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**Case Identifier:** 22359c78-dd69-5c1d-b90e-4a8e18f27d7d
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-09-01
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 01.09.2014 IV 2012/161
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-161_2014-09-01.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/161

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 08.06.2020

Entscheiddatum: 01.09.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 01.09.2014
Art. 6 und 8 ATSG. Art. 28 ff. IVG. Gutheissung der Beschwerde. Anspruch 
auf eine halbe Invalidenrente aufgrund einer somatoformen Schmerzstörung 
und einer mittelgradigen depressiven Störung (psychische Komorbidität).
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 1. 
September 2014, IV 2012/161). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 
vom 8C_654/2014.

Entscheid Versicherungsgericht, 01.09.2014

Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und

Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiberin Lea Locher

Entscheid vom 1. September 2014

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt Leo R. Gehrer, SwissLegal asg.advocati, 

Kreuzackerstrasse 9, 9000 St. Gallen

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

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betreffend

Rente

Sachverhalt:

A.    

A.a  A.___ meldete sich am 17./18. Dezember 2008 bei der IV-Stelle des Kantons St. 

Gallen zum Bezug einer Rente der Invalidenversicherung an (IV-act. 6). Sie gab an, im 

Jahr 1986 eine Anlehre als Näherin und von 1991 bis 1992 die B.___ Handelsschule 

absolviert zu haben. Von August 2005 bis September 2007 habe sie zu 100 % in der 

Montage gearbeitet. Sie leide unter den folgenden gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen: Brustkrebs links (seit September 2008), Hüft-TEP rechts (Hüft-

Totalendoprothese) und chronische Tendovaginitis der rechten Hand/des rechten 

Unterarms (seit April 2007). Dem Anmeldeformular legte die Versicherte einen Austritts- 

und einen Operationsbericht der Frauenklinik des Kantonsspitals St. Gallen 

(nachfolgend: KSSG) bei (IV-act. 7). Laut diesen Berichten war die Versicherte am 2. 

September 2008 wegen eines wenig differenzierten, invasiv-duktalen Mamma-

Carzinoms links operiert worden. Die Versicherte sei vom 1. bis 30. September 2008 zu 

100 % arbeitsunfähig gewesen.

A.b  Am 4. Februar 2009 reichte die C.___ AG den Fragebogen für Arbeitgebende ein 

(IV-act. 21). Diesem war zu entnehmen, dass das Unternehmen das Arbeitsverhältnis 

per 31. August 2007 gekündigt hatte. Als Begründung war angegeben worden, die 

Versicherte habe die Anforderungen in Bezug auf die Qualität und Quantität nicht er­

füllen können und sie habe nicht über die erforderliche Flexibilität verfügt. Der letzte 

Arbeitstag sei der 10. September 2007 gewesen. Die Versicherte habe seit dem 1. 

August 2005 für die C.___ gearbeitet, seit dem 31. August 2007 als 

Arbeitsvorbereiterin. Seit dem 1. Januar 2007 habe sie einen Jahreslohn von Fr. 

57'200.-- erzielt (exkl. Schichtzulage und Leistungsprämie). Ihre Arbeitsleistung habe 

jedoch lediglich einem monatlichen Lohn von Fr. 3'600.-- entsprochen. Die Tätigkeit 

der Versicherten habe das Montieren und Belichten von Druckplatten beinhaltet. Bei 

diesen Tätigkeiten habe sie Gehen, Stehen und leichte Gewichte heben und tragen 

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müssen. Den beigelegten Lohnauszügen war zu entnehmen, dass die Versicherte im 

Jahr 2007 brutto Fr. 41'742.15 verdient hatte (vgl. auch IK-Auszug: IV-act. 16).

A.c  Der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. D.___, gab in seinem Bericht vom 22. April 

2009 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Mamma-Carzinom 

links, ein Schmerzsyndrom (seit 2007), eine Depression und Schlafstörungen (seit 

September 2008) sowie einen Status nach Hüft-TEP rechts (1995) an (IV-act. 25). Die 

Versicherte sei im April 2007 wegen Schmerzen in der rechten Hand krankgeschrieben 

gewesen und habe nach einem Konflikt mit dem Arbeitgeber die Kündigung erhalten. 

Sie mache zurzeit eine Chemo- und Radiotherapie. Die bisherige Tätigkeit sei aus 

medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar. Der Hausarzt hatte der Versicherten vom 23. 

April bis am 13. Mai 2007, vom 11. bis am 18. April 2008, vom 1. bis am 30. September 

2008 sowie vom 9. Dezember 2008 bis am 21. Januar 2009 eine vollständige 

Arbeitsunfähigkeit attestiert. Ab dem 22. Januar 2009 bis "heute" sei sie zu 50 %

arbeitsunfähig gewesen.

A.d  Am 14. Dezember 2009 reichte die Klinik für Onkologie/Hämatologie des KSSG 

zwei Berichte ein (IV-act. 40). Dem Bericht von Dr. med. E.___ war zu entnehmen, dass 

die Versicherte seit September 2008 an einem Mamma-Carzinom links und einer 

depressiven Erkrankung (ICD-10: F43.21) leide. Die Versicherte habe sich von Oktober 

2008 bis März 2009 einer Chemotherapie und von April bis Mai 2009 einer 

Radiotherapie unterzogen. Aus onkologischer Sicht sei sie seit September 2008 bis auf 

Weiteres zu 50 % arbeitsunfähig. Die bisherige Tätigkeit als Verkäuferin bei der B.___ 

sei ihr aus medizinischer Sicht noch zumutbar. Bei Besserung der depressiven 

Reaktion sei ab Dezember 2009 eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 80 % möglich. 

Laut dem Bericht von F.___, Psychotherapeut FSP, leide die Versicherte aufgrund der 

schweren Belastung durch das Mamma-Carzinom an einer depressiven Reaktion und 

Anpassungsstörung (ICD-10: F 43.21).

A.e  Am 15. Dezember 2009 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass ihr Beratung und 

Unterstützung bei der Stellensuche durch die Eingliederungsberatung gewährt werde 

(IV-act. 42). Vom 3. Mai 2010 bis am 30. Juli 2010 hätte in der G.___ eine berufliche 

Abklärung durchgeführt werden sollen (IV-act. 55). Gemäss dem Kurzbericht der G.___ 

vom 31. Mai 2010 (IV-act. 59) habe die Versicherte schon am zweiten und dritten Tag 

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müde und aufgewühlt gewirkt und erklärt, nicht gut geschlafen zu haben; auch das 

Aufstehen sei ihr sehr schwer gefallen. Am Donnerstag, 6. Mai 2010, habe sie ein 

Arztzeugnis ihres Hausarztes mitgebracht, welches eine Arbeitsunfähigkeit von 75 % 

bescheinigt habe. Am Mittwoch der zweiten Arbeitswoche habe sich die Versicherte 

krank gemeldet. Am 19. Mai 2010 habe sie ein weiteres Arztzeugnis vorgelegt, gemäss 

welchem sie vom 18. Mai 2010 bis am 31. Mai 2010 zu 100 % arbeitsunfähig sei. 

Aufgrund dieses Arbeitsunfähigkeitszeugnisses und weil ihr behandelnder Psychiater 

sie baldmöglichst für einen stationären Aufenthalt in die Psychiatrischen Klinik H.___ 

habe schicken wollen, sei die berufliche Abklärung am 19. Mai 2010 abgebrochen 

worden.

A.f   In seinem Bericht vom 27. September 2010 gab der Hausarzt an, die Versicherte 

sei zurzeit nur zwei Stunden pro Tag arbeitsfähig (IV-act. 70). Sie sei aufgrund der 

Schmerzen des Bewegungsapparates, eines Lymphödems, einer Depression, einer 

körperlichen Müdigkeit, einer Mattigkeit sowie aufgrund eines erhöhten 

Schlafbedürfnisses nicht fähig, einer regelmässigen Arbeit nachzugehen. Seinem 

Bericht legte er verschiedene medizinische Berichte von Fachärzten bei. Gemäss dem 

Bericht vom 16. März 2010 von Dr. med. I.___, Spezialarzt Orthopädie FMH, leide die 

Versicherte an einem Fersensporn beidseits bei Senk- und Spreizfuss und 

Handgelenksschmerzen rechts (IV.act. 70 S. 15). Die Ursache der 

Handgelenksschmerzen sei unklar. Die Neurologie des KSSG hatte am 29. Juni 2010 

die folgende Diagnose gestellt (IV-act. 70 S. 10 f.): Belastungsabhängige Schmerzen im 

Bereich des Thenars und Hypothenars rechts mit begleitenden Dysästhesien unklarer 

Ätiologie (ICD-10: R52.2). Man hatte die Durchführung eines MRI der HWS empfohlen. 

Laut einem Austrittsbericht vom 19. Juli 2010 (IV-act. 70 S. 16 ff.) war die Versicherte 

vom 10. Juni 2010 bis 15. Juli 2010 in der Psychiatrischen Klinik H.___ hospitalisiert 

gewesen. Dem Bericht war die Diagnose einer Anpassungsstörung (längere depressive 

Reaktion, ICD-19: F43.21) zu entnehmen; als Differentialdiagnose wurde eine 

mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) angegeben. Gemäss dem Bericht 

hätten die Frustration und Ungerechtigkeit über die Kündigung durch den letzten 

Arbeitgeber und die anschliessende Arbeitslosigkeit die Versicherte sehr belastet. Sie 

habe im Verlauf psychopatholgisch deutliche Auffälligkeiten in der Affektivität mit 

Ratlosigkeit, Affektarmut, Deprimiertheit, deutlicher innerer Unruhe und 

Insuffizienzgefühle gezeigt. Beim Austritt habe sie noch eine leichte Störung der 

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Vitalgefühle und in der Affektivität eine leichte innere Unruhe gezeigt. Sie habe in einem 

psychisch deutlich stabileren Zustand entlassen werden können.

A.g  Am 20. Dezember 2010 reichte Dr. med. J.___ vom Psychiatrischen Zentrum K.___ 

einen Bericht ein (IV-act. 78). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gab 

er eine seit dem Jahr 2007 bestehende mittelgradige depressive Episode mit 

somatischem Syndrom an (ICD-10: F32.11). Die Versicherte habe ihm geschildert, dass 

die zunehmende depressive Entwicklung nach der Kündigung der letzten Arbeitsstelle 

durch den Arbeitgeber eingetreten sei. Die Brustkrebserkrankung habe diese 

Entwicklung noch deutlich verstärkt. Der Psychiater attestierte der Versicherten ab 

Beginn der Behandlung im Psychiatrischen Zentrum K.___, d.h. ab dem 12. November 

2009, und bis auf Weiteres, eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Er gab weiter an, dass 

die Versicherte aufgrund der depressiven Symptomatik unter einer schnellen 

Ermüdbarkeit, Konzentrationsstörungen und einer verminderten Belastbarkeit leide. Sie 

sei ‒ im Sinne eines Arbeitsversuches ‒ vier Stunden pro Tag arbeitsfähig, wobei ihre 

Leistungsfähigkeit um 30 % vermindert sei. Eine realistische Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit könne jedoch nur durch einen Arbeitsversuch ermittelt werden. 

Versuchsweise könne die Versicherte ab sofort eine Tätigkeit von 25 % (2 Stunden) 

ausüben.

A.h  Das Brustzentrum des KSSG gab in seinem Bericht vom 11. Februar 2011 an, 

dass es keine Anhaltspunkte für ein Rezidiv oder eine Metastasierung gebe (Stand 

Januar 2011; IV-act. 81). Die Versicherte leide an einem chronischen Lymphödem links. 

Aufgrund ihrer Armbeschwerden (Schwellung, Kraftminderung, Sensibilitätsstörung) sei 

sie in der bisherigen Tätigkeit nur noch drei Stunden pro Tag arbeitsfähig. Ihre 

Leistungsfähigkeit sei durch die postoperative, eingeschränkte Armbeweglichkeit, die 

schnelle Ermüdung und die depressionsbedingte Konzentrationsschwäche vermindert. 

Sie sei körperlich und psychisch nicht mehr belastbar. Seit August 2008 sei sie bis auf 

Weiteres aus physischer Sicht zu 70 % arbeitsunfähig. Während dem Bericht am 

Anfang zu entnehmen war, dass die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit nicht 

verbessert werden könne und der Versicherten keine anderen Tätigkeiten zumutbar 

seien, hielt das Brustzentrum später fest, dass die Versicherte in einer 

behinderungsangepassten Tätigkeit 3-4 Stunden pro Tag bzw. 30-40 % arbeitsfähig 

sei und die Arbeitsfähigkeit schrittweise steigerbar sei.

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A.i   Am 20. September 2011 wurde die Versicherte von der Ärztlichen 

Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) polydisziplinär gutachterlich abgeklärt (IV-act. 87). 

Folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden angegeben: 

Mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1), anhaltende somatoforme 

Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), chronische plantare Fersenschmerzen beidseits 

(ICD-10 M79.67/M77.3), chronische Beschwerden an der rechten Hüfte (ICD-10: Z96.6/

M79.65) und chronische Nacken-, Schulter-, Arm- und Handschmerzen der 

dominanten rechten Seite (ICD-10: M54.2/M79.60). Als Diagnosen ohne Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit wurden ein wenig differenziertes, invasiv-duktales Mamma-Carzinom 

links (ICD-10: C50.4) und eine Adipositas (ICD-10: E66.0) angegeben. Die Versicherte 

habe anlässlich der Untersuchung erklärt, sie besuche seit zwei Monaten jeden Morgen 

die psychiatrische Tagesklinik. Sie mache dort eine Maltherapie und arbeite im Atelier. 

Sie habe weiter angegeben, Angst vor einem Tumorrezidiv zu haben sowie antriebslos, 

müde und erschöpft zu sein. Sie leide unter Schmerzen in beiden Beinen, im ganzen 

rechten Arm und in der Hüfte. Nur aus Rücksicht auf ihre Kinder habe sie sich bisher 

noch nicht umgebracht. Im Haushalt sei sie bei schwereren Arbeiten auf Hilfe 

angewiesen. Selber erledige sie noch kleinere Einkäufe und die Wäsche und sie bereite 

einfachere Mahlzeiten zu. Die Tochter helfe ihr gelegentlich im Haushalt. Der 

orthopädische Gutachter kam zum Schluss, dass die beklagten, recht diffusen 

Beschwerden durch die klinischen und radiologischen Befunde nicht vollständig 

begründet werden könnten. Einzig die Beschwerden an beiden Fersen und an der 

rechten Hüfte seien nachvollziehbar. Aus Sicht des Bewegungsapparates bestehe für 

körperlich leichte bis mittelschwere, adaptierte Tätigkeiten unter Wechselbelastung 

eine volle Arbeitsfähigkeit. Dabei sollte das Heben und Tragen von Lasten über 15 kg 

sowie der wiederholte Einsatz der rechten oberen Extremitäten oberhalb der 

Horizontalen vermieden werden. In der allgemein-internistischen Untersuchung hätten 

sich keine weiteren Diagnosen und Befunde mit zusätzlicher Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit finden lassen. Aktuell gebe es keine Hinweise für ein Tumorrezidiv. 

Zwischenzeitlich sei auch die vom KSSG empfohlene MRI-Untersuchung der rechten 

Hand durchgeführt worden. Auch diese habe jedoch keinen Hinweis für die diffus an 

der rechten oberen Extremität angegebenen Beschwerden geben können. Weder das 

moderate Lymphödem an der linken oberen Extremität noch die Adipositas könnten 

eine relevante Arbeitsunfähigkeit begründen. Aufgrund des Tumorleidens könne der 

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Versicherten jedoch eine zwischenzeitliche Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 1. 

September 2008 bis Mai 2009 attestiert werden. In der psychiatrischen Beurteilung 

wurde festgehalten, dass aufgrund der Divergenzen zwischen dem Ausmass der 

geklagten körperlichen Beschwerden und den somatischen Befunden die Diagnose 

einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gestellt werden könne. Die 

Versicherte sei durch ihre ganztägige Berufstätigkeit und ihre Aufgaben als Hausfrau 

und Mutter während Jahren überlastet gewesen. Später sei die Belastung durch ihre 

Krebserkrankung hinzugekommen. Daneben leide die Versicherte auch an einer 

mittelgradigen depressiven Episode. Sie sei freudlos, resigniert, habe kaum Hoffnung 

auf Besserung der Beschwerden, ihr Antrieb sei vermindert, sie zeige einen sozialen 

Rückzug, sei gereizt und psychisch vermindert belastbar. Zudem habe sie über 

Einschlaf- und Durchschlafstörungen sowie einen ausgeprägten Lebensverleider 

geklagt und habe eine ausgeprägte Angst vor einem Rezidiv; sie habe erlebt, wie 

zahlreiche Personen aus ihrer näheren Umgebung an Krebs gestorben seien oder 

wegen Krebs Suizid begangen hätten. Hinweise auf eine schwere depressive Störung 

fehlten. Die Versicherte sei nicht suizidal, könne ihren Haushalt noch weitgehend selbst 

führen und habe nach wie vor eine gute Beziehung zu ihren Familienangehörigen. 

Zudem habe sich die depressive Störung im Rahmen des stationären Aufenthalts in der 

Psychiatrischen Klinik H.___ aufgehellt. Aufgrund der mittelgradigen depressiven 

Episode und der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung bestehe aus 

psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Es liege eine psychische 

Komorbidität von erheblicher Schwere und Dauer vor. Der Eintritt der 

Arbeitsunfähigkeit sei auf den Beginn der ambulanten psychiatrischen Behandlung, 

d.h. auf den November 2009, festzusetzen. Das Psychiatrische Zentrum K.___ habe 

zwar auch eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert, der Versicherten aber 

eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert. Aufgrund einer mittelgradigen depressiven 

Episode könne jedoch keine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Da sich 

die subjektive Krankheitsüberzeugung der Versicherten kaum noch wesentlich 

beeinflussen lasse, seien berufliche Massnahmen nicht erfolgsversprechend. Aus 

polydisziplinärer Sicht schätzten die Gutachter die Arbeitsunfähigkeit für körperlich 

leichte bis mittelschwere adaptierte Tätigkeiten unter Wechselbelastung auf 50 %. 

Dagegen habe der Hausarzt wiederholt teilweise und vollständige Arbeitsunfähigkeiten 

attestiert. Das Brustzentrum des KSSG habe die Arbeitsunfähigkeit auf 70 % 

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geschätzt. Diagnostisch hätten beide jedoch keine anderen Diagnosen erwähnt, als 

anlässlich der gutachterlichen Untersuchung hätten objektiviert werden können. Die 

Diskrepanz der Arbeitsfähigkeitsschätzungen sei dadurch erklärbar, dass der Hausarzt 

und das Brustzentrum offenbar die ihnen fachfremden psychiatrischen 

Einschränkungen zu hoch eingestuft hätten.

A.j   In einer internen Stellungnahme vom 2. Dezember 2011 zum ABI-Gutachten 

erklärte der RAD-Arzt Dr. L.___, es sei nicht a priori nachvollziehbar, dass die Ver­

sicherte neben der halbtägigen Therapie in der Tagesklinik gleichzeitig zu 50 % 

arbeitsfähig sei (IV-act. 88). Im Übrigen könne vollständig auf das Gutachten abgestellt 

werden: Es sei umfassend, konsistent, nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei. 

Auf Nachfrage der IV-Stelle erklärten die Gutachter, dass die medizinisch-theoretische 

Arbeitsfähigkeit von 50 % unabhängig von der aktuellen, tagesklinischen Behandlung 

der Versicherten bestehe (IV-act. 90). Der RAD-Arzt hielt daraufhin fest, dass die 

Antwort der Gutachter eindeutig und die Versicherte demnach aus medizinisch-

theoretischer Sicht in einer adaptierten Tätigkeit seit November 2009 zu 50 % 

arbeitsunfähig sei (IV-act. 91).

B.    

B.a  Mit einem Vorbescheid vom 7. Februar 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten 

mit, dass die Abweisung des Rentenbegehrens vorgesehen sei (IV-act. 95). Die 

Abklärungen hätten ergeben, dass sie seit dem 9. September 2008 in ihrer 

angestammten Tätigkeit als Montage-Mitarbeiterin ununterbrochen arbeitsunfähig 

gewesen sei. Ohne Behinderung hätte sie in ihrer angestammten Tätigkeit ein 

Jahreseinkommen von Fr. 52'265.-- erzielen können. Dieses Einkommen setze sich aus 

dem Jahreseinkommen 2007 von Fr. 52'083.-- gemäss dem IK-Auszug plus der 

Nominallohnentwicklung zusammen. Mit Behinderung sei ihr aus medizinischer Sicht 

eine adaptierte Tätigkeit von 100 % zumutbar. Gemäss der Lohnstrukturerhebung 

(LSE) des Bundesamtes für Statistik des Jahres 2009 sei es ihr zumutbar, ein 

Jahreseinkommen von Fr. 51'368.-- zu erzielen. Aus dem Einkommensvergleich 

resultiere ein Invaliditätsgrad von 2 %, welcher nicht rentenbegründend sei.

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B.b  Am 1. März 2012 erhob die Versicherte einen Einwand gegen den Vorbescheid

(IV-act. 98). Zur Begründung brachte sie vor, dass das ABI in seinem Gutachten eine 

Arbeitsunfähigkeit von 50 % bescheinigt habe. Es sei daher nicht nachvollziehbar, 

weshalb die IV-Stelle davon ausgehe, dass sie zu 100 % arbeitsfähig sei. Wegen dem 

Lymphödem müsse sie den linken Arm mehrmals pro Tag und in der Nacht senkrecht 

nach oben halten. Aufgrund der chronischen Schmerzen sei sie auch im Haushalt nicht 

belastbar. Im Alltag sei sie zum grössten Teil auf die Hilfe ihres Ehemannes und ihrer 

Kinder angewiesen. Wegen der Hüftschmerzen könne sie nicht lange sitzen und wegen 

des Fersensporns beidseits nicht lange stehen und Treppen laufen. Unter Belastung 

nähmen die Schmerzen zu. Deshalb habe sie mehrere Arbeitsabklärungen abbrechen 

müssen. Auch die Behandlung in der Tagesklinik M.___ habe aus diesem Grund 

unterbrochen werden müssen. Nachdem sie jeweils drei bis vier Stunden in der 

Tagesklinik gewesen sei, habe sie mehrere Stunden zur Erholung benötigt. Die 

körperliche und psychische Erschöpfung belaste sie enorm, sie sei ständig 

angespannt, traurig, habe keine Freude und ziehe sich immer mehr zurück. Sie könne 

nicht mehr lange bei der Sache bleiben und vergesse viel. Ihrem Einwand legte die 

Versicherte einen Bericht ihres Hausarztes vom 9. Februar 2012 bei. Er hatte darin die 

bekannten Diagnosen wiederholt und angefügt, dass die mentale Leistungsfähigkeit 

der Versicherten aktuell massiv gestört sei. So habe die Versicherte 

Maltherapiesitzungen im sozialtherapeutischen Zentrum in K.___ abbrechen müssen, 

obwohl damit eigentlich keine starke Belastung einhergehe. Eine länger dauernde 

"adaptierte" Tätigkeit stelle eine ähnliche Situation dar. Regelmässige Tätigkeiten 

könne die Versicherte deshalb lediglich über ein bis zwei Stunden pro Tag ausüben.

B.c  Mit Verfügung vom 20. März 2012 lehnte die IV-Stelle das Rentengesuch aus den 

im Vorbescheid angeführten Gründen ab (IV-act. 99). Zum Einwand nahm sie wie folgt 

Stellung: Die Versicherte wie auch ihr Hausarzt würden die subjektive Sichtweise der 

Versicherten beschreiben, welche für die Schätzung der Arbeitsfähigkeit nicht relevant 

sei. Weiter entspreche die mittelgradige depressive Störung keiner invalidisierenden 

psychischen Komorbidität, da kein von den depressiven Verstimmungszuständen klar 

unterscheidbarer verselbständigter und pathologischer Gesundheitsschaden vorliege. 

Vielmehr leite sie sich aus der vorhandenen Schmerzstörung ab. Aus psychiatrischer 

Sicht bestehe daher eine volle Arbeitsfähigkeit.

C.    

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C.a  Gegen diese Verfügung erhob die Procap St. Gallen-Appenzell am 7. Mai 2012 

namens und mit Vollmacht der Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführerin) 

Beschwerde (act. G 1). Die Vertreterin gab an, dass die Kumulation der 

gesundheitlichen Beeinträchtigungen es der Beschwerdeführerin verunmögliche, einer 

Arbeitstätigkeit nachzugehen. Sie beantragte zudem die unentgeltliche Rechtspflege 

(Befreiung von den Gerichtskosten).

C.b  Mit Schreiben vom 8. Mai 2012 setzte das Versicherungsgericht der Vertreterin 

eine Frist bis am 6. Juni 2012 zur Einreichung der für die Beurteilung des Gesuchs um 

unentgeltliche Rechtspflege notwendigen Unterlagen (act. G 2). Bei Nichteinreichung 

innert angesetzter Frist werde angenommen, dass am Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege nicht festgehalten werde. Gleichentags gewährte das 

Versicherungsgericht der Beschwerdeführerin die bis am 6. Juni 2012 beantragte 

Nachfrist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung (act. G 3).

C.c  Am 23. Mai 2012 teilte Rechtsanwalt L. Gehrer dem Versicherungsgericht mit, 

dass die Beschwerdeführerin ihn mit der Vertretung ihrer Interessen im vorliegenden

Beschwerdeverfahren beauftragt habe. Seinem Schreiben lag eine Vollmacht der

Beschwerdeführerin bei (act. G 4). Antragsgemäss erstreckte das Versicherungsgericht 

die Frist zur Einreichung der Beschwerdeergänzung bis 25. Juni 2012 (act. G 5). Am 6. 

Juni 2012 teilte die Procap mit, dass das Mandat zwischenzeitlich Rechtsanwalt L. 

Gehrer übergeben worden sei und die Procap somit ihre Beschwerde und ihr Mandat 

zurückziehe (act. G 6). Zwei Tage später erklärte die Procap schriftlich, dass das 

Schreiben vom 7. Mai 2012 zu vernichten sei, da es formal unrichtig sei (act. G 7). Sie 

habe mit dem Schreiben lediglich mitteilen wollen, dass sie ihr Mandat niederlege.

C.d  Der Rechtsvertreter reichte die Beschwerdeergänzung am 25. Juni 2012 ein 

(act. G 9). Er beantragte die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die IV-

Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin). Eventualiter sei der Beschwerdeführerin ab 

dem 1. September 2009 mindestens eine halbe IV-Rente zuzusprechen; alles unter 

Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. In formeller 

Hinsicht brachte er vor, dass dem Schreiben der Procap vom 6. Juni 2012 ‒ trotz der 

unglücklichen Formulierung ‒ kein Wille zum Beschwerderückzug zu entnehmen sei. 

Dies habe die Procap mit Schreiben vom 8. Juni 2012 denn auch ausdrücklich 

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bekräftigt. Ein Rückzug durch die Procap hätte am 6. Juni 2012 im Übrigen gar nicht 

mehr erfolgen können, weil ihr Mandat mit seinem Schreiben vom 23. Mai 2012 

widerrufen worden sei. Zur materiellen Begründung der Beschwerde führte der 

Rechtsvertreter an, dass das ABI das Vorliegen einer psychischen Komorbidität von 

erheblicher Schwere und Dauer bejaht habe und die Beschwerdeführerin folglich bei 

zumutbarer Willensanstrengung nicht in der Lage sei, die Folgen ihrer Beschwerden zu 

mehr als der Hälfte zu überwinden. Eine ambulante, stationäre oder auch 

tagesklinische Behandlung vermöge nicht zu einer höheren Arbeitsfähigkeit zu führen. 

Der RAD-Arzt habe das ABI-Gutachten als umfassend, konsistent, nachvollziehbar und 

in sich widerspruchsfrei bezeichnet. Mit der Feststellung, es liege keine psychische 

Komorbidität vor, habe die Beschwerdegegnerin unzulässigerweise eine rein 

medizinische Beurteilung vorgenommen. Sodann hätten neben den Gutachtern 

zahlreiche andere Ärzte Arbeitsunfähigkeiten von mindestens 50 % bis teilweise 100 % 

festgestellt. Die Annahme der Beschwerdegegnerin, die Beschwerdeführerin sei nur zu 

2 % invalid, entbehre daher jeglicher Grundlage. Der Beschwerdeergänzung legte der 

Rechtsvertreter das zitierte Schreiben vom 23. Mai 2012 an die Procap bei (act. G 9.1).

C.e  Am 27. Juli 2012 reichte die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeantwort ein 

(act. G 12). Sie machte geltend, dass die vom ABI festgesetzte Arbeitsunfähigkeit aus 

psychiatrischer Sicht von 50 % nicht im Einklang mit der Rechtsprechung des 

Bundesgerichts stehe. Bei der mittelgradigen depressiven Störung handle es sich um 

eine reaktive Begleiterscheinung zur Schmerzstörung und zur psychosozialen Situation. 

Bei der Beschwerdeführerin bestehe das Hauptproblem darin, dass sie ihre Doppelrolle 

als Vollerwerbstätige und als Hausfrau und Mutter überfordert habe. Es handle sich 

hierbei um psychosoziale Faktoren, die nach der Rechtsprechung für sich allein zu 

keiner Invalidität führten. Die Feststellung der Komorbidität sei im Übrigen eine 

Rechtsfrage und daher auch oder sogar in erster Linie von Nichtmedizinern zu 

beantworten, zumal sich der RAD gar nicht zur Komorbidität geäussert habe. Mit 

Bezug auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung könne vom ABI-Gutachten abgewichen 

werden, ohne dass dem Gutachten deshalb im restlichen Teil (Befunderhebung und 

Diagnosestellung) der Beweiswert abgesprochen werden müsste. Die angefochtene 

Verfügung sei rechtmässig.

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C.f   Am 8. Oktober 2012 reichte der Rechtsvertreter die Replik ein (act. G 16). In 

Ergänzung zur Beschwerdeschrift brachte er vor, dass es sich bei der Frage, ob eine 

psychische Komorbidität vorliege, gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

um eine Tatsachenfeststellung handle; als Rechtsfrage frei überprüfbar sei lediglich, ob 

eine festgestellte psychische Komorbidität hinreichend erheblich sei. Gemäss den ABI-

Gutachtern sei die Überforderung der Beschwerdeführerin in ihrer Doppelrolle als 

Vollerwerbstätige und Hausfrau ‒ entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ‒

nicht die Ursache der depressiven Störung, sondern die Grundlage für die 

somatoforme Schmerzstörung. Dem Gutachten sei zu entnehmen, dass es sich bei der 

mittelgradigen depressiven Störung auch nicht um eine reaktive Begleiterscheinung zur 

Schmerzstörung, sondern um eine völlig unabhängige und verselbständigte Erkrankung 

handle. Das Psychiatrische Zentrum K.___ teile diese Ansicht. Bei der depressiven 

Störung handle es sich nicht um einen ätiologisch-pathogenetisch unerklärlichen 

syndromalen Leidenszustand. Die ABI-Gutachter hätten das Vorliegen einer 

psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere und Dauer ‒ in Kenntnis der 

Rechtsprechung zur somatoformen Schmerzstörung ‒ unmissverständlich bejaht. Das 

Gutachten sei der kleinste gemeinsame Nenner aller ärztlichen Berichte mit 

Berücksichtigung der psychiatrischen Aspekte.

C.g  Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 18).

C.h  Mit Schreiben vom 25. Februar 2013 informierte der Rechtsvertreter darüber, dass 

die Beschwerdeführerin heute bei der N.___ AG tätig sei (act. G 19). Dem Schreiben 

legte er einen Bericht des Hausarztes vom 7. Februar 2013 bei. Diesem Bericht war zu 

entnehmen, dass die Beschwerdeführerin vor einigen Tagen eine neue Stelle mit einem 

Pensum von 20 % angenommen habe. Schon nach kurzer Zeit habe sich gezeigt, dass 

die Arbeitsbelastung von 20 % momentan ihrer physischen Belastungsgrenze 

entspreche. Möglicherweise komme sie aufgrund der Schmerzen in beiden Armen und 

des rechten Beines den Anforderungen der Arbeitsstelle nicht nach. Die 

Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellungnahme hierauf (act. G 20).

Erwägungen:

1.     

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1.1   Die Procap St. Gallen-Appenzell hat am 7. Mai 2012 "vorsorglich" Beschwerde

gegen die Verfügung vom 20. März 2012 erhoben. Eine von der Erfüllung einer 

Bedingung (z.B. dass die betroffene Person der Beschwerdeerhebung noch zustimmen 

werde) abhängende Beschwerdeerhebung kann keine Wirksamkeit entfalten, denn das 

Rechtsmittel der Beschwerde ist bedingungsfeindlich. Wären bedingte Beschwerden 

zulässig, könnte damit nämlich die gesetzliche Beschwerdefrist faktisch ‒

rechtsmissbräuchlich ‒ verlängert werden. Wäre die Beschwerde vom 7. Mai 2012 also 

tatsächlich bedingt erhoben worden, könnte nicht auf sie eingetreten werden. 

Begründet hat die Procap St. Gallen-Appenzell ihre "vorsorgliche" Beschwerde damit, 

dass sie die Sache noch mit der Versicherten besprechen müsse. Deshalb ersuche sie 

um eine Frist bis

6. Juni 2012, um allenfalls eine Beschwerdeergänzung einreichen zu können oder um 

die Beschwerde zurückzuziehen. Das lässt darauf schliessen, dass die Procap

St. Gallen-Appenzell am 7. Mai 2012 nicht "vorsorglich", sondern "definitiv" hat

Beschwerde erheben wollen. Mit dem aus Rechtsunkenntnis verwendeten Begriff 

"vorsorglich" hat sie nur zum Ausdruck bringen wollen, dass sie um eine Nachfrist zur

Beschwerdeergänzung nachsuche. Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.

1.2   Die Beschwerdeführerin hat am 23. März 2012 die Procap St. Gallen-Appenzell 

und am

18. Mai 2012 dann einen Rechtsanwalt mit ihrer Vertretung betraut. Die Procap St. 

Gallen-Appenzell ist vom Rechtsanwalt am 23. Mai 2012 darüber informiert worden, 

dass ihr Mandat erloschen sei. Sie hat darauf reagiert, indem sie am 6. Juni 2012 die 

Beschwerde "und unser Mandat" zurückgezogen hat. Sie hat dies damit begründet, 

dass die Beschwerdeführerin die Angelegenheit einem Rechtsanwalt übergeben habe. 

Da das Mandat der Procap St. Gallen-Appenzell zu diesem Zeitpunkt bereits erloschen 

war, konnte diese die Beschwerde gar nicht mehr wirksam zurückziehen. Im Übrigen 

kann das Schreiben vom 6. Juni 2012 nur so interpretiert werden, dass die Procap St. 

Gallen-Appenzell gar nicht die Beschwerde zurückziehen, sondern nur das Ende des 

Vertretungsverhältnisses mitteilen wollte.

2.     

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/24

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2.1   Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen Renten­

anspruch der Beschwerdeführerin abgelehnt. Strittig ist demnach, ob die 

Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat oder nicht.

2.2   Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder ver­

bessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu 

mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art. 8 

Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder 

teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung 

der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach 

zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust 

der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt 

(Art. 7 Abs. 1 ATSG).

2.3   Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad 

grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung 

gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Valideneinkommen).

3.     

3.1   In medizinischer Hinsicht liegen Berichte des Hausarztes, der Klinik für Onkologie/ 

Hämatologie des KSSG, der Klinik für Neurologie des KSSG, des Brustzentrums des 

KSSG, des Orthopäden Dr. I.___, des Psychiatrischen Zentrums K.___ der 

Psychiatrischen Klinik H.___ sowie ein polydisziplinäres ABI-Gutachten im Recht.

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3.2   Die Sachverständigen haben in diesem Gutachten festgehalten, dass die 

Beschwerdeführerin den Haushalt noch weitgehend selbst führen könne. Im Gegensatz 

dazu hat die Beschwerdeführerin ein halbes Jahr später in ihrer Stellungnahme zum 

Vorbescheid vorgebracht, dass sie aufgrund der chronischen Schmerzen auch im 

Haushalt nicht belastbar sei. Im Alltag sei sie zum grössten Teil auf die Hilfe ihres 

Ehemannes und ihrer Kinder angewiesen. Vorab ist daher zu prüfen, ob sich der 

Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zwischen der Begutachtung und dem 

Verfügungserlass verschlechtert hat. Anlässlich der Begutachtung hat die 

Beschwerdeführerin angegeben, im Haushalt lediglich bei den schwereren Arbeiten auf 

Hilfe angewiesen zu sein. Kleinere Einkäufe und die Wäsche erledige sie selber. Auch 

einfachere Mahlzeiten könne sie alleine zubereiten. Die Tochter helfe ihr nur 

gelegentlich bei der Haushalterledigung. Zwar hat die Beschwerdeführerin in ihrer 

Stellungnahme tatsächlich stärkere Einschränkungen im Haushalt geltend gemacht, als 

sie dies gegenüber den Gutachtern getan hat. Aus ihrer Stellungnahme geht allerdings 

nicht hervor, dass sie damit eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes hätte 

behaupten wollen. Auch ihr Rechtsvertreter hat weder in der Beschwerdeschrift noch in 

der Replik behauptet, dass sich ihr Gesundheitszustand verändert hätte. Der Hausarzt 

hat in seinem Bericht vom 7. Februar 2013 keine neuen Diagnosen angegeben. Es ist 

daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der 

Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zwischen der Begutachtung und dem 

Erlass der angefochtenen Verfügung keine relevante Veränderung erfahren hat.

3.3   Die Befunde und Diagnosen der Gutachter decken sich grundsätzlich mit 

denjenigen der behandelnden Ärzte. Sie sind im Übrigen auch unbestritten. Die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung kann daher gestützt auf die im Gutachten angegebenen 

Diagnosen erfolgen. Dagegen stimmen die Arbeitsfähigkeitsschätzungen der 

behandelnden Ärzte und diejenige der Gutachter nur teilweise überein. Zunächst ist 

daher die Überzeugungskraft bzw. der Beweiswert der im Recht liegenden 

Arbeitsfähigkeitsschätzungen zu prüfen.

3.4   Der Hausarzt hat der Beschwerdeführerin vom 1. September 2008 bis am 21. 

Januar 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und ab dem 22. April 2009 eine solche 

von 50 % attestiert. Am 27. November 2010 hat er mitgeteilt, dass die 

Beschwerdeführerin lediglich zwei Stunden pro Tag arbeitsfähig sei. Aufgrund der 

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Schmerzen des Bewegungsapparates, einem Lymphödem, einer Depression, einer 

körperlichen Müdigkeit, einer Mattigkeit sowie aufgrund eines erhöhten 

Schlafbedürfnisses sei es der Beschwerdeführerin nicht möglich, einer regelmässigen 

Arbeit nachzugehen. Am 25. Februar 2013 hat der Hausarzt angegeben, ein erneuter 

Arbeitsversuch habe gezeigt, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der Schmerzen in 

beiden Armen und im rechten Bein nur 20 % arbeitsfähig sei. Die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung hat nach objektiven Kriterien zu erfolgen. Dies erfordert, 

dass auch geprüft wird, ob die versicherte Person ihre Krankheitsüberzeugung mit 

zumutbarer Willensanstrengung ganz oder teilweise überwinden kann. Hausärzte 

neigen erfahrungsgemäss dazu, die (subjektive) Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung ihrer 

Patienten als objektiv zu betrachten. In der Folge schätzen sie die Arbeitsunfähigkeit 

ihrer Patienten oft zu hoch ein. Dass der Hausarzt im vorliegenden Fall seine 

Arbeitsfähigkeitsschätzung zumindest grösstenteils gestützt auf die subjektive 

Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der Beschwerdeführerin abgegeben hat, geht deutlich 

aus der Arbeitsfähigkeitsschätzung vom 7. Februar 2013 hervor: Bei dieser 

Einschätzung hat er sich auf den Arbeitsversuch bei der N.___ abgestützt. Da nicht 

davon auszugehen ist, dass er die Beschwerdeführerin bei der Arbeit beobachtet hat, 

muss er diese Arbeitsfähigkeitsschätzung gestützt ausschliesslich auf deren 

subjektiven Angaben vorgenommen haben. Hinzu kommt, dass der Hausarzt ‒ bis auf 

seine letzte Arbeitsfähigkeitsschätzung ‒ neben somatischen auch psychische 

Gesundheitsbeeinträchtigungen miteinbezogen hat. Gerade bei psychischen 

Erkrankungen ist es sehr schwierig einzuschätzen, ob eine versicherte Person die 

subjektive Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung durch eine zumutbare Willensanstrengung 

überwinden kann oder nicht. Eine solche Einschätzung muss deshalb durch eine 

psychiatrische Fachperson erfolgen. Eine Einschätzung durch einen praktischen Arzt, 

wie es der Hausarzt ist, reicht nicht aus, um eine überwiegende Wahrscheinlichkeit zu 

begründen. Dr. E.___ von der Klinik für Onkologie/Hämatologie hat die Arbeitsfähigkeit 

der Beschwerdeführerin ab September 2008 auf 50 % geschätzt. Sie hat jedoch 

ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich hier um eine Einschätzung aus 

onkologischer Sicht handle. Ihre Anmerkung, die Arbeitsfähigkeit betrage bei 

Besserung der depressiven Reaktion im Dezember 2009 voraussichtlich 80 %, zeigt 

auf, dass die Krebserkrankung an sich (jedoch nicht mögliche Folgen wie z.B. eine 

Depression) ihrer Meinung nach lediglich eine vorübergehende Einschränkung der 

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Arbeitsfähigkeit zur Folge hat. Auch der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E.___ 

kommt daher nicht die erforderliche Beweiskraft zu. Dasselbe gilt für die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung des Brustzentrums des KSSG, da diese widersprüchlich 

und ungenau ist: In Ziff. 1.2 des Beiblattes zum Arztbericht hat die zuständige Ärztin 

erklärt, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der Armbeschwerden (Schwellung, 

Kraftminderung, Sensibilitätsstörung) noch drei Stunden pro Tag arbeitsfähig sei und 

dass ihr keine anderen Tätigkeiten mehr zumutbar seien (IV-act. 81 S. 1 f.). Im 

Arztbericht (IV-act. 81 S. 3 ff.) hat sie hinzugefügt, dass die Leistungsfähigkeit während 

der dreistündigen Arbeitsfähigkeit um 30 % vermindert sei und dass nicht mehr mit 

einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit gerechnet werden könne (Ziff. 1.7 und 1.9). 

Demgegenüber hat sie in der Beilage zum Arztbericht (Ziff. 3) festgehalten, dass die 

Beschwerdeführerin in einer behinderungsangepassten Tätigkeit drei bis vier Stunden 

täglich arbeitsfähig sei und die Leistungsfähigkeit 30 - 40 % betrage. Entgegen der 

früheren Aussage hat sie nun auch erklärt, dass die Arbeitsfähigkeit schrittweise 

steigerbar sei. Hinzu kommt, dass die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auch als zu 

hoch erscheint. So ist denn der orthopädische Gutachter auch zu einem völlig anderen 

Schluss gekommen, nämlich dass es sich um ein moderates Lymphödem handle, 

welches keine relevante Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermöge. Anders als die 

Psychiatrische Klinik H.___ hat das Psychiatrische Zentrum K.___ eine 

Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Dr. J.___ hat angegeben, dass die 

Beschwerdeführerin seit November 2009 bis auf Weiteres 100 % arbeitsunfähig sei. 

Daneben hat er jedoch auch erklärt, dass eine realistische Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit nur durch einen Arbeitsversuch ermittelt werden könne. Aus dieser 

Aussage geht einerseits hervor, dass Dr. J.___ von seiner Arbeitsfähigkeitsschätzung 

nicht überzeugt ist. Andererseits ist ersichtlich, dass sie ‒ wie diejenige des Hausarztes 

‒ auf der subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der Beschwerdeführerin beruht 

und damit nicht objektiv ist. Aus diesen Gründen fehlt auch der 

Arbeitsfähigkeitsschätzung des Psychiatrischen Zentrums K.___ die notwendige 

Beweiskraft.

3.5   Somit bleibt noch zu überprüfen, ob die Einschätzung der Gutachter geeignet ist, 

die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit zu belegen. Die Gutachter haben die Beschwerdeführerin in 

somatischer Hinsicht für voll arbeitsfähig erklärt. Aus psychiatrischer Sicht sei sie 

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wegen der somatoformen Schmerzstörung und der mittelgradigen depressiven 

Episode zu 50 % arbeitsunfähig. Es bestehe eine psychische Komorbidität von 

erheblicher Schwere und Dauer. Diese Einschätzung sei ab November 2009, dem 

Beginn der psychiatrischen Behandlung durch das Psychiatrische Zentrum K.___ 

gültig.

3.6   Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung begründet ein psychisches Leiden 

als solches noch keine Invalidität. Eine somatoforme Schmerzstörung ‒ wie auch alle 

anderen pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebilder ‒ vermag 

als solche in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität führende 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirken. Ein Abweichen von diesem Grundsatz 

fällt nur dann in Betracht, wenn die festgestellte somatoforme Schmerzstörung nach 

Einschätzung des Arztes eine derartige Schwere aufweist, dass der versicherten 

Person die Verwertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt bei 

objektiver Betrachtung sozial-praktisch nicht mehr zumutbar ist. Die ‒ nur in 

Ausnahmefällen anzunehmende ‒ Unzumutbarkeit einer willentlichen 

Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess setzt das 

Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komorbidität von erheblicher 

Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhandensein anderer, 

qualifizierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien voraus (sog. 

Foerster-Kriterien; BGE 130 V 352 E 2.2.3, mit Hinweisen). Depressive Stimmungslagen 

sind nach der Rechtsprechung in der Regel reaktive Begleiterscheinungen einer 

somatoformen Schmerzstörung und stellen keine selbständige, vom Schmerzsyndrom 

losgelöste psychische Komorbidität dar. Es kann aber auch sein, dass sie sich 

aufgrund ihres Schweregrades von einer somatoformen Störung unterscheiden lassen 

(Urteil des EVG vom 20. April 2004, I 805/04, E. 5.2.1; vgl. auch BGE 130 V 352 E. 

3.3.1).

3.7   Zunächst ist zu prüfen, ob die depressive Störung bereits vor der Erkrankung an 

der somatoformen Schmerzstörung bestanden hat und somit als Hauptkrankheit 

angesehen werden muss. Wäre dies der Fall, könnte es sich bei der depressiven 

Störung zum Vornherein nicht um eine reaktive Begleiterkrankung zur somatoformen 

Schmerzstörung handeln. Da es sich bei einer depressiven Störung nicht um ein 

pathogenetisch-ätiologisch unklares syndromales Beschwerdebild handelt, wäre die 

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oben umschriebene "Schmerzpraxis" des Bundesgerichts auf den vorliegenden Fall 

nicht anwendbar. Einzig der Hausarzt und der psychiatrische Gutachter haben eine 

somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Der psychiatrische Gutachter hat als 

Grund für die somatoforme Schmerzstörung die Überlastung wegen der Doppelrolle als 

Vollerwerbstätige, Hausfrau und Mutter ab dem Jahr 2005 sowie die spätere 

Krebserkrankung angegeben. Daneben leide die Beschwerdeführerin an einer 

mittelgradigen depressiven Episode. Der Gutachter hat zwar nicht direkt erwähnt, was 

die Ursache der depressiven Störung ist. Aus der Umschreibung der depressiven 

Störung (kaum Hoffnung auf Besserung der Beschwerden, ausgeprägte Angst vor 

einem Rezidiv) lässt sich jedoch schliessen, dass er der Ansicht gewesen ist, dass die 

somatoforme Schmerzstörung die depressive Störung zumindest verstärkt hat. Diese 

Annahme lässt sich auch mit der Aussage des Hausarztes vereinbaren, gemäss 

welchem die Schmerzstörung beim "Ausbruch" der depressiven Störung bereits 

bestanden hatte. Auch die Einschätzungen der übrigen Ärzte stehen der Aussage des 

psychiatrischen Gutachters nicht entgegen: Ihrer Meinung nach hat sich die depressive 

Störung entweder im Jahr 2007 oder 2008 und somit erst nach der somatoformen 

Schmerzstörung zu entwickeln begonnen. Hieraus folgt, dass zumindest nicht mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, dass die 

depressive Störung die Hauptkrankheit ist.

3.8   Gemäss dem Bundesgericht handelt es sich bei der Frage, ob eine psychische

Komorbidität vorliegt, um eine Tatsache, deren Feststellung den psychiatrischen 

Fachpersonen obliegt. Hierbei ist von Bedeutung, dass die psychiatrische Exploration 

naturgemäss mit Ermessenszügen behaftet ist. Bei der Frage, ob eine festgestellte 

psychische Komorbidität hinreichend erheblich ist, handelt es sich demgegenüber um 

eine Rechtsfrage (Urteil des Bundesgerichts vom 17. September 2012, 9C_148/2012, 

E. 1.2; BGE 130 V 352 E 2.2.4, mit Hinweisen). Der psychiatrische Gutachter hat das 

Vorliegen einer psychischen Komorbidität bejaht. Es sind keine Gründe ersichtlich, 

weshalb von dieser Einschätzung abgewichen werden sollte, zumal auch der RAD-Arzt 

das Gutachten als umfassend, konsistent, nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei 

beschrieben hat. Es stellt sich somit lediglich die Frage, ob die depressive Episode ‒

entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ‒ hinreichend erheblich und damit als 

ein verselbständigter Gesundheitsschaden angesehen werden muss, oder ob es sich 

bei ihr nur um eine reaktive Begleiterscheinung der somatoformen Schmerzstörung 

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handelt. Die depressive Störung wird von den behandelnden Ärzten und dem 

psychiatrischen Gutachter auf die folgenden Ereignisse zurückgeführt: Die Kündigung 

der Arbeitsstelle und die nachfolgende Arbeitslosigkeit, die Krebserkrankung 

(insbesondere Angst vor Rezidiv) sowie die chronischen (somatoformen) Schmerzen. 

Die mittelgradige depressive Störung ist somit nur teilweise durch die somatoforme 

Schmerzstörung bedingt. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin wegen ihrer 

depressiven Störung und nicht wegen der somatoformen Schmerzstörung im 

Psychiatrischen Zentrum K.___ und in der Psychiatrischen Klinik H.___ behandelt 

worden ist; diese Kliniken hatten nicht einmal die Diagnose einer somatoformen 

Schmerzstörung gestellt. Ein weiterer Hinweis dafür, dass die depressive Störung den 

Charakter einer eigenständigen Erkrankung hat, liegt in der Tatsache, dass sich die 

Beschwerdeführerin wegen der depressiven Störung intensiven psychiatrischen 

Therapien unterzogen hat: So ist sie vom 10. Juni bis am 15. Juli 2010 stationär in der 

Psychiatrischen Klinik H.___ behandelt worden und sie hat von Juli 2011 bis 

mindestens März 2012 ‒ mit Unterbrechung ‒ jeweils halbtags in der Psychiatrischen 

Tagesklinik M.___ eine Maltherapie besucht sowie im Atelier gearbeitet. Zu beachten ist 

des Weiteren, dass der psychiatrische Gutachter die Erheblichkeit der psychischen 

Komorbidität in Kenntnis der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, d.h. insbesondere 

in Kenntnis der Bedeutung der zumutbaren Willensanstrengung als Element des 

Arbeitsfähigkeitsbegriffs, bejaht hat. So hat das Bundesgericht in seinem Entscheid 

vom 14. Februar 2014, 8C_251/2013, E. 4.2.2 denn auch festgehalten, dass beim 

Zusammentreffen einer zuverlässig diagnostizierten depressiven Episode und einer 

somatoformen Schmerzstörung in erster Linie die (fach)ärztlichen Feststellungen zur 

Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsunfähigkeit massgeblich seien. 

Auch der RAD-Arzt hat den von den Gutachtern geschätzten Arbeitsunfähigkeitsgrad 

und damit auch die Annahme einer erheblichen psychischen Komorbidität als 

nachvollziehbar eingestuft; wäre er mit dieser Schlussfolgerung nicht einverstanden 

gewesen, hätte er sich ‒ entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin ‒ in seiner 

Stellungnahme zum Gutachten dazu geäussert. Unter Berücksichtigung aller 

vorangegangenen Argumente kann die depressive Störung nicht als blosse 

Begleiterscheinung zur somatoformen Schmerzstörung angesehen werden. Es liegt 

also mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine erhebliche psychische Komorbidität 

vor, welche es der Beschwerdeführerin teilweise verunmöglicht, die durch die 

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somatoformen Schmerzen bewirkte Überzeugung, vollständig arbeitsunfähig zu sein, 

willentlich zu überwinden. Nicht unberücksichtigt gelassen werden darf auch, dass die 

Beschwerdeführerin gemäss den im Recht liegenden psychiatrischen Einschätzungen 

u.a. an einer verminderter Antriebskraft, schneller Ermüdbarkeit, Gereiztheit, 

verminderter psychischer Belastbarkeit, einem eingeschränkten 

Konzentrationsvermögen, Einschlaf- und Durchschlafstörungen und an einem 

ausgeprägten Lebensverleider leide. Bereits am zweiten und dritten Tag der beruflichen 

Abklärung habe die Beschwerdeführerin müde und aufgewühlt gewirkt. Es ist auch für 

den medizinischen Laien gut nachvollziehbar, dass eine versicherte Person aufgrund 

der genannten depressionstypischen Symptome nicht den ganzen Tag lang eine 

qualitativ und quantitativ volle Arbeitsleistung erbringen kann. Die von den Gutachtern 

abgegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung ist somit schlüssig und gut nachvollziehbar. Es 

ist deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit in körperlich leichten bis mittelschweren, adaptierten

Tätigkeiten unter Wechselbelastung noch zu 50 % arbeitsfähig ist. Die Gutachter 

haben den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit auf den Behandlungsbeginn durch das 

Psychiatrische Zentrum K.___ im November 2009 festgelegt. Auch diese Einschätzung 

überzeugt: So war die Beschwerdeführerin zwar schon ab September 2008 bei F.___, 

einem Psychotherapeuten, in Behandlung gewesen. Aus dessen Bericht geht hervor, 

dass es sich dabei um eine psychoonkologisch orientierte Psychotherapie zur 

Krankheitsverarbeitung unter Berücksichtigung der krankheitsbedingten Impulsivität 

und der depressiven Züge gehandelt hatte. Der Verlauf der Therapie war wellenförmig 

gewesen. Die Behandlung war im März 2009 abgeschlossen worden, da scheinbar kein 

Bedarf mehr an einer psychoonkologischen Behandlung bestanden hatte. In der Folge 

hatte sich die Beschwerdeführerin im November 2009 erstmals in psychiatrische 

Behandlung begeben. Es ist daher davon auszugehen, dass sich die depressive 

Störung erst zwischen März und November 2009 zu einem invalidisierenden 

Gesundheitsschaden entwickelt hat. Der Beginn des Wartejahres ist deshalb auf den 

November 2009 festzulegen. Ein möglicher Rentenanspruch würde folglich ab dem 1. 

November 2010 bestehen.

4.     

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4.1   Der Invaliditätsgrad ist aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen, da 

die Beschwerdeführerin bis zur Kündigung ihrer letzten Arbeitsstelle 100 % 

erwerbstätig gewesen ist. Im vorliegenden Fall besteht die Validenkarriere in der 

hypothetischen weiteren Ausübung der letzten Arbeitstätigkeit als Montage-

Mitarbeiterin. Das Valideneinkommen ist daher anhand jenes Lohnes zu ermitteln, den 

die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns an ihrem 

letzten Arbeitsplatz erzielt hätte. Die Beschwerdeführerin hat bis am 10. September 

2007 bei der C.___ AG gearbeitet und in diesem Jahr einen Bruttolohn von Fr. 41'742.-- 

erzielt. Aufgerechnet auf ein Jahr hat ihr Jahreslohn Fr. 60'108.-- betragen (Fr. 

41'742.--/8 /  x 12). Angepasst an die Nominallohnentwicklung hätte die 

Beschwerdeführerin im Jahr 2010 ein Valideneinkommen von Fr. 60'409.-- erzielen 

können. Die Beschwerdegegnerin hat das Valideneinkommen folglich zu tief eingestuft. 

Das Invalideneinkommen ist ‒ wie die Beschwerdegegnerin richtig erkannt hat ‒

anhand der Tabellenlöhne der LSE zu ermitteln, da der Beschwerdeführerin die 

bisherige Tätigkeit als Montage-Mitarbeiterin nicht mehr zumutbar ist. Die 

Beschwerdeführerin hat eine Anlehre als Näherin absolviert, jedoch lediglich in den 

Jahren 1988-1990 auf diesem Beruf gearbeitet. Von 1995 bis 2005 hat sie in der B.___ 

als Verkäuferin gearbeitet (IV-act. 16 S. 2 f.). Zwar hat es sich von 1995 bis 2000 dabei 

lediglich um einen Zwischenverdienst gehandelt, da sie nebenbei noch eine 

Arbeitslosenentschädigung erhalten hat. Dennoch ist davon auszugehen, dass sie in 

ihrer 10-jährigen Tätigkeit als Verkäuferin bei der B.___ beachtliche Berufserfahrung im 

Detailhandel sammeln konnte. Da es sich hierbei um eine adaptierte Tätigkeit handelt, 

ist von einer Invalidenkarriere als Detailhandelsangestellte auszugehen. Hierfür spricht 

auch die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin ab Anfang 2013 eine Tätigkeit bei der 

N.___ aufgenommen hat. Als Vollerwerbstätige Detailhandelsangestellte hätte die 

Beschwerdeführerin im Jahr 2010, aufgerechnet auf die betriebsübliche 

durchschnittliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden, Fr. 4'534.-- verdienen können (LSE 

2010, TA 1, Sektor 3 Dienstleistungen, Detailhandel, Anforderungsniveau 3). Unter 

Berücksichtigung der reduzierten Arbeitsfähigkeit von 50 % beträgt das 

Invalideneinkommen somit Fr. 27'206.--. Daraus ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 55 

%.

4.2   Damit steht fest, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1. November 2010 einen 

Anspruch auf eine halbe Invalidenrente hat. Die Beschwerde ist deshalb gutzuheissen.

1
3

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5.       

5.1   Die Procap St. Gallen-Appenzell hat in ihrer Beschwerde vom 7. Mai 2012 darum 

ersucht, der Beschwerdeführerin für die Gerichtskosten die unentgeltliche 

Prozessführung zu bewilligen und die Beschwerdeführerin von der Pflicht zur Leistung 

eines Kostenvorschusses zu befreien. Die Gerichtsleitung hat die Procap St. Gallen-

Appenzell am 8. Mai 2012 aufgefordert, das Formular "Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege" auszufüllen und einzureichen. Am 24. Mai 2012 hat die Gerichtsleitung 

dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin die Frist zur Einreichung der Unterlagen 

zum Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege bis 25. Juni 2012 erstreckt. Der 

Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat am 25. Juni 2012 die 

Beschwerdeergänzung eingereicht. Darin hat er nicht um die Befreiung von den 

Gerichtskosten und auch nicht um die Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung ersucht. Er hat auch das entsprechende Gesuchsformular nicht 

eingereicht. Am 2. Juli 2012 hat die Beschwerdeführerin einen Kostenvorschuss von Fr 

600.-- bezahlt. Dieser Verfahrensverlauf lässt darauf schliessen, dass der 

Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin nicht am Gesuch um die Befreiung von den 

Gerichtskosten festgehalten hat und dass er auch kein Gesuch um die Gewährung der 

unentgeltlichen Rechtsverbeiständung gestellt hat. Ohnehin wäre ein solches Gesuch 

bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens gegenstandslos geworden.

5.2   Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des 

Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin 

zurückzuerstatten.

5.3   Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In 

der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 

bis 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 24/24

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22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. In einem Fall 

mit mittlerem Aufwand und Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine 

Pauschalentschädigung von Fr. 3'500.-- ausgerichtet. Die Beschwerdegegnerin hat die 

Beschwerdeführerin entsprechend mit Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und 

Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.    In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 20. März 2012 aufge­

hoben und der Beschwerdeführerin wird rückwirkend ab dem 1. November 2010

eine halbe Rente zugesprochen; die Sache wird zur Ermittlung des Rentenbetrages an 

die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.    Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen; der

geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin 

zurückzuerstatten.

3.      Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'500.-- zu bezahlen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 01.09.2014
	Art. 6 und 8 ATSG. Art. 28 ff. IVG. Gutheissung der Beschwerde. Anspruch auf eine halbe Invalidenrente aufgrund einer somatoformen Schmerzstörung und einer mittelgradigen depressiven Störung (psychische Komorbidität).(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 1. September 2014, IV 2012/161). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts vom 8C_654/2014.

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