# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1da34944-5b33-55b0-b750-153f2a3c8889
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-09-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.09.2023 F-1838/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-1838-2022_2023-09-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-1838/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  S e p t e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Basil Cupa (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo,  

Richterin Regula Schenker Senn,    

Gerichtsschreiber Mathias Lanz. 
 

 
 

Parteien 
 1. A._______, und die Ehefrau, 

2. B._______, sowie die Kinder, 

3. C._______, 

4. D._______, 

5. E._______,  

6. F._______,  

alle vertreten durch Monique Bremi,  

Rechtshilfe Asyl und Migration,  

Beschwerdeführende,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nationales Visum aus humanitären Gründen;  

Verfügung des SEM vom 10. März 2022. 

 

 

F-1838/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die afghanischen Staatsangehörigen A._______ und B._______ (geboren 

1981 bzw. 1987) sowie ihre vier Kinder (geboren 2006, 2010, 2015 und 

2019) (nachfolgend: Gesuchstellende bzw. Beschwerdeführende) ersuch-

ten am 1. November 2021 bei der Schweizerischen Botschaft in Islamabad, 

Pakistan, um Ausstellung humanitärer Visa.  

B.  

Mit Formularverfügungen vom 4. November 2021 verweigerte die Schwei-

zerische Botschaft die Ausstellung der beantragten Visa. 

C.  

Am 10. März 2022 wies die Vorinstanz eine dagegen erhobene Einsprache 

der Gesuchstellenden ab.  

D.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 19. April 2022 gelangten die Gesuchstellen-

den an das Bundesverwaltungsgericht und beantragten, den Einsprache-

entscheid mitsamt den Verweigerungsverfügungen aufzuheben. Das SEM 

beziehungsweise die Schweizerische Botschaft in Islamabad seien anzu-

weisen, ihnen humanitäre Einreisevisa zu erteilen. Eventualiter sei die Sa-

che zur hinreichenden Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts an 

die Vorinstanz zurückzuweisen. Es seien in der Schweiz die Asylverfahren 

durchzuführen und festzustellen, dass sie die Flüchtlingseigenschaft erfül-

len und es sei ihnen Asyl zu gewähren. Verfahrensrechtlich ersuchten die 

Beschwerdeführenden um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 

und Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.  

E.  

Am 21. April 2022 liessen die Beschwerdeführenden eine Beweismitteler-

gänzung einreichen.  

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 26. April 2022 wies die damalige Instruktions-

richterin den superprovisorischen Antrag der Beschwerdeführenden auf 

unverzügliche Einreise in die Schweiz ab.  

G.  

Die Vorinstanz liess sich am 25. Mai 2022 vernehmen und beantragte, die 

Beschwerde abzuweisen.  

F-1838/2022 

Seite 3 

H.  

Am 14. Juni 2022 hiess die damalige Instruktionsrichterin das Gesuch um 

unentgeltliche Prozessführung gut. Das Gesuch um unentgeltliche Rechts-

verbeiständung durch die mandatierte Rechtsvertreterin wies sie hingegen 

ab.  

I.  

Mit Replik vom 14. Juli 2022 hielten die Beschwerdeführenden an Begeh-

ren und Begründung fest. 

J.  

Am 12. Januar 2023, am 6. Februar 2023, am 7. Juni 2023 sowie am 

3. September 2023 reichten die Beschwerdeführenden ergänzende Einga-

ben und Beweismittel ein. 

K.  

Antragsgemäss wurden die Asyldossiers der in der Schweiz lebenden (an-

geblichen) Geschwister der Beschwerdeführerin 2, namentlich von 

G._______ (N […]), H._______ (N […]) und von I._______ (N […]) beige-

zogen und Einsicht in die Beschwerdedossiers F-2281/2022 sowie F-

5350/2022 genommen. 

L.  

Aus organisatorischen Gründen wurde im März 2023 der vorsitzende Rich-

ter im Spruchkörper aufgenommen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Einspracheentscheide des SEM betreffend humanitäre Visa sind mit 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar (Art. 112 Abs. 1 

AIG [SR 142.20] i.V.m. Art. 31 ff. VGG und Art. 5 VwVG). 

1.2 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das 

VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG). 

1.3 Die Beschwerdeführenden haben als Verfügungsadressaten ein 

schutzwürdiges Interesse an der Änderung oder Aufhebung der angefoch-

tenen Verfügung. Sie sind zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 

VwVG).  

F-1838/2022 

Seite 4 

1.4 Die Beurteilungskompetenz ist vorliegend darauf beschränkt, ob die 

Vorinstanz mit Verfügung vom 10. März 2022 die Ausstellung humanitärer 

Visa zu Recht abgelehnt hat. Die Fragen der Anerkennung der Flüchtlings-

eigenschaft sowie der Gewährung von Asyl bildeten nicht Gegenstand des 

angefochtenen Entscheids, weshalb sie auch nicht Gegenstand des vorlie-

genden Beschwerdeverfahrens sein können (vgl. BGE 144 II 359 E. 4.3; 

136 II 165 E. 5; BVGE 2018 V/3 E. 3.1; je m.w.H.). Auf die entsprechenden 

Rechtsbegehren ist nicht einzutreten. Im Übrigen ist auf die frist- und form-

gerecht eingereichte Beschwerde indes einzutreten (Art. 50 Abs. 1 und 

Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

2.  

Mit Beschwerde ans Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung von 

Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermes-

sens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-

chen Sachverhalts und, im Falle von Bundesbehörden, die Unangemes-

senheit gerügt werden (vgl. Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht 

wendet im Beschwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an 

und ist nicht an die Begründung der Begehren gebunden (vgl. Art. 62 Abs. 4 

VwVG). Massgeblich ist grundsätzlich die Sachlage im Entscheidzeitpunkt 

(vgl. BVGE 2014/1 E. 2). 

3.  

3.1 Als Staatsangehörige Afghanistans unterliegen die Beschwerdeführen-

den der Visumpflicht gemäss Art. 9 der Verordnung vom 15. August 2018 

über die Einreise und die Visumerteilung (VEV, SR 142.204). Sie beabsich-

tigen einen längerfristigen Aufenthalt, weshalb ihre Gesuche nicht nach 

den Regeln zur Erteilung von Schengen-Visa, sondern nach den Bestim-

mungen des nationalen Rechts zu prüfen sind (vgl. BVGE 2018 VII/5 E. 3.5 

und E. 3.6.1). 

3.2 Humanitäre Visa werden nur unter sehr restriktiven Bedingungen aus-

gestellt (BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; 2015/5 E. 4.1.3). In Abweichung von 

den allgemeinen Einreisevoraussetzungen nach Art. 4 Abs. 1 VEV kann in 

begründeten Fällen aus humanitären Gründen ein Visum für einen länger-

fristigen Aufenthalt erteilt werden. Ein solcher Fall liegt vor, wenn bei einer 

Person, die um ein humanitäres Visum ersucht, aufgrund der konkreten 

Umstände offensichtlich davon ausgegangen werden muss, dass sie im 

Heimat- oder Herkunftsstaat unmittelbar, ernsthaft und konkret an Leib und 

Leben gefährdet ist (Art. 4 Abs. 2 VEV i.V.m. Art. 5 Abs. 3 AIG). Die be-

troffene Person muss sich in einer besonderen Notsituation befinden, die 

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Seite 5 

ein behördliches Eingreifen zwingend erforderlich macht und die Erteilung 

eines Einreisevisums ausnahmsweise rechtfertigt. Dies kann etwa bei 

akuten kriegerischen Ereignissen oder aufgrund einer konkreten individu-

ellen Gefährdung, die sie mehr als andere Personen betrifft, gegeben sein. 

Befindet sich die betroffene Person bereits in einem Drittstaat oder ist sie 

nach einem Aufenthalt in einem solchen freiwillig in ihr Heimat- oder Her-

kunftsland zurückgekehrt und hat sie die Möglichkeit, sich erneut in den 

Drittstaat zu begeben, ist in der Regel davon auszugehen, dass keine Ge-

fährdung mehr besteht (vgl. BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; 2015/5 E. 4.1.3; 

Urteil des BVGer F-4139/2022 vom 19. Juni 2023 E. 3.2; je m.w.H.). Das 

Visumsgesuch ist unter Berücksichtigung der aktuellen Gefährdung, der 

persönlichen Umstände der betroffenen Person und der Lage im Heimat- 

oder Herkunftsland zu prüfen. Dabei sind weitere Kriterien wie das Beste-

hen enger Bindungen zur Schweiz und die hier bestehenden Integrations-

aussichten oder die objektive Unmöglichkeit, in einem anderen Land um 

Schutz nachzusuchen, zu beachten (vgl. BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; Urteil 

des BVGer F-3278/2021 vom 10. Januar 2022 E. 3.3).  

3.3 Allein das freiwillige Aufsuchen einer Schweizer Auslandsvertretung 

zwecks Stellung eines humanitären Visums begründet seitens der Schweiz 

keine internationale Schutzpflicht, weil sich die gesuchstellende Person da-

mit nicht der Hoheitsgewalt der Eidgenossenschaft unterstellt (siehe muta-

tis mutandis Urteil des EGMR [Grosse Kammer] M.N. u.a. gegen Belgien 

vom 5. Mai 2020, Nr. 3599/18, §§ 96 ff.). Im Übrigen setzt die Erteilung 

eines humanitären Visums voraus, dass die Gefährdung im Sinne von 

Art. 4 Abs. 2 Satz 2 VEV offensichtlich ist (siehe BVGE 2018 VII/5 E. 3.6.3; 

2015/5 E. 4.1.3; Urteile des BVGer F-4626/2021 vom 13. April 2023 E. 3.3; 

F-4827/2021 vom 13. März 2023 E. 3.4; BBl 2010 4455, 4490). 

4.  

Die Beschwerdeführenden halten sich – mit Ausnahme offenbar des Be-

schwerdeführers 3 (siehe dazu E. 6.2 hernach) – derzeit in (…), Pakistan, 

auf. Strittig ist, ob sie in ihrem Heimatland Afghanistan offensichtlich einer 

unmittelbaren, ernsthaften und konkreten Gefahr an Leib und Leben im 

Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV ausgesetzt wären, die sich massgeblich von 

anderen dortigen Personen abhebt. 

4.1 Zunächst bringen die Beschwerdeführenden vor, der Beschwerdefüh-

rer 1 sei seit 2006 bei der afghanischen Armee und ab 2007 als «Soldat» 

in einer «Zivilstelle» der Armee tätig gewesen. Ein paar Jahre später sei er 

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Seite 6 

«Mitarbeiter» der Zivilstelle geworden und habe in der (…)basis der Armee 

in (…) im Bereich (…) gearbeitet.  

4.1.1 Am Tag der Machtübernahme durch die Taliban, am 15. August 2021, 

habe der Beschwerdeführer 1 zusammen mit einem Fahrer in (…) 500 

Stück Waffen transportiert. Angesichts der Gefahr durch die anrückenden 

Taliban sei der Beschwerdeführer 1 aus dem «Auto» ausgestiegen und 

nach Hause gegangen. Anstatt zur anvisierten Militärbasis (…), habe sich 

der Fahrer daraufhin mitsamt den Waffen ebenfalls zu seinem Wohnort be-

geben. Da der Beschwerdeführer 1 für die Lieferung der «Waren» unter-

schrieben habe, werde ihm von den Taliban nun vorgeworfen, die Waffen 

entwendet zu haben.  

4.1.2 Am 19. August 2021 sei der Beschwerdeführer 1 von den Taliban te-

lefonisch aufgefordert worden, die Waffen zurückzubringen, andernfalls er 

mit Konsequenzen rechnen müsse. Gleichentags seien sie nach Pakistan 

geflohen. Mitte November 2021 hätten die Taliban dann ihren früheren 

Wohnort gestürmt und durchsucht. Nachdem sich die «Ältesten der Ein-

wohner» der Gasse am ehemaligen Wohnort der Beschwerdeführenden 

bei der Polizei nach dem Hintergrund der gehäuften Suchaktionen erkun-

digt hätten, hätten sie vom Direktor (…) der Stadt (…) eine vom 21. No-

vember 2021 datierte Bekanntmachung mit dem Aufruf zur Verfolgung des 

Beschwerdeführers 1 erhalten. Beigelegt gewesen sei ein Fahndungs-

schreiben (…) vom 7. November 2021. 

4.2  

4.2.1 Zum Nachweis der Tätigkeit des Beschwerdeführers 1 für die afgha-

nische Armee reichten die Beschwerdeführenden die Ausdrucke einer fo-

tografierten Identitäts- und Auszahlungskarte der afghanischen Armee, ei-

ner kaum lesbaren Fotografie eines Kontaktformulars der Armee mit ma-

nuell angeheftetem Passfoto sowie zweier Bilder des Beschwerdefüh-

rers 1, posierend in Armeeuniform, ein. Die Echtheit der abfotografierten 

Dokumente lässt sich nicht überprüfen, zumal es sich nicht um Originale 

handelt. Auch der Wahrheitsgehalt der Aufnahmen des Beschwerdefüh-

rers 1 in Armeeuniform lässt sich alleine anhand der Bilder nicht verifizie-

ren. Aussagekraft und Beweiswert dieser Dokumente können vorliegend 

jedoch – wie den folgenden Erwägungen zu entnehmen ist – dahingestellt 

bleiben. 

4.2.2 Die Beschwerdeführenden behaupten nicht, der Beschwerdeführer 1 

habe für die afghanische Armee an Kampfhandlungen teilgenommen oder 

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Seite 7 

sich im Rahmen seiner Tätigkeit direkt gegen die Taliban eingesetzt. Als 

ehemaliger ziviler «Mitarbeiter» (…) der Armee und ohne jegliche Füh-

rungsfunktion ist er, selbst für den Fall einer Rückführung nach Afghanis-

tan, kaum einem erhöhten Verfolgungsrisiko durch die Taliban ausgesetzt 

(vgl. Urteile des BVGer F-3169/2022 vom 17. Juli 2023 E. 6.2;  

D-1728/2022 vom 10. Mai 2022 E. 7.3; Analyse des SEM vom 15. Februar 

2022, Focus Afghanistan, Verfolgung durch die Taliban: Potentielle Risi-

koprofile, S. 14 ff., < https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/internatio-

nal-rueckkehr/herkunftslaender.html >, abgerufen am 05.09.2023; Länder-

analyse der Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom 31. Oktober 2021, Af-

ghanistan: Gefährdungsprofile, S. 13 f., < https://www.fluechtlings-

hilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/Herkunftslaenderbe-

richte/Mittlerer_Osten_-_Zentralasien/Afghanistan/211031_AFG_Up-

date_Gefaehrdungsprofile.pdf >, abgerufen am 05.09.2023). Die Be-

schwerdeführenden räumen denn auch selbst ein, der Beschwerdeführer 1 

werde von den Taliban nicht aufgrund seiner Funktion in der Armee gesucht 

(vgl. Beschwerdeschrift vom 19. April 2022, S. 18; Replik vom 14. Juli 

2022, S. 5 f.), weshalb sich Weiterungen dazu erübrigen. 

4.3 Näher zu betrachten ist hingegen die individuelle Gefährdungssituation 

des Beschwerdeführers 1, insbesondere hinsichtlich seines Vorbringens, 

die Taliban würden ihn des Waffendiebstahls bezichtigen.  

4.3.1 Zunächst fällt auf, dass die Beschwerdeführenden den Vorfall vom 

15. August 2021 der Vorinstanz erst mittels Beweismittelergänzung vom 

28. Oktober 2021 zur Kenntnis brachten. Da es sich um die zentrale Ursa-

che der Gefährdung durch die Taliban handeln soll, leuchtet nicht ein, wes-

halb die vertretenen Beschwerdeführenden diese Ereignisse in den Einga-

ben vom 19. August 2021, vom 25. August 2021 und vom 6. September 

2021 vorerst mit keinem Wort erwähnten.  

4.3.2 Des Weiteren sprachen die Beschwerdeführenden in ihren Eingaben 

und Rechtsschriften stets allgemein von gestohlenen «Waffen». Einzig im 

Interview auf der Botschaft am 1. November 2021 spezifizierte der Be-

schwerdeführer 1, dass ihm vorgeworfen werde, 500 Maschinenpistolen 

(«mide guns») gestohlen zu haben. In einem E-Mail der Beschwerdeführe-

rin 2 an die Rechtsvertreterin vom 12. Juli 2022 gibt diese jedoch an, der 

Vorwurf beziehe sich auf den Diebstahl von Munition («large amount of 

ammunition»). In den beiden Schreiben (…) vom 7. beziehungsweise vom 

21. November 2021 ist wiederum – gemäss der eingereichten Übersetzung 

– von der Entwendung einer «grossen Menge Waffen und Munition» die 

https://www.fluechtlingshilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/Herkunftslaenderberichte/Mittlerer_Osten_-_Zentralasien/Afghanistan/211031_AFG_Update_Gefaehrdungsprofile.pdf
https://www.fluechtlingshilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/Herkunftslaenderberichte/Mittlerer_Osten_-_Zentralasien/Afghanistan/211031_AFG_Update_Gefaehrdungsprofile.pdf
https://www.fluechtlingshilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/Herkunftslaenderberichte/Mittlerer_Osten_-_Zentralasien/Afghanistan/211031_AFG_Update_Gefaehrdungsprofile.pdf
https://www.fluechtlingshilfe.ch/fileadmin/user_upload/Publikationen/Herkunftslaenderberichte/Mittlerer_Osten_-_Zentralasien/Afghanistan/211031_AFG_Update_Gefaehrdungsprofile.pdf

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Seite 8 

Rede. Insofern sind die Vorbringen der Beschwerdeführenden inkonsis-

tent. 

4.3.3 Widersprüchlich sind auch die Angaben betreffend das am 15. Au-

gust 2021 vom Beschwerdeführer 1 und dem Fahrer verwendete Fahr-

zeug. Während die Beschwerdeführenden überwiegend angeben, für den 

Transport sei ein Militärlastwagen verwendet worden, protokollierte die 

Schweizerische Botschaft in Islamabad anlässlich ihres Interviews mit dem 

Beschwerdeführer 1 am 1. November 2021, die Waffen seien in einem in-

ternationalen Fahrzeug («international car») transportiert worden.  

4.3.4 Dem erwähnten Schreiben (…) vom 7. November 2021 – der Be-

schwerdeführer 1 wird darin im Betreff lediglich mit Vornamen genannt – 

ist sodann zu entnehmen, spezielle Organisationseinheiten hätten in einer 

gemeinsamen Operation versucht, den Beschwerdeführer 1 zu verhaften. 

Dieser sei aber bereits weg gewesen. Es wirft daher aus zeitlicher Sicht 

Fragen auf, wenn die Beschwerdeführenden vorbringen, die Taliban hätten 

erst Mitte November 2021 ihren einstigen Wohnort durchsucht. Darüber 

hinaus leuchtet nicht ein, weshalb die Kräfte der Taliban nach der Fest-

nahme des Transportfahrers Mitte Oktober 2021 und dessen Anschuldi-

gungen an die Adresse des Beschwerdeführers rund einen Monat mit der 

Hausdurchsuchung zuwarten sollten.  

4.4 Die Angaben der Beschwerdeführenden rund um den Vorwurf des Waf-

fendiebstahls durch den Beschwerdeführer 1 erweisen sich damit als wi-

dersprüchlich und wenig stringent. Ihre Ausführungen sind zudem äusserst 

stereotyp und wenig detailreich. In Würdigung der Beweislage ist nicht of-

fensichtlich, dass der Beschwerdeführer 1 aufgrund eines fälschlicher-

weise gegen ihn erhobenen Vorwurfes des Waffendiebstahls unmittelbar, 

ernst und konkret durch die Taliban gefährdet wäre. Sowohl das Schreiben 

(…) vom 7. November 2021 als auch die Bekanntmachung (…) vom 

21. November 2021 sind grundsätzlich leicht fälschbar. Ihnen kann vor 

dem Hintergrund der mit erheblichen Zweifeln behafteten Aussagen der 

Beschwerdeführenden zum angeblichen Waffendiebstahl kein Beweiswert 

zukommen. Vor diesem Hintergrund, wie auch unter Berücksichtigung der 

ablehnenden Einschätzung der Schweizer Auslandsvertretung in Pakistan, 

die mit den Begebenheiten im Nachbarland Afghanistan weitaus besser 

vertraut ist als das angerufene Gericht, kann dem Beschwerdeführer 1 

keine schwerwiegende Gefährdung an Leib und Leben, und mithin keine 

besondere Notsituation oder gar eine gezielte Verfolgung (siehe E. 3.2 hier-

vor), attestiert werden, die ein Eingreifen der Schweizer Behörden mittels 

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Seite 9 

Erteilung eines humanitären Visums erforderlich machen würde. Die im Zu-

sammenhang mit den beiden Fahndungsschreiben erhobene Rüge einer 

fehlerhaften Beweiswürdigung geht insoweit fehl. 

5.  

Die Beschwerdeführenden machen weiter eine Gefährdung insbesondere 

der Beschwerdeführerin 2 geltend, weil ihr in der Schweiz wohnhafter Bru-

der, G._______, 2014 heimlich Filmaufnahmen gemacht habe, welche die 

Taliban und den Friedensrat kompromittieren könnten.  

5.1 Es trifft zwar zu, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil                 

E-7907/2015 vom 2. Oktober 2017 erwog, die von G._______ im Jahr 2014 

gefilmten Aussagen eines ranghohen Führers der Taliban stellten die 

Ernsthaftigkeit und die Glaubwürdigkeit des afghanischen Friedensprozes-

ses und seiner Teilnehmer in Frage. Es erscheine daher plausibel, dass 

G._______ nicht nur seitens der Taliban, sondern auch seitens des afgha-

nischen Staates flüchtlingsrechtlich relevante Behelligungen zu befürchten 

habe (vgl. E. 5.3). Eine Reflexverfolgung der ebenfalls in der Schweiz 

wohnhaften Schwester H._______ verneinte das Bundesverwaltungsge-

richt im Urteil D-4578/2018 vom 28. Juli 2020 hingegen. Es hielt unter an-

derem fest, aufgrund der Widersprüchlichkeit ihrer Aussagen sei der 

Glaubhaftigkeit der gesamten Fluchtgeschichte letztlich die Grundlage ent-

zogen. Ihr sei es nicht gelungen, eine gezielt gegen sie persönlich gerich-

tete Verfolgung nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen (vgl. 

E. 6.4 f.). Den Akten sei nicht zu entnehmen, dass nach ihrer Ausreise die 

in Afghanistan verbliebenen Angehörigen, und insbesondere die beiden 

Schwestern – das heisst auch die Beschwerdeführerin 2 – entweder auf-

grund der Tätigkeiten von G._______ oder aufgrund ihrer Verwandtschaft 

zu ihm irgendwelchen Repressalien durch die Taliban oder den Friedensrat 

ausgesetzt gewesen wären (vgl. E. 7.3).  

5.2 Weshalb sich die Situation hinsichtlich einer allfälligen Reflexverfol-

gung nach der Machtübernahme der Taliban, mithin bald ein Jahrzehnt 

nach der Beteiligung von G._______ an einem Dokumentarfilm wesentlich 

geändert haben soll, vermögen die Beschwerdeführenden nicht substanti-

iert darzutun und ist auch nicht ersichtlich. Insbesondere zeigen sie nicht 

auf, von (…) in Afghanistan oder in Pakistan bedroht oder anderweitig an-

gegangen worden zu sein.  

5.3 Schliesslich ist festzuhalten, dass sich J._______ – Bruder sowohl der 

Beschwerdeführerin 2, als auch von G._______ – sowie die Mutter der 

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Seite 10 

Beschwerdeführerin 2 eigenen Angaben zufolge im Juni 2022 in Afghanis-

tan aufgehalten haben. In einem E-Mail vom 29. Juni 2022 führte 

G._______ aus, die beiden Personen müssten baldmöglichst nach Kanda-

har reisen, um das iranische Visum abzuholen, von dort nach Herat und 

dann an die iranische Grenze (vgl. Eingabe vom 4. Juli 2022 im Verfahren 

F-2281/2022). Zu Zwischenfällen mit afghanischen Behörden kam es da-

bei offenbar nicht. Das iranische Konsulat in Kandahar stellte den beiden 

Personen am 23. Juni 2022 ein Visum für den Iran aus, woraufhin sich 

diese in den Iran begaben. Dort trafen sie sich mit zwei in der Schweiz 

wohnhaften Kindern respektive Geschwistern. Wäre die Gefahr einer Re-

flexverfolgung derart hoch, wäre es auch dem Bruder der Beschwerdefüh-

rerin 2 kaum gelungen, sich ohne polizeiliche oder behördliche Intervention 

in Afghanistan aufzuhalten und dort ein iranisches Visum ausstellen zu las-

sen. 

5.4 Von einer offensichtlichen Gefährdung der Beschwerdeführenden in-

folge der nunmehr etliche Jahre zurückliegenden, flüchtlingsrelevanten 

Handlungen von G._______ ist nach dem Gesagten nicht auszugehen. Die 

Rüge einer mangelhaften Auseinandersetzung der Vorinstanz mit der an-

geführten Reflexverfolgung verfängt nicht. Mit Blick auf die Mitwirkungs-

pflicht der Gesuchstellenden und den hier abgeschwächten Untersu-

chungsgrundsatz ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz einen un-

zureichenden Gefährdungsnachweis seitens der Beschwerdeführenden 

annahm (vgl. Urteil des BVGer F-929/2022 vom 7. Februar 2023 E. 4.4.1 

m.w.H.). 

6.  

6.1 Eine Reflexverfolgung aufgrund der angeblichen Tätigkeit der Schwä-

gerin der Beschwerdeführenden 1 und 2 als Schulleiterin oder der behaup-

teten Tätigkeit deren Schwester für (…) ist weder nachgewiesen noch wird 

eine solche von den Beschwerdeführenden hinreichend konkret und plau-

sibel aufgezeigt. Entsprechend sind die im Vergleich zum Asylverfahren 

restriktiveren Anforderungen an den Nachweis einer besonderen Gefähr-

dungssituation für die Erteilung eines humanitären Visums vorliegend nicht 

erfüllt (siehe Urteil des BVGer F-3334/2021 vom 22. April 2022 E. 4.2.2 

m.w.H.; ferner BVGE 2015/5 E. 4.1.3).  

6.2 Was schliesslich die von den Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 

3. September 2023 angeführte Festnahme und Deportation des Beschwer-

deführers 3 anbetrifft, so fehlt es dieser pauschalen Behauptung an einer 

hinreichend begründeten Sachdarstellung, geschweige denn an jeglichem 

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Seite 11 

Beweisfundament in Form einer Urkunde. Die drei hierzu ins Recht geleg-

ten Videoaufnahmen lassen weder eine Verbindung zur Person des Be-

schwerdeführers 3 erkennen, noch sind daraus Rückschlüsse auf einen 

bestimmten Aufenthaltsort möglich. Auf die entsprechende Argumentation 

der Beschwerdeführenden kann deshalb nicht abgestellt werden.  

7.  

Zusammenfassend vermögen die Beschwerdeführenden eine unmittel-

bare, ernsthafte und konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 4 Abs. 2 VEV 

nicht hinreichend aufzuzeigen. Eine besondere Notsituation im Vergleich 

zu anderen afghanischen Staatsangehörigen, die zwingend ein behördli-

ches Eingreifen erforderlich machen würde, liegt auch unter Berücksichti-

gung ihrer Lebensverhältnisse in Pakistan sowie ihrer Zugehörigkeit zur 

Ethnie der Hazara nicht vor (siehe zum Aspekt der zu verneinenden Kol-

lektivverfolgung jüngst das Urteil des BVGer F-4178/2022 vom 25. August 

2023 E. 8.6 m.H.). Der Sachverhalt erweist sich als ausreichend abgeklärt. 

Eine Rückweisung an die Vorinstanz ist nicht vorzunehmen. Die angefoch-

tene Verfügung verletzt Bundesrecht nicht (Art. 49 VwVG). Die Be-

schwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten den un-

terliegenden Beschwerdeführenden aufzuerlegen (vgl. Art. 63 VwVG i.V.m. 

Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

Mit Zwischenverfügung vom 14. Juni 2022 wurde das Gesuch um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch gutgeheissen. Es sind da-

her keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

9.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

F-1838/2022 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden und die Vorinstanz. 

 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Basil Cupa Mathias Lanz 

 

 

 

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