# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 68bf5e67-e925-5f26-ba8f-f34d7a64c783
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-08-18
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 18.08.2011 SB110363
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110363_2011-08-18.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr. SB110363-O/U/eh 

 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. P. Marti, Vorsitzender, lic. iur. R. Naef und 

Ersatzoberrichterin lic. iur. M. Bertschi sowie der juristische Sekretär 

lic. iur. T. Walthert 

Urteil vom 18. August 2011 

in Sachen 
 

A._____,  
Angeklagter und Appellant 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 
 

gegen 
 

Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis,  
vertreten durch Leitende Staatsanwältin lic. iur. C. Wiederkehr,  

Bahnhofplatz 10, Postfach, 8953 Dietikon,  

Anklägerin und Appellatin 
 

und 
 

B._____, 
Geschädigte 

unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ 

 

betreffend  

Vergewaltigung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom  
13. Dezember 2010 (DG100038) 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 6. August 2010 ist 

diesem Urteil beigeheftet (Urk. 16). 

Entscheid der Vorinstanz: 

"Das Gericht erkennt: 

1. Der Angeklagte ist schuldig 

− der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB 

− der Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 2 StGB. 

2. Der Angeklagte wird bestraft mit 36 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 270 Tage durch Unter-

suchungs- und Sicherheitshaft bis und mit heute erstanden sind. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 21 Monaten aufgeschoben und die  

Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (15 Monate, abzüglich 270 Tage, die durch 

Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen. 

4. Der Angeklagte wird verpflichtet, der Geschädigten B._____ Fr. 10'000.– als Genugtuung 

zu bezahlen.  

5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 1'893.75   Kosten der Kantonspolizei Zürich 

Fr.     Kanzleikosten Untersuchung 

Fr. 1'893.05   Auslagen Untersuchung 

Fr. 4'257.40   unentgeltliche Geschädigtenvertretung 

Fr. 20'053.75   amtliche Verteidigung 
 

6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen 

der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung, werden dem 

Angeklagten auferlegt, jedoch sofort und definitiv abgeschrieben. 

 

-   3   - 

Sodann beschliesst das Gericht: 

1. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 17. Mai 2010 beschlagnahm-

ten Gegenstände, nämlich 

− Natel Motorola …, IMEI-Nr. … (Sachkaution Nr. …) 

− SIM-Karte Sunrise, Nr. … (act. 10/5) 

− SIM-Karte Yallo, Nr. … (act. 10/6) 

werden der Geschädigten nach Rechtskraft dieser Verfügung auf erstes Verlangen heraus-

gegeben. 

2. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 17. Mai 2010 beschlagnahm-

ten Gegenstände, nämlich 

− Natel Samsung …, IMEI-Nr. … (Sachkaution Nr. …) 

− 3 Schreiben (Brief / Gedicht undatiert) (act. 10/7) 

− SIM-Karte T-Mobile, Nr. … (act. 10/4) 

− Datenträger micro SD Karte 1 GB (act. 10/3) 

werden dem Angeklagten nach Rechtskraft dieser Verfügung auf erstes Verlangen heraus-

gegeben." 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Angeklagten: 

(schriftlich und mündlich, Urk. 40 S. 2 und Prot. II S. 7) 

1. Der Beschuldigte sei unter Aufhebung der Ziffern 1 - 4 des Urteils vom 

13. Dezember 2010 von Schuld und Strafe freizusprechen und die  

Zivilansprüche seien abzuweisen; 

2. Dem Beschuldigten sei eine Genugtuung für die unschuldig erlittene 

Haft in der Höhe von CHF 200.00 pro erstandenem Hafttag zuzu-

sprechen; 

3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen gemäss dem Ausgang 

des Verfahrens. 

-   4   - 

b) Der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis: 

(schriftlich, Urk. 44) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

 

Das Gericht erwägt: 

I. Verfahrensgang / Prozessuales 

1. Anwendbares Recht 

Am 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Strafprozessordnung in Kraft getreten. 

Gemäss Art. 453 Abs. 1 StPO werden Rechtsmittel gegen einen Entscheid, der 

vor Inkrafttreten dieses Gesetzes gefällt wurde, nach bisherigem Recht und von 

den bisher zuständigen Behörden beurteilt. Das angefochtene Urteil wurde am 

13. Dezember 2010 gefällt. Demzufolge kommt das kantonale Strafprozessrecht 

zur Anwendung (StPO/ZH und GVG/ZH). 

2. Verfahrensgang 

2.1. Der Angeklagte liess gegen das eingangs erwähnte Urteil unmittelbar nach 

der mündlichen Eröffnung durch die Vorinstanz Berufung anmelden (Prot. I S. 13). 

Innert Frist wurden sodann die Beanstandungen genannt (Urk. 39/1; Urk. 40). Der 

Angeklagte beantragt darin einen Freispruch unter Aufhebung der Ziffern 1 bis 4 

des vorinstanzlichen Urteils sowie Abweisung der Zivilansprüche und Aufhebung 

des vorinstanzlichen Beschlusses. 

2.2. Die Staatsanwaltschaft teilte innert der mit Präsidialverfügung der Vorinstanz 

vom 10. Mai 2011 angesetzten Frist für die Erhebung einer Anschlussberufung 

(Urk. 41) mit, dass sie Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils beantrage und auf 

Stellung von Beweisanträgen verzichte (Urk. 44). Die Geschädigte hat auf  

Anschlussberufung verzichtet (Urk. 45). 

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2.3. Mit Eingabe vom 9. Juni 2011 stellte die Verteidigung des Angeklagten  

diverse Beweisanträge (Zeugenbefragungen) und den Antrag auf eine kurze 

Nachfrist für die ausführliche Begründung der Beweisanträge (Urk. 56). Innert  

erstreckter Frist reichte der Verteidiger mit Eingabe vom 20. Juni 2011 die  

ergänzten Beweisanträge ein (Urk. 58; Urk. 66).  

2.4. Mit Präsidialverfügung der erkennenden Kammer vom 16. Juni 2011 wurde 

die Entlassung des Angeklagten per 17. Juni 2011 aus der Sicherheitshaft und 

Zuführung an das Migrationsamt des Kantons Zürich verfügt. Zudem wurde der 

Angeklagte aufgefordert, für den Fall seiner Ausschaffung ins Ausland dem  

Gericht eine Zustelladresse in der Schweiz anzugeben (Urk. 62). Mit ent-

sprechendem Entlassungsbefehl vom 16. Juni 2011 wurde das Gefängnis  

C._____ angewiesen, den Angeklagten per 17. Juni 2011 aus der Haft zu entlas-

sen und dem Migrationsamt des Kantons Zürich zuführen zu lassen (Urk. 63). 

2.5. Am 17. Juni 2011 wurde der Angeklagte aus dem Gefängnis C._____  

entlassen. Als Kontaktperson gab er den Ehemann seiner Schwester, D._____, 

an (Urk. 68). Mit Schreiben vom 21. Juni 2011 teilte der Verteidiger des Angeklag-

ten mit, dass bis auf weiteres seine Kanzlei als Korrespondenzadresse des Ange-

klagten gelte (Urk. 69). 

2.6. Mit Schreiben vom 21. Juni 2011 teilte der Justizvollzug des Kantons Zürich, 

Insassenkoordination, mit, dass dem Angeklagten die Vorladung nicht habe zuge-

stellt werden können, da er nach Zuführung an das Migrationsamt nicht mehr in 

einem Gefängnis oder im PROPOG inhaftiert sei (Urk. 71). 

2.7. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Angeklagte 

trotz ordnungsgemässer Vorladung unentschuldigt fern geblieben ist, stellte der 

amtliche Verteidiger des Angeklagten die eingangs erwähnten Anträge und hielt 

ergänzend fest, dass auch der vorinstanzliche Beschluss nicht mehr angefochten 

sei (Prot. II S. 5 und 7). 

 

 

-   6   - 

3. Umfang der Berufung 

Es kann somit festgehalten werden, dass das vorinstanzliche Kostendispositiv 

(Ziffern 5 und 6) sowie der vorinstanzliche Beschluss hinsichtlich der Herausgabe 

der beschlagnahmten Gegenstände in Rechtskraft erwachsen ist (§ 413 Abs. 3 

StPO/ZH). 

4. Beweisanträge 

Der Angeklagte liess im Berufungsverfahren folgende Beweisanträge stellen  

(Urk. 66): 

"Es seien folgende Personen als Zeugen zu laden und vor Obergericht 
zu befragen: 
1. E._____ (Schwester des Beschuldigten),  

…, als Zeugin 
2. Herr B1._____ (Vater der Geschädigten),  

…, als Zeuge 
3. Frau B2._____ (Mutter der Geschädigten),  

…, als Zeugin 
4. B._____, …, als Zeugin  

(Erneute Befragung/Konfrontation mit den Aussagen der anderen 
Zeugen)." 

Zur Begründung führte die Verteidigung aus, die Befragung der Schwester des 

Angeklagten, E._____, könne wertvollen Aufschluss darüber gegen, wie das Ver-

hältnis der Geschädigten und des Angeklagten tatsächlich gewesen sei und dass 

angesichts dieses positiven Verhältnisses der weitere Verlauf bzw. die angebliche 

Vergewaltigung sehr unwahrscheinlich erscheine. Die Geschädigte habe sich 

gemäss den Aussagen des Angeklagten auch in den Wochen und  

Monaten vor der angeblichen Vergewaltigung regelmässig mit dessen Schwester 

getroffen und sich dabei positiv über den Angeklagten geäussert und insbe-

sondere betont, dass sie ihn vermisse und noch liebe (Urk. 66 S. 2 f. Ziff. 2 f.).  

Von einer Befragung der Schwester des Angeklagten über das Verhältnis  

zwischen der Geschädigten und dem Angeklagten ist jedoch abzusehen, da - 

auch wenn sie als Zeugin bestätigen würde, dass ihr die Geschädigte vor dem zur 

Anklage gebrachten Vorfall gesagt hat, dass sie den Angeklagten vermisse, sie 

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ihn noch liebe und das Verhältnis positiv gewesen sei - sich daraus keine klaren 

Rückschlüsse auf die Vorfälle vom 18. März 2010 ziehen lassen. Insbesondere 

stünde eine solche Aussage keineswegs dem Vorwurf einer Vergewaltigung ent-

gegen. Die Geschädigte räumte zudem selber ein, dass sie auch nach der  

Trennung mit dem Angeklagten schriftlich (Mails) und telefonisch Kontakt gehabt 

habe und er ihr verschiedene Sachen anvertraut habe, die ihn belasteten. Ferner 

führte sie aus, dass im Februar noch ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen 

ihnen beiden bestanden habe, wobei sie erklärte, der Angeklagte sei, wenn er 

nett sei, der liebste Mensch, wenn er aggressiv sei, müsse man gar nicht mit ihm 

reden (Urk. 4/3 S. 10). Sie hätten regelmässig telefoniert miteinander, sie habe 

ihn drei bis fünf Mal angerufen, als er gesagt habe, es gehe ihm nicht gut  

(Urk. 4/3 S. 11). Sie habe dem Angeklagten gesagt, sie sei verlobt und werde  

ihren eignen Weg gehen, dass er sich bei Problemen jedoch schon an sie  

wenden könne und dass sie eine Freundschaft weiterpflegen könnten (Urk. 4/3  

S. 13). Aufgrund dieser Aussagen der Geschädigten erweist sich eine Beweis-

ergänzung durch Zeugenbefragung der Schwester des Angeklagten als nicht  

erforderlich. Mit Bezug auf den Anklagesachverhalt sind aufgrund einer Zeugen-

einvernahme der Schwester des Angeklagten keine neuen Erkenntnisse zu  

erwarten. 

Betreffend die Befragung des Vaters und der Mutter der Geschädigten macht die 

Verteidigung geltend, diese könnten die Umstände der Zwangsverlobung klären 

und die konservativen Wertmassstäbe der Familie aufzeigen (Urk. 66 S. 3 f.  

Ziff. 5 ff.). Mit diesem Beweisergänzungsantrag zielt die Verteidigung darauf ab 

darzutun, dass die Geschädigte den Angeklagten falsch belastet habe, da sie  

gegenüber ihrem Verlobten und ihrer Familie habe erklären müssen, weshalb sie 

nicht mehr Jungfrau war und sexuelle Kontakte zum Angeklagten unterhalten  

habe. Da das Bestehen konservativer Wertmassstäbe der Familie sowie das Ver-

schweigen der intimen Beziehung zum Angeklagten gegenüber ihren Eltern  

bereits aufgrund der eigenen Aussagen der Geschädigten erstellt sind (vgl. nach-

stehende Ausführungen Ziffer II.3.2.2), bedarf es diesbezüglich keiner Beweis-

ergänzung. Von der Zeugeneinvernahme der Eltern der Geschädigten ist daher 

abzusehen. Ob es sich um eine Zwangsverlobung handelte, wie der Angeklagte 

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behauptet oder einer Verlobung mit ihrem Einverständnis, wie die Geschädigte 

geltend macht, ist für die Beurteilung des Anklagesachverhaltes nicht von  

Relevanz. Ausserdem ist darauf hinzuweisen, dass der Umstand einer Zwangs-

verlobung schwer in Einklang zu bringen ist mit der Behauptung des Angeklagten, 

die Geschädigte belaste ihn falsch, um ihre Ehre und die Ehre ihres Verlobten 

wieder herzustellen.  

Die Verteidigung schliesst ferner, die Aussagen der Geschädigten selbst seien 

aufgrund der Aussagen dieser neuen Zeugen ergänzungsbedürftig bzw. die  

Geschädigte müsse sogar mit neu ans Tageslicht gekommenen Fakten konfron-

tiert werden (Urk. 66 S. 4 Ziff. 8). Da von weiteren Zeugeneinvernahmen abzu-

sehen ist, erübrigt sich auch eine erneute Einvernahme der Geschädigten im  

Zusammenhang mit neuen Aussagen. 

Die Anträge auf Beweisergänzung sind daher abzuweisen. 

5. Verletzung von Verfahrensgarantien und -prinzipien 

Die Verteidigung des Angeklagten macht im Berufungsverfahren vorab geltend, 

das vorinstanzliche Urteil sei in massiver Verletzung verschiedener Verfahrens-

garantien und -prinzipien entstanden. So weist sie auf das Vorliegen einer Ver-

letzung des rechtlichen Gehörs, einer Verletzung des Anklageprinzips, eines 

Verstosses gegen die Unschuldsvermutung, einer Verletzung des Willkürverbotes 

und gravierender Mängel in der Untersuchung hin. Das vorinstanzliche Urteil 

müsse deshalb einem rechtsstaatlich denkenden Bürger ein Dorn im Auge sein. 

Resultat des inakzeptablen weil krass willkürlichen, subjektiven Vorgehens von 

Staatsanwaltschaft und Vorinstanz sei ein den zentralen Gründsätzen des Straf-

rechts und der Wahrheitsfindung widersprechendes, ungerechtes und falsches 

Urteil, welches es im Rechtsmittelverfahren zu korrigieren gelte (Urk. 40 S. 4 ff. 

Ziff. 7 ff.). Inwiefern diese teilweise sehr pauschalen Vorwürfe des Verteidigers 

am vorinstanzlichen Urteil tatsächlich zutreffen, ist im Rahmen der materiellen 

Beurteilung zu prüfen.  

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Bereits an dieser Stelle ist jedoch festzuhalten, dass eine Verletzung des  

rechtlichen Gehörs, welche die Verteidigung pauschal rügt, indem sie geltend 

macht, dem Angeklagten sei mehrfach zum Vorwurf gemacht worden, er habe 

Fragen nicht beantwortet, die ihm weder von der Staatsanwaltschaft noch von der 

Vorinstanz gestellt worden seien (Urk. 40 S. 4), nicht erkennbar ist. Mit ihrem 

Vorbringen macht die Verteidigung eine unzutreffende Würdigung der Aussagen 

des Angeklagten geltend, was im Rahmen der Beweiswürdigung zur prüfen sein 

wird. 

Eine Verletzung des Anklageprinzipes wird von der Verteidigung darin erkannt, 

dass offensichtlich frühere, nicht zur Anklage gebrachte Vergewaltigungen in  

F._____ berücksichtigt worden seien (Urk. 40 S. 4). Diese Behauptung findet kei-

ne Stütze im vorinstanzlichen Urteil. Beurteilt wurde darin völlig korrekt der Sach-

verhalt gemäss Anklageschrift vom 6. August 2010, nur bezüglich dieses Vorwur-

fes erfolgte eine Verurteilung durch die Vorinstanz. Betreffend von der  

Geschädigten behauptete Vergewaltigungen in F._____ im Sommer 2009 führte 

die Vorinstanz lediglich aus, selbst wenn diese Handlungen sich aus Sicht der 

Anklagebehörde nicht als nachweisbar strafbare Handlungen qualifizieren lassen, 

könne daraus nichts gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen der  

Geschädigten betreffend den Anklagevorwurf abgeleitet werden, denn, dass Ver-

gewaltigungsvorwürfe betreffend Vorfälle im Sommer 2009 nicht erstellbar seien, 

bedeute nicht, dass die diesbezügliche Schilderung aus subjektiver Sicht der  

Geschädigten falsch wäre (Urk. 47 S. 20). Entgegen der Auffassung der Verteidi-

gung ergibt sich daraus nicht, dass die Vorinstanz frühere Vergewaltigungen als 

geschehen betrachtet habe und unter Verletzung des Anklageprinzipes in ihr  

Urteil einfliessen liess (Urk. 40 S. 37). Die Verteidigung geht fehl in der Annahme, 

dass jeder nicht einvernehmliche Geschlechtsverkehr eine Vergewaltigung  

darstellt. Vielmehr bedarf es für eine Vergewaltigung eines entsprechenden  

Vorsatzes seitens des Täters, dieser muss erkennen oder es muss für ihn  

erkennbar sein, dass der Geschlechtsverkehr gegen den Willen der betroffenen 

Person erfolgt. Diese subjektive Komponente seitens des Angeklagten ist unab-

dingbare Voraussetzung für die Erfüllung des subjektiven Tatbestandes der  

Vergewaltigung. Die subjektive Sicht des mutmasslichen Opfers für sich allein ist 

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gerade nicht ausreichend. Dies wollte die Vorinstanz mit ihren Erwägungen zum 

Ausdruck bringen. Eine Verletzung des Anklageprinzipes ist deshalb klar zu ver-

neinen. 

Soweit die Verteidigung eine Verletzung der Unschuldsvermutung, willkürliche 

Beweiswürdigung und Aktenwidrigkeit behauptet (Urk. 40 S. 4 f.), ist auf ihr Vor-

bringen im Zusammenhang mit der Beweiswürdigung einzugehen.  

 

II. Sachverhalt 

1. Anklagesachverhalt 

Gegenstand der Beurteilung im vorliegenden Berufungsverfahren bildet der unter 

dem Titel mehrfache Vergewaltigung und Entführung von der Staatsanwaltschaft 

Limmattal/Albis in ihrer Anklageschrift vom 6. August 2010 angeklagte Sachver-

halt. Zur detaillierten Darstellung des massgeblichen Anklagesachverhalts kann 

auf die Anklageschrift und deren Wiedergabe im angefochtenen Urteil verwiesen 

werden (Urk. 16; Urk. 47 S. 4 f.). 

Der Angeklagte hat weder in der Untersuchung, vor Vorinstanz noch im  

Berufungsverfahren bestritten, dass es am 18. März 2010 in G._____ zwischen 

ihm und der Geschädigten zum Geschlechtsverkehr gekommen ist. Er führte aber 

stets aus, dass dieser einvernehmlich erfolgt sei (Urk. 3/1 S. 2 Fragen 7 ff. und  

S. 11 Fragen 78 f.; Urk. 3/2 S. 2; Urk. 3/3 S. 10 f.; Urk. 6/2 S. 2; Prot. I S. 4). Er 

hat zudem konstant in Abrede gestellt, die Geschädigte gegen deren Willen unter 

Gewaltanwendung in die Wohnung verbracht und dort eingeschlossen zu haben.  

2. Beweismittel 

Als Beweismittel liegen einerseits die Aussagen des Angeklagten und der  

Geschädigten vor, andererseits gab es drei Zeugenbefragungen und es liegen 

zudem diverse sachliche Beweismittel vor (medizinische Akten, Spurenbericht 

des Forensischen Instituts Zürich, Gutachten des IRM), welche über das Tat-

geschehen selber, insbesondere bezüglich der Frage, ob der Geschlechtsverkehr 

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einvernehmlich stattfand, jedoch nur bedingt aussagekräftig sind. Im Vordergrund 

steht deshalb eine nähere Prüfung und Würdigung der Aussagen des Angeklag-

ten und der Geschädigten zu den wesentlichen Punkten. 

2.1. Aussagen des Angeklagten 

2.1.1. Polizeiliche Einvernahme vom 19. März 2010 (Urk. 3/1) 

Der Angeklagte führte gleich zu Beginn auf entsprechenden Vorwurf aus, dass es 

keine Vergewaltigung gewesen sei, sondern alles im Einverständnis passiert sei 

(Urk. 3/1 S. 2 Antwort 7).  

a) Zur Vorgeschichte 

Er sei am Sonntag, 14. März 2010, in die Schweiz eingereist (Urk. 3/1 S. 2  

Antwort 9), um Ferien bei seiner Schwester zu machen (Urk. 3/1 S. 3 Antworten 

13 und 14). Er sei zweieinhalb Jahre mit der Geschädigten zusammen gewesen, 

habe nun aber eine andere Beziehung (Urk. 3/1 S. 3 f. Antworten 18 und 23).  

Ab September 2009 sei die Verbindung mit der Geschädigten unterbrochen  

worden, da sie sich mit einem anderen verlobt habe. Eineinhalb Monate später 

habe sie sich aber selber wieder an ihn gewandt (Urk. 3/1 S. 4 Antwort 25). Bei 

seiner Ankunft in der Schweiz hätte auch die Geschädigte sicherlich noch Wärme 

und Liebe für ihn empfunden, ansonsten sie sich nicht mit ihm getroffen hätte 

(Urk. 3/1 S. 4 Antwort 26). Er habe die Geschädigte schon auch besuchen wollen, 

sei aber nicht extra wegen ihr, sondern wegen dem Land und seiner Schwester in 

die Schweiz gekommen (Urk. 3/1 S. 4 Antwort 28). Die Geschädigte sei reizbar, 

sehr nervös und eifersüchtig, könne im Gespräch aber sehr ruhig sein und einen 

guten Eindruck machen (Urk. 3/1 S. 4 Antwort 29). Als sich die Geschädigte ver-

lobt habe, habe er sich schlecht gefühlt und ihr gesagt, sie könne wieder  

kommen, die Türe stehe für sie offen (Urk. 3/1 S. 5 Antwort 32).  

b) Zu den Treffen mit der Geschädigten 

Er habe nun das erste Mal am Montag nach seiner Ankunft in der Schweiz mit ihr 

Kontakt gehabt. Sie hätten sich in G._____ getroffen, seien nach J._____ gefah-

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ren, wo sie zusammen einen Kaffee getrunken hätten, woraufhin sie ihn zur Woh-

nung der Schwester gebracht hätte (Urk. 3/1 S. 5 Antworten 34 und 35). Das Tref-

fen sei sehr gut verlaufen, sie hätten sich geküsst und seien zärtlich zueinander  

gewesen (Urk. 3/1 S. 5 Antworten 37 bis 39). Sie hätten sich dann wieder für  

Donnerstag verabredet und im selben Café getroffen, wo sie schon am Montag 

gewesen seien (Urk. 3/1 S. 6 Antworten 42 und 45). Nachdem sie noch in einem 

S._____ Restaurant gewesen seien, habe er ihr gesagt, dass sie doch nach  

G._____ gehen sollten. Sie seien dann in die Wohnung von H._____  

gegangen, hätten diese dann aber wieder verlassen, um im Restaurant eines  

[Staatsangehöriger des Landes I._____] etwas zu essen (Urk. 3/1 S. 6 f. Antwor-

ten 46 und 47). Ungefragt führte der Angeklagte zusätzlich aus, dass die Geschä-

digte in J._____ vor ihm gegangen sei, um Distanz zu wahren. Sie habe Angst 

gehabt, erkannt zu werden. In G._____ hätten sie sich dann beim Gehen aber 

umarmt (Urk. 3/1 S. 7 Antwort 47). H._____ habe für ihn den Wohnungsschlüssel 

im Briefkasten hinterlegt (Urk. 3/1 S. 7 Antwort 49). Er habe der Geschädigten be-

reits in J._____ gesagt, dass er mit ihr in diese Wohnung gehen wolle. Hätte sie 

dies nicht gewollt, wäre sie nicht mit ihm nach G._____ gekommen. Und dass 

man ein Mädchen mit Gewalt dahin mitnehme, das gehöre sich nicht. Er würde 

das nicht machen (Urk. 3/1 S. 7 Antwort 50). Auf die Frage, was er mit der Ge-

schädigten in der Wohnung habe machen wollten, antwortete der Angeklagte: 

"Liebe, natürlich" (Urk. 3/1 S. 7 Antwort 52). Er habe der Geschädigten dies im 

Vorfeld nicht konkret gesagt, aber bei [Staatsangehörigen des Landes I._____] 

sei es so, wenn ein Mann zu einer Frau sage, dass er den Schlüssel zu einer 

Wohnung habe, es für die Frau klar sei, um was es gehe (Urk. 3/1 S. 7 Antwort 

54). Sie seien etwa eine halbe Stunde in dem Lokal gewesen und hätten etwas 

gegessen und getrunken. Dort seien aber keine Zärtlichkeiten ausgetauscht wor-

den, weil es dort Leute gehabt habe (Urk. 3/1 S. 8 f. Antworten 55 bis 63). Auf die 

Bemerkung der einvernehmenden Person, dass sie sich aber auf dem Weg von 

G._____ nach K._____ umarmt hätten, meinte der Angeklagte, dass das stimme, 

aber sie hätten sich nicht non-stop umarmt, irgendwann hätten sie sich dann auch 

wieder los gelassen (Urk. 3/1 S. 9 Antwort 65). Er habe einmal auf die Toilette 

gehen müssen, da diese im Restaurant aber besetzt gewesen sei, sei er schnell 

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in die Wohnung gegangen (Urk. 3/1 S. 9 Antwort 67). Sie hätten im Restaurant 

darüber gesprochen, Liebe zu machen. Er habe ihr gesagt, sie sollten nach dem 

Essen in die Wohnung einen Kaffee trinken gehen. Die Geschädigte habe gelä-

chelt und gesagt, er habe ihr den Kopf verdreht (Urk. 3/1 S. 9 Antworten 68 bis 

70).  

c) Zum Ablauf kurz vor dem Betreten der Wohnung 

Er sei dann zuerst gegangen, sie hinter ihm, er auf der rechten Strassenseite und 

sie auf der linken. Vor der Wohnung habe er ihr gesagt, sie solle kommen. Sie 

habe begonnen zu lachen. Er habe ihr gesagt, dass sie doch etwas zusammen 

vor hätten, worauf sie mit gekommen sei und sie zusammen in die Wohnung  

gegangen seien (Urk. 3/1 S. 10 Antwort 71). Auf entsprechende Nachfrage führte 

der Angeklagte aus, dass er sofort nach dem Restaurant die Strasse überquert 

habe, sie hingegen gesagt habe, dass es Regeln gäbe, wie man über die Strasse 

gehe, und deshalb die Strasse weiter vorne überquert habe (Urk. 3/1 S. 10  

Antwort 72). Es stimme nicht, dass die Geschädigte auf der anderen Strassen-

seite davon gerannt sei, er sie eingeholt, gepackt und an den Haaren gezogen 

habe. Das habe sie sich ausgedacht (Urk. 3/1 S. 10 Antwort 73). 

d) Zum Geschehen in der Wohnung bis zum Geschlechtsverkehr 

Sie seien ins Wohnzimmer gegangen und dann ins Schlafzimmer, wo er ihr  

gesagt habe, dass sie sein Stern sei und dass es lange her sei, seit sie sich  

so getroffen hätten (Urk. 3/1 S. 10 Antwort 75). Er habe die Wohnung abge-

schlossen und den Schlüssel in die Tasche gesteckt, das sei eine Gewohnheit 

von ihm (Urk. 3/1 S. 10 f. Antworten 76 und 77). Im Schlafzimmer habe die  

Geschädigte ihm in die Augen geschaut und Tränen bekommen. Sie habe dann 

ein Lied [aus dem Land I._____] gesungen, worin es geheissen habe, das 

Schicksal habe es gewollt, dass sie nicht mehr zusammen seien. Es sei eben so, 

dass die Geschädigte ihrem Vater gesagte habe, sie habe keinen Freund, wes-

halb er sie verlobt habe (Urk. 3/1 S. 11 Antwort 78). Sie hätten sich dann umarmt, 

er sei  

zärtlich zu ihr gewesen, habe zuerst sie ausgezogen und dann sich selbst. Dann 

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hätten sie mit dem Verkehr begonnen, sie sei auf dem Rücken gelegen. Er sei 

dann zum Höhepunkt gekommen, hätte aber nicht raus gekonnt, da sie ihre  

Beine um ihn geschlungen habe. Der ganze Samenerguss sei deshalb in sie  

hinein gegangen. Sie könne schwanger werden. Sie habe darauf gefragt, was er 

gemacht hätte. Er habe gesagt, dass er sich nicht hätte zurückhalten können 

(Urk. 3/1 S. 11 Antwort 79). Die entsprechenden Schilderungen der Geschädigten 

über die angebliche Vergewaltigung und dass er ihr gesagt habe, er wolle nur 

noch einmal mit ihr schlafen, dann sei sie frei, bezeichnete der Angeklagte als 

unwahr (Urk. 3/1 S. 12 Antwort 81). 

e) Zum Geschehen in der Wohnung nach dem Geschlechtsverkehr 

Sie hätten sich dann angezogen, die Geschädigte sei etwas verärgert gewesen 

und habe gehen wollen. Er habe das aber nicht zulassen wollen. Er habe zu ihr 

gesagt, sie solle sich beruhigen, habe aber keine Gewalt angewendet. Er habe ihr 

angeboten, sich im Wohnzimmer zu setzen und etwas zu trinken, doch sie habe 

dies nicht gewollt. Er habe ihr gesagt, auch wenn sie sich verlobt habe, sei dies 

kein Problem, er nehme sie; es solle alles aus freiem Willen geschehen und nicht 

aus Zwang. Die Geschädigte selber habe ihm darauf hin gesagt, dass sie ihn im 

Herzen habe, sie habe einen Fehler gemacht, akzeptiere aber ihr Leben. Der  

Angeklagte habe ihr gesagt, dass er sie so akzeptiere, obwohl sie sich verlobt  

habe und jetzt eine andere sei. Als sie dann ihren Kopf an seine Brust gehalten 

und geweint habe, habe dies für ihn geheissen, dass sie gleicher Meinung sei. Er 

habe darauf hin die Fotos von ihr und ihrem Verlobten in ihrer Tasche zerrissen, 

sie brauche diese jetzt nicht mehr, da sie nun ihn (den Angeklagten) habe. Er  

habe ihr auch gesagt, sie solle ihren Verlobten anrufen und ihm sagen, dass sie 

nichts mehr von ihm wissen wolle. Ihre beiden Mobiltelefone hätten jedoch nicht 

funktioniert (leerer Akku bzw. keinen Kredit mehr), weshalb er ihren Verlobten von 

seinem Telefon aus angerufen habe. Er habe sich dann dem Verlobten vorgestellt 

und das Telefon der Geschädigten übergeben wollen, die dann aber nicht mit 

dem Verlobten habe sprechen wollen, da sie sich an das Verlöbnisversprechen 

an ihren Vater erinnert habe. Sie habe ihm dann sein Telefon aus der Hand  

genommen, es zerbrochen und ihm damit gegen den Hals geschlagen. Er habe 

-   15   - 

ausgerufen, sie aber nicht angefasst. Er sei dann ins Badezimmer gegangen, um 

zu schauen, ob es blute. Als er zurück gekommen sei, sei sie auf dem Balkon  

gestanden. Sie habe ihm gesagt, dass sie nicht wisse, ob er sie aus der Wohnung 

lasse. Sie habe sicherlich gedacht, er sei sehr wütend, weil sein Telefon kaputt 

sei. Er habe ihr dann den Schlüssel gegeben, weil dies besser sei, als wenn sie 

runterspringe. Sie habe von ihm verlangt, dass er auf die andere Seite des  

Balkons gehe. Darauf hin sei sie in die Wohnung gegangen und habe die Balkon-

türe geschlossen. Als sie auf der Strasse gewesen sei, habe er sie nach dem 

Schlüssel gefragt. Sie habe den Schlüssel geschwenkt und sei weg gegangen. Er 

sei dann hinunter gestiegen. Als er die Polizei gesehen habe, habe er sich von 

sich aus ergeben (Urk. 3/1 S. 11 f. Antworten 79 und 80). Die Version der  

Geschädigten, wonach sie auf dem Balkon geschrien habe, er deshalb Panik  

bekommen habe, dass dies jemand hören könne, stimme nicht (Urk. 3/1 S. 13 

Antwort 83). 

2.1.2. Hafteinvernahme vom 19. März 2010 (Urk. 3/2) 

Anlässlich der Hafteinvernahme führte der Angeklagte erneut aus, dass der  

Geschlechtsverkehr einvernehmlich gewesen sei. Er habe sie auf der Strasse 

nicht an den Haaren gepackt und ihr nicht gedroht. Die Geschädigte habe Lust 

gehabt, ihn zu treffen, und er habe Lust gehabt, sie zu treffen. Sie habe auch  

Liebe für ihn empfunden (Urk. 3/2 S. 2). Er wiederholte auch seine Aussage, dass 

er der Geschädigten gesagt habe, sie sollten nach dem Essen in die Wohnung 

gehen, um Kaffe zu trinken. Die Geschädigte sei ihm aber freiwillig gefolgt. Sie 

seien dann in die Wohnung gekommen, die er mit dem Schlüssel geschlossen 

habe, welchen er sich in seine Hosentasche gesteckt habe. Im Zimmer hätten sie 

sich zuerst unterhalten. Er habe ihr gesagt, sie habe gemacht, was sie gemacht 

habe, aber es sei der Tag gekommen, sich mit der alten Liebe zu treffen. Sie  

habe dann begonnen zu weinen und ihn zu umarmen. Die Geschädigte habe ihm 

nicht mitgeteilt, dass sie das nicht gewollt habe, auch habe sie nicht versucht, ihn 

mit Gewalt davon abzuhalten, vielmehr habe sie sich mit den Beinen um ihn  

geschlungen (Urk. 3/2 S. 3). Die Geschädigte habe ihn dann gezwungen, auf den 

Balkon zu kommen, ansonsten sie hinab gesprungen wäre. Sie habe von ihm ver-

-   16   - 

langt, auf die andere Seite des Balkongeländers zu gehen. Er sei dann von ihr 

ausgeschlossen worden. Die Geschädigte habe dies wohl deshalb gemacht, weil 

sie erschrocken gewesen sei, da sie sein Telefon beschädigt und dieses ihm an 

den Hals geschlagen habe. Er sei dann aufgestanden und habe sie angeschrien. 

Er habe dann etwa drei Minuten auf dem Balkon gewartet, bevor er hinunter  

gestiegen sei (Urk. 3/2 S. 4). 

2.1.3. Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 12. Mai 2010 (Urk. 3/3) 

Anlässlich dieser Einvernahme nahm der Angeklagte Stellung zu den beiden 

Zeugeneinvernahmen der Geschädigten. 

a) Zur Vorgeschichte 

Der Angeklagte führte unter anderem aus, dass er insbesondere auch mit dem 

Bruder der Geschädigten Kontakt gehabt habe. Dieser habe ihm im Jahr 2008  

telefonisch einmal mitgeteilt, dass er nichts gegen ihn (den Angeklagten) oder 

seine Beziehung mit der Geschädigten habe; sie könnten aber auf keinen Fall  

heiraten, da vor längerer Zeit ein Streit zwischen den beiden Familien entfacht sei 

und es zu einer Bluttat gekommen sei. Aber auch die Mutter habe von der  

Beziehung zur Geschädigten gewusst, ihr zufolge hätte der Angeklagte Vermittler 

zu ihnen nach Hause schicken sollen (Urk. 3/3 S. 2 f.). Damals im Jahre 2009 sei 

er eigentlich derjenige gewesen, der wütend auf die Geschädigte gewesen sei, 

weil sie sich nicht an das Versprechen gehalten habe. Sie habe ihn mit anderen 

Männern betrogen, indem sie mit diesen telefonische Liebesbeziehungen gehabt 

habe, und sei nicht mehr Jungfrau gewesen. Es sei aber die Geschädigte  

gewesen, welche die Beziehung beendet habe, da sie von der Familie verlobt 

worden sei (Urk. 3/3 S. 4). Jemand habe dem Angeklagten erzählt, dass der Vater 

der Geschädigten von der Beziehung erfahren und der Geschädigten gedroht  

habe, sie müsse die Beziehung beenden oder er werde sie anderweitig verloben. 

Die Geschädigte habe dann aber erwidert, dass sie ihn (den Angeklagten) nicht 

verlassen werde, weil sie ihn liebe. Es stimme nicht, dass er die Geschädigte im 

Sommer 2009 zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe; es sei alles im gegen-

seitigen Einverständnis erfolgt, er habe sie auch nicht geschlagen (Urk. 3/3 S. 5). 

-   17   - 

Auch habe er sie nie eingesperrt. Er sei eifersüchtig und habe es nicht gerne, 

wenn seine Geliebte sich irgendwo aufhalte, schon gar nicht in der Nacht mit  

irgendwelchen Menschen. Auch habe er es nicht gerne, wenn seine Geliebte  

Alkohol und Betäubungsmittel konsumiere. Es stimme nicht, dass er über MSN 

Drohungen ausgesprochen habe. Sie habe sich bei ihm gemeldet. Seit  

September 2009 hätten sie jedoch nur noch einmal miteinander telefoniert,  

ansonsten mehrmals via MSN miteinander kommuniziert (Urk. 3/3 S. 6 f.). Er  

habe ihr gesagt, er könne es sich vorstellen, mit ihr eine Affäre zu haben, aber er 

könne sie nicht zurücknehmen und heiraten, weil sie sich verlobt habe (Urk. 3/3  

S. 7 f.). Er glaube aber schon, dass die Geschädigte Interesse gehabt habe, zu 

ihm zurück zu kommen, dies aufgrund der indirekten Ausdrucksweise, welche die 

Geschädigte benutzt habe (Urk. 3/3 S. 8) 

Er sei in die Schweiz gekommen, um Ferien zu machen und seine Schwester zu 

besuchen. Die Geschädigte sei aber kein Grund für die Reise gewesen (Urk. 3/3 

S. 17). 

b) Zu den Treffen mit der Geschädigten 

Die Geschädigte habe nicht erwähnt, dass sie beim ersten Treffen bei der 

M._____ eine Zigarette geraucht, diskutiert und sie sich geküsst hätten. Es stim-

me nicht, dass die Geschädigte von ihm Abstand genommen habe. Er habe sie 

als Geliebte treffen wollen, was er ihr bereits im Internet mitgeteilt habe  

(Urk. 3/3 S. 8). Es stimme auch nicht, dass er ihr gesagt habe, er würde sie nach 

diesem Treffen für immer in Ruhe lassen. An besagtem Donnerstag seien sie 

dann zuerst in die Wohnung gegangen, um etwas zu essen. Sie hätten sich dann 

aber für die Bäckerei entschieden, da es schneller gehen würde. Sie hätten die 

Wohnung deshalb nur ganz kurz betreten. Die Geschädigte habe jedenfalls die 

ganze Zeit gewusst, dass er einen Schlüssel der Wohnung des Kollegen dabei 

gehabt habe (Urk. 3/3 S. 9). 

c) Zum Ablauf kurz vor dem Betreten der Wohnung 

-   18   - 

Der Angeklagte bestritt, die Geschädigte in der Bäckerei gefragt zu haben, ob sie 

sich anders entschieden hätte und mit ihm nach F._____ kommen werde, was sie 

machen würde, wenn er sie festhalten würde, sowie dass er sie mit Gewalt über 

die Strasse gezogen und in die Wohnung gezerrt habe. Es sei tatsächlich so ge-

wesen, dass er auf der anderen Strassenseite gegangen sei. Sie sei dann über 

den Fussgängerstreifen zu ihm herüber gekommen. Er habe sie dann umarmt 

und sie seien in die Wohnung gegangen; mithin sei die Geschädigte freiwillig in 

die Wohnung gekommen (Urk. 3/3 S. 10). 

d) Zum Geschehen in der Wohnung bis zum Geschlechtsverkehr 

Er habe dann tatsächlich die Wohnungstüre abgeschlossen und den Schlüssel in 

seinen Hosensack gesteckt; dies, weil er das immer so mache (Urk. 3/3 S. 10). Im 

Wohnzimmer hätten sie sich an den Händen gehalten, sich umarmt. Er habe ihr 

dann gesagt, sie sollten doch ins Schlafzimmer gehen. Zuerst seien sie auf dem 

Bett gesessen und hätten diskutiert. Sie hätten 10 bis 15 Minuten geredet, dann 

hätten sie ihre Kleider ausgezogen und Geschlechtsverkehr gehabt (Urk. 3/3 

S. 11). Weiter bestritt der Angeklagte die Ausführungen der Geschädigten als 

Zeugin zum Ablauf des Geschlechtsverkehrs (Urk. 3/3 S. 11 f.). Es treffe aber zu, 

dass er in der Geschädigten drin zum Samenerguss gekommen sei, sie habe ihn 

mit ihren Füssen festgehalten. In dem Moment, als er gemerkt habe, dass er 

komme, habe er mit ganzer Kraft versucht, seinen Penis heraus zu ziehen. Er  

habe dann aber gemerkt, dass er dies nicht schaffe, so dass er in der Geschädig-

ten drin gekommen sei. Es seien nur ein paar Tröpfchen des Samenergusse  

ausserhalb von ihr gekommen. Er sei sehr besorgt und nervös gewesen. Er habe 

nicht gewusst, was für eine Politik da getrieben werde; er habe nicht gewusst, 

was sie mit ihm vorgehabt habe und damit habe erreichen wollen. Er habe es ihr 

mitgeteilt, dass er komme, habe aber das Gefühl gehabt, dass sie ihn deshalb 

noch fester umklammert habe (Urk. 3/3 S. 12).  

e) Zum Geschehen in der Wohnung nach dem Geschlechtsverkehr und 

 allgemeine Ergänzungen 

-   19   - 

Er habe sich dann schnell angezogen und sei ins Badezimmer gegangen. Er  

habe Angst gehabt, da er nicht gewusst habe, was passiere. Nachdem er wieder 

aus dem Badezimmer heraus gekommen sei, sei die Geschädigte in Richtung 

Wohnungstüre gegangen. Sie habe ihm gesagt, er solle die Türe aufmachen. Er 

sei ihr in dem Sinne begegnet, dass sie als Menschen hier herein gekommen  

seien und auch wieder so rausgehen könnten. Er habe ihr vorgeschlagen,  

darüber zu diskutieren. Er habe gewollt, dass sie ihm sage, was sie damit habe  

erreichen wollen, was ihr Ziel sei. Er sei nicht aggressiv gewesen, ein wenig auf-

geregt und nervös schon. Sie habe begonnen zu weinen und ihm gesagt, dass sie 

ohne ihn nicht könne. Er habe ihr gesagt, dass sie jetzt verlobt sei, er gehe nach 

F._____ und würde sich ebenfalls verloben, sie könnten sich aber weiter  

treffen. Sie hätten diskutiert, weshalb sie ihm so etwas angetan habe. Sie habe 

gemeint, dass sie ihn lieben würde, und habe sich an ihn angelehnt. Er habe ihr 

darauf hin gesagt, er spüre, dass sie ebenfalls Gefühle für ihn habe und mit allen 

Mitteln versuche, mit ihm zusammen zu sein. Sie solle aber, um etwas zu  

erreichen, zuerst ihre Familie und dann ihren Verlobten anrufen, um das Ganze 

zu bereinigen; nur so könnten sie wieder zusammen sein. Sie habe "okay" gesagt 

und ihr Portemonnaie und ihr Handy genommen. Er habe sie dann gefragt, was 

sie mit den Fotos vorhabe, worauf sie gemeint habe, sie könne mit den Fotos 

nichts anfangen, da sie ja ihn habe. Er könne die Fotos haben. Sie habe es ihm 

erlaubt und er gebe zu, dass er die Fotos zerrissen habe. Er habe dann von  

seinem Handy aus die Mutter der Geschädigten angerufen, doch die habe ihr 

Handy ausgeschaltet gehabt. Er habe dann gesagt, sie sollten die Sache zuerst 

mit dem Verlobten bereinigen. Die Geschädigte habe ihm dann die Nummer des 

Verlobten gegeben, worauf er diesen angerufen und ihm mitgeteilt habe, dass die 

Geschädigte bei ihm sei. Er habe ihm gesagt, dass die Geschädigte mit ihm  

etwas zu besprechen habe. Die Geschädigte habe dann aber das Telefon kaputt 

machen wollen. Sie habe gesagt, dass ihr Vater diese Verlobung gemacht habe, 

und habe das Handy nach ihm (dem Angeklagten) geworfen. Es habe ihm am 

Hals getroffen und weh getan. Er sei aggressiv gewesen, habe sie aber nicht  

berührt. Er sei dann ins Badezimmer gegangen, um sich zu vergewissern, ob er 

blute. Als er wieder zurück gekommen sei, sei die Geschädigte auf dem Balkon 

-   20   - 

gewesen (Urk. 3/3 S. 13 f.). Er sei wegen der Sache mit dem Samenerguss ganz 

durcheinander gewesen und habe gedacht, die Geschädigte habe das absichtlich 

gemacht, um mit ihm zusammen zu sein. Sie habe ihr Ziel erreicht, um ihm Angst 

einzujagen (Urk. 3/3 S. 14). Er habe den Verlobten der Geschädigten angerufen, 

damit diese ihm mitteile, dass sie nicht mehr mit ihm (dem Verlobten) zusammen 

sein wolle, sondern mit ihm (dem Angeklagten; Urk. 3/3 S. 15). 

Allgemein habe er bis zu diesem Moment nicht mit der Geschädigten zusammen 

sein wollen; als dies passiert sei, habe er seine Meinung aber geändert. Vieles sei 

ihm durch den Kopf gegangen und er habe gemeint, das sei alles geplant und die 

Geschädigte habe dies absichtlich gemacht. Das mit dem Samenerguss sei der 

Wunsch der Geschädigten gewesen. Er habe sich überlegt, welche Hinter-

gedanken sie haben könnte. Er habe dann damit einverstanden sein müssen, was 

die Geschädigte damit habe erreichen wollen, nämlich mit ihm zusammen zu sein 

(Urk. 3/3 S. 15). 

Als die Geschädigte dann auf dem Balkon gewesen sei, sei sie sehr verängstigt 

gewesen und habe gesagt, dass sie Angst vor ihm habe. Sie habe ihm gesagt, er 

solle draussen warten, sie würde dann weg gehen. Er sei damit einverstanden 

gewesen, habe ihr den Wohnungsschlüssel gegeben und gesagt, sie könne  

gehen. Als sie draussen gewesen sei, habe er ihr gesagt, sie solle ihm den 

Schlüssel wieder geben. Sie habe ein Handzeichen mit drehendem Zeigefinger 

gemacht. Er habe das so verstanden, dass sie wieder kommen würde. Nach  

weiteren zwei bis drei Minuten auf dem Balkon habe er Angst bekommen. Er  

habe gedacht, dass sie vielleicht etwas mit der Familie geplant habe und ein  

Familienangehöriger kommen würde, um etwas mit ihm zu machen. Er sei  

deshalb vom zweiten Stock herunter geklettert. Er habe sich dann im Hof des  

Gebäudes aufgehalten und beobachtet, was passierte. Als er nach 30 Minuten 

zur Strasse gegangen sei, habe er die Geschädigte mit der Polizei gesehen. Er 

sei dann auf die andere Strassenseite gegangen, um ein Zeichen zu setzen, um 

zu zeigen, dass er nicht fliehen wolle (Urk. 3/3 S. 16). 

Es sei bei dem Treffen mit der Geschädigten nie zu Tätlichkeiten gekommen. Die 

von der Geschädigten geschilderten blauen Flecken müssten daher stammen, als 

-   21   - 

er versucht habe, sich von ihr weg zu stossen, weil er nicht in ihr drin habe  

kommen wollen. Sollten diese Flecken aber nicht von ihm gewesen sein, so habe 

dies sicherlich ihr Vater verursacht (Urk. 3/3 S. 17). 

Wegen dem, was passiert sei, sei er gezwungen gewesen, den Verlobten der  

Geschädigten anzurufen. Das Ganze sei geplant gewesen. Er habe nicht  

gewusst, was die Geschädigte damit habe bezwecken wollen. Er sei sehr  

verängstigt gewesen (Urk. 3/3 S. 18). Er wisse nicht, wie seine Familienange-

hörigen reagiert hätten, wäre die Geschädigte schwanger geworden. Dazu müsse 

man aber die Geschädigte befragen; sie sei diejenige, die das verursacht habe 

(Urk. 3/3 S. 18 f.). Er denke, sie habe das Ganze gemacht, um belegen zu  

können, dass sie Geschlechtsverkehr mit ihm gehabt habe. Dies, um Schande 

von ihrem Verlobten zu nehmen. Er sei der Meinung, dass sie das mit ihrem  

Verlobten besprochen habe. Es solle so aussehen, dass er sie gegen ihren Willen 

zum Geschlechtsverkehr gezwungen habe. Je länger man sich die Sache über-

lege, komme man zu verschiedenen Schlussfolgerungen. Es sei gut möglich, 

dass wenn der Verlobte oder dessen Familie erfahren würde, dass sie keine 

Jungfrau mehr sei, die beiden auseinander gegangen wären (Urk. 3/3 S. 19). 

2.1.4. Schlusseinvernahme vom 30. Juli 2010 (Urk. 3/4) 

Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Schlusseinvernahme blieb der Angeklagte 

dabei, dass es zu keinerlei Gewaltanwendungen gekommen sei. Bevor sie den 

Sex beendet hätten, hätte er der Geschädigten die Ejakulation angekündigt und 

dort habe er Kraft angewendet. Die Verletzungen könnten daher rühren. Er habe 

in diesem Moment die Kontrolle über sich verloren und sich erlösen wollen  

(Urk. 3/4 S. 2). Die Geschädigte sei unten gelegen und er auf ihr. Als er gesagt 

habe, dass er komme, habe er weg gehen wollen. Sie habe ihn dann fester  

umschlossen. Er habe Angst gekriegt. Vielleicht habe sie ihn auch mit ihren  

Armen um seinen Hals gehalten. Er habe einfach die Arme lösen wollen. Das sei 

vielleicht die Kraftanwendung gewesen (Urk. 3/4 S. 3). 

Angesprochen auf das Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Geschädig-

ten durch das IRM meinte der Angeklagte, er könne sich nicht daran erinnern, die 

-   22   - 

Geschädigte gekratzt oder mit Gewalt gepackt zu haben. Er entgegnete mit der 

Frage, ob man denn Fingerabdrücke und Spuren von ihm gefunden habe  

(Urk. 3/4 S. 7). 

Auf die Frage nach einem allfälligen Motiv der Geschädigten, ihn derart zu belas-

ten, fand der Angeklagte schliesslich keine Antwort. Wenn er ein gefährlicher Typ 

wäre, wie ihn die Geschädigte beschreibe, dann wäre sie doch nicht an ein Tref-

fen mit ihm gekommen (Urk. 3/4 S. 9). 

Der Angeklagte führte schliesslich erneut aus, dass es lediglich zu einvernehmli-

chem Geschlechtsverkehr gekommen sei. Sie seien zuerst in die Wohnung  

gegangen, welche sie aber wieder verlassen hätten, um etwas zu essen. Er habe 

sie nicht gezwungen, in die Wohnung mit zu kommen. Auch habe er sie nicht ein 

bis zwei Stunden in der Wohnung festgehalten. Er habe keinen speziellen Zweck 

verfolgt, als er den Wohnungsschlüssel in seinen Hosensack gesteckt habe. Er 

mache das immer so. Er habe sie nicht verpflichtet, während dieser Zeit dort zu 

bleiben. Die Geschädigte habe das getan, um an Geld zu kommen, aber er habe 

keines (Urk. 3/4 S. 11 f.). 

2.2. Aussagen der Geschädigten 

2.2.1. Polizeiliche Einvernahme vom 18. März 2010 (Urk. 4/1) 

a) Zur Vorgeschichte 

Die Geschädigte führte aus, dass sie während den letzten Sommerferien mit dem 

Angeklagten Schluss gemacht habe (Urk. 4/1 S. 2 Antwort 12). Der Angeklagte 

habe heute mit ihr reden wollen und gesagt, sie müsse kommen, ansonsten er  

ihren Verlobten umbringen würde oder so (Urk. 4/1 S. 3 Antwort 20). Der  

Angeklagte habe hier Ferien bei seiner Schwester gemacht (Urk. 4/1 S. 3 Antwort 

22). Er habe am Samstag via MSN zuerst mit ihrem Bruder Kontakt aufge-

nommen und mit ihr reden wollen. Er habe dann gesagt, er käme in die Schweiz 

und wolle mit ihr reden. Der Angeklagte habe einfach nicht akzeptieren wollen, 

dass sie nichts mehr von ihm wissen wollte (Urk. 4/1 S. 4 Antwort 24).  

-   23   - 

b) Zu den Treffen mit der Geschädigten 

Sie hätten sich heute bei der M._____ getroffen und seien in ein L._____-  

Restaurant beim N._____ etwas trinken gegangen. Dann habe er  

unbedingt nach G._____ gewollt, weil sie dort in Ruhe reden könnten und sie  

niemand kennen würde. Sie habe zuerst abgelehnt, sich dann aber überreden 

lassen. Er habe sie dort gefragt, ob sie Hunger habe, er kenne ein Restaurant in 

G._____. Er habe auch gemeint, dass sie besser in die Wohnung gehen würden. 

Sie habe nein gesagt und sei umgekehrt. Er sei dann hinter ihr her gekommen 

und habe gesagt, dass sie ins Restaurant gehen würden. Es sei aber eine  

Bäckerei gewesen, gleich neben der Wohnung auf der anderen Seite. Dort hätten 

sie etwas gegessen. Er habe dann auf die Toilette gehen müssen, aber die  

Toilette der Bäckerei sei geschlossen gewesen. Er sei dann aus der Bäckerei  

gerannt und wieder gekommen (Urk. 4/1 S. 4 Antwort 25). Sie glaube, dass er da 

den Schlüssel habe holen wollen (Urk. 4/1 S. 6 Antwort 43). Er habe es dann 

plötzlich eilig gehabt und habe gehen wollen. Sie habe ihm gesagt, dass entweder 

er oder sie voraus laufen würden, denn sie habe gewusst, dass er etwas machen 

würde (Urk. 4/1 S. 4 Antwort 25). Sie habe das gewusst, weil er schon vorher mit 

ihr in der Wohnung etwas habe essen gehen wollen (Urk. 4/1 S. 4 Antwort 26). 

Der Angeklagte habe sie immer wieder gefragt, was sie tun würde, wenn er sie 

mit Gewalt nehmen würde (Urk. 4/1 S. 6 Antwort 42). 

Sie sei mit dem Angeklagten mit gegangen, weil sie ihm vertraut habe und er  

gesagt habe, dass er einfach noch mit ihr reden wolle, dann sei es vorbei. Sie  

habe einfach gewollt, dass er sie in Ruhe lassen würde (Urk. 4/1 S. 6 Antwort 36). 

c) Zum Ablauf kurz vor dem Betreten der Wohnung 

Der Angeklagte sei dann auf die andere Strassenseite gegangen, sie sei davon 

gerannt. Er sei ihr hinterher gerannt, habe sie gepackt und an den Haaren ge-

zogen. Er habe ihr gesagt, dass sie jetzt mitkommen müsse, er wolle mit ihr reden 

(Urk. 4/1 S. 4 Antwort 27 und S. 6 Antwort 45). Er habe sie hinten an den Haaren 

gezogen und am Arm gepackt (Urk. 4/1 S. 7 Antwort 46 und S. 11 Antwort 80). 

Auf die Frage, warum sie nicht geschrien habe, führte die Geschädigte aus, dass 

-   24   - 

sie Angst gehabt habe und er gesagt habe, sie dürfe nicht schreien (Urk. 4/1 

S. 11 Antwort 82). Er habe ihr dann den Schlüssel gegeben und gesagt, sie 

 müsse die Türe aufmachen. Sie habe nein gesagt, aber er habe gemeint, sie 

müsse das machen. Dann habe sie die Türe aufgeschlossen. Er habe sie wieder 

zu gemacht, abgeschlossen und den Schlüssel weg genommen (Urk. 4/1 S. 7 

Antwort 48).  

d) Zum Geschehen in der Wohnung bis zum Geschlechtsverkehr 

Er habe sie dann ins Wohnzimmer genommen und gesagt, sie könne schreien, so 

lange sie wolle, niemand würde sie hören. Er habe sie dann auf das Bett ge-

stossen, geküsst und berührt. Sie habe sich immer gewehrt. Er habe dann  

gesagt, dass er nur noch einmal mit ihr wolle, dann sei sie frei. Es würde sonst 

viele Tote geben, wenn sie heiraten würde. Dann habe er immer so weiter  

gemacht. Er habe sie ausgezogen und schwängern wollen. Sie habe nicht  

gewollt, es sei aber so schnell gegangen, so fünf Minuten (Urk. 4/1 S. 2  

Antwort 10 und S. 4 f. Antwort 27). Er habe sie auf das Bett gestossen und ihre 

Hände fest gehalten. Sie habe sich mit ihren Beinen gewehrt. Er habe sie dann 

am Hals gepackt und gesagt, sie solle ruhig sein (Urk. 4/1 S. 8 Antwort 52). Sie 

habe von sich aus nichts ausgezogen, er habe sie ausgezogen. Er habe gesagt, 

dass er ihre Kleider zerreissen würde, wenn sie sich wehren würde; sie müsse 

dann mit zerrissenen Kleidern nach Hause gehen (Urk. 4/1 S. 8 Antworten 53  

und 54). Sie sei dann auf dem Rücken gelegen, er habe neben ihr gekniet. Dann 

habe er ihre Beine aufgemacht und ihre Hände gehalten. Er habe ihr an den Hals 

gegriffen und die Arme festgehalten (Urk. 4/1 S. 8 Antworten 57 und 58). Auf die 

Frage, ob sie Schmerzen gespürt habe, meinte die Geschädigte, dass sie geweint 

habe und irgendwie gar nicht da gewesen sei (Urk. 4/1 S. 8 Antwort 59). Sie  

glaube nicht, dass sie verletzt worden sei, sie habe keine Schmerzen, ausser 

Kopfschmerzen (Urk. 4/1 S. 9 Antwort 60). Er sei ungefähr zwei-, dreimal in sie 

eingedrungen, habe es aber nicht richtig geschafft, weil sie sich gewehrt habe 

(Urk. 4/1 S. 9 Antwort 61). Er sei dann durchgedreht und habe sie angeschrien, 

dass sie aufhören solle. Er habe gesagt, dass er es entweder mit Gewalt oder mit 

Spass mache. Sie habe ihm gesagt, dass er sie besser umbringen als verge-

-   25   - 

waltigen solle, woraufhin er gesagt habe, er wolle das einfach noch einmal  

machen (Urk. 4/1 S. 9 Antwort 62). Er sei dann in ihr drin zum Samenerguss  

gekommen, habe WC-Papier genommen und sich sauber gemacht (Urk. 4/1 S. 5  

Antworten 30 und 31). Sie habe sich dann auch mit WC-Papier geputzt und  

wieder angezogen (Urk. 4/1 S. 9 Antwort 64).  

e) Zum Geschehen in der Wohnung nach dem Geschlechtsverkehr 

Er habe dann mit ihrem Handy ihre Eltern anrufen wollen, sie habe es aber aus-

geschaltet gehabt. Er habe darauf hin ihre Tasche und ihr Portemonnaie kontrol-

liert und die Fotos zerrissen. Als sie in der Wohnungstüre gestanden habe, habe 

er sich ins Wohnzimmer gesetzt und eine Zigarette geraucht. Er habe gelacht und 

ihre SIM-Karte aus dem Natel genommen. Irgendwie sei er zu ihrem PIN  

gekommen und habe ihren Schwiegervater in F._____ angerufen; er habe  

gewusst, dass sie den PIN unter ihrem Namen gespeichert habe (Urk. 4/1  

S. 9 Antwort 64).  

Da sie keine Möglichkeit gehabt habe, die Wohnung zu verlassen, habe sie die 

Balkontüre geöffnet und gesagt, dass sie hinunter springen würde. Er habe nein 

gesagt, sie solle herein kommen, er würde sie gehen lassen. Sie habe dann um 

Hilfe geschrien, weshalb er Panik bekommen habe. Sie habe ihm dann gesagt, er 

müsse auf den Balkon kommen, ansonsten sie schreien würde, und auf die  

Aussenseite des Geländers gehen. Er habe dann gemacht, was sie gesagt habe. 

Als er sich ausserhalb des Geländers festgehalten habe, sei sie in die Wohnung 

gegangen und habe die Balkontüre geschlossen. Er habe noch versucht, über 

das Geländer zu springen, um sie festzuhalten, sie sei aber schneller gewesen 

(Urk. 4/1 S. 7 Antwort 50). 

Sie habe schliesslich Angst gehabt wegen der Vergewaltigung. Danach habe sie 

Angst bekommen, dass er ihr die Beziehung ruinieren würde, indem er herum 

 telefonierte (Urk. 4/1 S. 10 Antwort 71). Sie mache sich auch Sorgen darum, ob 

sie schwanger sei (Urk. 4/1 S. 10 Antwort 74). 

2.2.2. Zeugeneinvernahme vom 16. April 2010 (Urk. 4/2) 

-   26   - 

Anlässlich dieser Zeugeneinvernahme schilderte die Geschädigte, dass sie nach 

dem Vorfall die Pille danach eingenommen habe und zwischenzeitlich ihre  

Monatsblutung wieder bekommen habe. Sie habe auch einen Termin für einen 

HIV-Test erhalten, welcher negativ ausgefallen sei (Urk. 4/2 S. 3). Sie habe das 

Geschehene mit mehr oder weniger Details ihrem Vater, ihrer Mutter und ihrem 

Verlobten erzählt. Ihr Vater sei schon ein bisschen wütend geworden, dass der 

Angeklagte das gemacht habe. Ihr gegenüber sei er aber nicht wütend geworden. 

Ihre Mutter habe sie gefragt, weshalb sie nicht geschrien habe. Sie habe  

ihrem Vater gesagt, sie hätte nicht gedacht, dass er so etwas machen würde  

(Urk. 4/2 S. 4).  

a) Zur Vorgeschichte 

Die Geschädigte führte aus, dass sie über knapp zwei Jahre eine Beziehung mit 

dem Angeklagten geführt habe. Sie hätten sich jeden Tag gehört, per MSN,  

Telefon und SMS. Am Anfang sei es eine glückliche Beziehung gewesen, dann 

nicht mehr so, da er sehr eifersüchtig gewesen sei und sie immer unter Kontrolle 

habe halten wollen (Urk. 4/2 S. 5). Sie habe ihn immer anrufen und sagen  

müssen, wo sie sei. Er habe gedroht, ihren Vater und ihre Mutter anzurufen, falls 

sie ihm nicht gehorcht hätte (Urk. 4/2 S. 6 oben). Sie hätten sich jeweils in den 

Sommerferien gesehen, wobei sie auch Sex miteinander gehabt hätten. Es sei 

aber ein Zwang gewesen, da sie es gar nicht gewollt habe. Sie habe aber mit-

machen müssen, ansonsten er es ihrem Vater erzählt hätte. Sie habe ihm aber 

jeweils gesagt, dass sie nicht mit ihm habe schlafen wollen (Urk. 4/2 S. 7). Er  

habe sie auch mit der flachen Hand ins Gesicht und mit der Faust in den Bauch 

geschlagen (Urk. 4/2 S. 8 f.). Als sie letzten Sommer zurück in die Schweiz  

gekommen sei, habe sie mit ihm Schluss gemacht und ihm gesagt, es könne so 

nicht weiter gehen und es reiche ihr. Er habe dann wissen wollen, ob ihr Vater sie 

dazu gezwungen habe, und gesagt, dass sie sich schon irgendwann wieder  

treffen würden und sie es dann schon sehen werde (Urk. 4/2 S. 9). Auf ent-

sprechende Nachfrage führte die Geschädigte aus, dass er das nicht im Guten 

gemeint habe, sondern so, wie er es jetzt gemacht habe, also dass er sie  

vergewaltigt habe (Urk. 4/2 S. 10). Er habe ihr darauf hin immer wieder SMS  

-   27   - 

geschrieben. Als sie sich einen Monat später verlobt habe, habe sie eine neue 

Natelnummer bezogen, die sie dem Angeklagten nicht mitgeteilt habe. Er habe 

sich dann über MSN an ihren Bruder gewandt und Drohungen ausgesprochen, 

sie solle sich bei ihm melden, damit sie reden könnten. Sie habe ihn dann einmal 

angerufen und er habe wissen wollen, weshalb sie ihm dies angetan habe, er  

habe sie so geliebt. Seitdem sie verlobt sei und der Angeklagte sie bedroht und 

geschlagen habe, habe sie keine Gefühle mehr für ihn (Urk. 4/2 S. 10).  

b) Zu den Treffen mit der Geschädigten 

Der Angeklagte habe ihr per MSN mitgeteilt, dass er in die Schweiz kommen  

werde. Als er dann hier angekommen sei, habe er sie angerufen und gesagt, er 

wolle einfach mit ihr reden, dann habe sie und ihre Familie für immer Ruhe vor 

ihm. Sie hätten dann auf Donnerstag abgemacht (Urk. 4/2 S. 13). Er habe sie 

dann aber unbedingt sprechen wollen, sie solle ihn abholen und danach zu seiner 

Schwester bringen. Sie habe ihn dann in G._____ abgeholt und sie seien zu-

sammen im Zug nach M._____ gefahren. Er habe sie ständig gefragt,  

warum sie das gemacht habe, er habe sie doch über alles geliebt; niemand aus-

ser ihm könne sie haben und das werde ihr Verlobter schon noch sehen. Sie habe 

ihm aber keine Hoffnungen mehr gemacht. Er habe sie aber immer versucht zu 

küssen und zu berühren. Sie habe aber immer Abstand genommen (Urk. 4/2  

S. 14). Am Donnerstag habe sie ihn dann bei der M._____ abgeholt und sie seien 

zum N._____ gefahren. Er habe aber lieber nach G._____ gehen  

wollen. Auf die entsprechende Frage, warum sie sich denn ein zweites Mal mit 

dem Angeklagten getroffen habe, führte die Geschädigte aus, dass er ihr gesagt 

habe, wenn sie sich am Donnerstag treffen würden und über alles reden könnten, 

sei alles fertig. Er hätte sie sonst nicht in Ruhe gelassen. Er habe ihr immer  

wieder gesagt, dass er mit ihr nach G._____ gehen wolle, bis sie irgendwann ja 

gesagt habe (Urk. 4/2 S. 15). Als sie an der Wohnung in K._____ vorbei  

gekommen seien, habe er den Vorschlag gemacht, dass sie doch dort etwas  

essen könnten, dort sei niemand. Sie sei dann sogleich in Richtung Bäckerei  

gerannt, woraufhin er ihr nach gekommen sei und zu einem Besuch in der  

Bäckerei eingewilligt habe. Sie habe geahnt, dass er etwas mache, deshalb sei 

-   28   - 

sie gerannt. Während sie in der Bäckerei etwas gegessen hätten, habe er auf die 

Toilette gehen müssen, und da diejenige der Bäckerei geschlossen gewesen sei, 

sei er nach draussen gerannt. Als sie ihn gefragt habe, was er gemacht habe,  

habe er ihr den Wohnungsschlüssel gezeigt, den er geholt habe. Er habe sie  

immer gefragt, was sie machen würde, wenn er sie festhalten würde. Er sei  

nervös gewesen und habe es eilig gehabt (Urk. 4/2 S. 16). Sie habe ihm aber 

deutlich gemacht, dass sie nirgendwo mit ihm hingehen werde (Urk. 4/2 S. 17). 

c) Zum Ablauf kurz vor dem Betreten der Wohnung 

Der Angeklagte sei dann auf der einen, sie auf der anderen Strassenseite gegan-

gen. Als er sie aufgefordert habe, auch auf seine Strassenseite zu kommen, sei 

sie in Richtung Bahnhof weg gerannt. Sie sei dann langsamer geworden und  

wieder normal gegangen. Er sei ihr nach gerannt, habe sie eingeholt, an den  

Haaren und am rechten Oberarm gepackt und über die Strasse gezogen (Urk. 4/2 

S. 17). Er habe ihr gesagt, sie solle nicht schreien, sie habe sowieso keine  

Chancen und müsse sich nicht wehren. Es seien Autos vorbeigefahren, Fuss-

gänger, Velo- oder Motorradfahrer habe sie nicht gesehen. Auf einem Balkon 

beim Block, wo die Wohnung gewesen sei, habe sie zwei Frauen gesehen. Er 

habe ihr dann gesagt, sie solle in das zweite Obergeschoss gehen und die  

Wohnungstüre aufschliessen. Er habe sie dabei an den Haaren gezogen und von 

hinten die Treppe hoch gestossen. Sie habe sich schon gewehrt, aber keine 

Chance gehabt (Urk. 4/2 S. 18). Auf präzisierende Nachfrage hin führte die  

Geschädigte aus, dass sie nicht versucht habe, sich zu wehren, sie habe ihm  

lediglich gesagt, sie wolle jetzt gehen, es hätte aber nichts gebracht, wenn sie 

versucht hätte, sich körperlich gegen ihn zu wehren (Urk. 4/2 S. 19). 

d) Zum Geschehen in der Wohnung bis zum Geschlechtsverkehr 

Der Angeklagte habe dann die Türe abgeschlossen, den Schüssel in seinen  

Hosensack gesteckt, sei ins Schlafzimmer gegangen und habe sie aufgefordert, 

ihre Schuhe auszuziehen und ebenfalls ins Schlafzimmer zu kommen. Sie sei 

aber bei der Türe stehen geblieben und habe ihm gesagt, er solle sie raus lassen. 

Er habe sie dann ins Schlafzimmer gezogen und begonnen, sie zu küssen  

-   29   - 

(Urk. 4/2 S. 19 f.). Sie habe ihm gesagt, dass er das lassen solle, er habe aber 

immer Körperkontakt gewollt und habe angefangen, sie auszuziehen. Sie habe 

sich immer gewehrt, indem sie gesagt habe, er solle sie sein lassen. Irgendwann 

sei es aber nicht mehr gegangen. Er habe sie dann ausgezogen und sie habe  

geweint. Er habe gesagt, er wolle nun nur das eine machen und lasse sie danach 

in Ruhe (Urk. 4/2 S. 20 f.). Sie habe sich dann auch mit Händen und Füssen  

gewehrt, ihn weg gestossen und ihre Beine zugemacht, damit er ihr nichts  

machen könne. Dann habe er sie aufs Bett gestossen, so dass sie auf dem  

Rücken gelegen sei, und habe sie berührt und geküsst. Er habe sie dann aufge-

fordert, ihre Beine aufzumachen, ansonsten er es mit Gewalt machen würde. Er 

habe dann mit seinen Händen ihre Beine aufgemacht, danach ihre Arme nach 

oben gegen die Matratze gedrückt, damit sie sich nicht habe wehren können. Sie 

habe sich dann mit den Beinen gewehrt, woraufhin er sagte, sie solle ruhig sein. 

Als er drinnen gewesen sei, habe sie sich wieder bewegt, so dass er wieder raus 

gegangen sei. Dann sei er ein zweites Mal in sie eingedrungen. Es habe dann 

aber nicht so lange gedauert, bis er fertig gewesen sei. Mit den Armen habe sie 

sich nicht wehren können, da er diese festgehalten habe (Urk. 4/2 S. 21 f.). Sie 

habe sich auch verbal gewehrt und geweint, er habe sich davon aber nicht beein-

drucken lassen (Urk. 4/2 S. 22 f.). Als er fertig gewesen sei, habe er ihr gesagt, 

sie könne jetzt gehen, abgesehen von drei bis vier Tröpfchen sei der Samen-

erguss in ihr erfolgt. Er habe ihr auch gesagt, dass er sie jetzt ohnehin nicht  

behalten würde, auch wenn sie schwanger würde. Auf die Frage, ob der  

Angeklagte sie auch bedroht habe, sagte die Geschädigte, dass er einfach gesagt 

habe, wenn er es nicht schaffe, mit ihr zu schlafen, dann könne sie nicht gehen 

(Urk. 4/2 S. 23). 

e) Zum Geschehen in der Wohnung nach dem Geschlechtsverkehr 

Nach dem Geschlechtsverkehr habe sie sich dreckig gefühlt, da es gegen ihren 

Willen gewesen sei. Sie habe auch Angst gehabt, dass sie schwanger würde,  

zudem habe sie nicht gewusst, was er mit ihr vorgehabt habe (Urk. 4/2 S. 23). Sie 

habe sich dann auch mit WC-Papier gereinigt und schnell angezogen. Der  

Angeklagte habe ihr Handy genommen, da er ihren Verlobten, ihren Vater und  

-   30   - 

ihren Schwiegervater habe anrufen wollen. Zudem habe er die Fotos von ihr und 

ihrem Verlobten zerrissen, welche er in ihrem Portemonnaie gefunden habe. Er 

habe den Leuten einfach sagen wollen, dass er jetzt mir ihr zusammen sei. Damit 

habe er erreichen wollen, dass ihr Verlobter mit ihr Schluss machen würde.  

Er habe dann von seinem Handy aus ihren Schwiegervater angerufen. Sobald  

der Angeklagte etwas gesagt habe, habe sie ihm das Handy aus der Hand  

geschlagen, es kaputt gemacht und nach ihm geworfen (Urk. 4/2 S. 24 ff.). Darauf 

hin sei er wütend geworden und habe sich in der Wohnung nach hinten begeben. 

Sie sei dann auf den Balkon gegangen und habe ihm gedroht zu springen, falls er 

sie nicht gehen lasse. Er habe sie gepackt und ins Wohnzimmer ziehen wollen, 

weshalb sie geschrien habe. Da sei er in Panik geraten und habe Abstand  

genommen. Darauf hin habe er ihr den Wohnungsschlüssel gegeben und gesagt, 

sie könne gehen. Sie habe ihm dann aber gesagt, dass dies nun nicht so einfach 

gehe und er machen müsse, was sie sage. Sie habe ihm sodann befohlen, auf die 

Balkonaussenseite zu gehen. Als sie zurück ins Wohnzimmer gegangen sei und 

er versucht habe, ihr nachzuspringen, habe sie die Balkontüre geschlossen, habe 

mit dem Schlüssel die Wohnungstüre geöffnet und das Haus verlassen. Sie habe 

sich dann zur Post begeben, um eine neue SIM-Karte zu kaufen, woraufhin sie  

ihren Verlobten angerufen und ihm alles erzählt habe. Später habe sie dann die 

Polizei angerufen (Urk. 4/2 S. 27). 

2.2.3. Zeugeneinvernahme vom 23. April 2010 (Urk. 4/3) 

Anlässlich dieser Zeugeneinvernahme bestätigte die Geschädigte unter anderem 

erneut, dass sie den Angeklagten nur getroffen habe, damit das Ganze ein Ende 

nehme (Urk. 4/3 S. 6 oben). Ihr Verlobter habe zudem schon gewusst, dass sie 

keine Jungfrau mehr gewesen sei, als sie sich verlobt hätten, da der Angeklagte 

ihn angerufen und ihm alles erzählt habe, was sie (die Geschädigte und der  

Angeklagte) schon alles miteinander gemacht hätten (Urk. 4/3 S. 5). Sie selber 

habe es ihrem Verlobten aber nie gesagt (Urk. 4/3 S. 7). Ihr Verlobter wäre aber 

vielleicht enttäuscht gewesen, wenn er erfahren hätte, dass sie nicht mehr Jung-

frau sei; er habe ihr dies aber nie so gesagt (Urk. 4/3 S. 8). Weiter führte die  

Geschädigte erneut aus, sie habe schon gedacht, dass der Angeklagte mit ihr in 

-   31   - 

der Wohnung Sex haben wolle, sie sei aber sicher nicht freiwillig mit ihm mitge-

gangen, er habe sie gezogen (Urk. 4/3 S. 9). Sie hätten bis zum Februar 2010 

noch ein gewisses Vertrauensverhältnis zueinander gehabt, er habe ihr viele  

Sachen anvertraut, weil sie eine verschwiegene Person sei. Aber wenn er  

aggressiv gewesen sei, habe man mit ihm gar nicht erst reden müssen (Urk. 4/3 

S. 10). Seit September 2009 habe sie ihn neben den Kontakten über MSN und 

SMS vielleicht drei bis fünf Male angerufen (Urk. 4/3 S. 11). Zudem führte die  

Geschädigte aus, es sei dem Angeklagten klar gewesen, dass sie verlobt sei, er 

habe jedoch immer die Hoffnung gehabt, dass sie zu ihm zurück gehen würde. 

Sie habe ihm aber keine Hoffnungen gemacht; sie habe ihm immer gesagt, sie  

sei jetzt verlobt und gehe ihren eigenen Weg. Sie habe ihm aber auch gesagt, 

dass er sich bei Problemen schon an sie wenden könne und dass sie eine 

Freundschaft weiterpflegen könnten; sie werde aber nicht zurück zu ihm gehen 

(Urk. 4/3 S. 13). 

2.3. Aussagen der weiteren Zeugen 

2.3.1. O._____ (Urk. 5/1) 

Der ältere Bruder der Geschädigten führte anlässlich der Zeugeineinvernahme 

vom 23. April 2010 aus, dass er den Angeklagten schon sehr lange kenne, zwar 

nicht gut, aber man habe zufällige Kontakte miteinander gehabt (Urk. 5/1 S. 2). Er 

habe mit seiner Schwester, die er sehr liebe, nicht direkt über das Geschehene 

sprechen können, da sie jeweils sogleich angefangen habe zu weinen. Er habe es 

von seiner Mutter erfahren (Urk. 5/1 S. 3). Seines Wissens habe seine Schwester 

nie etwas vom Angeklagten gewollt, vielmehr habe sie ein bisschen Angst vor ihm 

gehabt. Sie habe aber Kontakt per MSN mit dem Angeklagten gehabt. Er glaube 

aber nicht, dass sie eine Liebesbeziehung zum Angeklagten gehabt habe. Das 

Ganze sei vielleicht deswegen passiert, weil sie nun verlobt sei und er eifersüchtig 

sei. Wenn seine Schwester mit der Verlobung nicht einverstanden gewesen sei, 

dann hätte sie sich nicht verlobt (Urk. 5/1 S. 4 f.). Nachdem sich die Geschädigte 

verlobt habe, habe sie ihm gesagt, dass sie ein wenig Angst vor der Reaktion des 

Angeklagten habe. Dies habe sie ihm gesagt, nachdem der Angeklagte seinen 

Schwager angerufen und diesen bedroht habe. Es hätte sein können, dass der 

-   32   - 

Verlobte die Geschädigte deshalb verlassen hätte, was zum Glück aber nicht 

passiert sei. Sein Schwager habe ihm mitgeteilt, dass er gar nicht auf den  

Angeklagten gehört habe und die Geschädigte liebe und nicht verlieren wolle 

(Urk. 5/1 S. 6). Die Geschädigte habe jedenfalls schon vor der Verlobung keinen 

Kontakt mehr mit dem Angeklagten gehabt. Er (der Zeuge O._____) habe sie 

auch gefragt, ob sie eine Beziehung habe, was sie verneint habe. Bei ihnen habe 

auch der ältere Bruder etwas zu sagen bei einer Verlobung. Hätte die Geschädig-

te etwas anderes gesagt, hätte er das respektiert (Urk. 5/1 S. 7). Er habe mit der 

Geschädigten jedoch nie über Sex gesprochen. Falls es früher schon einmal zu 

Vergewaltigungen gekommen sei, hätte es die Geschädigte sicher innerhalb der 

Familie erzählt, wie sie es auch jetzt der Mutter erzählt habe. Es stimme aber, 

dass die Mutter die Vergewaltigung nicht erwähnt habe; vielleicht habe seine  

Mutter nicht darüber reden können (Urk. 5/1 S. 8 f.).  

2.3.2. P._____ (Urk. 5/2) 

Anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 20. Mai 2010 schilderte der jüngere  

Bruder der Geschädigten, dass er den Angeklagten in F._____ schon  

gesehen habe. Er kenne ihn aber eigentlich nur vom MSN her. Da er am Tag des  

vorliegenden Falles Geburtstag gehabt habe und noch wach gelegen sei, habe er 

mitbekommen, wie seine Schwester gesagt habe, dass er wieder hier sei und 

dass sie gefangen worden sei (Urk. 5/2 S. 2 f.). Er habe nichts über eine  

Beziehung der Geschädigten zum Angeklagten gewusst. Die Geschädigte habe 

die Verlobung jedenfalls gewollt (Urk. 5/2 S. 3). Der Angeklagte habe ihn über 

MSN angeschrieben, sie hätten aber nur oberflächlich miteinander gesprochen, 

seine Schwester sei nie ein Thema gewesen (Urk. 5/2 S. 4 ff.). Es sei aber schon 

vorgekommen, dass die Geschädigte ihm einen Text diktiert habe, den er  

jemandem habe schreiben müssen. Er wisse aber nicht mehr, ob dies an den  

Angeklagten gerichtet gewesen sei (Urk. 5/2 S. 7). Mit der Zeit sei es schon vor-

gekommen, dass der Angeklagte mit ihm über seine Schwester geredet habe. 

Weil seine Schwester so traurig gewesen sei, habe er gedacht, sie müsse mit 

dem Angeklagten reden. Er denke, sie sei wegen dem Angeklagten derart traurig 

gewesen (Urk. 5/2 S. 7). 

-   33   - 

 

 

2.3.3. Q._____ (Urk. 5/3) 

Die Freundin der Geschädigten führte zusammenfassend aus, dass die Geschä-

digte ihr etwa 5 bis 7 Tage nach dem Vorfall davon erzählt habe. Sie hätten sich 

nach der Arbeit gesehen, die Geschädigte habe nicht gut ausgesehen und abge-

nommen (Urk. 5/3 S. 3). In der Beziehung der Geschädigten zum Angeklagten 

habe das Vertrauen gefehlt, sie hätten die ganze Zeit miteinander telefoniert. Die 

Geschädigte habe die Beziehung dann beendet, weil sie alles habe machen 

 müssen, was er gesagt habe, er sei dann aber dennoch nicht zufrieden gewesen. 

Sie (die Geschädigte) habe es nicht aushalten können (Urk. 5/3 S. 5). Die  

Geschädigte habe sich oft mit dem Angeklagten gestritten. Er habe ihr jeweils  

gesagt, sie solle nicht so viel draussen sein und nach Hause gehen. Die  

Geschädigte habe ihr auch erzählt, dass sie im Sommer 2009 mit dem Angeklag-

ten geschlafen habe, aber gezwungen und nicht mit Liebe (Urk. 5/3 S. 6). Auf die 

Frage, ob die Geschädigte nach der Trennung noch Interesse am Angeklagten 

gehabt habe, antwortete die Zeugin Q._____: "Nein, nicht dass ich wüsste" (Urk. 

5/3 S. 7). Die Geschädigte habe ihr erzählt, dass der Angeklagte hierher in die 

Schweiz kommen werde, die Geschädigte habe sich aber eigentlich nicht  

darauf gefreut. Sie (die Geschädigte) habe ihr aber erst nach dem Vorfall erzählt, 

dass sie sich mit dem Angeklagten getroffen hätte. Sie (die Zeugin Q._____) 

glaube aber nicht, dass sich die beiden anlässlich seines Besuches wieder ange-

nähert hätten und wieder Gefühle zwischen ihnen aufgekommen seien. Sie hätte 

sich das nicht vorstellen können, da die Geschädigte so glücklich ausgesehen 

habe mit ihrem Verlobten (Urk. 5/3 S. 8). Bevor sie sich verlobt habe, sei die  

Geschädigte meistens traurig gewesen (Urk. 5/3 S. 11). Sie habe der Geschädig-

ten immer geglaubt (Urk. 5/3 S. 12). 

3. Beweiswürdigung 

3.1. Allgemeines 

-   34   - 

Die Vorinstanz hat den Grundsatz der freien Beweiswürdigung, den Grundsatz 

 in dubio pro reo sowie die massgebenden Kriterien für die Beurteilung der 

Glaubhaftigkeit von Aussagen zutreffend dargelegt. Um Wiederholungen zu  

vermeiden, kann auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen werden  

(Urk. 47 S. 6 f. und S. 8 f.; § 161 GVG/ZH). 

3.2. Generelle Glaubwürdigkeit, mögliches Tatmotiv bzw. Motiv für eine Falsch-

belastung 

3.2.1. Angeklagter 

a) Allgemeine Glaubwürdigkeit 

Es liegen keine Anhaltspunkte vor, welche generell an der Glaubwürdigkeit des 

Angeklagten zweifeln liessen. Er hat jedoch aufgrund seiner Stellung als  

Angeklagter ein legitimes Interesse daran, die Geschehnisse in einem für ihn 

günstigen Licht darzustellen. Mit der Vorinstanz sind seine Aussagen daher mit 

entsprechender Vorsicht zu würdigen (Urk. 47 S. 7 Ziff. 2.1.1.). 

b) Mögliches Tatmotiv 

Als mögliches Tatmotiv sind Eifersucht, Kränkung über die Beendigung der  

Beziehung durch die Geschädigte und Bedürfnis nach Rache und Machtaus-

übung gegenüber der Geschädigten denkbar. Die Geschädigte schilderte, der 

Angeklagte sei sehr eifersüchtig gewesen und habe sie immer unter Kontrolle  

halten wollen (Urk. 4/2 S. 5 f.). Es war die Geschädigte, die sich vom Angeklagten 

getrennt hatte und verlobt war. Nach Darstellung der Geschädigten habe der  

Angeklagte nicht akzeptiert, dass sie nichts mehr von ihm habe wissen wollen, 

und habe sich mit ihr treffen wollen, um mit ihr zu reden (Urk. 4/1 S. 4). Der  

Angeklagte habe vor dem erzwungenen Geschlechtsverkehr zu ihr gesagt, er  

wolle nur noch einmal mit ihr Geschlechtsverkehr haben, dann sei sie frei, sonst 

werde es viele Tote geben, wenn sie heirate (Urk. 4/1 S. 5). Die Geschädigte  

führte aus, dem Angeklagten sei es darum gegangen, sie zurückzuholen. Er habe 

beim ersten Treffen in der Schweiz nach seiner Einreise im März 2010 gesagt, sie 

könne ausser ihm niemanden haben, ihr Verlobter werde dies schon noch sehen 

-   35   - 

(Urk. 4/2 S. 14). Er habe gesagt, sie könne niemanden haben ausser ihm, wenn 

er es nicht gut haben könne mit ihr, dann dürfe sie es auch mit ihrem Verlobten 

nicht gut haben (Urk. 4/2 S. 25). Die Schilderung der Vorfälle durch die  

Geschädigte erscheint vor diesem Hintergrund der Eifersucht und verletztem 

Stolz als plausibel. Der ganze von ihr geschilderte Ablauf, darin eingeschlossen 

der versuchte Anruf gegenüber dem Verlobten der Geschädigten und dem 

Schwiegervater nach dem Geschlechtsverkehr, um diesen mitzuteilen, dass die 

Geschädigte mit ihm zusammen sei, geben ein nachvollziehbares Bild, dies im 

Gegensatz zur Erklärung, welche der Angeklagte für den Anruf gegenüber dem 

Verlobten der Geschädigten angab (vgl. dazu nachfolgende Erwägungen unter 

3.3.1.). Die Aussagen der Geschädigten zum Tatmotiv werden auch durch  

konkrete Hinweise in den Akten gestützt. Der Angeklagte räumte selber ein, dass 

er eifersüchtig sei und sich anfänglich schlecht gefühlt habe aufgrund der Ver-

lobung der Geschädigten (Urk. 3/1 S. 4 f.; Urk. 3/3 S. 4 und 6). Er bestätigte auch, 

dass er den Verlobten der Geschädigten angerufen habe, nachdem er von der 

Verlobung Kenntnis erhalten habe (Urk. 3/4 S. 4). Seine Erklärung für den Anruf, 

wonach er habe wissen wollen, ob die Verlobung mit dem Einverständnis  

der Geschädigten erfolgt sei (Urk. 3/4 S. 4), erscheint als nicht glaubhaft, insbe-

sondere ist nicht nachvollziehbar, weshalb er dies nicht die Geschädigte selber 

fragte. Weit glaubhafter erscheint dagegen die Aussage des Bruders der Geschä-

digten, welcher in der Zeugeneinvernahme aussagte, die Geschädigte habe ihm 

erzählt, der Angeklagte habe ihrem Verlobten am Telefon gesagt, sie gehöre ihm 

(Urk. 5/1 S. 6). Sein Schwager habe ihm bestätigt, dass ein solches Telefon-

gespräch mit dem Angeklagten stattgefunden habe.  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass konkrete Hinweise für ein Tatmotiv des 

Angeklagten vorliegen, wie es von der Geschädigten geltend gemacht wird.  

Jedoch ist bereits an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass ein mögliches Tat-

motiv oder ein mögliches Motiv für eine Falschbelastung keine eigenständige  

Bedeutung haben, vielmehr sind die Aussagen und deren Prüfung auf Glaub-

haftigkeit von zentraler Bedeutung. Mögliches Tatmotiv oder mögliches Motiv für 

eine Falschbelastung spielen aber eine Rolle bei der Aussagenwürdigung.  

-   36   - 

 

 

3.2.2. Geschädigte 

a) Allgemeine Glaubwürdigkeit 

Mit der Verteidigung des Angeklagten (Urk. 40 S. 7) kann festgehalten werden, 

dass der allgemeinen Glaubwürdigkeit der aussagenden Personen nach neueren 

Erkenntnissen kaum mehr Bedeutung zukommt. Weitaus bedeutender für die 

Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist somit die Glaubhaftigkeit 

der konkreten Aussagen (vgl. auch Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen 

vor Gericht, Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 3. Aufl., 

München 2007, N 429 ff.). Wenn die Vorinstanz hinsichtlich der allgemeinen 

Glaubwürdigkeit aber festhält, die Geschädigte sei als Zeugin unter Strafan-

drohung einvernommen worden, was ihre Glaubwürdigkeit grundsätzlich erhöhe, 

sie jedoch auch ein finanzielles Interesse am Ausgang des Verfahrens habe,  

dieser Umstand aber nicht überbewertet werden dürfe, so ist darin kein Hinweis 

auf Voreingenommenheit der Vorinstanz zu erblicken. Der entsprechende Vorwurf 

der Verteidigung an der Vorinstanz der subjektiven Voreingenommenheit (Urk. 40 

S. 7) geht deshalb fehl. Der Verteidigung ist aber insoweit beizupflichten, dass der 

blosse Umstand, dass eine Person als Zeugin einvernommen wird, deren  

allgemeine Glaubwürdigkeit nicht erhöht, wie auf der anderen Seite auch der  

Umstand, dass eine Person als Beschuldigter einvernommen wird nicht per se 

seine allgemeine Glaubwürdigkeit reduziert. Sowohl beim Angeklagten wie bei der 

Geschädigten ist davon auszugehen, dass keine Zweifel an ihrer allgemeinen 

Glaubwürdigkeit bestehen. Ihre prozessuale Stellung und die damit verbundene 

Interessenlage sind dagegen bei der Würdigung der Aussagen zu berück-

sichtigen. 

b) Mögliches Motiv für eine Falschbelastung 

Die Verteidigung bringt drei verschiedene Szenarien vor, welche eine allfällige 

Motivation der Geschädigten zu einer Falschanschuldigung des Angeklagten  

-   37   - 

darlegen sollten (Urk. 40 S. 18 ff.). Als mögliches Motiv für eine Falschbelastung 

wird einerseits geltend gemacht, der Angeklagte habe nach dem einver-

nehmlichen Geschlechtsverkehr reinen Tisch machen wollen und den Verlobten 

der Geschädigten informieren wollen. Dadurch habe sich die Geschädigte in  

einem Dilemma befunden, da sie gegenüber dem Verlobten und ihrem Vater die 

Ehre verloren hätte; sie habe aus Panik das Mobiltelefon zerstört, den Angeklag-

ten damit beworfen und Anzeige gegen ihn erstattet (Urk. 40 S. 19). Dieses  

Szenario erweist sich als völlig lebensfremd. Hätte die Geschädigte aus Liebe mit 

dem Angeklagten am 18. März 2010 Geschlechtsverkehr gehabt und die  

Beziehung mit ihm weiterführen wollen, hätte gar keine Veranlassung bestanden, 

ihre Familie, welche bis dahin keine Kenntnis von der intimen Beziehung zum  

Angeklagten hatte, ausgerechnet an diesem 18. März 2010 völlig überstürzt über 

die Beziehung in Kenntnis zu setzen. Dazu bestand nicht die geringste Veran-

lassung. Ausserdem hätte die Geschädigte bei diesem Szenario den Angeklag-

ten, welchen sie noch liebte und mit dem sie eine Beziehung weiterführen wollte, 

in einer völligen urplötzlichen Kehrtwende loswerden wollen und zu Unrecht mit 

dem massiven Vorwurf der Vergewaltigung belastet, was in keiner Weise mit  

einer guten positiven Beziehung zum Angeklagten und ihrer Liebe zu ihm verein-

bar wäre. Dieses Szenario ist lebensfremd und zu verwerfen. 

Das zweite Szenario, welches die Verteidigung anführt, unterscheidet sich vom 

ersten soeben abgehandelten ersten Szenario darin, dass der Angeklagte selber 

am Telefon den Mut nicht aufgebracht habe, die entscheidenden Worte zu sagen, 

weil ihn der Mut verlassen, ihm die Stimme versagt und er das Telefon der  

Geschädigten übergeben habe, damit sie spreche. Sie habe sich vom Angeklag-

ten im Stich gelassen gefühlt, sei in Panik geraten und habe aus Wut und Angst 

das Mobiltelefon zerstört. Dieses Szenario ist aus den gleichen Gründen wie 

schon das erste Szenario klar zu verwerfen. 

Unter dem Titel "Venusfalle" macht die Verteidigung als drittes Szenario geltend, 

die Geschädigte habe den Angeklagten in eine Falle gelockt. Sie habe nichts 

mehr vom Angeklagten wissen wollen und habe Angst gehabt, dass der Ange-

klagte ihre Familie und ihren Verlobten über ihre Beziehung orientieren würde. 

-   38   - 

Deshalb habe sie ihn zu Unrecht der Vergewaltigung bezichtigt (Urk. 40 S. 21). 

Dazu ist festzuhalten, dass die Geschädigte ihrer Familie und ihrem Verlobten 

nichts von der intimen Beziehung, welche sie zum Angeklagten unterhalten hatte, 

erzählt hatte. Sie räumte auch ein, sie glaube, ihr Verlobter wäre enttäuscht  

gewesen, wenn er dies erfahren hätte, und ihr Vater hätte dies aufgrund der in der 

Familie herrschenden konservativen und religiösen Anschauungen nicht ver-

standen. Sie erklärte selber, man hätte sie wohl als Nutte bezeichnet. Es trifft zu, 

dass die Geschädigte einräumte, ihr Vater wäre sicher nicht einverstanden  

gewesen, dass sie einen Freund habe, sie habe ihm nichts von der Beziehung 

zum Angeklagten erzählt (Urk. 4/2 S. 6). Nach ihrer Religion dürfe man vor der 

Heirat keinen Sex haben (Urk. 4/2 S. 7). Die Geschädigte erklärte, ihr Vater würde 

durchdrehen, wenn er erfahren würde, dass sie noch Kontakt zum Angeklagten 

pflege, er hätte kein Verständnis dafür (Urk. 4/2 S. 13). Sie glaube, es wäre nicht 

gut herausgekommen, wenn ihr Vater erfahren hätte, dass sie mit dem Angeklag-

ten sexuell verkehrt habe (Urk. 4/3 S. 8). Niemand von ihrer Familie habe  

gewusst, dass sie mit dem Angeklagten auch sexuellen Kontakt gehabt habe 

(Urk. 4/3 S. 3). Ferner räumte die Geschädigte ein, dass sie ihrem Verlobten nie 

gesagt habe, dass sie nicht mehr Jungfrau sei (Urk. 4/3 S. 7). Er wäre vielleicht 

enttäuscht gewesen, wenn er erfahren hätte, dass sie nicht mehr Jungfrau sei 

(Urk. 4/3 S. 8). Vor diesem Hintergrund hatte die Geschädigte zweifellos ein  

Interesse daran, dass ihre Familie und ihr Verlobter nichts von den intimen  

Kontakten zwischen ihr und dem Angeklagten erfuhren. Dass sie deswegen den 

Angeklagten falsch der Vergewaltigung beschuldigte und Anzeige gegen ihn  

erhob, ist zwar - anders als die von der Verteidigung weiteren angeführten  

Szenarien - theoretisch denkbar und nicht lebensfremd, indessen bestehen für ein 

derart skrupelloses und planmässiges Vorgehen der Geschädigten keine  

Anhaltspunkte. Insbesondere standen die Geschädigte und der Angeklagte noch 

in regelmässigem telefonischen und schriftlichen Kontakt und es bestand noch ein 

Vertrauensverhältnis zwischen ihnen. Sie hatten keinen Streit und es erscheint als 

nicht nachvollziehbar, dass die Geschädigte den Angeklagten unter diesen  

Umständen derart massiv falsch belasten sollte. Eine Falschbelastung aufgrund 

des Erklärungsbedarfes betreffend vorehelichen Geschlechtsverkehr mit dem  

-   39   - 

Angeklagten ist zwar theoretisch denkbar, findet jedoch keine konkrete Stütze in 

den Akten.  

 

3.2.3. Die übrigen Zeugen 

Die beiden Zeugen O._____ und P._____ sind Brüder der Geschädigten, die 

Zeugin Q._____ ist ihre beste Freundin. Alle drei haben unter Hinweis auf die 

Strafandrohung von Art. 307 StGB ausgesagt, was allerdings auf die Glaubhaf-

tigkeit ihrer Aussage nicht von Bedeutung ist. Die beiden Brüder der  

Geschädigten taten sich - insbesondere zu Beginn der jeweiligen Zeugen-

befragungen - zwar etwas schwer, direkte und klare Antworten zu geben, insge-

samt erscheinen ihre Aussagen jedoch als durchaus glaubhaft. Aufgrund ihrer 

Stellung als Brüder der Geschädigten sind ihre Aussagen aber mit einer gewissen 

Vorsicht zu würdigen. Es ist jedoch festzuhalten, dass weder O._____ noch 

P._____ zum Tatgeschehen selbst irgendwelche Aussagen machen konnten, 

sondern mehrheitlich nur zur Vorgeschichte und den familiären Verhältnissen. 

Selbiges gilt auch für die Zeugin Q._____, welche als Freundin der Geschädigten 

geneigt sein könnte, eher Aussagen zugunsten der Geschädigten zu machen. Mit 

Ausnahme der Eindrücke, welche die Zeugin Q._____ anlässlich ihres ersten 

Treffens mit der Geschädigten nach dem Vorfall von dieser hatte, basiert ein 

Grossteil ihrer Aussagen nicht auf selbst Erlebtem, sondern darauf, was ihr von 

der Geschädigten selbst erzählt wurde. Dies betrifft insbesondere sämtliche Aus-

sagen über das Tatgeschehen, weshalb ihre diesbezüglichen Schilderungen bei 

der nachfolgenden Erstellung des konkreten Tatgeschehens nicht von Relevanz 

sind.  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aussagen dieser Zeugen für die  

Erstellung des Sachverhaltes nicht von Relevanz sind, da sie keine eigenen  

Beobachtung betreffend die Vorfälle machten. Ihren Aussagen sind auch keine 

Angaben zu entnehmen, welche die Aussagen der Geschädigten stützen oder auf 

der anderen Seite Hinweise für eine Falschbelastung des Angeklagten ergeben 

-   40   - 

würden. Von einer eingehenden Aussagewürdigung ist daher betreffend diese 

Zeugen abzusehen. 

 

 

3.3. Glaubhaftigkeit der Aussagen 

 3.3.1. Aussagen des Angeklagten 

a) Wie bereits ausführlich wieder gegeben wurde, führte der Angeklagte zum 

eigentlichen Tatgeschehen - d.h. ab dem Moment, wo allenfalls tatbestands-

relevantes Verhalten im Sinne der Freiheitsberaubung und der Vergewaltigung 

vorlag - aus, dass die Geschädigte nach dem Besuch bei der Bäckerei zuerst auf 

der anderen Strassenseite gelaufen sei, dann sei sie zu ihm hinüber gekommen, 

er habe sie umarmt und sie seien zusammen in die Wohnung gegangen. Der  

Angeklagte führte jeweils gleichbleibend aus, dass er die Wohnung abge-

schlossen und den Schlüssel in den Hosensack gesteckt habe. Sie seien zuerst 

im Wohnzimmer gewesen, dann seien sie ins Schlafzimmer gegangen, wo sie 

sich zuerst unterhalten hätten. Die Geschädigte habe dann geweint und den  

Angeklagten umarmt. Der Angeklagte habe dann zuerst die Geschädigte und 

dann sich ausgezogen, daraufhin hätten sie den Geschlechtsverkehr vollzogen. 

Da die Geschädigte die Beine um ihn geschlungen habe, habe er sein Glied nicht 

rechtzeitig heraus ziehen können und sei in ihr drin zum Samenerguss  

gekommen. Nachdem sie sich angezogen hätten, habe er mit Erlaubnis der  

Geschädigten deren Fotos von ihr und ihrem Verlobten zerrissen und von seinem 

Mobiltelefon aus den Verlobten der Geschädigten angerufen. Die Geschädigte 

habe aber nicht mit ihrem Verlobten reden wollen, sondern das Mobiltelefon  

zerbrochen und dem Angeklagten an den Hals geschlagen bzw. geworfen. Nach-

dem er ins Badezimmer gegangen sei, um zu schauen, ob er am Hals blute, habe 

er die Geschädigte auf dem Balkon vorgefunden. Sie habe ihm angedroht zu 

springen, falls er sie nicht aus der Wohnung lasse. Er habe auf die andere Seite 

des Balkongeländers steigen müssen und habe ihr den Wohnungsschlüssel  

-   41   - 

gegeben, woraufhin sie die Balkontüre geschlossen und die Wohnung verlassen 

habe. 

Insoweit sind die Aussagen des Angeklagten gleich und konstant. In weiteren, das 

Kerngeschehen betreffenden Aussagen finden sich aber doch auch diverse  

Ungereimtheiten und Auffälligkeiten. 

b) Anlässlich der polizeilichen Einvernahme führte der Angeklagten noch aus, 

die Geschädigte habe ihm vor dem Geschlechtsverkehr ein Lied [aus dem Land 

I._____] vorgesungen, worin es geheissen habe, das Schicksal habe es gewollt, 

dass sie nicht mehr zusammen seien. In den späteren Einvernahmen war dieses 

Detail für ihn jedoch nicht mehr erwähnenswert. Wenn die Vorinstanz zudem fest-

hält, dass der Angeklagte anlässlich dieser ersten Einvernahme nichts zu Proto-

koll gegeben habe, dass er aufgrund des Verhaltens der Geschädigten - das Um-

schlingen mit den Beinen - irgendetwas geargwöhnt hätte bezüglich einer unlaute-

ren Absicht der Geschädigten (Urk. 47 S. 10 Ziff. 2.2.1.), so ist das entgegen der 

Ansicht der Verteidigung (Urk. 40 S. 11 ff.) nicht zu beanstanden. Tatsächlich hat 

der Angeklagte lediglich ausgeführt, wie die Geschädigte ihn mit den Beinen  

umschlungen habe. Die Geschädigte habe ihn dann gefragt, was er gemacht  

habe, woraufhin er geantwortet habe, er habe sich nicht zurückhalten können. 

Wenn die Vorinstanz schliesslich ausführt, der Angeklagte habe anlässlich der 

Einvernahme vom 12. Mai 2010 (Urk. 3/3) versucht, den Spiess umzudrehen, so 

ist dies entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 40 S. 12) nicht von der Hand 

zu weisen. Erst knapp zwei Monate nach der Tat erwähnte der Angeklagte  

plötzlich, dass er besorgt und nervös gewesen sei; er habe nicht gewusst, was für 

eine Politik da getrieben werde, was die Geschädigte mit ihm vorgehabt habe und 

damit habe erreichen wollen (Urk. 3/3 S. 12). Davon, dass die Geschädigte ihn 

gefragt haben soll, was er gemacht habe, und habe gehen wollen, war nun keine 

Rede mehr. Auch brachte der Angeklagte erst anlässlich dieser Einvernahme vor, 

dass er der Geschädigten seinen Höhepunkt angesagt habe, er dann das Gefühl 

gehabt habe, dass sie ihn deshalb noch fester umklammert habe (Urk. 3/3 S. 12). 

Als der Angeklagte schliesslich anlässlich der staatsanwaltschaftlichen 

Schlusseinvernahme mit dem Verletzungsbild der Geschädigten konfrontiert wur-

-   42   - 

de, brachte er plötzlich vor, dass die Geschädigte vielleicht auch mit ihren Armen  

seinen Hals umschlossen habe. Er habe einfach die Arme lösen wollen. Dadurch 

versuchte der Angeklagte sinngemäss die im Gutachten des Instituts für Rechts-

medizin festgehaltenen Verletzungen am linken Unterarm und an der linken 

Handgelenkinnenseite (Urk. 7/2 S. 2) zu erklären. Anlässlich der polizeilichen  

Einvernahme führte der Angeklagte zudem noch aus, dass die Geschädigte nach 

dem vollzogenen Geschlechtsverkehr verärgert gewesen sei und habe gehen 

wollen. Er habe dies aber nicht zulassen wollen und ihr gesagt, sie solle sich  

beruhigen. Den damaligen Ausführungen ist allgemein auch zu entnehmen, dass 

der Angeklagte sich vielmehr um die Geschädigte kümmerte, ihr etwas zu trinken 

angeboten haben will, sie zu beruhigen versucht habe (vgl. Urk. 3/1 S. 11 Antwort 

79). Dieser Eindruck bestätigt sich aber in den darauf folgenden Einvernahmen, 

insbesondere derjenigen vom 12. Mai 2010 (Urk. 3/3), nicht mehr. Da ging es 

dem Angeklagten plötzlich nur noch darum zu schildern, wie besorgt, verunsichert 

und nervös er selber über das angebliche Verhalten der Geschädigten - ihren 

Plan, dass er in ihr zum Samenerguss komme - er gewesen sei. Diese Wendun-

gen im Aussageverhalten des Angeklagten wirken entgegen der Ansicht der Ver-

teidigung alles andere als glaubhaft. Dabei handelt es sich entgegen der Verteidi-

gung nicht um präzisere Ausführungen eines sich vorbildlich verhaltenden,  

offenen und kooperativen Beschuldigten im Laufe der Untersuchung (Urk. 40  

S. 14), sondern um klar divergierende Schilderungen im Zusammenhang mit der 

emotionalen Lage zwischen der Geschädigten und dem Angeklagten nach dem 

vollzogenen Geschlechtsverkehr. Die Erklärungsversuche des Angeklagten über 

eine allfällige Motivation der Geschädigten wirken gesucht und sind als Schutz-

behauptungen zu betrachten. Insbesondere ist in keiner Weise nachvollziehbar, 

was die Geschädigte für ein Interesse daran gehabt haben sollte, den Angeklag-

ten beim ungeschützten Geschlechtsverkehr durch feste Umklammerung daran 

zu hindern, ausserhalb ihres Körpers zu ejakulieren. Es ist nicht anzunehmen, 

dass die Geschädigte in ihrer Situation (Verlöbnis mit einem anderen Mann,  

Unkenntnis der konservativ eingestellten Familienangehörigen von den intimen 

Kontakten mit dem Angeklagten, fehlende abgeschlossene Berufsausbildung und 

unsichere Zukunft mit dem Angeklagten) freiwillig das erhöhte Risiko einer 

-   43   - 

Schwangerschaft auf sich genommen hätte. Als absolut nicht nachvollziehbar  

bezeichnet werden muss die Mutmassung des Angeklagten, die Geschädigte  

habe dies geplant, um Schande von ihrem Verlobten zu nehmen. Er (der Ange-

klagte) habe Angst bekommen, es könnte ihm allenfalls etwas von Seiten der 

Familie passieren (Urk. 3/3 S. 15). Obwohl er eine Freundin in F._____ 

gehabt habe, habe er sich gezwungen gesehen, mit der Geschädigten zusammen 

zu sein und ihrem Verlobten mitzuteilen, dass die Geschädigte ihn wegen dem 

Angeklagten verlassen werde (Urk. 3/3 S. 18). Gänzlich konfus erscheinen die 

Darlegungen des Angeklagten, wonach er, nachdem er bemerkt habe, dass die 

Geschädigte ihn hereingelegt habe, sich entschieden habe, mit ihr zusammen zu 

sein (Urk. 3/3 S. 15).  

Die betreffend das Kerngeschehen widersprüchlichen Aussagen des Angeklagten 

sowie seine über weite Strecken nicht nachvollziehbaren Schilderungen über  

Verhaltensweisen der Geschädigten (Umklammerung, um die Ejakulation in ihr zu 

erzwingen) sowie seine eigene Reaktion (Verängstigung und Gefühl des  

Hintergangenseins verbunden mit dem spontan darauf folgenden Entschluss mit 

der Geschädigten zusammen zu sein und deren Verlobten sofort darüber zu  

orientieren) lassen seine Aussagen in entscheidenden Punkten als nicht glaubhaft 

erscheinen.  

3.3.2. Aussagen der Geschädigten 

a) Zum eigentlichen Tatgeschehen führte die Geschädigte wie gezeigt konstant 

aus, dass der Angeklagte nach dem Besuch in der Bäckerei auf der anderen 

Strassenseite gegangen sei. Als sie in Richtung Bahnhof habe weg rennen  

wollen, sei er ihr nach gekommen, habe sie (am Arm) gepackt und hinten an den 

Haaren gezogen. Er habe ihr den Schlüssel gegeben, damit sie die Wohnungs-

türe aufschliesse, danach habe er abgeschlossen und den Schlüssel in seinen 

Hosensack gesteckt. Im Schlafzimmer habe er dann zuerst sie und dann sich  

selber ausgezogen, daraufhin habe er sie auf das Bett gestossen, so dass sie auf 

dem Rücken gelegen habe. Er habe ihre Hände festgehalten, sie habe sich mit 

den Beinen zu wehren versucht, er habe sie mit seinen Händen jedoch aufge-

macht. Da sie sich mit den Beinen gewehrt habe, habe er zwei- bis dreimal in sie 

-   44   - 

eindringen müssen. Er sei dann in ihr drin zum Samenerguss gekommen. Nach-

dem sie sich wieder angezogen hätten, habe der Angeklagte ihre Fotos mit ihrem 

Verlobten zerrissen und ihren Stiefvater angerufen. Sie sei dann auf den Balkon 

gegangen und habe gedroht zu springen. Nachdem sie um Hilfe geschrien habe, 

habe er Panik bekommen und ihr den Wohnungsschlüssel gegeben. Sie habe 

ihm dann befohlen, auf die Aussenseite des Balkongeländers zu steigen. Sie sei 

dann in die Wohnung hinein gegangen, er habe ihr noch versucht nachzu-

springen, aber sie habe die Balkontüre schliessen können und sei dann mit dem 

Schlüssel aus der Wohnung gegangen. 

Dass die Geschädigte zusätzlich das Mobiltelefon des Angeklagten aus dessen 

Hand geschlagen, kaputt gemacht und nach ihm geworfen habe, schilderte die 

Geschädigte zwar erstmals anlässlich der Zeugeinvernahme vom 16. April 2010. 

Dieser Vorfall, zumindest dass die Geschädigte das Mobiltelefon dem Angeklag-

ten aus der Hand genommen, zerstört und damit nach ihm geschlagen/geworfen 

habe, wurde vom Angeklagten jedoch gleich im Rahmen seiner ersten Einver-

nahme deckungsgleich geschildert und ist somit unbestritten. Dass die Geschä-

digte dies in ihrer ersten Einvernahme nicht erzählte, ist der Glaubhaftigkeit ihrer 

übrigen, das Kerngeschehen - die Vergewaltigung und die Freiheitsberaubung - 

betreffenden Aussagen jedenfalls nicht abträglich. Vielmehr ist es ein Indiz dafür, 

dass allfällige Präzisierungen und Ergänzungen der Geschädigten im Laufe der 

verschiedenen Einvernahmen durchaus glaubhaft sind. 

b) Im Gegensatz zu den Ausführungen des Angeklagten wirken die Aussagen 

der Geschädigten, das Kerngeschehen betreffend, insgesamt sehr glaubhaft. Die 

vorhandenen, leichten Abweichungen und Ergänzungen zwischen den ver-

schiedenen Einvernahmen der Geschädigten sind mit soeben dargelegter  

Begründung der Glaubhaftigkeit der jeweiligen Aussagen nicht abträglich. Viel-

mehr reihen sie sich passend in das Gesamtbild des Geschehens am Tatort ein 

und vermitteln nicht plötzlich ein anderes Bild, wie dies beim Angeklagten der Fall 

ist. Ob das Verhalten der Geschädigten für Aussenstehende aus rückblickender 

Perspektive in allen Punkten einem zu erwartenden Normverhalten entspricht, 

spielt - unter Hinweis auf entsprechende Ausführungen weiter unten - dabei keine 

-   45   - 

Rolle. Die Aussagen der Geschädigten wirken lebensnah, selbst erlebt und sind 

inhaltlich konstant. Ihre Aussagen zeigen keine Tendenz zu Übertreibungen. Die 

Geschädigte belastete den Angeklagten betreffend die Gewaltanwendung auch 

nicht übermässig, insbesondere schilderte sie betreffend diesen Vorfall keine 

Schläge oder Drohungen mit weitergehender Gewaltanwendung (Urk. 4/1 S. 10). 

Die Schilderung ihrer Emotionen, dass sie sich schmutzig gefühlt habe und zuerst 

vor der Vergewaltigung und dann davor Angst gehabt habe, der Angeklagte  

werde ihre Beziehung ruinieren, indem er herumtelefoniere (Urk. 4/1 S. 10) sowie 

die Angst vor einer Schwangerschaft (Urk. 4/2 S.2 4), wirken authentisch und  

zeugen von real Erlebtem. Die Geschädigte räumte auch ein, dass sie den Ange-

klagten vor dem Vorfall vom 18. März 2010 bereits einmal nach dessen Einreise 

in die Schweiz getroffen und sich auf seinen Wunsch nochmals mit ihm verab-

redet habe, obwohl sie dies eigentlich nicht mehr gewollt habe. Ausserdem  

räumte sie ein, dass sie erst auf dem Balkon nach erfolgter Vergewaltigung  

geschrien habe, obwohl sie, als der Angeklagte sie auf der Strasse gepackt habe, 

zwei Frauen auf dem Balkon der Nachbarliegenschaft gesehen habe, zu welcher 

der Angeklagte sie gezerrt habe (Urk. 4/2 S. 18; Urk 4/3 S. 9). Daraus geht  

hervor, dass sie eigene Verhaltensweisen schildert, die - wie sie weiss - durchaus 

kritisch hinterfragt werden können. Sie erklärte, sie sehe jetzt auch, dass sie hätte  

schreien können, im Moment sei aber alles sehr schnell gegangen und sie habe 

nichts machen können (Urk. 4/2 S. 19). Auch diese kritische Hinterfragung  

des eigenen Verhaltens spricht für die Glaubhaftigkeit der Darstellung der  

Geschädigten.  

c) Hinzu kommt, dass die glaubhaften Aussagen der Geschädigten durch das 

Gutachten zur körperlichen Untersuchung der Geschädigten des Instituts für 

Rechtsmedizin vom 20. April 2010 gestützt werden. Darin wird festgehalten, dass 

sich am Körper der Geschädigten folgende Verletzungen vorfanden: am linken 

Unterarm, beugseitig, etwa mittig, mehrere, frische, feine, parallele, senkrecht zur 

Armachse verlaufende, je ca. 3 cm lange Hautabschürfungen; im Bereich dieser 

Hautabschürfungen eine frische, ca. 2 x 3 cm messende Hautunterblutung; an der 

linken Handgelenksinnenseite eine frische, senkrecht zur Armachse verlaufende, 

ca. 0,5 x 1 cm messende Hautabschürfung; etwa in der Mitte der rechten Ober-

-   46   - 

schenkelaussenseite eine ca. 2 cm durchmessende, frische Hautunterblutung; am 

Nacken, im Bereich der Haargrenze, eine ca. 1 x 2 cm messende Hautrötung, die 

auf Druck ablassbar war (Urk. 7/2 S. 2). Augenscheinlich ist, dass sich diese Ver-

letzungen mit den Ausführungen der Geschädigten decken: Ziehen hinten an den 

Haaren (Urk. 4/1 S. 4 Antwort 27, S. 7 Antwort 46 und S. 11 Antwort 80; Urk. 4/2 

S. 17 f.), Festhalten der Arme während der Vergewaltigung (Urk. 4/1 S. 8  

Antwort 58; Urk. 4/2 S. 21 f.) sowie Aufmachen der Beine und allgemeine Abwehr 

der Geschädigten mit ihren Beinen (Urk. 4/1 S. 8 Antwort 57 und S. 9 Antwort 61; 

Urk. 4/2 S. 21 f.). Jedenfalls ergibt das Gutachten, dass stumpfe Gewalt auf die 

Geschädigte eingewirkt hat 

Der zeitliche Ablauf seit dem Eintreffen der Polizei am Tatort bis zur ärztlichen 

Untersuchung der Geschädigten im Institut für Rechtmedizin der Universität  

Zürich lässt sich zudem beinahe nahtlos erstellen; nach der Rapportierung des 

Polizeibeamten R._____ wurde die Geschädigte polizeilich nach J._____  

gebracht (Urk. 1 S. 8), wo die polizeiliche Einvernahme erfolgte, welche bis  

21:00 Uhr dauerte (Urk. 4/1 S. 11), woraufhin die Geschädigte von 22:00 Uhr bis 

22:50 Uhr im Institut für Rechtsmedizin untersucht wurde (Urk. 7/2 S. 1). Dass 

sich die Geschädigte die im Gutachten aufgeführten Verletzungen vor der inkrimi-

nierten Tat, kurz danach oder während diesen Verschiebungen selbst zugefügt 

haben sollte, ist nicht ersichtlich und wird vom Angeklagten und seiner Verteidi-

gung zu Recht auch nicht geltend gemacht. 

Die Verletzungen sind auf der anderen Seite nicht vereinbar mit der Darstellung 

des Angeklagten, welcher erklärte, sie könnten entstanden sein, als er versucht 

habe, die Umklammerung der Geschädigten zu lösen um sich zurückzuziehen 

und ausserhalb ihres Körpers zu ejakulieren. Insbesondere die Hautrötung im  

Nacken an der Haargrenze lässt sich mit den Aussagen des Angeklagten nicht 

vereinbaren, wogegen die Darstellung der Geschädigten (Zerren an den Haaren) 

durchaus gestützt wird.  

d) Wenn die Verteidigung mehrfach ausführt, dass der vorliegende Ablauf nicht 

gerade dem typischen Ablauf einer Vergewaltigung entspreche und sich insbe-

sondere die Geschädigte anders hätte verhalten müssen, wäre sie tatsächlich wie 

-   47   - 

von ihr geschildert vergewaltigt worden (Urk. 40 S. 30 f. und S. 40 f.), so geht dies 

an der Realität vorbei. Einen normalen bzw. typischen