# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5493b743-191d-554a-880e-638744dec36c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-07-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.07.2008 D-4267/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4267-2008_2008-07-18.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4267/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 8 .  J u l i  2 0 0 8

Richter Daniel Schmid (Vorsitz), 
Richterin Christa Luterbacher, 
Richter Robert Galliker;
Gerichtsschreiberin Milva Franceschi.

A. _______, geboren (...),
Algerien, zurzeit im Transitbereich des Flughafens 
Zürich-Kloten,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
18. Juni 2008 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4267/2008

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge den Heimat-
staat am 22. Mai 2008. Am 29. Mai 2008 kam er am Flughafen Zürich-
Kloten an,  wo er  im Transitbereich  am 30. Mai  2008 um Asyl  nach-
suchte. 

B.
Mit  Zwischenverfügung des BFM vom 30. Mai  2008 wurde dem Be-
schwerdeführer  die  Einreise  in  die  Schweiz  vorläufig  verweigert;  er 
wurde  gemäss  Art. 22  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG, 
SR 142.31) dem Transit des Flughafens Zürich-Kloten zugewiesen.

C.
Am 3. Juni 2008 fand die summarische Befragung statt. Die Bundesan-
hörung gemäss Art. 29 Abs. 4 AsylG erfolgte am 5. Juni 2008.

Im  Wesentlichen  machte  der  minderjährige  Beschwerdeführer  –  ein 
Kabyle aus  B._______ – geltend,  er  habe mit  seiner  Mutter,  seinen 
Onkeln  C._______ und  D._______ sowie  einer  älteren  Frau  das 
Elternhaus  seines  verstorbenen  Grossvaters  bewohnt.  Der  Onkel 
C._______ habe seine Mutter oft geschlagen. Im Jahre 2002 habe der 
Onkel C._______ Waffen und Plastikbärte in einer Tasche nach Hause 
gebracht, weshalb er (der Beschwerdeführer) seinen Onkel im lokalen 
Armeebüro  angezeigt  habe.  Militärangehörige  hätten  daraufhin  das 
Haus durchsucht, der Onkel sei jedoch rechtzeitig mit den Waffen und 
den Plastikbärten verschwunden, weshalb das Militär nichts gefunden 
habe. Ein Monat  später  sei  der Onkel  zurückgekommen,  weshalb er 
(der Beschwerdeführer) erneut das Militär informiert habe. Sein Onkel 
C._______ habe ihn als Verräter beschimpft, Drohungen ausgestossen 
und bis  zur  Bewusstlosigkeit  brutal  zusammengeschlagen,  wovon er 
Gesichtsverletzungen, mehrere gebrochene Rippen, innere Blutungen 
und einen gebrochenen Arm davongetragen habe. Seine Mutter habe 
ihn ins Spital gebracht, wo er ungefähr drei Monate behandelt worden 
sei.  Anschliessend  sei  er  über  längere  Zeit  noch  zu  Hause  weiter 
gepflegt worden, weshalb er insgesamt ein Schuljahr verpasst habe. 
Der Onkel habe ihn für tot gehalten. In der Folge habe er den Onkel 
C._______ nicht mehr gesehen. Der Beschwerdeführer vermutet, dass 
der Onkel Kontakte zu Militärkreisen habe, welche ihn rechtzeitig über 
das  Eintreffen  der  Soldaten  informiert  hätten.  Im  Dorf  sei  erzählt 

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worden,  dass  der  Onkel  einer  kleinen  terroristischen  Gruppe 
angehöre.

Ungefähr zwei Jahre später, im Jahr 2003/2004 habe seine Mutter mit 
ihm fluchtartig das Haus Richtung Marokko verlassen, weil sie Angst 
um ihn habe und in Marokko "jemand auf sie warten" würde. Er habe 
jedoch  nicht  nach  Marokko  gehen  wollen,  weshalb  er  seine  Mutter 
noch  in  Algerien  verlassen  habe. Letztmals  habe  er  im  Jahre  2006 
über einen Nachbarn von seiner Mutter erfahren. Dieser Nachbar wie-
derum  habe  vom  Onkel  D._______ gehört,  dass  seine  Mutter  in 
E._______ lebe.  Er  (der  Beschwerdeführer)  habe  somit  seit  Anfang 
2005  in  F._______ gelebt  und  zeitweise  an  Tankstellen  gearbeitet. 
Teilweise  habe  er  in  der  Métro  übernachtet.  G._______,  eigenen 
Angaben zufolge ein Freund des Bruders des Beschwerdeführers, ist 
zusammen mit ihm in die Schweiz geflogen.

D.
Die Vorinstanz stellte mit Verfügung vom 18. Juni 2008 – gleichentags 
eröffnet – fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 
nicht und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte sie die Weg-
weisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den 
Wegweisungsvollzug an. Auf die Begründung wird, soweit für den Ent-
scheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

E.
Mit Eingabe vom 25. Juni 2008 an das Bundesverwaltungsgericht er-
hob der Beschwerdeführer sinngemäss gegen den angeordenten Voll-
zug der Wegweisung Beschwerde. Der Beschwerde lag eine Kopie sei-
nes Geburtsregisterauszugs vom September 2003 bei. Auf die Begrün-
dung wird,  soweit  für  den Entscheid wesentlich,  in  den Erwägungen 
eingegangen.

F.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Juni 2008 verzichtete das Bundesver-
waltungsgericht auf das Erheben eines Kostenvorschusses und lud die 
Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.

G.
Das Bundesamt hielt in der Vernehmlassung vom 3. Juli 2008 an sei-
ner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Auf 
die Stellungnahme wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den 
Erwägungen eingegangen.

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H.
Am 11. Juli 2008 reichte der Beschwerdeführer fristgerecht seine Rep-
lik ein. Auf diese wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen 
eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesge-
setzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach 
Art. 33 VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwal-
tungsgerichts. Eine das  Sachgebiet  betreffende Ausnahme im Sinne 
von  Art.  32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist 
daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art.  106  Abs. 1 
AsylG).

2.
2.1 Vorab  ist  die  Frage  der  Prozessfähigkeit  als  Sachurteilsvoraus-
setzung von Amtes wegen zu prüfen (vgl.  FRITZ GYGI,  Bundesverwal-
tungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 73). Seinen Angaben zufolge 
ist  der  Beschwerdeführer  am  (...)  geboren;  bei  Einreichung  der 
Beschwerde am 25. Juni  2008  war  er  daher  [...]  noch  minderjährig, 
was  vom BFM lediglich  mit  der  Begründung,  der  Beschwerdeführer 
habe keine Identitätspapiere abgegeben,  in  Zweifel  gezogen worden 
ist.  Nichtsdestotrotz  ordnete  die  Vorinstanz  dem  Beschwerdeführer 
eine  Vertrauensperson  im  Sinne  von  Art.  17  Abs. 3  AsylG  bei  (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  /  EMARK  1999  Nr.  2  und  1998  Nr.  13)  und 
übernahm im Rubrum ihres Entscheids tel quel die Altersangaben des 
Beschwerdeführers.  Aufgrund  der  gesamten  Aktenlage  hat  das 

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Bundesverwaltungsgericht keinen Anlass, an der Minderjährigkeit des 
Beschwerdeführers zu zweifeln.

2.2 Ferner  darf  aufgrund der  Aktenlage für  das vorliegende Rekurs-
verfahren die Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers und damit seine 
zivilrechtliche Handlungsfähigkeit (Art. 12 ff. des Schweizerischen Zi-
vilgesetzbuches  vom 10. Dezember  1907  [ZGB,  SR 210])  wie  auch 
seine  verfahrensrechtliche  Prozessfähigkeit  bejaht  werden  (zur  Pro-
zessfähigkeit des beschränkt handlungsfähigen Unmündigen vgl. FRITZ 
GYGI,  a.a.O.,  S.  180;  PETER SALADIN,  Das  Verwaltungsverfahrensrecht 
des Bundes,  Bern  1979,  S. 88  f.;  ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER,  Verwal-
tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zü-
rich 1998, S. 94; die Anwendbarkeit  des Schweizerischen Rechts er-
gibt  sich aus Art. 35 in  Verbindung mit  Art. 20 des Bundesgesetzes 
über das internationale Privatrecht [IPRG, SR 291]). Nach dem Gesag-
ten ist der Beschwerdeführer legitimiert; auf die frist- und formgerecht 
eingereichte  Beschwerde  ist  einzutreten  (Art.  108  Abs.  2  AsylG; 
Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 52 ff. VwVG).

2.3 Der  Beschwerdeführer  anerkennt  in  seiner  Beschwerde  vom 
25. Juni 2008, dass seine Vorbringen keine Asylgründe darstellen ("... 
je sais que la misère que j'ai  passé s'est pas une raison pour avoir 
l'asile ici en Suisse"). Damit richtet sich die Beschwerde sinngemäss 
ausschliesslich gegen den Vollzug der Wegweisung und die Verfügung 
des BFM vom 18. Juni 2008 ist – soweit sie die Frage der Flüchtlings-
eigenschaft, der Asylgewährung und der Anordnung der Wegweisung 
als  solche betrifft  (Ziff. 1-3 des Dispositivs  der  angefochtenen Verfü-
gung)  –  in  Rechtskraft  erwachsen. Gegenstand des Beschwerdever-
fahrens bildet  daher lediglich die Frage, ob der Wegweisungsvollzug 
zu Recht angeordnet wurde,

3.
3.1 Die Vorinstanz führt zur Begründung ihres ablehnenden Entschei-
des im Wesentlichen aus, die Militärbehörde sei beide Male den Anzei-
gen  des  Beschwerdeführers  bezüglich  den  Anschuldigungen  gegen-
über seinem Onkel nachgegangen und habe eine Untersuchung ein-
geleitet. Es könne den Behörden somit weder mangelnder Schutzwille 
noch die Unfähigkeit, Schutz zu gewähren, vorgeworfen werden. Wei-
ter habe der Beschwerdeführer seine Heimat aus Furcht vor seinem 
Onkel verlassen, obwohl er ihn seit dem Jahre 2002 nicht mehr gese-
hen habe,  da dieser nach dem Spitalaufenthalt  des Beschwerdefüh-

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rers nicht mehr ins Haus zurückgekehrt sei. Die Ausreise aus Algerien 
sei erst im Mai 2008 erfolgt, also sechs Jahre nach den Vorkommnis-
sen,  aufgrund  derer  sich  der  Beschwerdeführer  vor  seinem  Onkel 
fürchte. Somit  sei  weder  der  zeitliche noch der  kausale  Zusammen-
hang zwischen den Ereignissen im Jahre 2002 und der jetzigen Aus-
reise gegeben. Die Vorbringen des Beschwerdeführers, das Leben sei 
in Algier sehr hart  gewesen, da er keinen festen Arbeitsplatz gehabt 
habe,  würden  sich  auf  die  allgemeine  wirtschaftliche  und  soziale 
Situation in Algerien beziehen, welche keine Asylrelevanz entfalte.

3.2 In  der  Beschwerde  führt  der  Beschwerdeführer  aus,  die  Armee 
habe nichts  zu  seinem Schutz  und demjenigen seiner  Mutter  unter-
nommen. Sie habe keine Untersuchung aufgrund seiner Anzeige ein-
leiten  wollen. Im Jahre  2003 sei  er  wieder  in  die  Schule  gegangen. 
Eines Tages habe seine Mutter mit ihm fluchtartig das Haus verlassen, 
da sein Onkel angeblich wieder nach Hause komme. Er habe sich je-
doch auf dem Weg nach Marokko von seiner Mutter getrennt und sei 
nach F._______ gegangen, wo er fünf Jahre gelebt habe, währenddem 
er schwarz gearbeitet und immer wieder – aufgrund seiner Angst vor 
dem  Onkel  –  umgezogen  sei.  Sein  Onkel  habe  überall  in  Algerien 
Kontakte. Im Jahre 2006 habe er von einem Nachbarn in  B._______ 
telefonisch erfahren, dass ihn sein Onkel nach wie vor suche und ihn 
töten wolle. Er wisse, dass seine Vorbringen keine Asylgründe für die 
Schweiz  darstellten.  Zum  Nachweis  seiner  Identität  habe  er  sein 
Möglichstes  unternommen.  Seine  Mutter,  bei  welcher  sich  das 
Familienbüchlein  befinde,  sei  in  E._______ (Marokko);  er  habe  seit 
dem  Jahre  2006  nichts  mehr  über  sie  erfahren.  Mit  Hilfe  eines 
Freundes  namens  H._______ sei  er  zur  nun  eingereichten  Kopie 
seines  Geburtsregisterauszugs  gekommen,  welcher  in  seiner  alten 
Schule archiviert sei.

3.3 Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung die Abweisung 
der Beschwerde. Die vom Beschwerdeführer nachgereichte Faxkopie 
seines Geburtsregisterauszugs, welche keinerlei Bildnachweis enthal-
te, entspreche keinem rechtsgenüglichen Identitätsnachweis. Die Iden-
tität und damit auch die angebliche Minderjährigkeit seien somit wei-
terhin nicht belegt.

3.4 In seiner Replik erklärt  der Beschwerdeführer, dass er nie einen 
Identitätsausweis oder einen Reisepass besessen habe, was er im Üb-
rigen anlässlich der Anhörung dargelegt habe. Seine Mutter habe ihn 

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im Jahre 2004 von zu Hause in B._______ nach Marokko bringen wol-
len, weil er sich in erheblicher Lebensgefahr befunden habe. Im ersten 
Interview habe ihn die Polizei angefragt, ob er damit einverstanden sei, 
dass man sein Alter medizinisch überprüfe. Er sei nach wie vor mit die-
sem Vorgehen einverstanden, damit sein Alter nachgewiesen werden 
könne.

4.
4.1
Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord-
net den Vollzug an; dabei ist der Grundsatz der Einheit der Familie zu 
berücksichtigen (Art. 44 Abs. 1 AsylG). Ist der Vollzug der Wegweisung 
nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zumutbar, so regelt das Bun-
desamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestim-
mungen  über  die  vorläufige  Aufnahme von Ausländern  (Art.  83  des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20) ).

4.2 Die Asylbehörden haben bei unbegleiteten Minderjährigen im Rah-
men der Sachverhaltsabklärungen – zu welchen auch die Anhörungen 
respektive Angaben des Betreffenden gehören – abzuklären,  welche 
Situation  sich  für  einen  unbegleiteten  Minderjährigen  im  Falle  der 
Rückkehr realistischerweise ergeben könnte. In der Praxis ist deshalb 
nicht nur abzuklären, ob das Kind respektive der unbegleitete Minder-
jährige im Falle der Rückkehr in den Heimat- oder Herkunftsstaat im 
Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG konkret gefährdet wäre, sondern auch, 
ob er zu seinen Eltern oder anderen Angehörigen zurückgeführt wer-
den kann, und ob diese in der Lage sind, seine (dem Alter, der physi-
schen und psychischen Verfassung, der Herkunft etc.) entsprechenden 
Bedürfnisse abzudecken. Können die Angehörigen nicht ausfindig ge-
macht werden oder ergibt sich, dass die Rückkehr zu diesen dem Kin-
deswohl nicht entspricht, ist weiter abzuklären, ob das Kind in der Hei-
mat allenfalls in einer geeigneten Anstalt oder bei einer Drittperson un-
tergebracht werden kann (vgl. EMARK 1998 Nr. 13 E. 5.e/bb; EMARK 
1999 Nr. 2 E. 6b und c).

4.3 Das BFM hielt  in  der  angefochtenen  Verfügung  und  in  der  Ver-
nehmlassung bezüglich des Wegweisungsvollzuges fest, dass der Be-
schwerdeführer minderjährig sei, habe er bis heute nicht nachgewie-
sen.  Er  habe  über  mehrere  Jahre  alleine  in  F._______ gelebt  und 

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gearbeitet.  Sowohl  in  B._______ als  auch  in  F._______ verfüge  er 
über ein familiäres Beziehungsnetz, lebten doch ein Onkel und seine 
Schwester in der  I._______ und ein weiterer Onkel in  F._______. Es 
sei dem Beschwerdeführer zuzumuten, mit seinen Verwandten Kontakt 
aufzunehmen, auch wenn solcher über mehrere Jahre nicht mehr be-
standen habe. Dasselbe gelte für die Kontaktaufnahme mit seiner Mut-
ter in Marokko mit Hilfe seines Onkels. Ausserdem habe er laut seinen 
Angaben  eine  Verlobte  in  F._______,  mit  welcher  er  auch  von  der 
Schweiz aus in Kontakt stehe.

5.
5.1 Inwiefern der etwas mehr als (...)-jährige Minderjährige nach sei-
ner Rückkehr  effektiv  unter  die Obhut  eines Familienmitgliedes oder 
einer besonderen Institution genommen werden kann, wurde vom BFM 
nicht geprüft. Dieses hat – wie bereits erwähnt – lediglich ausgeführt, 
der  Beschwerdeführer  verfüge  über  ein  familiäres  Beziehungsnetz, 
und es sei ihm zuzumuten, mit seinen Verwandten Kontakt aufzuneh-
men.

5.2 Nachfolgend ist somit näher auf die Tragfähigkeit des Beziehungs-
netzes des Beschwerdeführers in seinem Heimatland und die Möglich-
keit einer Kontaktaufnahme mit den Verwandten einzugehen.

5.2.1 Der Vater des Beschwerdeführers ist verstorben, als dieser zwei 
Jahre alt war (A9/2). Seine Mutter hat ihm "auf der Flucht" mitgeteilt, 
sie gehe nach  E._______, Marokko (A9/6; A15/5). Im Jahre 2006 hat 
der  Beschwerdeführer  zudem  über  einen  Nachbarn  in  B._______ 
erfahren,  dass seine Mutter  mit  seinem Onkel  D._______ telefoniert 
habe (A15/5). Seine Schwester wohnt zusammen mit ihrem Ehemann 
in der Nähe von B._______ (A9/5). Aufgrund des Brauches in Algerien 
und dem angeblich  schwierigen  Ehemann seiner  Schwester  hat  der 
Beschwerdeführer  seit  dem Jahre 2004 keinen Kontakt  mehr  mit  ihr 
(A15/4).  Weiter  hat  der  Beschwerdeführer  einen  Bruder  namens 
J._______,  welchen  er  das  letzte  Mal  im  Jahre  2001  gesehen  hat 
(A9/10).  Der  Beschwerdeführer  und  seine  Mutter  hätten  erfolglos 
versucht,  J._______ zu finden (A15/6). Damals  habe der  Bruder  an 
einer  Demonstration  für  die  Rechte  der  Kabylen  teilgenommen.  Es 
habe viele Tote gegeben und viele würden immer noch vermisst. Es 
sei unklar, ob der Bruder noch am Leben sei oder nicht (A9/5; A9/10). 
K._______,  ein  Onkel  väterlicherseits  des  Beschwerdeführers  habe 
keinen festen Wohnsitz (A15/6). Da bereits sein Vater mit  K._______ 

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Probleme  gehabt  habe,  habe  er  diesen  Onkel  nie  kennengelernt 
(A9/6). Die vom BFM erwähnte „Verlobte“ beziehungsweise Freundin 
des  Beschwerdeführers  ist  ihrerseits  offenbar  ebenfalls  noch 
minderjährig und noch jünger als der Beschwerdeführer (A9/8).

Diesen Ausführungen ist  zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer 
mit den bis hier aufgeführten Verwandten seit mehreren Jahren keinen 
Kontakt  mehr  hatte.  Ob  es  dem  minderjährigen  Beschwerdeführer 
möglich respektive zuzumuten ist, in Kontakt mit diesen Verwandten zu 
treten, erscheint zumindest höchst zweifelhaft.

5.2.2 Zu prüfen ist sodann, ob es dem Beschwerdeführer zuzumuten 
ist, sich an die Brüder seiner Mutter, nämlich an die Onkel D._______ 
und  C._______ zu  wenden,  welche  im  Haus  der  Familie  mütterli-
cherseits in B._______ wohnhaft sind. Mit ihnen und seiner Mutter zu-
sammen wohnte er bis zu seinem Weggang nach F._______ im Jahre 
2004, also auch noch nach seinem Spitalaufenthalt.

In  Bezug  auf  den  Onkel  C._______ macht  der  Beschwerdeführer 
geltend, er sei von diesem im Jahre 2002 brutal zusammengeschlagen 
worden  und  habe  dabei  Gesichtsverletzungen,  mehrere  gebrochene 
Rippen, innere Blutungen und einen gebrochenen Arm davongetragen. 
Vom Nachbarn  in  B._______ habe  er  erfahren,  dass  ihn  der  Onkel 
C._______ umbringen  werde,  falls  sie  sich  wieder  sehen  würden 
(A15/11). Er sei nach F._______ gegangen, weil er Angst vor seinem 
Onkel habe (A9/8; A9/10; A15/12 u.a.). Damit ihn dieser nicht finde, sei 
er immer wieder umgezogen (A9/10). Er habe dem Onkel  D._______ 
keine Adresse angegeben, weil er sich vor ihm auch fürchte. 

Die Vorinstanz hat diese Vorbringen – insbesondere die Behelligungen 
durch  den  Onkel  (C._______)  –  weder  als  unglaubhaft  bezeichnet 
noch sonst irgendwie in Zweifel gezogen. Sie hat diesbezüglich einzig 
ausgeführt,  der  Beschwerdeführer  könne  sich  an  die  heimatlichen 
Behörden  wenden,  denen  weder  mangelnder  Schutzwille  noch 
Unfähigkeit Schutz zu gewähren vorgeworfen werden könne.

Aufgrund der Aktenlage fiele als erstes eine Rückkehr des Beschwer-
deführers  in  die  Obhut  seines  Onkels D._______ im  Haus  in 
B._______ in  Betracht.  Ob  dieser  indes  in  der  Lage  wäre,  den 
Beschwerdeführer  altersgerecht  zu  betreuen  und  ihn  allenfalls  vor 
allfälligen  weiteren  Bedrohungen  oder  Behelligungen  des  andern 

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Onkels  (C._______)  zu  schützen –  welcher  grundsätzlich  im selben 
Haus  wohnhaft  sein  soll  –,  ist  aufgrund  der  speziellen  familiären 
Situation  respektive  der  bisher  getätigten  Sachverhaltsermittlungen 
höchst ungewiss.

5.3 Bei dieser Sachlage kann das BFM den (...)-jährigen Beschwer-
deführer nicht  ohne weiteres an sein familiäres Netz im Heimatstaat 
verweisen, ohne weiter abzuklären, ob dieses auch tatsächlich tragfä-
hig im Sinne  des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die 
Rechte  des  Kindes (SR 0.107)  und der  oben erwähnten Rechtspre-
chung  ist.  Der  diesbezügliche  Sachverhalt  ist  mithin  ungenügend 
respektive  unvollständig  erstellt.  Somit  wurde der  von Amtes wegen 
anzuwendende Untersuchungsgrundsatz gemäss Art. 12 VwVG i.V.m. 
Art. 6 AsylG von der Vorinstanz verletzt.

6.
6.1 Die asylrechtliche Beschwerde ist  vom Grundsatz her reformato-
risch  ausgestaltet.  Die  Kassation  eines  materiellen  Entscheides  der 
Vorinstanz kommt nur ausnahmsweise in  Frage,  etwa wenn sich  die 
Vorinstanz in ihrem Entscheid auf einen ungenügend erstellten Sach-
verhalt stützt (Art. 61 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG; vgl. ALFRED KÖLZ/
ISABELLE HÄNER,  a.a.O.,  Rz  694). Der  Untersuchungsgrundsatz  gehört 
dabei  zu  den  allgemeinen  Grundsätzen  des  Asylverfahrens 
(Art. 12 VwVG  i.V.m.  Art.  6  AsylG).  Er  bedeutet,  dass  die  Behörde 
gehalten  ist,  von  Amtes  wegen  für  die  richtige  und  vollständige 
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Sie muss 
die für das Verfahren notwendigen Sachverhaltsunterlagen beschaffen 
und  die  rechtlich  relevanten  Umstände  abklären  sowie 
ordnungsgemäss  darüber  Beweis  führen.  Dieser  Grundsatz  gilt 
indessen  nicht  uneingeschränkt.  Er  findet  sein  Korrelat  in  der 
Mitwirkungspflicht  des  Asylsuchenden  (Art.  13  VwVG  und 
Art. 8 AsylG). Somit  kann sich  die  entscheidende  Behörde  trotz  des 
Untersuchungsgrundsatzes  in  der  Regel  darauf  beschränken,  die 
Vorbringen  der  Gesuchsteller  zu  würdigen  und  die  angebotenen 
Beweise  abzunehmen,  ohne  weitere  Abklärungen  vornehmen  zu 
müssen. Eine ergänzende Untersuchung kann sich aufdrängen, wenn 
auf  Grund  der  Vorbringen  berechtigte  Zweifel  oder  Unsicherheiten 
weiter  bestehen,  die voraussichtlich nur mit  Ermittlungen von Amtes 
wegen  beseitigt  werden  können  (vgl.  EMARK  1995  Nr.  23  E.  5a 
S. 222).

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6.2 Aufgrund der voranstehenden Erwägungen ist ein reformatorischer 
Entscheid durch das Bundesverwaltungsgericht angesichts des man-
gelhaft festgestellten Sachverhalts nicht angezeigt. Die Beschwerde ist 
insoweit  gutzuheissen,  als  damit  die  Aufhebung der vorinstanzlichen 
Verfügung  hinsichtlich  des  Wegweisungsvollzugs  beantragt  wird. Die 
Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  vom 
18. Juni  2008  sind  demnach  aufzuheben  und  die  Sache  zwecks 
weiterer  Abklärung des Sachverhalts  im Sinne der  Erwägungen und 
zum neuen Entscheid an das BFM zurückzuweisen (Art. 61 Abs. 1 in 
fine VwVG).

7.
Bei  diesem  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  sind  keine  Verfah-
renskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG).

8.
Die  Beschwerdeinstanz  kann  der  ganz  oder  teilweise  obsiegenden 
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr 
erwachsene  notwendige  und  verhältnismässig  hohe  Kosten  zuspre-
chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Dem im vorliegenden Verfahren nicht an-
waltlich  vertretenen  Beschwerdeführer  sind  jedoch  keine  solche 
Kosten entstanden. Demzufolge wird keine Parteientschädigung aus-
gerichtet. 

Dispositiv nächste Seite

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

2. Die Ziffern 4 und 5 der Verfügung des BFM vom 18. Juni 2008 wer-
den aufgehoben. Die Sache wird in diesem Punkt im Sinne der Erwä-
gungen an das BFM zurückgewiesen. 

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer  durch Vermittlung der  Flughafenpolizei  Zü-
rich-Kloten (eingeschrieben)

- das BFM, Dienststelle Flughafenverfahren [per Telefax; zu den Ak-
ten Ref.-Nr. N (...); unter Hinweis auf Ziffer 2 des Dispositivs]

- die Flughafenpolizei,  Grenzpolizeiliche Massnahme/Asyl  (per Tele-
fax, mit der Bitte um Eröffnung des Urteils an den Beschwerdefüh-
rer  und  um Zustellung  der  beiliegenden  Empfangsbestätigung  an 
das Bundesverwaltungsgericht)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Schmid Milva Franceschi

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