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**Case Identifier:** f7b7d154-7b85-55f0-8094-8af8c72736b5
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-10
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 10.05.2021 200 2021 46
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-46_2021-05-10.pdf

## Full Text

200 21 46 IV
SCI/BOC/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 10. Mai 2021

Verwaltungsrichter Schwegler, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Furrer, Verwaltungsrichter Loosli
Gerichtsschreiberin Bossert

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 30. November 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Mai 2021, IV/21/46, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1983 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) meldete sich am 3. Februar 2019 unter Hinweis auf eine Er-
schöpfungsdepression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug 
an, dies nachdem am 18. Januar 2019 eine Anmeldung zur Früherfassung 
durch den Ehemann der Versicherten und eine anschliessende Anmel-
dungsaufforderung durch die Invalidenversicherung erfolgt waren (Akten 
der IV-Stelle Bern [nachfolgend: IVB bzw. Beschwerdegegnerin; act. II] 1, 
4, 7). Nach erwerblichen sowie medizinischen Abklärungen und Einholung 
einer Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) stellte die 
IVB der Versicherten mit Vorbescheid vom 1. April 2019 die Abweisung des 
Leistungsbegehrens in Aussicht, da kein invalidisierender Gesundheits-
schaden vorliege (act. II 17 - 19). Nachdem die Versicherte dagegen Ein-
wände erhoben und diese aufforderungsgemäss nachgebessert hatte (act. 
II 20 - 22), liess die IVB die Versicherte auf Empfehlung des RAD durch Dr. 
med. B.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neu-
rologie, psychiatrisch begutachten (Expertise vom 13. Januar 2020 [act. II 
40]), wobei im Rahmen der Begutachtung zusätzlich eine neuropsychologi-
sche Abklärung durchgeführt wurde (Teilgutachten Neuropsychologie vom 
2. Dezember 2019 [act. II 40/81 - 94]). 

Die IVB holte auf Empfehlung des RAD bei Dr. med. B.________ eine er-
gänzende Stellungnahme zum erwähnten Gutachten ein, welche am 6. 
März 2020 erstattet wurde (act. II 43, 47). Nach durchgeführtem Vorbe-
scheidverfahren und Einholung weiterer RAD-Stellungnahmen verneinte 
die IVB mit Verfügung vom 30. November 2020 den Anspruch auf Leistun-
gen der Invalidenversicherung, da keine Invalidität im Sinne des Gesetzes 
vorliege (act. II 48 - 58). 

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B.

Dagegen erhob die Versicherte am 14. Januar 2021 Beschwerde. Sie stellt 
zusammengefasst die folgenden Begehren:

1. Die Beschwerdegegnerin habe für die Beschwerdeführerin einen 
Eingliederungsplan in ihrem angestammten Beruf als ... zu erstel-
len.

2.a Die Beschwerdegegnerin müsse sich verbindlich dazu äussern, 
welche Therapiemöglichkeiten noch zu machen seien, damit mit 
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden könne, 
dass die Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft seien. Zudem solle 
diese Betrachtung einmal nach dem Konzept von Linden und ein-
mal nach dem Konzept von Bschor erfolgen.

2.b Die Beschwerdegegnerin müsse alle Einwände und Nachbesse-
rungen der Beschwerdeführerin einzeln erörtern.

2.c Die Beschwerdegegnerin habe die Beschwerdeführerin proaktiv in 
der medizinischen Behandlung zu beraten und zu unterstützen.

3.a Die Beschwerdegegnerin habe alle fehlenden medizinischen Ele-
mente aufzulisten wie zum Beispiel den psychopathologischen Be-
fund und diese Elemente seien bei Dr. med. C.________ oder Dr. 
med. D.________ einzufordern.

3.b Die Beschwerdegegnerin habe alle allenfalls noch fehlenden medi-
zinischen Untersuchungen oder Abklärungen aufzulisten und diese 
der Beschwerdeführerin mittels Verfügung zur Untersuchung zuzu-
stellen. 

Mit Beschwerdeantwort vom 1. März 2021 beantragt die Beschwerdegeg-
nerin die Abweisung der Beschwerde.

Mit prozessleitender Verfügung vom 11. März 2021 wurden bei der behan-
delnden Ärztin, Dr. med. C.________, Praktische Ärztin sowie Fachärztin 
für Psychiatrie und Psychotherapie, die vollständigen Krankenakten (inklu-
sive Krankengeschichte) eingeholt, welche am 15. März 2021 beim Gericht 
eingingen.

Die Beschwerdeführerin reichte am 17. März 2021 Ergänzungen zur Be-
schwerde ein. 

Nachdem der Beschwerdegegnerin wunschgemäss die von Dr. med. 
C.________ eingereichten Akten zugestellt worden waren, hielt sie unter 
Verweis auf eine Beurteilung des RAD vom 25. März 2021 mit Schlussbe-

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merkungen vom 31. März 2021 am gestellten Antrag auf Abweisung der 
Beschwerde fest.

Je ein Doppel der erwähnten Eingaben wurden den Parteien mit prozess-
leitender Verfügung vom 13. April 2021 wechselseitig zugestellt.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. 
Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten. 

1.2 Angefochten ist die Verfügung vom 30. November 2020 (act. II 58). 
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversi-
cherung. 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

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1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Die Beschwerdeführerin macht sinngemäss eine Verletzung des 
Anspruchs auf rechtliches Gehör geltend. Sie bringt vor (Beschwerde S. 2), 
die Beschwerdegegnerin habe die einzelnen Nachbesserungen und Ein-
wände (in der angefochtenen Verfügung) nicht erörtert, was sie nachzuho-
len habe (vgl. Rechtsbegehren Ziff. 2.b). 

2.2 Die Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der 
Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 ATSG). Die Begründungs-
pflicht ist wesentlicher Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör im 
Sinne von Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101). Sie soll ver-
hindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und 
den Betroffenen ermöglichen, die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht 
anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl die betroffene Person als 
auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein 
Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überle-
gungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und 
auf welche sich ihre Verfügung stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass 
sie sich ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem 
rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf 
die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 136 
I 229 E. 5.2 S. 236, 124 V 180 E. 1a S. 181; SVR 2020 AHV Nr. 2 S. 5 E. 4, 
2017 KV Nr. 6 S. 30 E. 5).

2.3 Die Beschwerdegegnerin hat das rechtliche Gehör nicht verletzt, da 
sie sich nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und je-
dem rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich 
auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (vgl. 
E. 2.2 hiervor). Dies hat sie hier getan.

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3.

3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur 
Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem 
ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder 
bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbs-
unfähigkeit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). Für die Beurteilung des Vor-
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der 
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun-
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind-
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

3.2 Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie 
Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befund-
lage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann an-
spruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung 
ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 215 E. 
5.1 S. 221).

Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, dass 
dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt sich 
gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Gesund-
heitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend ist, 
ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr zu-
mutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte 
Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen 
der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110).  

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3.3 Es ist dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss Art. 7 Abs. 2 
ATSG Rechnung zu tragen, wonach im Zuge einer objektivierten Betrach-
tungsweise von der grundsätzlichen „Validität“ der versicherten Person 
auszugehen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2 S. 295).

Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die Rechts-
anwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorgaben 
tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 
2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prü-
fung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegründende 
Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturierten 
normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 
S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 
7.2 S. 429).

3.4

3.4.1 Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeein-
trächtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf 
der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe 
nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte 
Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Ag-
gravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht (BGE 141 V 281 E. 2.2 
und 2.2.1 S. 287; SVR 2016 UV Nr. 25 S. 83 E. 6).

3.4.2 Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine 
versicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten 
Ebene anhand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von 
Indikatoren eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter 
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer-
seits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich 
erreichbaren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt 
im Regelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standardin-
dikatoren zu beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien 
„funktioneller Schweregrad“ (E. 4.3 S. 298) und „Konsistenz“ einteilen las-
sen (E. 4.4 S. 303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 S. 304). 
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur 

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zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestell-
ten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Stan-
dardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie-
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die 
Folgen der Beweislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte Per-
son zu tragen (E. 6 S. 308).

3.5 Die sachverständige Person schätzt das Leistungsvermögen an-
hand der einschlägigen Indikatoren ein. Die Rechtsanwender überprüfen 
die betreffenden Angaben frei, insbesondere dahin, ob die Ärzte sich an die 
massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das 
heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, 
welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und ob die ver-
sicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grund-
lage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; BGE 141 V 281 E. 5.2.2 S. 307). Eine 
davon losgelöste Parallelüberprüfung „nach besserem juristischen Wissen 
und Gewissen“ darf jedoch nicht stattfinden. Vielmehr ist im Rahmen der 
Beweiswürdigung zu fragen, ob die funktionellen Auswirkungen medizi-
nisch im Lichte der normativen Vorgaben widerspruchsfrei und schlüssig 
mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. 
Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkun-
gen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts ab-
schliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann (BGE 145 
V 361 E. 3.2.2 S. 364, 144 V 50 E. 4.3 S. 54). 

Zur Grenzziehung zwischen der freien Überprüfung durch die rechtsan-
wendende Stelle in Anwendung der Standardindikatoren gemäss BGE 141 
V 281 auf der einen und unzulässiger juristischer Parallelbeurteilung auf 
der anderen Seite hat das Bundesgericht Folgendes festgehalten: Von ei-
ner lege artis, normorientierten, d.h. nach Massgabe von BGE 141 V 281 
erfolgten medizinischen Schätzung ist aus triftigen Gründen abzuweichen. 
Solche liegen vor, wenn die medizinisch-psychiatrische Annahme einer 
Arbeitsunfähigkeit unter dem entscheidenden Gesichtswinkel von Konsis-
tenz und materieller Beweislast der versicherten, rentenansprechenden 
Person zu wenig gesichert ist und insofern nicht überzeugt. Dabei ist zu 
beachten, dass die ärztliche Beurteilung Ermessenszüge aufweist, die auch 

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den Rechtsanwender begrenzen. Für die Prüfung der Frage, ob und inwie-
weit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beach-
tung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und 
nachvollziehbar begründet haben, ist erforderlich, dass die Sachverständi-
gen substanziiert darlegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen 
Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und 
die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hin-
sicht zu schmälern vermögen. Insbesondere hat der medizinisch-
psychiatrische Sachverständige darzutun, dass, inwiefern und inwieweit 
wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeits-
fähigkeit eingeschränkt ist, und zwar – zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- 
und Kontrollzwecken – unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, fami-
liären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person. Kommen 
die Experten dieser Aufgabe unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 
281 normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird die medizinisch-
psychiatrische Folgenabschätzung auch aus der juristischen Sicht des 
Rechtsanwenders Bestand haben (BGE 145 V 361 E. 4.3 S. 367). 

4.

Den Akten ist in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen das Folgende zu 
entnehmen:

4.1 Im Austrittsbericht der Klinik E.________ vom 11. Januar 2018 
(richtig 2019; act. II 15/14 - 21) wurden nach einer stationären Behandlung 
vom 9. November bis 18. Dezember 2018 die folgenden Diagnosen aufge-
führt:

 Mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1)
 Eisenmangel, substituiert (ICD-10: E61.1)
 Vitamin-D-Mangel, substituiert (ICD-10: E55.9)

Die Beschwerdeführerin berichte, dass sie seit Jahren zunehmend unter 
einem schweren Erschöpfungssyndrom leide, sich deshalb bereits in ambu-
lanter Behandlung befinde, aktuell jedoch keine Kraft mehr besitze, ihren 
Alltag zu bewältigen. Sie sei zunehmend rasch erschöpft, leide unter Ta-

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gesmüdigkeit und unter einer erheblichen Antriebsreduktion. Durch die Er-
schöpfung bestehe Freude- und Interessenverlust. Sie grüble viel, habe 
dadurch bedingt eine pessimistische Zukunftsperspektive und ein deutlich 
reduziertes Selbstbewusstsein. Aufgrund der Zunahme der Abgeschlagen-
heit mit Gereiztheit und abendlich fehlender Entspannungs- und unzurei-
chender Erholungsfähigkeit sei sie inzwischen bereit, Hilfe im stationären 
Setting anzunehmen, um ihren Alltag wieder selbstständig und ohne Hilfe 
gestalten zu können. Diagnostisch habe sich bei Eintritt eine mittelgradige 
depressive Symptomatik gezeigt, was von der Beschwerdeführerin in der 
Selbsteinschätzung minimal schwächer eingestuft worden sei. Bis zum 
Austritt sei es in der Fremd- wie in der Selbstwahrnehmung zu einer Re-
gredienz der Symptomatik gekommen. 

4.2 Die behandelnde Psychiaterin Dr. med. C.________ gab im Bericht 
vom 4. März 2019 (act. II 15/1 - 6) die folgenden Diagnosen mit Auswirkung 
auf die Arbeitsfähigkeit an:

 Rezidivierend depressive Störung, ggf. mittelgradige Episode ICD-10: F33.1 
(2017)

 St. n. Eisenmangel (substituiert), St. n. Vitamin-D-Mangel (substituiert)

Es bestehe eine depressive Symptomatik mit Erschöpfung. Im Dorf sei es 
zu einer gewissen Mobbingsituation gekommen, was zu belastenden Ge-
sprächen mit der ... betreffend den ältesten Sohn geführt habe. Um mehr 
Unterstützung und Entlastung durch den Partner zu haben (er arbeite in 
…), sei ein Umzug der Familie als Wochenaufenthalter nach ... geplant. Die 
Haushaltführung verlaufe schleppend, die Beschwerdeführerin sei oft mü-
de, bleibe dann an Arbeiten hängen und könne diese kaum abschliessen 
oder lasse Verschiedenes parallel liegen. Sie lege sich auch tagsüber zum 
Schlafen hin. Sie habe wiederholt versucht, die Kinderbetreuung tageweise 
extern zu regeln. Zur Zeit sei die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsun-
fähig. Ein Arbeitsversuch/Belastbarkeitstraining im Verlauf wäre sinnvoll (ab 
August, Einritt des jüngsten Kindes in den Kindergarten) mit 5 x 2 Stunden 
pro Woche mit dem Ziel eines 50 %-Pensums. Im Rahmen einer Eingliede-
rungsmassnahme mit Beschäftigung ausser Haus könnte der Selbstwert 
gesteigert werden und es könnte eine gewisse Entlastung stattfinden, was 
sich positiv auf die Genesung auswirken könnte. 

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4.3 Im psychiatrischen Gutachten (mit zusätzlicher neuropsychologi-
scher Untersuchung [act. II 40/81 - 94]) von Dr. med. B.________ vom 13. 
Januar 2020 (act. II 40) wurden die folgenden Diagnosen mit Auswirkungen 
auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (act. II 40/49):

 Überwiegend wahrscheinlich Double Depression
 mit/bei langjähriger Dysthymie (ICD-10: F34.1) und
 einer rezidivierenden depressiven Störung, im Ausmass einer leichten bis 

mittelgradigen depressiven Episode – ohne vollständige Remission (ICD-
10: F33.0/F33.1).

Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurde die Fol-
gende angegeben (act. II 40/49):

 Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im Sinne 
von selbstunsicheren-ängstlich (= vermeidenden) und abhängigen Persönlich-
keitszügen (ICD-10: Z73.1).

Die Beschwerdeführerin habe ihre letzte Anstellung als ... aufgrund ihrer 
Kinder aufgegeben und gehe aktuell keiner Erwerbstätigkeit nach (act. II 
40/64 f.). Medizintheoretisch wäre die Beschwerdeführerin in der zuletzt 
ausgeübten Tätigkeit als ... zumindest zu 50 % eingeschränkt arbeitsfähig 
bzw. vier Stunden am Tag an fünf Tagen pro Woche. Aufgrund der depres-
siven Symptomatik sei die Leistungsfähigkeit um 30 % eingeschränkt. Zur 
Frage, wie gross insgesamt die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit 
bezogen auf ein 100 %-Pensum eingeschätzt werde, hielt der Gutachter 
fest, in der Tätigkeit als ... sei die Beschwerdeführerin zu 50 % arbeitsfähig; 
in der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit als Hausfrau sei sie zu 100 % 
arbeitsfähig bei um 30 % reduzierter Leistungsfähigkeit. Eine der Behinde-
rung optimal angepasste Tätigkeit müsste die folgenden Merkmale aufwei-
sen: Klar strukturierte Aufgaben mit der Möglichkeit sich zurückzuziehen, 
keine Tätigkeiten, die ein hohes Mass an Dauerkonzentration und Dauer-
aufmerksamkeit sowie ein hohes Mass an Kreativität erforderten. In einer 
solchen Tätigkeit wäre eine maximale Präsenz von acht Stunden am Tag 
möglich, dabei bestehe eine um 30 % eingeschränkte Leistungsfähigkeit. 

4.4 In der Stellungnahme vom 8. Februar 2020 (act. II 43) führte der 
RAD-Arzt Dr. med. D.________, Facharzt für Psychosomatik und Psycho-
therapie (...; im Medizinalberuferegister ohne Facharzttitel verzeichnet 

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[www.medregom.admin.ch]) in Würdigung der Befundlage zusammenge-
fasst aus, die attestierten Einschränkungen liessen sich auf der Grundlage 
der gutachterlichen Verhaltensbeobachtung, des psychopathologischen 
Befundes und der normalen Ergebnisse anlässlich der neuropsychologi-
schen Begutachtung nicht nachvollziehen. Unklar bleibe hinsichtlich der 
angestammten Tätigkeit, wovon der Gutachter ausgehe. Er postuliere, dass 
ein Pensum hinsichtlich der Tätigkeit als ... zu vier Stunden am Tag mög-
lich sei (50 %). Zusätzlich stelle er, was aufgrund der vorliegenden objekti-
vierten kognitiven Normalbefunde und eines nicht beeinträchtigten formalen 
Denkens nicht nachvollziehbar sei, eine Beeinträchtigung der Leistungs-
fähigkeit von 30 % fest. Dieses würde rein rechnerisch zu einer Arbeits-
fähigkeit von lediglich 35 % in der Tätigkeit als ... führen. Der Gutachter 
selbst habe aber andernorts angegeben, dass die Beschwerdeführerin 
diesbezüglich zu 50 % arbeitsfähig sei. Auch hinsichtlich einer angepassten 
Tätigkeit sei nicht nachvollziehbar, worauf der Gutachter eine Leistungsbe-
einträchtigung von 30 % gründe. Es sei nochmals zu betonen, dass gerade 
für die Beurteilung der Leistungen die kognitiven Fähigkeiten und die Beur-
teilung des formalen Denkens (im Sinne einer kognitiven Verlangsamung) 
zentral seien. Diese seien im Rahmen des neuropsychologischen Gutach-
tens und des psychopathologischen Befundes durchgehend als im Norm-
bereich liegend beurteilt worden. Die RAD-ärztliche Beurteilung sei dem 
Gutachter zur Stellungnahme zuzustellen.

4.5 Der psychiatrische Gutachter Dr. med. B.________ führte in der 
Stellungnahme vom 6. März 2020 aus (act. II 47/14 ff.), die Tatsache, dass 
die Beschwerdeführerin trotz der unauffälligen kognitiven Fähigkeiten im 
Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung und fehlender Beein-
trächtigung im formalen Gedankengang über massgeblich reduzierte Kom-
petenzen und Fähigkeiten in der Tätigkeit als ... verfüge, stelle keinen 
Widerspruch dar. Der erhobene psychopathologische Untersuchungsbe-
fund sei für das Störungsbild der Double Depression nicht ungewöhnlich. 
Eine höhergradige Beeinträchtigung des formalen Denkens, z.B. in Form 
einer Denkverlangsamung, Denkhemmung respektive -einengung, sei im 
Falle einer leichten bis mittelgradigen depressiven Symptomatik hingegen 
nicht zu erwarten. Eine andere psychiatrische Störung, die konsekutiv die 
Beeinträchtigung des formalen Gedankenganges zur Folge hätte, wie z.B. 

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im Rahmen einer Schizophrenie (Ideenflucht, Zerfahrenheit, Verworrenheit, 
Inkohärenz, Gedankenabreissen), liege im Falle der Beschwerdeführerin 
nicht vor. Zusammenfassend möge die Behauptung des RAD, dass für die 
Beurteilung der Leistungen die kognitiven Fähigkeiten und die Beurteilung 
des formalen Denkens (im Sinne einer kognitiven Verlangsamung) zentral 
seien, für Tätigkeiten, die klar strukturierte, repetitive Aufgaben beinhalte-
ten (z.B. in der Reinigung) zutreffen. Im Falle einer Tätigkeit als ... respekti-
ve einer Hausfrau mit den Ressourcen und der Bildung der 
Beschwerdeführerin, die Mutter von drei Kindern sei, sei die alleinige Beur-
teilung der genannten Parameter nicht ausreichend.

Unter Punkt 8 „Aufführung und Beantwortung der Fragen" sei (im Gutach-
ten) die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beurteilt worden, dort ha-
be sich der Referent missverständlich ausgedrückt respektive seien Fehler 
aufgetreten, weswegen nachfolgend der Fragenkatalog im Hinblick auf die 
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit korrigiert werde. Zur Arbeitsfähigkeit in der 
bisherigen Tätigkeit hielt der Gutachter fest, gemäss dem Anforderungspro-
fil in der bisherigen Tätigkeit habe die Beschwerdeführerin ihre letzte An-
stellung als ... aufgrund ihrer Kinder aufgegeben und gehe aktuell keiner 
Erwerbstätigkeit nach. Aufgrund der Diagnosen sei die Beschwerdeführerin 
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als ... vier Stunden am Tag an fünf Ta-
gen pro Woche arbeitsfähig bzw. bezogen auf ein Arbeitspensum von 
100 % zu 50 % arbeitsfähig bei voller Leistungsfähigkeit. Für die Tätigkeit 
als Hausfrau und Mutter sei sie aufgrund des erhobenen psychopathologi-
schen Befundes und der gestellten Diagnosen im Durchschnitt in ihrer Leis-
tungsfähigkeit zu 30 % eingeschränkt. Nach Intensivierung der psychiat-
risch-psychotherapeutischen Behandlung, wie im Gutachten vorgeschla-
gen, sei medizinisch-theoretisch von einer Verbesserung der Arbeits-
fähigkeit im Haushalt bis auf 100 % auszugehen. Zur Arbeitsfähigkeit in 
einer angepassten Tätigkeit wiederholte Dr. med. B.________ die Aus-
führungen im Gutachten. 

4.6 In der Stellungnahme vom 6. April 2020 (act. II 49) führte der RAD-
Arzt Dr. med. D.________ aus, der psychiatrische Gutachter verweise hin-
sichtlich der vom RAD monierten Nichtnachvollziehbarkeit hinsichtlich der 
beeinträchtigten Leistungen auf eine Verlangsamung des formalen Den-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Mai 2021, IV/21/46, Seite 14

kens. Diese sei im Zusammenhang mit der festgestellten Double Depressi-
on vor dem Hintergrund einer Persönlichkeitsakzentuierung zu begründen. 
Zudem werde eine Konkretisierung der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in 
der bisherigen und im Rahmen einer angepassten Tätigkeit vorgelegt, die 
nun grundsätzlich nachvollziehbar sei. In der Gesamtbeurteilung könne das 
psychiatrische Gutachten für den Rentenentscheid verwendet werden.

4.7 Die behandelnde Psychiaterin Dr. med. C.________ diagnostizierte 
im Bericht vom 20. Oktober 2020 (act. II 55/2 f.) eine rezidivierende de-
pressive Störung, ggw. mittelgradige Episode mit Tendenz zur Chronifizie-
rung. Sie führte aus, die Beschwerdeführerin leide seit mehreren Jahren an 
einer rezidivierenden depressiven Störung. Dies habe dazu geführt, dass 
sie unter der Doppelbelastung mit Beruf und Familie schliesslich den Beruf 
prozentual reduzieren und später ganz habe aufgeben müssen, um die 
Energie für die Kinder und den Haushalt besser einteilen zu können. Trotz 
dieser Reduktion habe sie weiterhin depressive Zustände und zunehmende 
Erschöpfung erlitten, so dass sie sich in psychiatrische Behandlung bege-
ben habe. Aufgrund des grossen Leidensdrucks sei sie schliesslich zur 
Einnahme von Escitalopram bereit gewesen, was sie über mehrere Jahre 
eingenommen habe. Damit habe sie sich etwas besser im Kopf gefühlt. 
Das Escitalopram habe wegen Nebenwirkungen (starkes Herzrasen) ge-
wechselt werden müssen und sei auf Sertralin umgestellt worden. Die Do-
sis sei tief gehalten worden, um erneut auftretende Nebenwirkungen nicht 
zu verstärken, welche die Beschwerdeführerin sehr verunsichert hätten. 
Der stationäre Aufenthalt (...) habe ihr zu einer Verschnaufpause verholfen, 
jedoch kurz nach dem Austritt habe sie sich erneut stark erschöpft gefühlt 
und habe vergleichbare Symptome wie vor dem Eintritt gezeigt. Trotz Ent-
lastungsversuchen habe keine langfristige Ruhe und Stabilität erreicht wer-
den können. Mit Aufdosierung des Sertralins auf 100mg spüre sie eine 
etwas bessere innere Stabilität. 

4.8 Der RAD-Arzt Dr. med. D.________ führte in der Stellungnahme 
vom 24. November 2020 (act. II 57) aus, das Vorliegen einer Doppel De-
pression – wie dieses im vorliegenden Gutachten von Dr. med. B.________ 
vom 13. Januar 2020 (mit Untersuchung vom 27. August 2019) festgestellt 
worden sei –, sei im aktuellen psychiatrischen Befundbericht (vom 20. Ok-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Mai 2021, IV/21/46, Seite 15

tober 2020) nicht aufgeführt worden. Es sei lediglich das Vorliegen einer 
rezidivierend depressiven Störung erwähnt worden. Da ein aussagefähiger 
psychopathologischer Befund nicht vorgelegt worden sei, sei nicht nach-
vollziehbar, dass aktuell eine mittelschwere depressive Symptomatik im 
Rahmen der rezidivierend depressiven Störung vorliegen solle. Warum die 
Beschwerdeführerin bei Vorliegen einer chronifizierten depressiven Störung 
nicht mit einem Phasenprophylaktikum mitbehandelt werde, bleibe offen. 
Es bleibe unklar, in welcher Frequenz die Beschwerdeführerin aktuell die 
Therapie wahrnehme. Letztlich fehle eine genaue Beurteilung der Fähig-
keitsbeeinträchtigungen der Beschwerdeführerin, sodass die Beurteilung 
der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollzogen werden könne.

In der Beurteilung vom 25. März 2021 (im Gerichtsdossier) hielt Dr. med. 
D.________ unter Bezugnahme auf die gerichtlich edierten Akten der be-
handelnden Ärztin fest, im Gesamteindruck falle auf, dass die Behand-
lungsfrequenz von 2017 - 2021 kontinuierlich abgenommen habe. Dies sei 
sicher auch im Zusammenhang mit der Pandemie zu sehen, wobei die 
Möglichkeit der Durchführung von Therapien über eine Videokonferenz 
bestanden hätte. Zudem würden in der Dokumentation keine dezidierten 
psychopathologischen Befunde berichtet. Deutlich werde ein teilweise 
schwankender Verlauf hinsichtlich der affektiven Symptomatik, aber auch 
die Relevanz psychosozialer Einflüsse (Summationseffekt von Beruf und 
Familie). Zudem werde aufgrund der berichteten Intervention nicht deutlich, 
dass eine störungsspezifische Therapie hinsichtlich der depressiven Sym-
ptomatik durchgeführt worden sei. Hinsichtlich der medikamentösen Be-
handlung sei bei Zugrundelegung einer als chronifiziert dargestellten 
rezidivierend depressiven Störung aus psychiatrisch-theoretischer Sicht 
fraglich, warum die Beschwerdeführerin über einen langen Zeitraum ledig-
lich monotherapeutisch anfangs mit Citalopram und später mit Sertralin 
behandelt worden sei und nicht darüber hinaus mit einem Phasenprophy-
laktikum. Aus versicherungsmedizinischer Sicht bestätige die vorliegende 
Behandlungsdokumentation der behandelnden Psychiaterin nochmals die 
grundsätzliche Einschätzung des psychiatrischen Gutachtens und der ab-
schliessenden Beurteilung von Seiten des RAD vom 24. November 2020.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Mai 2021, IV/21/46, Seite 16

5.

5.1

5.1.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV 
Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1).

5.1.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

5.1.3 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

5.2

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Mai 2021, IV/21/46, Seite 17

5.2.1 Das psychiatrische Gutachten von Dr. med. B.________ vom 13. 
Januar 2020 (act. II 40/2 - 68, mit zusätzlicher neuropsychologischer Un-
tersuchung [act. II 40/81 - 94]) erfüllt, was Befunderhebung und Diagnostik 
betrifft, die Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise (vgl. E. 5.1.2 
hiervor). Darin wurde eine Double Depression mit langjähriger Dysthymie 
(ICD-10: F34.1) und einer rezidivierenden depressiven Störung, im Aus-
mass einer leichten bis mittelgradigen depressiven Episode – ohne 
vollständige Remission (ICD-10: F33.0/F33.1) diagnostiziert (act. II 40/49). 
Als ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte der Gutach-
ter Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im 
Sinne von selbstunsicheren-ängstlichen (= vermeidenden) und abhängigen 
Persönlichkeitszügen (ICD-10: Z73.1 [act. II 40/49]). Die im Rahmen dieser 
Begutachtung durchgeführte neuropsychologische Abklärung ergab keine 
Einschränkungen (act. II 40/81 - 94). Eine Double Depression (kein eigener 
ICD-10-Code) bedeutet, dass sich auf der Basis einer (weitgehend dauernd 
vorhandenen) Dysthymie (Verstimmung) zuweilen depressive Episoden 
einstellen (Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien der Bundesärzte-
kammer, <www.leitlinien.de>, Stichwort Depression, S3-Leitlinie/NVL Uni-
polare Depression, 2. Auflage, 2015, Version 5, Ziff. 1.4.1). Dies entspricht 
im Grundsatz der von der behandelnden Psychiaterin gestellten Diagnose 
der rezidivierenden depressiven Störung (act. II 15/3, 22/2, 55/2). Auch die 
behandelnde Ärztin hatte zunächst selbst die Dysthymie (Krankenakte Dr. 
med. C.________ [in act. III], S. 2, Sitzung vom 16. November 2019) fest-
gehalten. Auf die mit den Angaben der behandelnden Ärztin übereinstim-
mend erhobene medizinische Befundlage und die darauf aufbauende 
Diagnostik ist abzustellen.

5.2.2 Der psychiatrische Gutachter Dr. med. B.________ attestiert der 
Beschwerdeführerin in der Tätigkeit als ... zunächst eine 50 %-ige Arbeits-
fähigkeit mit 30 %-iger Einschränkung (act. II 40/65). Im Aufgabenbereich 
sei die Beschwerdeführerin zu 100 % mit 30 %-iger Einschränkung in der 
Leistungsfähigkeit arbeitsfähig (act. II 40/65). Aus welchen Gründen die 
Arbeitsfähigkeit vorab im erwerblichen Bereich derart umfangreich einge-
schränkt ist, ergibt sich aus dem Gutachten jedoch nicht. Dr. med. 
D.________ hat nachvollziehbar und überzeugend Kritik geäussert, indem 
er auf die Normalbefunde anlässlich der neuropsychologischen Testung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Mai 2021, IV/21/46, Seite 18

hinwies und ausführte, die vom Gutachter attestierte Einschränkung werde 
gerade mit derartigen (nicht erhobenen) Defiziten begründet (act. II 43/4).

Der Gutachter nahm in der Folge am 6. März 2020 (act. II 47) umfangreich 
Stellung zu den gemäss RAD offenen Fragen (act. II 43) und diskutierte 
dann in extenso in theoretischer Weise die an eine ... und die Tätigkeit im 
Haushalt gestellten Anforderungen. Dabei unterliess er es jedoch darzule-
gen, welche konkret erhobenen Befunde für die Einschränkung sprechen 
(vgl. E. 3.5 hiervor). Konkreter wurde der Gutachter einzig mit der Aussage, 
dass die Beschwerdeführerin trotz der unauffälligen (insbesondere kogniti-
ven) Fähigkeiten im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung und 
fehlender Beeinträchtigung im formalen Gedankengang über massgeblich 
reduzierte Kompetenzen und Fähigkeiten in der Tätigkeit als ... verfüge 
(act. II 47/14). Dass und weshalb dies bei testpsychologisch wie klinisch 
unauffälliger Befundlage zutreffen soll, ist jedoch weder nachvollziehbar 
noch überzeugend begründet. Der Gutachter korrigierte in der Folge die 
Einschätzung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit insoweit, als er im ... nur 
noch eine integrale 50 %-ige Einschränkung attestierte (act. II 47/16 f.). 

Weder die ursprüngliche noch die korrigierte Einschätzung des Gutachters 
ist hinreichend begründet und nachvollziehbar. Dass der gutachterlichen 
Einschätzung nicht gefolgt werden kann, zeigt auch die nachfolgende Indi-
katorenprüfung (vgl. E. 6 hiernach). 

6.

6.1 Die klassifikatorischen Vorgaben hinsichtlich der gestellten Diagno-
se wurde seitens des Gutachters eingehalten (act. II 40/49 - 57; vgl. E. 3.3 
hiervor). Aggravation wie auch Simulation hat er ausgeschlossen. Inkonsis-
tenzen hinsichtlich dem subjektiv empfundenen Leistungsprofil und den zu 
objektivierenden Ressourcen wurden vom Gutachter dargelegt (act. II 
40/62; vgl. E. 6.3 hiernach). Die Prüfung der ersten Ebene schliesst damit 
einen invalidisierenden Gesundheitsschaden nicht aus (vgl. E. 3.4.1 hier-
vor), womit auf der zweiten Ebene anhand der Standardindikatoren die 
ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des tatsächlich erreichbaren 
Leistungsvermögens zu erfolgen hat (vgl. E. 3.4.2 hiervor).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Mai 2021, IV/21/46, Seite 19

6.2 Zu prüfen sind zunächst die einzelnen Komplexe der Kategorie 
"funktioneller Schweregrad" (BGE 141 V 281 E. 4.3 S. 298 ff.).

6.2.1 Mit Bezug auf den Komplex Gesundheitsschädigung (BGE 141 V 
281 E. 4.3.1 S. 298 ff.) ergibt sich Folgendes: 

6.2.1.1 Beim Indikator der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde 
und Symptome gilt es unter anderem, die Schwere des Krankheitsgesche-
hens anhand aller verfügbaren Elemente aus der diagnoserelevanten Ätio-
logie und Pathogenese zu plausibilisieren (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1 S. 
298 f.). Die Beschwerdeführerin weist gemäss ihren Angaben in der Haus-
haltführung Defizite auf; sie gewinne zuweilen erst im Verlauf des Tages an 
Aktivität (act. II 40/37, 55/3). Gleichzeitig werden für diesen Bereich jedoch 
auch Ressourcen genannt, so ist die Selbstpflege nicht eingeschränkt und 
die Haushaltsführung obliegt weiterhin der Beschwerdeführerin (act. II 
40/37). Es wäre nicht ersichtlich, dass der Ehemann in relevantem Mass 
Aufgaben der Beschwerdeführerin übernehmen müsste bzw. übernimmt. 
Nichts Anderes ergibt sich aus den Schilderungen der Beschwerdeführerin 
gegenüber ihrer behandelnden Psychiaterin (vgl. Krankenakte Dr. med. 
C.________ [in act. III]). Kognitive Defizite wurden neuropsychologisch 
ausgeschlossen (act. II 40/89 f.). In der Gesamtbetrachtung ergibt sich eine 
leichte, allerhöchstens gegen die mittelgradige Seite tendierende Ausprä-
gung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome. Dabei ist zu beach-
ten, dass die attestierte Double Depression, d.h. die Dysthemie mit 
zuweilen (hier in der Regel leichten bis höchstens mittelschweren) depres-
siven Episoden für sich einen grundsätzlich wenig schwerwiegenden Ge-
sundheitsschaden darstellt.

6.2.1.2 Sodann ist auf den Behandlungs- und Eingliederungserfolg bzw. 
die entsprechende Resistenz als wichtige Indikatoren für den funktionellen 
Schweregrad einzugehen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 S. 299 f.). Diesbezüg-
lich besteht im vorliegenden Fall erhebliches Potential. Die Beschwerdefüh-
rerin hat bisher lediglich eine stationäre Behandlung absolviert, dies vom 
9. November bis 18. Dezember 2018 in der Klinik E.________, was zu ei-
ner Regredienz der Symptomatik geführt hat (act. II 15/14 - 21). Wie sich 
zudem aus den bei der behandelnden Psychiaterin eingeholten Kranken-
geschichte (act. III) ergibt, war die Therapie zunächst im Durchschnitt alle 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Mai 2021, IV/21/46, Seite 20

zwei Wochen erfolgt. Seit dem 29. Februar 2020 haben jedoch soweit er-
sichtlich keine Therapiesitzungen mehr stattgefunden. Daran mag die pan-
demiebedingte Lage einen gewissen Anteil haben. Wie der RAD-Arzt Dr. 
med. D.________ jedoch zutreffend darauf hinwies, hätte auch die Mög-
lichkeit der Durchführung von Therapien über eine Videokonferenz bestan-
den (Aktennotiz vom 25. März 2021 [im Gerichtsdossier]) bzw. bei echten 
Notfällen wäre auch weiterhin die Durchführung der Therapie in der Praxis 
erlaubt gewesen. Dazu kommt, dass die entsprechenden Restriktionen 
nach wenigen Monaten wieder aufgehoben worden waren. Eine Erhöhung 
der Frequenz ist jedoch nicht erfolgt. Ob und in welchem Rahmen die The-
rapieanpassung tatsächlich Erfolg zeitigen kann, ist ungeklärt (vgl. act. II 
40/67). Die behandelnde Ärztin hat immerhin nach den ersten noch unvoll-
ständigen Anpassungen eine Verbesserung festgestellt. So hielt sie im Be-
richt vom 20. Oktober 2020 (act. II 55/2 f.) fest, die Beschwerdeführerin 
spüre mit der Aufdosierung des Sertralins auf 100mg eine etwas bessere 
innere Stabilität; Dr. med. B.________ empfahl jedoch dringend eine Er-
höhung der Tagesdosis von Sertralin auf mindestens 150mg (act. II 40/60). 
Eine Behandlungsresistenz ist demnach nicht ausgewiesen (vgl. act. II 
40/59). 

Was die Inanspruchnahme therapeutischer Optionen betrifft, so ist die Be-
schwerdeführerin gemäss eigenem Bekunden bereit, diese zu nutzen (vgl. 
act. II 55/1). Damit im Widerspruch steht jedoch, dass die Empfehlung des 
Gutachters, die psychiatrisch-psychopharmakologische Behandlung zu 
intensivieren (act. II 40/66) trotzdem bis anhin noch nicht vollständig umge-
setzt wurde. Dazu kommt, dass der psychiatrische Gutachter zwar derzeit 
eine 30 %-ige Einschränkung im Haushalt attestiert hat, diese jedoch nach 
einer Therapieoptimierung nicht mehr für gegeben hält (act. II 40/65 - 67, 
47/17 f.). Dass die Therapieoptimierung zumutbar ist und einen voraus-
sichtlich positiven Effekt hätte, hat auch die behandelnde Psychiaterin 
bestätigt (act. II 55/3).

6.2.1.3 Was den Indikator Komorbiditäten (BGE 143 V 418 E. 8.1 S. 429 
f., 141 V 281 E. 4.3.1.3 S. 300 ff.) anbelangt, ist zu erwähnen, dass die 
zusätzlich zur Double Depression diagnostizierten Probleme verbunden mit 
Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im Sinne von selbstunsicheren-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Mai 2021, IV/21/46, Seite 21

ängstlich (= vermeidenden) und abhängigen Persönlichkeitszügen (ICD-10: 
Z73.1 [act. II 40/49]) insoweit rechtlich bedeutsam und zu berücksichtigen 
sind, als ihnen ressourcenhemmende Wirkung beizumessen ist (BGE 143 
V 418 E. 8.1 S. 430; Entscheid des BGer vom 9. Mai 2018, 9C_899/2017, 
E. 4.2.3). Diesbezüglich hielt der Gutachter fest (act. II 40/57), die diagnos-
tizierten akzentuierten Persönlichkeitszüge seien im Falle der Beschwerde-
führerin für den protrahierten Verlauf der Erkrankung mitverantwortlich. 
Folglich kann der erwähnten Komorbidität zwar eine gewisse ressourcen-
hemmende Wirkung zuerkannt werden. Diese ist mit Blick auf die 
grundsätzlich eher wenig schwerwiegende Grunddiagnose der Double De-
pression und die geringe Ausprägung dieser Persönlichkeitszüge (vgl. auch 
E. 6.2.2 hiernach) nicht entscheidend.

6.2.2 Weiter ist der Komplex Persönlichkeit (BGE 141 V 281 E. 4.3.2 S. 
302) näher zu beleuchten. Wie bereits erwähnt, hat der Gutachter 
selbstunsicher-ängstliche (= vermeidende) und abhängige Persönlichkeits-
züge (ICD-10: Z73.1) attestiert (act. II 40/49). Eine massgebliche Ein-
schränkung in der Persönlichkeit ist jedoch nicht ersichtlich. Auch die 
subjektive Schilderung gegenüber der behandelnden Ärztin ergibt keine 
Hinweise, dass die Beschwerdeführerin in der Interaktion mit Mitmenschen 
Probleme hätte (vgl. Krankenakte Dr. med. C.________ [in act. III]). Die bei 
der Komorbidität berücksichtigte Z-Diagnose (vgl. E. 6.2.1.3 hiervor) kann 
hier höchstens noch am Rande (erneut) berücksichtigt werden. Dieser Pro-
blematik positiv entgegen stehen die Intelligenz und die vorhandenen per-
sönlichen Ressourcen materieller, kultureller und sozialer Art (act. II 40/58). 
Es liegen damit zwar negative Auswirkungen der Persönlichkeitsstruktur 
vor, diese erscheinen jedoch nur leicht ausgeprägt.

6.2.3 Zum Komplex Sozialer Kontext (BGE 141 V 281 E. 4.3.3 S. 303) ist 
zu erwähnen, dass die Beschwerdeführerin gemäss Einschätzung sowohl 
der behandelnden Ärztin wie auch des Gutachters in gewisser Weise in 
ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter gefangen ist. Insoweit hat die behan-
delnde Psychiaterin die von der Beschwerdeführerin gewünschte 20 %-ige 
Erwerbstätigkeit ab August 2019 aus therapeutischer Sicht unterstützt (act. 
II 15/3 und 6). Gleichzeitig ist aber zu berücksichtigen, dass sie die Haus-
haltstätigkeit gemäss den Akten trotz aller Einschränkungen führt und keine 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Mai 2021, IV/21/46, Seite 22

wesentliche Auslagerung auf den Ehemann erfolgt. Nachvollziehbar stellte 
die Erwerbstätigkeit des Ehemanns (früher fernab der Ehefrau) mit faktisch 
fehlender Unterstützung im Haushalt und bei der Kinderbetreuung eine 
Belastung dar. Inzwischen wurde dies jedoch insoweit korrigiert, als die 
Beschwerdeführerin mit den Kindern zum Ehemann in … gezogen ist (Um-
zug von ... nach ... im Frühling 2019 [act. II 20]). Dass die Last von Haus-
halt und Kindern weiterhin von der Beschwerdeführerin zu tragen ist und 
der Ehemann nur einen geringen Anteil übernimmt, wäre korrigierbar. Ein 
die Beschwerdeführerin belastendes Abseitsstehen des Ehemanns bei 
gewünschter Erwerbstätigkeit der Ehefrau hat nicht die Invalidenversiche-
rung zu tragen. Die Aufgabenteilung bzw. gegenseitige Unterstützung ist 
Sache der Eheleute.

6.3 Beweisrechtlich entscheidend ist die Kategorie “Konsistenz“. Darun-
ter fallen verhaltensbezogene Kategorien (BGE 141 V 281 E. 4.4 S. 303 f.).

6.3.1 Zum Indikator der gleichmässigen Einschränkung des Aktivitäten-
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1 
S. 303 f.) hielt der Gutachter fest (act. II 40/62), gleichmässige Einschrän-
kungen des Alltagsaktivitätsniveaus in vergleichbaren Lebensbereichen 
lägen mit Verweis auf das erhobene Alltagsaktivitätsniveau mit Betreuung 
von drei Kindern nicht vor. Zudem hat er darauf hingewiesen, dass das 
subjektive Erleben mit der Ressourcenlage nicht vollständig übereinstimmt, 
so dass die gesundheitliche Einschränkung weniger gravierend ist als dies 
die Beschwerdeführerin selbst annimmt (vgl. act. II 40/62). Dabei ist denn 
auch zu beachten, dass die Beschwerdeführerin letztlich zwei Haushalte 
führt, wenn die Familie am neuen Wohnort allein als Wochenaufenthalterin 
lebt (act. II 15/3, 40/37). Zudem übt die Beschwerdeführerin verschiedene 
(positiv erlebte) Freizeitaktivitäten aus (..., ..., ... oder ... [act. II 40/85], Be-
such einer ... [act. II 51/2]). 

6.3.2 Zum behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiese-
nen Leidensdruck (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.4.2 S. 304) ist festzuhalten, 
dass – wie bereits erwähnt (vgl. E. 6.2.1.2 hiervor) – hinsichtlich Behand-
lungs- und Eingliederungserfolg noch massgebliches Potential besteht und 
der Leidensdruck offenbar nicht gross ist, ansonsten wären die Behand-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Mai 2021, IV/21/46, Seite 23

lungsempfehlungen des Gutachters bereits vollumfänglich umgesetzt wor-
den.

6.4 Gestützt auf die Indikatorenprüfung kann ein massgeblicher invali-
denversicherungsrechtlicher Gesundheitsschaden nicht bestätigt werden. 
Folglich ist die Beschwerde abzuweisen.

7.

7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Bezah-
lung auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG) und dem geleisteten Kostenvor-
schuss in gleicher Höhe entnommen. 

7.2 Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g 
ATSG).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 10. Mai 2021, IV/21/46, Seite 24

4. Zu eröffnen (R):
- A.________
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.