# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f135eeb9-22b2-56ab-b071-1bd670755598
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-03-09
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 2. Kammer 09.03.2004 S 2004 13
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_002_S-2004-13_2004-03-09.pdf

## Full Text

S 04 13

2. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 9. März 2004

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Versicherungsleistungen nach UVG

1. a) Die heute 48-jährige … brach sich zuhause am 29. Oktober 2002 beim Essen 

einer Nusstorte ein Stück des Zahnes 15 (oben rechts) heraus. Tags darauf 

wurde dieser Vorfall durch die Arbeitgeberin der Versicherten der 

Schweizerischen Unfallversicherung (SUVA) gemeldet, die für den Ersatz des 

Zahnes finanziell aufkam. Am 26. Mai 2003 – also rund 7 Monate später – 

teilte die Versicherte der SUVA mit, dass der dem Zahn 15 

gegenüberliegende Zahn 45 (unten rechts) nun plötzlich ebenfalls 

abgebrochen sei und dieser neuerliche Vorfall wohl auf das ursprüngliche 

Unfallereignis vom Herbst 2002 zurückzuführen sei.

b) In der Folge befragte die SUVA unabhängig voneinander zwei Zahnärzte über 

die Ursache des neu abgebrochenen Zahnes 45 unten rechts. Gestützt auf 

die daraus gewonnenen Erkenntnisse erliess sie am 25. September 2003 eine 

Verfügung, worin sie jede Leistungspflicht mangels adäquaten 

Kausalzusammenhangs zwischen den beiden Vorkommnissen vom Herbst 

2002 und Frühling 2003 verneinte. Eine hiergegen erhobene Einsprache wies 

die SUVA mit Entscheid vom 13. Januar 2004 ab.

2. Dagegen erhob die Versicherte am 31. Januar 2004 frist- und formgerecht 

Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit den 

Begehren um Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids bzw. der 

ihm zugrunde liegenden Ablehnungsverfügung und Anweisung der 

Vorinstanz vollständig auch für die Deckung des zweiten Unfallschadens 

(Sanierung Zahn 45) aufzukommen. Zur Begründung machte sie geltend, 

dass im Schreiben ihres behandelnden Zahnarztes doch noch ausdrücklich 

bestätigt worden sei, dass ein sachlicher Zusammenhang zwischen dem 

Zahnabbruch im Herbst 2002 und demjenigen im Frühling 2003 

wahrscheinlich sei. Derartige Zahnschäden könnten sich – trotz eingehender 

Untersuchung nach dem Unfall – durchaus erst zu einem späteren Zeitpunkt 

offenbaren. Umgekehrt sei es äusserst unwahrscheinlich, dass genau der 

gegenüberliegende Zahn ohne neues Ereignis einfach so abgebrochen wäre, 

da sie regelmässig (einmal pro Jahr) ihre Zähne durch den Zahnarzt 

kontrollieren lasse und seit Jahren – ausser dem Vorfall im Herbst 2002 – 

keine Schäden festgestellt worden seien. Der beratende Zahnarzt der SUVA 

habe den Schaden nie persönlich begutachtet und daher eine rein subjektive, 

willkürliche und der ihn bezahlenden Auftraggeberin gefällige Beurteilung 

vorgenommen. Der geforderte Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit (über 50%) sei erreicht worden, weshalb die SUVA 

leistungspflichtig sei.

3. In ihrer Stellungnahme beantragte die SUVA Abweisung der Beschwerde und 

Bestätigung des angefochtenen Einspracheentscheids. Sie hielt darin erneut 

fest, dass der Unfall vom Herbst 2002 nicht mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit auch für den Vorfall vom Frühling 2003 verantwortlich sei, 

da die damals erstellten Unfallakten keinen Hinweis auf die Schädigung des 

gegenüberliegenden Zahnes 45 ergeben hätten, dazwischen immerhin 7 

Monate vergangen seien und der behandelnde Zahnarzt der Versicherten nur 

die Vermutung geäussert habe, dass zwischen den beiden Vorkommnissen 

durchaus ein Sachzusammenhang bestehen könnte bzw. sogar 

„wahrscheinlich“ sei. Der Beweisgrad der „überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit“, wie er von der Rechtsprechung in solchen Fällen für eine 

Kostenübernahme jeweils verlangt werde, sei damit aber noch nicht erreicht 

worden, was eine erneute Leistungspflicht der Unfallversicherung eben 

ausschliesse.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. a) Die Vorinstanz hat die Grundsätze zum Umfang ihrer Leistungspflicht (Art. 6 

UVG), zum Unfallbegriff (Art. 9 UVV; neu Art. 4 ATSG) und zur erforderlichen 

Adäquanz zwischen Unfallereignis und Eintritt des Schadens (BGE 119 V 338 

E. 1, 118 V 289 E. 1b) zutreffend dargelegt. Richtig sind sodann auch die 

Ausführungen zum sozialversicherungsrechtlich massgeblichen Beweisgrad 

der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 114 V 305 E. 5b, 121 V 208 E. 6b, 

126 V 360 E. 5b, m.w.H.) und zu den Beweislastregeln (BGE 117 V 263 E. 3b; 

RKUV 2001 S. 39 E. 5a, 1993 S. 159 E. 3b). Hiernach trägt also jene Partei die 

Folgen der Beweislosigkeit, welche aus dem unbewiesen gebliebenen 

Sachverhalt Rechte ableiten möchte. Der Grundsatz, wonach im Zweifelsfall 

zu Gunsten der Versicherten zu entscheiden sei, gilt somit im 

Sozialversicherungsrecht nicht. Die von den Versicherten behaupteten 

Beeinträchtigungen müssen vielmehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

auf ein ganz bestimmtes, unvorhersehbares Schadensereignis zurückgeführt 

werden können. Misslingt dieser Nachweis, entfällt auch die Leistungspflicht 

des Unfallversicherers (dito: EVG-Urteil vom 24.10.2003 [U 110/03] E. 2.2; SJZ 

1992 S. 324 m.w.H.). 

b) Im konkreten Fall sind folgende Unfall- und Zahnarztberichte aktenkundig und 

für die Streitentscheidung von Bedeutung:

 Im ersten Unfallformular vom 31.10.2002 stellte der behandelnde 
Zahnarzt (… mit Beurteilung vom 19.11.2002) bei der Versicherten eine 
Läsion am Oberkieferzahn 5+ (abgeplatzte Kunststoff-Facette an der 
Krone, oben rechts Nr. 15) fest, entstanden durch einen Biss auf einen 
harten Gegenstand beim Essen. Am Unterkiefer wurden damals keine 
Zahnschäden notiert.

 Im zweiten Unfallformular vom 27.05.2003 (Beurteilung 17.06.2003) 
diagnostizierte derselbe Zahnarzt der Versicherten eine Kronenfraktur 
(ohne Pulpabeteiligung) am Unterkieferzahn 5- (unten rechts Nr. 45). Laut 
Auskunft der Patientin sei diese Fraktur ohne (neue) äussere Einwirkung 
erfolgt. Beim beschädigten Unterkieferzahn habe es sich um einen bereits 
einmal gefüllten bzw. plombierten Zahn gehandelt.

 Der zahnärztliche Vertrauensarzt der SUVA hielt auf Anfrage vom 
27.06.2003 (mit Beurteilung vom 07.07.2003) hierzu fest, dass eine 
Kausalität zwischen dem Zahnschaden im Herbst 2002 und demjenigen 
im Frühling 2003 mit Entschiedenheit nur als möglich einzustufen sei, 
weshalb eine Übernahme der Behandlungskosten im zweiten Fall 
abzulehnen sei. 

 Im Bericht vom 12.08.2003 entgegnete Dr. …, dass er einen 
Zusammenhang nicht nur für möglich, sondern für wahrscheinlich halte. 
Beim ursprünglich verletzten Zahn habe es sich um den Antagonisten (das 
Gegenüber) des Zahns 45 gehandelt. Unvollständige Frakturen seien 
erfahrungsgemäss nicht immer sofort sichtbar und lösten nicht in jedem 
Fall Schmerzen aus. Es sei daher denkbar, dass der tatsächliche Umfang 
des ersten Zahnschadens trotz eingehender Untersuchung zunächst noch 
verborgen geblieben sei und sich erst zu einem späteren Zeitpunkt 
offenbart habe.

 In seiner Antwort vom 19.09.2003 fügte Dr. … an, dass er mit seinem 
Berufskollegen (Dr. …) darin einig sei, dass sich ein Schaden erst zu 
einem späteren Zeitpunkt zeigen könne. Dies bedeute aber nicht, dass 
eine überwiegende Wahrscheinlichkeit vorliege, wonach der zweite 
Schaden auf das erste Unfallereignis zurückzuführen wäre. Wie bereits 
dargetan, seien anlässlich der Unfalluntersuchungen im Herbst 2002 
gerade keine weiteren Zahnschädigungen eruiert worden.

 Im Bericht vom 10.12.2003 verneinte der gleiche Zahnarzt (Dr. …) eine 
Kausalität zwischen den beiden Vorkommnissen ausdrücklich. Die 
aktuelle Zahnschädigung – Abbruch der lingualen Zahnwand 45 – stehe 
für ihn nur in einem möglichen Kausalzusammenhang zum im Oktober 
letzten Jahres erfolgten Bruch der bukkalen Zahnwand 15. Anlässlich des 
Grundfalles seien keine weiteren Schädigungen registriert und keine 
Angaben zu Beschwerden (Schmerzen) der Patientin gemacht worden. 
Zudem habe es sich beim zweiten Mal um einen gefüllten Zahn gehandelt. 
Wenn über 6 Monate nach einem Unfallereignis, das den Antagonisten 
betraf, eine Zahnwand bei einem gefüllten Zahn abbreche, bestehe eine 
mindestens ebenso grosse Wahrscheinlichkeit, dass der durch die Füllung 
geschwächte Zahn durch einen normalen Kauakt bzw. funktionelle 
Belastungen abgebrochen sei.

c) In Würdigung der soeben erwähnten Zahnarztatteste ist das Gericht zum 

Schluss gelangt, dass kein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den 

Ereignissen vom Oktober 2002 (Abbruch der gegen aussen [Rtg Backe] 

gerichteten Zahnwand 15 oben rechts) und vom Mai 2003 (Abbruch der gegen 

innen [Rtg Zunge] gerichteten Zahnwand 45 unten rechts) bejaht werden 

kann. Abgesehen davon, dass anlässlich der eingehenden Untersuchung 

durch den Zahnarzt Dr. … im November 2002 keine Beschädigungen oder 

Anrisse der unteren Backen-, Eck- oder Schneidezähne festgestellt wurden, 

sondern einzig eine Fraktur des Oberkieferzahns 15 registriert wurde, ist 

bemerkenswert, dass die Versicherte offensichtlich während rund sieben 

Monaten keine Zahnschmerzen oder anderweitige Beeinträchtigungen am 

gegenüberliegenden Unterkieferzahn verspürte bzw. entdeckte. Die 

Tatsache, dass die Versicherte regelmässig alljährlich zur zahnärztlichen 

Kontrolle geht, ändert daran nichts, da die letzten Behandlungen aktenkundig 

im Zuge der Zahnsanierung der (von der Vorinstanz) anerkannten Fraktur am 

oberen Zahn erfolgte und damals nachweislich keine Hinweise oder 

Anhaltspunkte für eine Beschädigung des gegenüberliegenden 

Unterkieferzahns auszumachen waren. Hinzu kommt, dass beim ersten 

Vorfall im Herbst 2002 die Aussenwand (buccal) des oberen Zahnes 15 

abbrach, während beim zweiten Ereignis im Mai 2003 die Innenwand (lingual) 

des unteren Zahnes 45 beschädigt wurde. Ein Sachzusammenhang zwischen 

diesen beiden Vorkommnissen drängt sich daher auch nicht von der 

gegenläufigen Symmetrie der erlittenen Zahnschädigungen auf. Schliesslich 

gilt es - nebst der beachtlichen Zeitspanne ohne neues Schmerzereignis von 

über einem halben Jahr und der lokal divergierenden Abbruchstelle innerhalb 

desselben Gebisses auf der Höhe der Backenzähne 15/45 – auch nicht zu 

verkennen, dass es sich beim erst später abgebrochenen Unterkieferzahn 45 

um einen zumindest bereits einmal reparierten Backenzahn (mit Amalgan 

gefüllter bzw. plombierter Zahn) gehandelt hat. Die Kauwiderstandsfähigkeit 

und Beständigkeit von künstlichen Zahnfüllungen nimmt mit deren Alter 

(abnützungsbedingt) jedoch ab, weshalb es auch glaubhaft erscheint, dass 

solche Zahnersatzteile (im Vergleich zur Konsistenz und zum Zahnaufbau 

gesunder und bisher noch unplombierter Zähne) bedeutend weniger 

bruchresistent sind. Bei früher schon behandelten Zähnen ist daher allgemein 

eben auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine erneute 

Zahnbehandlung zu rechnen.

d) Zusammengefasst ergibt sich, dass der Zahnschaden vom Mai 2003 

(Abbruch des Unterkieferzahnes 45) aufgrund der erwähnten 

Facharztberichte der Dres. … und … noch nicht mit dem im 

Unfallversicherungsrecht verlangten Beweisgrad der „überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit“ auf den Grundfall vom Herbst 2002 (Abbruch des 

Oberkieferzahnes 15) zurückgeführt werden kann. Die zweite Zahnfraktur 

könnte vielmehr ebenso „möglicherweise“ (reine Vermutung) wie 

„wahrscheinlich“ (nahe liegende Vermutung) bei einem gewöhnlichen Kauakt 

entstanden sein. Die Folgen jener Beweislosigkeit hat vorliegend die 

Versicherte zu tragen, da sie aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt 

Rechte ableiten will. Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich 

demnach als rechtmässig, was zur Abweisung der Beschwerde führt. 

2. Gerichtskosten werden nicht erhoben, da das kantonale 

Beschwerdeverfahren nach Art. 61 lit. a ATSG und Art. 11 der grossrätlichen 

Verordnung über das Verfahren in Sozialversicherungsstreitsachen (VVS; BR 

542.300) – ausser hier nicht zutreffender Ausnahmen – kostenlos ist. Eine 

aussergerichtliche Entschädigung steht dem Unfallversicherer nicht zu 

(Umkehrschluss aus Art. 61 lit. g ATSG).

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Es werden keine Kosten erhoben.