# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6c787242-69c9-56b5-98f3-524165bd3d18
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-07-21
**Language:** de
**Title:** Unklar, ob Geburtsgebrechen (Patellaluxation/Dysplasie) im Sinne von Ziff. 177 oder 195 GgV-Anhang vorliegt. Rückweisung zur medizinischen Abklärung.
**Docket/Reference:** IV.2015.00584
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00584.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00584
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiberin Schleiffer Marais
Urteil
vom
21. Juli 2016
in Sachen
X.___
, geb. 2005
Beschwerdeführerin
gesetzlich vertreten durch die Eltern
Y.___
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren am 17. Juli 2005, wurde von ihrem Vater unter Hinweis auf das Geburtsgebrechen Ziffer 195 des Anhanges zur Verordnung
über Geburtsgebrechen (
GgV
; angeborene
Patellaluxation
, sofern Operation not
wendig ist
) am 17. Februar 2015 bei der Invalidenversicherung zum
Leis
tungs
bezug
(medizinische Massnahmen) angemeldet (Urk.
7/1). Die
Sozialversi
che
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte den Bericht der behan
delnden Ärzt
in
der
Z.___
Klinik vom 10. März 2015 (Urk. 7/3
/2-5
)
sowie die Stellung
nahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
vom
16
. März
20
1
5
(Urk. 7/6)
ein und stellte mit Vorbescheid vom 23. März 2015 (Urk. 7/7) die Abweisung des Gesuchs
um Kostengutsprache für medizinische Massnah
men
in Aussicht. Dagegen
erhoben
die
obligatorische
Krank
en
versicherung der Ver
si
cherten am 26. März 2015
(Urk. 7/8
und Urk. 7/16
)
sowie
der Vater
der Versi
cherten am 31. März 2015 (Urk. 7/11/1)
Einwand
. Mit Verfügung vom 17. April 2015 (Urk.
2/1
) verneinte die IV-St
elle einen Anspruch auf Kosten
gutsprache,
hob diese Verfügung
indessen
am 24. April 2015
wiedererwä
gungsweise
auf
(Urk. 7/18). Am 4. Mai
2015 erliess die IV-Stelle eine neue Verfügung (Urk. 2/2),
mit welcher sie das Leistungsbegehren
wiederum
abwies.
2.
Gegen die Verfügung vom 4. Mai 2015
(Urk. 2/2) erhob die Versicherte, gesetz
lich vertreten durch ihre
E
ltern, am 20. Mai 2015 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte
sinngemäss
, die Verfügung sei aufzuheben
und
es sei
Kostengut
spra
che
für medizinische Massnahmen zu leisten. Mit Beschwerdeantwort vom 29. Juni 2015 (Urk. 6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Be
schwerde, was der Beschwerdeführerin am 1. Juli 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Be
hand
lung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs.
2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG) notwendigen medizini
schen
Massnahmen (Art. 13 Abs.
1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung, IVG
). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Mass
nahmen
gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebre
chen von geringfügiger Bedeutung ist (
Art.
13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vo
llendeter Geburt bestehen (Art. 3 Abs.
2
ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 Satz 1
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeit
punkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erka
nnt wird, ist unerheblich (Art. 1 Abs. 1
GgV
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufge
führt. Das Eidgenössische Departement des Innern kann die Liste jährlich an
passen, sofern die Mehrausgaben einer solchen Anpassung für die Versicherung
insgesamt drei Millionen Franken p
ro Jahr nicht übersteigen (Art. 1 Abs. 2
GgV
). Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines
Ge
burtsgebrechens
notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewähr
ter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den thera
peutischen Erfolg in einfacher und zwec
kmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 3
GgV
).
1.2
Für die Annahme einer Leistungspflicht der Invalidenve
rsicherung aufgrund von
Art. 13
IVG genügt nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts in
be
weisrechtlicher
Hinsicht, dass es ein Facharzt oder eine Fachärztin zumindest für wahrscheinlich hält, es liege ein im Anhang der
GgV
enthaltenes Gebrechen vor (BGE 100 V 104 E. 2 in
fine
).
1.3
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung
(
IVV
)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des
Leistungsan
spruchs
. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizini
schen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundes
amtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärzt
lich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden ha
ben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung
vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere An
sicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober
2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrensregeln entfalten daher bei Einholung
von RAD-Berichten keine Wirkung
(Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schluss
fol
gerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis ver
sicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehö
ren – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück
weisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige
Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
rele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung
ihrer
leistungsabweisenden
Verfügung
(Urk. 2/2)
aus, die Ursache der bei der Beschwerdeführerin diagnosti
zierten
Patellaluxation
sei eine
Trochleadysplasie
, wobei der Befund erst im neunten Lebensjahr aufgefallen sei. Eine angeborene
Patellaluxation
im Sinne
des Geburtsgebrec
hens Ziffer 195 scheide deshalb aus. Des Weiteren fehle es auch
an den Anspruchsvoraussetzungen für eine Kostengutsprache nach Art. 12 IVG.
2.2
Demgegenüber stellte sich der Vater der Beschwerdeführerin in der Beschwerde (Urk. 1) auf den Standpunkt,
es liege eine angeborene
Patellaluxation
respektive
das
Geburtsgebrechen Ziffer 195 vor
,
und ber
ief sich dabei auf die Berichte der behandelnden Ärzte der
Z.___
Klinik
vom 26. März und
12. Mai 2015
.
3.
3.1
Dr. med.
A.___
, Chef
arzt Kinderorthopädie
, und Dr.
med.
B.___
, Oberärztin Kinderorthopädie
an der
Z.___
Klinik,
diagnostizierten
in ihrem Bericht vom
26
. März 2015
(Urk. 7/10)
eine
Patellaluxation
rechts
bei massiver
Troch
lea
dysplasie
und entsprechender Dysplasie der Patella. Sie wiesen darauf hin, dass es sich gestützt auf den radiologischen Befund klar um eine kongenitale
Patellaluxation
handle. Der Umstand, dass der Befund erst vor einem Jahr auf
gefallen sei, bedeute nicht, dass die Problematik nicht bereits vorbestehend ge
wesen sei. Im frühen Kindesalter könne die
se
Pathologie teilweise kompensiert werden. Es liege
zudem
klar eine knöchern
e Veränderung des Bewegungsap
pa
rates anlagebedingt vor
(vgl. auch
(Urk. 7/3/2-5
S. 3 Ziff. 1.6 und Urk. 7/21/1)
.
3.2
Der Vertrauensarzt der Krankversicherung
der
Versicherten
, Dr. med.
C.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, wies am 7. April 2015 darauf hin, dass
eine
Trochleadysplasie
ein Risikofaktor für eine
Patellaluxation
sei.
Eine
ange
borene und bei Geburt nicht entdeckte
Trochleadysplasie
sei die Ursache des Geburtsgebrechens Ziffer 195
(Urk. 7/15)
.
3.
3
In ihrer Stellungnahme vom 14. April 2015 (Urk. 7/13) führte
die RAD-Ärztin
Dr. med.
D.___
, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, aus, bei einer kon
genitalen
Patellaluxation
sei die Patella sehr klein und fehle manchmal auch ganz. Die angeborene Luxation der Kniescheibe sei selten und komme gelegent
lich im Rahmen des Nagel-Patella-Syndroms oder der
Arth
r
ogrypose
vor.
Es sei möglich
,
dass die angeborene
Patellaluxation
bei Geburt nicht
bemerkt we
rde, sondern erst im Kleinkinder
alter. Die
Versicherte
sei bei der Diagnose der ersten
Patellaluxation
aber bereits neun Jahre alt gewesen. Bei dem von den behan
delnden Ärzten beschriebenen Befund handle es sich um eine
Troch
leadysplasie
und eine
Patelladysplasie
.
Bei einer Dysplasie werde indessen nicht das
gleiche
Ausmass wie bei einer
angeborenen
Patellaluxation
erreicht. Solche Dysplasien könnten als angeboren anerkannt werden, wobei es sich dann aber um ange
bo
rene Dysplasien handle, welche zu einer
Patellaluxation
prädispo
nier
t
en.
Dies
falls
handle es sich allerdings nicht um eine angeborene
Patellalu
xation
. Ent
spre
chend liege kein Geburtsgebrechen Ziffer 195 vor.
Ebenso wenig liege das Geburtsgebrechen Ziffer 177 vor, da eine
Patelladysplasie
, eine Patella
alta
und
andere Lageanomalien der Patella
gemäss Kreisschreiben über die me
dizini
sche
n
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung
(KSME)
Ziffer 177.4
nicht
unter das Geburtsgebrechen
Rz
177
fielen
.
Die RAD-Ärztin hielt
am
28. April 2015 (Urk. 7/19) ergänzend fest, dass
Patella
luxationen
, die
sich
erst nach dem Kleinkindesalter
manifestierten
,
meistens auf Dysplasien der
Trochlea
oder hyperlaxen Bändern beruhten. Diese
Symptome seien zwar angeboren, seien indessen nicht über die Invalidenversicherung ver
sichert.
3.4
Nach Erlass der angefochtenen Verfügung und der postoperativen
Verlaufs
kon
trolle
bekräftigte Dr.
A.___
am 12. Mai 2015 unter Beilage des nicht akten
kundigen Operationsberichts, dass die Versicherte eindeutig an einer kongeni
talen
Patellaluxation
leide, welche bisher vernachlässigt beziehungsweise nicht entdeckt worden sei (Urk. 7/21).
4.
4.1
Die Parteien sind sich einig, dass die Beschwerdeführerin an einer
Patella
luxation
litt, welche operativ behandelt wurde
(vgl. Urk. 7/3/3 und Urk. 7/21)
. Un
einig
keit besteht demgegenüber über die Frage, ob es sich bei der diagnos
ti
zierten
L
uxation um ein angeborenes Leiden handelte.
Während die behandeln
den Ärzte und der Vertrauensarzt der Krankenversicherung von einer
ange
bo
renen
Patellaluxation
ausgingen (vgl. E. 3.1-2
und E. 3.4
),
stellte sich die
Be
schwer
degegnerin
auf den Standpunkt, die nicht an
geborene
Patellaluxation
sei allenfalls durch eine
-
nicht unter Ziffer 177
GgV
-Anhang fallende
–
konge
ni
tale
Dy
splasie begünstigt worden (vgl. E. 3.3).
4.
2
Zu den Geburtsgebrechen gehört
gemäss Ziffer
195
GgV
-Anhang
die angebo
rene
Patellaluxation
, sofern eine Operation notwendig ist
.
Laut
KSME
Rz
195
in
der
vorliegend
anwendbaren Fassung vom
1. Januar 201
5
handelt es sich dabei um ein seltenes Leiden, welches im Rah
men von gewissen Syndromen oder auch isoliert vorkommt, wobei die Diagnose meist nicht bei Geburt, sondern erst im Kleinkinde
r
alter gestellt wird
.
In Zif
fer 177
GgV
-Anhang
werden als
Geburtsge
brechen
übrige angeborene Defekte und Missbildungen der Extremitäten, sofern
Operation, Apparateversorgung oder Gipsverband notwendig sind, erwähnt.
Nach
KSME
Rz
177.4
fallen die
Patelladysplasie
, eine Patella
alta
und andere
Lage
anomalien
der Kniescheibe respektive eine Dysplasie des
Condylus
femoris
late
ralis
nicht unter die Zif
fer 177
GgV
-Anhang und können auch nicht gestützt au
f
Art. 12
IVG über
nommen werden, wogegen
skelettale
Missbildungen beim
Pola
nd
Syndrom nach Ziffer 177
GgV
-Anhang
zu beurteilen sind.
Die
P
raxis
aner
kennt hingegen unter Ziffer 177
GgV
-Anhang als Geburtsgebrechen die habi
tu
elle
Patellaluxation
infolge Hypoplasie der Patella oder des
Condylus
femoris
lateralis
, worunter die unvollkommene Ausbildung der Kniescheibe bezie
hungsweise des lateralen Oberschenkelknochens zu verstehen ist
, welche – an
ders als
Hypo
plasie – eine
knöchernde
Missbildung darstellen (Urteil des Bundes
gerichts I 326/00
vom 9. November 2001 E
. 2b).
4.
3
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre leistungsabweisende Verfügung auf die
Stellungnahmen
der RAD-Ärztin vom
16. März,
1
4.
und 28. April
2015 (Urk.
7/6,
Urk.
7/13 und Urk. 7/19).
Letztere begründete ihre Schlussfolgerungen primär
gestützt auf ihre Beurteilung der Aktenlage und
auf der Basis von theoretischen
Angaben
und
Fachliteratur. Eine per
sönliche Untersuchung der Beschwerde
füh
rerin durch die RAD-Ärz
tin hat weder vor noch nach dem operativen Eingriff stattg
efunden. Ebenso wenig wurde der Operationsbericht sowie entsprechende
Röntgenbilder
berücksichtigt.
Zudem
handelt
es sich bei der RAD-Ärztin um keine im
B
ereich Kinderorthopädie spezialisierte
Fachä
rzt
in
.
Vor diesem Hinter
grund kann nicht
unbesehen
auf die Feststellungen der RAD-Ärztin abgestellt werden
(
vgl. E. 1.3 und BGE 142 V 58 E
. 5.1 mit weiteren Hinweisen)
.
Gleiches gilt mit Bezug auf
die Einschätzung des fachfremden Vertrauensarztes der Krankenversicherung, welche ohne
Kenntnis der Akten und
ohne
Unte
rsu
chung der Beschwerdeführerin
erfolgte
und sich auf
wenige
theoretische Anga
ben beschränkte
(Urk. 7/15).
Die behandelnden Ärzte gingen von einer kongenitalen
Patellaluxation
gemäss
Ziffer 195
GgV
-Anhang
bei massiver
Trochleadysplasie
und entsprechender Dys
plasie der Patella aus und
wiesen
zudem
auf
eine anlagebedingte
knö
chernde
Veränderung des Bewegungsapparates
hin
(Urk. 7/10
und Urk. 7/21)
ohne diese Einschätzung jedoch nachvollziehbar zu begründen oder sich mit der abwei
chenden RAD-Beurteilung auseinanderzusetzen
. Aus den Berichten geht
alle
r
dings
nicht
zweifelsfrei
hervor, ob die
Patellaluxation
angeboren
oder
aber auf eine nicht als Geburtsgebrechen versicherte
Trochlea
- respektive
Patel
ladys
plasie
zurückzuführen ist. Unklar ist zudem,
ob die
L
uxation
hauptsächlich
auf einer unter Ziffer 177
GgV
-Anhang fallende Knochenmissbildung
zurückzu
füh
ren ist
oder aber auf nicht im knöchernen Bereich liegende
und
deshalb
nicht unter Ziffer 177
GgV
-Anhang zu subsumierende
n
Defektzustände
n
beruht
.
Aus dem Gesagten folgt, dass die entscheidende Frage, ob es sich
bei der
Pa
tella
luxation
um ein
unter
Ziffer 177 oder Ziffer 195
GgV-
Anahng
fallendes
Ge
burtsgebrechen
handelt, anhand der Akten nicht entschieden werden kann und sich weitere Abklärungen zur Genese der
L
uxation aufdrängen.
Die verblei
ben
den Unklarheiten sind dabei nicht durch eine Aktenbeurteilung
des RAD be
heb
bar, vielmehr
sind
unter Berücksichtigung des Operationsberichts und der ent
sprechenden Röntgenbilder
ergänzende gutachterliche Abklärungen durch eine in Kinderorthopädie spezialisierte Arztperson erforderlich.
4.4
Aufgrund der vorbestehenden Erwägungen steht fest, dass die vorhandenen medizinischen Akten keine zuverlässige Grundlage bieten, um darüber befinden zu können, ob die an der Patella durchgeführte Operation eine zur Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendige medizinische Massnahme im Sinne von Art. 13 Abs. 1 IVG darstellt.
Somit ist die Verfügung vom 4. Mai 2015 aufzuhe
ben und die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den medizinischen Sachverhalt ausreichend abkläre und hernach über den Anspruch auf medizinische Massnahmen neu verfüge.
5.
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der un
terliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 4. Mai 2015 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Anspruch der
Versicherten
neu verfüge
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nun
g und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubSchleiffer Marais