# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e5266a8b-9dd6-5ead-a306-80c7ff58c9d4
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-09-07
**Language:** de
**Title:** Einschätzung 2008 und Direkte Bundessteuer 2008
**Docket/Reference:** ST.2010.184
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_ST_2010_184_kj.pdf

## Full Text

STEUERREKURSKOMMISSION I 
DES KANTONS ZÜRICH 

1 ST.2010.184 
1 DB.2010.135 

Entscheid 

7. September 2010 

Mitwirkend: 

Präsident Anton Tobler, Mitglied Michael Ochsner, Ersatzmitglied Micheline Roth und 
Sekretärin Silvia Weigold 

A ,    

vertreten durch B,  

In Sachen 

gegen 

Rekurrentin/ 
Beschwerdeführerin,  

1.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

2.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

Rekursgegner,  

Beschwerdegegnerin,  

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Nord,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

betreffend 

Einschätzung 2008 und Direkte Bundessteuer 2008 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. Die verwitwete A (nachfolgend die Pflichtige) hat zwei Kinder, die 1986 und 

1989  geborenen  Söhne  C  und  D.  Beide  Nachkommen  stehen  noch  in  Ausbildung,  C 

studierte 2008 an der Universität E Biologie und wechselte danach in die Humanmedi-

zin;  D  besuchte  die  Kantonsschule  in  F.  Beide  wohnen  bei  der  Pflichtigen  im  Ein-

familienhaus in G. Letztere unterstützte sie im Jahr 2008 gemäss eigenen Angaben mit 

Barauslagen von Fr. 21'000.- (C) bzw. rund Fr. 18'000.- (D). 2008 versteuerte C für die 

Staats-  und  Gemeindesteuern  ein  steuerbares  Einkommen  von  Fr. 8'700.-  und  ein 

steuerbares  Vermögen  von  Fr. 137'000.-  sowie  D  ein  steuerbares  Einkommen  von 

Fr. 9'000.- und ein steuerbares Vermögen von Fr. 92'000.-.  

In  der  Steuererklärung 2008  machte  die  Pflichtige  für  ihre Nachkommen  den 

Kinderabzug von je Fr. 6'800.- (Staats- und Gemeindesteuern) bzw. Fr. 6'100.- (direkte 

Bundessteuer) sowie den erhöhten Abzug für Versicherungsprämien und Sparkapital-

zinsen  von  Fr. 1'200.-  bzw.  Fr. 700.-  pro  Kind  geltend.  Unter  Einbezug  der  Einkünfte 

und der übrigen Abzüge deklarierte sie ein steuerbares Einkommen  von Fr. 167'000.- 

bzw. Fr. 170'100.-. Das steuerbare Vermögen gab sie mit Fr. 3'615'000.- an. 

Mit Entscheid bzw. Hinweis vom 12. März 2010 schätzte der Steuerkommissär 

die  Pflichtige  für  die  Steuerperiode  2008  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von 

Fr. 184'300.- (Staats- und Gemeindesteuern) bzw. Fr. 185'000.- (direkte Bundessteuer) 

ein.  Die  Abweichung  von  der  Deklaration  ergab  sich  u.a.  aus  der  Aufrechnung  der  

Kinderabzüge sowie der erhöhten Abzüge für Versicherungsprämien und Sparkapital-

zinsen von zusammen Fr. 16'000.- bzw. Fr. 13'600.-. Dabei merkte der Steuerkommis-

sär hinsichtlich der Staats- und Gemeindesteuern an, für die Zulassung der Abzüge sei 

erforderlich,  dass  die  Pflichtige  den  Unterhalt  der  Kinder  zur  Hauptsache  bestritten 

habe,  was  nicht  der  Fall  gewesen  sei.  Ob  die  Kinder  ihre  finanziellen  Mittel  nicht  für 

den Lebensunterhalt eingesetzt hätten, spiele keine Rolle. Als Steuertarif setzte er den 

Grundtarif bzw. denjenigen für Alleinstehende ein. 

Die  Veranlagung  der  direkten  Bundessteuer  wurde  mit  Steuerrechnung  vom 

29. März 2010 formell eröffnet. 

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B. Gegen die Einschätzung der Staats- und Gemeindesteuern liess die Pflich-

tige  am  12./26. April  2010  Einsprache  erheben  mit  dem  Antrag,  die  genannten  zwei 

Abzüge zuzulassen und den Verheiratetentarif anzuwenden. Zur Begründung führte sie 

aus,  sie  habe  den  Lebensunterhalt  der  Söhne  zur  Hauptsache  bestritten,  was  aus-

reiche, um den Kinderabzug beanspruchen zu können.  

Das kantonale Steueramt nahm diese Einsprache auch als solche gegen die 

Bundessteuerveranlagung entgegen und wies beide Rechtsmittel am 25. Mai 2010 ab. 

Es erwog, zwar mache die Pflichtige mit den eingereichten Unterlagen Unterstützungs-

leistungen  für  die  Kinder  geltend,  welche  dem  hauptsächlichen  Lebensunterhalt  ent-

sprächen, jedoch hätten sich die Nachkommen zur Finanzierung des Lebensunterhalts 

sowohl ihrer Erwerbseinkünfte als auch ihrer Vermögenswerte zu bedienen bzw. müss-

ten  sie  von  diesen  zehren.  Damit  habe  die  Pflichtige  die  Kinder  zwar  faktisch  zur 

Hauptsache  unterstützt,  aber  bloss  freiwillig,  d.h.  ohne  dass  sie  hierzu  zivilrechtlich 

gehalten gewesen sei. Die fraglichen Abzüge stünden ihr daher nicht zu. 

C.  Mit  Rekurs  bzw.  Beschwerde  vom  23. Juni  2010  liess  die  Pflichtige  den 

Einspracheantrag wiederholen. 

Das kantonale Steueramt schloss am 8. Juli 2010 auf Abweisung der Rechts-

mittel. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen. 

Auf  die  Ausführungen  der  Parteien  in  diesen  Rechtsschriften  ist – soweit  er-

forderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen. 

Die Rekurskommission zieht in Erwägung: 

1. a)  Laut  § 34  Abs. 1  lit. a  des  Steuergesetzes  vom  8. Juni  1997  (in  der  ab 

Steuerperiode 2006 gültigen Fassung vom 25. April 2005, StG) werden für die Steuer-

berechnung  vom  Reineinkommen  für  volljährige  Kinder,  die  das  25. Altersjahr  noch 

nicht  erreicht  haben,  in  der  beruflichen  Ausbildung  stehen  und  deren  Unterhalt  der 

Steuerpflichtige  zur  Hauptsache  bestreitet,  als  Kinderabzug  je  Fr. 6'800.-  abgezogen. 

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Ferner  erhöht  sich  der  Abzug  für  Versicherungsprämien  und  Sparkapitalzinsen  für  

jedes  Kind  oder  jede  unterstützungsbedürftige  Person,  für  die  der  Steuerpflichtige  ei-

nen Abzug gemäss § 34 Abs. 1 StG geltend machen kann, um Fr. 1'200.- (§ 31 Abs. 1 

lit. g  StG).  Massgeblich  für  die  Beurteilung  der  Abzugsfähigkeit  sind  die  Verhältnisse 

am Ende der Steuerperiode oder der Steuerpflicht (§ 34 Abs. 2 StG). Über die  Zulas-

sung des Kinderabzugs entscheidet das kantonale Steueramt bei der Festsetzung des 

steuerbaren Einkommens (§ 139 Abs. 1 StG).  

Der Unterhalt des Kindes gilt zur Hauptsache als erbracht, wenn er mehr als 

50% der Unterhaltskosten ausmacht. Zwecks Vereinfachung des Einschätzungsverfah-

rens und im Sinn einer widerlegbaren Vermutung wird dies als erfüllt betrachtet, wenn 

der  Steuerpflichtige  Leistungen  erbringt,  welche  (auf  Jahresbasis  berechnet)  mindes-

tens dem Umfang des Kinderabzugs entsprechen (RB 2002 Nr. 102 = StE 2003 B 29.3 

Nr. 20  =  ZStP  2003,  140  sowie  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Kommentar  zum  

harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 2. A., 2006, § 34 N 34 StG). 

b)  Bei  der  direkten  Bundessteuer  betragen  der  Kinderabzug  Fr. 6'100.-  und 

der  Mehrabzug  für  Versicherungsprämien  und  Sparkapitalzinsen  Fr. 700.-  je  Kind 

(Art. 213  Abs. 1  lit. a  bzw.  Art. 212  Abs. 1  und  Art. 215  des  Bundesgesetzes  über  die 

direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 [DBG] i.V.m. der Verordnung über den 

Ausgleich der kalten Progression für die natürlichen Personen bei der direkten Bundes-

steuer  vom  4. März  1996).  Im  Unterschied  zu  den  Staats-  und  Gemeindesteuern  ist 

sodann  im  DBG  die  Gewährung  des  Kinderabzugs  zwar  nicht  an  ein Höchstalter des 

Kindes gebunden und ist auch nicht erforderlich, dass der Steuerpflichtige hauptsäch-

lich für den Unterhalt des Kindes aufkommt. Indessen wird der Kinderabzug – und mit 

ihm  der  erhöhte  Abzug  für  Versicherungsprämien  sowie  Sparkapitalzinsen – in  der 

Einschätzungspraxis  auch  bei  dieser  Steuer  regelmässig  nicht  über  das  25. oder 

26. Altersjahr  des  Kindes  hinaus  gewährt  und  müssen  die  von  der  steuerpflichtigen 

Person  erbrachten  Leistungen  zumindest  ebenfalls  den  Umfang  des  Kinderabzugs 

erreichen  (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Handkommentar  zum  DBG,  2. A.,  2009, 

Art. 213 N 39 und 42 DBG; Peter Locher, Kommentar zum DBG, I. Teil, 2001, Art. 35 

N 31 mit Hinweisen). 

c) Sowohl im StG als auch im DBG bildet weitere Voraussetzung für die Ge-

währung der fraglichen Abzüge bei volljährigen Kindern, dass Letztere noch in der be-

ruflichen Ausbildung stehen und der Steuerpflichtige für deren Unterhalt sorgt. 

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Vorliegend  ist  nicht  streitig,  dass  die  zwei  Söhne  der  Pflichtigen  noch  in  der 

(Erst-)Ausbildung  stehen,  C  studierte  Biologie sowie  danach  Medizin und  D  besuchte 

die Kantonsschule in  F. Mit den Jahrgängen 1986 und 1989 haben beide zudem das 

25. Altersjahr  im  streitbetroffenen  Jahr  2008  noch  nicht  erreicht  bzw.  überschritten. 

Einig  sind  sich  die  Parteien  zudem  auch,  dass  beide  Kinder  von  der  Pflichtigen  mit 

namhaften  Beträgen  unterstützt  wurden,  welche  die  fraglichen  Abzüge  bei  Weitem  

überschritten.  Mithin  ist  nach  dem  Gesagten  im  Sinn  einer  widerlegbaren  Vermutung 

davon  auszugehen, dass  die Pflichtige den Unterhalt ihrer Kinder zur Hauptsache er-

bracht hat. Demnach sind sowohl bei den Staats- und Gemeindesteuern als auch bei 

der  direkten  Bundessteuer  an  sich  die  Voraussetzungen  für  die  Gewährung  des  Kin-

derabzugs  sowie  des  erhöhten  Abzugs  für  Versicherungsprämien  und  Sparkapitalzin-

sen erfüllt.  

Umstritten  ist  jedoch,  ob  sich  die  Pflichtige  an  ihre  Unterhaltsleistungen  die 

den  Nachkommen  zur  Verfügung  stehenden  Einkünfte  und  Vermögenswerte  anrech-

nen  lassen  muss  und  ob  bejahendenfalls  immer  noch  davon  ausgegangen  werden 

kann, dass sie den Unterhalt ihrer Kinder zur Hauptsache erbracht hat. 

2. a) Das zivilrechtliche Gegenstück zur gesetzlichen Regelung der Kinderab-

züge in StG und DBG findet sich in Art. 277 Abs. 2 ZGB (in der Fassung vom 1. Januar 

1996),  welche  Bestimmung  die  zivilrechtliche  Unterhaltspflicht  der  Eltern  über  das 

Mündigkeitsalter  hinaus  mit  folgendem  Wortlaut  regelt:  "Hat  es  (sc:  das  Kind)  dann  

(sc: im Zeitpunkt der Mündigkeit) noch keine angemessene Ausbildung, so haben die 

Eltern,  soweit  es  ihnen  nach  den  gesamten  Umständen  zugemutet  werden  darf,  für 

seinen Unterhalt aufzukommen, bis eine entsprechende Ausbildung ordentlicherweise 

abgeschlossen  werden  kann."  Die  steuerrechtliche  Formulierung  für  die  Gewährung 

des Kinderabzugs lehnt sich somit stark an den Wortlaut der zivilrechtlichen Norm an, 

weshalb  in  der  Lehre  überwiegend  die  Auffassung  vertreten  wird,  in  Bezug  auf  die  

Kriterien  der  zum  Kinderabzug  berechtigenden  Ausbildung  sei  im  Bundessteuerrecht 

(Art. 35  Abs. 1  lit. a  DBG)  grundsätzlich  auf  das  ZGB abzustellen  (Bosshard/Boss-

hard/Lüdin,  Sozialabzüge  und  Steuertarife  im  schweizerischen  Steuerrecht,  2000, 

S. 173  f.;  Locher,  Art. 35  N 30;  Ivo  P.  Baumgartner  in:  Kommentar  zum  Schweizeri-

schen Steuerrecht, Band I/2a, 2. A., 2008, Art. 35 N 8a DBG). Dem hat sich auch die 

zürcherische Rechtsprechung angeschlossen (vgl. RB 2002 Nr. 102 = StE 2003 B 29.3 

Nr. 20  =  ZStP  2003,  140,  StRK  II,  26. September  2000  =  StE 2001  B 29.3  Nr. 17  

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und  17. Januar  2002,  2  ST.2001.391;  StRK  I,  17. Juni  2010,  1  ST.2010.124  und  

1  DB.2010.93).  Denn  eine  die  individuelle  Leistungsfähigkeit  berücksichtigende  Steu-

erordnung muss angesichts der zwingenden privatrechtlichen Leistungsverpflichtungen 

innerhalb  einer  Familiengemeinschaft  die  ohnehin  nicht  disponible  Einkommensquote 

(weitgehend)  von  der  Besteuerung  ausnehmen,  damit  der  Einzelne  nicht  über  seine 

echte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hinaus besteuert wird (Bosshard/Bosshard/Lü-

din, S. 96, auch zum Folgenden). Ist der Steuerpflichtige aufgrund der zivilrechtlichen 

Verpflichtung  zu  Unterhaltsleistungen  in  der  freien  Disposition  über  sein  Einkommen 

und  Vermögen  eingeschränkt,  rechtfertigt  es  sich  daher,  diese  privatrechtlichen  

Leistungsverpflichtungen  auch  im  Steuerrecht  zu  berücksichtigen,  sofern  und  soweit 

dies die Steuergesetze zulassen. Eine zurückhaltende Beurteilung ist hingegen ange-

bracht, soweit es sich um Leistungen handelt, die vom  Steuerpflichtigen lediglich auf-

grund einer moralischen oder sittlichen Pflicht oder auch seiner persönlichen Lebens-

einstellung  erbracht  werden,  d.h.  ohne  dass  er  zu  entsprechenden  Unterhalts-

leistungen zivilrechtlich verpflichtet ist. 

Dieser  auf  Auslegungskongruenz  bedachte  Ansatz  überzeugt  auch  für  das 

harmonisierte  Zürcher  Steuergesetz:  Im  Sinn  einer  namentlich  nach  erfolgter  Umset-

zung  des  Steuerharmonisierungsgesetzes  auf  kantonaler  Ebene  (wenn  auch  bloss 

beschränkt) vorhandenen Einheit der Rechtsordnung ist bei der Auslegung von kanto-

nalen  Steuerrechtsnormen  ebenso  auf  Regelungen  in  anderen  Teilrechtsordnungen 

wie  dem  Zivil-  und  insbesondere  dem  Familienrecht  Rücksicht  zu  nehmen.  Es  ist  na-

mentlich  dafür  Sorge  zu  tragen,  dass  die  Auslegung  von  Steuerrechtsnormen  in  ihrer 

Auswirkung  nicht  zentrale  Gerechtigkeitsgehalte  anderer  Teilrechtsordnungen  gleich-

sam ausser Kraft setzt (vgl. Thomas Koller, Privatrecht und Steuerrecht, 1983, S. 395). 

Mit der Parallelität von steuerrechtlicher und zivilrechtlicher Auslegung wird im Bereich 

der  Sozialabzüge  nicht  nur  (wie  gesehen)  dem  Grundsatz  der  Besteuerung  nach  der 

wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit  am  ehesten  Rechnung  getragen,  sondern  zugleich 

eine  unnötige  Rechtsunsicherheit  vermieden.  Sowohl  für  die  Auslegung  des  steuer-

rechtlichen  Begriffs  der  "Ausbildung"  im  Sinn  von  § 34  Abs. 1  lit. a  StG,  die  Dauer, 

während derer entsprechende Abzüge geltend gemacht werden können, und die Fra-

ge,  ob  und  inwiefern  eigene  Einkünfte  und  Vermögenswerte  des  Kindes  zur  Bestrei-

tung dessen Unterhaltskosten heranzuziehen sind, ist nach alledem die zivilrechtliche 

Praxis und Doktrin heranzuziehen (so schon StRK II, 26. September 2000 = StE 2001 

B 29.3  Nr. 17  und  17. Januar  2002,  2  ST.2001.391  sowie  neu  StRK  I,  17. Juni  2010,  

1 ST.2010.124 und 1 DB.2010.93). 

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b) Damit stellt sich vorliegend die zivilrechtliche (Vor-)Frage, ob und inwiefern 

die  Pflichtige  2008  trotz  der  vorhandenen  Einkünfte  und  Vermögenswerte  der  Kinder 

zu deren Unterhalt verpflichtet war. 

aa)  Die  gesetzliche  Regelung  (Art. 277  Abs. 2  ZGB)  und  ihre  Anwendung  

haben sicherzustellen, dass das mündige Kind solange elterlichen Unterhalt beanspru-

chen kann, als es diesen benötigt und billigerweise auf Fremdmittel Anspruch erheben 

darf (Peter Breitschmid, in: Basler Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, 2. A., 

2002,  Art. 277  N 8  ff.  ZGB,  auch  zum  Folgenden).  Der  Ausbildungs-  bzw.  berufliche 

Lebensplan ist von Eltern und Kind gemeinsam zu entwickeln; er hat den Fähigkeiten 

des  Kindes  und  den  tatsächlichen  (Ausbildungsmöglichkeiten)  einerseits  sowie  den 

wirtschaftlichen (elterliche Leistungsfähigkeit, allfällige Stipendienleistungen) Rahmen-

bedingungen  andrerseits  Rechnung  zu  tragen.  Unterhalt  kann  nur  erbracht  werden, 

wenn der Unterhaltspflichtige leistungsfähig ist und ihm die Leistungen daher zuzumu-

ten sind.  

Die  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Leistungsverpflichteten  beurteilt  sich  nach 

einer Gesamtwürdigung aller massgeblichen Gesichtspunkte, wie sich aus der gesetz-

lichen  Formulierung  von  Art. 277  Abs. 2  ZGB ergibt.  Dabei  sind  die  relevanten  

Rahmenbedingungen von Pflichtigen und Berechtigten einander gegenüber zu stellen.  

bb)  Zu  diesen  Rahmenbedingungen  zählen  in  erster  Linie  die  beiderseitigen 

Einkommens-  und  Vermögensverhältnisse  (vgl.  Breitschmid,  Art. 277  N 15).  Es  sind 

die Einkommen und Vermögen aller Beteiligten miteinzubeziehen, mithin auch die ent-

sprechenden  Werte  des  Unterhalt  beanspruchenden  Kindes,  sofern  solche  Werte  

überhaupt vorhanden sind (BGE 111 II 410 ff., 107 II 406/410). Gegenüber mündigen, 

in  Ausbildung  stehenden  Kindern  sind  die  Eltern  nur  insofern  und  in  dem  Mass  leis-

tungspflichtig, als ihre eigenen wirtschaftlichen Verhältnisse die geforderte Leistung als 

zumutbar  erscheinen  lassen.  Dabei  ist  der  fortschreitenden  Emanzipation  des  Kindes 

und der Leistungsfähigkeit von Eltern und Kind Rechnung zu tragen. Dort, wo die wirt-

schaftlichen Verhältnisse und familiären Beziehungen besonders günstig sind, wird ein 

Student von seinen Eltern auch als Mündiger gelegentlich vollständig unterhalten und 

den bereits im Berufsleben stehenden Gleichaltrigen sogar wirtschaftlich gleichgestellt. 

In  weniger  günstigen  Verhältnissen  tritt  die  eigene  Erwerbsfähigkeit  des  Studenten 

demgegenüber weitgehend in den Vordergrund, gelegentlich bis zur gänzlichen Selbst-

finanzierung  der  Ausbildung  (ZR  1990  Nr. 45  =  SJZ  1991,  49).  Verfügen  die  Eltern  

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über ein überdurchschnittliches  Einkommen, ist das mündige  Kind nicht gehalten, auf 

die  Substanz  seines  Vermögens  zu  greifen  und  steht  den  Eltern  daher  der  Kinder-

abzug zu (BGE 111 II 410).  

Bei  alledem  existieren  weder  Richtlinien  noch Grenzwerte,  um  die  Frage  der 

wirtschaftlichen Zumutbarkeit der Leistungspflicht der Eltern bzw. der Kinder im Quanti-

tativen  zu  beantworten.  Vielmehr  liegt  es  im  Ermessen  der  Einschätzungs-  bzw.  

der  Steuerjustizbehörden,  diese  Frage  zu  entscheiden,  wobei  sie  jedoch  Recht  und  

Billigkeit  zu  berücksichtigen  haben  (StRK  I,  17. Juni  2010,  1  ST.2010.124  und  

1 DB.2010.93). 

cc) Zu den weiteren Rahmenbedingungen, welche für die Frage nach der Zu-

mutbarkeit  der  Unterhaltserbringung  durch  die  Eltern  von  Bedeutung  sind,  zählen  so-

dann  in  zweiter  Linie  die  familiären  Verhältnisse,  d.h.  es  muss  ein  einigermassen  

erspriessliches  Verhältnis  zwischen  den  Eltern  und  Kinder  herrschen,  wobei  die  per-

sönlichen Beziehungen nicht harmonisch zu sein brauchen (Breitschmid, Art. 277 N 18 

ZGB). Weiter muss sich das Kind für die beabsichtigte Ausbildung eignen sowie diese 

ernsthaft und zielstrebig betreiben (BGE 114 II 205). 

3. a)  Die  Pflichtige  deklarierte  pro  2008  ein  steuerbares  Einkommen  von 

Fr. 167'000.-  (Staats-  und  Gemeindesteuern)  bzw.  Fr. 170'100.-  (direkte  Bundessteu-

er).  Ohne  die  fraglichen  Abzüge  und  nach  Vornahme  der  unbestrittenen  Korrekturen 

durch den Steuerkommissär macht es gar Fr. 184'300.- bzw. Fr. 185'000 aus. Es setzt 

sich zusammen aus Einkünften von Fr. 219'791.-, zur Hauptsache aus Renteneinkünf-

ten  und  Wertschriftenertrag  herrührend,  sowie  aus  Abzügen  von  Fr. 38'664.-  bzw. 

Fr. 36'964.-.  Das  steuerbare  Vermögen  gab  die  Pflichtige  sodann  mit  Fr. 3'615'000.- 

an, wobei unter den Aktiven im Wesentlichen ein Wertschriften- und Guthabenvermö-

gen 

von 

Fr. 2'812'852.-, 

Lebensversicherungen 

von 

Fr. 207'898.-  

sowie  Liegenschaften  von  Fr. 1'162'000.-  (das  selbstbewohnte  Einfamilienhaus  in  

G sowie eine vermietete Eigentumswohnung in H) und bei den Passiven Hypothekar- 

und  andere  Schulden  von  Fr. 590'000.-  figurieren  (Steuererklärung  2008  samt  Beila-

gen). 

Dem steht ein steuerbares Einkommen pro 2008 der beiden mündigen Kinder 

von lediglich Fr. 8'700.- (C) bzw. Fr. 9'000.- (D), aber auch ein beachtliches steuerba-

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res  Vermögen  derselben  von  Fr. 137'000.-  bzw.  Fr. 92'000.-  gegenüber.  Dem  steuer-

baren  Einkommen  liegen  Einkünfte  aus  Renten  von  je  Fr. 10'608.-  sowie  ein  Wert-

schriftenertrag von Fr. 1'788.- bzw. Fr. 1'813.- zugrunde. 

b) aa) Die dargestellten Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Pflich-

tigen, auf die es im vorliegenden Zusammenhang schwergewichtig ankommt, sind oh-

ne  Zweifel als  überdurchschnittlich  zu  bezeichnen.  Die  für  das  Jahr  2008  geltend  ge-

machten Unterhaltskosten der beiden Kinder von Fr. 21'000.- (C) und Fr. 18'127.- (D), 

total rund Fr. 39'000.- (vgl. Aufstellung in T-act. 8, Beilage samt Belegen), vermag die 

Pflichtige aber nicht nur mit den deklarierten Einkünften, sondern auch bloss mit dem 

niedrigeren  steuerbaren  Einkommen  komfortabel  und  sicher  zu  finanzieren.  Ein  Zu-

rückgreifen auf Vermögenswerte erscheint hierzu nicht erforderlich.  Abgesehen davon 

lassen  die  letzteren  Werte  die  Pflichtige  mit  einem  steuerbaren  Betreffnis  von 

Fr. 3'615'000.- als sehr gut situiert dastehen. Demnach erlauben es die wirtschaftlichen 

Verhältnisse der Pflichtigen gut, die Unterhaltsleistungen für  ihre Nachkommen aufzu-

bringen,  sodass  die  Zumutbarkeit  für  diese  Leistungen  insofern  ohne  Weiteres  gege-

ben ist. 

Die  Kinder wohnen  sodann bei der Pflichtigen  im Einfamilienhaus. Dies lässt 

zumindest  insofern  auf  intakte  Familienverhältnisse  schliessen,  als  ein  Zusammenle-

ben (noch) möglich ist und nicht eine blosse "Zahlelternschaft" vorliegt. Die Zumutbar-

keit ist daher auch diesbezüglich anzunehmen. 

Aus  den  Akten  ergeben  sich  sodann  keine  Anhaltspunkte,  dass  die  beiden 

Kinder  für  ihr  Studium  nicht  geeignet  sind  oder  dieses  nicht  ernsthaft  und  zielstrebig 

betreiben. 

Insgesamt  sind  damit  seitens  der  Pflichtigen  die  Voraussetzungen  erfüllt,  um 

von zumutbaren Verhältnissen bei Erbringung der Unterhaltsleistungen für ihre mündi-

gen, noch in Ausbildung stehenden Kinder auszugehen. 

bb)  Angesichts  der  überdurchschnittlichen  Einkommens-  und  Vermögensver-

hältnisse der Pflichtigen ist es auf der andern Seite für die beiden Kinder nicht ange-

zeigt,  sich  an  den  Unterhaltskosten  mit  ihren  Einkünften  aus  Renten  und  Wertschrif-

tenertrag  von  Fr. 12'396.-  (C)  bzw.  Fr. 12'421.-  (D)  zu  beteiligen.  Dies gilt  erst  Recht, 

wenn 

auf 

ihr 

steuerbares 

Einkommen 

von 

lediglich 

Fr. 8'700.-  

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bzw. Fr. 9'000.- abgestellt wird. Ebenso wenig drängt sich aber auch ein Verzehr ihres 

steuerbaren Vermögens auf. Zwar kann es mit Fr. 137'000.- bzw. Fr. 92'000.- keines-

wegs mehr als bescheiden bezeichnet werden, jedoch sind die Vermögensverhältnisse 

der  Pflichtigen  mit  einem  steuerbaren  Vermögen  von  Fr. 3'615'000.- – davon 

Fr. 2'812'852.-  in  liquider  Form – derart  komfortabel  und  übersteigen  diejenigen  der 

Söhne derart markant, dass sie auch damit den erforderlichen Unterhalt der mündigen 

Kinder  leichthin  erbringen  könnte.  Eine  Anrechnung  des  Kindsvermögens  ist  nicht  

gerechtfertigt. 

c)  Insgesamt  sind  somit  alle  massgeblichen  Umstände,  schwergewichtig  die 

wirtschaftlichen  Verhältnisse  der  Pflichtigen,  gegeben,  um  deren  vollumfängliche  Un-

terhaltserbringung  zugunsten  der  beiden  Kinder  ohne  Weiteres  als  zumutbar  erschei-

nen  zu  lassen.  Eine  Anrechnung  von  Einkommen  und  Vermögen  der  Kinder  drängt 

sich nicht auf.  

Demnach  ist  die  Unterhaltspflicht  der  Pflichtigen  gegenüber  ihren  mündigen 

Kindern  zivilrechtlich in vollem  Umfang  gegeben.  Dieser  Pflicht  ist  sie im  Umfang  der 

Kinderabzüge und darüber hinaus unstreitig nachgekommen. Weil sodann die übrigen 

Voraussetzungen für die Gewährung des beantragten Kinderabzugs – und damit auch 

des zusätzlichen Abzugs für Versicherungsprämien und Sparkapitalzinsen – nach dem 

Gesagten ebenfalls erfüllt sind, stehen der Pflichtigen diese Abzüge zu. 

c) Als Konsequenz hat die Pflichtige auch Anspruch auf Anwendung des Ver-

heiratetentarifs gemäss § 35 Abs. 2 StG bzw. 47 Abs. 2 StG und Art. 214 Abs. 2 DBG. 

4. Diese Erwägungen führen zur Gutheissung der Rechtsmittel. Ausgangsge-

mäss sind die Kosten des Verfahrens dem Rekursgegner bzw. der Beschwerdegegne-

rin aufzuerlegen (§ 151 Abs. 1 StG, Art. 144 Abs. 1 DBG). 

Der  Pflichtigen  ist  zudem  eine  angemessene  Parteientschädigung  zuzuspre-

chen (§ 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 

1959/8. Juni 1997, Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über 

das  Verwaltungsverfahren  vom  20. Dezember  1968).  Die  Parteientschädigung  hat  je-

doch nicht kostendeckend, sondern nur angemessen sein. 

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Demgemäss erkennt die Rekurskommission: 

1.  Der Rekurs wird gutgeheissen. Die Rekurrentin wird für die Staats- und Gemeinde-

steuern, Steuerperiode 2008, mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 168'300.- 

und  einem  steuerbaren  Vermögen  von  Fr. 3'615'000.-  eingeschätzt  (Tarif  gemäss 

§ 35 Abs. 2 bzw. § 47 Abs. 2 StG; Verheiratetentarif). 

2.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Die  Beschwerdeführerin  wird  für  die  direkte 

Bundessteuer,  Steuerperiode  2008,  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von 

Fr. 171'400.- veranlagt (Tarif gemäss Art. 214 Abs. 2 DBG; Verheiratetentarif). 

[…] 

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