# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e6211411-76b7-56fe-81d9-d529ef8a2aa7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.11.2011 E-315/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-315-2007_2011-11-30.pdf

## Full Text

U r t e i l   v om   3 0 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz),
Richterin Nina Spälti Giannakitsas, Richter Stöckli, 
Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler.

Parteien A._______, geboren am (…),
dessen Kinder 
B._______, geboren am (…), mit (…)
C._______, geboren am (…),
D._______, geboren am (…),
E._______, geboren am (…),
F._______, geboren am (…),
G._______, geboren am (…),
H._______, geboren am (…),
alle Türkei, 
vertreten durch Antigone Schobinger, Rechtsanwältin, (…), 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. 
Dezember 2006 / N (…).

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­315/2007

E­315/2007

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Sachverhalt:

A. 
Der Beschwerdeführer, ein Kurde aus I._______ mit letztem langjährigem 
Wohnsitz  in  Istanbul,  verliess  sein  Heimatland  zusammen  mit  seinen 
sechs Kindern am 6. November 2006 und reiste am 10. November 2006 
in die Schweiz ein, wo die Familie noch gleichentags  im Empfangs­ und 
Verfahrenszentrum (EVZ) Basel um Asyl nachsuchte. Am 14. November 
2006 wurden der Beschwerdeführer und die zwei ältesten Kinder dort zur 
Ausreise  befragt.  Der  Beschwerdeführer  gab  dabei  zu  Protokoll,  sein 
Bruder J._______ sei im Jahre 2001 nach neun Jahren Haft wegen PKK­
Zugehörigkeit  aus  dem Gefängnis  entlassen worden.  Sein  Bruder  habe 
nach der Entlassung in den Folgemonaten teilweise bei ihm gewohnt und 
die  Adresse  des  Beschwerdeführers  als  Wohnsitz  angegeben.  Dem 
Bruder sei eine Frist gesetzt worden, sich für den Militärdienst zu melden. 
Nach  zwei Monaten  sei  er  untergetaucht. Nach  dem Weggang  habe  er 
von  seinem Bruder  nie mehr  etwas  gehört.  Seinetwegen  sei  er  danach 
seit  2001  immer  wieder  von  den  Behörden  belästigt  worden.  Die 
Behörden  seien  in  Abständen  von  15  bis  30  Tagen  beziehungsweise 
mindestens  zehnmal  gekommen  und  hätten  nach  dem  Verbleib  des 
Bruders  gefragt,  so  letztmals  am  21.  Oktober  2006.  Sie  hätten  ihm 
gedroht,  dass  er  die  Konsequenzen  zu  spüren  bekomme 
beziehungsweise,  dass  er  umgebracht werde, wenn  er  J._______  nicht 
finde.  Er  habe  jedoch  nicht  gewusst,  wo  sich  sein  Bruder  aufhalte.  Die 
Behörden  hätten  ihm  vorgehalten,  dass  er  seinem  Bruder  zur  Flucht 
verholfen hätte. Zweimal sei er während je einer Stunde auf dem Posten 
nach  dem  Bruder  befragt  worden.  Er  habe  sich  zu  Hause  nicht  mehr 
sicher  gefühlt  und  sei  deswegen  oft  nicht mehr  nach Hause  gegangen. 
Nachdem seine Ehefrau im (…) verstorben sei, habe er beschlossen, ins 
Ausland zu gehen. Er habe befürchtet, dass  ihm etwas angetan werden 
könnte  und  die  Kinder  dann  ganz  alleine  wären.  Die  Kinder  hätten 
übrigens  keine  Probleme  gehabt.  Nach  eigener  politische  Aktivität 
gefragt,  gab  der  Beschwerdeführer  an,  er  sei  Mitglied  der  Halkin 
Demokrati Partisi (HADEP; Partei der Demokratie des Volkes) gewesen. 
Deswegen  habe  er  jedoch  keine  Probleme  gehabt.  Zum  Beweis  der 
HADEP­Zugehörigkeit  reichte  der  Beschwerdeführer  einen 
Mitgliederausweis zu den Akten.

Die Tochter B._______ gab zu Protokoll, sie habe die Schule nach dem 
ersten  Schuljahr  im  Jahre  (…)  wieder  verlassen.  Die  Mitschüler  hätten 
sich  über  ihre  kurdische  Herkunft  und  über  ihren  Vater  lustig  gemacht. 

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Zudem  sei  sie  von  Polizisten  vor  dem  Schulhaus  nach  ihrem  Vater 
gefragt  worden.  Sie  hätten  wissen  wollen,  warum  dieser  nicht  nach 
Hause komme und wo er sich aufhalte. Auf Vorhalt,  dass die Probleme 
des  Vaters  laut  dessen  Angaben  erst  im  Jahre  2001  begonnen  hätten, 
führte B._______ an, sie sei damals wegen des Onkels befragt worden. 
Nach  den  Ausreisegründen  gefragt,  gab  sie  an,  sie  sei  wegen  ihres 
Vaters  ausgereist.  Dieser  sei  von  den  Behörden  gesucht  worden. 
Manchmal  seien  sie  gar  nachts  nach  Hause  gekommen.  Sie  vermöge 
sich, obwohl sie damals erst [im Kindesalter] gewesen sei, noch an einen 
solchen nächtlichen Besuch am 11. Dezember 1992 erinnern. Damals sei 
um  2  Uhr  nachts  eine  Razzia  durchgeführt  worden.  Ihr  Vater  sei 
mitgenommen  und  die  Mutter  dermassen  geohrfeigt  worden,  dass  sie 
innere Blutungen erlitten habe. Vom Vater hätten sie damals während 15 
Tagen  nichts  mehr  gehört.  Nach  den  Problemen  wegen  des  Onkels 
gefragt,  gab  B._______  an,  ihr  Onkel  habe  sich  gerade  der  Partei 
anschliessen  wollen,  als  man  ihn  verhaftet  habe.  Er  sei  dann  während 
neun Monaten inhaftiert worden. Wann dies gewesen sei, wisse sie nicht 
mehr,  auch  nicht  ungefähr.  In  letzter  Zeit  habe  der  Vater  Probleme 
gehabt,  weil  der  Onkel  die  Adresse  der  Beschwerdeführenden  als 
Wohnsitzadresse  angegeben  habe.  Den  Onkel  habe  sie  übrigens  kurz 
vor der Ausreise letztmals gesehen.

Die Tochter D._______ gab anlässlich der Befragung  im EVZ Basel an, 
sie habe selbst keine Probleme gehabt, sondern sei wegen ihres Vaters 
in die Schweiz gekommen. Sie habe in Istanbul während vier Jahren bis 
ins Alter  von  12  oder  13  Jahren  die Schule  besucht,  dann  habe  sie  zu 
Hause zu den Geschwistern geschaut. Nach den Problemen des Vaters 
gefragt,  gab  D._______  an,  dieser  habe  wegen  seines  Bruders 
Schwierigkeiten gehabt. Der Bruder habe nämlich ihre Adresse als seinen 
Wohnsitz  angegeben. Dann  sei  er  verschwunden. Die Behörden  hätten 
deswegen  den  Vater  unter  Druck  gesetzt  und  aufgefordert,  den  Bruder 
ausfindig zu machen.  Im Jahre 1992 sei er einmal  für 15 Tage verhaftet 
worden.  Damals  sei  auch  der  Onkel  verhaftet  worden.  Vor  zirka  zwei 
Jahren sei der Onkel aus der Haft entlassen worden. Damals habe sie ihn 
letztmals  gesehen. Der  letzte  Besuch  der  Behörden  zu Hause  habe  im 
letzten Monat stattgefunden. 

B. 

Am 28. November 2006 wurde der Beschwerdeführer nach Art. 29 Abs. 4 
AsylG vom BFM einlässlich zu seinen Ausreisegründen angehört. Dabei 
gab  er  im  Wesentlichen  Folgendes  zu  Protokoll:  Er  sei  wegen  seines 

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Bruders J._______ fast täglich unter Druck gesetzt worden. Dieser sei im 
Jahre 1994 verhaftet  und  im Jahr 2003 wieder entlassen worden. Nach 
der  Entlassung  habe  er  den  Bruder  J._______  nur  gerade  zweimal 
gesehen,  als  dieser  für  eine  Stunde  beziehungsweise  eine  Nacht  zu 
ihnen  nach Hause  gekommen  sei. Nach  2005  habe  er  J._______  nicht 
mehr  gesehen.  Seit  eineinhalb  bis  zwei  Jahren  sei  er  jeweils  von  den 
Behörden  in  Abständen  von  zwei  bis  vier  Wochen  nach  J._______ 
gefragt worden. Er habe diesen jeweils gesagt, dass er nichts wisse und 
vom Bruder keine Nachrichten hätte. Ob jemand von der Familie von ihm 
gehört habe, wisse er nicht, er habe nie nachgefragt. Die Polizei habe ihn 
jeweils mit auf den Posten genommen,  in den  letzten Jahren  insgesamt 
zehnmal. Das letzte Mal sei ihm gar mit dem Tod gedroht worden, sollte 
er seinen Bruder nicht ausliefern. Er sei jeweils nur alle 10 bis 20 Tage – 
meistens  nachts  um  ein  oder  zwei  Uhr  –  nach  Hause  zurückgekehrt, 
ansonsten habe er  bei Freunden und Schwestern gelebt. Des Weiteren 
führte  der   Beschwerdeführer  aus,  er  sei  im Jahre 1994  zusammen mit 
J._______  festgenommen  und  während  sechs  Tagen  "mit 
verschlossenen  Augen"  festgehalten  worden.  Seither  sei  er  wegen 
J._______  bedrängt  worden.  Seine  Ehefrau  betreffend  gab  der 
Beschwerdeführer  zu Protokoll,  diese  sei  im  Jahr  2004  anlässlich  einer 
Newroz­Feier  mit  einem  Stock  auf  den  Kopf  geschlagen  worden.  Sie 
habe sich danach nie mehr richtig erholt. Die Ärzte hätten gesagt, durch 
den Schlag  seien Blutbahnen  im Gehirn  zerstört  worden. Daran  sei  sie 
schliesslich auch gestorben.

Der  Beschwerdeführer  reichte  zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen 
nachfolgende  Unterlagen  ein:  einen  Einstellungsbeschluss  aus  dem 
Jahre  1994,  ein  polizeiliches  Einvernahmeprotokoll  vom  25.  Dezember 
1994,  ein  Festnahme­Protokoll  vom  23.  Dezember  1994  den  Bruder 
J._______ betreffend, ein Hausdurchsuchungs­ und Festnahmeprotokoll 
vom  24.  Dezember  1994,  ein  unvollständiges  Urteil  des  3.  Devlet 
Güvenlik  Mahkemesi  (DGM)  Istanbul  aus  dem  Jahre  1997  den  Bruder 
J._______ betreffend, sowie ein Schreiben von Rechtsanwalt K._______ 
vom 22. November 2011, das – den Beschwerdeführer betreffend – auf 
die Ereignisse von 1994 Bezug nimmt.

Am 5. Dezember 2006 wurde die Tochter B._______ vom BFM zu ihren 
Ausreisegründen angehört. Dabei gab sie zu Protokoll,  ihr Vater sei seit 
der Verhaftung des Onkels nur noch ab und zu beziehungsweise alle 1­3 
Wochen nach Hause gekommen. Wenn er  nach Hause gekommen sei, 
sei er jeweils gleich mitgenommen worden. Manchmal sei er für 15 Tage 

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festgehalten  worden.  Ihr  Haus  sei  beschattet  worden,  die  Behörden 
hätten  sehr  genau  gewusst,  wer  ein­  und  ausgehe.  Nach  dem  Grund 
gefragt, weshalb die Familie vor diesem Hintergrund nicht bereits vorher 
ausgereist sei, gab B._______ an, die Mutter sei wegen einer bei einem 
Newroz­Fest  erlittenen  Verletzung  fast  ein  Jahr  im  Bett  gelegen. 
Ausserdem  hätten  sie  finanzielle  Schwierigkeiten  gehabt,  da  ihr  Vater 
keine Arbeit gefunden habe.

Weiter bestätigte B._______  ihre  frühere Aussage, dass sie  ihren Onkel 
J._______ zwei bis drei Tage vor der Ausreise gesehen habe. Weder ihr 
Vater  noch  die  Schwester  D._______  seien  damals  aber  anwesend 
gewesen.  J._______  sei  übrigens  immer  dann  gekommen,  wenn  der 
Vater nicht zu Hause gewesen sei. Einmal sei J._______ nach dem Tod 
der  Mutter  gekommen,  um  sein  Beileid  auszudrücken.  Kurz  vor  der 
Abreise  sei  er,  wie  erwähnt,  nochmals  gekommen,  um  sich  zu 
verabschieden.  Die  Polizei  sei  letztmals  drei  oder  vier  Tage  nach  dem 
Tod der Mutter gekommen und habe nach dem Vater gefragt.  Ihr Vater 
habe an der Begräbnisfeier der Mutter nicht teilgenommen. Sie sei nach 
dem  Tod  der  Mutter  auf  sich  selbst  gestellt  gewesen,  zumal  der  Vater 
nicht  nach Hause  gekommen  sei.  Sie  habe  auf  einmal  zu  fünf  Kindern 
schauen  müssen.  Dem  kleinsten  Geschwister  hätten  sie  den  Tod  der 
Mutter erst 40 Tage später bekannt gegeben. Sie habe sich entsprechend 
psychisch schlecht gefühlt und es gehe ihr immer noch nicht gut. Um sich 
zu  ernähren,  hätten  sie  Schulden  gemacht.  Der  Vater  habe  ihnen 
gelegentlich  Geld  gebracht,  wenn  er  nach  Hause  gekommen  sei. 
B._______  verneinte  schliesslich,  Vorsichtsmassnahmen  getroffen  zu 
haben,  wenn  der  Vater  nach  Hause  gekommen  sei.  Auf  Vorhalt  der 
Aussage des Vaters hin gab sie an, sie sei jeweils schnell zum nächsten 
Laden gegangen, um zu schauen, ob jemand dort sei. Auch hätten sie die 
Nachbarn gebeten, die Augen offen zu halten.

Die  Tochter  D._______  führte  anlässlich  der  direkten  Bundesanhörung 
am 5. Dezember 2006 im Wesentlichen Folgendes aus: Sie habe jeweils 
grosse  Angst  vor  der  Polizei  gehabt,  da  diese  sie  bei  den  Besuchen 
eingeschüchtert  und  ihnen  gesagt  habe,  entweder  der  Vater  oder  der 
Onkel müsse sich stellen. Die Behörden seien etwa zwei Monate vor der 
Ausreise ein letztes Mal gekommen.

C. 
Mit Verfügung vom 13. Dezember 2006, eröffnet gleichentags, lehnte das 
BFM  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführenden  ab  und  ordnete  deren 

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Wegweisung aus der Schweiz samt Vollzug an. Zur Begründung führte es 
an, die Vorbringen vermöchten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit 
gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31) 
nicht  standzuhalten.  Den  Wegweisungsvollzug  erachtete  das  BFM  als 
zumutbar, zulässig und möglich. 

D. 
Mit Eingabe vom 12.  Januar 2007 ans Bundesverwaltungsgericht  erhob 
die Rechtsvertreterin Beschwerde gegen die Verfügung des BFM vom 13. 
Dezember  2006  und  beantragte  die  Aufhebung  der  Verfügung  und  die 
Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  des  Vaters  sowie  den  Einbezug 
der Kinder  in dessen Flüchtlingseigenschaft. Den Beschwerdeführenden 
sei in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter sei das Verfahren zur 
ergänzenden  Sachverhaltsabklärung  und  Neubeurteilung  an  die 
Vorinstanz  zurückzuweisen.  Subeventualiter  seien  die  Unzumutbarkeit, 
die  Unzulässigkeit  und  die  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
festzustellen  und  die  Beschwerdeführenden  seien  in  der  Schweiz 
vorläufig  aufzunehmen.  Den  Beschwerdeführenden  sei  vollständige 
Akteneinsicht  zu  gewähren  und  es  sei  ihnen  eine  angemessene  Frist 
einzuräumen, um zu den bisher nicht edierten Akten Stellung nehmen zu 
können.  Den  Beschwerdeführenden  sei  die  unentgeltliche  Rechtspflege 
zu  gewähren  und  es  sei  ihnen  in  der  Person  der  unterzeichneten 
Rechtsanwältin ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Auf den 
Inhalt  der  Eingabe  samt  Beweismittel  wird  in  den  nachstehenden 
Erwägungen eingegangen.

E. 
Mit  Zwischenverfügung  der  zuständigen  Instruktionsrichterin  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom  6.  Februar  2007  teilte  diese  den 
Beschwerdeführenden  mit,  dass  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  verzichtet  und  ihnen  in  der  Person  der  im  Rubrum 
erwähnten  Rechtsanwältin  ein  amtlicher  Rechtsbeistand  beigeordnet 
werde.  Weiter  entsprach  die  Instruktionsrichterin  dem  Gesuch  um 
ergänzende  Akteneinsicht  in  bisher  nicht  edierte  Akten.  Sodann  wurde 
den  Beschwerdeführenden  Frist  eingeräumt,  um  zu  den  nachträglich 
edierten Akten Stellung nehmen zu können. 

F. 
Mit  Eingabe  vom  7.  März  2007  nahm  die  Rechtsvertreterin  zu  den 
nachträglich edierten Akten Stellung. Zur  vom BFM  in seiner Verfügung 
monierten  Unvollständigkeit  zweier  gerichtlicher  Beweismittel  führte  sie 

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aus,  dem  Beschwerdeführer  sei  dieser  Umstand  aufgrund  seines 
Analphabetismus nicht bewusst gewesen. Aufgrund der bisherigen Akten 
sei jedoch nicht daran zu zweifeln, dass ein Verfahren gegen den Bruder 
geführt  worden  und  dieser  während  Jahren  in  Untersuchungshaft 
gewesen  sei.  Die  Rechtsvertreterin  stellte  in  Aussicht,  dass  sie  den 
fehlenden  Teil  der  Beweismittel  noch  nachreichen  werde.  Die 
Rechtsvertreterin wies sodann darauf hin, dass die Nachfolgeparteien der 
HADEP heute ebenfalls mit Repressionen konfrontiert sei. 

G. 
Am  (…)  gebar  die  Tochter  B._______  in  der  Schweiz  den  Sohn 
C._______.

H. 
Mit  Urteil  des  Berzirksgerichts  (...)  vom  7.  Februar  2011  wurde 
festgestellt, dass L._______, geboren (…),  irakischer Staatsangehöriger, 
der Vater von C._______ ist.

I. 
In seiner Vernehmlassung vom 28. Februar 2011 beantragte das BFM die 
Abweisung der Beschwerde. Auf den  Inhalt der Vernehmlassung wird  in 
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

J. 
Mit  Eingabe  vom  2.  August  2011  nahm  die  Rechtsvertreterin  innert 
mehrmals erstreckter Frist  fristgerecht Stellung zur Vernehmlassung der 
Vorinstanz.  Sie  machte  dabei  insbesondere  ein  exilpolitisches 
Engagement  diverser  Familienangehöriger  in  der  Schweiz  sowie  eine 
fortgeschrittene  Integration  der  Familie  geltend.  Auf  den  Inhalt  der 
Eingabe  wird  in  den  Erwägungen  eingegangen.  Der  Eingabe  lag  eine 
detaillierte Kostennote bei.

K. 
Die  Rechtsvertreterin  informierte  das  Bundesverwaltungsgericht  am  8. 
September  2011  telefonisch,  dass B._______  in Kürze  ihr  zweites Kind 
gebären  werde,  und  sich  D._______  und  F._______  gegenwärtig  auf 
Lehrstellensuche  befinden  würden.  Sie  stellte  das  Einreichen  eines 
ärztlichen  Zeugnisses  die  anstehende Geburt  betreffend  sowie  diverser 
Unterlagen zur Integration in Aussicht.

L. 
Mit Eingabe vom 4. November 2011  reichte die Rechtsvertreterin  die  in 

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Aussicht  gestellten  Unterlagen  zu  den  Akten.  Auf  deren  Inhalt  wird  ­ 
soweit für den Entscheid wesentlich ­ in den nachstehenden Erwägungen 
zum Vollzugspunkt eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Ein Auslieferungsersuchen betreffend 
die Beschwerdeführenden liegt nicht vor.

1.2. Das Verfahren  richtet  sich  nach  dem VwVG,  soweit  das  VGG  und 
das AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG, Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und Art. 52 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 

3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 

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oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4. 

4.1. Die Vorinstanz lehnte das Asylgesuch der Beschwerdeführenden mit 
der  Begründung  ab,  dass  die  geltend  gemachten  Asylgründe  nicht 
glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG gemacht worden seien. So führte das 
BFM  an,  die  Aussage  des  Beschwerdeführers,  er  sei  seines  Bruders 
J._______ wegen behelligt worden, weil dieser nach der Entlassung aus 
der  Haft  die  Adresse  der  Beschwerdeführenden  angegeben  habe, 
erscheine  konstruiert.  Es  sei  nicht  nachvollziehbar,  dass  dieser  seine 
eigene  frühere  Adresse  bei  der  Mutter  und  den  anderen  Brüdern  nach 
(…)  Jahren  Aufenthalt  in  Istanbul  nicht  gekannt  beziehungsweise 
vergessen,  die  des  Beschwerdeführers  aber  gewusst  habe.  Zudem 
hätten  die  Behörden  herausfinden  können,  an  welcher  Adresse 
J._______  gemeldet  sei.  Auch  hätte  der  Beschwerdeführer  dies 
gegenüber  den  Behörden  berichtigen  können.  Weiter  sei  auch  nicht 
nachvollziehbar, dass die Polizei am Wohnort der Mutter und Brüder nie 
nach  J._______  gefragt  habe.  Den  Erklärungsversuch  des 
Beschwerdeführers, die Polizei habe die betagte Mutter nicht belästigen 
wollen,  und  er  sei  zudem der  älteste  in  Istanbul  lebende Sohn, wertete 
das  BFM  als  realitäts­  und  aktenwidrig,  da  die  angebliche 
Rücksichtnahme nicht dem Vorgehen der Polizei bei der Fahndung nach 
gesuchten Personen entspreche, und da die Aussage, er sei der älteste 
in Istanbul wohnhafte Sohn, gemäss Akten ebenfalls nicht zutreffend sei. 

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Die  ständige Suche  nach  dem Bruder  des Beschwerdeführers  sei  auch 
vor  der  Aussage  nicht  verständlich,  dass  dieser  allein  wegen  des 
ausstehenden Militärdienstes gesucht worden sei. Weiter führte das BFM 
als gegen die Glaubhaftigkeit sprechend an, der Beschwerdeführer habe 
sich  auch  hinsichtlich  der  Anzahl  Mitnahmen  auf  den  Posten 
widersprochen,  indem  er  bei  der  ersten  Anhörung  von  zwei 
Postenaufenthalten,  bei  der  Zweitanhörung  jedoch  von  deren  zehn 
gesprochen habe. Auch diesen Widerspruch habe er auf Vorhalt hin nicht 
zu  erklären  vermocht.  Widersprochen  habe  sich  der  Beschwerdeführer 
auch hinsichtlich des Abbruchs des Kontakts mit J._______. So habe er 
in der Erstanhörung angegeben, J._______ sei nach der Haftentlassung 
im  Jahre  2003  innert  der  zweimonatigen Meldefrist  für  den Militärdienst 
untergetaucht;  danach habe er nie mehr etwas von  ihm gehört. Bei  der 
Zweitanhörung  habe  er  demgegenüber  erklärt,  er  habe  J._______  seit 
2005 nicht mehr gesehen. Das BFM führte ob dieser Widersprüche aus, 
es  entstehe  der  Eindruck,  als  erfinde  der  Beschwerdeführer  bei  jeder 
Aussage  den  Sachverhalt  neu.  Sodann  erwähnte  das  BFM  beispielhaft 
einige  Widersprüche,  die  sich  beim  Vergleich  der  Aussagen  des 
Beschwerdeführers mit denjenigen der beiden befragten Töchter ergeben 
hätten.  Schliesslich  wies  das  BFM  auf  das  Vorhandensein  weiterer 
Widersprüche innerhalb der Aussagen des Beschwerdeführers selbst hin, 
auf  deren  Anführen  jedoch  verzichtet  werden  könne,  da  die  bisherige 
Aufzählung  die  Unglaubhaftigkeit  bereits  genügend  belege.  Die 
eingereichten  Beweismittel  wertete  das  BFM  als  nicht  ausreichend,  um 
den  geltend  gemachten  Sachverhalt  als  überzeugend  erscheinen  zu 
lassen. So gehe aus diesen zwar hervor, dass der Beschwerdeführer  im 
Jahre  1994  im  Zusammenhang  mit  der  Verhaftung  von  J._______ 
ebenfalls  kontrolliert  worden  sei.  Gleichzeitig  sei  diesen  aber  auch  zu 
entnehmen,  dass  die  Sache  in  seinem  Fall  nicht  weiter  verfolgt 
beziehungsweise  eingestellt  worden  sei.  Die  eingereichten  Protokolle 
bezögen  sich  ebenfalls  auf  diese  Begebenheit  im  Jahre  1994.  Der 
Beschwerdeführer  könne  aber  aus  den  damaligen  Ereignissen  heute 
nichts  mehr  zu  seinen  Gunsten  ableiten,  dies  insbesondere  vor  dem 
Hintergrund,  dass  die  Vorbringen  für  die  Jahre  nach  2003  unglaubhaft 
seien.  Hinsichtlich  die  den  Bruder  betreffenden  Beweismittel  führte  das 
BFM  aus,  das  diesen  betreffende  Urteil  sei  unvollständig  eingereicht 
worden. Es  fehle  insbesondere das Strafmass. Es stelle sich die Frage, 
ob mit  dem  Einreichen  eines  unvollständigen  Urteils  den  Asylbehörden 
Informationen  vorenthalten  werden  sollten,  weil  sie  dem  behaupteten 
Sachvortrag  entgegenstünden.  Infolge  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen 
habe  sich  das  BFM  nicht  veranlasst  gesehen,  das  vollständige  Urteil 

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einzufordern.  Schliesslich  führte  das  BFM  zum  eingereichten 
Anwaltsschreiben  aus  der  Türkei  sinngemäss  aus,  dieses  sei  ein 
Gefälligkeitsdokument  und  vermöge  keinen  Beweiswert  zu  entfalten. 
Insgesamt  ergebe  sich  somit,  dass  den  Beschwerdeführenden  nicht 
geglaubt werden könne, dass sie wegen J._______ im Heimatland einer 
Reflexverfolgung ausgesetzt gewesen seien.

4.2.  In der Beschwerde rügte die Rechtsvertreterin vorab die Verletzung 
des Anspruchs auf  rechtliches Gehör. Dieses  sei  in  zweifacher Hinsicht 
verletzt worden, indem nicht in sämtliche Akten Einsicht gewährt worden 
sei,  und  indem  dem  Beschwerdeführer  keine  Gelegenheit  gegeben 
worden  sei,  sich  zu  den  seinen Aussagen widersprechenden Aussagen 
seiner Töchter zu äussern. Es genüge nicht, dass nur die Töchter mit den 
Aussagen  des  Vaters  konfrontiert  worden  seien.  Die  Rechtsvertreterin 
verwies auf die in Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  1994  Nr.  14  festgehaltene  Pflicht  zur 
vorgängigen  Anhörung  in  Bezug  auf  Aussagen  von  Drittpersonen. 
Aufgrund des formellen Charakters des Anspruchs auf rechtliches Gehör  
und des Umstandes, dass dieser wiederholt verletzt worden sei, sei eine 
Heilung auszuschliessen und die Verfügung aufzuheben. Weiter brachte 
die Rechtsvertreterin vor, die Vorinstanz habe den Glaubhaftigkeitsbegriff 
falsch angewandt. Glaubhaft sei nicht, was zu keinen Einwänden Anlass 
gebe.  Glaubhaftmachung  lasse  Einwände  und  Zweifel  durchaus  zu. 
Gemäss  Rechtsprechung  genüge  bereits  ein  erheblicher  Grad  von 
Wahrscheinlichkeit  für  die  Annahme  eines   rechtswesentlichen 
Sachumstandes. So sei ausreichend, dass die Entscheidbehörde von der 
Wahrheit  nicht  völlig  überzeugt  sei,  die  behaupteten  Tatsachen  aber 
überwiegend für wahr halte, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt seien. Die 
Rechtsvertreterin  rügt  weiter,  dass  die  Vorinstanz  den  Sachverhalt  nur 
unvollständig und ungenau dargestellt habe. So habe sie dem Umstand, 
dass der Beschwerdeführer Mitglied der HADEP sei, keinerlei Beachtung 
geschenkt  und  ihm  hierzu  auch  keine  Fragen  gestellt.  Der 
Beschwerdeführer  selbst  sei  seiner  Mitwirkungspflicht  insofern 
nachgekommen,  als  dass  er  bei  der  Anhörung  den  Parteiausweis 
abgegeben  habe.  Zwar  habe  er  bei  der  Anhörung  angegeben,  sich 
politisch  nicht  engagiert  zu  haben,  sondern  einfach  nur  Mitglied  der 
HADEP gewesen  zu  sein, weswegen  er  jedoch  keine Probleme gehabt 
habe.  Zu  Unrecht  habe  die  Vorinstanz  ob  dieser  erstaunlichen  Antwort 
zur  HADEP  nicht  genauer  nachgefragt.  Ein  Nachfragen  durch  die 
Rechtsvertreterin habe nun nämlich ergeben, dass der Beschwerdeführer 
sich durchaus politisch engagiert habe, dass er diese Frage jedoch falsch 

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verstanden  habe,  indem  er  sie  nur  auf  PKK  bzw.  Guerilla­Aktivitäten 
bezogen  habe.  Gegenüber  der  Rechtsvertreterin  habe  der 
Beschwerdeführer  erwähnt,  dass  er  sich  an  Hungerstreiks, 
Flugblattaktionen,  Wahlinformationen  etc.  beteiligt  habe  und  deswegen 
von  den  Behörden  schikaniert  worden  sei.  Aus  seiner  Sicht  und  im 
Vergleich der Probleme (wegen) des Bruders seien diese Schikanen aber 
sekundär  gewesen.  Die  Vorinstanz  habe  die  Untersuchungspflicht  hier 
insoweit verletzt, als dass sie angesichts der notorischen Gefährdung von 
HADEP­Mitgliedern  und  Sympathisanten  nicht  nach  der  genauen 
Aufgabe des Beschwerdeführers im Rahmen seiner Mitgliedschaft bei der 
HADEP gefragt habe. Diese Verletzung der Untersuchungspflicht müsse 
ebenfalls  die  Rückweisung  der  Sache  zwecks  erneuter  Befragung  des 
Beschwerdeführers  zur  Folge  haben.  Weiter  habe  die  Vorinstanz  auch 
den  intellektuellen  Fähigkeiten  des  Beschwerdeführers  in  keiner  Weise 
Rechnung  getragen.  Dieser  habe  nie  eine  Schule  besucht  und  sei 
Analphabet.  Offensichtlich  könne  er  sich  nicht  genau  an  Daten  und 
Ereignisse erinnern und bringe vieles durcheinander. Zudem habe er bei 
seiner  Einreise  immer  noch  unter  dem  Schock  des  Todes  seiner  Frau 
gestanden. Auch die Hilfswerksvertreterin habe darauf hingewiesen, dass 
der  Beschwerdeführer  seit  dem  kürzlichen  Tod  seiner  Frau  noch  sehr 
durcheinander  sei  und  teilweise  Schwierigkeiten  mit  den  Auskünften 
habe.  Die  Rechtsvertreterin  macht  weiter  geltend,  das  BFM  habe  die 
Anhörung  zu  Unrecht  gestützt  auf  Art.  29  Abs.  4  AsylG,  welche 
Bestimmung  des  alten  Rechts  die  direkte  Anhörung  durch  das 
Bundesamt  nur  bei  erheblichem  Beschleunigungspotenzial  vorsehe, 
durchgeführt.  Bereits  nach  der  ersten  Anhörung  habe  nämlich  auf  der 
Hand  gelegen,  dass  im  vorliegenden  Fall  weitergehende  Abklärungen 
notwendig  gewesen  wären,  zumal  der  Beschwerdeführer  einige 
Dokumente  abgegeben  habe. Weiter  bemängelte  die  Rechtsvertreterin, 
dass  keine  Übersetzungen  der  eingereichten  Beweismittel  gemacht 
worden seien, was nicht von einer eingehenden Auseinandersetzung mit 
den  Vorbringen  zeuge.  Dies  gehe  auch  daraus  hervor,  dass  der 
Entscheid  bereits  zwei Wochen  nach  der  Befragung  gefällt  worden  sei. 
Schliesslich sei auch zu berücksichtigen, dass die Befragungen allesamt 
auf Türkisch statt  in der kurdischen Muttersprache erfolgt seien, was zu 
erheblichen Schwierigkeiten  bei  der Sachverhaltsermittlung  habe  führen 
müssen. Fragwürdig sei auch die Vorgehensweise bei der Befragung der 
beiden Töchter.  Ihrer speziellen Situation sei  in keiner Weise Rechnung 
getragen  worden.  Auch  habe  ein  Einverständnis  des  Vaters  zur 
Befragung der damals minderjährigen Kinder nicht vorgelegen. 

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In  materieller  Hinsicht  nahm  die  Rechtsvertreterin  zu  den  vom  BFM 
erwähnten  Unglaubhaftigkeiten  und  Widersprüchen  wie  folgt  Stellung: 
Dem Beschwerdeführer sei zu Unrecht vorgehalten worden, dass für die 
Suche  wegen  Militärdienstverweigerung  kaum  der  geltend  gemachte 
Aufwand betrieben worden wäre. Auch der Vorhalt der unterschiedlichen 
Angabe  der  Postenaufenthalte  (zwei  beziehungsweise  zehn)  sei  zu 
Unrecht  erfolgt.  Gegenüber  der  Rechtsvertreterin  habe  der 
Beschwerdeführer  nämlich  ergänzend  erwähnt,  er  sei  daneben  noch 
achtmal  auf  einen  weiteren  Posten  mitgenommen  worden.  Diese 
Ungenauigkeit sei vernachlässigbar vor dem Hintergrund der Verwirrung 
des Beschwerdeführers und der Tatsache, dass er Analphabet sei, zumal 
sie  bei  Nachfrage  der  Vorinstanz  ohne  Weiteres  hätte  geklärt  werden 
können.  Gleich  verhalte  es  sich  mit  der  Frage,  wann  der 
Beschwerdeführer  den Bruder  letztmals  gesehen  habe. Das  Jahr  2005, 
welches der Beschwerdeführer bei der Zweitbefragung erstmals erwähnt 
habe,  stehe  völlig  isoliert  im  Raum.  Auch  hier  habe  das  BFM  nicht 
nachgefragt.  Es  sei  vielmehr  davon  auszugehen,  dass  der  Bruder 
J._______ nach  1­2 Monaten  die Flucht  ergriffen  habe. Das BFM habe 
dem  Beschwerdeführer  sodann  zu  Unrecht  vorgehalten,  er  erfinde  den 
Sachverhalt von Befragung zu Befragung neu. Vielmehr habe es nur zwei 
Befragungen gegeben und der Beschwerdeführer habe die Asylgründe im 
Kerngehalt  jeweils  genau  gleich  und  übereinstimmend  geschildert.  Die 
angeführten Widersprüche beträfen nur die Jahreszahl beziehungsweise 
die Häufigkeit  der Mitnahmen. Weiter  bezeichnete  die Rechtsvertreterin 
die Befragung der minderjährigen Töchter, welche mit dem Zweck erfolgt 
sei, Widersprüche  zu  den  Aussagen  des  Vaters  zu  erhalten  und  damit 
das  Asylgesuch  abzuweisen,  als  unzulässig,  zumal  davon  auszugehen 
sei, dass sich die Töchter aufgrund des kürzlichen Todes der Mutter nicht 
an alles genau erinnern konnten. Ob die Kinder nun tatsächlich vor dem 
Fenster Wache gestanden hätten,  spiele nur eine untergeordnete Rolle. 
Angesichts der Klärung der bisher erwähnten Unglaubhaftigkeitselemente 
genüge es nicht, pauschal auf weitere Unstimmigkeiten zu verweisen, wie 
dies in der angefochtenen Verfügung getan worden sei. Soweit das BFM 
ausgeführt  habe,  die  eingereichten  Unterlagen  seien  als  Beweismittel 
untauglich,  könne  sich  die  Rechtsvertreterin  nicht  äussern,  da  ihr  die 
Dokumente nicht vorlägen. Entsprechend habe sie um Akteneinsicht und 
Fristgewährung zur Stellungnahme ersucht. Auch der Umstand, dass die 
vom  Beschwerdeführer  erlittenen  Nachteile  zwölf  Jahre  zurücklägen, 
setze  nur  ihre  Bedeutung  im  Hinblick  auf  die  Asylrelvanz  herab. 
Nichtsdestotrotz  seien  diese  Vorkommnisse  als  grundsätzlich  relevante 
Verfolgungshandlung  des  türkischen  Staates  zu  betrachten.  Der 

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Beschwerdeführer ­ als bekanntes Mitglied der HADEP und Bruder eines 
PKK­Verurteilten  ­  müsse  sehr  wohl  befürchten,  Ziel  zukünftiger 
asylrelevanter  Behelligungen  zu  werden.  Zusammenfassend  sei  somit 
von  der  Glaubwürdigkeit  der  Vorbringen  und  der  Erfüllung  der 
Flüchtlingseigenschaft  auszugehen,  zumal  schon  allein  die  Verhältnisse 
im  Heimatland  und  die  ethnische  Zugehörigkeit  die  Familie  bedroht 
erscheinen  lasse.  Zur  Untermauerung  der  Vorbringen  verwies  die 
Rechtsvertreterin  auf  die  mit  der  Beschwerde  eingereichte 
Mitgliedschaftsbestätigung  der  (…)  .  In  der  Eingabe  vom  7. März  2007 
machte  die  Rechtsvertreterin  ergänzend  geltend,  auch  Angehörige  der 
Nachfolgeparteien  der  HADEP  seien  Repressionen  des  türkischen 
Staates  ausgesetzt.  Zwei  führende  kurdische  Politiker  der 
Nachfolgepartei  seien  kürzlich  wegen  Verherrlichung  Öcalans  und 
Vertreiben  eines  politischen  Flugblatts  in  kurdischer  Sprache  zu  18 
Monaten Gefängnis verurteilt worden. Sodann nahm sie zur nachträglich 
edierten Aktennotiz, welche die Betreuung der jüngeren Kinder durch die 
älteren zum  Inhalt  hatte, Stellung, und bezeichnete die darin erwähnten 
Beobachtungen im Hinblick auf eine Rückkehr in die Türkei als irrelevant. 
Schliesslich  stellte  sie  das  Nachreichen  der  fehlenden  Seiten  der 
eingereichten Beweisdokumente in Aussicht, hielt aber gleichzeitig daran 
fest,  dass   bereits  aus  den  unvollständigen  Dokumenten  auf  eine 
Verfolgung geschlossen werden könne.

4.3.  In der Vernehmlassung vom 28. Februar 2011 nahm die Vorinstanz 
wie  folgt  zur  Beschwerde  Stellung:  Diese  enthalte  keine  neuen 
erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  welche  eine  Änderung  des 
Standpunktes  rechtfertigen  würden.  Die  Praxis  der  Asylbehörden 
verlange  nicht,  dass  dem  Beschwerdeführer  zu  jedem  einzelnen 
Widerspruch  das  rechtliche  Gehör  gewährt  werde.  Im  Übrigen  sei  eine 
der Töchter des Beschwerdeführers sehr wohl mit den widersprüchlichen 
Aussagen des Vaters konfrontiert worden und bildeten die Widersprüche 
untereinander  nur  eines  von  vielen Argumenten  in  der Begründung des 
Entscheides.  Zu  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  führte  das 
BFM aus, diese seien  in Art. 7 AsylG klar umschrieben. Die Vorbringen 
des  Beschwerdeführers  vermöchten  diesen  Anforderungen  gesamthaft 
nicht  zu genügen. Davon, dass vom Beschwerdeführer  verlangt worden 
sei,  mit  Hilfe  von  objektiven  Beweismitteln  geradezu  einen  Beweis  für 
seine  Vorbringen  anzutreten,  könne  nicht  die  Rede  sein.  Weiter  führte 
das BFM aus, der Beschwerdeführer habe in der Anhörung dargelegt, nur 
Mitglied  der  HADEP  gewesen  zu  sein  und  deswegen  keine  Probleme 
gehabt  zu  haben.  Es  habe  daher  kein  Anlass  bestanden,  weiter 

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nachzufragen. Dass der Beschwerdeführer bei der Verneinung politischer 
Aktivitäten  nur  solche  für  die  PKK  gemeint  habe,  erscheine  konstruiert. 
Das  erstmalige  Geltendmachen  von  Schikanen  wegen  der  HADEP­
Zugehörigkeit  im  Rechtsmittelverfahren  sei  sodann  als  nachgeschoben 
zu  bezeichnen.  Einfache  Mitglieder  der  HADEP  hätten  keine 
asylrelevanten Nachteile zu befürchten. Verfolgungsmassnahmen setzten 
nur bei Straffälligkeit ein, wobei dann zu prüfen sei, ob es sich um eine 
rechtsstaatlich  legitime  Massnahme  handle,  beispielsweise,  weil  eine 
Person  eine  terroristische  Organisation  qualifiziert  unterstütze.  Weiter 
hielt  das  BFM  fest,  die  verfahrensrechtlichen  Rügen  erwiesen  sich 
insgesamt  nicht  als  stichhaltig.  So  sei  der  persönlichen  Situation  des 
Beschwerdeführers  in der Anhörung Rechnung getragen worden,  indem 
die  Fragen  behutsam  vorgetragen  worden  seien  und  dem 
Beschwerdeführer mit dem gebotenen Respekt begegnet worden sei. Die 
Bemerkung  des  Hilfswerksvertreters,  dass  der  Beschwerdeführer  seit 
dem Tod der Ehefrau  durcheinander  sei,  beziehe  sich  im Übrigen  nicht 
auf  eine  eigene  Beobachtung,  sondern  gebe  eine  Aussage  des 
Beschwerdeführers  wieder.  Weiter  wies  das  BFM  darauf  hin,  die 
Anhörungen seien gestützt auf Art. 29 Abs. 1 Bst. a  (des neuen) AsylG 
erfolgt.  Das  Anhören  auf  Türkisch  sei  zudem  ­  angesichts  des  (…) 
Aufenthaltes  in  Istanbul und des Umstandes, dass die Töchter Türkisch 
als  ihre  Muttersprache  bezeichnet  hätten  ­  nicht  von  Nachteil  für  die 
Beschwerdeführenden  gewesen.  Das  BFM  verwies  sodann  auf  die 
relative  Höchstpersönlichkeit  des  Rechts  auf  Asylgesuchstellung  und 
machte  geltend,  jede  Person,  die  urteilsfähig  sei,  werde  befragt. 
Hinsichtlich der Suche nach dem Bruder des Beschwerdeführers hielt das 
BFM  erneut  fest,  der  geltend  gemachte  Aufwand  der  Polizei,  um  nach 
dem Bruder zu fragen, sei übertrieben dargestellt worden. Desertion und 
Refraktion seien in der Türkei Massendelikte, die von den Behörden nicht 
konsequent  geahndet  würden.  Das  Vorbringen  auf  Beschwerdeebene, 
der Beschwerdeführer sei auch wegen eigener Tätigkeiten für die HADEP 
belästigt  worden,  sei  nachgeschoben  und  erhärte  die  Unglaubhaftigkeit 
der  Vorbringen.  Des  Weiteren  bezeichnete  das  BFM  die 
Erklärungsversuche  des  Beschwerdeführers,  weshalb  der  Bruder  nicht 
auch  bei  der  Mutter  gesucht  worden  sei,  als  widersprüchlich,  und 
diejenige  zur  unterschiedlich  angegebenen  Anzahl Mitnahmen  als  nicht 
überzeugend,  da  weder  die  angebliche  Verwirrung  noch  der 
Analphabetismus die Differenz zu erklären vermöchten. Auch die übrigen 
Einwände  seien  nicht  geeignet,   die  festgestellte  Unglaubhaftigkeit  der 
Vorbringen  in  einem  anderen  Licht  erscheinen  zu  lassen.  Schliesslich 
verneinte  die  Vorinstanz  vorliegend  die  Gefahr  einer  Reflexverfolgung 

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des  Bruders  wegen:  Einerseits  seien  die  Vorbringen  nicht  glaubhaft, 
andererseits würde für Angehörige von ehemals Verfolgten in aller Regel 
ohnehin keine Gefahr der Reflexverfolgung (mehr) bestehen. Im Übrigen 
bezeichnete  das  BFM  die  eingereichte  (…)­Bestätigung  aufgrund 
angeblicher Pauschalisierungen als Gefälligkeitsschreiben. 

4.4.  In  der Replik  der Rechtsvertreterin  vom 2. August  2011  hielt  diese 
vollumfänglich an den bisherigen Vorbringen und Rügen fest. Sie machte 
weiterhin  eine  Gehörsverletzung  wegen  ausgebliebener  Konfrontation 
des  Beschwerdeführers  mit  den  Aussagen  der  Töchter  geltend.  Weiter 
bestritt  sie  den  Vorhalt  des  BFM,  dass  die  Schikanen  des 
Beschwerdeführers  wegen  der  HADEP­Zugehörigkeit  nachgeschoben 
seien.  Sie  seien  bloss  unerwähnt  geblieben, weil  sie  aus  der Sicht  des 
Beschwerdeführers  bei  der  Ausreise  nicht  derart  gravierend  gewesen 
seien  wie  die  anderen  Probleme.  Die  Vorinstanz  habe  völlig 
unberücksichtigt  gelassen,  dass  über  tausend  Mitglieder  der  HADEP 
verhaftet worden seien und die Partei verboten worden sei. Mitglieder der 
HADEP bzw. der Nachfolgeparteien liefen sehr wohl Gefahr, verhaftet zu 
werden.  Die  Rechtsvertreterin  führte  weiter  aus,  es  sei  davon 
auszugehen,  dass  die  Hilfswerksvertretung  die  Verwirrtheit  des 
Beschwerdeführers wohl nicht zu Protokoll gebracht hätte, wenn sie nicht 
auch  der  eigenen  Beobachtung  entsprochen  hätte.  Weiter  machte  sie 
geltend, es habe kein Grund bestanden, das Verfahren nach Art. 29 Abs. 
4 aAsylG durchzuführen und mit den Beschwerdeführenden eine direkte 
Anhörung durch das BFM durchzuführen. Das BFM habe  im Übrigen zu 
Unrecht erwähnt, die Anhörung sei gestützt auf Art. 29 Abs.1 Bst. a AsylG 
erfolgt;  dieser  Artikel  sei  im  Zeitpunkt  der  Anhörung  nämlich  noch  gar 
nicht in Kraft gewesen. Weiter hielt die Rechtsvertreterin daran fest, dass 
die  Anhörungen  auf  Türkisch  zum  Nachteil  der  Beschwerdeführenden 
gewesen  seien,  zumal  diese  allesamt  Kurdisch  als  Muttersprache 
angegeben  hätten.  Der  Beizug  eines  Türkischdolmetschers  habe  somit 
die  Erstellung  des  Sachverhalts  unnötig  erschwert  wenn  nicht  sogar 
verunmöglicht. Die Rechtsvertreterin hielt auch an  ihrer Auffassung  fest, 
dass  der  Beschwerdeführer  sein  Einverständnis  für  die  Befragung  der 
minderjährigen  Töchter  ­  damals  (…)  und  (…)  Jahre  alt  ­  hätte  geben 
müssen. Die Rechtsvertreterin widersprach sodann der Einschätzung des 
BFM, dass im Zeitpunkt der Ausreise keine Gefahr von  Reflexverfolgung 
bestanden hätte. Da angenommen werden müsse, dass sich der Bruder 
der  PKK  angeschlossen  habe,  sei  davon  auszugehen,  dass  sich  die 
türkischen  Behörden  nach  wie  vor  für  den  Beschwerdeführer 
interessierten.  Als  neuer  Sachverhalt  wurde  im  Rahmen  der  Replik   

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geltend gemacht, die Beschwerdeführenden hätten sich seit der Einreise 
in unterschiedlichem Masse politisch aktiv betätigt. Unter anderem hätten 
sie  an  einigen  prokurdischen  Demonstrationen  teilgenommen,  so  dass 
sie  auch  aus  diesen  Gründen  eine  Verfolgung  befürchten  müssten. 
Zudem  sei  der  Beschwerdeführer  seit  drei  Jahren  aktives  Mitglied  des 
(…). Die Kinder E._______ und G._______ hätten sodann von Mai 2009 
bis  März  2010  an  einem  kurdischen  Sprachkurs  teilgenommen,  da  sie 
sich  je  länger  je  mehr  mit  der  kurdischen  Sache  identifizierten.  Ganz 
besonders  hervorzuheben  sei  sodann  das  politische  Engagement  von 
D._______.  Diese  sei  nach  Einreise  in  die  Schweiz  im  (…)  aktiv 
gewesen.  Danach  habe  sie  begonnen,  sich  für  die  (...)  zu  engagieren. 
Seit  2008 sei  sie dort  aktiv.  In diesem Zusammenhang sei  sie auch  ins 
Visier der Bundesanwaltschaft  geraten, nachdem diese herausgefunden 
habe, dass sie an einem Ausbildungscamp in der Schweiz teilgenommen 
habe.  Es  sei  ihr  vorgeworfen  worden,  eine  der  Organisatorinnen 
unterstützt  zu  haben.  Es  sei  davon  auszugehen,  dass  dies  auch  den 
türkischen  Behörden  bekannt  geworden  sei  und  dass  sie  sowie  die 
Restfamilie  bei  einer  Rückkehr  ins  Visier  der  Behörden  geraten  würde. 
Somit  hätten  sämtliche  Familienmitglieder  begründete  Furcht  vor 
künftiger  Verfolgung.  Zur  Untermauerung  des  exilpolitischen 
Engagements  reichten  die  Beschwerdeführenden  entsprechende 
Bestätigungen, Fotos und Dokumente der FEDPOL ein.

4.5.  Das  Bundesverwaltungsgericht  stellt  vorab  fest,  dass  die 
verfahrensrechtlichen  Rügen  weitgehend  zu  Unrecht  erhoben  worden 
sind. Wo nachfolgend Verfahrensverletzungen  festgestellt  werden,  kann 
vorweggenommen  werden,  dass  diese  infolge  Heilung  oder  mangels 
Erheblichkeit  nicht  zur  begehrten  Aufhebung  des  angefochtenen 
Entscheides zu führen vermögen:

Was  die  Gehörsverletzung  wegen  nicht  edierter  Akten  anbelangt,  ist 
festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht eine solche bejaht und 
die fraglichen Akten, soweit bestimmbar, nachträglich offengelegt hat. Der 
Rechtsvertreterin wurde  in  der  Folge  die Möglichkeit  zur  nachträglichen 
Stellungnahme  eingeräumt  (vgl.  Zwischenverfügung  vom  6.  Februar 
2007).  Sie  hat  von  diesem  Recht  mit  Eingabe  vom  7.  März  2007 
Gebrauch  gemacht. Das Bundesverwaltungsgericht  stellt  fest,  dass  den 
Beschwerdeführenden  mit  der  nachträgliche  Edition  und 
Replikmöglichkeit keine Nachteile entstanden sind. Die Gehörsverletzung 
ist demnach als geheilt zu betrachten. 

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Insoweit  die  Rechtsvertreterin  eine  weitere  Gehörsverletzung  wegen 
ausgebliebener  Möglichkeit  zur  Stellungnahme  des  Vaters  zu  den 
Aussagen  der  Töchter  geltend  macht,  ist  festzuhalten,  dass  die  im 
Entscheid angeführten Widersprüche zwischen den Familienangehörigen 
in  der  Tat  einer  vorgängigen  Konfrontation  bedurft  hätten  (vgl.  EMARK 
1994 Nr. 14). Die alleinige Konfrontation der Töchter mit den Aussagen 
des  Vaters  muss  als  unzureichend  bezeichnet  werden.  Trotz 
Gehörsverletzung  drängt  sich  vorliegend  eine  Rückweisung  der  Sache 
zur  Neubeurteilung  beziehungsweise  nachträglichen  Konfrontation  mit 
den  Widersprüchen  nicht  auf,  da  auch  diesbezüglich  eine  Heilung  auf 
Beschwerdeebene  stattgefunden  hat  und  im  Übrigen  die  protokollierten 
Aussagen  des  Beschwerdeführers  auch  bei  Ausblenden  der  Aussagen 
der  Töchter  ein  Mass  von  Widersprüchen  und  Unsubstanziiertheiten 
aufweisen,  das  für  sich  alleine  gesehen  die  Unglaubhaftigkeit  der 
Vorbringen zu begründen vermag (siehe dazu nachstehend unter E. 4.6). 

Das  Gericht  stellte  weiter  fest,  dass  die  Rüge  der  unzureichenden 
Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  zu  Unrecht  erhoben 
wurde.  Der  Betrachtungsweise  der  Rechtsvertreterin,  dass  das  BFM 
gehalten  gewesen  wäre,  zur  HADEP­Zugehörigkeit  beziehungsweise 
dem diesbezüglichen Engagement weitere Erhebungen anzustellen, kann 
nicht  gefolgt  werden.  Die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  zur 
Ausreiserelevanz  seiner  HADEP­Zugehörigkeit  waren  eindeutig.  Der 
Beschwerdeführer  hat  weder  anlässlich  der  summarischen  Befragung 
noch  anlässlich  der  späteren  Anhörung  Schwierigkeiten  wegen  dieser 
Parteizugehörigkeit geltend gemacht. Im Gegenteil: Er hat solche explizit 
verneint.  Entgegen  der  Auffassung  der  Rechtsvertreterin  hat  die 
Vorinstanz die Untersuchungspflicht nicht dadurch verletzt, dass sie nach 
einer  derart  klaren  Verneinung  von  Problemen  wegen  HADEP­
Zugehörigkeit  keine weiteren Fragen  gestellt  hat,  zumal  keine Hinweise 
auf  ein  Missverständnis  (im  nun  auf  Beschwerdeebene  geltend 
gemachten  Sinn)  vorlagen.  Das  erstmalige  Geltendmachen  eines 
politischen  Engagements  in  Form  von  Hungerstreiks,  Flugblattaktionen, 
Wahlinformationen  etc.  einerseits,  und  das  Erleiden  von  Schikanen 
andererseits,  muss  vor  dem  Hintergrund  der  klaren  Verneinung  eines 
politischen  Engagements  und  der  Negierung  von  Problemen  anlässlich 
der  Anhörungen  als  nachgeschoben  bezeichnet  werden.  Mit  der 
Vorinstanz  ist  in  diesem  Zusammenhang  festzustellen,  dass  die 
Erklärung, wonach der Beschwerdeführer ein politisches Engagement für 
die  (...)  gemeint  habe  und  nur  ein  solches  habe  verneinen  wollen, 
konstruiert  erscheint.  Gleichzeitig  kann  aber  auch  festgestellt  werden, 
dass  die  vom  Beschwerdeführer  nachträglich  geltend  gemachten 
Schikanen die Anforderungen an Verfolgungsmassnahmen im Sinne von 
Art.  3 AsylG wohl  ohnehin  nicht  erfüllten  dürften.  Zusammenfassend  ist 

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somit eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes  in Anbetracht der 
Deutlichkeit  der  Protokolle  selbst  vor  dem  Hintergrund  der  bekannten 
Repression  zahlreicher  HADEP­Mitglieder  und  ­Sympathisanten 
klarerweise zu verneinen. 

Eine  Verfahrensverletzung  kann  schliesslich  auch  nicht  darin  erblickt 
werden, dass das Bundesamt eine damals noch die Ausnahme bildende 
Direktanhörung  mit  den  Beschwerdeführenden  durchgeführt  hat.  Eine 
solche war früher für Fälle vorgesehen, in welchen mit einer erheblichen 
Beschleunigung  der  Verfahrensdauer  gerechnet  werden  konnte.  Dass 
das  BFM  im  Hinblick  auf  eine  angestrebte  Beschleunigung  des 
Verfahrens den Weg der direkten Befragung gemäss dem damaligen Art. 
29 Abs. 4 AsylG gewählt hat, ist nicht zu beanstanden, hat es doch in der 
Folge  tatsächlich  innert  kurzer  Frist  einen  Entscheid  gefällt.  Dass  im 
damaligen  Zeitpunkt  weitergehende  Abklärungen  von  Nöten  gewesen 
wären, kann den Akten nicht entnommen werden. Insbesondere kann ein 
Abklärungsbedarf auch nicht aus dem Umstand abgeleitet werden, dass 
der Beschwerdeführer bei der Anhörung diverse Unterlagen zu den Akten 
gereicht  hat.  Aus  dem entsprechenden Anhörungsprotokoll  geht  hervor, 
dass  ad  hoc  eine  Übersetzung  des  wesentlichen  Teils  der  Dokumente 
durch  den  Dolmetscher  vorgenommen  worden  sein  muss.  Der 
Beschwerdeführer  wurde  nämlich  mit  dem  wesentlichen  Inhalt 
beziehungsweise  dem  Umstand  der  Unvollständigkeit  konfrontiert.  Es 
wurde  ihm  zur  Kenntnis  gebracht,  dass  er  einen  ihn  betreffenden 
Einstellungsbeschluss  und  andererseits  ein  den  Bruder  betreffendes, 
unvollständiges Urteil (ohne Strafmass) eingereicht habe. Angesichts der 
(nachfolgend  aufzugreifenden)  Unglaubhaftigkeit  der  dargestellten 
Verfolgung erschienen diese Dokumente dem BFM nicht  geeignet,  eine 
Änderung  des  Standpunktes  herbeizuführen,  weshalb  es  offenbar  auf 
eine Niederschrift des konkreten Inhalts in einer Amtssprache verzichtete. 
In  antizipierter  Beweiswürdigung  durfte  das  BFM  insbesondere  auch 
darauf  verzichten,  das  vollständige  Urteil  des  Bruders  einzufordern.  In 
diesem  Zusammenhang  ist  sodann  darauf  hinzuweisen,  dass  die 
Rechtsvertreterin  die  im  Jahre  2007  angekündigte  Komplettierung  der 
Dokumente nie vorgenommen hat, was die Annahme des BFM, das den 
Bruder  betreffende  Urteil  sei  mit  Absicht  unvollständig  eingereicht 
worden, erhärtet.

Letztlich  vermag  die  Rechtsvertreterin  auch  mit  der  Rüge  der 
unzureichenden  Sachverhaltsermittlung  als  Folge  der  Anhörung  in 
türkischer  statt  in  kurdischer  Sprache,  der  wenig  konkreten  Rüge  der 
unzureichenden  Berücksichtigung  der  speziellen  Situation  der  Töchter 
und  der  Rüge  des  Fehlens  des  Einverständnisses  des  Vaters  zur 
Befragung der Töchter keine Verfahrensfehler aufzuzeigen. Entgegen der 

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Behauptung der Rechtsvertreterin haben die befragten Töchter – wohl als 
Folge  ihres  langen  Aufenthaltes  in  Istanbul  ­  als  Muttersprache  das 
Türkische  angegeben  (A2/9,  S.  3;  A3/8,  S.  2).  Der  Beschwerdeführer 
selbst  bezeichnete  seine  Türkischkenntnisse  zudem als  gut. Den Akten 
sind  keine  Hinweise  darauf  zu  entnehmen,  dass  sich  die 
Befragung/Anhörung auf Türkisch nachteilig auf die Aussagequalität oder 
die Verständigung  ausgewirkt  hätte. Weiter  ist  nicht  dargetan,  inwiefern 
der  speziellen  Situation  der  Töchter,  gemeint  sein  dürfte  die 
Rücksichtnahme auf den wenige Monate vor der Befragung erfolgten Tod 
der  Mutter,  nicht  Rechnung  getragen  worden  wäre  beziehungsweise  in 
welcher  Form  dieser  gemäss  Auffassung  der  Rechtsvertreterin  hätte 
Rechnung  getragen werden müssen. Dass  sodann die Einwilligung  des 
Vaters für die Befragung der damals (…)­ und (…)­jährigen Töchter hätte 
vorliegen müssen,  ist unzutreffend. Gemäss Art. 5 der Asylverordnung 1 
vom 11. August  1999  über Verfahrensfragen  (AsylV 1, SR 142.311)  hat 
nämlich  jede  urteilsfähige  Person  Anspruch  auf  Prüfung  ihrer  eigenen 
Asylvorbringen.  Das  BFM  vermutet  die  entsprechende  Urteilsfähigkeit 
jeweils  ab  einem  Alter  von  14  Jahren.  Eine  Einholung  des 
Einverständnisses  des  gesetzlichen  Vertreters  für  die  Befragung  der 
urteilsfähigen Kinder ist nicht vorgesehen und auch nicht erforderlich. 

Zusammenfassend  ist  somit  nochmals  festzuhalten,  dass  die 
Rechtsvertreterin  mit  den  verfahrensrechtlichen  Rügen  nur  insoweit 
durchzudringen vermag, als dass zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit der 
Aussagen  nicht  auf  Widersprüche  der  Töchter  zu  den  Aussagen  des 
Vaters hätte abgestellt werden dürfen. Soweit sich die Töchter  jedoch  in 
ihren  Aussagen  selbst  widersprachen  oder  nur  zu  unsubstanziierter 
Darstellung  eigens  erlebter  Sachverhalte  in  der  Lage  waren,  stand 
beziehungsweise steht der Verwendung dieser Protokollstellen nichts  im 
Wege.  Bei  der  nachstehenden  materiellen  Überprüfung  der 
angefochtenen  Verfügung  wird  dieser  Erkenntnis  Rechnung  zu  tragen 
sein. Sämtliche übrigen geltend gemachten verfahrensrechtlichen Rügen 
sind  nach  dem  Gesagten  als  geheilt  beziehungsweise  von  Anfang  an 
unberechtigt zu bezeichnen und daher abzuweisen. 

4.6.  Hinsichtlich  der  geltend  gemachten  Ausreisegründe  kommt  das 
Bundesverwaltungsgericht  nach  Prüfung  der  Akten  in  Übereinstimmung 
mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es den Beschwerdeführenden nicht 
gelungen  ist,  eine  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit anstehende Verfolgungssituation  im Sinne von Art. 3 
AsylG glaubhaft zu machen. 

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Vorab  ist  der  Argumentation  der  Vorinstanz  zuzustimmen,  dass  die 
Aussagen  des  Beschwerdeführers  in  wesentlichen  Bereichen 
unterschiedlich ausgefallen seien. Vom BFM zu Recht angeführt wurden 
die  Differenzen  zur  Anzahl  Mitnahmen  (zwei  beziehungsweise  zehn) 
sowie  zum  Zeitpunkt  des  letzten  Lebenszeichens  seines  für  die 
Verfolgung  angeblich  ursächlichen  Bruders  J._______  (2003/2004 
beziehungsweise 2005). 

Weiter  anzuführen  ist  die  Unstimmigkeit,  wonach  J._______  nach  der 
Entlassung  aus  dem  Gefängnis  zweitweise  beim  Beschwerdeführer 
gewohnt  habe  (A1/10,  S.  6)  beziehungsweise,  wonach  er  bloss  einmal 
bei  ihm  übernachtet  und  einmal  einen  kurzen  Besuch  von  höchstens 
einer Stunde abgestattet habe (A7/18,S.6). 

Zweifel wirft auch die Divergenz auf, wonach der Beschwerdeführer nach 
dem  Verschwinden  seines  Bruders  im  Jahre  2003  nie mehr  etwas  von 
diesem gehört haben will, dies im Gegensatz zu den befragten Töchtern. 
Auch  wenn  der  Beschwerdeführer  laut  Aussagen  von  B._______  nie 
zugegen gewesen sei, wenn J._______ gekommen sei  (A8/10, S.6),  ist 
dennoch nicht nachvollziehbar, dass er angibt, er wisse seit Jahren  rein 
gar nichts von seinem Bruder. 

Äusserst  unterschiedlich  präsentieren  sich  sodann  die  vom 
Beschwerdeführer  genannten  Angaben  zur  Behelligung  durch  die 
Behörden.  Einerseits  gab  er  an,  die  Behörden  seien  seit  dem 
Untertauchen  sehr  oft,  nämlich  alle  15  bis  30  Tage  gekommen, 
anderseits erwähnte er – nach einer Gesamtzahl  gefragt – die Zahl 10, 
wobei  die  Behörden  letztmals  am  21.  Oktober  2006  gekommen  seien 
(A1/10, S. 6). Anlässlich der einlässlichen Anhörung gab er zuerst an, er 
sei  fast  täglich unter Druck gesetzt worden (A7/18, S. 5), dann führte er 
wiederum  an,  er  sei  alle  zwei  bis  vier  Wochen  (A7/18,  S.  9) 
beziehungsweise alle zehn Tage (A7/18, S. 11) von den Behörden unter 
Druck gesetzt worden. 

Gegen  die  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  sprechen  weiter  folgende 
Aussagen: So gab der Beschwerdeführer anfänglich an, er vermöge sich 
nicht  zu  erinnern,  wann  die  Polizei  erstmals  nach  dem  Bruder  gefragt 
habe  (A7/8,  S.  8).  Im  Verlaufe  des  Gesprächs  führte  er  dann  aus, 
anlässlich  des  Newrozfestes   2004  sei  er  bereits  nach  dem  Bruder 
gefragt  worden.  Und  später  gab  er  zu  Protokoll,  das  behördliche 
Nachfragen nach dem Aufenthalt J._______ habe vor eineinhalb bis zwei 
Jahren  (das  wäre  zwischen  November  2004  und  Mai  2005  gewesen) 
begonnen (A7/18, S. 9). 

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Angesichts des Druckes, der auf den Beschwerdeführer ausgeübt worden 
sei, ist sodann nur schwer verständlich, dass dieser nicht wissen will, ob 
andere  Familienangehörige  vom  Aufenthalt  J._______  gewusst  hätten, 
und dass er nie gefragt habe, ob diese etwas wüssten. 

Weiter  ist  zu  bemerken,  dass  die  Aussagen  der  Töchter  (für  sich 
gesehen) nicht geeignet sind, die entstandenen Zweifel an der Verfolgung 
des Vaters auszuräumen. So war die Tochter B._______ beispielsweise 
nicht einmal ungefähr in der Lage, die Haft des Onkels J._______ zeitlich 
einzuordnen  (A2/9,  S.  5).  Demgegenüber  will  sie  sich  jedoch  höchst 
genau  an  einen  Vorfall  am  11.  Dezember  1992  erinnern  (die 
Beschwerdeführerin  war  damals  (im  Kindesalter),  als  der  Vater  in  der 
Nacht mitgenommen worden  sei  (A2/9,  S.  5).  Kaum nachvollziehbar  ist 
weiter, dass B._______ nicht wissen wollte, wo sich der Vater die letzten 
zwölf Jahre, in denen er überwiegend nicht zu Hause gewesen sei (er sei 
nur  noch  ab  und  zu  für  ein  bis  zwei  Tage  zurückgekehrt),  aufgehalten 
habe,  und  dass  sie  ihren  Vater  auch  nie  nach  dessen  Aufenthaltsort 
gefragt  habe  (A8/10,  S.  4).  Kaum miteinander  vereinbar  sind  auch  die 
Darstellungen B._______, wonach das Haus beschattet worden sei und 
die Behörden genau gewusst hätten, wer ein und ausgehe, mit der Folge, 
dass der Vater deshalb bei seinen Besuchen jeweils verhaftet worden sei, 
und  diejenige,  wonach  demgegenüber  dem  gesuchten  Onkel  die 
Besuche  bei  ihnen  zuhause gelungen  seien  (A8/10, S.  7).   Schliesslich 
trägt auch nicht zur Glaubhaftigkeit bei, dass D._______ nicht in der Lage 
war,  übereinstimmend  anzugeben,  wann  denn  die  Behörden  letztmals 
nach Hause gekommen seien (A3/8, S. 5; A9/6, S. 4).

Vor  diesem  Hintergrund  hat  das  BFM  zu  Recht  erwogen,  dass  die 
Aussagen des Beschwerdeführers und seiner Töchter die Anforderungen 
an die Glaubhaftigkeit  gemäss Art.  7 AsylG nicht  zu erfüllen  vermögen. 
Die  Rüge,  das  BFM  habe  den  Glaubhaftigkeitsbegriff  unrichtig 
angewandt,  erweist  sich  als  unrichtig.  Auch  die  Auffassung  der 
Rechtsvertreterin,  die  Unzulänglichkeiten  seien mit  dem Schockzustand 
der Familie nach dem Tod der Ehefrau/Mutter und dem Analphabetismus 
zu  erklären,  kann  vom  Gericht  angesichts  des  Zeitablaufs,  des 
Aussageverhaltens  und  der  weitgehenden  Kohärenz  der  jeweiligen 
Aussagen nicht geteilt werden. 

Ergänzend zu den Erwägungen der Vorinstanz kann angemerkt werden, 
dass  die  behördlich  dokumentierte  Inhaftierung  des  Beschwerdeführers 
im Jahre 1994 später, so auch nach der Entlassung des Bruders aus dem 
Gefängnis,  zu  keinen  weiteren  Verfolgungsmassnahmen  (aus  eigenen 
Gründen)  mehr  geführt  hat.  Der  Beschwerdeführer  hat  nämlich  explizit 
verneint, dass ihm anlässlich der Behördenbesuche nebst der Frage nach 

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dem  Bruder  noch  konkret  etwas  anderes  vorgeworfen  worden  wäre. 
(A1/10,  S.  6).  Dass  sich  J._______,  wie  in  der  Beschwerde  behauptet, 
heute  der  (...)  angeschlossen  habe,  stellt  sodann  eine  unbewiesene 
Behauptung dar, welcher nicht näher nachzugehen ist.

Angesichts  der  Fülle  der  unzureichenden  Angaben  kann  letztlich 
offenbleiben,  ob  das BFM – wie  von  der Rechtsvertreterin  gerügt  –  die 
behördlichen Suchmethoden (Beschränkung der Suche auf den Wohnort 
des  Beschwerdeführers,  Häufigkeit  der  Besuche)  zu  Unrecht  als 
realitätswidrig und damit der Glaubhaftigkeit des Sachvortrages abträglich 
gewertet hat. 

Abschliessend  sei  auf  die  eine  Verfolgung  ebenfalls  in  Frage  stellende 
Aussage  des  Beschwerdeführers  verwiesen,  dass  er  sich  und  seine 
Kinder "nie und nimmer" in die Schweiz gebracht hätte, wenn die Ehefrau 
nicht verstorben wäre (A7/8, S. 8 und 10).

Zusammenfassend  ist  nach  dem  Gesagten  festzuhalten,  dass  die 
Schilderungen  der  Beschwerdeführenden  die  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht zu erfüllten vermögen und es 
ihnen daher nicht gelungen ist, das Vorliegen einer Reflexverfolgung des 
Bruders/Onkels  J._______  wegen  als  überwiegend  wahrscheinlich 
darzustellen.  Ebensowenig  vermochte  der  Beschwerdeführer  eine 
erlittene  oder  anstehende  Verfolgung  wegen  HADEP­Zugehörigkeit 
glaubhaft  zu  machen.  Die  auf  Beschwerdeebene  eingereichte 
Einschätzung der Lage des Beschwerdeführers durch die (...) vermag zu 
keiner  anderen  Betrachtungsweise  zu  führen.  Die  Abweisung  des 
Asylgesuches  der  Beschwerdeführenden  ist  demnach  zu  Recht  erfolgt. 
Die Beschwerde ist folglich im Asylpunkt abzuweisen. 

4.7. Es bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführenden durch ihr Verhalten 
nach  der  Ausreise  aus  dem  Heimatland,  namentlich  den  geltend 
gemachten  Veranstaltungsteilnahmen  und  Mitgliedschaften  befürchten 
müssen,  einer  künftigen  Verfolgung  seitens  der  türkischen  Behörden 
ausgesetzt zu sein, und sie aus diesem Grunde die Voraussetzungen für 
die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft erfüllen.

Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus 
dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  eine  Gefährdungssituation  erst 
geschaffen  worden  ist, macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (vgl. 
Art.  54  AsylG).  Subjektive  Nachfluchtgründe  begründen  zwar  die 
Flüchtlingseigenschaft  im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss 
Art.  54  AsylG  zum  Ausschluss  des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie 
missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Das  vom 

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Gesetzgeber  vorgesehene  Konzept,  wonach  das  Vorliegen  von 
subjektiven  Nachfluchtgründen  die  Gewährung  von  Asyl  ausschliesst, 
verbietet  auch  ein  Addieren  solcher  Gründe  mit  Fluchtgründen,  welche 
vor  der Ausreise aus dem Heimat­  oder Herkunftsstaat  entstanden  sind 
und die für sich allein nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft und 
zur Asylgewährung ausreichen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1.).

Laut  Eingabe  vom  2.  August  2011  haben  die  Beschwerdeführenden  in 
den  Jahren 2010 und 2011  in  den Städten M._______, N._______ und 
O._______  jeweils an ein bis zwei Demonstrationen  im Zusammenhang 
mit  der  Repression  türkischer  Behörden  gegen  Mitglieder  der  (...) 
teilgenommen. Der Beschwerdeführer ist sodann seit drei Jahren Mitglied 
des  (...).  Die  Tochter  D._______  hat  im  Jahr  2008  in  der  Schweiz  an 
einem Jugendcamp der (...) teilgenommen und ist danach vorübergehend 
ins  Visier  der  Bundesanwaltschaft  geraten.  E._______  und  G._______ 
haben  2009/2010  sodann  einen  kurdischen  Sprachkurs  absolviert. 
Angesichts  der  eingereichten  Beweismittel  bestehen  an  diesen 
Vorbringen keine Zweifel. 

Allerdings  ist  den  Vorbringen  die  flüchtlingsrechtliche  Relevanz 
abzusprechen. Aufgrund der grossen Anzahl  regimekritischer Aktivitäten 
von  türkischen  Staatsangehörigen  in  ganz  Westeuropa  erscheint  es 
vorab  unwahrscheinlich,  dass  die  heimatlichen  Behörden  von  den 
Demonstrationsteilnahmen  der  Familienmitglieder,  hinsichtlich  welcher 
nur private Fotos eingereicht wurden, oder der ehrenamtlichen Tätigkeit 
des Beschwerdeführers im Rahmen des in der Türkei verbotenen Vereins 
(…) Kenntnis genommen haben. Gleich dürfte es sich mit der einmaligen 
Teilnahme von D._______ an einem (...)­Jugendcamp im Jahre 2008 im 
(...)  verhalten.  Aufgrund  der  über  drei  Jahre  zurückliegenden Datierung 
dieser Teilnahme,  dem Ausbleiben  jeglicher Beweismittel  zum Fortgang 
des Verfahrens, und nicht zuletzt aufgrund der telefonischen Aussage der 
Rechtsvertreterin,  die  Sache  sei  nach  der  Hausdurchsuchung  bei  den 
Beschwerdeführenden  nicht  weiter  verfolgt  worden  und  das 
diesbezügliche Engagement  von D._______  sei  seither  rückläufig,  kann 
ausgeschlossen  werden,  dass  die  Lagerteilnahme  D._______,  die 
ohnehin  nicht  als  Angeklagte  auf  den  FEDPOL­Unterlagen  figurierte, 
heute  noch  Gegenstand  schweizerischer  Ermittlungen  darstellt.  Für  die 
Behauptung  der  Rechtsvertreterin,  dass  die  einmalige  Lagerteilnahme 
oder die anschliessenden Ermittlungen den türkischen Behörden bekannt 
geworden wären,  liegen  keinerlei Hinweise  (bspw.  auf  Infiltration  dieses 
Anlasses  durch  türkische  Spitzel,  Kontaktaufnahme  der  Schweizer 
Behörden mit  dem Heimatland)  vor. Somit  vermag D._______ aus dem 
Umstand,  dass  sie  vor  drei  Jahren  vorübergehend  von  der  FEDPOL 

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überprüft worden ist, keine Verfolgung für sich und die Familienmitglieder 
abzuleiten.

Nachdem  keines  der Beschwerde  führenden Familienmitglieder  in  einer 
hohen und  in der Öffentlichkeit exponierten politischen Kaderstelle einer 
linksextremen  türkischen  Organisation  oder  kurdischen 
Separatistenorganisation  tätig  ist  und  sich  auch  nicht  namentlich 
identifizierbar für die Ziele solcher Organisationen medienmässig politisch 
aktiv betätigt hat,  ist zusammenfassend als unwahrscheinlich zu werten, 
dass die  türkischen Behörden  von den bescheidenen Exilaktivitäten der 
Familie – hinsichtlich der Aktivitäten des Beschwerdeführers  im Rahmen 
des  erwähnten  Vereins  fehlt  sodann  jegliche  Konkretisierung  seines 
angeblichen aktiven Engagements – überhaupt Notiz genommen haben. 
Unter  diesen  Umständen  ist  nicht  nachvollziehbar,  inwiefern  die 
türkischen  Behörden  die  Beschwerdeführenden  bei  einer  Rückkehr  als 
Oppositionelle erkennen könnten. Somit ist das Vorliegen von subjektiven 
Nachfluchtgründen im Sinne von Art. 54 AsylG für die gesamte Familie zu 
verneinen. 

5. 

5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu 
berücksichtigen  (Art.  44  Abs.  1  AsylG).  Nachdem  die  Ablehnung  des 
Asylgesuches  zu  bestätigen  ist  und  die  Beschwerdeführenden – 
abgesehen  vom  bisherigen  Asylbewerberstatus  –  keinen 
ausländerrechtlichen Aufenthaltstitel besitzen oder beanspruchen können 
ist auch die Anordnung der Wegweisung rechtmässig erfolgt (vgl. EMARK 
2001 Nr. 21).

5.2.    Ist  der Vollzug der Wegweisung nicht möglich,  nicht  zulässig oder 
nicht  zumutbar,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis 
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG,  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2006 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]). Der Vollzug ist nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der 
Ausländer weder in den Herkunfts­ oder in den Heimatstaat noch in einen 
Drittstaat  ausreisen  oder  dorthin  gebracht  werden  kann.  Er  ist  nicht 
zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer 
Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­, 
Herkunfts­ oder in einen Drittstaat entgegenstehen. Der Vollzug kann für 
Ausländerinnen oder Ausländer unzumutbar sein, wenn sie in Situationen 

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wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage im 
Heimat­  oder  Herkunftsstaat  konkret  gefährdet  sind  (Art.  83  Abs.  2  ­  4 
AuG).

5.3. Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug 
der  Wiedererwägung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit) 
sind  alternativer Natur:  Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der Vollzug 
der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere 
Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die 
vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  BVGE  2009  Nr.  51  E.  5.4.  mit 
weiteren Hinweisen). Bei der Prüfung der drei genannten Kriterien ist auf 
die im Entscheidzeitpunkt bestehenden Verhältnisse abzustellen (EMARK 
1997 Nr. 27 E. 4 f. S. 211).

5.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz 
über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002 
3818). Art. 83 Abs. 4 AuG stellt eine Kodifizierung der bisherigen Praxis 
zur konkreten Gefährdung nach Art. 14a Abs. 4 des Bundesgesetzes vom 
26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG, 
BS  1  121)  dar  (vgl.  PETER  BOLZLI,  in:  Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, 
Kommentar  Migrationsrecht,  Zürich  2008,  Nr.  15  zu  Art.  83  AuG,  mit 
Hinweisen). Dieser Praxis zufolge wird aus humanitären Gründen, nicht in 
Erfüllung  völkerrechtlicher  Pflichten  der  Schweiz,  auf  den  Vollzug  der 
Wegweisung  verzichtet,  wenn  die  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  für  die 
betroffene  Person  eine  konkrete  Gefährdung  darstellt.  Eine  solche 
Gefährdung  kann  angesichts  der  im  Heimatland  herrschenden 
allgemeinen  politischen  Lage,  die  sich  durch  Krieg,  Bürgerkrieg  oder 
durch  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  kennzeichnet,  oder  aufgrund 
anderer  Gefahrenmomente,  wie  beispielsweise  des  Fehlens  einer 
notwendigen, aber dort nicht durchführbaren medizinischen Behandlung, 
angenommen  werden.  Auch  eine  massive  Gefährdung  des  Kindswohls 
kann, wie nachfolgend näher aufzuzeigen sein wird, gemäss Praxis des 
Bundesverwaltungsgerichts  dazu  führen,  dass  auf  Unzumutbarkeit  des 
Wegeweisungsvollzugs geschlossen werden muss. Die Bestimmung von 
Art.  83  Abs.  4  AuG  findet  nämlich  mittels  einer  völkerrechtskonformen 
Auslegung im Lichte von Art. 3 Abs.1 der Konvention vom 20. November 
1989  über  die  Rechte  des  Kindes  (KRK,  SR  0.107)  Anwendung  auf 
Kinder, bei denen ein Wegweisungsvollzug geradezu einer Entwurzelung 

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gleichkäme und damit dem Wohl des Kindes zuwiderlaufen würde. Somit 
bildet  im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Wohl des Kindes einen 
Gesichtspunkt  von  gewichtiger  Bedeutung.  Unter  diesem  Aspekt  sind 
praxisgemäss  sämtliche Umstände einzubeziehen und  zu würdigen,  die 
im  Hinblick  auf  eine  Wegweisung  wesentlich  erscheinen.  Namentlich 
können folgende Kriterien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung 
von Bedeutung sein: Alter des Kindes, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, 
Intensität,  Tragfähigkeit)  der  Beziehungen,  Eigenschaften  seiner 
Bezugspersonen  (insbesondere  Unterstützungsbereitschaft  und  ­
fähigkeit),  Stand  und Prognose  bezüglich Entwicklung/Ausbildung, Grad 
der  erfolgten  Integration  bei  einem  längeren  Aufenthalt  in  der  Schweiz. 
Gerade  letzterer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes  in der Schweiz,  ist 
im  Hinblick  auf  die  Prüfung  der  Chancen  und  Hindernisse  einer 
Reintegration  im  Heimatland  als  gewichtiger  Faktor  zu  werten,  da 
insbesondere  adoleszente  Kinder  nicht  ohne  guten  Grund  aus  einem 
einmal  vertrauten  Umfeld  herausgerissen  werden  sollten.  Dabei  ist  aus 
entwicklungspsychologischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche 
Umfeld des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern 
auch dessen übrige soziale Einbettung. Die  Verwurzelung in der Schweiz 
kann  eine  reziproke  Wirkung  auf  die  Frage  der  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  haben,  indem  eine  starke  Assimilierung  in  der 
Schweiz  eine  Entwurzelung  im  Heimatstaat  zur  Folge  haben  kann, 
welche  unter  Umständen  die  Rückkehr  dorthin  als  unzumutbar 
erscheinen  lässt  (vgl.  BVGE  2009/28  E.  9.3.2  S.  367  f.  und  BVGE 
2009/51 E. 5.6, je mit weiteren Hinweisen.).

5.5. Im Lichte dieser allgemeinen Ausführungen ist die Situation der vom 
Wegweisungsvollzug  betroffenen  Familie  näher  zu  betrachten.  Der 
Beschwerdeführer reiste nach dem Tod seiner Ehefrau beziehungsweise 
Mutter der Kinder im Jahre 2006 zusammen mit seinen sechs Kindern in 
die  Schweiz  ein.  Die  Kinder  waren  im  Zeitpunkt  der  Einreise  (…),  (…), 
(…),  (…),  (…)  und  (…)  Jahre  alt.  Die  Kinder  wurden  in  P._______ 
eingeschult,  zwei  davon  besuchen  noch  heute  in  anderen  Dörfern  die 
Schule. Den Akten ist zu entnehmen, dass sich nach dem Tod der Mutter 
und auch nach der Einreise in die Schweiz vorwiegend die beiden älteren 
Töchter  B._______  und  D._______  um  die  jüngeren  Geschwister 
gekümmert  haben.  Zur  heutigen  Situation  der  drei  inzwischen  volljährig 
gewordenen  Töchter  ist  Folgendes  aktenkundig:  B._______  scheint  die 
Rolle der Mutter ihrer kleineren Geschwister übernommen zu haben und 
betreut gleichzeitig ihren eigenen (…)­jährigen Sohn aus einer Beziehung 
mit  einem  in  der  Schweiz  vorläufigen  aufgenommen  irakischen Kurden. 
Laut Mitteilung der Rechtsvertreterin ist sie von diesem erneut schwanger 
beziehungsweise  dürfte  das Kind mittlerweile  geboren  sein  (errechneter 
Geburtstermin laut Arztzeugnis ist der (…)). D._______, welche im Jahre 

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2008 ein Zertifikat der "(…)" erworben hat, wird  im Dezember 2011 eine 
Arbeitsstelle  antreten  (siehe  Schreiben  der  Arbeitgeberin).  Hinsichtlich 
der  Tochter  E._______  liegen  dem  Gericht  ein  diesjähriges 
Arbeitszeugnis betreffend  ihre Arbeit  in einem Alters­ und Pflegeheim  in 
P._______  vor,  welches  sie  als  engagierte,  weiterzuempfehlende 
Mitarbeiterin,  die  die  Arbeiten  zur  vollen  Zufriedenheit  erledigt  habe, 
beschreibt.  Auch  der  Bericht  der  (…),  vom  18.  April  2011,  welche 
E._______ in im erwähnten Pflegepraktikum begleitet haben, bezeichnet 
diese als  engagiert,  interessiert  und aufmerksam. Sie  habe deshalb  die 
Option, das Praktikum zu verlängern. 

Sämtliche  sechs Kinder  halten  sich  seit  fünf  Jahren  in  der Schweiz  auf 
und haben hier prägende Jahre ihrer Jugend und des Erwachsenwerdens 
verbracht.  Während  Kindern  in  einem  anpassungsfähigen  Alter  die 
Rückkehr in ihr Heimatland selbst nach einem mehrjährigen Aufenthalt im 
Gastland  gemeinhin  zugemutet  wird,  verlangt  ein  Wegweisungsvollzug 
eines  langjährig  anwesenden  Adoleszenten  eine  differenzierte 
Betrachtung.  Abzuwägen  sind  dabei  insbesondere  die  besonderen 
Bindungen,  welche  die  betreffende  Personen  im  Aufenthaltsstaat 
eingegangen sind,  in dem sie massgeblich  ihre Erziehung erhalten, den 
Grossteil  der  sozialen  Kontakte  geknüpft  und  ihre  eigene  Identität 
entwickelt  haben. Die Gewichtung  der Aufenthaltsdauer  hat  sodann der 
Intensität und Prägung des Aufenthalts Rechnung zu tragen.

Die vorliegend vom Wegweisungsvollzug betroffenen (Kinder) haben als 
Familienverband mit ihrem alleinerziehenden Vater unmittelbar nach dem 
Tod der Mutter einen Lebensabschnitt in der Schweiz verbracht, der ihre 
Persönlichkeit nachhaltig geprägt haben dürfte.

Trotz  teilweise  ungenügender  schulischer  Leistungen  kann  den 
eingereichten  Unterlagen  hinsichtlich  der  jüngeren  Kinder  entnommen 
werden,  dass  deren  Integration  seit  2006  stetig  fortgeschritten  ist. 
Hinsichtlich der heute (..)­jährigen Tochter G._______ geht aus den drei 
Berichten  der Heilpädagogischen Schule  in Q._______  aus  den  Jahren 
2010 und 2011 hervor, dass sie ein fröhliches, aufgestelltes Mädchen mit 
einer guten Lernbereitschaft sei. Sie vermöge sich auf Deutsch recht gut 
auszudrücken  und  pflege  eine  gute  Aussprache.  Sie  habe  eine  offene 
und freundliche Art und einen guten Umgang. Sie akzeptiere die Regeln 
des schulischen Zusammenlebens und begegne den Lehrpersonen und 
Schülern  respektvoll.  G._______  habe  sich  gut  in  die  Klasse  integriert 
und  sei  gut  sozialisiert.  Im  Umgang  mit  anderen  Menschen  habe  sie 
keine Probleme. Sie sei sehr selbständig, was sicher auch mit ihrer nicht 
sehr  einfachen  familiären  Situation  zusammenhänge,  und  sei  in  dieser 
Hinsicht  ihrer Klassenkameradinnen einen grossen Schritt  voraus. Auch 
die  heute  (…)­jährige,  zwischenzeitlich  aus  der  Schule  entlassene 

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F._______  hat  hinsichtlich  ihres  Sozialverhaltens  überdurchschnittliche 
Bewertungen/Referenzen,  wie  den  eingereichten  Zeugnissen  der 
Sekundarschule  (...)  sowie  den  zahlreichen  Schreiben  ihrer  früheren 
Klassenkameraden  und  ­kameradinnen  entnommen  werden  kann.  Aus 
den Unterlagen  geht  sodann  hervor,  dass  F._______  gegenwärtig  aktiv 
auf  einer  Lehrstellensuche  als  (...)  ist.  Hinsichtlich  des  (…)­jährigen 
H._______  liegen  dem  Gericht  Zeugnisse  der  Primarschule  (...)  der 
letzten  vier  Jahre  vor.  Während  darin  die  schulischen  Leistungen, 
abgesehen von den handwerklichen, musischen und sportlichen Fächern, 
weitgehend  als  ungenügend  bezeichnet  werden,  ist  demgegenüber  die 
Benotung  des  Arbeits­,  Lern­  und  Sozialverhaltens  überwiegend  positiv 
ausgefallen.  Hinsichtlich  der  übrigen  drei  inzwischen  erwachsen 
gewordenen Kinder liegen dem Gericht keine Referenzschreiben, jedoch 
auch keinerlei Beanstandungen oder Strafbescheide vor.

Aus diesen Erwägungen geht hervor, dass die Kinder unterdessen eine 
weitgehende Adaptation an  tragende Vorstellungen der schweizerischen 
Kultur und Lebensweise vollzogen haben. Gerade der Besuch der Schule 
über  einen  Zeitraum  von  mehreren  Jahren  hinweg,  die  natürliche 
Interaktion  mit  Klassenkameradinnen  und  ­kameraden  sowie  das 
sukzessive Erlernen der deutschen Sprache dürfte insbesondere bei den 
jüngeren  Kindern  eine weitreichende  Anpassung  an  die  schweizerische 
Lebensweise  bewirkt  haben,  so  dass  die  abrupte  und  künstliche 
Trennung  vom  gewohnten  Umfeld  sich  zwangsläufig  als  schwere 
Hypothek  für  ihre  individuelle  Entwicklung  auswirken  würde.  Auch 
angesichts  der  kulturellen  Differenzen  zwischen  der  Schweiz  und  der 
Türkei  ist  die  Reintegration  mit  zunehmender  Dauer  der 
Landesabwesenheit in Frage gestellt. Für die noch minderjährigen Kinder 
F._______, G._______ und H._______ besteht bei dieser Sachlage eine 
erhebliche  Gefahr,  dass  die  mit  einem  Vollzug  der  Wegweisung 
verbundene Entwurzelung aus dem gewachsenen sozialen Umfeld in der 
Schweiz  einerseits  und  die  sich  gleichzeitig  abzeichnende  Problematik 
einer Reintegration in die ihnen vermutlich weitgehend fremd gewordene 
Umgebung  anderseits  nach  dem  frühen  Verlust  der  Mutter  erneut  zu 
starken Belastungen in ihrer jugendlichen Entwicklung führen würden, die 
mit  dem  Schutzanliegen  des  Kindeswohls  nicht  vereinbar  wären  (vgl. 
BVGE 2009 Nr. 28 E. 9.3.4 S. 368 f., BVGE 2009 Nr. 51 E. 5.6 und 5.8.2, 
EMARK 2005 Nr. 6 E. 7.1 S. 58 f.).

Auch  wenn  die  KRK  auf  im  Verlaufe  des  Asylverfahrens  volljährig 
gewordene  Kinder  nicht  anwendbar  ist,  ist  dennoch  festzustellen,  dass 
sich  in  solchen Fällen  die Frage  der Entwurzelung  ebenso  stellen  kann 
(vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­4409/2007  und  E­
4410/2007 vom 1. September 2011, mit weiteren Hinweisen auf Urteile, in 

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welchen  die  Entwurzelungsgefahr  von  volljährig  gewordenen  jungen 
Erwachsenen bejaht wurde).

Die  gegenwärtige  Situation  der  volljährig  gewordenen  Töchter 
B._______, D._______ und E._______ wurde einleitend bereits skizziert. 
Von  besonderem  Gewicht  erscheint  hier  nicht  nur  der  Umstand,  dass 
diese im Zeitpunkt ihrer Einreise im prägenden Adoleszenzalter steckten, 
sondern  insbesondere,  dass  diese  durch  die  weitgehende  Übernahme 
der  Mutterrolle  Bindungen  von  nicht  zu  unterschätzender  Intensität  zu 
den jüngeren Geschwistern eingegangen sind, deren (erneute) Auflösung 
durch einen Wegweisungsvollzug weder  ihnen noch den minderjährigen 
Kindern  zugemutet werden  sollte. Diesen Umstand gilt  es  vor  allem bei 
der  Tochter  B._______  zu  berücksichtigen, welche  aufgrund  ihrer Rolle 
innerhalb der Familie einen im Vergleich zu ihren Schwestern geringeren 
Integrationsnachweis  beizubringen  vermochte. Auch  der Umstand,  dass 
die  gesamte  Familie  gemeinsam  unter  einem  Dach  lebt,  zeugt 
schliesslich davon,  dass die  jungen Erwachsenen eine enge Beziehung 
zu  ihrem Vater und den minderjährigen Geschwistern pflegen. Dass die 
Beschwerdeführenden  in  den  fünf  Jahren  ihres  Aufenthaltes  in  der 
Schweiz  mit  den  hiesigen  Bindungen  vergleichbare  Beziehungen  mit 
Bezugspersonen  ihres  Heimatlandes  unterhalten  hätten,  ist  nicht 
aktenkundig. 

Nach  dem  Gesagten  ist  zu  schliessen,  dass  auch  die  volljährig 
gewordenen Kinder – wenn auch in unterschiedlichem Mass – durch das 
hiesige  kulturelle  und  soziale  Umfeld  geprägt  worden  sind,  und 
gleichermassen  wie  ihre  jüngeren  Geschwister  die  schweizerische 
Lebensweise  weitgehend  adaptiert  haben.  Sie  würden  heute  im  Falle 
einer  Rückkehr  somit  aus  einer  Lebensstruktur  herausgerissen,  welche 
sich  in  bedeutender Weise  von  derjenigen  in  der  Türkei  unterscheiden 
dürfte,  und  welche  während  der  letzten  Jahre  ihre 
Persönlichkeitsentwicklung  und  ihren  Alltag  geprägt  hat.  Die 
Verwurzelung in der Schweiz hat vorliegend auch auf die im Verlaufe des 
Beschwerdeverfahrens volljährig gewordenen Beschwerdeführenden eine 
reziproke Wirkung  auf  die  Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzuges,  ist 
doch  ­  nebst  dem  Bruch  der  Bindungen  zu  den  minderjährigen 
Geschwistern  und  der  damit  verbundenen  psychischen  Belastung  einer 
Trennung  ­  davon  auszugehen,  dass  sie  im  Falle  einer  erzwungenen 
Rückkehr  in  die  Türkei  mit  beträchtlichen  Reintegrationsschwierigkeiten 
rechnen müssten. 

6. 
Im Rahmen einer Gesamtwürdigung der genannten Aspekte – die relativ 
lange Anwesenheitsdauer der Familie, das Kindeswohl  in Bezug auf die 
minderjährigen  Kinder;  das  Verbringen  des  Grossteils  der  Adoleszenz 

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bzw. jungen Erwachsenenlebens in der Schweiz in Bezug auf die älteren 
Kinder,  die  Adaption  an  die  hiesigen  Verhältnisse  und  die  durch  den 
frühen  Tod  der Mutter  entstandenen Bindungen  innerhalb  der  Familie – 
gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  der  Vollzug 
der  Wegweisung  der  minder­  und  volljährigen  Kinder  zum  heutigen 
Zeitpunkt als nicht (mehr) zumutbar zu erachten ist. 

7. 
Gemäss  Art.  44  Abs.  1  AsylG  ist  beim  Vollzug  einer  angeordneten 
Wegweisung der "Grundsatz der Einheit der Familie" zu berücksichtigen. 
In personeller Hinsicht umfasst der Begriff der Familie  insbesondere die 
Eltern und die minderjährigen Kinder. 

Unter  dem  Begriff  der  "Einheit  der  Familie"  ist  zu  verstehen,  dass 
Mitglieder  der  Kernfamilie  nicht  voneinander  getrennt  werden,  sondern 
faktisch zusammen leben können, und dass der Familie nach Möglichkeit 
ein einheitlicher Rechtsstatus eingeräumt wird (vgl. EMARK 1995 Nr. 24). 
Art.  44 Abs.  1  AsylG  kommt  in  diesem Zusammenhang  eine  Tragweite 
zu,  die  über  die  aus  Art.  8  EMRK  abgeleiteten  Rechtsansprüche  auf 
Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  hinausgeht,  indem  die  vorläufige 
Aufnahme des einen Familienmitglieds in der Regel auch zur vorläufigen 
Aufnahme der anderen Familienangehörigen führt.

Dem  erwähnten  Grundsatz  Rechnung  tragend,  ist  angesichts  der 
vorläufigen Aufnahme der minderjährigen Kinder auch der Vater vorläufig 
aufzunehmen.  Ebenfalls  gestützt  auf  Art.  44  Abs.  1  AsylG  ist  der 
(…)jährige  Sohn  von  B._______,  C._______,  sowie  ein  allfällig  bereits 
geborenes  zweites  Kind  von  B._______  in  die  vorläufige  Aufnahme 
seiner Mutter  miteinzubeziehen.

8. 
Aus den Akten ergeben sich ferner keine Hinweise auf ein unbotmässiges 
Verhalten der Beschwerdeführenden, welches eine nähere Prüfung unter 
dem  Gesichtspunkt  von  Art.  83  Abs.  7  AuG  bedingen  würde.  Die 
Voraussetzungen  für  eine  vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  gemäss 
Art. 83 Abs. 4 AuG sind damit gegeben. 

9. 
Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Beschwerde  gutzuheissen  ist, 
soweit  sie  die  Frage  des  Wegweisungsvollzuges  betrifft.  Die 
vorinstanzliche  Verfügung  vom  13.  Dezember  2006  ist  demnach  in 
diesem  Punkt  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  ist  anzuweisen,  die 
Beschwerdeführenden wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

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in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Für den Rest ist die Beschwerde 
abzuweisen.

10. 
Den  Beschwerdeführenden  wurde  mit  Instruktionsverfügung  vom  6. 
Februar 2007 die unentgeltliche Rechtspflege  im Sinne von Art. 65 Abs. 1 
und  2  VwVG  gewährt.  Die  im  Rubrum  erwähnte  Rechtsanwältin  wurde 
den Beschwerdeführenden als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. 

Bei dieser Sachlage werden keine Verfahrenskosten erhoben. Die für die 
Beschwerdeerhebung  entstandenen  Kosten  sind  den 
Beschwerdeführenden sodann zu vergüten.

Die  Rechtsvertreterin  hat  in  ihrer  Eingabe  vom  2.  August  2011  einen 
Aufwand für das Beschwerdeverfahren von 31 Stunden und 45 Minuten, 
einen Stundenansatz von Fr. 250.­ sowie Spesen von Fr. 180.30 geltend 
gemacht.  Für  die  in  der Kostennote  nicht mehr  berücksichtigte Eingabe 
vom  4.  November  2011  veranschlagt  das  Gericht  einen  Aufwand  von 
einer  weiteren  Stunde.  Indessen  kann  der  in  der  Kostennote 
ausgewiesene  zeitliche  Aufwand  nicht  als  vollumfänglich  angemessen 
erachtet  werden;  namentlich  erachtet  das  Gericht  den  wiederholt 
ausserhalb  der  Einreichung  konkreter  Rechtsschriften  für  Aktenstudium 
aufgeführten  Aufwand  (so  die  Einträge  in  der  Kostennote  vom  9. 
Dezember 2009, 25. Mai 2011 oder 21. Juli 2011) als nicht vollumfänglich 
notwendig. Gestützt auf die massgeblichen Bestimmungen (vgl. Art. 7 ff. 
des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2])  veranschlagt  das  Gericht  den  Gesamtaufwand  der 
Rechtsvertreterin  auf  Fr.  8'000.­  (inklusive  Auslagen  und 
Mehrwertsteuer).

Angesichts  des  teilweisen  Obsiegens  wird  das  BFM  angewiesen,  den 
Beschwerdeführenden  für  die  Hälfte  des  geltend  gemachten  Betrages 
eine  Parteientschädigung,  ausmachend  Fr.  4'000.­  (inklusive  Auslagen 
und Mehrwertsteuer), zu entrichten. Die andere Hälfte in der Höhe von Fr. 
4'000.­  (ebenfalls  inklusive  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  wird  den 
Beschwerdeführenden  im  Rahmen  der  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Verbeiständung  gemäss  Art.  65  Abs.  2  VwVG  durch  das 
Bundesverwaltungsgericht entrichtet. 

E­315/2007

Seite 33

(Dispositiv nächste Seite)

E­315/2007

Seite 34

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird insoweit gutgeheissen, als die Anordnung einer 
vorläufigen Aufnahme beantragt wird. Im Übrigen wird sie abgewiesen.

2. 
Die  Verfügung  vom  13.  Dezember  2006  wird  betreffend  der 
Dispositivziffern 4 und 5 aufgehoben und das BFM wird angewiesen, die 
Beschwerdeführenden in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  eine 
Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr.  4'000.­  zu  entrichten.  Der 
restliche  Aufwand  in  der  Höhe  von  Fr.  4'000.­  wird  den 
Beschwerdeführenden  im  Rahmen  der  Gewährung  der  amtlichen 
Verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG entschädigt. 

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Christa Luterbacher Gabriela Oeler

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