# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d55102f9-3577-5996-b919-7d36f49eb93e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-08-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.08.2014 D-3576/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3576-2014_2014-08-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-3576/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  A u g u s t  2 0 1 4  

Besetzung 

 
Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richter Markus König, Richter Robert Galliker,    

Gerichtsschreiberin Eva Hostettler. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

B._______, geboren (…), 

C._______, geboren (…), 

Eritrea,   

alle handelnd durch (…),  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung (Asyl);  

Verfügung des BFM vom 26. Mai 2014 / N (…). 

 

 

D-3576/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Vater der Beschwerdeführenden (nachfolgend H.) reiste gemäss 

eigenen Angaben am 16. November 2007 aus seinem Heimatstaat aus, 

verbrachte einige Monate im Sudan und einige Jahre in Libyen, bevor er 

am 27. April 2011 in die Schweiz einreiste, wo er gleichentags um Asyl 

ersuchte. Mit Verfügung vom (...) anerkannte das BFM H. als Flüchtling 

und gewährte ihm in der Schweiz Asyl. 

B.  

Mit Eingabe vom 13. November 2012 ersuchte H. für seine Ehefrau und 

seine drei Kinder gestützt auf Art. 51 Abs. 4 AsylG (SR 142.31) um 

Bewilligung der Einreise in die Schweiz, um Feststellung ihrer originären 

Flüchtlingseigenschaft respektive um Einbezug in seine Flüchtlingseigen-

schaft gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG.  

Zur Stützung der Vorbringen wurden eine Heiratsbestätigung sowie 

Geburtsurkunden der Beschwerdeführenden – alles jeweils in Kopie – zu 

den Akten gereicht. 

C.  

Mit Schreiben des BFM vom 29. Januar 2013 wurde H. aufgefordert, 

innert Frist die Originaldokumente betreffend Heirat und Geburt 

einzureichen. Zudem wurde ihm Gelegenheit eingeräumt, Stellung zu 

nehmen, warum auf der beigebrachten Heiratsurkunde die Unterschrift 

des "Church Administrator" fehle, wobei dieses offizielle kirchliche 

Dokument auch nicht mit der Aussage in Einklang gebracht werden 

könne, wonach er lediglich nach Brauch verheiratet sei. Im Weiteren habe 

er im Rahmen seines eigenen Asylverfahrens ausgesagt, den Heimat-

staat am 16. Juli 2007 verlassen zu haben, weshalb die Aussage, er habe 

zwischen 2000 und 2008 mit seiner Familie gelebt, ebenfalls nicht 

geglaubt werden könne. Schliesslich falle auf, dass seine Flucht aus 

Eritrea bereits fünf Jahre zurückliege, weshalb um Erklärung ersucht 

werde, warum er nicht bereits während seines Aufenthalts in Libyen oder 

zumindest kurz nach der Asylgewährung am (...) um Familienvereinigung 

ersucht habe.  

D.  

Mit Eingabe vom 27. März 2013 an das BFM nahm H. Stellung und führte 

aus, er könne keine Originaldokumente beschaffen, da er in seinem 

Heimatstaat gesucht werde. Er lege dem Schreiben die Originale der 

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Kopien, die er erhalten habe, bei. Seine Ehefrau sei mit den Kindern seit 

dem 22. September 2012 in Äthiopien. Er habe seine Familie von Beginn 

seines Asylverfahrens in der Schweiz erwähnt. In Eritrea gebe es keine 

zivilrechtliche Trauung und, dass das Dokument nicht unterzeichnet sei, 

sei ihm nicht aufgefallen. Beim zeitlichen Ablauf habe sich ein 

Übersetzungsfehler eingeschlichen, er habe im Oktober 2000 geheiratet, 

seine Familie jeweils für einen Monat pro Jahr im Militärdiensturlaub 

besuchen dürfen und sei im Oktober 2006 verhaftet worden. Schliesslich 

sei er in Libyen und im Sudan wie ein Tier behandelt worden und habe 

keine gesicherte Existenz gehabt, weshalb es ihm nicht möglich gewesen 

sei, seine Familie vorher nachzuziehen. 

E.  

Mit Eingabe vom 4. Juni 2013 ersuchten die Beschwerdeführenden um 

prioritäre Behandlung des Gesuchs, da sich der Gesundheitszustand 

eines der Kinder in Äthiopien verschlechtert habe. Der Eingabe waren ein 

nicht übersetztes Schreiben der "Administration for Refugee-Returnee 

Affairs" vom 1. Juni 2005 sowie die drei Geburtsurkunden beigelegt. 

F.  

Mit Eingabe vom 24. Oktober 2013 wurde mitgeteilt, dass die Mutter der 

Beschwerdeführenden und Ehefrau von H. bei einem Unfall in Äthiopien 

anfangs Oktober 2013 ums Leben gekommen sei.  

G.  

Mit Eingabe vom 13. Mai 2014 führte H. aus, die Beschwerdeführenden 

seien nach dem Tod ihrer Mutter nach Eritrea zu ihrer älteren Schwester 

zurückgekehrt, wo sie nunmehr bei ihren Grosseltern wohnten. Der 

Eingabe waren Bestätigungen zum Tod der Ehefrau, welche als Todestag 

den (…). Januar 2006 respektive den (…). Oktober 2013 ausweisen, 

beigelegt.  

H.  

Mit Verfügungen vom 26. Mai 2014 verweigerte das BFM den Beschwer-

deführenden die Einreise in die Schweiz und lehnte ihre Asylgesuche ab.  

I.  

Mit Eingabe vom 26. Juni 2014 erhoben die Beschwerdeführenden gegen 

diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und 

beantragten, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, das Gesuch 

um Familienzusammenführung gutzuheissen und ihnen sei die Einreise in 

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die Schweiz zu bewilligen; eventualiter seien sie als Flüchtlinge anzuer-

kennen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der 

unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG und um 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht.  

Zur Stützung der Vorbringen wurde eine Fürsorgebestätigung, ein 

Schreiben des BFM vom 29. Januar 2013 sowie drei allesamt bereits im 

vorinstanzlichen Verfahren eingereichte Schreiben vom 27. März 2013, 

24. Oktober 2013 und 13. Mai 2014 zu den Akten gereicht.  

J.  

Mit Verfügung vom 2. Juli 2014 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch 

um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut 

und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der Vorin-

stanz wurde Gelegenheit eingeräumt, innert Frist eine Vernehmlassung 

einzureichen.  

K.  

In seiner Vernehmlassung vom 4. Juli 2014 beantragte das BFM die 

Abweisung der Beschwerde.  

L.  

Am 10. Juli 2014 wurde den Beschwerdeführenden die Vernehmlassung 

zur Kenntnisnahme zu gestellt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden 

nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-

gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von 

Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend 

– endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichts- 

gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 

BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und  

Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 

Auf die Beschwerde ist – unter Vorbehalt der Erwägung 3.3 – einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und 

deren minderjährige Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, 

sofern keine besonderen Umstände dagegen sprechen. Besondere 

Umstände sind beispielsweise anzunehmen, wenn das Familienmitglied 

Bürger eines anderen Staates als der Flüchtling und die Familie in 

diesem Staat nicht gefährdet ist, wenn der Flüchtling seinen Status 

derivativ erworben hat, oder wenn das Familienleben während längerer 

Zeit nicht gelebt wurde und erkennbar ist, dass die Familienmitglieder 

nicht den Willen haben, als Familie zusammenzuleben. In jedem Fall 

bedingt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft, dass die 

anspruchsberechtigte Person ihren Heimat- oder Herkunftsstaat verlas-

sen hat; im Hinblick hierauf haben Personen, welche nach Art. 51 Abs. 1 

AsylG als Flüchtlinge anzuerkennen sind, aus Art. 51 Abs. 4 AsylG einen 

Anspruch auf Erteilung einer Einreisebewilligung, sofern sie sich im 

Ausland aufhalten und durch die Flucht vom anerkannten Flüchtling 

getrennt wurden (vgl. dazu Entscheidungen und Mitteilungen der 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 7 E. 5.4. und 

6.1.). Massgeblicher Zeitpunkt für die Beurteilung ist derjenige des Asyl- 

beziehungsweise Beschwerdeentscheides. 

3.2 Der Prüfung eines derivativen Anspruchs auf Anerkennung als 

Flüchtling im Sinne von Art. 51 AsylG geht die Prüfung der originären 

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Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG vor (Art. 37 der Asylverord-

nung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Ein Gesuch um 

Einbezug eines sich bereits in der Schweiz befindlichen nahen 

Angehörigen in das Familienasyl eines in der Schweiz asylberechtigten 

Flüchtlings gestützt auf Art. 51 Abs. 2 AsylG kann mithin nach Treu und 

Glauben auch als Asylgesuch im Sinne von Art. 18 AsylG zu verstehen 

sein (BVGE 2007/19 E. 3.3).  

3.3 Mit der dringlichen Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 

2012, welche am 29. September 2012 in Kraft trat und für ab diesem 

Datum eingereichte Auslandsgesuche Geltung hat, ist aArt. 20 AsylG 

aufgehoben worden (AS 2012 5359), mithin das vorliegende Gesuch um 

Familienzusammenführung – wie von der Vorinstanz zu Recht ausgeführt 

– nicht auch als Asylgesuch aus dem Ausland zu verstehen gewesen ist, 

weshalb auf den entsprechenden Antrag, es sei die originäre Flüchtlings-

eigenschaft der Beschwerdeführenden festzustellen, nicht einzutreten ist.  

4.  

4.1 Das BFM führte zur Begründung seines negativen Entscheides im 

Wesentlichen aus, Zweck von Art. 51 Abs. 1 i.V.m. Abs. 4 AsylG sei allein 

die Wiedervereinigung vorbestanderer Familiengemeinschaften, sofern 

die Gemeinschaft aufgrund der Fluchtumstände und somit unfreiwillig 

getrennt wurde. Das Gesuch um Familienzusammenführung sei erst ein 

Jahr nachdem H. in der Schweiz Asyl gewährt worden sei, eingereicht 

worden. Zudem sei er, bereits vor der Gesuchseinreichung eine 

Beziehung mit einer anderen Frau in der Schweiz eingegangen, wobei 

am (…) deren gemeinsames Kind zur Welt gekommen sei. Demnach sei 

davon auszugehen, dass die Beziehung mit der Mutter der 

Beschwerdeführenden bereits vor deren Versterben am (…). Oktober 

2013 keinen Bestand mehr gehabt habe. Schliesslich habe H. die 

Beziehung zu den Beschwerdeführenden ebensowenig aufrechterhalten, 

zumal ihr Schicksal untrennbar mit jenem der Mutter verbunden gewesen 

sei. Die Beschwerdeführenden hätten den überwiegenden Teil ihres 

Lebens bei den Grosseltern verbracht. Hinzu komme, dass er die älteren 

Kinder letztmals im Kleinkindalter und das jüngste Kind noch nie gesehen 

habe. Eine Gutheissung des Gesuchs würde zu einer Entwurzelung der 

Kinder führen und es sei auch völlig unklar, wie die neue Partnerin einer 

allfälligen Familienvereinigung gegenüberstünde.  

Zusammenfassend stelle der Umstand, dass sich H. in den Jahren nach 

seiner Ausreise nicht um die Wiederherstellung der Familiengemeinschaft 

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gekümmert habe, sondern vielmehr eine neue eingegangen sei, einen 

besonderen Umstand im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG dar. Zudem 

erscheine es nicht im Wohl der Beschwerdeführenden zu sein, sie aus 

ihrem gewohnten Umfeld zu reissen.  

4.2 In der Beschwerde wurde im Wesentlichen geltend gemacht, er, H., 

habe das Gesuch nicht eher stellen können, da zunächst die Flucht der 

Beschwerdeführenden aus Eritrea habe vorbereitet werden müssen. Es 

sei zwar richtig, dass er mit einer anderen Frau in der Schweiz ein Kind 

habe, welches er auch anerkannt habe. Er nehme dabei jedoch nur seine 

Verantwortung als Vater wahr und habe nicht die Absicht, mit ihr eine 

neue Familiengemeinschaft zu gründen. Auch habe er bereits in einer 

früheren Stellungnahme erwähnt, dass er seine Frau im Oktober 2000 

während eines Militärurlaubs geheiratet habe und es ihm jeweils nur 

einmal pro Jahr möglich gewesen sei, nach Hause zu gehen, was ihm 

nicht zum Nachteil gereichen dürfe. Die Betreuung der Kinder liege nun 

vollumfänglich in seiner Verantwortung; seine Schwiegereltern seien alt 

und könnten diese nicht mehr lange übernehmen. Als minderjährige 

Kinder seien die Beschwerdeführenden in ihrem Heimatstaat besonders 

gefährdet, weshalb es, auch im Sinne des Übereinkommens vom 

20. November 1989 über die Rechte des Kindes (SR 0.107), angezeigt 

sei, ihnen die Einreise in die Schweiz zu bewilligen.  

5.  

5.1 Nach Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – unter dem Titel Familienasyl – 

namentlich die Ehegatten und die minderjährigen Kinder von Flüchtlingen 

ihrerseits als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl in der Schweiz, 

wenn keine besonderen Umstände dagegen sprechen. Diese Bestim-

mung zielt auf die Mitglieder der Kernfamilie ab, welche mit einem Flücht-

ling in die Schweiz eingereist sind, ihrerseits aber keine eigenen Asyl-

gründe (im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG) geltend machen können, son-

dern sich auf der Basis ihrer Familienbande ebenfalls auf die Gesuchs-

gründe des Flüchtlings – hier von H. – abstützen. Zentrale Bedingung für 

den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ist dabei, dass bereits vor der 

Flucht eine Familiengemeinschaft bestanden hat (vgl. dazu die Botschaft 

zur Totalrevision des Asylgesetzes sowie zur Änderung des Bundes-

gesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer vom 

4. Dezember 1995, BBl 1996 II 68):  

"Der Leitgedanke des Familienasyls besteht darin, den Rechtsstatus der 

zum Zeitpunkt der Flucht bestehenden Kernfamilie eines Flüchtlings 

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einheitlich zu regeln, sofern sie dieselbe Nationalität wie der Flüchtling 

besitzt. Diese einheitliche Regelung rechtfertigt sich, da davon ausgegan-

gen wird, dass die engsten Familienangehörigen unter der Verfolgung 

des Ehegatten beziehungsweise der Ehegattin respektive eines Eltern-

teils im Heimatstaat mitgelitten haben oder selbst der Gefahr der Verfol-

gung ausgesetzt waren. Dabei ist es unerheblich, ob einzelne Familien-

mitglieder tatsächlich verfolgt wurden. Eine conditio sine qua non der 

Konzeption des Familienasyls ist daher die Tatsache, dass zum Zeitpunkt 

der Flucht eine Familiengemeinschaft bestanden haben muss." 

5.2 Ebenfalls unter dem Titel Familienasyl bestimmt Art. 51 Abs. 4 AsylG, 

dass jenen Personen, welche aufgrund ihrer persönlichen Beziehung (im 

Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG) einen Anspruch auf Einbezug in die 

Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl haben, auf Gesuch 

hin die Einreise in die Schweiz zu bewilligen ist, wenn sie sich noch im 

Ausland befinden und sie durch die Flucht getrennt wurden.  

Diese Bestimmung zielt auf Mitglieder der Kernfamilie ab, welche auf-

grund der Umstände der Flucht von der in der Schweiz als Flüchtling 

anerkannten Person getrennt wurden. Darunter fallen namentlich die 

Ehegatten und die noch minderjährigen Kinder von Flüchtlingen, welche 

sich noch im Heimatstaat befinden oder erst einen Drittstaat erreicht ha-

ben. Diesen ist – im Sinne des Familiennachzuges – die Einreise in die 

Schweiz zu bewilligen, jedoch ebenfalls nur dann, wenn eine Trennung 

durch die Fluchtumstände stattgefunden hat. Auch in diesem Fall ist dem-

nach eine conditio sine qua non die Tatsache, dass zum Zeitpunkt der 

Flucht eine Familiengemeinschaft bestanden haben muss. Zweck der Be-

stimmung von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist somit alleine die Wiedervereinigung 

von vorbestandenen Familiengemeinschaften. 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Durchsicht der Akten 

zum Schluss, dass es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, 

glaubhaft darzutun, sie hätten vor der Flucht von H. mit diesem in einer 

Familiengemeinschaft gelebt. 

6.2 Diesbezüglich von Bedeutung – und wie von der Vorinstanz 

überzeugend ausgeführt – ist zunächst, dass H. nachdem er in der 

Schweiz am (...) als Flüchtling anerkannt und ihm Asyl gewährt wurde, 

mehr als ein Jahr zuwartete, bis er am 13. November 2012 ein Gesuch 

um Familienzusammenführung einreichte. In ihrer Stellungnahme vom 

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27. März 2013 führten die Beschwerdeführenden dies betreffend aus, in 

Libyen sei H. wie ein Tier behandelt worden. Schliesslich hätten sie erst 

ihre Flucht aus Eritrea organisieren müssen, was Zeit in Anspruch 

genommen habe, weshalb eine frühere Gesuchseinreichung nicht 

möglich gewesen sei. Währenddem es für das Gericht nachvollziehbar 

erscheint, dass H. seine Ehefrau und seine drei Kleinkinder aufgrund 

prekärer Lebensumstände nicht nach Libyen nachzog, vermögen die von 

H. vorgebrachten Ausführungen ansonsten nicht zu überzeugen.  

Einerseits ist nicht nachvollziehbar – und vermag H. dies betreffend auch 

keine überzeugenden Gründe anzuführen –, warum die Planung der 

angeblichen Flucht der Beschwerdeführenden aus Eritrea im Jahr 2012 

dazu geführt haben soll, dass H. sich gegenüber den schweizerischen 

Asylbehörden nicht aktiv um eine Familienvereinigung hätte bemühen 

können. Andererseits bestehen hinsichtlich des Verbleibs der Beschwer-

deführenden respektive der Ausreise derart viele Widersprüche, dass 

diese Vorbringen als unglaubhaft zu qualifizieren sind. Auf den 

eingereichten Dokumenten zum Tod der Mutter und Ehefrau steht 

zunächst, diese sei am (…) Januar 2006 verstorben, um einige Seiten 

weiter den (…) Oktober 2013 als Todestag auszuweisen (act B 10/10 S. 3 

und 8). Ersteres Datum lässt sich weder mit dem Geburtsdatum des 

jüngsten Kindes noch mit der angeblichen Fluchtgeschichte aus Eritrea 

im Jahr 2012 in Einklang bringen. Diesbezüglich gilt es auch anzu-

merken, dass die auf vorinstanzlicher eingereichte Bestätigung der 

"Administration for Refugee-Returnee Affairs" auf den 1. Juni 2005 datiert 

ist (act. B4/5 S. 2), was wiederum nicht mit der zeitlichen Abfolge der 

Geschehnisse zu vereinbaren ist. In Anbetracht dessen, vermag es 

schliesslich auch nicht zu überzeugen, wenn H. in seiner Stellungnahme 

vom 27. März 2013 ausführt, die zeitlichen Diskrepanzen zwischen den 

Vorbringen des Gesuchs und jenen seines eigenen Asylverfahrens seien 

auf Übersetzungsfehler zurückzuführen.  

6.3 Insgesamt erachtet es das Gericht aufgrund der zahlreichen 

Ungereimtheiten als unglaubhaft, dass H. vor seiner Haft im Jahr 2006 

tatsächlich mit den Beschwerdeführenden in einer Familiengemeinschaft 

gelebt hat. Im Übrigen ist auf die zutreffenden vorinstanzlichen 

Erwägungen zu verweisen. Vorliegend scheitert eine Familienzusammen-

führung demnach am Erfordernis des vor der Flucht bestehenden 

gemeinsamen Haushaltes. Das BFM hat demnach die Einreisebe-

willigung und die Familienzusammenführung zu Recht verweigert. 

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Seite 10 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist 

abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Verfügung vom 2. Juli 

2014 wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von 

Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen, weshalb keine Verfahrenskosten zu 

erheben sind. 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das BFM und die 

zuständige kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Eva Hostettler 

 

 

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