# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eafcceb2-cf6e-5a26-8651-bf877a1b9bc4
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-03
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 03.06.2021 200 2021 202
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-202_2021-06-03.pdf

## Full Text

200 21 202 ALV
LOU/BOC/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 3. Juni 2021

Verwaltungsrichter Loosli
Gerichtsschreiberin Bossert

A.________
Beschwerdeführer

gegen

Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern
Rechtsdienst, Lagerhausweg 10, 3018 Bern
Beschwerdegegner

betreffend Einspracheentscheid vom 16. Februar 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Juni 2021, ALV/21/202, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 1985 geborene A.________ (Versicherter bzw. Beschwerdeführer) 
meldete sich am 30. Juni 2020 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszen-
trum (RAV) zur Arbeitsvermittlung an und stellte gleichentags Antrag auf 
Arbeitslosenentschädigung ab dem 1. Juli 2020 (Akten der Arbeitslosen-
kasse Biel [act. II] 177, 187 - 190). In der Folge bezog er Leistungen der 
Arbeitslosenversicherung, wobei er ab dem 1. September 2020 wegen 
unentschuldigten Nichtantritts einer arbeitsmarktlichen Massnahme für 
zehn Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde (Verfügung vom 
24. September 2020 [Akten des RAV Region Seeland-Berner Jura {act. IIA} 
131 - 133]; bestätigt mit Einspracheentscheid vom 2. Dezember 2020 [act. 
IIA 53 - 56] und Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. 
März 2021, ALV/2020/929). 

Mit Verfügung vom 21. Oktober 2020 (act. IIA 108 - 110) stellte das RAV 
Biel den Versicherten wegen zweitmaligen Nichtantritts einer arbeitsmarkt-
lichen Massnahme ab dem 3. Oktober 2020 für 30 Tage in der Anspruchs-
berechtigung ein. Daran hielt das Amt für Arbeitslosenversicherung des 
Kantons Bern (AVA bzw. Beschwerdegegner) auf Einsprache hin (act. IIA 
75) mit Entscheid vom 21. Dezember 2020 (act. IIA 45 - 48) fest, was mit 
Urteil des Verwaltungsgerichts vom 23. März 2021, ALV/2021/63, bestätigt 
wurde.

Wegen drittmaligen Nichtantritts einer arbeitsmarktlichen Massnahme wur-
de der Versicherte mit Verfügung vom 24. November 2020 (act. IIA 68 - 70) 
ab dem 16. Oktober 2020 für 38 Tage in der Anspruchsberechtigung ein-
gestellt. Die dagegen erhobene Einsprache (act. IIA 62) wies das AVA mit 
Einspracheentscheid vom 16. Februar 2021 (act. IIA 9 - 12) ab. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Juni 2021, ALV/21/202, Seite 3

B.

Dagegen erhob der Versicherte mit einer vom 9. Februar 2021 datierten, 
am 10. März 2021 der Post übergegebenen Eingabe Beschwerde. Er bean-
tragt die Aufhebung des ergangenen Verwaltungsaktes. Gleichzeitig stellt 
er ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. 

Mit Beschwerdeantwort vom 12. April 2021 beantragt der Beschwerdegeg-
nerin die Abweisung der Beschwerde.

Mit prozessleitender Verfügung vom 29. April 2021 wurde der Beschwer-
degegner aufgefordert, fehlende Aktenstücke einzureichen und ergänzende 
Ausführungen zu gewissen per Einschreiben versandten Schreiben zu ma-
chen. Eine entsprechende Stellungnahme des Beschwerdegegners samt 
Beilagen ging am 11. Mai 2021 beim Gericht ein. 

Mit Eingabe vom 24. Mai 2021 nahm der Beschwerdeführer Stellung zur 
Eingabe des Beschwerdegegners vom 10. Mai 2021. 

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 

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gegeben (Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die 
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung 
[AVIG; SR 837.0] i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung vom 31. August 
1983 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolven-
zentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Da auch die Bestimmungen über Frist 
(Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 
des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechts-
pflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde ein-
zutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 16. Februar 
2021 (act. IIA 9 - 12). Streitig und zu prüfen ist die Einstellung in der An-
spruchsberechtigung im Umfang von 38 Tagen ab dem 16. Oktober 2020 
wegen drittmaligen Nichtantritts einer arbeitsmarktlichen Massnahme.

1.3 Der Streitwert liegt bei einer Einstelldauer von 38 Tagen und einer 
Taggeldhöhe von Fr. 81.60 (act. II 143; Urteil des Verwaltungsgerichts des 
Kantons Bern vom 23. März 2021, ALV/2020/781, E. 3.1) unter Fr. 20'000.-
-, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zustän-
digkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG müssen Versicherte, die Versicherungs-
leistungen beanspruchen wollen, mit Unterstützung des zuständigen Ar-
beitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu 
vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere sind sie verpflichtet, Arbeit zu 
suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufes. Auf Wei-
sung der zuständigen Amtsstelle haben sie - unter anderem - an arbeits-
marktlichen Massnahmen teilzunehmen, die ihre Vermittlungsfähigkeit 
fördern (Art. 17 Abs. 3 lit. a AVIG). 

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2.2 Die versicherte Person ist in der Anspruchsberechtigung einzustel-
len, wenn sie die Kontrollvorschriften oder die Weisungen der zuständigen 
Amtsstelle nicht befolgt, namentlich eine zumutbare Arbeit nicht annimmt 
oder eine arbeitsmarktliche Massnahme ohne entschuldbaren Grund nicht 
antritt, abbricht oder deren Durchführung oder Zweck durch sein Verhalten 
beeinträchtigt oder verunmöglicht (Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG).

2.3 Gemäss Art. 1a Abs. 2 AVIG gehört es zu den Zielen des Gesetzes, 
drohende Arbeitslosigkeit zu verhüten, bestehende Arbeitslosigkeit zu 
bekämpfen und die rasche und dauernde Eingliederung in den Arbeits-
markt zu fördern. Zu diesem Zweck dienen unter anderem die arbeitsmarkt-
lichen Massnahmen (Art. 59 ff. AVIG). 

Nach Art. 59 Abs. 1 AVIG erbringt die Versicherung finanzielle Leistungen 
für arbeitsmarktliche Massnahmen zu Gunsten von versicherten Personen 
und von Personen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Mit arbeitsmarkt-
lichen Massnahmen soll die Eingliederung von Versicherten, die aus Grün-
den des Arbeitsmarktes erschwert vermittelbar sind, gefördert werden 
(Abs. 2).

3.

3.1 Gemäss den Akten wurde der Beschwerdeführer infolge der beiden 
ersten verpassten arbeitsmarktlichen Massnahmen (vgl. Sachverhalt lit. A 
hiervor) mit den beiden uneingeschrieben versandten Schreiben des RAV 
Biel vom 2. Oktober 2020 (act. IIA 119 - 122) und der veranstaltenden 
B.________ vom 5. Oktober 2020 (act. IIA 80 f.) für die arbeitsmarktliche 
Massnahme "…" eingeladen, deren Durchführung vom 9. Oktober 2020 bis 
11. Januar 2021 vollzeitlich vorgesehen war. Der Beschwerdeführer trat 
diese arbeitsmarktliche Massnahme unbestritten nie an, worauf ihn die 
Veranstalterin am 9. Oktober 2020 (act. IIA 88) mit eingeschriebenem Brief 
verwarnte und aufforderte, innerhalb von drei Arbeitstagen, d.h. spätestens 
am 15. Oktober 2020 an der arbeitsmartklichen Massnahme teilzunehmen 
oder einen entschuldbaren Grund zu melden; sollte er dieser Aufforderung 
keine Folge leisten, werde er aus der Massnahme ausgeschlossen. Da der 
Beschwerdeführer dieser Aufforderung keine Folge leistete, wurde er mit 

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Einschreiben der B.________ vom 15. Oktober 2020 (act. IIA 90) aus der 
Massnahme ausgeschlossen. Das RAV Biel brach daraufhin mit Schreiben 
vom 27. Oktober 2020 (act. IIA 91) die arbeitsmarktliche Massnahme per 
15. Oktober 2020 ab. Von der Möglichkeit, sich zum Nichtantritt der ar-
beitsmarktlichen Massnahme zu äussern (act. IIA 85), machte der Be-
schwerdeführer mit Schreiben vom 8. November 2020 (act. IIA 73) 
Gebrauch. Er machte geltend, er habe weder die Einladung vom 2. Oktober 
2020 noch das Schreiben zum Nichterscheinen erhalten; das RAV sei hin-
gegen über sein Nichterscheinen in Kenntnis gesetzt worden. Einsprache- 
(act. IIA 62) und beschwerdeweise (Beschwerde S. 1) machte der Be-
schwerdeführer zudem geltend, über die Teilnahme an der arbeitsmarktli-
chen Massnahme, die Verwarnung und den damit verbundenen 
Ausschluss sei er erst am 17. Oktober 2020 in Kenntnis gesetzt worden 
(mit dem Schreiben des Anbieters der arbeitsmarktlichen Massnahme 
[nach Ausschluss der Massnahme]). 

3.2 Wie diverse Abklärungen ergeben haben, wurde die Verwarnung 
vom 9. Oktober 2020 (act. IIA 88) womöglich zwei Mal per Einschreiben mit 
Postaufgabe am 12. Oktober 2020 an den Beschwerdeführer versandt (vgl. 
dazu Beschwerdeantwort S. 3 f.; prozessleitende Verfügung vom 29. April 
2021; Stellungnahme des Beschwerdegegners vom 10. Mai 2021 S. 2 f.; 
act. IIA 220 - 229; Akten des Rechtsdienstes [act. IIB] 6 f.; Akten des Be-
schwerdegegners zur Eingabe vom 10. Mai 2021 [act. IIC] 1). Im Zusam-
menhang mit den beiden genannten Sendungen wurde dem Beschwerde-
führer am 13. Oktober 2020 je eine Abholungseinladung in den Briefkasten 
gelegt (act. IIA 221; act. IIB 6). Das mit der Sendungsnummer 98… ver-
sandte Schreiben hat der Beschwerdeführer am 20. Oktober 2020 bei der 
Post abgeholt (act. IIA 221); das mit der Sendungsnummer 98… versandte 
Schreiben hat der Beschwerdeführer bei der Post nicht abgeholt und die-
ses wurde am 21. Oktober 2020 wieder an den Absender zurückgesandt 
(act. IIB 6). Folglich trifft die Aussage des Beschwerdeführers in der Stel-
lungnahme vom 24. Mai 2021 (im Gerichtsdossier) nicht zu, wonach er 
auch die zweite Verwarnung bei der Post abgeholt habe bzw. dass von ihm 
alle eingeschrieben versandten Sendungen abgeholt worden seien. 

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Letztlich kann offen bleiben, ob die Verwarnung vom 9. Oktober 2020 (act. 
IIA 88) zweimal versandt wurde, entscheidwesentlich ist lediglich, dass 
diese zumindest einmal per Einschreiben der Post übergeben wurde (vgl. 
E. 3.4.3 hiernach).

3.3 Nach der Rechtsprechung obliegt der Beweis der Tatsache sowie 
des Zeitpunktes der Zustellung von Verfügungen sowie anderen rechtser-
heblichen Sendungen der Verwaltung grundsätzlich den Behörden. Sie 
tragen diesbezüglich die objektive Beweislast, wobei im Rahmen der Mas-
senverwaltung bezüglich Tatsachen, welche für die Zustellung erheblich 
sind, der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gilt (BGE 124 
V 400 E. 2a S. 402, vgl. auch BGE 121 V 5 E. 3b S. 6 f.). Wird die Tatsa-
che oder das Datum der Zustellung nicht eingeschriebener, d.h. ohne Zu-
stellnachweis versendeter Sendungen bestritten, genügt der Verweis auf 
den normalen organisatorischen Ablauf bei der Verwaltung den Beweisan-
forderungen nicht; hingegen kann der Nachweis der Zustellung aufgrund 
von weiteren Indizien oder gestützt auf die gesamten Umstände erbracht 
werden. Im Zweifel ist auf die Darstellung des Empfängers abzustellen 
(BGE 124 V 400 E. 2a S. 402).

3.4

3.4.1 Die Zustellung der beiden Schreiben vom 2. Oktober 2020 des RAV 
Biel (act. IIA 119 - 122) und vom 5. Oktober 2020 der B.________ (act. IIA 
80 f.) kann nicht bewiesen werden, da deren Versand mit normaler Post 
erfolgte, weshalb die Behauptung des Nichtempfangs des Beschwerdefüh-
rers grundsätzlich zu hören ist, da der beweispflichtige Beschwerdegegner 
den unbewiesenen Sachverhalt gegen sich gelten lassen muss (vgl. E. 3.3 
hiervor).

3.4.2 In der Arbeitslosenversicherung ist jedoch zu berücksichtigen, dass 
mit Blick auf die Kontrollvorschriften eine kurzfristige Verfügbarkeit innert 
Tagesfrist für arbeitsmarktliche Massnahmen sowie für Gesprächs- und 
Vorstellungstermine verlangt wird (Art. 21 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 4 
AVIV). Die arbeitslose Person muss jederzeit erreichbar und täglich zum 
Antritt einer Beschäftigung oder arbeitsmarktlichen Massnahme in der Lage 

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sein (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 8. August 2017, 
8C_322/2017, E. 7). 

3.4.3 Wie erwähnt wurde dem Beschwerdeführer bezüglich der Verwar-
nung vom 9. Oktober 2020 (act. IIA 88) mit der Aufforderung bis zum 
15. Oktober 2020 an der arbeitsmarktlichen Massnahme teilzunehmen, 
zumindest einmal am 13. Oktober 2020 eine Abholungseinladung in den 
Briefkasten gelegt (act. IIA 221 bzw. act. IIB 6). Mit Blick auf die verlangte 
Erreichbarkeit innert Tagesfrist (vgl. E. 3.4.2 hiervor) hätte er die Abho-
lungseinladung sogleich zur Kenntnis nehmen und die Sendung umgehend 
bei der Post abholen müssen, was am 14. Oktober 2020 möglich gewesen 
wäre. Insofern kann der Beschwerdeführer aus dem Einwand, die Frist der 
Post zur Abholung eingeschriebener Sendungen sei eingehalten worden 
(vgl. Beschwerde S. 1; Stellungnahme vom 24. Mai 2021 [im Gerichtsdos-
sier]), nichts zu seinen Gunsten ableiten. Bei dem erwähnten Vorgehen 
hätte der Beschwerdeführer aufforderungsgemäss am 15. Oktober 2020 
noch an der arbeitsmarktlichen Massnahme teilnehmen können. Folglich 
muss sich der Beschwerdeführer die verspätete bzw. die nicht erfolgte Ab-
holung der eingeschrieben versandten Verwarnung vom 9. Oktober 2020 
(act. IIA 88) bzw. deren verspätete Kenntnis anrechnen lassen, weshalb er 
der behördlichen Kursanweisung ohne entschuldbaren Grund ferngeblie-
ben ist (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, 
heute BGer] vom 16. September 2005, C 171/05, E. 4.3). Damit ist die 
Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen Missachtung einer 
Weisung zu Recht erfolgt (vgl. E. 2.2 hiervor). 

4.

Zu prüfen bleibt die Angemessenheit der verfügten Sanktion von 38 Ein-
stelltagen.

4.1 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Ver-
schuldens (Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG) und nicht nach der tatsächlichen 
Dauer der Arbeitslosigkeit (BGE 113 V 154; SVR 2006 ALV Nr. 20 S. 71 E. 
3.1 f.). Massgebend ist das Gesamtverhalten der versicherten Person, das 
unter Berücksichtigung aller wesentlichen Umstände des Einzelfalls, d.h. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Juni 2021, ALV/21/202, Seite 9

der objektiven und subjektiven Gegebenheiten zu würdigen ist (BGE 141 V 
365 E. 4.1 S. 369). Die Dauer der Einstellung beträgt 1 bis 15 Tage bei 
leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei 
schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 lit. a - c AVIV). Ein schweres Ver-
schulden liegt insbesondere vor, wenn die versicherte Person ohne ent-
schuldbaren Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer 
neuen aufgegeben oder eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat (Art. 45 Abs. 
4 lit. a und b AVIV). Die Einstellung gilt nur für Tage, für die die arbeitslose 
Person die Voraussetzungen der Anspruchsberechtigung erfüllt (Art. 30 
Abs. 3 Satz 1 AVIG). Wird die versicherte Person wiederholt in der An-
spruchsberechtigung eingestellt, so wird die Einstellungsdauer angemes-
sen verlängert. Für die Verlängerung werden die Einstellungen der letzten 
zwei Jahre berücksichtigt (Art. 45 Abs. 5 AVIV).

Innerhalb dieses Rahmens entscheiden die Organe der Arbeitslosenversi-
cherung nach pflichtgemässem Ermessen. Das Sozialversicherungsgericht 
darf sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund anstelle desjenigen der Ver-
waltung setzen; die Rekursbehörde muss sich somit auf Gegebenheiten 
abstützen können, welche ihre abweichende Ermessensausübung als na-
heliegender erscheinen lassen (BGE 123 V 150 E. 2 S. 152; SVR 2020 
ALV Nr. 11 S. 36 E. 3.3; ARV 2020 S. 95 E. 4.2).

4.2 Indem der Beschwerdegegner eine Einstellung von 38 Tagen ver-
fügte, qualifizierte er das Verschulden des Beschwerdeführers als schwer 
im unteren Bereich (vgl. E. 4.1 hiervor). Mit Blick auf das vom Staatssekre-
tariat für Wirtschaft (SECO) herausgegebenen "Einstellraster" (AVIG-Praxis 
ALE, Rz. D79 Ziff. 3.C/1; abrufbar unter www.arbeit.swiss; zur Verbindlich-
keit von Verwaltungsweisungen für das Gericht vgl. BGE 146 V 224 E. 
4.4.2 S. 228), das für den erstmaligen Nichtantritt einer arbeitsmarktlichen 
Massnahme eine Einstelldauer von 21 bis 25 Tagen vorsieht, sowie unter 
Berücksichtigung des Umstands, dass es sich bei der hier zur Diskussion 
stehenden Einstellung um die dritte handelt (vgl. VGE ALV/2020/929 zur 
ersten 10tägigen und VGE/ALV/2021/63 zur zweiten 30tägigen Einstel-
lung), weshalb die Einstelldauer angemessen zu verlängern ist (Art. 45 
Abs. 5 AVIV), sind die Annahme eines schweren Verschuldens im unteren 
Bereich und die Höhe der Einstellung nicht zu beanstanden. Es besteht 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 3. Juni 2021, ALV/21/202, Seite 10

keine Veranlassung seitens des Gerichts, in das Ermessen der Verwaltung 
einzugreifen. 

Was der Beschwerdeführer dagegen vorbringt, vermag daran nichts zu 
ändern (vgl. Beschwerde, S. 2). Nach der Rechtsprechung muss eine 
Sanktion auch dann verschärft werden, wenn die versicherte Person nach 
Kenntnisnahme der vorherigen Sanktion nicht die Gelegenheit hatte, ihr 
Verhalten zu ändern. Die Sanktion hat sicherlich einen abschreckenden 
und erzieherischen Zweck. Die Pflichten der versicherten Person ergeben 
sich jedoch aus dem Gesetz. Eine vorgängige Information oder Verwar-
nung sind nicht erforderlich. Es ist nicht gerechtfertigt, versicherte Perso-
nen, welche zeitlich gestaffelt (und verschärft) sanktioniert werden, anders 
zu behandeln als jene, welche für dasselbe Verhalten mehrfach rückwir-
kend sanktioniert werden. Objektiv und subjektiv ist das Fehlverhalten das 
gleiche. Art. 45 Abs. 5 AVIV muss daher auch in einer solchen Situation 
angewendet werden (Entscheid des BGer vom 4. Mai 2010, 8C_518/2009, 
E. 5).

4.3 Nach dem Dargelegten ist die verfügte Einstellung in der An-
spruchsberechtigung nicht nur in grundsätzlicher, sondern auch in massli-
cher Hinsicht nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist deshalb 
abzuweisen.

5.

5.1 In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 fbis ATSG 
(Umkehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu 
erheben. Wegen der grundsätzlichen Kostenlosigkeit des Verfahrens fehlte 
es dem Beschwerdeführer hinsichtlich der anbegehrten Befreiung von der 
Vorschuss- und Kostenpflicht von vornherein an einem schutzwürdigen 
Interesse, womit auf das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege nicht ein-
zutreten ist. 

5.2 Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine 
Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Um-
kehrschluss]).

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Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Auf das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird nicht eingetreten.

3. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien-
tschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- A.________
- Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst

(samt Eingabe des Beschwerdeführers vom 24. Mai 2021)
- Staatssekretariat für Wirtschaft – SECO

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.