# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 38db871c-20a4-5c3a-82b8-517d2901b35e
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240051-O1
**Docket/Reference:** SB240051-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240051-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240051-O/U/cwo

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. M. Langmeier, Präsident, Oberrichterin lic. iur. 

M. Knüsel und Oberrichter lic. iur. R. Faga sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw A. Sieber

Urteil vom 13. Februar 2025

in Sachen

A._____,

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich,

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin

sowie

5.

6.

7.

8.

B._____,

C._____,

D._____,

E._____,

Privatkläger und Anschlussberufungskläger

5, 6, 7, 8, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____

betreffend mehrfache versuchte schwere Körperverletzung etc. und Widerruf 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 8. Abteilung, 

vom 6. September 2023 (DG230005)

- 2 -

Anklage:
(Urk. D1/21)

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 3. Januar 2023 

ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 68 S. 75 ff.)

Es wird erkannt:

1.

Das Verfahren wird bezüglich des Vorwurfs der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB einge-

stellt.

2.

Der Beschuldigte ist schuldig

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

der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 

und 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,

des räuberischen Diebstahls im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB,

der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB,

des Raufhandels im Sinne von Art. 133 StGB,

der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB,

der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB,

des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB,

der  mehrfachen  Gewalt  und  Drohung  gegen  Behörden  und  Beamte  im  Sinne  von 

Art. 285 Ziff. 1 StGB,

der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB,

der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in 

Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. c WG,

des Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG sowie

der vorsätzlichen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG.

3.

Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 28. Januar 2018 ausgefällte 

bedingte Vollzug der Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu CHF 30.– wird widerrufen.

4.

Der  Beschuldigte  wird  unter  Einbezug  der  widerrufenen  Strafe  bestraft  mit  63  Monaten 

Freiheitsstrafe,  wovon  bis  zum  26.  September  2022  insgesamt  465  Tage  durch  Unter-

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suchungshaft  sowie  durch  vorzeitigen  Strafantritt  erstanden  sind,  mit  einer  Geldstrafe  von 

180 Tagessätzen zu CHF 30.– als Gesamtstrafe sowie mit einer Busse von CHF 300.–.

5.

6.

Die Geldstrafe wird vollzogen.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an 

deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.

7.

Für den Beschuldigten wird im Sinne von Art. 61 StGB eine Massnahme für junge Erwach-

sene angeordnet unter gleichzeitiger Anordnung einer ambulanten Suchtbehandlung (Art. 63 

StGB).

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu diesem Zweck aufgeschoben.

Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Beschuldigte seit dem 26. September 2022 

im vorzeitigen Massnahmenvollzug befindet.

8.

9.

Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 8 Jahre des Landes verwiesen.

Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird angeord-

net.

10.

Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände werden dem Beschuldigten nach Eintritt der 

Rechtskraft  dieses  Entscheides  auf  erstes  Verlangen  hin  herausgegeben,  sofern  sie  dem 

Beschuldigten  nicht  bereits  ausgehändigt  wurden,  oder  nach  Ablauf  von  3  Monaten  der 

Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen:

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Schuhe "Nike Tn Air" (Asservat Nr. A015'281'591)

Schwarzes T-Shirt (Asservat Nr. A015'281'626)

Blaue Jeanshose (Asservat Nr. A015'281'648)

Kleider (Asservat Nr. A014'950'711)

Kleider (Asservat-Nr. A013'796'275)

Jeanshose mit Gürtel (Asservat-Nr. A013'796'297)

Gelbes T-Shirt (Asservat-Nr. A013'796'300)

11.

Die  folgenden  beschlagnahmten  Gegenstände  werden  dem  Privatkläger  1  (F._____)  nach 

Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides auf erstes Verlangen hin herausgegeben, sofern 

sie diesem nicht bereits ausgehändigt wurden, oder nach Ablauf von 3 Monaten der Lager-

behörde zur Vernichtung überlassen:







Weisse Turnschuhe (Asservat Nr. A015'278'725)

Blaue Jeanshose (Asservat Nr. A015'278'736)

Blaue Fleecejacke (Asservat Nr. A015'278'747)

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12.

Die  folgenden  beschlagnahmten  Gegenstände  werden  der  Lagerbehörde  zur  Vernichtung 

überlassen:

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Besteckmesser (Asservat Nr. A012'772'202)

Stein Nr. 1 (Asservat Nr. A012'664'276)

Stein Nr. 2 (Asservat Nr. A012'664'287)

Stein Nr. 3 (Asservat Nr. A012'664'298)

Stein Nr. 4 (Asservat Nr. A012'664'301)

Stein Nr. 5 (Asservat Nr. A012'664'312)

Stein Nr. 6 (Asservat Nr. A012'664'334)

zerbrochene Glasflasche/Scherben (Asservat Nr. A013'796'253)

13.

Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 7. Dezember 2022 be-

schlagnahmte Neck-Knife "Albainox" (Asservat-Nr. A015'281'433) sowie das mit Verfügung 

der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 7. Dezember 2022 beschlagnahmte Messer 

(Asservat-Nr. A015'058'829) werden eingezogen und dem Forensischen Institut Zürich (FOR) 

zur gutscheinenden Verwendung überlassen.

14.

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 1 (F._____) aus den 

eingeklagten  Ereignissen  dem  Grundsatze  nach  schadenersatzpflichtig  ist.  Zur  genauen 

Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger 1 (F._____) 

auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

15.

Der Privatkläger 13 (G._____) wird mit seinem Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren 

auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

16.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 (F._____) CHF 8'000.– zuzüglich 5 % 

Zins  ab  7. August  2021  als  Genugtuung  zu  bezahlen. 

Im  Mehrbetrag  wird  das 

Genugtuungsbegehren abgewiesen.

17.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 3 (H._____) CHF 3'000.– zuzüglich 5 % 

Zins  ab  24. April  2021  als  Genugtuung  zu  bezahlen. 

Im  Mehrbetrag  wird  das 

Genugtuungsbegehren abgewiesen.

18.

Die Genugtuungsbegehren der Privatkläger 5 (B._____), Privatkläger 6 (C._____), Privatklä-

ger 7 (D._____) und Privatkläger 8 (E._____) werden abgewiesen.

19.

Der  Beschuldigte  wird  gemäss  seiner  Anerkennung  verpflichtet,  der  Privatklägerin 11 

(I._____) CHF 200.– als Genugtuung zu bezahlen.

20.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 12 (J._____) CHF 1'500.– als Genugtu-

ung zu bezahlen.

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21.

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

10'000.–

; die weiteren Kosten betragen:

6'000.–

Gebühr für das Vorverfahren;

42'146.90

Auslagen Polizei / IRM & FOR / Externe;

2'800.–

Gerichtsgebühr Beschwerdeverfahren (UE200346-O);

43'785.–

Entschädigung amtliche Verteidigung (RA X1._____);

592.35

Entschädigung amtliche Verteidigung (RA X2._____);

25'577.90

Entschädigung amtliche Verteidigung (RA X2._____);

366.65

Entschädigung amtliche Verteidigung (RA X3._____);

5'124.25

Entschädigung Rechtsbeiständin Privatkläger 1;

3'002.50

Entschädigung Rechtsbeistand Privatkläger 3.

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

22.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen 

der amtlichen Verteidigungen sowie der unentgeltlichen Vertretungen der Privatklägerschaft, 

werden dem Beschuldigten auferlegt.

Die Kosten der amtlichen Verteidigungen sowie der unentgeltlichen Vertretungen der Privat-

klägerschaft werden auf die Gerichtskasse genommen. Vorbehalten bleibt eine Nachforde-

rung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO.

23.

(Mitteilungen)

24.

(Rechtsmittel)

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Berufungsanträge:

a)

des Beschuldigten:

(Urk. 126 S. 19 und Prot. II S. 15, Ergänzung 10)

1.

2.

3.

Die Anträge der Staatsanwaltschaft I seien abzuweisen.

Die Anträge der Privatklägerschaft seien abzuweisen.

Der  Beschuldigte  sei  vom  Vorwurf  der  mehrfachen  versuchten 

schweren Körperverletzung freizusprechen.

4.

Der  Beschuldigte  sei  vom  Vorwurf  des  räuberischen  Diebstahls 

freizusprechen.

5.

Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen 

Beamte und Behörden freizusprechen.

6.

Der Beschuldigte sei vom Vorwurf des Raufhandels, insbesondere 

des Raufhandels z.Nt. des Privatklägers 3, freizusprechen.

7.

Der  Beschuldigte  sei  vom  Vorwurf  der  Sachbeschädigung  sowie 

der mehrfachen Drohung freizusprechen.

8.

Der Beschuldigte sei angemessen zu bestrafen. Der Beschuldigte 

sei mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten zu bestrafen.

9.

Die Massnahme nach Art. 61 StGB sei weiterzuführen bzw. zu be-

stätigen.

10. Von einer Massnahme nach Art. 63 StGB sei abzusehen.

11. Von einer Landesverweisung sowie von der Ausschreibung im SIS 

sei abzusehen.

12. Die Zivilforderungen der Privatkläger 1 und 3 seien auf den Zivil-

weg zu verweisen.

13. Die amtliche Verteidigung sei gemäss separat eingereichter Hono-

rarnote  unter  allfälliger  Anpassung  der  geschätzt  bezeichneten 

Positionen zu entschädigen.

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14. Die Kosten des Verfahrens seien anteilsmässig durch den Staat zu 

tragen. 

b)

der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:

(Urk. 128 S. 1)

1.

Der  Beschuldigte  sei  betreffend  Dossier  2  neben  versuchter 

schwerer Körperverletzung anstelle des Raufhandels des Angriffs 

schuldig zu sprechen.

2.

Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen, jedoch sei 

von einer Massnahme für junge Erwachsene abzusehen.

3.

Formeller Antrag: Der Beschuldigte sei in Sicherheitshaft zu belas-

sen.

c)

der Privatkläger 5, 6, 7 und 8:

(Urk. 85 und Urk. 118, sinngemäss)

Der  Beschuldigte  sei  hinsichtlich  der  Anklageziffer  1.7  der  Gewalt  und 

Drohung gegen Behörden und Beamte schuldig zu sprechen.

Der  Beschuldigte  sei  zu  verpflichten,  der  Privatklägerin  5  eine  Genugtuung 

von  Fr. 200.–,  dem  Privatkläger  6  eine  Genugtuung  von  Fr. 300.–,  dem 

Privatkläger  7  eine  Genugtuung  von  Fr. 200.–  und  dem  Privatkläger  8  eine 

Genugtuung von Fr. 250.–, zuzüglich 5 % Zinsen seit dem 30. Juni 2019, zu 

bezahlen.

Den Privatklägern 5, 6, 7 und 8 sei für das Beschwerdeverfahren gegen die 

Einstellungsverfügung  der  Staasanwaltschaft  vom  28.  September  2020  vor 

dem  Obergericht  des  Kantons  Zürich  (UE200346-O)  gesamthaft  oder  zu  je 

einem  Viertel  eine  Parteientschädigung  von  Fr. 6'522.75  aus  der 

Gerichtskasse  zuzusprechen,  eventualiter  sei  diese  dem  Beschuldigten 

aufzuerlegen.

Es  sei  eine  angemessene  Parteientschädigung  für  die  Vertretung  im 

Berufungsverfahren zuzusprechen.

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d)

der Privatkläger 1 und 2:

(Urk. 78, Urk. 79 und Urk. 82)

Je keine Anträge.

e)

des Privatklägers 3:

(Urk. 80)

Verzicht auf Anschlussberufung.

f)

des Privatklägers 4:

(Urk. 78 und Urk. 79)

Keine Anträge.

g)

der Privatkläger 9 und 10:

(Urk. 78 und Urk. 79)

Je keine Anträge.

h)

des Privatklägers 11:

(Urk. 78)

Keine Anträge.

i)

der Privatkläger 12 und 13:

(Urk. 78 und Urk. 79)

Je keine Anträge.

j)

der Privatkläger 14, 15, 16 und 17:

(Urk. 78 und Urk. 79)

Je keine Anträge.

k)

der Privatklägerin 18:

(Urk. 78 und Urk. 79)

Keine Anträge.

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Erwägungen:

I.  Verfahrensgang, Berufungsumfang, Prozessuales

1.

Verfahrensgang

1.1. Am  3. Januar  2023  erhob  die  Staatsanwaltschaft  I  des  Kantons  Zürich 

gegen  A._____  (nachfolgend:  der  Beschuldigte)  beim  Bezirksgericht  Zürich  An-

klage (Urk. D1/21). Der Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil ergibt sich 

aus dem Entscheid vom 6. September 2023 (Urk. 68 S. 8 f.).

1.2. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 6. September 2023 wurde den 

Parteien am 8. September 2023 mündlich eröffnet (Urteilsdispositiv: Urk. 56; Prot. I 

S. 24). Der Beschuldigte meldete sogleich mündlich sowie mit Eingabe vom 8. Sep-

tember  2023  fristgerecht  Berufung  an  (Prot.  I  S. 24  und  Urk. 57;  Art. 399  Abs. 1 

StPO). Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 66/2, am 11. Januar 2024) 

liess der Beschuldigte am 31. Januar 2024 fristgerecht die Berufungserklärung ein-

reichen.  Gleichzeitig  liess  er  den  Beweisantrag  stellen,  es  sei  K._____  von  der 

"L._____" [Kirche] zu befragen (Urk. 69; Art. 399 Abs. 3 StPO). 

1.3. Mit Präsidialverfügung vom 9. Februar 2024 wurde der Staatsanwaltschaft 

sowie  den  Privatklägern  ein  Doppel  der  Berufungserklärung  des  Beschuldigten 

zugestellt und Frist angesetzt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben 

oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde ihnen 

Frist  angesetzt,  um  zum  Beweisantrag  des  Beschuldigten  Stellung  zu  nehmen 

(Urk. 78). Mit Eingabe vom 21. Februar 2024 teilte Rechtsanwalt MLaw Y2._____ 

mit,  dass  der  Privatkläger  3  auf  Anschlussberufung  verzichte  (Urk. 80). 

Rechtsanwältin MLaw Y3._____ teilte mit Eingabe vom 1. März 2024 mit, dass sie 

den Privatkläger 1 nicht mehr vertrete, die Verfügung vom 9. Februar 2024 diesem 

jedoch  weitergeleitet  habe  (Urk. 82).  Mit  Eingabe  vom  4. März  2024  teilte  die 

Staatsanwaltschaft mit, Anschlussberufung zu erheben, und nahm ferner zum Be-

weisantrag  des  Beschuldigten  Stellung  (Urk. 83).  Mit  Eingabe  vom  4. März  2024 

reichte Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____ die Anschlussberufung der Privatkläger 5, 

6, 7 und 8 ein (Urk. 85). Die übrigen Privatkläger liessen sich nicht vernehmen.

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1.4. Mit  Präsidialverfügung  vom  3.  April  2024  wurde  der  Beweisantrag  des 

Beschuldigten  abgewiesen  und  die  Anschlussberufungen  der  Staatsanwaltschaft 

sowie  der  Privatkläger  5,  6,  7  und  8  den  übrigen  im  Berufungsverfahren  aktiv 

beteiligten Parteien zugestellt (Urk. 87).

1.5. Mit Eingabe vom 26. September 2024 ersuchte der amtliche Verteidiger um 

Sistierung  des  Verfahrens,  da  der  Beschuldigte  seit  einigen  Monaten  aus  der 

Massnahme nach Art. 61 StGB im Massnahmenzentrum Uitikon (MZU) abgängig 

sei  und  sich  vermutlich  im  Ausland  befinde  (Urk. 90).  Am  27.  September  2024 

wurde unter dem Hinweis, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die 

Berufung  als  zurückgezogen  gelte,  wenn  die  Berufung  führende  Partei  nicht 

vorgeladen  werden  könne,  mit  dem  amtlichen  Verteidiger  telefonisch  vereinbart, 

dass  er  bis  zum  7. Oktober  2024  versuche,  Kontakt  zum  Beschuldigten 

herzustellen  (Urk. 91).  Am  2. Oktober  2024  wurde  von  Herrn  M._____  des  MZU 

telefonisch bestätigt, dass der Beschuldigte seit dem 31. Mai 2024 abgängig sei 

(Urk. 92).  Mit  Eingabe  vom  8. Oktober  2024  (Datum  Poststempel)  teilte  der 

amtliche  Verteidiger  mit,  dass  der  Kontakt  zum  Beschuldigten  bestehe  und  gab 

zudem die Zustelladresse des Beschuldigten bekannt (Urk. 93).

1.6. Am  23.  Oktober  2024  wurde  der  Beschuldigte  verhaftet  und  gestützt  auf 

§ 22a StJVG in Sicherheitshaft gesetzt (Urk. 94-96). Am 4. November 2024 wurde 

der  Beschuldigte  gemäss  Mitteilung  der  Bewährungs-  und  Vollzugsdienste  des 

Justizvollzugs  und  Wiedereingliederung  des  Kantons  Zürich  (nachfolgend:  BVD) 

ins Gefängnis Affoltern versetzt (Urk. 98).

1.7. Am 15. November 2024 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 13. Fe-

bruar 2025 vorgeladen. 

1.8. Mit Eingabe vom 20. Dezember 2024 beantragten die BVD die Aufhebung 

des bewilligten vorzeitigen Massnahmenvollzugs nach Art. 61 StGB (Massnahme 

für junge Erwachsene) und gleichzeitig die Prüfung einer allfälligen Anordnung von 

Sicherheitshaft  bei  Aufhebung  des  vorzeitigen  Massnahmenvollzugs  (Urk. 101). 

Nachdem  den  Parteien  mit  Präsidialverfügung  vom  7.  Januar  2025  Frist  zur 

Stellungnahme  gesetzt  worden  war  (Urk. 102),  ging  am  9. Januar  2025  die 

- 11 -

Stellungnahme der Staatsanwaltschaft fristgerecht ein (Urk. 104). Innert erstreckter 

Frist und nach gewährter Akteneinsicht (Urk. 105) ging sodann die Stellungnahme 

der Verteidigung ein (Urk. 110). Die Verteidigung stellte gleichentags drei Beweis-

anträge (Urk. 111). 

1.9. Am  23.  Januar  2025  verlängerten  die  BVD  die  Sicherheitshaft  um  drei 

Monate, längstens bis zum Entscheid des hiesigen Gerichts betreffend Aufhebung 

des vorzeitigen Massnahmenvollzugs (Urk. 107A). In Gutheissung des entsprech-

enden Beweisantrags der Verteidigung wurde sodann beim Gefängnis Affoltern ein 

Führungsbericht  über  den  Beschuldigten  eingeholt  und  den  Parteien  des 

Berufungsverfahrens  zur  Kenntnisnahme  zugestellt  (Urk.  116  und  Urk. 117).  Im 

Übrigen  teilte  die  Verfahrensleitung  den  Parteien  mit,  dass  angesichts  der  zeit-

lichen Umstände über die weiteren noch offenen Anträge anlässlich der Berufungs-

verhandlung entschieden werde (Urk. 114).

1.10. Zur  Berufungsverhandlung  vom  13.  Februar  2025  erschienen  der 

Beschuldigte  in  Begleitung  seines  amtlichen  Verteidigers,  Rechtsanwalt  lic. iur. 

X1._____, der Staatsanwalt lic. iur. N._____ sowie O._____, welche mit einem der 

Beweisanträge  der  Verteidigung  als  Zeugin  offeriert  worden  war  (Prot. II  S. 7). 

Vorfragen  waren  keine  zu  entscheiden.  In  Gutheissung  des  entsprechenden 

Beweisantrags  wurde  O._____  als  Zeugin  einvernommen  (Urk. 124).  Nach  der 

Einvernahme  des  Beschuldigten  (Urk. 125)  waren  keine  weiteren  Beweise 

abzunehmen.  Der  Beweisantrag  der  Verteidigung  auf  erneute  Befragung  von 

P._____ wurde abgewiesen (Prot. II S. 11 ff.). Das Urteil erging im Anschluss an 

die  Berufungsverhandlung  zusammen  mit  dem  Entscheid  auf  Aufhebung  des 

vorzeitigen Massnahmenvollzugs und Verlängerung der Sicherheitshaft und wurde 

mündlich eröffnet und erläutert (Prot. II S. 18 ff.).

2.

Umfang der Berufung

2.1. Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch von den Vorwürfen der mehr-

fachen  versuchten  schweren  Körperverletzung  (Dossiers  1  und  2),  des  räuberi-

schen Diebstahls (Dossier 1), der Gewalt und Drohung gegen Beamte und Behör-

den (alt Dossier 2), des Raufhandels (Dossier 2) sowie der Sachbeschädigung und 

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der  mehrfachen  Drohung  (alt  Dossier  3;  Dispositivziffer  2,  1.,  2.,  4.-6.  und  8. 

Spiegelstrich).  Ferner  wendet  sich  der  Beschuldigte  gegen  den  Strafpunkt  und 

beantragt  eine  angemessene  Strafe  sowie  das  Absehen  von  einer  Massnahme 

nach Art. 63 StGB (Dispositivziffer 3, 4, 5, 6 und 7). Zudem ficht er die Anordnung 

einer Landesverweisung sowie deren Ausschreibung im SIS (Dispositivziffer 8 und 

9), die Entscheide in Bezug auf die Zivilforderungen der Privatkläger 1 und 3 (Dis-

positivziffer 14, 16 und 17) sowie die erstinstanzliche Kostenauflage an (Dispositiv-

ziffer 22; vgl. Urk. 69 S. 1 ff.).

Die Staatsanwaltschaft beantragt im Rahmen ihrer Anschlussberufung anstelle des 

Schuldspruchs wegen Raufhandels (Dossier 2) einen Schuldspruch wegen Angriffs 

(Dispositivziffer  2,  4.  Spiegelstrich)  und  im  Übrigen  die  Bestätigung  des 

angefochtenen Entscheids (vgl. Urk. 83 S. 3).

Die Privatkläger 5, 6, 7 und 8 beantragen mit ihrer Anschlussberufung zunächst die 

Bestätigung  des  vorinstanzlichen  Schuldspruchs  wegen  Gewalt  und  Drohung 

gegen Beamte und Behörden (alt Dossier 2; Dispositivziffer 2, 8. Spiegelstrich) und 

fechten  die  Abweisung  der  von  ihnen  gestellten  Genugtuungsbegehren  an 

(Dispositivziffer  18).  Ausserdem  beantragen  sie  für  das  Beschwerdeverfahren 

gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 28. September 2020 

vor  dem  Obergericht  des  Kantons  Zürich  die  Zusprechung  einer 

Parteientschädigung von Fr. 6'522.75 (gesamthaft oder zu je einem Viertel) aus der 

Gerichtskasse (UE200346-O; vgl. Urk. 85; Urk. 118).

2.2. Unangefochten  blieben  die  Verfahrenseinstellung  bezüglich  des  Vorwurfs 

der  Nötigung  i.S.v.  Art.  181  StGB  (Dispositivziffer  1),  die  Schuldsprüche  der 

einfachen  Körperverletzung  i.S.v.  Art.  123  Ziff.  1  StGB,  des  Hausfriedensbruchs 

i.S.v. Art. 186 StGB, der Hinderung einer Amtshandlung i.S.v. Art. 286 StGB, der 

Widerhandlung gegen das Waffengesetz i.S.v. Art. 33 Abs. 1 lit. a WG i.V.m. Art. 4 

Abs. 1  lit. c  WG,  des  Fahrens  ohne  Berechtigung  i.S.v.  Art. 95  Abs. 1  lit. b  SVG 

sowie  der  vorsätzlichen  Verletzung  der  Verkehrsregeln  i.S.v.  Art. 90  Abs. 1  SVG 

(Dispositivziffer  2,  3.,  7.,  9.-12.  Spiegelstrich),  die  Entscheide  zu  den  beschlag-

nahmten Gegenständen (Dispositivziffern 10 bis 13), die Entscheide zu den Zivil-

forderungen der Privatkläger 11, 12 und 13 (Dispositivziffer 15, 19 und 20) sowie 

- 13 -

die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 21). In diesem Umfang ist 

der vorinstanzliche Entscheid in Rechtskraft erwachsen, was vorab vorzumerken 

ist (Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 437 StPO). 

2.3.

In den übrigen Punkten steht der angefochtene Entscheid – unter Vorbehalt 

des Verschlechterungsverbotes (Art. 391 Abs. 2 StPO; vgl. hierzu die Erwägungen 

im Zusammenhang mit der Sanktion in E. III.1.4.) – grundsätzlich zur Disposition.

2.4. Die  unangefochtenen  vorinstanzlichen  Schuldsprüche  gemäss  Dossier 3 

(Sachbeschädigung), alt Dossier 5 (Drohung), alt Dossier 4 und alt Dossier 8 (je 

Gewalt  und  Drohung  gegen  Behörden  und  Beamte)  haben  trotz  Anfechtung  der 

Schuldsprüche der mehrfachen Sachbeschädigung, der mehrfachen Drohung und 

der  mehrfachen  Gewalt  und  Drohung  gegen  Behörden  und  Beamte  weiterhin 

Bestand.

3.

Prozessuales

3.1. Am 1. Januar 2024 traten die revidierten Bestimmungen der StPO in Kraft 

(AS 2023 468; BBl 2019 6697). Gemäss Art. 453 Abs. 1 StPO werden Rechtsmittel 

gegen Entscheide, die vor Inkrafttreten der neuen Regelungen gefällt wurden, nach 

bisherigem Recht beurteilt. Infolgedessen ist für das vorliegende Rechtsmittelver-

fahren das frühere Prozessrecht massgebend.

3.2. Auf  die  seit  1.  Juli  2023  geltende  Harmonisierung  der  Strafrahmen  für 

Gewalttaten (Bundesgesetz vom 17. Dezember 2021 über die Harmonisierung der 

Strafrahmen;  AS  2023  259,  BBl  2018  2827)  wird  im  Zusammenhang  mit  den 

betroffenen Straftatbeständen einzugehen sein.

3.3. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, ohne dass dies explizit Erwähnung findet.

3.4. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 3 Abs. 2 

lit. c  StPO)  folgt  die  Pflicht  des  Gerichts,  seinen  Entscheid  zu  begründen.  Die 

Begründung  muss  kurz  die  wesentlichen  Überlegungen  nennen,  von  denen  sich 

- 14 -

das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf sich 

aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht aus-

drücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand aus-

einandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf die für den Entscheid 

wesentlichen Punkte beschränken. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 Ziff. 1 EMRK in 

der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Argument gefordert 

würde (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 249 E. 1.3.1; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_689/2019 vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2, mit Hinweisen).

II.  Sachverhalt und rechtliche Würdigung

1.

Ausgangslage

1.1.

Im  vorliegenden  Berufungsverfahren  sind  nur  noch  die  Sachverhalte 

gemäss  Dossier  1  (versuchte  schwere  Körperverletzung  und  räuberischer 

Diebstahl),  Dossier 2  (versuchte  schwere  Körperverletzung  und  Raufhandel),  alt 

Dossier 2 (Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte) und alt Dossier 3 

(Sachbeschädigung und mehrfache Drohung) umstritten. 

1.2.

Im Folgenden ist nochmals zu prüfen, ob sich diese Vorwürfe der Anklage 

gestützt auf die allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdigung in Berücksichtigung 

der verwertbaren und relevanten Beweismittel rechtsgenügend erstellen lassen.

2.

Beweisgrundsätze

Die Vorinstanz hat die massgebenden Grundsätze der Beweiswürdigung zutreffend 

dargestellt (Urk. 68 S. 13), worauf in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO verwie-

sen werden kann. 

3.

Dossier 1

3.1. Anklagevorwurf

3.1.1.  Zusammengefasst wird dem Beschuldigten vorgeworfen, am 7. August 2021 

um ca. 01:40 Uhr an der Seepromenade in … Zürich Q._____ (nachfolgend: dem 

Privatkläger 2) dessen Plastiksack mit alkoholischen Getränken aus der Hand ge-

- 15 -

rissen und in der Folge dessen Kollege F._____ (nachfolgend: dem Privatkläger 1) 

unvermittelt mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben, nachdem dieser ver-

sucht habe, dem Beschuldigten den Plastiksack wieder abzunehmen. In der Folge 

sei der Privatkläger 1 durch die Kollegen und den Bruder des Beschuldigten ge-

schlagen und an beiden Armen festgehalten worden, während der Beschuldigte vor 

dem Gesicht des Privatklägers 1 mit einem Messer (einem sog. "Neck knife") mit 

einer Klingenlänge von ca. 7.5 cm herumgefuchtelt und seitliche Schnittbewegun-

gen  gemacht  habe.  Dabei  habe  der  Beschuldigte  den  Privatkläger 1  mindestens 

einmal  mit  dem  Messer  im  Gesicht  getroffen.  Durch  den  Faustschlag  sowie  die 

Schnittbewegungen  mit  dem  Messer  habe  der  Privatkläger  1  eine  tiefgreifende 

Rissquetschwunde an der Nase (samt Teilamputation des Nasendornfortsatzes), 

eine leichte Beschädigung von zwei Schneidezähnen sowie ein leichtes Schädel-

Hirn-Trauma mit multiplen Kontusionen im Gesicht erlitten. Die Verletzung an der 

Nase habe eine bleibende Narbe hinterlassen (Urk. D1/21 S. 2 f.).

3.1.2.  In rechtlicher Hinsicht wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten eine 

versuchte  schwere  Körperverletzung  i.S.v.  Art. 122  Abs. 1  und  2  StGB  i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB sowie einen räuberischen Diebstahl i.S.v. Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 

StGB vor (Urk. D1/21 S. 2 f. und 10).

3.2. Standpunkt des Beschuldigten

3.2.1.  Der  Beschuldigte  zeigte  sich  hinsichtlich  des  Anklagevorwurfes  teilweise 

geständig. Er anerkannte, den Privatkläger 1 bei deren Auseinandersetzung wegen 

eines Sackes mit Getränken mit der rechten Faust geschlagen (Urk. D1/3/3 F/A 10, 

23, 27, 74; Urk. 47A S. 10) und sein Messer eingesetzt (Urk. D1/3/3 F/A 92) bzw. 

damit herumgefuchtelt zu haben (Urk. D1/3/3 F/A 10, 13 f. und 17; Urk. 47A S. 11). 

Zudem anerkannte der Beschuldigte, den Privatklägern 1 und 2 einen Plastiksack 

entrissen zu haben (Urk. D1/3/3 F/A 10, 56 und 72 f.).

3.2.2.  Der  Beschuldigte  stellte  jedoch  in  Abrede,  den  Privatkläger 1  mit  dem 

Messer verletzt zu haben. Er führte indes aus, er habe den Privatkläger 1 mit dem 

Messer lediglich auf Distanz halten wollen, da er sich in Gefahr gesehen habe. Er 

habe von einer unbekannten Person rufen gehört, dass der Privatkläger 1 etwas 

- 16 -

auspacke und habe nicht verletzt werden wollen (Urk. D1/3/3 F/A 10, 17 und 113 

f.;  Urk. 47A  S. 11  und  13).  Der  Beschuldigte  gab  sodann  an,  dass  der  weisse 

Plastiksack mit den Getränken ihm gehört und er die Getränke zuvor im R._____ 

selber  gekauft  habe  (Urk. D1/3/3  F/A  10,  27,  42  f.,  56  und  72  f.).  Anlässlich  der 

Berufungsverhandlung wiederholte der Beschuldigte im Wesentlichen den bereits 

geschilderten Standpunkt (Urk. 125 S. 21 f.).

3.2.3.  Ergänzend führte die Verteidigung aus, der Faustschlag erfülle höchstens 

den Tatbestand der versuchten einfachen Körperverletzung. Ferner mangle es an 

einem Vorsatz des Beschuldigten betreffend eine schwere Körperverletzung. Der 

Beschuldigte habe das Messer gezogen, um Distanz zu schaffen und sich selbst 

zu schützen (Urk. 50 S. 4). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Vertei-

digung ferner aus, dass das Nachtatverhalten des Beschuldigten – er habe dem 

Privatkläger 1 Wasser angeboten und ihm geholfen, das Mobiltelefon zu suchen – 

nicht dafür spreche, dass der Beschuldigte den Privatkläger 1 (zumindest schwer) 

verletzt haben könnte. Der Privatkläger 1 sei von fünf bis sechs Personen festge-

halten  und  geschlagen  worden.  Es  liege  der  Verdacht  nahe,  dass  es  eine  dritte 

Person mit einem Messer gegeben haben könnte. Ausserdem würde sich das Ver-

letzungsbild  eher  durch  eine  kontrollierte  Handlung  erklären  lassen  (Urk. 126 

S. 5 ff.)

3.3. Beweismittel

3.3.1.  Zum  Anklagevorwurf  gemäss  Dossier  1 

liegen  die  Aussagen  des 

Beschuldigten  (Urk. D1/3/1-3;  Urk. D1/20/1  F/A 7  ff.;  Urk. D1/20/2  F/A 8  ff.; 

Urk. 47A S. 10 ff.; Urk. 125 S. 21 f. und 27 ff.) sowie diejenigen des Privatklägers 2 

(Urk. D1/4/1/1-3) und des Privatklägers 1 vor (Urk. D1/4/2/1-3, inkl. Videoaufnahme 

Urk. D1/4/2/4  zu  Urk.  D1/4/2/3).  Ferner  wurden  die  Beschuldigten  S._____  und 

T._____  (je  separate  Verfahren)  am  7. August  2021  polizeilich  einvernommen 

(Urk. D1/5/1+2). Neben den Personalbeweisen liegen verschiedene objektive Be-

weismittel in den Akten; die Fotodokumentation u.a. des Tatortes, der Verletzungen 

des  Privatklägers  1  und  der  polizeilich  kontrollierten  Personen  (Urk. D1/2/1),  ein 

ärztlicher  Bericht  zur  Blutalkoholanalyse  des  Instituts  für  Rechtsmedizin  (IRM) 

(Urk. D1/6/4) und ein pharmakologisch-toxikologisches Gutachten des IRM je über 

- 17 -

den Beschuldigten (Urk. D1/6/5), ein zahnärztlicher Bericht (Urk. D1/7/2) sowie ein 

ärztlicher Austrittsbericht des Instituts für Notfallmedizin des Universitätsspitals Zü-

rich über den Privatkläger 1 (Urk. D1/7/3) sowie ein Gutachten zur Auswertung von 

DNA-Spuren des IRM (Urk. D1/8/5).

3.3.2.  Auf die einzelnen Beweismittel ist nachfolgend im Rahmen der Beweiswür-

digung weiter einzugehen, soweit ihnen Relevanz zukommt.

3.4. Würdigung der Beweismittel

3.4.1.  Unangefochten blieb und erstellt ist, dass der Beschuldigte im Rahmen einer 

Auseinandersetzung  wegen  eines  Sackes  mit  Getränken  dem  Privatkläger  1  mit 

der Faust ins Gesicht geschlagen hat. 

3.4.2.  Die  Aussagen  des  Beschuldigten  sowie  der  Privatkläger  1  und  2  zu  den 

Schnittverletzungen im Gesicht des Privatklägers 1 hat die Vorinstanz zutreffend 

zusammengefasst, worauf verwiesen werden kann (Urk. 68 S. 18). Die Vorinstanz 

kommt zusammengefasst zum Schluss, gestützt auf die glaubhaften Aussagen der 

Privatkläger 1 und 2 könne erstellt werden, dass der Beschuldigte dem Privatklä-

ger 1 durch einen Faustschlag und das Herumfuchteln mit einem Messer vor des-

sen Gesicht die in der Anklage vorgeworfenen Verletzungen, mithin eine Schnitt-

wunde  an  der  Nase,  mehrere  oberflächliche  Schnittverletzungen  an  der  linken 

Wange  und  eine  Teilamputation  des  Nasendornfortsatzes,  zugefügt  habe.  Es 

dränge  sich  für  die  Ursache  der  Verletzungen  des  Privatklägers  1  keine  andere 

Erklärung auf. Die Ausführungen des Beschuldigten würden sodann nicht überzeu-

gen (Urk. 68 S. 19 f.). 

3.4.3.  Auf  die  zutreffende  vorinstanzliche  Beweiswürdigung  kann  verwiesen 

werden.  Die  nachfolgenden  Erwägungen  sind  deshalb  teilweise  ergänzend  und 

rekapitulierend.

3.4.4.  Der  Privatkläger  2  konnte  den  Beschuldigten  aufgrund  der  polizeilichen 

Nahbereichsfahndung nach dem Vorfall beim Hauptbahnhof Zürich bei den Gleisen 

als  Haupttäter,  welcher  als  Erster  zugeschlagen  habe,  identifizieren  (vgl.  den 

Polizeirapport vom 7. August 2021, Urk. D1/1/1 S. 1 ff. und 6; vgl. Aussagen des 

- 18 -

Privatklägers 2 in Urk. D1/4/1/1 F/A 43 ff. und Urk. D1/4/1/2 F/A 10). Darauf wurde 

der Beschuldigte zusammen mit seinem Bruder T._____ und mit S._____, welche 

ebenfalls als Tatbeteiligte identifiziert werden konnten, verhaftet (Urk. D1/1/1 S. 1 

f.;  vgl.  Fotos  7-12  in  Urk. D1/2/1).  Von  drei  weiteren  Personen,  welche  mit  dem 

Beschuldigten anlässlich dessen Anhaltung im Gespräch gewesen seien, wurden 

die Personalien erhoben und Fotos gemacht (vgl. Urk. D1/1/1 S. 7; vgl. Fotos 13-

15 in Urk. D1/2/1).

3.4.5.  Bei seiner Verhaftung vom 7. August 2021 trug der Beschuldigten ein mit 

Blut behaftetes "Neck knife" um den Hals, welches sichergestellt und sodann mit 

staatsanwaltschaftlicher Verfügung vom 7. Dezember 2022 beschlagnahmt wurde 

(Urk. D1/1;  Urk. D1/12/1/1  S. 2;  Urk. D1/11/7).  Dieses  Messer,  die  ebenfalls  mit 

Blut behafteten Sneaker sowie Blutanhaftungen ab den Daumen des Beschuldigten 

wurden zur Auswertung von DNA-Spuren dem IRM übergeben. Mit dem DNA-Gut-

achten des IRM konnte das Blut des Privatklägers 1 am linken Daumen und an den 

Sneakers des Beschuldigten festgestellt werden (Urk. D1/8/5 S. 2 f.).

3.4.6.  Gemäss dem Austrittsbericht des Instituts für Notfallmedizin des Universi-

tätsspitals  Zürich  vom  7.  August  2021  erlitt  der  Privatkläger 1  eine  tiefgreifende 

Rissquetschwunde an der Nase, samt Teilamputation der "Spina nasalis" und des 

"Vestibulum nasalis", mehrere oberflächliche Schnittwunden an der linken Wange 

und  ein  leichtes  Schädel-Hirn-Trauma  mit  multiplen  Kontusionen  am  Gesicht 

(Urk. D1/7/3  S. 1  f.).  Gemäss  dem  Bericht  der  Zahnarztpraxis  von  U._____  vom 

4. November  2022  musste  der  Privatkläger 1  am  27. August  2021  aufgrund  der 

Schlägerei zwei von sieben beschädigten Zähne behandeln lassen (Urk. D1/7/2). 

Die Verletzungen des Privatklägers 1 wurden sodann auch polizeilich festgehalten, 

wobei  Schnittwunden  an  der  Nase  und  der  linken  Wange  erkennbar  sind  (vgl. 

Urk. D1/2/1 Fotos 4-6). Auf den vom Privatkläger 1 eingereichten Fotos sind selbst 

nach  der  Wundheilung  Narben  an  der  Nase  und  linken  Wange  ersichtlich  (vgl. 

Urk. 46/9). 

3.4.7.  Mit der Vorinstanz sind die Aussagen der Privatkläger 1 und 2 widerspruchs-

frei, eindeutig und wirken in Bezug auf das Kerngeschehen glaubhaft und lassen 

sich  zudem  mit  den  weiteren  Beweismitteln  ohne  weiteres  in  Einklang  bringen. 

- 19 -

Beide schildern – im Übrigen in Übereinstimmung mit dem Beschuldigten –, wie der 

Beschuldigte dem Privatkläger 2 eine Tasche bzw. einen Sack mit den Getränken 

aus der Hand genommen und sodann, als der Privatkläger 1 ihm den Sack wieder 

habe  entnehmen  wollen,  dem  Privatkläger  1  einen  Faustschlag  ins  Gesicht  ver-

passt habe. Daraufhin hätten sich die Kollegen des Beschuldigten eingemischt und 

auf den Privatkläger 1 eingeschlagen (Urk. D1/4/1/1 F/A 3 ff. und 16; Urk. D1/4/1/3 

F/A 23; Urk. D1/4/2/1 F/A 6; Urk. D1/4/2/3 F/A 23).

3.4.8.  Auch der Privatkläger 1 konnte den Beschuldigten sicher als Haupttäter iden-

tifizieren  (Urk. D1/4/2/3  F/A 102 

ff.).  Anlässlich  seiner  ersten  polizeilichen 

Einvernahme vom 7. August 2021 beschrieb der Privatkläger 1 den Haupttäter, der 

ihm eine Faust versetzt habe, als einen nordafrikanischen Typen im Alter von 18-

24 Jahren,  185-190  cm  gross,  mit  schlanker  Figur  und  schwarzem  T-Shirt  und 

Jeans  (Urk. D1/4/2/1  F/A  10).  Diese  Signalemente  passen  auf  den  gleichentags 

verhafteten Beschuldigten (vgl. Urk. D1/2/1, Foto 7; Urk. D1/12/1/1 S. 1). Sodann 

konnte sich der Privatkläger 1 daran erinnern, dass der Haupttäter einen schwar-

zen Gegenstand in der Hand gehabt habe, womit er ihm womöglich die Wunden 

zugefügt  habe  (Urk. D1/4/2/1  F/A 25  und  28).  Anlässlich  der  staatsanwaltschaft-

lichen Einvernahme sagte der Privatkläger 1 aus, seine Verletzungen seien durch 

einen  spitzen  Gegenstand  durch  den  Haupttäter  und  durch  Schläge  des  Täters 

rechts  von  ihm  entstanden  (Urk. D1/4/2/3  F/A 78).  Die  Beschädigung  zweier 

Schneidezähne konnte er klar dem "Täter rechts von ihm" zuordnen (Urk. D1/4/2/3 

F/A 20; vgl. Urk. D1/4/2/2 F/A 8 ff., der Privatkläger 1 identifizierte den Täter rechts 

als den Bruder des Beschuldigten), die Schnittwunden hingegen dem "Haupttäter", 

dem  Beschuldigten  (Urk. D1/4/2/3  F/A 69  ff.  und  78).  Zum  Tatbeitrag  weiterer 

Personen der Gruppe des Beschuldigten erklärte der Privatkläger 1 durchgehend, 

diese hätten ihn festgehalten und ihn ebenfalls am Kopf bzw. ins Gesicht geschla-

gen (Urk. D1/4/2/1 F/A 6 und 21; Urk. D1/4/2/3 F/A 20).

3.4.9.  Der Standpunkt des Beschuldigten, er habe sich selber in Gefahr gesehen 

und  sich  mit  dem  Messer  lediglich  verteidigt  bzw.  Distanz  schaffen  wollen,  weil 

jemand  gerufen  habe,  dass  der  Privatkläger  1  "etwas"  auspacke  (Urk. D1/3/3 

F/A 10 und 17; Urk. 47A S. 11 und Urk. 125 S. 28), erscheint in Anbetracht seines 

- 20 -

aggressiven Auftritts gegenüber dem Privatkläger 1 anlässlich der vorangegange-

nen Konfrontation und der Übermacht der Gruppe des Beschuldigten nicht plausi-

bel. Dieses Vorbringen ist bei der gegebenen Beweislage klar als Schutzbehaup-

tung zu qualifizieren. So denn der Beschuldigte damit sinngemäss eine Notwehr-

situation  geltend  machen  wollte,  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  er  dieselbe  mit 

seinem  ersten  Faustschlag  gegen  den  Privatkläger  1  ohnehin  selbst  konstelliert 

hätte. Mit der Vorinstanz und entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 126 S. 5 

ff.)  drängt  sich  als  Ursache  der  Schnittverletzungen  des  Privatklägers 1  keine 

andere Erklärung auf als das Herumfuchteln bzw. Stechen mit dem sichergestellten 

"Neck knife" ins Gesicht des Privatklägers 1 durch den alkoholisierten Beschuldig-

ten (vgl. Urk. D1/6/4, zum Zeitpunkt des Ereignisses lag eine Blutalkoholkonzentra-

tion von mindestens 1.64 ‰ vor). Dieses Beweisergebnis wird nicht umgestossen 

und der Beschuldigte nicht entlastet, nur weil der Privatkläger 1 betreffend die blut-

verdächtigen Anhaftungen an der Messerklinge als Spurengeber ausgeschlossen 

wurde  (Urk. D1/8/5  S. 3).  Ausserdem  gab  der  Beschuldigte  selber  zu  Protokoll, 

dass der Privatkläger 1 geblutet habe, nachdem er sein Messer gezogen und damit 

vor  dem  Privatkläger  1  herumgefuchtelt  habe  (Urk. D1/3/3  F/A 10).  Aus  dem 

Umstand,  dass  er  im  Nachgang  zur  Tat  dem  Privatkläger  1  beim  Waschen  des 

Gesichts  und  bei  der  Suche  nach  dem  vermissten  Mobiltelefon  geholfen  habe 

(Urk. D1/3/3 F/A 10; Urk. 47A S. 12 f. und Urk. 125 S. 22), kann der Beschuldigte 

für sich nichts Entlastendes ableiten. So ist es naheliegend, dass der Beschuldigte 

bei bereits laufenden Strafverfahren kein Interesse daran hatte, dass die Privatklä-

ger die  Polizei herbeiriefen, zumal die  Privatkläger übereinstimmend schilderten, 

der Beschuldigte habe sie gebeten, nicht die Polizei zu rufen (Urk. D1/4/1/1 F/A 5; 

Urk. D1/4/3 F/A 23; Urk. D1/4/2/3 F/A 20). Dies bestätigte auch der Beschuldigte 

im Übrigen anlässlich der Berufungsverhandlung explizit (Urk. 125 S. 27).

3.4.10.  Ferner kann auch auf die zutreffenden vorinstanzlichen Zusammenfassun-

gen  der  Aussagen  des  Beschuldigten  sowie  der  Privatkläger  1  und  2  zur  Frage, 

wem  der  Sack  bzw.  die  Tasche  mit  den  Getränken  gehörte,  verwiesen  werden 

(Urk. 68 S. 20 f.). Die Vorinstanz erwog diesbezüglich, die übereinstimmenden Dar-

stellungen der Privatkläger 1 und 2 würden im Gegensatz zur vom Beschuldigten 

vorgebrachten  Verwechslung  des  Plastiksacks  glaubhaft  erscheinen.  Sie  kommt 

- 21 -

zum  Schluss,  dass  sich  der  Beschuldigte  die  alkoholischen  Getränke  der  Privat-

kläger  direktvorsätzlich  habe  aneignen  wollen,  nachdem  diese  ihm  keine  mit 

alkoholischen Getränken gefüllten Becher hätten geben wollen (Urk. 68 S. 21 f.). 

3.4.11.  Die Darstellung der Privatkläger wurde von beiden gleichlautend, detailliert 

und glaubhaft geschildert: Einer von der Gruppe des Beschuldigten sei zu ihnen 

gekommen und habe gefragt, ob er eine Mischung für sich und die Mädchen haben 

könne. Dies hätten sie verneint, der Privatkläger 2 habe die Flaschen wieder in den 

Sack  verstaut  und  sie  hätten  weggehen  wollen.  Daraufhin  sei  der  Beschuldigte 

gekommen und habe dem Privatkläger 2 den Sack aus den Händen gerissen. Als 

der Privatkläger 1 versucht habe, dem Beschuldigten den Sack wieder abzuneh-

men,  habe  der  Beschuldigte  ihm  einen  Faustschlag  verpasst  (vgl.  Urk. D1/4/2/1 

F/A 6  und  8  f.;  Urk. D1/4/2/3  F/A 20  und  53  ff.;  Urk. D1/4/1/1  F/A  3  und  8; 

Urk. D1/4/1/3 F/A 59 ff.).

3.4.12.  Der Beschuldigte machte hingegen geltend, mit Kollegen im R._____ eine 

weitere Flasche gekauft und diese sodann bei der Seepromenade im Sack unter 

eine Bank gelegt zu haben. Er sei dann in eine verbale Auseinandersetzung mit 

nordafrikanischen Personen geraten. Plötzlich habe er gesehen, wie sich zwei Per-

sonen mit einem Sack in der Hand wegbewegt hätten. Er sei zu den beiden hinge-

gangen und habe den Sack sofort weggerissen, weil er gedacht habe, es sei sein 

eigener. Daraufhin habe ihm einer der beiden Personen den Sack wieder aus der 

Hand  gerissen  und  er  habe  diesem  einen  Faustschlag  gegeben  (Urk. D1/3/3 

F/A 10, 27 und 56; Urk. 47A S. 10). Vor Vorinstanz gab er ferner an, er habe seine 

alkoholischen  Getränke  versteckt,  weil  er  diese  niemandem  zum  Trinken  habe 

geben wollen (Urk. 47A S. 10). 

3.4.13.  Mit  der  Vorinstanz  erscheint  die  Darstellung  der  Privatkläger,  dass  der 

Beschuldigte verärgert gewesen sei, weil sie ihre Getränke nicht mit ihm bzw. sei-

ner  Gruppe  hätten  teilen  wollen,  sehr  plausibel.  Dass  der  bereits  verärgerte  und 

alkoholisierte Beschuldigte den Privatkläger 1 sodann angegriffen habe, um an die 

Getränke zu kommen, passt gut ins Gesamtbild. Die Darstellung des Beschuldigten 

erscheint hingegen wenig glaubhaft und als – erst in der staatsanwaltschaftlichen 

Einvernahme vom 25. November 2021 und in Kenntnis der Aussagen der Privat-

- 22 -

kläger konstruierte – Schutzbehauptung. Insbesondere erschliesst sich nicht, wes-

halb die gesamte Gruppe des Beschuldigten auf den Privatkläger 1 losgegangen 

sein soll, wenn – wie der Beschuldigte angab – er und seine Kollegen zuvor mit den 

beiden Privatklägern keine Interaktion gehabt hätten und der versteckte Sack mit 

den  Getränken  nur  dem  Beschuldigten  gehört  habe.  Es  ist  auf  die  glaubhafte 

Darstellung der Privatkläger 1 und 2 abzustellen. 

3.4.14.  Zusammenfassend  lässt  sich  aufgrund  der  glaubhaften  Aussagen  der 

Privatkläger 1 und 2 zweifelfrei erstellen, dass der Beschuldigte dem Privatkläger 1 

einen Faustschlag ins Gesicht verpasst hat, nachdem er dem Privatkläger 2 einen 

den Privatklägern gehörenden Sack mit Getränken weggenommen hatte. Ferner 

lässt sich erstellen, dass der Beschuldigte insbesondere durch das Herumfuchteln 

mit  seinem  "Neck  knife"  vor  dem  Gesicht  des  Privatklägers  1  diesem  eine  Riss-

quetschwunde an der Nase (samt Teilamputation des Nasendornfortsatzes) sowie 

mehrere  oberflächliche  Schnittverletzungen  an  der  linken  Wange  zufügte.  Nicht 

erstellen  bzw.  den  Handlungen  des  Beschuldigten  zuordnen  lässt  sich  hingegen 

die Beschädigung der Schneidezähne sowie das leichte Schädel-Hirn-Trauma. Mit 

dieser Präzisierung gilt der angeklagte Sachverhalt gemäss Dossier 1 als erstellt.

3.5. Rechtliche Würdigung des (erstellten) Sachverhalts

3.5.1.  Versuchte schwere Körperverletzung

3.5.1.1.  Unbestrittenermassen  erlitt  der  Privatkläger  1  durch  den  Vorfall  keine 

schweren  Verletzungen,  sondern  glücklicherweise  nur  eine  tiefgreifende  Riss-

quetschwunde  an  der  Nase,  eine  Schnittwunde  an  der  linken  Wange  und  –  wie 

erwähnt  nicht  den  Handlungen  des  Beschuldigten  zuzuordnen  –  eine  leichte 

Beschädigung von zwei Schneidezähnen sowie ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma 

mit multiplen Kontusionen im Gesicht (Urk. D1/7/3), weswegen die Staatsanwalt-

schaft eine versuchte schwere Verletzung im Sinne von Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB zur Anklage brachte (Urk. D1/21 S. 2 f.). Die Vorinstanz folgte dieser 

Auffassung, wohingegen die Verteidigung vor Vorinstanz wegen des eingestande-

nen  Faustschlages  einen  Schuldspruch  wegen  versuchter  einfacher  Körperver-

letzung postuliert (Urk. 50 S. 2). 

- 23 -

3.5.1.2.  Im Rahmen der seit 1. Juli 2023 geltenden Harmonisierung der Strafrah-

men für Gewalttaten (Bundesgesetz vom 17. Dezember 2021 über die Harmonisie-

rung  der  Strafrahmen,  AS  2023  259)  wurde  auch  der  Tatbestand  der  schweren 

Körperverletzung nach Art. 122 StGB revidiert und zusätzlich mit lit. a-c versehen. 

Abgesehen von der Umstrukturierung haben sich die Tatbestandsvoraussetzungen 

nicht geändert. Da das neue Recht aber eine Mindeststrafe von einem Jahr anstatt 

sechs Monaten Freiheitsstrafe vorsieht, erweist sich vorliegend das alte Recht als 

das mildere (Art. 2 Abs. 2 StGB), weshalb nachfolgend aArt. 122 StGB zu prüfen 

ist. 

3.5.1.3.  Bezüglich  der  objektiven  und  subjektiven  Tatbestandsvoraussetzungen 

einer schweren Körperverletzung (Art. 122 StGB) sowie der Voraussetzungen des 

Versuchs  kann  auf  die  Erwägungen  der  Vorinstanz  verwiesen  werden  (Urk. 68 

S. 15 ff.). 

3.5.1.4.  Im vorliegenden Fall ist der Taterfolg der schweren Körperverletzung nicht 

eingetreten.  Zwar  sind  auch  nach  der  Wundversorgung  weiterhin  Narben  im 

Gesicht des Privatklägers erkennbar, es kann jedoch noch nicht von einer argen 

und  bleibenden  Entstellung  des  Gesichts  gesprochen  werden  (vgl.  Urk.  D1/2/1, 

Foto  6  und  Urk. 46/9).  Das  Ausbleiben  des  Erfolgs  ist  hingegen  nicht  auf  ein 

Handeln  des  Beschuldigten  zurückzuführen,  sondern  vielmehr  dem  glücklichen 

Zufall zu verdanken. Es bestand eine grosse Gefahr für schwere Körperverletzun-

gen. Entgegen der Darstellung der Verteidigung (Urk. 126 S. 5 ff.) handelte es sich 

um  kein  statisches,  sondern  um  ein  dynamisches  Geschehen.  Es  bestand  die 

Möglichkeit, dass der unter Alkohol stehende Beschuldigte, aber auch der Privat-

kläger 1,  der  von  der  Gruppe  des  Beschuldigten  festgehalten  und  geschlagen 

wurde, unkontrollierte Bewegungen hätte machen können. Indem der Beschuldigte 

mit  einem  Messer  vor  dem  Gesicht  des  Privatklägers 1  herumfuchtelte,  bestand 

deshalb eine grosse Gefahr, dass er dem Privatkläger 1 eine schwere Körperver-

letzung  im  Sinne  von  aArt. 122  Abs. 1  und  2  StGB,  wie  eine  arge  Gesichtsent-

stellung,  eine  Verletzung  des  Auges  oder  gar  eine  lebensgefährliche  arterielle 

Verletzung, wie etwa eine Durchtrennung der Halsschlagader mit Verbluten, hätte 

zufügen können.

- 24 -

3.5.1.5.  In subjektiver Hinsicht bleibt Folgendes festzuhalten. Es kann nicht ernst-

haft  bestritten  werden,  dass  der  Beschuldigte  wie  jeder  Durchschnittsmensch 

wusste, dass bei einem Herumfuchteln mit einem Messer mit einer Klingenlänge 

von ca. 7.5 cm vor dem Gesicht des Gegners – zumal noch in einer dynamischen, 

körperlichen  Auseinandersetzung  –  dieser  damit  hätte  schwer  verletzt  werden 

können. Vor Vorinstanz gab der Beschuldigte selber zu, dass leider alles passieren 

könne, wenn jemand unkontrolliert mit dem Messer vor dem Gesicht eines anderen 

herumfuchtelt  (Urk. 47A  S. 12).  Indem  der  Beschuldigte  während  einer  tätlichen 

Auseinandersetzung vor dem Gesicht des Privatkläger 1 mit seinem "Neck knife" 

herumfuchtelte,  nahm  er  die  dem  Privatkläger  zugefügten  Verletzung  sowie 

schwere Körperverletzungen im Sinne von aArt. 122 Abs. 1 und 2 StGB in Kauf. 

Der Beschuldigte wusste um die Gefährlichkeit seines Vorgehens und konnte auf-

grund  der  Dynamik  des  Geschehens  nicht  darauf  vertrauen,  den  Privatkläger 1 

nicht zu verletzen. Auch wenn der Beschuldigte dies nicht tun wollte, nahm er mit 

seinem gefährlichen Tun billigend in Kauf, dass er durch eine unkontrollierte Bewe-

gung  seinerseits  oder  des  Privatklägers  1  andererseits  tiefer  in  dessen  Gesicht 

hätte stechen oder schneiden können (vgl. zum Eventualvorsatz BGE 149 IV 248 

E. 6.3 mit Hinweisen; vgl. zum Rückschluss von den äusseren Umständen auf die 

innere Einstellung des Täters BGE 135 IV 12 E. 2.3.2; 134 IV 26 E. 3.2.2; je mit 

Hinweisen).

3.5.1.6.  Der Versuch einer schweren Körperverletzung i.S.v. aArt. 122 Abs. 1 und 

2  StGB  i.V.m.  Art.  22  Abs.  1  StGB  ist  daher  zu  bejahen.  Die  erfolgte  Tätlichkeit 

durch  den  Faustschlag  zum  Nachteil  des  Privatklägers  1  tritt  infolge  unechter 

Konkurrenz zurück.

3.5.2.  Räuberischer Diebstahl

3.5.2.1.  Bezüglich der objektiven Tatbestandsvoraussetzungen des räuberischen 

Diebstahls (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB) kann vollumfänglich auf die zutreffenden 

Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 68 S. 20).

3.5.2.2.  Ausgehend vom erstellten Sachverhalt entwendete der Beschuldigte den 

Sack  mit  den  Getränken  dem  Privatkläger  2  und  verpasste  dem  Privatkläger 1 

- 25 -

sodann  einen  Faustschlag,  als  dieser  den  Sack  wieder  zurücknehmen  wollte. 

Mithin  beging  er  –  auf  frischer  Tat  ertappt  –  einen  Diebstahl  und  wendete  eine 

Nötigungshandlung (Gewaltausübung) an, um die gestohlene Sache zu behalten. 

3.5.2.3.  In  subjektiver  Hinsicht  ist  für  die  Erfüllung  des  Tatbestandes  zum  einen 

Vorsatz  hinsichtlich  der  Wegnahme  einer  fremden  beweglichen  Sache  sowie 

Aneignungs-  und  Bereicherungsabsicht  erforderlich.  Zudem  muss  der  Täter 

Vorsatz bezüglich der Nötigungshandlung aufweisen. Diese Handlung muss in der 

Absicht erfolgen, die Beute zu sichern. Dies wird allerdings regelmässig vermutet, 

wenn der Täter mit der Beute flieht (NIGGLI/RIEDO-BSK StGB/JStGB, 4. Aufl., Basel 

2019, Art. 140 StGB N 55 f.). 

3.5.2.4.  Sowohl  hinsichtlich  der  Wegnahme  der  fremden  Getränke  sowie  des 

Faustschlags liegt Vorsatz vor. Mit der Aneignungsabsicht bezüglich der alkoholi-

schen Getränke der Privatkläger Hand in Hand ging die Absicht des Beschuldigten, 

sich  unrechtmässig  zu  bereichern.  Dass  der  Beschuldigte  womöglich  noch  eine 

weitere Absicht hatte, einen Streit zu provozieren oder Dominanz zu demonstrieren 

(so die Verteidigung in Urk. 50 S. 9 und Urk. 126 S. 8), schliesst die Erfüllung des 

Tatbestands nicht aus.

3.5.2.5.  Der  Beschuldigte  hat  den  objektiven  und  subjektiven  Tatbestand  des 

räuberischen Diebstahls i.S.v. Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB erfüllt.

4.

Dossier 2

4.1. Anklagevorwurf

4.1.1.  Ferner wird dem Beschuldigten in Bezug auf Dossier 2 zusammengefasst 

vorgeworfen,  am  24.  April  2021  um  ca.  02:00  Uhr  in  der  V._____-anlage  beim 

W._____ in Zürich an einer Schlägerei zwischen zwei Personengruppen teilgenom-

men zu haben, wobei der Privatkläger H._____ (nachfolgend: der Privatkläger 3) 

aufgrund eines Schlages ins Gesicht kurzzeitig bewusstlos geworden sei und eine 

Rissquetschwunde am linken Jochbein erlitten habe, welche im Spital habe genäht 

werden müssen und eine Narbe hinterlassen habe. Während dieser Schlägerei hät-

ten  ca.  acht  Personen  auf  einen  weiteren,  unbekannten  Mann  am  Boden  einge-

- 26 -

schlagen  und  eingetreten.  Der  Beschuldigte  habe  mehrmals  mit  voller  Wucht  in 

Richtung des Kopfes und des Oberkörpers des wehrlosen Mannes getreten, wäh-

rend dieser versucht habe, sich mit den Händen zu schützen (Urk. D1/21 S. 3 f.).

4.1.2.  In rechtlicher Hinsicht wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten eine 

versuchte  schwere  Körperverletzung  i.S.v.  Art. 122  Abs. 1  und  2  StGB  i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB sowie einen Raufhandel i.S.v. Art. 133 StGB vor (Urk. D1/21 

S. 3  und  10).  Anlässlich  der  vorinstanzlichen  Hauptverhandlung  sowie  mit  ihrer 

Anschlussberufung beantragte die Staatsanwaltschaft einen Schuldspruch wegen 

Angriffs  i.S.v.  Art. 134  StGB  anstelle  wegen  Raufhandels  (Urk. 49  S. 1  und  13; 

Urk. 83).

4.2. Standpunkt des Beschuldigten

4.2.1.  Der Beschuldigte bestreitet den Anklagevorwurf vollumfänglich (Urk. D2/3/1 

F/A 7  f.;  Urk. D2/3/2  S.  3  ff.;  Urk. D1/20/1  F/A  14;  Urk. D1/20/2  F/A 14;  Urk. 47A 

S. 14 f.; Urk 125 S. 23 f.).

4.2.2.  Der Beschuldigte führte im Wesentlichen aus, an der Schlägerei nicht betei-

ligt gewesen, sondern erst zum Schluss, als Pfefferspray zum Einsatz gekommen 

sei, dort hingerannt zu sein, da er seinen Kollegen P._____ (Mitbeschuldigter mit 

separatem Verfahren) vom Pfefferspray habe wegziehen wollen (Urk. D2/3/2 S. 3, 

5 und 16; Urk. 47A S. 14). Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte der Be-

schuldigte seinen bereits geschilderten Standpunkt (Urk. 125 S. 23). 

4.2.3.  Ergänzend  führte  die  Verteidigung  aus,  dass  nicht  erstellt  werden  könne, 

dass die von den Polizisten beschriebenen Handlungen des Beschuldigten konkret 

geeignet  gewesen  wären,  Verletzungen  i.S.v.  Art.  122  StGB  hervorzurufen.  Es 

fehle an einer konkreten Verletzung, da das unbekannte mutmassliche Opfer nach 

den  von  den  Polizisten  geschilderten  massiven  Fusstritten  sofort  habe  flüchten 

können. Ferner habe der Polizist AA._____ beobachtet, wie eine Drittperson den 

Privatkläger 3 angegangen sei. Ausserdem lasse es sich nicht erstellen, dass sich 

der  Beschuldigte  in  einem  zeitlichen  und  räumlichen  Zusammenhang  mit  dem 

Privatkläger 3 befunden habe. Der Privatkläger 3 belaste nicht den Beschuldigten. 

Gemäss  Aussage  des  Polizisten  AA._____  habe  eine  Drittperson  den  Privatklä-

- 27 -

ger 3 angegangen. Ferner sei der Beschuldigte 20 bis 25 Meter von der Verhaftung 

des angeblichen Mittäters verhaftet worden (Urk. 50 S. 10 ff.). Vor dem Berufungs-

gericht führte die Verteidigung zudem aus, dass die beiden Polizisten unter grösster 

Anspannung und Adrenalinausstoss und somit unter Stress gestanden hätten, wes-

halb ihre Aussagen und Wahrnehmungen kritisch zu beurteilen seien. Dies auch 

unter dem Gesichtspunkt, dass gemäss der Aussage des Polizisten AB._____ die 

Sichtverhältnisse extrem dunkel bzw. schlecht gewesen seien und ferner auch Aus-

sagen  und  Wahrnehmungen  des  angeblichen  Opfers  fehlen  würden  (Urk. 126 

S. 9 f.).

4.3. Beweismittel

4.3.1.  Zum Anklagevorwurf gemäss Dossier 2 liegen die Aussagen des Beschul-

digten  (Urk. D2/3/1;  Urk. D2/3/2  S. 2  ff.;  Urk. D1/20/1  F/A 12  ff.;  Urk. D1/20/2 

F/A 12 ff.; Urk. 47A S. 14 f.; Urk. 125 S. 23 f.), des weiteren Beschuldigten P._____ 

(Urk. D2/5/1; Urk. D2/3/2 S. 7 ff.) und des Privatklägers 3 (Urk. D2/4/1+2) sowie der 

Zeugen AA._____ (Urk. D2/5/2) und AB._____ vor (Urk. D2/5/3). Neben den Per-

sonalbeweisen liegen die Polizeirapporte vom 24. April 2021 (Urk. D2/1/1+2) und 

Fotodokumentationen der angetroffenen Situation sowie der Verletzungen des Pri-

vatklägers  3  (Urk. D2/2/1+2)  sowie  der  Verhaftsrapport  des  Beschuldigten 

(Urk. D1/12/2/1) bei den Akten. 

4.3.2.  Sämtliche Beweismittel wurden korrekt erhoben und können für die Erstel-

lung des Sachverhalts vollumfänglich verwertet werden.

4.3.3.  Der mit Eingabe vom 30. Januar 2025 gestellte Beweisantrag der Verteidi-

gung auf Befragung von P._____ wurde anlässlich der Berufungsverhandlung man-

gels einer Begründung des Beweisantrags abgewiesen (vgl. Urk. 111 und Prot. II 

S. 12 f.). Abgesehen von der fehlenden Begründung wurde P._____ bereits partei-

öffentlich einvernommen und mit dem Beschuldigten konfrontiert (Urk. D2/3/2). Es 

ist weder ersichtlich noch wurde vorgebracht, weshalb eine Wiederholung der Be-

fragung notwendig sei.

4.3.4.  Der gleichzeitig gestellte Beweisantrag der Verteidigung auf Befragung von 

O._____ wurde indessen anlässlich der Berufungsverhandlung gutgeheissen und 

- 28 -

O._____ sogleich als Zeugin einvernommen (Urk. 124 und Prot. II S. 13 f.). Gefragt 

nach der Beziehung zum Beschuldigten gab die Zeugin zu Protokoll, der Beschul-

digte sei ein guter Kollege. Entgegen der Aussage des Beschuldigten, er habe die 

Frauen, die mit ihm anlässlich des Vorfalls unterwegs gewesen seien, erst an dem 

Abend kennengelernt (Urk. D2/3/2 S. 4), gab die Zeugin an, sie kenne den Beschul-

digten seit vier bis fünf Jahren und habe ihn vor dem Vorfall bereits ein halbes oder 

ein Jahr gekannt (Urk. 124 S. 2 f. und 5). 

Auch wenn es sich bei der Glaubwürdigkeit der aussagenden Person um ein unter-

geordnetes Kriterium handelt – die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen bzw. 

deren  Überzeugungskraft  im  Lichte  der  weiteren  Beweismittel  steht  im  Vorder-

grund –, gilt es im Hinblick auf die Glaubwürdigkeit der Zeugin zu berücksichtigen, 

dass  sie  angesichts  der  freundschaftlichen  Bindung  zum  Beschuldigten  geneigt 

sein könnte, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Dies 

umso  mehr,  als  die  Zeugin  selber  zu  Protokoll  gab,  dass  sie  den  Beschuldigten 

unterstützen und Gerechtigkeit für den Beschuldigten wolle, da er unschuldig sei 

(Urk. 124 S. 4 und 14). Ferner ist nicht auszuschliessen, dass sich die Zeugin im 

Hinblick  auf  ihre  Einvernahme  mit  dem  Beschuldigten  abgesprochen  hat.  So 

räumte  sie  offen  ein,  mit  dem  Beschuldigten  auch  während  dessen  Inhaftierung 

telefonisch Kontakt gepflegt zu haben und von ihm angefragt worden zu sein, an-

lässlich  der  Berufungsverhandlung  Aussagen  zum  Vorfall  zu  machen,  wobei  sie 

auch über den Vorfall gesprochen hätten (Urk. 124 S. 3 f.). Vor dem Hintergrund, 

dass die Zeugin und der Beschuldigte sich offenbar schon seit längerem kennen, 

verwundert zudem die späte Beweisofferte fast vier Jahre nach dem Vorfall. Ange-

sichts dieser Erwägungen ist bei der Würdigung der Aussagen der Zeugin beson-

dere Vorsicht geboten. In erster Linie wird aber die Glaubhaftigkeit respektive der 

materielle Gehalt ihrer Aussagen zu prüfen sein.

4.4. Würdigung der Beweismittel

4.4.1.  Wie die Vorinstanz zutreffend feststellte (Urk. 68 S. 26 f.), geht aus den über-

einstimmenden Aussagen der beiden Polizeibeamten AA._____ und AB._____ klar 

hervor, dass sie sich auf die beiden Personen konzentriert haben, die am brutalsten 

auf  den  wehrlos  am  Boden  liegenden  Unbekannten  eingetreten  hätten.  Eine 

- 29 -

Verwechslung kann aufgrund der Beobachtungen der Polizeibeamten und deren 

Fokussierung  auf  die  Haupttäter  ausgeschlossen  werden.  Der  Polizeibeamte 

AA._____ sagte in Übereinstimmung mit dem Polizeibeamten AB._____ aus, dass 

sie auf die Personengruppe aufmerksam geworden seien, die auf eine wehrlos am 

Boden  liegende  Person  eingeschlagen  und  eingekickt  hätte  (vgl.  Urk. D2/5/2 

F/A 12;  vgl.  die  Aussagen  des  Zeugen  AB._____  in  Urk. D2/5/3  F/A 15).  Der 

Polizist AA._____ gab an, sie hätten Pfefferspray eingesetzt, das Gewaltpotential 

sei sehr hoch gewesen und er habe sehr schwere Verletzungen befürchtet, da es 

Fusstritte gegen den Kopf gegeben habe (Urk. D2/5/2 F/A 14). Der Beschuldigte 

sei eher beim Oberkörper und der weitere Beschuldigte P._____ eher beim Unter-

körper  der  am  Boden  liegenden  Person  gestanden  (Urk. D2/5/2  F/A 19).  Vom 

Beschuldigten habe er zwei klare, wuchtige Kickbewegungen gegen den Oberkör-

perbereich gesehen, wobei er sich auf P._____ konzentriert habe, den er ansch-

liessend arretiert habe (Urk. D2/5/2 F/A 22 ff. und 46 f.). Der Polizist AB._____ er-

klärte, es sei von der Intensität her eine der deftigeren Ereignisse gewesen, die er 

je gehabt habe (Urk. D2/5/3 F/A 14). Er habe sich auf die Person fixiert, die auf den 

Kopf gekickt habe, nämlich auf den Beschuldigten (Urk. D2/5/3 F/A 15, 18 und 28). 

Er  habe  beobachten  können,  wie  der  Beschuldigte  mehrmals  massiv  auf  den 

unbekannten  Geschädigten  eingewirkt  habe  (Urk. D2/5/3  F/A 28).  Der  Beschul-

digte habe mit dem Fuss in Richtung Kopf, Oberkörper und Schulterbereich einge-

kickt und das mit einer Intensität nahe bei zehn auf einer Skala von eins bis zehn. 

Es  grenze  an  ein  Wunder,  dass  der  Unbekannte  überhaupt  noch  habe  abhauen 

können (Urk. D2/5/3 F/A 30 f.).

4.4.2.  Aus dem Verhaftsrapport des Beschuldigten vom 24. Januar 2021, verfasst 

durch den Polizeibeamten AB._____, ergibt sich in Übereinstimmung mit dessen 

Zeugenaussagen, dass er habe beobachten können, wie ca. acht Personen eine 

am  Boden  liegende  Person  mit  Fäusten  und  Fusstritten  traktiert  hätten.  Er  habe 

sich auf den Beschuldigte fixiert und beobachtet, wie dieser mit drei Fusstritten den 

auf  dem  Boden  liegenden  Unbekannten,  der  sich  mit  den  Armen  zu  schützen 

versucht habe, gegen den Kopf und gegen den Oberkörper traktiert habe. Ferner 

ergibt sich, dass sich der Beschuldigte mit voller Körpergewalt gegen die Arretie-

rung  gewehrt  habe.  Ausserdem  habe  der  Beschuldigte  beim  Alkoholtest  auf  der 

- 30 -

Regionalwache  AC._____  um  03:19  Uhr  eine  Wert  von  0.55  mg/l  (=  ca.  1.1  ‰) 

aufgewiesen (Urk. D1/12/2/1 S. 2).

4.4.3.  Aufgrund der klaren und übereinstimmenden Aussagen der Polizeibeamten, 

insbesondere  den  Ausführungen  des  Polizeibeamten  AB._____,  lässt  sich  zwei-

felsohne erstellen, dass der Beschuldigte massive Fusstritte gegen den Kopf sowie 

gegen den Oberkörper und den Schulterbereich des wehrlos am Boden liegenden 

unbekannten Geschädigten verübt hat. Entgegen der Ansicht der Verteidigung war 

die  Wahrnehmungsfähigkeit  der  Stadtpolizisten  angesichts  der  Sichtverhältnisse 

oder der adrenalingeladener Situation nicht in massgeblicher Weise eingeschränkt. 

Wäre dem so gewesen, wäre dies unter anderem auch dem Verhaftsrapport des 

Beschuldigten  zu  entnehmen.  Ferner  geht  aus  den  Aussagen  der  Polizisten  klar 

hervor, dass sie wussten, was sie machten, als sie sich auf die beiden Beschuldig-

ten fixierten. Diesbezügliche Unsicherheiten sind keine auszumachen (vgl. bspw. 

Urk. D2/5/2 F/A 13 und Urk. D2/5/3 F/A 28).

4.4.4.  Die Darstellung des Beschuldigten, er sei mit zwei Frauen etwas weiter weg 

von  dieser  Auseinandersetzung  gewesen  und  hingerannt,  um  seinen  Kollegen 

– den  weiteren  Beschuldigten  P._____  –  vom  Pfefferspray  wegzuziehen  (vgl. 

Urk. D2/3/2 S. 3), erscheint indes völlig unglaubhaft. Abgesehen von den glaubhaf-

ten  Aussagen der Polizeibeamten findet die Darstellung des Beschuldigten  nicht 

einmal  in  den  Aussagen  des  weiteren  Beschuldigten  eine  Stütze.  P._____  gab 

nämlich an, er habe den Beschuldigten vor dem Vorfall kurz gesehen und ihn kurz 

begrüsst. Dann habe er ihn erst nach seiner eigenen Verhaftung bei der Kaserne 

wieder gesehen (Urk. D2/3/2 S. 12 f.). Auch die Aussagen der Zeugin O._____, die 

zwar in Übereinstimmung mit dem Beschuldigten angab, der Beschuldigte habe nur 

seinen Kollegen von der Schlägerei trennen wollen (Urk. 124 S. 6 und 9), erschei-

nen wenig glaubhaft. Anders als der Beschuldigte gab sie indessen an, sehr nahe, 

ca.  zwei,  drei  Meter,  daneben  gestanden  zu  sein  und  zugeschaut  zu  haben 

(Urk. 124 S. 7 und 11). Angesichts des geschilderten Pfeffersprayeinsatzes ("…es 

war ein sehr grosser Pfefferspray…"), des Alkoholkonsums der Zeugin sowie des 

geschilderten Chaos ist dies schwer nachvollziehbar und kaum realistisch, zumal 

sie sich nicht mehr daran erinnern wollte, ob sie auch Pfefferspray abbekommen 

- 31 -

habe oder nicht. Ihre weiteren Aussagen, es habe niemand auf die am Boden lie-

gende Person gekickt, der Beschuldigte habe nur trennen wollen und habe bei der 

Verhaftung nur geschrien (vgl. Urk. 124 S. 6, 9 und 11), stehen sodann – wie auch 

die Aussagen des Beschuldigten – in einem kompletten Widerspruch zu den über-

zeugenden  Aussagen  der  beiden  Stadtpolizisten.  Wie  bereits  erwähnt,  erweckt 

auch Zweifel an der Objektivität der Aussagen der Zeugin, dass sie zum Abschluss 

ihrer Einvernahme von sich aus (nochmals) betonte, der Beschuldigte sei "wirklich 

unschuldig",  es  solle  "Gerechtigkeit  siegen"  und  sie  sei  deshalb  hier,  um  ihn  zu 

unterstützen (Urk. 124 S. 14). Weder die Aussagen des Beschuldigten noch dieje-

nigen der Zeugin O._____ vermögen jedenfalls die glaubhaften Aussagen der Po-

lizeibeamten in Zweifel zu ziehen.

4.4.5.  Zur Situation vor dem Polizeieinsatz führte der weitere Beschuldigte P._____ 

aus, dass es zu einer Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe aus Zürich ge-

kommen  sei  (Urk. D2/5/1  F/A 34).  Anlässlich  der  Konfrontationseinvernahme  mit 

dem Beschuldigten präzisierte er, dass es eine Gruppenschlägerei gewesen sei, 

bei der zwei Gruppen aufeinander losgegangen seien. Eine Gruppe habe sich dann 

aber aufgelöst bzw. seien die Jugendlichen weggerannt bis auf eine Person, die in 

der Folge "drunter" gekommen sei (Urk. D2/3/2 S. 11). Wie auch der Beschuldigte, 

weist P._____ jegliche Beteiligung an der Auseinandersetzung von sich und gab 

an, bloss zu schlichten versucht zu haben (Urk. D2/5/1 F/A 34, 36 und 42 ff.; Urk. 

D2/3/2 S. 7 und 12).

In Übereinstimmung mit P._____ beschrieb auch der Privatkläger 3, dass die Aus-

einandersetzung als Rangelei zwischen zwei Gruppen gestartet habe (Urk. D2/4/2 

F/A 13 ff.). Er sei in eine Rangelei bzw. ein Schubsen geraten und habe plötzlich 

einen  Schlag  an  den  Kopf  erhalten,  worauf  er  bewusstlos  geworden  sei 

(Urk. D2/4/1 F/A 6 und 13 ff.). Nach dem Schlag habe er wegzulaufen versucht und 

sei dann auf einer Bank aufgewacht, wobei die Polizisten vor ihm gestanden seien 

(Urk. D2/4/2 F/A 13). Selbiges wird durch den Zeugen AB._____ beschrieben. Als 

er  sich  dem  "Angriff"  genähert  habe,  habe  er  den  Privatkläger 3  auf  dem  Boden 

kauernd  und  sich  leicht  schützend  wahrgenommen.  Nach  der  Verhaftung  der 

Beschuldigten  sei  der  Privatkläger 3  auf  einer  Bank  gesessen.  Er  –  der  Zeuge 

- 32 -

AB._____  –  habe  gesehen,  dass  jemand  aus  der  Personengruppe  den  Privat-

kläger 3  traktiert  habe.  Es  sei  aber  sicher  nicht  der  Beschuldigte  gewesen 

(Urk. D2/5/3 F/A 24 und 38 ff.).

4.4.6.  Der  Privatkläger  3  erlitt  in  der  geschilderten  Auseinandersetzung  zweier 

Gruppen ein blaues Auge, ein geschwollenes Jochbein, eine Rissquetschwunde an 

der linken Wange und einen Abbruch von Splittern der Wangenzähne (Urk. D2/4/1 

F/A 34 f. und 49 ff.; Urk. D2/4/2 F/A 36 ff.). Die Verletzungen des Privatklägers 3, 

namentlich die Schnittverletzung an der linke Wange sowie ein Bluterguss unter-

halb  des  linken  Auges,  wurden  polizeilich  festgehalten  (Urk. D2/2/1  Foto 1; 

Urk. D2/2/2 Foto 1-3). 

4.4.7.  Aufgrund  der  Beschreibungen  des  Privatklägers  3  sowie  des  weiteren 

Beschuldigten P._____ der Situation vor dem Polizeieinsatz ist davon auszugehen, 

dass es anklagegemäss zunächst zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen 

zwei Personengruppen gekommen ist, in deren Rahmen der Privatkläger 3 verletzt 

worden ist. Im weiteren Verlauf des Geschehens hat sich die tätliche Auseinander-

setzung nur noch gegen eine wehrlos auf dem Boden liegende Person gerichtet, 

wobei der Beschuldigte, wie oben erstellt, massive Fusstritte gegen den Kopf, den 

Oberkörper und den Schulterbereich des Geschädigten ausgeführt hat. Entgegen 

der Ansicht der Verteidigung (Urk. 126 S. 11 f.) ergeht aus den übereinstimmenden 

Aussagen des Privatklägers 3 und des weiteren Beschuldigten P._____, dass es 

sich  bei  dem  gesamten  Geschehen  um  ein  und  desselben  Vorfall  handelte  und 

nicht etwa zwei, weshalb der Beschuldigte vom Vorwurf des Raufhandels freizu-

sprechen sei (vgl. dazu sogleich).

4.5. Rechtliche Würdigung des (erstellten) Sachverhalts

4.5.1.  Versuchte schwere Körperverletzung

4.5.1.1.  Die Vorinstanz hat das Eintreten des Beschuldigten gegen den Kopf und 

den Oberkörperbereich des wehrlos am Boden liegenden Unbekannten zu Recht 

als versuchte schwere Körperverletzung qualifiziert. Darauf kann vorab verwiesen 

werden (Urk. 68 S. 27 f.).

- 33 -

4.5.1.2.  Entgegen der Verteidigung kann aus der Tatsache, dass sich das Opfer 

entfernen konnte, nicht geschlossen werden, dass die Tritte des Beschuldigten nur 

leicht oder von vornherein ungeeignet gewesen wären, eine schwere Körperverlet-

zung zu verursachen. Es ist denn auch nicht entscheidend, wie und wo das Opfer 

effektiv getroffen worden ist. So entlastet den Täter tatbeständlich nicht, wenn er 

mit einem gegen den Kopf geführten Fusstritt nicht (voll) trifft oder es dem Opfer 

gelingt,  den  Tritt  abzuwehren.  Beide  Polizeibeamten  beschreiben  eine  hohe 

Gewaltbereitschaft  und  der  Zeuge  AB._____  massive  Fusstritte  seitens  des 

Beschuldigten, unter anderem gegen den Kopf gerichtet, mit einer Intensität nahe 

bei zehn auf einer Skala von eins bis zehn. Die vom Beschuldigten mit massiver 

Wucht  ausgeführten  Fusstritte  gegen  den  Kopf  und  den  Oberkörper  des  Opfers 

waren  zweifellos  geeignet,  um  diesem  lebensbedrohliche  bzw.  schwerwiegende 

Körperverletzungen im Sinne von aArt. 122 Abs. 1 und 2 StGB zuzufügen, wobei 

dieses Risiko umso grösser ist, wenn das Opfer – wie vorliegend – ohne Reaktions- 

oder Abwehrmöglichkeit am Boden liegt (vgl. die vorinstanzlich angeführten Urteile 

des Bundesgerichts 6B_526/2020 vom 24. Juni 2021 E. 1.2.2; 6B_529/2020 vom 

14. September 2020 E. 3.2.2; 6B_1180/2015 vom 13. Mai 2016 E. 4.1; mit Hinwei-

sen). 

4.5.1.3.  Mit der Vorinstanz ist dem Beschuldigten das Wissen um die Gefährlichkeit 

von Schlägen und Tritten gegen den Kopf einer Person zuzurechnen, diese ist all-

gemein bekannt. Im Wissen um die Gefährlichkeit seines Vorgehens konnte er auf-

grund  der  Dynamik  des  Geschehens  nicht  darauf  vertrauen,  den  am  Boden 

liegenden Unbekannten nicht zu verletzen. Es ist von einem eventualvorsätzlichen 

Handeln auszugehen.

4.5.1.4.  Der Versuch einer schweren Körperverletzung im Sinne von aArt. 122 Abs. 

1 und 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB ist zu bejahen. 

4.5.2.  Angriff oder Raufhandel

4.5.2.1.  Im Gegensatz zur schweren Körperverletzung, wurden die Bestimmungen 

gemäss Art. 133 StGB und Art. 134 StGB mit dem Bundesgesetz über die Harmo-

nisierung der Strafrahmen vom 17. Dezember 2021 (AS 2023 259) nicht verändert. 

- 34 -

4.5.2.2.  Die  Vorinstanz  hat  richtige  Ausführungen  zu  den  Tatbestandsvoraus-

setzungen  des  Angriffs  (Art. 134  StGB)  sowie  des  Raufhandels  (Art. 133  StGB) 

gemacht. Darauf kann vorab verwiesen werden (Urk. 68 S. 24 f.). Rekapitulierend 

gilt es festzuhalten, dass sowohl der Angriff als auch der Raufhandel den Tod oder 

eine  Körperverletzung  eines  Angegriffenen  oder  eines  Dritten  zur  Folge  haben 

muss,  was  eine  objektive  Strafbarkeitsbedingung  darstellt 

(MÄDER-BSK 

StGB/JStGB,  a.a.O.,  Art. 134  StGB  N  10;  BGE  135  IV  152  E.  2.1;  MÄDER-BSK 

StGB/JStGB, a.a.O., Art. 133 StGB N 22). 

4.5.2.3.  Die durch den Privatkläger 3 sowie den weiteren Beschuldigten P._____ 

beschriebene Situation stellte anfänglich eine tätliche, wechselseitige Auseinander-

setzung zwischen mindestens drei Personen dar. Die an der Auseinandersetzung 

aktiv Beteiligten – so auch der Beschuldigte – schlugen in der Folge auf eine Person 

ein, die wehrlos am Boden lag. 

4.5.2.4.  Die Annahme, dass in Bezug auf den unbekannten am Boden liegenden 

Mann ein einseitiger Angriff vorgelegen habe, der vom vorherigen Tatgeschehen 

abzutrennen sei, führt dazu, dass es an einer (nachgewiesenen) objektiven Straf-

barkeitsbedingung – einer Körperverletzung oder dem Tod des Angegriffenen oder 

Dritten – fehlt. Mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 28) kann gestützt auf die Beweismittel 

nicht  erstellt  werden,  in  welchem  Stadium  der  Auseinandersetzung  der  Privat-

kläger 3 verletzt wurde. Der Privatkläger 3 beschrieb, noch vor dem polizeilichen 

Einsatz mit Pfefferspray im Rahmen der anfänglichen Rangelei bzw. des Schub-

sens  zweier  Personengruppen  einen  Schlag  an  den  Kopf  erhalten  zu  haben 

(Urk. D2/4/1 F/A 6 und 14). Der Zeuge AB._____ beschrieb dagegen, im Rahmen 

des "Angriffs" beobachtet zu haben, wie jemand aus der Personengruppe den auf 

dem  Boden  kauernden  Privatkläger 3  traktiert  habe  (Urk. D2/5/3  F/A 24  f.  und 

38 f.). Der unbekannte Geschädigte indessen konnte nach dem Vorfall nicht mehr 

angetroffen werden, weshalb auch nicht davon ausgegangen werden darf, dass er 

zumindest eine einfache Körperverletzung erlitten habe. Ein Angriff i.S.v. Art. 134 

StGB betreffend diesen Geschehensteil fällt somit bereits mangels objektiver Straf-

barkeitsbedingung ausser Betracht.

- 35 -

4.5.2.5.  Die Tatbestandsvoraussetzungen des Raufhandels im Sinne von Art. 133 

StGB sind hingegen zweifellos geben. Raufhandel ist eine tätliche, wechselseitige 

Auseinandersetzung zwischen mindestens drei Personen, wobei jede Seite aktiv 

am Streit beteiligt sein muss. Im Sinne einer objektiven Strafbarkeitsbedingung wird 

ein  Teilnehmer  nur  bestraft,  wenn  der  Raufhandel  den  Tod  oder  zumindest  die 

Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB eines Beteiligten oder einer Drittper-

son zur Folge hat. Unerheblich ist, wer die Verletzung verursacht hat (MÄDER-BSK 

StGB/JStGB, a.a.O., Art. 133 StGB N 10-13 und 22). Und ebenso unerheblich ist, 

ob der Täter vor oder nach dem Eintritt der Strafbarkeitsbedingung in den Raufhan-

del eintritt (BGE 139 IV 172 ff.). Gemäss erstelltem Sachverhalt beteiligte sich der 

Beschuldigte  aktiv  und  wissentlich  und  willentlich  an  der  tätlichen  Auseinander-

setzung, in deren Verlauf der Privatkläger 3 diverse Körperverletzungen im Sinne 

von Art. 123 StGB erlitt.

4.5.2.6.  Nach dem Gesagten ist mit der Vorinstanz ein Raufhandel i.S.v. Art. 133 

StGB zu bejahen.

5.

alt Dossier 2

5.1. Anklagevorwurf

5.1.1.  Ferner wird dem Beschuldigten zusammengefasst vorgeworfen, am 30. Juni 

2019, ca. 23:50 Uhr, die in den Innenhof der Wohnung des Beschuldigten aufgrund 

einer gemeldeten Schlägerei ausgerückten Stadtpolizisten C._____ und E._____ 

(die Privatkläger 6 und 8) durch das Wohnungsfenster angeschrien und mit etwas 

in der Hand eine Wurfbewegung in Richtung der Polizisten gemacht zu haben. Auf-

grund des aggressiven Verhaltens des Beschuldigten hätten die Polizisten zwecks 

Eigensicherung Pfefferspray in Richtung des Beschuldigten gesprayt und Verstär-

kung (die Stadtpolizisten B._____ und D._____ bzw. die Privatkläger 5 und 7) her-

beigerufen. Die (damalige) Freundin des Beschuldigten, AD._____, sei sodann im 

Innenhof  aufgetaucht  und  habe  behauptet,  der  Beschuldigte  drehe  durch.  In  der 

Folge sei der Beschuldigte mit einem Messer in der rechten Hand in den Innenhof 

gekommen, sei auf die mit Schildern ausgerüsteten nunmehr vier Stadtpolizisten 

zugegangen und habe den polizeilichen Aufforderungen, das Messer wegzulegen, 

- 36 -

keine Folge geleistet. C._____ bzw. der Privatkläger 6 habe seine Waffe gezogen 

und es sei nochmals Pfefferspray gegen den Beschuldigten gesprüht worden. Die 

Freundin sei zum Beschuldigten gerannt und habe versucht, diesen zu beruhigen. 

Der Beschuldigte habe sodann mit dem Messer Schnittbewegungen an seinen Hals 

und seinen Armen gemacht und gerufen, dass er sich umbringe. Erst nach erneu-

tem Pfefferspray-Einsatz gegen den Beschuldigten habe dieser das Messer weg-

gelegt und habe mit passivem Widerstand arretiert werden können (Urk. D1/21 S. 6 

f.).

5.1.2.  In  rechtlicher  Hinsicht  wirft  die  Staatsanwaltschaft  dem  Beschuldigten 

Gewalt  und  Drohung  gegen  Behörden  und  Beamte  im  Sinne  von  Art. 285  Ziff. 1 

StGB vor (Urk. D1/21 S. 6 f. und 10).

5.2. Standpunkt des Beschuldigten

5.2.1.  In der Untersuchung anerkannte der Beschuldigte, die Polizisten durch das 

Wohnungsfenster  angeschrien  zu  haben,  mit  einem  Messer  in  der  Hand  in  den 

Innenhof gegangen zu sein, dieses gegen sich gerichtet und gegenüber den Poli-

zisten  angedroht  zu  haben,  sich  selbst  zu  verletzen  (Urk. aD2/3/1  F/A 6  und  21; 

Urk. aD2/3/4 F/A 6 und 18 f.). Im Rahmen des Vorhalts aller Anklagesachvorwürfe 

vom 3. Februar 2022 anerkannte der Beschuldigte den objektiven Anklagesachver-

halt  ausdrücklich  (Urk. D1/20/1  F/A 31).  Indessen  bestritt  der  Beschuldigte,  die 

Polizisten mit dem Messer bedroht zu haben (Urk. aD2/3/1 F/A 28 f.; Urk. D1/20/1 

F/A 31). Gemäss Darstellung des Beschuldigten habe er nur seine Freundin zurück 

gewollt, weshalb er zu den Polizisten gesagt habe, dass er sich etwas antue, wenn 

sie seine Freundin nicht zu ihm schicken würden. Dies hätten die Polizisten nicht 

getan  und  er  habe  sich  deshalb  auch  verletzt  (Urk. aD2/3/4  F/A 6  und  25; 

Urk. D1/20/1 F/A 31). Anlässlich der Berufungsverhandlung verwies der Beschul-

digte zunächst auf seine Verteidigung und führte im Rahmen des Schlusswortes 

aus,  er  habe  den  Sachverhalt  nur  anerkannt,  weil  er  sich  für  sein  Verhalten 

geschämt habe (Urk. 125 S. 25 und Prot. II S. 17).

5.2.2.  Die  Verteidigung  machte  vor  Vorinstanz  geltend,  der  Beschuldigte  sei  in 

dubio pro reo freizusprechen, da noch weitere Beweiserhebungen nötig gewesen 

- 37 -

wären,  womit  sich  die  Darstellung  der  Geschädigten  nicht  erhärtet  habe.  Ferner 

habe der Beschuldigte keinen subjektiven Tatbestand verwirklicht (Urk. 50 S. 13). 

Vor dem Berufungsgericht führte die Verteidigung aus, dass sich der Beschuldigte 

in einem psychischen Ausnahmezustand befunden habe und weder den Polizei-

einsatz habe behindern noch die Polizisten habe bedrohen wollen (Urk. 126 S. 12).

5.3. Beweismittel

5.3.1.  Zum  Anklagevorwurf  gemäss  alt  Dossier  2  liegen  die  Aussagen  des 

Beschuldigten  (Urk. aD2/3/1+2;  Urk. aD2/3/4;  Urk. D1/20/2  F/A 28  ff.;  Urk. 47A 

S. 18  f.;  Prot.  II  S. 17)  sowie  die  Wahrnehmungsberichte  der  involvierten 

Stadtpolizisten  B._____,  C._____  und  E._____  bzw.  der  Privatkläger  5,  6  und  8 

(Urk. aD2/1/3-5)  vor.  Ferner  liegen  die  Polizeirapporte  vom  1.  und  2.  Juli  2019 

(Urk. aD2/1/1+2), Fotodokumentationen der angetroffenen Situation sowie der Ver-

letzungen  des  Beschuldigten  (Urk. aD2/4/1+2),  ärztliche  Berichte  der  Psychiatri-

schen  Universitätsklinik  Zürich  (Urk. aD2/6/3)  und  des  Spitals  Zollikerberg 

(Urk. aD2/6/6)  sowie  die  fürsorgerische  Unterbringung  des  Beschuldigten  durch 

einen SOS-Arzt (Urk. aD2/6/7) bei den Akten. 

5.3.2.  Sämtliche Beweismittel wurden korrekt erhoben und können für die Erstel-

lung des Sachverhalts vollumfänglich verwertet werden.

5.4. Würdigung der Beweismittel

5.4.1.  Die Vorinstanz stellte im Wesentlichen auf die Wahrnehmungsberichte der 

Privatkläger (Urk. aD2/1/3-5) sowie die Anerkennung des Beschuldigten des objek-

tiven Tatgeschehens (Urk. D1/20/1 F/A 31) ab. Aufgrund dessen erachtete sie den 

Anklagevorwurf als erstellt (Urk. 68 S. 32 f.). Auf diese zutreffende Beweiswürdi-

gung kann verwiesen werden. Die folgenden Erwägungen sind lediglich wiederho-

lender und teilweise ergänzender Natur.

5.4.2.  Aus  den  Wahrnehmungsberichten  der  Polizeibeamten  C._____  und 

E._____ bzw. der Privatkläger 6 und 8 geht übereinstimmend hervor, dass sie auf 

der Suche nach der gemeldeten Auseinandersetzung auf den Beschuldigten ge-

stossen seien. Beide beschrieben, wie der Beschuldigte auf ihre Nachfrage, was 

- 38 -

geschehen sei, sie aggressiv aus dem Fenster seiner Wohnung angeschrien habe. 

Der Polizist C._____ beschrieb, dass er den grossen Pfefferspray behändigt habe, 

weil er befürchtet habe, der Beschuldigte springe aus dem Fenster und gehe auf 

sie los. Als der Beschuldigte eine Wurfbewegung mit etwas in der Hand gemacht 

habe,  habe  der  Polizist  C._____  den  Pfefferspray  eingesetzt.  Ferner  schilderten 

sie, dass die Freundin des Beschuldigten zu ihnen gekommen sei und gesagt habe, 

sie hätten vorher einen heftigen Streit gehabt und der Beschuldigte sei sehr aufge-

bracht bzw. "am Durchdrehen" (Urk. aD2/1/4 S. 1 f.; Urk. aD2/1/5 S. 1 f.). Überein-

stimmend mit der Wahrnehmung der Polizistin B._____ bzw. der Privatklägerin 5, 

die  zur  Verstärkung  herbeigerufen  wurde,  schilderten  sie,  dass  der  Beschuldigte 

plötzlich mit einem Messer in der Hand über den Kopf haltend aus dem Fenster 

gesprungen  und  auf  sie  zugelaufen  sei.  Den  polizeilichen  Aufforderungen,  das 

Messer  fallen  zu  lassen,  sei  der  Beschuldigte  nicht  gefolgt,  worauf  die  Polizistin 

B._____ Pfefferspray eingesetzt und der Polizist C._____ seine Dienstpistole be-

händigt habe. Die Freundin des Beschuldigten sei zum Beschuldigten gerannt und 

habe ihn zu beruhigen versucht, worauf sich dieser mit dem Messer am Hals und 

am Arm selber verletzt und gerufen habe, er bringe sich um. Nach einem weiteren 

Sprühstoss mit Pfefferspray habe der Beschuldigte schliesslich das Messer fallen 

gelassen und habe arretiert werden können (Urk. aD2/1/3 S. 1 f; Urk. aD2/1/4 S. 2; 

Urk. aD2/1/5 S. 2 f.).

5.4.3.  Mit der Vorinstanz decken sich die detaillierten Aussagen der involvierten 

Polizisten  und  erscheinen  insgesamt  glaubhaft.  Auch  der  Beschuldigte  bestä-

tigte  den  Ablauf  schliesslich  explizit  (Urk. D1/20/1  F/A  31).  Sodann  gab  er  zu-

nächst auch zu, das Messer hochgehalten zu haben. Er gab jedoch an, dass er 

dieses habe zeigen wollen und dass er sich wirklich verletzen werde (Urk. aD2/3/1 

F/A 28). Unbestrittenermassen hielt der Beschuldigte beim Vorfall ein Messer in der 

Hand, das er auf Aufforderung der Polizeibeamten zunächst nicht weglegte. Beim 

Messer handelte es sich um ein Besteckmesser mit einer zehn Zentimeter langen 

Klinge (Urk. aD2/4/1 S. 3 f.). Mit diesem Messer fügte sich der Beschuldigte anläss-

lich des Vorfalles diverse oberflächliche Schnittverletzungen am Unter- und Ober-

arm, Brustbereich sowie in der Kniegegend ohne bleibende Schädigungen zu (vgl. 

Urk. aD2/4/2 und Urk. aD2/6/6). Vor dem Hintergrund der geschilderten schlechten 

- 39 -

Sichtverhältnisse  und  der  angespannten  Situation  war  es  für  die  Polizeibeamten 

offensichtlich schwer erkennbar, was der Beschuldigte effektiv in seiner Hand hielt 

oder welches seine konkreten Absichten waren. In Anbetracht des geschilderten 

aggressiven  Verhaltens  des  Beschuldigten  erscheint  es  glaubhaft,  dass  die 

handelnden Polizeibeamten sich durch den Beschuldigten effektiv bedroht gefühlt 

haben.

5.4.4.  Dass der Beschuldigte ein aggressives Verhalten aufgewiesen habe, ergibt 

sich  auch  aus  der  ärztlich  angeordneten  fürsorgerischen  Unterbringung.  Durch 

einen SOS-Arzt wurde festgehalten, dass sich der Beschuldigte auch im Nachgang 

an den Vorfall in einem persistierenden aggressiven und suizidalen Zustand befun-

den  habe.  Er  habe  wiederholt  Drohungen  gegen  unbestimmt  ausgesprochen. 

Dabei habe er einen Atemalkoholgehalt von 0.86 ‰ aufgewiesen. Der Beschuldigte 

wurde  als  selbst-  und  fremdgefährdend  eingestuft.  Aufgrund  seines  Verhaltens 

habe  der  Beschuldigte  nicht  über  die  Gründe  der  Anordnung  der  Unterbringung 

sowie über die Einrichtung aufgeklärt werden können, er habe jegliche Aufklärun-

gen überschrien (Urk. aD2/6/7). 

5.4.5.  Im  Gegensatz  zu  den  übereinstimmenden  Aussagen  der  Polizeibeamten 

überzeugen  die  eine  Drohung  abstreitenden  Aussagen  des  Beschuldigten  nicht. 

Die  während  der  Untersuchung  gemachten  diesbezüglichen  Schilderungen  des 

Beschuldigten zum Vorgefallenen sind nicht in sich stimmig und lassen sich auch 

nicht mit den übereinstimmenden Wahrnehmungsberichten in Einklang bringen. So 

gab der Beschuldigte zunächst noch an, dass seine Freundin, nachdem er in der 

Wohnung "eingepfeffert" worden sei, herausgegangen sei, um die Polizei zu fragen, 

was  los  sei.  Unter  diesen  Umständen  leuchtet  sodann  nicht  ein,  weshalb  der 

Beschuldigte sich eines Messers behändigte, bevor er ebenfalls in den Innenhof 

ging. Seine Freundin sei ja gemäss Aussage des Beschuldigten freiwillig zu den 

Polizisten gegangen (vgl. zum Ganzen Urk. aD2/3/1 F/A 6). Ferner ist die Aussage 

des Beschuldigten, die Polizei habe seine Freundin zurückbehalten, völlig unglaub-

haft,  während  sich  die  Schilderung  des  Polizisten  C._____,  die  Freundin  des 

Beschuldigten sei zu ihnen gerannt und habe von einem vorangehenden heftigen 

Streit mit dem Beschuldigten im Hinterhof berichtet (Urk. aD2/1/5 S. 2), stimmig ins 

- 40 -

Gesamtbild  fügen  lässt.  Aufgrund  eines  solchen  Streits  bzw.  einer  Schlägerei 

gingen  auch  zwei  Telefonanrufe  bei  der  Einsatzzentrale  der  Stadtpolizei  ein 

(Urk. aD2/1/1  S. 4).  Schliesslich  erscheint  seine  abschliessende  Darstellung,  er 

habe  nur  seine  Freundin  zurückgewollt  und  niemanden  bedrohen  wollen 

(Urk. D1/20/1  F/A 31),  insbesondere  auch  vor  dem  Hintergrund  der  Wahrneh-

mungsberichte wenig glaubhaft. Der Beschuldigte habe sich gemäss übereinstim-

mender Wahrnehmung der Polizeibeamten die Verletzungen erst dann zugefügt, 

nachdem  seine  Freundin  zu  ihm  gerannt  sei  bzw.  ihn  umarmt  habe  (vgl. 

Urk. aD2/1/3  S. 2;  Urk. aD2/1/4  S. 2;  Urk. aD2/1/5  S. 3).  Dass  er  sein  Messer 

gerade  nicht  umgehend  weggelegt  hat,  als  seine  Freundin  zu  ihm  gerannt  sei, 

spricht gegen die Darstellung des Beschuldigten. Vielmehr entsteht aufgrund des 

Verhaltens des Beschuldigten sowie seiner Aussagen der Eindruck, dass er auf die 

Handlungen  der  Polizisten  einwirken  und  diese  zumindest  vorübergehend  an 

seiner  Verhaftung  hindern  wollte.  So  gab  er  bezeichnenderweise  an,  dass  er 

gedacht habe, wenn drohen würde, sich etwas anzutun, die Polizei seine Freundin 

zu ihm lassen würde (Urk. aD2/3/4 F/A 18), und dass er nur gewollt habe, dass sie 

Angst hätten, dass er sich etwas antun könne (Urk. aD2/3/4 F/A 24). 

5.4.6.  Mit  der  Vorinstanz  waren  bei  der  gegebenen  Beweislage  keine  weiteren 

Beweisabnahmen  notwendig,  zumal  der  Beschuldigte  anlässlich  der  Schlussein-

vernahme vom 3. Februar 2022 auf weitere Beweisabnahmen, insbesondere die 

parteiöffentliche Einvernahme der Polizisten, verzichtet hat (Urk. D1/20/1 F/A 32). 

Aufgrund  der  übereinstimmenden,  glaubhaften  Wahrnehmungen  der  involvierten 

Polizisten bzw. der Privatkläger 5, 6 und 8 (Urk. aD2/1/3-5) und der grundsätzlichen 

Anerkennung  des  Beschuldigen  des  objektiven  Tatgeschehens  (Urk. D1/20/1 

F/A 31) besteht kein Zweifel, dass sich der Sachverhalt anklagegemäss verwirklicht 

hat. 

5.5. Rechtliche Würdigung des (erstellten) Sachverhalts

5.5.1.  Die seit 1. Juli 2023 geltende Harmonisierung der Strafrahmen für Gewalt-

taten  wirkt  sich  in  Bezug  auf  den  Straftatbestand  der  Gewalt  und  Drohung  nicht 

milder auf den Beschuldigten aus, da nArt. 285 Ziff. 1 StGB nur noch in leichten 

- 41 -

Fällen Geldstrafe vorsieht, weshalb nachfolgend aArt. 285 Ziff. 1 StGB zu prüfen 

ist.

5.5.2.  Die  Vorinstanz  hat  richtige  theoretische  Erwägungen  zum  Tatbestand  der 

Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemacht und das Verhalten des 

Beschuldigten zutreffend entsprechend qualifiziert (Urk. 68 S. 32 f.). Darauf kann 

verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

5.5.3.  Rekapitulierend  gilt  es  festzuhalten,  dass  sich  der  Gewalt  und  Drohung 

gegen Behörden und Beamte unter anderem schuldig macht, wer einen Beamten 

durch Gewalt oder Drohung u.a. an einer Amtshandlung hindert oder zu einer Amts-

handlung nötigt. Die Hinderung einer Amtshandlung liegt bereits vor, wenn diese in 

einer  Art  und  Weise  beeinträchtigt  wird,  dass  sie  nicht  reibungslos  durchgeführt 

werden kann (HEIMGARTNER-BSK StGB/JStGB, a.a.O., Art. 285 StGB N 5). Bei der 

Tatbestandsvariante der sog. Beamtennötigung zwingt der Täter die Amtsperson 

zur  Vornahme  einer  Amtshandlung,  d.  h.  er  bewirkt  diese  durch  den  Amtsträger 

gegen  dessen  Willen  (HEIMGARTNER-BSK  StGB/JStGB,  a.a.O.,  Art. 285  StGB 

N 12). Unter "Drohung" wird gemäss herrschender Lehre und Rechtsprechung wie 

bei  der  Nötigung  gemäss  Art. 181  StGB  eine  "Androhung  ernstlicher  Nachteile" 

verstanden.  Der  Geschädigte  muss  die  Verwirklichung  des  angedrohten  Übels 

befürchten, die Androhung also nicht lediglich für einen Bluff halten (DELNON/RÜDY-

BSK  StGB/JStGB,  a.a.O.,  Art. 181  StGB  N 36).  Auch  die  Androhung  von  ernstli-

chen Nachteilen für Rechtsgüter Dritter oder der Täterschaft selbst sind taugliche 

Nötigungsmittel,  falls  die  Androhung  mit  Wissen  und  Willen  der  Täterschaft 

geeignet ist, dem Nötigungsopfer seinen eigenen Willen aufzuoktroyieren (DELNON/ 

RÜDY-BSK StGB/JStGB, a.a.O., Art. 181 StGB N 33 m.w.H.). Die Androhung muss 

geeignet sein, einen besonnenen Beamten in der Lage des Betroffenen gefügig zu 

machen (HEIMGARTNER-BSK StGB/JStGB, a.a.O., Art. 285 StGB N 10 f.). In subjek-

tiver Hinsicht muss die Handlung, die Drohung, mit Vorsatz erfolgen, wobei Even-

tualvorsatz ausreicht. Ferner muss die Handlung des Täters mit Wissen und Willen 

um die möglicherweise hindernde bzw. nötigende Wirkung erfolgen (HEIMGARTNER-

BSK StGB/JStGB, a.a.O., Art. 285 StGB N 23).

- 42 -

5.5.4.  Gemäss erstelltem Sachverhalt hat der Beschuldigte die polizeiliche Inter-

vention, gegen welche er sich sodann gewaltsam widersetzte, durch sein aggres-

sives,  selbst-  und  fremdgefährdendes  Verhalten  provoziert  und  erschwert.  Der 

Beschuldigte drohte den eingerückten Stadtpolizisten während des Polizeieinsat-

zes, zunächst indem er eine Wurfbewegung mit einem unbekannten Gegenstand 

in der Hand machte und sodann mit einem Messer über seinen Kopf haltend auf 

diese zuging. Auch die darauffolgende Androhung einer Selbstverletzung reicht für 

die Qualifizierung als Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte aus. Die 

Stadtpolizisten fühlten sich aufgrund seines Verhaltens in ihrer Sicherheit bedroht 

und waren gezwungen bzw. genötigt, sich zum Eigenschutz entsprechend auszu-

rüsten, Pfefferspray einzusetzen und ihre Dienstwaffe zu ziehen, und auch die für 

den Beschuldigten erkennbar bevorstehende Verhaftung und Kontrolle wurde deut-

lich erschwert. Dies hat der Beschuldigte mit seinem Verhalten zumindest in Kauf 

genommen. 

5.5.5.  Der  Beschuldigte  hat  sich  somit  ferner  der  Gewalt  und  Drohung  gegen 

Behörden und Beamte i.S.v. aArt. 285 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht.

6.

alt Dossier 3

6.1. Anklagevorwurf

6.1.1.  Gemäss Anklagevorwurf des alt Dossiers 3 sei der Beschuldigte am 25. Mai 

2019  um  ca.  20:15 Uhr  zusammen  mit  seinem  Bruder  T._____  mit  den  sich  auf 

ihrem  Balkon  am  AE._____-weg …  in  …  Zürich  aufhaltenden  AF._____  und 

AG._____ (nachfolgend: die Privatkläger 9 und 10) in eine verbale Auseinander-

setzung geraten, worauf der Beschuldigte rund fünf bis sechs Steine in deren Rich-

tung geworfen habe. Durch das aggressive Auftreten des Beschuldigten sollen die 

Privatkläger 9 und 10 ernsthaft befürchtet haben, dass der Beschuldigte sie verlet-

zen wolle. Durch die Steinwürfe sei ferner ein Sachschaden an der Fassade sowie 

des Glasvordachs im Betrag von über Fr. 300.– entstanden (Urk. D1/21 S. 7).

6.1.2.  In rechtlicher Hinsicht wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten mehr-

fache Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB und Sachbeschädigung i.S.v. 

Art. 144 Abs. 1 StGB vor (Urk. D1/21 S. 7 und 10).

- 43 -

6.2. Standpunkt des Beschuldigten

6.2.1.  Im Rahmen des Vorhalts aller Anklagesachvorwürfe vom 3. Februar 2022 

bestätigte der Beschuldigte, am 18. August 2020 im Hinblick auf ein abgekürztes 

Verfahren den Sachverhalt eingestanden zu haben und anerkannte den Anklage-

sachverhalt ausdrücklich erneut (Urk. D1/20/1 F/A 34 ff.). Anlässlich der Hauptver-

handlung  vom  1.  September  2023  sowie  anlässlich  der  Berufungsverhandlung 

bestritt er den Sachverhalt hingegen und sagte aus, er habe damals im abgekürzten 

Verfahren ein Geständnis nur deshalb abgelegt, um entlassen zu werden, alle Fälle 

abschliessen  und  den  vorzeitigen  Strafvollzug  antreten  zu  können.  In  der 

Berufungsverhandlung gab er sodann an, dass sein Bruder Steine geworfen habe, 

dieser aber niemanden habe verletzen wollen (Urk. 47A S. 19; Urk. 125 S. 25 f.).

6.2.2.  Die Verteidigung führte ergänzend aus, dass die Aussagen der Privatkläger 

mangels Konfrontation nicht zulasten des Beschuldigten verwendet werden dürfen. 

Abgesehen davon lasse sich aufgrund der Aussagen der Privatkläger sowie des 

Bruders des Beschuldigten nicht nachweisen, dass der Beschuldigte Steine gewor-

fen habe (Urk. 50 S. 14).

6.3. Beweismittel

6.3.1.  Zum Anklagevorwurf liegen die Aussagen des Beschuldigten (Urk. D1/20/1 

F/A 34  ff.;  Urk. 47A  S.  19;  Urk. 125  S.  25  f.),  des  Bruders  des  Beschuldigten 

(Urk. aD3/3/1) sowie der Privatkläger 9 und 10 (Urk. aD3/4/1+2) vor. Ferner liegen 

die Polizeirapporte vom 1. und 2. Juli 2019 (Urk. aD2/1/1+2), eine Fotodokumenta-

tion der angetroffenen Situation sowie der Beschuldigten anlässlich des Vorfalles 

(Urk. aD3/5/1) sowie ein Kurzbericht des Forensischen Instituts Zürich zur Spuren-

sicherungen an sechs sichergestellten Steinen (Urk. aD3/7/1) bei den Akten. 

6.3.2.  Im  Übrigen  liegen  gültige  Strafanträge  gegen  den  Beschuldigten  (wegen 

Hausfriedensbruchs, versuchter Körperverletzung und Drohung durch Betreten des 

Grundstücks und mehrfachen Steinwurfs; Urk. aD3/2/2) und gegen den Bruder des 

Beschuldigten  (wegen  Hausfriedensbruchs,  Sachbeschädigung  und  Drohung 

durch  Betreten  des  Grundstücks,  Beschädigung  des  Cheminées  und  Wurf  eines 

Holzstumpfes; Urk. aD3/2/3) je vom 26. Mai 2019 im Recht.

- 44 -

6.3.3.  Die Befragungen des Bruders des Beschuldigten sowie der Privatkläger 9 

und  10  fanden  einzig  in  einer  polizeilichen  Einvernahme  statt,  ohne  spätere 

Wahrung  des  Konfrontationsanspruchs  des  Beschuldigten 

(Urk. aD3/3/1; 

Urk. aD3/4/1+2).  Vorliegend  hat  die  Staatsanwaltschaft  keine  Konfrontationsein-

vernahmen  veranlasst,  da  der  Beschuldigte  im  Untersuchungsverfahren  stets 

geständig war. Eine belastende Zeugenaussage ist grundsätzlich nur verwertbar, 

wenn  die  beschuldigte  Person  wenigstens  einmal  während  des  Verfahrens 

angemessene  und  hinreichende  Gelegenheit  hatte,  das  Zeugnis  in  Zweifel  zu 

ziehen und Fragen an den Belastungszeugen zu stellen. 

Die  Rechtsprechung  hat  wiederholt  betont,  dass  auf  das  Konfrontationsrecht 

vorgängig  oder  auch  im  Nachhinein  ausdrücklich  oder  stillschweigend  verzichtet 

werden kann, wobei der Verzicht des Beschuldigten auch von seinem Verteidiger 

ausgehen kann. Die beschuldigte Person kann den Behörden grundsätzlich nicht 

vorwerfen, gewisse Zeugen zwecks Konfrontation nicht vorgeladen zu haben, wenn 

sie  es  unterlässt,  rechtzeitig  (d.h.  spätestens  im  Berufungsverfahren)  und 

formgerecht  entsprechende  Anträge  zu  stellen  (vgl.  anstatt  vieler  die  Urteile  des 

Bundesgerichts  6B_1110/2023  vom  23. Mai  2024  E.3.3.5;  7B_259/2022  vom  8. 

April  2024  E.  2;  7B_253/2022  vom  8. Februar  2024  E. 2.3.5;  je  mit  Hinweisen). 

Entscheidend  ist  nämlich,  dass  es  sich  beim  Konfrontationsrecht  um  ein 

Mitwirkungsrecht der beschuldigten Person handelt. Dessen Ziel ist die Wahrung 

der Waffengleichheit und die Gewährung eines fairen Verfahrens (BGE 131 I 476 

E. 2.2, mit Hinweis). Nicht eigentlicher Sinn und Zweck des Konfrontationsrechts 

ist  es  dagegen,  der  beschuldigten  Person  bei  unterlassener  Konfrontation  die 

Entfernung  eines  womöglich  belastenden  Beweismittels  aus  den  Akten  zu 

ermöglichen.  Ob  die  beschuldigte  Person  das  Recht  auf  Konfrontation  effektiv 

wahrnehmen  will,  steht  ihr  demnach  frei  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts 

7B_253/2022 vom 8. Februar 2024 E. 2.3.5, mit weiteren Hinweisen).

Da der Beschuldigte es unterlassen hat, einen Antrag auf Befragung der Zeugen 

rechtzeitig,  das  heisst  bis  spätestens  vor  Abschluss  des  Beweisverfahrens  des 

Berufungsverfahrens,  und  formgerecht  zu  stellen,  ist  von  einem  Verzicht  auf 

- 45 -

Ausübung des Konfrontationsrechts auszugehen. Die polizeilichen Einvernahmen 

der Privatkläger 9 und 10 sind einschränkungslos verwertbar.

6.4. Würdigung der Beweismittel

6.4.1.  Die Vorinstanz kommt zum Schluss, dass der Sachverhalt als rechtsgenü-

gend  erstellt  gelte.  Der  Beschuldigte  habe  den  anklagegemässen  Sachverhalt 

anerkannt. Ferne liege eine Fotodokumentation vor, bei der der Beschuldigte zum 

Tatzeitpunkt  am  Tatort  zu  erkennen  sei.  Der  Widerruf  seines  Geständnisses  an-

lässlich der Hauptverhandlung sei angesichts der klaren Beweislage nicht plausibel 

(Urk. 68 S. 35). Auf die vorinstanzliche Würdigung kann ohne Weiteres abgestellt 

werden.  Die  folgenden  Erwägungen  sind  teilweise  wiederholender  und  teilweise 

ergänzender Natur.

6.4.2.  Ein Geständnis fällt mit einem Widerruf nicht dahin. Wie das Geständnis ist 

auch der Widerruf frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO; GUNHILD GODENZI, in: Kom-

mentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO), 3. Aufl. 2020, Art. 160 

StPO  N  5).  Es  sind  keine  Anhaltspunkte  vorhanden,  dass  der  Beschuldigte  auf 

"Empfehlung" oder unter Druck des Staatsanwalts ein falsches Geständnis abge-

legt hätte. Der Beschuldigte war anlässlich der Einvernahme vom 3. Februar 2022 

anwaltlich verteidigt und Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ nahm an der Einvernahme 

ebenfalls teil (Urk. D1/20/1 S. 1). Der im Zeitpunkt seiner Befragung im vorzeitigen 

Strafvollzug  befindliche  Beschuldigte  war  nicht  etwa  körperlich  oder  geistig  ge-

schwächt (Urk. D1/20/1 F/A 1 und 5) und konnte die Anklagesachverhalte vorgän-

gig mit seinem Verteidiger besprechen (Urk. D1/20/1 F/A 6). Drucksituationen (wie 

beispielsweise Untersuchungshaft, Einflussnahme durch Personen aus dem eige-

nen Umfeld oder demjenigen der Privatkläger) lagen keine vor. Entgegen der Be-

hauptung des Beschuldigten erfolgte sein Geständnis vom 3. Februar 2022 im Rah-

men des Vorhalts aller Anklagesachverhalte und damit nicht im Rahmen des abge-

kürzten Verfahrens (vgl. Urk. D1/20/1). Ebenso wenig ginge aus dem Protokoll der 

besagten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme und damit aus der Vernehmungs-

methode hervor, dass der Beschuldigte seine Variante nach hartnäckigem Leugnen 

und  langer  Befragung  geändert  hätte.  Vielmehr  bestätigte  der  Beschuldigte,  den 

Anklagevorwurf bereits gestanden zu haben und bekräftigte den Anklagesachver-

- 46 -

halt erneut. Ferner fügte er bei, dass das Verhältnis zu den Nachbarn vorbelastet 

sei,  da  diese  seine  Familie  terrorisieren  und  andauernd  beschimpfen  würde 

(Urk. D1/20/1 F/A 35 f.). Die vorgebrachten Motive des Beschuldigten für ein an-

geblich falsches Geständnis ergeben auch deshalb keinen Sinn, weil sich der Be-

schuldigte zum Zeitpunkt des Geständnisses bereits im vorzeitigen Strafvollzug be-

funden hat und demnach gar keine Entlassung mehr zur Debatte stand. Insgesamt 

kann festgehalten werden, dass das Geständnis des Beschuldigten frei und ohne 

Druck erfolgte und durchaus einer Beweiswürdigung zugänglich ist. Der Widerruf 

des Geständnisses erfolgte sodann erst vor Schranken zusammen mit dem anwalt-

lichen Vorbringen, die Aussagen der Belastungspersonen seien unverwertbar. Es 

ist evident, dass der Widerruf bloss aus taktischen Gründen erfolgt ist. 

6.4.3.  Aus den Aussagen der Privatkläger 9 und 10 geht sodann übereinstimmend 

hervor, dass der Bruder des Beschuldigten einen Holzstumpf und der Beschuldigte 

ca. fünf oder sechs Steine geworfen habe (Urk. aD3/4/1 F/A 6 und 10; Urk. aD3/4/2 

F/A 8 f. und 16).

6.4.4.  Der  Sachverhalt  lässt  sich  aufgrund  der  Aussagen  der  Privatkläger  9  und 

10, der Anerkennung des Beschuldigten sowie der Fotodokumentation, welche den 

Tatort,  die  Steineinschläge,  die  sichergestellten  Steine  und  den  Beschuldigten 

sowie seinen Bruder am Tatzeitpunkt beim Tatort zeigt (Urk. aD3/5/1 Foto 9-24), 

ohne weiteres anklagegemäss erstellen.

6.5. Rechtliche Würdigung des (erstellten) Sachverhalts

6.5.1.  In  Bezug  auf  die  zutreffende  rechtliche  Würdigung  des  Verhaltens  des 

Beschuldigten kann auf die korrekten und unbestritten gebliebenen Ausführungen 

der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 68 S. 35 f.).

6.5.2.  Die gegen die beiden Privatkläger gerichteten Würfe mit Steinen mit einem 

Gewicht von ca. 49 bis 155 Gramm (Urk. aD3/7/1 S. 2 f.) waren durchaus geeignet, 

die  Geschädigten  in  Schrecken  oder  Angst  zu  versetzen.  Diese  Würfe  wurden 

durch die Privatkläger 9 und 10 klar als Drohungen wahrgenommen. Der Beschul-

digte gab zu, vorsätzlich gehandelt zu haben.

- 47 -

6.5.3.  Hinsichtlich der Sachbeschädigung sind die entsprechenden Schäden der 

Fotodokumentation zu entnehmen (Urk. aD3/5/1, Foto 9-10, 12-13, 16 und 18). Der 

Sachschaden  an  der  Hausfassade  und  am  Glasdach  wurde  insgesamt  auf 

Fr. 1'500.– geschätzt (Urk. aD3/1/1 S. 7).

6.5.4.  Der  Beschuldigte  hat  sich  somit  der  mehrfachen  Drohung  im  Sinne  von 

Art. 180 Abs. 1 StGB und der Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB schul-

dig gemacht.

7.

Fazit

Nach dem Gesagten sind sämtliche mit der Berufung des Beschuldigten angefoch-

tenen Schuldsprüche zu bestätigen. Der Beschuldigte hat sich demnach ferner der 

mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung i.S.v. aArt. 122 Abs. 1 und 2 

StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossiers 1 und 2), des räuberischen Diebstahls 

i.S.v. Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (Dossier 1), des Raufhandels i.S.v. Art. 133 StGB 

(Dossier  2),  der  mehrfachen  Gewalt  und  Drohung  gegen  Behörden  und  Beamte 

i.S.v. aArt. 285 Ziff. 1 StGB (alt Dossiers 2, 4 und 8), der mehrfachen Drohung i.S.v. 

Art. 180 Abs. 1 StGB (alt Dossiers 3 und 5) sowie der mehrfachen Sachbeschädi-

gung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB (Dossier 3 und alt Dossier 3) schuldig gemacht.

III.  Sanktion

1.

Ausgangslage

1.1. Mit  seiner  Berufung  hat  der  Beschuldigte  die  Schuldsprüche  gemäss 

Dossier 3 (Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch), Dossier 4 (Hinderung einer 

Amtshandlung, Fahren ohne Berechtigung, vorsätzliche Verletzung der Verkehrs-

regeln), Dossier 5 (Widerhandlung gegen das Waffengesetz), alt Dossier 4 (Gewalt 

und Drohung gegen Behörden und Beamte), alt Dossier 5 (einfache Körperverlet-

zung und Drohung) und alt Dossier 8 (Gewalt und Drohung gegen Behörden und 

Beamte) anerkannt, welche wie erwähnt bereits in Rechtskraft erwachsen sind bzw. 

Bestand  haben  (vgl.  voranstehend  in  E.  I.2.2./2.4.).  Die  mit  der  Berufung  des 

Beschuldigten angefochtenen Schuldsprüche sind, wie oben dargetan, zu bestäti-

gen.

- 48 -

1.2.

Für sämtliche Schuldsprüche bestrafte die Vorinstanz den Beschuldigten mit 

einer Freiheitsstrafe von 63 Monaten und unter Einbezug der von ihr widerrufenen 

Geldstrafe mit einer unbedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.– als 

Gesamtstrafe sowie mit einer Busse von Fr. 300.–, unter Ansetzung einer Ersatz-

freiheitsstrafe von drei Tagen im Falle der Nichtleistung (Urk. 68 S. 75 f., Disposi-

tivziffern 3 bis 6). 

1.3. Die  Staatsanwaltschaft  beantragte  vor  Vorinstanz,  der  Beschuldigte  sei 

unter Einbezug der widerrufenen Strafe mit einer Freiheitsstrafe von 62 Monaten, 

einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.– und einer Busse von Fr. 500.– 

zu bestrafen (Urk. 49 S. 1). Im Rahmen des Berufungsverfahrens beantragte sie 

die Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids (Urk. 83 S. 3; Urk. 128 S. 1). Die 

Verteidigung  beantragt  hingegen  die  Bestrafung  mit  einer  Freiheitsstrafe  von 

30 Monaten (Urk. 126 S. 14).

1.4. Abgesehen  vom  Schuldspruch  wegen  Raufhandels  gemäss  Dossier 2, 

hinsichtlich  welchem  die  Staatsanwaltschaft  Anschlussberufung  erhoben  hat 

(vgl. Urk. 83 S. 3), ist für sämtliche übrigen Schuldsprüche, bei welchen einzig der 

Beschuldigte Berufung gegen die vorinstanzliche Sanktion erhoben hat, das Ver-

schlechterungsverbot i.S.v. Art. 391 Abs. 2 StPO zu beachten (vgl. hierzu KELLER-

BSK StPO/JStPO, 3. Aufl., Basel 2023, Art. 391 StPO N 4a). Im Übrigen beantragt 

die Staatsanwaltschaft keine höhere Strafe. Insbesondere nachdem mit vorliegen-

dem Urteil der vorinstanzliche Schuldspruch wegen Raufhandels bestätigt und ent-

gegen dem Antrag der Staatsanwaltschaft nicht auf Angriff erkannt wird, stellt damit 

die  vorinstanzliche  Sanktion  aufgrund  des  Verschlechterungsverbotes  gemäss 

Art. 391 Abs. 2 StPO die Höchstgrenze dar.

2. Grundlagen, Strafrahmen, Wahl Sanktionsart

2.1. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB  und  die  an  sie  gestellten  Begründungsanforderungen  wiederholt  dargelegt 

(BGE  136  IV  55  E. 5.4  ff.,  mit  Hinweisen).  Darauf  sowie  auf  die  zutreffenden 

vorinstanzlichen 

theoretischen  Erwägungen  zu  den  Strafzumessungsregeln 

(Urk. 68 S. 38 ff.) kann verwiesen werden.

- 49 -

2.2. Die  (versuchte)  schwere  Körperverletzung  gemäss  Dossier  1  erweist  sich 

als schwerste Tat, welche von Gesetzes wegen nur eine Freiheitsstrafe als Sankti-

onsart  vorsieht.  Bei  den  übrigen  vom  Beschuldigten  verübten  Delikten  kommt 

teilweise  sowohl  eine  Freiheitsstrafe  als  auch  eine  Geldstrafe  in  Betracht.  Eine 

Ausnahme  bildet  die  Hinderung  einer  Amtshandlung,  für  welche  das  Gesetz  nur 

eine  Geldstrafe  bis  zu  30  Tagessätzen  vorsieht  (Art. 286  Abs. 1  StGB).  Für  die 

Übertretungen  des  Strassenverkehrsgesetzes  ist  zudem  eine  Busse  auszuspre-

chen (Art. 90 Abs. 1 SVG). 

2.3.

Im Ergebnis ist der Vorinstanz betreffend Strafart beizupflichten (vgl. Urk. 68 

S. 41). Angesichts dessen, dass es sich beim Beschuldigten um einen Wiederho-

lungstäter handelt, der mehrfach vorbestraft ist, sich in der Vergangenheit weder 

von bedingten und unbedingten Geldstrafen noch Bussen hat beeindrucken lassen 

(vgl. Urk. 108) und während laufender Probezeit und laufenden Strafverfahren er-

neut einschlägig delinquierte, muss ernsthaft befürchtet werden, dass er sich durch 

eine  Geldstrafe  nicht  belehren  liesse.  Nach  dem  Gesagten  kommt  schon  aus 

spezialpräventiven  Gesichtspunkten  –  im  Übrigen  in  Übereinstimmung  mit  der 

Verteidigung (Urk. 50 S. 3 und 14 bzw. Prot. I S. 11 Ergänzung 19 und Urk. 126 

S. 14)  –  für  die  mit  Freiheits-  und  Geldstrafe  bedrohten  Straftaten  nur  eine 

Freiheitsstrafe in Betracht. 

2.4. Ausgangspunkt der Strafzumessung bildet demnach die versuchte schwere 

Körperverletzung gemäss Dossier 1, wofür eine Einsatzstrafe festzulegen ist, wel-

che in der Folge mit den übrigen mit Freiheitsstrafe bedrohten Delikten angemes-

sen zu asperieren ist. Ferner ist für die Hinderung einer Amtshandlung (Dossier 4) 

eine Geldstrafe und für die verschiedenen Übertretungen des Strassenverkehrsge-

setzes (Dossier 4) in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 104 StGB eine 

Gesamtbusse  festzusetzen,  wobei  die  einzelnen  Bussenstrafen  nicht  kumuliert 

werden,  sondern  die  Strafe  für  die  "schwerste  Straftat"  lediglich  angemessen  zu 

erhöhen ist (BGE 144 IV 217 E. 3.3.2).

- 50 -

3.

Versuchte schwere Körperverletzung (Dossier 1) als Hauptdelikt

3.1. Strafrahmen

3.1.1.  Entgegen  der  Vorinstanz  (Urk. 68  S. 41  und  45)  ist  vom  altrechtlichen 

abstrakten Strafrahmen von sechs Monaten bis zehn Jahre Freiheitsstrafe auszu-

gehen (aArt. 122 Abs. 4 StGB; vgl. hierzu die voranstehenden Ausführungen zur 

Harmonisierung der Strafrahmen für Gewalttaten in E. II.3.5.1.2.).

3.1.2.  Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe führen nur bei aussergewöhn-

lichen Umständen dazu, die Grenzen des ordentlichen Strafrahmens zu verlassen 

und sie nach oben oder unten zu erweitern (BGE 136 IV 55 E. 5.8, mit Hinweisen), 

was vorliegend nicht der Fall ist. Strafschärfungsgründe wie die Tat- und Delikts-

mehrheit  sind  aber  straferhöhend  und  Strafmilderungsgründe  wie  der  Versuch 

sowie die gutachterlich teilweise festgestellte eingeschränkte Schuldfähigkeit des 

Beschuldigten (Urk. D1/10/6 S. 104 ff. und 122) strafmindernd zu berücksichtigen. 

3.2.

Tatverschulden

3.2.1.  Der Tat ging keine eigentliche Planung voraus. Der Beschuldigte verletzte 

den Privatkläger 1 durch ein Herumfuchteln mit einem Messer im Gesicht und nahm 

schwere Verletzungen in Kauf, die nur durch reinen Zufall nicht eintraten. Strafer-

höhend zu berücksichtigen ist, dass die Aktion erfolgte, als der Privatkläger 1 von 

den Kollegen des Beschuldigten fixiert wurde und keine Möglichkeit hatte, sich zu 

schützen  und/oder  zu  verteidigen.  Sodann  ist  erneut  festzuhalten,  dass  es  sich 

beim Gesicht eines Menschen um eine besonders sensible Körperregion handelt 

und insbesondere Verletzungen mit einem Messer folgenschwere Beeinträchtigun-

gen nach sich ziehen können. Allerdings sind beim Privatkläger 1 abgesehen von 

Narben im Gesicht keine körperlichen Beeinträchtigungen als Folge der Tathand-

lung des Beschuldigten bekannt. Ferner ist dem Beschuldigten zugute zu halten, 

dass er von sich aus vom Privatkläger 1 wieder abliess, als dieser zu bluten ange-

fangen hat. In objektiver Hinsicht ist von einem nicht mehr leichten Tatverschulden 

auszugehen, was eine Strafe noch im unteren Drittel des Strafrahmens rechtfertigt. 

Mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 42) ist die hypothetische Einsatzstrafe, ausgehend 

vom vollendeten Delikt der schweren Körperverletzung, auf 30 Monate Freiheits-

- 51 -

strafe festzusetzen. Dies gilt ungeachtet dessen, dass die Vorinstanz fälschlicher-

weise von einem Strafrahmen ab einem Jahr Freiheitsstrafe statt sechs Monaten 

bis zu zehn Jahren ausgegangen ist (vgl. vorstehend). Auf der Basis einer Mindest-

strafe von einem Jahr erscheint eine Einsatzstrafe von 30 Monaten (ein Sechstel 

der  Maximalstrafe)  vorliegend  denn  auch  als  eher  milde;  gut  ein  Fünftel  (d.h. 

30 Monate bei einer Mindeststrafe von sechs Monaten) ist angemessen.

3.2.2.  Zur subjektiven Tatschwere ist auszuführen, dass der Beschuldigte eventu-

alvorsätzlich handelte, wobei der vorliegend gegebene Eventualvorsatz angesichts 

der Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung und der Grösse der Wahrscheinlichkeit 

schwerer Verletzungen klar näher beim direkten Vorsatz als an der Grenze zur be-

wussten Fahrlässigkeit anzusiedeln ist. Der Beschuldigte legte aus einem nichtigen 

Grund (aufgrund eines von ihm initiierten Streits wegen alkoholischer Getränke und 

evtl. aufgrund von Machtdemonstration) eine erschreckende kriminelle Energie an 

den Tag und zückte insbesondere sehr rasch sein Messer. 

Mit Gutachten von Dr. med. Dipl.-Jur. AH._____ und lic. phil. AI._____ der Psych-

iatrischen  Universitätsklinik  Zürich  vom  15.  Juli  2022  wurde  beim  Beschuldigten 

eine  Persönlichkeitsentwicklungsstörung  mit  unreifen  und  emotional  instabilen 

Persönlichkeitszügen, eine Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, auf-

sässigem  Verhalten  (ICD-10:  F91.3),  psychische  Verhaltensstörungen  durch 

Alkohol  (schädlicher  Gebrauch;  ICD-10:  F10.1)  und  durch  Cannabis  (Abhängig-

keitssyndrom;  ICD-10:  F12.2)  diagnostiziert  (Urk. D1/10/6  S. 84).  Entgegen  der 

Staatsanwaltschaft und der Verteidigung stellen die gutachterlich diagnostizierten 

Störungen kein eigenständiger Strafmilderungsgrund dar, sondern sind im Zusam-

menhang mit den einzelnen Delikten zu berücksichtigen (vgl. die gutachterlichen 

Erwägungen in Urk. D1/10/6 S. 104 ff. bzw. S. 121 f. zur Frage der Schuldfähigkeit 

in Bezug auf die einzelnen Delikte unter Einbezug der Diagnosen des Beschuldig-

ten).

Gemäss gutachterlicher Feststellung war die Schuldfähigkeit des Beschuldigten in 

Bezug  auf  Dossier 1  leicht  eingeschränkt  (Urk. D1/10/6  S. 108).  Unter  Berück-

sichtigung  der  leicht  eingeschränkten  Schuldfähigkeit  des  Beschuldigten  im 

Umfang  von  sechs  Monaten  ist  das  Tatverschulden  als  eher  noch  leicht  zu 

- 52 -

beurteilen. Dem Tatverschulden angemessen ist eine Einsatzstrafe von 22 Mona-

ten.

3.2.3.  Der  Versuch  ist  obligatorisch  strafmildernd  zu  berücksichtigen  (Art. 22  in 

Verbindung mit Art. 48a StGB). Das Mass der Milderung hängt unter anderem von 

der Nähe des Taterfolgs und von den tatsächlichen Folgen der Tat ab (BGE 121 

IV 49 E. 1.b).

Das Risiko schwerer Verletzungen im Gesicht des Privatklägers war aufgrund der 

Bewegungen des Beschuldigten mit dem Messer hoch. Es lag kaum am Beschul-

digten, dass dieser Erfolg nicht eintrat. Zu berücksichtigen ist, dass der Privatkläger 

als Folgen der Treffer mit dem Messer eine Rissquetschwunde an der Nase (samt 

Teilamputation des Nasendornfortsatzes) sowie mehrere oberflächliche Schnittver-

letzungen an der linken Wange je mit bleibenden Narben erlitt, was beinahe eine 

Entstellung  des  Gesichts  zur  Folge  hatte.  Mit  der  Vorinstanz  rechtfertigt  es  sich, 

den Versuch nur im geringen Umfang von zwei Monaten strafmindernd zu berück-

sichtigen. 

- 53 -

3.3.

Täterkomponente

3.3.1.  In Bezug auf die persönlichen Verhältnisse und das Vorleben des Beschul-

digten lässt sich der Befragung zur Person an der heutigen Berufungsverhandlung 

(Urk. 125) sowie den übrigen Akten (Urk. D1/18/2/1 und Urk. 47A) zusammenge-

fasst Folgendes entnehmen: Der Beschuldigte ist in AJ._____, Libyen, geboren und 

flüchtete im Oktober 2011 im Alter von elf Jahren zusammen mit seiner Familie, 

namentlich seinen Eltern und zwölf jüngeren Geschwister, aufgrund des Krieges in 

Libyen in die Schweiz. Die Familie flüchtete aus politischen Gründen, da der Vater 

des  Beschuldigten  Soldat  des  Gaddafi-Regimes  war  und  das  Haus  der  Familie 

bombardiert  wurde.  Durch  den  Bombenangriff  im  2011  verlor  der  Beschuldigte 

seine zweijährige Schwester. Ferner wurde sein Onkel, eine wichtige Bezugsper-

son  des  Beschuldigten,  in  seinem  Heimatland  erschossen.  Der  Beschuldigte  hat 

hierorts die Primarschule sowie die Oberstufe besucht und einen Sekundarschulab-

schluss B  erlangt.  In  der  Folge  machte  er  verschiedene  Praktika,  einen  Lehrab-

schluss hat der Beschuldigte hingegen nicht. Im Massnahmenzentrum Uitikon fing 

der Beschuldigte im August 2023 eine Lehre als Metallbauer EFZ an, diese musste 

zunächst auf eine Lehre EBA reduziert und sodann aufgrund seiner fünfmonatigen 

Flucht  aus  dem  MZU  abgebrochen  werden.  Bis  zu  seiner  Verhaftung  war  der 

Beschuldigte  über  mehrere  Jahre  von  der  Sozialhilfe  abhängig  und  verfügt  über 

Schulden (Urk. D1/18/2/1 F/A 13 ff.; Urk. 47A S. 4 ff.; Urk. 125 S. 8). Entgegen der 

Vorinstanz,  welche  die  persönlichen  Verhältnisse  und  das  Vorleben  als  neutral 

wertete (Urk. 68 S. 43), wirkt sich die schwierige Biografie des Beschuldigten mit 

aufgrund des Krieges in Libyen sowie der Flucht in die Schweiz einhergehenden 

traumatischen Erlebnissen leicht strafmindernd aus. 

3.3.2.  Gemäss neustem Strafregisterauszug vom 28. Januar 2025 (Urk. 108) weist 

der  Beschuldigte  vier,  teilweise  einschlägige  Vorstrafen  auf.  Mit  Strafbefehl  vom 

28. Januar 2018 wurde der Beschuldigte wegen Raubes zu einer bedingten Gelds-

trafe  von  180 Tagessätzen  zu  Fr. 30.–  bestraft,  unter  Ansetzung  einer  Probezeit 

von zwei Jahren. Mit Strafbefehl vom 30. Juli 2018 wurde der Beschuldigte wegen 

mehrfachen unzulässigen Ausführens von Lernfahrten mit einer bedingten Gelds-

trafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft, ebenfalls unter Ansetzung einer Pro-

- 54 -

bezeit von zwei Jahren. Mit Strafbefehl vom 25. August 2018 erfolgte wegen wei-

terer Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz eine unbedingte Gelds-

trafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 30.–, als Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 30. Juli 

2018, und eine Busse von Fr. 400.–. Mit Strafbefehl vom 20. Dezember 2018 wurde 

der  Beschuldigten  ebenfalls  wegen  weiterer  Widerhandlungen  gegen  das  Stras-

senverkehrsgesetz sowie wegen Beschimpfung mit einer Geldstrafe von 75 Tages-

sätzen zu Fr. 10.–, als Zusatz- bzw. Gesamtstrafe zu den vorangegangenen Straf-

befehlen vom 30. Juli 2018 und 25. August 2018, und einer Busse von Fr. 300.– 

bestraft. Die bedingte Geldstrafe gemäss Strafbefehl vom 30. Juli 2018 wurde zu-

dem widerrufen (vgl. hierzu nachfolgende Erwägungen im Zusammenhang mit der 

Landesverweisung  in  E. VI.2.2.).  Die  Geldstrafe  gemäss  Strafbefehl  vom  28.  Ja-

nuar  2018  wurde  dagegen  nicht  widerrufen,  indessen  die  Probezeit  um  ein  Jahr 

verlängert. Mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 43) sind die teilweise einschlägigen Vor-

strafen spürbar straferhöhend zu berücksichtigen.

3.3.3.  Es  kann  bereits  an  dieser  Stelle  vorweggenommen  werden,  dass  der 

Beschuldigte auch die übrigen hier zu beurteilenden Delikte mehrheitlich während 

laufenden Strafverfahren und die Delikte gemäss alt Dossier 2-5 in der mit Strafbe-

fehl vom 28. Januar 2018 angesetzten bzw. verlängerten Probezeit (insgesamt drei 

Jahre) beging. Dies wird im Rahmen der Einzelstrafen ebenfalls straferhöhend zu 

berücksichtigen  sein.  Im  Übrigen  ist  eine  Strafminderung  aufgrund  einer  langen 

Verfahrensdauer betreffend die alten Dossiers – entgegen der Ansicht der Vertei-

digung (Urk. 50 S. 15 bzw. Prot. I S. 11, Ergänzung 20) – nicht angezeigt, zumal 

der Beschuldigte eine solche unter anderem aufgrund seiner fortwährenden Delin-

quenz  selbst  verschuldet  hat.  Schliesslich  kann  ebenfalls  bereits  festgehalten 

werden, dass der Beschuldigte in Bezug auf Dossier 1 einzig betreffend den Faust-

schlag teilgeständig war. In Bezug auf die Dossiers 3, 4 und 5 sowie alt Dossiers 4, 

5 und 8 zeigte sich der Beschuldigte – zwar jeweils bei erdrückender Beweislage – 

geständig. In Bezug auf alt Dossier 2 anerkannte der Beschuldigte den objektiven 

Sachverhalt, die subjektiven Sachverhaltselemente bestritt er jedoch. In Bezug auf 

alt Dossier 3 war er zunächst vollumfänglich geständig, widerrief sein Geständnis 

indessen vor Schranken. Darauf wird bei den Einzelstrafen zurückzukommen sein. 

- 55 -

3.3.4.  Hinsichtlich  der  Täterkomponenten  in  Bezug  auf  Dossier  1  ist  das  Teilge-

ständnis des Beschuldigten im Umfang von zwei Monaten leicht strafmindernd zu 

berücksichtigen. Hingegen fällt mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 43) merklich strafer-

höhend  ins  Gewicht,  dass  der  Beschuldigte  während  zahlreicher  laufender 

Strafverfahren deliniquierte und insbesondere nur wenige Monate zuvor bereits ein 

ähnlich  gelagerter  Vorfall  stattfand,  bei  welchem  vom  Beschuldigten  massive 

Gewalt  ausging  (vgl.  Dossier  2  nachstehend).  Dies  rechtfertigt  eine  Erhöhung. 

Weiter ist die Strafe aufgrund der schwierigen Biografie leicht zu mindern. Diese 

beide Umstände führen zu einer Erhöhung um vier Monate.

3.4. Mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 43) erscheint in Anbetracht aller relevanten 

Strafzumessungsgründe  für  die  versuchte  schwere  Körperverletzung  (Dossier  1) 

eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten als hypothetische Einsatzstrafe angemessen.

4.

Räuberischer Diebstahl (Dossier 1)

4.1. Art.  140  Ziff.  1  StGB  sieht  eine  Freiheitsstrafe  von  sechs  Monaten  bis  zu 

zehn Jahren vor.

4.2.

Tatverschulden

4.2.1.  Der  Beschuldigte  versetzte  dem  Privatkläger  1  einen  Faustschlag  ins 

Gesicht, nachdem er dem Privatkläger 2 den Plastiksack mit den Getränken aus 

den Händen gerissen hatte und der Privatkläger 1 ihm diesen wieder wegnehmen 

wollte. Obschon dem Privatkläger 1 durch den Faustschlag keine bleibenden Ver-

letzungen zugefügt worden sind, stellt diese Vorgehensweise eine recht massive 

Gewalteinwirkung dar, um das – indessen nur geringfügige – Diebesgut behalten 

zu können. Die Tat erfolgte spontan aus der Situation heraus. Mit der Vorinstanz 

(Urk. 68 S. 44) ist das objektive leichte Tatverschulden im unteren Drittel des Straf-

rahmens anzusiedeln. Es rechtfertigt eine Freiheitsstrafe von acht Monaten.

4.2.2.  Auch hier erfolgte die Tat aus nichtigem Anlass sowie mittels unverhältnis-

mässigen Vorgehens. Die gemäss psychiatrischem Gutachten festgestellte leicht 

eingeschränkte Schuldfähigkeit wirkt sich im Umfang von zwei Monaten strafmin-

dernd aus (Urk. D1/10/6 S. 108).

- 56 -

4.3.

In  Bezug  auf  die  Täterkomponenten  kann  vorab  auf  die  vorstehenden 

Erwägungen im Zusammenhang mit Dossier 1 verwiesen werden (vgl. vorstehend 

E. III.3.3.4.).  Während  das  Teilgeständnis  betreffend  den  Faustschlag  leicht 

strafmindernd zu berücksichtigen ist, ist hinsichtlich der Vorstrafen zusätzlich die 

einschlägige Vorstrafe wegen Raubes mit zu berücksichtigen. Aufgrund der Täter-

komponenten erweist sich eine Straferhöhung um zwei Monate als angemessen.

4.4.

In Anbetracht aller strafzumessungsrelevanten Faktoren wäre der räuberi-

sche  Diebstahl  für  sich  alleine  mit  einer  Freiheitsstrafe  von  acht  Monaten  zu 

ahnden. Dem Asperationsprinzip entsprechend ist der Einsatzstrafe eine Freiheits-

strafe von vier Monaten hinzuzurechnen, womit für Dossier 1 eine hypothetische 

Gesamtstrafe von 28 Monaten angemessen erscheint.

5.

Versuchte schwere Körperverletzung (Dossier 2)

5.1. Wie  gesagt,  ist  vorliegend  entgegen  der  Vorinstanz  vom  altrechtlichen 

Strafrahmen gemäss aArt. 122 Abs. 4 StGB, von sechs Monaten bis zehn Jahre 

Freiheitsstrafe, auszugehen.

5.2.

Tatverschulden

5.2.1.  Der  Beschuldigte  traktierte  den  unbekannten  Geschädigten  mit  massiven 

Fusstritten gegen den Kopf und Oberkörper. Erschwerend hinzu kommt, dass der 

Geschädigte wehrlos am Boden lag und keine Chance hatte, sich gegen die auf ihn 

eintretende bzw. einschlagende Gruppe von ca. acht Personen, zu der auch der 

Beschuldigte  gehörte,  zu  wehren.  Welche  Verletzungen  er  dabei  erlitt,  ist  unbe-

kannt. Klar ist jedoch, dass durch massive Fusstritte gegen den Kopf und Ober-

körper schwere, im schlimmsten Fall tödliche Verletzungen resultieren können. Ins-

gesamt ging ein hohes Gewaltpotential vom Beschuldigten aus. In Anbetracht des 

Dargelegten wiegt das Verschulden des Beschuldigten – ausgehend vom vollen-

deten  Delikt  der  schweren  Körperverletzung  –  in  objektiver  Hinsicht  nicht  mehr 

leicht. Damit erscheint die vorinstanzlich festgesetzte Freiheitsstrafe von 27 Mona-

ten dem Tatverschulden angemessen (vgl. Urk. 68 S. 45). Dies gilt ebenfalls unge-

achtet  dessen,  dass  die  Vorinstanz  fälschlicherweise  von  einem  Strafrahmen  ab 

- 57 -

einem Jahr Freiheitsstrafe statt sechs Monaten bis zu zehn Jahren ausgegangen 

ist (vgl. vorstehend).

5.2.2.  Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschul-

digte eventualvorsätzlich handelte, wobei der Eventualvorsatz auch hier angesichts 

der Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung und der Grösse der Wahrscheinlichkeit 

schwerer  Verletzungen  klar  näher  beim  direkten  Vorsatz  als  an  der  Grenze  zur 

bewussten  Fahrlässigkeit  anzusiedeln  ist.  Was  der  Grund  für  die  Auseinander-

setzung war und ob allfällig eine vorgängige Provokation vorgefallen ist, lässt sich 

nicht beurteilen. Der Alkoholpegel des Beschuldigten von etwa einer Promille hat 

gemäss  Gutachten  seine  Schuldfähigkeit  nicht  beeinflusst  (vgl.  Urk.  D1/10/6 

S. 112). Das subjektive Tatverschulden wirkt sich nicht auf das objektive aus.

5.2.3.  Hinsichtlich der schweren Körperverletzung blieb es bei einem Versuch, da 

der unbekannte Geschädigte keine nachweisbaren, bleibenden Verletzungen erlitt. 

Dies ist im Umfang von sechs Monaten strafmindernd zu berücksichtigen – hier ist 

die vorinstanzlich vorgenommene Reduktion um nur gerade drei Monate zu gering 

ausgefallen. Unter Berücksichtigung des Versuchs ist das Tatverschulden als eher 

noch leicht zu beurteilen. Dem Tatverschulden angemessen ist eine Einsatzstrafe 

von 21 Monaten.

5.3.

In  Bezug  auf  die  Täterkomponenten  kann  zunächst  auf  die  vorstehenden 

Erwägungen  verwiesen  werden  (vgl.  E.  III.3.3.).  Der  Beschuldigte  zeigte  sich 

hinsichtlich  dieser  Tat  nicht  geständig.  Mit  der  Vorinstanz  gilt  es  auch  hier 

hervorzuheben, dass sich der Beschuldigte von laufenden, offenen Strafverfahren 

gegen  ihn  nicht  beirren  liess  und  weiter  delinquierte.  Dies  fällt  straferhöhend  ins 

Gewicht und wirkt sich mit vier Monaten aus.

5.4.

In Anbetracht aller strafzumessungsrelevanten Faktoren wäre die versuchte 

schwere  Körperverletzung  gemäss  Dossier  2  mit  einer  Freiheitsstrafe  von 

25 Monaten  zu  ahnden.  In  Nachachtung  des  Asperationsprinzips  erscheint  es 

angemessen,  die  versuchte  schwere  Körperverletzung  gemäss  Dossier 2  im 

- 58 -

Umfang  von  20 Monaten  zu  berücksichtigen,  womit  sich  eine  hypothetische 

Gesamtstrafe von 48 Monaten ergibt.

6.

Raufhandel (Dossier 2)

6.1. Art. 133 Abs. 1 StGB sieht eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Gelds-

trafe vor.

6.2.

Tatverschulden

6.2.1.  In objektiver Hinsicht hat sich der Beschuldigte am Raufhandel mit massiver 

Gewaltausübung beteiligt, in dessen Rahmen die Körperverletzung des Privatklä-

gers 3 eintrat und womit sich die von einem Raufhandel ausgehende Gefährdung 

realisiert hat. 

6.2.2.  In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte vorsätz-

lich am Raufhandel beteiligt hat. Der Grund für die Auseinandersetzung der Grup-

pen ist unbekannt. Wie voranstehend bei der versuchten schweren Körperverlet-

zung (Dossier 2) dargetan, geht das Gutachten auch hier von keiner eingeschränk-

ten Schuldfähigkeit zur Zeit der Tat aus (vgl. Urk. D1/10/6 S. 112). Insgesamt ist 

von einem nicht mehr leichten Verschulden auszugehen. Angesichts dessen und 

unter Berücksichtigung des Strafrahmens des Raufhandels erweist sich eine Ein-

satzstrafe von sechs Monaten als angemessen. 

6.3.

In  Bezug  auf  die  Täterkomponenten  kann  auf  die  im  Zusammenhang  mit 

Dossier  2  bereits  gemachten  Erwägungen  verwiesen  werden  (vgl.  vorstehend  in 

E. III.5.3.).  Im  Umfang  von  zwei  Monaten  ist  die  fortwährende  Delinquenz  des 

Beschuldigten straferhöhend zu berücksichtigen.

6.4. Unter Beachtung des Asperationsprinzips und des engen Zusammenhangs 

zwischen  der  versuchten  schweren  Körperverletzung  erweist  sich  aufgrund  des 

Raufhandels bloss eine moderate Erhöhung der hypothetischen Gesamtstrafe von 

48 Monaten um vier Monate auf 52 Monate als angemessen.

- 59 -

7.

Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch (Dossier 3)

7.1. Die Tatbestände der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs sehen 

je  eine  Freiheitsstrafe  von  bis  zu  drei  Jahren  oder  eine  Geldstrafe  vor  (Art.  144 

Abs. 1 StGB und Art. 186 StGB).

7.2.

Tatverschulden

7.2.1.  Soweit  die  Vorinstanz  die  Delikte  der  Sachbeschädigung  und  des  Haus-

friedensbruchs zusammen würdigte, ist ihr zu folgen, zumal diese Delikte in einer 

natürlichen Handlungseinheit begangen wurden. 

7.2.2.  In objektiver Hinsicht ist hinsichtlich der Sachbeschädigung sowie des Haus-

friedensbruchs nicht von einem besonders hohen Mass an krimineller Energie aus-

zugehen. Der Beschuldigte benutzte die hoteleigene Zimmerkarte, um sich Zutritt 

zu verschaffen. Der Sachschaden am Hotelzimmer von ca. Fr. 500.– war verhält-

nismässig gering. Der Beschuldigte handelte aber mit direktem Vorsatz. Bei einer 

Gesamtbetrachtung ist das Gesamtverschulden als leicht einzustufen. Es recht-

fertigt sich für beide Delikte eine Freiheitsstrafe von drei Monaten. Die laut Gutach-

ten zum Tatzeitpunkt leicht eingeschränkte Schuldfähigkeit des Beschuldigten ist 

mit einem Monat strafmindernd zu berücksichtigen (Urk. D1/10/6 S. 111).

7.3. Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

verwiesen  werden  (vgl.  vorstehend  E.  III.3.3.).  In  Bezug  auf  Dossier  3  ist  das 

Geständnis  des  Beschuldigten  in  Anbetracht  der  erdrückenden  Beweislage  nur 

leicht strafmindernd zu berücksichtigen. Hingegen gilt es auch hier straferhöhend 

zu  gewichten,  dass  sich  der  Beschuldigte  von  laufenden,  offenen  Strafverfahren 

gegen ihn nicht beirren liess und weiterdelinquierte. In Anbetracht dessen erhöht 

sich die Freiheitsstrafe aufgrund der Täterkomponenten um einen Monat.

7.4.

In  Nachachtung  des  Asperationsprinzips  erscheint  es  angemessen,  die 

Sachbeschädigung und den Hausfriedensbruch (Dossier 3) im Umfang von zwei 

Monaten  zu  berücksichtigen,  womit  sich  eine  hypothetische  Gesamtstrafe  von 

54 Monaten ergibt.

- 60 -

8.

Fahren ohne Berechtigung (Dossier 4)

8.1. Das Fahren ohne Berechtigung wird gemäss Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG mit 

Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft.

8.2.

Tatverschulden

8.2.1.  Der Beschuldigte führte vorliegend einen Personenwagen, obschon ihm sein 

Lernfahrausweis entzogen worden war. Es rechtfertigt sich, für das Fahren ohne 

Berechtigung eine Freiheitsstrafe von einem Monat anzusetzen. Zur Tatzeit war der 

Beschuldigte  nicht  alkoholisiert,  und  es  ist  auch  gemäss  Gutachten  von  voller 

Schuldfähigkeit auszugehen (Urk. D1/10/6 S. 106 f.).

8.3. Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

verwiesen  werden  (vgl.  vorstehend  E.  III.3.3.).  In  Anbetracht  der  erdrückenden 

Beweislage  wirkt  das  Geständnis  des  Beschuldigten  nur  leicht  strafmindernd. 

Insgesamt  sind  die  Täterkomponente  in  Bezug  auf  Dossier 4  aufgrund  der  zahl-

reichen einschlägigen Vorstrafen wegen Widerhandlungen gegen das Strassenver-

kehrsgesetzes sowie der Delinquenz während laufenden Strafverfahren im Umfang 

von einem halben Monat straferhöhend zu berücksichtigen.

8.4.

In Anwendung des Asperationsprinzips rechtfertigt es sich, die Einsatzstrafe 

von 54 Monaten um einen weiteren Monat auf 55 Monate Freiheitsstrafe zu erhö-

hen.

9.

Vergehen gegen das Waffengesetz (Dossier 5)

9.1. Art. 33 Abs. 1 lit. a WG wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

einer  Geldstrafe  geahndet.  Entgegen  der  Vorinstanz  (Urk. 68  S. 54)  ist  trotz  des 

sehr  leichten  Gesamtverschuldens  vorliegend  aus  spezialpräventiven  Gesichts-

punkten eine Freiheitsstrafe auszusprechen (vgl. hierzu voranstehend in E. III.2.3.).

9.2. Der Beschuldigte führte unbefugterweise ein Schmetterlingsmesser mit sich, 

was  gemäss  Art.  33  Abs.  1  lit.  a  WG  ein  Vergehen  gegen  das  Waffengesetz 

darstellt.  Unter  Berücksichtigung  der  sehr  leichten  Tatschwere  ist  eine  Freiheits-

strafe von einem Monat festzusetzen. 

- 61 -

9.3. Hinsichtlich  der  Täterkomponenten  kann  zunächst  auf  die  vorstehenden 

Erwägungen  verwiesen  werden  (vgl.  E.  III.3.3.).  In  Bezug  auf  Dossier  5  ist  das 

Geständnis  des  Beschuldigten  in  Anbetracht  der  erdrückenden  Beweislage  nur 

leicht strafmindernd zu berücksichtigen. Hingegen gilt es auch hier straferhöhend 

zu  gewichten,  dass  sich  der  Beschuldigte  von  laufenden,  offenen  Strafverfahren 

gegen  ihn  nicht  beirren  liess  und  weiterdelinquierte.  Insgesamt  wirken  sich  die 

Täterkomponenten in Bezug auf Dossier 5 leicht straferhöhend aus.

9.4. Unter  Berücksichtigung  des  Asperationsprinzips  ist  der  Gesamtstrafe  von 

55 Monaten  einen  Monat  hinzuzurechnen,  womit  die  Gesamtfreiheitsstrafe  auf 

insgesamt 56 Monate ansteigt.

10. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (alt Dossier 2)

10.1. Entgegen  der  Vorinstanz  (Urk.  68  S. 49)  ist  vom  altrechtlichen  abstrakten 

Strafrahmen  auszugehen  (vgl.  hierzu  die  voranstehenden  Ausführungen  zur 

Harmonisierung  der  Strafrahmen  für  Gewalttaten  in  E. II.5.5.1.).  aArt. 285  Ziff. 1 

StGB sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor. 

10.2. Tatverschulden

10.2.1.  Hinsichtlich der objektiven Tatschwere gilt es zu berücksichtigen, dass der 

Beschuldigte die Polizeibeamten zunächst in erregtem Gemütszustand aggressiv 

anschrie und in ihre Richtung eine Wurfbewegung mit einem unbekannten Gegen-

stand in der Hand machte. Sodann sprang er mit einem Messer in der Hand über 

den Kopf haltend aus dem Fenster und lief auf die Polizeibeamten zu. Trotz mehr-

maliger  Aufforderung  und  mehrmaligem  Einsatz  von  Pfefferspray  legte  er  das 

Messer nicht nieder und drohte sodann, sich selber zu verletzen, indem er Schnitt-

bewegungen  am  Hals  und  den  Armen  durchführte.  Angesichts  des  aggressiven 

Auftretens des Beschuldigten und dessen ausdrücklichen Drohung der Selbstver-

letzung  wurden  die  Polizeibeamten  zur  polizeilichen  Intervention  (zwecks  Eigen-

schutz mit Ausrüstung von Schildern, Einsatz von Pfefferspray und Behändigen der 

Dienstwaffe)  genötigt  und  wurde  die  Festnahme  erschwert.  Strafmindernd  zu 

berücksichtigen  ist  hingegen,  dass  es  sich  beim  verwendeten  Messer  um  ein 

Besteckmesser  handelte,  weshalb  diesbezüglich  keine  grosse  Gefahr  vom 

- 62 -

Beschuldigten ausging. Ausdrücklich drohte der Beschuldigte sodann nur – aber 

immerhin – mit Selbstverletzung. 

10.2.2.  In  subjektiver  Hinsicht  handelte  der  Beschuldigte  eventualvorsätzlich. 

Angesichts der Gesamtumstände und der noch leichten Tatschwere erscheint eine 

Freiheitsstrafe von drei Monaten angemessen. Gemäss Gutachten ist zur Zeit der 

Tatbegehung von einer mittelgradig eingeschränkten Schuldfähigkeit des Beschul-

digten auszugehen (Urk. D1/10/6 S. 110 f.). Diese ist mit einer Strafminderung von 

einem Monat zu berücksichtigen.

10.3. Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

verwiesen werden (vgl. E. III.3.3.). In Bezug auf alt Dossier 2 bestritt der Beschul-

digte die subjektiven Sachverhaltselemente. Ferner gilt es zu beachten, dass der 

Beschuldigte die Tat noch während der mit Strafbefehl vom 28. Januar 2018 ange-

setzten zweijährigen Probezeit beging. Die Täterkomponenten wirken sich in Bezug 

auf alt Dossier 2 damit im Umfang von einem Monat straferhöhend aus.

10.4. Unter  Berücksichtigung  des  Asperationsprinzips  ist  die  Freiheitsstrafe  für 

Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte um zwei Monate zu erhöhen, 

womit die Gesamtfreiheitsstrafe auf insgesamt 58 Monate ansteigt.

11. Sachbeschädigung und mehrfache Drohung (alt Dossier 3)

11.1. Die  Tatbestände  der  Sachbeschädigung  und  der  Drohung  sehen  je  eine 

Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor (Art. 144 Abs. 1 StGB 

und Art. 180 Abs. 1 StGB).

11.2. Tatverschulden

11.2.1.  Mit der Vorinstanz erscheint es aufgrund der natürlichen Handlungseinheit 

angemessen, die Delikte der Sachbeschädigung und der mehrfachen Drohung zu-

sammen zu würdigen. 

11.2.2.  Der Beschuldigte warf mehrere Steine mit einem Gewicht von ca. 49 bis 

155 Gramm in Richtung der Privatkläger 9 und 10. Durch die Steinwürfe entstand 

ein  relativ  geringer  Sachschaden,  welcher  allerdings  durchaus  hätte  höher  aus-

- 63 -

fallen können. Diese Vorgehensweise zeugt von einem erheblichen Aggressions-

potential. 

11.2.3.  In  subjektiver  Hinsicht  handelte  der  Beschuldigte  mit  direktem  Vorsatz. 

Gemäss Gutachten liegen keine Hinweise vor, dass die affektive Gefühlsaufladung 

zu einer Einschränkung der Steuerungsfähigkeit geführt hätte. Es ist zur Tatzeit von 

voller  Schuldfähigkeit  des  Beschuldigten  auszugehen  (vgl.  Urk. D1/10/6  S. 107). 

Es rechtfertigt sich eine Freiheitsstrafe von drei Monaten. 

11.3.

 Hinsichtlich  der  Täterkomponenten  kann  zunächst  auf  die  vorstehenden 

Erwägungen verwiesen werden (vgl. vorstehend E. III.3.3.). Das Geständnis des 

Beschuldigten, das indessen widerrufen wurde, ist ihm nicht zugutegehalten. Straf-

erhöhend um einen Monat zu berücksichtigen ist, dass der vorbestrafte Beschul-

digte zu diesem Zeitpunkt in laufenden Strafverfahren stand und innert laufender 

Probezeit delinquierte. 

11.4. Unter  Berücksichtigung  des  Asperationsprinzips  ist  die  Freiheitsstrafe  für 

Sachbeschädigung  und  mehrfache  Drohung  um  drei  Monate  zu  erhöhen,  womit 

eine Gesamtstrafe von insgesamt 61 Monaten resultiert.

12. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (alt Dossier 4)

12.1. Wie erwähnt, ist vorliegend vom Strafrahmen gemäss aArt. 285 Ziff. 1 StGB 

auszugehen (Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe).

12.2. Tatverschulden

12.2.1.  Mit  der  Vorinstanz  (Urk. 68  S. 51)  ist  von  einem  leichten  Verschulden 

auszugehen.  Der  Beschuldigte  schubste  die  Privatklägerin 11,  um  sich  einer 

Fahrausweiskontrolle zu entziehen. Die Geschädigte erlitt keine Verletzungen, der 

Beschuldigte setzte keine weitere Gewalt ein. Der Beschuldigte handelte mit direk-

tem  Vorsatz.  Gemäss  Gutachten  ist  trotz  möglichen  Alkohol-  und  Cannabiskon-

sums  des  Beschuldigten  von  intakter  Schuldfähigkeit  auszugehen  (Urk. D1/10/6 

S. 107). Angesichts dieser Umstände scheint eine Freiheitsstrafe von einem Monat 

angemessen.

- 64 -

12.3. Hinsichtlich  der  Täterkomponenten  kann  zunächst  auf  die  vorstehenden 

Erwägungen verwiesen werden (vgl. in E. III.3.3.). In Bezug auf alt Dossier 4 ist das 

Geständnis des Beschuldigten in Anbetracht der erdrückenden Beweislage leicht 

strafmindernd zu berücksichtigen. Unter Berücksichtigung der Begehung während 

laufender Strafverfahren und laufender Probezeit wirken sich die Täterkomponen-

ten hingegen gleichwohl merklich straferhöhend aus.

12.4. Unter  Berücksichtigung  des  Asperationsprinzips  ist  der  Einsatzstrafe  von 

61 Monaten  ein  Monat  hinzuzurechnen.  Das  ergibt  eine  Gesamtstrafe  von 

62 Monaten.

13. Einfache Körperverletzung und Drohung (alt Dossier 5)

13.1. Sowohl die einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB als 

auch die Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB sehen eine Freiheitsstrafe 

von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor.

13.2. Tatverschulden

13.2.1.  Aufgrund der natürlichen Handlungseinheit rechtfertigt es sich, die einfache 

Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 12 und die Drohung zum Nachteil 

des Privatklägers 13 zusammen zu würdigen

13.2.2.  In  objektiver  Hinsicht  ist  zu  berücksichtigen,  dass  der  Beschuldigte  den 

über  60-jährigen  Privatkläger  12  mit  voller  Wucht  auf  den  Asphaltboden  warf. 

Infolgedessen erlitt der Geschädigte eine Hirnerschütterung, eine Platzwunde am 

Hinterkopf  sowie  eine  Rippenprellung.  Der  Beschuldigte  bedrohte  sodann  den 

weiteren,  zur  Hilfe  eilenden  Privatkläger  13  mit  einer  zerbrochenen  Glasflasche, 

der  aufgrund  des  aggressiven  Verhaltens  des  Beschuldigten  befürchtete,  dieser 

wolle  ihn  damit  ernsthaft  verletzen.  Das  Vorgehen  des  Beschuldigten  zeugt  von 

grosser  Aggressivität  und  Gefährlichkeit.  Für  die  nicht  mehr  leichte  Tatschwere 

rechtfertigt sich eine Freiheitsstrafe von neun Monaten.

13.2.3.  Mit  der  Vorinstanz  (Urk. 68  S.  52)  fällt  hinsichtlich  der  subjektiven 

Tatschwere ins Gewicht, dass die Privatkläger 12 und 13 lediglich der Freundin des 

Beschuldigten bei der tätlichen Auseinandersetzung mit diesem zur Hilfe eilen woll-

- 65 -

ten. Die Tat zum Nachteil der Privatkläger erfolgte somit aus nichtigem Anlass. In 

subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte zumindest eventualvorsätzlich. Die 

gutachterlich  festgestellte  leichtgradig  eingeschränkte  Schuldfähigkeit  zur  Tatzeit 

ist im Umfang von drei Monaten strafmindernd zu berücksichtigen.

13.3. Hinsichtlich  der  Täterkomponenten  kann  zunächst  auf  die  vorstehenden 

Erwägungen verwiesen werden (vgl. in E. III.3.3.). In Bezug auf alt Dossier 5 zeigte 

sich der Beschuldigte geständig und entschuldigte sich bei den Geschädigten. Dies 

ist  strafmindernd  zu  berücksichtigen,  jedoch  wirken  sich  die  Täterkomponenten 

angesichts  der  Delinquenz  während  laufenden  Strafverfahren  und  laufender 

Probezeit neutral auf die Strafzumessung aus.

13.4. Unter  Berücksichtigung  des  Asperationsprinzips  ist  die  Freiheitsstrafe  um 

vier  Monate  zu  erhöhen,  womit  eine  Gesamtstrafe  von  insgesamt  66 Monaten 

resultiert.

14. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte (alt Dossier 8)

14.1. aArt. 285 Ziff. 1 StGB wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren 

oder einer Geldstrafe bedroht.

14.2. Tatverschulden

14.2.1.  Hinsichtlich der objektiven Tatschwere gilt es zu berücksichtigen, dass der 

Beschuldigte gegenüber den Stadtpolizisten (den Privatklägern 14, 15, 16 und 17), 

die den Beschuldigten aufgrund seines äusserst aggressiven Verhaltens zu fixieren 

versuchten, mehrmals Todesdrohungen ausstiess und mehrmals gegen den Kopf 

der  Privatkläger  14  und  15  zu  schlagen  versuchte.  Der  Beschuldigte  zeigte  bei 

diesem  Vorfall  infolge  eines  Familienstreits  hohes  Gewaltpotential,  was  einen 

grossen  Polizeieinsatz  zur  Folge  hatte.  Die  objektive  Tatschwere  ist  nicht  mehr 

leicht und eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten erweist sich als angemessen.

14.2.2.  Dabei handelte der Beschuldigte zumindest eventualvorsätzlich. Gemäss 

Gutachten ist zur Zeit der Tatbegehung von einer leicht bis maximal mittelgradig 

eingeschränkten  Schuldfähigkeit  des  Beschuldigten  auszugehen  (Urk. D1/10/6 

S. 108 f.). Diese ist mit einer Strafminderung von zwei Monaten zu berücksichtigen.

- 66 -

14.3. Hinsichtlich der Täterkomponenten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

verwiesen werden (vgl. E. III.3.3.). Der Beschuldigte zeigte sich in Bezug auf alt 

Dossier 8 nicht geständig. Mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 53) ist auch hier hervor-

zuheben,  dass  sich  der  vorbestrafte  Beschuldigte  von  laufenden  Strafverfahren 

gegen  ihn  nicht  beirren  liess  und  weiter  delinquierte.  Damit  erhöht  sich  die 

Freiheitsstrafe um einen Monat auf fünf Monate.

14.4. Unter  Berücksichtigung  des  Asperationsprinzips  ist  die  Gesamtstrafe  von 

66 Monaten  Freiheitsstrafe  für  die  Gewalt  und  Drohung  gegen  Behörden  und 

Beamte gemäss alt Dossier 8 um drei Monate zu erhöhen, womit eine Gesamtfrei-

heitsstrafe von insgesamt 69 Monaten resultiert.

15. Gesamtfreiheitstrafe und Haftanrechnung

Die vorinstanzliche Gesamtfreiheitsstrafe von 63 Monaten ist deshalb in Nachach-

tung  des  Verschlechterungsverbots  (Art.  391  Abs.  2  StPO)  zu  bestätigen.  Die 

ausgestandene  Haft  resp.  der  vorzeitige  Straf-  bzw.  Massnahmenvollzug  von 

insgesamt  1'193 Tagen  (465  Tage  bis  zum  vorzeitigen  Massnahmenantritt  per 

26. September 2022; 614 Tage vom 26. September 2022 bis und mit 31. Mai 2024 

[Flucht  des  Beschuldigten  aus  dem  Massnahmenzentrum];  114 Tage  vom 

23. Oktober 2024 bis und mit heute) ist dem Beschuldigten im Sinne von Art. 51 

StGB auf die Strafe anzurechnen.

16. Geldstrafe wegen Hinderung einer Amtshandlung (Dossier 4)

16.1. Art. 286 StGB sieht eine Geldstrafe von bis zu 30 Tagessätzen vor.

16.2. Um sich der polizeilichen Kontrolle zu entziehen und damit seine Fahrt trotz 

entzogenem Lehrfahrausweis zu vertuschen, beging der Beschuldigte Fahrerflucht 

und initiierte während der Fahrt einen Fahrerwechsel. Durch sein Vorgehen nahm 

er eine Kollision mit einem parkierten Fahrzeug in Kauf. Der Beschuldigte handelte 

vorsätzlich. Es ist von einem mittleren Gesamtverschulden auszugehen.

16.3. Hinsichtlich  der  Täterkomponenten  kann  zunächst  auf  die  bereits  im 

Zusammenhang  mit  Dossier  4  gemachten  Erwägungen  verwiesen  werden  (vgl. 

- 67 -

E. III.8.3.). Wie erwähnt, ist das Geständnis des Beschuldigten in Anbetracht der 

erdrückenden  Beweislage  nur  leicht  strafmindernd  zu  berücksichtigen,  jedoch 

wirken sich die Täterkomponenten angesicht der Delinquenz während laufenden 

Strafverfahren neutral auf die Strafzumessung aus.

16.4. Die vorinstanzlich festgesetzte Geldstrafe von 15 Tagessätzen erweist sich 

als verschuldensangemessen (vgl. Urk. 68 S. 54).

17. Tagessatzhöhe

Angesichts der finanziell prekären Lage des Beschuldigten ist – in Abweichung von 

der Vorinstanz – eine minimale Tagessatzhöhe von Fr. 10.– angezeigt (vgl. Art. 34 

Abs. 2 StGB).

18. Kein Widerruf der Geldstrafe

Mit  der  Verteidigung  darf  der  Widerruf  der  mit  Strafbefehl  vom  28.  Januar  2018 

festgesetzten  bedingten  Geldstrafe  nicht  mehr  angeordnet  werden,  da  seit  dem 

Ablauf der Probezeit bereits drei Jahre vergangen sind (vgl. Urk. 50 S. 14; Art. 46 

Abs. 5 StGB).

19. Busse wegen vorsätzlicher Verletzung der Verkehrsregeln (Dossier 4)

19.1. Der  Beschuldigte  verletzte  zahlreiche  Verkehrsregeln  (Nichtbefolgen  von 

Weisung der Polizei [Art. 27 Abs. 1 SVG]; unnötiges Blenden durch Beleuchtung 

[Art. 41 Abs. 4 SVG]; Nichtanzeigen von Richtungsänderung [Art. 39 Abs. 1 SVG]; 

Nichtbeherrschen  des  Fahrzeuges  [Art.  31  SVG]),  um  sich  der  polizeilichen 

Kontrolle zu entziehen und damit seine Fahrt trotz entzogenem Lehrfahrausweis zu 

vertuschen (vgl. voranstehend in E. III.16.2.). Dabei handelte der Beschuldigte vor-

sätzlich.

19.2. Die Vorinstanz liess unberücksichtigt, dass eine Zusatzstrafe im Sinne von 

Art. 49 Abs. 2 StGB zur mit Strafbefehl vom 19. Oktober 2021 der III. Abteilung der 

Staatsanwaltschaft  des  Kantons  Zug  ausgesprochenen  Busse  vom  Fr. 300.– 

wegen  Missachtung  des  Übertretungsstrafgesetzes  § 5  ÜStG  (Verunreinigung 

- 68 -

durch  Zigaretten;  vgl.  Urk. D1/18/3/2  S. 510  f.,  Urk. 155)  auszusprechen  ist.  Die 

Vorinstanz setzte für die vorsätzliche Verletzung der Verkehrsregeln eine Gesamt-

busse von Fr. 300.– fest (Urk. 68 S. 55). Aufgrund der zahlreichen einschlägigen 

Vorstrafen  erweist  sich  eine  höhere  Busse  von  Fr. 400.–  als  angemessen.  In 

Nachachtung des Asperationsprinzips erscheint es gerechtfertigt, die vorsätzliche 

Verletzung  der  Verkehrsregeln  gemäss  Dossier  4  im  Umfang  von  Fr. 300.–  zu 

berücksichtigen, womit sich eine hypothetische Gesamtstrafe von Fr. 600.– ergibt. 

Von  dieser  Gesamtstrafe  ist  die  rechtskräftige  Busse  von  Fr. 300.–  abzuziehen, 

was eine Zusatzstrafe von Fr. 300.– ergibt. Für den Fall, dass der Beschuldigte die 

Busse  schuldhaft  nicht  bezahlt, 

ist 

in  Bestätigung  der  Vorinstanz  eine 

Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen auszusprechen (Art. 106 Abs. 2 StGB).

20. Fazit

Zusammenfassend ist der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 63 Monaten, 

mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 10.– und – als Zusatzstrafe zum 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom 19. Oktober 2021 – mit 

einer Busse von Fr. 300.– (Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen) zu bestrafen. An 

die Freiheitsstrafe sind im Sinne von Art. 51 StGB insgesamt 1'193 Tage anzurech-

nen,  welche  bis  und  mit  heute  durch  Haft  sowie  durch  vorzeitigen  Straf-  bzw. 

Massnahmenantritt  erstanden  sind  (vgl.  hierzu  nachfolgende  Erwägungen  zum 

Vollzug in E. IV.).

IV.  Vollzug der Strafe

Angesichts der auszusprechenden Strafhöhe von 63 Monaten kommt weder eine 

bedingte noch eine teilbedingte Freiheitstrafe in Frage (vgl. Art. 42 f. StGB). Die 

Freiheitsstrafe ist zu vollziehen. Mit der Vorinstanz (Urk. 68 S. 59) muss dem mehr-

fach vorbestraften Beschuldigten, der während laufender Probezeit und laufender 

Strafverfahren  weiter  delinquiert  hat,  eine  negative  Legalprognose  attestiert 

werden. Die Geldstrafe ist deshalb ebenfalls zu vollziehen. Die Busse ist zwingend 

zu bezahlen (vgl. Art. 105 Abs. 1 StGB). 

- 69 -

V.  Massnahme

1.

Ausgangslage

1.1. Mit  Verfügung  der  Bewährungs-  und  Vollzugsdienste 

(BVD)  vom 

15. September 2022 wurde der Beschuldigte per 26. September 2022 zum vorzei-

tigen Vollzug der Massnahme für junge Erwachsene in die geschlossene Abteilung 

des  Massnahmenzentrums  Uitikon  (MZU)  eingewiesen  (Urk. D1/12/1/32  =  Voll-

zugsakten, Urk. 9).

1.2. Die  Vorinstanz  hat  gestützt  auf  die  Erkenntnisse  der  Gutachter  Dr.  med. 

Dipl.-Jur. AH._____ und lic. phil. AI._____ eine Massnahme für junge Erwachsene 

i.S.v. Art. 61 Abs. 1 StGB und gleichzeitig eine ambulante Suchtbehandlung i.S.v. 

Art. 63 StGB angeordnet. Sie erwog, dass der Beschuldigte an einer Persönlich-

keitsentwicklungsstörung  mit  unreifen  und  emotional  instabilen  Zügen,  einer 

Störung des Sozialverhaltens, einer Abhängigkeit von Cannabis und einem schäd-

lichen  Gebrauch  von  Alkohol  leide.  Der  Beschuldigte  sei  massnahmenbedürftig, 

-fähig und -willig (Urk. 68 S. 57 f.).

1.3. Die  BVD  beantragten  am  20.  Dezember  2024,  der  bewilligte  vorzeitige 

Massnahmenvollzug nach Art. 61 StGB sei aufzuheben (Urk. 101 S. 5). Die BVD 

verwiesen darauf, dass das MZU in ihrer Massnahmendokumentation aktuell keine 

Empfehlung für die Fortführung des vorzeitigen Massnahmenvollzugs im Sinne von 

Art. 61 StGB für den Beschuldigten aussprechen könne. Auch gemäss Einschät-

zung der BVD erweise sich der vorzeitige Antritt der Massnahme für junge Erwach-

sene vor dem Hintergrund des bisherigen Massnahmenvollzugs beim Beschuldig-

ten als nicht mehr erfolgsversprechend durchführbar. Der Massnahmendokumen-

tation des MZU sei zu entnehmen, dass der vorzeitige Antritt der Massnahme beim 

Beschuldigten von zahlreichen Regelverstössen, insbesondere einem regelmässi-

gen Cannabiskonsum, geprägt gewesen sei. Seine mangelhafte Absprachefähig-

keit und Regelakzeptanz habe in eine fünfmonatige Flucht gemündet, die erst durch 

seine  Verhaftung  habe  beendet  werden  können.  Trotz  der  wiederkehrenden 

Bekundungen des Beschuldigten, die mit der Massnahme verbundenen Regeln zu 

akzeptieren und an den Massnahmenzielen aktiv mitzuarbeiten, lasse sein gezeig-

- 70 -

tes Verhalten und insbesondere seine Flucht mit dem Vorhaben, sich der Mass-

nahme  für  junge  Erwachsene  gänzlich  zu  entziehen,  auf  eine  unzureichende 

Veränderungs-  und  Massnahmenmotivation  schliessen.  Die  Rückfallgefahr  für 

erneute Gewaltdelikte sei gemäss aktueller Einschätzung des MZU nach wie vor 

hoch  und  habe  seit  dem  Eintritt  des  Beschuldigten  ins  MZU  per  26. September 

2022 in relevanter Weise nicht gemindert werden können. Unter Berücksichtigung 

der Höchstdauer der Massnahme von vier Jahren (Art. 61 Abs. 4 StGB) erscheine 

es  mit  Blick  auf  den  bisherigen  Massnahmenverlauf  höchst  fraglich,  ob  sich  das 

Rückfallrisiko in der noch verbleibenden allfälligen Massnahmenzeit auf ein vertret-

bares Mass senken lasse (vgl. Urk. 101 S. 4 f.).

1.4. Vor Vorinstanz sowie auch berufungsweise beantragte die Verteidigung die 

Anordnung  bzw.  Weiterführung  einer  Massnahme  für  junge  Erwachsene  i.S.v. 

Art. 61 StGB, unter Aufschub des Strafvollzugs zu Gunsten der Massnahme sowie 

ein Absehen von einer ambulanten Massnahme i.S.v. Art. 63 StGB (Urk. 50 S. 3; 

Urk. 126 S. 19). Die Verteidigung führte aus, der Beschuldigte habe sich im Vollzug 

– abgesehen vom Cannabiskonsum und der Abhängigkeit – grundsätzlich wohlver-

halten (Urk. 126 S. 15). Der Beschuldigte beteuerte anlässlich der Berufungsver-

handlung,  massnahmewillig  zu  sein  und  die  Massnahme  weiterführen  zu  wollen 

(Urk. 125  S.  12  f.).  Die  Staatsanwaltschaft  beantragte  hingegen,  dass  von  einer 

Massnahme für junge Erwachsene abzusehen sei, da der Beschuldigte nie mass-

nahmewillig gewesen und die Massnahme offensichtlich gescheitert sei (Urk. 128 

S. 1 und 6).

2. Massnahme für junge Erwachsene (Art. 61 StGB)

2.1. Die Vorinstanz hat die Grundlagen zur Anordnung einer Massnahme, insbe-

sondere  zur  Anordnung  einer  Massnahme  für  junge  Erwachsene  im  Sinne  von 

Art. 61 StGB, zutreffend wiedergegeben (Urk. 68 S. 56 f.). Darauf kann verwiesen 

werden.

2.2. Die Gutachter Dr. med. Dipl.-Jur. AH._____ und lic. phil. AI._____ diagnos-

tizierten in ihrem Gutachten vom 15. Juli 2022 beim Beschuldigten eine Persönlich-

keitsentwicklungsstörung mit unreifen und emotional instabilen Persönlichkeitszü-

- 71 -

gen, eine Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhal-

ten  (ICD-10:  F91.3),  psychische  Verhaltensstörungen  durch  Alkohol  (schädlicher 

Gebrauch;  ICD-10:  F10.1)  und  durch  Cannabis  (Abhängigkeitssyndrom;  ICD-10: 

F12.2; Urk. D1/10/6 S. 84 und 121). Das MZU, wo sich der Beschuldigte seit Antritt 

des vorzeitigen Massnahmenvollzugs per 26. September 2022 bis zu seiner Flucht 

am 31. Mai 2024 befand, hielt in der aktuellsten Massnahmendokumentation vom 

5. Dezember 2024 an der diagnostischen Würdigung der Gutachter fest. Gemäss 

Einschätzung des Psychologen AK._____ des MZU seien mittlerweile aufgrund der 

Persistenz, der Ausprägung und der Hartnäckigkeit der relevanten Persönlichkeits-

züge  sowie  des  fortgeschrittenen  Alters  des  Beschuldigten  die  Kriterien  für  eine 

kombinierte  Persönlichkeitsstörung  mit  dissozialen  und  narzisstischen  Anteilen 

(ICD-10: F61.0) erfüllt (Vollzugsakten, Urk. 113 S. 18). 

2.3. Die fachärztlichen Gutachter erkannten beim Beschuldigte sodann aufgrund 

dessen festgestellten psychischen Störungen und der Substanzgebrauchsstörung 

sowie einer hohen Rückfallgefahr für ähnlich gelagerte Delikte wie die Anlasstaten 

eine Massnahmenindikation (Urk. D1/10/6 S. 122 ff. und 125 f.). Vor dem Hinter-

grund, dass es denkbar sei, dass sich innerhalb der Höchstdauer der Massnahme 

für  junge  Erwachsene  nach  Art. 61  StGB  kein  ausreichender  Behandlungserfolg 

einstelle, empfahlen die Gutachter eine kombinierte Anordnung mit einer ambulan-

ten Massnahme nach Art. 63 StGB (Urk. D1/10/6 S. 126), was die Vorinstanz über-

nommen hat (Urk. 68 S. 57 f.). 

2.4. Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschuldigte zur Zeit der Taten an einer 

Störung seiner Persönlichkeitsentwicklung im Sinne von Art. 61 Abs. 1 lit. a StGB 

gelitten  hat,  mit  der  die  von  ihm  begangenen  Taten  in  Zusammenhang  stehen. 

Umstritten sind demgegenüber die Erfolgsaussichten einer allfälligen Massnahme 

(Art. 61 Abs. 1 lit. b StGB). 

2.5. Aufgrund  der  Empfehlungen  des  Gutachters  sowie  der  damals  aktuellen 

Massnahmendokumentation  des  MZU  vom  25. August  2023  erachtete  die 

Vorinstanz die Massnahmenkombination nach Art. 61 und 63 StGB als indiziert und 

den Beschuldigten als massnahmenfähig und -willig (Urk. 68 S. 57 f.). Der aktuells-

ten Massnahmendokumentation des MZU vom 5. Dezember 2024 sowie den Voll-

- 72 -

zugsakten  ist  hingegen  zu  entnehmen,  dass  die  vorzeitige  Massnahme  im  MZU 

aufgrund der fehlenden bzw. nicht durchgehend entwickelten Veränderungsmoti-

vation des Beschuldigten, insbesondere aufgrund seines fehlenden Abstinenzver-

haltens,  welche  letztlich  in  einer  fünfmonatigen  Flucht  aus  dem  MZU  mündete, 

negativ verlief und sodann abgebrochen werden musste. 

2.6.

Zur Risikoeinschätzung ("Legalprognose") ist der aktuellen Massnahmendo-

kumentation  zu  entnehmen,  dass  beim  Beschuldigten  trotz  des  über  eineinhalb 

Jahre erfolgten Massnahmenvollzugs weiterhin von einem hohen Rückfallrisiko für 

Gewaltdelikte  ausgegangen  wird.  Die  in  der  Persönlichkeit  des  Beschuldigten 

verankerten  Risikoeigenschaften  seien  unverändert  hoch  ausgeprägt  und  die 

Kompensationsfähigkeiten  unverändert  in  geringem  Ausmass  vorhanden  (Voll-

zugsakten, Urk. 113 S. 22 f.). Unter "Sozialpädagogik" wurde in der Massnahmen-

dokumentation festgehalten, dass sich der Beschuldigte in der Bezugspersonen-

arbeit vermehrt auf die Zusammenarbeit habe einlassen können. In den Bezugs-

personengesprächen habe er auf Nachfrage über sein Anlassdelikt berichtet. Die 

Ereignisse  habe  er  dabei  oberflächlich  und  bagatellisierend  reflektiert.  Seine 

Risikoeigenschaften  habe  er  nur  teilweise  anerkannt  und  habe  zum  Ausdruck 

gebracht, keine dissozialen Anteile an sich feststellen zu können. Bezüglich seines 

regelmässigen Cannabiskonsums habe weiterhin die Problemeinsicht gefehlt, so 

dass  er  fortwährend  Verstösse  begangen  habe,  mit  der  Konsequenz,  zunächst 

keine Vollzugsöffnungen wahrnehmen zu können (Vollzugsakten, Urk. 113 S. 8 f.). 

Den  Vollzugsakten  lässt  sich  entnehmen,  dass  der  Beschuldigte  seit  seines  am 

11. Januar 2024 gewährten Übertritts in die offene Abteilung, aus welcher er am 

31. Mai  2024  sodann  floh,  dreizehn  Disziplinarverfügungen,  mehrheitlich  wegen 

anhaltenden  Cannabiskonsums,  erhielt  (Vollzugsakten,  Urk. 89-97  und  99-102). 

Ferner  kann  den  Vollzugsakten  sowie  dem  Führungsbericht  des  Gefängnisses 

Affoltern vom 7. Februar 2025 entnommen werden, dass der Beschuldigte letztlich 

sogar in der Vollzugsanstalt der Sicherheitshaft, dem Gefängnis Affoltern, positiv 

auf  THC  getestet  wurde  (Vollzugsakten,  Urk. 110;  Urk. 116).  Gemäss  aktuellster 

Massnahmendokumentation habe der Beschuldigte zwar zum Ausdruck gebracht, 

für die Massnahme motiviert zu sein, und er sei dahingehend im Alltag als koope-

rativ erlebt worden. Sein Engagement habe indessen vielfach im Widerspruch zu 

- 73 -

beispielsweise  dissozialen  Verhaltensweisen  gestanden,  die  er  während  des 

gesamten  Berichtszeitraumes  ebenfalls  gezeigt  habe.  Mutmasslich  habe  die 

vordergründig  gezeigte  Kooperation  eine  Strategie  dargestellt,  um  eine  gewisse 

Kontrolle über die Situation erhalten zu können. Dieser Verdacht habe sich dadurch 

erhärtet, dass der Beschuldigte trotz verbaler Zugeständnisse weiterhin regelmäs-

sig Cannabis konsumiert, Störungen wie Arbeitsverweigerung generiert und sowohl 

in konfliktbehaften als auch in alltäglichen Situationen wiederkehrend dominant auf-

getreten sei oder sich verweigert habe. Nach seiner Flucht am 31. Mai 2024 habe 

sich der Beschuldigte in den Folgemonaten wenige Male telefonisch gemeldet, um 

sich nach Rückkehrkonditionen zu erkundigen, sei jedoch nicht ins MZU zurückge-

kehrt  (Vollzugsakten,  Urk. 113  S. 8).  Unter  "Adoleszentenforensik"  geht  aus  der 

Massnahmendokumentation  hervor,  dass  bei  der  Therapiebeziehung  erkennbar 

gewesen  sei,  dass  der  Beschuldigte  auch  nach  eineinhalb  Jahren  phasenweise 

Mühe gehabt habe, sich auf eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung einzulassen. Es 

sei ihm während des Massnahmenverlaufs nicht gelungen, diesen Zyklus zwischen 

motivierten  Phasen  und  Phasen  der  Sinn-  und  Hoffnungslosigkeit  dauerhaft  zu 

durchbrechen. Bis zu seiner Flucht aus dem MZU sei es dem Beschuldigten offen-

sichtlich  nicht  gelungen,  eine  nachhaltige  Veränderungsmotivation  aufzubauen 

(Vollzugsakten, Urk. 113 S. 15). 

2.7.

In  Übereinstimmung  mit  den  Ausführungen  der  BVD  und  entgegen  der 

Ansicht  der  Verteidigung  kann  unter  diesen  Umständen,  insbesondere  aufgrund 

des fehlenden Abstinenzverhaltens sowie der mangelnden Absprachefähigkeit des 

Beschuldigten,  nicht  mehr  von  einer  erfolgsversprechenden  Weiterführung  der 

deliktorientierten  Therapie  ausgegangen  werden,  zumal  auch  das  provisorische 

Massnahmenende – gemäss aktuellster Massnahmendokumentation am 25. Sep-

tember 2026 (Vollzugsakten, Urk. 113 S. 2), wobei der Zeitspanne ab der Flucht 

Rechnung  zu  tragen  ist  –  bereits  in  rund  zwei  Jahren  und  vier  Monaten  erreicht 

wäre.  Das  gezeigte  Verhalten  im  vorzeitigen  Massnahmenvollzug  und  insbeson-

dere seine fünfmonatige Flucht lässt auf eine unzureichende Veränderungs- und 

Massnahmenmotivation des Beschuldigten schliessen. Entgegen der Verteidigung 

(Urk. 126 S. 15) sind auch dem Führungsbericht des Gefängnisses Affoltern keine 

merklichen  Fortschritte  oder  Verhaltensveränderungen  des  Beschuldigten  zu 

- 74 -

entnehmen. Nach wie vor wird von Regelverstössen, von bedrohlichem Auftreten 

gegenüber dem Arzt und wechselhaftem Verhalten gegenüber den Sozialdiensten 

berichtet.  So  hielten  AL._____  der  Gefängnisleitung  und  AM._____  des  Sozial-

dienstes im Führungsbericht fest, dass der Beschuldigte sehr freundlich und gedul-

dig sei, solange alles nach seinem Plan und seinen Bedürfnissen verlaufe, andern-

falls würde er fordernd, laut und aufbrausend (vgl. Urk. 116 S. 3). Dies bestätigte 

auch  der  Beschuldigte  anlässlich  der  Berufungsverhandlung  selbst  ("Wenn  ich 

etwas nicht bekomme, versuche ich, es anderswo zu erhalten. Natürlich bin ich so, 

natürlich  mach  ich  das  auch  so.";  vgl.  Urk. 125  S. 6).  Ferner  zeigt  sich  dieses 

gefestigte Verhaltensmuster auch in der Aussage des Beschuldigten, er wolle sich 

selber  entwickeln,  aber  nicht  wie  es  ihm  vorgeschrieben  werde  (Urk. 125  S. 13). 

Eine Verhaltensänderung hinsichtlich seines Cannabiskonsums ist ebenfalls nicht 

zu  erwarten.  So  zeigte  sich  der  Beschuldigte  nach  wie  vor  uneinsichtig  und 

beschrieb  anlässlich  der  Berufungsverhandlung  die  positiven  Effekte  seines 

Cannabiskonsums (Urk. 125 S. 5 f.). Nach dem Gesagten kann nicht davon ausge-

gangen werden, dass der Beschuldigte massnahmewillig und massnahmefähig ist. 

Insgesamt ist den Feststellungen in der aktuellsten Massnahmenvollzugsdokumen-

tation  rechtsgenüglich  zu  entnehmen,  dass  die  Massnahme  nach  Art. 61  StGB 

nicht geeignet ist, die Legalprognose des Beschuldigten zu verbessern. Ferner ist 

von der Anordnung einer alleinigen ambulanten Massnahme nach Art. 63 StGB ab-

zusehen, die aus gutachterlicher Sicht nicht ausreichend sei, um dem Rückfallrisiko 

des Beschuldigten zu begegnen (Urk. D1/10/6 S. 125). 

2.8. Aufgrund  des  Ausgeführten  ist  von  der  Anordnung  einer  Massnahme  für 

junge Erwachsene i.S.v. Art. 61 StGB sowie von der Anordnung einer ambulanten 

Suchtbehandlung  i.S.v.  Art. 63  StGB  und  damit  überhaupt  von  einer  therapeuti-

schen Massnahme abzusehen.

VI.  Landesverweisung/Ausschreibung im SIS

1.

Ausgangslage

1.1. Der Beschuldigte, Inhaber einer Aufenthaltsbewilligung F für vorläufig auf-

genommene  Ausländer  in  der  Schweiz  (letzte  aktenkundige  Ausweiskopie  in 

- 75 -

Urk. D1/18/3/2  S. 503,  Urk. 153),  ist  libyscher  Staatsbürger  und  hat  gemäss 

Art. 66a Abs. 1 lit. b und c StGB mit der mehrfachen versuchten schweren Körper-

verletzung i.S.v. aArt. 122 Abs. 1 und 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB sowie dem 

räuberischen Diebstahl i.V.m. Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB drei Katalogtaten began-

gen, die grundsätzlich zu einer obligatorischen Landesverweisung führen. Hiervor 

kann nur abgesehen werden, wenn dies für den Täter eine schwere persönliche 

Härte bedeuten würde und eine Abwägung zwischen seinen persönlichen Interes-

sen an einem Verbleib in der Schweiz und den Interessen der Öffentlichkeit an einer 

Wegweisung zu seinen Gunsten ausfällt (Art. 66a Abs. 1 StGB; vgl. hierzu auch die 

Erwägungen der Vorinstanz in Urk. 68 S. 60 f.).

1.2. Die Vorinstanz erkannte in einer Landesverweisung knapp einen persönli-

chen  schweren  Härtefall  und  kam  bei  der  Interessensabwägung  sodann  zum 

Schluss,  dass  die  öffentlichen  Interessen  an  einer  Wegweisung  gegenüber  den 

privaten  Interessen  des  Beschuldigten  am  Verbleib  überwiegen.  Die  Vorinstanz 

verwies den Beschuldigten entsprechend für eine Dauer von acht Jahren aus der 

Schweiz (Urk. 68 S. 61 ff.). 

1.3. Vor Vorinstanz sowie auch vor dem Berufungsgericht liess der Beschuldigte 

zunächst beantragen, es sei von einer Landesverweisung abzusehen, da er sich 

keiner Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 StGB strafbar gemacht habe. Für 

den  Fall  abweichender  rechtlicher  Würdigung  führte  die  Verteidigung  ferner  aus, 

dass der Beschuldigte als vorläufig aufgenommener Flüchtling nicht in einen Staat 

ausgeschafft  werden  dürfe,  in  dem  er  bzw.  seine  Familie  verfolgt  werde.  Ferner 

habe der Beschuldigte mit seiner Familie aus Libyen fliehen müssen und die Lage 

dort sei nach wie vor kritisch. Folglich sei im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB von 

einer  Wegweisung  abzusehen  (Urk. 50  S. 17  ff.;  Urk.  126  S.  16).  Anlässlich  der 

Berufungsverhandlung führte die Verteidigung ergänzend aus, dass eine Landes-

verweisung eine völlige Entwurzelung des Beschuldigten zur Folge hätte und die 

Therapieerfolge des Beschuldigten zunichte gemacht würden. Insgesamt würden 

die privaten Interessen des Beschuldigten überwiegen (Urk. 126 S. 17 f.).

- 76 -

2.

Persönlicher Härtefall

2.1. Hinsichtlich des bisherigen Werdegangs des heute 25 Jahre alten Beschul-

digten kann zunächst auf die Ausführungen zu den Täterkomponenten (E. III. 3.3.1. 

hiervor)  verwiesen  werden.  Hieraus  ergibt  sich  zusammengefasst,  dass  der 

Beschuldigte  seit  Oktober  2011,  seit  er  elf  Jahre  alt  ist,  in  der  Schweiz  lebt.  Die 

Eltern und die zwölf jüngeren Geschwister des Beschuldigten leben ebenfalls seit 

der  gemeinsamen  Flucht  aus  Libyen  in  der  Schweiz.  Hierorts  besuchte  er  die 

Primarschule sowie die Oberstufe und erlangte einen Sekundarschulabschluss B. 

In der Folge machte der Beschuldigte verschiedene Praktika, es gelang ihm jedoch 

nicht, in der Berufswelt Fuss zu fassen. Der Beschuldigte war mehrere Jahre von 

der Sozialhilfe abhängig und verfügt über Schulden. Auch die im Rahmen der vor-

zeitigen  Massnahme  angefangene  Lehre  als  Metallbauer  wurde  infolge  seiner 

Flucht aus dem MZU abgebrochen. Gemäss Angaben des Beschuldigten anläss-

lich  der  Berufungsverhandlung  pflegt  er  mit  seiner  Grossfamilie  einen  engen 

Kontakt (Urk. 47A S. 4; Urk. 125 S. 4 ff.). Nach eigenen Angaben lebt in seinem 

Heimatland  Libyen  nur  noch  der  90-jährige,  bettlägerige  Grossvater,  und  der 

Beschuldigte  war  seit  seiner  Flucht  in  die  Schweiz  nie  mehr  dort  (Urk. 47A  S. 6; 

Urk. 125 S. 18 f.). Der Beschuldigte spricht Schweizerdeutsch und Arabisch (vgl. 

Urk. D1/3/3 S. 3 f. und 16).

2.2. Der  Beschuldigte  ist  mehrfach  vorbestraft  (vgl.  Urk. 108),  wobei  nicht  alle 

Vorstrafen (noch) im Strafregister verzeichnet sind, sich jedoch aus den beigezo-

genen Migrationsakten ergeben (Urk. D1/18/3/2):



Strafbefehl  vom  28.  September  2015  der  Jugendanwaltschaft  Zürich-Stadt 

wegen  Entwendens  eines  Motorfahrzeugs  zum  Gebrauch,  Führens  eines 

Motorfahrzeugs ohne Führerausweis sowie mehrfache Tätlichkeiten (3 Tage 

persönliche Leistung, unbedingt, Urk. D1/18/3/2 S. 24 ff., Urk. 14),



Strafbefehl  vom  26. April  2017  der  Jugendanwaltschaft  Zürich-Stadt  wegen 

Angriffs (14 Tage persönliche Leistung, teilbedingt davon 6 Tage unbedingt, 

Probezeit 12 Monate; Urk. D1/18/3/2 S. 50 ff., Urk. 26),

- 77 -



Strafbefehl  vom  10. Juli  2017  der  Jugendanwaltschaft  Zürich-Stadt  wegen 

mehrfacher  Übertretung  des  Personenbeförderungsgesetzes  (Absehen  von 

einer  Strafe  aufgrund  teilbedingter  persönlicher  Leistung  wegen  Angriffs; 

Urk. D1/18/3/2 S. 55 ff., Urk. 27),



Strafbefehl  vom  11. Dezember  2017  der  Jugendanwaltschaft  Zürich-Stadt 

wegen  Widerhandlung  gegen  die  Allgemeine  Polizeiverordnung  der  Stadt 

Zürich  und  Übertretung  des  Personenbeförderungsgesetzes  (Verweis  als 

Zusatzstrafe  zum  Strafbefehl  vom  10.  Juli  2017;  Urk. D1/18/3/2  S.  71  ff., 

Urk. 34),



Strafbefehl  vom  28.  Januar  2018  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Limmat 

wegen Raubes (Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.–, bedingt, Probe-

zeit 2 Jahre, Absehen von einer Landesverweisung; Urk. D1/18/3/2 S. 98 ff., 

Urk. 40; Urk. 108 S. 2),



Strafbefehl vom 30. Juli 2018 der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat wegen 

mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung (Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 

Fr. 30.–,  bedingt,  Probezeit  2  Jahre;  Urk. D1/18/3/2  S. 135  ff.,  Urk. 50; 

Urk. 108 S. 3),



Strafbefehl  vom  25.  August  2018  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Limmat 

wegen  Fahrens  ohne  Berechtigung,  Führens  eines  nicht  betriebssicheren 

Fahrzeugs,  Übertretung  der  Verkehrsregelverordnung  und  weiterer  Wider-

handlungen  gegen  das  Strassenverkehrsgesetz  (Zusatzgeldstrafe  von 

15 Tagessätzen zu Fr. 30.–, unbedingt, Busse von Fr. 400.–; Urk. D1/18/3/2 

S. 150 ff., Urk. 55; Urk. 108 S. 3),



Strafbefehl  vom  20. Dezember  2018  der  Staatsanwaltschaft  Zürich-Limmat 

wegen mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung, Beschimpfung und Fahrens 

in  fahrunfähigem  Zustand  (Geldstrafe  von  75  Tagessätzen  zu  Fr. 10.–  als 

Gesamtstrafe  unter  Einbezug  der  widerrufenen  Geldstrafe  des  Strafbefehls 

vom  30. Juli  2018,  Busse  von  Fr.  300.–,  Verlängerung  der  Probezeit  der 

bedingten  Geldstrafe  des  Strafbefehls  vom  28. Januar  2018  um  1  Jahr; 

Urk. D1/18/3/2 S. 156 ff., Urk. 58; Urk. 108 S. 4),

- 78 -



Strafbefehl  vom  19.  Oktober  2021  der  III.  Abteilung  der  Staatsanwaltschaft 

des  Kantons  Zug  wegen  Missachtung  des  Übertretungsstrafgesetzes  § 5 

ÜStG (Verunreinigung durch Zigaretten; Busse von Fr. 100.–; Urk. D1/18/3/2 

S. 510 f., Urk. 155).

2.3.

Für  einen  persönlichen  Härtefall  spricht  die  lange  Aufenthaltsdauer  des 

Beschuldigten in der Schweiz. Der Beschuldigte hat hierorts seine Jugendjahre ver-

bracht  und  damit  den  grössten  Teil  seines  Lebens  in  der  Schweiz  gelebt,  auch 

wenn er davon mittlerweile bereits deutlich über drei Jahre in Haft sowie im vorzei-

tigen Straf- und Massnahmenvollzug verbracht hat. Ob aber ein Härtefall vorliegt, 

entscheidet  sich  weder  anhand  von  starren  Altersvorgaben,  noch  führt  eine 

bestimmte  Anwesenheitsdauer  automatisch  zur  Annahme  eines  Härtefalls 

(BGE 146 IV 105 E. 3.4). Zur sozialen Integration des Beschuldigten gilt es festzu-

halten, dass der Beschuldigte fliessend Schweizerdeutsch spricht und hierorts sein 

soziales Umfeld (Familie) pflegt. Seine berufliche Situation ist insgesamt hingegen 

als  instabil  zu  beurteilen.  Der  Beschuldigte  verfügt  weder  über  eine  Ausbildung 

noch über eine wesentliche Arbeitserfahrung. Eine wirtschaftliche Integration des 

Beschuldigten  kann  deshalb  nicht  angenommen  werden  und  der  Beschuldigte 

würde bei einer Landesverweisung somit nicht aus einem stabilen (Arbeits-) Umfeld 

herausgerissen  werden.  Ferner  kann  mit  Blick  auf  seine  Vorstrafen  sowie  die 

zahlreichen mit dem vorliegenden Strafverfahren ausgesprochenen Verurteilungen 

unbestrittenermassen nicht von einer gelungenen Integration des Beschuldigten in 

die Schweizer Werte- und Rechtsordnung gesprochen werden. Was eine mögliche 

Reintegration in Libyen betrifft, so ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass 

eine solche dem Beschuldigten zuzumuten wäre. Der Beschuldigte ist ein körper-

lich gesunder junger Mann, der arabisch spricht und mit der Kultur in Libyen vertraut 

ist.  Entgegen  der  Auffassung  des  Beschuldigten  (Urk. 50  S. 18  f.  und  Urk. 126 

S. 16)  kann  er  keine  Verfolgungsgründe  in  Libyen  geltend  machen,  da  – wie  die 

Vorinstanz  zutreffend  festhält  –  dem  Beschuldigten  keine  Flüchtlingseigenschaft 

zugesprochen wurde (vgl. die negative Entscheide des Bundesamts für Migration 

und des Bundesverwaltungsgerichts in Urk. D1/18/3/2 S. 10 ff., Urk. 9 und S. 78 ff., 

Urk. 39). Somit ergeben sich keine hinreichenden Hinweise, die einen völkerrecht-

lichen  Anspruch  auf  Nichtrückweisung  begründen  könnten.  Insbesondere  droht 

- 79 -

dem Beschuldigten mit der Landesverweisung auch keine ernsthafte, rapide und 

irreversible  Verschlechterung  des  Gesundheitszustandes.  Entgegen  der  Ansicht 

der  Verteidigung  fällt  der  Gesundheitszustand  des  Beschuldigten  nicht  unter  die 

von ihr angeführte EGMR-Rechtsprechung (vgl. Urk. 126 S. 17). Ferner wird dem 

Beschuldigten auch keine Therapie entzogen, zumal der Beschuldigte – wie fest-

gestellt – nicht therapiewillig und -fähig ist. Nachdem der Beschuldigte zudem über 

keine  eigentliche  Kernfamilie  verfügt,  die  im  Bestand  allenfalls  von  Art. 8  Ziff. 1 

EMRK bzw. Art. 13 f. BV geschützt wäre, steht auch dieser Aspekt einer Wegwei-

sung nicht im Weg. 

2.4.

Im Sinne eines wohlwollenden Ermessensentscheids kann dem Beschuldig-

ten  mit  der  Vorinstanz  aufgrund  seiner  relativ  langen  Aufenthaltsdauer  in  der 

Schweiz jedoch noch knapp ein persönlicher Härtefall attestiert werden.

3.

Interessensabwägung

3.1. Auf die zutreffenden theoretischen Erwägungen der Vorinstanz zur Interes-

sensabwägung an einer Landesverweisung kann verwiesen werden (Urk. 68 S. 62 

f.).

3.2. Die Vorinstanz erwog, dass das öffentliche Interesse darin besteht, dass der 

Beschuldigte hierzulande keine weiteren Gewaltdelikte mehr begeht. Der Beschul-

digte wurde vorliegend der Katalogstraftaten der mehrfachen versuchten schweren 

Körperverletzung  i.S.v.  aArt. 122  Abs. 1  und  2  StGB  i.V.m.  Art.  22  Abs.  1  StGB 

sowie des räuberischen Diebstahls i.S.v. Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB für schuldig 

befunden. Dabei verletzte er zufällige Personen ohne erkennbaren Anlass, wobei 

es nur glücklichen Umständen zu verdanken war, dass keine schlimmeren Verlet-

zungen aus den Dossiers 1 und 2 resultierten. Zudem ist der Beschuldigte einschlä-

gig wegen der Katalogtat des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB 

vorbestraft. Eine weitere Katalogtat des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB beging 

er rund einen Monat vor Inkrafttreten von Art. 66a StGB. Die vom Beschuldigten 

erfüllten  Katalogtaten  sind  ähnlich  gelagert  und  fanden  in  nur  kurzen  zeitlichen 

Abständen  statt.  Die  Delikte  fanden  zudem  während  laufender  Probezeit  sowie 

offener Strafverfahren statt, was von einer renitenten Unbelehrbarkeit zeugt. Noch 

- 80 -

dazu war dem Beschuldigten bewusst, dass ein Landesverweis im Raum steht, was 

ihn nicht vor weiterer Delinquenz zurückschrecken liess. Auch ist zu berücksichti-

gen, dass der Beschuldigte weitere Gewaltdelikte verübt hat. Wenn die Vorinstanz 

das öffentliche Interesse an der Landesverweisung als sehr hoch gewichtet, ist ihr 

zu folgen. Die Erwägungen der Vorinstanz können übernommen werden (Urk. 68 

S. 63 f.).

3.3. Die Legalprognose des Beschuldigten fällt sodann keineswegs günstig aus. 

Bereits die Gutachter Dr. med. Dipl.-Jur. AH._____ und lic. phil. AI._____ gingen 

beim Beschuldigten – bei fehlender Intervention – von einer hohen Rückfallgefahr 

für ähnlich gelagerte Taten aus (Urk. D1/10/6 S. 122). Auch nach erfolgtem vorzei-

tigem Massnahmenvollzug (von insgesamt einem Jahr und acht Monaten) konnte 

die Rückfallgefahr für erneute Gewaltdelikte nicht gesenkt werden; gemäss aktuel-

ler Einschätzung in der Massnahmendokumentation des MZU wird die Rückfallge-

fahr weiterhin als hoch beurteilt (Vollzugsakten, Urk. 113 S. 22 f.). Ferner zeugen 

die zahlreichen Vorstrafen und die vorliegenden Verurteilungen des Beschuldigten 

von fehlerhafter sozialer Integration und einem ausgesprochen geringen Unrechts-

bewusstsein.  Seine  Vorstrafen  zeigen  konkret  auf,  dass  der  Beschuldigte  schon 

seit längerer Zeit nicht gewillt ist, sich an die hier geltenden Normen zu halten. Auf-

grund  dieser  Umstände  ist  von  einem  aktuellen  hohen  Risiko  des  Beschuldigten 

zur Begehung gleich gelagerter Gewaltstraftaten auszugehen.

3.4.

Insgesamt überwiegt das gewichtige öffentliche Interesse an der Landesver-

weisung, welches sich durch die Regelmässigkeit von schweren Deliktsbegehun-

gen  sowie  die  schlechte  Legalprognose  begründet,  das  private  Interesse  des 

Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz ganz deutlich. Abgesehen von der relativ 

langen  Aufenthaltsdauer  des  Beschuldigten  sind  keine  Hinweise  auf  eine  über-

durchschnittliche  Verbindung  des  Beschuldigten  zur  Schweiz  ersichtlich.  Eine 

Rückkehr in ein Land, das er als Elfjähriger verlassen hat, ist sicher herausfordernd. 

Jedoch verliert er dadurch keine gesicherte berufliche Existenz. Hilfsarbeiten kann 

er  auch  in  Libyen  ausführen.  Aufgrund  seines  noch  jungen  Alters  und  seiner 

Sprachkenntnisse ist davon auszugehen, dass ihm ein Neuanfang in Libyen zuzu-

- 81 -

muten ist. Mit der Vorinstanz ist die Frage der Durchsetzbarkeit einer Landesver-

weisung nicht ausschlaggebend für die Anordnung einer solchen (Urk. 68 S. 62). 

4.

Dauer der Wegweisung

4.1. Gemäss Art. 66a StGB ist die Landesverweisung für fünf bis 15 Jahre aus-

zusprechen. Die Bemessung der Dauer liegt im Ermessen des Gerichts, welches 

sich  dabei  insbesondere  am  Verhältnismässigkeitsgrundsatz  zu  orientieren  hat 

(Botschaft vom 26. Juni 2013 zur Änderung des Strafgesetzbuchs und des Militär-

strafgesetzes, BBl 2013 5975 ff., S. 6021), wobei das Verschulden und die Gefähr-

dung der öffentlichen Sicherheit in die Beurteilung miteinzubeziehen sind.

4.2. Der  Beschuldigte  hat  unter  anderem  mehrfach  eine  versuchte  schwere 

Körperverletzung (Dossier 1 und 2) sowie einen räuberischen Diebstahl (Dossier 1) 

begangen. Auch wenn diesbezüglich von einem (eher noch) leichten Verschulden 

auszugehen ist, darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass diese Qualifikationen 

unter Berücksichtigung der Versuche und der leicht eingeschränkten Schuldfähig-

keit (bei Dossier 1) und vor dem Hintergrund von bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe 

reichenden  Strafrahmen  zu  lesen  ist.  Ferner  resultierte  effektiv  eine  Gesamtfrei-

heitsstrafe  von  63  Monaten,  wovon  ein  Grossteil  auf  die  Katalogtaten  entfällt, 

weshalb konkret von einem schweren Verstoss gegen Leib und Leben schützende 

Normen auszugehen ist. Bei dieser Sachlage ist von vornherein ausgeschlossen, 

auf eine bloss minimale Dauer der Landesverweisung zu erkennen. Vielmehr ist zu 

beachten, dass das Fernhalteinteresse gegenüber dem bereits wegen Raubes vor-

bestraften Beschuldigten aufgrund der Gemeingefährlichkeit seines Handelns als 

hoch einzustufen ist. Wenn die Vorinstanz in Würdigung dieser Umstände sowie 

unter Berücksichtigung der engen Beziehung des Beschuldigten zur Schweiz auf 

eine Landesverweisung von acht Jahren und damit im unteren Bereich des Mög-

lichen  erkannte,  trägt  dies  den  massgebenden  Faktoren  wohlwollend  Rechnung 

und  kann  somit  bestätigt  werden,  zumal  eine  Verlängerung  aufgrund  des 

Verschlechterungsverbots ausgeschlossen ist. 

- 82 -

5.

Ausschreibung im SIS

5.1. Der Beschuldigte ist Drittstaatsangehöriger und verfügt in keinem anderen 

Schengener-Mitgliedstaat über ein Aufenthaltsrecht. Da die von ihm begangenen 

Straftaten mit einem Höchstmass von einem Jahr und mehr bedroht sind, sind die 

Voraussetzungen  für  eine  SIS-Ausschreibung  grundsätzlich  erfüllt  (Art. 24  Ziff. 2 

lit. a der Verordnung (EG) Nr. 1987/2006 vom 20. Dezember 2006 über die Einrich-

tung, den Betrieb und die Nutzung des Schengener Informationssystems der zwei-

ten Generation [SIS-II-VO]). Auch hat er durch seine wiederholte und mehrjährige 

Delinquenz bewiesen, dass von ihm eine Gefahr für die öffentliche Ordnung und 

Sicherheit – auch in anderen Schengen-Mitgliedstaaten – ausgeht. Zudem ist ein 

Einreiseverbot  in  sämtliche  Schengen-Mitgliedsstaaten  auch  nicht  unverhältnis-

mässig. Entsprechend ist eine Ausschreibung der Landesverweisung erforderlich 

und geeignet, um der vom Beschuldigten ausgehenden Gefahr für die öffentliche 

Ordnung  und  Sicherheit  für  sämtliche  Schengen-Mitgliedstaaten  entgegenzuwir-

ken. Gesamthaft besteht ein erhebliches Interesse der Schengen-Mitgliedstaaten, 

über  die  auszusprechende  Landesverweisung  in  Kenntnis  gesetzt  zu  werden, 

welches  das  persönliche  Interesse  des  Beschuldigten  am  Absehen  einer  Aus-

schreibung überwiegt. 

5.2. Damit ist die Ausschreibung der Landesverweisung zwecks Möglichkeit der 

Einreise- und Aufenthaltsverweigerung im Schengen-Raum somit auch in zweiter 

Instanz zu bestätigen.

1.

Ausgangslage 

VII.  Zivilforderungen

1.1. Mit  seiner  Berufung  wendet  sich  der  Beschuldigte  gegen  die  vorinstanzli-

chen Entscheide betreffend die Zivilforderungen der Privatkläger 1 und 3 (Urk. 69 

S. 1). Ferner beantragen die Privatkläger 5, 6, 7 und 8 mit ihrer Anschlussberufung 

– wie bereits vor Vorinstanz – Genugtuungssummen von Fr. 200.– für die Privat-

klägerin 5, von Fr. 300.– für den Privatkläger 6, von Fr. 200.– für den Privatkläger 7 

und  von  Fr. 250.–  für  den  Privatkläger 8  (Urk. 85  S. 1).  Die  vorinstanzliche 

- 83 -

Entscheide betreffend die Zivilforderungen der Privatkläger 11, 12 und 13 sind wie 

erwähnt in Rechtskraft erwachsen (vgl. voranstehend in E. I.2.2.).

1.2. Die Voraussetzungen für einen Anspruch auf Leistung von Schadenersatz 

und Genugtuung sowie die Bemessungskriterien dieser Leistungen finden sich im 

angefochtenen Urteil (Urk. 68 S. 65 ff.).

2.

Zivilforderungen des Privatklägers 1 (F._____)

2.1. Der Privatkläger 1 liess vor Vorinstanz durch seine Rechtsvertreterin unter 

Beilage diverser Belege ein Schadenersatzbegehren (unter Vorbehalt des Nach-

klagerechts)  in  Höhe  von  Fr. 3'790.25  (davon  Fr. 450.–  für  beschädigte  Kleider, 

Fr. 734.50 für den Krankenwagentransport, Fr. 753.35 für Behandlungen im Uni-

versitätsspital  Zürich,  Fr. 1'717.40  für  zahnärztliche  Behandlungen  und  Fr. 135.– 

für Autogebühren) zuzüglich 5 % Zins ab 7. August 2021 stellen. Zudem machte er 

ein Genugtuungsbegehren in der Höhe von Fr. 15'000.– geltend. Zur Genugtuungs-

forderung  brachte  der  Privatkläger  1  vor,  dass  er  zum  Tatzeitpunkt  minderjährig 

war  und  völlig  unerwartet,  ohne  Provokation  seinerseits,  angegriffen  worden  sei. 

Nach  dem  "Angriff"  habe  er  während  eines  Jahres  an  Albträumen  und  einem 

Unsicherheitsgefühl  an  öffentlichen  Begegnungsorten,  an  welchen  Jugendliche 

und Erwachsene sich abends treffen, gelitten. Ferner seien die Narben, welche auf-

grund der Verletzungen im Gesicht entstanden seien, bis heute sichtbar (Urk. 45 

und Urk. 46/1-9).

2.2. Die  Vorinstanz  kam  zum  Schluss,  dass  der  Beschuldigte  gegenüber  dem 

Privatkläger 1  aus  dem  eingeklagten  Ereignis  dem  Grundsatze  nach  schadener-

satzpflichtig sei. In der Erwägung, dass hinsichtlich des Schadenersatzbegehrens 

des Privatklägers 1 nicht nachvollziehbar sei, welcher Anteil von der AN._____ Ver-

sicherung übernommen werde, verwies sie den Privatkläger 1 zur genauen Fest-

stellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches auf den Weg des Zivilpro-

zesses. 

2.3. Diesen  vorinstanzlichen  Erwägungen  ist  grundsätzlich  zu  folgen.  Der 

Beschuldigte  hat  sich  gemäss  erstelltem  Sachverhalt  hinsichtlich  des  Dossiers  1 

- 84 -

der versuchten schweren Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers 1 schul-

dig gemacht. Auf die vom Privatkläger 1 erlittenen Verletzungen wurde im Rahmen 

der Sachverhaltserstellung und der Strafzumessung eingegangen (E. II.3.4.6. und 

E. III.3.2.3.). Der Beschuldigte hat somit für den im Zusammenhang mit den erlitte-

nen Verletzungen des Privatklägers 1 stehenden Schaden aufzukommen. Aus dem 

für  den  Privatkläger  1  ausgefüllten  Formular  "Geltendmachung  von  Rechten  als 

Privatklägerschaft"  geht  jedoch  hervor,  dass  seine  Zivilansprüche  ganz  oder 

teilweise durch die AN._____ Versicherung gedeckt würden (Urk. D1/9/2/2). In sei-

nen Ausführungen vor Vorinstanz gab der Privatkläger 1 sodann an, dass einzig 

die Kosten für die Nachbehandlung – das Fäden ziehen – von der Krankenkasse 

übernommen worden seien (Urk. 45 S. 3). Mit der Vorinstanz ist nicht nachvollzieh-

bar,  welcher  Anteil  tatsächlich  von  der  AN._____  Versicherung  übernommen 

wurde. Damit ist der Privatkläger 1 zur genauen Feststellung des Umfanges des 

Schadenersatzanspruches auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen. 

2.4. Soweit  der  Privatkläger  1  hingegen  Schadenersatz  für  zahnärztliche 

Behandlungen  in  Höhe  von  Fr. 1'717.40  geltend  machte  (vgl.  Urk. 45  S. 3  und 

Urk. 46/4-8),  ist  sein  Schadenersatzbegehren  im  selbigen  Umfang  abzuweisen. 

Wie die Verteidigung zu Recht vorbrachte (Urk. 50 S. 21), konnte der Privatkläger 1 

die Beschädigung seiner Zähne dem "Täter rechts von ihm" und damit dem Bruder 

des Beschuldigten zuordnen (vgl. die voranstehenden Erwägungen im Rahmen der 

Sachverhaltserstellung in E. II.3.4.8.). 

2.5. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers wurde von der Vorinstanz teil-

weise gutgeheissen. Der Beschuldigte beantragte vor dem Berufungsgericht, der 

Beschuldigte sei auf den Zivilweg zu verweisen, eventualiter sei eine Genugtuung 

von  Fr. 1'000.–  auszusprechen  (Urk. 126  S.  18).  Wenn  die  Vorinstanz  unter 

Berücksichtigung  der  konkreten  Umstände  eine  Genugtuung  von  Fr.  8'000.–  als 

angemessen  erachtet,  ist  ihr  zuzustimmen  (Urk. 68  S. 70).  Der  tätliche  Übergriff 

des  Beschuldigten  erfolgte  aus  nichtigem  Anlass  und  ging  mit  einer  massiven 

Gewalteinwirkung  gegen  den  wehrlosen  Privatkläger  1  einher.  Die  Schnittverlet-

zungen mussten genäht werden und für die Wundversorgung der Nase musste ein 

plastischer  Chirurg  hinzugezogen  werden  (Urk. D1/7/3).  Der  Privatkläger  1  trägt 

- 85 -

auch  nach  erfolgter  Heilung  bleibende  Narben  an  der  Nase  und  linken  Wange 

davon (Urk. 46/9). Unzweifelhaft ist ausserdem, dass der damals noch minderjäh-

rige Privatkläger 1 durch den tätlichen Übergriff und die Verletzung über längere 

Zeit psychisch belastet war. Angesichts des dem Gericht bei der Bemessung der 

Genugtuung  zustehenden  grossen  Ermessens  erscheint  die  von  der  Vorinstanz 

festgesetzte  Genugtuung  von  Fr.  8'000.–  (nebst  5 %  Zins  ab  7. August  2021) 

angemessen und entspricht den Summen, wie sie von den Gerichten in vergleich-

baren Fällen festgesetzt worden sind.

3.

Zivilforderung des Privatklägers 3 (H._____)

3.1. Der Privatkläger 3 forderte vor Vorinstanz eine Genugtuung von Fr. 5'000.– 

zuzüglich  5 %  Zins  ab  24.  April  2021.  Der  Beschuldigte  habe  sich  tatkräftig  am 

Raufhandel beteiligt und damit die abstrakte Gefahr mitverursacht, weshalb ihn ein 

Mitverschulden am Schaden treffe, der durch den Raufhandel entstanden sei. Die 

durch den Vorfall erlittene klaffende Rissquetschwunde am linken Jochbein des am 

Raufhandel unbeteiligten Privatklägers 3 habe starke Schmerzen verursacht und 

habe  genäht  werden  müssen.  Die  Verletzungen  hätten  bleibende  Narben  im 

Gesicht  hinterlassen,  welche  von  Dritten  auf  den  ersten  Blick  wahrgenommen 

würden und zu einem Verlust von Selbstwertgefühl geführt habe (Urk. 35; vgl. bei-

gelegte Fotos der Narbe beim linken Jochbein in Urk. 36/1-2).

3.2. Die Vorinstanz erwog, dass der Beschuldigte am Raufhandel beteiligt war, 

an welchem der Privatkläger 3 verletzt wurde, womit der Beschuldigte für allfällige 

Schäden vollumfänglich hafte. Durch den Vorfall werde er eine bleibende Narbe am 

Jochbein davontragen. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände, insbeson-

dere  der  bleibenden  Narbe  am  Jochbein,  erachtete  sie  eine  Genugtuung  in  der 

Höhe von Fr. 3'000.– als angemessen. 

3.3. Diese  vorinstanzliche  Einschätzung  ist  grundsätzlich  zu  übernehmen.  Der 

Beschuldigte hat durch die tatkräftige Beteiligung an einer gewalttätigen wechsel-

seitigen Auseinandersetzung beim W._____ in Zürich einen kausalen Beitrag für 

den in diesem Rahmen eingetretenen Schaden geleistet und hat sich damit in zivil- 

bzw.  haftungsrechtlich  relevanter  Weise  an  der  Schädigung  des  Privatklägers 3 

- 86 -

beteiligt. Es ist zwar davon auszugehen, dass es nicht der Beschuldigte war, der 

die Verletzung des Privatklägers 3 direkt verursacht hat. Dies führt jedoch nicht zur 

Verneinung  der  (Mit-)Haftung  des  Beschuldigten.  Haben  mehrere  Personen 

gemeinsam eine Gefahr geschaffen, ist belanglos, welche der an der gefährlichen 

Tätigkeit beteiligte Person(en) die eigentliche Schadensursache gesetzt hat (vgl. 

BGE 104 II 184 E. 2). Entsprechend haben der Beschuldigte und die weiteren am 

Raufhandel  beteiligten  Personen  die  (sowohl  physischen  wie  auch  psychischen) 

Verletzungen des Privatklägers 3 nicht nur gemeinsam verursacht, sondern auch 

im Sinne von Art. 50 OR gemeinsam verschuldet. Auf die vom Privatkläger 3 erlit-

tenen  Verletzung  wurde  im  Rahmen  der  Sachverhaltserstellung  eingegangen 

(E. II.4.4.5.).  Auf  den  vom  Privatkläger  3  eingereichten  Fotos  ist  auch  nach  der 

Wundheilung eine Narbe beim linken Jochbein ersichtlich (vgl. Urk. 36/1-2). Es ent-

spricht der Lebenserfahrung, dass eine solche Verletzung mit Schmerzen verbun-

den ist. Es ist auch einfühlbar, dass der Privatkläger 3 durch den Vorfall sowie die 

bleibende Narbe im Gesicht eine seelische Beeinträchtigung erlitt.

3.4.

Im Präjudizienvergleich sowie in Berücksichtigung der konkreten Umstände 

ist  vorliegend  eine  Genugtuung  von  Fr. 3'000.–  angemessen.  In  diesbezüglicher 

Korrektur des vorinstanzlichen Entscheids ist der Beschuldigte indessen in solida-

rischer Haftbarkeit mit allfälligen am Raufhandel Mitbeteiligten zu verpflichten, dem 

Privatkläger Fr. 3'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 24. April 2021 als Genugtuung zu 

bezahlen.

4.

Zivilforderungen der Privatkläger 5, 6, 7 und 8 (B._____, C._____, D._____ 

und E._____)

4.1. Mit den Formularen "Geltendmachung von Rechten als Privatklägerschaft" 

konstituierten sich die Privatkläger 5, 6, 7 und 8 als Straf- und Zivilkläger und mach-

ten  Genugtuungsforderungen  von  Fr. 300.–  (C._____;  Urk. aD2/5/2),  Fr. 200.– 

(B._____; Urk. aD2/5/4), Fr. 200.– (D._____; Urk. aD2/5/6) und Fr. 250.– (E._____; 

Urk. aD2/5/8)  geltend.  Mit  Mail  vom  16.  September  2020  des  Privatklägers  6 

(C._____)  an  den  fallführenden  Staatsanwalt  führte  der  Privatkläger  6  aus,  dass 

anlässlich dieses Einsatzes aufgrund der Bedrohung mittels Messers die Waffe ge-

zogen worden sei und sie – die Polizisten – sich kurz vor einer Schussabgabe be-

- 87 -

funden hätten. Ihr Leben sowie ihre Unversehrtheit sei für sie eindeutig in Gefahr 

gewesen. Der Einsatz sei für sie alle aussergewöhnlich und lange Zeit sehr präsent 

gewesen (Urk. aD2/5/9). 

4.2. Die  Vorinstanz  erwog,  dass  die  Privatkläger  5,  6,  7  und  8  während  ihrer 

Dienstzeit  widerrechtlich  angegriffen  worden  seien  und  ein  solches  Risiko  dem 

Polizeiberuf immanent sei. Vorliegend hätten die Privatkläger letztlich keine Verlet-

zungen davongetragen. In der Erwägung, dass die jeweiligen Beeinträchtigungen 

in  den  persönlichen  Verhältnissen  die  notwendige  Schwere,  die  für  die  Zuspre-

chung einer Genugtuung erforderlich wäre, nicht erreichten, wies die Vorinstanz die 

Genugtuungsbegehren ab (Urk. 68 S. 71).

4.3. Mit  ihrer  Anschlussberufung  liessen  die  Privatkläger  auch  vor  dem  Beru-

fungsgericht ihre Genugtuungsbegehren – zuzüglich 5 % Zinsen seit dem 30. Juni 

2019  –  stellen.  Die  Vertretung  der  Privatkläger  führte  dazu  aus,  dass  auch 

Polizeibeamte sich nicht per se gefallen lassen müssten, während ihrer Dienstzeit 

widerrechtlich  angegriffen  zu  werden.  Der  Angriff  mit  einem  Messer  könne 

potentiell lebensgefährlich sein und stelle kein alltägliches Ereignis im Berufsleben 

dar, sondern sei vielmehr psychisch belastend (Urk. 85 S. 1; Urk. 118 S. 1 f.). 

4.4. Genugtuung  nach  Art.  49  OR  ist  nur  geschuldet,  sofern  die  Schwere  der 

Verletzung es rechtfertigt, und zwar sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hin-

sicht. Ob eine Persönlichkeitsverletzung hinreichend schwer wiegt, hängt weitge-

hend von den Umständen des Einzelfalles ab. Der Eingriff muss aussergewöhnlich 

schwer sein und in seinen Auswirkungen das Mass einer Aufregung oder einer all-

täglichen Sorge klar übersteigen. Es reicht nicht aus, wenn jemand schockiert ist, 

Unannehmlichkeiten  empfindet  oder  einige  Schmerzen  hat.  Erforderlich  sind 

vielmehr physische oder psychische Leiden, verursacht durch eine Verletzung der 

Persönlichkeit,  die  das  Wohlbefinden  beeinträchtigt  (KESSLER-BSK  OR,  7. Aufl., 

Basel 2020, Art. 49 OR N 11, mit weiteren Hinweisen).

4.5. Mit der Vorinstanz kam es zu keiner Verletzung der Polizeibeamten. Aus den 

Genugtuungsbegehren der Privatkläger geht ferner nicht hervor, inwiefern sie auf-

grund der polizeilichen Intervention aussergewöhnliche psychischen Leiden davon-

- 88 -

getragen hätten. Ausserdem ist mit der Vorinstanz – sinngemäss – zu berücksich-

tigen, dass bei Polizeibeamten bei Vorfällen im Zusammenhang mit der Ausübung 

ihres Berufs die Schwelle zur genugtuungsbegründenden Schwere einer Persön-

lichkeitsverletzung  etwas  höher  liegen  muss  als  bei  "Nicht-Behörden  und  Beam-

ten".  Folglich  fehlt  es  an  einer  aussergewöhnlich  schweren  Persönlichkeitsver-

letzung und damit an der Anspruchsgrundlage für die Zusprechung einer Genugtu-

ung. Entsprechend sind die Genugtuungsbegehren der Privatklägers 5, 6, 7 und 8 

auch in zweiter Instanz abzuweisen.

VIII.  Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Entschädigung für das Beschwerdeverfahren gegen die Einstellungs-

verfügung der Staatsanwaltschaft betreffend alt Dossier 2 (UE200346-O)

1.1. Die Privatkläger 5, 6, 7 und 8 beantragen im Rahmen der Anschlussberufung 

die Zusprechung einer Parteientschädigung von Fr. 6'522.75 (gesamthaft oder zu 

je einem Viertel) aus der Gerichtskasse für das Beschwerdeverfahren gegen die 

Einstellungsverfügung  der  Staasanwaltschaft  vom  28.  September  2020  vor  dem 

Obergericht des Kantons Zürich (UE200346-O; vgl. Urk. 85 und Urk. 86/2 Beilage 8 

und Urk. 118 S. 2; so auch im Beschwerdeverfahren UE200346-O, Urk. 5 S. 3 und 

19 und Urk. 6/8).

1.2. Die Beschwerde der Privatkläger 5, 6, 7 und 8 gegen die Einstellungsverfü-

gung  der  Staatsanwaltschaft  vom  28.  September  2020  betreffend  alt  Dossier 2 

wurde  mit  Beschluss  vom  10. Dezember  2021  der  III.  Strafkammer  des  Ober-

gerichts gutgeheissen und die Sache wurde zur neuen Beurteilung an die Staats-

anwaltschaft  zurückgewiesen  (vgl.  Beschwerdeverfahren  UE200346-O,  Urk. 5  [= 

Urk. 86/1]  und  Urk. 11  S. 21).  Ferner  wurde  im  Beschluss  des  Obergerichts  die 

Gerichtsgebühr  auf  Fr. 2'800.–  festgesetzt  und  die  Regelung  der  Kostenauflage 

und  allfälliger  Entschädigungen  dem  Endentscheid  überlassen  (Beschwerdever-

fahren UE200346-O, Urk. 11 S. 22). Im hier angefochtenen vorinstanzlichen Urteil 

wurde  sodann  nicht  über  die  Entschädigungsfolgen  des  Beschwerdeverfahrens 

bzw. die beantragte Parteientschädigung der Privatkläger 5, 6, 7 und 8 befunden.

- 89 -

1.3.

Infolge Gutheissung ihrer Beschwerde besteht ein Entschädigungsanspruch 

der Privatkläger (vgl. Art. 436 Abs. 1 StPO). Für ihre Aufwendungen im Beschwer-

deverfahren  verlangen  die  Privatkläger  eine  Prozessentschädigung  von 

Fr. 6'522.75  (gesamthaft  oder  zu  je  einem  Viertel;  vgl.  Urk. 85  S.  3  und  19  und 

Urk. 86/2 Beilage 8 = Beschwerdeverfahren UE200346-O, Urk. 5 S. 3 und 19 und 

Urk. 6/8).  Die  Aufwendungen  sind  ausgewiesen  und  angemessen,  weshalb  den 

Privatklägern  5,  6,  7  und  8  für  das  Beschwerdeverfahren  antragsgemäss  eine 

Prozessentschädigung von gesamthaft Fr. 6'522.75 (inkl. Barauslagen und MwSt.) 

aus der Gerichtskasse zuzusprechen ist.

2.

Kosten- und Entschädigungsfolgen im erstinstanzlichen Verfahren

2.1. Wie bereits ausgeführt, ist die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Disposi-

tivziffer 21) in Rechtskraft erwachsen (vgl. voranstehend in E. I.2.2.). 

2.2. Ausgangsgemäss sind die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen 

Verfahrens grundsätzlich dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 StPO).

Davon  ausgenommen  sind  einerseits  die  Kosten  der  amtlichen  Verteidigungen 

sowie der unentgeltlichen Vertretungen der Privatkläger 1 und 3, welche einstwei-

len  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen  sind.  Den  Beschuldigten  trifft  unter  den 

Voraussetzungen von Art. 135 aAbs. 4 StPO eine Rückzahlungspflicht. 

Andererseits ist die Gerichtsgebühr des Beschwerdeverfahrens (UE200346-O) in 

Höhe  von  Fr. 2'800.–  auf  die  Gerichtskasse  zu  nehmen.  Dass  die  Staatsanwalt-

schaft alt Dossier 2 ursprünglich einstellen wollte und die Privatkläger 5, 6, 7 und 8 

mit ihrer Beschwerde gegen die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft vom 

28. September  2020  vor  Obergericht  obsiegten,  hat  nicht  der  Beschuldigte  zu 

tragen.

3.

Kostenfolgen im Berufungsverfahren

3.1. Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 5'000.– zu veranschlagen (Art. 424 Abs. 1 

StPO  in  Verbindung  mit  § 16  Abs. 1  und  § 14  der  Gebührenverordnung  des 

Obergerichts).  Die  Kosten  im  Rechtsmittelverfahren  tragen  die  Parteien  nach 

- 90 -

Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine 

Partei  im  Rechtsmittelverfahren  als  obsiegend  oder  unterliegend  gilt,  hängt 

davon ab, in welchem Ausmass ihre vor Beschwerdeinstanz bzw. Berufungsge-

richt  gestellten  Anträge  gutgeheissen  wurden  (DOMEISEN-BSK  StPO/JStPO, 

a.a.O., Art. 428 StPO N 6).

3.2. Der Beschuldigte strebte mit seiner Berufung einen Freispruch von den Vor-

würfen gemäss Dossier 1 und 2 sowie alt Dossier 2 und 3 an. Der Beschuldigte 

unterliegt im Berufungsverfahren abgesehen vom – einzig dem Zeitablauf geschul-

deten – Verzicht auf den Widerruf der bedingten Geldstrafe mit sämtlichen Anträ-

gen (betreffend Freispruch, Sanktion, Massnahme, Landesverweisung, Zivilforde-

rungen und Kostenauflage) vollumfänglich. Die Staatsanwaltschaft unterliegt mit ih-

rem  Antrag  auf  einen  Schuldspruch  wegen  Angriffs  anstatt  wegen  Raufhandels 

(Dossier 2). Die Privatkläger 5, 6, 7 und 8 unterliegen mit ihrem Antrag in Bezug 

auf ihre Genugtuungsforderungen, obsiegen hingegen mit ihren Anträgen auf einen 

Schuldspruch  wegen  Gewalt  und  Drohung  gegen  Beamte  und  Behörden  (alt 

Dossier 2) sowie auf Zusprechung einer Parteientschädigung für das Beschwerde-

verfahren. In der Gesamtbetrachtung und in Gewichtung der jeweils erstandenen 

gerichtlichen Aufwendungen erscheint es gerechtfertigt, mit Ausnahme der Kosten 

der amtlichen Verteidigung, die Kosten zu 5/6 dem Beschuldigten und zu 1/6 auf 

die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO).

Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren sind zu 5/6 einstwei-

len und zu 1/6 definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Eine allfällige Rückzah-

lungspflicht  des  Beschuldigten  im  Umfang  von  5/6  bleibt  vorbehalten  (Art. 135 

aAbs. 4 StPO; Art. 453 StPO).

3.3. Die amtliche Verteidigung macht im Berufungsverfahren einen Aufwand von 

Fr. 13'554.95  (inkl.  Barauslagen  und  MwSt.)  geltend,  was  ausgewiesen  ist  und 

angemessen erscheint (Urk. 127). Unter Berücksichtigung der tatsächlichen Dauer 

der Berufungsverhandlung rechtfertigt es sich, Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ für 

seine Aufwendungen im Berufungsverfahren gesamthaft mit pauschal Fr. 14'000.– 

(inkl. Barauslagen und MwSt.) zu entschädigen.

- 91 -

3.4. Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____ beantragt für die Privatkläger 5, 6, 7 und 8 

die Zusprechung einer angemessenen Parteientschädigung für die Vertretung im 

Berufungsverfahren (Urk. 118 S. 2 f.). Gemäss Art. 433 Abs. 2 StPO hat die Privat-

klägerschaft ihre Entschädigungsforderung bei der Strafbehörde zu beantragen, zu 

beziffern und zu belegen. Kommt sie dieser Pflicht nicht nach, so tritt die Strafbe-

hörde  auf  den  Antrag  nicht  ein.  Mangels  Bezifferung  und  Belegung  ist  auf  den 

Antrag der Privatkläger 5, 6, 7 und 8 auf Zusprechung einer Prozessentschädigung 

für das Berufungsverfahren nicht einzutreten.

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 8. Abteilung, 

vom 6. September 2023 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

1.

Das Verfahren wird bezüglich des Vorwurfs der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB 

eingestellt.

2.

Der Beschuldigte ist schuldig

























(…)

(…)

der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB,

(…)

(…)

(…)

des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB,

(…)

der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB,

der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a 

WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. c WG,

des Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG sowie

der vorsätzlichen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1 

SVG.

- 92 -

3.-9.

(…)

10.

Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände werden dem Beschuldigten nach 

Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides auf erstes Verlangen hin herausgegeben, 

sofern sie dem Beschuldigten nicht bereits ausgehändigt wurden, oder nach Ablauf 

von 3 Monaten der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen:















Schuhe "Nike Tn Air" (Asservat Nr. A015'281'591)

Schwarzes T-Shirt (Asservat Nr. A015'281'626)

Blaue Jeanshose (Asservat Nr. A015'281'648)

Kleider (Asservat Nr. A014'950'711)

Kleider (Asservat-Nr. A013'796'275)

Jeanshose mit Gürtel (Asservat-Nr. A013'796'297)

Gelbes T-Shirt (Asservat-Nr. A013'796'300)

11.

Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände werden dem Privatkläger 1 (F._____) 

nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides auf erstes Verlangen hin herausge-

geben, sofern sie diesem nicht bereits ausgehändigt wurden, oder nach Ablauf von 3 

Monaten der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen:







Weisse Turnschuhe (Asservat Nr. A015'278'725)

Blaue Jeanshose (Asservat Nr. A015'278'736)

Blaue Fleecejacke (Asservat Nr. A015'278'747)

12.

Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände werden der Lagerbehörde zur Ver-

nichtung überlassen:

















Besteckmesser (Asservat Nr. A012'772'202)

Stein Nr. 1 (Asservat Nr. A012'664'276)

Stein Nr. 2 (Asservat Nr. A012'664'287)

Stein Nr. 3 (Asservat Nr. A012'664'298)

Stein Nr. 4 (Asservat Nr. A012'664'301)

Stein Nr. 5 (Asservat Nr. A012'664'312)

Stein Nr. 6 (Asservat Nr. A012'664'334)

zerbrochene Glasflasche/Scherben (Asservat Nr. A013'796'253)

13.

Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 7. Dezember 

2022 beschlagnahmte Neck-Knife "Albainox" (Asservat-Nr. A015'281'433) sowie das 

mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 7. Dezember 2022 

beschlagnahmte Messer (Asservat-Nr. A015'058'829) werden eingezogen und dem 

Forensischen Institut Zürich (FOR) zur gutscheinenden Verwendung überlassen.

14.

(...)

- 93 -

15.

Der Privatkläger 13 (G._____) wird mit seinem Schadenersatz- und Genugtuungsbe-

gehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

16.-18. (…)

19.

Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, der Privatklägerin 11 

(I._____) CHF 200.– als Genugtuung zu bezahlen.

20.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 12 (J._____) CHF 1'500.– als 

Genugtuung zu bezahlen.

21.

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

10'000.–

; die weiteren Kosten betragen:

6'000.–

Gebühr für das Vorverfahren;

42'146.90

Auslagen Polizei / IRM & FOR / Externe;

2'800.–

Gerichtsgebühr Beschwerdeverfahren (UE200346-O);

43'785.–

Entschädigung amtliche Verteidigung (RA X1._____);

592.35

Entschädigung amtliche Verteidigung (RA X2._____);

25'577.90

Entschädigung amtliche Verteidigung (RA X2._____);

366.65

Entschädigung amtliche Verteidigung (RA X3._____);

5'124.25

Entschädigung Rechtsbeiständin Privatkläger 1;

3'002.50

Entschädigung Rechtsbeistand Privatkläger 3.

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

22.

(…)

23.

(Mitteilungen)

24.

(Rechtsmittel)

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil und 

an die Privatklägerin 11 (I._____), den Privatkläger 12 (J._____) und den 

Privatkläger 13 (G._____) im Auszug des Beschlusses.

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist zudem schuldig

- 94 -













der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von 

aArt. 122 Abs. 1 und 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB

des räuberischen Diebstahls im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB 

des Raufhandels im Sinne von Art. 133 StGB

der mehrfachen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im 

Sinne von aArt. 285 Ziff. 1 StGB

der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB 

der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 

StGB.

2.

Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 28. Januar 

2018 ausgefällte bedingte Vollzug der Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 

Fr. 30.– wird nicht widerrufen.

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 63 Monaten Freiheitsstrafe (wovon insge-

samt 1'193 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Straf- bzw. 

Massnahmenantritt erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe von 

15 Tagessätzen zu Fr. 10.– und – als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug vom 19. Oktober 2021 – mit einer 

Busse von Fr. 300.–.

4.

5.

Die Freiheits- und Geldstrafe werden vollzogen.

Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.

6.

Von der Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene (Art. 61 StGB) 

sowie einer ambulanten Suchtbehandlung (Art. 63 StGB) wird abgesehen.

7.

Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 8 Jahre des Landes 

verwiesen.

8.

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufent-

haltsverweigerung) im Schengener Informationssystem angeordnet.

- 95 -

9.

Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers 1 (F._____) für zahnärztliche 

Behandlungen in Höhe von Fr. 1'717.40 zuzüglich 5 % Zins ab 7. August 

2021 wird abgewiesen.

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte im Übrigen gegenüber dem 

Privatkläger 1 (F._____) aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze 

nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des 

Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger 1 auf den Weg des Zivilpro-

zesses verwiesen.

10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 (F._____) Fr. 8'000.– 

zuzüglich 5 % Zins ab 7. August 2021 als Genugtuung zu bezahlen.

11. Der Beschuldigte wird solidarisch mit allfälligen am Raufhandel Mitbeteilig-

ten (Dossier 2) verpflichtet, dem Privatkläger 3 (H._____) Fr. 3'000.– zuzüg-

lich 5 % Zins ab 24. April 2021 als Genugtuung zu bezahlen.

12. Die Genugtuungsbegehren der Privatkläger 5, 6, 7 und 8 (B._____, 

C._____, D._____ und E._____) werden abgewiesen.

13. Den Privatklägern 5, 6, 7 und 8 (B._____, C._____, D._____ und E._____) 

wird für das Beschwerdeverfahren (UE200346-O) eine Prozessentschädi-

gung von gesamthaft Fr. 6'522.75 (inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der 

Gerichtskasse zugesprochen.

14. a)

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-

nommen diejenigen der amtlichen Verteidigungen, der unentgeltlichen Ver-

tretungen der Privatkläger 1 und 3 sowie der Gerichtsgebühr von Fr. 2'800.– 

für das Beschwerdeverfahren (UE200346-O), werden dem Beschuldigten 

auferlegt.

b)

Die Kosten der amtlichen Verteidigungen sowie der unentgeltlichen 

Vertretungen der Privatklägerschaft werden einstweilen auf die Gerichts-

kasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt 

gemäss Art. 135 aAbs. 4 StPO vorbehalten.

- 96 -

c)

Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'800.– für das Beschwerdeverfahren 

(UE200346-O) wird auf die Gerichtskasse genommen.

15. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

5'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

14'000.–

  amtliche Verteidigung (pauschal, inkl. Barauslagen und 
  MwSt.).

16. a)

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der 

amtlichen Verteidigung, werden zu 5/6 dem Beschuldigten auferlegt und zu 

1/6 auf die Gerichtskasse genommen. 

b)

Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden zu 5/6 einstweilen und 

zu 1/6 definitiv auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht 

des Beschuldigten bleibt gemäss Art. 135 aAbs. 4 StPO im Umfang von 5/6 

vorbehalten.

17. Auf den Antrag der Privatkläger 5, 6, 7 und 8 (B._____, C._____, D._____ 

und E._____) auf Zusprechung einer Prozessentschädigung für das Beru-

fungsverfahren wird nicht eingetreten.

18. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an















die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (übergeben)

die Vertretung der Privatkläger 5-8 (B._____, C._____, D._____ und 
E._____) für sich und zuhanden der Privatkläger 5-8 (versandt)

den Privatkläger 1 (F._____) (versandt)

die Vertretung des Privatklägers 3 (H._____) für sich und zuhanden 
des Privatklägers 3 (versandt)

den Justizvollzug und Wiedereingliederung des Kantons Zürich, 
Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste (unter Beilage einer Kopie 
der Haftverfügung; versandt)

das Migrationsamt des Kantons Zürich (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an

- 97 -













die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich

die Vertretung der Privatkläger 5-8 (B._____, C._____, D._____ und 
E._____) für sich und zuhanden der Privatkläger 5-8

den Privatkläger 1 (F._____) 

die Vertretung des Privatklägers 3 (H._____) für sich und zuhanden 
des Privatklägers 3

das Bundesamt für Polizei, Bundeskriminalpolizei

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an





















die Vorinstanz

den Justizvollzug und Wiedereingliederung des Kantons Zürich, 
Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste 

das Migrationsamt des Kantons Zürich 

die Sicherheitsdirektion des Kantons Zürich

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A und Formular B

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks 
Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten

die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, in die Untersuchungsakten 
Nr. …

das Obergericht des Kantons Zürich, III. Strafkammer, in die Akten 
UE200346-O

das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Administrativmassnah-
men, PIN Nr. …

AO._____ AG, Referenz …, Dossier-Nr. ….

19. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschrie-

benen Weise schriftlich einzureichen.

- 98 -

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 13. Februar 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. M. Langmeier

MLaw A. Sieber