# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 44537e22-11f3-56fd-8c33-552289732ed3
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-08-25
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 25.08.2010 RR.2010.171
**Docket/Reference:** RR.2010.171
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_RR-2010-171_2010-08-25

## Full Text

Auslieferung an die Tschechische Republik. Auslieferungshaftbefehl (Art. 48 Abs. 2 IRSG).
;;Auslieferung an die Tschechische Republik. Auslieferungshaftbefehl (Art. 48 Abs. 2 IRSG).
;;Auslieferung an die Tschechische Republik. Auslieferungshaftbefehl (Art. 48 Abs. 2 IRSG).
;;Auslieferung an die Tschechische Republik. Auslieferungshaftbefehl (Art. 48 Abs. 2 IRSG).

Entscheid vom 25. August 2010 
II. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Cornelia Cova, Vorsitz, 
Andreas J. Keller und Roy Garré,  
Gerichtsschreiber Tornike Keshelava  

   
 
Parteien 

  
A., vertreten durch Rechtsanwalt Thomas Fingerhuth, 

Beschwerdeführer 
 

 gegen 
   

BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, FACHBEREICH AUS-
LIEFERUNG,  

Beschwerdegegner 
 

Gegenstand  Auslieferung an die Tschechische Republik 
 
Auslieferungshaftbefehl (Art. 48 Abs. 2 IRSG) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  RR.2010.171 
 
 
 

 

 

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Sachverhalt: 
 

A. Die tschechischen Behörden haben am 14. Juni 2007, 16. August 2007, 
22. August 2007 und 11. November 2008 über Interpol Prag und die SIRE-
NE Tschechien um Verhaftung des tschechischen Staatsangehörigen A. im 
Hinblick auf seine Auslieferung an die Tschechische Republik ersucht 
(act. 3.1, 3.2, 3.3 und 3.4). Diese Ersuchen stützen sich auf das Urteil des 
Obergerichts Prag vom 5. Juni 2006, mit dem A. wegen Steuerdelikten ver-
urteilt worden sein soll, sowie den vom Stadtgericht Prag am 8. Juni 2007 
erlassenen Haftbefehl zur Vollstreckung des genannten Urteils. Des Weite-
ren haben die tschechischen Behörden gestützt auf den vom Stadtgericht 
Prag gegen A. wegen Betrugs und Veruntreuung erlassenen Haftbefehl 
vom 7. Mai 2009 mit Meldung der SIRENE Tschechien vom 15. Mai 2009 
die Schweiz und andere an das SIS (Schengener Informationssystem) an-
geschlossene Staaten um Inhaftnahme von A. zwecks Auslieferung an die 
Tschechische Republik ersucht (act. 3.5). 

 
B. Am 27. Juli 2010 wurde A. in St. Moritz festgenommen und gestützt auf die 

vom Bundesamt für Justiz (nachfolgend „BJ“) gleichentags erlassene Haft-
anordnung in provisorische Auslieferungshaft versetzt (act. 3.7). Anlässlich 
seiner Anhörung am 28. Juli 2010 widersetzte sich A. einer vereinfachten 
Auslieferung (act. 3.8). Am 29. Juli 2010 erliess das BJ einen Ausliefe-
rungshaftbefehl gegen A. (act. 1.8). 

 
C. Dagegen reichte A. mit Eingabe vom 9. August 2010 bei der II. Beschwer-

dekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde ein mit dem Antrag, der 
Auslieferungshaftbefehl des BJ vom 29. Juli 2010 sei aufzuheben und er 
sei aus der Auslieferungshaft zu entlassen (act. 1). 

 
In der Zwischenzeit hat das tschechische Justizministerium mit Schreiben 
vom 6. August 2010 die Schweiz formell um Auslieferung von A. ersucht 
(act. 4.9). Im Rahmen seiner Einvernahme vom 13. August 2010 hat sich 
A. erneut einer vereinfachten Auslieferung an Tschechien widersetzt 
(act. 3.11). 

 
In der Beschwerdeantwort vom 16. August 2010 beantragt das BJ die kos-
tenfällige Abweisung der Beschwerde (act. 3). Der Beschwerdeführer hält 
in der Beschwerdereplik vom 19. August 2010 an seinem Antrag fest 
(act. 5), wovon dem BJ am 20. August 2010 Kenntnis gegeben wurde 
(act. 6). 

 

- 3 - 

 

 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten 
wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen. 
 
 
Die II. Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

 
1.  
1.1 Für den Auslieferungsverkehr und die vorläufige Auslieferungshaft zwi-

schen der Schweiz und der Tschechischen Republik sind primär das Euro-
päische Auslieferungsübereinkommen vom 13. Dezember 1957 (EAUe, 
SR 0.353.1) sowie das zu diesem Übereinkommen am 15. Oktober 1975 
ergangene erste Zusatzprotokoll (1. ZP, SR 0.353.11) und das am 17. März 
1978 ergangene zweite Zusatzprotokoll (2. ZP, SR 0.353.12) massgebend. 
Überdies sind für die Auslieferung zwischen der Schweiz und Tschechien 
die Bestimmungen der Art. 59 ff. des Übereinkommens vom 19. Juni 1990 
zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 
(Schengener Durchführungsübereinkommen, SDÜ; ABl. L 239 vom 
22. September 2000, S. 19 – 62) zwecks Ergänzung und Erleichterung der 
Anwendung des EAUe massgebend. 

 
1.2 Soweit die einleitend genannten Staatsverträge bestimmte Fragen nicht 

abschliessend regeln, findet auf das Verfahren der Auslieferung und der 
vorläufigen Auslieferungshaft ausschliesslich das Recht des ersuchten 
Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), vorliegend also das Bundesgesetz 
vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG, 
SR 351.1) und die Verordnung vom 24. Februar 1982 über internationale 
Rechtshilfe in Strafsachen (IRSV, SR 351.11). Das innerstaatliche Recht 
gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann zur Anwendung, wenn 
dieses geringere Anforderungen an die Auslieferung stellt (BGE 129 II 462 
E. 1.1 S. 464; 122 II 140 E. 2 S. 142). Das Günstigkeitsprinzip gilt auch in-
nerhalb der massgebenden internationalen Rechtsquellen (vgl. Art. 59 
SDÜ). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 135 IV 
212 E. 2.3 S. 215; 123 II 595 E. 7c S. 616 ff., je m.w.H.) 

2. Gegen einen Auslieferungshaftbefehl kann innert zehn Tagen ab der 
schriftlichen Eröffnung bei der II. Beschwerkammer des Bundesstrafge-
richts Beschwerde geführt werden (Art. 48 Abs. 2 IRSG i.V.m. Art. 47 
IRSG; Art. 28 Abs. 1 lit. e des Bundesgesetzes über das Bundesstrafge-
richt vom 4. Oktober 2002 [SGG, SR 173.71]; Art. 9 Abs. 3 des Reglements 
vom 20. Juni 2006 für das Bundesstrafgericht [SR 173.710]). Der Ausliefe-
rungshaftbefehl vom 29. Juli 2010 wurde dem Beschwerdeführer am 

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30. Juli 2010 eröffnet (act. 3.9). Die Beschwerde vom 9. August 2010 wur-
de demnach fristgerecht eingereicht, weshalb darauf einzutreten ist. 

3. Die II. Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebun-
den (Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die Auslieferungshaftvoraussetzungen 
grundsätzlich mit freier Kognition. Art. 25 Abs. 6 IRSG beinhaltet jedoch 
keine ausdrückliche Verpflichtung der Beschwerdeinstanz, von Amtes we-
gen und um jeden Preis nach Argumenten zu suchen, welche von den Par-
teien, welche grundsätzlich an der Rechtsfindung mitzuwirken haben, nicht 
angedeutet wurden (vgl. BGE 112 Ib 576 E. 3 S. 586). Wie früher das Bun-
desgericht im Rahmen der Verwaltungsgerichtsbeschwerde befasst sich 
die II. Beschwerdekammer auch nur mit Tat- und Rechtsfragen, die Streit-
gegenstand der Beschwerde bilden (Entscheide des Bundesstrafgerichts 
RR.2009.2 vom 9. Juli 2009, E. 2.4; RR.2007.34 vom 29. März 2007, E. 3, 
je m.w.H.). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss sich die 
urteilende Instanz sodann nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich 
auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen. 
Sie kann sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschrän-
ken. Es genügt, wenn die Behörde wenigstens kurz die Überlegungen 
nennt, von denen sie sich leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid 
stützt (BGE 124 II 146 E. 2a S. 149; 122 IV 8 E. 2c S. 14 f.; Urteil des Bun-
desgerichts 1A.59/2004 vom 16. Juli 2004, E. 5.2, m.w.H.). 

4. Die Verhaftung des Beschuldigten während des ganzen Auslieferungsver-
fahrens bildet die Regel (BGE 130 II 306 E. 2.2 S. 309 m.w.H.). Eine Auf-
hebung des Auslieferungshaftbefehls sowie eine Haftentlassung rechtferti-
gen sich nur ausnahmsweise, wenn der Beschuldigte sich voraussichtlich 
der Auslieferung nicht entzieht und die Strafuntersuchung nicht gefährdet 
(Art. 47 Abs. 1 lit. a IRSG), wenn er den so genannten Alibibeweis erbrin-
gen und ohne Verzug nachweisen kann, dass er zur Zeit der Tat nicht am 
Tatort war (Art. 47 Abs. 1 lit. b IRSG), wenn er nicht hafterstehungsfähig ist 
oder andere Gründe – z. B. enge und insbesondere familiäre Beziehungen 
zur Schweiz – vorliegen, welche eine weniger einschneidende Massnahme 
rechtfertigen (Art. 47 Abs. 2 IRSG; Urteil des Bundesgerichts 1A.170/1997 
vom 10. Juni 1997, E. 3a; veröffentlicht in Pra 2000 Nr. 94 S. 569), oder 
wenn sich die Auslieferung als offensichtlich unzulässig erweist (Art. 51 
Abs. 1 IRSG). Diese Aufzählung ist nicht abschliessend (BGE 130 II 306 
E. 2.1 S. 309; 117 IV 359 E. 2a S. 361). Offensichtlich unzulässig kann ein 
Auslieferungsersuchen sein, wenn ohne jeden Zweifel und ohne weitere 
Abklärungen ein Ausschlussgrund vorliegt (vgl. BGE 111 IV 108 E. 3a 
S. 110). Im Übrigen sind Vorbringen gegen die Auslieferung als solche oder 
gegen die Begründetheit des Auslieferungsbegehrens nicht im vorliegen-
den Beschwerdeverfahren, sondern im eigentlichen Auslieferungsverfahren 

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zu prüfen (vgl. LAURENT MOREILLON / MICHEL DUPUIS / MIRIAM MAZOU, La 
pratique judiciaire du Tribunal pénal fédéral, in Journal des Tribunaux 2008 
IV, S. 66 ff. Nr. 322 m.w.H. auf die Rechtsprechung). Diese Regelung soll 
es der Schweiz ermöglichen, ihren staatsvertraglichen Auslieferungspflich-
ten nachzukommen. Die ausnahmsweise zu gewährende Haftentlassung 
ist deshalb an strengere Voraussetzungen gebunden als der Verzicht auf 
die gewöhnliche Untersuchungshaft in einem Strafverfahren oder die Ent-
lassung aus einer solchen (vgl. BGE 130 II 306 E. 2.2 S. 309 f.; 111 IV 108 
E. 2 S. 110). 

5.  
5.1 Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, dass der dem tschechi-

schen Auslieferungsbegehren zugrunde liegende Haftbefehl einen wesent-
lichen Mangel aufweise. Das Stadtgericht Prag habe insbesondere im Wi-
derspruch zu § 384 Abs. 2 lit. e der tschechischen Strafprozessordnung 
Handlungen nicht aufgeführt, mit denen der Verlauf der Verjährungsfrist 
beeinflusst werde. Dies sei vorliegend insofern von Bedeutung, als seit der 
(weiterhin bestrittenen) Verübung der Pflichtverletzung bei der Verwaltung 
fremden Vermögens im Jahre 2000 bis zum Erlass des Haftbefehls fast 
neun Jahre vergangen seien. Der Haftbefehl lasse den Umstand unberück-
sichtigt, dass die betreffende Straftat verjährt sei (act. 1 Ziff. 11 ff.). 

5.2 Gemäss der Rechsprechung ist es nicht Sache der Rechtshilfebehörde, die 
Rechtskonformität der von der ersuchenden Behörde erlassenen Verfah-
rensakten zu überprüfen. Die Gültigkeit dieser Verfahrensentscheide wird 
nur ausnahmsweise, wenn besonders schwere Verletzungen des ausländi-
schen Rechtes vorliegen, überprüft. Dies ist der Fall, wenn das Rechtshil-
feersuchen rechtsmissbräuchlich erscheint und Zweifel aufkommen, ob die 
grundsätzlichen Verteidigungsrechte im ausländischen Verfahren gewahrt 
werden bzw. gewahrt worden sind (Urteil des Bundesgerichtes 1A.15/2002 
vom 5. März 2002 E. 3.2; Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2008.257 
vom 4. Dezember 2008, E. 3.2). 

5.3 Vorliegend liegen keine Anhaltspunkte vor, die auf solch schwere Verfah-
rensverletzungen des ausländischen Rechts hindeuteten. Eine Überprü-
fung des vom Stadtgericht Prag erlassenen Haftbefehls auf seine Überein-
stimmung mit der tschechischen Strafprozessordnung hat daher im Rah-
men dieses Verfahrens nicht zu erfolgen. Die diesbezügliche Rüge geht 
fehl. 

6.  
6.1 Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, dass die dem Auslieferungsersu-

chen zugrunde liegende Straftat der Pflichtverletzung bei der Verwaltung 

- 6 - 

 

 

fremden Vermögens nach tschechischem Recht verjährt sei. Nach § 67 
Abs. 1 B lit. c des tschechischen Strafgesetzbuches betrage die Verjäh-
rungsfrist für die besagte Straftat fünf Jahre. Vorliegend sei der Beginn der 
Verjährungsfrist vom urteilenden Gericht auf den 10. Juli 2000 festgelegt 
worden. Die erste relevante Handlung von Strafverfolgungsbehörden in 
diesem Zusammenhang sei der Beschluss der Polizei über die Einleitung 
der Strafverfolgung vom 28. November 2005 gewesen. Zu diesem Zeit-
punkt sei jedoch die Strafverfolgungsverjährung bereits eingetreten gewe-
sen (act. 1 Ziff. 14 ff.). 

6.2 Gemäss Art. 10 EAUe wird die Auslieferung nicht bewilligt, wenn nach den 
Rechtsvorschriften des ersuchenden oder des ersuchten Staates die Straf-
verfolgung oder Strafvollstreckung verjährt ist. Nach Art. 13 Abs. 1 lit. a 
IRSG wird in Verfahren nach diesem Gesetz in der Schweiz die nach dem 
Recht des ersuchenden Staates eingetretene Unterbrechung der Verjäh-
rung als wirksam angesehen. Die schweizerische Behörde hat nicht zu prü-
fen, ob die Unterbrechung im Lichte des ausländischen Rechtes gültig sei. 
Die Unterbrechung muss allerdings, wenigstens in minimaler Art und 
knapp, dargelegt werden (Urteile des Bundesgerichts 1A.261/2006 vom 
9. Januar 2007, E. 2.2; 1A.184/2002 vom 5. November 2002, E. 3.3.2, je 
m.w.H.). 

6.3 Wie der Beschwerdeführer selbst ausführt, soll die Frage der Verjährung 
der Strafverfolgung der dem Beschwerdeführer zur Last gelegten Pflicht-
verletzung bei der Verwaltung fremden Vermögens im tschechischen Straf-
verfahren behandelt worden sein, wobei die zuständigen Gerichte den Ver-
jährungseintritt verneint haben sollen (act. 1 Ziff. 15). Unter diesem Um-
stand erscheint die Auslieferung des Beschwerdeführers unter dem Ge-
sichtspunkt der Verjährung nicht als offensichtlich unzulässig. Die nähere 
Prüfung der Frage der Verjährung bleibt dem eigentlichen Auslieferungs-
verfahren vorbehalten (vgl. Ziff. 4 vorstehend). Die diesbezügliche Be-
schwerde ist somit als unbegründet abzuweisen. 

7.  
7.1 Der Beschwerdeführer bestreitet sodann die Rechtskraft des Urteils, auf 

das sich das vorliegende Auslieferungsbegehren stützt. Diesbezüglich führt 
er aus, er habe am 28. Februar 2007 einen Antrag auf die Wiederaufnahme 
des mit dem Urteil des Obergerichts Prag vom 5. Juni 2006 abgeschlosse-
nen Verfahrens gestellt. Der Antrag sei mit Beschluss des Stadtgerichts 
Prag vom 6. März 2008 abgelehnt worden. Die dagegen erhobene Be-
schwerde sei vom Obergericht Prag mit Beschluss vom 19. September 
2008 abgewiesen worden. Gegen diesen Beschluss sei in der Folge von 
der Justizministerin der Tschechischen Republik Beschwerde zu Gunsten 

- 7 - 

 

 

des Beschwerdeführers beim Obersten Gericht der Tschechischen Repu-
blik eingereicht worden. Mit – vom Beschwerdeführer ins Recht gelegtem – 
Urteil vom 9. Juni 2010 (act. 1.11 und 1.12) habe das Oberste Gericht die 
vorgenannte Beschwerde gutgeheissen und die Beschlüsse des Oberge-
richts Prag vom 19. September 2008 und des Stadtgerichts Prag vom 
6. März 2008 sowie alle Entscheidungen, welche die aufgehobenen Ent-
scheidungen inhaltlich abschliessen, aufgehoben und die Sache zur neuen 
Beurteilung an das Stadtgericht Prag zurückgewiesen. In dieser Ausgangs-
lage könne keine Rede mehr davon sein, dass ein rechtskräftiges Urteil zur 
Vollstreckung vorliegen würde, wie dies die tschechische Regierung be-
haupte (act. 1 Ziff. 20 ff.). 

7.2 Gemäss Art. 12 Ziff. 2 lit. a EAUe ist dem Auslieferungsersuchen die Ur-
schrift oder eine beglaubigte Abschrift eines vollstreckbaren verurteilenden 
Erkenntnisses, eines Haftbefehls oder jeder anderen, nach den Formvor-
schriften des ersuchenden Staates ausgestellten Urkunde mit gleicher 
Rechtswirkung beizufügen. 

7.3 Dem Auslieferungsersuchen des tschechischen Justizministeriums liegt der 
vom Stadtgericht Prag ausgestellte internationale Haftbefehl vom 29. Juli 
2010 bei, der die vorerwähnten Haftbefehle des Stadtgerichts Prag vom 
8. Juni 2007 und 7. Mai 2009 zur Vollstreckung der Freiheitsstrafe wegen 
Steuerdelikten bzw. zur Strafverfolgung im Zusammenhang mit der Pflicht-
verletzung bei der Verwaltung fremden Vermögens ersetzt (act. 4.9 und 
4.10). Dieser stellt einen gültigen Haftbefehl im Sinne von Art. 12 Ziff. 2 
lit. a EAUe dar. In Anbetracht dieses Umstandes kann jedenfalls nicht ge-
sagt werden, dass die Auslieferung des Beschwerdeführers offensichtlich 
unzulässig sei. Ob sich der Haftbefehl auf ein rechtskräftiges und voll-
streckbares Strafurteil stützt, ist im Rahmen des vorliegenden Haftbe-
schwerdeverfahrens nicht zu prüfen (vgl. Entscheid des Bundesstrafge-
richts RR.2008.32 vom 10. April 2008, E. 3.2.2). Auch diesbezüglich ist der 
Beschwerdeführer auf das Auslieferungsverfahren zu verweisen (vgl. Ziff. 4 
vorstehend). Die Beschwerde erweist sich damit auch in diesem Punkt als 
unbegründet. 

8.  
8.1 Der Beschwerdeführer bestreitet schliesslich das Vorliegen einer Fluchtge-

fahr. In diesem Zusammenhang führt er aus, er habe sich auch nach seiner 
erstinstanzlichen Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jah-
ren weiterhin aktiv und persönlich am Verfahren beteiligt, ohne dass auch 
nur die geringsten Anhaltspunkte für eine allfällige Flucht vor dem Vollzug 
der verhängten Strafe ersichtlich gewesen wären. Er habe sodann in der 
Schweiz anlässlich seiner Verhaftung sofort und ohne weitere Ausflüchte 

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seine richtige Identität bekannt gegeben. In dieser Ausgangslage könne die 
Auslieferungshaft nicht als verhältnismässig qualifiziert werden. Allenfalls 
sei er unter Anordnung von Ersatzmassnahmen (Fluchtkaution in einer 
noch zu bestimmenden Höhe, Hausarrest und andere damit einhergehen-
den sichernden Massnahmen, tägliche Meldepflicht) aus der Haft zu ent-
lassen (act. 1 Ziff. 32 ff. sowie act. 5 Ziff. 2 ff.). 

8.2 Die Rechtsprechung ist hinsichtlich der Verneinung von Fluchtgefahr über-
aus restriktiv und misst der Erfüllung der staatsvertraglichen Auslieferungs-
pflichten im Vergleich zu den Interessen des Verfolgten ausserordentlich 
grosses Gewicht bei (vgl. BGE 130 II 306 E. 2 S. 309 ff.; Entscheide des 
Bundesstrafgerichts RR.2008.61 vom 12. Juni 2008 E. 7; RR.2008.214 
vom 16. September 2008 E. 3.2, je m.w.H.). Der Umstand, dass der Ver-
folgte im ersuchenden Staat bereits rechtskräftig verurteilt und zur Voll-
streckung dieser Freiheitsstrafe gesucht wird, wirkt sich gemäss der  
Rechtsprechung bei der Beurteilung der Fluchtgefahr erschwerend aus 
(BGE 130 II 306 E. 2.6 S. 312; Entscheide des Bundesstrafgerichts 
RR.2008.214 vom 16. September 2008 E. 3.2.2; BH.2005.8 vom 7. April 
2005 E 2.3, je m.w.H.). Gerade bei drohenden, hohen Freiheitsstrafen ist 
eine Fluchtgefahr gemäss der Rechtsprechung in der Regel selbst bei fami-
liären Bindungen in der Schweiz gegeben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
8G.45/2001 vom 15. August 2001, E. 3a). 

8.3 Gemäss dem Haftbefehl des Stadtgerichts Prag vom 29. Juli 2010 ist der 
Beschwerdeführer rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren 
verurteilt worden (act. 4.10). Im Lichte der zitierten Rechtsprechung reicht 
bereits dieser Umstand allein grundsätzlich aus, um das Vorliegen einer 
Fluchtgefahr zu bejahen. Überdies macht der Beschwerdeführer weder fa-
miliäre Bindungen geltend noch ist eine Verwurzelung in der Schweiz aus 
anderen Gründen ersichtlich. Von einer gefestigten Bindung zur Schweiz, 
welche die Fluchtgefahr ausschliessen würde, kann damit nicht die Rede 
sein. Für eine Fluchtgefahr spricht sodann, dass der Beschwerdeführer mit 
39 Jahren noch relativ jung ist (zum Alter als Kriterium bei der Beurteilung 
der Fluchtgefahr vgl. BGE 130 II 306 E. 2.4 S. 311; Urteil des Bundesge-
richts 1C_381/2009 vom 13. Oktober 2009, E. 2.3, je m.w.H.). Den vorlie-
genden Akten ist sodann zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer schon 
bei seiner Festnahme versucht hat, sich dem Zugriff zu entziehen, indem er 
sich gegenüber den Polizeibehörden zunächst unter falschem Namen mit 
einem entsprechendem Identitätspapier ausgewiesen hat (vgl. act. 3.6 und 
3.12). Vor diesem Hintergrund ist die Gefahr, dass sich der Beschwerde-
führer bei einer Haftentlassung der Auslieferung an Tschechien durch eine 
Flucht entziehen könnte, offensichtlich. 

 

- 9 - 

 

 

8.4 Die vorliegende Fluchtgefahr kann auch durch die angebotenen Ersatz-
massnahmen klarerweise nicht hinreichend gebannt werden. Der Be-
schwerdeführer hat es im Übrigen zudem unterlassen, seine finanziellen 
Verhältnisse auch nur ansatzweise offenzulegen. Ohne detaillierte Darle-
gung der finanziellen Verhältnisse kann die Höhe der Kaution nicht festge-
legt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8G.11/2003 vom 21. Februar 
2003, E. 5). Fehlt es an hinreichenden, diesbezüglichen Kenntnissen, kann 
nicht darüber befunden werden, welche Kautionssumme ausreichend und 
hoch genug ist, um den Beschwerdeführer an der Flucht zu hindern (vgl. 
BGE 130 II 306 E. 2.6 S. 312). Der Vollständigkeit halber ist anzufügen, 
dass das Bundesgericht auch bei Kautionen eine strenge Praxis pflegt und 
davon ausgeht, dass selbst hohe Kautionen bei nicht vollkommen durch-
sichtigen finanziellen Verhältnissen eine Flucht nicht von vornherein zu 
verhindern vermögen (Urteil des Bundesgerichts 8G.11/2003 vom 
21. Februar 2003, E. 5). Ebenso wenig kommen andere Ersatzmassnah-
men wie der vom Beschwerdeführer vorgeschlagene Hausarrest samt flan-
kierenden Massnahmen oder die tägliche Meldepflicht in Betracht. Diese 
vermögen die Fluchtgefahr für sich allein, d.h. ohne zusätzliche, den finan-
ziellen Verhältnissen des Beschwerdeführers angepasste Kaution, nicht zu 
bannen (vgl. Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2010.76 vom 5. Mai 
2010, E. 4.3; RR.2008.214 vom 16. September 2008, E. 4.2). Die Be-
schwerde ist demzufolge auch in diesem Punkt als unbegründet abzuwei-
sen. 

 
9. Zusammenfassend ergibt sich, dass vorliegend keine Gründe auszuma-

chen sind, welche eine Auslieferung offensichtlich ausschliessen könnten 
oder sonst zu einer Aufhebung der Auslieferungshaft zu führen vermöch-
ten. Die Beschwerde erweist sich somit gesamthaft als unbegründet und ist 
daher abzuweisen. 

10. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer kosten-
pflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 30 lit. b SGG). Für die Berech-
nung der Gerichtsgebühren gelangt das Reglement vom 11. Februar 2004 
über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht (SR 173.711.32) 
zur Anwendung (Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 15 Abs. 1 lit. a SGG). Die 
Gerichtsgebühr ist vorliegend auf Fr. 3'000.-- festzusetzen (vgl. Art. 3 des 
Reglements).  

 

- 10 - 

 

 

Demnach erkennt die II. Beschwerdekammer: 
 
1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 
 
2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt. 

 
 

Bellinzona, 26. August 2010 
 
Im Namen der II. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Die Präsidentin:    Der Gerichtsschreiber:  
 
 
 
 

 
Zustellung an 
 
- Rechtsanwalt Thomas Fingerhuth,  
- Bundesamt für Justiz 
 
 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über 
Ausstandsbegehren ist die Beschwerde zulässig (Art. 92 Abs. 1 BGG). Diese Entscheide können 
später nicht mehr angefochten werden (Art. 92 Abs. 2 BGG). 
 
Auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen sind andere selbständig eröffnete 
Vor- und Zwischenentscheide nicht anfechtbar. Vorbehalten bleiben Beschwerden gegen 
Entscheide über die Auslieferungshaft sowie über die Beschlagnahme von Vermögenswerten und 
Wertgegenständen, sofern sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können, oder 
wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Entscheid herbeiführen und damit einen 
bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde 
(vgl. Art. 93 Abs. 1 und 2 BGG). Ist die Beschwerde gegen einen Vor- oder Zwischenentscheid 
gemäss Art. 93 Abs. 1 und 2 BGG nicht zulässig oder wurde von ihr kein Gebrauch gemacht, so 
sind die betreffenden Vor- und Zwischenentscheide durch Beschwerde gegen den Endentscheid 
anfechtbar, soweit sie sich auf dessen Inhalt auswirken (Art. 93 Abs. 3 BGG).  
 
Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (vgl. Art. 84 
Abs. 1 BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die 
Annahme bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das 
Verfahren im Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG). 
 
Die Beschwerde ist innert zehn Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim 
Bundesgericht einzureichen (vgl. Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG).