# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 38299776-ded3-5a82-a754-35ad338ca933
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.12.2022 D-5595/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5595-2022_2022-12-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5595/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  D e z e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichter Thomas Segessenmann, 

mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;   

Gerichtsschreiber Daniel Widmer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Burundi,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 30. November 2022 / N (…). 

 

 

 

D-5595/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 23. Oktober 2022 in der Schweiz um 

Asyl nach. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank 

(Eurodac) ergab, dass er am 18. Oktober 2022 in Kroatien illegal in das 

Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten eingereist und am gleichen Tag um Asyl 

nachgesucht hatte. 

A.b Am 5. November 2022 beauftragte der Beschwerdeführer die Mitarbei-

tenden des Rechtsschutzes für Asylsuchende im Bundesasylzentrum 

(BAZ) B._______ mit der Wahrung seiner Rechte im Asylverfahren. 

A.c Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer am 11. November 

2022 das rechtliche Gehör (sog. Dublin-Gespräch) zu einem allfälligen 

Nichteintretensentscheid und einer Überstellung nach Kroatien. 

Der Beschwerdeführer brachte diesbezüglich vor, er möchte nicht dorthin 

zurückkehren. Die kroatische Polizei habe ihn an der Grenze erwischt und 

misshandelt. Er sei (…) unterwegs gewesen und die Polizei hätte Hunde 

auf ihn gehetzt, welche ihn auch gebissen hätten. In Kroatien sei er zwei 

Tage in Haft gewesen. Man habe ihm kein Essen gegeben. Er habe in Kro-

atien kein Asylgesuch einreichen wollen, man habe ihn mit Schlägen und 

Hunden zum Abgeben seiner Fingerabdrücke gezwungen und sehr 

schlecht behandelt. Zudem habe er von Anfang an beabsichtigt gehabt, in 

die Schweiz zu kommen.  

Zum medizinischen Sachverhalt gab er an, dass er von den Strapazen auf 

der Reise Schmerzen (…) habe. Dazu kämen (…)wunden von einem (…) 

in Burundi. Er sei wegen der Schmerzen bereits beim Arzt im BAZ gewesen 

und habe eine Salbe erhalten. Man habe ihm zur Kontrolle Blut abgenom-

men. Er warte nun noch auf die Resultate. 

A.d Am 15. November 2022 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden 

um Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b 

der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des 

Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur 

Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-

staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-

trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). 

Die kroatischen Behörden hiessen das Ersuchen am 29. November 2022 

gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO gut. 

D-5595/2022 

Seite 3 

A.e Mit Verfügung vom 30. November 2022 – eröffnet am 1. Dezember 

2022 – trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG 

(SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete 

die Wegweisung aus der Schweiz nach Kroatien an, forderte den Be-

schwerdeführer auf, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Be-

schwerdefrist zu verlassen, und beauftragte den Kanton B._______ mit 

dem Vollzug der Wegweisung. Gleichzeitig stellte es fest, einer allfälligen 

Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung 

zu, und verfügte die Aushändigung der editionspflichtigen Akten gemäss 

Aktenverzeichnis. 

B.  

Mit Eingabe vom 1. Dezember 2022 informierte die zugewiesene Rechts-

vertretung die Vorinstanz über die Niederlegung des Mandats. 

C.  

Mit Eingabe vom 5. Dezember 2022 (Datum Postaufgabe) erhob der Be-

schwerdeführer gegen die Verfügung des SEM vom 30. November 2022 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte die Aufhe-

bung der angefochtenen Verfügung. Sinngemäss verlangte er zudem, die 

Vorinstanz sei anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten und das Asyl-

verfahren in der Schweiz durchzuführen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

wurde um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung unter Verzicht auf das Erhe-

ben eines Kostenvorschusses ersucht. 

D.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

6. Dezember 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

Gleichentags setzte der Instruktionsrichter mit superprovisorischer Mass-

nahme den Vollzug der Wegweisung einstweilen aus. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungs-

gericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des Asyls zu-

ständig und entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist zur 

Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und 

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Seite 4 

formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 

AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

3.  

Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet, weshalb sie 

im Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zwei-

ten Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e 

AsylG), ohne Durchführung eines Schriftenwechsels und mit summari-

scher Begründung zu behandeln ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rah-

men des in den Art. 23–25 Dublin-III-VO geregelten sogenannten Wieder-

aufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet grundsätzlich keine (erneute) 

Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt. Die Zuständigkeit beziehungs-

weise die Verpflichtung des Mitgliedstaates zur Wiederaufnahme ergibt 

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Seite 5 

sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 Abs. 5 Dub-

lin-III-VO (vgl. Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union [EuGH] 

[Grosse Kammer] vom 2. April 2019, H. und R., C 582/17 und C-583/17, 

EU:C:2019:280, Rn. 47–50; BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und 

8.2.1 m.H.). 

4.3 Ein Eurodac-Abgleich ergab, dass der Beschwerdeführer am 18. Okto-

ber 2022 in Kroatien ein Asylgesuch eingereicht hat. Das SEM ersuchte 

deshalb die kroatischen Behörden am 15. November 2022 um Wiederauf-

nahme des Beschwerdeführers. Nachdem die kroatischen Behörden dem 

Gesuch um Rückübernahme gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO innert 

der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO festgelegten Frist zugestimmt und gleich-

zeitig darauf hingewiesen haben, dass das Verfahren des Beschwerdefüh-

renden noch im Gange sei, ist die Zuständigkeit Kroatiens somit grundsätz-

lich gegeben.  

4.4 Daran vermögen die Einwände des Beschwerdeführers nichts zu än-

dern. Die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens für die Behandlung sei-

nes Asylgesuchs wird von ihm – abgesehen vom Einwand, er sei in Kroa-

tien zur Abgabe seiner Fingerabdrücke gezwungen worden – denn auch 

nicht bestritten. Sein Vorbringen ist unbehelflich, zumal bereits seine Ein-

reise in das Hoheitsgebiet des Dublin-Staates die Zuständigkeit Kroatiens 

für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens begründet 

hätte (Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO). Soweit er angab, er habe in Kroatien 

kein Asylgesuch stellen wollen, sondern von Anfang an beabsichtigt, in die 

Schweiz zu kommen, ist ihm zu entgegnen, dass die Dublin-III-VO den 

Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat 

selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.3). 

5.   

5.1 Nachfolgend ist im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu prüfen, ob 

es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die 

Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden systemische 

Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder 

entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-

rechtecharta mit sich bringen würden. 

5.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts bei Wiederaufnahme-

verfahren liegen zum heutigen Zeitpunkt keine konkreten Gründe für die 

Annahme vor, das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-

tragstellende in Kroatien würden systemische Schwachstellen im Sinne 

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Seite 6 

von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO aufweisen (vgl. 

bspw. Urteile des BVGer F-4542/2022 vom 11. November 2022 E. 6.2 

m.w.H und D-4160/2022 vom 28. September 2022 E. 7.3). Für eine Ände-

rung der Rechtsprechung besteht auch in Würdigung der vom Beschwer-

deführer gemachten Äusserungen zu seiner erlebten Behandlung in Kroa-

tien keine Veranlassung. Der Beschwerdeführer hat insbesondere die gel-

tend gemachten Übergriffe der kroatischen Behörden nicht substanziiert 

vorgetragen. Die Vorinstanz hat auf Grundlage seiner Aussagen und in Be-

achtung des Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts E-3078/2019 

vom 12. Juli 2019 eine Einzelfallprüfung vorgenommen und ist unter Ver-

weis auf Abklärungen durch die Schweizer Botschaft in Kroatien zu Recht 

zum Schluss gekommen, dass Personen, welche im Rahmen eines Dublin-

Verfahrens nach Kroatien zurückgeführt werden, nicht von der problemati-

schen Push-back-Praxis betroffen sind (vgl. Urteil des BVGer D-4160/2022 

vom 28. September 2022 E. 7.3.1). Folglich ist die Anwendung von Art. 3 

Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 

5.3 Soweit in der Beschwerde vorgebracht wird, der Beschwerdeführer 

habe kein Vertrauen in die kroatischen Behörden und befürchte, von die-

sen in seinen Heimatstaat zurückgeschickt zu werden, wo der Tod auf ihn 

warte (vgl. Beschwerde, S. 2), ist dazu folgendes festzuhalten: 

5.3.1 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-

kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nach. Ausserdem darf auch davon ausgegangen werden, die-

ser Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende 

aus den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 

2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuer-

kennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrens-

richtlinie) sowie der 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von 

Normen für die Aufnahme von Personen, die internationalen Schutz bean-

tragen (sog. Aufnahmerichtlinie) ergeben. 

5.3.2 Zwar kann die Vermutung, Kroatien halte seine völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen ein, im Einzelfall widerlegt kann, es bedarf hierfür aber kon-

kreter und ernsthafter Hinweise, die gegebenenfalls vom Betroffenen 

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glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer 

D-5698/2017 vom 6. März 2018 E. 5.3.1). 

5.3.3 Die pauschalen Ausführungen des Beschwerdeführers genügen die-

ser Anforderung nicht. Namentlich lassen sie nicht den Schluss zu, Kroa-

tien werde ihn unter Verletzung der völkerrechtlichen Non-Refoulement-

Gebote, wie sie sich aus Art. 33 FK und Art. 3 EMRK ergeben, unmittelbar 

oder mittelbar zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihm flüchtlingsre-

levante Verfolgung beziehungsweise eine unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung drohten.  

6.  

6.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkreti-

siert. Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus hu-

manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-

VO ein anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche 

Überstellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 

2015/9 E. 8.2.1). 

6.2  

6.2.1 Der Beschwerdeführer vermag nicht darzutun, dass die ihm bei einer 

Rückführung nach Kroatien zu erwartenden Bedingungen derart schlecht 

wären, dass sie zu einer Verletzung von Art. 3 EMRK führen könnten. So-

weit er vorbrachte, er habe in Kroatien zwei Tage ohne Essen in Haft ver-

bracht, ist vorab festzuhalten, dass Kroatien ein Rechtsstaat mit funktionie-

rendem Justizsystem und Polizeibehörden ist. Sollte er sich durch kroati-

sche Behörden oder Drittpersonen ungerecht oder rechtswidrig behandelt 

fühlen, könnte er sich mit einer Beschwerde an die zuständigen Stellen 

wenden oder eine Anzeige einreichen. Zudem steht es Kroatien frei, Per-

sonen im Einklang mit der nationalen Gesetzgebung und dem anwendba-

ren Völkerrecht zu inhaftieren oder für kurze Zeit festzuhalten. Auch bei 

einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung der ihm zustehenden 

Aufnahmebedingungen könnte er sich nötigenfalls an die kroatischen Be-

hörden wenden und seine Rechte auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. 

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Seite 8 

Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Im Übrigen steht ihm die Möglichkeit offen, die 

vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren. 

6.2.2 Was den medizinischen Sachverhalt anbelangt, so kann eine 

zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Problemen 

nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. 

Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene Person sich in 

einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium und bereits in 

Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem sicheren Tod rech-

nen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. 

BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Europäi-

schen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine weitere vom 

EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die durch die Ab-

schiebung – mangels angemessener medizinischer Behandlung im Ziel-

staat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer ernsten, raschen 

und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands 

ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen 

Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Pa-

poshvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, 

§§ 180–193 m.w.H.). 

Den Angaben des Beschwerdeführers zufolge sind die von ihm geltend ge-

machten Schmerzen im BAZ behandelt worden. In diesem Zusammen-

hang führte er in der Beschwerde sinngemäss aus, er leide an grossen 

gesundheitlichen Problemen und sei "körperlich und gesundheitlich nicht 

fit" (vgl. Beschwerde, S. 2). In den Akten sind keine medizinischen Unter-

lagen vorhanden. Vor diesem Hintergrund sind die geltend gemachten ge-

sundheitlichen Beeinträchtigungen offensichtlich nicht von derartiger 

Schwere, dass sie die Feststellung der Unzulässigkeit im Sinne der restrik-

tiven Rechtsprechung zu rechtfertigen vermöchten. Zudem könnten sie in 

Kroatien behandelt werden. Es ist nicht davon auszugehen, dass Kroatien 

seinen Verpflichtungen im Rahmen der Dublin-III-VO in medizinischer Hin-

sicht in genereller Weise nicht nachkommen könnte beziehungsweise nicht 

nachkommen wollte. Kroatien verfügt grundsätzlich über eine ausrei-

chende medizinische Infrastruktur (vgl. Urteil des BVGer D-735/2022 vom 

28. Februar 2022 E. 6.7.3). Der aktuelle Gesundheitszustand des Be-

schwerdeführers führt somit für den Fall einer Überstellung nach Kroatien 

nicht zur Annahme einer drohenden Verletzung von Art. 3 EMRK. Nach 

dem Gesagten kann der Beschwerdeführer kein konkretes und ernsthaftes 

Risiko dartun, dass seine Überstellung nach Kroatien die Verletzung völ-

kerrechtlicher Bestimmungen zur Folge hätte. 

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Seite 9 

6.3 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt die Vorinstanz 

bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessens-

spielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter 

diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten 

keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive 

Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich 

deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen. 

6.4 Es liegen weder völkerrechtliche Vollzugshindernisse vor, die die 

Schweiz zum Selbsteintritt verpflichten würden, noch Rechtsfehler bei der 

Ermessensbetätigung. Es liegt folglich kein Grund für einen Selbsteintritt 

der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit Art. 17 Dub-

lin-III-VO vor. Kroatien bleibt somit zuständiger Mitgliedstaat gemäss Dub-

lin-III-VO und ist verpflichtet, den Beschwerdeführer wiederaufzunehmen. 

7.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten und hat die Wegweisung nach 

Kroatien angeordnet. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuwei-

sen.  

8.  

8.1 Der am 6. Dezember 2022 verfügte Vollzugsstopp fällt mit dem vorlie-

genden Urteil dahin. 

8.2 Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung 

der aufschiebenden Wirkung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses gegenstandslos geworden. 

8.3 Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus 

den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen 

waren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht gege-

ben sind. 

8.4 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-5595/2022 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde.  

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Thomas Segessenmann Daniel Widmer 

 

 

Versand: