# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 16161333-bcaf-5edb-9f78-0f8bdde09170
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-04-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.04.2010 D-1952/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1952-2010_2010-04-09.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-1952/2010
law/mam/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  9 .  A p r i l  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Lang,
mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;
Gerichtsschreiber Martin Maeder.

A.__________, geboren (...), Sri Lanka,
vertreten durch lic. iur. Anita Biedermann,
Bündner Beratungsstelle für Asyl Suchende, 
(...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 24. Februar 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-1952/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer sich am 16. Mai 2000 (Eingangsstempel 
der Botschaft) als Insasse des Gefängnisses von B.__________ (Ort 
im (...), Anm. des Gerichts) mit einem schriftlichen Asylgesuch an die 
Schweizerische Botschaft in Colombo wandte,

dass er seine Gesuchsbegründung in zwei – vom 25. April  2001 und 
4. Juli 2001 datierenden – Schreiben ergänzte und mit einer umfang-
reichen  schriftlichen  Dokumentation  (Eingaben  vom  25.  April  2001, 
7. Juli 2001 und 17. September 2001) unterstützte,

dass er als Grund für sein Asylgesuch anführte, er entstamme einer 
tamilischen Familie, die als Folge der Kriegshandlungen zwischen den 
LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) und der srilankischen Armee 
ihr Hab und Gut verloren habe und aus ihrem Heimatort C._________ 
(D._________ Distrikt, Nordprovinz) vertrieben worden sei,

dass er zusätzlich geltend machte, er sei am 15. Oktober 1999 von der 
Armee festgenommen und  unter  dem Verdacht,  terroristische  Hand-
lungen  ausgeführt  oder  geplant  zu  haben,  in  verschiedenen  Camps 
und  Gefängnissen  in  Haft  gehalten  und  gefoltert  worden,  ehe  das 
Amtsgericht (Magistrate's Court)  in D._________ ihn am 14. Februar 
2001 freigesprochen habe und er noch am selben Tag freigekommen 
sei,

dass er in der Folge in D._________ kein sicheres Leben habe führen 
können, sei er doch am 20. Februar 2001 zu Hause von unbekannten 
Jugendlichen bedroht und später zweimal  von den Sicherheitskräften 
vorübergehend in Gewahrsam genommen worden,

dass das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF, seit 2005 Teil des 
BFM) mit Verfügung vom 23. Januar 2002 dem Beschwerdeführer die 
Bewilligung zur Einreise in die Schweiz verweigerte und dessen Asyl-
gesuch vom 16. Mai 2000 ablehnte,

dass es in der Entscheidbegründung ausführte, die Gefangenschaft im 
Zeitraum von Oktober 1999 bis Februar 2001 und die in deren Verlauf 
erlittenen Eingriffe in die körperliche Integrität seien im Hinblick auf die 
Erteilung  einer  Einreisebewilligung  nicht  beachtlich,  weil  der  Be-
schwerdeführer nach gerichtlichem Freispruch umgehend freigelassen 

Seite 2

D-1952/2010

worden sei und die für die Folgezeit geltend gemachten Übergriffe un-
bekannter Jugendlicher respektive lokal stationierter Sicherheitskräfte 
keine Grundlage bildeten, um seine Furcht vor künftiger Verfolgung als 
begründet erscheinen zu lassen,

dass die Verfügung des BFF vom 23. Januar 2002 unangefochten in 
Rechtskraft erwuchs,

dass der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben am 21. April 2008 
illegal in die Schweiz einreiste und hier am selben Tag erneut um Asyl 
nachsuchte,

dass das BFM am 13. Mai 2008 die Befragung zur Person sowie – in 
summarischer  Form – zu den Ausreisegründen durchführte und den 
Beschwerdeführer am 1. Juli  2008 einlässlich zu seinen Asylgründen 
anhörte,

dass der Beschwerdeführer dabei im Wesentlichen geltend machte, er 
könne in Sri Lanka nicht leben, weil er zugleich von den LTTE ("von 
der Bewegung"), der Armee und der Kriminalpolizei CID (Criminal In-
vestigation Department) gesucht werde,

dass er ergänzend ausführte, er sei an den beiden Tagen nach seiner 
Freilassung  am 14.  Februar  2001  noch  vorgeladen  und  geschlagen 
worden, habe dann jedoch nach den Waffenstillstandserklärungen von 
Ende  2001  unbehelligt  in  C._________  leben  können,  bis  ihn  ein 
Schreiben der LTTE erreicht  habe, in  dem er  für  den 28. November 
2005 nach E.________ bestellt worden sei,

dass er trotz Nichtbeachtung dieses Schreibens von den LTTE in Ruhe 
gelassen  worden sei,  gleichwohl  aber  von dieser  Seite  Vergeltungs-
handlungen  befürchte,  weil  er  in  seiner  Gefangenschaft  unter  Folter 
Häuser  von  ehemaligen  LTTE-Angehörigen  gezeigt  und  die  Namen 
von Frauen preisgegeben habe, die in der Vergangenheit den LTTE zu-
gedient hätten,

dass  im  August  2006  zwei  Unbekannte  auf  Motorrädern  an  seiner 
Wohnadresse in C._________ nach ihm gefragt hätten und später ein 
zweites Mal erschienen seien, um sich nach ihm zu erkundigen,

Seite 3

D-1952/2010

dass seine Mutter eine Menschenrechtsorganisation darüber informiert 
habe, dass Unbekannte vorbeigekommen seien und sich für ihn inte-
ressiert hätten,

dass dieselben Leute am 14. November 2006 seiner Mutter eine Pisto-
le in die Ohrmuschel gesteckt und seinen Bruder entführt hätten, wo-
rauf er sein Domizil  auf der Stelle verlassen und sich zusammen mit 
einem  tamilischen  Kollegen  in  den  Wäldern  von  E.________  und 
C._________ versteckt habe,

dass sich die Entführer in der Folge nicht mehr gemeldet hätten, hin-
gegen uniformierte Angehörige der srilankischen Armee mehrmals bei 
seiner Mutter erschienen seien und sie nach seinem Aufenthaltsort ge-
fragt hätten,

dass er nicht sagen könne, wann sich diese Besuche von Armeean-
gehörigen ereignet hätten,

dass sein Vater zusammen mit dem Bruder seines Kollegen die Aus-
reise vorbereitet habe,

dass er am 3. März 2008 über seine bevorstehende Ausreise informiert 
worden  sei,  die  folgende  Nacht  in  einem  Haus  in  der  Nähe  von 
D._________-Stadt  verbracht  habe und am nächsten  Tag mit  einem 
Bananentransport  nach Galle (Südprovinz) gebracht worden sei,  von 
wo aus er tags darauf  (5. März 2008) seinen Heimatstaat  per Schiff  
verlassen habe,

dass er zirka einen Monat vor der Abreise aus der Nordprovinz zum 
letzten Mal seine Eltern zu Hause in C._________ besucht habe,

dass der  Beschwerdeführer zum Beleg seiner  Vorbringen beim BFM 
diverse  Dokumente  betreffend  den  Lebensabschnitt  von  1999  bis 
2001, eine Bestätigung der "Human Rights Commission of Sri Lanka" 
vom 23. Juni 2008 (Kopie, in Singhalesisch verfasst), einen undatier-
ten Drohbrief  (in  Singhalesisch verfasst,  mit  unbeglaubigter Überset -
zung  ins  Englische)  sowie  eine  Bestätigung  eines  Spitals  in 
D._________  (General  Hospital  D._________)  vom 26. Januar  2010 
(Kopie) zu den Akten reichte,

dass  das  BFM mit  Verfügung  vom 24.  Februar  2010  –  eröffnet  am 
1. März  2010  –  feststellte,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flücht-

Seite 4

D-1952/2010

lingseigenschaft  nicht,  das  Asylgesuch  mit  dieser  Begründung  ab-
lehnte und die Wegweisung aus der Schweiz verfügte,

dass es mit gleichem Entscheid den Vollzug der Wegweisung als un-
zumutbar  beurteilte  und  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerde-
führers in der Schweiz anordnete,

dass  der  Beschwerdeführer  am 25.  März  2010  (Poststempel)  durch 
seine  Rechtsvertreterin  beim  Bundesverwaltungsgericht  eine  Be-
schwerde einreichen und beantragen liess, es sei die Verfügung des 
BFM vom 24. Februar  2010 aufzuheben und ihm Asyl  zu gewähren, 
eventualiter sei die Verfügung des BFM vom 24. Februar 2010 aufzu-
heben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen,

dass er daneben in prozessualer Hinsicht um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege und Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses ersuchen liess,

dass er zusammen mit der Rechtsmittelschrift unter anderem ein Ter-
minkärtchen betreffend eine für den 30. März 2010 vereinbarte Sitzung 
bei  einem Spezialarzt  FMH für  Psychiatrie  und  Psychotherapie  ein-
reichte,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesge-
setzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
[VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet (Art. 105 des Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]  i.V.m.  Art. 31-33  des  Ver-
waltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]; 
Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
[BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor dem BFM teilgenommen 
hat,  durch die Verfügung vom 24. Februar 2010 im Umfang der Dis-
positivziffern  1  -  3  besonders  berührt  ist  und  sich  insoweit  auf  ein 
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung  berufen  kann  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG und  Art.  48 

Seite 5

D-1952/2010

Abs. 1 VwVG), womit er im Rahmen dessen zur Einreichung einer Be-
schwerde legitimiert ist,

dass die Beschwerde von ihm innert der gesetzlichen Frist von 30 Ta-
gen in gültiger Form eingereicht wurde, weshalb auf diese einzutreten 
ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 
Art. 52 Abs. 1 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art.  106  Abs. 1 
AsylG),

dass über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art.  111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass die Schweiz Flüchtlingen unter Vorbehalt von Ausschlussgründen 
auf Gesuch hin Asyl gewährt (vgl. Art. 2 Abs. 1 und Art. 49 AsylG),

dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaub-
haft gemacht werden muss (Art. 7 Abs. 1 AsylG) und jenen Personen 
zukommt,  welche in  ihrem Heimatstaat  oder im Land, wo sie zuletzt 
wohnten, wegen ihrer  Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu 
einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer  politischen  An-
schauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete 
Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 
AsylG).

dass das BFM vorliegend zur Begründung der Nichtzuerkennung der 
Flüchtlingseigenschaft  ausführte,  die  im  Zusammenhang  mit  der  In-
haftierung  von 1999  bis  Februar  2001 geltend gemachten  Nachteile 
seien nicht als unmittelbarer Anlass für die Ausreise im März 2008 zu 
werten und demzufolge asylrechtlich unbeachtlich, und was die schrift-
liche Vorladung der LTTE im November 2005 sowie die Erkundigungs-
besuche  von  Unbekannten  beziehungsweise  Armeeangehörigen  an 

Seite 6

D-1952/2010

der Wohnadresse des Beschwerdeführers betreffe, so vermöchten die-
se  die  Wahrscheinlichkeit  einer  asylrelevanten  Bedrohung  nicht  hin-
länglich zu begründen,

dass  es  als  zusätzliches  Argument  anführte,  der  Beschwerdeführer 
könne sich den von ihm geschilderten Nachteilen, weil er diese aus-
schliesslich  aus  lokal  oder  regional  beschränkten  Verfolgungsmass-
nahmen herleite, gestützt auf die ihm zustehende Niederlassungsfrei -
heit  durch  eine  Wohnsitzverlegung  in  einen  anderen  Landesteil  wie 
namentlich den Raum Colombo oder in den Süden des Landes ent-
ziehen, weshalb er auf eine Schutzgewährung durch die Schweiz nicht 
angewiesen sei,

dass das BFM  – wie eine Prüfung der Protokolle und übrigen Akten 
zeigt – zu Recht zum Schluss gelangt ist, die Furcht des Beschwerde-
führers, durch Exponenten der LTTE, der Kriminalpolizei oder der Ar-
mee in einer unter dem Blickwinkel von Art. 3 AsylG relevanten Weise 
belangt zu werden, sei nicht objektiv begründet,

dass aus heutiger  Optik  die LTTE als Urheber einer  gegen den Be-
schwerdeführer  gerichteten  Verfolgung  nicht  (mehr)  in  Betracht  fällt, 
nachdem der  srilankische Präsident  Mahinda Rajapaksa am 16. Mai 
2009 die LTTE für besiegt und das Ende des Bürgerkriegs erklärt hat, 
in dessen Schlussphase nahezu die gesamte Führung der LTTE ein-
schliesslich  des obersten  Kommandanten Velupillai  Prabhakaran ge-
tötet wurde, worauf die LTTE auf ihrer Website erklärte, die Waffen ru-
hen zu lassen, um die Zivilbevölkerung nicht weiter zu gefährden,

dass unter diesen Umständen offen bleiben kann, welche Bewandtnis 
es mit dem vom BFM herausgegriffenen Widerspruch in den das Ver-
hältnis  zu  den  LTTE betreffenden  Angaben  des  Beschwerdeführers 
und denjenigen seines  Strafverteidigers  am Gericht  in  D._________ 
hat (vgl. Verfügung des BFM vom 24. Februar 2010, Ziff. I 4. S. 4),

dass es mit Bezug auf die Gefahr einer Zufügung ernsthafter Nachteile 
durch  Angehörige  der  Armee oder  des  CID  beziehungsweise  durch 
unbekannte  Kollaborateure  gleichermassen  an  einer  graduell  hohen 
und  zeitlich  eingrenzbaren  Eintrittswahrscheinlichkeit  nach  dem  von 
der Praxis entwickelten Verständnis der begründeten Furcht im Sinne 
von  Art. 3  Abs. 1  AsylG  fehlt  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen 
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 7 
S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9),

Seite 7

D-1952/2010

dass der Beschwerdeführer sich selber unschlüssig zeigte in der Fra-
ge, welchen Kreisen die unbekannten Besucher im Jahr 2006 zuzuord-
nen sind (vgl. act. B1/12 S. 7),

dass  er  keine  nachvollziehbare  Erklärung  anzugeben  vermochte  für 
seine Vermutung, wonach es sich um Vertreter des CID gehandelt ha-
ben könne,

dass er ebenso wenig verständlich machte, inwiefern die angebliche 
Entführung  seines  jüngeren  Bruders  am  14.  November  2006  sich 
durch Umstände kennzeichnete, aus denen Rückschlüsse auf eine Ge-
fährdung seiner Person gewonnen werden könnten,

dass er generell nicht in der Lage war, klar zu benennen, wer ihn zu 
welchem Zeitpunkt unter welchen Umständen gesucht hat,

dass  es  ihm infolgedessen  nicht  gelingt  aufzuzeigen,  welche  Ereig-
nisse ausschlaggebend dafür  waren,  dass er  ausgerechnet  im März 
2008 und nicht schon früher zur Einsicht gelangte, in seinem Heimat -
land kein sicheres Leben führen zu können,

dass er es signifikanterweise unterliess, sich auch nur einigermassen 
darauf  festzulegen,  wann  es  zu  den  –  angeblich  häufigen  (vgl. 
act. B12/19 S. 10) – Suchaktionen durch uniformierte Armeeangehö-
rige an seiner früheren Wohnadresse in C._________ gekommen ist,

dass  er  es  auf  die  Frage  hin,  wie  die  Armeeangehörigen  dabei  mit 
seinen Eltern umgegangen seien, bei der lakonischen Bemerkung be-
liess, sie hätten mit ihnen "forsch gesprochen" (vgl. act. B12/19 S. 11),

dass dieses Unvermögen umso unverständlicher  anmutet  angesichts 
seiner Aussage, wonach sein Vater in die Ausreisevorbereitungen in-
volviert gewesen sei (vgl. act. B1/12 S. 8), er seinen Eltern noch einen 
Monat  vor  der  Abreise  aus  C._________  einen  Besuch  abgestattet 
habe (vgl. act. B1/12 S. 7) und er seit seiner Einreise in die Schweiz in 
Kontakt zu seiner Familie gestanden sei (vgl. act. B12/19 S. 4),

dass die Darstellung in der Beschwerde, wonach der Beschwerdefüh-
rer wegen seines Aufenthalts in den Wäldern die Anzahl und Umstän-
de der Nachforschungen nicht habe nennen können und ansonsten in 
der Anhörung vom 1. Juli 2008 die Ereignisse detailliert geschildert ha-
be, in den Akten keine Bestätigung findet,

Seite 8

D-1952/2010

dass der Beschwerdeführer in den Befragungen zu keinem Zeitpunkt 
den Eindruck vermittelte, er sei wegen kognitiver Schwierigkeiten wie 
beispielsweise  eines  neurotisch  veränderten  Erinnerungsvermögens 
als  Folge  der  geltend  gemachten  posttraumatischen  Belastungsstö-
rung (PTBS) nur beschränkt  in  der Lage, die Ereignisse in  den Wo-
chen und Monaten vor der Ausreise zeitlich zu strukturieren und mit 
einem normalen Mass an Genauigkeit kalendarisch einzuordnen,

dass er etwa im Gegenzug keine Mühe bekundete exakt anzugeben, 
wann er  sich  gemäss dem angeblichen Schreiben der  LTTE im No-
vember 2005 hätte in E.________ einfinden sollen, und an welchem 
Tag sein jüngerer Bruder Opfer einer Entführung wurde,

dass  es  unter  diesen  Umständen  auch  in  Berücksichtigung  der  er -
lebten Gefangenschaft  in der Periode von Oktober 1999 bis Februar 
2001 nicht nachvollziehbar ist, wenn der Beschwerdeführer im Moment 
der  Ausreise  (angeblich)  ein  Gefühl  der  Furcht  empfand  und  heute 
weiterhin empfindet, in seinem Heimatstaat in einer flüchtlingsrechtlich 
relevanten Weise benachteiligt zu werden (subjektive Komponente der 
begründeten Furcht bei Opfern von Verfolgungshandlungen in der Ver-
gangenheit,  vgl.  Handbuch  zum  Asyl-  und  Wegweisungsverfahren, 
Schweizerische  Flüchtlingshilfe  SFH  [Hrsg.],  Bern/Stuttgart/Wien 
2009, S. 188; EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9),

dass es erst  recht  an konkreten und tatsächlichen Umständen fehlt, 
welche  die  vom Beschwerdeführer  geäusserte  Verfolgungsfurcht  ob-
jektiv begründet erscheinen lassen könnten (objektive Komponente der 
begründeten Furcht vor Verfolgung),

dass der im erstinstanzlichen Verfahren eingereichte "Drohbrief" nichts 
an dieser Einschätzung ändert, zumal weder im Begleitschreiben vom 
28. Januar 2010 an das BFM (act. B14) noch in der Beschwerde näher 
beleuchtet  wird,  wem  genau  der  "Drohbrief"  auf  welche  Weise  zu-
gegangen ist,  und welche konkreten Schlüsse der Beschwerdeführer 
selber aus dem Schriftstück zieht,

dass dem Beschwerdeführer vom BFM im Rahmen der beiden Befra-
gungen alle Voraussetzungen geboten wurden, um die Gründe zu er -
läutern, aus denen er seines Erachtens die Lebenssicherheit im Hei-
matstaat als nicht mehr gewährleistet erachtet und des Schutzes durch 
die Schweiz bedarf,

Seite 9

D-1952/2010

dass  durch  den  Verlauf  der  Anhörung  vom 1. Juli  2008  das  Unver-
mögen  des  Beschwerdeführers,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  be-
weisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  offenkundig  wurde,  weshalb  das 
BFM das Asylgesuch unter Verzicht aus weitere Abklärungen ablehnen 
durfte (vgl. Art. 40 Abs. 1 AsylG, BVGE 2007/8 E. 5.6.4 S. 90) und sich 
die  Rüge  der  unvollständigen  Feststellung  des  rechtserheblichen 
Sachverhalts (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG, Beschwerdeschrift S. 2 
oben) insoweit als unbegründet erweist,

dass das Bundesamt – unter Berücksichtigung des Grundsatzes der 
Einheit  der Familie – in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz 
verfügt  und den  Vollzug  anordnet,  wenn es  das Asylgesuch ablehnt 
oder darauf nicht eintritt (Art. 44 Abs. 1 AsylG),

dass  es  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 
AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 
über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20])  regelt, 
wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich ist,

dass die vorliegend vom BFM verfügte Wegweisung im Einklang mit 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht,  weil  der  Beschwerdeführer 
nicht im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung ist (Art. 32 Bst. a der Asyl-
verordnung 1 vom 11. August  1999  [AsylV 1,  SR 142.311])  und sich 
auch nicht auf  einen Anspruch auf  Erteilung einer Aufenthaltsbewilli-
gung berufen kann (vgl. EMARK 2001 Nr. 21),

dass das BFM in der Verfügung vom 24. Februar 2010 den Vollzug der 
Wegweisung unter Hinweis auf die prekäre Sicherheitslage in der Her-
kunftsregion des Beschwerdeführers (Nordprovinz) und das Fehlen ei-
nes sozialen Beziehungsnetzes sowie einer realistischen Aussicht auf 
eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation in Colombo und im 
übrigen südlichen Landesteil  als unzumutbar erachtete und stattdes-
sen die vorläufige Aufnahme in der Schweiz anordnete (Ziffern 4 - 7 
des Verfügungsdispositivs),

dass gegen die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme die Beschwerde 
an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen  stünde  (vgl.  Art. 112  Abs. 1 
AuG i.V.m. Art. 31 ff. VGG),  wobei  der  Wegweisungsvollzug vor dem 
Hintergrund  sämtlicher  Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  nach 

Seite 10

D-1952/2010

Massgabe der in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse zu prü-
fen wäre (vgl. EMARK 1997 Nr. 27 E. 4f S. 211),

dass  die  vorläufige  Aufnahme des  Beschwerdeführers  nicht  Gegen-
stand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet,

dass es sich nach dem Erwogenen erübrigt, auf die weiteren Begrün-
dungselemente in der Beschwerde und die eingereichten Beweismittel 
näher einzugehen, da diese nicht geeignet sind, die angefochtene Ver-
fügung als fehlerhaft im Sinne von Art. 106 Abs. 1 AsylG erscheinen 
zu lassen,

dass die Beschwerde nach dem Gesagten vollumfänglich abzuweisen 
ist,

dass aus den dargelegten Gründen den im vorliegenden Verfahren ge-
stellten  Rechtsbegehren  keine  ernsthaften  Erfolgsaussichten  be-
schieden waren, weshalb das gleichzeitig eingereichte Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art.  65 Abs. 1 
VwVG unabhängig von der Frage der prozessualen Bedürftigkeit abzu-
weisen ist,

dass sich mit der nachfolgenden Auferlegung und Bezifferung der Ver-
fahrenskosten im vorliegenden Endurteil die Frage einer Bevorschus-
sung nicht mehr stellt, weshalb das Gesuch um Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses als gegenstandslos zu betrachten ist,

dass bei  diesem Ausgang des Verfahrens die gesamten Kosten von 
Fr. 600.-- (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 1, 2 und 3 Bst. a des 
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor  dem Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem 
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

D-1952/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30 Tagen  ab  Versand  des  Urteils 
zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers  (Einschreiben;  Bei-
lage: Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- das Amt für Polizeiwesen und Zivilrecht des Kantons Graubünden 
(in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Martin Maeder

Versand: 

Seite 12