# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 38a96666-dfeb-53fc-bc68-2e992450a795
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-12
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Zivilkammern 12.12.2022 ZSU.2022.147
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_001_ZSU-2022-147_2022-12-12.pdf

## Full Text

Obergericht 

Zivilgericht, 5. Kammer 

 

 

ZSU.2022.147  

(SF.2021.64)  

Art. 96 

 

Entscheid vom 12. Dezember 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Brunner, Präsident  

Oberrichter Lindner  

Oberrichter Holliger  

Gerichtsschreiberin Corazza  

 

 
   

Klägerin   A._____,  

Zustelladresse: c/o MLaw Tamara De Caro,  

Stadtturmstrasse 19, Postfach, 5401 Baden 

unentgeltlich vertreten durch MLaw Tamara De Caro, Rechtsanwältin,  

Stadtturmstrasse 19, Postfach, 5401 Baden  

 

  

 
   

Beklagter   B._____,  

[...] 

vertreten durch lic. iur. Christoph Waller, Rechtsanwalt, 

Postplatz 3, Postfach, 5610 Q._____  

 

  
   

Gegenstand   Summarisches Verfahren betreffend Eheschutz  

 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

 
   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Parteien heirateten am tt.mm.jjjj in R.. Aus der Ehe ist das Kind C., 

geboren am tt.mm. 2018, hervorgegangen. Seit dem 24. September 2021 

leben die Parteien getrennt. 

 

2. 

2.1. 

Mit Klage vom 20. Oktober 2021 stellte die Klägerin beim Gerichtspräsi-

dium Bremgarten unter anderem die folgenden Rechtsbegehren: 

 

" 4. 
Der gemeinsame Sohn C., geboren am tt.mm. 2018, sei für die Dauer der 
Aufhebung des gemeinsamen Haushaltes unter die alleinige Obhut der 
Gesuchstellerin zu stellen.  
 
5. 
Auf die Anordnung eines Besuchs- und Ferienrechts i.S.v. Art. 176 Abs. 3 
i.V.m. Art. 273 ZGB für den Gesuchsgegner sei einstweilen zu verzichten.  
 
6.  
6.1 
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, mit Wirkung ab Einreichung dieses 
Begehrens der Gesuchstellerin an den Unterhalt des gemeinsamen Soh-
nes monatlich vorschüssig einen angemessenen Unterhaltsbeitrag zzgl. 
allfällig gesetzlich oder vertraglich bezogener Kinderzulagen zu bezahlen. 
Die Bezifferung des Unterhaltsbeitrages wird nach Vorliegen der Urkunden 
des Gesuchsgegners erfolgen und damit explizit vorbehalten. 
 
6.2  
Ein allfälliges Manko sei gerichtlich festzulegen.  
 
7.  
7.1  
Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin ab Einrei-
chung dieses Begehrens monatlich vorschüssig einen angemessenen Un-
terhaltsbeitrag zu bezahlen. Die Bezifferung des Unterhaltsbeitrages wird 
nach Vorliegen der Urkunden des Gesuchsgegners erfolgen.  
 
7.2  
Ein allfälliges Manko sei gerichtlich festzuhalten.  
 
[…] 
 
9.  
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Gesuchgegners. 
 

  

 - 3 - 

 

 

 

 
Prozessrechtlicher Antrag:  

 
' 1. 

Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin einen ange-
messenen Prozesskostenvorschuss zu leisten, mindestens aber 
CHF 4'000.00.  
 
2. 
Eventualiter sei der Gesuchstellerin die unentgeltliche Rechtspflege, d.h. 
die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Rechtsvertre-
tung, zu bewilligen. Der Gesuchstellerin sei die Unterzeichnete als unent-
geltliche Rechtsvertreterin zu bestellen und einzusetzen." 
 

2.2. 

Mit Klageantwort vom 29. November 2021 beantragte der Beklagte unter 

anderem:  

 

" 3. 
 Der gemeinsame Sohn C. sei unter die Obhut der Gesuchstellerin zu stel-

len.  
 
 4.  
 Es sei eine Erziehungsbeistandschaft zur Regelung des Besuchs- und Fe-

rienrechts des Gesuchgegners zu errichten.  
 
 5.  
 Dem Gesuchgegner sei ein gerichtsübliches Besuchs- und Ferienzurecht 

zu gewähren.  
  
[…] 
  
7.  
Der Gesuchgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin an die Erzie-
hung und den Unterhalt des Sohnes C. gerichtsübliche Unterhaltsbeiträge 
zu bezahlen.  
 
8.  
Soweit im Gesuch vom 20. Oktober 2021 mehr oder anders verlangt wird, 
seien die diesbezüglichen Anträge abzuweisen.  
 
9.  
Die Gesuchstellerin sei im Falle entsprechender finanzieller Möglichkeiten 
zu verpflichten, dem Gesuchgegner einen Prozesskostenvorschuss von 
CHF 4'000.00 inkl. MWST zu leisten. Eventualiter sei dem Gesuchgegner 
die integrale unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und der Unterzeich-
nende zu seinem unentgeltlichen Rechtsvertreter zu ernennen.  
 
10.  
Unter Kosten - und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Gesuchstellerin." 

 

2.3. 

Am 24. Februar 2022 fand vor dem Gerichtspräsidium Bremgarten die Ver-

handlung mit Parteibefragung statt. Die Klägerin beantragte unter anderem 

 - 4 - 

 

 

 

neu die Einrichtung eines begleiteten Besuchsrecht alle zwei Wochen so-

wie die nachträgliche Genehmigung des Umzugs der Klägerin in den Kan-

ton Tessin (act. 83). Der Beklagte hielt an seinen bisherigen Anträgen fest.  

 

2.4. 

Am 9. Juni 2022 erkannte das Bezirksgericht Bremgarten, Präsidium des 

Familiengerichts, unter anderem:  

 

" 3. 
 3.1.  
 D[er] gemeinsame Sohn C., geboren am tt.mm. 2018, wird unter die Obhut 

der Gesuchstellerin gestellt.  
 
 3.2.  
 Der Gesuchsgegner wird für berechtigt erklärt, den gemeinsamen Sohn C. 

jedes zweite Wochenende samstags oder sonntags auf eigene Kosten zu 
sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen. Die Besuche haben anfänglich 
im Tessin und mindestens die ersten drei Male in Begleitung einer Dritt-
person zu erfolgen. Die Eltern sprechen sich frühzeitig über die Dauer und 
den Ort der Besuche ab. Sollten sich die Eltern über die Dauer der Besu-
che nicht einigen könne[n], so beträgt diese bei dem  

 
- ersten Besuch mindestens eine Stunde,  
- zweiten Besuch mindestens zwei Stunden,  
- dritten Besuch mindestens drei Stunden,  
- vierten Besuch mindestens vier Stunden,  
- fünften Besuch mindestens fünf Stunden und  
- ab dem sechsten Besuch mindestens sechs Stunden.  
 
3.3.  
Nach Ablauf von sechs Monaten ab Rechtskraft des vorliegenden Ent-
scheids wird der Gesuchsgegner für berechtigt erklärt, den gemeinsamen 
Sohn C. jedes zweite Wochenende mit Übernachtung auf eigene Kosten 
zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.  
 
3.4.  
Der Gesuchsgegner wird zudem für berechtigt erklärt, mit C. einmal pro 
Woche an einem gemeinsam zu definierenden Wochentag ein Telefonat 
via Skype zu führen. Die Eltern sprechen sich frühzeitig ab, wann das Te-
lefonat stattfinden soll.  
 
3.5.  
In Anbetracht des Alters de[s] Kinde[s] wird von einer ausdrücklichen Re-
gelung des Ferienrechts im Moment abgesehen. Der Gesuchsgegner wird 
berechtigt, mit dem gemeinsamen Sohn C. ab 01.01.2023 eine Woche Fe-
rien und ab 01.01.2024 zwei Wochen Ferien zu verbringen, jeweils abzu-
sprechen mindestens 3 Monate im Voraus.  
 
3.6. 
Ein weitergehendes Besuchs- und Ferienrecht ist unter Berücksichtigung 
des Kindeswohls der Parteiabsprache und der Zusammenarbeit mit dem 
Beistand vorbehalten.  
 
 
 

 - 5 - 

 

 

 

4. 
4.1  
Für den gemeinsamen Sohn C. wird eine Beistandschaft i.S.v. Art. 308 
Abs. 1 und 2 ZGB angeordnet.  
 
4.2  
Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Lugano(ovest) wird mit dem 
Vollzug beauftragt, wobei der Aufgabenbereich des/der noch zu ernennen-
den Beistands/Beiständin die Wahrung von Interesse und Wohl de[s] 
Kinde[s] sowie insbesondere folgende Aufgabenbereiche umfasst:  
- Begleitung und Beratung der Eltern in der Erziehung 
- Aufbau einer dem Kindswohl förderlichen Zusammenarbeit der Eltern  
- Begleitung und Beratung in der Organisation des persönlichen Ver-

kehrs 
- Funktion der Ansprechperson bei Fragen der Eltern, Schule und Insti-

tutionen  
- Koordination der Zusammenarbeit (Eltern, Schule, Tagesstruktur etc.) 
- Beratung zu Freizeitgestaltung und Unterstützungsangeboten inkl. Fi-

nanzierung) 
 

5.  
5.1. 
Der Gesuchsgegner [wird] verpflichte[t], der Gesuchstellerin an den Unter-
halt von C. monatlich vorschüssig folgende Unterhaltsbeiträge zuzüglich 
allfällig bezogener Kinderzulagen zu bezahlen:  
 
- ab 01.11.2021 bis 31.08.2022   Fr. 577.— 

(davon Fr. 27.00 Betreuungsunterhalt) 
 
 
- ab 01.09.2022     Fr. 1'122.— 

(davon Fr. 572.00 Betreuungsunterhalt) 
 
 
5.2. 
Es wird festgehalten, dass zur Deckung des gebührenden Unterhalts für 
den gemeinsamen Sohn C. folgende Beträge fehlen:  
 
- ab 01.11.2021 bis 31.08.2022    Fr. 2'866.— 
- ab 01.09.2022     Fr. 648.— 
 
5.3  
Es wird festgestellt, dass der Gesuchsgegner mangels Leistungsfähigkeit 
nicht in der Lage ist, der Gesuchstellerin einen persönlichen Unterhaltsbei-
trag zu bezahlen.  
 
6.  
Im Übrigen werden die Begehren abgewiesen, soweit darauf eingetreten 
werden kann." 
 

3. 

Gegen den ihm am 17. Juni 2022 zugestellten Entscheid erhob der Be-

klagte am 27. Juni 2022 fristgerecht Berufung mit den Anträgen:  

 

 

 

 - 6 - 

 

 

 

" 1.  
 Die Ziffern 3.2. und Ziffer 3.3. des Dispositivs des Entscheids des Präsidi-

ums des Familiengerichts Bremgarten vom 9. Juni 2022 seien integral auf-
zuheben und als Ziffer 3.2. wie folgt neu zu fassen:  

 
' Der Gesuchsgegner wird für berechtigt erklärt, den gemeinsamen Sohn C. 

jedes zweite Wochenende mit Übernachtung auf eigene Kosten zu sich 
oder mit sich auf Besuch an seinen Wohnort zu nehmen. Die Gesuchstel-
lerin wird verpflichtet, den Sohn C. an den Besuchswochenenden des Ge-
suchgegners auf eigene Kosten am Samstagvormittag auf den Haupt-
bahnhof in Zürich zu bringen, um ihn dem Gesuchsgegner zu übergeben 
und am Sonntagabend auf eigene Kosten dort abzuholen. Der Gesuch-
stellerin werden für den Fall der Widerhandlung gegen ihre Verpflichtung, 
den Sohn C. an den Besuchswochenenden des Berufungsklägers jeweils 
am Vormittag des Samstags auf den Hauptbahnhof in Zürich zu bringen 
und C. am Sonntagabend von dort abzuholen, die Straffolgen gemäss Art. 
292 StGB angedroht. Der Wortlaut dieser Bestimmung lautet: Wer der von 
einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Richter unter Hinweis 
auf die Strafdrohung dieses Artikels erlassenen Verfügung nicht Folge leis-
tet, wird mit Busse bestraft.' 
 
2. 
Ziffer 3.4. des Dispositivs des Urteils des Familiengerichts Bremgarten 
vom 9. Juni 2022 sei wie folgt zu ergänzen:  
 

' Für den Fall, dass die Gesuchstellerin sich weigern sollte, dass der Ge-
suchsgegner allein mit seinem Sohn wöchentlich ein Telefonat führen 
kann, werden ihr die Folgen des Art. 292 im Widerhandlungsfall angedroht. 
Der Wortlaut dieser Bestimmung lautet: Wer der von einer zuständigen 
Behörde oder einem zuständigen Richter unter Hinweis auf die Strafdro-
hung dieses Artikels erlassenen Verfügung nicht Folge leistet, wird mit 
Busse bestraft.'  
 
3. 
Die Ziffern 5.1. und 5.2. des Dispositivs des Entscheids des Präsidiums 
des Familiengerichts Bremgarten vom 9. Juni 2022 seien integral aufzuhe-
ben und wie folgt neu zu fassen:  
 

' Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den Unterhalt 
von C. monatlich vorschüssig folgende Unterhaltsbeiträge zuzüglich allfäl-
lig bezogener Kinderzulagen zu bezahlen:  
 
- ab 1.11.2021 bis 31.08.2022    Fr. 137.00 
- ab 1.09.-2022     Fr. 550.00' 
 
4.  
Es sei dem Berufungskläger auch für das obergerichtliche Verfahren die 
integrale unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihm der Unter-
zeichnende Rechtsanwalt als unentgeltlicher Rechtsvertreter beizuordnen.  
 
5.  
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Berufungsbeklag-
ten."  
 

4. 

Mit Berufungsantwort vom 11. Juli 2022 beantragte die Klägerin:  

 

 - 7 - 

 

 

 

" 1.  
 Die Berufung vom 27. Juni 2022 des Berufungsklägers sei vollumfänglich 

abzuweisen.  
 

2.  
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Berufungsklägers, 
wobei der Berufungsbeklagten eine Entschädigung von CHF 1'462.20 
(inkl. MWST und Spesen) zuzusprechen ist. 
 
Prozessrechtlicher Antrag:  
Der Berufungsbeklagten sei die unentgeltliche Rechtspflege für das ober-
gerichtliche Verfahren zu bewilligen und die Unterzeichnete sei für das 
obergerichtliche Verfahren als ihre unentgeltliche Rechtsvertreterin zu be-
stellen und einzusetzen." 

 

5. 

Mit Entscheid vom 8. September 2022 des Bezirksgerichts Bremgarten 

(SF.2022.50), Präsidium des Familiengerichts, wurde das Gesuch der Klä-

gerin um Zusprechung eines Prozesskostenvorschusses für das vorlie-

gende Berufungsverfahren abgewiesen.  

 

6. 

Am 13. Oktober 2022 reichte der Beklagte das Urteil des Bezirksgerichts 

Bremgarten ([...]), Präsidium des Strafgerichts, vom tt.mm.jjjj betreffend 

mehrfache Drohung, wiederholte Tätlichkeiten (Kind), mehrfache Be-

schimpfung und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz ein.  

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Gegen den angefochtenen Entscheid ist als Rechtsmittel die Berufung ge-

geben (Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO), mit welcher beim Obergericht (§ 10 lit. c 

EG ZPO) die unrichtige Rechtsanwendung und die unrichtige Feststellung 

des Sachverhalts geltend gemacht werden können (Art. 310 ZPO). Das 

Obergericht kann bei rechtsfehlerhafter Ermessensausübung eingreifen 

(REETZ/THEILER, in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 

3. Aufl., Zürich 2016, N. 34 f. zu Art. 310 ZPO).  

 

1.2. 

In der Berufungsbegründung (Art. 311 Abs. 1 ZPO) hat sich der Berufungs-

kläger mit der Begründung im erstinstanzlichen Entscheid im Einzelnen und 

sachbezogen auseinander zu setzen (REETZ/THEILER, a.a.O., N. 36 zu 

Art. 311 ZPO). Mit blossen Wiederholungen der eigenen Vorbringen vor 

erster Instanz, die von dieser bereits abgehandelt wurden, wird dem Be-

gründungserfordernis nicht Genüge getan (HUNGERBÜHLER/BUCHER, in: 

DIKE-Kommentar ZPO, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2016, N. 27 ff. zu Art. 311 

 - 8 - 

 

 

 

ZPO). Das Obergericht beschränkt sich – abgesehen von offensichtlichen 

Mängeln – auf die Beurteilung der in der Berufung und der Berufungsant-

wort gegen das erstinstanzliche Urteil erhobenen Beanstandungen 

(BGE 144 III 394 E. 4.1.4).  

 

1.3. 

Die Einschränkung, dass im Berufungsverfahren das Vorbringen neuer Tat-

sachen und Beweismittel nur im Rahmen von Art. 317 Abs. 1 ZPO möglich 

ist (BGE 138 III 625 E. 2.2), gilt bei Kinderbelangen nicht (BGE 144 III 349 

E. 4.2.1). Im Bereich der Kinderbelange gilt die Erforschungsmaxime 

(Art. 296 Abs. 1 ZPO) und der Richter ist nicht an die Parteianträge gebun-

den (Offizialmaxime, Art. 296 Abs. 3 ZPO). Die Untersuchungs- bzw. Erfor-

schungsmaxime befreien die Parteien weder von ihrer Behauptungs- und 

Substantiierungslast noch von ihrer Mitwirkungspflicht, d.h. es liegt auch in 

diesem Fall an ihnen, die erforderlichen tatsächlichen Grundlagen für die 

geltend gemachten Ansprüche darzutun und die Beweise für die vorge-

brachten Tatsachen vorzulegen bzw. zu beantragen (BGE 140 III 485 

E. 3.3). Verweigert eine Partei die Mitwirkung, kann sich dies zu ihrem 

Nachteil auswirken. Bleiben prozessrelevante Tatsachen beweislos, unter-

liegt diejenige Partei welche die Beweislast trägt (vgl. GEHRI, in: Schweize-

rische Zivilprozessordnung, Basler Kommentar, 3. Aufl., Basel 2017, N. 17 

zu Art. 55 ZPO). 

 

1.4. 

Nach der Rechtsprechung genügt es im Eheschutzverfahren, die behaup-

teten Tatsachen glaubhaft zu machen (BGE 138 III 97 E. 3.4.2). Glaubhaft 

gemacht ist eine Tatsache, wenn für ihr Vorhandensein aufgrund objektiver 

Anhaltspunkte eine gewisse Wahrscheinlichkeit spricht, selbst wenn das 

Gericht noch mit der Möglichkeit rechnet, dass sie sich nicht verwirklicht 

haben könnte (BGE 142 II 49 E. 6.2). 

 

2. 

2.1. 

2.1.1. 

Die Vorinstanz folgte den übereinstimmenden Anträgen der Parteien und 

stellte C. unter die alleinige Obhut der Klägerin (E. 4.2.2 des angefochtenen 

Entscheids). Sie führte sodann aus, die Klägerin habe ihren Wohnsitz und 

den Aufenthaltsort von C. per 1. Januar 2022 von S. in den Bezirk T. ver-

legt, ohne vorgängig die Zustimmung des Beklagten einzuholen (E. 4.3.4.1 

des angefochtenen Entscheids). Sowohl vor als auch nach der Trennung 

habe hauptsächlich die Klägerin die Betreuung von C. ausgeübt (E. 4.3.4.3 

des angefochtenen Entscheids). Selbst wenn die Klägerin in S. verbleiben 

und dem Beklagten ein gerichtsübliches Besuchsrecht eingeräumt würde, 

würde er C. jedes zweite Wochenende betreuen, was auch mit Wegzug der 

Klägerin ins Tessin gleichermassen gelebt werden könne. Eine Neurege-

 - 9 - 

 

 

 

lung der Kinderbelange hinsichtlich des Umfangs des Besuchs- und Feri-

enrechts sei durch den Umzug der Klägerin nicht notwendig, sodass für 

diesen keine Zustimmung des Beklagten notwendig und keine nachträgli-

che gerichtliche Genehmigung erteilt werden müsse (E. 4.3.4.3 des ange-

fochtenen Entscheids).  

 

Es sei erstellt, dass zwischen dem Beklagten und C. seit längerer Zeit kein 

ordentlicher Kontakt mehr bestehe und die Beziehung zwischen Vater und 

Sohn zunächst wiederaufgebaut und gefestigt werden müsse. Es erscheine 

situations- und kindeswohlangemessen, dem Beklagten ein Besuchsrecht 

einzuräumen, bei welchem er C. anfangs jedes zweite Wochenende sams-

tags oder sonntags auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch 

nehmen dürfe, wobei die Besuche zu Beginn im Tessin und während der 

ersten drei Male in Begleitung einer neutralen Drittperson zu erfolgen hät-

ten. Da es keine Hinweise darauf gebe, dass nach Festigung der Bezie-

hung zwischen C. und dem Beklagten kein gerichtsübliches Besuchsrecht 

angeordnet werden sollte und den Akten keine Belege über eine allfällige 

Kindeswohlgefährdung von C. durch den Vater entnommen werden könn-

ten, sei der Beklagte nach Ablauf von sechs Monaten ab Rechtskraft des 

Entscheids verpflichtet und berechtigt, C. auf eigene Kosten jedes zweite 

Wochenende mit sich oder zu sich auf Besuch mit Übernachtung zu neh-

men (E. 4.3.5.1 des angefochtenen Entscheids).  

 

2.1.2. 

2.1.2.1. 

Der Beklagte macht geltend (Berufung, S. 11 f.), dass vorliegend die erheb-

liche Auswirkung des Wohnortswechsels auf die Ausübung seines Be-

suchsrechts und der elterlichen Sorge unverkennbar sei. Das vor dem Um-

zug bestehende Betreuungsmodell spiele keine Rolle. Die Klägerin sei ei-

genmächtig mit der Absicht umgezogen, sein Kontaktrecht möglichst zu 

vereiteln oder zumindest sehr zu erschweren. Dieser Umzug nach T. hätte 

seine Zustimmung erfordert. Da keinerlei nachvollziehbare Gründe für den 

erwähnten Umzug ersichtlich seien, hätte die Vorinstanz sodann die ge-

wünschte Zustimmung versagen müssen. Es komme hinzu, dass C. immer 

wieder nach Italien verbracht werde, was gegen den Willen des Kindsvaters 

verstosse. Trotz des klaren Verstosses der Vorinstanz gegen Art. 301a 

Abs. 2 lit. b ZGB gebe es nur in Ausnahmefällen Möglichkeiten, taktisch 

bedingte Umzüge rückgängig zu machen. Da keine Anhaltspunkte vorlä-

gen, die für eine Obhutszuteilung an ihn sprechen oder eine Kindeswohl-

gefährdung nahelegen würden, könne ihm nur mit einer angepassten Kon-

taktregelung geholfen werden.  

 

Der Beklagte führt ferner aus (Berufung, S. 14 ff.), seine Beziehung zu C. 

werde seit der Trennung nicht mehr so gelebt, wie dies für einen modernen 

Vater heute üblich sei. Das Verhalten und der Wegzug der Klägerin hätten 

zu der von der Vorinstanz beschriebenen Situation geführt. Anlässlich der 

 - 10 - 

 

 

 

Telefonanrufe mit C. habe sich gezeigt, dass sein Sohn ihn sehr vermisse 

und ihn so bald wie möglich besuchen möchte. Vor diesem Hintergrund 

könne ihm nicht zugemutet werden, C. im Kanton Tessin besuchen zu müs-

sen, schon gar nicht unter Aufsicht einer Drittperson. Die italienische Spra-

che sei ihm vollkommen fremd und er verfüge weder über einen Führeraus-

weis noch über ein Auto. Nach dem Gesagten sei nicht einsehbar, weshalb 

er sich zuerst im Rahmen eines ein- bis sechsstündigen Besuchsrechts 

solle beweisen müssen. Die Zugreise nach T. dauere bereits mehrere Stun-

den. Ihm sei ein gerichtsübliches Kontaktrecht einzuräumen. Wenn schon 

eine Kindsmutter mit nicht vorhandenen Gründen umziehe, sei es ihr ohne 

weiteres zumutbar, zur Aufrechterhaltung der Vater-Sohn-Beziehung bei-

zutragen. Die Klägerin sei daher zu verpflichten, ihm C. an den Besuchs-

wochenenden jeweils am Samstagvormittag im Zürcher Hauptbahnhof zu 

übergeben und C. am Sonntagabend dort abzuholen. Aufgrund des bishe-

rigen Verhaltens der Klägerin seien ihr für den Fall der Widerhandlung die 

Straffolgen des Art. 292 StGB anzudrohen.  

 

Der Beklagte führt weiter aus, die Klägerin habe ihm bislang nur eine Hand-

voll mal erlaubt, mit C. zu telefonieren (Berufung, S. 6 und 16). Dabei seien 

jeweils die Mutter und der Bruder der Klägerin anwesend gewesen und hät-

ten auf C. eingeredet. Es müsse ihm möglich sein, mit C. – wie von der 

Vorinstanz vorgesehen – alleine und "so lange, wie das Gespräch eben 

dauere" zu telefonieren. Für den Fall der Widerhandlung gegen die Dispo-

sitivziffer 3.4 des vorinstanzlichen Entscheids sei der Klägerin die Straffol-

gen des Art. 292 StGB anzudrohen.  

 

2.1.2.2. 

Die Klägerin hält dem entgegen (Berufungsantwort, S. 5 f.), der Wegzug 

ins Tessin sei nicht erfolgt, um dem Beklagten den Kontakt zu C. zu er-

schweren. Sie halte daran fest, dass sie während der Ehe unter körperli-

cher und seelischer Gewalt gelitten habe und sie sich in der Nähe der Fa-

milie sicherer fühle. Tatsächlich fahre sie manchmal nach Italien zu ihrer 

Mutter, genauso wie diese besuchsweise in die Schweiz fahre. Da die Klä-

gerin nicht wolle, dass der Beklagte sie auf das eigene Handy anrufe, fahre 

sie jeden Sonntag zur Mutter, wo das wöchentliche Telefonat zwischen C. 

und seinem Vater stattfinde. C. werde anlässlich dieser Telefonate nicht 

beeinflusst. Für gelegentliche Besuche C. bei ihrer Mutter in Italien benö-

tige die Klägerin keine Zustimmung seitens des Beklagten. Nachdem C. 

seinen Vater so lange Zeit nicht mehr gesehen habe, sei es unumgänglich, 

dass eine Wiederannäherung schrittweise und mit Unterstützung von Fach-

personen geschehe. Da die Beiständin vom Kanton Tessin gestellt werden 

würde, mache es durchaus Sinn, die Besuche dort abzuhalten.  

 

 

 - 11 - 

 

 

 

2.2. 

2.2.1. 

Gemäss Art. 273 Abs. 1 ZGB haben Eltern, denen die elterliche Sorge o-

der Obhut nicht zusteht, und das minderjährige Kind gegenseitig Anspruch 

auf angemessenen persönlichen Verkehr. Dabei handelt es sich um ein 

gegenseitiges Pflichtrecht, das in erster Linie dem Interesse des Kindes 

dient (BGE 122 III 404 E. 3a). Oberste Richtschnur für die Ausgestaltung 

des persönlichen Verkehrs ist das Kindeswohl, das anhand der Umstände 

des konkreten Einzelfalles zu beurteilen ist. In diesem Sinn hat der persön-

liche Verkehr den Zweck, die positive Entwicklung des Kindes zu gewähr-

leisten und zu fördern. Hierbei sind die Beziehungen zu beiden Elternteilen 

wichtig, da sie bei der Identitätsfindung des Kindes eine entscheidende 

Rolle spielen können (BGE 131 III 209 E. 5). In Betracht zu ziehen sind 

ferner das Alter des Kindes, die Persönlichkeit und Bedürfnisse des Kindes 

und des Besuchsberechtigten, die Beziehung des Kindes zum Besuchsbe-

rechtigten, die Beziehung der Eltern untereinander, die Wohnverhältnisse 

beim Besuchsberechtigten, die zeitliche Beanspruchung bzw. Verfügbar-

keit aller Beteiligten sowie auch deren Gesundheitszustand (vgl. SCHWEN-

ZER/COTTIER, in: Zivilgesetzbuch I, Basler Kommentar, 7. Aufl., Basel 2022, 

N. 10 zu Art. 273 ZGB; BGE 5A_290/2020 E. 2.3). Die Gerichte gehen im 

allgemeinen in ihrer am Kindeswohl ausgerichteten Praxis davon aus, ein 

Besuchsrecht an jedem zweiten Wochenende und ein Ferienrecht von zwei 

bis drei Wochen pro Jahr sei bei Kindern nach dem Kleinkindalter im Lichte 

des Kindeswohls angemessen und bilde im Hinblick auf spezielle Fälle 

(z.B. Alter des Kindes, Wohnsituation und Arbeitszeiten des nicht obhuts-

berechtigten Ehegatten, Gesundheitszustand des Kindes etc.) den Aus-

gangspunkt (vgl. SCHWENZER/COTTIER, a.a.O., N. 15 zu Art. 273 ZGB mit 

Hinweisen auf die Praxis). Bei Kindern im Vorschulalter sind in der Praxis 

jedoch nur ein Tag oder zwei Halbtage pro Monat üblich (BÜCHLER, in: Fa-

mKomm. Scheidung Band I, 4. Aufl., Bern 2022, N. 23 zu Art. 273 ZGB; 

SCHWENZER/COTTIER, a.a.O., N. 15 zu Art. 273 ZG). Das Gericht hat sich 

in erster Linie an den Bedürfnissen des Kindes zu orientieren; die Interes-

sen der Eltern haben hinter dem vorrangig massgebenden Kindeswohl zu-

rückzutreten (BGE 130 III 585 E. 2.1). Entsprechend setzt sich das Gericht 

dem Vorwurf der Willkür aus, wenn es einfach auf das "Gerichtsübliche" 

oder auf eine Praxis verweist, obwohl die Besonderheiten des Einzelfalles 

ins Auge springen (BGE 144 III 10 E. 7.2). 

 

2.2.2. 

Vorliegend ist unbestritten, dass der Beklagte C. seit mehr als einem Jahr 

nicht mehr gesehen hat (vgl. Berufung, S.14, Berufungsantwort, S. 6). Dass 

eine Beziehung zwischen C. und seinem Vater trotz des Kontaktunterbru-

ches nach wie vor besteht, wird von der Klägerin nicht bestritten und ist zu 

begrüssen (Berufung, S. 14 f., vgl. Berufungsantwort, S. 6). Da C. ihn seit 

der Trennung jedoch nicht mehr persönlich getroffen und bei ihm auch nicht 

übernachtet hat, erscheint ein allmählicher Aufbau der direkten 

 - 12 - 

 

 

 

persönlichen Vater-Kind-Beziehung und ein Eingewöhnen an die Besuche 

dem Kindeswohl angemessen. Der Beklagte führt denn auch selbst aus, 

dass seine Beziehung zu seinem Sohn seit der Trennung nicht mehr so 

gelebt worden sei, wie dies für einen modernen Vater üblich sei (Berufung, 

S. 14). Auch wenn es für die Anordnung von Übernachtungen keine fixe 

Altersgrenzen gibt, ist ein behutsames Vorgehen geboten (BGE 142 III 481 

E. 2.8: Bei Kleinkindern sind häufige und kurze Besuchsintervalle ohne 

Übernachtung ideal; vgl. BÜCHLER, a.a.O., N. 28 zu Art. 273 ZGB). 

Nachdem der Wegzug zu einem mehrmonatigen Kontaktabbruch geführt 

hat, erscheint es naheliegend, dass die Situation zu einer gewissen 

Entfremdung zwischen dem Beklagten und C. geführt hat. Die unbestritten 

gebliebenen Ausführungen des Beklagten, dass C. ihn so bald wie möglich 

besuchen möchte (Berufung, S. 14), ändern an dieser Einschätzung nichts. 

Der Auszug der Klägerin mit C. erfolgte zudem ebenfalls vor rund einem 

Jahr. Es ist daher zu berücksichtigen, dass C. mit der vormaligen 

Familienwohnung mittlerweile jedenfalls weniger vertraut ist und dies 

Übernachtungen zusätzlich erschwert. Nach dem Gesagten ist nicht zu 

beanstanden, dass die Vorinstanz zunächst von Übernachtungen 

abgesehen hat. Die schrittweise Ausweitung des Besuchsrechts dient 

hierbei dem Wohl von C., der durch den persönlichen Kontakt mit dem 

Beklagten und die gleichzeitige Trennung von seiner aktuellen 

Hauptbetreuungsperson nicht überfordert werden soll, und nicht dem 

"Nachweis" der Erziehungsfähigkeit des Beklagten (vgl. Berufung, S. 15). 

Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass bei ordnungsgemässer 

Durchführung des Besuchsrechts nach Ablauf von sechs Monaten die 

Vater-Sohn-Beziehung genügend gefestigt ist, sodass C. danach beim 

Beklagten übernachten kann. Betreffend den stufenweisen Aufbau des 

persönlichen Verkehrs ist das Besuchsrecht des Beklagten daher 

grundsätzlich wie im angefochtenen Entscheid angeordnet zu belassen. 

 

Es ist ferner klar, dass eine Reisezeit (Hin- und Rückweg) von über vier 

Stunden (vgl. Beilage 2 zur Berufungsantwort) für ein vierjähriges Kind – 

insbesondere da die Besuche vorerst ohne Übernachtung erfolgen – an-

strengend ist und die Qualität der Besuche negativ beeinflussen würde. 

Auch wenn C. aufgrund seines Alters noch eher personen- als ortsgebun-

den ist, ist davon auszugehen, dass für ihn das Verbringen an einen ent-

fernten Ort zusätzlich belastend ist. Es erscheint nicht sinnvoll, die neu auf-

genommenen Besuche beim Beklagten durch solche Strapazen mit nega-

tiven Eindrücken für C. zu verbinden. Aus diesem Grund sind die Besuche, 

die ohne Übernachtung stattfinden, grundsätzlich im Tessin durchzuführen. 

Dass dem Beklagten, der nicht berechtigt ist, ein Fahrzeug zu lenken 

(act. 100), nicht zugemutet werden könnte, für die Ausübung des Besuchs-

rechts den öffentlichen Verkehr zu benützen, ist nicht ersichtlich. Dem In-

teresse des Beklagten ist insofern Rechnung zu tragen, als der erste Be-

such bereits zwei Stunden dauern soll, zumal auch die Klägerin anlässlich 

 - 13 - 

 

 

 

der Parteibefragung davon ausging, dass ein zweistündiger Besuch mög-

lich wäre (act. 90).  

 

Das vorliegende Verfahren dient sodann nicht der Eruierung dessen, was 

vorgefallen ist, sondern der Regelung einer neuen Situation. Auf die von 

den Parteien aufgeführten Gründe, die zu der nun vorliegenden Situation 

geführt haben, sowie auf die daraus abgeleiteten Interessen (Berufung, 

S. 14 f., Berufungsantwort, S. 6), ist nicht weiter einzugehen, da die dies-

bezüglichen Bedürfnisse des Beklagten – namentlich der Verzicht auf ein 

abgestuftes Besuchsrecht sowie dessen Durchführung in der Nähe des 

Wohnortes des Beklagten – hinter dem Kindeswohl von C. zurückzutreten 

haben. Dass die Ausübung des Besuchsrechts mit einer Kindeswohlgefähr-

dung durch den Beklagten verbunden wäre, wird von der Klägerin im Beru-

fungsverfahren nicht vorgebracht (vgl. Berufungsantwort, S. 6) und ist auch 

nicht anzunehmen (E. 2.5.2 hiernach).  

 

2.3. 

2.3.1. 

Das Holen und Bringen des Kindes gehört grundsätzlich zu den Pflichten 

des Besuchsberechtigten. Auch für die mit dem Besuchsrecht verbundenen 

Kosten muss grundsätzlich der Besuchsberechtigte aufkommen (BÜCHLER, 

a.a.O., N. 30 f. zu Art. 273 ZGB). Eine abweichende Kostenverteilung ist 

jedoch zulässig, wenn sie namentlich im Hinblick auf die finanzielle Lage 

der Eltern als billig erscheint und nicht mittelbar die Interessen des Kindes 

beeinträchtigt, indem die für den Unterhalt des Kindes notwendigen Mittel 

für die Kosten der Besuchsrechtsausübung verwendet werden 

(BGE 5A_288/2019 E. 5.5; BGE 5A_292/2009 E. 2.3.1.3). Entstehen durch 

den Wegzug der obhutsberechtigten Person mit dem Kind aufgrund der 

räumlichen Distanz erhebliche Kosten für die Wahrnehmung der Besuchs-

kontakte, so sind sowohl die Hol- und Bringpflichten als auch die Reisekos-

ten angemessen zu verteilen (BÜCHLER, a.a.O., N. 31 zu Art. 273 ZGB).  

 

2.3.2. 

Die Motive der Klägerin für ihren Wegzug, die vom Beklagten in Frage ge-

stellt werden, sind grundsätzlich nicht Gegenstand des vorliegenden Ver-

fahrens. Zu berücksichtigen ist dennoch, dass die Ausübung des Besuchs-

rechts bedingt durch den Wegzug der obhutsberechtigten Klägerin er-

schwert wurde. Vor diesem Hintergrund und da es für ein kleines Kind na-

türlicher ist, wenn es jeweils von dem Elternteil begleitet wird, bei dem es 

sich gerade aufgehalten hat (BÜCHLER, a.a.O., N. 30 zu Art. 273 ZGB), ist 

vom Grundsatz, dass das Holen und Bringen des Kindes zu den Pflichten 

des Besuchsberechtigten gehört, abzuweichen. Die Klägerin ist deshalb zu 

verpflichten, C. an den Besuchswochenenden des Beklagten am Samstag-

morgen, aufgrund der zurückzulegenden Distanz bis spätestens um 11:00 

Uhr, zum Bahnhof Q. – und nicht unmittelbar zur Wohnadresse des Beklag-

 - 14 - 

 

 

 

ten – zu bringen. Der Beklagte ist sodann zu verpflichten, C. am Sonntag-

abend, mit Rücksicht auf das Alter von C. bis spätestens um 20:00 Uhr, 

zum Bahnhof T. zu bringen. Diese Regelung erscheint insbesondere auch 

situationsgerecht, da sich die Klägerin anlässlich der Verhandlung bereit 

erklärte, C. bis zur Hälfte zu begleiten (act. 88).  

 

Mit Blick auf die getroffene Regelung betreffend das Holen und Bringen von 

C. sowie die bestehenden Differenzen zwischen den Parteien, erscheint es 

aus Praktikabilitätsgründen angezeigt, dass derjenige Elternteil, der den 

Weg zwischen den vorgenannten Orten zurücklegt, auch die diesbezügli-

chen Kosten trägt. Da die Klägerin nach Ablauf von sechs Monaten ab 

Rechtskraft des vorliegenden Entscheids verpflichtet ist, C. jedes zweite 

Wochenende zum Bahnhof Q. zu bringen, ist die Unterhaltspflicht des Be-

klagten ab diesem Zeitpunkt neu zu bestimmen (E. 3.5 hiernach).  

 

2.4. 

2.4.1. 

Eine Möglichkeit, das Besuchsrecht besonders auszugestalten, besteht da-

rin, die Besuche in Anwesenheit einer Drittperson durchzuführen. Ein sol-

ches begleitetes Besuchsrecht bezweckt, der Gefährdung des Kindes wirk-

sam zu begegnen, Krisensituationen zu entschärfen und Ängste abzu-

bauen sowie Hilfestellungen für eine Verbesserung der Beziehungen zum 

Kind und unter den Eltern zu vermitteln (BGE 5A_68/2020 E. 3.2; 

BGE 5A_984/2019 E. 3.2; BGE 5A_728/2015 E. 2.2); zudem ist es auch 

angebracht, wenn nach fehlendem Kontakt eine Beziehung zwischen Kind 

und Elternteil anzubahnen ist (BGE 5C.24/2003 E. 2.5; SCHWENZER/COT-

TIER, a.a.O., N. 26 zu Art. 273 ZGB). Auch diese Massnahme setzt aber 

konkrete Anhaltspunkte für eine Gefährdung des Kindeswohls voraus 

(BGE 5A_984/2019 E. 3.2). Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein Besuch 

unter Aufsicht einer Begleitperson für die Beteiligten nicht denselben Wert 

hat wie ein unbegleiteter. Entsprechend darf die Eingriffsschwelle beim be-

gleiteten Besuchsrecht nicht tiefer angesetzt werden, als wenn es um die 

Verweigerung oder den Entzug des Rechts auf persönlichen Verkehr über-

haupt ginge (BGE 122 III 404 E. 3c; BGE 5A_68/2020 E. 3.2). Eine Ein-

schränkung des persönlichen Verkehrs darf in der Regel nicht allein wegen 

elterlicher Konflikte erfolgen (BGE 130 III 585 E. 2.2.1). Auch das begleitete 

Besuchsrecht muss zur Erreichung des Ziels erforderlich sein und darf im-

mer nur als mildeste Erfolg versprechende Massnahme angeordnet werden 

(BGE 5A_68/2020 E. 3.2; BGE 5A_968/2016 E. 4.1).  

 

2.4.2. 

Entgegen der Vorinstanz sind vorliegend keine stichhaltigen Gründe dafür 

ersichtlich, das dem Beklagten gewährte Besuchsrecht während der ersten 

drei Male nur in Begleitung einer neutralen Drittperson zu erlauben. Die 

Ausführungen des Beklagten, dass seine Beziehung zu C. nicht abgebro-

chen sei (Berufung, S. 14 f.), erscheinen plausibel, zumal auch die Klägerin 

 - 15 - 

 

 

 

behauptet, der Beklagte könne regelmässig mit C. telefonieren (Berufungs-

antwort, S. 4 und 7). Sollte das von der Vorinstanz angeordnete begleitete 

Besuchsrecht der Wiederaufnahme der Beziehung zwischen Vater und 

Sohn dienen, erscheint diese Zielsetzung mittlerweile durch die erfolgten 

Telefonanrufe bereits erreicht worden zu sein (E. 4.3.5.1 und 5.3 des an-

gefochtenen Entscheids). Dass eine behutsame Wiederannäherung zwi-

schen dem Beklagten und C. mit Unterstützung von Drittpersonen oder 

Fachpersonen notwendig wäre, ist folglich nicht ersichtlich. Es bestehen 

weiter keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Beklagte besonders unbe-

holfen wäre (VETTERLI, in: FamKomm. Scheidung Band I, 4. Aufl., Bern 

2022, N. 15 zu Art. 176 ZGB) und für die Verfestigung der Vater-Sohn-

Beziehung Unterstützung benötigte. Die schrittweise Ausweitung des Be-

suchsrechts (E. 2.3.2 hiervor) erscheint hierfür ausreichend. Ein begleitetes 

Besuchsrecht ist unter diesen Blickwinkeln nicht angezeigt.  

 

Vorliegend besteht sodann seit der Trennung ein elterlicher Konflikt; die 

Klägerin behauptet die Ausübung physischer Gewalt durch den Beklagten 

sowohl gegenüber ihr als auch gegenüber C. (Berufungsantwort, S. 4 f.). 

Mit Urteil vom tt.mm.jjjj wurde der Beklagte von den Anschuldigungen der 

Tätlichkeiten, angeblich mehrfach begangen zum Nachteil von C. und der 

Klägerin, freigesprochen (Urteil des Bezirksgerichts [...] vom tt.mm.jjjj, Bei-

lage zur Eingabe vom 13. Oktober 2022). Für die behaupteten tätlichen 

Übergriffe gegenüber der Beklagten und C. gibt es soweit ersichtlich keine 

objektiven Hinweise. Gemäss den Ausführungen der Klägerin im Strafver-

fahren waren weder sie noch C. bis zur Trennung diesbezüglich in ärztli-

cher Behandlung (Einvernahme vom 24. September 2021, N. 53 und 67, 

Konfrontationseinvernahme vom 25. September 2021, N. 66 und 91). An-

dere Personen seien während der Ereignisse nicht anwesend gewesen 

(Konfrontationseinvernahme vom 25. September 2021, N. 66 und 95). An-

lässlich der Verhandlung beschrieb die Klägerin die Vater-Sohn-Beziehung 

als "nicht unbedingt schlecht" und gab an, dass sie sich hauptsächlich we-

gen "den Drogen und dem Gras" vom Beklagten getrennt habe (act. 87). 

Der Bericht des Frauenhauses und die darin enthaltenen Einschätzungen 

beruhen allein auf Gesprächen mit der Klägerin und nicht auf allseitigen 

Untersuchungen (Bericht des Frauenhauses vom 9. Dezember 2021, S. 1, 

eingereicht anlässlich der Verhandlung vom 24. Februar 2022). Es liegen 

damit keinerlei erhärtete Hinweise auf Gewalt des Beklagten gegen C. vor. 

Zusammenfassend ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass die dem Gericht 

vorliegenden Unterlagen und insbesondere die Strafakten keinen Anlass 

dazu geben, von einer allfälligen Kindeswohlgefährdung durch den Beklag-

ten auszugehen. Eine Einschränkung des persönlichen Verkehrs durch An-

ordnung eines begleiteten Besuchsrechts lässt sich auch vor diesem Hin-

tergrund nicht rechtfertigen.  

 

 - 16 - 

 

 

 

2.5. 

2.5.1. 

Die Person, welche die alleinige Obhut innehat, ist verpflichtet, den persön-

lichen Verkehr zwischen dem Elternteil, der nicht mit dem Kind in häuslicher 

Gemeinschaft lebt, und dem Kind zu dulden bzw. zu ermöglichen (BÜCH-

LER, a.a.O., N. 14 zu Art. 273 ZGB; BGE 5A_202/2015 E. 3.4). Das Recht 

auf persönlichen Verkehr ist nicht auf das Besuchsrecht reduziert, sondern 

es umfasst ebenfalls das Recht, telefonisch zu kommunizieren (BÜCHLER, 

a.a.O., N. 6 zu Art. 273 ZGB). 

 

Besuchsrechte sind einer Zwangsvollstreckung grundsätzlich zugänglich 

(statt vieler: KELLERHALS, in: Schweizerische Zivilprozessordnung, Berner 

Kommentar, Bern 2012, N. 100 zu Art. 343 ZPO). Als Vollstreckungsmass-

nahmen kommen die in Art. 343 ZPO vorgesehenen Anordnungen infrage. 

Hinsichtlich der (abschliessend) aufgezählten Zwangsmassnahmen be-

steht keine Hierarchie, d. h. der Richter ist frei zu entscheiden, von wel-

chem bzw. welchen der zur Verfügung stehenden Zwangsmittel er Ge-

brauch machen will (KELLERHALS, a.a.O., N. 8 und 10 zu Art. 343 ZPO). Bei 

der Vollstreckung von Urteilen betreffend Obhuts-, Sorge-, Besuchs- und 

Ferienrechte gegenüber Kindern ist beim Einsatz und der Wahl der 

Zwangsmittel auf das Wohl des Kindes Rücksicht zu nehmen. Behördlicher 

Zwang ist vorerst nur indirekt einzusetzen (KELLERHALS, a.a.O., N. 101 f. 

zu Art. 343 ZPO). Die Strafandrohung als Vollstreckungsmassnahme steht 

dann zur Diskussion, wenn der andere Elternteil sich der Ausübung des 

Besuchsrechts in grundsätzlicher Weise widersetzt (BGE 5A_167/2017 

E. 6.1). 

 

Gestützt auf Art. 307 Abs. 3 ZGB kann das Gericht als Kindesschutzmass-

nahme unter anderem die Eltern ermahnen und ihnen Weisungen erteilen, 

wenn sich die Ausübung oder Nichtausübung des persönlichen Verkehrs 

für das Kind nachteilig auswirkt oder wenn eine Ermahnung oder eine Wei-

sung aus anderen Gründen geboten ist (vgl. Art. 315a Abs. 1 i.V.m. Art. 273 

Abs. 2 ZGB). Damit kann das Gericht im ganzen Spektrum elterlichen Han-

delns einen einzelnen auffälligen Mangel beanstanden und zu dessen Be-

hebung ein konkretes Tun oder Unterlassen verlangen (VETTERLI, a.a.O., 

N. 16 zu Art. 176 ZGB). Während Ermahnungen bloss empfehlenden Cha-

rakter haben, können Weisungen auch mit der Ungehorsamsstrafe gemäss 

Art. 292 StGB verbunden werden (BÜCHLER, a.a.O., N. 41 zu Art. 273 ZGB). 

Solche Anordnungen können auch von Amtes wegen getroffen werden, 

d.h. ohne dass ein Elternteil dies beantragt (vgl. Art. 296 Abs. 3 ZPO).  

 

2.5.2. 

2.5.2.1. 

Der Beklagte bezweifelt, dass die Klägerin Hand zur Durchführung des Be-

suchsrechts bieten wird (Berufung, S. 16). Anlässlich der Hauptverhand-

lung gab die Klägerin zu Protokoll, dass sie den Kontakt des Beklagten zu 

 - 17 - 

 

 

 

C. nie habe verbieten wollen und sie bereit sei, die Hälfte der Strecke zwi-

schen den Wohnorten zu fahren (act. 88). Aus der E-Mail-Korrespondenz 

vom 31. Mai 2022 mit der Sozialarbeiterin D. geht hervor, dass sich die 

Klägerin bereits vor der Entscheidung der Vorinstanz bei einer Fachstelle 

betreffend die konkrete Durchführung des Besuchsrechts erkundigt hat 

(Beilage 3 zur Berufungsantwort). Der Beklagte zeigt ferner nicht auf, in-

wiefern seine bisherigen Kontaktversuche seit dem vorinstanzlichen Ent-

scheid von der Klägerin "torpediert" worden wären (Berufung, S. 14). Aus 

dem Wegzug der Klägerin während des laufenden Verfahrens ergibt sich 

eine solche Verweigerung jedenfalls nicht per se. Der Beklagte macht so-

dann nicht geltend, dass sich die Klägerin einem Besuch im Tessin verwei-

gert hätte. Seit der Verhandlung vom 24. Februar 2022 sind – wie bereits 

ausgeführt – Telefonate zwischen dem Beklagten und C. wieder möglich. 

Dass die Klägerin in Zukunft die Ausübung des unbegleiteten Besuchs-

rechts nicht zulässt bzw. ihren auferlegten Pflichten nicht nachkommt, ist 

vor diesem Hintergrund nicht zu erwarten. Eine Weisung, das Besuchs-

recht des Beklagten unter Strafandrohung von Art. 292 StGB zu gewähr-

leisten bzw. ihren auferlegten Pflichten nachzukommen, erscheint unter 

diesen Umständen nicht als verhältnismässig. 

 

2.5.2.2. 

Für den Aufbau und die Pflege der Vater-Sohn-Beziehung ist der regelmäs-

sige persönliche Verkehr und damit auch die telefonische Kommunikation 

zwischen C. und dem Beklagten sicherzustellen. Dem Entscheid der Vor-

instanz ist entgegen den Ausführungen des Beklagten nicht zu entnehmen, 

dass während der Telefongespräche keine weiteren Personen anwesend 

sein dürften (vgl. E. 4.3.5.2 des angefochtenen Entscheids). Aus Praktika-

bilitätsgründen und unter Berücksichtigung des Alters von C. erscheint eine 

entsprechende Anordnung auch nicht situationsgerecht.  

 

Die Klägerin fährt gemäss ihren Angaben sodann für die Durchführung der 

Vater-Sohn-Gespräche jeden Sonntag zu ihrer Mutter, da sie nicht will, 

dass der Beklagte sie auf ihr Handy anruft (Berufungsantwort, S. 6). Mit 

Blick auf den während des Verfahrens andauernden Unterbruch des Kon-

takts zwischen dem Beklagten und C. sowie angesichts des mit den Tele-

fongesprächen zusammenhängenden Koordinationsaufwandes der Kläge-

rin, erscheinen die Ausführungen des Beklagten, wonach die Gespräche 

teilweise nicht wöchentlich und in Anwesenheit von Drittpersonen durchge-

führt werden, als glaubhaft. Nachdem die Klägerin die vorinstanzlich ange-

ordneten Telefongespräche unbestrittenermassen zumindest teilweise er-

möglicht hat, scheint die Klägerin zur Anpassung ihres Verhaltens und Ko-

operation jedoch gewillt und fähig. Das bisherige Verhalten der Klägerin 

lässt daher die mildere Massnahme (d. h. eine Anweisung ohne Strafan-

drohung gemäss Art. 292 StGB) als zielführend und damit verhältnismäs-

sig erscheinen. Die Klägerin wird gestützt auf Art. 307 Abs. 1 und 3 ZGB 

 - 18 - 

 

 

 

vorerst lediglich die Weisung erteilt, die telefonische Kommunikation zwi-

schen dem Beklagten und C. wöchentlich zu ermöglichen und das Ge-

spräch nicht zu unterbrechen bzw. die Intervention in das Gespräch durch 

Drittpersonen zu unterbinden.  

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz ermittelte die vom Beklagten geschuldeten Unterhaltsbei-

träge nach der (zweistufigen) Methode der Existenzminima mit Über-

schussverteilung (BGE 147 III 293 E. 4.5).  

 

Die Vorinstanz bildete zwei Phasen (E. 6.3 des angefochtenen Entscheids): 

Phase 1 vom 1. November 2021 bis am 31. August 2022 und Phase 2 ab 

1. September 2022. Beim Beklagten ging die Vorinstanz von einem monat-

lichen Nettoeinkommen von Fr. 3'500.00 (Phase 1) bzw. von Fr. 4'200.00 

(Phase 2) aus, währenddem sie der nicht erwerbstätigen Klägerin zunächst 

kein Einkommen anrechnete (Phase 1) und ab dem 1. September 2022 bei 

einem Pensum von 50 % ein Nettoeinkommen von Fr. 1'912.00 (Phase 2) 

annahm (E. 6.4 des angefochtenen Entscheids). Die Existenzminima der 

Parteien (E. 6.5 des angefochtenen Entscheids) bestimmte die Vorinstanz 

für die Klägerin (Phase 1) mit Fr. 2'893.00 (Grundbetrag Fr. 1'200.00; 

Wohnkosten Fr. 1'550.00; abzüglich Wohnkostenanteil C. Fr. 250.00; Kran-

kenkasse Fr. 393.00) bzw. mit Fr. 3'132.00 (Phase 2; neu Arbeitsweg 

Fr. 129.00 und auswärtige Verpflegung Fr. 110.00), für den Beklagten mit 

Fr. 2'923.00 (Phase 1; Grundbetrag Fr. 1'200.00; Wohnkosten 

Fr. 1'000.00; Krankenkasse Fr. 363.00; Arbeitssuchbemühungen 

Fr. 100.00; Ausübung Besuchsrecht Fr. 260.00) bzw. mit Fr. 3'078.00 

(Phase 2; neu Arbeitsweg Fr. 145.00; auswärtige Verpflegung Fr. 110.00; 

keine Arbeitssuchbemühungskosten). Den Barbedarf von C. (E. 6.5.3 des 

angefochtenen Entscheids) bestimmte die Vorinstanz für beide Phasen mit 

Fr. 550.00 (Grundbetrag Fr. 400.00; Wohnkosten Fr. 250.00; Kranken-

kasse Fr. 100.00; abzüglich Einkommen Fr. 200.00). 

 

Die Leistungsfähigkeit des Beklagten (E. 6.6.2 des angefochtenen Ent-

scheids) bestimmte die Vorinstanz mit Fr. 577.00 (Phase 1) bzw. 

Fr. 1'122.00 (Phase 2). Bei der Klägerin resultierte ein Manko von 

Fr. 2'893.00 (Phase 1) bzw. von Fr. 1'220.00 (Phase 2), woraus sich grund-

sätzlich ein Anspruch auf Betreuungsunterhalt in entsprechender Höhe 

ergab (E. 6.6.3 des angefochtenen Entscheids). Unter Berücksichtigung 

des vom Beklagten zu bezahlenden Barunterhalts erwies sich der Beklagte 

in der Lage, an den Betreuungsunterhalt Fr. 27.00 (Phase 1: Fr. 3'500.00 

– Fr. 2'923.00 – Fr. 550.00) bzw. Fr. 572.00 (Phase 2: Fr. 4'200.00 – 

Fr. 3'078.00 – Fr. 550.00) zu bezahlen (E. 6.6.2 und 6.7 des angefochtenen 

Entscheids). Sodann wurde festgestellt, dass zur Deckung des gebühren-

den Unterhalts für C. ein Fehlbetrag von Fr. 2'866.00 (Phase 1) bzw. von 

Fr. 648.00 (Phase 2) besteht (E. 6.7.1 des angefochtenen Entscheids).  

 - 19 - 

 

 

 

 

3.2. 

Der Beklagte macht geltend (Berufung, S. 18 f.), die Klägerin habe klar zum 

Ausdruck gebracht, dass sie keinen persönlichen Unterhaltsbeitrag er-

warte, weshalb der von der Vorinstanz zugesprochene Betreuungsunter-

halt wegfalle. Gestützt auf die ins Recht gelegten Kontoauszüge seien ihm 

Mietzinsen von Fr. 1'700.00 anzurechnen. Dieser Mietzins entspreche der 

Grösse seiner Mietwohnung und den übrigen Mietzinsen seiner Mitbewoh-

ner mit gleich grossen Wohnungen. Bei ihm sei von einem Einkommen von 

Fr. 3'500.00 (Phase 1) bzw. von Fr. 4'200.00 (Phase 2) und bei C. von einer 

Kinderzulage von Fr. 200.00 auszugehen. Die Klägerin erziele in der ersten 

Phase kein Einkommen. Als Existenzminimum seien ihm Fr. 3'363.00 

(Phase 1; Grundbetrag Fr. 1'200.00; Wohnkosten Fr. 1'700.00; Kranken-

kasse Fr. 363.00; Arbeitsbemühungen Fr. 100.00) bzw. Fr. 3'518.00 

(Phase 2; neu Arbeitsweg Fr. 145.00; auswärtige Verpflegung Fr. 110.00; 

keine Arbeitssuchbemühungskosten) und C. Fr. 550.00 anzurechnen. Er 

sei folglich zu verpflichten, der Klägerin für C. in der ersten Phase einen 

Barunterhalt von Fr. 137.00 (Einkommen Fr. 3'500.00 – Existenzminimum 

Fr. 3'363.00) und in der zweiten Phase einen Barunterhalt von Fr. 550.00 

(Einkommen Fr. 4'200.00 – Existenzminimum Fr. 3'518.00; voller Barunter-

halt, kein Betreuungsunterhalt) zu bezahlen.  

 

3.3. 

Vorab ist festzustellen, dass die Klägerin Anspruch auf einen Betreuungs-

unterhalt hat. Ein Verzicht der Klägerin auf Kindes- oder Ehegattenunterhalt 

liegt insbesondere nicht in C. objektivem Interesse und ist nicht leichthin 

anzunehmen. Die Klägerin beantragte im vorinstanzlichen Verfahren so-

wohl Kindes- als auch Ehegattenunterhalt (Prozessgeschichte Ziff. 2.1 

hiervor). Der Beklagte verweist betreffend die Verzichtserklärung auf S. 15 

des Verhandlungsprotokolls. An jener Stelle antwortete die Klägerin auf die 

Frage, ob sie vom Beklagten seit der Trennung Geld erhalten habe: "Ich 

habe nicht erwartet, dass er für mich zahlt, aber wenigstens für den Sohn 

soll er zahlen" (act. 96). In diesem Kontext und mit Blick auf die finanzielle 

Situation der Parteien ist die Aussage so zu verstehen, dass der Beklagte 

entgegen ihren Erwartungen nicht einmal für C. Unterhalt bezahlt hat und 

er trotz der knappen finanziellen Verhältnisse zumindest für den gemeinsa-

men Sohn aufkommen soll. Dass sie entgegen ihren Anträgen und im Wi-

derspruch zu ihren sowie C. objektiven Interessen nicht nur ihre Erwartun-

gen und deren Enttäuschung zum Ausdruck bringen, sondern auf die strit-

tigen Unterhaltsansprüche verzichten wollte, kann aus den Äusserungen 

der Klägerin nicht geschlossen werden. Von einem Unterhaltsverzicht kann 

unter diesen Umständen nicht die Rede sein.  

 

Über die Kinderbelange entscheidet das Gericht zudem ohnehin ohne Bin-

dung an die Parteianträge (E. 1.3 hiervor; BGE 5A_1031/2019 E. 2.2). Der 

 - 20 - 

 

 

 

Betreuungsunterhalt, mit welchem die zur erforderlichen persönlichen Be-

treuung eines Kindes notwendige physische Präsenz des betreffenden El-

ternteils sichergestellt werden soll, gehört zum gebührenden Unterhalt des 

Kindes (BGE 147 III 265 E. 5.3). Selbst wenn die klägerische Aussage wäh-

rend der Verhandlung als Verzichtserklärung auf den Betreuungsunterhalt 

zu verstehen wäre, wäre dieser Antrag für das Gericht somit nicht bindend 

gewesen. Der vollumfängliche Verzicht auf Betreuungsunterhalt entspricht 

vorliegend nicht dem Kindeswohl, da die Präsenz der Klägerin für die Be-

treuung von C. sicherzustellen ist. Auch vor diesem Hintergrund ist nicht zu 

beanstanden, dass die Vorinstanz Kindesunterhalt einschliesslich Betreu-

ungsunterhalt zusprach.  

 

3.4. 

Die Vorinstanz erachtete es nicht als glaubhaft (E. 6.5.2.1 des angefochte-

nen Entscheids), dass der Mietzins des Beklagten auf Fr. 1'700.00 erhöht 

worden sei. Der Beklagte habe anlässlich der Parteibefragung noch aus-

geführt, er wohne als Mieter in der Eigentumswohnung seines Bruders und 

zahle diesem einen monatlichen Mietzins von Fr. 1'000.00. Dieser Mietzins 

sei mit Mietvertrag vom 15. Juni 2017 ausgewiesen worden (Beilage 3 zur 

Stellungnahme vom 29. November 2021). Mit Eingabe vom 27. April 2022 

[recte: 26. April 2022] habe er demgegenüber geltend gemacht, für die Mo-

nate März und April 2022 jeweils einen Mietzins von Fr. 1'700.00 bezahlt 

zu haben, da der Mietzins erhöht worden sei. Hierfür habe er lediglich eine 

schriftliche Zahlungsbestätigung seines Bruders vom 1. März 2022 einge-

reicht. Es sei weder ein geänderter Mietvertrag eingereicht noch nachvoll-

ziehbar begründet worden, wieso es zu einer Erhöhung des Mietzinses ge-

kommen sein sollte. Gemäss seinen eigenen Ausführungen sei er in den 

vergangenen Jahren nicht einmal dazu in der Lage gewesen, den Mietzins 

von monatlich Fr. 1'000.00 zu bezahlen (act. 98). Darüber hinaus erscheine 

ein Mietzins von monatlich Fr. 1'700.00 für die Eigentumswohnung des 

Bruders übersetzt: Einerseits wohne er alleine und andererseits hätte er 

gemäss eigenen Angaben in der Vergangenheit ebenfalls als Eigentümer 

der Wohnung im Grundbuch eingetragen werden können.  

 

Die Vorinstanz legt im angefochtenen Entscheid somit ausführlich und 

nachvollziehbar dar, warum sie beim Beklagten keinen höheren Mietzins 

berücksichtigte. Der Beklagte setzt sich in der Berufungsbegründung nicht 

rechtsgenügend mit den Erwägungen der Vorinstanz auseinander, indem 

er lediglich auf seinem vor Vorinstanz eingenommen Standpunkt beharrt 

und behauptet, der Mietzins entspreche der Grösse seiner Wohnung sowie 

den übrigen Mietzinsen seiner Mitbewohner mit gleich grossen Wohnungen 

(Berufung, S. 18). Die ins Recht gelegten Kontoauszüge (Beilage 5 zur Be-

rufung) ändern daran nichts und vermögen die Ausführungen der               

Vorinstanz – insbesondere in Bezug auf die familiäre Beziehung zum Ver-

mieter – nicht zu entkräften, zumal sie lediglich zwei Überweisungen in 

 - 21 - 

 

 

 

Höhe von Fr. 1'700.00 belegen und keine Ausführungen zu den Argumen-

ten der Vorinstanz enthalten. Dass der Bruder des Beklagten angesichts 

der finanziellen Situation der Familie den Mietzins um 70 % erhöht, er-

scheint in Anbetracht des teilweisen Verzichts auf frühere Mietzinsen auch 

nicht nachvollziehbar.  

 

3.5. 

Die Kosten für das Besuchsrecht sind in den Existenzminima der Eltern zu 

berücksichtigen (BGE 147 III 265 E. 7.2). Da die Klägerin nach Ablauf von 

sechs Monaten ab Rechtskraft des vorliegenden Entscheids jedes zweite 

Wochenende zum Bahnhof Q. und der Beklagte jedes zweite Wochenende 

nach T. fahren muss (E. 2.3.2 hiervor), sind die von der Vorinstanz festge-

legten, betragsmässig unbeanstandet gebliebenen Fahrkosten in Höhe von 

Fr. 260.00 ab diesem Zeitpunkt hälftig in den Existenzminima der Parteien 

zu berücksichtigen.  

 

Nachdem die übrigen Bedarfspositionen unbestritten geblieben sind, stellt 

sich die Situation nach Ablauf von sechs Monaten ab Rechtskraft des vor-

liegenden Entscheids daher wie folgt dar:  

 

 Beklagter Klägerin C. 

Einkommen       4'200.00        1'912.00  200.00                    

    

Bedarf    

Grundbetrag       1'200.00          1'200.00  400.00         

Wohnkosten       1'000.00  1'550.00          - 

Wohnkostenanteil - - 250.00 250.00 

Krankenkasse         363.00  393.00            100.00  

Arbeitsweg 145.00                   129.00                                   -    

Auswärtige Verpflegung              110.00                 110.00                    -    

Ausübung Besuchsrecht 130.00 130.00  

Total      2'948.00       3'262.00          750.00  

 

Daraus resultiert für den Beklagten ein Überschuss von Fr. 1'252.00 (Ein-

kommen Fr. 4'200.00 – Bedarf Fr. 2'984.00), für die Klägerin ein Manko von 

Fr. 1'350.00 (Betreuungsunterhalt; Einkommen Fr. 1'912.00 – Bedarf 

Fr. 3'262.00) und für C. ein Manko von Fr. 550.00 (Barunterhalt; Einkom-

men Fr. 200.00 – Bedarf Fr. 750.00). Unter Berücksichtigung des vom Be-

klagten zu bezahlenden Barunterhalts von C. erweist sich dieser in der 

Lage, an den Betreuungsunterhalt noch Fr. 702.00 (Überschuss Beklagter 

von Fr. 1'252.00 – Barbedarf C. Fr. 550.00) zu bezahlen. Zur Deckung des 

gebührenden Unterhalts von C. verbleibt somit ein Manko von Fr. 648.00.  

 

 - 22 - 

 

 

 

3.6. 

Damit ist der Beklagte – in Abweichung zum vorinstanzlichen Entscheid – 

nach Ablauf von sechs Monaten ab Rechtskraft des vorliegenden Ent-

scheids zu verpflichten, an den Unterhalt von C. Fr. 1'252.00 (davon 

Fr. 702.00 Betreuungsunterhalt) zu bezahlen.  

 

4. 

Nach dem Gesagten ist in teilweiser Gutheissung der Berufung der ange-

fochtene Entscheid in den Ziffern 3.2, 3.3, 3.4, 4.2, 5.1 und 5.2 gemäss den 

vorstehenden Erwägungen anzupassen. 

 

5. 

Der Beklagte obsiegt mit seiner Berufung betreffend Besuchsrecht teil-

weise und er unterliegt vollständig bezüglich Unterhalt. Bei diesem Aus-

gang wird die obergerichtliche Spruchgebühr von Fr. 2'000.00 (Art. 95 

Abs. 1 lit. a ZPO, Art. 96 ZPO i.V.m. §§ 3 Abs. 1, 8 und 11 Abs. 1 VKD) zu 

drei Vierteln dem Beklagten und zu einem Viertel der Klägerin auferlegt. 

Der Beklagte ist zudem zu verpflichten, der Klägerin die Hälfte ihre zweit-

instanzlichen Anwaltskosten zu ersetzen. Die Klägerin macht Parteikosten 

von Fr. 1'462.17 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) geltend (Beilage 8 

zur Berufungsantwort). Dies erscheint angesichts der praxisgemässen 

Grundentschädigung von Fr. 2'500.00 (§ 3 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AnwT) 

und den tarifgemässen Zu- und Abschlägen (§§ 6 ff. AnwT) angemessen. 

 

6. 

6.1. 

Beide Parteien beantragten für das Berufungsverfahren die Bewilligung der 

unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung (Art. 119 

Abs. 5 ZPO). Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, 

wenn sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechtsbegeh-

ren nicht aussichtslos erscheint (Art. 117 ZPO). Bei Verfahren um Bewilli-

gung der unentgeltlichen Rechtspflege hat das Gericht den Sachverhalt 

von Amtes wegen abzuklären, was den Gesuchsteller aber nicht davon ent-

bindet, seine finanzielle Situation vollumfänglich offenzulegen 

(BGE 4A_466/2009 E. 2.3). Kommt der Gesuchsteller seiner Pflicht nicht 

nach, kann das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abgewiesen wer-

den (BGE 5A_6/2017 E. 2). Soweit er seiner Beweisführungspflicht hinrei-

chend nachgekommen ist, genügt Glaubhaftmachung der Mittellosigkeit 

(BGE 104 Ia 323 E. 2b). Ein Gesuchsteller ist in Beachtung dieser Pflichten 

somit gehalten, bereits im Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege die ent-

sprechenden Tatsachen und Beweismittel beizubringen 

(BGE 5A_580/2014 E. 3.2). Tatsachen sind dabei in der Rechtsschrift sel-

ber darzulegen; eine blosse Verweisung auf die Beilagen reicht in aller Re-

gel nicht (BGE 4A_281/2017 E. 5). Das Gericht ist nicht verpflichtet, die 

Akten zu durchforsten, um abzuklären, ob sich daraus zu Gunsten einer 

 - 23 - 

 

 

 

der Parteien irgendetwas ergibt (BGE 4A_491/2014 E. 2.6.1). Daran ändert 

auch die Untersuchungsmaxime nichts. 

 

6.2. 

Mit Entscheid vom 8. September 2022 wurde das Gesuch der Klägerin um 

Leistung eines Prozesskostenvorschusses für das vorliegende Berufungs-

verfahren von der Vorinstanz abgewiesen (Beilage zur Eingabe vom 

19. September 2022). Es erscheint offensichtlich, dass die von Sozialhilfe 

lebende (Beilage 7 zur Berufungsantwort) Klägerin mittellos ist (vgl. Beru-

fungsantwort, S. 8 f.). Das Gesuch der Klägerin um Bewilligung der unent-

geltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung im Berufungsverfahren 

ist deshalb gutzuheissen. 

 

6.3. 

Vorliegend beliess es der Beklagte in seiner Berufungsschrift dabei (Beru-

fung, S. 20), für den Nachweis seiner Mittellosigkeit auf die Vorakten zu 

verweisen. Insbesondere unterliess er es, seine aktuelle Einkommenssitu-

ation darzulegen und stützte sich lediglich auf die Ausführungen der Vor-

instanz in Bezug auf die Unterhaltsberechnung. In den ins Recht gelegten 

aktuellen Kontoauszügen vom 22. Juni 2022 wurde sodann der Saldo des 

Bankkontos verdeckt (Beilage 5 zur Berufung). Zu diesem erklärungsbe-

dürftigen Vorgehen äussert sich der Beklagte nicht. Der Beklagte hat somit 

seine finanzielle Situation im Berufungsverfahren nicht offengelegt. Seine 

zivilprozessuale Bedürftigkeit im vorliegend relevanten Zeitraum ab Ge-

suchseinreichung am 27. Juni 2022 ist damit nicht glaubhaft dargetan. Sein 

Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsver-

beiständung im Berufungsverfahren ist folglich abzuweisen.  

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

1.1. 

In teilweiser Gutheissung der Berufung, werden die Dispositiv-Ziffern 3.2, 

3.3, 3.4, 4.2, 5.1 und 5.2 des Entscheids des Bezirksgerichts Bremgarten, 

Präsidium des Familiengerichts, vom 9. Juni 2022, aufgehoben und durch 

folgende Bestimmungen ersetzt: 

 

3.2. 
 Der Gesuchsgegner wird für berechtigt erklärt, den gemeinsamen Sohn C. 

jedes zweite Wochenende samstags oder sonntags auf eigene Kosten zu 
besuchen oder mit sich auf Besuch zu nehmen. Die Besuche haben grund-
sätzlich im Tessin zu erfolgen. Die Eltern sprechen sich frühzeitig über die 
Dauer und den Ort der Besuche ab. Sollten sich die Eltern über die Dauer 
der Besuche nicht einigen können, so beträgt diese beim  

 
- ersten Besuch mindestens zwei Stunden,  
- zweiten Besuch mindestens drei Stunden,  

 - 24 - 

 

 

 

- dritten Besuch mindestens vier Stunden,  
- vierten Besuch mindestens fünf Stunden, und  
- ab dem fünften Besuch mindestens sechs Stunden.  
 
3.3.  
Nach Ablauf von sechs Monaten ab Rechtskraft des vorliegenden Ent-
scheids wird der Gesuchsgegner für berechtigt erklärt, den gemeinsamen 
Sohn C. jedes zweite Wochenende mit Übernachtung zu sich oder mit sich 
auf Besuch zu nehmen. Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, C. an den 
Besuchswochenenden jeweils am Samstagmorgen (bis spätestens um 
11:00 Uhr) auf eigene Kosten zum Bahnhof Q. zu bringen. Der Gesuchs-
gegner wird verpflichtet, C. jeweils am Sonntagabend (bis spätestens um 
20:00 Uhr) auf eigene Kosten zum Bahnhof T. zu bringen.  
 
3.4.  
Der Gesuchsgegner wird zudem für berechtigt erklärt, mit C. einmal pro 
Woche an einem gemeinsam zu definierenden Wochentag ein Telefonat 
via Skype zu führen. Die Eltern sprechen sich frühzeitig ab, wann das Te-
lefonat stattfinden soll. Der Gesuchstellerin wird die Weisung erteilt, die 
telefonische Kommunikation zwischen dem Gesuchsteller und C. wöchent-
lich zu ermöglichen und das Gespräch nicht zu unterbrechen sowie die 
Intervention in das Gespräch durch Drittpersonen zu unterbinden. 
 
4.2.  
Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Lugano(ovest) wird mit dem 
Vollzug beauftragt, wobei der Aufgabenbereich des/der noch zu ernennen-
den Beistands/Beiständin die Wahrung von Interesse und Wohl des Kin-
des sowie insbesondere folgende Aufgabenbereiche umfasst:  
- Begleitung und Beratung der Eltern in der Erziehung 
- Aufbau einer dem Kindswohl förderlichen Zusammenarbeit der Eltern  
- Beratung in der Organisation des persönlichen Verkehrs 
- Funktion der Ansprechperson bei Fragen der Eltern, Schule und Insti-

tutionen  
- Koordination der Zusammenarbeit (Eltern, Schule, Tagesstruktur etc.) 
- Beratung zu Freizeitgestaltung und Unterstützungsangeboten (inkl. Fi-

nanzierung) 
 
5.1. 
Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin an den Unterhalt 
von C. monatlich vorschüssig folgende Unterhaltsbeiträge zuzüglich allfäl-
lig bezogener Kinderzulagen zu bezahlen:  
 
- ab 01.11.2021 bis 31.08.2022   Fr. 577.— 

(davon Fr. 27.00 Betreuungsunterhalt) 
 
 
- ab 01.09.2022     Fr. 1'122.— 

(davon Fr. 572.00 Betreuungsunterhalt) 
 
- nach Ablauf von sechs Monaten ab   Fr. 1'152.— 

Rechtskraft des vorliegenden Entscheids 
(davon Fr. 702.00 Betreuungsunterhalt) 

 
5.2. 
Es wird festgehalten, dass zur Deckung des gebührenden Unterhalts für 
den gemeinsamen Sohn C. folgende Beträge fehlen:  
 

 - 25 - 

 

 

 

- ab 01.11.2021 bis 31.08.2022    Fr. 2'866.— 
- ab 01.09.2022     Fr. 648.— 
- nach Ablauf von sechs Monaten ab   Fr. 648.— 

Rechtskraft des vorliegenden Entscheids 
 

1.2. 

Im Übrigen wird die Berufung abgewiesen.  

 

2. 

Das Gesuch der Klägerin um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege 

wird gutheissen und MLaw Tamara De Caro, Rechtsanwältin, Baden, zu 

ihrer unentgeltlichen Rechtsvertreterin bestellt. 

 

3. 

Das Gesuch des Beklagten um Bewilligung der unentgeltlichen Rechts-

pflege wird abgewiesen. 

 

4. 

Die obergerichtlichen Gerichtskosten von Fr. 2'000.00 werden dem Beklag-

ten zu drei Vierteln mit Fr. 1'500.00 und der Klägerin zu einem Viertel mit 

Fr. 500.00 auferlegt, wobei der Anteil der Klägerin zufolge Gewährung der 

unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen gemäss Art. 123 ZPO vorgemerkt 

wird. 

 

5. 

Der Beklagte wird verpflichtet, der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der 

Klägerin, MLaw Tamara De Caro, Rechtsanwältin, Baden, die Hälfte ihrer 

für das Berufungsverfahren gerichtlich genehmigten zweitinstanzlichen An-

waltskosten von Fr. 1'462.17, d.h. Fr. 732.10 zu bezahlen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

[...] 

 
 

Zustellung nach Rechtskraft an: 

[...] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Zivilsachen (Art. 72 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. In vermögensrechtlichen 

Angelegenheiten ist die Beschwerde nur zulässig, wenn der Streitwert in arbeits- und miet-

rechtlichen Fällen mindestens Fr. 15'000.00 bzw. in allen übrigen Fällen mindestens 

Fr. 30'000.00 beträgt, es sei denn, es stelle sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Be-

deutung oder es handle sich um einen Entscheid des Konkurs- und Nachlassrichters (Art. 44 

Abs. 1, Art. 72, Art. 74, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 - 26 - 

 

 

 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Ist eine Beschwerde 

nur unter der Voraussetzung zulässig, dass sich eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Be-

deutung stellt, ist auszuführen, warum diese Voraussetzung erfüllt ist. Die Urkunden, auf die 

sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in den Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). 

 

   

Rechtsmittelbelehrung für die subsidiäre Verfassungsbeschwerde (Art. 113 ff. BGG)  

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die subsidi-

äre Verfassungsbeschwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden, so-

weit keine Beschwerde nach den Artikeln 72 - 89 BGG zulässig ist (Art. 44 Abs. 1, Art. 90, 

Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1, Art. 113, Art. 117 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid verfassungsmässige Rechte (Art. 116 BGG) verletzt. 

Die Urkunden, auf die sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die 

Partei sie in den Händen hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 

BGG). Wird gegen einen Entscheid sowohl ordentliche Beschwerde als auch Verfassungs-

beschwerde geführt, sind beide Rechtsmittel in der gleichen Rechtsschrift einzureichen 

(Art. 119 Abs. 1 BGG). 

 

 
   

Aarau, 12. Dezember 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Zivilgericht, 5. Kammer 

Der Präsident:     Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

 

Brunner      Corazza