# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9cf6c9c9-e5db-5527-b0c4-127309de11dd
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.11.2011 E-5813/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5813-2011_2011-11-24.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­5813/2011

U r t e i l   v om     2 4 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichterin Regula Schenker Senn,
mit Zustimmung von Richter Kurt Gysi,    
Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel.

Parteien A._______, 
B._______, 
C._______, 
Kosovo, 
Beschwerdeführende, 

Gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
23. September 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
A._______, nachfolgend Beschwerdeführerin 1 genannt,  reiste nach der 
Heirat  mit  einem  in  der  Schweiz  niedergelassenen  Landsmann 
zusammen mit ihren beiden Kindern aus erster Ehe am 25. Januar 2009 
von  Kosovo  in  die  Schweiz  ein.  Die  Beschwerdeführenden  erhielten  in 
der  Folge  vom  Kanton  Zürich  Aufenthaltsbewilligungen  "B".  Nach 
Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  im  August  2009  wurden  die 
Aufenthaltsbewilligungen  nicht  mehr  verlängert  und  die 
Beschwerdeführenden wurden weggewiesen mit Frist zum Verlassen der 
Schweiz bis zum 12. Februar 2010. Das Verwaltungsgericht des Kantons 
Zürichs bestätigte mit Urteil vom (…) (in Rechtskraft erwachsen am […]) 
die  Nichtverlängerung  der  Aufenthaltsbewilligungen  sowie  die 
Wegweisung  und  deren  Vollzug.  Mit  Schreiben  vom  31.  Mai  2011 
beziehungsweise  10. Juni  2011  gelangte  die  Beschwerdeführerin  1  ans 
BFM und ersuchte für sich und ihre beiden Kinder um Asyl. In der Folge 
reichten  die  Beschwerdeführenden  am  5.  Juli  2011  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ Asylgesuche ein. 

Die  Asylgesuche  wurden  von  der  Beschwerdeführerin  1  in  ihren 
Schreiben  sowie  bei  der  Befragung  und  Anhörung  folgendermassen 
begründet: Seit der Scheidung im Jahr 2006 habe sie mit ihren Kindern in 
Pristina  gelebt.  Von  ihrer  Einreise  in  die  Schweiz  bis  im  August  2009 
habe sie mit  ihrem zweiten Ehemann zusammengelebt; die Situation sei 
für sie aber schon nach kurzer Zeit psychisch sehr belastend geworden. 
Nach  dem  negativen  Entscheid  des  Verwaltungsgerichts  habe  sie  sich 
veranlasst gesehen, ein Asylgesuch zu stellen, da sie grosse Angst habe, 
nach Kosovo zurückzukehren. Ihre Familie betrachte sie als unmoralisch, 
da  sie  sich  schon  zweimal  habe  scheiden  lassen.  Als  sie  im  Sommer 
2009 mit ihren Kindern nach Pristina geflogen sei, sei sie kurz nach ihrer 
Ankunft  von der Schwester  gewarnt worden,  dass die Familie  ihres Ex­
Ehemannes  beziehungsweise  ihre  eigene  Familie  an  ihr  und  ihren 
Kindern  Rache  nehmen  wolle.  Sie  seien  deshalb  umgehend  nach 
Albanien und von dort zurück in die Schweiz gereist. Als alleinerziehende 
Frau  ohne  finanzielle  Mittel  und  ohne  Verwandte,  die  sie  unterstützen 
würden,  habe  sie  keine  Chance,  sich  in  Kosovo  eine  Existenz 
aufzubauen.  Seit  ihrer  Ausreise  habe  sie  ausser  mit  der  Schwester 
keinen  Kontakt  mehr  zu  ihrer  Familie.  Ihr  erster  Ehemann  mache  sie 
gegenüber  ihrer Tochter schlecht und spreche  indirekte Drohungen aus. 
Sie befürchte ausserdem, dass er ihr ihre Kinder wegnehmen könnte. 

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Die Tochter der Beschwerdeführerin 1 machte geltend, sie habe seit der 
Trennung  ihrer  Eltern  mit  Ausnahme  der  Tante  keinen  Kontakt  mehr 
gepflegt zu ihren Verwandten mütterlicherseits, da ihr Grossvater das so 
gewollt habe. Die Familie  ihrer Mutter beabsichtige, diese umzubringen. 
Mit  ihrem  Vater  habe  sie  auch  von  der  Schweiz  aus  noch  Kontakt 
gepflegt,  aber  nur  selten,  da  dieser  ihre  Mutter  immer  wieder  beleidigt 
und  bedroht  habe.  Sie  habe  deshalb  grosse  Angst  vor  einer  Rückkehr 
und davor, dass ihrer Mutter etwas zustossen könnte. 

B. 
Mit Verfügung vom 23. September 2011 lehnte das BFM die Asylgesuche 
der  Beschwerdeführenden  ab  und  ordnete  ihre  Wegweisung  aus  der 
Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Die  Vorinstanz  begründete  den 
ablehnenden Asylentscheid damit, dass die Schilderungen betreffend der 
Bedrohung und Verstossung der Beschwerdeführerin 1 durch den ersten 
Ehemann  und  ihren  Vater  den  Anforderungen  von  Art.  7  des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  an  die 
Glaubhaftmachung  eines  Asyl  begründenden  Sachverhalts  nicht 
genügten und die Beschwerdeführenden daher die Flüchtlingseigenschaft 
nach  Art.  3  AsylG  nicht  erfüllen  würden.  Der  Grundsatz  der 
Nichtrückschiebung  könne  nicht  angewendet  werden,  da  die 
Beschwerdeführenden  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllen  und  sich 
aus den Akten keine Anhaltspunkte dafür ergeben würden, dass ihnen im 
Falle  einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  eine  durch  Art.  3  EMRK  verbotene  Strafe  oder 
Behandlung  drohen  würde.  Weiter  würden  weder  die  in  Kosovo 
herrschende politische Situation noch andere ­  insbesondere individuelle 
­  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  der  Rückführung  in  den  Heimatstaat 
sprechen. Der Vollzug der Wegweisung sei somit zulässig, zumutbar und 
möglich. 

C. 
Mit  Beschwerde  vom  19.  Oktober  2011  beantragen  die 
Beschwerdeführenden  die  vorläufige Aufnahme  in  der Schweiz.  In  ihrer 
Rechtsmitteleingabe  legt  die  Beschwerdeführerin  1  dar,  die  Situation  in 
Kosovo sei von Willkür geprägt und der Staat sei nicht in der Lage, eine 
alleinerziehende  Mutter  vor  ihrer  Familie  zu  schützen.  Insbesondere 
bestehe  die  Gefahr,  dass  ihr  von  ihrem  ersten  Ehemann  die  Kinder 
weggenommen  würden,  da  diese  nach  dem  herrschenden 
Gewohnheitsrecht immer zum biologischen Vater gehörten. Die vom BFM 
erwähnten  widersprüchlichen  Aussagen  bezüglich  der  Drohungen 

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gegenüber  der  Beschwerdeführerin  1  würden  auf 
Kommunikationsproblemen  in  der  "Mischsprache"  Albanisch­Deutsch 
sowie auf Ungenauigkeiten in der Übersetzung beruhen. Sowohl für ihren 
ersten  Ehemann  als  auch  für  ihren  Vater  sei  die  Situation  erst  mit  der 
zweiten  Heirat  beziehungsweise  der  zweiten  Scheidung  eskaliert.  Die 
Kinder  seien  überdies  in  einem  kritischen  Alter  und  in  der  Schweiz  gut 
integriert.  Die  Tochter  habe  unter  dem  Entscheid  des 
Verwaltungsgerichts Zürich und dessen Folgen stark gelitten.

D. 
Am  25.  Oktober  2011  bestätigte  das  Bundesverwaltungsgericht  den 
Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 

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Beschwerde  legitimiert  (Art. 108 AsylG  sowie Art.  105 AsylG  i.V.m.  Art. 
37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist 
einzutreten.

1.4. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. 
Das BFM hat mit Verfügung vom 23. September 2011  festgestellt, dass 
die  Beschwerdeführenden  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllen,  die 
Asylgesuche  abgewiesen  und  die  Wegweisung  sowie  deren  Vollzug 
angeordnet.  Die  dagegen  erhobene  Beschwerde  richtet  sich  lediglich 
gegen den Wegweisungsvollzug. Dadurch  ist die Verfügung des BFM in 
Bezug  auf  Flüchtlingseigenschaft,  die  Asylgewährung  und  die 
Wegweisung  als  solche  in  Rechtskraft  erwachsen  (Dispositiv  Ziff.  1­3). 
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet somit lediglich die Frage, 
ob  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  zu  Recht  als  zulässig, 
zumutbar und möglich erachtet hat.

3. 
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie 
nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die 
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.

4. 

4.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

4.2. 

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4.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 
Dieses  flüchtlingsrechtliche  Rückschiebungsverbot  betrifft  indessen  nur 
Personen, welche  die  Flüchtlingseigenschaft  im Sinne  von Art.  3 AsylG 
respektive  Art.  1  A  FK  erfüllen  (vgl.  MARIO  GATTIKER,  Das  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahren, Bern 1999, S. 89).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen  werden.  Gemäss 
Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR) 
sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müssten  die 
Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder 
glaubhaft machen,  dass  ihnen  im  Fall  einer Rückschiebung  Folter  oder 
unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2001 
Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinweisen;  EGMR  [Grosse Kammer],  Saadi 
gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06, 
§§ 124­127, mit weiteren Hinweisen).

4.2.2.  Vorab  ist  festzuhalten,  dass  die  allgemeine  Sicherheits­  und 
Menschenrechtslage  in  Kosovo  den Wegweisungsvollzug  zum  heutigen 
Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen lässt. Gemäss Rechtsprechung 
des Bundesverwaltungsgerichts  ist der kosovarische Staat grundsätzlich 
schutzwillig und schutzfähig. Da sodann der ursprüngliche Entscheid des 
BFM  vom  23.  September  2011  namentlich  hinsichtlich  der  Frage  der 
Flüchtlingseigenschaft  in  Rechtskraft  erwachsen  ist,  findet  das  in  Art.  5 

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AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im 
vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung.  Soweit  die 
Beschwerdeführerin  1  in  der  vorliegenden  Rechtsmittelschrift  lediglich 
ihre  im  Asylverfahren  geltend  gemachte,  von  der  Familie  ihres  Ex­
Ehemannes  sowie  von  ihrer  eigenen  Familie  ausgehende 
Verfolgungslage wiederholt,  ist  festzuhalten,  dass  diese  im  ergangenen 
Asylentscheid  als  offensichtlich  unglaubhaft  erkannt  worden  ist,  ohne 
dass  die  betreffenden  Dispositivziffern  mittels  Beschwerde  angefochten 
worden  wären.  Auch  aus  der  Rechtsmitteleingabe  ergeben  sich  keine 
substanziierten  Hinweise,  wonach  den  Beschwerdeführenden  bei  einer 
Rückkehr nach Kosovo ein "real risk" drohen würde.

4.2.3. Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Wegweisungsvollzug 
sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen 
als zulässig zu bezeichnen ist. 

4.3. 

4.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

Die Vorinstanz  legt  in  ihrer Verfügung zutreffend dar, dass weder die  im 
Heimatstaat  der  Beschwerdeführenden  herrschende  politische  Situation 
noch  andere  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  einer  Rückführung  nach 
Kosovo  sprechen.  Sie  verfügen  im  Heimatstaat  zumindest  mit  der 
Schwester beziehungsweise Tante über ein Beziehungsnetz. Angesichts 
der mehrjährigen Arbeitstätigkeit  der Beschwerdeführerin 1 als Friseuse 
ist es ihr zumutbar, für sich und ihre beiden Kinder  in Kosovo eine neue 
Existenz aufzubauen.

4.3.2. Sind  von  einem  allfälligen Wegweisungsvollzug  Kinder  betroffen, 
so  bildet  bei  der  Zumutbarkeitsprüfung  das  Kindeswohl  einen 
Gesichtspunkt  von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt  sich nicht  zuletzt 
aus einer  völkerrechtskonformen Auslegung  von Art.  83 Abs.  4 AuG  im 
Lichte von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 
über die Rechte des Kindes (SR 0.107) (vgl. dazu EMARK 2005 Nr. 6 E. 
6.  S.  5  f.).  In  diesem  Zusammenhang  ist  festzuhalten,  dass  unter  dem 

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Aspekt  des  Kindeswohls  sämtliche  Umstände  einzubeziehen  und  zu 
würdigen sind, die im Hinblick auf einen Wegweisungsvollzug wesentlich 
erscheinen  (vgl.  EMARK 1998 Nr.  13 E.  5e/aa). Der Persönlichkeit  des 
Kindes  und  seinen  Lebensumständen  ist  umfassend  Rechnung  zu 
tragen. Dabei können bei dieser gesamtheitlichen Beurteilung namentlich 
folgende Kriterien von Bedeutung sein: Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art 
(Nähe,  Intensität,  Tragfähigkeit)  seiner  Beziehungen,  Eigenschaften 
seiner  Bezugspersonen  (insbesondere  Unterstützungsbereitschaft  und 
–fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwicklung und Ausbildung, 
sowie der Grad der erfolgten Integration bei einem längeren Aufenthalt in 
der Schweiz. 

4.3.3.  Die  beiden  Kinder  der  Beschwerdeführerin  1  sind  (…) 
beziehungsweise  (…)  Jahre  alt,  halten  sich  seit  Januar  2009  in  der 
Schweiz  auf  und  mussten  seit  der  Nichtverlängerung  der 
Aufenthaltsbewilligungen Ende 2009 mit einem Wegweisungsvollzug aus 
der Schweiz und einer Rückkehr nach Kosovo rechnen. Sie verbrachten 
somit den Hauptteil ihrer Kindheit in der Heimat und nur eine relativ kurze 
Zeit  in  der  Schweiz.  Zwar  fällt  diese  Zeit  in  die  besonders  prägenden 
Jahre  der  Beschwerdeführenden.  Dennoch  ist  eine  Rückführung  als 
zumutbar  zu  erachten,  zumal  die  Tochter  angibt,  immer  Kontakt  zum 
Vater im Heimatland gepflegt zu haben und davon auszugehen ist, dass 
beide  Beschwerdeführenden  die  Muttersprache  nach  wie  vor  fliessend 
und wohl besser als Deutsch beherrschen. Es kann im vorliegenden Fall 
nicht  von  einer  Entfremdung  von  der  kosovarischen  Kultur  und 
Lebensweise  ausgegangen  werden.  Die  Beschwerdeführenden  lebten 
überdies sowohl in Kosovo als auch in der Schweiz stets mit der Mutter, 
mit  welcher  sie  zurückkehren.  Zusammenfassend  ist  nicht  davon 
auszugehen,  dass  die  Reintegration  in  Kosovo  zu  einer  derart  starken 
Belastung  in  der  Entwicklung  der  Beschwerdeführenden  führen  würde, 
dass der Vollzug der Wegweisung mit dem Kindeswohl vereinbar wäre.

4.3.4.    Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  auch  der  Vollzug  der 
Wegweisung als zumutbar.

4.4.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 
AuG).

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4.5. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

5. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

6. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  den  Be­
schwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf 
insgesamt  Fr. 600.­  festzusetzen  (Art. 1  –  3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  den  Beschwerdeführenden 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin:

Regula Schenker Senn Aglaja Schinzel

Versand: