# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0e78123d-ea23-5579-9b15-c2d18249aeab
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-06-29
**Language:** de
**Title:** Bruch einer Hüftprothese; möglicher Materialfehler; kein Unfallereignis und keine unfallähnliche Körperschädigung mangels eines 'sinnfälligen Ereignisses'.
**Docket/Reference:** UV.2014.00230
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2014.00230.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2014.00230
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiber Stocker
Urteil
vom
29. Juni 2015
in Sachen
SWICA Krankenversicherung AG
SWICA Gesundheitsorganisation, Rechtsdienst
Römerstrasse 38, 8401 Winterthur
Beschwerdeführerin
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
X.___
Beigeladener
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1951, war ab 1. Januar 1995 als
Maschineningeni
eur
bei der
Y.___
AG in
Z.___
angestellt und bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von Berufs- und
Nichtbe
rufsunfällen
versichert, als am 16. November 2013 während eines Tennisspiels das im Jahre 2009 implantierte Hüftgelenk rechts brach (Urk. 7/1). In der
Un
fallmeldung
vom 10. Dezember 2013 (Urk. 7/1) wurde folgender Sachverhalt geschildert: „Normales Tennisspiel Doppel
.
Plötzliches Einknicken wegen Versa
gen des Hüftgelenks. Nachfolgender Sturz. Keine Fremdeinwirkung. Bruch des 2009 eingesetzten künstlichen Hüftgelenks.“
Die medizinische Erstversorgung fand in der Klinik
A.___
in
B.___
statt, wo der Versicherte sich einem operativen Eingriff (Hüft-Totalprothesenwechsel) unterziehen
musste
und vom 16. November bis 11. Dezember 2
013 hospitalisiert war
(Urk. 7/23-24 und 7/40). Anschliessend hielt er sich zur stationären Reha
bi
litation im
C.___
auf (vgl. Urk. 7/11
).
1.2
Mit Schreiben vom 2. April 2014 (Urk. 7/42) teilte die SUVA dem Versicherten mit, dass der erlittene Hüftbruch ihres Erachtens nicht Folge eines Unfalls sei, sondern vielmehr ein Spontanbruch der rechten Hüftprothese vorliege, weshalb ihre Leistungspflicht entfalle. In der Folge forderte die Krankenversicherung des Versicherten, die
SWICA Krankenversicherung AG
(nachfolgend: SWICA)
,
die Akten der SUVA zur Einsicht an (vgl. Urk.
7/46) und setzte schliesslich die SUVA am 22. April 2014 davon in Kenntnis, dass sie mit der formlosen Ableh
nung der Leistungspflicht und der gleichzeitigen Rückforderung der Kosten der bereits erbrachten Leistungen nicht einverstanden sei (Urk. 7/53).
Mit Verfügung vom 12. Mai 2014 (Urk. 7/57) verneinte die SUVA ihre
Leis
tungs
pflicht
in Bezug auf das Ereignis vom 16. November 2013 und forderte die zu Unrecht erbrachten Leistungen zurück. Dagegen erhob die SWICA mit Ein
gabe
vom 23. Mai 2014 (Urk.
7/58) Einsprache. Mit Entscheid vom 8. September 2014
(Urk. 2 = Urk. 7/63) wies die SUVA die Einsprache der SWICA ab.
2.
Dagegen erhob die SWICA mit Eingabe vom 30. September 2014
(Urk. 1)
Beschwerde mit folgenden Anträgen
(S. 2)
:
1.
Der
Einspracheentscheid
vom 8. September 2014 sei aufzuhe
ben.
2.
Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die gesetzlichen
UVG-Leistungen betreffend das Ereignis vom 16. November 2013
zu erbringen.
3.
Es sei festzuhalten, dass der Beschwerdegegnerin betreffend das Ereignis vom 16. November 2013 kein Anspruch auf Rückfor
derung der bisher erbrachten gesetzlichen UVG-Leistungen ge
gen die Beschwerdeführerin zusteht.
4.
Eventualiter sei eine Stellungnahme des
Hüftprot
h
esenherstel
lers
einzuholen.
5.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Be
schwerdegegnerin
.
Die SUVA schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 26.
November
2014 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde.
Replicando
und
duplicando
hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (Urk. 10 und 14). Mit Verfügung vom 2. Februar 2015 (Urk. 16) wurde der Versicherte zum Prozess beigeladen. Mit Eingabe vom
16. Februar 2015 (Urk. 18) nahm er zum Verfahren Stellung, was der SWICA und
der SUVA zur Kenntnis gebracht wurde (vgl. Urk. 20).
Auf die Ausführ
un
gen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
der
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesund
heit ode
r den Tod zur Folge hat.
1.2
1.2.1
Gemäss Art. 6 Abs. 2 des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
kann der Bundesrat Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) Gebrauch
ge
macht und folgende Körperschädigungen, sofern sie nicht eindeutig auf eine
Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne unge
wöhn
liche äussere Einwirkung den Unfällen gleichgestellt:
a.
Knochenbrüche;
b.
Verrenkungen von Gelenken;
c.
Meniskusrisse;
d.
Muskelrisse;
e.
Muskelzerrungen;
f.
Sehnenrisse;
g.
Bandläsionen;
h.
Trommelfellverletzungen.
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist ab
schliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schwei
ze
risches Unfall
versicherungsrecht, 2. Aufl., 1989, S. 202).
1.2.2
Bei unfallähnlichen Körperschädigungen nach Art. 9 Abs. 2 UVV müssen zur Begründung der Leistungspflicht des Unfallversicherers mit Ausnahme der Un
gewöhnlichkeit sämtliche Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs erfüllt sein.
Be
sondere Bedeutung kommt dabei der Voraus
setzung eines äusseren Ereignis
ses
zu, das heisst eines ausserhalb des Körpers liegenden,
objektiv feststellbaren, sinn
fälligen, eben unfallähnlichen Vorfalles (BGE 129 V 466 E. 2.2). Wo ein sol
ches Ereignis mit Einwirkung auf den Körper nicht stattgefunden hat, und sei es auch nur als Auslöser eines in Art. 9 Abs. 2
lit
. a
h UVV aufgezählten
Gesund
heitsschadens
, liegt eine eindeutig krankheits- oder degenerativ bedingte
Ge
sundheitsschädigung
vor. Kein unfallähnliches Ereignis liegt in all jenen Fällen
vor, in denen der äussere Faktor mit dem (erstmaligen) Auftreten der für eine der
in Art. 9 Abs. 2
lit
. a-h UVV enthaltenen Gesun
dheitsschäden typischen Schmer
zen gleichgesetzt wird. Auch nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schä
digenden Faktors, wenn das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht, welche die
versicherte Person zu beschrei
ben in der Lage ist; denn für die Bejahung eines äusseren auf den menschlichen Körper schädigend einwirkenden Faktors ist stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer all
gemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa für viele sportliche Betätigungen zutreffen kann (BGE 129 V 466 E. 4.2.2).
1.3
1.3.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis
(beziehungsweise dem sinnfälligen Ereignis)
und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kau
salzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzu
sammen
hangs sind a
lle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungs
weise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Um
schreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammen
hangs nicht er
for
derlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheit
licher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten
Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden
kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele
(BGE 129 V 177 E.
3.1, 402 E.
4.3.1, 119 V 335 E.
1, 118 V 286 E.
1b, je mit Hin
weisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer ge
sund
heitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worü
ber
die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Ge
richt im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozial
versicherungsrecht übli
chen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leis
tungsanspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E.
1b, je mit Hinweisen).
1.3.2
Die Leistungspflicht des
Unfallver
sicherers
setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis (beziehungsweise dem sinnfälligen Ereignis) und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allge
mei
nen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des einge
tretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis all
gemein als begünstigt er
scheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E.
5a).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E.
3a, 122 V 157 E.
1c).
1.5
Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht
dürfen
eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Be
stehen über
zeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Ent
scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Be
weis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglich
keit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Ge
richt folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen möglichen
Ge
schehensabläufen
als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E.
5b mit
Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte ihre Leistungspflicht hinsichtlich der Folgen des Ereignisses vom 16. November 2013 im Wesentlichen mit der Begründung, dass die Schädigung der Hüftprothese nicht auf einen Unfall oder ein
unfall
ähnliches
Geschehen zurückzuführen, sondern aufgrund eines
Spontan
bruc
hs
des
Metallimplantats erfolgt sei
. Es liege weder ein ungewöhnlicher äusse
rer Faktor noch ein sinnfälliges Ereignis vor (Urk. 2). Auch der Umstand, dass anfänglich Leistungen erbracht worden seien, stehe einer Überprüfung nicht entgegen. Es
sei nämlich vorliegend nicht davon auszugehen, dass die formlos erbrachten Leis
t
ungen rechtsbeständig geworden seien. Aber selbst wenn dies der Fall ge
we
sen sein sollte, könnte beim Entdecken neue
r
Tatsachen eine formelle Revi
sion
ge
mäss Art. 53 Abs. 1 ATSG
durchgeführt werden (Urk. 7).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf den Standpunkt, dass der Beigeladene am 16. November 2013 beim Tennisspiel ge
stürzt sei und einen Unfall erlitten habe. Entgegen der Ansicht der
Beschwerde
gegnerin
sei von einem überwiegend wahrscheinlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Sturz und dem Hüftgelenksprothesenbruch auszugehen. Gestützt auf die Aktenlage lasse sich jedenfalls die von der Beschwerde
gegn
erin vertre
tene Hypothese, dass der Bruch vor dem Sturz geschehen sei, nicht begründen.
Die Beschwerdegegnerin habe ihre Abklärung
spflicht verletzt. Zudem genüge
das
Vorliegen einer Teilursache. Die Beschwerdegegnerin wäre demzufolge auch dann
leistungs
pflichtig
, wenn die Prothese fehlerhaft gewesen wäre. Falls der
Unfall
begriff
nicht erfüllt sein sollte,
w
ä
re
das Vorliegen
einer
unfallähnlichen
Kör
per
schädi
gung
zu prüfen. Der Bruch einer Prothese, welche einen Körperteil er
setze
, sei gleich zu behandeln
wie wenn der ersetzte Körperteil, hier der
Hüft
ge
lenks
knochen
, gebrochen wäre. Knochenbrüche s
t
e
llt
en gemäss Art. 9 Abs. 2
lit
. a UVV eine Listenverletzung
dar
. Das sinnfällige Ereignis sei vorliegend gegeben:
Nach dem beim Tennisspiel erlittenen Sturz, der als sinnfälliges Ereignis zu qua
lifi
zieren sei, habe der Beigeladene sofort heftige Schmerzen in der rechten Hüfte
verspürt. Damit sei die Beschwerdegegnerin
leistungspflichtig
. Zu
dem sei zu be
achten, dass diese anfänglich ihre Leistungspflicht anerkannt habe. Die gesetzli
chen Voraussetzungen einer Wiedererwägung seien nicht er
füllt (Urk. 1 und 10).
2.3
Der Beigeladene führte in seiner Stellungnahme vom 16. Februar 2015 (Urk. 18) zum
H
ergang
des Vorfalls
aus, dass er beim Tennisspielen in der Halle gestürzt sei. Es habe keinerlei Fremdverschulden gegeben. Er sei während einer schnellen Schrittfolge gestürzt, auf die rechte Hüfte gefallen und habe anschliessend nur unter grossen Schmerzen aufstehen können. Alles sei sehr schnell gegangen. Er könne nicht sagen, ob die Prothese zuerst gebrochen sei und er deshalb gestürzt
sei
,
oder ob er gestürzt sei und die Prothese anschliessend gebrochen sei. Nach der Operation habe er die Übergabe der gebrochenen Prothese
nt
eile verlangt, um
die Bruchfläche beurteilen zu können. Er sei selbst diplomierter Maschinen
bau-Ingenieur und
während
über 35 Jahre
n
in der Forschung und Entwicklung tätig
gewesen. Die Beurteilung von gebrochenen Bauteilen
fall
e somit in se
in
Fach
ge
biet. An der Bruchfläche zeige sich ein Bild, das typisch für einen
Ermü
dungs
riss
mit
anschliessendem
Gewaltbruch sei. Es liege eine Materialermüdung vor. Der tragende Restquerschnitt werde dabei laufend immer kleiner. Dieser
Restquer
schnitt
könne je nach Beanspruchung durchaus noch
eine
längere Zeit ausrei
chen, um die Funktionsfähigkeit des Bauteils zu gewährleisten. Erst durch ein
grösseres Ereignis erfolge schliesslich der gewaltsame Bruch des
Restquer
schnitts
.
Die Ursache für die Entstehung des Ermüdungsrisses sei in einer
Kor
rosions
er
müdung
zu suchen, die in der metallischen Steckverbindung unter korrosiver Um
gebung entstehe. Das verwendete Material (Titan) verliere unter dem Einfluss
der Korrosionsermüdung kontinuierlich an Festigkeit, so dass lokal kleine Mikro-Risse entstehen könnten. Diese breiteten sich dann an Stellen grösserer
Spann
ungs
konzentration
langsam aus. Er habe diese Interpretation mit dem Hersteller der Prothese diskutiert; dieser habe i
hm zugestimmt. Aller
dings habe der Her
steller
darauf hin
gewiesen
, dass es trotz der bekannten Er
müdungser
scheinung
en
nur sehr selten zu einem tatsächlichen Versagen komme. Der verbleibende Bruc
h des Restquerschnitts, der Gewaltbruch, könne sehr wohl durch den Sturz ausge
löst worden sein. Die Aussage des Kreisarztes,
wonach
eine Prothese stärkere
Be
lastungen aushalte als die benachbarten Kno
chen, sei zu relativieren. Das gelte
nur für neue Prothesen. Eine ältere Prothese könne aber schneller brechen. Aus
seiner Sicht ergebe sich Folgendes: Wenn es die Vorschädigung der Prothese durch
die Korrosionsermüdung nicht gegeben hätte, wäre beim Sturz die Pro
the
se nicht gebrochen. Wenn er
nicht
gestürzt wäre, wäre die Prothese
trotz
d
er vorhandenen Vor
schädigung weiterhin intakt
geblieben
(gleich wie seine linke
Prothese). Welche Rechtsfolgen
sich
daraus
ergäb
en, entziehe sich
allerdings
seiner
Kenntnis.
2.4
Strittig und zu prüfen ist, ob der Bruch der Hüftprothese Folge eines Unfalls oder
einer unfa
llähnlichen Körperschädigung
im Rechtssinne
war
(wie die Be
schwer
de
führerin behauptet)
,
oder ob vielmehr der am 16. November 2013 erlitte
ne Sturz
F
olge des Bruchs der Prothese war
.
Nur i
m ersten Fall erg
ä
b
e
sich die
grund
sätzliche
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
.
3.
3.1
Im
Bericht über die
Operation vom 19. November 2013 diagnostizierte Dr. med.
D.___
, Facharzt FMH für Orthopädie, Chirurgie und Traumatologie des Bewe
gungsapparates, von der Klinik
A.___
die Diagnose eines
Implantatbruchs
am
Hüftgelenk rechts und hielt fest, dass es beim bis vor wenigen Tagen beschwer
de
frei gewesenen Patienten am 16. November 2013 beim Tennisspielen ohne
Un
fall
ereignis
zum Versagen des rechten Hüftgelenks gekommen sei (Urk. 7/40).
Kreisarzt
Dr.
med.
E.___
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Trau
ma
tologie des Bewegungsapparates, führte
seinerseits im
Bericht vom
29. April 2014
(Urk. 7/55) aus, dass es sich bei der Prothese um eine
Mo
dularprothese
handle, die beka
nntermassen etwas anfällig sei
. Bei einem Trauma wäre der schwächere Knochen gebrochen und nicht die Prothese. Es seien viele Unfälle bekannt, bei
denen es zu Knochenbrüchen bei liegenden Prothesen gekommen sei. Diese selber
seien aber nicht geschädigt worden. Hier handle es sich um einen eindeutigen Metallbruch ohne Beteiligung des Kno
chens. Somit sei dies ein Spontanbruch, vielleicht aufgrund eines Materialfeh
lers. Dies sei aber keine Unfallfolge (vgl. auch Urk.
7/38).
3.2
Abgesehen von den - im Sachverhalt wiedergegebenen - Angaben in der
Un
fall
meldung
liegen noch folgende Aussagen des Beigeladenen vor:
3.2.1
Am 3. Februar 2014 teilte der Beigeladene der Beschwerdegegnerin telefonisch mit, dass seines Erachtens beim Hüftgelenk ein Materialfehler vorgelegen habe. Ärztlicherseits sei er informiert worden, dass ein Rückgriff auf den
Hersteller
zu prüfen sei (Urk. 7/18).
3.2.2
Am 25. Februar 2014 erklärte der Beigeladene, er habe beim Tennisspiel zwei
grössere Ausfallschritte gemacht un
d
sei vermutlich gestrauchelt, was an
schliess
end zum Sturz geführt habe. Als er wieder habe aufstehen wollen, habe er stark
e Schmerzen im rechten Hüftgelenk verspürt. Vorher habe
er
keine Be
schwerden
gehabt. Nach der Operation 2009 habe das Gelenk einwandfrei funktioniert. Er könne nicht genau sagen, wann das Hüftgelenk gebrochen sei. Der ganze Vor
gang habe sich sehr schnell abgespielt. Sein Arzt habe ihm ge
sagt, dass das Hüft
gelenk nicht hätte brechen dürfen (Urk. 7/34).
3.2.3
Die Stellungnahme des Beigeladenen im vorliegenden Prozess wur
de oben in E. 2.3
wiedergegeben,
wo
rauf verwiesen w
i
rd.
4.
4.1
Bezüglich der
Kausalitätsfrage
werden vorliegend
nicht nur
medizini
sche
, son
der
n
namentlich
auch materialtechnische Fragen
angesprochen
. In technischer Hin
sicht verfügt der Beigeladene offen
bar
über ein profundes Fachwissen
und
s
eine Stellungnahme (Urk. 18 und E.
3.2) im vorliegenden Verfahren
erscheint
objektiv
und unvoreingenommen
,
auch wenn er
in einem gewissen
Sinne
selbst am Ausgang des Prozesses materiell interessiert sein könnte
(
allfällige
Kosten
beteiligung
in
der Krankenversiche
rung).
S
eine Stellungnahme
beleuchtet nach
voll
ziehbar die techni
schen
Gegeben
heiten und Folgerungen.
Kreisarzt
Dr.
E.___
weist demgegenüber im Bericht
vom 29. April 2013 (Urk. 7/55
und E. 3.1) im Wesentlichen
lediglich a
uf das
medizinische
Erfahrungswissen
hin, wonach eher Knochen als Prothesen brechen, weshalb ein Spontanbruch der
Prothese vorlie
gen müsse. Der Beigeladene zog diese Betrachtungsweise in Zwei
fel
(E. 3.2): Das möge zwar für neue Prothesen so gelten; die Situation sei aller
dings bei Prothesen, die durch
K
orrosionsermüdungen
geschädigt seien, voll
kom
men anders zu beurteilen.
4.2
D
ie Frage, aus welchem Grund die Prothese gebrochen ist
(Kausalitätsfrage)
kann
letztlich
offen bleiben.
Streitent
scheidend
ist
,
ob
den
glaubhaften
Schilderungen des Beigeladenen ein
Unfall
er
eignis
im Rechtssinn
beziehungsweise
ein soge
nanntes sinnfälliges Ereignis (als
Grundv
oraussetzung für eine unfallähnliche Körperschädigung) entnommen wer
den
kann. In seiner Stellungnahme vom
16. Februar 2015 (Urk. 18) führte der Bei
geladene
ausdrücklich
aus, dass er nicht
mehr sagen könne, ob die Prothese als Folge des Sturzes gebrochen sei
,
oder ob zuerst die Prothese gebrochen sei
und er nachher gestürzt sei. Auch
anlässlich
der Befragung vom 25. Februar 2014
konnte er zur Abfolge lediglich Vermu
tungen anstellen (Urk. 7/34 und E. 3.2.2). Bereits in der Schadenmeldung vom 10. Dezember 2013 (Urk. 7/1)
wurde
ein Fremdverschulden ausgeschlossen und
der
zeitlichen Ablauf folgendermassen geschildert: „Plötzl
iches Einknicken wegen Versagen
des Hüftgelenks. Nachfol
gend Sturz.“
Beweise für ein Unfallereignis im Rechtssinne oder ein
die Annahme einer
un
fallähnlichen
Körperschädigung begründendes
sinnfälliges Ereignis (vgl. oben E. 1.2.2
) liegen nicht vor. Es kann zwar auch nicht restlos ausgeschlossen
werden, dass ein solches (Unfall)-Ereignis stattgefunden hat, aufgrund der Schil
d
erungen des Beigeladenen ist die Wahr
scheinlichkeit
dafür jedoch gering.
E
ine schnelle Trittfolge oder dergleichen
allein
stell
t
kein ausserplanmässiges Ge
sc
heh
en dar, sondern
ist
gerade b
eim Tennis üblicher Teil des Spiels
und
fällt
in die
üblich
e Bandbreite der Bewegungsmuster dieses Sports. Ihr
wohnt kein ge
steig
ertes Gefährdungspotential inne, womit es
an einem sinnfälligen Ereignis
beziehungsweise
an einem Unfall
fehlt
. Mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit ist davon auszugehen, dass es zuerst zum Bruch der Prothese gekommen ist und
wie in der Schadenmeldung vom 10. Dezember 2013 geschildert erst
danach zum
Sturz (und nicht umgekehrt).
N
ach den technischen Darlegungen des Beigela
denen
erscheint es durchaus
nachvollziehbar, dass es möglicherweise aufgrund einer
Materialer
müdung
oder
eines
Konstruktionsfehlers zum Bruch gekommen ist. Dies ist je
doch für die vorliegend zu entscheidende Frage, ob die Un
fall
ver
sicherung die entsprechenden Leistungen zu erbringen hat, nicht von entschei
dender Bedeutung.
Aus dem Gesagten folgt, dass die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin grund
sätzlich zu verneinen ist.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin brachte weiter vor, dass die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungspflicht nicht mehr hätte verneinen dürfen, weil sie anfänglich und ohne
Vorbehalt Taggeld- und Heilbehandlungskosten übernommen habe.
5.2
Selbst wenn die (im formlosen Verfahren) erbrachten Taggeld- und
Heilbehand
lungsleistungen
nach Ablauf von 90 Tagen rechtsbeständig geworden sein soll
ten
(vgl. dazu die Urteile des Bundesgerichts 8C_14/2011 vom 13. April 2011 E. 5 und 8C_709/2012 vom 13. Dezember 2012 E. 3.2), was angesichts des Um
stan
des, dass die Beschwerdegegnerin erst am 3. Februar 2014 von einem mög
lichen
Materialfehler erfuhr (vgl. Urk. 7/18) und
sie
bereits mit Schreiben vom 2. April 2014 (Urk. 7/42) ihre Leistungspflicht ablehnte, zumindest diskutabel erscheint, könnte
die Beschwerdegegnerin auf ihre anfängliche Entscheidung zurückkom
men. Die
an
fängliche stillschweigende Bejahung der Leistungspflicht erw
ie
s
e
sich nämlich
nach dem Gesagten, wonach weder ein Unfall noch ein sinnfälliges Ereignis
(als Grundvoraussetzung für eine unfallähnliche Körperschädigung)
erstellt sind, als zweifellos unrichtig im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG. Auch das weitere Erfor
dernis der erheblichen Bedeutung
wäre
vor
liegend angesichts
der erbrachten Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen of
fensichtlich gegeben
.
Ob auch eine Revision im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG möglich w
ä
r
e
, kann offen bleiben.
5.3
Die Beschwerdegegnerin ist als Trägerin einer Sozialversicherung nicht befugt, gegenüber gleichgestellten Trägern desselben oder eines anderen
Sozialver
si
che
rungszweiges
verfügungsweise über Rechte und Pflichten zu befinden (vgl. BGE
130 V 215 E. 5.3.1 mit Hinweisen, unter anderem auf BGE 120 V 489 E. 1a und Bundesgerichtsurteil U 177/01 vom 23. November 2001 E. 2a [im Verhältnis
Un
fallversicherer
/Krankenversicherer]).
Entsprechend richtete sich die – mit
Ein
spracheentscheid
vom 8. September 2014 bestätigte – Verfügung vom 12. Mai 2014, mit welcher nebst der Verneinung der Leistungspflicht für das Ereignis vom 16. November 2013 die zu Unrecht erbrachten Leistungen zurückgefordert wurden, lediglich gegen den Versicherten und nicht gegen die Beschwerde
füh
rerin
, welcher der f
ragliche Entsche
id
nur in Kopie eröffnet wurde (Urk. 7/57).
Soweit beschwerdeweise die Rückforderung v
on zu Unrecht erbrachten Leistu
ng
en bestritten wird
, ist somit – mangels Beschwer
– auf die Beschwerde nicht einzutreten.
Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerde abzuweisen ist
, soweit darauf ein
zutreten ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
SWICA Krankenversicherung AG
-
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
-
X.___
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubStocker