# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e67874e9-3d42-594c-a862-3fc0c6fc5403
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-04-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.04.2021 D-2534/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2534-2019_2021-04-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2534/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  A p r i l  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer, Richter Gérard Scherrer,    

Gerichtsschreiber Daniel Widmer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Pakistan,   

vertreten durch MLaw Roman Schuler, Rechtsanwalt, 

Advokatur Kanonengasse, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 24. April 2019 / N (…). 

 

 

 

D-2534/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am (…) Dezember 2015 in der Schweiz um 

Asyl nach. Am (…) 2016 fand die Befragung zur Person (BzP) statt. Am 

(…) 2017 wurde er vertieft zu seinen Asylgründen angehört. 

 

Dabei machte er geltend, er sei pakistanischer Staatsangehöriger 

paschtunischer Ethnie und in B._______ (Provinz C._______) geboren. Er 

entstamme einer Nomadenfamilie, welche im Grenzgebiet zwischen Af-

ghanistan und Pakistan umhergezogen sei. Sein Vater habe damals seine 

Herde verkauft, sei in Pakistan geblieben und habe eine Flüchtlingskarte 

erhalten, worauf gestanden sei, dass er Afghane sei. Er (Beschwerdefüh-

rer) habe zu Hause eine pakistanische Identitätskarte, welche nirgends an-

erkannt werde. Er habe nach der (…) Klasse studieren wollen, worauf es 

aber geheissen habe, dass seine Dokumente nicht echt, sondern gekauft 

seien, und dass er Nomade und eigentlich Afghane sei. Er sei "non-local". 

Die Regierung Pakistans akzeptiere ihn nicht als Pakistaner, er sei ir-

gendwo dazwischen. Bewerbungen seien mit der Begründung abgelehnt 

worden, dass seine Dokumente zweiter Klasse seien. Er habe keinen "lo-

cal" auf der Karte gehabt, daher sei diese nicht akzeptiert worden. Seine 

Karte sei eine "Nummer-2-Karte". An Checkpoints sei nicht bemerkt wor-

den, dass er eine solche habe. Er habe Pakistan wegen der allgemeinen 

Lage verlassen. Seine Region sei das Hauptzentrum der Taliban gewor-

den. Diese würden die Region regieren, Leute festnehmen und zur Zusam-

menarbeit zwingen. Sie würden fragen: "Wollt ihr mit uns arbeiten oder lie-

ber sterben?" Zwei Freunde von ihm seien so getötet worden. Die Taliban 

seien nie zu seiner Familie gekommen. Er sei nie persönlich von ihnen 

bedroht worden und auch nie einem Taliban direkt von Angesicht zu Ange-

sicht gegenübergestanden. Er habe sie von weitem gesehen, sie würden 

in den Gassen umherlaufen und mit Motorrädern umherfahren. Etwa zwei 

bis zweieinhalb Monate vor der BzP sei er in (…) D._______ ausgereist. 

Von dort sei er über weitere Länder in die Schweiz gereist, deren Grenze 

er am (…) Dezember 2015 illegal überquert habe.  

Der Beschwerdeführer reichte keine Identitätspapiere zu den Akten. In sei-

ner Familie gäbe es niemanden, der Bildung habe und ihm seine Identi-

tätskarte schicken könne. Seine Mutter und seine Schwester wohnten in 

der Stadt B._______ in einer Mietwohnung und verdienten ihren Lebens-

unterhalt mit (…). Sie wohnten zusammen mit seinen beiden (…) bezie-

hungsweise (…) behinderten Brüdern E._______ und F._______ sowie 

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Seite 3 

dem Bruder G._______. Dieser erledige (…). Sein Bruder H._______ sei 

ebenfalls aus Pakistan ausgereist und sein Vater sei im Jahr (…) verstor-

ben. 

B.  

Mit Verfügung vom 24. April 2019 – eröffnet am 29. April 2019 – stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz 

sowie den Wegweisungsvollzug an. 

C.  

Mit Eingabe vom 24. Mai 2019 erhob der Beschwerdeführer gegen diesen 

Entscheid durch seinen Rechtsvertreter Beschwerde beim Bundesverwal-

tungsgericht. Er beantragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, 

die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, 

eventualiter die Anordnung der vorläufigen Aufnahme, subeventualiter die 

Rückweisung der Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung 

und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführung, um Beiordnung von Rechtsanwalt MLaw Roman 

Schuler als unentgeltlichen Rechtsbeistand sowie um Verzicht auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses. 

Der Beschwerde waren ein Arbeitsvertrag, ein Arbeitszeugnis und eine 

Praktikumsbestätigung der (…) sowie ein Schreiben der Gemeinde 

I._______ beigelegt. 

D.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 29. Mai 2019 den Eingang 

der Beschwerde. 

E.  

Mit Verfügung vom 7. Juni 2019 teilte die damals zuständige Instruktions-

richterin dem Beschwerdeführer mit, dass er den Abschluss des Verfah-

rens in der Schweiz abwarten könne, und hiess das Gesuch um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung gut, setzte antragsgemäss den 

rubrizierten Rechtvertreter als unentgeltlichen Rechtsbeistand ein und ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

F.  

Am 13. August 2020 wurde eine Honorarnote zu den Akten gereicht.  

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Seite 4 

G.  

Mit Verfügung vom 23. Oktober 2020 wurde das SEM zur Einreichung ei-

ner Vernehmlassung eingeladen. 

H.  

Am 9. November 2020 stellte die Instruktionsrichterin dem Beschwerdefüh-

rer die Vernehmlassung vom 5. November 2020 zu und räumte ihm Gele-

genheit zur Replik bis zum 24. November 2020 ein. 

I.  

Am 23. November 2020 ersuchte der Rechtsvertreter um Erstreckung der 

Frist und reichte gleichzeitig eine zeitlich befristete Substitutionsvollmacht 

für seine Ferienvertreterin zu den Akten.  

J.  

Nach gewährter Fristerstreckung nahm der Beschwerdeführer in seiner 

Replik vom 26. November 2020 Stellung zur Vernehmlassung des SEM. 

Gleichzeitig reichte er eine ergänzte Honorarnote zu den Akten. 

K.  

Aus organisatorischen Gründen innerhalb der Abteilung IV wurde das Ver-

fahren am 1. Februar 2021 auf Richterin Nina Spälti Giannakitsas übertra-

gen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des AsylG 

(SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bis-

herige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des 

AsylG vom 25. September 2015). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).  

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1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht ein-

gereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) 

ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E.5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

 

Eine asylsuchende Person erfüllt die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 

AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat bezie-

hungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft 

begründeterweise befürchten muss (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Eine bloss 

entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; vielmehr müssen 

konkrete Indizien die Furcht vor erwarteten Benachteiligungen realistisch 

und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). 

3.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dargelegt und 

folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 

4.  

4.1 Das SEM kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die Vor-

bringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Flücht-

lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. 

Ihren abweisenden Entscheid begründete die Vorinstanz vorab damit, dass 

– gestützt auf die diesbezüglichen Aussagen des Beschwerdeführers und 

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angesichts der Tatsache, dass dieser in nicht nachvollziehbarer Weise bis-

lang keine gültigen Identitätspapiere eingereicht habe – keine Veranlas-

sung bestehe, dessen zuerst gemachten Angaben bezüglich der pakista-

nischen Staatsangehörigkeit im Zentralen Migrationsinformationssystem 

(ZEMIS) zu ändern. 

Der Beschwerdeführer habe erklärt, dass die Taliban seine Region regie-

ren und Leute rekrutieren würden, weshalb er befürchtet habe, selbst eines 

Tages von ihnen rekrutiert oder getötet zu werden. Fragen nach direkten 

Bedrohungen durch oder Begegnungen mit den Taliban sei er in den Be-

fragungen des SEM zuerst stets ausgewichen, um schliesslich zu Protokoll 

zu geben, dass die Taliban nie zu seiner Familie gekommen seien, er sel-

ber nie von ihnen bedroht worden und nie einem Taliban direkt von Ange-

sicht zu Angesicht gegenübergestanden sei. Diese liefen oder führen in 

den Gassen umher. Somit könne nicht von einer gezielt gegen den Be-

schwerdeführer gerichteten Verfolgung ausgegangen werden oder eine 

begründete Furcht davor angenommen werden, dass sich eine Rekrutie-

rung oder andere Bedrohungen durch die Taliban in naher Zukunft verwirk-

lichen würden. Deshalb könne ausser Acht gelassen werden, inwiefern der 

pakistanische Staat willens und in der Lage sei, die Bevölkerung vor Über-

griffen Dritter, vorliegend der Taliban, zu schützen. 

4.2 Der Beschwerdeführer entgegnete in der Rechtsmitteleingabe im We-

sentlichen, die Vorinstanz habe es unterlassen, seine unklare Staatsange-

hörigkeit zu berücksichtigen und in die Beurteilung seines Asylgesuches 

miteinzubeziehen. Er sei aus Angst vor Entführung, Tötung und Zwangs-

rekrutierung aus seiner Heimat geflohen. Nachdem zwei Personen aus sei-

nem engen Umfeld den Taliban zum Opfer gefallen seien und er sich aus 

Angst um sein Leben häufig nicht getraut habe, die Wohnung zu verlassen, 

habe er sich zur Flucht gezwungen gesehen. Die ständige Todesangst sei 

für ihn unaushaltbar gewesen. Spätestens nach dem gewaltsamen Tod sei-

ner zwei Freunde auf (…), wo auch er sich regelmässig aufgehalten habe, 

seien genügend Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorgelegen.  

4.3 Das SEM führte in seiner Vernehmlassung aus, die Beschwerdeschrift 

enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche 

eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. Es äusserte 

sich darin nicht zu den Asylvorbringen. Seine Ausführungen beziehen sich 

einzig auf die Identitätsausweise und die Staatsangehörigkeit des Be-

schwerdeführers (vgl. E. 5.2.2). 

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4.4 In der Replik hielt der Beschwerdeführer hinsichtlich der Fluchtgründe 

an seinen Ausführungen in Beschwerdeschrift fest und verwies auf den 

Country of Origin Information Report "Pakistan – Situation of Afghan Refu-

gees, May 2020" des European Asylum Support Office (EASO), welcher 

bestätige, dass nach wie vor Zwangsrekrutierungen durch die Taliban in 

den von afghanischen Migranten besiedelten Gebieten stattfänden (vgl. 

a.a.O., S. 15). 

5.  

5.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche die vor-

instanzliche Verfügung als Ganzes betreffen und deswegen vorab zu be-

urteilen sind, da sie allenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanz-

lichen Verfügung zu bewirken. 

5.2  

5.2.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung des Untersuchungs-

grundsatzes. Die Vorinstanz hätte vertiefte Abklärungen zu den Lebensver-

hältnissen der Kutschi und zu seiner Staatsangehörigkeit durchführen 

müssen. Er habe bereits in der BzP angegeben, dass er nebst der Identi-

tätskarte über keinerlei Identitätsdokumente verfüge, insbesondere nicht 

solche, die seine pakistanische Staatsangehörigkeit nachweisen würden. 

Er habe ferner plausibel erklärt, weshalb er von seinen in B._______ ver-

bliebenen Familienmitgliedern keine Dokumente zugestellt bekommen 

habe. Die noch vorhandenen Dokumente würden an der Feststellung der 

Vorinstanz auch nichts ändern. 

5.2.2 Das SEM führte dazu in seiner Vernehmlassung aus, die Beschwer-

deschrift enthalte keine stichhaltigen Hinweise darauf, dass der Beschwer-

deführer afghanischer anstatt pakistanischer Staatsangehöriger sein 

könne. So fehle in der Beschwerdeschrift einerseits eine Begründung da-

für, weshalb er bei der BzP ohne Vorbehalt angegeben habe, pakistani-

scher Staatsbürger zu sein. Er habe damals ebenfalls angegeben, seit Ge-

burt pakistanischer Staatsangehöriger zu sein, und es auch unterlassen, 

eine allfällig vorhandene zweite Staatsangehörigkeit anzugeben. Zudem 

habe er angegeben, eine pakistanische Identitätskarte zu besitzen, welche 

bei der Mutter zu Hause in B._______ sei. Auch dies sei eine Gelegenheit 

gewesen, zu erwähnen, dass es sich dabei um eine spezielle Identitäts-

karte für Migranten handle. Sodann werde in der Beschwerdeschrift nicht 

plausibel erklärt, weshalb er diese Identitätskarte bislang nicht eingereicht 

habe. Er habe in den Befragungen des SEM angegeben, die (…) Klasse 

abgeschlossen zu haben, und lediglich der Umstand, dass der Staat ihn 

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als Migrant bezeichnet habe, habe ihn daran gehindert, weiter zu studie-

ren. Dies lasse nicht gerade auf eine Herkunft des Beschwerdeführers aus 

einer bildungsfernen, verarmten Familie schliessen. So dürfe erwartet wer-

den, dass zumindest sein Bruder G._______, der offensichtlich (…) erle-

dige, nach telefonischer Instruktion durch den Beschwerdeführer dazu in 

der Lage wäre, die offensichtlich vorhandene Identitätskarte hierher zu 

senden. Da es der Beschwerdeführer also bis heute unterlassen habe, 

seine widersprüchlichen und unklaren Angaben zu seiner Staatsangehö-

rigkeit plausibel zu erklären, geschweige denn seine in der Anhörung ge-

tätigten Aussagen dazu mittels Einreichung von Dokumenten zu belegen, 

gebe es für das SEM zurzeit keinen Anlass, seine Staatsangehörigkeit im 

ZEMIS zu ändern oder den Asylentscheid vom 24. April 2019 in irgendeiner 

Weise abzuändern oder aufzuheben. 

5.2.3 Dazu wurde in der Replik eingewandt, zwar sei bei der BzP protokol-

liert worden, dass der Beschwerdeführer pakistanischer Staatsangehöriger 

sei, aber aus dem Protokoll könne nicht nachvollzogen werden, inwiefern 

er ausgeführt habe, wie es um seine Staatsangehörigkeit stehe bezie-

hungsweise ob er Vorbehalte geäussert habe. Bei der Art und Weise, wie 

die BzP protokolliert werde, sei es nicht üblich, dass bei der Erfassung der 

Personalien weitere Ausführungen der befragten Person aufgeführt wür-

den. Sodann sei die Staatsangehörigkeit seiner Eltern bei der BzP nicht 

erfasst worden. Wie er bei der Anhörung ausgeführt habe, fühle er sich 

zwar am ehesten als Pakistaner, weil er dort aufgewachsen sei, werde aber 

aufgrund seiner afghanischen Eltern nie die pakistanische Staatsangehö-

rigkeit erlangen. Die Angabe, dass seine Eltern afghanische Staatsange-

hörige seien, werde von der Vorinstanz denn auch nicht in Frage gestellt. 

Als Sohn afghanischer Eltern bleibe ihm der Erwerb der pakistanischen 

Staatsangehörigkeit verwehrt beziehungsweise sei ihm diese verwehrt ge-

blieben. Die pakistanische Identitätskarte, die sogenannte Shanakhti-

Karte, die er erwähnt habe und hätte beschaffen sollen, sei eine Karte, die 

afghanischen Flüchtlingen in den 1980er-Jahren ausgestellt worden sei. 

Sie werde von den pakistanischen Behörden jedoch nicht als Ausweispa-

pier anerkannt, was im erwähnten EASO-Bericht bestätigt werde (vgl. 

a.a.O., S. 8). Im Falle des Beschwerdeführers sei wohl noch Jahre später 

eine solche Karte ausgestellt worden. Er könne keine weiteren Abklärun-

gen hinsichtlich seiner Dokumente unternehmen. So habe er seit nun bald 

einem Jahr jeglichen Kontakt zu seiner Familie verloren. Die Telefonnum-

mer, die er für sie gehabt habe, habe von einem Tag auf den anderen nicht 

mehr funktioniert. Wie die Vorinstanz zur Annahme gelange, dass er nicht 

aus einer „bildungsfernen, verarmten" Familie stamme, sei schleierhaft. 

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Überdies habe er durchaus plausibel darlegen können, weshalb es ihm 

nicht möglich ist, die Shanakhti-Karte zu beschaffen. Alles in allem müssten 

die glaubhaften Angaben des Beschwerdeführers zur Staatsangehörigkeit 

seiner Eltern, zu seiner Angehörigkeit zur Volksgruppe der Kutschi, zur Si-

tuation der afghanischen Bevölkerung und insbesondere der Kutschi in Pa-

kistan und zu seinen eigenen Erfahrungen als Migrant in einem Land, das 

ihm keine Staatsangehörigkeit gewähren wolle, ausreichen, um seine Iden-

tität zu belegen. 

5.3 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-

listeten Beweismittel. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersu-

chungspflicht bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). 

Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher 

und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch 

gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-

scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. 

KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-

pflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043). 

5.4 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung dargelegt, weshalb 

keine Veranlassung besteht, die vom Beschwerdeführer zuerst gemachten 

Angaben bezüglich seiner pakistanischen Staatsangehörigkeit im ZEMIS 

zu ändern. Diesbezüglich kann keine Rede von einer unrichtigen oder un-

vollständigen Abklärung des Sachverhalts sein. Hinsichtlich der Herkunft 

und der Staatsangehörigkeit gilt im Asylverfahren der Beweismassstab des 

Glaubhaftmachens gemäss Art. 7 AsylG (vgl. E. 3.2). Der Beschwerdefüh-

rer machte von Anfang an geltend, er sei ein in Pakistan geborener pakis-

tanischer Staatsangehöriger (vgl. act. A6/11 Ziff. 1.01–1.11). Anlässlich sei-

ner Anhörung brachte er vor, seine Eltern seien Kutschi beziehungsweise 

paschtunische Nomaden. Sein Vater habe sich abwechslungsweise in Af-

ghanistan oder Pakistan aufgehalten, sei krank geworden, schliesslich in 

Pakistan geblieben und dort sesshaft geworden. Als sein Vater in diesem 

Land angekommen sei, habe ihm die pakistanische Regierung eine Flücht-

lingskarte gegeben, in welcher gestanden sei, dass er Afghane sei. Der 

Beschwerdeführer sei nie mit der Familie umhergereist (vgl. act. A19/19 

F8, F16, F19–22, F49, F52). Trotzdem hielt er an seiner pakistanischen 

Nationalität fest (vgl. a.a.O., F54–55). Bei der BzP wurde er vom SEM auch 

auf seine Pflicht, seine Identität durch Abgabe von Reisepapieren oder 

Identitätsausweisen nachzuweisen, hingewiesen und aufgefordert, seine 

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Seite 10 

pakistanische Identitätskarte, die sich bei seiner Mutter zu Hause in 

B._______ befinde, nachzureichen, wobei er sich kooperativ zeigte (vgl. 

A6/11 Ziff. 4.03 und 4.07). Dasselbe wurde bei der Anhörung sinngemäss 

wiederholt (vgl. act. A19/19 F12 ff.). Entgegen seinen Zusagen reichte er 

in der Folge keinerlei Identitätspapiere zu den Akten. Das SEM hielt dies-

bezüglich in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest, dass er in nicht 

nachvollziehbarer Weise bislang keine gültigen Identitätspapiere einge-

reicht habe. Die Ausführungen in der Beschwerde und der Replik sind nicht 

geeignet, daran etwas zu ändern. Unter diesen Umständen erweist sich 

der Vorwurf, das SEM habe den Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abge-

klärt, als unbegründet. Vielmehr ist der Beschwerdeführer seiner Mitwir-

kungspflicht in ungenügender Weise nachgekommen. Sodann wurde von 

der Vorinstanz weder die Geburt des Beschwerdeführers in Pakistan noch 

dessen Herkunft aus diesem Staat, den er vor seiner Ausreise nach Europa 

nie verlassen habe (vgl. a.a.O., Ziff. 2.04), in Abrede gestellt. Nach dem 

Gesagten ist es ihm auch nicht gelungen, eine andere als die von ihm gel-

tend gemachte pakistanische Staatsangehörigkeit glaubhaft zu machen. 

Schliesslich hat das SEM die Verfolgungsvorbringen vor dem Hintergrund 

der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Herkunft geprüft, weshalb 

vorliegend dessen tatsächliche Staatsangehörigkeit zu keiner anderen Be-

urteilung des Asylgesuchs zu führen vermöchte. 

5.5 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-

begründet. Es besteht daher keine Veranlassung, die Sache aus formellen 

Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbe-

zügliche Subeventualbegehren ist daher abzuweisen. 

6.  

Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu 

Recht abgewiesen hat. Die Entgegnungen in den Eingaben auf Beschwer-

deebene und die darin angerufenen Beweismittel vermögen zu keiner an-

deren Betrachtungsweise zu führen. Zur Vermeidung von Wiederholungen 

kann vorab auf die entsprechenden Erwägungen im angefochtenen Asyl-

entscheid verwiesen werden. 

6.1 Vorab ist festzuhalten, dass das SEM die Herkunft des Beschwerde-

führers aus einer sesshaft gewordenen paschtunischen Nomadenfamilie in 

der Provinz C._______ nicht in Frage stellte (vgl. E. 5.4). Die Vorinstanz 

verneinte indessen, dass er dort gezielt gegen seine Person gerichteten 

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Seite 11 

Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen sei beziehungsweise be-

gründete Furch vor solchen gehabt habe. 

 

Soweit der Beschwerdeführer einwendet, dass in Pakistan nach wie vor 

Zwangsrekrutierungen durch die Taliban in den von afghanischen Migran-

ten besiedelten Gebieten stattfänden, wird im erwähnten EASO-Bericht na-

mentlich ausgeführt, am 17. Februar 2020 habe der zweite Vizepräsident 

von Afghanistan, Sarwar Danish, anlässlich einer Konferenz in Islamabad 

betreffend afghanische Flüchtlinge behauptet, dass Pakistan den Taliban 

das Rekrutieren unter der afghanischen Flüchtlingspopulation in afghani-

schen Flüchtlingsdörfern erlaube. Der pakistanische Premierminister habe 

diese Anschuldigungen bezüglich "Zufluchtsorte" für Kämpfer bestritten, 

aber erklärt, dass es unmöglich sei zu verhindern, dass sich Militante unter 

der Flüchtlingspopulation verstecken würden (vgl. a.a.O., S. 15). Der Be-

schwerdeführer brachte demgegenüber vor, dass er in einer Mietwohnung 

in B._______, eine Stadt mit über (...) Einwohnern, lebe. Bereits aus die-

sem Grund ist die von ihm geäusserte Furcht vor einer Zwangsrekrutierung 

stark zu relativieren. Sodann wird in der Beschwerde zu Recht nicht be-

stritten, dass er keiner gezielten Verfolgung durch die Taliban ausgesetzt 

gewesen sei, gab er doch zu Protokoll, dass er persönlich von den Taliban 

nicht bedroht worden sei und er sie tagsüber nur von weitem gesehen habe 

(vgl. act. A19/19 F99 f.). 

6.2 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG 

liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte 

sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch 

aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu-

kunft verwirklichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine 

konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleich-

barer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht her-

vorrufen würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer ob-

jektivierten Betrachtungsweise zu erfolgen und ist andererseits durch das 

von der betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konse-

quenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen 

Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine 

ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 mit weiteren 

Hinweisen). 

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Seite 12 

6.3 Aus der vom Beschwerdeführer der geschilderten Vorgehensweise der 

Taliban in seiner Region und dass diese zwei Freunde von ihm getötet hät-

ten, vermag er zwar eine subjektive Furcht abzuleiten. Diese ist aber ob-

jektiv nicht begründet. So erklärte er, seine zwei Freunde J._______ und 

K._______ seien ungefähr eineinhalb Monate vor seiner Ausreise umge-

bracht worden. Damals hätten die Taliban (…) Personen mitgenommen 

und alle (…) getötet (vgl. act. A6/11 Ziff. 7.01 und 7.02), es seien sehr viele 

Leute getötet oder mitgenommen worden (vgl. act. A19/19 F83), und zwar 

auch schon vor diesem Vorfall (vgl. a.a.O., F108). Als er anlässlich seiner 

Anhörung aufgefordert wurde zu berichten, weshalb sein Leben in Gefahr 

gewesen sei, äusserste er sich wiederholt zur allgemeinen Lage (vgl. act. 

A19/19 F85–87). In der Folge antwortete er auf die Frage, wie seine per-

sönliche Lage gewesen sei, als er Angst bekommen habe und ihm seine 

Mutter empfohlen habe, das Land zu verlassen, dass seine Mutter gesagt 

habe "Heute waren sie dran, morgen bist Du eventuell dran!" Nach dem 

Monat und dem Jahr des Ereignisses gefragt, gab er eine ungenaue Ant-

wort. Als ihm der Befrager daraufhin vorhielt, dass er es merkwürdig finde, 

dass er das Todesdatum der beiden Freunde nicht genauer wisse, antwor-

tete der Beschwerdeführer, dieses stehe sowohl im Internet als auch in der 

Zeitung, er habe das Datum vergessen (vgl. a.a.O., F93–97). Als er dann 

gefragt wurde, ob er vermute, dass sein Leben durch die Taliban in Gefahr 

gewesen sei oder ob er konkrete Hinweise dafür gehabt habe, kam er wie-

der auf die allgemeine Lage zu sprechen und erklärte, als die Frage wie-

derholt wurde, es sei Zufall gewesen, dass er am Tag, als die beiden 

Freunde erschossen worden seien, nicht dabei gewesen sei (vgl. a.a.O., 

F101 f.). Auf die Frage, welches Interesse die Taliban gerade an seiner 

Person gehabt hätten, antwortete er, sie hätten alle jungen Männer mitge-

nommen und so Geld für sich rausholen wollen beziehungsweise sie wären 

daran interessiert gewesen, dass er für sie arbeiten würde (vgl. a.a.O., 

F117 ff.). Aus diesen Aussagen des Beschwerdeführers ist zu schliessen, 

dass jeder Angehörige der lokalen Bevölkerung in der Öffentlichkeit dem 

Risiko ausgesetzt ist, per Zufall von Behelligungen durch die Taliban be-

troffen zu werden beziehungsweise Opfer solcher Behelligungen kennt. 

Somit vermag der Beschwerdeführer allein wegen der durch die geltend 

gemachte Tötung der beiden Freunde ausgelösten Befürchtung, auch er 

selber könnte dereinst von den Taliban behelligt werden, eine Frucht vor 

einer Verfolgung objektiv nicht zu begründen, abgesehen davon, dass es 

sich dabei um einen Übergriff Dritter handeln würde, weshalb das SEM 

offenlassen konnte, inwiefern der pakistanische Staat willens und in der 

Lage sei, die Bevölkerung vor Übergriffen der Taliban zu schützen. Mithin 

bestand für ihn zum Zeitpunkt der Ausreise aus Pakistan kein konkreter 

D-2534/2019 

Seite 13 

Anlass zur Annahme, dass sich eine Rekrutierung oder andere Bedrohun-

gen durch die Taliban mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehba-

rer Zeit verwirklichen würden. 

6.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht 

gelungen ist, eine zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Pakistan bestehende 

oder unmittelbar drohende asylrechtlich relevante Verfolgung nachzuwei-

sen oder zumindest glaubhaft zu machen. Nachdem eine Vorverfolgung 

verneint werden muss, liegen keine hinreichend konkreten Anhaltspunkte 

für eine für die Flüchtlingseigenschaft relevante Verfolgung vor, welche ihm 

heute bei einer Rückkehr nach Pakistan mit beachtlicher Wahrscheinlich-

keit und in absehbarer Zukunft drohen würde. Die Vorinstanz hat die 

Flüchtlingseigenschaft mangels Relevanz der Asylvorbringen zu Recht 

verneint. Der Beschwerdeführer ist nicht schutzbedürftig im Sinne von 

Art. 3 AsylG, weshalb das SEM das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

D-2534/2019 

Seite 14 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

8.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Pa-

kistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung nach Pakistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 

nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-

gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-

schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste 

der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder 

glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-

menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi  

gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Pa-

kistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als un-

zulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung 

sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen 

zulässig. 

D-2534/2019 

Seite 15 

8.4  

8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.4.2 In Pakistan herrscht nach konstanter Rechtsprechung, trotz teilweise 

angespannter Lage, keine landesweite Situation allgemeiner Gewalt, die 

zur Annahme führen müsste, jede dorthin zurückkehrende Person sei mit 

erheblicher Wahrscheinlichkeit konkret gefährdet. Der Wegweisungsvoll-

zug ist daher nicht generell unzumutbar (vgl. dazu etwa das Referenzurteil 

des BVGer E-3258/2018 vom 2. Juni 2020 E. 12.4.1 sowie die Urteile des 

BVGer D-4418/2018 vom 13. November 2019 E. 7.3.1 und E-5352/2017 

vom 12. Februar 2019 E. 9.3.1, m.w.H.). Für die Provinz C._______, wo 

die Sicherheitslage zwar angespannt ist, sind keine anderen Schlussfolge-

rungen zu treffen (vgl. Urteil des BVGer E-427/2019 vom 8. Februar 2019 

E. 7.8) 

8.4.3 Wie die Vorinstanz bereits zutreffend ausgeführt hat, ergeben sich 

auch keine individuellen Vollzugshindernisse.  

8.4.3.1 Dem wurde in der Rechtsmitteleingabe Folgendes entgegengehal-

ten: Die Rückkehr nach B._______ in Pakistan gestalte sich für den Be-

schwerdeführer als unzumutbar. Einerseits sei bereits aufgrund der 

schlechten und labilen Sicherheitslage in der Provinz C._______ vom 

Wegweisungsvollzug abzusehen. Andererseits komme erschwerend 

hinzu, dass es ihm gelungen sei, sich in wirtschaftlicher und sozialer Hin-

sicht erfolgreich in der Schweiz zu integrieren, wie sich aus den diesbezüg-

lich eingereichten Unterlagen und dem Schreiben der Gemeinde I._______ 

ergeben würde. So befinde er sich seit dreieinhalb Jahren in der Schweiz, 

wo ihm bereits der Berufseinstieg und die Ablösung von der Unterstützung 

durch die öffentliche Hand gelungen sei. Trotz beschränkter Möglichkeiten 

habe er sich an die schweizerische Lebensweise assimiliert und sei durch 

das hiesige soziale Umfeld geprägt worden. Dadurch würde die Wieder-

eingliederung im Heimatland massiv erschwert werden. Zu den wenigen, 

in B._______ verbliebenen Familienmitgliedern pflege er kaum mehr Kon-

takt, während dieser zu früheren Bekannten ganz abgebrochen sei. Er ver-

füge über kein tragfähiges und auch in sozialer Hinsicht kaum über ein Be-

ziehungsnetz in der Heimat. Bereits vor seiner Flucht habe er grosse Mühe 

D-2534/2019 

Seite 16 

gehabt, eine Arbeitsstelle zu finden. Er habe lediglich einen Aushilfsjob in 

(…) innegehabt. Den (...) Job als (…) habe er nur solange ausüben kön-

nen, wie niemand dahintergekommen sei, dass er und nicht sein Freund 

anwesend gewesen sei. Aufgrund seines Status als Ausländer sei er auf 

dem Stellenmarkt sowie beim Erwerb von Bildung stark benachteiligt ge-

wesen. Er sei nicht zum Studium zugelassen worden und verfüge auch 

nicht über eine Berufsbildung. Aufgrund der fehlenden Beziehungen – ins-

besondere sei kein tragfähiges Beziehungsnetz vorhanden – und Berufs-

bildung sowie seiner fehlenden Papiere und der prekären Sicherheitslage 

sei die Rückkehr in die Heimat des Beschwerdeführers auch aus humani-

tärer Sicht unverhältnismässig und folglich unzumutbar. 

8.4.3.2 Diese Einwände lassen die Rückkehr des Beschwerdeführers nach 

Pakistan nicht aus individuellen Gründen als unzumutbar erscheinen. So 

erklärte dieser, dass er die Schule bis zur (…) Klasse regulär besucht und 

mit dem Matric abgeschlossen habe (vgl. act. A6/11 Ziff. 1.17.04, A19/19 

F13). Nach (…) weiteren Jahren habe er an einer (…)schule die (…) Klasse 

abgeschlossen (vgl. a.a.O., F47). Damit verfügt er über eine gute Schulbil-

dung. Allein der Umstand, dass er danach nicht habe studieren können, 

lässt den Vollzug der Wegweisung nicht als unzumutbar erscheinen. Der 

Beschwerdeführer habe bereits in der (…) Klasse zu arbeiten begonnen 

(vgl. a.a.O., F43). Vor seiner Ausreise habe er in (…) gearbeitet und 

abends eine (…) (vgl. act. A6/11 Ziff. 1.17.05). Er habe auch als Tagelöhner 

beim (…) gearbeitet (vgl. act. A19/19 F41). Er sei zu Hause der Verantwort-

liche beziehungsweise der Ernährer der Familie gewesen (vgl. a.a.O., 

F114, F123). Sein Bruder H._______ sei etwa vier bis fünf Monate nach 

ihm aus Pakistan ausgereist (vgl. F128 f.). Der Beschwerdeführer verfügt 

nach dem Gesagten in seiner Heimat weiterhin über ein familiäres Netz 

und eine gesicherte Wohnsituation. Somit bestehen insgesamt keine kon-

kreten Hinweise darauf, dass er bei einer Rückkehr nach Pakistan in eine 

existenzielle Notlage geraten wird. Blosse soziale und wirtschaftliche 

Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen be-

troffen ist, genügen nicht, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von 

Art. 83 Abs. 4 AIG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Schliesslich 

dürfte sein mittlerweile mehr als fünfjähriger Aufenthalt in der Schweiz ent-

gegen den pauschalen Ausführungen in der Beschwerde kaum zu einer 

übermässig erschwerten Reintegration in seiner Heimat führen, zumal er 

dort aufgewachsen ist und den Grossteil seines Lebens verbracht hat. 

Diesbezüglich ist im Übrigen festzuhalten, dass der Grad der Integration in 

der Schweiz grundsätzlich kein Kriterium für die Beurteilung der Zumutbar-

keit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darstellt 

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Seite 17 

(vgl. BVGE a. a. O. E. 10.3; Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei-

zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 13 E. 3.5). Die Beur-

teilung einer Härtefallsituation infolge fortgeschrittener Integration im Sinne 

von Art. 14 Abs. 2 Bst. c AsylG fällt in die Zuständigkeit der kantonalen Mig-

rationsbehörden (vgl. BVGE a.a.O.). Auf die vom Beschwerdeführer gel-

tend gemachten Integrationsbemühungen und die hierzu eingereichten Be-

weismittel ist deshalb nicht näher einzugehen. 

8.4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

8.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit 

Verfügung vom 7. Juni 2019 die unentgeltliche Prozessführung gemäss 

Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten aufzuer-

legen. 

 

10.2 Mit derselben Verfügung wurde zudem der Antrag auf amtliche 

Rechtsverbeiständung gutgeheissen und dem Beschwerdeführer Roman 

Schuler als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet. Diesem ist deshalb ein 

amtliches Honorar zu Lasten der Gerichtskasse zu entrichten, wobei nur 

der notwendige Aufwand zu entschädigen ist (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 

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Seite 18 

Abs. 2 VGKE). Wie ihm die Instruktionsrichterin damals mitteilte, geht das 

Bundesverwaltungsgericht bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem 

Stundenansatz zwischen Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältinnen und An-

wälte aus. In der eingereichten Kostennote vom 26. November 2020 wurde 

ein Aufwand von 13.59 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 300.– 

und Auslagen von Fr. 55.30 geltend gemacht. Darin ist der mit fehlerhafter 

Einheitsbezeichnung (1.00 Stk. anstatt 1.00 Std.) versehene Aufwand vom 

2. Mai 2019 (Erstgespräch und Mandatseröffnung) noch nicht enthalten, 

weshalb die Honorarnote entsprechend zu korrigieren ist. Der sich daraus 

ergebende Gesamtaufwand von 14.59 Stunden erscheint indes im Verhält-

nis zu vergleichbaren Beschwerdeverfahren etwas zu hoch und ist auf ins-

gesamt 12.50 Stunden zu reduzieren. Sodann ist der Stundenansatz im 

Rahmen des amtlichen Mandats auf Fr. 220.– zu kürzen. Die ausgewiese-

nen Auslagen in der Höhe von Fr. 55.60 (Porti und Fotokopien) erscheinen 

angemessen. Dem unentgeltlichen Rechtsbeistand ist deshalb durch das 

Bundesverwaltungsgericht ein amtliches Honorar von (aufgerundet) insge-

samt Fr. 3023.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag i.S.v. Art. 9 

Abs. 1 Bst. c VGKE) auszurichten.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand Rechtsanwalt MLaw Roman Schuler wird 

zulasten der Gerichtskasse ein Honorar von Fr. 3023.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Daniel Widmer 

 

 

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