# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7f722907-e81c-573e-82a7-1943e97c5a08
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-14
**Language:** de
**Title:** Natur- und Heimatschutz, Verzicht auf Schutzmassnahmen bei einem Biotop, Verhältnismässigkeit
**Docket/Reference:** BRGE I Nr. 0145/2023
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/auszug_brge_i_nr._0145_2023_vom_14._juli_2023.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

G.-Nrn. 
BRGE I Nr. 

R1S.2023.05008, R1S.2023.05011 und R1S.2023.05014 
0145/2023          

Entscheid vom 14. Juli 2023          

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Claude Reinhardt, Baurichterin Beatrice Bosshard, 
Baurichterin Michaela Burch, Gerichtsschreiber Andreas Mahler     

in Sachen 

Rekurrierende 

R1S.2023.05008 
Stiftung A, […] 

vertreten durch […] 

R1S.2023.05011 
Stiftung B, […] 

R1S.2023.05014 
IG C, […] 
1. 

2.-27. […] 

alle vertreten durch […] 

gegen 

Rekursgegner 

1.  Stadtrat Zürich, […] 

vertreten durch […] 

Mitbeteiligte 

2.  D, […] 

Nr. 2 vertreten […] 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
betreffend 

Beschluss des Stadtrats […], Natur- und Landschaftsschutz, Verzicht auf Un-
terschutzstellung und Entlassung aus dem Inventar, Verpflichtung zu Ersatz-
leistungen, Vertragsgenehmigung, […] 
_______________________________________________________ 

hat sich ergeben: 

A. 

Mit Beschluss vom 7. Dezember 2022 verzichtete der Stadtrat von Zürich auf 

die Unterschutzstellung des Grundstücks Kat.-Nr. 1 und entliess dieses aus 

dem Inventar der kommunalen Natur- und Landschaftsschutzobjekte (KSO-

29.00 "Üetliberg, nördliche Albiskette, Äntlisberg, Allmend Brunau"). 

B. 

Gegen diesen Entscheid erhob die Stiftung A mit Eingabe vom 17. Januar 

2023 fristgerecht Rekurs beim Baurekursgericht des Kantons Zürich und be-

antragte die Aufhebung des Entscheides, die Belassung des streitbetroffe-

nen Grundstücks im Inventar und die Unterschutzstellung als Naturschutzob-

jekt. Vorsorglich sei den Eigentümerinnen/Eigentümern der Parzelle Kat. 1 

Leimbach unter Androhung der Straffolgen des Art. 292 StGB zu verbieten, 

Änderungen  an  der  Vegetation  und  am  Terrain  vorzunehmen.  Alles  unter 

Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Stadt Zürich. 

C. 
Ein weiterer Rekurs erfolgte mit Eingabe vom 19. Januar 2023 durch die Stif-

tung B. Der angefochtene Beschluss sei aufzuheben und der Rekursgegner 

sei einzuladen, das betroffene Grundstück unter Schutz zu stellen. Eventua-

liter  sei  der  Beschluss  aufzuheben  und  der  Rekursgegner  einzuladen,  die 

Schutzabklärung  zu  vervollständigen.  Alles  unter  Kosten-  und  Entschädi-

gungsfolgen. 

R1S.2023.05008 

Seite 2 

 
 
D. 

Ein dritter Rekurs erfolgte mit Eingabe vom 20. Januar 2023 seitens der IG C 

und  26  Mitrekurrierenden.  Sie  beantragten,  der  Beschluss  sei aufzuheben 

und der Rekursgegner sei einzuladen, das streitbetroffene Grundstück unter 

Schutz zu stellen bzw. eventualiter die Schutzabklärungen zu vervollständi-

gen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

E. 

Mit Verfügungen vom 18., 20. und 25. Januar 2023 wurden die Rekursein-

gänge unter den Geschäfts-Nrn. R1S.2023.05008 (Stiftung A, nachfolgend 

Rekurrentin 1), R1S.2023.05011 (Stiftung B, nachfolgend Rekurrentin 2) und 

R1S.2023.05014 (IG C und Mitrekurrierende, nachfolgend Rekurrentschaft 

3) vorgemerkt und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet.  

F. 

Mit Eingaben vom 20., 23. und 27. Februar 2023 beantragte die Vorinstanz 

die Abweisung der Rekurse unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulas-

ten der Rekurrierenden. Die Mitbeteiligte Rekursgegnerin beantragte mit Ein-

gaben vom 20., 23. und 27. Februar 2023 ebenfalls die Abweisung der Re-

kurse unter Kostenfolge zulasten der Rekurrierenden. In den Verfahren G.-

Nrn. R1S.2023.05011 und R1S.2023.05014 beantragte sie zudem eine Um-

triebsentschädigung. 

G. 

Mit Eingabe vom 10. März 2023 erstattete die Rekurrentin 1 eine Replik. Die 

beiden anderen Rekurrentschaften verzichteten mit Eingaben vom 20. und 
27. März 2023 auf eine weitere Vernehmlassung. Die Dupliken im Verfahren 

G.-Nr. R1S.2023.05008 datieren vom 4. April 2023. 

Mit Eingabe vom 27. Februar 2023 zog die Rekurrentin 24 im Verfahren  G.-

Nr. R1S.2023.05014 ihren Rekurs zurück. 

R1S.2023.05008 

Seite 3 

 
 
H. 

Mit Präsidialverfügung vom 21. März 2023 wurde der Antrag auf Anordnung 

vorsorglicher Massnahmen im Verfahren G.-Nr. R1S.2023.05008 abgewie-

sen. 

I. 

Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit zur Entscheidbegründung erfor-

derlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Die  Rekurse  beziehen  sich  auf  dasselbe  Schutzobjekt  und  denselben  Be-

schluss.  Die  Verfahren  sind  daher  aus  prozessökonomischen  Gründen  zu 

vereinigen. Die Aktenverweise beziehen sich, wo nichts anderes vermerkt, 

auf das Verfahren G.-Nr. R1S.2023.05008. 

2. 

Mit Eingabe vom 27. Februar 2023 zog die Rekurrentin 24 im Verfahren  G.-

Nr. R1S.2023.05014 ihren Rekurs zurück. Der Rekurs im Verfahren G.-Nr. 

R1S.2023.05014  ist  daher,  soweit  er  durch  die  Rekurrentin  24  erhoben 

wurde, als durch Rückzug erledigt abzuschreiben. 

3.1. 

Die Rekurrentinnen 1 und 2 sind gestützt auf Art. 12 Abs. 1 lit. b Natur- und 

Heimatschutzgesetz  NHG  in  Verbindung  mit  der  Verordnung  über  die  Be-

zeichnung  der  im Bereich  des  Umweltschutzes  sowie  das  Natur-  und  Hei-

matschutzes  beschwerdeberechtigten  Personen  (VBO)  zum  Rekurs  legiti-

miert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf deren 

Rekurse einzutreten. 

R1S.2023.05008 

Seite 4 

 
 
3.2. 

Die  IG  C  stützt  ihre  Rekurslegitimation  auf  die  egoistische  Verbandsbe-

schwerde. 

Zum Rekurs und zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die angefochtene 

Anordnung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an ihrer Aufhebung 

oder Änderung hat (§ 338a des Planungs- und Baugesetzes [PBG]). Ein als 

juristische Person konstituierter Verband kann in diesem Rahmen insbeson-

dere zur Wahrung der eigenen Interessen den Rechtsmittelweg beschreiten. 

Er kann aber auch - im eigenen Namen, aber gewissermassen stellvertre-

tend - die persönlichen Interessen seiner Mitglieder geltend machen, wenn 

es sich um solche handelt, die er nach seinen Statuten zu wahren hat, die 

der Mehrheit oder doch einer Grosszahl seiner Mitglieder gemeinsam sind 

und zu deren Geltendmachung durch Rekurs jedes dieser Mitglieder befugt 

wäre  (sogenannte  egoistische  Verbandsbeschwerde;  vgl.  BGE  142  II  80, 

E. 1.4.2.). Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein; sie sollen 

die Popularbeschwerde ausschliessen. 

Die Wahrung der Interessen der Mitglieder muss zu den statutarischen Auf-

gaben des Verbands gehören. Es muss ein enger, unmittelbarer Zusammen-

hang zwischen dem statutarischen Vereinszweck und dem Gebiet bestehen, 

in welchem die fragliche Verfügung erlassen worden ist (vgl. BGE 136 II 539, 

E. 1.1, BGr 1C_566/2017 vom 22. März 2018, E. 6, sowie VB.2017.00194 

vom 24. August 2017, E. 2.1.). Diese Voraussetzung ist vorliegend erfüllt (s. 

Statuten der IG in act. 5.1., R1S.2023.05014). 

Die  Bestimmung  von  §  338a  PBG  verlangt  zunächst,  dass  die  Mitglieder, 

deren Interessen der rekurrierende Verband vertritt, in einer besonderen, be-

achtenswerten, nahen Beziehung zum Streitgegenstand stehen und stärker 
als  beliebige  Dritte  oder  die  Allgemeinheit  von  diesem  betroffen  sind.  Das 

vom Gesetz alsdann verlangte schutzwürdige Interesse setzt voraus, dass 

sie mit der Gutheissung des Rechtsmittels einen Nutzen erlangen bzw. einen 

Nachteil abwenden. 

Die in eigener Sache Rekurrierenden Nrn. 2 bis 23 und 25 bis 26 sind gleich-

zeitig Mitglieder der Interessengemeinschaft. Es handelt sich um Bewohne-

rinnen  und  Bewohner  von  Liegenschaften  in  unmittelbarer  Nachbarschaft 

R1S.2023.05008 

Seite 5 

 
 
zum  streitbetroffenen  Grundstück.  Aufgrund  der  engen  räumlichen  Bezie-

hung  und  weil  der  Verzicht  auf  Schutzmassnahmen  die  Überbauung  des 

Grundstücks ermöglicht, ist jeder von ihnen im Sinne von § 338a PBG legiti-

miert.  Damit  ist  sowohl  die  Legitimation  der  Interessengemeinschaft  wie 

auch der  übrigen  genannten, für  sich  selbst  Rekurrierenden,  gegeben.  Da 

die übrigen Prozessvoraussetzungen ebenfalls erfüllt sind, ist auch auf den 

Rekurs im Verfahren G.-Nr. R1S.2022.05014 einzutreten. 

4.1. 
Das unbebaute Grundstück Kat.-Nr. 1 im Halte von 5'505 m2 liegt in der drei-
geschossigen Wohnzone W3 gemäss Bau- und Zonenordnung der Stadt Zü-

rich  (BZO)  am  Rand  des  Siedlungsgebiets.  Es  bestehen  Wiesenpartien, 

Überreste von Hochstammobstbäumen, Kleinstrukturen wie Büsche und Ast-

haufen, Gemüse- und Blumenbeete sowie diverse Schöpfe und Gehege für 

die Kleintierhaltung. Gemäss dem angefochtenen Beschluss habe die lang-

jährige Unternutzung und die damit einhergehende Verwilderung  dazu ge-

führt, dass sich ein vielfältiges Biotop gebildet habe. 

Das Grundstück ist als Objekt Nr. 29 im lnventar der kommunalen Natur- und 

Landschaftsschutzobjekte (KSO) verzeichnet (KSO-29.00 "Üetliberg, nördli-

che Albiskette, Äntlisberg, Allmend Brunau"). lnventarziel ist die ungeschmä-

lerte und unversehrte Erhaltung der typischen Erscheinungsformen und des 

naturnahen Aspekts des Objekts. 

4.2. 

Aus Anlass einer Unterschriftensammlung von Anwohnerinnen und Anwoh-

nern  liess  die  Vorinstanz  die  Schutzwürdigkeit  des  Grundstücks  einerseits 

aus  Sicht  des  Landschaftsschutzes  und  andererseits  bezüglich  Lebens-
räume, Flora und Fauna (Biotop) mit jeweils einem Gutachten abklären. Im 

angefochtenen Beschluss wird dazu folgendes erwogen: 

Das Gutachten zur Schutzwürdigkeit als Biotop zeige, dass auf der Parzelle 

weder  explizit  schützenswerte  Lebensraumtypen  gemäss  Anhang  1  NHV 

noch geschützte oder gefährdete Pflanzenarten vorkommen würden. Hinge-

gen seien geschützte sowie einzelne gefährdete Tierarten gemäss der nati-

onalen Roten Liste vom Bundesamt für Umwelt nachgewiesen worden, da-

runter  zwei  Amphibienarten,  zwei  Fledermausarten  und  eine  Reptilienart. 

R1S.2023.05008 

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Vermutet würden einige weitere geschützte oder gefährdete Arten, die in der 

nahen  Umgebung  beobachtet  worden  seien  und  aufgrund  des  geeigneten 

Lebensraums auch auf der Parzelle mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwar-

ten seien. Der Wert der Parzelle ergebe sich aus Sicht Naturschutz aus dem 

vielfältigen  Strukturmosaik  als  Ergebnis  der  relativen  Ungestörtheit  durch 

Unternutzung  der  letzten  40  Jahre.  Für  die  vorgenannten,  gemäss  Roter 

Liste  seltenen  Tierarten,  komme  der  Parzelle  deshalb  eine  Bedeutung  als 

Lebensraum oder Jagdgebiet zu. Deshalb beurteilten die Gutachtenden die 

Parzelle  aus  fachlicher  Sicht  insgesamt  als  schutzwürdig  im  Sinne  von 
Art. 18 Abs. 1bis NHG und Art. 14 Abs. 3 NHV, obwohl weder schützenswerte 
Lebensraumtypen  noch  geschützte  oder  gefährdete  Pflanzenarten  auf  der 

Parzelle vorkommen würden. Jedoch sei das Biotop nicht unersetzbar. 

Hinsichtlich des Landschaftsschutzes sei gemäss dem entsprechenden Gut-

achten  die  Geomorphologie  des  Landschaftsschutzobjekts  KSO-29.00  für 

die  Stadt  Zürich  prägend.  Mit  seinen  Felsspornen,  Erosionstrichtern,  Ein-

schnitten  und  Bächen  sei  die  Albis-Ostflanke  topografisch  fein  strukturiert 

und  ihr  Formenreichtum  beeindruckend.  Städtebaulich  habe  sich  am  Üet-

liberghang  eine  schlüssige  Bebauungs-  und  Freiraumstruktur  entwickelt. 

Eine logische, bandartige Abfolge unterschiedlicher Bebauungs-, Nutzungs- 

und Freiraumtypen strukturiere den Übergang von Albisrieden und Wiedikon 

hoch zum Üetliberg bzw. vom Entlisberg über die Sihl nach Zürich-Leimbach 

hoch in den Natur- und Erholungsraum am Albisgrat. Das Zusammenspiel 

dieser  in  Nord-Süd-Richtung  verlaufenden  Primärstruktur  mit  den  in  Ost- 

West-Richtung verlaufenden, bestockten Bachtobeln schaffe ein vielfältiges, 

abwechslungsreiches, gut nutzbares, identitätsstiftendes Wohn- und Leben-

sumfeld.  

Die streitbetroffene Parzelle liege am Fuss der Fallätsche, einem einzigarti-
gen Felstrichter und dem grössten Molasseaufschluss in der weiteren Um-

gebung  von  Zürich.  Das  Gutachten  komme jedoch  zum Schluss, dass  die 

Parzelle  in  ihrer  heutigen  Erscheinung  aus  geomorphologischer  und  land-

schaftlicher Sicht nicht schutzwürdig sei. In ihrem heutigen Zustand verunk-

läre sie die geomorphologische Typologie des Ortes. Sie lasse sich weder 

dem  Naturraum  Rütschli-Bachsaum  noch  dem  Kulturraum  Ankenweid  mit 

seinen verschiedenen Bewirtschaftungsformen (Rebberg, Streu-, Mager- o-

der Obstwiese) zuordnen. Dementsprechend sei die Parzelle gemäss Gut-

achten aus Sicht Landschaftsschutz kein Schutzobjekt im Sinne vom § 203 

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Abs.  1  lit.  a  PBG,  weshalb  eine  Bebauung  grundsätzlich  möglich  sei.  Aus 

überkommunaler  Sicht  sei  die  Parzelle  wohl  deshalb  bereits  2017  nicht  in 

den Perimeter der kantonalen Schutzverordnung einbezogen worden. Durch 

die Lage an einer landschaftlichen und städtebaulichen Schlüsselstelle sollte 

jedoch eine allfällige Bebauung der Landschaft möglichst Sorge tragen. 

Zur Interessenabwägung wird erwogen, die Verunmöglichung der Bebauung 

des rechtskräftig der dreigeschossigen Wohnzone W3 zugewiesen Grund-

stücks widerspreche dem politischen Willen zur städtebaulichen Verdichtung 

und zur Schaffung von Wohnraum im Stadtgebiet, der dem verfassungsmäs-

sigen Grundsatz der haushälterischen und zweckmässigen Nutzung des Bo-

dens im Sinne von Art. 75 Abs. 1 Bundesverfassung (BV) entspreche. Über 

die geltende BZO hinaus sei das Quartier Zürich-Leimbach mit der jüngsten 

Revision des kommunalen Richtplans als Gebiet mit baulicher Verdichtung 

bezeichnet  worden.  Die  über  die  BZO  hinausgehende  Ausschöpfung  des 

Verdichtungspotenziales  orientiere  sich  dabei  an  dem  Bedürfnis  nach  zu-

sätzlichem  Wohnraum  bis  2040  aufgrund  des  anhaltenden  Bevölkerungs-

wachstums und der angestrebten Stärkung von Leimbach im System der im 

kommunalen  Richtplan  vorgesehenen  Quartierzentren.  Somit  entspreche 

die Bebauung der Parzelle mehreren sehr hoch zu gewichtenden raumpla-

nerischen  und  damit  öffentlichen  Interessen.  Schliesslich  liege  die  letzte 

BZO-Gesamtrevision nur sechs Jahre zurück und der kommunale Richtplan 

sei erst im Jahr 2022 in Kraft getreten. Für den Erhalt der Baumöglichkeiten 

gemäss BZO spreche somit auch die Planbeständigkeit. 

Hinzu komme das private Interesse der Grundeigentümerschaft an einer zo-

nenkonformen  baulichen  Nutzung  der  Parzelle,  die  zum  Zeitpunkt  des  Er-

werbes durch die gegenwärtige Grundeigentümerschaft nicht als Objekt des 

Naturschutzes inventarisiert gewesen sei; das Vertrauen in den nicht vorhan-
denen Inventareintrag in Bezug auf den Naturschutz sei angemessen zu be-

rücksichtigen. Weiter wird ausgeführt, eine partielle Schutzanordnung - bei 

der nur eine Teilfläche der Parzelle geschützt werde - werde aus Sicht des 

Naturschutzes als nicht sinnvoll beurteilt, da der Biotopkomplex nur als Gan-

zes  funktioniere.  Eine  Teilüberbauung  hätte  ausserdem  Störungen  auf  die 

Parzelle zur Folge, die den Naturschutzwert erheblich beeinträchtigen wür-

den. Eine vollumfängliche Unterschutzstellung und das damit einhergehende 

Bauverbot  würden  jedoch  einer  entschädigungspflichtigen  materiellen  Ent-

eignung gleichkommen. Gemäss Bericht der Schätzungskommission sei von 

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einem Verkehrswert des Grundstücks von rund 43 Millionen Franken auszu-

gehen. Solche finanziellen Interessen des Gemeinwesens seien im Rahmen 

der Verhältnismässigkeitsprüfung grundsätzlich ebenfalls mit zu berücksich-

tigen, wenn auch nicht mit erstrangiger Bedeutung. Demnach stünden dem 

Interesse am Erhalt des Naturschutzobjekts die öffentlichen Interessen der 

haushälterischen und zweckmässigen Nutzung des Bodens, die innere Ver-

dichtung  und Schaffung  von Wohnraum  auf Stadtgebiet, die  Beständigkeit 

der  Planungsinstrumente  sowie  das  damit  einhergehende  Vertrauen  der 

Grundeigentümerin in die Rechts- und Planungssicherheit, das private Inte-

resse an einer Überbaubarkeit der Parzelle im Sinne der BZO sowie schliess-

lich das öffentliche, fiskalische Interesse an der Vermeidung einer Entschä-

digungsleistung wegen materieller Enteignung in Folge einer integralen Un-

terschutzstellung entgegen. 

Bei  der  lnteressenabwägung  seien  neben  der  Schutzwürdigkeit  insbeson-

dere auch die Bedeutung des Biotops für die betroffenen Arten, seine Ver-

netzungsfunktion sowie seine biologische Eigenart und sein typischer Cha-

rakter zu berücksichtigen. Die Schutzwürdigkeit der Parzelle basiere auf dem 

Vorkommen zahlreicher Tierarten. Jedoch sei das Objekt nicht unersetzlich. 

Bei der geschützten oder gefährdeten Fauna handle es sich um mobile Tier-

arten. Würden neue Lebensraumstrukturen in der unmittelbaren Nähe ange-

boten, könnten diese von den mobilen Arten besiedelt werden. Bei sachge-

rechter Anlage liessen sich die genannten Lebensräume an geeigneter Stelle 

innerhalb von 10 bis 25 Jahren in gleicher oder gar besserer Qualität wieder-

herstellen. 

lm Ergebnis lasse sich eine Unterschutzstellung des streitbetroffenen Grund-

stücks aufgrund der entgegenstehenden öffentlichen und privaten Interessen 

nicht  rechtfertigen,  zumal  die  auf  der  Fläche  nachgewiesenen  Arten  nicht 
standortgebunden  und  dementsprechend  nicht  darauf  angewiesen  seien, 

dass  das  Biotop  an  Ort  und  Stelle  erhalten  werde.  Vielmehr  könnten  die 

nachgewiesenen Arten durch Ersatzmassnahmen gebührend erhalten blei-

ben und geschützt werden. Die Bauherrschaft sei jedoch in Nachachtung von 

Art. 14 Abs. 7 NHV zu angemessenen Ersatzmassnahmen zu verpflichten. 

Zu den Ersatzmassnahmen erwog die Vorinstanz, es sei ein Projekt für kon-

krete  Ersatzmassnahmen  erarbeitet  worden.  Auf  den  gemeindeeigenen 

Nachbarparzellen  Kat.-Nrn.  2,  3,  4,  5  und  6  seien  ausreichend  geeignete 

R1S.2023.05008 

Seite 9 

 
 
Flächen als Ersatzlebensräume vorhanden. Die Stadt werde 144 Aren Land 

gegen eine Entschädigung zur Verfügung stellen.  

5. 

Es wird die Durchführung eines Augenscheins beantragt (vgl. § 7 des Ver-

waltungsrechtspflegegesetzes [VRG]). Das Baurekursgericht hat unbesehen 

von  Parteianträgen  nur  dann  einen  Augenschein  durchzuführen,  wenn  die 

Verhältnisse vor Ort zwar entscheidrelevant, auf Grund der Akten aber noch 

unklar  sind.  Diese  Voraussetzung  ist  vorliegend  nicht  erfüllt,  so  dass  kein 

Augenschein durchzuführen war. 

6. 

Die  Rekurrentschaft  3  stellt  folgenden  prozessualen  Antrag:  "Es  seien  die 

natürlichen und juristischen Personen zu benennen, welche die beiden Be-

richte zum Landschaftsschutz und zum Naturschutz sowie den Technischen 

Bericht zu den Ersatzmassnahmen verfasst haben". Die Vorinstanz reichte 

die betreffenden Berichte zu den Akten (act. 10.3, 10.4 und 10.7.). Daraus 

sind die jeweiligen Verfasser ersichtlich, womit auf den Antrag nicht weiter 

einzugehen ist. 

7.1. 

Die  Rekurrentin  1  bringt  vor,  die  Interessenabwägung  der  Vorinstanz  sei 

falsch, weil die Schweizer Regierung in Montreal das Kunming-Montréal Bio-

diversity Framework unterzeichne, dessen Ziel es sei, den Biodiversitätsver-

lust weltweit bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Weiter bestehe noch gar 

kein Bauprojekt, weshalb eine Interessenabwägung gar nicht möglich sei. 

Sodann gehe die Vorinstanz über ihre Zuständigkeit hinaus, indem sie auf-

grund einer Interessenabwägung einer hypothetischen Immobilienpromotion 

den Vorrang gebe. Es gehe hier nur um die Feststellung der Schutzwürdig-

keit. Auch eine Interessenabwägung im Sinne von Art. 18 Abs. 1ter NHG sei 

gegenstandslos. Bei der Feststellung der Schutzwürdigkeit gemäss Art. 18 

NHG seien nur die schutzwürdigen land- und forstwirtschaftlichen Interessen 

zu berücksichtigen. Diese lnteressenabwägung sei nicht zu verwechseln mit 

der vom Stadtrat angewendeten Interessenabwägung gemäss Art. 18 Abs. 

R1S.2023.05008 

Seite 10 

 
 
1ter NHG, welche die Zulässigkeit des Eingriffs betreffe (Fahrländer in Kom-

mentar  NHG,  2.  Auflage,  Art.  18  Rz  12,  letzter  Abschnitt,  Seite  443).  Der 

durch den Antrag auf Feststellung der Schutzwürdigkeit bestimmte Streitge-

genstand sei einzig die Schutzwürdigkeit. Es handle sich um ein Verfahren 

betreffend Feststellung gemäss Art. 14 Abs. 5 NHV. Auch die Frage des Er-

satzes könne sich erst im Verfahren betreffend die Zulässigkeit des Eingriffs 

stellen. 

7.2.1. 

Art.  18  Abs.  1  NHG  statuiert  die  Verpflichtung,  dem  Aussterben  einheimi-

scher  Tier-  und  Pflanzenarten  durch  die  Erhaltung  genügend  grosser  Le-

bensräume  (Biotope)  und  andere  geeignete  Massnahmen  entgegenzuwir-

ken.  Besonders  zu  schützen  sind  dabei  Uferbereiche,  Riedgebiete  und 

Moore,  seltene  Waldgesellschaften,  Hecken,  Feldgehölze,  Trockenrasen 

und  weitere  Standorte,  die  eine  ausgleichende  Funktion  im  Naturhaushalt 

erfüllen oder besonders günstige Voraussetzungen für Lebensgemeinschaf-
ten aufweisen (Art. 18 Abs. 1bis NHG). Während der Bundesrat Biotope von 
nationaler Bedeutung bezeichnet, deren Lage bestimmt und die Schutzziele 

festlegt (Art. 18a Abs. 1 NHG), sorgen die Kantone für Schutz und Unterhalt 

der Biotope von regionaler und lokaler Bedeutung (Art. 18b Abs. 1 NHG).  

Art. 18 NHG verschafft keinen unmittelbar kraft Bundesrechts rechtswirksa-

men Biotopschutz. Vielmehr haben die Kantone (bzw. die Gemeinden) die 

zu  schützenden  Räume  vorerst  im  Einzelfall  zu  bezeichnen  (RB  1999  Nr. 

129). Laut Art. 14 Abs. 5 Natur- und Heimatschutzverordnung NHV sehen 

die Kantone ein zweckmässiges Feststellungsverfahren vor, mit dem mögli-

chen Beeinträchtigungen schützenswerter Biotope sowie Verletzungen der 

Artenschutzbestimmungen des Artikels 20 vorgebeugt werden kann. Im Kan-

ton Zürich wird das Verfahren in den Bestimmungen von §§ 203 PBG und in 
der kantonalen Natur- und Heimatschutzverordnung (KNHV) geregelt. Von 

Bedeutung  sind  insbesondere  die  Inventare  (§  203  Abs.  2  PBG.  §§  4  ff. 

KNHV). 

Sowohl bei der Ausscheidung der Biotope als auch bei der Anordnung von 

Schutzmassnahmen trifft die zuständigen Behörden die Pflicht, die sich ge-

genüberstehenden  privaten  und  öffentlichen  Interessen  abzuwägen  (BGE 

118 Ib 485, E. 3b). Massnahmen des Natur- und Heimatschutzes müssen im 

öffentlichen Interesse liegen und verhältnismässig sein (Art. 36 Abs. 2 und 3 

R1S.2023.05008 

Seite 11 

 
 
BV). Gemäss Art. 18 NHG ist den "schutzwürdigen land- und forstwirtschaft-

lichen Interessen Rechnung zu tragen" (Art. 18 Abs. 1 Satz 2 NHG). Die Be-

stimmung von Art. 18 Abs. 1 NHG verlangt indes bei einer verfassungskon-

formen  Auslegung  eine  umfassende  Interessenabwägung  der  betroffenen 

unterschiedlichen  öffentlichen  und  privaten  Interessen.  Nicht  verwechselt 

werden dürfen die Interessenabwägungen nach Art. 18 Abs. 1 und 1ter NHG. 

Die erste betrifft die Zulässigkeit einer Schutzanordnung, die andere die Zu-

lässigkeit  eines  Eingriffs  in  ein  schützenswertes  Biotop  (Karl-Ludwig  Fahr-

länder, Kommentar NHG, Peter M. Keller/Jean-Baptiste Zufferey/Karl Ludwig 

Fahrländer (Hrsg.), 2. Auflage 2019, Art. 18 Rz. 12). 

7.2.2. 

Entgegen  der  Auffassung  der  Rekurrentin  1  steht  vorliegend  kein  blosses 

Feststellungsverfahren in Frage und hätte sich die Vorinstanz mit dem ange-

fochtenen Beschluss nicht auf die blosse Feststellung der Schutzwürdigkeit 

beschränken müssen. Als für Schutzmassnahmen zuständige Instanz (§ 211 

Abs. 2 PBG) lag es nach dem oben Ausgeführten in ihrer Kompetenz zu ent-

scheiden, ob Schutzmassnahmen anzuordnen oder ob darauf zu verzichten 

ist. Es besteht keine Beschränkung des "Streitgegenstandes" auf die Fest-

stellung der Schutzwürdigkeit. 

Sodann  ist es  trotz  den  Zielsetzungen  des  Biodiversitätsrahmenwerks  von 

Kunming-Montréal nicht ausgeschlossen, beim hier streitbetroffenen Grund-

stück  auf  Schutzmassnahmen  zu  verzichten.  Anzuwenden  ist  eidgenössi-

sches und kantonales Recht. Auch Art. 78 Abs. 5 BV steht einem Verzicht 

auf  Schutzmassnahmen  nicht  entgegen,  zumal  vorliegend  kein  Moor  und 

keine  Moorlandschaft  in  Frage  steht.  Der  absolute  Schutz  der  in  Art.  78 

Abs. 5 BV explizit genannten Moore und Moorlandschaften lässt sich nicht 

auf andere Biotope im Sinne von Art. 18 NHG ausdehnen. Bei der Prüfung 
von Schutzmassnahmen durfte und musste daher das Gebot der Verhältnis-

mässigkeit beachtet und eine Interessenabwägung  vorgenommen werden. 

Zur Berücksichtigung und Gewichtung der privaten Interessen ist das Vorlie-

gen eines konkreten Bauprojekts nicht erforderlich. Es genügt die Kenntnis 

der zonengemässen Bebauungsmöglichkeiten bzw. der ökonomischen Aus-

wirkungen einer allfälligen Unterschutzstellung (vgl. Schätzungsprotokoll der 

Schätzungskommission, act. 10.5). 

Die Rügen erweisen sich damit als unbegründet. 

R1S.2023.05008 

Seite 12 

 
 
8.1. 

Die  Rekurrentin  1  kritisiert  das  Gutachten  Landschaftsschutz.  Es  sei  nicht 

Sache  des  Gutachtens,  sich  zur  Interessenabwägung  zwischen  Land-

schaftsschutz und einer noch nicht feststehenden Grossüberbauung zu äus-

sern. Dies lasse Zweifel an der Unabhängigkeit der Experten und Expertin-

nen aufkommen. Die Lage des betroffenen Grundstücks werde zu Recht als 

eine  "landschaftliche  und  städtebauliche  Schlüsselstelle"  bezeichnet.  Es 

würden jedoch wesentliche Punkte ausser Acht gelassen. Zu erwähnen sei 

insbesondere der im Regionalen Richtplan der Stadt Zürich eingezeichnete 

Vernetzungskorridor, welcher in Form einer ökologisch sehr wertvollen line-

aren  Gehölzstruktur  zwischen  Maneggwald/-bach  und  dem  Rütschlibach 

entlang  des  Siedlungsrandes heute  noch  relativ  intakt  vorhanden sei.  Das 

Grundstück bilde einen wesentlichen Teil dieses Gehölz- resp. Vernetzungs-

korridors.  Der  Grundzonenplan  BZO  stehe  im  Widerspruch  zum  rechtlich 

übergeordneten Regionalen Richtplan der Stadt Zürich und zu Art. 17 RPG. 

Beim Inventar KSO 29 Üetliberg handle es sich um Bestimmungen, welche 

das  streitbetroffene  Grundstück  als  Schutzzone  gemäss  Art.  17  RPG  be-

zeichnen  würden.  Eine  Entlassung  aus  den  Schutzinstrumenten  gemäss 

Art. 17 RPG könne nur im Planungsverfahren erfolgen, wobei die kantonalen 

Behörden zuständig seien. Die Auswirkungen einer derart grossen Überbau-

ung seien zu bedeutend, als dass sie im Baubewilligungsverfahren ohne vor-

heriges Planungsverfahren bewilligt werden könnten. 

Die Rekurrentin 2 und die Rekurrentschaft 3 weisen ebenfalls auf den Ver-

netzungskorridor hin, wobei die Baumbestände eine besondere Bedeutung 

hätten.  Es  gehe  darum,  die  angrenzenden  schützenswerten  Waldgesell-

schaften  zu  verbinden,  konkret  das  ökologisch  sehr  wertvolle  Gebiet  des 

Rütschlibachs mit den weiter nördlich gelegenen Wäldern. Diese Vernetzung 

geschehe mit Gehölzen, weshalb diese im Richtplan besonders hervorgeho-
ben würden und nach Art. 18 Abs. 1bis NHG (unter anderem) besonders He-
cken  und  Feldgehölze  zu  schützen  seien.  Der  Gehölzkorridor  stelle  einer-

seits eine räumliche Abgrenzung des Landschaftsschutzgebiets zum Sied-

lungsgebiet  dar  und  bilde  damit  die  raumplanerisch  wichtige  Funktion  des 

Siedlungsrandes. Andererseits habe er eine wichtige ökologische Funktion, 

indem er die Lebensräume im Maneggwald und entlang des Maneggbachs 

im Norden mit dem Rütschlibach im Süden vernetze. Insbesondere bei Fle-

dermäusen (aber auch anderen Säugetieren) sei bekannt, dass solche Ge-

R1S.2023.05008 

Seite 13 

 
 
hölzstrukturen  wichtige  Leitstrukturen  im  Lebensraum  darstellen  und  ver-

schiedene Lebensräume vernetzen würden. Die Bedeutung für die ökologi-

sche  Vernetzung  sei  mit  dem  Bericht  Naturschutz  bezüglich  des  Fleder-

mausvorkommens auf der streitbetroffenen Parzelle zwar einerseits deutlich 

bestätigt, im Übrigen aber nur sehr oberflächlich angesprochen und die Be-

deutung  der  Parzelle  nicht  genauer  abgeklärt  worden.  Der  Bericht  Land-

schaftsschutz habe Überlegungen an der Schnittstelle zum Naturschutz nicht 

einbezogen und den ökologischen, aber vor allem auch den räumlichen Wert 

von  Gehölzstrukturen  entlang  des  Siedlungsraumes  verkannt,  welche  ge-

rade an diesem Ort gut sichtbar ausgebildet seien. Der Bericht Landschafts-

schutz komme zum widersprüchlichen Schluss, dass das betroffene Grund-

stück einerseits weder dem Naturraum Rütschlibach-Saum noch dem Kul-

turraum Ankenweid zuzuordnen sei, andererseits aber zugleich eine städte-

bauliche Schlüsselrolle übernehme. Richtigerweise hätte der Bericht die Be-

deutung des Gehölzgürtels abklären müssen, womit es die wichtige Funktion 

der Parzelle 7 erkannt hätte. Die Parzelle sei ein Scharnierstück zwischen 

Rütschlibach und Maneggwald einerseits und dem Schutzgebiet Albis und 

der Siedlung andererseits.  

8.2. 

Die  Vorinstanz  entgegnet,  das  landschaftsschutzrechtliche  Gutachten  ent-

halte keine lnteressenabwägung. Das kommunale Landschaftsschutzgebiet 

KSO 29.00 erstrecke sich über den Üetliberg und die Albiskette bis zur Sihl 

bzw. darüber hinaus. Gemäss Objektblatt (act. 10.2) sei das Schutzziel die 

ungeschmälerte und unversehrte Erhaltung der typischen Erscheinungsfor-

men  und  des  naturnahen  Aspektes  in  Zusammenarbeit  mit  den  am  Land-

schaftsschutzobjekt anstossenden Gemeinden. Der Perimeter des kommu-

nalen  lnventarobjekts  KSO  29.00  sei  weitgehend  deckungsgleich  mit  dem 

Perimeter der kantonalen Verordnung zum Schutz des Üetliberg-Albis, Teil-
gebiet Üetliberg Nord (Natur- und Landschaftsschutzgebiet mit überkommu-

naler Bedeutung in den Gemeinden Stallikon, Uitikon und der Stadt Zürich) 

vom 17. Januar 2017 (SVO Üetliberg). Gemessen an den Schutzzielen und 

den  darauf  ausgerichteten  Schutzbestimmungen  der  kantonalen  Verord-

nung, komme dem kommunalen Inventarobjekt insbesondere im Bereich des 

streitbetroffenen Grundstücks, keine eigenständige Bedeutung mehr zu. 

R1S.2023.05008 

Seite 14 

 
 
Mit Bezug auf das kommunale Landschaftsschutzgebiet sei das landschafts-

schutzrechtliche Gutachten folgerichtig zum Ergebnis gelangt, dass sich ge-

samträumlich die geomorphologische Grobstruktur am Üetliberg gut mit dem 

Stadtkörper verknüpfe. Eine logische, bandartige Abfolge unterschiedlicher 

Bebauungs-, Nutzungs- und Freiraumtypen strukturiere den Übergang von 

Albisrieden und Wiedikon hoch zum Üetliberg bzw. vom Äntlisberg über die 

Sihl nach Zürich Leimbach hoch in den Natur- und Erholungsraum am Albi-

sgrat.  Aus  dem  Schutzziel  des  kommunalen  Inventars  lasse  sich  deshalb 

nichts ableiten, was gegen eine Bebauung des streitbetroffenen Grundstücks 

spreche.  Es  sei  aus  geomorphologischer  und  landschaftlicher  Sicht  nicht 

schutzwürdig bzw. nicht freizuhalten. 

Aus  Sicht  der  übergeordneten  richtplanerischen  Festlegungen  sei  für  das 

streitbetroffene Grundstück lediglich die Festlegung eines Vernetzungskorri-

dors  von  Bedeutung.  Die  Festlegung  des  bestehenden  kantonalen  Land-

schaftsschutzgebiets  überlagere  das  streitbetroffene  Grundstück  nicht. 

Leimbach gehöre gemäss regionalem Richtplan zum durchgrünten Stadtkör-

per,  welcher  gemäss  Zielzustand  auch  Vernetzungskorridore  einschliesse. 

Vernetzungskorridore seien überlagernde Festlegungen. Die Grundnutzung 

bleibe gewährleistet. Wie der Verlauf der Festlegung nördlich des streitbe-

troffenen Grundstücks belege, der über bebautes Gebiet führe, sei der Ver-

netzungskorridor nicht auf freigehaltene, unbebaute Grundstücke angewie-

sen, um seine Funktion zu erfüllen. 

Der neue kommunale Richtplan der Stadt Zürich sehe im Bereich des streit-

betroffenen Grundstücks lediglich eine Festlegung bezüglich Siedlungsent-

wicklung vor ("Gebiet mit baulicher Verdichtung über BZO 2016"). Die Fest-

legungen "Siedlungsnaher Erholungsraum mit Handlungsbedarf" und "Öko-

logischer Vernetzungskorridor" überlagerten das Grundstück nicht. Die Ver-
netzungskorridore  seien  der  Richtplanung  entsprechend  nicht  parzellen-

scharf, sondern lediglich schematisch festgelegt. Der Korridor, der sich ent-

lang des östlichen Hangs der Albiskette erstrecke, sei kaum von Gehölzen 

geprägt. lm Grunde genommen bilde der offene Übergangsbereich zwischen 

Wald und Siedlung den Korridor, wobei der Waldrand als Leitstruktur diene. 

Dies relativiere die Bedeutung des Gehölzbestandes auf der Parzelle Kat.-

Nr. 1 entscheidend. Die Hauptfunktion des Korridors bestehe darin, gross-

räumige Wanderbewegungen von Wildtieren zu ermöglichen, sie sei somit 

nicht primär landschaftsschutzrelevant. Wildtiere würden sich kaum an den 

R1S.2023.05008 

Seite 15 

 
 
im Plan festgelegten Korridor halten, der weiter nördlich durch einen bereits 

überbauten Bereich führe, sondern orientierten sich vielmehr an bestehen-

den natürlichen Linien wie dem Waldrand. Deshalb sei die Lage des Bau-

grundstücks  innerhalb  des  schematischen  Vernetzungskorridors  nicht  von 

grosser  Bedeutung  und  beeinträchtige  eine  Überbauung  der  Parzelle  die 

Funktion des Korridors nicht. 

8.3. 

Die  Mitbeteiligte  bringt  vor,  die  Frage  der  Schutzwürdigkeit  in  landschaftli-

cher Hinsicht stelle sich einzig, weil das Grundstück Teil des inventarisierten 

kommunalen Natur- und Landschaftsschutzobjektes KSO 29 sei. Die Rekur-

rentin 1 verkenne, dass sich das Gutachten Landschaftsschutz mit der land-

schaftlichen  Einbettung  des  einzelnen  Grundstücks  in  das  grossflächige 

Landschaftsschutzobjekt  befasse  und  nicht  mit  kleinteiligen  schützenswer-

ten Lebensräumen, wie dem Vernetzungskorridor zwischen Maneeggwald/-

bach und Rütschlibach, der dem Themenbereich Naturschutz zuzurechnen 

sei. Hierzu äussere sich das Gutachten Naturschutz. 

8.4.1. 

Das  Gebiet  des  kommunalen  Landschaftsschutzobjekts  KSO-29.00  "Üet-

liberg, nördliche Albiskette, Äntlisberg, Allmend Brunau" erstreckt sich weit-

räumig entlang der östlichen Flanke der Albis-Kette mit dem Üetliberg, von 

Leimbach im Süden bis Albisrieden im Norden. Insbesondere in Leimbach 

reicht der Perimeter weit in das bebaute Siedlungsgebiet hinein. Gemäss In-

ventarblatt (act. 10.2) liegt seine Bedeutung in der Vielfältigkeit, der starken 

morphologischen Ausprägung und im Reichtum an seltenen Pflanzen- und 

Tierarten.  Die  Bäche  seien  zum  Teil  wegen  der  Seltenheit  der  Fauna  von 

Bedeutung.  Das  Schutzziel  ist  die  ungeschmälerte  und unversehrte  Erhal-

tung der typischen Erscheinungsformen und des naturnahen Aspektes in Zu-
sammenarbeit mit den am Landschaftsschutzobjekt anstossenden Gemein-

den. 

Das Gebiet des kommunalen Landschaftsschutzobjekts wird zum grössten 

Teil überlagert  vom  kantonalen  Landschaftsschutzobjekt  Albiskette (kanto-

nales Inventar der Landschaftsschutzobjekte, Objekt-Kategorie geomorpho-

logisch geprägte Landschaften), von den Schutzzonen gemäss Verordnung 

zum Schutz des Üetliberg-Albis, Teilgebiet Üetliberg Nord (Landschafts- und 

Naturschutzgebiet  von  überkommunaler  Bedeutung)  und  vom  BLN-Gebiet 

R1S.2023.05008 

Seite 16 

 
 
Albiskette-Reppischtal. Das streitbetroffene Grundstück liegt ausserhalb die-

ser Schutzobjekte. 

8.4.2. 

Zur Beurteilung der Schutzwürdigkeit im Gebiet Leimbach mit Fokus auf die 

Parzelle Kat.-Nr. 1 liegt ein Gutachten vor (act. 10.3, nachfolgend "Gutachten 

Landschaftschaftsschutz"). Geklärt wurde, ob mit Fokus auf die geomorpho-

logischen  und  erdgeschichtlichen  Besonderheiten  Vorgaben  und  Rahmen-

bedingungen für die Bebauung der Parzelle abgeleitet werden können. Ge-

mäss Gutachten ist die streitbetroffene Parzelle aus der Sicht von Geomor-

phologie und Landschaft nicht schutzwürdig. Die Begründung dafür hat die 

Vorinstanz  im  angefochtenen  Beschluss  erwägungsweise  wiedergegeben 

(s. oben, E. 4.2.). Die Rekurrierenden bringen nichts vor, was diese Beurtei-

lung in Frage stellt.  

Die  vom  Rekurrenten  1  im  Gutachten  monierte  Interessenabwägung  zwi-

schen Landschaftsschutz und Überbauung des Grundstücks ist nicht ersicht-

lich. Somit kann den Zweifeln an der Unabhängigkeit der Verfasser des Gut-

achtens nicht gefolgt werden. 

Der im regionalen Richtplan eingetragene Vernetzungskorridor ist keine ge-

omorphologische  oder  landschaftliche  Besonderheit  und  wurde  daher  im 

Gutachten zu Recht nicht berücksichtigt. Vernetzungskorridore sind Teil des 

Freiraumverbundes und bezeichnen die für die ökologische Vernetzung we-

sentlichen Bereiche unterschiedlicher Ausprägung. In allen Vernetzungskor-

ridoren  sind  Baumbestände  möglichst  zu  erhalten  oder  zu  erweitern,  und 

eine einheimische, naturnahe Bepflanzung wird angestrebt. Vorliegend han-

delt es  sich um  einen Vernetzungskorridor Typ  Landschaft.  Seine Ausprä-

gung liegt in überwiegend landwirtschaftlich genutzten und parkartigen Flä-
chen mit einer hohen Dichte ökologisch wertvoller Habitate (Magerwiesen, 

Obstgärten, Hecken usw.). Die Hauptfunktion besteht in der Vernetzung für 

grossräumige  Wanderbewegungen  von Wildtieren.  Er  verläuft  entlang  des 

westlichen Siedlungsrandes von Altstetten bis nach Leimbach und teils durch 

bebautes Gebiet. Als Massnahmen sieht der Richtplan die Aufhebung oder 

Reduktion der Trennwirkung von Verkehrsinfrastrukturen durch bauliche o-

der andere geeignete Massnahmen zur Steigerung der Durchlässigkeit und 

Biotopqualität vor (z.B. mittels Revitalisierung von Bächen, ökologisch wert-

R1S.2023.05008 

Seite 17 

 
 
voller Umgebungsgestaltung, Verkehrslenkung, Überdeckung usw.; s. Regi-

onaler  Richtplan  Stadt  Zürich  vom  7.  März  2023,  Richtplantext,  Ziff.  3.7.1. 

ff.). 

Zumal  der  hier  in  Frage  stehende  Vernetzungskorridor  auch  durch  bereits 

bebautes Gebiet verläuft und der Richtplan auf die durchgängige Ausgestal-

tung der Verkehrsinfrastrukturen in diesem Bereich abzielt, ist es nicht erfor-

derlich,  das  streitbetroffene  Grundstück  von  Bauten  freizuhalten,  um  die 

Funktion des Vernetzungskorridors zu gewährleisten. Auch die richtplaneri-

sche  Forderung,  Baumbestände  in  Vernetzungskorridoren  seien  möglichst 

zu erhalten oder zu erweitern, kann nicht so weit gehen, dass Grundstücke, 

die  in  demselben  Richtplan  dem  Siedlungsgebiet  zugeordnet  sind,  nicht 

überbaut  werden  sollen.  Ansonsten  würde  sich  der  Richtplan  als  wider-

sprüchlich und die geltende Zonenordnung als richtplanwidrig herausstellen. 

Nach dem Gesagten lässt sich aus dem Vernetzungskorridor gemäss dem 

regionalen  Richtplan  keine  Schutzwürdigkeit  der  streitbetroffenen  Parzelle 

im Sinne der Schutzziele des kommunalen Landschaftsschutzobjekts KSO-

29.00 ableiten. Der Richtplaneintrag des Vernetzungskorridors zielt nicht auf 

den Erhalt eines Natur- oder Landschaftsschutzobjektes. 

8.4.3. 

Soweit  die  Rekurrierenden  beanstanden,  der  Bericht  zum  Landschafts-

schutzobjekt KSO-29.00 hätte die ökologische Bedeutung des "Gehölzgür-

tels" und dessen räumlichen Wert abklären müssen, kann ihnen nicht gefolgt 

werden.  Mit  "Gehölzgürtel" bzw.  "Gehölzkorridor" meinen  sie  die Baumbe-

stände auf dem streitbetroffenen Grundstück, auf den überbauten Grundstü-

cken nördlich davon und nochmals weiter nördlich zwischen Waldrand und 

Überbauung (s. Rekursschrift Rekurrentschaft 3, Abbildung 6). Dass diese 
Bäume  eine  räumliche  Abgrenzung  des  Landschaftsschutzgebietes  zum 

Siedlungsgebiet  darstellen  sollen,  wie  die  Rekurrierenden  vorbringen,  trifft 

nicht zu, weil das Landschaftsschutzgebiet im fraglichen Bereich auch das 

Siedlungsgebiet umfasst. Die ökologische Bedeutung des streitbetroffenen 

Grundstücks als Biotop und namentlich die Vernetzungssituation wurden im 

separaten Bericht der quadra gmbh (act. 10.4, nachfolgend "Gutachten Na-

turschutz") untersucht. Diese sachliche Abgrenzung des gutachterlich zu klä-

renden Sachverhalts erscheint mit Blick auf die Ziele der Inventarisierung als 

Landschaftsschutzobjekt KSO-29.00 als sachgerecht. 

R1S.2023.05008 

Seite 18 

 
 
Sodann zitieren die Rekurrentschaften 2 und 3 das Gutachten Landschafts-

schutz  falsch.  Darin  ist  nicht  davon  die  Rede,  dass  das  streitbetroffene 

Grundstück eine "städtebauliche Schlüsselrolle" übernehme. Im Gutachten 

(S. 14) wird ausgeführt, dass "der Ort" (an dem sich das Grundstück befindet) 

"an einer landschaftlichen und städtebaulichen Schlüsselstelle" liege. Ein Wi-

derspruch dazu, dass sich die Parzelle weder dem Naturraum Rütschli noch 

dem Kulturraum Ankerweid zuordnen lasse, ist nicht ersichtlich. 

Insgesamt  vermögen  die  Rekurrierenden  der  gutachterlichen  Beurteilung, 

wonach die Parzelle Kat.-Nr. 1 in ihrer heutigen Erscheinung aus der Sicht 

von  Geomorphologie und Landschaft nicht schutzwürdig  sei,  nichts  entge-

genzuhalten. 

8.4.4. 

Die Aufnahme in ein Inventar im Sinne von § 209 PBG stellt keine Schutz-

massnahme im Sinne von § 205 PBG dar, insbesondere keine Massnahme 

des Planungsrechts (§ 205 lit. a PBG). Somit trifft es nicht zu, dass das streit-

betroffene Grundstück einer Schutzzone gemäss Art. 17 RPG zugewiesen 

sein müsste. Weil das streitbetroffene Grundstück von keiner planungsrecht-

lichen Schutzmassnahme erfasst wird, bedarf es auch keiner Aufhebung ei-

ner solchen Schutzmassnahme in einem entsprechenden Verfahren. 

Eine  Überbauung  ist  sodann  nicht  Gegenstand  des  angefochtenen  Be-

schlusses. Damit ist von vornherein nicht zu prüfen, ob vorgängig zum bau-

rechtlichen Bewilligungsverfahren ein planungsrechtliches Verfahren durch-

zuführen wäre.  

Auch diese Rügen erweisen sich daher als unbegründet. 

9.1. 

Die Rekurrentin 2 und die Rekurrentschaft 3 beanstanden, laut dem Bericht 

Naturschutz sei die Schutzwürdigkeit gegeben, indes ergebe sich nicht, wie 

bedeutend  die  Schutzwürdigkeit  sei,  obwohl  national  geschützte  Pflanzen 

und vor allem mehrere Tiere gefunden worden seien, die auf der Roten Liste 

der potentiell gefährdeten Arten seien. Der Bericht erscheine bezüglich der 

Beobachtungsperiode und des beobachteten Artenspektrums sodann als un-

vollständig.  Der  angesetzte  Bearbeitungszeitraum  im  April  2022  habe  es 

R1S.2023.05008 

Seite 19 

 
 
nicht  erlaubt,  eine  ausreichende  Bestandesaufnahme  der  vorkommenden 

Arten zu erstellen. Zudem hätten die Bearbeiter offenbar nicht alle Arten un-

tersuchen können, namentlich bei den Brutvögeln, aber auch bei den Insek-

ten und den Käfern. Deshalb werde die Artenvielfalt auf der Parzelle um ein 

Vielfaches  unterschätzt.  Auch die  Pflanzen  seien unzureichend  untersucht 
worden. Es fehle eine Pflanzenliste. Nach Art. 18 Abs. 1bis NHG seien seltene 
Waldgesellschaften,  Hecken  und  Feldgehölze  besonders  zu  schützen  und 

die Funktion des Baum- und Heckenbestandes sei für die Vernetzungsfunk-

tion von besonderer Bedeutung. 

Auch bezüglich des Vernetzungskorridors sei der Sachverhalt unzureichend 

abgeklärt worden. Der Bericht Naturschutz erwähne die Vernetzungsfunktion 

der Parzelle, ohne aber weiter auf die Vorgaben des Richtplans oder auf die 

lokalen  Verhältnisse  einzugehen. Weder  sei die  genaue  Lage  des Vernet-

zungskorridors eruiert, noch die Funktion des Baum-, Gehölz- und Hecken-

bestandes ergründet, noch die zentrale Frage beantwortet worden, was mit 

dem  Vernetzungskorridor  passiere,  wenn  die  Parzelle  Kat.-Nr.  7  überbaut 

würde.  Der  Gehölzbestand  sei  von  Bedeutung  für  die  Brutvögel  und  die 

hochgradig gefährdeten Fledermausarten. 

Gemäss  dem  Bericht  Naturschutz  funktioniere  der  Biotopkomplex  "nur  als 

Ganzes, auch auf den weniger wertvollen Teilen stehen Bäume, Kleinstruk-

turen  und  Kleinbauten,  die  für  die  bemerkenswerten  Tierarten  bedeutend 

sind". Zudem würde eine allfällige Teilüberbauung laut Bericht Störungen auf 

die Parzelle bringen. Dies sei, so die Rekurrierenden weiter, aus fachlicher 

Sicht  eine  unbelegte  Behauptung  und  widerspreche  auch  der  Lösungsfin-

dung  in  vielen  anderen  ähnlich  gelagerten  Fällen.  Eine  teilweise  Unter-

schutzstellung, und in diesem Rahmen die Beibehaltung des Vernetzungs-

korridors, sei zu Unrecht nicht geprüft worden.  

9.2. 

Die  Vorinstanz  führt  aus,  die  Schutzabklärung  sei  nicht  im  Rahmen  einer 

durch die Grundeigentümerschaft ausgelösten Provokation erfolgt, weshalb 

das Veränderungsverbot nicht ohne Zustimmung der Eigentümerschaft habe 

verlängert werden können (§ 209 Abs. 3 PBG). Deshalb habe sichergestellt 

werden  müssen,  dass  die  Abklärung  der  Schutzwürdigkeit  bis  Ende  Mai 

2022 abgeschlossen sei. Damit sei der Zeitraum für die Feldarbeit relativ eng 

bemessen gewesen.  

R1S.2023.05008 

Seite 20 

 
 
Dennoch seien sowohl der Rekursgegner als auch die mit der Begutachtung 

Beauftragten der Ansicht gewesen, dass dank den gewonnenen Kartierungs-

ergebnissen,  in  Kombination  mit  den  bereits  sehr  guten  Datengrundlagen 

sowie  der  Expertise  der  verschiedenen  Artenspezialisten  eine  abschlies-

sende  Abklärung  der Schutzwürdigkeit  möglich  sei.  Es  sei  wahrscheinlich, 

dass mit ausgedehnteren Kartierungen zusätzliche Arten hätten nachgewie-

sen werden können. Aber es seien keine Tier- oder Pflanzenarten zu erwar-

ten gewesen, die den Schutzgrad des Biotops in einer Weise erhöht hätten, 

dass die lnteressenabwägung zugunsten einer UnterschutzstelIung ausge-

faIlen wäre. Eine Beurteilung der Schutzwürdigkeit setze keine vollständigen 

Kartierungen aller Arten voraus. Eine solche wäre schlicht nicht leistbar und 

auch nicht üblich. Auch bezüglich Artengruppen könne eine Schutzabklärung 

nicht den Anspruch haben, alle Tierarten nach den 27 offiziellen Roten Listen 

zu kartieren. 

Betreffend der Bedeutung der Gehölze und Hecken weist die Vorinstanz da-

rauf hin, es stünden keine sehr alten Bäume mit mächtigem Stamm auf dem 

streitbetroffenen  Grundstück,  weshalb  das  Quartierpotenzial  für  Fleder-

mäuse gering sei. Der Gehölzbestand sei Teil des Jagdlebensraums einiger 

Fledermausarten, darunter vor allem häufige Arten wie die Zwergfledermaus. 

Diese anspruchslose Art sei nicht auf den Gehölzbestand angewiesen. Die 

Mopsfledermaus sowie die Langohrfledermaus seien hingegen nur bei 0,2 % 

bis 0,1 % aller Rufsequenzen erfasst worden. Der Gehölzbestand sei somit 

nur  kurz  von  diesen  Arten  überflogen  worden.  Zudem  hätten  diese  Arten 

Jagdgebiete, die bis 10 ha gross seien. Die Parzelle Kat.-Nr. 1 sei nur ein 

äusserst kleiner Teil ihrer Jagdlebensräume. Die Mopsfledermaus gelte zu-

dem  als  typische  Waldart,  die  sich  nur  selten  weit  vom Wald  entferne.  lm 

Vergleich  zu  den  direkt  angrenzenden  und  grossen  zusammenhängenden 

Waldflächen der Albiskette sei die Bedeutung des kleinen Gehölzbestands 
auf dem streitbetroffenen Grundstück stark zu relativieren. Die Abklärung der 

Schutzwürdigkeit sei im Ergebnis angemessen und im erforderlichen Grad 

aussagekräftig, weshalb kein Grund für eine Rückweisung bestehe. 

Betreffend einer teilweisen Unterschutzstellung führt die Vorinstanz aus, es 

würden  sich  auf  dem  streitbetroffenen  Grundstück  keine  Teilflächen  oder 

Einzelelemente identifizieren lassen, die besonders schutzwürdig seien und 

deshalb an Ort und Stelle zu erhalten wären. Sowohl die Gehölze als auch 

die  verschiedenen Tiernachweise  seien über  die  ganze  Parzelle  verstreut. 

R1S.2023.05008 

Seite 21 

 
 
Es  lasse  sich  keine  räumliche  Konzentration  an  Naturwerten  ausmachen. 

Das Nebeneinander von kleinräumigen und heterogenen Lebensräumen und 

die  hohe  Strukturvielfalt  seien  im  Verbund  ökologisch  wertvoll.  Nur  die 

Summe sei von Bedeutung, nicht aber die Einzelteile. Daher lasse sich kein 

Bereich sinnvoll ausscheiden, der unter Schutz gestellt werden könnte. Bei 

einer teilweisen Überbauung sei davon auszugehen, dass während der Bau-

arbeiten aufgrund der grossen Störungsquellen die meisten Arten aus dem 

Restgrundstück  verdrängt  würden.  Die  Wahrscheinlichkeit,  dass  die  an-

spruchsvolleren Arten (wie zum Beispiel lichtscheue Fledermausarten) einen 

deutlich  verkleinerten  Schutzbereich  wieder  nutzen  würden,  sei  als  gering 

einzustufen, da dieser direkt an die Überbauung angrenzen würde und somit 

auch  nach  Fertigstellung  und  Bezug  der  Wohnbauten  grossen  Störungen 

ausgesetzt wäre. Ein Biotopkomplex der vorliegenden Art lasse sich zudem 

nicht  so  einfach  unter  Schutz  stellen,  weil  sich  das  Biotop  durch  ausblei-

bende Nutzung und Pflege entwickelt habe und nicht stabil sei. Bei Fortset-

zung der natürlichen Dynamik und Prozesse würde die Parzelle irgendwann 

verwalden und ihren heutigen Wert als Biotop unweigerlich einbüssen. 

Wie eine Teilunterschutzstellung mache auch eine Wiederherstellung auf der 

Parzelle selbst wenig Sinn. Die Voraussetzungen für eine Wiederbesiedlung 

durch  die  relevanten  Arten  seien  aufgrund  der  reduzierten  Fläche  und  die 

Nähe zu Störfaktoren nicht gegeben. 

9.3.1. 

Nach Art. 18 Abs. 1 NHG ist dem Aussterben einheimischer Tier- und Pflan-

zenarten durch die Erhaltung genügend grosser Lebensräume (Biotope) und 
andere  geeignete  Massnahmen  entgegenzuwirken.  Art.  18  Abs. 1bis  NHG 
enthält eine Umschreibung, welche Gebiete als Biotope Schutz verdienen. 

Ein bestimmter Lebensraum ist dann ein Biotop von regionaler oder lokaler 
Bedeutung, wenn ihm die Schutzwürdigkeit nach den Kriterien von Art. 14 

Abs.  1  NHV  zugesprochen  werden  kann.  Massgebend  für  die  Bewertung 

sind dabei die gemäss Anhang 1 NHV aufgeführten ökologischen Kennarten, 

die nach Art. 20 und Anhänge 2 und 3 NHV geschützten Pflanzen

 und Tier-

arten einschliesslich der gemäss Anhang 4 NHV kantonal geschützten Arten 

sowie die vom Bundesamt für Umwelt BAFU erlassenen oder anerkannten 

‑

Roten Listen gefährdeter oder seltener Pflanzen

 und Tierarten. Je seltener 

und bedeutender die an einem Ort vorkommende Tier

‑

 und Pflanzenwelt ist, 

‑

R1S.2023.05008 

Seite 22 

 
 
‑

umso  strengere  Schutzmassnahmen  sind  zu  treffen  (VB.1999.00101  vom 

20. Januar 2023, E. 5.b, mit Hinweis auf BGE 118 Ib 485, E. 3b). 

Die bundesrechtlichen Bestimmungen über den Biotopschutz sind auch bei 

Unterschutzstellung  aufgrund  des  kantonalen  Rechtes  zu  beachten  (RB 

1990 Nr. 70 = BEZ 1990 Nr. 3). Das kantonale Recht listet die Schutzobjekte 

in § 203 Abs. 1 PBG auf. Danach sind unter anderem im Wesentlichen un-

verdorbene Natur

 und Kulturlandschaften sowie entsprechende Gewässer, 

samt Ufer und Bewachsung (lit. a) wie auch wertvolle Bäume und Baumbe-

stände,  Feldgehölze  und  Hecken  (lit.  f)  Schutzobjekte.  Entsprechend 

Art. 18b  Abs.  2  NHG  hält  §  13  Abs.  2  KNHV  fest,  dass  zudem  als  Natur-

schutzobjekte  Flächen  bezeichnet  werden  können,  welche  dem  ökologi-

schen  Ausgleich  durch  Vernetzung  oder  Wiederherstellung  von  Biotopen 

und  Landschaften  dienen  sollen.  Mit  dieser  kantonalrechtlichen  Regelung 

kann  in  ausreichendem  Masse  dem  vom  Bundesrecht  verstärkten  Bio-

topschutz  nachgekommen  werden  (VB.1999.00101  vom  20.  Januar  2000, 

E. 5.b). 

9.3.2. 

Die  Schutzwürdigkeit  des  streitbetroffenen  Grundstücks  als  Biotop  wurde 

gutachterlich  festgestellt  und  ist  insofern  unbestritten.  Kritisiert  wird,  der 

Sachverhalt sei hinsichtlich des Vorhandenseins von Pflanzen- und Tierarten 

unvollständig untersucht worden, der Grad der Schutzwürdigkeit sei unklar 

und die Artenvielfalt werde unterschätzt. 

Im Gutachten wurde die Schutzwürdigkeit insbesondere aufgrund der Krite-

rien gemäss Art. 14 Abs. 3 lit. b (geschützte Tierarten nach Art. 20 NHG) und 

lit. d NHV (gefährdete und seltene Tierarten gemäss den Roten Listen) be-

jaht. Es seien 9 geschützte (Erdkröte, Feuersalamander, Blindschleiche, Fle-
dermäuse [mind. 6 Arten]) und 4 gefährdete Tierarten (Erdkröte, Feuersala-

mander,  Mopsfledermaus,  Langohr-Fledermaus)  nachgewiesen  worden. 

Nachgewiesen  worden  sei  zudem  eine  Fledermausgruppe  (Myotis-Arten), 

deren Gefährdungsstatus von LC (nicht gefährdet) bis EN (stark gefährdet) 

reiche. Mit grosser Wahrscheinlichkeit würden zudem zwei weitere Arten ver-

mutet (gemeine Eichenschrecke und gemeine Sichelschrecke). Ausserdem 

seien 4 potentiell gefährdete Arten nachgewiesen worden (Grosser Abend-

segler, Weisser Waldportier, Grauschnäpper, Grünfink). Neben diesen nati-

onal  gefährdeten  Arten  seien  19  weitere  Arten  nachgewiesen  worden,  die 

R1S.2023.05008 

Seite 23 

 
 
einen Artwert grösser als Null aufweisen würden und für deren Erhaltung der 

Kanton Zürich eine besondere Verantwortung habe. Bejaht wurden sodann 

weitere Kriterien gemäss Art. 14 Abs. 3 lit. e NHV. Geschützte, gefährdete 

oder seltene Pflanzenarten im Sinne von Art. 14 Abs. 3 lit. b und d NHV wur-

den keine vorgefunden, dies entgegen den rekurrentischen Vorbringen. 

Als Grundlage für die Erhebung der Artengruppen dienten den Sachverstän-

digen die bekannten Inventardaten sowie die Fundmeldungen der letzten 10 

Jahre.  Die  zum  Zeitpunkt  einer  Begehung  am  22.  April  2022  erkennbare 

Flora (Gefässpflanzen der regionalen Roten Liste, potentiell gefährdete Ar-

ten, national prioritäre Arten, national und kantonal geschützte Gefässpflan-

zen) wurde vor Ort erhoben. Bei der Fauna hätten saisonal bedingt nur Teile 

des jährlichen Artenspektrums erfasst werden können. Insbesondere bei den 

Insekten sei dies nur ein Teil der zu erwartenden Artenvielfalt. Dennoch sei 

aufgrund  der  vorliegenden  Inventardaten  und  des  Lebensraumpotentials 

eine umfassende Beurteilung möglich. Für die betroffenen Artengruppen sei 

anhand von Fundmeldungen aus der Umgebung das Potential abgeschätzt 

worden. Einige zusätzliche Beobachtungen aus anderen Jahreszeiten seien 

durch den Bearbeiter der Wildbienen erbracht worden. Auch eine Anwohne-

rin  (Rekurrentin  2  im  Verfahren  G.-Nr.  R1S.2023.05014)  habe  einige  Art-

funde  beigesteuert.  Bei  den  Reptilien  und  Amphibien  hätten  im  März  und 

April  2022  je  zwei  separate  Begehungen  stattgefunden  (nebst  Zufallsbe-

obachtungen auf allen Begehungen). Zur idealen Jahres- und Tageszeit und 

bei geeigneter Witterung seien die Tiere entsprechend der jahreszeitlich Ak-

tivitätsphase gezielt gesucht worden. Die Tagfalter und Heuschrecken seien 

an einer Begehung im April erhoben worden; bei geeigneter Witterung seien 

alle Arten erfasst worden. Einige zusätzliche Funde seien durch die Bearbei-

tergemeinschaft  E  und  F  erbracht  worden.  Bei  den  Brutvögeln  habe  man 

überwiegend auf die vorhandene allgemeine Kartierung der Stadtvögel von 
2019  zurückgegriffen.  Zur  Einschätzung  der  besonderen  Verhältnisse  auf 

der fraglichen Parzelle seien im April eine Tagbegehung und zur Feststellung 

potentieller  Eulenvorkommen  eine  Nachtbegehung  erfolgt.  Einige  zusätzli-

che Funde seien durch die Bearbeitergemeinschaft E und F erbracht worden. 

Präimaginalstadien (Raupen und v.a. Eier) von Tagfaltern seien am 28. Ja-

nuar  2022  und  Wildbienen  erstmals  am  7.  September  2021  (ergänzt  am 

14. April 2022 mit Frühjahrsarten) von E untersucht worden. Die Tiergruppe 

der Nachtfalter sei in drei Nächten im April 2022 erhoben worden, die Tier-

R1S.2023.05008 

Seite 24 

 
 
gruppe der Fledermäuse während 10 Nächten ab Mitte April 2022 bei geeig-

neten Nachttemperaturen. Das Potential für Fledermausquartiere sei bei ei-

ner Begehung Mitte April evaluiert worden. Für die Tiergruppe der Mollusken 

sei am 29. März 2022 eine Feldaufnahme durchgeführt worden. Ein Daten-

satz  vorhandener  Meldungen  habe  keine  weiteren  Meldungen  hervorge-

bracht (s. zum Ganzen Gutachten Naturschutz, Ziff. 2.2). 

Aus diesen Ausführungen geht hervor, dass das Gutachten nicht allein auf 

Beobachtungen in der beanstandeten kurzen Periode abstellt. Sodann wird 

im Gutachten ausdrücklich festgehalten, dass saisonal bedingt nur Teile des 

jährlichen  Artenspektrums  hätten  erfasst  werden  können.  Dieser  Umstand 

war den Sachverständigen somit bewusst und ist in ihre Beurteilung einge-

flossen. Bezüglich der Fauna wird im Gutachten explizit festgehalten, dass 

aufgrund  der  vorhandenen  Inventardaten  und  des  Lebensraumpotentials 

eine umfassende Beurteilung möglich gewesen sei. 

9.3.3. 

Der obigen gutachterlichen Feststellung vermögen die Rekurrierenden nichts 

Stichhaltiges entgegenzusetzen. Sie blenden aus, dass nebst den direkten 

Beobachtungen im Erhebungszeitraum noch weitere Daten sowie Schätzun-

gen der Sachverständigen in die Beurteilung von Flora und Fauna eingeflos-

sen sind. Auch das Lebensraumpotential, welches unabhängig von der Sai-

son beurteilt werden kann, bot bei der Erhebung der Fauna Anhaltspunkte 

für das Vorkommen von Arten und wurde entsprechend berücksichtigt. Dem-

entsprechend  wurde  aufgrund  des  Habitats  namentlich  die  grosse  Wahr-

scheinlichkeit des Vorkommens der Gemeinen Eichenschrecke und der Ge-

meinen Sichelschrecke berücksichtigt. Weshalb die Kartierung der Stadtvö-

gel  (ergänzend  zu  den  Begehungen)  keine  taugliche  Grundlage  sein  soll, 

weil es sich um eine "artenreiche Tiergruppe" handeln soll und die Zufalls-
funde der Bearbeitergemeinschaft "offenbar" zwei potentiell gefährdete Arten 

erfasst habe, wie die Rekurrierenden vorbringen, ist nicht nachvollziehbar. 

Der Artenreichtum spricht nicht gegen die Vollständigkeit der Kartierung und 

die zwei potentiell gefährdeten Arten wurden anlässlich der Nachtkartierung 

vom 24. März 2022 von einem Bearbeiter des Gutachtens beobachtet (Grün-

fink) bzw. sind in der Kartierung der Stadtvögel enthalten (Grauschnäpper; 

s. Gutachten Naturschutz, Tabelle 5 im Anhang). Mithin handelt es sich nicht 

um Zufallsfunde. 

R1S.2023.05008 

Seite 25 

 
 
Inwiefern  die  Artenvielfalt  ganz  allgemein  "um ein  Vielfaches" unterschätzt 

worden sein soll, wird nicht nachvollziehbar dargelegt. Im Übrigen ist die Ar-

tenvielfalt als solches kein Kriterium, auf Grund dessen ein Biotop als schüt-

zenswert bezeichnet wird (s. Art. 14 Abs. 3 NHV). 

Die Rekurrierenden bringen vor, es seien weitere Arten zu erwarten. In ihrer 

beliebig  anmutenden  Aufzählung  nennen  sie  auch  verletzliche  oder  ge-

schützte Arten. Indes führen die teils fachkundigen und mit den örtlichen Ver-

hältnissen vertrauten Rekurrierenden nicht aus, worauf sich ihre Erwartung 

– von einer zeitlich ausgedehnteren Untersuchung abgesehen – stützt, na-

mentlich was verletzliche oder geschützte Arten anbelangt.  

Soweit  die  Rekurrierenden  monieren,  in  der  Pflanzenliste  des  Gutachtens 

würden die Gehölze fehlen, ist ihnen entgegenzuhalten, das Gehölze weder 

unter den als Art geschützten Pflanzen (s. Anhang 2 NHV) figurieren noch in 

den Roten Listen des BAFU aufgeführt und insofern für die Schutzwürdigkeit 

des Biotops nicht ausschlaggebend sind (Art. 14 Abs. 3 NHV). Des Weiteren 

wurden im Gutachten die vorkommenden Lebensräume sowie die Strukturen 

untersucht  und  dokumentiert,  namentlich  Strukturen  wie  Gehölze,  Totholz 

und  Asthaufen  (Gutachten  Naturschutz,  Ziff.  3.1).  Auch  in  dieser  Hinsicht 

kann nicht gesagt werden, der Sachverhalt sei nicht ausreichend erstellt wor-

den. 

Die Vernetzung ist eines der Kriterien, aufgrund derer ein Biotop als schüt-

zenswert  zu  bezeichnen  ist  (Art.  14  Abs.  3  lit.  e  NHV).  Im  Gutachten  wird 

festgehalten, die streitbetroffene Parzelle habe diesbezüglich eine wichtige 

Funktion als Trittstein und Teillebensraum. Entsprechend wird das Kriterium 

der Schutzwürdigkeit gemäss Art. 14 Abs. 3 lit. e NHV als gegeben erachtet 

(Gutachten Naturschutz, Ziffern 3.4 und 4). Die von den Rekurrierenden ver-
langte  vertiefte  Auseinandersetzung  mit  der  Vernetzungsfunktion  erweist 

sich als obsolet. Die Frage, wie sich eine Überbauung des Grundstücks auf 

den Vernetzungskorridor auswirkt, liegt ausserhalb des Gutachtensauftrags, 

zumal  keine  Überbauung  in  Frage  steht,  sondern  die  Unterschutzstellung. 

Indes  wird  in  Ziffer  5  des  Gutachtens  auf  die  Frage  der  Ersetzbarkeit  des 

Biotops eingegangen. Somit ist das Gutachten auch hinsichtlich der Vernet-

zungsfunktion nicht zu beanstanden. 

R1S.2023.05008 

Seite 26 

 
 
9.3.4. 

Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die gutachterliche Beurteilung von 

Flora  und  Fauna  auf  einer  hinreichenden  Ermittlung  des  Sachverhalts  be-

ruht. Nach Auffassung der Sachverständigen war aufgrund der eigenen Er-

hebungen und der weiteren beigezogenen Daten eine umfassende Beurtei-

lung möglich. Es bestehen keine hinreichend begründeten Zweifel an dieser 

gutachterlichen  Feststellung.  Das  Gutachten  erweist  sich  als  vollständig, 

klar, gehörig begründet und frei von Lücken und Widersprüchen, sodass da-

rauf abgestellt werden kann. 

Die Schutzwürdigkeit wird im Gutachten ohne Angabe einer graduellen Ein-

stufung bejaht. Dies entspricht dem Auftrag, die Schutzwürdigkeit zu prüfen. 

In Ziffer 4 des Gutachtens wird ausgeführt, worin die Bedeutung der streitbe-

troffenen Parzelle besteht und welche Kriterien zur besagten Beurteilung ge-

führt haben. Damit war es der Vorinstanz möglich, im Rahmen der Interes-

senabwägung das Interesse am Erhalt des betroffenen Biotops zu gewich-

ten. 

9.3.5. 

Das Gutachten befasst sich kurz mit der Frage von Wiederherstellungs- bzw. 

Ersatzmassnahmen im Falle eines Verzichts auf Schutzmassnahmen. Hin-

sichtlich  einer  teilweisen  Unterschutzstellung  wird  ausgeführt,  es sei  keine 

Ausscheidung nicht schutzwürdiger Teilbereiche möglich. Zwar seien nicht 

alle  Bereiche  gleich  wertvoll.  Der  Biotopkomplex  funktioniere  aber  nur  als 

Ganzes, auch auf den weniger wertvollen Teilen stünden Bäume, Kleinstruk-

turen  und  Kleinbauten,  die  für  die  bemerkenswerten  Tierarten  bedeutend 

seien.  Eine  allfällige  Teilüberbauung  würde  ausserdem  Störungen  auf  die 

Parzelle bringen (insbesondere Beleuchtung) sowie die Durchlässigkeit und 

die Strukturvielfalt verringern. 

Die Rekurrierenden erblicken einen Widerspruch darin, dass im Gutachten 

einerseits eine teilweise Unterschutzstellung nicht empfohlen werde, ande-

rerseits  Ersatzmassnahmen propagiert  würden,  weil  die  gefundenen  Arten 

mobil seien. Wenn die betroffenen Arten an andere Orte "wandern" könnten, 

dann würden sie, so die Rekurrierenden, auch von den betroffenen Teilflä-

chen in die unberührt bleibende Fläche übersiedeln. Dies mag wohl zutref-

fen. Gegen einen Erhalt von blossen Teilflächen spricht indes gemäss den 

Sachverständigen, dass die verbleibenden Teilflächen als Biotop nicht mehr 

R1S.2023.05008 

Seite 27 

 
 
funktionieren. Ein Widerspruch liegt nicht vor. Dass von einer Teil-überbau-

ung Störungen wie Lichtemissionen ausgehen würden, ist offensichtlich und 

bedarf keiner weiteren Erläuterung. Im Übrigen kann auf die diesbezüglichen 

überzeugenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. 

10.1. 

Die Rekurrentschaft 3 beantragt, der Rekursgegner sei anzuweisen, die Kor-

respondenz zur Bestimmung der Aufträge zur Schutzabklärung und die Kor-

respondenz zur allfälligen nachträglichen Anpassung der Aufträge zu edie-

ren - inklusive, aber nicht begrenzt auf E-Mails und Aktennotizen (z.B. zur 

Erfassung  mündlicher  Absprachen).  Zur  Begründung  bringt  sie  vor,  damit 

wäre möglicherweise belegt, dass der Auftrag zur Abklärung des Schutzob-

jektes durch den Rekursgegner willentlich eng gehalten worden sei, um eine 

mögliche hohe Schutzwürdigkeit zu verhindern, oder es könnte belegt wer-

den, dass die Berichterstatter selbst den Auftragsumfang für unzureichend 

erachtet hätten. 

Wie der Rekursgegner nachvollziehbar erklärt, ergab sich die relativ kurze 

Bearbeitungsfrist für die Sachverständigen aus dem Dahinfallen des Verän-

derungsverbots gemäss § 209 Abs. 3 PBG. Für die dem Rekursgegner un-

terstellte mögliche Manipulation der Untersuchungsergebnisse besteht kein 

begründeter Anlass. Wie oben ausgeführt wurde, konnte die Schutzwürdig-

keit  trotz  des  beschränkten  Beobachtungszeitraums  zuverlässig  beurteilt 

werden. Damit konnte auf die verlangte Herausgabe verzichtet werden. 

10.2. 

Die Rekurrentschaft 3 beantragt, dass das Gericht G, den die Rekurrieren-

den als Fachperson hinzugezogen hätten, als Auskunftsperson hinzuziehe, 
soweit  die fachlichen Ausführungen  in  der Rekursschrift  zu  Fragen Anlass 

geben oder bestritten würden.  

Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV ergibt 

sich für die Parteien das Recht, Beweisanträge zu stellen, und für die Behör-

den die Pflicht, rechtzeitig und formgültig angebotene Beweisbegehren ent-

gegenzunehmen und zu berücksichtigen. Keine Verletzung des rechtlichen 

Gehörs liegt indes vor, wenn ein Gericht auf die Abnahme beantragter Be-

weismittel verzichtet, weil es aufgrund der bereits abgenommenen Beweise 

R1S.2023.05008 

Seite 28 

 
 
seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür (vgl. Art. 9 BV) in vorweg-

genommener Beweiswürdigung annehmen kann, dass seine Überzeugung 

durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (BGr 1C_484/2016 

vom 28. Juni 2017, E. 2.2.2., mit Hinweis auf BGE 136 I 229 E. 5.2 und 5.3 

f.; s. auch VB.2019.00608 vom 27. Februar 2020, E. 4.2.). 

Die  Rekursschrift  gibt  keinen  Anlass  zur  Befragung  der  betreffenden  Aus-

kunftsperson, ebenso wenig die Bestreitung der darin enthaltenen Ausfüh-

rungen durch die Gegenparteien. 

11.1. 

Die Rekurrentin 1 stellt sich auf den Standpunkt, das streitbetroffene Biotop 

sei nicht ersetzbar. Es sei standortgebunden und könne seine Funktion nur 

am heutigen Ort ausüben.  Die dort vorherrschende Vegetation führe bei der 

bestehenden nachbarlichen Siedlung zu einer wesentlichen Abkühlung und 

zu besserer Luft. Auf den angrenzenden Waldflächen befänden sich "schüt-

zenswerte Waldgesellschaften gemäss PBG (Vorrangfunktion der Waldflä-

che wegen der "Biologischen Vielfalt")". Die Erhaltung der auf der streitbe-

troffenen  Parzelle  vorhandenen  Gehölze  mit  dem  natürlichen,  ungestörten 

Unterwuchs sei an diesem Ort von wesentlicher Bedeutung. Die überdurch-

schnittlich artenreiche Artengemeinschaft entspreche in einem hohen Mass 

diesem Lebensraumtyp, welcher sich über Jahrzehnte entwickelt habe und 

nicht in kurzer Zeit ersetzt werden könne. 

Die Rekurrentin 2 und die Rekurrentschaft 3 bringen vor, Art. 18 1ter NHG 

verlange  Schutz-  und  Wiederherstellungsmassnahmen  am  gleichen  Ort. 

Dennoch  würden  im  Bericht  Naturschutz  nur  Ersatzmassnahmen  vorge-

schlagen. Es sei nicht abgeklärt worden, ob der Schutz (wenigstens in Tei-
len) nach grösstmöglicher Wiederherstellung ohne Ersatzmassnahmen aus-

komme. Zudem würden diese keinen genügenden Ersatz für die vorgefun-

denen und namentlich für die gefährdeten Arten (v.a. Fledermäuse und Brut-

vögel) bieten, für welche der Baum- und Gehölzbestand besonders wichtig 

sei.  Die  vorgefundene  ökologisch  wertvolle  Artengemeinschaft  entspreche 

weitgehend  nicht  den  typischen  Arten  der  extensiven  Landwirtschaft.  Ent-

sprechend würden typische Arten der Fromentalwiesen, auf die die Ersatz-

massnahmen  fokussieren  würden,  auf  der  streitbetroffenen  Parzelle  prak-

tisch nicht vorkommen. Der Schwerpunkt der Ersatzmassnahmen liege auf 

R1S.2023.05008 

Seite 29 

 
 
extensiv bewirtschafteten Wiesen und Obstgärten. Insofern werde Ersatz ge-

schaffen für die in den letzten Jahrzehnten am fraglichen Ort verloren gegan-

genen, ursprünglich mit Reben und Obstbaumkulturen bewirtschafteten Flä-

chen. Dem Ersatz der besonders bedeutenden Hecken und Gehölze werde 

kaum  Beachtung  geschenkt  und  deren  Vernetzungsfunktion  gar  nicht  be-

rücksichtigt. Die Grundlage der Strukturvielfalt bestehe im seit Jahrzehnten 

nicht mechanisch bewirtschafteten Boden. Die Ersatzmassnahmen würden 

aber keine vom Befahren mit schweren landwirtschaftlichen Maschinen aus-

genommenen Flächen vorsehen. Als Ersatzmassnahme für den Verlust des 

Lebensraummosaiks auf der streitbetroffenen Parzelle Kat.-Nr. 7 seien sie 

daher gänzlich ungeeignet. Wie im Bericht Naturschutz zutreffend festgehal-

ten sei, liege die Qualität der Flächen aus ökologischer Sicht in ihrer Struk-

turvielfalt  und  kleinräumigen  Verzahnung  unterschiedlicher  Lebensraumty-

pen, die sich in den letzten 40 Jahren unter geringem Nutzungseinfluss habe 

entwickeln können.  

Mit dem gegebenen atmosphärischen Stickstoffeintrag im Gebiet der Ersatz-

massnahmen werde sich das gewünschte Resultat einer ökologischen Auf-

wertung  und  eine hohe  Artenvielfalt  in den Blumenwiesen  kaum erreichen 

lassen. Die Bewirtschaftung grösserer Flächen im Bereich des Obstgartens 

als normale Dauerwiesen stehe im Widerspruch zur Förderung der gewähl-

ten Zielarten der extensiven Landwirtschaft. Dennoch würden diese Flächen 

als artenreiche Fromentalwiesen in der Berechnung der Ersatzmassnahmen 

ausgewiesen.  

Die Ersatzmassnahmen müssen, so die Rekurrierenden weiter, gewährleis-

ten, dass  der  neu  geschaffene Lebensraum von  den  betroffenen  Pflanzen 

und Tierarten besiedelt  werden  könne.  Diesem  Erfordernis  würden  die  Er-

satzmassnahmen schon aus zeitlicher Sicht nicht gerecht: Die Gehölze und 
Hecken, an die die gefährdeten Arten zu einem grossen Teil gebunden seien, 

würden langsam wachsen und erst mit 20-60 Jahren beginnen zu fruchten 

und Mikrohabitate auszubilden. Zudem sei die Parzelle an diesem Standort 

als Teil des horizontalen Vernetzungskorridors entlang der Albiskette uner-

setzlich.  Dieser  Aspekt  der  Vernetzungsfunktion  der  Parzelle  werde  unter-

schätzt, sei jedoch gemäss Art. 14 Abs. 3 lit. e NHV zwingend zu beachten. 

Die Ersatzmassnahmen würden folglich zu gravierenden Verlusten bei den 

R1S.2023.05008 

Seite 30 

 
 
Nachtfaltern,  Tagfaltern,  Fledermäusen,  Heuschrecken,  Mollusken,  Repti-

lien,  Käfern,  Vögeln, Wildbienen  und  Amphibien  (insbesondere  Feuersala-

mander) führen.  

11.2. 

Die Vorinstanz entgegnet, das Interesse am Erhalt des Biotopkomplexes an 

Ort  und  Stelle  sei  unabhängig  von  der  Ersetzbarkeit  als  kleiner  gewichtet 

worden als die anderen privaten und öffentlichen entgegenstehenden Inte-

ressen. Es handle sich nicht um ein hochgradig schützenswertes Biotop. Das 

streitbetroffene Grundstück bestehe zu einem Drittel aus stark anthropoge-

nen  Teilbereichen  (Kleintierhaltung,  Rasenpartien,  Sichtschutzhecken  aus 

invasiven  Neophyten,  Gemüse-  und  Blumenbeete),  die  für  die  geschützte 

und seltene Flora und Fauna von geringer Bedeutung seien.  

Der Wert des Biotops bestehe vor allem im Mosaik verschiedener Lebens-

raumtypen, in der grossen Strukturvielfalt sowie dem Gehölzbestand aus ein-

heimischen Arten. Ohne Pflege drohten allerdings solche halboffene, Über-

gangslebensräume zwischen Wald und Grünland zu überwuchern. Um 2013 

habe  sich  der  Baumbestand  in  den  Randbereichen  weiterentwickelt,  wäh-

rend auf dem Grundstück selbst der Baumbestand durch den Abgang meh-

rerer Obstbäume lückiger geworden sei. Verschiedene Wildlinge seien auf-

gekommen  (Eschen,  Bergahorn).  Mit  den  Ersatzmassnahmen  würden  16 

neue Hochstamm-Obstbäume gepflanzt, die zu den artenreichsten Lebens-

raumtypen  in  Mitteleuropa  gehören  würden.  Durch  die  landwirtschaftliche 

Nutzung werde sichergestellt, dass sich die Fläche nicht über verschiedene 

Sukzessionsstadien zu Waldgesellschaften entwickle. Zudem würden gross-

wachsende Einzelbäume angepflanzt. lm Gegensatz zu den Wildlingen wür-

den im Rahmen der Ersatzmassnahmen gezielt Baumarten ausgewählt, die 

einen hohen Biodiversitätsindex hätten und sich zu ausgeprägten Biotopbäu-
men entwickeln würden.  

Es  treffe  zu,  dass  die  Obst-  und  Einzelbäume  eine  relativ  lange  Entwick-

lungszeit benötigten, bis sie einen hohen ökologischen Wert entfalteten. Der 

Faktor Zeit werde aber bei den geplanten Ersatzmassnahmen durch die Fak-

toren  Fläche  und  Qualität  kompensiert.  Eine  solche  Kompensation  sei  bei 

der  ökologischen  Bilanzierung  von  Eingriffen  in  schützenswerte  Biotope 

nach den Standards des Bundesamts für Umwelt (BAFU) explizit erlaubt und 

bei der Bewertung der Ersatzmassnahmen methodisch eingeflossen. Mit den 

R1S.2023.05008 

Seite 31 

 
 
Ersatzmassnahmen werde eine Fläche aufgewertet, die beinahe dreimal so 
gross sei (14'416 m2) wie die Parzelle Kat.-Nr. 1 (5'505 m2).  

Etwa 40 % des Grundstücks Kat.-Nr. 1 sei als Talfettwiese (Fromentalwiese) 

kartiert  worden.  lm  Spezifischen  handle  es  sich  um  eine  eher  artenarme, 

grasreiche Ausbildung der Fromentalwiese. Es seien eher wenige typische 

Blütenpflanzen  vorhanden.  Als  Ersatz  für  die  aus  ökologischer  Sicht  nicht 
besonders  wertvolle  Wiese  Kat.-Nr.  1  würden  9'500  m2  Fromentalwiesen 
durch Direktbegrünung geschaffen, die die Anforderungen der Qualitätsstufe 

II für Biodiversitätsförderflächen erfüllen würden. Die Ersatz-Fromentalwie-

sen  würden  somit  eine  üppige,  blütenreiche  Vegetationsdecke  aufweisen. 

Die zwei- bis dreischurige Mahd und die Schnittgutabfuhr verhinderten die 

Vergrasung und die floristische Verarmung der Wiese. Eine extensive Nut-

zung wirke sich positiv auf die Artenvielfalt aus. Bei ausbleibender Nutzung 

schreite die Sukzession  hingegen mehr oder  weniger  rasch  voran und  die 

Biodiversität nehme ab. Damit Insekten und die Kleintierfauna auch nach der 

Mahd und im Winter ein Refugium finden würden, werde gestaffelt gemäht 

und es würden Altgrasstreifen stehen gelassen. Die Ersatzmassnahmen ori-

entierten sich insofern am heutigen Wiesenbestand, allerdings mit dem Ziel, 

diesen so weit wie möglich aufzuwerten. Am gewählten Standort für die Er-

satzmassnahmen sei das Potenzial gegeben für eine artenreiche bzw. tro-

ckene Fromentalwiese. Die Artenvielfalt werde künftig höher sein als auf der 

zur Parzelle Kat.-Nr. 1 gehörenden Wiese in ihrem gegenwärtigen Zustand. 

Neben  dem  4'000  m2  grossen  Hochstamm-Obstgarten  und  den  9'500  m2 
Fromentalwiesen würden die Ersatzmassnahmen auch eine Baumreihe mit 

mehreren Einzelbäumen sowie verschiedene Stein- oder Holzstrukturen vor-

sehen, die mit Gebüschen und Krautsäumen bewachsen sein werden. Inso-

fern würden die Arten, die auf bestockte, halbschattige Flächen angewiesen 
seien, nicht zu kurz kommen (Fledermäuse, Singvögel, Kleinsäuger). Zudem 

würden für Arten, die besonders auf strukturreiche Lebensräume angewie-

sen seien (z.B. Feuersalamander und Erdkröte), entlang des Waldrandes auf 

der  Parzelle  Kat.-Nr.  8  weitere  Aufwertungen  in  Form  von  Kleinstrukturen 

gemacht. Es entstehe somit eine grosse Vielfalt an Habitatstrukturen, die ei-

nem breiten Artenspektrum zugutekomme. Die Ersatzlebensräume würden 

den Lebensraumtypen entsprechen, die für die regionalen Vernetzungskor-

ridore  typisch  seien.  Zudem  seien  es  Lebensräume,  die  bei  fachgerechter 

Pflege über lange Zeit stabil seien.  

R1S.2023.05008 

Seite 32 

 
 
Die  atmosphärische  Stickstoffdeposition  sei  in  der  für  Ersatzmassnahmen 

vorgesehenen Fläche identisch mit jenen der benachbarten artenreichen An-

kenweid. Mit den vorgesehenen Ersatzmassnahmen sei eine Vernetzung mit 

der Ankenweid vorgesehen. Für die künftige Bewirtschaftung sei eine exten-

sive Nutzung vorgesehen. Artenreiche Wiesen würden bei trockenem Wetter 

gemäht  und  sogenanntes  Bodenheu  hergestellt.  Einer  Bodenverdichtung 

könne damit entgegengewirkt werden. Die Bodenqualität sei gemäss Boden-

karten der Landwirtschaftsflächen identisch mit jenen Flächen bis hinauf zur 

Ankenweid. 

Soweit  die  Rekurrierenden  bemängeln  würden,  dass  für  die  betroffenen 

Pflanzen und Tierarten kein genügender Ersatz geschaffen werde, sei darauf 

hinzuweisen, dass die Beurteilung der Ersatzmassnahmen mit der von der 

Konferenz der Beauftragten für Natur- und Landschaftsschutz (KBNL) aner-

kannten  Bewertungsmethode  für  Eingriffe  in  schutzwürdige  Lebensräume 

(BESB) vorgenommen worden sei. Die Methode vergleiche den Ausgangs- 

mit dem Zielzustand. Ein angemessener Ersatz sei dann gegeben, wenn die 

Bilanz zumindest ausgeglichen sei. Bei dieser Methodik sei u.a. der Faktor 

Entwicklungszeit berücksichtigt. Die Bilanz weise einen Überschuss von 109 

Qualitätspunkten aus, der sich aufgrund der massiv grösseren Ersatzfläche 

ergebe. Neben der Herstellung neuer Lebensräume sei die Umsiedlung alter 

Strukturen in die neuen Flächen vorgesehen. Eine Wiederbesiedlung könne 

dadurch forciert werden. Diese Massnahme finde in der Bilanz jedoch keinen 

Niederschlag und sei als weitergehende Massnahme zu werten. 

Bezüglich der von den Rekurrierenden aufgezählten Arten, für die mit den 

Ersatzmassnahmen ein geeignetes alternatives Habitat zu schaffen sei, sei 

aus Sicht des Rekursgegner Folgendes wichtig: 

Amphibien, Feuersalamander: Für diese Art seien Aufwertungen (Erhöhung 

der Strukturvielfalt) entlang des Waldrands des Rütschlibachtobels auf der 

Parzelle Kat.-Nr. 8 geplant. Dort würden evakuierte lndividuen aus der streit-

betroffenen  Parzelle  wieder  freigesetzt.  Die  Kleinstrukturen  stünden  im  di-

rekten Verbund mit dem Laichgewässer. Die Parzelle werde nicht maschinell 

bewirtschaftet. Daher seien die Ersatzmassnahmen für Amphibien geeignet. 

R1S.2023.05008 

Seite 33 

 
 
Fledermäuse:  Der  Gehölzbestand  sei  nicht  entscheidend  für  die  Waldart 

Mopsfledermaus.  Flugkorridore  und  Vernetzung  seien  entlang  des  Wald-

rands für strukturgebundene Fledermausarten (Mausohren, Langohren) ge-

währleistet.  Zu  den  Jagdlebensräumen  vieler  Fledermausarten  gehörten 

Hochstamm-Obstgärten. Die Ersatzfläche werde nicht beleuchtet und daher 

von  den  lichtscheuen  Fledermausarten  genutzt  werden.  Die  lnsektenbio-

masse werde auch auf den Ersatzflächen hoch sein, weshalb die Ersatzmas-

snahmen für Fledermäuse geeignet seien. 

lnsekten  (Heuschrecken,  Tagfalter,  Nachfalter):  Extensiv  bewirtschaftetes 

Grünland fördere die lnsektenvielfalt allgemein. Durch das höhere Blütenan-

gebot würden z.B. die Wildbestäuber gefördert. Viele gefährdete Heuschre-

ckenarten seien auf eine regelmässige Mahd angewiesen, damit die Vege-

tation nicht zu dicht werde. Es sei allerdings nicht möglich, die spezifischen 

ökologischen Ansprüche aller Arten bei den Ersatzmassnahmen zu berück-

sichtigen. Für viele lnsektenarten seien die Ersatzmassnahmen generell ge-

eignet. 

Vögel:  Der  Gehölzbestand  werde  zwar  von  verschiedenen  Brutvogelarten 

genutzt, es handle sich dabei aber nur um häufige, nicht gefährdete Arten. 

Der Grauschnäpper und der Grünfink seien zwar  vor kurzem in die IUCN-

Kategorie  NT  ("potenziell  gefährdet")  eingestuft  worden,  diese  gelte  aber 

nicht  als  Rote  Liste.  Zu  den  Lebensräumen  des  Grauschnäppers  und  des 

Grünfinks  gehörten  Hochstamm-Obstgärten.  Bei  den  Ersatzmassnahmen 

seien neben Einzelbäumen und Obstbäumen auch verschiedene beerentra-

gende  Wildsträucher  bei  den  Kleinstrukturen  vorgesehen.  Somit  würden 

nicht nur Insektenfresser gefördert. lm Ergebnis seien die Ersatzmassnah-

men auch für Vögel geeignet. 

11.3.1. 

Lässt sich eine Beeinträchtigung schutzwürdiger Lebensräume durch tech-

nische Eingriffe unter Abwägung aller Interessen nicht vermeiden, so hat der 

Verursacher für besondere Massnahmen zu deren bestmöglichem Schutz, 

für Wiederherstellung oder ansonst für angemessenen Ersatz zu sorgen (Art. 

18  Abs.  1ter  NHG).  Im  vorliegenden  Fall  steht  indes  die  Anordnung  von 

Schutzmassnahmen bzw. der Verzicht darauf in Frage und nicht die Beein-

trächtigung  eines  schutzwürdigen  Lebensraums durch  technische Eingriffe 

im Sinne von Art. 18 Abs. 1ter NHG. Diese Bestimmung und entsprechend 

R1S.2023.05008 

Seite 34 

 
 
auch Art. 14 Abs. 6 und 7 NHV sind hier nicht anwendbar, weshalb der Ver-

zicht  auf  Schutzmassnahmen  nicht  von  Ersatzmassnahmen  abhängig  ge-

macht werden kann.  

Soweit beanstandet wird, ein teilweiser Schutz und Massnahmen für die Wie-

derherstellung seien nicht abgeklärt worden, kann auf die Ausführungen wei-

ter oben betreffend eine teilweise Unterschutzstellung verwiesen werden.  

Die vorgesehenen Ersatzmassnahmen sind insofern von Bedeutung, als sie 

bei  der  Interessenabwägung  betreffend  den  Verzicht  auf  Schutzmassnah-

men ins Gewicht fallen. Insofern ist nicht entscheidend, ob für das Biotop auf 

dem streitbetroffenen Grundstück andernorts ohne zeitlichen Unterbruch ein 

Eins-zu-eins-Ersatz geschaffen wird. Die zu treffenden Ersatzmassnahmen 

sind  in  qualitativer  und  quantitativer  Hinsicht  hinsichtlich  ihrer  Eignung  als 

Ersatz für den verloren gehenden Lebensraum zu werten und bei der Inte-

ressenabwägung entsprechend zu berücksichtigen.  

11.3.2. 

Die  Grundeigentümerin  wird  mittels  eines  verwaltungsrechtlichen  Vertrags 

zu Ersatzmassnahmen auf den Grundstücken Kat.-Nrn. 5, 2, 4, 6, 3 und 8 

verpflichtet (s. angefochtener Beschluss, Dispositivziffer 3 und act. 10.8). Die 

genannten  Grundstücke  liegen  unmittelbar  westlich  des  streitbetroffenen 

Grundstücks und befinden sich im Eigentum der Stadt Zürich. Diese wird für 

die ersatzpflichtige Grundeigentümerin folgende Ersatzmassnahmen projek-

tieren und ausführen:  

−  Aufwertung  von  144  a  Wiesland  zu  einer  artenreichen  Fromental-

wiese durch Umbruch und Neuansaat sowie Pflanzung von 15 Hoch-

stamm-Obstbäumen auf derselben Fläche. 

−  Pflanzung von fünf einheimischen, grosskronigen und alterungsfähi-

gen Bäumen entlang des Rebenwegs. 

−  Schaffung von drei linearen Kleinstrukturen aus Stein- und Holzmate-

rial mit den Mindestmassen von 10 x 5 m, kombiniert mit einzelnen 

einheimischen Gebüschen an verschiedenen Standorten. 

−  Anlage  von  mehreren  Kleinstrukturen  (Holzmaterial  und  Wurzelstö-

cke) entlang des Waldrands. 

R1S.2023.05008 

Seite 35 

 
 
Die  Massnahmen  sind  im  Einzelnen  im Technischen  Bericht  "Ersatzmass-

nahmen  für  Grundstück  Kat.-Nr.  1  in  Zürich  Leimbach"  vom  4.  November 

2022 (act. 10.7) beschrieben. 

Die Auffassung der Rekurrentin 1, wonach das betroffene Biotop gar nicht 

ersetzbar sei, geht fehl. Die von der Rekurrentin 1 zur Begründung genann-

ten Auswirkungen des Biotops auf das Mikroklima der benachbarten Sied-

lung liegen ausserhalb der hier relevanten Schutzziele, weshalb es sich nicht 

um zu erhaltende Funktionen handelt. Gleiches gilt bezüglich der nicht näher 

substantiierten "wesentliche Bedeutung" des Biotops für die im angrenzen-

den Wald angeblich vorhandenen schützenswerten Waldgesellschaften. In 

der gutachterlichen Schutzabklärung finden sich dazu im Übrigen keine Hin-

weise. 

Soweit die Rekurrierenden beanstanden, die Ersatzmassnahmen seien un-

zureichend auf die Arten ausgerichtet, die von der streitbetroffenen Parzelle 

vertrieben würden, ist zu konzedieren, dass nicht für jede dort nachgewie-

sene geschützte bzw. gefährdete oder seltene Tierart ein neuer Lebensraum 

angeboten wird. Dies ist auch nicht erforderlich, zumal ein Eins-zu-eins-Er-

satz wie bereits erwähnt nicht zu verlangen ist und selbst im Anwendungs-

bereich von Art. 18 Abs. 1ter NHG nur, aber immerhin, für einen "angemes-

senen" Ersatz zu sorgen ist.  

Die Frage der Angemessenheit wurde anhand der "Bewertungsmethode für 

Eingriffe  in  schutzwürdige  Lebensräume"  (BESB,  https://www.bafu.ad-

min.ch/bafu/de/home/themen/landschaft/publikationen-studien/studien.html) 

geprüft. Die Bewertungsmethode wurde in Zusammenarbeit mit der Konfe-

renz der Beauftragten für Natur- und Landschaftsschutz KBNL und dem Bun-

desamt für Umwelt BAFU erarbeitet. Sie soll eine schweizweit anwendbare, 
nachvollziehbare  Bewertung  und  Bilanzierung  von  Eingriffen  in  schutzwür-

dige Lebensräume ermöglichen. Die Rekurrierenden setzen sich mit der in 

Ziffer 4 des Technischen Berichts dargelegten Bewertung der Ersatzmass-

nahmen  nicht  auseinander.  Zumal  die  Fachkompetenz  der  Verfasser  des 

Technischen Berichts nicht in Frage gestellt wird und die von den Sachver-

ständigen  verwendete  Bewertungsmethode  im  Auftrag  das  fachkundigen 

Bundesamtes erstellt wurde, bestehen auch keine begründeten Zweifel be-

treffend die daraus im vorliegenden Fall gezogenen Erkenntnisse. 

R1S.2023.05008 

Seite 36 

 
 
Aus der Bilanzierung des Ausgangs- und des Zielzustandes resultiert für die 

hier geplanten Ersatzmassnahmen ein Überschuss, d.h. es wird ein Mehr-

wert  generiert.  Dieser  ergibt  sich  laut  der  Vorinstanz  aufgrund  der  massiv 

grösseren Ersatzfläche. Im Weiteren kann auf die überzeugenden Ausfüh-

rungen der Vorinstanz verwiesen werden. 

Somit ist von einem angemessenen Ersatz für die betroffenen Flächen aus-

zugehen, was bei der Interessenabwägung entsprechend berücksichtigt wer-

den darf. 

12.1. 

Zur  Interessenabwägung  führt  die  Rekurrentin  1  aus,  dass  dem  Umstand, 

dass das streitgegenständliche Grundstück im Nutzungsplan in der Bauzone 

eingetragen sei, kein Gewicht zukomme, da diesem Eintrag keine Beurtei-

lung betreffend Natur- und Landschaftsschutz gemäss Revision RPG 2012, 

in Kraft seit dem 1. Mai 2014, vorausgegangen sei. Nicht nur die Landschaft, 

sondern auch die Natur hätte bei der Ausscheidung von Bauzonen geschont 

werden müssen (Art. 15 Ziffer 3 RPG; Botschaft Revision RPG 2012, 1073). 

Der Grundzonenplan der Stadt Zürich sei insofern ungültig, als er die Par-

zelle Kat.-Nr. 1 in die Bauzone statt in die Schutzzone gemäss Art. 17 RPG 

einweise.  

Die Rekurrentin 2 und die Rekurrentschaft 3 bringen vor, die Vorinstanz habe 

die  öffentlichen  Interessen  am  Erhalt  des  Grundstücks  falsch  gewichtet: 

Ganz  besonders  ins  Gewicht  fallen  müsse,  dass  Pflanzen  und  vor  allem 

mehrere Tiere gefunden worden seien, die auf der Roten Liste der potentiell 

gefährdeten Arten seien, und dass bei umfassender Abklärung mit grosser 

Wahrscheinlichkeit noch weitere Pflanzen- und Tierarten gefunden worden 
wären. Namentlich die Mopsfledermaus sei eine stark gefährdete Art, die im 

Rahmen  der  Schutzabklärungen  erstmals  in  Zürich  nachgewiesen  worden 

sei. Die Mopsfledermaus sei genau auf die Art von Habitat angewiesen, die 

das Grundstück biete und von den Ersatzmassnahmen nicht wiederherge-

stellt werden könne. Zu berücksichtigen gewesen wären auch die wichtige 

Vernetzungsfunktion der streitbetroffenen Parzelle und das Ungenügen der 

Ersatzmassnahmen in diversen Aspekten. 

R1S.2023.05008 

Seite 37 

 
 
Die  finanziellen  Interessen  seien  zu  stark  gewichtet  worden.  Es  habe  sich 

über  Jahrzehnte  ein  Lebensraum  am  Siedlungsrand  entwickelt,  der  einer-

seits eine wichtige Vernetzungsfunktion für die Landschaft und für die Natur 

erfülle und andererseits zahlreiche und vor allem auch stark gefährdete Tier-

arten  beherberge.  Weil  die  Ersatzmassnahmen  keinen  adäquaten,  gleich-

wertigen Ersatz bieten könnten, sei das öffentliche Interesse am Erhalt des 

vorliegenden Naturraums höher zu gewichten als finanzielle Interessen. 

Die Vorgaben des Richtplans seien behördenverbindlich und müssten auch 

im Rahmen von Unterschutzstellungen in die lnteressenabwägung einflies-

sen. Dies habe der Rekursgegner nicht gemacht. Richtigerweise sei zu be-

rücksichtigen, dass der kantonale und regionale Richtplan einen horizontalen 

Vernetzungskorridor vorschreiben und die Parzelle Kat.-Nr. 7 einen wichti-

gen Teil dieses Korridors darstellen würde. Die Parzelle sei somit standort-

gebunden und nicht ersetzbar. Sodann seien stadtklimatische Überlegungen 

nicht berücksichtigt worden. 

12.2. 

Die  Vorinstanz  entgegnet,  unabhängig  von  der  Ersetzbarkeit  sei  das  Inte-

resse am Erhalt des Biotopkomplexes auf dem Grundstuck Kat.-Nr. 1 an Ort 

und Stelle als kleiner gewichtet worden als die anderen privaten und öffent-

lichen entgegenstehenden Interessen. Es handle sich nicht um ein hochgra-

dig schützenswertes Biotop, weshalb die Nutzungs- bzw. Eingriffsinteressen 

das  Interesse an  einem  Erhalt an  Ort  und  Stelle  überwiegen  würden.  Das 

streitbetroffene Grundstück bestehe zu einem Drittel aus stark anthropoge-

nen  Teilbereichen  (Kleintierhaltung,  Rasenpartien,  Sichtschutzhecken  aus 

invasiven  Neophyten,  Gemüse-  und  Blumenbeete),  die  für  die  geschützte 

und seltene Flora und Fauna von geringer Bedeutung seien.  

Bezüglich der Nutzungs- bzw. Eingriffsinteressen sei vor allem das öffentli-

che Interesse an der haushälterischen und zweckmässigen Nutzung des Bo-

dens  anzuführen.  Dem  Umstand,  dass  das  streitbetroffene  Grundstück 

rechtskräftig  einer  bundesrechtskonformen  Bauzone  zugewiesen  sei, 

komme ein hohes Gewicht zu. Zusammen mit den erheblichen finanziellen 

Interessen  erweise  sich  dies  bezüglich  der  Schutzinteressen  -  da  es  sich 

nicht um ein hochgradig schützenswertes Biotop handle - als überwiegend. 

R1S.2023.05008 

Seite 38 

 
 
Daran ändere auch der Nachweis der sehr mobilen Art der Mopsfledermaus 

nichts. 

12.3.1. 

Soweit  die  Rekurrentin  1  die  Rechtmässigkeit  der  Zonierung  des  streitbe-

troffenen Grundstücks in Frage stellt, ist darauf nicht einzugehen. Nach der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Nutzungspläne und damit in en-

gem Sachzusammenhang stehende planerische Festlegungen im Anschluss 

an ihren Erlass anzufechten; eine akzessorische Überprüfung ist grundsätz-

lich ausgeschlossen. Eine akzessorische Überprüfung von Nutzungsplänen 

wird nach der Rechtsprechung bei deren späteren Anwendung nur dann zu-

gelassen, "wenn sich der Betroffene bei Planerlass noch nicht über die ihm 

auferlegten Beschränkungen Rechenschaft geben konnte und er im damali-

gen Zeitpunkt keine Möglichkeit hatte, seine Interessen zu verteidigen". Fer-

ner lässt die Rechtsprechung eine Überprüfung zu, wenn sich die tatsächli-

chen Verhältnisse oder die gesetzlichen Voraussetzungen seit Annahme des 

Plans in einer Weise geändert haben, dass das öffentliche Interesse an der 

Beibehaltung der auferlegten Nutzungsbeschränkungen dahingefallen sein 

könnte (VB.2012.00132 vom 26. Juni 2013, E. 3.5.1., mit Hinweisen). Diese 

Voraussetzungen  sind  vorliegend  nicht  gegeben.  Bei  der  nachfolgenden 

Überprüfung der Interessenabwägung ist deshalb von der geltenden Zonen-

ordnung auszugehen. 

12.3.2. 

Massnahmen des Natur- und Heimatschutzes müssen im öffentlichen Inte-

resse  liegen  und  verhältnismässig  sein  (Art.  36  Abs. 2 und  3  BV).  Bei  der 

Ausscheidung von Biotopen von lokaler und regionaler Bedeutung und bei 

der Anordnung von Schutzmassnahmen kommt den Kantonen bzw. Gemein-

den  ein  erheblicher  Beurteilungsspielraum  zu  ("une  importante  marge 
d'appréciation" [BGE 121 II 161 E. 2.b.bb]). Sie haben im Einzelfall jeweils 

eine  umfassende  Interessenabwägung  vorzunehmen.  Dabei  sind  die  mit 

dem Natur

 und Heimatschutzgesetz verfolgten Schutzziele den entgegen-

stehenden öffentlichen und privaten Interessen gegenüberzustellen. 

‑

Zu gewichten ist vorab das Interesse am Erhalt des streitbetroffenen Biotops. 

Die  Vorinstanz  stuft  dieses  nicht  als  "hochgradig  schützenswert"  ein.  Ge-

mäss  Gutachten  liegt  die  Besonderheit  der  Parzelle  darin,  dass  sie  für  di-

verse geschützte oder seltene Tierarten als Lebensraum oder zumindest als 

R1S.2023.05008 

Seite 39 

 
 
Teilhabitat einen grossen Wert habe. Die Kriterien, die nach Art. 18 Abs. 1bis 
NHG  sowie  Art.  14  Abs.  2  NHV  die  Schutzwürdigkeit  begründen  würden, 

seien nicht alle erfüllt. Die Argumente für eine Schutzwürdigkeit würden aber 

überwiegen. Dies insbesondere aufgrund der Vorkommen bzw. der Bedeu-

tung der Parzelle als (Teil-)Lebensraum oder Jagdgebiet für diverse bemer-

kenswerte  Tierarten. Der  Biotopkomplex  sei  schutzwürdig.  Jedoch  sei  das 

Objekt  nicht  unersetzlich.  Laut  Gutachten  sind  angemessene  Ersatzmass-

nahmen möglich. Begründet wird dies damit, dass die Schutzwürdigkeit auf 

dem  Vorkommen  zahlreicher  mobiler  Tierarten  basiere.  Würden  neue  Le-

bensraumstrukturen  in  der  unmittelbaren  Nähe  angeboten,  könnten  diese 

von den entsprechenden mobilen Arten besiedelt werden. Bei sachgerechter 

Anlage würden sich die genannten Lebensräume an geeigneter Stelle inner-

halb von 10-25 Jahren in gleicher oder gar besserer Qualität wiederherstel-

len lassen.  

Die Einstufung des Biotops als nicht hochgradig schützenswert erscheint bei 

dieser gutachterlichen Einschätzung als vertretbare Wertung. Wie oben dar-

gelegt, wird mit den angeordneten Massnahmen ein angemessener Ersatz 

geschaffen, der insbesondere auch der Vernetzung Rechnung trägt (s. Tech-

nischer  Bericht,  Ziffn.  3.1  und  4.2).  Des  Weiteren  steht  ein  Verzicht  auf 

Schutzmassnahmen  den  im  regionalen  Richtplan  für  den  betroffenen  Ver-

netzungskorridor  (der  notabene  auch  durch  das  Siedlungsgebiet  verläuft) 

vorgesehenen  Massnahmen  nicht  entgegen (s.  oben,  E. 8.4.2.;  der  kanto-

nale  Richtplan  weist  das  streitbetroffene  Grundstück  dem  Siedlungsgebiet 

zu und enthält an diesem Ort entgegen der rekurrentischen Auffassung kei-

nen "horizontalen Vernetzungskorridor" oder eine andere auf die ökologische 

Vernetzung abzielende Festlegung). 

Sodann ist auf die oben (E. 4.2.) wiedergegebenen einlässlichen Erwägun-
gen  zur  Interessenabwägung  im  angefochtenen  Entscheid  zu  verweisen. 

Das betroffene Grundstück liegt im Siedlungsgebiet und ist rechtskräftig ei-

ner  Bauzone  (Wohnzone  W3)  zugeordnet.  Mit  einer  Unterschutzstellung 

würden  die  Bebauungsmöglichkeiten  entzogen,  was  gewichtigen  raumpla-

nerischen und damit öffentlichen Interessen zuwiderlaufen würde (haushäl-

terische Nutzung des Bodens, Siedlungsentwicklung nach innen; vgl. Art. 1 
Abs. 1 und Abs. 2 lit. abis RPG sowie Art. 3 Abs. 3 lit. abis RPG).  

R1S.2023.05008 

Seite 40 

 
 
Auch  die  von  der  Stadt  Zürich  zu  gewärtigende  hohe  Entschädigung  der 

Grundeigentümerin für die materielle Enteignung durfte die Vorinstanz ange-

messen  berücksichtigen,  zumal  ohne  Schutzmassnahmen  von  einem Ver-

kehrswert des Grundstücks von rund Fr. 43 Mio. auszugehen ist und bei Un-

terschutzstellung noch von einem solchen von ca. Fr. 58'000.-- (act. 10.5). 

Schliesslich  hat  die  Vorinstanz  zu  Recht  auch  das  private  Interesse  der 

Grundeigentümerschaft an einer zonengemässen Überbauung berücksich-

tigt. Mit der Investition in Wohnliegenschaften will die Mitbeteiligte Pen-sions-

kassengelder nachhaltig anlegen. Mit einer Entschädigungszahlung kann sie 

dieses  Ziel  nicht  erreichen  und  gleichwertige  Baugrundstücke  sind  nicht 

ohne Weiteres erhältlich. 

Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die in Frage stehenden Interessen berück-

sichtigt und angemessen gewichtet wurden. Die Vorinstanz hat ihr Ermessen 

in pflichtgemässer Weise ausgeübt und zu Recht erkannt, dass an einer Un-

terschutzstellung kein überwiegendes Interesse besteht.  

Somit sind die Rekurse abzuweisen. 

13. 

Zusammengefasst sind die Rekurse abzuweisen, soweit sie nicht als durch 

Rückzug erledigt abzuschreiben sind (Rückzug der Rekurrentin 24 im Ver-

fahren G.-Nr. R1S.2023.05014). 

14.1. 

Ausgangsgemäss und unter Berücksichtigung des durch die jeweiligen Re-

kurse verursachten Aufwandes sind die Verfahrenskosten zu 1/5 der Rekur-
rentin 1 (Verfahren G.-Nr. R1S.2023.05008), zu 2/5 der Rekurrentin 2 (Ver-

fahren G.-Nr. R1S.2023.05011) und zu je 2/135 den 27 Rekurrierenden der 

Rekurrentschaft  3  (Verfahren  G.-Nr.  R1S.2023.05014)  aufzuerlegen  (§ 13 

VRG). Im Verfahren G.-Nr. R1S.2023.05014 haften die Rekurrierenden 1 bis 

23 sowie 25 bis 27 solidarisch für 52/135 der Verfahrenskosten. 

Nach § 338 Abs. 1 PBG bzw. § 2 der Gebührenverordnung des Verwaltungs-

gerichts (GebV VGr) legt das Baurekursgericht die Gerichtsgebühr nach sei-

R1S.2023.05008 

Seite 41 

 
 
nem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem bestimm-

baren  Streitwert  oder dem  tatsächlichen  Streitinteresse fest.  Liegt  wie  hier 

ein Verfahren ohne bestimmbaren Streitwert vor, beträgt die Gerichtsgebühr 

in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 Abs. 2 GebV 

VGr). In besonders aufwendigen Verfahren kann die Gerichtsgebühr bis auf 

das Doppelte erhöht werden (§ 4 Abs. 1 GebV VGr). Bei der Bemessung der 

Gebührenhöhe steht der Rekursinstanz ein grosser Ermessensspielraum zu 

(Kaspar Plüss, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 13 

Rz. 25 ff.).  

Im Lichte des vorliegend gegebenen tatsächlichen Streitinteresses (mit der 

Schutzmassnahme verbundener Eingriff in das Eigentum, Werteinbusse des 

streitbetroffenen Grundstücks bei Unterschutzstellung von ca. Fr. 42,9 Mio.), 

der  Komplexität  des  Sachverhalts,  des  Umfangs  des  vorliegenden  Urteils 

und  der  Vereinigung  mehrerer  Rekursverfahren  ist  die  Gerichtsgebühr  auf 

Fr. 8'000.--  festzusetzen  (BGr  1C_566/2015  vom  18.  Februar 2016,  E.  2; 

BGr 1C_244/2013 vom 4. Juli 2013, E. 4; BRGE II Nrn. 0162 und 0163/2012 

vom 23. Oktober 2012, E. 16, in BEZ 2014 Nr. 36; Entscheid bestätigt mit 

VB.2012.00774 vom 22. August 2013, dieser bestätigt mit BGr 1C_810/2013 

vom 14. Juli 2014; www.baurekursgericht-zh.ch). 

14.2. 

Gemäss § 17 Abs. 2 lit. a VRG kann im Rekursverfahren und im Verfahren 

vor dem Verwaltungsgericht die unterliegende Partei oder Amtsstelle zu ei-

ner  angemessenen  Entschädigung  für  die  Umtriebe  der  Gegenpartei  ver-

pflichtet werden, wenn die rechtsgenügende Darlegung komplizierter Sach-

verhalte und schwieriger Rechtsfragen besonderen Aufwand erforderte  oder 

den Beizug eines Rechtsbeistandes rechtfertigte. Die Bemessung der Um-

triebsentschädigung richtet sich nach § 8 GebV VGr. 

Der Beizug eines Rechtsbeistandes ist in aller Regel als Grund für die Zu-

sprechung  einer  Umtriebsentschädigung  einzustufen  (VB.2003.00093  vom 

16. Oktober 2003, E. 3.1.). Demnach ist vorliegend der Mitbeteiligten zulas-

ten  der  Rekurrentin 2 (G.-Nr.  R1S.2023.05011)  und  der  Rekurrentschaft 3 

(G.-Nr.  R1S.2023.05014)  eine  Umtriebsentschädigung  zuzusprechen;  im 

Verfahren G.-Nr. R1S.2023.05008 wurde keine Entschädigung verlangt. An-

gemessen erscheint ein Betrag von je Fr. 1'700.-- (insgesamt    Fr. 3'400.--). 

R1S.2023.05008 

Seite 42 

 
 
Da die Umtriebsentschädigung pauschal festgelegt wird, entfällt die Zuspre-

chung  eines  Mehrwertsteuerzusatzes  von  vornherein  (BRKE II  Nrn.  0247 

und 0248/2007 in BEZ 2007 Nr. 56; www.baurekursgericht-zh.ch). 

14.3. 

Die  Vorinstanz  beantragt  die  Zusprechung  einer  Umtriebsentschädigung 

(§ 17 Abs. 2 VRG). Stehen sich im Verfahren private Parteien mit gegensätz-

lichen Begehren gegenüber, so wird die Gemeinde im Falle des Unterliegens 

in  der  Regel  nicht  entschädigungspflichtig  (§ 17  Abs. 3  VRG).  Umgekehrt 

entfällt im Falle des Obsiegens auch ein entsprechender Entschädigungsan-

spruch. Gründe, von dieser Regel abzuweichen, sind vorliegend nicht gege-

ben.  Demnach  ist  der  Vorinstanz  keine  Umtriebsentschädigung  zuzuspre-

chen. 

R1S.2023.05008 

Seite 43