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**Case Identifier:** 57df0453-64a6-59ed-b7d1-576c1710c61e
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-09-03
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 03.09.2025 SST.2024.206
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2024-206_2025-09-03.pdf

## Full Text

Obergericht 

Jugendstrafkammer 

 

SST.2024.206 
(JU.2023.2; JA.2021.992) 

 

 

Urteil vom 3. September 2025 
 

 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichterin Möckli  

Oberrichterin Jacober 

Gerichtsschreiberin Eichenberger        

 

 
   

Anklägerin   Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau, 

Frey-Herosé-Strasse 12, Postfach, 5001 Aarau  

 

    
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.2004, von Rumänien, 

[…]  

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Pascal Schürch,  

[…]   

  

 
 

Gegenstand  Versuchte vorsätzliche Tötung, mehrfacher Raufhandel, usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau erhob am 14. November 

2023 Anklage gegen den Beschuldigten und stellte die folgenden Anträge:  

 

1. 

A._____ sei schuldig zu erklären: 

- der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 

22 Abs. 1 StGB, 

- der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB, 

- des mehrfachen Raufhandels im Sinne von Art. 133 StGB, 

- der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB, 

- der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 StGB, 

- des Verkaufs von Kokain im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG, 

- des Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung im Sinne von Art. 292 StGB, 

- des Führens eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 2 lit. b 

SVG, Art. 31 Abs. 2 SVG, Art. 2 Abs. 2 VRV, 

- des Konsums von Cannabis im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG. 

 

2. 

A._____ sei gestützt auf die obengenannten Bestimmungen sowie gemäss Art. 3 Abs. 2 JStG, 

Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 und Abs. 3 StGB mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren und einer 

Busse von Fr. 200.00 zu bestrafen. Die ausgestandenen vorläufigen Festnahmen von 

insgesamt 6 Tagen seien an die Strafe anzurechnen. 

 

3. 

A._____ sei gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB für 10 Jahre des Landes zu verweisen. 

 

4. 

A._____ sei zur Tragung der Verfahrenskosten zu verpflichten. 

 

5. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu nehmen. Der Beschuldigte 

sei gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO zur Rückzahlung zu verpflichten. 

 

6. 

Die sichergestellten Fr. 1'399.65 seien gestützt auf Art. 70 Abs. 1 StGB einzuziehen. Die 

sichergestellten Betäubungsmittel und -utensilien seien gestützt auf Art. 69 StGB einzuziehen. 

 

7. 

Soweit die adhäsionsweise geltend gemachten Zivilforderungen vom Beschuldigten anerkannt 

werden bzw. ausgewiesen sind, wird beantragt, diese zuzusprechen. 

 

2. 

Mit Urteil vom 16. Mai 2024 stellte das Bezirksgericht Zofingen, Jugend-

gericht, das Strafverfahren hinsichtlich des Vorwurfs der Sachbeschädi-

gung (Anklageziffer 1) zufolge Eintritts der Verfolgungsverjährung ein und 

entschied im Übrigen wie folgt: 

 - 3 - 

 

 

1. 

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB 

(Anklageziffer 4.1) freigesprochen. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der versuchten vorsätzlichen Tötung gemäss Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

(Anklageziffer 2 [recte: 2.1]); 

- des mehrfachen Raufhandels gemäss Art. 133 Abs. 1 StGB (Anklageziffer 2.2 und 4.2); 

- der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB (Anklageziffer 3); 

- der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Verkauf von Kokain) gemäss Art. 

19 Abs. 1 lit. c des Betäubungsmittelgesetzes (BetmG) (Anklageziffer 5); 

- der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Besitz von Betäubungsmittel) 

gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG (Anklageziffer 5); 

- des Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung gemäss Art. 292 StGB (Anklageziffer 

6); 

- des Führens eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 2 lit. b 

des Strassenverkehrsgesetzes (SVG) i.V.m. Art. 2 Abs. 2 der Verkehrsregelverordnung 

(VRV) (Anklageziffer 7.1); 

- der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Konsum) gemäss Art. 19a Ziff. 1 

BetmG (Anklageziffer 7.2); 

- der Widerhandlung gegen die Verkehrsregelverordnung gemäss Art. 96 i.V.m. Art. 27 Abs. 

1 VRV (Anklageziffer 7.3). 

3. 

3.1 

Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 111 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, Art. 123 Ziff. 1 

StGB und Art. 133 Abs. 1 StGB sowie gestützt auf Art. 1 Abs. 2 lit. b JStG, Art. 3 Abs. 2 JStG, 

Art. 25 Abs. 2 lit. a JStG, Art. 40 StGB, Art. 47 StGB sowie Art. 49 Abs. 1 und Abs. 3 StGB zu 

einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 11 Monaten verurteilt. 

 

3.2 

Die vorläufige Festnahme von 6 Tagen (24. Mai 2021-25. Mai 2021, 18. September 2021, 30. 

Mai 2022-31. Mai 2022, 15. März 2023-16. März 2023) wird gestützt auf Art. 1 Abs. 2 lit. b JStG 

und Art. 51 StGB auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

4. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 19 Abs. 1 lit. c und lit. d BetmG und Art. 91 Abs. 

1 lit. b SVG i.V.m. Art. 2 Abs. 2 VRV sowie gestützt auf Art. 1 Abs. 2 lit. b JStG, Art. 3 Abs. 2 

JStG und Art. 34 StGB, Art. 47 StGB und Art. 49 Abs. 1 und Abs. 2 StGB zu einer Geldstrafe 

von 110 Tagessätzen verurteilt. Der Tagessatz wird auf Fr. 30.00 festgesetzt. Die Geldstrafe 

beläuft sich damit auf Fr. 3'300.00. 

 

5. 

5.1 

Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 292 StGB, Art. 19a Ziff. 1 BetmG und Art. 96 

i.V.m. Art. 27 Abs. 1 VRV sowie gestützt auf Art. 1 Abs. 2 lit. b JStG, Art. 3 Abs. 2 JStG und 

Art. 106 StGB zu einer Busse von Fr. 500.00 verurteilt. 

 

5.2 

Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 16 Tagen 

vollzogen. 

 - 4 - 

 

 

6. 

Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66abis StGB für 10 Jahre des Landes verwiesen. 

 

7. 

7.1 

Die Zivilforderung der Zivil- und Strafklägerin 1 wird auf den Zivilweg verwiesen. 

 

7.2 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 2 Schadenersatz in Höhe von 

Fr. 120.00 sowie eine Genugtuung von Fr. 5'000.00 zu bezahlen. 

 

7.3 

Die Zivilforderung des Zivil- und Strafklägers 3 wird auf den Zivilweg verwiesen. 

 

7.4 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger 4 eine Genugtuung von Fr. 600.00 

zu bezahlen. 

 

7.5 

Die Zivilforderung des Zivil- und Strafklägers 5 wird auf den Zivilweg verwiesen. 

 

8. 

8.1 

Folgende Gegenstände werden eingezogen und vernichtet: 
- 3.7 Gramm Kokain 

- 6 Ecstasy Pillen 

- 38 Stück rezeptpflichtige Xanax Pillen 

- Div. Minigrip 

 

Die Anklägerin trifft die sachgemässen Verfügungen. 

 

8.2 

Das beschlagnahmte Bargeld (Depot) von Fr. 1'399.65 wird in Anwendung von Art. 267 Abs. 3 

StPO und Art. 268 Abs. 1 StPO an die Verfahrenskosten angerechnet. 

 

9. 

9.1 

Die Verfahrenskosten bestehen aus: 

a) der Gerichtsgebühr Fr. 2'600.00 

b) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 21'234.35 

c) den Kosten für die unentgeltliche Rechtsvertretung Fr. 4'943.80 

 des Zivil- und Strafklägers 5 

d) den Kosten für Gutachten von Fr. 3'979.50 

e) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von Fr.   330.00 

f) den Zeugenentschädigungen von Fr.    98.80 

g) den Spesen von Fr.  246.00 

Total  Fr. 33'432.45 

 

Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr sowie die Kosten gemäss lit. d-g im Umfang 

von ¾ auferlegt. Unter Berücksichtigung der Verrechnung gemäss Ziffer 8.2 hiervor hat der 

 - 5 - 

 

 

Beschuldigte die Kosten im Umfang von Fr. 4'041.05 zu tragen. Der Restbetrag wird auf die 

Staatskasse genommen. 

 

9.2 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung von Fr. 21'234.35 (inkl. MwSt. Fr. 1'506.55) gehen 

einstweilen zu Lasten der Staatskasse. Der Beschuldigte wird verpflichtet, diese Kosten dem 

Kanton Aargau im Umfang von ¾, mithin Fr. 15'925.75 zurückzuerstatten, sobald es seine 

wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

9.3 

Der unentgeltlichen Vertreterin des Zivil- und Strafklägers 5 wird eine Entschädigung zu Lasten 

der Staatskasse von Fr. 4'943.80 (inkl. Fr. 353.45 MwSt.) zugesprochen. Der Beschuldigte wird 

verpflichtet, diese Kosten dem Kanton Aargau im Umfang von ¾, mithin Fr. 3'707.85 

zurückzuerstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 138 StPO i.V.m. 

Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

10. 

Der Beschuldigte trägt seine Kosten im Übrigen selbst. 

 

3. 

3.1. 

Mit Eingabe vom 28. Mai 2024 meldete der Beschuldigte Berufung an, 

nachdem ihm das Urteil im Dispositiv gleichentags zugestellt worden war. 

Das begründete Urteil wurde dem Beschuldigten am 26. August 2024 zuge-

stellt. 

 

3.2. 

Mit derselben Eingabe vom 28. Mai 2024 stellte der bisherige amtliche Ver-

teidiger, Stefan Pfister, ein Gesuch um Entlassung als amtlicher Verteidiger 

und um Einsetzung von Rechtsanwalt Pascal Schürch als neuer amtlicher 

Verteidiger. Mit Verfügung vom 10. Juni 2024 bewilligte der Gerichts-

präsident des Bezirksgerichts Zofingen, Jugendgericht, den Wechsel der 

amtlichen Verteidigung und ernannte Rechtsanwalt Pascal Schürch als 

neuen amtlichen Verteidiger.    

 

3.3. 

Mit Berufungserklärung vom 16. September 2024 beantragte der Beschul-

digte einen Freispruch von den Vorwürfen der versuchten vorsätzlichen 

Tötung, der einfachen Körperverletzung, der Widerhandlung gegen das Be-

täubungsmittelgesetz, des Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung 

und der Widerhandlung gegen die Verkehrsregelverordnung. Die Schuld-

sprüche wegen mehrfachen Raufhandels, des Führens eines Motorfahr-

zeugs in fahrunfähigem Zustand sowie die Widerhandlung gegen das Be-

täubungsmittelgesetz (Konsum) anerkannte er und beantragte dafür die 

Ausfällung einer bedingten Geldstrafe von 95 Tagessätzen à Fr. 30.00, 

Probezeit 2 Jahre, sowie einer Busse von Fr. 200.00. Im Weiteren bean-

tragte er das Absehen von einer Landesverweisung, die Verweisung sämt-

licher Zivilforderungen auf den Zivilweg, die Herausgabe des beschlag-

 - 6 - 

 

 

nahmten Bargelds von Fr. 1'399.65 sowie eine seinen Anträgen ent-

sprechende Kostenverteilung. Zudem stellte er den Beweisantrag, sämt-

liche den Anklagepunkt 2.1 (versuchte vorsätzliche Tötung) betreffenden 

privat erstellten Videoaufnahmen sowie die darauf basierenden Einzelbild-

aufnahmen aus den Akten zu nehmen und sämtliche Aussagen nach 

act. 401-403, 427-518, 522-540 aus dem Recht zu weisen. Schliesslich 

seien sämtliche den Anklagepunkt 5 (Widerhandlung gegen das Betäu-

bungsmittelgesetz) betreffenden belastenden Akten aus den Akten zu 

nehmen. 

 

3.4. 

Mit Eingabe vom 1. Oktober 2024 verzichtete die Jugendanwaltschaft des 

Kantons Aargau darauf, einen Nichteintretensantrag zu stellen bzw. die An-

schlussberufung zu erklären. 

 

3.5. 

Mit Eingabe vom 28. Oktober 2024 erstattete der Beschuldigte vorgängig 

zur Berufungsverhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung. 

 

3.6. 

Mit Eingabe vom 19. November 2024 (Postaufgabe) erstattete die Jugend-

anwaltschaft des Kantons Aargau die Berufungsantwort und beantragte die 

kostenfällige Abweisung der Berufung. 

 

3.7. 

Der Beschuldigte reichte am 16. Januar 2025 (Postaufgabe) eine Stellung-

nahme ein und hielt an seinen Rechtsbegehren fest. 

 

3.8. 

Die Berufungsverhandlung mit Einvernahme des Beschuldigten fand am 

3. September 2025 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1.  

Der Beschuldigte wendet sich gegen die Schuldsprüche der versuchten 

vorsätzlichen Tötung, der einfachen Körperverletzung, der Widerhandlung 

gegen das Betäubungsmittelgesetz (Anklageziffer 5), des Ungehorsams 

gegen eine amtliche Verfügung und der Widerhandlung gegen die Ver-

kehrsregelverordnung und damit einhergehend gegen die Strafzumessung. 

Im Weiteren beantragt er ein Absehen von einer Landesverweisung, die 

Verweisung der Zivilforderungen auf den Zivilweg sowie die Herausgabe 

des beschlagnahmten Bargelds.  

 

 - 7 - 

 

 

Nicht angefochten sind die vorinstanzlich ergangenen Schuldsprüche 

wegen mehrfachen Raufhandels, des Führens eines Motorfahrzeugs in 

fahrunfähigem Zustand und der Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz durch Konsum. Dasselbe gilt hinsichtlich der Verfahrensein-

stellung bezüglich der Sachbeschädigung (Anklageziffer 1.), des Frei-

spruchs vom Vorwurf der schweren Körperverletzung (Anklageziffer 4.1.), 

der Höhe der Entschädigung des amtlichen Verteidigers sowie der unent-

geltlichen Vertreterin. Zufolge Rechtskraft findet diesbezüglich keine Über-

prüfung statt (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

Wie die Vorinstanz (E. 1.1) zutreffend darlegt, liegt vorliegend ein Verfahren 

eines sog. Übergangstäters, dem Straftaten vor und nach Vollendung des 

18. Altersjahrs vorgeworfen werden und bezüglich welchem ein Jugend-

strafverfahren vor Vollendung des 18. Altersjahrs eingeleitet wurde, im 

Sinne von Art. 3 Abs. 2 JStG (in der hier massgebenden gültigen Fassung 

bis zum 30. Juni 2025; mangels besonderer Bestimmungen vgl. zum 

Übergangsrecht Art. 3 JStPO i.V.m. Art. 450 StPO; forumpoenale 6/2024 

S. 401 mit Hinweis auf das Urteil des Obergerichts Solothurn vom 

22. Januar 2024) vor. Infolgedessen ist für sämtliche vorgeworfenen Taten 

des Beschuldigten das Verfahren gemäss Jugendstrafverfahrensrecht 

unter Anwendung der Jugendstrafprozessordnung (JStPO) durchzuführen. 

Hinsichtlich der Strafen für eine nach dem Strafgesetzbuch (StGB) be-

gangene Tat (vgl. Art. 1 Abs. 1 lit. a JStG) ist demgegenüber (ausschliess-

lich) das Erwachsenenstrafrecht (StGB) anwendbar (Art. 9 Abs. 2 StGB und 

Art. 3 Abs. 2 Satz 1 JStG, vgl. auch BGE 151 IV 10 E. 2.2.1; 149 IV 342 

E. 2.3.2), wobei bezüglich der vor Vollendung des 18. Altersjahrs be-

gangenen Taten (i.c. Raufhandel vom 24. Mai 2021, Vorwurf der ver-

suchten vorsätzlichen Tötung vom 24. Mai 2021, Vorwurf der einfachen 

Körperverletzung vom 18. September 2021) dem vom Jugendstrafgesetz 

vorgesehenen Strafrahmen (Art. 25 JStG) Rechnung zu tragen ist (Art. 49 

Abs. 3 StGB). 

 

3. Versuchte vorsätzliche Tötung 

3.1. 

Gemäss Anklage Anklageziffer 2 soll sich der (damals noch minderjährige) 

Beschuldigte zusammen mit B._____, C._____ sowie weiteren Personen 

in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 2021 in Aarau aufgehalten haben. Im 

Bereich des Schlossplatzes sei die Gruppierung um den Beschuldigten am 

24. Mai 2021, ca. 00:25 Uhr, auf D._____ und E._____ getroffen, welche 

sich ebenfalls dort aufgehalten hätten. Zuerst habe die Gruppe mit dem 

Beschuldigten und den beiden Brüdern B._____ und C._____ D._____ und 

E._____ sowohl verbal als auch mit Bewerfen von Zigarettenstummeln 

provoziert. Nachdem sich die Gruppe D._____/E._____ nicht habe 

provozieren lassen, sei D._____ unvermittelt durch C._____ getreten 

worden. Wenig später sei der Beschuldigte auf D._____ losgegangen, 

 - 8 - 

 

 

wobei D._____ gegenüber dem Beschuldigten ebenfalls Schläge ausgeteilt 

habe. Im Verlauf dieser Auseinandersetzung habe der Beschuldigte ein 

Messer oder einen messerartigen Gegenstand behändigt, welchen er in 

seinem Hosenbund mitgeführt habe und damit mehrfach auf D._____ 

eingestochen, welcher dadurch mehrere Stichverletzungen am Oberkörper 

und im Gesicht erlitten habe. Daneben hätten auch die beiden Brüder 

B._____ und C._____ gegenüber E._____ Schläge ausgeteilt. Als D._____ 

zu Boden gestürzt sei, habe der Beschuldigte mit den Füssen auf diesen 

und anschliessend auch noch auf E._____ getreten. D._____ habe bei der 

Auseinandersetzung durch die unmittelbare Einwirkung des Beschuldigten 

mit dem Messer eine Schnittwunde am linken Augenunterlid, drei 

Stichwunden an der linken Bauchseite, eine ritzenartige 

Hautdurchtrennung an der rechten Wange, eine Schnittwunde in der linken 

Scheitelregion sowie Hautdurchtrennungen erlitten. Indem der 

Beschuldigte mehrfach mit einem messartigen Gegenstand auf D._____ 

eingestochen habe, habe er dessen Tod in Kauf genommen. Es sei 

lediglich dem Zufall zu verdanken gewesen, dass durch die Bauchstiche 

keine unmittelbar tödlichen Verletzungen resultiert seien.  

 

3.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der versuchten vorsätzlichen Tötung 

gemäss Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Sie 

stützte sich dabei im Wesentlichen auf die als verwertbar qualifizierten 

Videoaufnahmen, worauf die Schlägerei zwischen dem Beschuldigten und 

D._____ dokumentiert sei. Die Vorinstanz erwog, es sei auf den Videoauf-

nahmen mit genügender Sicherheit erkennbar, dass der Beschuldigte ein 

Messer eingesetzt und Stichbewegungen gegen D._____ ausgeführt habe. 

Ebenso sei ersichtlich, dass er den am Boden liegenden D._____ mit 

Fusstritten gegen den Kopfbereich traktiert habe. Aufgrund des äusserst 

dynamischen Geschehens habe er nicht kontrollieren können, wo er 

D._____ mit dem Messer verletze. Er habe tödliche Verletzungen letztlich 

in Kauf genommen und eventualvorsätzlich gehandelt (vorinstanzliches 

Urteil E. 3.3 und E. 4 S. 11 ff.).  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vom Vorwurf der ver-

suchten vorsätzlichen Tötung freizusprechen (Berufungserklärung, S. 2). 

Zur Begründung bringt er im Wesentlichen vor, die privat erstellten Video-

aufnahmen sowie die daraus bearbeiteten Standbilder seien nicht verwert-

bar, da die hypothetische Rechtmässigkeit der Beweiserlangungen nicht 

erfüllt sei. Die strafprozessualen Zwangsmassnahmen würden für die Er-

stellung der Aufnahmen keine genügende Grundlage bilden (Berufungsbe-

gründung, S. 8 ff.). Mangels weiterer Beweise lasse sich der angeklagte 

Sachverhalt nicht erstellen. Selbst wenn die Videoaufnahmen als verwert-

bar betrachtet würden, sei darauf nicht erkennbar, dass der Beschuldigte 

D._____ mit einem Messer attackiert und ihm die Stichverletzungen zuge-

fügt habe (Berufungsbegründung, S. 14 f.).  

 - 9 - 

 

 

3.3. 

3.3.1. 

Der Beschuldigte beanstandet zunächst in prozessualer Hinsicht, dass auf 

die von Privatpersonen erstellten drei Videoaufnahmen betreffend den 

Raufhandel und den Vorwurf der vorsätzlichen Tötung vom 24. Mai 2021 

zufolge Unverwertbarkeit nicht abgestellt werden dürfe (Berufungsbegrün-

dung, S. 7 ff.). 

 

3.3.2. 

Die Strafprozessordnung regelt lediglich die Erhebung von Beweisen durch 

die staatlichen Strafbehörden, äussert sich aber nicht ausdrücklich zum 

Umgang mit von Privatpersonen gesammelten Beweismitteln. Nach der 

Rechtsprechung des Bundesgerichts sind von Privaten rechtmässig er-

langte Beweismittel ohne Einschränkung im Strafprozess verwertbar (BGE 

147 IV 16 E. 1.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_92/2022 vom 5. Juni 2024 

E. 1.3.1, 6B_68/2023 vom 9. Oktober 2023 E. 2.1.2, nicht publ. in BGE 149 

IV 153, je mit Hinweisen). Von Privaten rechtswidrig erlangte Beweismittel 

sind dagegen nur verwertbar, wenn sie von den Strafverfolgungsbehörden 

rechtmässig hätten erhältlich gemacht werden können und kumulativ dazu 

eine Interessenabwägung für deren Verwertung spricht. Bei der Interessen-

abwägung ist derselbe Massstab wie bei von den Strafbehörden rechts-

widrig erhobenen Beweisen anzuwenden. Die Verwertung ist damit nur 

zulässig, wenn sie im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO (i.V.m. Art. 3 JStPO) 

zur Aufklärung einer schweren Straftat unerlässlich ist (BGE 147 IV 16 

E. 1.1, E. 9; BGE 146 IV 226 E. 2).  

 

3.3.3. 

Die drei in den Akten befindlichen Videoaufnahmen wurden unbestrittener-

massen von Privatpersonen erstellt. Dass diese Beweismittel rechtmässig 

erlangt worden sind, ist gestützt auf Art. 13 Abs. 1 DSG (in der hier mass-

gebenden gültigen Fassung vom 1. März 2019, überwiegendes öffentliches 

Interesse an der Aufklärung von schweren Straftaten) zu bejahen. Dies 

kann letztlich aber offen bleiben, nachdem die Aufnahmen selbst im Falle 

ihrer rechtswidrigen Erstellung strafprozessual verwertbar wären, da die 

Strafbehörden sie ohne Weiteres rechtmässig hätten erlangen können und 

die Schwere der zu beurteilenden Straftat deren Verwertung erlaubt. Bei 

der zur Beurteilung stehenden versuchten vorsätzlichen Tötung handelt es 

sich fraglos um eine schwere Straftat, die eine Verwertung der Videoauf-

nahme trotz einer allenfalls rechtswidrigen Erstellung rechtfertigt. Dass vor 

Erstellung der Videoaufnahme möglicherweise noch kein konkreter Tatver-

dacht vorlag, ist – entgegen dem Beschuldigten – mit Blick auf die bundes-

gerichtliche Rechtsprechung irrelevant (Urteile des Bundesgerichts 

6B_68/2023 vom 9. Oktober 2023 E. 2.3, 6B_1242/2020 vom 24. Oktober 

2022 E. 3.3.1). Entscheidend ist vielmehr, ob die Beschaffung zulässig ge-

wesen wäre, wenn der Tatverdacht bekannt gewesen wäre. Das belasten-

de Bildmaterial, welches zur Identifikation des Beschuldigten führte, wurde 

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während der Auseinandersetzung aufgenommen, mithin als zweifellos 

zahlreiche Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten des Beschuldigten 

vorlagen. Vor Ort anwesenden Polizisten wäre ausreichend Zeit verblieben, 

um das Geschehen mittels Videoaufnahme zu dokumentieren. Die Video-

aufnahmen hätten zweifellos an den besagten öffentlich und allgemein 

zugänglichen Orten durch die Strafbehörden erstellt werden können, wenn 

sie einen Tatverdacht gehabt hätten (vgl. Art. 282 Abs. 1 StPO). Sodann 

fällt auch die Interessenabwägung zuungunsten des Beschuldigten aus, 

nachdem an der Aufklärung einer solch schweren Straftat wie der (ver-

suchten) vorsätzlichen Tötung regelmässig ein sehr hohes öffentliches 

Interesse besteht. Ohne Videoaufnahme wären die Ermittlungen schliess-

lich unverhältnismässig erschwert worden.  

 

3.4. 

Zusammenfassend erweist sich die Kritik des Beschuldigten als unbe-

gründet. Die Videoaufnahmen sind verwertbar, weshalb darauf im Rahmen 

der Beweiswürdigung abzustellen ist.  

 

4. 

4.1. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Ver-

fahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen unüber-

windliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der 

angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten gün-

stigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss abstrakte und 

theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer möglich sind. Der 

Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass bei sich wider-

sprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den Angeklagten 

günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst anwendbar, 

nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen Beweise 

ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzem 

relevante Zweifel bestehen (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 345 

E. 2.2.3). 

 

4.2. 

In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass sich der Beschuldigte am 

Raufhandel mit D._____ beteiligt hat (UA act. 411; Berufungsbegründung 

S. 15 f. Rz. 47). Der Beschuldigte stellt jedoch in Abrede, im Zuge dieser 

Auseinandersetzung D._____ mit einem Messer attackiert und mit Tö-

tungsvorsatz gehandelt zu haben.  

 

In diesem Zusammenhang sind die drei verwertbaren Videoaufzeich-

nungen (UA act. 266) von entscheidender Bedeutung. Entgegen dem Be-

schuldigten (Berufungsbegründung, S. 12 Rz. 31) ist mit dem Polizeibericht 

vom 2. November 2021, der ein Beweismittel darstellt (statt vieler: Urteil 

des Bundesgerichts 6B_295/2024 vom 10. März 2025 E. 1.3.3), aus-

 - 11 - 

 

 

gewiesen, wie die Strafuntersuchungsbehörden in Besitz dieser Videos 

kamen (namentlich, weil F._____ und G._____ diese Aufnahmen noch am 

Tatort der Polizei freiwillig herausgegeben haben; UA act. 336). Soweit der 

Beschuldigte die Befürchtung äussert, vor dieser Übermittlung der 

Videoaufnahmen könnten diese verfälscht worden sein (Berufungs-

begründung, S. 12 f. Rz. 32; Plädoyer Verteidigung, S. 4 f.), erscheint das 

mit Blick auf den Zeitpunkt der Übergabe der Aufnahmen an die Polizei 

(mehr oder weniger unmittelbar nach der Tat) praktisch ausgeschlossen, 

zumal dafür auch keine Hinweise bestehen. Sodann liegt auch keine unzu-

lässige Bearbeitung der Videoaufnahmen vor, nachdem diese der Polizei 

übermittelt worden sind. Mit diesem Beweismittel wurde in der Folge fach-

männisch vom kantonspolizeilichen Dienst der Kriminaltechnik (vgl. UA 

act. 338) umgegangen, wobei die Anfertigung von Standaufnahmen aus 

den Videos und möglicherweise ein Aufhellen der Aufnahmen keine unzu-

lässige Verfälschung dieser Aufnahmen darstellt. Für ein solch unzu-

lässiges Verfälschen der Aufnahmen gibt es denn auch überhaupt keinen 

Anhaltspunkt. Entgegen dem Beschuldigten gibt es nämlich zwischen den 

ersichtlichen Messergrössen auf den verschiedenen Bildern (UA act. 383, 

397) keine Unstimmigkeit, welche nicht durch den Umfang, in welchem der 

messerartige Gegenstand umfasst wird, erklärbar ist.  

 

Auf den Videoaufzeichnungen (UA act. 266) ist die Schlägerei zwischen 

dem Beschuldigten und D._____ bildlich dokumentiert (Video Nr. 1). Darauf 

ist erkennbar, wie der Beschuldigte während der Schlägerei einen Gegen-

stand aus seiner hinteren Hosentasche zieht (Video Nr. 1). Auf Video Nr. 2 

ist mit hinreichender Deutlichkeit zu sehen, dass es sich dabei um ein 

Messer handelt, dessen Klinge zu Boden zeigt (Video Nr. 2 und UA 

act. 383) und der Beschuldigte in der Folge typische Stichbewegungen 

gegen den Kopf- und den Bauchbereich von D._____ ausführt (Video Nr. 1, 

UA act. 380, UA act. 385 und Video Nr. 2). Das kurz nach dem Ereignis 

gutachterlich dokumentierte Verletzungsbild von D._____ (UA act. 234 f.) 

passt zu einem solchen Angriff mit einem scharfen Gegenstand, mithin 

einem Messer. Dass D._____ durch eine andere Person diese Stich-

verletzungen zugefügt wurden, erscheint ferner abwegig. Insofern ist auch 

die Kritik des Beschuldigten, dass nicht die ganze Auseinandersetzung 

videodokumentiert sei (Berufungsbegründung, S. 13 f.; Plädoyer Ver-

teidigung, S. 4), nicht stichhaltig, sind doch die entscheidenden Sequenzen 

zum Kerngeschehen, mithin der Messerattacke, festgehalten. Als zusätz-

liches Indiz ist schliesslich zu werten, dass der Beschuldigte selbst kleine 

Schnittverletzungen an den Händen aufwies. Die Ausführungen des Be-

schuldigten, welcher einen Messereinsatz bestreitet, erweisen sich folglich 

als Schutzbehauptungen. Gestützt auf die Videoaufnahmen, die medizi-

nischen Akten sowie die weiteren Indizien ist vielmehr erstellt, dass der 

Beschuldigte im Rahmen der tätlichen Auseinandersetzung mit D._____ 

ein Messer gegen dessen Bauch- und Kopfregion einsetzte und ihm die 

gutachterlich festgestellten Verletzungen beibrachte. Video Nr. 3 zeigt 

 - 12 - 

 

 

schliesslich, wie der Beschuldigte gegen den Kopf des am Boden liegenden 

D._____ tritt. Damit sind auch die gutachterlich dokumentierten Verle-

tzungen durch stumpfe Gewalteinwirkung dem Beschuldigten zuzuordnen.  

 

4.3. 

Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, erfüllt den Grundtatbestand der vor-

sätzlichen Tötung (Art. 111 StGB), es sei denn, aufgrund des besonders 

skrupellosen Vorgehens ist der qualifizierte Tatbestand des Mords (Art. 112 

StGB; BGE 144 IV 345 E. 2.1; BGE 141 IV 61 E. 4.1; Urteil des Bundes-

gerichts 6B_665/2022 vom 14. September 2022 E. 6.3) oder aufgrund 

einer nach den Umständen entschuldbaren Gemütsbewegung oder einer 

grossen seelischen Belastung ist der privilegierte Tatbestand des Tot-

schlags (Art. 113 StGB; Urteile des Bundesgerichts 6B_79/2023 vom 

5. April 2023 E. 1.2.2 sowie 6B_513/2020 vom 12. November 2020 E. 3.1) 

erfüllt. 

 

Strafbar ist auch der Versuch (Art. 22 StGB). Ein Versuch liegt vor, wenn 

der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Ver-

gehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder, 

wenn der zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder dieser 

nicht eintreten kann. Beim Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektiven 

Tatbestandsmerkmale und manifestiert seine Tatentschlossenheit, ohne 

dass alle objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 150 

IV 384 E. 4.2.1; BGE 140 IV 150; Urteil des Bundesgerichts 6B_1159/2018 

vom 18. September 2019 E. 2.2.2, nicht publ. in: BGE 145 IV 424; je mit 

Hinweisen). 

 

Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen 

und Willen ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der 

Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB; vgl. BGE 150 

IV 10 E. 5.7.2; BGE 147 IV 439 E. 7.3.1; BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; BGE 

133 IV 9 E. 4.1). 

 

Das Bundesgericht hat sich verschiedentlich mit Messerstichen insbe-

sondere gegen den Oberkörper zu befassen gehabt. Es erwog, auch bei 

einem einzigen gegen den Oberkörper des Opfers geführten Messerstich 

könne auf vorsätzliche Tötung erkannt werden (Urteile des Bundesgerichts 

6B_694/2024 vom 4. November 2024 E. 1.1.2; 7B_193/2022 vom 6. De-

zember 2023 E. 2.8), beispielsweise bei einem Messer mit einer Klingen-

länge von 11 cm, einem gezielten Stich in den Oberkörper mit einem 27 cm 

langen Messer, einem Stich in die Nierengegend mit einem Tranchier-

messer mit einer Klingenlänge von ca. 23.5 cm, kräftigen sowie gezielten 

Messerstichen in Brust und Rücken mit einer Klingenlänge von ca. 20 cm, 

einem Stich mit Kraftaufwand in die Brust mit einem Messer mit einer 

Klingenlänge von 15.5 cm oder einem Messerstich mit einer Klingenlänge 

von 8-10 cm mit voller Wucht in den Bauch (Urteil des Bundesgerichts 

 - 13 - 

 

 

6B_775/2011 vom 4. Juni 2012 E. 2.4.2 m.H.; vgl. auch Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1240/2014 vom 26. Februar 2015 E. 3.3 betreffend 

einen 9.6 cm langen Stichkanal im Bereich der linken Brustwarze sowie 

6B_148/2013 vom 19. Juli 2013 E. 4.4 betreffend einen wuchtigen und ge-

zielten Stich in den Bauch; Urteil des Bundesgerichts 6B_927/2019 vom 

20. November 2019 E. 3.2 betreffend einen mit einiger Kraft ausgeführten 

sowie 3 cm tiefen Stich mit einer 8 cm langen Klinge eines insgesamt 

19.5 cm langen Klappmessers in den Rücken auf der Höhe des 

zehnten Brustwirbels). 

 

Es entspricht allgemeinem Wissen und bedarf keiner besonderen In-

telligenz, um zu erkennen, dass Messerstiche in Brust und Bauch eines 

Menschen den Tod zur Folge haben können. Die Voraussehbarkeit ist bei 

in den Bauch- und Brustbereich und in besonderem Masse bei «wuchtig 

und gezielt in den Bauch seines Widersachers» geführten Messerstichen 

gegeben. Bei einem gegen die Leber geführten Messerstich wird regel-

mässig ein zumindest eventualvorsätzlicher Tötungsversuch zu bejahen 

sein (Urteile des Bundesgerichts 6B_935/2017 vom 9. Februar 2028 E. 1.3; 

6B_369/2016 vom 29. Juli 2016 E. 4.4 mit Verweis auf BGE 109 IV 5 E. 2). 

 

4.4. 

D._____ erlitt gemäss Gutachten des Spitals H._____ vom 23. Juni 2023 

(UA act. 232 ff.) als Folgen scharfer Gewalt Schnittwunden am linken 

Augenunterlid, drei Stichwunden an der linken Bauchseite, z.T. mit be-

nachbartem Bluterguss, ritzenartige Hautdurchtrennung an der rechten 

Wange, eine Schnittwunde an der linken Scheitelregion, zwei chirurgisch 

adaptierte Hautdurchtrennungen am Nabel und an der rechten Bauchseite. 

Rechtsmedizinisch bestünden keine Zweifel, dass es sich dabei um die 

Folgen einer scharfen Gewalteinwirkung im Sinne einer Schnitt- und Stich-

verletzung handelten. Aufgrund der Wundmorphologie müsse von der Ein-

wirkung eines mindestens einseitig glatt geschliffenen Klingenwerkzeugs, 

z.B. eines Messers, ausgegangen werden. Am Kopf fanden sind als Folgen 

stumpfer Gewalt Blutergüsse an der Stirn, an beiden Schläfen und an der 

linken Wange, oberflächliche Quetschrisswunden an beiden Mundwinkeln, 

kleine Hautabschürfungen mit umgebendem Hämatom am rechten 

Schlüsselbein und am linken Oberarm, einzelne Hämatome am Dekolleté 

am rechten Oberarm und oberflächliche Hautabschürfungen am rechten 

Handrücken und den Fingerknöcheln. Die Läsionen seien durch mehrfache 

Schläge und/oder Tritte gegen die genannten Regionen entstanden 

(UA act. 236 f.). Sämtliche Läsionen würden frisch imponieren und liessen 

sich mit dem angegebenen Ereigniszeitraum von mehreren Stunden vor 

der forensisch-klinischen Untersuchung in Einklang bringen. In einer 

Gesamtschau bestünden keine Zweifel an einer Fremdbeibringung der Ver-

letzungen (UA act. 236).  

 

 - 14 - 

 

 

Die Gutachter hielten sodann fest, im Rahmen einer Bauchspiegelung im 

Bereich der Stichverletzung an der linken Seite seien insgesamt vier De-

fekte der Dünndarmwand festgestellt und chirurgisch verschlossen worden. 

Eine Verletzung der Darmwand führe in der Regel zum Austreten von 

Darminhalt in die Bauchhöhe, was eine Entzündung des Bauchfells her-

vorrufen könne, was ein sehr schwerwiegendes Krankheitsbild mit hoher 

Sterblichkeit darstelle und in der Regel zum Tod führe. Zwar sei es bei 

D._____ nicht zu einer solchen Peritonitis gekommen, was jedoch lediglich 

durch die medizinische Intervention, namentlich die Bauchoperation sowie 

die anschliessende Antibiotikatherapie, habe verhindert werden können. 

Eine Stichverletzung sei zudem bis in den Raum hinter dem Bauchfell auf 

der linken Seite verlaufen. Im hinteren Bauchfellraum linksseitig würden 

sich die linke Niere sowie die Äste und Verzweigungen der grossen Bauch-

venen und -schlagadern befinden, deren Durchtrennung innerhalb 

kürzester Zeit zu einem tödlichen Blutverlust führen könnte. Im gegen-

ständlichen Fall sei es lediglich dem Zufall zu verdanken, dass keine 

unmittelbar tödlichen Verletzungen durch die Bauchstiche resultierten. 

Zwar begründeten die festgestellten Verletzungen keine konkrete Lebens-

gefahr, [da] eine solche habe durch die notfallmedizinischen Massnahmen 

abgewendet werden können. Bei einem Angriff mit einem scharfen Gegen-

stand gegen den Kopf und Bauch sowie multipler stumpfer Gewalt gegen 

den Kopf handle es sich zumindest um lebensbedrohliche Handlungen 

(Gutachten, S. 7 = UA act. 237 f.).   

 

Der Beschuldigte hat mit einem Messer dreimal in den Bauchbereich von 

D._____ eingestochen. Die Messerattacken erfolgten nicht etwa als Ver-

teidigungsmassnahme, sondern vielmehr offensiv und für D._____ nicht 

voraussehbar. Entsprechend hatte letzterer keine Chance, sich abzu-

wenden oder auszuweichen. Der Beschuldigte macht auch nicht geltend, 

nicht um die Gefährlichkeit seines Handelns gewusst zu haben (Protokoll 

Berufungsverhandlung, S. 10). Eine tödliche Verletzung lag damit im allge-

mein bekannten Rahmen des Kausalverlaufs. Die in einem solchen Kontext 

– die Auseinandersetzung war äusserst dynamisch und mehrere Beteiligte 

waren involviert – geführten Stiche mit dem Messer waren weder bezüglich 

Wucht noch Richtung kontrollier- und steuerbar. Angesichts der Dynamik 

der Auseinandersetzung ist den Messerstichen eine besondere Gefähr-

lichkeit zuzumessen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_759/2021 vom 

16. Dezember 2021 E. 1.3.2; 6B_475/2012 vom 27. November 2012 E. 4.2; 

6B_239/2009 vom 13. Juli 2009 E. 2.4; je Hinweise zur Schaffung eines 

hohen Todesrisikos bei Messereinsatz gegen den Bauch, wobei das Bun-

desgericht in solchen Fällen sogar Eventualvorsatz auf Tötung annimmt, 

Urteile des Bundesgerichts 6B_774/2020 vom 28. Juli 2021 E. 2.5 mit zahl-

reichen Hinweisen; 6B_991/2015 und 6B_998/2015 vom 24. Mai 2016 

E. 3.4). Auch vorliegend wurde ein hohes Risiko einer tödlichen Verletzung 

geschaffen, war es gemäss forensisch-klinischem Gutachten denn auch 

bloss dem Zufall zu verdanken, dass keine unmittelbar tödlichen Ver-

 - 15 - 

 

 

letzungen durch die Bauchstiche resultierten, und wurde eine konkrete 

Lebensgefahr lediglich durch die unmittelbar danach ergriffenen notfall-

medizinischen Massnahmen vermieden (UA act. 238). Dass der Be-

schuldigte eine mögliche Todesfolge von D._____ in Kauf genommen hat, 

zeigt sich weiter darin, dass er nicht bloss einmal, sondern gleich mehrfach 

auf sein Opfer eingestochen hat und zwar in hoch sensible Körperregionen 

wie Oberkörper- und Kopfbereich. Hinzu kommt, dass es sich nicht um 

oberflächliche Stich- und Schnittverletzungen handelt, sondern um teil-

weise tiefe Verletzungen – eine davon bis in den Raum hinter dem linken 

Bauchfell, wo sich die linke Niere und die Verzweigung der grossen Bauch-

vene/-schlagandern befinden, deren Verletzung innert Kürze zu einem 

tödlichen Blutverlust führen kann (vgl. forensisch-klinisches Gutachten vom 

23. Juni 2021, UA act. 237). Die beigebrachten Verletzungen mussten 

teilweise notfallmedizinisch und chirurgisch versorgt werden. Der Be-

schuldigte hat schliesslich nach den Messerstichen nicht von seinem, 

bereits am Boden liegenden Opfer abgelassen, sondern unkontrolliert 

gegen den (empfindlichen) Kopfbereich getreten. In einer Gesamtwür-

digung musste der Beschuldigte erkennen, dass er die Folgen seines un-

kontrollierten Verhaltens hinsichtlich des Verletzungsrisikos weder kalku-

lieren noch dosieren konnte. Die erlittenen Verletzungen sprechen denn 

auch für eine erhebliche Intensität des Zustechens. Bei diesem Vorgehen 

hat der Beschuldigte mit dem Tod von D._____ (insbesondere durch 

starken Blutverlust) rechnen müssen und hat diesen für den Fall seines 

Eintritts in Kauf genommen. 

 

Zusammenfassend erweist sich die Berufung des Beschuldigten in diesem 

Punkt als unbegründet. Er ist mit der Vorinstanz wegen versuchter vor-

sätzlicher Tötung gemäss Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig 

zu sprechen. 

 

5. Einfache Körperverletzung  

5.1. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten in Anklageziffer 3 vor, I._____ am 

18. September 2021 zwischen 00:00 Uhr und 01:00 Uhr in 5000 Aarau, 

Kasinopark, eine Faust gegen das Gesicht geschlagen zu haben, wodurch 

I._____ einen Nasenbeinbruch erlitten habe.  

 

Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch. Es sei nicht erstellt, dass er 

I._____ geschlagen und ihm die dokumentierten Verletzungen zugefügt 

habe (Berufungsbegründung, S. 21). 

 

5.2. 

Gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich der einfachen Körperver-

letzung strafbar, wer vorsätzlich einen Menschen in anderer als schwerer 

Weise i.S.v. Art. 122 StGB an Körper oder Gesundheit schädigt. In sub-

jektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt. 

 - 16 - 

 

 

5.3. 

5.3.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten, dass der Beschuldigte 

in der Nacht vom 17. September 2021 auf den 18. September 2021 zu-

sammen mit vier Kollegen in Aarau unterwegs war. Der Beschuldigte be-

streitet hingegen, I._____ durch Faustschläge verletzt zu haben (UA act. 

580 f.; GA act. 55; Protokoll Berufungsverhandlung, S. 11). 

 

5.3.2. 

I._____ wurde am 18. September 2021 erstmals polizeilich befragt. An-

gaben zur mutmasslichen Täterschaft konnte er hingegen keine machen. 

Eine Person sei vermutlich von hinten gekommen und habe ihm direkt ins 

Gesicht geschlagen. Es sei so schnell gegangen, so dass er den Angreifer 

nicht gesehen habe (UA act. 560 f.). 

 

5.3.3. 

J._____ wurde am 26. Januar 2022 und damit vier Monate nach dem Vorfall 

polizeilich befragt. Grundsätzlich liegen damit noch tatnahe Aussagen vor. 

Er gab an, er habe beobachten können, wie ein Unbekannter auf seinen 

Kollegen I._____ zurannte und diesem von hinten einen seitlichen Schlag 

versetzte (UA act. 574). Der Täter habe hellere Haare gehabt, eine 

Lederjacke mit einem Knopf am Kragen und rotem Aufdruck am Rücken 

sowie helle Hosen getragen, sei ca. 175 cm gross gewesen und habe nicht 

gut Deutsch, sondern «etwas Rumänisches» gesprochen (UA act. 574 Ziff. 

14 f. und 19). Er könne sich nicht sehr gut an das Gesicht des Täters 

erinnern, da es dunkel gewesen sei (UA act. 575). Im Rahmen einer 

Fotowahlkonfrontation bezeichnete J._____ den Beschuldigten als 

möglichen Täter («… doch, ich denke, es war dieser»; UA act. 575). Auf 

die Frage, wie sicher er sich sei, antwortete er, von den neun Gesichtern, 

die er gesehen habe, dürfte es dieser sein (UA act. 575). Anlässlich der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung erklärte J._____, dass er den Be-

schuldigten bei der polizeilichen Befragung aufgrund seiner Erinnerung und 

der Kleidung wiedererkannt habe (GA act. 53). 

 

5.3.4. 

Auch wenn der Zeuge J._____ den Beschuldigten als vermeintlichen Täter 

wiederzuerkennen glaubte, lässt sich die Täterschaft des Beschuldigten 

nicht rechtsgenüglich erstellen. Die vom Zeugen J._____ angegebene 

Täterbeschreibung, wonach der Beschuldigte hellere Haare gehabt habe, 

stimmt nicht mit dem Aussehen des Beschuldigten überein, da der 

Beschuldigte nicht helle, sondern braune Haare hat (vgl. UA act. 65, 120, 

370, 417 [Bild 1], 781). Zudem lässt sich den Akten lediglich entnehmen, 

dass der Beschuldigte bei seiner Verhaftung am 18. September 2021 eine 

Lederjacke trug (UA act. 73). Über deren Aussehen, insbesondere, ob es 

sich – wie vom Zeuge J._____ beschrieben – um eine Lederjacke mit rotem 

Aufdruck am Rücken handelte, gibt es keine näheren Informationen, 

 - 17 - 

 

 

welche die Zeugenaussage bestätigen. Ebenso ist unklar, ob der Beschrieb 

der Jacke zur Verhaftung des Beschuldigten in dieser Tatnacht geführt hat. 

Solches lässt sich dem Polizeibericht vom 5. April 2022 nicht entnehmen 

(UA act. 552 ff.). Es ist denkbar, dass der Beschuldigte ins Visier der Polizei 

geriet, da er dieser aus ähnlichen Vorfällen bereits bekannt war (vgl. UA 

act. 555 Schlussbemerkung). 

 

5.4. 

Nach dem Gesagten liegen unüberwindbare Zweifel an der Täterschaft des 

Beschuldigten vor, weshalb der Beschuldigte in Nachachtung des Grund-

satzes in dubio pro reo freizusprechen ist. Eine (erneute) Befragung von 

J._____ kann, da davon keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten sind, 

unterbleiben.  

 

6. Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz  

6.1. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten in Ziffer 5 Besitz und Verkauf von Be-

täubungsmitteln vor. Konkret soll er am 15. März 2023 über sein Mobilte-

lefon einem verdeckten Fahnder der Kantonspolizei Aargau ein Gramm 

Kokain zum Verkauf angeboten zu haben. In der Folge sei der Fahnder um 

18:00 Uhr am Apfelhausenweg, 5000 Aarau, erschienen und habe dem 

Beschuldigten 0.6 g Kokain übergeben, derweil der verdeckte Fahnder den 

Kaufpreis von Fr. 100.00 an den Beschuldigten übergeben habe. Bei einer 

unmittelbar nach dem Verkauf durchgeführten Hausdurchsuchung am 

Wohnort des Beschuldigten seien 3.10 g Kokain, 6 Pillen Ecstasy und 38 

Stück rezeptpflichtige Xanax Tabletten sowie Fr. 770.00, EUR 200.00 und 

USD 90.00, jeweils in Gassenstückelung, sichergestellt worden. 

 

Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch (Berufungserklärung, S. 2). 

 

6.2. 

Der Beschuldigte rügt in prozessualer Hinsicht eine Verletzung des An-

klagegrundsatzes (Berufungsbegründung, S. 21). 

 

Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. g StPO hat die Anklage die nach Auffassung 

der Staatsanwaltschaft erfüllten Straftatbestände unter Angabe der an-

wendbaren Gesetzesbestimmungen zu bezeichnen. Vorliegend wird in der 

Anklage beim Anklagesachverhalt 5 festgehalten, dass dem Beschuldigten 

der Vorwurf der „Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz“ ge-

macht wird. Die Gesetzesbestimmung wird hier nicht erwähnt. Aus den in 

der Anklageschrift gestellten Anträgen zu den Sanktionen geht jedoch her-

vor, welche Bestimmungen (Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG und Art. 19 Abs. 1 

lit. d BetmG) die Jugendstaatsanwaltschaft anruft. Der anwaltlich vertretene 

Beschuldigte wusste somit genau, welche Gesetzesverstösse ihm vorge-

worfen werden. Die Anklage genügt daher dem Anklagegrundsatz, auch 

wenn sie (auf den ersten Blick) etwas ungenau sein mag. 

 - 18 - 

 

 

Die Anklage hält zwar fest, dass der verdeckte Fahnder um 18:00 Uhr am 

Apfelhausenweg, 5000 Aarau, erschienen sei und an den Beschuldigten 

0.6 Gramm Kokain übergeben habe, derweil der verdeckte Fahnder an den 

Beschuldigten den Kaufpreis von Fr. 100.00 übergeben habe. Dabei 

handelt es sich jedoch offensichtlich um einen Schreibfehler, der nicht von 

entscheidender Bedeutung ist, zumal für den Beschuldigten keine Zweifel 

darüber bestanden, welches Verhalten ihm angelastet wurde (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1208/2020 vom 26. November 2021 E. 6.10.2; 

6B_451/2009 vom 23. Oktober 2009 E. 2.4 betreffend einen offensicht-

lichen Verschrieb einer Jahreszahl). Eine ausreichende Verteidigung war 

ihm jederzeit möglich (BGE 143 IV 63 E. 2.2). 

 

6.3. 

6.3.1. 

Der Beschuldigte anerkennt grundsätzlich, am 15. März 2023 0.6 Gramm 

Kokain an einen verdeckten Fahnder verkauft zu haben. Er macht jedoch 

geltend, dass die Voraussetzungen für die Anordnung einer verdeckten 

Fahndung nicht erfüllt gewesen seien, da sie ohne hinreichenden Anfangs-

verdacht angeordnet worden sei. Zudem sei keine Art. 298 StPO ge-

nügende Mitteilung erfolgt (Plädoyer der Verteidigung, S. 8 f.). Zufolge 

Unverwertbarkeit der daraus gewonnenen Erkenntnisse und mangels 

Vorliegens anderer Beweisstücke sei er freizusprechen (Berufungsbe-

gründung, S. 22 ff.).  

 

6.3.2. 

Eine verdeckte Fahndung liegt nach Art. 298a Abs. 1 StPO vor, wenn An-

gehörige der Polizei im Rahmen kurzer Einsätze in einer Art und Weise, 

dass ihre wahre Identität und Funktion nicht erkennbar sind, Verbrechen 

und Vergehen aufzuklären versuchen und dabei insbesondere Scheinge-

schäfte abschliessen, oder den Willen zum Abschluss vortäuschen. Ge-

mäss Art. 298b Abs. 1 lit. a StPO können die Staatsanwaltschaft und im 

Ermittlungsverfahren die Polizei eine verdeckte Fahndung anordnen, wenn 

der Verdacht besteht, ein Verbrechen oder Vergehen sei begangen wor-

den. Der strafprozessuale Anfangsverdacht stellt das Abgrenzungskri-

terium zur rein präventiven polizeilichen Tätigkeit dar, wobei die Grenze 

zwischen polizeirechtlicher und strafprozessualer Tätigkeit in der Praxis oft 

fliessend ist. Verdeckte Ermittlung und Fahndung sind lediglich zur Ab-

klärung bereits begangener bzw. in Ausführung begriffener Straftaten zu-

lässig, während die polizeilichen Vorermittlungen der Verhinderung oder 

Erkennung zukünftiger möglicher Delikte dienen. Der Verdacht auf die 

Begehung einer strafbaren Handlung kann am Anfang bloss sehr vage sein 

(zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 7B_689/2023 vom 26. August 

2024 E. 4.2.1; BGE 143 IV 27 E. 2.5 mit Hinweisen, insb. auf den Bericht 

der Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates vom 3. Februar 2012 

zur Präzisierung des Anwendungsbereichs der Bestimmungen über die 

verdeckte Ermittlung, BBl. 2012 5596, Ziff. 2.2.2). 

https://search.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-IV-27%3Ade&number_of_ranks=0#page27

 - 19 - 

 

 

6.3.3. 

Was den Anfangsverdacht betrifft, stützte sich die Polizei auf Hinweise aus 

der Bevölkerung, wonach über die Mobiltelefonnummer […], welche später 

dem Beschuldigten zugeordnet wurde, im Raum Aarau Kokain und 

Haschisch verkauft werde. Gestützt darauf nahm die Kantonspolizei eigene 

Ermittlungen auf. Dass die Quellen anonym behalten wurden, schadet 

entgegen der Ansicht des Beschuldigten nicht. Denn solche in einem 

Polizeibericht enthaltenen Informationen, deren Herkunft etwa zum Schutz 

der Identität von Informanten nicht preisgegeben werden, können zur 

Begründung des Tatverdachts verwendet werden, wenn sie angesichts der 

die Untersuchung begleitenden Umstände objektiv plausibel erscheinen, 

was vorliegend der Fall ist (vgl. auch BGE 142 IV 289 E. 2.2.1, 2.2.3; Urteil 

des Bundesgerichts 7B_689/2023 vom 26. August 2023 E. 4.3.1). Die 

Ausgangslage wird im Polizeirapport vom 15. März 2023 dokumentiert 

(UA act. 1038). Die verfügbaren Informationen bezogen sich auf die 

laufenden Straftaten. Folglich waren die im frühen Verfahrensstadium 

relativ vagen Informationen ausreichend für die Begründung eines 

hinreichenden Anfangsverdachts (Art. 197 Abs. 1 lit. b StPO).  

 

Betreffend die Subsidiarität der verdeckten Fahndung ist festzuhalten, dass 

die Ermittlungen ohne eine solche wenn nicht gar aussichtslos, jedoch un-

verhältnismässig erschwert worden wären. Zu Beginn waren weder der 

tatsächliche Nutzer der einschlägigen Mobiltelefonnummer noch die kon-

kreten Örtlichkeiten der mutmasslichen Drogenverkäufe bekannt. Weniger 

schwere und hinreichend effektive Zwangsmassnahmen standen zu die-

sem Zeitpunkt und in diesem Verfahrensstadium nicht zur Verfügung.   

 

Zusammenfassend sind die Voraussetzungen der verdeckten Fahndung 

erfüllt, weshalb ihre Anordnung rechtmässig erfolgte. Hinweise auf ein ina-

däquates Rollenverhalten des verdeckten Fahnders sind schliesslich eben-

so wenig erkennbar, als auch, dass sich die Einwirkungshandlungen nicht 

im von Art. 293 Abs. 1 und Abs. 2 StPO vorgegebenen Rahmen bewegt 

hätten.  

 

Schliesslich ist dem Beschuldigten entgegen seiner Ansicht die verdeckte 

Fahndung gemäss Art. 298d Abs. 4 StPO i.V.m. Art. 298 Abs. 1 StPO 

korrekt mitgeteilt worden. Die Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau 

teilte dem Beschuldigten mit Schreiben vom 1. Mai 2023 mit, dass sie am 

15. März 2023 eine verdeckte Fahndung gemäss Art. 298a ff. StPO 

durchgeführt habe. Die Fahndung habe sich vorerst gegen eine un-

bekannte Person bzw. den Nutzer der Telefonnummer […], genannt 

"K._____", gerichtet (UA act. 1044). Dass diese Mitteilung den der 

Anordnung der verdeckten Fahndung zugrundeliegende Tatverdacht nicht 

explizit aufführt, lässt die Mitteilung nicht ungültig werden, zumal sie das 

konkrete Datum der verdeckten Fahndung (15. März 2023) nennt und dem 

Beschuldigten der Tatverdacht bereits bestens bekannt war, ist er doch am 

 - 20 - 

 

 

15. März 2023 im Anschluss an die Übergabe des Kokains an den ver-

deckten Fahnder durch Funktionäre der Kantonspolizei Aargau angehalten 

und vorläufig festgenommen worden. Zudem hat die Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau an diesem Tag ein Verfahren gegen ihn eröffnet sowie 

eine Hausdurchsuchung an seinem Wohnort angeordnet und durchgeführt 

(vgl. UA act. 1050 f.). Mithin hat der Beschuldigte den Grund für seine 

Überwachung bereits gekannt, als er am 1. Mai 2023 Mitteilung über die 

gegen ihn durchgeführte verdeckte Fahndung erhielt. Im Weiteren 

gewährte die Mitteilung dem Beschuldigten die Möglichkeit zur Einsicht in 

die Akten der Überwachung, wobei aus dem Schreiben der Jugendan-

waltschaft des Kantons Aargau vom 16. Mai 2023 hervorgeht, dass dem 

Beschuldigten mit Schreiben vom 13. April 2023 bereits sämtliche Akten 

zugestellt worden seien (UA act. 1046). Zusammenfassend ist die Mit-

teilung korrekt erfolgt.  

 

6.4. 

Damit ist in tatsächlicher Hinsicht erstellt, dass der Beschuldigte einem 

verdeckten Fahnder der Kantonspolizei Aargau am 15. März 2023 Kokain 

verkauft (vgl. auch Amtsbericht über die verdeckte Fahndung vom 15. März 

2023, UA act. 1042) und sich im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG 

strafbar gemacht hat (zur Schutzbehauptung des Beschuldigten, dass er 

die Betäubungsmittel gefunden habe, vgl. vorinstanzliches Urteil E. 7.1.2 

S. 28; zur rechtlichen Qualifikation vgl. auch vorinstanzliches Urteil E. 7.2.2 

S. 29). Im Anschluss daran konnte er festgenommen werden. Eine vor Ort 

durchgeführte Effektenkontrolle ergab, dass der Beschuldigte weitere 

3.1 Gramm Kokain, sechs Ecstasy Tabletten sowie 38 betäubungsmittel-

nahe Xanax Tabletten auf sich trug (vgl. Polizeibericht vom 15. März 2023, 

UA act. 981).  

 

6.5. 

Insofern der Beschuldigte in diesem Zusammenhang geltend macht, es 

liege kein strafbares Verhalten vor, da der Besitz von Kleinmengen nicht 

verboten sei, wobei es sich bei 3.1 Gramm Kokain um eine Kleinmenge 

sowie bei sechs Ecstasy-Tabletten um eine geringfügige Menge handle 

(Berufungsbegründung, S. 24), verkennt er, dass der Besitz von gering-

fügigen Drogenmengen nur dann nicht strafbar ist, wenn er dem Eigen-

konsum dient (vgl. Art. 19b Abs. 1 BetmG; Urteil des Bundesgerichts 

6B_911/2021 vom 19. Juni 2023 E. 2.2; BGE 145 IV 320 E. 1.4.1 und 

E. 1.7.3 mit Hinweisen). Dass die sichergestellten Drogen dem Eigen-

konsum dienten, ist aufgrund einer Gesamtwürdigung, insbesondere auf-

grund der Tatsache, dass der Beschuldigte an den verdeckten Fahnder 

effektiv Kokain verkaufte, als Schutzbehauptung zu qualifizieren. Hinzu 

kommt, dass der Beschuldigte selbst Drogenkonsum verneinte (UA act. 

1068). Zu welchem anderen als zu Veräusserungszwecken er die Drogen 

auf sich trug, ist folglich nicht ersichtlich. Schliesslich verfängt auch das 

Vorbringen des Beschuldigten betreffend die sichergestellten Xanax-

 - 21 - 

 

 

Tabletten, wonach der Besitz eines verschreibungspflichtigen Medi-

kaments keine strafbare Handlung darstelle (Berufungsbegründung, S. 24), 

nicht. So handelt es sich auch bei Xanax-Tabletten mit dem enthaltenen 

Wirkstoff Alprazolam gemäss Anhang 1 der Verordnung des EDI über die 

Verzeichnisse der Betäubungsmittel, psychotropen Stoffe, Vorläuferstoffe 

und Hilfschemikalien (Betäubungsmittelverzeichnisverordnung [BetmVV-

EDI]) um Betäubungsmittel. Hinweise darauf, wonach dem Beschuldigten 

die Xanax-Tabletten ärztlich verschrieben worden wären, lassen sich den 

Akten nicht entnehmen und das wird vom Beschuldigten auch nicht geltend 

gemacht. Nachdem der Beschuldigte bei seiner polizeilichen Anhaltung 

und Kontrolle im Besitz von 3.1 Gramm Kokain, sechs Ecstasy-Tabletten 

und 38 Xanax-Tabletten war, hat er sich des Besitzes von Betäubungs-

mitteln gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG schuldig gemacht.   

 

6.6. 

Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte somit der Veräusserung und 

des Besitzes von Betäubungsmitteln gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c und 

lit. d BetmG schuldig gemacht. 

 

7. Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung ( 

7.1. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten in Ziffer 6 vor, gegen die am 

8. Februar 2023 die Wegweisungsverfügung vom 8. Februar 2023 für den 

Bereich der katholischen Kirche und den Bahnhof Aarau verstossen zu 

haben, indem er sich am 2. März 2023 um 19:05 Uhr am Bahnhof Aarau 

aufgehalten habe. Die Vorinstanz hat ihn deswegen wegen Ungehorsams 

gegen eine amtliche Verfügung gemäss Art. 292 StGB schuldig gespro-

chen.  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei von diesem Vorwurf frei-

zusprechen (Berufungserklärung, S. 2; (Berufungsbegründung, S. 24 ff.).  

 

7.2. 

In formeller Hinsicht rügt der Beschuldigte erneut eine Verletzung des 

Anklagegrundsatzes, da im Anklagesachverhalt die Nennung einer kon-

kreten Strafnorm fehle (Berufungsbegründung, S. 25). Mit seiner Argumen-

tation übersieht der Beschuldigte indessen, dass – solange klar ist, welcher 

Sachverhalt der beschuldigten Person vorgeworfen wird – selbst eine 

fehlerhafte und/oder unpräzise Anklage nicht automatisch zu einem Frei-

spruch führt (BGE 149 IV 128 E. 1.2; 145 IV 407 E. 3.3.2). Vorliegend ist 

die Anklageziffer 6 höchstens insofern unpräzis, als dass sie die Angabe 

von Art. 292 StGB nicht explizit nennt. Bei den Anträgen zu den Sanktionen 

ist die Gesetzesbestimmung (Art. 292 StGB) jedoch aufgeführt, womit sich 

der angeklagte Sachverhalt 6 unter dem Titel "Ungehorsam gegen eine 

amtliche Verfügung" ohne weiteres dem Antrag betreffend die Sanktion 

zuordnen lässt. Der anwaltlich vertretene Beschuldigte wusste somit 

 - 22 - 

 

 

genau, welcher Gesetzesverstoss ihm vorgeworfen wird. Zudem ist das 

strafbare Verhalten unter Angabe von Ort, Zeit und Art hinlänglich 

beschrieben. Der Beschuldigte konnte sich ohne Weiteres genügend ver-

teidigen. Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes ist nicht ansatzweise 

auszumachen. 

 

Die Wegweisungsverfügung ist entgegen der Darstellung des Beschul-

digten zufolge fehlerhafter Unterschrift nicht nichtig: Gesetzliche Grundlage 

für die Wegweisungsverfügung vom 8. Februar 2023 bildet § 34 des 

Gesetzes über die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit (Polizeige-

setz, PolG, SAR 531.200 vom 6. Dezember 2005). Gemäss dieser Bestim-

mung ist die Polizei befugt, Personen von einem bestimmten Gebiet weg-

zuweisen, wobei keine Unterscheidung zwischen der Kantonspolizei und 

den Polizeikräften der Gemeinden getroffen wird. § 1 Abs. 2 PolG hält fest, 

dass die Bestimmungen über die polizeiliche Tätigkeit – wozu eben auch 

der Erlass von Wegweisungsverfügungen gehört – für die Kantonspolizei 

und die Polizeikräfte der Gemeinden gleichermassen gelten, sofern das 

Gesetz keine Unterscheidung trifft. Somit ist für die Gültigkeit der Ver-

fügung unerheblich, ob sie von einer Polizeikraft der Gemeinden, vor-

liegend der Stadtpolizei, oder der Kantonspolizei erlassen und unter-

zeichnet worden ist. Der Beschuldigte kann nichts aus dem Umstand ab-

leiten, dass Korporal L._____ und M._____ (letzterer hat die Verfügung 

auch unterschrieben) in Absprache mit einem Kantonspolizisten (Pikett-

unteroffizier) handelten. Eine Nichtigkeit der Verfügung, die nach der 

sogenannten Evidenztheorie nur ausnahmsweise angenommen wird (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 1C_655/2023 vom 15. Mai 2024 E. 2.2 mit 

Hinweisen), liegt hier nicht vor.  

 

7.3. 

Gemäss Art. 292 StGB wird mit Busse bestraft, wer der von einer 

zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf 

die Strafdrohung von Art. 292 StGB an ihn erlassenen Verfügung nicht 

Folge leistet. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz vorausgesetzt, wobei 

eventualvorsätzliches Handeln genügt, d.h. es genügt, wenn der Täter im 

Wissen um die mindestens möglicherweise verbindliche Verfügung und um 

die Straffolgen bei deren Missachtung handelt und dabei mindestens in 

Kauf nimmt, die an ihn gerichtete Verfügung dennoch zu missachten.  

 

7.4. 

In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten und erstellt, dass gegen den 

Beschuldigten eine Wegweisungsverfügung für das Gebiet «5000 Aarau, 

Kath. Kirche + Bahnhof und Umgebung» erlassen worden ist, welche vom 

8. Februar 2023 bis 8. März 2023 galt (UA act. 1078 ff.) und der 

Beschuldigte davon Kenntnis hatte (UA act. 1077). Unbestritten ist weiter, 

dass sich der Beschuldigte am 2. März 2023 am Bahnhofplatz 4 im Casino 

Railway, Aarau, und damit im von der Wegweisungsverfügung erfassten 

 - 23 - 

 

 

Rayon aufgehalten hat (UA act. 1073). Damit hat er den Tatbestand in 

objektiver Hinsicht fraglos erfüllt. Insofern der Beschuldigte in Abrede stellt, 

vorsätzlich gehandelt zu haben, da die räumliche Umschreibung in der 

Verfügung unklar sei, kann ihm nicht gefolgt werden. In der Verfügung wird 

festgehalten, dass die Wegweisung für die Dauer von 1 Monat für den 

Raum «5000 Aarau, Kath Kirche + Bahnhof und Umgebung» 

(UA act. 1079) gilt. Wie sich aus dem Polizeirapport vom 24. März 2023 

(UA act. 1073) ergibt, wurde der Beschuldigte am 2. März 2023 um 19:05 

Uhr am Bahnhofplatz 4 im Casino Railway, 5000 Aarau, von einer 

Fusspatrouille der Polizei angehalten. Damit hielt sich der Beschuldigte 

nicht etwa im Grenzbereich, sondern mitten auf dem Bahnhofgelände auf, 

befindet sich doch das Casino Railway in der Bahnhofunterführung. Dieser 

Bereich wird klarerweise und unmissverständlich von der 

Wegweisungsverfügung erfasst. Ob die Verfügung in anderer Hinsicht 

räumlich genügend präzise formuliert ist, indem sie den Zusatz «und 

Umgebung» enthält, kann damit offenbleiben. Des Weiteren ist die 

Behauptung des Beschuldigten, wonach er sich dort aufgehalten habe, weil 

er unterwegs gewesen sei und nach Hause habe gehen wollen, wobei er 

nicht davon ausgegangen sei, dass das Verbot auch seine Heimreise 

erfassen würde, weswegen er sich diesbezüglich in einem Irrtum befunden 

habe (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 13 und S. 18), als blosse 

Schutzbehauptung zu werten. Indem der Beschuldigte sich auf dem 

Bahnhofsgelände aufgehalten hat, hat er trotz entsprechender 

Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB gegen die Wegweisungsverfügung 

verstossen. Entsprechend hat der Beschuldigte diesen Tatbestand 

anfänglich auch anerkannt (UA act. 1076). 

 

Der Beschuldigte ist zusammenfassend wegen Ungehorsams gegen eine 

amtliche Verfügung im Sinne von Art. 292 StGB schuldig zu sprechen. 

Seine Berufung erweist sich in diesem Punkt als unbegründet. 

 

8. Widerhandlung gegen die Verkehrsregelverordnung  

8.1. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten in Anklageziffer 7.3. vor, gegen die 

Verkehrsregeln verstossen zu haben, indem er am 29. Mai 2023 an seinem 

Motorrad kein L-Schild montiert habe, obwohl er bloss über den 

Lernfahrausweis verfügt habe. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten des-

wegen der Widerhandlung gegen die Verkehrsregelverordnung gemäss 

Art. 96 i.V.m. Art. 27 Abs. 1 VRV schuldig gesprochen. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung einen Freispruch (Berufungser-

klärung, S. 2, Berufungsbegründung, S. 28).   

 

8.2. 

Solange Motorfahrzeuge von Inhabern eines Lernfahrausweises geführt 

werden, müssen sie eine blaue Tafel mit weissem «L» tragen. Die Tafel 

 - 24 - 

 

 

muss so angebracht sein, dass sie von hinten gut erkennbar ist. Sie ist zu 

entfernen, wenn keine Lernfahrt stattfindet (Art. 27 Abs. 1 VRV). Wer da-

gegen verstösst macht sich strafbar (Art. 96 VRV).  

 

8.3. 

In tatsächlicher Hinsicht bestreitet der Beschuldigte weder am 29. Mai 2023 

ohne L-Schild ein Motorrad gelenkt zu haben noch dass er zu diesem Zeit-

punkt erst über den Lernfahrausweis verfügte (UA act. 1094, Protokoll vor-

instanzliche Hauptverhandlung S. 20 [GA act. 58], Protokoll Berufungsver-

handlung, S. 13). Er macht geltend, dass das Schild abgefallen sei und er 

es aufgrund des Feiertags (Pfingstmontag) nicht habe reparieren lassen 

können. Diese Darstellung erweist sich als unbehelflich. Dass die Fahrt an 

einem Feiertag (Pfingstmontag) erfolgte und der Beschuldigte keine Mög-

lichkeit gehabt haben will, das kaputte Schild zu erneuern, ist völlig 

irrelevant, denn er hätte schlicht und einfach auf die Fahrt verzichten 

können. Dass er trotzdem fuhr, ist seiner Bequemlichkeit zuzuschreiben, 

nachdem er selbst keinen zwingenden Grund für die Fahrt nannte und ein 

solcher auch nicht ersichtlich ist. Es war ihm schliesslich auch bewusst, 

dass er ohne die L-Tafel nicht zum Führen seines Motorrads berechtigt 

gewesen ist. Zudem sind keine Hinweise dafür ersichtlich, dass die L-Tafel 

unmittelbar vor der Anhaltung durch die Polizei abgefallen ist, andernfalls 

sie problemlos hätte aufgefunden werden können. Indem der Beschuldigte 

am 29. Mai 2023 ohne L-Tafel gefahren ist, hat er sich der Widerhandlung 

gegen die Verkehrsregelverordnung gemäss Art. 96 VRV i.V.m. Art. 27 

Abs. 1 VRV schuldig gemacht. Seine Berufung erweist sich in diesem Punkt 

als unbegründet. 

 

9. Strafzumessung 

9.1. 

Der Beschuldigte hat sich – nebst den nicht mehr angefochtenen Delikten 

– der versuchten vorsätzlichen Tötung, der mehrfachen Widerhandlung 

gegen das Betäubungsmittelgesetz, des Ungehorsams gegen eine amt-

liche Verfügung und der Widerhandlung gegen die Verkehrsregelver-

ordnung schuldig gemacht, wofür er angemessen zu bestrafen ist. 

 

9.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit Urteil vom 16. Mai 2024 zu einer 

Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 11 Monaten, einer Geldstrafe von 

110 Tagessätzen à Fr. 30.00 und zu einer Busse von Fr. 500.00 verurteilt. 

 

Der Beschuldigte beantragt – ausgehend von den von ihm beantragten 

Freisprüchen und anerkannten Schuldsprüchen – eine bedingte Geldstrafe 

von 95 Tagessätzen à Fr. 30.00 unter Ansetzung einer Probezeit von 

2 Jahren, sowie eine Busse von Fr. 200.00. 

 

 - 25 - 

 

 

9.3. 

9.3.1. 

Vorliegend kommt, wie bereits dargelegt (E. 2 hiervor), hinsichtlich der 

Sanktionen das Erwachsenenstrafrecht zur Anwendung (Art. 3 Abs. 2 

StGB; vgl. auch BGE 151 IV 10 E. 2.2.1; 149 IV 342 E. 2.3.2). Diesbe-

züglich wird auf die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. StGB, 

welche vom Bundesgericht wiederholt dargelegt wurden (BGE 147 IV 241; 

BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 

E. 5.4 ff.), verwiesen. Betreffend die Taten, welche der Beschuldigte vor 

dem 18. Altersjahr verübt hat (Raufhandel und versuchte vorsätzliche 

Tötung, beide begangen am 24. Mai 2021), ist Art. 49 Abs. 3 StGB zu be-

achten, wonach diese Taten nicht stärker ins Gewicht fallen dürfen, als 

wenn sie für sich allein beurteilt worden wären. 

 

9.3.2. 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter Be-

achtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die 

Zweckmässigkeit und Angemessenheit einer bestimmten Sanktion, ihre 

Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre Wirk-

samkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention zu berücksichtigen 

(BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1). Die 

Geldstrafe stellt im Bereich der leichten und mittleren Kriminalität die 

Hauptsanktion dar. Demgemäss geht im Anwendungsbereich der Geld-

strafe diese grundsätzlich gegenüber der Freiheitsstrafe vor (BGE 144 

IV 217 E. 3.3.1; BGE 144 IV 313 E. 1.1.1; Urteil des Bundesgerichts 

6B_855/2023 vom 15. Juli 2024 E. 2.2.2). 

 

Das Gesetz sieht für die versuchte vorsätzliche Tötung nur eine Freiheits-

strafe als mögliche Sanktion vor (Art. 111 StGB). Da der im Tatzeitpunkt 

17-jährige Beschuldigte die Tat vor Vollendung seines 18. Altersjahrs 

verübt hat, ist hier eine Freiheitsstrafe von einem Tag bis zu vier Jahren 

auszusprechen (Art. 49 Abs. 3 StGB i.V.m. Art. 25 Abs. 1 und 2 lit. a JStG).  

 

Für den Raufhandel sieht das Gesetz als mögliche Sanktion eine Geld-

strafe oder Freiheitsstrafe vor (Art. 133 Abs. 1 StGB). Betreffend den Rauf-

handel vom 24. Mai 2021, den der Beschuldigte verübte, als er 17 Jahre alt 

war, ist eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von einem Tag bis zu 

einem Jahr auszusprechen (Art. 49 Abs. 3 StGB i.V.m. Art. 25 Abs. 1 JStG; 

entgegen dem Beschuldigten nicht bloss Busse, Berufungsbegründung, 

S. 20 Rz. 121). Für den Raufhandel vom 29. Mai 2022 – der Beschuldigte 

war im Tatzeitpunkt volljährig – ist eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe 

bis zu 3 Jahren auszufällen. Letzteres gilt auch hinsichtlich der Widerhand-

lung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Verkauf und Besitz gemäss 

Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG, Anklageziffer 5). Bei der Wahl der Sank-

tionsart ist zu beachten, dass der Beschuldigte im Tatzeitpunkt noch nicht 

vorbestraft war (vgl. Strafregisterauszug). Eine Geldstrafe kommt jedoch in 

 - 26 - 

 

 

Bezug auf den Raufhandel vom 29. Mai 2022 gemäss Anklageziffer 4.2 

aufgrund des konkreten Verschuldens nicht in Frage. Für die weiteren 

Straftaten, die alternativ mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bedroht sind, ist 

mit Blick auf das jeweilige konkrete Verschulden sowie die Zweckmässig-

keit und präventive Effizienz der Sanktion auf eine Geldstrafe zu erkennen. 

 

Für die Übertretungen (Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung, 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 

BetmG und Widerhandlung gegen die Verkehrsregelverordnung) kommt 

von Gesetzes wegen lediglich eine Busse bis Fr. 10'000.00 in Frage. 

 

9.4. 

9.4.1. 

Die vorsätzliche Tötung nach Art. 111 StGB sieht als Strafe Freiheitsstrafe 

nicht unter fünf Jahren vor. Da der Beschuldigte bei Verübung der Tat das 

18. Altersjahr noch nicht vollendet hatte, kann die Freiheitsstrafe, wie oben 

dargelegt, auf maximal vier Jahre angesetzt werden (Art. 49 Abs. 3 StGB 

i.V.m. Art. 25 Abs. 2 lit. a JStG). Allein der Umstand, dass der Beschuldigte 

in Kauf genommen hat, eine Person zu töten, rechtfertigt die Ausfällung der 

Maximalstrafe nicht. Die Rechtsgutverletzung als solche ist unergiebig, 

wenn es um eine Tötung geht, da die Vernichtung des höchsten Rechtsguts 

den Tatbestand des Art. 111 StGB begründet. Die objektive Tatschwere 

bestimmt sich deshalb vielmehr anhand des Tathergangs und der Tatum-

stände. Bei Totschlag (Art. 113 StGB) und bei Mord (Art. 112 StGB) kenn-

zeichnen subjektive Elemente (eine entschuldbare heftige Gemütsbewe-

gung oder eine grosse seelische Belastung resp. eine besondere Skrupel-

losigkeit) den privilegierten resp. qualifizierten Tatbestand. Subjektive 

Merkmale wie Motive, Beweggründe und Absichten des Täters sind implizit 

aber auch beim hier einschlägigen Grundtatbestand des Art. 111 StGB 

massgeblich, wenn es um die Festlegung des (objektiven) Schweregrades 

geht. Dieser bestimmt sich mit anderen Worten anhand aller Tatkom-

ponenten, welche einem gesetzlichen Tatbestandsmerkmal zuzuordnen 

sind (Urteile des Bundesgerichts 7B_193/2022 vom 6. Dezember 2023 

E. 3.2; 6B_1038/2017 vom 31. Juli 2018 E. 2.6.1). 

 

Methodisch ist zunächst die schuldangemessene Strafe für das vollendete 

Delikt festzulegen und die derart ermittelte hypothetische Strafe in der 

Folge unter Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungsgrundes von 

Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). 

 

Betreffend die Art und Weise der Tatausführung ist Folgendes festzuhalten: 

Der Beschuldigte hat in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 2021 in Aarau 

anlässlich einer Streiterei ein Messer aus seiner Hosentasche gezückt und 

damit mehrfach kräftig auf den unbewaffneten D._____ eingestochen. Für 

D._____ erfolgte der Messereinsatz völlig überraschend, weshalb er keine 

 - 27 - 

 

 

Möglichkeit hatte, auszuweichen oder sich zu schützen. Der Beschuldigte 

hat die von ihm angezettelte Konfrontation durch den Messereinsatz kom-

plett eskalieren lassen und eine beachtliche Gewaltbereitschaft offenbart.  

 

Ein Geständnis des Beschuldigten liegt nicht vor, weshalb offenbleibt, was 

genau den Beschuldigten zur massiven Gewalteinwirkung gegen D._____ 

bewogen hat bzw. Auslöser war. Aktenkundig ist jedoch, dass der 

Beschuldigte im Tatzeitpunkt alkoholisiert gewesen ist (0.58 mg/l um 

01:40 Uhr, UA act. 328). N._____, Fachperson für Suchtberatung, hielt im 

Bericht vom 6. Juli 2021 fest, der Beschuldigte reagiere unter 

Alkoholeinfluss auf Provokationen durch Dritte aggressiv (UA act. 47). Dies 

sowie sein jugendliches Alter vermögen (teilweise) erklären, wie es zur tät-

lichen Auseinandersetzung, anlässlich welcher der Beschuldigte plötzlich 

ein Messer eingesetzt und damit mehrfach in den Bauch- und Kopfbereich 

des Opfers eingestochen hat, gekommen ist. Es ist auf ein impulsives, 

wenig bedachtes Agieren des Beschuldigten zurückzuführen, wobei er 

keinerlei Rücksicht auf Verletzungen Dritter nahm. Trotz des Umstands, 

dass der Beschuldigte unter Alkoholeinfluss gestanden ist, liegen aber 

keine Hinweise dafür vor, dass seine Schuldfähigkeit im Tatzeitpunkt einge-

schränkt gewesen wäre, entspricht der bei ihm gemessene Blutalkoholwert 

doch lediglich 1.16 Promille. 

  

Insgesamt wäre für die vollendete vorsätzliche Tötung in Relation zum 

Strafrahmen von bis zu vier Jahren Freiheitsstrafe von einem schweren 

Tatverschulden auszugehen, wofür eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren an-

gemessen wäre. 

 

Da es bei einer versuchten vorsätzlichen Tötung geblieben ist, ist die Strafe 

angemessen zu reduzieren (Art. 22 Abs. 1 StGB). Dabei hat die Straf-

minderung umso geringer auszufallen, je näher der tatbestandsmässige 

Erfolg und je schwerer die tatsächlichen Folgen der Tat waren (BGE 127 

IV 101 E. 2b; BGE 121 IV 49 E. 1b; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 

6B_587/2015 vom 6. April 2016 E. 1.3.3 und 6B_281/2014 vom 11. No-

vember 2014 E. 3.6). D._____ musste am 24. Mai 2021 ins Spital H._____ 

eingewiesen werden, welches er nach chirurgischen Interventionen am 

30. Mai 2021 wieder verlassen konnte (UA act. 233). Gemäss forensisch-

klinischem Gutachten vom 23. Juni 2021 hätten die festgestellten Ver-

letzungen zwar nicht die Annahme einer konkreten Lebensgefahr be-

gründet, allerdings dürfte das Auftreten einer Lebensgefahr durch die not-

fallmedizinischen Massnahmen abgewendet worden sein (UA act. 238). 

Weiter hält das Gutachten fest, dass die genannten Verletzungen teils 

folgenlos, teils unter Narbenbildung abheilen würden. Ob bleibende 

Schäden, beispielsweise chronische Schmerzen, motorische Einschrän-

kungen, Probleme mit der Magen-Darm-Passage etc. resultieren würden, 

könne erst abschliessend im zeitlichen Verlauf beurteilt werden 

(UA act. 238). Insgesamt rechtfertigt es sich, den Versuch im Umfang von 

 - 28 - 

 

 

einem Jahr strafmindernd zu berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 6B_510/2015 vom 25. August 2015 E. 1.3). Demgemäss ist die 

Einsatzstrafe auf 2 Jahre festzusetzen. 

 

9.4.2. 

Die für die versuchte vorsätzliche Tötung festgesetzte Einsatzstrafe ist nun-

mehr für die weitere mit einer Freiheitsstrafe zu ahndende Straftat in An-

wendung des Asperationsprinzips gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB ange-

messen zu erhöhen.  

 

9.4.3. 

Hinsichtlich des Raufhandels vom 29. Mai 2022 ergibt sich Folgendes: 

 

Der Tatbestand des Raufhandels schützt in erster Linie das öffentliche In-

teresse, Schlägereien zu verhindern, und in zweiter Linie das Individualin-

teresse der Opfer von Schlägereien (BGE 141 IV 454 E. 2.3.2; BGE 

145 IV 491 E. 2.3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_1326/2018 vom 

16. Oktober 2019 E. 2.3.2). Da es sich bei Art. 133 StGB um ein abstraktes 

Gefährdungsdelikt handelt und die Körperverletzungs- oder Todesfolge 

blosse Strafbarkeitsbedingung ist, die nicht dem Handeln eines einzelnen 

Täters zugerechnet werden kann, ist die Schwere der Verletzung bei der 

Strafzumessung nicht zu berücksichtigen. Die konkrete Tathandlung des 

Täters – also in welcher Weise er sich am Raufhandel beteiligt – ist aller-

dings für die Strafzumessung relevant (EGE, in: Annotierter Kommentar 

StGB, 2020, N. 11 zu Art. 133 StGB mit Hinweisen). 

 

Am 29. Mai 2022 ist es beim Haupteingang des Bahnhofs Aarau zunächst 

zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen O._____ und P._____ 

gekommen. Nachdem sich O._____ in allgemeine Richtung Aarauerhof 

entfernt hatte, kehrte er 11 Minuten später in Begleitung des Beschuldigten 

zurück. Während O._____ P._____ einen Schlag gegen den Kopf 

versetzte, schlug der Beschuldigte gleichzeitig einen ebenfalls 

anwesenden Dritten. Als sich P._____ vom ersten Schlag wieder 

aufgerichtet hatte, attackierte ihn der Beschuldigte zusammen mit O._____ 

und versetzte ihm mehrere Schläge gegen den Kopf und Oberkörper, ehe 

P._____ zu Boden fiel. Der Beschuldigte schlug sodann mit der rechten 

Hand mehrfach auf den am Boden liegenden P._____ ein. Als die zuvor 

vom Beschuldigten getroffene Drittperson schlichtend eingreifen wollte, 

wurde diese ebenfalls vom Beschuldigten (und von O._____) geschlagen. 

Die Blutalkoholkonzentration des Beschuldigten betrug im Tatzeitpunkt 

zwischen 1.63 und 2.56 Promille. 

 

Insgesamt wäre innerhalb des ordentlichen Strafrahmens von Freiheits-

strafe bis zu drei Jahren und unter Berücksichtigung der vom Tatbestand 

des Raufhandels erfassten Handlungsweisen sowie der Alkoholisierung 

des Beschuldigten, welche strafmindernd ins Gewicht fällt, eine Frei-

 - 29 - 

 

 

heitsstrafe von 10 Monaten auszusprechen. Im Rahmen der Asperation ist 

zu beachten, dass weder ein sachlicher, örtlicher noch zeitlicher Zusam-

menhang zur versuchten vorsätzlichen Tötung gegeben ist. Der Gesamt-

schuldbeitrag ist entsprechend hoch, weshalb eine Erhöhung der Einsatz-

strafe von 2 Jahren um 8 Monate als angemessen erscheint. 

 

9.4.4. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: 

 

Der Beschuldigte weist zwar keine Vorstrafen auf, was jedoch als Normal-

fall gilt und ohne Beachtung ist (BGE 136 IV 1). Hingegen delinquierte er 

wiederholt während des vorliegenden hängigen Strafverfahrens: Er wurde 

mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 14. November 

2024 wegen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen, Widerhandlung 

gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. d und lit. g 

BetmG, mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG und mehrfacher Gewalt und Drohung gegen 

Behörden und Beamte zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 3 Monaten 

bei einer Probezeit von 2 Jahren, zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen 

bei einer Probezeit von 2 Jahren und zu einer Busse von Fr. 1'000.00 ver-

urteilt. Sodann wurde er mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-

Aarau vom 10. Januar 2025 wegen Diebstahls und geringfügiger Sachbe-

schädigung zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen bei einer 

Probezeit von 3 Jahren und zu einer Busse von Fr. 700.00 verurteilt. Dieses 

Nachtatverhalten verdeutlicht eindrücklich, dass sich der Beschuldigte 

weder um die Schweizerische Rechtsordnung kümmert noch dass er sich 

vom vorliegend hängigen Strafverfahren beeindrucken lässt, obwohl ihm 

einschneidende Konsequenzen – namentlich eine mehrjährige, unbedingte 

Freiheitsstrafe sowie eine Landesverweisung – drohen. Dass der Be-

schuldigte weitgehend nicht geständig war, ist ohne Relevanz, da es sein 

Recht als beschuldigte Person ist, zu schweigen resp. die Tat abzustreiten. 

Wer hingegen nicht geständig ist, kann hinsichtlich des begangenen Un-

rechts weder einsichtig noch reuig sein. Was den Vorwurf des Raufhandels 

betrifft, so hat der Beschuldigte diesen Straftatbestand erst anlässlich der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung und damit sehr spät anerkannt. Ein Be-

streiten der Tat wäre aber aufgrund der Tatsache, dass der äussere Ge-

schehensablauf mittels Überwachungskameras der Schweizerischen Bun-

desbahnen (SBB) (UA act. 272 ff.) ohnehin erstellt ist, auch völlig zwecklos 

gewesen. Ein Geständnis, welches die Strafuntersuchung in nennens-

werter Weise vereinfacht hätte, liegt damit nicht vor und geht im Übrigen 

auch nicht über eine blosse Tatfolgenreue hinaus. Zudem ist ein Ge-

ständnis, in welchem der Täter nur zugibt, was ohnehin auf der Hand liegt, 

nicht strafmindernd zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 

6B_762/2011 vom 9. Februar 2012 E. 4.4). Gesamthaft liegt weder eine 

nachhaltige Einsicht noch eine aufrichtige Reue vor, weshalb eine Straf-

minderung nicht in Frage kommt. 

 - 30 - 

 

 

Aus den persönlichen, familiären und beruflichen Verhältnissen des Be-

schuldigten ergeben sich keine für die Strafzumessung relevanten Fak-

toren. Der 21-jährige Beschuldigte wohnt zusammen mit seiner Mutter und 

Tante (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 4). Er hat seit 2020 eine Freun-

din (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 6). Der Beschuldigte verfügt weder 

über einen Schul- noch Lehrabschluss und ist derzeit arbeitslos (Protokoll 

Berufungsverhandlung, S. 3). Entgegen dem Beschuldigten hatte er nicht 

ein derart bewegtes Leben, welches zu einer Strafminderung führen 

müsste (vgl. Berufungsbegründung, S. 33). So hat er eigenen Angaben zu-

folge insbesondere eine normale Kindheit verbracht und in der Schule 

immer gute Schulnoten gehabt (UA act. 50). Dass er 2019 ohne Deutsch-

kenntnisse in die Schweiz eingereist ist, vermag an dieser Beurteilung 

nichts zu ändern und führt ebenfalls nicht zu einer Strafminderung. 

 

Weitere Umstände, welche sich straferhöhend oder strafmindernd aus-

wirken könnten, sind nicht ersichtlich. Die Verbüssung einer Freiheitsstrafe 

ist stets mit einer gewissen Härte verbunden. Eine erhöhte Strafempfind-

lichkeit ist lediglich bei aussergewöhnlichen Umständen zu bejahen (statt 

vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_18/2022 vom 23. Juni 2022 E. 2.6.1 

mit Hinweisen), welche vorliegend nicht auszumachen sind.  

 

Nach dem Darlegten wirkt sich die Täterkomponente aufgrund des Nach-

tatverhaltens im Umfang von 2 Monaten Freiheitsstrafe leicht straferhöhend 

aus. 

 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von 

2 Jahren und 10 Monaten zu verurteilen.  

 

9.4.5. Beschleunigungsgebot 

Der Beschuldigte rügt eine Verletzung des Beschleunigungsgebots (Beru-

fungsbegründung, S. 33). Er bringt vor, die letzte Widerhandlung gegen das 

Strassenverkehrsgesetz habe sich im Mai 2023 ereignet, Anklage sei 

jedoch erst im November 2023 erhoben worden. Sodann habe das Jugend-

gericht bis zur Durchführung der Hauptverhandlung weitere sechs Monate 

beansprucht (Berufungsbegründung, S. 33).  

 

Nach Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK sind die Strafbehörden dem 

Beschleunigungsgebot verpflichtet. Art. 5 Abs. 1 StPO konkretisiert, dass 

die Strafbehörden die Strafverfahren unverzüglich an die Hand nehmen 

und sie ohne Verzögerung zum Abschluss bringen. Das Beschleunigungs-

gebot gilt in sämtlichen Verfahrensstadien und verpflichtet die Strafbe-

hörden, Verfahren voranzutreiben, um die beschuldigte Person nicht un-

nötig über die gegen sie erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen 

(BGE 143 IV 373 E. 1.3.1; 133 IV 158 E. 8). Die Beurteilung der ange-

messenen Verfahrensdauer entzieht sich dabei starren Regeln. Ob sich die 

Verfahrensdauer als angemessen erweist, ist in jedem Einzelfall unter Wür-

 - 31 - 

 

 

digung aller konkreten Umstände zu prüfen (BGE 143 IV 373 E. 1.3.1; 

6B_591/2024 vom 14. November 2024 E. 2.3).  

 

Seit der ersten Einvernahme des Beschuldigten am 1. März 2021 bis zur 

Anklageerhebung im November 2023 vergingen 2 Jahre und 8 Monate, 

was sich jedoch angesichts der Vielzahl der einzelnen Sachverhaltskom-

plexe und aufgrund der Tatsache, dass der Beschuldigte während des lauf-

enden Verfahrens weiterdelinquierte, nicht als zu lange erweist. Hinzu 

kommt, dass es sich um teilweise sehr schwer wiegende Vorwürfe handelt 

und mehrere Personen involviert waren, was eine aufwendige Unter-

suchung mit mehreren Einvernahmen erforderte. Die Koordination mit 

mehreren involvierten Parteien ist erfahrungsgemäss komplexer. Das Ver-

fahren stand auch, soweit ersichtlich, nie während längerer Zeit unbe-

gründet still. Schliesslich begründet auch der Umstand, dass die erstin-

stanzliche Hauptverhandlung am 16. Mai 2024 und damit 6 Monate nach 

Anklageerhebung stattfand, keine Verletzung des Beschleunigungsgebots, 

sondern entspricht dem normalen Verfahrensgang. In diesem Zusammen-

hang ist darauf hinzuweisen, dass der amtliche Verteidiger zweimal um 

Fristerstreckung zwecks Stellung von Beweisanträgen ersuchte, ihm diese 

in der Folge bewilligt wurden und eine Erklärung dafür bieten, dass kein 

früherer Verhandlungstermin angesetzt werden konnte, andernfalls sich die 

Vorinstanz den Vorwurf der Verletzung des rechtlichen Gehörs hätte ent-

gegenhalten lassen müssen.   

 

Schliesslich ist auch die Begründungsdauer nicht als übermässig lang zu 

bezeichnen: Gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO hat das Gericht ein Urteil inner-

halb von 60 Tagen, ausnahmsweise 90 Tagen, zu begründen. Das Urteils-

dispositiv wurde dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten am 28. Mai 

2024 zugestellt (GA act. 112), worauf dieser gleichentags Berufung an-

meldete und gleichzeitig um Entlassung als amtlichen Verteidiger und 

Einsetzung von Rechtsanwalt Pascal Schürch als neuen amtlichen Ver-

teidiger ersuchte (GA act. 115). Rechtsanwalt Pascal Schürch nahm mit 

Eingabe vom 6. Juni 2024 Stellung und ersuchte um Gutheissung des ge-

stellten Gesuchs um Verteidigerwechsel und im Falle einer Zustimmung 

um Zustellung der gesamten Verfahrensakten (GA act. 119). Mit Verfügung 

vom 10. Juni 2024 hiess der Präsident des Jugendgerichts das Gesuch um 

Wechsel der amtlichen Verteidigung gut und liess dem neuen amtlichen 

Verteidiger die Verfahrensakten zustellen (GA act. 121). Mit Eingabe vom 

8. August 2024 ersuchte der neue amtliche Verteidiger darum, ihm wegen 

technischer Probleme einzelne Aktenstücke erneut zuzustellen (GA act. 

123). Das begründete Urteil wurde dem amtlichen Verteidiger schliesslich 

am 26. August 2024 zugestellt. Aus dem dargestellten Ablauf ergibt sich 

zwar, dass die Begründungsfrist von 90 Tagen gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO 

leicht überschritten wurde, jedoch keine Verletzung des Beschleunigungs-

gebots zu begründen vermöchte, bildet eine Nichteinhaltung der Fristen 

lediglich ein Indiz für eine Verletzung dieses Grundsatzes. Vorliegend be-

 - 32 - 

 

 

dingte der Wechsel der amtlichen Verteidigung, dass dem neuen amtlichen 

Verteidiger sämtliche Verfahrensakten zur Einsicht zugestellt werden 

mussten und dem Gericht mithin nicht zur Verfügung standen. Hinzu 

kommt, dass es sich um einen umfangreichen Fall mit verschiedenen, teils 

schwerwiegenden Delikten, handelt, welche eine sorgfältige und einge-

hende Begründung erforderten.   

 

Eine von den Strafbehörden zu verantwortende krasse Zeitlücke ist zu-

sammenfassend nicht erkennbar, das Beschleunigungsgebot mithin nicht 

verletzt.  

 

9.4.6. 

Ein vollumfänglicher Aufschub der Freiheitsstrafe nach Art. 42 Abs. 1 StGB 

kommt vorliegend aufgrund des Strafmasses von 2 Jahren und 10 Monaten 

nicht in Betracht. Infrage kommt einzig ein teilbedingter Strafvollzug nach 

Art. 43 Abs. 1 StGB, der bei einer angeordneten Freiheitsstrafe von bis zu 

3 Jahren möglich ist. Fällt bei Freiheitsstrafen zwischen zwei und drei 

Jahren die Legalprognose nicht negativ aus, tritt der teilbedingte Strafvoll-

zug an die Stelle des in diesem Bereich nicht mehr möglichen vollbedingten 

Strafvollzugs. Besteht hingegen keinerlei Aussicht, dass sich der Täter 

durch den teilweise gewährten Strafaufschub im Hinblick auf sein zukünf-

tiges Legalverhalten positiv beeinflussen lässt, ist die Strafe in voller Länge 

zu vollziehen (BGE 144 IV 277 E. 3.1.1).  

 

Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft. In Bezug auf die begangenen Taten 

zeigt er weder eine nachhaltige Einsicht noch aufrichtige Reue. Zudem hat 

er, nachdem das vorinstanzliche Urteil ausgesprochen wurde, mehrfach er-

neut delinquiert (siehe Ausführungen zur Täterkomponente), wobei er 

einerseits mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 

14. November 2024 zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 3 Monaten bei 

einer Probezeit von 2 Jahren, zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tages-

sätzen bei einer Probezeit von 2 Jahren und zu einer Busse von 

Fr. 1'000.00 und andererseits mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenz-

burg-Aarau vom 10. Januar 2025 zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Ta-

gessätzen bei einer Probezeit von 3 Jahren und zu einer Busse von 

Fr. 700.00 verurteilt worden ist. Dennoch ist ihm unter Berücksichtigung 

dessen, dass er vor den vorliegend zu beurteilenden Taten noch nie 

straffällig geworden und damit auch noch nie zu einer Geldstrafe bzw. gar 

einer Freiheitsstrafe verurteilt worden ist, knapp keine Schlechtprognose 

zu stellen. Mithin ist davon auszugehen, dass bereits der teilweise Vollzug 

der auszusprechenden Freiheitsstrafe eine abschreckende Wirkung beim 

Beschuldigten hinterlassen und er daraus die nötigen Lehren ziehen wird, 

weshalb ihm der teilbedingte Strafvollzug zu gewähren ist (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_330/2024 vom 13. Mai 2025 E. 3.3.1). 

 

 - 33 - 

 

 

Unter Berücksichtigung der erheblichen Bedenken an seiner Legalbe-

währung einerseits und seinem nicht unerheblichen Verschulden anderer-

seits ist hinsichtlich der Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 10 Monaten 

(34 Monate) der zu vollziehende Anteil auf 17 Monate und der bedingt zu 

vollziehende Anteil ebenfalls auf 17 Monate, bei einer Probezeit von 

5 Jahren, festzusetzen (vgl. BGE 134 IV 1 E. 5.6).  

 

9.4.7. 

Dem Beschuldigten sind die vorläufigen Festnahmen von insgesamt sechs 

Tagen (24. Mai 2021 bis 25. Mai 2021, 18. September 2021, 30. Mai 2022 

bis 31. Mai 2022, 15. März 2023 bis 16. März 2023) auf die Freiheitsstrafe 

anzurechnen (Art. 51 StGB i.V.m. Art. 1 Abs. 2 lit. b JStG).  

 

9.5. Geldstrafe  

9.5.1. 

Für die je mit Geldstrafe zu ahndenden Delikte ist kumulativ zur Freiheits-

strafe eine Gesamtgeldstrafe zu bemessen. Dazu ergibt sich Folgendes: 

 

9.5.2. 

Die Einsatzstrafe ist für den Raufhandel, an welchem sich der Beschuldigte 

in der Nacht vom 23. auf den 24. Mai 2021 beteiligt hat, als schwerste Straf-

tat festzusetzen. Dazu ergibt sich Folgendes: 

 

Der Beschuldigte ist zusammen mit B._____, C._____ sowie weiteren 

Personen im Bereich des Schlossplatzes in Aarau auf D._____ und 

E._____ getroffen. Nach zunächst verbalen Provokationen seitens der 

Gruppierung des Beschuldigten ist es zu einer tätlichen Auseinanderse-

tzung gekommen, wobei D._____ unvermittelt durch C._____ getreten 

worden ist. Der Beschuldigte ist wenig später auch auf D._____ losge-

gangen, wobei D._____ ihm gegenüber ebenfalls Schläge ausgeteilt hat.   

 

Hinsichtlich der Beweggründe und dem Mass an Entscheidungsfreiheit 

kann auf obige Ausführungen (vgl. E. 9.4.1) verwiesen werden. 

 

Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von einem Tag bis zu einem 

Jahr Freiheitsstrafe (Art. 25 Abs. 1 JStG) und unter Berücksichtigung der 

vom Tatbestand des Raufhandels erfassten Handlungsweisen von einem 

noch leichten Verschulden und einer dafür angemessenen Einsatzstrafe 

von 80 Tagessätzen Geldstrafe auszugehen. 

 

9.5.3. 

Die Einsatzstrafe ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB für das Fahren 

in fahrunfähigem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG angemessen zu 

erhöhen. Dazu ergibt sich Folgendes: 

 

 - 34 - 

 

 

Gemäss Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG wird derjenige, der aus anderen Gründen 

als denjenigen in lit. a genannten Gründen fahrunfähig ist und ein Motor-

fahrzeug führt, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe be-

straft. Beim Fahren in fahrunfähigem Zustand, einem abstrakten Gefähr-

dungsdelikt, ist das geschützte Rechtsgut die Verkehrssicherheit. Mittelbar 

werden auch Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer geschützt sowie 

deren Eigentum (FAHRNI/HEIMGARTNER, in: Basler Kommentar, Strassen-

verkehrsgesetz, 2014, N. 6 zu Art. 91 SVG). 

 

Der Beschuldigte wurde am 29. Mai 2023 als Lenker des Motorrads 

Yamaha durch eine Patrouille der Kantonspolizei Aargau angehalten und 

kontrolliert, wobei in der Folge die Durchführung einer Blut- und Urinprobe 

angeordnet wurde. Die Auswertung ergab ein positives Resultat auf Canna-

bis (2.4 µg/L THC). Die festgestellte THC-Konzentration hat den in Art. 34 

lit. a VSKV-ASTRA festgelegten Grenzwert (1.5 µg/L) klar überschritten. 

Für Marihuana gilt nach der gesetzlichen Konzeption eine «Nulltoleranz-

Regelung». Lässt sich Marihuana im Blut (wie hier) zuverlässig nachwie-

sen, besteht eine unwiderlegbare gesetzliche Vermutung der Fahrunfähig-

keit. Die deutliche Überschreitung des Grenzwerts ist neutral zu gewichten, 

weil es an einem direkten Zusammenhang zwischen der Höhe des THC-

Gehalts im Blut und der Fahrunfähigkeit fehlt, handelt es sich doch beim 

Grenzwert gerade nicht um einen Wirkungsgrenzwert, sondern um einen 

Bestimmungsgrenzwert (vgl. BGE 147 IV 439 E. 3.2). Da es keine lineare 

Abhängigkeit der Fahrunfähigkeit und der THC-Konzentration im Blut gibt, 

bestimmt sich die objektive Tatschwere nicht nach dem festgestellten THC-

Gehalt, sondern vielmehr anhand des Tathergangs und der konkreten Tat-

umstände. Konkrete Feststellungen über die Beeinträchtigung der Ein-

sichts- und Steuerungsfähigkeit und die daraus resultierende Gefährdung 

der Verkehrssicherheit haben bei der Verschuldenszumessung Vorrang.    

 

Gemäss Beschuldigtem habe er seine Fahrt am 29. Mai 2023 um 

ca. 19.00 Uhr in Oftringen aufgenommen (UA act. 1086). Er wurde um 

20.15 Uhr auf der Striegelstrasse in Safenwil angehalten. Aufgrund des 

Umstands, dass es sich bei der Striegelstrasse um eine Hauptstrasse 

handelt, ist von einem höheren Verkehrsaufkommen auszugehen. Da er 

auf seiner Fahrt eine Ortschaft durchfuhr, musste er auch mit Fussgängern 

und nicht motorisiertem Verkehr rechnen. Hinzu kommt, dass die Strecke 

aufgrund der einmündenden Strassen anspruchsvoll ist und von einem 

Lenker die volle Aufmerksamkeit verlangt. Mithin ist aufgrund der konkreten 

Örtlichkeiten und der Verkehrsführung (einmündende Strassen) nicht von 

einer gefahrenlosen Strecke auszugehen. Eine konkrete Gefährdung an-

derer Verkehrsteilnehmer ist aus den Akten nicht ersichtlich, was jedoch für 

die Erfüllung des Tatbestands nicht relevant ist, da weder das Vorliegen 

eines Unfalls noch eine konkrete Gefährdung verlangt wird. Entsprechend 

kann der Beschuldigte daraus, dass es zu keinem Unfall oder konkreten 

Gefährdung gekommen ist, im Rahmen der Strafzumessung nichts zu 

 - 35 - 

 

 

seinen Gunsten ableiten. Das Fehlen eines verschuldenserhöhenden Um-

standes führt nicht automatisch zu einer Verschuldensminderung, sondern 

wirkt sich neutral aus. 

 

Gemäss FinZ-Set (UA act. 1086 ff.) wurde im Zusammenhang mit dem 

Standtest festgehalten, dass der Beschuldigte schwankte und flatternde 

Augenlider aufwies. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass 

der Beschuldigte in seiner Fähigkeit, ein Fahrzeug zu lenken, nicht uner-

heblich eingeschränkt war. 

 

Die von der Fahrt des Beschuldigten ausgehende Gefährdung der allge-

meinen Verkehrssicherheit bzw. der anderen Verkehrsteilnehmer ist nicht 

zu bagatellisieren. Der Beschuldigte macht keine nachvollziehbaren Grün-

de für seine Fahrt geltend und es ist nicht ersichtlich, weshalb er nicht auf 

die Fahrt verzichtet hat. Mithin verfügte er hinsichtlich seiner Fahrt in fahr-

unfähigem Zustand über ein sehr grosses Mass an Entscheidungsfreiheit. 

Je leichter es ihm aber gefallen wäre, sich an die Normen des Strassen-

verkehrsrechts zu halten, desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen 

und damit seine Schuld (vgl. BGE 127 IV 101 E. 2a; BGE 117 IV 112 E. 1; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3). 

 

Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu drei Jahren Frei-

heitsstrafe oder Geldstrafe und den davon erfassten Erscheinungsformen 

des Fahrens in fahrunfähigem Zustand – bei isolierter Betrachtung – eine 

angemessene Einsatzstrafe von 80 Tagessätzen festzusetzen. Im Rahmen 

der Asperation ist zu beachten, dass kein sachlicher, örtlicher oder zeit-

licher Zusammenhang zum Raufhandel besteht, weshalb der Gesamt-

schuldbeitrag entsprechend hoch zu veranschlagen ist. Angemessen er-

scheint eine Erhöhung um 60 Tagessätze auf 140 Tagessätze Geldstrafe.    

 

9.5.4. 

Die Einsatzstrafe ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB für die 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 

BetmG durch Besitz von 3.1 Gramm Kokain, sechs Ecstasy-Tabletten und 

38 Xanax-Tabletten angemessen zu erhöhen. Dazu ergibt sich Folgendes: 

 

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird gemäss Art. 19 

Abs. 1 lit. d BetmG bestraft, wer Betäubungsmittel unbefugt besitzt. Aus-

gangspunkt für die Strafzumessung innerhalb des ordentlichen Straf-

rahmens bildet die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechts-

guts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Tatbestand von Art. 19 BetmG soll insbe-

sondere die öffentliche Gesundheit schützen. Geschützt werden sollen 

aber auch die einzelnen Personen von den negativen gesundheitlichen 

oder sozialen Folgen suchtbedingter Störungen (SCHLEGEL/JUCKER, OFK 

BetmG, 4. Aufl. 2022, N. 1 zu Art. 19 BetmG mit Hinweisen). Es handelt 

sich dabei um hochstehende Rechtsgüter. Massgebend für die Bestim-

 - 36 - 

 

 

mung der objektiven Tatschwere und dem damit einhergehenden Ver-

schulden sind zunächst Art und Menge der Drogen. Je grösser die Menge 

und je schädlicher die Art der vom Täter gehandelten Betäubungsmittel 

erscheint, desto gewichtiger erweist sich die von ihm mit der Tatverübung 

geschaffene gesundheitliche Gefährdung Dritter. Der Drogenmenge ist 

zwar keine vorrangige, aber auch nicht eine untergeordnete Bedeutung 

zuzumessen. Es wäre verfehlt, im Sinne eines Tarifs überwiegend oder gar 

allein auf dieses Kriterium abzustellen. Falsch wäre aber auch die An-

nahme, diesem Strafzumessungselement komme eine völlig untergeord-

nete oder gar keine Bedeutung zu. 

 

Der Beschuldigte besass am 15. März 2023 anlässlich einer polizeilichen 

Anhaltung und Kontrolle 3.1 Gramm Kokain, sechs Ecstasy-Tabletten und 

38 Xanax-Tabletten. Sowohl bei Kokain als auch bei Amphetamin 

(worunter Ecstasy fällt) handelt es sich um sogenannte harte Drogen mit 

grossem Abhängigkeits- und Gefährdungspotential. Entsprechend ist die 

davon ausgehende Gefährdung der Gesundheit der Drogenkonsumenten 

bzw. die potenzielle Gefahr einer dauerhaften Gesundheitsschädigung bei 

regelmässigem Konsum nicht zu bagatellisieren. Dass der Beschuldigte mit 

der konkret besessenen Menge von 3.1 Gramm Kokain und sechs Ecstasy-

Tabletten den Grenzwert für einen mengenmässig schweren Fall, welcher 

bei Kokain bei 18 Gramm reinem Wirkstoff und bei Amphetamin bei 

36 Gramm reinem Wirkstoff liegt (BGE 149 IV 312), deutlich unterschritten 

hat, ist neutral zu werten. Das Fehlen eines Strafschärfungsgrundes führt 

nicht automatisch zu einer Strafminderung.   

 

Ein besonders raffiniertes Vorgehen oder eine besondere kriminelle Ener-

gie, die wesentlich über die Erfüllung des Tatbestands hinausgeht, ist hin-

gegen nicht auszumachen. Entsprechend ist die Art und Weise des Tat-

vorgehens bzw. die Verwerflichkeit des Handelns des Beschuldigten neu-

tral zu werten. 

 

Hinsichtlich der Beweggründe ist festzuhalten, dass der Beschuldigte die 

Betäubungsmittel zu Veräusserungszwecken auf sich trug und damit aus 

rein egoistischen bzw. finanziellen Motiven handelte. Er verfügte über ein 

erhebliches Mass an Entscheidungsfreiheit. Je leichter es aber für ihn ge-

wesen wäre, die Normen des Betäubungsmittelgesetzes zu respektieren, 

desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen (BGE 117 IV 112 E. 1; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3).  

 

Insgesamt ist im weiten Spektrum der vom Tatbestand von Art. 19 Abs. 1 

lit. d BetmG erfassten Art und Menge von Drogen sowie strafbaren Hand-

lungen von einem vergleichsweise leichten Tatverschulden und in Relation 

zum Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe von 

einer dafür – bei isolierter Betrachtung – angemessenen Einsatzstrafe von 

80 Tagessätzen auszugehen. Im Rahmen der Asperation ist zu beachten, 

 - 37 - 

 

 

dass kein sachlicher, örtlicher oder zeitlicher Zusammenhang zum 

Raufhandel oder zum Fahren in fahrunfähigem Zustand besteht, weshalb 

der Gesamtschuldbeitrag entsprechend hoch zu veranschlagen ist. Ange-

messen erscheint eine Erhöhung um 60 Tagessätze auf 200 Tagessätze 

Geldstrafe. Nachdem die Geldstrafe nach Art. 34 Abs. 1 StGB jedoch höch-

stens 180 Tagessätze beträgt und ein Strafartenwechsel ausgeschlossen 

ist (vgl. BGE 144 IV 313), bleibt es bei einer Geldstrafe von 180 Tages-

sätzen.  

 

9.5.5. 

Eine weitere Asperation für die Straftaten, für welche qua Verschulden eine 

Geldstrafe auszufällen gewesen wäre (Widerhandlung gegen das Betäu-

bungsmittelgesetz durch Verkauf von 0.6 Gramm Kokain an den verdeck-

ten Fahnder), kann unterbleiben, da aufgrund des Verschlechterungsver-

bots eine Erhöhung ausgeschlossen ist (vgl. dazu auch oben E. 8.4.4).  

  

9.5.6. 

In Bezug auf die Täterkomponente kann grundsätzlich auf die obigen 

Ausführungen zur Freiheitsstrafe verwiesen werden (E. 8.4.4 hiervor). 

 

Der Beschuldigte hat den Vorwurf des Fahrens in fahrunfähigem Zustand 

anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung anerkannt. Ein Bestrei-

ten wäre aber aufgrund der Tatsache, dass eine Blut- und Urinprobe 

durchgeführt worden ist, ohnehin zwecklos gewesen. Ein Ges