# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2f019e4e-7f24-5c51-b6a2-e037a9843eeb
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-25
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 25.10.2022 S 2022 73
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2022-73_2022-10-25.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 22 73

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Pedretti

RichterIn von Salis und Audétat

Aktuar Ott

URTEIL

vom 25. Oktober 2022

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. HSG Andrea Cantieni,

Beschwerdeführerin

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, IV-Stelle,

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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I. Sachverhalt:

1. A._____ (Jahrgang 1970) ist Mutter von zwei Kindern (geboren 1994 und 

2010). Zuletzt war sie als Verkäuferin in einem 80 %-Pensum bei der 

E._____ tätig. Nachdem bei ihr ein perimenopausales Mammakarzinom 

links diagnostiziert worden war, wurde ihr ab dem 2. Oktober 2018 eine 

Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert. Aufgrund der relativ aggressiven 

Tumoreigenschaft unterzog sich A._____ einer Chemotherapie, welche zu 

einer Partialremission des Primärtumors führte. Zudem erlitt sie bei bereits 

bekannter depressiver Symptomatik und wiederkehrenden 

Zukunftsängsten eine mittelgradige depressive Episode. Im November 

2018 wurde ausserdem ein malignes Melanom an der rechten 

Gesässseite festgestellt und daraufhin totalexzitiert.

2. Ende Februar 2019 meldete sich A._____ bei der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) zur beruflichen Integration bzw. zum 

Rentenbezug an. Diese tätigte erwerbliche und medizinische 

Abklärungen. Am 23. Mai 2019 erfolgte eine Segmentektomie der linken 

Brust und eine Lymphknotenentfernung links axillär, wobei anschliessend 

eine Radiotherapie eingeleitet worden war. Ausserdem wurde bei A._____ 

erneut eine mittelgradige depressive Episode festgestellt.

3. Ab Ende 2019 unternahm A._____ einen Arbeitsversuch bei der E._____, 

wobei ihr behandelnder Onkologe, PD Dr. med. F._____, eine 

Arbeitsunfähigkeit von 85 % auswies. Auch noch mit Bericht vom 

3. September 2020 attestierte ihr Hausarzt Dr. med. G._____ eine 

Arbeitsfähigkeit von 20 % bei beklagter ausgeprägter Müdigkeit und 

ausgeprägten Konzentrationsschwierigkeiten. Gleichermassen berichtete 

Prof. Dr. med. H._____ am 16. November 2020 im Rahmen der ab Ende 

Oktober 2020 in der Klinik I._____ eingeleiteten ambulanten 

onkologischen Rehabilitation neben einer belastungsabhängigen raschen 

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Ermüdbarkeit von einer ausgeprägten krebsbezogenen Müdigkeit, welche 

seit der Chemo- und Strahlentherapie in wechselndem Umfang vorhanden 

sei. Infolge dessen sowie der bewegungs- und belastungsabhängig 

auftretenden Schmerzen habe A._____ namentlich Schwierigkeiten mit 

dem Energiehaushalt. Mit Bericht vom 24. Dezember 2020 führte Prof. 

Dr. med. H._____ sodann aus, dass sich die krebsbedingte deutliche 

Dekonditionierung durch das intensive Behandlungsprogramm 

erfreulicherweise verbessert habe, weshalb die intensivere ambulante 

onko-rehabilitative Behandlung beendet wurde. Zudem stellte Dr. med. 

J._____ im Bericht vom 23. November 2020 eine rezidivierende 

depressive Störung, in Remission, fest. Mit Verlaufsbericht vom 

28. Januar 2021 wies PD Dr. med. F._____ eine eingeschränkte 

Konzentrationsfähigkeit, insbesondere in Stresssituationen aus. Nach 

mehrstündiger konzentrierter Tätigkeit komme es zu einer Überforderung 

und von körperlicher Seite her sei aufgrund der Fatigue-Symptomatik 

derzeit kein ganztägiges Pensum möglich. Ein Arbeitspensum von mehr 

als vier Stunden täglich erscheine derzeit nicht leistbar, jedoch könne bei 

glückender Eingliederung mit einer sukzessiven Aufstockung des 

Pensums gerechnet werden.

4. Anlässlich der am 3. Februar 2021 durchgeführten Abklärung vor Ort gab 

A._____ an, dass sie ohne Gesundheitsschaden zu 80 % als zweite 

Stellvertreterin tätig wäre. In der Haushaltsführung wurde namentlich ab 

dem 1. Dezember 2019 insgesamt eine Einschränkung von 9 % 

festgestellt.

5. In der Folge liess die IV-Stelle A._____ polydisziplinär in den 

Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Rheumatologie, 

Psychiatrie und Neuropsychologie begutachten sowie eine Evaluation der 

funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchführen. Der 

Begutachtungsauftrag wurde der estimed AG zugeteilt (nachfolgend 

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estimed-Gutachten). In der am 27. September 2021 erstatteten Expertise 

wiesen die Gutachterinnen und Gutachter das perimenopausale 

Mammakarzinom links sowie leichte kognitive Defizite als Diagnosen mit 

Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aus. Als ohne Einfluss darauf 

erachteten sie mitunter das maligne Melanom, die distale sensible 

Polyneuropathie bei Diabetes mellitus, das Karpaltunnelsyndrom beidseits 

sowie die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert. Sie 

befanden A._____ sowohl in der bisherigen wie auch in einer adaptierten 

Tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig.

6. Mit Vorbescheid vom 6. Oktober 2021 stellte die IV-Stelle A._____ die 

Ausrichtung einer rückwirkend abgestuften, befristeten Invalidenrente in 

Aussicht. Zum Abklärungsergebnis hielt sie fest, A._____ wäre ohne 

gesundheitliche Einschränkung weiterhin in einem Pensum von 80 % 

erwerbstätig. Die restlichen 20 % zum vollen Pensum seien der 

Haushaltsführung vorbehalten. Im Aufgabenbereich sei anlässlich der 

Abklärung vor Ort eine Einschränkung von 9 % festgestellt worden. Zur 

Klärung der Arbeitsfähigkeit sei ein polydisziplinäres medizinisches 

Gutachten erfolgt. Demgemäss habe nach Ablauf der einjährigen 

Wartefrist per Oktober 2019 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher 

Tätigkeit bestanden. Ab Januar 2020 wäre A._____ die bisherige wie auch 

eine leidensangepasste Tätigkeit zu einem 50 %-Pensum zumutbar 

gewesen. Seit Januar 2021 könne sie ihre Tätigkeit wieder zu einem 70 %-

Pensum ausüben. Gestützt darauf ermittelte die IV-Stelle in Anwendung 

der gemischten Methode bei einer Einschränkung von 9 % im zu 20 % 

gewichteten Haushaltsbereich und einer solchen von 100 % im zu 80 % 

veranschlagten Erwerbsbereich einen Invaliditätsgrad von 82 %. Bei einer 

Arbeitsfähigkeit von 50 % bzw. 70 % und ansonsten gleichbleibenden 

Faktoren errechnete sie einen Invaliditätsgrad von 42 % bzw. 26 %. Unter 

Berücksichtigung der dreimonatigen Wartefrist ergab dies einen Anspruch 

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auf eine ganze Invalidenrente vom 1. Oktober 2019 bis zum 31. März 2020 

sowie auf eine Viertelsrente vom 1. April 2020 bis zum 31. März 2021. 

Dagegen liess A._____ am 28. Oktober 2021 vorsorglich und am 

2. Dezember 2021 einen begründeten Einwand erheben.

7. In der Verfügung vom 30. Juni 2022 korrigierte die IV-Stelle das 

Valideneinkommen für das Jahr 2021 – wie von A._____ im Einwand 

gestützt auf eine E-Mail der E._____ geltend gemacht hatte – auf 

CHF 59'800.--. Zudem pflichtete sie ihr auch hinsichtlich der retrospektiven 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei. Aus den (echtzeitlichen) 

Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 

12. Dezember 2019, 10. Juni 2020, 15. September 2020, 8. Februar 2021 

und 17. März 2021 ergebe sich, dass A._____ von Anfang 2020 bis Mitte 

März 2021 80 % arbeitsunfähig gewesen sei. Auch wenn es sich bei 

diesen Stellungnahmen nur um vorläufige Beurteilungen gehandelt habe, 

rechtfertige es sich, ihr die Ausübung der angestammten Tätigkeit als 

Verkäuferin von Anfang 2020 bis Mitte März 2021 nur zu 20 % zuzumuten. 

Der Vergleich des (erhöhten) Valideneinkommens von CHF 59'800.-- mit 

dem gestützt auf die 20%ige Arbeitsfähigkeit ermittelten 

Invalideneinkommens von CHF 11'960.-- führe zu einer Erwerbseinbusse 

von 80 %, was bei einer Gewichtung von 80 % und der Einschränkung von 

9 % im zu 20 % gewichteten Haushaltsbereich vom 1. Januar 2020 bis 

Mitte März 2021 einen Invaliditätsgrad von 65.8 % ergebe. Demnach habe 

A._____ in Anbetracht der dreimonatigen Wartefrist vom 1. April 2020 bis 

zum 30. Juni 2021 – wie im Einwand beantragt worden war – einen 

Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. Mit Blick auf den Rentenanspruch ab 

dem 1. Juli 2021 entgegnete die IV-Stelle auf den einwandweise 

geforderten Leidensabzug von 25 %, dass A._____ trotz ihrer 

gesundheitlichen Einschränkungen ab Mitte März 2021 in einer 

behinderungsgerechten, kognitiv einfachen, stressarmen und gut 

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strukturierten Tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig sei. Da das 

Kompetenzniveau 1 eine Vielzahl solcher Arbeiten umfasse, habe ein 

Arbeitgeber keine gesundheitlich bedingten Einschränkungen des 

Leistungsvermögens zu gewärtigen. Es sei daher kein Leidensabzug 

vorzunehmen. Der Vergleich des gestützt darauf ermittelten 

Invalideneinkommens von CHF 39'402.20 mit dem (erhöhten) 

Valideneinkommen von CHF 59'800.-- führe zu einer Erwerbseinbusse 

von 34.11 %, welche bei einer Gewichtung von 80 % und der 

Einschränkung von 9 % im zu 20 % veranschlagten Haushaltsbereich 

einen Invaliditätsgrad von 29 % ergebe. Folglich habe A._____ unter 

Berücksichtigung der Dreimonatsfrist ab dem 1. Juli 2021 keinen 

Rentenanspruch mehr. Insgesamt sprach die IV-Stelle ihr mit Verfügung 

vom 30. Juni 2022 vom 1. Oktober 2019 bis zum 31. März 2020 eine 

ganze Invalidenrente und ab dem 1. April 2020 bis zum 30. Juni 2021 eine 

Dreiviertelsrente zu.

8. Dagegen erhob A._____ (nachfolgend Beschwerdeführerin) am 

10. August 2022 (Poststempel) Beschwerde beim Verwaltungsgericht des 

Kantons Graubünden und beantragte hinsichtlich des (verneinten) 

Rentenanspruches ab dem 1. Juli 2021 die Aufhebung der Verfügung vom 

30. Juni 2022. Es sei ein gerichtliches onkologisches Gutachten in Auftrag 

zu geben und danach über den Rentenanspruch ab dem 1. Juli 2021 neu 

zu entscheiden. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz 

zurückzuweisen, um ein onkologisches Gutachten zu erstellen und über 

den Rentenanspruch ab dem 1. Juli 2021 neu zu entscheiden. 

Subeventualiter sei ihr ab dem 1. Juli 2021 mindestens eine unbefristete 

Vierteilsrente zu gewähren. Dies unter Kosten- und Entschädigungsfolge 

zulasten der IV-Stelle. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, 

ihre Leistungsfähigkeit im Erwerb und im Haushalt seien ungenügend 

abgeklärt worden. Deren Einschränkung sei vornehmlich auf die Cancer-

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related Fatigue zurückzuführen, aufgrund welcher sie über erheblich 

beschränkte Energiereserven verfüge. Diese beeinflusse nicht nur die 

intellektuellen Fähigkeiten, sondern auch die körperlichen Möglichkeiten, 

was im estimed-Gutachten nicht berücksichtigt worden sei. Die 

eingeschränkten Energiereserven als Folge der Therapien wirkten sich 

über den Behandlungsabschluss hinaus aus und schränkten sie auch in 

den Haushaltstätigkeiten ein. Im estimed-Gutachten fehle zudem eine 

Auseinandersetzung mit der Wechselwirkung zwischen Erwerbs- und 

Haushaltstätigkeit. Die Cancer-related Fatigue sei ein komplexes 

Syndrom, das nur durch einen Facharzt der Onkologie erfasst und richtig 

beurteilt werden könne. Vorliegend sei aber kein onkologisches Gutachten 

eingeholt worden. Die estimed-Gutachter und der RAD hätten die ihr zur 

Verfügung stehenden Energiereserven nicht rechtsgenüglich festgestellt 

und bei der Bemessung der Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt. Ihre 

behandelnden Ärzte seien der Auffassung, dass ein Arbeitspensum von 

über 50 % nicht zumutbar sei. Davon ausgehend habe sie in Anwendung 

der gemischten Methode Anspruch auf eine Viertelsrente. Zudem wäre ein 

Leidensabzug von 15 bis 25 % zu gewähren, da sie in Tätigkeiten, die Zeit- 

und Leistungsdruck enthielten und Flexibilität erforderten, überwiegend 

wahrscheinlich deutlich eingeschränkt sei. Das neuropsychologische 

Zumutbarkeitsprofil entspreche einer Arbeit auf dem zweiten Arbeitsmarkt. 

Sollte an einer Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt festgehalten 

werden, sei der Tabellenlohn angemessen zu reduzieren.

9. Die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer 

Vernehmlassung vom 1. September 2022 auf kostenfällige Abweisung der 

Beschwerde und nahm in ablehnender Weise zu den Vorbringen der 

Beschwerdeführerin Stellung. Dabei bestritt sie namentlich, dass die in der 

Beschwerde angeführte Cancer-related Fatigue nur durch einen 

Onkologen oder eine Onkologin beurteilt werden könne. Vielmehr hätten 

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die Gutachter der estimed AG dies im Rahmen ihrer interdisziplinären 

Einschätzung sehr wohl kompetent beurteilen können. Weiter hielt sie an 

der gemäss estimed-Gutachten bestehenden Arbeitsfähigkeit von 70 % ab 

Mitte März 2021 in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit fest und sah 

auch die neu eingebrachten onkologischen Berichte der Dres. med. 

F._____ und L._____ mit dieser Arbeitsfähigkeitseinschätzung als 

vereinbar. Die Beschwerdeführerin kritisiere die festgestellte 

Einschränkung im anerkannten Aufgabenbereich von 9 % pauschal und 

setze sich nicht im Geringsten mit dem Haushaltsabklärungsbericht 

auseinander. Dieser werde von keinem Mediziner in Frage gestellt. Daran 

vermöchten auch die angesprochenen Wechselwirkungen nichts zu 

ändern, wobei solche mit der seit dem 1. Januar 2018 anwendbaren 

Methode der Invaliditätsbemessung im Erwerbsbereich bei 

teilerwerbstätigen Personen automatisch berücksichtigt seien.

10. Die Beschwerdeführerin replizierte am 13. September 2022 mit 

unveränderten Rechtsbegehren und reichte insbesondere einen Bericht 

von PD Dr. med. L._____ vom 5. September 2022 nach.

11. Die Beschwerdegegnerin duplizierte am 26. September 2022 bei ebenfalls 

gleichbleibenden Anträgen und nahm namentlich zum vorerwähnten 

Bericht von PD Dr. med. L._____ Stellung.

12. Nachdem der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am 28. September 

2022 seine Honorarnote eingereicht hatte, reichte er am 30. November 

2022 noch zwei frei verfügbare Publikationen der Krebsliga Schweiz 

betreffend Cancer-related Fatigue ein.

Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtschriften, die 

angefochtene Verfügung vom 30. Juni 2022 sowie die weiteren Akten 

wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

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II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-

Stelle des Kantons Graubünden vom 30. Juni 2022. Eine solche 

Anordnung, die laut Bundesrecht der Beschwerde an das 

Versicherungsgericht am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann 

beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden als das örtlich und 

sachlich zuständige Versicherungsgericht angefochten werden (vgl. 

Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; 

BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formelle und materielle 

Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin von der angefochtenen 

Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an 

deren Aufhebung oder Änderung. Sie ist somit zur Beschwerdeerhebung 

legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Die Beschwerde wurde 

zudem frist- und formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 

Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61 lit. b ATSG). Darauf ist somit 

einzutreten.

2.1. Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin vom 1. Oktober 

2019 – mithin nach Ablauf des im Oktober 2018 begonnenen Wartejahres 

(vgl. dazu IV-act. 115 S. 19 sowie Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG) – bis zum 

31. März 2020 einen Anspruch eine ganze Invalidenrente und vom 1. April 

2020 bis zum 30. Juni 2021 einen solchen auf eine Dreiviertelsrente hat. 

Streitgegenstand bildet daher die Frage, ob der Beschwerdeführerin ab 

dem 1. Juli 2021 weiterhin eine Invalidenrente zusteht. Unbestritten sind 

dabei die Anwendung der gemischten Methode zur Bemessung des 

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Invaliditätsgrads mit einer Gewichtung des Erwerb- und Haushaltsanteils 

von 80 % zu 20 % (vgl. dazu Formular Bestätigung der Erwerbstätigkeit 

bei Gesundheit vom 3. Februar 2021 [IV-act. 80] und Abklärungsbericht 

Haushalt vom 5. Februar/1. März 2021 [IV-act. 81 S. 4]) sowie das 

gemäss angefochtener Verfügung vom 30. Juni 2022 auf CHF 59'800.-- 

für das Jahr 2021 korrigierte Valideneinkommen (vgl. dazu auch E-Mail 

der E._____ vom 29. November 2021 [IV-act. 107 S. 5]).

2.2. Uneins sind sich die Parteien jedoch hinsichtlich des 

Invalideneinkommens und dabei bezüglich der Restarbeitsfähigkeit in 

leidensangepasster Tätigkeit und des Leidensabzugs sowie hinsichtlich 

der Einschränkung im anerkannten Aufgabenbereich. Die 

Beschwerdeführerin ist dabei auch der Ansicht, dass ihre 

Leistungsfähigkeit ungenügend abgeklärt worden sei.

2.3. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem 

1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG) 

und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in 

Kraft sind (Weiterentwicklung der IV). Da der hier umstrittene 

Rentenanspruch bzw. dessen Aufhebung per Ende Juni 2021 seine 

Begründung jedoch noch vor dem 1. Januar 2022 findet, sind die bis zum 

31. Dezember 2021 gültig gewesenen Bestimmungen massgebend (vgl. 

Übergangsbestimmungen des IVG zur Änderung vom 19. Juli 2020; 

Kreisschreiben über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung 

[KSIR], gültig ab dem 1. Januar 2022, Rz. 9101 f.).

2.4. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass das Sozialversicherungsgericht nach 

ständiger Rechtsprechung die Gesetzmässigkeit der angefochtenen 

Verfügung in der Regel nach dem Sachverhalt beurteilt, der zur Zeit des 

Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die 

erst danach eintreten und jenen Sachverhalt verändern, sollen im 

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Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (vgl. 

BGE 144 V 210 E.4.3.1, 144 V 224 E.6.1.1, 131 V 242 E.2.1, 130 V 138 

E.2.1 und 121 V 362 E.1b; Urteile des Bundesgerichts 8C_105/2022 vom 

12. Juli 2022 E.4.1 und 9C_442/2020 vom 23. Juni 2021 E.2.2). Nach 

Abschluss des Verwaltungsverfahrens erstellte Arztberichte sind aber 

insoweit in die Beurteilung miteinzubeziehen, als sie Rückschlüsse auf die 

in diesem Zeitpunkt gegebene Situation erlauben (vgl. BGE 121 V 362 

E.1b in fine; Urteile des Bundesgerichts 9C_361/2020 vom 26. Februar 

2021 E.3.3 und 9C_114/2019 vom 5. November 2019 E.2 und 

8C_414/2019 vom 25. September 2019 E.2.2.2). Für den vorliegenden 

Fall bedeutet dies, dass der mit der Replik eingereichte Bericht von PD 

Dr. med. L._____ vom 5. September 2022 (siehe Akten der 

Beschwerdeführerin [Bf-act.] 5) unbeachtlich ist, soweit er Beurteilungen 

zur gleichentags stattgehabten Verlaufssprechstunde und zur aktuellen 

Situation enthält, da sie sich auf den Zeitraum nach Abschluss des 

Verwaltungsverfahrens am 30. Juni 2022 beziehen. Dies trifft 

insbesondere auf die darin ausgewiesene – mitunter in einer reaktiven 

Reaktion auf einen negativen IV-Entscheid begründeten – 

Verschlechterung der emotionalen Symptomatik mit Angst und 

Depression sowie der Fatigue-Symptomatik, auf die reduzierte 

Arbeitsfähigkeit infolge der – ohnehin nicht nachvollziehbar hergeleiteten 

– depressiven Symptomatik sowie auf das darin definierte, aktuelle 

Belastungsprofil zu.

3.1. Im Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der 

Untersuchungsgrundsatz, wobei die Auskunfts‑ und Mitwirkungspflicht der 

Leistungen beanspruchenden Person zu berücksichtigen ist. Die Behörde 

hat, wo notwendig, den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen 

abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu sein (vgl. 

Art. 43 Abs. 1 und 3 ATSG; KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., 

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Zürich/Basel/ Genf 2020, Art. 43 Rz. 13 ff. und 96 ff.). Die 

Untersuchungspflicht gilt sowohl im Verwaltungsverfahren wie auch 

grundsätzlich im kantonalen Gerichtsverfahren (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). 

Die Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung 

des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit 

besteht. Wenn der Versicherungsträger oder das kantonale 

Sozialversicherungsgericht im Rahmen einer umfassenden, sorgfältigen, 

objektiven und inhaltsbezogenen Beweiswürdigung zur Überzeugung 

gelangt, dass ein bestimmter Sachverhalt überwiegend wahrscheinlich 

sei, steht dies einer antizipierten Beweiswürdigung nicht entgegen. 

Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder 

Richtigkeit der getroffenen Tatsachenfeststellungen bestehen, ist weiter 

zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue 

wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 9C_58/2022 vom 7. Juni 2022 E.4.1.1 f., 8C_521/2021 

vom 22. März 2022 E.3.1.1 f., 9C_377/2021 vom 22. Oktober 2021 

E.5.3.1, 8C_641/2019 vom 8. April 2020 E.3.3.1, nicht publ. in: BGE 146 

V 121, 8C_398/2018 vom 5. Dezember 2018 E.3.1 und 8C_616/2013 vom 

28. Januar 2014 E.2.1; KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 18 f. und 29 f.). Kommt 

die Verwaltung ihrer Abklärungspflicht nicht oder nicht genügend nach, 

kann die Sache aus diesem Grund an die Verwaltung zurückgewiesen 

werden (vgl. BGE 132 V 368 E.5).

3.2. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob 

dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen 

Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, 

in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der 

Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 

medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der 

Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231 E.5.1 und 

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125 V 351 E.3a; anstatt vieler: Urteile des Bundesgerichts 9C_40/2022 

vom 4. August 2022 E.4.1, 9C_26/2022 vom 30. Mai 2022 E.4.1 und 

9C_528/2021 vom 11. Februar 2022 E.4.1). Den im Rahmen des 

Verwaltungsverfahrens (nach Art. 44 ATSG) eingeholten Gutachten von 

externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen 

und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten 

und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, 

ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange 

nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen 

(vgl. BGE 137 V 210 E.1.3.4, 135 V 465 E.4.4 und 125 V 351 E.3b/bb; 

siehe auch Urteile des Bundesgerichts 8C_166/2022 vom 13. Oktober 

2022 E.4.1.1, 8C_213/2022 vom 4. August 2022 E.2.3, 8C_84/2022 vom 

19. Mai 2022 E.2.2, 8C_784/2021 vom 9. Februar 2022 E.4.2, 

8C_33/2021 vom 31. August 2021 E.2.2.2 und 8C_38/2021 vom 

16. August 2021 E.2). In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten 

darf und soll der Richter auch der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, 

dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche 

Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten 

aussagen (siehe BGE 135 V 465 4.5 und 125 V 351 E.3b/cc). 

Insbesondere lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag 

der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und von 

Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten 

(vgl. dazu BGE 124 I 170 E.4) andererseits nicht zu, ein Administrativ- 

oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass für 

weitere Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen 

oder Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. 

Vorbehalten bleiben immerhin die Fälle, in denen sich eine vom 

(amtlichen) Gutachten abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die 

Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte wichtige – nicht rein der 

subjektiven Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der 

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Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (siehe BGE 135 

V 465 E.4.5 f.; Urteile des Bundesgerichts 8C_80/2022 vom 4. Mai 2022 

E.4, 8C_787/2021 vom 23. März 2022 E.11.2.2, 8C_736/2021 vom 

22. März 2022 E.5.2, 8C_764/2021 vom 3. März 2022 E.4.2, 9C_528/2021 

vom 11. Februar 2022 E.4.2 und 8C_164/2021 vom 3. Mai 2021 E.3.2.1).

4. Im Folgenden ist somit zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht 

auf das estimed-Gutachten vom 27. September 2021 (IV-act. 98) 

abgestellt hat oder ob konkrete Indizien gegen dessen Zuverlässigkeit 

sprechen bzw. dieses von der übrigen medizinischen Aktenlage derart in 

Zweifel gezogen wird, dass von der darin ausgewiesenen Arbeitsfähigkeit 

von 70 % in adaptierter Tätigkeit im vorliegend massgeblichen Zeitraum 

abzuweichen wäre. Während die Beschwerdegegnerin das estimed-

Gutachten in seinen Ergebnissen für schlüssig, nachvollziehbar und 

widerspruchsfrei hält, erachtet die Beschwerdeführerin eine 

Einschränkung ihrer Leistungsfähigkeit aufgrund der erheblichen 

eingeschränkten Energiereserven infolge der Cancer-related Fatigue für 

ausgewiesen bzw. den medizinischen Sachverhalt für ungenügend 

abklärt.

4.1. Der Kritik der Beschwerdeführerin am estimed-Gutachten vom 

27. September 2021 ist vorab entgegenzuhalten, dass die Gutachterinnen 

und Gutachter sich in ihrer Beurteilung in Kenntnis der medizinischen 

Vorakten, insbesondere auch der zahlreichen Berichte der behandelnden 

Ärzte (siehe dazu IV-act. 98 S. 23 ff.), mit den gesundheitlichen 

Einschränkungen der Beschwerdeführerin auseinandergesetzt und ihre 

Schlussfolgerungen gestützt auf die klinischen, laborchemischen und 

testbasierten Untersuchungen getroffen haben (vgl. dazu insbesondere 

IV-act. 98 S. 53 ff., S. 75 ff., S. 93 ff., S. 124 ff. und S. 157 ff.). Dabei 

flossen auch die von der Beschwerdeführerin gemachten Angaben zur 

Krankheitsentwicklung und zum jetzigen Leiden in die Gesamtbeurteilung 

- 15 -

mit ein (vgl. etwa IV-act. 98 S. 9, S. 47 f., S. 70 ff., S. 89, S. 119 ff. und 

S. 149 f.). Gestützt darauf wiesen die Gutachterinnen und Gutachter in der 

Konsensbeurteilung ein perimenopausales Mammakarzinom links (ICD-

10 C50.9) sowie leichte kognitive Defizite (ICD-10 F06.7) als Diagnosen 

mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aus. Als ohne Einfluss darauf 

erachteten sie namentlich das maligne Melanom vom SSM-Typ am 

Gesäss rechts lateral, die distale sensible Polyneuropathie bei Diabetes 

mellitus, die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert, 

sowie das Karpaltunnelsyndrom beidseits (vgl. IV-act. 98 S. 10). Zu den 

funktionellen Auswirkungen der erhobenen Befunde führten sie aus, im 

Vordergrund der subjektiv empfundenen Beschwerden, als auch der 

Diagnosen, stehe das Mammakarzinom bzw. die Folgen der 

diesbezüglichen Behandlung. Ob die kognitiven Defizite direkt Cancer-

related oder durch die Behandlung (Chemotherapie) verursacht worden 

seien, müsse offenbleiben, wobei auch hier oft ein ursächliches 

Zusammenspiel zu finden sei. Die subjektiv empfundenen Beschwerden 

seien nachvollziehbar und könnten grösstenteils objektiviert bzw. 

pathophysiologisch erklärt werden (vgl. IV-act. 98 S. 11). Insgesamt 

wiesen die Gutachterinnen und Gutachter eine Arbeitsunfähigkeit von 

30 % sowohl in der angestammten als auch in einer adaptierten Tätigkeit 

aus, wobei das im neuropsychologischen Teilgutachten beschriebene 

Fähigkeitsprofil gelte (vgl. IV-act. 98 S. 12). Darin wurden einfache bis 

mittlere Bürotätigkeiten (z.B. Aktenablage, Korrespondenzen, einfache bis 

mittlere Übersetzungen, Datenerfassung), die einem niedrigen 

Leistungsdruck unterlägen und geringe bis knapp mittlere Anforderungen 

an die Konzentration und Flexibilität stellten, als optimal angepasst 

ausgewiesen (vgl. IV-act. 98 S. 132).

4.2. Im neuropsychologischen Teilgutachten führte M.Sc. M._____, 

Fachpsychologin Neuropsychologie SVNP/FSP, zur Beurteilung der von 

- 16 -

ihr testpsychologisch erhobenen Befunde namentlich aus, im 

neuropsychologischen Untersuch zeige sich eine vollständig orientierte 

und im Untersuchungsverhalten vermindert belastbare sowie stark 

überforderte Beschwerdeführerin in Bezug auf alters-, geschlechts- und 

bildungskorrigierte Normen. Gemäss den Leitlinien der Schweizerischen 

Vereinigung der Neuropsychologinnen und Neuropsychologen (SVNP) 

zur Bestimmung des Schweregrads einer neuropsychologischen Störung 

liege eine leichte neuropsychologische Störung vor. Im Vordergrund des 

klinischen Bildes stehe eine rasche Überforderung und hierunter 

auftretende emotionale Einbrüche als Ausdruck der verminderten 

Belastbarkeit. Bereits zu Beginn der Untersuchung habe die 

Beschwerdeführerin leichte Schwierigkeiten im konzeptionellen Wechsel 

im Trail Making Test B gezeigt und hierfür einen erhöhten Zeitbedarf 

benötigt. In der Prüfung der kognitiven Flexibilität am Computer mit der 

Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung habe die Beschwerdeführerin 

wiederum eine leicht verminderte Gesamtleistung gezeigt. Allerdings habe 

dieser vom Testparadigma her rasch geforderte Wechsel eine derartige 

Überforderung bei der Beschwerdeführerin ausgelöst, dass sie 

nachfolgend emotional eingebrochen und dekompensiert sei. Nach einem 

beruhigenden, zuwendungsvollen Gespräch habe sie sich jedoch bereit 

erklärt, die noch ausstehenden Tests durchzuführen. Seitens der 

Untersucherin wäre die Untersuchung beendet worden, da die 

Beschwerdeführerin weiterhin emotional belastet gewesen sei und 

aufgewühlt gewirkt habe. Wie zu erwarten, hätten die erhaltenen Befunde 

lediglich den Status des emotionalen Einbruchs widergespiegelt. Die 

Beschwerdeführerin habe eine stark verminderte und ausgeprägt 

fluktuierende Aufmerksamkeitsaktivierung gezeigt und der negative 

Kennwert der phasischen Alertness spreche für eine Inhibition auf den 

Warnton. Zudem seien bereits im Anamnesegespräch konzentrative 

Einbrüche aufgefallen. Sie habe wiederholt den Faden verloren und einige 

- 17 -

Male Tipps zum besprochenen Thema benötigt, vereinzelt nach den 

korrekten Wörtern gesucht (DD Fremdsprache) und wenige Male ein 

verzögertes Antwortverhalten gezeigt. Bei gutem Befinden habe die 

Beschwerdeführerin einen regelrechten psychomotorischen Antrieb. Die 

Reaktionsleistung und auch das Arbeitstempo beim Kopieren der Rey 

Figur präsentierten sich unauffällig. Die Beschwerdeführerin habe keine 

Einbussen im Gedächtnis, den Planungskompetenzen und dem Einsatz 

von Strategien gezeigt. Die gezielte Prüfung zur exekutiven Kontrolle, 

welche die exekutiven Leistungsaspekte des Arbeitsgedächtnisses, der 

geteilten Aufmerksamkeit, der mentalen Flexibilität, der selektiven 

visuellen Aufmerksamkeit, der Wahlreaktion sowie der Inhibition messe, 

habe sich unauffällig präsentiert. Die Beschwerdeführerin habe auch 

isoliert geprüft keinen Inkompatibilitätseffekt bzw. erhöhte Störanfälligkeit 

oder eine verminderte Impulskontrolle gezeigt. Die durchgeführte 

Beschwerdevalidierung habe keine Hinweise auf negative 

Antwortverzerrungen gezeigt. In Zusammenschau aller vorliegenden 

Informationen sei das aktuelle klinische Bild gemäss Leitlinien der SVNP 

als leichte neuropsychologische Störung (ICD-10 F06.7) einzuordnen. Aus 

der Aktenlage gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin nach der 

Diagnose eines Mammakarzinoms und begonnener neoadjuvanter 

Therapie bereits mindestens Anfang 2019 über eine erhöhte Müdigkeit 

berichtet habe. Nachfolgend habe sie weitere Chemo- und Radiotherapien 

erhalten, so dass weiterhin die Fatigue-Symptomatik und die verminderte 

Konzentrationsfähigkeit keine verwertbare Arbeits- bzw. 

Leistungsfähigkeit zugelassen und sich hierdurch ebenso 

Einschränkungen in der Haushaltsführung ergeben hätten. Die Cancer-

related Fatigue sei ein häufig auftretendes Symptom nach 

Chemotherapien und stelle in Abhängigkeit der Ausprägung ein 

einschränkendes Symptom im Alltag dar, dass mit einer verminderten 

Funktionsfähigkeit in den körperlichen und sozialen Aktivitäten sowie in 

- 18 -

der Bewältigung des alltäglichen Lebens einhergehe. Folglich stellten die 

kognitiven Einbussen der Beschwerdeführerin mit beobachteten 

konzentrativen Einbrüchen im Anamnesegespräch sowie im flexiblen 

Denken und Handeln Ausdruck der Cancer-related Fatigue mit 

Überforderung und verminderter Belastbarkeit dar. Eine leichte 

neuropsychologische Störung entspreche gemäss den Leitlinien der 

SVNP einer Arbeitsfähigkeit von 70 bis 90 %. Bei der Beschwerdeführerin 

betrage die Arbeitsfähigkeit in optimal angepasster Tätigkeit aktuell 70 % 

(vgl. IV-act. 98 S. 125 ff.). Angesichts dieser nachvollziehbaren 

Ausführungen leuchtet das neuropsychologische Teilgutachten von M.Sc. 

M._____, deren Diagnose einer leichten kognitiven Störung auch vom 

psychiatrischen Teilgutachter med. pract. B._____ aufgegriffen und 

ausgewiesen wurde (vgl. IV-act. 98 S. 160 f.), in der Darlegung der 

medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 

Situation ein, wobei die entsprechenden Schlussfolgerungen – auch zur 

Arbeitsfähigkeit – plausibel begründet sind. Dies wird denn auch von der 

Beschwerdeführerin nicht in Abrede gestellt.

4.3. Soweit diese bemängelt, im estimed-Gutachten seien die Auswirkungen 

der aufgrund der Cancer-related Fatigue eingeschränkten 

Energiereserven auf die körperlichen und sozialen Aktivitäten nicht 

berücksichtigt bzw. diese nicht in die Bemessung der Arbeitsfähigkeit 

eingeflossen, ist dies insoweit zu relativieren, als diese Aspekte im 

internistischen estimed-Teilgutachten aufgegriffen worden sind. So wies 

die estimed-Expertin Dr. med. N._____ das funktionelle Auswirkungen 

zeitigende perimenopausales Mammakarzinom links aus und 

berücksichtigte die damit in Zusammenhang durchgeführten 

Behandlungen. Konkret wies sie folgende – im Übrigen mit den 

behandelnden Fachärzten übereinstimmende (vgl. hierzu Berichte von 

Dr. med. F._____ vom 28. Januar 2021 [IV-act. 75 S. 3 f.], vom 9. Mai 

- 19 -

2019 [IV-act. 43 S. 7 f.], vom 11. März 2019 [IV-act. 26], vom 21. Februar 

2019 [IV-act. 19 S. 10 f.], Bericht der Dres. med. O._____ und P._____ 

vom 19. Juni 2019 [IV-act. 43 S. 12 f.] sowie Bericht der Dres. med. 

Q._____, R._____ und S._____ vom 5. Juni 2019 [IV-act. 43 S. 9 ff.]; vgl. 

ferner Bericht von Dr. med. G._____ vom 28. Februar 2019 [IV-act. 19 

S. 3]) – Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aus (vgl. IV-act. 98 

S. 56):

Perimenopausales Mammakarzionom links, cT2 cN0 cM0 G3, ER > 95 % PR 
2 % Ki67 50 % Her2neu positiv, ED 10/2018 (ICD-10 C50.9)

 Neoadjuvante Therapie mit 4 x EC 12.11.18 - 31.01.19; Partialremission 
des Primärtumors supramamilär links (Mammasonographie 28.01.19)

 Neoadjuvante Therapie mit Paclitaxel, Trastuzumab und Pertuzumab ab 
08.02.19 - 09.05.19; Stopp Pertuzumab nach 2 Behandlungszyklen 
aufgrund Therapie-restistenter Diarrhoe; mammasonographisch 
anhaltende Partialremission

 23.05.19: Segmentektomie Mamma links retromamilär; 
Lymphknotenexzision nach Drahtmarkierung und Sentinel-
Lymphonodektomie Axilla links

 Therapiefortführung mit Trastuzumab 06/19 - 01/20; Therapieabbruch bei 
progredienter und zuletzt funktionell relevanter Polyneuropathie (nach 
insgesamt 10-monatiger Therapie)

 Adjuvante endokrine Therapie mit Tamoxifen ab 07/19

 Keine klinischen Rezidiv-Hinweise, Therapiefortführung mit Tamoxifen (KS 
Graubünden 28.01.21)

Dazu führte Dr. med. N._____ ausdrücklich aus, dass aufgrund der 

Anamnese, der körperlichen Untersuchung sowie der Aktenlage im 

Rahmen der Tumordiagnose eine Leistungseinschränkung aufgrund 

rascherer Ermüdbarkeit sowie häufigeren und längeren Ruhephasen 

nachvollziehbar sei (siehe IV-act. 98 S. 59; vgl. ferner 

Konsensbeurteilung, wonach das Mammakarzinom bzw. die Folgen 

dessen Behandlung im Vordergrund stünden, nachvollziehbar seien und 

grösstenteils objektiviert werden bzw. pathophysiologisch erklärt werden 

könnten [siehe IV-act. 98 S. 11]). Insofern scheint die Fatigue-

Symptomatik, welche sich bei der Beschwerdeführerin nach ihren 

Angaben anlässlich der internistischen Exploration dadurch äussere, dass 

- 20 -

ohne speziellen Grund plötzlich ihre gesamte Energie weg sei, sie sich 

erschöpft fühle und Mühe mit der Konzentration habe (vgl. IV-act. 98 

S. 47), auch in somatischer Hinsicht mitberücksichtigt und gewürdigt 

worden zu sein. Dasselbe gilt mit Blick auf die sich im Laufe des Tages 

veränderten Energielevels, spricht Dr. med. N._____ doch explizit von 

einer tumor(therapie)-assoziierten Beeinträchtigung aufgrund rascherer 

Ermüdbarkeit sowie häufigeren und längeren Ruhephasen (vgl. IV-act. 98 

S. 59). Die internistische estimed-Expertin schloss aufgrund dessen denn 

auch auf eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin, indem sie sowohl in der bisherigen als auch in 

angepasster Tätigkeit die Arbeitsfähigkeit bei ganztägiger Präsenz um 

20 % reduziert erachtete (vgl. IV-act. 98 S. 60 f.). Diese Bemessung der 

Arbeitsfähigkeit bewegt sich im Rahmen dessen, was auch die 

durchgeführte Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) 

zeigte, die bei Einschränkungen somatischen Ursprungs dazu dient, das 

arbeitsbezogene Leistungsvermögen anhand von Arbeitssimulationstests 

(wie Heben und Tragen, Arbeit über Kopfhöhe oder Leitersteigen) generell 

und mit Blick auf die angestammte berufliche Tätigkeit konkret zu 

beurteilen (siehe Urteil des Bundesgerichts 9C_168/2018 vom 8. Mai 2018 

E.4.2.2). So wurde dabei namentlich befunden, dass körperlich höchstens 

leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ganztags zumutbar seien mit 

zusätzlichen Pausen von ca. einer bis zwei Stunden pro Tag aufgrund der 

festgestellten körperlichen Ermüdbarkeit bei einer Kumulation aller 

Belastungen (vgl. IV-act. 98 S. 170).

Im Rahmen ihrer Verlaufsbeurteilung ging die internistische estimed-

Expertin zudem auf den Bericht von Prof. Dr. med. H._____ vom 

24. Dezember 2020 zu dem von der Beschwerdeführerin durchgeführten, 

intensiven ambulanten onko-rehabilitativen Behandlungsprogramm von 

Ende Oktober bis Ende Dezember 2020 in der Klinik I._____ ein (vgl. IV-

- 21 -

act. 73 S. 9 f.). Dazu führte Dr. med. N._____ aus, dem besagten Bericht 

sei zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin bei St. n. 

Mammakarzinom mit adjuvanter Chemotherapie und operativer Sanierung 

von den durchgeführten Rehamassnahmen sehr gut habe profitieren 

können. Die krebsbedingte muskuläre Dekonditionierung habe sich 

wesentlich verbessert, auch wenn diese noch nicht auf dem Niveau von 

vor der Krebserkrankung angekommen sei. Aufgrund der deutlichen 

Verbesserung von Seiten der krebsbedingten Probleme könne nun die 

intensivierte ambulante onko-rehabilitative Behandlung beendet und ein 

selbstständiges Fitnesstraining begonnen werden. Die 

Leistungsverminderung in Bezug auf die kognitive Ausdauer bestehe 

weiterhin (vgl. IV-act. 98 S. 58). Zudem äusserte sich Dr. med. N._____ 

auch zu dem von der Beschwerdeführerin ins Recht gelegten 

(Verlaufs-)Bericht ihres behandelnden Onkologen Dr. med. F._____ vom 

28. Januar 2021, in welchem dieser ausführte, durch die Behandlung der 

starken Fatigue-Symptomatik mit verschiedenen Massnahmen komme es 

zu einer allmählichen Verbesserung der Situation. Die 

Konzentrationsfähigkeit sei eingeschränkt, insbesondere in 

Stresssituationen. Nach mehrstündiger konzentrierter Tätigkeit komme es 

zu einer Überforderung. Von körperlicher Seite sei aufgrund der Fatigue-

Symptomatik derzeit ein ganztägiges Pensum nicht möglich. Die 

Arbeitsfähigkeit sei derzeit weiterhin um 80 % reduziert. Es werde jedoch 

eine allmähliche Verbesserung der körperlichen und kognitiven 

Leistungsfähigkeit gesehen, so dass im Verlauf des Jahres 2021 eine 

langsame Aufstockung versucht werden könne. Zu vermeiden seien 

hierbei besonders körperlich anstrengende und stressbehaftete 

Tätigkeiten. Ein Arbeitspensum von mehr als vier Stunden täglich 

erscheine derzeit nicht leistbar, jedoch könne bei glückender 

Eingliederung mit einer sukzessiven Aufstockung des Pensums gerechnet 

werden (vgl. IV-act. 75 S. 1 f. = Bf-act. 3; vgl. ferner auch den 

- 22 -

(Sprechstunden-)Bericht von Dr. med. F._____ vom 28. Januar 2021 [IV-

act. 75 S. 3 f.]). Dr. med. N._____ führte aus gutachterlicher Sicht zu 

diesem Bericht aus, darin werde beschrieben, dass die 

Konzentrationsfähigkeit vor allem bei Stresssituationen eingeschränkt sei. 

Es werde aber eine allmähliche Verbesserung der körperlichen und 

kognitiven Leistungsfähigkeit gesehen und eine sukzessive Steigerung 

des Arbeitspensums in Aussicht gestellt (vgl. IV-act. 98 S. 58).

4.4. Insofern ist bereits aus dem Bericht des behandelnden Onkologen 

Dr. med. F._____ vom 28. Januar 2021 eine positive Prognose abzulesen, 

auch hinsichtlich der körperlichen Auswirkungen der Fatigue-

Symptomatik, wobei er ein Arbeitspensum von mehr als vier Stunden pro 

Tag, d.h. höher als 50 %, im Verlauf für möglich erachtete. Diese 

erfreuliche Entwicklung hinsichtlich der krebsbedingten Beschwerden 

scheint sich sodann im Laufe des Jahres 2021 fortgesetzt zu haben, 

berichtete doch die Beschwerdeführerin anlässlich der internistischen 

Exploration im Mai 2021, dass sie sich in der Tendenz besser und 

leistungsfähiger fühle als noch im Jahr 2020 (vgl. IV-act. 98 S. 51). Im 

Rahmen der neurologischen Untersuchung Ende Juni 2021 gab sie 

ebenfalls an, dass sich die Fatigue nach Beendigung der Chemotherapie 

gebessert habe, auch weil sie onkologische Rehabilitation bekommen und 

gelernt habe, mit der Fatigue umzugehen, auch wenn diese noch nicht 

ganz weg sei (vgl. IV-act. 98 S. 72). In einem weiteren von der 

Beschwerdeführerin beigebrachten Bericht von Dr. med. F._____ vom 

1. Februar 2022 wies dieser lediglich auf die infolge einer vorangehenden 

intensiven Chemotherapie bestehende chronische Fatigue-Symptomatik 

hin, ohne sich dazu bzw. zu deren funktionellen Auswirkungen detaillierter 

zu äussern (vgl. IV-act. 109 S. 2 = Bf-act. 1). Letzteres gilt – entgegen der 

Auffassung der Beschwerdeführerin – auch für den weiteren, in das 

vorliegende Verfahren eingebrachte Bericht von PD Dr. med. L._____ vom 

- 23 -

13. Juni (wohl recte: Juli) 2022 (vgl. Bf-act. 2). Dieser diagnostizierte darin 

ein krebstherapie-assoziiertes Fatiguesyndrom und stellte einen klaren 

Zusammenhang zwischen diesem und den Chemotherapiezyklen bzw. 

-dosen fest in dem Sinne, dass bei vermehrten Zyklen eine grössere 

Fatigue bestehe. Ausserdem hielt er fest, dass sich mit dem Absetzen der 

Einnahme von Tamoxifen eine Verbesserung der Fatigue eingestellt habe. 

Zudem berichtete er nach Etablierung verschiedener 

Behandlungsinterventionen mit Energiemanagement, körperlicher 

Aktivität und einem Ausbau des Ausdauertrainings, dass sich die 

Müdigkeit und Benommenheit verbessert hätten. Die ebenfalls 

festgestellte deutlich grössere Beeinträchtigung in den Funktionen 

gemäss Brief Fatigue Inventory (BIF) ist angesichts der Testresultate des 

am 30. Juni 2022 durchgeführten Assessment in erster Linie mit einer 

deutlichen höheren Beeinträchtigung in der Lebensfreude und der 

Beziehung zu erklären (vgl. hierzu Bf-act. 2 S. 5). Demgegenüber zeigte 

sich die körperliche – wie auch die kognitive – Fatigue im Single Item 

Fatigue (SIF)-Assessment regredient (vgl. Bf-act. 2 S. 5). PD Dr. med. 

L._____ zeigte sich in prognostischer Hinsicht denn auch optimistisch und 

führte aus, dass eine langfristige leichte Steigerung der Arbeitsfähigkeit 

möglich sei (vgl. Bf-act. 2 S. 4).

4.5. Insgesamt lässt sich aus den von der Beschwerdeführerin beigebrachten, 

im vorliegenden Verfahren beachtlichen Berichten ihrer behandelnden 

Fachärzte – genauso wenig wie aus dem ohnehin allgemein gehaltenen 

Artikel zur Fatigue in der Onkologie (vgl. Bf-act. 4) oder den Ende 

November 2022 nachgereichten Publikationen der Krebsliga Schweiz – 

somit nichts ableiten, was der gutachterlichen Beurteilung in 

grundlegender Weise entgegenstehen würde. Insbesondere zeichnete 

sich ab Ende des Jahres 2020 auch hinsichtlich der körperlichen Fatigue-

Symptomatik ein positiver Verlauf ab, was denn auch die 

- 24 -

Beschwerdeführerin in ihrem Einwand vom 2. Dezember 2021 einräumt 

(vgl. IV-act. 107 S. 2; vgl. ferner Schreiben vom 10. November 2021 [IV-

act. 106]). Wenn nun PD Dr. med. L._____ in seinem mit der Replik 

beigebrachten Bericht vom 5. September 2022 von einer aktuell 

verschlechterten Fatigue-Symptomatik berichtet (vgl. Bf-act. 5), ist dies – 

wie bereits ausgeführt (vgl. Erwägung 2.4 hiervor) – nicht zu hören. 

Angesichts des beschriebenen und von der Beschwerdeführerin auch 

anerkannten positiven Verlaufs der tumor(therapie)-assoziierten Fatigue-

Symptomatik ist es auch nicht nachvollziehbar, wenn PD Dr. med. L._____ 

im besagten Bericht die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin seit Juli 

2021 mit nur 30 % veranschlagt (vgl. Bf-act. 5 S. 2). Dabei ist ohnehin 

anzumerken, dass PD Dr. med. L._____ die Beschwerdeführerin erst seit 

Ende Mai 2022 behandelt (vgl. Bericht vom 13. Juni [wohl recte: Juli] 2022 

[Bf-act. 2]). Zudem wurde die von ihm ausgewiesene eingeschränkte 

neurokognitive Leistungsfähigkeit – wie aufgezeigt – auch von 

gutachterlicher Seite beurteilt und mit Blick auf deren funktionelle 

Auswirkungen gewürdigt. Dasselbe gilt – wie noch dazulegen ist – auch 

mit Blick auf die Schmerzsymptomatik sowie die psychische Belastung 

(vgl. Erwägung 5.3 hernach). Soweit PD Dr. med. L._____ bei der 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit seit Juli 2021 eine die Arbeitsfähigkeit 

einschränkende chronische Diarrhoe ausweist (vgl. Bf-act. 5 S. 2), ist dies 

insoweit zu relativieren, als aktenkundigerweise aus den echtzeitlichen 

Berichten und Stellungnahmen lediglich hervorgeht, dass eine solche 

Symptomatik im Zusammenhang mit der – zuvor durchgeführten und 

inzwischen wieder abgesetzten – Antikörpertherapie mit Trastuzumab und 

Pertuzumab aufgetreten ist und nach Absetzen von Pertuzumab unter 

maximaler supportiver Therapie wieder beherrschbar war (vgl. Berichte 

von Dr. med. F._____ vom 28. Januar 2021 [IV-act. 75 S. 3], 

11. Dezember 2019 [IV-act. 57 S. 1], vom 9. Mai 2019 [IV-act. 43 S. 7 f.] 

und vom 11. März 2019 [IV-act. 26 S. 2]; Bericht der Dres. med. O._____ 

- 25 -

und P._____ vom 19. Juni 2019 [IV-act. 43 S. 12; Bericht der Dres. med. 

Q._____, R._____ und S._____ vom 5. Juni 2019 [IV-act. 43 S. 9]; vgl. 

ferner Stellungnahme von Dr. med. U._____ vom 12. Dezember 2019 [IV-

act. 115 S. 7] vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) und der RAD-

Ärztin Dr. med. T._____ vom 17. März 2021 [IV-act. 115 S. 12] sowie das 

Dokument "Anlass und Umstände der Begutachtung" zum 

Begutachtungsauftrag vom 19. März 2021 an die estimed AG [IV-act. 85 

S. 1 sowie IV-act. 98 S. 6 f. und 19]). Anlässlich der Begutachtung gab die 

Beschwerdeführerin lediglich an, seit der Chemotherapie zu Durchfällen 

zu neigen, wobei sie Imodium einnehme (vgl. IV-act. 98 S. 48, 71 und 

151). Dass sich aufgrund dessen funktionelle Leistungseinbussen 

ergeben würden, erschliesst sich daraus nicht. Auch berichtete Dr. med. 

F._____ in seinem Bericht vom 1. Februar 2022 infolge der Einnahme von 

Anastrozol (Arimidex) im Rahmen der ab Dezember mit diesem Wirkstoff 

fortgesetzten adjuvanten endokrinen Therapie nicht von Nebenwirkungen 

mit Diarrhoe oder Nausea (vgl. IV-act. 109 S. 2 = Bf-act. 1; vgl. betreffend 

die Umstellung auf Anastrozol: Bf-act. 2 S. 2). Ebenso wenig lässt sich 

Dergleichen aus dem Bericht von PD Dr. med. L._____ vom 5. September 

2022 entnehmen, berichtet er darin doch von einer ordentlichen 

Verträglichkeit der – inzwischen sistierten – Therapie mit Anastrozol ohne 

Hinweise für ein Rezidiv oder ein Zweitkarzinom (Bf-act. 5 S. 2). Insofern 

kann ihm jedenfalls im Hinblick auf den vorliegend massgebenden 

Zeitpunkt nicht gefolgt werden, wenn er in einer chronischen Diarrhoe eine 

massgebende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit erblickt und zudem 

hinsichtlich des Belastungsprofil ausweist, es müsse die Möglichkeit für 

einen raschen Zugang zum WC bis sechs Mal am Tag bestehen (vgl. Bf-

act. 5 S. 2). Soweit er ferner eine angepasste Arbeit in einer Tätigkeit mit 

wenig Stress und ohne Zeitdruck erblickt (vgl. Bf-act. 5 S. 2), kann dies 

bereits als durch das vorerwähnte neuropsychologische Belastungsprofil 

als mitumfasst gelten, welches der interdisziplinären Einschätzung der 

- 26 -

Arbeitsfähigkeit gemäss estimed-Gutachten zugrunde liegt (vgl. IV-act. 98 

S. 12 und 132).

5.1. Allerdings ist mit Blick auf die Beweiswertigkeit des internistischen 

estimed-Teilgutachtens festzuhalten, dass es diesem an einer 

begründeten und lege artis hergeleiteten Diagnose mangelt (vgl. hierzu IV-

act. 98 S. 56 f.), welche auf einer Erhebung der diagnoserelevanten 

Befunde basiert sowie zu deren Ausprägung und Schweregrad Stellung 

nimmt. Gleiches gilt mit Blick auf die sich daraus ergebenden, 

objektivierbaren bzw. als plausibel erachteten Funktionseinschränkungen, 

insbesondere hinsichtlich der körperlichen Fatigue-Symptomatik, wobei 

diesbezüglich auch zu den von der Beschwerdeführerin im vorliegenden 

Verfahren ins Recht gelegten Berichten von PD Dr. med. L._____ und 

Dr. med. F._____ Stellung zu nehmen ist. Zudem ist eine 

Auseinandersetzung mit den Ergebnissen des beruflichen 

Eingliederungsversuchs sowie aus der EFL nachzuholen und gestützt 

darauf das Fähigkeitsprofil für leidensangepasste Tätigkeiten 

abschliessend zu definieren. Insgesamt bedarf es aus somatischer Sicht 

hinsichtlich der aktenkundigen Cancer-related Fatigue – als 

eigenständiges organisches Krankheitsbild (siehe BGE 139 V 346 E.3.4) 

– einer nachvollziehbar begründeten Beurteilung der medizinischen 

Zusammenhänge und der daraus gezogenen Schlussfolgerungen zum 

somatischen Gesundheitszustand sowie zur versicherungsrechtlich 

relevanten Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 8C_163/2022 vom 11. August 2022 E.4.2 ff.). 

Diesbezüglich ist zugleich im Sinne einer Gesamt-

Arbeitsfähigkeitseinschätzung in begründeter Weise aus interdisziplinärer 

Sicht darzutun, wie sich die somatisch bedingten funktionellen 

Einschränkungen zu den festgestellten leichten kognitiven Defizite 

verhalten, bzw. ob – und falls ja inwiefern – Erstere in der aus 

- 27 -

neuropsychologischer Sicht ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit von 30 % 

aufgehen oder aber die Gesamt-Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit 

neben den kognitiven Einschränkungen zusätzlich (negativ) zu 

beeinflussen vermögen (vgl. hierzu auch Bericht von PD Dr. med. L._____ 

vom 5. September 2022 [Bf-act. 5 S. 2]).

5.2. Soweit die Beschwerdeführerin bemängelt, die estimed-Gutachterinnen 

und -Gutachter hätten sich genauso wenig wie die Beschwerdegegnerin 

mit der Wechselwirkung zwischen der Haushaltsführung und 

Erwerbstätigkeit auseinandergesetzt, ist zu bemerken, dass gemäss 

BGE 134 V 9 den unterschiedlichen Gegebenheiten der in den beiden 

Tätigkeitsbereichen Erwerb und Haushalt vorhandenen Belastungen 

Rechnung zu tragen ist. Die versicherte Person ist im Rahmen ihrer 

Schadensminderungspflicht gehalten, im Umfang ihrer noch vorhandenen 

Leistungsfähigkeit eine dem Leiden angepasste erwerbliche Tätigkeit 

auszuüben. Es ist also eine erwerbliche Tätigkeit zu wählen, in welcher 

sich die gesundheitliche Beschränkung minimal auswirkt. Bezüglich der 

häuslichen Verrichtungen ist die Wahl des Tätigkeitsgebietes gemäss 

Bundesgericht hingegen eingeschränkter. Andererseits bestehen in 

diesem Bereich grössere Freiheiten in der zeitlichen Gestaltung und 

Familienangehörigen ist eine gewisse Mithilfe zuzumuten. Eine 

gegenseitige Beeinflussung erscheint umso geringer, je komplementärer 

die Anforderungsprofile der beiden Tätigkeitsgebiete ausgestaltet sind. 

Die sich durch eine schlechte Vereinbarkeit der beiden Tätigkeitsbereiche 

ergebenden negativen gesundheitlichen Auswirkungen müssen 

offenkundig und unvermeidbar sein. Von einer vermeidbaren 

Wechselwirkung ist demgegenüber auszugehen, wenn durch eine 

zumutbare Wahl einer anderen Erwerbstätigkeit solche 

Wechselwirkungen ausgeschlossen werden können (siehe zum Ganzen 

BGE 134 V 9 E.7.2 und 7.3.1 f.). Auch wenn das Bundesamt für 

- 28 -

Sozialversicherungen (BSV) davon ausgeht, dass mit dem per 1. Januar 

2018 revidierten Art. 27bis IVV (gültig in dieser Fassung bis 31. Dezember 

2021) die Wechselwirkungsproblematik als behoben zu betrachten ist (vgl. 

Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] S 20 19 

vom 6. Oktober 2020 E.6 und S 18 52 vom 19. März 2019 E.7.4; 

erläuternder Bericht des BSV zur Vernehmlassung der Änderung der 

Verordnung vom 7. Januar 1961 über die Invalidenversicherung, 

Invaliditätsbemessung für teilerwerbstätige Versicherte [gemischte 

Methode], S. 5 und 12; siehe auch LEUZINGER, Invaliditätsbemessung für 

teilerwerbstätige Versicherte mit Aufgabenbereich, Auslegeordnung und 

Lösungsvorschlag, in: Kieser/Lendfers [Hrsg.], Jahrbuch zum 

Sozialversicherungsrecht 2017, Zürich/St. Gallen 2017, S. 155 ff., S. 172 

ff. und 181 ff.), erscheint es angesichts des ohnehin noch zu 

vervollständigen Sachverständigengutachten angezeigt, dass aus 

interdisziplinärer Sicht zu den Abklärungsbericht Haushalt vom 

5. Februar/1. März 2021 festgestellten Einschränkungen Stellung 

genommen und dargelegt wird, ob bzw. inwiefern die im anerkannten 

Aufgabenbereich vorhandene Belastungssituation die gutachterliche 

Arbeitsfähigkeitseinschätzung für den Erwerbsbereich zu beeinflussen 

vermag. Der Beschwerdeführerin kann indes nicht gefolgt werden, wenn 

sie den Abklärungsbericht Haushalt vom 5. Februar/1. März 2021 

dahingehend kritisiert, als darin davon ausgegangen werde, dass nach 

Abschluss der laufenden Chemo- und Radiotherapie praktisch keine 

Einschränkungen mehr bestünden. Angesichts des vorbeschriebenen 

positiven Verlaufs hinsichtlich der krebsbedingten Beschwerden, 

insbesondere auch mit Blick auf die Fatigue-Symptomatik (vgl. hierzu 

oben die Erwägung 4.4), und der Aussage der Beschwerdeführerin 

anlässlich der Begutachtung, wonach sich die Fatigue nach Beendigung 

der Chemotherapie gebessert habe (vgl. IV-act. 98 S. 72), ist nicht zu 

beanstanden, wenn im Abklärungsbericht vom 5. Februar/1. März 2021 

- 29 -

die Einschränkungen bei der Haushaltsführung gesondert ermittelt 

wurden, je nach Phase mit bzw. ohne Chemo- und Radiotherapie (vgl. IV-

act. 81 S. 7 ff.). Dabei begründete die Abklärungsperson die 

Einschränkungen im Haushalt im Allgemeinen auch damit, dass sie im 

Zusammenhang mit dem Mammakarzinom und dessen Therapie bzw. 

deren Nebenwirkungen stünden (vgl. IV-act. 81 S. 10). Entgegen der 

Auffassung der Beschwerdeführerin erkannte die Abklärungsperson dabei 

ausdrücklich an, dass die Fatigue und die verminderte Belastbarkeit bei 

der Beschwerdeführerin auch nach der Chemotherapie spürbar seien (vgl. 

IV-act. 81 S. 7), was denn auch bei der Bemessung der Einschränkung 

berücksichtigt wurde (vgl. IV-act. 81 S. 7 ff.). In diesem Zusammenhang 

ist nicht ersichtlich, inwiefern der Abklärungsbericht vom 

5. Februar/1. März 2021 hinsichtlich der konkret ermittelten 

Einschränkungen in den jeweiligen Haushaltsbereichen die 

rechtsprechungsgemäss geltenden Anforderungen (siehe Art. 69 Abs. 2 

IVV; vgl. BGE 140 V 543 E.3.2.1, 133 V 450 E.11.1.1, 130 V 61 E.6.2 und 

128 V 93 E.4; Urteile des Bundesgerichts 8C_241/2022 vom 5. August 

2022 E.2.4, 8C_728/2019 vom 10. Juni 2020 E.2 und 8C_185/2020 vom 

21. April 2020 E.4.2.2) nicht erfüllen würde. Derartiges wird denn auch von 

der Beschwerdeführerin nicht konkret geltend gemacht. 

5.3. Ferner berücksichtigten und untersuchten die estimed-Gutachterinnen 

und -Gutachter auch weitere, in Zusammenhang mit der Behandlung des 

Mammakarzinoms stehende Beschwerdebilder, wie namentlich die nach 

der anlässlich der Begutachtung geäusserten Ansicht der 

Beschwerdeführerin mitunter im Vordergrund stehende Neuropathie (vgl. 

z.B. IV-act. 98 S. 9, 47 und 70). Da sich diese jedoch in der neurologischen 

Befunderhebung im Sinne einer verminderten Gefühlempfindung vor allem 

an den Kuppen der äusseren Finger beidseits sowie an den Zehen und 

Füssen bei ansonsten ungestörtem Schmerzempfinden äusserte (vgl. IV-

- 30 -

act. 98 S. 76), erscheint es nachvollziehbar, dass die distale sensible 

Polyneuropathie bei Diabetes mellitus aus neurologischer Sicht den 

Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zugeordnet wurde 

(vgl. ferner Bericht von Dr. med. F._____ vom 9. Mai 2019 [IV-act. 43 S. 7 

f.], wonach hinsichtlich der peripheren Neuropathie keine funktionellen 

Beeinträchtigungen bestünden). Hinsichtlich der (Einlauf-)Schmerzen an 

den Füssen gab die Beschwerdeführerin denn auch selber an, dass es 

nach ein paar Minuten wieder gehe, und sich die Gefühlsstörungen an den 

Händen (lediglich) darin zeigten, dass sie z.B. ein Blatt Papier schlecht 

aufnehmen oder nass und kalt schlecht unterscheiden könne (vgl. IV-

act. 98 S. 70). Zudem wies der neurologische Experte Dr. med. V._____ 

ein Karpaltunnelsyndrom beidseits ohne funktionelle Auswirkungen aus 

(vgl. IV-act. 98 S. 77). Mit der Schmerzsituation bzw. allfälligen 

Muskelbeschwerden setzte sich ferner auch der rheumatologische 

Teilgutachter Dr. med. W._____ auseinander, indem er neben der keine 

funktionelle Auswirkungen zeitigende hypertonen Muskelverspannung im 

Schulter- und Nackenbereich beidseits gestützt auf einschlägige 

Fragebogen zur Erfassung des Fibromyalgiesyndroms aufgrund der dabei 

erzielten Ergebnisse (Widespread-Pain-Index 6/19 und Symptom-

Severity-Score 8/12) ein solches Fibromyalgiesyndrom ausschloss (vgl. 

IV-act. 98 S. 95, was angesichts der Diagnosekriterien dafür 

nachvollziehbar ist [vgl. hierzu American College of Rheumatologiy, 

Abstract No. 997, 2016 Revisions to the 2010/2011 Fibromyalgia 

Diagnostic Criteria, abrufbar unter: https://acrabstracts.org/abstract/2016-

revisions-to-the-20102011-fibromyalgia-diagnostic-criteria/; vgl. ferner die 

Beschreibung des Begriffes der Fibromyalgie unter: 

https://flexikon.doccheck.com/de/Fibromyalgie und 

https://www.pschyrembel.de/Fibromyalgie/K07RS/doc/, jeweils zuletzt 

besucht am: 25. Oktober 2022). Zudem gab die Beschwerdeführerin 

anlässlich der Exploration selber an, dass sich dieses Beschwerdebild 

- 31 -

unter abendlicher Einnahme eines schlafanstossenden Antidepressivums 

gebessert habe (vgl. IV-act. 98 S. 89). Soweit somit Dr. med. F._____ in 

seinem Bericht vom 1. Februar 2022 in unspezifischer Weise von 

Arthralgien, Myalgien und morgendlicher Gelenkssteifigkeit spricht, 

können diese – soweit ersichtlich – als in gutachterlicher Hinsicht 

mitberücksichtigt gelten. Zudem weist Dr. med. F._____ keine damit 

verbundene Arbeitsunfähigkeit aus (vgl. IV-act. 109 S. 2 = Bf-act. 1). 

Hinsichtlich der aktenkundigen depressiven Symptomatik wies der 

psychiatrische Teilgutachter med. pract. B._____ angesichts des 

unauffälligen Untersuchungsbefunds (vgl. IV-act. 98 S. 157 f.), des 

testpsychiatrisch erzielten tiefen Punktwerts, welcher gegen das Bestehen 

einer depressiven Störung spricht (vgl. IV-act. 98 S. 159), sowie der 

Aussage der Beschwerdeführerin, wonach sie sich aktuell nicht depressiv 

erlebe (vgl. IV-act. 98 S. 151), nachvollziehbar eine rezidivierende 

depressive Störung, gegenwärtig remittiert, aus (vgl. IV-act. 98 S. 160 f.). 

Zum zeitlichen Verlauf dieser Symptomatik hielt er zudem fest, dass aus 

psychiatrischer Sicht spätestens ab November 2020 keine 

Arbeitsunfähigkeit vor dem Hintergrund einer depressiven Störung mehr 

bestanden haben dürfte (vgl. IV-act. 98 S. 165). Dies erweist sich insoweit 

als plausibel, als Dr. med. J._____ mit Bericht vom 23. November 2020 

bei einem weitgehend unauffälligen Psychostatus eine rezidivierende 

depressive Störung, in Remission, diagnostizierte (vgl. IV-act. 73 S. 7 f.). 

Zwar wies die behandelnde Psychiaterin Dr. med. X._____ mit Bericht 

vom 15. Dezember 2020 zu der nur kurze Zeit nach der Stellungnahme 

von Dr. med. J._____ stattgehabten Kontrolle am 30. November 2020 – 

wie bereits in vormaligen Berichten (vgl. Bericht von Dr. med. C._____ und 

Assistenzärztin X._____ vom 13. Mai 2019 [IV-act. 39] sowie Bericht von 

Oberärztin Y._____ und Assistenzärztin Z._____ vom 7. Januar 2019 [IV-

act. 19 S. 7 ff.]) – wiederum eine rezidivierende depressive Störung, 

gegenwärtig mittelgradige Episode, aus und attestierte eine 100%ige 

- 32 -

Arbeitsunfähigkeit (vgl. IV-act. 72). Diese Einschätzung erweist sich aber 

bereits insoweit als nicht plausibel, als die behandelnde Oberärztin 

X._____ selbst von einem verbesserten Gesundheitszustand berichtete 

und in der durchgeführten testpsychiatrischen Kontrolle (Beck-

Depressionsinventar [BDI-II]) nur ein Punktwert erreicht wurde, der für 

keine bzw. eine minimale Depression spricht (vgl. IV-act. 72 S. 1; vgl. 

Beschreibung des Becks-Depressions-Inventar unter: Beschreibung des 

https://flexikon.doccheck.com/de/Beck-Depressions-Inventar; S3-

Leitlinien/Nationale Versorgungsleitlinien für Unipolare Depression, 

Langfassung, 2. Auflage, Version 4, Anhang 1 [S. 181], abrufbar unter: 

https://www.leitlinien.de/themen/depression/archiv/pdf/depression-2aufl-

vers4-lang.pdf, jeweils zuletzt besucht am: 25. Oktober 2022). Angesichts 

dessen erweist sich die gutachterliche Schlussfolgerung einer seit Ende 

November 2020 remittierten depressiven Symptomatik als schlüssig. 

Hinweise dafür, dass sich danach eine medizinisch relevante Veränderung 

eingestellt hätte, sind nicht aktenkundig (vgl. auch Bericht von PD Dr. med. 

L._____ vom 5. September 2022, wonach anlässlich der Erstkonsultation 

am 23. Mai 2022 namentlich bei einem BDI II-Wert von 12 keine 

depressive Symptomatik festgestellt wurde [Bf-act. 5 S. 3]).

5.4. Schliesslich ist angesichts der von der höchstrichterlichen 

Rechtsprechung an den Beweiswert eines medizinischen Berichts 

gestellten Anforderungen (vgl. hierzu BGE 134 V 231 E.5.1 und 125 V 351 

E.3a; Urteile des Bundesgerichts 9C_40/2022 vom 4. August 2022 E.4.1, 

9C_561/2021 vom 4. August 2022 E.4.1, 9C_105/2022 vom 14. Juli 2022 

E.2.2.1, 9C_26/2022 vom 30. Mai 2022 E.4.1 und 9C_528/2021 vom 

11. Februar 2022 E.4.1) noch festzustellen, dass sich der 

rheumatologische estimed-Teilgutachter nicht zu den von der 

Beschwerdeführerin beklagten lumbalen Rückenbeschwerden (vgl. hierzu 

IV-act. 98 S. 48, 89, 119 und 149) geäussert hat. Zwar ist namentlich 

- 33 -

aktenkundig, dass sich diese infolge der medizinischen Trainingstherapie 

und der Physiotherapie verbessert haben (vgl. Bericht von Prof. Dr. med. 

H._____ vom 24. Dezember 2020 [IV-act. 73 S. 9 f.]) und die 

Beschwerdeführerin anlässlich der gutachterlichen Explorationen in der 

Lage war, ohne schmerzbedingte Positionswechsel auf dem 

Untersuchungsstuhl zu sitzen und sich flüssig umzuziehen (vgl. IV-act. 98 

S. 53, 75 und 93). Angesichts des vorbefundlich diagnostizierten 

Panvertebralsyndrom (vgl. Bericht von Dr. med. G._____ vom 

3. September 2020 [IV-act. 65]) bzw. der persistierenden 

muskuloskelettalen Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule (vgl. 

Bericht von Prof. Dr. med. H._____ vom 24. Dezember 2020 [IV-act. 73 

S. 9 f.]) hätte sich indes eine gutachterliche Auseinandersetzung damit 

aufgedrängt. Dies ist nachzuholen, wobei zudem darzutun ist, ob bzw. 

inwiefern sich allfällige lumbale Rückenbeschwerden – auch mit Blick auf 

das Belastungsprofil in leidensangepassten Tätigkeiten – auf die 

Arbeitsfähigkeit auswirken.

5.5. Insgesamt erweist sich das estimed-Gutachten vom 27. September 2021 

somit in somatischer Hinsicht mit Blick auf die festgestellte Cancer-related 

Fatigue sowie die lumbalen Rückenleiden betreffend die lege artis 

vorzunehmenden Diagnosestellung als auch bezüglich der funktionellen 

Auswirkungen der diagnoserelevanten Befunde als präzisierungs‑ und 

ergänzungsbedürftig.

5.6. Erachtet das zuständige Sozialversicherungsgericht – wie hier – eine 

Sache in medizinischer Hinsicht noch nicht hinreichend abgeklärt und 

somit auch die seitens der Verwaltung vorgenommene Beweiswürdigung 

als unvollständig, verbleibt ihm auch nach der neueren 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung, die Möglichkeit, die Sache an den 

zuständigen Versicherungsträger zurückzuweisen, anstatt ein 

- 34 -

gerichtliches Gutachten zur Klärung einer offenen Frage in Auftrag zu 

geben. Ein solches ist in der Regel namentlich dann einzuholen, wenn ein 

(im Verwaltungsverfahren anderweitig) erhobener medizinischer 

Sachverhalt überhaupt für "gutachterlich abklärungsbedürftig" gehalten 

wird oder eine Administrativexpertise in rechtserheblichen Punkten nicht 

ausreichend beweiswertig ist und dieser Mangel nicht alleine durch eine 

Klarstellung, Präzisierung oder Gutachtensergänzung behoben werden 

kann (siehe FURRER, Rechtliche und praktische Aspekte auf dem Weg zum 

Gerichtsgutachten in der Invalidenversicherung, in: SZS 1/2019 S. 3 ff. S. 

4 f.; siehe auch BGE 139 V 496 E.4.4, 139 V 99 E.1.1 und 137 V 210 

E.4.4.1.4 f.). Eine Rückweisung an den Versicherungsträger steht dem 

Versicherungsgericht aber weiterhin in den Fällen offen, wenn sie in der 

Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist oder 

wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von 

gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (siehe BGE 139 V 99 E.1.1 

und 137 V 210 E.4.4.1.4; Urteile des Bundesgerichts 9C_354/2020 vom 

8. September 2020 E.2.1 und 8C_503/2019 vom 19. Dezember 2019 

E.2.1; KIESER, a.a.O., Art. 44 Rz. 71). Da sich vorliegend die dem 

Administrativgutachten der estimed AG vom 27. September 2021 

anhaftenden Mängel in der in somatisch bzw. rheumatologischer Hinsicht 

vorzunehmenden Diagnoseherleitung und der Beurteilung des sich daraus 

ergebenden, tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens insoweit 

beheben lassen, als sich dies im Sinne einer Klarstellung, Präzisierung 

oder Gutachtensergänzung nachholen lässt, erweist es sich als zulässig, 

die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zu ergänzenden 

Abklärungen zurückzuweisen. Soweit die Beschwerdeführerin die Cancer-

related Fatigue gutachterlich durch eine Fachperson für Onkologie 

beurteilt haben möchte, ist dies insoweit zu relativieren, als eine solche 

Beurteilung prima vista grundsätzlich auch durch die internistische 

estimed-Gutachterin Dr. med. N._____ erfolgen könnte, ist sie aufgrund 

- 35 -

ihres Facharzttitels doch in der Lage, komplexe – einschliesslich 

chronische – Krankheiten zu beurteilen und behandeln und gehört zu ihren 

Kompetenzen auch die Rehabilitation (vgl. Schweizerisches Institut für 

ärztliche Weiter- und Fortbildung, Fachärztin oder Facharzt für Allgemeine 

Innere Medizin, Weiterbildungsprogramm vom 1. Januar 2022, S. 2 f., 

abrufbar unter: https://www.siwf.ch/files/pdf21/aim_version_internet_d.pdf 

und Handbuch der deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, 

Weiterbildung im Gebiet Innere Medizin, S. 25 ff., abrufbar unter: 

https://www.dgim.de/fileadmin/user_upload/PDF/Publikationen/Handbuch

_Weiterbildung.pdf, jeweils zuletzt besucht am: 25. Oktober 2022). 

Ohnehin ist es rechtsprechungsgemäss der Begutachtungsstelle 

überlassen, über Art und Umfang der aufgrund der konkreten 

Fragestellung erforderlichen Untersuchungen zu befinden (siehe Urteil 

des Bundesgerichts 8C_481/2021 vom 4. Februar 2022 E.4.1; so hat denn 

auch vorliegend die fallführende Internistin Dr. med. N._____ veranlasst, 

dass auch die Fachdisziplin Neuropsychologie in die Begutachtung 

miteinbezogen wurde, vgl. IV-act. 93 f.), allenfalls unter Einbezug des 

Regionalen Ärztlichen Dienstes (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_431/2021 vom 26. Januar 2022 E.4.1). Nichts Gegenteiliges ergibt 

sich für die vorliegend noch zu beantwortenden Fragestellungen aus dem 

Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2022 vom 11. August 2022, wo zwar 

ebenfalls eine Cancer-related Fatigue-Diagnose in einem 

polydisziplinären Gutachten namentlich durch den dortigen Internisten 

unerörtert geblieben ist, aber hinsichtlich der geklagten 

Erschöpfungszustände noch die versuchsweise Absetzung einer anti-

hormonellen Behandlung mit Tamoxifen zur Debatte stand, weil die 

Erschöpfung eventuell als Nebenwirkung dieses Medikamentes vermutet 

worden war. Zudem wurde die Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeit 

vom gastroenterologischen Gutachter teilweise auf ein Darmleiden 

(Morbus Crohn) und ein Fibromyalgiesyndrom resp. den Status nach dem 

- 36 -

Brustkrebs zurückgeführt (siehe Urteil des Bundesgericht 8C_163/2022 

vom 11. August 2022 E.4.1.2 f.). Überdies war gemäss gutachterlicher 

Einschätzung eine Absetzung des Medikaments risikobehaftet (siehe 

Urteil des Bundesgericht 8C_163/2022 vom 11. August 2022 E.4.1.2) und 

sollte damit nach der Ansicht des Bundesgerichts alleine in die Kompetenz 

eines Onkologen oder einer Onkologin fallen (siehe Urteil des 

Bundesgericht 8C_163/2022 vom 11. August 2022 E.4.6). Im Rahmen des 

dortigen polydisziplinären Gutachtens wurde nach den Feststellungen des 

Bundesgerichts zu den Erwägungen der Vorinstanz auf den Beizug eines 

Onkologen verzichtet, weil die ursprünglich geplante Dauer der anti-

hormonellen Behandlung sich ihrem Ende genähert hatte bzw. in zeitlicher 

Hinsicht bereits erreicht war (siehe Urteil des Bundesgericht 8C_163/2022 

vom 11. August 2022 E.4.1.3). Demgegenüber wurde im hier zu 

beurteilenden Fall gemäss den vorliegenden Akten das Arzneimittel 

Tamoxifen ohne nennenswerte onkologische Probleme bereits per Juli 

2021 durch eine andere adjuvante endokrine Therapie ersetzt, wobei PD 

Dr. med. L._____ im Zusammenhang mit der beendeten Einnahme ein 

Karpaltunnelsyndrom und trockene Haut als Nebenwirkungen benannte 

sowie die Option einer AI erwähnte. Weiter berichtete er von einer 

Verbesserung der Fatigue nach Absetzen von Tamoxifen (siehe Bericht 

vom [wohl recte] 13. Juli 2022 von PD Dr. med. L._____ [Bf-act. 2 S. 2]). 

Inwiefern im vorliegenden Fall somit ein Facharzt oder eine Fachärztin für 

Allgemeine Innere Medizin bzw. ein gutachterlich tätiger Internist per se 

nicht geeignet sein soll, die vorliegend offenen Fragestellungen im 

Zusammenhang mit der geklagten rascheren Ermüdbarkeit sowie dem 

Bedarf nach häufigeren und längeren Ruhephasen im Rahmen einer 

polydisziplinären Begutachtung zu beurteilen, sondern hinsichtlich der 

Gutachtensergänzung zwingend ein Onkologe oder eine Onkologin dafür 

beizuziehen wäre, ergibt sich so jedenfalls nicht direkt aus der vom 

Bundesgericht im erwähnten Urteil zitierten Erwägungen 3.2 ff. von 

- 37 -

BGE 139 V 349. Im Gegenteil wird dort gerade betont, dass für die 

Auswahl der Fachdisziplinen für eine (polydisziplinäre) Begutachtung die 

fachliche Koordination einen zentralen Teil der Interdisziplinarität 

ausmache und die beauftragten Sachverständigen (jedenfalls im 

Verhältnis zur IV-Stelle) letztverantwortlich für die fachliche Güte, die 

Vollständigkeit sowie auch die Wirtschaftlichkeit der Abklärung seien 

(siehe BGE 139 V 349 E.3.3). Zudem hat das Bundesgericht im Urteil 

8C_163/2022 vom 11. August 2022 schlussendlich davon abgesehen, die 

dortige Angelegenheit mit der ausdrücklichen Anweisung zur ergänzenden 

Begutachtung (nur) durch einen Onkologen oder eine Onkologin an die IV-

Stelle des Kantons Zürich zurückzuweisen. Vielmehr wurde diese lediglich 

dazu verpflichtet, eine ergänzende Begutachtung durch die 

Gutachtensstelle zu veranlassen und anschliessend über den 

Leistungsanspruch der dortigen Versicherten neu zu entscheiden (siehe 

Urteile des Bundesgericht 8C_163/2022 vom 11. August 2022 E.4.7 und 

8G_2/2022 vom 7. November 2022 E.2). Die Beantwortung der Frage, ob 

sich vorliegend medizinische Fragestellungen ergeben, welche den 

Fachbereich und die Kenntnisse der Hauptgutachterin Dr. med. N._____ 

und/oder der weiteren beteiligten Gutachterinnen und Gutachter übersteigt 

(vgl. dazu Urteil des Bundesgericht 8C_163/2022 vom 11. August 2022 

E.4.6), ist also in erster Linie den gutachterlichen Fachpersonen 

vorbehalten, welche letztlich auch für die fachliche Güte und 

Vollständigkeit ihres Gutachtens verantwortlich sind (siehe BGE 139 V 

349 E.3.3; vgl. nunmehr auch Art. 44 Abs. 5 ATSG, in Kraft ab dem 

1. Januar 2022, die entsprechenden Ausführungen in der Botschaft zur 

Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung 

[Weiterentwicklung der IV] vom 15. Februar 2017 [BBl 2017 2535 2683] 

und Rz. 3101 des Kreisschreibens des BSV über das Verfahren in der 

Invalidenversicherung [KSVI], Stand: 1. Januar 2022). Insofern rechtfertigt 

sich vorliegend keine verbindliche Anweisung des Gerichts im Sinne einer 

- 38 -

Gutachtensergänzung mit zwingendem Beizug einer sachverständigen 

Person für Onkologie, auch wenn ein solcher von der 

Beschwerdegegnerin bzw. der Gutachterstelle im Rahmen der 

erforderlichen Gutachtensergänzung und -präzisierung durchaus in 

Betracht gezogen werden kann.

5.7. Nicht weiter von Belang ist ferner das beschwerdeführerische Vorbringen, 

wonach hinsichtlich der gutachterlich ausgewiesenen Arbeitsfähigkeit in 

der angestammten Tätigkeit Diskrepanzen zwischen der 

Konsensbeurteilung und dem psychiatrischen und neuropsychologischen 

Teilgutachten bestünden. Abgesehen davon, dass diese Einschätzung 

ohne Einfluss auf den Verfahrensausgang ist, scheint in einem der beiden 

Teilgutachten hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit 

ein Schreibfehler unterlaufen zu sein. Denn auf psychiatrischem 

Fachgebiet konnte neben der neuropsychologisch ausgewiesenen 

leichten kognitiven Störung keine Diagnose mit Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit gestellt werden (vgl. IV-act. 98 S. 160), weshalb 

sachlogischerweise die in den beiden Teilgutachten ausgewiesene 

Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit genauso wie jene in der 

Konsensbeurteilung übereinstimmten müsste (vgl. IV-act. 98 S. 12, 131, 

165 und 167). Da aber ohnehin die gutachterlich attestierte 

Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten entscheidrelevant ist, 

erübrigen sich Weiterungen dazu. Dasselbe gilt für die Frage, ob die 

bisherige Tätigkeit der Beschwerdeführerin dem neuropsychologisch 

ausgewiesenen Zumutbarkeitsprofil entspricht.

6. Die Beschwerde ist daher im dem Sinne gutzuheissen, als die 

angefochtene Verfügung vom 30. Juni 2022 aufzuheben und die Sache an 

die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese nach 

ergänzender sachverständiger Abklärung des medizinischen 

Sachverhalts (und unter Gewährung des rechtlichen Gehörs) gestützt auf 

- 39 -

die dannzumal vollständigen medizinischen Unterlagen über den 

Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu entscheide. In diesem 

Rahmen wird die Beschwerdegegnerin auch die Frage der Verwertbarkeit 

der (Rest‑)Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt sowie 

jene des Leidensabzugs neu prüfen und beurteilen müssen. Soweit für die 

Beschwerdeführerin bereits gestützt auf das von der 

neuropsychologischen estimed-Expertin ausgewiesene Fähigkeitsprofil 

(nur) eine Tätigkeit auf dem zweiten Arbeitsmarkt in Frage kommt, kann 

ihr nicht gefolgt werden. Denn aus neuropsychologischer Sicht sind 

aufgrund der deutlich eingeschränkten Leistungsfähigkeit in Tätigkeiten 

mit Zeit- und Leistungsdruck sowie mit Flexibilität (vgl. IV-act. 98 S. 128) 

einfache bis mittlere Büroarbeiten (z.B. Aktenablage, Korrespondenzen, 

einfache bis mittlere Übersetzungen und Datenerfassung), die einem 

niedrigen Leistungsdruck unterliegen und geringe bis mittlere 

Anforderungen an die Konzentration und Flexibilität stellen, optimal 

leidensangepasst (vgl. IV-act. 98 S. 132). Inwiefern solche Tätigkeiten nur 

im geschützten Rahmen verwertbar sein sollen, leuchtet nicht ein. 

Vielmehr umfasst das hier anwendbare Kompetenzniveau 1 (einfache 

Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art) auch der 

Beschwerdeführerin zumutbare geistig nicht fordernde, strukturierte und 

geordnete Tätigkeiten sowie eine Vielzahl von körperlich leichten 

Tätigkeiten ohne starken Zeitdruck und ohne besondere Anforderungen 

an die Flexibilität oder an die Feinmotorik (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

8C_735/2021 vom 17. März 2022 E.3.2 und 4.3, 9C_488/2021 vom 

10. Januar 2022 E.3.2.2, 8C_202/2021 vom 17. Dezember 2021 E.5, 

8C_369/2021 vom 28. Oktober 2021 E.8.2.2, 8C_143/2021 vom 7. Juni 

2021 E.4.3.2, 8C_139/2020 vom 30. Juli 2020 E.6.3.3, 8C_495/2019 vom 

11. Dezember 2019 E.4.2.1 f., 8C_528/2019 vom 12. November 2019 

E.4.1 und 4.2.2 sowie 8C_219/2019 vom 30. September 2019 E.5.2). 

Allerdings rechtfertigt bereits das neuropsychologisch begründete 

- 40 -

gutachterliche Belastungsprofil entgegen der Auffassung der 

Beschwerdegegnerin die Vornahme eines Leidensabzugs. Denn auch 

wenn mit den vorgenannten qualitativen – neben den quantitativen – 

Anforderungen an eine leidensangepasste Tätigkeit einer möglichen 

Überforderung der Beschwerdeführerin entgegengewirkt werden soll (vgl. 

IV-act. 98 S. 132), zeigte sich anlässlich der testpsychologischen 

Untersuchung eindrücklich, dass die Beschwerdeführerin mitunter nach 

wiederkehrenden Fehlern oder konzeptionellen Wechseln emotional 

einbrechen und dekompensieren kann, woraufhin es seitens der 

Betreuungsperson eines beruhigenden, zuwendungsvollen Gesprächs 

bedarf, um sie wieder in den Arbeitsauflauf integrieren zu können (vgl. IV-

act. 98 S. 125 ff.). Daher liegt nahe, dass die funktionellen 

Einschränkungen der Beschwerdeführerin nicht ohne Weiteres mit den 

Anforderungen vereinbar sind, welche sich aus den gewöhnlichen 

betrieblichen Abläufen ergeben. Vielmehr bedarf es eines (sozialen) 

Entgegenkommens seitens des Arbeitgebers und eines speziellen 

Betreuungsaufwands, so dass davon auszugehen ist, dass die 

Beschwerdeführerin auch im Rahmen einer adaptierten Tätigkeit ihre 

Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mit dem 

gleichen erwerblichen Erfolg verwerten kann, wie gesunde Beschäftige. 

Die Höhe des Leidensabzugs kann indes erst festgelegt werden, wenn das 

gutachterliche Belastungsprofil unter Berücksichtigung der noch 

ausstehenden medizinischen Abklärungen zur Cancer-related Fatigue 

und zu allfälligen Einschränkungen aus dem rheumatologischen 

Fachgebiet vervollständigt wird. Ein reformatorischer Entscheid im Sinne 

einer Zusprache einer Invalidenrente, wie dies von der 

Beschwerdeführerin im Subeventualbegehren beantragt wird, erweist sich 

demnach als verfrüht. 

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7. Bei diesem Verfahrensausgang ist die Beschwerde demnach 

gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 30. Juni 2022 aufzuheben 

und die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen 

und zu neuem Entscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

8. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das 

Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der 

Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und 

unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.-- 

festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein 

durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in 

Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.-- 

fest. Die Rückweisung zu weiteren Abklärungen gilt praxisgemäss als 

vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei bezüglich der 

Verteilung der Gerichtskosten und der Zusprache einer 

Parteientschädigung (vgl. BGE 141 V 281 E.11.1, 137 V 210 E.7.1 und 

132 V 215 E.6.1 f.). Infolge des Ausgangs des Beschwerdeverfahrens sind 

die Gerichtskosten von CHF 700.-- demnach der Beschwerdegegnerin zu 

überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).

9. Die Beschwerdeführerin hat zudem Anspruch auf eine aussergerichtliche 

Parteientschädigung (siehe Art. 61 lit. g ATSG). Als Bemessungskriterien 

für dessen Höhe nennt Art. 61 lit. g ATSG die Bedeutung der Streitsache 

und die Schwierigkeit des Prozesses. Im Übrigen wird die Bemessung 

nach Art. 61 Ingress ATSG dem kantonalen Recht überlassen (siehe 

Urteile des Bundesgerichts 8C_360/2022 vom 24. August 2022 E.3.1, 

9C_519/2020 vom 6. Mai 2021 E.2.2, 9C_714/2018 vom 18. Dezember 

2018 E.9.2, nicht publ. in BGE 144 V 380, 9C_321/2018 vom 16. Oktober 

2018 E.6.2, 8C_98/2017 vom 27. Oktober 2017 E.4.1 f. und 8C_136/2016 

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vom 11. August 2016 E.2.1 f.). Art. 78 Abs. 1 VRG bestimmt, dass im 

Rechtmittel- und Klageverfahren die unterliegende Partei in der Regel 

verpflichtet wird, der obsiegenden Partei die durch den Rechtsstreit 

verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen. Nach Art. 16a des 

kantonalen Anwaltsgesetzes (Anwaltsgesetz; BR 310.100) bemisst sich 

die Parteientschädigung für die Kosten der anwaltlichen Vertretung in 

Verfahren vor Gerichts- und kantonalen Verwaltungsbehörden nach dem 

für eine sachgerechte Prozessführung notwendigen Zeitaufwand sowie 

der Schwierigkeit und der Bedeutung der Sache. Gemäss Art. 2 Abs. 1 der 

Verordnung über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen 

und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV; BR 310.250) setzt die 

urteilende Instanz die Parteientschädigung der obsiegenden Partei nach 

Ermessen fest. Ausgangspunkt ist dabei grundsätzlich der Betrag, welcher 

der entschädigungsberechtigten Partei für die (anwaltliche) Vertretung in 

Rechnung gestellt wird (siehe Art. 2 Abs. 2 HV). Der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin machte in seiner Eingabe vom 28. September 2022 

insgesamt einen Aufwand von 12.33 Stunden à CHF 240.-- 

(CHF 2'959.20) zuzüglich einer Kleinspesenpauschale von 3 % 

(CHF 88.80) und 7.7 % MWST (CHF 234.70) geltend. Da die geltend 

gemachte Entschädigung von insgesamt CHF 3'282.70 angemessen 

erscheint, hat die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin in diesem 

Umfang aussergerichtlich zu entschädigen (siehe dazu auch Art. 2 Abs. 2 

Ziffer 1 und 2, Art. 3 Abs. 1 und Art. 4 Abs. 1 HV sowie betreffend den 

Stundenansatz auch VGU S 21 89 vom 7. September 2022 E.8.2).

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung vom 30. Juni 2022 

aufgehoben. Die Angelegenheit wird zu weiteren Abklärungen und neuem 

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Entscheid im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle des Kantons 

Graubünden zurückgewiesen. 

2. Die Kosten von CHF 700.-- gehen zulasten der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden.

3. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden entschädigt A._____ 

aussergerichtlich mit insgesamt CHF 3'282.70 (inkl. Spesen und MWST).

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilung]