# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c7eedb9f-0c36-5498-8187-f10b98afb5d9
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2002-12-18
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 18.12.2002 SB020315
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB020315_2002-12-18.pdf

## Full Text

Urteil der I. Strafkammer des Obergerichtes des Kantons Zürich
vom 18. Dezember 2002 (SB020315)
(zur Zeit, 12. März 2003, noch nicht rechtskräftig)

Aus den Erwägungen:

II/1. Den Angeklagten X., Y. und Z. wird zusammenfassend vorgeworfen,

im Rahmen des von der SVP Stadt Zürich initiierten Abstimmungskampfes zur

stadtzürcherischen Abstimmung vom 6./7. Juni 1998 über die Vorlage betreffend

ein Integrationsprojekt für Kosovo-Albaner ein Plakat sowie ein Zeitungsinserat

verwendet zu haben, welche gegen den Grundsatz des Rassendiskriminierungs-

verbotes verstossen haben. Das Plakat enthalte die Worte "Kontaktnetz für KO-

SOVO-ALBANER NEIN". Wie auch das Inserat sei es graphisch so gestaltet,

dass der Passus "Kontaktnetz für" praktisch gänzlich in den Hintergrund gedrängt

werde. Die typographische Darstellung lasse das Plakat und das Inserat in zwei

gänzlich unterschiedliche Teile zerfallen. "Kontaktnetz für" sei in Gross- und

Kleinbuchstaben gesetzt, Kosovo-Albaner in Grossbuchstaben, bei welchen die

Gross- und Kleinschreibung erkennbar bleibe und "Nein" schliesslich in Gross-

buchstaben und farblich abgesetzt. Die primäre Botschaft von Plakat und Zei-

tungsinserat sei die Aussage "Kosovo-Albaner Nein". Mit dem Aushang der Pla-

kate und dem Setzen des Inserates in verschiedenen Tageszeitungen sei mehre-

ren Tausend Menschen eine klare Ablehnung gegenüber Kosovo-Albanern zum

Ausdruck gebracht worden, und zwar in einer eine starke Aufmerksamkeit erhei-

schenden und negative Emotionen schürenden Art und Weise. Das in die Zeitun-

gen gesetzte Inserat habe überdies in einer klein geschriebenen Fussnote implizit

den Kosovo-Albanern einen Prozentanteil an der Jugendkriminalität unterstellt,

der so nicht stimmen könne, weil die zitierte Zahl das kriminelle Verhalten vieler

anderer Gruppen mitumfasse. Mit dem unteren Teil des Inserates werde implizit

die Behauptung aufgestellt, alle Kosovo-Albaner seien kriminell. Als Leiter der

Abstimmungskampagne habe der Angeklagte 1 den Auftrag zur Verbreitung der

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Plakate und Inserate erteilt. Der Angeklagte 2 habe den Auftrag, die Kampagne

mit diesem Plakat und dem Inserat weiterzuführen angenommen und beides

schliesslich zur Veröffentlichung weitergegeben. Der Angeklagte 3 habe das Pla-

kat und das Inserat, wie sie schliesslich veröffentlicht wurden, als Grafiker ent-

worfen und gestaltet. Allen drei Angeklagten sei die hetzerische Wirkung des Pla-

kates und des Inserates bewusst gewesen. Durch das Plakat und die Inserate sei

eine sachlich nicht zu rechtfertigende Hetze gegen die Ethnie Kosovo-Albaner in-

itiiert worden, welcher Erfolg von allen drei Angeklagten zumindest in Kauf ge-

nommen worden sei. Durch ihren Tatbeitrag hätten sich alle drei Angeklagten der

Rassendiskriminierung im Sinne von Art. 261bis Abs. 1 und 4 StGB schuldig ge-

macht.

...

III./1.Zu Recht hat die Vorinstanz die Geschädigtenstellung von G. bejaht. In

Anwendung von § 161 GVG kann auf die Erwägungen im angefochtenen Ent-

scheid verwiesen werden. Ergänzend ist folgendes festzuhalten:

a) Gemäss § 395 Abs. 1 Ziff. 2 StPO sind (u.a.) Personen, welchen durch

die der gerichtlichen Beurteilung unterstellten Handlungen unmittelbar ein Scha-

den zugefügt wurde oder zu erwachsen drohte, Geschädigte. Unmittelbar Ge-

schädigter ist mithin der Träger des durch die Strafdrohung geschützten Rechts-

gutes, gegen das sich die Straftat ihrem Begriff nach richtet (BGE 118 Ia 16 E. 2b

mit Literaturhinweisen). Werden durch die Strafnorm vorab allgemeine Interessen

geschützt, gilt als Geschädigter gemäss zürcherischem Strafprozessrecht zudem

derjenige, dessen private Interessen, seien sie materieller oder ideeller Natur,

durch die Straftat unmittelbar (mit)beeinträchtigt werden, weil diese Beeinträchti-

gung die unmittelbare Folge der tatbestandsmässigen Handlung ist (BGE 117 Ia

135 E. 2a, 119 Ia 342 E. 2; 120 Ia 223; ZR 74 Nr. 47; Niklaus Schmid, Strafpro-

zessrecht, 3. Auflage, N 508). So hat das Bundesgericht im Zusammenhang mit

der Prüfung der Geschädigtenstellung in einem Strafverfahren wegen Störung der

Glaubens- und Kultusfreiheit (Art. 261 StGB) festgehalten, dass es willkürlich sei,

den in seinen religiösen Ueberzeugungen Verletzten nicht als Geschädigten im

Sinne der Zürcher Strafprozessordnung anzuerkennen. Bei der Störung des Reli-

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gionsfriedens werde die Rechtsstellung des Einzelnen beeinträchtigt und die Be-

einträchtigung erscheine als unmittelbare Folge der tatbestandsmässigen Hand-

lung, die gerade darin bestehe, dass seine religiöse Ueberzeugung beschimpft

werde (BGE 120 Ia 220 ff. E. 3b und c). Das gleiche muss - wie die Vorinstanz zu

Recht und unter Hinweis auf die überwiegende Lehrmeinung festgestellt hat -

auch für Verstösse gegen Art. 261bis StGB gelten. Auch hier ist der strafrechtliche

Schutz personenbezogen zu verstehen. Bei einem Verstoss gegen diese Norm

wird nicht nur die ganze Personengruppe als solche, sondern auch das einzelne

Mitglied verletzt. Damit muss jedem Angehörigen der verletzten Rasse oder Eth-

nie zugebilligt werden, seine Rechte im Strafverfahren wahrzunehmen.

b) In einem kürzlich publizierten neuesten Entscheid hat sich das Bun-

desgericht mit der Opferstellung einer Einzelperson bei einem Verstoss gegen

Art. 261bis Abs. 4 1. Satzteil StGB auseinandergesetzt. Zwar hat es das Bundes-

gericht abgelehnt, dem Opfer einer solchen Rassendiskriminierung in jedem Fall

eine Opferstellung im Sinne das Opferhilfegesetzes zuzubilligen (BGE 128 Ia S.

218). Zur Frage, wie weit eine Einzelperson Geschädigte einer Rassendiskrimi-

nierung sein kann hat es folgendes festgehalten: "Wieweit eine Einzelperson
Geschädigte einer Rassendiskriminierung sein kann, kann bei ein-
zelnen Tatbestandsvarianten von Art. 261 bis StGB fraglich erschei-
nen. So hat das Bundesgericht in BGE 125 IV 206 E. 2b angedeutet,
dass eine Einzelperson, wenn überhaupt, nur in seltenen Ausnahme-
fällen bei Leugnung von Völkermord nach Art. 261 bis Abs. 4 zweiter
Satzteil StGB als Geschädigte betrachtet werden könne. Wie es sich
damit im Einzelfall verhält, braucht hier nicht vertieft zu wer-
den. Eine Einzelperson kann jedenfalls Geschädigter sein, soweit
es - wie hier - um eine Rassendiskriminierung nach Art. 261 bis Abs.
4 erster Satzteil StGB geht. In diesem Fall richtet sich der An-
griff unmittelbar gegen die betreffende Person und wird diese in
ihrer Menschenwürde getroffen. Insoweit kommt grundsätzlich auch
die Annahme einer Opfereigenschaft in Betracht (BGE 128 Ia S.

223)". Dass dies auch für eine Rassendiskriminierung nach Art. 261bis Abs. 1

StGB der Fall ist, bedarf wohl keiner weiteren Erörterungen.

Die in BGE 125 IV 206 E. 2b angedeutete Frage, dass eine Einzelperson,

wenn überhaupt, nur in seltenen Fällen bei Leugnung von Völkermord nach Art.

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261bis Abs. 4 zweiter Satzteil als Geschädigte betrachtet werden könne, welche
in BGE 128 Ia S. 218 noch offengelassen wurde, wurde im Entscheid vom 7. No-

vember 2002 (noch nicht publiziert, aber im Internet abrufbar) dahingehend ent-

schieden, dass den Betroffenen die Geschädigteneigenschaft abgesprochen wur-

de. Dieser Entscheid befasst sich somit einzig und allein mit Art. 261bis Abs. 4

zweiter Satzteil. An der vom Bundesgericht in BGE 128 Ia S. 218 bezüglich Art.
261bis Abs. 4 erster Satzteil geäusserten Auffassung ändert nichts. Vielmehr wird
im Entscheid vom 7. November 2002 in bestätigendem Sinne auf diesen Ent-

scheid Bezug genommen.

c) Auch wenn im Lichte des zitierten Entscheides dem Geschädigten die

Opfereigenschaft im Sinne des Opferhilfegesetzes abgesprochen werden müsste,

können keine Zweifel an seiner Stellung als (gewöhnlicher) Geschädigter beste-

hen. Damit ist auf seine Berufung als Geschädigter einzutreten.

...

IV./1. ...

2. ...

d) aa) ...

bb) Ausgangspunkt des Privatgutachtens von Prof. Dr. Niggli und damit

auch der Anklage ist die Feststellung, dass aufgrund der konkreten typographi-

schen Darstellung von Plakat und Inserat deren primäre Botschaft die Aussage

"Kosovo-Albaner Nein" sei. Dem kann in Uebereinstimmung mit der Vorinstanz

nicht beigepflichtet werden.

Bezüglich des Plakates ist zwar richtig, dass die Worte "Kosovo-Albaner"

und das Wort "Nein" grösser sind als die Worte "Kontaktnetz für", wobei das Wort

"Nein" noch in leuchtendem Rot gedruckt ist. Trotzdem sind die Worte "Kon-

taktnetz für" gut lesbar und bilden, da sie im gleichen eierschalenfarbigen Quer-

balken wie die Worte "Kosovo-Albaner" eingebettet sind, zusammen mit dem

Wort "Kosovo-Albaner" eine Einheit (vgl. dazu auch die Ausführungen im Plädoy-

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er des Verteidigers des Angeklagten Z.. Vergleicht man das Erscheinungsbild des

Plakates auf der vom Vertreter des Geschädigten vor Vorinstanz eingereichten

Fotografie aus der "Neuen Luzerner Zeitung " mit dem Erscheinungsbild in den

verschiedenen Texten, wie sie von Prof. Dr. Niggli zur Erstellung seines Privat-

gutachtens zur Verfügung standen, so ist offensichtlich, dass jene Schwarzweiss-

Aufzeichnungen nicht das gleiche wiedergeben können, wie das Originalplakat.

Nachdem der Gutachter nur zwei Schwarzweiss-Fotos des fraglichen Plakates

zur Verfügung hatte erstaunt es nicht, dass er in seinem Gutachten einzig vom

Schriftgrad der einzelnen Wörter spricht. Dazu kommt - wiederum im Originalpla-

kat - dass auch bei einer nur kurzen Betrachtungszeit unten rechts unübersehbar

das in den leuchtenden Farben Gelb/Grün/ Weiss gehaltene Logo der SVP ins

Auge fällt; ein Signet, das übrigens bei den vom Vertreter des Geschädigten an-

lässlich der Hauptverhandlung eingereichten "Plakaten" fehlt. Auch von diesem

leuchtenden Signet ist im Privatgutachten Niggli nicht die Rede, was nicht weiter

erstaunt, wenn man die beiden Fotokopien sieht, welche dem Gutachter zur Ver-

fügung standen. Dass es sich bei diesen Akten tatsächlich um die Originalbelege

handelt, welche dem Gutachter zur Verfügung standen, geht auch aus dem

Schreiben des Vertreters des Geschädigten vom 27. Juli 1998 an die Bezirksan-

waltschaft hervor. Dass Prof. Dr. Niggli aufgrund dieser tendenziösen Unterlagen

zum Schluss kommen konnte, dass die primäre Botschaft des Plakates "Kosovo-

Albaner Nein" sei, ist nicht weiter erstaunlich. Erstaunlich ist aber, dass er sich

überhaupt bereit erklärte, aufgrund dieser Unterlagen einen Befund zum visuellen

Eindruck des Plakates abzugeben.

Was zum Plakat gesagt wurde, lässt sich auch zum Inserat sagen, auch

wenn hier keine Farben verwendet werden konnten. Auch hier sind die Worte

"Kontaktnetz für Kosovo-Albaner" im gleichen hellen Balken. "Kontaktnetz für" ist

gut lesbar und bildet so eine Einheit mit dem Wort "Kosovo-Albaner". Das SVP-

Signet ist auch bei einer nur kurzen Betrachtung nicht übersehbar. Wer das Inse-

rat als Ganzes betrachtet, merkt zweifellos, dass es sich um ein typisches Ab-

stimmungsinserat der SVP handelt und dass es um ein Kontaktnetz für Kosovo-

Albaner geht, gegen das sich die SVP wendet; dies auch bei einem nur kurzen

Verweilen im Inserat, z.B. ohne den weiteren Text zu lesen.

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Damit fällt der wichtigste Pfeiler, auf welchem sich der Privatgutachter Prof.

Dr. Niggli abgestützt hat, weg. ...

...

Wenn Frau Comiotto in ihrem Privatgutachten im Übrigen zum Schluss

kommt, die Aussage des Plakates sei weitestgehend reduziert und verknappt

worden, so ist dieses Vorgehen für politische Plakate allgemein üblich und insbe-

sondere für einen Abstimmungskampf nicht zu beanstanden. Wer politisch Wir-

kung erzielen möchte, ist gehalten, die Aussage möglichst knapp, plakativ und

klar zu formulieren. Es gibt auch keinen Anspruch, dass in einem Abstimmungs-

plakat ausführlicher über eine Abstimmungsvorlage informiert werden muss. Ge-

rade weil das Plakat aber auf wenige Worte reduziert war, konnte ein Betrachter

umso eher den gesamten Inhalt - inklusive der Worte "Kontaktnetz für " - relativ

rasch und auf den ersten Blick erfassen. Entgegen der Auffassung der Privatgut-

achterin Comiotto wurde ein Passant, der einen kurzen Blick auf das Plakat warf,

dadurch wohl nicht überfordert.

cc) Was schliesslich die Fussnote im inkriminierten Inserat anbelangt, wo-

nach 33 Prozent der wegen eines Gewaltdeliktes verzeigten Jugendlichen aus

dem ehemaligen Jugoslawien stammen, so kann auch hier der Argumentation

des Privatgutachters Niggli nicht gefolgt werden. Wie dieser selber festgehalten

hat, ist es grundsätzlich zulässig, Informationen über bzw. Aussagen zum krimi-

nellen Verhalten einer bestimmten Ethnie zu tätigen und in Inseraten zu verbrei-

ten. Hinsichtlich einer strafbaren Handlung im Sinne von Art. 261bis StGB könne

entsprechend nicht diese Tatsache massgebend sein, sondern nur die Frage, ob

die verwendeten Informationen korrekt sind und ob die Art ihrer Verwendung eine

hetzerische oder herabsetzende ist. Dabei sei auch hier - wie immer - auf den

Kontext der Aeusserung abzustellen und es sei der Bedeutungsgehalt der fragli-

chen Aeusserung in Bezug auf alle relevanten Umstände zu eruieren. Sofern

durch die Inserate die Aussage getroffen werde, Kosovo-Albaner seien allesamt

kriminell, so wäre ein Verstoss gegen Art. 261bis Abs. 4 StGB anzunehmen.

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Der letztgenannten Feststellung kann zweifellos gefolgt werden. Allerdings

lässt sich eine solche Aussage, wonach alle Kosovo-Albaner insgesamt kriminell

seien, dem Inserat weder direkt noch indirekt entnehmen. Davon, dass das fragli-

che Inserat nicht direkt und ausdrücklich behauptet, alle Kosovo-Albaner seien

kriminell, geht auch Prof. Dr. Niggli aus. Die Fussnote spricht denn auch unmiss-

verständlich davon, dass 33 Prozent der wegen eines Gewaltverbrechens ver-

zeigten Jugendlichen nicht etwa aus dem Kosovo, sondern aus dem ehemaligen

Jugoslawien stammen. Damit kann auch nicht gesagt werden, dass das Inserat

den Kosovo-Albanern einen Jugendkriminalitätsanteil von 33 % unterstellt. Von

einer fundamentalen Fehlinformation oder gar Lüge, wie diese Fussnote im Gut-

achten interpretiert wird, kann somit sicher nicht die Rede sein. Entgegen der

Auffassung des Gutachters lässt auch eine Gesamtbetrachtung des Inserates ei-

nen solchen Schluss nicht zu. Geht man von den eingangs seines Gutachtens

getroffenen an sich richtigen Feststellungen aus, wonach Zeitungsinserate nur mit

beschränkter Aufmerksamkeit bzw. innert einer sehr limitierten Zeitspanne wahr-

genommen werden, so ist offensichtlich, dass nur ein sehr kleiner Teil der Leser

diese Fussnote überhaupt bemerkt bzw. bewusst aufgenommen haben wird. Wie

die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat, kann andererseits davon ausgegangen

werden, dass derjenige, der sich überhaupt die Mühe gibt, das Inserat bis in die

Fussnoten zu lesen, in der Lage ist, die wahre Bedeutung dieses Satzes zu erfas-

sen und zwischen den Kosovo-Albanern und der Gesamtheit der Personen aus

dem ehemaligen Jugoslawien unterscheiden kann.

Damit fällt ein weiterer Pfeiler, auf welchem sich der Privatgutachter abge-

stützt hat, weg. Eine Behauptung, die betroffene Ethnie, also die der Kosovo-

Albaner, sei grundsätzlich kriminell, lässt sich - aus dem Verständnis eines durch-

schnittlichen Menschen, der das Inserat wahrnimmt (vgl. dazu Niggli, a.a.O., N

814 und 938) - dem Inserat weder direkt noch indirekt entnehmen. Entgegen der

Auffassung des Gutachters ist das Inserat daher auch nicht geeignet, den Ein-

druck einer ungeheuer starken kriminogenen Tendenz der entsprechenden Eth-

nie, also der Kosovo-Albaner, zu wecken. Von einer hetzerischen oder erniedri-

genden Botschaft kann nicht die Rede sein.

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dd) Zu Recht hat die Vorinstanz bei der Würdigung der von Plakat und In-

serat verkündeten Botschaft auch berücksichtigt, dass diese als Werbemittel in

einem sehr breiten Abstimmungskampf eingesetzt wurden. Ergänzend ist darauf

hinzuweisen, dass gerade das inkriminierte Inserat nicht nur die konkrete Ab-

stimmungsvorlage bekämpfte, sondern auch in der schon damals sattsam be-

kannten Art die gesamte städtische Ausländerpolitik an den Pranger stellte. So ist

offensichtlich, dass der Satz "dass die Kriminalität immer mehr um sich greift" zu-

sammen mit den Sätzen  "dass immer mehr Leute aus fremden Kulturen in unse-

re Stadt kommen" und "dass immer mehr Geld an neue Randgruppen verschleu-

dert wird" die Schuld für das bisherige Wachsen der Kriminalität eben diesen

Leuten aus fremden Kulturen und diesen Randgruppen und nicht nur den Kosovo-

Albanern zuschiebt.

Was den politischen Abstimmungskampf anbelangt, so hat der die Einstel-

lung der Untersuchung aufhebende Einzelrichter in der Begründung seiner Verfü-

gung vom 13. März 2000 zu Recht festgehalten, dass es fraglich sei, ob die vielen

Pendler von ausserhalb der Stadt Zürich, welche die Plakate in der Stadt sahen

oder die Zeitungsinserate gelesen haben, über das städtische Projekt Kontaktnetz

für Kosovo-Albaner und den Zusammenhang von Plakaten und Inseraten infor-

miert waren. Diese Frage stellt sich aber nur, wenn die Aussage von Plakat und

Inserat "Kosovo-Albaner Nein" ist, wovon der Einzelrichter auch ausgegangen ist.

Dass dem aber nicht so ist, wurde schon von der Vorinstanz richtig erkannt.

e) Schliesslich bleibt festzustellen, dass auch die Eventualerwägungen

der Vorinstanz für den Fall, dass entgegen der von ihr vertretenen Auffassung mit

Plakat und Inserat die Primärbotschaft "Kosovo-Albaner Nein" verbreitet werde,

nicht zu beanstanden sind. Zu Recht haben auch schon die Verteidiger auf die

Beispiele hingewiesen, welche vom Gutachter Prof. Dr. Niggli in seinem Kom-

mentar zu Art. 261bis StGB als nicht gegen Art. 261bis StGB verstossend bewertet

wurden (Niggli, a.a.O., Tabellen in N 209). Es fehlt auch hier an der von Lehre

und Praxis verlangten Intensität des Aufrufes bzw. der Herabsetzung. Nicht ver-

gleichbar ist die Botschaft "Kosovo-Albaner Nein" auch mit den vom Gutachter in

Anhang zum Gutachten wiedergegebenen Kopien zur Judenhetze aus dem Drit-

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ten Reich. Selbst Anklänge an das Dritte Reich bzw. an die dort gepflegte Art der

Propaganda, wie sie z.B. im berüchtigten Filzlaus-Inserat feststellbar waren, sind

übrigens nicht a priori Verstösse gegen Art. 261bis StGB.

Nicht zu überzeugen vermag auch die Auffassung von Prof. Dr. Niggli in sei-

ner Stellungnahme zum vorinstanzlichen Urteil, wonach die Verbindung einer

spezifischen Bevölkerungsgruppe mit der Qualifikation "Nein" in jeder nur mögli-

chen Hinsicht absoluter und vorbehaltloser ist als die Forderung, die Bevölke-

rungsgruppe sei auszuschaffen oder gehöre nicht in die Schweiz. Während die

zweite Forderung einen fremdenrechtlichen Bezug habe, und daher vom Rassen-

diskriminierungsverbot ausgenommen sei, erscheine die erste Formulierung als

ein uneingeschränktes, vorbehaltloses Nein gegenüber einer bestimmten Gruppe,

und feindseliger könnte lediglich noch die Forderung nach der Ausrottung oder

Tötung einer bestimmten Gruppe sein. Eine derartige Differenzierung zwischen

diesen beiden Formulierungen, die beide auf die Ablehnung bzw. Ausschaffung

einer bestimmten Bevölkerungsgruppe abzielen, ist nicht nachvollziehbar, und

überspitzt formalistisch. Sowohl ein "Nein" wie ein "Raus" beinhalten die gleiche

Aussage, nämlich die, dass man hier keine Angehörigen einer bestimmten Ethnie

wolle.

3. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass weder das inkriminierte

Plakat noch das Inserat geeignet waren, Hass gegen die Kosovo-Albaner zu

schüren bzw. die Leser oder Betrachter aufzureizen, die Kosovo-Albaner als min-

derwertige Erdenbürger zu betrachten. Ebensowenig kann gesagt werden, dass

diese beiden Werbemittel geeignet waren, die Kosovo-Albaner in verachtender

und menschenunwürdiger Weise zu verunglimpfen und ihnen grundlegende Men-

schenrechte abzusprechen oder sie als Menschen zweiter Klasse hinzustellen.