# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0efd7ccc-e14b-5595-a6e2-a107e0e7086d
**Source:** Solothurn (SO)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-14
**Language:** de
**Title:** Solothurn Versicherungsgericht 14.06.2021 VSBES.2020.229
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SO_Omni/SO_VSG_001_VSBES-2020-229_2021-06-14.html

## Full Text

Urteil vom 14. Juni 2021

Es wirken mit:

Präsident Flückiger 

Oberrichter Kiefer 

Oberrichter Marti

Gerichtsschreiber Isch

In Sachen

A.___ vertreten durch Rechtsanwalt Viktor Estermann

Beschwerdeführerin 

 

gegen

SWICA Gesundheitsorganisation,
Generaldirektion

Beschwerdegegnerin 

 

betreffend     Unfallversicherung
(Einspracheentscheid vom 6. November 2020)

 

 

zieht das
Versicherungsgericht in Erwägung:

I.     
 

 

1.       Die bei der Swica (nachfolgend
Beschwerdegegnerin) gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten
versicherte A.___ (nachfolgend Beschwerdeführerin), geb. 1974, liess der
Beschwerdegegnerin mit Unfallmeldung UVG vom 11. Juli 2016 mitteilen, sie sei am
25. Juni 2016 beim Service in der Küche ausgerutscht und habe an der Tischkante
das Knie angeschlagen. (SA [Akten der Swica] 1). Im Operationsbericht vom 4.
August 2016 (SA 15) wurde in diesem Zusammenhang eine partielle proximale Hamstringsruptur
Sitzbein links diagnostiziert. In der Folge holte die Beschwerdegegnerin
weitere Unterlagen ein, veranlasste mehrere vertrauensärztliche
Aktenbeurteilungen und beteiligte sich schliesslich mit Zusatzfragen an dem von
der IV-Stelle Bern veranlassten bidisziplinären Gutachten des B.___ vom 23.
September 2019 (SA 203; Fachrichtungen Orthopädie und Psychiatrie). Im weiteren
Verlauf holte die Beschwerdegegnerin beim B.___ eine ergänzende Stellungnahme
ein (SA 238). Gestützt darauf verneinte sie mit Verfügung vom 26. Februar 2020 (SA
251) betreffend das Ereignis vom 25. Juni 2016 den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf Versicherungsleistungen ab dem 29. Mai 2019. Dagegen
liess die Beschwerdeführerin am 19. März 2020 Einsprache erheben (SA 256), worauf
die Beschwerdegegnerin beim B.___ eine weitere Stellungnahme einholte (SA 289).
Schliesslich wies die Beschwerdegegnerin die Einsprache mit Entscheid vom 6.
November 2020 (A.S. [Akten-Seite] 1 ff.) ab.

 

2.       Gegen diesen Entscheid lässt
die Beschwerdeführerin am 26. November 2020 (A.S. 10 ff.)
fristgerecht Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons Solothurn erheben
und stellt folgende Rechtsbegehren:

 

1.    Der Einsprache-Entscheid der
Beschwerdegegnerin vom 6. November 2020 sei aufzuheben.

2.    Der Beschwerdeführerin gegenüber seien
die Heilkosten- und Taggeldleistungen über den 29. Mai 2019, resp. 31. Oktober
2019 nicht einzustellen, sondern über diese Daten hinaus zukommen zu lassen.

3.    Eventuell sei der Beschwerdeführerin
eine angemessene Erwerbsunfähigkeitsrente nach UVG zuzusprechen.

4.    Der Beschwerdeführerin sei eine
angemessene Integritätsentschädigung zuzusprechen.

5.    Der Beschwerdeführerin sei für das
vorliegende Verfahren die vollumfängliche unentgeltliche Verbeiständung zu
gewähren, und ihr sei der unterzeichnete Rechtsanwalt als ihr unentgeltlicher
Rechtsvertreter beizugeben.

6.    Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zulasten der Beschwerdegegnerin

 

3.       Mit Beschwerdeantwort vom 28.
Dezember 2020 (A.S. 35 ff.) beantragt die Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei
abzuweisen.

 

4.       Mit Verfügung vom 5. Januar
2021 (A.S. 41) wird der Beschwerdeführerin ab Prozessbeginn die unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von sämtlichen Gerichtskosten und von der
Kostenvorschusspflicht) bewilligt und Rechtsanwalt Viktor Estermann als
unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt.

 

5.       Mit Replik vom 22. Januar 2021
(A.S. 43 ff.) verweist die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf ihre
bisherigen Ausführungen.

 

6.       Mit Duplik vom 15. Februar 2021
(A.S. 56 ff.) lässt sich die Beschwerdegegnerin abschliessend vernehmen.

 

7.       Mit Eingabe vom 28. April 2021
(A.S. 66 f.) reicht die Beschwerdeführerin einen Konsultationsbericht sowie
einen Überweisungsbericht von Dr. med. C.___, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 11. März 2021 bzw. 19.
April 2021 zu den Akten.

 

8.       Auf die Ausführungen der
Parteien in ihren Rechtsschriften wird nachfolgend, soweit notwendig,
eingegangen.

 

II.    
 

 

1.       Die Sachurteilsvoraussetzungen
(Einhaltung von Frist und Form, örtliche und sachliche Zuständigkeit des
angerufenen Gerichts) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.

 

2.

2.1     Soweit dieses Gesetz nichts
anderes bestimmt, werden die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Art. 6 Abs. 1
UVG).

 

2.2     Unfall ist die plötzliche, nicht
beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf
den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG,
SR 830.1]).

 

3.       Das Verwaltungsverfahren und
das Verwaltungsgerichtsverfahren in Sozialversicherungssachen sind vom
Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Danach hat die Verwaltung bzw. der Richter
von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht
uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der
Parteien (BGE 138 V 218 E. 6 S. 221, 117 V 261 E. 3b S. 263
und 282 E. 4a, 116 V 23 E. 3c S. 26 f. mit Hinweisen).

 

4.       Gemäss den Ausführungen der Beschwerdeführerin könne der
Auffassung der B.___-Gutachter, wonach keine Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit vorlägen, nicht beigepflichtet werden. Diese stünden in
diametralem Widerspruch zu den neurologischen Berichten von Dr. med. D.___
vom 29. April und 8. Juli 2020 sowie von Dr. med. C.___ vom 4. April 2020.
Gemäss Dr. med. D.___ qualifiziere sich die Beschwerdeführerin aus
neurochirurgischer Sicht für eine stationäre rehabilitative Massnahme mit dem
Ziel, den Beckenbodenbereich zu lösen, die schmerzhaften Ansatzstellen der
Hamstrings wie auch die schmerzhafte Narbe pertrochantär zu verbessern, sei es
durch Ultraschall, Stosswellentherapie, Beckenbodentraining, osteopathische Os
coccygis Mobilisation etc. Er habe auch die Erhöhung der Lyrica-Einnahme
empfohlen, als Ultima Ratio eine gezielte neuroforaminale Infiltration L5/S1 links
bzw. jene über epidural L4/L5. Dr. med. D.___ habe die Unfallkausalität
dieser Beschwerden klar bestätigt. Die neurochirurgischen Befunde stünden teilweise
in deutlichem, gar diametralem Gegensatz zu den Befunden von Dr. med. E.___
anlässlich des bidisziplinären Gutachtens 2019. Dabei falle auf, dass die
Befundungen von Dr. med. D.___ eingehender und präziser vorgenommen worden
seien als vom B.___, somit im Gegensatz zum Gutachten 2019 aussagekräftig
seien. Dr. med. D.___ habe auch ausdrücklich auf das MRT LWS vom 22. Februar
2019 Bezug genommen und habe dazu festgehalten, dass durch die leichtgradige
recessale Stenose L4/5 linksseitig die Nervenwurzel L5 irritiert werden könne.
Mit diesem Aspekt habe sich Dr. med. E.___ in seiner chirurgischen Beurteilung
mit keinem Wort auseinandergesetzt. Sodann könne eine orthopädische
Begutachtung nicht durch einen Facharzt für Chirurgie vorgenommen werden oder
umgekehrt. Für die Beurteilung der Beschwerden aus dem Fachbereich Orthopädie
fehle es diesem an einem Facharzttitel für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates (Urteil Versicherungsgericht des Kantons
Aargau, VBE.2018.471, vom 2. April 2019, E. 4.2). Gleiches habe zu gelten, wenn
neurochirurgische Fragestellungen – wie hier – von einem orthopädischen
Chirurgen beurteilt werden wollten. Dr. med. E.___ sei hierfür fachlich nicht
kompetent. Wenn er festhalte, in neurologischer Hinsicht hätten sich keine
Irritationen oder Ausfälle gezeigt, dann überschreite er damit sein
angestammtes medizinisches Fachgebiet. An der fehlenden Beweiseignung des
Gutachtens 2019 ändere auch die Stellungnahme vom 24. Juni 2020 nichts. Fakt
sei, dass die Gutachter 2019 die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung
vom 27. Mai 2019 gesehen und untersucht hätten. Die Ausführungen im Bericht vom
24. Juni 2020 beruhten deshalb nicht auf aktuellen und eigenen Wahrnehmungen
der Gutachter 2019, sondern einzig auf einer reinen – aber unzulässigen und
nicht beweistauglichen – Aktenbeurteilung. Damit erfüllten die Stellungnahmen
vom 7. Februar und 24. Juni 2020 die bundesgerichtlich geforderten
Beweiskriterien gemäss BGE 125 V 352 nicht, sodass darauf zur Entscheidfindung
nicht abgestützt werden könne. Zudem stehe fest, dass die Stellungnahme vom 7.
Februar 2020 einzig von einem der beteiligten Gutachter unterschrieben worden
sei. Da das Gutachten vom 23. September 2019 von beiden Gutachtern vorgenommen
worden sei, sei es zurecht auch von beiden Fachärzten unterzeichnet worden. Was
für das Gutachten gegolten habe, habe auch für die Stellungnahme vom 7. Februar
2020 zu gelten. Diese sei aber vom zweiten Gutachter nicht mitunterzeichnet
worden, so dass davon auszugehen sei, dass diese Stellungnahme nicht vom
Konsens beider Fachärzte getragen werde, sondern einzig die Meinung von Dr. E.___
vertrete. Gemäss Art. 44 ATSG seien aber nicht nur die eigentlichen Gutachten
von sämtlichen beteiligten Gutachtern zu unterzeichnen, sondern auch spätere
erläuternde oder zusätzliche Stellungnahmen der Gutachter. Nachdem nur einer der
begutachtenden Ärzte die Stellungnahmen unterschrieben habe, sei somit die
geltende Formvorschrift gemäss Art. 44 ATSG nicht eingehalten. Auf die
Stellungnahme vom 7. Februar 2020 sei von vornherein nicht einzutreten. Die
Stellungnahme von Dr. med. E.___ vom 7. Februar 2020 überzeuge auch in
inhaltlicher Hinsicht nicht. Wenn er unter Ziffer 1 behaupte, dass keine
Anfertigung von aktuellen bildgebenden Befunden gefordert werden könne, da eine
Indikation hierfür nicht gegeben sei, sei diese Auffassung falsch, weil die
bundesgerichtliche Rechtsprechung gemäss BGE 125 V 352 ff. zwingend verlange,
dass ein Gutachten auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruhe. Da
sich insbesondere die Diagnosen nicht bloss aufgrund von klinischen
Untersuchungen feststellen und beurteilen liessen, wäre somit eine aktuelle
bildgebende Befundung umso notwendiger gewesen. Der Gutachter habe sodann selbst
zugegeben, dass er die eigentlichen bildgebenden Befunde nicht beigezogen habe,
sondern bloss schriftliche Befundberichte. Da aber im UV-Verfahren zwingend
auch die Kausalität der Beschwerden zu beurteilen gewesen sei, habe es nicht
genügen können, einzig blosse Befundberichte beizuziehen, ohne die eigentlichen
Bilder einzusehen und neu zu beurteilen. Weiter habe Dr. med. E.___ zugegeben,
dass er den Bericht der F.___klinik vom 20. Oktober 2017 nicht in die
Begutachtung mit einbezogen habe. Dies nach seiner Darstellung aber offenbar
nicht aus Versehen, sondern ganz bewusst. Es liege nicht an den Gutachtern,
bestimmen zu wollen, welche medizinischen Vorakten in die Beurteilung
miteinbezogen werden sollten oder nicht. Gemäss BGE 125 V 352 ff. sei darauf zu
achten, dass sämtliche bestehenden medizinischen Berichte gesichtet und in die
abschliessende Beurteilung miteinbezogen würden. Die Auffassung von Dr.
med. E.___, wonach Kraftübungen von einer Probandin willentlich
beeinflusst werden könnten, was somit nicht als genügend objektiver Wert mit
Beweiskraft betrachtet werden könne, sei ohne jegliche Relevanz. Es lägen
keinerlei Einschätzungen oder auch nur Hinweise seitens der F.___klinik in
ihrem Bericht vom 25. Oktober 2017 vor, wonach der Beschwerdeführerin auch
nur ansatzweise simulierendes oder aggravatorisches Verhalten vorgeworfen
werden könnte. Nicht nachvollziehbar sei auch die Behauptung, wonach der durch
MRT festgestellte pertrochantäre Reizzustand bei der gutachterlichen
Untersuchung angeblich nicht mehr vorhanden gewesen sein solle. Das Gegenteil
sei der Fall: Wie Dr. med. C.___, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, in
seinem Untersuch vom 20. Februar 2020 festgestellt habe, bestünden bei der
Beschwerdeführerin ein Status nach posttraumatischer Vernarbung des N. Ischias
ohne Piriformissyndrom sowie eine Schwächung der Glutealmuskulatur durch Riss
der Sehne des M. Gluteus medius und ein Impingement der linken Hüfte mit
Labrumruptur. Aktuell habe Dr. med. C.___ anhaltende Schmerzen des
M. Ischias und Schwäche der Abduktion bestätigen können. Anders als die
Gutachter des B.___ behauptet hätten, bestünden aufgrund der vorgenommenen
bildgebenden Abklärungen (was die Gutachter des B.___ selbst verpasst hätten)
ein somatisches Substrat und posttraumatische Veränderungen. Damit sei
offensichtlich, dass die Feststellungen des B.___ in ihrem Gutachten, resp. in
der Stellungnahme von Dr. med. E.___ vom 7. Februar 2020 der tatsächlichen
medizinischen Sachlage nicht entsprächen. Der Einwand von Dr. med. E.___
zum Bericht der G.___-Klinik vom 23. August 2019 sei unbehelflich. Nachdem es
das B.___ offensichtlich verpasst habe, für eine adäquate bildgebende Abklärung
und vor allem aktuelle Bildgebung zu sorgen, erweise sich die Auffassung von
Dr. med. E.___, wonach sich angeblich keinerlei Hinweis auf eine Gluteus Medius
Ruptur feststellen lasse, als blosse Spekulation, aber als offensichtlich
unhaltbar und in Widerspruch zu den Feststellungen von Dr. med. C.___ vom 12.
März 2020 stehend. Das MRI vom 28. Februar 2020 habe gezeigt, dass deutliche
Folgen der Neurolyse des N. Ischias und eine Atrophie des Gluteus Maximus
vorlägen. Das MRI der Hüfte links vom 11. März 2020 habe eine stationäre
hyperintense Signalstörung im Musculus Gluteus Maximus linkseitig im kaudalen
Anteil aufgezeigt. Nach Kontrastmittelabgabe aber habe weder der Nervus
Ischiadicus links noch der Musculus Gluteus maximus links vermehrt
Kontrastmittel aufgenommen. Mit diesen neuen Befunden und der Beurteilung von
Dr. med. C.___ vom 5. März 2020, resp. 12. März 2020 sei der
anderslautenden Behauptung der Gutachter des B.___, wonach keine bildgebenden
morphologischen Veränderungen in dieser Region hätten festgestellt werden
können, offensichtlich der Boden entzogen. Dr. med. E.___ halte auf Seite
6 seiner Stellungnahme weiter fest, dass am 27. Mai 2019 nicht habe beurteilt
werden können, inwieweit am 23. August 2019 ein Verdacht auf eine frische
Ruptur der Gluteus medius-Sehne vorgelegen habe. Diese Beschwerden hätten
jedoch bereits anlässlich der Begutachtung 2019 bestanden und seien
entsprechend auch geäussert geworden. Hätten die Gutachter den medizinischen
Sachverhalt bildgebend aktuell und tatsächlich fachgerecht abgeklärt, hätte
diese Diagnose bereits anlässlich der Begutachtung 2019 gestellt und
entsprechend beurteilt werden müssen. Auch erscheine wenig vertrauenserweckend,
dass Dr. med. E.___ offenbar – wie Dr. D.___ kritisch anmerke – die
Unterschiede in den Befunden eines MRT und fMRT nicht geläufig zu sein
schienen, was ebenfalls erhebliche Zweifel an der Richtigkeit seiner
Behauptungen aufzeige. Als Fazit bleibe, dass der medizinische Sachverhalt
gemäss Art. 43 ATSG nach wie vor unvollständig und fachlich nicht korrekt
abgeklärt worden sei, weshalb zwingend eine neue polydisziplinäre Begutachtung
mit der Beschwerdeführerin durchzuführen sein werde, welche auch das Fachgebiet
der Neurochirurgie zwingend zu umschliessen haben werde. Wie zudem dem
Arbeitsunfähigkeitszeugnis von Dr. med. H.___ vom 12. Januar 2021 zu entnehmen
sei, bestehe bei der Beschwerdeführerin nach wie vor eine unfallbedingte
Arbeitsunfähigkeit im angestammten Tätigkeitsbereich im Umfang von mindestens
55 %. Auch unter diesem Aspekt überzeugten die Ausführungen der Beschwerdegegnerin
in keiner Weise. Schliesslich liess die Beschwerdeführerin mit ergänzender
Eingabe vom 28. April 2021 ausführen, Dr.
med. C.___ führe in seinen Berichten vom 11. März 2021 und 19. April 2021
aus, dass eine aktuelle MRT-Befundung des linken Hüftgelenks vom 24. März 2021
eine Pincer-Impingementsituation bei Protrusio acetabuli mit klaffendem
Labrumriss antero-superior von 1:30 bis 2:30 Uhr gezeigt habe. Er halte fest,
dass diese Befunde den klinischen Verdacht und die Beschwerden der Beschwerdeführerin
am linken Hüftgelenk bestätigten. Im MRI des linken Kniegelenks vom 23. März
2021 zeige sich zudem eine meniskokapsuläre Separation des Innenmeniskus,
kleiner Baker-Zyste. Die Ablösung des Innenmeniskus von der Kniegelenkskapsel
erkläre die medialen Kniebeschwerden. Er habe aufgrund dieser unfallbedingten
Beschwerden eine weitere Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestätigt. Bezüglich der
Beschwerden des linken Hüftgelenks stelle sich die Frage nach einer
Hüftarthroskopie links mit Versorgung der Labrumruptur. Diese Befunde
(insbesondere die MRT-Befundungen vom 23. März 2021) seien aktuell und
neu. Sie zeigten auf, dass die unfallbedingten Beschwerden der
Beschwerdeführerin sich erheblich einschränkender auswirkten, als von der
Beschwerdegegnerin und den Gutachtern angenommen worden sei. Zudem hätten die
Gutachter die nun vorliegenden MRT-Befunde selber gar nie erhoben resp. hätten
eine den Beweisanforderungen des Bundesgerichts genügende Beurteilung nicht
durchführen können, da diese – rechtsfehlerhaft – auf entsprechende Befundungen
trotz vorhandenen Beschwerden verzichtet hätten.

 

Demgegenüber vertritt die
Beschwerdegegnerin die Ansicht, gestützt auf das bidisziplinäre Gutachten des B.___
vom 23. September 2019 und dessen Stellungnahmen vom 7. Februar 2020 und 24.
Juni 2020, welche den Anforderungen der Rechtsprechung an den Beweiswert eines
Gutachtens vollumfänglich entsprächen, bestünden keine organisch objektiv
ausgewiesenen Folgen des Unfalls vom 25. Juni 2016. Selbst wenn die natürliche
Kausalität bejaht würde, sei die Adäquanz der nicht objektivierbaren
Beschwerden zu verneinen (Urteil 8C_216/2009 vom 28. Oktober 2009). Beim
vorliegenden Unfall vom 25. Juni 2016 handle es sich angesichts der
beschriebenen Umstände höchstens um einen mittelschweren Unfall an der Grenze
zu den leichten Unfällen. Zur Bejahung der Adäquanz müssten deshalb mindestens
vier der Kriterien oder ein Kriterium in ausgeprägter Weise erfüllt sein. Es
sei jedoch keines der von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aufgestellten
Kriterien erfüllt und auch keines in ausgeprägter Weise, weshalb die Adäquanz
per 29. Mai 2019 nicht mehr gegeben sei. In den Stellungnahmen vom 7. Februar
2020 und 24. Juni 2020 habe das B.___ ausführlich begründet Stellung zu
den Einwänden der Beschwerdeführerin betreffend Gutachten und
Objektivierbarkeit der Beschwerden genommen. Insbesondere sei unter
Berücksichtigung der Einsprache sowie sämtlicher medizinischer Akten,
insbesondere der bildgebenden Befunde, der Berichte des behandelnden Arztes Dr.
med. C.___ und des neurochirurgischen Berichts von Dr. med. D.___ vom 29. April
2020 nachvollziehbar begründet dargelegt worden, dass übereinstimmend mit dem
behandelnden Arzt Dr. med. C.___ und dem Neurochirurgen Dr. med. D.___
angesichts der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren keine objektivierbaren Beschwerden vorlägen. Weiter festzuhalten sei,
dass gemäss Rechtsprechung reinen Aktengutachten auch voller Beweiswert
zukomme, sofern ein lückenloser Befund vorliege und es im Wesentlichen nur um
die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen
Sachverhalts gehe (Urteil 8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E. 3), was bei
gutachterlichen Stellungnahmen zu anderen medizinischen Beurteilungen wie
vorliegend regelmässig der Fall sei.

 

5.       Streitig und zu prüfen ist
somit, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht bezüglich des
Ereignisses vom 25. Juni 2016 mit Einspracheentscheid vom 6. November 2020
(A.S. 1 ff.) zu Recht verneint hat. In diesem Zusammenhang sind im
Wesentlichen folgende medizinische Unterlagen von Belang:

 

5.1     Im Operationsbericht vom 4.
August 2016 (SA 15) wurde festgehalten, es bestehe eine partielle proximale
Hamstringsruptur Sitzbein links. Im MRI sei eine partielle Avulsion der proximalen
Hamstringssehne gesehen worden, was die ausstrahlenden Schmerzen nach distal
erklären könne. Die Indikation zur operativen Versorgung sei gegeben.

 

5.2     Im Bericht der Orthopädischen
Klinik [...], I.___-Spital, vom 15. Dezember 2016 (SA 31) stellte Dr. med. J.___
folgende Diagnosen:

 

St. n. proximaler Hamstringsrevision
sowie Refixation linksseitig vom 4. August 2016

-      
Aktuell: posterio-medial
sowie posterio-laterale Knieschmerzen sowie Hämatom subcutan Knie links

 

Am 12. Dezember 2016 sei ein MRI am Knie
links durchgeführt worden. Die Beschwerden seien im Rahmen einer Tendovaginitis
und Überlastung des Pes anserinus sowie der Hamstrings posterio-medial zu erklären,
ebenso bestehe eine Reizung im proximalen Hamstringgebiet.

 

5.3     Im Bericht der F.___klinik vom
13. November 2017 (SA 61, S. 7) wurden folgende Diagnosen gestellt: 

 

-      
Bandscheibenläsion L4/5 mit
Wurzelreizung L5 links

-      
Facettengelenksarthrose
L4/5 bilateral mit Spinalkanalstenose

-      
Chronischer,
persistierender dorsalseitiger Hüft- und Beckenschmerz linksseitig bei

-      
St.n. proximaler
Hamstringrevision am 4. August 2016

-      
Insuffizienz der
Hüftstabilisatoren, links > rechts

-      
Tractussyndrom links

 

Bei der biomechanischen Abklärung (vgl.
SA 214) finde sich in der Abduktion ein Defizit von -26 % links, -76 %
links in der Adduktion. In der Extension -52 % links, Flexion -53 %
links. Deutliche Adductorenschwäche links zu rechts. Quotient Rumpf / Adductoren
links 0.7, rechts 0.16. In der Zusammenfassung betrachtet ergebe sich kein
zwingender lumbogener Verdacht auf eine Pathologie in diesem Bereich, der die
Schmerzsymptomatik auslöse. Auch von der Schmerzbeschreibung her sei sicherlich
bei der positiven Piriformistestung ein hochgradiger Verdacht auf ein
Piriformissyndrom/Narbenstrangbildung im Bereich des Revisionsbereiches der
Hamstrings mit Tangierung des Ischiadicus nicht auszuschliessen.

 

5.4     Mit Aktenbeurteilung vom 1.
Dezember 2017 (SA 58) hielt Dr. med. K.___, Facharzt FMH für Chirurgie,
Vertrauensarzt, fest, die Versicherte sei am 25. Juni 2016 gestürzt und habe
sich dabei einen Teilabriss der Hamstring-Muskulatur am linken Sitzbein und
eine Prellung des linken Kniegelenks zugezogen. Am 4. August 2016 sei die Refixation
der Hamstrings erfolgt. Ausserdem bestünden bei der Beschwerdeführerin
degenerative Veränderungen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Es bestünden
weiterhin Beschwerden im Bereich des Gesässes sowie unklar am linken
Kniegelenk. Die Beschwerden seien wandernd, ab und zu sei das Becken und auch
das ganze Bein betroffen. Die subjektiv beklagten Beschwerden seien hinreichend
durch die Untersuchungsbefunde und das MRI objektiviert. Der Behandlungsverlauf
sei durch die degenerativen Veränderungen im Bereich der Lendenwirbelsäule und
der nicht nachvollziehbaren Kniegelenksbeschwerden links prolongiert.
Unfallbedingt könne nicht mehr mit einer namhaften Besserung der
Gesundheitsschädigung gerechnet werden. Die jetzt noch vorhandenen Beschwerden
seien längst nicht mehr unfallbedingt. Mit dem Grad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit seien sie Folge der degenerativen Veränderungen im Bereich
der Wirbelsäule. Der Unfall vom 25. Juni 2016 sei für ein halbes Jahr nach
Refixation der Hamstring-Muskulatur die wesentliche Mitursache der
festgestellten gesundheitlichen Störung gewesen. Die Hamstring-Verletzung könne
dann als abgeheilt angesehen werden. Ein Status quo sine sei ebenfalls ein
halbes Jahr nach der Refixation der Hamstring-Muskulatur wieder erreicht gewesen,
da mit dem geforderten Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit die jetzt
noch bestehenden Beschwerden früher oder später auch ohne die Hamstring-Verletzung
aufgetreten wären. Unfallbedingt habe ein halbes Jahr nach der Refixation keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Serviceangestellte mehr bestanden. Bis
zu drei Monaten nach der Refixation habe keine Arbeitsfähigkeit und danach eine
50%ige Arbeitsfähigkeit für ein weiteres Vierteljahr bestanden.

 

5.5     Im Operationsbericht vom 1. Oktober
2018 (SA 82) wurden folgende Diagnosen gestellt:

 

·        
unklarer tief
glutealer Schmerz linksseitig m/b

-    
St.n. Revision der
proximalen Partialruptur der Hamstrings linksseitig vom 4. August 2016 (keine
Verbesserung der posttraumatischen Schmerzen nach der Operation)

-    
St. n. Unfall in der Küche
vom 25. Juni 2016

-    
Neurologisch Verdacht auf
Piriformissyndrom linksseitig bei Piriformisverdickung

-    
Verdacht auf radikuläres
Reizsyndrom L5 bei degenerativen Veränderungen 

-    
negatives Ansprechen auf
Infiltrationstherapie im ISG sowie periradikulär L5/S1 links

 

Operativ seien eine Ischiadicus
Neurolyse sowie Nervenverlagerung des Ischiadicus mit Revison der Narbenplatte
der proximalen Hamstrings linksseitig vorgenommen worden. 

 

5.6     Mit Aktenbeurteilung vom 3.
November 2018 (SA 85) hielt Dr. med. K.___, Facharzt FMH für Chirurgie,
Vertrauensarzt, fest, in seiner letzten Beurteilung sei er davon ausgegangen,
dass die Beschwerden nach der Hamstring-Refixation überwiegend von den
degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule ausgingen. Die anamnestischen Daten
hätten auch dafür gesprochen. Jetzt zeige sich jedoch bei der operativen
Revision eine deutliche Narbenplatte und diese müsse zumindest als teilursächlich
angesehen werden. Ob sich durch diesen Eingriff die Beschwerden besserten und
im günstigsten Fall zum Verschwinden gebracht werden könnten, werde die Zeit
zeigen. Dies habe dann letztendlich auch Einfluss auf die Beurteilung der
Kausalität.

 

5.7     Im Bericht der Orthopädischen
Klinik [...], I.___-Spital, vom 17. Januar 2019 (SA 117) führte Dr. med. J.___
aus, er habe bei der Beschwerdeführerin eine Revision des Ischiadicus sowie der
Narbenplatte durchgeführt. Intraoperativ hätten keine Abnormalitäten der
Sehnenansätze sowie des Ischiadicus Nerves gesehen werden können. Sämtliche
Vernarbungen seien gelöst und der Nerv etwas verlagert worden, so dass keine
Benachbarung stattfinde. Von der Operation habe sich die Beschwerdeführerin eigentlich
gut erholt, Schmerzen würden im Zugangsbereich noch angegeben, jedoch seien die
Schmerzen nach wie vor stichartig mit Ausstrahlung nach unten vorhanden. Er,
Dr. med. J.___, sehe deswegen lokal keine Ursache der Beschwerden und habe
weiterhin den Verdacht auf ein Reizsyndrom L5/S1.

 

5.8     Im Bericht betreffend das
Arthro-MRI der Hüfte links vom 4. April 2019 (SA 133) wurde zur
Beurteilung festgehalten: «In Zusammenschau mit der konventionellen Voraufnahme
vom 22. März 2019 femoroacetabuläre Impingement-Konfiguration vom gemischten
Typ. Labrumdegeneration mit ausgedehntem anterosuperiorem Labrumriss. Leichter
peritrochanterer Reizzustand. Keine Bursitis trochanterica. Keine Reruptur der
Hamstrings-Sehnen.

 

5.9     Im B.___-Gutachten vom 23.
September 2019 (SA 203; Fachrichtungen: Orthopädie, Psychiatrie) wurden
folgende Diagnosen gestellt:

 

Mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:

-      
Aus somatischer Sicht
bestünden keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit

-      
Aus psychiatrischer Sicht
bestünden keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit

 

Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:

-      
Remittierte depressive
Episode (ICD-10 F32.4)

-      
Chronische Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)

-      
St. n. Ruptur der
ischiocruralen Muskulatur links am 4. August 2016 mit persistierenden
Insertionstendinosen am Os ischii und Trochanter major links, keine Hinweise
auf Schädigungen des N. ischiadicus, vertebragene oder coxogene Faktoren, keine
Hinweise auf muskuläre Insuffizienzen.

-      
St. n. Refixation der
Hamstrings proximal am 4. August 2016

-      
St.n. Ischiadicus-Neurolyse
sowie Nervenverlagerung am 1. Oktober 2018

-      
MRI LWS/ISG Sakrum vom 20.
Februar 2019: Leichtgradige Bandscheibendegeneration und dorsale Vorwölbung der
Bandscheiben L3 bis S1, leichte bis mässiggradige Spondylarthrosen im unteren
LWS-Bereich. Kein Nachweis einer Neurokompression

-      
Arthro-MRl Hüfte vom 4.
April 2019: Femoroacetabuläre Impingementkonfiguration vom gemischten Typ. Keine
Re-Ruptur der Hamstring-Sehnen

-      
Fussinsuffizienz mit
submalleolärem Impingement links

 

Die Funktionsstörungen auf dem orthopädischen
Fachgebiet seien nach objektiven Kriterien gering. Sie bestünden in einer
prinzipiell nachvollziehbaren persistierenden Schmerzhaftigkeit der
Sehnenansätze am Tuber ischii und am Trochanter links. Es seien jedoch keine
objektivierbaren Folgen im Sinne einer muskulären Schwäche, einer
reflektorischen muskulären Hemmung oder einer Umfangsdifferenz der Muskulatur
der unteren Extremitäten erkennbar. Psychiatrischerseits bestünden zwar
Einschränkungen des subjektiven Wohlbefindens, jedoch keine Funktionsbeeinträchtigungen
mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit. Es bestehe eine deutliche Diskrepanz
zwischen den geschilderten Beschwerden und den beobachtbaren objektivierbaren
Befunden. Die seitengleiche Muskelausprägung und der zu erhebende Muskelstatus
bezüglich der Kraftausübung im Becken- / Beinbereich ergäben keine
Hinweise auf eine schmerzbedingte Störung der Funktion des linken Beines. Die
Schmerzintensität könne somit nach objektiven Kriterien in der genannten Weise
nicht nachvollzogen werden. Die bisherige Tätigkeit als Wirtin in einem
Restaurant könne entsprechend der objektivierbaren Befunde geleistet werden.
Bezüglich der unfallversicherungsrechtlichen Fragen der Beschwerdegegnerin
hielten die Gutachter im Wesentlichen fest, das Unfallereignis vom 25. Juni
2016 sei als auslösender Faktor für die angegebene Schmerzhaftigkeit zu
betrachten. Die psychiatrischen Störungen seien teilweise auf das
Unfallereignis zurückzuführen. Die abgelaufene, inzwischen remittierte depressive
Symptomatik sei auf den Unfall als mögliche Ursache zurückzuführen. Die
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sei mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen. Die
chronische Schmerzstörung sei nicht ausgeheilt. Es liege in der Natur dieser
«chronischen» Störung, dass eine vollständige Remission unwahrscheinlich sei.
Es bestehe psychiatrisch ein leichter Integritätsschaden gemäss Suva-Tabelle
als Korrelat einer leichten psychischen Störung (chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren). Dieser Schaden entspreche 20 % gemäss
Suva-Tabelle 19.

 

5.10   Die Hausärztin der
Beschwerdeführerin, Dr. med. H.___, Fachärztin für Allgemeine und Innere
Medizin FMH, hielt in ihrer Stellungnahme vom 17. Oktober 2019 (SA 214, S. 18)
fest, die zuvor aktive Beschwerdeführerin sei seit dem Unfall am 25. Juni
2016 in vielerlei Hinsicht deutlich beeinträchtigt. Normale Bewegungsabläufe
seien nicht möglich – schon das normale Gehen bereite ihr grosse Schmerzen,
geschweige denn andere belastende Tätigkeiten wie z.B. die Arbeit im Haushalt.
Diese könne sie nur etappenweise verrichten und sie sei auf Hilfe vom Ehemann
angewiesen. Positionswechsel von Sitzen zum Stehen und längeres Gehen ab 600 m
insbesondere Bergauflaufen, lösten einen starken stechenden Schmerz im linken
Bein aus. Das Bein fühle sich kraftlos an. Häufig nehme sie ziehende Schmerzen im
Bein wahr. In der Hocke spüre sie deutlichen Druck und beim Aufstehen eher
krampfartige Schmerzen. Nach Hausarbeiten wie z.B. Staubsaugen komme es
anschliessend zur Aggravierung von Schmerz und Schwellung um die Narbe im
Bereich des linken Trochanter major. Schweres Heben oder Schuhe binden seien
schmerzbedingt kaum möglich. Autofahren sei maximal 30 Minuten möglich, dann
müsse sie eine Pause machen. Das Liegen auf der linken Seite sei ebenfalls
schmerzhaft, so dass sie regelmässig Brufen und Novalgin einnehmen müsse, um
schlafen zu können. Der Beschwerdeführerin sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in
der bisherigen Tätigkeit als Wirtin und Service-Angestellte sowie in einer
angepassten Tätigkeit durch das Gutachten des B.___ bescheinigt worden. Aus
hausärztlicher Sicht sei dies bei solch einer schmerzgeplagten Patientin nicht
nachzuvollziehen. Alle bisherigen fachärztlichen Abklärungen wiesen auf ein
Problem im Zusammenhang mit dem Unfall hin – insbesondere sei die Wirbelsäule
als Genese der Schmerzen ausgeschlossen worden.

 

5.11   Mit Schreiben vom 7. Februar 2020
nahm der B.___-Gutachter, Dr. med. E.___, Facharzt für orthopädische Chirurgie,
im Auftrag der Beschwerdegegnerin zum Schreiben des Vertreters der
Beschwerdeführerin vom 23. Oktober 2019 Stellung (SA 238) und führte aus, wie
aus der Diagnoseliste Seite 5 des Gutachtens zu entnehmen sei, dominierten bei
der Versicherten Diagnosen, welche sich radiologisch nicht verifizieren
liessen. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stünden die
Folgen der Verletzung der ischiocruralen Muskulatur links im Vordergrund,
welche sich radiologisch nicht darstellen liessen. Die Befunde an der LWS/am
Sakrum vom 20. Februar 2019 und das MRI der Hüfte vom 4. April 2019 stellten
lediglich leichtgradige Befunde dar. Die Entscheidung zur Neuanfertigung von
Röntgenaufnahmen basiere jeweils auf dem klinischen Befund. Bei fehlender
Indikation könne keinerlei Neuanfertigung von Röntgenaufnahmen gefordert
werden, sie sei sogar als unangebracht und unethisch zu bezeichnen. Auch die
Heranziehung vorangehender Bildgebungen sei nicht immer vollumfänglich
erforderlich, sondern nur soweit es für die Entscheidungsfindung von
zielführendem Interesse sei. Bei der gutachterlichen Untersuchung seien die
zweckdienlichen Bildgebungen herangezogen worden. Weiter führte der Gutachter
zum Vorhalt des Vertreters der Beschwerdeführerin, wonach die Gutachter
verschiedene Berichte nicht eingeholt und nicht in die Beurteilung
miteinbezogen hätten, aus, der Bericht der F.___klink betreffend die
biomechanische Untersuchung vom 25. Oktober 2017 habe bei der Begutachtung
vorgelegen. Da dieser Bericht zum Zeitpunkt der Begutachtung bereits annähernd
zwei Jahre alt gewesen sei und somit nicht der aktuell möglichen Kraftausübung
entsprochen habe, seien die damals erzielten Ergebnisse nicht mit einbezogen
worden. Zudem sei aus gutachterlicher Sicht festzustellen, dass die von einem
Probanden ausgeübte Kraft willentlich beeinflusst werden könne und somit nicht
als genügend objektiver Wert mit Beweiskraft betrachtet werden könne. Sodann
werde im Bericht der G.___-Klinik vom 16. April 2019 eine Misch-lmpingementsituation
an der linken Hüfte bei antero-superiorer langstreckiger Labrumläsion
festgestellt. Die Hamstring-Sehnen erschienen nach Refixation weiterhin intakt.
Als schmerzerzeugend werde ein im MRI tomographisch festgestellter
peritrochanterer Reizzustand festgestellt. Hierbei handle es sich um eine
unspezifische Reizung am Sehnenansatz der Hüfte lateral, welcher als transient
betrachtet werden könne und auch im Kontext der offensichtlich wechselnden
Muskelirritation zu sehen sei (zum Beispiel Piriformis-Syndrom). Dieser
Reizzustand sei bei der gutachterlichen Untersuchung nicht mehr vorhanden und
als «ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit» zu betrachten. Diese Diagnose
stelle sich wiederum als Ausdruck der wechselnden Symptomatik dar.
Bemerkenswert sei, dass in diesem MR-Tomogramm vom 4. April 2019 keine
Symptomatik seitens der Hamstring-Sehnen festgestellt worden sei. Zum
Sprechstundenbericht der G.___-Klinik vom 23. August 2019 sei schliesslich
Folgendes festzuhalten: In diesem Bericht werde der Verdacht auf eine frischere
Totalruptur der Gluteus medius-Sehne sowie etwas Flüssigkeit im Läsionsareal
benannt. Hierzu sei festzustellen, dass die gutachterlichen Untersuchungen im B.___
in der Woche vom 27. Mai 2019 stattgefunden hätten. Der Sonographie-Bericht
stamme vom 5. Juli 2019, sei insofern zwei Monate nach der gutachterlichen
Untersuchung erhoben worden. Insofern habe dieser Befund der G.___-Klinik
naturgemäss nicht berücksichtigt werden können. Kritisch zu ergänzen sei, dass
es sich hierbei um einen anhand einer Sonographie geäusserten Verdacht einer
frischeren (also wohl nach der Begutachtung erfolgten) Ruptur handle. Dieser
müsste mittels eines MRI bestätigt werden. Eine Totalruptur der Gluteus
medius-Sehne sei sehr ungewöhnlich. Sie setze eine zwischenzeitliche erhebliche
Verletzung voraus. Im zitierten MR-Befund lasse sich lediglich ein
peritrochantärer Reizzustand, jedoch keinerlei Hinweis auf eine Gluteus medius
Ruptur feststellen. Sicherlich habe bei der gutachterlichen Untersuchung kein
Hinweis auf eine Gluteus medius Ruptur bestanden, welche sich klinisch
eindeutig durch eine entsprechende Glutealinsuffizienz mit Trendelenburg’schem
und Duchenne Zeichen erkennen liesse. Des Weiteren äusserte sich der Gutachter
zu den Vorhalten des Rechtsvertreters, wonach er als orthopädischer Chirurg
nicht befähigt sei, neurologische Sachverhalte und LWS-Beschwerden zu
beurteilen: Bei all diesen vielfachen Untersuchungen und Diagnosen ergäben sich
keine Hinweise auf neurologische Irritationen oder Ausfälle. Dies treffe auch
für die aktuelle gutachterliche Untersuchung zu. Es seien weder radikuläre
Irritationen noch radikuläre Defizite zu erkennen gewesen. Nach jahrzehntlanger
Erfahrung in operativer und konservativer Wirbelsäulenbehandlung in leitender
Position fühle sich der orthopädische Gutachter durchaus qualifiziert,
radikuläre Komponenten zu erkennen. Wie im B.___ üblich, würden bei geringsten
Anzeichen auf eine neurologische Problematik auch neurologische Gutachter
hinzugezogen. Es habe jedoch im konkreten Fall nicht der geringste Anhalt für
ein Symptom auf neurologischem Fachgebiet bestanden.

 

5.12   Im Bericht von Dr. med. C.___,
Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, vom 20. Februar 2020 (SA 256, S. 12)
wurden folgende Diagnosen gestellt: 

 

-      
Status nach
posttraumatischen Vernarbungen des N. Ischias ohne Piriformis Syndrom

-      
Schwäche der
Glutealmuskulatur durch Riss der Sehne des M. gluteus medius

-      
Impingement linke Hüfte mit
Labrumruptur

 

Vor dem Unfall sei die
Beschwerdeführerin vollkommen gesund und ohne Beeinträchtigungen in ihrem
alltäglichen Leben gewesen. Die Verletzungen der Hamstrings mit anschliessender
Operation hätten durch Einblutungen zu Vernarbungen des N. ischias geführt,
welche operativ hätten beseitigt werden sollen. Diese Operation sei ohne Erfolg
gewesen und habe zur Verschlimmerung der Gesamtsituation geführt. Aktuell
bestünden anhaltende Schmerzen des N. ischias und eine Schwäche der Abduktion.
Ausserdem ein schmerzhaftes Impingement der linken Hüfte. Als Unfallfolgen
bestünden Schmerzen des Ischias und an der Reinsertionsstelle der Hamstrings.
Die Labrumruptur könnte auch eine Unfallfolge darstellen. Hierzu müssten die
ersten MRi‘s eingesehen werden. Gleiches gelte für den möglichen Riss der Sehne
des Gluteus medius. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %.

 

5.13   Mit Bericht vom 5. März 2020 (SA
256, S. 14) hielt Dr. med. C.___ fest, im MRI vom 28. Februar 2010 (recte:
2020) seien folgende Befunde erhoben worden: «Status nach posttraumatischen
Vernarbungen des N. ischias ohne Piriformis Syndrom; Atrophie maximus.
Metallartefakte bei Refixation der Hamstring-Muskulatur. Signalstörung auf Höhe
des Musculus piriformis. Keine vermehrte Flüssigkeit entlang des Trochanter
major. Unauffällige Glutealsehnen.» Diese Befunde schlössen einen Abriss der
Sehne des M. gluteus medius aus, zeigten aber deutliche Folgen der Neuroyse des
N. ischias und eine Atrophie des Gluteus maximus. Dies erkläre die Schwäche der
Abduktion und die dorsalen Beschwerden.

 

5.14   Mit Bericht vom 12. März 2020 (SA
256, S. 17) führte Dr. med. C.___ aus, das MRI der linken Hüfte vom 11. März
2020 ergebe folgende Befunde: «Zum Vergleich die Voruntersuchung vom 28.
Februar 2020. Vergleichend hierzu stationäre hyperintense Signalstörung im
Musculus gluteus maximus linksseitig im kaudalen Anteil. Nach
Kontrastmittelgabe nimmt weder der Nervus ischiadicus links, noch der Musculus
gluteus maximus links vermehrt Kontrastmittel auf. Keine fassbare Kompression
des Nervus ischiadicus nach anamnestisch Verlagerung desselben. Beginnende
fettige Atrophie (Grad I) des Gluteus maximus.»

 

5.15   Im Bericht von Dr. med. D.___,
Facharzt Neurochirurgie FMH, vom 29. April 2020 (SA 274) wurden folgende
Diagnosen gestellt:

 

Posttraumatisch stärkste Schmerzen im
Beckenbodenbereich, Os coccygis, Tuber ischiadicum sowie pertrochantär links
mit/bei:

•     
Refixation der proximalen
Hamstrings (4. August 2016)

•     
Operativer Intervention mit
Ischiadicus Neurolyse sowie Nervenverlagerung des lschiadicus mit Revision der
Narbenplatte der proximalen Hamstrings links (1. Oktober 2018)

•     
St. n. ISG-Infiltration und
periradikulärer Infiltration L5/S1 links

•     
St. n. Unfall in der Küche
(25. Juni 2016)

 

Die Beschwerdeführerin berichte über
einen Sturz in der Küche im Jahre 2016, wobei das linke Bein nach vorne
gestreckt gewesen sei, anschliessend das Knie angeschlagen worden und ein
Aufprall im Gesässbereich erfolgt sei. Die Beschwerdeführerin sei seit dem
Trauma im Jahr 2016 deutlich eingeschränkt und schmerzgeplagt. Sodann erhob Dr.
med. D.___ folgende Befunde: Deutlich schmerzgeplagte Patientin mit Schonhinken
im linken Beinbereich. Beim Sitzen Entlastung des linken glutealen Bereiches.
In der klinischen Untersuchung deutliche Schmerzen pertrochantär mit Zunahme
bei Hüftaussenrotation und bei Hüftflexion. Über dem Tuber ischiadicum stärkste
Schmerzen, leichtgradige Hypästhesie Dermatom C2 und C3 links. Massive Os
coccygis Schmerzen bei der rektalen Untersuchung. Lasegue pseudopositiv
linksseitig. Deutliche Narbenplatte über dem Zugangsbereich gluteal und
pertrochantär. Atrophie Quadrizepsbereich und M. tibialis anterior links.
Hüftabduktionsschäche links. Mögliche Atrophie des M. glutaeus medius oder
inferior.» Weiter führte Dr. med. D.___ aus, die ausgeprägte Schmerzsymptomatik
sei seines Erachtens sowohl auf die ausgeprägte Os coccygis Schmerzsymptomatik,
eine Tuber ischiadicum Schmerzsymptomatik links, wie auch die pertrochantäre
Schmerzsymptomatik zurückzuführen. Seines Erachtens bestehe zudem eine
Dysfunktion des Beckenbodens. Auch bestehe eine deutlich reduzierte
Hüftmobilität linksseitig. In der MRT LWS-Untersuchung vom 20. Februar 2019
zeige sich eine leichtgradige recessale Stenose L4/5 linksseitig, wobei die
Nervenwurzel L5 links irritiert werden könnte. Aus neurochirurgischer Sicht
qualifiziere sich die Beschwerdeführerin aktuell für eine stationäre
rehabilitative Massnahme mit dem Ziel, den Beckenbodenbereich zu lösen, die
schmerzhaften Ansatzstellen der Hamstrings wie auch die schmerzhafte Narbe
pertrochantär zu verbessern, sei es durch Ultraschall, Stosswellentherapie,
Beckenbodentraining, osteopathische Os coccygis Mobilisation etc. Auch dürfte eine
Lyrica-Einnahme mit Erhöhung der Dosierung bis maximal 600 mg pro Tag
diskutiert werden. Als Ultima Ratio wäre die gezielte neuroforaminale
Infiltration L5/S1 links bzw. jene über epidural L4/5 links zu diskutieren. Aus
neurochirurgischer Sicht hätten die aktuellen Beschwerden ihren Ursprung im
Unfallereignis vom Jahre 2016.

 

5.16   In seiner Stellungnahme vom 24.
Juni 2020 (SA 289) führte Dr. med. E.___ vom B.___ aus, im MRI vom 4. April
2019 zeige sich – wie auch im Gutachten aufgeführt – eine femoroazetabuläre
Impingementkonfiguration vom gemischten Typ mit Labrumdegeneration,
ausgedehntem anterosuperiorem Labrumriss und leichtem peritrochantärem
Reizzustand. Es sei eindeutig keine Reruptur der Hamstringsehnen zu erkennen.
Dies entspreche auch den Bildgebungen vom 11. März 2020 und 28. Februar
2020. Beide MRIs seien vom Referenten beurteilt worden. Es habe sich keine
relevante Signalveränderung in der Glutealmuskulatur oder der ischiacruralen
Muskulatur erkennen lassen. Allenfalls seien dies Folgen älterer kleiner
Läsionen, jedoch keine relevante Unterbrechung der Muskelfaserkontinuität. Bei
der gutachterlichen Funktionsprüfung der Hüftgelenke habe sich keine
Bewegungseinschränkung ergeben. Im Gutachten werde unter 7.1 das Schmerzmuster
bei der Versicherten beschrieben. Es werde auch die Pathogenese der
Schmerzhaftigkeit ausgeführt. Beschrieben werde die multilokuläre
Schmerzhaftigkeit in der Beckenregion. Diese werde auch als nachvollziehbar
bezeichnet. Die Kausalität werde jedoch als komplex dargestellt, wobei einer
Ruptur der ischiokruralen Muskulatur und deren Folgen allenfalls eine
untergeordnete Rolle zugeschrieben werde. Insofern liessen sich objektivierbare
Befunde feststellen, welche als geringgradig zu betrachten seien. Im MRI vom 28.
Februar 2020 stelle sich eine Atrophie des Musculus gluteus maximus dar, in
Zusammenschau mit dem Schmerzmuster bei der gutachterlichen Untersuchung, bei
den Untersuchungen von Dr. med. C.___ und Dr. med. D.___, liege eine
komplexe, chronifizierte Funktionsstörung der gesamten Beckenmuskulatur vor mit
Myosen, Insertionstendinosen, partiellen Muskelatrophien und charakteristischen
Schmerzangaben an den charakteristischen Prädilektionsstellen. Morphologisch
sei jedoch bei diesem multifaktoriellen Geschehen (zunehmende Adipositas,
muskuläre Dekonditionierung, Beckenbodenschwäche etc.) keine strukturelle
hauptverantwortliche Schädigung im MRI festzustellen, weder seitens der
Gelenke, noch diskogen / radikulär. Signalauffälligkeiten
muskelansatznah seien auch als Folge chronischer Überlastungen bei einem
Missverhältnis von Belastung und Belastbarkeit zu sehen. Eine Differenzierung
zwischen Überlastungsschäden und kleinen muskulären Einrissen sei im MRI oft
nicht sicher möglich. Des Weiteren beschreibe Dr. med. D.___ in seinem
Schreiben vom 29. April 2020, dass bis anhin multiple Therapien wie
Infiltrationen, Physiotherapien, Osteopathien etc., ohne Erfolg durchgeführt
worden seien. In seinem Befund würden peritrochantäre Schmerzen und Os coccygis
Schmerzen beschrieben. Völlig unverständlich sei seine Angabe bezüglich einer
Hypästhesie Dermatom C2 und C3 links. Das Lasegue’sche Zeichen sei linksseitig
positiv. Hierzu sei festzustellen, dass diese Schmerzangabe der Beschreibung im
Gutachten Seite 36, vorletzter und letzter Absatz, entspreche. Diese
Schmerzhaftigkeit sei im Rahmen der bereits erwähnten Dysfunktion der gesamten
Beckenmuskulatur zu sehen. Die Prüfung des Lasegue‘schen Zeichens gehe
bekanntlich zwangsläufig mit der Dehnung der Muskelansätze am Os ischii einher
und könne einen Nervendehnungsschmerz vortäuschen. Die muskuläre lnsuffizienz
der Glutealmuskulatur sei auf Seite 35 des Gutachtens im Sinne eines
Entlastungshinkens und einem unsicheren Einbeinstand beschrieben worden.
Bezüglich der von Dr. med. D.___ postulierten Atrophie der
Unterschenkelmuskulatur sei zu sagen, dass seitens des Referenten eine konkrete
Messung der Beinmuskulatur durchgeführt worden sei, welche jedoch keinerlei
Seitendifferenz der Muskelausprägung ergeben habe. Somit sei die Aussage von
Dr. med. D.___ durch Messung widerlegt worden. In der MRI-LWS-Untersuchung vom
20. Februar 2019 zeige sich eine leichtgradige rezessale Stenose L4/5
linksseitig, wobei die Nervenwurzel L5 links entsprechend der Bildgebung
irritiert werden könnte. Es sei eine Banalität festzustellen, dass die
Bildgebung mit einer «leichtgradigen rezessalen Stenose und der Möglichkeit
einer Nervenwurzelirritation» keineswegs mit der klinischen Bedeutung im Sinne
einer Nervenwurzelschädigung korreliere (dies sei ein Grundwissen in der
Beurteilung von Wirbelsäulensyndromen). Entscheidend für die Relevanz sei der
klinische Befund, welcher entsprechend der Begutachtung keinen ausreichenden
Anhalt für eine radikuläre Irritation, geschweige denn für eine aktuelle radikuläre
Schädigung erbracht habe. In Anbetracht der von Dr. med. D.___ erwähnten
Erfolglosigkeit zahlreicher bisheriger Therapien und der komplexen
Schmerzsymptomatik in der gesamten Beckenregion, bei wahrscheinlicher
Chronifizierung, erheblicher Gewichtszunahme und fehlenden neurologischen
Reizsymptomen, erschienen die Vorschläge, durch gezielte neuroforaminale
Infiltrationen L5/S1 links eine nachhaltige Besserung zu erreichen, wenig
Erfolg versprechend.

 

5.17   Mit Stellungnahme vom 8. Juli
2020 (SA 297, S. 5) führte Dr. med. D.___, Facharzt Neurochirurgie FMH, aus, der
Lasègue sei nicht, wie von Dr. med. E.___ beschrieben, positiv, sondern nur
pseudopositiv und zwar auf der linken Seite. Somit sei die Bemerkung von Dr.
med. E.___ betreffend Lasègue‘sches Zeichen nicht zu verwerten. Betreffend die
Erläuterungen der MRT LWS Untersuchung vom 20. Februar 2019 sei folgendes
anzumerken: Die Beschwerdeführerin leide unter einer Dis-kopathie LWK4/5,
welche beidseitige paramediane bis foraminale Protrusionen aufweise und dadurch
könne es zu einer Irritation der Nervenwurzel L5 linksseitig im Bereich des
oberen Rezessus-Bereiches kommen. Der Begriff Irritation sei gewählt worden, da
anhand der aktuellen Bildgebung (MRT LWS 20. Februar 2019), welche im Liegen
gemacht worden sei, eine dynamische Komponente nicht ausgeschlossen werden
könne. Um abschliessend eine mögliche Kompression der Nervenwurzel L5
linksseitig auszuschliessen, müsse eine funktionelle MRT LWS Untersuchung in
Flexions- und Reklinationsbewegung durchgeführt werden. Somit sei die
Textstelle: «Es ist eine Banalität festzustellen, dass die Bildgebung mit einer
leichtgradigen rezessalen Stenose und der Möglichkeit einer
Nervenwurzelirritation keineswegs mit der klinischen Bedeutung im Sinne einer
Nervenwurzelschädigung korreliert», nicht korrekt. Zum Beispiel habe er, Dr.
med. D.___, in seinem Schreiben erwähnt, dass längeres Sitzen wie auch längeres
Gehen kaum möglich seien und somit könne bei dieser komplexen Patientin
aufgrund der liegenden MRT LWS-Untersuchung keine korrekte Aussage betreffend
neurogener Kompromittierung der Nervenwurzel L5 links gemacht werden.

 

5.18   Im Konsultationsbericht vom 11.
März 2021 (A.S. 70 f.) sowie im Überweisungsbericht vom 19. April 2021 (A.S. 68
f.) stellte Dr. med. C.___ folgende Diagnosen:

 

-      
Initiale Koxarthrose links

-      
Initiale Varusgonarthrose
links mit Innenmeniskusläsion 

-      
Nebendiagnosen: Partielle,
proximale Hamstringruptur Sitzbein links nach Unfall in der Küche am 25. Juni 2016,
Refixation der Hamstrings links vom 4. August 2016, Neurolyse N. Ischias vom 1.
Oktober 2018

 

Die Verletzung der Hamstrings mit anschliessender
Operation habe durch Einblutungen zu Vernarbungen des N. ischias geführt,
welche operativ hätten beseitigt werden sollen. Diese Operation sei ohne Erfolg
gewesen und habe zur Verschlimmerung der Gesamtsituation geführt. Aktuell
anhaltende Schmerzen des N. ischias und Schwäche der Abduktion. Ausserdem
schmerzhaftes Impingement der linken Hüfte. Im MRI vom 28. Februar 2010 (recte:
2020) ([...]) Status nach posttraumatischen Vernarbungen des N. ischias
ohne Piriformis Syndrom. Atrophie des M. gluteus maximus. Metallartefakte
bei Refixation der teilweise rupturierten Hamstring-Muskulatur. Keine
Signalstörung auf Höhe des Musculus piriformis. Keine vermehrte Flüssigkeit
entlang des Trochanter major. Unauffällige Glutealsehnen. Diese Befunde
schlössen einen Abriss der Sehne des M. gluteus medius aus, zeigten aber deutliche
Folgen der Neurolyse des N. ischias und eine Atrophie des Gluteus maximus. Im
aktuellen MRI des linken Hüftgelenkes vom 24. März 2021 ([...])
Pincer-Impingementsituation bei Protrusio acetabuli mit klaffendem Labrumriss
antero-superior von 1:30 bis 2:30 Uhr. Keine femoroazetabuläre Chondropathie. Status
nach Refixation der Hamstring-Muskulatur im rechten Tuber ischiadicum, in
erster Linie reizlos bei Metallartefakten. Keine Ansatztendinose der
Glutealmuskulatur. Gute Muskelqualität. Kein Knochenmarksödem. Diese Befunde
bestätigten den klinischen Verdacht und erklärten die Beschwerden des linken
Hüftgelenkes. Die Beschwerden des linken Kniegelenkes seien nach der klinischen
Untersuchung verdächtig auf eine Innenmeniskusläsion. Im MRI des linken
Kniegelenkes vom 23. März 2021 ([...]) meniskokapsuläre Separation des Innenmeniskus.
Kleine Baker-Zyste. Intakte Menisci. Intakter Bandapparat. Die Ablösung des
Innenmeniskus von der Kniegelenkskapsel erkläre die medialen Kniebeschwerden.
Es bestehe eine weitere Arbeitsunfähigkeit zu 100 %. Es stelle sich die
Frage nach einer Hüftarthroskopie links mit Versorgung der Labrumruptur.

 

6.       Die Beschwerdegegnerin stützt
sich in ihrer Verfügung vom 26. Februar 2020 im Wesentlichen auf das
bidisziplinäre Gutachten des B.___ vom 23. September 2019 (SA 203) sowie
die Stellungnahmen des B.___ vom 7  Februar 2020 und 24. Juni 2020 (SA 238
und 289) ab, weshalb deren Beweiswert zu prüfen ist. Das Gutachten wird den
allgemeinen rechtsprechungsgemässen Anforderungen gerecht. Es stammt von
unabhängigen Fachärzten, welche die Beschwerdeführerin eingehend untersucht und
die Anamnese erhoben sowie die Vorakten studiert haben. Weiter ist zu prüfen,
ob das Gutachten auch den übrigen beweisrechtlichen Anforderungen genügt. In
diesem Zusammenhang ist vorweg anzufügen, dass es sich beim vorliegenden
Gutachten um ein im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholtes, den Anforderungen
der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten handelt. Zwar wurde dieses von der
IV-Stelle Bern veranlasst, hierbei wurden aber die Regeln gemäss Art. 44 ATSG
beachtet (vgl. SA 135 und 136). Zudem hat sich die Beschwerdegegnerin
mit Zusatzfragen am Gutachten beteiligt. Einem solchen Gutachten darf das
Gericht vollen Beweiswert zuerkennen, solange «nicht konkrete Indizien gegen
die Zuverlässigkeit» der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 2.2.2 S.
232, 135 V 465 E. 4.4 S. 470).

 

6.1     Die im orthopädischen
Teilgutachten des B.___ von Dr. med. E.___, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie FMH, erhobenen Diagnosen und dessen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
vermögen gestützt auf seine Anamnese- und Befunderhebung zu überzeugen: Bei der
Untersuchung zeige sich bei der Beschwerdeführerin ein Entlastungshinken links
beim Gehen, beim Sitzen werde die rechte Gesässseite stärker belastet als
links. Das Trendelenburg‘sche Zeichen falle negativ aus, sämtliche Muskeltests
im Hüft-/Beckenbereich fielen unauffällig aus. Es liessen sich keine
Minderungen der groben Kraft der hüftführenden Muskulatur links erkennen. Es
würden keine muskulären Verkürzungen oder Anspannungsschmerzen deutlich. Auch
die Umfangmasse der unteren Extremitäten fielen seitengleich aus. Bei der
Schmerzpalpation werde dieser auf das Tuber ischii und den Trochanter major
links lokalisiert. Die Bildgebungen der LWS ergäben unspezifische Befunde mit
leichteren Degenerationen. Die Röntgenaufnahmen des Beckens zeigten ebenfalls
keine Auffälligkeiten bei fraglicher Impingement-Situation der Hüften. Im
Kernspintomogramm ergäben sich keine Hinweise auf eine Re-Ruptur der ischiacruralen
Muskulatur (20. Februar 2019). Es liege somit eine residuale
Schmerzhaftigkeit an den Sehnenansätzen, speziell im Bereich des Tuber ischii
und Trochanter major links vor. Hinweise auf relevante Funktionsstörungen oder
auf analoge wesentliche morphologische Veränderungen im Operationsbereich
fehlten. Als negativ sei die erhebliche Gewichtszunahme zu betrachten. Die
ischiocrurale und die gluteale Muskulatur würden bei der vermehrten Rotationstendenz
des Beckens nach vorne unten überlastet. Somit stelle die Gewichtszunahme ein
chronifizierendes Element bei der vorliegenden Insertionstendinose am Os ischii
und am Trochanter dar. Am linken Fuss lasse sich eine Fussinsuffizienz mit
Rückfuss- Valgus und submalleolärem Impingement definieren. Funktionsstörungen
seien somit nicht zu objektivieren. Sehnenansatzschmerzen am Tuber ischii (und
auch am Trochanter major) seien zwar bis zu einem gewissen Grade
nachvollziehbar. Es seien jedoch keine Minderungen der muskulären Kraft und
keine reaktiven Umfangsdifferenzen an den unteren Extremitäten festzustellen.
Die Schmerzintensität könne in der genannten Weise nicht nachvollzogen werden.
Es bestehe der Eindruck einer übermässigen Schmerzwahrnehmung / Empfindung / Angabe
mit hochgradiger Selbstlimitierung. Nach objektiven Kriterien bestehe keine
wesentliche Einschränkung bei der Tätigkeit als Wirtin in einem Restaurant.
Leichte und mittelschwere Tätigkeiten könnten uneingeschränkt durchgeführt
werden.

 

6.2     Auch das psychiatrische
Teilgutachten des B.___ von Dr. med. L.___ vermag gestützt auf seine eingehende
Anamnese- und Befunderhebung zu überzeugen. Ebenso erscheint es gestützt auf
ihre nachfolgenden Ausführungen nachvollziehbar, dass die Gutachterin aus
psychiatrischer Sicht bei der Beschwerdeführerin keine Arbeitsunfähigkeit
attestierte: Die hereditär unbelastete, aber durch frühen Autonomiedruck in der
Kindheit geprägte, psychiatrisch nicht vorerkrankte Versicherte habe anlässlich
des komplikationsreichen Behandlungsverlaufes nach der Beinmuskelverletzung und
im Rahmen parallel stattfindender familiärer Probleme und einer zugleich ablaufenden
Schilddrüsenerkrankung eine depressive Entwicklung mit klinischer Manifestation
einer mittelgradigen depressiven Episode im Frühjahr 2018 durchgemacht, welche
sich seit März 2018 in ambulanter psychiatrischer Behandlung befinde und inzwischen
zur Remission habe gebracht werden können. Den Akten sei zu entnehmen, dass die
damit einhergehende Arbeitsunfähigkeit von 19. März 2018 bis 6. Juli 2018
angedauert habe und seither rein psychiatrisch wieder eine volle
Arbeitsfähigkeit bestehe. Das Schmerzerleben der Versicherten sei durch die
somatischen Befunde nur teilweise erklärbar und in seiner subjektiven
Intensität psychiatrisch am ehesten als stressinduzierte Hyperalgesie aufgrund
der frühen überkompensatorischen Autonomie der Versicherten mit Erwerbstätigkeit
schon während der Schulzeit und aus beruflichen Gründen verminderter
Verfügbarkeit der Mutter bei Abwesenheit des Vaters zu erklären. Durch das
Schmerzerleben sei die Versicherte in ihrer emotionalen Belastbarkeit und ihrem
Wohlbefinden leicht beeinträchtigt, ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit. Die
ambulante Behandlung der Depression sei regelmässig und pharmakotherapeutisch
mit 90 mg Duloxetin am Tag adäquat begleitet durchgeführt worden und habe
entsprechend rasch zur Remission der depressiven Symptomatik geführt. Das Absetzen
der Medikation sei zeitlich angemessen erfolgt und habe bisher nicht zu einem
Rezidiv geführt. Prognostisch spiele die depressive Symptomatik für sich
genommen somit keine Rolle mehr, erwähnenswert seien aber etwas vermehrte
Schlafstörungen im Rahmen des Schmerzerlebens seit Absetzen des Duloxetin. Dies
sollte klinisch weiter beobachtet und allenfalls pharmakotherapeutisch
beantwortet werden. Die Versicherte verfüge über eine resiliente und leistungsbereite
Persönlichkeit, mit einem biographisch bedingten Hang zur überkompensatorischen
Autonomie und Vernachlässigung eigener Erholungsbedürfnisse, was grundsätzlich
Ressourcen seien, sich aber auch prädisponierend für die Entwicklung somatoformer
Störungen auswirke. Familiär und sozial erfahre die Versicherte zuverlässige
Unterstützung, belastend wirke sich hier aber die vor kurzem eingetretene
Entfremdung von den beiden Kindern aus, was die Versicherte bisher zwar bestmöglich
pragmatisch verarbeite, was aber gleichwohl unterschwellig als Belastung wirke.

 

6.3     In der interdisziplinären
Gesamtbeurteilung des B.___ wird gestützt auf die beweiswertigen Teilgutachten
noch einmal schlüssig dargelegt, dass weder aus orthopädischer noch aus
psychiatrischer Sicht Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
vorlägen (s. E. II. 5.8 hiervor). Auf diese Beurteilung kann grundsätzlich
abgestellt werden. 

 

6.4     Ebenso vermag die gutachterliche
Schlussfolgerung zu überzeugen, wonach aus somatischer Sicht keine Folgen des
Unfalls vom 25. Juni 2016 mehr vorhanden sind, welche Relevanz für die Arbeitsfähigkeit
zeitigen. Mit Stellungnahme vom 7. Februar 2020 hielt der orthopädische
Gutachter, Dr. med. E.___, hierzu präzisierend fest, bei der Beschwerdeführerin
dominierten Diagnosen, welche sich radiologisch nicht verifizieren liessen. Als
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stünden die Folgen der
Verletzung der ischiocruralen Muskulatur links im Vordergrund, welche sich
radiologisch nicht darstellen liessen. Die Befunde an der LWS / am Sakrum vom
20. Februar 2019 und das MRI der Hüfte vom 4. April 2019 stellten lediglich
leichtgradige Befunde dar. An dieser nachvollziehbaren gutachterlichen
Beurteilung vermögen auch die entgegenstehenden Berichte der behandelnden Ärzte
nichts zu ändern. Die Hausärztin der Beschwerdeführerin, Dr. med. H.___,
Fachärztin für Allgemeine und Innere Medizin FMH, stützte sich in ihrer
Stellungnahme vom 17. Oktober 2019 (SA 214, S. 18) fast ausschliesslich auf die
subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin ab, vermochte aber ihrerseits kaum
objektivierbare strukturelle Befunde zu nennen, welche das Ausmass der
geklagten Beschwerden zu erklären vermöchten. Sodann hielt Dr. med. C.___,
Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, in seinem Bericht vom 20. Februar
2020 (SA 256, S. 12) zwar fest, als Unfallfolgen bestünden Schmerzen des
Ischias und an der Reinsertionsstelle der Hamstrings. Die Labrumruptur könnte
auch eine Unfallfolge darstellen. Hierzu müssten die ersten MRI‘s eingesehen
werden. Gleiches gelte für den möglichen Riss der Sehne des Gluteus medius. Ob
die Ischiasschmerzen und die Labrumruptur tatsächlich Unfallfolgen sind, kann
aber offengelassen werden, da diese gemäss den überzeugenden gutachterlichen
Ausführungen keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zeitigen, zumal Dr. med.
C.___ diesbezüglich in seinen nachfolgenden Berichten vom 5. und 12. März 2020
keine weiteren Ausführungen machte und seine Ansicht auch nicht weiter
begründete. Es kann in diesem Zusammenhang zudem auf die gutachterliche Stellungnahme
von Dr. med. E.___ vom 24. Juni 2020 (SA 289; E. II. 5.16 hiervor)
verwiesen werden. Ergänzend ist in diesem Zusammenhang anzufügen, dass sich ein
möglicher Riss der Gluteus medius Sehne in der nachfolgenden MRI-Untersuchung
vom 22. März 2020 nicht bestätigt hat (vgl. SA 256, S. 17). Des
Weiteren vermögen auch die Berichte von Dr. med. D.___, Facharzt für
Neurochirurgie, vom 29. April und 8. Juli 2020 den Beweiswert der
gutachterlichen Beurteilung nicht zu entkräften, zumal er sich in seinen
Berichten ebenfalls überwiegend auf die subjektiven Schmerzangaben der
Beschwerdeführerin abstützt. In diesem Zusammenhang ist der Erfahrungstatsache
Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zu
Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 353), weshalb den Berichten
der Dres. H.___, C.___ und D.___ nur begrenzter Beweiswert zuzumessen ist.

Schliesslich ist auf die von der
Beschwerdeführerin gegen das Gutachten vorgebrachten Rügen einzugehen. Entgegen
der Ansicht der Beschwerdeführerin ist es aus beweisrechtlicher Sicht nicht zu
beanstanden und in sozialversicherungsrechtlichen Verfahren auch keine
Seltenheit, dass ein Sozialversicherungsträger wie im vorliegenden Fall im
Nachgang zu einer Begutachtung weitere Stellungnahmen bei der Gutachterstelle
eingeholt hat. Es bestand in diesem Zusammenhang auch keine Notwendigkeit, dass
die Gutachter die Beschwerdeführerin noch einmal untersucht hätten. Daran
ändert grundsätzlich auch der Umstand nichts, dass zwischen der letzten
gutachterlichen Untersuchung vom 29. Mai 2019 und der letzten Stellungnahme des
B.___ vom 24. Juni 2020 mehr als ein Jahr liegt. Anders wäre die Sachlage, wenn
seit der gutachterlichen Untersuchung eine relevante Veränderung des
medizinischen Sachverhalts überwiegend wahrscheinlich wäre. Eine solche
Veränderung ist vorliegend jedoch nicht erstellt. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin ergibt sich eine relevante Veränderung auch nicht aus den
erst im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereichten Berichten von Dr. med. C.___
vom 11. März und 19. April 2021. So decken sich die darin genannten Befunde an
der Hüfte im Wesentlichen mit dem Bericht betreffend das Arthro-MRI der Hüfte
links vom 4. April 2019 (SA 133), welcher auch den B.___-Gutachtern
vorlag. Zudem kann die am 23. März 2021 neu befundete meniskokapsuläre
Separation des Innenmeniskus bereits aufgrund des grossen zeitlichen Abstandes
von fast fünf Jahren nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das
Unfallereignis vom 25. Juni 2016 zurückgeführt werden. Sodann rügt die
Beschwerdeführerin den Umstand, dass die Stellungnahmen des B.___ nur von einem
Gutachter, Dr. med. E.___, unterzeichnet worden seien, während das Gutachten
von beiden beteiligten Gutachtern verfasst und unterschrieben worden sei.
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass es in den Stellungnahmen fast
ausschliesslich um die Beantwortung von Zusatzfragen aus dem orthopädischen
Fachgebiet ging und sich auch die Rügen des Vertreters der Beschwerdeführerin,
wozu die Gutachterstelle ebenfalls Stellung zu nehmen hatte, hauptsächlich auf
das orthopädische Fachgebiet bezogen. Es war deshalb sachgerecht, dass hierzu
nur der orthopädische Gutachter, Dr. med. E.___, Stellung nahm, zumal es hierzu
keiner Konsensfindung mit dem psychiatrischen Gutachter mehr bedurfte und
dessen Beizug somit keinen Sinn gemacht hätte. Des Weiteren liegt es entgegen
der Ansicht der Beschwerdeführerin in der Entscheidkompetenz der jeweiligen
Gutachter, inwiefern sie neue bildgebende Abklärungen für notwendig erachten
und ob sie Patientenbilder aus vorangehenden Röntgen- und MRI-Untersuchungen
etc. beiziehen wollen, oder ob sie sich auf die Konsultation der
diesbezüglichen Berichte beschränken. Alleine durch den Umstand, dass die B.___-Gutachter
keine neuen bildgebenden Untersuchungen veranlasst und die Patientenbilder
nicht beigezogen haben, wird der Beweiswert des Gutachtens nicht geschmälert.
Die Beschwerdeführerin vermag denn auch nicht konkret darzutun, inwiefern das
Gutachten aufgrund dessen mangelhaft wäre. Sodann rügt die Beschwerdeführerin,
dass der Gutachter Dr. med. E.___ den Bericht der F.___klinik betreffend die
biomechanische Untersuchung vom 20. Oktober 2017 (SA 214) bewusst nicht
beigezogen habe. Diesbezüglich hielt Dr. med. E.___ in seiner
Stellungnahme vom 7. Februar 2020 fest, da dieser Bericht zum Zeitpunkt der
Begutachtung bereits annähernd zwei Jahre alt gewesen sei und somit nicht der
aktuell möglichen Kraftausübung entsprochen habe, seien die damals erzielten
Ergebnisse nicht mit einbezogen worden. Zudem sei aus gutachterlicher Sicht
festzustellen, dass die von einem Probanden ausgeübte Kraft willentlich
beeinflusst werden könne und somit nicht als genügend objektiver Wert mit
Beweiskraft betrachtet werden könne. Dieser gutachterlichen Sichtweise ist zwar
entgegenzuhalten, dass grundsätzlich sämtliche medizinischen Berichte bei der
Begutachtung mit einzubeziehen sind. Da der genannte Bericht aber faktisch für
sich alleine wenig aussagekräftig ist und, wie aus dem Bericht der F.___klinik
vom 13. November 2017 (SA 61) ersichtlich, auch nicht zu weiterführenden
Ergebnissen führte, vermag dessen Nichtberücksichtigung den Beweiswert des B.___-Gutachtens
nicht zu schmälern, zumal im Gutachten der Bericht der F.___klinik vom 13.
November 2017, in welchem die Ergebnisse der biomechanischen Untersuchung vom
20. Oktober 2017 in die Beurteilung mit einbezogen wurden, Eingang fand (s. S.
20 des B.___-Gutachtens; SA 2013, S. 21). Des Weiteren macht die
Beschwerdeführerin geltend, nicht
nachvollziehbar sei auch die Behauptung, wonach der durch das MRT festgestellte
pertrochantäre Reizzustand bei der gutachterlichen Untersuchung angeblich nicht
mehr vorhanden gewesen sein solle, während Dr. med. C.___, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie FMH, in seinem Untersuch vom 20. Februar 2020 das
Gegenteil festgestellt habe. Dieser Rüge ist entgegenzuhalten, dass alleine der
Umstand unterschiedlicher Befunderhebungen grundsätzlich nicht gegen den
Beweiswert eines Gutachtens spricht, zumal die betreffende gutachterliche
Untersuchung bereits am 29. Mai 2019 stattfand. Zudem ist der
Beschwerdeführerin zu widersprechen, wenn sie ausführt, Dr. med. E.___ verfüge
als Chirurg nicht über die notwendige orthopädische Ausbildung zur Beurteilung
eines orthopädischen Sachverhalts. So ist dem Gutachten zu entnehmen, dass
Dr. med. E.___ über den Facharzttitel für orthopädische Chirurgie
verfügt. Auch im Medizinalberuferegister ist der Gutachter mit dem
Facharzttitel «Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates» verzeichnet (vgl. www.medregom.admin.ch). Schliesslich rügt
die Beschwerdeführerin, wenn Dr. med. E.___ festhalte, in neurologischer Hinsicht hätten sich
keine Irritationen oder Ausfälle gezeigt, dann überschreite er damit sein
angestammtes medizinisches Fachgebiet. Dem ist entgegenzuhalten, dass es
durchaus nicht unüblich ist, dass auch orthopädische Gutachter einen
rudimentären neurologischen Status erheben. Hier von einer Überschreitung des
Fachgebiets zu sprechen ist nicht angebracht. 

 

6.5     Zusammenfassend ist somit
festzuhalten, dass weder die Vorbringen der Beschwerdeführerin noch die
entgegenstehenden Berichte der behandelnden Ärzte den Beweiswert des B.___-Gutachtens
zu schmälern vermögen. Es kann demnach auf das Gutachten abgestellt werden,
womit gestützt darauf davon auszugehen ist, dass keine somatisch
objektivierbaren Unfallfolgen mehr vorliegen. Abschliessend ist somit die adäquate
Kausalität allfälliger psychischer und/oder organisch nicht hinreichend
nachweisbarer Beschwerden zu prüfen. 

 

7.       Treten nach einem Unfall wie
vorliegend psychische und/oder organisch nicht hinreichend nachweisbare
Beschwerden auf, und kann – wie im vorliegenden Fall – weder das Vorliegen des
für ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule typischen, bunten Beschwerdebildes
noch eine solche Verletzung bejaht werden, so ist die adäquate Kausalität
gemäss der Rechtsprechung für psychische Fehlentwicklungen nach Unfällen zu
prüfen (BGE 115 V 133, 138 V 248 E. 4 S. 250 f. mit Hinweisen).

 

Bei der Adäquanzprüfung ist zunächst vom
Unfallereignis auszugehen. Dieses ist einer der drei folgenden Gruppen
zuzuordnen: Banale bzw. leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits
und schliesslich der dazwischenliegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6 S.
138 f.). Bei banalen
Unfällen wie z.B. bei geringfügigem Anschlagen des Kopfes oder Übertreten des
Fusses und bei leichten Unfällen wie z.B. einem gewöhnlichen Sturz oder
Ausrutschen kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen
Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil aufgrund
der allgemeinen Lebenserfahrung, aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer
Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht
geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen (BGE 129 V
177 E. 4.1 S. 183, 115 V 133 E. 6a S. 139). Bei schweren Unfällen wird die Adäquanz bejaht. Handelt es
sich um einen Unfall im mittleren Bereich, lässt sich die Frage, ob zwischen
Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit ein adäquater
Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfallereignisses allein
schlüssig beantworten, sondern es sind weitere, objektiv erfassbare Umstände,
welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte bzw.
indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen.

 

Als leichte Unfälle sind der
Rechtsprechung unter anderem folgende Fallbeispiele zu entnehmen: (Die fünf
erstgenannten Beispiele stammen aus dem Urteil
des Bundesgerichts 8C_41/2016 vom 23. Juni 2016 E. 4.3.1.)

·        
Der Versicherte
erlitt eine Rückenkontusion, als er von einem umfallenden Betonschalungselement
im Rücken getroffen wurde 

·        
Der Versicherte war
bei seinen Betonfräsarbeiten von einem zirka 600 kg schweren Betonblock am
rechten Oberarm getroffen worden, war aber gemäss seinen eigenen Angaben nach
dem Unfall noch in der Lage, selber mit dem Auto von X nach Y zu fahren,
bevor er sich in ärztliche 

Behandlung begab. 

·        
Beim
Fussballtraining prallte ein Versicherter mit einem Gegenspieler zusammen,
worauf er das Training abbrach. 

·        
Der Versicherte
wurde von einem umkippenden Gerüstelement am Kopf getroffen. Auch das hier zu
beurteilende Ereignis ist mithin den leichten Unfällen zuzuordnen. Dies umso
mehr, als der Versicherte danach in der Lage war, den mehrstündigen
Rücktransport im Bus auf sich zu neh-

men und erst am nächsten
Tag einen Arzt aufsuchte. 

·        
Die Versicherte,
welche von einer Person, die von einer anderen beim Turnen über die Schulter
geworfen wurde, bekam mit den beschuhten Füssen einen Schlag von rechts an den
Hals, Nacken und Kopf. Danach fiel sie zu Boden und erbrach.

·        
Der Unfall der
Versicherten vom 24. Februar 2004 (Sturz beim Aussteigen aus dem Auto) ist auf
Grund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden
Kräften (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26 E. 5.3.1 [U 2/07]) als leicht zu bezeichnen
(Urteil des Bundesgerichts

 8C_897/2009 vom 21.
Januar 2010).

·        
Eine versicherte
Person stolperte im Dunkeln auf einer Strasse, stürzte und schlug mit dem
Gesicht sowie einem Knie auf dem Boden auf (Urteil des Bundesgerichts U 367/01
vom 21. März 2003 E. 4.2).

 

Angesichts der genannten Beispiele kann
das Unfallereignis vom 25. Juni 2016 – die Beschwerdeführerin rutschte aus,
schlug das Knie am Tisch an, fiel aber nicht zu Boden – nicht anders denn als
leicht beurteilt werden. Insofern im Bericht von Dr. med. D.___, Facharzt
Neurochirurgie FMH, vom 29. April 2020 (SA 274) erstmals erwähnt wurde, es
sei beim Sturz auch ein Aufprall im Gesässbereich erfolgt, kann darauf mit
Verweis auf die Rechtsprechung zur Aussage der ersten Stunde nicht abgestellt
werden (vgl. BGE 121 V 45 E. 2b S. 47; Urteile des Bundesgerichts 8C_940/2015
vom 19. April 2016 E. 6.3, 8C_762/2016 vom 18. Januar 2017 E. 5.3.2).
Im Übrigen wäre auch dieser Unfallhergang als leicht zu qualifizieren. Demnach ist
im vorliegenden Fall die adäquate Kausalität der nicht objektivierbaren bzw.
psychischen Beschwerden ohne Weiteres zu verneinen, womit auch kein Raum für
eine allfällige Rentenzusprache oder eine Integritätsentschädigung besteht.

 

8.

8.1     Zusammenfassend ist es nicht zu
beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre weitergehende Leistungspflicht im
Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 25. Juni 2016 ab dem 29. Mai 2019 verneinte.
Somit ist die Beschwerde abzuweisen.

 

8.2     Bei diesem Verfahrensausgang
besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung.

 

Die Beschwerdeführerin steht aber ab
Prozessbeginn im Genusse der unentgeltlichen Rechtspflege (vgl. e. I. 5
hiervor).

 

Die Kostenforderung ist bei Unterliegen
der Partei mit unentgeltlichem Rechtsbeistand vom Gericht festzusetzen. Der
Kanton entschädigt die unentgeltliche Rechtsbeiständin oder den unentgeltlichen
Rechtsbeistand angemessen (Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO). Der Vertreter der
Beschwerdeführerin hat am 24. Februar 2021 eine Kostennote eingereicht, worin
er einen Kostenersatz von insgesamt CHF 3'733.65 geltend macht. Der
Stundenansatz beträgt gemäss § 160 Abs. 3 Gebührentarif (GT) CHF 180.00.
In Anbetracht von Aufwand und Schwierigkeit des Prozesses ist die
Kostenforderung unter Berücksichtigung des geltend gemachten Stundenaufwands
und der geltend gemachten Auslagen auf CHF 2'961.95 festzusetzen (14.33 Stunden
zu CHF 180.00, zuzügl. Auslagen von CHF 170.80 und MwSt), zahlbar durch die
Zentrale Gerichtskasse des Kantons Solothurn. Vorbehalten bleibt der
Rückforderungsanspruch des Staates während zehn Jahren und der
Nachforderungsanspruch des unentgeltlichen Rechtsbeistands von CHF 771.70
(Differenz zum vollen Honorar mit dem geltend gemachten Stundenansatz von CHF
230.00), wenn A.___ zur Nachzahlung in der Lage ist (Art. 123 ZPO).

 

8.3     Grundsätzlich ist das Verfahren
kostenlos. Von diesem Grundsatz abzuweichen, besteht im vorliegenden Fall kein
Anlass.

 

Demnach wird erkannt:

1.    Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.    Es wird keine Parteientschädigung
zugesprochen.

3.    Die Kostenforderung des unentgeltlichen
Rechtsbeistandes, Rechtsanwalt Viktor Estermann wird auf CHF 2'961.95 (inkl.
Auslagen und MwSt) festgesetzt, zahlbar durch die Zentrale Gerichtskasse des
Kantons Solothurn. Vorbehalten bleibt der Rückforderungsanspruch des Staates wäh-

rend zehn
Jahren und der Nachforderungsanspruch des unentgeltlichen Rechtsbeistands von CHF 771.70,
wenn A.___ zur Nachzahlung in der Lage ist (Art.
123 ZPO).

4.    Es werden keine Verfahrenskosten
erhoben.

Rechtsmittel

Gegen diesen Entscheid kann innert 30
Tagen seit der Mitteilung beim Bundesgericht Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten eingereicht werden (Adresse:
Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern). Die Frist beginnt am Tag nach
dem Empfang des Urteils zu laufen und wird durch rechtzeitige Aufgabe bei der
Post gewahrt. Die Frist ist nicht erstreckbar (vgl. Art. 39 ff., 82 ff. und 90
ff. des Bundesgerichtsgesetzes, BGG). Bei
Vor- und Zwischenentscheiden (dazu gehört auch die Rückweisung zu weiteren
Abklärungen) sind die zusätzlichen Voraussetzungen nach Art. 92 oder 93 BGG zu
beachten.

Versicherungsgericht des Kantons
Solothurn

Der Präsident                           Der
Gerichtsschreiber

Flückiger                                   Isch

 

 

Der vorliegende Entscheid wurde vom
Bundesgericht mit Urteil 8C_495/2021 vom 16. März 2022 bestätigt.