# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c0408981-05fb-5b46-a713-61a1026e231c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.11.2023 F-5600/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-5600-2022_2023-11-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-5600/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  N o v e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Sebastian Kempe (Vorsitz), 

Richter Basil Cupa, 

Richterin Claudia Cotting-Schalch, 

Gerichtsschreiberin Aisha Luisoni. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, 

vertreten durch MLaw Milad Al-Rafu, Beratungsstelle für 

Asyl- und Ausländerrecht Schaffhausen, 

Beschwerdeführer, 

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM, 

Vorinstanz. 

  
 

 
 

Gegenstand 
 Vorläufige Aufnahme; 

Verfügung des SEM vom 24. November 2022. 

 

 

 

F-5600/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der aus Bangladesch stammende Beschwerdeführer reiste am  

10. Dezember 2012 in die Schweiz ein und ersuchte am 11. Dezember 

2012 um Asyl. Nachdem das SEM sein Asylgesuch mit Verfügung vom 

9. Dezember 2014 unter Anordnung einer vollziehbaren Wegweisung ab-

gelehnt und das Bundesverwaltungsgericht die dagegen erhobene Be-

schwerde mit Urteil vom 29. Mai 2015 abgewiesen hatte (Urteil des BVGer 

D-163/2015), stellte er am 22. Februar 2016 ein zweites Asylgesuch. Die-

ses wurde am 11. Januar 2018 unter erneuter Anordnung der Wegweisung 

ebenfalls abgelehnt und die dagegen erhobene Beschwerde ans Bundes-

verwaltungsgericht mit Urteil vom 21. Februar 2018 (D-881/2018) abgewie-

sen. 

B.  

Die ihm mit Verfügung vom 11. Januar 2018 (rechtskräftig geworden am 

22. Februar 2018) angesetzte Ausreisefrist bis zum 8. März 2018 liess der 

Beschwerdeführer ungenutzt verstreichen und verblieb in der Folge rechts-

widrig in der Schweiz. 

C.  

Am 24. Juni 2021 stellte der Beschwerdeführer beim Migrationsamt des 

Kantons Schaffhausen ein Härtefallgesuch. Da es die gesetzlichen Voraus-

setzungen von Art. 14 Abs. 2 des Asylgesetzes (AsylG, SR 142.31) als 

nicht erfüllt erachtete, wies das Migrationsamt das Gesuch am 18. Januar 

2022 ab, beantragte jedoch am 20. Januar 2022 beim SEM seine vorläu-

fige Aufnahme gestützt auf Art. 83 Abs. 6 AIG. Das SEM wies den Antrag 

auf vorläufige Aufnahme mit Verfügung vom 23. März 2022 ab, wogegen 

der Beschwerdeführer am 27. April 2022 erneut Beschwerde beim Bun-

desverwaltungsgericht einreichte. Mangels Leistung des einverlangten 

Kostenvorschusses trat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 

15. Juni 2022 (F-1937/2022) auf die Beschwerde nicht ein (Vorakten 

[SEM-act.] 1), womit die Verfügung vom 23. März 2022 in Rechtskraft er-

wuchs.  

D.  

Mit Eingabe an das SEM vom 22. September 2022 ersuchte der Beschwer-

deführer um Wiedererwägung der vorinstanzlichen Verfügung und bean-

tragte sinngemäss, diese sei infolge massgeblicher Veränderung der Sach-

lage und Vorliegens neuer Beweismittel aufzuheben. Da der Vollzug der 

Wegweisung gegenwärtig unzulässig beziehungsweise unzumutbar sei, 

F-5600/2022 

Seite 3 

sei er vorläufig aufzunehmen (SEM-act. 3). Begründend machte er eine 

Verschlechterung seines Gesundheitszustands und eine ungenügende 

medizinische Versorgung von chronisch Kranken in Bangladesch geltend 

und reichte zwei hausärztliche Kurzbescheinigungen vom 4. August 2022 

und 21. September 2022 ein.  

E.  

Die Vorinstanz ordnete daraufhin am 27. September 2022 im Sinne einer 

vorsorglichen Massnahme die einstweilige Aussetzung des Wegweisungs-

vollzugs gestützt auf Art. 111b Abs. 3 AsylG an (SEM-act. 4). 

F.  

Mit Verfügung vom 24. November 2022, eröffnet am 28. November 2022, 

trat das SEM mangels neuer wesentlicher Tatsachen auf das Wiedererwä-

gungsgesuch vom 22. September 2022 nicht ein und erklärte seine Verfü-

gung vom 23. März 2022 erneut für rechtskräftig und vollstreckbar 

(SEM-act. 6). Gleichzeitig hielt es fest, einer allfälligen Beschwerde komme 

keine aufschiebende Wirkung zu.  

G.  

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 

5. Dezember 2022 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und be-

antragte die Aufhebung der Verfügung vom 24. November 2022 (Akten im 

Beschwerdeverfahren [nachfolgend: BVGer-act.] 1). Die Vorinstanz sei an-

zuweisen, auf sein Wiedererwägungsgesuch einzutreten beziehungsweise 

die Sache sei zwecks Abklärung des Sachverhalts an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. Eventualiter sei ihm eine Nachfrist zu gewähren, um das 

Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft beziehungsweise der Wegweisungs-

vollzugshindernisse im Rahmen der vorliegenden Beschwerde genügend 

begründen zu können.  

In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses sowie die Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als 

unentgeltlichen Rechtsbeistand.  

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 15. Dezember 2022 (BVGer-act. 2) wies das 

Bundesverwaltungsgericht infolge Aussichtslosigkeit der Beschwerde das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab und forderte 

den Beschwerdeführer zur Zahlung eines Kostenvorschusses auf, welchen 

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Seite 4 

er am 17. April 2023 (nach mit Zwischenverfügung vom 24. Januar 2023 

bewilligter Ratenzahlung) vollständig beglich. 

I.  

Per 1. März 2023 hat der vorsitzende Richter das vorliegende Verfahren 

aus organisatorischen Gründen von der vormaligen Instruktionsrichterin 

übernommen. 

J.  

Mit Eingabe vom 22. März 2023 reichte der Beschwerdeführer drei weitere 

Arztberichte zu den Akten (BVGer-act. 6). 

K.  

Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 7. Juni 2023 die 

Abweisung der Beschwerde, da keine neuen Tatsachen oder Beweismittel 

geltend gemacht worden seien. Insbesondere ergebe sich aus den ärztli-

chen Bescheinigungen kein neuer medizinischer Sachverhalt, welcher auf 

eine komplexe und akut lebensbedrohliche Erkrankung hinweise 

(BVGer-act. 10).  

L.  

In seiner Replik vom 17. Juli 2023 hielt der Beschwerdeführer vollumfäng-

lich an seinen Rechtsbegehren fest und reichte zwei weitere Untersu-

chungsberichte ein (BVGer-act. 12).  

M.  

Die Vorinstanz verwies in ihrer Duplik vom 2. August 2023 auf die Erwä-

gungen in ihrer Verfügung vom 24. November 2022, insbesondere liege 

nach wie vor keine komplexe und akut lebensbedrohliche Erkrankung vor 

(BVGer-act. 14).  

N.  

Nachdem das Bundesverwaltungsgericht mit Zwischenverfügung vom 

14. August 2023 den Abschluss des Schriftenwechsels festgestellt hatte, 

reichte der Beschwerdeführer drei weitere Arztberichte und zwei Aufgebote 

zu medizinischen Konsultationen ein (BVGer-act. 16). 

O.  

Auf die detaillierten Ausführungen und Diagnosen sowie den weiteren Ak-

teninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägungen eingegangen.  

 

F-5600/2022 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Der angefochtene Nichteintretensentscheid der Vorinstanz bezieht sich 

auf das Gesuch des Beschwerdeführers um Wiedererwägung der 

vorinstanzlichen Verfügung vom 23. März 2022, mit welcher der Antrag des 

kantonalen Migrationsamts auf vorläufige Aufnahme des 

Beschwerdeführers abgelehnt und der Wegweisungsvollzug erneut als 

zumutbar beurteilt wurde. Das kantonale Migrationsamt hatte die vorläufige 

Aufnahme als Ersatzmassnahme für den Vollzug der Wegweisung 

beantragt, welche das SEM im Rahmen des zweiten negativen 

Asylentscheids vom 11. Januar 2018 verfügt und das 

Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-881/2018 vom 21. Februar 2018 

bestätigt hatte. Das vorliegende Verfahren betreffend vorläufige Aufnahme 

richtet sich deshalb – infolge Akzessorietät zum Wegweisungsverfahren – 

nach den einschlägigen prozessualen Bestimmungen des Asylrechts. 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM ist gemäss 

Art. 105 AsylG Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Nachdem 

gemäss Lehre und Praxis Wiedererwägungsentscheide grundsätzlich wie 

die ursprüngliche Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg 

weitergezogen werden können, ist das Bundesverwaltungsgericht für die 

Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Es entscheidet auf 

dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.3 Das Rechtsmittelverfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und 

dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 6 AsylG; Art. 37 

VGG).  

1.4 Die vorläufige Aufnahme wird durch den Kanton beantragt (Art. 46 

Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 6 AIG). Lehnt das SEM diesen Antrag ab, ist die 

betroffene Person zur Anfechtung dieses Entscheids legitimiert (Urteil des 

BVGer D-524/2011 vom 21. Dezember 2011 E. 1.2 m.H.; vgl. auch Art. 48 

Abs. 1 VwVG). Da sodann Wiedererwägungsentscheide wie die ursprüng-

liche Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen wer-

den können (vgl. Art. 105 AsylG), ist der Beschwerdeführer als Verfügungs-

adressat zur Anfechtung des vorliegenden vorinstanzlichen Entscheids le-

gitimiert. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-

treten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

F-5600/2022 

Seite 6 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren 

das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG 

an die Begründung der Begehren nicht gebunden und kann die Be-

schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-

sen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeit-

punkt seines Entscheids (vgl. BVGE 2014/1 E. 2). 

3.  

Anfechtungsgegenstand der vorliegenden Beschwerde ist der Nichteintre-

tensentscheid des SEM vom 24. November 2022. Das Beschwerdeverfah-

ren beschränkt sich somit auf die Prüfung der Frage, ob das SEM zu Recht 

auf das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetre-

ten ist (vgl. BVGE 2014/39 E. 7.1). Falls die Beschwerdeinstanz den Nicht-

eintretensentscheid als unrechtmässig erachtet, enthält sie sich daher ei-

ner selbstständigen materiellen Prüfung; vielmehr hebt sie die angefoch-

tene Verfügung auf und weist die Sache zur neuen Entscheidung an die 

Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 m.w.H.). 

4.  

4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-

regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein Wiedererwägungsgesuch ist dem SEM 

innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrunds schriftlich 

und begründet einzureichen (Art. 111b Abs. 1 AsylG). Im Übrigen richtet 

sich das Verfahren nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von 

Art. 66-68 VwVG (vgl. Art. 6 AsylG; BVGE 2014/39 E. 5.5). 

4.2 Das Wiedererwägungsgesuch bezweckt primär die Anpassung einer 

ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene er-

hebliche Veränderung der Sachlage (BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls 

die abzuändernde Verfügung unangefochten blieb oder – wie hier – ein 

eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem blossen Prozessentscheid 

abgeschlossen wurde, können auch Revisionsgründe einen Anspruch auf 

Wiedererwägung begründen (vgl. zum sog. «qualifizierten Wiedererwä-

gungsgesuch» BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H. sowie Entscheidungen und 

Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 

Nr. 17 E. 2.a). Revisionsgründe liegen nach Massgabe von Art. 66 Abs. 2 

VwVG insbesondere dann vor, wenn die Partei neue erhebliche Tatsachen 

oder Beweismittel vorbringt; wenn sie nachweist, dass aktenkundige 

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Seite 7 

erhebliche Tatsachen oder bestimmte Begehren übersehen wurden, oder 

wenn sie nachweist, dass ihr rechtliches Gehör oder die Vorschriften über 

den Ausstand verletzt wurden. 

4.3 Beweismittel sind neu, wenn sie entweder neu erfahrene erhebliche 

Tatsachen belegen oder geeignet sind, Tatsachen zu belegen, die zwar im 

früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil der gesuchstel-

lenden Person unbewiesen geblieben sind (BGE 127 V 353 E. 5b). Sollen 

bereits vorgebrachte Tatsachen mit den neuen Mitteln bewiesen werden, 

so hat die Person auch darzutun, dass sie die Beweismittel im früheren 

Verfahren nicht beibringen konnte (BGE 127 V 358 E. 5b, 110 V 141 E. 2, 

293 E. 2a, 108 V 171 E. 1). Erheblich ist ein Beweismittel, wenn angenom-

men werden muss, es hätte zu einem anderen Urteil geführt, falls das Ge-

richt im Hauptverfahren hiervon Kenntnis gehabt hätte (KIENER/RÜT-

SCHE/KUHN, Öffentliches Verfahrensrecht, 3. Aufl. 2021, S. 435). 

4.4 Eine Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig und darf namentlich 

nicht dazu dienen, blosse Urteilskritik zu üben, die Rechtskraft von Verwal-

tungs- und Gerichtsentscheiden immer wieder infrage zu stellen oder die 

Fristen für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu umgehen (vgl. BGE 136 II 

177 E. 2.1). Auf ein Wiedererwägungsgesuch ist nicht einzutreten, wenn 

lediglich eine neue Würdigung der beim früheren Entscheid bereits be-

kannten Tatsachen herbeigeführt werden soll oder Gründe angeführt wer-

den, die bereits in einem ordentlichen Beschwerdeverfahren gegen die 

frühere Verfügung hätten geltend gemacht werden können (vgl. Urteil des 

BVGer D-3173/2021 vom 6. Dezember 2021 E. 4.3 mit Hinweis auf  

EMARK 2000 Nr. 24 E. 5b). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung des hier angefochtenen Nicht-

eintretensentscheids aus, dass die kardiologischen Erkrankungen und die 

weiteren Erkrankungen des Beschwerdeführers wie der Diabetes mellitus 

Typ II, die Hypercholesterinämie und das schwere Lendenwirbelsyndrom 

schon in der Verfügung vom 23. März 2022 berücksichtigt worden seien. 

Die neu diagnostizierte perforierende Kollagenose – eine knötchenbil-

dende, juckende Hauterkrankung – sei eine Nebenerkrankung des Diabe-

tes mellitus. Es handle sich dabei weder um einen eigenständigen noch 

um einen komplexen und akut lebensbedrohlichen medizinischen Sachver-

halt. Zudem äussere sich der hausärztliche «Vierzeiler» weder zum Verlauf 

noch zu aktuellen oder zukünftigen Massnahmen und auch nicht zum Da-

tum der Erstdiagnose der Kollagenose. Aufgrund der Formulierung 

F-5600/2022 

Seite 8 

«verzögertes Abheilen innerhalb eines Jahres» sei vielmehr davon auszu-

gehen, dass die Beschwerden seit rund einem Jahr bestünden. Der Be-

schwerdeführer habe nicht überzeugend dargelegt, inwiefern die neue Er-

krankung seine Umstände wesentlich verändert hätte. 

Das SEM habe zudem bereits im Rahmen seines Asylverfahrens sowie er-

neut vor Erlass der Verfügung vom 23. März 2022 ausgedehnte medizini-

sche Abklärungen unter anderem über die Schweizer Vertretung in Dhaka 

vorgenommen und festgestellt, dass der Zugang zu sämtlichen benötigten 

Medikamenten und Therapien sowie deren Finanzierung gesichert seien. 

Bangladesch verfüge über ein relativ gut funktionierendes Gesundheits-

system. Mangels wesentlicher Änderung seiner Umstände werde auf sein 

Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten.  

5.2 In der Beschwerde vom 5. Dezember 2022 führt der Beschwerdeführer 

aus, dass dem Arztbericht vom 21. September 2022 explizit zu entnehmen 

sei, dass «bei einer Ausweisung in sein Herkunftsland Bangladesch diese 

wichtige medizinische Versorgung des chronisch kranken Patienten nicht 

mehr gewährleistet» sei. Dies decke sich auch mit der Rechtsprechung des 

Bundesverwaltungsgerichts (Urteil des BVGer E-1856/2021 vom 14. Juni 

2021 E. 7.4.4 ff.), wonach in Bangladesch keine staatliche Krankenversi-

cherung existiere und mehrheitlich abgelaufene und teilweise gefälschte 

Medikamente verkauft würden. In Bangladesch sei eine regelmässige ärzt-

liche Behandlung und medikamentöse Therapie seiner Herzkrankheit nicht 

gewährleistet. Ein Unterlassen einer Behandlung könne jedoch ohne Zwei-

fel zu einem vorzeitigen Tod oder schweren gesundheitlichen Beeinträchti-

gungen zu Lebzeiten führen. Im Falle einer Rückschaffung drohe ihm eine 

existenzielle Notlage. Seine Wegweisung sei daher als unzumutbar einzu-

stufen. Das SEM habe die Einschätzung der behandelnden Ärztin, wonach 

die gesundheitliche Versorgung in Bangladesch nicht gewährleistet sei, in 

seiner Verfügung nicht berücksichtigt. Bei dieser Einschätzung handle es 

sich um eine neue Tatsache und eine medizinische Prognose, welche in 

den verschiedenen Asylverfahren in dieser Klarheit noch nicht vorgebracht 

worden sei, weshalb sie als neues Beweismittel einzustufen sei. Zudem sei 

die neu diagnostizierte Kollagenose eine erhebliche Erkrankung, welche 

materiell zu prüfen sei.  

5.3 Zusammenfassend macht der Beschwerdeführer geltend, seit Erlass 

der Verfügung vom 23. März 2022 neu unter folgenden Erkrankungen zu 

leiden, welche zum Zeitpunkt der Verfügung vom 23. März 2022 noch nicht 

bestanden hätten und welche insgesamt lebensbedrohlich seien: 

F-5600/2022 

Seite 9 

Perforierende Kollagenose, geringe Hypokinesie im Herzbereich, mässige 

sinusitische Veränderungen, Eisenmangelanämie und Spannungskopf-

schmerzen. 

Diese Vorbringen lassen sich durch die nachfolgend aufgeführten Arztbe-

richte objektivieren. 

5.3.1 Der Arztbericht der Neurologie Schaffhausen vom 21. Februar 2023 

stellte die Diagnosen Eisenmangelanämie und Kopfschmerzen vom Span-

nungstyp, welche bedarfsweise medikamentös mit Amitriptylin behandelt 

werden könnten. Der Arztbericht der Kardiologie Posthof Neuhausen 

nannte in der Diagnoseliste einen (bereits bekannten) Status nach Nicht-

ST-Hebungs-Myokardinfarkt (NSTEMI) bei koronarer Eingefässerkran-

kung am 18. September 2021 sowie einen Status nach Covid-19-Infektion 

am 8. September 2021, verschrieb eine Anmeldung zu einer nicht-invasi-

ven Ischämie-Testung sowie die Einführung eines sekundärprophylakti-

schen weiteren Medikaments und empfahl eine gute Kontrolle der kardi-

ovaskulären Risikofaktoren. Dem Arztbericht der Klinik für Innere Medizin 

des Kantonsspitals Schaffhausen vom 23. Februar 2023 waren die (unauf-

fälligen) Resultate einer transthorakalen Echokardiographie zu entneh-

men.  

5.3.2 Bei den am 17. Juli 2023 eingereichten Arztberichten handelt es sich 

um zwei Untersuchungsberichte der Radiologie und Nuklearmedizin vom 

21. März 2023 und um einen MRI-Bericht vom 30. März 2023. Den Beur-

teilungen war zu entnehmen, dass keine intrakranielle Raumforderung 

festgestellt wurde und eine mässige polypoide Schleimhautschwellung in 

den Nasennebenhöhlen im Sinne von chronischen sinusitischen Verände-

rungen vorliege. Im MRI wurde keine Ischämie und lediglich eine geringe 

Hypokinesie (verminderte Beweglichkeit des Herzmuskels) festgestellt. 

5.3.3 Mit Eingabe vom 15. August 2023 (BVGer-act. 16) reichte der Be-

schwerdeführer zwei Aufgebote (Aufgebot vom Schmerzspezialisten vom 

8. Juni 2023 und Aufgebot vom 25. Juli 2023 zur radiologischen Untersu-

chung der Nasennebenhöhlen) und drei Arztberichte (Notfallkonsultations-

bericht vom 29. Juli 2023 wegen Schluckaufs; ambulanter Bericht vom 

30. Juli 2023 zur Nachkontrolle des Schluckaufs und Abschlussbericht der 

Physiotherapie vom 4. August 2023) ein. Zur Behandlung des Schluckaufs 

wurde ihm das Medikament Paspertin verschrieben. Im ambulanten Ver-

laufsbericht vom 30. Juli 2023 bescheinigte der Hausarzt ihm einen guten 

Allgemeinzustand und sämtliche Befunde waren unauffällig ausgefallen. 

F-5600/2022 

Seite 10 

Aufgrund seiner craniomandibulären Dysfunktion (einer Funktionsstörung 

im Zusammenspiel zwischen Kiefergelenken, Kaumuskulatur und Zähnen) 

wurde ihm die Fortführung der Physiotherapie empfohlen. 

6.  

6.1  

In Würdigung sämtlicher eingereichter Arztberichte kommt das Bundesver-

waltungsgericht zum Schluss, dass – entgegen den Ausführungen des Be-

schwerdeführers – keine wesentliche Veränderung des medizinischen 

Sachverhalts vorliegt. Die kardiologische Erkrankung, der Diabetes melli-

tus, die Hypercholesterinämie und das Lendenwirbelsäulen-Syndrom wa-

ren schon zum Zeitpunkt der Verfügung vom 23. März 2022 bekannt und 

die Vorinstanz klärte vor Erlass dieser Verfügung sowohl die Verfügbarkeit 

der benötigten Medikamente und Behandlungen als auch deren Finanzier-

barkeit in Bangladesch mit der Vertretung in Dhaka detailliert ab. Zur Kol-

lagenose wurde im Arztbericht vom 4. August 2022 festgehalten, diese be-

stehe bereits seit einem Jahr. Mithin dürfte auch diese schon vor der Ver-

fügung vom 23. März 2022 bestanden haben und dem Beschwerdeführer 

bekannt gewesen sein. Die geringe Hypokinesie im Herzbereich (vermin-

derte Beweglichkeit des Herzmuskels) bedarf – soweit aus den medizini-

schen Unterlagen ersichtlich – keiner zusätzlichen Massnahme. Das Glei-

che gilt für die mässigen sinusitischen Veränderungen. Bei der Kollage-

nose steht die Behandlung der Grunderkrankung beziehungsweise des Di-

abetes mellitus im Vordergrund, welcher beim Beschwerdeführer gut ein-

gestellt ist (BVGer-act. 6; unter «Anamnese» im Arztbericht vom 22. Feb-

ruar 2023). Die Spannungskopfschmerzen dürften bei Bedarf mit Schmerz-

mitteln behandelt werden können und die Eisenmangelanämie mit einer 

einfachen Eisensubstitution. Da ärztlich kein dringender Handlungsbedarf 

festgestellt und auch die Medikamentenliste kaum erweitert wurde, ist nicht 

von einer wesentlichen Gesundheitsverschlechterung – und schon gar 

nicht von neu eingetretenen lebensbedrohlichen Umständen – auszuge-

hen. Diese Einschätzung deckt sich auch mit dem im ambulanten Bericht 

vom 30. Juli 2023 (BVGer-act. 16) hausärztlich festgestellten guten Allge-

meinzustand des Beschwerdeführers.  

Zusammenfassend waren die rechtserheblichen Diagnosen bereits zum 

Zeitpunkt der ursprünglichen Verfügung vom 23. März 2022 bekannt und 

es liegt keine erhebliche Veränderung der Sachlage vor. 

6.2 An dieser Feststellung ändert auch nichts, dass die Hausärztin in ihrem 

Arztbericht vom 21. September 2022 davon ausging, die medizinische 

F-5600/2022 

Seite 11 

Versorgung des Beschwerdeführers sei in seinem Heimatland nicht mehr 

gewährleistet, zumal die Hausärztin nicht erkennbar qualifiziert ist, die me-

dizinische Versorgungslage in Bangladesch zu beurteilen, und ihre Bemer-

kung auch von keinen einschlägigen Quellen gestützt wird, weswegen 

diese als blosse Behauptung zu qualifizieren ist. Entgegen der Ansicht des 

Beschwerdeführers handelt es sich bei dieser hausärztlichen Einschätzung 

nicht um ein neues Beweismittel oder eine neue Tatsache, sondern um 

eine abweichende Würdigung von bereits bekannten Tatsachen. 

Auch der Beschwerdeführer stützt sich bei seiner Behauptung, die medizi-

nische Versorgung, derer er bedürfe, sei in Bangladesch nicht mehr ge-

währleistet, auf keine Quellen, sondern einzig auf das Urteil des Bundes-

verwaltungsgerichts E-1856/2021 (vgl. dazu oben E. 5.2), aus welchem er 

aber nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag. Die Vorinstanz hat nach 

Ausfällung dieses Urteils konkrete und in Berücksichtigung seiner individu-

ellen gesundheitlichen Situation detaillierte Abklärungen getroffen, wonach 

die von ihm benötigten Medikamente und Behandlungen in Bangladesch 

weiterhin verfügbar sind. Hinweise auf fehlende Finanzierungsmöglichkei-

ten in Bangladesch ergeben sich nicht und wurden vom Beschwerdeführer 

auch nicht geltend gemacht. Es besteht daher kein Anlass, von den Er-

kenntnissen der einzelfallspezifischen und nach wie vor aktuellen Abklä-

rung der Vorinstanz abzuweichen. 

7.  

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass keine nachträglich eingetretene er-

hebliche Veränderung der Sachlage vorliegt, weshalb die Vorinstanz zu 

Recht nicht auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten ist.  

8.  

Die Beschwerde ist abzuweisen und die Kosten des Verfahrens sind dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Eine Par-

teientschädigung fällt ausgangsgemäss ausser Betracht (Art. 64 Abs. 1 

VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

F-5600/2022 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 1’200.– werden dem Beschwerdeführer auf-

erlegt. Sie sind durch den in gleicher Höhe einbezahlten Kostenvorschuss 

gedeckt.  

3.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die Vorinstanz und das kan-

tonale Migrationsamt. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Sebastian Kempe Aisha Luisoni 

 

 

 

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