# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8963189f-d4c0-574d-a9a5-1a86f7657a86
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.08.2011 D-1846/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1846-2009_2011-08-16.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­1846/2009

U r t e i l   v om   1 6 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichter Robert Galliker,
mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi;  
Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler.

Parteien A._______, geboren (…),
Irak,  
vertreten durch LL.M. lic. iur. Susanne Sadri, 
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
23. Februar 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Eigenen Angaben  zufolge  verliess  der Beschwerdeführer,  ein  irakischer 
Staatsangehöriger  kurdischer  Ethnie  und  sunnitischer 
Religionszugehörigkeit,  seinen  Heimatstaat  am  6. Dezember  2008  und 
reiste  über  die  Türkei  und  weitere,  ihm  unbekannte  Länder  am 
24. Dezember  2008  in  die  Schweiz  ein.  Gleichentags  suchte  er  im 
Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ um Asyl nach. Am 
5. Januar  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  im  EVZ  zu  seinen 
Personalien sowie – summarisch – zu seinen Asylgründen befragt. 

Die  LINGUA­Analyse  vom  9. Februar  2009  –  gestützt  auf  ein 
Telefongespräch  vom  21. Januar  2009  –  ergab,  dass  der 
Beschwerdeführer  im  Irak, Regionen Dohuk und C._______,  sozialisiert 
wurde, nicht jedoch in der Region Mosul. 

Am  17. Februar  2009  fand  die  Anhörung  des  Beschwerdeführers  durch 
das  BFM  statt.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuches  machte  er  im 
Wesentlichen geltend, er sei nach dem Tod seines Bruders, bei dem er 
gewohnt habe, aufgefordert worden, seine Schwägerin zu heiraten, was 
jedoch weder er noch seine Schwägerin gewollt hätten. Da die Eltern der 
Schwägerin  ihn mit dem Tod bedroht hätten, habe er  seinen damaligen 
Wohnort C._______ verlassen.  In der Folge habe er eine Stelle bei den 
Amerikanern auf dem Flughafen D._______ erhalten. Da sein befristeter 
Arbeitsvertrag  nicht  verlängert  worden  sei,  sei  er  zu  seiner  Schwester 
nach E._______ (gemeint wohl: E._______ [Provinz Ninawa, Distrikt Tal 
Afar])  zurückgekehrt. Als ausgekommen sei, dass er  für die Amerikaner 
gearbeitet  habe,  sei  er  einmal  von  Arabern  zusammengeschlagen  und 
einmal von zwei Leuten verfolgt worden, denen er aber habe entkommen 
können.  Daraufhin  habe  er  sich  bis  zum  Verlassen  des  Heimatstaates 
versteckt gehalten.

Für  die  weiteren  Aussagen  des  Beschwerdeführers  wird  auf  die 
Protokolle bei den Akten verwiesen.

B. 
Mit  Verfügung  vom  23. Februar  2009  –  eröffnet  am  24. Februar  2009 – 
stellte  das  Bundesamt  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  das  Asylgesuch  ab  und  ordnete  die 
Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  sowie  den 
Wegweisungsvollzug  an.  Die  Vorinstanz  begründete  ihre  Verfügung  im 

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Wesentlichen damit, die Schilderungen des Beschwerdeführers genügten 
den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftmachung  gemäss  Art. 7  des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht.  Sowohl 
hinsichtlich einer erzwungenen Heirat seiner Schwägerin als auch seiner 
Tätigkeit  auf  dem  Flughafen  D._______  habe  der  Beschwerdeführer 
teilweise  widersprüchliche  und  zudem  unsubstanziierte  Angaben 
gemacht.  Es  sei  deshalb  nicht  glaubhaft,  dass  er  Probleme  mit  der 
Familie der Witwe seines Bruders gehabt habe und er deshalb zu seiner 
Schwester nach E._______ habe fliehen müssen. Ebenso wenig könnten 
ihm  die  Probleme  wegen  seiner  Tätigkeit  für  die  Amerikaner  geglaubt 
werden.  Es  erübrige  sich  damit,  die  Asylrelevanz  der  Vorbringen  zu 
prüfen. Den Wegweisungsvollzug erachtete das Bundesamt als zulässig, 
zumutbar und möglich.

C. 
Mit  Beschwerde  vom  23. März  2009  liess  der  Beschwerdeführer  durch 
seine  Rechtsvertreterin  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
erheben  und  beantragen,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben, 
dem Beschwerdeführer  sei politisches Asyl  zu gewähren und es sei die 
Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  aus 
der Schweiz  festzustellen.  In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte der 
Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und 
um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer als Beilage 
zur Beschwerdeschrift eine Farbkopie des Todesscheines seines Bruders 
samt  Übersetzung  zu  den  Akten  sowie  eine  Bestätigung  über  seine 
Tätigkeit  für  die  amerikanischen  Streitkräfte  auf  dem  Flughafen 
D._______ (ebenfalls mit Übersetzung).

D. 
Der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  teilte  dem 
Beschwerdeführer  mit  Zwischenverfügung  vom  8. April  2009  mit,  er 
könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten. 
Gleichzeitig  wurde  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  (Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren  [VwVG, SR 172.021]) abgewiesen 
und  der  Beschwerdeführer  aufgefordert,  bis  zum  23. April  2009  einen 
Kostenvorschuss von Fr. 600.­­ einzuzahlen.

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E. 
Der Beschwerdeführer leistete den Kostenvorschuss am 20. April 2009.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). Ein solcher Ausnahmefall liegt nicht vor.

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie 

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nachstehend  aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um  eine  solche, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die 
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.

4. 
4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich 
die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie 
Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken 
(Art. 3 AsylG).

Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsuchende 
Person  nach  Lehre  und Rechtsprechung  dann, wenn  sie Nachteile  von 
bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  begründeterweise 
befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter 
Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch 
nichtstaatliche Akteure  zugefügt worden  sind beziehungsweise  zugefügt 
zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37, Entscheidungen und 
Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 2006 Nr. 18 E. 7 und 8 S. 190 ff., EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 
193). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt 
die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die 
betroffene  Person  in  ihrem  Heimatland  keinen  ausreichenden  Schutz 
finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE 2008/4 E. 5.2 
S. 37 f., EMARK 2006 Nr. 18 E. 10 S. 201 ff., EMARK 2005 Nr. 21 E. 7.3 
S.  194  und  E.  11.1  S.  201  f.).  Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der 
Flüchtlingseigenschaft  ist  die Frage nach der  im Zeitpunkt  der Ausreise 
vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die 
Situation  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der 
Prüfung  nach  der  Aktualität  der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich. 
Veränderungen  der  objektiven  Situation  im  Heimatstaat  zwischen 
Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das 

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Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen  (vgl. BVGE 2008/4 E. 
5.4  S.  38  f.,  EMARK  2000  Nr.  2  E.  8a  S.  20;  WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in: 
Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 
Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18). Begründete Furcht vor 
Verfolgung  liegt  vor, wenn konkreter Anlass  zur Annahme besteht,  eine 
Verfolgung  hätte  sich  –  aus  der  Sicht  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  –  mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zeit  verwirklicht 
beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher 
Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer  Zukunft  verwirklichen.  Eine  bloss 
entfernte  Möglichkeit  künftiger  Verfolgung  genügt  nicht;  es  müssen 
konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus 
einem  der  vom  Gesetz  aufgezählten  Motive  erfolgenden – 
Benachteiligung  als  wahrscheinlich  und  dementsprechend  die  Furcht 
davor als realistisch und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. EMARK 
2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9).

4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

5. 
5.1.  Der  Beschwerdeführer  lässt  auf  Beschwerdeebene  vorbringen, 
entgegen der vorinstanzlichen Auffassung bestünden in seinen Angaben 
weder  Widersprüche  noch  Unstimmigkeiten.  Vielmehr  seien  seine 
Aussagen detailliert, plausibel, übereinstimmend und damit asylrelevant. 
Er  sei  einerseits  wegen  der  Drohungen  und  des  Drucks  seitens  der 
Familie  seiner  Schwägerin  aus  C._______  geflohen.  Anderseits  sei  er 
von  Arabern  wegen  seiner  Stelle  bei  den  Amerikanern  verfolgt  und 
ernsthaften Nachteilen ausgesetzt.

5.2.  Wie  nachfolgend  aufgezeigt  wird,  gelangt  das 
Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  dass  den  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  die  Asylrelevanz  abzusprechen  ist.  Eine 
Auseinandersetzung mit  der  Glaubhaftigkeit  der  vom  Beschwerdeführer 
vorgetragenen Asylgründe kann deshalb unterbleiben.

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5.2.1. Vorauszuschicken  ist zunächst, dass der Beschwerdeführer keine 
staatliche  Verfolgung  geltend  macht.  Sowohl  hinsichtlich  der 
erzwungenen Heirat  als  auch  der  Bedrohung  aufgrund  der  Tätigkeit  für 
die amerikanischen Truppen auf dem Flughafen von D._______ handelt 
es sich bei den Verfolgern um private Drittpersonen.

In  diesem  Zusammenhang  ist  festzuhalten,  dass  nach  geltender 
Rechtsprechung  eine  Verfolgungshandlung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG 
auch  von  nichtstaatlichen  Akteuren  ausgehen  kann  (EMARK  2006 
Nr. 18).  Gemäss  der  sogenannten  „Schutztheorie“  (in  Abweichung  von 
der  zuvor  angewandten  „Zurechenbarkeitstheorie“  [vgl.  EMARK  2004 
Nr. 14 E. 6  S. 89  ff.,  rückblickend EMARK  2006 Nr. 18 E. 6.3.1])  ist  bei 
der  Beantwortung  der  Frage,  ob  eine  Person  von  Verfolgung  im 
flüchtlingsrechtlichen  Sinne  betroffen  ist,  nicht  das  Kriterium  der 
Urheberschaft  massgeblich,  sondern  das  Vorhandensein  adäquaten 
Schutzes  im  Heimatstaat.  Mit  anderen Worten  ist  auch  dann  von  einer 
asylrelevanten  Verfolgung  auszugehen,  wenn  deren  Urheber 
nichtstaatliche  Akteure  beziehungsweise  Private  sind  und  der 
Heimatstaat der verfolgten Person keinen Schutz zu gewähren imstande 
ist. Massgeblich  ist dabei mithin die Frage, ob die betroffene Person vor 
einer  solchen Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure  von Seiten  ihres 
Heimatstaats Schutz erwarten kann. 

5.2.2. Sowohl bei der vom Beschwerdeführer  vorgetragenen Bedrohung 
durch  die  Familienangehörige  seiner  Schwägerin  als  auch  derjenigen 
durch  Araber  in  E._______  handelt  es  sich  – wie  schon  erwähnt  –  um 
eine solche von privater Seite. Indem die Verfolgung von nichtstaatlichen 
Akteuren  ausgeht,  ist  –  wie  soeben  ausgeführt  –  zu  prüfen,  ob  der 
Beschwerdeführer  staatlichen  Schutz  beanspruchen  kann.  Der 
Beschwerdeführer  ist  nach  eigenen  Angaben  im  Dorf  F._______ 
geboren.  Kurz  nach  seiner  Geburt  sei  die  Familie  nach  G._______ 
(Türkei)  gegangen  und  erst  im  Jahr  1992  nach  C._______  (Provinz 
Dohuk) zurückgekehrt. Bis zu seinem Weggang im Jahr 2006 habe er in 
C._______  gelebt,  wo  er  auch  die  Schule  (in  der  zur  C._______ 
gehörenden  Ortschaft  H._______)  besucht  habe.  Wie  das 
Bundesverwaltungsgericht  in  einem  Grundsatzurteil  –  dessen 
Einschätzungen auch zum heutigen Zeitpunkt gültig sind –  in Bezug auf 
die  Sicherheitslage  im  Nordirak  festgehalten  hat,  sind  die  staatlichen 
Behörden  in  diesem  Teilgebiet  des  Staates  grundsätzlich  in  der  Lage, 
adäquaten Schutz  vor Verfolgung  zu gewähren  (vgl. BVGE 2008/4). So 
sind  die  nordirakischen  Sicherheitsbehörden  grundsätzlich  in  der  Lage, 

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Hinweisen  auf  Übergriffe  nachzugehen  und  nötigenfalls  eine 
Strafverfolgung  einzuleiten.  Die  Sicherheits­  und  Polizeikräfte  sind  gut 
dotiert  und  gelten  als  gut  und  straff  organisiert.  Das  Rechts­  und 
Justizsystem  ist  zwar  parallel  strukturiert  und  wird  teilweise  durch  die 
traditionelle  Stammesjustiz  konkurrenziert.  Trotzdem  kann  aber  davon 
ausgegangen  werden,  dass  Streitigkeiten  im  Regelfall  gerichtlich 
beigelegt  werden  können.  In  Bezug  auf  die  drei  kurdischen 
Nordprovinzen  kann  entsprechend  von  einer  funktionierenden  Schutz­
Infrastruktur  gesprochen  werden.  Die  kurdischen  Behörden  vermögen 
damit  den  Anforderungen  an  einen  stabilen  und  dauerhaften 
Schutzgewährer zu entsprechen (a.a.O. E. 6.5).

5.2.3.  Der  Beschwerdeführer  stammt  aus  der  Provinz  Dohuk  und 
verbrachte  lediglich  eine  verhältnismässig  kurze  Zeit  entweder  auf  dem 
Flughafen D._______ oder in der zur Provinz Ninawa gehörigen Ortschaft 
E._______.  Es  ist  kein  Grund  ersichtlich,  welcher  es  dem 
Beschwerdeführer verunmöglichen würde, in eine der drei nordirakischen, 
kurdischen Provinzen  zurückzukehren und  sich  dort  niederzulassen,  sei 
dies in der Provinz Dohuk, wo Verwandte des Beschwerdeführers leben, 
oder in einer der beiden anderen Nordprovinzen Suleimaniya und Erbil.

5.2.4. Anzufügen  bleibt  in  Bezug  auf  die  Heirat mit  seiner  Schwägerin, 
dass der Beschwerdeführer anlässlich der summarischen Befragung vom 
5. Januar  2009  ausführte,  die  Angehörigen  seiner  Schwägerin  hätten 
nach  dem  Tod  seines  Bruders  im  Juni  2006  verlangt,  dass  er  die 
Schwägerin heirate. Ihre Angehörigen hätten ihm gesagt, wenn er dieser 
Forderung nicht nachkomme, müsse er C._______ verlassen. Danach sei 
er nach E._______ gegangen (vgl. Akten BFM A 1/10 S. 5). Im Rahmen 
der  Anhörung  bestätigte  der  Beschwerdeführer,  dass  er  nach  dem Tod 
seines  Bruders  von  den  Eltern  seiner  Schwägerin  aufgefordert  worden 
sei, seine Schwägerin zu heiraten. Da weder er noch seine Schwägerin 
dies  gewollt  hätten,  hätten  ihre  Eltern  ihn mit  dem Tod  bedroht  und  zu 
ihm gesagt, dass er entweder C._______ verlassen müsse oder sie  ihn 
umbringen  würden.  Daraufhin  sei  er  zu  seiner  Schwester  ins  Dorf 
E._______  gegangen  (vgl.  Akten  BFM  A  15/13  S. 6).  Zunächst  sei  die 
Mutter seiner Schwägerin etwa fünf Mal zu  ihm gekommen, am Schluss 
seien  ihr  Vater  und  ihre  Brüder  gekommen  und  hätten  ihm  gesagt, 
entweder  müsse  er  seine  Schwägerin  heiraten  oder  sie  würden  ihn 
umbringen. Er habe diese Drohungen niemandem gemeldet, er sei noch 
jung und niemand hätte ihm geglaubt (vgl. a.a.O. S. 7).

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Aus den Angaben des Beschwerdeführers ergeben sich keine Hinweise 
darauf,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  seinem  Weggang  aus 
C._______  von  den  Familienmitgliedern  seiner  Schwägerin  noch 
irgendwie behelligt worden wäre. Nachdem er  in der Folge bis zu seiner 
Ausreise  im  Dezember  2008,  und  damit  während  rund  zweieinhalb 
Jahren,  von  den  Verwandten  seiner  Schwägerin  nicht  mehr  kontaktiert 
wurde,  kann weder  den  erfolgten Drohungen  die  erforderliche  Intensität 
zugesprochen  werden,  noch  besteht  Anlass,  künftige 
Verfolgungshandlungen  ernsthaft  zu  befürchten.  Unbesehen  davon  ist 
sodann festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine aus einem der in 
Art.  3  AsylG  abschliessend  aufgezählten  Gründe  motivierte  Verfolgung 
gelten macht.

5.2.5.  Hinsichtlich  der  geltend  gemachten  Verfolgung  durch  Araber  in 
E._______ ist schliesslich der Vollständigkeit halber darauf hinzuweisen, 
dass  die  Umschreibung  einer  erlittenen  Verfolgung  als  ernsthafte 
Nachteile  für die zentralsten Rechtsgüter klar macht, dass eine gewisse 
Intensität der Eingriffe für die Anerkennung als Flüchtling vorauszusetzen 
ist.  Bei  Eingriffen  wie  Freiheitsentzug,  Schlagen  und  sexueller 
Belästigung  ist  die  psychische  oder  physische  Beeinträchtigung  in 
Relation  zu  ihrer  Dauer  und  Häufigkeit  sowie  zu  den  gesamten 
Umständen  zu  setzen  (WALTER STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi 
Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel  2009,  Rz. 11.14). 
Wenn  der  Beschwerdeführer  geltend  macht,  er  sei  einmal 
zusammengeschlagen  worden,  habe  sich  aber  zum  Glück  von  diesen 
Leuten  losreissen  können,  und  einmal  sei  er,  als  er  aus  einem 
Coiffeursalon gekommen sei, von zwei Leuten verfolgt worden, denen er 
habe entkommen  können  (vgl. Akten BFM A 15/13 S. 10),  liegen  damit 
noch keine ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG vor. 

5.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer bei einer 
Bedrohung sowohl  im Hinblick auf eine Zwangsheirat als auch aufgrund 
seiner  Tätigkeit  für  die  amerikanischen  Streitkräfte  im  kurdisch 
kontrollierten  Teil  des  Iraks  um  effektiven  Schutz  hätte  nachsuchen 
können  beziehungsweise  er  dies  auch  zum  heutigen  Zeitpunkt  tun 
könnte. Den Asylvorbringen des Beschwerdeführers  ist die Asylrelevanz 
abzusprechen. Er erfüllt folglich die Flüchtlingseigenschaft nicht, und das 
BFM hat sein Asylgesuch demnach im Ergebnis zu Recht abgelehnt.

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Bei  dieser  Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf  die weiteren  Ausführungen  in 
der Beschwerde sowie die eingereichten Beweismittel näher einzugehen, 
da diese am Verfahrensausgang nichts zu ändern vermögen.

6. 
6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9).

7. 
7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
STÖCKLI, a.a.O., Rz. 11.148).

7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

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Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers  in  den Nordirak  ist  demnach  unter  dem Aspekt  von 
Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung  in  den  Nordirak  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Nordirak 
lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als 
unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

7.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 

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Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

7.4.1.  In  Bezug  auf  die  allgemeine  Lage  in  den  drei  nordirakischen 
Provinzen  kann  auf  die  vom  Bundesverwaltungsgericht  vorgenommene 
Einschätzung der  Lage  in  einem ergangenen Grundsatzurteil  verwiesen 
werden  (vgl.  BVGE 2008/5), welche  auch  zum heutigen Zeitpunkt  noch 
Gültigkeit  hat.  Das  Gericht  stellte  dort  zusammenfassend  fest,  dass  in 
den  drei  kurdischen  Provinzen  Dohuk,  Suleimaniya  und  Erbil  keine 
Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht  und  die  dortige  politische  Lage 
nicht  dermassen  angespannt  ist,  dass  eine  Rückführung  dorthin  als 
generell unzumutbar betrachtet werden müsste. Zudem ist die Region mit 
Direktflügen aus Europa und aus den Nachbarstaaten erreichbar. Damit 
entfällt  das  Element  der  unzumutbaren  Rückreise  via  Bagdad  und 
anschliessend auf  dem Landweg durch den  von Gewalt  heimgesuchten 
Zentralirak.  Zusammenfassend  wurde  im  erwähnten  Entscheid 
festgehalten,  dass  die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  für 
alleinstehende,  gesunde  und  junge  kurdische  Männer,  die  ursprünglich 
aus  den  Provinzen  Dohuk,  Suleimaniya  oder  Erbil  stammen  und  dort 
nach wie vor über ein soziales Netz oder Parteibeziehungen verfügen, in 
der Regel  zumutbar  ist.  Für  alleinstehende Frauen und  für Familien mit 
Kindern  sowie  für Kranke und Betagte  ist  dagegen bei  der  Feststellung 
der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  grosse  Zurückhaltung 
angebracht (a.a.O. E. 7.5 und insbesondere E. 7.5.8). Die Sicherheitslage 
in den drei kurdischen Provinzen hat sich seit Publikation des erwähnten 
Urteils nicht verschlechtert.  In der überwiegenden Mehrheit der Berichte 
von  Regierungs­  und  Nichtregierungsorganisationen  sowie  des  UN­
Sicherheitsrats wird eine insgesamt stabile Situation beschrieben (vgl. die 
Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­1618/2008  vom 
28. Februar 2011  und  E­1804/2008  vom  14. März  2011,  mit  weiteren 
Hinweisen).

7.4.2.  Beim  Beschwerdeführer  handelt  es  sich  um  einen  (…)­jährigen, 
alleinstehenden,  jungen Mann,  welcher  den  überwiegenden  Teil  seines 
Lebens  –  einschliesslich  seine  neunjährige  Schulzeit  –  in  der  Provinz 
Dohuk  verbracht  hat.  Nebst  der  Mutter  des  Beschwerdeführers  leben 
deren  (…)  Brüder  ebenfalls  in  der  Provinz  Dohuk.  Zwar  macht  der 
Beschwerdeführer  geltend,  er  habe  seit  dem  Jahr  2000  keinen Kontakt 
mehr zu seiner Mutter und deren Verwandtschaft, ohne allerdings einen 
Grund dafür zu nennen. Es  ist demzufolge nicht ersichtlich, weshalb der 
Beschwerdeführer mit diesen Verwandten nicht wieder  in Kontakt  treten 

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könnte.  Zudem  gab  er  an,  er  habe  sich  nach  Beendigung  des 
Arbeitsverhältnisses  zu  einem  Freund  nach  I._______  (gemeint  wohl 
J._______, Provinz Dohuk) begeben, um diverse Dokumente abzuholen. 
Entsprechend  kann  ohne  Weiteres  davon  ausgegangen  werden,  der 
Beschwerdeführer  verfüge  im  Nordirak  über  ein  Beziehungsnetz  von 
Bekannten  und  Freunden.  Gesundheitliche  Beeinträchtigungen  ergeben 
sich  weder  aus  den  Akten,  noch  macht  der  Beschwerdeführer  solche 
geltend.  Insgesamt  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  der 
Beschwerdeführer  nach  seiner Rückkehr   in  der  Lage  sein wird,  sich  in 
seiner Heimat eine wirtschaftliche Existenzgrundlage aufzubauen, wobei 
ihm  allenfalls  die  Rückkehrhilfe  der  Schweiz  die  Wiederansiedelung 
zusätzlich  erleichtern  kann.  Nach  dem  vorstehend  Gesagten  ist  der 
Vollzug der Wegweisung in den Nordirak als zumutbar zu bezeichnen.

7.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 
AuG).

7.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG),  auf 
insgesamt  Fr. 600.­­  festzusetzen  (Art. 1  –  3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  und mit  dem  am  20. 
April 2009 geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt  und  mit  dem  am  20. April  2009  geleisteten  Kostenvorschuss 
verrechnet.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Robert Galliker Daniela Brüschweiler

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