# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f8e41601-0098-5804-bd63-23eaf501ba72
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-03-23
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Zivilkammer 23.03.2010 ZK1 2009 47
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_006_ZK1-2009-47_2010-03-23.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 23. März 2010 Schriftlich mitgeteilt am:
ZK1 09 47

Urteil 
I. Zivilkammer

Vorsitz Michael Dürst
Richter Brunner und Schlenker
Redaktion Aktuarin ad hoc Küng

In der Zivilsache

der A., Gesuchstellerin, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Tanja Heller, Via 
Stredas 4, 7500 St. Moritz, 

gegen

die V o r m u n d s c h a f t s b e h ö r d e  X . , Gesuchsgegnerin, die 
V o r m u n d s c h a f t s b e h ö r d e  Y . , Gesuchsgegnerin und die 
V o r m u n d s c h a f t s b e h ö r d e  Z . , Gesuchsgegnerin,

betreffend örtliche Zuständigkeit 
(negativer Kompetenzkonflikt; B.),

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. Nachdem sich die Eheleute A. und B. im Herbst 2008 getrennt hatten, reiste 
B. am 3. November 2008 von seinem Wohnsitz in C. in seine Heimat F.. Dort zog 
er sich Ende Dezember 2008 bei einem Verkehrsunfall schwere Kopfverletzungen 
zu, worauf er hospitalisiert werden musste und längere Zeit im Koma lag.

Anfang Februar 2009 wurde er auf Initiative seiner Ehefrau A. mit der Rega in die 
Schweiz bzw. ins Kantonsspital D. überführt, wo er sich weiteren Operationen 
unterziehen musste. 

Ab März 2009 folgte eine Reha in Bellikon/AG, wo er schliesslich Ende April 2009 
vollständig aus dem Koma erwachte. Anschliessend wurde er am 20. August 2009 
ins Wohnheim G. in E. überführt, wo sich sein Zustand stabilisieren konnte. 
Gemäss Mitteilung des Wohnheims G. reiste B. am 23. Dezember 2009 nach 
Banja Luka aus. 

Laut Auskunft der Gemeindeverwaltung C. wurde B. anlässlich des Umzugs seiner 
Ehefrau A. von C. nach D. am 30. Juni 2009 in C. ab- und am 1. Juli 2009 in D. 
angemeldet. 

B. Im Zusammenhang mit dem am 3. September 2009 beim 
Bezirksgerichtspräsidium Plessur eingeleiteten Verfahren um Erlass von 
Eheschutzmassnahmen liess A. am 4. September 2009 bei der 
Vormundschaftsbehörde des Kreises D. einen Antrag auf Anordnung von 
vormundschaftlichen Massnahmen für B. stellen. Aufgrund der beim Unfall von 
Ende Dezember 2008 zugezogenen Kopfverletzungen sei er mit grosser 
Wahrscheinlichkeit nicht in der Lage, die Angelegenheit zu verstehen und seine 
Rechte zu wahren, so die Begründung des Antrages. 

In der Folge informierte die Vormundschaftsbehörde des Kreises D. die 
Rechtsvertreterin von A. telefonisch, dass sie sich in vorliegender Angelegenheit 
als nicht zuständig erachte, und verwies diese unter Hinweis auf den letzten 
Wohnsitz von B. vor dem Unfall an die Vormundschaftsbehörde der Kreise Z.. Am 
9. September 2009 gelangte die Gesuchstellerin daher an die 
Vormundschaftsbehörde Z., welche ihre Zuständigkeit mit Schreiben vom 30. 
September 2009 jedoch ebenfalls ablehnte. Zur Begründung machte sie geltend, 
dass B. nach der Trennung von seiner Ehefrau die Schweiz mit dem Willen 
verlassen habe, die eheliche Gemeinschaft definitiv aufzugeben und nach F. 
zurückzukehren, wo er unmittelbar einen neuen Wohnsitz begründet habe. Der 

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letzte Wohnsitz liege daher nicht in C., sondern in F., wo allerdings die Errichtung 
einer vormundschaftlichen Vertretung nur schwer verlangt werden könne. Im 
Sinne einer pragmatischen Lösung sei daher die Zuständigkeit der 
Vormundschaftsbehörde in D. zu bejahen, wo B. mittlerweile offiziell angemeldet 
sei und auch das Eheschutzverfahren hängig sei. Zudem seien sowohl seine 
Ehefrau und seine Ansprechperson von der Pro Infirmis in D. wohnhaft. 

Auf den ihr direkt zugestellten Entscheid der Vormundschaftsbehörde Z. reagierte 
die Vormundschaftsbehörde X. mit Schreiben vom 9. Oktober 2009 zuhanden der 
Vormundschaftsbehörde Y., worin sie darlegte, dass B. seinen in F. begründeten 
Wohnsitz mit der Rückkehr in die Schweiz wieder aufgegeben habe, er mangels 
bewusster Wahl eines neuen Aufenthaltsortes aber keinen neuen Wohnsitz 
begründet habe, weshalb sich sein abgeleiteter Wohnsitz gestützt auf Art. 20 Abs. 
1 lit. b IPRG aufgrund seines Aufenthaltes bestimme. Sein Wohnsitz befinde sich 
daher in E., was auch gelte, wenn der Aufenthalt in E. bloss als schlichter 
Aufenthalt betrachtet werden könne; diesfalls gelange nämlich Art. 24 Abs. 2 ZGB 
zur Anwendung, wonach der Aufenthaltsort als Wohnsitz gelte, während Art. 26 
ZGB in dieser Konstellation nicht greifen könne. Vorliegend sei daher die 
Vormundschaftsbehörde Y. für die Anordnung vormundschaftlicher Massnahmen 
zuständig. 

Mit an die Vormundschaftsbehörde Z. adressiertem Schreiben vom 28. Oktober 
2009 verneinte schliesslich auch die Vormundschaftsbehörde Y. ihre 
Zuständigkeit. In ihrer Begründung berief sie sich darauf, dass sich B. bei seiner 
Abreise nach F. in C. nicht abgemeldet habe, was gegen eine Wohnsitznahme in 
F. bzw. eine Aufgabe des Wohnsitzes in C. spreche. Nach seinem Unfall habe er 
aufgrund der eingetretenen Urteilsunfähigkeit keinen neuen Wohnsitz mehr 
begründen können und auch die Unterbringung im Wohnheim G. habe gemäss 
Art. 26 ZGB keinen Wohnsitz begründet. Aufgrund dieser Sach- und Rechtslage 
sei davon auszugehen, dass der Wohnsitz in C. im Zuständigkeitsbereich der 
Vormundschaftsbehörde Z. nicht aufgegeben worden sei und dieser somit gemäss 
Art. 24 Abs. 1 ZGB nach wie vor bestehe. 

C. Am 27. November 2009 wandte sich A. an das Kantonsgericht Graubünden 
mit dem Begehren, es sei in der genannten Angelegenheit die örtliche 
Zuständigkeit für die Anordnung vormundschaftlicher Massnahmen für Herrn B., 
mit derzeitigem Aufenthalt im Wohnheim G. gerichtlich festzustellen. 

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In ihren Vernehmlassungen vom 16. Dezember 2009 (Vormundschaftsbehörde 
der Kreise Z.), 17. Dezember 2009 (Vormundschaftsbehörde Y.) und 22. 
Dezember 2009 (Vormundschaftsbehörde des Kreises D.) stellten alle drei 
Vormundschaftsbehörden den Antrag, sie seien als nicht zuständig zu erklären, 
wobei sie an den vorgängig geäusserten Auffassungen festhielten. 

II. Erwägungen

1. Art. 42 EG zum ZGB enthält für den Vormundschaftsbereich zum einen 
eine funktionelle Kompetenzausscheidung zwischen dem 
Bezirksgerichtsausschuss als erster und dem Kantonsgericht als zweiter 
Aufsichtsbehörde, wobei die in Abs. 1 genannten Zustimmungs- und 
Entscheidungszuständigkeiten der unteren Aufsichtsbehörde lediglich 
beispielhafter Natur sind. Zum andern wird gemäss Abs. 2 dem Kantonsgericht als 
zweiter Aufsichtsbehörde zusätzlich die Oberaufsicht über das 
Vormundschaftswesen übertragen. Gestützt darauf obliegen ihm jene Aufgaben, 
welche vernünftigerweise nur von einer einzigen Instanz wahrgenommen werden 
können. Dazu gehört unter anderem der Entscheid über negative 
Kompetenzkonflikte zwischen mehreren Vormundschaftsbehörden, die ihrerseits 
unterschiedlichen erstinstanzlichen Aufsichtsbehörden unterstellt sind (vgl. PKG 
2008 Nr. 1 S. 7 Erw. 1). Dies ist vorliegend der Fall, weshalb die Zuständigkeit des 
Kantonsgerichts gegeben ist.

2. Gemäss Art. 373 Abs. 1 ZGB bestimmen die Kantone die für die 
Entmündigung zuständigen Behörden sowie das Verfahren im Zusammenhang mit 
Bevormundungsfällen. Damit bestimmt grundsätzlich auch das kantonale Recht, 
wer zur Einleitung eines Entmündigungsverfahrens berechtigt ist. Von 
Bundesrechts wegen zur Verfahrenseinleitung legitimiert sind indessen – 
abgesehen von der betroffenen Person selbst (Art. 372 ZGB) und der 
Vormundschaftsbehörde des Heimatortes (Art. 378 ZGB) – auch alle nach Art. 328 
ZGB unterstützungspflichtigen und unterstützungsberechtigten Verwandten unter 
Einschluss des Ehegatten. Die Legitimation der entsprechenden Verwandten 
umfasst nicht bloss ein Anzeigerecht, sondern einen bundesrechtlichen Anspruch 
auf einen Sachentscheid, den sie gegebenenfalls auch ans Bundesgericht 
weiterziehen können (vgl. Thomas Geiser, Basler Kommentar ZGB I, 3. Auflage, 
Basel 2006, N 8 zu Art. 373 ZGB; BGE 112 II 481 ff.). Betreffend die 
Beistandschaft ist in Art. 397 Abs. 1 ZGB bestimmt, dass für das Verfahren die 
gleichen Vorschriften gelten wie für die Bevormundung. Dieser Verweis erfasst 
auch die Regeln über den Kreis der antragsberechtigten Personen. Zur 

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Beantragung einer Beistandschaft legitimiert ist daher, wer daran ein rechtlich 
relevantes Interesse hat, was beim Bestehen von Unterhalts- und 
Unterstützungspflichten jedenfalls zu bejahen ist (vgl. Geiser, a.a.O., N 9 zu Art. 
397 ZGB; BGE 120 II 8). Als Ehefrau des B. ist A. somit legitimiert, die Prüfung 
vormundschaftlicher Massnahmen für denselben zu beantragen. Dies muss auch 
das Recht beinhalten, im Falle eines negativen Kompetenzkonfliktes die örtlich 
zuständige Vormundschaftsbehörde bestimmen zu lassen. Entsprechend ist ihre 
Legitimation auch im vorliegenden Verfahren zu bejahen. 

3. In ihren Vernehmlassungen berufen sich die involvierten 
Vormundschaftsbehörden einerseits auf Art. 20 IPRG und andererseits auf Art. 23 
ff. ZGB. Dabei übersehen sie, dass die genannten Bestimmungen bei 
internationalen Sachverhalten im Bereich des Vormundschaftsrechts gar nicht zur 
Anwendung gelangen. Vielmehr verweist Art. 85 Abs. 2 IPRG diesbezüglich auf 
das Haager Übereinkommen über den internationalen Schutz von Erwachsenen 
(HESÜ), welches in der Schweiz am 1. Juli 2009 mit Wirkung gegenüber allen 
schutzbedürftigen Erwachsenen, die aus der Sicht der mit der Anordnung einer 
Schutzmassnahme befassten schweizerischen Behörde einen ausländischen 
gewöhnlichen Aufenthalt im Sinne des HESÜ oder eine ausländische 
Staatsangehörigkeit besitzen, in Kraft getreten ist. Das Abkommen entfaltet damit 
eine sog. erga-omnes-Wirkung und ist unabhängig davon, ob der Schutzbedürftige 
einem Vertragsstaat angehört, anwendbar. B. ist Bosnischer Staatsangehöriger 
mit einer Aufenthaltsbewilligung B. Für die Frage nach der örtlich zuständigen 
Vormundschaftsbehörde, die sich erstmals nach dem Antrag an die 
Vormundschaftsbehörde X. vom 
4. September 2009 (act. 01.1) gestellt hat, ist nach dem Gesagten das HESÜ 
massgebend. 

4. Das HESÜ regelt grundsätzlich nur die internationale Zuständigkeit und 
überlässt die Regelung der innerstaatlichen örtlichen Zuständigkeit dem 
autonomen Recht der Vertragsstaaten. In der Schweiz normiert das IPRG gemäss 
herrschender Lehre und Rechtsprechung zusammen mit der direkten 
internationalen Zuständigkeit aber auch die örtliche Zuständigkeit in 
abschliessender Form. Damit sind die im Übereinkommen verwendeten 
Anknüpfungskriterien auch für die Bestimmung der innerstaatlichen örtlichen 
Zuständigkeit bei internationalen Sachverhalten heranzuziehen, ohne dass auf die 
Normen des ZGB zurückgegriffen werden muss (vgl. Füllemann Daniel, Das 
internationale Privat- und Zivilprozessrecht des Erwachsenenschutzes, St. Gallen 
2008, N 127 mit weiteren Hinweisen; BGE 124 III 179).

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5. a) Art. 5 Abs. 1 HESÜ bestimmt, dass die Behörden des Vertragsstaates, in 
dem der Erwachsene seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat, zuständig sind, 
Massnahmen zum Schutz der Person oder des Vermögens des Erwachsenen zu 
treffen. Der Anknüpfungsbegriff des gewöhnlichen Aufenthalts im Sinne des HESÜ 
ist dabei vertragsautonom auszulegen und nicht nach Art. 20 Abs. 1 lit. b IPRG zu 
definieren (vgl. Catherine Westenberg, Basler Kommentar zum IPRG, Basel 2007, 
N 27 zu Art. 20 IPRG; Ivo Schwander, Basler Kommentar zum IPRG, Basel 2007, 
N 27 zu Art. 85 IPRG; Füllemann, a.a.O., N 129). 

b) Mit dem gewöhnlichen Aufenthalt ist im Rahmen der Haager Konventionen 
der tatsächliche Mittelpunkt der Lebensführung gemeint. Der Anknüpfungsbegriff 
soll damit zur Zuständigkeit am Ort des sozialen Umfelds führen und 
dementsprechend am Ort liegen, an dem die betroffene Person sozial (d.h. 
familiär, schulisch, beruflich) eingebettet und integriert ist. Der Begriff ist demnach 
in erster Linie qualitativen Charakters. Die Dauer eines Aufenthalts bzw. der 
physischen Präsenz an einem Ort ist für sich alleine nicht entscheidend, 
wenngleich eine - allerdings keineswegs ununterbrochene - Anwesenheit schon 
aus rein grammatikalischen Gründen für die Bejahung eines „Aufenthalts“ 
unentbehrlich ist. Ebenso wenig ist der Wille des Betroffenen per se 
ausschlaggebend, auch wenn jener oftmals die massgebende soziale Integration 
zur Folge hat und ihm deshalb durchaus Indizcharakter zukommt. Von zentraler 
Bedeutung ist indessen, an welchem Ort insgesamt der Schwerpunkt der 
bestehenden Beziehungen bzw. der Daseins- und Lebensmittelpunkt liegt. Dabei 
sind nebst der tatsächlichen Aufenthaltsdauer sämtliche nach aussen 
wahrnehmbare Gegebenheiten, wie etwa die familiären und beruflichen 
Bindungen, die erlebte Schul- und/oder Berufsausbildung, Sprachkenntnisse, 
Wohnverhältnisse und Freizeitaktivitäten, zu berücksichtigen. All diesen Kriterien 
kommt aber - wie erwähnt - nur Indizwirkung zu und es ist jeweils anhand einer 
genauen Einzelfallanalyse festzustellen, ob sich am fraglichen Ort auch tatsächlich 
ein Lebensmittelpunkt gebildet hat (vgl. Füllemann, a.a.O., N 130). 

c) Als wichtiges Indiz für die Begründung eines gewöhnlichen Aufenthaltes gilt 
die tatsächliche Aufenthaltsdauer, zumal sich bereits aus der Verwendung des 
Adjektivs "gewöhnlich" das Erfordernis einer gewissen Kontinuität und 
Beständigkeit ergibt. Hinsichtlich der erforderlichen Mindestdauer des Aufenthaltes 
für das Vorliegen eines Indizes gehen Lehre und Rechtsprechung der einzelnen 
Mitgliedstaaten der Haager Konferenz allerdings weit auseinander. Immerhin lässt 
sich im Sinne einer Faustregel festhalten, dass bei Minderjährigen mindestens ein 
Aufenthalt von einem halben Jahr vorausgesetzt wird, während bei Erwachsenen 

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– als Folge der tendenziell länger dauernden sozialen Integration -  sogar von 
einem Zeitraum von einem Jahr ausgegangen wird, sofern nicht andere Indizien 
(wie z.B. ein freiwilliger Eintritt in ein Altersheim) schon vorher eindeutig für die 
Begründung eines neuen Lebensmittelpunktes sprechen (vgl. Füllemann, a.a.O., 
N 133 ff.).

d) Kontrovers diskutiert wird in der Lehre auch die Frage des Erfordernisses 
der Urteilsfähigkeit zur Begründung eines Lebensmittelpunktes. Dem Argument 
des Missbrauchsrisikos wird dabei entgegengehalten, dass der Begriff des 
gewöhnlichen Aufenthaltes in den Haager Konventionen sich an den nach aussen 
hin wahrnehmbaren Gegebenheiten und nicht nach einem inneren Willen der 
betreffenden Person orientiere. Damit einerseits der besonderen 
Schutzbedürftigkeit der Erwachsenen im Sinne des HESÜ und andererseits der 
Konzeption der Haager Übereinkommen angemessen Rechnung getragen wird, 
ist eine differenzierte Vorgehensweise angebracht. Auch wenn die Urteilsfähigkeit 
bezüglich der sozialen Integration keine Voraussetzung für die Begründung eines 
gewöhnlichen Aufenthaltes im Sinne des Haager Übereinkommens bildet, so ist 
bei einem nicht mehr urteilsfähigen Erwachsenen, der noch in urteilsfähigem 
Zustand den bisherigen gewöhnlichen Aufenthalt begründet hat und bei dem ein 
Wechsel des Aufenthalts in einen anderen Staat veranlasst wird, dieser neue 
Aufenthalt als unfreiwilliger Aufenthalt zu betrachten und dementsprechend ein 
Wechsel des gewöhnlichen Aufenthaltes nicht leichthin anzunehmen. Gleiches 
gilt, wenn der Erwachsene aufgrund der eingetretenen Urteilsfähigkeit nicht mehr 
an den früher begründeten gewöhnlichen Aufenthalt zurückkehren kann. 
Infolgedessen wird regelmässig eine deutlich längere Verweildauer als eine solche 
von einem Jahr im neuen Aufenthaltsstaat erforderlich sein, um den letzten selbst 
begründeten gewöhnlichen Aufenthalt abzulösen (vgl. Füllemann, a.a.O., N 149 
ff.). 

6. a) In casu ist unbestritten, dass B. bis November 2008 seinen gewöhnlichen 
Aufenthalt in C. hatte. Fraglich ist, ob B. mit der im November 2008 erfolgten 
Rückreise nach F. einen neuen gewöhnlichen Aufenthalt begründet hat. Die 
Vormundschaftsbehörde des Kreises Z. macht in diesem Zusammenhang geltend, 
er habe damals seine persönlichen Sachen mitgenommen und sei mit dem Willen 
nach F. zurückgekehrt, die eheliche Gemeinschaft definitiv aufzugeben. Dieses 
Verhalten, so die Vormundschaftsbehörde Z. zeige deutlich, dass B. seine Ehefrau 
und C. endgültig habe verlassen wollen. Ausser Betracht gelassen hat die 
Vormundschaftsbehörde Z. dabei, dass B. seine Papiere weiterhin in der Schweiz, 
nämlich in C., belassen hat. Gegen die Annahme einer definitiven Rückkehr nach 

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F. spricht zudem der Umstand, dass seine Familie, insbesondere seine am 11. 
Juni 2007 geborene Tochter, weiterhin in der Schweiz lebt. Wie bereits erwähnt, 
war B. sodann Inhaber einer Aufenthaltsbewilligung B, welche ihn zur Ausübung 
einer Erwerbstätigkeit in der Schweiz berechtigte. Vor dem Hintergrund dieser 
Arbeitsmöglichkeit und den bekanntlich besseren wirtschaftlichen Bedingungen in 
der Schweiz ist eine Aufgabe des hiesigen gewöhnlichen Aufenthaltes nicht 
leichthin anzunehmen. Zudem hielt sich B. bis zu seinem Unfall nicht einmal zwei 
Monate in F. auf. Diese kurze Aufenthaltsdauer in F. vermag unter 
Berücksichtigung aller oben genannten Gegebenheiten noch keine Verlegung des 
gewöhnlichen Aufenthaltes zu begründen. 

b) Dasselbe gilt auch bezüglich einer allfälligen Neubegründung des 
gewöhnlichen Aufenthaltes nach der Rückkehr in die Schweiz Anfang Februar 
2009, waren doch die Aufenthalte an den verschiedenen Orten, sei es im 
Kantonsspital D., der Reha in Bellikon oder später im Wohnheim G., nur jeweils 
von kurzer Dauer und allein durch den Gesundheitszustand von B. bedingt. Von 
einer Verlegung des gewöhnlichen Aufenthaltes an einen dieser Orte kann 
demzufolge von vornherein nicht ausgegangen werden. Dazu kommt, dass die 
Urteilsfähigkeit von B. aufgrund der schweren Verletzungen, die er sich bei dem 
Verkehrsunfall im Dezember 2008 zugezogen hat, stark beeinträchtigt wurde. Ein 
Wechsel seines gewöhnlichen Aufenthaltes kann daher nicht leichthin 
angenommen werden und würde eine umso längere Aufenthaltsdauer an einem 
Ort voraussetzen.

c) Bis zur Einreichung des Gesuches um Prüfung vormundschaftlicher 
Massnahmen hat B. demnach weder in F. noch in der Schweiz einen neuen 
gewöhnlichen Aufenthalt begründet. Damit stellt sich die Frage, ob allenfalls eine 
Anwendbarkeit des Art. 6 Abs. 2 HESÜ gegeben ist. Dieser sieht vor, dass für 
Erwachsene, deren gewöhnlicher Aufenthalt nicht festgestellt werden kann, die 
Behörden des Vertragsstaates, in dem sich der Betroffene befindet, zuständig 
sind. Dieser Fall muss jedoch deutlich von demjenigen des Wechsels des 
gewöhnlichen Aufenthaltes nach Art. 5 Abs. 2 HESÜ unterschieden werden. Art. 6 
Abs. 2 HESÜ soll nämlich nicht dazu benutzt werden, um den Behörden dieses 
letztgenannten Staates unverzüglich eine allgemeine Zuständigkeit zu verleihen 
mit der Begründung, dass der Erwachsene seinen früheren gewöhnlichen 
Aufenthalt verloren habe, ohne wieder einen neuen erworben zu haben. Eine 
derartige Auslegung wäre besonders gefährlich, wenn der Wechsel des 
Aufenthaltes des Erwachsenen ohne seine Zustimmung beschlossen wurde. 
Bevor Art. 6 Abs. 2 HESÜ greifen kann, ist daher eine angemessene Wartezeit 

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erforderlich, um die Gewissheit zu haben, dass der ordnungsgemäss begründete 
frühere gewöhnliche Aufenthalt endgültig aufgegeben wurde. Bei einem Wechsel 
des gewöhnlichen Aufenthalts von einem Staat in einen anderen behalten 
demnach die Behörden des früheren gewöhnlichen Aufenthalts ihre Zuständigkeit, 
solange der Erwachsene keinen gewöhnlichen Aufenthalt in dem Staat, in den er 
umgezogen ist, erworben hat (vgl. Paul Lagarde, Rapport explicatif sur la 
Convention concernant la protection des adultes, in: Actes et documents 1999, S. 
390 ff. N 55). Im Anwendungsbereich des HESÜ besteht somit eine ähnliche 
Rechtslage, wie sie das schweizerische Recht in Art. 24 Abs. 1 ZGB für den Fall 
eines Wohnsitzwechsels vorsieht. Damit steht fest, dass allfällige 
vormundschaftliche Massnahmen für B. von den Behörden an seinem früheren 
gewöhnlichen Aufenthalt zu ergreifen sind, weshalb das von der Ehefrau 
eingereichte Gesuch in die Zuständigkeit der Vormundschaftsbehörde Z. fällt. 

7. An diesem Ergebnis nichts zu ändern vermag der Umstand, dass B. am 23. 
Dezember 2009 offenbar wieder aus der Schweiz ausgereist ist, selbst wenn diese 
Ausreise nunmehr zwecks definitiven Verbleibs in F. erfolgt sein sollte. F. ist nicht 
Vertragsstaat des HESÜ. Dies führt dazu, dass Art. 5 Abs. 2 HESÜ, der vorsieht, 
dass bei einem Wechsel des gewöhnlichen Aufenthalts des Erwachsenen in einen 
anderen Vertragsstaat die Behörden des Staates des neuen gewöhnlichen 
Aufenthaltes zuständig sind, nicht anwendbar ist. In diesem Fall ist nach 
autonomem internationalem Zivilprozessrecht (IZPR) zu entscheiden, ob eine 
Fortdauer der Zuständigkeit bejaht oder verneint werden soll. Gemäss 
herrschender Lehre und bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird für das 
schweizerische IZPR im Allgemeinen eine perpetuatio fori bejaht. Im Verhältnis zu 
einem Nichtvertragsstaat muss dies grundsätzlich auch im Bereich des 
Erwachsenenschutzes gelten. Wie im Bereich des Minderjährigenschutzes liesse 
sich eine Ablehnung der perpetuatio fori nämlich höchstens dann rechtfertigen, 
wenn der schutzbedürftige Erwachsene im Nichtvertragsstaat nicht der Gefahr 
ausgesetzt wäre, in einem negativen Kompetenzkonflikt letztlich ohne Schutz 
dazustehen (vgl. Füllemann, a.a.O., N 550 mit weiteren Hinweisen; BGE 129 III 
404, 406; BGE 116 II 209, 212). Zumindest solange als keine Gewähr dafür 
besteht, dass am neuen Aufenthaltsort die erforderlichen Schutzmassnahmen 
ergriffen werden, muss daher die Zuständigkeit der schweizerischen Behörden, in 
casu also der Vormundschaftsbehörde Z., bestehen bleiben. 

8. a) Bei diesem Verfahrensausgang gehen die amtlichen Kosten in analoger 
Anwendung von Art. 63 Abs. 2 EGzZGB zu Lasten des Kantons Graubünden. 
Vorliegend handelt es sich zwar nicht um ein eigentliches Rechtsmittelverfahren, 

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in dem die Gesuchstellerin obsiegt hat. Nachdem sämtliche involvierten 
Vormundschaftsbehörden ihre Zuständigkeit abgelehnt haben, liegt aber eine 
vergleichbare Interessenlage wie in einem Beschwerdeverfahren vor, weshalb der 
Gesuchstellerin, die mit ihrem berechtigten Anliegen durchgedrungen ist, keine 
Kosten auferlegt werden können. Umgekehrt kann auch der als zuständig 
erklärten Vormundschaftsbehörde Z. kein grobes Fehlverhalten vorgeworfen 
werden, welches eine ausnahmsweise Kostenüberbindung rechtfertigen würde. 
Die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 1'500.-- gehen daher vollumfänglich zu 
Lasten des Kantons Graubünden.

b) Bezüglich der ausseramtlichen Kosten sieht Art. 58 Abs. 3 EGzZGB in 
Verbindung mit Abs. 4 EGzZGB vor, dass jener Person, welche sich erfolgreich in 
einem Verfahren mit der Vormundschaftsbehörde durchgesetzt hat, vor allen 
Instanzen eine Parteientschädigung zu Lasten der Gerichtskasse - oder 
ausnahmsweise zu Lasten der Vormundschaftsbehörde - zugesprochen werden 
kann (vgl. PKG 1995 Nr. 6, Erw. 4b). Es erscheint daher als angemessen, der 
Gesuchstellerin für ihren Aufwand eine Entschädigung von Fr. 1'500.-- 
zuzusprechen. Diese ausseramtliche Entschädigung geht ebenfalls zu Lasten des 
Kantons Graubünden. 

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III. Demnach wird erkannt

1. Für die Anordnung allfälliger vormundschaftlicher Massnahmen gegenüber 
B. wird die Vormundschaftsbehörde Z. als zuständig erklärt.

2. Die Kosten dieses Verfahrens von Fr. 1'500.-- gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden, der die Gesuchstellerin zudem ausseramtlich mit 
Fr. 1'500.-- (inkl. MwSt.) zu entschädigen hat.

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 72 des 
Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Zivilsachen an das 
Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, geführt werden. Die 
Beschwerde ist dem Bundesgericht schriftlich, innert 30 Tagen seit 
Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in der gemäss 
Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Zulässigkeit, 
die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen und das 
Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 72 ff. und Art. 90 ff. BGG.

4. Mitteilung an: