# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bf209041-2d90-54f2-98c0-0c6e54ae7835
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-30
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 30.06.2023 OG.2022.00059 (OGS.2023.155)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2022-00059_2023-06-30.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Es wirken mit: Obergerichtspräsidentin Dr. iur. Petra Hauser,
  Oberrichterin Brigitte Müller, Oberrichterin Ruth Hefti, Oberrichter Martin
  Ilg und Kantonsrichterin Beatrice Lienhard sowie Gerichtsschreiber Dr. iur. Alfonso Hophan. 

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil
  vom 30. Juni 2023

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2022.00059

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
  Beschuldigter,
  Privatkläger und

  
	
  Berufungskläger

  
	
   

  
	
  vertreten
  durch Mag. iur. Alexander
  Prechtl, Rechtsanwalt,

  
	
  Freiestrasse 80, Postfach 1109, 8032 Zürich 

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  1. Staats-
  und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
  Postgasse 29, 8750 Glarus
  

  
	
  Anklägerin und

  
	
  Berufungsbeklagte

  
	
   

  
	
   

  
	
  2. B.______

  
	
  Beschuldigter und

  
	
  Berufungsbeklagter 1

  
	
   

  
	
  verteidigt
  durch MLaw Jacques
  Marti, Rechtsanwalt, Verteidiger,

  Gerichtshausstrasse 34, Postfach 1622, 8750 Glarus 

  
	
   

  
	
   

  
	
  3. C.______

  
	
  Beschuldigter und

  
	
  (ehemals)
  Berufungsbeklagter 2

  
	
   

  
	
  verteidigt
  durch lic. iur. Philipp Langlotz,
  Rechtsanwalt,

  
	
  Spielhof 14A, 8750 Glarus
  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Versuchte
  vorsätzliche Tötung,

  schwere Körperverletzung, Raufhandel

  
	
   

  
	
   

  
	
  Rechtsbegehren
  des Berufungsklägers (gemäss Eingabe vom 9. September 2022
  [act. 75], Protokoll der Berufungsverhandlung vom 5. Mai 2023
  [act. 99, S. 3] und Plädoyernotizen vom 5. Mai 2023
  [act. 101, S. 2], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei festzustellen, dass das
    Urteil des Kantonsgerichts Glarus vom 17. August 2022 bezüglich der
    Dispositivziffern 1, 3, 6, 8, 9, 10, 11, 12, 14, 15, 16, 17 und 18 in
    Rechtskraft erwachsen ist.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    B.______ sei der versuchten
    vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 i.V.m. Art. 21
    (recte: 22) Abs. 1 StGB, eventualiter der schweren
    Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB, subeventualiter der
    versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 i.V.m.
    Art. 21 (recte: 22) Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und
    angemessen zu bestrafen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    A.______ sei vom Vorwurf des
    Raufhandels freizusprechen; eventualiter sei er schuldig zu sprechen, im
    Sinne von Art. 54 StGB aber von einer Bestrafung abzusehen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Die vorinstanzlichen Verfahrenskosten,
    die Kosten des obergerichtlichen Verfahrens und die Kosten der amtlichen
    Verteidigung und der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung seien auf die
    Staatskasse zu nehmen.

    

  

  
	
   

  
	
  Antrag
  der Staatsanwaltschaft (gemäss Protokoll der Berufungsverhandlung vom
  5. Mai 2023 [act. 99, S. 3–4] und Plädoyernotizen vom
  5. Mai 2023 [act. 102, S. 1], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es
    sei die Berufung des Berufungsklägers A.______ vom 9. September 2022
    vollumfänglich abzuweisen und somit das Urteil des Kantonsgerichts vom
    17. August 2022 in allen Punkten zu bestätigen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Dies
    unter Kostenfolge zu Lasten des Berufungsklägers.

    

  

  
	
   

  
	
  Antrag
  des
  Berufungsbeklagten 1
  (gemäss Protokoll vom 5. Mai 2023 [act. 99, S. 4], sinngemäss):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es
    sei die Berufung abzuweisen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Unter
    Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Berufungsklägers.

    

  

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das Gericht   zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I. Prozessgeschichte

  
	
  1.  

  
	
  Am 18. Januar 2022 erhob die Staats- und
  Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus (nachfolgend: Staatsanwaltschaft)
  Anklage gegen B.______ wegen schwerer Körperverletzung im Sinne von
  Art. 122 StGB sowie gegen C.______ wegen versuchter vorsätzlicher Tötung
  im Sinne von Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB sowie gegen
  A.______ wegen einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123
  Ziff. 1 und Ziff. 2 Abs. 2 StGB und Übertretung des
  Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG i.V.m.
  Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG. Zusätzlich wurden alle drei des
  Raufhandels im Sinne von Art. 133 StGB angeklagt (act. 1 in den
  Verfahren SG.2022.00006–8).

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  Die mündliche Hauptverhandlung vor dem Kantongericht Glarus
  fand am 6. April 2022 statt (vgl. act. 37 ff.). Mit Urteil vom
  17. August 2022 sprach die II. Kammer des Kantonsgerichts des
  Kantons Glarus B.______ der einfachen Körperverletzung und des Raufhandels
  schuldig und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 26 Monaten, im
  Umfang von 13 Monaten bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei
  Jahren und unter Anrechnung der bereits erstandenen Untersuchungshaft; ferner
  wurde ein Landesverweis von acht Jahren ausgesprochen (act. 65,
  S. 71, Dispositivziffern 2, 5). C.______ sprach das Kantonsgericht
  der versuchten vorsätzlichen Tötung und des Raufhandels schuldig und
  verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 48 Monaten unter Anrechnung
  der erstandenen Untersuchungshaft; ferner wurde ein Landesverweis von
  15 Jahren ausgesprochen (act. 65, S. 71–72,
  Dispositivziffern 3, 6). A.______ schliesslich sprach das Kantonsgericht
  des Raufhandels und der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes schuldig und
  verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten, bedingt
  aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren sowie zu einer Busse von
  CHF 200.– (act. 65, S. 71–72, Dispositivziffern 4, 7).

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  Gegen dieses Urteil des Kantonsgerichts erhob A.______
  (nachfolgend: Berufungskläger) mit Eingabe vom 9. September 2022 beim
  Obergericht rechtzeitig Berufung mit dem Antrag, er sei vollumfänglich
  freizusprechen, demgegenüber aber B.______ wegen schwerer Körperverletzung zu
  verurteilen sowie dieser zusammen mit C.______ zu einer solidarischen
  Genugtuungszahlung zu verpflichten (act. 75). Sowohl die
  Staatsanwaltschaft wie auch B.______ (nachfolgend: Berufungsbeklagter 1)
  und C.______ (nachfolgend: Berufungsbeklagter 2) verzichteten auf die
  Stellung eines begründeten Nichteintretensantrags sowie auf die Erklärung
  einer Anschlussberufung (act. 80, 83).

  
	
   

  
	
  4.  

  
	
  Der Berufungsbeklagte 1 wurde am 26. August 2022
  und der Berufungsbeklagte 2 am 15. April 2023 aus dem Strafvollzug
  entlassen, woraufhin eine Ausschaffung ins Ausland erfolgte (act. 95).
  In Anwendung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wurden die im Ausland
  sich befindlichen Berufungsbeklagten 1 und 2 zur Berufungsverhandlung
  nicht vor- sondern ohne Säumnisfolgen eingeladen (BGE 140 IV 86
  E. 2 S. 88–92). An ihrer statt wurden ihre Verteidiger zum
  persönlichen Erscheinen verpflichtet (act. 89, S. 2;
  act. 91–92).

  
	
   

  
	
  5.  

  
	
  Am 5. Mai 2023 fand vor dem Obergericht die mündliche
  Berufungsverhandlung statt (act. 98 ff.). Da der Berufungskläger zu
  Beginn der Berufungsverhandlung den Antrag auf solidarische
  Genugtuungszahlung zurückzog, wurde das Verfahren gegenüber dem
  Berufungsbeklagten 2 gegenstandslos und verliess dessen Verteidiger die
  Berufungsverhandlung (act. 99, S. 3–4), wobei er seine Honorarnote
  selbigentags zustellte (act. 105). Dem Berufungsbeklagten 2 kommt
  im vorliegenden Verfahren keine Parteistellung mehr zu. Die anderen beiden
  Vertreter reichten ihre Honorarnoten anlässlich der Berufungsverhandlung ein
  (act. 103–104).

  
	
   

  
	
  6.  

  
	
  Am 30. Juni 2023 fällte das Obergericht seinen
  Entscheid (act. 107). Dieser wird schriftlich eröffnet, nachdem die
  Parteien auf eine mündliche Urteilsbekanntgabe ausdrücklich verzichtet haben
  (Art. 84 Abs. 3 StPO; act. 99, S. 15).

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Formelles

  
	
  1.  

  
	
  Das Urteil der II. Kammer des Kantonsgericht vom
  17. August 2022 stellt ein taugliches Anfechtungsobjekt dar
  (Art. 398 Abs. 1 StPO). Die Berufungskläger ist als Beschuldigter
  und Privatkläger zur Berufung legitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO),
  hat die Rechtsmittelfrist gewahrt und erhebt zulässige Rügen (Art. 398
  Abs. 3 StPO; vgl. act. 65, S. 77 [Versand am 23. August
  2022], act. 73 [Zustellung am 24. August 2022] und act. 75
  [Berufung vom 9. September 2022]). Das Obergericht ist
  Rechtsmittelinstanz in Strafsachen für die Behandlung von Berufungen
  (Art. 17 Abs. 1 lit. a des Gerichtsorganisationsgesetzes vom
  5. September 2022 [GS III A/2; GOG]). Auf die Berufung ist einzutreten
  (Art. 398 ff. StPO).

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  Nach Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung
  Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des
  Ermessens, Rechtsverweigerungen und Rechtsverzögerungen (lit. a), die
  unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b)
  sowie Unangemessenheit (lit. c) gerügt werden.

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung des
  vorinstanzlichen Urteils aufschiebende Wirkung (Art. 402 StPO).
  Vorliegend wendet sich der Berufungskläger gegen die erstinstanzlich erfolgte
  Verurteilung von ihm selber und von dem Berufungsbeklagten 1 und die
  damit verbundenen Rechtsfolgen (vgl. die eingangs wiedergegebenen Anträge).
  Somit hat das Obergericht das vorinstanzliche Urteil im Schuld- und
  Strafpunkt sowie in Bezug auf die daraus folgende Sanktionen und die Kosten-
  und Entschädigungsregelung zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO),
  wobei es am Ende ein neues Urteil fällt (Art. 408 StPO).

  
	
   

  
	
  4.  

  
	
  Die Aktenführung für alle drei Verfahren SG.2022.00006–8
  erfolgte unter der Verfahrensnummer SG.2022.00006 (vgl. act. 65,
  E. I./1., S. 7). Die Akten des vorinstanzlichen Verfahrens
  SG.2022.00006 (act. 1–74) wurden beigezogen. Die Strafuntersuchungsakten
  der Verfahren SA.2020.00730, SA.2020.000731 und SA.2020.00799 bilden
  integrierenden Bestandteil der vorinstanzlichen Akten (act. 2).

  
	
   

  
	
   

  
	
  III. Verwertbarkeit

  
	
  1.  

  
	
  Die Vorinstanz ging in Bezug
  auf die vom Berufungskläger gemachten Aussagen in den Einvernahmen vom
  14. September 2020 und vom 30. September 2021 von einer
  Unverwertbarkeit im Sinne von Art. 147 Abs. 4 StPO gegenüber den
  Berufungsbeklagten 1 und 2 aus. Hierbei wurde aber gleichzeitig
  hervorgehoben, dass sie etwa zulasten des Berufungsklägers weiterhin als
  Beweise zulässig seien (act. 65, E. II./3.7., S. 12).

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  Der Berufungskläger rügte diese Feststellung vor
  Obergericht, da bei den (anfänglich) getrennt geführten Verfahren die jeweils
  Beschuldigten eben keine Parteistellung in den anderen Verfahren hätten und
  somit auch keine Teilnahmerechte im Sinne von Art. 147 Abs. 1 StPO
  bestehen würden (act. 101).

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  Vorliegend ist zunächst der Schuldpunkt des
  Berufungsklägers angefochten, in Bezug auf welchen eine Verwertbarkeit seiner
  eigenen Aussagen gegeben ist. In Bezug auf den Berufungsbeklagten 1 ist
  nicht der Sachverhalt strittig, sondern dessen rechtliche Qualifikation hinsichtlich
  der Frage, ob es sich um eine einfache oder schwere Körperverletzung oder
  eventuell um eine versuchte vorsätzliche Tötung in Mittäterschaft handelt. Da
  vorliegend für alle drei Tatbestände von dem (in diesem Punkt) vorinstanzlich
  überzeugend festgestellten und vom Berufungsbeklagten 1 nicht
  angefochtenen Sachverhalt ausgegangen wird und da ferner der
  Berufungsbeklagte 1 keine Unverwertbarkeit geltend macht, erübrigt sich
  eine weitere Auseinandersetzung mit dieser Frage.

  
	
   

  
	
   

  
	
  IV. Sachverhalt

  
	
  1.  

  
	
  1.1. Zur
  Feststellung des massgeblichen Sachverhalts hat das Gericht zunächst
  sämtliche prozessual zulässigen Beweismittel zu erfassen, welche zur
  Feststellung des tatbestandserheblichen Sachverhalts beitragen können.
  Anschliessend hat das Gericht die als relevant erkannten Beweise frei und
  umfassend zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO) und seine Erkenntnis
  als Beweisergebnis festzustellen. Dieses Beweisergebnis kann je nach
  Würdigung als gesichert erscheinen, sofern vorhandene Widersprüche bereinigt
  werden konnten, oder aber mit Unsicherheiten behaftet bleiben (vgl. zum
  Ganzen BGE 144 IV 345 E. 2.2.3.2).

  
	
   

  
	
  1.2. Liegen
  für einen eingeklagten Sachverhalt keine direkten Beweise vor, ist auch der
  sog. indirekte Beweis gestützt auf Indizien zulässig. Hierbei wird aus
  bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen
  sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache
  geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, welche für sich alleine nur mit
  einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweisen
  und einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offenlassen, können
  einen Anfangsverdacht verstärken und in ihrer Gesamtheit ein Bild erzeugen,
  das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich der Sachverhalt
  so verwirklicht hat.

  
	
   

  
	
  1.3. Steht
  zudem Aussage gegen Aussage, ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den
  Akten ergeben, zu untersuchen, welche Sachverhaltsdarstellung überzeugend
  ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt,
  verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Es zählt dabei
  nicht primär die Persönlichkeit oder die allgemeine Glaubwürdigkeit der
  aussagenden Person, sondern die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess
  relevanten Aussagen. Diese sind einer kritischen Würdigung zu unterziehen,
  wobei auf das Vorhandensein von sogenannten Realitätskriterien wie etwa die
  logische Konsistenz, Konstanz und Folgerichtigkeit in der Darstellung des
  Geschehensablaufes, die konkrete und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses
  sowie eine unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle Gewicht zu legen ist.
  Als Hinweis für unglaubhafte Aussagen gelten hingegen etwa Strukturbrüche in
  den Schilderungen, laufende Anpassungen der Aussagen oder wenn Aussagen
  unstimmig oder widersprüchlich sind (BGE 133 I 33 E. 4.3
  S. 45; BGE 129 I 49 E. 5 S. 58; BGE 128 I 81
  E. 2 S. 85–86, je m.w.H.; BSK StPO-Hauri/Venetz,
  N 22 zu Art. 343 StPO).

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  Am Samstag, den 15. August 2020, zwischen
  ca. 23.30–23.50 Uhr, kam es nahe des Bahnhofs Ziegelbrücke zu einer
  verbalen Diskussion und anschliessend zu einer gewalttätigen
  Auseinandersetzung zwischen dem in unmittelbarer Nähe in Ziegelbrücke
  wohnhaften A.______ und B.______ sowie C.______, beide eritreische
  Staatsbürger, im Ausland wohnhaft und nur ferienhalber in der Schweiz. Die
  strafrechtlich relevanten Umstände dieser gewalttätigen Auseinandersetzung
  sind umstritten und werden nachfolgend zu klären sein. In Folge der ihm mit
  einem Golfschläger, mit Faustschlägen und Fusstritten zugeführten Verletzungen
  musste A.______ mit der Rega ins Kantonsspital St. Gallen geflogen
  werden, wodurch allein dessen Tod verhindert werden konnte.

  
	
   

  
	
  Die Örtlichkeiten, an welchen sich dieser Vorfall
  ereignete, sind allesamt auf dem untenstehenden Kartenausschnitt erfasst
  (vgl. Abb. 1). Auf die dort von der Staatsanwaltschaft markierten
  Positionen ("A"–"F") wird in der nachfolgenden Erstellung
  des Sachverhalts Bezug genommen.

  
	
  	
    

    

  Abb. 1: Übersicht des Tatortes
  mit folgenden Punkten gem. kriminaltechnischem Bericht vom 30. September
  2020 (act. 2/8.1.05, S. 3; Quelle für Kartenmaterial:
  map.geo.admin.ch).

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  3.1. Dem
  Berufungskläger wird in der Anklageschrift vorgeworfen, dass er auf dem
  Fussweg zur Berufsschule zwischen dem [...] 13
  (Position "A") und dem Bahnhof Ziegelbrücke
  (Position "D"), den Berufungsbeklagten 1 mit einem
  Golfschläger auf den linken Oberarm geschlagen habe, wodurch er diesem
  zumindest eine schmerzhafte Prellung am linken Oberarm zugefügt habe. Dem
  Berufungsbeklagten 1 wird in der Anklageschrift vorgeworfen, dass er den
  Berufungskläger – während der Berufungsbeklagte 2 diesem den
  Golfschläger mindestens viermal kraftvoll auf den Kopf geschlagen habe – mit
  Fäusten und Fusstritten auf den Körper, insbesondere den Brustkorbbereich,
  geschlagen habe (act. 1, S. 2).

  
	
   

  
	
  3.2. Die
  Vorinstanz gelangte nach Würdigung der vorhandenen Indizien zum Schluss, dass
  der eingeklagte Sachverhalt erstellt sei (act. 65, E. IV./4.,
  S. 28). Der Berufungskläger wendet sich gegen diesen Schuldspruch und
  bestreitet den eingeklagten Sachverhalt (act. 101, S. 4 ff.,
  11 ff). Damit ist die Sachverhaltswürdigung der Vorinstanz zu
  überprüfen.

  
	
   

  
	
  4.  

  
	
  4.1. Vorliegend
  ist unstrittig, dass es in der Nacht vom Samstag, den 15. August
  2020, zwischen ca. 23.30–23.48 Uhr zu einer gewalttätigen
  Auseinandersetzung zwischen dem Berufungskläger einerseits und den beiden
  Berufungsbeklagten andererseits kam. Die Berufungsbeklagten 1 und 2 sind
  geständig, dass der Berufungsbeklagte 2 dem Berufungskläger den
  Golfschläger weggenommen und ihn damit mehrmals auf den Kopf, Schulter und
  den Rücken geschlagen habe, während der Berufungsbeklagte 1 ihn
  gleichzeitig mit Fäusten und Fusstritten geschlagen habe (vgl. act. 65,
  E. IV./2.1.–2.2., S. 14–18).

  
	
   

  
	
  4.2. Strittig
  und zu klären ist somit vorliegend, wie die gewalttätige Auseinandersetzung
  begann und namentlich ob der Berufungskläger einen ersten Schlag mit dem
  Golfschläger gegen den Berufungsbeklagten 1 ausführte.

  
	
   

  
	
  4.2.1. Aussagen
  des Berufungsbeklagten 1

  
	
  4.2.1.1.  
  Zum vorangehenden Kontakt

  
	
  Der
  Berufungsbeklagte 1 gab in seiner polizeilichen Einvernahme vom
  16. August 2020 an, zusammen mit dem Berufungsbeklagten 2 auf dem
  Weg nach Hause gewesen zu sein, als der Berufungskläger sie am Vorbeigehen
  gehindert und gewarnt habe, sie dürfen nicht passieren, weil die Personen in
  den umliegenden Häusern am Schlafen seien (act. 2/10.1.01, F. 8–9).
  Sonst habe der Berufungskläger nichts gesagt (act. 2/10.1.01,
  F. 16). An seiner Einvernahme vom 17. August 2020 gab er weiter an,
  der Berufungskläger habe ihnen gesagt, sie "sollen zurück, es schlafe
  jemand" (act. 2/10.1.02, F. 4). In den nachfolgenden
  Einvernahmen verweigerte er die Aussage resp. verwies auf die bereits
  gemachten Aussagen (bspw. act. 2/10.1.03, F. 5). Der
  Berufungsbeklagte 2 bestätigte ihn in dieser Sachverhaltsdarstellung:
  Der Berufungskläger habe sie aufgehalten und ihnen gesagt, dass sie die
  Umgebung stören würden, worauf sie ihm erwidert hätten, sie seien auf dem
  Heimweg, hätten keinen Lärm gemacht und dass sie weitergehen würden
  (act. 2/10.2.02, F. 7, 13, 36–38). In weiteren Einvernahmen verwies
  auch der Berufungsbeklagte 2 auf die bereits gemachten Aussagen (bspw.
  act. 2/10.2.03, F. 12; act. 2/10.2.04, Rz. 66).

  
	
   

  
	
  4.2.1.2.   Zum behaupteten
  Schlag durch den Berufungskläger

  
	
  Weiter gab der
  Berufungsbeklagte 1 anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom
  16. August 2020 an, der Berufungskläger habe ihn – nach dem kurzen
  Wortwechsel – mit einem "Stock" geschlagen (act. 2/10.1.01,
  F. 8). Zur genauen Beschaffenheit des "Stocks" konnte er
  nichts sagen, da er ihn nicht gehalten habe und es dunkel gewesen sei
  (act. 2/10.1.01, F. 23). Aufgrund dieses Schlages auf den linken
  Oberarm habe er eine Verletzung erhalten (act. 2/10.1.01, F. 24).
  Dies bestätigte er an der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
  17. August 2020, anlässlich welcher er übereinstimmend angab, der Streit
  habe damit angefangen, dass der Berufungskläger ihn auf den linken Oberarm
  geschlagen habe (act. 2/10.1.02, F. 4). In der polizeilichen
  Einvernahme vom 30. Oktober 2020 sagte er aus, er sei einmal am Arm
  durch den Berufungskläger geschlagen worden, wobei er hiervon keine
  Verletzung fortgetragen habe (act. 2/10.1.03, F. 8). Es habe sich
  dabei um einen Stock gehandelt, wobei er nicht sicher sei, ob es der
  Golfschläger sei (act. 2/10.1.03, F. 10–12). In jedem Fall sei es
  ausgeschlossen, dass er den Schlag irrtümlicherweise vom
  Berufungsbeklagten 2 erhalten habe (act. 2/10.1.03, F. 13). In
  der ebenfalls am 30. Oktober 2020 durchgeführten Einvernahme (diesmal
  als beschuldigte Person) bestätigte er, sich gewehrt zu haben, weil er
  geschlagen worden sei (act. 2/10.1.04, F. 9). Anlässlich der
  Hauptverhandlung vom 6. April 2022 gab er vor der Vorinstanz an, der
  Berufungskläger habe die Auseinandersetzung begonnen, als er ihn mit einem
  Stock auf den linken Arm geschlagen habe (act. 51, F. 15). All diese
  Aussagen bestätigt der Berufungsbeklagte 2 (act. 2/10.2.02,
  F. 7, 9, 38–39; act. 2/10.2.03, F. 21; act. 51,
  F. 23).

  
	
   

  
	
  4.2.1.3.   Zur räumlichen
  Entwicklung der Auseinandersetzung

  
	
  Der Berufungsbeklagte 1 sagte hierzu einzig an seiner
  polizeilichen Einvernahme vom 16. August 2020 etwas aus, nämlich dass
  der Berufungskläger während der Auseinandersetzung in Richtung [...] und
  "ins erste Haus dort" gegangen sei (Position "A").
  Sie seien ihm gefolgt und von dort aus weiter auf dem [...] nach Hause
  gegangen (act. 2/10.1.01, F. 15). Der Berufungsbeklagte 2
  machte hierzu keinerlei Aussagen.

  
	
   

  
	
  4.2.1.4.  
  Würdigung der Aussagen

  
	
  In ihrer Würdigung
  stellte die Vorinstanz fest, dass die Aussagen der Berufungsbeklagten
  praktisch deckungsgleich seien (act. 65, E. IV./2.5., S. 23).
  Dem entgegnete der Berufungskläger anlässlich der Berufungsverhandlung, dass
  dies daher rühre, dass die Aussagen "äusserst dürftig" seien,
  insbesondere sei die Schilderung des angeblichen Schlags mit dem Golfschläger
  detailarm und enthalte keine Realitätskriterien (act. 101,
  S. 12–13). Sodann aber sei offensichtlich, dass es sich um konstruierte
  und abgesprochene Schutzbehauptungen handle, hätten doch die
  Berufungsbeklagten vom Zeitpunkt der Tat bis zu ihrer Verhaftung etwa eine
  Stunde Zeit gehabt und während dieser Zeit auch verschiedene
  Kollusionshandlungen vorgenommen (wie etwa die Kleider wechseln, das
  blutverschmierte T-Shirt waschen etc.). Aktenkundig sei, dass die beiden mit
  der Schwester des Berufungsbeklagten 2, [...] (nachfolgend: Schwester),
  sowie mit deren Lebenspartner, [...] (nachfolgend: Lebenspartner der
  Schwester), gesprochen hätten. Darum sei davon auszugehen, dass sich die
  Berufungsbeklagten die Geschichte mit dem Schlag ausgedacht hätten, um eine
  Notwehrsituation zu konstruieren (act. 101, S. 13–14). Demgegenüber
  erachtet die Staatsanwaltschaft die Aussagen als "kongruent und
  widerspruchsfrei" sowie "in sich doch sehr verschieden", worin
  sich eben zeige, dass sie "mit ihren eigenen Worten und eigenen
  Ausdrücken […] eigenes Erlebtes" wiedergeben würden (act. 102,
  S. 4). In Übereinstimmung mit der Vorinstanz erachtete die
  Staatsanwaltschaft das Zeitfenster für Kollusion als "viel zu eng"
  (act. 102, S. 4; act. 65, E. IV./3.2., S. 26).

  
	
   

  
	
  Zutreffend ist,
  dass die Aussagen der Berufungsbeklagten jeweils sehr knapp ausfallen, kaum
  Details enthalten (was zumindest teilweise der Übersetzung geschuldet sein
  kann) und in späteren Einvernahmen nicht mehr wiederholt werden. Obwohl die
  Aussagen tatsächlich weitgehend deckungsgleich sind, bestehen doch bei genauerer
  Analyse gewisse Unstimmigkeiten. So etwa beim Ort, an dem sie der
  Berufungskläger angehalten habe und welcher – ihrer Sachverhaltsdarstellung
  nach – auch dem Tatort entsprechen soll: Der Berufungsbeklagte 1 gab an,
  bei "diese[r] Gasse" angehalten worden zu sein, womit sehr
  wahrscheinlich die Einmündung des Kieswegs in den [...] gemeint ist (vor der
  Position "A"), sagte er doch im selben Zusammenhang, der
  Berufungskläger habe sie "am Vorbeigehen hindern [wollen], dort bei den
  Häusern" (act. 2/10.1.01, F. 8). Dies scheint sich auf den
  ersten Blick mit der (äusserst) vagen Angabe des Berufungsbeklagten 2 zu
  decken, wonach sie den Berufungskläger "auf dem Weg nach Hause"
  angetroffen hätten (act. 10.2.02, F. 7). Jedoch zeichnete der
  Berufungsbeklagte 1 – als er nach dem Tatort gefragt wurde – diesen beim
  linksseitigen Ende der Fussgängerbrücke ein (Position "C"),
  wobei ein Pfeil den Weg der Berufungsbeklagten über die Brücke signalisieren
  soll (act. 2/10.1.01, F. 15: "Ja, der Tatort ist mit einem X
  gekennzeichnet"; vgl. hierzu act. 2/10.1.01, Beilage).

  
	
  	
    

    

  Abb. 2:
  Einzeichnung des Tatorts gem. dem Berufungsbeklagten 1

  (act. 2/10.1.01, Beilage)

  
	
  Ob dieser
  eingezeichnete Kiesweg als jene oben erwähnte "Gasse" bezeichnet
  werden kann, ist zumindest fraglich. Allein auch hier darf einem einzelnen
  Wort nicht zu viel Gewicht beigemessen werden, das eventuell Ergebnis einer
  ungenauen Übersetzung ist. Ebenso bedeutend, wie der Umstand, dass sich diese
  Zeichnung des Berufungsbeklagten 1 nicht mit seiner eigenen Aussage deckt,
  erscheint auch der Umstand, dass sich diese Zeichnung durchaus mit der
  Schilderung des Lebenspartners der Schwester deckt, wie ihm diese noch in der
  Tatnacht (unmittelbar nach dem Vorfall und kurz vor der Verhaftung)
  mitgeteilt worden sein musste. Der Lebenspartner der Schwester gab dies
  folgendermassen wieder:

  
	
  "Bei der Brücke in Ziegelbrücke, beim Bahnhof. Eine
  Person hielt beide an, dass sie den Weg, welchen sie langgelaufen [sic]
  wollten, nicht laufen dürfen." (act. 2/18.2., Einvernahme vom
  28. August 2020, F. 8)

  
	
  "[Die] zwei (B.______ und C.______) wollten vom
  Bahnhof her über die Brücke gehen. Die Person sagte, dass sie hier nicht
  durchgehen dürfen." (act. 2/18.2., Einvernahme vom 28. August
  2020, F. 24).

  
	
  Der
  Berufungsbeklagte 2 widerspricht aber dieser Sachverhaltsdarstellung
  diametral. Als er seinerseits gebeten wurde, den Tatort einzuzeichnen,
  zeichnete er diesen folgendermassen auf der Karte mit dieser Bemerkung ein:

  
	
  "Der Kreis bezeichnet die Wiese, auf welcher wir uns
  den ganzen Abend aufgehalten haben. Das X bezeichnet den Tatort. Die
  Fussgängerbrücke zum Bahnhof haben wir den ganzen Abend nicht
  überquert." (act. 2/10.2.02, F. 12)

  
	
  	
    

    

  Abb. 3:
  Einzeichnung des Tatorts gem. dem Berufungsbeklagten 2

  (act. 2/10.2.02, Beilage)

  
	
  Nach dieser letzten
  Sachverhaltsdarstellung wären die Berufungsbeklagten also vom Sitzplatz
  (Position "E") her kommend, auf den Berufungskläger gestossen.
  Damit widerspricht er nicht nur den (verschiedenen) Aussagen des
  Berufungsbeklagten 1, er macht auch eine aktenwidrige Aussage mit Bezug
  auf die Fussgängerbrücke, welche die beiden in Tat und Wahrheit mehrfach
  überquerten: Einmal am frühen Abend, um das Bier einzukaufen
  (act. 2/10.2.02, F. 31; vgl. die Bilder der Videoüberwachungsanlage
  im avec-Shop in act. 2/8.1.02, S. 2–6) sowie kurz vor dem
  Vorfall noch einmal, um ihre nicht identifizierte Bekannte auf den Zug zu
  bringen (vgl. act. 2/8.1.02, S. 6: Die Berufungsbeklagten wurden um
  23.29 Uhr [recte: 23.19 Uhr] und 23.45 Uhr [recte:
  23.35 Uhr] von der Videoüberwachungsanlage im avec-Shop erfasst).
  Der Berufungsbeklagte 2 verstrickt sich mit Bezug auf diese nicht
  identifizierte Bekannte auch noch in weitere Widersprüche, etwa wenn er
  zunächst aussagt, sie seien "den ganzen Abend an einer Wiese zu
  zweit" gewesen (act. 2/10.2.02, F. 7), während er in einer
  späteren Einvernahme eingesteht (und auch aktenkundig ist), dass sie
  mindestens zu dritt waren (act. 2/10.2.03, F. 33–41; vgl. die
  Bilder in act. 2/8.1.03). Es kann somit zusammenfassend von einer nur in
  ihren gröbsten Zügen einheitlichen Sachverhaltsdarstellung der
  Berufungsbeklagten ausgegangen werden.

  
	
   

  
	
  Schliesslich kann
  aber auch bei diesem in seinen gröbsten Zügen übereinstimmend geschilderten
  Kerngeschehen eine Kollusion nicht ausgeschlossen werden. Die vorinstanzliche
  Feststellung, wonach die Berufungsbeklagten "nicht einmal eine volle
  Stunde auf freiem Fuss" (act. 65, E. IV./3.2., S. 25)
  gewesen seien, genügt hierzu jedenfalls nicht; ist doch eine Stunde – wie die
  Verteidigung des Berufungsklägers zurecht einwendet (act. 101,
  S. 13) – keineswegs zu knapp bemessen, um sich abzusprechen. Immerhin
  ist aktenkundig, dass die Berufungsbeklagten während der "knapp[en]
  Viertelstunde 'zuhause'" mehrere Handlungen vornahmen, die als Kollusion
  zu werten sind (Deponierung der Tatwaffe, die später im Niederurner Dorfbach
  entsorgt wurde; Gespräche mit der Schwester und dem Lebenspartner der
  Schwester, gegen die später eine Strafanzeige wegen Begünstigung erging [vgl.
  act. 2/18.2]; Wechseln der blutverschmierten Kleider, die später gewaschen
  wurden), allesamt Handlungen, welche der Berufungsbeklagte 1 nicht
  erklären kann (act. 2/10.1.04, F. 20, 22–26). Es ist somit
  naheliegend und kann aufgrund der Aussagen nicht ausgeschlossen werden, dass
  die Berufungsbeklagten auf ihrem rund 1.4 Kilometer langen und in
  ca. 17 Minuten bewältigbaren Weg vom Tatort zum Wohnort der Schwester
  sich kollusionsweise auf eine in ihren groben Zügen übereinstimmende, in
  ihren Details aber noch ungenaue Sachverhaltsdarstellung einigten.

  
	
   

  
	
  4.2.2. Aussagen
  des Berufungsklägers

  
	
  4.2.2.1.   Zum
  vorangehenden Kontakt

  
	
  Der Berufungskläger
  gab an, die Berufungsbeklagten erstmals am frühen Abend des 15. Augusts
  2020 gesehen zu haben, als er zum Bahnhof ging und diese gerade die Brücke in
  die entgegengesetzte Richtung überquerten (act. 2/10.3.01, F. 7;
  act. 100, F. 39, 56). Mit ihnen sei noch eine Frau gewesen und sie
  hätten bereits Bier mit sich getragen (act. 2/10.3.03, Rz. 57–58).
  Es sei zu diesem Zeitpunkt eine grössere Gruppe von etwa einem Dutzend
  Personen dort gewesen (act. 2/10.3.03, Rz. 58–59).

  
	
   

  
	
  Als er schon des
  Nachts nach Hause zurückkehrte, habe er wahrgenommen, wie die
  Berufungsbeklagten 1 und 2 noch am Ufer der Linth sassen (act. 100,
  F. 40, 56). Sie hätten Bier getrunken und laute Musik gehört, weshalb er
  ihnen zurief, sie sollen etwas leiser sein, da die Nachbarschaft am Schlafen
  sei. Hierauf hätten sie ihm in schlechtem Deutsch geantwortet, er solle
  seinen Mund halten (act. 2/10.3.01, F. 7) und er solle sich
  "verpissen" (act 2/10.3.03, Rz. 68–69), worauf er ihnen
  seinerseits beschimpfend geantwortet habe (act. 2/10.3.03,
  Rz. 69–70; act. 51, F. 37),

  
	
   

  
	
  Als er nach Hause
  zurückgekehrt sei, habe er im obersten Stock in seinem Haus einen Joint
  gerollt (act. 2/10.3.01, F. 7; act. 100, F. 53–54, 63).
  Vom dortigen gekippten Fenster aus (vgl. das mit einem Kreuz markierte
  Fenster in act. 2/8.1.05, S. 19, Bild 33) habe er gesehen und
  gehört, wie die Berufungsbeklagten von ihrem Sitzplatz aus Bierdosen in ein
  Gebüsch in Richtung der Linth traten (act. 2/10.3.03, Rz. 70–71;
  act. 51, F. 37; act. 100, F. 53, 57–63; vgl. die
  eingezeichnete Stelle der Berufungsbeklagten in act. 2/8.1.05,
  S. 22, Bild 38). Seiner Ansicht nach sei ihr Ziel gewesen, die
  Bierdosen über ein dortiges Gebüsch in die Linth zu treten (act. 2/10.3.01,
  F. 7). Die Bierdosen habe er von seinem Fenster aus gut sehen können,
  denn "Wasser reflektiert Aludosen" (act. 51, F. 42),
  dies, da die auf der anderen Seite der Linth befindliche Bahnhofsbeleuchtung
  alles erhelle (act. 100, F. 53).

  
	
   

  
	
  Er habe sodann vor
  seinem Haus gewartet, bis die Berufungsbeklagten weggingen
  (act. 2/10.3.01, F. 7; act. 51, F. 37). Er habe gesehen,
  wie sie in Richtung Bahnhof weggingen (act. 100, F. 56, 64). Erst
  als sie weg gewesen seien, sei er zu ihrem Sitzplatz (Position "E")
  gegangen, um die "Sauordnung" aufzuräumen (act. 2/10.3.03,
  Rz. 75–76; act. 100, F. 56, 64).

  
	
   

  
	
  4.2.2.2.  
  Zum Aufräumen der Bierdosen mit dem Golfschläger

  
	
  Der Berufungskläger
  gab an, früher Fischer an der Linth gewesen zu sein und das Fischerpatent
  gehabt zu haben (act. 2/10.3.03, Rz. 77–78). Das Linthufer [...]
  sei im Sommer jeweils stark von "Böötlern" frequentiert
  (act. 100, F. 52). Seit langem beobachte er daher mit Sorge ein
  Littering-Problem (act. 2/10.3.02, F. 20); jedes Wochenende gäbe es
  eine "Unordnung" (act. 2/10.3.03, Rz. 93). Seiner
  Betroffenheit gab er anlässlich der Berufungsverhandlung folgendermassen
  Ausdruck:

  
	
  "Mir war es ein Bedürfnis, denn es passiert immer
  häufiger. Machen Sie sich selber ein Bild, wie es im Sommer dort aussieht.
  Und dann sagen Sie mir noch einmal, ob das nicht böse ist, was dort
  ist." (act. 100, F. 85)

  
	
  Aus diesem Grund
  habe er schon öfters dort den Abfall aufgenommen, unter anderem auch mit dem
  zuständigen Linthingenieur [...] (act. 100, F. 51; act. 51,
  F. 41). Über das Littering habe er zudem auch schon mit der
  Kantonspolizei gesprochen, welche ihm geraten habe, aufgrund des Coronavirus
  den Abfall nicht mit der blossen Hand aufzunehmen (act. 2/10.3.01,
  F. 7; act. 2/10.3.02, F. 20; act. 2/10.3.03,
  Rz. 157–161; act. 51, F. 40; act. 100, F. 85).
  Stattdessen solle er eine Schaufel oder einen Stock mitnehmen
  (act. 2/10.3.03, Rz. 157–161; act. 52, F. 40;
  act. 100, F. 66). Auch in der Nacht des Vorfalls habe er "die
  Dosen, welche an der Linth im Gebüsch liegen[,] entfernen gehen" wollen
  (act. 2/10.3.01, F. 7; act. 2/10.3.03, Rz. 76). Die Linth
  habe zu diesem Zeitpunkt relativ viel Wasser geführt und er habe vermeiden
  wollen, dass die Bierdosen in die Linth gelangen (act. 2/10.3.03,
  Rz. 76–78). Dies habe er in derselben Nacht, und nicht erst am nächsten
  Tag machen wollen, weil tagsüber zahlreiche "Böötlifahrer" kommen
  und die Dosen möglicherweise in die Linth treten würden (act. 100,
  F. 52; act. 51, F. 41: "[…] wenn Badegäste da sind,
  passiert es oft, dass Dosen im Wasser landen"). Zu diesem Zweck habe er
  den Golfschläger mitgenommen, der aufgrund seiner Schaufel und der Hakenform
  ein ideales Werkzeug gewesen sei (act. 2/10.3.03, Rz. 157–161;
  act. 51, F. 40; act. 100, F. 66). Dieser habe sich gut
  geeignet (vgl. act. 2/10.3.01, F. 7; act. 2/10.3.02,
  F. 21: "Ich zog oder fischte die Dosen mit dem Schläger aus dem
  Gebüsch […]"). Er gab aber auch zu, dass das mit dem Golfschläger etwas
  improvisiert gewesen sei, er habe es auch das erste Mal damit versucht
  (act. 2/10.3.02, F. 23). Dieser sei einfach "gerade
  verfügbar" gewesen (act. 2/10.3.03, F. 157–161), womit der
  Berufungskläger wohl auch die Griffbereitschaft im Geräteschuppen meint (vgl.
  act. 2/8.1.05, S. 20, Bild 34). Auf die Möglichkeit
  angesprochen, dass er den Golfschläger als Waffe ausgewählt haben könnte,
  antwortete der Berufungskläger dass er den leichtesten Golfschläger
  mitgenommen habe, was er nicht getan hätte, wenn er die Berufungsbeklagten
  hätte verletzen wollen (act. 2/10.3.01, F. 7, 12). Überdies habe
  die Kantonspolizei seinen Geräteschuppen angesehen und dabei feststellen
  können, dass andere Instrumente darin weitaus besser als Waffe getaugt hätten
  (act. 100, F. 66). Nach dem Dafürhalten des Berufungsklägers mache
  die Annahme, wonach er einen Golfschläger genommen habe, um zwei Personen
  damit anzugreifen, "gar keinen Sinn" (act. 100, F. 66).
  Seine Golfschläger besitze er, weil er selber früher Golf gespielt habe und
  manchmal von seinem Garten aus einige Schläge übe (act. 51, F. 43;
  act. 100, F. 41).

  
	
   

  
	
  Am verlassenen
  Sitzplatz der Berufungsbeklagten (Position "E") angekommen, habe er
  mit der Taschenlampe seines Handys das Areal ausgeleuchtet
  (act. 2/10.3.01, F. 7; act. 2/10.3.03, Rz. 83–84;
  act. 100, F. 69). Obwohl der Berufungskläger die Möglichkeit nicht
  in Abrede stellt, dass die Berufungsbeklagten auch Bier aus Glasflaschen
  konsumiert hätten (act. 100, F. 74), habe er beim Aufräumen nur
  blaue ok-Bierdosen aus Aluminium gesehen und zusammengetragen, wie sie
  im avec-Shop am Bahnhof Ziegelbrücke verkauft würden
  (act. 2/10.3.02, F. 24; act. 51, F. 42; act. 100,
  F. 68, 87–89). Er habe die Bierdosen zu einem Haufen bei der kleinen
  Böschung gelegt (act. 2/10.3.01, F. 7; act. 2/10.3.02,
  F. 21; act. 2/10.3.03, Rz. 79, 84; act. 51, F. 37;
  act. 100, F. 56, 68), was eine provisorische Lösung gewesen sei, da
  er keinen Sack dabei gehabt habe, ansonsten er die Dosen mit dem Schläger in
  den Sack geschaufelt hätte (act. 2/10.3.02, F. 22). Bei diesem
  Aufräumen habe er zufälligerweise auch die "Dokumente von den
  Typen" in der Wiese gefunden, ein "Metallkartenhalter" sowie
  "ein GA oder Halbtags" (act. 2/10.3.01, F. 7;
  act. 2/10.3.03, Rz. 83–86). Er wisse nicht, ob es sich um Ausweise
  gehandelt habe, oder ob sie von einem oder von beiden Berufungsbeklagten
  gewesen seien, da er die Dokumente nicht genau angeschaut habe, es seien auf
  jeden Fall "Kärtchen […] mit einem metallenen Ding drin" gewesen
  (act. 100, F. 84). Er habe diese Dokumente an sich genommen, da
  niemand mehr dort gewesen sei (act. 2/10.3.03, Rz. 85–86).

  
	
   

  
	
  Der Berufungskläger
  gibt weiter an, der Akku seines Handys sei auf einmal zu Ende gewesen,
  weshalb auch das Licht der Taschenlampe ausgegangen sei. Zeitgleich habe er
  festgestellt, dass die Berufungskläger vom Bahnhof Ziegelbrücke her in seine
  Richtung zurückkommen würden (act. 100, F. 69). Bevor er durch den
  Fusspfad zum Bunker bei der Fussgängerbrücke hochgegangen sei (von
  Position "E" zu "B" und danach zu "C"), um
  die beiden abzufangen, habe er den Golfschläger auf die Wiese neben den
  Bierdosenhaufen gelegt (act. 2/10.3.01, F. 7; act. 2/10.3.03,
  Rz. 164–166; act. 51, F. 37). An der Berufungsverhandlung
  sagte er diesbezüglich:

  
	
  "An einem Abend jemanden gegenüber mit einem
  Golfschläger zu erscheinen, kommt nicht gut. Grundsätzlich nicht. Und ich
  möchte grundsätzlich niemanden einschüchtern. Darum hatte ich keinen Golfschläger
  in der Hand." (act. 100, F. 73)

  
	
  Beim Mülleimer an
  der Fussgängerbrücke (bei der Position "C"; vgl. die
  eingezeichnete Stelle in act. 2/8.1.05, S. 3) habe er den
  Berufungsbeklagten 2 angetroffen – während der Berufungsbeklagte 1
  nach der Vermutung des Berufungsklägers unweit von ihnen uriniert habe – und
  diesen zur Rede gestellt (act. 2/10.3.01, F. 7;
  act. 2/10.3.03, Rz. 97–98; act. 51, F. 37; act. 100,
  F. 69). Er sei dann mit dem Berufungsbeklagten 2 den Fusspfad (von
  der Position "C" über "B" zu "E")
  hinuntergegangen, um ihm den Haufen mit den Bierdosen zu zeigen
  (act. 100, F. 70). Dort angekommen habe er dem
  Berufungsbeklagten 2 gesagt, dass sie "die grössten Sauhunde"
  seien und der Umwelt keinen Gefallen machen und mit ihrem Verhalten niemandem
  imponieren würden (act. 2/10.3.01, F. 7), ob sie solche Sachen auch
  in "ihrem Land" machen würden (act. 2/10.3.03,
  Rz. 81–82). Weiter habe er dem Berufungsbeklagten 2 die von ihm
  eingesammelten Dokumente vorgehalten und ihm gesagt, dass er die
  "Sauordnung" noch fotografisch festhalten und diese Bilder mitsamt
  den Ausweisen der Kantonspolizei übergeben werde (act. 2/10.3.01,
  F. 7; act. 2/10.3.03, Rz. 91–93). Der Berufungsbeklagte 2
  sei anfangs "gut drauf" gewesen, angenehm aber stark angetrunken,
  dann immer uneinsichtiger und aggressiver (act. 2/10.3.03, Rz. 87,
  99–100; act. 100, F. 70).

  
	
   

  
	
  4.2.2.3.   Zum Faustschlag
  durch den Berufungsbeklagten 1

  
	
  Während der
  Berufungskläger so mit dem Berufungsbeklagten 2 in "gebrochenem
  Deutsch mit Händen und Füssen" gesprochen habe (act. 100,
  F. 83), habe er hinter sich Geräusche vernommen (act. 51,
  F. 37). Der bis dahin vom Geschehen abwesende Berufungsbeklagte 1
  sei plötzlich mit schnellen Schritten zu ihm gekommen und habe dem
  Berufungskläger, der sich gerade zu ihm umgedreht habe, von der rechten Seite
  einen "Schwinger" verpasst (act. 51, F. 37;
  act. 100, F. 71). Dieser Faustschlag habe ihn direkt auf sein
  linkes Auge getroffen, worauf er auf diesem Auge nichts mehr gesehen habe
  (act. 2/10.3.01, F. 7; act. 2/10.3.03, Rz. 100–103).
  Unmittelbar nach dem Schlag habe aber der Berufungskläger gerade noch
  erkennen können, wie der Berufungskläger 2 in die Wiese hineingegriffen
  und den dort liegenden Golfschläger aufgenommen habe (act. 100,
  F. 71–72).

  
	
   

  
	
  4.2.2.4.   Zur
  berufungsbeklagtischen Behauptung des ersten Schlages

  
	
  Der Berufungskläger
  bestreitet, den Golfschläger gegen den Berufungsbeklagten 1 eingesetzt
  zu haben (act. 2/10.3.03, F. 52–54, 120). Er habe keinen einzigen
  Schlag ausgeteilt (act. 2/10.3.01, F. 24), nie mit dem Golfschläger
  auf den linken Arm des Berufungsbeklagten 1 eingeschlagen, den beiden
  nicht den Weg versperrt oder sie dazu aufgefordert, einen anderen Weg zu
  wählen (act. 2/10.3.03, Rz. 120, 124). Die Vorwürfe wegen einfacher
  Körperverletzung entsprächen nicht der Wahrheit (act. 51, F. 37).
  Der Golfschläger sei während der ganzen Diskussion auf der Wiese gelegen, er
  habe ihn während der Diskussion nicht in der Hand gehabt und wisse darum
  auch, dass er niemanden geschlagen habe (act. 2/10.3.03, Rz. 164–166;
  act. 51, F. 44). Er hätte nachträglich den
  Berufungsbeklagten 1 gerne geschlagen, in diesem Falle hätte dieser eine
  "gröbere Verletzung" davongetragen (act. 2/10.3.02,
  F. 25). Demgegenüber sehe die Prellung am Arm des
  Berufungsbeklagten 1 für ihn nach Selbstverschulden aus (act. 2/10.3.02,
  F. 26). Er gibt weiter zu bedenken, dass die Täter sich ja bei der
  Polizei hätten melden können, wenn er sie geschlagen habe, und nicht hätten
  flüchten müssen (act. 2/10.3.02, F. 27).

  
	
   

  
	
  4.2.2.5.  
  Zur räumlichen Entwicklung der Auseinandersetzung

  
	
  Der Berufungskläger gibt an, dort, wo er die Aludosen auf
  einen Haufen gelegt habe (Position "E") vom
  Berufungsbeklagten 1 mit einem Faustschlag ins Gesicht geschlagen worden
  zu sein (act. 2/10.3.01, F. 7). Nachdem er, noch benommen vom
  Schlag, gesehen habe, wie der Berufungsbeklagte 2 den Golfschläger von
  der Wiese aufgenommen habe, sei er den "kleinen Fussweg wieder zurück
  Richtung Bunker" (Position "C") geflüchtet
  (act. 2/10.3.01, F. 7; act. 2/10.3.03, Rz. 104–105;
  act. 51, F. 37). Als er vom Fusspfad "wieder auf den
  Kiesweg" gekommen sei (Position "B"), habe er "einen
  sehr heftigen Schlag mit einem harten Gegenstand" auf seinen Kopf
  erhalten (act. 2/10.3.01, F. 7; act. 51, F. 37;
  act. 100, F. 56). Er sei auf den Kiesweg gefallen
  (act. 2/10.3.03, Rz. 107; act. 51, F. 37). Bei diesem
  Schlag seien ihm auch die Dokumente aus der Hand gefallen und er habe
  versucht, diese aufzuheben (act. 2/10.3.01, F. 7). So habe er
  weitere Faustschläge und Schläge mit dem "Stock" erhalten, den er
  erst beim dritten oder vierten Schlag als seinen Golfschläger erkannt habe
  (act. 2/10.3.01, F. 7; act. 2/10.3.03, Rz. 109). Er habe
  von dort aus zuerst versucht, zur Brücke zu gelangen
  (Position "C"), sei aber von den beiden eingekesselt gewesen
  und erneut auf den Boden gefallen, während sie weiter auf ihn eingeschlagen
  hätten (act. 2/10.3.03, Rz. 109–112). Er habe nicht über die Brücke
  gehen können (act. 51, F. 37). Sodann habe er versucht, in Richtung
  [...] (Position "F") zu flüchten, sei aber nur bis zum
  Eingangsbereich des [...] 13 (Position "A") gekommen
  (act. 2/10.3.01, F. 7; act. 2/10.3.03, Rz. 112–113;
  act. 51, F. 37). Er habe sich an einer Stange gehalten und weitere
  Schläge erhalten (act. 100, F. 56). Dann sei er über den Zaun
  gefallen (act. 2/10.3.01, F. 7; act. 51, F. 37; act. 100,
  F. 56). Nachdem er dort noch einige letzte Schläge bekommen habe, habe
  er seine Hände vor seine Augen genommen und sei in Richtung Bahnhof gerannt
  (von Position "A" über Position "C" zu Position
  "D").

  
	
   

  
	
  4.2.2.6.   Würdigung der
  Aussagen

  
	
  Der Berufungskläger gibt – gerade im Vergleich mit den
  Berufungsbeklagten – ein sehr anschauliches und detailreiches Bild des
  Vorfalls, wie dies auch die Vorinstanz feststellt (act. 65,
  E. IV./2.5., S. 24). Die Vorinstanz erachtete jedoch die
  "angebliche Aufräumaktion und die diesbezügliche Vorgehensweise"
  als "ziemlich ungewöhnlich" sowie "lebensfremd und wenig
  glaubhaft" (act. 65, E. IV./3.4., S. 27). Das mag auf den
  ersten Blick tatsächlich so erscheinen. Allerdings gelingt es dem Berufungskläger
  über alle Einvernahmen hinweg ein stimmiges und glaubhaftes Bild seiner
  Motivation zu zeichnen: Der Berufungskläger gibt an, früher Fischer gewesen
  zu sein. Dies erscheint glaubhaft, zumal auch auf dem Bild des
  Geräteschuppens des Berufungsklägers im kriminaltechnischen Bericht vom 30. September
  2020 eine Fischerrute sichtbar ist (vgl. act. 2/8.1.05, S. 20,
  Bild 34 [zwischen Golfschlägertasche und dem Wäscheständer an die Wand
  gelehnt]). Die über die verschiedenen Einvernahmen hinweg gleichbleibend
  geäusserte Verärgerung über das Littering am Linthufer enthält
  Realitätssignale wie etwa der Hinweis auf seinen diesbezüglichen Kontakt zur
  Kantonspolizei (eine Aussage, welche er in einer Einvernahme gegenüber der
  Kantonspolizei selbst äusserte, was eine diesbezüglich leicht überprüfbare Lüge
  ebenso riskant wie unwahrscheinlich erscheinen lässt) sowie auch die
  zutreffende, namentliche Nennung des zuständigen Linthingenieurs. Die
  Vorinstanz erwog, dass diese Sorge um die Sauberkeit des Linthufers
  angesichts der grossen Unordnung im Zimmer des Berufungsklägers "mit
  unzähligen herumliegenden Aluminiumdosen" erstaune und wenig glaubhaft
  erscheine (act. 65, E. IV./3.3., S. 27; vgl. hierzu die Bilder
  der Hausdurchsuchung in act. 2/5.4.06). Dies ist nicht von der Hand zu
  weisen, wenngleich der Berufungskläger diesbezüglich eine klare
  Unterscheidung zu machen scheint (vgl. act. 100, F. 85: "Was
  irgendeiner zuhause macht, ist mir völlig egal, aber das, was man nach
  draussen trägt, ist mir wichtiger"). Seine Aussagen erscheinen trotz
  dieser privaten Unordnung, die ja keine Auswirkung auf die Sauberkeit der
  Linth hat und auch niemanden im allgemein zugänglichen Bereich
  beeinträchtigt, als glaubhaft.

  
	
   

  
	
  Weiter erscheint auch die zunächst befremdende Wahl eines
  Golfschlägers als Instrument zum Aufräumen, bei näherer Betrachtung
  glaubhaft. So gibt der Berufungskläger an, vor allem früher aber auch noch
  gegenwärtig bei Gelegenheit Golf zu spielen. Diese Aussage wird gestützt
  durch den Verweis auf den von ihm besuchten Platz in Tuggen, das zutreffend
  verwendete Vokabular der dieser Sportart eigentümlichen und in der
  Alltagssprache keineswegs üblichen Fachbegriffe (act. 100,
  F. 41–43) sowie auch durch den aktenkundigen Umstand, dass im
  Geräteschuppen des Berufungsklägers eine Golfschlägertasche mit daraus
  herausragenden Golfschlägern hängt (vgl. act. 2/8.1.05, S. 20,
  Bild 34). Sodann bestätigt auch das vom Verteidiger des
  Berufungsbeklagten 2 veranlasste und vor der Vorinstanz ins Recht
  gelegte Privatgutachten vom 23. März 2022 von [...] (nachfolgend:
  Privatgutachten), dass im Inneren des Schaftes Spuren von Erde gewesen seien,
  weshalb davon ausgegangen werden könne, dass der Golfschläger "eventuell
  zu Trainigszwecken" benutzt werde (act. 49/4, S. 2). Mithin
  scheint der Berufungskläger seine Golfschläger (mit Schlägerkopf)
  grundsätzlich zu ihrer zweckbestimmten Verwendung zu verwenden.

  
	
   

  
	
  Ob er den Golfschläger eventuell auch in der Tatnacht
  zunächst zweckbestimmt verwendete, geht aus den Aussagen nicht klar hervor.
  Hier besteht ein Widerspruch zwischen verschiedenen diesbezüglichen Aussagen:
  In seiner Einvernahme vom 26. August 2020 sagte der Berufungskläger aus,
  er habe, nachdem er den Joint geraucht habe, in seinem Garten mit dem
  Golfschläger Übungen gemacht (act. 2/10.3.01, F. 7). Dies
  bestätigte er noch einmal an der Einvernahme vom 14. September 2020, an
  welcher er sagte, er habe nach dem Joint in seinem Garten noch einige Schläge
  mit diesem Golfschläger geübt (act. 2/10.3.02, F. 20) sowie an der
  Einvernahme vom 30. September 2021, an welcher er sagte, er sei nach dem
  Joint raus in den Garten, "um mit dem Golfschläger ein paar Bälle […]
  über den Gartenzaun zu schlagen", wie er das ab und zu schon so gemacht
  habe (act. 2/20.3.03, Rz. 72–74). An der Hauptverhandlung vom
  6. April 2022 sowie an der Berufungsverhandlung vom 5. Mai 2023 gab
  der Berufungskläger an, er habe draussen vor der Tür den Joint geraucht und
  lediglich die Zeit verstreichen lassen (act. 51, F. 37;
  act. 100, F. 56, 64). An der Berufungsverhandlung vom 5. Mai
  2023 bestätigte er zwar, dass er "Lobs" (leichte Schläge, bei
  welchen der Ball nicht weit, sondern hoch geschlagen wird) bei sich am Zaun
  übe, was man an den Einstichlöchern des "Tee" (Stift, der beim
  Abschlag in den Boden gesteckt und auf dem der Ball aufgelegt wird) sehen
  könne und was auch die Kantonspolizei festgestellt habe (act. 100,
  F. 43). Die Bälle würden dann in die auf der gegenüberliegenden
  Strassenseite liegende Wiese fallen, wo sie gut auffindbar seien
  (act. 100, F. 46–49). Er habe jedoch in dieser Nacht nicht geübt,
  sondern am Nachmittag vor dem Vorfall (act. 100, F. 44–45). Aus den
  Aussagen des Berufungsklägers kann nicht festgestellt werden, welche dieser
  Versionen zutrifft. Mit Blick auf das daraufhin folgende Kerngeschehen machen
  diese Versionen jedoch keinen signifikanten Unterschied: Der Berufungskläger
  nahm nach seinem Entschluss, noch in derselben Nacht das Linthufer vom
  gröbsten Abfall zu reinigen, den Golfschläger mit. Diese Vorsicht ist
  angesichts der notorischen (Art. 139 Abs. 2 StPO) epidemiologischen
  Lage des Sommers 2020 sowie der entsprechenden, vom Bundesrat verordneten
  Massnahmen grundsätzlich nachvollziehbar. Entweder wählte er hierzu den
  Golfschläger, weil er ihn bereits in der Hand hielt, oder aber er
  "improvisierte", wie er selber aussagt, und griff zum erstbesten
  dazu dienlichen Gegenstand in seinem Geräteschuppen.

  
	
   

  
	
  Der vom Berufungskläger geschilderte Beginn der
  Auseinandersetzung ist sehr detailreich und ergibt ein zu jedem Zeitpunkt
  stimmiges Bild der drei involvierten Parteien in ihrer jeweiligen Position. Er
  deckt sich überdies – wie sogleich zu zeigen sein wird – mit den verfügbaren
  Indizien.

  
	
   

  
	
  4.2.3. Indizien

  
	
  4.2.3.1.   Bierflaschen auf
  der Wiese

  
	
  Gestützt auf das
  von den Berufungsbeklagten gemachte und in den Akten liegende Bild (vgl.
  act. 2/8.1.03, S. 4) stellte die Vorinstanz fest, dass die
  Berufungsbeklagten ausschliesslich Bier aus Glasflaschen konsumiert hätten
  (act. 65, E. IV./3.3., S. 26). Tatsächlich ergibt sich auch
  aus der Videoauswertung des avec-Shops am Bahnhof Ziegelbrücke, dass
  die Berufungsbeklagten den Laden um 19.30 Uhr (recte: 19.20 Uhr)
  mit je einem Karton Feldschlösschen-Bierflaschen verliessen
  (act. 2/8.1.02, S. 6, Bild 10). Sodann ist auf einem der
  Bilder der Kantonspolizei ein entsprechender (leerer) Feldschlösschen-Karton
  sowie eine leere Bierflasche auf der Wiese unweit des Abfalleimers an der
  Fussgängerbrücke (nahe der Position "C") zu sehen (vgl.
  act. 2/8.1.05, S. 5, Bild 4 sowie S. 10, Bild 13).
  Die Vorinstanz ging davon aus, dass der Berufungskläger daher
  fälschlicherweise von "Dosen" gesprochen und eigentlich Flaschen
  gemeint habe, wobei sich das Aufräumen von Bierflaschen mit einem
  Golfschläger wesentlich schwieriger gestalte und daher unwahrscheinlich sei
  (act. 65, E. IV./3.3., S. 26–27). Indes blieb der
  Berufungskläger auch anlässlich der Hauptverhandlung (act. 51,
  F. 42) sowie auch der Berufungsverhandlung bei seiner gleichbleibenden
  Aussage, dass er an diesem Abend nur Bierdosen zusammengetragen habe, konkret
  blaue ok-Bierdosen, wie sie im avec-Shop am Bahnhof
  Ziegelbrücke verkauft würden (act. 100, F. 68, 87–89). Auf den
  Widerspruch zwischen seiner Aussage und den aktenkundigen Bildern der
  Bierflaschen hingewiesen, antwortete der Berufungskläger, dass dies
  "nichts heissen" müsse und das "eine das andere nicht ausschliesse",
  zumal der Bahnhof ja nahe liege und sie in einer grossen Gruppe dort gewesen
  seien, wobei auch angenommen werden könne, dass jemand anderes die Bierdosen
  gebracht habe (act. 100, F. 74). Tatsächlich hat der
  Berufungskläger nie behauptet, die Berufungsbeklagten hätten selber Bier aus
  Bierdosen konsumiert, sondern lediglich, dass er gehört und gesehen habe, wie
  die Berufungsbeklagten Bierdosen ins Gebüsch getreten hätten und wie er im
  Anschluss ausschliesslich Bierdosen zusammengetragen habe. Einerseits ist
  also möglich, dass die Berufungsbeklagten hinsichtlich ihres angegebenen
  Bierkonsums untertrieben haben und neben dem Flaschenbier auch solches aus
  Dosen konsumiert haben. Eine mengenmässige Untertreibung scheint sich
  diesbezüglich ohnehin aus ihren Aussagen zu ergeben: Namentlich der
  Berufungsbeklagte 2 sagte aus, sie hätten beim Bahnhof
  "12 Stk. Flaschenbiere (2x6 Stk.)" gekauft und "nur
  dieses Bier getrunken" (act. 2/10.2.02, F. 31), während die
  Bilder in den Akten nahelegen, dass es sich in Wahrheit um die handelsüblichen
  Kartons mit je zehn Flaschenbieren, also insgesamt zwanzig Flaschenbiere
  handelte (vgl. die Länge der Kartons in act. 2/8.1.02, S. 6,
  Bild 10; vgl. die min. acht sichtbaren Einbuchtungen auf der Unterseite
  des Bierkartons unten links in act. 2/8.1.03, S. 5), wobei die
  höhere Anzahl Biere auch die hohen Blutalkoholkonzentrationen erklären würde
  (gestützt auf die pharmakologisch-toxologischen Gutachten vom 31. August
  2020 [act. 2/11.1.01; act. 2/11.2.01] stellte die Kantonspolizei
  eine Blutalkoholkonzentration von 1.13–1.99 Promille für den
  Berufungsbeklagten 1 [act. 2/10.1.04, F. 27] resp. 1.18–1.98
  Promille für den Berufungsbeklagten 2 [act. 2/10.2.03, F. 30]
  fest). Andererseits ist möglich, dass es sich um Bierdosen von Dritten
  handelte, welche der Berufungskläger in der irrigen Vorstellung
  zusammengetragen hätte, es seien dies jene der Berufungsbeklagten. Hierbei
  ist von Bedeutung, dass auch der Berufungsbeklagte 2 aussagte, dass noch
  andere Leute auf der Wiese gewesen seien, die er nicht gekannt habe (act. 2/10.2.02,
  F. 33). Sodann weist der Verteidiger des Berufungsklägers korrekt darauf
  hin, dass gerade von der Stelle, an welcher der Berufungskläger die Bierdosen
  aufgesammelt haben will (Position "E"), in der Tatnacht keine
  Bilder gemacht worden sind (act. 101, S. 29). Die Bilder in den
  Akten stammen vom 27. August 2020 (vgl. act. 2/8.1.05, S. 19,
  Kommentar zu Bild 33), also zwölf Tage nach dem Vorfall und sagen über
  der ursprünglichen Zustand der Position "E" nichts mehr aus
  (vgl. act. 101, S. 29: "Hätte man in der Tatnacht die
  Position E untersucht, so hätte man den Haufen mit den Bierdosen
  gefunden"). Obwohl also die Bilder in den Akten einen ausschliesslichen
  Konsum von Flaschenbieren indizieren, lässt sich hieraus allein nicht
  schliessen, dass die Sachverhaltsdarstellung des Berufungsklägers falsch ist.

  
	
   

  
	
  4.2.3.2.   Ausweisdokumente

  
	
  Als der
  Berufungskläger am Bahnhof Ziegelbrücke zusammenbrach, hielt er verschiedene
  Ausweisdokumente der Berufungsbeklagten in seinen Händen (act. 100
  F. 86; für entsprechende Aussagen der Zeugen, die ihn dort auffanden
  vgl. act. 2/10.4.03, S. 3). Die Vorinstanz erachtete es – mit Blick
  auf die vom Berufungskläger ausgesagte Drohung, die Ausweisdokumente der
  Kantonspolizei zu übergeben (siehe vorne Ziff. IV./4.2.2.2)
  – als "nicht logisch", dass die Berufungsbeklagten den
  Berufungskläger "wegen der Ausweise spitalreif prügeln und damit noch
  eine viel schwerere Straftat begehen", dann aber die Ausweisdokumente
  gar nicht an sich nehmen, sondern den Berufungsbeklagten damit laufen lassen
  würden (act. 65, E. 3.1., S. 24). Dass aber diese Drohung der
  Anlass der Gewaltanwendung war, wurde – worauf auch die Verteidigung hinweist
  (act. 101, S. 16) – vom Berufungskläger nie behauptet. Der
  Berufungskläger behauptet lediglich, der erste Faustschlag des
  Berufungsbeklagten 1 habe ihn von hinten ereilt. Ein Zusammenhang kann
  seiner Darstellung zufolge höchstens mit der Diskussion als solchen
  hergestellt werden, bei welcher der Berufungsbeklagte 2 zusehends aggressiver
  geworden sei, und welche auch aus der Distanz für den
  Berufungsbeklagten 1 als hitzig wahrnehmbar gewesen sein musste. Ob der
  Inhalt der Diskussion und insbesondere die konkrete Drohung des
  Berufungsklägers, wegen Littering eine Anzeige bei der Kantonspolizei zu
  machen, aufgrund der Sprachbarriere tatsächlich von den Berufungsbeklagten
  erfasst wurde, ist fraglich (vgl. act. 10.3.03, Rz. 87–88: "Er
  hat versucht mit mir Englisch zu sprechen"; act. 100, F. 83:
  "In gebrochenem Deutsch mit Händen und Füssen, sprich Zeigen und
  so"). In jedem Fall waren sowohl der Berufungsbeklagte 1 (vgl.
  act. 2/10.1.02, F. 5–6) wie auch der Berufungsbeklagte 2 in
  ihren Einvernahmen erstaunt darüber, dass der Berufungskläger
  Ausweisdokumente gefunden hatte (act. 2/10.2.01, F. 5).

  
	
   

  
	
  Dem Verteidiger des
  Berufungsklägers ist darin zuzustimmen, dass gerade der Umstand, dass der
  Berufungskläger ohne das Wissen der Berufungsbeklagten im Besitz der
  Ausweisdokumente war, ein starkes Indiz dafür ist, dass der Berufungskläger
  tatsächlich auf die Wiese ging, um dort aufzuräumen (act. 101,
  S. 15: "Hätte er dort nicht aufgeräumt, so hätte er auch die
  Ausweise nicht gefunden"). Demgegenüber kann nach der
  Sachverhaltsdarstellung der Berufungsbeklagten, von der auch die Vorinstanz
  ausging, nicht schlüssig dargelegt werden, wie er sonst zu diesen Ausweisen
  hätte gelangen können, ohne dass sie dies mitbekommen hätten. Gänzlich
  unglaubhaft ist die Behauptung der Staatsanwaltschaft, dass der
  Berufungskläger die Ausweise "kontrolliert" und den beiden Berufungsbeklagten
  abgenommen habe (act. 102, S. 2). Wie aus allen
  Sachverhaltsdarstellungen hervorgeht, waren die Berufungsbeklagten jederzeit
  in der Mehrzahl und behielten auch während der gesamten gewalttätigen
  Auseinandersetzung die Oberhand.

  
	
   

  
	
  4.2.3.3.   Die Verletzungen
  und der Golfschläger

  
	
  Die Vorinstanz
  hielt fest, dass der Berufungsbeklagte 1 "nachweislich" eine
  "Prellung" am linken Oberarm erhalten habe (act. 65,
  E. IV./3.2., S. 25; vgl. das Bild in act. 2/10.3.02,
  Beilage A3). Der Berufungskläger bestreitet, dass diese Verletzung etwas
  mit dem vorliegenden Vorfall zu tun habe: Weder habe eine rechtsmedizinische
  Abklärung zu dieser Verletzung stattgefunden, welche Rückschlüsse auf den
  Zeitpunkt ihrer Entstehung erlaubt hätte, noch hätten rechtsmedizinische Abklärungen
  stattgefunden, ob das Verletzungsbild zum behaupteten Tatwerkzeug passe
  (act. 101, S. 12). Tatsächlich wurde nichts dergleichen
  unternommen. Es fragt sich, ob diese "Prellung" durch den
  Golfschläger hat zugefügt werden können. Hierzu muss zunächst die
  Beschaffenheit des Golfschlägers geprüft werden.

  
	
   

  
	
  Anlässlich der
  Berufungsverhandlung brachte die Staatsanwältin vor, dass der Golfschläger
  schon von Anbeginn an keinen Schlägerkopf gehabt habe (vgl. act. 102,
  S. 2). Hier bezog sie sich wohl auf das Privatgutachten, wonach der
  Golfschläger abgesägt worden sei (vgl. act. 49/4, S. 2, F. 1,
  3: "Der Kopf wurde abgesägt. […] Der Schläger wurde in einem
  Schraubstock [sichtbare Spuren im unteren Teil] eingespannt und ca.
  20 cm abgesägt"). Beim Golfschläger handelt es sich
  unbestrittenermassen um denjenigen des Berufungsklägers (act. 2/10.3.02,
  F. 14), welchen dieser ebenso unbestrittenermassen selbst an den Tatort
  mitbrachte (siehe vorne Ziff. IV./4.2.2.2.). Indem die Staatsanwaltschaft
  also behauptet, der Golfschläger habe von Anbeginn an keinen Schlägerkopf
  gehabt, scheint sie implizieren zu wollen, der Berufungskläger habe diese
  Manipulation im Vorfeld vorgenommen, um den Schaft des Golfschlägers nicht
  als Instrument zum Aufräumen (wozu er ohne den schaufelartigen Schlägerkopf
  untauglich gewesen wäre), sondern von Beginn an als Waffe zu verwenden (vgl.
  act. 102, S. 2: "zu dieser späten Stunde war [der
  Berufungskläger] mit einem Golfschläger – nota bene ohne die Schaufel –
  unterwegs […]"). Dem widerspricht der Berufungskläger (act. 99,
  S. 14), nach dessen Aussagen der Schlägerkopf anfänglich noch am
  Golfschläger dran gewesen sei (act. 2/10.3.02, F. 15–16). Diese
  Aussage des Berufungsklägers erscheint aufgrund mehrerer Indizien glaubhaft:
  Erstens, da dem kriminaltechnischen Bericht vom 30. September 2020
  entnommen werden kann, dass die Golfschläger, welche aus der in der Ecke des
  Geräteschuppens des Berufungsklägers hängenden Golfschlägertasche schauen,
  allesamt einen Schlägerkopf haben (vgl. act. 2/8.1.05, S. 20,
  Bild 34); dies würde eine in ihrer Umständlichkeit unwahrscheinlich
  lange Vorbereitungsphase eines solchen Angriffs erforderlich machen, wobei
  der Berufungskläger nach dem Konsum seines Joints und dem angenommenen
  Entschluss zur Gewaltanwendung zunächst einen Golfschläger hätte aussuchen,
  einspannen und absägen müssen, um dann noch rechtzeitig den
  Berufungsbeklagten den Weg zu versperren. Ungeklärt bliebe bei einer solchen
  Annahme, weshalb die Kantonspolizei, welche den Geräteschuppen des
  Berufungsklägers durchsucht hat, den Schlägerkopf dort nicht gefunden hat.
  Zweitens beziehen sich auch die Beschreibungen, welche der
  Berufungsbeklagte 1 vom Golfschläger macht, aufgrund der angegebenen
  Länge auf einen nicht um ca. 20 cm abgesägten, sondern auf einen ganzen
  Golfschläger (vgl. act. 10.1.01, F. 23: ca. 110 cm als Länge
  angegeben). Drittens gibt der Berufungskläger an, alle Schläge mit dem
  Schlägerkopf erhalten zu haben (act. 2/10.3.02, F. 15–16; act. 51,
  F. 38: "Ich konnte jeden Schlag mit der Schaufel spüren");
  dies erscheint mit Blick auf die im Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin
  des Kantonsspitals St. Gallen vom 15. Oktober 2020 (nachfolgend:
  Gutachten) festgestellten Quetsch-Riss-Wunden an der Kopfhaut sowie insbesondere
  den Schädelbruch als glaubhaft (vgl. act. 2/11.3.05, S. 5–6:
  "Folgen[n] stumpfer resp. tangential-schürfender
  Gewalteinwirkung"). Viertens gesteht der Berufungsbeklagte 2
  unumwunden zu, dass der Golfschläger erst im Zuge der Auseinandersetzung,
  nämlich explizit aufgrund der Schläge auf den Körper des Berufungsklägers,
  den Schlägerkopf verlor:

  
	
  "Zudem war der Stock schlussendlich zerbrochen."
  (act. 10.2.02, F. 8)

  
	
  "Ja, der Stock zerbrach beim dritten, vierten Schlag
  und wir rannten dann weg." (act. 2/10.2.02, F. 11)

  
	
  "Das abgebrochene Stück blieb dort liegen. Das andere
  Teil habe ich nach Hause mitgenommen" (act. 2/10.2.02, F. 16)

  
	
  Diese Aussage wurde
  nicht etwa vom Berufungskläger vorgebracht, der sich nicht erklären konnte,
  wie der Schlägerkopf weggekommen sei (act. 51, F. 37), zumal es
  sehr viel Stärke brauche, um einen Carbonschläger kaputtzumachen
  (act. 51, F. 39; vgl. auch act. 49/4, S. 2, F. 6:
  ein Abbrechen sei "[s]ehr unwahrscheinlich", "da Graphite
  Schäfte sehr stabil und biegbar sind"). Der Berufungsbeklagte 2
  wurde also nicht mit dieser Sachverhaltsvariante konfrontiert, er tätigte die
  Aussage von sich aus auf eine offen formulierte Frage (vgl.
  act. 2/10.2.02, F. 8: "Was war mit diesem Stock?"). Es
  ist kein Grund ersichtlich, weshalb der Berufungsbeklagte 2 in dieser
  Hinsicht nicht die Wahrheit gesagt haben sollte. In der Gesamtschau erscheint
  also glaubhaft, dass der Golfschläger zu Beginn der Auseinandersetzung noch
  über einen Schlägerkopf verfügte. Wenn also der Golfschläger in einen Schraubstock
  gespannt und der Schlägerkopf abgesägt wurde, dann musste dies erst im
  Anschluss an die Auseinandersetzung geschehen sein; das Privatgutachten
  schliesst denn nicht aus, dass "der Kopf beim [S]chlagen abgebrochen ist
  und nachträglich abgesägt wurde" (act. 49/4, S. 2, f. 6).
  Nach der Auseinandersetzung befand sich der Golfschläger aber ausschliesslich
  im Herrschaftsbereich der Berufungsbeklagten, respektive deren Schwester und
  des Lebenspartners der Schwester. Es ist aktenkundig, dass diese verschiedene
  Kollusionshandlungen unternahmen, indem sie etwa den Schaft des Golfschlägers
  in den Niederurner Dorfbach warfen. Da der (abgebrochene) Schlägerkopf am Ort
  der Auseinandersetzung nicht durch die Kantonspolizei gefunden werden konnte
  (vgl. act. 2/8.1.05, S. 12, Kommentar zu Bild 18), liegt die
  Vermutung nahe, dass der Schlägerkopf nicht ganz abbrach und anschliessend
  abgesägt wurde. Da das Absägen des zweifellos blutigen Schlägerkopfes die
  Tatwaffe als solche unkenntlich machen würde, könnte eine weitere Kollusionshandlung
  vorliegen. Diese Vermutung stellt zumindest der Berufungskläger an
  (act. 2/10.3.02, F. 15). Sie erscheint nach dem oben Gesagten
  glaubhaft (siehe vorne Ziff. IV./4.2.1.3).

  
	
   

  
	
  Auf die
  "Prellung" des Berufungsbeklagten 1 angewandt, bedeuten die
  soeben gemachten Ausführungen zur Beschaffenheit des Golfschlägers folgendes:
  Der Berufungskläger weist darauf hin, dass diese "Prellung"
  grundsätzlich nicht dem Verletzungsbild entspricht, zu welchem derselbe
  Golfschläger (mit Schlägerkopf) bei ihm geführt habe (vgl. act. 100,
  F. 78: "Wenn man sich meinen Schädel anschaut, dann sieht man, dass
  ein Schlag mit diesem Schläger, der anscheinend aus Carbon ist, zu einem
  signifikanten Schnitt führt"). Allerdings lassen die Hauteinblutungen an
  der rechten Oberarmaussenseite und an der rechten Brustkorbaussenseite des
  Berufungsklägers (vgl. act. 2/11.3.05, Beilage S. 2–3,
  Abb. 3–4) an die "Einwirkung eines entsprechend geformten, stock-
  oder stabähnlichen Gegenstandes denken", wobei der "Golfschläger
  […] als Tatwerkzeug grundsätzlich in Betracht" kommen kann
  (act. 2/11.3.05, S. 6). Je nachdem, wie der Schlag trifft – ob mit
  dem Schlägerkopf oder mit dem Schaft – kann also nicht ausgeschlossen werden,
  dass die "Prellung" am Oberarm des Berufungsbeklagten 1 mit
  dem Schaft des Golfschlägers zugefügt wurde. Aufgrund der nur leichten, ja
  kaum sichtbaren Verfärbung der "Prellung" (vgl. act. 2/8.1.05,
  S. 15, Bild 22) im Vergleich mit den doppelt und parallel verlaufenden,
  tiefroten Striemen am Oberkörper des Berufungsklägers
  (vgl. act. 2/11.3.05, Beilage S. 3, Abb. 4) muss es sich
  beim Schlag mit dem Schaft gegenüber dem Berufungsbeklagten 1 um einen
  ungleich leichteren Schlag gehandelt haben (entsprechend bezeichnete der
  Berufungsbeklagte 1 diese "Prellung" nicht einmal als
  Verletzung, vgl. act. 2/10.1.03, F. 8: "Ich wurde nur einmal
  am Arm geschlagen, Verletzungen gab es dabei nicht"). Ebenso wenig kann
  aber ausgeschlossen werden, dass dieser Schlag mit dem Schaft nachträglich,
  eventuell sogar nach dem Absägen des Schlägerkopfes ausgeführt wurde.

  
	
   

  
	
  4.2.3.4.   Blutspur

  
	
  Die Kantonspolizei führt im kriminaltechnischen Bericht vom
  30. September 2020 verschiedene Fotografien der in der Tatnacht
  angetroffenen Blutspuren auf (vgl. act. 2/8.1.05, S. 4–9). So sind
  deutliche Blutspuren im Eingangsbereich des [...] 13 erkennbar (Position
  "A"). Der Handlauf des Gartentors und der gesamte Eingangsbereich
  vor der Haustüre sowie die Türklinge des [...] 13 ist blutverschmiert
  (vgl. act. 2/8.1.05, S. 8–9, Bild 9–12). Eine durch viele
  Tropfen gebildete Blutspur verbindet das Gartentor des [...] 13 mit dem
  Kiesweg (vgl. act. act. 2/8.1.05, S. 4, Bild 2–3). Auf
  diesem Kiesweg bleibt die Blutspur über Position "B", Position
  "C" sowie über die Fussgängerbrücke zur Position "D"
  deutlich erkennbar (act. 2/8.1.05, S. 5–6, Bild 4–6).
  Besonders deutliche Blutspuren hat die Kantonspolizei bei der
  Position "A", auf dem Kiesweg auf der Höhe der
  Position "B" und bei der Position "C" markiert.

  
	
   

  
	
  Diese Blutspuren decken sich exakt mit der räumlichen
  Entwicklung der Auseinandersetzung, wie sie der Berufungskläger schildert
  (siehe vorne Ziff. IV./4.2.2.5.). Demgegenüber bleibt die räumliche
  Entwicklung der Auseinandersetzung gemäss den Aussagen der
  Berufungsbeklagten 1 und 2 unklar – es lässt sich nicht feststellen, wo
  diese begonnen haben soll und lediglich deren Ende bei
  Position "A" wird definiert (siehe vorne Ziff. IV./4.2.1.3.). Zwar liesse sich die Blutspur einzig und allein mit dem letzten Gang des
  schwer verletzten Berufungsklägers erklären; von der Stelle, an dem sie ihn
  liegen liessen (Position "A") bis zum Bahnhof Ziegelbrücke
  (Position "D"), wo er schliesslich zusammenbrach. Doch muss
  auffallen, dass seine diesbezüglich wiederholten und gleichbleibenden
  Aussagen sich exakt (und gerade an ihren blutigsten Stellen) mit der von der
  Kantonspolizei festgestellten Blutspur decken.

  
	
   

  
	
  4.2.3.5.   Zeitlicher
  Ablauf

  
	
  Die Vorinstanz ging – gestützt auf die Videoaufnahmen des avec-Shops
  am Bahnhof Ziegelbrücke, wonach die Berufungsbeklagten um 23.45 Uhr vom
  Bahnhof Ziegelbrücke zum späteren Tatort zurückgingen (act. 2/8.1.02,
  S. 6) und dem aktenkundigen Notruf, der um 23.48 Uhr getätigt wurde
  (act. 2/8.1.02, S. 1) – davon aus, dass "die
  Auseinandersetzung gemäss der Version des [Berufungsklägers] deutlich länger
  gedauert haben müsste" als nur drei Minuten, weshalb "[r]ein aus
  zeitlicher Sicht […] der von den [Berufungsbeklagten] geschilderte Ablauf wahrscheinlicher"
  sei (act. 65, E. IV./3.4., S. 27). Hierzu verwies der
  Berufungskläger anlässlich der Berufungsverhandlung zurecht auf den von der
  Vorinstanz offenbar übersehenen Umstand, dass die Zeitangabe auf den
  Videoaufnahmen zeitlich verschoben ist (act. 99, S. 14): Gemäss dem
  kriminaltechnischen Bericht vom 19. August 2020 geht der
  "Zeitstempel auf den Videos […] der tatsächlichen Zeit zehn Minuten
  vor" (act. 2/8.1.02, S. 1). Wenn also aus den Videoaufnahmen
  hervorgeht, dass die Berufungsbeklagten um 23.45 Uhr in Richtung Tatort
  gehen (act. 2/8.1.02, S. 6), dann handelte es sich in Wahrheit um
  23.35 Uhr und die Dauer von dem Moment, als sie die Fussgängerbrücke vor
  dem avec-Shop betraten bis zum Zeitpunkt des Notrufs betrug damit
  nicht drei sondern vielmehr dreizehn Minuten. Während drei Minuten
  tatsächlich zu knapp bemessen sind, um die Sachverhaltsdarstellung des
  Berufungsklägers zu umfassen, stimmt dies bei dreizehn Minuten nicht mehr.
  Vielmehr stellen dreizehn Minuten einen genügend grossen Rahmen dar, damit
  die Berufungsbeklagten die Fussgängerbrücke überqueren, auf den
  Berufungskläger treffen, ihn zur Position "E" begleiten, eine
  Diskussion führen und die gewalttägige Auseinandersetzung beginnen, die sie
  von der Position "E" über die Position "B" hin
  zur Position "A" führt, wo der Berufungskläger über den Zaun
  fällt und anschliessend über die Position "C" sich bis zum
  Bahnhof Ziegelbrücke (Position "D") schleppt. Als deutlich zu
  lange erscheinen dreizehn Minuten hingegen für die Sachverhaltsdarstellung
  der Berufungsbeklagten, wonach sie – je nach Darstellung (siehe vorne
  Ziff. 4.2.1.1) – bei der Position "C" oder
  Position "A" vom Berufungskläger abgefangen worden seien, der
  ihnen den Weg versperrt und nach einem kurzen Wortwechsel einen Schlag gegen
  den Berufungsbeklagten 1 ausgeführt habe, worauf die gewalttägige
  Auseinandersetzung begonnen habe, nach welcher sich der Berufungskläger über
  die Position "C" zum Bahnhof Ziegelbrücke
  (Position "D") geschleppt habe. In Umkehrung der vorinstanzlichen
  Würdigung erscheint also aus zeitlicher Hinsicht der von dem Berufungskläger
  geschilderte Ablauf als wahrscheinlicher.

  
	
   

  
	
  5.  

  
	
  In einer Gesamtwürdigung ist festzuhalten, dass der
  Berufungskläger über zahlreiche Einvernahmen hinweg ebenso ausführliche wie
  detailreiche Aussagen gemacht hat. Diese Aussagen sind gleich geblieben und
  zeichnen ein auf den ersten Blick zwar ungewöhnliches, vor dem Hintergrund
  seiner glaubhaft dargelegten Motivation jedoch schlüssiges Bild des
  Vorfalles. Dieses Bild wird durch verschiedene Realitätssignale gestützt,
  indem der Berufungskläger auf verschiedene Personen verweist, welche seine
  Aussagen bestätigen können, oder das Gericht gar zum Augenschein auffordert.
  Unstimmigkeiten lassen sich in seinen Aussagen nur in Bezug auf ein für das
  Kerngeschehen letztlich nebensächliches Sachverhaltselement feststellen
  (namentlich, ob er nach dem Rauchen des Joints Golfbälle über den Zaun schlug
  oder nicht, ehe er die Bierdosen aufräumen ging). Indes ist insgesamt
  glaubhaft, dass er sich mit einem Golfschläger (mitsamt Schlägerkopf) zur
  Position "E" beging, um dort aufzuräumen. Das Auffinden der
  Ausweisdokumente kann nur so erklärt werden und stellt damit ein
  überzeugendes Indiz dar. Sodann indiziert dies alles auch, dass der
  Berufungskläger keine Auseinandersetzung suchte, ansonsten er nicht
  abgewartet hätte, bis die Berufungskläger in Richtung Bahnhof Ziegelbrücke
  weggingen. Er konnte zum Zeitpunkt, als er mit dem Golfschläger zur
  Position "E" ging, nicht wissen, dass sie wiederkommen würden,
  sondern durfte annehmen, dass sie einen Zug nehmen würden. Dieses
  Nichtwissenkönnen spricht für die Sachverhaltsdarstellung des
  Berufungsklägers. Weiter erscheint überzeugend, dass sich der Berufungskläger
  selbst dort, wo er mit den Akten vermeintlich in Widerspruch zu geraten
  scheint, nicht verunsichern lässt, sondern an seinen Aussagen festhält und
  mit detailreichen und ihrerseits glaubhaften Erklärungen die Widersprüche
  auflösen kann. So vermag keines der Indizien – auch nicht der aktenkundige
  Konsum von Bier aus Glasflaschen – seine Sachverhaltsdarstellung zu
  entkräften. Nicht zuletzt aber sprechen auch die Blutspur und die zeitlichen
  Verhältnisse für ihn.

  
	
   

  
	
  Demgegenüber sind die Aussagen der Berufungsbeklagten
  äusserst knapp und werden ab einem bestimmten Punkt nicht mehr wiederholt.
  Obwohl sie sich im Kerngeschehen grundsätzlich decken, sind selbst diese
  knappen Aussagen hinsichtlich relevanter Sachverhaltselemente nicht schlüssig
  respektive sogar widersprüchlich (so etwa betreffend den Ort, wo die
  Berufungsbeklagten auf den Berufungskläger gestossen sein sollen). Die
  räumliche Entwicklung der Auseinandersetzung bleibt bis auf ihren Endpunkt
  weitgehend unklar. In Bezug auf den Kern ihrer Sachverhaltsdarstellung – den
  behaupteten, ersten Schlag durch den Berufungskläger – enthalten die Aussagen
  kaum Realitätssignale, die ein eigenes Erleben nahelegen würden. Die Worte,
  die der Berufungskläger gesagt haben soll, wirken ebenso unnatürlich wie aus
  dem Kontext gerissen und sind wohl Versatzstücke aus der vorangehenden,
  ersten Begegnung, anlässlich welcher der Berufungskläger sie aufgrund der
  Lautstärke der Musik abmahnte. Einzelne Aussagen sind offensichtliche Lügen,
  wenngleich diese nur Nebenpunkte betreffen (so etwa das Überqueren der
  Brücke, die Anwesenheit der Bekannten, die Anzahl Biere). Es vermögen daher
  diese anderslautenden, nicht schlüssigen Aussagen der Berufungsbeklagten
  nicht, diese zu entlasten. Für ihre Sachverhaltsdarstellung spricht somit
  einzig und allein die "Prellung" am linken Oberarm des
  Berufungsbeklagten 1, welche indes nicht medizinisch untersucht wurde
  und daher lediglich in der Form eines Bildes vorliegt. Diese
  "Prellung" ist in ihrer äusseren Erscheinung kaum mit dem
  Verletzungsbild des Berufungsklägers und insbesondere mit dessen tiefroten
  und stockförmigen Blutungen am Brustkorb zu vergleichen. Wenn diese
  "Prellung" also tatsächlich Ergebnis eines Schlages mit dem Schaft
  des Golfschlägers gewesen ist, dann war es ein ungleich schwächerer Schlag,
  der im Rahmen des behaupteten Angriffs seitens des Berufungsklägers auf zwei
  Personen nur wenig Sinn macht. Erwiesen ist jedoch, dass die
  Berufungsbeklagten zwischen der Auseinandersetzung und ihrer Verhaftung rund
  eine Stunde auf freiem Fuss waren und unter Beihilfe von Verwandten und Bekannten
  verschiedene Kollusionshandlungen vornahmen. Mit an Sicherheit grenzender
  Wahrscheinlichkeit wurde der Schlägerkopf des Golfschlägers nach der Tat
  abgesägt. Es ist daher nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern geradezu
  wahrscheinlich, dass sich die Berufungsbeklagten in diesem für
  Kollusionshandlungen nachweislich genügend grossen Zeitfenster nicht nur auf
  die Geschichte ihrer Notwehr einigten (wobei die Details unberücksichtigt
  blieben), sondern mit dem Schaft des Golfschlägers auch einen leichten, für
  eine sichtbare "Prellung" auf der Haut jedoch genügend starken
  Schlag auf den Oberarm des Berufungsbeklagten 1 ausführten. Für sich
  allein genommen ist diese "Prellung" jedenfalls nicht genügend
  greifbar, um nachhaltige Zweifel an der insgesamt glaubhaften und durch
  verschiedene Indizien gestützten Sachverhaltsdarstellung des Berufungsklägers
  zu wecken.

  
	
   

  
	
   

  
	
  6.  

  
	
  Damit geht das
  Obergericht von dem folgenden Sachverhalt aus: Der Berufungskläger sah auf
  dem Nachhauseweg die Berufungsbeklagten auf dem Sitzplatz
  (Position "E"), welche er wegen der lauten Musik zurechtwies.
  Es folgte ein kurzer Wortwechsel, wobei sie sich gegenseitig beschimpften.
  Zuhause angelangt, bereitete der Berufungskläger im oberen Stock seines
  Hauses einen Joint vor. Vom dortigen, gekippten Fenster aus konnte er
  beobachten und hören, wie die Berufungsbeklagten am Sitzplatz Bierdosen ins
  Gebüsch traten. Nachdem er den Joint vor seiner Haustüre geraucht und sich
  des Fortgehens der Berufungsbeklagten vergewissert hatte, nahm der Berufungskläger
  einen Golfschläger aus seinem Geräteschuppen und ging zum Sitzplatz, um zu
  verhindern, dass die Bierdosen in die Linth geraten. Mit dem Golfschläger
  fischte er die Bierdosen aus dem Gebüsch und legte diese auf einen Haufen,
  wobei er im Licht seiner Handy-Taschenlampe auch verschiedene
  Ausweisdokumente der Berufungsbeklagten fand. Gerade als das Licht seiner
  Handy-Taschenlampe ausging, sah er diese über die Fussgängerbrücke
  zurückkommen. Um sie nicht einzuschüchtern, legte er den Golfschläger auf die
  Wiese neben den Haufen mit den Bierdosen und ging den Fusspfad zum Ende der
  Fussgängerbrücke hoch (Position "C"). Dort konfrontierte er
  den Berufungsbeklagten 2 wegen des Litterings und ging mit diesem den
  Fusspfad zurück zum Sitzplatz, um ihm den Haufen mit den Bierdosen zu zeigen.
  Während sie dort hitzig und möglicherweise auch beleidigend diskutierten,
  trat der vorgängig vom Geschehen abwesende Berufungsbeklagte 1 hinter
  den Berufungskläger und schlug diesem mit der Faust in das sich ihm
  zudrehende Gesicht. Gleichzeitig ergriff der Berufungskläger 2 den
  Golfschläger vom Boden. Damit schlug er dem Berufungskläger mindestens vier
  Mal kraftvoll auf den Kopf, die Schulter und den Rücken, wobei beim letzten
  Schlag der Schlägerkopf des Golfschlägers teilweise abbrach. Gleichzeitig
  schlug der Berufungsbeklagte 1 mit Fäusten und Fusstritten auf den
  Körper, insbesondere den Brustkorbbereich, des Berufungsklägers ein,
  woraufhin dieser benommen und zum Widerstand unfähig war und versuchte, sich
  in Richtung [...] 13 (Position "A") den Schlägen mit dem
  Golfschläger sowie den Faustschlägen und Fusstritten der Berufungsbeklagten
  zu entziehen, wobei sowohl der Berufungsbeklagte 1 als auch der
  Berufungsbeklagte 2 mit dem jeweiligen Vorgehen des anderen
  einverstanden waren.

  
	
   

  
	
   

  
	
  V. Rechtliche
  Würdigung

  
	
  1. Berufungskläger

  
	
  1.1. Die
  Vorinstanz hat den Berufungskläger des Raufhandels im Sinne von Art. 133
  StGB schuldig gesprochen (act. 65, S. 71,
  Dispositionsziffer 4). Der Berufungskläger beantragt einen Freispruch
  von diesem Vorwurf und jedenfalls ein Absehen von Strafe (act. 101,
  S. 2), während die Staatsanwaltschaft und der Berufungsbeklagte 1
  eine Abweisung der Berufung resp. eine Bestätigung des vorinstanzlichen
  Schuldspruchs beantragen (act. 99, S. 3–4).

  
	
   

  
	
  1.2. Wer
  sich an einem Raufhandel beteiligt, der den Tod oder die Körperverletzung
  eines Menschen zur Folge hat, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren
  oder Geldstrafe bestraft (Art. 133 Abs. 1 StGB).

  
	
   

  
	
  1.3. Nach
  dem oben erstellten Sachverhalt hat der Berufungskläger keinen Schlag gegen
  den Berufungsbeklagten 1 mit dem Golfschläger ausgeführt. Damit hat er
  sich ausschliesslich passiv verhalten und sich daher auch nicht des
  Raufhandels schuldig gemacht.

  
	
   

  
	
  1.4. Der
  Berufungskläger ist vom Vorwurf des Raufhandels im Sinne von Art. 133
  StGB freizusprechen.

  
	
   

  
	
  2. Berufungsbeklagter 1

  
	
  2.1.  

  
	
  2.1.1. Die
  Vorinstanz hat den Berufungsbeklagten 1 der einfachen Körperverletzung
  im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB sowie des Raufhandels im Sinne
  von Art. 133 StGB schuldig gesprochen (act. 65, S. 71,
  Dispositionsziffer 2).

  
	
   

  
	
  2.1.2. Der
  Berufungskläger beantragt einen Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher
  Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 21 (recte: 22)
  Abs. 1 StGB, eventualiter wegen schwerer Körperverletzung im Sinne von
  Art. 122 StGB, subeventualiter der versuchten schweren Körperverletzung
  im Sinne von Art. 122 StGB i.V.m. Art. 21 (recte: 22) Abs. 1
  StGB (act. 101, S. 2). Die Staatsanwaltschaft und der
  Berufungsbeklagte 1 beantragen auch hier eine Abweisung der Berufung
  resp. eine Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs (act. 99,
  S. 3–4).

  
	
   

  
	
  2.1.3. Der
  Sachverhalt blieb in Bezug auf die Handlungen der Berufungsklägers 1 und
  2 unangefochten und ist unbestritten (act. 99, S. 7). Es kann
  demnach für das Nachfolgende – mit Ausnahme der zuvor erörterten Frage, ob der
  Berufungskläger zuerst zugeschlagen habe – auf den Sachverhalt, wie er in der
  Anklage formuliert und von der Vorinstanz bestätigt wurde, abgestellt werden.

  
	
   

  
	
  2.2.  

  
	
  2.2.1. Wer
  vorsätzlich einen Menschen tötet, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf
  Jahren bestraft (Art. 111 StGB). Führt der Täter, nachdem er mit der
  Ausführung eines Verbrechens oder Vergehens begonnen hat, die strafbare
  Tätigkeit nicht zu Ende oder tritt der zur Vollendung der Tat gehörende
  Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintreten, so kann das Gericht die
  Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB).

  
	
   

  
	
  2.2.2. Die
  Vorinstanz stellte fest, dass der Berufungskläger durch seine erlittenen
  Verletzungen in Lebensgefahr geriet (vgl. act. 65, E. V./2.1.4.,
  S. 32 ff.). Bei der rechtlichen Würdigung differenzierte sie zwischen
  den Faustschlägen und Fusstritten des Berufungsbeklagten 1 und den
  Schlägen mit dem Golfschläger des Berufungsbeklagten 2 (act. 65
  E. V./2.1.4. S. 33: " Da nur der [Berufungsbeklagte 2]
  diesen verwendet hat, ist nur seine Handlung als für die lebensgefährliche
  Verletzung kausal anzusehen"), verneinte eine Mittäterschaft des
  Berufungsbeklagten 1 (act. 65 E. V./2.3.2., S. 41) und
  verurteilte diesen wegen einfacher Körperverletzung (act. 65
  E. V./2.6.2., S. 46).

  
	
   

  
	
  2.2.3. Wie
  die Vorinstanz richtig festgehalten hat, ergeben sich die Voraussetzungen
  einer Mittäterschaft nicht aus dem Gesetz sondern in erster Linie aus der
  bundesgerichtlichen Rechtsprechung (für den Einfluss der Lehre vgl.
  BGE 133 IV 76 E. 2.7 S. 82–83). Gemäss dieser ist Mittäter,
  wer bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Deliktes
  vorsätzlich und in massgebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so
  dass er als Hauptbeteiligter dasteht. Dabei kommt es darauf an, ob der
  Tatbeitrag nach den Umständen des konkreten Falles und dem Tatplan für die
  Ausführung des Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm steht oder fällt.
  Das blosse Wollen der Tat, der subjektive Wille allein genügt zur Begründung
  von Mittäterschaft jedoch nicht. Der Mittäter muss vielmehr bei der Entschliessung,
  Planung oder Ausführung der Tat auch tatsächlich mitwirken. Daraus folgt aber
  nicht, dass Mittäter nur ist, wer an der eigentlichen Tatausführung beteiligt
  ist oder sie zu beeinflussen vermag (BGE 130 IV 58 E. 9.2.1.
  S. 66; BGE 125 IV 134 E. 3.a. S. 136; BGE 120 IV 136
  E. 2.b. S. 141 m.w.H.). Dass der Mittäter bei der Fassung des
  gemeinsamen Tatentschlusses mitwirkt, ist nicht erforderlich; es genügt, dass
  er sich später den Vorsatz seiner Mittäter zu eigen macht (vgl. BGE 135 IV 152 E. 2.3.1. S. 156: "[…] que le
  coauteur se soit associé à la décision dont est issue l'infraction […]";
  BGE 130 IV 58 E. 9.2.1. S. 66;
  BGE 111 IV 74 E. 2 S. 77). Diese Aneignung des Tatentschlusses
  muss nicht ausdrücklich bekundet werden, sondern es genügt, wenn dies konkludent
  erfolgt (BGE 115 IV 161: "[…] ciò non significa tuttavia che tale decisione comune debba essere stata
  manifestata espressamente; è sufficiente che essa risulti da atti concludenti").

  
	
   

  
	
  2.2.4. Die
  Vorinstanz ging – gestützt auf den von ihr erstellten Sachverhalt, wonach der
  Berufungskläger den ersten Schlag mit dem Golfschläger ausgeführt habe –
  davon aus, dass sich das Vorgehen der Berufungsbeklagten "sehr spontan
  aus der Situation heraus" entwickelt habe und dass "infolge
  des kurzen zeitlichen Abstandes" der
  Berufungsbeklagte 1 "gar keine Gelegenheit zu überlegen
  [gehabt habe], ob er damit einverstanden war oder nicht". Die Vorinstanz
  verneinte daher das Vorliegen eines gemeinsamen Tatentschlusses, ebenso wie
  eine Planung oder gemeinsame Tatausführung. Bezüglich der Frage, ob
  allenfalls ein konkludenter Tatentschluss vorliege, erwog die Vorinstanz,
  dass die Schläge des Berufungsbeklagten 1 für sich allein genommen nicht
  geeignet gewesen seien, den Tod des Berufungsklägers herbeizuführen oder auch
  nur zu fördern, namentlich da er keine empfindlichen Körperteile anvisiert
  und auch kein Tatwerkzeug verwendet habe. Soweit im Handeln des
  Berufungsbeklagten 1 überhaupt ein geeigneter Tatbeitrag zur versuchten
  Tötung erblickt werden könne, sei dieser wesentlich geringer als derjenige
  des Berufungsbeklagten 2 und sei daher im Handeln des
  Berufungsbeklagten 1 nicht ausreichend zu erkennen, dass er sich den
  eventuellen Tötungsvorsatz des Berufungsbeklagten 2 zu eigen gemacht
  habe. Hierzu führte die Vorinstanz aus: "Denn auch wenn jemand die Tat
  eines anderen (zumindest dem äusseren Schein nach) billigt, aber keinen
  eigenen kausalen Beitrag dazu leistet, darf – insbesondere bei einer
  spontanen Handlung ohne jedwelche vorgängige Kommunikation – nicht
  leichtfertig ein Eventualvorsatz betreffend ein solch schweres Delikt
  angenommen werden" (act. 65, E. V./2.3.2., S. 40–41).
  Damit wurde die Mittäterschaft des Berufungsbeklagten 1 verneint.

  
	
   

  
	
  2.2.5. Entgegen der Auffassung der
  Vorinstanz ist zunächst festzustellen, dass der Berufungsbeklagte 1
  durchaus mit seinen Schlägen empfindliche Körperteile anvisierte. Der
  Berufungskläger gab an, er habe nach diesem Schlag auf sein linkes Auge nur
  noch Sterne gesehen (act. 2/10.3.01, F. 7; act. 100,
  F. 71), er sei nach diesem Schlag auf diesem Auge blind gewesen
  (act. 2/10.3.03, Rz. 100–103). Das Gutachten bestätigte, dass eine
  Einschränkung der Sehkraft nach Augapfelprellung bestehe
  (act. 2/11.3.05, S. 7). Auch wenn er kein Tatwerkzeug verwendete,
  war dieser Schlag bewusst und gezielt auf ein empfindliches Körperteil
  gerichtet und somit grundsätzlich ein geeigneter Tatbeitrag zur versuchten
  Tötung. In Bezug auf den Tatentschluss ist der Vorinstanz nur insofern
  zuzustimmen, dass keine Zeit für eine Mitwirkung an dessen Formung bestand.
  Tatsächlich lief alles sehr spontan und schnell ab. Doch verunmöglicht dies
  nicht eine konkludente Aneignung des Vorsatzes durch den Mittäter, wie das
  Bundesgericht gerade für einen solchen Fall auch bestätigt hat (vgl.
  BGE 118 IV 227 E. 5.d.aa S. 230: "Dieser [der gemeinsame
  Tatentschluss] muss indes nicht ausdrücklich bekundet werden; es genügt, wenn
  er konkludent zum Ausdruck kommt […], wie etwa dann, wenn mehrere in
  stillschweigendem Einverständnis auf einen anderen einzuschlagen
  beginnen"). Im vorliegenden Fall verlief dies folgendermassen: Nachdem
  der Berufungsbeklagte 1 den Berufungskläger auf das linke Auge
  geschlagen und benommen gemacht hatte, griff der Berufungsbeklagte 2 zum
  Golfschläger. Mit diesem Tatwerkzeug verfolgte der Berufungsbeklagte 2
  den fliehenden Berufungskläger bis zur Position "B", wo er ihn mit
  dem Golfschläger kraftvoll auf den Kopf schlug. Mit der Vorinstanz ist davon
  auszugehen, dass derjenige, der jemandem mit einem Golfschläger mit Eisenkopf
  mit voller Wucht auf den Kopf schlägt, den Eintritt des Todes des Opfers
  grundsätzlich billigend oder zumindest gleichgültig in Kauf nimmt
  (act. 65, E. V./2.2.5., S. 38). Dies musste auch dem
  Berufungsbeklagten 1 bewusst gewesen sein, der dies gesehen haben und
  darüber hinaus gewusst haben musste, dass der Berufungskläger unbewaffnet
  "zwei 'Gegnern'" gegenüberstand, wovon einer bewaffnet war, dass
  also der Berufungskläger in jeglicher Hinsicht "in der schwächeren
  Position" war (act. 65, E. V./2.3.2., S. 40). In diesem
  Augenblick hatte der Berufungsbeklagte 1 eine Entscheidung zu treffen:
  Ob er sich den durch diesen Schlag mit dem Golfschläger des
  Berufungsbeklagten 2 erweiterten Tatentschluss zu einer versuchten
  (eventual-)vorsätzlichen Tötung aneignet, oder nicht. Er hätte – wie der Verteidiger
  des Berufungsklägers bemerkt (act. 100, S. 11) – seinen Freund vor
  solch einem folgenreichen Vorgehen abhalten können. Gewiss hatte er nicht
  viel Zeit "zu überlegen, ob er damit einverstanden war oder nicht"
  (act. 65, E. V./2.3.2., S. 40), doch er musste eine
  Entscheidung treffen. Und er entschied sich dafür, die Schläge des
  Berufungsbeklagten 2 seinerseits mit Faustschlägen und Fusstritten auf
  den teilweise schon auf dem Boden knienden oder liegenden Berufungskläger zu
  unterstützen. Durch den Beitrag des Berufungsbeklagten 1 und die daraus
  resultierende umfassende Überwältigung des Berufungsklägers konnte der
  Berufungsbeklagte 2 diesen anschliessend ungehindert und wiederholt mit
  dem Golfschläger schlagen, was dessen Tod umso wahrscheinlicher machte. Damit
  nahmen beide Berufungsbeklagten bei diesem Tatgeschehen tragende Rollen ein
  und es ergibt sich das Bild eines gegenseitig einwilligenden und gesamthaft
  gesehen gemeinsamen Vorgehens. Entsprechend liegt eine Mittäterschaft vor,
  zumal hierfür das gemeinsame Vorgehen nicht länger geplant gewesen sein muss,
  sondern auch einem kurzfristigen und stillschweigenden Zusammenfinden aus der
  Situation heraus entsprungen sein kann.

  
	
   

  
	
  2.2.6. Damit ist der
  Berufungsbeklagte 1 der Mittäterschaft zur versuchten vorsätzlichen
  Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
  schuldig zu sprechen.

  
	
   

  
	
  2.3.  

  
	
  2.3.1. Nach
  dem Sachverhalt, von dem das Obergericht ausgeht (siehe vorne Ziff. IV.6.), scheidet eine Verurteilung wegen Raufhandel im Sinne von Art. 133 StGB
  aus. In Frage kommt indes eine Verurteilung wegen Angriff im Sinne von
  Art. 134 StGB, wonach nämlich derjenige, der sich an einem Angriff auf
  einen Menschen beteiligt, der den Tod oder die Körperverletzung des
  Angegriffenen zur Folge hat, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder
  Geldstrafe bestraft wird. Der Angriff wird in der Lehre definiert als die
  einseitige, von feindseligen Absichten getragene, gewaltsame Einwirkung auf
  den oder die Körper eines oder mehrerer Menschen. Hierbei muss der
  körperliche Angriff von mehreren (mindestens zwei) Personen ausgehen, wobei
  es aber genügt, wenn sich eine Person dem bereits gestarteten Angriff einer
  andern anschliesst (BSK StGB-Maeder,
  N 6 zu Art. 134 StGB). Vorliegend ereignete sich ein Angriff auf
  den Berufungskläger, indem der Berufungsbeklagte 1 ihn mit der Faust
  gegen den Kopf schlug, der Berufungsbeklagte 2 dann mit dem Golfschläger
  auf den Berufungskläger einschlug und der Berufungsbeklagte 1 zudem
  Faustschläge und Fusstritte gegen den Berufungskläger ausführte. Der
  Berufungsbeklagte 1 beteiligte sich mit Wissen und Wollen an diesem
  Angriff, der eine schwere körperliche Schädigung des Berufungsklägers zur
  Folge hatte. Damit sind alle Tatbestandsvoraussetzungen erfüllt und hat sich
  der Berufungsbeklagte 1 des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB strafbar
  gemacht.

  
	
   

  
	
  2.3.2. Wie
  die Vorinstanz im Grundsatz richtig festgestellt hat (vgl. act. 65,
  E. V./4., S. 47–48), steht der Tatbestand des Raufhandels
  (Art. 133 StGB) ebenso wie jener des Angriffs (Art. 134 StGB) in
  echter Konkurrenz zu einem anlässlich eines solchen Angriffs begangenen
  Verletzungs- oder Tötungsdelikt, da sowohl beim Raufhandel wie beim Angriff
  eben auch unbeteiligte Dritte zumindest abstrakt gefährdet werden können
  (BSK StGB-Maeder, N 12
  zu Art. 134 StGB). Dies ist aber nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung
  dann nicht der Fall, wenn neben der verletzten oder getöteten Person niemand
  sonst angegriffen oder konkret gefährdet wurde (BSK StGB-Maeder, N 13 zu Art. 134
  StGB). In einem solchen Fall wird der Art. 134 StGB durch den
  Verletzungs- oder Tötungstatbestand konsumiert (BGE 135 IV 152
  E. 2.1.2. S. 154; BGE 118 IV 227 E. 5.b. S. 230;
  Urteile BGer 6P.41/2006 und 6S.80/2006 vom 12. Mai 2006
  E. 7.1.3.). Ein solcher Fall liegt hier vor. Die
  Berufungsbeklagten 1 und 2 griffen den Berufungskläger gegen Mitternacht
  auf einer Wiese und einem Kiesweg knapp ausserhalb des Siedlungsgebietes an.
  Es war zu diesem Zeitpunkt niemand anderes zugegen, der hätte (auch nur
  abstrakt) gefährdet werden können.

  
	
   

  
	
  2.3.3. Der
  Straftatbestand des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB wird durch die
  Mittäterschaft zur versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111
  StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB konsumiert.

  
	
   

  
	
  2.4. Grundsätzlich steht eine verschärfte rechtliche
  Qualifikation der Tat dem Verschlechterungsverbot (sog. reformatio in
  peius) gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO entgegen (vgl. BGE 139
  IV 282 E. 2.5. S. 288), wonach Entscheide nicht zum Nachteil der
  beschuldigten oder verurteilten Person abgeändert werden dürfen, wenn das
  Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen worden ist. Dieses Verbot gilt
  aber nur soweit, als nicht eine andere Partei zulasten der beschuldigten oder
  verurteilten Person Berufung erhoben hat (vgl. Urteil BGer 6B_75/2023
  vom 18. April 2023 E. 2.3.: "Es kommt hinzu, dass das
  Berufungsgericht in einem zweiten Berufungsverfahren nicht an das
  Verschlechterungsverbot gebunden ist, wenn die Staatsanwaltschaft oder die
  Privatklägerschaft mit Berufung oder Anschlussberufung entsprechende Anträge
  stellen"; BSK StPO-Ziegler/Keller,
  N 4 zu Art. 391 StPO). Vorliegend wurde das Rechtsmittel vom
  Berufungskläger (als Privatkläger) zuungunsten des Berufungsbeklagten 1
  ergriffen (vgl. die eingangs wiedergegebenen Anträge). Eine Verschärfung der
  rechtlichen Qualifikation verletzt somit das Verschlechterungsverbot nicht.
  Auch eine dem abgeänderten Schuldspruch entsprechende neue und gegebenenfalls
  im Vergleich zur ersten Instanz strengere Sanktion tut das nicht
  (BGE 139 IV 84 E. 1.2. S. 88: "[E]n cas
  d'admission de l'appel de la partie plaignante sur la culpabilité, la cour
  d'appel doit fixer une nouvelle peine correspondant à la culpabilité
  finalement admise, cas échéant en prononçant une sanction plus sévère que
  celle arrêtée en première instance").

  
	
   

  
	
   

  
	
  VI. Strafzumessung
  und Vollzug

  
	
  1.  

  
	
  1.1. Wer
  vorsätzlich einen Menschen tötet, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf
  Jahren bestraft (Art. 111 StGB).

  
	
   

  
	
  1.2. Innerhalb
  des Strafrahmens bemisst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des
  Täters, wobei es dessen Vorleben und persönliche Verhältnisse sowie die
  Wirkung der Strafe auf sein Leben berücksichtigt (Art. 34 Abs. 1
  i.V.m. Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden bestimmt sich nach der
  Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, der
  Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie
  danach, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der
  Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47
  Abs. 2 StGB). Zu unterscheiden ist dabei zwischen der Tat- und der
  Täterkomponente (BGE 141 IV 61 E. 6.1.1 S. 66–67 m.w.H.).

  
	
   

  
	
  1.3.  

  
	
  1.3.1. Bei
  der Tatkomponente bildet die objektive Tatschwere, d.h. das Ausmass
  der Verletzung und der Gefährdung des Rechtsguts sowie die Art und Weise des
  Tatvorgehens, den Ausgangspunkt (Hans
  Mathys, Leitfaden zur Strafzumessung, 2. Aufl., Basel 2019,
  Rz. 77 ff.; Günter
  Stratenwerth/Felix Bommer, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner
  Teil II: Strafen und Massnahmen, 3. Aufl., Bern 2020, § 5
  Rz. 19 ff.). Sodann ist zu beurteilen, wie dem Täter die objektive
  Tatschwere subjektiv anzurechnen ist (Hans
  Mathys, a.a.O., Rz. 142 ff.; Günter
  Stratenwerth/Felix Bommer, a.a.O., § 5 Rz. 25 ff.).

  
	
   

  
	
  1.3.2. Die
  Täterkomponente umfasst die persönlichen Verhältnisse, das Vorleben, die
  Strafempfindlichkeit sowie das Nachtatverhalten des Täters (Günter Stratenwerth/Felix Bommer, a.a.O.,
  § 5 Rz. 36). Aufgrund solcher Faktoren, die beim Täter liegen und
  geeignet sind, ihn zu belasten oder zu entlasten, kann im Sinne von
  Art. 47 Abs. 1 StGB die verschuldensangemessene Strafe entsprechend
  herabgesetzt oder erhöht werden (Mathys,
  a.a.O., Rz. 311).

  
	
   

  
	
  1.3.3. Nach
  Aufzählung und Bewertung sämtlicher tat- und täterbezogenen Umstände ist die
  Strafe festzulegen. Dabei wird zunächst von der Strafart und dem ordentlichen
  Strafrahmen der ihm Schulddispositiv angeführten Strafbestimmung ausgegangen.
  Zum Schluss bleibt noch die Höhe der Strafe festzulegen, wobei dem Gericht
  ein grosses Ermessen zukommt (Hans
  Mathys, a.a.O., Rz. 405 ff.)

  
	
   

  
	
  2. Tatkomponente

  
	
  2.1. Objektive
  Tatschwere

  
	
  2.1.1. Mit
  Verweis auf die vorinstanzlich erfolgte Würdigung des
  Berufungsbeklagten 2 (act. 65, E. VI./2.2., S. 55–56) ist
  straferhöhend zu gewichten, dass der Angriff und damit der gesamte Vorfall
  vom Berufungsbeklagten 1 initiiert wurde, sich sein anfänglicher
  Faustschlag von Beginn an auf den Kopf und somit ein empfindliches Körperteil
  des Berufungsklägers richtete und er während der gesamten Dauer des Angriffs
  nicht vom Berufungskläger abliess, selbst als dieser wehrlos am Boden kniete
  oder lag. Dabei handelte es sich um eine massive Verletzung des Rechtsguts
  der leiblichen Unversehrtheit, welche darüber hinaus auch das Rechtsgut des
  Lebens gefährdete. Weitere Kriterien für die Bewertung der objektiven
  Tatschwere fehlen naturgemäss, da es sich vorliegend um einen vollendeten Versuch
  handelt. Aus diesem Grund muss das Gericht in einem ersten Schritt vom
  hypothetisch vollendeten Delikt ausgehen (Mathys,
  a.a.O., Rz. 121): Wenn der Berufungskläger sich nicht hätte
  aufraffen, zum Bahnhof Ziegelbrücke gelangen und umgehend medizinische
  Intervention erhalten können, hätte sich die Lebensgefahr im Tod des
  Berufungsklägers verwirklicht (vgl. act. 2/11.3.05, S. 6–7).
  Der Unrechtsgehalt des hypot