# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 10f456a7-a1fb-511d-8d1f-db03d60e911c
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-02-17
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 17.02.2006 A 2005 77
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_A-2005-77_2006-02-17.pdf

## Full Text

A 05 77
3. Kammer 

URTEIL
vom 17. Februar 2006

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Steuerpflicht

1. Der in … aufgewachsene, am 27. Oktober 1983 geborene … wohnt in einer 

Einliegerwohnung im Haus seiner Eltern in ... Er arbeitet in … als 

Grundbuchverwalter-Stellvertreter, wo er seit dem 1. September 2003 als 

Wochenaufenthalter angemeldet ist und eine 2 ½-Zimmer-Wohnung gemietet 

hat. Seit dem 1. Januar 2005 ist er Mitglied der Baukommission der Gemeinde 

…, welche gemäss Art. 2 Abs. 4 des kommunalen Baugesetzes über 

Baugesuche entscheidet. Mit Verfügung vom 27. Dezember 2004 stellte die 

Steuerverwaltung … fest, dass sich sein Hauptsteuerdomizil ab 31. Dezember 

2004 in … befinde. Die von … dagegen erhobene Einsprache wies der … mit 

Entscheid vom 13. September 2005 ab.

2. Dagegen erhob … am 3. Oktober 2005 Rekurs an das Verwaltungsgericht mit 

dem Antrag, die angefochtene Verfügung aufzuheben. Er macht im 

Wesentlichen geltend, er pflege eine enge Beziehung zu seinem Dorf und zu 

seiner Familie. Auch sei er in der Baukommission. Am Wochenende halte er 

sich immer in … auf. Demgegenüber beschränke sich sein Aufenthalt in … 

auf seine Arbeitstätigkeit.

Die Gemeinde … schloss sich den Anträgen des Rekurrenten an.

3. Die Gemeinde … beantragte in ihrer Vernehmlassung die Abweisung des 

Rekurses. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen dieselben Argumente 

vor wie schon im angefochtenen Entscheid.

4. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien an ihren Standpunkten 

fest, ohne wesentliche neue Argumente vorzubringen.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird, 

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. a) Das Steuerdomizil von Unselbständigerwerbenden liegt grundsätzlich am 

Arbeitsort, von dem aus sie für längere oder unbestimmte Zeit der täglichen 

Erwerbstätigkeit nachgehen (BGE 125 I 56 E. 2b; 123 I 289 E. 2b, mit 

Hinweisen). Eine Ausnahme besteht nach ständiger Rechtsprechung für 

verheiratete Steuerpflichtige, die täglich oder an den Wochenenden 

regelmässig zu ihrer Familie zurückkehren: Die durch persönliche und 

familiäre Bande begründeten Beziehungen werden für stärker erachtet als 

jene zum Arbeitsort; deshalb sind diese Steuerpflichtigen in der Regel am 

Aufenthaltsort der Familie zu besteuern (vgl. Urteil vom 20. Januar  1994 in: 

ASA 63 S. 839 E. 2b; Locher, Die Praxis der Bundessteuern, III. Teil: 

Doppelbesteuerung, § 3, I B, 2a Nrn, 1-3, 5, 9-12, 14, 16, 18, und dort 

erwähnte Praxis); anders verhält es sich grundsätzlich nur, wenn sie in 

leitender Stellung tätig sind (BGE 121 114 E. 4a S. 16; Locher, a.a.O., § 3, I 

B, 2a Nr. 9 und § 3,IB, lb Nrn. 1-17).

b) Diese Praxis findet auch auf ledige Personen Anwendung, zählt die 

Rechtsprechung doch Eltern und Geschwister ebenfalls zur Familie des 

Steuerpflichtigen. Allerdings werden die Kriterien, nach welchen das 

Bundesgericht entscheidet, wann anstelle des Arbeitsorts der Aufenthaltsort 

der Familie als Steuerdomizil anerkannt werden kann, besonders streng 

gehandhabt; dies folgt aus der Erfahrung, dass die Bindung zur elterlichen 

Familie regelmässig lockerer ist als jene unter Ehegatten. Bei ledigen 

Steuerpflichtigen ist noch vermehrt als bei verheirateten Personen zu 

berücksichtigen, ob weitere als nur familiäre Beziehungen zum einen oder 

anderen Ort ein Übergewicht begründen. Dadurch erhält der Grundsatz, 

wonach das Steuerdomizil von Unselbständigerwerbenden am Arbeitsort 

liegt, grösseres Gewicht: Selbst wenn ledige Steuerpflichtige allwöchentlich 

zu den Eltern oder Geschwistern zurückkehren, können die Beziehungen zum 

Arbeitsort überwiegen. Dies kann namentlich dann zutreffen, wenn sie sich 

am Arbeitsort eine Wohnung eingerichtet haben, dort ein 

Konkubinatsverhältnis haben oder über einen besonderen Freundes- und 

Bekanntenkreis verfügen (BGE 125 I 57 E. 2b bb; Urteil vom 20. Januar 1994 

in: ASA 63 5. 840 f. E. 2c, mit Hinweisen). Besonderes Gewicht haben in 

diesem Zusammenhang auch die Dauer des Arbeitsverhältnisses und das 

Alter des Steuerpflichtigen (Urteil vom 9. Dezember 1992 in: ASA 62 S. 446 

E. 4). Erfahrungsgemäss führt die Pflege familiärer Beziehungen zu einer 

engeren Verbundenheit mit einem Ort als andere Kontakte; Konsequenz 

dieses Umstandes ist, dass bei ledigen Steuerpflichtigen kaum Ausnahmen 

vom Steuerdomizil am Arbeitsort vorkommen, wenn sie an jenem Ort, wo sie 

die Wochenenden verbringen, keine familiären Beziehungen unterhalten. Nur 

mit Zurückhaltung ist anzunehmen, dass die Beziehungen zum Ort der 

Wochenendaufenthalte stärker sind als jene zum Arbeitsort. Dies ist im 

Übrigen durchaus sachgerecht: Sinn und Zweck der direkten Steuern ist es, 

die allgemeinen Leistungen abzugelten, welche das Gemeinwesen für seine 

Mitglieder erbringt. Nun nehmen ledige Steuerpflichtige ohne Familie die 

öffentliche Infrastruktur und die Leistungen des Gemeinwesens in ungleich 

grösserem Masse an dem Ort in Anspruch, an welchem sie einer 

Erwerbstätigkeit nachgehen und sich demzufolge mehrheitlich aufhalten, als 

am Ort, wo sie ihre Freizeit verbringen. Diesbezüglich unterscheiden sie sich 

von jenen Steuerpflichtigen, die über enge familiäre Bindungen am Leben 

teilhaben, das sich am Aufenthaltsort der Familie abspielt (BGE 125 I 57 E. 

2b cc).

c) Damit der Steuerwohnsitz am Wochenendort überhaupt anerkannt werden 

kann, ist eine regelmässige bzw. häufige Rückkehr erforderlich. Nur auf diese 

Weise kann dort der Lebensmittelpunkt aufrechterhalten werden (Martin 

Arnold, Der steuerrechtliche Wohnsitz natürlicher Personen im 

interkantonalen Verhältnis nach der neueren bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung, S. 458, in: ASA 68  S. 452 ff.). Während früher praktisch 

eine allwöchentliche Rückkehr verlangt wurde, ist die Rechtsprechung heute 

weniger streng; das Bundesgericht lässt eine regelmässige Rückkehr alle 14 

Tage und in den Ferien in der neueren Praxis genügen (BGE 111 Ia 43 E. 3).

d) Das Bundesgericht trägt in seiner Rechtsprechung dem faktischen Umstand 

Rechnung, dass sich mit zunehmender Dauer des Aufenthalts am Arbeitsort 

die Bindungen zur Familie in der Regel lockern, während sie sich zum 

Arbeitsort verdichten. Die ständige regelmässige Rückkehr an den elterlichen 

Wohnort vermag deshalb nach einer bestimmten Dauer des Aufenthalts am 

Arbeitsort das Steuerdomizil am Ort der Familienniederlassung nicht mehr 

ohne weiteres zu begründen, wenn nicht weitere Umstände schlüssig darauf 

hinweisen, dass die Beziehungen des Steuerpflichtigen zum Familienort 

diejenigen zum Arbeitsort überwiegen. Ein höheres Alter (praktisch wohl ab 

etwa dreissig Jahren) spricht damit eher für einen selbständigen 

Lebensmittelpunkt am Wochenaufenthaltsort, ist aber für sich allein noch nicht 

ausschlaggebend. Dauert der Aufenthalt längere Zeit, muss - namentlich bei 

älteren Steuerpflichtigen - häufig angenommen werden, dass am 

Wochenaufenthalt stärkere persönliche und gesellschaftliche Beziehungen 

als zum Wochenendort bestehen. Allerdings kann nach der Praxis des 

Bundesgerichts nicht nach starren Regeln (ab einem bestimmten Alter und 

einer bestimmten Aufenthaltsdauer) auf einen Steuerwohnsitz am 

Wochenaufenthaltsort geschlossen werden. Vielmehr ist in jedem Einzelfall 

zu prüfen, wo sich faktisch der Lebensmittelpunkt der pflichtigen Person 

befindet (Arnold, a.a.O., S. 459).

e) Nach der Praxis genügt, dass die steuerpflichtige Person - im Rahmen ihrer 

Mitwirkung bei der Sachverhaltsfeststellung - enge Beziehungen zum 

Wochenendort glaubhaft macht. Gelingt ihr dies, liegt es am Kanton, in dem 
sie sich während der Arbeitswoche aufhält, überwiegende persönliche 

Beziehungen zum Wochenaufenthaltsort nachzuweisen (Arnold, a.a.O., S. 

463; ASA 63 S. 836).

2. Werden die umschriebenen Grundsätze auf den vorliegenden Fall 

angewendet, ergibt sich aufgrund der konkreten Verhältnisse des 

Rekurrenten, dass sich sein Lebensmittelpunkt immer noch in … befindet. 

Vorab ist dazu festzustellen, dass das Gericht die Angaben des Rekurrenten 

über seine persönlichen Umstände als durchaus glaubhaft beurteilt. Diese 

werden von der Vorinstanz im Wesentlichen auch nicht in Abrede gestellt, 

sondern bloss in ihren rechtlichen Konsequenzen anders gewertet. Für die 

Annahme des Hauptsteuerdomizils bei der Rekursgegnerin spricht eigentlich 

nur, dass der Rekurrent dort arbeitet und - indessen nur auf den ersten Blick-, 

dass er dort über eine eigene Wohnung verfügt. Für die Anerkennung des 

Wochenaufenthalterstatus sind demgegenüber folgende Umstände 

anzuführen:

Der Rekurrent ist erst 23 Jahre alt und arbeitet noch nicht seit langer Zeit in 

…, wo er auch keine leitende Stellung innehat. In … wohnt er in einer 

Einliegerwohnung im Hause der Eltern. Unwidersprochen verbringt er dort die 

Wochenenden mit seiner aus der Nähe stammenden Freundin. Dem kranken 

Vater ist er behilflich. Zu seinen ebenfalls in … wohnhaften Geschwistern 

pflegt er ebenfalls Kontakt. Selbst unter der Woche kehrt er manchmal nach 

… zurück. Private Beziehungen in … sind nicht nachgewiesen. Vielmehr ist 

der Aufenthalt in … bloss durch sein Arbeitsverhältnis begründet. 

Demgegenüber spielt sich sein ganzes Privatleben in der Gemeinde … ab, 

wo er auch seine Kindheit und Jugend verbracht hat. Seine Wohnverhältnisse 

sind an beiden Orten etwa gleichwertig; so verfügt er in beiden Wohnungen 

über einen Breitband-Internetanschluss. In … engagiert er sich darüber 

hinaus auch noch politisch, gehört er doch der Baukommission an, die 

entgegen der Ansicht der Rekursgegnerin nicht nur ein beratendes Organ ist, 

sondern als Baubehörde über die Baugesuche entscheidet. Dass im Übrigen 

seine Tätigkeit als Grundbuchverwalter-Stellvertreter angeblich besondere 

Ortskenntnis erfordert, wie die Rekursgegnerin behauptet, ist unerheblich, da 

dies allein mit dem Arbeitsverhältnis zusammenhängt. 

Zusammenfassend ist nach Würdigung der genannten und aller weiteren 

Umstände des Falles festzustellen, dass sich der Mittelpunkt der 

Lebensinteressen des Rekurrenten in … befindet. Die Vorinstanz hat ihm 

daher zu Unrecht den Wochenaufenthalterstatus abgesprochen und sein 

Hauptsteuerdomizil in … angenommen. Nach bewährter bündnerischer 

Steuerpraxis werden die Steuerfaktoren zwischen Wohn- und 

Arbeitsgemeinde schliesslich aufgeteilt. Der Rekurs ist infolgedessen 

gutzuheissen.

3. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten zulasten der 

Rekursgegnerin, welche die anwaltlich vertretene Beigeladene überdies 

angemessen aussergerichtlich zu entschädigen hat. Dem Rekurrenten ist 

hingegen keine Parteientschädigung zuzusprechen, da er nicht anwaltlich 

vertreten war.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Der Rekurs wird gutgeheissen; der angefochtene Einspracheentscheid und 

die ihm zugrunde liegende Feststellungsverfügung werden aufgehoben. Es 

wird festgestellt, dass sich das Hauptsteuerdomizil von … im Jahre 2004 in … 

befindet.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 1'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 144.--

zusammen Fr. 1'144.--

gehen zulasten der Gemeinde … und sind innert 30 Tagen seit Zustellung 

dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, 

zu bezahlen.

3. Die Gemeinde … entschädigt die Gemeinde … aussergerichtlich mit Fr. 800.-- 

(inkl. MWST). … wird keine Parteientschädigung zugesprochen.