# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8d5fd7c4-7770-5e5c-97a8-25b4bc75e853
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-11-22
**Language:** de
**Title:** Kein invalidisierender Gesundheitsschaden ausgewiesen. Keine weiteren Abklärungen nötig. (BGE 9C_68/2014)
**Docket/Reference:** IV.2012.00697
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.00697.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.00697
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Käch
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Schucan
Urteil
vom
22. November 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Oskar Müller
Badenerstrasse
141, Postfach, 8026 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren
1965, Mutter dreier Kin
der (geboren 1991, 1992, 1999),
war
zuletzt
vom
1
2.
Oktober 2009 bis 3
1.
März 2010
befristet als
Hilfs
arbeiterin
bei
Y.___
,
Z.___
,
tätig
(
Urk.
6/17
Ziff.
2.1)
und
meldete sich
am
6.
Juni 2011
unter Hinweis auf Schmerzen im ganzen Körper und dass es ihr psychisch schlecht gehe, bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/10
Ziff.
3.1 und
Ziff.
6.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte medizinische Berichte (
Urk.
6/15,
Urk.
6/
18
)
, einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
6/17) und
einen Auszug aus dem individuelle
n Konto (IK-Auszug;
Urk.
6/12) ein und veranlasste beim Regionalen Ärztlichen D
ienst (RAD) ein
bidisziplinäres
Gutachten
, welche
s
a
m 2
1.
März 2012 erstattet wurde
(
Urk.
6/20-21). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/24-25) ver
neinte die
IV-Stelle
mit Verfügung vom 2
9.
Mai 2012 (
Urk.
6/27 =
Urk.
2)
einen Anspruch der Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
Die Versicherte erhob am 2
9.
Juni 2012 gegen die Verfügung vom 2
9.
Mai 2012 (
Urk.
2) Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte, diese sei a
ufzuheben
,
und
sie
sei von einer unabh
ängigen Stelle interdisziplinär
zu begutachten mit anschlies
sender funktionsorientierter medizinischer Abklärung (FOMA). Eventuell sei die polydisziplinäre Begutachtung mit anschliessender FOMA im gerichtl
ichen Verfahren zu veranlassen (S. 2)
.
Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
August 2012 (
Urk.
5) beantragte die IV-Stell
e die Abweisung
der Beschwerde
, was der Be
schwerdeführerin am
6.
September 2012 (
Urk.
7) zur Kenntnis gebracht wurde. Die Eingabe der Beschwerdeführerin vom  1
2.
September 2012 (
Urk.
8) wurde der Beschwerdegegnerin
am 1
3.
September 2012
(
Urk.
9) zur Kenntnis
nahme zugestellt.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetztes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann
Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4 Abs. 1 des Bundes
ge
setzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
hig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens, so auch einer anhalten
den
somatoformen
Schmerzstörung, setzt zunächst eine fachärztlich (psychiat
risch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich anerkannten
Klassifikati
ons
system
voraus (BGE 130 V 396 ff. E. 5.3 und E. 6). Wie jede andere psychi
sche Beeinträchtigung begründet indes auch eine diagnostizierte anhaltende
soma
toforme
Schmerzstörung als solche noch keine Invalidität. Vielmehr be
steht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit
einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Um
stände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, kön
nen den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, ent
schei
det sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht
die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Aus
prägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, wie chro
ni
sche körper
liche Begleiterkrankungen, ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krank
heits
verlauf
mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne län
ger
dauernde Rück
bildung, ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein
verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer
an sich miss
glückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (pri
märer
Krank
heitsgewinn
; "Flucht in die Krankheit"), das Scheitern einer kon
sequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unter
schiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz kooperativer Haltung der ver
sicher
ten Person (BGE 130 V 352 E. 2.2.3 in
fine
). Je mehr dieser Kriterien zu
treffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare
Willens
anstrengung
zu verneinen (Meyer-Blaser, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähig
keit und seine Bedeutung in der Sozialversicherung, in: Schmerz und Arbeits
unfähigkeit, St.
Gallen 2003, S. 77).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschw
er
degegnerin
begründete ihre
leistungsverneinende
Verfügung vom Mai 2012 (
Urk.
2)
damit
, die medizinischen Abklärungen, insbesondere
durch den
RAD
,
hätten ergeben, dass keine objektivierbaren anatomischen Befunde vorlägen, welche aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeits
unfähigkeit begründen könnten. Es lägen
auch
keine Anhaltspunkte für eine schwere psychiatrische
Komorbidität
oder sonstige schwere
Funktionsein
schrän
kungen
vor (S. 1).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Beschwerde vom Juni 2012 (
Urk.
1) auf den Standpunkt,
der Sachverhalt sei unvollständig ermittelt worden
,
und es bestehe eine Verletzung der Untersuchungsmaxime im Sinne von
Art.
43
Abs.
1 ATSG (S. 4
Ziff.
5). Obwohl sie geltend gemacht habe, dass ihr Gesundheitszu
stand ernst zu nehmen sei und die Arbeitsunfähigkeit sogar zu Hause überwiege und sich durch die Arbeit und die Erledigung des Haushaltes verschlimmert habe
,
und obwohl sie auf ihre psychische Belastung sowie auf Probleme mit dem Zuckerspiegel hingewiesen habe,
habe
die Beschwerdegegnerin auf weitere Abklärungen verzichtet (S. 5
Ziff.
5.1).
Der orthopädische/rheumatologische Abklärungsbericht basiere auf einem un
voll
ständig erstellten Status. Angesichts des somatischen Beschwerdebildes und in Würdigung der medizinischen Akten aus den Jahren 2006 und 2007 wären aktue
lle bildgebende Abklärungen erforderlich gewesen (S. 5 f.
Ziff.
5.2). Es habe keine rheumatologische Abklärung der chronischen Beschwerden statt
ge
funden (S. 6
Ziff.
5.3). Sie leide an einem multiplen Beschwerdebild (u.a.
so
matoforme
Schmerzstörung bei ungünstigen Lebensbedingungen), weshalb eine
FOMA durchzuführen sei. Die Ergebnisse dieser Abklärung liessen erst Rück
schlüsse auf die Einschränkung in der Haushaltsführung zu (S. 7 f.
Ziff.
6).
3.
3.
1
Dr.
med
.
A.___
, Facharzt FMH für Neurologie, stellte in seinem Bericht vom
8.
Juli 2011 (
Urk.
6/15
/4-6
) folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
langdauernde depressive Episode, zur Zeit leicht- bis mittelgradig
-
generalisierte Schmerzstörung
-
leichtgradiges
sensorisches Karpaltunnel-Syndrom beidseits, aktuell
kon
trollbedürftig
Dr.
A.___
führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 2
5.
Mai 2010 bei ihm in Behandlung, wobei die letzte Kontrolle am
7.
Juli 2011 stattgefunden habe (
Ziff.
1.2).
Die Beschwerdeführerin habe nach eigenen Angaben seit etwa 10 Jahren körperliche und psychische Beschwerden. Zu Beginn der Betreuung habe ein depressiver Zustand
mit diversen Beschwerden
im Vordergrund gestanden. Er habe mit einem Antidepressivum begonnen und die Dosis dann erhöht. Unter dieser Therapie seien die depressiven Symptome etwas zurückgegangen. Die Beschwerdeführerin fühle sich aber weiter müde, abgeschlagen, ermüde rasch und habe seiner Beobachtung nach eine reduzierte Belastbarkeit. Ihr Ehemann sei 15 Jahre nach einem Verkehrsunfall querschnittgelähmt. Er werde vorwie
gend von der Beschwerdeführerin gepflegt und betreut, was eine enorme Be
lastung für sie sei. Sie habe subjektiv Schmerzen in verschiedenen Körperteilen. Der Neurostatus sei unauffällig. Psychisch bestehe eine leicht gedrückte
Grund
stimmung
. Die  erwähnten psychischen Beschwerden seien unter dem Antide
pressivum
leichtgradig
vorhanden (
Ziff.
1.4-5). Der Beschwerdeführerin seien in der freien Wirtschaft einfache körperliche Tätigkeiten im Umfang von 50 bis 60
%
zumutbar. Die Schmerzen, die reduzierte Belastbarkeit, die
Konzentrati
ons
störungen
und die
r
asche
E
rmüdbarkeit wirkten sich auf die Tätigkeit
en
der Beschwerdeführerin ungünstig aus (
Ziff.
1.7).
Sie
sei seit 2006 arbeitslos. Es sei für sie schwierig, eine geeignete Stelle zu finden (
Ziff.
1.9).
3.
2
Dr.
med.
B.___
, Fachärztin FMH für Allgemeine Medizin,
stellte in ihrem Bericht vom 3
0.
Oktober 2011 (
Urk.
6/18)
folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
generalisierte Schmerzen sowie
Arthalgien
seit etwa 2005 zunehmend
-
depressive Störung bedingt durch chronische Schmerzen sowie Überbe
lastung durch den pflegebedürftigen querschnittgelähmten Ehemann
-
Gonalgie
bei Meniskusläsion
Sie stellte folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Hypothreose
bei
Status nach
Hemithyreodektomie
rechts bei Struma
No
dosa
2004
-
D
iabetes mellitus
Typ II (
Erstdiagnose August 2011)
,
diädetisch
Einstel
lungsversuch
Dr.
B.___
führte aus
,
die Beschwerdeführerin sei seit dem 1
3.
Dezember 2010 bei ihr in Behandlung, wobei die letzte Kontrolle am 2
6.
September 2011 erfolgt sei (
Ziff.
1.2). Die Beschwerdeführerin leide seit der Geburt der Tochter unter Schmerzen, welche im Ber
eich der rechten Hüfte be
gonnen
und sich im Verlauf der Jahre im ganzen Körper ausgebreitet hätten. Die
Schmerzen spü
re sie auch im Bereich aller Gelenke und störten sie auch in der Nach
t
beim Schlafen. In dieser Situation habe sie gearbeitet und ihren querschnittgelähmten Ehemann gepflegt. Im Verlauf der Jahre habe sie jedoch nicht mehr wie früher leisten können, sei weniger belastbar gewesen und hätte die Freude am Leben verloren. Die Schmerzen plagten sie Tag und Nacht.
Dr.
B.___
hielt fest
, aus all diesen Gründen seien viele Abklärungen durch
geführt worden, welche
keine richtige Pathologien gezeigt hätten
. Es sei bei
Dr.
A.___
eine antidepressive Therapie begonnen worden, welche leider keine wesentliche Besserung gebracht habe. Die Beschwerdeführerin klage weiter über unerträgliche Schmerzen, sowie über Kraftlosigkeit, schnelle Ermüdbarkeit und Unkonzentriertheit. Sie sei zudem täglich auf Schmerzmittel angewiesen. Seit 2006 sei die Beschwerdeführerin arbeitslos und bis 2011 nur noch temporär
arbeitstätig. Seit dem
1.
Dezember
2010 sei sie nicht mehr arbeitsfähig.
Dr.
B.___
führte aus, die Beschwerd
eführerin
sei
aufgrund der chronischen Leiden, einerseits schmerzbedingt, andererseits durch die Depression bedingt
,
zu 100
%
arbeitsunfähig in allen Bereichen
. Die Prognose sei ungünstig (
Ziff.
1.4
,
Ziff.
1.6
).
3.3
Am 2
1.
März 2012
erstattete
Dr.
med.
C.___
, Facharzt
FMH für Psy
chi
atrie und Psycho
therapie und für Neurologie, RAD, das von der
Be
schwer
de
gegnerin
veranlasste psychiatrische Gutachten (
Urk.
6/20).
Er stellte folgende Diagnosen (
Ziff.
9):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F 45.41)
-
Dysthymia
(ICD-10 F34.1)
Dr.
C.___
führte aus
, aus psychiatrischer Sicht könne festgestellt werden, dass einerseits seit Jahren ein Paarkonflikt vorhanden sei, andererseits sich dadurch auch Auswirkungen auf das Familienleben ergeben hätten. Zusätzlich bestün
den seit kurzem Probleme mit dem Sohn. Die Beschwerdeführerin scheine entsprechend ihrer Geschichte eine starke selbstsichere Person gewesen zu sein. Durch die Eifersucht des Mannes sei sie in ihrer Autonomie deutlich ein
ge
schränkt
,
und es sei auch nach einem Streit zum Unfall gekommen. Die Beschwerdeführerin zeige eine deutliche Ambivalenz zwischen
Trennungswün
schen
einerseits, kulturellen Gepflogenheiten und auch eigenen Wertvorstellun
gen
andererseits
. Die Konflikte seien seit Jahren zum Teil auch unbewusst vorhanden und hätten sich eine Lösung in der Schmerzverstärkung gesucht.
Zusätzlich habe
sich
die Beschwerdeführerin lange Zeit für
die
Familie
auf
geopfert und versucht
,
Familie
,
Haushalt
und Arbeit
unter einen Hut zu bekom
men, ohne dafür auch nur eine gewisse Anerkennung zu erhalten. Die Beschwerdeführerin habe sich physisch wie auch psychisch infolge dieser mas
siven psychosozialen Belastung erschöpft. Das aktuelle Beschwerdebild sei gekennzeichnet durch Erschöpfung, Schwierigkeiten im Alltag, Sorgen, Hoff
nungslosigkeit und Resignation. Die rein depres
siven Beschwerden wie Stim
mung, Interessenverlust und
Antriebsstörungen seien nicht oder nur leicht vor
handen, deshalb sei die Störung als eine langdauernde
Dysthymia
einzuordnen
,
auf der Basis von ausgeprägten psychosozialen Belastungen. Ohne diese würde die Störung wahrscheinlich nicht weiter bestehen. Die Arbeitsfähigkeit sei sicherlich in der bisherigen wie auch jeder angepassten Tätigkeit aus rein psy
chiatrischer Sicht zu 30 bis 40
%
eingeschränkt (
Ziff.
10).
Dr.
C.___
hielt fest, es bestehe eine chronische Schmerzstörung und auch eine
Dysthymia
. Die
Dysthymia
sei keine schwere psychische
Komorbidität
. Es be
stünden keine Hinweise auf einen sozialen Rückzug. Die bisherige medikamen
töse Behandlung könne als ausreichend angesehen werden. Eine vertiefte
psy
chotherapeutische Behandlung sollte jedoch muttersprachlich installiert werden. Es lägen Hinweise für eine
n
primären Krankheitsgewinn vor.
Aus versicherungspsychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und auch in einer angepassten Tätigkeit durch psychosoziale Faktoren bedingt etwa 20
%
eingeschränkt. Dies bedeute eine Arbeitsfähigkeit von 80 bis 90
%
bei deren Ausklammerung (
Ziff.
11).
3.4
Am 2
1.
März 2012 erstattete
Dr.
med.
D.___
, Facharzt FMH für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie, RAD
,
das von der Beschwerdegegnerin veranlasste orthopädische Gutachten (
Urk.
6/21).
Er nannte als Diagnose ein
seit etwa 10 Jahren bestehendes,
zunehmend generalisiertes Schmerzsyndrom (
Ziff.
8).
Dr.
D.___
führte aus, bei der heutigen Untersuchung hätten k
eine die Beschwerden erklärende
n
Untersuchungsbefunde erhoben werden können. Kli
nische Zeichen einer Meniskusläsion hätten sich nicht erheben lassen. Im MRT
von 2007 sei im lateralen
Compartement
des linken Kniegelenkes eine „kleinste radiäre Signalstörung des Meniskus“ beschrieben worden.
Die
Gonalgien
seien Ausdruck des generalisierten Schmerzsyndroms.
Die von
Dr.
B.___
ab dem
1.
Dezember 2010 bescheinigte Arbeitsunfähigkeit von 100
%
finde in den orthopädischen Befunden keine Begründung. Das von
Dr.
A.___
beschriebene
leichtgradige
sensorische Karpaltunnelsyndrom beidseits, dessen Diagnose auf seine elektrophysiologische Untersuchung vom 3
0.
November 2010 zurückgehe, habe sich bei der heutigen Untersuchung klinisch nicht verifizieren lassen
.
Eine definierte Druckschmerzhaftigkeit, ein positives
Tinel-Phenomen
oder eine bewegungsabhängige Schmerzverstärkung habe nicht
provoziert werden kö
n
nen. Die von
Dr.
A.___
am
8.
Juli 2011 attestierte Arbeitsunfähigkeit von
60
%
in angepasster Tätigkeit kö
nne aus den somatischen Befunden nicht argumen
tiert werden.
Aus dem
MRT der Lendenwirbelsäule von 2007 werde eine
leicht
gradige
bis moderate lumbale
Chondrose
mit
begleitender
Bandschei
benhö
henminderung
, sowie im Seg
ment L4/L5 eine flachbogige,
linksforaminale
Diskushernie ohne Zeichen einer Neurokompression ersichtlich. Diese geringen, die Altersnorm nicht übersteigenden, degenerativen Veränderungen vermögen aus orthopädischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken (
Ziff.
9). Bei der Beschwerdeführerin sei kein somatischer Gesundheitsschaden ausgewiesen
, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige
(
Ziff.
10).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsverneinende Verfügung vom Mai 2012 (
Urk.
2)
ges
tützt auf die RAD-Gutachten von
Dr.
C.___
und
Dr.
D.___
vom
März 2012 (vorstehend E. 3.3-4)
damit, dass bei der Beschwer
deführerin kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege, welcher zu Ein
schränkungen der Erwerbsfähigkeit oder im Aufgabenbereich führen würde (vorstehend E. 2.1).
4.2
Die RAD-Gutachten von
Dr.
C.___
und
Dr.
D.___
vom März 2012
(vor
stehend E. 3.3-4) berücksichtigen die von der Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden und setz
en
sich mit
diesen umfassend auseinander. Sie
wurde
n
sodann in Kenntnis der wesentlichen
Vorakten
abgegeben, l
euchten
in der Dar
legung der medizinischen Situation ein, und die Schlussfolgerungen sind in nachvollziehbarer Weise begründet. Sie erfüllen daher die Anforderungen an eine beweiskräft
ige Expertise (vorstehend E. 1.3
). Insbesondere erge
ben auch die übrigen vorliegenden medizinischen Akten nichts, was auf eine anderweitige Einschätzung de
s
Gesundheitszustandes schliessen lässt
.
4.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist - auch bei psychischen Erkran
kungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychoso
ziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungs
zuständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesent
lichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Sowohl
Dr.
A.___
(vorstehend E. 3.1) als
auch
Dr.
B.___
(vorstehend E.
3.2)
haben
es unterlassen,
zweifelsohne vorhandene beträchtliche psycho
soziale Belastungsfaktoren
bei
ihrer
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ab
zu
grenz
en
. Beide
Ärzte
lassen
bei ihrer
Berurteilung
eine differenzierte, nachvoll
ziehbare Diagnosestellung samt Auseinandersetzung mit den diag
nostischen Kriterien vermissen
.
Vielmehr
stützten
sie
sich weitestgehend
auf die subjekti
ven Angaben der Beschwerdeführerin
ab.
So sprach
Dr.
A.___
von angegebenen subjektiven Schmerzen in verschiedenen Körperteilen bei unauffälligem
Neuro
status
und psychisch leicht gedrückter Grundstimmung.
O
bwohl er kein Psychi
ater ist,
verschrieb er der Beschwerdeführerin
ein Antidepressivum.
Auch die von
Dr.
B.___
seit
1.
Januar 2010 attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit ist in
keinster
Weise nachvollziehbar. So führte
Dr.
B.___
denn auch aus, die vielen getätigten Abklärungen hätten keine rich
tige Pathologie ergeben.
In psychiatrischer
Hinsicht ist festzuhalten, dass der RAD-Arzt
Dr.
C.___
der einzige Facharzt war
,
welcher die Beschwerdeführerin untersucht hatte.
Er
attestierte der Beschwerdeführerin unter Ausklammerung der psychosozialen Belastungsfaktoren eine Arbeitsfähigkeit von 80 bis 90
%
, obwohl
d
ie
von ihm gestellten
Diagnosen
rechtsprechungsgemäss
kein invali
disierendes Leiden
zu
begründen
vermögen (vgl. vorstehend E. 1.2)
.
In somatischer Hinsicht spricht die Tatsache, dass
Dr.
D.___
Orthopäde und nicht Rheumatologe ist, nicht gegen seine Beurteilung. So wurde
auch aus
drück
lich
festgehalten, dass
der
Untersuchungsbericht a
us orthopädischer Sicht erfolge
(vgl.
Urk.
6/21). Dass
Dr.
D.___
bei de
n
sich ihm dargebotenen diskre
ten Untersuchungsbefunde
n
keine weiteren
bildgebenden
Abklärungen veran
lasst h
at, ist nicht zu beanstanden.
Auch die übrigen von
Dr.
A.___
beigelegten medizinischen Berichte
(
Urk.
6/15/10-16),
insbesondere betreffend die MRT Befunde vom 1
2.
April 2007 (vgl.
Urk.
6/15/10-11)
,
vermögen nichts anderes darzutun.
So wurden lediglich diskrete und altersentsprechende Befunde genannt, welche nicht
auf
einen invalidisierenden Gesundheitsschaden
schliessen l
a
ss
en
,
ebensowenig
die von der Beschwerdeführerin anlässlich ihres Einwandes auf den Vorbescheid zusätzlich geltend gemachte
n
Probleme mit dem Zuckerspiegel
(vgl.
Urk.
6/25), welche im Übrigen von
Dr.
B.___
als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
beurteilt
wurden
.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich aus den medizinischen Akten kein
Hin
weis auf einen invalidisierenden Gesundheitsschaden ergibt.
Es fehlen je
gli
che Hinwe
ise darauf, dass das
syndromale
Beschwerdebild
der Beschwerdefüh
rerin ausna
hmsweise invalidisierend, da un
üb
erwindbar
,
sein könnte
.
4.4
Aufgrund des Gesagten ist der medizinische Sachverhalt als dahingehend er
stellt zu erachten, als dass bei der Beschwerdeführerin kein invalidisierender Ge
sundheitsschaden ausgewiesen ist.
Demzufolge erweist sich die
leistungs
verneinende Verfügung vom Mai 2012 (Urk. 2
) als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht,
ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Ent
spre
ch
end dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Be
schwer
de
führerin aufzuerlegen
.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zuge
stellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Oskar Müller
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannSchucan