# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6b43c160-bb16-56a0-bbe6-44a4f2b3ce83
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-05-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.05.2010 D-1900/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1900-2009_2010-05-20.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-1900/2009/
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 0 .  M a i  2 0 1 0

Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richter Walter Lang, 
Richter Gérard Scherrer, 
Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller.

A._______, geboren _______,
Kosovo,
_______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
27. Februar 2009 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-1900/2009

Sachverhalt:

A.
A.a Der  Beschwerdeführer,  ein  kosovarischer  Staatsangehöriger 
serbischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in (...) verliess sein Heimatland 
eigenen  Angaben  zufolge  am  11. Dezember  2008  zusammen  mit 
seinem  Bruder  (vgl.  D-_______;  N  _______)  und  reiste  am  13. 
Dezember 2008 von ihm unbekannten Ländern herkommend illegal in 
die  Schweiz  ein.  Gleichentags  suchte  er  im  Empfangs-  und 
Verfahrenszentrum  (...)  um  Asyl  nach  und  wurde  dort  am  18. 
Dezember  2008  summarisch  befragt.  Am  5. Januar  2009  hörte  das 
Bundesamt den Beschwerdeführer ausführlich zu seinen Asylgründen 
an und wies ihn in der Folge für die Dauer des Verfahrens dem Kanton 
(...) zu.

A.b Anlässlich  der  Befragungen  machte  der  Beschwerdeführer  im 
Wesentlichen geltend, er habe im Heimatland Probleme mit Albanern 
gehabt.  Im  Juli  1999  sei  er  bei  der  Grossmutter  in  (...)  zu  Besuch 
gewesen.  Eines  Tages  seien  plötzlich  bewaffnete  und  maskierte 
Männer  ins  Haus gekommen und  hätten  sie  alle  mitgenommen. Sie 
seien bis zum nächsten Morgen festgehalten und geschlagen worden. 
Anschliessend habe man sie zusammen mit allen anderen Serben aus 
dem  Dorf  vertrieben.  Ausserdem  hätten  die  Albaner  die  Häuser  in 
Brand  gesetzt.  Im  Jahr  2006  sei  er  zusammen  mit  seinem  Bruder 
sowie einigen weiteren Serben von UCK-Anhängern mehrere Stunden 
lang  in  einem  Wald  festgehalten  und  dabei   geschlagen  worden. 
Ausserdem hätten die UCK-Leute ihre Personalien aufgenommen und 
sie  aufgefordert,  Kosovo  zu  verlassen,  ansonsten  sie  umgebracht 
würden.  Anschliessend  habe  man  sie  gehen  lassen.  Im  Jahr  2007 
schliesslich  hätten  er  und  sein  Bruder  bei  einem  Albaner  in  einem 
Nachbardorf  Handwerksarbeiten  verrichtet.  Nach  Beendigung  ihrer 
Arbeit habe sich der Albaner jedoch geweigert, den vereinbarten Lohn 
zu bezahlen. Stattdessen habe er sie beschimpft, mit dem Tod bedroht 
und von seinem Grundstück gejagt. In der Folge seien sie regelmässig 
von  diesem  Mann  sowie  dessen  Freunden  bedroht  worden.  Diese 
Personen hätten im September 2008 versucht, ihn und seinen Bruder 
tätlich anzugreifen, sie hätten jedoch entkommen können. Sie hätten 
den Albaner  nicht  angezeigt,  weil  er  ihnen  gesagt  habe,  die  Polizei 
könne  ihm  ohnehin  nichts  anhaben.  Der  Beschwerdeführer  brachte 
vor,  sein  Leben  sei  im Heimatland  in  Gefahr. Er  werde ständig  von 
Albanern  bedroht  und  könne  sich  zuhause  nicht  frei  bewegen. Aus 

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diesen  Gründen  sei  er  zusammen  mit  seinem  Bruder  aus  Kosovo 
ausgereist. 

A.c Der  Beschwerdeführer  reichte  im  Verlauf  des  vorinstanzlichen 
Verfahrens seine Identitätskarte zu den Akten.

B.
Das BFM stellte mit  Verfügung vom 27. Februar 2009 – eröffnet  am 
2. März 2009 – fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien nicht 
asylrelevant.  Demzufolge  verneinte  es  die  Flüchtlingseigenschaft, 
lehnte  das  Asylgesuch  ab  und  verfügte  die  Wegweisung  aus  der 
Schweiz sowie den Vollzug.

C.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 24. März 2009 
(Poststempel)  beantragte  der  Beschwerdeführer,  die  angefochtene 
Verfügung  sei  hinsichtlich  der  Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der 
vorinstanzlichen  Verfügung  aufzuheben,  und  es  sei  infolge 
Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  die  vorläufige  Aufnahme 
anzuordnen.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf die 
Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht.

D.
Der  Instruktionsrichter  wies  die  Gesuche  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  und  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses mit Zwischenverfügung vom 27. März 2009 ab und 
forderte den Beschwerdeführer auf, innert Frist einen Kostenvorschuss 
zu leisten, ansonsten auf die Beschwerde nicht eingetreten werde.

E.
Der erhobene Kostenvorschuss wurde am 9. April 2009 einbezahlt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gestützt  auf  Art. 31  des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR 173.32) 

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Beschwerden gegen Verfügungen im Sinne von Art. 5 VwVG, welche 
von  einer  Vorinstanz  im  Sinne  von  Art.  33  VGG  erlassen  wurden, 
sofern  keine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von 
Art. 32  VGG  vorliegt.  Demnach  ist  das  Bundesverwaltungsgericht 
zuständig für die Beurteilung von Beschwerden gegen Entscheide des 
BFM,  welche  in  Anwendung  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998 
(AsylG, SR 142.31) ergangen sind, und entscheidet in diesem Bereich 
endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 1 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). 
Der  Beschwerdeführer  ist durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren 
Aufhebung beziehungsweise Änderung; er  ist  daher  zur  Einreichung 
der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG und 
Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  können  die 
Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige 
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die Unangemes-
senheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet.

4.
Die Beschwerde vom 24. März 2009 richtet sich lediglich gegen den 
vom BFM verfügten Wegweisungsvollzug. Somit ist die vorinstanzliche 
Verfügung vom 27. Februar 2009, soweit sie die Frage des Asyls und 
der Flüchtlingseigenschaft betrifft (Ziffern 1 und 2 des Verfügungsdis-
positivs), in Rechtskraft erwachsen, und auch die Wegweisung an sich 
(Dispositivziffer  3)  ist  grundsätzlich  nicht  mehr  zu  überprüfen.  Im 
Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bleibt demnach nur 
zu prüfen, ob die Wegweisung zu vollziehen oder ob an ihrer Stelle die 
vorläufige Aufnahme anzuordnen ist.

5.
5.1 Vorab  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  Asylsuchende,  die  mehrere 
Staatsangehörigkeiten  besitzen,  nicht  auf  den  Schutz  eines 

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Drittstaates angewiesen sind, sofern sie in einem der Staaten, dessen 
Staatsangehörigkeit  sie  besitzen,  Schutz  vor  Verfolgung  finden 
können.  Der  Beschwerdeführer  ist  aufgrund  der  Aktenlage  zwar 
einerseits als Staatsangehöriger der Republik Kosovo zu betrachten, 
verfügt jedoch infolge seiner serbischen Abstammung und Geburt auf 
(ehemaligem) Staatsgebiet  der Republik Serbien (vgl. auch die beim 
BFM  eingereichte  serbische  Identitätskarte)  gemäss  serbischem 
Gesetz  (Nr. 135/04,  21. Dezember  2004)  zudem über  die  serbische 
Staatsangehörigkeit  (vgl.  dazu  auch  die  Ausführungen  in  dem  zur 
Publikation vorgesehenen Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts vom 
15. April  2010 i. S. D-7561/2008,  E. 6.4.2, S. 14 f.). Aufgrund seiner 
serbischen  Staatsangehörigkeit  kann  er  sich  daher  grundsätzlich  in 
Serbien  niederlassen.  Anhaltspunkte  dafür,  dass  ihm  dort  eine 
asylrechtlich  relevante  Verfolgung droht,  liegen keine vor. Der  in  der 
Beschwerdeeingabe  geäusserten  Auffassung,  wonach  es  sich  bei 
Serbien  um  "Ausland"  handle  und  es  für  das  Konzept  einer 
"ausländischen  Aufenthaltsalternative"  keine  gesetzliche  Grundlage 
gebe, kann nach dem Gesagten nicht gefolgt werden. Nachfolgend ist 
demnach  zu  prüfen,  ob  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Serbien 
zulässig, zumutbar und möglich ist.

5.2 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige 
Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt 
gemäss ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und seiner 
Vorgängerorganisation,  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
(ARK), der gleiche Beweisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, 
das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, 
und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, 
Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht,  2. Auflage, 
Basel 2009, Rz. 11.148).

6.
6.1 Zur  Frage der  Durchführbarkeit  des Wegweisungsvollzugs führte 
das BFM in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen Folgendes 
aus: Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, 

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könne  auch  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  gemäss  Art.  5 
Abs. 1 AsylG nicht zu Anwendung gelangen. Ferner ergäben sich aus 
den Akten keine Anhaltspunkte dafür, dass dem Beschwerdeführer im 
Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit eine durch Art. 3  der Konvention vom 4. November 1950 zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Im Weiteren spreche weder 
die  im  Heimatstaat  herrschende  politische  Situation  noch  andere 
Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs.  Der 
Beschwerdeführer  sei  ethnischer  Serbe  und  stamme  aus  der 
Gemeinde  (...),  welche  hauptsächlich  von  ethnischen  Albanern 
bewohnt werde. Eine konkrete Gefährdung des Beschwerdeführers in 
seiner  Heimatgemeinde  könne  daher  nicht  ausgeschlossen  werden. 
Allerdings würden drei  Bezirke dieser Gemeinde von Kosovo-Serben 
bewohnt.  Ausserdem  könne  die  Lage  in  der  Heimatgemeinde  des 
Beschwerdeführers  trotz  ihrer  geographischen Nähe zu Serbien und 
der  gemischt-ethnischen  Bevölkerung  im  allgemeinen  als  ruhig 
bezeichnet werden. Sollte sich der Beschwerdeführer jedoch in seiner 
Heimatgemeinde  nicht  sicher  fühlen,  bestehe  für  ihn  im  Norden 
Kosovos  eine  innerstaatliche  Aufenthaltsalternative.  Es  sei  davon 
auszugehen,  dass es dem Beschwerdeführer  ohne weiteres möglich 
wäre,  sich  allenfalls  dort  eine  Existenzgrundlage  aufzubauen.  Im 
Weiteren  bestehe  für  Serben  grundsätzlich  auch  eine  Aufenthalts-
alternative  in  Serbien;  denn  Kosovo  gelte  gemäss  der  serbischen 
Verfassung  vom  Jahr  2006  als  integraler  Bestandteil  Serbiens, 
weshalb Serben aus Kosovo auch nach der Unabhängigkeitserklärung 
von  Kosovo  als  serbische  Staatsangehörige  betrachtet  würden,  auf 
den  diplomatischen  Vertretungen  Serbiens  serbische  Reisepapiere 
erhalten und nach Serbien einreisen könnten. Beim Beschwerdeführer 
handle  es  sich  um  einen  gesunden,  jungen  Mann,  welcher  keiner 
sogenannt  "verletzlichen  Gruppe"  angehöre.  Er  verfüge  über  gute 
berufliche  Qualifikationen  und  jahrelange  Arbeitserfahrung  in 
verschiedenen Bereichen. Zudem habe er sich vor der Ausreise nicht 
in  einer  prekären  wirtschaftlichen  Situation  befunden.  Bei  dieser 
Sachlage  könne  erwartet  werden,  dass  sich  der  Beschwerdeführer 
entweder  im  Norden  Kosovos  oder  in  Serbien,  wo  im  Übrigen  ein 
Onkel lebe, um den Aufbau einer neuen Existenz bemühe. 

6.2 Der  Beschwerdeführer  entgegnet  in  der  Beschwerdeeingabe,  er 
stamme nicht aus dem Norden Kosovos. Er habe nie dort gelebt und 
verfüge  dort  über  kein  Beziehungsnetz.  Er  würde  als  intern 

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Vertriebener  gelten  und  hätte  angesichts  der  dort  herrschenden, 
hohen Arbeitslosigkeit  kaum Chancen,  eine existenzsichernde Arbeit 
zu finden. Im Übrigen bestehe auch im Norden Kosovos weiterhin ein 
erhebliches Konfliktpotenzial. Die Auffassung des BFM, wonach eine 
Aufenthaltsalternative in Serbien bestehe, könne ebenfalls nicht geteilt 
werden.  Es  bestehe  keine  Rechtsgrundlage  für  das  Konzept  einer 
ausländischen Aufenthaltsalternative,  die entsprechenden Ausführun-
gen des BFM seien daher rechtswidrig. Ein Vollzug der Wegweisung 
nach Serbien wäre ohnehin nicht zumutbar, da er nie in Serbien gelebt 
habe. Zu seinem dort  wohnhaften Onkel habe er  keinen Kontakt. Im 
Übrigen sei dieser selber Flüchtling. 

7.
7.1 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner 
Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr 
Leben oder ihre Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG 
gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches 
Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 
Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 
Flüchtlinge [FK,  SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3  der  Bundes-
verfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April 
1999 (BV, SR 101),  Art.  3  des Übereinkommens vom 10. Dezember 
1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis 
zu  Art.  3  EMRK darf  niemand der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 
hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen schützt, 
welche  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem Beschwerde-
führer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung 
nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art. 5  AsylG 
verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non-Refoulements  im 
vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des 
Beschwerdeführers  nach Serbien ist demnach unter dem Aspekt von 
Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aus-
sagen  des  Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte 
dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung  nach Serbien  dort  mit 

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beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK oder  Art.  1 
FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss 
Praxis des Europäischen Gerichtshofes für  Menschenrechte (EGMR) 
sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerde-
führer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft 
machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  un-
menschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse 
Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Be-
schwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124-127,  mit  weiteren  Hinweisen). 
Aufgrund der Akten ist indessen nicht davon auszugehen, dass ihm im 
Falle einer Rückschiebung nach Serbien eine derartige Gefahr droht. 
Die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Serbien  lässt  den 
Wegweisungsvollzug  im  heutigen  Zeitpunkt  ebenfalls  nicht  als 
unzulässig erscheinen. 

7.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der  Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

7.2.1 In Serbien herrscht zurzeit  keine Situation allgemeiner Gewalt, 
die  den  Wegweisungsvollzug  dorthin  als  unzumutbar  erscheinen 
liesse.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Serbien  von  ethnischen 
Serben mit letztem Wohnsitz in Kosovo ist daher als generell zumutbar 
zu  erachten  (vgl.  dazu  das  bereits  erwähnte  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom  15. April  2010  i.  S.  D-7561/2008, 
E. 8.3.2 ff.).

7.2.2 Wird  anstelle  eines  Wegweisungsvollzugs  in  die  Heimatregion 
das  Vorliegen  einer  zumutbaren  Aufenthaltsalternative  geprüft,  so 
muss  das  Kriterium  der  individuellen  Zumutbarkeit  naturgemäss 
höheren  Anforderungen  genügen.  Bei  der  Prüfung,  ob  der  Be-
schwerdeführer in Serbien aus individuellen Gründen einer konkreten 
Gefährdung  ausgesetzt  wäre,  sind  demnach  gemäss  der  in 
EMARK 1996  Nr.  2  statuierten,  weiterhin  zu  beachtenden  Recht-
sprechung der vormaligen ARK folgende Kriterien zu berücksichtigen: 
Sicherung  des  wirtschaftlichen  Existenzminimums,  Bezug  zum 

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möglichen Zufluchtsort  sowie soziale Integration (vgl. dazu auch das 
erwähnte  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  15. April  2010 
i. S. D-7561/2008, E. 8.3.3.6).

Beim  Beschwerdeführer  handelt  es  sich  um  einen  alleinstehenden, 
36- jährigen  Mann  ohne  aktenkundige  gesundheitliche  Probleme, 
welcher eine durchschnittliche Schulbildung sowie eine Ausbildung als 
Automechaniker  vorweisen  kann.  Eigenen  Angaben  zufolge  hat  er 
ausserdem mehrfach als Maler und Maurer auf Baustellen gearbeitet. 
Er ist serbischer Ethnie und serbischer Muttersprache, weshalb davon 
auszugehen  ist,  dass  er  nach  allfälligen  Anfangsschwierigkeiten 
durchaus in der Lage sein wird, sich in Serbien sozial zu integrieren 
und  Zugang  zum  Wohnungs-  und  Arbeitsmarkt  zu  erhalten,  selbst 
wenn für  ihn als  Neuzuzüger die Bedingungen für  den Aufbau einer 
wirtschaftlichen  und  sozialen  Existenz  unbestrittenermassen  nicht 
einfach  sein  werden. Der  Beschwerdeführer  kann jedoch bei  Bedarf 
seinen  in  (...)  lebenden  Onkel  (vgl.  A7  S.  4)  um  Unterstützung 
ersuchen.  Der  in  der  Beschwerde  vorgebrachte  Einwand  des 
Beschwerdeführers,  er  habe  keinen  Kontakt  zu  diesem  Onkel  und 
dieser  sei  im Übrigen selber  als  Flüchtling  nach Serbien gegangen, 
spricht nicht gegen eine mögliche Unterstützung durch diesen Onkel; 
es  ist  dem  Beschwerdeführer  insbesondere  durchaus  zuzumuten, 
selber  den  Kontakt  zu  seinem  Onkel  zu  suchen.  Es  steht  dem 
Beschwerdeführer  im  Weiteren  offen,  seine  in  Kosovo  wohnhaften 
Eltern,  die  ihm bereits  die  Ausreise  finanziert  haben (vgl. A7  S. 5), 
erneut um (finanzielle) Hilfe zu bitten. Zudem kann er zusammen mit 
seinem Bruder  J. M.,  dessen  Beschwerdeverfahren (D-_______)  mit 
datumsgleichem Urteil abgeschlossen wurde, nach Serbien ausreisen, 
womit  er  dort  nicht  auf  sich alleine gestellt  wäre. Schliesslich ist  an 
dieser  Stelle  auf  das  Rückkehrhilfeprogramm  der  Schweiz  zu 
verweisen  (vgl.  Art.  62  ff.  der  Asylverordnung  2  über 
Finanzierungsfragen vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312). 

7.2.3 Mit  Blick  auf  die  vorstehenden  Erwägungen  bestehen  keine 
konkreten  und  glaubhaften  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Be-
schwerdeführer bei einer Ausschaffung nach Serbien aus individuellen 
Gründen  in  eine  existenzielle  Notlage  geraten  würde,  weshalb  der 
Vollzug  der  Wegweisung  dorthin  insgesamt  als  zumutbar  zu 
bezeichnen ist. 

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7.3 Der Vollzug der  Wegweisung ist  auch als  möglich  im Sinne von 
Art. 83 Abs. 2 AuG zu bezeichnen, zumal es dem Beschwerdeführer 
obliegt,  bei  der  Beschaffung  der  für  die  Einreise  nach  Serbien 
erforderlichen Reisedokumente mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG). 

7.4 Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  der  von  der  Vorinstanz 
verfügte  Wegweisungsvollzug  in  Übereinstimmung  mit  den  zu  be-
achtenden Bestimmungen steht und zu bestätigen ist. Eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 
AuG).

8.
Aus diesen  Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist demnach abzuweisen.

9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dessen Kosten von Fr. 600.-- 
dem Beschwerdeführer  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1  VwVG; Art. 1-3 
des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).  Sie  sind  durch  den  am  9.  April  2009  im  gleichen 
Umfang  geleisteten  Kostenvorschuss  gedeckt  und  mit  diesem  zu 
verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Sie  sind  durch  den  in  gleicher  Höhe  geleisteten 
Kostenvorschuss gedeckt und werden mit diesem verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 

(per Kurier; in Kopie)
- _______ (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Hans Schürch Anna Dürmüller Leibundgut

Versand:

Seite 11