# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6bf7d04f-c08f-52ef-be50-e33260ad3876
**Source:** Nidwalden (NW)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-11
**Language:** de
**Title:** Nidwalden Gerichte 11.06.2024 35530
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/NW_Gerichte/NW_OG_001_35530_2024-06-11.pdf

## Full Text

GERICHTE    OBERGERICHT  Marktgasse 4, Postfach 1244, 6371 Stans  

Tel. 041 618 79 70, www.nw.ch 

 

BAS 23 17 Beschwerde beim BGer hängig 

 

 

Beschluss vom 22. Februar 2024 

Beschwerdeabteilung in Strafsachen 

 

 

 

Besetzung Vizepräsidentin Barbara Brodmann, Vorsitz, 

 Oberrichterin Franziska Ledergerber, 

 Oberrichter Franz Odermatt, 

Gerichtsschreiberin Sarah Huber. 

 
 
 

Verfahrensbeteiligte A.__,  

vertreten durch MLaw Artan Sadiku, Rechtsanwalt,  

Meier Sadiku Law Ltd, Eigenheimweg 10, 6010 Kriens, 

Beschwerdeführerin, 

gegen 

B.__,  

Beschwerdegegner/beschuldigte Person. 

 

 

 

Gegenstand Nichtanhandnahme 

Beschwerde gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft 

Nidwalden vom 3. Oktober 2023 (STA-Nr. A1 23 3476). 

2 │ 17 

 

Sachverhalt: 

A.  

Am 24. April 2023 stellte A.__ («Beschwerdeführerin») bei der Kantonspolizei Nidwalden Straf-

antrag gegen B.__ («Beschwerdegegner»/«Beschuldigter») wegen Sachbeschädigung (STA-

act. 2.3). In der Folge hat die Kantonspolizei Nidwalden A.__ als Auskunftsperson zur Sache 

befragt. Laut ihren Aussagen vom 29. April 2023 wirft sie B.__ im Wesentlichen vor, zwischen 

dem 21. und 23. April 2023 ihren aus Holzpfosten und Schnüren bestehenden Zaun entlang 

der gemeinsamen Grenze zwischen den Liegenschaften an der __strasse 12 und der 

__strasse 4 in X.__ (NW) beschädigt zu haben. Konkret soll der Beschwerdegegner etwa 2/3 

der Holzpfosten herausgerissen und am Boden abgelegt und die Schnüre verknotet zurück-

gelassen haben (STA-act. 5.7 ff. dep. 2 ff.). Am 29. April 2023 konstituierte sich die Beschwer-

deführerin als Privatklägerin im Straf- und Zivilpunkt. Ihre Zivilforderung liess sie vorerst unbe-

ziffert (STA-act. 2.4 ff.). Mit Schreiben vom 13. September 2023 machte sie schliesslich eine 

Zivilforderung in Höhe von CHF 1'210.80 geltend (STA-act. 4.12 ff.). 

 

B.  

Mit Verfügung vom 3. Oktober 2023 beschied die Staatsanwaltschaft Nidwalden, die Sache 

werde nicht an Hand genommen, die Zivilklage der Beschwerdeführerin auf den Zivilweg ver-

wiesen und die Verfahrenskosten trage der Staat. Eine Entschädigung oder Genugtuung 

wurde nicht ausgerichtet (STA-act. 1.1; STA-Nr. A1 23 3476). 

Im Übrigen wird hinsichtlich des Verfahrensverlaufs bis zum 3. Oktober 2023 auf die diesbe-

züglichen Ausführungen (vgl. dortige E. 1) in der Nichtanhandnahmeverfügung verwiesen 

(Art. 82 Abs. 4 StPO [SR 312.0]). 

 

C.  

Dagegen erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 12. Oktober 2023 Beschwerde mit 

den Anträgen (amtl. Bel. 1): 

« 1. Es sei die Nichtanhandnahmeverfügung der Beschwerdegegnerin vom 03.10.2023 aufzuheben 
und die Beschwerdegegnerin anzuweisen, die Sache an die Hand zu nehmen und eine Straf-
untersuchung gegen den Beschuldigten wegen Sachbeschädigung zu eröffnen. 

 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MWST zu Lasten der Staatskasse.» 

  

3 │ 17 

 

D.  

Mit Eingabe vom 18. Oktober 2023 äusserte sich der Beschwerdegegner zur Sache, stellte 

jedoch keine Anträge (amtl. Bel. 3). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Vernehmlas-

sung (amtl. Bel. 4). 

 

E.  

Mit Replik vom 31. Oktober 2023 äusserte sich die Beschwerdeführerin erneut zur Sache und 

hielt an den gestellten Anträgen fest (amtl. Bel. 6). Mit Eingabe vom 11. November 2023 ver-

zichtete der Beschwerdegegner auf eine Duplik (amtl. Bel. 8). Damit war der Schriftenwechsel 

abgeschlossen. Praxisgemäss wurden die Akten der Staatsanwaltschaft beigezogen. 

 

F.  

Die Beschwerdeabteilung in Strafsachen des Obergerichts Nidwalden hat die vorliegende 

Streitsache anlässlich ihrer Sitzung vom 22. Februar 2024 in Abwesenheit der Parteien ab-

schliessend beraten und beurteilt. Auf die Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften 

wird – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

 

 

Erwägungen: 

1. 

1.1 

Angefochten ist die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Nidwalden vom 

3. Oktober 2023 (STA-Nr. A1 23 3476). Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der 

Staatsanwaltschaft ist die Beschwerde zulässig (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO [SR 312.0]). Be-

schwerdeinstanz gegen Verfügungen der Staatsanwaltschaft Nidwalden ist das Obergericht 

Nidwalden, Beschwerdeabteilung in Strafsachen (Art. 20 Abs. 1 lit. b StPO i.V.m. Art. 29 GerG 

[NG 261.1]), die in Dreierbesetzung entscheidet (Art. 22 Ziff. 2 GerG). Die Beschwerdeführerin 

ist als mutmasslich Geschädigte beziehungsweise Privatklägerin im Zivil- und Strafpunkt Par-

tei des Strafverfahrens und berechtigt, gegen die Nichtanhandnahmeverfügung Beschwerde 

zu erheben (Art. 382 Abs. 1 und Art. 322 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 310 Abs. 2 StPO). Eine 

Nichtanhandnahmeverfügung ist innert 10 Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwer-

deinstanz anzufechten (Art. 396 Abs. 1, Art. 322 Abs. 2 i.V.m. Art. 310 Abs. 2 StPO). Die 

4 │ 17 

 

Nichtanhandnahmeverfügung wurde der Beschwerdeführerin am 5. Oktober 2023 zugestellt 

(STA-act. 1.4), womit die am 12. Oktober 2023 eingereichte Beschwerde frist- und formgerecht 

erfolgte. Auch die übrigen Eintretensvoraussetzungen sind erfüllt, weshalb auf die Beschwerde 

einzutreten ist. 

 

1.2 

Mit der Beschwerde können Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Miss-

brauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, die unvollständige oder 

unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden (Art. 393 

Abs. 2 StPO). Die Beschwerdeinstanz ist nicht an die Begründung und die Anträge – ausser 

bei der Beurteilung einer Zivilklage – gebunden (Art. 391 Abs. 1 StPO). Sie verfügt mithin über 

volle Kognition und kann folglich ihre eigene, rechtlich begründete Ansicht an die Stelle derje-

nigen der vorinstanzlichen Strafbehörde setzen und die Beschwerde gutheissen, wenn ihr die 

erhobene Rüge begründet erscheint (PATRICK GUIDON, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], 

Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023 [BSK-StPO], N 15 zu 

Art. 393 StPO). Die beschwerdeführende Partei hat genau anzugeben, welche Punkte des 

Entscheides sie anficht (Art. 385 Abs. 1 lit. a StPO), welche Gründe einen anderen Entscheid 

nahelegen (dortige lit. b) und welche Beweismittel sie anruft (dortige lit. c).  

 

2. 

2.1 

Die Beschwerdeführerin macht in formeller Hinsicht geltend, die Kantonspolizei Nidwalden 

habe Untersuchungshandlungen vorgenommen, indem sie eigene Fotoaufnahmen erstellt 

habe. Eine Nichtanhandnahme komme jedoch nur in Frage, wenn keine Untersuchungshand-

lungen vorgenommen worden seien.  

 

2.2 

Das Vorverfahren besteht aus dem Ermittlungsverfahren der Polizei und der Untersuchung 

der Staatsanwaltschaft. Im Vorverfahren werden, ausgehend vom Verdacht, es sei eine Straf-

tat begangen worden, Erhebungen getätigt und Beweise gesammelt (Art. 299 Abs. 1 und 2 

StPO). Das Vorverfahren wird eingeleitet durch: a. die Ermittlungstätigkeit der Polizei; b. die 

Eröffnung einer Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft (Art. 300 Abs. 1 StPO). Als Er-

mittlungstätigkeit hat dabei jede Handlung zu gelten, welche auf die Aufklärung einer konkre-

ten Straftat gerichtet ist (CHRISTOF RIEDO/BARBARA BONER, in: BSK-StPO, a.a.O., N 10 zu 

5 │ 17 

 

Art. 299 StPO). Wird das Vorverfahren durch die Eröffnung einer Untersuchung durch die 

Staatsanwaltschaft eingeleitet, ist eine Verfügung i. S. v. Art. 309 Abs. 3 StPO vorausgesetzt, 

worin die beschuldigte Person und die ihr zur Last gelegte Straftat bezeichnet wird. Auch 

blosse Ermittlungshandlungen der Staatsanwaltschaft (ohne formelle Eröffnung einer Unter-

suchung i. S. v. Art. 309) bedeuten indes eine Einleitung des Verfahrens (CHRISTOF RIEDO/BAR-

BARA BONER, a.a.O., N 15 ff. zu Art. 300 StPO). Die Polizei stellt im Ermittlungsverfahren auf 

der Grundlage von Anzeigen, Anweisungen der Staatsanwaltschaft oder eigenen Feststellun-

gen den für eine Straftat relevanten Sachverhalt fest. Sie hat namentlich: a. Spuren und Be-

weise sicherzustellen und auszuwerten; b. geschädigte und tatverdächtige Personen zu ermit-

teln und zu befragen; c. tatverdächtige Personen nötigenfalls anzuhalten und festzunehmen 

oder nach ihnen zu fahnden (Art. 306 Abs. 1 und 2 StPO). Diese Aufzählung der polizeilichen 

Aufgaben ist lediglich beispielhaft und nicht abschliessend. Die in Art. 306 – 307 StPO gere-

gelte Ermittlungstätigkeit kann als selbständiges Ermittlungsverfahren bezeichnet werden. 

Selbständig kann die Polizei aufgrund von bei ihr eingegangenen Anzeigen, Anweisungen der 

Staatsanwaltschaft und aus eigenem Antrieb bzw. gestützt auf eigene Erkenntnisse und Fest-

stellungen ermitteln, im Gegensatz zu den ergänzenden oder unselbständigen Ermittlungen 

gemäss Art. 312 StPO, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft nach eröffneter Untersuchung 

erfolgen. Mit der Rapporterstattung und anschliessenden Untersuchungseröffnung endet das 

selbständige Ermittlungsverfahren der Polizei und die Staatsanwaltschaft übernimmt die fakti-

sche Verfahrensherrschaft (MARCO GALELLA/BEAT RHYNER, BSK-StPO, a.a.O., N. 11 ff. zu 

Art. 306 StPO). Die Staatsanwaltschaft eröffnet eine Untersuchung, wenn sich aus den Infor-

mationen und Berichten der Polizei, aus der Strafanzeige oder aus ihren eigenen Feststellun-

gen ein hinreichender Tatverdacht ergibt (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). Die Staatsanwaltschaft 

verzichtet auf die Eröffnung, wenn sie sofort eine Nichtanhandnahmeverfügung oder einen 

Strafbefehl erlässt (Art. 309 Abs. 4 StPO).  

 

2.3 

Wie die Beschwerdeführerin selbst ausführt, hat nicht die Staatsanwaltschaft, sondern die 

Kantonspolizei Nidwalden Fotoaufnahmen erstellt (vgl. im Folgenden). Die Aufnahmen erfolg-

ten im Rahmen des selbständigen Ermittlungsverfahrens zur Aufklärung, Spuren- und Beweis-

sicherung der von der Beschwerdeführerin angezeigten Straftat. Eine Untersuchungseröff-

nung durch die Staatsanwaltschaft hat hingegen nicht stattgefunden, zumal weder eine Eröff-

nungsverfügung erlassen wurde noch eigene Ermittlungshandlungen erfolgten. Die polizeili-

che Ermittlungstätigkeit steht einer Nichtanhandnahme nicht entgegen, weshalb die Einwände 

der Beschwerdeführerin unbegründet sind. 

6 │ 17 

 

3. 

3.1 

Strittig ist, ob die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den Beschwerdegegner zu Recht 

nicht an die Hand nahm (Art. 310 StPO). Auf die Nichtanhandnahmeverfügung und die Stand-

punkte der Beschwerdeführerin wird nachfolgend einzugehen sein. 

 

3.2 

Die Staatsanwaltschaft hielt in der Nichtanhandnahmeverfügung vom 3. Oktober 2023 fest, 

der Beschuldigte habe unbestrittenermassen den von der Beschwerdeführerin errichteten 

Zaun entfernt und diesen damit im Sinne einer Sachbeschädigung unbrauchbar gemacht. Eine 

Beschädigung der Baumaterialien an sich (Holzpfosten und Schnüre), die nicht bereits vorbe-

standen habe, sei hingegen nicht ersichtlich. Die Rechte im Umgang mit fremdem Baumaterial 

auf dem eigenen Grundstück seien im Zivilrecht geregelt. Diesbezüglich sehe Art. 671 ZGB 

vor, dass eigenes Baumaterial, welches auf fremdem Boden verbaut werde, Bestand dieses 

fremden Grundstücks werde. Der betroffene Grundstückeigentümer verfüge im Gegenzug 

über einen Wegschaffungsanspruch. Setze der Eigentümer diesen Anspruch durch, habe er 

dabei verhältnismässig vorzugehen. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung erachte in die-

sem Zusammenhang die Entfernung einer Fahnenstange, einer Antenne oder eines einbeto-

nierten Turngeräts als verhältnismässig. Aufgrund der Fotografien sowie dem Protokoll der 

Gemeinde X.__ erschliesse sich, dass zumindest ein Teil der Holzpfosten auf dem Grundstück 

des Beschuldigten gestanden seien, denn diese hätten den neu errichteten Zaun berührt, wel-

cher nachweislich auf dem Grundstück des Beschuldigten stehe. Indem der Beschuldigte die-

jenigen Teile des Zauns der Beschwerdeführerin, die nachweislich auf seinem Grundstück 

gestanden seien, entfernt habe, ohne diese zu beschädigen, habe er sowohl entsprechend 

seinem zivilrechtlichen Anspruch als auch verhältnismässig gehandelt. Deshalb liege bezüg-

lich der Sachbeschädigung ein Rechtfertigungsgrund vor, weshalb das Verfahren nicht an 

Hand zu nehmen sei. 

 

3.3 

Die Beschwerdeführerin entgegnet, die Holzpfosten seien aus dem Boden gerissen worden 

und in der Wiese gelegen, wobei das Holz teilweise zersplittert gewesen sei (Beschwerde, 

Rz. 8). Der Beschwerdegegner habe zudem unbestrittenermassen den von der Beschwerde-

führerin errichteten Zaun entfernt und diesen damit im Sinne einer Sachbeschädigung un-

brauchbar gemacht (ebd., Rz. 10). Der objektive und subjektive Tatbestand der 

7 │ 17 

 

Sachbeschädigung sei somit gegeben (ebd., Rz. 14). Zudem habe der Grenzzaun auf ihrem 

Grundstück gestanden und somit nicht, wie vom Beschwerdegegner behauptet, auf fremdem 

Boden. Die Behauptung der Staatsanwaltschaft, der neue Maschendrahtzaun stehe auf dem 

Grundstück des Beschwerdegegners und auch die entfernten Holzpfosten hätten dort gestan-

den, da sie neuen Maschendrahtzaun berührt hätten, sei tatsachenwidrig. Fakt sei, dass weder 

der Standort der entfernten Holzpfosten noch jener des neu errichteten Maschendrahtzauns 

und der entscheidende Grenzverlauf ermittelt worden seien (ebd., Rz. 15). Es werde ausdrück-

lich bestritten, dass der neu errichtete Maschendrahtzaun auf dem Grundstück des Beschwer-

degegners stehe. Entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft könne nicht auf das offensicht-

lich fehlerhafte Protokoll der Gemeinde X.__ abgestellt werden. So werde darin behauptet, der 

neue Maschendrahtzaun weise eine Höhe von weniger als einem Meter auf, was nachweislich 

falsch sei. Auch die unbelegte Behauptung, der neue Maschendrahtzaun sei an die Grenze 

und nicht auf die Grenze gestellt worden, sei unzutreffend und bestritten. Die Staatsanwalt-

schaft hätte diesbezüglich zwingend eigene Untersuchungen machen respektive fachkundige 

Geometer beiziehen müssen, um den exakten Grenzverlauf zu ermitteln und hätte nicht in 

unkritischer Weise auf die Behauptungen der Gemeinde X.__ abstellen dürfen. Die Gemeinde 

habe nie Vermessungen durchgeführt, welche die Behauptungen stützen würden. Im Kanton 

Nidwalden habe nur die C.__ AG das Mandat, Grenzverläufe behördenverbindlich zu vermes-

sen. Die C.__ AG habe gegenüber der Beschwerdeführerin bestätigt, den Grenzverlauf zwi-

schen der Parzelle aa. und bb. nie im Auftrag der Gemeinde vermessen zu haben. Zudem 

seien dem Protokoll der Gemeinde X.__ keine Angaben zum Standort des vom Beschwerde-

gegner zerstörten Zauns der Beschwerdeführerin zu entnehmen (ebd., Rz. 17). Selbst wenn 

– was ausdrücklich bestritten werde – der Maschendrahtzaun des Beschwerdegegners voll-

umfänglich auf seinem Grundstück stehen würde, so lasse dies entgegen der Ansicht der 

Staatsanwaltschaft keinen Rückschluss darauf zu, wo die entfernten Holzpfosten der Be-

schwerdeführerin gestanden seien (ebd., Rz. 18). Der effektive Grenzverlauf sei für die Beur-

teilung vorliegender Angelegenheit entscheidend und hätte vor dem Erlass der angefochtenen 

Nichtanhandnahmeverfügung fachmännisch eruiert werden müssen. Von offenkundiger Straf-

losigkeit könne angesichts des nicht bekannten Grenzverlaufs jedenfalls keine Rede sein 

(Replik, Ziff. 2). Bestritten werde auch, dass die vom Beschwerdegegner selbst gespannte 

Schnur der effektiven Grenze entspreche und anhand der von C.__ gesetzten Grenzpunkte 

ausgerichtet worden sei (ebd., Rz. 4 und 8). Aus den vom Beschwerdegegner ins Recht ge-

legten Fotografien lasse sich auch kein Rückschluss auf den effektiven Grenzverlauf ziehen 

(ebd., Rz. 9). Da sich der beschädigte Zaun nicht auf dem Grundstück des Beschwerdegeg-

ners befunden habe, sei Art. 671 ZGB nicht einschlägig und es liege auch kein 

8 │ 17 

 

Rechtfertigungsgrund vor. Selbst wenn – was ausdrücklich bestritten werde – sich der vom 

Beschwerdegegner anerkanntermassen zerstörte Zaun auf dem Grundstück des Beschwer-

degegners befunden hätte, so hätte der Beschwerdegegner diesen gemäss dem Wortlaut von 

Art. 671 ZGB nicht eigenhändig und in Selbstjustiz zerstören dürfen. Art. 671 Abs. 3 ZGB 

ermächtige den Grundeigentümer, die Wegschaffung des auf seinem Boden verwendeten Ma-

terials zu verlangen. Der Wegschaffungsanspruch sei ein Anwendungsfall der Eigentumsfrei-

heitsklage. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin leite sich aus Art. 671 Abs. 3 ZGB 

kein Anspruch auf Selbstjustiz ab respektive ermächtige Art. 671 Abs. 3 ZGB den Beschwer-

degegner in keiner Weise, den Zaun selbständig abzureissen. Vielmehr müsse der legale Weg 

über die Eigentumsfreiheitsklage gegangen werden (Beschwerde, Rz. 20 f.). 

 

4. 

4.1 

Die Staatsanwaltschaft eröffnet eine Untersuchung, wenn sich aus den Informationen und Be-

richten der Polizei, aus der Strafanzeige oder aus ihren eigenen Feststellungen ein hinreichen-

der Tatverdacht ergibt (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). In der Untersuchung klärt die Staatsan-

waltschaft den Sachverhalt tatsächlich und rechtlich so weit ab, dass sie das Vorverfahren 

abschliessen kann (Art. 308 Abs. 1 StPO). Solche Erhebungen müssen im Verhältnis zur Be-

deutung des Straffalls stehen. Der Untersuchungsgrundsatz erfährt im Vorverfahren eine Re-

lativierung durch den Grundsatz der Verhältnismässigkeit. Dieser gebietet, dass der Beweis-

aufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum mutmasslichen Delikt steht. Eine verhältnis-

mässige Ressourceneinteilung ist in der Praxis geboten. Es besteht ein erhebliches öffentli-

ches Interesse an einer funktionierenden Strafverfolgung und an der finanzpolitischen Verhält-

nismässigkeit der Untersuchung im Hinblick auf die Tragweite der Delikte. Der Ressourcen-

einsatz muss im Hinblick auf die Zweckmässigkeit der Untersuchungshandlung erfolgen. Die 

Staatsanwaltschaft ist verpflichtet, mit ihren Mitteln haushälterisch umzugehen. Nur weil nicht 

in jedem Fall alle erdenklichen Mittel zur Sachverhaltsermittlung herangezogen werden, kann 

nicht von einer Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes gesprochen werden. Selbst bei 

schweren Delikten werden oft nicht alle Untersuchungshandlungen vorgenommen, die gege-

benenfalls möglich wären (Urteil des Bundesgerichts 6B_1290/2021 vom 31. März 2022 E. 4.1 

m.w.H.).  

9 │ 17 

 

4.2 

Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf die Eröffnung, wenn sie sofort eine Nichtanhandnahme-

verfügung oder einen Strafbefehl erlässt (Art. 309 Abs. 4 StPO). Die Nichtanhandnahme wird 

gemäss Art. 310 Abs. 1 StPO verfügt, sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirap-

ports feststeht, dass die fraglichen Straftatbestände oder die Prozessvoraussetzungen ein-

deutig nicht erfüllt sind (lit. a), Verfahrenshindernisse bestehen (lit. b) oder auf eine Strafver-

folgung aus Opportunitätsgründen gemäss Art. 8 StPO zu verzichten ist (lit. c). Nach dem 

Wortlaut von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO muss somit feststehen, dass «die fraglichen Straftat-

bestände (…) eindeutig nicht erfüllt sind». Es muss mit anderen Worten sicher sein, dass der 

Sachverhalt unter keinen Straftatbestand fällt, was etwa bei rein zivilrechtlichen Streitigkeiten 

der Fall ist. Eine Nichtanhandnahme darf nur in sachverhaltsmässig und rechtlich klaren Fällen 

ergehen. Insbesondere ist bei Ereignissen mit schwerwiegenden Folgen regelmässig eine Un-

tersuchung durchzuführen. Im Zweifelsfall ist eine Untersuchung zu eröffnen. Ergibt sich nach 

durchgeführter Untersuchung, dass kein Straftatbestand erfüllt ist, stellt die Staatsanwaltschaft 

das Strafverfahren gestützt auf Art. 319 StPO ein (BGE 137 IV 285 E. 2.3 m.w.H.). Gemäss 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung darf eine Nichtanhandnahme gemäss Art. 310 Abs. 1 lit. 

a StPO auch dann erfolgen, wenn zwar ein Straftatbestand erfüllt ist, aber offenkundig ein 

Rechtfertigungsgrund besteht (Urteil des Bundesgerichts 1B_265/2020 vom 31. August 2020 

E. 2.3). 

 

4.3 

Der Sachbeschädigung macht sich strafbar, wer eine Sache, an der ein fremdes Eigentums-, 

Gebrauchs- oder Nutzniessungsrecht besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht 

(Art. 144 Abs. 1 StGB). Geschützt ist u.a. die Befugnis des Eigentümers, frei über die Sache 

und ihren Zustand zu verfügen. Dabei wird ein schützenswertes Interesse irgendwelcher Art 

(Gebrauchs-, Beweis- oder Affektionsinteresse, ästhetisches Interesse usw.) gefordert. Ein 

solches Interesse fehlt bspw. bei einem unmittelbar vor dem Abbruch stehenden Haus, bei 

einem ausgedienten, vor der Verschrottung stehenden Motorfahrzeug, und regelmässig auch 

bei an Tollwut erkrankten Haustieren und abgestorbenen Pflanzen. Eine Sachbeschädigung 

entfällt somit, wenn keinerlei vernünftiges Interesse des Eigentümers an der Beibehaltung des 

vorherigen Zustandes ersichtlich ist, sodass sein Beharren auf dem Sosein seiner Sache als 

reine «Marotte» oder Schikane erscheint. Dabei ist darauf abzustellen, ob ein «vernünftiger 

Eigentümer» die Einwirkung als Nachteil ansehen würde (PHILIPPE WEISSENBERGER, in: 

10 │ 17 

 

Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar Strafrecht, 4. Aufl. 2019 [BSK-StGB], N 7 zu 

Art. 144 StGB mit Hinweis auf BGE 120 IV 319 E. 2d). 

Als Tatobjekt der Sachbeschädigung stehen fremde Sachen im Vordergrund, d.h. solche, an 

denen ein Eigentums-, Gebrauchs- oder Nutzniessungsrecht eines anderen besteht (PHILIPPE 

WEISSENBERGER, a.a.O., N 10 f. zu Art. 144 StGB). Ob die fragliche Sache «fremd» ist, richtet 

sich ausschliesslich nach Zivilrecht (BGE 132 IV 5 E. 3.3 publiziert in: Pra 95 [2006] Nr. 136; 

MARCEL ALEXANDER NIGGLI/CHRISTOF RIEDO, in: BSK-StGB, a.a.O., N 12 zu Art. 138 StGB). 

Verwendet jemand zu einem Bau auf seinem Boden fremdes Material oder eigenes Material 

auf fremdem Boden, so wird es Bestandteil des Grundstückes (Art. 671 Abs. 1 ZGB). Der 

Grundeigentümer erwirbt somit Eigentum am fremden Material. Der Rechtsverlust, den der 

Materialeigentümer erleidet, wird durch Ansprüche persönlicher (z.T. realobligatorischer) Na-

tur wettgemacht (vgl. Art. 671 Abs. 2 und 3, Art. 672 f. ZGB; ARTHUR MEIER-HAYOZ, Berner 

Kommentar, Kommentar zum Schweizerischen Privatrecht, Bd. IV, 1. Abt., 2. Teilbd.,1974, 

Rz. 16 ff. zu Art. 671 ZGB). Der blosse Anspruch auf Überlassung der Sache verdient, wie 

allgemein rein obligatorische Rechte, keinen strafrechtlichen Schutz (GÜNTER STRATEN-

WERTH/FELIX BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, BT I: Straftaten gegen Individualinteres-

sen, 8. Aufl. 2022, Rz. 5 und 50 zu § 14).  

Die Tathandlung der Sachbeschädigung besteht im Beschädigen, Zerstören oder Unbrauch-

barmachen der Sache. Das Unbrauchbarmachen soll klarstellen, dass sowohl die Minderung 

der Brauchbarkeit als auch deren Aufhebung ein «Beschädigen» darstellen. Als Beschädigen 

gilt jedes Herbeiführen einer mehr als nur belanglosen Mangelhaftigkeit der Sache. Die Min-

derung der Funktionsfähigkeit bzw. der Brauchbarkeit einer Sache stellt auch ohne Substanz-

eingriff ein Beschädigen dar (vgl. BGE 99 IV 145: Kleben eines schwer zu entfernenden Zettels 

auf die Windschutzscheibe eines Autos, der dem Lenker die normale Sicht nimmt; Vereisung 

eines Fahrzeugs oder Fusswegs durch Bespritzen). Die Einwirkung muss bewirken, dass die 

betroffene Sache, mit Ausnahme von relativ kurzen Zeitspannen, nicht mehr bestimmungsge-

mäss eingesetzt werden kann. Sofern der Zustand innerhalb kurzer Zeit – i.d.R. weniger als 

einer Viertelstunde – beseitigt werden könnte, wird man die Erfüllung des objektiven Tatbe-

standes tendenziell verneinen müssen. Die Funktionsbeeinträchtigung muss eine gewisse Er-

heblichkeit erreichen. Bloss unbedeutende oder leicht bzw. innerhalb kurzer Zeit behebbare 

Eingriffe werden grundsätzlich nicht erfasst. Die Beurteilung der Erheblichkeit ist eine Rechts-

frage; deren Beantwortung hat unter Würdigung aller Umstände des Einzelfalls zu erfolgen. 

Eine ausreichende Beeinträchtigung ist insbesondere gegeben, wenn der Betroffene den 

11 │ 17 

 

früheren Zustand gar nicht oder nur mit einem nicht bloss geringfügigen Aufwand wiederher-

stellen kann (PHILIPPE WEISSENBERGER, a.a.O., N. 20 ff. zu Art. 144 StGB). 

 

5. 

5.1 

Die Beschwerdeführerin gab anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 29. April 2023 zu 

Protokoll, sie seien in die Osterferien gegangen und als sie zurückgekommen seien, habe sie 

gesehen, dass etwa 2/3 ihres Zauns rausgerissen und abgelegt worden sei. Sie vermute, der 

Zaun sei zwischen Freitag, 21. April und Sonntag, 23. April 2023 beschädigt worden. Die Seile 

des Zauns seien krumm und verknotet auf dem Boden gelegen. Einige Pfosten seien etwas 

krumm und gespalten gewesen. Das Holz sei schon etwas älter und sei beim Rausreissen 

beschädigt worden. Die Pfosten könne man nun nicht mehr reinschlagen, weil sie alt seien. 

Den Zaun könne man nicht mehr so anbringen, wie er gewesen sei. Die Löcher könne man 

auch nicht mehr benutzen, weil nun der Maschendrahtzaun des Beschwerdegegners auf ihnen 

stehe. Der Zaun sei etwa vor drei bis vier Jahren erstellt worden. An der Stelle, wo ihr Zaun 

gestanden sei, sei nun ein Maschendrahtzaun des Beschwerdegegners. Der Beschwerdegeg-

ner könne nicht einfach ihren Zaun rausreissen. Wenn ihm ihr Zaun nicht passe, müsse er 

übers Zivilgericht beantragen, dass dies nicht gehe. Ihren Zaun gebe es schon ein paar Jahre 

und man dürfe nicht zwei Zäune nebeneinander bauen (STA-act. 5.7 ff., dep. 2 ff.). Auf Nach-

frage gab die Beschwerdeführerin an, der Beschwerdegegner habe den Zaun vermutlich weg-

genommen, weil er sich daran gestört habe. Er habe diesen weghaben und mit einem Ma-

schendrahtzaun die Grenze regulieren wollen (ebd., dep. 8). Zu den Grenzpunkten meinte die 

Beschwerdeführerin, sie hätten ihren Grenzzaun gehabt und sie gehe davon aus, dass dieser 

richtig gewesen sei. Die Grenzsteine seien total eingedreckt wegen der Bauarbeiten. Da habe 

sie nicht mehr geschaut. Die Geodaten seien massgebend und nicht die Grenzsteine (ebd., 

dep. 12).  

Auf die Nachbarn angesprochen, sagte die Beschwerdeführerin aus, das Verhältnis sei sehr 

angespannt. Sie hätten ihre Baugrube nicht gesichert und sie hätten nun Schäden am Haus 

und es laufe ein Verfahren wegen Schadenersatz. Sie habe ihnen auch schon Briefe geschrie-

ben, dass sie sie in Ruhe lassen sollen. Aber die Nachbarn würden sie immer ansprechen und 

mobben. Sie habe ihnen schon eingeschriebene Briefe geschrieben und ein Hausverbot erteilt. 

Sie spreche die Nachbarn von ihrer Seite her nicht an und kommuniziere nur schriftlich mit 

ihnen. Sie hätten ein Gerichtsverfahren gehabt wegen Einsprachen. Der Beschwerdegegner 

sei bei ihnen zu Hause gewesen und habe eine Lösung suchen wollen (ebd., dep. 13 f.). 

12 │ 17 

 

5.2 

Der Beschwerdegegner sagte anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 14. Mai 2023 aus, 

die Beschwerdeführerin habe den Zaun vor etwa zwei Jahren angebracht, damit ihr Grund-

stück komplett umfriedet sei, weil seine Familie ein Hausverbot erhalten habe. Gemäss 

Grenze habe sie den Zaun mehrheitlich auf seinem Grundstück angebracht. Die Beschwerde-

führerin sei mehrmals mündlich aufgefordert worden, ihren Zaun zu entfernen. Weder die Be-

schwerdeführerin noch ihr Partner, Herr D.__, hätten dies jedoch getan. Er habe Herrn D.__ 

auch einmal gesagt, wenn bei ihm (dem Beschwerdegegner) die Umgebungsarbeiten fertig 

seien, müssten sie den Zaun entfernen, damit ein ordentlicher Zaun gemacht werden könne. 

Als sie der Aufforderung nicht nachgekommen seien, habe er den Zaun am 19. April 2023 

selbständig entfernt. Er habe nur die Pfosten weggenommen, welche auf seinem Grundstück 

gewesen seien. Er habe damit gerechnet, dass die Beschwerdeführerin irgendwelche rechtli-

chen Schritte einleiten werde (STA-act. 5.1 ff., dep. 2 f.). Beim Entfernen sei nichts beschädigt 

worden. Er habe nur die Pfosten von Hand rausgezogen und auf ihr Grundstück gelegt (ebd., 

dep. 3). Die Pfosten seien schon beschädigt gewesen, bevor er sie rausgenommen habe 

(ebd., dep. 5). Er habe den Zaun entfernt, damit er einen ordentlichen Zaun habe anbringen 

können. Ein Grossteil der Pfosten sei auf seinem Grundstück gewesen (ebd., dep. 4). Als er 

den Zaun vorbereitet habe, habe er eine Schnur vom Grenzpunkt her gespannt, damit es keine 

Diskussionen gebe wegen dem Zaun. Er habe mit einer Wasserwaage gearbeitet, damit alles 

gerade sei und stimme (ebd., dep. 5). Auf Nachfrage, woher er die Grenzpunkte habe, sagte 

der Beschwerdegegner aus, diese seien schon gesetzt gewesen, als sie gekommen seien. 

Die Grenzen seien diverse Male vermessen worden und es sei wahrscheinlich das bestver-

messene Grundstück des Kantons Nidwalden (ebd., dep. 7). 

Angesprochen auf die Nachbarn gab der Beschwerdegegner an, das Verhältnis sei schlecht. 

Als sie die Parzelle gekauft hätten, seien sie zu allen Nachbarn gegangen und hätten ihr Pro-

jekt vorgestellt. Bei der Beschwerdeführerin sei es von Anfang an mit Einsprachen und all 

solchen Sachen losgegangen. Sie hätten diverse Termine mit ihr gehabt, um die Einsprachen 

zu besprechen, sie sei aber an keinem der Termine erschienen. Durch das Ganze hätten sie 

sicher etwa drei Jahre mit dem Bau verloren. Frau A.__ habe ihnen ein Kommunikationsverbot 

erteilt und laufe mit zugehaltenen Ohren an ihnen vorbei (ebd., dep. 8). 

 

13 │ 17 

 

5.3 

Nebst den Aussagen der Parteien liegen folgende Beweismittel bei den Akten: Ein Protokoll 

der Baukontrolle der Gemeinde X.__ vom 21. April 2023 betreffend des vom Beschwerdegeg-

ner neu erstellten Maschendrahtzauns (STA-act. 2.15), Fotoaufnahmen des Zauns der Be-

schwerdeführerin (zum einen von ihr selbst kurz vor dem 6. April 2023 und zum anderen vom 

Beschwerdegegner 2021 sowie am 18. April 2023 erstellt; STA-act. 2.2, 2.8 ff., 5.4 f.) und ein 

von der Kantonspolizei Nidwalden anlässlich der Sachverhaltsaufnahme vom 24. April 2023 

erstellter Fotobericht (STA-act. 2.16). Darauf wird nachstehend eingegangen. 

 

5.4 

5.4.1 

Zu prüfen ist, ob das Verhalten des Beschwerdegegners den Tatbestand der Sachbeschädi-

gung (Art. 144 Abs. 1 StGB) erfüllt. 

Zunächst steht aufgrund eines Vergleichs der Fotoaufnahmen vor und nach dem inkriminierten 

Vorfall fest, dass die Baumaterialien (Holzpfosten und Schnüre) des Zauns der Beschwerde-

führerin keine Beschädigungen aufweisen, die nicht bereits vorhanden gewesen wären (STA-

act. 2.2 f. und 2.8 ff., 2.16 ff.). Insofern liegt keine Sachbeschädigung vor. Eine Sachbeschä-

digung kann jedoch grundsätzlich auch durch das Entfernen des Zauns gegeben sein («un-

brauchbar machen»). Der Beschwerdegegner anerkannte zwar, den Zaun und die Holzpfosten 

der Beschwerdeführerin entfernt zu haben. Er behauptet allerdings, der Zaun der Beschwer-

deführerin habe grösstenteils auf seinem Grundstück gestanden, was wiederum von der Be-

schwerdeführerin bestritten wird. Damit stellt sich die Frage, ob am entfernten Zaun ein frem-

des Eigentumsrecht besteht und somit ein taugliches Tatobjekt im Sinne von Art. 144 Abs. 1 

StGB vorliegt. 

Auf dem Fotobericht der Kantonspolizei Nidwalden ist der vom Beschwerdegegner erstellte 

Maschendrahtzaun erkennbar. Gemäss Protokoll der Baukontrolle der Gemeinde X.__ steht 

dieser Maschendrahtzaun vollumfänglich auf seinem Grundstück, und zwar nicht auf der 

Grenze, sondern an der Grenze zum benachbarten Grundstück der Beschwerdeführerin. Ent-

gegen den Behauptungen der Beschwerdeführerin sind keine offensichtlichen Mängel am 

Baukontrollprotokoll erkennbar, weshalb ohne weiteres darauf abgestellt werden kann. Auf 

dem Fotobericht der Kantonspolizei Nidwalden sind zudem einige auf dem Boden abgelegte 

Holzpfosten des Zauns der Beschwerdeführerin sichtbar. Die Spitzen der Holzpfosten berüh-

ren den neu gesetzten Maschendrahtzaun und sind unmittelbar daneben abgelegt, ohne dass 

14 │ 17 

 

«alte» Löcher in der Erde sichtbar wären. Daraus kann geschlossen werden, dass die Holz-

pfosten ursprünglich an der Stelle des neuen Maschendrahtzauns platziert waren. Damit über-

einstimmend sagte die Beschwerdeführerin aus, die Löcher in der Erde könne man nicht mehr 

benutzen, weil der Maschendrahtzaun da draufstehe. Auch die vom Beschwerdegegner ge-

spannte «Grenzschnur» spricht dafür, dass der Zaun der Beschwerdeführerin auf seinem 

Grundstück stand. Anders als die Beschwerdeführerin behauptet, ergeben sich aus den Akten 

keinerlei Anhaltspunkte, wonach die Grenzschnur nicht entlang der im polizeilichen Fotobe-

richt ersichtlichen, durch einen Geometer gesetzten Grenzpunkte verläuft. Im polizeilichen Fo-

tobericht wird mithin von «Grenzschnur gemäss geometrischen Grenzpunkten» gesprochen. 

Bei dieser Beweislage kann somit ohne erhebliche Zweifel geschlossen werden, dass der Be-

schwerdegegner nur Holzpfosten entfernte, welche auf seinem Grundstück standen. Da es 

sich beim vorliegenden Fall um ein Bagatelldelikt mit geringer Bedeutung handelt, erweisen 

sich die durchgeführten Untersuchungshandlungen als vernünftig und angemessen. Weitere 

Beweiserhebungen (wie etwa der Beizug eines Geometers) waren entgegen der Auffassung 

der Beschwerdeführerin nicht geboten. Nur weil nicht alle erdenklichen Mittel zur Sachver-

haltsermittlung herangezogen wurden, kann nicht von einer Verletzung des Untersuchungs-

grundsatzes gesprochen werden. Die Beschwerdeführerin hat ihren Zaun nachweislich auf 

fremdem Boden aufgebaut, womit der Beschwerdegegner als Grundeigentümer im Sinne von 

Art. 671 Abs. 1 ZGB Eigentum daran erworben hat. Beim Entfernen des Zauns war dieser 

somit für den Beschwerdegegner nicht mehr «fremd» und somit kein taugliches Tatobjekt im 

Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB. Der objektive Tatbestand der Sachbeschädigung ist nicht 

erfüllt. Soweit die Beschwerdeführerin auf Art. 671 Abs. 3 ZGB verweist und rügt, der Be-

schwerdegegner hätte den Zaun nicht selbständig, sondern nur auf Kosten der Beschwerde-

führerin entfernen lassen dürfen, geht es um eine Frage des Zivilrechts, die nicht im vorliegen-

den Strafverfahren zu klären ist. 

 

5.4.2 

Selbst wenn davon auszugehen wäre, dass der Beschwerdegegner «fremde» Pfosten entfernt 

hätte, wäre eine Strafbarkeit klar zu verneinen. Der objektive Tatbestand der Sachbeschädi-

gung erfordert ein schützenswertes Interesse am beschädigten Gegenstand. Nachdem der 

Beschwerdegegner einen ansehnlichen neuen Grenzzaun erstellt hat, ist ein vernünftiges In-

teresse am bereits vor Abbruch beschädigten, alten Holzzaun nicht erkennbar. Zudem wären 

die wenigen, ausgegrabenen Holzpfosten innert Kürze wieder aufgestellt, sollte dies von der 

Beschwerdeführerin noch gewollt sein, womit nicht von einer ausreichenden Beeinträchtigung 

15 │ 17 

 

gesprochen werden kann. Angesichts dessen wirkt die beharrliche Behauptung einer Sachbe-

schädigung durch die Beschwerdeführerin insbesondere vor dem Hintergrund des angespann-

ten nachbarschaftlichen Verhältnisses als reine Schikane. 

 

6. 

Im Ergebnis ist die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen. 

 

7. 

7.1 

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens 

oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Kosten des Beschwerdeverfahrens betragen 

zwischen Fr. 200.– bis Fr. 3‘000.– (Art. 11 Ziff. 2 PKoG [NG 261.2]). Im vorliegenden Verfahren 

werden sie ermessensweise (Art. 2 Abs. 1 PKoG) auf Fr. 1'000.– festgesetzt und ausgangs-

gemäss der unterliegenden Beschwerdeführerin auferlegt. 

 

7.2 

7.2.1 

Ansprüche auf Entschädigung und Genugtuung im Rechtsmittelverfahren richten sich nach 

Art. 429–434 StPO (Art. 436 Abs. 1 StPO). Infolge Unterliegens verfügt die Beschwerdeführe-

rin über keinen Anspruch auf angemessene Entschädigung für ihre notwendigen Aufwendun-

gen im Verfahren (Art. 433 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 436 Abs. 1 StPO e contrario).  

 

7.2.2 

Die Entschädigung der beschuldigten Person für die angemessene Ausübung ihrer Verfah-

rensrechte geht bei einer Einstellung des Strafverfahrens oder bei einem Freispruch zulasten 

des Staats, wenn es sich um ein Offizialdelikt handelt (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO), und zulasten 

der Privatklägerschaft, wenn es um ein Antragsdelikt geht (Art. 432 Abs. 2 StPO). Dies gilt 

auch im Rechtsmittelverfahren (Art. 436 Abs. 1 StPO). Geht es um ein Antragsdelikt, wird 

sowohl im Berufungs- wie im Beschwerdeverfahren die Privatklägerschaft entschädigungs-

pflichtig (BGE 147 IV 47 E. 4.2.6; Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 432 Abs. 2 StPO). Kraft Art. 310 

Abs. 2 StPO gelten die bei der Einstellung anwendbaren Bestimmungen auch im Falle der 

Nichtanhandnahme (Urteil des Bundesgerichts 6B_188/2018 vom 23. Juli 2018 E. 2.3). 

16 │ 17 

 

Das nicht an die Hand genommene Verfahren bezieht sich auf ein Antragsdelikt (Art. 144 

Abs. 1 StGB). Die unterliegende Beschwerdeführerin wird somit gegenüber dem Beschwerde-

gegner entschädigungspflichtig.  

Die Entschädigung einer Partei, die nicht berufsmässig vertreten ist, umfasst eine angemes-

sene Umtriebsentschädigung, insbesondere für den Arbeitsaufwand und das notwendige Er-

scheinen vor einer Instanz, sowie der Ersatz der notwendigen Auslagen (Art. 30 PKoG). Der 

Beschwerdegegner musste an einer polizeilichen Einvernahme teilnehmen und hat im Be-

schwerdeverfahren eine Stellungnahme eingereicht. Gestützt darauf wird die Entschädigung 

des Beschwerdegegners ermessensweise (Art. 2 PKoG) auf Fr. 100.– festgesetzt.  

17 │ 17 

 

Demgemäss beschliesst das Obergericht: 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Die Gerichtsgebühr wird auf Fr. 1000.– festgesetzt und der Beschwerdeführerin auferlegt. 

Sie wird angewiesen, den Betrag innert 30 Tagen seit Rechtskraft dieses Beschlusses der 

Gerichtskasse Nidwalden mit dem beiliegenden Einzahlungsschein zu bezahlen. 

 

3. Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner intern und direkt mit Fr. 100.– zu 

entschädigen. 

 

4. [Zustellung]. 

 

 

 

Stans, 22. Februar 2024 

OBERGERICHT NIDWALDEN 

Beschwerdeabteilung in Strafsachen 

Die Vizepräsidentin 
 

 

lic. iur. Barbara Brodmann 

Die Gerichtsschreiberin 

 

 

MLaw Sarah Huber      Versand:    

 
 
 
 
Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Beschluss kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen eingereicht werden (Art. 78 ff. i.V.m. Art. 90 ff. BGG). 

Die Beschwerde hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift 

des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als 

Beweismittel angeführten Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG). 

Für den Fristenlauf gelten die Art. 44 ff. BGG.