# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f3f2ba9a-1961-5f35-8286-716b4f670ecb
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-21
**Language:** de
**Title:** Zeitlicher Zusammenhang strittig. Zur Invalidität führende Arbeitsunfähigkeit trat überwiegend wahrscheinlich während Versicherungsdeckung durch die Beklagte ein.
**Docket/Reference:** BV.2023.00018
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/BV.2023.00018.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
BV.2023.00018
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Ersatzrichter Sonderegger
Gerichtsschreiberin Casanova
Urteil
vom
21. März 2024
in Sachen
X.___
Kläger
gegen
Stiftung Auffangeinrichtung BVG
Rechtsdienst
Elias-Canetti-Strasse 2, Postfach, 8050 Zürich
Beklagte
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1970, meldete sich am 1
0.
August 2018 (Eingangsdatum)
unter Hinweis auf einen Unfall
sowie eine Erschöpfungsdepression
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons
H.___
, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/57).
Mit Verfügung vom 1
4.
Dezember 2018 wies die IV-Stelle nach durchgeführten beruflichen und medizinischen Abklärungen das Leistungs
begehren um berufliche Massahmen und Rentenleistungen ab (
Urk.
12/93).
Am
3.
Oktober 2019 meldete sich der Versicherte
unter Hinweis auf einen Unfall
erneut bei
der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/96).
Die IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und teilte am 2
0.
Januar 2020 mit, dass das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen ab
gewiesen werde, da diese aufgrund des aktuellen Gesundheitszustandes nicht möglich seien (
Urk.
12/139).
Mit Verfügung vom
2.
Juli 2021 sprach die IV-Stelle dem Versicherten eine ganze Invalidenrente ab dem
1.
Juni 2020 zu (
Urk.
12/207; Verfügungsteil 2,
Urk.
12/201)
.
1.2
Der Versicherte bezog - nach
früheren Taggeldbezügen in den Jahren 2013 und 2015
(vgl.
Urk.
6/1)
- vom
2.
Juli 2018 bis am
1
8.
Dezember 2019 Taggelder der Arbeitslosenversicherung und war in dieser
Zeit bei der Stiftung Auffang
einrichtung BVG
gegen die Risiken Tod und Invalidität berufsvorsorgeversichert (vgl. Übersicht Taggeld,
Urk.
6/2).
2.
Mit Schreiben vom 1
0.
März 2023
erhob der Versicherte Klage gegen die
Stiftung Auffangeinrichtung BVG
und beantragte
sinngemäss
, es sei die Beklagte zu ver
pflichten, ihm mit Wirkung ab dem
3.
Juni 2019 die g
esetzlichen und reglementarischen Berufsvorsorgeleistungen bei Invalidität
zuzusprechen (
Urk.
2
i.V.m
.
Urk.
2/1). Mit Klageantwort vom 2
6.
April 2023 schloss die Beklagte auf Abweisung der Klage (
Urk.
5 unter Beilage ihrer Unterlagen,
Urk.
6/1-28). Nach Beizug der Akten der Eidgenössischen Invalidenversicherung
(
Urk.
12/1-235), wurde dem Kläger erneut Möglichkeit gegeben, sich zu äussern (
Urk.
14). Der Kläger verzichtete auf Einreichung einer Replik, worüber die Beklagte mit Ver
fügung vom
7.
September 2023 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
16).
3.
Auf die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Der Kläger brachte vor, dass die Beklagte über das laufende Verfahren bei der eidgenössischen Invalidenversicherung informiert worden sei. Die In
v
aliden
versicherung habe den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit auf den
3.
Juni 2019 gelegt, womit dieser in die Zeit der Versicherungsdeckung durch die Beklagte falle. Die Festsetzung des Invaliditätsgrades durch die Invalidenversicherung sei für die Vorsorgeeinrichtung verbindlich. Es sei klar erwiesen, dass der Eintritt des Gesundheitszustandes, welcher zur Invalidität geführt habe,
in die Zeit des Bezuges des Arbeitslosentaggeldes falle
. Entsprechend sei die Beklagte zu ver
pflichten, ihm eine berufsvorsorgerechtliche Rente zu bezahlen (
Urk.
1
i.V.m
.
Urk.
2/1).
Die Beklagte brachte demgegenüber vor, dass
die IV-Stelle ihr weder den Vor
bescheid vom 3
0.
April 2021 noch die
V
erfügung vom
2.
Juli 2021 eröffnet hätte, womit die Verfügung
ihr
gegenüber keine Bindungswirkung
entfalte. Des Weiteren sei sie nur dann leistungspflichtig, wenn der Kläger nachweise, dass während der Versicherungsdauer vom
2.
Juli 2018 bis zum 1
8.
Dezember 2019 eine berufsvorsorgerechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit eingetreten sei.
Es lägen keine echtzeitlichen Berichte vor, welche eine Arbeitsunfähigkeit nach
vollziehbar attestieren würden und
seitens des Klägers
sei
gegenüber der Arbeits
losenkasse keinerlei Arbeitsunfähigkeiten angegeben
worden
.
Des Weiteren habe
Dr.
med.
Y.___
, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und Psycho
therapie,
des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) der IV-Stelle die andauernde Arbeitsunfähigkeit erst nach der stationären Suchtbehandlung im Jahr 2020 als erstellt erachtet
. Damit lasse sich der Eintritt der invalidisierenden Arbeits
unfähigkeit erst nach Aufnahme der stationären Suchtmittelbehandlung am 2
9.
Januar 2020 - und damit ausserhalb der Versicherungszeit bei der Beklagten - mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellen (
Urk.
5).
2.
2.1
Nach Art. 24 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge (BVG)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine Viertelsrente, wenn er mindestens zu 40 % invalid ist. Gemäss Abs. 1 von Art. 26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden
Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (Art. 29
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
,
IVG
). Die Invalidenleistungen nach BVG werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses an
geschlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Ein
tritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl. Art. 23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähig
keit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG in Verbindung mit Art. 26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem Obligatorium unterstanden hat (BGE 138 V 409 E. 6, 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hin
weisen).
2.2
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorge
einrichtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invaliden
versicherung zugesprochen wird. Der Anspruch auf Inv
alidenleistungen nach Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorge
einrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der zur Invalidität führenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzu
kommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusamme
nhang besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1; vgl. auch BGE 147 V 322 E. 3.1, 134 V 20 E.
3.2). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeits
unfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeits
unfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krankheit ein
zustehen, die erst Jahre nach Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit ein
treten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbrechung des zeitlichen Zusammen
hangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusammen
hangs zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität in schematischer (analoger
) Anwendung der Regeln von Art. 88a Abs.
1 der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) beurteilt werden, wonach eine anspruchsbeeinflussende Ver
besserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich andauern wird. Zu berücksichtigen sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur Wiederaufnahme der Arbeit ver
anlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120 V 112 E.
2c/
aa
und 2c/
bb
mit Hi
nweisen; vgl. auch 138 V 409 E. 6.2, 134 V 20 E.
3.2.1).
2.3
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invaliden
versicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich de
r gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E.
3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der ges
etzlichen Mindestvorsorge (Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhalt
bar erscheint (BGE 143 V 434 E. 2.2, 126 V 309 E.
1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung
rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit
des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorge
einrichtung beziehungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bundesgerichts 9C_49/2010 vom 23. Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung (spätestens)
ins Vorbescheidverfahren (Art.
73
ter
IVV) einbezogen und ihr die Renten
verfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bu
ndesgerichts 9C_81/2010 vom 16. Juni 2010 E.
3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein
selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach IVG zu. Unterbleibt ein solches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich, masslich und zeitlich) berufsvorsorgerechtlich nich
t verbindlich (BGE 130 V 270 E.
3.1).
Stellt die Vorsorgeeinrichtung auf die invalidenversicherungsrechtliche Betrachtungsweise ab, muss sich die versicherte Person diese entgegenhalten lassen, soweit diese für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend war, und zwar ungeachtet dessen, ob der Vorsorgeversicherer im Verfahren der Invalidenversicherung beteiligt war oder nicht. Vorbehalten sind jene Fälle, in denen eine gesamthafte Prüfung der Aktenlage ergibt, dass die Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung offensichtlich unhaltbar war (BGE 130 V 27
0 E. 3.1; vgl. auch 144 V 63 E. 4.1.1).
3.
Vorab zu prüfen ist, ob die Beklagte an die Feststellungen im IV-Verfahren gebunden ist.
Die IV-Stelle stellte der Beklagten weder den Vorbescheid vom 3
0.
April 2021 (
Urk.
12/197) noch die Verfügung vom
2.
Juli 2021 (
Urk.
12/207; Verfügungsteil 2,
Urk.
12/207) zu.
Damit besteht
bezüglich des
vorliegend strittigen Zeitpunkt
des
Eintritts der in Frage stehenden Arbeitsunfähigkeit, welche zur Invalidität geführt hat
,
keine Bindung an die IV-Verfügung
(vgl. E. 2.3)
.
4
.
Die
wesentliche
medizinische Aktenlage stellt sich folgendermassen dar:
4
.1
4
.1
.1
Der Kläger erlitt am 1
0.
Oktober 2016 eine Schulterluxation links mit Abriss
fraktur des Tuberculum majus, welche am 1
4.
Oktober 2016 operativ saniert wurde (
Urk.
12/9; vgl. auch
Urk.
12/11 und
Urk.
12/20). In der Folge war der Kläger anfänglich voll arbeitsunfähig, konnte allerdings die Arbeitsfähigkeit
in seiner Stelle als Mitarbeiter im Lager und Chauffeur (vgl.
Urk.
12/2)
langsam wieder auf 100
%
steigern (vgl. hierzu
Urk.
12/37;
Urk.
12/40
). Gemäss Angaben der Suva war der Kläger vom 1
0.
Oktober 2016 bis zum 3
1.
M
ä
rz 2017 voll arbeitsunfähig, vom
1.
April bis zum 3
1.
Mai 2017 bestand eine 50%ige Arbeits
unfäh
i
gkeit, vom
1.
bis zum 3
0.
Juni 2017 eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit und ab dem
1.
Juli 2017 war der Kläger wieder voll arbeitsfähig (
Urk.
12/75).
4
.1.2
Dr.
med.
Z.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, attestierte dem Kläger eine volle Arbeitsunfähigkeit vom
8.
Januar bis 3
1.
Mai 2018 (
Urk.
12/64). In ihrem
Verlaufsb
ericht vom 1
9.
Oktober 2018 notierte sie, dass der Kläger vom
8.
Januar bis zum 1
3.
Juni 2018 bei ihr in Behandlung gewesen sei aufgrund eines depressiven Zustandes. Unter Behandlung mit Citalopram,
Fluanxol
und Amitriptylin habe sich das depressive Zustandsbild aufgehellt, so dass die Behandlung am 1
3.
Juni 2018 habe abgeschlossen werden können. Es habe sich um eine Erschöpfungsdepression mit einer reaktiven Komponente wegen der Kündigung am bisherigen Arbeitsplatz mit Müdigkeit, Antriebslosigkeit, erheblichen Stimmungsschwankungen und verschiedenen vegetativen Beschwerden gehandelt. Es habe eine vollständige Remission statt
gefunden.
Am Schluss der Behandlung habe er die Medikation nicht mehr gebraucht
. Sie habe den Kläger nach dem 1
3.
Juni 2018 nicht mehr gesehen, er habe sich damals für voll arbeitsfähig eingeschätzt
(
Urk.
12/85).
4
.2
Med.
pract
.
A.___
, praktischer Arzt,
hielt in seinem Bericht vom 1
7.
Januar 2019 folgende (gekürzt wiedergegebenen) Diagnosen fest (
Urk.
12/102):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Reaktion auf Unfallfolgen (ICD-10 Z64.8)
-
Status nach Schulter Luxation Fraktur links 1
0.
Oktober 2016
Als Nebendiagnosen hielt er eine Lebererkrankung sowie eine periphere Parästhesie Hand rechts fest.
Es habe ein stützendes Gespräch stattgefunden mit akut verbaler Intervention bei psychischer Dekompensation bei persistierend depressiver Symptomatik. Es bestehe die Entwicklung einer zunehmenden Depressions-Symptomatik infolge des erlittenen Unfalles mit nachfolgender anhaltender Schmerz
s
ymptomatik der betroffenen Schulter und deutlicher Einschränkung der Funktion, insbesondere sei keine Wiederaufnahme des bisherigen Berufes möglich infolge erheblicher Behinderung der oberen Extremität. Es bestehe die Gefahr einer chronifizierten depressiven Störung im Sinne einer fortgesetzten posttraumatischen Belastungs
störung.
4
.3
4
.3.1
Med.
pract
.
A.___
attestierte eine volle Arbeitsunfähigkeit vom
3.
bis zum
7.
Juni 2019 infolge Krankheit (
Urk.
6/9).
4
.3.2
I
m Schreiben vom 1
8.
Juni 2019
führte med.
pract
.
A.___
aus, dass der Kläger unpässlich sei aufgrund einer Hautreaktion, einer Magen-Darm-Reaktion und Überforderung, so dass er derzeit nicht an der Weiterbildung teilnehmen könne. Aufgrund von Übelkeit, Hautveränderungen und einer Schwächesituation solle er bis voraussichtlich Oktober 2019 nicht durch die Kursteilnahme belastet werden (
Urk.
12/103).
4
.3.3
Am 2
0.
Juni 2019 attestierte med.
pract
.
A.___
dem
Kläger
zur Vorlage beim RAV, dass der Kläger «weiterhin 100
%
arbeitsfähig bzw. vermittlungsfähig» sei. Nur die Kursteilnahme sei aus Gesundheitsgründen bis Oktober 2019 nicht möglich (
Urk.
6/11).
4
.4
Dr.
med.
B.___
,
praktische Ärztin der
C.___
, notierte in ihrer Bestätigung vom 2
9.
Juli 2019, dass der Kläger sich seit Oktober 2018 bei ihnen in Substitutionsbehandlung befinde. Nach anfänglicher Stabilisierung sei es zunehmend zu einer reduzierten psychischen und auch physischen Verfassung gekommen. Die Leberzirrhose und damit verbundenen Konsequenzen beschäftigten den Kläger sehr und beunruhigten ihn sehr, so dass er mittlerweile auch psychiatrische Unterstützung genommen habe. Insgesamt sei im letzten halben Jahr von einer Verschlechterung seines Gesundheitszustandes auszugehen (
Urk.
12/104).
4
.5
Med.
pract
.
A.___
notierte in seinem von der IV-Stelle eingeholten Bericht vom
4.
November 2019 folgende (gekürzt wiedergegebenen) Diagnosen (
Urk.
12/115):
-
Hypertensive Herzerkrankung, Erstdiagnose September 2019
-
QT-Zeit-Verlängerung, am ehesten medikamenteninduziert (
Sevre
-Long)
-
Leberzirrhose CHILD A, MELD 9 (1
5.
August 2019, Erstdiagnose März 2019)
-
Verdacht auf
polyklonale
Immunstimulation Erstdiagnose Dezember 2018
-
Zufallsbefundlich
1.6 cm grosses lipidreiches Nebennierenadenom links (MRI)
-
Polytoxikomanie
-
Rezidivierende depressive Episoden
-
Sub
kl
inische Hypothyreose
-
Medikamentös ausgelöstes Exanthem
Der Kläger habe am 1
5.
August 2019 als Lagerist bei der
D.___
gearbeitet. Das Arbeitspensum sei zu viel gewesen, er sei zu langsam. Der Kläger
berichte
über Beschwerden bei der Arbeitsausführung. Die Arbeitsanforderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt seien medizinisch/psychisch kaum
bewältigbar
.
Die Prognose sei ungünstig, auf dem ersten Arbeitsmarkt sehe er keine Arbeitsfähigkeit, auf dem zweiten Arbeitsmarkt sei eine Arbeitsfähigkeit fraglich.
Das Arbeits
verhältnis sei
anlässlich des
Gespräch
s
vom 2
2.
August 2019
mit dem Arbeitgeber
beendigt worden.
4
.6
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie der
C.___
, notierte im von der IV-Stelle eingeholten Bericht
vom 2
5.
November 2019
, dass er den
Kläger vom
1.
Juli bis zum 2
4.
September 2019 betreut habe. Er habe bei ihm über Schulterschmerzen links und Bewegungseinschränkungen im linken Arm geklagt. Nach dem Unfall (Schulterfraktur links) sei er in «ein psychisches Loch» gefallen, d.h. an einer depressiven Störung erkrankt. Dies habe zum Drogenkonsum (Heroinrückfall) geführt, weshalb er
j
etzt mit
Sevre
-Long substituiert werde.
Dr.
E.___
diagnostizierte (1) eine rezidivierende depressive Stör
u
ng (ICD-10 F33) und (2) Störungen durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig Substitution mit
Sevre
-Long (ICD-10 F11.22).
Bei der Erstkonsultation im Juli 2019 habe neben der Suchtproblematik auch eine depressive Symptomatik bestanden. Der Kläger habe ausgelaugt und erschöpft gewirkt und sei in seiner Stimmung niedergedrückt, weinerlich gewesen. Es hätten berufliche und private Zukunftsängste bestanden. Im August 2019, während einer kurzfristigen Anstellung mit einem 50%-Pensum als
Magaziner
bei
D.___
in
K.___
, habe sich sein psychophysischer Zustand verschlechtert. Nach Verlust dieser Arbeit habe der Kläger im September 2019 zwar verunsichert gewirkt, sei aber physisch entlastet und psychisch erleichtert gewesen. In der Folge habe sich die depressive Symptomatik gebessert. Der weitere Verlauf seit Oktober 2019 sei ihm nicht bekannt (
Urk.
12/130
/2
).
4
.7
RAD-Arzt
Dr.
Y.___
führte am
9.
Dezember 2019 aus, dass anh
a
nd der vor
liegenden Berichte die Eingliederungsfähigkeit/Arbeitsfähigkeit nicht beurteilt werden könne, es sei ein Bericht bei
Dr.
B.___
einzuholen (
Urk.
12/133).
4
.8
Dr.
B.___
notierte in ihrem von der IV-Stelle eingeholten Bericht
vom 1
3.
Dezember 2019
, dass der Kläger dreimal wöchentlich zur Medikamenten
abgabe komme. Es finde eine Opiatsubstitution statt. Eventuell sei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit zumutbar. Die Begleit
erkrankungen der Leberzirrhose wie Müdigkeit und Unkonzentriertheit, die psychische Belastung und die Schulterschmerzen stünden einer Eingliederung im Wege (
Urk.
12/135).
4
.9
RAD-Arzt
Dr.
Y.___
notierte am 2
0.
Januar
2020
dass eine polydisziplinäre Begutachtung zur Beurteilung der Rest
a
rbeitsfähigkeit zu empfehlen sei (
Urk.
12/136).
4
.10
Der Kläger befand sich
vom
2
9.
Januar
bis zum
8.
April 2020
nach Selbst
zuweisung in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
F.___
zu
r
Entzug
s
behandlung
(
Austrittsbericht vom 2
4.
April 2020,
Urk.
12/153/2 ff.). Die Behandler konstatierten, dass der Kläger bei Eintritt mit 260 mg
Sevre
Long substituiert sei und einen
Beikonsum
von ca. 0.2 g täglich (geraucht) angebe. Der
Beikonsum
eskaliere seit ca. 2 Monaten. Der Kläger beschreibe
einen aktuellen A
l
koholkonsum von 2-2.5 l Bier pro Tag. Der letzte Konsum sei am Morgen des Eintrittes eine Flasche Bier gewesen (0.23 Promille bei Eintritt). Der Kläger könne sich an keine längere abstinente Phase in seinem Leben erinnern, ausser während der Interferontherapie vor ca. 6 Jahren. Er ne
h
me
Temesta
bei Bedarf. Kokain und Cannabis habe er zuletzt vor 3 bis 4 Jahren konsumiert. Zigaretten 30 PY. Der Kläger werde im Anschluss eine Langzeittherapie im
G.___
absolvieren.
4
.11
RAD-Arzt
Dr.
Y.___
hielt in seiner Stellungnahme vom 1
9.
Juni 2020 fest (
Urk.
12/156), dass aus dem Austrittsbericht der Klinik psychiatrischen Klinik
F.___
die Diagnosen einer kombinierten Abhängigkeitserkrankung (Opioide, Alkohol, Tabak) gestellt würden sowie eine Leberzirrhose Stadium CHILD A, eine hypertensive Herzerkrankung sowie eine portal-hypertensive Gastropathie mit mittelgrossen Ösophagusvarizen. Die Entgiftung sei recht positiv verlaufen und der Kläger befinde sich nun in einer Langzeitentwöhnung.
Es bestehe damit diagnostisch eine als gesichert anzunehmende fortgeschrittene polyvalente Abhängigkeitserkrankung. Unbehandelt, das heisse bei fortgesetztem Konsum, sei keine realistische Arbeitsfähigkeit anzunehmen. Eine adäquate Behandlung umfasse im Anschluss einer erfolgreichen Langzeitentwöhnungs
therapie ein ambulantes Nachsorgekonzept. Sollte dies bei weiterhin positivem Krankheitsverlauf gelingen, wäre mit einer wirtschaftlich verwertbaren Arbeits
fähigkeit in 6-12 Monaten zu rechnen. Grundsätzlich könne auch nach einer langjährigen Suchtproblematik eine Verbesserung eintreten. Es könne auch da
von ausgegangen werden, dass sich auch die suchtassoziierten somatischen Begleiterkrankungen im Verlauf noch besserten.
Bei stationärer Langzeitbehandlung sei keine Arbeitsfähigkeit anzunehmen. Der Beginn der vollen Arbeitsunfähigkeit sei auf den
3.
Juni 2019 zu legen (Arzt
bericht von med.
pract
.
A.___
vom
5.
Juni 2019).
4
.12
Am 1
1.
September 2020 wurde der Kläger durch die Ärzte des Schulter- und Ellbogenteams des Kantonsspitals
H.___
untersucht. Sie führten in ihrem Bericht vom 1
7.
September 2020 aus, dass sich beim Kläger eine schnelle Ermüdbarkeit insbesondere bei Überkopftätigkeiten bei Status nach Schulter
operation vom 1
4.
Oktober 2016 zeige. Die Platte sei sichtlich nicht störend, es sei auch keine Entfernung notwendig. Eine Verbesserung könne durch operative Massnahmen nicht erzielt werden. Sie empfählen eine nochmalige intensive medizinische Trainingstherapie zur gezielten Kräftigung der
Rotatoren
manschette
. Danach müsse evaluiert werden, inwiefern die Schulter für den Arbeitsalltag noch eingesetzt werden könne
(
Urk.
12/170)
.
4
.13
4
.13.1
Dr.
med.
I.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin des hausärzt
lichen Dienstes des
G.___
,
notierte in ihrem von der IV-Stelle eingeholten Bericht vom
8.
November 2020 folgende (gekürzt wiedergegebenen) Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Polytoxikomanie
(
Opiode
, Alkohol, Nikotin)
-
Leberzirrhose CHILD A5
-
Posttraumatische Schultergelenksarthrose links
-
Rezidivierende depressive Episoden
-
Hypertensive Herzerkrankung
-
Adipositas
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit beurteilte sie (1) einen Diabetes mellitus Typ 2 und (2) eine subklinische Hypothyreose.
Die Prognose betreffend Arbeitsfähigkeit sei schlecht. Der Kläger sei aufgrund einer schmerzhaften Beweglichkeitseinschränkung im linken Schultergelenk, einer
a
llgemeinen Verlangsamung, Ermüdbarkeit und Überforderungssituationen u.a. bei Zeitdruck eingeschränkt. Ein Potential zur Eingliederung bestehe nicht (
Urk.
12/172).
4
.13.2
Der Kläger befand sich vom
8.
April bis zum 2
7.
November 2020 zur Sucht
therapie und Rehabilitation im
G.___
. Im Austrittsbericht vom
1.
Dezember 2020
n
otierten die Verantwortlichen, dass der Kläger in der Wäscherei gearbeitet habe
.
A
ufgrund von Schmerzen im Schulterbereich habe er schnell über Erschöpfung geklagt und sei nachmittags kaum mehr in der Lage gewesen zu arbeiten. Entsprechend sei ab der fünften Behandlungswoche eine Reduktion des Pensums auf jeweils vormittags erfolgt. Dies habe ihn deutlich entlastet. Er habe engagiert und zuverlässig gearbeitet, negative Auswirkungen auf die Arbeits
leistung hätten bei Stress festgestellt werden können. Nach dem Austritt werde er in eine eigene Wohnung ziehen und durch die Sozialen Dienste der Wohn
gemeinde weiter unterstützt (
Urk.
12/187).
4
.14
Med.
pract
.
J.___
, Praktischer Arzt Allgemeinmedizin, notierte in seinem von der IV-Stelle eingeholten Bericht
vom
8.
März 2021
, dass er den Kläger alle 5-6 Wochen sehe. Er sei seit Dezember 2019 arbeitsunfähig. Er sei schwach und habe weiter Schulterschmerzen (
Urk.
12/193).
4
.15
Dr.
Y.___
führte in seiner Stellungnahme vom 2
8.
April 2021 aus,
dass infolge der Leberzirrhose als auch infolge Persönlichkeitsveränderungen durch die lang
jährige schwere Suchterkrankung hinsicht
l
ich allgemeiner Verlangsamung,
reduzierte
n
Antrieb
s
, ausgeprägter Müdigkeit und Erschöpfung funktionelle Ein
schränkungen bestünden. Seitens der Schulter bestehe eine zusätzliche chronische Schmerzproblematik mit Einschränkung bei schweren Tätigkeiten so
wie bei Arbeiten über Schulterhöhe. Es könne auf die Therapieberichte des
G.___
verwiesen werden. In den Berichten werde zudem auf einige Konsum
ereignisse unter Stressbelastung hingewiesen. Letztlich habe selbst in geschütztem Rahmen das Arbeitspensum von 23 auf 14 Wochenstunden reduziert werden müssen. Aus Sicht des behandelnden Psychiaters erscheine eine Integration im ersten Arbeitsmarkt eher unrealistisch.
Die Diagnosen und Beurteilungen der behandelnden Ärzte seien nachvollziehbar. Auch die arbeitsagogischen Schlussfolgerungen im Therapiebericht des
G.___
seien aus medizinischer/psychiatrischer Sicht plausibel. Eine wirtschaftlich ver
wertbare Arbeitsfähigkeit sei ab August 2019 (siehe Bericht
Dr.
E.___
vom 2
5.
November 2019, vgl. E.
4
.6) nicht mehr anzunehmen. Hinweise für relevante Inkonsistenzen ergäben sich nicht. Eine suchttherapeutische Nachsorge sei erforderlich, diese
ziele
aber eher auf den Erhalt des Status quo ab, eine Ver
besserung der Arbeitsfähigkeit sei zeitnah nicht zu erwarten (
Urk.
12/194/2).
5
.
Vorliegend ist unbestritten, dass der Kläger vollumfänglich arbeitsunfähig ist in
folge der psychischen und somatischen Erkrankungen (vgl.
Urk.
1). Von der Beklagten wird hingegen bestritten, dass
der zur Invalidität führende Gesundheitsschaden
während
ihrer
Versicherungsdeckung
eingetreten ist.
Die Deckung bestand dabei im Zeitraum des Taggeldbezuges vom
2.
Juli 2018 (vgl.
Art.
10
Abs.
1 BVG) bis zum 1
8.
Dezember 2019 - eine Nachdeckungsfrist gibt es beim Taggeldbezug der Arbeitslosenversicherung keine (vgl.
Art.
10
Abs.
3 BVG e contrario; Stauffer Hans-Ulrich, Berufliche Vorsorge,
3.
Aufl., Zürich - Basel - Genf 2019, S. 258).
5
.1
Zu den für die Beurteilung des zeitlichen Konnexes relevanten Umständen zählen die in der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tretenden Verhältnisse, wie etwa die Tatsache, dass ein Versicherter über längere Zeit hinweg als voll ver
mittlungsfähiger Stellensuchender Taggelder der Arbeitslosenversicherung be
zieht. Allerdings können solchen Zeiten nicht die gleiche Bedeutung beigemessen werden wie Zeiten effektiver Erwerbstätigkeit. Bei einem Bezug von Taggeldern während einer dreivierteljährigen Periode kann aber nicht von einer Arbeits
unfähigkeit ausgegangen werden, wenn keine entsprechende echtzeitliche medizinische Aussage vorliegt (Urteil des Bundesgerichts 9C_100/2018 vom 2
1.
Juni
2018 E. 4.1.2
m.w.H
.)
.
D
er Zeitpunkt des Eintritts der berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeits
unfähigkeit
muss
mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nach
weis darf nicht durch nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (vgl. hierzu etwa Urteile des Bundesgerichts 8C_380/2009 vom 17. September 2009 E. 2.1 und 9C_178/2008 vom 15. Juli 2008 E. 3.2, je mit Hinweisen).
Als relevant gilt eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20
%
(Stauffer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zur beruflichen Vorsorge,
4.
Aufl., Zürich/Basel/Genf 2019, S. 95).
5
.
2
Bei Beginn der Versicherungsdeckung
durch die Beklagte war der Kläger über
wiegend wahrscheinlich voll arbeitsfähig: Aus somatischer Sicht liegen zu diesem Zeitpunkt keine echtzeitlichen Berichte im Recht, welche eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestieren würden
(vgl. hierzu Sprechstundenbericht vom 2
3.
Mai 2018,
Urk.
12/55)
. Dafür spricht auch, dass der Kläger
vor der Kündigung per Februar 2018 (vgl. Kündigungsschreiben vom 1
9.
Dezember 2017,
Urk.
12/128/8) vollschichtig
arbeitete
(vgl. hierzu E.
4
.1.1). Den echtzeitlichen Berichten von
Dr.
Z.___
ist zu entnehmen, dass der Kläger psychisch kurzzeitig dekompensierte nach erfolgter Kündigung, die Behandlung des depressiven Zustandsbildes
aber
per 1
3.
Juni 2018 habe abgeschlossen werden können bei vollständiger Remission (vgl. hierzu E.
4
.1.2
sowie Krankenkarte und Arztzeugnis vom 1
3.
Juni 2018,
Urk.
12/64/4-5
).
5
.
3
Zu prüfen bleibt, ob die zur Invalidität führende Arbeitsunfähigkeit während der Versicherungsdeckung durch die Beklagte eingetreten ist.
5
.3.1
Die Beklagte hielt insbesondere dafür, dass die nachträgliche Annahme von
Dr.
Y.___
, wonach die Arbeitsunfähigkeit am
3.
Juni bzw. im August 2019 ein
getreten sei, auf spekulativen nachträglichen Überlegungen beruhe, welche den Nachweis einer während der Versicherungszeit eingetretenen Arbeitsunfähigkeit nicht zu erbringen vermöge (
Urk.
1).
Allerdings liegen ab
Mitte 2019 verschiedene echtzeitliche Berichte vor, welche funktionelle Einschränkungen festhalten:
5
.3.2
Im Bericht vom 1
7.
Januar 2019 spr
ach
med.
pract
.
A.___
von der Gefahr einer chronifizierenden Depression und einer anhaltenden Schmerzsymptomatik der Schulter
und erhob die entsprechenden Befunde (vgl.
Urk.
12/102/2)
- eine Arbeitsunfähigkeit attestiert er allerdings nicht (vgl. E.
4
.2).
Am
5.
Juni 2019 stellt
e
med.
pract
.
A.___
ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis aus vom
3.
bis
7.
Juni 2019 (
Urk.
6/9) und teilte am 1
8.
Juni 2019 mit, der Kläger könne nicht an der Weiterbildung teilnehmen (
Urk.
12/103). Am 2
0.
Juni 2019
liess er
hingegen vernehmen
, dass der Kläger weiterhin voll arbeits- und vermittlungsfähig sei (
Urk.
6/11, vgl. E.
4
.3).
Dr.
B.___
fü
h
rte in der Bestätigung vom 2
9.
Juli 2019 aus, dass es nach an
fänglicher Stabilisierung
durch die Substitutionsbehandlung
zunehmend zu einer reduzierten psychischen und physischen Verfassung gekommen sei und
d
er
Kläger
mittlerweile auch psychiatrische Unterstützung angenommen habe. Ins
gesamt sei im letzten halben Jahr von einer Verschlechterung des Gesundheits
zustandes auszugehen (E.
4
.4).
Aus dem Gesundheits-Belastungs-Profil der
D.___
, welches von med.
pract
.
A.___
am 1
5.
August 2019 ausgefüllt wurde, gehen diverse somatische und psychische Einschränkungen hervor (vgl.
Urk.
12/98).
Im Bericht vom
4.
November 2019 hielt med.
pract
.
A.___
fest, dass die Prognose ungünstig sei, er auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Arbeitsfähigkeit sehe und auf dem zweiten Arbeitsmarkt eine Arbeitsfähigkeit fraglich sei
. Die von ihm im Verlauf erhobenen Befunde lassen des Weiteren auf eine Verschlechterung insbesondere des psychischen Zustandes schliessen
(
Urk.
12/115/4; vgl.
E.
4
.5).
Dr.
E.___
diagnostizierte am 2
5.
November 2019 eine rezidivierende depressive Störung sowie Störungen durch Opioide
. Er hielt bezüglich der Befunde fest, dass bei der Erstkonsultation im Juli 2019 nebst der Suchtproblematik auch eine depressive Symptomatik bestanden habe. Der Kläger habe ausgelaugt und erschöpft gewirkt und sei in seiner Stimmung niedergedrückt, traurig und weinerlich gewesen. Es hätten berufliche und private Zukunftsängste bestanden. Im August 2019, während einer kurzfristigen Anstellung in einem 50%-Pensum als
Magaziner
bei der
D.___
,
habe sich sein psychophysischer Zustand verschlechtert. Nach Verlust der Stelle sei er sehr verunsichert gewe
s
en, aber phy
s
isch entlastet und psychisch erleichtert. In der Folge habe sich die depressive Symptomatik gebessert. Der weitere Verlauf seit Oktober 2019 sei ihm nicht bekannt
(
Urk.
12/130).
Am 1
3.
Dezember 2019 hielt
Dr.
B.___
dafür, dass dem Kläger eventuell eine
50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit zumutbar
sei
. Die Begleiterkrankungen der Leberzirrhose wie Müdigkeit und Unkonzentriertheit, die psychische Belastung und die Schulterschmerzen stünden einer Eingliederung im Wege (
E.
4
.8
).
Im Austrittsbericht der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
F.___
vom 2
4.
April 2020
wurde festgehalten, dass der Kläger bei Eintritt mit
Sevre
Long substituiert gewesen sei und einen
Beikonsum
von 0.2 g täglich angegeben habe.
Der
Beikonsum
sei seit zwei Monaten eskaliert. Er habe einen täglichen Alkohol
konsum von 2-2.5 l Bier (vgl. E.
4
.10).
5
.3.
3
Zusammenfassend liegen
- entgegen den Vorbringen der Beklagten -
verschiedene echtzeitliche Arztberichte
zum somatischen und psychischen Gesundheitszustand
vor, welche überwiegend wahrscheinlich
erscheinen lassen
, dass
während
der Versicherungsdeckung
durch die Beklagte
eine berufsvorsorge
rechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit von zumindest 20
%
eintrat.
Der Arbeits
losentaggeldbezug vermag dies - mit Blick auf die Rechtsprechung - nicht zu entkräften (vgl. hierzu E. 5.1).
5
.4
Die IV-Stelle ging in ihrer Verfügung davon aus, dass die zur Invalidität führende Arbeitsunfähigkeit am
3.
Juni 2019 begann und setzte den Beginn des Warte
jahres entsprechend fest (vgl. hierzu Feststellungsblatt,
Urk.
12/195). Med.
pract
.
A.___
schrieb den Kläger vom
3.
bis zum
7.
Juni 2019 krank und attestierte gleichzeitig, dass es dem Kläger nicht möglich sei, an der Weiterbildung teil
zunehmen, er allerdings voll arbeits- und vermittlungsfähig sei (vgl. E.
4
.3).
Dr.
B.___
hielt im Bericht vom 2
9.
Juli 2019 fest, dass es im letzten halben Jahr zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes gekommen sei (E.
4
.4).
Dr.
E.___
wiederum hielt fest, dass im Juli 2019 eine depressive Symptomatik bestanden habe neben der Suchtproblematik (E.
4
.6). Damit ist die Eröffnung des Wartejahres per
1.
Juni 2019 aufgrund der vorliegenden Akten nicht zu beanstanden.
5
.
5
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der Gesundheitsschaden, welcher zu der während der Versicherungsdeckung bei der Beklagten eingetretenen Ar
beitsunfähigkeit
geführt hat, der
g
leiche ist, welcher gemäss Invaliden
versicherung die
Invalidität
zur Folge hat.
Dies blieb auch seitens der Beklagten unbestritten.
Der sachliche Zusammenhang ist entsprechend
ebenfalls
zu bejahen
.
6
.
Die Beklagte hat dem Kläger somit eine Rente der beruflichen Vorsorge basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 % auszurichten, und zwar mit Wirkung ab
1.
Juni 2020
(Art. 26 Abs. 1 BVG; BGE 140 V 470). Da seitens des Klägers kein beziffertes Klagebegehren vorliegt, ist die Klage
gemäss
ständiger Praxis in dem Sinne
gutzuheissen
, dass die Beklagte zu verpflichten ist, dem Kläger ab 1.
Juni 2020
eine Rente basierend
auf einem Invaliditätsgrad von 100 % auszurichten. Die genaue
ziffernmässige
Berechnung der einzelnen Rentenbetreffnisse ist der Beklagten zu überlassen (wogegen im Streitfalle wiederum eine Klage zulässig wäre; vgl. BGE 129 V 450).
Das Gericht erkennt:
1.
In
Gutheissung
der Klage wird die Stiftung Auffangeinrichtung BVG verpflichtet, dem Kläger mit Wirkung ab 1.
Juni 2020
eine Rente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 100 % auszurichten.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Stiftung Auffangeinrichtung BVG
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstCasanova