# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9ea82755-7fad-54a8-bf5b-6e30633dd0f5
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-02-13
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 13.02.2018 SB170331
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB170331_2018-02-13.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB170331-O/U/ad 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichterin lic. iur. Bertschi 

und Ersatzoberrichter lic. iur. Kessler sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Guennéguès 

 

Urteil vom 13. Februar 2018 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Privatkläger und Berufungskläger 

 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

B._____,  
Beschuldigter und Berufungsbeklagter 

 

verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

 

betreffend qualifizierte einfache Körperverletzung und Widerruf 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung - Einzel-
gericht, vom 8. Juni 2017 (GG160199) 
 

-   2   - 

Anklage:  

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 27. September 2016 

(Urk. D1/36) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird vom Vorwurf der qualifizierten 

einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 

Abs. 1 und 2 StGB freigesprochen. 

2. Die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren des Privatklägers A._____ 

werden auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

3. Von der Zusprechung einer Genugtuung an den Beschuldigten für Freiheits-

entzug wird abgesehen. 

4. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die 

Gerichtskasse genommen. 

5. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung für anwaltliche Vertei-

digung aus der Gerichtskasse zugesprochen. Über die Höhe der Prozess-

entschädigung wird mit separater Verfügung entschieden. 

6. Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Privatklägers, lic. iur. HSG X._____, 

wird mit Fr. 6'541.20 (inkl. Mehrwertsteuer; wovon Fr. 1'518.90 bereits be-

zahlt worden sind) entschädigt. Diese Kosten werden auf die Gerichtskasse 

genommen. 

 

 

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Berufungsanträge: 

a) Des Vertreters der Privatklägerschaft:  

(Urk. 86 S. 2, Prot. II S. 20) 

1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 8. Juni 2017 in 
Bezug auf die Dispositiv-Ziff. 1 aufzuheben und Herrn B._____ 
der qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von 
Art. 123 Ziff. 2 Abs. 1 und 2 StGB für schuldig zu befinden und es 
sei hierfür eine Strafe auszufällen, eventualiter sei die Sache zur 
Bemessung der Strafe an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

2. Es sei festzustellen, dass der Beschuldigte für die Zivilforderun-
gen des Privatklägers dem Grundsatz nach haftbar ist.  

3. Es seien die Dispositiv-Ziff. 4 und Ziff. 5 des angefochtenen Ur-
teils aufzuheben und die Kosten- und Entschädigungsfolgen neu 
zu regeln, eventualiter sei die Sache hierfür an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen. 

4. Es sei die mit Strafbefehl der STA Zürich-Limmat vom 20. Mai 
2009 ausgesprochene Strafe zu widerrufen, eventualiter sei die 
Sache für diesen Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

5. Es sei ein Gutachten über die Ursache der Verletzung des Privat-
klägers am linken distalen, dorsalen Unterarm (beim Handgelenk) 
einzuholen und dabei auch die Frage einer allfälligen Selbstbei-
bringung durch ein Stürzen auf am Boden liegende Glasscher-
ben, herstammend von einem zerbrochenen Bierglas, abzuklären.  

6. Es sei dem Privatkläger die unentgeltliche Rechtsvertretung zu 
gewähren und ihm der unterzeichnete Anwalt beizugeben.  

7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der be-
schuldigten Person.  

b) Der Verteidigung des Beschuldigten:  

(Urk. 102 S. 1, Prot. II S. 6, Prot. II S. 21) 

1. Es sei die Berufung vollumfänglich abzuweisen unter Kosten- und 
Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse ev. des Beru-
fungsklägers. 

2. Es sei der berichterstattende Klinikdirektor Dr. C._____, welcher 
den ergänzenden Bericht [Urk. 95] verfasste, zu befragen.  

3. Auf den neuen Antrag des Berufungsklägers, wonach festzustel-
len sei, dass der Beschuldigte dem Grundsatze nach haftbar sei, 
sei nicht einzutreten. Eventualiter sei der Antrag abzuweisen. 

-   4   - 

 

c) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl: 

(Urk. 89 S. 1) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

 

___________________________ 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte und Prozessuales 

1. Gegenstand des Berufungsverfahrens 

Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung - Einzelgericht, vom 8. Juni 

2017 wurde der Beschuldigte vom Vorwurf der qualifizierten einfachen Körperver-

letzung freigesprochen, das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren des Pri-

vatklägers wurde auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen und von der Zuspre-

chung einer Genugtuung an den Beschuldigten abgesehen (Urk. 85). 

Gegen das vorinstanzliche Urteil liess der Privatkläger A._____ mit Eingabe vom 

14. Juni 2017 fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 77) und mit Eingabe vom 

9. September 2017 die Berufungserklärung einreichen (Urk. 86). Er beantragt, der 

Beschuldigte sei der qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 2 Abs. 1 und 2 StGB schuldig zu sprechen und angemessen zu be-

strafen. Die Dispositiv-Ziffern 2, 3 und 6 des vorinstanzlichen Urteils wurden vom 

Privatkläger ausdrücklich nicht angefochten (Urk. 86). Die Beschränkung der An-

fechtung auf Teile des Urteils hat verbindliche Wirkung, weshalb eine Erweiterung 

der mit der Berufungserklärung angefochtenen Punkten an der Berufungsver-

handlung nicht zulässig ist (Art. 399 Abs. 4 StPO). Daher ist der Antrag des Pri-

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vatklägers, es sei festzustellen, dass der Beschuldigte für die Zivilforderungen des 

Privatklägers dem Grundsatz nach haftbar sei (Prot. II S. 20), nicht von der Beru-

fungserklärung gedeckt, vielmehr besteht ein offensichtlicher Widerspruch. Der 

Antrag ist somit verspätet und nicht vom Berufungsgericht zu überprüfen (Art. 404 

Abs. 1 StPO).  

Der Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft haben keine Berufung angemeldet 

und innerhalb der angesetzten Frist keine Anschlussberufung erhoben. Die 

Staatsanwaltschaft verzichtete ausdrücklich auf Anschlussberufung und beantrag-

te mit Eingabe vom 18. September 2017 Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

(Urk. 89). 

Das vorinstanzliche Urteil ist somit bezüglich Dispositiv-Ziffer 2 (Zivilforderungen), 

und 6 (Entschädigung unentgeltlicher Rechtsvertreter) in Rechtskraft erwachsen, 

was vorweg festzustellen ist. 

2. Legitimation der Privatklägerschaft 

Gemäss Art. 382 Abs. 2 StPO kann die Privatklägerschaft einen Entscheid nur im 

Schuld- und/oder im Zivilpunkt anfechten, sowie bei Fragen der Einziehung und 

bezüglich Kosten- und Entschädigungsregelung, soweit ihre Interessen hiervon 

betroffen sind. Bezüglich der Sanktion kann jedoch allein die Staatsanwaltschaft 

ein Rechtsmittel einlegen. Ficht die Privatklägerschaft ein Urteil bei Freispruch 

oder wegen eines ihres Erachtens unrichtigen Schuldspruchs an, so bezieht sich 

das Rechtsmittel im Ergebnis aber ebenfalls auf eine schärfere Bestrafung 

(SCHMID/JOSITSCH, Praxiskommentar StPO, 3. Auflage, Zürich 2018, N5 ff. zu 

Art. 382 StPO). Im Falle der Gutheissung der Berufung der Privatklägerschaft im 

Schuldpunkt muss das Berufungsgericht eine dem abgeänderten Schuldspruch 

entsprechende neue und gegebenenfalls strengere Sanktion ausfällen (BGE 139 

IV 84 E1.2.1). 

3. Beweisantrag 

Mit Einreichung der Berufungserklärung stellte der Privatkläger den Beweisantrag, 

es sei ein Gutachten über die Ursache der Verletzung des Privatklägers am linken 

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distalen, dorsalen Unterarm (beim Handgelenk) einzuholen und dabei auch die 

Frage einer allfälligen Selbstbeibringung durch ein Stürzen auf am Boden liegen-

de Glasscherben, herstammend von einem zerbrochenen Bierglas, abzuklären. 

Zur Begründung des Beweisantrages macht der Privatkläger geltend, die Vor-

instanz habe zu Unrecht in Betracht gezogen, dass die Verletzung nicht mit dem 

Messer zugefügt worden sei, sondern von einer Glasscherbe stammen könnte, 

und der Privatkläger sich die Verletzung durch einen Sturz auf eine Glasscherbe 

zugezogen haben könnte. Er habe zum Zeitpunkt des Vorfalles einen Pullover 

und eine Jacke getragen, ein Selbststurz auf Glasscherben oder mit einem abge-

brochenen Bierglas in der Hand könne bei einer solchen Bekleidung nicht die 

festgestellten Schnittverletzungen verursachen. 

Mit Präsidialverfügung vom 23. November 2017 bzw. Schreiben vom 24. Novem-

ber 2017 wurde beim Universitätsspital Zürich, Klinik für Plastische Chirurgie und 

Handchirurgie, (nachfolgend: USZ) ein entsprechender ergänzender ärztlicher Be-

fund eingeholt (Urk. 92 und 93). Dieser wurde vom USZ am 28. November 2017 

erstellt (Urk. 95, Urk. 96/1-3). 

II. Sachverhalt 

1. Anklagevorwurf 

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 

vom 27. September 2016 vorgeworfen, im Rahmen einer zunächst verbalen Aus-

einandersetzung mit dem Privatkläger A._____ unvermittelt ein Taschenmesser 

aus seiner Tasche gezogen, ausgeholt und dem Geschädigten an dessen linken 

Unterarm eine tiefe, ca. 5 cm lange Schnittwunde zugefügt zu haben. Dabei seien 

die lange und die kurze Handwurzelstrecksehnen sowie die Daumen-Abspreiz- 

und die Daumen-Strecksehne durchtrennt worden, was einen operativen Eingriff 

erforderlich gemacht habe. Diese Verletzung habe der Beschuldigte durch sein 

Tun zumindest billigend in Kauf genommen (Urk. 36 S. 2).  

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2. Standpunkt des Beschuldigten 

Der Beschuldigte bestreitet den Vorwurf. Er habe den Privatkläger mit seinem 

Messer nicht einmal berührt; das Taschenmesser des Beschuldigten habe nichts 

mit den Verletzungen des Privatklägers zu tun. Der Beschuldigte anerkennt, mit 

dem Privatkläger eine tätliche Auseinandersetzung gehabt zu haben, wobei die 

Streitenden beide umgefallen seien. Der Privatkläger sei dabei mit dem linken Un-

terarm auf die Scherben seines Bierglases gefallen, woher seine Schnittverlet-

zung stamme (Urk. 73 S. 2 f., Prot. II S. 15 f., Urk. 102 S. 7). Der Beschuldigte 

habe mit seinem Messer nur herumgefuchtelt, woraufhin der Privatkläger davon 

gerannt sei (Prot. I S. 19, Prot. II S. 13).  

3. Beweiswürdigung 

3.1. Allgemeine Grundsätze 

Die Vorinstanz legte die Grundsätze der Beweiswürdigung zutreffend dar. Darauf 

kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO, Urk. 85 S. 5 ff.).  

3.2. Verwertbarkeit von Beweismitteln 

Zur Verwertbarkeit der polizeilichen Einvernahme der Auskunftsperson D._____ 

kam die Vorinstanz richtig zum Schluss, dass sich ein Schuldspruch nicht einzig 

auf eine unkonfrontierte Aussage stützen darf (Urk. 85 S. 8 f.). Beweise, die in 

Verletzung der Teilnahmerechte der beschuldigten Person erhoben worden sind, 

sind grundsätzlich nicht zulasten des Beschuldigten verwertbar (Art. 147 Abs. 4 

StPO). Es gibt indessen Ausnahmen von diesem Grundsatz, insbesondere dann, 

wenn sich eine Wiederholung der Einvernahme bzw. die erstmalige Durchführung 

einer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme aus nicht von der Strafverfolgungs-

behörde zu vertretenden Gründen als unmöglich erweist. Eine unkonfrontierte 

Aussage darf auch verwertet werden, selbst wenn sie für den Schuldspruch aus-

schlaggebend ist, falls ausreichend kompensierende Faktoren gegeben sind, um 

den Anspruch des Beschuldigten auf ein faires Verfahren und die Überprüfung 

der Verlässlichkeit des Beweismittels zu gewährleisten (Urteil des Bundesgerichts 

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vom 10. Mai 2013, 6B_75/2013 E. 3.3.). Ob solche kompensierende Faktoren vor-

liegend zu bejahen sind, ist im Rahmen der Beweiswürdigung zu prüfen. 

3.3. Beweismittel 

Zu den weiteren Sachbeweismitteln stellte die Vorinstanz einerseits zugunsten 

des Beschuldigten fest, dass er im Tatzeitpunkt eine Blutalkoholkonzentration von 

1.51 Gewichtspromille aufwies (Urk. 85 S. 15 f.). Gemäss pharmakologisch-

toxikologischem Gutachten wurde ein Bereich von 1.37 bis 1.51 Gewichtspromille 

gemessen (Urk. 10/7). Weiter zog die Vorinstanz das Gutachten zur Auswertung 

und Beweiswertberechnung von DNA-Spuren auf dem Taschenmesser des Be-

schuldigten, wonach eine Mischspur der DNA des Beschuldigten und des Privat-

klägers ab der Spitze des Messers festgestellt werden konnte, hinzu. Auch die 

Fotos des Fundortes des Privatklägers sowie der Verletzungen des Beschuldigten 

sowie den ärztlichen Befund zu den Verletzungen des Privatklägers zur Sachver-

haltserstellung liess sie einfliessen (Urk. 85 S. 16). Den ärztlichen Befund hat das 

USZ wie bereits dargelegt ergänzt und Fotos der Verletzung des Privatklägers 

eingereicht (vgl. E. I.3.). Im ergänzenden ärztlichen Befund hielt das USZ mit 

Verweis auf die Fotos fest, dass die oberflächliche Verlängerung der Verletzung 

typischer für eine Messerverletzung sei. Theoretisch hätte die Verletzung auch 

durch eine Glasscherbe verursacht werden können; jedoch komme ein Sturz nicht 

in Frage. Zur Entstehung des Verletzungsmusters hätte der Patient seine Hand 

durch eine zerbrochene Glasscheibe strecken und die Glasscherbe hätte eher 

flach und ohne eine Spitze sein müssen, ansonsten die Wunde penetrierend ent-

standen wäre. Zudem hätte sich der Patient aufgrund der sich auf der Rückseite 

des Unterarms befindenden Verletzung überschlagen müssen (Urk. 95).  

Weiter liegen neben den Einvernahmen des Beschuldigten die Aussagen des Pri-

vatklägers und der Auskunftsperson D._____ bei den Akten.  

 

 

 

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3.4. Würdigung der Aussagen der Beteiligten 

3.4.1. Allgemeines 

Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass der Beschuldigte und der Privatkläger als 

in ein Strafverfahren involvierte Personen sowohl hinsichtlich einer drohenden 

Verurteilung und Strafe als auch hinsichtlich der finanziellen Folgen ein erhebli-

ches Interesse am Ausgang des Verfahrens haben. Diese Interessenlage ist bei 

der Würdigung ihrer Aussagen zu beachten, führt aber nicht per se zu einer ein-

geschränkten Glaubwürdigkeit. Von primärer Bedeutung ist die Glaubhaftigkeit 

der konkreten, sachverhaltsrelevanten Aussagen der Beteiligten. Diese werden 

durch methodische Analyse ihres Inhalts darauf überprüft, ob die auf ein bestimm-

tes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des Aussagen-

den entspringen (BGE 133 I 33 E. 4.3). 

3.4.2. Aussagen des Privatklägers 

a) Zusammenfassung 

Der Privatkläger gab in seiner polizeilichen Einvernahme vom 20. September 

2013 zu Protokoll, dass er mit dem Beschuldigten eine verbale Auseinanderset-

zung vor der Bar gehabt habe. Dann habe der Beschuldigte ihn geschlagen. Sie 

hätten sich in der Folge gegenseitig mit den Händen geschlagen. Er habe sich 

verteidigt und versucht, sein Gesicht zu schützen. Seine Hand sei verletzt wor-

den, weil er seine Hände vor das Gesicht gehalten habe. Der Beschuldigte habe 

mit dem Messer sein Gesicht oder seinen Oberkörper verletzen wollen. Auf ent-

sprechende Nachfrage erklärte der Privatkläger, dass der Beschuldigte und er 

beide zu Boden gefallen seien. Ob sie zusammen umgefallen seien, wisse er 

nicht mehr. Der Privatkläger habe die Verletzung noch nicht gehabt, als er vom 

Boden aufgestanden sei. Der Beschuldigte habe mit dem Messer von oben her 

zugestochen. Der Privatkläger bestritt auf Vorhalt der Aussagen von D._____ hin, 

selber handgreiflich geworden zu sein, und mit dem Bierglas etwas anderes, als 

es zu Boden zu werfen, gemacht zu haben. Auch bestritt er, sich mit dem Glas 

selber verletzt zu haben, da er das Glas weggeworfen habe und es nicht dort ge-

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legen sei, wo er zu Boden gefallen sei (Urk. 7 S. 3 ff.). Anlässlich seiner staats-

anwaltschaftlichen Einvernahme vom 6. November 2014 bestätigte der Privatklä-

ger seine bei der Polizei gemachten Angaben und erklärte erneut, dass er mit 

dem Beschuldigten nach einer zunächst verbalen Auseinandersetzung ein Hand-

gemenge gehabt habe. Währenddessen habe der Beschuldigte ein Messer her-

vorgeholt und damit eine Schnittbewegung auf der linken Seite des Kopfes des 

Privatklägers gemacht. Da er seine Arme vor sein Gesicht habe heben können, 

sei er am Unterarm verletzt worden (Urk. 9 S. 2 ff.).  

b) Würdigung 

Die dem Vorfall vorangehende Geschichte schildert der Privatkläger in seinen 

beiden Einvernahmen weitgehend konstant, sie stimmt zudem mit den Angaben 

des Beschuldigten im Grossen und Ganzen überein. Der Privatkläger habe in ei-

ner Bar im Niederdorf Bier getrunken, neben ihm sei eine ältere Dame gesessen. 

Er habe aus Versehen ihr Getränk verschüttet, worauf die Dame den Beschuldig-

ten hinzugeholt habe. Dieser habe den Privatkläger gepackt und aus der Bar 

rausgeworfen. Bei seinen Angaben über die Verletzungshandlung zeigt sich die 

Neigung des Privatklägers, das von ihm Wahrgenommene zu übertreiben. So er-

klärte er, der Beschuldigte habe ein grosses Messer in seiner Hand gehalten (tat-

sächlich handelte es sich um ein Taschenmesser) und habe ihn in sein Gesicht 

und sein Herz stechen wollen (Urk. 7 S. 2 und S. 3), sein Blut sei ca. zwei Meter 

weit gespritzt (Urk. 7 S. 6). Er habe nicht mehr gewusst, ob er in einer Bar oder in 

einer Metzgerei gewesen sei (Urk. 9 S. 8). Die zum Ausdruck gebrachten, in der 

Situation erfahrenen Emotionen sind zwar grundsätzlich nachvollziehbar und 

sprechen für tatsächlich Erlebtes, jedoch sind in den Aussagen des Privatklägers 

neben den Übertreibungen auch – wie vom amtlichen Verteidiger richtig vorge-

bracht (Prot. II S. 25) – Widersprüche festzustellen. So sagte er in der gleichen 

Einvernahme zunächst, dass er gesehen habe, wie der Beschuldigte das Messer 

aus einer der vorderen Hosentaschen genommen habe. Kurz darauf erklärte er 

auf Nachfrage, dass er dies lediglich vermute, da sich der Beschuldigte seitlich 

von ihm abgedreht und dann auf einmal das Messer mit offener Klinge in der 

Hand gehabt habe. In der staatsanwaltschaftlichen Befragung schilderte der Pri-

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vatkläger den Geschehensablauf zunächst frei und gab dabei an, dass er nach-

dem er mit dem Messer verletzt worden sei, sofort geflüchtet sei. Im weiteren Ver-

lauf der Befragung erklärte er, die Flucht ergriffen zu haben, als er das Messer 

gesehen habe. Auf weiteres Nachhaken erklärte er, dass er zuerst gar nicht reali-

siert gehabt habe, dass der Beschuldigte ein Messer in der Hand gehalten habe, 

sondern erst als er ihn damit verletzt habe (Urk. 9 S. 6). Diese Aussage ist nicht 

vereinbar mit seiner zuerst gemachten Aussage, der Beschuldigte habe gegen 

sein Gesicht und in die Herzgegend stechen wollen. Als unglaubhaft zu bewerten 

sind ferner seine Angaben zu seinem Beitrag an der handgreiflichen Auseinan-

dersetzung. Im Lichte des Untersuchungsergebnisses betreffend die Verletzun-

gen des Beschuldigten ist evident, dass der Privatkläger seine Verteidigungs-

handlungen verharmlost. Dass er früher während sechs Jahren Thai-Boxer war, 

spricht dafür, dass er in der Lage ist, Schläge angemessen und präzis abzuweh-

ren, lässt aber auch den erheblichen Verdacht entstehen, dass er die Verletzun-

gen des Beschuldigten – immerhin hat dieser u.a. einen Zahn verloren – verur-

sachte. Zugunsten des Beschuldigten ist denn auch die Aussage der Auskunfts-

person D._____ zu würdigen, wonach der Privatkläger zuerst dem Beschuldigten 

mit dem Knie ins Gesicht geschlagen habe (Urk. 4 S. 1). Der Privatkläger stellt 

sich selber in ein auffallend günstiges Licht, weshalb seine Aussagen betreffend 

seinen Beitrag in der tätlichen Auseinandersetzung nicht glaubhaft erscheinen.  

Insgesamt kann festgehalten werden, dass erhebliche Zweifel an der Glaubhaf-

tigkeit des Aussagen des Privatklägers bestehen.  

3.4.3. Aussagen des Beschuldigten 

a) Zusammenfassung 

In seiner polizeilichen Einvernahme vom 19. September 2013 erklärte der Be-

schuldigte, dass der Privatkläger ihn nach einem zunächst nur verbalen Disput 

vor dem Eingang der …-Bar mit einem Bierglas angegriffen habe. Der Privatklä-

ger habe das Bierglas auf einem Tisch zerschlagen, so dass der obere Teil abge-

brochen sei und er noch den unteren Teil des Glases in der Hand gehalten und 

damit Stichbewegungen in Richtung des Beschuldigten gemacht habe. Er habe 

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mit den Händen Abwehrbewegungen gemacht und sei dann auch zusammen mit 

dem Privatkläger zu Boden gefallen. Der Privatkläger sei dann wieder aufgestan-

den, habe ihm noch einen Tritt ins Gesicht verpasst und sei dann weg gegangen. 

Mit der Verletzung des Privatklägers konfrontiert, tat der Beschuldigte seine Mei-

nung kund, wonach sich der Privatkläger beim Sturz an dem Glas in seiner Hand 

verletzt habe. Er wisse, dass sein Messer dabei keine Rolle gespielt habe. Mit 

den Aussagen der Auskunftsperson D._____ konfrontiert, erklärte der Beschuldig-

te, dass diese Angaben mit den seinigen übereinstimmten, das Glas aber nicht 

erwähnt worden sei. Sein Messer sei in der Hose gewesen (Urk. 5 S. 2 ff.). In der 

staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme vom 20. September 2013 bestätigte 

der Beschuldigte seine bei der Polizei gemachten Aussagen (Urk. 8 S. 2). Dage-

gen konnte er sich in seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 2. De-

zember 2015 nicht mehr an Details erinnern, ausser dass er mit einem Glas ver-

letzt worden sei. Zudem bestritt er weiter, sein Messer gegen den Privatkläger 

eingesetzt zu haben und erläuterte erneut seinen Verdacht, dass sich der Privat-

kläger beim Sturz an dem Glas geschnitten habe (Urk. 22 S. 2 ff.). Anlässlich der 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. September 2016 wurde dem Be-

schuldigten das Gutachten des IRM Zürich vorgehalten, woraufhin er die Aussa-

gen grösstenteils verweigerte. Er gab einzig zu Protokoll, dass der Privatkläger 

mit dem Glas auf ihn losgegangen sei und so die Mischspur entstanden sei. Als 

die Polizei gekommen sei, habe er das Messer aus der Tasche nehmen müssen 

(Urk. 24 S. 2). An der Hauptverhandlung schilderte der Beschuldigte die zunächst 

verbale und dann handgreifliche Auseinandersetzung mit dem Privatkläger. Sie 

seien beide hingefallen und der Privatkläger habe permanent ein Bierglas in der 

Hand gehabt. Als sie wieder aufgestanden seien, habe der Beschuldigte sein Ta-

schenmesser herausgeholt und – mit einem Abstand von 1.5 bis 2 Metern zum 

Privatkläger – ein bisschen damit herumgefuchtelt. Der Privatkläger sei dann da-

von gerannt (Prot. I S. 19). Vor Obergericht schilderte der Beschuldigte das Ge-

schehene erneut, wobei sich seine Aussagen – soweit er sich erinnert – im Gros-

sen und Ganzen mit den bereits gemachten decken (Prot. II S. 10 ff.).  

 

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b) Würdigung 

Die Aussagen des Beschuldigten zur Vorgeschichte sind konstant, lebensnah und 

detailreich. Auch decken sie sich weitgehend mit den hierzu gemachten Angaben 

des Privatklägers. So gab er jeweils an, am betreffenden Abend nicht in seiner 

Funktion als Türsteher, sondern privat in der …-Bar gewesen zu sein. Als eine 

Stammkundin ihn darauf aufmerksam gemacht habe, dass der Privatkläger sie 

belästigt habe, habe er diesen des Hauses verwiesen. Sie seien zusammen nach 

draussen und der Beschuldigte habe ihn auf das bereits bei anderer Gelegenheit 

mündlich ausgesprochene Hausverbot aufmerksam gemacht. Auch in Bezug auf 

den Angriff durch den Privatkläger mit einem Glas sagte der Beschuldigte kon-

stant aus. Auch sagte der Beschuldigte jeweils, dass er und der Privatkläger wäh-

rend des Handgemenges beide zu Boden gefallen seien. In Bezug auf den eigent-

lichen Vorwurf der Beibringung der Verletzung mit seinem Messer und insbeson-

dere zum Einsatz seines Messers machte der Beschuldigte jedoch widersprüchli-

che Angaben. Zunächst erklärte er, dass sein Messer in der Auseinandersetzung 

keine Rolle gespielt habe, da dieses in seiner Hose gewesen sei (Urk. 5 S. 3 und 

4). Seine konstante Angabe, dass ja alle wüssten, dass er ein Messer habe, er-

scheint als Schutzbehauptung, um allfälligen Aussagen, wonach er das Messer 

benutzt habe, entgegenzuwirken bzw. diese zu erklären. In der Folge bestritt er 

weiter, das Messer eingesetzt zu haben und lieferte die logische Erklärung, dass 

er bei einem Messereinsatz seinen Job riskieren würde (Urk. 8 S. 2). Rund zwei 

Jahre später bestritt der Beschuldigte wieder, ein Messer gegen den Privatkläger 

eingesetzt zu haben. Auf ein Nachhaken erklärte er "eigentlich 100 % sicher" zu 

sein. Auf die darauffolgende Frage, ob er das Messer vor, während oder nach 

dem Vorfall irgendwann hervor genommen und in der Hand gehalten habe, ant-

wortete er dann aber, dass er sich nicht mehr daran erinnern könne. Diesen Wi-

derspruch konnte er auf die folgende Ergänzungsfrage nicht auflösen, vielmehr 

verwickelte er sich noch mehr darin. Er erklärte nämlich, dass das Einzige, was er 

sich erklären könnte, sei, dass er sich habe verteidigen müssen. Er könne sich 

dies aber nicht vorstellen. Dass er sich nicht mehr genauer an den Einsatz des 

Messers erinnern konnte, nachdem ihm genau dieser Vorwurf gemacht und be-

reits mehrmals vorgehalten wurde, mutet seltsam an und weckt den Verdacht, 

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dass es sich dabei um eine Schutzbehauptung handelt, da er in der Zwischenzeit 

mit dem Kurzbericht konfrontiert wurde, wonach sich DNA-Spuren des Privatklä-

gers auf der Klinge des Messers befanden. Als dann ein Gutachten vorlag, wel-

ches ein Mischprofil von DNA-Spuren des Beschuldigten und des Privatklägers 

nachwies, verweigerte er seine Aussagen dazu. Er machte einzig die Bemerkung, 

dass dieses Mischprofil wohl aufgrund des Angriffs des Privatklägers mit dem 

Bierglas entstanden sei. Die Frage danach, ob er das Messer erst hervorgeholt 

habe, als die Polizei ihn dazu aufforderte, wollte er wiederum nicht beantworten.  

Der Verdacht erhärtet sich sodann deutlich, nachdem er an der Hauptverhandlung  

zugab, das Messer gegen Ende der Auseinandersetzung mit dem Privatkläger 

hervorgeholt und damit herumgefuchtelt zu haben. Dieser nicht von der Hand zu 

weisende Widerspruch in den Aussagen, welche den Kernpunkt des Vorwurfs be-

schlagen, wird vom Beschuldigten nicht nachvollziehbar erklärt und lässt sich 

nicht ausräumen. Darauf angesprochen, gab er an, erst jetzt in der Lage zu sein, 

es so zu sagen, wie es gewesen sei, nachdem ihm alles nochmals erklärt worden 

sei. Er habe dies erst auf sich wirken lassen müssen. Damit gab er einerseits zum 

Ausdruck, in Hinblick auf seine Einvernahme instruiert worden zu sein, was sich 

auch daran feststellen lässt, dass er sich im Gegensatz zu den letzten beiden 

Einvernahmen bei der Staatsanwaltschaft wieder sehr detailliert an den Gesche-

hensablauf zur erinnern vermochte. Andererseits wollte er damit die nicht mit sei-

nen vorgängigen Aussagen in Einklang zu bringende Tatsache der an der Klinge 

seines Messers festgestellten DNA-Spuren des Privatklägers erklären. Vor Ober-

gericht erklärte er das anfängliche Verschweigen des Messers damit, dass er sich 

der Tragweite nicht bewusst gewesen sei (Prot. II S. 13).  

Aufgrund der Aussagen des Beschuldigten ist erstellt, dass er sein Taschenmes-

ser während der Auseinandersetzung mit dem Privatkläger zückte und dieses 

zum Einsatz brachte. 

 

 

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3.4.4. Aussagen der Auskunftsperson D._____ 

a) Zusammenfassung 

D._____ erklärte in seiner polizeilichen Einvernahme vom 19. September 2013 

kurz nach dem Vorfall, dass er in der …-Bar ein Bier getrunken habe und nach 

draussen gegangen sei, um zu rauchen. Er habe gehört, wie der Beschuldigte 

("B._____") mit dem Privatkläger ("einem anderen Mann") gesprochen habe. Der 

Beschuldigte habe ihn nicht in die Bar gelassen, mit der Begründung, dieser habe 

dort Hausverbot. Der Privatkläger habe darum gebettelt, dass er in die Bar rein 

gelassen werde. Dann habe der Beschuldigte dem Privatkläger eine Ohrfeige 

verpasst, woraufhin der Privatkläger ebenfalls mit einer Ohrfeige reagiert habe. 

Dann seien die Fäuste geflogen, wobei der Beschuldigte den Privatkläger auch 

gegen die Fensterscheibe gedrückt habe. Der Privatkläger habe sich in der Folge 

losgerissen und dem Beschuldigten mit dem Knie ins Gesicht geschlagen. Der 

Beschuldigte habe ein Stück eines Zahns verloren und aus dem Mund geblutet. 

Der Beschuldigte habe sodann ein Messer aus der Tasche genommen und mit 

einer Schwingbewegung von oberhalb seines eigenen Kopfes nach unten gegen 

den Privatkläger gestochen. Dabei seien beide zu Boden gefallen. Er habe nicht 

gesehen, wo der Beschuldigte den Privatkläger mit dem Messer getroffen habe, 

es sei so schnell gegangen. Danach seien beide aufgestanden und der Privatklä-

ger sei davon gerannt (Urk. 4 S. 1 f.).  

b) Würdigung 

Die Aussagen der Auskunftsperson sind sachlich und stimmig. Er belastet beide 

Parteien gleichermassen. Daher ist keine Interessensbindung auszumachen. Sei-

ne Aussagen decken sich einerseits mit den Angaben des Beschuldigten, wonach 

die Auseinandersetzung ihren Lauf nahm, weil er den Privatkläger aufgrund eines 

Hausverbots nicht mehr in die Bar lassen wollte. Auch stützt sie die Angabe des 

Beschuldigten, dass der Privatkläger ihm einen Zahn herausschlug. In diesem 

Zusammenhang gab der Beschuldigte selber jedoch an, dass der Privatkläger ihm 

einen Tritt mit dem Fuss versetzt habe, wobei die Auskunftsperson davon sprach, 

dass der Privatkläger sein Knie dazu einsetzte. Diese Abweichung lässt sich mit 

-   16   - 

dem raschen dynamischen Ablauf des Geschehens erklären und ist nicht von re-

levanter Bedeutung. Weiter untermauert die Angabe der Auskunftsperson aber 

auch die Kernaussage des Privatklägers. Beide sprechen von der Schwingbewe-

gung von oben nach unten, mit welcher der Beschuldigte den Privatkläger mit 

dem Messer verletzt habe.  

Wie vorstehend aufgezeigt, sind die nicht konfrontierten Aussagen der Auskunfts-

person nur verwertbar, wenn ausreichend kompensierende Faktoren gegeben 

sind, um den Anspruch des Beschuldigten auf ein faires Verfahren und die Über-

prüfung der Verlässlichkeit des Beweismittels zu gewährleisten. Darauf ist im 

Rahmen der Schlusswürdigung der Beweismittel zurückzukommen. 

3.5. Würdigung der weiteren Beweismittel 

Nicht ausser Acht zu lassen ist, dass eine Mischspur der DNA des Privatklägers 

und des Beschuldigten auf der Klinge des Messers des Beschuldigten festgestellt 

werden konnte. Analysiert man den vom Beschuldigten geltend gemachten Ge-

schehensablauf, ergibt sich ein weiterer nicht nachvollziehbarer Widerspruch. 

Gegen die Darstellung des Beschuldigten, wonach sich der Privatkläger die Ver-

letzungen durch den Sturz auf sein Bierglas selber beigebracht habe, spricht, 

dass nach Entstehen dieser Verletzungen gemäss dem Beschuldigten kein Kör-

perkontakt zwischen den beiden mehr stattgefunden haben soll. Vielmehr habe 

der Beschuldigte den Privatkläger nach dem Sturz mit dem Herumfuchteln mit 

dem Messer in die Flucht geschlagen. Da beim Privatkläger einzig die Schnittver-

letzungen an Hand und Unterarm, welche er sich gemäss Beschuldigten wie ge-

sagt, durch diesen Sturz zugezogen habe, festgestellt wurde, ist daher die Be-

hauptung des Beschuldigten, eine Mischspur sei entstanden, weil überall Blut der 

beiden war, nicht in Einklang zu bringen. Er habe den Privatkläger ja genau nicht 

mehr berührt, nachdem dieser zu bluten begonnen habe. Wie daher DNA-Spuren 

des Privatklägers auf sein Messer und insbesondere auf die Klinge gekommen 

sein sollen, lässt sich vernünftigerweise nur mit einer direkten Berührung des 

Messers erklären.  

-   17   - 

Der ergänzende ärztliche Befund hält schlüssig und nachvollziehbar fest, die Ver-

letzung am Unterarm des Privatklägers könne aufgrund ihrer Lokalisation, Tiefe 

und ihres Verlaufs theoretisch auch von einer Glasscherbe verursacht worden 

sein, wobei ein Sturz nicht in Frage komme, da der Patient seine Hand durch eine 

zerbrochene Glasscherbe hätte strecken müssen oder sich beim Sturz hätte 

überschlagen müssen, um sich an der dorsalen Seite des Unterarms zu verletzen. 

Gemäss dem ärztlichen Befund ist die oberflächliche Verlängerung der Verletzung 

typischer für eine Messerverletzung (Urk. 95). Nach Einholung des Berichts wurde 

dieser den Parteien rund zwei Monate vor der Berufungsverhandlung zugestellt 

(Urk. 99/1-3). Gelegenheit zur Stellungnahme hierzu wurde den Parteien damit 

eingeräumt. Der amtliche Verteidiger bringt mit seinem Einwand, es hätten keine 

Ergänzungsfragen gestellt werden können, und seinem Antrag auf Einvernahme 

des berichterstattenden Arztes jedoch keine konkreten, zu stellenden Fragen vor. 

Beim ergänzenden ärztlichen Befund handelt es sich einerseits – wie vom amtli-

chen Verteidiger zutreffend ausgeführt (Urk. 102 S. 5) – nicht um ein Gutachten 

im Sinne von Art. 184 StPO, andererseits hatten die Parteien die Möglichkeit sich 

dazu zu äussern, wovon sie auch Gebrauch machten (Urk. 102 S. 5 ff., Prot. II 

S. 6). Eine Einvernahme von Dr. C._____ erscheint nicht zielführend, zumal der 

Bericht die gestellten Fragen klar beantwortet und der Arzt die Verletzungen fest-

zustellen und zu beschreiben, nicht aber den möglichen Ablauf der Geschehnisse 

zu rekonstruieren hat.  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aufgrund des ergänzenden medizini-

schen Befundes eine Beibringung der Verletzung durch eine Glasscherbe zwar 

theoretisch möglich ist, jedoch hätte sich das Opfer auch noch beim Stürzen 

überschlagen müssen, wofür sich den Akten keine Anhaltspunkte entnehmen las-

sen. Es ist daher auf den ersten Befund des USZ, worin festgehalten wird, die 

Verletzung sei durch einen Schnitt mit einem Messer verursacht worden und den 

ergänzenden Befund abzustellen (Urk. 12/10 S. 1 und Urk. 95). Daher ist erstellt, 

dass die Verletzung am Unterarm des Privatklägers durch ein Messer verursacht 

wurde. 

-   18   - 

4. Fazit 

In einer Gesamtbetrachtung bestehen aufgrund der ärztlichen Befunde und der 

DNA-Spur keine rechtserheblichen Zweifel daran, dass die Verletzung am Unter-

arm des Privatklägers durch den Beschuldigten mittels Einsatz des Taschenmes-

sers verursacht wurde. In der Anklageschrift wird bezüglich der Art und Weise, 

wie die Verletzung zugefügt wurde, lediglich ausgeführt, der Beschuldigte habe 

dazu ausgeholt. Dies lässt sich ohne Weiteres aus dem Umstand ableiten, dass 

dem Privatkläger eine tiefe und 5 cm lange Schnittwunde zugefügt wurde, der 

Stich/Schnitt muss mit einiger Kraft geführt worden sein. Offen bleibt, wie dieses 

Ausholen erfolgte. Nicht vom Anklagevorwurf erfasst ist insbesondere, dass der 

Beschuldigte gegen das Gesicht des Privatklägers oder dessen Oberkör-

per/Herzgegend gestochen hat, wie der Privatkläger ausführte. Diesbezüglich lie-

gen lediglich die offensichtlich übertriebenen Aussagen des Privatklägers vor. 

Auch die Auskunftsperson D._____ sagte aus, der Beschuldigte habe mit dem 

Messer eine Schwingbewegung von oberhalb seines Kopfes nach unten gemacht. 

Er habe nicht gesehen, wo der Privatkläger getroffen worden sei (Urk. 4 S. 1 f.). 

Da eine tiefe und lange Schnittverletzung resultierte und darin ein deutlicher kom-

pensierender Faktor zu erkennen ist, ist bezüglich des Ausholens mit dem Messer 

auch auf die nicht konfrontierte Aussage der Auskunftsperson abzustellen. 

Der Anklagesachverhalt ist daher in allen Punkten erstellt. 

III. Rechtliche Würdigung 

1. Rechtliche Qualifikation 

Die Staatsanwaltschaft würdigt das Verhalten des Beschuldigten als qualifizierte 

einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 

und 2 StGB.  

2. Objektiver Tatbestand 

2.1. Wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Ge-

sundheit schädigt, wird auf Antrag mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

-   19   - 

Geldstrafe bestraft (Art. 123 Ziff. 1 StGB). Die Strafe ist Freiheitsstrafe bis zu drei 

Jahren oder Geldstrafe und der Täter wird von Amtes wegen verfolgt, wenn er ei-

ne Waffe oder einen gefährlichen Gegenstand gebraucht (Art. 123 Ziff. 2 StGB). 

Ausschlaggebend für die Qualifizierung als gefährlicher Gegenstand ist, ob dieser 

nach seiner Beschaffenheit so eingesetzt wird, dass die Gefahr einer schweren 

Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB herbeigeführt wird. Praktisch jeder 

Gegenstand von einiger Robustheit, Festigkeit und Härte kann in einer tätlichen 

Auseinandersetzung gefährlich werden, wenn er eben in gefährlicher Weise ein-

gesetzt wird (vgl. Roth/Berkemeier, BSK StPO, 3. Auflage 2013, Art. 123 N 19 ff.). 

Der Privatkläger erlitt eine 5 cm lange Schnittverletzung am Unterarm, wobei die 

Handwurzelstrecksehnen sowie die Daumen-Abspreiz- und die Daumen-

Strecksehne durchtrennt wurden. PD Dr. med. C._____ hielt auf entsprechende 

Frage fest, dass die Verletzung zum Verlust der Fähigkeit, das Handgelenk zu 

heben, und zu einer Bewegungseinschränkung des Daumens geführt habe. Zur 

Frage nach bleibenden Schäden, stellte er ein Rehabilitationsdefizit der Hand 

fest, welches auf unzureichende Therapie in der Nachbehandlung zurückzuführen 

sei (Urk. 12/10 S. 1). Aufgrund dieser ärztlichen Einschätzung ist nicht erstellt, 

dass ein bleibender Schaden durch den Messerstich verursacht wurde. Es bleibt 

unklar, was für Beeinträchtigungen bleiben, und ob diese auf unzureichende 

Handtherapie und Nachbehandlung zurückzuführen sind. Dem Grundsatze in du-

bio pro reo folgend ist daher zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen, 

dass der Privatkläger keine bleibenden Schäden davonträgt und nicht von einem 

verstümmelten oder unbrauchbar gemachten Glied gesprochen werden kann. 

Daher ist die Verletzung als einfache Körperverletzungen im Sinne von Art. 123 

StGB zu qualifizieren. 

2.2. Zu prüfen bleibt, ob das Taschenmesser unter den gegebenen Umständen 

als gefährlicher Gegenstand im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB zu qualifi-

zieren ist. Dabei ist in Betracht zu ziehen, dass der Beschuldigte das Taschen-

messer in einem dynamischen Geschehen im Rahmen einer sich bereits im Gan-

ge befindlichen heftigen tätlichen Auseinandersetzung einsetzte, bei welcher die 

beiden Kontrahenten auch zu Boden gingen. Der Beschuldigte holte aus und 

setzte das Messer mit Kraft gegen den Privatkläger ein. Die Verletzung, welche 

-   20   - 

resultierte, zeigt, dass die Gefahr bestand, dass die Hand des Privatklägers hätte 

unbrauchbar gemacht werden können. Unter diesen Umständen stellt das Ta-

schenmesser aufgrund seines konkreten Einsatzes einen gefährlichen Gegen-

stand im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB dar.  

3. Subjektiver Tatbestand 

3.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklage vorgeworfen, er habe im Wissen 

um die möglicherweise Herbeiführung einer Verletzung zumindest unter Inkauf-

nahme einer solchen Verletzung gehandelt. Der Anklagevorwurf lautet somit auf 

mindestens eventualvorsätzliche Tatbegehung.  

3.2. Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB handelt vorsätzlich, wer die Tat mit Wissen 

und Willen ausführt und handelt bereits vorsätzlich, wer die Verwirklichung der Tat 

für möglich hält und in Kauf nimmt. Nach ständiger bundesgerichtlicher Recht-

sprechung ist Eventualvorsatz gegeben, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs 

bzw. die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil 

er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag 

er ihm auch unerwünscht sein (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3.). Das Gericht hat aufgrund 

der Umstände der Tat zu entscheiden, ob der Täter die Tatbestandsverwirkli-

chung im Sinne des Eventualvorsatzes in Kauf genommen hat. Wenn sich die 

Verwirklichung der Gefahr dem Täter als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die 

Bereitschaft, sie als Folge hinzunehmen vernünftigerweise nur als Inkaufnahme 

des Erfolgs ausgelegt werden kann, ist Eventualvorsatz zu bejahen. Je grösser 

die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist, und je schwerer die 

Rechtsgutverletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe 

die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (Urteil des Bundesgerichts vom 

23. April 2015, 6B_366/2014 E. 1.2.3. mit Hinweisen). 

3.3. Wie bereits erwähnt, holte der Beschuldigte mit dem Messer in der Hand 

während des dynamischen Geschehens einer heftigen tätlichen Auseinanderset-

zung aus und stach auf den Privatkläger ein. Er musste sich dabei im Klaren sein, 

dass seine Handlung mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Schnittverletzung wie die 

-   21   - 

eingetretene zur Folge haben konnte. Unter den gegebenen Umständen ist even-

tualvorsätzliche Tatbegehung zu bejahen. 

4. Fazit Tatbestandsmässigkeit 

Der Beschuldigte hat den Tatbestand der einfachen Körperverletzung im Sinne 

von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 StGB in objektiver und subjektiver 

Hinsicht erfüllt. 

IV. Strafzumessung 

1. Allgemeine Regeln der Strafzumessung und Übergangsrecht 

1.1. Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es be-

rücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung 

der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird 

nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, 

nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters 

sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Um-

ständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 

Abs. 2 StGB). 

1.2. Der Strafrahmen für die einfache Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 2 

Abs. 2 StGB ist Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe. Es liegen keine 

besonderen Umstände vor, welche eine Unter- oder Überschreitung des ordentli-

chen Strafrahmen rechtfertigen würden.  

1.3. Bei der konkreten Strafzumessung ist zwischen der Tat- und der Täter-

komponente zu unterscheiden. Bei der Tatkomponente ist vorerst die objektive 

Tatschwere als Ausgangskriterium festzulegen und zu bemessen. Es gilt zu prü-

fen, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt 

worden ist. Darunter fallen etwa das Ausmass des Erfolges sowie die Art und 

Weise des Vorgehens. Bei der Bewertung des subjektiven Verschuldens stellt 

-   22   - 

sich die Frage, wie dem Täter die objektive Tatschwere tatsächlich anzurechnen 

ist. 

1.4. Zusätzlich ist festzuhalten, dass per 1. Januar 2018 das neue Sanktionen-

recht des Strafgesetzbuches in Kraft getreten ist. Der Strafrahmen für einfache 

Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB ist grundsätzlich der gleiche nach 

altem sowie neuem Recht, ausser dass sich die Minimalgrenze der Geldstrafe 

neu explizit aus dem Gesetz ergibt und bei 3 Tagessätzen liegt. Gemäss altem 

Recht wäre grundsätzlich die Ausfällung einer Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen 

möglich gewesen, nach dem neuen Recht ist eine Geldstrafe von maximal 180 

Tagessätzen möglich. Daraus geht hervor, dass das neue Recht in der Anwen-

dung in concreto nicht das Mildere sein kann, soweit eine Sanktionshöhe resul-

tiert, für welche gemäss altem Recht noch eine Geldstrafe als mögliche Sankti-

onsart in Frage kommt. Wie nachfolgen darzulegen ist, trifft dies vorliegend zu, 

weshalb gestützt auf Art. 2 Abs. 2 StGB das alte Recht anzuwenden ist. 

2. Strafzumessung in concreto 

2.1. Tatkomponenten 

2.1.1. Objektive Tatschwere 

Der Beschuldigte handelte ungeplant und spontan im Rahmen der Schlägerei 

zwischen ihm und dem Privatkläger, nachdem ihn dieser verletzt hatte, und ihm 

durch einen Schlag einen Zahn ausgeschlagen hatte. Er führte nur einen, aber 

kräftigen Stich aus. Die Verletzung, welche dem Privatkläger zugefügt wurde, war 

im Rahmen der einfachen Körperverletzung schwerwiegender Natur und an der 

Grenze zur versuchten schweren Körperverletzung. Der Privatkläger musste sich 

einer Operation und Rehabilitation unterziehen, war während rund eines Monats 

100% arbeitsunfähig und litt längere Zeit an Schmerzen. Die objektive Tatschwere 

wiegt nicht mehr leicht.  

 

 

-   23   - 

2.1.2. Subjektive Tatschwere 

Der Beschuldigte handelte eventualvorsätzlich. Er wurde durch die Verletzungs-

handlung seitens des Privatklägers provoziert. Seine unkontrollierte und heftige 

Reaktion lässt aber annehmen, dass das Motiv der Rache eine Rolle spielte und 

sich der Beschuldigte von Wut leiten liess. Dass der Beschuldigte 1.51 Promille 

Alkohol im Blut hatte, wirkt sich leicht relativierend auf die subjektive Tatschwere 

aus. Die subjektive Tatschwere wiegt insgesamt noch leicht.  

2.1.3. Fazit Tatkomponente 

Insgesamt wiegt die Tatschwere nicht mehr leicht, weshalb eine Einsatzstrafe im 

Bereich von 6 Monaten der Tatschwere angemessen erscheint.  

2.2. Täterkomponenten 

2.2.1. Persönliche Verhältnisse 

Der Beschuldigte verweigerte die Aussagen zu seinen persönlichen Verhältnissen 

in der Untersuchung grösstenteils. Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhand-

lung gab er an, dass seine Lebenspartnerin im fünften Monat schwanger sei. Er 

erklärte weiter, bei E._____ als stellvertretender Geschäftsführer in einem Pen-

sum zwischen 40 % und 70 % zu arbeiten und ein monatliches Einkommen zwi-

schen Fr. 2'500.– und Fr. 3'000.– netto zu generieren. Für die Miete bezahle er 

1'120.–; Schulden habe er ungefähr Fr. 10'000.– (Prot. I S. 15 f.). Im Berufungs-

verfahren bestätigte er die an der Hauptverhandlung gemachten Angaben im We-

sentlichen; ergänzend erklärte er, dass seine Tochter inzwischen zur Welt ge-

kommen sei (Prot. II S. 6 ff.). Den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten 

lassen sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren entnehmen.  

2.2.2. Vorstrafen 

Aus dem Auszug des schweizerischen Strafregisters ist ersichtlich, dass der Be-

schuldigte drei Vorstrafen erwirkt hat. Am 20. Mai 2009 wurde er mit Strafbefehl 

der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat wegen einfacher Körperverletzung, Gewalt 

und Drohung gegen Behörden und Hinderung einer Amtshandlung mit einer 

-   24   - 

Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je Fr. 80.– und einer Busse von Fr. 500.– unter 

Ansetzung einer zweijährigen Probezeit bestraft. Diese Probezeit wurde am 

11. März 2013 von der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn um ein Jahr 

verlängert. Mit Strafbefehl vom 11. März 2013 der Staatsanwaltschaft des Kan-

tons Solothurn wurde der Beschuldigte wegen Gewalt und Drohung gegen Be-

hörde sowie Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz mit einer Geldstrafe 

von 50 Tagessätzen zu je Fr. 80.– (davon 25 Tagessätze bedingt vollziehbar, mit 

einer Probezeit von zwei Jahren) und einer Busse von Fr. 400.– bestraft. 

Schliesslich wurde der Beschuldigte ebenfalls von der Staatsanwaltschaft des 

Kantons Solothurn mit Strafbefehl vom 25. Juli 2013 wegen Fahrenlassens ohne 

Haftpflichtversicherung zu einer Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu je Fr. 60.– und 

einer Busse von Fr. 100.– mit einer Probezeit von zwei Jahren bestraft (Urk. 70). 

Den Beizugsakten lässt sich entnehmen, dass der Beschuldigte jemanden in ei-

ner Schlägerei verletzte (Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat,  

C -3/2008/910). Bei einem anderen Vorfall wurde er von der Polizei verhaftet, je-

doch sei dies aufgrund seiner tätlichen Gegenwehr erst nach einem Gerangel 

möglich gewesen (Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn, 

STA.2009.4061). Diese beiden Vorstrafen sind zwar einschlägig, jedoch liegen 

sie, wie auch die dritte, nicht einschlägige Vorstrafe längere Zeit zurück. Die Vor-

strafen sind deshalb leicht straferhöhend zu berücksichtigen.  

2.3. Nachtatverhalten / lange Verfahrensdauer 

Der Beschuldigte bestreitet den Anklagevorwurf bis heute. Dieser Umstand ist 

strafzumessungsneutral zu werten.  

Der zu beurteilende Vorfall ereignete sich vor knapp 4,5 Jahren. Die Verfahrens-

verzögerungen sind teilweise vom Beschuldigten verursacht worden, zumal er ei-

nen Umzug nicht bei der Staatsanwaltschaft meldete und so ab Ende Oktober 

2014 nicht mehr zu Einvernahmen vorgeladen werden konnte, weshalb das Ver-

fahren mit Verfügung vom 20. März 2015 sistiert wurde (Urk. 20) und der Aufent-

haltsort des Beschuldigten im November 2015 wieder bekannt wurde (Urk. 17). 

-   25   - 

Zudem musste auch die Hauptverhandlung mehrere Male u.a. aufgrund seines 

unentschuldigten Nichterscheinens verschoben werden.  

Die lange Verfahrensdauer ist insgesamt leicht strafmindernd zu berücksichtigen. 

2.4. Fazit Täterkomponenten 

Insgesamt halten sich die straferhöhenden sowie die strafmindernden Faktoren 

die Waage, weshalb es bei der Einsatzstrafe von 6 Monaten bleibt.  

V. Sanktionsart und Vollzug 

1. Sanktionsart 

Aufgrund der auszufällenden Sanktionshöhe von 6 Monaten kommen nach dem 

anwendbaren alten Sanktionenrecht (vgl. vorstehend Erwägung IV.1.4.) sowohl 

eine Geldstrafe (Art. 34 Abs. 1 aStGB) als auch eine Freiheitsstrafe in Betracht.  

Bei der Wahl der Sanktionsart ist das Gewicht der Tat zu berücksichtigen, das 

Verschulden des Täters, die Zweckmässigkeit der Sanktion, deren Auswirkungen 

auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie die präventive Effizienz (BGE 134 

IV 97 E. 4, BSK-StGB, A. Dolge, Art. 34 N 25). Nach dem Verhältnismässigkeits-

prinzip soll bei alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen in der Regel dieje-

nige gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Täters ein-

greift. Geldstrafe stellt gegenüber der Freiheitsstrafe die mildere Sanktion dar. 

Vorliegend handelt es sich mit der qualifizierten einfachen Körperverletzung um 

ein Delikt mit doch erheblichem Gewicht, welches in der Kategorie der mittel-

schweren Delinquenz anzusiedeln ist. Das Verschulden des Beschuldigten wiegt 

insgesamt nicht mehr leicht. Die Tatbegehung betreffend die einschlägigen Vor-

strafen des Beschuldigten erfolgte rund 4 bis 5 Jahre vor dem angeklagten Vor-

fall, weshalb der heute zu beurteilenden Tat nicht mit der härteren Sanktionsart 

begegnet werden müsste. Gegen die Ausfällung einer Geldstrafe spricht jedoch 

der Umstand, dass der Beschuldigte dreimal innerhalb der Probezeit von bedingt 

ausgefällten Geldstrafen delinquierte, was deutlich darauf hinweist, dass er sich 

-   26   - 

durch die Ausfällung von Geldstrafen nicht beeindrucken lässt. Deshalb ist vorlie-

gend unter dem Gesichtspunkt der präventiven Effizienz eine Freiheitsstrafe aus-

zufällen. 

Der Beschuldigte ist daher mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten zu bestrafen 

unter Anrechnung eines Tages erstandener Haft. 

2. Vollzug 

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von höchs-

tens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig 

erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen 

abzuhalten (Art. 42 Abs. 1). Die günstige Prognose wird vermutet.  

In objektiver Hinsicht sind die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten 

Strafvollzuges gegeben. Dass der Beschuldigte sich seit dem heute zu beurtei-

lenden Vorfall nichts mehr hat zu Schulden kommen lassen (Urk. 100), spricht 

trotz der erwirkten Vorstrafen und mehrfacher Delinquenz in der Probezeit gegen 

eine schlechte Legalprognose. Der Beschuldigte wird erstmals mit einer Freiheits-

strafe bestraft und es darf davon ausgegangen werden, dass er sich durch diese 

härtere Sanktion sowie den Widerruf zweier bedingter Geldstrafen (vgl. Erwägun-

gen nachfolgend) beeindrucken lässt. Dem Beschuldigten ist daher der bedingte 

Strafvollzug zu gewähren, unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren.  

VI. Widerruf 

Wie bereits aufgezeigt, liess sich der Beschuldigte durch die bedingt ausgespro-

chenen Geldstrafen nicht beeindrucken und delinquierte erneut während der drei 

laufenden Probezeiten. Mit Strafbefehl vom 11. März 2013 der Staatsanwaltschaft 

des Kantons Solothurn wurde lediglich die Hälfte der Geldstrafe bedingt vollzo-

gen. Der bedingte Vollzug der Reststrafe von 25 Tagessätzen zu je Fr. 80.– ist 

daher zu widerrufen. Auch der bedingte Vollzug der von der Staatsanwaltschaft 

des Kantons Solothurn mit Strafbefehl vom 25. Juli 2013 ausgefällten Geldstrafe 

von 5 Tagessätzen zu je Fr. 60.– ist zu widerrufen.  

-   27   - 

Bezüglich der Frage des Widerrufes der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Zürich-Limmat vom 20. Mai 2009 ausgefällten bedingten Geldstrafe von 90 Ta-

gessätzen zu je Fr. 80.–, ist zu beachten, dass die angesetzte Probezeit von 2 

Jahren, welche am 11. März 2013 von der Staatsanwaltschaft des Kantons Solo-

thurn um ein Jahr verlängert wurde, am 11. März 2014 abgelaufen ist. Im heuti-

gen Zeitpunkt sind somit mehr als drei Jahre seit Ablauf der Probezeit verstrichen, 

weshalb gestützt auf Art. 46 Abs. 5 StGB kein Widerruf der bedingten Strafe mehr 

angeordnet werden darf. Von einem Widerruf des bedingten Strafvollzugs bezüg-

lich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 20. Mai 2009 

ausgefällten bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je Fr. 80.– ist daher ab-

zusehen. 

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

Im vorinstanzlichen Urteil wurde infolge Freispruches des Beschuldigten keine 

Gerichtsgebühr festgesetzt, die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung des 

Privatklägers wurden auf die Gerichtskasse genommen und dem Beschuldigten 

wurde eine Prozessentschädigung aus der Gerichtskasse zugesprochen, wobei 

über die Höhe der Prozessentschädigung mit separater Verfügung zu entschei-

den sei (Dispositiv-Ziffern 4 - 6). Diese Regelung blieb bezüglich der Kosten der 

unentgeltlichen Rechtsvertretung des Privatklägers (Dispositiv-Ziffer 6) unange-

fochten und ist wie bereits erwähnt in Rechtskraft erwachsen. Der Privatkläger 

beantragte im Berufungsverfahren Dispositiv-Ziffern 4 und 5 des angefochtenen 

Urteils seien aufzuheben und die Kosten- und Entschädigungsfolgen seien neu zu 

regeln (Urk. 86 S. 2). Da der Privatkläger durch die Kostenregelung in Dispositiv-

Ziffern 4 und 5 nicht beschwert ist, fehlt ihm die Legitimation in diesen Punkten. 

Da der Beschuldigte in Abänderung des vorinstanzlichen Freispruchs mit diesem 

Urteil der Begehung des ihm vorgeworfenen Delikts schuldig zu sprechen ist, ist 

für das vorinstanzliche Verfahren eine Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 1'500.– 

festzusetzen. Gemäss Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO trägt die beschuldigte Person 

die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Ausgangsgemäss sind die Kosten 

-   28   - 

der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens dem Beschuldigten auf-

zuerlegen. 

Der Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren vollumfänglich. Gestützt auf 

Art. 428 StPO sind die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjeni-

gen der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers, daher dem Beschuldigten 

aufzuerlegen. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers sind 

auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht des 

Beschuldigten (Art. 138 StPO in Verbindung mit Art. 135 StPO). 

Der unentgeltliche Vertreter des Privatklägers macht für das Berufungsverfahren 

einen Aufwand von rund Fr. 2'000.– geltend, was angemessen erscheint.  

Zusammenfassend sind die Kosten der Untersuchung und beider Gerichtsverfah-

ren, mit Ausnahme derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privatkläger-

schaft, dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kosten der unentgeltlichen Vertre-

tung der Privatklägerschaft sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter Vorbe-

halt der Rückzahlungsplicht des Beschuldigten. 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung 

- Einzelgericht, vom 8. Juni 2017 bezüglich der Dispositivziffern 2 (Zivilforde-

rungen) und 6 (Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsvertreters des Pri-

vatklägers) in Rechtskraft erwachsen ist. 

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.  

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig der qualifizierten einfachen Körperverletzung 

im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 und Abs. 2 StGB. 

-   29   - 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten, wo-

von ein Tag durch Haft erstanden ist. 

3. Die Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festge-

setzt. 

4. Der bedingte Vollzug von 25 Tagessätzen zu je Fr. 80.– gemäss Strafbefehl 

der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn vom 11. März 2013 wird wi-

derrufen.  

5. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons 

Solothurn vom 25. Juli 2013 ausgefällten Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu 

je Fr. 60.– wird widerrufen.  

6. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-

Limmat vom 20. Mai 2009 ausgesprochenen Geldstrafe von 90 Tagessätzen 

zu je Fr. 80.– wird nicht widerrufen.  

7. Die erstinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'500.–.  

8. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 2'000.– ; unentgeltliche Vertretung des Privatklägers  

Fr. 200.– ; ergänzender Arztbericht USZ 

 
9. Die Kosten der Untersuchung und beider Gerichtsverfahren werden, mit 

Ausnahme derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, 

dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der 

Privatklägerschaft werden auf die Gerichtskasse genommen unter Vorbehalt 

der Rückzahlungspflicht des Beschuldigten. 

10. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben) 

− die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 

-   30   - 

− den unentgeltlichen Vertreter des Privatklägers A._____ für sich und 
zuhanden des Privatklägers (übergeben) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

− die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl 
− den unentgeltlichen Vertreter des Privatklägers A._____ für sich und 

zuhanden des Privatklägers  

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− das Migrationsamt des Kantons Zürich  
− die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A und Formular B 
− die KOST Zürich mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und 

Vernichtung des ED-Materials" zwecks Bestimmung der Vernichtungs- 
und Löschungsdaten 

− in die Akten STA.2009.4061 der Staatsanwaltschaft des Kantons Solo-
thurn gemäss Dispositiv-Ziffern 4  

− in die Akten STA.2013.02666 der Staatsanwaltschaft des Kantons So-
lothurn gemäss Dispositiv-Ziffern 5 

11. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 

-   31   - 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 13. Februar 2018 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter lic. iur. Spiess 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

MLaw Guennéguès 
 

 

Zur Beachtung: 

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam 

gemacht: 

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss 

er/sie die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte 

Freiheitsstrafe. 

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden 

(Art. 46 Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB), 

- wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht, 

- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet. 

 

	Urteil vom 13. Februar 2018
	Anklage:
	Urteil der Vorinstanz:
	1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird vom Vorwurf der qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 und 2 StGB freigesprochen.
	2. Die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren des Privatklägers A._____ werden auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
	3. Von der Zusprechung einer Genugtuung an den Beschuldigten für Freiheitsentzug wird abgesehen.
	4. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen.
	5. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen. Über die Höhe der Prozessentschädigung wird mit separater Verfügung entschieden.
	6. Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Privatklägers, lic. iur. HSG X._____, wird mit Fr. 6'541.20 (inkl. Mehrwertsteuer; wovon Fr. 1'518.90 bereits bezahlt worden sind) entschädigt. Diese Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen.
	Berufungsanträge:
	___________________________
	Erwägungen:
	I.  Prozessgeschichte und Prozessuales

	1. Gegenstand des Berufungsverfahrens
	2. Legitimation der Privatklägerschaft
	3. Beweisantrag
	II.  Sachverhalt

	1. Anklagevorwurf
	2. Standpunkt des Beschuldigten
	3. Beweiswürdigung
	3.1. Allgemeine Grundsätze
	3.2. Verwertbarkeit von Beweismitteln
	Zur Verwertbarkeit der polizeilichen Einvernahme der Auskunftsperson D._____ kam die Vorinstanz richtig zum Schluss, dass sich ein Schuldspruch nicht einzig auf eine unkonfrontierte Aussage stützen darf (Urk. 85 S. 8 f.). Beweise, die in Verletzung de...
	3.3. Beweismittel
	3.4. Würdigung der Aussagen der Beteiligten
	3.4.1. Allgemeines
	3.4.2. Aussagen des Privatklägers
	3.4.3. Aussagen des Beschuldigten
	3.4.4. Aussagen der Auskunftsperson D._____
	3.5. Würdigung der weiteren Beweismittel

	4. Fazit
	III.  Rechtliche Würdigung

	1. Rechtliche Qualifikation
	Die Staatsanwaltschaft würdigt das Verhalten des Beschuldigten als qualifizierte einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 und 2 StGB.

	2. Objektiver Tatbestand
	2.1. Wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Gesundheit schädigt, wird auf Antrag mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 123 Ziff. 1 StGB). Die Strafe ist Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Ge...
	2.2. Zu prüfen bleibt, ob das Taschenmesser unter den gegebenen Umständen als gefährlicher Gegenstand im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB zu qualifizieren ist. Dabei ist in Betracht zu ziehen, dass der Beschuldigte das Taschenmesser in einem dyn...

	3. Subjektiver Tatbestand
	3.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklage vorgeworfen, er habe im Wissen um die möglicherweise Herbeiführung einer Verletzung zumindest unter Inkaufnahme einer solchen Verletzung gehandelt. Der Anklagevorwurf lautet somit auf mindestens eventualvorsä...
	3.2. Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB handelt vorsätzlich, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt und handelt bereits vorsätzlich, wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt. Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist E...
	3.3. Wie bereits erwähnt, holte der Beschuldigte mit dem Messer in der Hand während des dynamischen Geschehens einer heftigen tätlichen Auseinandersetzung aus und stach auf den Privatkläger ein. Er musste sich dabei im Klaren sein, dass seine Handlung...

	4. Fazit Tatbestandsmässigkeit
	IV.  Strafzumessung

	1. Allgemeine Regeln der Strafzumessung und Übergangsrecht
	1.1. Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere d...
	1.2. Der Strafrahmen für die einfache Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB ist Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe. Es liegen keine besonderen Umstände vor, welche eine Unter- oder Überschreitung des ordentlichen Strafra...
	1.3. Bei der konkreten Strafzumessung ist zwischen der Tat- und der Täterkomponente zu unterscheiden. Bei der Tatkomponente ist vorerst die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium festzulegen und zu bemessen. Es gilt zu prüfen, wie stark das strafr...
	1.4. Zusätzlich ist festzuhalten, dass per 1. Januar 2018 das neue Sanktionenrecht des Strafgesetzbuches in Kraft getreten ist. Der Strafrahmen für einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB ist grundsätzlich der gleiche nach altem sowie neu...

	2. Strafzumessung in concreto
	2.1. Tatkomponenten
	2.1.1. Objektive Tatschwere
	2.1.2. Subjektive Tatschwere
	2.1.3. Fazit Tatkomponente
	2.2. Täterkomponenten
	2.2.1. Persönliche Verhältnisse
	2.2.2. Vorstrafen
	2.3. Nachtatverhalten / lange Verfahrensdauer
	Der Beschuldigte bestreitet den Anklagevorwurf bis heute. Dieser Umstand ist strafzumessungsneutral zu werten.
	Der zu beurteilende Vorfall ereignete sich vor knapp 4,5 Jahren. Die Verfahrensverzögerungen sind teilweise vom Beschuldigten verursacht worden, zumal er einen Umzug nicht bei der Staatsanwaltschaft meldete und so ab Ende Oktober 2014 nicht mehr zu Ei...
	Die lange Verfahrensdauer ist insgesamt leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
	2.4. Fazit Täterkomponenten
	Insgesamt halten sich die straferhöhenden sowie die strafmindernden Faktoren die Waage, weshalb es bei der Einsatzstrafe von 6 Monaten bleibt.
	V.  Sanktionsart und Vollzug

	1. Sanktionsart
	2. Vollzug
	Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 4...
	In objektiver Hinsicht sind die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Strafvollzuges gegeben. Dass der Beschuldigte sich seit dem heute zu beurteilenden Vorfall nichts mehr hat zu Schulden kommen lassen (Urk. 100), spricht trotz der erwirkte...
	VI.  Widerruf
	VII.  Kosten- und Entschädigungsfolgen

	Der unentgeltliche Vertreter des Privatklägers macht für das Berufungsverfahren einen Aufwand von rund Fr. 2'000.– geltend, was angemessen erscheint.
	Zusammenfassend sind die Kosten der Untersuchung und beider Gerichtsverfahren, mit Ausnahme derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägersch...
	Es wird beschlossen:
	1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung - Einzelgericht, vom 8. Juni 2017 bezüglich der Dispositivziffern 2 (Zivilforderungen) und 6 (Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsvertreters des Privatklägers) in R...
	2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
	Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte ist schuldig der qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 1 und Abs. 2 StGB.
	2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten, wovon ein Tag durch Haft erstanden ist.
	3. Die Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.
	4. Der bedingte Vollzug von 25 Tagessätzen zu je Fr. 80.– gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn vom 11. März 2013 wird widerrufen.
	5. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn vom 25. Juli 2013 ausgefällten Geldstrafe von 5 Tagessätzen zu je Fr. 60.– wird widerrufen.
	6. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 20. Mai 2009 ausgesprochenen Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je Fr. 80.– wird nicht widerrufen.
	7. Die erstinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'500.–.
	8. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	9. Die Kosten der Untersuchung und beider Gerichtsverfahren werden, mit Ausnahme derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden auf...
	10. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten (übergeben)
	 die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
	 den unentgeltlichen Vertreter des Privatklägers A._____ für sich und zuhanden des Privatklägers (übergeben)
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
	 den unentgeltlichen Vertreter des Privatklägers A._____ für sich und zuhanden des Privatklägers
	 die Vorinstanz
	 das Migrationsamt des Kantons Zürich
	 die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A und Formular B
	 die KOST Zürich mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten
	 in die Akten STA.2009.4061 der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn gemäss Dispositiv-Ziffern 4
	 in die Akten STA.2013.02666 der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn gemäss Dispositiv-Ziffern 5

	11. Rechtsmittel: Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.
	Zur Beachtung:
	- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.