# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0431ee0b-ad82-5e8c-8919-8ab167012a93
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** GG240093-K7
**Docket/Reference:** GG240093-K7
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/GG240093-K7.pdf

## Full Text

Bezirksgericht Winterthur
Einzelgericht Strafsachen 

Geschäfts-Nr.: GG240093-K/Ubegr/fg

Mitwirkend: Bezirksrichter lic. iur. D. Siegwart

Gerichtsschreiber MLaw J. Löffel

Urteil vom 23. Mai 2025
(begründete Fassung)

in Sachen

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, 

Anklägerin

gegen

A._____, 

Beschuldigter

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin MLaw X._____, 

betreffend Einfache Körperverletzung

Privatklägerin

B._____, 

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 15. Oktober 

2024 (act. 16) ist diesem Urteil beigeheftet.

An der Hauptverhandlung anwesende Parteien:

Der Beschuldigte in Begleitung seiner amtlichen Verteidigung, Rechtsanwältin 

MLaw X._____, sowie die Privatklägerin für die Dauer ihrer Einvernahme 

(Prot. S. 9).

1.

der Anklagebehörde (act. 16):

Anträge:











Schuldigsprechung von A._____ im Sinne der Anklageschrift

Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten

Vollzug der Freiheitsstrafe

Entscheid über die Zivilansprüche der Privatklägerschaft

Kostenauflage (Kosten, inkl. Gebühr für das Vorverfahren von 

Fr. 1'600.–)

2.

der amtlichen Verteidigung (act. 56):

  "1.

2.

3.

Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der einfachen Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB vollumfänglich freizuspre-
chen.

Die Zivilansprüche der Privatklägerin seien vollumfänglich abzu-
weisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen.

Im Falle eines Freispruches vom Vorwurf der einfachen Körper-
verletzung seien die Kosten des Verfahrens, inklusive der Kosten 
der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten, auf die Staats-
kasse zu nehmen."

3.

des Beschuldigten (sinngemäss):



Entscheid gemäss den Anträgen der amtlichen Verteidigung

- 3 -

4.

der Privatklägerin (act. 11/3; sinngemäss):





Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin Schadenersatz 

in der Höhe von Fr. 4'500.– zu bezahlen.

Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin eine 

Genugtuung in der Höhe von Fr. 5'000.– zu bezahlen.

- 4 -

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte und Prozessuales

1.

Am 17. Oktober 2024 ging die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winter-

thur/Unterland (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) vom 15. Oktober 2024 beim hie-

sigen Gericht ein (act. 16).

2. Mit Verfügung vom 4. November 2024 wurden die Parteien zur Hauptverhand-

lung auf den 19. Februar 2025 vorgeladen (act. 21). Da die Vorladungsverfügung 

dem Beschuldigten weder postalisch noch polizeilich zugestellt werden konnte und 

auch Kontaktversuche per Telefon und Incamail scheiterten (vgl. act. 22; act. 26– 

act. 29), wurde die Hauptverhandlung im Hinblick auf die einmonatige Vorladungs-

frist bei einer allenfalls notwendigen amtlichen Publikation (Art. 88 StPO in Verbin-

dung mit Art. 202 Abs. 2 StPO) auf den 11. April 2025 verschoben (act. 30). Auch 

diese neue Vorladungsverfügung vom 31. Januar 2025 (act. 30) konnte dem Be-

schuldigten jedoch postalisch nicht zugestellt werden (vgl. act. 31), weshalb dieser 

– nachdem auch der Auftrag zur Ausschreibung bei der Kantonspolizei Zürich zur 

Aufenthaltsnachforschung vom 24. Februar 2025 (act. 32–34) nicht zeitnah erfolg-

reich war – am 7. März 2025 im Sinne von Art. 88 Abs. 1 lit. b StPO durch öffentli-

che Bekanntmachung auf den 11. April 2025 vorgeladen wurde (act. 35). 

3.

Am 10. April 2025 wurde der Beschuldigte durch den Einzelrichter mittels In-

camail an den Termin der Hauptverhandlung vom 11. April 2025 erinnert. Hierauf 

meldete sich der Beschuldigte erstmals beim Gericht und teilte mit, er sei bis vor 

ca. vier Wochen für zweieinhalb Monate in einer Klinik gewesen und habe in seiner 

Post  keine  Verfügung  gesehen  (act. 38  f.).  In  der  Folge  wurde  vom  Gericht  ent-

schieden,  die  Hauptverhandlung  auf  den  23. Mai  2025  (erneut)  zu  verschieben 

(act. 39;  act. 40).  Die  auf  den  10. April  2025  datierte  Verfügung  wurde  vom  Be-

schuldigten persönlich am Bezirksgericht entgegengenommen (act. 40; act. 41). 

4.

Der Beschuldigte stellte am 10. April 2025 zugleich einen Antrag um Bestel-

lung  einer  amtlichen  Verteidigung  (act. 42/1).  Die  Begründung  für  seinen  Antrag 

ergänzte der Beschuldigte mit E-Mail vom 11. April 2025 (act. 46). Der Antrag des 

Beschuldigte wurde mit Verfügung vom 25. April 2025 gutgeheissen (act. 47) und 

- 5 -

ihm in der Folge Rechtsanwältin MLaw X._____ als amtliche Verteidigerin bestellt 

(act. 51). 

5.

Am 15. Januar 2024 stellte B._____ gegen den Beschuldigen Strafantrag we-

gen einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB (act. 2). Mit For-

mular  vom  4. März  2024  stellte  sie  Antrag  auf  Schadenersatz  in  der  Höhe  von 

Fr. 4'500.– und Genugtuung in der Höhe von Fr. 5'000.– (act. 11/3). Mit Verfügung 

vom 4. November 2024 wurde der Privatklägerin Frist zur Begründung ihrer Zivil-

forderungen  angesetzt  (unter  Androhung  der  Verweisung  auf  den  Zivilweg  im 

Säumnisfall, soweit nicht bereits aktenkundig ausreichend begründet; act. 21), wo-

bei  innert  Frist  keine  entsprechende  Eingabe  einging.  Mit  Vorladung  vom  8. Mai 

2025  wurde  die  Privatklägerin  als  Auskunftsperson  zur  Hauptverhandlung  vom 

23. Mai 2025 vorgeladen (act. 52).

6.

An der öffentlichen Hauptverhandlung nahmen der Beschuldigte, seine amt-

liche Verteidigung sowie die Privatklägerin (für die Dauer ihrer Einvernahme) teil 

(Prot. S. 9). Im Anschluss an die Verhandlung wurde das Urteil beraten, mündlich 

eröffnet sowie mündlich begründet und der amtlichen Verteidigung im Doppel für 

sich  und  den  Beschuldigten  schriftlich  im  Dispositiv  ausgehändigt  (act. 58;  Prot. 

S. 46 ff.).

II. Sachverhalt

1.

Vorwurf der Staatsanwaltschaft

Die  Staatsanwaltschaft  wirft  dem  Beschuldigten  den  in  der  Anklageschrift  um-

schriebenen Sachverhalt vor (act. 16 S. 2). Es kann diesbezüglich vollumfänglich 

auf die Anklageschrift verwiesen werden.

2.

Standpunkt des Beschuldigten

Der  Beschuldigte  erklärte  anlässlich  der  staatsanwaltschaftlichen  Schlusseinver-

nahme, den Sachverhalt nicht anzuerkennen (act. 6 F/A 21). Auch an der Haupt-

verhandlung  anerkannte  der  Beschuldigte  tatbestandsmässige  Sachverhaltsele-

mente  nicht  (vgl. Prot.  S. 32  ff.;  E. II./5.2  nachfolgend).  Angesichts  dieser  Aus-

- 6 -

gangslage ist nachfolgend zu prüfen, ob dem Beschuldigten mit rechtsgenügender 

Sicherheit der angeklagte Sachverhalt nachgewiesen werden kann, oder ob erheb-

liche und unüberwindbare Zweifel verbleiben.

3.

Allgemeines zur Sachverhaltserstellung

3.1 Das Gericht legt seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es nach 

seiner freien, aus der Hauptverhandlung und den Untersuchungsakten geschöpften 

Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). 

Gemäss diesem Grundsatz der freien richterlichen Beweiswürdigung entscheidet 

das Gericht, ob es die eingeklagten Tatsachen für erwiesen hält oder nicht. In ei-

nem Strafprozess sind an den Beweis von Täterschaft und Schuld besonders hohe 

Anforderungen  zu  stellen.  Ein  Schuldspruch  darf  nur  dann  erfolgen,  wenn  die 

Schuld des Beschuldigten mit hinreichender Sicherheit erstellt ist, mit anderen Wor-

ten,  wenn  Beweise  dafür  vorliegen,  dass  der  Beschuldigte  mit  seinem  Verhalten 

objektiv und subjektiv den ihm zur Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. 

Bestehen nach abgeschlossener Beweiswürdigung unüberwindliche Zweifel an der 

Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht das Ge-

richt  von  der  für  den  Beschuldigten  günstigeren  Sachlage  aus  (Art.  10  Abs. 3 

StPO). Erheblich sind Zweifel, die bei objektiver Betrachtungsweise angebracht ge-

wesen  wären  (JOSITSCH/SCHMID,  StPO  Praxiskommentar,  4.  Aufl.,  2023,  Art.  10 

N 10).

3.2 Stützt sich die Beweisführung im Wesentlichen auf die Aussagen von Betei-

ligten, so sind diese frei zu würdigen (vgl. Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist anhand sämt-

licher Umstände, die sich aus dem gesamten Verfahren ergeben, zu untersuchen, 

welche Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Ge-

halt der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben 

erfolgen. 

Bei der Würdigung der Aussagen ist im Besonderen zwischen der Glaubwürdigkeit 

einer  Person  und  der  Glaubhaftigkeit  ihrer  Aussage  zu  unterscheiden.  Während 

Erstere die Grundlage dafür bildet, ob einer Person grundsätzlich getraut werden 

- 7 -

kann, ist Letztere für die im Prozess massgebende Entscheidung bedeutungsvoll, 

ob sich der Sachverhalt zur Hauptsache so zugetragen hat oder nicht. Der allge-

meinen Glaubwürdigkeit im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft einer 

Person kommt eher eine untergeordnete Bedeutung zu. Nach stetiger Lehre und 

Rechtsprechung ist vielmehr die Glaubhaftigkeit ihrer Aussage massgebend (BGer 

6B_323/2021  vom  11.  August  2021,  E.  2.3;  BGer  6B_692/2011  vom  9. Februar 

2012, E. 1.4; BGE 133 I 33 E. 4.3; je m.w.H.). 

Um eine Aussage als zuverlässig – und damit als glaubhaft – taxieren zu können, 

ist sie insbesondere auf das Vorhandensein einer hinreichenden Anzahl Realitäts-

kriterien und das Fehlen von Phantasiesignalen zu überprüfen. Zu achten ist ins-

besondere auf Strukturbrüche innerhalb einer Aussage, auf Über- oder Untertrei-

bungen  sowie  auf  Widersprüche  (BENDER/HÄCKER/SCHWARZ,  Tatsachenfeststel-

lung vor Gericht, 5. Aufl., 2021, S. 63 und S. 77 ff.).

4.

Beweismittel

Vom zu beurteilenden Tatvorwurf liegen als relevante Beweismittel die Aussagen 

des  Beschuldigten  (act. 4-6;  Prot. S. 32  ff.)  und  der  Privatklägerin  (act. 7-8;  Prot. 

S. 13 ff.) sowie ärztliche Unterlagen vor (act. 10/1-3). Die gerichtliche Einvernahme 

der  Privatklägerin  wurde  zudem  auf  Video  aufgezeichnet,  welches  ebenfalls  im 

Recht liegt (act. 62). Im Folgenden werden die Beweismittel einzeln näher betrach-

tet und gewürdigt, sofern und soweit sie für die Erstellung des Sachverhalts von 

Relevanz sind.

5. Würdigung der Beweismittel

5.1 Aussagen der Privatklägerin

5.1.1 Glaubwürdigkeit der Privatklägerin

Was die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin betrifft, ist vorab anzumerken, dass es 

sich bei ihr als direkt Geschädigte nicht um eine gänzlich neutrale Tatzeugin han-

delt. Als Privatklägerin sagte sie aber als Auskunftsperson aus, unter Strafandro-

hung  von  Art.  303,  Art. 304  und  Art. 305  StGB  (act. 7  F/A  4;  act. 8  F/A 5; 

Prot. S. 15). Es ist daher nicht leichthin anzunehmen, sie habe unwahre Aussagen 

- 8 -

getätigt. Weiter ist festzuhalten, dass es ihr als Privatklägerin zusteht, im vorliegen-

den  Strafverfahren  adhäsionsweise  Zivilforderungen  geltend  zu  machen 

(vgl. Art. 122 Abs. 1 StPO). Weitergehende Interessen am Ausgang des Strafver-

fahrens sind nicht erkennbar.

5.1.2 Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin

5.1.2.1 Die Privatklägerin wurde zum vorliegenden Tatvorwurf am 24. Januar 2024 

polizeilich und am 26. Juli 2024 staatsanwaltschaftlich befragt. Zudem wurde die 

Privatklägerin  anlässlich  der  Hauptverhandlung  erneut  einvernommen  (act. 7-8; 

Prot. S. 13 ff.).

5.1.2.2  Anlässlich der polizeilichen Einvernahme äusserte sich die Privatklägerin 

wie  folgt:  Am  2. Dezember  2023  habe  sie  sich  um  ungefähr  19.00  Uhr  in  die 

"C._____" begeben, um dort eine langjährige Freundin zu treffen. Die Privatklägerin 

sei an die Bar herangetreten und habe sich dort angelehnt. Der Beschuldigte sei 

dann auf sie zugekommen. Auf seine Nachfrage habe die Privatklägerin ihm ge-

sagt, ihn nicht wiederzuerkennen. Daraufhin habe der Beschuldigte erklärt, er sei 

früher natürlich viel schmaler gewesen, habe nun an Gewicht zugelegt und mache 

Kung Fu. Anschliessend habe der Beschuldigte aus dem Nichts ihren rechten Arm 

gepackt und diesen herumgedreht. Ihren rechten Arm habe sie auf die Bar abge-

stützt gehabt, als der Beschuldigte diesen genommen und in Richtung Boden ge-

dreht  habe.  Danach  sei  sie  auf  den  Boden  zusammengesackt.  Um  ihre  starken 

Schmerzen  zu  lindern,  habe  sie  vom  Barpersonal  Eis  erhalten.  Ihre  langjährige 

Freundin, D._____, sei nach dem Vorfall zum Beschuldigten ins Fumoir gegangen 

und habe ihn zur Rede gestellt. Der Beschuldigte habe D._____ anschliessend ge-

sagt, er hätte nur einen Trick zeigen wollen und dass Schmerzen subjektiv seien. 

Auf den Hinweis von D._____ hin, dass die Privatklägerin in grossen Schmerzen 

sei,  habe  der  Beschuldigte  seine  Personalien  freiwillig  ausgehändigt.  Weiter  er-

klärte die Privatklägerin, der Beschuldigte sei nach dem Vorfall nicht mehr zu ihr, 

um sie nach ihrem Befinden zu fragen (act. 7 F/A 5 und 18). Nach dem Vorfall habe 

die Privatklägerin am 6. Dezember 2023 einen Arzt aufgesucht, welcher einen dop-

pelten Ellenbruch diagnostiziert habe (act. 7 F/A 10). In den Tagen nach dem Vor-

fall bis zur gegenständlichen Befragung sei die Privatklägerin auf der Arbeit einge-

- 9 -

schränkt  gewesen,  da  sie  schwere  Lasten  nicht  ausliefern  gekonnt  habe  (act. 7 

F/A 6). Die von ihr empfundenen Schmerzen beschrieb die Privatklägerin mit einer 

9/10 (act. 7 F/A 21). Zuletzt erläuterte die Privatklägerin, es sei ein "runder Tisch" 

mit ihr, dem Beschuldigten und E._____ (Chefin der "C._____") geplant gewesen, 

um  zusammen  über  den  Vorfall  sprechen  zu  können.  Dieses  Treffen  habe  dann 

jedoch  nicht  stattgefunden,  da  der  Beschuldigte  den  Termin  nicht  bestätigt  habe 

(act. 7 F/A 19 f.).

5.1.2.3 An der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme wiederholte die Privatkläge-

rin die den Beschuldigten belastenden Aussagen (act. 8 F/A 10 ff.). Die Privatklä-

gerin ergänzte ihre bisherigen Aussagen insoweit, als sie aussagte, beim Herum-

drehen ihres Armes einen Knall gehört zu haben (act. 8 F/A 10). Der Beschuldigte 

verzichtete auf Teilnahme an dieser Befragung und damit auf sein Konfrontations-

recht (vgl. act. 8 S. 1), weshalb die Aussagen der Privatklägerin verwertbar sind. 

5.1.2.4 Anlässlich der Hauptverhandlung bestätigte die Privatklägerin ihre bisheri-

gen Aussagen erneut. Auf entsprechende richterliche Nachfrage konnte die Privat-

klägerin  den  Handlungsablauf  präzisieren  und  vor  Schranken  bildlich  vorzeigen, 

wie der Beschuldigte ruckartig ihren rechten Arm gepackt und anschliessend ein-

mal ganz herumgedreht habe (vgl. Prot. S. 18-20 sowie act. 62 Videoaufnahme der 

Privatklägerin  vom  23.  Mai  2025,  Minute  23:49-27:24).  Die  Privatklägerin  stellte 

überdies  ihre  Gefühlslage  in  Bezug  auf  das  Nachtatverhalten  des  Beschuldigten 

bildlich dar, was sich in folgender Aussage wiederspiegelt: "Er ging einfach weg ins 

Fumoir eine rauchen, als wäre nichts gewesen. Als hätte er ein Glas Wasser aus-

geleert." (Prot. S. 30 sowie act. 62 Videoaufnahme der Privatklägerin vom 23. Mai 

2025, Minute 51:26-51:32).

5.1.2.5 Die Privatklägerin sagte über ihre mehrfachen Einvernahmen hinweg de-

tailliert und konstant aus. Das Herumdrehen ihres Armes durch den Beschuldigten 

konnte sie sehr konkret und anschaulich schildern. Weiter konnte die Privatklägerin 

das Verhalten des Beschuldigten im Nachgang zur Tat eindrücklich wiedergeben. 

Hervorzuheben ist diesbezüglich die Aussage der Privatklägerin, wonach der Be-

schuldigte  nach  dem  Vorfall  sich  nicht  entschuldigt  und  lapidar  gesagt  habe,  er 

habe lediglich einen Polizeigriff gezeigt und dass Schmerzen doch nur relativ seien. 

- 10 -

Auch  das  anlässlich  der  Hauptverhandlung  bezüglich  des  Nachtatverhaltens  ge-

zeigte Unverständnis bzw. dessen bildliche Darstellung, welche das Gericht unmit-

telbar wahrnehmen konnte, spricht für den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen. Zuletzt 

erscheinen auch die Aussagen der Privatklägerin, wonach sie zunächst mit dem 

Beschuldigten  an  einen  runden  Tisch  habe  sitzen  wollen  und  erst  danach  einen 

Strafantrag gestellt habe, nachvollziehbar und im Rahmen des Gesamtkontextes 

passend. Nach dem Gesagten erweisen sich die Aussagen der Privatklägerin als 

glaubhaft. 

5.2 Aussagen des Beschuldigten

5.2.1 Glaubwürdigkeit des Beschuldigten

Der Beschuldigte hat in seiner Rolle als vom Verfahren direkt Betroffener ein – in-

sofern legitimes – Interesse daran, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen 

Licht darzustellen. Es trifft ihn keine Pflicht, zu seiner Überführung beizutragen; na-

mentlich unterliegt er nicht der Wahrheitspflicht im Sinne von Art. 163 Abs. 2 StPO. 

Darüber hinausgehende besondere Interessen im Hinblick auf den konkreten Vor-

wurf oder den Ausgang des Strafverfahrens sind keine ersichtlich. Entsprechend 

sind seine Aussagen mit Vorsicht zu würdigen, jedoch ändert diese Ausgangslage 

nicht grundsätzlich etwas an seiner allgemeinen Glaubwürdigkeit. 

5.2.2 Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten

5.2.2.1  Der  Beschuldigte  wurde  am  29. Januar  2024  durch  die  Polizei  sowie  am 

12. Juli 2024 und am 30. September 2024 durch die Staatsanwaltschaft einvernom-

men. Zudem wurde der Beschuldigte anlässlich der Hauptverhandlung vom 23. Mai 

2025 gerichtlich befragt (act. 4-6; Prot. S. 32 ff.).

5.2.2.2 Zum vorliegenden Tatvorwurf äusserte sich der Beschuldigte im Vorverfah-

ren nur sehr knapp. Er gab lediglich zu Protokoll, dass der Vorwurf nicht stimme 

und  er  es  nicht  gewesen  sei  (act. 5  F/A 6).  Auf  die  Frage,  ob  er  am  Abend  des 

2. Dezember 2023 in der "C._____" gewesen sei, antwortete der Beschuldigte, er 

wisse nicht mehr, was er an diesem Abend gemacht habe (act. 5 F/A 7). Im Übrigen 

verweigerte der Beschuldigte im Vorverfahren seine Aussage (vgl. act. 4 F/A 16). 

- 11 -

5.2.2.3 Im Gegensatz hierzu sagte der Beschuldigte anlässlich der Hauptverhand-

lung  ausführlich  aus  und  schilderte  die  aus  seiner  Sicht  vorgefallenen  Gescheh-

nisse am Abend des 2. Dezember 2023 zusätzlich in einer vorgängig vorbereiteten 

schriftlichen  Stellungnahme,  welche  er  nach  seiner  Einvernahme  selbst  verlas 

(act. 55; Prot. S. 32 ff.). Entgegen seiner bisherigen Aussage erklärte der Beschul-

digte nun, am Abend des 2. Dezember 2023 in der Bar "C._____" die Privatklägerin 

getroffen zu haben. Er sei an die Bar herangetreten und habe die Privatklägerin 

von früher wiedererkannt. Daraufhin hätten sie ein 30-minütiges Gespräch geführt. 

Im Rahmen dieses Gespräches erklärte der Beschuldigte, er betreibe seit drei Jah-

ren Kampfkunst und habe vor einigen Wochen gerade eine Prüfung darüber abge-

legt. Danach habe er der Privatklägerin einen Griff vorgezeigt. Diesen auch als "Po-

lizeigriff" bekannten Griff habe er in zahlreichen Trainings geübt und dabei habe 

sich auch noch niemand verletzt. Den Griff habe er lediglich angedeutet und nur 

sehr  sanft  zwei-,  dreimal  vorgezeigt.  Danach  habe  man  "ganz  normal"  weiterge-

sprochen und sei im Guten auseinandergegangen (act. 55 S. 4 ff.; Prot. S. 40 f.).

5.2.2.4 Die Aussagen des Beschuldigten anlässlich der Hauptverhandlung stehen 

in einem offensichtlichen Widerspruch zu jenen im Vorverfahren. Erklärte der Be-

schuldigte zunächst, nicht zu wissen, was er am Abend des 2. Dezember 2023 ge-

macht habe, konnte der Beschuldigte anlässlich der Hauptverhandlung den Ablauf 

aus seiner Sicht nun detailliert schildern. Bereits dieses Aussageverhalten spricht 

gegen den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen vor Gericht. Der Beschuldigte konnte 

die von der Privatklägerin gemachten Aussagen in Bezug auf die nichtinkriminie-

renden Umstände zwar im Wesentlichen bestätigen, mithin dass die Privatklägerin 

an der Bar gestanden habe, er an sie herangetreten sei und sie beide ein Gespräch 

geführt  hätten,  in  welchem  der  Beschuldigte  erklärt  habe,  er  mache  nun  Kampf-

kunst. Hingegen weicht der Beschuldigte in Bezug auf die strafrechtlich relevanten 

Tatsachen, mithin bezüglich des Herumdrehens des rechten Armes der Privatklä-

gerin und des daraus resultierenden Ellenbruchs, von ihren Aussagen ab. Sein Ver-

halten nach der Tat kann der Beschuldigte im Gegensatz zur Privatklägerin sodann 

nicht konkret beschreiben, wobei sich seine Aussagen in Gemeinplätzen bewegen 

– so erklärte der Beschuldigte mehrfach, man habe nach dem Vorzeigen des Grif-

fes "ganz normal" weitergesprochen (vgl. Prot. S. 40). Die Aussage des Beschul-

- 12 -

digten, wonach er den besagten Griff nur angedeutet und zwei-, dreimal sanft vor-

zeigt habe, erscheint unter Berücksichtigung des soeben Ausgeführten zu seinem 

Aussageverhalten, vor dem Hintergrund der glaubhaften Aussagen der Privatklä-

gerin und in Anbetracht des sich präsentierten Verletzungsbildes eines Ellenbru-

ches (nachfolgend 5.3) als nicht glaubhaft.

5.3 Medizinisches Verlaufsprotokoll

Nach entsprechender Erklärung der Privatklägerin zur Entbindung vom Berufsge-

heimnis (act. 10/1) wurde durch die Staatsanwaltschaft ein medizinisches Verlaufs-

protokoll  hinsichtlich  der  Behandlung  der  Privatklägerin  durch  Dr. med.  F._____ 

eingeholt (act. 10/2). Dieses bestätigt die Aussagen der Privatklägerin, wonach sie 

am 6. Dezember 2023 zum Arzt gegangen sei. Aus dem Verlaufsprotokoll ist die 

Diagnose "Ulna Fraktur distal" (Ellenbruch) vom 6. Dezember 2023 ersichtlich, was 

sich ebenfalls mit den Aussagen der Privatklägerin deckt. 

6.

Beweisergebnis

Der  Beschuldigte  und  die  Privatklägerin  sagten  übereinstimmend  aus,  sich  am 

Abend des 2. Dezember 2023 in der "C._____" an der Bar getroffen und ein Ge-

spräch geführt zu haben. Anlässlich dieses Gespräches habe der Beschuldigte er-

klärt, er mache Kampfkunst. In Bezug auf den weiteren Verlauf konnte die Privat-

klägerin glaubhaft schildert, dass der Beschuldigte ihr aus dem Nichts heraus den 

rechten Arm gepackt und in Richtung Boden herumgedreht habe. Dadurch hätte 

sie einen Ellenbruch erlitten. Diese Aussage deckt sich überdies mit den medizini-

schen Akten. Die gegensätzlichen Aussagen des Beschuldigten, wonach er der Pri-

vatklägerin  den  besagten  Griff  lediglich  angedeutet  und  vorsichtig  gezeigt  habe, 

erweisen sich vor diesem Hintergrund als nicht glaubhaft. Somit ist der Sachverhalt 

gemäss Anklageschrift erstellt.

- 13 -

III. Rechtliche Würdigung

1.

Standpunkt der Staatsanwaltschaft sowie der Verteidigung

1.1 Die Staatsanwaltschaft würdigt das Verhalten des Beschuldigten als einfache 

Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB. Die Staatsanwaltschaft äus-

sert sich nicht zur rechtlichen Würdigung.

1.2 Die Verteidigung bringt unter dem Titel "Fehlender Vorsatz" Folgendes vor: 

Dem Beschuldigten müsste nachgewiesen werden können, dass er den Arm der 

Privatklägerin  brechen  wollte  und  deshalb  den  Polizeigriff  an  ihr  angewandt  hat 

oder es zumindest ernsthaft für möglich gehalten und in Kauf genommen hat, dass 

er durch die Anwendung des Polizeigriffs den Unterarm der Privatklägerin bricht. 

Der  Polizeigriff  werde  auf  der  ganzen  Welt  millionenfach  durchgeführt,  wie  unter 

anderem  auch  zu  Ausbildungszwecken  und  Schulungen.  Deshalb  könne  davon 

ausgegangen  werden,  dass  der  Polizeigriff  in  den  allermeisten  Fällen  überhaupt 

keine Verletzungen nach sich ziehe. Somit würde der Polizeigriff bereits ausschei-

den, wenn man vorsätzlich einem Menschen den Unterarm brechen wollen würde 

(act. 56 S. 13 f.). Zudem wendet die Verteidigung ein, Fahrlässigkeit sei nicht an-

geklagt,  weshalb  eine  Verurteilung  wegen  fahrlässiger  Körperverletzung  ausser 

Betracht falle (act. 56 S. 14). 

2. Objektiver Tatbestand

Nach  Art. 123  Ziff. 1  StGB  wird  auf  Antrag  mit  Freiheitsstrafe  bis  zu  drei  Jahren 

oder Geldstrafe bestraft, wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an Kör-

per oder Gesundheit schädigt. Dieser Tatbestand erfasst unter anderem Knochen-

brüche  (GETH,  StPO  Praxiskommentar,  4.  Aufl.,  2023,  Art. 123  N 2;  BSK  StGB-

ROTH/BERKEMEIER, 4. Aufl., 2019, Art. 123 N 4). Vorliegend wurde erstellt, dass der 

Beschuldigte den rechten Arm der Privatklägerin herumdrehte, wodurch sie einen 

Ellenbruch erlitt. Damit ist der objektive Tatbestand erfüllt.

3.

Subjektiver Tatbestand

3.1 Wie die Verteidigung zurecht vorbringt, hat die Staatsanwaltschaft in Bezug 

auf den subjektiven Tatbestand Eventualvorsatz ("nahm […] zumindest billigend in 

- 14 -

Kauf") und nicht Fahrlässigkeit angeklagt. Deshalb ist vorliegend nur zu prüfen, ob 

der Beschuldigte eventualvorsätzlich gehandelt hat.

3.2 Vorsätzlich handelt, wer mit Wissen und Willen handelt. Vorsätzlich handelt 

auch  bereits,  wer  die  Verwirklichung  der  Tat  für  möglich  hält  und  in  Kauf  nimmt 

(sog. Eventualvorsatz, Art. 12 Abs. 2 StGB). Für den Eventualvorsatz kommen so-

wohl Fälle in Betracht, in welchen die Tatbestandsverwirklichung aus der Sicht des 

Täters eine bloss für möglich gehaltene Vorbedingung oder Nebenfolge des eigent-

lichen Handlungsziels bildet; wie auch solche, in denen er sich der Möglichkeit des 

Eintritts verschiedener Erfolge bewusst ist oder des Eintritts eines anderen als des 

von ihm angestrebten (BSK StGB-NIGGLI/MAEDER, 4. Aufl., 2019, Art. 12 N 50).

3.3 Der Beschuldigte gab anlässlich der Hauptverhandlung an, dass er seit drei 

Jahren  Kampfkunst  betreibe  und  darin  gerade  erfolgreich  eine  Prüfung  abgelegt 

habe. Damit sich andere Leute vorstellen könnten, was er in der Kampfkunst so 

mache, zeige er jeweils den als "Polizeigriff" bekannten Griff. Diesen Griff habe er 

in  zahlreichen  Trainings  geübt,  wobei  sich  dabei  noch  nie  jemand  verletzt  habe. 

Dabei achte er jeweils auf die im Training gelernte sanfte Ausführung (act. 55 S.5). 

Vorliegend konnte erstellt werden, dass der Beschuldigte durch das Herumdrehen 

des rechten Armes der Privatklägerin einen Ellenbruch verursacht hat. Als geübtem 

Anwender war dem Beschuldigten bewusst (bzw. er rechnete mit der Möglichkeit), 

dass ein ruckartiges und vollständiges Umdrehen des Armes der unvorbereiteten 

Privatklägerin – mithin gerade nicht eine sanfte Ausführung des Polizeigriffs, – zu 

Verletzungen bis hin zu Knochenbrüchen führen kann. Dieser Erfolg wurde von ihm 

zwar nicht angestrebt, nichtsdestotrotz nahm er ihn aber in Anbetracht eines sol-

chen Vorgehens in Kauf. Somit ist auch der subjektive Tatbestand erfüllt.

4.

Fazit

Da  vorliegend  weder  Schuldausschluss-  noch  Rechtfertigungsgründe  ersichtlich 

sind,  ist  der  Beschuldigte  zusammenfassend  der  einfachen  Körperverletzung  im 

Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.

- 15 -

IV. Strafzumessung

1.

Allgemeines

1.1 Bei  der  Strafzumessung  ist  zunächst  der  anwendbare  Strafrahmen  zu  be-

stimmen (vgl. BSK StGB-WIPRÄCHTIGER/KELLER, 4. Aufl., 2019, Art. 47 N 19). In-

nerhalb des ermittelten Strafrahmens bemisst sich die Strafe nach dem Verschul-

den des Täters, wobei das Gericht das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse und 

die  Wirkung  der  Strafe  auf  das  Leben  des  Täters  berücksichtigt  (Art.  47  Abs.  1 

StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung 

des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweg-

gründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach 

den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Ver-

letzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB).

1.2 Für die Zumessung der Strafe innerhalb des Strafrahmens ist zwischen der 

Tat-  und  der  Täterkomponente  zu  unterscheiden.  Bei  der  Tatkomponente  ist  als 

Ausgangspunkt  die  objektive  Schwere  des  Delikts  festzulegen  und  zu  bewerten. 

Dabei ist anhand des Ausmasses des Erfolgs sowie aufgrund der Art und Weise 

des Vorgehens zu beurteilen, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut be-

einträchtigt worden ist. Ebenfalls von Bedeutung sind die kriminelle Energie sowie 

der Tatbeitrag bei Tatausführung durch mehrere Täter. Hinsichtlich des subjektiven 

Verschuldens sind insbesondere das Motiv, die Beweggründe, die Willensrichtung 

sowie das Mass an Entscheidungsfreiheit des Täters zu beurteilen (Art. 47 Abs. 2 

StGB). Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenenfalls in einem weiteren Schritt 

aufgrund  wesentlicher  Täterkomponenten  sowie  wegen  eines  allfälligen  blossen 

Versuchs  im  Sinne  von  Art. 22  Abs. 1  StGB  verändert  werden  (BGE  136  IV  55 

m.w.H.). Die Täterkomponente umfasst die persönlichen Verhältnisse, das Vorle-

ben, insbesondere frühere Strafen oder Wohlverhalten, und das Verhalten nach der 

Tat und im Strafverfahren, insbesondere gezeigte Reue und Einsicht, oder ein ab-

gelegtes Geständnis (Art. 47 Abs. 1 StGB; vgl. zum Ganzen: OFK StGB-Heimgart-

ner, 21. Aufl., 2022, Art. 47 N 5 ff. m.w.H.).

1.3 Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässigkeit 

einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Um-

- 16 -

feld  sowie  ihre  präventive  Effizienz  zu  berücksichtigen  (BGE 134  IV  97  E. 4.2 

m.w.H.).  Nach  dem  Prinzip  der  Verhältnismässigkeit  soll  nach  konstanter  Recht-

sprechung bei alternativ zur Verfügung stehenden und hinsichtlich des Schuldaus-

gleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden, die weni-

ger  stark  in  die  persönliche  Freiheit  des  Betroffenen  eingreift  (BGE 138  IV  120 

E. 5.2). Die Geldstrafe stellt die Hauptsanktion dar (BGE 134 IV 97 E. 4.2.2). Sie 

wiegt als Vermögenssanktion prinzipiell weniger schwer als ein Eingriff in die per-

sönliche Freiheit (BGE 138 IV 120 E. 5.2). Statt auf eine Geldstrafe kann das Ge-

richt  hingegen  auf  eine  Freiheitsstrafe  erkennen,  wenn  eine  solche  geboten  er-

scheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen ab-

zuhalten oder eine Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden kann (Art. 41 

Abs. 1 lit. a und lit. b StGB). Die Wahl der Sanktionsart ist in diesem Fall näher zu 

begründen (Art. 41 Abs. 2 StGB).

2.

Konkrete Strafzumessung

2.1 Strafrahmen

Der Beschuldigte hat sich der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 

Ziff. 1 StGB schuldig gemacht. Der Strafrahmen beträgt hierfür Freiheitsstrafe bis 

zu drei Jahren oder Geldstrafe. Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe, die 

ein Verlassen des ordentlichen Strafrahmens rechtfertigen würden, sind vorliegend 

keine ersichtlich.

2.2 Tatkomponente

2.2.1 Objektive Tatschwere

Die Privatklägerin erklärte, dass der Ellenbruch sehr starke Schmerzen verursacht 

habe (act. 7 F/A 21). Weiter sei die Privatklägerin über Wochen in ihrer Arbeit ein-

geschränkt gewesen. So konnte die Privatklägerin anstelle ihrer eigentlichen kör-

perlichen Arbeit, wie schwere Last tragen oder Autofahren, nur noch Büroarbeiten 

erledigen (act. 7 F/A 6, Prot. S. 20 ff.). Wie es die Privatklägerin schildert, war sie 

zudem  zwei  Monate  lang  krankgeschrieben  (Prot.  S. 22).  Ein  Knochenbruch  er-

scheint auch in objektiver Hinsicht nicht mehr als leichte Tatbegehungsform. Ge-

- 17 -

messen an den vorliegenden Tatumständen sowie allen erdenklichen Begehungs-

möglichkeiten der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB 

erscheint das objektive Tatverschulden als nicht mehr leicht.

2.2.2 Subjektive Tatschwere

Zu  berücksichtigen  ist,  dass  der  Beschuldigte  lediglich  eventualvorsätzlich  und 

nicht direktvorsätzlich gehandelt hat. Der Beschuldigte hatte kein böswilliges oder 

nichtiges Motiv, sondern handelte aus Stolz oder Euphorie über seine Fähigkeiten 

in der Kampfkunst heraus. Insgesamt vermindert die subjektive Tatschwere die ob-

jektive Tatschwere etwas. Das Verschulden erscheint zwar immer noch als nicht 

mehr leicht, nunmehr aber am unteren Rand dieser Qualifikation (im Bereich des 

Überganges zur Qualifikation eines noch leichten Verschuldens).

2.3 Hypothetische Strafe

Die Geldstrafe beträgt höchstens 180 Tagessätze (Art. 34 Abs. 1 StGB). Bei einem 

nicht mehr leichten Verschulden erscheint die maximale Anzahl von 180 Tagen als 

überschritten, sodass als hypothetische Strafe lediglich eine Freiheitsstrafe in Be-

tracht kommt. Es rechtfertigt sich, bemessen an den Tatkomponenten, eine hypo-

thetische Freiheitsstrafe von 7 Monaten festzulegen.

2.4 Täterkomponente

2.4.1 Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten stellen sich gemäss seinen 

Aussagen wie folgt dar: Der Beschuldigte sei 1996 geboren und habe die Primar- 

und Sekundarschule absolviert. Anschliessend habe er eine Lehre als Hochbau-

zeichner gemacht. Der Beschuldigte habe einen Sohn, welcher 2009 auf die Welt 

gekommen sei. Mit 24 Jahren sei der Beschuldigte das erste Mal in eine Klinik ge-

kommen (Prot. S. 33). Danach habe er den "Seich" mit dem Stiefvater begangen, 

bei welchem der Beschuldigte seinem Stiefvater im Streit in einem Ausnahmezu-

stand  einen  Stuhl  nachgeworfen  habe,  wodurch  dieser  eine  Platzwunde  erlitten 

habe, sowie mehrere Fensterscheiben zerstört habe. Aufgrund dieser Situation sei 

der Beschuldigte unter anderem zu einer Massnahme nach Art. 59 StGB verurteilt 

worden (act. 46 S. 2; Prot. S. 33). Wie sich aus verschiedenen Eingaben und Äus-

- 18 -

serungen des Beschuldigten ergibt, hatte der Beschuldigten eine schwierige Kind-

heit, namentlich habe der Beschuldigte physische, sexuelle und emotionale Gewalt 

und Missbrauch erfahren (act. 42/1; act. 46 S. 1). Weiter leide der Beschuldigte an 

einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung oder einer Borderline-Per-

sönlichkeitsstörung, einer rezidiven Depression und ADHS (act. 42/1; act. 46 S. 1; 

Prot. S. 34).  Es  besteht  kein  Anlass,  an  der  Wahrhaftigkeit  dieser  Aussagen  zu 

zweifeln, zumal die psychiatrische Behandlung des Beschuldigten aktenkundig ist 

(act. 42/2). Aufgrund der oberwähnten Krankheiten beziehe der Beschuldigte seit 

2021  eine  IV-Rente  von  Fr. 1'700.–  sowie  eine  Pensionskassenrente  von 

Fr. 1'900.– (act. 42/1; Prot. S. 33). Zudem habe der Beschuldigte Schulden im Um-

fang von Fr. 27'000.– (Prot. S. 35). 

Das  komplexe  und  ernsthafte  Krankheitsbild  des  Beschuldigten  wirkt  sich  stark 

strafmindernd aus. Ansonsten lässt sich nichts zugunsten des Beschuldigten aus 

seinen persönlichen Verhältnissen ableiten.

2.4.2 Der Beschuldigte hat mehrere im Strafregister eingetragene Vorstrafen, dar-

unter auch eine einschlägige wegen einfacher Körperverletzung (act. 37). Dieser 

Umstand wirkt sich leicht straferhöhend aus.

2.4.3 In Bezug auf das Nachtatverhalten ist festzuhalten, dass der Beschuldigte kei-

nerlei  Reue  oder  Einsicht  zeigte.  Im  Gegenteil:  Wie  die  Privatklägerin  glaubhaft 

schilderte, half der Beschuldigte ihr nicht auf und meinte nach der Tat nur lapidar, 

dass  Schmerzen  relativ  seien,  wobei  das  Verhalten  des  Beschuldigten  wohl  teil-

weise auch auf sein komplexes Krankheitsbild zurückzuführen ist. Das Nachtatver-

halten des Beschuldigten wirkt sich insgesamt leicht straferhöhend aus.

2.4.4 In der Gesamtsumme der vorstehend erwähnten Täterkomponenten rechtfer-

tigt es sich, die hypothetische Strafe von 7 Monaten um 2 Monate zu senken, was 

eine  Freiheitsstrafe  von  5  Monaten  ergeben  würde.  Da  durch  die  Senkung  das 

Höchstmass der Geldstrafe von 180 Tagessätzen unterschritten wird und eine Frei-

heitsstrafe (im Vergleich zur Geldstrafe) nicht geboten erscheint, um den Täter von 

der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 41 Abs. 1 lit. a 

StGB), ist eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen auszusprechen.

- 19 -

2.5 Fazit 

Der Beschuldigte befindet sich offensichtlich nicht in guten finanziellen Verhältnis-

sen (vgl. E. IV./2.4), weshalb die Tagessatzhöhe auf Fr. 30.– festzusetzen ist. Im 

Sinne der vorstehenden Erwägungen ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 

150 Tagessätzen zu Fr. 30.– (entsprechend Fr. 4'500.–) zu bestrafen. 

V. Strafvollzug

1.1 Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn eine 

unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung wei-

terer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Materiell ist für 

den Aufschub der Strafe das Fehlen einer ungünstigen Prognose vorausgesetzt, 

wobei die günstige Prognose vermutet wird (BGE 134 IV 140 E. 4.4; OFK StGB-

HEIMGARTNER, 21. Aufl., 2022, Art. 42 N 6 f.).

1.2 Insbesondere aufgrund der mehreren und in einem Fall sogar einschlägigen 

Vorstrafe(n) (vgl. act. 37) muss dem Beschuldigten eine ungünstige Prognose at-

testiert werden, weshalb die Geldstrafe zu vollziehen ist.

VI. Zivilansprüche

Die  Privatklägerin  machte  mit  Formular  vom  4. März  2024  Schadenersatz  in  der 

Höhe von Fr. 4'500.– sowie eine Genugtuung von Fr. 5'000.– geltend (act. 11/3). 

Der  Schadenersatz  wurde  durch  die  Privatklägerin  nicht  begründet,  weshalb  die 

Schadenersatzforderung der Privatklägerin in der Höhe von Fr. 4'500.– auf den Zi-

vilweg zu verweisen ist. Hinsichtlich der Genugtuung ist festzuhalten, dass die Pri-

vatklägerin glaubhaft zu Protokoll gab, über Wochen hinweg in ihrer Arbeit einge-

schränkt  gewesen  zu  sein  und  starke  Schmerzen  erlitten  zu  haben  (siehe  act. 7 

F/A 6 und 21). Angesichts dieser Umstände erscheint eine Genugtuung in der Höhe 

von  Fr. 500.–  als  angemessen.  Eine  darüberhinausgehende  Genugtuungsforde-

rung gegen den Beschuldigten ist nicht ersichtlich und wurde von der Privatklägerin 

auch  nicht  begründet,  weshalb  die  Genugtuungsforderung 

im  Mehrbetrag 

(Fr. 4'500.–) auf den Zivilweg zu verweisen ist.

- 20 -

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Unter Berücksichtigung von § 2 Abs. 1 lit. b-d in Verbindung mit § 14 Abs. 1 

GebV OG ist die Entscheidgebühr auf Fr. 1'500.– festzusetzen. Die Gebühr für 

das Vorverfahren beträgt Fr. 1'600.– (act. 17). Zu den Verfahrenskosten gehören 

auch die Kosten für die amtliche Verteidigung (Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO). Die 

amtliche Verteidigerin, Rechtsanwältin MLaw X._____, reichte anlässlich der 

Hauptverhandlung ihre Honorarnote in der Höhe von Fr. 6'885.75 (inkl. Barausla-

gen und MwSt.) ein (act. 57). Indes erscheint die an der Hauptverhandlung vorge-

tragene Einleitung ihres Plädoyers (act. 56 S. 3 und 4) nicht zur Ausübung der 

Verfahrensrechte des Beschuldigten erforderlich. Die amtliche Verteidigung wie-

derholt darin im Wesentlichen den Verfahrensgang für die Bestellung der amtli-

chen Verteidigung, was vorliegend nicht zur Verteidigung des Beschuldigten bei-

trägt. Der Aufwand für diese beiden Seiten des Plädoyers ist entsprechend im Ho-

norar der amtlichen Verteidigung zu kürzen. Die amtliche Verteidigung ist dem-

nach (bei einer Kürzung von etwas weniger als 2 Stunden) mit Fr. 6'500.– (inkl. 

Barauslagen und MwSt.) zu entschädigen.

2. Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrens-

kosten, wenn sie verurteilt wird. Ausgangsgemäss sind die Kosten, einschliesslich 

derjenigen der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kos-

ten der amtlichen Verteidigung sind indessen einstweilen auf die Gerichtskasse 

zu nehmen. Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist der einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 1 StGB schuldig.

2.

Der Beschuldigte wird mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 30.– 

(entsprechend Fr. 4'500.–) bestraft.

3.

Die Geldstrafe wird vollzogen.

- 21 -

4.

Der Privatklägerin, B._____, wird eine Genugtuung von Fr. 500.– zugespro-

chen. Im Übrigen werden ihre Zivilforderungen auf den Weg des Zivilprozes-

ses verwiesen.

5.

Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

1'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:

1'600.00   Gebühr für das Vorverfahren, 

6'500.00

  Entschädigung amtliche Verteidigung 
  (inkl. Barauslagen und MwSt),

9'600.00   Total

Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert 

sich die Entscheidgebühr um einen Drittel. 

6.

Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 5 werden dem Beschuldigten auferlegt. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden indessen einstweilen auf die 

Gerichtskasse genommen. Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO bleibt vorbehalten.

7. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an









Rechtsanwältin MLaw X._____, im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben);

die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, im Doppel (überbracht, 
gegen Empfangsschein);

die Privatklägerin (mit Gerichtsurkunde);

die Bezirksgerichtskasse Winterthur (überbracht); 

und nach Eintritt der Rechtskraft an



die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A.

8. Gegen dieses Urteil kann innert 10 Tagen von der Eröffnung an beim Be-

zirksgericht Winterthur, Einzelgericht Strafsachen, Lindstrasse 10, 8400 

Winterthur, mündlich oder schriftlich Berufung angemeldet werden.

Ein vollständig begründetes Urteil wird nur zugestellt, wenn dies ein Verfah-

rensbeteiligter binnen 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils verlangt oder 

wenn ein Rechtsmittel gegen den Entscheid eingelegt worden ist.

- 22 -

Mit der Berufung kann das Urteil in allen Punkten umfassend angefochten 

werden. Mit der Berufung können gerügt werden:

Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung des Ermessens, 

Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, die unvollständige und unrich-

tige Feststellung des Sachverhaltes oder Unangemessenheit.

Die Berufung erhebende Partei hat binnen 20 Tagen nach Zustellung des 

begründeten Entscheids dem Obergericht des Kantons Zürich, Strafkammer, 

Postfach, 8021 Zürich, eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. 

Sie hat darin anzugeben, ob sie das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen 

anficht, welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils sie verlangt. 

Werden nur Teile des Urteils angefochten, ist verbindlich anzugeben, auf 

welche sich die Berufung beschränkt.

Bei offensichtlich verspäteten Berufungsanmeldungen oder Berufungserklä-

rungen wird auf die Berufung ohne Weiterungen nicht eingetreten.

Winterthur, 23. Mai 2025

BEZIRKSGERICHT WINTERTHUR

Der Bezirksrichter:

Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. D. Siegwart

MLaw J. Löffel