# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 625fca59-0354-5e80-899f-1983cbf1c7fc
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-09-02
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 02.09.2010 S 2009 191
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2009-191_2010-09-02.pdf

## Full Text

S 09 191

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 2. September 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend IV-Rente

1. …, geboren 1953, ist in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei Kinder aus erster 

Ehe (geb. 1975 und 1978). Er ist gelernter Kaufmann und diplomierter Experte 

in Rechnungslegung und Controlling. Seit 1975 ist er beim Treuhandbüro … 

tätig und wurde 2004 zum Teilhaber.

2. a) Am 27. November 2001 wurde … als Fussgänger von einem PW seitlich 

angefahren und erlitt dabei Muskelprellungen und –zerrungen lumbal und im 

Bereich des Beckenkamms. Seither bestanden Schmerzen in beiden 

Schultern sowie im Nacken, wobei trotz medizinischer Behandlung keine 

Besserung erzielt werden konnte. Seit 2006 nahmen die Beschwerden weiter 

zu. Vom 13. Juli bis 10. August 2007 befand sich … deshalb in stationärer 

Behandlung in der Uniklinik Balgrist. Im Arztbericht vom 26. September 2007 

wird als Diagnose erstmals festgehalten, dass … an einem residuellen 

zervikospondylogenen und zervikozephalen Schmerzsyndrom beidseits leide 

bei einem HWS-Distorsionstrauma nach seitlicher Kollision und degenerative 

Veränderungen sowie eine zusätzliche Fehlhaltung und Fehlform der 

Wirbelsäule bei ausgeprägter Dysbalance vorliegen würden.

b) Der beratende Arzt der …, Dr. med. …, beurteilte die Beschwerden mit 

Schreiben vom 24. Juli 2007 jedoch nicht mehr durch den Unfall verursacht 

und bezweifelte die Diagnose eines Schleudertraumas. In der Folge stellte die 

… mit Verfügung vom 23. Januar 2008 die Leistungen rückwirkend per 30. 

April 2002 ein und verneinte ihre Leistungspflicht für die seit 2006 als Rückfall 

gemeldeten HWS-Beschwerden. Die Einsprache seitens … vom 10. Februar 

2008 wurde mit Entscheid vom 7. August 2008 abgewiesen. In der Folge 

meldete sich … am 8. Juli 2008 bei der Invalidenversicherung Graubünden 

(IV-Stelle) zum Bezug von Leistungen an. 

3. a) Vom 7. Mai bis 27. Mai 2008 befand sich … erneut in stationärer Behandlung 

in der Klinik … Im Austrittsbericht vom 4. Juni 2008 wurde dieselbe Diagnose 

gestellt wie im Bericht der Uniklinik Balgrist vom 26. September 2007. Im 

Arztbericht vom 29. Juli 2008 der Klinik … an die IV-Stelle wurde die 

Arbeitsfähigkeit seit Mitte März 2008 auf 0% und ab dem 28. Mai 2008 auf 

50% eingeschätzt, wobei eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit möglich sei. 

Trotz Behandlung hatte sich die Schmerzsymptomatik nur begrenzt gebessert 

und … konnte die 50%ige Arbeitsfähigkeit nicht umsetzen. Gemäss 

Arztbericht des Hausarztes Dr. med. … vom 16. August 2008 bestehe mit 

kurzem Unterbruch seit dem 22. April 2008 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. 

b) Sowohl am 23. September 2008 als auch am 16. Dezember 2008 wurde … 

erneut in der Uniklinik Balgrist untersucht. Aufgrund der anhaltenden 

Schmerzsymptomatik wurde eine MRI-Untersuchung der Halswirbelsäule 

(HWS) veranlasst. Gemäss Arztbericht vom 13. Oktober 2008 bestünde ab 

Mitte Oktober 2008 aus rheumatologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 

50%.

4. Das zur Anspruchsabklärung durch die IV-Stelle in Auftrag gegebene 

Gutachten der Klinik … vom 2. Juni 2009 beinhaltet eine zusammenfassende 

Beurteilung der rheumatologischen und psychiatrischen Abklärungen sowie 

der Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL). Das Gutachten kam 

zur selben Diagnose wie sie bereits mehrfach gestellt wurde (zervikozephales 

und zervikospondylogenes Syndrom), ging hingegen nicht von einem HWS-

Distorsionstrauma aus. Aus interdisziplinärer Sicht wurde … für seine zuletzt 

ausgeübte Tätigkeit ab Datum des gutachterlichen Berichts zu 70% 

arbeitsfähig erachtet. Aufgrund der funktionellen Defizite und der muskulären 

Ermüdung benötige er für einen 8-Stunden-Arbeitstag vermehrt Pausen. So 

sei die 70%ige Arbeitsfähigkeit bei ganztägiger Arbeitsplatzpräsenz 

umsetzbar. Eine körperlich leichte bis mittelschwere Arbeit in 

Wechselbelastung ohne lang andauernde Tätigkeit im Sitzen bzw. ohne 

konzentriertes Arbeiten am Computer sei momentan in einem 80%-Pensum 

möglich.

5. Mit Vorbescheid vom 3. Juli 2009 lehnte die IV-Stelle einen Rentenanspruch 

aufgrund eines Invaliditätsgrades (IV-Grad) von 30% ab. … erhob mit 

Schreiben vom 19. August 2009 Einwand gegen den Vorbescheid mit der 

Begründung, die Berechnung des Invalideneinkommens habe das 

überdurchschnittlich hohe Einkommen, welches nur mit 

überdurchschnittlichem Einsatz erzielt werden konnte, nicht beachtet. Die IV-

Stelle bestätigte in der Folge den Vorbescheid mit Verfügung vom 12. 

November 2009. 

6. … erhob mit Schreiben vom 8. Dezember 2009 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht Graubünden mit den Anträgen die angefochtene 

Verfügung vom 12. November 2009 sei aufzuheben und es sei ihm ab dem 1. 

April 2009 mindestens eine halbe IV-Rente auszurichten. Eventualiter sei die 

Angelegenheit zur näheren Abklärung, insbesondere zur genauen Ermittlung 

des Validen- und Invalideneinkommens an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

Die IV-Stelle habe bei Ermittlung des hypothetischen Valideneinkommens 

lediglich auf die Auszüge der Individuellen Konten (IK) abgestellt und keine 

detaillierten betrieblichen Abklärungen getroffen. Den Lohnabrechnungen 

könne entnommen werden, dass Bonus und Überzeitentschädigung jeweils 

erst im darauffolgenden Jahr ausgerichtet würden. Damit würde sich für die 

Jahre 2005, 2006 und 2007 ein Valideneinkommen von Fr. 227'644.-- anstelle 

der von der IV-Stelle berechneten Fr. 207'216.-- ergeben. Aufgrund des 

erheblichen Wachstums von 10% in den 3 Jahren erschiene es angezeigt, 

lediglich auf das letzte Jahr abzustellen, d.h. ein Valideneinkommen von Fr. 

246'653.-- anzunehmen, da davon ausgegangen werden könne, dass die 

positive Entwicklung angedauert hätte. Gemäss medizinisch-gutachterlicher 

Einschätzung könne er keine Überzeiten mehr leisten und lediglich noch eine 

Arbeitsleistung von 70% eines 8-Stundentages erbringen, d.h. nur noch 70% 

eines normalen Jahresumsatzes generieren. Damit werde der für die 

Bonusausschüttung massgebende Gesamtumsatz der AG reduziert und 

demzufolge werde er künftig keine Boni und mangels geleisteter Überstunden 

keine Überstundenentschädigungen mehr erhalten. Er könne damit 

höchstens noch 70% seines normalen Monatslohnes generieren. Zumal er 

häufig Pausen einlegen müsse, an schmerzbedingten 

Konzentrationsstörungen leide und damit nicht mehr über Stunden 

ununterbrochen und konzentriert arbeiten könne, werde sein 

Tätigkeitsbereich auf einfachere treuhänderische Tätigkeiten eingeschränkt. 

Wenn von 70% des normalen Monatslohns und 70% des 13. Monatslohns 

ausgegangen werde, ergäbe sich ein hypothetisches Invalideneinkommen für 

das Jahr 2008 von Fr. 118'327.--. Der IV-Grad müsse daher über 50% liegen. 

Auch deshalb, weil sich bereits bei einer 80%igen Tätigkeit gestützt auf die 

Salärempfehlungen 2006 des kaufmännischen Verbandes Schweiz 

(Kaufmann mit zusätzlicher Ausbildung im selben Alter) ein hypothetisches 

Invalideneinkommen von Fr. 73'082.-- ergäbe und somit einen IV-Grad von 

mindestens 68%. Wie ein Quervergleich zeige, gehöre er jedoch einer ganz 

anderen Einkommenskategorie an. 

7. In ihrer Vernehmlassung vom 8. Januar 2010 beantragte die IV-Stelle die 

Abweisung der Beschwerde. Sie verwies für die Begründung auf die 

Verfügung vom 12. November 2009, an welcher sie vollumfänglich festhielt. 

Es sei ihr bekannt gewesen, dass die Bonuszahlungen sowie die 

Überstundenentschädigungen jeweils erst im nächsten Jahr ausbezahlt 

würden. Massgebend sei jedoch das Erwerbseinkommen, von welchem 

Beiträge gemäss AHVG erhoben würden. Sie habe zur Recht auf diese 

Beiträge abgestellt und auf das Jahr 2008 aufindexiert. Die anhaltende 

positive Entwicklung sei denn auch nicht konkret bewiesen. Diese Frage 

könne vorliegend jedoch offen gelassen werden, da der IV-Grad durch einen 

Prozentvergleich zu ermitteln sei. Der vom Beschwerdeführer erzielte Bonus 

werde zwar reduziert, aber entfalle nicht gänzlich. Bei einem Umsatzrückgang 

von 30% eines einzelnen Mitarbeiters würde der gesamte Umsatz der Holding 

nicht um 30% sinken, sondern nur um einen Bruchteil. Ohne weiteres könne 

zumindest mit einem Bonus in der Höhe von 70% des Bisherigen gerechnet 

werden. Somit sei die Berechnung des IV-Grades zu Recht mittels 

Prozentvergleich vorgenommen worden. Bezüglich der Leistung von 

Überstunden sei den Ärzten der Klinik … die Motivation und 

Leistungsbereitschaft des Beschwerdeführers bekannt gewesen. Trotzdem 

hätten sie dem Beschwerdeführer ganztätige Erwerbstätigkeit in einem 70%-

Pensum in der angestammten Tätigkeit zugemutet, wobei der Pausenbedarf 

zu berücksichtigen sei. Auch die Leistungsfähigkeit für Überstunden betrage 

nur noch 70%, wobei der Beschwerdeführer auch zuvor nicht in jedem Jahr 

Überstunden erarbeitet habe. Dass beim Beschwerdeführer von einer ganz 

anderen Einkommenskategorie auszugehen sei, werde durch den 

Prozentvergleich berücksichtigt. Das Einkommen könne eben gerade nicht 

mittels Tabellenlöhnen ermittelt werden. 

8. Am 19. Januar 2010 reichte … seine Replik mit unverändertem 

Rechtsbegehren ein. Die Beschwerdegegnerin habe sich in keiner Weise zu 

den Ausführungen zu den Bonuszahlungen und den Lohnabrechnungen der 

Jahre 2005 – 2007 geäussert, sondern weiterhin auf die IK-Auszüge und die 

Lohnabrechnungen der Arbeitgeberin verwiesen. Bezüglich der positiven 

Lohnentwicklung sei entscheidend, welche hypothetische Entwicklung die 

überwiegend wahrscheinliche sei. Sämtliche relevanten Indikatoren würden 

eine steile jährliche Einkommensentwicklung von mindestens 9.04% 

anzeigen. Für 2008 ergäbe sich ein hypothetisches Valideneinkommen von 

mindestens Fr. 268'950.--. In der Beschwerdeschrift sei hingegen von der 

bescheidenen durchschnittlichen Lohnentwicklung ausgegangen worden. 

Aufgrund der faktischen Stellung als Selbständigerwerbender sei es bezüglich 

der Leistung von Überstunden keine Frage des Müssens sondern des 

Wollens, als Gesunder wären weiterhin Überstunden geleistet worden. Die 

Ausrichtung des Bonus habe sich zudem nicht proportional zum 

Umsatzrückgang entwickelt, sondern stark überproportional. Des Weiteren 

würdige die Beschwerdegegnerin das Gutachten aus … nicht richtig. Im 

Gutachten werde ausgeführt, dass bezogen auf einen 8-Stunden-Arbeitstag 

vermehrt Pausen benötigt würden. Es sei unzweifelhaft klar, dass die 

Gutachter aufgrund der Pausen lediglich von 6 bis 6 ½ Stunden täglicher 

Arbeitsleistung ausgingen. Die normale Arbeitszeit vor dem Unfall habe 

jedoch deutlich über 40 Stunden pro Woche gelegen. Der faktischen 

selbständigen Erwerbstätigkeit und der höchst qualifizierten Arbeit könne nur 

Rechnung getragen werden, wenn entweder das ausserordentliche 

Bemessungsverfahren für Selbstständigerwerbende angewandt werde oder 

dem hypothetischen Invalideneinkommen das Einkommen zugrunde gelegt 

werde, das auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erzielt werden könnte. 

9. Die IV-Stelle verzichtete in der Folge mit Schreiben vom 25. Januar 2010 auf 

die Einreichung einer Duplik.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtschriften wird, 

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen 

Gesundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere 

Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechtes [ATSG] und Art. 4 des 

Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Art. 7 ATSG 

bezeichnet Erwerbsunfähigkeit als den durch Beeinträchtigung der 

körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachten und nach 

zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibenden ganzen oder 

teilweisen Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Bei erwerbstätigen Versicherten erfolgt die 

Ermittlung der Invalidität in der Regel nach der Methode des 

Einkommensvergleiches (allgemeine Methode - Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 

16 ATSG). Bei dieser Methode ist sowohl das gegenwärtig trotz Behinderung 

noch zumutbare Erwerbseinkommen als auch jenes, welches die versicherte 

Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, ziffernmässig 

möglichst genau zu ermitteln und einander gegenüberzustellen, wobei die 

daraus resultierende Differenz in Prozenten den IV-Grad ergibt. 

Ausgangspunkt sind die Zahlen im Zeitpunkt eines allfälligen Rentenbeginns. 

Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt 

werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall gekannten 

Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte 

miteinander zu vergleichen (BGE 128 V 30 E. 1). Wird eine Schätzung 

vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen 

Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine 

Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne Invalidität 

erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100% zu 

bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend 

kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der 

Prozentdifferenz der IV-Grad ergibt (BGE 114 V 312 E. 3b, 104 V 136 E. 2b; 

BG-Urteil I 850/05 E. 4.2 vom 21. August 2006 und I 375/05 E. 3.2 vom 2. 

Dezember 2005). Eine Gegenüberstellung von Prozentzahlen unterliegt 

jedoch zusätzlich den Voraussetzungen, dass die Ermittlung der 

Vergleichseinkommen nicht oder nur mit unverhältnismässig grossem 

Aufwand möglich ist und zudem angenommen werden kann, dass die blosse 

Schätzung der Einkommen ein ausreichend zuverlässiges Resultat ergibt. Die 

letztere Voraussetzung darf insbesondere in „Extremfällen“ als erfüllt 

betrachtet werden, in welchen die Differenz zwischen den geschätzten 

Vergleichseinkommen die für den Rentenanspruch massgebenden 

Grenzwerte (70, 60, 50 oder 40% [Art. 28 Abs. 2 IVG]) eindeutig über- oder 

unterschreitet (BGE 114 V 312 E. 3b, 104 V 136 E. 2b). Im konkreten Fall ist 

bis zuletzt strittig geblieben, welche Berechnungsmethode anzuwenden ist 

und welche Werte für die Berechnung des Validen- und Invalideneinkommens 

herangezogen werden können.

2. a) Das Valideneinkommen ist immer hypothetisch zu ermitteln (Art. 16 ATSG: 

„erzielen könnte“). Als Ausgangspunkt wird in der Praxis jeweils das 

Einkommen vor der Invalidität gewählt, wobei das tatsächlich bezogene 

Einkommen massgebend ist (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2009, 2. Aufl., 

Art. 16 N 12). Es sind sämtliche Erwerbseinkommen zu berücksichtigen für 

welche eine AHV-Beitragspflicht besteht, somit auch Nebeneinkünfte, 

Überstundenentschädigungen und Bonus-Zahlungen (Art. 25 Abs. 1 IVV; Ueli 

Kieser, a.a.O. Art. 16 N 13; BG-Urteil I 357/01 vom 17. Dezember 2001). 

Ebenfalls sind die bis zum Zeitpunkt des Rentenbeginns eingetretenen 

Entwicklungen zu berücksichtigen, worunter unter anderem die Teuerung und 

Reallohnentwicklung fallen (BG-Urteil U 66/02). 

b) Vorliegend hat sich die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die IK-Auszüge und 

die Lohnabrechnungen der Arbeitgeberin abgestützt, denn es ist davon 

auszugehen, dass der Beschwerdeführer auch weiterhin in seiner bisherigen 

Tätigkeit als Berater im Bereich Treuhand/Steuern etc. beim Treuhandbüro … 

tätig geblieben wäre. Die Beschwerdegegnerin berücksichtigte auch, dass 

das Einkommen des Beschwerdeführers vor der Arbeitsunfähigkeit stark 

angestiegen ist und ging demzufolge von einem Mittelwert aus. Dafür, dass 

das Einkommen auch in den folgenden Jahren stetig erheblich angestiegen 

wäre, lagen hingegen keine genügenden Anhaltspunkte vor. Auch vermag der 

Beschwerdeführer mit seinem Verweis auf den Aktionärsbindungsvertrag 

nicht überzeugend darzutun, dass das Einkommen auch zukünftig derart 

angestiegen wäre. Unter diesen Umständen hat sich die Beschwerdegegnerin 

zu Recht auf die Nominallohnentwicklung abgestützt. Gemäss Ansicht des 

Gerichts ist hingegen das erste Jahr nach Übernahme der Firma (2005) als 

Übergangs- und Aufbaujahr und damit als ausserordentliches Geschäftsjahr 

bei der Ermittlung des Durchschnittwertes nicht zu berücksichtigen. Folglich 

ist zur Berechnung auf den Durchschnitt der gemäss Lohnentwicklung auf das 

Jahr 2008 aufindexierten Einkommen von 2006 und 2007 abzustellen. Im 

Weiteren berücksichtigte die Beschwerdegegnerin zu Recht sowohl die Boni 

als auch die Überstundenentschädigungen, welche ebenfalls der AHV-

Beitragspflicht unterliegen. Dem Umstand, dass die Boni und die 

Überstundenentschädigung jeweils erst im darauf folgenden Jahr ausbezahlt 

wurden, ist jedoch nicht Rechnung getragen worden. Ebenfalls in die 

Berechnung des Valideneinkommens einzubeziehen ist das Einkommen aus 

dem Nebenerwerb des Beschwerdeführers. 

3. a) Bezüglich der Berechnung des Invalideneinkommens hat die 

Beschwerdegegnerin auf die Ermittlung verzichtet und ging stattdessen davon 

aus, dass das Invalideneinkommen 70% des hypothetischen 

Valideneinkommens betragen würde. Aufgrund der spezialisierten Tätigkeit 

bei einer langjährigen Arbeitgeberin, bei welcher der Beschwerdeführer 

mittlerweile mitbeteiligt sei, erweise es sich als unmöglich, das 

Invalideneinkommen ziffernmässig aufgrund der Schweizerischen 

Lohnstrukturerhebung (LSE) zu ermitteln. Es gebe einerseits kein 

statistisches Zahlenmaterial für Treuhänder in der LSE und andererseits seien 

solche qualifizierten, langjährigen Tätigkeiten mit Beteiligung bei der 

Arbeitgeberin sowie Bonuszahlungen in der LSE schlichtweg nicht separat 

ermittelt.

b) Dass die Beschwerdegegnerin vorliegend aufgrund der gegebenen 

Konstellation ein Prozentvergleich zur Ermittlung des IV-Grades 

vorgenommen hat, erscheint dem Gericht als sachgerecht und ist nicht zu 

beanstanden. So stellt es vorliegend die einzige Möglichkeit dar, der Tatsache 

Rechnung zu tragen, dass sich der Beschwerdeführer aufgrund seiner 

Stellung und Ausbildung in einem von der Statistik nicht erfassten 

Einkommenssegment befindet. Gemäss unbestrittenem Gutachten der Klinik 

… vom 2. Juni 2009 sei der Beschwerdeführer für seine zuletzt ausgeübte 

Tätigkeit als Experte im Rechnungswesen und Controlling bei ganztägiger 

Präsenz zu 70% arbeitsfähig, benötige jedoch bezogen auf einen 8 Stunden-

Arbeitstag vermehrt Pausen zur Lockerung. Entgegen der Ansicht der 

Beschwerdegegnerin kann in casu nicht davon ausgegangen werden, dass 

sich die 70%ige Arbeitsfähigkeit auf das früher tatsächlich geleistete Pensum 

bezieht. Die Gutachter nahmen trotz Kenntnis darüber, dass der 

Beschwerdeführer früher einen überdurchschnittlichen Arbeitseinsatz leistete, 

wozu in der Regel auch Überstunden gehörten, ausdrücklich Bezug auf einen 

8-Stunden-Arbeitstag und damit auf ein normales Arbeitspensum eines 

vollzeitlich tätigen Angestellten. Bei dieser Formulierung kann kaum gefolgert 

werden, der Beschwerdeführer könne generell 70% des früheren Einsatzes 

leisten, unabhängig davon, wie gross dieser zeitliche Einsatz tatsächlich 

gewesen ist. Unter diesen Umständen hat eine Überstundenentschädigung 

bei der Berechnung des Invalideneinkommens unberücksichtigt zu bleiben. 

Dasselbe gilt für den Nebenverdienst. Indem davon ausgegangen werden 

kann, dass es dem Beschwerdeführer nicht mehr möglich ist Überstunden zu 

leisten, wird es ihm in Zukunft auch nicht mehr möglich sein, zusätzlich einem 

Nebenerwerb nachzugehen. Entgegen der Meinung des Beschwerdeführers 

und in Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin ist jedoch davon 

auszugehen, dass Bonuszahlungen im reduzierten Umfang nach wie vor zu 

berücksichtigen sind. Da die Bonuszahlungen nur indirekt von einem 

überdurchschnittlichen Einsatz des einzelnen Mitarbeiters abhängig sind, 

kann davon ausgegangen werden, dass diese entsprechend weiterhin 

fliessen werden. Durch eine Reduktion der Bonuszahlung auf 70% wird der 

Leistungsrückgang angemessen berücksichtigt. 

c) Unter Würdigung dieser Erwägungen sind für die Berechnung des 

Invalideneinkommens die Jahreslöhne (12 Monatslöhne inkl. 13. Monatslohn) 

von 2006 und 2007 inklusive Bonus ohne Überzeitenentschädigung und 

Nebenerwerbseinkommen auf das Jahr 2008 aufzurechnen. 70% davon stellt 

das mögliche Invalideneinkommen des Beschwerdeführers dar.

4. a) Aus dem Dargelegten folgt, dass die Sache zur Neuberechnung des Validen- 

und des Invalideneinkommens sowie des IV-Grades unter Berücksichtigung 

der in den Erwägungen genannten Kriterien an die Vorinstanz 

zurückzuweisen ist. Die Beschwerde wird somit gutgeheissen und die 

angefochtene Verfügung aufgehoben. 

b) Das Beschwerdeverfahren ist – in Abweichung zu Art. 61 lit. a ATSG – 

gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder 

Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

kostenpflichtig. Daher hat die unterlegene Beschwerdegegnerin die Kosten 

von Fr. 700.-- zu tragen. Dem Beschwerdeführer steht nach Art. 61 lit. g ATSG 

eine aussergerichtliche Entschädigung zu, wobei die am 27. Januar 2010 

dazu eingereichte Honorarnote von Fr. 5'338.35 (inkl. MWST) übernommen 

werden kann. 

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Verfügung aufgehoben 

und zur Neuberechnung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz 

zurückgewiesen.

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten der Sozialversicherungsanstalt des 

Kantons Graubünden (IV-Stelle) und sind innert 30 Tagen seit Zustellung 

dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, 

zu bezahlen.

3. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden (IV-Stelle) hat … 

aussergerichtlich mit insgesamt Fr. 5'338.35 (inkl. MWST) zu entschädigen.