# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7235d572-4689-5cc1-819d-c891ea01256f
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-03-09
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 09.03.2012 SB110408
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110408_2012-03-09.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr. SB110408-O/U/jv 

 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. F. Bollinger, Präsident, lic. iur. R. Naef und Er-

satzoberrichter lic. iur. E. Leuenberger sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. A. Leu-Zweifel 

Urteil vom 9. März 2012 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigte und Berufungsklägerin 

erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich - Sihl,  
vertreten durch Leitende Staatsanwältin Dr. iur. U. Frauenfelder Nohl, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend  

Widerhandlung gegen das Ausländergesetz etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, Einzelgericht, vom  
7. März 2011 (GG110033) 

-   2   - 

Anklage: 
(Urk. 24) 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 11. Februar 2011 ist 

diesem Urteil beigeheftet.  

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 76) 

 

"Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer 

(AuG) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG sowie 

− der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer 

(AuG) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. c AuG in Verbindung mit Art. 11 AuG. 

2. Vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und 

Ausländer (AuG) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. a 

AuG und Art. 4 Abs. 2 der Verordnung über die Einreise und die Visumserteilung (VEV) wird 

die Beschuldigte freigesprochen. 

3. Die Beschuldigte wird bestraft mit 45 Tagen Freiheitsstrafe, wovon 39 Tage durch Untersu-

chungs- und Sicherheitshaft bis und mit heute erstanden sind. 

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben. 

5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 1'500.-- ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 900.--   Gebühr Anklagebehörde 

Fr.    Kosten Kantonspolizei 

Fr.     Kanzleikosten Untersuchung  

Fr.    Auslagen Untersuchung  

Fr.     amtliche Verteidigung Untersuchung 

Fr. 4'868.15   amtliche Verteidigung  
 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

-   3   - 

6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, inklusive derjenigen der 

amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten auferlegt, diejenigen der amtlichen Ver-

teidigung jedoch sofort und definitiv abgeschrieben.  

7. (Mitteilung) 

8. (Rechtsmittel)."  

Berufungsanträge: 

a) Des Verteidigers der Beschuldigten und Berufungsklägerin:  

 (schriftlich; Urk. 96) 

"1. Die Beschuldigte sei von den Vorwürfen der Widerhandlung gegen 
das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer im  
Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG sowie Art. 115 Abs. 1 lit. c AuG 
in Verbindung mit Art. 11 AuG freizusprechen. 

2. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens 
seien auf die Staatskasse zu nehmen.  

3. Der Beschuldigten sei für die erlittene Haft eine angemessene  
Genugtuung zuzusprechen.  

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staats-
kasse." 

 
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl: 

 (schriftlich; Urk. 86) 

 Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

 

Das Gericht erwägt: 

I. 

1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 7. März 2011, Verfahren 

GG110033, wurde A._____ (nachfolgend: Beschuldigte) der Widerhandlung 

gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) im 

Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG sowie Art. 115 Abs. 1 lit. c AuG in Ver-

bindung mit Art. 11 AuG schuldig gesprochen (rechtswidriger Aufenthalt und 

-   4   - 

Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung). Vom Vorwurf der Widerhandlung gegen 

Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. a AuG und Art. 4 

Abs. 2 der Verordnung über die Einreise und die Visumserteilung (Rechts-

widrige Ein- oder Ausreise) wurde sie freigesprochen. Die Beschuldigte wur-

de mit 45 Tagen Freiheitsstrafe bestraft, wovon im Zeitpunkt der Urteilsfäl-

lung 39 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden waren. 

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde nicht aufgeschoben. Die Kosten der 

Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, inklusive derjenigen der 

amtlichen Verteidigung, wurden der Beschuldigten auferlegt, diejenigen der 

amtlichen Verteidigung jedoch sofort und definitiv abgeschrieben (Urk. 76).  

2. Gegen dieses Urteil liess die Beschuldigte durch Eingabe ihres amtlichen 

Verteidigers vom 15. März 2011 (Urk. 57) und mithin rechtzeitig Berufung 

erklären. Gleichentags verfügte das Bezirksgericht Zürich die Entlassung 

des amtlichen Verteidigers aus seinem Amt (Urk. 56). Innert Frist (Urk. 71) 

liess die Beschuldigte sodann durch ihren zwischenzeitlich bevollmächtigten 

erbetenen Verteidiger mit Eingabe vom 26. Mai 2011 die Berufungserklä-

rung ins Recht reichen und sinngemäss beantragen, es sei das Urteil der 

Vorinstanz vom 7. März 2011 vollumfänglich aufzuheben und es sei die Be-

schuldigte in Abänderung des in Dispositiv Ziffer 1 enthaltenen Schuld-

punktes freizusprechen. Sodann seien die Dispositiv Ziffern 2 bis 4 des  

angefochtenen Urteils betreffend das Strafmass und den Strafvollzug aufzu-

heben. Im Übrigen hielt die Beschuldigte an ihren bereits am 3. März 2011 

gestellten Beweisanträgen fest, wonach die gemäss dem Polizeirapport vom 

28. Januar 2011 (Urk. 1 S. 3) im Rahmen der Effektenkontrolle ermittelten 

Freier-Adressen zu den Akten zu erheben seien und die Befragung von 

B._____, … [Adresse], vorzunehmen sei. Weiter beantragte die Beschuldig-

te die Durchführung eines schriftlichen Verfahrens (Urk. 66 S. 2). Mit Einga-

be vom 9. Juni 2011 liess die Beschuldigte ihre Berufungserklärung dahin-

gehend präzisieren, es werde am Begehren um vollumfängliche Aufhebung 

des Urteils festgehalten. Thematisch werde die Berufung indes auf die Fra-

gen der Verwertbarkeit eines Zufallsfundes im Sinne von Art. 243 StPO und 

die Verletzung der Dokumentationspflicht eingegrenzt. Am Beweisantrag be-

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treffend die Erhebung der Freier-Adressen zu den Akten werde weiter fest-

gehalten, jedoch nicht am Beweisantrag betreffend die Befragung von 

B._____ (Urk. 77a). Mit Präsidialverfügung vom 28. Juni 2011 wurde der 

Beschuldigten Frist angesetzt, um den Umfang der Anfechtung des erstin-

stanzlichen Urteils zu verdeutlichen (Urk. 80). Am 11. Juli 2011 liess sich die 

Beschuldigte dahingehend vernehmen, das Urteil des Bezirksgerichts Zürich 

vom 7. März 2011 werde im Umfang der ergangenen Schuldsprüche wegen 

Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Aus-

länder im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b und Art. 115 Abs. 1 lit. c i.V.m. 

Art. 11 AuG angefochten. Infolgedessen seien auch die Dispositiv Ziffern 3 

und 4 aufzuheben, die Kosten auf die Staatskasse zu nehmen und der Be-

schuldigten eine Genugtuung für die erlittene Haft zuzusprechen. Nicht an-

gefochten werde Dispositiv Ziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils betreffend 

den Freispruch (Urk. 82).  

3. Auf Fristansetzung seitens des Gerichts hin (Urk. 84) verzichtete die Staats-

anwaltschaft Zürich-Sihl in der Folge mit Eingabe vom 18. Juli 2011 auf die 

Erhebung einer Anschlussberufung, beantragte die Bestätigung des vor-

instanzlichen Urteils und verzichtete auf die Stellung von Beweisanträgen 

(Urk. 86). Am 9. August 2011 wurde der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, 

um zum Beweisantrag der Beschuldigten betreffend die Erhebung der  

Freier-Adressen zu den Akten sowie zum Antrag auf schriftliche Durchfüh-

rung des Berufungsverfahrens Stellung zu nehmen (Urk. 89). Mit Eingabe 

vom 16. August 2011 verzichtete die Staatsanwaltschaft unter Hinweis auf 

die Begründung der Vorinstanz auf eine Stellungnahme zum Beweisantrag 

und erklärte sich mit der Durchführung des schriftlichen Verfahrens einver-

standen (Urk. 91). Mit Verfügung vom 19. August 2011 wies der Präsident 

der I. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich den Beweisantrag 

der Verteidigung auf Aktenerhebung ab und ordnete die schriftliche Durch-

führung des Berufungsverfahrens an. Im Weiteren wurde der Beschuldigten 

Frist angesetzt, um die Berufungsanträge zu stellen und zu begründen 

(Urk. 92). Nach einmaliger Fristerstreckung (Urk. 94) kam die Verteidigung 

der Beschuldigten dieser Aufforderung nach, reichte am 10. Oktober 2011 

-   6   - 

die Berufungsbegründung ins Recht und stellte obgenannte Anträge 

(Urk. 96). 

4. Auf Fristansetzung seitens des Gerichts hin (Urk. 98) verzichtete die Vor-

instanz am 14. Oktober 2011 auf Vernehmlassung (Urk. 100). Die Staats-

anwaltschaft reichte am 25. Oktober 2011 ihre Stellungnahme zu den  

Beweisanträgen ins Recht (Urk. 101). Diese wurde der Verteidigung am 

12. November 2011 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 102).  

5. Nicht angefochten und damit in Rechtskraft erwachsen sind der Freispruch 

der Vorinstanz betreffend den Vorwurf der Widerhandlung gegen das Bun-

desgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) im Sinne von 

Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. a AuG und Art. 4 

Abs. 2 der Verordnung über die Einreise und die Visumserteilung (Dispositiv 

Ziffer 2) sowie die Kostenfestsetzung (Dispositiv Ziffer 5; Urk. 96). Davon ist 

vorab Vormerk zu nehmen (Art. 404 Abs. 1 i.V.m. Art. 402 StPO).  

II.  

 Seit dem 1. Januar 2011 gilt in der Schweiz eine neue, eidgenössische 

Strafprozessordnung (StPO), welche die bis anhin gültigen kantonalen 

Strafprozessordnungen ablöst. Für Verfahren, die – wie das Vorliegende – in 

erster Instanz nach dem 1. Januar 2011 erledigt wurden, ist die eidgenössi-

sche Strafprozessordnung (StPO) anwendbar (Art. 454 Abs. 1 StPO). 

III.  

1.1. Die Beschuldigte lässt in der Eingabe vom 10. Oktober 2011 zur Begrün-

dung der Berufung im Wesentlichen vorbringen, im Rahmen der Effekten-

kontrolle hätten Freier-Adressen ermittelt werden können, woraufhin sich der 

Verdacht ergeben habe, die Beschuldigte gehe einer illegalen Erwerbstätig-

keit nach. Es sei unklar, wie man die Adressdaten erlangt habe, ob man zu 

diesen bspw. mittels Sichtung der Mobiltelefone der Beschuldigten gelangt 

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sei. Ein solches Vorgehen hätte aufgrund ihres Charakters einer Zwangs-

massnahme in der dafür vorgesehenen Form der betroffenen Person vorab 

zur Kenntnis gebracht werden müssen und hätte eines schriftlichen Befehls 

bedurft, zumal kein Fall von Art. 241 Abs. 3 bzw. Abs. 4 StPO vorgelegen 

sei. Eine solche Zwangsmassnahme wäre daher unrechtmässig gewesen. 

Weiter lässt die Verteidigung ausführen, der Anfangstatverdacht habe sich 

auf die Widerhandlung im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG beschränkt. 

Die Durchsuchung der Effekten hätte sich damit auf die Suche nach einem 

Ausweispapier beschränken müssen. Die Durchsicht irgendwelcher Freier-

Adressen sei hingegen nicht gerechtfertigt gewesen und hätte einen Ent-

scheid der Verfahrensleitung erfordert. Die Ermittlung der Adressen sei nicht 

im Zusammenhang mit der ursprünglichen Tat gestanden, so dass es sich 

hierbei um einen Zufallsfund handle. Die diesbezüglichen Verfahrensvor-

schriften seien nicht eingehalten worden und der Zeuge C._____ sei vor 

dem Entscheid über die Verwertbarkeit des Zufallsfundes kontaktiert wor-

den. Ein solcher Entscheid sei nicht ergangen, da die Freier-Adressen der 

Staatsanwaltschaft gar nie übermittelt worden seien. Eine konkludente Be-

willigung reiche sodann nicht aus (Urk. 96 Rz 5 und Rz 8 ff.). 

1.2. Die Vorinstanz wies den Antrag auf Beizug der Freier-Adressen zu den  

Akten im Urteil vom 7. März 2011 ab (Urk. 76 S. 4) und hielt zum Einwand 

der Unverwertbarkeit der Adressdaten als Zufallsfund fest, es sei jeder Un-

tersuchung immanent, dass nicht von Beginn weg genau bestimmt werden 

könne, welche Tatbestände sich verwirklicht hätten. Auch vorliegend habe 

nicht von Anfang an festgestellt werden können, ob die Beschuldigte 

rechtswidrig in die Schweiz eingereist sei, ob sie sich daneben in der 

Schweiz rechtswidrig aufgehalten habe und ob sie zusätzlich einer nicht be-

willigten Erwerbstätigkeit nachgegangen sei. Bei den im Rahmen der Effek-

tenkontrolle ermittelten potentiellen Freier-Adressen handle es sich daher 

nicht um Zufallsfunde. Selbst wenn man von einem Zufallsfund ausginge, so 

läge aufgrund der formellen Eröffnung der Strafuntersuchung mit Verfügung 

vom 3. Februar 2011 eine konkludente Bewilligung der Verfahrensleitung vor 

(Urk. 76 S. 6). 

-   8   - 

1.3. Gemäss Art. 215 Abs. 1 StPO kann die Polizei im Interesse der Aufklärung 

einer Straftat eine Person anhalten und wenn nötig auf den Polizeiposten 

bringen, um ihre Identität festzustellen (lit. a), sie kurz zu befragen (lit. b) o-

der um abzuklären, ob sie eine Straftat begangen hat (lit. c) bzw. ob nach ihr 

oder nach Gegenständen, die sich in ihrem Gewahrsam befinden, gefahndet 

wird (lit. d). Dabei kann die Polizei die angehaltene Person verpflichten, ihre 

Personalien anzugeben (Abs. 2 lit. a), Ausweispapiere vorzulegen (Abs. 2 

lit. b), mitgeführte Sachen vorzuzeigen (Abs. 2 lit. c) oder Behältnisse bzw. 

Fahrzeuge zu öffnen (Abs. 2 lit. d). Ziel der Anhaltung ist damit u.a., die 

Identität zu überprüfen und festzustellen, ob ein Zusammenhang der betref-

fenden Person mit der Polizei bereits bekannten oder noch nicht bekannten 

Delikten als möglich erscheint. Damit wird kein konkreter Tatverdacht vo-

rausgesetzt. Bei Notwendigkeit kann die angehaltene Person sodann auf 

den Polizeiposten geführt werden, namentlich dann, wenn sie sich nicht 

ausweisen kann (Schmid, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxis-

kommentar, Zürich/St. Gallen 2009, Art. 215 N 1 ff.). Der Verpflichtung der 

Person, Behältnisse und Fahrzeuge zu öffnen, entspricht das Recht der Po-

lizei, die geöffneten Behältnisse im Rahmen des Verhältnismässigkeitsprin-

zips zu durchsuchen. Weigert sich die angehaltene Person somit, ihren 

Pflichten gestützt auf Art. 215 Abs. 2 StPO nachzukommen und mitgeführte 

Dokumente und Sachen vorzulegen bzw. zu öffnen, so ist die Polizei befugt, 

die Person und die mitgeführten Gegenstände zu durchsuchen (Zuber in: 

Polizeiliche Ermittlung, VSKC-Handbuch, Albertini/Fehr/Voser [Hrsg.], Zürich 

2008, S. 336; Schmid-Praxiskommentar, a.a.O., Art. 215 N 17; vgl. auch 

Baumann, Aargauisches Polizeigesetz, Praxiskommentar, Zürich/Basel/Genf 

2006, N. 303). Diese Befugnis ergeht aus Art. 198 Abs. 1 lit. c StPO i.V.m. 

Art. 215 StPO (BSK StPO-Weber, Art. 198 N 9). Die Kontrolle oder Durch-

suchung darf nur so weit gehen, wie es deren Zweck und die ersten Ein-

drücke über die zu kontrollierende Person erfordern, und es ist in jedem Ein-

zelfall über das Spannungsfeld der Schwere der in Frage stehenden aufzu-

klärenden Straftat, des vagen Tatverdachts, des Eigenschutzes der Polizei 

und des Schutzes der angehaltenen Person zu entscheiden. In den Fällen 

-   9   - 

von Art. 215 Abs. 2 lit. c und d StPO bedarf die Durchsuchung der angehal-

tenen Person bzw. der durch diese mitgeführten Sachen keines ausdrückli-

chen staatsanwaltschaftlichen Durchsuchungsbefehls im Sinne von Art. 198 

Abs. 1 lit. a StPO i.V.m. Art. 241 StPO, zumal angesichts der zeitlich eng  

limitierten polizeilichen Anhaltung davon auszugehen ist, dass im Sinne von 

Art. 241 Abs. 3 StPO Gefahr in Verzug ist. Gleiches gilt im Rahmen von Si-

cherheitsdurchsuchungen im Sinne von Art. 241 Abs. 4 StPO (zum Ganzen: 

Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 

2005, AS 05.092, S. 1225; Weder in Kommentar zur Schweizerischen  

Strafprozessordnung, Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 

2010, Art. 215 N 18; Keller in Kommentar zur Schweizerischen Strafpro-

zessordnung, Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2010, 

Art. 241 N 16; BSK StPO-Albertini/Armbruster, Art. 215 N 16 und N 23;  

Zuber-VSKC-Handbuch, a.a.O., S. 336; Schmid-Praxiskommentar, a.a.O., 

Art. 215 N 17; vgl. auch Armbruster in VSKC-Handbuch, Albertini/Fehr/  

Voser [Hrsg.], Zürich 2008, S. 351, wonach bei Vorliegen der Voraus-

setzungen nach Art. 241 Abs. 4 StPO auch keine nachträgliche Information 

der Strafbehörden notwendig sei).  

1.4. Im vorliegenden Fall wurde die stark alkoholisierte (Urk. 1 S. 3) Beschuldigte 

bei der Z._____ Bar angehalten, wobei sie sich dem Polizeirapport vom 

28. Januar 2011 zufolge weigerte, sich auszuweisen. Da eine Kontrolle der 

Handtasche insofern erfolglos geblieben war, als man keine Ausweispapiere 

finden konnte, brachte man die Beschuldigte auf den Polizeiposten. Dort 

führte man eine Effektenkontrolle durch und fand dabei ein I-Phone, einen 

Chip der Swisscom sowie „offensichtliche Freier-Adressen“ (Urk. 1 S. 3 und 

4). Die Adressdaten wurden damit im Rahmen der der Anhaltung zugrunde 

liegenden Kontrolle der Beschuldigten ermittelt (siehe auch Bestätigung 

durch die Verteidigung in Urk. 44 Rz 20). Diese Effektenkontrolle erfolgte 

entsprechend den obigen Erwägungen und bedurfte demgemäss keiner 

vorgängigen Bewilligung durch die Staatsanwaltschaft in Form eines Durch-

suchungsbefehls und zwar unabhängig davon, ob die ermittelten Adressda-

ten in Papierform oder infolge der Durchsuchung des Telefons gefunden 

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wurden. Demzufolge kann den Ausführungen der Verteidigung, mangels 

Einholung eines Befehls seien die verfahrensrechtlichen Gesetzesbestim-

mungen verletzt worden und seien die entdeckten Beweise nicht verwertbar 

(Urk. 96 Rz 5), nicht gefolgt werden. Eine nachträgliche Information der 

Staatsanwaltschaft erfolgte sodann – sofern eine solche überhaupt notwen-

dig war – spätestens bei der Zustellung der Akten an die Staatsanwaltschaft 

zur  

formellen Verfahrenseröffnung (vgl. Urk. 17).  

1.5. Es stellt sich sodann die Frage, ob die im Rahmen der auf dem Polizei-

posten gefundenen Adressdaten sog. Zufallsfunde darstellen, wie dies sei-

tens der Verteidigung geltend gemacht wird (Urk. 96 Rz 10 ff.). Als Zufalls-

funde nach Art. 243 Abs. 1 StPO gelten u.a. zufällig entdeckte Beweismittel, 

Gegenstände oder Vermögenswerte, die mit der abzuklärenden Straftat in 

keinem direkten Zusammenhang stehen und den ursprünglichen Tatver-

dacht weder erhärten noch widerlegen, aber auf eine weitere Straftat der 

beschuldigten Person hinweisen. Kein Zufallsfund liegt hingegen vor, wenn 

eine Spur bzw. ein Gegenstand in einem direkten Zusammenhang mit der 

abzuklärenden Straftat steht. Abzugrenzen sind Zufallsfunde sodann von 

unzulässigen Beweisausforschungen. Eine solche besteht, wenn der 

Zwangsmassnahme kein genügender dringender Tatverdacht zugrunde lag, 

sondern aufs Geratewohl Beweisaufnahmen getätigt wurden. Aus Beweis-

ausforschungen resultierende Ergebnisse sind nicht verwertbar (Schmid-

Praxiskommentar, a.a.O., Art. 243 N 1 und 8; BSK StPO-Gfeller/Thormann, 

Art. 243 N 6 und 15). 

1.6. Gemäss dem Polizeirapport vom 28. Januar 2011 wurde gegen die am sel-

ben Tag kontrollierte Beschuldigte wegen der Verletzung von Art. 115 Abs. 1 

lit. a und c AuG ermittelt. Es bestand der Verdacht der illegalen Einreise in 

die Schweiz (Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG) zur Ausübung der Prostitution ohne 

Bewilligung (Art. 115 Abs. 1 lit.  c AuG; Urk. 1 S. 1). Die Polizei brachte die 

Beschuldigte dem Rapport zufolge zwar primär auf den Polizeiposten, weil 

sie sich nicht ausweisen konnte und der Verdacht bestand, sie weile ohne 

-   11   - 

gültige Ausweispapiere in der Schweiz (Urk. 1 S. 3); damit stand anfänglich 

allenfalls ein Verstoss gegen Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG (rechtswidrige Einrei-

se) im Vordergrund, ein Verstoss gegen Art. 115 Abs. 1 lit. b oder c AuG 

(rechtswidriger Aufenthalt und Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung) konnte 

aufgrund der gesamten Umstände, namentlich der Lokalität, in welcher die 

Beschuldigte kontrolliert wurde, und ihrer starken Alkoholisierung um 

7.15 Uhr morgens, jedoch von Beginn weg nicht ausgeschlossen werden, 

sondern lag im Bereich des Wahrscheinlichen. In der Folge beschränkten 

sich denn auch die gleichentags erfolgte polizeiliche Befragung der Be-

schuldigten sowie die nur einen Tag nach ihrer Anhaltung erlassene Haftver-

fügung vom 29. Januar 2011 und die Eröffnungsverfügung vom 3. Februar 

2011 nicht nur auf den Tatbestand von Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG, sondern 

umfassten Art. 115 AuG generell und somit auch Art. 115 Abs. 1 lit. b und c 

AuG (Urk. 3, Urk. 16/7 und 17). Entsprechend den zutreffenden Erwägungen 

der Vorinstanz besteht zu Beginn einer Kontrolle denn auch nicht immer 

Klarheit darüber, ob und allenfalls welche konkreten Delikte bzw. Delikts-

varianten begangen wurden, sondern bedarf der Vorwurf vorab weiterer 

konkretisierender Abklärungen. Dass es sich bei den drei Tatbeständen von 

Art. 115 AuG um einen einheitlichen und zusammenhängenden Tatkomplex 

handelt, zeigt bereits deren systematische Anordnung in einer einzigen Be-

stimmung. Damit ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass gegenüber 

der Beschuldigten von Anfang an der Verdacht bestand bzw. es möglich er-

schien, sie weile ohne gültige Papiere in der Schweiz und gehe hier einer 

nicht bewilligten Erwerbstätigkeit nach. Dementsprechend standen die auf-

gefundenen Adresslisten im direkten Zusammenhang mit den abzuklären-

den Straftaten und stellen entgegen der Ansicht der Verteidigung keine Zu-

fallsfunde im Sinne von Art. 243 Abs. 1 StPO dar. Die Übermittlung eines 

Berichtes an die Verfahrensleitung und ein Entscheid derer über das weitere 

Vorgehen im Sinne von Art. 243 Abs. 2 StPO waren unter diesen Umstän-

den nicht erforderlich. Eine Verletzung von Verfahrensvorschriften ist inso-

weit zu verneinen.  

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2.1. Im Weiteren beanstandet die Verteidigung, dass die Adressdaten keinen 

Eingang in die Untersuchungsakten gefunden hätten. Ohne Kenntnis über 

die Adressdaten vermöge sich die Beschuldigte nicht ausreichend zu vertei-

digen. Der Schuldspruch basiere einzig auf den Belastungen des Zeugen 

C._____. Aufgrund der Unklarheit und der fehlenden Dokumentation dar-

über, wie man zu den Angaben des Zeugen C._____ gelangt sei, sei es ihr 

nicht möglich, den Entlastungsbeweis zu erbringen und geeignete Ergän-

zungsfragen zu stellen (Urk. 96 Rz 4 ff.). Das Vorgehen der Polizei verun-

mögliche es ihr, deren Ermittlungsarbeiten auf ihre Rechtmässigkeit hin zu 

überprüfen. Angesichts des im Raum stehenden Vorwurfs wäre die Adress-

liste zur Führung des Entlastungsbeweises relevant gewesen. Der Zeuge 

C._____ sei von der Polizei auf informellem Weg kontaktiert worden. Es 

müsse davon ausgegangen werden, dass seitens der Polizei nebst dem 

Zeugen C._____ noch weitere Personen kontaktiert worden seien, diese je-

doch den Verdacht der Prostitution nicht hätten erhärten können. Die Be-

schuldigte werde deshalb ohne sachlichen Grund der Ausübung der Prosti-

tution beschuldigt. Die getätigten Ermittlungen basierten einzig auf Mutmas-

sungen. Die Adressliste hätte es ihr ermöglicht, diesen Verdacht aus dem 

Weg zu räumen und allenfalls auf die Unzulässigkeit der Beweiserhebung 

hinzuweisen sowie das Handeln der Ermittlungsbehörden auf ihre Recht-

mässigkeit hin zu überprüfen (Urk. 96 Rz  7 f. und 18). Aus der Verletzung 

der Dokumentationspflicht folge zwar kein Verwertungsverbot. Ein solches 

resultiere jedoch aus rechtswidrig erlangten Beweisen. Aus der Verletzung 

der Dokumentationspflicht könne eine Verletzung der Verteidigungsrechte 

(Verunmöglichung des Entlastungsbeweises) abgeleitet werden. Für die 

Gewährleistung einer effizienten Verteidigung müsse eine lückenlose  

Dokumentation bestehen. Die Abnahme des Beweisantrags wäre daher 

notwendig gewesen. Solange die Adressen nicht beigebracht werden könn-

ten, müsse von deren Nicht-Existenz ausgegangen werden. Damit stelle die 

Kontaktierung des Zeugen C._____ eine Beweisausforschung dar mit der 

Folge, dass die Zeugenaussagen nicht verwertbar seien (Urk. 96). 

-   13   - 

2.2. Zum Vorwurf der Verletzung der Dokumentationspflicht hielt die Vorinstanz 

fest, der Verteidiger habe anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 

4. Februar 2011 die Möglichkeit gehabt, Ergänzungsfragen zu stellen. Dabei 

hätte er allfällige Verstösse gegen die Dokumentationspflicht rügen können. 

Damit sei der Vorwurf der Beschneidung der Verteidigungsrechte durch die 

Polizei unzutreffend. Im Weiteren erscheine das Vorgehen der Polizei im 

Zusammenhang mit der telefonischen Kontaktaufnahme plausibel, sofern es 

sich wie vorliegend nur um Vorabklärungen und nicht um eine informelle 

Einvernahme handle. Damit bestehe keine Verletzung der Dokumentations-

pflicht. Sodann vermöge auch die Argumentation der Verteidigung betref-

fend die Auswahl des Zeugen C._____ aus der Adressliste und die geltend 

gemachte Verunmöglichung der Erbringung des Entlastungsbeweises nicht 

zu überzeugen. Es sei nur darum gegangen, ob sich die Beschuldigte ge-

genüber besagtem Zeugen prostituiert habe. Selbst wenn andere Personen 

sexuelle Dienstleistungen gegen Entgelt nicht hätten bestätigen können,  

hätte dies nicht zur Entkräftung des eingeklagten Sachverhaltes geführt 

(Urk. 76 S. 8 f.).  

2.3. Die Verteidigung rügt die Verletzung der Dokumentationspflicht sowie des 

rechtlichen Gehörs. Der Anspruch auf rechtliches Gehör enthält das Recht 

zur Akteneinsicht. Damit dieses nicht seinem Sinn entleert werden kann,  

besteht die Pflicht der Behörden zur Anlegung sowie zur vollständigen und 

korrekten Führung von Akten. Spiegelbildlich zum Akteneinsichtsrecht be-

steht damit eine Aktenführungs- und Dokumentationspflicht der Behörden. 

Diese verlangt von den Behörden, dass alle im Rahmen des Verfahrens 

vorgenommenen Erhebungen aktenkundig zu machen sind, mithin alle ver-

fahrensrelevanten Vorgänge schriftlich festzuhalten und die entsprechenden 

Protokolle zusammen mit den eingegangenen Schriftstücken sowie gefällten 

Entscheiden in die Akten zu integrieren und aufzubewahren sind. Die  

Dokumentationspflicht wird verletzt, wenn die Strafbehörden dieser Pflicht 

nicht nachkommen (BSK StPO-Schmutz, Art. 100 N 1; BGE 115 Ia 97 E. 4c; 

Schmid-Praxiskommentar, a.a.O., Vor Art. 76-79 N 1).  

-   14   - 

2.4. Zur Frage der Herkunft der Personalien des Zeugen C._____ ist aktenkun-

dig, dass dieser am 28. Januar 2011 durch die Polizei telefonisch kontaktiert 

und ihm mitgeteilt wurde, gegen die Beschuldigte werde eine Untersuchung 

durchgeführt (Urk. 2 S. 1, Urk. 5 S. 7 f.). Ob der Zeuge C._____ gestützt auf 

die im Rahmen der Effektenkontrolle sichergestellten Freier-Adressen ermit-

telt werden konnte, ergeht mangels Aufnahme der Adressdaten in die Akten 

aus diesen nicht hervor, muss aber bereits aufgrund des zeitlichen Aspekts 

(telefonische Kontaktierung des Zeugen C._____ durch einen Polizeibeam-

ten am 28. Januar 2011, d.h. gleichentags wie die Anhaltung der Beschul-

digten erfolgt war und die Adressdaten entdeckt wurden, Urk. 1 und 2) sowie 

des unbestrittenermassen vorgängig bestandenen telefonischen Kontakts 

zwischen der Beschuldigten und dem Zeugen C._____ (Urk. 40 und 41/2) 

mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit so gewesen sein. Die Ver-

teidigung selbst bestätigt dies denn in der Eingabe vom 10. Oktober 2011 

auch indirekt, indem sie ausführt, obwohl angeblich 'offensichtliche Freier-

Adressen' ermittelt worden seien und der Verdacht nahe liege, dass noch 

weitere Personen auf informellem Weg kontaktiert worden seien, hätten die-

se Gespräche – d.h. alle Gespräche mit Ausnahme desjenigen des Zeugen 

C._____ – zu keinen weiteren Belastungen geführt (Urk. 96 Rz 7). Damit 

geht selbst die Verteidigung davon aus, dass Kontaktdaten weiterer Freier 

aus besagten Adressdaten resultiert hätten. Zudem hielt die Verteidigung 

fest, die Freier-Adressen seien zufällig gefunden worden, weshalb diese in 

Anwendung von Art. 243 Abs. 2 StPO mittels Bericht an die Verfahrenslei-

tung hätten übergeben werden müssen. Ohne den Entscheid über die Ver-

wertbarkeit der Adressen abzuwarten, habe die Polizei in der Folge den 

Zeugen C._____ kontaktiert (Urk. 96 Rz 13). Auch aus dieser Aussage 

ergeht eindeutig, dass die Verteidigung davon ausgeht, die Kontaktdaten 

des Zeugen C._____ hätten gestützt auf die Adressdaten eruiert werden 

können. Etwas anderes erscheint – wie bereits dargelegt schon aufgrund 

des zeitlichen Aspekts der Anhaltung und der Kontaktierung des Zeugen 

C._____ – sehr unwahrscheinlich. Damit vermag die Argumentation der Ver-

teidigung, aufgrund der Unkenntnis darüber, wie der Zeuge C._____ eruiert 

-   15   - 

worden sei, müsse davon ausgegangen werden, dass die Ermittlungen ohne 

sachlichen Grund aufgrund der blossen Mutmassung der Prostitutionsaus-

übung erfolgt seien, und könne insbesondere hinsichtlich des Zeugen 

C._____ eine unzulässige und verbotene Beweisausforschung nicht ausge-

schlossen werden (Urk. 96 Rz 7), nicht zu überzeugen. Allein aus der Tatsa-

che, dass die Adressdaten nicht aktenkundig gemacht wurden, kann allen-

falls eine Verletzung der Dokumentationspflicht abgeleitet werden, mit Blick 

auf die Ermittlung des Zeugen C._____ jedoch weder die Verletzung des 

Rechts auf effektive Verteidigung noch die Unverwertbarkeit der Aussagen 

des Zeugen C._____ als Beweismittel. Aus der Verletzung der Dokumenta-

tionspflicht folgt sodann nicht die Unverwertbarkeit des entsprechenden Be-

weismittels (siehe bestätigende Ausführungen der Verteidigung in Urk. 96 

Rz 18). Im Weiteren ist vorliegend unklar, ob die Polizei weitere Personen 

aus der Adressliste kontaktiert hat, ohne dies aktenmässig festzuhalten. 

Selbst wenn dem so wäre, so würde dies am Verdacht der nicht bewilligten 

Ausübung der Prostitution als Erwerbstätigkeit jedoch nichts zu ändern ver-

mögen, zumal die Beschuldigte durch die Aussagen des Zeugen C._____ 

hinreichend belastet wird. Soweit es sich bei dessen Ausführungen um 

glaubhafte Aussagen handelt, reichen diese für eine Verurteilung aus. 

2.5. Der weiteren Beanstandung der Verteidigung, es sei unterlassen worden, 

das Vorgespräch mit dem Zeugen C._____ zu protokollieren (Urk. 96 Rz 7), 

ist sodann entgegenzuhalten, dass sich die Dokumentationspflicht nur auf 

prozessual relevante Vorgänge bezieht (BSK StPO-Näpfli, Art. 76 N 7 f.; 

Schmid-Praxiskommentar, a.a.O., Vor Art. 76-Art. 79 N 2). Vorgängig zu ei-

ner formellen Befragung getätigte Abklärungen fallen nicht darunter, sofern 

sie nur dazu dienen herauszufinden, ob die entsprechende Person mass-

gebende Hinweise zum im Raum stehenden Vorwurf machen kann, und in 

der Folge eine protokollierte Befragung erfolgt. Ein solches Vorgehen ist 

weder unüblich noch unzulässig. Es kann in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 

StPO auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz in Ziffer II.2.3  

verwiesen werden.  

-   16   - 

3. Damit kann abschliessend festgehalten werden, dass die Polizei im Rahmen 

der Anhaltung der Beschuldigten eine Effektenkontrolle durchführen durfte 

und dabei keine Verfahrensvorschriften verletzt hat. Als direkt mit dem Vor-

wurf des Verstosses gegen Art. 115 lit. a, b und c AuG zusammenhängen-

des Beweismittel stellen die Adressdaten keinen Zufallsfund dar, welcher ein 

Vorgehen gestützt auf Art. 243 StPO erfordert hätte. Auch die Befragung 

und Einvernahme des Zeugen C._____ sind verwertbar, weshalb die Vo-

rinstanz im Rahmen ihrer Urteilsbegründung zu Recht darauf abstellte.  

IV. 

 In der Sache ficht die Verteidigung zwar das Urteil betreffend den Schuld-

spruch wegen der Verletzung von Art. 115 Abs.1 lit. b und c AuG, die Straf-

zumessung sowie die Kostenfolge an, sie beschränkt ihre Ausführungen in 

der Berufungsbegründung indes auf die obgenannte Rüge des unterlasse-

nen Beizugs der Adressdaten. Anderweitige Beanstandungen sind nicht  

aktenkundig und wurden seitens der Verteidigung innert der ihr mit Ver-

fügung vom 19. August 2011 angesetzten Frist zur Stellung der Berufungs-

anträge und deren Begründung (Urk. 92) nicht vorgebracht (Urk. 96). In An-

wendung von Art. 82 Abs. 4 StPO kann vollumfänglich auf die zutreffenden 

Ausführungen der Vorinstanz zu Sachverhalt, rechtlicher Würdigung und 

Strafzumessung verwiesen werden (Urk. 76 Ziffern III-VI) und ist das vor-

instanzliche Urteil insoweit zu bestätigen.  

V. 

1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Kostenauflage der Vorinstanz 

(Urk. 76 S. 25, Dispositiv Ziffer 6) zu bestätigen.  

2. In Anwendung von Art. 428 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14 der 

Gebührenverordnung des Obergerichts (LS 211.11) sind die Kosten des Be-

rufungsverfahrens auf Fr. 2'000.- zu veranschlagen. Die Beschuldigte unter-

-   17   - 

liegt im Berufungsverfahren vollumfänglich, weshalb ihr die Kosten des 

Rechtsmittelverfahrens aufzuerlegen sind (Art. 428 Abs. 1 StPO).  

3. Prozessentschädigungen sind keine zu entrichten (Art. 429 StPO e  

contrario). 

4.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der Beschuldigten sodann keine 

Genugtuung zuzusprechen (Art. 429 StPO e contrario StPO).  

 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 7. März 

2011 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:  

"Es wird erkannt: 

1.. (…) 

2. Vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen 

und Ausländer (AuG) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 5 

Abs. 1 lit. a AuG und Art. 4 Abs. 2 der Verordnung über die Einreise und die Vi-

sumserteilung (VEV) wird die Beschuldigte freigesprochen. 

3. (…) 

4. (…) 

5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 1'500.– ; die weiteren Auslagen betragen: 

Fr. 900.--   Gebühr Anklagebehörde 

Fr.    Kosten Kantonspolizei 

Fr.     Kanzleikosten Untersuchung  

Fr.    Auslagen Untersuchung  

Fr.     amtliche Verteidigung Untersuchung 

Fr. 4'868.15   amtliche Verteidigung  

 
 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

-   18   - 

6. (…) 

7. (Mitteilung) 

8. (Rechtsmittel)" 

2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.  

 

Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen 

und Ausländer (AuG) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG sowie 

− der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen 

und Ausländer (AuG) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. c AuG in Verbin-

dung mit Art. 11 AuG. 

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 45 Tagen Freiheitsstrafe, wovon alle Tage 

durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben. 

4. Die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 6 des vorinstanzlichen 

Entscheids) wird bestätigt. 

5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird auf Fr. 2'000.- festgesetzt.  

6. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden der Beschuldigten auferlegt.  

7. Es werden keine Prozessentschädigungen zugesprochen.  

8. Der Antrag auf Zusprechung einer Genugtuung wird abgewiesen.  

9. Schriftliche Mitteilung in vollständiger Ausfertigung an 

− die erbetene Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der  
Beschuldigten, 

− die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,  

-   19   - 

 und nach Eintritt der Rechtskraft an 
− die Vorinstanz, 
− das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, Abt. Bewährungs- und 

Vollzugsdienst 
− das Migrationsamt des Kantons Zürich, Postfach, 8090 Zürich, 
− das Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern-Wabern, 
− die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A. 

10. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden.  

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichts (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgeset-

zes über das Bundesgericht vorgeschriebenen Weise schriftlich einzu-

reichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.  

 
Obergericht des Kantons Zürich 

I. Strafkammer 
 
 

Zürich, 9. März 2012 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Dr. F. Bollinger 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

lic. iur. A. Leu-Zweifel 

 

	Urteil vom 9. März 2012
	Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 11. Februar 2011 ist diesem Urteil beigeheftet.

	Urteil der Vorinstanz:
	"Es wird erkannt:
	1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig
	 der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG sowie
	 der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. c AuG in Verbindung mit Art. 11 AuG.
	2. Vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. a AuG und Art. 4 Abs. 2 der Verordnung über die Einreise und die Visumsert...
	3. Die Beschuldigte wird bestraft mit 45 Tagen Freiheitsstrafe, wovon 39 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft bis und mit heute erstanden sind.
	4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
	5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten auferlegt, diejenigen der amtlichen Verteidigung jedoch sofort und definitiv abgeschrieben.
	7. (Mitteilung)
	8. (Rechtsmittel)."

	Berufungsanträge:
	a) Des Verteidigers der Beschuldigten und Berufungsklägerin:
	(schriftlich; Urk. 96)
	b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
	(schriftlich; Urk. 86)
	Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

	Das Gericht erwägt:
	I.
	2. Gegen dieses Urteil liess die Beschuldigte durch Eingabe ihres amtlichen Verteidigers vom 15. März 2011 (Urk. 57) und mithin rechtzeitig Berufung erklären. Gleichentags verfügte das Bezirksgericht Zürich die Entlassung des amtlichen Verteidigers au...
	3. Auf Fristansetzung seitens des Gerichts hin (Urk. 84) verzichtete die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl in der Folge mit Eingabe vom 18. Juli 2011 auf die Erhebung einer Anschlussberufung, beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und v...
	4. Auf Fristansetzung seitens des Gerichts hin (Urk. 98) verzichtete die Vorinstanz am 14. Oktober 2011 auf Vernehmlassung (Urk. 100). Die Staatsanwaltschaft reichte am 25. Oktober 2011 ihre Stellungnahme zu den  Beweisanträgen ins Recht (Urk. 101). ...
	5. Nicht angefochten und damit in Rechtskraft erwachsen sind der Freispruch der Vorinstanz betreffend den Vorwurf der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindun...

	II.
	III.
	IV.
	V.
	1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Kostenauflage der Vorinstanz (Urk. 76 S. 25, Dispositiv Ziffer 6) zu bestätigen.
	2. In Anwendung von Art. 428 Abs. 1 StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14 der Gebührenverordnung des Obergerichts (LS 211.11) sind die Kosten des Berufungsverfahrens auf Fr. 2'000.- zu veranschlagen. Die Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren vollum...
	3. Prozessentschädigungen sind keine zu entrichten (Art. 429 StPO e  contrario).
	4.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der Beschuldigten sodann keine Genugtuung zuzusprechen (Art. 429 StPO e contrario StPO).

	Es wird beschlossen:
	1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 7. März 2011 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:

	"Es wird erkannt:
	1.. (…)
	2. Vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. a AuG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. a AuG und Art. 4 Abs. 2 der Verordnung über die Einreise und die Visumsert...
	3. (…)
	4. (…)
	5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
	6. (…)
	7. (Mitteilung)
	8. (Rechtsmittel)"
	2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

	Es wird erkannt:
	1. Die Beschuldigte A._____ ist schuldig
	 der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG sowie
	 der Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG) im Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. c AuG in Verbindung mit Art. 11 AuG.

	2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 45 Tagen Freiheitsstrafe, wovon alle Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind.
	3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
	4. Die erstinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer 6 des vorinstanzlichen Entscheids) wird bestätigt.
	5. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird auf Fr. 2'000.- festgesetzt.
	6. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden der Beschuldigten auferlegt.
	7. Es werden keine Prozessentschädigungen zugesprochen.
	8. Der Antrag auf Zusprechung einer Genugtuung wird abgewiesen.
	9. Schriftliche Mitteilung in vollständiger Ausfertigung an
	 die erbetene Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der  Beschuldigten,
	 die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,
	und nach Eintritt der Rechtskraft an
	 die Vorinstanz,
	 das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, Abt. Bewährungs- und Vollzugsdienst
	 das Migrationsamt des Kantons Zürich, Postfach, 8090 Zürich,
	 das Bundesamt für Migration, Quellenweg 6, 3003 Bern-Wabern,
	 die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A.

	10. Rechtsmittel:
	Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.
	Die Beschwerde ist innert 30 Tagen von der Zustellung der vollständigen, begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vorges...
	Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsgesetzes.