# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 21469deb-f83c-5ece-97b9-1186a0f3fdb7
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-12-05
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 4. Kammer 05.12.2006 R 2006 51
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_004_R-2006-51_2006-12-05.pdf

## Full Text

R 06 51
4. Kammer 

URTEIL
vom 5. Dezember 2006

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Baugesuch

1. a) … sind Miteigentümer der in der Wohnzone 2 in … gelegenen Parzelle Nr. 

2592. Am 4. Januar 2006 reichten sie ein Baugesuch für ein Einfamilienhaus 

auf ihrer Parzelle ein. Die Baubehörde beanstandete an diesem Projekt 

hauptsächlich die Glasfront der Hauptfassade, die fehlenden oder zu geringen 

Dachvorsprünge sowie das Pultdach der Garage. Am 23. Februar 2006 fand 

zwischen der Bauherrschaft und der Baubehörde zu diesen Themen eine 

Besprechung statt.

b) Am 31. März 2006 reichte die Bauherrschaft ein neues Baugesuch ein. Sie 

schrieb dazu, sie habe versucht, die gemeindlichen Anliegen zu 

berücksichtigen, indem sie die Terrasse im Garagendach weggelassen und 

die Südfassade muraler gestaltet habe. Der Wunsch für einen Dachvorsprung 

von 40 cm sei ausser bei der Gassenfassade zwischen dem Hauptkörper und 

der Garage berücksichtigt worden.

2. Am 26. April, mitgeteilt am 16. Mai 2006, wies der Gemeindevorstand das 

Baugesuch ab. In der Baueingabe seien wohl einige Elemente geringfügig 

verändert und angepasst worden, nicht aber die wesentlichen Punkte. Die 

vorwiegend aus Glas bestehende Fassade stehe im Widerspruch zu den im 

Quartier vorherrschenden, mural geprägten Fassaden und füge sich daher 

nicht genügend ein. Ausserdem seien nach dem kommunalen Baugesetz 

keine Pultdächer zulässig und die Dachvorsprünge seien nach wie vor 

ungenügend. Der Bauherrschaft wurde eine Gebühr von Fr. 3'000.-- für die 

technische Baukontrolle, der juristischen Beratung und Publikation auferlegt.

3. a) Dagegen liessen … am 6. Juni 2006 Rekurs ans Verwaltungsgericht 

Graubünden erheben und beantragten die Aufhebung des angefochtenen 

Entscheides, die Erteilung der Baubewilligung und eventualiter die 

Rückweisung der Sache zu neuer Beurteilung im Sinne des Rekurses. Das 

erste Bauvorhaben sei ein Massivbau gewesen und habe von Gestalt und 

Form her dem traditionellen Engadinerhaus geglichen, jedoch gegen 

Südosten eine offene Fassade aufgewiesen. Den heutigen Bedürfnissen 

entsprechend habe man bei allen drei Stockwerken geschosshohe 

Glasfenster und nur geringe Dachvorsprünge geplant. Beim zweiten und nun 

eingereichten Projekt habe man die Südostfassade im Erd- und ersten 

Obergeschoss mit drei senkrecht verlaufenden breiten Mauerpfeilern 

versehen und damit das murale Element an der Südostfassade weiter 

verstärkt. Somit seien die generellen Ästhetikvorschriften des vorliegend 

anwendbaren kantonalen Rechts erfüllt, da sich das Projekt in die Umgebung 

einfüge. In der näheren Umgebung würden zwei Gebäude aufgrund ihrer 

äusseren Erscheinung mehr herausstechen als das geplante Projekt, nämlich 

ein ca. drei Jahre altes modernes Einfamilienhaus mit Fassaden aus 

Naturstein und der weiter westlich gelegene „Glaspalast“ ..l. Gemäss Projekt 

weise das Dach an der Nordostseite des Hauptgebäudes und an der 

Südwestseite des Nebengebäudes je einen 40 cm herausragenden 

Dachvorsprung auf, obwohl dieses Erfordernis im kommunalen Recht 

nirgends vorausgesetzt sei. Lediglich im Bereich der Gasse zwischen den 

beiden Baukörpern habe man aus ästhetischen Gründen auf einen 

Dachvorsprung verzichtet. Auf dem Nebengebäude sei neu anstelle des 

Pultdaches ein Satteldach geplant. Ausserdem sehe das kommunale 

Baurecht vor, dass auch andere Dachformen bewilligt werden könnten, sofern 

sich diese gut in die Umgebung und das Ortsbild eingliedern würden. Dies sei 

beim geplanten, schräg verlaufenden Satteldach der Fall. Das zweite Gesuch 

stelle daher einen Kompromiss zwischen den Wünschen der Bauherrschaft 

und des Architekten einerseits und der Baubehörde anderseits dar. 

b) In einer als Bestandteil des Rekurses bezeichneten Stellungnahme des 

Architekten wurde im Wesentlichen geltend gemacht, das Quartier sei in den 

letzten 20-30 Jahren entstanden und sei ein keineswegs einheitliches Abbild 

moderner Lebensform. Die geplante Anlage erscheine darin als Einheit und 

gut proportioniert. Dies sei gute Architektur und es gehe nicht an, in der 

Wohnzone 2 kleine Fenster aufzuzwingen, da dies ein Eingriff in die 

Eigentumsgarantie sei. Auch könne nicht verlangt werden, dass auf schlechte 

Architektur Rücksicht genommen werde. Das Nebengebäude weise kein 

Pultdach, sondern ein Giebeldach mit einem First und zwei Traufen auf, wobei 

die Firstlinie abfallend und in der Diagonale verlaufe. Weiter sehe das Projekt 

überall einen Dachvorsprung von 40 cm vor, nur im Bereich der Gasse 

zwischen den beiden Baukörpern habe man aus ästhetischen Gründen darauf 

verzichtet. Im Übrigen bestünden in der Wohnzone 2 keine speziellen 

Ästhetikvorschriften wie beispielsweise in der Dorfkernzone. Vielmehr seien 

im Quartierplan Abweichungen vom Baugesetz vorgesehen, was auf eine 

relativ grosse Gestaltungsfreiheit hinweise. Zudem seien die 

Ästhetikvorschriften neu im kantonalen Raumplanungsgesetz geregelt, 

sodass sich der Ermessensspielraum der kommunalen Baubehörde 

verkleinert habe.

4. Die Gemeinde liess in ihrer Vernehmlassung Abweisung des Rekurses 

beantragen. Bei der Parzelle 2592 handle es sich um das letzte nicht 

überbaute Grundstück in der näheren Umgebung, an steiler Hanglage mit 

wunderbarem Ausblick über Dorf und Tal, demzufolge exponiert und gut 

einsehbar. Das zweite Baugesuch sei nicht wesentlich anders als das erste. 

Zwar seien Pultdächer in … ausnahmsweise zulässig, würden aber höchstens 

restriktiv und bei Anbauten bewilligt. Die Garagen seien jedoch zusammen mit 

einem Studio in einem freistehenden Gebäude untergebracht. Betrachte man 

nur die Nordwestansicht, sehe die Fassade dieses Nebengebäudes aus wie 

ein Pultdach. Was aber wie ein Pultdach aussehe, sei aus ästhetischer Sicht 

auch wie ein Pultdach zu behandeln. Da es sich nicht um ein Satteldach im 

klassischen Sinn handle, müsste eine Ausnahme im Sinne des kommunalen 

Baugesetzes gemacht werden. Dafür lägen aber keine zwingenden Gründe 

vor. Bezüglich Dachvorsprünge gäbe es In … zwar keine Vorschriften, jedoch 

verlange die Baubehörde nach ständiger Praxis Im Rahmen der 

Ästhetikprüfung solche von mindestens 40 cm. Es bestünden nur wenige 

Bauten, welche ganz oder teilweise keine Dachvorsprünge aufwiesen. Dies 

seien entweder Bauten älteren Datums, die Baute sei nicht bewilligt, aber es 

sei keine Abbruchverfügung erlassen worden oder es hätten technische 

Gründe bei verstärkter Bauweise den Ausschlag gegeben. Im vorliegenden 

Fall müssten jedoch praxisgemäss Dachvorsprünge verlangt werden. Die 

Ästhetikvorschriften gemäss kommunalem und kantonalem Recht seien 

streng. Das erste Projekt sei aus architektonischer Sicht nicht zu beanstanden 

gewesen, habe sich aber nicht in die Umgebung eingefügt. Sichtbar wäre nur 

die Hauptfassade gewesen, welche fast vollkommen aus Glas bestanden 

hätte. Der Bauplatz sei rundum von anderen Bauten umgeben und es gebe 

im ganzen Quartier kein einziges Haus mit Glasfassade oder annähernd so 

grossen Fenstern. Die muralen Elemente träten gegenüber der Glasfront 

zurück und es bleibe der Eindruck eines Glashauses, was einen Fremdkörper 

darstelle. Dies sei auch beim überarbeiteten Projekt so, welches zudem nicht 

mehr das Prädikat guter architektonischer Gestaltung für sich in Anspruch 

nehmen könne. Durch das Hinzufügen dreier muraler Elemente und dem 

völlige Abschneiden der Dachvorsprünge an der Westfassade werde die 

Hauptfassade unsymmetrisch, unruhig und unharmonisch. Die Dominanz der 

Glasfassade werde zudem nicht gebrochen. Es könne zutreffen, dass der 

Ermessensspielraum einer Gemeinde durch das neue kantonale 

Raumplanungsgesetz eingeschränkt werde, aber nur dort, wo die Gemeinde 

nicht eine ähnliche oder strengere Vorschrift kenne. Die kommunale Regelung 

sei gleich streng wie die kantonale. Indessen sei die Gemeinde auch bei der 

Anwendung kantonalen Rechts autonom, sofern ihr von diesem eine relativ 

erhebliche Entscheidungsfreiheit belassen werde. Dies sei hier der Fall. Bei 

gewissen Gemeinden sei der Spielraum enger geworden, sei aber immer 

noch sehr weit. Der Gemeinde verbleibe somit ein erheblicher 

Ermessensspielraum. Die Baubehörde von … sei vorliegend sicher im 

Rahmen ihres Ermessens geblieben und habe nicht willkürlich gehandelt. Das 

von den Rekurrenten angesprochene Vergleichsgebäude sei gemauert und 

besteche durch moderne, einfache und klare Linien. Es stelle einen Bezug zu 

den weiter oben am Hang liegenden Maiensässen her, auch materialmässig 

durch die Wahl von Naturstein für das Dach und die Fassadenverkleidung. 

Dadurch entstehe eine gute Gesamtwirkung. Bei der durch die Rekurrenten 

gewollten Glasfassade sei dies nicht der Fall. Das ebenfalls genannte Hotel 

… stehe an einem völlig anderen Ort und in einer anderen Geländekammer, 

wobei nicht einmal Sichtverbindung zum Bauplatz der Rekurrenten bestehe. 

Beim Hotel … sei die Baubehörde zum Schluss gelangt, der „Glaspalast“ füge 

sich gut in die Umgebung ein. Hier sei man aufgrund der anderen Umgebung 

zum gegenteiligen Schluss gelangt, was nicht willkürlich sei. 

5. Am 26. September 2006 nahm eine Delegation des Verwaltungsgerichts 

einen Augenschein am Bauplatz, in der Dorfmitte und auf der anderen 

Talseite vor. Von Seiten der Rekurrenten waren ihr Rechtsvertreter sowie ihr 

Architekt zugegen. Die Gemeinde liess sich durch ihren Anwalt vertreten. 

Allen Beteiligten wurde dabei die Gelegenheit geboten, sich anhand der 

Örtlichkeiten auch noch mündlich zu den aufgeworfenen Fragen zu äussern. 

Im Verlaufe der Verhandlung zeichnete sich eine einvernehmliche Lösung ab 

und das Verfahren wurde auf Antrag der Parteien bis zum 31. Oktober 2006 

sistiert. Nach erfolgloser Verhandlung ersuchten die Parteien mit Schreiben 

vom 27. Oktober, bzw. 2. November 2006 um Fortsetzung des Verfahrens.

Auf das Ergebnis des Augenscheins und die weiteren Vorbringen der Parteien 

in ihren Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen 

eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. a) Am 1. November 2005 wurde das neue kantonale Raumplanungsgesetz in 

Kraft gesetzt (BR 801.100; KRG). Dieses enthält mit Art. 73 Abs. 1 KRG eine 

positive Ästhetikklausel, welche von Siedlungen, Bauten und Anlagen 

verlangt, dass sie nach den Regeln der Baukunst gestaltet und so eingeordnet 

sind, dass mit der Umgebung und Landschaft eine gute Gesamtwirkung 

entsteht. Gemäss Botschaft der Regierung an den Grossen Rat (Heft Nr. 

3/2004-2005, S. 343 f.) steht nach dem vom Gesetzgeber angestrebten 

Gestaltungsziel nicht etwa die Anbiederung ans Alte, sondern die 

„Gesamtwirkung“ im Vordergrund. Damit soll die Basis für die Erhaltung und 

Förderung guter Architektur geschaffen werden, welche u.a. auch neue 

Formen in alten Strukturen ermögliche. Gemäss Botschaft werde im Interesse 

der architektonischen Kreativität sowie zur Wahrung der Gestaltungsfreiheit 

des Bauherrn erwartet, dass die Gemeinden beim Erlass eigener 

gestalterischer Vorschriften in Zukunft etwas mehr Zurückhaltung übten. 

Die Gemeinden haben das durch Art. 73 Abs. 1 KRG eingeräumte Ermessen 

pflichtgemäss zu betätigen. Daher haben sie neben dem 

Rechtsgleichheitsgebot, dem Verhältnismässigkeitsprinzip und der Pflicht zur 

Wahrung des öffentlichen Interesses, insbesondere auch den Sinn und Zweck 

der gesetzlichen Ordnung zu beachten (Häfelin/Müller, Allgemeines 

Verwaltungsrecht, 4. Auflage, N 441). Demzufolge ist auch die 

Gemeindebehörde bei der Ermessensbetätigung nach Art. 73 Abs. 1 KRG 

verpflichtet, dem klaren Willen des Gesetzgebers, wonach eine gute 

Gesamtwirkung und keine Anbiederung ans Alte gewollt ist, Rechnung zu 

tragen. Entsprechend haben sie dies bei der Begründung des 

Ermessensentscheids und bei der Bestimmung der massgeblichen Kriterien 

zu berücksichtigen. Jedoch kommt den Gemeinden nach konstanter 

Rechtsprechung bei der Auslegung von Ästhetikfragen bzw. bei der Prüfung 

der Frage der Eingliederung von Bauten in eine bestehende Umgebung ein 

geschützter Beurteilungs- und Ermessensspielraum zu, in welchen das 

Gericht nur eingreift, wenn die Gemeinde diesen Spielraum missbraucht oder 

überschritten hat (statt vieler: VGU R 06 37). 

b) Nach Art. 107 Abs. 2 KRG gehen strengere Vorschriften der Gemeinden dem 

unmittelbar anwendbaren kantonalen Recht vor. Bei der Gestaltung der 

strengeren Vorschriften steht den Gemeinden eine relativ erhebliche Freiheit 

zu, sodass diese autonomes Gemeinderecht darstellen (BGE 128 I 3 E. 2b). 

Die vom kantonalen Recht eingeräumte Gemeindeautonomie bezieht sich 

dabei nicht nur auf die Rechtssetzung, sondern auch auf die 

Rechtsanwendung und -auslegung, wenn die anwendbare Bestimmung dem 

selbständigen Gemeinderecht angehört. Das Verwaltungsgericht hat sich 

dann bei der Anwendung und Auslegung solcher Normen Zurückhaltung 

aufzuerlegen, wenn ein Zweifelsfall vorliegt, die Auslegung schwierig ist oder 

in besonderem Masse örtliche Verhältnisse zu würdigen sind. Die Kognition 

des Verwaltungsgerichtes beschränkt sich damit praktisch auf Willkür, d.h. es 

kann nur dann eingreifen, wenn sich der gestützt auf autonomes 

Gemeinderecht erlassene Entscheid als sachlich unvertretbar erweist oder 

gegen allgemeine Rechtsgrundsätze verstösst. Das Gericht hat insbesondere 

dann keinen Anlass einzugreifen, wenn sich die Gemeinde bei der 

Anwendung und Auslegung ihres autonomen Rechtes an den klaren Wortlaut 

einer Bestimmung hält (vgl. VGU R 98 749; R 03 93).

c) Art. 20 Abs. 1 des kommunalen Baugesetzes (BG) und Art. 73 Abs. 1 KRG 

sind positive Ästhetikvorschriften. Während nach der kommunalen 

Bestimmung Bauten und Anlagen architektonisch gut zu gestalten sind und 

Bezug auf ihre Umgebung zu nehmen haben, sind diese gemäss KRG nach 

den Regeln der Baukunst zu gestalten und einzuordnen, dass mit der 

Umgebung und der Landschaft eine gute Gesamtwirkung entsteht. Die beiden 

Bestimmungen sind demnach vergleichbar und es kann nicht gesagt werden, 

dass die kommunale strenger i.S.v. Art. 107 Abs. 2 KRG sei. Ihr kommt daher 

keine selbständige Bedeutung mehr zu. Dasselbe trifft auch für Art. 21 Abs. 2 

Satz 1 BG zu. Obwohl nach dieser Bestimmung grundsätzlich nur 

Satteldächer erlaubt sind, verlangt die Ausnahmeregelung letztlich nicht mehr 

als die kantonale Vorschrift, wonach sich das Dach gut in die Umgebung und 

das Ortsbild einzugliedern hat. Als strenger ist allein Art. 21 Abs. 1 BG zu 

qualifizieren, welcher über das Minimalerfordernis von Art. 73 Abs. 1 KRG 

hinaus festlegt, dass bei der Dachgestaltung auf die ortsüblichen Formen, 

Farben und Materialien Bezug zu nehmen sei. Für Prüfung der positiven 

Einordnung des Gebäudes ist somit, abgesehen von der autonomen 

Regelung über die Dachgestaltung, auf Art. 73 Abs. 1 KRG abzustellen. 

2. a) Nach Art. 73 Abs. 1 KRG sind Siedlungen, Bauten und Anlagen nach den 

Regeln der Baukunst so zu gestalten und einzuordnen, dass mit der 

Umgebung und der Landschaft eine gute Gesamtwirkung entsteht. Das 

bedeutet aber nicht, dass sich ein Neubauvorhaben nur an den in 

unmittelbarer Nachbarschaft zur Bauparzelle gelegenen Bauten zu 

orientieren hat. Vielmehr ist gestützt auf Art. 73 Abs. 1 KRG ihre Einordnung 

im Rahmen einer parzellenübergreifenden, gebietsbezogenen Betrachtung 

auf das angestrebte Ziel hin, ob mit der Umgebung und der Landschaft eine 

gute Gesamtwirkung entsteht, zu überprüfen (VGU R 06 7). Im vorliegenden 

Fall weisen die bestehenden Gebäude im Quartier durchwegs mural geprägte 

Fassaden mit eher kleinen Fenstern auf. Auch wenn die Rekurrenten unter 

Hinweis auf die im zweiten Projekt hinzugefügten Mauerpfeiler die Auffassung 

vertreten, im Projekt habe „das Murale das Sagen“, lässt sich doch nicht 

abstreiten, dass kein anderes Gebäude im Quartier eine solche Glasfront 

aufweist. Jedenfalls kann nicht gesagt werden, dass die Gemeinde im Lichte 

von Art. 73 Abs. 1 KRG betrachtet bei der Verweigerung des Bauvorhabens 

den ihr zustehenden Rechtsanwendungsspielraum überschritten habe. Was 

die Rekurrenten noch dagegen vorzubringen wissen, ist nicht geeignet, den 

angefochtenen Entscheid als rechtswidrig erscheinen zu lassen. Namentlich 

befindet sich der angeführte „Glaspalast“ … ausserhalb der Sichtweite und es 

ist vertretbar, wenn dieser für die Beurteilung der guten Gesamtwirkung nicht 

berücksichtigt wurde. Auch weist das benachbarte Einfamilienhaus mit 

Natursteinfassade, welches nach Auffassung der Rekurrenten weit mehr 

heraussteche, eben gerade kleine Fenster und eine murale Fassade auf. Es 

kann der Baubehörde auch nicht der Vorwurf gemacht werden, sie fühle sich 

zu Unrecht an die Ästhetikvorschriften der Dorfkernzone gebunden. Ob 

andere Kriterien, wie beispielsweise die Kubatur des Gebäudes für die 

Beurteilung geeignet wären, ist unter Berücksichtigung des geschützten 

Ermessens- und  Gestaltungsspielraums der Baubehörde (E. 1a) ohne 

Belang. Es hilft die Rekurrenten daher auch nicht weiter, wenn sie ebendies 

aufzuzeigen versuchen. Dem Rekurs ist in diesem Punkt daher kein Erfolg 

beschieden. 

 

b) Das von der Gemeinde aufgestellte Erfordernis, wonach Dachvorsprünge 

mindestens 40 cm betragen müssen, fällt mangels ausdrücklicher Norm im 

kommunalen Baugesetz unter das Erfordernis positiver Einordnung nach Art. 

73 Abs. 1 KRG. Um Wiederholungen zu vermeiden kann, was die Fragen der 

Abgrenzung zum kantonalen Recht und zum Ermessen der 

Gemeindebehörde anbelangt, auf obige Ausführungen verwiesen werden. 

Wie sich das Gericht anlässlich des Augenscheins an Ort und Stelle 

vergewissern konnte, weisen die umliegenden Häuser zum grössten Teil die 

verlangten Dachvorsprünge auf. Im Sinne der Gesamtwirkung spielt es somit 

durchaus eine Rolle, ob neue Projekte ebenfalls Dachvorsprünge aufweisen 

oder sich durch deren Fehlen von der Umgebung abgrenzen und abheben. 

Unter diesem Aspekt kann es insbesondere nicht darauf ankommen, ob die 

echte alte Engadiner Architektur solche Dachvorsprünge kennt oder nicht; 

bezieht sich die Einordnung doch nicht auf die Engadiner Architektur 

schlechthin, sondern lediglich auf das konkrete Quartier. Es liegt daher im 

Ermessensbereich der Baubehörde, ob sie solche Dachvorsprünge im 

Rahmen einer Gesamtbetrachtung für erforderlich hält oder nicht. Jedenfalls 

hat die Baubehörde auch in diesem Punkt den ihr zustehenden 

Rechtsanwendungsspielraum nicht überschritten. Für das vorliegende 

Verfahren kann daher offengelassen bleiben, ob dieses Erfordernis, wie von 

der Gemeinde sinngemäss geltend gemacht, eine gewohnheitsrechtliche 

Komponente aufweist. 

3. Schliesslich bleibt zu beurteilen, ob das Dach des Nebengebäudes hätte 

bewilligt werden müssen. Die Rekurrenten machen geltend, das geplante 

Dach sei definitionsgemäss ein Satteldach, da es zwei Traufen und einen First 

aufweise. Nur sei die Firstlinie nicht waagrecht, sondern abfallend und 

verlaufe in der Diagonalen. Dagegen wendet die Gemeinde ein, dieses Dach 

sei kein Satteldach im klassischen Sinn und wirke optisch wie ein Pultdach. 

Daher sei es auch als Pultdach zu behandeln. Da Art. 21 Abs. 1 Satz 1 BG 

wie in E. 1c bereits dargelegt, keine selbständige Bedeutung zukommt, ist 

nicht entscheidend, ob es sich beim vorliegenden Dach um ein Satteldach 

handelt. Vielmehr ist darauf abzustellen, ob es sich i.S.v. Art. 21 Abs. 1 BG 

und Art. 73 Abs. 1 KRG in die Umgebung einfügt. Wenn die Gemeinde bei der 

Prüfung der positiven Einordnung davon ausgeht, das Dach sehe aus wie ein 

Pultdach, kann ihr nicht gefolgt werden. Geht man von der hier massgeblichen 

Hauptansicht des Gebäudes aus, welche auch bereits für die Beurteilung der 

Fassade des Gebäudes herangezogen wurde, ist das Dach klar als 

Satteldach erkennbar. Demnach geht die Gemeindebehörde von falschen 

Feststellungen aus und der Rekurs erweist sich in diesem Punkt als 

berechtigt, zumal die Gemeinde keine weiteren Argumente aufführt, 

weswegen das Dach gegen Art. 73 Abs. 1 KRG verstosse und solche auch 

nicht ersichtlich sind.

4. Der angefochtene Entscheid erweist sich somit als rechtmässig, weswegen 

der Rekurs abzuweisen ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens haben die 

Rekurrenten die Gerichtskosten zu tragen und die Gemeinde … angemessen 

zu entschädigen.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Der Rekurs wird abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 3'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 221.--

zusammen Fr. 3'221.--

gehen unter solidarischer Haftung zulasten von … und sind innert 30 Tagen 

seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons 

Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. … haben unter solidarischer Haftung die Gemeinde … aussergerichtlich mit 

Fr. 2'000.-- (inkl. MWST) zu entschädigen.