# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c108f44d-6f35-5650-81e7-18619e54f949
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-05-17
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 17.05.2016 BK 2016 171
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2016-171_2016-05-17.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 16 171

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 17. Mai 2016

Besetzung Oberrichterin Schnell (Präsidentin), Oberrichter Trenkel, Oberrich-
ter Stucki
Gerichtsschreiber Müller

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Gesuchsteller

Gerichtspräsidentin C.________, Regionalgericht Emmental-
Oberaargau, Dunantstrasse 3, 3400 Burgdorf

Gesuchsgegnerin

Gegenstand Ausstand

Strafverfahren wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungs-
mittelgesetz

2

Regeste 

Gerichtspräsidentin B. hatte ein Strafurteil gegen A. gefällt. Dieses wurde von der 2. Straf-
kammer des Obergerichts aus formellen Gründen – wegen Unverwertbarkeit diverser Ak-
tenstücke – aufgehoben und die Sache zur Durchführung einer neuen Hauptverhandlung 
an das erstinstanzliche Gericht zurückgewiesen. 

Mit erneuter Durchführung der Hauptverhandlung wird A. zwar Gelegenheit erhalten, neue 
Beweisanträge zu stellen. Gerichtspräsidentin B. hat sich indes im gegen 50 Seiten fas-
senden Urteil an mehreren Stellen insbesondere zur Glaubwürdigkeit von Aussagen 
geäussert und Erklärungen mehrfach als Schutzbehauptungen oder Ähnliches qualifiziert. 
Sie hat sich so eine fundierte Meinung zu den angeklagten Sachverhalten und zu Er-
klärungen von A. gebildet. Der Verfahrensausgang erscheint nicht mehr als offen, wenn 
das Gericht erneut in gleicher Besetzung urteilt. Es liegt eine unzulässige Mehrfachbefas-
sung und somit ein Ausstandsgrund nach Art. 56 lit. f StPO vor.

Erwägungen:

1.

1.1 Gerichtspräsidentin C.________ (nachfolgend: Gesuchsgegnerin) fällte am 30. Ok-
tober 2014 ein Strafurteil gegen A.________ (nachfolgend: Gesuchsteller). Dieses 
Urteil im Verfahren PEN 13 270 wurde von der 2. Strafkammer des Obergerichts 
des Kantons Bern teilweise aufgehoben und zur Durchführung einer neuen Haupt-
verhandlung und zur Fällung eines neuen Urteils in Bezug auf die noch nicht 
rechtskräftig beurteilten Anklagepunkte an die Vorinstanz zurückgewiesen (Be-
schluss des Obergerichts des Kantons Bern SK 15 24 vom 9. Februar 2016). Der 
Grund für die Kassation war, dass eine Vielzahl von Einvernahmeprotokollen und 
anderen Dokumenten wegen Unverwertbarkeit aus den Akten zu entfernen waren 
respektive zumindest teilweise unkenntlich gemacht werden mussten. Die Kassati-
on erfolgte somit aus formellen Gründen.

1.2 Mit Verfügung vom 24. März 2016 gab die Gesuchsgegnerin bekannt, dass wie-
derum sie als Einzelrichterin die Hauptverhandlung im neu eröffneten Verfahren 
PEN 16 60, angesetzt auf den 14. Juni 2016, durchführen werde. Dagegen erhob 
der Gesuchsteller mit Schreiben an die Gesuchsgegnerin vom 27. April 2016 ein 
Ausstandsgesuch mit folgenden Anträgen: „1. Es wird verlangt, dass im Verfahren 
PEN 16 60 Frau Gerichtspräsidentin C.________ in den Ausstand tritt. 2. Das Ge-
richt habe die Neubeurteilung in veränderter (neuer) Gerichtsbesetzung vorzuneh-
men. - unter Kosten und Entschädigungsfolge -“. Zur weiteren Behandlung übermit-
telte die Gesuchsgegnerin das Ausstandsgesuch mit Brief vom 2. Mai 2016 inklusi-
ve der amtlichen Akten an die Beschwerdekammer in Strafsachen, ohne zum Ge-
such Stellung zu nehmen, wie es Art. 58 Abs. 2 StPO vorsehen würde. Mit Verfü-
gung vom 9. Mai 2016 setzte die Verfahrensleitung der Gesuchsgegnerin eine Frist 
von 10 Tagen, um eine Stellungnahme einzureichen. Mit Verfügung vom 10. Mai 
2016 verzichtete die Gesuchsgegnerin darauf.

2. Will eine Partei den Ausstand einer in einer Strafbehörde tätigen Person verlangen, 
so hat sie der Verfahrensleitung ohne Verzug ein entsprechendes Gesuch zu stel-

3

len, sobald sie vom Ausstandsgrund Kenntnis hat; die den Ausstand begründenden 
Tatsachen sind glaubhaft zu machen (Art. 58 StPO). Zuständig für den Entscheid 
ist die Beschwerdekammer (Art. 59 Ziffer 1 lit. b StPO). Die Prozessvoraussetzun-
gen sind erfüllt. Auf das form- und fristgerechte Ausstandsgesuch ist einzutreten.

3. Der Gesuchsteller macht geltend, dass die Gesuchsgegnerin in derselben Stellung 
bereits in der Sache befasst gewesen sei und daher ein Ausstandsgrund gemäss 
Art. 56 lit. f StPO vorliege. Bei der Urteilsfindung habe sie sich zu einem wesentli-
chen Teil auf unverwertbare Beweismittel gestützt. So stelle sie zur Begründung 
der Schuldsprüche im Verfahren PEN 13 270 gemäss der schriftlichen Urteilsbe-
gründung namentlich auf die nicht verwertbaren (ersten Aussagen) des Beschuldig-
ten und seiner Ehefrau ab. Weiter habe die Gesuchsgegnerin Anträge der Verteidi-
gung auf Unverwertbarkeit der Einvernahmen abgewiesen, womit sie zur Kassation 
des erstinstanzlichen Urteils beigetragen habe. Im gegen 50 Seiten umfassenden 
Urteil habe sie sich ausserdem an mehreren Stellen zur Glaubwürdigkeit des Ge-
suchstellers geäussert und seine Erklärungen mehrfach als Schutzbehauptungen 
qualifiziert. Dadurch habe sie sich eine fundierte Meinung gebildet. Ferner wolle die 
Gesuchsgegnerin, trotz der Hinweise im Beschluss SK 15 24, keine weiteren Be-
weiserhebungen vornehmen und auch den Beweisantrag der Verteidigung nicht 
gutheissen. Der Verfahrensausgang erscheine so nicht mehr als offen, sodass eine 
unzulässige Mehrfachbefassung und Befangenheit vorliege.

4.

4.1 Die verfassungsmässige Garantie von Art. 30 Abs. 1 der Bundesverfassung der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) gewährleistet jeder Person, de-
ren Sache in einem gerichtlichen Verfahren beurteilt werden muss, unter anderem 
den Anspruch auf ein unabhängiges und unparteiisches Gericht. Eine Gerichtsper-
son gilt als befangen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in 
ihre Unparteilichkeit zu erwecken. Solche Umstände können entweder in einer be-
stimmten persönlichen Einstellung zum Verfahrensgegenstand, einem persönlichen 
Verhalten der betreffenden Person oder in gewissen äusseren Gegebenheiten lie-
gen. Entscheidendes Kriterium ist, ob bei problematischen Konstellationen der 
Ausgang des Verfahrens bei objektiver Betrachtungsweise noch als offen erscheint 
(BOOG, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, 
N. 8 zu Vor Art. 56-60 StPO). Gemäss Art. 56 lit. f StPO tritt eine in einer Straf-
behörde tätige Person in den Ausstand, wenn sie aus anderen Gründen (als den in 
lit. a-e genannten), insbesondere wegen Freundschaft oder Feindschaft mit einer 
Partei oder deren Rechtsbeistand befangen sein könnte. Die Mehrfachbefassung 
eines Richters in der gleichen Stellung mit der gleichen Sache stellt nicht automa-
tisch einen Ausstandsgrund dar. Ein Richter kann nach der Kassation und Rück-
weisung seines Urteils grundsätzlich erneut tätig werden. Der Beurteilungsspiel-
raum bei der Neubeurteilung ist regelmässig begrenzt und der Richter an die Auf-
fassungen des oberinstanzlichen Gerichts gebunden. Anders sieht es aus bei Kas-
sationen aus rein formellen Gründen. In dieser Konstellation soll der Richter, der 
sich bereits einmal in der gleichen Sache festgelegt hat, noch einmal urteilen, und 
zwar ohne dabei an Weisungen gebunden zu sein. Der Verfahrensausgang er-

4

scheint in diesen Konstellationen nicht mehr ohne Weiteres als offen. Der Richter 
hat sich seine Meinung gebildet und diese auch geäussert (vgl. KELLER, in: Kom-
mentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 32 Art. 56 
StPO; siehe auch den Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern BK 15 176 
vom 3. August 2015). Wenn also zu erwarten ist, der Richter habe sich in Bezug 
auf einzelne Fragen bereits in einem Ausmass festgelegt, dass das Verfahren nicht 
mehr als offen erscheint, kann eine Mehrfachbefassung im Sinn von Art. 56 lit. f 
StPO relevant werden (BOOG, a.a.O., N. 28 und 61 zu Art. 56 StPO, mit weiteren 
Hinweisen).

4.2 Wie vorne unter Ziff. 1.1 beschrieben, kassierte die zuständige Strafkammer des 
Obergerichts das Urteil PEN 13 270 des Regionalgerichts Emmental-Oberaargau – 
soweit dieses noch nicht in Rechtskraft erwachsen war – wegen Rechtsverletzun-
gen formeller, das heisst verfahrenstechnischer Natur. Damit liegt eine Konstellati-
on vor, wie sie soeben unter Ziff. 4.1 umschrieben wurde: Die Gesuchsgegnerin hat 
sich bereits eingehend zur Glaubwürdigkeit von Aussagen des Gesuchstellers 
geäussert und sich eine fundierte Meinung zu den angeklagten Sachverhalten so-
wie zu den Erklärungen des Gesuchstellers gebildet. Es kann auf die voranstehen-
de Wiedergabe der gesuchstellerischen Ausführungen in Ziff. 3 verwiesen werden. 
Der Verfahrensausgang erscheint nicht mehr als offen, wenn das Gericht erneut in 
gleicher Besetzung materiell urteilen würde. Folglich liegt eine verfassungsrechtlich 
unzulässige Mehrfachbefassung und somit ein Ausstandsgrund nach Art. 56 lit. f 
StPO vor. Das Gesuch ist gutzuheissen.

5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt der Kanton Bern die Verfahrenskosten 
(Art. 59 Abs. 4 StPO). Das urteilende Gericht legt die Entschädigung des amtlichen 
Verteidigers am Ende des Verfahrens fest (Art. 135 Abs. 2 StPO).

5

Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Das Ausstandsgesuch wird gutgeheissen. Die Akten PEN 16 60 gehen zur Fortset-
zung des Verfahrens an die Geschäftsleitung des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau.

2. Die Kosten des Ausstandsverfahrens, bestimmt auf CHF 500.00, werden vom Kanton 
Bern getragen.

3. Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten/Gesuchsteller, a.v.d. Rechtsanwalt B.________
- der Gesuchsgegnerin (mit den Akten)

Bern, 17. Mai 2016 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Die Präsidentin:

Oberrichterin Schnell

Der Gerichtsschreiber:

Müller

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Be-
schwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.