# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0059631e-b5d2-5995-9c5f-dcf15cd66dd5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-02-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.02.2024 E-7220/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7220-2023_2024-02-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-7220/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  F e b r u a r  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichter Lorenz Noli, 

mit Zustimmung von Richterin Camilla Mariéthoz Wyssen; 

Gerichtsschreiber Kevin Schori. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Tunesien,  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 8. November 2023 / N (…). 

 

 

 

E-7220/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 3. Januar 2023 in der Schweiz um Asyl 

nach und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region (…) zugewie-

sen. 

B.  

Mit Beschluss vom 17. Februar 2023 schrieb das SEM das Asylverfahren 

als gegenstandslos geworden ab, da der Beschwerdeführer in grober Ver-

letzung seiner Mitwirkungspflicht zwei Mal unentschuldigt nicht zur Anhö-

rung erschienen und immer wieder für mehrere Tage verschwunden sei.  

C.  

C.a Mit Schreiben vom 3. Mai 2023 ersuchte der Beschwerdeführer um 

Wiederaufnahme des Asylverfahrens. 

C.b Am 12. Mai 2023 nahm die Vorinstanz das Asylverfahren wieder auf. 

D.  

D.a Am 30. Oktober 2023 fand die Anhörung des Beschwerdeführers nach 

Art. 29 AsylG (SR 142.31) statt. Zur Begründung seines Asylgesuchs 

machte er im Wesentlichen Folgendes geltend: 

Er stamme aus Tunis, wo er geboren sei und die meiste Zeit zusammen 

mit seinen Eltern und Geschwistern ([…]) gelebt habe. Als Kind habe er 

viele Schwierigkeiten gehabt. Es sei seiner Familie finanziell schlecht ge-

gangen. Deshalb habe er auf der Strasse Plastiksäcke verkauft, um Geld 

zu verdienen. Zuhause sei er oft bestraft und geschlagen worden. Im Alter 

von (…) Jahren habe er die Schule abgebrochen, später habe er eine Be-

rufsschule besucht und eine Ausbildung zum (…) sowie für (…) begonnen. 

Vom Jahr (…) bis (…) sei er im Militär gewesen. Er habe sich zwar für fünf 

Jahre verpflichtet, aber aus gesundheitlichen Gründen den Dienst vorzeitig 

verlassen müssen. In der Zeit bis zu seiner Ausreise sei er auch ab und zu 

mit einem Kollegen zur Kirche gegangen. Aufgrund dessen habe er zu-

hause Probleme bekommen und nicht mehr dort übernachten können. Um 

Geld für die geplante Ausreise zu verdienen, habe er danach noch vier bis 

fünf Monate in der Landwirtschaft auf Äpfel- und anderen Obstplantagen 

gearbeitet. Im (…) oder (…) 2008 sei er aus Tunesien ausgereist. Seitdem 

sei er immer wieder in verschiedenen Ländern (hauptsächlich in 

B._______) gewesen und habe sich unter anderem mit dem Weiterverkauf 

von Zugtickets durchgeschlagen, bevor er im Januar 2023 ein Asylgesuch 

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Seite 3 

in der Schweiz gestellt habe. Er habe in der Schweiz Asyl beantragt, weil 

er sich endlich einmal wie ein Mensch habe fühlen wollen. Er wolle eine 

Arbeitsmöglichkeit, ein Dach über dem Kopf und eine Familie gründen. Seit 

2009 habe er keinen Kontakt mehr zu seinen Verwandten in Tunesien, le-

diglich mit seiner Schwester – welche in C._______ lebe – stehe er in Kon-

takt. Er habe sie gebeten, ihm einen Auszug aus dem Familienregister zu 

schicken, damit er sich auf dem tunesischen Konsulat einen Pass ausstel-

len lassen könne. Zudem lebe er seit neun Monaten mit seiner Verlobten – 

welche den Schweizer Pass habe – zusammen, welche er bald (religiös) 

heiraten werde. 

D.b Der Beschwerdeführer reichte weder Identitätsdokumente noch Be-

weismittel zu den Akten. 

E.  

Mit Verfügung vom 3. November 2023 wies die Vorinstanz den Beschwer-

deführer dem erweiterten Verfahren zu. 

F.  

Mit Verfügung vom 8. November 2023 – eröffnet am 27. November 2023 – 

verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und 

lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es seine Wegweisung aus 

der Schweiz und ordnete den Vollzug sowie die Aushändigung der editi-

onspflichtigen Akten an ihn an.  

G.  

Mit Eingabe vom 27. Dezember 2023 an das Bundesverwaltungsgericht 

beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der Verfügung vom 

8. November 2023 und die Gewährung des Asyls, eventualiter sei eine vor-

läufige Aufnahme zu gewähren. In prozessualer Hinsicht beantragte er den 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 8. Januar 2024 stellte das Bundesverwal-

tungsgericht fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfah-

rens in der Schweiz abwarten, wies sein Gesuch um Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses unter Hinweis auf die Aussichtslosigkeit 

seiner Beschwerde ab und erhob einen Kostenvorschuss. Dieser wurde in 

der Folge fristgerecht bezahlt. 

 

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Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt wird, handelt es sich vorliegend um ein solches Rechts-

mittel, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a 

Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

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begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-

richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen von Asylvorbringen 

in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. 

Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 

E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die 

Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen von 

Art. 3 AsylG an die Flüchtlingseigenschaft nicht stand. Die von ihm geltend 

gemachten finanziellen Gründe für die Ausreise aus Tunesien könnten den 

allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen in Tunesien 

zugeordnet werden. Diese beruhten somit nicht auf der Absicht, ihn aus 

einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründe zu treffen. Die familiä-

ren Umstände als Kind und Jugendlicher seien zwar zu bedauern, jedoch 

handle es sich dabei um die allgemeinen Lebensbedingungen in seinem 

Heimatland. Ein Zusammenhang zu einer flüchtlingsrechtlich relevanten 

Verfolgung bestehe nicht, womit dieses Vorbringen flüchtlingsrechtlich 

nicht relevant sei. Weiter habe er bis auf das angesprochen werden und 

der Schlafsituation keine weiteren Vorfälle im Zusammenhang mit dem Kir-

chenbesuch erwähnt. Zudem sei er bereits im Jahr 2008 ausgereist, so-

dass davon ausgegangen werden könne, dass er deswegen nichts mehr 

zu befürchten habe. Jedenfalls habe er keine Ereignisse geltend gemacht, 

die eine diesbezügliche Befürchtung stützen würden. Daher sei auch die-

ses Vorbringen flüchtlingsrechtlich nicht relevant.  

5.2 Den vorinstanzlichen Erwägungen hielt der Beschwerdeführer in seiner 

Beschwerde entgegen, dass ihm keine andere Wahl geblieben sei, als Tu-

nesien zu verlassen. Bei einer Rückkehr wäre unweigerlich davon auszu-

gehen, dass ihm die Behörden wieder in ähnlicher Weise Probleme 

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Seite 6 

machen würden. Sodann hätte er in Tunesien keine Chance, eine einiger-

massen vertretbare Existenz zu verwirklichen. Selbst wenn man seinem 

Hauptbegehren nicht folge, wäre immerhin eine vorläufige Aufnahme aus-

zusprechen. Es sei unvorstellbar, dass er wieder nach Tunesien zurück-

kehren könne.  

6.  

6.1 Das Gericht gelangt nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass die 

angefochtene Verfügung zu stützen ist. Die Vorinstanz ist darin mit über-

zeugender Begründung zur Erkenntnis gelangt, die Vorbringen des Be-

schwerdeführers vermöchten den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die 

Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen. Mit seiner knappen Beschwerde, 

welche sich im Wesentlichen auf einfache Gegenbehauptungen ohne Sub-

stanz beschränkt, gelingt es ihm nicht, den zutreffenden Erwägungen der 

Vorinstanz etwas Stichhaltiges entgegenzusetzen. Insofern er in seiner Be-

schwerde geltend macht, die Behörden würden ihm im Falle einer Rück-

kehr wieder in ähnlicher Weise Probleme machen, ist mangels Substanzi-

ierung weder erkenntlich, was konkret für «Probleme» gemeint sind, noch 

geht aus den vorinstanzlichen Akten hervor, dass er vor seiner Ausreise 

Nachteile seitens der Behörden erfahren hat. Die im Rahmen der Anhörung 

geschilderten Probleme (vgl. vorinstanzliche Akten […]-39/10 [nachfol-

gend: act. 39] F10, F45, F50) sind – wie vom SEM zutreffend erwogen – 

allgemeiner gesellschaftlicher respektive wirtschaftlicher Natur und flücht-

lingsrechtlich klar nicht relevant. Der geltend gemachten brutalen Behand-

lung, die der damals noch jugendliche Beschwerdeführer durch seinen Va-

ter erlebt haben will, liegt kein Motiv im Sinne von Art. 3 AsylG zugrunde. 

Ferner ist nicht ersichtlich, dass sich der (ohnehin mittlerweile […]-jährige 

und damit vom Elternhaus nicht mehr abhängige) Beschwerdeführer dies-

bezüglich je schutzsuchend an die tunesischen Behörden gewandt hätte 

oder diese ihm den benötigten Schutz nicht hätten gewähren können oder 

wollen. Zudem habe er sich dieser Behandlung scheinbar entziehen kön-

nen, indem er einfach nicht mehr nachhause gegangen sei. Die angebli-

chen Kirchenbesuche in Tunesien (vgl. a.a.O. F49 f.) – respektive die im 

Gesuch um Wiederaufnahme des Asylverfahrens vom 3. Mai 2023 gar gel-

tend gemachte Konversion zum Christentum (vgl. act. 26) – sind in keiner 

Weise substanziiert geschweige denn belegt worden. Ohnehin haben we-

der Konvertiten noch Apostaten in Tunesien Sanktionen der Behörden zu 

befürchten, zumal die tunesische Verfassung die Religions- und Gewis-

sensfreiheit garantiert (vgl. deren Art. 6) und das tunesische Strafrecht 

keine entsprechenden Strafbestimmungen enthält (vgl. Urteil des BVGer 

E-5676/2016 vom 31. Januar 2017 E. 6). Schliesslich spricht auch die vom 

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Beschwerdeführer geäusserte Absicht, sich zwecks Passbeschaffung ans 

tunesische Konsulat wenden zu wollen (vgl. act. 39 F40) entschieden ge-

gen das Vorhandensein einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung. 

Zur Vermeidung von Wiederholungen kann daher im Übrigen auf die zu-

treffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden.   Nach dem 

Ausgeführten hat die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des 

Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.  

7.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). 

Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-

rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung 

einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-

ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2  

8.2.1 Die Vorinstanz erachtete den Vollzug der Wegweisung für zulässig, 

zumutbar und möglich. In individueller Hinsicht führte sie aus, dass der Be-

schwerdeführer zwei Berufsschulen verschiedener Fachrichtungen be-

sucht habe. Trotz seiner angeblich schlechten finanziellen Lage vor seiner 

Ausreise könne erwartet werden, dass er sich dort eine eigene Existenz 

aufbauen könne. Dies zumal er sich seit rund 15 Jahren seit seiner Aus-

reise immer wieder aus eigener Kraft selbst habe durchschlagen können. 

Ausserdem lägen Anknüpfungspunkte mit der tunesischen Gesellschaft 

vor.  

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Seite 8 

8.2.2 Der Beschwerdeführer hielt dem entgegen, dass er in Tunesien keine 

Chance hätte, sich eine einigermassen vertretbare Existenz aufzubauen. 

Es sei unvorstellbar, dass er wieder nach Tunesien zurückkehren könne. 

8.3 Der Vollzug der Wegweisung ist vorliegend in Beachtung der massge-

blichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig (Art. 83 

Abs. 3 AIG), da weder das flüchtlingsrechtliche Non-Refoulement-Prinzip 

tangiert ist noch Anhaltspunkte für eine im Heimatstaat drohende men-

schenrechtswidrige Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3 

des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere 

grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 

(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK ersichtlich sind. Insbeson-

dere vermag der Beschwerdeführer kein «real risk» im Sinne der massge-

blichen Rechtsprechung darzutun, zumal die blosse Möglichkeit einer men-

schenrechtswidrigen Behandlung nicht ausreicht (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

§§ 124 ff. m.w.H.). Im Übrigen vermag auch die behauptete – weder sub-

stanziierte noch durch Beweismittel untermauerte – Beziehung zu einer 

Frau mit Schweizer Bürgerrecht den Vollzug der Wegweisung nicht als un-

zulässig erscheinen, zumal den Akten keine Hinweise auf eine schützens-

werte Beziehung im Sinne von Art. 8 EMRK zu entnehmen sind und ohne-

hin davon auszugehen wäre, dass die Beziehung auch in Tunesien geführt 

werden könnte.  

8.4 Sodann lassen weder die allgemeine Lage in Tunesien noch individu-

elle (inkl. gesundheitliche) Gründe auf eine konkrete Gefährdung im Falle 

einer Rückkehr schliessen, weshalb der Vollzug der Wegweisung vorlie-

gend zumutbar ist (Art. 83 Abs. 4 AuG). Hierzu kann vollumfänglich auf die 

zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz gemäss angefochtener Verfü-

gung (dort E. III.2) verwiesen werden. Ergänzend bleibt lediglich anzufü-

gen, dass neben den Eltern des Beschwerdeführers auch mehrere Ge-

schwister (vgl. act. 39, F22) im Heimatland wohnen und angeblich alle ei-

ner Arbeitstätigkeit nachgehen. Darüber hinaus habe der Beschwerdefüh-

rer eine ältere Schwester, die in C._______ lebe, als Lehrerin tägig sei und 

ein gutes Leben führe (vgl. act. 39, F10). Diese ältere Schwester habe er 

denn auch im Asylverfahren kontaktiert, um heimatliche Dokumente aus 

Tunesien bei den Eltern zu beschaffen und sich diese in die Schweiz zu-

schicken zu lassen (vgl. act. 39, F40 und 41). Er verfügt somit offenkundig 

nach wie vor über aktive Beziehungen zu seiner Verwandtschaft und ver-

mag im Bedarfsfall auch aktiv auf deren Unterstützung zurückzugreifen. 

Weiter geht aus den Akten hervor, dass er – wie die Vorinstanz zutreffend 

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Seite 9 

ausgeführt hat – in den Jahren seit seiner Ausreise aus seinem Heimatland 

sich im Ausland, und damit in einem ihm nicht direkt vertrauten Umfeld, 

selbständig behaupten konnte und immer wieder verschiedenen Arbeitstä-

tigkeiten in verschiedenen Tätigkeitsbereichen nachgegangen sei. Auch 

vor diesem Hintergrund ist nicht erkennbar, weshalb es dem jungen, ge-

sunden, arbeitsfähigen und mit den Gepflogenheiten seines Heimatlandes 

vertrauten Beschwerdeführer, der dort sogar zwei Berufsausbildungen be-

gonnen habe, nicht zugemutet werden könnte, nach Tunesien zurückzu-

kehren. Mit seiner einfachen Gegenbehauptung, wonach er in Tunesien 

keine Chance auf eine menschenwürdige Existenz hätte, vermag er diese 

Einschätzung nicht umzustossen.  

8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt 

Fr. 750.- festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss 

ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750 werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezahlung 

der Verfahrenskosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Kevin Schori 

 

 

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