# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 78e29255-2824-59bf-9bd5-f12519445a71
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-08-20
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 20.08.2019 IV 2017/122
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2017-122_2019-08-20.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2017/122

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 09.10.2019

Entscheiddatum: 20.08.2019

Entscheid Versicherungsgericht, 20.08.2019
Art. 7, 8 und 43 ATSG; Art. 28 IVG: Die gutachterliche retrospektive 
Arbeitsfähigkeitsschätzung ist nicht ausreichend. Rückweisung zur 
Ergänzung/Nachfrage bei den Gutachtern (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. August 2019, IV 
2017/122).

Entscheid vom 20. August 2019

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiberin Sabrina Bleile

Geschäftsnr.

IV 2017/122

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsagent Edwin Bigger, RGB Consulting, Sonnenbühlstrasse 3, 

9200 Gossau,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.   

A.a  A.___ (nachfolgend: Versicherter) war als Lastwagenchauffeur bei der B.___ AG 

angestellt, als er am 6. Mai 2013 einen Unfall mit Rippenserienfrakturen erlitt (vgl. act. 

G 3.2-1 S. 112; vgl. ferner act. G 3.2-1 S. 102 f. und 86 f.). Nach dem Unfall klagte er 

über persistierende Schmerzen thorakal rechts (vgl. act. G 3.2-1 S. 94, 87 und 86) 

sowie über exazerbierte lumbale Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in das linke Bein, 

nachdem er schon früher intermittierend an Rückenschmerzen von jeweils kürzerer 

Dauer gelitten hatte (vgl. act. G 3.2-1 S. 39). Am 6. Juni 2013 stellte sich der 

Versicherte bei Dr. med. C.___, Orthopädische Traumatologie FMH und SRK 

Sportmedizin, vor und berichtete über einen Unfall vom April 2013, bei welchem er sich 

eine Distorsion des oberen Sprunggelenks (OSG) rechts zugezogen habe. Das 

Fussproblem bestehe aber schon seit über zehn Jahren. Dr. C.___ erhob anamnestisch 

einen Status nach mehrmaligen Operationen, zuletzt vor drei bis vier Jahren mit einer 

OSG-Bandplastik rechts (IV-act. 125 S. 46). Die Arbeitgeberin kündigte das 

Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten per __. Juli 2013 (vgl. act. G 3.2-1 S. 50). Eine 

MRT-Untersuchung der Wirbelsäule vom 26. August 2013 zeigte eine Spondylolyse 

LWK5 mit Anteroposition gegenüber SWK1 mit begleitender breitbasiger Diskushernie 

und hypertropher Spondylarthrose mit foraminaler Kompression des Ganglions/

Spinalnervs L5 links und Einengung mit möglicher Kompression foraminal rechts, eine 

rechtskonvexe skoliotische Fehlhaltung, partiell überbrückende ventrale 

Spondylophyten BWK11/12 und BWK12/LWK1 sowie eine moderate bilaterale 

Spondylarthrose (act. G 3.2-1 S. 29 und 30). Am __. Oktober 2013 unterzog sich der 

Versicherte aufgrund der lumbalen Beschwerden einer transpedikulären Spondylodese 

L5/S1 mit Laminektomie L5 und beidseitiger Entlastung der Nervenwurzeln L5 und S1, 

was einen stationären Aufenthalt in der Klinik für Neurochirurgie des KSSG vom __. bis 

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__. Oktober 2013 nach sich zog (IV-act. 14 S. 10 ff.; act. G 3.2-1 S. 26). Am 6. 

November 2013 informierte die Unfallversicherung den Versicherten darüber, dass sie 

ihre Leistungen per 11. November 2013 einstellen werde, da ein Kausalzusammenhang 

zwischen dem Unfallereignis und den beklagten Beschwerden nicht mehr überwiegend 

wahrscheinlich gegeben sei (act. G 3.2-1 S. 8 f.). Wegen einer Wundentzündung nach 

der Spondylodese erfolgte am __. November 2013 im Rahmen eines vom __. 

November bis __. Dezember 2013 dauernden stationären Aufenthaltes im KSSG eine 

operative Revision mit einer nachfolgenden Antibiose für insgesamt zehn Wochen (vgl. 

IV-act. 14 S. 7 ff.; vgl. ferner Diagnosestellung in IV-act. 14 S. 15 ff. und 125 S. 47).

A.b Am 21. Februar 2014 meldete der Hausarzt Dr. med. D.___ den Versicherten zur 

Früherfassung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) an (IV-

act. 1).

A.c  Am __. März 2014 berichtete der behandelnde Arzt der Klinik für Neurochirurgie 

des KSSG über einen zögerlichen Krankheitsverlauf. Bei der letzten Konsultation habe 

der Versicherte weiterhin lumbale Rückenschmerzen mit einer Ausstrahlung bis in die 

Brustwirbelsäule (BWS) und Halswirbelsäule (HWS) angegeben. Weiterhin träten auch 

Schmerzen im Bereich der unteren Extremitäten auf. In der durchgeführten Bildgebung 

zeige sich eine regelrechte Lage des eingebrachten Materials. Die Neuroforamen L5 

beidseits seien jedoch aufgrund der fortgeschrittenen Degeneration und der Listhese 

noch recht eng. Hinsichtlich der Schmerzen lumbal und derjenigen im Bereich der BWS 

und HWS gebe es momentan keinen vernünftigen chirurgischen Therapieansatz. 

Bezüglich der Beinschmerzen werde eine diagnostische und therapeutische 

Nervenwurzelinfiltration L5 beidseits in die Wege geleitet. Sollte der Versicherte davon 

profitieren, müsste man über eine Revisionsoperation L5/S1 nachdenken (IV-act. 14 

S. 15). Am __. April 2014 berichtete der behandelnde Arzt der Klinik für Neurochirurgie 

des KSSG, dass die Nervenwurzelinfiltration leider keine Besserung gebracht habe. Zur 

Objektivierung der Situation werde nun eine Funktionsmyelografie angefertigt (IV-

act. 14 S. 17).

A.d Am 8. April 2014 reichte der Versicherte das Anmeldeformular der IV-Stelle ein (IV-

act. 6). Er gab an, nach einer Fraktur an Rücken- und Rippenproblemen zu leiden (IV-

act. 6 S. 6).

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A.e  Nach einer durchgeführten Myelografie berichtete der behandelnde Arzt der Klinik 

für Neurochirurgie des KSSG am __. Mai 2014, dass sich in der bildgebenden 

Diagnostik eine regelrechte Lage des eingebrachten Materials zeige. Die Neuroforamen 

L5 beidseits seien aufgrund der bekannten Listhese relativ eng. Eine massive 

Kompression liege jedoch nicht vor. Weiterhin zeige sich eine minime Hypermobilität im 

Segment L4/5, wobei es jedoch nicht zum Abrutschen der Wirbel und zu keiner 

Kompression des Duralschlauches komme. Zusammenfassend sei das klinische 

Beschwerdebild recht diffus und auch die Bildgebung nicht gerade sehr eindrücklich, 

sodass ein chirurgisches Prozedere im Moment nicht sehr erfolgversprechend sei. 

Auch schienen psychosoziale Komponenten eine wichtige Rolle zu spielen, weshalb 

das Schmerzzentrum hinzuzuziehen sei (IV-act. 21).

A.f Nach einer computertomographischen Abklärung des rechten Rück- und 

Mittelfusses vom 27. Juni 2014, die unter anderem Arthrosen sichtbar werden liess 

(vgl. IV-act. 125 S. 44), kam der Versicherte am 2. Juli 2014 wegen massiver 

Schmerzen im rechten Fuss erneut zu Dr. C.___, welcher zu einer konservativen 

Therapie riet und den Versicherten zur Einholung einer Zweitmeinung Dr. med. E.___ 

von der Orthopädie F.___ zuwies (IV-act. 125 S. 43). Dr. E.___ führte am 16. Juli 2014 

aus, dass eine chronische Achillessehnenproblematik sowohl der Sehne selbst als 

auch an der Insertion im Vordergrund stehe, wobei es sich um eine Domäne der 

konservativen Therapie handle. Zusätzlich liege ein ventrales Impingement im OSG bei 

bestehenden degenerativen Veränderungen vor. Sofern diese Problematik in den 

Vordergrund rücke, müsse die Indikation zu einer OSG-Arthroskopie diskutiert werden 

(IV-act. 125 S. 42). In einem Bericht an die IV-Stelle vom 25. Juli 2014 führte Dr. D.___ 

aus, dass sich die Problematik beim Versicherten nicht auf eine Körperregion 

beschränke, sondern sowohl den Thorax, die LWS als auch das Sprunggelenk am 

rechten Fuss betreffe. In der angestammten Tätigkeit bestehe seit dem Unfall im 

Frühjahr 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Adaptierte Tätigkeiten müssten sicher 

in einem kleinen Rahmen begonnen werden mit kurzen temporären Einsätzen mit einer 

Evaluation nach kurzer Zeit und falls möglich einer Steigerung der Arbeitsstunden über 

einen längeren Zeitraum (IV-act. 125 S. 58 f.). Am 15. September 2014 trat beim 

Versicherten eine Kniegelenksblockade rechts mit massiven Schmerzen auf. Eine MRT-

Untersuchung vom 16. September 2014 ergab unter anderem einen mittelvolumigen 

Kniegelenkserguss mit Zeichen einer mässiggradigen unpezifischen Synovitis sowie 

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eine mässiggradige Degeneration des lateralen Meniskusvorderhornes und des 

medialen Meniskus (IV-act. 125 S. 39). Gemäss Angaben des Versicherten tauchte die 

Ergussbildung im Rahmen der Antibiotikatherapie auf (vgl. IV-act. 125 S. 23).

A.g Am 2. Oktober 2014 sprach die IV-Stelle dem Versicherten gestützt auf eine 

Zielvereinbarung (vgl. IV-act. 39) die Kostenübernahme für einen Weiterbildungskurs 

sowie für ein Jobcoaching zu (IV-act. 41). Mit Schreiben vom 19. November 2014 teilte 

Dr. D.___ der IV-Stelle mit, dass er die Situation mit dem Versicherten besprochen 

habe. Für diesen komme ein Arbeitseinsatz bei den noch immer persistierenden 

Beschwerden weder im angestammten Beruf noch in einer anderen Tätigkeit in 

Betracht. Der Versicherte sehe eine Vermittelbarkeit im aktuellen Stadium als nicht 

realistisch an. Daher möchte er aktuell keine Leistungen von der IV-Stelle beziehen und 

bitte die Bemühungen um Arbeitsvermittlung respektive Umschulung aktuell 

einzustellen (IV-act. 47). Am 28. Januar 2015 stellte die IV-Stelle die beruflichen 

Massnahmen mit der Begründung ein, der Versicherte fühle sich subjektiv nicht 

arbeitsfähig und verfüge in einer angepassten Tätigkeit über eine volle Arbeitsfähigkeit 

(IV-act. 53).

A.h Am 10. Juni 2015 suchte der Versicherte Dr. C.___ wegen eines Gichtschubs am 

Grosszehengrundgelenk links auf, woraufhin dieser ihm aufgrund eines erhöhten 

Harnsäurewertes Olfen abgab (IV-act. 125 S. 38).

A.i Mit einer Verfügung vom 3. Juli 2015 lehnte die IV-Stelle, nachdem sie ein 

Vorbescheidverfahren durchgeführt hatte (vgl. IV-act. 56 ff.), einen Rentenanspruch des 

Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 2 % mit der Begründung ab, der 

Versicherte sei in einer ideal adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig (IV-act. 58). 

Gegen diese Verfügung liess der Versicherte am 24. August 2015 durch seinen 

Rechtsvertreter Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen 

erheben (IV-act. 62).

A.j Am 8. September 2015 liess sich der Versicherte für eine Testphase 

Stimulationselektroden implantieren. Aufgrund eines Abszesses im Bereich Th10 bis L1 

mussten die Elektroden am 22. September 2015 im Spital G.___ jedoch wieder entfernt 

werden. Gleichzeitig wurde eine Abszessdrainage durchgeführt. Zur 

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Abszessbehandlung war der Versicherte vom __. September bis __. Oktober 2015 in 

der Klinik für Neurochirurgie des KSSG hospitalisiert, wo er sich am __. September 

2015 einer Hemilaminektomie Th10 und Th11 rechts unterzog, bei der die Drainage 

entfernt wurde (IV-act. 125 S. 47).

A.k  Am 29. Oktober 2015 schrieb das Versicherungsgericht das hängige 

Beschwerdeverfahren ab (IV-act. 84), da die IV-Stelle die angefochtene Verfügung vom 

3. Juli 2015 nach einer Rückfrage beim regionalen ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 75) 

am 21. September 2015 widerrufen hatte, um das Verwaltungsverfahren für weitere 

Abklärungen erneut aufzunehmen (vgl. IV-act. 76). Der RAD hatte am 16. September 

2015 nämlich ausgeführt, dass der medizinische Sachverhalt nicht genügend abgeklärt 

worden sei. Die Annahme einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten 

Tätigkeit trotz des bei der IV-Stelle am 25. November 2014 eingegangenen Schreibens 

von Dr. D.___ vom 19. November 2014 (vgl. IV-act. 47) sei nicht zielführend gewesen. 

Spätestens mit der Rentenprüfung hätte eine erneute umfassende Überprüfung des 

Gesundheitszustandes erfolgen müssen. Eine polydisziplinäre Begutachtung sei 

erforderlich (IV-act. 75).

A.l Am 12. November 2015 zeigte die IV-Stelle dem Versicherten eine polydisziplinäre 

Begutachtung in der ABI Begutachtungsinstitut GmbH (nachfolgend: ABI) an (IV-

act. 86), woraufhin das ABI dem Versicherten für den 18. und 19. Januar 2016 ein 

Terminaufgebot zukommen liess (IV-act. 88). Aufgrund einer von Dr. D.___ am 11. 

Januar 2016 für die Zeit bis zum 25. Januar 2016 ausgestellten Transportdispens (IV-

act. 93; vgl. ferner IV-act. 103) erschien der Versicherte nicht zu den vereinbarten 

Begutachtungsterminen (vgl. IV-act. 90 ff.). Am 13. Februar 2016 berichtete Dr. D.___ 

gegenüber der IV-Stelle, dass er den Versicherten im Januar 2016 mehrfach gesehen 

habe. Zuletzt seien die Schmerzen am Bein, die Motorik mit Gehstörungen und die 

Sensibilität so ausgeprägt gewesen, dass der Versicherte in Begleitung seiner Partnerin 

und an Stöcken in die Praxis gekommen sei und nur noch kurze Strecken habe gehen 

können. Er habe die Analgesie ausbauen müssen und eine Mitbeurteilung durch den 

behandelnden Neurochirurgen veranlasst (IV-act. 103). Dieser hatte am __. Januar 2016 

festgehalten, dass sich in einer MRT vom November 2015 eine deutliche foraminale 

Stenose L5 beidseits gezeigt habe. Diese sei durch ein deutlich kollabiertes 

Bandscheibenfach L5/S1 und die bekannte Listhese bedingt. Der Pedikel L5 und die 

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Hinterkante S1 berührten sich fast. Dazwischen werde die Nervenwurzel massiv 

eingeengt. Insgesamt sei die Situation in einem operativen Prozedere recht schwierig 

zugänglich. Zunächst sollte der Versicherte in der Schmerzsprechstunde zur 

Optimierung der Medikation vorstellig werden. Sollten diese Massnahmen nicht greifen, 

müsste man über ein operatives Prozedere nachdenken (IV-act. 105). Am __. März 

2016 fand eine erste Konsultation im Schmerzzentrum des KSSG statt. Die 

behandelnden Ärzte hielten dazu fest, dass der Versicherte das klinische Bild eines 

Failed-Back-Surgery-Syndroms mit Zustand nach multiplen Operationen mit einem 

nozizeptiven und neuropathischen Schmerzanteil zeige. Insgesamt weise er einen 

hohen Chronifizierungsgrad auf. Langfristig sollte der Versicherte in ein bio-psycho-

soziales Therapiekonzept eingebettet werden, wozu eine psychosomatische 

Mitbetreuung notwendig sei (IV-act. 117). Am __. Mai 2016 berichteten die 

behandelnden Ärzte des Schmerzzentrums gegenüber der IV-Stelle, dass eine 

Begutachtung nach einer dreimonatigen Schmerztherapie sinnvoll sei (IV-act. 116).

A.m  Nach dem Erhalt weiterer medizinischer Berichte hielt der RAD am 24. Mai 2016 

fest, dass die Begutachtung nun in die Wege geleitet werden könne (vgl. IV-act. 118). 

Am 29. und 30. August 2016 wurde der Versicherte vom ABI Basel polydisziplinär 

(allgemeininternistisch, psychiatrisch, orthopädisch und neurologisch) begutachtet 

(vgl. IV-act. 125 S. 1 und 123 S. 1 f.). Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

erhoben die Gutachter ein chronisches thorakal und lumbal betontes panvertebrales 

Schmerzyndrom mit Punctum maximum im lumbosakralen Übergang, eine medial 

betonte Gonarthrose beidseits sowie eine OSG-Arthrose beidseits, radiologisch mehr 

rechts als links. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die 

Gutachter eine leichte depressive Episode, eine chronische Schmerzstörung mit 

somatischen und psychischen Faktoren, eine Störung durch einen multiplen 

Substanzkonsum, gegenwärtig mit ärztlich verordnetem Methadon, ein metabolisches 

Syndrom, eine Niereninsuffizienz sowie eine Steatosis hepatis (IV-act. 125 S. 32 f.). In 

ihrem polydisziplinären Konsens kamen die Gutachter zum Schluss, dass beim 

Versicherten für die angestammte Tätigkeit als Lastwagenchauffeur ebenso wie für 

andere körperlich mittelschwere und schwer belastende berufliche Tätigkeiten keine 

zumutbare Arbeitsfähigkeit bestehe. Für körperlich leichte, angepasste Tätigkeiten sei 

eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 70 % (ganztags mit einer um 30 % 

verminderten Leistungsfähigkeit bei einem erhöhten Pausenbedarf) gegeben. Ab dem 

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Zeitpunkt des Unfalls (6. Mai 2013) habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit 

bestanden. Die Arbeitsfähigkeit von 70 % für angepasste Tätigkeiten gelte definitiv ab 

dem August 2016. Inwiefern in einer solchen Arbeitstätigkeit zuvor bereits eine 

Arbeitsfähigkeit bestanden habe, könne nicht mit Sicherheit festgestellt werden, da seit 

dem Jahr 2013 wiederholt Operationen, teilweise mit Komplikationen, durchgeführt 

worden seien, sodass die Arbeitsfähigkeit arbiträr über die Zeit von Mai 2013 bis Juli 

2016 gemittelt überwiegend aufgehoben gewesen sei (IV-act. 125 S. 34 f.). Am 14. 

November 2016 hielt der RAD fest, dass das Gutachten die 

versicherungsmedizinischen Anforderungen erfülle. Aus versicherungsärztlicher Sicht 

könne die administrative Entscheidung darauf abgestützt werden (IV-act. 126).

A.n Mit einem Vorbescheid vom 9. Januar 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten 

die Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 31 % in Aussicht. 

Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass der Versicherte seit dem 6. Mai 

2013 in seiner Arbeitsfähigkeit als Chauffeur zu 100 % eingeschränkt sei. Aber eine 

leidensangepasste Tätigkeit sei ihm aus versicherungsmedizinischer Sicht in einem 

Pensum von 100 % mit einer aufgrund von Pausen reduzierten Leistungsfähigkeit von 

70 % möglich (IV-act. 134).

A.o Dagegen liess der Versicherte am 13. Februar 2017 einwenden, die ABI-Gutachter 

hätten unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass die von ihnen vorgenommene 

Einschätzung einer 70%igen Leistungsfähigkeit erst ab dem August 2016 bzw. ab dem 

Begutachtungszeitpunkt gelte. Zuvor habe seit dem Unfall vom 6. Mai 2013 eine 

vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Nach Ansicht der Gutachter sei die 

Arbeitsfähigkeit über die Zeit gemittelt von Mai 2013 bis Juli 2016 überwiegend 

aufgehoben gewesen. Deshalb sei ihm zumindest rückwirkend eine IV-Rente 

zuzusprechen. Überdies habe es die IV-Stelle unterlassen, bei der Bemessung des 

Invalideneinkommens auch seine persönlichen und beruflichen Merkmale zu 

berücksichtigen. Aufgrund der Umstände sei ein Tabellenlohnabzug von mindestens 

15 % vorzunehmen. Schliesslich seien aufgrund der neuen Ausgangslage auch die 

Optionen an beruflichen Massnahmen erneut zu prüfen (IV-act. 137).

A.p Mit Verfügung vom 3. März 2017 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren bei einem 

Invaliditätsgrad von 31 % ab. Zum Einwand des Versicherten vom 13. Februar 2017 

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merkte sie an, dass kein Tabellenlohnabzug vorzunehmen sei. Die zusätzlichen Pausen 

seien bereits mit einer Leistungsreduktion von 30 % berücksichtigt worden. Bei 

Berufswechseln sei gemäss dem Bundesgericht kein Tabellenlohnabzug angezeigt. 

Auch ein allfälliger tieferer Anfangslohn begründe keinen Anspruch auf einen Abzug. 

Weiter führte die IV-Stelle aus, dass für eine Herabsetzung oder Einstellung einer 

Rentenleistung ein Revisionsgrund notwendig sei. Ein wirtschaftlicher Revisionsgrund 

liege zweifelsfrei nicht vor. Ein medizinischer Revisionsgrund müsse ebenfalls verneint 

werden, da weder im Gutachten noch in der Stellungahme des RAD ein Zeitpunkt 

erwähnt werde, in welchem eine wesentliche Änderung des Gesundheitszustandes mit 

Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eingetreten sei. Demnach könne auch rückwirkend kein 

Rentenanspruch entstehen (IV-act. 139).

B.   

B.a  Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 

23. März 2017 Beschwerde erheben mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung der 

IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) vom 3. März 2017 sei aufzuheben und 

ihm sei für den Zeitraum vom 1. Oktober 2014 bis 30. November 2016 eine ganze 

Invalidenrente zuzusprechen. Mit Wirkung ab dem 1. Dezember 2016 sei der 

Invaliditätsgrad unter Berücksichtigung eines angemessenen Leidensabzuges neu zu 

berechnen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung vom 3. März 2017 aufzuheben 

und die Streitsache sei zur Durchführung weiterer Abklärungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu 

Lasten der Beschwerdegegnerin. Zudem liess der Beschwerdeführer ein Gesuch um 

die unentgeltliche Rechtpflege und Rechtsverbeiständung stellen. Zur Begründung 

liess er im Wesentlichen anführen, dass seine Arbeitsfähigkeit nach Ansicht der ABI-

Gutachter von Mai 2013 bis Juli 2016 überwiegend aufgehoben gewesen sei. Die 

Gutachter hätten somit eine per August 2016 eigetretene wesentliche Verbesserung 

des Gesundheitszustandes bzw. der Leistungsfähigkeit festgestellt. Weder die 

Beschwerdegegnerin noch der RAD hätten Zweifel am Ergebnis der Begutachtung 

geäussert. Dennoch verneine die Beschwerdegegnerin entgegen der Einschätzung der 

Gutachter einen befristeten Rentenanspruch. Die Auffassung der Gutachter, dass die 

geschätzte Leistungsfähigkeit in der Zeit vor der Begutachtung noch nicht vorgelegen 

habe, decke sich auch mit zahlreichen in den Akten enthaltenen fachärztlichen 

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Einschätzungen. Insbesondere aus orthopädischer Sicht sei nachvollziehbar 

geschildert worden, wie sich die im Zusammenhang mit den Operationen erlittenen 

Komplikationen negativ auf die Arbeitsfähigkeit ausgewirkt hätten. Erst nachdem die 

postoperativen Infekte ausgeräumt gewesen seien, habe sich ein im Grundsatz 

korrekter Verlauf entwickelt. Aufgrund der eingetretenen Verbesserung könne zwar 

davon ausgegangen werden, dass ihm heute zumindest die teilweise Ausübung einer 

leichten, an seine Beschwerden angepassten Tätigkeit möglich sei. Für die 

Vergangenheit sehe dies anders aus. Die IV-Anmeldung sei am 8. April 2014 erfolgt, 

weshalb ein Rentenanspruch am 1. Oktober 2014 entstanden sei. Ab diesem Zeitpunkt 

sei ihm eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Die Gutachter hätten die 

Verbesserung des Gesundheitszustandes auf den Zeitpunkt der Begutachtung, also 

auf den 29. und 30. August 2016, festgelegt. Eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit 

sei zu berücksichtigen, nachdem sie drei Monate ohne wesentliche Unterbrechung 

gedauert habe und voraussichtlich andauern werde, weshalb vorliegend eine 

Rentenanpassung per 1. Dezember 2016 möglich sei. Bei der Invaliditätsbemessung 

für den Zeitraum ab dem 1. Dezember 2016 habe die IV-Stelle zu Unrecht keinen 

Tabellenlohnabzug vorgenommen. Schliesslich seien aufgrund der neuen 

Ausgangslage auch die Optionen an beruflichen Massnahmen neu zu prüfen (act. G 1).

B.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 29. Mai 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde. Sie führte im Wesentlichen aus, dass im Jahr 2014 

und bis September 2015 keine Operationen stattgefunden hätten. Vielmehr gehe aus 

den Akten hervor, dass die Schmerzproblematik im Vordergrund gestanden habe. 

Insofern sei es nicht nachvollziehbar, inwiefern dem Beschwerdeführer in dieser Zeit 

keine adaptierte Tätigkeit im Rahmen der im Gutachten attestierten Arbeitsfähigkeit 

zumutbar gewesen sein solle. Selbst wenn Ende September 2015 nach der Operation 

wieder von einer kurzfristigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden müsste, sei 

spätestens ab dem Untersuchungszeitpunkt im August 2016 von der im Gutachten 

attestierten 70%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Auch habe während den 

Operationen ein instabiler Gesundheitszustand vorgelegen, weshalb noch keine 

bleibende oder länger dauernde Erwerbsunfähigkeit vorgelegen habe. Ein 

Tabellenlohnabzug komme vorliegend gemäss der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung nicht in Frage. Die Beschwerdegegnerin habe intern Rücksprache 

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gehalten und die zuständige Sachbearbeiterin werde sich mit dem Beschwerdeführer 

betreffend berufliche Massnahmen in Verbindung setzen (act. G 3).

B.c  In seiner Replik vom 15. Juni 2017 hielt der Beschwerdeführer an seinen in der 

Beschwerde gestellten Rechtsbegehren vollumfänglich fest (act. G 7).

B.d Am 28. Juni 2017 entsprach die verfahrensleitende Richterin dem Gesuch um 

Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung für das 

Verfahren vor dem Versicherungsgericht (act. G 8).

B.e  Am 29. Juni 2017 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine ausführliche Duplik 

und hielt an ihrem in der Beschwerdeantwort gestellten Antrag vollumfänglich fest (act. 

G 10).

Erwägungen

1.  

Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine 

Invalidenrente.

2.  

2.1 Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre 

Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch 

zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern 

können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu 

mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 

830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der 

körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer 

Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der 

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Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt 

(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Gestützt auf Art. 54 des Gerichtsgesetzes des Kantons St. Gallen 

(GerG, sGS 941.1) entspricht es der Praxis des Versicherungsgerichts des Kantons 

St. Gallen, dass Versicherte, die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und die nach Ablauf 

dieses Jahres weiterhin zu mindestens 40 % arbeitsunfähig sind, grundsätzlich 

Anspruch auf eine Rente haben, auch wenn zumutbare Eingliederungsmassnahmen, 

welche ihre Arbeitsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, 

wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, nicht abgeschlossen sind.

2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung - und im 

Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu 

Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die 

versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4; BGE 115 V 134 E. 2). Im 

Weiteren sind die ärztlichen Aussagen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 

Frage, welche Arbeitsleistungen einer Person noch zugemutet werden können (BGE 

115 V 134 E. 2). Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt 

der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen 

die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und 

pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie 

stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren 

Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. 

Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die 

streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die 

geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese 

abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in 

der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen 

der Fachperson begründet sind (zum Ganzen BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).

2.3 Die Parteien tragen im Sozialversicherungsrecht in der Regel eine Beweislast nur 

insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei 

ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/17

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Beweislosigkeit ist jedoch erst anzunehmen, wenn es sich als unmöglich erweist, im 

Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen 

Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der 

Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 221 f. E. 6 mit Hinweisen; vgl. ferner Alexandra 

Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum 

Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung 4. Aufl. Zürich/

Basel/Genf, S. 4 und 55).

3.  

3.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Abweisung des Rentenbegehrens in 

erster Linie auf das ABI-Gutachten (vgl. act. G 1.1 und 3), welches dem 

Beschwerdeführer ab dem Begutachtungszeitpunkt eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in 

einer adaptierten Tätigkeit attestiert hat (IV-act. 125 S. 33 ff.). Der Beschwerdeführer 

erachtet das Gutachten ebenfalls als beweiskräftig, ist aber der Ansicht, dass die 

Gutachter ihm für die Vergangenheit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert hätten, 

weshalb er rückwirkend einen Anspruch auf eine befristete Rente habe (vgl. act. G 1 

und 7). Demgegenüber stellt sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt, dass 

im Jahr 2014 und im Jahr 2015 bis im September keine Operationen stattgefunden 

hätten. Die Schmerzproblematik habe im Vordergrund gestanden und es sei nicht 

nachvollziehbar, inwiefern dem Beschwerdeführer in dieser Zeit keine adaptierte 

Tätigkeit zumutbar gewesen sein soll. Am 25. Juli 2014 hätte auch der Hausarzt des 

Beschwerdeführers angegeben, dass dieser eine adaptierte Tätigkeit aufnehmen könne 

(act. G 3).

3.2 Die Gutachter haben den Beschwerdeführer eingehend untersucht und befragt, sie 

haben die geklagten Beschwerden berücksichtigt und ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung 

in Kenntnis der Vorakten abgegeben. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass 

objektiv wesentliche Tatsachen im Gutachten nicht berücksichtigt worden wären. Die 

Begutachtung erscheint lege artis durchgeführt worden zu sein. Selbst wenn einzelne 

gutachterliche Aussagen möglicherweise nicht ganz schlüssig sind (vgl. IV-act. 125; 

vgl. dazu auch die nachfolgenden Ausführungen), so ist die im Gutachten enthaltene 

Arbeitsfähigkeitsschätzung von 70 % in einer adaptierten Tätigkeit ab dem August 

2016, sprich ab dem Zeitpunkt der Begutachtung, jedenfalls nachvollziehbar und 

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ausreichend begründet (vgl. IV-act. 125). Auch die Parteien sind sich grundsätzlich 

darin einig, dass dem Gutachten Beweiskraft zukomme und beanstanden die 

gutachterliche Schätzung der Arbeitsfähigkeit nicht (vgl. act. G 1, 1.1, 3 und 7). Folglich 

ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit ab dem Zeitpunkt der Begutachtung in einer ideal angepassten 

Tätigkeit zu 70 % arbeitsfähig ist. Anzumerken sei an dieser Stelle, dass es allerdings 

äusserst fraglich erscheint, ob angesichts des beträchtlichen Substanzkonsums 

(namentlich Benzodiazepine und Hypnotika; vgl. IV-act. 125 S. 18 oben) auch 

Tätigkeiten, bei denen ein Fahrzeug geführt werden muss, unter die möglichen 

adaptierten Tätigkeiten fallen (vgl. dazu IV-act. 125 S. 18 und 34). Jedenfalls ist es gut 

denkbar, dass das Spektrum der möglichen Tätigkeiten durch den Substanzkonsum 

eingeschränkt sein könnte, wobei beispielsweise gefahrgeneigte Tätigkeiten allenfalls 

nicht mehr möglich sind. Ob der Beschwerdeführer eine konkrete Tätigkeit noch 

ausüben kann, wird im Einzelfall zu prüfen sein. Jedenfalls ist davon auszugehen, dass 

der allgemeine ausgeglichene Arbeitsmarkt (vgl. Art. 16 ATSG; vgl. ferner BGE 110 V 

276 E. 4b; Urteil des Bundesgerichts vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E. 2.2) 

noch Tätigkeitsoptionen für den Beschwerdeführer bereithält, wobei er dabei in seiner 

Leistungsfähigkeit um 30 % eingeschränkt ist.

3.3 Weiter ist zu prüfen, inwiefern der Beschwerdeführer vor dem August 2016 in seiner 

Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen ist. Die Gutachter haben in ihrem 

polydisziplinären Konsens ausgeführt, dass beim Beschwerdeführer ab dem Zeitpunkt 

des Unfalls, also ab dem 6. Mai 2013, eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden 

habe. Die gutachterliche Einschätzung einer 70%igen Arbeitsfähigkeit für angepasste 

Tätigkeiten gelte ab dem August 2016. Inwiefern in einer leidensadaptierten Tätigkeit 

bereits zuvor eine Arbeitsfähigkeit bestanden habe, könne nicht mit Sicherheit 

festgestellt werden, da sich der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2013 wiederholten 

Operationen unterzogen habe, wobei teilweise Komplikationen aufgetreten seien, 

sodass die Arbeitsfähigkeit arbiträr über die Zeit gemittelt von Mai 2013 bis Juli 2016 

überwiegend aufgehoben gewesen sei (IV-act. 125 S. 35). Dem Beschwerdeführer ist 

darin zuzustimmen, dass die Gutachter ihm somit von Mai 3013 bis Juli 2016 eine volle 

Arbeitsunfähigkeit attestiert haben (vgl. act. G 1 und 7). Der Beschwerdegegnerin ist 

hingegen darin zuzustimmen, dass die retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung der 

Gutachter nicht überzeugt bzw. nicht dazu ausreicht, um rückwirkend für die Dauer von 

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Mai 2013 bzw. sechs Monate nach der IV-Anmeldung bis Juli 2016 eine ganze 

Invalidenrente zuzusprechen (vgl. act. G 1.1 und 3). Für die Entstehung eines 

Rentenanspruchs muss eine Arbeitsunfähigkeit nämlich mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit feststehen. Insbesondere ist die gutachterliche Einschätzung 

insofern nicht überzeugend, als die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit bis 

Juli 2016 vollständig aufgehoben gewesen sein, ab August 2016 jedoch plötzlich 70 % 

betragen haben soll. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich die Arbeitsfähigkeit 

nicht von einem Tag auf den anderen um 70 % gesteigert hat. Die 

Beschwerdegegnerin hat zu Recht darauf hingewiesen (vgl. act. G 3 S. 4), dass Dr. 

D.___ bereits im Juli 2014 die Aufnahme einer adaptierten Tätigkeit in einem kleinen 

Rahmen mit kurzen temporären Einsätzen und einer Steigerung der Arbeitsstunden 

über einen längeren Zeitraum hinweg für möglich gehalten habe (vgl. IV-act. 125 S. 58 

f.). Demnach ist davon auszugehen, dass mindestens vorübergehend eine (volle oder 

teilweise) Arbeitsfähigkeit bestanden hat. Auch aus den gutachterlichen Ausführungen 

geht indirekt hervor, dass die Arbeitsunfähigkeit in der Vergangenheit geschwankt und 

eben gerade nicht stets 100 % betragen hat. Der von den Gutachtern angegebene 

Durchschnittswert kann unter diesen Umständen nicht als überwiegend wahrscheinlich 

richtig qualifiziert werden. In dieser Situation war es nicht zielführend, die 

Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers für die Zeit bis Juli 2016 anhand der in den 

Akten liegenden Berichte der damaligen Behandler ohne Beizug einer medizinischen 

Fachperson zu "ermitteln". Die Beschwerdegegnerin hat dadurch, dass sie ein 

medizinisches Gutachten in Auftrag gegeben hat, klar zum Ausdruck gebracht, dass 

sie auf den Sachverstand unabhängiger medizinischer Fachleute angewiesen gewesen 

ist. Als sie dann – zu Recht - Zweifel an der im Gutachten enthaltenen retrospektiven 

Arbeitsfähigkeitsschätzung gehegt hat, wäre sie im Rahmen der sie treffenden 

Untersuchungspflicht gehalten gewesen, bei den Gutachtern entsprechend 

nachzufragen, um eine möglichst konkrete Arbeitsfähigkeitsschätzung für die Zeit bis 

Juli 2016 zu erhalten. Dies wird die Beschwerdegegnerin nachzuholen haben. Sollte sie 

dieses Vorgehen wählen, wird die Beschwerdegegnerin die Gutachter darauf 

hinzuweisen haben, dass eine Arbeitsfähigkeitsschätzung nur verwertbar ist, wenn sie 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit richtig ist. Aufgrund der Akten und der 

Ausführungen im Gutachten scheint es nicht als ausgeschlossen, dass die Gutachter 

die Arbeitsfähigkeit genauer werden angeben können, weshalb der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/17

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Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) eine Nachfrage bei den Gutachtern 

erfordert. Da die Beschwerdegegnerin dies bisher unterlassen hat, hat sie die 

angefochtene Verfügung in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes erlassen, 

weshalb diese als rechtswidrig aufzuheben ist. Die Streitsache ist deshalb zur 

vollständigen Erfüllung der Untersuchungspflicht, d.h. zur Nachfrage bei den 

Gutachtern an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (vgl. dazu auch Urteil des 

Bundesgerichts vom 9. Februar 2018, 8C_580/2017, E. 3.1 mit weiteren Hinweisen).

4.  

4.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung 

aufzuheben und die Sache ist zur Vornahme weiterer Abklärungen und zur 

anschliessenden neuen Verfügung im Sinne der Erwägungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die 

Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren Abklärung als volles Obsiegen des 

Beschwerdeführers zu werten (vgl. BGE 132 V 215 E. 6.2). Dementsprechend ist die 

Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.

4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Person 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur 

weiteren Abklärung als volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu betrachten ist. Die 

Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht 

auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des 

Prozesses bemessen (vgl. Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt 

das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für 

Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75; in der vorliegend 

anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung, siehe Art. 30bis HonO) pauschal 

Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Im hier zu beurteilenden, durchschnittlich aufwändigen 

Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- als angemessen. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/17

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Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer deshalb mit Fr. 3'500.-- (inklusive 

Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.  

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung 

aufgehoben und die Sache wird zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und 

zur anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.  

Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.

3.  

Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von 

Fr. 3'500.-- zu bezahlen.

	Publikationsplattform
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	Entscheid Versicherungsgericht, 20.08.2019
	Art. 7, 8 und 43 ATSG; Art. 28 IVG: Die gutachterliche retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung ist nicht ausreichend. Rückweisung zur Ergänzung/Nachfrage bei den Gutachtern (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. August 2019, IV 2017/122).

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		2025-07-19T04:47:30+0200
	"9001 St.Gallen"
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