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**Case Identifier:** d234c675-58e2-51e6-9a40-a493b1b0bc92
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-10-30
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 30.10.2015 200 2014 457
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2014-457_2015-10-30.pdf

## Full Text

200 14 457 IV
LOU/IMD/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 30. Oktober 2015

Verwaltungsrichter Loosli, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Scheidegger, Verwaltungsrichter Matti
Gerichtsschreiber Imhasly

A.________ 
vertreten durch Rechtsanwalt B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 14. April 2014

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2015, IV/14/457, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1975 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
meldete sich im Juni 2013 unter Hinweis auf eine Brustkrebserkrankung bei 
der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an 
(Akten der Invalidenversicherung, Antwortbeilage [AB] 1). Die IV-Stelle 
Bern (IVB bzw. Beschwerdegegnerin) nahm Abklärungen in erwerblicher 
und medizinischer Hinsicht vor und unterbreitete die Akten dem Regionalen 
Ärztlichen Dienst (RAD) zur Beurteilung. Gestützt auf den Bericht der RAD-
Ärztin Dr. med. C.________, Fachärztin für Allgemeinmedizin FMH, vom 
10. Januar 2014 (AB 18) stellte sie der Versicherten vorbescheidweise die 
Abweisung des Leistungsgesuchs in Aussicht (AB 19). Nach dagegen vor-
gebrachten Einwänden (AB 22, 25, 27) und einer diesbezüglichen Stel-
lungnahme der RAD-Ärztin (AB 29) verfügte die IVB am 14. April 2014 wie 
angekündigt (AB 30).

B.

Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt 
B.________, mit Eingabe vom 14. Mai 2014 Beschwerde mit den folgenden 
Rechtsbegehren:

1. Es seien der Beschwerdeführerin die gesetzmässigen IV-Leistungen zu-
zusprechen.

2. Die Beschwerdegegnerin sei insbesondere zu verpflichten, der Beschwer-
deführerin Integrationsmassnahmen bzw. Massnahmen beruflicher Art zu 
gewähren.

3. Eventualiter sei ihr eine Rente zu gewähren.

4. Eventualiter sei ein medizinisches Gutachten durchzuführen.

5. Es sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege unter Bei-
ordnung des Unterzeichneten als unentgeltlicher Rechtsvertreter zu ge-
währen.

6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerde-
gegnerin.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2015 IV/14/457, Seite 3

Die Beschwerdeführerin rügt im Wesentlichen eine Verletzung der Ab-
klärungspflicht in medizinischer Hinsicht. Die Akteneinschätzung der RAD-
Allgemeinärztin, die in Widerspruch zu den Berichten der behandelnden 
Fachärzte stehe, genüge zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht.

Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 6. Juni 
2014 unter Verweis auf die angefochtene Verfügung die Abweisung der 
Beschwerde.

Mit prozessleitender Verfügung vom 12. Juni 2014 hiess der Instruktions-
richter das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von 
Rechtsanwalt B.________ als amtlicher Anwalt gut.

Am 26. Juni bzw. am 23. Juli 2014 gingen beim Verwaltungsgericht 
Schlussbemerkungen der Beschwerdeführerin bzw. eine diesbezügliche 
Stellungnahme der Beschwerdegegnerin ein.

Mit Eingabe vom 10. September 2014 reichte die Beschwerdeführerin ein 
medizinisches Zeugnis ihrer behandelnden Ärzte zu den Akten. Die Be-
schwerdegegnerin liess den RAD hierzu Stellung nehmen und hielt mit 
Eingabe vom 7. Oktober 2014 am bisher formulierten Rechtsbegehren fest.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über 
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über 
die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 
11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-

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gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversi-
cherung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege 
vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 14. April 2014 
(AB 30). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin 
auf Leistungen der Invalidenversicherung und dabei insbesondere, ob die 
Beschwerdegegnerin den Sachverhalt rechtsgenüglich abgeklärt hat.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-

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keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). Bei Nichterwerbstätigen wird der 
Erwerbsunfähigkeit die Unmöglichkeit, sich im bisherigen Aufgabenbereich 
zu betätigen, gleichgestellt (Art. 5 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 3 Satz 1 
ATSG).

Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aussch-
liesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti-
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver 
Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Mit dieser Regelung sind 
die bisher ungeschriebenen Rechtsgrundsätze und insbesondere die 
Rechtsprechung zur Ausscheidung der invaliditätsfremden Faktoren und 
zum Zumutbarkeitsprinzip neu ausdrücklich im Gesetz festgehalten (BGE 
140 V 197 E. 6.2.1 S. 199, 135 V 215 E. 7.3 S. 230; Botschaft zur 5. IVG-
Revision, BBl 2005 4530 ff.).

2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf 
eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c).

2.3

2.3.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 132 V 93 E. 4 S. 99).

2.3.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-

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chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2 S. 269, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

2.3.3 Sofern RAD-Untersuchungsberichte den Anforderungen an ein 
ärztliches Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352) genügen, auch hin-
sichtlich der erforderlichen ärztlichen Qualifikationen, haben sie einen ver-
gleichbaren Beweiswert wie ein anderes Gutachten (SVR 2009 IV Nr. 53 
S. 165 E. 3.3.2). Soll allerdings ein Versicherungsfall ohne Einholung eines 
externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung 
strenge Anforderungen zu stellen. Insbesondere sind die von der versicher-
ten Person aufgelegten Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte 
mitzuberücksichtigen. Wird die Schlüssigkeit der Feststellungen der versi-
cherungsinternen Fachpersonen durch einen nachvollziehbaren Bericht 
eines behandelnden Arztes in Zweifel gezogen, so genügt der pauschale 
Hinweis auf dessen auftragsrechtliche Stellung (BGE 125 V 351 E. 3a cc 
S. 353) nicht, um solche Zweifel auszuräumen. Vielmehr wird das Gericht 
entweder ein Gerichtsgutachten anzuordnen oder die Sache an den Versi-
cherungsträger zurückzuweisen haben, damit dieser im Verfahren nach 
Art. 44 ATSG eine Begutachtung veranlasst (BGE 135 V 465 E. 4.4 - 4.6 
S. 469).

2.4 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander wi-
dersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, oh-
ne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, 

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warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt 
(SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a).

3.

Den medizinischen Akten ist – soweit entscheidwesentlich – hauptsächlich 
das Folgende zu entnehmen:

3.1 Im Bericht vom 26. Juni 2013 diagnostizierte Dr. med. 
D.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und medizinische 
Onkologie FMH, ein Mammakarzinom links pT2 pN1a (1/15) cM0, G2, Ab-
latio und axiliäre Lymphadenektomie nach Sentinelmarkierung links sowie 
Ablatio rechts (auf Wunsch der Patientin) am 27. Februar 2013. Eine adju-
vante Chemotherapie sei von der Patientin abgelehnt worden. Seit dem 26. 
April 2013 werde eine adjuvante hormonelle Therapie mit Lucrin und Ta-
moxifen durchgeführt. Unter der Therapie bestehe eine deutlich einge-
schränkte Leistungsfähigkeit mit häufiger Nausea und Erbrechen, intermit-
tierend Kopfschmerzen sowie Konzentrationsstörungen. Insgesamt sei sie 
körperlich und geistig verlangsamt. Sie schaffe es aktuell nur knapp, als 
alleinerziehende Mutter zu ihrem 6-jährigen Sohn zu schauen und brauche 
hierfür Unterstützung. Seit dem 27. Februar 2013 bis auf weiteres liege 
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vor (AB 11).

Im Verlaufsbericht vom 5. November 2013 (AB 16) hielt Dr. med. 
D.________ fest, der Gesundheitszustand habe sich verbessert. Sie attes-
tierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit seit dem 27. Februar 2013 und 
erachtete eine Arbeit als ... momentan höchstens zu einem ganz reduzier-
ten Pensum ohne schwere körperliche Tätigkeiten als zumutbar. Im Wider-
spruch dazu führte sie aus, die bisherige Tätigkeit sei zu einem reduzierten 
Pensum zu maximal 50 % ohne Nachtarbeit möglich. Die Patientin befinde 
sich nach wie vor auf Stellensuche und habe wegen ihrer Erkrankung meh-
rere Absagen erhalten. Aufgrund der Erkrankung und der nötigen Therapie 
sowie der sozialen Situation (Betreuungsaufgaben) sei aktuell eine maxi-
male Anstellung von 50 % möglich. Es sei momentan nicht absehbar, wann 
mit einer vollständigen Arbeitsfähigkeit gerechnet werden könne, zuerst 
müsse eine Stelle gefunden werden.

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3.2 Die RAD-Ärztin Dr. med. C.________ erachtete im Bericht vom 10. 
Januar 2014 (AB 18) eine Arbeitsunfähigkeit über ein paar Monate auf-
grund des Therapieaufwandes und der psychischen Belastung als nach-
vollziehbar. Nach etwa drei Monaten lasse sich bei der vorliegenden Kon-
stellation (weder Chemo- noch Radiotherapie) eine Arbeitsunfähigkeit me-
dizinisch gesehen kaum noch rechtfertigen, nach sechs Monaten gar nicht 
mehr. Bei einer Hormontherapie sei lediglich mit Symptomen zu rechnen, 
wie sie bei der Menopause aufträten. Diese könne zwar das Wohlbefinden 
beeinträchtigen, sei jedoch keine Krankheit und könne nicht als invalidisie-
rend gelten. Von den seitens der Versicherten geklagten Störungen könn-
ten allenfalls Erbrechen und Kopfschmerzen den Medikamenten als Ne-
benwirkungen zugeschrieben werden. Die anderen Symptome, welche sie 
als Grund angegeben habe, nicht arbeiten zu können, seien unspezifisch, 
wie sie typischerweise bei allen möglichen Leiden ohne organisches Korre-
lat aufgezählt würden. Die frühere Tätigkeit als ... sei der Versicherten 
spätestens ab Oktober 2013 wieder in vollem Umfang zumutbar.

3.3 Dem Bericht der Klinik E.________ vom 29. Januar 2014 (AB 25 
S. 5 f.) ist zu entnehmen, dass die Patientin seit der Erstdiagnose und der 
Operation an Müdigkeit und Schwäche leide. Die Symptomatik habe sich 
nach Beginn der antihormonellen Therapie mit Kraftlosigkeit und gastroin-
testinalen Beschwerden (Nausea, Vomitus) im März 2013 deutlich ver-
schlechtert, eine weitere Verschlimmerung sei unter Zoladex eingetreten. 
Im November 2013 sei es zu einem hochfieberhaften Infekt mit Hospitalisa-
tion bei Pyelonephritis gekommen. Die Misteltherapie habe unterbrochen 
werden müssen, es sei zu einem erneuten Einbruch der Kräfte mit Müdig-
keit und Schwäche gekommen. Die Patientin leide an chronischer Müdig-
keit im Rahmen ihrer malignen Grunderkrankung und der damit einherge-
henden Therapie. Sie habe Konzentrationsschwierigkeiten mit Verlangsa-
mung im Denken beklagt und sei durch die anhaltende Fatigue im Alltag in 
ihrer Leistungsfähigkeit deutlich reduziert. Vom 11. Februar 2013 bis zum 
1. Februar 2014 sei sie zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Aktuell sei das 
Gewicht erfreulicherweise stabil, die gastrointestinalen Beschwerden hätten 
sich im Wesentlichen verbessert, die Laborwerte zeigten keine Auffälligkei-
ten.

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3.4 Dr. med. D.________ hielt im Bericht vom 13. März 2014 (AB 27 
S. 7 ff.) fest, eine Wiederaufnahme der angestammten Tätigkeit als ... sei 
aktuell zu maximal 50 % möglich. Es sei der Patientin momentan nicht 
möglich, ihren Haushalt vollständig selbstständig zu führen. Sie benötige 
eine Haushalthilfe alle zwei bis drei Wochen für die gröbsten und schweren 
Reinigungsarbeiten. Für die Betreuung ihres 6-jährigen Sohnes sei sie re-
gelmässig auf die Mithilfe ihrer Eltern angewiesen. Erschwerend komme 
die psychosoziale Belastungssituation (Trennung vom Ehemann, alleiner-
ziehend) hinzu.

Bezüglich des Berichts von Dr. med. C.________ vom 10. Januar 2014 (AB 
18) führte die behandelnde Ärztin aus, unter Verwendung der Medikamente 
Lucrin und Tamoxifen komme es zu einem plötzlichen Einsetzen der Me-
nopause, was nicht mit dem natürlichen Prozess, der sich in der Regel über 
mehrere Monate bis Jahre vollziehe, verglichen werden könne. Dies sei ein 
schwerer Eingriff in den Stoffwechsel und könne die von der Patientin be-
schriebenen Symptome beinhalten. Bei ihr seien diese Beschwerden sehr 
ausgeprägt. Ein anderes organisches Korrelat für die ausgeprägte Müdig-
keit und Leistungsminderung lasse sich nicht finden.

3.5 Die RAD-Ärztin hielt im Rahmen des Vorbescheidverfahrens am 
9. April 2014 (AB 29) fest, wenn nicht Chemo- oder Radiotherapie erfolgt 
sei, deren erhebliche Beeinträchtigung hauptsächlich in Form von Müdig-
keit bis zu einem Jahr anerkannt und begründet werde, sei die Betrachtung 
und Einschätzung einer Krebsoperation in gleicher Weise wie bei anderen 
Operationen nicht nur legitim, sondern angezeigt. Insofern könne weder die 
geklagte Müdigkeit noch die langdauernd eingeschränkte Leistungsfähig-
keit, die Konzentrationsstörungen oder eine andere Beeinträchtigung der 
geistigen Fähigkeiten mit der Operation oder der Medikation über längere 
Zeit begründet werden. Jüngere Frauen, die noch nicht in der Menopause 
seien, was auch für die Versicherte zutreffe, könnten am Anfang der Be-
handlung mit östrogenhemmenden Medikamenten vegetative Störungen 
haben, wie sie auch beim Übergang in die natürliche Menopause vorkä-
men. Diese Symptome könnten anfänglich recht heftig sein, klängen aber 
innert weniger Monate ab. Bezüglich der Störungen im linken Arm (Kraftlo-
sigkeit und Bewegungseinschränkungen) führte die RAD-Ärztin aus, die 

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Versicherte habe eine Lymphknotenausräumung gehabt, was für eine ge-
wisse Zeit störend bei der Armbeweglichkeit sein könne. Längerfristig lasse 
sich daraus aber keine Arbeitsunfähigkeit ableiten, Tausende von ebenso 
operierten Patientinnen seien das Beispiel dafür.

3.6 Im beschwerdeweise eingereichten Zeugnis vom 25. August 2014 
(Beschwerdebeilage [BB] 7) äussern die behandelnden Ärzte ihr Unver-
ständnis hinsichtlich der Einschätzung der Beschwerdegegnerin, wonach 
ihre Patientin ab Oktober 2013 wieder zu 100 % in ihrem bisherigen Beruf 
als ... arbeitsfähig sein soll. Diese Beurteilung entspreche in keiner Weise 
dem medizinischen Sachverhalt. Sie leide unter therapiebedingten Hor-
monentzugssymptomen, Konzentrations- und Vigilanzstörungen, emotiona-
ler Instabilität, Fatigue sowie Funktionseinschränkung und Lymphoedem-
neigung des linken Arms.

3.7 In der Stellungnahme vom 19. September 2014 (in den Gerichts-
akten) bekräftigte die RAD-Ärztin ihre bisherigen Ausführungen, wonach 
die vorgenommene Operation und die anschliessende Hormonbehandlung 
keine langdauernde Arbeitsunfähigkeit begründeten.

4.

4.1 Die vorliegenden Arztberichte weisen eine Differenz im Hinblick 
auf die attestierte Arbeitsunfähigkeit durch die Fachärzte einerseits und die 
RAD-Ärztin Dr. med. C.________ andererseits – welche keine Untersu-
chungen vornahm – auf.

Auf Stellungnahmen des RAD kann nur abgestellt werden, wenn sie den 
allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht 
genügen. Sie müssen insbesondere in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) 
abgegeben worden sein und in der Beschreibung der medizinischen Situa-
tion und Zusammenhänge einleuchten; die Schlussfolgerungen sind zu 
begründen. Die RAD-Ärzte müssen sodann über die im Einzelfall gefragten 
persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügen. Bezüglich dieser 
materiellen und formellen Anforderungen sind sie im Beschwerdefall ge-
richtlich überprüfbar. Nicht zwingend erforderlich ist hingegen, dass die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2015 IV/14/457, Seite 11

versicherte Person untersucht wird. Nach Art. 49 Abs. 2 der Verordnung 
über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV; SR 831.201) 
führt der RAD für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des 
Leistungsanspruchs nur „bei Bedarf“ selber ärztliche Untersuchungen 
durch. In den übrigen Fällen stützt er seine Beurteilung auf die vorhande-
nen ärztlichen Unterlagen ab. Das Absehen von eigenen Untersuchungen 
ist somit nicht an sich ein Grund, um einen RAD-Bericht in Frage zu stellen. 
Dies gilt insbesondere, wenn es im Wesentlichen um die Beurteilung eines 
feststehenden medizinischen Sachverhalts geht und die direkte ärztliche 
Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Entscheid 
des Bundesgerichts [BGer] vom 14. Juli 2009, 9C_323/2009, E. 4.3.1).

4.2 Von einem feststehenden medizinischen Sachverhalt kann vorlie-
gend nicht gesprochen werden. Die behandelnden Ärzte sprechen zwar 
von Müdigkeit und Schwäche (AB 25 S. 5 f.) bzw. von einer Fatigue (BB 7), 
begründete fachärztliche Ausführungen zum grundsätzlich komplexen und 
von vielen Faktoren beeinflussten Problem der Cancer-related Fatigue 
(CrF) unterbleiben jedoch. Es bleibt unklar, ob die geklagte Erschöpfung 
als CrF einzustufen ist – als solche wurde sie soweit ersichtlich nie dia-
gnostiziert – oder bloss als Ermüdung infolge der durchgemachten Krank-
heit bzw. der Therapie (vgl. Urteil des BGer vom 20. Februar 2015, 
9C_799/2014, E. 3.3.2 zum Problem der Abgrenzung). Ebenfalls ungeklärt 
bleibt dabei der Einfluss der unbestrittenermassen vorhandenen psychoso-
zialen Belastung (AB 27 S. 8). Die Stellungnahme der RAD-Ärztin bleibt 
hinsichtlich der im Zentrum stehenden Müdigkeit bzw. Fatigue eher diffus 
bzw. nimmt sie Vergleiche mit dem Durchschnitt der Patientinnen mit Fa-
tigue vor (AB 29 S. 2), was im konkreten Fall die Situation letztlich nicht 
erhellt. Ein CrF könnte auch Jahre nach Abschluss einer (konventionellen) 
Therapie auftreten, weshalb die Argumentation der nicht über eine spezifi-
sche onkologische Ausbildung verfügenden RAD-Ärztin, eine erhebliche 
Beeinträchtigung in Form von Müdigkeit könne bei erfolgter Chemo- und 
Radiotherapie bis zu einem Jahr anerkannt werden (AB 29 S. 2), nicht oh-
ne weiteres einleuchtet. Bei der Entstehung der CrF spielen somatische, 
emotionale, kognitive und psychosoziale Faktoren zusammen (BGE 139 V 
346 E. 3.3 S. 348). Insofern greift die Schlussfolgerung der RAD-Ärztin, 
wonach die aufgrund der Krebserkrankung erfolgte Operation hinsichtlich 

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der Folgen mangels nachfolgender Chemo- und Radiotherapie gleich wie 
eine andere Operation zu betrachten sei (AB 29 S. 2), zu kurz. Selbst wenn 
es sich bei den von der Beschwerdeführerin geklagten Symptomen – wie 
von der RAD-Ärztin festgehalten – um „unspezifische Störungen“ handeln 
sollte, kann diesen nicht von vornherein d.h. ohne rechtskonforme Ab-
klärung jegliche invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen 
werden.

Auch hinsichtlich der attestierten Funktionseinschränkung und Lymph-
oedemneigung des linken Arms aufgrund der erfolgten axiliären Lympha-
denektomie (AB 27 S. 8; BB 7) erlaubt die medizinische Aktenlage kein 
abschliessendes Urteil, begnügen sich die behandelnden Ärzte doch mit 
der Wiedergabe dieser Beschwerden und dem Hinweis auf deren Einfluss 
auf die Arbeitsfähigkeit, ohne dies näher zu begründen bzw. auszuführen, 
inwiefern dadurch auch die Ausübung einer angepassten Tätigkeit einge-
schränkt sein soll. Nicht zielführend ist diesbezüglich die Aussage der 
RAD-Ärztin, längerfristig lasse sich aufgrund der Lymphknotenausräumung 
keine Arbeitsunfähigkeit ableiten, wofür Tausende von ebenso operierten 
Patientinnen das Beispiel seien (AB 29 S. 3), blendet dies doch gerade den 
konkret zu beurteilenden Einzelfall aus. 

4.3 Nach dem hiervor Dargelegten kann weder auf die Einschätzung 
der RAD-Ärztin vom 10. Januar 2014 (AB 18) bzw. vom 9. April 2014 
(AB 29) noch auf die Beurteilung der behandelnden Ärzte abgestellt wer-
den. Damit hat die Beschwerdegegnerin den rechtserheblichen medizini-
schen Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Die angefochtene Verfügung 
vom 14. April 2014 (AB 30) ist daher in Gutheissung der Beschwerde auf-
zuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, wel-
che eine onkologische Begutachtung anzuordnen hat, wobei es ihr über-
lassen bleibt, allenfalls weitere Fachdisziplinen (etwa Orthopädie) mitein-
zubeziehen. Insbesondere wird im Gutachten auch Stellung zu beziehen 
sein zur psychosozialen Belastungssituation der Beschwerdeführerin und 
deren Einfluss auf den Gesundheitszustand. Das Gutachten hat sich im 
Übrigen an den Leitlinien gemäss Anhang zum IV-Rundschreiben Nr. 339 
auszurichten (vgl. Entscheid des BGer vom 23. September 2015, 
8C_421/2015, E. 5.3). Da die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt bis 

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anhin (quantitativ und qualitativ) nicht hinreichend geklärt hat, kommt die 
Rechtsprechung gemäss BGE 137 V 210 (Gerichtsgutachten) nicht zum 
Tragen. Zudem hat die Beschwerdeführerin explizit eine Rückweisung an 
die Verwaltung beantragt und damit zu verstehen gegeben, dass sie keine 
Instanz verlieren will.

5.

5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor 
dem kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung 
oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach 
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzulegen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 700.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4).

5.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Nach der Rechtsprechung gilt 
es unter dem Gesichtspunkt des (bundesrechtlichen) Anspruchs auf eine 
Parteientschädigung im Streit um eine Sozialversicherungsleistung bereits 
als Obsiegen, wenn die versicherte Person ihre Rechtsstellung im Ver-
gleich zu derjenigen nach Abschluss des Administrativverfahrens insoweit 
verbessert, als sie die Aufhebung einer ablehnenden Verfügung und die 
Rückweisung der Sache an die Verwaltung zu ergänzender Abklärung und 
neuer Beurteilung erreicht (BGE 137 V 57 E. 2.1 S. 61).

Die Beschwerdeführerin wird durch Rechtsanwalt B.________ vertreten. 
Dessen Kostennote vom 17. Oktober 2014 ist nicht zu beanstanden. Ent-
sprechend wird die Parteientschädigung auf Fr. 3'120.-- zuzüglich Auslagen 
von Fr. 93.60.-- und 8 % Mehrwertsteuer im Betrag von Fr. 257.10, somit 
auf total Fr. 3'470.70 festgesetzt. Diesen Betrag hat die Beschwerdegegne-
rin der Beschwerdeführerin zu ersetzen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2015, IV/14/457, Seite 14

5.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweist sich die mit prozess-
leitender Verfügung vom 12. Juni 2014 gewährte unentgeltliche Rechts-
pflege als hinfällig.

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 14. April 2014 aufgehoben und die Sache an die 
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie nach Vornahme der 
Abklärungen im Sinne der Erwägungen neu verfüge. 

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 700.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt.

3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 3'470.70 (inkl. Auslagen und Mehrwert-
steuer), zu ersetzen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern
- Bundesamt für Sozialversicherungen 

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 30. Okt. 2015 IV/14/457, Seite 15

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.