# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bcde3eb8-94a0-517e-9a85-36fcfde2e7a5
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-12-05
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 05.12.2017 200 2016 443
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2016-443_2017-12-05.pdf

## Full Text

200 16 443 IV
KNB/FRN/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 5. Dezember 2017

Verwaltungsrichter Knapp, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Grütter, Verwaltungsrichter Ackermann
Gerichtsschreiberin Franzen

A.________
vertreten durch B.________, Rechtsanwalt C.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 22. März 2016

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Dez. 2017, IV/16/443, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1976 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
erlitt bei ihrer Geburt eine Neugeborenen-Asphyxie. Am 21. September 
1984 wurde sie von ihren Eltern erstmals bei der Eidgenössischen Invali-
denversicherung (IV) wegen eines Geburtsgebrechens Nr. 404 angemeldet 
(Akten der IV-Stelle Bern [nachfolgend IVB bzw. Beschwerdegegnerin; 
AB] 16.3 S. 11). Im Februar 1992 stellten sie bei der IV-Kommission des 
Kantons Aargau (IVA) ein Gesuch um berufliche Eingliederung (AB 16.7). 
Die IVA gewährte berufliche Massnahmen in Form einer erstmaligen beruf-
lichen Ausbildung in der D.________ in … (AB 16.10 S. 1; 16.8 S. 7) sowie 
einer Ausbildung zur … (AB 16.8 S. 8 f.), die in eine Anlehre umgewandelt 
wurde (AB 16.10 S. 4). 

Am 12. Januar 2000 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf einen 
Leistungsabfall unter zeitlichem und psychischem Druck wiederum bei der 
IV zum Leistungsbezug an (AB 2). Die neu zuständige IV-Stelle Solothurn 
(IVS) nahm medizinische und erwerbliche Abklärungen vor. Mit Verfügung 
vom 6. März 2001 schrieb sie das Leistungsbegehren betreffend berufliche 
Eingliederungsmassnahmen sowie die Ausrichtung einer Invalidenrente als 
erledigt ab, weil die Versicherte ein rentenausschliessendes Erwerbsein-
kommen erziele (AB 14). 

B.

Am 21. August 2013 meldete sich die Versicherte wiederum bei der IV zum 
Leistungsbezug an (AB 18). Die IVB führte daraufhin berufliche sowie me-
dizinische Abklärungen durch. Sie sprach der Versicherten einen Arbeits-
versuch zu und holte beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) einen Be-
richt ein (AB 57). Danach liess sie bei der Abklärungsstelle E.________ 
eine Arbeitsmarktliche Medizinische Abklärung (AMA) durchführen (AB 71) 
und einen Abklärungsbericht Haushalt/Erwerb erstellen (AB 86). Mit Vorbe-
scheid vom 6. Januar 2016 stellte sie die Abweisung des Rentenbegehrens 

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in Anwendung der gemischten Methode (70% Erwerb / 30% Hausfrau) bei 
einem IV-Grad von 34% in Aussicht (AB 89). Hiergegen erhob die Versi-
cherte, vertreten durch die B.________, Einwand (AB 96). Nach Einholung 
einer Stellungnahme des Bereichs Abklärungen (AB 98) wies die IVB mit 
Verfügung vom 22. März 2016 dem Vorbescheid entsprechend das Ren-
tenbegehren ab (AB 99). 

 

C.

Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch die B.________, Rechts-
anwalt C.________, mit Eingabe vom 3. Mai 2016 Beschwerde und stellte 
die folgenden Anträge:

1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 22. März 
2016 sei aufzuheben.

2. Der Beschwerdeführerin sei eine Invalidenrente zuzuspre-
chen.

3. Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Prozess-
führung zu bewilligen und sie sei von allfälligen Vorschuss- 
und Sicherheitsleistungen zu befreien. Zudem sei ihr die 
unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch den Unter-
zeichnenden zu gewähren.

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich der 
gesetzlichen Mehrwertsteuer) zulasten der Beschwerde-
gegnerin. 

Mit Beschwerdeantwort vom 9. Juni 2016 schloss die Beschwerdegegnerin 
auf Abweisung der Beschwerde. 

Mit prozessleitender Verfügung vom 22. September 2016 hiess der Instruk-
tionsrichter das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gut und ordnete 
der Beschwerdeführerin deren Rechtsvertreter als amtlichen Anwalt bei.    

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D.

Am 5. Dezember 2017 fand eine nichtöffentliche Urteilsberatung gemäss 
Art. 56 Abs. 5 bzw. 6 des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die 
Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; 
BSG 161.1) i.V.m. Art. 37 Abs. 1 lit. b des kantonalen Gesetzes vom 
23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) statt.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a GSOG Beschwerden gegen 
solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfah-
ren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen 
Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhe-
bung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche 
Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 
19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch 
die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b 
ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 22. März 2016 (AB 99). 
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine IV-
Rente. 

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1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist–im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit–nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-
ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

2.3 Um den IV-Grad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und 
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. 
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be-
urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich 
welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind 

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ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, 
welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können 
(BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). 

2.4 Wurde eine Rente wegen eines fehlenden oder zu geringen IV-
Grades bereits einmal verweigert, so wird eine neue Anmeldung nur ge-
prüft, wenn die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich der Grad der 
Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat (Art. 
87 Abs. 2 und 3 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invaliden-
versicherung [IVV; SR 831.201]).  

Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache mate-
riell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Per-
son glaubhaft gemachte Veränderung des IV-Grades auch tatsächlich ein-
getreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall 
nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (SVR 2011 IV Nr. 2 S. 8 E. 3.2). 
Stellt sie fest, dass der IV-Grad seit Erlass der früheren rechtskräftigen 
Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch 
ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Ver-
änderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende Invalidität zu beja-
hen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche 
materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a S. 198; 
SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1).

Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den IV-Grad erhebli-
chen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuanmeldungsverfahren 
–analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG –durch Vergleich 
des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten materiellen Beurteilung 
und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der 
streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 S. 112; 130 V 71 E. 
3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b). 

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3.

3.1 Die Verwaltung ist auf die Neuanmeldung eingetreten, weshalb die 
Eintretensfrage praxisgemäss nicht zu überprüfen ist (BGE 109 V 108 E. 
2b. S. 114). In der rentenabweisenden Verfügung vom 6. März 2001, wel-
che hier den massgebenden Vergleichszeitpunkt darstellt (vgl. E. 2.4 hier-
vor), wurde erwogen, dass die Beschwerdeführerin bei der F.________ AG 
ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen erziele (AB 14; 12). Diese 
Stelle hat sie nicht mehr inne (AB 18 S. 4), weshalb in den tatsächlichen 
Verhältnissen eine erhebliche Änderung eingetreten ist, die geeignet ist, 
den Leistungsanspruch zu beeinflussen (vgl. E. 2.4 hiervor). 

3.2 Der nunmehr angefochtenen Verfügung vom 22. März 2016 (AB 99) 
liegen die folgenden medizinischen Berichte zugrunde: 

3.2.1 In den Psychiatrischen Diensten des Spitals G.________ wurde am 
14. und 21. Oktober 2013 eine testpsychologische Abklärung der Be-
schwerdeführerin vorgenommen. Im diesbezüglichen Bericht vom 4. No-
vember 2013 (AB 32) wurde ausgeführt, bei der Beschwerdeführerin hand-
le es sich um eine 37-jährige Probandin, die nach der obligatorischen 
Schulzeit (Kleinklassenniveau) nur mit grosser Anstrengung eine Anlehre 
als … habe machen können. Zwar habe sie nach der Ausbildung mehrere 
Anstellungen gehabt, diese seien aber jeweils nach kurzer Zeit wieder be-
endet worden. Beim Wechsler Intelligenztest für Erwachsene (WIE) habe 
sie einen Gesamt-IQ von 62 (wahrer Wert mit 95% Wahrscheinlichkeit zwi-
schen 58-70) erreicht. Dies entspreche der Klassifikation nach Wechsler 
einer sehr niedrig ausgeprägten Intelligenz. Gemäss ICD-10 könne die 
Diagnose F70 (leichte Intelligenzminderung) gestellt werden. Die bisheri-
gen erfolglosen Versuche längerfristig erwerbstätig zu sein, unterstrichen 
die intellektuellen Einschränkungen auf eindrückliche Weise. Aufgrund des 
niedrigen Leistungsniveaus sei die Beschwerdeführerin auf eine adäquate 
Unterstützung angewiesen. Sie brauche bei einer zukünftigen Arbeitstätig-
keit eine verlängerte Einarbeitungszeit und einfache repetitive Routinetätig-
keiten, welche sie ohne Zeitdruck und bei eingeschränkter Belastbarkeit 
ausführen könne. Ihre Bestrebungen zeigten, dass sie einer geregelten 
Arbeitstätigkeit nachgehen und ihren persönlichen Beitrag leisten möchte 
(S. 6). 

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3.2.2 Im Bericht vom 12. November 2014 (AB 57) diagnostizierte die 
RAD-Ärztin, Dr. med. H.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho-
therapie, eine leichte Intelligenzminderung mit IQ von 62 (ICD-10 F70), 
aetiologisch eine Neugeborenen-Asphyxie mit nachfolgender Intensivbe-
handlung. Zur Arbeitsfähigkeit führte sie aus, es bestehe eine einge-
schränkte Auffassung sowie verlangsamtes Denken mit Grübelneigung. 
Das allgemeine Sprachverständnis sei eingeschränkt. Die Aufmerksam-
keitsfähigkeit nehme im Arbeitsverlauf jeweils rasch ab. Das Arbeitstempo 
sei verlangsamt. Es bestehe eine erhöhte Interferenzanfälligkeit und leichte 
Ablenkbarkeit. Die Alertness sei grenzwertig. Zudem bestünden kognitive 
Defizite. Diese Auffälligkeiten führten zu verlängerter Einarbeitungszeit und 
zu einem allgemein niedrigen Leistungsniveau. Zudem sei die Belastbarkeit 
eingeschränkt. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht sei die Beschwerde-
führerin rein medizinisch in der Lage, ein volles Arbeitspensum zu bewälti-
gen. Sie benötige jedoch regelmässige Pausen und kurzzeitige Rückzugs-
möglichkeiten. Weiter sei eine klare, transparente und konstruktive Kom-
munikations- und Feedbackkultur wichtig. Es kämen nur einfache repetitive 
Tätigkeiten ohne Komplexität, ohne Zeitdruck und in wohlwollender Umge-
bung in Frage. Zu der effektiven Leistungsobergrenze und der wirtschaftli-
chen Verwertbarkeit könne vom RAD aufgrund der aktuellen Aktenlage 
zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschliessend Stellung genommen werden. 
Beides müsste, unter Einhaltung der obgenannten Bedingungen, ausgetes-
tet werden (S. 4).  

3.2.3 Im Abklärungsbericht AMA vom 10. Juni 2015 (AB 71) führte 
Dr. med. I.________, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato-
logie des Bewegungsapparates, aus, mögliche Verweistätigkeiten seien 
Verpackungsarbeiten, … sowie die …. All diese Verweistätigkeiten seien 
auf einen geschützten Arbeitsplatz bezogen (S. 13 Ziff. 7). Die Beschwer-
deführerin habe bei der am besten geeigneten Tätigkeit (einfache serielle 
…) eine durchschnittliche Leistung von 70% erbracht. Um diese Leistung 
zu erreichen, sei sie auf eine erhöhte Einarbeitungszeit, einen erhöhten 
Betreuungsaufwand und ein wohlwollendes Umfeld angewiesen. Diese 
Aspekte seien bezüglich des ersten Arbeitsmarktes zwingend zu berück-
sichtigen und es ergebe sich daraus eine vermutete, effektive Leistungs-
fähigkeit im ersten Arbeitsmarkt von 40% - 50%. Zur Leistungsminderung 

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führte er aus, durch die Neugeborenen-Asphyxie sei es zu einer gewissen 
Gehirnschädigung und dadurch zur leichten Intelligenzminderung mit Kon-
zentrations- und Aufmerksamkeitsschwäche gekommen. Die Reaktions-
fähigkeit sei ebenfalls vermindert. In Bewertung der während der AMA ge-
wonnen Abklärungsergebnisse sowie der medizinischen Gesamtsituation 
ergebe sich ein zeitliches Pensum von 100%, wobei davon auszugehen 
sei, dass die Beschwerdeführerin verlangsamt sei und nur für einfache, 
handwerklich manuelle, serielle Tätigkeiten eine Leistung bis ca. 50% er-
bringen könne. Die Leistungseinschränkung sei somit durch den Gesund-
heitsschaden erklärt (S. 13 Ziff. 8). 

3.3 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; SVR 2015 IV Nr. 28 S. 86 E. 4.1).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352). 

3.4

3.4.1 Die oben zusammengefassten Berichte gehen im Wesentlichen 
übereinstimmend davon aus, dass die Beschwerdeführerin an einer leich-

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ten Intelligenzminderung mit IQ von 62 (ICD-10 F70) leidet, bedingt durch 
eine Neugeborenen-Asphyxie. 

3.4.2 Die Beschwerdegegnerin hat sich in der hier angefochtenen Verfü-
gung vom 22. März 2016 (AB 99) massgeblich auf den Abklärungsbericht 
AMA vom 10. Juni 2015 (AB 71) gestützt, der in medizinischer Hinsicht die 
Beurteilung von Dr. med. I.________ zur Grundlage hatte. Dieser Ab-
klärungsbericht AMA wie auch die vorliegenden medizinischen Berichte 
(vgl. E. 3.2.1 ff. hiervor) bieten jedoch keine genügende Grundlage zur ab-
schliessenden Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit. 

Die Arbeitsvermittlungsfachperson ging im AMA-Auftrag davon aus, dass 
eine Eingliederung in die freie Wirtschaft nicht möglich ist (AB 72 S. 1). Im 
Abklärungsbericht AMA wurden nach durchgeführter Abklärung einerseits 
die als am besten geeigneten Verweistätigkeiten (Verpackungsarbeiten, … 
und …) angegeben. Diese Verweistätigkeiten wurden auf einen geschütz-
ten Arbeitsplatz bezogen (AB 71 S. 13 Ziff. 7). Dr. med. I.________ ging im 
gleichen Bericht davon aus, dass in der am besten geeigneten Tätigkeit 
(einfache serielle …) eine vermutete effektive Leistungsfähigkeit im ersten 
Arbeitsmarkt von 40%-50% bestehe (AB 71 S. 13 Ziff. 8). Schliesslich ist 
darauf hinzuweisen, dass dieses Zumutbarkeitsprofil vom Orthopäden 
Dr. med. I.________ formuliert wurde, obschon bei der Beschwerdeführerin 
namentlich kognitive Defizite bestehen. Auf den Abklärungsbericht AMA 
kann damit nicht abschliessend abgestellt werden, das heisst die medizini-
sche Situation bzw. deren Auswirkung auf die Arbeits- und Leistungsfähig-
keit ist ungenügend abgeklärt. 

Letztlich kann vorliegend auch nicht auf die weiteren medizinischen Berich-
te abgestellt werden. Im Bericht der psychiatrischen Dienste des Spitals 
G.________ wurde der Umfang der Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht 
thematisiert und die RAD-Ärztin konnte vor Durchführung der AMA auf-
grund der Aktenlage nicht abschliessend zur wirtschaftlichen Verwertbar-
keit der von der Beschwerdeführerin ausgeführten Tätigkeiten (AB 57 S. 3) 
Stellung nehmen; nach Vorliegen des Abklärungsberichtes AMA wurde 
zudem keine Stellungnahme bzw. kein Untersuchungsbericht mit Einschät-
zung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit bei ihr eingeholt.  

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3.5 Unter diesen Umständen kann vorliegend keine abschliessende 
Beurteilung der medizinischen Situation bzw. deren Auswirkung auf die 
Arbeits- und Leistungsfähigkeit vorgenommen werden. Die Beschwerde ist 
deshalb insoweit gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung aufzuhe-
ben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit 
sie ein fachärztliches Gutachten einholt. Dabei wird bzw. werden sich der 
oder die Gutachter detailliert zum Zumutbarkeitsprofil und zur Arbeits- und 
Leistungsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als auch in einer allfälli-
gen Verweisungstätigkeit zu äussern haben. Anschliessend hat die Be-
schwerdegegnerin über den Rentenanspruch neu zu verfügen. Weil bereits 
die medizinische Situation bzw. deren Auswirkung auf die Arbeits- und 
Leistungsfähigkeit ungenügend abgeklärt ist, erübrigen sich Ausführungen 
zum Status sowie zu den Einschränkungen im Haushalt; diesbezüglich wird 
– nach Klärung der medizinischen Situation – nochmals ein Abklärungsbe-
richt Haushalt/Erwerb einzuholen sein.   

4.

4.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzulegen. 

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). 

4.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festge-
setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit 
sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g 
ATSG).

In der Kostennote vom 29. Mai 2017 hat Rechtsanwalt C.________ ein 
Honorar von Fr. 1‘131.--  (8.7 Std. à Fr. 130.--) sowie Auslagen von 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 5. Dez. 2017, IV/16/443, Seite 12

Fr. 62.60 und die Mehrwertsteuer von Fr. 95.50 (8% auf Fr. 1‘193.60) gel-
tend gemacht. Diese Beträge sind nicht zu beanstanden. Folglich wird der 
Parteikostenersatz auf insgesamt Fr. 1‘289.10 (inkl. Auslagen und MWSt.) 
festgesetzt.

4.3 Bei diesem Verfahrensausgang kommt die mit Verfügung vom 
22. September 2016 gewährte unentgeltliche Rechtspflege nicht zum Tra-
gen.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird insoweit gutgeheissen, als die angefochtene Ver-
fügung der IV-Stelle Bern vom 22. März 2016 aufgehoben und die Sa-
che an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit sie nach 
Vornahme der Abklärungen im Sinne der Erwägungen neu verfüge.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt.

3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 1‘289.10 (inkl. Auslagen und MWSt.), zu 
ersetzen.

4. Zu eröffnen (R):
- B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern 
- Bundesamt für Sozialversicherungen 

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.