# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 516a22ef-7bf5-5e86-8274-9c4d6738f582
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-05-18
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsgericht 18.05.2004 B 2004/50
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VG_001_B-2004-50_2004-05-18.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: B 2004/50

Stelle: Verwaltungsgericht

Rubrik: Verwaltungsgericht

Publikationsdatum: 18.05.2004

Entscheiddatum: 18.05.2004

Entscheid Verwaltungsgericht, 18.05.2004
Ausländerrecht, Art. 10 Abs. 1 lit. a und Art. 11 Abs. 3 ANAG (SR 142.20). Es 
ist zulässig, einen 1962 geborenen, seit 1976 in der Schweiz lebenden 
tunesischen Staatsangehörigen, der ein Kind mit Schweizer Bürgerrecht hat, 
aufgrund einer Verurteilung wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu acht 
Jahren Zuchthaus für zehn Jahre aus der Schweiz auszuweisen 
(Verwaltungsgericht, B 2004/50).

Anwesend: Präsident Dr. U. Cavelti; Verwaltungsrichter Dr. E. Oesch-Frischkopf, lic. 

iur. A. Linder, Dr. B. Heer, lic. iur. A. Rufener; Gerichtsschreiber lic. iur. Th. Vögeli

_______________

In Sachen

W.L., zur Zeit Strafanstalt Saxerriet, 9465 Salez,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt Arthur Andermatt, Teufener Strasse 8, 9001 St. Gallen,

gegen

Justiz- und Polizeidepartement des Kantons St. Gallen, Oberer Graben 32, 9001 St. 

Gallen,

Vorinstanz,

betreffend

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Ausweisung

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:

A./ W.L., geboren 1962, ist tunesischer Staatsangehöriger. Er kam nach dem Tod 

seines Vaters im Jahr 1976 in die Schweiz und lebte bis 1983 im Pestalozzidorf in 

Trogen. Er ist im Besitz einer Niederlassungsbewilligung.

W.L. hat ein Kind mit Schweizer Bürgerrecht, den am 17. September 1989 geborenen 

Sohn S.

Am 28. August 1994 stach W.L. dem aus Kosovo stammenden H. in dessen Wohnung 

in St. Gallen mit einem Küchenmesser tief in den Hals und fügte ihm weitere 

Messerstiche sowie eine Schnittverletzung zu. Er wurde deswegen mit Urteil vom 5. 

September 1997 vom Kantonsgericht St. Gallen der versuchten vorsätzlichen Tötung 

schuldig gesprochen und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Die vom Verurteilten 

erhobene Nichtigkeitsbeschwerde wurde vom Kassationsgericht am 3. Juni 1998 

abgewiesen. Das Bundesgericht wies die staatsrechtliche Beschwerde des Verurteilten 

mit Urteil vom 18. Januar 1999 ab, soweit es darauf eintrat.

Am 19. April 1999 trat W.L. den Vollzug der Zuchthausstrafe an.

Die Strafkammer des Kantonsgerichtes wies ein Wiederaufnahmegesuch von W.L. mit 

Entscheid vom 3. September 1999 ab.

Mit Verfügung vom 28. November 2003 wies das Ausländeramt W.L. für die Dauer von 

zehn Jahren aus der Schweiz aus. Der Beginn der Ausweisung wurde auf den 22. Juli 

2004, den Zeitpunkt der voraussichtlichen bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug, 

festgesetzt.

B./ Gegen die Ausweisung erhob der Betroffene Rekurs, der vom Justiz- und 

Polizeidepartement mit Entscheid vom 2. März 2004 abgewiesen wurde.

C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 19. März 2004 erhob der Betroffene 

Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

März 2004 sowie die Verfügung des Ausländeramts vom 28. November 2003 seien 

aufzuheben, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird im 

wesentlichen geltend gemacht, die Ausweisung sei unangemessen, zumal der 

Beschwerdeführer nicht freiwillig, sondern durch Aktivitäten einer schweizerischen 

Institution in die Schweiz gelangt sei. Sodann sei keine Rückfallgefahr gegeben. Der 

Beschwerdeführer habe ausserdem einen Sohn mit Schweizer Bürgerrecht, und er 

habe Anspruch darauf, von den staatlichen Organen nach Treu und Glauben behandelt 

zu werden. Auf die einzelnen Vorbringen wird, soweit wesentlich, in den 

nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 30. März 2004 auf Abweisung 

der Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:

1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1 

des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der 

Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in 

Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 19. März 2004 

entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 

in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten.

2./ Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der 

Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) kann ein Ausländer aus der Schweiz 

ausgewiesen werden, wenn er wegen eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich 

bestraft wurde (lit. a) oder wenn sein Verhalten im allgemeinen und seine Handlungen 

darauf schliessen lassen, dass er nicht gewillt oder nicht fähig ist, sich in die im 

Gaststaat geltende Ordnung einzufügen (lit. b).

Die Ausweisung kann befristet, aber nicht für weniger als zwei Jahre, oder unbefristet 

ausgesprochen werden (Art. 11 Abs. 1 ANAG). Sie soll nur verfügt werden, wenn sie 

nach den gesamten Umständen angemessen erscheint (Art. 11 Abs. 3 Satz 1 ANAG).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

a) Art. 10 Abs. 1 ANAG ist eine typische "Kann-Bestimmung". Das Gesetz schreibt 

beim Vorliegen bestimmter Voraussetzungen nicht zwingend die Anordnung einer 

Ausweisung vor, sondern es räumt der Verwaltung diesbezüglich einen 

Ermessensspielraum ein. Das Verwaltungsgericht ist zur Ueberprüfung der 

Angemessenheit einer Verfügung oder eines Entscheides nicht befugt (Art. 61 Abs. 1 

und 2 VRP). Es darf daher auch bei der Prüfung der Angemessenheit im Sinne von Art. 

11 Abs. 3 Satz 1 ANAG nicht sein eigenes Ermessen - im Sinne einer Prüfung der 

Opportunität bzw. der Zweckmässigkeit der Massnahme - anstelle des Ermessens der 

Verwaltung stellen (VerwGE vom 11. November 2003 i.S. M.B.A. mit Hinweis auf 

VerwGE vom 17. August 1999 i.S. J. und S.R.; BGE 125 II 107). Es kann nur 

überprüfen, ob der Entscheid der Verwaltung auf einer Ueberschreitung bzw. einem 

Missbrauch des Ermessens beruht und damit rechtswidrig ist (GVP 1996 Nr. 9 mit 

Hinweisen).

Für die Beurteilung der Angemessenheit der Ausweisung im Sinne von Art. 11 Abs. 3 

ANAG bzw. der Verhältnismässigkeit sind namentlich die Schwere des Verschuldens 

des Ausländers, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz sowie die ihm und seiner 

Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (Art. 16 Abs. 3 der Vollzugsverordnung 

zum ANAG, SR 142.201, abgekürzt ANAV). In der Prüfung der Angemessenheit im 

Sinne von Art. 11 Abs. 3 ANAG, d.h. der Verhältnismässigkeit, geht auch diejenige auf, 

ob die Massnahme im Sinne von Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention 

(SR 0.101, abgekürzt EMRK) verhältnismässig bzw. als in einer demokratischen 

Gesellschaft notwendig erscheint (BGE 120 Ib 130 f.).

b) Der Beschwerdeführer wurde von der Strafkammer des Kantonsgerichts der 

versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig gesprochen und zu acht Jahren Zuchthaus 

verurteilt. Aufgrund dieser Verurteilung sind die Voraussetzungen für eine Ausweisung 

gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG unbestrittenermassen erfüllt.

c) Im folgenden ist zu prüfen, ob die angeordnete Ausweisung für die Dauer von zehn 

Jahren verhältnismässig ist.

Ausgangspunkt und Massstab für die Schwere des Verschuldens und die 

fremdenpolizeiliche Interessenabwägung ist die vom Strafrichter verhängte Strafe (BGE 

129 II 216).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Die Straftat vom 28. August 1994 ist als Beziehungsdelikt einzustufen. Dem Urteil des 

Kantonsgerichts ist zu entnehmen, dass der Angeschuldigte und die Vietnamesin T. 

gemeinsam im Pestalozzidorf aufgewachsen sind, später zusammenlebten und auch 

ein gemeinsames Kind haben. Im Frühjahr wandte sich T. einem anderen Mann, H., zu. 

Nachdem der Angeschuldigte davon Kenntnis erhielt, suchte er H. in dessen Wohnung 

auf und griff ihn an. Das Strafgericht hielt fest, der Angeschuldigte habe im Affekt 

gehandelt. Es könne ihm nicht vorgeworfen werden, dass er die Tat minuziös geplant 

habe. Die insgesamt rund fünfzehn Jahre dauernde Beziehung zu seiner Jugendliebe 

habe sein Leben entscheidend geprägt. Sie sei zuletzt durch viele Missverständnisse, 

Streitereien und Handgreiflichkeiten entartet. Der Angeschuldigte habe sich von der 

Freundin aber doch nicht lösen können und sei mit ihr in einer Art Hassliebe verbunden 

geblieben. Offenbar habe er erst am Vortag erkannt, dass sie sich nun endgültig einem 

anderen Mann zugewandt habe. Die Tat sei ungeplant und unerwartet aus der Situation 

heraus erfolgt und habe anderseits ein Opfer getroffen, das nichts unternommen habe, 

was den Zorn des Täters hätte rechtfertigen können und vollkommen arglos gewesen 

sei. Das Verschulden des Angeschuldigten wiege vor allem deshalb schwer, weil er bei 

einem mit grosser Wucht gegen den Hals geführten Messerstich praktisch sicher mit 

dem Tod des Opfers gerechnet und deshalb mit direktem Tötungsvorsatz gehandelt 

habe. Als Strafmilderungsgrund billigte das Gericht dem Täter eine leicht verminderte 

Zurechnungsfähigkeit zu.

Auch in fremdenpolizeilicher Hinsicht ist das Verschulden des Beschwerdeführers als 

gravierend einzustufen. Insbesondere ist bei Gewaltdelikten auch nach der 

Rechtsprechung des Bundesgerichts ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 II 

526). Aufgrund der Straftat bzw. der Verurteilung ist ein gewichtiges öffentliches 

Interesse an der Ausweisung des Beschwerdeführers gegeben.

Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde ist eine gewisse Rückfallgefahr nicht 

von der Hand zu weisen. Der Strafrichter hielt fest, der Angeschuldigte sei zwar als 

labil, aber doch nicht als potentiell gefährlich zu bezeichnen. Zutreffend ist ausserdem, 

dass sich der Beschwerdeführer nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft 

während rund fünf Jahren bis zum Strafantritt nichts zuschulden kommen liess. Der 

Strafrichter hielt indessen fest, eine Therapie sei unzweckmässig, da der 

Angeschuldigte nicht bereit sei, sich mit seiner Tat auseinanderzusetzen. Unter diesen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Umständen ist eine erhöhte Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass der 

Beschwerdeführer in einer ähnlichen emotional belastenden Situation wiederum 

gewalttätig handeln könnte. Diese Rückfallgefahr wird verstärkt, da der 

Beschwerdeführer mit seiner ehemaligen Lebenspartnerin ein gemeinsames Kind hat 

und die Beziehung zu diesem Kind nach den Angaben in der Beschwerde durch die Tat 

belastet ist.

Nicht ausschlaggebend ist sodann der Verzicht auf eine strafrechtliche 

Landesverweisung. Die Rechtmässigkeit bzw. Verhältnismässigkeit einer 

fremdenpolizeilichen Ausweisung ist nicht nach denselben Grundsätzen zu beurteilen 

wie die Frage einer strafrechtlichen Landesverweisung. Das Bundesgericht bestätigte 

in einem unlängst ergangenen Entscheid seine Praxis, wonach abweichende 

Entscheidungen zulässig sind. Es erwog, für den Entscheid über die 

fremdenpolizeiliche Ausweisung stehe das allgemeine Interesse der öffentlichen 

Ordnung und Sicherheit im Vordergrund. Der konkreten Prognose über das 

Wohlverhalten sowie dem Resozialisierungsgedanken des Strafrechts sei zwar im 

Rahmen der umfassenden fremdenpolizeilichen Interessenabwägung ebenfalls 

Rechnung zu tragen, die beiden Umstände gäben aber nicht den Ausschlag (BGE 125 

II 110 mit Hinweisen).

Zugunsten des Beschwerdeführers ist der lange Aufenthalt in der Schweiz zu 

berücksichtigen. Der Beschwerdeführer kam 1976 im Alter von rund vierzehn Jahren in 

die Schweiz. Dieser Umstand fällt bei der Beurteilung der Verhältnismässigkeit der 

Ausweisung zu seinen Gunsten ins Gewicht. Allerdings ist die Ausweisung selbst bei 

Ausländern der zweiten Generation, welche in der Schweiz geboren wurden, unter 

gewissen Umständen zulässig (BGE 122 II 436).

Unbegründet sind die Ausführungen in der Beschwerde, soweit sie auf die Rolle des 

Pestalozzidorfes Bezug nehmen. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer nach 

eigenen, nicht näher belegten Ausführungen vor nahezu 20 Jahren auf Veranlassung 

schweizerischer Institutionen nach Trogen kam, mindert sein Verschulden nicht, zumal 

der Aufenthalt im Pestalozzidorf im Zeitpunkt der Tat bereits mehr als zehn Jahre 

zurücklag. Auch der Strafrichter hat übrigens diesen Umstand nicht strafmildernd 

berücksichtigt. Die Hintergründe der Einreise in die Schweiz lassen sich ohnehin den 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Akten nicht entnehmen und werden in der Beschwerde nicht näher dargelegt. 

Namentlich macht der Beschwerdeführer auch keine näheren Ausführungen, was in 

seinem Falle seitens des Pestalozzidorfes schief gelaufen ist. Wohl trifft es zu, dass der 

Beschwerdeführer die Tat nicht begangen hätte, wenn er nicht in die Schweiz 

gekommen wäre. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer im Pestalozzidorf 

aufgewachsen ist, hat aber, ebenso wie die Funktion oder das Selbstverständnis des 

Pestalozzidorfes, keinen wesentlichen Einfluss auf die fremdenpolizeiliche Beurteilung 

der Straftat. Namentlich geht der Einwand fehl, eine dramatische Lebensgeschichte 

werde allein dem Beschwerdeführer angelastet und dieser ausgewiesen, nachdem er 

die ihm zugewiesene Rolle als tunesisches Halbwaisenkind nicht mehr erfülle. 

Jedenfalls lässt sich aus dem Handeln schweizerischer Behörden und Institutionen 

gestützt auf Treu und Glauben kein Anspruch auf Verbleib in der Schweiz begründen.

d) Zugunsten des Beschwerdeführers fällt hingegen ins Gewicht, dass er ein Kind mit 

Schweizer Bürgerrecht hat, das in der Schweiz lebt. Der Beschwerdeführer beruft sich 

in diesem Zusammenhang auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK.

Art. 8 Abs. 1 EMRK garantiert den Schutz des Familienlebens. Hat der Ausländer nahe 

Verwandte mit Anwesenheitsrecht (Schweizer Bürgerrecht, Niederlassungsbewilligung) 

in der Schweiz und ist die zu diesen bestehende Beziehung intakt und tatsächlich 

gelebt, kann Art. 8 EMRK verletzt werden, wenn ihm die Anwesenheit in der Schweiz 

untersagt wird (BGE 127 II 64, 116 Ib 355, 118 Ib 157). Im Verhältnis zwischen Vater 

und leiblichen Kindern ist ein eigentliches Zusammenleben nicht ohne weiteres 

unentbehrlich für das Bestehen eines Familienlebens im Sinne von Art. 8 EMRK. Eine 

intakte und gelebte familiäre Beziehung wird schon dann angenommen, wenn ein 

regelmässiger Kontakt besteht (BGE 120 Ib 3, 119 Ib 84).

Im vorliegenden Fall besteht kein gemeinsamer Haushalt des Beschwerdeführers mit 

seinem Kind oder dessen Mutter. Folglich kann der Beschwerdeführer die Beziehung 

zu seinem Kind nur im Rahmen des Besuchsrechts pflegen. Ob er das Besuchsrecht 

auch tatsächlich wahrnimmt bzw. vor dem Eintritt in den Strafvollzug wahrgenommen 

hat, geht aus den Akten nicht hervor.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Nach Art. 8 Abs. 2 EMRK ist ein Eingriff in das von Abs. 1 geschützte Rechtsgut unter 

gewissen Voraussetzungen statthaft. Ein Eingriff ist dann zulässig, wenn er gesetzlich 

vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig ist für die nationale 

oder öffentliche Sicherheit, für das wirtschaftliche Wohl des Landes, zur 

Aufrechterhaltung der Ordnung, zur Verhütung von Straftaten, zum Schutz der 

Gesundheit oder der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer. Die 

EMRK verlangt somit ein Abwägen der sich gegenüberstehenden privaten Interessen 

an der Bewilligungserteilung und dem öffentlichen Interesse an deren Verweigerung, 

wobei die öffentlichen Interessen an deren Verweigerung in dem Sinn überwiegen 

müssen, dass sich der Eingriff als notwendig erweist (vgl. BGE 122 II 6 mit Hinweis). 

Bei der Abwägung der sich gegenüberstehenden privaten und öffentlichen Interessen 

sind die gesamten persönlichen Verhältnisse des Ausländers zu würdigen, namentlich 

Dauer des Aufenthaltes, Integration in der Schweiz, verbleibende Beziehung zum 

Heimatstaat, straf- oder fremdenpolizeirechtlich verpöntes Verhalten (vgl. Haefliger/

Schür- mann, Die Europäische Menschenrechtskonvention und die Schweiz, 2. Aufl., 

Bern 1999, S. 263; VerwGE vom 22. Januar 2002 i.S. N.O.).

Der Beschwerdeführer ist nicht sorgeberechtigter Vater und kann daher die familiäre 

Beziehung zu seinem Kind nur in einem beschränkten Rahmen - nämlich durch 

Ausübung des ihm eingeräumten Besuchsrechts - leben. Hierzu ist es nicht 

unabdingbar, dass er dauernd in der Schweiz lebt und hier über eine 

Aufenthaltsbewilligung verfügt. Den Anforderungen von Art. 8 EMRK ist Genüge getan, 

wenn das Besuchsrecht im Rahmen von Kurzaufenthalten vom Ausland her ausgeübt 

werden kann, wobei allenfalls dessen Modalitäten entsprechend auszugestalten sind 

(vgl. BGE 2A.563/2002 vom 23. Mai 2003, E. 2.2). Ein weitergehender Anspruch ist 

nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur zu bejahen, wenn in wirtschaftlicher 

und affektiver Beziehung eine besonders enge Beziehung zum Kind besteht, diese 

Beziehung wegen der Distanz zum Heimatland des Ausländers praktisch nicht 

ausgeübt werden könnte und das bisherige Verhalten des Ausländers in der Schweiz 

zu keinen Klagen Anlass gegeben hat bzw. als tadellos einzustufen ist (BGE 2A.

563/2002 vom 23. Mai 2003 mit Hinweisen).

Die Beziehungen des Beschwerdeführers zu seinem Sohn werden in der Beschwerde 

nicht näher dargelegt. Es wird lediglich ausgeführt, die Beziehungen zum Sohn seien, 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

ebenfalls vor dem Hintergrund der Tat, zur Zeit schwierig. Der Beschwerdeführer hoffe, 

dass einerseits nach der Entlassung aus dem Strafvollzug und anderseits mit 

zunehmendem Alter des Kindes die Beziehungen verbessert werden könnten. Unter 

diesen Umständen kann jedenfalls keine besonders enge affektive Beziehung 

angenommen werden. Auch ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer keine 

materielle Unterstützung für sein Kind leistet.

Hinzu kommt, dass eine Aufrechterhaltung von Kontakten von Tunesien aus nicht mit 

unüberwindlichen Schwierigkeiten verbunden ist. Die Distanz von Tunesien nach der 

Schweiz ist relativ einfach zu überwinden.

In Betracht fällt ferner, dass für den Beschwerdeführer eine Rückkehr nach Tunesien 

nicht mit überdurchschnittlichen Schwierigkeiten verbunden ist. Er selbst hielt bei der 

untersuchungsrichterlichen Befragung zur Person am 2. September 1994 fest, er 

spreche deutsch, arabisch, englisch und französisch. Seine Brüder seien als 

Polizeioffizier im tunesischen Innenministerium, als Zivilangestellter im 

Verteidigungsministerium und als Schiffsführer in Sizilien tätig. Er habe noch Kontakt zu 

den Brüdern. In der Beschwerde behauptet er, er unterhalte in seinem Heimatland 

keine massgeblichen Sozialkontakte mehr. Jedenfalls kann der Beschwerdeführer 

aufgrund seiner Sprachkenntnisse im Herkunftsstaat ohne grössere Probleme wieder 

Fuss fassen. Zudem besteht die Möglichkeit, dass er die Beziehungen zu seinen 

Brüdern wieder aufnimmt. Jedenfalls werden in der Beschwerde keine näheren 

Angaben gemacht, dass Kontakte zu den Brüdern nicht mehr möglich sind. Ausserdem 

erhält der Beschwerdeführer nach seinen eigenen Angaben seit 1993 eine IV-Rente. 

Unter diesen Umständen dürfte eine Rückkehr nach Tunesien den Beschwerdeführer 

auch nach dem relativ langen Aufenthalt in der Schweiz nicht vor unüberwindliche 

Probleme stellen.

e) Aufgrund der dargelegten Umstände durfte die Vorinstanz ohne Rechtsverletzung 

dem Schutz der öffentlichen Ordnung und damit dem Interesse an einer Entfernung 

des Beschwerdeführers höheres Gewicht zumessen als dem privaten Interesse an 

einem Verbleib in der Schweiz. Angesichts der Schwere der Straftat ist die vom 

Ausländeramt verfügte bzw. von der Vorinstanz bestätigte Dauer der Ausweisung von 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

zehn Jahren trotz des lange dauernden Aufenthalts in der Schweiz nicht zu 

beanstanden.

Somit ergibt sich, dass die Ausweisung für die Dauer von zehn Jahren den Grundsatz 

der Verhältnismässigkeit nicht verletzt, weshalb die Beschwerde als unbegründet 

abzuweisen ist.

3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des 

Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine 

Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS 

941.12). Dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ist zu 

entsprechen und auf die Erhebung der Kosten vorläufig zu verzichten.

Der Anspruch des unentgeltlichen Rechtsbeistands aus der Vertretung im 

Beschwerdeverfahren ist auf Fr. 1'500.-- zuzügl. MWSt festzusetzen (Art. 22 Abs. 1 lit. 

c der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75).

Demnach hat das Verwaltungsgericht zu Recht erkannt:

1./ Die Beschwerde wird abgewiesen.

2./ Die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 2'000.-- werden dem 

Beschwerdeführer auferlegt. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege wird auf die 

Erhebung vorläufig verzichtet.

3./ Der Anspruch des unentgeltlichen Rechtsbeistands im Beschwerdeverfahren 

beträgt Fr. 1'500.-- zuzügl. MWSt.

V. R. W.

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/11

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Zustellung dieses Entscheides an:

 

Arthur Andermatt, 9001 St. Gallen)

 

am:

Rechtsmittelbelehrung:

Soweit eine Verletzung von Bundesrecht bzw. eines Rechtsanspruchs auf Erteilung 

einer Bewilligung geltend gemacht wird (Art. 100 lit. b Ziff. 3 und Art. 104 lit. a und b 

OG), kann gegen diesen Entscheid innert dreissig Tagen seit der Eröffnung 

Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 

14, eingereicht werden

den Beschwerdeführer (durch Rechtsanwalt–

die Vorinstanz–

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Verwaltungsgericht, 18.05.2004
	Ausländerrecht, Art. 10 Abs. 1 lit. a und Art. 11 Abs. 3 ANAG (SR 142.20). Es ist zulässig, einen 1962 geborenen, seit 1976 in der Schweiz lebenden tunesischen Staatsangehörigen, der ein Kind mit Schweizer Bürgerrecht hat, aufgrund einer Verurteilung wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu acht Jahren Zuchthaus für zehn Jahre aus der Schweiz auszuweisen (Verwaltungsgericht, B 2004/50).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T17:19:52+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen