der  L._____  in  der 

Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 2011 aufgeführt war. Er wusste eben-

falls, dass die C._____ aufgrund der Saldoklausel in der Vergleichsvereinba-

rung vom 26. Juli 2011 auf die Geltendmachung ihrer Forderung gegen die 

L._____ verzichtet hatte. Demzufolge war ihm bewusst, dass die Löschung 

der Forderung der D1._____ in der Buchhaltung der L._____ und die Einset-

zung  der  C._____  als  Gläubigerin  nicht  der  Wahrheit  entsprach.  Dennoch 

entschied  er  sich  dazu,  die  betreffenden  Tatsachen  falsch  beurkunden  zu 

-   42   -

lassen. Er tat dies in der Absicht, der C._____ und anschliessend sich selbst 

einen Vermögensvorteil zu verschaffen.

Der Sachverhalt im Anklagepunkt 3 ist ebenfalls erstellt und das angefoch-

tene Urteil insoweit zu bestätigen.

IV. Rechtliche Würdigung

1.

Vorwurf 1

1.1 Standpunkte der Parteien

Die  Staatsanwaltschaft  beantragte  vor  Vorinstanz  einen  Schuldspruch 

wegen qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 

und Abs. 3 StGB) und betrügerischen Konkurses (Art. 163 Ziff. 1 StGB). Im 

Berufungsverfahren  beantragte  sie  diesbezüglich  die  Bestätigung  des 

bezirksgerichtlichen Urteils (Urk. 191 S. 2).

Der Beschuldigte A._____ bestritt die rechtliche Einordnung seiner Handlun-

gen  als  Straftaten.  Die  L._____  habe  keinen  Schaden  erlitten,  da  mit  der 

Überweisung der Guthaben an die C._____ eine Schuld beglichen worden 

sei. Der Beschuldigte A._____ stellte sich auf den Standpunkt, rechtens ge-

handelt zu haben. Jedenfalls hätte er subjektiv nach bestem Wissen und Ge-

wissen gehandelt. Er hätte niemanden schädigen und sich nicht unrechtmäs-

sig bereichern wollen (Urk. 114 S. 17; Prot. II S. 9 ff.).

1.2 Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz qualifizierte die Handlungen der Beschuldigten B._____ und 

A._____  als  qualifizierte  ungetreue  Geschäftsbesorgung  (Art. 158  Ziff. 1 

Abs. 1 und Abs. 3 StGB) und ‒ abweichend vom Antrag der Staatsanwalt-

schaft  ‒  als  Gläubigerschädigung  durch  Vermögensminderung  (Art. 164 

Ziff. 1 StGB), das Verhalten des Beschuldigten A._____ zusätzlich als Gehil-

fenschaft  zur  ungetreuen  Geschäftsbesorgung  und  als  Gehilfenschaft  zur 

Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung (Art. 25 StGB).

-   43   -

2. Qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung

Die Vorinstanz stellte die Elemente der qualifizierten ungetreuen Geschäfts-

besorgung in der Tatbestandsvariante des Treubruchs (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 

und  Abs. 3  StGB)  im  Einklang  mit  Lehre  und  Rechtsprechung  dar.  Die 

nachfolgenden  Erwägungen  dienen  der  Rekapitulation  und  Verdeutlichung 

einzelner Aspekte.

2.1 Geschütztes Rechtsgut / Konkurrenzen

Der Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB) schützt 

fremdes Vermögen (MARCEL ALEXANDER NIGGLI, in: Basler Kommentar zum 

Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, Art. 158 N. 1). Art. 158 StGB bedroht in Ziff. 1 den 

Treubruch, in Ziff. 2 den Missbrauch von Vertretungsmacht mit Strafe. Sind 

beide  Tatbestandsvarianten  erfüllt,  geht  Art. 158  Ziff. 1  StGB  vor  (NIGGLI, 

a.a.O.,  Art. 158  N. 182).  Die  Vorinstanz  erachtete  Art. 158  StGB  in  der 

Tatbestandsvariante des Treubruchs als erfüllt, weshalb sie ‒ wie die nach-

folgenden  Erwägungen  bestätigen  ‒  die  zweite  Tatbestandsvariante  des 

Missbrauchs nicht zu prüfen brauchte.

Der  qualifizierte  Tatbestand  der  ungetreuen  Geschäftsbesorgung  (Art. 158 

Ziff. 1  Abs. 1  und  Abs. 3  StGB)  steht  zum  Tatbestand  der  Veruntreuung 

(Art. 138 StGB) in einem Konkurrenzverhältnis, wenn dem Täter das fremde 

Vermögen im Sinne von Art. 138 StGB anvertraut wurde. Das Geschäftsver-

mögen einer Handelsgesellschaft ist den Gesellschaftsorganen nicht anver-

traut im Sinne des Veruntreuungstatbestands. Wenn ein Gesellschaftsorgan 

das Vermögen pflichtwidrig verwaltet, gelangt nur Art. 158 StGB zur Anwen-

dung (BGer, Urteil 6B_446/2010 vom 14.10.10 E. 6.3 in fine; NIGGLI, a.a.O., 

Art. 158 N. 182; ANDREAS DONATSCH, in: StGB/JStGB Kommentar, 21. Aufl. 

2022,  Art. 158  N. 18).  Ausnahmsweise  ist  Art. 138  StGB  dennoch  anzu-

wenden, wenn die Handlungen den Rahmen der Organtätigkeit offensichtlich 

verlassen  und  es  dem  Organ  einzig  darum  geht,  sich  Gegenstände  oder 

Vermögenswerte der Gesellschaft zwecks persönlicher Bereicherung anzu-

eignen (BGer, Urteile 6B_511/2020 vom 10.3.21 E. 2.3.3; 6B_326/2012 vom 

-   44   -

14.1.13  E. 2.5.3).  Dies  trifft  vorliegend  nicht  zu,  da  sich  die  Beschuldigten 

B._____  und  A._____  ‒  anders  als  in  anderen  Sachverhaltskomplexen  ‒ 

nicht mit Geldbezügen direkt bereicherten, sondern einen Umweg über die 

C._____ machten (vgl. BGer, Urteil 6B_511/2020, a.a.O., E. 2.4.1).

Da  der  Beschuldigte  B._____  als  Verwaltungsrat  und  der  Beschuldigte 

A._____  als  Liquidator  Organe  der  L._____  waren  und  im  Rahmen  ihrer 

Organtätigkeit delinquierten, prüfte die Vorinstanz zu Recht nur den Tatbe-

stand der ungetreuen Geschäftsbesorgung.

2.2 Objektiver Tatbestand

Der  objektive  Treubruchtatbestand  ist  an  drei  Voraussetzungen  geknüpft, 

nämlich  die  Eigenschaft  des  Täters  als  Geschäftsführer,  die  Verletzung 

einer damit  in  Zusammenhang  stehenden  Vermögensfürsorgepflicht  und 

daraus hervorgehend die Verursachung eines Vermögensschadens (STEFAN 

TRECHSEL/DEAN  CRAMERI,  Praxiskommentar  zum  Strafgesetzbuch,  4. Aufl. 

2021, Art. 158 N. 1).

2.2.1 Geschäftsführereigenschaft  im  Sinne  von  Art. 158  Ziff. 1  Abs. 1  StGB  hat 

derjenige, der in tatsächlich oder formell selbständiger und verantwortlicher 

Stellung im Interesse eines andern für einen nicht unerheblichen Vermögens-

komplex zu sorgen hat (BGE 142 IV 346 E. 3.2; BGer, Urteil 7B_139/2023 

vom 25.6.24 E. 3.4.2). Anhaltspunkte für eine hinreichende Selbstständigkeit 

ergeben sich etwa aus der Unterschriftsberechtigung mit Bezug auf das zu 

verwaltende  Vermögen,  der  Verfügungsberechtigung  über  Guthaben,  der 

Entscheidungsfreiheit  in  eigenverantwortlicher  Weise  über  Personal  und 

Sachmittel und dem Ausmass an Freiheit bei der Organisation der eigenen 

Tätigkeit (BGer, Urteil 6B_644/2018 vom 22.5.19 E. 2.3.3). Der Tatbestand 

ist namentlich anwendbar auf operationell leitende Organe von juristischen 

Personen resp. Kapitalgesellschaften, i.e. Verwaltungsräte (BGE 142 IV 346 

E. 3.2;  BGer,  Urteil  6B_1084/2022  vom  5.4.23  E. 4.1).  Auch  Liquidatoren 

einer  Aktiengesellschaft  sind  Geschäftsführer  im  Sinne  von  Art. 158  StGB, 

da sie die Gesellschaft in den zur Liquidation gehörenden Rechtsgeschäften 

-   45   -

vertreten  und,  soweit  erforderlich,  auch  neue  Geschäfte  eingehen  dürfen 

(vgl. Art. 743 Abs. 3 OR).

2.2.2 Die Tathandlung der ungetreuen Geschäftsbesorgung besteht in der Verlet-

zung  einer  dem  Täter  obliegenden  Vermögensfürsorgepflicht,  die  sich  aus 

Gesetz,  behördlichem  Auftrag  oder  Rechtsgeschäft  ergeben  kann.  Dabei 

darf es sich nicht bloss um eine Nebenpflicht handeln, sondern die Vermö-

gensfürsorgepflicht muss den typischen und wesentlichen Inhalt des Rechts-

verhältnisses bilden (BGer, Urteil 6B_310/2014 vom 23.11.15 E. 3.1.1). Bei 

den  Organen  einer  Aktiengesellschaft  ergibt  sich  die  Vermögensfürsorge-

pflicht aus den gesetzlichen Sorgfalts- und Treuepflichten gemäss Art. 717 

OR  (BGer,  Urteile  6B_604/2022  vom  11.1.24  E. 6.2.2;  6B_54/2008  vom 

9.5.08 E. 6.4.1). Art. 717 OR ist auch auf die Liquidatoren einer Aktiengesell-

schaft anwendbar (BGE 132 III 758 E. 3.3). 

2.2.3 Sorgfalt  im  Sinne  von  Art. 717  Abs. 1  OR  bedeutet  die  Anwendung  der 

gebotenen  Umsicht  und  Vorsicht,  welche  ein  vernünftiger  Mensch  bei  der 

jeweiligen Aufgabenerfüllung an den Tag legen würde, und bedingt u. a. ein 

gesetzeskonformes Verhalten. Unsorgfältig handelt aber auch derjenige, der 

die Erledigung einer gebotenen Aufgabe vollständig oder teilweise unterlässt 

bzw. zu spät handelt (BGE 139 III 24 E. 3.2; BGer, Urteil 4A_467/2010 vom 

5.1.11 E. 3.3). Die konkreten Aufgaben eines Verwaltungsratsmitglieds oder 

eines Liquidators der Aktiengesellschaft lassen sich nicht abstrakt umschrei-

ben,  sondern  ergeben  sich  aus  Gesetz,  Statuten  und  Organisationsregle-

ment.

2.2.4 Die Treuepflicht gemäss Art. 717 Abs. OR besagt, dass das Gesellschafts-

organ alles zu unterlassen hat, was der Gesellschaft schaden könnte. Eigene 

Interessen oder Interessen nahestehender Personen müssen in den Hinter-

grund treten. Allfällige Interessenkollisionen sind möglichst zu vermeiden (NI-

COLAS FACINCANI/ADRIAN PLÜSS, Handkommentar zum Schweizerischen Pri-

vatrecht, 4. Aufl. 2024, Art. 717 N. 6). Die Vorinstanz wies zu Recht darauf 

hin,  dass  namentlich  die  sogenannten  Insichgeschäfte  –  gemeint  sind  das 

Selbstkontrahieren  und  die  Doppelvertretung  –  gegen  die  Treuepflicht 

-   46   -

verstossen. Bei solchen Geschäften schliesst das Mitglied des Verwaltungs-

rats entweder mit sich selbst oder für "seine" AG mit einer anderen, ebenfalls 

von  ihm  vertretenen  Gesellschaft  einen  Vertrag  ab  (vgl.  PETER  BÖCKLI, 

Schweizer  Aktienrecht,  5. Aufl.  2022,  § 9  N. 775 ff.).  Insichgeschäfte  sind 

ungültig,  es  sei  denn,  die  Natur  des  Geschäfts  schliesse  die  Schädigung 

einer Partei aus oder das betreffende Geschäft werde im Nachhinein geneh-

migt (BGE 144 III 388 E. 5.1; BGer, Urteil 4A_611/2023 vom 22.5.24 E. 6.1). 

Nach  der  Rechtsprechung  ist  die  Genehmigung  allerdings  bedeutungslos, 

wenn  das  Reinvermögen  der  Gesellschaft  (Aktiven  minus  Passiven)  im 

Umfang des Gesellschaftskapitals und der gebundenen Reserven angetastet 

wird. Dies gilt selbst im Falle der Genehmigung des Alleinaktionärs, da der 

Alleinaktionär und die Gesellschaft zwei verschiedene Rechtssubjekte sind. 

Die  Fremdheit  des  Vermögens  des  einen  Rechtssubjekts  für  das  andere 

auch im Strafrecht grundsätzlich beachtlich, zumal Art. 158 StGB (mittelbar) 

auch dem Schutz der Gläubiger dient (BGE 141 IV 104 E. 3.2; BGer, Urteil 

6B_604/2022 vom 11.1.24 E. 6.2.3).

2.2.5 Als Folge des pflichtwidrigen Verhaltens muss der Gesellschaft schliesslich 

ein  Vermögensschaden  entstanden  sein.  Zwischen  Pflichtwidrigkeit  und 

Vermögensschaden  muss  Kausalität  bestehen.  Der  Vermögensschaden 

kann  in  der  Verminderung  der  Aktiven,  der  Vermehrung  der  Passiven,  der 

Nichtvermehrung  der  Aktiven  oder  in  der  Nichtverminderung  der  Passiven 

liegen, sowie darin, dass das Vermögen in einem Masse gefährdet wird, dass 

es  in  seinem  wirtschaftlichen  Wert  bereits  aktuell  vermindert  ist  (BGE  142 

IV 346 E. 3.2; BGer, Urteil 6B_843/2022 vom 2.8.23 E. 4.1).

2.3 Subjektiver Tatbestand

Subjektiv ist Vorsatz erforderlich. Dieser muss sich auf die Pflichtwidrigkeit 

des  Handelns  oder  Unterlassens,  die  Vermögensschädigung  und  den 

Kausalzusammenhang  zwischen  dem  pflichtwidrigen  Verhalten  und  dem 

Schaden  beziehen.  Eventualvorsatz  genügt.  Da  das  Tatbestandsmerkmal 

der  Pflichtwidrigkeit  vom  jeweiligen  Grundverhältnis  abhängt  und  relativ 

-   47   -

unbestimmt ist, stellt die Rechtsprechung an den Nachweis des Vorsatzes 

erhöhte Anforderungen (BGE 142 IV 346 E. 3.2).

Der  qualifizierte  Treubruchtatbestand  gemäss  Art. 158  Ziff. 1  Abs. 3  StGB 

setzt zusätzlich die Absicht unrechtmässiger Bereicherung voraus. Eventual-

absicht genügt.

2.4 Teilnahme

Der Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung ist ein echtes Sonder-

delikt.  Mittäter  kann  deshalb  von  vorneherein  nur  sein,  wer  Träger  der 

Sondereigenschaft  (Geschäftsführereigenschaft),  also  Verwaltungsratsmit-

glied oder Liquidator ist. Wem diese Eigenschaft nicht zukommt, kann sich 

nur als Gehilfe im Sinne von Art. 25 StGB zu ungetreuer Geschäftsbesorgung 

strafbar machen. Gehilfe im strafrechtlichen Sinne ist, wer einem andern bei 

der  Begehung  einer  Straftat  vorsätzlich  Hilfe  leistet.  Als  Gehilfenschaft  gilt 

jeder kausale Beitrag, der die Tat fördert, so dass sich diese ohne Mitwirkung 

des Gehilfen anders abgespielt hätte. Anders als bei Mittäterschaft muss der 

Tatbeitrag aber nicht so wesentlich sein, dass die Ausführung des Delikts mit 

ihm steht oder fällt. Der Gehilfe muss die Erfolgschancen der tatbestandser-

füllenden Handlung lediglich erhöhen (BGE 129 IV 124 E. 3.2; BGer, Urteil 

6B_1137/2020 vom 17.4.23 E. 1.5.1).

2.5 Würdigung des Verhaltens des Beschuldigten B._____

2.5.1 Es  ist  erstellt  und  unbestritten,  dass  der  Beschuldigte  B._____  ab  dem 

26. Juli 2011 bis zum 21. November 2011 als Verwaltungsrat der L._____ mit 

Einzelzeichnungsberechtigung  und  als  deren  Geschäftsführer  fungierte.  Er 

leitete  das  Unternehmen  in  Eigenverantwortung  und  verfügte  über  Einzel-

zeichnungsberechtigung bei den Banken der L._____ (vgl. E. III/2 hiervor). 

Die Aktiven der L._____ bestanden im deliktsrelevanten Zeitraum aus den 

gesperrten Geldern bei der V._____ und der W._____ im Betrag von rund 

USD 32.8 Mio.,  einem  Überschuss  von  USD 2.4 Mio.  und  einer 

Schadenersatzzahlung  von  N._____  in  der  Höhe  von  CHF 2.5 Mio.  Der 

-   48   -

Beschuldigte  B._____  verwaltete  damit  ein  beträchtliches  Vermögen.  Die 

Geschäftsführereigenschaft im Sinne von Art. 158 StGB, d.h. die selbstän-

dige  und  verantwortliche  Stellung  des  Beschuldigten  B._____,  um  im 

Interesse der L._____ für ein namhaftes Vermögen zu sorgen, war gegeben.

Der  Beschuldigte  B._____  war  im  deliktsrelevanten  Zeitpunkt  gleichzeitig 

Verwaltungsrat der C._____. Er befand sich infolge dieser Doppelvertretung 

in einem Interessenkonflikt und handelte in dieser Position einseitig zuguns-

ten der C._____, indem er der L._____ ‒ als Verwaltungsrat der C._____ ‒ 

am  10. August  2011  über  den  Betrag  von  USD 35'833'339.66  Rechnung 

stellte und anschliessend ‒ als Verwaltungsrat der L._____ ‒ die Banken an-

wies, die freigegebenen Guthaben der L._____ auf Konten der C._____ zu 

überweisen (vgl. E. III/3.4.6). Damit verletzte der Beschuldigte B._____ seine 

Vermögensfürsorgepflicht zum Nachteil der L._____, da ausser Frage stand, 

dass die C._____ in der Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 2011 auf die 

Geltendmachung  der  Schadenersatzforderung  verzichtet  hatte 

(vgl. 

E. III/3.4.1-3.4.5). Ausserdem unterzeichnete der Beschuldigte B._____ eine 

Zusatzvereinbarung, datierend vom 26. Juli 2011, um sein Vorgehen gegen 

die L._____ zu legitimieren (E. III/3.4.6).

Selbst wenn AA._____, dem N._____ sämtliche Aktien der L._____ verkauft 

hatte, in das Vorgehen des Beschuldigten B._____ eingewilligt haben sollte, 

würde dies an der strafrechtlichen Relevanz der Verletzung der Vermögens-

fürsorgepflicht nichts ändern. Eine allfällige Einwilligung des Alleinaktionärs 

in  die  Aushöhlung  der  eigenen  Gesellschaft  wäre  unbeachtlich  (vgl. 

E. IV/2.2.4).

Der  L._____  entstand  ein  Vermögensschaden,  da  sie  der  C._____  einen 

nicht  geschuldeten Geldbetrag leistete und sich  ihre Aktiven entsprechend 

verminderten. Der Vermögensschaden war kausal rückführbar auf die Hand-

lungen des Beschuldigten B._____ in seiner Doppelfunktion als Verwaltungs-

rat der C._____ und der L._____, i.e. die Rechnungsstellung, die Zahlungs-

anweisung an die Banken der L._____ und die daran anschliessende Trans-

-   49   -

aktion der Guthaben der L._____ auf das USD-Konto der C._____ bei der 

Bank H._____ AG.

Der objektive Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung wurde somit 

erfüllt.

Nach Beendigung des Mandats als Verwaltungsrat der L._____ unterzeich-

nete  der  Beschuldigte  B._____  eine  zweite  Zusatzvereinbarung,  datierend 

vom 20. Januar 2012, um sein Vorgehen als Verwaltungsrat der L._____ ein 

zweites Mal zu legitimieren. Die Vorinstanz qualifizierte diese Handlung von 

B._____ allerdings zu Recht als mitbestrafte Nachtat zu den ihm als Verwal-

tungsrat der L._____ zur Last gelegten Handlungen (vgl. Urk. 145 S. 78-79).

2.5.2 Der  Beschuldigte  B._____  war  hauptberuflich  als  Verwaltungsrat  tätig 

(vgl. E. III/3.4.7 hiervor). Mit der Vorinstanz ist daraus zu schliessen, dass er 

sich seiner Interessenwahrungspflicht gegenüber der L._____ bewusst war. 

Mithin  wusste  er,  dass  er  alles  zu  unterlassen  hatte,  was  nicht  im  Ver-

mögensinteresse der L._____ lag. Des Weiteren war sich der Beschuldigte 

B._____  bewusst,  dass  die  C._____  mit  Abschluss  der  Vergleichsverein-

barung  auf  die  Geltendmachung  der  Schadenersatzforderung  verzichtet 

hatte. Er kannte die Saldoklausel der Vergleichsvereinbarung, da er sie im 

Namen  der  C._____  und  im  eigenen  Namen  unterzeichnet  hatte  (vgl. 

E. III/3.4.7). Er wusste demnach auch, dass die L._____ mit der Überweisung 

ihrer  Gelder  an  die  C._____  einen  Vermögensschaden  erlitt,  da  sie  eine 

angeblich  bestehende  Forderung  beglich,  auf  deren  Geltendmachung  die 

C._____ verzichtet hatte. Die Vorinstanz folgerte zu Recht, dass der Beschul-

digte B._____ mit direktem Vorsatz handelte (vgl. Urk. 145 S. 74).

Der  Beschuldigte  B._____  handelte  in  der  Absicht,  die  C._____  und 

anschliessend  sich  selbst  und  den  ebenfalls  Beschuldigten  A._____  zu 

bereichern. Dies ergibt sich aus den Überweisungen ab dem USD-Konto der 

C._____ auf sein eigenes Konto bei der Bank AC._____ sowie auf Konten 

von Gesellschaften, die er oder der Beschuldigte A._____ beherrschte (vgl. 

E. III/3.4.8 hiervor).

-   50   -

Der subjektive Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung wurde in der 

qualifizierten Tatbestandsvariante erfüllt.

2.5.3 Der Beschuldigte B._____ beging somit in seiner Funktion als Verwaltungsrat 

der  L._____  die  Straftat  der  qualifizierten  ungetreuen  Geschäftsbesorgung 

im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3 StGB. Mit der Vorinstanz kann 

offen  bleiben,  ob  der  Tatbestand  zusätzlich  durch  die  Verletzung  weiterer 

Vermögensfürsorgepflichten oder durch die Verletzung arbeits- und auftrags-

rechtlicher  Pflichten  erfüllt  worden  sein  könnte  (vgl.  Urk. 145  S. 70  und 

S. 73).

2.6 Würdigung des Verhaltens des Beschuldigten A._____

2.6.1 Betreffend den Beschuldigten A._____ ist erstellt und unbestritten, dass er 

im  deliktsrelevanten  Zeitraum  als  Anwalt  der  C._____  tätig  war  und  am 

21. November 2011 zum Liquidator der L._____ bestellt wurde (vgl. E. III/2 

hiervor).  In  dieser  Funktion  waltete  er  selbständig  und  eigenverantwortlich 

über das Vermögen der L._____ (vgl. Art. 743 Abs. 3 OR) und unterstand der 

Sorgfalts- und Treuepflicht eines Verwaltungsrats (Art. 717 Abs. 1 OR). Die 

Geschäftsführereigenschaft  des  Beschuldigten  A._____  als  Liquidator  der 

L._____  war  somit  gegeben.  Im  Rahmen  seiner  Tätigkeit  als  Anwalt  der 

C._____ hatte der Beschuldigte A._____ dagegen keine Geschäftsführerstel-

lung.

In seiner Funktion als Anwalt der C._____ beriet der Beschuldigte A._____ 

den  Beschuldigten  B._____  bei  seinem  rechtswidrigen  Vorgehen  und  ver-

fasste eine Zusatzvereinbarung, datierend vom 26. Juli 2011, zwecks Legiti-

mierung der von B._____ veranlassten Transaktionen nach aussen, etwa ge-

genüber  dem  Steueramt.  Dadurch  unterstützte  er  den  Beschuldigten 

B._____ und erhöhte die Erfolgschancen dessen strafbaren Vorgehens. Der 

Beschuldigte A._____ ging planmässig und zielgerichtet vor. Dies zeigt sich 

deutlich an seinen Bemühungen und denjenigen des Beschuldigten B._____, 

die  Vergleichsvereinbarung  vom  26. Juli  2011,  in  der  die  Forderung  der 

D1._____ als offene Verbindlichkeit der L._____ aufgelistet wurde, vor dieser 

-   51   -

Gläubigerin  geheim  zu  halten  (vgl.  STA  act. 30201006  F/A 42 ff.  und 

E. III/3.4.4 hiervor). Die Vorinstanz qualifizierte diese Unterstützung zu Recht 

als Gehilfenschaft zu qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung.

Ab dem 21. November 2011 oblag es dem Beschuldigten A._____ als Liqui-

dator, alle bestehenden Forderungen der L._____ einzuziehen, was implizit 

aus Art. 743 Abs. 1 OR hervorgeht (CHRISTOPH STÄUBLI/DOMINIK HOHLER, in: 

Basler Kommentar zum OR II, 6. Aufl. 2024, Art. 743 N. 2; BENEDICK GILLES, 

Handkommentar  zum  Schweizer  Privatrecht,  4. Aufl.  2024,  Art. 743  N. 2). 

Diese vom Gesetz vorgesehene Pflicht ist darauf ausgerichtet, das verblei-

bende  Vermögen  der  aufgelösten  Gesellschaft  nach  Tilgung  der  Schulden 

unter  die  Aktionäre  zu  verteilen  (vgl.  Art. 745  Abs. 1  OR).  Es  handelt  sich 

mithin um eine Vermögensfürsorgepflicht. In seiner Funktion als Liquidator 

ist dem Beschuldigten A._____ vorzuwerfen, dass er nichts unternahm, um 

das an die C._____ überwiesene Geld zurückzuholen, mithin eine Forderung 

aus  ungerechtfertigter  Bereicherung  zu  stellen.  Durch  diese  Unterlassung 

verletzte er seine aus Art. 743 Abs. 1 OR und Art. 717 Abs. 1 OR hervorge-

hende  Vermögensfürsorgepflicht  als  Liquidator  der  L._____.  Zudem  ver-

fasste er eine auf den 20. Januar 2012 datierte Zusatzvereinbarung, um die 

Vermögensverschiebung  resp.  die  unterlassene  Rückforderung  der  Gelder 

gegenüber dem Steueramt ein weiteres Mal zu legitimieren. Das Verfassen 

dieser  zweiten  Zusatzvereinbarung  ist  –  gleich  wie  beim  Beschuldigten 

B._____ – als mitbestrafte Nachtat zu qualifizieren.

Die L._____ erlitt einen Vermögensschaden, der mit der Unterlassung des 

Beschuldigten A._____ als Liquidator und der geleisteten Unterstützung an 

den Beschuldigten B._____ in kausaler Verbindung stand.

Der  objektive  Tatbestand  der  ungetreuen  Geschäftsbesorgung  sowie  der 

Gehilfenschaft  zu  qualifizierter  ungetreuer  Geschäftsbesorgung  wurden 

erfüllt.

2.6.2 Der Beschuldigte A._____ ist von Beruf Rechtsanwalt. Mit der Vorinstanz ist 

daraus zu schliessen, dass er die Pflichten eines Verwaltungsrats und eines 

-   52   -

Liquidators  kannte.  Spätestens  mit  der  Annahme  des  Amts  als  Liquidator 

kannte er auch die Bilanzen der L._____. Er war sich ebenfalls bewusst, dass 

die  C._____  mit  Abschluss  der  Vergleichsvereinbarung  auf  die  Geltend-

machung der Schadenersatzforderung gegen die L._____ verzichtet hatte, 

da er bei der Ausarbeitung der Vergleichsvereinbarung federführend war und 

die Saldoklausel daher bestens kannte (vgl. E.III/3.4.3). Des Weiteren wusste 

er,  dass  der  Beschuldigte  B._____  die  Überweisung  der  Guthaben  der 

L._____ an die C._____ veranlasste, da er die den Vermögensabfluss legiti-

mierende  Zusatzvereinbarung  vom  26. Juli  2011  aufgesetzt  hatte  (vgl. 

E.III/3.4.6).  Schliesslich  war  ihm  der  Vermögensschaden  der  L._____  be-

kannt,  da  die  Transaktionen  an  die  C._____  rechtsgrundlos  erfolgten.  Der 

Beschuldigte  A._____  ging  planmässig  und  zielgerichtet  vor,  was  sich  an-

hand  seiner  Doppelrolle  als  Anwalt  der  C._____  und  als  Liquidator  der 

L._____ zeigte. Er befand sich in einem Interessenkonflikt und handelte in 

dieser Position einseitig zugunsten der C._____, indem er nichts unternahm, 

um das an die C._____ überwiesene Geld zurückzuholen. Gleich wie der Be-

schuldigte B._____ handelte der Beschuldigte A._____ direktvorsätzlich und 

in  der  Absicht,  sich  selbst  resp.  seine  eigenen  Unternehmen  und  den  Be-

schuldigten B._____ unrechtmässig zu bereichern (vgl. E. III/3.4.8).

Die  subjektive  Tatbestandsseite  der  qualifizierten  ungetreuen  Geschäfts-

besorgung sowie der Gehilfenschaft zu qualifizierter ungetreuer Geschäfts-

besorgung wurde erfüllt.

2.6.3 Der Beschuldigte A._____ beging somit die Straftaten der qualifizierten un-

getreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3 

aStGB  und  der  Gehilfenschaft  zu  qualifizierter  ungetreuer  Geschäftsbe-

sorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3 in Verbindung mit Art. 25 aStGB).

3. Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung

Die  Vorinstanz  erachtete  sowohl  den  Tatbestand  des  betrügerischen 

Konkurses (Art. 163 StGB) als auch der Gläubigerschädigung durch Vermö-

gensminderung  (Art. 164  StGB)  als  erfüllt,  qualifizierte  die  Tathandlungen 

-   53   -

von  Art. 163  StGB  allerdings  als  mitbestrafte  Vortaten  zu  Art. 164  StGB 

(Urk. 145  S. 78).  Die  rechtlichen  Erwägungen  der  Vorinstanz  stehen  mit 

Rechtsprechung und Lehre weitgehend in Einklang.

-   54   -

3.1 Geschütztes Rechtsgut / Konkurrenzen

Die  Insolvenzdelikte  (Art. 163 ff.)  dienen  in  erster  Linie  dem  Schutz  des 

Vermögens  der  Gläubiger.  Darüber  hinaus  schützen  sie  aber  auch  die 

Zwangsvollstreckung als Bestandteil der Rechtspflege (NADINE HAGENSTEIN, 

in:  Basler  Kommentar  zum  Strafrecht  I,  4. Aufl.  2019,  Art. 163  N. 1  und 

Art. 164 N. 2). Aufgrund des unterschiedlichen Rechtsgüterschutzes besteht 

zwischen  Art. 158  StGB  und  den  Insolvenzdelikten  gemäss  Art. 163  und 

Art. 164  StGB  echte  Konkurrenz.  Während  Art. 163  StGB  die  scheinbare 

Vermögensminderung zum Nachteil der Gläubiger betrifft, geht es in Art. 164 

StGB um die tatsächliche Vermögensminderung zum Nachteil der Gläubiger. 

Die  beiden  Bestimmungen  betreffen  insoweit  verschiedene  Sachverhalte 

resp.  verschiedene  Tathandlungen,  weshalb  sich  keine  Konkurrenzfragen 

stellen.

Entgegen  der  Vorinstanz  kann  folglich  der  Tatbestand  von  Art. 163  StGB 

nicht  erfüllt  worden  sein,  wenn  das  Vermögen  des  Schuldners  tatsächlich 

vermindert  wurde.  Die  entsprechende  Erwägung  der  Vorinstanz  im  ange-

fochtenen Urteil (E. III/1.3.2.1) ist in sich widersprüchlich (vgl. Urk. 145 S. 75 

oben).  Nichts  anderes  ergibt  sich  aus  dem  von  der  Vorinstanz  zitierten 

Bundesgerichtsentscheid 6S.142/2003 vom 4.7.03 (E. 3).

3.2 Objektiver Tatbestand

Der  Straftatbestand  von  Art. 164  StGB  ist  ein  (unechtes)  Sonderdelikt. 

Gemäss  Ziff. 1  kommt  als  Täter  jede  Person  mit  Schuldnereigenschaft  in 

Frage.  Schuldner  ist  diejenige  Person,  gegen  die  sich  das  Zwangsvoll-

streckungsverfahren richtet. Ist eine juristische Person Schuldnerin, kommen 

als Täter die nach Art. 29 StGB haftenden natürlichen Personen in Betracht 

(BGer, Urteile 6B_829/2019 vom 21.10.19 E. 2.2; 6B_438/2019 vom 28.5.19 

E. 3.1). Art. 164 Ziff. 2 StGB erklärt auch Dritte für strafbar, doch ist die Straf-

drohung  geringer.  Der  Anstifter  und  der  Gehilfe  sind  als  Dritte  anzusehen 

(HAGENSTEIN, a.a.O., Art. 164 N. 5 mit Verweis auf Art. 163 N. 9).

-   55   -

Als Tatobjekt erwähnt das Gesetz das Vermögen bzw. die Vermögenswerte. 

Darunter fallen nicht nur bewegliche körperliche Sachen, sondern auch For-

derungen und andere Vermögensrechte. In Frage kommen alle Vermögens-

werte, die Gegenstand der Zwangsvollstreckung sein können (BGer, Urteile 

6B_447/2021 vom16.7.21 E. 2.1; 6B_959/2017 vom 29.3.18 E. 4.1).

Wie ausgeführt, besteht die Tathandlung gemäss Art. 164 StGB ‒ im Gegen-

satz  zu  Art. 163  StGB  ‒  in  einer  tatsächlichen  Vermögensminderung  zum 

Schaden der Gläubiger. Die Strafnorm sichert die Pflicht des Schuldners, bei 

drohendem oder eingetretenem Verfall des Vermögens dessen Rest seinen 

Gläubigern  zu  erhalten  (BGer,  Urteil  6B_252/2020  vom  8.9.20  E. 6.3).  Als 

Tathandlungen nennt Art. 164 StGB das Beschädigen, Zerstören, Entwerten 

oder Unbrauchbarmachen von Vermögenswerten (Ziff. 1 Abs. 1), die unent-

geltliche  Veräusserung  von  Vermögenswerten  oder  die  Veräusserung  von 

Vermögenswerten  gegen  eine  Leistung  mit  offensichtlich  geringerem  Wert 

(Ziff. 1  Abs. 2)  sowie  das  Ausschlagen  oder  Verzichten  auf  Rechte  ohne 

sachlichen Grund (Ziff. 1 Abs. 3). Der Katalog möglicher Tathandlungen ist 

abschliessend (BGE 131 IV 49 E. 1.2; BGer, Urteil 6B_438/2019 vom 28.5.19 

E. 3.1).

Art. 164  StGB  verlangt  Tathandlungen  "zum  Schaden  der  Gläubiger".  Als 

(konkretes) Gefährdungsdelikt setzt die Strafnorm nicht voraus, dass Gläubi-

ger  effektiv  zu  Verlust  kommen  (BGer,  Urteile  6B_447/2021  vom  16.7.21 

E. 2.1; 6B_940/2019 vom 6.5.20 E. 3.1). Der Taterfolg besteht in der Gefähr-

dung  der  Zugriffsrechte  der  Gläubiger  (ALEX  GEIGER,  in:  Annotierter  Kom-

mentar zum StGB, 2020, Art. 164 N. 12).

3.3 Objektive Strafbarkeitsbedingung

Ist der Schuldner ein Unternehmen, so muss als objektive Strafbarkeitsbe-

dingung der Konkurs eröffnet worden sein (BGer, Urteile 6B_447/2021 vom 

16.7.21 E. 2.1; 6B_940/2019 vom 6.5.20 E. 3.1). Die Konkurseröffnung muss 

rechtskräftig sein. Wird der Konkurs mangels Aktiven wieder eingestellt, so 

ist  die  objektive  Strafbarkeitsbedingung  der  Konkurseröffnung  gleichwohl 

-   56   -

eingetreten und die Strafbarkeit gegeben (vgl. PETER HERREN, Die Misswirt-

schaft gemäss Art. 165 StGB, 2006, S. 132 f.). Dies gilt auch für den Fall des 

Widerrufs  des  Konkurses  nach  Art. 195  SchKG,  doch  kann  die  zuständige 

Behörde gemäss dem zur massgeblichen Tatzeit geltenden Art. 171bis Abs. 1 

aStGB unter gewissen, vorliegend allerdings nicht gegebenen Bedingungen 

von der Strafverfolgung, der Überweisung an das Gericht oder der Bestra-

fung absehen (vgl. E. II/6.3 hiervor).

Die objektive Strafbarkeitsbedingung braucht weder vom subjektiven Tatbe-

stand  erfasst  zu  sein  noch  muss  ein  Kausalzusammenhang  zwischen  der 

vom Täter begangenen Handlung und dem Eintritt der Bedingung bestehen 

(BGer, Urteile 6B_776/2019 vom 20.11.19 E. 2.1; 6B_551/2015 vom 24.2.16 

E. 4.3).  Die  objektive  Strafbarkeitsbedingung  muss  auch  erst  im  Zeitpunkt 

der Eröffnung der Strafuntersuchung vorliegen, sie braucht nicht bereits im 

Tatzeitpunkt eingetreten zu sein. Sie gehört nicht zum Tatbestand im enge-

ren Sinne, und ihr Eintritt ist daher auch für den Beginn der Verfolgungsver-

jährung nicht massgebend (HAGENSTEIN, a.a.O., Vor 163-171bis StGB, N. 28, 

mit Verweis auf BGE 112 Ib 225 E. 3a; 101 IV 20 E. 3).

3.4 Subjektiver Tatbestand

In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt 

(Art. 12  Abs. 1  und  Abs. 2  StGB).  Der  Vorsatz  muss  sich  sowohl  auf  die 

Tathandlung  als  auch  auf  die  Schädigung  der  Gläubiger  erstrecken.  Der 

Schädigungsvorsatz kann nur vorliegen, wenn der Täter im Bewusstsein des 

ihm  drohenden  Vermögenszusammenbruchs  handelte,  sich  also  bereits  in 

bedrängter Vermögenslage befand und daher die konkrete Möglichkeit der 

Zwangsvollstreckung  voraussehen  konnte  und  mit  ihrem  Eintritt  rechnen 

musste (BGer, Urteil 6B_520/2020 vom 10.3.21 E. 6.4). Die für das Unter-

nehmen  handelnden  Personen  müssen  mithin  die  Möglichkeit  einer  Über-

schuldung  oder  einer  Zahlungsunfähigkeit  des  Unternehmens  und  einer 

Gläubigerschädigung  erkennen  und  in  Kauf  nehmen.  Hingegen  muss  sich 

der Vorsatz nicht auch auf die spätere Konkurseröffnung erstrecken, da es 

sich dabei um eine objektive Strafbarkeitsbedingung handelt.

-   57   -

3.5 Teilnahme

Wer Gehilfenschaft leistet, gilt als Dritter im Sinne von Art. 164 Ziff. 2 StPO 

und wird nach Massgabe dieser Bestimmung bestraft (BGE 126 IV 5 E. 2d; 

OGer  ZH,  Urteil  SB180092  vom  16.12.21  E. IV/1.6;  HAGENSTEIN,  a.a.O., 

Art. 164 N. 43). Gehilfe ist derjenige, der die Straftat des Schuldners fördert, 

ohne aber so wesentlich mitzuwirken, dass die Ausführung der Straftat davon 

abhängen würde (vgl. E. IV/1.3.4 hiervor).

3.6 Würdigung des Verhaltens des Beschuldigten B._____

3.6.1 Der  Beschuldigte  B._____  war  ab  dem  26. Juli  2011  Verwaltungsrat  und 

Geschäftsführer der L._____ und somit Organ im Sinne von Art. 29 lit. a und 

lit. c  StGB.  Strafbare  Handlungen  nach  Art. 164  StGB  zum  Nachteil  der 

Gläubiger der L._____ waren ihm zuzurechnen.

In  der  Vergleichsvereinbarung  vom  26. Juli  2011  wurden  die  offenen  Ver-

bindlichkeiten  der  L._____  festgehalten.  Darunter  befand  sich  eine  Forde-

rung der D1._____ in Höhe von USD 31'410'000 plus angefallene Zinsen aus 

dem  Weizenhandelsgeschäft  von  2008  (vgl.  E. III/3.4.1  hiervor).  Durch  die 

Aufnahme in die Vergleichsvereinbarung anerkannten die Vertragsparteien 

die Forderung der D1._____ in der im Vergleich genannten Höhe zumindest 

im Grundsatz. Der Beschuldigte B._____ veranlasste in der Folge eine Ver-

mögensverschiebung  von  der  L._____  zur  C._____,  indem  er  als  Verwal-

tungsrat der L._____ den Banken die Anweisung erteilte, die Guthaben der 

L._____ auf den vormals gesperrten Konten an die C._____ zu überweisen 

(vgl. E. III/3.4.6 hiervor). Die Vermögensverschiebung erfolgte rechtsgrund-

los,  da  die  C._____  mit  Abschluss  der  Vergleichsvereinbarung  auf  die 

Geltendmachung ihrer Schadenersatzforderung gegen die L._____ verzich-

tet hatte (vgl. E. III/3.4.5 hiervor). Mit der Vorinstanz ist die Erteilung der An-

weisung an die Banken als unentgeltliche Veräusserung von Vermögenswer-

ten im Sinne von Art. 164 Ziff. 1 Abs. 3 StGB zu qualifizieren. Die Transakti-

onen umfassten beinahe die gesamten Aktiven der L._____. Der D1._____ 

als Gläubigerin drohte in der Folge der Verlust ihrer Forderung.

-   58   -

Der objektive Tatbestand der Gläubigerschädigung durch Vermögensminde-

rung  in  der  Tatbestandsvariante  der  unentgeltlichen  Veräusserung  von 

Vermögenswerten wurde somit erfüllt.

3.6.2 Die L._____ fiel am 20. Oktober 2014 in Konkurs. Am 4. Februar 2015 wurde 

der Konkurs mangels Aktiven eingestellt (vgl. E. III/2 hiervor). Die objektive 

Strafbarkeitsbedingung – die Konkurseröffnung – trat ein.

3.6.3 Der Beschuldigte B._____ kannte den Inhalt der Vergleichsvereinbarung und 

den  Vermögensstand  der  L._____.  Er  veranlasste  den  Vermögenstransfer 

zur C._____ im Bewusstsein, dass dies ohne Rechtsgrund erfolgte, es sich 

um das einzige Aktivum der L._____ handelte und die L._____ dadurch über-

schuldet  und  zahlungsunfähig  wurde  (vgl.  E. III/3.4.7  hiervor).  Er  erkannte 

demnach auch, dass infolge seiner Handlung die Deckung der Forderung der 

D1._____ nicht mehr gewährleistet war, mithin die Gläubigerin im später ein-

getretenen Konkurs der L._____ zu Schaden kommen könnte. Der Beschul-

digte B._____ nahm die Schädigung der D1._____ in Kauf. Dies zeigt sich 

deutlich an seinen Bemühungen und denjenigen des Beschuldigten A._____, 

die  Vergleichsvereinbarung  vom  26. Juli  2011,  in  der  die  Forderung  der 

D1._____ als offene Verbindlichkeit der L._____ aufgelistet war, vor dieser 

Gläubigerin  geheim  zu  halten  (vgl.  STA  act. 30201006  F/A 42 ff.  und 

E. III/3.4.4 hiervor).

Der  subjektive  Tatbestand  der  Gläubigerschädigung  durch  Vermögens-

minderung wurde ebenfalls erfüllt.

3.6.4 Der Beschuldigte B._____ beging somit in seiner Funktion als Verwaltungsrat 

der L._____ die Straftat der Gläubigerschädigung durch Vermögensminde-

rung im Sinne von Art. 164 Ziff. 1 Abs. 3 StGB.

3.7 Würdigung des Verhaltens des Beschuldigten A._____

3.7.1 Der Beschuldigte A._____ wurde zum Liquidator der L._____ bestellt, nach-

dem  das  Unternehmen  seine  eigene  Auflösung  beschlossen  hatte  (vgl. 

E. III/2  hiervor).  In  dieser  Funktion  konnte  er  sich  als  Organ  im  Sinne  von 

-   59   -

Art. 29 lit. a StGB strafbar machen. Als Liquidator oblag es dem Beschuldig-

ten A._____, die Forderungen der L._____ einzuziehen (vgl. E. IV/1.3.6). Die 

L._____ hatte gegenüber der C._____ einen Anspruch aus ungerechtfertigter 

Bereicherung,  da  die  Transaktion  des  Vermögens  der  L._____  an  die 

C._____ rechtsgrundlos erfolgte. Indem der Beschuldigte A._____ es unter-

liess, diesen Anspruch geltend zu machen, verzichtete er ohne sachlichen 

Grund auf die Geltendmachung eines Vermögensrechts. Dieser Verzicht fällt 

unter den Tatbestand von Art. 164 Ziff. 1 Abs. 4 StGB.

Des Weiteren beriet der Beschuldigte A._____ den Beschuldigten B._____ 

bei seinem Vorgehen und verfasste eine auf den 26. Juli 2011 datierte Zu-

satzvereinbarung, um den Vermögensabfluss zu legitimieren. Der Beschul-

digte A._____ leistete dem Beschuldigten damit aktiv Unterstützung bei der 

Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung.

3.7.2 Der Beschuldigte A._____ ist von Beruf Rechtsanwalt. Mit der Vorinstanz ist 

daraus  zu  schliessen,  dass  er  die  Pflichten  eines  Liquidators  kannte.  Der 

Beschuldigte  A._____  kannte  auch  den  Inhalt  der  Vergleichsvereinbarung 

und den Vermögensstand der L._____ (vgl. E.III/3.4.3-3.4.7 hiervor). Er un-

terliess  es,  den  Anspruch  aus  ungerechtfertigter  Bereicherung  gegen  die 

C._____ geltend zu machen, obschon er wusste, dass es sich um das einzige 

Aktivum der L._____ handelte und die L._____ überschuldet und zahlungs-

unfähig  wurde  (vgl.  E. III/3.4.7  hiervor).  Er  handelte  demnach  im  Bewusst-

sein, dass infolge seiner Handlung die Deckung der Forderung der D1._____ 

nicht mehr gewährleistet war, mithin die Gläubigerin im später eingetretenen 

Konkurs  der  L._____  zu  Schaden  kommen  könnte.  Der  Beschuldigte 

A._____ nahm die Schädigung der D1._____ in Kauf. Dies zeigt sich deutlich 

an seinen Bemühungen und denjenigen des Beschuldigten B._____, die Ver-

gleichsvereinbarung vom 26. Juli 2011, in der die Forderung der D1._____ 

als offene Verbindlichkeit der L._____ aufgelistet wurde, vor dieser Gläubi-

gerin  geheim  zu  halten  (vgl.  STA  act. 30201006  F/A 42 ff.  und  E. III/3.4.4 

hiervor). 

-   60   -

3.7.3 Der Beschuldigte A._____ beging somit die Straftaten der Gläubigerschädi-

gung durch Vermögensminderung gemäss Art. 164 Ziff. 1 Abs. 4 StGB und 

der  Gehilfenschaft  zu  Gläubigerschädigung  durch  Vermögensminderung 

gemäss Art. 164 Ziff. 1 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 25 StGB.

4.

Vorwurf 3

4.1 Standpunkt der Parteien

Die  Staatsanwaltschaft  beantragte  einen  Schuldspruch  wegen  Urkunden-

fälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 2 StGB.

Der Beschuldigte A._____ stellte sich auf den Standpunkt, nach bestem Wis-

sen und Gewissen die Buchhaltung einer kriminellen Organisation korrigiert 

zu  haben,  um  den  rechtmässigen  Zustand  wieder  herzustellen  (Urk. 114 

S. 18; Prot. II S. 28 f.).

4.2 Urteil der Vorinstanz

Die  Vorinstanz  qualifizierte  die  Handlung  des  Beschuldigten  A._____  als 

Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 aStGB. 

5.

Urkundenfälschung

5.1 Die Vorinstanz hielt in Übereinstimmung mit Lehre und Rechtsprechung fest, 

dass der Buchhaltung eines Unternehmens Urkundencharakter im Sinne von 

Art. 110 Abs. 4 StGB zukommt, da sie geeignet ist, Tatsachen von rechtlicher 

Bedeutung zu beweisen. Derjenige, der eine falsche Buchung in der Bilanz 

des Unternehmens veranlasst, begeht eine Urkundenfälschung im Sinne von 

Art. 251  Ziff. 1  aStGB  in  der  Tatbestandsvariante  der  Falschbeurkundung 

(zur Anwendung der zur Tatzeit geltenden Gesetzesfassung vgl. E. II/6.3).

Auch  die  subjektiven  Tatbestandsvoraussetzungen  stellte  die  Vorinstanz 

rechtskonform  dar.  Verlangt  werden  Vorsatz  oder  Eventualvorsatz, 

Täuschungsabsicht,  i.e.  die  Absicht  des  Gebrauchs  der  Urkunde  zur 

Täuschung im Rechtsverkehr, sowie Schädigungs- oder Vorteilsabsicht.

-   61   -

5.2 Der  Beschuldigte  A._____  gab  zu,  veranlasst  zu  haben,  dass  der  Kreditor 

D1._____  in  der  per  31. Dezember  2011  erstellten  Bilanz  der  L._____  ge-

löscht und durch den Kreditor C._____ ersetzt wurde. Er war sich im Tatzeit-

punkt bewusst, dass die C._____ auf die Geltendmachung ihrer Schadener-

satzforderung  gegen  die  L._____  verzichtet  hatte  und  die  Forderung  der 

D1._____ in der Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 2011 anerkannt wor-

den war. Er liess somit eine rechtlich erhebliche Tatsache mit Wissen und 

Willen falsch beurkunden. Selbst wenn er der Auffassung gewesen wäre, die 

Forderung der D1._____ bestünde nicht, wäre er dennoch verpflichtet gewe-

sen, diese in der Bilanz zu belassen und namentlich den Vermerk "Rechts-

streit" anzubringen. Er durfte den Kreditor D1._____ nicht einfach durch den 

Kreditor C._____ ersetzen. Anschliessend reichte er die Bilanz dem Steuer-

amt des Kantons Zug ein. Mithin gebrauchte er die Urkunde zur Täuschung 

im Rechtsverkehr. Er handelte in der Absicht, zunächst der C._____ und an-

schliessend sich selbst und dem Beschuldigten B._____ einen unrechtmäs-

sigen Vorteil zu verschaffen (vgl. E. III/3.4.8).

5.3 Der  Beschuldigte  A._____  beging  somit  eine  Urkundenfälschung  im  Sinne 

von Art. 251 Ziff. 1 aStGB.

6.

Schuldspruch

Vorliegend sind weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschliessungsgründe 

gegeben. Der Beschuldigte A._____ ist deshalb der qualifizierten ungetreuen 

Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3 aStGB und 

der Gehilfenschaft dazu (Art. 25 StGB), der Gläubigerschädigung durch Ver-

mögensminderung gemäss Art. 164 Ziff. 1 StGB und der Gehilfenschaft dazu 

(Art. 25 StGB) sowie der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 aStGB 

schuldig zu sprechen. Das angefochtene Urteil ist insoweit zu bestätigen.

-   62   -

V. Strafzumessung

1.

Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz bestrafte beide Beschuldigten mit je 2 Jahren und 6 Monaten, 

mithin je 30 Monaten Freiheitsstrafe. Die Staatsanwaltschaft beantragte die 

Bestrafung  der  Beschuldigten  mit  je  36 Monaten  Freiheitsstrafe.  Nachdem 

der  Beschuldigte  B._____  seine  Berufung  zurückgezogen  hat,  fiel  dies-

bezüglich  auch  die  Anschlussberufung  der  Staatsanwaltschaft  dahin.  Der 

Beschuldigte A._____ beantragte einen Freispruch, mithin keine Bestrafung.

2. Grundsätze

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen wiederholt und 

ausführlich dargelegt (BGE 147 IV 241 E. 3.1 f.; 144 IV 313 E. 1; 144 IV 217 

E. 2 f.; 142 IV 137 E. 9.1; 141 IV 61 E. 6.1; 136 IV 55 E. 5.4 ff., je mit Hinwei-

sen). Entsprechendes gilt für die Bildung der Einsatz- und der Gesamtstrafe 

nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwendung des Asperationsprinzips (BGE 144 

IV 313 E. 1.1; 144 IV 217 E. 2.2 und E. 3; 141 IV 61 E. 6.1.2, je mit Hinwei-

sen). Darauf ist zu verweisen.

Zu  beachten  ist  ferner  das  Doppelverwertungsverbot.  Da  im  qualifizierten 

Tatbestand  der  ungetreuen  Geschäftsbesorgung  gemäss  Art. 158  Ziff. 1 

Abs. 3 StGB das Handeln in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht bereits 

enthalten ist, fällt der pekuniäre Beweggrund wegen des Doppelverwertungs-

verbots  nicht  nochmals  ins  Gewicht.  Allerdings  ist  es  zulässig,  bei  der 

Strafzumessung  einzubeziehen,  in  welchem  Ausmass  ein  qualifizierter 

Tatbestand gegeben ist (BGE 141 IV 61 E. 6.1.3; BGer, Urteile 6B_685/2017 

vom 20.9.17 E. 5.2; 6B_748/2016 vom 22.8.16 E. 7.3).

-   63   -

3.

Art der Strafe

3.1 Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit 

einer  bestimmten  Sanktion,  ihre  Auswirkungen  auf  den  Täter  und  sein 

soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 

IV 97 E. 4.2). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll bei alternativ 

zur Verfügung stehenden und hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalen-

ten Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weniger stark in 

die  persönliche  Freiheit  des  Betroffenen  eingreift  (BGE  138  IV  120  E. 5.2; 

BGer,  Urteil  6B_125/2018  vom  14.6.18  E. 1.3.2).  Die  Geldstrafe  wiegt  als 

Vermögenssanktion prinzipiell weniger schwer als ein Eingriff in die persön-

liche Freiheit (BGE 144 IV 217 E. 3.3.3; 138 IV 120 E. 5.2).

3.2 Auf  qualifizierter  ungetreuer  Geschäftsbesorgung  (Art. 158  Ziff. 1  Abs. 3 

aStGB), Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung (Art. 164 StGB) 

und Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 aStGB) stehen je Freiheitsstrafe bis 

zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Die Vorinstanz erachtete die Verhängung von 

längeren  Freiheitsstrafen  als  verschuldensangemessen.  Wie  sich  aus  den 

nachfolgenden Erwägungen ergibt, ist dies im Grundsatz nicht zu beanstan-

den. Die Verhängung einer Geldstrafe wäre angesichts der Schwere der den 

Beschuldigten  zur  Last  gelegten  Straftaten  nicht  angemessen.  Angesichts 

der Dreistigkeit ihres Vorgehens bestünden erhebliche Zweifel an der spezi-

alpräventiven Wirkung einer Geldstrafe. Zudem würde mit einer Geldstrafe 

das gesetzte Unrecht nicht ausgeglichen.

4.

Strafzumessung betr. den Beschuldigten A._____

4.1 Strafrahmen

Ausgangspunkt  der  Strafzumessung  ist  der  ordentliche  Strafrahmen  des 

abstrakt  schwersten  der  im  Raum  stehenden  Delikte  (vgl.  Art. 49  Abs. 1 

StGB). Als schwerste Straftat gilt die mit der schwersten Strafe bedrohte 

Tat (BGE 142 IV 265 E. 2.4.4). Die Vorinstanz hielt zutreffend fest, dass es 

vorliegend keinen Grund gibt, um den Strafrahmen nach oben oder unten zu 

-   64   -

erweitern (Urk. 145 S. 103 f.). Die dem Beschuldigten A._____ zur Last ge-

legten Delikte (ungetreue Geschäftsbesorgung, Gläubigerschädigung durch 

Vermögensminderung,  Urkundenfälschung)  gehen  vom  gleichen  Strafrah-

men aus. Es spricht nichts dagegen, zur Bildung der hypothetischen Einsatz-

strafe auf den Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung abzustellen.

4.2 Ungetreue Geschäftsbesorgung

4.2.1 Dem Beschuldigten A._____ ist anzulasten, dass er sich in seiner Funktion 

als  Liquidator  der  L._____  dreist  über  die  von  ihm  selbst  aufgesetzte  Ver-

gleichsvereinbarung hinwegsetzte, indem er keine Anstalten traf, um die Ver-

mögensverschiebung von der L._____ zur C._____ rückgängig zu machen. 

Der  Beschuldigte  A._____  ging  planmässig  und  zielgerichtet  vor,  was  sich 

anhand  seiner  Doppelrolle  als  Anwalt  der  C._____  und  als  Liquidator  der 

L._____ zeigte. Zur Verschleierung des unrechtmässigen Vorgehens gegen 

aussen  setzte  er  zwei  Zusatzvereinbarungen  auf,  worin  die  Transaktionen 

als rechtmässig dargestellt wurden. Der Deliktsbetrag (ca. USD 33 Mio.) war 

ausserordentlich hoch. Für die geschädigte L._____ führte der Vermögens-

abfluss zur kompletten Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung.

Entgegen der Meinung der Vorinstanz kann im Vorgehen des Beschuldigten 

A._____ durchaus eine gewisse Raffinesse und gar Arglist gesehen werden. 

Er  war  sehr  darum  bemüht,  die  Vergleichsvereinbarung  vom  26. Juli  2011 

vor der D1._____ geheim zu halten. Dies ergibt sich aus der Korrespondenz 

mit der fallführenden Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Zug. Darin legte 

der  Beschuldigte  A._____  ausführlich  dar,  weshalb  eine  Mitteilung  an  die 

D1._____ aus strafprozessrechtlicher Sicht unterbleiben könne und nicht er-

forderlich sei, weil in der Rechtsperson der L._____, abgesehen von der Ab-

berufung der Verwaltungsratsmitglieder N._____ und R._____, keine Ände-

rungen eintreten würden (STA act. 10017236-75; vgl. E. II/3.4.4 hiervor). So 

äusserte der Beschuldigte A._____ gegenüber der fallführenden Staatsan-

wältin wortwörtlich: "An der rechtlichen Existenz und Substanz der L._____ 

ändert  der  Vergleich  nichts"  (STA  act.  10017236-79).  Diese  Bemühungen 

des Beschuldigten A._____ wären nicht erforderlich gewesen, wenn er und 

-   65   -

der Beschuldigte B._____ die Einhaltung der Vergleichsvereinbarung beab-

sichtigt hätten.

Gar  arglistig  erscheint,  dass  der  Beschuldigte  A._____  die  fallführende 

Staatsanwältin  der  Staatsanwaltschaft  Zug  glauben  machte,  dass  die 

L._____ bereit sei, ihre in Ziffer 11 der Vergleichsvereinbarung aufgeführten 

Gläubiger aus den freigegebenen Geldern zu befriedigen. Im ersten Entwurf 

der  Vergleichsvereinbarung  war  vorgesehen,  dass  sich  die  Organe  der 

C._____  nach  Aufhebung  der  Kontosperren  und  Erhalt  der  Gelder  der 

L._____  unverzüglich  mit  der  D1._____  in  Verbindung  setze,  um  die 

Restausstände aus dem Weizenhandelsgeschäft von 2008 zu regeln (STA 

act.  10017236-5  Ziff. 5).  Aus  diesem  Grund  gelangte  der  Beschuldigte 

B._____  auch  an  den  Beschuldigten  A._____  (STA  act.  10017236-8).  Der 

Beschuldigte  A._____  liess  diesen  Vergleichsentwurf  der  fallführenden 

Staatsanwältin  per  E-Mail  vom  9. November  2010  zukommen  (STA 

act. 10017236-8). Auch die späteren Vertragsentwürfe, worin die Forderung 

der D1._____ aufgeführt und anerkannt wurde, lagen der Staatsanwältin vor. 

Aufgrund dessen durfte sie annehmen, dass die L._____ resp. deren Organe 

beabsichtigten,  die  Forderung  der  D1._____  aus  dem  Weizenhandelsge-

schäft zu begleichen. Die Regelung der Zivilansprüche in der Vergleichsver-

einbarung war Bedingung, damit die Staatsanwaltschaft Zug die Kontosper-

ren  aufhob.  Dem  Beschuldigten  A._____  war  dies  bekannt.  Dennoch 

schreckte  er  nicht  davor  zurück,  unter  Missachtung  der  Vergleichsabrede 

eine Zusatzvereinbarung vom 20. Januar 2012 aufzusetzen, worin festgehal-

ten wurde, dass der Vergleich den Zweck verfolgt habe, das noch vorhan-

dene Vermögen der L._____ so weit als möglich auf die C._____ zu übertra-

gen.

4.2.2 Der Beschuldigte A._____ entschied sich direktvorsätzlich und aus Habgier, 

von der Rückforderung der überwiesenen Gelder abzusehen. Die Bereiche-

rungsabsicht  per  se  darf  sich  zwar  nicht  nochmals  auswirken,  da  dieses 

Zumessungskriterium im erweiterten Strafrahmen gemäss dem qualifizierten 

Treubruchtatbestand bereits berücksichtigt ist (vgl. E. IV/2 hiervor). Hingegen 

-   66   -

darf  erschwerend  gewertet  werden,  dass  die  Bereicherungsabsicht  des 

Beschuldigten  A._____  angesichts  der  Deliktssumme  als  ausgeprägt  be-

zeichnet werden kann. Zudem ist der Beschuldigte von Beruf Rechtsanwalt, 

weshalb  seine  Gleichgültigkeit  gegenüber  der  Rechtsordnung  und  seine 

Hinterlistigkeit gegenüber den Strafverfolgungsbehörden besonders negativ 

ins Gewicht fällt. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass sich die subjektive 

Tatschwere straferhöhend auswirkt. 

4.2.3 Die Tatschwere liegt insgesamt im oberen Bereich. Die Vorinstanz setzte die 

Einsatzstrafe  auf  4 Jahre  und  2 Monate  (50 Monate)  fest.  Dies  erscheint 

allerdings angesichts dessen, dass nebst der D1._____ keine weiteren Gläu-

biger geschädigt wurden, als zu hoch. Vielmehr erscheint eine Einsatzstrafe 

von 42 Monaten Freiheitsstrafe angemessen.

4.3 Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung

4.3.1 Gleich wie bei der ungetreuen Geschäftsbesorgung fällt in objektiver Hinsicht 

ins Gewicht, dass der Beschuldigte A._____ sich dreist über die Vergleichs-

vereinbarung  hinwegsetzte  und  zuliess,  dass  die  L._____  über  kein  Haf-

tungssubstrat mehr verfügte. In Ziffer 11 der Vergleichsabrede wurde die of-

fene Forderung der D1._____ mit USD 31'410'000 beziffert. Der Verlust der 

Gläubigerin  war  ausserordentlich  hoch.  Der  Beschuldigte  ging  planmässig 

vor,  nutzte  seine  Stellung  als  Liquidator  aus  und  verfasste  zwecks  Ver-

schleierung des illegalen Vorgehens gegen aussen eine auf den 20. Januar 

2012 datierte Zusatzvereinbarung des Inhalts, dass der Vergleich den Zweck 

verfolgt habe, das noch vorhandene Vermögen der L._____ so weit als mög-

lich auf die C._____ zu übertragen. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz war 

das Vorgehen auch durchaus raffiniert und arglistig, indem der Beschuldigte 

A._____  sich  um  die  Geheimhaltung  der  Vergleichsvereinbarung  vor  der 

Gläubigerin  bemühte  und  im  Hinblick  auf  die  Aufhebung  der  Kontosperren 

die  Staatsanwaltschaft  Zug  glauben  machte,  dass  die  Vergleichsvereinba-

rung eingehalten und vollzogen werde (vgl. E. V/4.2.1 hiervor).

-   67   -

Die kriminelle Energie des Beschuldigten A._____ ist vor diesem Hintergrund 

als erheblich zu bezeichnen. Aufgrund des massiven Verlusts auf Seiten der 

D1._____ und des planmässigen, raffinierten und arglistigen Tatvorgehens 

ist die objektive Tatschwere im oberen Bereich anzusiedeln.

4.3.2 Der Beschuldigte A._____ unterliess es mit direktem Vorsatz, den Bereiche-

rungsanspruch der L._____ gegenüber der C._____ geltend zu machen. Die 

Unterlassung  erfolgte  aus  Habgier.  Zudem  ist  der  Beschuldigte  von  Beruf 

Rechtsanwalt, weshalb seine Gleichgültigkeit gegenüber der Rechtsordnung 

und  seine  Hinterlistigkeit  gegenüber  den  Strafverfolgungsbehörden  beson-

ders negativ ins Gewicht fällt. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass sich 

die subjektive Tatschwere straferhöhend auswirkt.

4.3.3 Die  Einzelstrafe  wäre  auf  42  Monate  Freiheitsstrafe  festzusetzen.  Unter 

Berücksichtigung  des  Zusammenhangs  mit  der  ungetreuen  Geschäftsbe-

sorgung ist die Einsatzstrafe um 9 Monate auf 51 Monate Freiheitsstrafe zu 

erhöhen.

4.4 Urkundenfälschung

4.4.1 Der Beschuldigte A._____ liess die Forderung der D1._____ in der Buchhal-

tung  der  L._____  löschen  und  an  deren  Stelle  die  Forderung  der  C._____ 

eintragen. Er tat dies zur Verschleierung der wahren Verhältnisse nach aus-

sen, insbesondere gegenüber dem Steueramt. Mit der Vorinstanz ist die ob-

jektive Tatschwere im mittleren Bereich anzusiedeln. Art. 251 Ziff. 2 aStGB, 

wonach die Strafe in besonders leichten Fällen milder ausfallen kann, gelangt 

nicht zur Anwendung.

4.4.2 Die subjektive Tatschwere (direkter Vorsatz, Habgier, Delinquenz als Rechts-

anwalt)  wirkt  sich  straferhöhend  aus.  Unter  Berücksichtigung  des  engen 

Zusammenhangs mit den Delikten der ungetreuen Geschäftsbesorgung und 

der  Gläubigerschädigung  durch  Vermögensminderung  ist  die  Einsatzstrafe 

um 4 Monate auf 55 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.

-   68   -

4.5 Gehilfenschaft  zu  ungetreuer  Geschäftsbesorgung  und  Gehilfenschaft  zu 

Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung

4.5.1 Der Beschuldigte A._____ beriet den Beschuldigten B._____ als Anwalt. Die 

Vorinstanz hielt zutreffend fest, dass der Beschuldigte A._____ einen gros-

sen Einfluss auf den Beschuldigten B._____ ausübte. Zudem verfasste der 

Beschuldigte  A._____  die  erste  Zusatzvereinbarung  vom  26. Juli  2011  zur 

Legitimierung  des  Vorgehens  des  Beschuldigten  B._____.  Die  L._____ 

wurde zahlungsunfähig und überschuldet. Die D1._____ als Gläubigerin der 

L._____ erlitt einen immensen Verlust. Der Beschuldigte A._____ handelte 

allerdings nur als Gehilfe, weshalb er milder zu bestrafen ist (Art. 25 StGB). 

Das objektive Tatverschulden liegt daher im mittleren Bereich.

4.5.2 Die subjektive Tatschwere (direkter Vorsatz, Habgier, Delinquenz als Rechts-

anwalt) wirkt sich straferhöhend aus. Aufgrund des Gesamtzusammenhangs 

mit  den  weiteren  Straftaten  rechtfertigt  es  sich  aber,  die  Einsatzstrafe  für 

Gehilfenschaft  zu  ungetreuer  Geschäftsbesorgung  und  Gehilfenschaft  zur 

Gläubigerschädigung  durch  Vermögensminderung 

insgesamt  nur  um 

3 Monate auf 58 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.

4.6 Täterkomponente

Die  Vorinstanz  stellte  die  persönlichen  Verhältnisse  des  Beschuldigten 

A._____ dar, soweit dies infolge der spärlichen Aussagen dazu möglich war. 

Darauf ist zu verweisen (Urk. 145 S. 106). Die persönlichen Verhältnisse, die 

Vorstrafenlosigkeit und der Gebrauch vom Aussageverweigerungsrecht wäh-

rend der Strafuntersuchung wirken sich auf die Strafzumessung neutral aus. 

Entgegen der Ansicht der Vorinstanz kann im Umstand, dass der Beschul-

digte von Beruf Rechtsanwalt ist, indessen keine erhöhte Strafempfindlichkeit 

gesehen werden, da der Beschuldigte gemäss seinen Aussagen Rentner ist 

und seinen Beruf nicht mehr ausübt. Zu berücksichtigen ist aber das fortge-

schrittene Alter, wenngleich der Beschuldigte noch nicht hochbetagt ist. Er 

ist im Zeitpunkt des zweitinstanzlichen Urteils 76 Jahre alt. Darin liegt eine 

-   69   -

erhöhte  Strafempfindlichkeit,  welche  sich  im  Umfang  von  6 Monaten 

Freiheitsstrafe strafreduzierend auswirkt.

4.7 Beschleunigungsgebot

4.7.1 Die Vorinstanz erkannte eine Verletzung des Beschleunigungsgebots, weil in 

der Zeitspanne von April 2019 (ablehnender Entscheid der deutschen Straf-

behörden betreffend das Strafübernahmegesuch) bis zur Anklageerhebung 

beim Bezirksgericht Zürich im März 2022 keine Untersuchungshandlungen 

mehr stattfanden. Dem ist zuzustimmen.

4.7.2 Die  Strafbehörden  müssen  die  Strafverfahren  unverzüglich  an  die  Hand 

nehmen  und  sie  ohne  unbegründete  Verzögerung  zum  Abschluss  bringen 

(Art. 6 Ziff. 1 EMRK; Art. 29 Abs. 1 BV; Art. 5 Abs. 1 StPO). Das Beschleuni-

gungsgebot verpflichtet die Behörden, ein Strafverfahren mit der gebotenen 

Beförderung  zu  behandeln,  nachdem  die  beschuldigte  Person  darüber  in 

Kenntnis gesetzt  wurde.  Diese  soll  den  Belastungen eines  Strafverfahrens 

nicht länger als notwendig ausgesetzt sein. Die Beurteilung der angemesse-

nen  Verfahrensdauer  entzieht  sich  starren  Regeln.  Ob  sich  die  Dauer  als 

angemessen erweist, ist in jedem Einzelfall unter Würdigung aller konkreten 

Umstände zu prüfen (BGE 143 IV 373 E. 1.3.1 mit Hinweisen).

4.7.3 Eine Verletzung des Beschleunigungsgebots hat meistens eine Strafreduk-

tion, gelegentlich den Verzicht auf Strafe und in Extremfällen die Verfahrens-

einstellung  zur  Folge.  Bei  der  Frage  nach  der  sachgerechten  Verletzungs-

folge ist zu berücksichtigen, wie schwer die beschuldigte Person durch die 

Verfahrensverzögerung getroffen wurde, wie gravierend die ihr vorgeworfe-

nen Taten sind und welche Strafe ausgesprochen werden müsste, wenn das 

Beschleunigungsgebot  nicht verletzt worden wäre.  Rechnung zu tragen  ist 

auch  den  Interessen  der  Geschädigten  und  der  Komplexität  des  Falls. 

Schliesslich  ist  in  Betracht  zu  ziehen,  wer  die  Verfahrensverzögerung  zu 

vertreten hat (BGE 143 IV 373 E. 1.4.1 mit Hinweisen).

-   70   -

4.7.4 Vorliegend erstreckte sich der Zeitraum von der letzten Untersuchungshand-

lung  (Abweisung  des  Gesuchs  um  Strafübernahme)  bis  zur  Anklage-

erhebung  auf  circa  drei  Jahre.  Untätigkeit  der  Behörden  während  13  bis 

14 Monaten im Stadium der Untersuchung kann bereits eine Verletzung des 

Beschleunigungsgebots sein (BGer, Urteil 6B_441/2019 vom 12.9.19 E. 3.1). 

Dies muss erst recht bei einem Verfahrensstillstand von drei Jahren gelten, 

wenngleich der Staatsanwaltschaft zugute zu halten ist, dass das Verfahren 

zwei  Beschuldigte  betraf,  internationale  Bezüge  aufwies,  viele  komplexe 

Fragen  (auch  Geldwäscherei)  abzuklären  waren  und  der  Aktenumfang 

(68 Bundesordner  plus  Beizugsakten)  erheblich  war.  Der  Zeitbedarf  der 

Staatsanwaltschaft  zur  Vorbereitung  der  Anklage  war  dementsprechend 

gross. In Anbetracht des Umfangs und des Schwierigkeitsgrads der Unter-

suchung  kann  die  Verletzung  des  Beschleunigungsgebots  daher  nicht  als 

krass eingestuft werden, so dass nur eine Strafreduktion als Verletzungsfolge 

in  Betracht  kommt.  Ebenfalls  zu  berücksichtigen  sind  die  erforderlichen 

Abklärungen  der  Staatsanwaltschaft  in  Bezug  auf  die  neue  Adresse  des 

Beschuldigten  A._____ 

in  Deutschland  und  die  Frage  von  dessen 

Verteidigung (Urk. 191 S. 3). Die Verletzung des Beschleunigungsgebots ist 

daher insgesamt mit einer Strafreduktion von 1 Jahr (12 Monaten) Freiheits-

strafe zu veranschlagen.

4.8 Zeitablauf

4.8.1 Schliesslich  trug  die  Vorinstanz  der  langen  Verfahrensdauer  und  dem  auf-

grund des Zeitablaufs verminderten Strafbedürfnis Rechnung.

4.8.2 Das Gericht mildert die Strafe, wenn das Strafbedürfnis in Anbetracht der seit 

der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert ist und der Täter sich in dieser 

Zeit wohl verhalten hat (Art. 48 lit. e StGB). Dieser Strafmilderungsgrund ist 

zu berücksichtigen, wenn seit der Tat zwei Drittel der Verjährungsfrist ver-

strichen  sind.  Als  Wohlverhalten  gilt  das  Fehlen  von  weiteren  Straftaten 

(MONIKA SIMMER/SINE SELMAN, StGB - Annotierter Kommentar, 2020, Art. 48 

N. 11-12).

-   71   -

4.8.3 Die hier zu beurteilenden Delikte betrafen die Jahre 2011 bis 2013. Die Ver-

folgungsverjährung von 15 Jahren (vgl. Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB) ist zu weit 

mehr als zwei Dritteln verstrichen. Die Voraussetzungen zur Strafmilderung 

aufgrund des infolge Zeitablaufs reduzierten Strafbedürfnisses können daher 

als erfüllt angesehen werden.

Der Zeitablauf im Zeitpunkt des Urteils der Berufungskammer kann mit einer 

Strafreduktion von 4 Monaten Freiheitsstrafe Rechnung getragen werden.

4.9 Festsetzung der Gesamtstrafe

Unter  Berücksichtigung  der  dargestellten  Umstände  ist  die  Einsatzstrafe 

wegen  ungetreuer  Geschäftsbesorgung  von  42  Monaten  Freiheitsstrafe 

unter  Anwendung  des  Asperationsprinzips  wegen  Gläubigerschädigung 

durch  Vermögensminderung  auf  51 Monate  Freiheitsstrafe  zu  erhöhen. 

Sodann ist die Einsatzstrafe wegen Urkundenfälschung auf 55 Monate und 

wegen  Gehilfenschaft  zu  ungetreuer  Geschäftsbesorgung  und  Gehilfen-

schaft zur Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung auf 58 Monate 

Freiheitsstrafe zu erhöhen. Aufgrund der Verletzung des Beschleunigungs-

gebots  ist  diese  Strafe  um  12 Monate  Freiheitsstrafe  und  aufgrund  des 

reduzierten  Strafbedürfnisses  infolge  Zeitablaufs  um  4 Monate  Freiheits-

strafe  zu  reduzieren.  Schliesslich  ist  die  erhöhte  Strafempfindlichkeit  des 

Beschuldigten  A._____  aufgrund  seines  fortgeschrittenen  Alters  mit  einer 

Strafreduktion von 6 Monaten Freiheitsstrafe zu berücksichtigen. Daraus re-

sultiert eine tat- und täterangemessene Gesamtstrafe von 3 Jahren (36 Mo-

naten) Freiheitsstrafe.

VI. Vollzug

1. Grundsatz

Im Zuge der Revision des seit dem 1. Januar 2018 geltenden Sanktionen-

rechts  wurden  Art. 42  StGB  über  den  bedingten  Vollzug  und  Art. 43  StGB 

über den teilbedingten Vollzug geändert. Aufgrund der Höhe der auszuspre-

-   72   -

chenden  Strafe  kommt  vorliegend  nur  der  teilbedingte  Vollzug  in  Betracht. 

Art. 43 StGB in der heute geltenden Fassung ist nicht milder als in der zur 

Tatzeit  geltenden  Fassung,  weshalb  die  alte  Fassung  zur  Anwendung  ge-

langt.

Die Vorinstanz stellte die Voraussetzungen zur Gewährung des teilbedingten 

Vollzugs  –  Freiheitsstrafe  von  mindestens  einem  Jahr  und  höchstens  drei 

Jahren, günstige Legalprognose – rechtskonform dar. Darauf ist zu verwei-

sen  (Urk. 145  S. 116).  Der  unbedingt  vollziehbare  Teil  darf  die  Hälfte  der 

Strafe nicht übersteigen (Art. 43 Abs. 2 aStGB). Sowohl der aufgeschobene 

wie  auch  der  zu  vollziehende  Teil  müssen  mindestens  6 Monate  betragen 

(Art. 43 Abs. 3 Satz 1 aStGB).

Wird  der  Strafvollzug  ganz  oder  teilweise  aufgeschoben,  so  bestimmt  das 

Gericht  dem  Verurteilten  eine  Probezeit  von  zwei  bis  fünf  Jahren  (Art. 44 

Abs. 1 aStGB).

2.

Vollzug der Strafe des Beschuldigten A._____

Der Beschuldigte A._____ ist mit drei Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen. Die 

formelle Voraussetzung des teilbedingten Strafvollzugs ist erfüllt.

Die Vorinstanz bejahte die günstige Legalprognose. Sie wies darauf hin, dass 

der  Beschuldigte A._____  über einen einwandfreien Leumund verfügt. Be-

lastend wirke sich allerdings die grosse kriminelle Energie des Beschuldigten 

aus (Urk. 145 S. 118).

Die Voraussetzungen des teilbedingten Strafvollzugs sind erfüllt. Angesichts 

der  Schwere  des  Tatverschuldens  ist  die  Hälfte  der  Freiheitsstrafe 

(18 Monate)  bedingt,  die  andere  Hälfte  (18 Monate)  unbedingt  auszu-

sprechen.  Weiterungen  zur  Anrechnung  von  Untersuchungshaft  auf  den 

unbedingten Teil der Strafe erübrigen sich, da der Beschuldigte nie in Haft 

war. Die vorinstanzliche Ansetzung einer zweijährigen Probezeit wurde von 

der Staatsanwaltschaft zu Recht nicht beanstandet und ist zu übernehmen.

-   73   -

VII. Ersatzforderung / Einziehung

1. Grundsätze

1.1 Die  Vorinstanz  stellte  die  rechtlichen  Voraussetzungen  der  staatlichen 

Ersatzforderung in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorgaben und der 

bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  dar.  Darauf  kann  verwiesen  werden 

(Urk. 145 S. 122-124). Rekapitulierend ist festzuhalten, dass die Ersatzfor-

derung  mittels  "Durchgriff"  auf  eine  juristische  Person  vollstreckt  werden 

kann, wenn zwischen ihr und dem Ersatzforderungsschuldner wirtschaftlich 

nicht zu unterscheiden ist und die Berufung auf die rechtliche Selbstständig-

keit der juristischen Person rechtsmissbräuchlich erscheint (BGE 147 IV 479 

E. 7.4; 140 IV 57 E. 4.1.2).

1.2 Vorliegend richtet sich die Ersatzforderung in erster Linie gegen die C._____ 

als  direkte  Empfängerin  der  Vermögenswerte  der  L._____.  Auf  dem  USD-

Konto der C._____ bei der Bank H'._____ AG wurden am 19. August 2011 

und am 25. August 2011 zwei Überweisungen der L._____ im Gesamtbetrag 

von USD 32'833'303.66 verbucht (STA act. 40103453 f.). In diesem Umfang 

war die C._____ unrechtmässig bereichert. Das Geld wurde im Umfang von 

USD 31'000'000 zunächst als Festgeld angelegt (STA act. 40103454).

Wie  nachfolgend  aufzuzeigen  ist,  wurden  ab  dem  betreffenden  Konto  der 

C._____  kontaminierte  Gelder  an  die  Beschuldigten  resp.  an  von  ihnen 

beherrschte  Gesellschaften  überwiesen,  wobei  sich  die  Papierspur  der 

überwiesenen  Gelder  nicht  rechtsgenügend  ermitteln  lässt.  Deshalb  sind 

Ersatzforderungen in Betracht zu ziehen.

2.

Ersatzforderung gegen den Beschuldigten A._____

2.1 Der Beschuldigte A._____ war unbestrittenermassen wirtschaftlicher Eigen-

tümer der F2._____ AG und der F1._____ AG (Prot. I S. 41).

Am 23. August 2011, dem Tag nach der Transaktion der ersten Tranche der 

L._____-Gelder  auf  das  USD-Konto  der  C._____  bei  der  Bank  H._____, 

-   74   -

wurde  auf  dem  Konto  der  F2._____  AG  bei  der  E._____  [Bank]  eine  Gut-

schrift von USD 2'510'000.95 verbucht. Die Zahlung erfolgte ab dem USD-

Konto der C._____ bei der Bank H._____ (STA act. 40103454). Anhand des 

Kontostandes des belasteten Kontos vor und nach der Transaktion lässt sich 

ersehen, dass das an die F2._____ AG überwiesene Geld im Umfang von 

USD 1'693'281.97 von der L._____ stammte (STA act. 40103453 f.).

Am  1. September  2011  gingen  auf  dem  Konto  der  F1._____  AG  bei  der 

E._____ USD 2'000'000 ein (STA act. 41101336). Auch dieser Betrag kam 

vom  besagten  USD-Konto  der  C._____  (STA  act. 40103455),  wobei  das 

überwiesene  Geld 

in  vollem  Umfang  von  der  L._____  stammte 

(STA act. 40103454 f.). Am 17. Oktober 2014 erfolgte eine weitere Zahlung 

in der Höhe von USD 54'000 (STA act. 40104039). Aufgrund des Zeitablaufs 

ist allerdings nicht erstellbar, ob auch dieses Geld von der L._____ stammte.

Bei  den  Zahlungen  vom  23. August  2011  und  vom  1. September  2011 

handelte es sich um Gegenleistungen für die Beratungstätigkeit des Beschul-

digten  A._____  für  die  C._____.  Dies  ergibt  sich  aus  dem  Vermerk  des 

Zahlungsgrundes  "1. Abschlagszahlung  Honorarnote"  im  Kontoauszug  des 

belasteten  Kontos  (STA  act. 40103454)  und  wurde  vom  Beschuldigten 

A._____  insofern  bestätigt,  als  er  sich  gemäss  seinen  Aussagen  von  der 

F2._____ AG anstellen liess und in der Schweiz auf diese Weise seine Be-

ratungstätigkeit  ausübte  (Prot. I.  S. 41 f.).  Die  Beratungstätigkeit  des  Be-

schuldigten A._____ erweist sich im vorliegenden Fall als strafbar. Das dafür 

erhaltene Honorar seitens der C._____ wäre an sich einzuziehen. Mangels 

Nachweisbarkeit  der  Papierspur  des  an  den  Beschuldigten  A._____  resp. 

seine  Gesellschaften  überwiesenen  Geldes  ist  indessen  eine  Ersatzforde-

rung im Betrag von USD 3'693'281.97 in Betracht zu ziehen. Umgerechnet in 

Schweizer Franken auf den Tag des erstinstanzlichen Urteils beträgt die Er-

satzforderung CHF 3'207'730. Es gibt keine Hinweise, dass die Ersatzforde-

rung uneinbringlich wäre oder dass sie die Wiedereingliederung des Beschul-

digten A._____ in Gefahr brächte.

-   75   -

2.2 Die F2._____ AG und die F1._____ AG wurden im Jahr 2019 mangels Akti-

ven  gelöscht.  Die  Gesellschaften  verfügten  je  über  zwei  Konten  bei  der 

E._____ (Konto Nr. 1 lautend auf F1._____ AG in Liq.; Konto Nr. 2 lautend auf 

F1._____ AG in Liq.; Konto Nr. 3 lautend auf F2._____ AG in Liq.; Konto Nr. 4 

lautend auf F2._____ AG in Liq.). Auf diesen mittlerweile gesperrten Konten be-

finden sich nach wie vor Vermögenswerte. Wie gesagt war der Beschuldigte 

A._____ an den beiden Gesellschaften wirtschaftlich berechtigt. Gemäss sei-

nen Angaben gründete er sie, um in der Schweiz als angestellt zu gelten und 

eine Aufenthaltsbewilligung zu erlangen (Prot. I S. 41 f.). Wie die Vorinstanz 

erwog  (Urk. 145  S. 126),  erschiene  die  Berufung  auf  die  rechtliche  Selbst-

ständigkeit der Gesellschaften zur Verhinderung der Einziehung der auf den 

gesperrten  Konten  liegenden  Bankguthaben  als  rechtsmissbräuchlich.  Die 

Vermögenswerte  auf  den  gesperrten  Konten  der  Gesellschaften  sind  wirt-

schaftlich  dem  Beschuldigten  A._____  zuzurechnen,  demnach  auf  die 

Ersatzforderung anzurechnen und einzuziehen.

3.

Ersatzforderung gegen die am Verfahren beteiligte C._____

Zwar gilt die Berufung der C._____ wie erwähnt als zurückgezogen, nach-

dem sie nicht zur Berufungsverhandlung erschienen. Dennoch ist in Bezug 

auf die C._____ das Folgende festzuhalten: Die C._____ wurde im Umfang 

von  USD 32'833'303.66  unrechtmässig  bereichert  (STA  act. 40103453 f.). 

Nach Abzug der Ersatzforderungen gegen den Beschuldigten B._____ von 

USD 100'000 und den Beschuldigten A._____ von USD 3'693'281.97 beläuft 

sich die Ersatzforderung gegen die C._____ auf USD 29'040'021.70. Umge-

rechnet  in  Schweizer  Franken  auf  den  Tag  des  erstinstanzlichen  Urteils 

beträgt die Ersatzforderung CHF 25'222'159. Das auf den gesperrten Konten 

der C._____ bei der Bank I._____ (Konto Nr. 6) und der Bank H._____ (Konto 

Nr. 7) liegende Vermögen ist einzuziehen und auf die Ersatzforderung anzu-

rechnen.

-   76   -

VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Verfahrens

Ausgangsgemäss  ist  das  erstinstanzliche  Kostendispositiv  (Ziffer 13)  zu 

bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).

2.

Kosten des Berufungsverfahrens

2.1 Die  Gerichtsgebühr  ist  angesichts  der  Schwierigkeit  und  Bedeutung  des 

Falles  sowie  des  Aufwandes  des  Berufungsgerichts  auf  Fr. 10'000.–  fest-

zusetzen.  Im  Berufungsverfahren  tragen  die  Parteien  die  Kosten  nach 

Massgabe  ihres  Obsiegens  oder  Unterliegens  (Art. 428  Abs. 1  StPO).  Als 

unterliegend  gilt  auch  diejenige  Partei,  auf  deren  Rechtsmittel  nicht  einge-

treten wird oder die das Rechtsmittel zurückzieht (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der 

Beschuldigte  A._____  unterliegt  mit  seiner  Berufung  vollumfänglich.  Der 

Beschuldigte B._____ und die C._____ unterliegen zufolge Rückzugs ihrer 

Berufungen  ebenfalls  vollumfänglich.  Dagegen  obsiegt  die  Staatsanwalt-

schaft mit ihrer Anschlussberufung. Das Nichteintreten auf die Berufung des 

amtlichen Verteidigers des Beschuldigten A._____ betreffend seine Honora-

rentschädigung betrifft nur einen Nebenpunkt, weshalb es sich rechtfertigt, 

ihm  dafür  keine  Kosten  aufzuerlegen.  Ausgangsgemäss  sind  deshalb  die 

Kosten  des  Berufungsverfahrens,  mit  Ausnahme  derjenigen  der  amtlichen 

Verteidigungen, den Beschuldigten A._____ und B._____ sowie der C._____ 

je zu einem Drittel und unter solidarischer Haftbarkeit aufzuerlegen. Die Kos-

ten der amtlichen Verteidigungen sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die 

Rückzahlungspflicht der Beschuldigten für die jeweils eigene amtliche Ver-

teidigung ist gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten.

2.2 Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten B._____ reichte seine Honorar-

noten mit der Auflistung seiner Aufwendungen und Auslagen im Berufungs-

verfahren  ein  (Urk. 188/1-3).  Sie  sind  ausgewiesen  und  erweisen  sich  als 

angemessen, weshalb er antragsgemäss mit Fr. 7'957.– (inkl. Barauslagen 

und MwSt.) zu entschädigen ist.

-   77   -

2.3 Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten A._____ macht mittels Honorar-

note für seine Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren eine Ent-

schädigung von Fr. 17'041.20 geltend. Darin noch nicht berücksichtigt sind 

die Aufwendungen im Zusammenhang mit der Teilnahme an der Berufungs-

verhandlung samt Nachbesprechung des Berufungsurteils mit dem Beschul-

digten (Urk. 189).

Für  die  Führung  eines  Strafprozesses  einschliesslich  des  Parteivortrages 

und Teilnahme an der Hauptverhandlung beträgt die Grundgebühr vor den 

Bezirksgerichten  Fr.  1'000.–  bis  Fr.  28'000.–  (§  17  Abs.  1  AnwGebV).  Für 

zusätzliche Verhandlungen und weitere notwendige Rechtsschriften werden 

Zuschläge berechnet (§ 17 Abs. 2 AnwGebV). Im Berufungsverfahren wird 

die  Gebühr  grundsätzlich  nach  den  für  die  Vorinstanz  geltenden  Regeln 

bemessen. Dabei wird auch berücksichtigt, ob das Urteil vollumfänglich oder 

nur teilweise angefochten worden ist (§ 18 Abs. 1 AnwGebV). Grundlage für 

die Festsetzung der Gebühr bilden die Bedeutung des Falles, die Verantwor-

tung des Anwalts, der notwendige Zeitaufwand und die Schwierigkeit des Fal-

les  (§ 2  AnwGebV).  Der  Anspruch  auf  Entschädigung  der  amtlichen 

Verteidigung umfasst nicht alles, was für die Wahrnehmung der Interessen 

des Mandanten von Bedeutung ist. Erfasst wird nur, was zur Wahrung der 

Verteidigung notwendig ist (vgl. § 1 Abs. 2 und § 2 Abs. 1-3 AnwGebV). Nach 

diesem Massstab bestimmt sich der Anspruch sowohl in qualitativer als auch 

in quantitativer Hinsicht, das heisst in Bezug auf den Umfang der Aufwen-

dungen.  Entschädigungspflichtig  sind  nur  jene  Bemühungen,  die  in  einem 

kausalen  Zusammenhang  mit  der  Wahrung  der  Rechte  im  Strafverfahren 

stehen,  und  die  notwendig  und  verhältnismässig  sind.  Das  Honorar  muss 

allerdings so festgesetzt werden, dass der Rechtsvertretung ein Handlungs-

spielraum  verbleibt  und  sie  das  Mandat  wirksam  ausüben  kann 

(BGer 1B_96/2011 vom 6. Juni 2011 E. 2.2). Die Festsetzung des Honorars 

im Rahmen einer Pauschale ist zulässig und verletzt als solche das Recht 

auf  wirksame  Verteidigung  nicht  (BGE 141  I  124  E.3  und  E.4;  vgl. auch 

BGer 6B_1252/2016 vom 9. November 2017 [= BGE 143 IV 453] E. 2.5.1 f.).

-   78   -

Der Beschuldigte A._____ focht das bezirksgerichtliche Urteil vollumfänglich 

an. Die Berufungsverhandlung dauerte drei Stunden. Es gab keine Weiterun-

gen.  Die  Verteidigungsstrategie  im  Berufungsverfahren  unterschied  sich 

kaum von jener im bezirksgerichtlichen Verfahren und der amtliche Verteidi-

ger war bereits im erstinstanzlichen Verfahren mandatiert. Überdies hat sich 

der  amtliche  Verteidiger  in  seinen  Parteivorträgen  im  Berufungsverfahren 

grundsätzlich  auf  einige  wesentliche  Punkte  (im  Sinne  einer  Alternativge-

schichte)  beschränkt.  Allerdings  ist  auch  zu  berücksichtigen,  dass  es  sich 

insbesondere angesichts der Aktenfülle um einen umfangreichen Fall han-

delte und die Verantwortung der Verteidigung eher gross war, zumal das In-

teresse des Beschuldigten an einem Freispruch hoch wog. Angesichts der 

konkreten Schwierigkeiten und Bedeutung des Falles, der Verantwortung der 

Verteidigung und des notwendigen Zeitaufwandes ist der amtliche Verteidi-

ger  samt  Aufwendungen  für  die  Teilnahme  an  der  Berufungsverhandlung 

(inkl.  Wegentschädigung)  und  Nachbesprechung  mit  dem  Beschuldigten 

A._____  für  seine  Aufwendungen  im  Berufungsverfahren  mit  pauschal  Fr. 

17'000.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) zu entschädigen.

Es wird beschlossen:

1.

Auf die Berufung von Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ wird nicht eingetreten. 

Damit ist die Dispositivziffer 14 des Urteils des Bezirksgerichts Meilen vom 

19. Dezember 2023 in Rechtskraft erwachsen.

2.

Vom Rückzug der Berufung des Beschuldigten 2 wird Vormerk genommen. 

Damit sind die Dispositivziffern 2, 5, 7, 10 und 16 des Urteils des Bezirks-

gerichts Meilen vom 19. Dezember 2023 in Rechtskraft erwachsen.

3.

Vom Rückzug der Berufung der C._____ AG wird Vormerk genommen. Da-

mit  ist  die  Dispositivziffer  11  des  Urteils  des  Bezirksgerichts  Meilen  vom 

19. Dezember 2023 in Rechtskraft erwachsen.

4.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

-   79   -

5. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschrie-

benen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte 1 ist schuldig







der  qualifizierten  ungetreuen  Geschäftsbesorgung  gemäss  Art. 158 
Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3 aStGB sowie der Gehilfenschaft dazu (Art. 25 
StGB),

der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung gemäss Art. 164 
Ziff. 1 StGB sowie der Gehilfenschaft dazu (Art. 25 StGB),

der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 aStGB.

Der Beschuldigte 1 wird bestraft mit 3 Jahren Freiheitsstrafe.

Der  Vollzug  der  Freiheitsstrafe  wird  im  Umfang  von  1 Jahr  und  6 Monaten 

aufgeschoben.  Im  Übrigen  (1 Jahr  und  6 Monate)  wird  die  Freiheitsstrafe 

vollzogen. Die Probezeit wird auf 2 Jahre festgesetzt.

2.

3.

4.

Der  Beschuldigte 1  wird  verpflichtet,  dem  Kanton  Zürich  als  Ersatz  für 

nicht mehr  vorhandenen,  widerrechtlich  erlangten  Vermögensvorteil 

CHF 3'207'730.– (USD 3'693'281.97, umgerechnet per 19. Dezember 2023 

zum Kurs von 1 USD = CHF 0.86853) zu bezahlen. Die folgenden Guthaben 

auf Konten der E._____ werden vollumfänglich eingezogen und an die Er-

satzforderung des Beschuldigten 1 angerechnet:



Konto Nr. 1 lautend auf F1._____ AG in Liq.,

-   80   -







Konto Nr. 2 lautend auf F1._____ AG in Liq., Kontokorrent FRW Firmen; 
umgerechnet  in  Schweizer  Franken  per  19. Dezember  2023  (Kurs: 
1 EUR = CHF 0.94810),

Konto Nr. 3 lautend auf F2._____ AG in Liq.,

Konto Nr. 4 lautend auf F2._____ AG in Liq., Kontokorrent FRW Firmen; 
umgerechnet  in  Schweizer  Franken  per  19. Dezember  2023  (Kurs: 
1 EUR = CHF 0.94810).

Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziffer 13) wird bestätigt.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

10'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:

17'000.00 amtliche Verteidigung des Beschuldigten 1 (inkl. MwSt.)

7'957.00 amtliche Verteidigung des Beschuldigten 2 (inkl. MwSt.)

5.

6.

7.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtli-

chen Verteidigungen, werden den Beschuldigten 1 und 2 sowie der C._____ 

AG je zu einem Drittel unter solidarischer Haftbarkeit auferlegt. Die Kosten 

der amtlichen Verteidigungen werden auf die Gerichtskasse genommen. Die 

Rückzahlungspflicht  für  die  jeweils  eigene  amtliche  Verteidigung  bleibt  ge-

mäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.

8.

Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an











die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 1 (versandt)

die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 2 (versandt)

die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich (versandt)

die Verfahrensbeteiligte C._____ AG im Dispositivauszug Ziff. 3 des 
Beschlusses und Ziff. 7 des Urteils (versandt)

die Vertretung der Privatklägerin D1._____ GmbH im Dispositivauszug 
Ziff. 2 des Beschlusses und Ziff. 1 des Urteils (durch Publikation im 
kantonalen Amtsblatt)

(Eine betreffend Dispositivziff. 2 des Beschlusses und Dispositivziff. 1 

des Urteils auszugsweise begründete Urteilsausfertigung gemäss 

Art. 84 Abs. 4 StPO wird der Privatklägerin D1._____ GmbH nur 

-   81   -

zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach Kenntnisnahme des 

Dispositivs verlangt.)

sowie in vollständiger Ausfertigung an









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 1

die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 2

die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich

die Verfahrensbeteiligte C._____ AG auszugsweise begründet (Erwä-
gungen betreffend Dispositivziff. 3 des Beschlusses und Dispositivziff. 
7 des Urteils)

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an

















die Vorinstanz, mit dem Ersuchen um Vornahme der Mitteilungen ge-
mäss den vorinstanzlichen Dispositivziff. 2, 5, 7, 10 und 11 betreffend 
den Beschuldigten 2 und die Verfahrensbeteiligte C._____ AG (vgl. 
Dispositivziff. 2 und 3 des Beschlusses)

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A

die Aufsichtskommission über die Anwältinnen und Anwälte, Postfach, 
8021 Zürich

die E._____, Recht, Steuern & Compliance, VR4, Postfach, … Zürich 
(betr. Kontosperren), im Dispositivauszug Ziff. 4

das Bundesamt für Justiz, Direktionsbereich Internationale Rechts-
hilfe, Bundesrain 20, 3003 Bern (betreffend TEVG gemäss Dispositiv-
ziff. 4)

die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Güterstrasse 33, 
Postfach, 8010 Zürich (betreffend TEVG gemäss Dispositivziff. 4)

das Obergericht des Kantons Zürich, Zentrales Inkasso, Postfach, 
8021 Zürich (betreffend TEVG gemäss Dispositivziff. 4).

9. Gegen  diesen  Entscheid  kann  bundesrechtliche  Beschwerde  in  Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten  Ausfertigung  an  gerechnet,  bei  der  gemäss  Art.  35  und  35a 

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BGerR  zuständigen  strafrechtlichen  Abteilung  des  Bundesgerichts  (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten  sich  nach  den  massgeblichen  Bestimmungen  des  Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 3. März 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. B. Gut

MLaw N. Hunziker

Zur Beachtung:

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam gemacht:

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vorerst nicht 

bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss er/sie die Geldstrafe 

definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte Freiheitsstrafe.

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden (Art. 46 Abs. 1 

bzw. Abs. 4 StGB),

-

-

wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht,

wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.