# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a5722314-c3e3-58d7-8e59-2680ce884627
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-11-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.11.2017 E-4496/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4496-2017_2017-11-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4496/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  N o v e m b e r  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), 

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger, Richterin Regula 

Schenker Senn,    

Gerichtsschreiberin Lara Ragonesi. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

(Beschwerdeführer) 

B._______, geboren am (…), 

(Beschwerdeführerin) 

Syrien,   

beide vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, 

(…),  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 10. Juli 2017 / N (…). 

 

 

 

E-4496/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden verliessen ihren Heimatstaat eigenen Angaben 

zufolge im Juni 2014 in Richtung Türkei, wo sie sich ungefähr 15-16 Mo-

nate aufhielten und von wo aus sie über verschiedene europäische Länder 

am 30. September 2015 (Beschwerdeführerin) beziehungsweise am 8. Ok-

tober 2015 (Beschwerdeführer) illegal in die Schweiz einreisten und jeweils 

gleichentags um Asyl nachsuchten. Die Befragungen zur Person (BzP) fan-

den am 12. Oktober 2015 (Beschwerdeführerin) beziehungsweise am  

14. Oktober 2015 (Beschwerdeführer) im Empfangs- und Verfahrenszent-

rum (EVZ) C._______ statt. Das SEM hörte die Beschwerdeführenden so-

dann einzeln am 20. Juni 2017 vertieft zu ihren Asylgründen an. 

B.   

Zur Begründung der Asylgesuche machten die Beschwerdeführenden im 

Wesentlichen geltend, sie seien aufgrund des Bürgerkrieges und der 

schwierigen Lage in ihrem Heimatland ausgereist. Zudem hätten Apo-

Leute (Anhänger von „Apo“ Öcalan, kurdische Arbeiterpartei) mehrfach 

versucht, ihre Kinder zu rekrutieren, und sie seien deshalb mehrmals zu-

hause aufgesucht worden. Dabei hätten diese Leute auch nach den Töch-

tern gefragt und gedroht, sie würden diese mitnehmen, wenn die Be-

schwerdeführenden nicht angeben würden, wo sich ihr Sohn M. befinde. 

Dieser sei zudem von den syrischen Behörden gesucht worden, da er für 

den Militärdienst aufgeboten worden sei. 

 

B.a Der Beschwerdeführer habe bis ins Jahr 2010 beziehungsweise 2014 

als (…) gearbeitet und sei von den Apo-Leuten einmal mit zu hohen Steu-

ern auf seinen Waren sanktioniert worden, um ihn zum Anschluss an die 

PYD (Demokratischen Union, kurdisch: Partiya Yekitîya Demokrat) zu be-

wegen. Er habe aber auch bereits unter dem syrischen Regime Beste-

chungsgelder zahlen müssen. Zudem sei er – im Rahmen der Rekrutie-

rungsversuche seiner Kinder – aufgefordert worden, die PYD finanziell zu 

unterstützen. Er selber sei – wie bereits sein Vater – von ungefähr 1985/86 

bis ins Jahr 2004 Mitglied der Demokratischen Partei Al-Parti gewesen und 

habe dort den Büromaterialbedarf und die Folklorekleider organisiert. Nach 

einer Operation und wegen der Ausschreitungen anlässlich eines Fussball-

spiels im Jahre 2004 sei er schliesslich aus der Partei ausgetreten. Auf-

grund des Bürgerkriegs habe auch die medizinische Versorgung seiner (…) 

nicht mehr funktioniert. 

E-4496/2017 

Seite 3 

B.b Die Beschwerdeführerin bringt zusätzlich vor, sie sei als Ajnabi gebo-

ren worden und habe deshalb nie eine Schule besucht, sie habe in Syrien 

nichts auf ihren Namen registrieren können und ihre Reisefreiheit sei ein-

geschränkt gewesen. Die syrische Staatsangehörigkeit habe sie erst mit 

(…) Jahren erhalten. 

B.c Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten und, soweit 

für den Entscheid wesentlich, auf die nachstehenden Erwägungen verwie-

sen.  

B.d Die Beschwerdeführenden reichten im vorinstanzlichen Verfahren ihr 

Familienbüchlein, ihre Identitätskarten und eine ärztliche Bestätigung be-

treffend die (…) des Beschwerdeführers zu den Akten. 

C.  

Mit Verfügung vom 10. Juli 2017 – eröffnet am 12. Juli 2017 – hielt das 

SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz an. Wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs schob es 

diesen zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. 

D.  

Mit Eingabe vom 11. August 2017 erhoben die Beschwerdeführenden 

durch ihren Rechtsvertreter gegen diese Verfügung Beschwerde beim 

Bundesverwaltungsgericht und beantragten in materieller Hinsicht, die an-

gefochtene Verfügung des SEM vom 10. Juli 2017 sei aufzuheben und die 

Sache dem SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung und Feststel-

lung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung zurück-

zuweisen, eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben und es sei 

ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren, 

eventualiter sei die Verfügung des SEM aufzuheben und sie seien als 

Flüchtlinge anzuerkennen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragten 

sie, es sei ihnen vollumfängliche Einsicht in die Akte A 10/1 zu gewähren, 

eventualiter sei ihnen dazu das rechtliche Gehör zu gewähren und nach 

der Gewährung der Akteneinsicht und eventualiter des rechtlichen Gehörs 

sei ihnen eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeer-

gänzung anzusetzen. Zudem sei auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses zu verzichten und sie seien von der Bezahlung der Verfahrenskosten 

zu befreien, eventualiter sei eine angemessene Frist zur Bezahlung eines 

Gerichtskostenvorschusses anzusetzen. 

E-4496/2017 

Seite 4 

Der Beschwerde beigelegt war – unter anderem – eine Fürsorgebestäti-

gung der Gemeinde D._______ vom 17. Juli 2017. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 23. August 2017 wurden die Gesuche um Ak-

teneinsicht, Gewährung des rechtlichen Gehörs und Fristansetzung 

zwecks Beschwerdeergänzung abgewiesen und festgestellt, dass über 

das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zu einem späteren Zeitpunkt 

entschieden werde. Auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wurde 

einstweilen verzichtet. Gleichzeitig wurde die Vorinstanz um Einreichung 

einer Vernehmlassung ersucht. 

F.  

Mit Vernehmlassung vom 29. August 2017 hielt das SEM vollumfänglich an 

der angefochtenen Verfügung fest und brachte einige zusätzliche Anmer-

kungen an. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 31. August 2017 wurde den Beschwerdefüh-

renden die Vernehmlassung des SEM zugestellt und es wurde ihnen Ge-

legenheit geboten, eine Replik einzureichen. 

H.  

Mit Eingabe vom 11. September 2017 nahmen die Beschwerdeführenden 

fristgemäss zur Vernehmlassung des SEM Stellung. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

E-4496/2017 

Seite 5 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

2.  

Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Be-

schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken.  

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

5.  

Vorab ist auf die in der Beschwerde vorgebrachten formellen Rügen einzu-

gehen, wonach das SEM in verschiedener Hinsicht den Anspruch auf 

rechtliches Gehör, die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des 

Sachverhalts sowie die Begründungspflicht verletzt und überdies gegen 

das Willkürverbot verstossen habe. 

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Seite 6 

5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-

seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass 

eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-

greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er-

lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise 

beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan-

trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent-

weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, 

wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch 

auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, 

die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren 

Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1, 

BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert 

die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu 

prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Das 

gilt für alle form- und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, 

die zur Klärung der konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich erschei-

nen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den 

Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die 

wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten 

lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass 

sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-

setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. 

BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 

 

5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-

listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). 

Dazu gehört, die Identität offenzulegen und vorhandene Identitätspapiere 

abzugeben, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und in der 

Anhörung die Asylgründe darzulegen, allfällige Beweismittel vollständig zu 

bezeichnen und unverzüglich einzureichen sowie bei der Erhebung der bi-

ometrischen Daten mitzuwirken (vgl. BVGE 2011/28 E. 3.4). 

Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen 

Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die Sachver-

haltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach-

verhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35

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Seite 7 

unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen 

Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwal-

tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, 

Rz. 1043). 

5.3 Soweit die Beschwerdeführenden geltend machen, das rechtliche Ge-

hör sei dadurch verletzt worden, dass ihnen die Vorinstanz keine Einsicht 

in die Akte A10/1 des erstinstanzlichen Asylverfahrens gewährt habe, ist 

auf die Würdigung und Ablehnung dieser Rüge mittels Zwischenverfügung 

vom 23. August 2017 durch dieses Gericht zu verweisen. 

5.4 Die Beschwerdeführenden rügen zudem, die Vorinstanz habe den An-

spruch auf rechtliches Gehör und die Begründungspflicht beziehungsweise 

Abklärungspflicht verletzt, weil sie sich nicht mit der neuen Praxis betref-

fend die illegale Ausreise aus Syrien auseinandergesetzt habe (vgl. Art. 4 

der Beschwerde) und weil die Akten der Kinder der Beschwerdeführenden 

nicht inhaltlich beigezogen worden seien (vgl. Art. 10 f. und Art. 15 der Be-

schwerde), obwohl ihre Probleme offensichtlich direkt mit der asylrelevan-

ten Verfolgung ihrer Kinder verknüpft seien.  

5.4.1 Das SEM gelangte in seiner Verfügung vom 10. Juli 2017 zu Recht 

zu der Ansicht, wie nachfolgend zu sehen sein wird, dass die Beschwerde-

führenden zum Zeitpunkt der Ausreise keiner Verfolgungssituation im 

Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt waren und bei ihnen keine besondere 

Vorbelastung vorliegt. Unter diesen Umständen und in Anwendung der 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts betreffend die illegale Ausreise aus 

Syrien (vgl. beispielhaft Urteile des BVGer E-3692/2016 vom 13. Oktober 

2017 E. 4.7 und E-3845/2014 vom 3. Februar 2017 E. 5.2.3) bestand auch 

kein Anlass zu begründen, weshalb die illegale Ausreise für die Beschwer-

deführenden flüchtlingsrechtlich nicht relevant ist. Die Rüge, wonach die 

Vorinstanz damit das rechtliche Gehör und den Untersuchungsgrundsatz 

verletzt hat, geht offensichtlich fehl. 

5.4.2 Aus der angefochtenen Verfügung ist ersichtlich, dass das SEM für 

den vorliegenden Asylentscheid die Asylverfahrensakten der – sich in der 

Schweiz befindlichen – Kinder der Beschwerdeführenden zwar nicht bei-

gezogen, aber zumindest konsultiert hat. Betreffend Beizug – welcher nach 

Auffassung der Beschwerdeführenden zwingend notwendig sei – stellt sich 

ohnehin die Frage, ob ein solcher im konkreten Fall überhaupt indiziert war. 

Die von den Beschwerdeführenden geltend gemachte Reflexverfolgung ist 

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Seite 8 

von der Vorinstanz – wie nachfolgend zu sehen sein wird – zutreffender-

weise als nicht asylrelevant subsumiert worden, da die Beschwerdeführen-

den keine individuellen Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG geltend ge-

macht haben. Ein Beizug der Asylakten der Kinder hätte sich nur dann als 

massgeblich erwiesen, wenn den Beschwerdeführenden aufgrund der Ver-

folgung ihrer Kinder asylrelevante Nachteile erwachsen wären, was jedoch 

vorliegend nicht der Fall ist. Überdies haben die Beschwerdeführenden in 

ihren Eingaben auch nicht substanziiert dargelegt, inwiefern die Akten der 

Kinder geeignet sein sollen, eine Reflexverfolgung darzulegen. Eine Ver-

letzung des rechtlichen Gehörs und des Untersuchungsgrundsatzes liegt 

somit nicht vor.  

5.5 Weiter sei der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, weil einge-

reichte Beweismittel vom SEM nicht gewürdigt worden seien (vgl. Art. 9 der 

Beschwerde), weil nicht festgehalten worden sei, dass bereits der Vater 

sowie die beiden Söhne des Beschwerdeführers politisch aktiv gewesen 

seien (vgl. Art. 16 der Beschwerde) und weil die Beschwerdeführerin Anal-

phabetin sei (vgl. Art. 17 der Beschwerde). Dass die eingereichten Beweis-

mittel nicht gewürdigt worden seien, stelle überdies eine Verletzung des 

Willkürverbots dar (vgl. Art. 9 der Beschwerde). Schliesslich sei vorliegend 

die Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des Sachverhalts ver-

letzt, da weitere Abklärungen und eine ergänzende Anhörung nötig gewe-

sen seien (vgl. Art. 19 der Beschwerde) und es stelle eine Verletzung der 

Abklärungspflicht dar, dass das SEM seit Einreichung der Asylgesuche der 

Beschwerdeführenden bis zur Durchführung der Anhörungen mehr als ein-

einhalb Jahre ungenutzt habe verstreichen lassen (vgl. Art. 22 der Be-

schwerde). 

5.5.1 Die Rügen, wonach die in Erwägung 5.5 genannten Sachverhaltsele-

mente (politische Tätigkeit des Vaters des Beschwerdeführers und seiner 

Kinder sowie der Analphabetismus der Beschwerdeführerin) in der Verfü-

gung des SEM unter Missachtung des rechtlichen Gehörs in der angefoch-

tenen Verfügung nicht erfasst und die eingereichten Beweismittel nicht ge-

würdigt worden seien, gehen fehl. Die Vorinstanz hat in der angefochtenen 

Verfügung alle im Hinblick auf die Prüfung einer Verfolgungssituation der 

Beschwerdeführenden relevanten Sachverhaltsaspekte aufgeführt und ge-

würdigt. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass sich die verfügende Behörde 

nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem recht-

lichen Einwand auseinandersetzen muss, sondern sich auf die wesentli-

chen Gesichtspunkte beschränken darf (vgl. BGE 126 I 97 E. 2b). Der Um-

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Seite 9 

stand, dass die Vorinstanz nicht jedes einzelne Detail in der Verfügung fest-

gehalten oder in der Begründung berücksichtigt hat, ist ebenso wenig als 

Verletzung des rechtlichen Gehörs zu werten wie die Tatsache, dass die 

Vorinstanz nach einer gesamtheitlichen Würdigung der aktenkundigen 

Parteivorbringen und der Beweismittel zu einem anderen Schluss als die 

Beschwerdeführenden gelangte. Im Übrigen reicht es zur Begründung ei-

ner Verletzung des rechtlichen Gehörs selbstredend nicht aus zu behaup-

ten, dass einzelne protokollierte Aussagen nicht Eingang in die angefoch-

tene Verfügung gefunden hätten. Von Bedeutung wäre vielmehr die kon-

krete Relevanz der unerwähnt gebliebenen Aussagen für die Begründung 

einer Verfolgungssituation und für deren Beurteilung. Dies aufzuzeigen un-

terlassen die Beschwerdeführenden jedoch weitgehend.  

 

5.5.2 Soweit gerügt wird, das SEM habe die von den Beschwerdeführen-

den eingereichten Beweismittel nicht gewürdigt, ist festzuhalten, dass sich 

die Behörde nicht zu Beweismitteln äussern muss, die Unbestrittenes be-

legen oder die für den Ausgang des Verfahrens irrelevant sind. Die einge-

reichten Dokumente wurden von der Vorinstanz nicht angezweifelt. So-

dann wurde auch die Herkunft der Beschwerdeführenden oder die geltend 

gemachte medizinische Verfassung des Beschwerdeführers nicht bestrit-

ten, weshalb das SEM sich zum Inhalt dieser Dokumente nicht zu äussern 

brauchte und damit weder eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches 

Gehör noch eine Verletzung des Willkürverbots vorliegt.  

5.5.3 Den Beschwerdeführenden wurde anlässlich der Anhörungen vom 

20. Juni 2017 Gelegenheit gegeben, die Gründe für ihre Asylgesuche zu 

benennen (vgl. Akten des Asylverfahrens A17/15, F 17 und A18/12, F 6). 

Vor Abschluss der Anhörung wurde sie sodann gefragt, ob sie alles hätten 

sagen können, was sie für ihre Asylgesuche als wesentlich erachten, was 

sie bejahten (vgl. Akten des Asylverfahrens A17/15, F 91 und A18/12,  

F 70). Nach dem Gesagten besteht kein Anlass anzunehmen, dass SEM 

hätte aufgrund der gegebenen Aktenlage weitere Abklärungen bezie-

hungsweise eine ergänzende Anhörung durchführen müssen. Die Be-

schwerdeführenden sind überdies darauf aufmerksam zu machen, dass 

der blosse und vorliegend substanzlos bleibende Hinweis auf weiteren Ab-

klärungsbedarf keinen Anlass zur Durchführung einer weiteren Anhörung 

gibt. 

5.5.4 Die Tatsache, dass die Beschwerdeführenden erst gut eineinhalb 

Jahre nach der Asylgesuchstellung zu ihren Asylgründen angehört wurden, 

könnte allenfalls gegen das Beschleunigungsgebot verstossen, sie führte 

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Seite 10 

indessen nicht zu einer unvollständigen oder unrichtigen Feststellung des 

Sachverhalts.  

5.6 Zusammenfassend erweisen sich die verschiedenen Rügen der Verlet-

zung formellen Rechts als unbegründet. Der Antrag, es sei die angefoch-

tene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Abklärung und Feststellung 

des vollständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts und zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist demzufolge abzu-

weisen.  

6.  

6.1 Das SEM begründete den negativen Asylentscheid im Wesentlichen 

dahingehend, der Beschwerdeführer habe – sofern er tatsächlich Mitglied 

gewesen sei – die Al-Parti bereits vor über zehn Jahren verlassen und es 

bestünden keine Anhaltspunkte dafür, dass er von den syrischen Behörden 

als Mitglied der Partei identifiziert worden wäre. Auch seien aufgrund seiner 

Ausführungen keine Hinweise ersichtlich, dass ihm aufgrund seiner dama-

ligen Parteitätigkeit Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG erwachsen wären. 

Was die Vorfälle im Fussballstadion im Jahre 2004 betreffe, so würden 

auch diese über zehn Jahre zurückliegen und in keinem Zusammenhang 

mit der Ausreise aus Syrien stehen. Die Schmiergeldzahlungen, welche 

der Beschwerdeführer angeblich an die syrischen Behörden habe leisten 

müssen, seien nicht aus den in Art. 3 AsylG definierten Verfolgungsmotiven 

erfolgt und würden ohnehin keine genügend intensive Massnahme gegen 

Leib, Leben und Freiheit darstellen. Dasselbe gelte für die zu hohen Steu-

ern, welche der Beschwerdeführer angeblich einmalig an die Apo-Leute 

habe bezahlen müssen. Es bestünden überdies Zweifel, ob der Beschwer-

deführer zum Zeitpunkt der Übernahme der Gebietskontrolle durch kurdi-

sche Kräfte überhaupt noch als (…) tätig gewesen sei. 

Weiter würden sich aus den Ausführungen der Beschwerdeführenden 

keine Hinweise ergeben, dass sie aufgrund der Refraktion ihres Sohnes A. 

persönliche Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG erlitten hätten. Es bestün-

den auch keine Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall, dass ihre Kinder 

tatsächlich vor einer Rekrutierung durch die PYD beziehungsweise die 

Apo-Leute gestanden hätten, persönliche Nachteile im Sinne von Art. 3 

AsylG zu erwarten hätten, da ihren Ausführungen keine konkreten Hin-

weise auf erlittene oder absehbare Reflexverfolgung zu entnehmen seien. 

Dass der Beschwerdeführer – wie anlässlich der BzP angegeben – mehr-

mals zu Zahlungen an die PYD gezwungen worden sei, habe er im Nach-

hinein selbst verneint. Auch die Annahme der Beschwerdeführerin, dass 

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Seite 11 

sie bei einem Verbleib in Syrien selbst Probleme bekommen hätte, habe 

sie nicht als ausreichend absehbare Weiterentwicklung der Ereignisse be-

gründen können. 

Im Übrigen seien die Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend ihren 

vormaligen Status als Ajnabi nicht asylrelevant, zumal die Asylgewährung 

keine Wiedergutmachung erlittenen Unrechts bezwecke. Was die vom Be-

schwerdeführer vorgebrachte fehlende medizinische Versorgung in Syrien 

anbelange, so seien den Akten keine Anhaltspunkte zu entnehmen, dass 

die im Rahmen des syrischen Bürgerkriegs erlittenen Nachteile darauf ab-

gezielt hätten, dem Beschwerdeführer aus einem der in Art. 3 AsylG er-

wähnten Gründen zu schaden. 

6.2 In der Beschwerde wird dagegen vorgebracht, es sei offensichtlich, 

dass die Tätigkeit des Beschwerdeführers bei der Al-Parti nicht ungefähr-

lich gewesen sei, da das syrische Regime offenbar nichts davon habe mit-

bekommen dürfen. Aufgrund seiner damaligen aktiven Mitgliedschaft sei 

davon auszugehen, dass er von den syrischen Behörden identifiziert wor-

den sei. Ausserdem sympathisiere er – auch nach seinem Austritt – weiter-

hin mit der Partei. Auch ihm hätte, bei einer weiteren aktiven Mitgliedschaft, 

das gleiche Schicksal wie anderen Parteikollegen gedroht, welche verhaf-

tet beziehungsweise getötet worden seien. Dass der Beschwerdeführer 

Schmiergeld an das syrische Regime bezahlt habe, zeige zudem, dass er 

in regem Kontakt mit den Behörden gestanden habe und er diesen auch 

namentlich bekannt gewesen sei. Die erhöhten Steuern, welche er für 

seine Waren an die Apo-Leute habe bezahlen müssen, seien offensichtlich 

politisch motiviert gewesen. So habe den Apo-Leuten bekannt sein müs-

sen, dass er Mitglied der Al-Parti gewesen sei beziehungsweise nach wie 

vor mit ihnen sympathisiere. Er habe überdies angegeben, bis im Jahr 

2014 als (…) gearbeitet zu haben, die diesbezüglichen Zweifel des SEM 

seien somit unbegründet. 

Entgegen der Behauptung des SEM sei sehr wohl davon auszugehen, 

dass die Beschwerdeführenden aufgrund der Dienstpflicht ihrer Kinder und 

insbesondere wegen der entsprechenden Militärdienstverweigerung ge-

zielt asylrelevant verfolgt würden. Die Beschwerdeführenden hätten über-

einstimmend festgehalten, wie sie wiederholt von den Apo-Leuten zuhause 

aufgesucht und gedemütigt worden seien. Nicht nur aufgrund ihrer eigenen 

Flucht sondern auch aufgrund der Flucht des Sohnes A. und dessen Mili-

tärdienstverweigerung hätten sie bei einer Rückkehr nach Syrien Mass-

nahmen durch das syrische Regime zu erwarten. Dies auch aufgrund der 

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Seite 12 

aktuellen Menschenrechtslage in Syrien und des gestärkten Assad-Re-

gimes. Zudem drohe Personen, welche mit einer kurdischen Oppositions-

partei in Verbindung gebracht würden, eine willkürliche Verhaftung durch 

die PYD. Der Beschwerdeführer werde von der Regierung als kurdischer 

Regimekritiker und von der PYD als Verräter verstanden, weshalb eine 

Rückkehr nach Syrien nicht verantwortet werden könne. 

Die Beschwerdeführerin sei als Ajnabi überdies bis vor wenigen Jahren 

Opfer einer willkürlich gehandhabten Rechtslosigkeit der staatenlosen 

Ajnabi gewesen. 

Schliesslich hätten die Beschwerdeführenden durch ihre illegale Ausreise 

gegen Ausreisebestimmungen verstossen und ihre Rückkehr habe eine 

umgehende Verhaftung aus politischen Gründen sowie ein Verfahren, Fol-

ter und Hinrichtung oder das Verschwindenlassen zur Folge. Bei einer 

Rückkehr müsse zudem von einem Verhör ausgegangen werden, diese 

Rückkehrer-Befragung stelle im Falle der Beschwerdeführenden eine aus-

serordentliche Gefahr dar, da sich ihr Profil als kurdische Oppositionelle 

durch das Einreichen eines Asylgesuchs in der Schweiz noch zusätzlich 

verschärft habe. 

6.3 In der Vernehmlassung vom 29. August 2017 hielt das SEM fest, die 

Beschwerdeführenden würden nicht der Personengruppe angehören, die 

durch die illegale Ausreise aus Syrien gegen eine Ausreisebestimmung 

verstosse. 

6.4 Die Beschwerdeführenden entgegneten darauf mit Eingabe vom 11. 

September 2017, sie hätten glaubhaft vorgebracht, dass sie aufgrund ihres 

politischen Profils sowie aufgrund ihrer Kinder sowohl von der syrischen 

Regierung als auch von der PYD asylrelevant verfolgt und damit ein spezi-

fisches Profil aufweisen würden, wodurch sie aufgrund ihrer illegalen Aus-

reise mit asylrelevanten Nachteilen rechnen müssten. Bisher habe sich die 

diesbezügliche Praxis des SEM auf Personen bezogen, welche den obli-

gatorischen Militärdienst bereits geleistet hätten, im Zeitpunkt ihrer Aus-

reise jedoch nicht als Wehrdienstverweigerer oder Deserteure gelten wür-

den. Es könne jedoch nicht sein, dass lediglich solche Personen in Syrien 

über ein spezifisches Profil verfügen würden. 

 

 

E-4496/2017 

Seite 13 

7.  

7.1 Aufgrund der Aktenlage geht auch das Gericht – in Übereinstimmung 

mit der Vorinstanz – davon aus, dass die Vorbringen der Beschwerdefüh-

renden – ungeachtet einer Glaubhaftigkeitsprüfung – nicht geeignet sind, 

eine asylrelevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG darzutun. 

7.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von 

bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr 

die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-

gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu 

werden drohen. Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 

Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, die 

Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder 

werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit 

in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen demnach hinreichende 

Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem 

Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Ent-

schluss zur Flucht hervorrufen würden. Die erlittene Verfolgung oder die 

begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und 

zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und 

grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. Zu-

dem muss feststehen, dass die von einer Verfolgung bedrohte Person über 

keine innerstaatliche Fluchtalternative verfügt (vgl. BVGE 2011/51 E. 6 

S. 1016 f.; 2008/4 E. 5.2 S. 37, m.w.H.). 

7.3  Die in Syrien herrschende politische und menschenrechtliche Lage 

wurde durch das Bundesverwaltungsgericht im Rahmen zweier asylrecht-

licher Koordinationsentscheide ausführlich gewürdigt (vgl. BVGE 2015/3 

E. 6.2 und Urteil D-5779/2013 vom 25. Februar 2015 E. 5.3 und 5.7.2 

m.w.H. [als Referenzurteil publiziert]). Darin bezog sich das Gericht auf 

eine Vielzahl von Berichten, die belegen, dass die staatlichen syrischen 

Sicherheitskräfte seit dem Ausbruch des Konflikts im März 2011 gegen tat-

sächliche oder vermeintliche Regimegegner mit grösster Brutalität und 

Rücksichtslosigkeit vorgehen. Personen, die sich an regimekritischen De-

monstrationen beteiligt haben, sind in grosser Zahl von Verhaftung, Folter 

und willkürlicher Tötung betroffen. Mit anderen Worten haben Personen, 

die durch die staatlichen syrischen Sicherheitskräfte als Gegner des Re-

E-4496/2017 

Seite 14 

gimes identifiziert werden, eine Behandlung zu erwarten, die einer flücht-

lingsrechtlich relevanten Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG gleich-

kommt. 

7.4 Vorab ist betreffend die ehemaligen Parteizugehörigkeit des Beschwer-

deführers festzuhalten, dass er diese anlässlich der BzP nicht ansatzweise 

erwähnte. Hinzu kommt, dass er bereits im Jahr 2004 (d.h. über zehn Jahre 

vor seiner Ausreise aus Syrien) aus der Partei austrat und im Rahmen sei-

ner aktiven Mitgliedschaft – gemäss eigenen Aussagen – lediglich für die 

Organisation von Büromaterial und Folklorekleider zuständig war (vgl. Ak-

ten des Asylverfahrens, A17/15, F 26). Der Beschwerdeführer gab anläss-

lich der Bundesanhörung selber an, dass er keine Probleme bekommen 

hätte, wenn die syrischen Behörden von seiner Tätigkeit für die Partei er-

fahren hätten (vgl. Akten des Asylverfahrens, A17/15, F 36). Die Tätigkeit 

des Beschwerdeführers war also gemäss seinen eigenen Aussagen unge-

fährlich für das syrische Regime und er hatte auch bei Bekanntwerden 

keine Probleme zu erwarten. Sollte der Beschwerdeführer – wie nun in der 

Rechtsmitteleingabe behauptet – tatsächlich als Regimekritiker von den 

Behörden registriert worden sein, so muss doch angenommen werden, 

dass die Behörden bereits damals in aller Härte gegen den Beschwerde-

führer vorgegangen wären. Das ist aber vorliegend nicht der Fall. Ausser 

den Schmiergeldzahlungen, welche mangels Intensität den Anforderungen 

an Art. 3 AsylG nicht zu genügen vermögen, hat der Beschwerdeführer auf-

grund seiner ehemaligen Parteizugehörigkeit keine Nachteile durch die sy-

rischen Behörden erfahren. 

7.5 Der Beschwerdeführer gibt weiter an, er habe, nachdem sich die syri-

schen Behörden zurückgezogen hätten, auch an die Apo-Leute Beste-

chungsgelder für seine Waren zahlen müssen. Es mag zwar sein, dass 

dem Beschwerdeführer die zusätzliche Steuer auferlegt wurde, weil er die 

Apo-Leute beziehungsweise die PYD nicht unterstützte (vgl. Akten des 

Asylverfahrens, A17/15, F 47 ff.), allerdings bezahlte er nur einmal das ver-

langte Bestechungsgeld und fand danach einen Weg, den zusätzlichen 

Steuern zu entgehen (vgl. Akten des Asylverfahrens, A17/15, F 48 ff.). Wie 

die Vorinstanz zutreffend feststellte, fehlte es diesem Vorfall auch an 

rechtsgenüglicher Intensität, die ein menschenunwürdiges Leben im Hei-

matstaat verunmöglicht, weshalb ihm bereits aus diesem Grunde keine 

asylbeachtliche Bedeutung zukommt.  

E-4496/2017 

Seite 15 

7.6 Insoweit die Beschwerdeführenden aufgrund der Tätigkeiten ihrer Kin-

der das Vorliegen einer asylrelevanten Reflexverfolgung geltend machen, 

ist dies nachfolgend zu prüfen. 

7.6.1 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-

nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver-

folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Re-

flexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 

Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeter-

weise befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung BVGE 2007/19 

E. 3.3 S. 225, unter Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3h; vgl. 

ausserdem EMARK 1994 Nr. 17). 

7.6.2 Aus den Aussagen der Beschwerdeführenden lässt sich keine be-

gründete Furcht vor Verfolgung aufgrund der Aktivitäten ihrer Kinder her-

leiten. Auch wenn die von den Beschwerdeführenden geschilderten Behel-

ligungen (Rekrutierungsversuche und damit einhergehende Drohungen) 

unter Umständen eine subjektive Furcht vor künftiger Verfolgung als nach-

vollziehbar erscheinen lassen, so sind aus objektiver Sicht zum heutigen 

Zeitpunkt keine Verfolgungsmassnahmen zu erkennen, zumal, keine ge-

zielt gegen die Beschwerdeführerenden gerichteten asylbeachtlichen Ver-

folgungshandlungen vorliegen. Zu bemerken ist ferner, dass die Tatsache 

allein, dass drei Kinder der Beschwerdeführenden in der Schweiz Asyl er-

halten haben, für die Annahme einer Reflexverfolgung nicht ausreicht  

(vgl. Urteil des BVGer E-3070/2015 vom 24. Oktober 2016 E. 9.5.3). 

7.7 Gemäss Praxis führen ferner weder eine illegale Ausreise aus Syrien 

noch das Stellen eines Asylgesuchs im Ausland zur begründeten Furcht, 

bei einer Rückkehr in das Heimatland mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer menschenrechtswidrigen Behandlung ausgesetzt zu werden. Unter 

Hinweis auf die obigen Erwägungen ist auch hier festzuhalten, dass die 

Beschwerdeführenden im Zeitpunkt der Ausreise keiner Verfolgungssitua-

tion im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt waren und bei ihnen keine be-

sondere Vorbelastung vorliegt. Vor diesem Hintergrund ist das Vorliegen 

konkreter Indizien für die Annahme einer begründeten Furcht vor künftiger 

Verfolgung im Sinne der Rechtsprechung (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2 sowie 

BVGE 2011/50 E. 3.1.1) auch in dieser Hinsicht zu verneinen. Daran ver-

mag der Umstand nichts zu ändern, dass die Beschwerdeführenden auf-

http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/19
http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/5
http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/17

E-4496/2017 

Seite 16 

grund ihrer längeren Landesabwesenheit bei einer Wiedereinreise in Sy-

rien wahrscheinlich einer Befragung durch die heimatlichen Behörden un-

terzogen würden. Ferner sind sie nicht exilaktivistisch in Erscheinung ge-

treten, weshalb auch unter diesem Gesichtspunkt nicht davon auszugehen 

ist, sie könnten nach einer (hypothetischen) Rückkehr als regimefeindliche 

Personen ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten (vgl. das Referenz-

urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 

E. 6.4.3). 

7.8 Betreffend die Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach sie als 

Ajnabi bis vor wenigen Jahren Opfer einer willkürlich gehandhabten 

Rechtslosigkeit gewesen sei, ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz 

festzuhalten, dass die Asylgewährung nicht den Ausgleich vergangenen 

erlittenen Unrechts bezweckt, sondern Schutz vor aktueller oder künftiger 

Verfolgung bieten soll. Überdies ist festzuhalten, dass die Beschwerdefüh-

rerin mittlerweile in Syrien eingebürgert wurde. 

7.9 Auch die Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach seine medizini-

sche Versorgung in Syrien nicht gewährleistet gewesen sei, sind offen-

sichtlich nicht geeignet, die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 

AsylG zu begründen.  

7.10 Die Schlussfolgerungen der Vorinstanz sind nach dem Gesagten we-

der in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu beanstanden. In der an-

gefochtenen Verfügung wird einlässlich und zutreffend begründet, weshalb 

die Vorbringen der Beschwerdeführenden den Anforderungen an Art. 3 

AsylG nicht zu genügen vermögen. Die Vorinstanz hat ihre Asylgesuche 

daher zu Recht abgelehnt. Es erübrigt sich deshalb, auf die weiteren Vor-

bringen in der Rechtsmitteleingabe einzugehen.  

8.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländer-

rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung 

einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 

(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

 

 

 

E-4496/2017 

Seite 17 

9.  

Im Sinne einer Klarstellung wird abschliessend festgehalten, dass sich aus 

den vorstehenden Erwägungen nicht der Schluss ergibt, die Beschwerde-

führenden seien zum heutigen Zeitpunkt angesichts der Entwicklung in Sy-

rien in ihrem Heimatstaat nicht gefährdet. Indessen ist eine solche Gefähr-

dungslage ausschliesslich unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 4 AuG einzu-

ordnen, wonach der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar 

sein kann, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von Situa-

tionen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Not-

lage konkret gefährdet sind. Der generellen Gefährdung aufgrund der ak-

tuellen Situation in Syrien im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG wurde durch 

das SEM mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen.  

 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-

führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Aus den vorstehenden Er-

wägungen ergibt sich jedoch, dass ihre Rechtsbegehren im Beschwerde-

zeitpunkt nicht als aussichtslos betrachtet werden konnten. Das Gericht 

geht aufgrund der eingereichten Fürsorgebestätigung vom 17. Juli 2017 

zudem davon aus, dass die Beschwerdeführenden bedürftig sind, weshalb 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 

1 VwVG) gutzuheissen ist. Dementsprechend verzichtet das Gericht auf 

die Erhebung von Verfahrenskosten. Der Antrag auf Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem Endentscheid gegen-

standslos geworden. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-4496/2017 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Gabriela Freihofer Lara Ragonesi 

 

 

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