# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 55cfefb4-3288-5eed-8fa1-4688b572dd49
**Source:** Freiburg/Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-08-24
**Language:** de
**Title:** Freiburg Kantonsgericht Strafkammer 24.08.2015 502 2015 172
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/FR_Gerichte/FR_TC_005_502-2015-172_2015-08-24.pdf

## Full Text

Tribunal cantonal TC
Kantonsgericht KG

Augustinergasse 3, Postfach 1654, 1701 Freiburg

T +41 26 304 15 00, F +41 26 304 15 01
www.fr.ch/tc

—
Pouvoir Judiciaire PJ
Gerichtsbehörden GB

502 2015 172

Urteil vom 24. August 2015

Strafkammer

Besetzung Präsident: Roland Henninger
Richter: Hubert Bugnon, Jérôme Delabays
Gerichtsschreiberin: Laura Granito

Parteien A.________, Beschuldigter und Beschwerdeführer, vertreten 
durch Rechtsanwalt Philippe Corpataux

gegen

STAATSANWALTSCHAFT, Beschwerdegegnerin

Gegenstand Anordnung der Untersuchungshaft

Beschwerde vom 14. August 2015 gegen die Verfügung des 
Zwangsmassnahmengericht s vom 7. August 2015

Kantonsgericht KG

Seite 2 von 7

Sachverhalt

A. Im Rahmen einer Vermisstmeldung betreffend die in einem Heim platzierte B.________, 
geboren am 1999, teilte deren Mutter der Polizei mit, dass sich ihr Kind eventuell bei A.________ 
befinden könnte. Bei seiner Einvernahme durch die Polizei vom 4. August 2015 sagte der 
Betriebsleiter eines Restaurants in C.________ unter anderem aus, A.________ habe ihn gefragt, 
ob er ein Zimmer für ein 19-jähriges Mädchen und allenfalls Arbeit für dieses Mädchen habe. Er 
habe beides bejaht. 

Bei ihrer audiovisuellen Einvernahme vom 6. August 2015 durch Polizei sagte B.________ unter 
anderem aus, rund 3 Wochen zuvor habe A.________ gegen ein Entgelt von CHF 100.- durch sie 
eine Erklärung unterschreiben lassen, wonach sie in einem andern, im Kanton Waadt 
durchgeführten Verfahren gelogen habe. Im Auto habe er versucht, sie im Intimbereich zu 
berühren, und eine Massage verlangt; sie habe dies abgelehnt. Vor wenigen Tagen habe 
A.________ ihr wieder vorgeschlagen, sie zu treffen. Dieser habe ihr ein Hotelzimmer in 
C.________ gebucht, den Zimmerschlüssel aber bei sich behalten. In der ersten Nacht sei er zu 
ihr auf das Zimmer gekommen, habe sich ausgezogen und auf das Bett gelegt. Er habe CHF 50.- 
hervorgenommen und eine Massage verlangt. Er habe angefangen, sie zu berühren. Er habe sie 
am Oberschenkel berührt und sie im Intimbereich berühren und küssen wollen. Er habe versucht 
einen Kuss zu erzwingen. Schliesslich habe sie ihn bis zur Ejakulation masturbiert. Er habe 
CHF 50.- da gelassen und sei gegangen. Am andern Tag sei A.________ erneut zu ihr auf das 
Zimmer gekommen, habe sich ausgezogen, sich wieder neben sie gelegt, sie am Oberschenkel, 
im Intimbereich und am Po berührt; sie habe ihn wieder masturbieren müssen. 

Am 6. August 2015 eröffnete die Staatsanwaltschaft gegen A.________ ein Strafverfahren wegen 
Ausnützung der Notlage, sexuellen Handlungen mit Abhängigen und sexueller Nötigung. Letzterer 
wurde in der Folge von der Polizei und der Staatsanwaltschaft einvernommen. 

In teilweiser Gutheissung eines Gesuchs der Staatsanwaltschaft verfügte das 
Zwangsmassnahmengericht am 7. August 2015 die Anordnung der Untersuchungshaft von 
A.________ bis zum 6. Oktober 2015. Das Zwangsmassnahmengericht hielt den dringenden 
Tatverdacht für erstellt und nahm zudem Kollusions- und Wiederholungsgefahr an. 

B. Am 14. August 2015 reichte A.________ Beschwerde ein gegen die Verfügung vom 
7. August 2015. Er beantragt hauptsächlich deren Aufhebung, seine sofortige Freilassung sowie 
die Anordnung von angemessenen Ersatzmassnahmen. Subsidiär beantragt er die Rückweisung 
der Sache an die Vorinstanz zu neuer Beurteilung.

Mit Verweis auf die angefochtene Verfügung schliesst das Zwangsmassnahmengericht auf 
Abweisung der Beschwerde.

Die Staatsanwaltschaft schliesst ebenfalls auf Abweisung der Beschwerde. 

A.________ hat am 24. August 2015 zum letzten Mal Stellung zur Sache genommen. 

C. Mit Verfügung vom 10. August 2015 ernannte die Staatsanwaltschaft Rechtsanwalt Philippe 
Corpataux zum amtlichen Verteidiger von A.________. 

Kantonsgericht KG

Seite 3 von 7

Erwägungen

1. a) Die verhaftete Person kann Entscheide über die Anordnung, die Verlängerung oder die 
Aufhebung der Untersuchungs- oder Sicherheitshaft innerhalb von 10 Tagen mittels Beschwerde 
bei der Strafkammer anfechten (Art. 20 Abs. 1 Bst. c, 222, 393 Abs. 1 Bst. c und 396 Abs. 1 StPO; 
Art. 64 Bst. c und 85 Abs. 1 JG). 

Die angefochtene Verfügung datiert vom 7. August 2015. Die 10-tägige Frist wurde mit der am 
14. August 2015 eingereichten Beschwerde offensichtlich gewahrt.

b) Die Beschwerde ist begründet (Art. 396 Abs. 1 StPO) und enthält Rechtsbegehren. 
Folglich ist darauf einzutreten.

c) Es kann auf Grund der Akten entschieden werden. Eine Anhörung ist weder verlangt 
noch nötig (BGE 137 IV 186).

2. Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer bestreitet den dringenden Tatverdacht nicht 
ausdrücklich. Seinen Ausführungen lässt sich jedoch entnehmen, dass er diesen für fraglich hält.  

a) Gemäss Art. 221 Abs. 1 StPO darf strafprozessuale Haft nur angeordnet bzw. 
fortgesetzt werden, wenn und solange der Inhaftierte eines Verbrechens oder Vergehens dringend 
verdächtig ist. Der dringende Tatverdacht muss sich auf Verbrechen oder Vergehen im Sinne von 
Art. 10 Abs. 2-3 StGB beziehen. Das Gericht hat zu prüfen, ob aufgrund der aktuellen 
Untersuchungsergebnisse genügend konkrete Anhaltspunkte für eine Straftat im Sinne von 
Art. 221 Abs. 1 StPO und eine Beteiligung der beschuldigten Person an dieser Tat vorliegen. Im 
Haftprüfungsverfahren ist der Nachweis von konkreten Verdachtsmomenten, wonach das 
inkriminierte Verhalten mit erheblicher Wahrscheinlichkeit die fraglichen Tatbestandsmerkmale 
erfüllen könnte, ausreichend. Das Beschleunigungsgebot in Haftsachen lässt nur wenig Raum für 
ausgedehnte Beweismassnahmen (BSK StPO-MARC FORSTER, Art. 211 N 1 ff. mit w. Hinw.). Zu 
Beginn der Strafuntersuchung sind die Anforderungen an den dringenden Tatverdacht noch 
geringer, im Laufe des Strafverfahrens ist ein immer strengerer Massstab an die Erheblichkeit und 
Konkretheit des Tatverdachts zu stellen (ANDREAS DONATSCH/THOMAS HANSJAKOB/VIKTOR LIEBER, 
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Art. 221 N 5; Urteil des Bundesgerichts 
1B_34/2007 vom 27. März 2007 E. 3.3). Nachfolgend gilt es zu prüfen, ob der dringende 
Tatverdacht für die dem Beschuldigten vorgeworfenen Delikte bejaht werden kann. 

b) Zur Begründung des dringenden Tatverdachts genügt im jetzigen Stadium des 
Verfahrens grundsätzlich ein Verweis auf die unter Sachverhalt wiedergegeben, ganz am Anfang 
des Verfahrens gemachten Aussagen der B.________. Diese Vorwürfe werden zwar vom 
Beschwerdeführer, auch mit Verweis auf den Bericht vom 3. Oktober 2013 von Dr. D.________, 
die letzterer Lügen attestiert, bestritten (Bericht S. 1). Die Staatsanwaltschaft weist jedoch zu 
Recht darauf hin, dass der psychiatrische Gutachter im Rahmen des im Kanton Waadt 
durchgeführten Verfahrens festhielt, dass der Beschwerdeführer wiederholt seine Aussagen 
geändert hat (Gutachten S. 4 und 10); dass er sich als Opfer betrachtet (Gutachten S. 9); dass der 
Beschwerdeführer die Tendenz hat, eventuelle Schwierigkeiten zu minimisieren und dass er dazu 
neigt, die Realität je nach Bedarf zurechtzubiegen (Gutachten S. 10). Im Übrigen mutet es 
zumindest höchst seltsam an, dass ein rund 68-jähriger Mann für ein 16-jähriges Mädchen, das 
nicht zur Familie gehört, ein Zimmer in einem Hotel mietet, das Mädchen in dessen Zimmer 
besucht und den Zimmerschlüssel bei sich behält. Schliesslich gilt es festzustellen, dass der 

Kantonsgericht KG

Seite 4 von 7

Beschwerdeführer am 30. September 2014 vom Strafappellationshof des Kantons Waadt wegen 
ähnlicher Delikte gegenüber dem gleichen Opfer verurteilt worden ist; die Sache scheint allerdings 
im jetzigen Zeitpunkt noch beim Bundesgericht hängig zu sein. 

Unter diesen Umständen ist der nötige Verdacht, der Beschwerdeführer habe die ihm 
vorgeworfenen Delikte begangen, gegeben. 

3. Der Beschwerdeführer bestreitet das Vorliegen einer Kollusionsgefahr. 

a) Kollusionsgefahr (im Sinne von Art. 221 Abs. 1 Bst. b StPO) bedeutet nach der 
bundesgerichtlichen Praxis insbesondere, dass sich der Beschuldigte mit Zeugen, 
Auskunftspersonen, Sachverständigen oder Mitbeschuldigten ins Einvernehmen setzt oder sie zu 
wahrheitswidrigen Aussagen veranlasst, oder dass er Spuren und Beweismittel beseitigt. 
Untersuchungshaft wegen Kollusionsgefahr soll verhindern, dass der Beschuldigte die 
wahrheitsgetreue Abklärung des Sachverhaltes vereitelt oder gefährdet. Die theoretische 
Möglichkeit, dass der Beschuldigte kolludieren könnte, genügt indessen nicht, um 
Untersuchungshaft unter diesem Titel zu rechtfertigen. Es müssen vielmehr konkrete Indizien für 
die Annahme von Verdunkelungsgefahr sprechen. Das Vorliegen des Haftgrundes ist nach 
Massgabe der Umstände des jeweiligen Einzelfalles zu prüfen (BGE 137 IV 122 E. 4.2.; 132 I 21 
E. 3.2). Konkrete Anhaltspunkte für Kollusionsgefahr können sich nach der Rechtsprechung des 
Bundesgerichtes namentlich ergeben aus dem bisherigen Verhalten des Beschuldigten im 
Strafprozess, aus seinen persönlichen Merkmalen, aus seiner Stellung und seinen Tatbeiträgen im 
Rahmen des untersuchten Sachverhaltes sowie aus den persönlichen Beziehungen zwischen ihm 
und den ihn belastenden Personen. Bei der Frage, ob im konkreten Fall eine massgebliche 
Beeinträchtigung des Strafverfahrens wegen Verdunkelung droht, ist auch der Art und Bedeutung 
der von Beeinflussung bedrohten Aussagen bzw. Beweismittel, der Schwere der untersuchten 
Straftaten sowie dem Stand des Verfahrens Rechnung zu tragen (BGE 132 I 21 E. 3.2.1). Je 
weiter das Strafverfahren vorangeschritten ist und je präziser der Sachverhalt bereits abgeklärt 
werden konnte, desto höhere Anforderungen sind an den Nachweis von Verdunkelungsgefahr zu 
stellen (BGE 137 IV 122 E. 4.2; 132 I 21 E. 3.2.2). 

Der Haftrichter hat bei seinem Entscheid nicht eine vollständige Abwägung aller Elemente zu 
Lasten und zur Entlastung des Beschuldigten vorzunehmen (Urteil des Bundesgerichts 
1B_249/2013 vom 12. August 2013 E. 5.1).

b) Mit Urteil vom 30. September 2014 des Strafappellationshofs des Kantons Waadt ist der 
Beschwerdeführer wegen sexueller Handlungen mit Kindern, sexueller Nötigung und 
Vergewaltigung, namentlich zum Nachteil von B.________, zu einer Freiheitsstrafe von 4 ½ Jahren 
verurteilt worden. Am 5. Juli 2015 liess er diese ein von ihm bzw. von seinem Anwalt vorbereitetes 
Dokument unterschreiben, gemäss dem die von ihr im waadtländischen Strafverfahren gemachten 
Aussagen nicht voll der Wahrheit entsprechen; zwischen 2010 und 2012 habe er sie nie direkt 
missbraucht und nie sexuell gezwungen. Offensichtlich aufgrund dieses Schreibens reichte der 
Beschwerdeführer betreffend das Urteil vom 30. September 2014 ein Revisionsgesuch ein. 

Im Urteil vom 30. September 2014 des Strafappellationshofs des Kantons Waadt wurde dem 
Beschwerdeführer ausdrücklich verboten, sich B.________ oder deren Familie zu nähern oder mit 
diesen auf irgendeine Weise Kontakt aufzunehmen. Wenige Monate später hat sich der 
Beschwerdeführer über dieses Verbot hinweggesetzt und B.________ im Juni 2015 über 
Facebook kontaktiert, nachdem er bereits vorher mit der Mutter und der Grossmutter der letzteren 
Kontakt gehabt hatte (Protokoll der Einvernahme vom 6. August 2015 durch die Polizei, S. 4; 
Protokoll der Einvernahme vom 7. August 2015 durch die Staatsanwaltschaft, S. 2). Der 

Kantonsgericht KG

Seite 5 von 7

Beschwerdeführer gab zu Protokoll, er habe ein sehr kollegiales Verhältnis zu B.________, er 
habe sie aufwachsen sehen und immer sehr guten Kontakt zu ihr gehabt; er würde ihr nochmals 
helfen (Protokoll der Einvernahme vom 7. August 2015 durch die Staatsanwaltschaft, S. 3 und 5). 
Gemäss dem Urteil vom 30. September 2014 des Strafappellationshofs des Kantons Waadt wurde 
der Beschwerdeführer von der Familie von B.________ als zuvorkommend, Kinder liebend, 
vertrauenswürdig und als Mitglied der Familie betrachtet (Urteil S. 15); gemäss demselben Urteil 
hat der Beschwerdeführer zudem bereits in der Vergangenheit psychologischen Druck auf die 
Familie von B.________ ausgeübt (Urteil S. 24). 

Aus diesen Gegebenheiten erhellt im Wesentlichen, dass der Beschwerdeführer trotz eines 
Kontaktverbots B.________ dazu bewogen hat, ein ihn in einem anderen Verfahren entlastendes 
Dokument zu unterschreiben. Die Staatsanwaltschaft führt aus, dass eine zweite audiovisuelle 
Einvernahme durchzuführen sei. Mit Blick auf die engen Banden zu B.________ und deren Familie 
ist zu befürchten, dass sich eine Beeinflussung vor dieser Einvernahme wiederholen könnte. Im 
Übrigen steht die Untersuchung vorliegend in ihrem Anfangsstadium und beschlägt das Verfahren 
schwere Straftaten.

Unter diesen Umständen ist die Vorinstanz zu Recht von Kollusionsgefahr ausgegangen. 

4. Der Beschwerdeführer bestreitet auch das Vorliegen von Wiederholungsgefahr.

a) Wiederholungsgefahr liegt vor, wenn ernsthaft zu befürchten ist, dass die beschuldigte 
Person durch schwere Verbrechen oder Vergehen die Sicherheit anderer erheblich gefährdet, 
nachdem sie bereits früher gleichartige Straftaten verübt hat (Art. 221 Abs. 1 Bst. c StPO). 
Drohende Verbrechen oder schwere Vergehen genügen (entgegen dem deutschen und dem 
italienischen Gesetzestext) für die Annahme von Wiederholungsgefahr (BGE 137 IV 84 E. 3.2). 

Die Wahrung des Interesses an der Verhütung weiterer schwerwiegender Delikte ist verfassungs- 
und grundrechtskonform. Art. 5 Ziff. 1 Bst. c EMRK anerkennt ausdrücklich die Notwendigkeit, 
Beschuldigte an der Begehung strafbarer Handlungen zu hindern, somit Spezialprävention als 
Haftgrund (BGE 137 IV 84 E. 3.2; 135 I 71 E. 2.2). Nach der Rechtsprechung kann die Anordnung 
bzw. Fortsetzung von strafprozessualer Haft wegen Wiederholungsgefahr dem Verfahrensziel der 
Beschleunigung dienen, indem verhindert wird, dass sich der Strafprozess durch immer neue 
Delikte kompliziert und in die Länge zieht (BGE 137 IV 84 E. 3.2; 135 I 71 E. 2.2). 

Die Aufrechterhaltung von strafprozessualer Haft wegen Wiederholungsgefahr ist zulässig, wenn 
einerseits die Rückfallprognose sehr ungünstig und anderseits die zu befürchtenden Delikte 
schwerer Natur (im Sinne von Art. 221 Abs. 1 Bst. c StPO) sind. Die rein hypothetische Möglichkeit 
der Verübung weiterer Delikte sowie die Wahrscheinlichkeit, dass nur geringfügige Straftaten 
verübt werden, reichen dagegen nicht aus, um eine Präventivhaft zu begründen (BGE 135 I 71 E. 
2.3). 

Art. 221 Abs. 1 Bst. c StPO verlangt grundsätzlich, dass die beschuldigte Person bereits früher 
gleichartige Vortaten verübt hat. Auch bei den Vortaten muss es sich um Verbrechen oder schwere 
Vergehen gegen gleiche oder gleichartige Rechtsgüter gehandelt haben. Die früher begangenen 
Straftaten können sich aus rechtskräftig abgeschlossenen Strafverfahren ergeben. Sie können 
jedoch auch Gegenstand eines noch hängigen Strafverfahrens bilden. Das Gesetz spricht von 
verübten Straftaten und nicht bloss einem Verdacht, so dass dieser Haftgrund nur bejaht werden 
kann, wenn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass die beschuldigte 
Person solche Straftaten begangen hat. Neben einer rechtskräftigen Verurteilung gilt der Nachweis 

Kantonsgericht KG

Seite 6 von 7

auch bei einem glaubhaften Geständnis oder einer erdrückenden Beweislage als erbracht (BGE 
137 IV 84 E. 3.2). 

b) Im Rahmen des im Kanton Waadt durchgeführten Strafverfahrens wurde für den 
Beschwerdeführer im psychiatrischen Gutachten vom 22. Juli 2013 zwar lediglich eine 
mittlere/leichte Wiederholungsgefahr festgestellt; der Gutachter präzisierte jedoch, dass dies für 
den Moment gelte. Am 5. Mai 2014 verurteilte das Bezirksgericht der Broye et du Nord vaudois 
den Beschwerdeführer wegen sexueller Handlungen mit Kindern, sexueller Nötigung und 
Vergewaltigung, namentlich zum Nachteil von B.________, zu einer Freiheitsstrafe von 3 ½ 
Jahren. Mit Urteil vom 30. September 2014 bestätigte der Strafappellationshof des Kantons Waadt 
die Verurteilung des Beschwerdeführers, erhöhte jedoch das Strafmass auf 4 ½ Jahre. Wenige 
Monate später scheint der Beschwerdeführer gegenüber der gleichen Person die gleichen 
Straftaten verübt zu haben, sodass von einer sehr ungünstigen Rückfallprognose ausgegangen 
werden muss. Im Übrigen sind die in Frage stehenden Delikte von sehr schwerer Natur. 

Somit ist die Vorinstanz auch zu Recht von Wiederholungsgefahr ausgegangen.

5. Schliesslich stellt der Beschwerdeführer die Verhältnismässigkeit der Haftanordnung in 
Frage und bringt vor, es könnten Ersatzmassnahmen angeordnet werden. Er schlägt vor, es 
könnte ihm die Auflage gemacht werden, sich nur in seinem Haus oder in einer Umgebung von 
einigen Kilometern um sein Haus aufzuhalten. Auch würde der Auflage, keinen Kontakt zu 
B.________ aufzunehmen, „diesmal mit Sicherheit ausnahmslos Folge geleistet“. Zudem könnten 
technische Mittel eingesetzt werden. Schliesslich wäre er auch bereit, trotz seiner prekären 
finanziellen Lage eine Kaution von CHF 5‘000.- zu leisten.

a) Gemäss Art. 237 StPO ordnet das zuständige Gericht anstelle der Untersuchungs- oder 
Sicherheitshaft eine oder mehrere mildere Massnahmen an, wenn sie den gleichen Zweck wie die 
Haft erfüllen (Abs. 1). Untersuchungshaft ist "ultima ratio" (BGE 135 I 71 E. 2.3). Kann der damit 
verfolgte Zweck - die Verhinderung von Flucht-, Kollusions-, Wiederholungs- oder 
Ausführungsgefahr - mit milderen Massnahmen erreicht werden, sind diese anzuordnen (Art. 212 
Abs. 2 lit. c StPO). Dies gebietet der Grundsatz der Verhältnismässigkeit (Art. 36 Abs. 3 BV; Art. 
197 Abs. 1 lit. c und d StPO). Ersatzmassnahmen sind aber nicht nur weniger einschneidend, 
sondern grundsätzlich auch weniger wirksam (BGer 1B_18/2012 vom 27. Januar 2012 E, 3.1.2). 

b) Es ist offensichtlich, dass die vom Beschwerdeführer vorgeschlagenen 
Ersatzmassnahmen die im vorliegenden Fall bestehende Kollusions- und Wiederholungsgefahr 
nicht wirksam bannen könnten. Nicht eine dieser Massnahmen wäre in der Tat geeignet, die 
telefonische oder anderweitige Kontaktaufnahme mit B.________ oder deren Familie zu 
verhindern. Die Staatsanwaltschaft macht zudem zurecht geltend, dass bereits im Verfahren im 
Kanton Waadt Ersatzmassnahmen angeordnet wurden, welche der Beschwerdeführer 
missachtete, indem er mit dem Opfer in Kontakt trat, um es zu einem Rückzug der Aussagen zu 
bewegen (Kollusionsgefahr) und in der Folge mutmasslich sexuelle Handlungen mit dem Opfer 
vornahm (Wiederholungsgefahr). Schliesslich gilt zu erwähnen, dass die Leistung einer Kaution 
vor allem auf die hier nicht vorliegende Fluchtgefahr zugeschnitten ist. 

Andere, dem vorliegenden Fall allenfalls angepasste Ersatzmassnahmen sind weder ersichtlich 
noch dargetan. 

Zusammengefasst ist die Beschwerde somit abzuweisen. 

Kantonsgericht KG

Seite 7 von 7

6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten dem Beschwerdeführer 
aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Gerichtskosten sind auf CHF 566.- (Gebühr: CHF 500.-; 
Auslagen: CHF 66.-) festzusetzen.

In einem kürzlich ergangenen, zur Veröffentlichung bestimmten Entscheid (502 2014 237 vom 
14. Januar 2015) wurde erwogen, dass die im Beschwerdeverfahren dem amtlichen Verteidiger 
zuzusprechende Entschädigung durch die Strafkammer festzusetzen ist. Im vorliegenden Fall 
erscheint eine Entschädigung von CHF 800.- zuzüglich MWSt. als angemessen.

Die Kammer erkennt:

I. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

II. Die Verfahrenskosten von CHF 566.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

III. Rechtsanwalt Philippe Corpataux wird eine Entschädigung von CHF 864.- (inkl. MwSt.) 
zugesprochen.

IV. Zustellung.

Dieses Urteil kann innert 30 Tagen nach seiner Eröffnung mit Beschwerde in Strafsachen beim 
Bundesgericht angefochten werden. Das Beschwerderecht und die übrigen Zulässigkeitsvoraus-
setzungen sind in den Art. 78–81 und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 
17. Juni 2005 (BGG) geregelt. Die begründete Beschwerdeschrift ist beim Bundesgericht, 1000 
Lausanne 14, einzureichen.

Freiburg, 24. August 2015/rhe

Präsident Gerichtsschreiberin