# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8665c9af-146b-5819-a1a8-fc4c5823c574
**Source:** Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** FR 605_2010_180_15_09_112.pdf
**Docket/Reference:** 605_2010_180_15_09_112.pdf
**URL:** https://www.fr.ch/sites/default/files/contens/tc/_www/files/pdf38/605_2010_180_15_09_112.pdf

## Full Text

605 2010-180 

Urteil vom 15. September 2011 

SOZIALVERSICHERUNGSGERICHTSHOF 

BESETZUNG 

Stellvertretender Präsident: 
Beisitzer: 
Gerichtsschreiber-Praktikant: 

Christoph Rohrer 
Bruno Kaufmann, Jean-Marc Kuhn 
Sébastien Moret 

PARTEIEN 

X., Beschwerdeführerin,     

gegen 

ÖFFENTLICHE  ARBEITSLOSENKASSE,  Rue  du  Nord  1,  Postfach  228, 
1701 Freiburg, Vorinstanz,     

GEGENSTAND 

Arbeitslosenversicherung 

Beschwerde  vom  26. Mai  2010  gegen  den Einspracheentscheid  vom 
30. April 2010 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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S a c h v e r h a l t  

A.  X., geboren 1964, verheiratet, war seit dem 1. Oktober 2005 bei der Firma A. AG, 
als Sekretärin in einem Pensum von 30% tätig. 

Mit Verfügung vom 2. Dezember 2009 hat der Gerichtspräsident des _____-Bezirks über 
die genannte Firma den Konkurs eröffnet. Mit Urteil vom 4. Februar 2010 bestätigte das 
Kantonsgericht  Freiburg  die  Konkurseröffnung,  jedoch  mit  Wirkung  auf  den  4.  Februar 
2010.  Am  17.  Februar  2010  machte  X.  im  Konkurs  eine  Forderung  im  Betrag  von 
14'025 Franken  für  den  während  der  Monate  Juni  2009  bis  16.  Februar  2010  unbezahlt 
gebliebenen Lohn geltend.   

Den  von  X.  gleichentags,  am  17.  Februar  2010  gestellten  Antrag  auf  Insolvenzent-
schädigung betreffend den unbezahlt gebliebenen Lohn während der letzten vier Monate 
des  Arbeitsverhältnisses  im  Gesamtbetrag  von  6'600  Franken  lehnte  die  Öffentliche 
Arbeitslosenkasse  des  Kantons  Freiburg  (nachfolgend  Arbeitslosenkasse)  mit  Verfügung 
vom  12.  April  2010  ab.  Sie  begründete  dies  damit,  dass  die  Entschädigung  verspätet 
geltend  gemacht  worden  sei.  Eine  von  X.  dagegen  am  14.  April  2010  erhobene 
Einsprache lehnte sie mit Einspracheentscheid vom 30. April 2010 ab. Es treffe zwar zu, 
dass der - angebliche - Entschädigungsanspruch rechtzeitig geltend gemacht worden sei. 
Die  Versicherte  habe  sich  aber  einer  grobfahrlässigen  Verletzung  der  Schaden-
minderungspflicht  schuldig  gemacht,  indem  sie  ihre  Lohnausstände,  welche  sich  über 
neun  Monaten  akkumuliert  hätten,  dem  Arbeitgeber  gegenüber  -  mit  Ausnahme  einer 
schriftlichen Mahnung vom 5. Januar 2010 - nur mündlich geltend machte.     

B.  Gegen  diesen  Einspracheentscheid  erhob  X.  am  25.  Mai  2010  Beschwerde  beim 
Kantonsgericht  Freiburg,  Sozialversicherungsgerichtshof.  Sie  beantragt  sinngemäss  die 
Aufhebung  des  angefochtenen  Entscheids  und  die  Gutheissung  des  Anspruchs  auf 
Insolvenzentschädigung.  Sie  macht  insbesondere  geltend,  dass  im  Oktober  2009  die 
Arbeitgeberfirma  mit  einem  Investor  in  Gesprächsverhandlungen  trat  und  in  regel-
mässigen  Abständen  Besprechungen  stattfanden,  sodass  damit  hatte  gerechnet  werden 
dürfen, dass die ausstehenden Löhne kurzfristig aus- bzw. nachgezahlt würden, weshalb 
die  Einleitung  rechtlicher  Schritte  gegen  die  A.  AG  nicht  angezeigt  und  ein  Zuwarten 
objektiv  begründet  war.  Der  Vorwurf  der  grobfahrlässigen  Verletzung  der  Schaden-
minderungspflicht sei somit unhaltbar. 

In  den  Bemerkungen  vom  15.  Juni  2010  hält  die  Arbeitslosenkasse  am  Einsprache-
entscheid fest und schliesst auf Abweisung der Beschwerde. Sie führt an, dass die in der 
Beschwerde vorgebrachten Gründe keine andere Einschätzung zuliessen.  

In  den  Gegenbemerkungen  vom  21.  Juni  2010  weist  die  Beschwerdeführerin  unter 
anderem  darauf  hin,  dass  in  der  verfügungsweisen  Ablehnung  des  Anspruchs  in  keiner 
Weise  von  einer  grobfahrlässigen  Verletzung  der  Schadenminderungspflicht  die  Rede 
war.  Zudem  wäre  das  Geld  für  die  Auszahlung  der  Löhne  (am  25.  November  2009  auf 
einem  Sperrkonto  deponiert)  zur  Verfügung  gestanden,  wenn  es  nicht  zu  einer  Termin-
kollision  zwischen  Konkurseröffnung  am  3.  Dezember  2009  und  der  Eintragung  der 
Kapitalerhöhung  im  Handelsregister  gekommen  wäre.  Die  Arbeitslosenkasse  teilte  am 
30. Juni 2010 mit, sie habe keine Schlussbemerkungen zu formulieren. 

 
 
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Die  übrigen  Elemente  des  Sachverhalts  ergeben  sich,  soweit  sie  für  die  Urteilsfindung 
massgebend sind, aus den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen. 

E r w ä g u n g e n  

1.  Die  Beschwerde  vom  26.  Mai  2010  (Postaufgabe)  gegen  den  Einspracheentscheid 
der  Öffentlichen  Arbeitslosenkasse  des  Kantons  Freiburg  vom  30.  April  2010  ist  form- 
und  fristgerecht  bei  der  örtlich  und  sachlich  zuständigen  Beschwerdeinstanz  eingereicht 
worden  (vgl.  Art.  128  der  Verordnung  über  die  obligatorische  Arbeitslosenversicherung 
und  Insolvenzentschädigung  [AVIV;  SR 837.02]  i.V.m.  Art.  100  Abs.  3  des  Bundes-
gesetzes  vom  25. Juni  1982  über  die  obligatorische  Arbeitslosenversicherung  und 
Insolvenzentschädigung  [AVIG;  SR 837.0]).  Die  Beschwerdeführerin  ist  vom  ablehnen-
den Entscheid betroffen und infolgedessen zur Beschwerde legitimiert.  

Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

Streitig  und  zu  prüfen  ist,  ob  die  Beschwerdeführerin  Anspruch  auf  Insolvenz-
2. 
entschädigung hat. Nicht mehr umstritten ist zu Recht, dass die Beschwerdeführerin den 
entsprechenden Antrag im Sinne von Art. 53 Abs. 1 AVIG rechtzeitig eingereicht hatte.  

a)  Beitragspflichtige  Arbeitnehmer  von  Arbeitgebern,  die  in  der  Schweiz  der 
3. 
Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der  Schweiz Arbeitnehmer  beschäftigen, haben 
gemäss Art. 51 Abs. 1 AVIG Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn: a. gegen ihren 
Arbeitgeber  der  Konkurs  eröffnet  wird  und  ihnen  in  diesem  Zeitpunkt  Lohnforderungen 
zustehen  oder  b.  der  Konkurs  nur  deswegen  nicht  eröffnet  wird,  weil  sich  infolge 
offensichtlicher  Überschuldung  des  Arbeitgebers  kein  Gläubiger  bereit  findet,  die  Kosten 
vorzuschiessen, oder c. sie gegen ihren Arbeitgeber für Lohnforderungen das Pfändungs-
begehren gestellt haben.  

Gemäss  Art.  52  Abs.  1  AVIG  deckt  die  Insolvenzentschädigung  für  das  gleiche  Arbeits-
verhältnis  Lohnforderungen  für  höchstens  die  letzten  vier Monate  des  Arbeitsverhält-
nisses,  für  jeden  Monat  jedoch  nur  bis  zum  Höchstbetrag  nach  Artikel 3  Absatz 2.  Als 
Lohn gelten auch die geschuldeten Zulagen.  

b)  Gemäss  Art.  55  Abs.  1  AVIG  muss  der  Arbeitnehmer  im  Konkurs-  oder 
Pfändungsverfahren alles unternehmen, um seine Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber 
zu  wahren,  bis  die  Kasse  ihm  mitteilt,  dass  sie  an  seiner  Stelle  in  das  Verfahren 
eingetreten  ist.  Danach  muss  er  die  Kasse  bei  der  Verfolgung  ihres  Anspruchs  in  jeder 
zweckdienlichen Weise unterstützen. 

Diese  Bestimmung  bezieht  sich  dem  Wortlaut  nach  auf  das  Konkurs-  und  Pfändungs-
verfahren. Sie bildet jedoch Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht, welche 
auch  dann  Platz  greift,  wenn  das  Arbeitsverhältnis  vor  der  Konkurseröffnung  aufgelöst 
wird  (BGE  114  V  56  E.  4  S.  60;  ARV  1999  Nr.  24  S.  140,  C  183/97;  ARV  2010  Nr.  1 
S. 46).  Eine  ursprüngliche  Leistungsverweigerung  infolge  Verletzung  der  Schaden-
minderungspflicht im Sinne der zu Art. 55 Abs. 1 AVIG ergangenen Rechtsprechung setzt 
voraus,  dass  der  versicherten  Person  ein  schweres  Verschulden,  also  vorsätzliches  oder 
grobfahrlässiges Handeln oder Unterlassen vorgeworfen werden kann (vgl. URS BURGHERR, 
Die  Insolvenzentschädigung,  2004,  S.  166).  Das  Ausmass  der  geforderten  Schaden-

 
 
 
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minderungspflicht  richtet  sich  nach  den  jeweiligen  Umständen  des  Einzelfalls  (Urteile 
8C_682/2009 und 8C_685/2009 vom 23. Oktober 2009 Erw. 3.2).  

c)  Die  Vorinstanz  hat  in  tatsächlicher  Hinsicht  festgestellt,  dass  von  der 
Versicherten  die  Lohnausstände,  welche  sich  über  neun  Monate  akkumuliert  hätten 
(insgesamt  14'015  Franken  für  die  Monate  Juni  2009  bis  Februar  2010),  der 
Arbeitgeberin  gegenüber  nur  mündlich  geltend  gemacht  und  deren  regelmässigen 
Zusicherungen,  die  ausstehenden  Löhne  würden  ausbezahlt  werden,  geglaubt  habe. 
Dementsprechend  und  da  die  Versicherte  mit  Ausnahme  einer  Mahnung  vom  5.  Januar 
2010 keine rechtlichen Schritte zur Geltendmachung und Realisierung der Lohnansprüche 
unternommen habe, lehnte sie den Anspruch auf Insolvenzentschädigung ab, da sich die 
Versicherte  damit  einer  grobfahrlässigen  Verletzung  der  Schadenminderungspflicht 
schuldig gemacht habe.  

d)  Vom  Arbeitnehmer  wird  in  der  Regel  nicht  verlangt,  dass  er  bereits  während 
des  bestehenden  Arbeitsverhältnisses  gegen  den  Arbeitgeber  Betreibung  einleitet  oder 
eine  Klage  einreicht.  Er  hat  jedoch  diesem  gegenüber,  wenn  der  Lohn  nicht  oder  nicht 
vollständig bezahlt worden ist, schon vor Auflösung des Arbeitsverhältnisses seine Lohn-
forderung  in  eindeutiger  und  unmissverständlicher  Weise  geltend  zu  machen  (vgl. ARV 
2002  Nr.  30  S.  190).  Die  Schadenminderungspflicht  gilt  also  schon  vor  Auflösung  des 
Arbeitsverhältnisses. Es reicht nicht, dass der Arbeitnehmer mit einem längeren Aufschub 
der Lohnzahlung einverstanden ist und auf bessere Zeiten wartet (ARV 2002 N 30 S. 192 
Erw. 1b). Nach konstanter Rechtsprechung genügt es für die Erfüllung der Schadenmin-
derungspflicht  in  der  Regel  nicht,  wenn  Lohnausstände  lediglich  mündlich  gemahnt 
werden. Dies gilt beispielsweise, wenn es um eine langandauernde, das heisst über zwei 
bis  drei  Monate  hinaus  andauernde  Nichterfüllung  der  vertraglichen  Verpflichtung  des 
Arbeitgebers  geht;  wenn  überhaupt  keine,  also  auch  keine  Akonto-  oder  Teilzahlung 
erfolgt;  wenn  aus  der  Sicht  des  Versicherten  nicht  mit  guten  Gründen  damit  gerechnet 
werden kann, dass sich bald eine Besserung der Situation ergibt und wenn nicht andere, 
im  Einzelfall  verständliche  Gründe  vorliegen,  die  ein  Zuwarten  mit  zielgerichteten 
Schritten aus objektiver Sicht verständlich erscheinen lassen (Urteile 8C_682/2009 vom 
23. Oktober 2009 Erw. 4.2, 8C_685/2009 vom 23. Oktober 2009 Erw. 4.2).  

Zu weitergehenden Schritten ist die versicherte Person dann gehalten, wenn es sich um 
erhebliche Lohnausstände handelt und sie konkret mit einem Lohnverlust rechnen muss. 
Denn es geht auch für die Zeit vor Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht an, dass die 
versicherte  Person  ohne  hinreichenden  Grund  während  längerer  Zeit  keine  rechtlichen 
Schritte zur Realisierung erheblicher Lohnausstände unternimmt, obschon sie konkret mit 
dem Verlust der geschuldeten Gehälter rechnen muss (Urteile C 144/06 vom 19. Oktober 
2006  Erw.  3.1,  C  270/05  vom  6.  Februar  2006,  C  264/04  vom  20.  Juli  2005,  C  114/04 
vom 14. Oktober 2004, C 33/02 vom 4. Juli 2002; ARV 2007 N 4 S. 54 Erw. 4.1, 4.4). 

4. 
a)  Unbestritten  ist,  dass  die  Beschwerdeführerin  keine  rechtlichen  Schritte  gegen 
die Arbeitgeberin zwecks Geltendmachung der ab Juni 2009 vollständig unbezahlt geblie-
benen  Lohnausstände  eingeleitet  hat,  sondern  bei  der  Arbeitgeberin  bis  anfangs  Januar 
lediglich  mündlich 
intervenierte.  Nicht  bestritten  sind  weiter  die  Angaben  der 
Versicherten  an  die  Vorinstanz,  dass  die  Arbeitgeberin  seit  Juli  2009  in  regelmässigen 
Abständen  von  rund  drei  Wochen  gegenüber  ihren  Angestellten  immer  wieder  mündlich 
beteuert  hat,  die  ausstehenden  Löhne  würden  bezahlt.  Die  Beschwerdeführerin  hält 
entsprechend fest, die Arbeitgeberin "beteuerte uns immer wieder, dass die Löhne sofort 
bezahlt werden, wenn wieder ein Investor Interesse an der Firma zeigte" (Schreiben vom 

 
 
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25. Februar und 4. März 2010 an die Vorinstanz). Weiter ist ein an die A. AG gerichtetes 
Mahnschreiben der Versicherten vom 5. Januar 2010 aktenkundig, in welchem sie Herrn 
Y. zur Bezahlung der "ausstehenden Löhne Juni 2009 bis einschliesslich Dezember 2009" 
eine Frist bis spätestens 15. Februar 2010 setzt.   

b)  In  Würdigung  des  vorliegenden  konkreten  Einzelfalls  ist  entscheidend,  dass  die 
Beschwerdeführerin  einen  längeren  Lohnaufschub  offensichtlich  hingenommen  und  sich 
mit  den  wiederholten  Zahlungsbeteuerungen  der  Firma  abgefunden  hat,  obwohl  mit 
überwiegender  Wahrscheinlichkeit  davon  auszugehen  ist,  dass  sie  von  der  prekären 
finanziellen  Situation  der  Arbeitgeberin  Kenntnis  hatte  respektive  diese  hätte  erkennen 
sollen  (vgl.  ARV  2007  Nr.  4  Erw.  4.4).  Es  liegen  keine  Sachverhaltselemente  vor,  die 
darauf  hindeuten,  dass  sie  über  mündliche  Kontakte  mit  der  Arbeitgeberin  hinaus  vor 
dem 5. Januar 2010 konkret etwas unternommen hätte, um zu ihrem Lohn zu kommen. 
Vielmehr  hat  sie  den  über  Monate  sich  hinziehenden  Zahlungsbeteuerungen  der 
Arbeitgeberin  geglaubt.  Dies,  obwohl  nach  dem  Mailohn  2009  überhaupt  keine  Lohn-
zahlung  mehr  und  auch  keine  Lohn-Teilzahlung  erfolgte  und  mithin  spätestens  ab 
anfangs September 2009 die Situation einer langdauernden Nichterfüllung der Zahlungs-
pflicht  der  Arbeitgeberin  eingetreten  war.  Rechtsprechungsgemäss  bedeutet  bereits  der 
Umstand,  dass  ein  normaler  Monatslohn  nicht  bezahlt  wird  in  der  Regel  ein  dringender 
Hinweis  darauf,  dass  der  Arbeitgeber  Zahlungsschwierigkeiten  hat  (vgl.  Urteil 
8C_534/2010 vom 20. Oktober 2010 Erw. 4.2.1). Indem die Beschwerdeführerin in ihrer 
Beschwerde  angibt,  im  Juni  2009  hätte  die  Firma  A.  AG  aufgrund  der  schlechten 
wirtschaftlichen Lage einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt, welcher abgelehnt worden sei, 
weil  die  Firma  in  guten  Zeiten  hätte  Reserven  bilden  sollen,  hätte  ihr  auffallen  müssen, 
dass  die  Arbeitgeberin  effektiv  Zahlungsschwierigkeiten  hatte,  welche 
ihre 
Lohnansprüche konkret gefährden. Dass die Lohnansprüche tatsächlich gefährdet waren, 
zeigte  sich  insbesondere  auch  darin,  dass  die  Arbeitgeberfirma  offenbar  über  eine 
Unternehmensberatungsfirma  dringend  einen  Investor  suchte,  was  der  Beschwerde-
führerin  gemäss  ihren  eigenen  Angaben  ebenfalls  bekannt  war.  Bereits  aufgrund  dieser 
Umstände  konnte  die  Beschwerdeführerin  nicht  mit  guten  Gründen  damit  rechnen,  dass 
bald  eine  Besserung  der  Situation  eintreten  werde.  Mithin  sind  vorliegend  auch  keine 
verständlichen  Gründe  auszumachen,  die  ein  Zuwarten  mit  zielgerichteten  Schritten  zur 
Geltendmachung der Lohnforderungen über Ende August 2009 hinaus objektiv begründet 
erscheinen lassen. Daran ändert nichts, dass offenbar verschiedene Investoren Interesse 
an der Firma bekundeten, hatte sich doch nicht innert nützlicher Frist eine Besserung der 
angespannten  finanziellen  Verhältnisse  abgezeichnet.  Damit  ist  festzuhalten,  dass 
vorliegend  die  Voraussetzungen  erheblicher  Lohnausstände  sowie  das  konkrete  Risiko 
des  Verlustes  der  geschuldeten  Gehälter  jedenfalls  anfangs  September  2009  klar 
gegeben waren, sodass ein weiteres Zuwarten in der Hoffnung, es werde doch noch ein 
Investor  gefunden,  statt  weitergehende  Schritte  einzuleiten,  aus  objektiver  Sicht  nicht 
mehr  als  verständlich  gewertet  werden  kann.  Ein  bloss  mündliches  Mahnen  der  aus-
stehenden  erheblichen  akkumulierten  Lohnansprüche  konnte  der  Schadenminderungs-
pflicht  vorliegend  jedenfalls  nicht  mehr  genügen.  Die  erst  am  5.  Januar  2010  erfolgte 
schriftliche  Mahnung  der  Lohnausstände  seit  1.  Juni  2009,  mithin  nach  über  sieben 
Monaten unbezahlten Lohns vermögen aufgrund der geltenden Rechtslage nicht zu einer 
anderen Einschätzung zu führen.  

c) Da die versicherte Person gehalten ist, alles zu unternehmen, um ihre Ansprüche 
gegenüber  dem  Arbeitgeber  zu  wahren,  muss,  wie  dargestellt,  das  weitere  abwartende 
Verhalten  der  Beschwerdeführerin  ab  September  2009  vorliegend  im  Lichte  der  Recht-
sprechung  als  grobfahrlässig  beurteilt  werden.  Daran  vermag  nichts  zu  ändern,  dass  im 

 
 
 
 
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Verlauf  des  Monats  Oktober  2009  Gesprächsverhandlungen  mit  einem  neuen  Investor 
begonnen  haben,  und  offenbar  teilweise  auch  mit  der  Beschwerdeführerin.  Denn 
erfahrungsgemäss wird die Lage eines Arbeitgebers mit finanziellen Schwierigkeiten und 
fehlender  respektive  ungenügender  Arbeit  mit  fortschreitendem  Zeitablauf  wie  auch 
vorliegend  prekärer,  weshalb  die  Beschwerdeführerin  vier  Monate  nach  vollständig 
unbezahlt  gebliebenem  Lohn  erst  Recht  hätte  rechtliche  Schritte  zur  Realisierung  der 
erheblichen  Lohnausstände  unternehmen  müssen.  Die  Angaben  der  Beschwerdeführerin 
im Antrag auf Insolvenzentschädigung zeigen denn auch, dass sie in der Zeitspanne vom 
18. November  2009  bis  16.  Februar  2010  nicht,  allenfalls  weniger  als  ihr  vertragliches 
Pensum  gearbeitet  hat,  weil  "zu  wenig  Arbeit"  vorhanden  war.  Es  sei  ergänzend  darauf 
hingewiesen,  dass  es  aus  arbeitslosenversicherungsrechtlicher  Sicht  der  versicherten 
Person spätestens nach vier Monaten - vorliegend mithin spätestens ab Ende September 
- nicht mehr zumutbar ist, beim insolventen Arbeitgeber zu bleiben (vgl. Urteil C 214/04 
Erw. 3.3, 4.1 und 5.3). Verbleibt sie ohne Lohnbezug über diesen Zeitraum hinaus beim 
bisherigen Arbeitgeber, anstatt sich nach einer neuen Beschäftigung umzusehen, handelt 
sie  auf  eigenes  Risiko  (vgl. Urteil  C  163/06  Erw.  3.2;  ARV  2007  Nr.  4  S.  55). 
Entsprechend  vermag  die  Beschwerdeführerin  auch  mit  dem  Vorbringen,  am 
27. November  2009  [recte  26. November  2009]  sei  ein  Vertrag  über  eine  Kapital-
erhöhung zustande gekommen (vgl. Eingabe vom 14. Juli 2010), nichts zu ihren Gunsten 
ableiten.  Wie  sich  zudem  aus  dem  bei  den  Akten  liegenden  Urteil  des  Kantonsgerichts 
vom  4. Februar  2010,  2.  zivilrechtlicher  Appellationshof  (Verfahren  102  2009-xxx)  in 
tatsächlicher Hinsicht ergibt, wurde bereits am 22. August 2009 über die Firma A. AG im 
Betreibungsverfahren Nr. ______ eine Konkursandrohung ausgesprochen und schliesslich 
am  2. Dezember  2009  durch  den  Gerichtspräsidenten  des  _____-Bezirks  der  Konkurs 
eröffnet,  weil  die  Firma  A.  AG  eine 
in  Betreibung  gesetzte  Forderung  von 
8'010.95 Franken  nicht  bezahlt  hat,  was  schliesslich  auch  zur  Konkurseröffnung  per 
4. Februar 2010 geführt hat.     

Aufgrund  des  Dargelegten  ist  der  angefochtene  Einspracheentscheid  mithin  im  Ergebnis 
nicht  zu  beanstanden.  Der  Umstand,  dass  die  Vorinstanz  den  Anspruch  auf  Insolvenz-
entschädigung  zunächst  aus  einem  anderen  Grund  abgelehnt  hat,  stellt  vorliegend 
zumindest  keine  schwerwiegende  und  damit  unheilbare  Verletzung  des  rechtlichen 
Gehörs  dar,  konnte  sich  die  Beschwerdeführerin  im  vorinstanzlichen  Verfahren,  wie 
dargestellt,  insbesondere  dazu  äussern,  warum  sie  die  Lohnausstände  vor  der  ersten 
Konkurseröffnung gegenüber der ehemaligen Arbeitgeberin nur mündlich geltend machte 
(vgl. BGE 127 V 437 Erw. 3d/aa). 

Damit ist die Beschwerde abzuweisen.  

Gemäss dem hier zur Anwendung kommenden Prinzip der Kostenlosigkeit des Verfahrens 
(vgl. Art. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 AVIG) sind keine Gerichtskosten zu erheben. 

 
 
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D e r   H o f   e r k e n n t :  

I. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

II. 

Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

Gegen diesen Entscheid kann innerhalb einer Frist von 30 Tagen ab Erhalt beim Bundes-
gericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtlichen  Ange-
legenheiten  eingereicht  werden.  Diese  Frist  kann  weder  verlängert  noch  unterbrochen 
werden.  Die  Beschwerdeschrift  muss  in  drei  Exemplaren  abgefasst  und  unterschrieben 
werden.  Dabei  müssen  die  Gründe  angegeben  werden,  weshalb  die  Änderung  dieses 
Urteils verlangt wird. Damit das Bundesgericht die Beschwerde behandeln kann, sind die 
verfügbaren Beweismittel und der angefochtene Entscheid mit dem dazugehörigen Brief-
umschlag  beizulegen.  Das  Verfahren  vor  dem  Bundesgericht  ist  grundsätzlich  kosten-
pflichtig. 

6.506.4; 6.506.4.1; 6.506.45