# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b4a4870c-f4ac-51eb-bf65-d48395f9c926
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-04-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.04.2015 D-4559/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4559-2014_2015-04-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-4559/2014 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  A p r i l  2 0 1 4  

Besetzung 
 Richter Robert Galliker (Vorsitz), 

Richter Thomas Wespi, Richter Gérard Scherrer, 

Gerichtsschreiberin Sandra Bienek. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…), 

und deren Sohn 

B._______, geboren (…), 

beide Eritrea, 

beide vertreten durch Christian Hoffs,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, 

(…),  

Beschwerdeführende, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM;  

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  

Verfügung des BFM vom 11. Juli 2014 / N (…). 

 

D-4559/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin, aus Asmara stammend, tigrinischer Ethnie und 

orthodoxen Glaubens, liess für sich und ihren Sohn durch die rubrizierte 

Rechtsvertretung mit Schreiben vom 27. März 2012 um eine Einreisebe-

willigung zwecks Durchführung eines Asylverfahrens und um Anerkennung 

der Flüchtlingseigenschaft ersuchen. Mit Eingabe vom 25. Mai 2012 liess 

sie ein Taufzertifikat den Sohn betreffend und mit Schreiben vom 28. Mai 

2013 eine weitere Beschreibung ihrer Fluchtgründe einreichen (Original mit 

Übersetzung in Englisch). Mit Schreiben vom 13. Juni 2013 teilte das BFM 

mit, dass im Auslandverfahren die asylsuchende Person in der Regel durch 

eine schweizerische Vertretung vor Ort zu befragen sei, dass die Vertre-

tung in Khartum jedoch aufgrund des begrenzten Personalbestandes so-

wie fehlender Voraussetzungen im sicherheitstechnischen und räumlichen 

Bereich nicht in der Lage sei, Befragungen von Asylsuchenden durchzu-

führen, und forderte die Beschwerdeführerin unter Ansetzung einer Frist 

auf, einen Fragekatalog zu beantworten. Das entsprechende Antwort-

schreiben (Original mit Übersetzung in Deutsch) datiert vom 19. Juli 2013. 

Mit Eingabe vom 8. Mai 2014 wurde das BFM gebeten, das Verfahren zum 

Abschluss zu bringen. Mit Schreiben vom 20. Mai 2014 zeigte das BFM an, 

dass eine Durchsicht der Akten ergeben habe, dass keine Vollmacht der 

Beschwerdeführerin im Original vorliege und eine solche bis spätestens 

20. Juni 2014 nachzureichen sei. Die Vollmacht ging am 16. Juni 2014 bei 

der Vorinstanz ein. 

B.  

Mit Verfügung vom 11. Juli 2014, eröffnet am 16. Juli 2014, lehnte das BFM 

die Asylgesuche der Beschwerdeführerin und ihres Sohnes (auf der Grund-

lage von aArt. 52 Abs. 2 AsylG [SR 142.31]) ab und bewilligte die Einreise 

in die Schweiz nicht. 

C.  

Mit Eingabe vom 15. August 2014 liess die Beschwerdeführerin beim Bun-

desverwaltungsgericht gegen die vorinstanzliche Verfügung Beschwerde 

einreichen. In materieller Hinsicht wurde beantragt, die Verfügung des BFM 

vom 11. Juli 2014 sei aufzuheben, es sei der Beschwerdeführerin zwecks 

Durchführung eines ordentlichen Asylverfahrens die Einreisebewilligung in 

die Schweiz zu erteilen, eventualiter sei die Sache zur erneuten Entschei-

dung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In formeller Hinsicht wurde be-

gehrt, es sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, insbesondere 

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Seite 3 

sei von der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen und es sei der 

Beschwerdeführerin gemäss Art. 110a AsylG ein amtlicher Rechtsbeistand 

zu bestellen. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 27. August 2014 hiess der damalige Instrukti-

onsrichter das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut, erhob kei-

nen Kostenvorschuss und lehnte das Gesuch um unentgeltliche Rechts-

verbeiständung ab. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM (neu: SEM) 

gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 

des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Aus-

nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs-

gericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei 

Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die be-

schwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 

Ziff. 1 BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG 

liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entschei-

det. 

1.2 Das vorliegende Urteil ergeht gestützt auf die Übergangsbestimmung 

zur Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (in Kraft getreten 

am 29. September 2012; AS 2012 5359), wonach für Asylgesuche, die im 

Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 2012 ge-

stellt worden sind, die Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG in der 

bisherigen Fassung Geltung haben. Nachfolgend wird deshalb auf die ge-

nannten Normen des AsylG und die entsprechenden Ausführungsbestim-

mungen in dieser bisherigen Fassung verwiesen. 

1.3 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-

nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 105 

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AsylG; Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde ist somit frist- und formge-

recht eingereicht (vgl. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

1.4 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf einen Schrif-

tenwechsel verzichtet. 

1.5 Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliess-

lich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige 

und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge-

rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Zur Frage der Auswirkung der Strei-

chung von Art. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG (Beschwerdegrund der Unange-

messenheit) auf das Beschwerdeverfahren in Ausland-Asylverfahren wird 

auf das Urteil D-103/2014 vom 21. Januar 2015 E. 4 ff. (zur Publikation 

vorgesehen) verwiesen. 

2.  

2.1 Ein Asylgesuch kann gemäss aArt. 19 Abs. 1 AsylG im Ausland bei ei-

ner schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es mit einem Bericht 

an das BFM überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Die Vertretung führt mit der 

asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durch (aArt. 10 Abs. 1 

der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen 

[AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsuchende 

Person aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (aArt. 10 

Abs. 2 AsylV 1). 

2.2 Der Umstand, dass das vorliegende Asylgesuch nicht bei einer schwei-

zerischen Vertretung, sondern direkt beim BFM eingereicht wurde, ist nicht 

massgeblich (vgl. BVGE 2011/39 E. 3). 

2.3 Vor dem Hintergrund der massgeblichen Praxis zur Behandlung von 

Asylgesuchen aus dem Ausland sowie unter Berücksichtigung der gesam-

ten Aktenlage ist festzuhalten, dass in der vorliegenden Sache auf eine 

Befragung der Beschwerdeführerin verzichtet werden durfte und mit der 

Einladung zur Beantwortung des Fragekatalogs den massgeblichen ver-

fahrensrechtlichen Anforderungen Genüge getan wurde (vgl. dazu BVGE 

2007/30).  

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigen-schaft 

nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). 

3.2 Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn 

es der asylsuchende Person zugemutet werden kann, sich in einem ande-

ren Staat um Aufnahme zu bemühen (aArt. 52 Abs. 2 AsylG). Hält sie sich 

in einem Drittstaat auf, wird dies vermutet. In jedem Fall sind aber die Kri-

terien zu prüfen, welche die Zufluchtnahme in diesem Drittstaat als zumut-

bar erscheinen lassen, und mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur 

Schweiz abzuwägen. Es gilt also die Frage zu beantworten, ob es aufgrund 

der gesamten Umstände geboten erscheint, dass es gerade die Schweiz 

ist, die den erforderlichen Schutz einer Person gewähren soll (vgl. BVGE 

2011/10 E. 5.1, m.w.H.).  

3.3 Nach aArt. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das Bundesamt einer asylsuchen-

den Person die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des Sachverhaltes, 

wenn ihr nicht zugemutet werden kann, im Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat 

zu bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. 

4.  

4.1 Die Beschwerdeführerin stützte ihr Gesuch in der Hauptsache auf fol-

gende Gründe: 

Ihr Ehemann sei Mitglied des Nationaldienstes gewesen und aus Eritrea 

geflohen. Darauf hätten ihr die "administrativen Beamten" befohlen, 

50'000 Nakfa als Strafe zu zahlen, ihr ihren Gewerbeschein weggenom-

men und sie ins Gefängnis gebracht. Aus dem Gefängnis habe man sie 

nur entlassen, weil jemand für sie gebürgt habe. Nach ihrer Entlassung 

hätten die Beamten ihr wiederholt befohlen zu zahlen. Da sie nicht im 

Stande gewesen sei, den Betrag aufzubringen, habe sie keine andere Al-

ternative gehabt, als aus Eritrea zu fliehen. Weil die Reise in den Sudan 

sehr riskant sei, habe sie ihren Sohn bei ihren Schwiegereltern zurückge-

lassen. Sie sei am 20. September 2011 mit Hilfe eines Schmugglers (ille-

gal) geflüchtet und am selben Tag im Flüchtlingslager Shegarab angekom-

men, wo sie nach zehn Tagen ihre Schwägerin Y. B. getroffen habe. 

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Als sie und ihre Schwägerin Y. B. einmal gemeinsam einkaufen gewesen 

seien, seien sie plötzlich vom Rashaida-Stamm entführt und am 5. Oktober 

2011 in den Norden Sudans nach Dengula gebracht worden. Wie die Über-

gabe an die eritreischen Behörden durch die Rashaida vonstattengegan-

gen sei, wisse sie nicht genau. Am 18. Oktober 2011 seien sie mit 300 Erit-

reern aus Dengula nach Eritrea deportiert und in das Gefängnis Wia trans-

portiert worden. Dort seien sie dem Frauengefängnis zugeteilt worden. Mit 

Hilfe eines Soldaten beziehungsweise Gefängniswärters sei ihnen am 

2. Dezember 2012 die Flucht gelungen. Über Agetay und Karora seien sie 

am selben Tag nach vielen Schwierigkeiten in Port Sudan angekommen.  

Sie habe das UNHCR über die Entführung und Deportation mündlich infor-

miert, wobei dieses bereits Kenntnis davon gehabt habe. Im Flüchtlingsla-

ger Shegarab seien die Lebensumstände sehr schlecht gewesen. Der 

Mangel an medizinischer Versorgung, Essen sowie sauberem Wasser sei 

gross gewesen und es seien vermehrt sexuelle Übergriffe an Frauen verübt 

worden. Als der Besuch eines Vertreters des UNHCR angekündigt worden 

sei, hätten die Flüchtlinge diesen über ihre Situation zu informieren ver-

sucht, seien jedoch vom Kommandanten des Lagers und von Sicherheits-

kräften zurückgedrängt worden. Eines Tages, als sie mit ihrer Schwägerin 

Y. B. in der Nähe ihres Hauses, etwa in der Entfernung von 200 Metern, 

frische Luft habe schnappen wollen, seien ihnen plötzlich Rashaida-Leute 

entgegen gekommen und hätten versucht, sie einzufangen.  

Gegenwärtig lebe sie mit ihrer Schwägerin Y. B. in Khartum. Der Grund, 

weshalb sie nicht im Sudan leben könne, sei, dass man sie aufgrund ihrer 

ethnischen Herkunft und Religion diskriminiere und schlecht behandle. 

Zwei ihrer Schwägerinnen würden in der Schweiz leben. Von einer, der 

Schwägerin G. B., bekomme sie manchmal finanzielle Hilfe. 

4.2 Die vorinstanzliche Verfügung wurde im Wesentlichen wie folgt begrün-

det: 

Ihr Sohn lebe bei seinen Grosseltern väterlicherseits an ihrer ehemaligen 

Wohnadresse in Eritrea. Ihren Eingaben seien keine Hinweise dafür zu ent-

nehmen, dass ihr Sohn dort einer asylrechtlichen Verfolgung nach Art. 3 

AsylG ausgesetzt sei. Es sei folglich nicht davon auszugehen, dass er dort 

einer existenzgefährdenden Situation ausgesetzt sei beziehungsweise in 

eine solche geraten könnte. 

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In Anbetracht ihrer Ausführungen im Auslandgesuch vom 27. März 2012 

sowie in der Stellungnahme vom 19. Juli 2013 könne nicht ausgeschlossen 

werden, dass sie zum Zeitpunkt ihrer Ausreise – aufgrund der Desertion 

ihres Ehemannes aus dem Nationaldienst – ernstzunehmende Schwierig-

keiten mit den heimatlichen Behörden gehabt habe. Doch seien ihre Aus-

führungen zu ihren Asylgründen, insbesondere in Bezug auf die genannten 

reflexbedingten Massnahmen der eritreischen Behörden (Gefängnis, Geld-

forderungen etc.) sehr vage, ungenau und unsubstanziiert geblieben. Es 

sei daher zu prüfen, ob einer allfälligen Asylgewährung durch die Schweiz 

der Asylausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG entgegenstehe. Laut 

Berichten des UNHCR befänden sich zahlreiche eritreische Flüchtlinge 

und Asylbewerber im Sudan. Vor diesem Hintergrund sei nicht zu verken-

nen, dass die Lage vor Ort für Menschen, wie auch für sie, nicht einfach 

sei. Dennoch bestünden keine konkreten Anhaltspunkte zur Annahme, 

dass ein weiterer Verbleib im Sudan für sie nicht zumutbar oder möglich 

wäre. Dazu sei zu erwähnen, dass Flüchtlinge im Sudan, die vom UNHCR 

registriert worden seien, einem Flüchtlingslager zugeteilt würden, wo sie 

sich aufzuhalten hätten und die nötige Versorgung erhalten würden. Sie 

würde nicht über ein freies Aufenthaltsrecht für das ganze Land verfügen. 

Es sei ihr daher zuzumuten, sich beim UNHCR zu melden, sollte ihre Situ-

ation tatsächlich kritisch sein. 

Sie habe geltend gemacht, zusammen mit ihrer Schwägerin Y. B. nach ei-

ner Entführung durch die Rashaida an die eritreischen Behörden überge-

ben, nach Eritrea deportiert und dort in Wia in Haft genommen worden zu 

sein. Sie habe es jedoch unterlassen, detaillierte Angaben zu diesem Vor-

bringen zu machen. So habe sie weder ausgeführt, wie ihre und die Über-

gabe weiterer 300 Flüchtlinge an die eritreischen Behörden vonstattenge-

gangen sei, noch angegeben, wie, wann, und unter welchen Umständen 

sie nach Eritrea zurückgebracht worden sei. Auch der geltend gemachte 

Gefängnisaufenthalt erscheine in diesem Zusammenhang und mangels 

genauerer Angaben (Haftdauer und -umstände) zweifelhaft. Ihre Befürch-

tung, nach Eritrea zurückgeschafft zu werden, sei folglich als unbegründet 

zu erachten. Gemäss gesicherten Erkenntnissen sei das Risiko einer De-

portation oder Verschleppung für Eritreer, die im Sudan vom UNHCR als 

Flüchtlinge anerkannt worden seien, gering. Das UNHCR registriere vor 

Ort sämtliche Eritreer, die sich in einem Flüchtlingslager melden würden, 

unabhängig davon, weshalb sie Eritrea verlassen hätten. Es gebe vorlie-

gend auch keine Anhaltspunkte dafür, dass ihr eine Rückführung nach Erit-

rea drohen könnte. So verfüge sie nicht über ein geeignetes Risikoprofil, 

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Seite 8 

das eine Befürchtung vor einer Verschleppung nach Eritrea objektiv be-

gründen könnte. Sie habe auch nicht glaubhaft darlegen können, persön-

lich, faktisch und unmittelbar bedroht zu sein und unter Verletzung des 

Non-Refoulement-Prinzips nach Eritrea zurückgeschafft zu werden. Da sie 

zudem den Flüchtlingsstatus durch das UNHCR erhalten habe, habe sie 

jederzeit die Möglichkeit, sich bei einer Vertretung des UNHCR im Sudan 

zu melden. Diesbezüglich werde festgehalten, dass das UNHCR den Su-

dan, der das Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(SR 0.142.30) unterzeichnet habe, an seine internationale Verpflichtung er-

innert habe. 

Das Leben in Khartum sei für eritreische Flüchtlinge gewiss nicht einfach. 

Aus ihren Angaben gehe hervor, dass sie sich nun seit mehr als zwei Jah-

ren in Khartum aufhalte und mit ihrer Schwägerin Y. B. – die von ihrer in 

der Schweiz lebenden Schwester teilweise finanziell unterstützt werde – 

zusammenlebe. Die Hürde für eine zumutbare Existenz in Khartum sei in 

ihrem Fall nicht unüberwindbar, auch wenn sie sich mit einer schwierigen 

sozialen und ökonomischen Lebenslage konfrontiert sehe. Überdies lebe 

im Sudan eine grosse eritreische Diaspora, die für in Not geratene Lands-

leute bereitstehe und weitgehend Unterstützung biete. 

Bei der Anwendung von aArt. 52 Abs. 2 AsylG seien zudem in einer Ge-

samtschau die Beziehungsnähe zur Schweiz und die Beziehungsnähe zu 

anderen Staaten zu prüfen. Gemäss den Akten lebe die Schwester der 

Schwägerin (G. B.) in der Schweiz. Obwohl sie dadurch über einen An-

knüpfungspunkt zur Schweiz verfüge, sei dieser nicht derart gewichtig, 

dass eine Abwägung der Gesamtumstände im Sinne von aArt. 52 Abs. 2 

AsylG dazu führe, dass es gerade die Schweiz sein müsse, die den erfor-

derlichen Schutz gewähren solle. Aufgrund dessen sei keine besondere 

Beziehungsnähe zur Schweiz gegeben, welche die vorangegangene Fest-

stellung (betreffend die Zumutbarkeit des Aufenthalts) umzustossen ver-

möge. Es sei ihnen daher zuzumuten, vorderhand im Sudan (Beschwerde-

führerin) beziehungsweise in Eritrea (Sohn) zu verbleiben. 

4.3 Auf Beschwerdeebene macht die Beschwerdeführerin in der Hauptsa-

che das Folgende geltend:  

Das BFM räume zwar ein, dass die Lage für Flüchtlinge im Sudan nicht 

einfach sei. Es verkenne jedoch die Ernsthaftigkeit der Lage und die äus-

serst schwierige, lebensbedrohliche Situation eritreischer Flüchtlinge in 

diesem Land. Die Geschehnisse in der letzten Zeit hätten gezeigt, dass die 

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sudanesische Regierung Flüchtlingen keinen Schutz vor Zwangsrückfüh-

rung in die Herkunftsländer biete. Dies sei auch durch das Bundesverwal-

tungsgericht im Urteil E-4417/2011 vom 9. Februar 2012 bestätigt worden.  

Flüchtlinge dürften sich im Sudan nicht frei bewegen. Beim Verlassen des 

ihnen zugewiesenen Aufenthaltsorts drohe ihnen eine Gefängnisstrafe von 

einem Jahr. Die Beschwerdeführerin verfüge deshalb in Khartum, wo sie 

sich zurzeit aufhalte, sowie in anderen Teilen des Sudans nicht über eine 

sichere, zumutbare Aufenthaltsalternative. Ferner gehe das BFM in der an-

gefochtenen Verfügung nur am Rande auf die geltend gemachte Diskrimi-

nierung aufgrund ihrer Herkunft und Religion ein. Da sie orthodoxen Glau-

bens sei, sei davon auszugehen, dass sie in Khartum tatsächlich unter Dis-

kriminierung durch staatliche Institutionen sowie auch durch die Gesell-

schaft stark leide. Zudem gelte es, ihre Traumatisierung in die Gesamtwür-

digung einzubeziehen.  

Auch könne ihr das UNHCR den nötigen Schutz nicht erbringen. Die Situ-

ation in den Flüchtlingslagern sei für sie aus den folgenden Gründen nicht 

zumutbar: Erstens würden verschiedene Quellen über Entführungen von 

Eritreern aus Flüchtlingslagern durch organisierte, kriminelle Netzwerke 

berichten. Zweitens mache sie eine bereits erlebte Entführung durch die 

Rashaida-Beduinen geltend. Vor dem Hintergrund der periodisch stattfin-

denden Entführungen und Deportationen sei nicht nachvollziehbar, wes-

halb das BFM die geltend gemachte Entführung und Deportation nach Erit-

rea als zweifelhaft bezeichnet habe. Die Deportation sei aber, insbeson-

dere durch die genauen Angaben zur Route sowie durch die entsprechen-

den Datumsangaben, glaubhaft dargelegt. Angesichts der bereits erlebten 

Entführung sei es der Beschwerdeführerin umso weniger zuzumuten, in ein 

Flüchtlingslager zurückzukehren. 

Das BFM halte fest, dass sie von der in der Schweiz lebenden Schwester 

der Schwägerin (der Schwägerin G. B.) finanziell unterstützt werde. Diese 

Beiträge würden sie aber nur in unregelmässigen Abständen erreichen. Zu-

dem werde sich die Schwägerin G. B. bald gezwungen sehen, die Zahlun-

gen einzustellen, da ihr Mann allein in der Schweiz für sechs Familienmit-

glieder aufkommen und dafür Sorge tragen müsse, dass er nicht selber in 

grössere Schwierigkeiten gerate. 

Vor der Flucht habe sie bei ihren heute in der Schweiz lebenden Schwes-

tern ihres Ehemannes gewohnt und mit diesen den Haushalt geteilt. 

Dadurch habe sie eine enge Beziehung und grosses Vertrauen zu diesen 

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aufgebaut. Aufgrund ihrer Traumatisierung sei sie dringend auf moralische 

Unterstützung durch diese Familienmitglieder angewiesen. Angesichts der 

Abwägung mit der klar vorhandenen Beziehungsnähe zur Schweiz dränge 

sich eine Ermessenspflicht zur Erteilung einer Einreisebewilligung gera-

dezu auf. Die Rechtsprechung (Urteile des BVGer E-4417/2011 vom 

9. Februar 2012, E-3710/2013 vom 6. November 2013 sowie E-3339/2013 

vom 17. Januar 2014) teile in ähnlich gelagerten Fällen diese Meinung.  

In der Beschwerde wird zudem auf mehrere Berichte des UNHCR, der Hu-

man Rights Watch, der SFH, des UK Foreign and Commonwealth Office 

sowie des US Departement of State Bezug genommen. 

5.  

5.1 Der zutreffenden vorinstanzlichen Erwägung, es sei nicht davon aus-

zugehen, dass der Sohn der Beschwerdeführerin in Eritrea einer existenz-

gefährdenden Situation ausgesetzt sei beziehungsweise in eine solche ge-

raten könnte, wird auf Beschwerdeebene nichts Stichhaltiges entgegenge-

halten. Es erübrigen sich deshalb diesbezüglich weitere Erörterungen. 

5.2 Nach Prüfung der Akten stellt das Gericht fest, dass die Beschwerde-

führerin die Erwägungen der vorinstanzlichen Verfügung in Bezug auf 

aArt. 52 Abs. 2 AsylG nicht zu entkräften vermag. Das Gericht verkennt 

nicht, dass die Lebensumstände in einem sudanesischen Flüchtlingslager 

für alleinstehende Frauen nicht einfach sind. Doch ist zumindest eine mini-

male Grundversorgung gewährleistet. Nach geltender Praxis des Bundes-

verwaltungsgerichts ist in der Regel auch alleinstehenden Frauen zuzumu-

ten, in einem Flüchtlingslager im Sudan Schutz zu suchen (vgl. Urteil des 

BVGer E-5424/2014 vom 13. November 2014 E. 5.2). Zudem sind keine 

individuellen Gründe ersichtlich, aufgrund derer es der Beschwerdeführerin 

nicht zuzumuten wäre, diesen Schutz in Anspruch zu nehmen. Die geltend 

gemachte Entführung im Oktober 2011 aus dem Flüchtlingslager Shegarab 

durch die Rashaida und die anschliessende Deportation nach Eritrea ver-

mochte sie nicht glaubhaft darzulegen. Wie die Vorinstanz zu Recht fest-

hielt, sind ihre Schilderungen dazu zu wenig detailliert und ungenau. Das 

Erzählte hinterlässt den Eindruck, sie habe die Entführung nicht selbst er-

lebt. Dies zeigt sich etwa darin, dass sie die Haftbedingungen in Wia nicht 

substanziiert zu beschreiben vermochte und geltend machte, es sei 

schwierig zu erklären, mit welchen Leiden sie im Gefängnis konfrontiert 

gewesen seien (vgl. A9/11 Antwort C 15). Gleichsam fehlt es der Schilde-

rung bezüglich des Vorfalls, bei welchem sie und ihre Schwägerin Y. B. im 

Flüchtlingslager Shegarab von Rashaida-Leuten überrascht worden seien, 

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Seite 11 

an Detailreichtum. Es wäre zu erwarten gewesen, dass sie Weiteres über 

den Hergang und die Folgen im Flüchtlingslager hätte berichten können. 

Da ihre Aussagen im Zusammenhang mit den Rashaida nicht glaubhaft 

sind, ist auch auf das Vorbringen, sie sei aufgrund dieser Ereignisse trau-

matisiert, nicht weiter einzugehen. 

Die Beschwerdeführerin lebt zurzeit ihren eigenen Angaben zufolge zu-

sammen mit ihrer Schwägerin in Khartum. Angesprochen auf die Frage, 

weshalb der weitere Aufenthalt für sie nicht mehr zumutbar sei, antwortete 

sie, dass sie aufgrund ihrer ethnischen Herkunft und Religion diskriminiert 

werde (vgl. A9/11 Antwort C 11). Im Sudan sind Christen keiner Gruppen-

verfolgung ausgesetzt (vgl. Urteil des BVGer D-103/2014 vom 21. Januar 

2015 E. 7.4). Spezifische Vorfälle, von welchen sie persönlich betroffen ge-

wesen ist, werden keine geltend gemacht. Auch der Beschwerde können 

diesbezüglich einzig allgemeine Aussagen zur Situation von Christen im 

Sudan entnommen werden. Inwiefern sie persönlich wegen ihrer ethni-

schen Herkunft oder ihres Glaubens verfolgt wurde beziehungsweise wird, 

ist jedoch nicht ersichtlich.  

Die Vorinstanz hat zu Recht festgestellt, dass eine Abwägung der gesam-

ten Umstände nicht dazu führe, dass es die Schweiz sein müsse, die ihr 

den erforderlichen Schutz gewähre. Zwar besteht eine gewisse Bezie-

hungsnähe zur Schweiz durch ihre beiden in der Schweiz wohnhaften 

Schwägerinnen, jedoch vermag diese nicht ausschlaggebend ins Gewicht 

zu fallen. Im Sudan hält sie sich nicht alleine, sondern zusammen mit ihrer 

Schwägerin Y. B. in Khartum auf. Es kann erwartet werden, dass sich die 

beiden Frauen einander zur Seite stehen und sich gegenseitig unterstüt-

zen. Ferner ist auch anzunehmen, dass sie in Karthum auf die Unterstüt-

zung der eritreischen Diaspora zurückgreifen kann. 

Der Beschwerdeführerin ist es damit im Sinne von aArt. 52 Abs. 2 AsylG 

zuzumuten, im Sudan um Schutz nachzusuchen. Der Beschwerdeführerin 

ist ein weiterer Verbleib im Sudan zumutbar und sie ist nicht auf den Schutz 

der Schweiz angewiesen. Die Beschwerdevorbringen, die eingereichten 

Beweismittel und die in diesem Zusammenhang aufgeführten Urteile des 

Bundesverwaltungsgerichts vermögen zu keiner anderen Einschätzung zu 

führen. 

6.  

Nach dem Gesagten besteht kein Anlass, die Sache zwecks (weitergehen-

der) Prüfung des Sachverhalts in Bezug auf die Zumutbarkeit des weiteren 

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Seite 12 

Verbleibs im Sudan an die Vorinstanz zurückzuweisen, weshalb der Even-

tualantrag abzuweisen ist. Zusammenfassend ist festzustellen, dass das 

BFM zu Recht die Asylgesuche aus dem Ausland abgelehnt und damit die 

Einreise in die Schweiz verweigert hat. 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt und – soweit diesbezüglich überprüfbar – ange-

messen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das mit der 

Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom 

27. August 2014 gutgeheissen wurde, sind keine Kosten zu erheben. 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-4559/2014 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden und das SEM. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Robert Galliker Sandra Bienek 

 

 

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