# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9ed3ebfe-bde6-57b6-8cd2-29b52950b2cf
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-23
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 23.01.2024 SST.2023.197
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-197_2024-01-23.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2023.197 
(ST.2022.160; STA.2022.546) 

 

 

Urteil vom 23. Januar 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin 

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Möckli 

Gerichtsschreiber i.V. Wildi 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg 

 

 
    

Beschuldigter   A._____, 

geboren am tt.mm.1992, von Sri Lanka, 

[...] 

amtlich verteidigt durch Advokat Markus Trottmann, 

[...] 

 

 

 
 

Gegenstand  Zugänglichmachen von tatsächlicher Kinderpornografie 
 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau erhob am 13. Oktober 2022 fol-

gende Anklage gegen den Beschuldigten: 

 

"I.  Zur Last gelegte strafbare Handlungen (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO) 

 

Zugänglichmachen von tatsächlicher Kinderpornografie 

(Art. 197 Abs. 4 Satz 1 i.V.m. Satz 2 StGB) 

 

 Der Beschuldigte hat eine pornografische Bildaufnahme, die eine tatsächliche sexuelle 

Handlung mit einem Minderjährigen zum Inhalt hat, zugänglich gemacht. 

 

Tatort: T._____ 

 Tatzeitpunkt: Freitag, 6. November 2020, 16.15 Uhr 

 

 Der Beschuldigte sendete zur vorgenannten Zeit während seines Aufenthalts in T._____ 

eine Videoaufnahme via Facebook an die Empfängerin C._____, geb. tt.mm.jjjj, weiter. 

Hierzu verwendete der Beschuldigte seinen Facebook-Account, welcher mit seiner E-

Mailadresse aaa@aaa.com verknüpft ist. 

 

 Auf der betreffenden Videoaufnahme ist ersichtlich, wie eine erwachsene Frau den Penis 

eines minderjährigen Knaben in den Mund nimmt und Oralverkehr verübt. 

 

 Der Beschuldigte wusste um den Inhalt der Videoaufnahme. Konkret war ihm klar, dass an 

einem minderjährigen Knaben eine Sexualpraktik ausgeübt wurde. Folglich verschaffte er 

der Facebook-Nutzerin C._____ durch die Zusendung der betreffenden Videoaufnahme 

bewusst und gewollt direkten Zugang zum umschriebenen Inhalt. 

 

II.  Entstandene Untersuchungskosten (Art. 326 Abs. 1 lit. d StPO) 

 

 Es sind bis anhin Untersuchungskosten in der Höhe von CHF 400.00 entstanden. 

 

III.  Anträge 

 

1. Die Beschuldigte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen. 

2. Sie sei in Anwendung der vorgenannten Gesetzesbestimmungen sowie von Art. 5 Abs. 1 

lit. c StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 42 Abs. 4 i.V.m. Art. 106 StGB, Art. 44 

StGB und Art. 47 StGB zu verurteilen zu einer: 

 - bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je CHF 80.00, verbunden mit einer 
 Probezeit von 2 Jahren 

 
- Busse von CHF 2'000.00, ersatzweise 25 Tage Freiheitsstrafe 

3. Der Beschuldigte sei gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB für die Dauer von 5 Jahren 

aus der Schweiz zu verweisen. 

 - 3 - 

 

 

4. Dem Beschuldigten sei in Anwendung von Art. 67 Abs. 3 lit. d Ziff. 2 StGB lebenslänglich 

jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen 

Kontakt zu Minderjährigen umfasst, zu verbieten. 

5. Die Verfahrenskosten inkl. der bis anhin entstandenen Untersuchungskosten in der 

Höhe von CHF 400.00 (Ziff. II) sowie die Anklagegebühr in der Höhe von CHF 1'350.00 

seien dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

6. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu nehmen und vom 

kostenfälligen Beschuldigten zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhält-

nisse erlauben. 
 

Auf eine Vorladung zur Hauptverhandlung wird verzichtet." 

 

2. 

2.1. 

Am 29. März 2023 fand die Hauptverhandlung vor der Präsidentin des Be-

zirksgerichts Lenzburg mit Befragung des Beschuldigten statt. Der Be-

schuldigte stellte anlässlich der Hauptverhandlung folgende Anträge: 

 

"1.  Es sei Herrn A._____ kostenlos freizusprechen. 
 
2.  Es seien die Kosten für die amtliche Verteidigung definitiv auf den Staat zu nehmen. 
 
3. Es sei Herrn A._____ gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO für die durch die Haussu-

chung und die Durchsuchung seines Computers und seines Handys erlittene Unbill, 
welche ein einschneidender Eingriff in die Privatsphäre bedeutet, eine Entschädigung 
von CHF 500.00 zuzusprechen." 

 

2.2. 

Die Präsidentin des Bezirksgerichts Lenzburg fällte gleichentags das fol-

gende Urteil: 

 

"1. 
Der Beschuldigte wird von Schuld und Strafe freigesprochen. 

 
2. 
2.1 
Die Dolmetscherkosten trägt der Staat. 
 
2.2 
Die Verfahrenskosten trägt der Staat. 
 
2.3 
Die Anklagegebühr trägt der Staat. 
 
3. 
Die Gerichtskasse Lenzburg wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Beschuldig-
ten lic. iur. Markus Trottmann die richterlich auf CHF 6'792.20 (inkl. MWSt von CHF 485.64) 
festgesetzte Entschädigung auszurichten. 
 
4. 
Der Antrag des Beschuldigten auf Entschädigung von CHF 500.00 wird abgewiesen." 

 - 4 - 

 

 

2.3. 

Gegen dieses ihr am 5. April 2023 im Dispositiv zugestellte Urteil inkl. Kurz-

begründung meldete die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau gleichentags 

die Berufung an. Das begründete Urteil wurde ihr in der Folge am 4. August 

2023 zugestellt. 

 

3. 

3.1. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau beantragte mit Berufungserklä-

rung vom 17. August 2023: 

 

"1. Es sei der Beschuldigte in vollumfänglicher Aufhebung des Urteils des Bezirksgerichts 
Lenzburg vom 29. März 2023 des Zugänglichmachens von harter Pornografie gemäss 
Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB schuldig zu sprechen. 

 
 2. Es sei der Beschuldigte zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 

CHF 80.00 bei einer Probezeit von 2 Jahren sowie einer Busse von CHF 2'000.00 zu 
bestrafen. 

 
 3. Es sei der Beschuldigte gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB für die Dauer von 5 Jah-

ren aus der Schweiz zu verweisen. 
 
 4. Es sei dem Beschuldigten in Anwendung von Art. 67 Abs. 3 lit. d Ziff. 2 StGB lebens-

länglich jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen re-
gelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, zu verbieten. 

 
 5.  Es seien in Aufhebung von Ziff. 2.2 und 2.3 die Verfahrenskosten inkl. Anklagegebühr  

vollumfänglich dem Beschuldigten aufzuerlegen. 
 

 6.  Es sei in Aufhebung von Ziff. 3 der Beschuldigte zu verpflichten, dem Kanton Aargau 
die Kosten für die amtliche Verteidigung vollumfänglich zurückzuzahlen, sobals es 
seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 
 7.  Unter o/e Kostenfolge zulasten des Beschuldigten." 

 

3.2. 

Mit Verfügung vom 28. August 2023 ordnete die Verfahrensleiterin das 

mündliche Berufungsverfahren an. 

 

3.3. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau reichte am 26. September 2023 

die schriftliche Berufungsbegründung ein und hielt darin an ihren bereits 

gestellten Anträgen fest. 

 

3.4. 

Mit Eingabe vom 13. November 2023 reichte der Beschuldigte die Beru-

fungsantwort ein und stellte folgende Anträge: 

 

"1.  
Es sei die Berufung kostenpflichtig zu Lasten der Berufungsklägerin abzuweisen. 
 

 - 5 - 

 

 

2. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge." 

 

4. 

Am 23. Januar 2024 fand die Berufungsverhandlung mit Befragung des 

Beschuldigten statt. 

 
 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 6. November 2020 eine Video-

aufnahme via Facebook an eine Drittperson versendet zu haben. Dabei 

zeige die Videoaufnahme eine erwachsene Frau, die den Penis eines min-

derjährigen Knaben in den Mund nehmen und Oralverkehr verüben würde. 

Der Beschuldigte habe um den Inhalt dieses Videos gewusst und dieses 

wissentlich und willentlich einer Drittperson zugänglich gemacht, weshalb 

er sich der harten Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB strafbar 

gemacht habe. 

 

1.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten vom Vorwurf des Zugänglichma-

chens von Kinderpornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB in An-

wendung des Grundsatzes in dubio pro reo freigesprochen. 

 

1.3. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau beantragt die Aufhebung des Frei-

spruchs unter entsprechender Sanktions- und Kostenfolge zulasten des 

Beschuldigten. Das vorinstanzliche Urteil ist demzufolge mit Ausnahme der 

Dispositiv-Ziffer 4 (Genugtuung) vollumfänglich zu überprüfen (Art. 404 

Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Gemäss Art. 197 Abs. 4 StGB macht sich strafbar, wer harte Pornografie 

herstellt, einführt, lagert, in Verkehr bringt, anpreist, ausstellt, anbietet, 

zeigt, überlässt, zugänglich macht, erwirbt, sich über elektronische Mittel 

oder sonst wie beschafft oder besitzt. Art. 197 Abs. 4 StGB setzt damit Tat-

handlungen unter Strafe, von denen die Gefahr der Weiterverbreitung aus-

gehen kann ("herstellt, einführt"), oder die auf eine Verbreitung harter Por-

nografie ausgerichtet sind ("lagert, in Verkehr bringt, anpreist, usw."). "Zu-

gänglichmachen" bedeutet dabei das bewusste Einräumen der Möglichkeit 

der Kenntnisnahme aus eigenem Antrieb (ISENRING/KESSLER, in: Basler 

Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N 52i zu Art. 197 StGB). "Überlas-

sen" ist die Einräumung zumindest faktischer Herrschaftsmacht über die 

 - 6 - 

 

 

pornografischen Inhalte (ISENRING/KESSLER, a.a.O., N 52h zu Art. 197 

StGB). Als Gegenstände im Sinne von Art. 197 Abs. 1 StGB gelten insbe-

sondere pornografische Schriften, Ton- oder Bildaufnahmen und Abbildun-

gen. Der Begriff "tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen" be-

trifft sexuelle Handlungen unter Einbezug von realen minderjährigen Per-

sonen (Urteil des Bundesgerichts 6B_997/2018 vom 25. Februar 2019 

E. 2.1.1; Urteil des Bundesgerichts 1B_189/2018 vom 2. Mai 2018 E. 3.2). 

 

2.2. 

In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 197 Abs. 4 StGB Vorsatz, wobei Even-

tualvorsatz ausreicht. Der Vorsatz hat sich auf das Tatbestandselement  

eines pornografischen Inhalts zu beziehen. 

 

3. 

3.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass die 

Bundeskriminalpolizei der Schweiz – gestützt auf den CyberTipline Report 

des National Center for Missing & Exploited Children vom 3. Juli 2021 

(nachfolgend: Report NCMEC) – eine Hinweismeldung zum Nutzer des Fa-

cebook-Accounts mit dem User Name "[...]" erhalten hat. Gemäss dem Re-

port NCMEC wird dieser User des Besitzes, der Herstellung und Verbrei-

tung von Kinderpornografie verdächtigt, indem er am 6. November 2020, 

16:15:03 UTC, von T._____ aus eine Videodatei mit kinderpornografi-

schem Inhalt über Facebook an eine Drittperson, C._____, gesendet hatte 

(act. 91 ff.). Zum Zeitpunkt des Uploads dieses Videos (d.h. am 6. Novem-

ber 2020) hielt sich der Beschuldigte in T._____ auf (act. 13 f., 86, 143). 

 

Das Hochladen der fraglichen Datei erfolgte mit der IP-Adresse [...], welche 

dem Fernmeldedienstanbieter X._____ Ltd. zugeordnet werden konnte 

(act. 93, S. 4 Geo-Lookup [Uploaded files]). Daneben führt der Report 

NCMEC mit den IP-Adressen [...] und [...] zwei weitere IP-Adressen auf, 

welche dem Mobilfunkanbieter "G._____" zugewiesen werden konnten 

(act. 93, S. 4 Geo-Lookup [Suspect]). 

 

3.2. 

Im Weiteren ist ebenfalls erstellt, dass das Facebook-Konto mit dem User 

Name "[...]" mit der Mobiltelefonnummer "+41[...]", mit dem Namen 

"H._____" sowie mit der E-Mail-Adresse "aaa@aaa.com" verknüpft ist 

(act. 92, S. 1 Suspect). Die Bundeskriminalpolizei (Abteilung IT-Forensik) 

hat eine Auswertung der Nummer "+41[...]" vorgenommen, anhand welcher 

I._____ – die Ehefrau des Beschuldigten – als Anschlussinhaberin festge-

stellt werden konnte (act. 89 f.). Schliesslich ergab eine Anfrage bei Google 

im Zusammenhang mit einer Wiederherstellung betreffend die  

E-Mail-Adresse "aaa@aaa.com" weitere Verknüpfungen, nämlich mit der 

Telefonnummer "+94[...]" sowie mit der E-Mail- 

Adresse "bbb@bbb.com" (act. 90, 98). 

 - 7 - 

 

 

4. 

4.1. 

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 6. November 2020 ein Video, auf 

welchem zu sehen ist, wie eine erwachsene Frau den Penis eines minder-

jährigen Knaben in den Mund nimmt und Oralverkehr verübt, an C._____ 

versendet zu haben. Der Beschuldigte anerkannte von Anfang an, das frag-

liche Video in Form eines Standbildes auf seinem Facebook- 

Account gesehen zu haben (act. 106 f., 143; Protokoll der Berufungsver-

handlung S. 8). Ebenfalls von Anfang an bestritt er aber auch, dieses Video 

– ausser mit seinem Verteidiger auf dem Polizeiposten – angesehen und 

weitergeleitet zu haben. Vielmehr führte der Beschuldigte mehrfach aus, 

dass er die fragliche Videodatei nicht habe öffnen können, da hierfür die 

(erneute) Eingabe seiner E-Mail-Adresse respektive seines Benutzerna-

mens sowie seines Passwortes notwendig gewesen wäre (act. 107 Ziff. 48, 

act. 143; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7). Aus diesem Grund 

habe er zwar den Abspielknopf in der Mitte des Videos angeklickt, an-

schliessend aber aufgrund der erneuten Aufforderung zur Anmeldung den 

Vorgang abgebrochen (act. 144 f.; Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 6). Den Empfänger des Videos, C._____, kenne er nicht; diesen habe er 

auch nicht in seinem Adressbuch gespeichert (act. 107 Ziff. 55, act. 143; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 6 f.). 

 

4.2. 

4.2.1. 

Dass auf Facebook Videos im Umlauf sind, die – um in betrügerischer 

Absicht an die persönlichen Daten des Benutzers zu gelangen – vor dem 

Abspielen erneut nach der E-Mail-Adresse und dem Passwort des 

jeweiligen Nutzers fragen, ist ohne Weiteres denkbar. Vorliegend fällt 

zudem auf, dass die E-Mail-Adresse des Beschuldigten ("aaa@aaa.com") 

mit der Wiederherstellungs-E-Mail-Adresse "bbb@bbb.com" verknüpft ist 

(act. 90, 98). Sowohl anlässlich der delegierten Einvernahme vom 18. Juli 

2022 als auch während der vorinstanzlichen Hauptverhandlung betonte der 

Beschuldigte mehrmals, die E-Mail-Adresse "bbb@bbb.com" nicht zu 

kennen und daher auch nicht zu wissen, wem diese E-Mail-Adresse gehöre 

(act. 107 Ziff. 50, act. 143 f.). Im Übrigen sei ihm auch nicht bekannt, aus 

welchem Grund seine E-Mail-Adresse hätte wiederhergestellt werden 

müssen (act. 143 f.). Abklärungen seitens der Ermittlungs- und 

Untersuchungsbehörde zu dieser E-Mail-Adresse wurden nicht 

vorgenommen. Demgegenüber hielt der Beschuldigte mit Blick auf die E-

Mail-Adresse "aaa@aaa.com" an der delegierten Einvernahme vom 

18. Juli 2022 sowie auch anlässlich der Berufungsverhandlung fest, dass 

diese früher seine sri-lankische E-Mail-Adresse dargestellt habe und durch 

ihn errichtet worden sei (act. 106 Ziff. 41 f.; Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 5, 9). 

 

 - 8 - 

 

 

4.2.2. 

Gemäss dem Report NCMEC wurde das fragliche Video an C._____ ver-

sendet. Seitens der Ermittlungs- und Untersuchungsbehörden wurde nicht 

abgeklärt, um wen es sich beim Empfänger konkret handelt (in der Anklage 

wird von einer Frau ausgegangen), ob dieser das Video erhalten hat und 

ob der Beschuldigte in einem Kontakt zu diesem stand. Dies, obwohl der 

Beschuldigte bereits anlässlich der ersten Einvernahme vom 18. Juli 2022 

und während der vorinstanzlichen Hauptverhandlung konstant aussagte, 

keinen C._____ zu kennen; er könne diesen Namen zwar als sri-lankischen 

Männernamen qualifizieren, habe ihn aber noch nie gehört. Im Übrigen sei 

dieser Name auch nicht in seinem Adressbuch zu finden (act. 107 Ziff. 55, 

act. 144; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 6 f.). Ausweislich der Ak-

ten liegen keine Hinweise vor, die darauf hindeuten würden, dass sich der 

Beschuldigte und C._____ tatsächlich gekannt haben.  

 

4.2.3. 

Anlässlich der Hausdurchsuchung vom 18. Juli 2022 wurden weder auf den 

sichergestellten zwei Mobiltelefonen noch auf den fünf EDV-Gerätschaften 

des Beschuldigten kinderpornografisches Material gefunden (act. 86). Ins-

besondere auch das ihm vorgehaltene Video, das er versendet haben soll, 

fand sich auf keinem der durchsuchten Geräte. 

 

4.3. 

Insgesamt beruht der angeklagte Vorwurf des Zugänglichmachens der  

Videodatei mit kinderpornografischem Inhalt durch das Zusenden an 

C._____ einzig auf nicht näher überprüften Angaben des Reports NCMEC 

– mithin einer privaten, ausländischen Organisation. Die entsprechende 

Datei wurde auf keinem der dem Beschuldigten zugeordneten elektroni-

schen Datenträger gefunden, ebenso wenig befanden sich andere kinder-

pornographische Dateien auf den durchsuchten Datenträgern. In Bezug auf 

den im Report NCMEC erwähnten Empfänger, C._____, liegen ebenfalls 

keine weiteren Erkenntnisse vor. Schliesslich bleibt unklar, ob die E-Mail-

Adresse des Beschuldigten tatsächlich mithilfe der unbekannten, aber 

nachweislich verknüpften E-Mail-Adresse "bbb@bbb.com" wiederherge-

stellt wurde. Eine mögliche Fremdeinwirkung bleibt deshalb ohne Weiteres 

denkbar. Unter diesen Umständen bestehen gesamthaft erhebliche Zwei-

fel, ob der Beschuldigte das fragliche Video versendet respektive einer 

Drittperson zugänglich gemacht hat. Der objektive Tatbestand ist damit 

nicht erfüllt. 

 

4.4. 

Mit Blick auf den subjektiven Tatbestand ist darauf hinzuweisen, dass es 

für die vorliegende Beurteilung – wie von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-

Aarau mit Berufung fälschlicherweise geltend gemacht (Berufungsbegrün-

dung S. 3) – nicht ins Gewicht fällt, auf welche Art und Weise bzw. über 

welchen Kanal das fragliche Video C._____ zugänglich gemacht wurde. 

 - 9 - 

 

 

Insbesondere lassen sich damit keine Rückschlüsse auf den Vorsatz des 

Beschuldigten ziehen. So wird von Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB strafrecht-

lich nur erfasst, wer die entsprechende Tathandlung (vorliegend die elekt-

ronische Weiterleitung an eine Drittperson) in Kenntnis um den Inhalt des 

Tatobjekts (vorliegend die Videodatei) begeht (vgl. auch E. 2.1 f. hiervor). 

Dieser Nachweis kann im konkreten Fall – wie gezeigt – nicht erbracht wer-

den, womit der Vorsatz des Beschuldigten nicht rechtsgenügend nachge-

wiesen werden kann und der subjektive Tatbestand damit ebenfalls zu ver-

neinen ist. 

 

5. 

Der Beschuldigte ist demnach vom Vorwurf des Zugänglichmachens harter 

Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB freizusprechen. 

 

Damit erübrigen sich auch Ausführungen zum beantragten Landesverweis 

nach Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB sowie zum ebenfalls beantragten lebens-

länglichen Tätigkeitsverbot i.S.v. Art. 67 Abs. 3 lit. d Ziff. 2 StGB. 

 

6. 

6.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge gutgeheis-

sen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_997/2020 vom 18. November 

2021 E. 2.2). 

 

6.2. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau unterliegt mit ihrer Berufung voll-

ständig. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten des Beru-

fungsverfahrens auf die Staatskasse zu nehmen (§ 18 VKD). 

 

6.3. 

Vorliegend erfolgt ein vollumfänglicher Freispruch, womit der amtliche Ver-

teidiger des Beschuldigten für seine Aufwendungen im Berufungsverfahren 

gestützt auf die eingereichte Kostennote, mit Fr. 4'649.75 (inkl. Auslagen 

und Mehrwertsteuer) aus der Staatskasse zu entschädigen ist (Art. 135 

Abs. 1 StPO i.V.m. §9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT). 

 

7. 

7.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). 

 

 - 10 - 

 

 

7.2. 

Nachdem der Beschuldigte von Schuld und Strafe freigesprochen wird, 

sind die erstinstanzlichen Verfahrenskosten auf die Staatskasse zu neh-

men. 

 

7.3. 

Ausgangsgemäss sind dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten die 

vorinstanzlichen Aufwendungen in der Höhe von Fr. 6'792.20 zu ersetzen 

(Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). 

 

8. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
 

 

 

 

  

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf des Zugänglichmachens harter Porno-

grafie gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB freigesprochen. 

 

2. 

2.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gerichtsge-

bühr von Fr. 2'000.00 sowie den Auslagen von Fr. 462.70, gesamthaft 

Fr. 2'462.70, werden auf die Staatskasse genommen. 

 

2.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten, lic. iur. Markus Trottmann, für das Berufungsverfahren eine 

Entschädigung in der Höhe von Fr. 4'649.75 (inkl. Auslagen und Mehrwert-

steuer) auszurichten. 

 

3. 

3.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten werden auf die Staatskasse ge-

nommen. 

 

3.2. 

Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten, lic. iur. Markus Trottmann, 

ist für das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung in der Höhe von 

Fr. 6'792.20 (inkl. Mehrwertsteuer von Fr. 485.64) auszurichten. 

 

 - 11 - 

 

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Antrag des Geschädigten auf Genugtuung in Höhe von Fr. 500.00 wird 

abgewiesen. 

 

 

 Zustellung an: 

[...] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der voll-

ständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das Schweize-

rische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und 

Art. 112 Abs. 1 BGG). 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerd-

elegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 23. Januar 2024 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin:    Der Gerichtsschreiber i.V.: 

 

 

 

Plüss     Wildi