# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9d35ebf8-ff89-54d0-965c-6c61f0d10b5e
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-11-26
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 26.11.2008 BK 2008 48
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2008-48_2008-11-26.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 26. November 2008 Schriftlich mitgeteilt am: 
BK 08 48

Entscheid
Beschwerdekammer

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Rehli und Hubert 
Aktuarin Duff Walser

——————

In der strafrechtlichen Beschwerde

der B.B., Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Luzi Bardill, 
Postfach 74, Poststrasse 43, 7002 Chur,

gegen

die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 14. Oktober 
2008, mitgeteilt am 15. Oktober 2008, in Sachen F.: aussergewöhnlicher Todes-
fall zum Nachteil von A.B.,

betreffend fahrlässige Tötung,

hat sich ergeben:

2

A. A.B. verbrachte den Abend des 4. Januar 2008 in einem Lokal in 
N. und anschliessend im X.-Pub in S., wobei er eine unbestimmte Menge Bier 
konsumierte. In der Folge verliess er das X.-Pub und begab sich kurz vor 2.00 
Uhr nachts von S. in Richtung seines Hauses an der A.-Strasse in F.. Auf dem 
Heimweg legte er bei der Brücke oberhalb der Verbindungsstrasse von der 
G.Strasse zur W.-Strasse eine Rast ein. Vermutlich wollte er im Bereiche der 
Überführung austreten, zumal er mit offenem Hosengurt aufgefunden worden ist. 
Dabei muss er sich an den dort befindlichen seitlichen Holzzaun angelehnt ha-
ben, worauf sich der obere horizontale Querbalken des Holzgeländes abgesenkt 
hat und A.B. über die 6.5 Meter hohe Mauer der Unterführung in die Tiefe auf 
die Verbindungsstrasse zur W.-Strasse gestürzt ist. Dabei zog sich A.B. tödli-
che Kopfverletzungen zu.

B. Zur Abklärung dieses Todesfalls eröffnete die Staatsanwaltschaft 
Graubünden mit Verfügung vom 28. Januar 2008 ein Strafverfahren. Die Ermitt-
lungen ergaben, dass der Holzzaun des seitlichen Brückengeländers an der Un-
fallstelle einen baulichen Mangel respektive einen Defekt aufwies. Die obere 
Querlatte, welche offenbar von Innen, also von der dem Gehweg abgewandten 
Seite her und zudem lediglich mittels Nägeln an den Holzpfosten befestigt gewe-
sen war, fehlte beziehungsweise war seitlich abgesenkt.

C. Mit Verfügung vom 14. Oktober 2008, mitgeteilt am 15. Oktober 
2008, stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden die Strafuntersuchung in Sa-
chen F.: Aussergewöhnlicher Todesfall zum Nachteil von A.B. ein.

Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, es sei im vorliegen-
den Fall davon auszugehen, dass A.B. wegen einer defekten Zaunlatte in die 
Tiefe gestürzt sei und infolgedessen tödliche Verletzungen erlitten habe. Dem-
gemäss könne festgehalten werden, dass der Tod von A.B. auf eine mangelnde 
Kontrolle des fraglichen Zauns respektive auf die Nichtvornahme von Unterhalts-
arbeiten und damit auf ein Unterlassen zurückzuführen sei. Damit stelle sich die 
Frage nach dem Bestehen einer Garantenstellung des Kantons Graubünden 
oder der Gemeinde S.. Vorliegend würden nun aber einerseits Umstände vorlie-
gen, aufgrund derer von einer Garantenstellung des Kantons auszugehen sei, 
währenddem gleichzeitig andere Umstände gegeben seien, welche für die Un-
terhaltspflicht der Gemeinde S. sprächen. Tatsächlich hätten denn auch beide 
Körperschaften angenommen, dass die jeweils andere für den Unterhalt und die 
Kontrolle des Holzgeländers an der Überführung zuständig sei, womit sie sich 
diesbezüglich in einem Sachverhaltsirrtum befunden hätten. Welche der beiden 

3

Körperschaften tatsächlich zuständig gewesen wäre, könne dabei offen bleiben. 
Der Irrtum betreffend die Garantenpflicht sei nämlich aufgrund der vorliegenden 
komplexen Eigentums- und Nutzungsverhältnisse für beide Körperschaften re-
spektive deren Angestellte nicht vermeidbar gewesen. Unabhängig davon, ob 
hinsichtlich des mangelhaften Zauns der Kanton oder die Gemeinde kontroll- und 
unterhaltspflichtig gewesen wäre, sei demnach infolge des gegenseitig bestehen-
den nicht vermeidbaren Sachverhaltsirrtums von der Straflosigkeit des jeweils 
Verantwortlichen auszugehen.

D. Gegen diese Verfügung liess B.B., die Witwe von A.B., mit Ein-
gabe vom 27. Oktober 2008 Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Kan-
tonsgerichts von Graubünden erheben mit folgenden Rechtsbegehren:

„1. Die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 
14. Oktober 2008 sei aufzuheben.

2. Die Sache sei zur Weiterbehandlung sowie insbesondere zur Vor-
nahme eingehenderer Abklärungen an die Staatsanwaltschaft 
Graubünden zurückzuweisen.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge gemäss Gesetz.“

Die Staatsanwaltschaft Graubünden verzichtete mit Schreiben vom 4. No-
vember 2008 auf eine Stellungnahme.

Auf die weiteren Ausführungen in der angefochtenen Einstellungsverfü-
gung sowie die Begründung in der Beschwerdeschrift wird, soweit erforderlich. in 
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung :

1. Gemäss Art. 138 StPO kann gegen Verfügungen des Staatsanwal-
tes bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichtes wegen Rechtswidrigkeit 
oder Unangemessenheit Beschwerde geführt werden. Zur Beschwerdeführung 
ist berechtigt, wer durch den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutz-
würdiges Interesse an seiner Aufhebung oder Änderung geltend macht; insbe-
sondere kann sich der Geschädigte gegen Ablehnungs- und Einstellungsverfü-
gungen beschweren (Art. 139 Abs. 1 StPO). Die Beschwerde ist innert zwanzig 
Tagen, seit der Betroffene vom angefochtenen Entscheid Kenntnis erhalten hat, 
schriftlich einzureichen (Art. 139 Abs. 2 StPO).

4

Als Geschädigter im Sinne von Art. 139 Abs. 1 StPO wird nur der Direkt-
geschädigte angesehen (Willy Padrutt, Kommentar zur StPO des Kantons 
Graubünden, 2. Auflage, Chur 1996, S. 353). Soweit der Direktgeschädigte  aber 
Opfer von Delikten gegen Leib und Leben im Sinne von Art. 2 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG; SR 312.5) ist, gewährt 
Abs. 2 dieser Bestimmung unter anderem auch dem Ehegatten des Opfers die 
Legitimation zur Beschwerde (vgl. auch Willy Padrutt, a.a.O., S. 354). Auf die am 
27. Oktober 2008 frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde von B.B. ist 
demnach einzutreten. 

2. Gemäss Art. 138 StPO kann die Beschwerdekammer angefochtene 
Einstellungsverfügungen nicht nur auf Rechtswidrigkeit, sondern auch auf Unan-
gemessenheit überprüfen. Eine Einstellungsverfügung ist nur angemessen und 
hält der umschriebenen Kontrolle stand, wenn aufgrund des Untersuchungser-
gebnisses nicht genügend Anhaltspunkte für das Vorliegen einer straf- und ver-
folgbaren Handlung gegeben sind und somit bei gerichtlicher Beurteilung ein 
Freispruch erwartet werden müsste und wenn keine neuen Beweismittel ersicht-
lich sind, die das Beweisergebnis massgeblich beeinflussen könnten. Aufzuhe-
ben ist eine Einstellungsverfügung demgegenüber, wenn in objektiver und sub-
jektiver Hinsicht Anhaltspunkte vorliegen, die einen Schuldspruch als wahr-
scheinlich erscheinen lassen, oder wenn die Möglichkeiten zu einer sinnvollen 
Untersuchungsergänzung nicht ausgeschöpft wurden und damit kein entschei-
dungsreifes Beweisergebnis vorliegt (PKG 1997 Nr. 36, E. 5, S. 147; PKG 1975 
Nr. 58, E. 1, S. 160 sowie Willy Padrutt, a.a.O., S. 164 Ziff. 3.3, S. 111 Ziff. 6, S. 
347 Ziff. 2.1). 

Die Beweisregel „in dubio pro reo“ gilt nur im Gerichtsverfahren, auf Ein-
stellungsverfügungen ist sie nicht anwendbar. Hier muss die Voraussetzung der 
nicht genügenden Beweisbarkeit von Tat und Täterschaft gegeben sein. Im Zwei-
fel ist demnach Anklage zu erheben. Der endgültige Entscheid, ob tatsächlich ein 
strafbares Verhalten vorliegt, ist den ordentlichen Gerichten vorbehalten (vgl. 
zum Ganzen Willy Padrutt, a.a.O., S. 164 f. Ziff. 3.3).

3. Wer fahrlässig den Tod eines Menschen verursacht, wird gemäss 
Art. 117 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. 
Fahrlässigkeit ist nach Art. 12 Abs. 3 StGB dann gegeben, wenn der Täter die 
Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedacht oder 
darauf nicht Rücksicht genommen hat; pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn 

5

der Täter die Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach 
seinen persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist.

Das sorgfaltswidrige Verhalten kann dabei nicht nur in einem Tun, sondern 
auch in einem Unterlassen liegen. In letzterem Fall spricht man von einem un-
echten Unterlassungsdelikt. Das fahrlässige unechte Unterlassungsdelikt setzt 
wie das vorsätzliche das Vorliegen einer Rechtspflicht zur Vornahme der unter-
lassenen Handlung (Garantenstellung) sowie die Möglichkeit, diese Handlung 
vorzunehmen, voraus. Die Strafbarkeit des unechten Unterlassungsdelikts findet 
ihre Rechtfertigung darin, dass derjenige, welcher verpflichtet ist, durch sein Han-
deln einen bestimmten Erfolg abzuwenden und dazu auch in der Lage ist, aber 
untätig bleibt, grundsätzlich ebenso strafwürdig ist wie derjenige, der den Erfolg 
durch sein Tun herbeiführt. Demzufolge hat eine Person dann eine Garantenstel-
lung inne, wenn sie rechtlich verpflichtet war, gerade den konkret eingetretenen 
Erfolg nach Möglichkeit abzuwenden. Mit anderen Worten geht es um die Nich-
terfüllung des Gebotes, zur Abwehr von Gefahren in bestimmter Weise tätig zu 
werden. Die Entstehungsgründe der Garantenpflicht sind beim fahrlässigen Un-
terlassungsdelikt dieselben wie beim vorsätzlichen. Die Garantenstellung ergibt 
sich aus Gesetz, Vertrag, freiwillig begründeter Gefahrengemeinschaft und vor-
ausgegangenem gefährdendem Tun (sog. Ingerenz). Dabei lassen sich zwei 
Grundformen von Garantenstellungen unterscheiden: Eine Garantenpflicht hat 
entweder derjenige, der zum Schutz eines bestimmten Rechtsgutes vor unbe-
stimmt vielen Gefahren rechtlich besonders verpflichtet ist, oder derjenige, der 
rechtlich besonders verpflichtet ist, eine bestimmte Gefahrenquelle zu überwa-
chen und zu verhindern, dass unbestimmt viele Rechtsgüter durch die Realisie-
rung der Gefahr verletzt werden. Man spricht im ersten Fall von der Obhuts- oder 
Schutzgarantenpflicht, im zweiten von der Überwachungs- oder Sicherungsga-
rantenpflicht. Zwischen der Unterlassung und dem Erfolg hat  ferner ein Kausal-
zusammenhang zu bestehen. Dieser ist dann gegeben, wenn bei Vornahme der 
gebotenen Handlung der Erfolg mit einem hohen Grad der Wahrscheinlichkeit 
nicht eingetreten wäre (vgl. zum Ganzen Stefan Trechsel/Marc Jean-Richard-dit-
Bressel, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Kurzkommentar, Zürich/St. Gallen 
2008, N 1 ff. und N 18 zu Art 11 StGB; Kurt Seelmann, in: Basler Kommentar 
zum Strafrecht I, Art. 1-110 StGB, 2. Aufl., Basel 2007, N 31 ff. und N 76 zu Art. 
11 StGB; Stefan Trechsel/Peter Noll, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner 
Teil, 5. Aufl., Zürich 1998, § 34, S. 234, 242 ff. und 249 f. mit Hinweisen, § 36, S. 
257; Stefan Trechsel, Kurzkommentar zum Strafgesetzbuch, 2. Aufl., Zürich 
1997, N 26 ff. zu Art. 1 StGB; Jörg Rehberg/Andreas Donatsch, Strafrecht I, Ver-

6

brechenslehre, 7. Aufl., Zürich 2001, § 28, S. 245 ff., § 30 S. 254 ff. und § 33 S. 
309 ff.; Günter Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, Die 
Straftat, 3. Aufl., Bern 2005, § 17 N 1 ff. und § 14 N 11 ff. sowie BGE 96 IV 174; 
BGE 113 IV 72; BGE 115 IV 91; BGE 118 IV 313). 

4. Die Vorinstanz ist davon ausgegangen, dass A.B. zufolge einer 
mangelhaft angebrachten Zaunlatte - diese war von aussen statt von innen her 
montiert und nur mit Nägeln statt Schrauben an den Holzpfosten befestigt - in die 
Tiefe gestürzt ist. Demgemäss hat die Staatsanwaltschaft weiter festgehalten, 
dass der Tod von A.B. auf eine mangelnde Kontrolle des fraglichen Holzzauns 
respektive auf die Nichtvornahme der notwendigen Unterhaltsarbeiten und damit 
auf ein Unterlassen zurückzuführen sei. Davon ausgehend, hat sie in der Folge - 
was durchaus zweckmässig erscheint (vgl. Stefan Trechsel/Marc Jean-Richard-
dit-Bressel, a.a.O., N 5 zu Art. 11 StGB) - zunächst das Bestehen einer Garan-
tenstellung von Kanton oder Gemeinde geprüft. Dabei ist sie zum Ergebnis ge-
langt, dass vorliegend komplexe Eigentums- und Nutzungsverhältnisse vorliegen 
würden, aufgrund derer sich beide Körperschaften hinsichtlich der Kontroll- und 
Unterhaltspflicht in einem nicht vermeidbaren Sachverhaltsirrtum befunden hät-
ten, womit ein tatbestandsmässiges Verhalten auszuschliessen sei. Weil zudem 
keine weiteren Beweismittel ersichtlich seien, welche an diesem Beweisergebnis 
etwas zu ändern vermöchten, sei das vorliegende Strafverfahren somit einzustel-
len. 

Entgegen den Erwägungen in der angefochtenen Einstellungsverfügung 
liegen jedoch - wie im Folgenden zu zeigen sein wird - im konkreten Fall weder 
komplexe Umstände vor, welche auf einen gegenseitigen nicht vermeidbaren 
Sachverhaltsirrtum schliessen lassen, noch hat die Vorinstanz die Möglichkeiten 
zu einer sinnvollen Untersuchungsergänzung ausgeschöpft. 

5. a) An der alten W.-Strasse zwischen S. und F. wurde in den 70er 
Jahren in Zusammenhang mit dem Bau der W.-Strasse die Unterführung An-
schluss Q. erstellt (vgl. act. 4.2 Ziff. 1; act. 4.9, beiliegendes Foto aus dem Jahre 
2000). Bei der alten W.-Strasse zwischen S. und F. handelt es sich um eine kan-
tonale Verbindungsstrasse und damit um eine Kantonsstrasse im Sinne von Art. 
5 des Strassengesetzes des Kantons Graubünden (StrG [BR 807.100]). Kantons-
strassen stehen im Eigentum und unter Hoheit des Kantons. Der an der Unfall-
stelle auf der Flügelmauer der dortigen Strassenunterführung befindliche Holz-
zaun (vgl. act. 3.2, S. 1 Foto Nr. 2, S. 2 Foto Nr. 4) liegt mithin auf Boden des 
Kantons Graubünden. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass der fragliche 

7

Absperrzaun „am Ende“ eines im Jahre 2000/2001 erstellten Trottoirs (vgl. act. 
3.12; act. 4.4)  liegt, welches parallel zur Kantonsstrasse verläuft und direkt an 
den Brückenkopf der Unterführung anstösst, und zwar nicht seitlich, sondern 
frontal in seiner ganzen Breite (vgl. act. 3.2, S. 3, Foto Nr. 5.a und Nr. 5.b). Dieses 
Trottoir findet sodann auf der anderen Seite der Brückenüberführung seine Forts-
etzung (vgl. act. 3.2, S. 3, Foto Nr. 5.b). Der besagte Holzlattenzaun ist folglich 
als Teil der entlang der Kantonsstrasse erstellten Gehweganlage zu qualifizieren. 
Vorliegend stehen sich also eine Kantonsstrasse als Verkehrsträger für den Fahr-
zeugverkehr und ein Trottoir als solcher für den Langsamverkehr (Fussgänger) 
gegenüber. Die Anwendung des Gemeindegesetzes ist somit im Unterschied zu 
dem von der Vorinstanz zitierten Entscheid BK 00 38 (Entscheid der Beschwer-
dekammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 13. September 2000 in 
Sachen O.A.B.), wo der Kantonsstrasse eine Gemeindestrasse gegenüberstand 
und beide Verkehrsträger dem Fahrzeugverkehr dienten, im hier zu beurteilen-
den Fall von vornherein auszuschliessen. Entsprechend geht die Vorinstanz 
denn auch in ihrer weiteren Annahme fehl, dass die Eigentumsverhältnisse an 
der alten W.-Strasse prima facie auf eine Unterhaltspflicht des Kantones schlies-
sen lassen. Hinsichtlich der Verantwortlichkeit für Gehweganlagen weist nämlich 
die Strassengesetzgebung in Art. 6 StrG eine klare Regelung auf. So wird in Art. 
6 Abs. 4 StrG festgehalten, dass Anlagen des Langsamverkehrs, zu denen auch 
die dem Fussverkehr dienenden Gehwege gehören (Art. 6 Abs. 1 StrG), durch 
die Gemeinden zu projektieren, zu bauen und zu unterhalten sind. Gemäss Abs. 
5 dieser Bestimmung haben die Gemeinden zudem dafür zu sorgen, dass diese 
Anlagen möglichst gefahrlos benützt werden können. Der Unterhalt der Anlagen 
des Langsamverkehrs entlang von Kantonsstrassen, welche ja immer im Eigen-
tum des Kantons stehen, obliegt also nach klarer Gesetzeslage den Gemeinden 
und eben nicht dem Kanton Graubünden. Die Regelung von Art 6 StrG, welche 
als Bestimmung des kantonalen öffentlichen Rechts dem Bundeszivilrecht vor-
geht, sieht demnach eine Durchbrechung der Wirkungen des sachenrechtlichen 
Akzessionsprinzips gemäss Art. 642 ZGB vor. Für den konkreten Fall, bei dem 
im Gegensatz zu dem von der Vorinstanz zitierten Entscheid eine Anlage des 
Langsamverkehrs zur Diskussion steht, liegt mithin eine Gesetzesbestimmung 
vor, welche die Unterhaltspflicht unabhängig vom Eigentum klar regelt. Vorlie-
gend bleibt somit, entgegen der Auffassung der Vorinstanz, für eine Grundei-
gentümerhaftung des Kantons Graubünden für Mängel an dem auf seinem Bo-
den befindlichen Holzzaun von vornherein kein Platz. Vielmehr ist nach dem Ge-
sagten für die Frage nach der Verantwortlichkeit betreffend den Unterhalt der an 

8

der Unfallstelle befindlichen Gehweganlage auf die Strassengesetzgebung ab-
zustellen. 

b) Dabei bleibt zu berücksichtigen, dass das Trottoir entlang der W.-
Strasse im Jahre 2000/2001 erstellt und am 30. November 2001 abgenommen 
worden ist (vgl. act. 4.4.; act. 3.12), wobei die Gemeinde S. anlässlich dieser 
Abnahme der Bauunternehmung M. den Auftrag erteilte, seitlich der Unter-
führung noch einen Holzzaun zu erstellen (vgl. act. 3.12, Ziff. 6 S. 3; act. 3.11, S. 
1 f.). Diese Schutzvorrichtung wurde in der Folge denn auch erstellt. Die heute 
geltende Totalrevision des Strassengesetzes ist aber erst seit 1. Januar 2006 in 
Kraft. Das diesem vorausgehende Strassengesetz (vgl. AS 1981-1985 S. 1440 
ff.) wurde am 1. Januar 1986 in Kraft gesetzt. (Die späteren Teilrevisionen 1998 
und 2005 haben nicht die hier zur Diskussion stehenden Rechtsnormen zum Ge-
genstand). Es stellt sich somit die Frage, welche Fassung des Strassengesetzes 
(1986 oder 2006) vorliegend zur Anwendung gelangt. Diese kann jedoch offen-
bleiben, da - wie nachfolgend zu zeigen sein wird - sowohl nach dem alten wie 
auch nach dem neuen Recht nicht nur der Bau und der Unterhalt des Trottoirs an 
sich, sondern auch der für die gefahrlose Benützung des Gehwegs erforderlichen 
Sicherungseinrichtungen der Gemeinde zufallen.

aa) Gemäss Art. 6 Abs. 1 StrG umfasst der Langsamverkehr unter an-
derem insbesondere den Fussverkehr. Beim Trottoir handelt es sich folglich um 
einen Verkehrsträger des Langsamverkehrs, wobei nach Art. 6 Abs. 4 StrG für 
die Projektierung, den Bau und den Unterhalt dieser Anlagen die Gemeinden zu-
ständig sind. Nach der geltenden Strassengesetzgebung fällt mithin der Unterhalt 
von Gehwegen unabhängig von den Eigentumsverhältnissen in die Zuständigkeit 
der Gemeinden. Art. 6 Abs. 5 StrG präzisiert überdies die in Abs. 4 statuierte 
Unterhaltspflicht dahingehend, als die Gemeinden dafür zu sorgen haben, dass 
die Anlagen des Langsamverkehrs möglichst gefahrlos benützt werden können. 
Das bedeutet, dass die Gemeinden gemäss Strassengesetzgebung auch für den 
Unterhalt der zum Schutze der Trottoirbenützer vor bestehenden Gefahren erfor-
derlichen Sicherheitsvorkehrungen zuständig sind. 

Bei der Erstellung des Trottoirs durch die Gemeinde S. im Jahre 
2000/2001 wurde der ursprünglich beim Brückenkopf weiterlaufende Teil der ent-
lang der Kantonsstrasse geführten Leitplanke entfernt (vgl. act. 4.9, S. 1 Ziff. 1 
sowie beiliegende Fotoblätter). Es bestand somit in diesem Bereich für die Fuss-
gänger eine erhebliche Absturzgefahr, da das errichtete Trottoir frontal an den 
Brückenkopf und damit direkt an den Rand der über 6 Meter hohen Flügelmauer 

9

der Unterführung stösst (vgl. act. 3.2, Fotos Nr. 3, 4, 5.a und 5.b). Der erstellte 
Gehweg konnte folglich ohne entsprechende Absperrung nicht gefahrlos benützt 
werden. Nach dem seit 1. Januar 2006 geltenden Strassengesetz war daher die 
Gemeinde verpflichtet, zum Schutze der Trottoirbenützer an dieser Stelle eine 
Abschrankung zu errichten - was sie mit dem Bau des Holzzaunes denn auch 
getan hat - und die erstellte Schutzvorrichtung so zu unterhalten, dass eine si-
chere Benützung des Gehwegs gewährleistet bleibt.

bb) In Übereinstimmung zum geltenden Recht lassen sodann auch die 
Vorschriften der früheren Strassengesetzgebung in der Fassung von 1986 auf 
eine Garantenstellung der Gemeinde für den zur Diskussion stehenden Holzzaun 
schliessen. Zwar weist das alte Recht eine so explizite Regelung wie Art. 6 StrG, 
welcher die Gemeinden ausdrücklich dazu verpflichtet, für eine möglichst gefahr-
lose Benützung der Anlagen zu sorgen, nicht auf. Zudem wird im alten Geset-
zestext teilweise eine andere Terminologie verwendet als in der Neufassung von 
2006. So wird in Art. 55 Abs. 1 aStrG von der Erhaltung der Fussgängeranlagen 
gesprochen, währenddem im neuen Recht vom Unterhalt der Verkehrsträger für 
den Langsamverkehr die Rede ist. Damit ist jedoch letztlich ein und dasselbe 
gemeint, nämlich die Pflicht, die notwendigen Vorkehrungen zur Aufrechterhal-
tung der Substanz und zur Gewährleistung der Sicherheit der erstellten Gehwe-
ganlage zu treffen. Entsprechend bestimmt Art. 55 Abs. 1 aStrG, dass die Erhal-
tung der Fussgängeranlagen inner- und ausserorts den Gemeinden obliegt, und 
zwar - wie weiter ausdrücklich festgehalten wird - auch dann, wenn sie im Eigen-
tum des Kantons stehen. Liegen die Fussgängeranlagen ausserorts vorwiegend 
im kantonalen Interesse, ist demgegenüber der Kanton erhaltungspflichtig (Art. 
55 Abs. 1 2. Satz aStrG). 

Gemäss Regierungsbeschluss vom 12. September 2000 wurde der Geh-
weg an der alten W.-Strasse erstellt, damit die Schüler von S. und der Fraktion 
F. den Schulweg entlang der Kantonsstrasse gefahrlos begehen können und zu-
dem auch der übrigen Gemeindebevölkerung in diesem Bereich ein sicherer 
Fussweg zur Verfügung steht (vgl. act. 4.4, S. 1). Vorliegend ist also offenkundig, 
dass der Bau der Trottoiranlage entlang der alten W.-Strasse vorwiegend, wenn 
nicht gar ausschliesslich, im Interesse der Gemeinde lag. Nach der Regelung von 
Art. 55 Abs. 1 aStrG fällt die Erhaltung des Trottoirs folglich in die Zuständigkeit 
der Gemeinde. Darüber hinaus handelt es sich bei der vorliegend zur Diskussion 
stehenden, von der Regierung genehmigten und mit Kantonsbeiträgen finanzier-
ten Trottoiranlage (vgl. act. 4.4, insb. S. 1 und  S. 5) auch nach altem Recht um 
ein Projekt, welches von der Gemeinde zu erstellen (vgl. Art. 12 Abs. 1 der Aus-

10

führungsbestimmungen zum aStrG  [AS 1981-1985 S. 1465 ff.]) und für das letz-
tere als Bauherrin somit auch unterhalts- und sicherungspflichtig ist.

Gemäss Strassengesetzgebung fallen mithin - unabhängig davon, ob das 
geltende oder alte Recht zur Anwendung gelangt - sowohl Bau und Unterhalt des 
Trottoirs als auch der für eine gefahrlose Benützung erforderlichen Sicherheits-
absperrungen und damit auch des vorliegenden Holzzaunes in den Verantwort-
lichkeitsbereich der Gemeinde. 

c) Wohl ist dem Untersuchungsrichter beizupflichten, dass der Kanton 
Graubünden für seine Kantonsstrassen unterhaltspflichtig ist und damit auch für 
die Sicherheit der Strassenbenützer zu sorgen hat. Entsprechend ist er auch für 
die entlang der alten W.-Strasse bis zum Brückenwiderlager verlaufende Leit-
planke, welche nicht nur dem Schutz der Autofahrer, sondern auch jenem der 
Fussgänger und der übrigen Verkehrsteilnehmer dient, unterhaltspflichtig (vgl. 
act. 4.9, S. 1 Ziff. 1). Soweit die Vorinstanz jedoch aus dem Umstand, dass der 
fragliche Holzzaun seitlich direkt an diese Leitplanke grenzt und mit dieser und 
der unter der Hoheit des Kantons stehenden Kantonsstrasse einen Brückenkopf 
bildet, auf eine mögliche Garantenstellung des Kantones für die von der Ge-
meinde erstellte Holzabschrankung schliesst, kann ihr nicht gefolgt werden. We-
sentlich ist nämlich, dass das an den Brückenkopf frontal anstossende Trottoir 
auf der anderen Seite der Brücke seine Fortsetzung findet. Um von der einen auf 
die andere Seite zu gelangen, muss also die Brücke begangen werden. Auch 
wenn über diese kein Trottoir führt, ist es somit offensichtlich, dass hierfür die 
Kantonsstrasse zwischen der Leitplanke und den Fluchtlinien der beiden Trot-
toirränder zur Verfügung steht. Diesem Bereich kommt demnach dieselbe funkti-
onale Bedeutung zu, wie den Trottoirs diesseits und jenseits der Brücke. Auch 
wenn der Holzzaun auf der Flügelmauer der Unterführung seitlich unmittelbar an 
die längs der Kantonsstrasse verlaufende, vom Kanton zu unterhaltende Leit-
planke stösst, bildet er somit klar Bestandteil der von der Gemeinde erstellten 
Gehweganlage, deren Unterhalt und Sicherung gemäss Strassengesetzgebung  
- unabhängig von den Eigentumsverhältnissen -  der Gemeinde zufällt.

 Daran dürfte auch der Umstand nichts ändern, dass die im Eigentum des 
Kantons stehende Leitplanke vor Erstellung des Trottoirs und des Holzzauns par-
allel zur Kantonsstrasse zirka 15 Meter weit über das Brückenwiderlager hinaus 
verlief (vgl. act. 4.9, S. 1 Ziff. 1 sowie beiliegende Fotoblätter aus dem Jahre 
2000), womit ihr auch in Bezug auf die Benützer der Brücke über die Kantons-
strasse eine Sicherungsfunktion zukam. Hier bestand nämlich bis zum Bau des 

11

Trottoirs im Jahre 2000/2001 keine Fussgängeranlage; es war einzig die alte 
Kantonsstrasse vorhanden. Vor Errichtung des Trottoirs gab es folglich keine An-
lage, für welche das Gesetz eine Unterhalts- und Sicherungspflicht der Ge-
meinde statuiert hätte. Entsprechend hatte zum damaligen Zeitpunkt der Kanton 
den Unterhalt und die Sicherung des besagten Kantonsstrassenabschnittes zu 
gewährleisten (vgl. auch act. 4.9, S. 1 Ziff. 1). In der Folge wurde jedoch an dieser 
Stelle ein Trottoir für den Fussverkehr gebaut. Nach klarer Gesetzeslage (Art. 6 
Abs. 1, 4 und 5 StrG beziehungsweise Art. 55 Abs 1. aStrG in Verbindung mit 
Art. 12 Abs. 1 der Ausführungsbestimmungen zum aStrG) obliegen aber nicht 
nur die Projektierung und der Bau solcher Anlagen, sondern auch deren Unterhalt 
und die Gewährleistung der gefahrlosen Benutzung und damit die Erstellung und 
der Unterhalt der hiezu notwendigen Schutzvorrichtungen der Gemeinde. 

Mit Blick auf die Strassengesetzgebung muss demnach auf die Garanten-
stellung der Gemeinde für den zur Diskussion stehenden Holzzaun geschlossen 
werden.

d) Nichts anderes ergibt sich aus dem allgemeinen Gefahrensatz, wo-
nach derjenige, welcher einen Gefahrenzustand schafft, alles Zumutbare vorkeh-
ren muss, damit diese Gefahr nicht in die Verletzung fremder Rechtsgüter um-
schlägt (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 2. August 2000 [6S.628/1999], 
insb. E. 2.a Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2003 [6S.87/2003], E. 
4.1 S. 6; BGE 127 IV 62 E. 2.d; BGE 126 IV 13 E. 7.a; BGE 121 IV 10 E. 3; 
Stefan Trechsel/Marc Jean-Richard-dit-Bressel, a.a.O., N 30 zu Art. 12 StGB mit 
weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung). 

Vor dem Bau des Trottoirs im Jahre 2000/2001 war, wie bereits ausge-
führt, einzig die alte Kantonsstrasse vorhanden. Die Brücke war mit einem Eisen-
zaun und einer Leitplanke seitlich gesichert, wobei die Leitplanke nicht beim Brü-
ckenwiderlager aufhörte, sondern über den Brückenkopf hinaus ohne Handlauf 
etwa 15 Meter weiter geführt und dann in den Boden versenkt wurde (vgl. act. 
4.9 beiliegende Fotoblätter). Damit bestand eine normgerechte Schutzvorrich-
tung für die Verkehrsteilnehmer auf der Kantonsstrasse und es war insbesondere 
auch der Brückenkopf gesichert. Mit dem Bau des Trottoirs, welches frontal an 
den Brückenkopf und damit direkt an den Rand der über 6 Meter hohen Flügel-
mauer der Unterführung stösst, wurde aber gleichzeitig der Teil der Leitplanke 
vom Brückenwiderlager bis zum ersten Kandelaber entfernt und damit im Bereich 
des Brückenkopfes eine Absturzgefahr für die Fussgänger geschaffen. Die ge-
fährliche Stelle beim Brückenwiderlager „am Ende“ des Trottoirs wurde somit erst 

12

mit dem Bau der Gehweganlage durch die Gemeinde geschaffen, womit letztere 
gemäss der oben wiedergegebenen allgemeinen Rechtsregel des Gefahrensat-
zes auch die zur Abwehr der von ihr geschaffenen Absturzgefahr notwendigen 
und zumutbaren Sicherheitsvorkehrungen treffen musste. 

e) Aufgrund des vorliegenden Untersuchungsstandes kann demnach 
zusammenfassend festgestellt werden, dass im konkreten Fall entgegen der Auf-
fassung der Staatsanwaltschaft keine komplexen Eigentums- und Nutzungsver-
hältnisse vorliegen. Vielmehr präsentiert sich die Sachlage einfach und klar: Es 
geht um die Frage nach der Unterhalts- und Sicherungspflicht für eine entlang 
der Kantonsstrasse von der Gemeinde S. erstellte Gehweganlage. Nicht anders 
verhält es sich in rechtlicher Hinsicht, zumal hiefür mit Art. 6 StrG beziehungs-
weise Art. 55 Abs. 1 aStrG in Verbindung mit Art. 12 der Ausführungsbestimmun-
gen zum aStrG eine klare gesetzliche Regelung besteht, wonach die Unterhalts- 
und Sicherungspflicht für Trottoiranlagen - unabhängig von den Eigentumsver-
hältnissen - der Gemeinde obliegt. Gemäss Strassengesetzgebung und auch 
dem allgemeinen Gefahrensatz war und ist demnach die Gemeinde nicht nur für 
den von ihr an der Kantonsstrasse erstellten Gehweg, sondern auch für den Holz-
zaun, welcher ja zum Schutze vor der als Folge des Trottoirbaus geschaffenen 
Absturzgefahr errichtet werden musste, unterhaltspflichtig. 

Das vorliegende Beweisresultat lässt folglich entgegen den Ausführungen 
der Vorinstanz darauf schliessen, dass die Garantenstellung respektive die Un-
terhalts- und Sorgfaltspflicht für den fraglichen Holzzaun bei der Gemeinde liegen 
dürfte.

f) Die oben zitierten, klaren gesetzlichen Bestimmungen der Stras-
sengesetzgebung hätte die Gemeinde S. kennen müssen. Entsprechend hätte 
sie auch auf ihre Unterhaltspflicht für den Schutzzaun schliessen können und 
müssen. Mit Schreiben vom 9. Mai 2000 unterbreitete sie dem Tiefbauamt des 
Kantons Graubünden das Projekt zum Bau einer neuen Gehweganlage und Bus-
haltestelle entlang der alten W.-Strasse auf dem Abschnitt S. - F. (vgl. act. 4.4, 
S. 1). Die Gemeinde war sich also offenbar schon zum damaligen Zeitpunkt darü-
ber im Klaren, dass solche Anlagen, welche an die Kantonsstrasse anschliessen, 
von ihr zu projektieren und zu bauen sind. Es  musste ihr somit auch bewusst 
sein, dass sie ebenso für den Unterhalt und damit auch für die gefahrlose Benüt-
zung dieser Anlage verantwortlich sein würde. Dies um so mehr, als sie denn 
auch mehrfach schriftlich auf ihre Unterhaltspflicht bezüglich der erstellten Trot-
toiranlage hingewiesen wurde. So wurde der Gemeinde mit Regierungsbe-

13

schluss vom 12. September 2000 unmissverständlich kundgetan, dass der Kan-
ton zwar Eigentümer des für den Bau des Gehwegs beanspruchten Bodens 
bleibe, die Erhaltung des Trottoirs und der Bushaltestelle aber sowohl baulich wie 
betrieblich der Gemeinde obliege (vgl. act. 4.4, Ziff. 14, S. 5). Entsprechend 
wurde die Gemeinde auch im Bauabnahmeprotokoll vom 30. November 2001 
(act. 3.12) nochmals ausdrücklich auf ihre Unterhaltspflicht bezüglich der erstell-
ten Gehweganlage hingewiesen. Anlässlich dieser Bauabnahme waren für die 
Gemeinde S. der damalige Gemeindepräsident sowie der damalige Baufachchef 
und heutige Gemeindepräsident anwesend. Diese beiden Gemeindevertreter 
wurden im Abnahmeprotokoll als „Bauherrschaft“ bezeichnet, wobei die Baulei-
tung unter Ziff. 1 explizit darauf aufmerksam machte, dass die neu erstellten An-
lageteile ins Eigentum und somit auch „zum Unterhalt an die Bauherrschaft“ über-
gehen würden. Schliesslich wurde im Rahmen der Bauabnahme von den Ge-
meindevertretern bemängelt, dass seitlich der Unterführung ein Schutzzaun 
fehle. Dieser wurde in der Folge im Auftrag der Gemeinde von der Baufirma M. 
errichtet (vgl. act. 3.11, S. 1 f.; act. 3.12, Ziff. 6 S. 3; act. 4.7, Ziff. 3./4.). Die 
Gemeinde hätte mithin auch aufgrund der Tatsache, dass sie als Bauherrin nicht 
nur das Trottoir, sondern auch den Schutzzaun hat erstellen lassen, erkennen 
können und müssen, dass auch der Unterhalt des errichteten Zaunes in ihre Zu-
ständigkeit fallen dürfte. 

Nach dem Gesagten wird mithin deutlich, dass sich aufgrund des aktuellen 
Untersuchungsstandes keinerlei plausiblen Gründe für die Annahme ergeben, 
wonach der Kanton und nicht die Gemeinde S. in der Unterhaltspflicht für den 
Holzzaun steht. Der angebliche Irrtum bezüglich der Garantenstellung für den 
Schutzzaun dürfte somit unter Anwendung pflichtgemässer Sorgfalt entgegen 
der Auffassung der Vorinstanz ohne weiteres zu vermeiden gewesen sein.

g) Der Vollständigkeit halber bleibt anzufügen, dass die Staatsanwalt-
schaft in ihrer Argumentation vom Vorliegen einer Unterlassung hinsichtlich der 
Kontroll- und Unterhaltspflicht ausgegangen ist und demzufolge die Garanten-
stellung als objektives Tatbestandselement des unechten Unterlassungsdelikts 
geprüft hat. Vorliegend dürfte sich allerdings auch die Frage stellen, ob der tat-
bestandsmässige Erfolg nicht auf eine Handlung zurückzuführen ist. Wird eine 
gefährliche Unternehmung ohne genügende Sicherungsmassnahmen durchge-
führt, so liegt in der Regel ein Begehungsdelikt vor. Massgebender Anknüpfungs-
punkt bildet insoweit nicht die im Unterbleiben von Sicherungsmassnahmen lie-
gende Unterlassung, sondern die in der Durchführung der Unternehmung beste-
hende Handlung, (vgl. dazu Stefan Trechsel/Marc Jean-Richard-dit-Bressel, 

14

a.a.O., N 5 f. zu Art. 11 StGB; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2003 
[6S.87/2003], E. 3.1, S. 4 f. mit Hinweisen).

Im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen wurde festgestellt, dass der 
obere Querbalken des von der Gemeinde als Bauherrin errichteten Absperrzau-
nes von aussen statt von innen her angebracht und nur mit Nägeln statt Schrau-
ben an den Holzpfosten befestigt war, was in Übereinstimmung mit den Aus-
führungen der Staatsanwaltschaft auf eine unsachgemässe Montage schliessen 
lässt. Das massgebende tatbestandsmässige Verhalten bestünde demnach al-
lenfalls in der Bereitstellung eines mit einem fehlerhaft montierten Zaun und damit 
ungenügend gesicherten Trottoirs durch die Gemeinde. Dabei bliebe weiter zu 
prüfen, ob der vorliegende Unfall zumindest in den wesentlichen Zügen hätte vor-
ausgesehen werde können (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juni 2003 
[6S.87/2003], E. 4.1, S. 6), wobei dies wohl bejaht werden müsste. Denn die Ge-
fahr eines tödlichen Absturzes im Bereiche der mehr als 6 Meter hohen Flügel-
mauer der Unterführung war angesichts der fehlerhaften Montage des oberen 
Querbalkens klar gegeben. Selbst wenn von einem aktiven Handeln auszugehen 
wäre, würde mithin die entsprechende Sorgfaltspflicht der Gemeinde obliegen, 
welche die Trottoiranlage errichtet und damit bereitgestellt hat, womit die Einstel-
lung der Strafuntersuchung auch unter diesem Gesichtspunkt betrachtet unhalt-
bar erscheint. Ob der tatbestandsmässige Erfolg durch ein aktives Handeln oder 
aber durch eine Unterlassung herbeigeführt worden ist, kann daher letztlich offen 
gelassen werden (vgl. dazu Guido Jenny, in: Basler Kommentar zum Strafrecht 
I, Art. 1-110 StGB, 2. Aufl., Basel 2007, N 65 zu Art. 12 StGB).

h) Somit wird deutlich, dass aufgrund des vorliegenden Untersu-
chungsergebnisses die Garantenstellung für den Holzzaun an der Unglücksstelle 
respektive die Verantwortlichkeit für die Sicherung der Trottoiranlage entgegen 
den Ausführungen der Vorinstanz bei der Gemeinde liegen dürfte und zudem 
diesbezüglich keine Anhaltspunkte für das Vorliegen eines nicht vermeidbaren 
Irrtums bestehen. Die von der Staatsanwaltschaft verfügte Einstellung der Straf-
verfahrens in Sachen F.: aussergewöhnlicher Todesfall zum Nachteil von A.B. 
erscheint mithin schon aus diesen Gründen nicht gerechtfertigt. 

6. Wie bereits eingangs erwähnt, hält die Begründung der Einstel-
lungsverfügung einer eingehenden Prüfung aber auch deshalb nicht stand, weil 
die Vorinstanz die Möglichkeiten zu einer sinnvollen Untersuchungsergänzung 
nicht ausgeschöpft hat und die Einstellungsverfügung demnach auf einem nicht 
entscheidungsreifen Beweisergebnis beruht.  

15

a)  Es ist Sache der Untersuchungsbehörden abzuklären, welche Per-
sonen eine Sorgfaltspflichtverletzung trifft. Wie oben ausgeführt, dürfte aufgrund 
der momentan bekannten Fakten und der klaren Regelung in der Strassenge-
setzgebung die Gemeinde für den Holzzaun an der Unfallstelle kontroll- und un-
terhaltspflichtig sein. Nicht gänzlich ausgeschlossen werden können aber auch 
die Verantwortlichen des Kantons, wobei hier die Frage im Raum steht, ob der 
Kanton im Zusammenhang mit dem Bau des Trottoirs, sei es etwa mit der Ge-
nehmigung des diesbezüglichen Gesuchs oder anlässlich der Bauabnahme vom 
30. November 2001 gegenüber der Gemeinde allenfalls zum Ausdruck brachte, 
er übernehme - abweichend von der gesetzlichen Regelung - anstelle der Ge-
meinde den Unterhalt des Zaunes. Ob eine derartige Zusicherung abgegeben 
wurde, wird aus den Akten nicht ersichtlich. Zur Klärung dieser offenen Frage 
hätte es mithin nebst einer Befragung der damaligen Gemeindevertreter insbe-
sondere auch einer Befragung der damals vom Tiefbauamt involvierten Personen 
bedurft. Der Untersuchungsrichter hat jedoch zur Frage der Garantenstellung 
bloss eine einzige Person, nämlich den damalige Baufachchef und heutigen Ge-
meindepräsidenten Y. einvernommen (vgl. act. 3.11). Darüber hinaus fanden le-
diglich Briefwechsel mit dem juristischen Mitarbeiter des Tiefbauamtes Graubün-
den sowie dem Gemeindevorstand von S. statt (vgl. act. 4.1; 4.2; 4.6; 4.7; 4.9; 
4.10). Dies obschon an der Bauabnahme vom 30. November 2001, anlässlich 
derer der Unterhalt der neu erstellten Gehweganlage thematisiert und diskutiert 
worden ist (vgl. act. 3.12 sowie weiter oben E. 5 f.), weitere  Personen anwesend 
waren und deren Einvernahme somit näheren Aufschluss über die Frage nach 
der unterhaltspflichtigen Körperschaft hätte geben können. Immerhin dürfte klar 
sein, dass eine allfällige Unterhaltspflicht des Kantones nicht mit der Begründung 
auszuschliessen ist, dass der Holzzaun von der Gemeinde nie zur Abnahme an-
gemeldet worden sei. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der Kanton eine sol-
che Abnahme nach einer gewissen Zeit selber hätte erwirken müssen. Dabei darf 
wohl auch angenommen werden, dass für die Verantwortlichen des Kantones bei 
ordnungsgemässer Abnahme der Anlage erkennbar gewesen wäre, dass der er-
richtete Holzzaun mit der auf der „falschen“ Seite angebrachten und nur mit Nä-
geln statt Schrauben befestigten oberen Querlatte (vgl. act. 4.2 Ziff. 3; act. 3.1, 
S. 3; act. 3.2, Fotos S. 4) die beabsichtigte Schutzfunktion kaum zu erfüllen ver-
mochte. Die Vorinstanz hätte demnach in Zusammenhang mit der Prüfung einer 
möglichen Verantwortlichkeit des Kantons auch der Frage nachgehen müssen, 
weshalb die gemäss Regierungsbeschluss vom 12. September 2000 vorgese-
hene Bauabnahme (vgl. act. 4.4, Ziff. 4.6) nicht stattgefunden hat (vgl. act. 4.9, 
S. 2 zu Ziff. 3 und 4). 

16

Angesichts der dargelegten fragwürdigen Montage der oberen Querlatte 
hätten sodann auch die Verantwortlichen der Baufirma M. befragt werden müs-
sen, welche den Zaun erstellt hat. Dabei wäre insbesondere zu klären gewesen, 
weshalb der Zaun gerade so und nicht anders errichtet worden ist und ob es 
diesbezüglich von irgendeiner Seite irgendwelche Weisungen gegeben hat. Ent-
sprechend hätte mittels Befragung der verantwortlichen und involvierten Perso-
nen beider Körperschaften auch abgeklärt werden müssen, ob schon einmal Un-
terhaltsarbeiten am Schutzzaun ausgeführt worden sind und gegebenenfalls von 
wem. Auch diesbezüglich hat sich die Staatsanwaltschaft Graubünden jedoch mit 
der Befragung von Y. (act. 3.11) und den schriftlichen Auskünften des juristischen 
Mitarbeiters des Tiefbauamtes Graubünden (act. 4.2; 4.9 und 4.10) sowie des 
Gemeindevorstandes (act. 4.7) zufriedengegeben und keine weiteren Einvernah-
men durchgeführt. 

b) Nach dem Gesagten erweist sich die durchgeführte Untersuchung 
daher in Bezug auf mehrere Punkte als unvollständig. Dabei bleibt davon auszu-
gehen, dass das Ergebnis nach Durchführung der dargelegten Beweisergänzun-
gen entweder auf die Unterhaltspflicht des Kantons Graubünden aufgrund be-
sonderer Zusage oder aber der Gemeinde S. aufgrund der Strassengesetzge-
bung und des allgemeinen Gefahrensatzes hinaus läuft, wobei in beiden Fällen 
ein unvermeidbarer Sachverhaltsirrtum aufgrund der vorliegend klaren Umstände 
nicht zur Diskussion stehen dürfte. Sollte aber die Vermeidbarkeit des Sachver-
haltsirrtums bejaht werden, so ist eine Einstellung des Strafverfahrens nicht 
zulässig, zumal diesfalls der Richter über die Strafe zu befinden hat (Art. 13 Abs. 
2 StGB). Dabei bleibt - wie bereits eingangs erwähnt (vgl. oben E.2, S. 4) - noch-
mals festzuhalten, dass im Untersuchungsverfahren der Grundsatz „in dubio pro 
reo„ nicht gilt und die Staatsanwaltschaft daher im Zweifelsfalle Anklage zu erhe-
ben hat. 

Die Einstellung des Strafverfahrens erscheint folglich auch mit Blick auf 
die weiteren nötigen Beweisergänzungen und deren erwartungsgemässe Aus-
wirkungen auf das aktuelle Beweisergebnis nicht als gerechtfertigt. 

7. Im Ergebnis wird somit deutlich, dass eine Einstellung der Strafun-
tersuchung mit der von der Staatsanwaltschaft Graubünden angeführten Begrün-
dung nicht haltbar ist und die angefochtene Einstellungsverfügung auf einem 
nicht entscheidungsreifen Beweisergebnis beruht, zumal noch weitere Erhebun-
gen möglich und nötig gewesen wären, welche das Beweisresultat massgeblich 
beeinflussen könnten. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, die angefochtene 

17

Einstellungsverfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die 
Staatsanwaltschaft Graubünden zurückzuweisen. Diese wird sich alsdann im 
Sinne der Erwägungen erneut mit der Angelegenheit zu befassen haben und im 
Rahmen der Untersuchungsergänzung die oben dargelegten notwendigen wei-
teren Abklärungen vornehmen müssen. 

8. Bei diesem Ausgang gehen die Kosten des Beschwerdeverfahrens 
zu Lasten des Kantons Graubünden (Art. 160 Abs. 1 StPO), welcher zudem die 
Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 160 Abs. 4 StPO ausseramtlich angemes-
sen zu entschädigen hat. 

18

Demnach erkennt die Beschwerdekammer :

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Einstellungsverfü-
gung aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen an die Staats-
anwaltschaft Graubünden zur Beweisergänzung und neuen Entscheidung 
zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 1’500.-- gehen zu Lasten 
des Kantons Graubünden, der zudem die Beschwerdeführerin ausseramt-
lich mit Fr. 2'200.00 inklusive Mehrwertsteuer zu entschädigen hat.

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 des Bundesgerichtsge-
setzes (BGG) Beschwerde in Strafsachen an das Schweizerische Bundes-
gericht geführt werden. Diese ist dem Bundesgericht schriftlich, innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

4. Mitteilung an: