# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4e7d790c-ba29-58a9-94e0-6ba2050fd8da
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.11.2010 D-4712/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4712-2010_2010-11-30.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4712/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 0 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 
Richter Fulvio Haefeli, Richter Martin Zoller, 
Gerichtsschreiber Jürg Hünerwadel.

B._______, Eritrea,
vertreten durch Seraina Berner, 
Rechtsberatungsstelle für Asyl Suchende Aargau, 
Rain 24, Postfach, 5001 Aarau,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. Mai 
2010 / N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4712/2010

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer – ein eritreischer Staatsangehöriger tigrinischer 
Ethnie  aus  A._______  –  verliess  nach  eigenen  Angaben  seinen 
Heimatstaat am 6. Mai 2007 und gelangte über den Sudan, Libyen und 
Italien am 27. November 2007 in die Schweiz, wo er gleichentags im 
Empfangs-  und  Verfahrenszentrum Basel  ein  Asylgesuch  stellte. Zur 
Begründung  seines  Asylgesuches  brachte  der  Beschwerdeführer  im 
Rahmen  der  Befragungen  durch  das  BFM vom 14. Dezember  2007 
und vom 20. Oktober 2008 im Wesentlichen vor, er habe von 1994 bis 
1996  Militärdienst  geleistet  und  sei  anschliessend  regulär  entlassen 
worden.  Im  Mai  1998  sei  er  wegen  des  Kriegsausbruchs  erneut 
einberufen worden und habe in der Folge beim [...] als [...] gedient. Im 
Rahmen eines Urlaubes habe er im September 2004 im Internet die 
regierungskritische Webseite der Asmarino.com aufgerufen, worauf er 
von Zivilpolizisten festgenommen und zum 2. Polizeiposten verbracht 
worden sei, von wo man ihn nach vier Stunden mit einem Auto in ein 
unterirdisches Gefängnis überführt  habe. Nach sechs Monaten habe 
man ihn von dort ins C._______-Gefängnis von D._______ verlegt, wo 
er bis zu seiner Freilassung im Januar 2006 verblieben sei. In diesem 
Gefängnis  habe  er  Kontakt  zu  einem  aus  dem  selben  Dorf 
stammenden Mithäftling  gehabt,  der  regimekritisch  eingestellt  gewe-
sen sei und ihm die Adresse eines Oppositionellen namens E._______ 
mitgeteilt habe, bei welchem er sich drei Tage nach seiner Haftentlas-
sung – nach der Rückkehr zu seiner in D._______ stationierten Militär -
einheit  –  gemeldet  habe.  Er  sei  unter  diesem  ihm  vorgesetzten 
Oppositionellen  Mitglied  der  "Regimekritiker"  geworden  und  habe 
selber  ein  weiteres  Mitglied  angeworben.  Auf  Veranlassung  seines 
politischen  Vorgesetzten  habe  er  jedoch  am  6.  Mai  2007  seinen 
Heimatstaat  verlassen und sich  in  den Sudan begeben, wo sie sich 
hätten treffen wollen. Weil er sich dort nicht sicher gefühlt habe, sei er 
jedoch nach 15 Tagen weiter gereist und über Libyen und Italien in die  
Schweiz gelangt.

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer mehrere 
Beweismittel zu den Akten, so einen schriftlichen Nachweis des eritrei -
schen  Verteidigungsministeriums  vom  30. Januar  1996  betreffend 
einen  vom  1. August  1994  bis  zum  30. Januar  1996  absolvierten 
Wehrdienst,  zwei  Taufbestätigungen,  ein  Schulabgangszeugnis  vom 

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August 1994, zwei Arbeitsbestätigungen vom 30. Januar 2002 bezie-
hungsweise vom 28. Juni 2002 sowie eine Kopie seiner Identitätskarte.

B.
In der Folge reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 25. Januar 
2010 ein ärztliches Zeugnis vom 13. November 2009 bezüglich einer 
Schulterfraktur zu den Akten, und am 23. April  2010 ging beim BFM 
ein  ärztliches  Zeugnis  der  Psychiatrischen  Dienste  F._______  vom 
21. April  2010 ein,  in welchem dem Beschwerdeführer eine schwere 
depressive  Episode  mit  gereizt-dysphorischem  Verhalten,  Unruhe, 
Schlafstörungen und latenter Suizidalität sowie eine Posttraumatische 
Belastungsstörung attestiert wurde.

C.
Mit Verfügung vom 25. Mai 2010 – eröffnet am 1. Juni 2010 – wies das 
BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen 
Wegweisung aus der Schweiz an; gleichzeitig stellte es aufgrund des 
Vorliegens eines subjektiven Nachfluchtgrundes – nämlich der illega-
len Ausreise aus dem Heimatstaat und einer diesbezüglich drohenden 
Bestrafung  –  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  fest 
und  verfügte  seine  vorläufige  Aufnahme  wegen  Unzulässigkeit  des 
Vollzuges  der  Wegweisung.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  ent-
scheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

D.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 30. Juni 2010 erhob der Be-
schwerdeführer  gegen  diese  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerde.  Er  beantragte  die  Aufhebung  der  angefochtenen 
Verfügung in den Dispositiv-Ziffern 2 bis 7 sowie die Gewährung von 
Asyl, eventualiter die Rückweisung der Sache an das BFM zur erneu-
ten  Anhörung  und  zur  Neubeurteilung.  In  prozessualer  Hinsicht  er-
suchte  er  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss 
Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht auf das 
Erheben eines Kostenvorschusses. Auf  die  Begründung  wird,  soweit 
entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

E.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 1. Juli 2010 reichte der Be-
schwerdeführer eine von der zuständigen kantonalen Amtsstelle aus-
gestellte Fürsorgebestätigung vom 28. Juni 2010 zu den Akten.

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F.
Mit  Zwischenverfügung vom 2. Juli  2010 teilte  der Instruktionsrichter 
dem Beschwerdeführer mit, dass über das Gesuch um Gewährung der 
unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG in einem 
späteren Zeitpunkt entschieden werde, und verzichtete auf das Erhe-
ben eines Kostenvorschusses.

G.
In ihrer Vernehmlassung vom 16. Juli 2010 – welche dem Beschwerde-
führer  zur Kenntnisnahme zugestellt  wurde – hielt  die Vorinstanz an 
der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der 
Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und ist  daher  eine Vorinstanz des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnah-
me im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs-
gericht  ist  daher  zuständig  für  die Beurteilung der  vorliegenden Be-
schwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig 
(Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31]; 
Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108 
Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG). Der Beschwerde-
führer ist durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und 
hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die 
Beschwerde ist einzutreten.

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2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
3.1 Der  Beschwerdeführer  rügt  in  formeller  Hinsicht  eine Verletzung 
des  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  und  macht  diesbezüglich  gel-
tend, die Vorinstanz sei ihrer  Pflicht  zur sorgfältigen und ernsthaften 
Prüfung  seiner  Vorbringen  sowie  der  ihr  obliegenden  Begründungs-
pflicht nicht nachgekommen. So habe das BFM in der angefochtenen 
Verfügung die Tatsache, dass er von 1998 bis zu seiner im Jahr 2007 
erfolgten Ausreise ununterbrochen Militärdienst geleistet habe und vor 
seiner  Desertion  während anderthalb  Jahren inhaftiert  gewesen sei, 
nicht  beachtet,  sondern sich  auf  einige wenige vermeintliche Wider-
sprüche in seinen Aussagen berufen, die er zudem erklären könne.

3.2 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs – der im hier interessieren-
den Kontext auf den Bestimmungen von Art. 29 Abs. 2 der Bundesver-
fassung der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 18. April  1999 
(BV, SR 101) sowie Art. 29 VwVG und Art. 32 Abs. 1 VwVG beruht – 
verlangt, dass die verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen 
tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfin-
dung berücksichtigt,  was sich entsprechend in der  Entscheidbegrün-
dung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwV). Die Abfassung 
der  Begründung soll  es dem Betroffenen möglich  machen,  den Ent-
scheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur möglich ist, 
wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz über 
die Tragweite des Entscheides ein Bild  machen können (BGE 129 I 
232 E. 3.2). Dabei muss sich die verfügende Behörde nicht ausdrück-
lich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Ein-
wand auseinander setzen, sondern darf sich auf die wesentlichen Ge-
sichtspunkte  beschränken  (BGE 126  I  97  E. 2b).  Die  Begründungs-
dichte  richtet  sich  nach  dem  Verfügungsgegenstand,  den  Verfah-
rensumständen und den Interessen des Betroffenen,  wobei  die bun-
desgerichtliche Rechtsprechung bei schwerwiegenden Eingriffen in die 
rechtlich  geschützten  Interessen  des  Betroffenen  –  und  um  solche 
geht es bei der Frage der Gewährung des Asyls – eine sorgfältige Be-
gründung verlangt (BGE 112 Ia 110; vgl. zum Ganzen auch JÖRG PAUL 
MÜLLER/MARKUS SCHEFER,  Grundrechte in der Schweiz: im Rahmen der 
Bundesverfassung,  der  EMRK  und  der  UNO-  Pakte,  4.  Aufl.,  Bern 

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2008,  S.868  und  S.  885  ff.;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr. 24  E. 5.1 
S. 256).

3.3 Im vorliegenden Fall führt die Vorinstanz in der angefochtenen Ver-
fügung im Rahmen der  Sachverhaltszusammenfassung die  wesentli-
chen Vorbringen des Beschwerdeführers auf; darunter fallen der von 
ihm geltend gemachte Militärdienst ab dem Jahr 1998, seine regime-
kritischen Aktivitäten, die lange dauernde Inhaftierung sowie schliess-
lich  die  Desertion  aus  der  Armee  (vgl.  Verfügung  des  BFM  vom 
25. Mai 2010, S. 2). Diese Aufzählung ist  als vollständig zu bezeich-
nen, weshalb diesbezüglich keine Hinweise auf ein allfälliges Überse-
hen von Sachverhaltselementen oder auf eine selektive Prüfung der-
selben durch das BFM bestehen. In seinen Erwägungen setzt sich das 
Bundesamt sodann mit  den Vorbringen des Beschwerdeführers aus-
einander und hält dafür, dass er sich sowohl bei der Schilderung der 
angeblichen Inhaftierung als auch hinsichtlich seines Engagements für 
die  Gruppierung  der  Regimekritiker  und  seines  konkreten  Ausreise-
grundes  in  Widersprüche  verstrickt  habe,  weshalb  seine  Vorbringen 
den Anforderungen von Art. 7 AsylG an das Glaubhaftmachen nicht zu 
genügen vermöchten (vgl. Verfügung des BFM vom 25. Mai 2010, S. 2 
f., Ziff. I/1 und 2). Auch wenn die Vorinstanz in diesen relativ knappen 
Erwägungen  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachte  Militär-
dienstleistung ab dem Jahr 1998 sowie die Desertion aus der Armee 
im Mai 2007 im Gegensatz zur Sachverhaltsdarstellung nicht mehr ex-
plizit nennt,  geht daraus doch in genügender Weise hervor, dass sie 
auch diese – eng mit den ausdrücklich abgehandelten Vorbringen zu-
sammenhängenden  –  Aspekte  als  nicht  glaubhaft  erachtet,  weil  die 
gesamte Begründung des Asylgesuches des Beschwerdeführers letzt-
lich auf seinen politischen Aktivitäten während des Militärdienstes und 
der  angeblich  daraus  resultierenden  Inhaftierung  beruht;  indem  die 
Vorinstanz  die  unterschiedlichen  Angaben  des  Beschwerdeführers 
zum unmittelbaren Fluchtgrund aufführt (vgl. Verfügung des BFM vom 
25. Mai 2010, Ziff. I/2,  dritter Absatz),  zeigt sie sodann, dass sie die 
geltend gemachte Desertion als unglaubhaft erachtet. Die Begründung 
des BFM ist damit ausreichend dicht und erlaubt es, die Beweggründe, 
welche zur Abweisung des Asylgesuches geführt haben, in einer Wei-
se nachzuvollziehen, die eine sachgerechte Anfechtung der Verfügung 
möglich macht. Vor diesem Hintergrund ist eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs – in seinen Teilaspekten der sorgfältigen Prüfung der Vor-
bringen  sowie  der  Begründung  der  Verfügung  –  nicht  festzustellen; 

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eine  Aufhebung der  angefochtenen Verfügung  und  die  Rückweisung 
der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung aus formellen Grün-
den erscheint daher nicht angezeigt, weshalb der entsprechende An-
trag  des  Beschwerdeführers  abzuweisen  ist.  Im Folgenden  ist  dem-
nach zu prüfen, ob das Bundesamt in materieller Hinsicht die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers zu Recht als nicht glaubhaft erachtet.

4.
4.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt  
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

5.
5.1 Das  BFM  führt  zur  Begründung  seiner  Verfügung  vom  25. Mai 
2010 aus, die Vorbringen des Beschwerdeführer vermöchten – soweit 
sie sich auf Ereignisse vor der Ausreise aus dem Heimatstaat bezie -
hen würden – den Anforderungen von Art. 7 AsylG an das Glaubhaft-
machen nicht standzuhalten, weil sie teilweise zu wenig substanziiert 
dargelegt worden und teilweise widersprüchlich ausgefallen seien. So 
habe er  weder  zu den ihn festnehmenden Personen,  noch zum Ge-
fängnis, in welchem er die ersten sechs Monate der Inhaftierung ver-
bracht habe, sowie zu der regimekritischen Gruppierung, für welche er 
nach seiner Freilassung aktiv gewesen sein wolle, konkrete Angaben 
machen  können.  Widersprüchlich  habe  er  sich  sodann  zunächst  zu 
seiner  Inhaftierung geäussert,  indem er  einmal  angegeben habe,  er 

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sei am 16. September 2004 festgenommen worden, während er später 
erklärt habe, er sei am 16. März 2004 ins Gefängnis verbracht worden. 
Ferner habe er auch unterschiedliche Aussagen zu seinem unmittelba-
ren Ausreisegrund gemacht; in der Empfangsstellenbefragung habe er 
diesbezüglich vorgebracht, der Plan der Regimekritiker, bei denen er 
mitgearbeitet  habe, sei  gescheitert  beziehungsweise bekannt  gewor-
den, weshalb er das Land habe verlassen müssen, in der einlässlichen 
Anhörung  vom  20. Oktober  2008  hingegen,  sein  Vorgesetzter  habe 
ihm  mitgeteilt,  er  solle  das  Land  verlassen,  ohne  ihm  dafür  einen 
Grund zu nennen.

5.2 Der  Beschwerdeführer  stellt  sich  in  seiner  Beschwerdeeingabe 
vom 30. Juni 2010 demgegenüber auf den Standpunkt, die Vorinstanz 
gehe bereits im ersten Satz ihrer Begründung von der falschen Annah-
me aus, er sei zu Hause festgenommen worden; dies habe er in den 
Befragungen nie erwähnt und die Inhaftierung habe vielmehr in der Öf-
fentlichkeit stattgefunden, da er die regimekritische Internetseite in ei-
nem Internetcafé abgerufen habe. Im Weiteren könne er die ihm vorge-
haltenen Ungereimtheiten in seinen Aussagen klären. So habe er kei-
ne genaueren Angaben zu den zwei ihn verhaftenden, zivil gekleideten 
Personen machen können, weil sich diese ihm gegenüber nicht ausge-
wiesen hätten und er damit nicht wissen könne, welcher Behörde sie 
genau  angehörten.  Zum  ersten  Gefängnis,  in  welchem  er  während 
sechs Monaten festgehalten worden sei, könne er keine näheren Aus-
führungen machen, weil ihm vor der Verlegung dorthin ein Sack über 
den Kopf gestülpt  worden sei und er die Zeit  dort  in einer unterirdi -
schen,  nicht  beleuchteten  Zelle  verbracht  habe.  Zu  der  regimekriti -
schen Bewegung, welcher er beigetreten sei,  habe er sodann in der 
sehr oberflächlichen Erstbefragung nichts sagen können, und auch in 
der Anhörung vom 20. Oktober 2008 sei er beispielsweise nie konkret 
nach dem Namen der Gruppe oder des von ihm immer wieder genann-
ten Vorgesetzten gefragt worden; in der Befragung sei immer nur von 
"Landsmann",  "Vorgesetztem" oder "Person" gesprochen worden. Es 
handle  sich  bei  den  von  ihm  erwähnten  Männern  um  G._______, 
einen aus dem gleichen Dorf wie er stammenden und der "H._______" 
angehörenden  Mithäftling  im  Gefängnis  von  D._______,  sowie  um 
seinen politischen Vorgesetzten E._______ – Spitzname "I._______" – 
und den von ihm angeworbenen Kollegen namens J._______. Der ihm 
vorgehaltene  Widerspruch  im  Zusammenhang mit  den  Daten  seiner 
Inhaftierung  sei  sodann  auf  eine  Unachtsamkeit  von  seiner  Seite 
beziehungsweise seine Nervosität bei der Rückübersetzung zurückzu-

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führen; die Angabe des Datums des 16. März 2004 beziehe sich auf 
seine Überführung ins  Gefängnis  von Barentu  und müsste  richtiger-
weise auf das Jahr 2005 lauten.

6.
6.1 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zum Schluss, dass das BFM die Vorbringen des Beschwerdeführers im 
Zusammenhang mit der angeblichen Verfolgung bis zum Zeitpunkt sei -
ner Ausreise aus Eritrea zu Recht als nicht glaubhaft erachtet.

6.2 So fällt zunächst auf, dass der Beschwerdeführer zwar eine Bestä-
tigung für den von ihm vom 1. August 1994 bis zum 30. Januar 1996 
geleisteten  Militärdienst  beizubringen  vermochte,  hingegen  für  seine 
angebliche weitere Dienstleistung von 1998 bis 2007 keinerlei Unterla-
gen vorgelegt hat; dass er in anderem Zusammenhang etliche Doku-
mente einreichte, jedoch als einziges Dokument gerade seinen Militär-
ausweis  auf  der  Überfahrt  nach  Italien  verloren haben  will  (vgl. Be-
schwerdeeingabe vom 30. Juni 2010, S. 8),  wirkt nicht überzeugend. 
Entgegen der von ihm vertretenen Auffassung ist die geltend gemach-
te zweite Militärdienstleistung auch nicht bereits durch seine Angaben 
in den Befragungen glaubhaft gemacht, handelt es sich doch bei sei-
nen Schilderungen um Allgemeinplätze, die ohne weiteres auch von 
jemandem wiedergegeben werden können, der selber keine entspre-
chenden Erfahrungen gemacht hat. Im Weiteren hat die Vorinstanz zu 
Recht erwogen, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers in Bezug 
auf seine angeblichen Kontakte mit einer regimekritischen Bewegung 
überaus oberflächlich ausgefallen sind; der Beschwerdeführer machte 
weder konkrete Angaben zu der Gruppierung im Allgemeinen, noch zu 
den mit ihm verbundenen Personen im Speziellen, und an dieser Ein-
schätzung vermögen auch die von ihm auf Beschwerdeebene nachge-
reichten – bis auf einige Namensnennungen ebensowenig substanzi -
ierten – Angaben nichts zu ändern. Auch seine Verhaftung durch zwei 
zivil gekleidete Personen und die spätere Überführung in ein unterirdi -
sches Gefängnis hat der Beschwerdeführer nicht wirklich plastisch ge-
schildert.  Seine  auf  Beschwerdeebene  gemachte  Präzisierung,  wo-
nach  die  Verhaftung  entgegen  der  irrtümlichen  Annahme  des  BFM 
nicht bei ihm zu Hause, sondern in einem Internetcafé stattgefunden 
habe, lässt seine Darstellung sodann auch nicht plausibler erscheinen, 
da er wohl kaum so unvorsichtig gewesen wäre, eine regimekritische 
Webseite  ohne  besondere  Schutzvorkehrungen  in  einer  öffentlichen 
Lokalität  aufzurufen,  wo er  mit  einer  Überwachung durch die eri trei-

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schen Sicherheitskräfte hätte rechnen müssen. Soweit der Beschwer-
deführer  in  der  Beschwerdeeingabe  vom 30. Juni  2010  seine  Verle-
gung in ein unterirdisches Gefängnis und die Unkenntnis dieses Ortes 
damit begründet, dass ihm ein Sack über den Kopf gestülpt worden sei 
und er deshalb keine Wahrnehmungen habe machen können, ist fest-
zuhalten, dass er zwar anlässlich der Empfangsstellenbefragung in der 
Tat von einem dunklen Sack sprach,  der ihm auf  dem Polizeiposten 
über den Kopf gezogen worden sei (vgl. BFM-act. A1, S. 5). Im Wider-
spruch dazu gab er jedoch in der Anhörung vom 20. Oktober 2008 an, 
man habe ihm die Augen mit einem schwarzen Tuch verbunden (vgl. 
BFM-act. A15,  S. 6,  F31 und F32),  so dass sich  die Zweifel  an der 
geltend gemachten Festnahme verstärken, zumal es dem Beschwer-
deführer auch nicht gelingt, die vom BFM festgestellte Ungereimtheit  
in Bezug auf die Datierung der zwei Haftabschnitte – namentlich seine 
in Widerspruch zu den übrigen Angaben stehende Aussage, wonach 
er bereits am 16. März 2004 ins Gefängnis von D._______ überführt 
worden  sei  (vgl.  BFM-act.  A1,  S.  5)  –  in  nachvollziehbarer  Weise 
aufzulösen. Schliesslich hält die Vorinstanz dem Beschwerdeführer zu 
Recht  einen nicht  unmassgeblichen Widerspruch im Zusammenhang 
mit  der  Aufforderung seines politischen  Vorgesetzten zum Verlassen 
des Heimatstaates vor. Die Auslegung des Beschwerdeführers in der 
Beschwerdeschrift,  wonach  die  entsprechende  Stelle  im  Empfangs-
stellenprotokoll keinen Sinn ergebe, weil sein Vorgesetzter ihm sicher 
nicht gesagt haben könne, dass bekannt geworden sei, warum er das 
Land verlassen habe (vgl. Beschwerdeeingabe vom 30. Juni 2010, S. 
7), vermag nicht zu überzeugen. Es trifft zwar zu, dass die protokollier-
te Antwort "Unser Heimplan und -arbeit ist gescheitert; d.h. wurde be-
kannt, weshalb ich das Land verlassen musste" (vgl. BFM-act. A1, S. 
6) auf den ersten Blick verwirrlich erscheint, zumal diesfalls im zweiten 
Satzteil nach "d.h." der Einschub "es" fehlen würde. Dies ist indessen 
lediglich auf einen offensichtlichen Fehler in der Interpunktion – näm-
lich auf das Semikolon nach "gescheitert" – zurückzuführen; wird das 
Semikolon durch ein Komma ersetzt, so erschliesst sich ohne weiteres 
der Sinn der Aussage des Beschwerdeführers: "Unser Heimplan und 
-arbeit ist gescheitert, d.h. wurde bekannt, weshalb ich das Land ver-
lassen musste". Nach dieser Aussage wurde dem Beschwerdeführer 
demnach von seinem Vorgesetzten durchaus der Grund für die Auffor-
derung zur Ausreise angegeben, weshalb der von der Vorinstanz fest-
gestellte  Widerspruch zu den Vorbringen des Beschwerdeführers bei 
der einlässlichen Befragung tatsächlich besteht.

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6.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdefüh-
rer  angesichts  der  zahlreichen  Ungereimtheiten  in  seinen  zentralen 
Asylvorbringen nicht  gelungen ist,  eine im Zeitpunkt  seiner  Ausreise 
aus Eritrea bestehende oder drohende asylrechtlich relevante Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen. Das BFM hat demnach 
sein Asylgesuch zu Recht abgewiesen.

7.
7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Ist der Vollzug der Wegweisung 
nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so regelt das Bun-
desamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 
AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 
über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

7.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei -
ner  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21). Da der Beschwerde-
führer  mit  Verfügung  des  BFM vom 25. Mai  2010  wegen Vorliegens 
eines subjektiven Nachfluchtgrundes als Flüchtling anerkannt und vor-
läufig aufgenommen wurde, erübrigen sich sodann weitere Ausführun-
gen zur Frage der Durchführbarkeit des Vollzuges.

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9.
Bei  diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten an sich dem 
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da die 
Beschwerde im Zeitpunkt  ihrer  Einreichung nicht  als  aussichtslos zu 
bezeichnen war, ist indessen das Gesuch des Beschwerdeführers um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 
VwVG  gutzuheissen,  zumal  die  prozessuale  Bedürftigkeit  des  Be-
schwerdeführers  mit  der  von ihm eingereichten Fürsorgebestätigung 
vom 28. Juni 2010 belegt ist und sich aus den Akten keine Hinweise 

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auf eine in der Zwischenzeit eingetretene massgebliche Verbesserung 
seiner finanziellen Lage ergeben; bei dieser Sachlage sind keine Kos-
ten zu erheben.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. Es werden keine Kosten erho-
ben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  (Einschreiben;  über 
eine  allfällige  Rückgabe  der  beim BFM eingereichten  Dokumente 
befindet dieses auf Anfrage)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N [...]  (per 
Kurier; in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Jürg Hünerwadel

Versand:

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