# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8b62cdcc-daa3-5398-8ba5-a67e208b8524
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.08.2011 E-2323/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2323-2008_2011-08-16.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­2323/2008

U r t e i l   v om   1 6 .   Augus t   2 0 1 1  

Besetzung Richter Markus König (Vorsitz),
Richter Fulvio Haefeli, Richter François Badoud,
Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler.

Parteien A._______,
Irak,
(…),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 11. März 2008 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Gemäss  eigenen  Angaben  verliess  der  Beschwerdeführer  seinen 
Heimatstaat am 23. November 2006 über die Türkei. Anschliessend fuhr 
er  durch  ihm  angeblich  unbekannte  Länder  und  gelangte  am  15. 
Dezember 2006 illegal in die Schweiz, wo er gleichentags im Empfangs­ 
und Verfahrenszentrum (EVZ) Vallorbe um Asyl nachsuchte.

Nach  Transfer  ins  EVZ  Kreuzlingen  machte  der  Beschwerdeführer 
anlässlich der Befragung vom 22. Januar 2007 im EVZ und der Anhörung 
vom  26.  März  2007  durch  die  zuständige  kantonale  Behörde  zu  den 
Asylgründen  im  Wesentlichen  Folgendes  geltend:  Er  stamme  aus 
B._______  in der Provinz Dohuk.  Im Herbst 2006 habe er  in der Schule 
seine Freundin G. näher kennengelernt. Am 19. November 2006 habe er 
mit  ihr  sowie  dem  Schulkollegen  N.  mit  dem  Auto  seiner  Mutter  einen 
Ausflug  unternehmen  wollen.  Das  Auto  sei  aber  nicht  zur  Verfügung 
gestanden, weshalb sie  im Haus von N. verblieben seien. Dort sei es  in 
der  Folge  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  G.  zum 
Geschlechtsverkehr  gekommen.  Am  folgenden  Tag  hätten  sie  den 
Ausflug nachholen wollen,  jedoch habe unterdessen ein Cousin von G., 
dem  die  Ehe  mit  ihr  versprochen  worden  sei,  deren  Abwesenheit 
bemerkt.  Als  sich  der  Beschwerdeführer  erneut mit  G.  im Haus  von N. 
getroffen habe, sei jener Cousin in das Haus eingedrungen und habe den 
Beschwerdeführer  sowie  G.  mit  dem  Tod  bedroht.  Dem 
Beschwerdeführer  sei  es  dabei  gelungen,  das  Haus  zu  verlassen  und 
umgehend mit  einem Taxi  nach Dohuk  zu  seiner  Schwester  zu  fahren. 
Diese  habe  sich  darauf  zur  Abklärung  der  Situation  nach  B._______ 
begeben. Danach habe die Schwester dem Beschwerdeführer mitgeteilt, 
der Clan von G.  fordere seinen Tod. Derart an Leib und Leben bedroht, 
habe  er  am  23.  November  2006  mit  Unterstützung  seiner  Familie  den 
Nordirak verlassen.

Am  7.  Juni  2007  reichte  der  Beschwerdeführer  Farbkopien  seiner 
Identitätskarte sowie seines Nationalitätenausweises nach.

B. 
Mit Verfügung vom 11. März 2008  – eröffnet am 14. März 2008 – stellte 
das  BFM  im Wesentlichen  fest,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers 
hielten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  nicht  stand,  weshalb 
deren  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden  müsse.  Das  BFM  lehnte  das 

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Asylgesuch ab,  verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete 
deren Vollzug an.

C. 
Mit  Beschwerdeeingabe  vom  10.  April  2008  beantragte  der 
Beschwerdeführer materiell die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, 
die Gewährung von Asyl oder die Gewährung der vorläufigen Aufnahme 
und den Verzicht auf die Wegweisung und deren Vollzug. In prozessualer 
Hinsicht  beantragte  er  die Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege 
gemäss  Art. 65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968 
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie den Verzicht 
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

Als  Beweismittel  gab  er  Fotokopien  eines  Schreibens  der  Polizei  von 
B._______  vom  6.  April  2008  und  des  Schreibens  eines  irakischen 
Gerichts zu den Akten.

D. 
Mit  Instruktionsverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  17.  April 
2008  wurde  der  Beschwerdeführer  aufgefordert,  die  eingereichten 
Beweismittel  im  Original  samt  den  zugehörigen  Zustellumschlägen  und 
versehen mit einer vollständigen Übersetzung in eine Amtssprache sowie 
eine  Fürsorgebestätigung  nachzureichen.  Der  Entscheid  über  die 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1 
VwVG wurde auf später verschoben und kein Kostenvorschuss erhoben.

E. 
Mit  Eingabe  vom  29.  April  2008  reichte  der  Beschwerdeführer  zum 
Nachweis seiner prozessualen Bedürftigkeit einen Einkommensnachweis 
respektive eine Lohnabrechnung seines Arbeitgebers vom Februar 2008 
nach.

F. 
Mit Eingabe vom 13. Mai 2008 gab der Beschwerdeführer die Originale 
sowie  die  Übersetzungen  (nicht  aber  die  zugehörigen  originalen 
Zustellumschläge) der als Beweismittel eingereichten Dokumente zu den 
Akten.

G. 
Mit Zwischenverfügung vom 30. Mai 2011 wurde das BFM in Anwendung 
von Art. 57 Abs. 2 VwVG zur Vernehmlassung eingeladen.

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H. 
In  seiner  Vernehmlassung  vom  8.  Juni  2008  hielt  das  BFM  an  seinen 
Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  vollumfänglich  fest  und 
beantragte  die  Abweisung  des  Rechtsmittels.  Zu  den  eingereichten 
Dokumenten  hielt  es  zudem  fest,  wegen  deren  Fälschungsanfälligkeit 
komme diesen kein Beweiswert zu.

I. 
Mit  Instruktionsverfügung  vom  16.  Juni  2011  wurde  dem 
Beschwerdeführer Gelegenheit  zur  Stellungnahme  bis  zum 1.  Juli  2011 
eingeräumt.  Er  verzichtete  indessen  auf  die  Einreichung  einer 
Stellungnahme.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  Bundesamt  für  Migration 
(BFM)  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine 
Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet 
betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  im  Asylbereich  endgültig 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 
AsylG, Art. 52 VwVG). Der Beschwerdeführer ist durch die angefochtene 
Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an 
deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur 
Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die 
Beschwerde ist einzutreten.

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2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). (Art. 112 
Abs. 1 AuG i.V.m. Art. 49 VwVG).

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3. 
3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen 
(Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7 
AsylG).

4. 
4.1. In der Rechtsmitteleingabe hält der Beschwerdeführer einleitend fest, 
das BFM habe  sein Asylgesuch mangels Glaubhaftigkeit  abgelehnt  und 
daher  die  Asylrelevanz  seiner  Vorbringen  nicht  geprüft.  Seine 
Schilderungen  seien  plausibel.  Zur  Erklärung  gewisser  Ungereimtheiten 
macht  er  Verständigungsschwierigkeiten  mit  den  Übersetzern  geltend 
(vgl. Beschwerde S.  2  f.  und 4). Es  sei  nicht  verständlich, weshalb  das 
BFM seine Ausführungen als zu wenig konkret und detailliert bezeichnet 
habe. Er könne nun seine Aussagen durch ein Schreiben der Polizei von 
B._______ vom 6. April 2008 sowie ein gerichtliches Schreiben belegen 
(Originale  mit  Übersetzungen  mit  Eingabe  vom  13.  Mai  2008 
nachgereicht).  Zum Zeitraum  zwischen  dem Ereignis  und  der  Ausreise, 
der  vom BFM als  zu  kurz  bezeichnet worden  sei,  sowie  zum Umstand, 
dass  keine  Verhandlungen  zwischen  den  beteiligten  Familien  geführt 
worden seien, meint der Beschwerdeführer,  diese Elemente würden die 
entsprechenden  Vorbringen  nicht  unglaubhaft  machen.  So  sei  für  ihn 
sofort  eine  Ausreisemöglichkeit  gesucht  und  innert  weniger  Tage  ein 
Transport  gefunden  worden,  was  so  üblich  und  möglich  sei.  Zudem 
hätten  die  Eltern  der  Freundin  Verhandlungen  mit  seiner  Familie 

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abgelehnt. Die Freundin habe er aus Höflichkeit nie um ihr Alter gefragt. 
Was  ihre Ermordung  betreffe,  bestehe  kein Widerspruch,  habe  er  doch 
anlässlich der ersten Befragung davon noch nichts gewusst, sondern sei 
erst  vor  der  kantonalen  Anhörung  darüber  unterrichtet  gewesen  (vgl. 
Beschwerde S. 3). Schliesslich macht der Beschwerdeführer geltend, das 
BFM  habe  bei  der  Prüfung  der  Glaubhaftigkeit  die  falschen Massstäbe 
angelegt. Die Wahrscheinlichkeit, dass er die Wahrheit gesagt habe, sei 
aufgrund seiner Beschwerdevorbringen überwiegend (vgl. Beschwerde S. 
4).

4.2. Die Erwägungen des BFM in der angefochtenen Verfügung sind als 
insgesamt  zutreffend  und  nachvollziehbar  zu  beurteilen.  Die  in  der 
Beschwerde  dagegen  erhobenen  Einwände  vermögen  keineswegs  zu 
überzeugen  und  sind  insgesamt  vielmehr  als  unbehelfliche 
Erklärungsversuche sowie nachträgliche Anpassungen des Sachverhalts 
zu  qualifizieren.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  nach Durchsicht 
der  Akten  zum  Schluss,  dass  die  angefochtene  Verfügung  und  ihre 
einlässliche  Begründung  einer  Prüfung  standhalten.  Die  protokollierten 
Vorbringen des Beschwerdeführers hinterlassen einen unsubstanziierten, 
teilweise konstruiert wirkenden Eindruck und weisen auch einen geringen 
Anteil an so genannten Realitätskennzeichen auf.

4.2.1. Bei den angeblichen Verständigungsschwierigkeiten zwischen ihm 
und  dem  Dolmetscher  anlässlich  der  Anhörungen  hätten  einerseits 
unterschiedliche Dialekte  und  sein Respekt  und  seine Angst  gegenüber 
dem älteren Dolmetscher eine Rolle gespielt. 

Zunächst ist zu bemerken, dass bei den Befragungen je andere Personen 
die Übersetzungen besorgten und  in der Beschwerde nicht substanziiert 
wird,  um  welche  Person  es  sich  handle.  Sodann  bemerkt  der 
Beschwerdeführer in der Beschwerde selber, dass die fraglichen Dialekte 
trotz der Unterschiede nicht grundsätzlich  verschieden sind. Es  ist  nicht 
davon  auszugehen  dass  es  bei  der  Übersetzung  des  vom 
Beschwerdeführer  vorgebrachten  einfachen  Sachverhalts  effektiv 
Probleme  gegeben  hat.  Den  Protokollen  sind  auch  die  bei 
Verständigungsschwierigkeiten  üblicherweise  feststellbaren  Hinweise 
nicht zu entnehmen. Schliesslich wären solche Kommunikationsprobleme 
wohl  auch  der  bei  der  Anhörung  zu  den  Asylgründen  mitwirkenden 
Hilfswerksvertretung  aufgefallen,  die  ausdrücklich  darauf  verzichtet  hat, 
irgendwelche  Einwände  gegen  die  Art  der  Befragung  zu  Protokoll  zu 
geben. Der Beschwerdeführer hat zum Abschluss beider Befragungen die 

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Vollständigkeit  und  Richtigkeit  der  Protokolle  bestätigt  und  zudem 
angegeben,  den  jeweiligen  Dolmetscher  "gut"  zu  verstehen.  Der 
nachträgliche  Versuch  der  Erklärung  der  verschiedenen 
Aussagewidersprüche  und Ungereimtheiten  ist  bei  dieser  Aktenlage  als 
unbehelflich zu qualifizieren.

4.2.2.  In  Anbetracht  der  Akten  respektive  der  Anhörungsprotokolle  hat 
das  BFM mit  Bezug  auf  die  angebliche  Liebesaffäre  zu Recht  auf  eine 
wenig  konkrete  und  detailarme  Schilderung  der  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  und  auf  den  auffälligen  Mangel  an  spürbarer 
persönlicher Betroffenheit und an anderen Realkennzeichen hingewiesen 
(vgl.  angefochtene  Verfügung  S.  3).  An  der  Einschätzung  des  BFM, 
wonach die  vorgebrachten Ereignisse  konstruiert  und nicht  selbst  erlebt 
sind,  vermögen  auch  die  beiden  als  Beweismittel  eingereichten 
Dokumente  nichts  zu  ändern.  Nicht  nur  ist  die  Authentizität  dieser 
Dokumente  aufgrund  ihres  Erscheinungsbilds  fragwürdig;  sie  sind  auch 
inhaltlich mit den Angaben   des Beschwerdeführers nicht  in Einklang zu 
bringen (vgl. sogleich). 

4.2.3. Der Beschwerdeführer wendet in Bezug auf einen entsprechenden 
Vorhalt des BFM auch ein, er habe vom Tod der Freundin erst in der Zeit 
zwischen  der  Befragung  im  EVZ  und  der  Anhörung  beim  Kanton 
erfahren. Deshalb habe er den Tod seiner Freundin nicht schon  im EVZ 
erwähnt.  Dieser  Darstellung  steht  entgegen,  dass  im  angeblichen 
polizeilichen  Befragungsprotokoll  des  Beschwerdeführers  vom  21. 
November  2006  folgende  Aussage  steht:  "Ihre  Familie  erfuhr  es  am 
selben Tag, sie haben sie […] am gleichen Tag umgebracht. […] Und ich 
wiederhole, dass die Familie mir drohte mich auch zu töten".

4.2.4. Der Vollständigkeit halber bleibt festzuhalten, dass es sich bei den 
vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Asylgründen  um  ein  in  der 
Schweiz  geradezu  inflationär  vorgebrachtes  Standardvorbringen 
kurdisch­nordirakischer Asylbewerber handelt.

4.3.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer 
keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  glaubhaft  machen  oder  nachweisen 
kann.  Es  erübrigt  sich  daher,  auf  die  Ausführungen  in  der  Beschwerde 
weiter einzugehen. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers 
demnach zu Recht abgelehnt.

5. 

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5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9).

6. 
6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländerinnen und Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

6.2.  Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der 
vormaligen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser, 
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 11.148).

6.3. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den Heimat­, Herkunfts­ oder  in einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 
Abs. 3 AuG).

6.3.1. Keine  Person  darf  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 

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(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom 
4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder 
unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen 
werden.

6.3.2. Das BFM wies  in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 
hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt, 
die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen. Wie  oben  festgestellt,  erfüllt  der 
Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht.  Damit  kann  das  in 
Art. 5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­
Refoulements  im vorliegenden Verfahren keine Anwendung  finden. Eine 
Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Nordirak  ist  demnach  unter 
diesen Aspekt rechtmässig.

6.3.3. Weder  aus  den Aussagen  des Beschwerdeführers  noch  aus  den 
Akten ergeben sich Anhaltspunkte für die Annahme, dass er für den Fall 
einer Rückkehr  in den Nordirak dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124­127,  mit  weiteren 
Hinweisen).

6.3.4. Nach der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts  lässt schliesslich 
auch  die  allgemeine  Sicherheits­  und  Menschenrechtslage  in  den  drei 
kurdischen  Provinzen  Dohuk,  Erbil  und  Suleimaniya  (vgl.  hierzu  die 
nachfolgende  Erwägung  6.4),  entgegen  den  Behauptungen  des 
Beschwerdeführers,  den  Wegweisungsvollzug  nicht  als  unzulässig 
erscheinen.

6.3.5. Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im 
Sinn der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

6.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat 

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aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und 
medizinischer Notlage konkret gefährdet sind.

6.4.1. Das Bundesverwaltungsgericht  geht  gemäss  seiner  nach wie  vor 
aktuellen  Praxis  davon  aus,  dass  in  den  drei  kurdischen  Provinzen 
Dohuk, Erbil  und Suleimaniya  heute  keine Situation  allgemeiner Gewalt 
herrscht und die dortige politische Lage nicht dermassen angespannt ist, 
dass  eine  Rückführung  dorthin  generell  als  unzumutbar  betrachtet 
werden müsste  (vgl.  BVGE  2008/5 E.  7.5 S. 65  ff.).  Zusammenfassend 
wird  im  zitierten  Leitentscheid  festgehalten,  dass  die  Anordnung  des 
Wegweisungsvollzugs  in  der  Regel  für  alleinstehende,  gesunde  und 
junge  kurdische Männer,  die  ursprünglich  aus einer  der  drei  kurdischen 
Provinzen  stammen  oder  eine  längere  Zeit  dort  gelebt  haben  und  dort 
nach  wie  vor  über  ein  soziales  Netz  (Familie,  Verwandtschaft  oder 
Bekanntenkreis) oder Parteibeziehungen verfügen, zumutbar ist, während 
für alleinstehende Frauen und für Familien mit Kindern sowie für Kranke 
und  Betagte  bei  der  Feststellung  der  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  grosse  Zurückhaltung  angebracht  ist  (vgl.  a.a.O., 
E. 7.5.8).

6.4.2. Die Sicherheitslage  in den drei kurdischen Provinzen hat sich seit 
Publikation  des  erwähnten  Urteils  nicht  verschlechtert,  im  Gegenteil.  In 
der  überwiegenden  Mehrheit  der  Berichte  von  Regierungs­  und 
Nichtregierungsorganisationen  sowie  des  UN­Sicherheitsrats  wird  eine 
insgesamt stabile Situation beschrieben (vgl. statt vieler Quellen: Amt des 
Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen [UNHCR], Note on 
the Continued Applicability of the April 2009 UNHCR Eligibility Guidelines 
for Assessing the International Protection Needs of Iraqi Asylum­Seekers, 
Juli 2010, S. 2 f.).

6.4.3.  Der  Beschwerdeführer  ist  ein  junger  und  lediger  Mann,  soweit 
aktenkundig ohne gesundheitliche Probleme. Er ist kurdischer Ethnie und 
Sprache  und  hat  gemäss  eigenen  Angaben  von  seiner  Geburt  bis  am 
22. November 2006 (Tag vor der Ausreise)  in der Provinz Dohuk gelebt. 
Dort ist auch seine Familie (Eltern, (…) Brüder, (…) Schwestern und (…) 
Onkel) ansässig. Neben dem  familiären Beziehungsnetz dürfte er  in der 
Provinz  Dohuk  über  weitere  soziale  Anknüpfungspunkte  verfügen. 
Er verfügt  über  eine  ordentliche  Schulbildung  und  war  bis  zur  Ausreise 
angeblich nicht erwerbstätig. Vorliegend kann aufgrund der Akten davon 
ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer nach seiner Rückkehr 
in den Nordirak in der Lage sein wird, sich mit Hilfe seiner Verwandtschaft 

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sowie  aufgrund  seiner  Auslanderfahrung  eine  tragfähige  Existenz 
aufzubauen. Es ist demnach nicht davon auszugehen, dass er bei seiner 
Rückkehr  in  die  Heimatstadt  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher, 
sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation 
geraten würde.

6.5.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung 
sowohl aufgrund der allgemeinen Sicherheitslage  in den drei kurdischen 
Provinzen als auch in individueller Hinsicht als zumutbar.

6.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG), 
weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

7. 
Insgesamt  ist  die  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung  zu 
bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  deren  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig, 
zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt die beantragte 
Anordnung der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art.  83 Abs.  1­4 
AuG).

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG).

9. 
Dem  in  der  Beschwerde  gestellten  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  kann  nicht 
entsprochen werden: Der Beschwerdeführer  ist  offenbar  seit Mitte  2007 
ununterbrochen  erwerbstätig  und  kann  deshalb  praxisgemäss  nicht  als 
bedürftig  im  Sinn  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  bezeichnet  werden.  Das 
Gesuch ist deshalb abzuweisen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils 
zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kantonale 
Migrationsbehörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Markus König Rudolf Bindschedler

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