# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 50b604bf-09d0-5fc1-a956-2efdd05ee06c
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-08
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 08.09.2021 BK 2021 197
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2021-197_2021-09-08.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 21 197

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 8. September 2021

Besetzung Oberrichter J. Bähler (Präsident), Oberrichter Schmid,
Oberrichterin Bratschi
Gerichtsschreiberin Beldi

Verfahrensbeteiligte A.________
v.d. Rechtsanwalt B.________

Verurteilte/Beschwerdeführerin

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Gegenstand Ausdehnung eines gutheissenden erstinstanzlichen Entscheids 
gem. Art. 356 Abs. 7 i.V.m. Art. 392 StPO

Beschwerde gegen die Verfügung des Regionalgerichts Bern-
Mittelland, Einzelgericht, vom 9. April 2021 (PEN 21 300)

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Regeste:

Art. 356 Abs. 7 und 392 StPO; Ausdehnung eines gutheissenden erstinstanzlichen Ent-
scheids in Strafbefehlsverfahren

Die Ausdehnung gutheissender Rechtsmittelentscheide gemäss Art. 392 StPO – d.h. eine 
Urteilsabänderung zugunsten von Mitbeteiligten – findet sinngemäss auch in Strafbefehls-
verfahren Anwendung (Art. 356 Abs. 7 StPO). Erzielen ein oder mehrere Einsprecher vor 
dem erstinstanzlichen Gericht ein im Vergleich zum Strafbefehl günstigeres Urteil, ändert 
das Gericht die Strafbefehle der anderen Beschuldigten zu deren Gunsten ab, sofern die 
Verfahrensleitung im dem bei ihr anhängig gemachten Hauptverfahren Kenntnis von den 
in gleicher Sache ergangenen, aber unangefochten gebliebenen Strafbefehlen erhält. 
Art. 356 Abs. 7 StPO ermöglicht damit eine «vereinfachte» Korrektur sich widersprechen-
der Strafbefehle. Im Nachgang eines rechtskräftigen erstinstanzlichen Urteils kann ein 
diesem Urteil widersprechender rechtskräftiger Strafbefehl nur noch auf dem Weg der Re-
vision überprüft werden (E. 4).

Erwägungen:

1. Mittels Strafbefehls vom 28. März 2019 wurde A.________ des Landfriedensbruchs 
schuldig erklärt, begangen am G.________ (Datum), in der Berner Innenstadt, im 
Rahmen der unbewilligten Demonstration «F.________» (Verfahren BM 18 43675). 
Am Folgetag wurde eine andere Teilnehmerin, C.________, mit identisch lauten-
dem Strafbefehl ebenfalls des Landfriedensbruchs schuldig erklärt (Verfahren BM 
18 43 668). Letztere reichte gegen den Strafbefehl Einsprache ein, worauf sie – 
soweit hier interessierend – im Verfahren PEN 19 547 vom Regionalgericht Bern-
Mittelland (nachfolgend: Regionalgericht) vom Vorwurf des angeblich am 7. April 
2018 begangenen Landfriedensbruchs freigesprochen wurde. Aufgrund dieses 
rechtkräftigen Freispruchs ersuchte Rechtsanwalt B.________ am 31. März 2021 
für seine Mandantin A.________ beim vorgenannten Gericht um Ausdehnung ei-
nes gutheissenden erstinstanzlichen Entscheids. 

Mit Verfügung vom 9. April 2021 trat das Regionalgericht auf den Antrag nicht ein. 
Daraufhin erhob A.________ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 21. April 2021 
bei der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Bern 
(nachfolgend: Beschwerdekammer) Beschwerde und beantragte – unter Kosten- 
und Entschädigungsfolgen – die Aufhebung der Nichteintretensverfügung und 
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur materiellen Entscheidung. Eventuali-
ter sei die Vorinstanz zu verpflichten, das Gesuch um Ausdehnung eines gutheis-
senden erstinstanzlichen Entscheids als sinngemässes Revisionsgesuch zustän-
digkeitshalber an die Berufungskammer des Obergerichts des Kantons Bern zu 
überweisen. Mit separatem Gesuch ersuchte die Beschwerdeführerin gleichentags 
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, unter Beiordnung ihres Rechts-
vertreters als amtlichen Anwalt. 

Die Verfahrensleitung räumte dem Regionalgericht und der Generalstaatsanwalt-
schaft mit Verfügung vom 23. April 2021 Gelegenheit ein, zur Beschwerde und zum 
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege Stellung zu nehmen. Mit Eingabe vom 

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28. April 2021 reichte das Regionalgericht eine Stellungnahme zur Beschwerde 
ein. Bezüglich des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege liess es sich nicht ver-
nehmen. Die Generalstaatsanwaltschaft verzichtete am 4. Mai 2021 auf eine Stel-
lungnahme. Am 6. Mai 2021 replizierte die Beschwerdeführerin zur Stellungnahme 
des Regionalgerichts vom 28. April 2021. Weitere Eingaben erfolgten nicht mehr.

2. Gegen Verfügungen und Beschlüsse sowie Verfahrenshandlungen erstinstanzli-
cher Gerichte kann bei der Beschwerdekammer innert 10 Tagen schriftlich und be-
gründet Beschwerde geführt werden; ausgenommen sind verfahrensleitende Ent-
scheide (Art. 393 Abs. 1 Bst. b i.V.m. Art. 396 Abs. 1 der Schweizerischen Straf-
prozessordnung [StPO; SR 312.0], Art. 35 des Gesetzes über die Organisation der 
Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] i.V.m. Art. 29 
Abs. 2 des Organisationsreglements des Obergerichts [OrR OG; BSG 162.11]). Die 
Beschwerde ist auch zulässig gegen Unterlassungen, unter Einschluss der Rechts-
verweigerung und Rechtsverzögerung (Art. 393 Abs. 2 StPO). Entsprechende Be-
schwerden sind an keine Frist gebunden (Art. 396 Abs. 2 StPO).

Ein Ausschlussgrund im Sinn von Art. 393 Abs. 1 Bst. b 2. Satzteil StPO liegt nicht 
vor. Die Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung sowie die an-
geblich zu Unrecht unterlassene Weiterleitung ihres Gesuchs an das Berufungsge-
richt unmittelbar in ihren rechtlich geschützten Interessen betroffen und somit zur 
Beschwerdeführung legitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO). Auf die form- und fristge-
recht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 

3.

3.1 Entschliesst sich die Staatsanwaltschaft nach erfolgter Einsprache der beschuldig-
ten Person, am Strafbefehl festzuhalten, so überweist sie die Akten unverzüglich 
dem erstinstanzlichen Gericht zur Durchführung des Hauptverfahrens. Der Strafbe-
fehl gilt dabei als Anklageschrift. Sind gegen mehrere Personen Strafbefehle erlas-
sen worden, die sich auf den gleichen Sachverhalt beziehen, so ist Art. 392 StPO 
sinngemäss anwendbar (Art. 356 Abs. 1 und 7 StPO). Letztgenannte Bestimmung, 
welche im Rechtsmittelverfahren zur Anwendung gelangt und den Titel «Ausdeh-
nung gutheissender Rechtsmittelentscheide» trägt, besagt was folgt: 
1 Haben nur einzelne der im gleichen Verfahren beschuldigten oder verurteilten Personen ein 

Rechtsmittel ergriffen und wird dieses gutgeheissen, so wird der angefochtene Entscheid auch 
zugunsten jener aufgehoben oder abgeändert, die das Rechtsmittel nicht ergriffen haben, wenn:

a. die Rechtsmittelinstanz den Sachverhalt anders beurteilt; und

b. ihre Erwägungen auch für die anderen Beteiligten zutreffen.

2 Die Rechtsmittelinstanz hört vor ihrem Entscheid wenn nötig die beschuldigten oder verurteilten 
Personen, die kein Rechtsmittel ergriffen haben, die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerschaft 
an.

3.2 Umstritten ist vorliegend, ob Art. 392 Abs. 1 StPO auch in der vorliegenden Kon-
stellation (sinngemäss) zur Anwendung gelangt.

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3.2.1 Das Regionalgericht verneinte dies mit folgender Begründung:

3. Formelle Voraussetzung für die Anwendbarkeit von Art. 392 StPO im Verfahren vor dem erstin-
stanzlichen Gericht ist, dass die in unterschiedlichen Strafbefehlen beurteilten Sachverhalte min-
destens im gleichen Zeitraum beim selben Gericht zur Anklage gebracht wurden (ZIEGLER/KELLER, 
BSK StPO, Art. 392 StPO N 3). Art. 392 StPO greift nicht, wenn mehrere beschuldigte Personen 
ursprünglich im gleichen Verfahren verfolgt wurden, «die einen dann aber mit Strafbefehl, andere 
vom Einzelgericht und wieder andere vom Kollegialgericht verurteilt wurden» (SCHMID/JOSITSCH, 
PK-StPO, Art. 392 N 8). Wurde gegen zwei Mittäter ein Strafverfahren eröffnet und beide Mittäter 
im selben Verfahren verfolgt, der eine dann aber im Strafbefehlsverfahren verurteilt und der ande-
re mittels Anklage dem erstinstanzlichen Gericht überwiesen, so kommt eine Ausdehnung nach 
Art. 392 StPO nicht in Frage, wenn nur einer der beiden den gegen ihn ergangenen Entscheid an-
gefochten und einen günstigeren Entscheid errungen hat (DAPHINOFF, Das Strafbefehlsverfahren 
in der Schweizerischen Strafprozessordnung, S. 726). Da bei Strafbefehlen in aller Regel keine 
Verfahrenseinheit vorliegt und das Gericht von den Strafbefehlen gegen andere Personen meist 
keine Kenntnis hat, greift Art. 392 StPO regelmässig nicht (OBERHOLZER, Grundzüge des Strafpro-
zessrechts, N 1486, S. 521). In solchen Fällen greift die Revision» gemäss Art. 410 Abs. 1 Bst. b 
StPO (SCHMID/JOSITSCH, PK-StPO, Art. 392 N 8; DAPHINOFF, Das Strafbefehlsverfahren in der 
Schweizerischen Strafprozessordnung, S. 570 und 726), welche stipuliert: «Wer durch ein rechts-
kräftiges Urteil, einen Strafbefehl, einen nachträglichen richterlichen Entscheid oder einen Ent-
scheid im selbstständigen Massnahmenverfahren beschwert ist, kann die Revision verlangen, 
wenn: [...] b. der Entscheid mit einem späteren Strafentscheid, der den gleichen Sachverhalt be-
trifft, in unverträglichem Widerspruch steht [...].» Das Revisionsgesuch ist schriftlich und begründet 
beim Berufungsgericht einzureichen. Im Gesuch sind die angerufenen Revisionsgründe zu be-
zeichnen und zu belegen. Gesuche nach Artikel 410 Absatz 1 Buchstabe b und 2 sind innert 90 
Tagen nach Kenntnisnahme des betreffenden Entscheids zu stellen (Art. 411 StPO). 

4. Der Strafbefehl BM 18 43675 vom 28. März 2018 gegen die Antragstellerin ist im Strafbefehlsver-
fahren in Rechtskraft erwachsen. Die Akten lagen dem Regionalgericht Bern-Mittelland bei der 
Beurteilung des Strafbefehls BM 18 43668 (PEN 19 547, C.________) nicht vor. Für eine sinn-
gemässe Ausdehnung des Urteils PEN 19 547 auf den rechtskräftigen Strafbefehl gegen die An-
tragstellerin fehlt es somit bereits an der formellen Voraussetzung des gleichen Verfahrens bzw. 
zumindest der gleichzeitigen «Anklageerhebung» beim Regionalgericht Bern-Mittelland, so dass 
dem Gericht zumindest theoretisch der Zugriff auf beide Akten möglich gewesen wäre.

In seiner Stellungnahme vom 28. April 2021 ergänzte das Regionalgericht mit Blick 
auf die von ihm für eine sinngemässe Anwendbarkeit von Art. 392 StPO geforderte 
gleichzeitige Rechtshängigkeit, dass sich diese auch aus dem Umstand ergebe, 
dass die Ausdehnung gemäss Art. 356 Abs. 7 und Art. 392 StPO keine dem Art. 
411 Abs. 2 StPO entsprechende Frist vorsehe. Würde in der vorliegenden Konstel-
lation der Ansicht der Beschwerdeführerin gefolgt, wären Gesuche um Ausdehnun-
gen gutheissender Rechtmittelentscheide im Sinn von Art.  356 Abs. 7 StPO von im 
Strafbefehlsverfahren rechtskräftig verurteilten Personen an das erstinstanzliche 
Gericht nicht fristgebunden, während solche im Sinn von Art. 410 Abs. 1 Bst. b 
StPO innert 90 Tagen nach Kenntnisnahme des betreffenden Entscheids beim Be-
rufungsgericht zu stellen wären.

3.2.2 Die Beschwerdeführerin rügt, dass das Regionalgericht hauptsächlich auf Literatur-
stellen zu Art. 392 StPO abgestellt und diese Bestimmung wortwörtlich auf die vor-

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liegende Konstellation übertragen habe. Vorliegend stehe jedoch nicht die Anwen-
dung von Art. 392 StPO zur Diskussion, sondern dessen sinngemässe Anwendung 
im Rahmen von Art. 356 Abs. 7 StPO. Die restriktive Auslegung des Regionalge-
richts vereitle die Anwendbarkeit resp. widerspreche dem klaren Wortlaut von 
Art. 356 Abs. 7 StPO. Es seien keine Hinweise ersichtlich, dass der Gesetzgeber 
diese Norm dermassen restriktiv habe ausgelegt wissen wollen.

Die Beschwerdeführerin geht mit dem erstinstanzlichen Gericht einig, dass die 
Hauptnorm von Art. 392 StPO grundsätzlich nur dann anwendbar ist, wenn sämtli-
che Fälle von demselben erstinstanzlichen Gericht beurteilt worden sind, jedoch le-
diglich einige der betroffenen Personen ein Rechtsmittel ergreifen und einen für sie 
vorteilhaften Rechtsmittelentscheid erwirken. Sinngemäss übertragen auf das 
Strafbefehlsverfahren bedeute dies – so die Ausführungen in der Beschwerde –, 
dass die den Strafbefehl ausstellende Staatsanwaltschaft dem erstinstanzlichen 
Gericht und der Strafbefehl dem erstinstanzlichen Urteil entsprechen würden. Im 
Anwendungsbereich von Art. 356 Abs. 7 StPO entspreche nun das erstinstanzliche 
Gericht der Rechtsmittelbehörde gemäss Art. 392 StPO und sein Urteil entspreche 
dem Entscheid der Rechtsmittelbehörde. Folgerichtig sei gemäss DAPHINOFF und 
RIKLIN Art. 356 Abs. 7 StPO namentlich dann anwendbar, wenn gegen mehrere 
Personen Strafbefehle erlassen worden seien, die sich auf denselben Sachverhalt 
beziehen würden, aber nur eine der betroffenen Personen Einsprache erhoben 
(bzw. diese aufrechterhalten) habe (vgl. DAPHINOFF, Das Strafbefehlsverfahren in 
der Schweizerischen Strafprozessordnung, 2012, S. 723 f.; RIKLIN, in: Basler 
Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 6 zu Art. 356 
StPO). Dies gelte gemäss SCHMID und JOSITSCH ungeachtet dessen, ob getrennte 
Strafbefehle erlassen oder die beschuldigten Personen mit gleichem Befehl verur-
teilt worden seien (SCHMID/JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Pra-
xiskommentar, 3. Auflage 2018, Art. 356 N. 12).

Die restriktive Auslegung der Vorinstanz würde – so die Beschwerdeführerin weiter 
– dazu führen, dass Art. 356 Abs. 7 StPO nur noch dann anwendbar wäre, wenn 
alle Betroffenen Einsprache gegen ihre Strafbefehle erhoben hätten, die Akten be-
reits dem erstinstanzlichen Gericht überwiesen worden seien und einige Betroffene 
ihre Einsprache hiernach resp. vor der Urteilsfällung zurückziehen würden. Diese 
Auffassung widerspreche jedoch der Rechtslehre (DAPHINOFF, a.a.O., S. 723 f.). 
Die vorinstanzliche Auslegung sei sinnwidrig und Art. 356 Abs. 7 StPO verkäme 
nahezu zu einem toten Buchstaben.

Hinsichtlich der vom Regionalgericht im Beschwerdeverfahren vorgebrachten Ar-
gumentation, wonach sich seine Ansicht auch mit der – im Gegensatz zum Revisi-
onsverfahren – nicht vorgesehenen Frist begründen lasse, bringt die Beschwerde-
führerin replicando vor, dass dieses Argument einer Anwendbarkeit von Art. 356 
Abs. 7 StPO nicht entgegenstehe. So spreche sich nämlich die Lehre im Anwen-
dungsbereich von Art. 392 sowie Art. 356 Abs. 7 StPO für eine analoge Geltung 
der Frist gemäss Art. 411 Abs. 2 StPO aus (so HEER, in: Basler Kommentar, 
Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 1 f. zu Art. 392 StPO, dort 
FN 2).

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4.

4.1 Soweit ersichtlich haben sich das Bundesgericht und die kantonalen Gerichte noch 
nicht zur Frage der sinngemässen Anwendbarkeit von Art. 392 StPO für in Strafbe-
fehlsverfahren ergangene Erkenntnisse resp. zum Anwendungsbereich von 
Art. 356 Abs. 7 StPO geäussert. Es ist im Folgenden Art. 356 Abs. 7 StPO einer 
Auslegung zu unterziehen. Dies bedingt zwangsläufig auch eine nähere Betrach-
tung von Art. 392 StPO. Dass das Regionalgericht die einschlägige Literatur zu 
dieser Norm herangezogen hat, ist somit nicht zu beanstanden.

4.2 Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der massgebenden Norm. An 
einen klaren Gesetzeswortlaut ist die rechtsanwendende Behörde gebunden. Ab-
weichungen vom klaren Wortlaut sind indessen zulässig oder sogar geboten, wenn 
triftige Gründe zur Annahme bestehen, dass er nicht dem wahren Sinn der Be-
stimmung entspricht. Solche Gründe können sich aus der Entstehungsgeschichte 
der Norm, aus ihrem Sinn und Zweck oder aus dem Zusammenhang mit anderen 
Vorschriften ergeben. Vom klaren Wortlaut kann ferner abgewichen werden, wenn 
die grammatikalische Auslegung zu einem Ergebnis führt, das der Gesetzgeber 
nicht gewollt haben kann (BGE 144 IV 240 E. 2.3.2 und 144 IV 97 E. 3.1.1, je mit 
Hinweisen). Die Gesetzesauslegung hat sich im Übrigen vom Gedanken leiten zu 
lassen, dass nicht schon der Wortlaut die Norm darstellt, sondern erst das an 
Sachverhalten verstandene und konkretisierte Gesetz. Gefordert ist die sachlich 
richtige Entscheidung im normativen Gefüge, ausgerichtet auf ein befriedigendes 
Ergebnis der ratio legis. Dabei befolgt das Bundesgericht einen pragmatischen Me-
thodenpluralismus und lehnt es namentlich ab, die einzelnen Auslegungselemente 
einer hierarchischen Ordnung zu unterstellen (BGE 145 IV 252 E. 1.6.1 mit weite-
ren Hinweisen).

4.3 Ausgehend von der soeben dargestellten Methodik ist zunächst zu prüfen, ob der 
Wortlaut von Art. 356 Abs. 7 StPO bzw. der dort verwendete Terminus «so ist 
Art. 392 sinngemäss anwendbar» derart klar ist, dass es bei einer grammatikali-
schen Auslegung sein Bewenden haben muss. Gegebenenfalls ist in einem zwei-
ten Schritt nach dem wirklichen Sinn und Zweck der Norm und auch danach zu fra-
gen, was der Gesetzgeber damit beabsichtigt hat. 

4.4 Aus dem Wortlaut von Art. 356 Abs. 7 StPO ergibt sich eine grundsätzliche – wenn 
auch sinngemässe – Anwendbarkeit von Art. 392 StPO. Darüber hinaus enthält der 
Wortlaut von Art. 356 Abs. 7 StPO keine weiteren Vorgaben. 

Den Materialien lässt sich nur wenig entnehmen. Zumindest geht aus diesen her-
vor, dass Art. 356 Abs. 7 StPO bzw. der damals gleichlautende Art. 417 Abs. 7 VE-
StPO in den Kommissionen des Stände- und Nationalrats diskussionslos ange-
nommen worden ist. Hinsichtlich des heute geltenden Art. 392 StPO (damals Art. 
400 E-StPO resp. Art. 460 VE-StPO]) wird in der Botschaft zur StPO darauf hinge-
wiesen, dass mit der Ausdehnung gutheissender Rechtsmittelentscheide bezweckt 
werde, nachträgliche Revisionsgesuche zu vermeiden (Botschaft zur Vereinheitli-
chung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005 [BBl 2006 1085, S. 1311 
f.]).

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4.5 In systematischer Hinsicht ist festzuhalten, dass Art. 392 StPO – auf welchen in 
Art. 356 Abs. 7 StPO verwiesen wird – in den allgemeinen Bestimmungen des 
9. Titels «Rechtsmittel» aufgeführt ist. Art. 392 StPO hält eine allgemeine Grundre-
gel im Rechtsmittelverfahren fest, dass eine Aufhebung/Abänderung eines Ent-
scheids stets auch zu Gunsten derjenigen beschuldigten Personen erfolgen soll, 
die selber kein Rechtsmittel gegen einen auch sie beschwerenden Entscheid ergrif-
fen haben. Die Einsprache im Sinn von Art. 354 StPO ist zwar kein Rechtsmittel im 
engeren Sinn, sondern ein Rechtsbehelf. Ungeachtet dessen soll Art. 392 StPO 
auch in Strafbefehlsverfahren zur Anwendung gelangen. 

4.6 Der Gesetzgeber übernahm somit das Gebilde der Ausdehnung gutheissender 
Rechtsmittelentscheide auch für Strafbefehle und das damit zusammenhängende 
Verfahren vor dem erstinstanzlichen Gericht. Jedoch kann weder dem Wortlaut, 
den Materialien noch der Systematik Genaueres zum konkreten Vorgehen ent-
nommen werden. Die hier nun interessierende Frage, in welchen Fällen eine Kor-
rektur eines unangefochten gebliebenen Strafbefehls über das Institut der «Aus-
dehnung gutheissender Rechtsmittelentscheide» zu erfolgen hat und wann der 
Weg über das Rechtsmittel der Revision zu beschreiten ist, lässt sich indessen mit 
einer teleologischen Auslegung beantworten. 

4.7 Sinn und Zweck von Art. 392 StPO (und damit auch von Art. 356 Abs. 7 StPO) ist – 
wie bereits erwähnt – die Vermeidung nachträglicher Revisionsgesuche (Botschaft 
zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005 [BBl 2006 
1085, S. 1311 f.]). Eine Ausdehnung gutheissender Rechtsmittelentscheide im Sinn 
von Art. 392 StPO – d.h. eine Urteilsabänderung zugunsten von Mitbeteiligten – 
stellt eine Revision sui generis dar, die den allgemeinen Revisionsbestimmungen 
vorgeht und zur Vermeidung einer Ungleichbehandlung Platz greift (ZIEG-
LER/KELLER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 
2014, N. 1 zu Art. 392 StPO). Sie erfolgt jeweils von Amtes wegen im Zusammen-
hang mit einem hängigen Rechtsmittelverfahren (resp. in der Regel in einem die-
sem anschliessenden Nachverfahren [HEER, a.a.O., N. 4 zu Art. 392 StPO; LIEBER, 
in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, StPO, 3. Aufl. 2020, N. 
8 zu Art. 392 StPO]). Dabei werden vorinstanzliche Entscheide auch zu Gunsten 
derjenigen beschuldigten Person aufgehoben oder geändert, die im selben Verfah-
ren beschuldigt oder verurteilt worden ist, das Rechtsmittel aber selbst nicht ergrif-
fen hat (OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts, 4. Aufl. 2020, S. 650 Rz. 
2113). Das bedeutet zum einen, dass ein diesbezüglicher Antrag zwar möglich, 
aber nicht notwendig ist, zum anderen, dass eine sog. Verfahrenseinheit vorliegen 
muss, somit die beschuldigte Person, welche kein Rechtsmittel ergriffen hat, im 
gleichen vorinstanzlichen Verfahren verurteilt worden ist (ZIEGLER/KELLER, in: Bas-
ler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, a.a.O., N. 3 zu Art. 392 
StPO, wonach nicht entscheidend sei, ob die Anklage formell in derselben Ankla-
geschrift oder erstinstanzlich infolge Verfahrensvereinigung gemeinsam oder in 
derselben Hauptverhandlung durch getrennte Urteile erfolgt sei; OBERHOLZER, 
a.a.O., S. 650 Rz. 2113.; SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 8 f. zu Art. 392 StPO). Wur-
den die beschuldigten Personen, welche kein Rechtsmittel ergriffen haben, erstin-
stanzlich nicht im gleichen Verfahren abgeurteilt, entfällt ein Vorgehen nach 
Art. 392 StPO. In diesen Fällen dürften die Voraussetzungen für eine Revision 

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gemäss Art. 410 Abs. 1 Bst. b StPO erfüllt sein (LIEBER, a.a.O., N. 6 zu Art. 392 
StPO). Gemäss dieser Bestimmung steht die Revision offen, wenn ein Entscheid 
mit einem späteren Strafentscheid, der den gleichen Sachverhalt betrifft, in unver-
träglichem Widerspruch steht. Erfasst davon wird der Fall, dass der gleiche Le-
benssachverhalt in zwei verschiedenen Entscheiden unterschiedlich gewürdigt 
wird. Der Widerspruch zwischen den fraglichen Urteilen ist erst dann unverträglich, 
wenn nach den Denkgesetzen eines davon notwendigerweise falsch sein muss. 
Damit kommt dieser Revisionsgrund nur zur Vermeidung absolut stossender Er-
gebnisse zum Tragen. Hauptsächlich zur Anwendung gelangt er im Fall von ge-
trennt geführten Strafverfahren gegen verschiedene Verantwortliche. Ein unverträg-
licher Widerspruch liegt vor allem dann vor, wenn die Anklage in beiden Entschei-
den den gleichen Lebenssachverhalt umfasst und dieser im späteren Entscheid in 
Folge einer abweichenden Würdigung als nicht nachweisbar angesehen wird, 
während er im früheren Entscheid als erstellt erachtet worden ist (OBERHOLZER, 
a.a.O., S. 666 Rz. N. 2173 mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 
6B_980/2015 vom 13. Juni 2016 E. 1.4 f.). Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn von 
mehreren Teilnehmern am gleichen Delikt der eine später freigesprochen wird, weil 
das Gericht die Tat nicht für erwiesen hält. So auch, wenn eine andere Person als 
der Verurteilte für die gleiche Handlung schuldig gesprochen wurde oder zwei ver-
schiedene Personen für ein offensichtlich in Alleintäterschaft begangenes Delikt 
verurteilt wurden (FINGERHUTH, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-
ordnung, StPO, 3. Aufl. 2020, N. 63 zu Art. 410 StPO; HEER, a.a.O., N. 90 f. zu Art. 
410 StPO). Eine Wiederaufnahme/Revision im Sinn von Art. 410 ff. StPO wird – im 
Gegensatz zu Art. 392 StPO – unabhängig eines rechtshängigen Verfahrens und 
stets auf Gesuch einer legitimierten Person eingeleitet. 

Vorstehende Ausführungen bedeuten nun für das Strafbefehlsverfahren resp. 
Art. 356 Abs. 7 StPO was folgt: Erzielen ein oder mehrere Einsprecher vor dem 
erstinstanzlichen Gericht ein im Vergleich zum Strafbefehl günstigeres Urteil, än-
dert das Gericht die Strafbefehle der anderen Beschuldigten zu deren Gunsten ab 
oder hebt sie im Fall eines Freispruchs der Einsprecher i.V.m. einer Verfahrensein-
stellung auf, obwohl diese seinerzeit keine Einsprache erhoben haben (RIKLIN, 
a.a.O., N. 6 zu Art. 356 StPO). DAPHINOFF hält insoweit fest, dass die nach der 
Einsprache mit dem Fall befasste und entscheidbefugte Behörde bei Vorliegen der 
Voraussetzungen von Art. 392 Abs. 1 StPO einen Entscheid über die Ausdehnung 
zu fällen hat (DAPHINOFF, a.a.O., S. 725). Art. 356 Abs. 7 StPO wird somit stets in 
einem rechtshängigen Verfahren relevant und bedingt selbstredend, dass der Ver-
fahrensleiter/die Verfahrensleiterin im dem bei ihm/ihr anhängig gemachten Haupt-
verfahren Kenntnis von den in gleicher Sache ergangenen, aber unangefochten 
gebliebenen Strafbefehlen erhält, was in der Regel dann der Fall sein dürfte, wenn 
den dem Gericht zur Verfügung gestellten Akten Hinweise auf Strafbefehle der Mit-
beteiligten entnommen werden können. Diese quasi «Bindewirkung» der Einspra-
che soll verhindern, dass zum Nachteil weiterer, im gleichen Verfahren verurteilter 
Personen ergangene – dem Entscheid der erstinstanzlichen Behörde widerspre-
chende – Strafbescheide bestehen bleiben und nachträglich mittels Revision beho-
ben werden müssten (DAPHINOFF, a.a.O, S. 723 f. FN 4625). In dem Sinn ermög-

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licht Art. 356 Abs. 7 StPO eine «vereinfachte» Korrektur sich wiedersprechender 
Strafbefehle (vgl. SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N. 1 zu Art. 392 StPO). 

4.8 Vorliegend bestehen keine Hinweise dafür, dass das Regionalgericht im Rahmen 
des Verfahrens PEN 19 547 (C.________) Kenntnis vom gegen die Beschwerde-
führerin ergangenen Strafbefehl erhalten hätte. Jedenfalls wird von der Beschwer-
deführerin nichts Gegenteiliges vorgebracht. Letztlich ist dies jedoch nicht relevant. 
Wie erwähnt, erlangt das Institut der «Ausdehnung gutheissender Rechtsmittelent-
scheide» im Sinn von Art. 392 StPO in Strafbefehlsverfahren nur während eines 
beim Regionalgericht hängigen Verfahrens Bedeutung. Davon kann vorliegend 
nicht gesprochen werden, war der im Verfahren PEN 19 547 gegen C.________ 
ergangene Freispruch betreffend Landfriedensbruchs im Zeitpunkt der Gesuchsein-
reichung der Beschwerdeführerin längst rechtskräftig. Für eine nachträgliche Kor-
rektur des gegen die Beschwerdeführerin erlassenen Strafbefehls via das Institut 
der «Ausdehnung gutheissender Rechtsmittelentscheide» bleibt damit – wie das 
Regionalgericht zu Recht erkannt hat – kein Raum. Stattdessen hätte sie den Weg 
über die Revision beschreiten können (vgl. dazu etwa den im Urteil des Bundesge-
richts 6B_980/2015 vom 13. Juni 2015 beschriebene Rechtsweg; ebenso Be-
schluss des Obergerichts des Kantons Zürichs SR200017 vom 20. Oktober 2020). 
Das Regionalgericht ist somit im Ergebnis zu Recht auf das Gesuch der Beschwer-
deführerin nicht eingetreten. 

5. Zu prüfen ist weiter, ob das Regionalgericht – wie von der Beschwerdeführerin im 
Eventualantrag resp. in der Eventualbegründung im Sinn einer Rechtsverweige-
rung vorgebracht – von Amtes wegen das Gesuch als sinngemässes Revisionsge-
suchs zur weiteren Behandlung an die Strafkammern des Obergerichts hätte wei-
terleiten müssen.

5.1 Mit Blick auf die theoretischen Erwägungen des Regionalgerichts im angefochte-
nen Entscheid darf geschlossen werden, dass es davon ausgegangen ist, dass die 
Beschwerdeführerin ein Revisionsgesuch hätte einreichen müssen. Ob es sich zur 
Frage einer allfälligen Weiterleitungspflicht Gedanken gemacht hat, kann dem Ent-
scheid indes nicht entnommen werden.

5.2 Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass die Wahl des korrekten Rechtsmittels re-
sp. Rechtsbehelfs mangels Praxis und höchstrichterlicher Entscheide zu Art. 356 
Abs. 7 StPO schwierig sei. Für das Regionalgericht seien die Voraussetzungen von 
Art. 356 Abs. 7 StPO offensichtlich nicht erfüllt gewesen, stattdessen hätte das 
Rechtsmittel der Revision ergriffen werden sollen. Diese Erkenntnis habe es ihr 
(der Beschwerdeführerin) erst in der angefochtenen Verfügung mitgeteilt, ohne 
gleichzeitig das Gesuch im Sinn eines Revisionsgesuchs gemäss Art. 410 Abs. 1 
Bst. b StPO an die Strafkammern weiterzuleiten. Dieses Vorgehen erscheine treu-
widrig (Art. 5 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft [BV; SR 101]), zumal sie damit der Möglichkeit beraubt worden sei, noch 
fristgerecht ein Revisionsgesuch beim Obergericht einzureichen. Die angefochtene 
Nichteintretensverfügung sei nämlich am 9. April 2021 und damit genau an dem 
Tag ergangen, an welchem die für Revisionsgesuche relevante Frist von 90 Tagen 
geendet habe (Art. 411 Abs. 2 StPO). Angesichts der Tatsache, dass der Sinnge-

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halt von Art. 356 Abs. 7 StPO noch ungeklärt sei, dürfte das Nichtweiterleiten als 
ordentliches Revisionsgesuch sodann als überspitzt formalistisch qualifiziert wer-
den (Art. 29 Abs. 2 BV). Folglich habe das Regionalgericht eine formelle Rechts-
verweigerung begangen, weshalb es zu verpflichten sei, das ursprüngliche Gesuch 
als Revisionsgesuch an die Strafkammern des Obergerichts weiterzuleiten.

5.3 Das Regionalgericht wehrt sich gegen den Vorwurf, eine Rechtsverweigerung be-
gangen zu haben. Mangels Ausführungen im Gesuch habe es keine Kenntnis da-
von gehabt, wann die Beschwerdeführerin vom rechtskräftigen Urteil PEN 19 547 
erfahren habe. Das Fehlen dieser für ein Revisionsgesuch notwendigen Informati-
on betreffend Fristwahrung habe einer Weiterleitung entgegengestanden. Ein allfäl-
liges Fristversäumnis sei folglich nicht ihm (als verfassungswidriger überspitzter 
Formalismus) vorzuwerfen, sondern der Beschwerdeführerin zuzurechnen, welche 
immerhin anwaltlich vertreten gewesen sei. Trotz angeblich unklarer Rechtslage 
habe sie mit dem Einreichen des Gesuchs bis kurz vor Ende der gesetzlichen Frist 
von 90 Tagen zugewartet und zwecks Fristwahrung weder vorsorglich ein Revisi-
onsgesuch anhängig gemacht noch (für den Fall des Nichteintretens eventualiter) 
ihm (dem Regionalgericht) die Weiterleitung ans Berufungsgericht beantragt. 

5.4 Gemäss Art. 91 Abs. 4 StPO gilt eine Frist auch dann als gewahrt, wenn die Einga-
be spätestens am letzten Tag der Frist bei einer nicht zuständigen schweizerischen 
Behörde eingeht. Weiter wird in dieser Bestimmung festgehalten, dass eine unzu-
ständige Behörde die Eingabe unverzüglich an die zuständige Strafbehörde weiter-
leitet. Mit dieser Regelung wird dem allgemeinen Rechtsgrundsatz Rechnung ge-
tragen, dass der Rechtsuchende nicht ohne Not um die Beurteilung seines Rechts-
begehrens durch die zuständige Instanz gebracht werden soll (BRÜSCHWEI-
LER/GRÜNIG, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, StPO, 3. Aufl. 
2020, N. 11 zu Art. 91 StPO mit Hinweisen). Die Weiterleitungspflicht gemäss 
Art. 91 Abs. 4 StPO beschränkt sich jedoch auf irrtümlicherweise an eine unzu-
ständige Behörde gerichtete Eingaben (BRÜSCHWEILER/GRÜNIG, a.a.O., N. 11 zu 
Art. 91 StPO, auch zum Folgenden). Das Verbot des Rechtsmissbrauchs gilt auch 
hier. Keinen Schutz findet deshalb, wer etwa trotz vorhandener Rechtskenntnisse 
die Eingabe absichtlich, insbesondere um so eine Verfahrensverzögerung zu be-
wirken, am unzuständigen Ort einreicht oder wenn die Einreichung bei der unzu-
ständigen Behörde gewollt ist und der Rechtsuchende darauf beharrt, dass die 
Behörde, an welche die Eingabe gerichtet ist, für deren Behandlung zuständig sei 
(GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011, 
N. 482). Eine Pflicht zur Weiterleitung kann auch dann bestehen, wenn mit der Ein-
gabe ein unzulässiges Rechtsmittel erhoben wird (vgl. Urteil des Verwaltungsge-
richts des Kantons Zürichs RG.2021.00002 vom 3. März 2021; Urteil des Bundes-
gerichts 2C_462/2014 vom 24. November 2014).

Art. 29 Abs. 1 BV verbietet überspitzten Formalismus als besondere Form der 
Rechtsverweigerung. Eine solche liegt vor, wenn für ein Verfahren rigorose Form-
vorschriften aufgestellt werden, ohne dass die Strenge sachlich gerechtfertigt wäre, 
wenn die Behörde formelle Vorschriften mit übertriebener Schärfe handhabt oder 
an Rechtsschriften überspannte Anforderungen stellt und damit dem Bürger den 
Rechtsweg in unzulässiger Weise versperrt. Prozessuale Formen sind unerlässlich, 

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um die ordnungsgemässe Abwicklung des Verfahrens und die Durchsetzung des 
materiellen Rechts zu gewährleisten. Nicht jede prozessuale Formstrenge stellt da-
her überspitzten Formalismus dar, sondern nur jene, die durch keine schutzwürdi-
gen Interessen gerechtfertigt ist, zum blossen Selbstzweck wird und die Verwirkli-
chung des materiellen Rechts in unhaltbarer Weise erschwert oder verhindert. Im 
Strafprozessrecht ergibt sich das Verbot des überspitzten Formalismus aus Art. 3 
Abs. 2 Bst. a und b StPO, wonach die Strafbehörden namentlich den Grundsatz 
von Treu und Glauben sowie das Verbot des Rechtsmissbrauchs zu beachten ha-
ben (BGE 142 IV 299 E. 1.3.2).

5.5 Angesichts des unter E. 4.6 hiervor Ausgeführten resp. mangels Rechtsprechung 
zu Art. 356 Abs. 7 StPO kann nicht davon gesprochen werden, dass der Rechts-
vertretung gestützt auf eine klare Rechtslage von vornherein hätte klar sein müs-
sen, dass dem beim Regionalgericht eingereichten Gesuch um Ausdehnung eines 
gutheissenden Rechtsmittelentscheids mangels Zulässigkeit kein Erfolg beschie-
den sein würde, stattdessen beim Berufungsgericht Revision hätte beantragt wer-
den müssen. Rechtsmissbräuchliches Vorgehen der Beschwerdeführerin resp. de-
ren Rechtsvertretung kann mangels weiterer Anhaltspunkte auch nicht darin er-
blickt werden, dass das Gesuch erst kurz vor Ende der für Revisionsverfahren 
massgeblichen Frist von 90 Tagen beim Regionalgericht eingegangen ist (Kennt-
nisnahme des gegen C.________ ergangenen [teil-]rechtskräftigen Urteils: 9. Ja-
nuar 2021 / Einreichung des Gesuchs: 31. März 2021). Gestützt auf die Akten ist 
vielmehr davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin resp. deren Rechtsver-
tretung überzeugt gewesen ist, das richtige Rechtsmittel resp. den richtigen 
Rechtsbehelf ergriffen zu haben. 

Dem Gesuch konnte unmissverständlich entnommen werden, dass es der Be-
schwerdeführerin letztlich um Korrektur des gegen sie erlassenen Strafbefehls 
ging. Das Regionalgericht schloss (implizit), dass die Beschwerdeführerin hierfür 
ein Revisionsgesuch hätte einreichen sollen. Den Gesuchsbeilagen konnte über-
dies entnommen werden, wann die Beschwerdeführerin resp. deren Rechtsvertre-
tung von der Rechtskraft des gegen C.________ ergangenen Freispruch Kenntnis 
erhalten hatte, nämlich am 9. Januar 2021 (Eingang der Verfügung des Oberge-
richts des Kantons Bern vom 8. Januar 2021 bei der Kanzlei der Rechtsvertretung). 
Zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung lief somit die für Revisi-
onsgesuche vorgesehene Frist von 90 Tagen aus, weshalb das Regionalgericht 
umso mehr gehalten gewesen wäre, die Eingabe der Beschwerdeführerin vom 
31. März 2021 zuständigkeitshalber dem Berufungsgericht zur weiteren Prüfung 
weiterzuleiten. Indem es dies nicht getan hat, ist es in überspitzten Formalismus 
verfallen und hat eine Rechtsverweigerung begangen.  

Die Beschwerde erweist sich somit insoweit als begründet. Aus prozessökonomi-
schen Gründen wird von der beantragten Rückweisung an das Regionalgericht 
(zwecks Weiterleitung des Gesuchs an das Berufungsgericht) abgesehen. Statt-
dessen wird – wie vom Regionalgericht beantragt – das Gesuch vom 31. März 
2021 als sinngemässes Revisionsgesuch mitsamt den Akten PEN 21 300 direkt zur 
weiteren Behandlung an die zuständigen Strafkammern des Obergerichts des Kan-
tons Bern weitergeleitet. 

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6. Hauptanliegen der Beschwerdeführerin war und ist, dass der gegen sie erlassene 
Strafbefehl einer neuen Prüfung unterzogen wird. Mit diesem Anliegen dringt sie 
letztlich (wenn auch lediglich mit dem Eventualantrag) durch, weshalb sie als 
vollständig obsiegende Partei zu bezeichnen ist. 

7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt der Kanton Bern die Verfahrenskosten 
(Art. 423 Abs. 1 i.V.m. Art. 428 Abs. 1 StPO). Diese werden bestimmt auf 
CHF 1'500.00. Im Weiteren hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Ent-
schädigung für ihre Aufwendungen im Beschwerdeverfahren (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 429 Abs. 1 Bst. a StPO). Da Rechtsanwalt B.________ keine Kostennote ein-
gereicht und sich dies auch nicht explizit vorbehalten hat, wird die vom Kanton 
Bern zu entrichtende Entschädigung praxisgemäss pauschal auf hier CHF 1'500.00 
(inkl. Auslagen und MWST) festgesetzt. Das Gesuch um unentgeltliche Rechts-
pflege wird damit gegenstandslos.

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Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird gutheissen. Das Gesuch vom 31. März 2021 wird als sinn-
gemässes Revisionsgesuch mitsamt den Akten zur weiteren Behandlung an die zu-
ständigen Strafkammern des Obergerichts des Kantons Bern weitergeleitet.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 1'500.00, trägt der Kanton 
Bern. 

3. Der Beschwerdeführerin wird für ihre Aufwendungen im Beschwerdeverfahren eine 
Entschädigung von CHF 1‘500.00 (inkl. Auslagen und MWST) ausgerichtet. 

4. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird als gegenstandslos abgeschrieben.

5. Zu eröffnen:
- den Strafkammern des Obergerichts des Kantons Bern (mit den Akten; per Kurier)
- der Verurteilten/Beschwerdeführerin, v.d. Rechtsanwalt B.________

(per Einschreiben)
- der Generalstaatsanwaltschaft (per Kurier)
- dem Regionalgericht Bern-Mittelland, Gerichtspräsident D.________

(per Kurier)

Mitzuteilen:
- der Regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, Staatsanwältin E.________

(BM 18 43675 – per Kurier)

Bern, 8. September 2021 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Der Präsident:

Oberrichter J. Bähler

Die Gerichtsschreiberin:

Beldi

Die Entschädigung für das Beschwerdeverfahren wird durch die Beschwerdekammer in Strafsachen entrichtet. 
Es wird um Zustellung eines Einzahlungsscheins ersucht. 

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entspre-
chen.