# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7dbef10e-e6fc-56e4-a090-0c810183d780
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.01.2012 D-1654/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1654-2010_2012-01-31.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­1654/2010
law/bah

U r t e i l   v om   3 1 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richterin Gabriela Freihofer, Richter Gérald Bovier;
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

Parteien A._______, geboren am (…),
Iran,
vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,
Advokatur Kanonengasse,
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,  
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 8. März 2010 / N (…).

D­1654/2010

Seite 2

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  den  Iran  eigenen  Angaben  zufolge  am 
27. Juli  2007  verliess  und  am  8. August 2007  in  der  Schweiz  zum 
ersten Mal um Asyl nachsuchte,

dass  er  am  13. August  2007  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum 
Basel  zu  seinen  Personalien,  zum  Reiseweg  und  summarisch  zu 
seinen Asylgründen befragt und am 14. September 2007 vom BFM zu 
seinen Asylgründen angehört wurde,

dass das BFM mit Verfügung vom 21. September 2007 feststellte, der 
Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  das 
Asylgesuch ablehnte,  die Wegweisung aus  der Schweiz  verfügte  und 
den Vollzug der Wegweisung anordnete,

dass  der  Beschwerdeführer  gegen  diese  Verfügung  durch  seine 
damalige Rechtsvertreterin am 19. Oktober 2007 Beschwerde erheben 
liess,

dass er am 5. März 2008 Fotografien und Dokumente einreichen liess, 
die seine Aktivitäten in der exiliranischen Bewegung belegten,

dass das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde vom 19. Oktober 
2007  mit  Urteil  D­7134/2007  vom  2   September  2008  vollumfänglich 
abwies,

dass  der Beschwerdeführer  sich mit  Eingabe  seines Rechtsvertreters 
vom 18. Januar 2010 an das BFM wandte und beantragte, es sei seine 
Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihm  Asyl  zu  gewähren, 
eventualiter  sei  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen und es sei auf 
die  Erhebung  von  Gebühren  beziehungsweise  eines 
Gebührenvorschusses zu verzichten,

dass  dieses  zweite  Asylgesuch  damit  begründet  wurde,  der 
Beschwerdeführer  habe  von  März  2008  bis  September  2009  in  der 
Schweiz  an  zahlreichen  Veranstaltungen  und  Demonstrationen  der 
Demokratischen  Vereinigung  für  Flüchtlinge  (DVF)  teilgenommen 
beziehungsweise  unter  Namensnennung  und  mit  Fotografie  in  der 
Zeitschrift B._______ einen Artikel veröffentlicht, weshalb er nunmehr 
die Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft erfülle,

D­1654/2010

Seite 3

dass er  die Teilnahme an den Veranstaltungen und Demonstrationen 
beziehungsweise  das  Verfassen  des  Artikels  mit  entsprechenden 
Dokumenten illustrierte (vgl. act. B2),

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  8. März  2010  – eröffnet  am 
folgenden  Tag –  in  Anwendung  von  Art. 32  Abs. 2  Bst. e  des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das 
Asylgesuch  nicht  eintrat,  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  verfügte, 
den  Beschwerdeführer  –  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im 
Unterlassungsfall  – aufforderte, die Schweiz am Tag nach Eintritt  der 
Rechtskraft  der  Verfügung  zu  verlassen,  feststellt,  der  Kanton 
C._______  sei  verpflichtet,  die Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen, 
das  Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  von  Gebühren  ablehnte, 
eine  Gebühr  von  Fr.  600.–  erhob  und  dem  Beschwerdeführer  die 
editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte,

dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  der 
Sachverhalt  könne  aufgrund  der  detaillierten  schriftlichen  Eingabe 
rechtsgenüglich  ermittelt  werden,  weshalb  sich  eine  vorgängige 
Anhörung des Beschwerdeführers erübrige,

dass  es  unter  Hinweis  auf  das  damals  zur  Publikation  vorgesehene 
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D­5407/2006 vom 30. November 
2009  E. 5.4.1  (mittlerweile  publiziert  unter  BVGE  2009/53)  festhielt, 
der  Anspruch  des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  werde 
durch diese Vorgehensweise nicht beeinträchtigt,

dass  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  im  das  erste  Asylverfahren 
des  Beschwerdeführers  betreffenden  Urteil  D­7134/2007  vom 
2. September  2008  in  den  Erwägungen 6.2  und  7  einlässlich  zu  den 
bis  damals  bekannt  gewesenen  exilpolitischen  Aktivitäten  des 
Beschwerdeführers geäussert habe,

dass  sich  aufgrund  der  mit  dem  zweiten  Asylgesuch  eingereichten 
Dokumentation  und  der  darin  aufgelisteten  weiteren  exilpolitischen 
Aktivitäten des Beschwerdeführers nichts geändert habe,

dass es sich bei den geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten um 
die  konsequente  Fortführung  von  niederprofiligen  Aktivitäten  handle, 
welche  sich  in  Art  und  Qualität  nicht  wesentlich  von  denjenigen 
unterschieden,  die  bereits  Gegenstand  der  Prüfung  im  ersten 
Asylverfahren gewesen seien,

D­1654/2010

Seite 4

dass  die  neuen  Aktivitäten  vielmehr  eine  zeitliche  Fortsetzung  der 
früheren, bereits rechtskräftig beurteilten Tätigkeiten darstellten,

dass  eine  substanzielle  Veränderung  im  Sinn  der  Anforderungen  an 
das  Vorhandensein  einer  realen  Verfolgungsabsicht  des  iranischen 
Staats nicht vorhanden sei,

dass weder die eingereichten Texte noch Bilder konkrete Hinweise auf 
eine  gegenüber  dem  Urteil  D­7134/2007  vom  2. September  2008 
herausragendere  und  wirksamere  Tätigkeit  des  Beschwerdeführers 
gegen  das  iranische  Regime,  die  ein  erhöhtes  Verfolgungsrisiko 
begründen würde, enthielten,

dass  sich  aus  der  geltend  gemachten  Verschlechterung  der 
Menschenrechtssituation  im  Iran  keine  konkreten  Hinweise  auf  eine 
relevante Verfolgung des Beschwerdeführers ableiten liessen,

dass  dem  zweiten  Asylgesuch  somit  keine  Hinweise  entnommen 
werden  könnten,  wonach  ab  rechtskräftigem  Abschluss  des  ersten 
Asylverfahrens  Ereignisse  eingetreten  seien,  die  geeignet  wären,  die 
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu begründen, oder die 
für die Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant seien,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  16. März 2010  durch 
seinen  Rechtsvertreter  gegen  diesen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen liess, 
die Verfügung des BFM vom 8. März 2010 sei aufzuheben, die Sache 
sei  zur  materiellen  Prüfung  des  Asylgesuchs  an  die  Vorinstanz 
zurückzuweisen,  es  sei  die  unentgeltliche  Prozessführung  zu 
bewilligen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu 
verzichten,

dass der Instruktionsrichter mit Zwischenverfügung vom 24. März 2010 
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  unter  der  Voraussetzung 
des  Nachreichens  einer  Bestätigung  der  Fürsorgeabhängigkeit  des 
Beschwerdeführers  guthiess,  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs. 2  VwVG  indessen 
abwies,

D­1654/2010

Seite 5

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  von  7. April  2010  eine 
Bestätigung  vom  29. März  2010,  wonach  er  Nothilfe  beziehe, 
einreichen liess,

dass  er  am  17. Juni  2011  zahlreiche  Beweismittel  nachreichen  liess 
(vgl. Beilagen 1 bis 17), mit  denen er  seine  fortgeführte exilpolitische 
Betätigung zu belegen suchte,

dass  das  BFM  in  seiner  Vernehmlassung  vom  19. August  2011  die 
Abweisung der Beschwerde beantragte,

dass  der  Instruktionsrichter  den  Beschwerdeführer  am  24. August 
2011 von der Vernehmlassung in Kenntnis setzte,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM 
entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  dessen  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  und  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37 
VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 

D­1654/2010

Seite 6

überprüfen  (Art. 32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den 
Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  –  einer materiellen 
Prüfung enthält,  die angefochtene Verfügung aufhebt  und die Sache zu 
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist  (vgl. Entscheidungen 
und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in 
der Schweiz bereits  ein Asylverfahren erfolglos  durchlaufen haben oder 
während  des  hängigen  Asylverfahrens  in  den  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat zurückgekehrt sind,

dass  diese  Bestimmung  jedoch  keine  Anwendung  findet,  wenn  es 
Hinweise auf  zwischenzeitlich eingetretene Ereignisse gibt, die geeignet 
sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die 
Gewährung  vorübergehenden  Schutzes  relevant  sind  (Art. 32  Abs. 2 
Bst. e AsylG),

dass  in  der  Beschwerde  geltend  gemacht  wird,  die  Eingabe  vom 
18. Januar  2010  sei  mit  subjektiven  Nachfluchtgründen  begründet 
worden,  wobei  diese  nicht  bloss  in  den  Raum  gestellt,  sondern  mit 
einschlägigem  Bildmaterial  und  anderen  Beweismitteln  eine  Vorstellung 
davon  vermittelt  worden  sei,  worin  seine  exilpolitischen  Aktivitäten 
bestünden,

dass somit Hinweise geltend gemacht worden seien, die geeignet seien, 
die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  weshalb  gemäss 
Rechtsprechung  ein  in  Anwendung  von  Art. 32  Abs. 2  Bst. e  AsylG 
gefällter Nichteintretensentscheid nicht statthaft gewesen wäre,

dass die Frage,  ob die  neuen exilpolitischen Aktivitäten  als Fortsetzung 
der bisherigen zu beurteilen seien und welcher Exponierungsgrad durch 
diese erreicht werde, einer vertieften Abklärung bedürfe, die sich nicht mit 
einem Nichteintretensentscheid vereinbaren lasse,

dass dies jedenfalls in Fällen wie dem vorliegenden gelte, in denen neue 
Beweismittel eingereicht worden seien,

D­1654/2010

Seite 7

dass  der  Beschwerdeführer  vom  BFM  zu  seinen  Asylgründen  nicht 
angehört  worden  sei,  das  BFM  gemäss  der  Rechtsprechung  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) jedoch verpflichtet sei, vor 
dem  Entscheid  über  das  erneute  Begehren  um  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft  eine  Anhörung  gemäss  Art. 29  und  30  AsylG 
durchzuführen,

dass vorliegend nicht gesagt werden könne, die  vom Beschwerdeführer 
geltend  gemachten  Aktivitäten  seien  grundsätzlich  ungeeignet,  die 
Flüchtlingseigenschaft zu begründen,

dass bei  der Prüfung,  ob Hinweise  vorliegen, welche geeignet  sind,  die 
Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  vom  engen  Verfolgungsbegriff  im 
Sinne von Art. 3 AsylG auszugehen ist,

dass  daher  auf  das  Asylgesuch  nicht  einzutreten  ist,  wenn  eines  der 
Elemente des Flüchtlingsbegriffs gemäss Art. 3 AsylG offensichtlich nicht 
erfüllt ist,

dass  dabei  ein  gegenüber  der  Glaubhaftmachung  reduzierter 
Beweismassstab  zur  Anwendung  kommt,  und  auf  ein  Asylgesuch 
eingetreten  werden muss,  wenn  sich  Hinweise  auf  ernsthafte  Nachteile 
im Sinne von Art. 3 AsylG ergeben, die nicht zum Vornherein haltlos sind 
(vgl. BVGE 2009/53 E. 4.2 S. 769),

dass  gemäss  Art. 36  Abs. 1  Bst. b  AsylG  in  Fällen  nach  Art. 32  Abs. 2 
Bst. e AsylG eine Anhörung zu den Asylgründen im Sinne von Art. 29 und 
30  AsylG  nur  stattfindet,  wenn  die  asylsuchende  Person  aus  ihrem 
Heimat­ oder Herkunftsstaat in die Schweiz zurückgekehrt ist,

dass  der  asylsuchenden  Person,  welche  in  der  Schweiz  bereits  ein 
Asylverfahren erfolglos durchlaufen hat und in der Schweiz verblieben ist, 
vor  Erlass  eines  auf  Art. 32  Abs. 2  Bst. e  AsylG  gestützten 
Nichteintretensentscheids,  also  wenn  sich  aufgrund  ihres  (weiteren) 
Asylgesuchs  keine  Hinweise  auf  in  der  Zwischenzeit  eingetretene 
Ereignisse  ergeben,  die  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu 
begründen, das rechtliche Gehör zu gewähren ist (Art. 36 Abs. 2 AsylG),

dass  der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  in  der  Regel  von  der 
gesuchstellenden  Person  mit  der  Gesuchseinreichung  wahrgenommen 
wird  (vgl.  BVGE  2009/53  E.  5.5  S.  771),  und  das  BFM  nach  Treu  und 
Glauben  auf  die  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  gemäss  Art. 36 

D­1654/2010

Seite 8

Abs. 2  AsylG  verzichten  kann,  wenn  der  Sachverhalt  als  vollständig 
erstellt zu erachten ist (vgl. BVGE 2009/53 E. 5.7 S. 772),

dass  der  Beschwerdeführer  unbestrittenermassen  vor  der  Einreichung 
seines zweiten Asylgesuches nicht aus seinem Heimatland zurückgekehrt 
war,

dass  er  im  von  seinem  Rechtsvertreter  schriftlich  eingereichten 
Asylgesuch  vom  18. Januar  2010  die  Tatsachen,  die  nach  seiner 
Einschätzung  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  rechtfertigen, 
klar verständlich dargelegt und mehrere Beweismittel zu deren Stützung 
eingereicht hat,

dass  das  BFM  unter  diesen  Umständen  den  rechtserheblichen 
Sachverhalt  als  vollständig  erstellt  erachten  durfte  und  von  einer 
zusätzlichen Gewährung des rechtlichen Gehörs – sei es schriftlich oder 
im Rahmen einer mündlichen Anhörung – absehen konnte,

dass  der  Beschwerdeführer  in  seinem  schriftlichen  Asylgesuch  vom 
18. Januar  2010  die  Teilnahme  an  Kundgebungen  der  DVF  geltend 
machte,  die  zwischen  März  und  Juni  2008  stattgefunden  hätten,  und 
darauf  hinwies,  er  habe  in  der  Ausgabe  vom März  2008  der  Zeitschrift 
B._______ einen Artikel verfasst,

dass  der Beschwerdeführer  diese  exilpolitischen Aktivitäten  im Rahmen 
des  damals  noch  hängigen  Beschwerdeverfahrens  in  seinem  ersten 
Asylverfahren nicht  einbrachte,  obwohl  dies  zulässig  und ohne weiteres 
möglich gewesen wäre,

dass  die  Teilnahme  an  den  vor  dem  Urteil  D­7134/2007  vom 
2. September  2008  stattgefundenen  Demonstrationen  beziehungsweise 
das  Verfassen  eines  im  März  2008  publizierten  Artikels  gemäss  dem 
Wortlaut von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG grundsätzlich nicht Gegenstand 
des  vorliegenden  Asylverfahrens  sein  können,  deren  Berücksichtigung 
indessen – wie nachfolgend ausgeführt wird – indessen ohnehin nicht zu 
einem anderen Urteil führen würde,

dass  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens  in 
seinem  ersten  Asylverfahren  geltend  machte,  er  habe  am  16. Februar 
2008  an  einer  Kundgebung  der  DVF  teilgenommen  und  dies  mit 
Bildmaterial belegte,

D­1654/2010

Seite 9

dass  im  Urteil  D­7134/2007  vom  2. September  2008  E. 6.2.4  befunden 
wurde,  es  lägen  keine  subjektiven  Nachfluchtgründe  vor,  die  bei  einer 
Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Iran  zu  einer  für  die 
Flüchtlingseigenschaft relevanten Verfolgung führten,

dass  der  Beschwerdeführer  nach  Erlass  dieses  Urteils  an  mehreren 
Kundgebungen  der  DVF,  die  in  Zürich,  vor  der  iranischen  Botschaft  in 
Bern  und  in  Basel  stattfanden,  sowie  an  der  Generalversammlung  der 
DVF  in Zürich  teilnahm  (vgl. Asylgesuch vom 18. Oktober 2010 und die 
dazu eingereichten Beweismittel),

dass  er  an  einigen  dieser  Kundgebungen  Flugblätter  verteilte  und 
Transparente in den Händen hielt,

dass  er  nach  Erlass  des  Urteils  D­7134/2007  vom  2. September  2008 
seine  exilpolitischen Aktivitäten  – wie  aus  dem  schriftlichen  Asylgesuch 
ersichtlich wird – in vergleichbarem Rahmen wie zuvor fortsetzte,

dass auch die Teilnahme an einer Generalversammlung der DVF und die 
Abfassung  eines  in  deren  Zeitschrift  erschienenen  Artikels  keine 
Veränderung  des  niedrig  profilierten  Engagements  des 
Beschwerdeführers darstellen,

dass allein der Umstand, dass in einem weiteren, insbesondere schriftlich 
eingereichten  Asylgesuch  das  exilpolitische  Engagement  der 
asylsuchenden  Person  umfassend  dargelegt  und  allenfalls  mit 
Beweismitteln  dokumentiert  wird,  nicht  bedeutet,  dass  auf  das 
Asylgesuch im Sinne eines Automatismus einzutreten ist,

dass  im  Hinblick  auf  die  Frage,  ob  das  ordentliche  Verfahren 
durchzuführen  oder  ein  Nichteintretensentscheid  gemäss  Art. 32  Abs. 2 
Bst. e  AsylG  zu  fällen  ist,  vielmehr  unter  Berücksichtigung  des 
länderspezifischen und personenbezogenen Kontextes im konkreten Fall 
zu  prüfen  ist,  ob  sich  aufgrund  der  geltend  gemachten  exilpolitischen 
Tätigkeiten  Hinweise  ergeben,  die  geeignet  sind,  die 
Flüchtlingseigenschaft zu begründen (vgl. BVGE 2009/53 E. 6 S. 772),

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  publizierten  Entscheid  BVGE 
2009/53 die Praxis der ehemaligen ARK präzisiert hat, weshalb die in der 
Beschwerde  vertretene  Auffassung,  das  BFM  sei  verpflichtet,  vor  dem 
Entscheid  über  das  erneute  Begehren  um  Feststellung  der 

D­1654/2010

Seite 10

Flüchtlingseigenschaft  eine  Anhörung  gemäss  Art. 29  und  30  AsylG 
durchzuführen, unzutreffend ist,

dass das Bundesverwaltungsgericht in konstanter Rechtsprechung davon 
ausgeht,  den  iranischen  Behörden  sei  sehr  wohl  bewusst,  dass  die 
exilpolitische  Betätigung  vieler  Iraner  nach  der  Ablehnung  ihrer 
Asylgesuche  oft  zunehme  respektive  intensiviert  werde  oder  überhaupt 
erst  nach  diesem  Zeitpunkt  einsetze,  diese  durchaus  in  der  Lage  sind, 
zwischen  tatsächlich  politisch  engagierten  Regimekritikern  und 
Exilaktivisten, die es geradezu darauf anlegen, sich durch  ihre Aktionen 
bekannt  zu  machen,  zu  unterscheiden,  und  die  umfangreichen 
regimekritischen  Aktivitäten  von  iranischen  Staatsangehörigen  im 
westlichen  Ausland  durchaus  unter  realistischer  Einordnung  des 
Interesses  ihrer  Landsleute,  im  Gastland  nach  Möglichkeit  ein 
Aufenthaltsrecht zu erhalten, interpretieren,

dass sich vor diesem Hintergrund die  iranischen Geheimdienste auf die 
Erfassung  von  Personen  konzentrieren,  welche  über  die 
massentypischen  und  niedrig  profilierter  Erscheinungsformen 
exilpolitischer  Proteste  hinaus  Funktionen  wahrnehmen  und/oder 
Aktivitäten  entwickeln,  die  sie  aus  der  Masse  der  mit  dem  Regime 
Unzufriedenen herausheben und als ernsthafte und potentiell gefährliche 
Regimegegner erscheinen lassen,

dass  deshalb  Mitglieder  in  Exilorganisationen  von  im  Iran  verbotenen 
oppositionellen  Parteien,  Teilnehmer  an  Veranstaltungen  dieser 
Organisationen,  Mitwirkende  an  regimekritischen  Demonstrationen, 
welche die dabei üblichen Plakate tragen und Parolen rufen, Teilnehmer 
von  sonstigen  regimekritischen  Veranstaltungen  sowie  Personen,  die 
Büchertische  betreuen  und  Informations­  und  Propagandamaterial  in 
Fussgängerzonen  verteilen,  keiner  allgemeinen  Überwachungsgefahr 
durch  iranische  Exilbehörden  unterliegen,  und  von  den  iranischen 
Behörden nicht als politisch exponierte Person und somit als Bedrohung 
für  das  politische  System  im  Iran  wahrgenommen  werden  (vgl.  BVGE 
2009/28 E. 7.4.3 S. 364 ff.),

dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  erlittene 
beziehungsweise  ihm  zum  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus  dem  Iran 
drohende  Verfolgung  im  Sinne  von  Art. 3  Abs. 1  AsylG  glaubhaft  zu 
machen (vgl. Urteil D­7134/2007 vom 2. September 2008 E. 5.6),

D­1654/2010

Seite 11

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Sinne  der  in  BVGE  2009/28 
E. 7.4.3 S. 364 ff.  publizierten Praxis  bereits  im Urteil D­7134/2007  vom 
2. September  2008  E. 6.2  festgehalten  hat,  in  den  exilpolitischen 
Tätigkeiten  des  Beschwerdeführers  seien  keine  subjektiven 
Nachfluchtgründe  zu  erblicken,  die  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  zu 
einer für die Flüchtlingseigenschaft relevanten Verfolgung führen,

dass das im zweiten Asylgesuch vom 18. Januar 2010 beschriebene und 
dokumentierte,  seit  dem  Urteil  D­7134/2007  vom  2. September  2008 
erfolgte  exilpolitische Engagement  des Beschwerdeführers  die Schwelle 
jener  in  BVGE  2009/28  E. 7.4.3  S. 364  ff.  umschriebenen 
Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste iranischer Staatsangehöriger 
offensichtlich nach wie vor nicht übersteigt,

dass  demnach  die  seither  erfolgten  exilpolitischen  Tätigkeiten  des 
Beschwerdeführers  von  vornherein  keine  Ereignisse  darstellen,  die  im 
Sinne  von  Art. 32  Abs. 2  Bst. e  AsylG  geeignet  sein  könnten,  die 
Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen  (vgl.  Urteil  E­1093/2010  vom 
9. März 2010),

dass der  in der Beschwerde erfolgte Hinweis auf das Urteil D­560/2010 
vom  9. März  2010  (N  …)  an  dieser  Einschätzung  nichts  zu  ändern 
vermag,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  in  jenem  Urteil  spezifischen 
Besonderheiten Rechnung getragen hat, namentlich dem Umstand, dass 
das  Bundesverwaltungsgericht  im  den  Cousin  des  Beschwerdeführers 
(N …) betreffenden Verfahren die Beschwerde mit Urteil D­455/2010 vom 
19. Februar 2010 guthiess, die angefochtene Verfügung vom 15. Januar 
2010 aufhob und die Sache zur Neubeurteilung an das BFM zurückwies 
(vgl. Urteil D­4460/2010 vom 9. März 2010 E. 7.2.5),

dass  sich  deshalb  aus  dem Urteil  D­560/2010  vom  9. März  2010  keine 
verallgemeinerungsfähigen  Schlussfolgerungen  ziehen  lassen,  die  als 
solche  auf  andere  –  namentlich  auch  das  vorliegende  –  Verfahren 
übertragen werden können,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  zudem  im  Urteil  D­6492/2010 
feststellte,  die  im  Verfahren  N  …  geltend  gemachten  subjektiven 
Nachfluchtgründe  seien  offensichtlich  nicht  geeignet,  eine 
flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgungsfurcht  zu  begründen,  weshalb 

D­1654/2010

Seite 12

der  Beschwerdeführer  aus  diesem Verfahren  nichts  zu  seinen Gunsten 
ableiten kann, 

dass im Übrigen auf die zutreffenden Erwägungen in der vorinstanzlichen 
Verfügung  zu  verweisen  und  festzustellen  ist,  dass  sich  aus  dem 
schriftlichen  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  vom  18. Januar  2010 
keine Hinweise auf in der Zwischenzeit, d.h. seit dem Urteil D­7134/2007 
vom  2. September  2008  eingetretene  Ereignisse  ergeben,  welche 
geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft  zu begründen, oder die  für die 
Gewährung  vorübergehenden  Schutzes  relevant  sind,  zu  entnehmen 
sind,

dass  auch  die  in  der  Eingabe  vom  17. Juni  2011  dargelegten,  mit 
Beweismitteln  belegten  weiteren  exilpolitischen  Aktivitäten  zu  keiner 
anderen  Betrachtung  führen  können,  da  allein  das  blosse  Erhöhen  der 
Quantität  der  Teilnahmen  an  Demonstrationen  und  des  Abfassens  von 
Artikeln  nicht  dazu  führt,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  nunmehr 
signifikant  von  zahlreichen  anderen  Landsleuten  abhebt,  die  ähnlich 
niedrigprofilierten  exilpolitischen  Tätigkeiten  nachgehen,  und  er  deshalb 
befürchten  müsste,  nunmehr  in  den  Fokus  der  iranischen  Behörden 
geraten zu sein, 

dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG 
zu  Recht  auf  das  zweite  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht 
eingetreten ist,

dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat 
(Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine 
Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung 
einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte 
Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und 
demnach vom BFM zu Recht angeordnet wurde,

dass die Beschwerde in Bezug auf die vom BFM festgestellte Zulässigkeit 
(Art. 83 Abs. 3 AuG), Zumutbarkeit (Art. 83 Abs. 4 AuG) beziehungsweise 
Möglichkeit  (Art. 83  Abs. 2  AuG)  des  Vollzugs  der  Wegweisung  keine 
Anträge  enthält  und  auch  in  der  Begründung  der  Beschwerde  nicht 
dargelegt  wird,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  diesbezüglich 
Bundesrecht verletzen, den rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder 
unvollständig feststellen oder unangemessen sein soll, weshalb in diesem 

D­1654/2010

Seite 13

Punkt ohne weiteres auf die bisherigen Beurteilungen des BFM und des 
Bundesverwaltungsgerichts verwiesen werden kann,

dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 
unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen 
ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  wären  (Art. 63  Abs. 1  VwVG),  ihm 
indessen mit  Zwischenverfügung  vom  24. März  2010  die  unentgeltliche 
Rechtspflege  nach  Art. 65  Abs. 1  VwVG  –  die  verlangte  Bestätigung 
seiner  Fürsorgeabhängigkeit  wurde  fristgerecht  nachgereicht  –  gewährt 
wurde, weshalb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind.

D­1654/2010

Seite 14

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Christoph Basler

Versand: