# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0f67b4ba-8bfc-5c48-9308-a8750b462cea
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-08
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 08.02.2021 VBE.2020.485
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2020-485_2021-02-08.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

 

VBE.2020.485 / lb / ce       

Art. 24 

 

 

Urteil vom 8. Februar 2021 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichterin Fischer  

Oberrichter Egloff  

Gerichtsschreiber Birgelen 

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____   

 

     
   

Beschwerde- 

gegner  

 AWA - Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau, Rain 53, 

5000 Aarau   

 

     
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend AVIG 

(Einspracheentscheid vom 26. August 2020) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Beschwerdeführerin wurde 1983 geboren und ist deutsche Staatsan-

gehörige. Sie war befristet vom 1. April 2017 bis am 31. März 2020 als 

Postdoktorandin am B. Seminar der Universität C. angestellt und verfügte 

über eine Aufenthaltsbewilligung B. Am 16. April 2020 meldete sie sich 

beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) D. zur Arbeitsvermitt-

lung an und am 26. April 2020 stellte sie bei der Öffentlichen Arbeitslosen-

kasse des Kantons Aargau den Antrag auf Arbeitslosenentschädigung. Am 

29. April 2020 reiste sie aus der Schweiz nach Luxemburg zu ihrem dort 

ansässigen Ehemann aus. Am 1. Mai 2020 reichte sie beim RAV D. den 

schriftlichen Antrag auf Leistungen bei der Arbeitssuche im Ausland ("Leis-

tungsexport") samt dem entsprechenden ausgefüllten Fragebogen ein. Mit 

Verfügung vom 22. Juli 2020 wies das RAV D. diesen Antrag ab. Die am 

5. August 2020 dagegen erhobene Einsprache der Beschwerdeführerin 

wies der Beschwerdegegner mit Einspracheentscheid vom 26. August 

2020 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen den Einspracheentscheid vom 26. August 2020 erhob die Be-

schwerdeführerin am 23. September 2020 fristgerecht Beschwerde und 

beantragte sinngemäss dessen Aufhebung sowie die Ausrichtung von Leis-

tungen bei der Arbeitssuche im Ausland ("Leistungsexport"). 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 5. Oktober 2020 beantragte der Beschwerdegeg-

ner die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Beschwerdeführerin beanstandet vorab in formeller Hinsicht, dass der 

Beschwerdegegner sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 

26. August 2020 mit ihren Einwänden nicht inhaltlich auseinandergesetzt, 

sondern sich einzig "vorbehaltlos" der "Empfehlung" des RAV D. gemäss 

dessen Stellungnahme vom 13. August 2020 angeschlossen habe (Be-

schwerde S. 1 f.). 

 

1.1. 

Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 42 ATSG haben die Parteien Anspruch 

auf rechtliches Gehör. Zum rechtlichen Gehör gehört auch die Begrün-

dungspflicht. Art. 52 Abs. 2 ATSG sieht vor, dass Einspracheentscheide – 

ausnahmslos – zu begründen sind. Die Begründung muss so abgefasst 

 - 3 - 

 

 

 

sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Entscheids 

Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere 

Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die 

Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten las-

sen und auf die sich ihr Entscheid stützt (BGE 136 I 184 E. 2.2.1 S. 188; 

Urteil des Bundesgerichts 8C_301/2014 vom 9. September 2014 E. 3.2.1). 

 

Das Recht auf Begründung ist formeller Natur. Die Verletzung der Begrün-

dungspflicht führt, ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der 

Sache selbst, zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides (BGE 137 I 

195 E. 2.2 S. 197). Vorbehalten bleiben praxisgemäss Fälle, in denen die 

Verletzung der Begründungspflicht nicht besonders schwer wiegt und 

dadurch geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt 

wurde, sich vor einer Instanz äussern kann, welche sowohl die Tat- als 

auch die Rechtsfragen uneingeschränkt überprüft (BGE 137 I 195 E. 2.3.2 

S. 197). 

 

1.2. 

Der Beschwerdegegner verwies in seinem Einspracheentscheid vom 

26. August 2020 – unter deren wortgetreuen Wiedergabe – auf die Stel-

lungnahme des RAV D. vom 25. August 2020 (recte: 13. August 2020; Ver-

nehmlassungsbeilage [VB] 29 ff.) und schloss sich dieser vorbehaltlos an 

(vgl. VB 18 ff.). Zwar wäre es wünschenswert gewesen, wenn er sich selber 

auch zu den Vorbringen der Beschwerdeführerin in deren Einsprache vom 

5. August 2020 geäussert hätte, anstatt sich die Stellungnahme des RAV 

D. vom 13. August 2020 zu eigen zu machen. Dessen ungeachtet war es 

der Beschwerdeführerin ohne weiteres möglich, den Einspracheentscheid 

sachgerecht anzufechten, setzte sich doch das RAV D. im Rahmen seiner 

(von der Einsprachestelle übernommenen) Stellungnahme umfassend mit 

ihren Einwendungen auseinander. Selbst wenn im vorliegenden Fall von 

einer Verletzung des rechtlichen Gehörs auszugehen wäre, läge jedenfalls 

kein derart schwerwiegender Mangel vor, dass eine Heilung im Beschwer-

deverfahren vor dem hiesigen Versicherungsgericht, welches die sich stel-

lenden Tat- und Rechtsfragen frei überprüfen kann, nicht möglich wäre. 

Eine Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 26. August 

2020 aufgrund einer Verletzung des rechtlichen Gehörs fällt daher ausser 

Betracht. 

 

2. 

Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, dass sie die Schweiz endgültig 

und dauerhaft am 29. April 2020 verlassen hat und damit mangels Wohn-

sitzes in der Schweiz kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung in der 

Schweiz besteht (vgl. Art. 8 Abs. 1 lit. c AVIG). Strittig und zu prüfen ist in 

materieller Hinsicht, ob der Beschwerdeführerin ein Anspruch auf Leistun-

gen bei Arbeitssuche im Ausland ("Leistungsexport") zusteht. 

 

 - 4 - 

 

 

 

3. 

Der Beschwerdegegner wies in seinem Einspracheentscheid vom 26. Au-

gust 2020 die Einsprache der Beschwerdeführerin mit der Begründung ab, 

diese habe den Leistungsexport nicht, "wie vorgegeben", vor ihrer Abreise 

aus der Schweiz beantragt. Somit sei gemäss dem Kreisschreiben über die 

Auswirkungen der Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 und 987/2009 auf die 

Arbeitslosenversicherung auch kein Anspruch auf Leistungsexport entstan-

den (vgl. VB 20 f.). 

 

4. 

4.1. 

Am 1. Juni 2002 ist das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Ge-

meinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit 

(FZA; SR 0.142.112.681) in Kraft getreten. Einen Bestandteil des Abkom-

mens bildet gemäss Art. 15 FZA der Anhang II. Laut Anhang II Abschnitt A 

wenden die Vertragsparteien untereinander insbesondere die Verordnung 

(EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit 

(SR 0.831.109.268.1; Grundverordnung [GVO]) sowie die Verordnung 

(EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

16. September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung 

der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koordinierung der Systeme der 

sozialen Sicherheit (SR 0.831.109.268.11; Durchführungsverordnung 

[DVO]) an (seit dem 1. Januar 2012, mit Änderungen per 1. Januar 2015). 

Diese beiden Verordnungen sind die Rechtsgrundlagen zur Beurteilung der 

vorliegenden Streitsache. 

 

4.2. 

Für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung und arbeitsmarktliche 

Massnahmen haben versicherte Personen in der Schweiz zu wohnen. 

Diese Leistungen unterliegen einem Leistungsexportverbot, denn für diese 

Ansprüche wird der Wohnort und die Befolgung der Kontrollvorschriften 

(sog. Verfügbarkeit) in der Schweiz vorausgesetzt (THOMAS NUSSBAUMER, 

Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht 

[SBVR], Bd. XIV, Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, S. 2580 Rz. 1017 unter 

Hinweis auf Art. 8 Abs. 1 lit. c, Art. 12, 17 und 59 Abs. 3 lit. a AVIG). 

 

Die für die Arbeitslosenversicherung zentrale Verfügbarkeit wird gestützt 

auf das FZA temporär bei Vollarbeitslosigkeit zum Zwecke der Arbeitssu-

che gelockert (THOMAS NUSSBAUMER, a.a.O., S. 2580 Rz. 1018). Nach 

Art. 64 GVO behält eine vollarbeitslose Person, die die Voraussetzungen 

für einen Leistungsanspruch nach den Rechtsvorschriften des zuständigen 

Mitgliedstaats erfüllt und sich zur Arbeitssuche in einen anderen Mitglied-

staat begibt, bei Erfüllung bestimmter Bedingungen und innerhalb bestimm-

ter Grenzen den Anspruch auf diese Leistungen ("Leistungsexportrecht"). 

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Art. 55 DVO hält das genaue Vorgehen bei einem Leistungsexport fest und 

regelt die Zuständigkeiten der involvierten Mitgliedstaaten. Die Grundsätze 

des Leistungsexports werden im Kreisschreiben über die Auswirkungen der 

Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 und 987/2009 auf die Arbeitslosenversi-

cherung (KS ALE 883) in Rz. G1 ff. wiedergegeben. 

 

5. 

5.1. 

5.1.1. 

Eine vollarbeitslose Person, die die Voraussetzungen für einen Leistungs-

anspruch nach den Rechtsvorschriften des zuständigen Mitgliedstaats er-

füllt und sich zur Arbeitsuche in einen anderen Mitgliedstaat begibt, behält 

den Anspruch auf Geldleistungen bei Arbeitslosigkeit unter anderem unter 

der Bedingung, dass sie vor der Abreise während mindestens vier Wochen 

nach Beginn der Arbeitslosigkeit bei der Arbeitsverwaltung des zuständigen 

Mitgliedstaats als Arbeitsuchender gemeldet war und zur Verfügung stand; 

die zuständige Arbeitsverwaltung oder der zuständige Träger kann jedoch 

die Abreise vor Ablauf dieser Frist genehmigen (Art. 64 Abs. 1 lit. a GVO). 

 

5.1.2. 

Das RAV D. hatte in seiner Verfügung vom 22. Juli 2020 mit Verweis auf 

KS ALE 883 Rz. G55 noch die Auffassung vertreten, dass die Beschwer-

deführerin für einen Leistungsexport vor ihrer Abreise ins Ausland mindes-

tens während vier Wochen nach Beginn ihrer Arbeitslosigkeit hätte arbeits-

los gemeldet sein und der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehen müssen 

(VB 40). In seiner Stellungnahme vom 13. August 2020, welche der Be-

schwerdegegner anschliessend als Begründung des eigenen Entscheides 

übernahm, hielt es diese Argumentation jedoch nicht länger aufrecht, son-

dern gestand der Beschwerdeführerin in Anwendung von KS ALE 883 

Rz. G62 ermessensweise eine Verkürzung der vierwöchigen Wartefrist 

aufgrund des Ausnahmetatbestandes "Zuzug zu dem bereits im Ausland 

wohnhaften Ehegatten" zu (vgl. VB 11, VB 29). Art. 64 Abs. 1 lit. a GVO 

bzw. KS ALE 883 Rz. G55 stehen einem Leistungsexport durch die Be-

schwerdeführerin demnach nicht (mehr) entgegen. 

  

 - 6 - 

 

 

 

5.2. 

5.2.1. 

Der Anspruch nach Art. 64 GVO besteht nur, wenn der Arbeitslose, der sich 

in einen anderen Mitgliedstaat begibt, vor seiner Abreise den zuständigen 

Träger informiert und bei diesem eine Bescheinigung beantragt, dass er 

unter den Bedingungen des Art. 64 Abs. 1 lit. b GVO weiterhin Anspruch 

auf Leistungen hat (Art. 55 Abs. 1 DVO). Der Arbeitslose meldet sich nach 

Art. 64 Abs. 1 lit. b GVO bei der Arbeitsverwaltung des Mitgliedstaats, in 

den er sich begibt, als Arbeitsuchender und legt dem Träger dieses Mit-

gliedstaats das in Abs. 1 genannte Dokument vor; hat er den zuständigen 

Träger nach Abs. 1 informiert, aber nicht dieses Dokument vorgelegt, so 

fordert der Träger des Mitgliedstaats, in den sich der Arbeitslose begeben 

hat, die erforderlichen Angaben beim zuständigen Träger an (Art. 55 Abs. 2 

DVO). KS ALE 883 Rz. G53 erläutert und präzisiert Art. 55 Abs. 2 DVO wie 

folgt: Hat die versicherte Person vor ihrer Abreise keinen Leistungsexport 

beantragt, ist auch kein Anspruch auf Leistungsexport entstanden. […]. 

Dieser Mangel kann nicht etwa durch die Anforderung des (strukturierten 

elektronischen Dokumentes [SED]) U008 durch den ausländischen Träger 

behoben werden. Die Exportberechtigung ist in solchen Fällen mit dem 

SED U008 zu verneinen. Wurde hingegen das (tragbare Dokument) PD U2 

(noch) nicht ausgestellt oder ging es verloren, bescheinigt das RAV mit 

dem Dokument über den Leistungsexport (SED U008) einen Anspruch. Ge-

mäss KS ALE 883 Rz. G37 hat die versicherte Person den Anspruch auf 

Leistungsexport mit dem Formular "Antrag auf Leistungen bei Arbeitssuche 

im Ausland" grundsätzlich mindestens vierzehn Kalendertage vor der ge-

planten Ausreise geltend zu machen, damit die Durchführungsstellen ge-

nügend Zeit haben, den Antrag zu prüfen und darüber zu entscheiden. 

 

5.2.2. 

Ausweislich der Akten meldete sich die Beschwerdeführerin am 16. April 

2020 beim RAV D. zur Arbeitsvermittlung an (VB 88) und hatte am 23. April 

2020 ihr Erstgespräch mit der für sie zuständigen Personalberaterin des 

RAV (VB Anhang II S. 3 ff.). Am 28. April 2020 teilte sie dieser telefonisch 

mit, dass sie nach Luxemburg umziehen und per 1. Mai 2020 einen Leis-

tungsexport beantragen werde (VB 71, VB 77, VB Anhang II S. 2). Die Per-

sonalberaterin stellte ihr anschliessend am 29. April 2020 per E-Mail die 

Formulare "Antrag auf Leistungen bei Arbeitssuche im Ausland" sowie 

"Fragebogen zum Antrag auf Leistungen bei der Arbeitssuche im Ausland" 

zu (VB 76). Am 1. Mai 2020 reichte die Beschwerdeführerin ebenfalls per 

E-Mail von Luxemburg aus die ausgefüllten Formulare ein und teilte ihrer 

Personalberaterin mit, dass sie bereits am 29. April 2020 ausgereist sei 

(VB 72 ff.). Sie stellte ihren Antrag somit erst nach ihrer Ausreise aus der 

Schweiz, womit – wie der Beschwerdegegner im angefochtenen Ein-

spracheentscheid vom 26. August 2020 richtig feststellte (vgl. VB 21) – 

nach Art. 55 Abs. 1 DVO bzw. KS ALE 883 Rz. G53 kein Anspruch auf 

Leistungsexport entstanden ist. 

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5.3. 

5.3.1. 

Die Versicherungsträger und Durchführungsorgane der einzelnen Sozial-

versicherungen sind gemäss Art. 27 Abs. 1 ATSG verpflichtet, im Rahmen 

ihres Zuständigkeitsbereichs die interessierten Personen über ihre Rechte 

und Pflichten aufzuklären. Die in Art. 27 Abs. 1 ATSG festgelegte Informa-

tionspflicht kann auch dadurch erfüllt werden, dass Informationsbroschü-

ren, Merkblätter oder – allgemein verständliche – Wegleitungen abgegeben 

werden (dazu BGE 131 V 476). Art. 27 Abs. 2 ATSG erfasst die im konkre-

ten Einzelfall und bezogen auf eine einzelne interessierte Person erfol-

gende Information (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. Zürich 2020, 

N. 24 zu Art. 27 ATSG). Die Beratungspflicht setzt nicht einen entsprechen-

den Antrag der versicherten Person voraus, sondern ist zu erfüllen, wenn 

die Versicherungsträgerin einen entsprechenden Beratungsbedarf feststellt 

(vgl. SVR 2007 KV Nr. 14, K 7/06, E. 3.3; KIESER, a.a.O., N. 41 zu Art. 27 

ATSG). Im Bereich "Leistungsexport" muss das RAV gemäss KS ALE 883 

Rz. G18 die versicherte Person, die einen solchen Export anstrebt oder be-

antragt, ausreichend über ihre Rechte und Pflichten informieren. Zu diesem 

Zweck überreicht ihr das RAV das Info-Service "Leistungen bei Arbeitssu-

che im Ausland". 

 

5.3.2. 

Die Beschwerdeführerin hatte anlässlich ihres Erstgesprächs vom 23. April 

2020 gegenüber der für sie zuständigen RAV-Personalberaterin nicht er-

wähnt, dass sie aus der Schweiz wegziehen werde, so dass diese zu Recht 

keinen Beratungsbedarf erkannte. Erst am Vortag ihrer Abreise kontaktierte 

sie ihre Beraterin telefonisch, ohne diese allerdings über das konkrete Ab-

reisedatum in Kenntnis zu setzen (vgl. VB 71, VB Anhang II S. 2 ff.). Die 

RAV-Personalberaterin reagierte anschliessend umgehend und stellte der 

Beschwerdeführerin – nach kurzer interner Rücksprache (vgl. VB 75, 

VB 77) – am Folgetag, welcher mit dem Abreisetag zusammenfallen sollte, 

die erforderlichen (Antrags-) Formulare per E-Mail zu. Zugleich wies sie die 

Beschwerdeführerin ausdrücklich darauf hin, dass ihr allfälliger Anspruch 

auf Leistungsexport vor ihrer Abreise geklärt werden sollte (vgl. VB 76). Es 

war dem RAV D. somit gar nicht möglich, die Beschwerdeführerin rechtzei-

tig – etwa unter Abgabe der Broschüre "Leistungen bei Arbeitssuche im 

Ausland" – über die für einen Leistungsexport geltenden Voraussetzungen 

zu informieren. Die gemäss der Beschwerdeführerin nach Einreichung des 

Antrages am 1. Mai 2020 im Zusammenhang mit dessen Bearbeitung er-

folgten Falschauskünfte und Versäumnisse des RAV D. (Beschwerde 

S. 4 f.) wären gegebenenfalls nicht weiter beachtlich, zumal sie – auch 

nicht gemäss den Schilderungen der Beschwerdeführerin – keine behörd-

lichen Zusicherungen enthielten. Die Beschwerdeführerin kann demnach 

aus der Aufklärungs- und Beratungspflicht des RAV nichts zu ihren Guns-

ten ableiten. 

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5.4. 

Soweit die Beschwerdeführerin für ihre kurzfristige Abreise besondere Um-

stände im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie verantwortlich macht 

(Beschwerde S. 6 f., VB 74), ist darauf hinzuweisen, dass der Bundesrat 

im April und im Mai 2020 für die Gewährung des Leistungsexports kein 

Notrecht erlassen und das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in seiner 

Weisung 2020/06 vom 9. April 2020 lediglich die Empfehlung an die zu-

ständigen Amtsstellen herausgegeben hatte, jede weitere Entscheidung im 

Zusammenhang mit der Gewährung des Leistungsexports aufzuschieben, 

mit Ausnahme der Entscheide für Personen, welche die Schweiz endgültig 

verlassen wollten. Die einschlägigen Bestimmungen (Art. 64 Abs. 1 lit. a 

GVO, Art. 55 Abs. 1 und Abs. 2 DVO) waren demnach unverändert gültig. 

Für ihre "überstürzte" Abreise bestand auch keine Veranlassung, hätte 

doch ihr Ehemann die Schweiz gemäss ihren eigenen Angaben (vgl. Be-

schwerde S. 6) aus ausländerrechtlichen Gründen erst am 9. Juni 2020 

verlassen müssen und hätten trotz der Beendigung ihres Mietverhältnisses 

per 1. Mai 2020 durchaus (vorübergehende) anderweitige Unterkunftsmög-

lichkeiten bestanden, um zumindest die Rückmeldung des RAV D. in der 

Schweiz noch abzuwarten und anschliessend ihren Antrag auf Gewährung 

eines Leistungsexports noch in der Schweiz zu stellen. Auch aus den per-

sönlichen Umständen kann die Beschwerdeführerin mithin nichts zu ihren 

Gunsten ableiten. 

 

5.5. 

Anzufügen bleibt noch, dass sich der Arbeitslose im Falle eines Leistungs-

exports für seinen Leistungsbezug bei der Arbeitsverwaltung des Mitglied-

staats, in den er sich begibt, als Arbeitsuchender melden und sich dem 

dortigen Kontrollverfahren unterwerfen muss (Art. 64 Abs. 1 lit. b GVO; vgl. 

auch KS ALE 883 Rz. G80) und der Leistungsanspruch lediglich während 

drei Monaten von dem Zeitpunkt an aufrechterhalten wird, ab dem der Ar-

beitslose der Arbeitsverwaltung des Mitgliedstaats, den er verlassen hat, 

nicht mehr zur Verfügung gestanden hat (Art. 64 Abs. 1 lit. c GVO; vgl. 

auch KS ALE 883 Rz. G68 sowie Rz. G71). Ausweislich der Akten hatte 

sich die Beschwerdeführerin am 20. Juli 2020, d.h. mehr als sieben Wo-

chen nach ihrer Ausreise aus der Schweiz, noch nicht beim Arbeitsamt an 

ihrem neuen Wohnort in Luxemburg angemeldet (vgl. VB 60). Ein (vollstän-

diger) Leistungsanspruch wäre daher auch aus diesem Grund in Frage ge-

stellt. 

 

6. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

7. 

7.1. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. a ATSG). 

 - 9 - 

 

 

 

 

7.2. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und dem Beschwerdegegner aufgrund seiner Stellung als So-

zialversicherungsträger (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

eine Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

die Beschwerdeführerin 

den Beschwerdegegner 

das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) 

 

 

  

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Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6,  

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 8. Februar 2021 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth Birgelen