# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fcb94bd3-cb0c-5a4d-97ae-afa09beac42c
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-08-23
**Language:** de
**Title:** Einschätzungen 2006 und 2007
**Docket/Reference:** ST.2010.122
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_ST_2010_122_123_oi.pdf

## Full Text

STEUERREKURSKOMMISSION II 
DES KANTONS ZÜRICH 

2 ST.2010.122 + 123 

Entscheid 

23. August 2010 

Mitwirkend: 

Präsident Richard Oesch, die Mitglieder Walter Balsiger, Rhea Schircks Denzler und 
Sekretärin Nadja Obreschkow 

A,   

vertreten durch B,  

In Sachen 

gegen 

Rekurrentin,  

S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Stadt Zürich,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Einschätzungen 2006 und 2007 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 2 - 

hat sich ergeben: 

A. A (nachfolgend die Pflichtige) machte in ihrer Steuererklärung 2006, einge-

reicht  am  31. Oktober  2007,  unter  anderem  einen  Vermögensabzug  in  der  Höhe  von 

Fr. ….- geltend. Diesen begründete sie damit, dass die Vermögenssteuer auf dem de-

klarierten Wert der von ihr gehaltenen Aktien der C (kurz: C Aktien) konfiskatorisch sei, 

was durch den geltend gemachten Vermögensabzug korrigiert werde. Noch bevor die 

Einschätzung für die Staats- und Gemeindesteuer bzw. die Veranlagung für die direkte 

Bundessteuer  2006  ergangen  waren,  reichte  die  Pflichtige  am  18. August  2008  ihre 

Steuererklärung 2007 ein. Darin machte sie erneut einen Vermögensabzug, diesmal in 

der Höhe von Fr. … geltend, mit der gleichen Begründung wie im Vorjahr.  

Mit  Entscheiden  vom  27. August  2009  schätzte  das  kantonale  Steueramt  die 

Pflichtige  für  die  Staats-  und  Gemeindesteuern  2006  mit  einem  steuerbaren  Einkom-

men von Fr. 533'600.- und einem steuerbaren Vermögen von Fr. … (satzbestimmend 

Fr. … ) ein.  Ebenso wurde  die Pflichtige am 27. August 2009  für die Staats- und Ge-

meindesteuern  2007  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von  Fr. 650'500.-  (satzbe-

stimmend Fr. 656'600.-) und einem steuerbaren Vermögen von Fr. … (satzbestimmend 

Fr. …)  eingeschätzt.  Die  geltend  gemachten  Vermögensabzüge  berücksichtigte  das 

kantonale Steueramt nicht. 

B. Hiergegen liess die Pflichtige mit Eingabe vom 8. September 2009 Einspra-

che erheben und beantragen, auf den Börsenkursen der C Aktien pro 2006 bzw. 2007 

seien  für  die Vermögenssteuer  entsprechend den Anträgen in den Steuererklärungen 

substanzielle  Einschläge  zu  gewähren.  Begründet  wurde  der  Antrag  im  Wesentlichen 

damit,  dass  aufgrund  der  hohen  Vermögenssteuer  die  gesamte  Steuerbelastung  bei 

88.6%  (2006)  bzw.  99.2%  (2007)  des  Einkommens  liege,  sodass  die  Lebenshaltung 

nicht  mehr  vom  Einkommen  bestritten  werden  könne.  Eine  solche  Besteuerung  sei 

konfiskatorisch.  Mit  Bezug  auf  die Steuerperiode  2007  liess  die  Pflichtige  eventualiter 

beantragen, die C Aktien seien mit einem "realistischen" Wert von Fr. 60.- bis Fr. 75.- 

(statt Fr. …) zu bewerten mit der Begründung, dass der Kurs der Aktien im Jahr 2007 

durch spekulative Börsengeschäfte in die Höhe getrieben und verzerrt worden sei und 

somit nicht den massgebenden Verkehrswert der Aktien darstellen könne. 

2 ST.2010.122 + 123 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 3 - 

Mit  Entscheiden  vom  18. März  2010  wies  das  kantonale  Steueramt  die  Ein-

sprachen mit der Begründung ab, die Besteuerung der Pflichtigen könne in Anwendung 

der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht als konfiskatorisch bezeichnet werden. 

C. Mit Eingabe vom 20. April 2010 liess die Pflichtige hiergegen Rekurs erhe-

ben mit dem Antrag, die steuerbaren Vermögen für die Staats- und Gemeindesteuern 

2006 bzw. 2007 seien mit Einschlägen gemäss Steuererklärung auf Fr. … bzw. Fr. … 

festzusetzen.  Eventualiter  seien  die  C  Aktien  für  die  Steuerperiode  2007  mit  einem 

Verkehrswert  zwischen  Fr. 60.-  und  Fr. 75.-,  beispielsweise  mit  dem  Mittelwert  von 

Fr. 67.50,  zu  bewerten.  Die  Begründungen  der  Anträge  deckten  sich  inhaltlich  mit  je-

nen  in  der  Einsprache,  auf  die  im  Übrigen  auch  verwiesen  wurde.  Zudem  beantragte 

die Pflichtige mit dem Rekurs eine Parteientschädigung. 

Das kantonale Steueramt schloss in seiner Rekursantwort vom 20. Mai 2010 

auf  kostenfällige  Abweisung  des  Rekurses,  wobei  es  zur  Begründung  vollständig  auf 

die Einspracheentscheide verwies. 

Auf  das  Ergebnis  der  Tatsachenerhebungen  im  Einschätzungsverfahren  und 

die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  wird – soweit  rechtserheblich – in  den  nachfol-

genden Erwägungen eingegangen.  

Die Rekurskommission zieht in Erwägung: 

1. a)  Das  steuerbare  Vermögen  bemisst  sich  nach  dem  Stand  am  Ende  der 

Steuerperiode  oder  der  Steuerpflicht  (§ 51  Abs. 1  des  Steuergesetzes  vom  8. Juni 

1997, StG). Gemäss § 39 Abs. 1 StG wird das Vermögen zum Verkehrswert bewertet. 

Letzterer  ist  der  objektive  Wert,  der  einem  Vermögensobjekt  am  jeweiligen  Stichtag 

zukommt,  d.h.  der  Preis,  der  am  Bewertungsstichtag  für  das  zu  bewertende  Vermö-

gensrecht im gewöhnlichen Geschäftsverkehr mutmasslich zu erzielen gewesen wäre 

(für  das bisherige, gleichlautende  Recht:  RB ORK 1978 Nr. 39  = ZBl  1979, 232 = ZR 

1981  Nr. 43;  Reimann/Zuppinger/Schärrer,  Kommentar  zum  Zürcher  Steuergesetz, 

3. Band, 1969, § 34 N 5). Massgeblich für die Bestimmung des Verkehrswerts ist folg-

2 ST.2010.122 + 123 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 4 - 

lich eine "technisch-" bzw. "rechtlich-objektive" und nicht eine "subjektiv-wirtschaftliche 

Betrachtungsweise" (RB 1989 Nr. 26). Bei kotierten Wertpapieren gilt als Verkehrswert 

der Börsenkurs des Bewertungsstichtags (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar 

zum  harmonisierten  Zürcher  Steuergesetz,  2. A.  2006,  § 39  N 19,  auch  zum  Folgen-

den). Sind sie an einer inländischen Börse kotiert und ist die Bewertung auf Ende des 

Kalenderjahrs vorzunehmen, gilt als Verkehrswert der in der Kursliste der  Eidgenössi-

schen Steuerverwaltung (EStV) enthaltene Kurs (welcher dem Schlusskurs des letzten 

Börsenhandelstags im Dezember entspricht). 

b)  Die  Besteuerung  des  Vermögens  richtet  sich  nach  § 47  StG,  der  für  nicht 

verheiratete Personen folgende Vermögenssteuertarife vorsieht (Grundtarif): 

0‰ 

für die ersten 

1/2‰ 

für die weiteren 

1‰ 

für die weiteren 

1 1/2‰ 

für die weiteren 

2‰ 

für die weiteren 

2 1/2‰ 

für die weiteren 

Fr.      71'000.- 

Fr.    213'000.- 

Fr.    356'000.- 

Fr.    567'000.- 

Fr.    853'000.- 

Fr.    851'000.- 

3‰ 

für Vermögensteile über 

Fr. 2'911'000.-. 

2. a)  Die  Pflichtige  ist  der  Ansicht,  die  zürcherische  Vermögenssteuer  sei  an 

sich konfiskatorisch, da die Steuertarife trotz stark gesunkener Sparzinsen und anderer 

Kapitalerträge gleich geblieben seien, was zu einer Verletzung der Eigentumsgarantie 

führen  könne.  Es  handle  sich  dabei  um  einen  nachhaltigen Systemfehler,  der  bei  der 

Steuereinschätzung  durch  die  Gewährung  geeigneter  Einschläge  zu  korrigieren  sei. 

Konkret macht sie geltend, dass die in den Steuerperioden 2006 und 2007 auf die von 

ihr  gehaltenen  C  Aktien  entfallenden  Vermögenssteuern  zusammen  mit  den  Einkom-

menssteuern auf dem entsprechenden Dividendenertrag diesen erheblich übersteigen, 

sodass  gesamthaft  fast  ihr  ganzes  (hauptsächlich  aus  Vermögenserträgen  bestehen-

des) steuerbares Einkommen wegbesteuert werde. Eine solche Besteuerung sei kon-

fiskatorisch, weshalb ihr auf den steuerbaren Vermögen pro 2006 und 2007 jeweils ein 

substanzieller Abzug zu gewähren sei. 

b)  Laut  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  schliesst  die  Eigentumsgarantie 

gemäss  Art. 26  der  Schweizerischen  Bundesverfassung  vom  18. April  1999  (BV)  die 

2 ST.2010.122 + 123 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
- 5 - 

Erhebung  von  Abgaben  zwar  nicht aus,  jedoch  setzt sie  dieser  gewisse  verfassungs-

rechtliche Schranken (BGE 105 Ia 134 E. 3a,  BGE 106 Ia 342 E. 6a und BGE 128 II 

112 E. 10b/bb, alle auch zum Folgenden). Die Eigentumsgarantie als Institutsgarantie 

verpflichtet mithin das Gemeinwesen, die bestehenden Vermögen in ihrer Substanz zu 

bewahren und die Möglichkeit der Neubildung von Vermögen in dem Sinn zu erhalten, 

dass das Einkommen nicht dauernd und vollständig wegbesteuert werden darf. Dabei 

lässt sich die Frage, wo die Grenzen zwischen einer zulässigen steuerlichen Belastung 

und  einem  konfiskatorischen  Eingriff  zu  ziehen  sind,  nicht  in  allgemeingültiger  Weise 

beantworten. Insbesondere kann nicht von einem ziffernmässig bestimmbaren Steuer-

satz allein abhängen, ob die Vermögenssubstanz ausgehöhlt oder die Neubildung von 

Vermögen  verunmöglicht  wird.  Zu  berücksichtigen  sind  insbesondere  Steuersatz  und 

Steuerfuss,  Bemessungsgrundlage,  Dauer  der  Massnahme,  relative  Tiefe  des  fiskali-

schen  Eingriffs,  Kumulation  mit  andern  Abgaben  sowie  die  Möglichkeit  der  Überwäl-

zung der Steuer. 

c)  aa)  Die  Zürcher  Vermögenssteuer  kann  nicht  generell  als  konfiskatorisch 

bezeichnet werden. Denn  auch unter Berücksichtigung der Gemeindesteuern und mit 

Bezug auf besonders grosse Vermögen führen die Steuertarife gemäss § 47 StG nicht 

grundsätzlich  zu  einer  Aushöhlung  der  Vermögenssubstanz  oder  verunmöglichen  die 

Neubildung von Vermögen. Dies gilt im Allgemeinen auch, wenn man die Vermögens-

steuer nicht für sich alleine betrachtet, sondern in Kombination mit der auf dem Vermö-

gensertrag  anfallenden Einkommenssteuer.  So  entschied  denn  das  Bundesgericht im 

Jahr  1980  auch,  dass  die  damalige  aargauische  Steuergesetzgebung,  die  höhere 

Vermögens-  und  Einkommenssteuertarife  vorsah  als  das  geltende  Zürcher  Steuerge-

setz und nach der die gesamte Einkommens- und Vermögenssteuerbelastung ca. 5% 

über dem schweizerischen Durchschnitt lag, unter normalen Umständen nicht zu einer 

konfiskatorischen Besteuerung grosser Vermögen führe (BGE 106 Ia 342 E. 6b). Indes 

ist durchaus denkbar, dass die Zürcher Steuergesetzgebung in besonderen Einzelfäl-

len zu einer konfiskatorischen Besteuerung des Vermögens führen kann, insbesondere 

dann,  wenn  das  Vermögen  über  längere  Zeit  keinen  oder einen  sehr geringen  Ertrag 

abwirft,  sodass  die  gesamte  Steuerbelastung  den  Vermögensertrag  übersteigt.  In  ei-

nem solchen Fall könnte nämlich die Vermögenssteuer nicht mehr vollständig aus dem 

Vermögensertrag bezahlt werden, was zu einem Verzehr der Vermögenssubstanz und 

langfristig  im  Endeffekt  zu  einem  partiellen  Vermögensentzug  führen  würde.  Mithin 

bleibt  zu  prüfen,  ob  bei  der  Pflichtigen  eine  konfiskatorische  Besteuerung  in  diesem 

Sinne vorliegt. 

2 ST.2010.122 + 123 

 
 
 
 
 
- 6 - 

bb) Die Pflichtige wurde für die Staats- und Gemeindesteuern 2006 mit einem 

steuerbaren  Einkommen  von  Fr. 533'600.-,  wovon  Fr. 415'372.-  Wertschriftenertrag, 

und  einem  steuerbaren  Vermögen  von  Fr. …  (satzbestimmend  Fr. …)  eingeschätzt. 

Die  Veranlagung  der  direkten  Bundessteuer  2006  wurde  mit  einem  steuerbaren  Ein-

kommen von Fr. 534'400.- vorgesehen. Daraus ergibt sich für das Jahr 2006 eine Ge-

samtsteuerbelastung  durch  den  Kanton  Zürich  und  den  Bund  von  rund  Fr. 465'500.-. 

Für die Steuerperiode 2007 wurde die Pflichtige bei den Staats- und Gemeindesteuern 

mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von  Fr. 650'500.-  (satzbestimmend  Fr. 656'600.-), 

wovon Fr. 609'996.- Wertschriftenertrag, und einem steuerbaren Vermögen von Fr. … 

(satzbestimmend  Fr. …)  eingeschätzt  und  für  die  direkte  Bundessteuer  mit  einem 

steuerbaren  Einkommen  von  Fr. 657'600.-  veranlagt.  Die  Gesamtsteuerbelastung 

durch den Kanton Zürich und den Bund für das Jahr 2007 beläuft sich somit auf rund 

Fr. 636'400.-. Hinzu kommt in beiden Jahren ein nicht genau bekannter, vergleichswei-

se  geringer  Betrag  an  ausserkantonalen  Steuern  (D  und  E),  sodass  von  einer  Ge-

samtsteuerbelastung  von  rund  Fr. 470'000.-  für  das  Jahr  2006  und  von  rund 

Fr. 640'000.- für das Jahr 2007 auszugehen ist. Dies ergibt eine Steuerbelastung in der 

Höhe von rund 88,1% des steuerbaren Einkommens für das Jahr 2006 und von rund 

97.5%  des  steuerbaren  Einkommens  (gemäss  kantonaler  Einschätzung)  für  das  Jahr 

2007. 

cc) Es ist unbestritten, dass ein Steuerbetrag in der Höhe von fast 90% bzw. 

beinahe  100%  des  steuerbaren  Einkommens  für  die  steuerpflichtige  Person  eine 

enorm hohe Belastung darstellt, die sie letztlich dazu zwingt, zur Bestreitung ihres Le-

bensunterhalts ihr Vermögen anzuzehren. Genau dies macht denn die Pflichtige für die 

betroffenen Jahre auch geltend, was ihrer Ansicht nach ausreicht, um die Besteuerung 

als konfiskatorisch zu qualifizieren. Wie bereits erwähnt, liegt jedoch eine konfiskatori-

sche Besteuerung laut Bundesgericht erst dann vor, wenn das Einkommen der steuer-

pflichtigen Person  dauernd  und vollständig wegbesteuert wird.  Mithin liegt noch keine 

konfiskatorische  Besteuerung  vor,  wenn  aufgrund  aussergewöhnlicher  Umstände  in 

einer bestimmten Steuerperiode  das steuerbare Einkommen (fast) vollständig wegbe-

steuert wird. So hat das Bundesgericht in seinem bereits zitierten Urteil aus dem Jahre 

1980 festgehalten: "Es  bleibt  zwar  stossend, dass  der Beschwerdeführer ausser dem 

Ertrag seines Vermögens in der Steuerperiode 1973/74 sein gesamtes Einkommen der 

Bemessungsjahre 1971/72 aufwenden muss, um die Steuern zu bezahlen, und daher 

genötigt ist, die Substanz seines Vermögens vorübergehend anzugreifen. Es kann in-

2 ST.2010.122 + 123 

 
 
 
 
 
 
 
- 7 - 

dessen nicht gesagt werden, der Beschwerdeführer müsse wegen der einmaligen star-

ken Steuerbelastung die Substanz des Steuerobjektes, d.h. vor allem sein Wertschrif-

tenvermögen,  weitgehend  aufzehren  […]  Eine  konfiskatorische  Besteuerung  ergäbe 

sich  danach  allenfalls  nur  dann,  wenn  die  hohe  Steuerbelastung  zum  Dauerzustand 

würde, was vorliegend nicht der Fall ist" (BGE 106 Ia 342 E. 6c S. 354 f.). 

Vorliegend  stieg der  Börsenkurs der  C Aktie in  den Jahren 2006 und 2007 –

 aus welchen Gründen auch immer – stark an, sodass ihr Steuerwert in diesen Jahren 

aussergewöhnlich hoch war (siehe Kurslisten EStV). Im Vergleich dazu fiel die Rendite 

auf den Aktien sowohl im Jahr 2006 als auch im Jahr 2007 sehr bescheiden aus, be-

trug sie doch in beiden Jahren weniger als 1% (siehe Kurslisten EStV). Da die C Aktien 

in  den  betroffenen  Jahren  den  Grossteil  des  Vermögens  der  Pflichtigen  ausmachten 

(über  80%),  hatten  diese  Entwicklungen  eine  erhebliche  Zunahme  ihres  steuerbaren 

Vermögens und damit auch der Vermögenssteuer zur Folge und führten letztlich zu der 

bereits  erwähnten,  im  Vergleich  zum  (hauptsächlich  aus  Vermögenserträgen  beste-

henden) Einkommen ausserordentlich hohen Steuerbelastung. Indes hat sich gezeigt, 

dass  die  Entwicklungen  der  Jahre 2006  und  2007  nicht  dauerhaft  waren.  So  hat  sich 

der Steuerwert der C Aktie in den Jahren 2008 und 2009 wieder auf einem "normalen", 

wesentlich  tieferen  Wert  eingependelt  (Fr. 42.-  bzw.  50.-  pro  Aktie  im  Vergleich  zu 

Fr. … im Jahr 2007), während die Rendite bei ca. 3% lag (siehe Kurslisten EStV). Auch 

für  das  Jahr  2010  scheint  sich  ein  ähnliches  Bild  abzuzeichnen  (der  aktuelle  Börsen-

kurs  liegt  bei  rund  Fr. …;  die  ausbezahlte  Dividende  betrug  Fr. …  pro  Aktie).  Damit 

steht fest, dass vorliegend nicht von einer dauerhaften und vollständigen Wegbesteue-

rung des Einkommens der Pflichtigen die Rede sein kann, aufgrund derer sie genötigt 

wäre,  die  Substanz  des  Steuerobjekts  vollständig  aufzuzehren.  Vielmehr  haben  aus-

sergewöhnliche Umstände in den Steuerperioden 2006 und 2007 für die Pflichtige zu 

einer  enorm  hohen  Steuerbelastung  geführt,  ohne  dass  diese  jedoch  zum  Dauerzu-

stand geworden wäre. Mithin fehlt es an der erforderlichen Nachhaltigkeit der überhöh-

ten Steuerbelastung, weshalb die Voraussetzungen für das Vorliegen einer konfiskato-

rischen  Besteuerung  gemäss  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  klarerweise 

nicht gegeben sind. 

dd)  Es  sei  an  dieser  Stelle  noch  darauf  hingewiesen,  dass  vorliegend  eine 

konfiskatorische  Besteuerung  selbst  dann  nicht  ohne  weiteres  gegeben  wäre,  wenn 

man die Nachhaltigkeit der überhöhten Steuerbelastung bejahen würde.  Das Bundes-

gericht  hat  nämlich  auch  festgehalten,  dass  eine  konfiskatorische  Besteuerung  nicht 

2 ST.2010.122 + 123 

 
 
 
 
 
 
 
- 8 - 

vorliege,  wenn  der  Steuerpflichtige  freiwillig  auf  einen  genügenden  Vermögensertrag 

verzichte, etwa mit Rücksicht auf familiäre Beziehungen oder in der Hoffnung auf einen 

den  Vermögensertrag  übersteigenden  Kapitalgewinn  bei  späterer  Veräusserung  des 

Vermögensobjekts (BGE 106 Ia 342 E. 6c, auch zum Folgenden). Es gilt somit immer 

auch  zu  prüfen,  ob  es  dem  Steuerpflichtigen  zumutbar  wäre,  Vermögenswerte  ohne 

oder  mit  sehr  geringem  Ertrag  in  ertragreichere  Vermögenswerte  umzuwandeln.  Ist 

dies der Fall, kann nicht von einer konfiskatorischen Besteuerung die Rede sein. Vor-

liegend macht die Pflichtige geltend, als Verwandte des Firmengründers halte sie ihre 

geerbte Beteiligung aus ungeschriebener familiärer Verpflichtung und Tradition verant-

wortungsvoll und auch zum Vorteil des Unternehmens und seiner Mitarbeiter, was eine 

Umschichtung  des  Vermögens  aus  rein  pekuniären  Gründen  verbiete.  Ob  aufgrund 

dieser  Umstände  ein  Verkauf  der  C  Aktien  der  Pflichtigen  tatsächlich  nicht  zumutbar 

gewesen wäre, kann vorliegend offenbleiben, da mangels Nachhaltigkeit ohnehin keine 

konfiskatorische  Besteuerung  vorliegt.  Indes  ist  nach  dem  Gesagten  jedenfalls  nicht 

auszuschliessen, dass im Falle der Pflichtigen selbst dann  keine konfiskatorische Be-

steuerung  gegeben  wäre,  wenn  die  überhöhte  Steuerbelastung  zum  Dauerzustand 

würde. 

d) Aus den all diesen Erwägungen ergibt sich, dass das kantonale Steueramt 

der Pflichtigen die geltend gemachten Vermögensabzüge für die Jahre 2006 und 2007 

zu Recht nicht gewährt hat. 

3. Mit Bezug auf die Steuerperiode 2007 liess die Pflichtige eventualiter bean-

tragen,  es  sei  bei  der  Bewertung  der  C  Aktien  nicht  vom  Börsenkurs  von  Fr. …  per 

Ende 2007, sondern von einem "realistischen" Wert zwischen Fr. 60.- und Fr. 75.- aus-

zugehen. Dies deshalb, weil der überhöhte Börsenkurs per Ende 2007 nur durch spe-

kulative  Geschäfte  unter  Verletzung  von  börsengesetzlichen  Regelungen  zustande 

gekommen  sei  und  deshalb  nicht  als  Verkehrswert  berücksichtigt  werden  dürfe.  Für 

eine  derartige  Abweichung  vom  Börsenkurs  als  Verkehrswert  besteht  indes  kein  An-

lass. Wie bereits erwähnt wird für die steuerrechtliche Bewertung des Vermögens auf 

den Verkehrswert abgestellt, d.h. auf den Preis, der am Bewertungsstichtag für das zu 

bewertende Vermögensrecht im gewöhnlichen Geschäftsverkehr mutmasslich zu erzie-

len gewesen wäre (objektiver Wert). Bei kotierten Wertpapieren ist dieser Preis – also 

der  Verkehrswert – im  Börsenkurs  eindeutig  wiedergegeben.  Das  Urteil  des  Zürcher 

Verwaltungsgerichts  vom  14.  Mai  2008  (SB.2007.00097),  auf  das  sich  die  Pflichtige 

2 ST.2010.122 + 123 

 
 
 
 
 
 
 
 
- 9 - 

beruft, ist vorliegend nicht relevant, da es die Bewertung von nicht kotierten Wertpapie-

ren betrifft, deren tatsächlicher Marktwert (Verkehrswert) mangels bekannter Kursnotie-

rungen  auf  andere  Weise  ermittelt  werden  muss.  Dies  ist  bei  kotierten  Wertpapieren 

eben gerade nicht der Fall. Vorliegend war der Börsenkurs der C Aktien per Ende 2007 

zwar  aussergewöhnlich  hoch,  aber  nichtsdestoweniger  stellte  dieser  Kurs  den  Preis 

dar, der in diesem Zeitpunkt für die Aktien auf dem Markt bezahlt wurde und den auch 

die Pflichtige erzielt hätte, wenn sie ihre Aktien in diesem Moment verkauft hätte. Ob-

jektiv betrachtet handelte es sich somit auch bei diesem hohen Kurs per Ende 2007 um 

den  Verkehrswert  der  Aktie.  Der  Grund  für  die  aussergewöhnliche  Veränderung  des 

Börsenkurses  ist  dabei  nicht  relevant – ebenso  wenig  wie  er  es  im  Übrigen  im  Falle 

einer  (für  den  Steuerpflichtigen  steuerlich  vorteilhaften)  ausserordentlichen  Wertver-

minderung  per  Bewertungsstichtag  wäre.  Mithin  kann  auch  dem  Eventualantrag  der 

Pflichtigen nicht entsprochen werden. 

4. Nach dem Gesagten ist der Rekurs abzuweisen.  Bei diesem Ausgang des 

Verfahrens  sind  die  Kosten  der  Pflichtigen  aufzuerlegen  (§ 151  Abs. 1  StG)  und  ist 

keine  Parteientschädigung  zuzusprechen  (§  152  StG  i.V.m.  §  17  Abs.  2  des  Verwal-

tungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1954/6. September 1987). 

Demgemäss erkennt die Rekurskommission: 

1.  Der Rekurs wird abgewiesen. 

[…] 

2 ST.2010.122 + 123