# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ec6e7c7d-2ec3-54a0-94ca-b999bede6034
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-07-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.07.2021 D-2858/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2858-2020_2021-07-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2858/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  J u l i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), 

Richter Lorenz Noli, Richter Gérald Bovier,    

Gerichtsschreiber Stefan Weber. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (...), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 28. April 2020 / N (...). 

 

 

 

D-2858/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein ethnischer B._______, suchte am (...) in 

der Schweiz um Asyl nach. 

A.b Am 11. Februar 2019 fand die Befragung zur Person (BzP) statt.  

Dabei brachte der Beschwerdeführer vor, er sei im Dorf C._______, Distrikt 

D._______, Provinz E._______ geboren, wo er mit seiner Familie gelebt 

habe. Sein Vater besitze im Stadtteil F._______ in der Stadt E._______ 

einen Laden, wo dieser (Nennung Ware) verkaufe. Während seiner (...)jäh-

rigen Schulzeit habe er mehrmals in der Woche im Geschäft seines Vaters 

ausgeholfen. Im (Nennung Zeitpunkt) seien die Taliban zu seinem Vater 

gekommen und hätten Geld verlangt. Sein Vater habe den Taliban das Geld 

jedoch nicht geben können oder wollen, worauf diese die Auslieferung ei-

nes Sohnes gefordert hätten. Da sich sein Vater geweigert habe, hätten er 

und sein (Nennung Verwandter) von den Taliban je einen Drohbrief erhal-

ten, den er aber nicht gelesen habe. Ausserdem hätten die Taliban in der 

gleichen Zeit einmal in der Nacht auf ihre Haustüre geschossen. In der 

Folge seien er und sein (Nennung Verwandter) nach E._______ umgezo-

gen, wo sie zirka (Nennung Dauer) gelebt hätten. Angehörige der Taliban 

seien dann im (Nennung Zeitpunkt) zweimal im Geschäft seines Vaters in 

der Stadt E._______ erschienen. Er habe einmal gesehen, wie zwei Per-

sonen in den Laden gekommen seien und mit seinem Vater gesprochen 

hatten. Obwohl diese in der Folge wiederholt das Geschäft seines Vaters 

aufgesucht und diesen belästigt hätten, habe er sich weiterhin regelmässig 

im Laden aufgehalten. Seine Familie habe sich wegen dieser Behelligun-

gen an die Behörden im Distrikt D._______ gewandt, jedoch ohne Erfolg, 

da sich in deren Reihen Angehörige der Taliban befänden. Anlässlich ihres 

letzten Besuchs hätten die Taliban seinem Vater gedroht, dass sie beim 

nächsten Mal nicht mehr nur zum Reden kommen, sondern ihn oder seinen 

(Nennung Verwandter) mitnehmen würden. Aufgrund dieser Situation habe 

er seine Heimat schliesslich verlassen 

A.c Am 2. Oktober 2019 wurde der Beschwerdeführer vom SEM angehört.  

Dabei machte er geltend, sein Vater habe das Ansinnen der Taliban, ihn 

und seinen (Nennung Verwandter) für den heiligen Krieg gegen die Ameri-

kaner zur Verfügung zu stellen, abgelehnt. Darauf hätten die Taliban Geld 

von seinem Vater verlangt, was dieser ebenfalls verweigert habe, da die 

Taliban sonst mit diesem Geld unschuldige Menschen umbringen würden. 

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Die Taliban hätten sodann ihr Haus mit Steinen beworfen, wiederholt das 

Dorf aufgesucht und dort geschossen. Etliche Dorfbewohner wie auch ei-

nige Verwandte hätten sich den Taliban angeschlossen. Nach der Tötung 

eines Dorfbewohners, der auch ihr Verwandter gewesen sei und mit der 

Regierung zusammengearbeitet habe, sei die ganze Familie nach 

E._______ geflohen. Dort seien sie von den Taliban ebenfalls belästigt wor-

den. Auch hätten diese Drohbriefe an sie zugestellt. Im (Nennung Zeit-

punkt) habe er sich im Geschäft seines Vaters in E._______ aufgehalten, 

als zwei Personen mit Bart und Turban gekommen seien und mit seinem 

Vater gesprochen hätten. Sein Vater habe ihm später erzählt, dass dies 

Taliban gewesen seien, weshalb er danach zuhause geblieben sei. Die Ta-

liban hätten nach zwei Besuchen bei seinem Vater im Laden angekündigt, 

dass bei einem dritten Besuch nicht mehr geredet, sondern gehandelt 

würde. Sein Vater habe deshalb beschlossen, dass er und sein (Nennung 

Verwandter) Afghanistan verlassen sollten. Nach seiner Ausreise hätten 

die Taliban seinen Vater weiterhin belästigt und seien einmal auch nachts 

zu ihrem Haus in E._______ gekommen. Nachdem die Taliban damals mit-

bekommen hätten, dass er und sein (Nennung Verwandter) das Land ver-

lassen hätten, hätten die Taliban keine weiteren Schritte mehr unternom-

men. 

B.  

Mit Verfügung vom 28. April 2020 stellte das SEM fest, der Beschwerde-

führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, 

verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. 

C.  

Der Beschwerdeführer erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom 

2. Juni 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, 

es sei die angefochtene Verfügung in den Dispositivziffern 4 und 5 aufzu-

heben, die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen 

und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht er-

suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung sei-

nes Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 5. Juni 2020 hiess die Instruktionsrichterin die 

Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechts-

verbeiständung unter Vorbehalt des Nachreichens einer Fürsorgebestäti-

gung gut, ordnete dem Beschwerdeführer einen amtlichen Rechtsbeistand 

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Seite 4 

in der Person von lic. iur. Dominik Löhrer bei und verzichtete auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses. 

E.  

Mit Eingabe vom 10. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer (Nennung 

Beweismittel) zu den Akten. 

F.  

Die Vorinstanz hielt in der Vernehmlassung vom 2. Juli 2020 nebst ergän-

zenden Bemerkungen an ihren Erwägungen in der angefochtenen Verfü-

gung vollumfänglich fest. 

G.  

Der Beschwerdeführer replizierte – nach einmalig gewährter Fristerstre-

ckung – mit Eingabe vom 6. August 2020. 

H.  

Mit Eingabe vom 12. August 2020 reichte der Rechtsvertreter (Nennung 

Beweismittel) zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der 

Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 

2015). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte 

Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 

VwVG). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

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Seite 5 

richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 

2014/26 E. 5). 

3.  

Die Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen den Vollzug der Weg-

weisung. Die Ziffern 1 (Verneinung der Flüchtlingseigenschaft), 2 (Ableh-

nung des Asylgesuchs) und 3 (Wegweisung aus der Schweiz) des Dispo-

sitivs der Verfügung vom 28. April 2020 sind mangels Anfechtung in 

Rechtskraft erwachsen. Prozessgegenstand bildet damit einzig die Frage 

nach der Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 

4.  

4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

4.2 Die Vorinstanz führte zur Begründung des angeordneten Wegwei-

sungsvollzugs aus, da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft 

nicht erfülle, könne der Grundsatz der Nichtrückschiebung nicht angewen-

det werden. Auch würden keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ihm 

eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Ein 

Wegweisungsvollzug sei daher als zulässig zu erachten.  

 

Hinsichtlich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führte das SEM 

unter Hinweis auf das Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts 

D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 aus, es seien im Fall des Beschwer-

deführers besonders begünstigende Umstände zu bejahen. Er stamme 

aus der Provinz E._______ und habe vor seiner Ausreise mindestens 

(Nennung Dauer) mit seiner Familie zusammen in der Stadt E._______ im 

Stadtteil H._______ gelebt. Zuvor habe er sich mehrmals wöchentlich in 

der Stadt E._______ aufgehalten, um im Geschäft seines Vaters auszuhel-

fen. Weitere Verwandte würden ebenfalls in E._______ leben, so (Nen-

nung Verwandte). Der Vater – ein (...)händler – führe in der Stadt 

E._______ im Stadtteil F._______ seit (Nennung Dauer) ein Geschäft, von 

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dem die Familie gut leben könne, und habe die Reisekosten nach Europa 

ohne Probleme bezahlen können. Auch der Ehemann seiner (Nennung 

Verwandte) besitze in E._______ einen Laden. Da der Beschwerdeführer 

mit seinem Vater in Kontakt stehe, sei davon auszugehen, dass er bei einer 

Rückkehr nach Afghanistan erneut bei seiner Kernfamilie in E._______ 

wohnen und Unterstützung durch diese erhalten könne. Der Beschwerde-

führer verfüge über eine (...)-jährige Schulbildung und habe im Geschäft 

seines Vaters regelmässig ausgeholfen. Es sei anzunehmen, dass er diese 

Tätigkeit auch künftig ausüben und so weitere Berufserfahrung in der Bran-

che sammeln könne. Ferner dürfte es seinem Vater angesichts dessen ge-

schäftlichen Kontakten möglich sein, ihm allenfalls eine andere Beschäfti-

gung bei einem Geschäftspartner zu vermitteln. Zudem bestehe die Mög-

lichkeit, eine individuelle Rückkehrhilfe zu beantragen. Sodann verfüge der 

Beschwerdeführer über einen guten Gesundheitszustand. Ausserdem sei 

der Wegweisungsvollzug technisch möglich und praktisch durchführbar. 

4.3 Der Beschwerdeführer wendete in seiner Rechtsmitteleingabe dage-

gen ein, ein Vollzug der Wegweisung nach E._______ sei als unzumutbar 

zu qualifizieren. Die Einschätzung im erwähnten Referenzurteil des Bun-

desverwaltungsgerichts D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 sei nicht mehr 

aktuell. Die Sicherheitslage in E._______ habe sich seit Erlass des er-

wähnten Urteils erheblich verschlechtert, was diverse Berichte und Zei-

tungsmeldungen belegten. Es sei daher fraglich, ob das Referenzurteil aus 

dem Jahr 2017 derzeit noch die aktuelle Sicherheitslage in E._______ re-

flektiere, und nicht bereits aus diesem Grund ein noch strengerer Massstab 

bei der Prüfung der Zumutbarkeit der Wegweisung angelegt werden 

müsse. Das Bundesverwaltungsgericht habe jedoch auch die Bedeutung 

der Voraussetzung eines "tragfähigen soziales Netzes" seit dem Referenz-

urteil weiter präzisiert und angeführt, dass bloss lockere Beziehungen auf-

grund der Arbeit nicht als stabiles Beziehungsnetz bezeichnet und bei in-

nerfamiliären Spannungen nicht auf ein tragfähiges familiäres Netz ge-

schlossen werden könne. Noch strengere Voraussetzungen gälten, wenn 

E._______ wie vorliegend lediglich als Wohnsitzalternative in Frage 

komme, was vom SEM verkannt worden sei. Er stamme zwar aus der Pro-

vinz E._______, jedoch nicht aus der Stadt E._______. Dort habe er ledig-

lich ein halbes Jahr verbracht und sei während (Nennung Dauer) keiner 

Arbeit nachgegangen. Das SEM habe zudem mit der falschen Bezeich-

nung der Geschäftstätigkeit seines Vaters – dieser verkaufe zwar wertvolle 

(Nennung Ware), aber nicht (Nennung Gegenstände) – den Anschein er-

wecken wollen, dass sein Vater steinreich sei, was nicht stimme. Seine Fa-

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milie habe normal gelebt und keine finanzielle Unterstützung benötigt. Auf-

grund der schlechten politischen Lage sei der Geschäftsgang in den letzten 

Jahren nicht gut gewesen. Die Kaufkraft der Bevölkerung habe abgenom-

men und seine Familie habe sämtliche Ersparnisse für seine Reisekosten 

aufgebraucht. Aufgrund der Pandemie und des damit verbundenen Lock-

downs habe sein Vater das Geschäft nicht betreiben können, aber weiter-

hin Miete für das Geschäftslokal bezahlen müssen. Sein Vater gehöre zur 

Risikogruppe, habe keine staatliche Entschädigung für die Umsatzeinbus-

sen erhalten und müsse daher das Geschäft aufgeben, zumal der Vater 

dieses ohne seine Hilfe nicht weiterführen könne und den übrigen Mitglie-

dern der Kernfamilie die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht möglich sei. 

Die Familie habe in E._______ in eine günstigere Mietwohnung umziehen 

müssen und könne ihn bei einer Rückkehr nicht unterstützen. Der Mann 

seiner (Nennung Verwandte) besitze keinen (Nennung Geschäft) – wie er 

im Rahmen der Anhörung fälschlicherweise ausgeführt habe – sondern ar-

beite in einem solchen. Die finanziellen Verhältnisse der Familie von (Nen-

nung Verwandte) seien angespannt, weshalb seine (Nennung Verwandte), 

zu welcher er bereits vor seiner Ausreise keinen Kontakt gehabt habe, 

ebenfalls nicht in der Lage sei, ihn zu unterstützen. Ebenfalls kein Kontakt 

bestehe zu seiner ausserhalb von E._______ lebenden (Nennung Ver-

wandte). Da deren Ehemann gestorben sei, vermöge sie wohl kaum für 

sich selber und die Kinder zu sorgen, geschweige denn, ihn noch zu unter-

stützen. Zu den wirtschaftlichen Reintegrationsmöglichkeiten sei festzuhal-

ten, dass er unbestrittenermassen während (Nennung Dauer) die Schule 

besucht und im Geschäft seines Vaters mitgeholfen habe. Diese Tätigkeit 

sei jedoch lediglich mit einem geringen Lohn abgegolten worden. Das SEM 

lasse diesbezüglich unerwähnt, dass seine Familie ihre finanziellen Mittel 

für seine Flucht habe ausgeben müssen. Zudem sei gerade niemand mehr 

in der (Nennung Berufsbranche) tätig und bei den von der Vorinstanz er-

wähnten Geschäftskontakten handle es sich um blosse Mutmassungen. 

Ohne Ausbildung und Kontakte in E._______, wo er nur (Nennung Dauer) 

gelebt habe, sei es ihm nicht möglich, eine Stelle zu finden. Zudem wäre 

er der ständigen Gefahr einer Rekrutierung durch die Taliban ausgesetzt. 

Das Grundstück in seinem Dorf sei wertlos und könne nicht zur Sicherung 

seines Lebensbedarfs dienen. Ausserdem handle es sich bei seinem Vater 

im afghanischen Kontext bereits um einen alten Mann, der in wirtschaftli-

cher Hinsicht nicht für Reintegrationsmöglichkeiten sorgen könne. Zudem 

sei zu bedenken, dass er spätestens nach dem Tod seines Vaters in der 

Pflicht stünde, für die Kernfamilie aufzukommen. Schliesslich seien auch 

die Auswirkungen der Pandemie auf die Lebensbedingungen in Afghanis-

tan im Allgemeinen und in E._______ im Speziellen zu berücksichtigen. 

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4.4 In seiner Vernehmlassung hielt das SEM fest, die neu geltend gemach-

ten Vorbringen des Beschwerdeführers zur wirtschaftlichen Situation sei-

ner Familie vor der Pandemie seien als nachgeschoben sowie als wenig 

substanziiert zu erachten und stünden im Widerspruch zu seinen eigenen 

Aussagen im Rahmen des Asylverfahrens, weshalb sie nicht glaubhaft 

seien. Es sei grundsätzlich plausibel, dass die Pandemie auch in Afghanis-

tan zu gewissen Einschränkungen im Alltags- und Wirtschaftsleben geführt 

habe. Die angeblich daraus resultierende Verschlechterung der wirtschaft-

lichen Verhältnisse der Familie sei jedoch als wenig begründet zu beurtei-

len. Zudem sei nicht nachvollziehbar, wie seine Familie für die Miete einer 

günstigeren Wohnung im für afghanische Verhältnisse teuren E._______ 

aufkommen könne, zumal sie sämtliche Ersparnisse für seine Flucht auf-

gebraucht haben und eine künftige Einkommensquelle nicht gesichert sein 

soll. Es ist deshalb davon auszugehen, dass seine Familie nach wie vor 

gewisse Einkünfte erziele und/oder Ersparnisse habe, welche er verheim-

liche. Überdies erscheine im afghanischen Kontext – ohne staatliche sozi-

ale Sicherungsnetze – nicht plausibel, dass sein Vater sein Geschäft ein-

fach so aufgeben würde. Schliesslich sei auf die angefochtene Verfügung 

zu verweisen, worin die Asylgründe des Beschwerdeführers in einlässlicher 

Weise als unglaubhaft qualifiziert worden seien. Vor diesem Hintergrund 

seien die neuen Vorbringen zur wirtschaftlichen Situation seiner Familie im 

Zuge der Pandemie als wenig glaubhaft zu erachten. 

4.5 In seiner Replik bestritt der Beschwerdeführer die Ausführungen der 

Vorinstanz. Er habe die vom SEM in Frage gestellten Vorbringen bezüglich 

der infolge der Pandemie erschwerten wirtschaftlichen Situation seiner Fa-

milie nicht eher äussern können, zumal die Anhörung zu einem Zeitpunkt 

stattgefunden habe, in welchem sich die Pandemie noch nicht verbreitet 

gehabt habe. Zwar erachte es das SEM als plausibel, dass die Pandemie 

auch in Afghanistan zu Einschränkungen im Alltags- und Wirtschaftsleben 

geführt habe, ohne jedoch Abklärungen zu deren Auswirkungen auf seine 

persönliche Situation zu tätigen. Weshalb lediglich seine Familie von der 

Pandemie und deren Folgen hätte verschont bleiben sollen, vermöge die 

Vorinstanz nicht substanziiert zu begründen. Es sei nachvollziehbar, dass 

in E._______, wo die Ansteckungszahlen und die Preise für Nahrungsmit-

tel massiv gestiegen seien, derzeit niemand daran denke, (Nennung Ware) 

zu kaufen. Weiter könne nicht ausser Acht gelassen werden, dass 

E._______ laut dem (Nennung Amt) zufolge die am schwersten von der 

Pandemie betroffene Region des Landes sei. Da er seine Familie derzeit 

nicht erreiche, wisse er nicht, wie es ihr gesundheitlich gehe und wo sie 

aktuell weile. 

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Seite 9 

5.  

5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Referenzurteil D-5800/2016 

vom 13. Oktober 2017 eine aktuelle Lageeinschätzung zu Afghanistan, ins-

besondere zu Kabul, vorgenommen. Das Gericht stellte eine deutliche Ver-

schlechterung der Sicherheitslage seit dem letzten Länderurteil des Bun-

desverwaltungsgerichts im Jahr 2011 (BVGE 2011/7) über alle Regionen 

hinweg fest. Es kam zum Schluss, dass in weiten Teilen von Afghanistan 

unverändert eine derart schlechte Sicherheitslage und derart schwierige 

humanitäre Bedingungen bestehen würden, dass die Situation als exis-

tenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG zu qualifizieren und somit 

der Wegweisungsvollzug nach wie vor als unzumutbar zu beurteilen sei. 

Die Sicherheitslage und die allgemeine humanitäre Situation in Kabul seien 

aus verschiedenen Gründen differenziert und gesondert zu analysieren. Im 

heutigen Zeitpunkt würden sich sowohl die Sicherheitslage, welche als 

volatil und von zahlreichen Anschlägen geprägt zu bezeichnen sei, als 

auch die humanitäre Situation in Kabul im Vergleich zu der in BVGE 2011/7 

beschriebenen Situation klar verschlechtert darstellen. Die Lage in Kabul 

sei daher grundsätzlich als existenzbedrohend und demnach unzumutbar 

gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG zu beurteilen. Von dieser Regel könne abgewi-

chen werden, falls besonders begünstigende Faktoren vorliegen würden, 

aufgrund derer ausnahmsweise von der Zumutbarkeit des Vollzugs ausge-

gangen werden könne (vgl. vorgenanntes Referenzurteil E. 8.2 ff.).  

Solche günstigen Voraussetzungen könnten namentlich dann gegeben 

sein, wenn es sich bei der rückkehrenden Person um einen jungen, gesun-

den Mann handle. Unabdingbar sei in jedem Fall ein soziales Netz, das 

sich im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkeh-

renden als tragfähig erweise. Dieses soziale Netz müsse dem Rückkeh-

renden insbesondere eine angemessene Unterkunft, Grundversorgung so-

wie Hilfe zur sozialen und wirtschaftlichen Reintegration bieten können. Al-

lein aufgrund von losen Kontakten zu Bekannten, Verwandten oder auch 

Mitgliedern der Kernfamilie, bei welchen insbesondere das wirtschaftliche 

Fortkommen sowie die Unterbringung ungeklärt seien, sei nicht von einem 

tragfähigen sozialen Beziehungsnetz auszugehen. Es liege in der Natur 

der Sache, dass bei Personen, bei welchen Kabul lediglich eine Aufent-

haltsalternative darstelle und die somit kaum oder nie in Kabul gelebt ha-

ben, eine Bejahung eines solchen tragfähigen sozialen Netzes noch grös-

serer Zurückhaltung bedürfe. Ebenso sei entscheidrelevant, über welche 

Berufserfahrung die rückkehrende Person verfüge beziehungsweise inwie-

fern eine wirtschaftliche Wiedereingliederung mit einer bezahlten Arbeit im 

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Zusammenspiel mit dem Beziehungsnetz begünstigt werden könne. Ange-

sichts der festgestellten Verschlechterung der Lage in Kabul verstehe es 

sich von selbst, dass das Vorliegen dieser strengen Anforderungen in je-

dem Einzelfall sorgfältig geprüft werde und diese erfüllt sein müssen, um 

einen Wegweisungsvollzug nach Kabul als zumutbar zu betrachten 

(vgl. vorgenanntes Referenzurteil E. 8.4.1). 

5.2 Der Beschwerdeführer stammt aus dem Dorf C._______ (Distrikt 

D._______) in der Provinz E._______ (vgl. act. A5, Ziff. 1.07), wo er bis zu 

seinem Umzug nach Kabul – zirka im (Nennung Zeitpunkt) – mit seiner 

Familie lebte. Die letzten (Nennung Dauer) vor dem Verlassen Afghanis-

tans lebte er sodann zusammen mit seinen Familienangehörigen in der 

Stadt E._______ und dort im Stadtteil H._______ in einem Miethaus (vgl. 

act. A5, Ziff. 7.01; A15, F19, F42 ff.). Seinen Angaben zufolge besuchte er 

während (...) Jahren die Schule, schloss diese jedoch wegen des Umzugs 

in die Stadt E._______ nicht ab (vgl. act. A15, F46, F49). Neben der Schule 

half er dreimal in der Woche seinem Vater in dessen Geschäft im Stadtteil 

F._______ in der Stadt E._______. Sein Vater arbeitete im eigenen Ge-

schäft und handelte seit (Nennung Dauer) mit (Nennung Ware) (vgl. act. 

A5, Ziff. 1.17.05; A15, F20, F51; act. A15, F56). Die Familie konnte aus den 

Einkünften dieses Geschäfts in dem Sinne gut leben, dass sie ein normales 

Leben führen konnten und von niemandem Unterstützung benötigten (vgl. 

act. A5, Ziff. 1.17.05; A15, F55).  

Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-

rer mit seiner Kernfamilie in der Stadt E._______ über ein soziales Bezie-

hungsnetz verfügt, das er als tragfähige Basis wiederaufleben lassen kann, 

und damit auch über eine gesicherte Wohnsituation. Daher kann dem Ein-

wand, Kabul stelle lediglich eine Wohnsitzalternative dar, weshalb noch 

strengere Voraussetzungen an das Vorliegen eines tragfähigen familiären 

Netzes gelten würden, nicht gefolgt werden, zumal gemäss Beschwerde-

führer die gesamte Familie in die Stadt E._______ umgezogen ist und nie-

mand von der Familie in ihrem Haus im Dorf C._______ mehr lebt (vgl. act. 

A15, F41 und F49). Sodann handelt es sich beim Beschwerdeführer um 

einen jungen, gesunden Mann, welcher über eine Schulbildung bis zur (...) 

Klasse verfügt und während einigen Jahren im Geschäft seines Vaters 

mehrmals in der Woche aushalf und dabei einige Berufserfahrungen sam-

meln konnte, auch wenn er über keine eigentliche Berufsausbildung ver-

fügt. Daran ändert nichts, dass diese Tätigkeit seinerzeit nur mit einem ge-

ringen Lohn abgegolten worden ist, zumal er seinem Vater – folgt man den 

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Angaben in der Beschwerdeschrift (S. 8 oben) – eine wertvolle Hilfe gewe-

sen sein dürfte. Soweit der Beschwerdeführer einwendet, das SEM habe 

mit der falschen Bezeichnung der Geschäftstätigkeit seines Vaters – dieser 

verkaufe (Nennung Ware), nicht jedoch (Nennung Gegenstände) – den An-

schein erwecken wollen, dass sein Vater steinreich sei, vermag dieser Ein-

wand nicht zu überzeugen. Wohl hat das SEM in seinem Asylentscheid 

angeführt, sein Vater besitze ein (Nennung Geschäft) in E._______. Ange-

sichts des Umstandes, dass als (Nennung Gegenstand und dessen Defi-

nition) bezeichnet werden, und die Vorinstanz auch nicht behauptete, der 

Vater handle mit (Nennung Gegenstände), ist die vom SEM gewählte Be-

zeichnung (Nennung Geschäft) nicht wirklich unzutreffend. Entscheidend 

ist in diesem Zusammenhang jedoch weniger die genaue Bezeichnung der 

Ware, mit welcher der Vater des Beschwerdeführers gehandelt hat, son-

dern der Umstand, dass aus den Erwägungen des SEM keineswegs er-

sichtlich ist, dass sie seinen Vater als "steinreich" erachtet hätte. So bezog 

es sich darin durchwegs auf die Äusserungen des Beschwerdeführers (Fa-

milie könne vom Geschäft gut leben, welches der Vater seit [Nennung 

Dauer] führe; problemlose Zahlung der hohen Reisekosten [vgl. act. A17, 

S. 12]) und bejahte in diesem Zusammenhang aufgrund der finanziellen 

Begebenheiten des Vaters und dessen Geschäftsbeziehungen die wirt-

schaftlichen Reintegrationsmöglichkeiten des Beschwerdeführers.  

 

Die vom Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene neu vorgebrachten Aus-

führungen zur wirtschaftlichen Situation seiner Familie sind als nicht stich-

haltig zu erachten. Einerseits werden diese – wie beispielsweise die ledig-

lich behauptete Geschäftsaufgabe seines Vaters – durch keinerlei Belege 

untermauert und erweisen sich andererseits als unstimmig und wider-

sprüchlich. So gab der Beschwerdeführer sowohl in der BzP als auch in 

der Anhörung zu verstehen, dass die Reise von seinem gut verdienenden 

Vater bezahlt worden sei, ohne dass er dabei auch nur ansatzweise ange-

deutet hätte, es habe sich bei den aufgebrachten Reisekosten um sämtli-

che Ersparnisse der Familie gehandelt (vgl. act. A5, Ziff. 5.02; A15, F104). 

Zwar gab er in der Anhörung an, er wisse nicht, woher sein Vater das Geld 

gehabt habe; jedoch hätten sie ein normales Leben geführt und Geld ge-

habt, was wiederum den Schluss zulässt, dass nach der Bezahlung der 

Reisekosten noch weitere finanzielle Ressourcen vorhanden gewesen sein 

müssen (vgl. act. A5, F104). Diese Schlussfolgerung wird auch durch den 

in diesem Zusammenhang in der BzP gemachten Verweis des Beschwer-

deführers auf die guten Einkommensverhältnisse seines Vaters gestützt 

(vgl. act. A5, Ziff. 5.02). Soweit er auf die Pandemie und deren wirtschaftli-

che Folgen für seine Familie verweist, ist zunächst festzustellen, dass die 

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Seite 12 

Pandemie erst (Nennung Zeitpunkt) nach der Ausreise des Beschwerde-

führers ihren Anfang nahm und demnach das Geschäft des Vaters der Fa-

milie bis mindestens zu diesem Zeitpunkt ein regelmässiges und gutes Ein-

kommen gesichert haben dürfte, selbst für den Fall, dass seine Familie tat-

sächlich sämtliche Ersparnisse für seine Flucht aufgebraucht hätte. Da es 

überdies der Familie möglich sein soll, weiterhin in E._______ in einer Miet-

wohnung – wenn auch in einer günstigeren als bis anhin – zu leben, lässt 

dies den Schluss zu, dass seine Familie nach wie vor von einem Einkom-

men profitiert. Sodann erscheint die Begründung für die angebliche Ge-

schäftsaufgabe seines Vaters als nicht nachvollziehbar, wäre die Weiter-

führung des Geschäfts doch mit Blick auf die finanzielle Alterssicherung 

von existenziellem Interesse. Ausserdem stellt das Vorbringen, sein Vater 

müsse das Geschäft aufgeben, weil er dieses ohne seine Hilfe nicht wei-

terführen könne, angesichts der vorgängigen, (...)langen Geschäftstätigkeit 

ohne eine Beteiligung des Beschwerdeführers, eine blosse Schutzbehaup-

tung dar. Des Weiteren hat die Vorinstanz zu Recht erkannt, dass es sei-

nem Vater angesichts dessen (...)langer Geschäftstätigkeit und –kontakte 

möglich ist, ihm eine bezahlte Erwerbstätigkeit zu vermitteln, selbst wenn 

ein Einstieg in das familieneigene Geschäft nicht möglich sein sollte. Das 

Gericht erachtet insgesamt das erstmals in der Beschwerdeschrift er-

wähnte Vorbringen, der Vater habe sein Geschäft aufgeben müssen, als 

nicht glaubhaft. Diese Schlussfolgerung scheint auch insofern gerechtfer-

tigt, als die Kundschaft des Handels mit (Nennung Ware) aus einer höhe-

ren und daher von der Pandemie weniger gebeutelten Einkommensschicht 

stammen dürfte. Im Übrigen verfügt der Beschwerdeführer in E._______ 

über weitere Verwandte, die ihn bei einer Reintegration – gerade auch in 

wirtschaftlicher Hinsicht respektive bei der Vermittlung einer Arbeitsstelle – 

unterstützen könnten. So lebt angeblich seine (Nennung Verwandte), de-

ren Mann einen Laden besitze, ebenfalls in der Stadt E._______ (vgl. act. 

A15, F22 ff.). Der Beschwerdeführer wendet diesbezüglich ein, er habe in 

der Anhörung fälschlicherweise ausgeführt, dass der Mann seiner (Nen-

nung Verwandte) einen (Nennung Geschäft) besitze. Dieser arbeite bloss 

in einem solchen Geschäft. Dieses Vorbringen stellt angesichts der unter-

schriftlich bestätigten Korrektheit und Vollständigkeit seiner Ausführungen 

eine blosse Schutzbehauptung dar (vgl. act. A15, S. 14). Es ist daher denk-

bar, dass dem Beschwerdeführer nicht nur mit Hilfe seines Vaters, sondern 

auch über seinen (Nennung Verwandter) eine Arbeitsstelle vermittelt wer-

den könnte. Vorliegend bestehen demnach über das in E._______ ansäs-

sige familiäre Beziehungsnetz die Voraussetzungen zur Annahme einer 

wirtschaftlichen Wiedereingliederung respektive von Möglichkeiten, sich 

D-2858/2020 

Seite 13 

mit der (finanziellen) Unterstützung der Familie eine wirtschaftliche Exis-

tenz aufzubauen. Unter diesen Umständen braucht auf das Vorbringen, die 

ebenfalls in E._______ wohnhafte (Nennung Verwandte) – zu welcher er 

keinen Kontakt habe – vermöge nicht für ihn aufzukommen, nicht weiter 

eingegangen zu werden. An dieser Einschätzung vermag der in der Replik 

vorgebrachte Umstand, dass er seine Familie derzeit nicht erreiche und 

nicht wisse, wie es dieser gesundheitlich gehe und wo sie aktuell weile, 

nichts zu ändern, zumal er seit seiner Einreise in die Schweiz bis anhin 

auch nur sehr selten mit seinem Vater in Kontakt gestanden sei (vgl. act. 

A15, F28). 

Insgesamt kann beim Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach 

E._______ von besonders begünstigenden Voraussetzungen im Sinne der 

Rechtsprechung ausgegangen werden. 

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 

zumutbar.  

5.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).  

5.4 Die aktuellen Massnahmen im Zusammenhang mit der weltweiten Aus-

breitung der Coronavirus-Krankheit (Covid-19) sind aufgrund ihrer vorüber-

gehenden Natur nicht geeignet, die obigen Schlussfolgerungen in Frage zu 

stellen. Würden diese im vorliegenden Fall den Vollzug der Wegweisung 

vorübergehend verzögern, so würde dieser zwangsläufig zu einem späte-

ren, angemessenen Zeitpunkt erfolgen (vgl. Urteile der BVGer  

D-1557/2020 und D-1554/2020 vom 23. April 2020 E. 7.4, E-895/2020 vom 

15. April 2020 E. 9.6).  

5.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG).  

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

D-2858/2020 

Seite 14 

7.  

7.1 Mit Zwischenverfügung vom 5. Juni 2020 wurde das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen. Da von der 

weiterhin bestehenden Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen 

ist, ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.  

7.2 Mit derselben Verfügung wurde ausserdem das Gesuch um amtliche 

Verbeiständung gutgeheissen und dem Beschwerdeführer sein Rechtsver-

treter als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. Demnach ist diesem ein 

amtliches Honorar für seine notwendigen Aufwendungen im Beschwerde-

verfahren auszurichten. Mit Eingabe vom 10. Juni 2020 wurde eine Kos-

tennote und mit Eingabe vom 12. August 2020 deren Ergänzung ins Recht 

gelegt, wonach sich die Bemühungen des Rechtsvertreters auf insgesamt 

13 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 150.– belaufen. Der gesamte 

Aufwand sowie der angeführte Stundenansatz sind als angemessen zu er-

achten. Das amtliche Honorar für den Rechtsvertreter ist somit auf insge-

samt Fr. 1990.– festzusetzen. 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-2858/2020 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dem amtlichen Rechtsvertreter wird ein amtliches Honorar zulasten der 

Gerichtskasse in der Höhe von Fr. 1990.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Stefan Weber 

 

 

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