# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c9dd4d96-72ae-5fdd-9780-225b7690556f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-11-25
**Language:** de
**Title:** Im Rahmen des streitigen Ereignisses kam es zu einer unkoordinierten Bewegung, weshalb der äussere Faktor als ungewöhnlich zu qualifizieren und ein Unfallereignis zu bejahen ist; Entschädigung für unentgeltliche Rechtsvertretung im Einspracheverfahren; Gutheissung der Beschwerde.
**Docket/Reference:** UV.2013.00199
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2013.00199.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2013.00199
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Sager
Gerichtsschreiber Volz
Urteil
vom
25. November 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Philip
Stolkin
Freiestrasse
76, Postfach 1223, 8032 Zürich
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 19
62
, war
seit dem
4.
Oktober 2010 (Urk. 11/43 S. 2)
bei der
Y.___
AG,
Z.___
, als Zimmermann
angestellt
und über diese
bei der Schweizerischen
Unfallversicherungs
anstalt
(SUVA) gemäss dem Bundes
gesetz über die Unfall
versicherung (UVG) gegen Unfälle,
unfallähn
liche
Kör
perschä
digun
gen
und Berufs
krankheiten ver
sichert
. Am 2
8.
November 2011 meldeten der Versicherte
und die
Y.___
AG dem Krankentaggeldversicherer der Letzteren, der AXA Versicherungen AG (AXA)
,
dass der Versicherte seit dem 2
6.
August 2011 vollständig arbeitsunfähig sei
(
Urk.
11/43 S. 2-3).
Am 1
6.
August 2012
meldete
der Versicherte der SUVA
einen Unfall, bei welchem ihm
mehrere Kanthölzer auf den Nacken gefallen seien
(
Urk.
11/1), worauf die
SUVA bei der AXA die Akten zur Arbeits
unfähigkeit des Versicherten ab dem 2
6.
August 2011 (
Urk.
11/43/1-125) bei
zog. Mit
Verfügung vom
6.
Februar 2013 (Urk. 11/47)
stellte die SUVA
fest, dass es sich beim
geltend gemachten
Ereignis vom 1
5.
Juli 2
011, bei welchem
dem Versicherten
eine Konter
latte zwischen Nacken und Schulter gefallen sei,
nicht um einen Unfall gehandelt habe
,
und verneinte
ihre
Leistungs
pflicht
dafür
.
Dagegen
erhob
der Versicherte am
7.
März 2013
(Urk.
11/52
) Einsprache
und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien i
h
m weiterhin Taggeldleistungen auszurichten, eventuell sei
en
ihm bei
einem
Invali
ditätsgrad
von 100
%
eine Rente und eine Integritätsentschädigung auszurich
ten. Gleichzeitig ersuchte der Versicherte um unentgeltliche Rechtsvertretung im
Einspracheverfahren
(S. 2). Am 1
0.
Juli 2013 ergänzte der Versicherte seine Einsprache (
Urk.
11/62).
Mit Entscheid vom
2.
August 2013
(Urk.
11/66
= Urk. 2) wies die SUVA die Ei
n
sprache und das Gesuch des Versicherten um unentgeltliche Rechtsvertretung ab.
2.
2.1
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
2.
August 2013
(Urk. 2) erhob der Ver
si
cherte
am
5.
September
2013
Be
schwerde und beantragte, dieser sei aufzuhe
ben, es
sei die SUVA zu verpflichten, ihm
eine Rente basierend auf einem
Invalidi
tätsgrad
von 100
%
zuzusprechen, es sei die SUVA anzuweisen, ihm die Kosten für das erstinstanzliche Verfahren zuzusprechen; eventuell sei die Sache zu
r
we
itere
n
Abklärung
an die SUVA
zurückzuweisen
(Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
1
3.
November
2013 beantragte die SUVA die Abwei
sung der Beschwerde (Urk.
10
S. 2).
Mit Verfügung vom 2
9.
November
2013 (
Urk.
13) wurde das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtsvertretung bewilligt
2.2
Mit Replik vom
4.
September 2014 (
Urk.
23) hielt der Beschwerdeführer an
sei
nem beschwerdeweise gestellten Rechtsbegehren fest (S. 2), worauf die Beschwerdegegnerin am 1
1.
September 2014 an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde festhielt und im Übrigen auf eine Duplik verzichtete (
Urk.
26).
Mit Verfügung vom 1
6.
Dezember 2014 (
Urk.
30)
wurde
den Parteien mitgeteilt, dass das hiesige Gericht
eine Instruktionsverhandlung
,
eine
Zeugen
einvernahme
und
eine
Parteibefragung des Beschwerdeführers
in Aussicht nehme, worauf am
2.
Juni 2015 in Anwesenheit der Parteien
A.___
als Zeuge und der Beschwerdeführer
als Partei
einvernommen
wurden
; anschliessend wurde
eine Instruktionsverhandlung durchgeführt (Protokoll S. 6 bis S. 20).
Am
3.
Juni 2015 wurde den Parteien je eine Kopie von S. 6 bis S. 20 des Protokolls zuge
stellt (
Urk.
43).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Abs. 2). Ausserdem erbringt die Versi
cherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbe
handlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.3
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das
Be
griffsmerkmal
der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen
Lebensbereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begrün
den keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.4
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusse
ren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung (RKUV 2000 Nr. U 368 S. 100
E. 2d mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, S. 176 f.) bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erforder
nis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussen
welt begründeter Umstand den
natürlichen Ablauf einer Körper
bewegung gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor - Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt - ist wegen der erwähnten
Pro
grammwidrigkeit
zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1; RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183 E. 4.1, Nr. U 510 S. 275,
Nr. U 523 S. 541 E. 3.1).
Ohne besonderes Vorkommnis ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalls zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2; RKUV 2004 Nr. U 523 S. 541 E. 3.2).
1.5
Selbst bei fehlender Störung des Bewegungsablaufs durch einen äusseren Faktor kann die Aussergewöhnlichkeit auch dann gegeben sein, wenn beim Heben oder Schieben einer Last zufolge ausserordentlichen Kraftaufwandes, das heisst einer sinnfälligen Überanstrengung, eine Schädigung eintritt. Es muss allerdings je
weils geprüft werden, ob die Anstrengung im Hinblick auf Konstitution und berufliche und ausserberufliche Gewöhnung der betreffenden Person ausseror
dentlicher Art war (BGE 116 V 136 E. 3b mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38). Kein Unfall liegt vor, wenn die Anstrengung nur wegen bestehender krankhafter Veränderungen zu Schädigungen führen kann, weil sich dann eine innere Ursache auswirkt, während der äussere, oft harmlose Anlass bloss den pathologischen Faktor manifest werden lässt (BGE 116 V 136 E. 3b mit Hin
weisen).
1.6
Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind von der versicherten Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser For
derung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Beste
hen eines unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen las
sen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen
die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht –, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person aus
wirkt (BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b, 111 V 201 E. 6b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50).
1.7
Die leistungsansprechende Person hat daher
das Vorliegen eines Unfalles beziehungsweise die Unfreiwilli
gkeit der Schädigung nachweisen, wobei ihr
in dem vom Untersuchungsgrundsatz beherrschten Sozialversicherungsprozess
jedoch
keine subjektive Beweisführungslast im Sinne von
Art.
8
des Zivilgesetz
buches (
ZGB
)
obliegt
. Eine Beweislast besteht nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zuungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen. Als Indizien, mit welchen
ein
behauptete
r, von keinen
Zeugen beobachtete
r
Unfall nachgewiesen werden kann, fallen vorab der Zeitpunkt und das Motiv der Unfallmeldung, die Zeitspanne zwischen Ereignis und Meldung sowie die Anamnese, namentlich ob diese frühere gleiche oder analoge
Gesund
heitsstörungen
enthält, die erfahrungsgemäss auch als alleinige Folge von Krankheiten auftreten können, in Betracht. Von erheblicher Bedeutung für die Beweiswürdigung ist auch, ob die erste Schilderung des Unfallgeschehens mit späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überle
gungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können, in wesentlichen Punkten übereinstimmt. Auch den medizinischen Erkenntnissen bezüglich der traumatischen oder pathologischen Ursachen eines
Gesundheits
schadens
kommt im Rahmen der Beweiswürdigung von unklaren
Unfallsach
verhalten
die Bedeutung von Indizien zu (Urteile des Bundesgerichts 8C_727/2007 vom 2
6.
August 2008 E. 2.2 f.
,
U 161/04 vom 3
0.
November 2004
und U 117/02 vom 9. Mai 2003 E. 1
).
1.8
Der Unfallversicherer hat die Möglichkeit, die durch Ausrichtung von Heilbe
handlung und Taggeld anerkannte Leistungspflicht mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
ohne Berufung auf den
Rückkommenstitel
der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision einzustellen und den Fall abzuschliessen mit der Begrün
dung, ein versichertes Ereignis liege bei richtiger Betrachtungsweise gar nicht vor (BGE 130 V 380 E. 2 S. 381).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid vom
2.
August 2013 (
Urk.
2) davon aus, dass
die Schilderungen des Beschwerdeführers ein
es
Ereig
nis
ses
vom
1
5.
Juli beziehungsweise
vom
2
6.
August 2011, bei
welchem ihm eine oder mehrere Konter
latten auf
den
Nacken beziehungsweise
die
linke Schulter gefallen
seien, nicht glaubwürdig seien (S 8). Da
das Vorliegen eines versicherten Unfallereignisses nicht glaubhaft geschildert worden sei,
sei
eine Leistungspflicht zu verneinen (S. 10
;
Urk.
10 S.
5
).
2.2
Der Beschwerdeführer bringt
hiegegen
vor, dass
ihm
am 1
5.
Juli 2011 beim Tra
gen
von Konter
latte
n
eine solche auf den Bereich seines Nackenansatzes und der linken Schulter gefallen sei (
Urk.
1 S. 5), und dass es sich dabei um ein Unfallereignis gehandelt habe (
Urk.
1 S. 8). Da ein Unfallereignis beziehungs
weise
dessen Folgen
hinreichend glaubhaft gemacht worden seien, sei eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin zu bejahen (Urk.
23 S. 5).
3.
3.1
Streitig und zu prüfen ist vorerst die Frage, ob es sich beim Ereignis vom
1
5.
Juli 2011
- wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht -
um einen Unfall im unfallversicherungsrechtlichen Sinne ge
handelt hat.
3
.2
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
C.___
, attestierte dem Beschwerdeführer mit Zeug
nis vom 1
8.
Juli 2011 (
Urk.
11/42 S. 11) eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% wegen Krankheit vom 1
8.
bis 2
5.
Juli 201
1.
Am 2
0.
Dezember 2011 erwähnte
Dr.
B.___
, dass am 1
8.
Juli 2011 eine
Erstkon
sultation
des Beschwerdeführers wegen einer schmerzhaften Schulter und wegen seit ein
e
r Woche zunehmenden Bewegungseinschränkungen der Halswirbelsäule (HWS) stattgefunden habe, und verneinte das Vorliegen eines Unfalles
(Urk. 11/43 S. 75)
.
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
C.___
,
stellte
in seinem Bericht vom
7.
Januar 2013 (
Urk.
11/39 S. 1)
fest
, dass eine Erstbehandlung des Beschwerdeführers am 1
8.
Juli 2011 wegen
starker Schulter- und Nackens
chmerzen im Bereich des linken Schultergürtels stattgefunden habe, und dass ihm kein Unfallhergang bekannt sei.
3.3
Im Bericht von
Dr.
med.
E.___
,
Facharzt für Physikalische Medi
zin und Rehabilitation, Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin
vom 1
1.
Oktober 2011 (Urk. 11/41) wurde das Ereignis gemäss den Angaben des Beschwerdeführers folgendermassen beschrieben (S. 1):
„
Auf dem Dachstuhl fiel dem Zimmermann wegen Kraftlosigkeit eine Dachlatte aus der Hand. Volle Arbeitsunfähigkeit seit 18.07.2011.“
3.4
In der vom Beschwerdeführer mitunterzeichneten
Kranken
meldung der
Y.___
AG zuhanden der AXA
Versicherungen
AG betreffend die kollektive
Kranken
taggeld
versicherung
vom 2
8.
November 2011 (
Urk.
11/43 S. 2) wurde
die Art der Krankheit
folgendermassen umschrieben
: „
Halswirbelsäule verkrümmt
“.
3.5
Gemäss dem
Schadeninspektorenbericht
der AXA
Versicherungen
AG vom 2
7.
Januar 2012 (
Urk
11/43 S. 8-11) ha
t
der Beschwerdeführer den
Krankheits
verlauf
gegenüber dem Schadeninspektor folgendermassen ge
schildert (
S. 1):
Herr
X.___
hatte erstmals im Januar 2011 Probleme im Nacken und in der linken Schulter bekommen.
Er verspürte Schmerzen bei der Kopfbewegung und war in der Bewegung der linken Schulter eingeschränkt. (…) Als die Ausfälle im linken Schulterbereich und Taubheitsgefühle zunahmen, suchte er am 18.07.2011 die
C.___
auf (…)
.“
3.6
Ein Mitarbeiter der AXA Versicherungen AG erwähnte in einer Aktennotiz vom 1
5.
Februar 2012 (
Urk.
11/43 S. 14), dass er gleichentags mit dem Beschwerde
führer ein Telefongespräch geführt habe. Dabei habe dieser ihm mitgeteilt, dass er mit Herrn
A.___
von der Gewerkschaft
Syna
gesprochen habe, und dass dieser prüfen wolle, ob seine Beschwerden auf einen Berufs
unfall zurückzu
führen seien. Es sei ihm nämlich im August 2011 Holz auf die Schultern gefallen.
3.7
Die Ärzte der Klinik
F.___
, Obere Extremitäten, erwähnten in ihrem Bericht vom 2
1.
Februar 2012 (
Urk.
11/43 S. 103-105), dass der Beschwerdeführer im letzten Sommer ein
Verhebetrauma
erlitten habe, als er als Zimmermann mehrere Dachlatten habe halten müssen (S. 1).
3.8
Dr.
med.
G.___
, Fachärztin für
Dermatologie und Venerologie
, und
Dr.
phil.
H.___
erwähnten in ihrem Bericht vom 2
6.
Oktober 2012 (Urk. 11/43 S. 119-120), der Beschwerdeführer habe angegeben, dass ihm a
m 1
5.
Juli 2011 zwei bis drei Ko
nterlatten auf di
e linke Schulter gefallen seien, und dass er
am Folgetag unter einer Parese im Bereich des linken Armes gelitten
habe
(S. 1).
3.9
Im Bericht von
Dr.
med.
I.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medi
zin, vom 2
6.
März 2013 (
Urk.
11/55 S. 2) ist die folgende
Ereignis
schil
de
rung
gemäss den Angaben des Beschwerdeführers enthalten:
„
Bei der Arbeit auf einem Hausdach sei ihm eine Konterlatte auf die linke Schulter gefallen. Damit er weitere Personen nicht gefährde, habe er diese Latte nicht fallen gelassen, sondern weiter festgehalten und dabei starke Schmerzen
in der linken Schulter verspürt
.“
3.10
In der Beschwerde vom 5. September 2013 wurde der
Hergang des Ereignisses vom
1
5.
Juli
2011 folgendermassen
geschildert
(Urk.
1 S. 5
):
„
Am 1
5.
Juli 2011 richtete der Beschwerdeführer für die
Y.___
AG Bauarbeiten aus. Er hatte Konterlatten zu verlegen, hatte sie zu ballastieren und dann auf dem Dach in Richtung Dachfirst abzukippen, wo diese von einem Kollegen ent
gegengenommen wurden und an den richtigen Ort gelegt wurden. Es fiel eine Konterlatte gegen ihn zurück
, schlug zwischen dem Bereich Nackenansatz und linker Schulter auf. Der Beschwerdeführer hatte die Latte weiterhin festgehal
ten, weil diese sonst andere Personen hätte verletzen können. Das Gewicht der Latte habe dann auf den Nacken, die linke Schulter und den rechten Ellenbogen eingewirkt
.“
3.11
A.___
erklärte
anlässlich seiner Einvernahme als Zeuge vom
2.
Juni 2015 (Protokoll S. 6-11), dass ihm der Beschwerdeführer ungefähr im September 2011 folgendes Ereignis geschildert habe
(
S. 10
):
„
Der Unfall hat sich auf dem Dach einer Baustelle ereignet. Es handelte sich um einen Schlag mit einem Bund Dachlatten auf die rechte oder linke Schulter
.“
3.12
Anlässlich der Parteibefragung vom
2.
Juni 2015 (Protokoll S. 12-18) s
childerte der Beschwerdeführer den
Hergang des Ereignisses vom 1
5.
Juli 2011
folgen
dermassen:
„
Es waren 2 bis 3 Konterlatten. Die schweren und nassen Latten sind mir zwi
schen die Schulter und den Nackenbereich gefallen. Ich musste verhindern, dass die Latten auf die Strasse fielen
“
(S. 15)
. (…) „Ich musste einen Meter auf das Dach springen. Die Gefahr bestand, dass die Latte nach hinten fallen könnte. Ich musste die Latte daher festhalten“ (S. 16)
.
„Ich war nicht kraftlos. Ich konnte die Latte halten. Ich wollte nicht, dass die Latte nach hinten fällt“ (S. 17). (…) „Es war zwei bis drei Mal mit je einer Latte passiert“. (…) „Wir waren nur zu dritt für ein grosses Dach. Der eine Mitarbeiter hatte viel zu schrauben auf der anderen Seite des Daches. Aus diesem Grunde musste ich alleine mit dem Kantholz balancieren. Das ist nicht der übliche Arbeitsvorgang“ (S. 18).
4
.
4
.1
Die erwähnten Schilderungen des Ereignishergangs enthalten in Bezug auf die Einzelheiten des Ereignisablaufs teilweise Abweichungen.
Während
in den Berichten von
Dr.
B.___
und
Dr.
D.___
(vorstehend E. 3.2)
,
in der
Kranken
mel
dung
zuhanden der AXA Versicherungen AG (vorstehend E. 3.4) sowie gegen
über dem Schadeninspektor der AXA Versicherungen AG (vorstehend E. 3.5) kein Unfallereignis erwähnt
wurde
, wurde im Bericht von
Dr.
E.___
vom
1
1.
Oktober 2011 (vorstehend E.
3.3
) erwähnt, dass dem Beschwerdeführer eine Dachlatte wegen Kraftlosigkeit aus der Hand gefallen sei. Demgegenüber gingen die Ärzte der Klinik
F.___
, Obere Extremitäten, in ihrem Bericht vom 2
1.
Februar 2012 (
vorstehend E. 3.7
)
davon aus
, dass der Beschwerdeführer ein
Verhebetrauma
erlitten habe, als er mehrere Dachlatten
gehalten habe. Während
Dr.
G.___
erwähnte, dass dem Beschwerdeführer zwei bis drei
Konter
latten
auf die linke Schulter gefallen seien (vorstehend E.
3.8
), ging
Dr.
I.___
davon aus, dass dem Beschwerdeführer eine Konterlatte auf die linke Schulter gefallen sei, und dass er diese nicht fallen lassen sondern weiter festgehalten habe (vorstehend E.
3.9
). Während der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde schilderte, dass eine Konterlatte gegen seinen Nackenansatz beziehungsweise seine linke Schulter zurückgefallen sei, und dass er anschlies
send die Latte weiterhin festgehalten habe (vorstehend E.
3.10
), führte er anlässlich der Parteibefragung vom
2.
Juni 2015 (vorstehend E.
3.12
) aus, dass
er
am 1
5.
Juli 2011 an seinem Arbeitsplatz als Dachdecker
zwei- bis dreimal
mit je
eine
r
Konterlatte
circa
1 Meter
vom Gerüst
auf das
Dach
gesprungen sei
. Dabei sei ihm beim Balancieren der Konterlatte
n
, welche
jeweils
nass und daher schwer gewesen sei
en
,
die
Konterlatte
zwischen die Schulter und den
Nacken
bereich
gefallen, worauf
er
diese
habe festhalten müssen, damit sie nicht auf die Strasse
habe fallen könne
.
4.2
Auch wenn die
erwähnten Ereignisschilderungen
in den
medizinischen Berich
te
n
der behandelnden
Ärzte
teilweise nicht vollständig mit
den
Sachverhalts
darstellung
en des Beschwerdeführers
überein
stimmen
,
s
o
stehen
sie
indes
nicht in einem unüberbrückbaren Widerspruch
zu
Letzteren
und vermögen keine ernsthaften Zweifel an
der
Richtigkeit
der
Sachverhaltsdarstellung
des Beschwerdeführers
zu wecken.
Diesbezüglich gilt es vielmehr
zu
berücksichti
gen
, dass
in den erwähnten medizinischen Berichten
die Behandlung des Leidens im Vordergrund stand und
nicht die
versicherungsrechtlichen Frage nach einer unfall-
beziehungsweise
krankheitsbedingten Verursachung der Schädigung
.
4.3
Des Gleichen
vermag
der Umstand, dass der Beschwerdeführer
der
Beschwerde
gegnerin
das
Ereignis vom 1
5.
Juli 2011 erst am 1
6.
August 2012
meldete,
seine
Sachverhaltsdarstellung vorliegend nicht in Zweifel zu ziehen. Denn
möglich
erweise
war
es dem
Beschwerdeführer nicht
von Anfang an
bewusst, dass es sich beim Ereignis vom 1
5.
Juli
2011 um ein Unfallereignis
im Rechtssinne
handeln
könnte
.
Es ist daher
nicht auszuschliessen
, dass es der Beschwerde
führer aus diesem Grunde
möglicherweise
unterliess, gegenüber den
erstbehan
delnden
Ärzten,
Dr.
B.___
und
Dr.
D.___
(vorstehend E.
3.2
), ein Unfallereignis zu erwähnen.
Der Beschwerdeführer ging
sodann
in Übereinstimmung mit sei
ner damaligen Arbeitgeberin, der
Y.___
AG,
bei der Mitunterzeichnung der
Kranken
meldung zuhanden der AXA Versicherungen AG vom 2
8.
November 2011 (vorstehend E.
3.4
)
zudem
offensichtlich
d
avon aus, dass er für die Folgen des Ereignisses vom 1
5.
Juli 2011
jedenfalls
gegenüber der Krankentaggeldver
sicherung einen Leistungsanspruch habe. Dass es sich bei den
nach dem 1
5.
Juli
2011 bestehenden Beschwerden allenfalls um Unfallfolgen handeln könnte, wurde dem Beschwerdeführer
möglicherweise
erst nach einem Gespräch mit
A.___
, w
elches
gemäss dessen Aussage ungefähr im September 2011
stattgefunden hatte
(Protokoll S. 9)
,
bewusst (
vgl. auch
vorstehend E. 3.6).
Demzufolge vermögen
auch
die Umstände, dass der Beschwerdeführer gegen
über seinen erstbehandelnden Ärzten
möglicherweise
kein Unfallereignis erwähnte, und dass er der Beschwerdegegnerin
das Ereignis
erst am 1
6.
August 2012 meldete,
an seiner
Sachverhaltsdarstellung
keine ernsthaften
Zweifel zu
wecken
.
Dies gilt umso mehr als der Beschwerdeführer geltend machte, seine damalige Arbeitgeberin habe es entgegen der Aufforderung von Herrn
A.___
unterlassen, den Unfall der Beschwerdegegnerin zu melden (Urk. 1 S. 4),
4.
4
Die Schilderungen des Ereignishergangs durch den Beschwerdeführer in
der
Beschwerde
schrift
und anlässlich der Parteibefragung vom
2.
Juni 2015 weisen sodann keine wesentlichen Widersprüche auf. So gab der Beschwerdeführer sowohl in der Beschwerde
schrift
als auch anlässlich der Parteibefragung über
einstimmend an, dass ihm eine Konterlatte gegen seinen Nackenansatz beziehungsweise seine linke Schulter gefallen sei, worauf er die Latte festgehal
ten habe, damit sie nicht
habe
zu Boden fallen
können
. Die Aussagen des Beschwerdeführer
s
zum Hergang des fraglichen Ereignisse
s
vom 1
5.
Juli 2011 erscheinen daher grundsätzlich als konstant und als ohne wesentliche Wider
sprü
che und bilden ein in sich stimmiges Gefüge.
Zudem wurden sie dem Grundsatz nach vom befragten Zeugen,
A.___
bestätigt, der aller
dings nur vom Hörensagen - gestützt auf die Angaben des
Beschwerdeführers Kenntnis vom Ereignis hatte (Protokoll S. 10).
Das spricht für die Glaubhaf
tigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers (vgl. BGE 128 I 86 E. 2)
.
Die
Sach
verhaltsdarstellung
des Beschwerdeführe
r
s kann
deshalb nicht ohne triftige Begründung als unglaubwürdig und nicht wahrscheinlich verworfen werden.
4.5
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Sachverhaltsdarstellung
en
des Beschwer
de
führers
,
zumindest
was das
Kerngeschehen
betrifft,
widerspruc
hsfrei und glaub
würdig erscheinen
und keine gewichtigen Indizien vorliegen, die ernst
hafte Zweifel an ihrer Rich
tigkeit zu begründen vermöchten, weshalb insoweit vorliegend darauf abgestellt werden kann.
Gestützt auf die Akten und die glaub
haften Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der Parteibefragung vom
2.
Juni 2015 steht daher fest, dass der Beschwerdeführer am 1
5.
Juli 2011 als
Dachdecker Konterlatten mit den Massen 6 cm x 6 cm x 5,6 m (vgl. Bericht des SUVA-Aussendienstmitarbeiters vom 1
1.
Dezember 2012,
Urk.
11/26 S. 2) auf ein Steildach zu befördern hatte. Dabei ist davon auszugehen, dass er jeweils eine Latte am einen Ende ergriff, sie der Höhe nach aufrichtete und vom Gerüst auf das circa einen Meter entfernte Dach sprang, wobei die Latte bei zwei oder drei Sprüngen gegen ihn, auf die Körperstelle zwischen Nackenansatz und lin
ker Schulter, schlug und anschliessend über ihn hinweg zu entgleiten und hinunter auf die Strasse zu fallen drohte, weshalb er die Latte - gegen die Hebelwirkung ankämpfend - im Rahmen einer reflexartigen, unkoordinierten Bewegung krampfhaft festhielt.
5.
5.1
Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungew
öhnlichen äusseren Faktors kann, wie erwähnt (vorstehend E.
1.4
),
in einer un
koordinierten Bewe
gung bestehen, wobei der
ungewöhnliche äussere Faktor in solchen Fällen darin
liegt
, dass die körperliche Bewegung durch etwas
„
Programmwidriges" gestört wird, was beispielsweise dann zutrifft, wenn
die versicherte Person
stolpert, aus
gleitet oder an einem Gegenstand anstösst, oder wenn
sie
, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrhaltung ausführt oder auszuführen versucht (RKUV 1999 Nr. U 345 S. 420, U 114/97 E. 2b mit Hinweisen). Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor - Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt - ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1
; Urteil des Bundesgerichts
8C_749/2008
vom 1
5.
Januar 2009
E. 3.2
).
5.2
In Würdigung der gesamten Umstände ist
davon auszugehen, dass dem
Beschwer
deführer
beim
Sprung mit
Konterlatten vom Gerüst auf das Dach
pro
grammwidrig
Konterlatten auf seinen Nackenansatz beziehungsweise auf seine linke Schulter aufschlugen, worauf er veranlasst wurde, mittels reflexartiger Bewegungen die Konterlatten festzuhalten, um ein vollständiges Entgleiten und Hinunterfallen auf die Strasse zu verhindern.
Das vorliegende Geschehen
umfasst daher ein
Aufschlagen der
Konterlatten
im Bereich des Nackenansatzes
und
reflexartige
Bewegungen, welche erforderlich waren, um ein vollständiges Ent
gleiten und Hinunterfallen der Konterlatten auf d
ie
Strasse zu verhindern. Die einzelnen Vorgänge des Ereignisherganges stehen
vorliegend
in einem so engen Zusammenhang,
dass
es sich um ein
nicht in ver
schiedene Teilphasen zerlegbares
Geschehen
handelte (vgl.
RKUV
1999 N
r. U 345 S. 420, U 114/97 E. 5)
. Wären
dem Beschwerdeführer die Konterlatten nicht auf seinen Nackenansatz oder
die
linke Schulter aufgeschlagen
,
hätte
er
die Konterlatten nicht mittels reflexartiger
, unkoordinierter
Bewegungen festhalten müssen.
Dieses Geschehen stellt
in seiner Gesamtheit daher
eine Programmwidrigkeit dar, welche
den normalen
Bewe
gung
sablauf beim
B
efördern
der K
o
nterlatten vom Gerüst auf das Dach
unterbro
chen hat.
Demzufolge ist vorliegend der
äussere Faktor in der Veränderung zwi
schen
dem
Körper des
Beschwerdeführe
r
s
und
der
Aussenwelt auf
G
rund dieser Programmwidrigkeit als aussergewöhnlich zu qualifizieren.
6.
Nach Gesagtem ist der
ungewöhnliche
äussere Faktor als gegeben zu betrachten
, weshalb es sich
beim
fragliche
n
Ereignis
vom 1
5.
Juli 2011
um einen
Unfall
im Sinne von
Art.
4
ATSG
handelte.
Demzufolge ist die Beschwerde gutzuheissen mit der Feststellung
, dass
es sich beim
Ereignis
vom 1
5.
Juli 2011 um einen
Unfall
im Sinne von
Art.
4
ATSG
handelte, und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den Sachverhalt hinsichtlich der Frage, ob die geklagten Beschwerden in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfallereignis vom 1
5.
Juli 2011 stehen, ergänzend abkläre und anschliessend über den
Leistungs
anspruch
des Beschwerdeführers erneut verfüge.
7.
7.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom
2.
August 2013 (
Urk.
2 S. 10) davon aus
, dass ein Anspruch des Beschwerde
führers auf unentgeltliche Rechtsvertretung im
Einspracheverfahren
abzuweisen sei, weil
seine
Einsprache aussichtslos gewesen sei. Zu prüfen bleibt
daher
der Anspruch des Beschwerdeführers auf unentgeltliche Rechtsvertretung im
Ein
sprache
verfahren
.
7.2
Art.
29
Abs.
3 der Bundesverfassung (BV) räumt jeder Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint, einen Anspruch auf
unent-geltlichen
Rechtsbeistand ein. Gemäss
Art.
37
Abs.
4 ATSG wird im
Sozialversi-cherungsverfahren
der gesuchstellenden Person, wo die Verhältnisse es
erfor-dern
, ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt. An die sachliche Gebotenheit der
Verbeiständung
ist im Verwaltungsverfahren jedoch ein strenger Massstab anzulegen (AHI 2000 S. 162, I 69/99 E. 2b und 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_892/2009 vom 1
5.
April 2010 E. 3.2). Eine anwaltliche
Verbeiständung
d
rängt sich hier nur in Ausnahme
fällen auf, in denen ein Rechtsanwalt beigezogen wird, weil schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen dies als notwendig erscheinen
lassen und eine
Ver
beiständung
durch Ver
bandsvertreter, Fürsorger oder andere Fach- und
Vertrauensleute sozialer Insti
tutionen nicht in Betracht fällt (BGE 132 V 200 E. 4.1 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 9C_161/2011 vom
3.
Mai 2011 E. 2 und 8C_243/2010 vom 3
1.
Mai 2010 E. 2).
7.3
Strittig war
im
Einspracheverfahren
gegen die Verfügun
gen vom
6.
Februar 2013
(
Urk.
11/47) insbesondere die Frage nach dem Beweis des geltend gemachten Ereignisses vom 1
5.
Juli 2011 sowie die Frage,
ob es sich bei diesem Ereignis um einen Unfall im Rechtssinne handelte (vgl.
Urk.
11/52).
Dabei handelte es sich weder um einfache noch um eindeutig zu beantwortende Fragen. Es ist daher davon auszugehen, dass für eine erfolgversprechende Geltendmachung
des Leistungsanspruchs des Beschwerdeführers
der Beistand eines rechtskundigen Vertreters bereits im
Einspracheverfahren
erforderlich war.
In Anbetracht des Ausgangs des vorliegenden Beschwerdeverfahrens war die Einsprache zudem nicht offensichtlich aussichtslos.
Insofern lag daher ein von der Rechtsprechung für di
e unent
geltliche anwaltliche Vertretung im Verwa
ltungsverfahren geforder
ter Aus
nahmefall vor, bei dem sich eine solche Mitwirkung aufdrängte, weil schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen dies als notwendig erscheinen
lassen
.
Demnach steht fest, dass die Einsprach
e
nicht offensicht
lich aussichtslos war, und dass
die
Rechtsvertretung
des Beschwerdeführe
r
s im
Einsprachever
fahren
sachlich geboten
war.
7.4
Da eine Bedürftigkeit de
s
Beschwerdeführ
ers
aktenkundig ist (vgl.
Urk.
8/1
),
ist ein Anspruch des
B
eschwerdeführe
r
s
auf unentgeltliche Rechtsvertretung
im
Ein
spracheverfahren
daher
im Grundsatz
zu bejahen, weshalb die
Beschwerde auch in diesem Punkte gutzuheissen
ist.
8
.
8
.1
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Für unnötigen oder geringfügigen Aufwand einer Partei wird keine
Parteientschä
digung
(
§
8
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht,
GebV
SVGer
) beziehungs
weise keine Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsvertretung (§ 9
GebV
SVGer
) zugesprochen.
8
.2
Dem sich bei den Akten befindenden Tätigkeitsnachweis von Rechtsanwalt Philip
Stolkin
, Zürich,
vom
3.
Juni 2015 (
Urk.
45)
ist
zu entnehmen, dass
er für
das
Beschwerdeverfahren einen Aufwand von
insgesamt 24.4
Stunden und
Bar
auslagen
von
Fr.
229.--
(ohne Mehrwertsteuer) geltend machte.
Der
geltend gemachte
zeitliche
Aufwand von insgesamt
24
.4 Stunden
erscheint indes in Berücksichtigung
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses nicht als angemessen.
Als unangemessen erscheinen insbesondere die geltend gemachten Aufwände für das Verfassen der Beschwerde von insgesamt 9.5 Stunden und für die Vorbereitung der Verhandlung am
1.
Juni 2015 von 4
Stunden.
In Würdigung der
gesamten Umstände - und insbesondere auch mit Blick auf vergleichbare Verfahren -
erscheint vorliegend v
ielmehr ein Aufwand von insgesamt 1
5,5
Stunden
als angemessen und gerechtfertigt
. Die geltend gemachten Barauslagen von insgesamt
Fr.
229
.-- sind nicht zu beanstanden.
8
.3
Ausgangsgemäss
hat der
obsiegende Beschwerdeführer
Anspruch auf eine
Prozess
entschädigung
, welche
in Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsa
che und der Schwierigkeit des Prozesses, bei einem gerechtfertigten zeitlichen Aufwand von 1
1
Stunden
zu
einem Stundensatz von
Fr.
200.-- (bis 3
1.
Dezember 2014)
und 4,5 Stunden à
Fr.
220.-- (ab
1.
Januar 2015) und
Bar
auslagen
von
Fr.
229.--, zuzüglich Mehrwertsteuer, auf
Fr.
3‘
674
.-- festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene
Einspracheentscheid
der
Schwei
zerischen Unfallversicherungsanstalt
vom
2.
August 2013
aufgehoben
mit der Feststellung
, dass es sich beim Ereignis vom 1
5.
Juli 2011 um einen Unfall im Sinne von
Art.
4 ATSG handelte,
und dass der Beschwerdeführer
Anspruch auf unentgeltli
che Rechtsvertretung im
Einspracheverfahren
hat
,
und es wird
die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückgewiesen
, damit diese nach erfolg
t
en Abklärungen im Sinne der Erwägungen,
über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers
sowie
über
dessen Anspruch auf Entschädigu
ng der
unentgeltliche
n
Rechtsvertretung im
Einspracheverfahren
neu
verfüge.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3
.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem
unentgeltlichen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Philip
Stolkin
, Zürich,
eine Prozessentschädigung von
Fr.
3'
674
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Philip
Stolkin
-
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
unter Beilage je einer Kopie von
Urk.
44
,
Urk.
45
und
Urk.
8/1
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
MosimannVolz