# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7bde79d8-bafe-584d-8a09-486498e61f67
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1994-04-27
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesrat 27.04.1994 JAAC 59.20
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_008_JAAC-59-20--_1994-04-27.pdf

## Full Text

JAAC 59.20

Entscheid des Bundesrates vom 27. April 1994

Assurance-maladie. Taxes hospitalières mises à la charge des patients
domiciliés hors du canton.

Art. 19bis al. 5 LAMA. La LAMA part du principe que les cantons peuvent
fixer librement les tarifs pour les patients domiciliés hors du canton -
en tenant compte de leur financement partiel par les impôts. S’agissant
d’hospitalisations à l’extérieur du canton requises médicalement, il
existe une «protection tarifaire de l’assuré» qui ne s’applique cependant
qu’aux relations entre l’assuré et sa caisse (détermination du tarif qui
doit être payé par les caisses).

AFU. Les travaux préparatoires montrent que l’AFU de 1991 et celui
de 1992 sont rattachés au système tarifaire de la LAMA. L’AFU 1992
ne concerne dès lors pas non plus les tarifs applicables aux patients
domiciliés à l’extérieur du canton.

Art. 73 al. 1er PA. La compétence du Conseil fédéral présuppose une
violation du droit fédéral. Les taxes hospitalières mises à la charge
des patients domiciliés dans d’autres cantons ne peuvent dès lors
être examinées par le Conseil fédéral que si elles sont réglées par la
LAMA et/ou par l’AFU. Non-entrée en matière du Conseil fédéral sur un
recours.

Krankenversicherung. Spitaltaxen für ausserkantonale Patienten.

Art. 19bis Abs. 5 KUVG. Das KUVG geht davon aus, dass die Kantone
die Tarife für ausserkantonale Patienten frei - in Berücksichtigung
ihrer teilweisen Finanzierung durch Steuergelder - festlegen können.
Betreffend medizinisch bedingte ausserkantonale Hospitalisationen
besteht - allerdings nur im Verhältnis Versicherte/Kassen - ein
sogenannter Tarifschutz des Versicherten (Bestimmung des von den
Kassen zu bezahlenden Tarifs).

1

dBB. Die Materialien zeigen, dass der dBB von 1991 und jener
von 1992 an das Tarifsystem des KUVG anknüpfen. Die Tarife für
ausserkantonale Patienten werden daher auch nicht vom dBB 1992
erfasst.

Art. 73 Abs. 1 VwVG. Die Zuständigkeit des Bundesrates setzt eine
Verletzung von Bundesrecht voraus. Spitaltaxen für ausserkantonale
Patienten können daher vom Bundesrat nur überprüft werden, sofern
diese vom KUVG und/oder vom dBB geregelt werden. Nichteintreten des
Bundesrates auf eine Beschwerde.

Assicurazione contro le malattie. Tasse ospedaliere per pazienti di altri
Cantoni.

Art. 19bis cpv. 5 LAMI. La LAMI si basa sul principio che i Cantoni -
tenendo conto del finanziamento parziale attraverso le imposte - sono
liberi di fissare le tariffe per pazienti provenienti da altri Cantoni.
Per quanto riguarda i ricoveri per motivi medici in ospedali fuori dal
Cantone, vi è - nel rapporto assicurati/casse - una cosiddetta protezione
tariffale dell’assicurato (determinazione della tariffa che le casse
devono pagare).

DFU. I materiali dimostrano che il DFU del 1991 e quello del 1992
poggiano sul sistema di tariffe della LAMI. Il DFU 1992 non si applica
pertanto alle tariffe per pazienti di altri Cantoni.

Art. 73 cpv. 1 PA. La competenza del Consiglio federale presuppone
una violazione del diritto federale. Le tasse ospedaliere per pazienti
domiciliati in altri Cantoni possono pertanto essere analizzate dal
Consiglio federale solamente nella misura in cui esse sono regolate
dalla LAMI e/o dal DFU. Il Consiglio federale non entra nel merito di un
ricorso.

I

A. Am 22. Dezember 1992, mit Publikation in der kantonalen
Gesetzessammlung vom 16. Januar 1993, änderte der Regierungsrat des
Kantons Luzern auf Antrag des Gesundheitsdepartementes die Verordnung
über die Taxen für die stationäre Behandlung von Patienten in den kantonalen
Heilanstalten (Taxverordnung I) vom 6. Dezember 1988 (G 1988 311 bzw. G
1993 108).

Anlässlich dieser Änderung der Taxverordnung I erhöhte der Regierungsrat
die Taxe für ausserkantonale Patienten im Kantonsspital sowie im Kinderspital
von bisher Fr. 730.- auf Fr. 975.-, jene in den Spitälern Sursee und Wolhusen
von Fr. 560.- auf Fr. 800.-.

B. Gegen diese Änderung der Taxverordnung I erhoben verschiedene
Krankenkassenverbände am 15. Februar 1993 Verwaltungsbeschwerde beim
Bundesrat und stellten in der Hauptsache folgende Rechtsbegehren:

2

«1. Es sei festzustellen, dass der Regierungsrat des Kantons Luzern mit der
vorliegenden Taxverordnung die Bestimmungen des dringlichen BB vom
9. Oktober 1992 verletzt hat.

2. Es sei der Regierungsrat anzuweisen, die Taxen der ausserkantonalen
Patienten betreffend das Kantonsspital und Kinderspital Luzern für
ausserkantonale Patienten auf Fr. 778.91 festzulegen.

Weiter sei der Regierungsrat anzuweisen, die Taxe für ausserkantonale
Patienten, welche in den Spitälern Sursee und Wolhusen behandelt werden,
auf Fr. 597.52 festzulegen.»

Die Krankenkassenverbände stützten sich in ihrer Beschwerde auf
ein Schreiben der Sektion Gesundheitsökonomie des Bundesamtes für
Sozialversicherung (BSV) vom 13. November 1992 an das Konkordat der
Schweizerischen Krankenkassen, worin bekräftigt wird, der BB vom
9. Oktober 1992 über befristete Massnahmen gegen die Kostensteigerung
in der Krankenversicherung (dBB 1992, SR 832.111) sei auch auf die Taxen für
medizinisch bedingte ausserkantonale Hospitalisationen anwendbar.

C. Das Gesundheitsdepartement des Kantons Luzern bestritt vorerst, dass
es sich um einen Erlass nach Art. 22 bis 22quater des Bundesgesetzes vom
13. Juni 1911 über die Krankenversicherung (KUVG, SR 832.10) handle, der
nach Art. 22quinquies KUVG der Beschwerde an den Bundesrat unterliege.
Zu den Verträgen im Sinne von Art. 22quater Abs. 3 KUVG gehörten nur jene
mit Heilanstalten imWohnsitzkanton des Patienten. Auch der dBB 1992 sei
vorliegend nicht anwendbar.

Im übrigen bestritt das Gesundheitsdepartement die Beschwerdelegitimation
der Krankenkassenverbände, unter anderem, weil die ausserkantonalen
Patienten Selbstzahler seien, und stellte auch die von den
Krankenkassenverbänden angestellten Berechnungen in Frage.

D. In seinen Amtsberichten vom 28. Mai 1993 und 19. November 1993 bejahte
das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) die Anwendbarkeit von
Art. 22quater Abs. 3 KUVG und des dBB 1992 auf die Taxen bei medizinisch
bedingten Hospitalisationen von ausserkantonalen Patienten, nicht jedoch für
die übrigen ausserkantonalen Hospitalisationen.

Es hielt dafür, dass immer auf das neueste Zahlenmaterial abzustellen sei,
auch wenn dieses der Vorinstanz bei ihrem Entscheid noch nicht vorgelegen
haben sollte. Aufgrund detaillierter Berechnungen des Betriebsaufwandes
(Personal- und Sachaufwand) der Jahre 1991 bis 1993 berechnete es die im
Falle der Anwendbarkeit des dBB 1992 höchstzulässigen Tagespauschalen für
ausserkantonale medizinisch bedingte Hospitalisationen pro 1993.

...

II

1. Nach Art. 129 Abs. 1 Bst. a und b OG ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde
gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) über Tarife auf dem Gebiet der
Sozialversicherung ausgeschlossen. Dies gilt allerdings nur insoweit, als die
Verfügung den Erlass oder die Genehmigung als Ganzes zum Gegenstand hat

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oder unmittelbar einzelne Tarifbestimmungen als solche angefochten werden
(BGE 116 V 133); die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist indes zulässig gegen
Verfügungen, die in Anwendung eines Tarifs im Einzelfall erlassen worden
sind.

Dagegen steht nach Art. 73 Abs. 1 Bst. c VwVG sowie Art. 22quinquies KUVG
gegen letztinstanzliche kantonale Verfügungen und gegen Tariferlasse von
Kantonsregierungen die Verwaltungsbeschwerde an den Bundesrat offen
(Maurer Alfred, Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, Bd. II, Besonderer
Teil, S. 369; Boner Kilian / Holzherr Werner, Schweizerische Juristische
Kartothek [SJK], 1318, Krankenversicherung IV, Rechtspflege, S. 8).

Im Lichte dieser Abgrenzung betrifft die vorliegende Beschwerde zweifellos
eine Tariffrage, weshalb die Verwaltungsgerichtsbeschwerde bereits aus
diesem Grunde ausgeschlossen ist.

Die Zuständigkeit des Bundesrates nach Art. 73 Abs. 1 Bst. c VwVG setzt indes
voraus, dass die Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht betrifft.

Die Frage, ob der Bundesrat zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde
zuständig sei (Gygi Fritz, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern
1983, S. 80), muss von Amtes wegen geprüft werden. Mit anderen Worten
ist abzuklären, ob das Bundesrecht die ausserkantonalen Hospitalisationen
regelt oder ob entsprechende Regelungen selbständiges kantonales Recht
darstellen.

2.1. Unter dem Marginale «D. Versicherungsleistungen» umschreiben die
Art. 12-14bis KUVG die sogenannten Pflichtleistungen der Krankenkassen.

Dabei ist unter anderem festgehalten, dass die Leistungen der
Krankenpflegeversicherung bei Aufenthalt in einer Heilanstalt mindestens die
ärztliche Behandlung, einschliesslich der anerkannten Heilanwendungen, der
Arzneimittel und Analysen nach den Taxen der allgemeinen Abteilung, sowie
einen täglichen Mindestbeitrag an die übrigen Kosten der Krankenpflege zu
umfassen haben (Art. 12 Abs. 2 Ziff. 2 KUVG; Art. 24 Abs. 1 der Verordnung III
vom 15. Januar 1965 über die Krankenversicherung betreffend die Leistungen
der vom Bund anerkannten Krankenkassen und Rückversicherungsverbände,
[VO III], SR 832.140). Nicht zu den Pflichtleistungen gehören die sogenannten
Verpflegungskosten (Kranken- und Unfallversicherung: Rechtsprechung und
Verwaltungspraxis [RKUV], 1985, K 615, S. 29 ff.; VPB 52.33).

Nach KUVG sind die Tarife der Heilanstalten grundsätzlich durch
Verträge zwischen den Kassen und den Heilanstalten festzulegen
(Art. 22quater Abs. 3 KUVG); solche Verträge bedürfen der Genehmigung
durch die Kantonsregierung (Art. 22quater Abs. 5 KUVG). Aus dieser
Genehmigungskompetenz der Kantonsregierungen ergibt sich, dass
sich die genehmigten Verträge grundsätzlich auf das Kantonsgebiet
beschränken müssen, weil eine Regierung nur für Angehörige ihres
Kantons verbindlich entscheiden kann. So schliessen in der Regel die
kantonalen Krankenkassenverbände und die entsprechenden Heilanstalten
beziehungsweise ihr Spitalträger einen Vertrag für die im betreffenden Kanton
wohnhaften Patienten.

Beim Erlass des KUVG wie auch anlässlich der Revision des KUVG vom
13. März 1964 ging man davon aus, dass das vom KUVG geregelte Verfahren
auf die Taxen für ausserkantonale Patienten nicht Anwendung finde.

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_116_V_133&resolve=1
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000710.pdf?ID=150000710

Das Spitalwesen ist von Verfassungs wegen grundsätzlich Sache der
Kantone. Deren Spital- und damit verbunden Finanzhoheit ist nur
insoweit eingeschränkt, als die Gesetzgebung betreffend die Kranken- und
Unfallversicherung dies ausdrücklich vorsieht.

2.2. Die Tarife der allgemeinen Abteilung dürfen nach der Herkunft der
Patienten (Kantonsangehörige, Einwohner anderer Kantone, Ausländer)
abgestuft werden (Art. 24 Abs. 2 VO III). Diese 1965 eingeführte Bestimmung,
die bloss die von jeher geübte Praxis festhielt, ist weder vom Bundesrat noch
vom Bundesgericht je in Zweifel gezogen worden (vgl. RKUV 1979, Nr. 368,
und 1980, Nr. 412, sowie BGE 112 V 192). Sie hat ihren Grund darin, dass
der Kostendeckungsgrad der allgemeinen Abteilungen öffentlicher Spitäler
im Landesdurchschnitt bloss ungefähr 50% beträgt (Veröffentlichungen
der Kartellkommission und des Preisüberwachers, 2/1993, Krankenkassen
und Tarifverträge, S. 163); zu ungefähr 50% werden die Spitalkosten der
allgemeinen Abteilungen mithin durch die Steuerzahler des Kantons, in
dem das Spital liegt, finanziert. Eine verfassungskonforme Auslegung spricht
daher für einen Verzicht auf Eingriffe in die kantonale Tarifgestaltung für
Taxen ausserkantonaler Hospitalisationen. Den Kantonen muss es erlaubt
sein, ausserkantonalen Patienten auch im Falle medizinisch bedingter
Hospitalisationen die von ihnen verursachten Kosten voll zu überbinden.
Daraus ergeben sich unterschiedliche Tarife je nach der Herkunft der
Patienten (Patienten mit Wohnsitz im Kanton, ausserkantonale Patienten,
Patienten mit Wohnsitz im Ausland).

Die Tariffreiheit der Kantone für ausserkantonale Patienten hatte zur
Folge, dass in diesem Bereich im Laufe der Zeit ein weitgespanntes Netz
interkantonaler Vereinbarungen betreffend die Kostenregelung für
ausserkantonale Patienten geschaffen wurde. Mittels solcher Vereinbarungen
können Tarife geschaffen werden, welche sowohl den Interessen der
Versicherten und Kassen nach finanziell tragbaren Taxen als auch den
Interessen der Kantone mit Zentrumsspitälern Rechnung tragen.

2.3. Etwas anderes kann auch nicht aus Art. 19bis Abs. 5 KUVG abgeleitet
werden. Diese Bestimmung steht unter dem Marginale «IV. Wahl der
Heilanstalt; Kostenübernahme» und sieht vor, dass die Kassen ihre Leistungen
für den Fall, dass sich der Versicherte aus medizinischen Gründen in eine
bestimmte Heilanstalt begeben muss, nach den Taxen der allgemeinen
Abteilung dieser Heilanstalt zu bemessen haben.

Art. 19bis Abs. 5 KUVG bezieht sich nur auf Taxen für die in Art. 12 Ziff. 2 Abs. 2
KUVG festgelegten Pflichtleistungen.

Der Gesetzgeber ist davon ausgegangen, dass die Kantone die Tarife für
ausserkantonale Patienten frei - in Berücksichtigung ihrer teilweisen
Finanzierung über Steuergelder - festlegen können. Bei medizinisch
notwendigen ausserkantonalen Hospitalisationen muss die Kasse ihre
Leistungen nicht nach dem Tarif der kantonalen Heilanstalt amWohnort
des Versicherten oder in dessen Umgebung, sondern nach dem Tarif der
allgemeinen Abteilung der ausserkantonalen Heilanstalt für ausserkantonale
Versicherte, (welcher in der Regel wesentlich höher ist) erbringen (vgl. Art. 24
Abs. 2 VO III sowie BGE 112 V 192).

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_112_V_192&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_112_V_192&resolve=1

2.4. Wird das Tarifgeschehen betreffend ausserkantonale Patienten - der
allein das Verhältnis «Versicherter-Kasse» regelnde Tarifschutz betrifft die
Tarifgestaltung durch die Heilanstalten nicht - vom KUVG nicht geregelt, so
finden auch die entsprechenden Zuständigkeits- und Verfahrensvorschriften
des KUVG auf diese Tarife nicht Anwendung. Eine Zuständigkeit des
Bundesrates zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde (vorne E. 1) kann
daher nicht mit einer Verletzung des KUVG begründet werden.

2.5. Der Bundesrat hat denn auch entschieden, dass das interkantonale
Tarifgeschehen von ihm nicht zu beurteilen ist (Entscheid des Bundesrates
vom 18. November 1992 in Sachen X gegen den Kanton Bern). Bereits
in VPB 48.45 hat er im übrigen festgestellt, dass die in Art. 19bis KUVG
enthaltenen Kriterien zur Bemessung der Höhe der Kassenleistungen in
keinem Zusammenhang mit der behördlichen Verpflichtung zum Erlass eines
Tarifs für den vertragslosen Zustand im Sinne von Art. 22quater Abs. 3 KUVG
stehen. Aus Art. 19bis Abs. 5 KUVG kann mithin hinsichtlich ausserkantonaler
medizinisch bedingter Hospitalisationen keine Zuständigkeit des Bundesrates
nach Art. 22quinquies KUVG in Verbindung mit Art. 22quater Abs. 3 KUVG
begründet werden.

Die im Gange befindliche Revision der Krankenversicherung sieht gemäss
der Botschaft des Bundesrates vor, dass die Differenz zwischen den in
Rechnung gestellten Kosten und den Tarifen des betreffenden Spitals für
Kantonseinwohner vomWohnkanton des Versicherten zu übernehmen ist
(Art. 35 Abs. 3 des Entwurfs, bzw. Art. 41 Abs. 3 der Referendumsvorlage des
Bundesgesetzes über die Krankenversicherung [KVG] vom 18. März 1994,
BBl 1994 II 247). Die Botschaft geht vom Grundsatz aus, dass die Kantone
ausserkantonalen Patienten die durch sie verursachten Kosten voll belasten
dürfen, die Kantone mithin nicht zu deren Subventionierung verpflichtet sind.

3. Es bleibt daher nur noch zu prüfen, ob eine Bundesrechtsverletzung und
damit die Zuständigkeit des Bundesrates mit einer Verletzung des dBB 1992
begründet werden kann.

Der Botschaft des Bundesrates vom 6. November 1991 über befristete
Massnahmen gegen die Kostensteigerung und die Entsolidarisierung in der
Krankenversicherung (BBl 1991 IV 923) ist zu entnehmen, dass mit dem dBB
vom 13. Dezember 1991 am Verfahren und den Zuständigkeiten des KUVG für
die Festlegung und Genehmigung von Tarifen nichts geändert werden soll (vgl.
VPB 58.50). Da der Geltungsbereich im dBB vom 9. Oktober 1992 der gleiche
geblieben ist (BBl 1992 V 941), hat sich diesbezüglich nichts geändert.

Die Materialien zeigen zudem, dass die Kantone ihre Bedenken bezüglich
Rechtssicherheit und Respektierung ihrer Kompetenzen klar zum Ausdruck
gebracht haben; in die gleiche Richtung zielt auch ein neuester Entscheid
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 4. November 1993. Auch die
Tatsache, dass im Bundesbeschluss über befristete Massnahmen gegen die
Kostensteigerung in der Krankenversicherung vom 13. Dezember 1991 (AS
1991 2604 ff.) ein Art. 4 eingefügt werden musste, wonach der Bundesrat den
Räten vor Ablauf der Gültigkeitsdauer ein Massnahmenpaket zu unterbreiten
hatte, das den Interessen der Kantone besser entspreche, spricht für eine
zurückhaltende Interpretation des dBB. Der Botschaft des Bundesrates ist mit
dem Hinweis, dass Verfahren und Zuständigkeiten betreffend Festsetzung und
Genehmigung von Tarifen (Art. 22quater und 22quinquies KUVG) nicht geändert

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002189.pdf?ID=150002189

werden sollen, klar zu entnehmen, dass der dBB 1992 nur auf solche Taxen
Anwendung findet, die nach den Regeln des KUVG festgelegt werden; zudem
fehlt in den Materialien jeglicher Hinweis, dass der dBB auch die Tarife
ausserkantonaler medizinisch bedingter Hospitalisationen erfassen soll. Daher
ist davon auszugehen, dass die entsprechenden Taxen nicht dem dBB 1992
unterliegen.

4. Fehlt nach dem Gesagten eine Zuständigkeit des Bundesrates zur
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde nach Art. 22quater Abs. 3 und 5
sowie Art. 22quinquies KUVG und finden auch die Bestimmungen des dBB
nicht Anwendung, ist mangels Zuständigkeit des Bundesrates nicht auf die
Beschwerde einzutreten.

...

6. Wenn nun Kantone - unter anderem infolge der Verschlechterung
ihrer finanziellen Lage - den ausserkantonalen Patienten einen höheren
Anteil oder gar die volle Deckung der von ihnen verursachten Kosten
auferlegen, entsteht für die Krankenkassen wegen der einschränkenden
Bestimmungen des dBB 1992 betreffend Prämienerhöhungen (Art. 5 und
6) eine erhebliche Mehrbelastung. Mit der im KVG vom 18. März 1994
vorgesehenen Kostenbeteiligung des Wohnkantons ist indes Abhilfe geplant.
Der Bundesrat erinnert im übrigen die Kantone an ihre Verantwortung für
eine massvolle Preisgestaltung und ruft sie zu freiwilliger Selbstbeschränkung
bei solchen Tariferhöhungen auf. Er ist auch der Auffassung, dass das
Instrument interkantonaler Vereinbarungen vermehrt genutzt werden sollte,
um bis zum Inkrafttreten des revidierten KUVG eine allen Parteien gerecht
werdende Regelung auch im Falle medizinisch notwendiger ausserkantonaler
Hospitalisationen sicherzustellen.

7. Weil die angefochtenen Taxen nicht vom Bundesrecht geregelt werden,
können die entsprechenden - kantonalen - Bestimmungen nur wegen
Verletzung verfassungsmässiger Rechte der Bürger (Art. 84 Abs. 1 Bst. a OG)
mit staatsrechtlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden.

Da mit der vorliegenden Beschwerde indes allein eine Verletzung des
dBB 1992 geltend gemacht wird, geht der Bundesrat davon aus, dass die
Beschwerdeführer ihre Beschwerde nicht gleichzeitig als staatsrechtliche
Beschwerde verstehen wollten. Von einer Überweisung der Beschwerde an
das Bundesgericht (Art. 8 Abs. 1 VwVG) wird daher abgesehen.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 59.20 - Entscheid des Bundesrates vom 27. April 1994

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1995
Année

Anno

Band 59
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Ref. No 150 002 573

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Entscheid des Bundesrates vom 27. April 1994
	I
	II