# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1daa17e7-71e3-5247-a58f-571c87b01340
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-05-08
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 08.05.2025 VG.2025.00008 (VG.2025.1457)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2025-00008_2025-05-08.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 8. Mai 2025

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  Besetzung:
  Gerichtspräsident MLaw Colin Braun, Verwaltungsrichter Samuel Bisig,
  Verwaltungsrichter Fritz Jnglin und Gerichtsschreiberin MLaw Paula Brändli

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2025.00008

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführer

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
    (Suva)

    	
    Beschwerdegegnerin

    
	
     

    	
     

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  UVG-Leistungen

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  1.1 A.______, geboren am […], war vom 2. April 2023 bis
  zum 22. Oktober 2023 als Matrose bei der C.______ angestellt und in
  dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva)
  gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Gemäss
  Schadenmeldung UVG vom 15. Juni 2023 verletzte er sich am 15. Mai
  2023 beim Hochziehen einer Schiffzugangstreppe an der rechten Schulter.

  
	
   

  
	
  1.2 Am 7. November 2023 teilte die Suva A.______ formlos
  mit, dass weder ein Unfall noch eine unfallähnliche Körperschädigung
  vorliege. Am 16. April 2024 schloss sie den Fall rückwirkend per
  15. August 2023 ab und lehnte einen Leistungsanspruch von A.______ ab.
  Die hiergegen erhobene Einsprache wies sie am 10. Dezember 2024 ab,
  soweit sie darauf eintrat.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  A.______ gelangte mit
  Beschwerde vom 10. Januar 2025 ans Verwaltungsgericht und beantragte
  sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 10. Dezember 2024.
  Die Unfallkausalität der beiden Ereignisse vom 2. April 2023 und vom
  15. Mai 2023 sowie die Nachforderung der Unfalltaggelder in der Höhe von
  Fr. 33'370.20 seien zu bestätigen. Die Suva schloss am 4. März 2025 auf
  Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss
  Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung vom
  20. März 1981 (UVG) i.V.m. Art. 56 ff. des Bundesgesetzes über
  den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000
  (ATSG) sowie Art. 1 des Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die
  Unfallversicherung vom 3. Mai 2009 (EG UVG) zur Behandlung der
  vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen
  erfüllt sind, ist auf die Beschwerde grundsätzlich einzutreten (vgl. aber
  nachstehende E. II/1.2).

  
	
   

  
	
  1.2

  
	
  1.2.1 Der Streitgegenstand eines
  Rechtsmittelverfahrens wird einerseits durch den Gegenstand der angefochtenen
  Anordnung, anderseits durch die Parteivorbringen bestimmt. Zum einen kann nur
  Gegenstand des Rechtsmittelverfahrens sein, was auch Gegenstand der
  erstinstanzlichen Verfügung war bzw. nach richtiger Gesetzesauslegung hätte
  sein sollen. Zum andern bestimmt sich der Streitgegenstand nach der im
  Beschwerdeantrag verlangten Rechtsfolge. Der Streitgegenstand umfasst das
  durch die Verfügung geregelte Rechtsverhältnis, insoweit dieses angefochten
  wird (Art. 91 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
  Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 [VRG]; VGer-Urteil VG.2023.00032
  vom 7. September 2023 E. II/1.2, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  1.2.2 Anfechtungsobjekt im vorliegenden
  Verfahren bildet der Einspracheentscheid vom 10. Dezember 2024, womit die
  Beschwerdegegnerin den Fallabschluss und die Leistungseinstellung in Bezug
  auf den Unfall vom 15. Mai 2023 beurteilt hat. Hinsichtlich einer allfälligen
  Leistungspflicht betreffend das Ereignis vom 2. April 2023 liegt
  entsprechend kein Anfechtungsobjekt vor, weshalb auf die hierauf gerichteten
  Rügen nicht einzutreten ist (vgl. aber untenstehende E. II/6.2).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend,
  er habe zwei Unfälle gehabt. Einen ersten kleineren am 2. April 2023 mit
  anschliessender hausärztlicher Behandlung und Physiotherapie und einen
  zweiten grösseren Unfall am 15. Mai 2023, welcher ab dem 14. Juni
  2023 zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit geführt habe. Er habe bis zum
  16. August 2023 auf eine Operation warten müssen und eine lange
  Rekonvaleszenz mit Arbeitsunfähigkeit bis zum 28. März 2024 gehabt.
  Dr. med. D.______, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, habe
  das traumatische Ereignis als Unfall eingestuft. Die leichte
  AC-Gelenksarthrose sei demgegenüber nicht prädisponierend für das Auftreten
  der Rotatorenmanschettenruptur. Die Qualifikation durch den
  Versicherungsarzt, wonach die Ursache Krankheits- und nicht Unfallcharakter
  habe, sei falsch. Grotesk sei schliesslich die Aussage der
  Beschwerdegegnerin, wonach das Ereignis vom 15. Mai 2023 aufgrund des
  Hergangs und mangels eines ungewöhnlichen äusseren Faktors kein
  Unfallereignis und keine unfallähnliche Körperschädigung darstelle, zumal er
  bei diesem Ereignis zwei Sehnen gerissen und eine Rotatorenmanschettenruptur
  erlitten habe.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegnerin bringt vor,
  anhand der Sachverhaltsschilderung des Beschwerdeführers sowie seines
  behandelnden Arztes lasse sich kein ungewöhnlicher äusserer Faktor ableiten,
  was Art. 4 ATSG aber voraussetze. Das Treppen-Ziehen bleibe im Rahmen
  der beruflichen Tätigkeit und die Bewegung gehe nicht über eine physiologisch
  normale sowie psychologisch beherrschte Beanspruchung des Körpers hinaus. Bei
  bereits vorbekannter Beschwerdesymptomatik liege sodann eine krankhafte
  degenerative Schädigung des Schultergelenks vor, womit ein Leistungsanspruch
  auch gestützt auf Art. 6 Abs. 2 UVG ausser Betracht falle. Ihr
  Versicherungsarzt Dr. med. E.______,
  Facharzt für Allgemeinmedizin, habe sich eingehend mit den Stellungnahmen der behandelnden
  Ärzte sowie der Bildgebung auseinandergesetzt. Er habe schlüssig
  festgehalten, dass das vorliegende Schulterleiden überwiegend wahrscheinlich
  nicht einer strukturellen Traumafolge, sondern einem krankhaften
  natürlich-progredienten Schulterleiden entspreche, welches durch das Ereignis
  vom 15. Mai 2023 lediglich vorübergehend und nicht richtungsgebend
  verschlimmert worden sei. Spätestens nach drei Monaten spielten dessen Folgen
  keine ursächliche Rolle mehr im Beschwerdebild des Beschwerdeführers.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG hat die Beschwerdegegnerin
  bei Unfällen und Berufskrankheiten den bei ihr obligatorisch Versicherten die
  gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Gemäss Art. 4 ATSG ist ein Unfall
  die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines
  ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
  Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder
  den Tod zur Folge hat. Der Versicherte hat gemäss Art. 10 Abs. 1
  UVG Anspruch auf die zweckmässige Behandlung seiner Unfallfolgen. Ist er
  infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG), so
  hat er gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Der Anspruch
  auf ein Taggeld entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag. Er erlischt mit
  der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem Beginn einer Rente
  oder mit dem Tod des Versicherten (Art. 16 Abs. 2 UVG).

  
	
   

  
	
  3.2

  
	
  3.2.1 Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die
  Versicherung ihre Leistungen auch bei den folgenden Körperschädigungen,
  sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen
  sind: Knochenbrüche (lit. a); Verrenkungen von Gelenken (lit. b);
  Meniskusrisse (lit. c); Muskelrisse (lit. d); Muskelzerrungen (lit. e);
  Sehnenrisse (lit. f); Bandläsionen (lit. g) sowie Trommelfellverletzungen
  (lit. h). Diese Aufzählung der den
  Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist abschliessend
  (BGE 116 V 136 E. 4a; vgl. auch Irene Hofer, in Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne
  Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Basler Kommentar UVG, Basel 2019,
  Art. 6 N. 61).

  
	
   

  
	
  3.2.2 Seit dem Inkrafttreten des revidierten UVG
  per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu
  übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen
  eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6
  Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermutung, dass
  es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom
  Unfallversicherer übernommen werden muss. Dieser kann sich aber von der
  Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung
  vorwiegend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft
  des Bundesrats zur Änderung des UVG vom 19. September 2014,
  BBl 2014 7911 ff., 7934 f.). Der Gegenbeweis ist vom
  Unfallversicherer erbracht, wenn die Listendiagnose zu mehr als 50 % auf
  "Abnützung oder Erkrankung" beruht. Diesen
  Nachweis muss der Unfallversicherer mit dem Beweisgrad der überwiegenden
  Wahrscheinlichkeit erbringen (BGE 146 V 51
  E. 8.2.2.1 und 8.6; Markus Hüsler, Erste UVG-Revision: wichtigste
  Änderungen und mögliche Probleme bei der Umsetzung, SZS 2017, S. 34; Hofer, Art. 6 N. 58).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt
  die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen
  Auskünfte ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Im Rahmen der
  Verfahrensleitung kommt ihm ein grosser Ermessensspielraum bezüglich
  Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen zu.
  Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der jeweiligen Sach- und Rechtslage. Der
  Sachverhalt ist so weit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch
  zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden
  werden kann (vgl. BGer-Urteil 9C_721/2019 vom 27. Mai 2020
  E. 3, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  4.2
  Zur Abklärung medizinischer
  Sachverhalte – wie der Beurteilung des Gesundheitszustands sowie der
  Feststellung des natürlichen Kausalzusammenhangs im Bereich der Medizin – ist
  die rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr
  vorab von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind
  (BGE 122 V 157 E. 1b, mit Hinweisen). Nach dem für das
  gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren geltenden
  Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
  Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
  Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
  Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel,
  unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu
  entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung
  des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander
  widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne
  das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf
  die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich
  des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob der Bericht
  für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
  beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
  (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
  Zusammenhänge und Situation des Patienten einleuchtet und ob die
  Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
  grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
  eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
  Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a).

  
	
   

  
	
  4.3 Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte
  kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar
  begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre
  Zuverlässigkeit bestehen. Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt
  den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss
  nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach
  Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger
  Sachverständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen
  Gutachtens erledigt werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge
  Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der
  Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
  Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen. Beratende Ärzte
  eines Versicherungsträgers sind, was den Beweiswert ihrer ärztlichen
  Beurteilung angeht, versicherungsinternen Ärzten gleichzusetzen (BGer-Urteil
  8C_322/2021 vom 19. Oktober 2022 E. 4.3, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 PD Dr. med. F.______, Facharzt FMH Radiologie,
  hielt am 8. Juni 2023 fest, die MR-Arthrographie der rechten Schulter
  habe eine Ruptur der Supraspinatussehne mit Sehnenretraktion bis unter das
  Akromion, eine kleine Oberrand-Läsion der Subscapularissehne, eine beginnende
  Pulleyläsion, eine Tendopathie der Infraspinatussehne mit feinsten
  Faserrissen sowie eine mittelschwere bis schwere leicht aktivierte
  AC-Arthrose ergeben. Eine Omarthrose bestehe indessen kaum.

  
	
   

  
	
  5.2 Dr. med. G.______, Facharzt FMH Allgemeine Innere
  Medizin, attestierte dem Beschwerdeführer am 14. Juni 2023 infolge des
  Unfalls eine volle Arbeitsunfähigkeit für körperlich belastende Tätigkeiten
  vom 14. Juni 2023 bis zum 2. Juli 2023. Am 22. Juni 2023
  führte er aus, beim Beschwerdeführer bestünden einschiessende Schmerzen nach
  dem Wurf eines Verankerungsseils bei der Arbeit. Die Beweglichkeit sei eingeschränkt,
  vor allem bei Bewegungen über Schulterniveau und beim Schürzengriff. Die
  Schmerzen seien zunehmend und bestünden auch nachts. Das Röntgenbild habe
  keine Fraktur, sondern nur eine kleine Verkalkung am Schultergelenk gezeigt.
  Die MRT habe sodann eine totale Supraspinatussehnenruptur ergeben. Zudem
  bestehe eine AC-Gelenksarthrose rechts. Die Einschätzung einer vollen
  Arbeitsunfähigkeit erstreckte Dr. G.______ sodann mehrfach ohne Hinweis
  auf die Art der Tätigkeit, insgesamt bis zum 29. Februar 2024.

  
	
   

  
	
  5.3 Dr. D.______ diagnostizierte beim
  Beschwerdeführer am 16. Juli 2023 eine posttraumatische
  Rotatorenmanschettenruptur rechts bei Status nach schwerer Schulterdistorsion
  am 15. Mai 2023 mit sofortigem Funktionsverlust. Es habe sich in der Folge eine
  reaktive retraktile Capsulitis ausgebildet, welche die Beweglichkeit
  zusätzlich einschränke. Es sei eine Rotatorenmanschettenrekonstruktion
  geplant. Nachdem diese erfolgt war, ergänzte er am 25. September 2023,
  dass eine diskrete degenerative Veränderung im Schultergelenk sowie eine
  AC-Gelenksarthrose bestehe. Die umgebenden Weichteilstrukturen seien aber
  regelrecht. Sechs Wochen postoperativ sei der Verlauf sodann
  zufriedenstellend und der Beschwerdeführer weitgehend schmerzfrei. Die
  Beweglichkeit der rechten Schulter sei allerdings noch deutlich
  eingeschränkt. Es bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit bis Ende Oktober. Am
  22. Oktober 2023 führte Dr. D.______ weiter aus, die Schmerzen
  seien rückläufig und der Beschwerdeführer nehme keine Schmerzmedikamente mehr
  ein. Die Schulterbeweglichkeit rechts sei noch eingeschränkt und es sollten
  regelmässige koordinative Bewegungen durchgeführt werden. Es bestehe eine
  volle Arbeitsunfähigkeit bis Ende November.

  
	
   

  
	
  5.4 Dr. E.______ hielt am 31. Oktober 2023 fest, bei
  einer vorbekannten Beschwerdesymptomatik mit progredienten Schmerzen bei
  Bewegungen über Schulter- und Kopfhöhe sowie lokalen Kalzifikationen im
  Bereich der Rotatorenmanschette im Röntgenbild vom 3. April 2023 sowie
  einer schweren AC-Gelenksarthrose, einem Akromion Typ II,
  tendinopathischen Veränderungen und einer bereits primär deutlichen
  Sehnenretraktion entsprächen die Befunde wahrscheinlich einer krankhaften
  degenerativen Schädigung des Schultergelenks. Dazu würden das
  Prädilektionsalter, die systemisch degenerativen Begleiterkrankungen sowie
  die operative subacromiale Dekompression und Tenotomie der langen Bizepssehne
  passen.

  
	
   

  
	
  5.5 Am 10. Dezember 2023 gab Dr. D.______ an, der
  Bewegungsumfang der rechten Schulter sei noch eingeschränkt, was biologisch
  aber ein gutes Zeichen sei. Es bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit bis Ende
  Februar 2024. Die langfristige Prognose sei sehr gut. Am 12. Dezember
  2023 legte er gegenüber der Beschwerdegegnerin dar, der Beschwerdeführer habe
  kurz nach dem Unfall vom 15. Mai 2023 seinen Hausarzt konsultiert. Es
  sei am 8. Juni 2023 und damit knapp drei Wochen nach dem Unfallereignis
  eine Arthro-MRT der rechten Schulter durchgeführt worden, was für das
  traumatische Ereignis als Ursache für den ausgeprägten Funktionsverlust spreche.
  Zum Zeitpunkt seiner Konsultation habe das klinische Bild einer Pseudoparese
  der rechten Schulter vorgelegen. Es sei durch das traumatische Ereignis eine
  massgebliche Funktionsschädigung erfolgt, die sich in den folgenden Wochen
  nicht spontan erholt habe. Dieser klinische Verlauf spreche mit überwiegender
  Wahrscheinlichkeit für eine Unfallkausalität. In der Arthro-MRT sei deutlich
  eine transmurale Supraspinatusruptur mit partieller Sehnenretraktion und
  Ausdehnung der Ruptur in die lnfraspinatussehne zu erkennen. Die Faserstümpfe
  der rupturierten Sehnen seien noch am Tuberculum majus fixiert und sehr gut
  in der MRT erkennbar. Ausserdem bestehe darin eine sehr gut erhaltene Trophik
  der Supraspinatus- und lnfraspinatusmuskulatur. Dieser radiologische Zustand
  spreche ebenfalls für ein unfallbedingtes Ereignis. Während der Operation vom
  16. August 2023 seien ausgeprägte Fibrinablagerungen im Subacromialraum
  vorhanden gewesen. Diese zeugten von einer stattgefundenen Blutung und damit
  von einem wahrscheinlichen traumatischen Geschehen. Es präsentiere sich
  intraoperativ das Bild einer L-förmigen Ruptur mit ausgeprägter Dehiszenz im
  posterioren Rotatorenintervall. Dies bedeute, dass mit hoher Gewalt ein
  Rupturereignis stattgefunden habe. Zusammenfassend lägen aufgrund der
  anamnestischen, klinischen und radiologischen präoperativen Befunde sämtliche
  Kriterien vor, die mit sicherer Wahrscheinlichkeit auf einen
  Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 15. Mai 2023 und den
  Schulterbeschwerden schliessen würden.

  
	
   

  
	
  5.6 Am 7. April 2024 führte Dr. E.______ aus, im Fall
  einer akuten Massenruptur der Rotatorenmanschette am 15. Mai 2023 wäre
  bei einer unmittelbaren heftigen Schmerzsymptomatik und funktionellen
  Behinderung der Schulter ein zeitnaher ärztlicher Behandlungsbedarf mit einer
  bereits primären Arbeitsunfähigkeit zu erwarten gewesen, was aber nicht der
  Fall gewesen sei. Die ärztlich dokumentierte Erstvorstellung am 3. April
  2023 mit schon vorbestehenden und unfallatypisch sekundär zunehmenden Beschwerden
  und einer primären Arbeitsunfähigkeit erst ab dem 14. Juni 2023
  widerspreche einer akuten Traumafolge. Ein krankhaftes, natürlich
  progredientes Schultergelenksleiden sei wahrscheinlicher. Auch das
  Röntgenbild und die MRT zeigten bei intakten knöchernen Verhältnissen und
  periartikulären Weichteilen keine unfalltypischen Begleitverletzungen, aber
  eine vorbestehende AC-Gelenksarthrose, ein anlagebedingt seitlich abwärts
  gebogenes Akromion Typ II nach Bigliani sowie typische tendinopathische
  ansatznahe Läsionen bzw. Ablösungen der Rotatorenmanschette mit einer bereits
  ausgeprägten Retraktion der Supraspinatussehne. Hierzu passten auch der
  Operationsbefund, die intraoperative Fotodokumentation, das
  Prädilektionsalter des Beschwerdeführers, die körperlichen Belastungen sowie
  die multiplen Begleiterkrankungen als Risikofaktoren für ein Abnützungsleiden
  der Schulter. Die Stellungnahme von Dr. D.______ vom 12. Dezember
  2023 sei demgegenüber nicht schlüssig. Ein sofortiger Funktionsverlust im
  Bereich der rechten Schulter werde nicht objektivierbar dokumentiert.
  Vielmehr werde eine Limitation der Beweglichkeit bei Bewegungen über
  Schulterniveau und Schürzengriff beschrieben, passend zu einem
  Impingementleiden, aber nicht einer Pseudoparalyse. Ebenso spreche eine bereits
  ausgeprägte Retraktion der Supraspinatussehne in einer äusserst kurzen
  Zeitabfolge nicht für ein traumatisches Ereignis. Die nachgängige
  Fotodokumentation mit ausgeprägten lokalen entzündlichen Infiltrationen und
  Hyperämien nach drei Monaten spreche für einen chronischen Reizzustand des
  Schultergelenks und nicht für eine Traumafolge. Hierzu passten auch die
  Zerfaserungen, Ablösungen und ausgeprägten Dehiszenzen der Sehnen. Die
  Befunde liessen gesamthaft nicht mit sicherer Wahrscheinlichkeit auf einen Kausalzusammenhang
  mit dem Ereignis vom 15. Mai 2023 schliessen, sondern entsprächen eher
  einem krankhaften, natürlich progredienten Schultergelenksleiden. Am
  12. April 2024 ergänzte Dr. E.______, spätestens zwei bis drei
  Monate nach dem Ereignis spielten die Unfallfolgen im Beschwerdebild
  überwiegend wahrscheinlich keine Rolle mehr.

  
	
   

  
	
  5.7 Dr. D.______ ergänzte am 29. April 2024
  schliesslich, eine AC-Gelenksarthrose entwickle sich bei allen Menschen ab
  dem 40. Lebensjahr. Diese sei nicht prädisponierend für eine
  Rotatorenmanschettenruptur. Hingegen seien die beschriebenen Bilder des
  undulierten Verlaufs der rupturierten Sehnenstümpfe, der noch vorhandenen
  Faserreste sowie die sehr gute Trophik der Rotatorenmanschettenmuskulatur
  Kriterien, die mit sicherer Wahrscheinlichkeit für ein traumatisches Ereignis
  sprächen. Der Beschwerdeführer präsentiere sich mit dem klinischen Bild einer
  Pseudoparalyse der rechten Schulter, was für einen abrupten Funktionsverlust
  derselben spreche. Es bestehe aus orthopädisch-chirurgischer Sicht ein
  sicherer Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 15. Mai 2023, wobei
  sich auch intraoperativ das Bild eines rupturierten Sehnenschadens gezeigt
  habe.

  
	
   

  
	
  5.8 Dr. E.______ nahm am 17. Februar 2025 erneut zu den
  Berichten der behandelnden Ärzte Stellung, wobei er an seiner Einschätzung
  festhielt. Da es sich dabei um eine erneute Beurteilung desselben
  Sachverhalts und derselben Unterlagen handelt, ist diese grundsätzlich zu
  berücksichtigen, obwohl sie nach dem angefochtenen Einspracheentscheid
  ergangen ist (vgl. BGE 130 V 138 E. 2.1,
  121 V 362 E. 1b; VGer-Urteil VG.2022.00034 vom 9. Februar 2023
  E. II/7.2).

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Vorliegend ist unbestritten, dass sich der
  Beschwerdeführer (unter anderem) Sehnenrisse an der rechten Schulter
  zugezogen hat, welche Körperschädigungen im Sinne der sogenannten
  Listenverletzungen gemäss Art. 6 Abs. 2 lit. f UVG darstellen.
  Dies führt zur gesetzlichen Vermutung, dass eine unfallähnliche
  Körperschädigung vorliegt. Daraus folgt, dass den Unfallversicherer
  eine Leistungspflicht trifft, sofern ihm nicht der Gegenbeweis gelingt,
  wonach die Diagnose zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung
  beruht. Dabei gilt der Beweisgrad der
  überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. zum Ganzen obenstehende
  E. II/3.2.2; VGer-Urteil VG.2019.00094 vom 14. November 2019
  E. 6.2.2). Ob es sich beim Ereignis vom 15. Mai 2023 um einen
  Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG handelt, kann dabei aufgrund des
  Nachfolgenden offenbleiben.

  
	
   

  
	
  6.2 Mit den Berichten von Dr. D.______ und
  Dr. E.______ liegen zwei ausführliche, sich aber widersprechende
  medizinische Einschätzungen vor. Dabei ist Dr. D.______ zwar der
  behandelnde Arzt des Beschwerdeführers, was den Beweiswert seiner Berichte
  aufgrund seiner auftragsrechtlichen Vertrauensstellung grundsätzlich vermindern
  kann. Gleichzeitig hat er den Beschwerdeführer im Gegensatz zu
  Dr. E.______ aber nicht nur persönlich untersucht, sondern konnte
  überdies aus erster Hand die Operationsergebnisse darlegen und hieraus
  Schlüsse ziehen. Vor diesem Hintergrund erweist sich seine Einschätzung
  grundsätzlich ebenso als nachvollziehbar wie diejenige von Dr. E.______.
  Dies auch deshalb, weil Dr. D.______ aufgrund seines Facharzttitels
  (Chirurgie und Traumatologie) gegenüber Dr. E.______ (Allgemeinmedizin)
  eine vertieftere Ausbildung im hier interessierenden medizinischen Fachgebiet
  aufweist. Auf eine mindestens unfallähnliche Körperschädigung deuten
  schliesslich auch die Beschreibungen des Beschwerdeführers sowie des
  Arbeitgebers zum Hergang des Ereignisses hin.

  
	
   

  
	
  6.3 Aus dem Dargelegten folgt, dass sich die
  Beschwerdegegnerin nicht unbesehen auf die Einschätzung von Dr. E.______
  abstützen durfte, zumal die Ausführungen von Dr. D.______ hieran
  mindestens geringe Zweifel erwecken. Sie hat den notwendigen Gegenbeweis
  gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG damit nicht erbracht, wobei denn auch
  nicht abschliessend geklärt ist, welche Bedeutung der Vorfall vom April 2023
  auf die geklagten Beschwerden hat, da gemäss Dr. G.______ die Symptome
  des Beschwerdeführers hierauf zurückzuführen sind. Hierüber hat die
  Beschwerdegegnerin offenbar noch keinen Entscheid erlassen (vgl. obenstehende
  E. II/1.2.2). Da dieses Ereignis mit dem vorliegenden aber in einem
  Zusammenhang steht und angesichts der verbleibenden Unklarheiten sowie der
  Widersprüche zwischen den vorhandenen medizinischen Berichten hat die
  Beschwerdegegnerin ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGer-Urteil
  8C_322/2021 vom 19. Oktober 2022 E. 6),
  sofern sie den ihr obliegenden Gegenbeweis erbringen will.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur teilweisen
  Gutheissung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist. Der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom
  10. Dezember 2024 ist aufzuheben und die Sache ist im Sinne der
  Erwägungen an diese zurückzuweisen.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  Die Gerichtskosten sind
  von Gesetzes wegen auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 1 Abs. 1 UVG
  i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die Beschwerde
    wird teilweise gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird. Der
    Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 10. Dezember 2024 wird
    aufgehoben und die Sache wird im Sinne der Erwägungen an diese
    zurückgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
    3.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]