# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 19f6c19b-6b0f-5758-a47d-c7b078c5e4ef
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-02-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.02.2022 D-556/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-556-2020_2022-02-10.pdf

## Full Text

f   B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-556/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 0 .  F e b r u a r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richter Simon Thurnheer (Vorsitz), 

Richter Markus König, Richter Yanick Felley,      

Gerichtsschreiberin Leslie Werne. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Iran,   

vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, 

(…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 27. Dezember 2019 / (…). 

 

 

 

D-556/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 2. April 2017 in der Schweiz um Asyl 

nach. Am 5. April 2017 wurde er zu seiner Person, zu seinem Reiseweg 

und summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person 

[BZP]). Am 8. April 2019 hörte ihn das SEM vertieft zu seinen Asylgründen 

an.  

B.  

Zu seinem persönlichen Hintergrund sowie zur Begründung seines Asylge-

suchs brachte er im Wesentlichen vor, er sei iranischer Staatsangehöriger 

persischer Ethnie, stamme aus B._______, wo er bis zu seiner Ausreise 

gelebt habe. Im Januar 2016 habe er sein gut zweijähriges Studium der 

(…) an der Universität (…) mit dem Oberdiplom abgeschlossen. Neben 

dem Studium habe er sich zusammen mit seiner Schwester ein eigenes 

Geschäft im Bereich der (…) aufgebaut. 

Nachdem er einer christlichen Telegram-Gruppe beigetreten und schliess-

lich deren Administrator geworden sei, habe er auf Geheiss der Gruppen-

mitglieder das heilige Buch gelesen. Auf dem Weg in sein Geschäft hätten 

Unbekannte ihn im Oktober 2016 entführt und gefoltert. Gegen Mitternacht 

habe man ihn schliesslich mit der Anweisung freigelassen, er solle als 

Spion Informationen sammeln. In diesem Zusammenhang habe er an einer 

Sitzung einer geheimen Haus- beziehungsweise Heimkirche namens 

«(…)» in C._______ teilgenommen, welche gefilmt worden sei. Dort habe 

er von der Entführung berichtet und kundgetan, dass er dem Spionageauf-

trag nicht Folge leisten wolle. Im Anschluss an die Versammlung sei er zu 

seiner Tante gegangen, wo er durch seine Schwester erfahren habe, dass 

sein Haus durch Beamte gestürmt und nach ihm gefragt worden sei. Iran 

habe er am 2. November 2016 verlassen und sei am 1. April 2017 schliess-

lich illegal in die Schweiz eingereist, wo er seither regelmässig an christli-

chen Sitzungen einer Kirche teilnehme. 

C.  

Mit Verfügung vom 27. Dezember 2019 – eröffnet am 30. Dezember 2019 

– stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete den Vollzug an.  

D-556/2020 

Seite 3 

D.  

Mit Eingabe vom 29. Januar 2020 erhob der Beschwerdeführer durch sei-

nen Rechtsvertreter gegen die vorinstanzliche Verfügung Beschwerde 

beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfü-

gung sei aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

Eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu 

gewähren respektive die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer 

Hinsicht sei er von der Bezahlung der Verfahrenskosten zu befreien und 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten. Eventualiter 

sei eine angemessene Frist für die Bezahlung eines solchen anzusetzen. 

Der Beschwerde lagen unter anderem Fotografien eines Taufscheins von 

D._______, eine Fotografie (angeblich) des Vorgenannten mit weiteren 

Personen, ein Arbeitszeugnis sowie ein Lehrvertrag mit der (…) AG vom 

13. Juni respektive 6. August 2019, drei Ausdrucke aus Facebook aus dem 

Jahr 2013, ein Bericht der Landinfo vom 29. November 2017, diverse Be-

stätigungs- und Referenzscheiben Dritter sowie diverse Internetartikel bei.  

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 25. September 2020 hiess der Instruktions-

richter das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut 

und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  

F.  

Mit Eingabe vom 5. Oktober 2020 liess sich die Vorinstanz zur Beschwerde 

vernehmen.  

G.  

Am 17. Oktober 2020 wandte sich Frau E._______, Sprachlehrkraft Be-

rufsschulzentrum F._______, mit einem Schreiben an das Bundesverwal-

tungsgericht und nahm namens des Beschwerdeführers unaufgefordert 

Stellung zur Vernehmlassung der Vorinstanz. 

H.  

Mit Replik vom 21. Oktober 2020 äusserte sich der Rechtsvertreter des 

Beschwerdeführers zur Vernehmlassung. Der Eingabe beigelegt waren ein 

Schreiben von Herrn G._______ vom 15. Oktober 2020, zwei Fotografien 

unbekannten Datums, ein undatiertes Schreiben der (…) AG sowie ein 

Zeugnis des Berufsbildungszentrums (…) vom 19. Juni 2020. 

D-556/2020 

Seite 4 

I.  

Am 9. Februar 2021 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers 

unaufgefordert eine Ergänzung der Replik vom 21. Oktober 2020 ein. 

J.  

Mit Eingabe vom 5. Juli 2021 reichte der Beschwerdeführer eine Kopie des 

Berufsattestes Automobil–Assistent EBA vom 1. Juli 2021 zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft 

getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige 

Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG 

vom 25. September 2015). 

1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-

men worden. 

2. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem 

Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer ist als Verfü-

gungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die 

frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 

Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

4.  

4.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, wel-

che vorab zu beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine 

Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.  

 

D-556/2020 

Seite 5 

4.2  

4.2.1 Im Verwaltungsverfahren und insbesondere im Asylverfahren gilt der 

Untersuchungsgrundsatz und die Pflicht zur vollständigen und richtigen Ab-

klärung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 

VwVG; vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Mithin ist die zuständige Behörde 

verpflichtet, den für die Beurteilung eines Asylgesuchs relevanten Sachver-

halt von Amtes wegen festzustellen (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1). Dennoch 

darf sich die entscheidende Behörde in der Regel darauf beschränken, die 

Vorbringen einer asylsuchenden Person zu würdigen und die von ihr ange-

botenen Beweise abzunehmen. Eine Notwendigkeit für über die Befragung 

hinausgehende Abklärungen besteht insbesondere dann, wenn Zweifel 

und Unsicherheiten am Sachverhalt bestehen, die voraussichtlich mit Er-

mittlungen von Amtes wegen beseitigt werden können (vgl. BVGE 2009/50 

E. 10.2.1 S. 734 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri-

schen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 23 E. 5a). 

4.2.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welcher als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/ 

35 E. 6.4.1 mit Hinweisen). Nicht erforderlich ist jedoch, dass sich die Be-

gründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und 

jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 

E. 5.2). Der in Art. 32 VwVG konkretisierte Teilgehalt des Anspruchs auf 

rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) verpflichtet die Behörde auch die Vor-

bringen der Parteien sorgfältig und ernsthaft zu prüfen und in der Ent-

scheidfindung zu berücksichtigen. Eng damit zusammen hängt die Pflicht 

der Behörde, ihren Entscheid zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Dabei 

kann sich die Behörde in ihrer Argumentation zwar auf die für den Ent-

scheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken; sie darf aber nur dieje-

nigen Argumente stillschweigend übergehen, die für den Entscheid erkenn-

barerweise unbehelflich sind. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die 

Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten las-

sen und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 134 I 83 E. 4.1; BVGE 

2007/21 E. 10.2 m.w.H.; PATRICK SUTTER, in: Kommentar zum Bundesge-

setz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 32 N 1 ff.). 

4.3  

4.3.1 In der Beschwerdeschrift wird eine Verletzung des Anspruchs auf 

rechtliches Gehör gerügt, welche ebenso eine Verletzung der Abklärungs-

pflicht darstelle. So habe die Vorinstanz sich nicht mit sämtlichen zentralen 

D-556/2020 

Seite 6 

Vorbringen und den wesentlichen Sachverhaltselementen des Beschwer-

deführers auseinandergesetzt respektive diese in der angefochtenen Ver-

fügung unerwähnt gelassen. Beispielsweise seien sein mangelndes Inte-

resse am muslimischen Glauben sowie seine während einer Diskussion an 

der Universität geäusserte Islamkritik unberücksichtigt geblieben. Gleiches 

gelte für seinen aktiv in der Schweiz gelebten christlichen Glauben sowie 

das daraus resultierende Zerwürfnis mit seiner Familie in Iran.  

4.3.2 Es trifft zwar zu, dass die Vorinstanz sich in der angefochtenen 

Verfügung nicht mit jedem einzelnen Parteistandpunkt auseinandergesetzt 

hat, doch ist dies nicht weiter zu beanstanden, zeigt sie doch 

nachvollziehbar und hinreichend differenziert auf, dass sie sich mit 

sämtlichen zentralen Vorbringen und den eingereichten Beweismitteln des 

Beschwerdeführers eingehend befasst hat. Hinreichend differenziert hat 

sich die Vorinstanz auch mit den geltend gemachten christlichen Aktivitäten 

in der Schweiz auseinandergesetzt (vgl. A22/8 S. 4 Ziff. 2) und würdigte in 

ihrer Vernehmlassung die diesbezüglich auf Beschwerdeebene 

eingereichten Beweismittel (vgl. Vernehmlassung S. 2). Der blosse 

Umstand, dass der Beschwerdeführer die Beurteilung durch die Vorinstanz 

nicht teilt, stellt keine Gehörsverletzung dar, sondern beschlägt die Frage 

der materiellen Würdigung. 

4.4 Ebenso unbegründet ist der Vorwurf in der Beschwerdeschrift, die  

Vorinstanz habe während der Anhörung wiederholt versäumt, detailliert 

nachzufragen. Abgesehen davon, dass die Vorinstanz den Beschwerde-

führer mehrmals aufforderte, seine Vorbringen genau und ausführlich zu 

schildern, war er im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht ohnehin gehalten, 

seine Asylgründe von sich aus vollständig und wahrheitsgetreu darzule-

gen, zumal die Abklärungspflicht der Behörden ihre Grenze in ebendieser 

findet (vgl. beispielsweise BVGE 2014/12 E. 5.9). 

4.5 Weiter kann der Beschwerdeführer weder aus der beanstandeten An-

hörungsdauer noch der Verfahrensdauer etwas zu seinen Gunsten ablei-

ten. Abzüglich der protokollierten Pausen ergibt sich für die Anhörung vom 

8. April 2019 eine reine Anhörungszeit von sieben Stunden und zehn Mi-

nuten. Zwar mag dies durchaus lang erscheinen, doch besteht kein dahin-

gehender Rechtsanspruch, die Anhörung dürfe eine bestimmte Maximal-

dauer nicht überschreiten (vgl. Urteil des BVGer E-882/2018 vom 15. Au-

gust 2018 E. 3.4.8). In erster Linie massgebend ist, ob die angehörte Per-

son in der Lage ist, der Anhörung zu folgen, was anhand ihrer Befindlichkeit 

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Seite 7 

individuell zu beurteilen ist (vgl. Urteil des BVGer D-4217/2018 vom 6. Au-

gust 2019 E. 3.4.3). Vorliegend sind dem Anhörungsprotokoll keine Hin-

weise darauf zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer ab einem gewis-

sen Zeitpunkt nicht mehr in der Lage gewesen wäre, der Anhörung prob-

lemlos zu folgen. Auch seitens der anwesenden HWV wurde die Anhö-

rungsdauer nicht beanstandet. Der Beschwerdeführer begründet sodann 

auch nicht näher, inwiefern die Dauer der Anhörungen zu einer unvollstän-

digen respektive falschen Sachverhaltsfeststellung geführt haben soll. So-

weit er eine "Verschleppung" seines Verfahrens rügt, namentlich unter Hin-

weis auf den grossen zeitlichen Abstand zwischen der Einreichung des 

Asylgesuchs und der Anhörung respektive dem Asylentscheid, ist festzu-

stellen, dass es keine zwingende, mit Rechtsfolgen versehene gesetzliche 

Verpflichtung des SEM gibt, die Anhörung zu den Asylgründen innerhalb 

eines gewissen Zeitraums nach der BzP durchzuführen. Jedoch ist ein zwi-

schen der BzP und der Anhörung verstrichener längerer Zeitraum bei der 

Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen angemessen zu berück-

sichtigen. Eine Dauer von rund zwei Jahren zwischen der Einreichung des 

Asylgesuchs und der Anhörung stellt praxisgemäss keine Verletzung der 

Abklärungspflicht respektive des Grundsatzes eines fairen Verfahrens dar. 

Sodann ist auch die gesamthafte Dauer des erstinstanzlichen Verfahrens 

von zwei Jahren und acht Monaten für altrechtliche Verfahren – wie das 

vorliegende – nicht aussergewöhnlich (vgl. statt vieler Urteile des BVGer 

E-1476/2021 vom 25. August 2021 E. 6.2.1 und D-691/2020 vom 1. Juli 

2021 E. 3.3.6).  

4.6  

4.6.1 Weiter wird in der Beschwerdeschrift moniert, bei der BzP vom 5. Ap-

ril 2017 sei willkürlich und widersprüchlich vorgegangen worden, wodurch 

der Sachverhalt unvollständig respektive unrichtig festgestellt worden sei. 

So habe sich das SEM darauf beschränkt, Daten nach dem westlichen und 

nicht nach dem persischen Kalender zu protokollieren. Dadurch sei es ihm 

verunmöglicht worden, die Richtigkeit der Angaben zu überprüfen. Ohne-

hin habe es sich bei der vermeintlichen BzP tatsächlich um eine Dublin-

Befragung gehandelt, weshalb der Beschwerdeführer dort nicht zu seinen 

Asylgründen hätte befragt werden müssen. Zudem habe die Vorinstanz es 

unterlassen, die Glaubensausübung des Beschwerdeführers in der 

Schweiz abzuklären, zumal die dolmetschende Person bei der Anhörung 

vom 8. April 2019 offenbar nicht in der Lage gewesen sei, seine Aussagen 

zu seinen christlichen Aktivitäten vollständig und richtig zu übersetzen und 

sein Vorbringen lediglich sinngemäss wiedergegeben habe.  

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Seite 8 

4.6.2 Zunächst ist festzuhalten, dass es sich bei der Befragung vom 5. Ap-

ril 2017 den Akten nach klar um eine BzP handelte. Inwiefern dem Be-

schwerdeführer durch die Möglichkeit sich im Rahmen des rechtlichen Ge-

hörs zu einer allfälligen Überstellung nach Italien zu äussern ein Nachteil 

erwachsen sein soll, vermag der Beschwerdeführer nicht darzulegen. Hin-

weise auf eine mangelhafte Durchführung der Befragung beziehungsweise 

auf ernsthafte Zweifel an der Verwertbarkeit der protokollierten Aussagen 

ergeben sich entgegen der Beschwerdeschrift aus dem Befragungsproto-

koll der BzP keine. Gleiches gilt für die Anhörung vom 8. April 2019. Es ist 

davon auszugehen, dass, hätte es in einer der Befragungen tatsächlich 

Verständigungsprobleme gegeben, der Beschwerdeführer dies in jenen 

Momenten vorgebracht hätte. Stattdessen gab er jeweils an, die dolmet-

schende Person «gut» zu verstehen (vgl. A7/11 Bst. h und A21/26, F1). 

Auch wäre zu erwarten gewesen, dass, hätte er – wie auf Beschwerde-

ebene argumentiert – wesentliche Daten tatsächlich nach dem persischen 

und nicht wie von der Vorinstanz protokolliert nach dem westlichen Kalen-

der genannt, er die entsprechenden Korrekturen anbringen lassen hätte. 

Stattdessen bestätigte er die Richtigkeit und Vollständigkeit der Protokolle 

jeweils anlässlich der Rückübersetzung unterschriftlich und brachte ledig-

lich unwesentliche respektive gar keine Korrekturen an (vgl. A7/11 Ziff. 9 

und A21/26 S. 4, S. 25).  

4.7 Schliesslich moniert der Beschwerdeführer, die zuständige Sachbear-

beiterin sei bei der Ausarbeitung des Asylentscheides befangen gewesen. 

Entgegen dieser Ansicht geben die Akten keinen Anlass für die Annahme 

der Befangenheit oder Voreingenommenheit der Sachbearbeiterin der  

Vorinstanz. Alleine aufgrund einer möglichen Fehlinterpretation eines Ver-

haltens respektive einer allenfalls fragwürdigen Formulierung – der Be-

schwerdeführer habe «schauspielerische Einlagen» geboten (vgl. A22/8 

S. 4 Ziff. 2) – ist noch nicht auf eine Voreingenommenheit der betreffenden 

Sachbearbeiterin zu schliessen (vgl. zur Befangenheit im Allgemeinen: 

STEPHAN BREITENMOSER/MARION SPORI FEDAIL in: Bernhard Wald-

mann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 

2016, Art. 10 N 17 ff.). 

4.8 Nach dem Gesagten erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-

det. Es besteht keine Veranlassung, die Verfügung aus formellen Gründen 

aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbe-

züglichen Anträge sind abzuweisen. 

 

D-556/2020 

Seite 9 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 

2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 

5.3 Der Beschwerdeführer macht subjektive Nachfluchtgründe geltend. 

Solche sind anzunehmen, wenn eine asylsuchende Person erst durch die 

Flucht aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens 

nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten 

hat. Wesentlich ist, ob die heimatlichen Behörden das Verhalten einer 

Person als staatsfeindlich einstufen und diese deswegen bei einer 

Rückkehr eine Verfolgung befürchten muss. Personen mit subjektiven 

Nachfluchtgründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge 

vorläufig aufgenommen (Art. 54 AsylG; vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 

6.  

6.1 Ihren ablehnenden Entscheid begründet die Vorinstanz im Wesentli-

chen damit, dass die geltend gemachte Konversion und deren angebliches 

Bekanntwerden durch die iranischen Behörden den Anforderungen an die 

Glaubhaftigkeit nicht standhielten, zumal die Vorbringen konstruiert und 

einstudiert wirkten. Zwar habe der Beschwerdeführer über die geltend ge-

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Seite 10 

machte Mitnahme und Folter in Iran ausführlich zu berichten vermocht, sei-

nen Ausführungen mangle es aber an Substanz und Tiefe. Es sei ihm auch 

nicht gelungen, die anschliessende Freilassung anschaulich und detailliert 

zu schildern. Zudem habe er sich zu wesentlichen Punkten wiederholt wi-

dersprüchlich geäussert. So habe er weder eindeutig erklären können, wel-

che Person ihn in die fragliche Telegram-Gruppe eingeladen habe, noch zu 

welchem Zeitpunkt er zum Christentum konvertiert sei oder ob er für die 

Religion geworben habe. Wenig überzeugend seien auch seine Kenntnisse 

des Christentums. Obwohl die geltend gemachte Konversion zum Anhö-

rungszeitpunkt bereits zwei Jahre zurückgelegen haben müsse und er an-

gegeben habe, auch in der Schweiz an christlichen Sitzungen teilgenom-

men zu haben, sei es ihm nicht einmal ansatzweise gelungen, das bekann-

teste christliche Gebet wiederzugeben und die bedeutendsten christlichen 

Feste aufzuzählen oder deren Bedeutung zu erklären. 

6.2 Der Beschwerdeführer hält dem in der Rechtsmitteleingabe im Wesent-

lichen entgegen, die Vorinstanz sei zu Unrecht davon ausgegangen, seine 

Vorbringen seien nicht glaubhaft. So wiesen seine Erzählungen zahlreiche 

Realkennzeichen auf und er habe frei und ausführlich zu berichten ver-

mocht. Die von der Vorinstanz aufgezeigten Widersprüche seien konstru-

iert, da das SEM die Ausgangslage offensichtlich nicht abgeklärt respektive 

verstanden habe. Weiter verkenne sie, dass eine Konversion ein innerer 

Vorgang sei. Den detaillierten und glaubhaften Ausführungen des Be-

schwerdeführers sei auch klar zu entnehmen, dass sein Glaubenswechsel 

bereits im Heimatstaat fortgeschritten und er den iranischen Behörden be-

reits vor der Ausreise als Islamkritiker bekannt gewesen sei. Ohnehin sei 

bei der Anhörung des Beschwerdeführers treuwidrig vorgegangen worden. 

So seien die an ihn gerichteten Fragen nicht präzise genug gewesen und 

um Widersprüche zu provozieren, seien ihm teilweise sogar Fangfragen 

gestellt worden. Entgegen der angefochtenen Verfügung habe der Be-

schwerdeführer auch die für evangelisch/protestantische Christen wich-

tigsten religiösen Feste aufzählen und das Gebet «Unser Vater» nahezu 

wortwörtlich widergeben können. Offenkundig sei die gezielte und asylre-

levante Verfolgung des Beschwerdeführers auch aufgrund der wochenlan-

gen Schikane seiner Mutter und Schwester durch die Behörden nach sei-

ner Ausreise. 

6.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz an ihren Erwägungen fest 

und führt ergänzend aus, auch die der Rechtsmitteleingabe beigelegten 

Schreiben des (…) und der Kirchengemeinde H._______ vermöchten an 

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Seite 11 

dem Umstand, dass der Beschwerdeführer selbst zwei Jahre nach der Ein-

reise in die Schweiz, kaum Kenntnisse der bekanntesten christlichen Feste 

und deren Bedeutung habe, nichts zu ändern.  

6.4 Der Beschwerdeführer repliziert dazu, die Behauptung der Vorinstanz, 

die aktive Glaubensausübung des Beschwerdeführers sei nicht belegt, sei 

unzutreffend. Aus dem Schreiben des (…) gehe eindeutig hervor, dass der 

Beschwerdeführer diese Treffen regemässig besuche und auch am Bibel-

studium und Gebet mit Herrn G._______ teilnehme. Seine aktive Aus-

übung des christlichen Glaubens werde von den heimatlichen Behörden 

wie auch dem privaten Umfeld erkannt und führe im Falle einer Rückkehr 

in den Iran zu einer asylrelevanten Verfolgung.  

7.   

7.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Durchsicht der Akten zum 

Schluss, dass die Vorinstanz in ihren Erwägungen zutreffend festgehalten 

hat, die Vorbringen des Beschwerdeführers genügten den Anforderungen 

an die Glaubhaftigkeit und an die Flüchtlingseigenschaft nicht. Auf die 

betreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung und der 

Vernehmlassung (vgl. E. 6.1 und 6.3 hiervor) kann mit den nachfolgenden 

Ergänzungen verwiesen werden. Die Ausführungen auf Beschwerdeebene 

und die eingereichten Beweismittel führen zu keiner anderen 

Betrachtungsweise. 

7.2   

7.2.1 Es trifft zu, dass es sich bei einer Konversion um einen individuellen 

Vorgang mit ausgeprägtem inneren Charakter handelt. Im Gegensatz zu 

anderen Asylvorbringen kann die religiöse Zugehörigkeit somit grundsätz-

lich nur anhand der Aussagen der asylsuchenden Person beurteilt werden. 

Eine lediglich formelle Konversion (z.B. durch Taufe) oder Besuche von 

Gottesdiensten, Aussagen Dritter und dergleichen vermögen für sich al-

leine die Konversion und damit die innere Überzeugung der asylsuchenden 

Person, sich von ihrer früheren Religion ab- und einer neuen Religion zu-

gewandt zu haben, nicht glaubhaft zu machen (vgl. Urteil des BVGer  

E-334/2019 vom 30. September 2019 E. 7.2 m.w.H.). Zwar finden sich in 

den Akten durchaus Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer den Is-

lam bereits in Iran hinterfragte (vgl. beispielsweise A21/26 F72 und F74). 

Dass er sich aber bereits im Heimatstaat von seiner bisherigen Religion 

ab- und dem Christentum zugewandt habe, erscheint aufgrund seiner so-

wohl in der BzP als auch der Anhörung zu Protokoll gegebenen unsubstan-

tiierten Vorbringen nicht glaubhaft. So gab er denn rund sechs Monate 

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Seite 12 

nach seiner Ausreise in der BzP mehrfach zu Protokoll, «neu konvertiert» 

zu sein (vgl. A7/11 Ziff. 7.02 und 9.01) und vermochte seine persönliche 

Entwicklung zum «Christ sein» (kaum) zu beschreiben (vgl. A21/26 F104). 

Darüber hinaus wäre auch zu erwarten gewesen, dass er die Frage da-

nach, ob er sich in Iran bereits als Christ gesehen habe, eindeutig zu be-

antworten vermag (vgl. A21/26 F102). Den von der Vorinstanz aufgezeig-

ten Widersprüchen vermag der Beschwerdeführer nichts Substanzielles 

entgegenzuhalten. Dem pauschalen Einwand in der Rechtsmitteleingabe, 

die BzP vom 5. April 2017 respektive die Anhörung vom 8. April 2019 wie-

sen Mängel auf, was die Konstruktion von Widersprüchen durch die Vo-

rinstanz begünstigt habe, kann nicht gefolgt werden, erweist sich doch die 

Behauptung als nicht zutreffend. Wie bereits dargelegt, erhob der Be-

schwerdeführer keine Einwände gegen die Übersetzungsleistungen oder 

die Protokollierungen und brachte bei der Rückübersetzung keine respek-

tive kaum Verbesserungen an (vgl. E. 3.5 hiervor). Dass er geltend machte, 

die ihn zur christlichen Telegram-Gruppe einladende Person habe 

I._______ geheissen (vgl. A21/26 F89 und F92), nachdem er wiederholt zu 

Protokoll gegeben hatte, sein Freund D._______ habe ihm den Link zur 

Gruppe weitergeleitet (vgl. A21/26 F49, F84 und F86), lässt sich nicht da-

mit erklären, dass der Beschwerdeführer von einer zweiten Gruppe gespro-

chen haben soll. Auch direkt darauf angesprochen, dass er diesbezüglich 

unterschiedliche Angaben gemacht habe, vermochte der Beschwerdefüh-

rer diesen Widerspruch nicht zu erklären und äusserte sich ausweichend 

(vgl. A21/26 F157). Der Vollständigkeit halber ist sodann auch festzuhal-

ten, dass die geltend gemachte Konversion im Iran auch zusätzlich fraglich 

erscheint, wenn der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ausführt, die 

Vorinstanz habe sich zu wenig mit einem zwischenzeitlich erfolgten Glau-

benswechsel auseinandergesetzt, sei ebendies doch offensichtlich der Fall 

(vgl. Beschwerdeschrift S. 4, Art. 3 und 4). Die Begründung des Beschwer-

deführers ist offensichtlich inkonsistent.  

7.3 Wie die Vorinstanz zu Recht feststellt, fielen die Ausführungen des Be-

schwerdeführers zu der geltend gemachten Entführung in Iran substanz-

arm aus (vgl. beispielsweise A21/26 F117, F119). Zwar berichtete er über 

mehrere Absätze frei von der geltend gemachten Mitnahme und den erlit-

tenen Misshandlungen (vgl. A21/26 F49 ff.) vermochte dann aber wiede-

rum nicht auf gezieltes Nachfragen präzise zu antworten (vgl. beispiels-

weise A21/26 F117). Entgegen der ausdrücklichen Aufforderung detailliert 

zu berichten, verzichtete er auch darauf die anschliessende Freilassung 

anschaulich zu schildern (vgl. A21/26 F118 ff.). Ohnehin fehlt es der Ent-

D-556/2020 

Seite 13 

führung bereits an einer plausiblen Grundlage, da es dem Beschwerdefüh-

rer nicht gelungen ist, den angeblichen Grund – seine christlichen Aktivitä-

ten in Iran – glaubhaft zu machen (vgl. E. 7.2.1 hiervor). Gleiches gilt auch 

für die (angebliche) wochenlange Schikane der Mutter und Schwester nach 

der Ausreise des Beschwerdeführers. Hinweise darauf, der Beschwerde-

führer könnte in den Fokus der heimatlichen Behörden geraten sein, finden 

sich – entgegen der Beschwerdeschrift – denn auch keine in den Akten. So 

blieb seine ein bis drei Jahre vor seiner Ausreise während des Religions-

unterrichts geäusserte Kritik am Islam – abgesehen von einer schriftlichen 

Erklärung, fortan dergleichen zu unterlassen – offensichtlich ohne Folgen 

(vgl. A21/26 F75). Gleiches gilt für seine religiösen Facebook-Beiträge aus 

dem Jahr 2013 (vgl. Beschwerdebeilage 15), wobei fraglich ist, ob die 

Posts überhaupt auf das Christentum Bezug nehmen und ob es sich dabei 

tatsächlich um das Profil des Beschwerdeführers handelt. 

7.4 Obgleich die Ausführungen des Beschwerdeführers zu seiner Glau-

bensausübung nach der Ausreise ebenfalls substanzarm und unpräzise 

ausgefallen sind (vgl. beispielsweise A21/26 F117 und F119), kann nicht 

gänzlich ausgeschlossen werden, dass er mittlerweile zum Christentum 

konvertiert ist und seinen Glauben hierzulande lebt. Dass seine Glau-

bensausübung in der Schweiz geeignet wäre, die Aufmerksamkeit der ira-

nischen Behörden auf sich zu ziehen, ist hingegen nicht anzunehmen. Sol-

ches ist rechtsprechungsgemäss lediglich dann der Fall, wenn die Glau-

bensausübung auch im Ausland aktiv und nach aussen hin sichtbar prakti-

ziert wird und im Einzelfall davon ausgegangen werden muss, dass das 

heimatliche Umfeld von einer solchen, allenfalls missionarische Züge an-

nehmenden Aktivität erfährt. Deshalb ist neben der Glaubhaftigkeit der 

Konversion auch das Ausmass der öffentlichen Bekanntheit der betroffe-

nen Person in Betracht zu ziehen (vgl. dazu statt vieler Urteil des BVGer 

D-1754/2018 vom 16. Dezember 2020 E. 6.4 m.w.H. in Bestätigung von 

BVGE 2009/28 E. 7.3.4 ff.). Die Ausführungen des Beschwerdeführers so-

wie die eingereichten Beweismittel lassen jedoch nicht auf ein öffentliches 

Bekanntwerden seiner christlichen Glaubensausübung in der Schweiz 

schliessen. Zwar liess er sich am 5. September 2020 hierzulande taufen 

(vgl. Replikbeilage 20 und 22), doch beschränkt er die Ausübung seines 

christlichen Glaubens offensichtlich auf die Teilnahme an zweiwöchigen 

Treffen einer freikirchlichen Gruppe sowie das persönliche Bibelstudium 

und Gebet mit Herrn G._______ (vgl. Replik S. 2). Die zahlreichen diesbe-

züglich eingereichten Schreiben von Privatpersonen, zeigen lediglich auf, 

dass der Beschwerdeführer den Kontakt zu christlichen Kreisen sucht. Da 

sie jedoch als blosse Gefälligkeitsschreiben zu würdigen sind, kommt ihnen 

D-556/2020 

Seite 14 

keine hohe Beweiskraft zu. Bezüglich seiner Familie im Iran macht der Be-

schwerdeführer geltend, dass er aufgrund seiner Zuwendung zum Chris-

tentum zu einem Teil seiner Geschwister keinen Kontakt pflege 

(vgl. A 21/26 F5 und F27 ff.). Hinweise darauf, ihm könnten seitens seiner 

Familie ernsthafte Nachteile drohen, finden sich in den Akten hingegen 

keine. 

7.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die 

Flüchtlingseigenschaft weder nachgewiesen noch glaubhaft gemacht hat 

und die Vorinstanz sein Asylgesuch somit zu Recht abgelehnt hat. 

8.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. 

Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen 

(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; BVGE 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegwei-

sung wurde demnach zu Recht angeordnet. 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 

m.w.H.). 

9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG).  

9.3 Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist – 

wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten – das flüchtlingsrechtliche 

Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 

AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich viel-

mehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestim-

D-556/2020 

Seite 15 

mungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem-

ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied-

rigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 

Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten er-

geben sich Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in 

den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 

EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt 

wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschen-

rechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der 

Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder 

glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-

menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-

gen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 

m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat 

lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig 

erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 

im Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zuläs-

sig.  

9.4  

9.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 

9.4.2 Die allgemeine Lage in Iran zeichnet sich nicht durch eine Situation 

allgemeiner Gewalt aus. Selbst unter Berücksichtigung der Umstände, 

dass die allgemeine Situation in verschiedener Hinsicht problematisch sein 

kann, ist der Vollzug der Wegweisung nach Iran gemäss konstanter Praxis 

grundsätzlich als zumutbar zu erachten (vgl. statt vieler Urteile des BVGer 

E-3017/2021 vom 16. Juli 2021 E. 10.4 und E-3799/2020 vom 11. März 

2021 E. 14.4.1 m.w.H).  

9.4.3 Darüber hinaus sind keine individuellen Gründe ersichtlich, die gegen 

einen Wegweisungsvollzug sprächen. Der Beschwerdeführer verfügt über 

ein universitäres Oberdiplom in (…) sowie langjährige Berufserfahrung als 

Selbständiger im Bereich der (…) (vgl. A21/26 F40 ff.). Gemäss eigenen 

Angaben sei er ein erfolgreicher Geschäftsmann gewesen und habe ein 

eigenes Haus bewohnt (vgl. A21/26 F39 und F41). Zudem ist es dem Be-

schwerdeführer auch gelungen, in der Schweiz erfolgreich die Ausbildung 

D-556/2020 

Seite 16 

zum Automobil-Assistent EBA abzuschliessen (vgl. Eingabe vom 5. Juli 

2021). Da wie unter E. 7.4 hiervor dargelegt nicht davon auszugehen ist, 

dass seine Zuwendung zum christlichen Glauben in Iran bekannt gewor-

den ist, ist anzunehmen, dass der Beschwerdeführer im Falle seiner Rück-

kehr wieder in sein Haus zurückkehren und sich dank seiner vielfältigen 

beruflichen Qualifikationen schnell wieder in das Erwerbsleben integrieren 

kann. Allenfalls steht ihm auch die Möglichkeit offen, im Haushalt seiner 

Schwester und seiner verwitweten Mutter – welche um sein Interesse am 

christlichen Glauben wissen und zu welchen er weiterhin den Kontakt hält 

– unterzukommen (vgl. A7/1 Ziff. 3.01 und A21/26 F16, F22, F24 und 

F133). Demnach kann er auch auf ein familiäres Beziehungsnetz im Hei-

matstaat zurückgreifen.  

9.4.4 Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen 

Gründen ist nach Lehre und konstanter Praxis dann zu schliessen, wenn 

eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur 

Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und 

lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der 

betroffenen Person führen würde (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 

9.3.2 je m.w.H.).  

Ohne dies näher auszuführen, wird in der Beschwerdeschrift geltend 

gemacht, der Beschwerdeführer «leide an gesundheitlichen Problemen» 

(vgl. Beschwerde S. 41, Art. 50). In den Akten finden sich jedoch keinerlei 

Hinweise auf allfällige physische oder psychische Leiden des 

Beschwerdeführers. Vielmehr gab er wiederholt zu Protokoll, es gehe ihm 

«gut» und er habe keine gesundheitlichen Probleme (vgl. A7/11 Ziff. 8.02 

und A21/26 F20). Es ist deshalb nicht anzunehmen, eine Rückkehr des 

Beschwerdeführers nach Iran würde zu einer Beeinträchtigung seines 

Gesundheitszustandes führen. 

9.4.5 Konkrete Gründe, welche es als wahrscheinlich erscheinen liessen, 

dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Iran in eine 

existenzielle Notlage geraten würde, sind somit nicht ersichtlich und der 

Vollzug der Wegweisung erweist sich nach dem Gesagten auch als 

zumutbar. 

9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE  2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als 

möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

D-556/2020 

Seite 17 

9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

Nachdem dem Beschwerdeführer mit Zwischenverfügung vom 25. Sep-

tember 2020 die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 

VwVG gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.  

(Dispositiv nächste Seite)  

D-556/2020 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Simon Thurnheer Leslie Werne 

 

 

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