# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d3c4d1fd-7c6a-5430-8d86-4140cdfabcb3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-09-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.09.2020 E-4616/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4616-2019_2020-09-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4616/2019 

 

 
 

  W i e d e r a u f n a h m e e n t s c h e i d   

v o m  2 1 .  S e p t e m b e r  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Barbara Balmelli (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger,  

Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner, 

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

Richter William Waeber, 

Gerichtsschreiber Olivier Gloor. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Äthiopien,   

vertreten durch Ass. iur. Christian Hoffs,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, 

Gesuchsteller,  

 

  
gegen 

  
Bundesverwaltungsgericht (BVGer) 

Kreuzackerstrasse 12, 9023 St. Gallen . 

   

Gegenstand 

 
Gesuch um Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens; 

Abschreibungsentscheid des BVGer E-6312/2018  

vom 30. November 2018. 

 

 

 

E-4616/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Mit Verfügung vom 24. Juli 2018 stellte die Vorinstanz fest, der Gesuchstel-

ler erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch vom 

14. Dezember 2015 ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und 

ordnete den Vollzug der Wegweisung an. 

B.  

Auf die am 28. August 2018 dagegen erhobene Beschwerde trat das Bun-

desverwaltungsgericht mit Urteil E-4922/2018 vom 30. August 2018 nicht 

ein. 

C.  

Die Eingabe des Gesuchstellers vom 10. September 2018 nahm das Bun-

desverwaltungsgericht als Revisionsgesuch gegen das Urteil E-4922/2018 

vom 30. August 2018 entgegen. Mit Urteil E-5128/2018 vom 17. September 

2018 hiess es das Revisionsgesuch gut, hob das Urteil E-4922/2018 vom 

30. August 2018 auf und ordnete die Wiederaufnahme des Beschwerde-

verfahrens an. 

D.  

Am 10. Oktober 2018 teilten die deutschen Behörden der Vorinstanz mit, 

der Gesuchsteller sei gemäss eigenen Angaben am 23. September 2018 

nach Deutschland eingereist und habe am 24. September 2018 ein schrift-

liches Asylgesuch gestellt. Die Schweiz werde um Wiederaufnahme des 

Gesuchstellers ersucht.  

E.  

Die Vorinstanz stimmte am 11. Oktober 2018 dem Ersuchen der deutschen 

Behörden gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) 

Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 

2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-

gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen  

oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-

nalen Schutz zuständig ist (Neufassung) (ABl. L 180/31 vom 29.6.2013; 

nachfolgend: Dublin-III-VO) zu. 

F.  

Aufgrund der Mitteilung der zuständigen kantonalen Behörde vom 22. Ok-

tober 2018, der Gesuchsteller sei seit dem 30. September 2018 unbekann-

ten Aufenthaltes, forderte die Instruktionsrichterin den Rechtsvertreter des 

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Seite 3 

Gesuchstellers mit Zwischenverfügung vom 13. November 2018 dazu auf, 

innert Frist eine aktuelle und vom Gesuchsteller unterzeichnete Erklärung 

einzureichen, aus welcher dessen fortbestehendes Rechtsschutzinteresse 

sowie der derzeitige Aufenthaltsort hervorgehe. 

G.  

Der Rechtsvertreter erklärte mit Eingabe vom 16. November 2018 gegen-

über dem Gericht, der Aufenthalt des Gesuchstellers sei nach wie vor un-

bekannt und Bemühungen um Kontaktaufnahme seien erfolglos geblieben, 

weshalb davon auszugehen sei, der Gesuchsteller habe kein Rechts-

schutzinteresse mehr. 

H.  

Mit Abschreibungsentscheid des Bundesverwaltungsgerichts E-6312/2018 

vom 30. November 2018 wurde das Beschwerdeverfahren als gegen-

standslos geworden abgeschrieben. 

I.  

Am 15. Januar 2019 informierten die luxemburgischen Behörden die Vor-

instanz darüber, dass der Gesuchsteller am 10. Januar 2019 ein Asylge-

such gestellt habe. Die Schweiz werde um Wiederaufnahme des Gesuch-

stellers ersucht. 

J.  

Der Gesuchsteller wurde am 16. Januar 2019 von Deutschland in die 

Schweiz überstellt. 

K.  

Die Vorinstanz teilte den luxemburgischen Behörden am 17. Januar 2019 

mit, dass sich die Schweiz gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO 

für die Durchführung des Asylverfahrens des Gesuchstellers als zuständig 

erachte und dass sich dieser bereits wieder in der Schweiz aufhalte. 

L.  

Am 14. Februar 2019 informierten die deutschen Behörden die Vorinstanz, 

dass sich der Gesuchsteller erneut in Deutschland aufhalte und ersuchte 

die Schweiz erneut um Wiederaufnahme. 

M.  

Die Vorinstanz stimmte am 21. Februar 2019 dem Wiederaufnahmeersu-

chen der deutschen Behörden gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-

VO zu. 

E-4616/2019 

Seite 4 

N.  

Der Gesuchsteller wurde am 31. Juli 2019 von Deutschland in die Schweiz 

überstellt. 

O.  

Mit Eingabe vom 11. September 2019 ersuchte der Beschwerdeführer das 

Gericht um Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens und um soforti-

gen Vollzugsstopp. 

P.  

Die Instruktionsrichterin setzte am 13. September 2019 gestützt auf 

Art. 56 VwVG mit superprovisorischer Massnahme den Vollzug der Weg-

weisung per sofort einstweilen aus. 

Q.  

Mit Zwischenverfügung vom 20. September 2019 verfügte die Instruktions-

richterin, der Gesuchsteller dürfe den Entscheid über die Wiederaufnahme 

des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz abwarten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes 

[AsylG, SR 142.31] in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbe-

stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015 gilt für Ver-

fahren, welche nach dem 1. März 2019 eingeleitet wurden – e contrario – 

das neue Recht. 

1.2 Abschreibungsentscheide sind weder der Revision noch der Wiederer-

wägung zugänglich. Die Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens 

stellt ein eigenes Verfahren dar, mithin ein Verfahren sui generis (vgl. Urteil 

des BVGer D-747/2019 vom 25. Juli 2019 E. 3, mit Hinweisen auf die bis-

herige Praxis). Als solches ist es vom abgeschriebenen beziehungsweise 

dem allenfalls wieder aufzunehmenden Beschwerdeverfahren zu unter-

scheiden. Auf das mit Eingabe vom 11. September 2019 eingeleitete Ver-

fahren um Wiederaufnahme sind deshalb die neuen Bestimmungen des 

AsylG anwendbar. 

1.3 Das Verfahren betreffend das Gesuch um Wiederaufnahme des Asyl-

beschwerdeverfahrens richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 

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Seite 5 

BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG, Art. 6 

AsylG).  

1.4 Als Beschwerdeinstanz auf dem Gebiet des Asylrechts (vgl. Art. 31 

VGG i.V.m. Art. 105 AsylG) ist das Bundesverwaltungsgericht auch für die 

Beurteilung von Gesuchen um Wiederaufnahme eines von ihm abge-

schlossenen Beschwerdeverfahrens zuständig.  

1.5 Der Gesuchsteller ist durch den Abschreibungsentscheid des Bundes-

verwaltungsgerichts vom 30. November 2018 besonders berührt und hat 

ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung beziehungsweise Än-

derung. Er ist damit zur Einreichung des Gesuchs um Wiederaufnahme 

des Beschwerdeverfahrens legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). 

1.6 Über die Wiederaufnahme abgeschriebener Asylbeschwerdeverfahren 

entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Zusammensetzung mit 

drei Richterinnen oder Richtern (Art. 21 Abs. 1 VGG, Art. 23 Abs. 1 Bst. a 

VGG und Art. 111 AsylG [e contrario]). 

1.7 Dieses Urteil ergeht in Anwendung von Art. 21 und Art. 25 VGG i.V.m. 

Art. 32 Abs. 2 und 3 des Geschäftsreglements vom 17. April 2008 für das 

Bundesverwaltungsgericht (VGR, SR 173.320.1) in Besetzung mit fünf 

Richterinnen beziehungsweise Richtern. 

2.  

2.1 Ein Abschreibungsentscheid kann auf Gesuch hin aufgehoben und das 

ursprüngliche Beschwerdeverfahren durch das Gericht wieder aufgenom-

men werden, insbesondere wenn das vorangegangene Verfahren infolge 

einer auf Willensmängel beruhenden Rückzugserklärung der Partei (vgl. 

Urteil des BVGer D-1424/2019 vom 23. Mai. 2019 E. 3.1, unter Hinweis auf 

die langjährige Praxis) oder irrtümlich als Folge von unzutreffenden Infor-

mationen oder von Fehlinterpretationen als gegenstandslos abgeschrieben 

wurde (vgl. dazu Urteil des BVGer D-2608/2016 vom 6. Mai 2016 S. 5 

m.w.H.).  

2.2 Im Rahmen von Dublin-Verfahren sind besondere Bestimmungen – 

insbesondere jene der Dublin-III-VO – anwendbar. Das Dublin-System ba-

siert auf dem Grundsatz, dass nur ein einziger Mitgliedstaat ein Asylgesuch 

zu prüfen hat. Entsprechend verpflichtet Art. 18 Abs. 1 Bst. a – d Dublin-III-

VO den zuständigen Mitgliedstaat, einen Gesuchsteller aufzunehmen 

(Bst. a), oder, wenn er während der Prüfung seines Antrags (Bst. b) oder 

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Seite 6 

nach Rückzug desselben (Bst. c) oder nach Erhalt eines negativen Ent-

scheides (Bst. d) einen Antrag in einem anderen Mitgliedstaat stellt oder 

sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaates ohne Aufenthaltstitel 

aufhält, ihn wiederaufzunehmen. Art. 18 Abs. 2 Dublin-III-VO enthält zudem 

verschiedene Rechts- beziehungsweise Verfahrensgarantien, indem die 

Bestimmung den zuständigen Mitgliedstaat verpflichtet, den Antrag auf in-

ternationalen Schutz abschliessend zu prüfen (Unterabsatz 1), dem Ge-

suchsteller bei Rückzug seines Asylgesuches das Recht einräumt, die 

Fortsetzung der Prüfung zu beantragen beziehungsweise ein neues Ge-

such einzureichen (Unterabsatz 2) sowie gegen einen abschlägigen Ent-

scheid einen wirksamen Rechtsbehelf vorschreibt (Unterabsatz 3). Auf-

grund dieser Vorgaben sieht Art. 35a AsylG vor, dass Asylverfahren, für 

welche die Schweiz aufgrund der Dublin-III-Verordnung zuständig ist, wie-

der aufzunehmen sind und zwar auch dann, wenn das Asylgesuch zuvor 

abgeschrieben wurde.  

2.3 In systematischer Hinsicht steht Art. 35a AsylG unter dem dritten Ab-

schnitt des zweiten Kapitels des Asylgesetzes, welcher das erstinstanzli-

che Verfahren regelt. Es ist demnach zu prüfen, ob die Pflicht zur Wieder-

aufnahme, wie sie in der Dublin-III-VO beziehungsweise in Art. 35a AsylG 

statuiert ist, auch auf das Beschwerdeverfahren Anwendung findet.  

3.  

3.1 Art. 18 Abs. 2 Dublin-III-VO sowie Art. 35a AsylG sollen dem Asylge-

suchsteller den effektiven Zugang zum Asylverfahren gewährleisten (vgl. 

auch Erwägung 5 Dublin-III-VO) und insbesondere sicherstellen, dass die 

Prüfung des Asylgesuchs abschliessend erfolgt. Die Wiederaufnahme des 

Verfahrens soll auf Antrag des Gesuchstellers auch dann erfolgen, wenn 

er das ursprüngliche Asylgesuch zurückgezogen hat oder er während des 

Asylverfahrens untergetaucht ist (vgl. Botschaft über die Genehmigung 

und die Umsetzung der Notenaustausche zwischen der Schweiz und der 

EU betreffend die Übernahme der Verordnung [EU] Nr. 603/2013 und [EU] 

Nr. 604/2013 [Weiterentwicklungen des Dublin/Eurodac-Besitzstands] vom 

7. März 2014, BBL 2014 2708 f.; Urteil des BVGer D-1424/2019 vom 

23. Mai 2019 E. 3.4 m.w.H.). Insofern räumen die genannten Bestimmun-

gen dem Asylgesuchsteller einen "uneingeschränkten Anspruch" auf Wie-

deraufnahme in dem Sinne ein, dass diese grundsätzlich auch zu erfolgen 

hat, wenn der Beschwerdeführer keinen Willensmängeln unterlag (vgl. 

E. 2.1), also selbst bei widersprüchlichem oder gegen die Mitwirkungs-

pflicht (vgl. insbesondere Art. 8 Abs. 3 AsylG) verstossendem Verhalten 

seinerseits. Aus dem Konzept der "uneingeschränkten" Wiederaufnahme 

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Seite 7 

ergibt sich freilich ein gewisses Spannungsverhältnis zu den allgemeinen 

Rechtsgrundsätzen des Handelns nach Treu und Glauben sowie dem 

Rechtsmissbrauchsverbot, insbesondere wenn es dem Gesuchsteller 

ohne nachteilige Rechtsfolge ermöglicht, sich über innerstaatliche Aufla-

gen, wie beispielsweise betreffend den Aufenthaltsort, hinwegzusetzen o-

der nach Belieben Asylverfahren in anderen Mitgliedstaaten einzuleiten, 

mithin sogenanntes "asylum-shopping" zu betreiben (vgl. dazu Urteil des 

BVGer E-6557/2011 vom 17. Januar 2012 E. 6.1 m.w.H.). Diese dem Asyl-

suchenden durch das Dublin-System gewährte Rechtswohltat steht zudem 

in Kontrast zu der vom Schweizer Gesetzgeber im Jahre 2014 eingeführten 

Bestimmung von Art. 8 Abs. 3bis AsylG, nach welcher bei Verletzung der 

Mitwirkungspflicht beziehungsweise im Falle des Untertauchens das Ver-

fahren formlos abgeschrieben werden und während drei Jahren keine er-

neute Verfahrenseinleitung möglich sein soll. Im Zusammenhang mit der 

späteren Einführung von Art. 35a AsylG im Jahre 2015 wurde festgehalten, 

dass die Pflicht zur Wiederaufnahme im Sinne dieser Bestimmung nur für 

Dublin-Fälle gelte (vgl. Botschaft über die Genehmigung und die Umset-

zung der Notenaustausche zwischen der Schweiz und der EU betreffend 

die Übernahme der Verordnung [EU] Nr. 603/2013 und [EU] Nr. 604/2013 

[Weiterentwicklungen des Dublin/Eurodac-Besitzstands] vom 7. März 

2014, BBL 2014 2698;. zur Problematik der Vereinbarkeit von Art. 8 Abs. 

3bis AsylG mit den rechtlichen Vorgaben der Dublin-III-Verordnung sowie 

Art. 35a AsylG vgl. ferner SERAINA NUFER, ASYL 2014/2 S. 8). 

3.2 Einen ersten Hinweis auf die Frage, ob die "uneingeschränkte" Wieder-

aufnahme (im vorstehend beschriebenen Sinne) auch für das gerichtliche 

Beschwerdeverfahren gelten soll, liefert Art. 18 Abs. 2 Unterabsatz 2 Dub-

lin-III-VO, welcher die Wiederaufnahme des Verfahrens im Falle eines  

vorausgegangenen Rückzuges des Asylantrages regelt. Gemäss dieser 

Bestimmung ist das Verfahren nur dann wieder aufzunehmen, wenn in der 

Sache aufgrund des Rückzuges in erster Instanz noch kein Entscheid er-

gangen ist. Die Pflicht zur abschliessenden materiellen Prüfung des Antra-

ges und damit der Anspruch auf Wiederaufnahme besteht gemäss dieser 

Bestimmung demzufolge nur im Zusammenhang mit erstinstanzlichen Ver-

fahren. Der Wortlaut der Bestimmung legt somit den Schluss nahe, dass 

der "uneingeschränkte" Anspruch auf Verfahrenswiederaufnahme für 

zweitinstanzliche Verfahren in dieser Form nicht besteht. Daraus ist ferner 

zu schliessen, dass sich sämtliche Konstellationen von Art. 18 Abs. 2 Dub-

lin-III-VO, in welchen die Pflicht zum Verfahrensabschluss beziehungs-

weise zur Verfahrensfortführung enthalten ist, nur auf das erstinstanzliche 

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Seite 8 

Verfahren beziehen. Es erhellt nicht, weshalb sich die ersten beiden Unter-

absätze von Art. 18 Abs. 2 Dublin-III-VO diesbezüglich unterscheiden soll-

ten. Insbesondere gibt es keinen ersichtlichen Grund, weshalb im Fall des 

Stellens eines Asylantrages in einem anderen Mitgliedstaat während des 

hängigen Verfahrens im zuständigen Mitgliedstaat beziehungsweise im 

Fall des Verlassens des zuständigen Mitgliedstaates während des hängi-

gen Verfahrens (Art. 18 Abs. 2 Unterabsatz 1 i.V.m. Art. 18 Abs. 1 Bst. b 

Dublin-III-VO) sich die "uneingeschränkte" Pflicht zur Verfahrensfortfüh-

rung beziehungsweise Verfahrenswiederaufnahme auch auf zweitinstanz-

liche Verfahren erstrecken soll, während dies in der Konstellation, wo (zu-

sätzlich) der Asylantrag formell zurückgezogen wird, ausdrücklich nicht gilt 

(Art. 18 Abs. 2 Unterabsatz 2 Dublin-III-VO i.V.m. Art. 18 Abs. 1 Bst. c).  

Des Weiteren wird das Rechtsmittelverfahren erst in Art. 18 Abs. 2 Unter-

absatz 3 Dublin-III-VO erwähnt, welcher für den Fall eines abschlägigen 

materiellen Asylentscheides einen wirksamen Rechtsbehelf vorschreibt. 

Die konkrete Ausgestaltung dieses Rechtsbehelfs ist jedoch nicht in der 

Dublin-III-VO geregelt, sondern in Art. 46 der Richtlinie 2013/32/EU des 

europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zu gemeinsa-

men Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen 

Schutzes (nachfolgend: Asylverfahrensrichtlinie), auf welche Art. 18 Abs. 2 

Unterabsatz 3 Dublin-III-Verordnung verweist. In diesem Zusammenhang 

ist darauf hinzuweisen, dass Art. 27 Dublin-III-VO ("Rechtsmittel") auf die 

hier interessierenden Konstellationen nicht anwendbar ist, da sich dieser 

Artikel (wie auch die Erwägung 19 der Verordnung) auf Überstellungsent-

scheide bezieht. Die prozessualen Vorgaben, wie der "wirksame Rechts-

behelf" im Sinne von Art. 18 Abs. 2 Unterabsatz 3 Dublin-III-VO auszuge-

stalten ist, ergeben sich demgemäss aus der Asylverfahrensrichtlinie und 

nicht direkt aus der Dublin-III-Verordnung selbst. Auch wenn die Asylver-

fahrensrichtlinie für die Schweiz nicht verbindlich ist (vgl. Botschaft zur Ge-

nehmigung der Vereinbarung zwischen der Schweiz und der EU zur Fest-

legung der Modalitäten der Beteiligung der Schweiz am Europäischen Un-

terstützungsbüro für Asylfragen (EASO) vom 3. September 2014, BBl 

2014, S. 6918 f.), lässt sie dennoch Rückschlüsse auf die Intentionen des 

Dublin-III-Verordnungsgebers bezüglich der Ausgestaltung der Verfahrens-

wiederaufnahme (im hier interessierenden Sinne) zu, welchen nicht zuletzt 

auch aufgrund der in Art. 113 AsylG festgehaltenen Harmonisierungsbe-

strebungen Rechnung zu tragen ist. 

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Seite 9 

Art. 46 Asylverfahrensrichtlinie definiert die Anforderungen an einen "wirk-

samen Rechtsbehelf" im Sinne von Art. 18 Abs. 2 Unterabsatz 3 Dub-

lin-III-VO. Unter anderem sieht die Bestimmung die Möglichkeit vor, den 

Entscheid einer Asylbehörde, ein eingestelltes Asylverfahren nicht wieder-

aufzunehmen, mit einem Rechtsmittel gerichtlich anzufechten (vgl. Art. 46 

Abs. 1 Bst. b i.V.m. Art. 27 und Art. 28 Asylverfahrensrichtlinie). Dabei de-

finiert die Richtlinie "Asylbehörde" als gerichtsähnliche Behörde oder Ver-

waltungsstelle, welche erstinstanzliche Entscheidungen erlässt (vgl. Art. 2 

Bst. f Asylverfahrensrichtlinie). Die Asylverfahrensrichtlinie sieht demge-

mäss zwar einen Rechtsschutz für negative Wiederaufnahmeentscheide 

durch die erstinstanzlichen Asylbehörden vor, jedoch kann der Richtlinie 

nicht entnommen werden, ein wirksamer Rechtsbehelf beinhalte für zweit-

instanzliche Verfahren zwingend die Rechtswohltat einer "uneingeschränk-

ten" Pflicht zur Wiederaufnahme, wie sie in Art. 18 Abs. 2 Dublin-III-VO für 

erstinstanzliche Verfahren vorgesehen ist. 

In diesem Zusammenhang ist ergänzend festzuhalten, dass sich auch aus 

dem Recht auf eine wirksame Beschwerde im Sinne von Art. 13 EMRK kein 

Anspruch auf eine "uneingeschränkte" Wiederaufnahme eines Asylbe-

schwerdeverfahrens entnehmen lässt. Im Urteil des Europäischen Ge-

richtshof für Menschenrechte (EGMR), B.M. gegen Griechenland vom 

19. Dezember 2013, 53608/11, wurde in der Abschreibung des Asylbe-

schwerdeverfahrens infolge Fernbleibens des Gesuchstellers keine Verlet-

zung von Art. 13 EMRK erblickt beziehungsweise wurde ein Anspruch auf 

Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens weder festgestellt noch er-

wähnt. Schliesslich lässt sich weder der allgemeinen Justizgewährleis-

tungspflicht im Sinne von Art. 29 BV noch der in Art. 29a BV statuierten 

Rechtsweggarantie – welche im Kern den Zugang zu einem Gericht ge-

währleistet – eine Verpflichtung entnehmen, Gerichte hätten rechtskonform 

abgeschriebene Asylbeschwerdeverfahren auf Antrag des Asylsuchenden 

grundsätzlich und ohne Weiteres, mithin in auch Ermanglung besonderer 

Umstände – wieder aufzunehmen.  

3.3 Aufgrund des Ausgeführten ist festzuhalten, dass sich der Dublin-III-

Verordnung (inklusive der Asylverfahrensrichtlinie) sowie dem ihr überge-

ordneten Recht nicht entnehmen lässt, dass gerichtlich eingestellte bezie-

hungsweise abgeschriebene Asylbeschwerdeverfahren auf Antrag des Ge-

suchstellers ohne Weiteres wiederaufgenommen werden müssten. Das 

Konzept der "uneingeschränkten" Pflicht zur Wiederaufnahme im Sinne 

von Art. 18 Abs. 2 Dublin-III-VO wurde durch den Bundesgesetzgeber denn 

auch lediglich im zweiten Kapitel des Asylgesetzes "Asylsuchende" (in der 

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Seite 10 

Form von Art. 35a AsylG) unter dem dritten Abschnitt "Das erstinstanzliche 

Verfahren" verankert. Im achten Kapitel unter dem zweiten Abschnitt "Be-

schwerdeverfahren auf Bundesebene" nahm er jedoch keine entspre-

chende Bestimmung auf. Es ist somit festzuhalten, dass Art. 18 Abs. 2 Dub-

lin-III-VO sowie Art.35a AsylG sicherstellen, dass das Asylgesuch bezie-

hungsweise der Antrag auf internationalen Schutz zumindest einmal eine 

vollständige Prüfung durchläuft und ein abgeschriebenes erstinstanzliches 

Asylverfahren wieder aufzunehmen ist, ohne dass dafür besondere recht-

fertigende Umstände (beachtliche Willensmängel beim Gesuchsteller, Irr-

tümer auf Seiten der Behörde etc.) vorliegen müssten, was unter anderem 

mit den möglicherweise auf dem Spiel stehenden Rechtsgütern zu recht-

fertigen sein mag. Für die Verfahren vor Beschwerdeinstanzen sehen je-

doch weder die Dublin-III-VO mit ihren Nebenerlassen, das ihnen überge-

ordnete Recht, noch das innerstaatliche Recht einen entsprechenden "un-

eingeschränkten" Anspruch auf Wiederaufnahme vor. 

3.4 Als Ergänzung bleibt in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass 

das SEM durch seine Zustimmung zur Aufnahme beziehungsweise Wie-

deraufnahme im Sinne von Art. 18 Abs. 1 Dublin-III-VO keine Zusicherung 

zuhanden der Mitgliedstaaten abgibt, es werde ein abgeschriebenes Be-

schwerdeverfahren wiederaufgenommen. Es anerkennt damit jeweils nur 

die Pflicht der Schweiz, den Gesuchsteller in ihrem Hoheitsgebiet (wieder) 

aufzunehmen. Die Verfahrensherrschaft der Beschwerdeinstanz wird 

dadurch nicht tangiert. 

3.5 Aufgrund des vorstehend Ausgeführten ist festzuhalten, dass die  

Bestimmungen über die Wiederaufnahme von Verfahren gemäss Art. 18 

Abs. 2 Dublin-III-VO und Art. 35a AsylG lediglich auf erstinstanzliche Asyl-

verfahren anwendbar sind. Die Wiederaufnahme von Asylbeschwerdever-

fahren beurteilt sich dagegen allein nach der unter E. 2.1 beschriebenen 

Praxis (vgl. nachfolgend E. 4). 

4.  

4.1 Den Verfahrensakten ist zu entnehmen, dass sich der Gesuchsteller 

am 23. September 2018 – nachdem das Bundesverwaltungsgericht sein 

Revisionsgesuch mit Urteil vom 17. September 2018 gutgeheissen und das 

Beschwerdeverfahren wieder aufgenommen hatte – zwecks Asylgesuch-

stellung nach Deutschland begab. Später reiste er nach Luxemburg, wo er 

ebenfalls ein Asylgesuch stellte und anschliessend nach Deutschland zu-

rückkehrte. Am 16. Januar 2019 wurde er von den deutschen Behörden in 

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Seite 11 

die Schweiz überstellt. Kurz darauf begab er sich wieder nach Deutsch-

land, wo er am 14. Februar 2019 erneut um Asyl nachsuchte. Am 31. Juli 

2019 wurde er wieder in die Schweiz überstellt, wo er am 11. September 

2019 um Wiederaufnahme des vom Bundesverwaltungsgericht am 30. No-

vember 2018 abgeschriebenen Beschwerdeverfahrens ersuchte. Insge-

samt hielt er sich rund neun Monate lang im Ausland auf.  

4.2 In der Rechtsmitteleingabe erklärt der Gesuchsteller, er habe während 

seines Aufenthaltes in Deutschland erfahren, dass sein Vater in einem (…) 

in Äthiopien gestorben sei. Der Rest der Familie habe sich aufgrund von 

Problemen mit der B._______ im August 20(…) gezwungen gesehen, nach 

C._______ auszureisen. Aufgrund seiner Wiedereinreise in die Schweiz 

sowie des dargelegten Schicksals seiner Angehörigen bestehe weiterhin 

ein schutzwürdiges Interesse an der Weiterführung seines Beschwerde-

verfahrens. 

4.3 Im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht hat sich ein Asylgesuchsteller 

während des Verfahrens den Behörden von Bund und Kanton zur Verfü-

gung zu halten und seine Adresse und jede Änderung der nach kantonalem 

Recht zuständigen Behörde des Kantons oder der Gemeinde sofort mitzu-

teilen (Art. 8 Abs. 3 AsylG). 

Nachdem das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-5128/2018 vom 

17. September 2018 das Beschwerdeverfahren wieder aufgenommen 

hatte, reiste der Gesuchsteller nur sechs Tage später, am 23. September 

2018, nach Deutschland. Dadurch verletzte er seine Mitwirkungspflicht ge-

mäss Art. 8 Abs. 3 AsylG, weil er den zuständigen Behörden nicht mehr zur 

Verfügung stand. Zwar war die Vorinstanz aufgrund der Mitteilung der deut-

schen Behörden ab dem 10. Oktober 2018 darüber im Bilde, dass sich der 

Gesuchsteller in Deutschland aufhielt, jedoch hatte er per 16. November 

2018 keinen Kontakt mehr zu seinem Rechtsvertreter, weshalb das Bun-

desverwaltungsgericht davon ausgehen durfte, er habe an der Fortführung 

seines Verfahrens in der Schweiz kein Interesse mehr. Die Abschreibung 

des Beschwerdeverfahrens durch das Gericht war somit die direkte Folge 

des Verhaltens des Gesuchstellers und nicht das Resultat unzutreffender 

Informationen oder behördlicher Fehlinterpretationen. Das Beschwerde-

verfahren wurde somit zu Recht abgeschrieben. 

Weiter bringt der Gesuchsteller keine Umstände vor, welche für einen be-

achtlichen Willensmangel seinerseits oder andere rechtfertigende Gründe 

für seine Verfahrensabwesenheit sprechen würden. Insbesondere ist der 

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Seite 12 

nicht weiter substantiierte Hinweis auf die Situation seiner Angehörigen im 

Heimatland nicht dazu geeignet, seine Abwesenheit in der Schweiz und 

den Aufenthalt in Deutschland zu erklären beziehungsweise ein nach wie 

vor vorhandenes Rechtschutzinteresse am Beschwerdeverfahren darzule-

gen. Dies abgesehen davon, dass er gemäss eigenen Angaben erst nach 

Verlassen der Schweiz von der angeblichen Situation seiner Familie erfah-

ren hat. Sein Verhalten lässt vielmehr darauf schliessen, dass er soge-

nanntes "asylum shopping" betrieb. Auch wenn aufgrund der Formulierung 

von Art. 18 Dublin-III-VO davon auszugehen ist, dass solches Verhalten 

einer Wiederaufnahme des erstinstanzlichen Asylverfahrens grundsätzlich 

nicht entgegensteht, verpflichtet es die Beschwerdeinstanz – ohne Hinzu-

treten beachtlicher Wiederaufnahmegründe – dagegen nicht, ein abge-

schriebenes Beschwerdeverfahren fortzusetzen. 

4.4 Nach dem Ausgeführten ist im Ergebnis festzuhalten, dass das Bun-

desverwaltungsgericht zu Recht davon ausging, der Gesuchsteller habe 

kein Rechtsschutzinteresse mehr an der Fortführung des Verfahrens ge-

habt. Der Gesuchsteller vermag keine Gründe darzulegen, welche die Wie-

deraufnahme des Beschwerdeverfahrens rechtfertigen könnten. Eine sum-

marische Durchsicht der Akten ergibt ferner nicht, es würden einem Weg-

weisungsvollzug in offensichtlicher Weise völkerrechtliche Vollzugshinder-

nisse entgegenstehen. Das Gesuch um Wiederaufnahme des Beschwer-

deverfahrens ist deshalb abzuweisen. Der Abschreibungsentscheid vom 

30. November 2018 bleibt damit bestehen und das Beschwerdeverfahren 

wird nicht wieder aufgenommen. 

5.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Gesuchsteller 

aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzuset-

zen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 

Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; 

SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-4616/2019 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Das Gesuch um Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens wird abge-

wiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Gesuchsteller auferlegt. 

Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der 

Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Gesuchsteller, das SEM und die zuständige kan-

tonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Barbara Balmelli Olivier Gloor 

 

 

Versand: