# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 813109a4-378b-5e15-bef8-7f36ebbcd486
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2013-11-20
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 20.11.2013 BB.2013.95
**Docket/Reference:** BB.2013.95
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BB-2013-95_2013-11-20

## Full Text

Ausstand der Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).;;Ausstand der Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).;;Ausstand der Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).;;Ausstand der Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).

Beschluss vom 20. November 2013 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Andreas J. Keller und Patrick Robert-Nicoud,  

Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja  

   
 

Parteien 

  

A., vertreten durch Fürsprecher Walter Krähenmann, 

Gesuchsteller 

 

 gegen 

   

B., Staatsanwältin des Bundes, 

Gesuchsgegnerin 

 

Gegenstand  Ausstand der Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 

lit. b i.V.m. Art. 56 StPO) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2013.95 

 

 

 

- 2 - 

 

 

 

Die Beschwerdekammer hält fest, dass: 

 

- mit Schreiben vom 23. September 2011 das Kreditinstitut C., der Meldestel-

le für Geldwäscherei (nachfolgend "MROS") eine Verdachtsmeldung ge-

mäss Art. 9 GwG betreffend eine in Z. (Schweiz) domizilierte Gesellschaft 

namens D. AG erstattete und die beiden auf sie lautenden Konten sperrte, 

weil der Verwaltungsratspräsident der D. AG, A., den Verdacht geäussert 

habe, dass sich der frühere Verwaltungsrat der D. AG, E., der ungetreuen 

Geschäftsführung schuldig gemacht habe;  

 

- die D. AG innerhalb eines Jahres mit angeblichen Geschäften im IT-

Bereich mehrere Millionen Euro Umsatz gemacht habe, obschon der 

Zweck der Gesellschaft gemäss Handelsregisterauszug mit dem Handel 

mit Motorengeneratoren und Fahrzeugteilen umschrieben sei (Verfahrens-

akten Reg. 5.101 pag. 4 ff.);  

 

- die MROS am 27. September 2011 bei der Bundesanwaltschaft Meldung 

im Sinne von Art. 23 Abs. 4 GwG erstattete, da sie es für möglich hielt, 

dass die D. AG von einer internationalen kriminellen Organisation benutzt 

werde, um als Drehscheibe für die Begehung von Mehrwertsteuerdelikten 

in der EU zu fungieren (Verfahrensakten Reg. 5.101 pag. 1 ff.); 

 

- gestützt auf die Meldung der MROS die Bundesanwaltschaft am 29. Sep-

tember 2011 eine Strafuntersuchung gegen Unbekannt wegen Verdachts 

des Betrugs und der Geldwäscherei eröffnete (Verfahrensakten Reg. 1 

pag. 1);  

 

- mit Schreiben vom 19. April 2012 E. und F. bei der Bundesanwaltschaft  

eine Strafanzeige gegen A. wegen Veruntreuung, Betrugs, ungetreuer Ge-

schäftsbesorgung, Sachentziehung, falscher Anschuldigung und Irrefüh-

rung der Rechtspflege einreichten (Verfahrensakten Reg. 5.201 pag. 1 ff.);  

 

- die Bundesanwaltschaft mit Verfügung vom 7. Juni 2012 in der Strafunter-

suchung gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betrugs und der 

Geldwäscherei die Strafverfolgung gegen A. ausdehnte (Verfahrensakten 

Reg. 1 pag. 4);  

 

- die Bundesanwaltschaft mit Schreiben vom 1. Mai 2013 der Gesuchsgeg-

nerin an den Rechtsvertreter von F. und E. mit dem Betreff "Ihr Antrag auf 

Beschlagnahme der Aktien der D. AG" mitteilte, dass über eine allfällige 

Beschlagnahme bzw. Einziehung der betreffenden Aktien erst zu einem 

späteren Zeitpunkt entschieden würde; ausserdem die Bundesanwaltschaft 

- 3 - 

 

 

festhielt: "Vollständigkeitshalber mache ich Sie darauf aufmerksam, dass 

eine zivilrechtliche Feststellungsklage, kombiniert mit einer Klage auf Her-

ausgabe der Aktien, allenfalls erfolgversprechend sein könnte. Zudem be-

steht die Möglichkeit die Aktien ungültig erklären zu lassen." (act. 1.8); 

 

- A. im Zusammenhang mit diesem Schreiben mit formellem Gesuch vom 

4. Juli 2013 an die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft gelangt 

und beantragt, es sei festzustellen, dass die zuständige Staatsanwältin des 

Bundes, B., bezüglich des Verfahrens gegen A. befangen sei (act. 1 S. 2); 

 

- mit Schreiben vom 9. Juli 2013 die Aufsichtsbehörde über die Bundesan-

waltschaft das Ausstandsbegehren zuständigkeitshalber an die Beschwer-

dekammer des Bundesstrafgerichts übermittelte (act. 1.0); 

 

- die Gesuchsgegnerin in ihrer Gesuchsantwort vom 5. August 2013 bean-

tragt, auf das Ausstandsgesuch sei nicht einzutreten, eventualiter sei es 

abzuweisen, unter Kostenauflage an den Gesuchsteller (act. 4 S. 2); in der 

Replik vom 23. August 2013 und der Duplik vom 23. September 2013 der 

Gesuchsteller und die Gesuchsgegnerin an ihren jeweiligen Anträgen fest-

halten (act. 7 und 10). 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: 

 

- eine Partei, die den Ausstand einer in einer Strafbehörde tätigen Person 

verlangen will, der Verfahrensleitung ohne Verzug ein entsprechendes Ge-

such zu stellen hat, sobald sie vom Ausstandsgrund Kenntnis hat, wobei 

die den Ausstand begründenden Tatsachen glaubhaft zu machen sind 

(Art. 58 Abs. 1 StPO);  

 

-  das Schreiben der Gesuchsgegnerin an die Rechtsvertreter von F. und E. 

vom 1. Mai 2013 zusammen mit weiteren Akten am 29. Mai 2013 dem 

Rechtsvertreter des Gesuchstellers, Fürsprecher Walter Krähenmann 

(nachfolgend "Fürsprecher Krähenmann"), zugestellt wurde (act. 4 S. 2; 

act. 7 S. 2);  

 

- Fürsprecher Krähenmann in den darauffolgenden Tagen die Akten gesich-

tet und Kenntnis vom allfälligen Ausstandsgrund erhalten haben muss 

(act. 1 S. 2; act. 7 S. 2); 

 

- 4 - 

 

 

- sich der Klient grundsätzlich das Wissen seines Anwalts anrechnen lassen 

muss (BGE 139 III 120 E. 3.2.1), weshalb für die Beantwortung der Frage, 

ob das Ausstandsgesuch rechtzeitig gestellt worden ist, auf den Zeitpunkt 

der Kenntnisnahme des allfälligen Ausstandsgrundes durch Fürsprecher 

Krähenmann abzustellen ist, und es nicht darauf ankommt, wann der Ge-

suchsteller Kenntnis vom allfälligen Ausstandsgrund erhalten hat; seine 

diesbezüglichen Ausführungen, er habe erst anlässlich der Besprechung 

vom 21. Juni 2013 mit Fürsprecher Krähenmann Kenntnis vom Schreiben 

vom 1. Mai 2013 erlangt (act. 1 S. 2), daher nicht zu hören sind;  

 

- sich dieses Vorgehen auch deshalb rechtfertigt, weil der Anwalt als Fach-

person die rechtlichen Grundlagen für das Geltendmachen eines Aus-

standsgrundes kennt und insbesondere darum weiss, dass ein Ausstands-

gesuch unverzüglich zu stellen ist;  

 

- vorliegend unklar bleibt, wann Fürsprecher Krähenmann Kenntnis vom all-

fälligen Ausstandsgrund erlangt hat; diese Frage letztlich offen gelassen 

werden kann, da nach bundesgerichtlicher Praxis der Ausstand unmittelbar 

in den folgenden Tagen nach Kenntnisnahme verlangt werden muss und 

selbst bei einem Abstellen auf den 21. Juni 2013 das Ausstandsgesuch 

vom 4. Juni 2013 erst nach 14 Tagen  gestellt worden wäre, was bereits 

klar als verspätet anzusehen ist (Beschluss des Bundesstrafgerichts 

BB.2011.23 vom 14. März 2011, E. 1.4); 

 

- keine zwingenden, sachlichen Gründe für ein Zuwarten geltend gemacht 

worden sind, sich solche auch nicht aus den Akten ergeben; insbesondere 

die angeblich krankheitsbedingte Abwesenheit von Fürsprecher Krähen-

mann am 2. Juli 2013 nichts daran zu ändern vermag, dass das Aus-

standsgesuch zu spät gestellt worden ist (act. 7 S. 2);   

 

- in diesem Sinne auch die in der Replik vom 23. August 2013 neu vorge-

brachten Umstände – nämlich gewisse Äusserungen der Gesuchsgegnerin 

in ihrer Gesuchsantwort vom 5. August 2013 (siehe act. 7 S. 3) –, die die 

Befangenheit der Gesuchsgegnerin belegen sollen, als verspätet gelten 

müssen und die vom Gericht angesetzte Frist zur Replik, die auf Antrag 

des Gesuchstellers erstreckt wurde, den Gesuchsteller nicht davor entbun-

den hätte, einen Ausstandsgrund unverzüglich geltend zu machen;  

 

- auf das Gesuch daher nicht einzutreten ist; 

 

- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Gerichtskosten dem Gesuchsteller 

aufzuerlegen sind (Art. 428 Abs. 1 StPO);  

- 5 - 

 

 

 

- die Gerichtsgebühr auf Fr. 1'000.-- festzusetzen ist (Art. 73 StBOG sowie 

Art. 5 und Art. 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 

31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-

desstrafverfahren, BStKR; SR 173.713.162). 

- 6 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Auf das Gesuch wird nicht eingetreten. 

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird dem Gesuchsteller auferlegt.  

 

 

Bellinzona, 21. November 2013 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident:  Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Fürsprecher Walter Krähenmann 

- B., Staatsanwältin des Bundes 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.