# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d4b31e7f-dd5e-56fb-bf74-25b07c9654e3
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1994-12-30
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Rekurskommission Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement 30.12.1994 JAAC 59.96
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_028_JAAC-59-96--_1994-12-30.pdf

## Full Text

JAAC 59.96

Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der
Rekurskommission EVD vom 30. Dezember
1994 in Sachen C. gegen Zentralschweizerischen
Milchverband (MVL) und Regionale Rekurskommission

Nr. 11; 94/8B-045

Adaptation des contingents suite à une modification de la surface
déterminante; cession de terres avec bâtiments d’exploitation;
délimitation de la notion de partage d’exploitation.

1. Art. 12 PA: établissement des faits pertinents.

Le recourant n’a aucun droit à être interrogé lorsque, sur la base des
actes, l’état de fait est déjà suffisamment évident; le droit d’être entendu
n’implique pas une audition personnelle (consid. 4).

2. Art. 22 OCLP 93: partage d’exploitation.

La disposition relative au partage d’exploitation ne trouve application
que lorsqu’au moins deux nouvelles exploitations, formellement
reconnues par le canton, sont créées à partir d’une exploitation déjà
existante (consid. 4.2.1).

3. Art. 19 al. 2 let. e OCLP 93: reprise d’exploitation et cession ultérieure
de terres avec bâtiments d’exploitation.

- Il y a reprise d’exploitation lors de l’acquisition d’un domaine
précédemment exploité de manière indépendante ou encore en cas de
simple reprise de terres avec bâtiments d’exploitation (consid. 4.2.2).

- Il n’est pas déterminant que la terre cédée avec des bâtiments
d’exploitation soit reprise par un ou plusieurs exploitants; il est par
contre décisif que la terre soit cédée avec des bâtiments (consid. 4.2.3).

- Des exceptions à la règle selon laquelle le cédant d’une terre avec
bâtiments d’exploitation doit transmettre au preneur le contingent
qu’il avait obtenu lors de l’acquisition de l’exploitation doivent être
admises avec retenue; elles doivent en outre être motivées. Les autorités
compétentes ne disposent d’aucune latitude de jugement (consid. 5).

1

Anpassung der Einzelkontingente infolge Änderung der massgeblichen
Nutzfläche; Abgabe von Land mit Ökonomiegebäude; Abgrenzung zur
Betriebsteilung.

1. Art. 12 VwVG: Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts.

Der Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine Befragung, wenn
der Sachverhalt bereits aus den Akten genügend ersichtlich ist; der
Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt keine persönliche Anhörung
(E. 4).

2. Art. 22 MKTV 93: Betriebsteilung.

Die Bestimmung über die Betriebsteilung kommt nur dann zur
Anwendung, wenn aus einem Betrieb mindestens zwei neue, vom Kanton
formell anerkannte Betriebe entstehen (E. 4.2.1).

3. Art. 19 Abs. 2 Bst. e MKTV 93: Betriebsübernahme und spätere Abgabe
von Land mit Ökonomiegebäude.

- Als Betriebsübernahme gilt die Übernahme eines vorher selbständigen
Betriebes oder die blosse Übernahme von Land mit Ökonomiegebäude
(E. 4.2.2).

- Unerheblich ist, ob das abgegebene Land samt Ökonomiegebäude von
einem oder mehreren Bewirtschaftern übernommen wird; entscheidend
ist, dass eine Einheit von Land und Gebäuden abgegeben wird (E. 4.2.3).

- Ausnahmen von der Regel, wonach der Abgeber von Land
mit Ökonomiegebäude das ihm bei der Betriebsübernahme
zugeteilte Kontingent auf den Landübernehmer zu übertragen
hat, sind mit Zurückhaltung anzunehmen und zu begründen. Kein
Ermessensspielraum der rechtsanwendenden Behörde (E. 5).

Adeguamento dei contingenti in seguito ad una modificazione della
superficie utile determinante; cessione di terreni con gli stabili
aziendali; delimitazione della nozione di divisione di un’azienda.

1. Art. 12 PA: accertamento dei fatti giuridicamente rilevanti.

Il ricorrente non ha alcun diritto ad essere interrogato se, sulla base
degli atti, la fattispecie è già sufficientemente evidente; il diritto di
essere sentito non implica un’audizione personale (consid. 4).

2. Art. 22 OCLP 93: divisione di un’azienda.

La disposizione relativa alla divisione di un’azienda è applicabile
soltanto se vengono create due nuove aziende formalmente riconosciute
dal Cantone (consid. 4.2.1).

3. Art. 19 cpv. 2 lett. e OCLP 93: assunzione di un’azienda e successiva
cessione di terreni con stabili aziendali.

2

- E’ considerata assunzione di un’azienda l’assunzione di un’azienda
precedentemente gestita in modo indipendente oppure la semplice
assunzione di terreni con gli stabili aziendali (consid. 4.2.2).

- Il fatto che i terreni ceduti con gli stabili aziendali siano assunti da
uno o più gestori è irrilevante; determinante è invece il fatto che i
terreni siano ceduti con gli stabili aziendali (consid. 4.2.3).

- Deroghe alla regola secondo cui il cedente di un terreno con gli stabili
aziendali deve trasmettere al cessionario il contingente che aveva
ottenuto al momento dell’assunzione dell’azienda devono essere
ammesse con riserbo; esse devono inoltre essere motivate. Le autorità
competenti non dispongono di alcun margine di apprezzamento
(consid. 5).

Aus dem Sachverhalt:

C. war seit 1984 Pächter eines Betriebes in X 1987 erwarb C. einen Betrieb
in Y zu Eigentum. Am 4. April 1990 verfügte der Zentralschweizerische
Milchverband (MVL) die Zusammenlegung der Kontingente der beiden
Betriebe per 1. Mai 1990.

Ende März 1993 lief der Pachtvertrag für den Betrieb in X aus. Während
der Stammbetrieb mit 2,52 ha Land und Gebäuden von der Tochter des
bisherigen Verpächters und Eigentümers übernommen wurde, gingen die
weiteren zu diesem Betrieb gehörenden Pachtlandparzellen an neue Pächter.
C. bewirtschaftete weiterhin seinen Betrieb in Y. Mit Entscheid vom 16. August
1993 setzte der Milchverband das Kontingent von C. per 1. Mai 1993 auf die
Höhe des ursprünglichen Kontingents für den Betrieb in Y fest.

Dagegen führte C. Beschwerde bei der Regionalen Rekurskommission Nr. 11
und beantragte, dass 37% des Milchkontingents vom ehemaligen Pachtbetrieb
in X auf ihn zu übertragen seien. Die Rekurskommission Nr. 11 wies die
Beschwerde mit Entscheid vom 3. November 1993 ab.

In der Beschwerde an die Rekurskommission EVD, worin sinngemäss die
Aufhebung der Entscheide des Milchverbandes und der Rekurskommission
Nr. 11 beantragt wird, macht C. im wesentlichen geltend, die Abgabe des

3

Pachtlandes, das zum Betrieb in X gehört habe, müsse infolge der 1990
erfolgten Kontingentszusammenlegung als Landabgabe gelten und es sei
für die Kontingentskürzung grundsätzlich die 50%-Regel anzuwenden.

Aus den Erwägungen:

1. (Zuständigkeit)

2. (Beschwerdelegitimation; Eintreten auf die Beschwerde, soweit es das
Feststellungsinteresse des Beschwerdeführers betrifft; vgl. REKO/EVD
93/8B-004 E. 2, veröffentlicht in: VPB 59.90[5])

3. (Gesetzliche Grundlagen; vgl. REKO/EVD 93/8B-004 E. 3, veröffentlicht in:
VPB 59.90[6])

Vorliegend geht es um das Milchkontingent für das Milchjahr 1993/94,
welches am 30. April 1994 zu Ende ging. In jener Periode galt die Verordnung
vom 26. April 1993 über die Milchkontingentierung im Talgebiet und in
der Bergzone I (Milchkontingentierung-Talverordnung 93 [MKTV 93],
SR 916.350.101, AS 1994 2056). Für die Festlegung des Milchkontingentes
ist deshalb auf das Recht abzustellen, das in der betreffenden Periode galt.

4. C. beantragt in seiner Beschwerde unter anderem, er sei in der vorliegenden
Streitsache zu befragen. Da die Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts
im Rahmen der Untersuchungsmaxime Aufgabe der Beschwerdebehörde ist,
hat der Beschwerdeführer darauf keinen Anspruch. Die Behörde ist nicht
gehalten, Beweise abzunehmen, wenn die Tatsachen bereits aus den Akten
genügend ersichtlich sind (VPB 44.66). Es ist nicht erkennbar, welche neuen
Erkenntnisse eine Befragung zu erbringen vermöchte. Im übrigen hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine mündliche Stellungnahme, denn
der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt nicht eine persönliche Anhörung
(Häfelin Ulrich / Müller Georg, Grundriss des Allgemeinen Verwaltungsrechts,
S. 309). Bei der gegebenen Aktenlage bestehen keine Zweifel über den
Sachverhalt.

Es geht im vorliegenden Streitfall im wesentlichen um folgendes: Der
Beschwerdeführer bewirtschaftete bis März 1993 einen landwirtschaftlichen
Betrieb mit je einer Produktionsstätte in X und in Y. Ursprünglich bestand
sein Betrieb nur aus dem Betrieb in X, welchen er seit 1984 in Pacht
hatte. 1987 erwarb er den Betrieb in Y hinzu. Ab 1988 wurden die beiden
Produktionsstätten gemeinsam als ein Betrieb geführt. Die ursprünglich
eigenständigen Milchkontingente der Betriebe wurden mit Verfügung des
Milchverbandes vom 4. April 1990 per 1. Mai 1990 zu einem Gesamtkontingent
von ... kg (Betrieb X: ... kg, Betrieb Y: ... kg) zusammengelegt. Nach der
Rückgabe des Pachtbetriebes in X führte der Beschwerdeführer nur noch
den Betrieb in Y.

Daher reduzierte der Milchverband das Milchkontingent des
Beschwerdeführers mit Entscheid vom 16. August 1993 auf das ursprünglich
mit dem Betrieb in Y übernommene Kontingent (... kg) und wurde darin
von der Rekurskommission Nr. 11 bestätigt. Dagegen legte C. am 4. Mai 1994
Beschwerde bei der Rekurskommission EVD ein und erhob per 1. Mai 1993
Anspruch auf ein höheres Milchkontingent für seinen Betrieb in Y. Er vertritt

4

https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002819.pdf?ID=150002819
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002819.pdf?ID=150002819

die Ansicht, das ihm verbleibende Kontingent sei nach den Bestimmungen
über die Landabgabe und Landübernahme zu ermitteln. Danach verblieben
50% des Kontingentes je Hektare beim Landabgeber und 50% würden auf die
Landübernehmer übertragen.

Zunächst ist zu prüfen, wie sich der Betrieb des Beschwerdeführers entwickelt
hat und welche kontingentsrechtlichen Auswirkungen dies hatte (Ziff. 4.1).
Sodann sind die Umstände der Aufgabe des Pachtbetriebes in X zu überprüfen
und die kontingentsrechtlichen Folgerungen zu ziehen (Ziff. 4.2).

4.1. (...)

Kontingentsrechtlich ist die Übernahme des zweiten Betriebes durch C.
als Betriebsübernahme im Sinne von Art. 20 der damals anwendbaren
Verordnung vom 15. April 1987 über die Milchkontingentierung im
Talgebiet, in der voralpinen Hügelzone und in der Zone I des Berggebietes
(Milchkontingentierung-Talverordnung 87 [MKTV 87], AS 1987 664,
1988 677, 1989 771) zu qualifizieren. Dementsprechend hätte der
Milchverband die Einzelkontingente der beiden Betriebe nach Art. 20
Abs. 1 Milchkontingentierung-Talverordnung 87 zusammenlegen müssen.
Indessen hat der Milchverband die Kontingente erst am 4. April 1990 gestützt
auf die Milchkontingentierung-Talverordnung 89 zusammengelegt. Der
entsprechende Entscheid des Milchverbandes vom 4. April 1990 wurde auf
Beschwerde von C. von der Rekurskommission Nr. 11 mit Entscheid vom
12. Juni 1990 bestätigt. Er ist rechtskräftig und steht vorliegend nicht in Frage.

Somit steht fest, dass das Gesamtkontingent, das C. vor dem 1. Mai 1993
zustand, einerseits aus der Übernahme des Betriebs in X aufgrund eines
Bewirtschafterwechsels und anderseits aus der Übernahme des Betriebs
in Y (im Sinne einer Betriebsübernahme) stammte.

4.2. Ende März 1993 gab C. die Pacht des Betriebs in X auf und beschränkte
sich fortan auf die Bewirtschaftung seines Betriebs in Y. Die Vorinstanzen
qualifizierten diesen Sachverhalt sinngemäss als Betriebsteilung und teilten
jedem Betrieb wieder das ursprüngliche Kontingent zu. Demgegenüber
beruft sich der Beschwerdeführer auf die Anwendung jener Bestimmung
der Milchkontingentierung-Talverordnung 93 über die Landabtretung, nach
welcher das Kontingent des Landabgebers in der Regel lediglich um 50% des
Kontingents je Hektare massgebliche Nutzfläche gekürzt wird.

In bezug auf die Veränderungen beim Landabgeber sind folgende Fälle
auseinanderzuhalten:

a. Wird Pachtland abgegeben, so kürzt der Milchverband das Kontingent
um jene Menge, welche bei der seinerzeitigen Übernahme des Landes im
Pachtvertrag festgelegt war (Art. 19 Abs. 1 MKTV 93).

b. Liegt kein Pachtvertrag nach Abs. 1 vor, so können Landabgeber und
Landübernehmer eine den Milchverband bindende Vereinbarung über die
Kontingentsänderung treffen (Art. 19 Abs. 2 Bst. a MKTV 93).

c. Kommt keine Vereinbarung zustande, so entscheidet der Milchverband
auf Gesuch des Landübernehmers (Art. 37 Abs. 1 MKTV 93). Dabei hat er das
Kontingent des Landabgebers je abgegebene Hektare in der Regel um 50%

5

des Kontingentes je Hektare massgebliche Nutzfläche zu kürzen, das dem
Landabgeber am 1. Mai vor der Landabgabe zustand (Art. 19 Abs. 2 Bst. b
MKTV 93).

d. Gibt ein Produzent Land mit zugehörigem Ökonomiegebäude einem
anderen Produzenten ab, so muss er in der Regel das ihm bei der
Betriebsübernahme zugeteilte Kontingent auf den Landübernehmer
übertragen (Art. 19 Abs. 2 Bst. e MKTV 93).

e. Werden Betriebe wieder geteilt, die nach dem 1. Mai 1979 zusammengelegt
wurden, so teilt der Milchverband den neuen, vom Kanton anerkannten
Betrieben ihr Einzelkontingent entsprechend den ursprünglich zugeteilten
Kontingenten zu (Art. 22 MKTV 93).

Im vorliegenden Fall steht fest, dass das Kontingent, dessen Abgabe umstritten
ist, im Zusammenhang mit der Übernahme eines Betriebs zugeteilt wurde
(Ziff. 4.1).

Es ist daher nachfolgend zu prüfen, ob die Aufgabe des Pachtbetriebs in
X den Tatbestand einer Betriebsteilung oder einer Abgabe von Land mit
zugehörigem Ökonomiegebäude erfüllt.

4.2.1. Nach Art. 2 der Verordnung vom 26. April 1993 über landwirtschaftliche
Begriffe und die Anerkennung von Betriebsformen (landwirtschaftliche
Begriffsverordnung, SR 910.91, AS 1993 1598) gilt als Betrieb ein
landwirtschaftliches Unternehmen, das:

«a. eine Gesamtheit von Land, Gebäuden, Inventar und Arbeitskräften darstellt;

b. eine oder mehrere Produktionsstätten umfasst;

c. selbständig ist;

d. räumlich als solches erkennbar ist;

e. ein Betriebszentrum hat;

f. während des ganzen Jahres bewirtschaftet wird.»

Ein Betrieb muss vom Kanton auf Gesuch hin in Form einer entsprechenden
Verfügung anerkannt sein (Art. 23 landwirtschaftliche Begriffsverordnung).

Nach Art. 22 Milchkontingentierung-Talverordnung 93 hat der zuständige
Milchverband bei der Teilung eines Betriebes den neuen, vom Kanton
anerkannten Betrieben ihr Einzelkontingent zuzuteilen. Demzufolge kommt
die Bestimmung betreffend Betriebsteilung nur dann zur Anwendung,
wenn aus einem Betrieb mindestens zwei neue, vom Kanton formell
anerkannte Betriebe entstehen. Diese durch die ständige Praxis der
seinerzeitigen Oberrekurskommission i. S. Milchkontingentierung erhärtete
Rechtsauffassung ist nach wie vor massgebend.

Nach der Aufgabe des Pachtbetriebs in X durch C. ist diese Produktionsstätte
unbestrittenermassen nicht wieder als selbständiger Betrieb weitergeführt
und anerkannt worden. Somit sind die Voraussetzungen für die Anwendung
der Bestimmung über die Betriebsteilung (Art. 22 MKTV 93) nicht erfüllt.

6

4.2.2. Bei Abgabe einer Gesamtheit von Land mit Gebäuden, welche der
oder die Übernehmer nicht als selbständigen Betrieb führen, sondern
einem bestehenden Betrieb angliedern, muss in der Regel das bei der
Betriebsübernahme zugeteilte Kontingent auf den Landübernehmer
übertragen werden (Art. 19 Abs. 2 Bst. e MKTV 93).

Ausgangspunkt für die Ermittlung des zu übertragenden Kontingents
ist das bei der Betriebsübernahme zugeteilte Kontingent. In diesem
Zusammenhang stellt sich die Frage, was unter der Betriebsübernahme
im Sinne der genannten Bestimmung zu verstehen ist. Es fällt auf, dass
die Milchkontingentierung-Talverordnung 93 im Zusammenhang mit der
Kontingentszuteilung von Betriebsübernahme spricht und im Zusammenhang
mit der Kontingentsübertragung an die Abgabe von Land mit zugehörigem
Ökonomiegebäude anknüpft.

Land und Gebäude bilden die zentralen Grundlagen eines
landwirtschaftlichen Betriebs (Art. 2 Abs. 1 Bst. a landwirtschaftliche
Begriffsverordnung). Sie können vor der Übernahme als selbständiger Betrieb
im Sinne von Art. 2 landwirtschaftliche Begriffsverordnung bewirtschaftet
worden oder Teil eines Betriebes gewesen sein, der auch nach der Abgabe
weiter besteht.

Als Betriebsübernahme hat folglich einmal das Übernehmen einer
landwirtschaftlichen Produktionsstätte zu gelten, die vorher als selbständiger
Betrieb im Sinne von Art. 2 landwirtschaftliche Begriffsverordnung geführt
wurde.

Aber auch das blosse Übernehmen von Land mit zugehörigem
Ökonomiegebäude, die zuvor nicht als Ganzes einen selbständigen Betrieb,
sondern lediglich Teil eines Betriebs bildeten, ist als Betriebsübernahme im
Sinne von Art. 19 Abs. 2 Bst. e Milchkontingentierung-Talverordnung 93 zu
betrachten. Durch die Abgabe des Landes mit zugehörigem Ökonomiegebäude
schränkt der Landabgeber seine Milchproduktion ein; er nimmt eine
betriebliche Umstrukturierung vor, die unter Umständen sogar bis zur
Einstellung der Milchproduktion geht. Der Landübernehmer dagegen will
durch die Übernahme von Land mit zugehörigem Ökonomiegebäude eine
Verbesserung seiner betrieblichen Struktur erreichen. Daher rechtfertigt
es sich in der Regel, wie bei einem Betrieb das gesamte Kontingent auf den
Landübernehmer zu übertragen, welches der Landabgeber seinerzeit mit der
Fläche und dem dazugehörenden Ökonomiegebäude erworben hatte.

Somit kann festgehalten werden, dass Sinn und Zweck von Art. 19 Abs. 2 Bst. e
Milchkontingentierung-Talverordnung 93 dahin gehen, dass in der Regel das
Kontingent zu übertragen ist, das der Landabgeber bei der seinerzeitigen
Übernahme des Landes mit dem zugehörigen Ökonomiegebäude erhalten
hatte.

Im vorliegenden Fall ging das Kontingent betreffend den Betrieb in X
unbestrittenermassen aufgrund der Übernahme des Betriebs an C. Daher ist
mit der Abgabe von Land und Ökonomiegebäude des ehemals selbständigen
Betriebs in X grundsätzlich dieses Kontingent wieder abzugeben.

4.2.3. In tatbeständlicher Hinsicht wird weiter vorausgesetzt, dass eine
Flächenverschiebung mitsamt Ökonomiegebäude zwischen (Verkehrsmilch-)
Produzenten stattfindet. Dies ist vorliegend unbestritten. Wie der Verfügung

7

des Milchverbandes vom 16. August 1993 zu entnehmen ist, gingen Land und
Ökonomiegebäude des Betriebes in X nach dem Ende der Pacht durch C. an
sechs Milchproduzenten.

Zu prüfen ist die Frage, ob die Anwendung der Bestimmung über die Abgabe
von Land mit Ökonomiegebäude (Art. 19 Abs. 2 Bst. e MKTV 93) voraussetzt,
dass die Einheit von Land und Ökonomiegebäuden an einen Übernehmer geht
oder ob auch die Übernahme durch mehrere Produzenten den Tatbestand
erfüllt.

Auszugehen ist davon, dass Art. 19 Abs. 2 Bst. e
Milchkontingentierung-Talverordnung 93 das Korrelat zu Art. 22
Milchkontingentierung-Talverordnung 93 darstellt. Wird Land mit
Ökonomiegebäuden von einem Betrieb abgegeben und danach darauf
ein selbständiger Betrieb geführt, so liegt eine Betriebsteilung vor; wird
Land mit Ökonomiegebäude einem andern Betrieb angegliedert, so liegt
eine «Abgabe» vor. In beiden Fällen geht dem abgebenden Betrieb eine
Produktionsgrundlage verloren, die je nach Interessenlage des Übernehmers
zu einem selbständigen Betrieb ausgebaut wird oder gegebenenfalls
zumindest die Basis eines selbständigen Betriebes bilden könnte. Da das
Milchkontingent ein wesentliches Element für die Existenz eines Betriebs
bildet, ist damit auch erklärt, weshalb für beide Fälle vorgesehen ist, das mit
der betreffenden Einheit von Land und Gebäuden verbundene Kontingent
grundsätzlich ungekürzt zu übertragen. Das ist auch deshalb begründet, weil
der abgebende Produzent danach nicht selten die Milchproduktion einstellt
(vgl. Spörri Philipp, Milchkontingentierung, Freiburg 1992, S.147).

Die Nutzung von Land und Gebäuden entzieht sich nach der Abgabe dem
Einflussbereich des abgebenden Produzenten. Deshalb soll der Umfang
seiner Kontingentsabgabe auch nicht von den Dispositionen der Übernehmer
abhängen. Wer einen Betrieb oder Land mit Ökonomiegebäude übernimmt,
muss wissen, dass er im gegebenen Zeitpunkt das damit erworbene Kontingent
wieder abgeben muss.

Weiter fällt in Betracht, dass Art. 19 Abs. 2 Bst. e
Milchkontingentierung-Talverordnung 93 unter der Artikelüberschrift
«Verminderung der massgeblichen Nutzfläche» ausdrücklich die Abgabe
von Land mit zugehörigem Ökonomiegebäude regelt. Die Übernahme von
Land mit Ökonomiegebäude ist nicht ausdrücklich geregelt. Für diesen Fall
gilt, dass das Kontingent um die um 10% verminderte Menge erhöht wird,
die der Landabgeber nach Art. 19 Milchkontingentierung-Talverordnung 93
abzutreten hat (Art. 20 Abs. 1 MKTV 93). Auch dies lässt den Schluss zu, dass
das entscheidende Tatbestandselement darin besteht, dass eine Einheit von
Land und Gebäuden von einem Produzenten abgegeben wird. Unerheblich ist,
wie diese Einheit nach der Abgabe genutzt wird.

Im vorliegenden Fall hat C. die Einheit von Land und Gebäuden, die er
seinerzeit als Betrieb in X gepachtet hatte, nach Ablauf der Pacht an den
Verpächter zurückgegeben. Dies erfüllt den Tatbestand der Abgabe von
Land mit Ökonomiegebäude. Der Umstand, dass der Verpächter danach den
Betrieb nicht mehr selbst führte, sondern sein eigenes Land an seine Tochter
übergab, die es in den Landwirtschaftsbetrieb ihres Ehemannes einbrachte,
und die Pacht der übrigen Parzellen aufgab, betrifft die Rechtsstellung von C.
als Landabgeber nicht.

8

Entscheidend ist in diesem Zusammenhang, dass eine Einheit von Land und
Gebäude abgegeben wurde, denn das Pachtverhältnis endete für alle Parzellen
gleichzeitig per Ende März 1993. Nicht in Frage gestellt wird dieser Umstand
dadurch, dass eine einzelne Parzelle infolge Ablaufs des entsprechenden
Pachtvertrages bereits ein Jahr zuvor abgegeben werden musste. Aus der
diesbezüglichen rechtskräftigen Verfügung des Milchverbandes vom 20. Juli
1992 ergibt sich im übrigen, dass auf der Basis des auf den Betrieb in X
entfallenden Kontingentsanteils 100% des Hektarendurchschnitts übertragen
wurden.

Somit stellt sich noch die Frage, ob Anlass bestanden hätte, von der Regel
abzuweichen.

5. Gibt ein Produzent Land mit zugehörigem Ökonomiegebäude einem
anderen Produzenten ab, so muss er in der Regel das ihm bei der
Betriebsübernahme zugeteilte Kontingent auf den Landübernehmer
übertragen (Art. 19 Abs. 2 Bst. e MKTV 93).

Nach dieser «Regel» sind Ausnahmen zugelassen, ohne dass jedoch
ausdrücklich bestimmt wird, nach welchen Kriterien die Ausnahmefälle
festzulegen sind.

In einem ähnlich gelagerten Fall führte das BGer aus, dass die Formulierung
«in der Regel» ein unbestimmter Rechtsbegriff sei, dessen Bedeutung durch
Auslegung näher bestimmt werden müsse. Die entscheidende Behörde könne
nicht nach freiem Ermessen darüber befinden, wann eine Ausnahmesituation
vorliege und wann nicht (sinngemäss: BGE 95 I 296 ff.; vgl. auch Gygi Fritz,
Verwaltungsrecht, Bern 1986, S. 85 ff.). Ob die Voraussetzungen erfüllt
sind, von denen die Gewährung einer Ausnahme abhängt, ist eine Rechts-,
nicht eine Ermessensfrage, und zwar selbst dann, wenn die gesetzliche
Umschreibung in dieser Hinsicht unbestimmt lautet (Gygi, a. a. O., S. 87, mit
Hinweisen auf die Rechtsprechung).

5.1. Somit ist zunächst zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen im
vorliegenden Zusammenhang ein Ausnahmefall anzunehmen ist.

Aus dem Milchwirtschaftsbeschluss ergibt sich einzig, dass der Bundesrat bei
der Bemessung der Einzelkontingente unter anderem die Betriebsfläche und
die Bewirtschaftungsverhältnisse zu berücksichtigen hat (Art. 2 Abs. 3 MWB
1988). Über das Vorgehen bei Landverschiebungen äussert sich die genannte
Bestimmung nicht (vgl. Spörri, a. a. O. S.146, Fn. 16, mit Hinweisen).

Wie dargelegt (Ziff. 4.2.2), bezweckt die Vorschrift, wonach derjenige, der
Land mit Ökonomiegebäuden abgibt, jenes Kontingent abzugeben hat, das
ihm bei der seinerzeitigen Übernahme zugeteilt wurde, eine Gleichstellung
mit den kontingentsrechtlichen Auswirkungen einer Betriebsteilung. Mit der
Möglichkeit einer Abweichung von der Regel wollte der Verordnungsgeber
aber verhindern, dass durch strikte Anwendung der Regel im Einzelfall
ungewollte Ergebnisse oder Härten entstehen (vgl. dazu Gygi, a. a. O., S. 85).

Damit bietet sich die Möglichkeit, in begründeten Ausnahmefällen eine dem
Einzelfall gerechte Lösung zu treffen. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt,
muss durch Berücksichtigung der betrieblichen Gegebenheiten und in
Würdigung der Interessen von Landabgeber und Landübernehmer ermittelt
werden. Liegen keine durch die betrieblichen Verhältnisse begründeten
besonderen Umstände vor, muss sich der Milchverband an die Regel halten.

9

Ausnahmefälle sind nur mit Zurückhaltung anzunehmen und zu begründen.
Eine grosszügige Annahme von Ausnahmen würde das verfassungsmässige
Gebot der Gesetzmässigkeit der Verwaltung und der rechtsgleichen
Behandlung der Bürger verletzen (BGE 107 Ib 119, mit Hinweisen). Überdies
würde auf diese Weise die Ausnahme zur Regel, was aber die Verordnung
gerade vermeiden will.

Aus dem Vorstehenden folgt, dass der rechtsanwendenden Behörde kein
Ermessensspielraum in der Frage zusteht, ob im Einzelfall von der Regel
abzuweichen ist. Richtigerweise darf der Milchverband nur dann von
der Regel abweichen, wenn die Lösung nach der generalisierenden und
schematisierenden Regel dem Einzelfall nicht gerecht wird und nicht
umgekehrt (vgl. VPB 51.42).

Wie weit bei Anerkennung eines Ausnahmefalles der Situation
Rechnung zu tragen ist, bildet dagegen weitgehend Ermessensfrage
(Gygi, a. a. O., S. 87; Rhinow René A. / Krähenmann Beat, Schweizerische
Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband; Basel und Frankfurt a. M.
1990, Nr. 66 B III). Dem Milchverband steht also einzig bei der Festsetzung der
Kürzungsmenge ein Ermessen zu.

5.2. Aus den vorliegenden Akten gehen keine Umstände hervor, die es geboten
hätten, von der Regel, dass das volle Kontingent übertragen wird, abzuweichen
(Art. 19 Abs. 2 Bst. e MKTV 93). Vielmehr rechtfertigen es die Umstände des zu
beurteilenden Falles, dass C. als Landabgeber 100% des - bei der Übernahme
der

Parzellen mit den dazugehörenden Ökonomiegebäuden zugeteilten -
Kontingents abgibt. Bei der seinerzeitigen Übernahme des Betriebs in X
musste es dem Beschwerdeführer klar sein, dass er bei der Rückgabe nach
Ablauf der Pacht das mit dem Betrieb übernommene Kontingent wieder
abgeben muss.

6./7. (...)

(Die Rekurskommission EVD weist die Beschwerde, soweit darauf einzutreten
ist, ab)

[5] Vgl. oben S. 756.
[6] Vgl. oben S. 758.

10

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_107_Ib_119&resolve=1
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000455.pdf?ID=150000455

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 59.96 - Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 30.

Dezember 1994 in Sachen C. gegen Zentralschweizerischen Milchverband (MVL) und

Regionale Rekurskommission Nr. 11; 94/8B-045

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1995
Année

Anno

Band 59
Volume

Volume

Seite ---
Page

Pagina

Ref. No 150 002 837

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 30. Dezember 1994 in Sachen C. gegen Zentralschweizerischen Milchverband (MVL) und Regionale Rekurskommission Nr. 11; 94/8B-045
	Aus dem Sachverhalt:
	Aus den Erwägungen: