# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2d98efc0-8697-5605-ac3c-9bcdd6b7b39b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.08.2011 D-8281/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8281-2010_2011-08-23.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­8281/2010/sed

U r t e i l   v om   2 3 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richter Daniele Cattaneo, Richter Hans Schürch,   
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

Parteien X._______, geboren am _______,
Afghanistan,  
vertreten durch lic. iur. Patricia Müller, _______
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 23. November 2010 / N _______.

D­8281/2010

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass  der  Beschwerdeführer  Afghanistan  gemäss  eigenen  Angaben 
Anfang September 2010 verliess und über Tadschikistan, Russland, die 
Ukraine und ihm unbekannte Länder am 15. Oktober 2010 in die Schweiz 
gelangte, wo er am gleichen Tag ein Asylgesuch stellte,

dass er dazu am 25. Oktober 2010 summarisch befragt wurde,

dass die Vorinstanz am 1. November 2010 eine Anhörung durchführte,

dass der Beschwerdeführer – ein Paschtune –  im Wesentlichen geltend 
machte, aus _______ zu stammen, 

dass er am 19. März 2009 in _______ nach Brauch geheiratet habe, 

dass  er  in  seinem  Herkunftsort  bei  der  Vereinigung  "Nationaler 
Zusammenhalt" – einer durch ausländische Kräfte geleiteten Organisation 
– mitgewirkt  habe  und  am  28.  September  2009  durch  Taliban­
Widerstandskämpfer in Gewahrsam genommen worden sei, 

dass  diese  ihn  entführt  und  während  längerer  Zeit  in  einem  von  ihnen 
kontrollierten Dorf festgehalten hätten, 

dass sie  ihm Regierungstreue vorgeworfen und versucht hätten,  ihn auf 
ihre Seite zu bringen,

dass  sein  Vater,  welcher  über  die  Entführung  seines  Sohnes  informiert 
worden sei, sich vorerst erfolglos um die Freilassung bemüht habe, 

dass  ihn  die  Entführer  wegen  seines  Gesundheitszustandes  im  August 
2010 zu einer Apotheke gebracht und dem Apotheker gesagt hätten, sie 
würden ihn nach seiner Genesung wieder abholen, 

dass es ihm jedoch gelungen sei, Verwandte zu kontaktieren, welche ihm 
bei der Flucht geholfen hätten, 

dass ihn sein Vater zurück nach _______ gebracht habe, von wo aus er 
nach  einem  Spitalaufenthalt  verbunden  mit  Kontakten  zu  den 
Sicherheitskräften schliesslich ausgereist sei, 

dass er keine Identitätsdokumente zu den Akten gab,

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dass  das  BFM  auf  das  Asylgesuch  mit  Verfügung  vom  23.  November 
2010 – eröffnet am selben Tag – gestützt auf Art.  32 Abs. 2 Bst. a des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht eintrat und die 
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete,

dass das Bundesamt zur Begründung seines Entscheids im Wesentlichen 
anführte,  aufgrund  seiner  substanzlosen  Aussagen  zu  Reise­  und 
Identitätsdokumenten beziehungsweise  realitätsfremder Angaben müsse 
davon ausgegangen werden, der Beschwerdeführer habe seine  Identität 
nicht offengelegt, obwohl er dazu in der Lage gewesen wäre,

dass  entsprechend  keine  entschuldbaren Gründe  für  die Papierlosigkeit 
vorlägen,

dass das BFM weiter  festhielt,  in Anbetracht  seiner Darlegungen erfülle 
der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  und  7 
AsylG  nicht,  wobei  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses 
aufgrund der Aktenlage nicht erforderlich seien,

dass  er  der  geltend  gemachten  Verfolgungssituation  in  der  Provinz 
_______  durch  Verlegung  des  Wohnsitzes  zu  seiner  Ehefrau  nach 
_______ in der sicheren Provinz _______ zu entgehen vermöge, 

dass  er  in  Anbetracht  dieser  innerstaatlichen  Fluchtalternative  nicht  auf 
den Schutz der Schweiz angewiesen sei, 

dass  die  angeblichen  Ereignisse  aufgrund  substanzarmer, 
realitätsfremder  und  –  so  im  Vergleich  zu  Aussagen  seines  Bruders 
(_______)  anlässlich  dessen  Anhörung  –  widersprüchlicher 
Schilderungen überdies unglaubhaft wirkten, 

dass der Vollzug der Wegweisung aufgrund der Aktenlage als  zulässig, 
zumutbar und möglich erscheine,

dass der Beschwerdeführer zwar aus der Provinz _______ stamme, wo 
die Sicherheitslage angespannt sei, 

dass  ihm  jedoch  unbenommen  sei,  sich  zu  seiner  Ehefrau  und  deren 
Familie in die sichere Provinz _______ zu begeben, 

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dass  er  über  eine  Berufsausbildung  verfüge  und  aus  einer  finanziell 
abgesicherten  Familie  stamme,  welche  ihn  am  neuen  Wohnort 
unterstützen könne, 

dass  der  Beschwerdeführer  diese  Verfügung  mit  Eingabe  seiner 
(vormaligen)  Rechtsvertretung  vom  30.  November  2010  beim 
Bundesverwaltungsgericht anfocht,

dass er die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids, die Rückweisung 
der  Sache  an  das  BFM  zwecks  Eintretens  auf  sein  Asylgesuch, 
eventualiter  die  Feststellung  der  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  verbunden  mit  der  vorläufigen  Aufnahme  in  der 
Schweiz  sowie  in  prozessualer  Hinsicht  den  Verzicht  auf  die  Erhebung 
eines  Kostenvorschusses  beziehungsweise  die  unentgeltliche 
Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 
20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) beantragte,

dass  er  zur  Begründung  anführte,  seine  Argumente  für  die  bisherige 
Nichteinreichung  von  Identitätsbelegen  seien  entgegen  der 
vorinstanzlichen Sichtweise nachvollziehbar, 

dass mithin entschuldbare Gründe für seine Papierlosigkeit bestünden,

dass  das  BFM  im  Weiteren  zu  Unrecht  von  einer  zumutbaren 
innerstaatlichen Fluchtalternative in der Provinz _______ ausgehe, zumal 
das  UNHCR  und  die  SFH  die  dortige  Lage  als  ebenfalls  angespannt 
einschätzten, 

dass  der  vorliegende   Nichteintretensentscheid  demnach  zu  Unrecht 
erfolgt sei,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  2. 
Dezember  2010 die  aufschiebende Wirkung der Beschwerde  feststellte, 
das  Gesuch  im  Sinne  von  Art. 65  Abs.  1  VwVG  guthiess,  auf  die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtete  und  einen 
Schriftenwechsel veranlasste, 

dass das Bundesamt mit Vernehmlassung vom 9. Dezember 2010 ohne 
zusätzliche Erwägungen die Abweisung der Beschwerde beantragte,

dass  die  vorinstanzliche  Stellungnahme  dem  Beschwerdeführer  am      
10. Dezember 2010 zur Kenntnis gebracht wurde,

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dass der Beschwerdeführer am 13. Dezember 2010 einen Identitätsbeleg 
(Taskira)  und  Beweismittel  im  Zusammenhang  mit  seinen  Vorbringen 
nachreichte (vgl. die Auflistung auf S. 1 der Akte 6), 

dass er mit Eingabe seiner neu bestellten Rechtsvertretung vom 10. Juni 
2011 weitere  Beweismittel  einreichte  (vgl.  die  Auflistung  auf  S.  1  f.  der 
Akte A 7) und gesundheitliche Probleme geltend machte,

dass auf die besagten Beweismittel und weitere Beschwerdevorbringen – 
soweit  entscheidwesentlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen 
einzugehen ist, 

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art.  5 VwVG)  des  BFM 
entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG,  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  das  BFM  den  angefochtenen  Nichteintretensentscheid  auf  der 
Grundlage von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG getroffen hat,

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide  die 
Beurteilungszuständigkeit  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die 
Überprüfung der Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das 
Asylgesuch nicht eingetreten ist,

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dass  bei  Begründetheit  der  Beschwerde  die  angefochtene  Verfügung 
aufzuheben  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurückzuweisen  ist  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK] 2000 Nr. 34 E. 2.1 S. 
240 f.),

dass  gemäss  der  Bestimmung  von Art.  32 Abs.  2 Bst.  a  AsylG  auf  ein 
Asylgesuch  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  den  Behörden 
nicht  innerhalb  von  48  Stunden  nach  Einreichung  des  Gesuchs  Reise­ 
oder Identitätspapiere abgeben,

dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn 
Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  sie  seien  dazu  aus 
entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage (Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG), 
oder wenn auf Grund der Anhörung sowie gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG 
die Flüchtlingseigenschaft  festgestellt wird  (Art.  32 Abs. 3 Bst.  b AsylG) 
oder wenn sich auf Grund der Anhörung die Notwendigkeit  zusätzlicher 
Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses ergibt (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG),

dass  mithin  auch  die  Flüchtlingseigenschaft  Prozessgegenstand  des 
Beschwerdeverfahrens  bildet,  wobei  im  Rahmen  der  summarischen 
Prüfung das offenkundige Fehlen der Flüchtlingseigenschaft, sei es, weil 
die  Vorbringen  offensichtlich  unglaubhaft  sind,  oder  sei  es,  weil  sie 
offensichtlich  keine  flüchtlingsrechtliche  Relevanz  nach  Art.  3  AsylG 
aufweisen,  und  das  offenkundige  Fehlen  von 
Wegweisungsvollzugshindernissen zu beurteilen sind (vgl. BVGE 2007/8 
E. 2.1),

dass gemäss BVGE 2007/8  im Fall des Vorliegens von Umständen, die 
auf Grund einer summarischen materiellen Prüfung keine abschliessende 
Beurteilung erlauben, auf das Asylgesuch gestützt auf Art. 32 Abs. 3 Bst. 
c  AsylG  zwecks  weiterer,  im  ordentlichen  Verfahren  vorzunehmender 
Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  von 
Wegweisungsvollzugshindernissen einzutreten ist,

dass bei der beabsichtigten Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG 
mithin  ausgeschlossen  bleibt,  einen  Nichteintretensentscheid  zu  fällen, 
wenn das Fehlen der Flüchtlingseigenschaft oder der Vollzugshindernisse 
nicht  offenkundig  ist,  beziehungsweise  wenn  zusätzliche  Abklärungen 
jeglicher  Art  nötig  erscheinen  oder  der  Entscheid  einer  einlässlichen 

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Begründung  bedarf  (was  sich  auch  aus  dem Umkehrschluss  zu Art.  40 
AsylG und in Anlehnung an Art. 41 AsylG ergibt),

dass  der  Gesetzgeber  mit  dieser  Regelung  insbesondere  mit  Blick  auf 
das  verkürzte  Verfahren  die  Gefahr  der  vorschnellen  falschen 
Einschätzung  einer  Situation  sowohl  in  rechtlicher  oder  in  sachlicher 
Hinsicht vermeiden wollte,

dass  die  Vorinstanz  in  ihrem  Entscheid  festhielt,  es  lägen  keine 
entschuldbaren Gründe vor, die es dem Beschwerdeführer verunmöglicht 
hätten,  Reise­  oder  Identitätspapiere  einzureichen,  und  zum  Schluss 
gelangte, er erfülle die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 und 7 AsylG 
nicht,  und  es  seien  auf  Grund  der  Aktenlage  keine  zusätzlichen 
Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines 
Wegweisungsvollzugshindernisses erforderlich,

dass  entsprechend  die  Voraussetzungen  für  ein  Nichteintreten  gemäss 
Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG erfüllt seien,

dass diese Sichtweise vom Bundesverwaltungsgericht nicht geteilt wird, 

dass die Behörde im Rahmen der Untersuchungsmaxime verpflichtet  ist, 
von  Amtes  wegen  für  die  richtige  und  vollständige  Abklärung  des 
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 12 VwVG),

dass die verfügende Behörde im Rahmen des rechtlichen Gehörs (Art. 29 
Abs. 2 BV, Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG)  ferner gehalten  ist, die 
Vorbringen  der  betroffenen  Person  tatsächlich  zu  hören,  sorgfältig  und 
ernsthaft zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen, was 
sich  entsprechend  in  der  Entscheidbegründung  niederschlagen  muss 
(vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG),

dass sich die Begründungsdichte nach dem Verfügungsgegenstand, den 
Verfahrensumständen und den Interessen der betroffenen Person richtet, 
wobei  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  bei  schwerwiegenden 
Eingriffen  in die rechtlich geschützten Interessen der betroffenen Person 
eine sorgfältige Begründung verlangt,

dass  die  Vorinstanz  im  angefochtenen  Entscheid  als  erstes  Argument 
eine innerstaatliche Fluchtalternative des Beschwerdeführers hervorhebt, 

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dass  an  die  Effektivität  des  am  innerstaatlichen  Zufluchtsort  durch  den 
Heimatstaat  gewährten  Schutz  allerdings  –  unter  Berücksichtigung  des 
Umstandes,  dass  der  betroffenen  Person  in  einem  Teil  des 
Heimatstaates  bereits  verfolgt  worden  ist  –  hohe  Anforderungen  zu 
stellen sind (vgl. dazu bereits EMARK 1996 Nr. 1),

dass  sich  in  Anbetracht  der  komplexen  Situation  in  Afghanistan 
vorliegend  die  Frage  stellt,  ob  eine  solche  Auseinandersetzung  im 
Rahmen  der  Begründungsdichte  eines  Nichteintretensentscheides 
sinnvollerweise überhaupt erfolgen kann, 

dass  sich  das  BFM  im  angefochtenen  Entscheid  im  Eintretenspunkt 
darauf  beschränkt,  dem  Beschwerdeführer  eine  innerstaatliche 
Fluchtalternative  in _______ bei seiner Ehefrau "in der sicheren Provinz 
_______" entgegenzuhalten, 

dass diese Kurzerwägung offensichtlich nicht zu überzeugen vermag, 

dass  die  ARK  in  ihrer  Rechtsprechung  zu  Vollzugsfragen  betreffend 
Afghanistan  die  Situation  in  besagter  Provinz  zwar  –  wenn  auch  unter 
Beachtung  strenger  Anforderungen  –  im  damaligen  Zeitpunkt  noch  für 
grundsätzlich zumutbar erachtete (vgl. EMARK 2003 Nr. 10 und 2006 Nr. 
9), 

dass sich diese Feststellungen aber auf die Vollzugsfrage beschränkten 
und  die  Frage  der  effektiven  Schutzgewährung  im  Rahmen  einer 
innerstaatlichen Fluchtalternative nicht tangierten,

dass das BFM entsprechend bereits  in Würdigung der damaligen Praxis 
der  Beschwerdeinstanz  gehalten  gewesen  wäre,  entsprechende 
Erwägungen  zur  Sicherheit  von  Personen,  welche  wie  der 
Beschwerdeführer  eine  Taliban­Verfolgung  im  Herkunftsgebiet  geltend 
machen, in der vorgehaltenen Zufluchtsprovinz (_______) zu machen, 

dass  solche  in  Anbetracht  der  blossen  Behauptung  der  dortigen 
Sicherheit  indes  fehlen,  was  als  Verletzung  der  Begründungspflicht  zu 
werten  ist  (zur  innerstaatlichen  Fluchtalternative  vgl.  im  Übrigen  u.a. 
BVGE 150/2010 vom 24. Juni 2011 E. 4.1), 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  sodann  im  zur  Publikation 
vorgesehenen Urteil BVGE E­7625/2008 vom 16. Juni 2011 ein äusserst 
düsteres Bild  der  aktuellen Sicherheitslage  in Afghanistan  skizziert,  und 

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zwar über alle Regionen hinweg, und betreffend Vollzug der Wegweisung 
insbesondere  eine  solche  nach  Kabul  unter  praxisgemäss  strengen 
Voraussetzungen in Erwägung zieht, 

dass  im  erwähnten  Urteil  eine  abschliessende  Auseinandersetzung  mit 
der  Sicherheitslage  in  den  beiden  anderen  Grossstädten  Herat  und 
Mazar­e­Sharif unterbleibt, 

dass in Anbetracht der vom Gericht festgehaltenen Verschlimmerung der 
Lage  in  Afghanistan  die  vom  BFM  ohne  rechtsgenügliche  Begründung 
erwogene  innerstaatliche  Fluchtalternative  in  _______  aktuell 
entsprechend umso weniger zu überzeugen vermag, 

dass  das  BFM  in  weiteren  –  wenn  auch  zum  Teil  eher  spekulativen – 
Erwägungen  zwar  auch  die  Glaubhaftigkeit  der  Entführung  des 
Beschwerdeführers durch die Taliban verneinte, 

dass  in  den  Akten  möglicherweise  Anhaltspunkte  für  die  fehlende 
Glaubhaftigkeit der Verfolgung bestehen, sich das offensichtliche Fehlen 
der  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  damit  aber  schon 
insofern  kaum  schlüssig  begründen  lässt,  als  das BFM  an  erster  Stelle 
die fehlende Asylrelevanz hervorhob, 

dass sich  in den entsprechenden Schilderungen des Beschwerdeführers 
überdies  Realkennzeichen  und  Übereinstimmungen  zu  Darlegungen 
seines  Bruders  (_______),  welcher  den  Angriff  der  Taliban  miterlebt 
haben soll, finden, 

dass  die  Vorinstanz  im  Entscheid  betreffend  den  Bruder  des 
Beschwerdeführers  keine  Unglaubhaftigkeitselemente  feststellte,  ihm 
eine  innerstaatliche  Aufenthaltsalternative  vorhielt  und  gleichzeitig  die 
vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Vollzugs anordnete, 

dass  nach  dem Gesagten  im  Rahmen  einer  summarischen  materiellen 
Prüfung  zum  einen  nicht  vom  offenkundigen  Fehlen  der 
Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  auszugehen  war 
respektive  ist  und  dieses  –  in  der  Sichtweise  des  BFM  –  Fehlen  nicht 
rechtsgenüglich begründet wurde, 

dass  sich  auch  bezüglich  der  Zulässigkeit  und  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  eine  einlässliche  Auseinandersetzung  mit  der 
aktuellen Lage aufdrängt (vgl. BVGE 7625/2008),

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dass  nochmals  auf  obenstehende  Erwägung,  wonach  das  BFM  keine 
Nichteintretensverfügung  zu  erlassen  hat,  wenn  der  Entscheid  einer 
einlässlichen Begründung bedarf, hinzuweisen ist, 

dass bei dieser Sachlage die Frage, ob für die verspätete Einreichung der 
Taskara  als  Identitätsdokument  des  Beschwerdeführers  wirklich  keine 
entschuldbaren Gründe bestanden, offengelassen werden kann, 

dass  die  angefochtene  Verfügung  gemäss  vorstehenden  Ausführungen 
mit schwerwiegenden Mängeln behaftet ist, 

dass der gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG gefällte Entscheid den 
gesetzlichen Anforderungen nach dem Gesagten nicht entspricht,

dass es das BFM unterlassen hat, in der Vernehmlassung weitergehende 
Erwägungen zu machen,

dass  auch  in  Anbetracht  der  nachgereichten  Beweismittel  des 
Beschwerdeführers  ein  reformatorischer  Entscheid  durch  das 
Bundesverwaltungsgericht nicht als angezeigt erscheint,

dass das Verfahren entsprechend an die Vorinstanz zurückzuweisen  ist, 
damit  diese  –  sofern  erforderlich  –  weitere  Abklärungen  vornimmt  und 
diese  in  einem  neuen,  beschwerdefähigen  und  rechtsgenüglich 
begründeten Entscheid berücksichtigt,

dass  die  Beschwerde  somit  gutzuheissen,  die  angefochtene  Verfügung 
des  BFM  vom  23.  November  2010  aufzuheben  und  die  Sache  zur 
Neubeurteilung  im  Sinne  der  Erwägungen  an  die  Vorinstanz 
zurückzuweisen ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Kosten  aufzuerlegen 
sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG),

dass obsiegende Parteien Anspruch auf eine Parteientschädigung für die 
ihnen  erwachsenen  notwendigen  Kosten  haben  (Art.  7  Abs.  1  des 
Reglements vom 11. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),

dass  weder  die  vormalige  noch  die  aktuelle  Rechtsvertretung  eine 
Kostennote eingereicht haben, weshalb die Kosten von Amtes wegen auf 

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insgesamt  Fr.  900.­­  festzusetzten  sind  (vgl.  Art.  8  ff.  und  14  Abs.  2 
VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen, 

2. 
Die Verfügung des BFM vom 23. November 2010 wird aufgehoben. Die 
Akten werden zur Neubeurteilung dem BFM überwiesen.

3.  
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Die  Parteientschädigung  wird  auf  Fr.  900.­­  festgesetzt.  Das  BFM  wird 
angewiesen, diesen Betrag dem Beschwerdeführer zu entrichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

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