# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 48ba3e10-7351-5cc8-8c64-b31c22fdbc11
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.12.2011 E-101/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-101-2009_2011-12-28.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­101/2009

U r t e i l   v om   2 8 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Markus König (Vorsitz),
Richter Daniele Cattaneo, Richterin Regula Schenker Senn,   
Gerichtsschreiberin Karin Maeder­Steiner.

Parteien A._______, geboren (…)
Kosovo, 
vertreten durch Samuel Häberli, Freiplatzaktion Zürich, (…),
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,  
Vorinstanz. 

Gegenstand Vollzug der Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 8. Dezember 2008 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die Beschwerdeführerin, Staatsangehörige Kosovos und Angehörige der 
Ethnie  der  Ashkali,  verliess  ihren  letzten  Wohnsitz  in  B._______  im 
August  2006  und  hielt  sich  danach  zwei  Jahre  lang  in Belgrad  auf.  Sie 
verliess Belgrad am 29. April 2008 und reiste über Ungarn und Österreich 
am 2. Mai  2008  in die Schweiz, wo  sie gleichentags  im Empfangs­ und 
Verfahrenszentrum Kreuzlingen um Asyl nachsuchte. Dort wurde sie am 
6. Mai 2008 summarisch befragt und am 15. Mai 2008 durch das BFM zu 
ihren Asylgründen angehört.

Zur  Begründung  ihres  Asylgesuchs  machte  die  Beschwerdeführerin  im 
Wesentlichen  geltend,  sie  habe  seit  Geburt  bis  ins  Jahr  2006  in 
B._______ gelebt und sei dann für zwei Jahre zu C._______ ihres Vaters 
nach  Belgrad  gegangen,  bevor  sie  im  Jahr  2008  in  die  Schweiz 
gekommen  sei.  Ihre  Eltern  und  ihr  Bruder  seien  Anfang  der 
Neunzigerjahre als D._______  in die Schweiz gekommen, wo der Vater 
im Jahr (…) verstorben sei. Als ihre Eltern in der Schweiz gewesen seien, 
hätten  sich  ihr Onkel  väterlicherseits  und  dessen  Frau  um  sie  und  ihre 
Schwestern gekümmert. Aufgrund  ihrer Ethnie sei sie von den Albanern 
terrorisiert  worden.  Im  (…)  sei  ihr  Hund  von  Albanern  vergiftet  worden; 
eine Woche später hätten Albaner eine Bombe in ihren Hof geworfen. Die  
Beschwerdeführerin habe zwei Jahre lang das Gymnasium in B._______ 
besucht und sei  im zweiten Jahr fünf­ oder sechsmal auf dem Schulweg 
von  albanischen  Mitschülern  geschlagen  worden;  sie  hätten  sie  in  den 
Bauch  getreten  und  ihr  zwei  Zähne  ausgeschlagen.  Ausserdem  sei  sie 
damit  bedroht  worden,  man  werde  sie  entführen  und  verkaufen.  Aus 
diesen Gründen habe sie sich davor gefürchtet ein weiteres Schuljahr zu 
beginnen  und  habe  stattdessen  in  die  Schweiz  reisen  wollen.  Sie  sei 
jedoch  im  (…)  in  E._______  wegen  illegaler  Einreise  drei  Wochen 
inhaftiert  und  in den Kosovo  zurückgeschickt worden. Einen Tag später 
sei sie nach Belgrad gereist.

Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin vier Schulzeugnisse und 
ihre UNMIK­Karte zu den Akten.

B. 
Mit Verfügung vom 8. Dezember 2008 – eröffnet am 10. Dezember 2008 
– bezeichnete  das  BFM  die  Asylvorbringen  der  Beschwerdeführerin  im 
Wesentlichen  als  asylrechtlich  nicht  relevant  (sowie  teilweise 

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unglaubhaft), lehnte ihr Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der 
Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. 

C. 
Gegen  diese  Verfügung  reichte  die  Beschwerdeführerin  durch  ihren 
Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  7.  Januar  2009  Beschwerde  beim 
Bundesverwaltungsgericht  ein  und  beantragte  die  Aufhebung  der 
Dispositivziffern 3 und 4 der angefochtenen Verfügung, die Feststellung 
der  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  und  die  Anordnung  der 
vorläufigen Aufnahme  in der Schweiz.  In prozessualer Hinsicht ersuchte 
die  Beschwerdeführerin  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  und  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege. 

D. 
Das  Bundesverwaltungsgericht  verzichtete  mit  Zwischenverfügung  vom 
14. Januar 2009 auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und verwies 
für  den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege auf einen späteren Zeitpunkt.

E. 
In  ihrer  Vernehmlassung  vom  28.  Januar  2009  hielt  die  Vorinstanz 
vollumfänglich an  ihren Erwägungen  fest und beantragte die Abweisung 
der Beschwerde. Die Vernehmlassung wurde der Beschwerdeführerin zur 
Kenntnis gebracht.

F. 
Mit  Eingabe  vom  4.  November  2010  reichte  die  Beschwerdeführerin 
einen ärztlichen Bericht des Psychiatrischen Zentrums F._______ datiert 
vom 6. Oktober 2009 zu den Akten.

G. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  28.  März  2011  forderte  der  zuständige 
Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  die 
Beschwerdeführerin  auf,  einen  aktuellen  Arztbericht  einzureichen.  Die 
Beschwerdeführerin  reichte  innert  Frist  ein  Arztzeugnis  der 
Psychiatrischen Klinik G._______ vom 25. Januar 2011 zu den Akten.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinn  von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem Gebiet  des  Asyls – 
abgesehen  vom  hier  nicht  interessierenden  Vorbehalt  des  Vorliegens 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht – endgültig (Art. 105 AsylG).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 
ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung. Sie ist daher zur Einreichung einer Beschwerde legitimiert (Art. 
105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf 
die Beschwerde ist einzutreten.                                                                                          

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Das  BFM  hat  die  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin 
verneint,  ihr  Asylgesuch  abgelehnt  und  sie  aus  der  Schweiz 
weggewiesen. Die Beschwerdeführerin beantragt in ihrer Beschwerde die 
Aufhebung der Beschwerde betreffend den Wegweisungsvollzug  (in der 
Beschwerde:   Ziffern 3 und 4;  recte: Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der 
Verfügung  vom  8.  Dezember  2008).  Die  Verneinung  der 
Flüchtlingseigenschaft,  die  Ablehnung  des  Asylgesuchs  und  die 

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Wegweisung  an  sich  blieben  somit  unangefochten  und  erwuchsen  mit 
Ablauf der Beschwerdefrist in Rechtskraft.

3.2.  Im vorliegenden Beschwerdeverfahren  ist somit einzig die Frage zu 
beantworten,  ob die Wegweisung zu vollziehen  ist  oder ob anstelle des 
Vollzugs  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen  ist  (Art.  44  AsylG  i.V.m. 
Art. 83  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die 
Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20).

4. 
4.1. Das BFM führt zur Begründung des Vollzugs der Wegweisung in der 
angefochtenen Verfügung aus, die Sicherheitslage in Kosovo habe sich in 
den vergangenen Jahren verbessert,  in  vielen Dörfern und Bezirken sei 
sie  seit  Jahren  stabil.  Die  Verbesserung  im  interethnischen 
Zusammenleben  habe  vor  allem  für  albanischsprachige  Roma,  Ashkali 
und  Ägypter  Auswirkungen.  Die  Wahrscheinlichkeit  einer  konkreten 
Gefährdung  allein  aufgrund  der  Ethnie  könne  für  albanischsprachige 
Roma,  Ashkali  und  Ägypter  –  mit  Ausnahme  einzelner  Dörfer 
beziehungsweise Gemeinden  –  ausgeschlossen werden.  Zudem  sei  für 
diese Ethnien  die Bewegungsfreiheit  im Kosovo grundsätzlich  gegeben. 
Auch  sei  der  Zugang  zu  den medizinischen  und  sozialen  Strukturen  in 
aller  Regel  gewährleistet.  Im  vorliegenden  Fall  gehöre  die 
Beschwerdeführerin  der  Minderheit  der  Ashkali  an  und  stamme  aus 
B._______.  Eine  Rückkehr  sei  somit  zumutbar.  Zudem  würden  auch 
keine  individuellen  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  eines 
Wegweisungsvollzugs sprechen. Namentlich  lebten  (…) Schwestern der 
Beschwerdeführerin sowie die in der Schweiz niedergelassene Mutter die 
meiste Zeit  im Haus  in B._______. Die Mutter dürfte nach dem Tod des 
Vaters  eine  Hinterbliebenenrente  aus  der  Schweiz  erhalten.  Darüber 
hinaus  habe  die  Beschwerdeführerin  noch  weitere  Verwandte  in 
B._______  in der Nachbarschaft sowie zahlreiche Verwandte  in Europa. 
Zudem  hätte  sie  auch  die  Möglichkeit,  zu  C._______  und  anderen 
Verwandten nach Belgrad zu gehen, wo sie sich vor ihrer Einreise in die 
Schweiz  bereits  aufgehalten  habe.  Folglich  würden  weder  die  im 
Heimatstaat herrschende politische Situation noch andere Gründe gegen 
die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  in  den  Heimatstaat 
sprechen. Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich 
und praktisch durchführbar.  

4.2. Die Beschwerdeführerin macht  demgegenüber  in  ihrer Beschwerde 
im  Wesentlichen  geltend,  sie  verfüge  zwar  über  einen 

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Grundschulabschluss  aber  keinerlei  Berufserfahrung.  Als  alleinstehende 
Frau  wäre  sie  zudem  allein  für  ihren  Unterhalt  zuständig.  Ihr  soziales 
Netz im Kosovo würde sich keinesfalls als tragfähig erweisen. Auch stelle 
Belgrad für sie keine Aufenthaltsalternative dar; sie habe sich dort illegal 
aufgehalten spreche ausserdem albanisch und nur ganz wenig serbisch. 
Es wäre zudem unmöglich für sie, sich in Serbien beruflich zu integrieren.  

5. 
5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht  möglich,  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi/Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

5.2. Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug 
der  Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit) 
sind  alternativer Natur:  Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der Vollzug 
der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere 
Anwesenheit  in  die  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die 
vorläufig  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  BVGE  2009/51  E.  5.4  S.  748). Wie 
den  nachfolgenden  Bestimmungen  zu  entnehmen  ist,  erweist  sich  der 
Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  als  unzumutbar.  Damit  kann 
praxisgemäss  auf  eine  Erörterung  der  beiden  andern  Voraussetzungen 
eines  rechtmässigen Wegweisungsvollzugs verzichtet werden  (vgl.  etwa 
BVGE 2009/51 E. 5.4).

Gegen  eine  allfällige  Aufhebung  steht  der  (ab­  und  weggewiesenen) 
asylsuchenden  Person  wiederum  die  Beschwerde  an  das 
Bundesverwaltungsgericht offen  (vgl. Art. 112 Abs. 1 AuG  i.V.m. Art. 31 
ff.  VGG),  wobei  in  jedem  Verfahren  sämtliche  Vollzugshindernisse  von 
Amtes  wegen  und  nach  Massgabe  der  dannzumal  herrschenden 
Verhältnisse  von  Neuem  zu  prüfen  sind  (vgl.  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2006 
Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f., EMARK 1997 Nr. 27 S. 205 ff.).

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5.3. Gemäss Art.  83 Abs.  4 AuG  ist  der Vollzug  der Wegweisung  nicht 
zumutbar,  wenn  die  beschwerdeführende Person  bei  einer Rückkehr  in 
ihren  Heimatstaat  einer  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt  wäre.  Diese 
Bestimmung  wird  vor  allem  bei  Gewaltflüchtlingen  angewendet,  das 
heisst  bei  Ausländerinnen  und  Ausländern,  die  mangels  persönlicher 
Verfolgung weder  die Voraussetzungen  der  Flüchtlingseigenschaft  noch 
jene  des  völkerrechtlichen  Non­Refoulement­Prinzips  erfüllen,  jedoch 
wegen  den  Folgen  von  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  einer  Situation 
allgemeiner Gewalt nicht  in  ihrem Heimatstaat zurückkehren können.  Im 
Weiteren  findet  sie  Anwendung  auf  andere  Personen,  die  nach  ihrer 
Rückkehr ebenfalls einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die 
absolut notwendige medizinische Versorgung nicht erhalten könnten oder 
– aus  objektiver  Sicht  –  wegen  der  vorherrschenden  Verhältnisse  mit 
grosser Wahrscheinlichkeit  unwiederbringlich  in  völlige Armut gestossen 
würden, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres 
Gesundheitszustandes,  der  Invalidität  oder  sogar  dem  Tod  ausgeliefert 
wären (vgl. EMARK 2005 Nr. 12 E. 10.3 S. 114, EMARK 2005 Nr. 24 E. 
10.1 S. 215 mit weiteren Hinweisen).

5.4.  Im  Kosovo  besteht  keine  Situation  generalisierter  Gewalt,  die  sich 
noch  dazu  über  das  ganze  Staatsgebiet  oder  weite  Teile  desselben 
erstrecken  würde.  Eine  gänzlich  unsichere,  von  bewaffneten  Konflikten 
oder permanent drohenden Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer die 
Beschwerdeführerin  sich  bei  einer  Rückkehr  unvermeidlich  einer 
konkreten Gefährdung im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AuG ausgesetzt sehen 
würde, besteht mithin nicht. 

5.5.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  von  albanischsprachigen  Roma, 
Ashkali  und  Ägyptern  in  den  Kosovo  ist  in  der  Regel  zumutbar,  sofern 
feststeht,  dass  bestimmte  Reintegrationskriterien  –  wie  berufliche 
Ausbildung,  Gesundheitszustand,  Alter,  ausreichende  wirtschaftliche 
Lebensgrundlage  und  Beziehungsnetz  im  Kosovo  –  erfüllt  sind  (vgl. 
BVGE  2007/10).  Diese  Beurteilung  bleibt  auch  nach  der  Erklärung  der 
Unabhängigkeit  Kosovos  gültig,  zumal  die  gesellschaftliche, 
wirtschaftliche  und  politische  Lage  bislang  keine  massgeblichen 
Veränderungen  erfahren  hat.  Nach  den  Erkenntnissen  des 
Bundesverwaltungsgerichts  sind  die  kosovarischen  Roma,  Ashkali  und 
sogenannten  Ägypter  noch  immer  erheblichen  sozialen  und 
ökonomischen  Diskriminierungen  ausgesetzt.  Insbesondere  liegt  die 
Arbeitslosigkeitsquote  bei  diesen  Bevölkerungsgruppen  mit  gegen  98% 
weit  über  dem  allgemeinen  Durchschnitt  im  Kosovo.  Zudem  sind  diese 

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ethnischen  Minderheiten  nach  wie  vor  Diskriminierungen  in  den 
Bereichen Wohnen, Schulbildung, Fürsorge, Gesundheitsvorsorge sowie 
bei der Registrierung konfrontiert.

5.6.  Das  BFM  hatte  die  individuellen  Asylvorbringen  der 
Beschwerdeführerin  als  teilweise  unglaubhaft  bezeichnet,  die 
Glaubhaftigkeit  der  schwerwiegenderen  Übergriffe  –  den 
Bombenanschlag auf ihr Haus und die Tötung des Hundes – jedoch nicht 
bestritten  (hier  allerdings  mangels  Aktualität  die  flüchtlingsrechtliche 
Relevanz  verneint).  Soweit  die  von  der  Beschwerdeführerin  geltend 
gemachten  weniger  intensiven  Behelligungen  (Diskriminierungen, 
Drohungen, körperliche Übergriffe durch albanische Mitschüler) vom BFM 
als unglaubhaft bezeichnet worden sind, erscheint diese Qualifikation auf 
den  ersten  Blick  schwer  nachvollziehbar  zu  sein,  nachdem  Ashkalis 
solchen  Nachteilen  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  im 
kosovarischen  Lebensalltag  so  oder  ähnlich  üblicherweise  ausgesetzt 
sind.  Letztlich  brauch  diese  Frage  im  Rahmen  des  vorliegenden 
Verfahrens nicht abschliessend geprüft zu werden.

5.7. Die Beschwerdeführerin macht als Vollzugshindernis unter anderem 
gesundheitliche Probleme geltend. 

Dem eingereichten Arztbericht der Psychiatrischen Klinik G._______ vom 
25. Januar 2011 lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin der 
Psychiatrischen  Klinik  vom  psychiatrischen  Ambulatorium  in  F._______ 
infolge  einer  massiv  zunehmenden  Appetitlosigkeit  mit  Gewichtsverlust 
(von  13 kg  innerhalb  weniger  Monate)  zugewiesen  worden  ist.  Eine 
spezifische  antidepressive  Medikation  wurde  begonnen.  Im  stationären 
Rahmen  kam  es  zu  einer  anhaltenden  Besserung  der 
depressionsbesetzten   Symptomanteile  sowie  zu  einer  anhaltenden 
Appetitsteigerung  im  stationären  Rahmen.  Vor  allem  der 
tagesstrukturierende  und  gemeinschaftliche  Rahmen  auf  der  Station 
schien für die Beschwerdeführerin sehr hilfreich zu sein. 

5.8. Die Beschwerdeführerin hat die Grundschule abgeschlossen und (…) 
Jahre  das  Gymnasium  besucht.  Aufgrund  der  Behelligungen  durch  die 
Albaner hat sie sich jedoch nicht getraut, das (…) Jahr des Gymnasiums 
zu  beginnen  und  hat  die  Ausbildung  abgebrochen.  Ausser  im Haushalt 
C._______  in  Belgrad  hat  die  Beschwerdeführerin  nie  gearbeitet  und 
verfügt  somit  über  keinerlei  Berufserfahrung.  Angesichts  der  unter  den 
ethnischen Minderheiten herrschenden sehr hohen Arbeitslosigkeit  ist es 

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unwahrscheinlich, dass sie im Heimatland eine Arbeitsstelle fände, die es 
ihr ermöglichen würde, ihren Unterhalt zu sichern. 

Im  Rahmen  des  stationären  Aufenthalts  der  Beschwerdeführerin  in  der 
Psychiatrischen Klinik G._______ vom 29. Dezember 2010 bis 27. Januar 
2011  hat  sich  ergeben,  dass  die  Einbindung  in  einen  strukturierten 
Tagesablauf,  die  ärztliche­  und  pflegerische  Einzel­  sowie 
Gruppentherapie  sowie  die  Unterstützung  durch  Sozialarbeiter  zu  einer 
anhaltenden Besserung der depressionsbesetzten Symptomanteile sowie 
zu  einer  Appetitsteigerung  geführt  haben.  Es  ist  angesichts  der 
Formulierung  der  Arztberichte  und  unter  Berücksichtigung  der 
schwierigen  Lebensverhältnisse  der  Ashkali  im  Kosovo  davon 
auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin 
im Fall einer Rückkehr  in den Kosovo erneut massiv verschlechtern und 
sie in eine existenzbedrohende Situation geraten würde.

5.9.  Ob  sich  das  Familiennetz  der  Beschwerdeführerin  als  tragfähig 
erweisen würde, ist zumindest fraglich. Zwar leben – abgesehen von den 
nächsten  Angehörigen,  die  in  der  Schweiz  niedergelassen  sind  –  noch 
einige  Familienmitglieder  im  Kosovo;  es  ist  indessen  kaum  davon 
auszugehen,  dass  sich  diese  der  gesundheitlich  angeschlagenen 
Beschwerdeführerin  in  der  für  sie  notwendigen  Intensität  annehmen 
könnten.  Auch  für  eine  gesunde,  alleinstehende  weibliche  Angehörige 
einer  ethnischen  Minderheit  erweist  sich  die  Reintegration  im  Kosovo 
regelmässig  als  sehr  schwierig.  Angesichts  des  gesundheitlichen 
Zustands  der  Beschwerdeführerin  muss  der  Vollzug  ihrer 
Wegweisungsvollzug  in den Kosovo als unzumutbar  im Sinn von Art. 83 
Abs. 4 AuG qualifiziert werden. 

5.10. Die  vom BFM erwähnte Möglichkeit  der Schutzalternative Serbien 
erachtet  das  Bundesverwaltungsgericht  vorliegend  angesichts  ihrer 
persönlichen  Lebensumstände  (insbesondere  gesundheitliche  Situation, 
fehlende Kenntnisse des Serbischen) als nicht realistisch.

5.11. Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin  ist  somit  im 
Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  aller  individuellen  Umstände  als 
unzumutbar zu bezeichnen. Die Voraussetzungen für die Gewährung der 
vorläufigen Aufnahme sind erfüllt, nachdem den Akten keine Hinweise auf 
Ausschlussgründe gemäss Art. 83 Abs. 7 AuG zu entnehmen sind.

6. 

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Die  Beschwerde  ist  somit  gutzuheissen.  Die  Ziffern  4  und  5  des 
Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  des  BFM  vom  8.  Dezember 
2008  sind  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  ist  anzuweisen,  die 
Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  wegen  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen.

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7. 
7.1. Bei diesem Ausgang der Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 
(Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 
Prozessführung erweist sich damit als gegenstandslos.

7.2. Die  Beschwerdeinstanz  kann  der  ganz  oder  teilweise  obsiegenden 
Partei vom Amtes wegen oder auf Begehren hin eine Entschädigung für 
ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Koten zusprechen 
(Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die  in der Beschwerde erwähnten Parteikosten, 
die  bis  zu  diesem  Zeitpunkt  entstandenen  seien,  erscheinen  als  den 
Verfahrensumständen  angemessen.  Unter  Berücksichtigung  der 
gesamten Aktenlage  ist  die Parteientschädigung  unter Berücksichtigung 
der  massgeblichen  Berechnungsfaktoren  auf  insgesamt  Fr.  700.– 
(inklusive sämtlicher Auslagen und Nebenkosten) festzusetzen (Art. 8 ff., 
Art. 10 Abs. 2 und Art. 14 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 
über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2. 
Die Dispositivziffern 4 und 5 der Verfügung des BFM vom 8. Dezember 
2008  werden  aufgehoben  und  das  Bundesamt  wird  angewiesen,  die 
Beschwerdeführerin vorläufig aufzunehmen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  eine 
Parteientschädigung von insgesamt Fr. 700.– auszurichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
kantonale Migrationsbehörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Markus König Karin Maeder­Steiner

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