# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9ef084ae-1edd-5f83-ac45-78a372c496a6
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-09-25
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 25.09.2023 BG.2023.29
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BG-2023-29_2023-09-25.pdf

## Full Text

Beschluss vom 25. September 2023 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Daniel Kipfer Fasciati und Nathalie Zufferey,     

Gerichtsschreiberin Inga Leonova  

 

   
Parteien  KANTON THURGAU, Generalstaatsanwaltschaft 

des Kantons Thurgau,  

 

Gesuchsteller 

 

 gegen 

   

KANTON ST. GALLEN, Staatsanwaltschaft des 

Kantons St. Gallen, Untersuchungsamt Uznach,  

 

Gesuchsgegner 

 

 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2023.29 

 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Beim Untersuchungsamt Uznach der Staatsanwaltschaft des Kantons 

St. Gallen (nachfolgend «Untersuchungsamt Uznach») ist gegen A. seit Au-

gust 2022 das Verfahren ST.2022.19423 u.a. wegen Zechprellerei (Art. 149 

StGB), mehrfacher fahrlässiger Körperverletzung (Art. 125 Abs. 1 StGB) und 

Diebstahls (Art. 139 StGB) hängig. Aufgrund des unbekannten Aufenthalts 

schrieb das Untersuchungsamt Uznach A. am 14. November 2022 zur Fest-

nahme aus und sistierte das Verfahren ST.2022.19423 mit Verfügung vom 

24. November 2022 (Verfahrensakten SG, Dossier A, Urk. A/3). 

 

 

B. Am 4. Oktober 2022 erstattete B. (nachfolgend «Geschädigter») bei der Kan-

tonspolizei Zürich gegen A. und C. (nachfolgend «C.» oder «Beschuldigte») 

Strafanzeige. Er gab im Wesentlichen an, A. und C. am 1. September 2022 

sein Fahrzeug Škoda Fabia für ein paar Tage ausgeliehen resp. vermietet 

zu haben, welches ihm in der Folge nicht wie vereinbart zurückgegeben wor-

den sei (Verfahrensakten SG, Dossier S9, Urk. S9/1). Mit der Führung dieses 

Verfahrens wurde die Zürcher Staatsanwaltschaft See/Oberland (nachfol-

gend «StA See/Oberland») beauftragt.  

 

 

C. Da die Staatsanwaltschaft Frauenfeld (nachfolgend «StA Frauenfeld») ge-

gen A. seit dem 2. September 2022 das Verfahren SUV_F.2022.1293 wegen 

Diebstahls (begangen am 30. August 2022 in Z.) führt, gelangte die 

StA See/Oberland am 5. Dezember 2022 an die StA Frauenfeld und er-

suchte um Übernahme des gegen A. und C. im Kanton Zürich hängigen Ver-

fahrens (Verfahrensakten SG, Dossier A, Urk. A/2 und Dossier GS, 

Urk. GS/12).   

 

 

D. Mit Verfügung vom 12. Januar 2023 übernahm die StA Frauenfeld das von 

der StA See/Oberland gegen A. und C. eröffnete Verfahren (Verfahrensak-

ten SG, Dossier GS, Urk. GS/13). Das Verfahren gegen C. wegen Verun-

treuung wurde gleichentags unter der Geschäftsnummer SUV_F.2023.64 er-

öffnet (Verfahrensakten TG, unpaginiert, Eröffnungsverfügung vom 12. Ja-

nuar 2023). Am 25. Januar 2023 dehnte die StA Frauenfeld das bei ihr gegen 

A. hängige Verfahren SUV_F.2022.1293 u.a. auf Veruntreuung aus (Verfah-

rensakten SG, Dossier A, Urk. A/4).  

 

 

E. Am 26. Januar 2023 erteilte die StA Frauenfeld der Kantonspolizei Thurgau 

den Auftrag, C. im Verfahren betreffend Veruntreuung als beschuldigte 

- 3 - 

 

 

Person zu befragen. Ferner wurde die Polizei beauftragt, C. im Verfahren 

gegen A. wegen Diebstahls als Auskunftsperson zu befragen (Verfahrens-

akten TG, unpaginiert, Ermittlungsauftrag an die Polizei vom 26. Januar 

2023). Aufgrund des unbekannten Aufenthalts von C. schrieb die StA Frau-

enfeld sie gestützt auf das Festnahmebegehren vom 26. Januar 2023 glei-

chentags zur Festnahme aus (Verfahrensakten TG, unpaginiert, Personen-

ausschreibungsbegehren und Festnahmebefehl vom 26. Januar 2023). Am 

gleichen Tag sistierte die StA Frauenfeld die gegen A. und C. hängigen Ver-

fahren SUV_F.2023.64 und SUV_F.2022.1293 (Verfahrensakten SG, Dos-

sier A, Urk. A/5; Verfahrensakten TG, unpaginiert, Sistierungsverfügung vom 

26. Januar 2023).  

 

 

F. Am 15. März 2023 wurden A. und C. von der Regionalpolizei Wettingen-

Limmattal vorläufig festgenommen (Verfahrensakten TG, unpaginiert, Rap-

port der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal vom 15. März 2023 und Akten-

notiz der Kantonspolizei Thurgau vom 16. März 2023). Daraufhin wurde C. 

der Kantonspolizei Thurgau zugeführt und von dieser gestützt auf den ihr 

von der StA Frauenfeld erteilten Auftrag am 16. März 2023 im Verfahren we-

gen Veruntreuung als Beschuldigte und im Verfahren gegen A. wegen La-

dendiebstahls als Auskunftsperson einvernommen (Verfahrensakten TG, 

unpaginiert, Einvernahmeprotokolle vom 16. März 2023). Am 17. März 2023 

wurde A. der StA Frauenfeld zugeführt und von dieser u.a. zum Vorwurf der 

Veruntreuung einvernommen (Verfahrensakten SG, Dossier E, Urk. E/5).  

 

 

G. In der Folge gelangte das Untersuchungsamt Uznach mit Schreiben vom 

20. März 2023 an die StA Frauenfeld und ersuchte um Übernahme des bei 

ihr gegen A. hängigen Verfahrens ST.2022.19423. Zur Begründung wurde 

ausgeführt, dass der Rapport betreffend den Ladendiebstahl beim Untersu-

chungsamt Uznach erst am 17. März 2023 eingegangen sei. Zugleich wurde 

um Übernahme des gegen A. geführten Verfahren ersucht und ausgeführt, 

dass bei gleicher Strafandrohung auf die erste Verfolgungshandlung abzu-

stellen sei, die im Kanton Thurgau stattgefunden hätte (Verfahrensakten SG, 

Dossier GS, Urk. GS/15).  

 

 

H. Das Übernahmegesuch des Untersuchungsamtes Uznach lehnte die 

StA Frauenfeld am 27. März 2023 ab und führte aus, dass die erste Verfol-

gungshandlung wegen Ladendiebstahls am 11. August 2022 im Kanton 

St. Gallen erfolgt sei. Da A. die angezeigte Veruntreuung zusammen mit C. 

in Mittäterschaft begangen haben soll, ersuchte die StA Frauenfeld zugleich 

- 4 - 

 

 

um Übernahme des gegen C. geführten Verfahrens SUV_F.2023.64. Die 

StA Frauenfeld merkte zudem an, dass das im Kanton Thurgau gegen A. 

eröffnete und sistierte Verfahren SUV_F.2022.1293 nach der Wiederauf-

nahme des sistierten Verfahrens unter der Geschäftsnummer 

SUV_F.2023.279 geführt werde (Verfahrensakten SG, Dossier GS, 

Urk. GS/16).  

 

 

I. Daraufhin übernahm das Untersuchungsamt Uznach mit Verfügung vom 

31. März 2023 das bei der StA Frauenfeld gegen A. geführte Verfahren 

SUV_F.2022.1293 resp. SUV_F.2023.279 (Verfahrensakten SG, Dossier 

GS, Urk. GS/17). Mit gleichtägigem Schreiben lehnte das Untersuchungsamt 

Uznach das Ersuchen in Bezug auf das Verfahren SUV_F.2023.64 mit der 

Begründung ab, C. habe angegeben, dass A. ihr das Fahrzeug gestohlen 

habe, womit ein Handeln als dessen Mittäterin von vornherein ausgeschlos-

sen sei. Zudem würden die Verfahren gegen A. und C. bei der StA Frauen-

feld getrennt geführt und die Kantonspolizei Thurgau sei beauftragt worden, 

C. hinsichtlich des Diebstahls des Fahrzeugs als Auskunftsperson zu befra-

gen. Demnach scheine auch die StA Frauenfeld nicht von einer Mittäter-

schaft der beiden Beschuldigten auszugehen (Verfahrensakten SG, Dossier 

GS, Urk. GS/20). 

 

 

J. Die StA Frauenfeld ersuchte das Untersuchungsamt Uznach am 13. April 

2023 erneut um Übernahme des Verfahrens gegen C. und führte aus, dass 

die Verfahren gegen die beiden Beschuldigten nie getrennt geführt worden 

seien. Es sei in ihrem System nicht möglich, eine Verfahrensnummer für 

mehrere Beschuldigte zu verwenden. Auch wenn jeder Beschuldigte eine 

eigene Verfahrensnummer habe, bedeute es nicht, dass die Verfahren ge-

trennt geführt werden. Zudem sei die Kantonspolizei Thurgau beauftragt 

worden, C. im Verfahren gegen A. wegen des Vorwurfs des Diebstahls in 

Frauenfeld als Auskunftsperson zu befragen, nicht aber zum Vorwurf der 

Veruntreuung des Fahrzeugs. C. und A. seien je einzeln und ohne die Ge-

währung von Teilnahmerechten befragt worden, wobei sich ihre Aussagen 

teilweise widersprechen würden. In diesem Stadium der Untersuchung 

könne das Verfahren nicht getrennt werden, zumal beide Personen vom Ge-

schädigten beschuldigt werden, die Tat begangen zu haben. Für den Ver-

fahrensabschluss seien Kenntnisse der Aussagen des Geschädigten und 

der beiden Beschuldigten unabdingbar (Verfahrensakten SG, Dossier GS, 

Urk. GS/22). 

 

 

- 5 - 

 

 

K. Das Untersuchungsamt Uznach lehnte auch die zweite Anfrage der 

StA Frauenfeld mit Schreiben vom 17. Mai 2023 ab und wendete ein, dass 

A. zwischenzeitlich einvernommen worden sei. Gestützt auf die von ihm am 

14. April 2023 gemachten Angaben sei definitiv ausgeschlossen, dass C. 

bezüglich der Veruntreuung bzw. des Diebstahls des Fahrzeugs als Mittäte-

rin gehandelt habe (Verfahrensakten SG, Dossier GS, Urk. GS/23). 

 

 

L. Das Übernahmegesuch der Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Thur-

gau (nachfolgend «GStA TG») vom 22. Juni 2023 lehnte der Stellvertretende 

Leitende Staatsanwalt des Kantons St. Gallen am 4. Juli 2023 ab (Verfah-

rensakten SG, Dossier GS, Urk. GS/23 und GS/24).  

 

 

M. Daraufhin gelangte die GStA TG mit Gesuch vom 17. Juli 2023 an die Be-

schwerdekammer des Bundesstrafgerichts. Sie beantragt, die Behörden des 

Kantons St. Gallen seien zur Verfolgung und Beurteilung der C. zur Last ge-

legten Straftaten für berechtigt und verpflichtet zu erklären (act. 1). 

 

 

N. Die leitende Staatsanwältin des Untersuchungsamtes Uznach liess sich zum 

Gesuch der GStA TG mit Schreiben vom 27. Juli 2023 vernehmen. Sie stellt 

den Antrag, die Behörden des Kantons Thurgau seien zur Verfolgung und 

Beurteilung der C. zur Last gelegten Straftaten für berechtigt und verpflichtet 

zu erklären (act. 3). Die Gesuchsantwort wurde der GStA TG am 31. Juli 

2023 zur Kenntnis gebracht (act. 4). 

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. Die Eintretensvoraussetzungen (durchgeführter Meinungsaustausch zwi-

schen den involvierten Kantonen und zuständigen Behörden, Frist und Form; 

vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2014.7 vom 21. März 2014 E. 1) 

sind vorliegend erfüllt und geben zu keinen Bemerkungen Anlass. 

 

 

2.  

2.1 Für die Verfolgung und Beurteilung einer Straftat sind die Behörden des Or-

tes zuständig, an dem die Tat verübt worden ist. Liegt nur der Ort, an dem 

- 6 - 

 

 

der Erfolg der Straftat eingetreten ist, in der Schweiz, so sind die Behörden 

dieses Ortes zuständig (Art. 31 Abs. 1 und 2 StPO). Ist eine Straftat von 

mehreren Mittäterinnen oder Mittätern verübt worden, so sind die Behörden 

des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen 

worden sind (Art. 33 Abs. 2 StPO). Hat eine beschuldigte Person mehrere 

Straftaten an verschiedenen Orten verübt, so sind für die Verfolgung und 

Beurteilung sämtlicher Taten die Behörden des Ortes zuständig, an dem die 

mit der schwersten Strafe bedrohte Tat begangen worden ist. Bei gleicher 

Strafdrohung sind die Behörden des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfol-

gungshandlungen vorgenommen worden sind (Art. 34 Abs. 1 StPO). Teil-

nehmer sind am Ort zu verfolgen, wo der Täter verfolgt wird (Art. 33 Abs. 1 

StPO).  

 

2.2 Die Beurteilung der Gerichtsstandsfrage richtet sich nach der aktuellen Ver-

dachtslage. Massgeblich ist nicht, was der beschuldigten Person letztlich 

nachgewiesen werden kann, sondern der Tatbestand, der Gegenstand der 

Untersuchung bildet, es sei denn, dieser erweise sich von vornherein als 

haltlos oder sei sicher ausgeschlossen. Es gilt der Grundsatz in dubio pro 

duriore, wonach im Zweifelsfall auf den für den Beschuldigten ungünstigeren 

Sachverhalt abzustellen bzw. das schwerere Delikt anzunehmen ist (vgl. Be-

schluss des Bundesstrafgerichts BG.2014.10 vom 10. Juni 2014 E. 2.1). 

 

 

3.  

3.1 Zwischen den Parteien ist umstritten, ob Hinweise auf mittäterschaftliches 

Handeln der beiden Beschuldigten vorhanden sind. Der Gesuchsteller geht 

davon aus, dass zum Zeitpunkt des ersten Übernahmeersuchens vom 

27. März 2023 die Mittäterschaft resp. Beteiligung von C. an der Veruntreu-

ung des Fahrzeugs des Geschädigten nicht habe ausgeschlossen werden 

können (act. 1, S. 6 ff.).  

 

3.2 Der Gesuchsgegner wendet dagegen ein, dass im Rapport der Kantonspoli-

zei Zürich vom 16. November 2022 C. als beschuldigte Person handschrift-

lich durchgestrichen worden sei. Die Durchstreichung sei nicht durch die da-

mals zuständige Staatsanwältin am Untersuchungsamt Uznach erfolgt, son-

dern sei ihren Angaben zufolge bereits auf dem ihrerseits erhaltenen 

Exemplar des Polizeirapports enthalten gewesen. Zudem könne spätestens 

nach der Einvernahme vom 16. März 2023 von C. der Verdacht auf Mittäter-

schaft nicht aufrechterhalten werden. Die im wesentlichen übereinstimmen-

den Aussagen des Geschädigten und von C. würden klar daraufhin deuten, 

dass A. das gemietete Fahrzeug ohne ihr Wissen und ihre Zustimmung ge-

nommen habe und damit ins Ausland gefahren sei. Es gehe klar hervor, dass 

- 7 - 

 

 

C. mit der Mitnahme bzw. nicht rechtzeitigen Rückgabe des Fahrzeugs nicht 

einverstanden gewesen sei und nie beabsichtigt habe, das Fahrzeug dem 

Geschädigten zu entziehen oder sich dieses selber anzueignen (act. 3, 

S. 2 ff.).  

 

3.3  

3.3.1 Der Geschädigte gab anlässlich der Anzeigeerstattung zusammengefasst 

an, sein Fahrzeug am 1. September 2022 C. für drei Tage oder auch länger 

ausgeliehen zu haben. Sie habe ihm gesagt, dass ihre Kollegen, die bei der 

Fahrzeugabholung dabei gewesen seien, eine Rundreise machen wollten, 

d.h. sie hätten das Fahrzeug nur für die Freizeit verwenden wollen. Es sei 

vereinbart worden, dass C. das Fahrzeug am 3. September 2022 zurück-

bringe oder Fr. 100.-- bezahle und es länger haben dürfe. C. habe dem Ge-

schädigten für die drei Tage insgesamt Fr. 150.-- bezahlen müssen. Er 

könne sich nicht mehr erinnern, ob sie einen Teilbetrag bei der Abholung 

bezahlt habe. Er habe C. ca. vor einem Jahr in Facebook kennengelernt. Er 

habe das Fahrzeug zwar an C. vermietet, gefahren sei jedoch A., da sie 

wahrscheinlich keinen Führerschein habe. Um 14:20 Uhr des 3. September 

2022 habe C. dem Geschädigten geschrieben, dass sie ihm das Fahrzeug 

um 18.00 Uhr zurückbringen und es bezahlen werde. Am Abend des 4. Sep-

tember 2022 habe C. ihm geschrieben, dass sie im Spital sei und ihr Mann 

([A.] recte: Freund) ihre Bankkarte sowie das Fahrzeug samt Fahrzeug-

schlüssel gestohlen habe. Der Geschädigte habe C. gesagt, sie solle sofort 

eine Anzeige erstatten. C. habe ihn jedoch gebeten, noch ein paar Tage war-

ten zu dürfen. Am 8. September 2022 habe der Geschädigte das Fahrzeug 

beim Strassenverkehrsamt annulliert und die Polizei Hinwil informiert, damit 

mit seinem Fahrzeug keine Straftaten begangen werden. Die Polizei Hinwil 

habe die Polizei in Glarus informiert, damit C. dort, d.h. am Ort des Dieb-

stahls eine Anzeige erstatte. Indes habe C. gegen A. keine Anzeige erstattet 

und den Geschädigten fast täglich gebeten, abzuwarten. Zudem gab der Ge-

schädigte an, er gehe aufgrund der Kommunikation mit C. davon aus, dass 

A. der Täter sei. Sie habe ihm gesagt, dass sie ihn nicht anzeigen wolle, weil 

sie hoffe, dass er zu ihr zurückkomme. Sie habe dem Geschädigten wieder-

holt gesagt, dass A. ein guter Mensch sei und ihm das Fahrzeug zurückbrin-

gen werde. Nach etwa einem Monat habe C. eingesehen, dass A. doch nicht 

so ein guter Mensch sei, nachdem sie erfahren habe, dass er an mehreren 

Raubfällen beteiligt gewesen sei. Zudem habe er ihre Kreditkarte gestohlen 

und sei nicht mehr zurückgekommen. C. habe dem Geschädigten gesagt, 

dass A. in Brüssel sei und sich das Fahrzeug in Frankreich befinde (Verfah-

rensakten TG, unpaginiert, Einvernahmeprotokoll vom 11. Oktober 2022).  

 

- 8 - 

 

 

3.3.2 Infolge der Strafanzeige wurde C. von der Kantonspolizei Zürich auf den 

11. Oktober 2022 zur Einvernahme vorgeladen. Nachdem sie diesem Ter-

min unentschuldigt ferngeblieben war, vereinbarte die Kantonspolizei Zürich 

mit ihr einen neuen Termin auf den 24. Oktober 2022, welchen sie ebenfalls 

verpasste. Ebenso erschien sie am neu vereinbarten Termin vom 26. Okto-

ber 2022 nicht und zog in der Zwischenzeit von ihrem Wohnort im Kanton 

Glarus nach unbekannt weg. Da C. A. nur gegenüber dem Geschädigten 

belastet hatte, keine Fahrberechtigung für die Schweiz hatte und für die  

Polizei nicht mehr erreichbar war, schloss die Kantonspolizei Zürich die Be-

teiligung von C. am mutmasslichen Diebstahl des Fahrzeugs nicht aus und 

hielt dies entsprechend in ihrem Bericht vom 16. November 2022 fest (Ver-

fahrensakten TG, unpaginiert, Bericht der Kantonspolizei Zürich vom 16. No-

vember 2022). 

 

Nach ihrer Anhaltung wurde C. am 16. März 2023 von der Kantonspolizei 

Thurgau im gegen sie eröffneten Verfahren SUV_F.203.64 als beschuldigte 

Person einvernommen. Sie bestätigte im Wesentlichen den angezeigten 

Sachverhalt und gab an, das Fahrzeug vom 1.-3. September 2022 für 

Fr. 150.-- gemietet zu haben. Ergänzend führte sie aus, dass A. das Fahr-

zeug habe mieten wollen, um auf einer Baustelle zu arbeiten. A. habe ihr das 

Fahrzeug nach einem Streit gestohlen und sei weggefahren. Obschon sie 

dem Geschädigten ca. 10 Tage später mitgeteilt habe, wo das Fahrzeug in 

Frankreich sei und abgeholt werden könne, habe er das Fahrzeug nicht zu-

rückholt, weil es ihm zu kompliziert und zu teuer gewesen sei, und habe es 

deshalb als gestohlen gemeldet. Die Polizei habe sie nicht verständigt, weil 

sie gedacht habe, dass A. wieder zurückkäme und das Fahrzeug zurückbrin-

gen würde. Er sei schon ein paar Mal abgehauen. Schliesslich bestritt C., 

den Geschädigten vor einem Jahr in Facebook kennengelernt zu haben und 

gab an, ihn am 1. September 2022 das erste Mal gesehen zu haben. Die von 

der Kantonspolizei Zürich angesetzten Termine habe sie wegen ihrer kran-

ken Mutter nicht wahrgenommen und habe nach Rumänien fahren müssen. 

Zu ihrem Verhältnis zu A. gab C. an, dass sie seit dem Vorfall mit dem Fahr-

zeug kein Paar mehr seien (Verfahrensakten TG, unpaginiert, Bericht der 

Kantonspolizei Thurgau vom 16. März 2023 und Einvernahmeprotokoll vom 

16. März 2023).  

 

3.3.3 A. gab anlässlich der Einvernahme vom 17. März 2023 zu Protokoll, das 

Fahrzeug zusammen mit C. gemietet zu haben. C. habe in Glarus ein Res-

taurant gehabt und habe Einkäufe tätigen müssen. Kurze Zeit nach der Miete 

des Fahrzeugs seien sie nach Uznach gezogen. 2-3 Tage später habe er mit 

C. gestritten, wobei sie alkoholisiert gewesen sei. Sie könnte auch Drogen 

konsumiert haben. Später habe er sich entschieden, nach Frankreich zu 

- 9 - 

 

 

fahren, wo seine Exfrau mit seinem Kind lebe. Von dort aus sei er nach Bel-

gien gefahren, um zu arbeiten. Er sei davon ausgegangen, dass C. die An-

gelegenheit betreffend das Fahrzeug mit dem Geschädigten geregelt habe. 

Jedoch habe er erfahren, dass das Fahrzeug immer noch in Frankreich 

stehe, wo er es gelassen habe. Weiter gab A. an, dass er ca. 2-3 Monate 

keinen Kontakt zu C. gehabt habe. Nun hätten sie wieder «Frieden gemacht» 

und würden wieder zusammenleben (Verfahrensakten SG, Dossier E, 

Urk. E/5).  

 

An der Einvernahme vom 14. April 2023 wurde A. vom Untersuchungsamt 

Uznach zu den diversen ihm vorgeworfenen Straftaten befragt. Hinsichtlich 

des Personenfahrzeugs machte er im Wesentlichen dieselben Angaben wie 

anlässlich der Einvernahme vom 17. März 2023 und bestätigte, das Fahr-

zeug zusammen mit C. gemietet zu haben. Ergänzend gab er an, dass er 

das Fahrzeug für den Transport seiner Kleider von Glarus nach Uznach be-

nötigt habe. In Bezug auf die Mietdauer gab A. an, das Fahrzeug für drei 

Tage gemietet und bezahlt zu haben. Die Frage, ob C. gewusst habe, dass 

er mit dem Fahrzeug des Geschädigten nach Frankreich fahren wollte, be-

jahte A. Schliesslich bestritt er, die Kreditkarte von C. entwendet zu haben 

(Verfahrensakten SG, Dossier E, Urk. E/6, S. 16 ff.).   

 

3.4  

3.4.1 Aufgrund der oben dargelegten Aussagen ist davon auszugehen, dass der 

Geschädigte C. und A. sein Fahrzeug für drei Tage vermietet hat. Da C. und 

A. die ihnen anvertraute fremde bewegliche Sache nicht zurückgegeben ha-

ben, kann der Vorwurf der Veruntreuung nach Art. 138 StGB und der Betei-

ligung an der Entwendung eines Fahrzeugs zum Gebrauch i.S.v. Art. 94 

Abs. 1 lit. a SVG gegenüber C. nicht von vornherein ausgeschlossen wer-

den. Obschon sie laut Aussage von A. gewusst haben soll, dass er mit dem 

Fahrzeug des Geschädigten nach Frankreich fahren wollte (supra E. 3.3.3), 

erstattete sie keine Strafanzeige gegen ihn und hielt ausserdem den Ge-

schädigten von einer Anzeige ab (supra E. 3.3.1-3.3.3). Aufgrund des Ver-

haltens von C. konnte der Geschädigte eine Beteiligung bzw. ein Zusam-

menwirken mit A. nicht mit Sicherheit ausschliessen. In diesem Sinne lautet 

die von ihm am 4. Oktober 2022 erstattete Strafanzeige gegen beide Be-

schuldigte (Verfahrensakten SG, Dossier S9, Urk. S9/1). Zu berücksichtigen 

ist ausserdem, dass C. den von der Kantonspolizei Zürich angesetzten Ein-

vernahmeterminen unentschuldigt fernblieb und ihre Aussagen von derjeni-

gen von A. abweichen. Dies insbesondere auch in Bezug auf den Zweck des 

gemieteten Fahrzeugs und die angeblich von A. entwendete Kreditkarte. 

Nachdem A. anlässlich der Einvernahme vom 17. März 2023 bestätigte, dass 

C. gewusst hat, dass er mit dem gemieteten Fahrzeug nach Frankreich 

- 10 - 

 

 

fahren werde, kann der Behauptung des Gesuchsgegners, wonach A. das 

Fahrzeug ohne ihr Wissen und ihre Zustimmung genommen habe und damit 

ins Ausland gefahren sei, nicht gefolgt werden.  

 

3.4.2 Was der Gesuchsgegner im Rahmen des Meinungsaustausches geltend 

machte und auch im vorliegenden Verfahren vorbringt, vermag nicht zu über-

zeugen. Die Einvernahme von A. vom 14. April 2023 fand nach Eingang des 

Übernahmeersuchens vom 27. März 2023 statt. Für die Bestimmung des 

Gerichtsstandes ist nicht massgeblich, was der beschuldigten Person letzt-

lich nachgewiesen werden kann, sondern der Tatbestand, der Gegenstand 

der Untersuchung bildet (supra E. 2.2). Dementsprechend ist die Frage, ob 

die Strafbarkeit von C. gestützt auf die am 14. April 2023 gemachte Aussage 

von A. im Zusammenhang mit dem Fahrzeug ausgeschlossen werden kann, 

für den Gerichtsstand nicht von Bedeutung. Angemerkt sei in diesem Zusam-

menhang, dass die anlässlich der Einvernahmen vom 17. März und 14. April 

2023 gemachten Aussagen von A. zurückhaltend zu würdigen sind. A. und 

C. hatten resp. haben immer noch eine Beziehung. Sie wurden am 15. März 

2023 gemeinsam in einem Hotel verhaftet und während C. am 16. März 2023 

behauptete, dass sie nach der Angelegenheit mit dem Fahrzeug kein Paar 

mehr seien, gab A. am 17. März 2023 an, dass sie wieder zusammenleben 

würden (supra E. 3.2.2-3.2.3). Ferner bekräftigte A. anlässlich der Einver-

nahme vom 14. April 2023, seit einem Jahr eine Freundin zu haben, mit wel-

cher er zusammen in Glarus gewohnt habe (Verfahrensakten SG, Dossier 

E, Urk. E/6, S. 39). Angesichts der Angaben der Beschuldigten kann es sich 

dabei nur um C. handeln. Sollte der Gesuchsgegner die Aussagen von A. 

als glaubhaft einstufen und zur Einsicht gelangen, C. habe sich im Zusam-

menhang mit dem Fahrzeug nicht strafbar gemacht, wird er das Verfahren 

gegen sie einzustellen haben. 

 

Ausserdem legte der Gesuchsteller nachvollziehbar dar, dass die beiden Be-

schuldigten lediglich systembedingt eine eigene Verfahrensnummer erhalten 

haben. Gestützt allein auf diesen Umstand lässt sich eine getrennte Verfah-

rensführung und Ausschluss der Mittäterschaft bzw. Teilnahme nicht von 

vornherein ausschliessen. Entgegen der Behauptung des Gesuchsgegners, 

ist aktenkundig, dass C. am 16. März 2023 im Verfahren gegen A. betreffend 

den Ladendiebstahl in Frauenfeld als Auskunftsperson befragt wurde. In 

dem sie betreffenden Verfahren wegen Veruntreuung wurde sie gleichen-

tags als beschuldigte Person einvernommen (vgl. supra Sachverhalt Bst. F). 

Aus diesem Grund greifen auch die entsprechenden Argumente des Ge-

suchsgegners nicht. 

 

- 11 - 

 

 

Aufgrund des Verhaltens von C. gegenüber der Polizei und dem Geschädig-

ten sowie gestützt auf die Aussage des Geschädigten bestanden zum Zeit-

punkt des Übernahmeersuchens hinreichend Hinweise darauf, dass C. an 

der Veruntreuung resp. Entwenden eines Fahrzeugs zum Gebrauch beteiligt 

gewesen sein könnte. Zu diesem Schluss kam auch die Kantonspolizei Zü-

rich in ihrem Bericht vom 16. November 2022 (supra E. 3.3.2). Unter den 

gegebenen Umständen hätte der Gesuchsgegner das Verfahren auch gegen 

C. übernehmen sollen. Daran vermag im Übrigen auch sein Einwand nichts 

zu ändern, wonach C. auf dem Polizeirapport vom 16. November 2022 als 

beschuldigte Person durchgestrichen worden sei. Es ist bis dato nicht ab-

schliessend geklärt, wer und zu welchem Zeitpunkt C. als Beschuldigte 

durchgestrichen hat (Verfahrensakten SG, Dossier S9, Urk. S9/1). Sowohl 

die frühere Staatsanwältin beim Untersuchungsamt Uznach als auch die  

beiden bei der StA Frauenfeld mit dem Fall befassten Staatsanwältinnen be-

stätigten, C. auf dem Polizeirapport nicht durchgestrichen zu haben (Verfah-

rensakten SG, Dossier S9, Urk. S9/4; Gesuchsbeilage 3). Ausserdem ist auf 

diesem Rapport aus unbekannten Gründen auch der Geschädigte durchge-

strichen. Eine Erklärung hierzu lässt sich den Ausführungen der Parteien 

nicht entnehmen.  

 

3.4.3 Unter den oben erwähnten Umständen und in Anwendung des in dubio pro 

duriore Grundsatzes kann C. als Mittäterin oder zumindest als Teilnehmerin 

von A. im Zusammenhang mit der Veruntreuung resp. Entwenden des Fahr-

zeugs zum Gebrauch nicht ausgeschlossen werden. Da bei Vorliegen der 

Mittäterschaft oder Teilnahme Straftaten gemeinsam verfolgt und beurteilt 

werden (Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO), ist der Antrag des Gesuchstellers gutzu-

heissen.  

 

 

4. Damit sind die Strafbehörden des Kantons St. Gallen berechtigt und ver-

pflichtet, die C. vorgeworfenen Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen.  

 

 

5. Praxisgemäss ist bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten keine Ge-

richtsgebühr zu erheben (vgl. Art. 423 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 66 Abs. 4 BGG 

per analogiam; vgl. schon BGE 87 IV 145).  

- 12 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Behörden des Kantons St. Gallen sind berechtigt und verpflichtet, die  

C. vorgeworfenen Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen. 

 

2. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben. 

 

 

Bellinzona, 25. September 2023 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Thurgau 

- Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, Untersuchungsamt Uznach 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.