# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e80fe3d0-9f4d-5bd0-b15f-2573ce08bc7a
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-04-24
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 24.04.2025 SBK.2025.74
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2025-74_2025-04-24.pdf

## Full Text

Obergericht 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

 

SBK.2025.74  
(STA.2023.185)  

Art. 117 

 

 

Entscheid vom 24. April 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Richli, Präsident  

Oberrichterin Massari  

Oberrichterin Schär  

Gerichtsschreiber Stutz 

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____, […], 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dominik Zillig,  

[…]   

 

  
    

Beschwerde-

gegnerin  

 Kantonale Staatsanwaltschaft,  

Bleichemattstrasse 7, 5001 Aarau  

 

 
   

Anfechtungs-

gegenstand 

 Verfügung der Kantonalen Staatsanwaltschaft vom 3. März 2025 

betreffend Gutachterauftrag 

 

in der Strafsache gegen A._____ und B._____ 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Kantonale Staatsanwaltschaft führt gegen A._____ (Beschwerde-

führer) und dessen Zwillingsbruder B._____ ein Strafverfahren wegen 

grober Verkehrsregelverletzung.  

 

2. 

Mit Gutachterauftrag vom 3. März 2025 ordnete die Kantonale Staats-

anwaltschaft die Erstellung von aktuellen und optimierten Vergleichsbildern 

der infrage kommenden tatverdächtigen Personen, mithin vom Beschwer-

deführer und B._____, und die Erstellung eines Untersuchungsberichts 

basierend auf einer ganzheitlichen Beurteilung ohne morphologische 

Analyse durch C._____ (Forensisches Institut D._____, Fachbereich 

visuelle Personenidentifizierung) an.  

 

3. 

3.1. 

Der Beschwerdeführer erhob am 17. März 2025 Beschwerde gegen die ihm 

am 5. März 2025 zugestellte Verfügung vom 3. März 2025 und stellte 

folgende Anträge: 

 

" 1.  
Der Gutachterauftrag der Staatsanwaltschaft vom 3. März 2025 sei auf-
zuheben.  
 
2. 
Es sei davon abzusehen, weitere Untersuchungshandlungen bezüglich 
Identitätsprüfung vorzunehmen.  
 
3.  
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge, zuzüglich Mehrwertsteuer, 
zulasten Staats." 

 

3.2. 

Mit Beschwerdeantwort vom 1. April 2025 beantragte die Kantonale Staats-

anwaltschaft, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten 

sei.  

 

 
   

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

Anfechtungsobjekt der Beschwerde bildet der Gutachterauftrag der 

Kantonalen Staatsanwaltschaft vom 3. März 2025. Gegen die Auftrags-

erteilung für ein Gutachten durch die Staatsanwaltschaft kann Beschwerde 

erhoben werden (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO; PATRICK GUIDON, Die 

Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011, 

 - 3 - 

 

 

N. 104). Der Gutachterauftrag vom 3. März 2025 ist somit grundsätzlich mit 

Beschwerde anfechtbar und dem Beschwerdeführer steht ohne Weiteres 

ein Beschwerderecht zu.  

 

Die Kantonale Staatsanwaltschaft führt in ihrer Beschwerdeantwort vom 

1. April 2025 aus, der Beschwerdeführer sei am 24. März 2025 zur 

erkennungsdienstlichen Behandlung, d.h. für die Anfertigung von 

Vergleichsaufnahmen, beim Forensischen Institut D._____ erschienen. 

Soweit sich die Beschwerde gegen die Vorladung des Forensischen 

Instituts D._____ richte, fehle es somit an einem aktuellen Rechtsschutz-

interesse. Diese Ausführungen sind zutreffend. Sofern der Beschwerde-

führer beabsichtigte, mit der vorliegend zu beurteilenden Beschwerde auch 

die Vorladung durch das Forensische Institut D._____ mitanzufechten, 

wäre das Rechtsschutzinteresse entfallen, nachdem der Beschwerdeführer 

der Vorladung bereits Folge geleistet hat. Da der Untersuchungsbericht 

bisher noch nicht erstattet und das Bildmaterial noch nicht ausgewertet 

worden ist, besteht aber weiterhin ein Interesse an der Beurteilung der vor-

liegenden Beschwerde. Somit ist im Übrigen auf die frist- und formgerecht 

eingereichte Beschwerde einzutreten.  

 

2. 

2.1. 

Dem Beschwerdeführer wird vorgeworfen, die auf der Autobahn signa-

lisierte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h am 1. September 2024 um 38 

km/h überschritten zu haben. Der Beschwerdeführer bestreitet, das Auto 

selbst gelenkt zu haben und macht geltend, beim Fahrer könnte es sich 

auch um seinen Zwillingsbruder B._____ oder seinen Cousin E._____ 

gehandelt haben.  

 

Das Forensische Institut D._____ erstattete am 4. November 2024 einen 

Kurzbericht (Morphologischer Bildvergleich). Darin wurde festgehalten, das 

zur Auswertung übermittelte Bildmaterial sei von schlechter bis mittlerer 

Qualität. Bei der Gegenüberstellung der unbekannten Bezugsperson mit 

der Vergleichsperson (Beschwerdeführer) seien keine morphologischen 

Ausprägungsunterschiede festgestellt worden, die eine Identität des 

Benannten mit der abgebildeten, fahrzeugführenden Person grundsätzlich 

ausschliessen würden. Die festgestellten Übereinstimmungen könnten 

auch durch blosse Ähnlichkeit begründet sein und würden nicht per se für 

Identität sprechen. Die Abweichungen könnten jedoch auch durch 

Störfaktoren wie Ausleuchtung, Artefaktbildung oder Perspektiven erklärt 

werden. Für eine weiterführende Prüfung der Identität seien optimierte 

Aufnahmen der Vergleichsperson zwingend erforderlich und empfehlens-

wert. Ansonsten sei die Frage der Identität vorläufig als nicht entscheidbar 

zu bewerten.  

 

 - 4 - 

 

 

In der Folge erging der Gutachterauftrag vom 3. März 2025. Darin hielt die 

Kantonale Staatsanwaltschaft fest, aufgrund des bisherigen Ermittlungs-

stands sei es unumgänglich, zwecks Identitätsprüfung der infrage kommen-

den tatverdächtigen Personen die Erstellung eines Untersuchungsberichts 

(Bildvergleich) basierend auf einer ganzheitlichen Beurteilung ohne 

morphologische Analyse in Auftrag zu geben.  

 

2.2. 

Der Beschwerdeführer wendet ein, er habe bereits zu einer polizeilichen 

Einvernahme erscheinen und die Erstellung einer Fotodokumentation über 

sich ergehen lassen müssen. Ihn zu weiteren Erhebungen und Begutach-

tungen vorzuladen bedeute einen Eingriff in seine Grundrechte, der 

angesichts des vorgeworfenen strafbaren Verhaltens nicht verhältnis-

mässig wäre.  

 

2.3. 

Die Kantonale Staatsanwaltschaft stellt sich in der Beschwerdeantwort auf 

den Standpunkt, die Anordnung sei angesichts der Schwere des Delikts 

verhältnismässig, zumal das Erscheinen beim Forensischen Institut 

D._____ zur Erstellung von Vergleichsaufnahmen einen geringen Grund-

rechtseingriff darstelle. Zudem sei letztlich lediglich ein Untersuchungs-

bericht und nicht ein Gutachten in Auftrag gegeben worden, was die 

kostengünstigere Variante sei. Davon profitiere auch der Beschwerde-

führer.  

 

Der Beschwerdeführer habe aufgrund seiner Angaben, wonach es sich 

beim Fahrer um seinen eineiigen Zwillingsbruder B._____ oder seinen im 

Kosovo lebenden Cousin gehandelt haben könnte, damit rechnen müssen, 

dass Untersuchungshandlungen zur Identitätsfeststellung angeordnet 

würden. Hinzu komme, dass sich die Frage der Täterschaft in den 

Verfahren gegen den Beschwerdeführer bereits zum wiederholten Mal 

stelle. Der Beschwerdeführer bringe stets seinen Zwillingsbruder ins Spiel, 

um sich der Strafverfolgung zu entziehen. Nun gelte es, diese "Zwillings-

Masche" zu unterbinden und den Beschwerdeführer strafrechtlich zur 

Rechenschaft zu ziehen.  

 

Im Übrigen müsse die Beschwerde als trölerisch bezeichnet werden, da sie 

einzig zum Zweck der Verfahrensverzögerung erhoben worden sei, obwohl 

sie vollkommen aussichtslos sei.  

 

2.4. 

2.4.1. 

Die Staatsanwaltschaft und die Gerichte ziehen einen oder mehrere 

sachverständige Personen bei, wenn sie nicht über die besonderen 

Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die zur Feststellung oder Beurteilung 

eines Sachverhalts erforderlich sind (Art. 182 StPO).  

 - 5 - 

 

 

Ein Gutachten hat nach Art. 182 StPO fehlendes fachliches Wissen bei der 

Abklärung des Sachverhalts zu ersetzen. Die Beantwortung der Frage, ob 

ein Gutachten erforderlich ist, liegt, von Ausnahmen abgesehen, vorerst 

einmal im Rahmen der freien Beweiswürdigung im pflichtgemässen 

Ermessen von Staatsanwaltschaft oder Gericht. Eine allgemeine Pflicht, 

sich der Hilfe eines sachkundigen Experten zu bedienen, kann gemäss 

Literaturmeinungen in gewissem Umfang aus dem Untersuchungsgrund-

satz und der Instruktionsmaxime abgeleitet werden (MARIANNE HEER, in: 

Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, 

N. 7 zu Art. 182 StPO; vgl. zur Pflicht zum Beizug des Sachverständigen 

auch ANDREAS DONATSCH, in: Kommentar zur Schweizerischen Straf-

prozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 28 ff. zu Art. 182 StPO). Grundsätzlich ist 

die Frage nach der Notwendigkeit einer Begutachtung aufgrund eines 

objektiven Massstabs zu beantworten. Der Beizug einer sachverständigen 

Person ist nur dann angezeigt, wenn es zur Feststellung und Beurteilung 

des Sachverhalts besonderer Kenntnisse bedarf (MARIANNE HEER, a.a.O., 

N. 8 zu Art. 182 StPO; ANDREAS DONATSCH, a.a.O., N. 26 zu Art. 182 

StPO).   

 

2.4.2. 

Jedes staatliche Handeln bedarf einer gesetzlichen Grundlage, muss im 

öffentlichen Interesse liegen und verhältnismässig sein. Der Grundsatz der 

Verhältnismässigkeit verlangt, dass eine Massnahme für das Erreichen des 

im öffentlichen oder privaten Interesse liegenden Zieles geeignet und 

erforderlich ist und sich für die Betroffenen in Anbetracht der Schwere der 

Grundrechtseinschränkung als zumutbar erweist. Es muss eine vernünftige 

Zweck-Mittel-Relation vorliegen (vgl. BGE 147 I 450 E. 3.2.3; 146 I 157 

E. 5.4; 140 I 2 E. 9.2.2; je mit Hinweisen). 

 

2.5. 

Der Beschwerdeführer bestreitet zu Recht nicht, dass eine gesetzliche 

Grundlage für eine Begutachtung bzw. die angeordnete Vergleichs-

untersuchung vorliegt und dass ein gewichtiges öffentliches Interesse an 

der Aufklärung der Täterschaft der massiven Geschwindigkeitsüber-

schreitung besteht.  

 

Er bestreitet letztlich einzig die Verhältnismässigkeit der angeordneten 

Massnahme. Seine Einwände sind jedoch unbegründet: 

 

Die angeordneten Abklärungen sind geeignet, zu klären, ob es sich beim 

Lenker des fraglichen Personenfahrzeugs um den Beschwerdeführer 

handelt. Diese Abklärungen sind erforderlich, zumal der Kurzbericht des 

Forensischen Instituts D._____ vom 4. November 2024 zu keinem ein-

deutigen Ergebnis führte und kein milderes Mittel zur Identitätsprüfung zur 

Verfügung steht. In Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes war die 

Kantonale Staatsanwaltschaft geradezu verpflichtet, weitere Abklärungen 

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in Auftrag zu geben. Zu prüfen bleibt das Kriterium der Zumutbarkeit. Vom 

Beschwerdeführer wurde einzig verlangt, sich zum Forensischen Institut 

D._____ zu begeben und dort Vergleichsaufnahmen erstellen zu lassen, 

welche anschliessend ausgewertet werden. Dabei handelt es sich um 

einen geringen Grundrechtseingriff. Angesichts der Schwere des im Raum 

stehenden Delikts und der Geringfügigkeit des Eingriffs in die Grundrechte 

des Beschwerdeführers ist ihm dieser Eingriff fraglos zumutbar. Dies gilt 

umso mehr, als die Kantonale Staatsanwaltschaft darauf hinweist, dass 

sich der Beschwerdeführer ihrer Ansicht nach bereits mehrfach der 

strafrechtlichen Verantwortung zu entziehen versucht hat, indem er seinen 

Zwillingsbruder als möglichen Täter für verschiedene Delikte angegeben 

hat. Die angeordnete Massnahme ist damit verhältnismässig und die 

Beschwerde ist abzuweisen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden ist.  

 

3. 

3.1. 

Der Beschwerdeführer unterliegt mit seiner Beschwerde, soweit sie nicht 

gegenstandslos geworden ist. Es rechtfertigt sich somit, die ober-

gerichtlichen Verfahrenskosten gestützt auf Art. 428 Abs. 1 StPO dem 

Beschwerdeführer vollumfänglich aufzuerlegen. 

 

3.2. 

Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers des Beschwerdeführers für 

seine Aufwendungen in diesem Beschwerdeverfahren wird am Ende des 

Strafverfahrens von der dannzumal zuständigen Instanz festzulegen sein 

(Art. 135 Abs. 2 StPO). 

 

 
   

Die Beschwerdekammer entscheidet: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht gegenstandslos 

geworden ist.  

 

2. 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichts-

gebühr von Fr. 1'000.00 und den Auslagen von Fr. 37.00, zusammen 

Fr. 1'037.00, werden dem Beschwerdeführer auferlegt. 

 

 
   

Zustellung an: 

[…] 

  

 - 7 - 

 

 

   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der 

schriftlichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die 

Beschwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde 

kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn 

diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die 

Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen 

bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen 

würde (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde- 

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 24. April 2025 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Richli Stutz