# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2f4654be-41c9-5765-a811-566ea1627dbb
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2009-10-27
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 27.10.2009 UV 2008/112
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2008-112_2009-10-27.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2008/112

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 27.04.2020

Entscheiddatum: 27.10.2009

Entscheid Versicherungsgericht, 27.10.2009
Art. 6 UVG; Art. 19 Abs. 1 UVG: Unfallkausalität von gesundheitlichen 
Beschwerden im Nachgang zu einem HWS-Schleudertrauma. Prüfung der 
Rechtmässigkeit der Leistungseinstellung. Verneinung der Adäquanz in 
Anwendung der Schleudertrauma-Praxis (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. Oktober 2009, UV 
2008/112).

Vizepräsident Joachim Huber, Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei und 

Versicherungsrichter Martin Rutishauser ; a.o. Gerichtsschreiber Benedikt Fässler

Entscheid vom 27. Oktober 2009

in Sachen

B.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, Postfach, 

8887 Mels,

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358, 

6002 Luzern,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Versicherungsleistungen

Sachverhalt:

A.       

A.a   Am 22. Dezember 2005 fuhr B.___, geboren 1979, kaufmännische Angestellte bei 

der A.___ und in dieser Eigenschaft bei der Suva gegen die Folgen von Berufs- und 

Nichtberufsunfällen versichert, zusammen mit ihrer Vorgesetzten zum Mittagessen. Auf 

dem Parkplatz musste sie ihr Fahrzeug aufgrund vor ihr fahrender bzw. anhaltender 

Fahrzeuge ebenfalls anhalten (stop and go-Verkehr). Dabei ist das nachfolgende 

Fahrzeug in das Heck des Wagens der Versicherten gefahren. Die biomechanische 

Kurzbeurteilung ergab für den Honda Civic der Versicherten eine kollisionsbedingte 

Geschwindigkeitsänderung (delta-v) unterhalb oder knapp innerhalb eines Bereichs von 

10-15 km/h (suva-act. 31). Wegen auftretender Kopf- und Nackenschmerzen suchte 

die Versicherte noch am Unfalltag Dr. med. C.___ auf, der eine Stauchung der 

Halswirbelsäule (HWS-Distorsion) diagnostizierte und eine Arbeitsunfähigkeit von 

100 % bescheinigte (suva-act. 1 und 2). Auf Verordnung des weiterbehandelnden 

Arztes, Dr. med. D.___, Arzt für Allg. Medizin FMH, wurde die Versicherte 

physiotherapeutisch und medikamentös behandelt und erhielt einen Halskragen bei 

Bedarf. Mit Zwischenbericht vom 6. Januar 2006 an die Suva führte Dr. D.___ aus, bis 

anhin seien keine wesentlichen Heilungsfortschritte zu verzeichnen. Es bestünden 

Ruhe- und Bewegungsschmerzen im Nacken und eine erhebliche 

Bewegungseinschränkung der HWS (suva-act. 4). Am 11. Januar 2006 wurde ein MRI 

der HWS durchgeführt. Dabei zeigte sich eine leichte linkskonvexe Skoliose auf Höhe 

des cervico-thoracalen Übergangs sowie eine mehrsegmentäre Streckfehlhaltung der 

HWS C2-C6 und eine mehrsegmentäre leichte Dehydration der Bandscheiben C2-C6. 

Als Nebenbefund wurde ein etwas akzentuierter Canalis centralis auf Niveau C7/Th1 

ohne weiteren Krankheitswert und insbesondere ohne Bezug zur aktuellen HWS-

Distorsion festgestellt. Ansonsten zeigte sich eine normales übriges vertebrospinales 

Kernspintomogramm C0-Th5 ohne Hinweise auf eine posttraumatische 

discoligamentäre Verletzung oder pathologische Veränderungen im Bereich der 

paravertebralen Weichteilstrukturen. Ebenfalls fand sich kein Hinweis auf das Vorliegen 

microtrabeculärer Wirbelkörperfrakturen (suva-act. 5). Mit Bericht vom 8. Februar 2006 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

berichtete Dr. D.___ über neu auftretende Sensibilitätsstörungen im linken Arm (suva-

act. 13). Am 10. Februar 2006 wurde die Versicherte von Dr. med. E.___, Neurologie 

FHM, untersucht. Laut dessen Bericht bestehen keine Hinweise auf eine erlittene 

Commotio oder sogar Contusio cerebri/spinalis oder auf eine Läsion von 

Sinnesorganen und Hirnnerven (suva-act. 15). Mit Bericht vom 21. Februar 2006 

diagnostizierte Dr. med. F.___, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, ein protrahiertes 

Schmerzsyndrom nach HWS-Hyperextensionstrauma vom 22. Dezember 2005 (suva-

act. 19). Mit Schreiben vom 21. Februar 2006 wurde der Versicherten per 31. März 

2006 gekündigt (suva-act. 25). Ab dem 23. Februar 2006 betrug die Arbeitsfähigkeit 

gemäss Dr. D.___ wieder 50 % (suva-act. 24). Am 9. März 2006 wurde in der Rehaklinik 

Bellikon ein ambulantes Assessment durchgeführt. Dabei gelangten Dr. med. G.___, 

Spitalfacharzt, und Dr. med. H.___, FMH Chirurgie, zur Einschätzung, die starken 

Schmerzen seien nur vor dem Hintergrund einer Schmerzverarbeitungsstörung zu 

erklären (suva-act. 32). Vom 11. April bis zum 23. Mai 2006 begab sich die Versicherte 

in eine stationäre Rehabilitation in der Klinik Valens. Im Austrittsbericht werden als 

Diagnosen ein craniocervikales Beschleunigungstrauma mit myofaszialem 

Schmerzsyndrom des Nacken- und Schultergürtels rechts sowie eine aktuell 

leichtgradige Depression genannt. Die Rehabilitation zeigte insgesamt einen 

erfreulichen Verlauf (suva-act. 50/1). Die Arbeitsfähigkeit wurde mit 50 % beziffert 

(suva-act. 50.2). Ab dem 5. September 2006 begab sich die Versicherte in ambulante 

Behandlung bei Dr. med. I.___, Psychiatrie und Psychotherapie FHM, vorerst in der 

Klinik O.___, später in der Klinik P.___ (suva-act. 75, 82 und 115). Dr. I.___ 

diagnostizierte mit Bericht vom 22. Januar 2007 (suva-act. 75) eine leichte depressive 

Episode mit somatischem Syndrom (ICD10: F 32.01) und mit Bericht vom 27. August 

2007 (suva-act. 115) eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom 

(ICD10: F 32.11) im Rahmen einer Anpassungsstörung nach dem Autounfall vom 22. 

Dezember 2005. Im Bericht vom 27. August 2007 berichtet Dr. I.___ von einer 

deutlichen Zurückbildung der depressiven Symptomatik. Unter therapeutischen 

Massnahmen sei es erfreulicherweise nicht zur Entwicklung einer anhaltenden 

somatoformen Schmerzstörung gekommen.

A.b   Vom 4. Dezember 2006 bis zum 2. Februar 2007 nahm die Beschwerdeführerin 

am Verzahnungsprogramm Q.___ teil (suva-act. 77). Ab dem 7. Februar 2007 arbeitete 

sie 50 % im Einsatzprogramm J.___ (suva-act. 90, 141). Ab dem Juni 2006 konnte das 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Pensum auf 70 % gesteigert werden (suva-act. 101). Auch von ärztlicher Seite wurde 

ab dem 11. Juni 2006 eine Arbeitsfähigkeit von 70 % bestätigt (suva-act. 104, 110, 

115), wobei aus Sicht von Dr. I.___ bis Ende des Jahres eine volle Arbeitsfähigkeit in 

einer Bürotätigkeit mit maximaler PC-Arbeit von ca. 3 Stunden pro Tag zu erwarten sei 

(suva-act. 115). Am 8. Oktober 2007 konnte die Beschwerdeführerin eine bis Ende 

2008 befristete 40 %-Stelle als Mitarbeiterin im Sekretariat bei der K.___ antreten (vgl. 

suva-act. 126).

A.c   Am 20. Mai 2008 wurde im Auftrag der Suva eine neurologische Untersuchung bei 

Dr. med. L.___, Fachärztin für Neurologie FMH, durchgeführt. Mit Bericht vom 27. Mai 

2008 (suva-act. 165) hält Dr. L.___ fest: "Klinisch-neurologisch konnte ich zum 

Untersuchungszeitpunkt keinerlei objektivierbar pathologische Befunde feststellen und 

die HWS-Beweglichkeit war erstaunlich gut. Da ein früheres cervicales MRI keinen 

pathologischen Befund gezeigt hatte und keine Hinweise für ein begleitendes Schädel-

Hirn-Trauma (keine Erinnerungslücke oder Bewusstseinsstörung, keine äusseren 

Kopfverletzungen) vorliegen, habe ich keine weiteren Röntgenabklärungen veranlasst. 

In der Gesamtschau habe ich aus rein neurologischer Sicht keine Erklärung dafür, dass 

sich die Versicherte 2  /  Jahre nach einem HWS-Distorsionstrauma am 22.12.2005 

noch immer nicht erholt hat. Auf Grund des heutigen Eindruckes, unterstützt durch die 

Vorbefunde, die eine Neigung zu funktionellen Beschwerden und depressive Züge 

beschreiben, vermute ich, dass unfallfremde Faktoren der Heilung im Wege stehen. 

Diese sind möglicherweise nicht nur psychischer (Zukunftsängste, depressive 

Entwicklung) sondern auch sozialer Natur. Es ist ausserdem anzunehmen, dass der 

fortgesetzte, und in den letzten Wochen erhöhte Schmerzmittelkonsum eine sehr 

ungünstige Auswirkung auf die Beschwerdeentwicklung hat. Insofern habe ich der 

Versicherten dringend eine Reduktion empfohlen, auch wenn primär mit einer 

vorübergehenden Schmerzexazerbation gerechnet werden muss. Stattdessen würde 

ich eher die antidepressive und auch schmerzmodulatorisch wirksame Medikation mit 

Fluoxetin erhöhen. Aus rein neurologischer Sicht besteht keine Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit, ob eine solche aus psychiatrischer Sicht besteht, vermag ich nicht zu 

beurteilen."

A.d   Die Suva, welche bis dahin die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlungen, 

Taggelder) erbracht hatte, stellte nach Vorlage des Berichts von Dr. L.___ an Kreisarzt 

1
2

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Dr. med. M.___ (vgl. suva-act. 167) mit Verfügung vom 13. Juni 2008 (suva-act. 171) 

ihre Leistungen mangels Vorliegen adäquat-kausaler Unfallfolgen per 30. Juni 2008 ein.

B.      Mit Eingabe vom 17. Juli 2008 (suva-act. 173) erhob die Versicherte, vertreten 

durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Mels, Einsprache gegen die Verfügung. Mit 

Einspracheentscheid vom 12. September 2008 wies die Suva die Einsprache ab (suva-

act. 176).

C.       

C.a   Am 13. Oktober 2008 erhob die Versicherte durch ihren Rechtsvertreter 

Beschwerde an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (act. G 1) und 

beantragt, der Einspracheentscheid vom 12. September 2008 sowie die Verfügung 

vom 13. Juni 2008 seien aufzuheben, es seien ihr ab 1. Juli 2008 weiterhin die 

gesetzlichen Versicherungsleistungen auszurichten, eventualiter sei per 1. Juli 2008 die 

Frage der Rente und/oder Integritätsentschädigung zu prüfen, alles unter 

Entschädigungsfolge. Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche 

Prozessführung wurde wieder zurückgezogen (act. G 11). Mit Beschwerdeantwort vom 

12. November 2008 (act. G 6) verlangt die Beschwerdegegnerin die Abweisung der 

Beschwerde. Mit Replik vom 11. Dezember 2008 (act. G 12) hält der Anwalt der 

Beschwerdeführerin an den Anträgen gemäss Beschwerde fest. Die 

Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 16).

C.b   Mit Schreiben vom 26. Januar 2009 an das Versicherungsgericht teilt der 

Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin mit, dass die Beschwerdeführerin per 1. Februar 

2009 eine neue Stelle als "Allrounder" mit einem 80 %-Pensum bei der Firma N.___ 

antreten konnte (act. G 17). Am 27. Januar 2009 stellte die Sozialversicherungsanstalt 

des Kantons St. Gallen die IV-Akten der Versicherten (act. G 18) dem 

Versicherungsgericht zu. Die IV-Akten wurden zuerst Rechtsanwalt Braun (vgl. act. 

G 23) und danach der Beschwerdegegnerin (vgl. act. G 25) zur Stellungnahme 

zugestellt. Nach den IV-Akten wurden die beruflichen Eingliederungsmassnahmen im 

Juli 2008 abgeschlossen (vgl. act. G 18.1/35). Zur näheren medizinischen Abklärung 

wurde ein MEDAS-Gutachten in Auftrag gegeben (act. G 18.1/38 ff.), welches dem 

Gericht jedoch nicht vorliegt.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erwägungen:

1.        

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht den Fall abgeschlossen 

und weitere Leistungen der Unfallversicherung nach dem 30. Juni 2008 verweigert hat.

2.      

2.1    Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss Bundesgesetz über die 

Unfallversicherung (UVG, SR 832.20) setzt zunächst voraus, dass zwischen dem 

Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein 

natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis 

und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist 

eine Tatfrage, worüber die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen 

der diesen Instanzen obliegenden Beweiswürdigung nach dem im 

Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit 

zu befinden haben. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt dabei für die 

Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 

118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen). Weiter ist das Vorhandensein des adäquaten 

Kausalzusammenhangs zu prüfen. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als 

adäquate Ursache eines Erfolgs zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der 

Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von 

der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das 

Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 125 V 456 E. 5a mit 

Hinweisen). Während es Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist, den natürlichen 

Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Frage nach dem 

adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (BGE 123 III 110 E. 3a).

2.2    Im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von 

nachweisbaren strukturellen Veränderungen (organisches Substrat konnte mit Bild 

gebenden Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG] 

nachgewiesen werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus 

dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

praktisch keine Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne Weiteres zu 

bejahen (BGE 134 V 109 E. 2.1, 127 V 102 E. 5b/bb, mit Hinweisen). Sind dagegen die 

Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar, bewirkt die Bejahung der natürlichen 

Kausalität nicht automatisch auch die Bejahung der adäquaten Kausalität, können 

doch gerade klinische Befunde erfahrungsgemäss auch psychisch ausgelöst werden. 

In diesen Fällen ist eine eigenständige Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei 

welcher wie folgt zu differenzieren ist: Es ist zunächst abzuklären, ob die versicherte 

Person beim Unfall ein Schleudertrauma erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die 

Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 133 E. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die 

Abklärungen dagegen, dass die versicherte Person eine Schleudertraumaverletzung 

erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum typischen Bild einer solchen Verletzung 

gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen 

Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die 

Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE 115 V 133 E. 6c/aa für Unfälle mit 

psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze massgebend, andernfalls erfolgt die 

Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 359 E. 6a festgelegten bzw. den 

mit BGE 134 V 109 E. 10.3 modifizierten Kriterien (BGE 127 V 102 E. 5b/bb).

3.        

3.1    Aus den Akten ergibt sich, dass bei der Beschwerdeführerin im Rahmen 

umfassender bildgebender Abklärungen kein Beschwerdebild festgestellt wurde, 

welchem ein organisches Substrat im Sinn einer Verletzung der Halswirbelsäule oder 

des Gehirns zugrunde liegt (vgl. suva-act. 5, 15, 165).

3.2    Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass bei 

Schleudertraumaverletzungen der Halswirbelsäule auch ohne nachweisbare 

pathologische bzw. organische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle 

Ausfälle verschiedener Art auftreten können. Der Umstand, dass die für ein 

Schleudertrauma der Halswirbelsäule (HWS) typischen Beschwerden nicht mit 

entsprechenden Untersuchungsmethoden (Röntgen, Computertomogramm, EEG) 

objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, sie in Abrede zu stellen (BGE 117 V 

359 E. 5d/aa). Ist ein Schleudertrauma diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung 

typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von Beschwerden wie diffusen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, 

rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depressionen, 

Wesensveränderungen usw. vor, so ist der natürliche Kausalzusammenhang zwischen 

dem Unfall und den Beschwerden resp. der dadurch eingetretenen Arbeits- und 

Erwerbsfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 117 V 359 E. 4b). Vorliegend hat die 

Beschwerdeführerin bereits am Unfalltag wegen Kopf- und Nackenschmerzen, sowie 

Schwindel und Übelkeit Dr. C.___ aufgesucht, der eine Distorsion der HWS 

diagnostizierte (suva-act. 2). Somit traten unmittelbar nach dem Unfall erste 

Beschwerden ein, die sich in der Folge zu einem für Schleudertraumaverletzungen 

typischen bunten Beschwerdebild ausweiteten. Es ist deshalb mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit von einem natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall 

vom 22. Dezember 2005 und dem Beschwerdebild der Versicherten auszugehen. 

Entsprechend hat die Beschwerdegegnerin den Leistungsanspruch der 

Beschwerdeführerin auf Taggelder und Heilbehandlungen anerkannt.

4.        

4.1    Wenn die Beschwerdegegnerin nun geltend macht, ab dem 30. Juni 2008 sei der 

Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 22. Dezember 2005 und den 

geklagten Beschwerden nicht mehr gegeben, so ist darauf hinzuweisen, dass die 

Leistungspflicht des Unfallversicherers erst entfällt, wenn das Dahinfallen jeder 

kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit 

dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist. Weil es sich 

dabei um eine leistungsaufhebende Tatsache handelt, liegt die Beweislast nicht bei der 

versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (Urteil des EVG vom 15. Oktober 

2003, U 154/03, E. 2.1, RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45). Dabei muss nicht etwa der 

Beweis für unfallfremde Ursachen erbracht werden. Entscheidend ist allein, ob 

unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren 

haben, also dahingefallen sind (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b).

4.2    Aus den Akten ergibt sich nicht, dass die einmal anerkannte natürliche Kausalität 

zwischen dem Unfall und den gesundheitlichen Beeinträchtigungen der 

Beschwerdeführerin weggefallen wäre. Da somit nicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist, dass ab dem 30. Juni 2008 keine Unfallfolgen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

mehr bestehen, ist auch nach diesem Datum vom Fortbestehen eines natürlichen 

Kausalzusammenhangs auszugehen. Die Beschwerdegegnerin durfte ihre Leistungen 

somit nur einstellen, wenn ab diesem Zeitpunkt die Adäquanz verneint werden kann. 

Kann die Adäquanz verneint werden, erübrigen sich auch weitere Abklärungen zur 

natürlichen Kausalität. Es ist deshalb unbehelflich, wenn der Anwalt der 

Beschwerdeführerin in seiner Replik (act. G 12) ein weiteres medizinisches Gutachten 

zur Abklärung des natürlichen Kausalzusammenhangs verlangt. Auch das von der IV in 

Auftrag gegebene MEDAS-Gutachten muss nicht abgewartet bzw. beigezogen werden, 

da sich dieses nicht zur Frage der natürlichen Kausalität zu äussern hat. In diesem 

Zusammenhang ist zu erwähnen, dass sich in einer ersten Phase nach dem Unfall die 

natürliche mit der adäquaten Kausalität deckt; auf eine gesonderte Adäquanzprüfung 

kann verzichtet werden. Eine solche ist erst vorzunehmen, wenn sich die Frage nach 

Dauerleistungen (Rente) stellt (vgl. BGE 134 V 109 E. 9.2 und 9.3).

5.        

5.1    Dem Gesetz lässt sich nicht entnehmen, bis zu welchem Zeitpunkt der 

Unfallversicherer die Heilbehandlungen und Taggelder zu gewähren hat. Dieser 

Zeitpunkt ergibt sich jedoch aus Art. 19 Abs. 1 UVG, wonach der Rentenanspruch 

entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte 

Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden 

kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung 

abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die 

Taggeldleistungen dahin. Nach konstanter Rechtsprechung heisst dies, der Versicherer 

hat – sofern allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung 

abgeschlossen sind – die Heilbehandlung und das Taggeld nur solange zu gewähren, 

als von der Fortsetzung der Heilbehandlung noch eine namhafte Besserung des 

Gesundheitszustandes erwartet werden kann. Trifft dies nicht mehr zu, ist der Fall unter 

Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs 

auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen (BGE 134 V 

109 E. 4.1). Eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes des Versicherten 

bestimmt sich namentlich nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder 

Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit unfallbedingt beeinträchtigt. "Namhaft" 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

bedeutet, dass die Besserung ins Gewicht fallen muss und unbedeutende 

Verbesserungen nicht genügen (BGE 134 V 109 E. 4.3).

5.2    Zwischen den Parteien ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin den Fall per 30. 

Juni 2008 abschliessen durfte. Der Anwalt der Beschwerdegegnerin macht geltend, der 

Fallabschluss sei zu früh erfolgt (vgl. act. G 1, S. 8 f.). Er verweist diesbezüglich 

insbesondere auf sich widersprechende Aussagen der Ärzte zur Arbeitsunfähigkeit. 

Laut Bericht von Dr. I.___ vom 9. Juli 2008 (act. G 1.2/7) betrage die Arbeitsunfähigkeit 

ca. 20 % und es sei noch offen, ob eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit von 20 % 

bleiben werde. Aufgrund des bisherigen Verlaufs erachte er jedoch ein Wiedererlangen 

der 100 %igen Arbeitsfähigkeit im nächsten Jahr als nicht realistisch. Demgegenüber 

bescheinigt Dr. R.___ in seinem Bericht vom 10. Juli 2008 (act. G 1.2/8) eine 

Arbeitsunfähigkeit von 30 %, wobei davon auszugehen sei, dass eine weitere 

Steigerung der Arbeitsfähigkeit möglich sein werde. Dem hält die Beschwerdegegnerin 

in ihrer Beschwerdeantwort (act. G 6, Ziff. 4) entgegen, dass Dr. I.___ bereits im Juli/

August 2007 ausgeführt hat, es sei bis Ende Jahr eine volle Arbeitsfähigkeit zu 

erwarten (vgl. suva-act. 115). Die danach bis zum Einstellungszeitpunkt (30. Juni 2008) 

durchgeführten Therapien brachten jedoch keine relevante Besserung mehr. Dr. I.___ 

halte zudem in seinem Bericht vom 9. Juli 2008 eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit im 

Verlauf des nächsten Jahres für unrealistisch und auch der Hausarzt Dr. R.___ halte 

eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit bloss für möglich. Es sei deshalb mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass weitere therapeutische 

Massnahme keine ins Gewicht fallenden Verbesserungen des Gesundheitszustandes 

mehr zu bewirken vermöchten und der medizinische Endzustand demzufolge am 30. 

Juni 2008 erreicht worden sei. Diese Beurteilung der Beschwerdegegnerin ist 

nachvollziehbar und nicht zu beanstanden. Vor diesem Hintergrund ist es nicht zu 

beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin den Fall mit Verfügung vom 13. Juni 2008 

abgeschlossen und die Leistungen per 30. Juni 2008 eingestellt hat. Die Prüfung einer 

Rente oder einer Integritätsentschädigung erübrigt sich, wenn die Adäquanz verneint 

werden muss. Steht mangels Adäquanz keine Rente zur Diskussion, ist auch nicht 

relevant, ob allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung 

abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG). Der diesbezügliche Einwand des 

Rechtsanwalts (vgl. act. G 1, S. 9) ist deshalb nicht relevant, wenn die Beschwerdegeg­

nerin die Adäquanz zu Recht verneint hat.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

6.        

6.1    Es ist deshalb zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin die Adäquanz zu Recht 

verneint hat.

6.2    Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ist im Einzelfall zu 

verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit 

eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine 

gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für die 

Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – ausgehend 

vom augenfälligen Geschehensablauf – zwischen banalen bzw. leichten Unfällen 

einerseits, schweren Unfällen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden 

mittleren Bereich unterschieden wird. Während der adäquate Kausalzusammenhang in 

der Regel bei schweren Unfällen ohne Weiteres bejaht und bei leichten Unfällen 

verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei Unfällen aus dem 

mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schlüssig beantworten. Es 

sind weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in 

Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in 

eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Dabei müssen die weiteren unfallbezogenen 

Kriterien entweder in gehäufter oder auffallender Weise oder ein einziges Kriterium in 

besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann 

(vgl. BGE 134 V 109 E. 10.1, 117 V 359 E. 6, mit Hinweisen). Als in die 

Adäquanzbeurteilung einzubeziehende Kriterien nennt die Rechtsprechung (BGE 134 V 

109 E. 10.3) abschliessend: besonders dramatische Begleitumstände oder besondere 

Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere oder besondere Art der erlittenen 

Verletzungen; fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung; erhebliche 

Beschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich 

verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen und 

erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.

6.3    Nach der Rechtsprechung werden einfache Auffahrunfälle in der Regel als 

mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U 

549 S. 236, U 380/04, E. 5.1.2 mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin macht in ihrer 

Beschwerdeantwort neu geltend, es sei von einem banalen/leichten Unfall auszugehen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

und die Adäquanz deshalb ohne Weiteres zu verneinen (act. G 6, Ziff. 6.2). In den von 

ihr zitierten Urteilen (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 

1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 17. Juli 2006, 

U 206/07, E. 2.1 und Entscheid des Bundesgerichts vom 16. Januar 2008, U 42/07, 

E. 3.3) wurden Auffahrunfälle insbesondere aufgrund der fotografisch dokumentierten 

geringen Schäden am Fahrzeug als banale bzw. leichte Unfälle gewertet. In einer 

biomechanischen Kurzbeurteilung vom 14. März 2006 (suva-act. 31) wurde die 

kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (delta-v) für das Fahrzeug der 

Beschwerdeführerin unterhalb oder knapp innerhalb eines Bereiches von 10 – 15 km/h 

eingeschätzt. In den Akten findet sich zusätzlich eine Unfallanalyse der Zürich 

Versicherungen (Haftpflichtversicherung) vor, wonach die kollisionsbedingte 

Geschwindigkeitsänderung (delta-v) lediglich zwischen 3.0 – 6.4 km/h gelegen hatte 

(suva-act. 86). Angesichts der sich in den Akten befindlichen Fotos des Unfallautos, 

welche nur geringe Schäden am Fahrzeug der Beschwerdeführerin zeigen (vgl. suva-

act. 9), wäre somit eher von einem

banalen/leichten Unfall auszugehen, so dass sich eine Adäquanzprüfung erübrigte. Es 

muss hier jedoch nicht abschliessend beurteilt werden, ob ein leichter oder ein 

mittelschwerer Unfall vorliegt, falls auch bei Annahme eines mittelschweren Unfalls die 

Adäquanz zu verneinen ist.

6.4    Die Beschwerdegegnerin macht in der Beschwerdeantwort geltend, die 

Adäquanz wäre richtigerweise nicht nach der Schleudertrauma-Praxis (BGE 134 V 109) 

sondern nach den für psychische Unfallfolgen massgeblichen Adäquanzkriterien 

("Psycho-Praxis"; BGE 115 V 133) zu prüfen, weil sich die bis zum 

Einstellungszeitpunkt vorhandenen Beschwerden nur mit einer ausgeprägten 

psychischen Störung erklären liessen (act. G 6, Ziff. 6.3). Dem hält der Anwalt in der 

Replik entgegen, die psychische Problematik liege im Rahmen des typischen 

Beschwerdebilds nach einem HWS-Distorsionstrauma, weshalb die Adäquanzprüfung 

nach der Schleudertrauma-Praxis vorzunehmen sei (act. G 12, S. 3). Eine 

abschliessende Beurteilung der Frage erübrigt sich jedoch, falls die Adäquanz auch 

unter Anwendung der für die Beschwerdeführerin günstigeren Schleudertrauma-Praxis 

(BGE 134 V 109) zu verneinen ist.

6.5     

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

6.5.1           Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere 

Eindrücklichkeit des Unfalls sind offensichtlich nicht gegeben. Vielmehr handelt es sich 

um einen alltäglichen Auffahrunfall.

6.5.2           Der Unfall hatte auch keine schweren Verletzungen oder Verletzungen 

besonderer Art zur Folge. Die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer 

schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS vermag die Schwere oder besondere 

Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hierzu einer 

besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder 

besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können, wie etwa 

eine besondere Körperhaltung im Unfallzeitpunkt (BGE 134 V 109 E. 10.2.2). Solche 

besonderen Umstände liegen hier nicht vor. Die Beschwerdeführerin sass zum 

Unfallzeitpunkt mit gerader Kopfstellung im Auto (suva-act. 2). Aus den Akten ergibt 

sich, dass die Beschwerdeführerin bereits 1997 einen Autounfall in ihrem Heimatland 

hatte, bei dem sie sich eine leichte Nackenverletzung zuzog. Lenker war damals ein 

Cousin. Bis zu einem neuerlichen Unfall im Jahre 2001 habe sie diesbezüglich jedoch 

keinerlei Beschwerden mehr gehabt. Am 21. Juni 2001 sei es während einer 

Fahrstunde ebenfalls zu einer Auffahrkollision gekommen. Allerdings habe es sich 

damals um einen Bagatellunfall gehandelt, und sie habe bis zum Ereignis vom 22. 

Dezember 2005 keine Beschwerden gehabt (vgl. suva-act. 10, S. 2; 32, S. 7; ). Die 

Tatsache, dass die Beschwerdeführerin bereits früher zwei Autounfälle erlitten hat, 

begründet keine Schwere der Verletzung im Sinne des Kriteriums. Dies ist nach 

höchstrichterlicher Rechtsprechung nur der Fall, wenn ein früherer Unfall eine 

erhebliche Vorschädigung der HWS verursachte (vgl. Urteil des EVG vom 26. April 

2006, U 39/04, E. 3.4.2). Vorliegend verliefen die früheren Ereignisse jedoch ohne 

Komplikationen, weshalb das Kriterium nicht erfüllt ist.

6.5.3           Zum Kriterium der fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen 

Behandlung ist zu sagen, dass bei der Beschwerdeführerin nach dem Unfall folgende 

Behandlungen durchgeführt wurden: Physiotherapie, ärztliche Manualtherapie, Cranio-

Sakral-Therapie, MTT, Fussreflexzonenbehandlung und Nazarov-Therapie. Vom 11. 

April 2006 bis zum 23. Mai 2006 begab sich die Versicherte in einen stationären 

Aufenthalt in die Reha-Klinik Valens. Seit dem stationären Aufenthalt steht die 

Beschwerdeführerin unter psychiatrischer Behandlung, macht Kraft- und 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Ausdauertraining, eine Atemtherapie sowie eine Osteopathie. Zudem wird die 

Beschwerdeführerin seit dem Unfall durchgehend medikamentös behandelt (vgl. act. 

G 1, S. 9 f., Ziff. 10). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung steht die Tatsache, 

dass es sich bei vielen Behandlungen um alternativ- oder komplementärmedizinische 

Behandlungen handelt, der Annahme einer fortgesetzt spezifischen belastenden 

ärztlichen Behandlung nicht entgegen (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2008, 

8C_331/2007, E. 4.2.3). Im letztgenannten Entscheid wurde neben der Vielzahl der 

therapeutischen Massnahmen auch die Tatsache berücksichtigt, dass der Erfolg trotz 

intensivem Einsatz der Versicherten und während eines Zeitraums von mehr als fünf 

Jahren andauernden Behandlungen weitgehend ausblieb (E. 4.2.3.2 des zitierten 

Entscheids). Im vorliegenden Fall zeigten die Behandlungen demgegenüber einen 

Erfolg, was sich in der ausgewiesenen Steigerung der Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdegegnerin zeigt. Zudem ist eine Behandlung von zwei bis drei Jahren bei 

Schleudertraumaverletzungen durchaus üblich (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2. 

Juli 2008, 8C_266/2007, E. 5.5). Das Kriterium der fortgesetzt spezifischen, 

belastenden ärztlichen Behandlung ist somit nicht erfüllt.

6.5.4           Das Kriterium der erheblichen Beschwerden beurteilt sich nach den 

glaubhaften Schmerzen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person 

durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4). Die 

Beschwerdeführerin erklärt, sie könne seit dem Unfall kein normales Leben mehr 

führen: Unter anderem habe sie ihre Arbeitsstelle verloren, habe ständig Schmerzen, 

habe den Kinderwunsch aufgeben müssen, sei im Eheleben, im sozialen Umfeld und im 

Haushalt eingeschränkt (vgl. act. G 12.1/11). Das Kriterium der erheblichen 

Beschwerden kann, wenn man den von der Beschwerdeführerin gemachten 

Schilderungen glaubt, somit als erfüllt betrachtet werden, wenn auch nicht in 

ausgeprägtem Ausmass, erreichte die Beschwerdeführerin doch bereits relativ schnell 

nach dem Unfall eine erhebliche Arbeitsfähigkeit (50 % ab Februar 2006, 70 % ab Juni 

2007 und 80 % ab Juli 2008; vgl. E. 6.5.7).

6.5.5           Hinweise auf eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen 

wesentlich verschlimmert hat, sind nicht ersichtlich.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

6.5.6           Das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen 

Komplikationen ist nicht erfüllt. Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und 

der geklagten Beschwerden darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf 

geschlossen werden. Hierzu bedarf es besonderer Gründe, welche die Heilung 

beeinträchtigt haben (vgl. Urteile des Bundesgerichts U 590/06 vom 7. Februar 2008, 

E. 4.3.2 und 8C_61/2008 vom 10. Juli 2008, E. 7.6). Im vorliegenden Fall finden sich 

keine Hinweise auf einen schwierigen Heilungsverlauf oder auf erhebliche 

Komplikationen.

6.5.7           Das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener 

Anstrengungen setzt voraus, dass die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen 

unternimmt, die Arbeitsunfähigkeit zu überwinden. Darin liegt der Anreiz für die 

versicherte Person, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu 

werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstrengungen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung 

des Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Willen erkennbar sein, sich durch aktive 

Mitwirkung raschmöglichst wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche 

Anstrengungen der versicherten Person können sich insbesondere in ernsthaften 

Arbeitsversuchen trotz allfälliger persönlicher Unannehmlichkeiten manifestieren. Dabei 

ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von Therapiemassnahmen zu 

berücksichtigen. Sodann können Bemühungen um alternative, der gesundheitlichen 

Einschränkung besser Rechnung tragenden Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur wer in 

der Zeit bis zum Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG in erheblichem Masse 

arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kriterium 

erfüllen (BGE 134 V 109 E. 10.2.7 mit Hinweisen). Vorliegend war die 

Beschwerdeführerin bereits relativ schnell nach dem Unfall (ab 23. Februar 2006) 

wieder zu 50 % arbeitsfähig (vgl. suva-act. 24, 50). Danach steigerte sich die 

Arbeitsfähigkeit ab 11. Juni 2007 auf 70 % (suva-act. 104, 110, 115) und ab ca. Juli 

2008 auf 80 % (suva-act. 173 und act. G 1.2/7). Da somit nicht von einer erheblichen 

Arbeitsunfähigkeit bis zum Zeitpunkt des Fallabschlusses gesprochen werden kann, ist 

das Kriterium zu verneinen.

6.6    Somit ist höchstens das Kriterium der erheblichen Beschwerden erfüllt und auch 

dies nicht in ausgeprägtem Ausmass. Angesichts der Tatsache, dass vorliegend eher 

von einem banalen/leichten als von einem mittelschweren Unfall ausgegangen werden 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/16

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

müsste, genügt die Erfüllung bloss eines Adäquanzkriteriums nicht zur Bejahung der 

Adäquanz. Somit hat die Beschwerdegegnerin die Adäquanz zu Recht verneint und die 

Versicherungsleistungen per 30. Juni 2008 eingestellt.

7.

Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. 

Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1.       Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.       Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 27.10.2009
	Art. 6 UVG; Art. 19 Abs. 1 UVG: Unfallkausalität von gesundheitlichen Beschwerden im Nachgang zu einem HWS-Schleudertrauma. Prüfung der Rechtmässigkeit der Leistungseinstellung. Verneinung der Adäquanz in Anwendung der Schleudertrauma-Praxis (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. Oktober 2009, UV 2008/112).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T14:23:57+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen