# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 816a84c1-0f20-5fa3-876a-881962ab4dc5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-11-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.11.2018 E-3989/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3989-2018_2018-11-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3989/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  N o v e m b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger,  

Richterin Emilia Antonioni Luftensteiner,    

Gerichtsschreiberin Regina Derrer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

beide Syrien,   

beide vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt,  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Flüchtlingseigenschaft und Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 6. Juni 2018 / N (…). 

 

 

 

E-3989/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführenden – syrische Staatsangehörige kurdischer 

Ethnie mit letztem Wohnsitz in C._______ (arabisch: […]), Provinz 

D._______ – verliessen Syrien eigenen Angaben zufolge im Dezember 

2015 und reisten über die Türkei und verschiedene europäische Staaten 

am 28. Dezember 2015 in die Schweiz ein, wo sie gleichentags im Emp-

fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen ein Asylgesuch stellten. 

Ihre Befragung zur Person (BzP) fand am 7. Januar 2016, ihre vertiefte 

Anhörung am 22. Mai 2018 statt. Dabei trugen sie im Wesentlichen Fol-

gendes vor:  

A.b Nach Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien sei der Neffe der Beschwer-

deführerin, E._______, aus der syrischen Armee desertiert und nach 

F._______ gelangt. Die Schwester der Beschwerdeführerin habe diese da-

rum gebeten, E._______ bei sich zu verstecken und ihm anschliessend bei 

der Flucht ins Ausland zu helfen. In der Folge hätten der Beschwerdeführer 

und sein Schwiegersohn E._______ in F._______ abgeholt und nach 

C._______ gebracht, wo er während drei Monaten bei den Beschwerde-

führenden zu Hause untergekommen sei, bevor sie ihn im Kofferraum des 

Fahrzeugs ihrer Tochter respektive ihres Schwiegersohns in den Nordirak 

gebracht hätten. Ungefähr zwei Monate danach habe der Bruder des Be-

schwerdeführers, der bei der Gemeinde als Polizist gearbeitet habe, die-

sen darüber informiert, dass er gehört habe, der Beschwerdeführer habe 

einem Deserteur zur Flucht verholfen. Er habe ihm geraten, C._______ zu 

verlassen, woraufhin die Beschwerdeführenden im zweiten Haus ihrer 

Tochter, das sich in einem Dorf nahe C._______ befinde, untergekommen 

seien. In dieser Zeit seien gemäss Ausführungen der Nachbarn bewaffnete 

Personen bei den Beschwerdeführenden in C._______ zu Hause vorbei-

gekommen, hätten an die Türe geklopft, diese sogar aufgebrochen und 

nach den Beschwerdeführenden gesucht. Zudem sei ebenfalls zu dieser 

Zeit oder bereits davor das Auto der Tochter, das vor deren Haus in 

C._______ parkiert gewesen sei und mit dem die Beschwerdeführenden 

E._______ nach C._______ und anschliessend in den Nordirak gebracht 

hätten, von Unbekannten, wahrscheinlich von der Regierung, in Brand ge-

steckt worden. Nach diesen Vorfällen seien die Beschwerdeführenden der-

art verängstigt gewesen, dass sie aus Syrien geflohen seien. E._______ 

sei bereits zuvor in die Schweiz gelangt und habe bei seiner Anhörung an-

gegeben, dass er sich nach seiner Desertion bei der Beschwerdeführerin 

zu Hause versteckt habe.  

E-3989/2018 

Seite 3 

Des Weiteren hätten der Beschwerdeführer und seine Kinder an Demonst-

rationen teilgenommen, als der arabische Frühling Syrien erreicht habe. 

Zwei der Kinder seien festgenommen worden. Nach ihrer Freilassung hät-

ten sie weiter demonstriert, dann aber plötzlich Angst bekommen, wieder 

inhaftiert zu werden und nicht mehr freizukommen, weshalb sie schliesslich 

aus Syrien geflohen seien. Zudem sei der Beschwerdeführer seit (…) Jah-

ren Mitglied der PKK respektive YPG. Nach Ausbruch des Krieges habe 

die Organisation eine Pflicht zum Wachdienst eingeführt. Der Beschwerde-

führer sei dieser Pflicht bis drei Monate vor der Ausreise aus Syrien wö-

chentlich nachgekommen. Im Zusammenhang mit den Demonstrationsteil-

nahmen und dem Wachdienst sei er wiederholt von Unbekannten telefo-

nisch bedroht worden. Die Beschwerdeführerin sei während des Krieges 

von arabischen Mitbürgern bedroht worden und einmal an einem Check-

point von Soldaten nach dem Verbleib ihrer Kinder gefragt worden.  

A.c Zur Untermauerung ihrer Beschwerde reichten die Beschwerdeführen-

den ihre syrischen Identitätskarten ein.  

B.  

Mit Verfügung vom 6. Juni 2018 – eröffnet am 8. Juni 2018 – verneinte das 

SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte ihre 

Asylgesuche ab und ordnete ihre Wegweisung an, nahm sie jedoch wegen 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in der Schweiz auf. 

Zur Begründung führte das SEM im Wesentlichen aus, das Vorbringen der 

Beschwerdeführenden, sie hätten dem Verwandten und Deserteur 

E._______ zur Flucht verholfen, wovon die syrischen Behörden Kenntnis 

erlangt hätten, sei nicht glaubhaft. Es sei nicht ersichtlich, weshalb beide 

diesen für ihre Ausreise angeblich zentralen Sachverhalt erst in der Anhö-

rung erwähnt hätten. Darauf angesprochen, hätten sie sich widersprochen 

und stets neue Gründe dafür genannt, dass sie sich nicht bereits anlässlich 

der BzP, wo sie ausdrücklich nach ihren Ausreisegründen gefragt worden 

seien, dazu geäussert hätten. Abgesehen von diesem offensichtlichen 

Nachschieben hätten sie sich auch hinsichtlich der zeitlichen Abfolge der 

Ereignisse mit Bezug zu diesem Sachverhalt widersprochen. Der Be-

schwerdeführer habe einerseits angegeben, E._______  während drei Mo-

naten beherbergt zu haben, bevor dieser geflohen sei, und zwei Monate 

später von seinem Bruder gewarnt worden zu sein, woraufhin er und seine 

Ehefrau sich im Dorf versteckt hätten. Auf Nachfrage hin habe er in Unge-

reimtheit dazu vorgetragen, es seien vom ersten Tag der Beherbergung 

von E._______ bis zu ihrer Flucht aus Syrien sechs Monate vergangen. 

E-3989/2018 

Seite 4 

Zudem habe die Beschwerdeführerin geltend gemacht, das Auto ihrer 

Tochter respektive ihres Schwiegersohns sei angezündet worden, bevor 

sie und ihr Ehemann ins Dorf gegangen seien, um sich zu verstecken. Die-

ses Ereignis sei einer der Gründe dafür gewesen, weshalb sie sich ins Dorf 

begeben hätten. Im Widerspruch dazu habe der Beschwerdeführer ange-

geben, sie hätten sich im Zeitpunkt dieses Vorfalls bereits im Dorf befun-

den. Grund dafür, dass sie sich ins Dorf begeben hätten, sei die Warnung 

seines Bruders gewesen. Die Brandstiftung am Auto seiner Tochter res-

pektive seines Schwiegersohns habe schliesslich zu ihrer Ausreise aus Sy-

rien geführt.  

Das Vorbringen des Beschwerdeführers, wegen seinen politischen Aktivi-

täten und der wiederholten Teilnahme an Demonstrationen bei einer Rück-

kehr nach Syrien von Seiten des Staates Nachteile zu befürchten, sei fer-

ner nicht asylrelevant. Aus den Protokollen gingen keinerlei konkrete An-

zeichen dafür hervor, dass er bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat 

wegen dieser Sachverhalte asylrelevanter Verfolgung ausgesetzt wäre.  

C.  

Mit Eingabe vom 9. Juli 2018 (Poststempel) liessen die Beschwerdefüh-

renden gegen diesen Entscheid des SEM beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung sei 

aufzuheben und die Sache zur vollständigen und richtigen Abklärung und 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung 

ans SEM zurückzuweisen, eventualiter sei ihre Flüchtlingseigenschaft fest-

zustellen und ihnen Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht wurde be-

antragt, es sei ihnen vollumfänglich Einsicht in die Akte A1/3, eventualiter 

das rechtliche Gehör dazu zu gewähren, wobei ihnen danach eine ange-

messene Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen 

sei. Zudem sei von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen 

und sie seien von der Bezahlung von Verfahrenskosten zu befreien.  

Zur Untermauerung ihrer Rechtsmitteleingabe reichten die Beschwerde-

führenden eine Fotografie des Beschwerdeführers beim YPG-Wachdienst 

in C._______, eine Fotografie der Beschwerdeführerin mit dem Co-Präsi-

denten der PYD (G._______) sowie eine Kopie der Aufenthaltsbewilligung 

von E._______ ein.  

Auf die Begründung der Beschwerde wird, sofern entscheidrelevant, in den 

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  

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Seite 5 

D.  

Mit Schreiben vom 12. Juli 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht 

den Beschwerdeführenden den Eingang ihrer Rechtsmitteleingabe.  

E.  

In seiner Zwischenverfügung vom 17. Juli 2018 hielt das Bundesverwal-

tungsgericht fest, dass sich die Beschwerdeführenden gestützt auf die vom 

SEM angeordnete vorläufige Aufnahme hierzulande legal aufhalten und 

somit den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten könnten. Fer-

ner stellte das Gericht den Beschwerdeführenden das Aktenstück A1/3 an-

tragsgemäss zur Einsicht zu. Das Begehren, nach gewährter Akteneinsicht 

sei ihnen eine angemessene Frist zur Stellungnahme anzusetzen, wies es 

jedoch ab. Schliesslich verzichtete es auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses und entschied, dass über das Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung zu einem späteren Zeitpunkt zu befinden sei.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist mithin einzutreten. 

E-3989/2018 

Seite 6 

1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Einholung 

einer Vernehmlassung verzichtet. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 In ihrer Rechtsmitteleingabe machen die Beschwerdeführenden unter 

anderem geltend, das SEM habe ihren Anspruch auf rechtliches Gehör so-

wie seine Pflicht zur richtigen und vollständigen Abklärung des Sachver-

halts verletzt, indem es weder die Dossiers ihrer Söhne H._______ (N […]) 

und I._______ (N […]) noch das Dossier des Neffen der Beschwerdefüh-

rerin, E._______ (N […]), beigezogen habe. Diesen drei Angehörigen sei 

allen Asyl gewährt worden, weshalb das SEM hätte abklären müssen, ob 

den Beschwerdeführenden eine Reflexverfolgung durch die syrischen Be-

hörden drohe.  

3.2 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen 

Gehörs fordert, dass die verfügende Behörde die Vorbringen der Betroffe-

nen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfin-

dung berücksichtigt, was sich entsprechend in einer sachgerecht anfecht-

baren Entscheidbegründung niederzuschlagen hat (vgl. BVGE 2015/10, 

E. 3.3, m.w.H.). Dem Bundesverwaltungsgericht obliegt gemäss Art. 49 

Bst. b VwVG (beziehungsweise Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG) eine umfas-

sende Sachverhaltskontrolle (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozes-

sieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.188). Er-

mittelt das Bundesverwaltungsgericht eine fehler- oder lückenhafte Fest-

stellung des Sachverhalts, hebt es die Verfügung auf und weist die Sache 

an die Vorinstanz zurück, damit diese den rechtserheblichen Sachverhalt 

neu und vollständig feststellt (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., 

Rz. 2.191; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-

tungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1155). Der Untersu-

chungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen des Verwal-

tungs- beziehungsweise Asylverfahrens (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). 

Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollstän-

dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das 

Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten 

Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. 

Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher 

und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder wenn die Vor-

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instanz nicht alle entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts 

prüfte, etwa weil sie die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht ver-

neinte. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für 

den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. 

KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043).  

3.3 Die Rüge der Gehörsverletzung und der unvollständigen respektive un-

richtigen Abklärung des Sachverhaltes ist vorliegend insofern gerechtfer-

tigt, als aus den Akten keinerlei Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, dass 

das SEM die Dossiers der beiden Söhne der Beschwerdeführenden und 

insbesondere das Dossier von E._______ beim Entscheid über das Asyl-

gesuch der Beschwerdeführenden berücksichtigt hätte. Dies obwohl tat-

sächlich allen drei Angehörigen in der Schweiz Asyl gewährt wurde und die 

Beschwerdeführenden in ihren Anhörungen wiederholt erwähnten, dass 

E._______ ebenfalls in der Schweiz sei und anlässlich seines Asylgesuchs 

erzählt habe, dass er sich nach der Desertion bei den Beschwerdeführen-

den zu Hause versteckt habe (vgl. A18/16, F49, F88 und F127; A19/13, 

F46 und F74). Folglich fand im vorinstanzlichen Verfahren auch keinerlei 

Auseinandersetzung damit statt, inwiefern die Aussagen der Beschwerde-

führenden aufgrund der Angaben von E._______ allenfalls doch glaubhaft 

sein könnten und falls dies zu bejahen wäre, ob sie asylrelevant wären. 

Auch der Frage einer möglichen Reflexverfolgung der Beschwerdeführen-

den gestützt auf die Asylgründe ihrer Söhne wurde nicht nachgegangen. 

Demnach hat das SEM sowohl seine Pflicht zur Erstellung des rechtser-

heblichen Sachverhalts als auch den Anspruch der Beschwerdeführenden 

auf rechtliches Gehör verletzt.  

Im Übrigen fällt auf, dass sich das SEM anlässlich der Anhörungen der Be-

schwerdeführenden nicht darum bemüht hat, eine vertrauliche Atmosphäre 

zu schaffen, indem es sie bezüglich des Vorhalts des Nachschubs erheb-

lich unter Druck setzte. Gerade im vorliegenden Fall wäre es aber der voll-

ständigen und richtigen Erhebung des Sachverhalts dienlich gewesen, das 

Vertrauen der Beschwerdeführenden soweit als möglich zu gewinnen, 

machten diese doch wiederholt geltend, dass sie es sich gewohnt seien, 

staatlichen Stellen zu misstrauen (vgl. A19/13, F42ff., F66, F72f.; A18/16, 

F37) – ein im Syrienkontext nicht abwegiges Argument.   

4.  

4.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen ans SEM zurück. Eine Kassation und Rückweisung ans SEM 

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Seite 8 

ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden 

müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die in 

diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch 

durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Ein-

zelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss 

dies aber nicht.  

4.2 Zum Zweck einer sorgfältigen Glaubhaftigkeitsprüfung und anschlies-

senden Beurteilung der Asylrelevanz der Vorbringen der Beschwerdefüh-

renden sowie zur Abklärung einer möglichen Reflexverfolgung ist es not-

wendig, im vorliegenden Verfahren die Akten des Neffen der Beschwerde-

führerin, E._______ (N […]), sowie der beiden Söhne H._______ ([…]) und 

I._______ (N […]) beizuziehen. Zudem ist den Beschwerdeführenden je 

nach Schlussfolgerung des SEM nach Konsultation der genannten Akten 

das rechtliche Gehör dazu zu gewähren. Da dies den Rahmen des Be-

schwerdeverfahrens sprengt und eine Vornahme dieser Handlungen durch 

das Gericht überdies einer Erhaltung des Instanzenzugs entgegensteht, 

erscheint es im vorliegenden Fall angezeigt, die Sache ans SEM als erste 

Instanz zurückzuweisen. Das SEM wird angewiesen, die Akten der ge-

nannten Personen beizuziehen, mit Blick auf die Glaubhaftigkeit der Vor-

bringen der Beschwerdeführenden sowie einer allfälligen Reflexverfolgung 

zu konsultieren und gestützt darauf eine fundierte, aus der Begründung 

des allenfalls neu zu erlassenden Entscheids nachvollziehbare Beurteilung 

der Verfolgungsgefahr vorzunehmen.  

4.3 Die Beschwerde ist demzufolge gutzuheissen, soweit die Aufhebung 

der angefochtenen Verfügung beantragt wird. Der Entscheid vom 6. Juni 

2018 ist aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur Neube-

urteilung ans SEM zurückzuweisen. 

5.  

5.1 Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens sind keine Verfah-

renskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Damit wird das in der 

Rechtsmitteleingabe gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung gegenstandslos.   

5.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die 

ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. 

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Seite 9 

Seitens der Rechtsvertretung wurde keine Kostennote eingereicht. Auf 

Nachforderung einer solchen kann indes verzichtet werden, da der Auf-

wand für das vorliegende Beschwerdeverfahren zuverlässig abgeschätzt 

werden kann (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). In Anwendung der genannten 

Bestimmung und unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungs-

faktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) ist die Vorinstanz anzuweisen, den Be-

schwerdeführenden eine Parteientschädigung in der Höhe von pauschal 

Fr. 1‘800. (inkl. Auslagen und MwSt.) auszurichten.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung beantragt wird.   

Die Verfügung vom 6. Juni 2018 wird aufgehoben. Das Verfahren wird im 

Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung ans SEM überwiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von 

Fr. 1‘800. auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Regina Derrer 

 

 

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