# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 675a4fb9-e3b9-5658-8022-e8d0d96147ab
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-06
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 06.10.2023 WPR.2023.89
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WPR-2023-89_2023-10-06.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WPR.2023.89 / ko / sf  
ZEMIS [***]; N [***] 

 

Urteil vom 6. Oktober 2023 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Clavadetscher, Vorsitz  

Gerichtsschreiber i.V. Okutan 

Rechtspraktikantin Feusier  

 

 
   

Gesuchsteller   Amt für Migration und Integration Kanton Aargau,  

Sektion Asyl und Rückkehr, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau 

vertreten durch lic. iur. Thomas Hefti, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau 

 

 
   

Gesuchsgegner   A._____, von Ägypten,  

alias B._____, von Tunesien 

z. Zt. im Bezirksgefängnis, 5000 Aarau 

amtlich vertreten durch lic. iur. Christoph Waller, Rechtsanwalt, 

Postplatz 3, Postfach, 5610 Wohlen 

 

 
   

Gegenstand  Ausschaffungshaft gestützt auf Art. 76 AIG / Haftüberprüfung 

 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Der Einzelrichter entnimmt den Akten: 

 

A. 

Der Gesuchsgegner reiste eigenen Angaben zufolge am 28. März 2012 

illegal in die Schweiz ein und stellte am folgenden Tag ein Asylgesuch 

(Akten des Amts für Migration und Integration [MI-act. 7 ff.). Am 2. Mai 

2012 ersuchte das Bundesamt für Migration (BFM; heute Staatssekretariat 

für Migration [SEM]) die italienischen Behörden um Rückübernahme des 

Gesuchsgegners (MI-act. 56). Aufgrund der italienischen Zuständigkeit trat 

das BFM auf das Asylgesuch nicht ein (MI-act. 58). 

 

Da sich der Gesuchsgegner vom Juli 2012 bis Oktober 2012 in 

Untersuchungshaft befand und eine Rückführung nach Italien nicht möglich 

war, nahm das BFM das Asylgesuch des Gesuchsgegners wieder auf (MI-

act. 288. ff). 

 

Am 2. Oktober 2012 ordnete die Staatsanwaltschaft Luzern gegen den 

Gesuchsgegner eine Untersuchungshaft an, welche am 3. Dezember 2012 

in einen vorzeitigen Strafvollzug umgewandelt wurde (MI-act. 204 ff., 

209 ff.). Mit Urteil des Kriminalgerichts Luzern wurde der Gesuchsgegner zu einer 

Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt (MI-act. 232 ff.). 

 

Ab dem 17. Oktober 2013 galt der Gesuchsgegner als unbekannten Aufenthalts 

(MI-act. 313). Nachdem die Schweiz dem Rückübernahmeersuchen Schwedens 

im Rahmen des Dublin-Verfahrens zustimmte (MI-act.  316), wurde der 

Gesuchsgegner am 16. Januar 2014 aus Schweden in die Schweiz überstellt (MI-

act. 322). Gleichentags wurde gegen den Gesuchsgegner eine Eingrenzung auf 

das Gebiet des Bezirks Aarau angeordnet (MI-act. 328 ff.). 

 

Mit Verfügung vom 28. März 2014 lehnte das BFM das Asylgesuch des 

Gesuchsgegners ab, wies ihn aus der Schweiz weg und ordnete an, er habe die 

Schweiz bis zum 23. Mai 2014 zu verlassen (MI-act. 346 ff.). Der Entscheid 

erwuchs am 10. Mai 2014 in Rechtskraft (MI-act. 386). 

 

Ab dem 12. Mai 2014 befand sich der Gesuchsgegner erneut in Untersuchungshaft 

(MI-act. 367 ff.) und nach Bestätigung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau per 

20. August 2014 im vorzeitigen Strafvollzug (MI-act. 400 ff.). Mit Urteil des 

Bezirksgerichts Aarau wurde der Gesuchsgegner zudem zu zwei Jahren 

Freiheitsstrafe verurteilt (MI-act. 409 ff.).  

 

Anlässlich eines Ausreisegesprächs beim Amt für Migration und Integration (MIKA) 

am 17. November 2016 gab der Gesuchsgegner an, er heisse in Wahrheit 

A._____, geb. [...] und stamme aus Ägypten (MI-act. 459 ff.). 

 

Ab dem 19. Oktober 2017 galt der Gesuchsgegner erneut als unbekannten 

Aufenthalts (MI-act. 526). Am 7. Dezember 2018 und am 27. März 2019 stimmte 

das SEM jeweils einem Rückübernahmeersuchen der Niederlande und 

 - 3 - 

 

 

Deutschlands zu (MI-act. 527), worauf der Gesuchsgegner am 13. November 2019 

aus den Niederlanden in die Schweiz überstellt wurde (MI-act. 533). 

 

Mit Verfügung vom 22. April 2020 wies das MIKA den Gesuchsgegner aus 

der Schweiz weg und ordnete an, er habe die Schweiz bis am 23. Mai 2020 

in Richtung seines Heimatlandes zu verlassen (MI-act. 573 ff.). 

 

Mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau vom 17. November 2022 wurde der 

Gesuchsgegner zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt und 

gleichzeitig für sieben Jahre des Landes verwiesen (MI-act. 760 ff.). 

 

Anlässlich des rechtlichen Gehörs vom 4. Oktober 2023 betreffend die 

Anordnung einer Ausschaffungshaft gab der Gesuchsgegner im 

Wesentlichen an, er wolle nicht nach Ägypten zurückkehren (MI-

act. 822 ff.)  

 

B. 

Im Rahmen der Befragung durch das MIKA wurde dem Gesuchsgegner am 

4. Oktober 2023 das rechtliche Gehör betreffend die Anordnung einer 

Ausschaffungshaft gewährt (MI-act. 822 ff.). Im Anschluss an die 

Befragung wurde dem Gesuchsgegner die Anordnung der 

Ausschaffungshaft wie folgt eröffnet (act. 1): 

 

1. 
Es wird eine Ausschaffungshaft angeordnet. 
 
2. 
Die Haft beginnt am 5. Oktober 2023, 07.00 Uhr. Sie wird in Anwendung 
von Art. 76 AIG für drei Monate bis zum 4. Januar, 12.00 Uhr, angeordnet. 
 
3. 
Eventualiter wird gestützt auf Art. 78 AIG eine Durchsetzungshaft 
angeordnet. 
 
4. 
Die Haft wird im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich 
(ZAA) vollzogen. Soweit für die Befragung oder die Durchführung einer 
Haftverhandlung zwingend, erfolgt die Inhaftierung für die notwendige 
Dauer im Bezirksgefängnis Aarau. 

 

C. 

Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Einzelrichter des 

Verwaltungsgerichts wurden der Gesuchsteller und der Gesuchsgegner 

befragt. 

 

D. 

Der Gesuchsteller beantragte die Bestätigung der Haftanordnung 

(Protokoll S. 5 f., act. 28 f.). 

 

 - 4 - 

 

 

Der Gesuchsgegner liess folgende Anträge stellen (Protokoll S. 5, act. 28): 

 

1. 
Die mit Verfügung des Amts für Migration und Integration vom 4. Oktober 
2023 angeordnete Haft sei nicht zu bestätigen. Der Gesuchsgegner sei mit 
sofortiger Wirkung aus der Haft zu entlassen.  
 
2. 
Der Sprechende sei als amtlicher Rechtsvertreter zu bestätigen und nach 
Abschluss des Falles angemessen aus der Staatskasse zu honorieren. 
 

 

 
   

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

 

I. 

1. 

Das angerufene Gericht überprüft die Rechtmässigkeit und 

Angemessenheit einer durch das MIKA angeordneten Ausschaffungshaft 

aufgrund einer mündlichen Verhandlung spätestens nach 96 Stunden 

(Art. 80 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und 

Ausländer und über die Integration vom 16. Dezember 2005 [Ausländer- 

und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20], § 6 des Einführungsgesetzes 

zum Ausländerrecht vom 25. November 2008 [EGAR; SAR 122.600]). Die 

Haftüberprüfungsfrist beginnt mit der ausländerrechtlich motivierten 

Anhaltung der betroffenen Person zu laufen (vgl. BGE 127 II 174, Erw. 2. 

b/aa). 

 

2. 

Im vorliegenden Fall wurde der Gesuchsgegner am 4. Oktober 2023, 

8.15 Uhr, aus dem Strafvollzug entlassen und dem MIKA zugeführt. Die 

mündliche Verhandlung begann am 6. Oktober 2023, 09.15 Uhr; das Urteil 

wurde um 09.50 Uhr eröffnet. Die richterliche Haftüberprüfung erfolgte 

somit innerhalb der Frist von 96 Stunden. 

 

II. 

1. 

Wurde ein erstinstanzlicher Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet 

oder wurde die betroffene Person mit einer Landesverweisung belegt, kann 

die zuständige kantonale Behörde die betroffene Person zur Sicherstellung 

des Vollzugs in Haft nehmen (Art. 76 AIG). 

 

Zuständige kantonale Behörde im Sinne von Art. 76 Abs. 1 AIG ist gemäss 

§ 13 Abs. 1 EGAR sowie § 89 der Verordnung über den Vollzug von 

Strafen und Massnahmen vom 23. September 2020 

(Strafvollzugsverordnung, SMV; SAR 253.112) das MIKA. Im vorliegenden 

Fall wurde die Haftanordnung durch das MIKA und damit durch die 

zuständige Behörde erlassen (act. 1 ff.). 

 - 5 - 

 

 

 

2. 

2.1. 

Das MIKA begründet seine Haftanordnung damit, dass es den 

Gesuchsgegner aus der Schweiz ausschaffen und mit der Haft den Vollzug 

sicherstellen wolle. Der Haftzweck ist damit erstellt. 

 

2.2. 

Der Haftrichter hat sich im Rahmen der Prüfung, ob die Ausschaffungshaft 

rechtmässig ist, Gewissheit darüber zu verschaffen, ob ein erstinstanzlicher 

Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet oder eine erstinstanzliche 

Landesverweisung ausgesprochen wurde (Art. 76 Abs. 1 AIG).  

 

Mit Urteil vom 17. November 2022 wurde der Gesuchsgegner durch das 

Bezirksgericht Aarau gestützt auf Art. 66a StGB für sieben Jahre aus der 

Schweiz verwiesen (MI-act. 760 ff.). Das Urteil erwuchs in der Folge 

unangefochten in Rechtskraft (MI-act. 791). Damit liegt eine 

rechtsgenügliche Landesverweisung vor.  

 

2.3. 

Gemäss Art. 80 Abs. 6 lit. a AIG ist die Haft zu beenden, wenn sich erweist, 

dass der Vollzug der Wegweisung aus rechtlichen oder tatsächlichen 

Gründen undurchführbar ist. 

 

Anlässlich der heutigen Verhandlung brachte der Vertreter des 

Gesuchsgegners im Wesentlichen vor, der Gesuchsgegner sei seitens der 

ägyptischen Behörden noch nicht anerkannt worden. Ausserdem falle die 

fehlende Anerkennung von ihm als ägyptischer Staatsangehöriger nicht in 

seine Verantwortung. Des Weiteren sei die Papierbeschaffung des 

Gesuchsgegners aufgrund des Umstandes, dass seine Eltern gestorben 

seien, wesentlich erschwert (act. 32). Diesen Ausführungen kann insoweit 

nicht gefolgt werden, als dass die Identität des Gesuchsgegners zwar noch 

nicht feststeht, jedoch unbestritten ist, dass er die ägyptische 

Staatsbürgerschaft besitzt. Sowohl anlässlich eines Ausreisegesprächs 

vom 17. November 2016 als auch anlässlich des rechtlichen Gehörs 

betreffend die Anordnung einer Ausschaffungshaft vom 4. Oktober 2023 

gab der Gesuchsgegner an, er stamme aus Ägypten (MI-act. 459 ff., 

822 ff.). Lediglich an der heutigen Verhandlung gab der Gesuchsgegner 

an, zu glauben, Ägypter zu sein (Protokoll S. 3, act. 26). Entgegen der 

Meinung des Rechtsvertreters hat der Gesuchsgegner die Pflicht, sowohl 

bei der Feststellung der Identität als auch bei der Papierbeschaffung aktiv 

mitzuwirken. Beim Gesuchsgegner sind solche Anzeichen jedoch nicht zu 

erkennen. Bevor er seine wahre Identität als Ägypter offenlegte, gab er den 

Behörden jahrelang einen falschen Namen an (MI-act. 459 ff.), womit die 

Identität verständlicherweise nicht bestätigt werden konnte. Am 25. Januar 

2023 gab er wiederum an, Ägypter zu sein, jedoch nach seiner Haft nach 

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Holland oder Italien gehen zu wollen. Eine Rückkehr nach Ägypten könne 

er sich nicht vorstellen (MI-act. 781). Bezüglich der Identitätsabklärung ist 

ferner festzuhalten, dass bereits am 2. Juni 2022 ein konsularisches 

Gespräch in der ägyptischen Botschaft stattgefunden hat, wobei sich der 

Gesuchsgegner nicht kooperativ verhalten habe, weshalb vom ägyptischen 

Konsul einzig angegeben wurde, dass es sich um einen ägyptischen 

Staatsangehörigen handeln könnte (MI-act. 740). Ebenso wurde am 

28. Juni 2023 eine telefonische Lingua-Sprachanalyse durchgeführt, wobei 

der Gesuchsgegner nach zweieinhalb Minuten aufgelegt habe, weshalb 

wiederum eine zielführende Auswertung noch nicht stattfinden konnte. 

Durch die Analyse des kurzen Gesprächs habe aber festgestellt werden 

können, dass die verwendete Sprache des Gesuchsgegners auf einen 

nordägyptischen Dialekt hindeute (MI-act. 802).  

 

Darüber hinaus gab das MIKA anlässlich der heutigen Verhandlung an, 

dass Abklärungen mit dem neuen ägyptischen Konsul hängig seien und 

auch ein Termin demnächst möglich wäre (Protokoll S. 4, act. 27). Weiter 

seien auch sämtliche Vollzugsmöglichkeiten wie DEPU und DEPA-Flüge 

gegeben (Protokoll S. 4, act. 27), womit einer Ausschaffung grundsätzlich 

nichts im Weg stehen würde. 

 

Weitere Anzeichen, die an der Ausschaffungsmöglichkeit in rechtlicher 

oder tatsächlicher Hinsicht Zweifel aufkommen lassen würden, sind keine 

ersichtlich.  

 

3. 

3.1. 

Das MIKA stützt seine Haftanordnung auf Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG, 

wonach ein Haftgrund dann vorliegt, wenn konkrete Anzeichen befürchten 

lassen, dass sich die betroffene Person der Ausschaffung entziehen will, 

insbesondere, weil sie der Mitwirkungspflicht nach Art. 90 AIG und Art. 8 

Abs. 1 lit. a oder Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, 

SR 142.31) nicht nachkommt. Ob im Sinne dieser Gesetzesbestimmung 

konkrete Anzeichen befürchten lassen, dass sich eine Person der 

Ausschaffung entziehen will, ist aufgrund des ganzen bisherigen 

Verhaltens, insbesondere auch gegenüber den Behörden, sowie ihrer 

eigenen Aussagen zu beurteilen. Auch wenn einzelne Fakten für sich eine 

Ausschaffungshaft nicht rechtfertigen, kann dies aufgrund der Gesamtheit 

der Vorkommnisse der Fall sein. Erforderlich sind gewichtige 

Anhaltspunkte dafür, dass die betroffene Person sich der Ausschaffung 

entziehen und untertauchen will. Die blosse Vermutung, dass sie sich der 

Wegweisung entziehen könnte, genügt nicht; deren Vollzug muss erheblich 

gefährdet erscheinen (vgl. BGE 129 I 139, Erw. 4.2.1).  

 

Von einer Untertauchensgefahr und damit von einem Haftgrund ist zudem 

auch dann auszugehen, wenn das bisherige Verhalten der betroffenen 

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Person darauf schliessen lässt, dass sie sich behördlichen Anordnungen 

widersetzt (Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG).  

 

Eine klare Trennung der beiden genannten Haftgründe ist in der Praxis 

kaum möglich. Vielmehr ist Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG wohl als 

Präzisierung von Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG zu verstehen, womit die 

beiden Bestimmungen als einheitlicher Haftgrund zu betrachten sind (vgl. 

ANDREAS ZÜND, in: MARC SPESCHA/ANDREAS ZÜND/PETER 

BOLZLI/CONSTANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kommentar 

Migrationsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, N. 7 zu Art. 76 AIG und TARKAN 

GÖKSU, in: MARTINA CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR 

[Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die 

Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N. 11 zu Art. 76). 

 

Der Gesuchsgegner, gegen den gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB ein 

rechtskräftiger Landesverweis vorliegt (MI-act. 760 ff.), hätte die Schweiz 

per sofort verlassen müssen. Anlässlich diverser Ausreisegespräche sowie 

anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs betreffend die 

Anordnung einer Ausschaffungshaft vom 4. Oktober 2023 äusserte sich der 

Gesuchsgegner dahingehend, dass er nicht bereit sei, die Schweiz freiwillig 

in Richtung Ägypten zu verlassen (MI-act. 740, 781, 822 ff.). In der 

konstanten Weigerung, der Ausreisepflicht nachzukommen, und in 

Anbetracht dessen, dass der Gesuchsgegner bereits mehrfach 

unbekannten Aufenthalts war (MI-act. 313, 526), sind klare Anzeichen 

dafür zu erkennen, dass sich der Gesuchsgegner der Ausschaffung 

entziehen will. 

 

Insgesamt setzte der Gesuchsgegner damit klare Anzeichen für eine 

Untertauchensgefahr, und es ist nicht davon auszugehen, dass er nach 

einer Entlassung aus der Ausschaffungshaft die Schweiz selbständig in 

Richtung Ägypten verlassen würde. Damit ist der Haftgrund von Art. 76 

Abs. 1 lit. b Ziff. 3 und 4 AIG erfüllt. 

 

3.2. 

Nachdem ein Haftgrund vorliegt, kann offenbleiben, ob auch die Haftgründe 

von Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 AIG i.V.m. Art. 75 Abs. 1 lit. g AIG, Art. 76 

Abs. 1 lit. b Ziff. 1 AIG i.V.m. Art. 75 Abs. 1 lit. h AIG und Art. 76 Abs. 1 lit. b 

Ziff. 1 AIG i.V.m. Art. 75 Abs. 1 lit. b AIG erfüllt sind. 

 

4. 

Bezüglich der Haftbedingungen liegen keine Beanstandungen vor 

(Protokoll S. 5, act. 28). 

 

 - 8 - 

 

 

5. 

Es liegen auch keine Anzeichen dafür vor, dass das MIKA dem 

Beschleunigungsgebot (Art. 76 Abs. 4 AIG) nicht ausreichend Beachtung 

geschenkt hätte. 

 

6. 

Das MIKA ordnete die Ausschaffungshaft für drei Monate an. Nachdem der 

Vollzug der Rückführung massgeblich vom Verhalten des Gesuchsgegners 

abhängig ist und es diesbezüglich zu Verzögerungen kommen kann, ist die 

beantragte Haftdauer nicht zu beanstanden. Im Übrigen ist festzuhalten, 

dass das MIKA bisher stets bemüht war, Ausschaffungen so rasch wie 

möglich zu vollziehen. Sollte das MIKA entgegen seiner bisherigen 

Gewohnheit das Beschleunigungsgebot verletzen, besteht die Möglichkeit, 

ein Haftentlassungsgesuch zu stellen.  

 

7. 

Abschliessend stellt sich die Frage, ob die Haftanordnung deshalb nicht zu 

bestätigen sei, weil sie im konkreten Fall gegen das Prinzip der 

Verhältnismässigkeit verstossen würde.  

 

Dass die Ausschaffungshaft geeignet ist, den Vollzug der 

Landesverweisung sicherzustellen, liegt auf der Hand und bedarf keiner 

weiteren Ausführungen. Gleiches gilt mit Blick auf die Notwendigkeit der 

Anordnung einer Ausschaffungshaft.  

 

Eine mildere Massnahme zur Sicherstellung des Vollzugs der Wegweisung 

ist nicht ersichtlich. Bezüglich der familiären Verhältnisse ergeben sich 

keine Anhaltspunkte, welche gegen eine Haftanordnung sprechen würden. 

Der Gesuchsgegner macht auch nicht geltend, er sei nicht 

hafterstehungsfähig 

 

Auch ist ihm die Ausschaffungshaft – entgegen der Auffassung des 

Rechtsvertreters – zumutbar. Die lange Dauer der Abklärung der 

Staatsangehörigkeit ist dem renitenten Verhalten des Gesuchsgegners 

geschuldet. So hat er die Abklärungen und die Papierbeschaffung gänzlich 

den Behörden überlassen und zeigte sich auch anlässlich der Lingua-

Sprachanalyse unkooperativ (MI-act. 802). Ausserdem wurde ihm im 

Rahmen des rechtlichen Gehörs betreffend die Anordnung einer 

Ausschaffungshaft klar gemacht, dass er den Strafvollzug vorzeitig hätte 

beenden können, wenn er freiwillig in sein Heimatland zurückgekehrt wäre 

(MI-act. 822). Es sind keinerlei Gründe ersichtlich, welche die angeordnete 

Haft als unverhältnismässig erscheinen liessen. 

 

 - 9 - 

 

 

III. 

1. 

Gemäss § 28 Abs. 1 EGAR ist das Verfahren betreffend Haftüberprüfung 

unentgeltlich. Demgemäss werden keine Kosten erhoben. 

 

2. 

Dem Gesuchsgegner ist gemäss § 27 Abs. 2 EGAR zwingend ein amtlicher 

Rechtsvertreter zu bestellen, da der Gesuchsteller eine Haft für eine Dauer 

von mehr als 30 Tagen anordnete. Der Vertreter des Gesuchsgegners wird 

aufgefordert, nach Haftentlassung des Gesuchsgegners seine Kostennote 

einzureichen. 

 

IV. 

1. 

Der Gesuchsgegner wird darauf hingewiesen, dass ein 

Haftentlassungsgesuch frühestens einen Monat nach Haftüberprüfung 

gestellt werden kann (Art. 80 Abs. 5 AIG) und beim MIKA einzureichen ist 

(§ 15 Abs. 1 EGAR). 

 

2. 

Soll die Haft gegebenenfalls verlängert werden, ist nicht zwingend eine 

Verhandlung mit Parteibefragung durchzuführen (Aargauische Gerichts- 

und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2009, S. 359 Erw. I/4.3 ff.). Im 

Rahmen des rechtlichen Gehörs hat das MIKA dem Gesuchsgegner daher 

die Frage zu unterbreiten, ob er die Durchführung einer mündlichen 

Verhandlung wünscht und ob er in diesem Fall eine Präsenzverhandlung 

verlangt oder mit einer Skype-Verhandlung einverstanden ist (Urteil des 

Bundesgerichts 2C_846/2021 vom 19. November 2021). Die Anordnung 

einer allfälligen Haftverlängerung ist dem Verwaltungsgericht spätestens 

acht Arbeitstage vor Ablauf der bewilligten Haft einzureichen. 

 

3. 

Der vorliegende Entscheid wurde den Parteien zusammen mit einer kurzen 

Begründung anlässlich der heutigen Verhandlung mündlich eröffnet. Das 

Dispositiv wurde den Parteien ausgehändigt. 

 

 
   

Der Einzelrichter erkennt: 

 

1. 

Die am 4. Oktober 2023 angeordnete Ausschaffungshaft wird bis zum 

4. Januar 2024, 12.00 Uhr, bestätigt. 

 

2. 

Die Haft ist im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich zu 

vollziehen. Für die Dauer der Befragung oder die Durchführung einer 

 - 10 - 

 

 

Haftverhandlung kann die Inhaftierung, soweit zwingend notwendig, im 

Bezirksgefängnis Aarau erfolgen. 

 

3. 

Es werden keine Kosten auferlegt. 

 

4. 

Als amtlicher Rechtsvertreter wird lic. iur. Christoph Waller, Rechtsanwalt, 

Wohlen, bestätigt. Der Rechtsvertreter wird aufgefordert, nach 

Haftentlassung des Gesuchsgegners seine detaillierte Kostennote 

einzureichen. 

 

 
   

Zustellung an: 

den Gesuchsgegner (Vertreter, im Doppel) 

das MIKA (mit Rückschein) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht, 

kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie interkantonalem Recht 

innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, angefochten werden. Die unterzeichnete Beschwerde 

muss das Begehren, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie in gedrängter 

Form die Begründung, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt, mit 

Angabe der Beweismittel enthalten. Der angefochtene Entscheid und als 

Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (Art. 82 ff. des 

Bundesgesetzes über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz; BGG; 

SR 173.110] vom 17. Juni 2005). 

 

 
   

Aarau, 6. Oktober 2023 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber i.V.: 

 

i.V. 

 

Clavadetscher Okutan