# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 202a6fa5-b8ae-5069-92b5-c28305cf9155
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-09-08
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 08.09.2011 IV 2009/232
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2009-232_2011-09-08.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2009/232

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 23.06.2020

Entscheiddatum: 08.09.2011

Entscheid Versicherungsgericht, 08.09.2011
Art. 8, 16 und 43 ATSG. Würdigung medizinischer Gutachten. Verwertbarkeit 
der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit, Zumutbarkeit des 
Berufswechsels (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. 
Gallen vom 8. September 2011, IV 2009/232).

Entscheid Versicherungsgericht, 08.09.2011

Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und 

Marie Löhrer; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Entscheid vom 8. September 2011

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Ueli Kieser, Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Rente

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Sachverhalt:

A.     

A.a   A.___, geboren 1948, meldete sich am 20. Dezember 2007 wegen seit circa 2005 

bestehender Fibromyalgie, Arthrose, Muskel- und Gelenkschmerzen und einer 

Diskushernie zum Bezug einer Teilrente der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des 

Kantons St. Gallen an (IV-act. 13).

A.b   Am 14. Februar 2008 erstattete Dr. med. B.___, Facharzt FMH für 

Allgemeinmedizin, einen Arztbericht zuhanden der IV-Stelle. Er diagnostizierte ein 

Fibromyalgiesyndrom, symptomatische distale Fingerarthrosen sowie eine seit über 20 

Jahren bestehende Lumboischialgie bei Diskushernie L4/5, segmentaler Instabilität 

L4/5 und diskreter Skoliose mit lumbaler Hyperlordose und attestierte eine seit 

1. Dezember 2006 bestehende 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Im Beiblatt zum Arztbericht 

führte Dr. B.___ ergänzend aus, die bisherige Tätigkeit sei im Umfang von etwa vier bis 

fünf Stunden weiterhin zumutbar, eine rückenschonende Tätigkeit mit 

Wechselbelastung sei während etwa fünf Stunden pro Tag zumutbar, entsprechend 

einem Teilzeitpensum von 50–60 % (IV-act. 33–1 ff.). Dem Arztbericht lagen weitere 

medizinische Berichte bei, insbesondere ein Bericht von Dr. med. C.___, Facharzt FMH 

für Rheumatologie, vom 8. Juli 2005 betreffend eine rheumatologische Untersuchung 

vom 21. Juni 2005. Dr. C.___ hatte ein Fibromyalgiesyndrom, eine beginnende 

Fingerpolyarthrose, anamnestisch ein rechtsbetontes Karpaltunnelsyndrom, 

anamnestisch eine rezidivierende Lumboischialgie sowie eine Cholezystektomie circa 

1980 diagnostiziert und festgehalten, aus rheumatologischer Sicht sei die 

Arbeitsfähigkeit in leichten bis mittelschweren körperlichen Tätigkeiten nicht 

eingeschränkt (IV-act. 33–4 ff.).

A.c   Im Auftrag der IV-Stelle erstattete D.___, Facharzt FMH für Innere Medizin und 

Rheumatologie, am 30. Mai 2008 ein rheumatologisches Gutachten. Er diagnostizierte 

im Wesentlichen ein panvertebrales Schmerzsyndrom, eine Cervikobrachialgie 

beidseits, beginnende Fingerpolyarthrosen sowie einen Hallux rigidus bei 

Grosszehengrundgelenksarthrose. Aus rein rheumatologischer Sicht bestehe in der 

zuletzt ausgeübten Tätigkeit im Haushalt eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Ungünstig seien 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

repetitive Belastungen der Handkraft, repetitiv rückenbelastende Tätigkeiten, Arbeiten 

in knienden Positionen sowie Arbeiten im Überkopfbereich, die die Schultergelenke 

oder die Nackenmuskulatur strapazierten. In noch leichteren, den Beschwerden ideal 

angepassten Tätigkeiten bestehe volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 45).

A.d   Am 16. Dezember 2008 fand eine Abklärung im Haushalt der Versicherten statt. 

Im entsprechenden Bericht vom 13. Januar 2009 wurde unter anderem festgehalten, 

die Versicherte sei als zu 90 % Erwerbstätige zu qualifizieren, bezüglich der Tätigkeiten 

im eigenen Haushalt bestehe keine Einschränkung (IV-act. 57).

A.e   Mit Vorbescheid vom 14. Januar 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass bei einem 

Invaliditätsgrad von 18 % (20%ige Einschränkung im Erwerb, keine Einschränkung im 

Haushalt, Berechnung des Invaliditätsgrades nach der so genannten „gemischten 

Methode“) die Abweisung des Rentengesuchs vorgesehen sei (IV-act. 59).

A.f    Am 26. Januar 2009 erhob die Versicherte mündlich Einwände gegen den 

Vorbescheid vom 14. Januar 2009. Sie bemängelte insbesondere die Qualifikation als 

zu 90 % Erwerbstätige sowie das Gutachten von D.___ und beantragte, sie sei als voll 

Erwerbstätige zu qualifizieren und es seien weitere Abklärungen vorzunehmen (IV-

act. 61–1). Gleichentags erhob die Versicherte ergänzend schriftlich Einwände, wobei 

sie insbesondere die Verwertbarkeit der medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit 

in Frage stellte (IV-act. 61–2 f.).

A.g  Die Versicherte liess der IV-Stelle sodann einen Arztbericht von Dr. med. E.___, 

Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, vom 7. April 2009 zugehen. 

Dieser hatte im Wesentlichen ein chronisches Panvertebralsyndrom mit spondylogenen 

Ausstrahlungen in alle Extremitäten, eine Fibromyalgie, Fingerarthrosen, eine 

chronische Cephalea, einen Hallux rigidus sowie eine arterielle Hypertonie 

diagnostiziert und eine maximal 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten sowie in 

leidensadaptierten Tätigkeiten attestiert (IV-act. 64).

A.h   Am 23. April 2009 sprach die Versicherte erneut – in Begleitung eines ihrer 

Arbeitgeber – bei der IV-Stelle vor und übergab der zuständigen Sachbearbeiterin 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

diverse Aufstellungen, die belegen sollten, dass sie vor Eintritt des 

Gesundheitsschadens zu 100 % erwerbstätig gewesen war (IV-act. 65 ff.).

A.i     Nachdem Dr. med. F.___, Fachärztin FMH für Physikalische Medizin und 

Rehabilitation, vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) in einer internen 

Stellungnahme am 4. Mai 2009 festgehalten hatte, dass im Bericht von Dr. E.___ 

lediglich eine unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen 

Sachverhalts zu erblicken und deshalb für die Ermittlung des Invaliditätsgrades auf das 

Gutachten von D.___ abzustellen sei, verfügte die IV-Stelle am 29. Mai 2009 die 

Abweisung des Rentengesuchs bei einem Invaliditätsgrad von 20 %, wobei sie davon 

ausging, dass die Beschwerdeführerin als voll Erwerbstätige zu qualifizieren sei (IV-

act. 70).

B.     

B.a   Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 29. Juni 2009 Beschwerde. Sie 

beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 29. Mai 2009 und die 

Zusprache einer Rente der Invalidenversicherung und führte zur Begründung im 

Wesentlichen aus, dass sich dem Bericht von Dr. E.___ Verschlechterungen des 

Gesundheitszustandes nach der Begutachtung durch D.___ entnehmen liessen, dass 

das Gutachten von D.___ in verschiedener Hinsicht nicht überzeuge und dass sie 

effektiv nur noch in erheblich reduziertem Ausmass erwerbstätig sei und ihr 

Einkommen entsprechend zu einem erheblichen Anteil als Soziallohn zu qualifizieren 

sei (act. G 1).

B.b   Mit Beschwerdeantwort vom 2. September 2009 beantragte die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im 

Wesentlichen aus, der Meinung eines neutralen Experten sei ein grösserer Stellenwert 

beizumessen als derjenigen des erfahrungsgemäss nicht ganz unbefangenen 

behandelnden Arztes, der aufgrund seiner (auftragsrechtlichen) Vertrauensstellung in 

Zweifelsfällen eher zugunsten seiner Patienten aussage, weshalb auf das Gutachten 

von D.___ abzustellen sei (act. G 4).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.c   Am 26. Oktober 2009 erstattete die Beschwerdeführerin die Replik. Sie hielt an 

den mit Beschwerde vom 29. Juni 2009 gestellten Anträgen fest und führte zur 

Begründung ergänzend aus, dass D.___ nicht einmal die von ihr zur Begutachtung 

mitgebrachten Röntgenbilder angesehen habe, dass die Beschwerdegegnerin eine 

einlässliche Würdigung der Widersprüche zwischen den beiden fachärztlichen 

Berichten rechtswidrig unterlassen habe, weshalb sich der Sachverhalt insoweit als 

ungenügend abgeklärt erweise, dass auch D.___ eine auftragsrechtliche Stellung 

innehabe– nämlich zur Beschwerdegegnerin –, dass die Frage der Eingliederung nicht 

genügend geprüft worden sei und dass die Restarbeitsfähigkeit vorliegend nicht 

verwertbar sei (act. G 8).

B.d   Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen:

1.      

Streitig und zu prüfen ist in erster Linie, ob die Beschwerdegegnerin einen Anspruch 

der Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung zu Recht verneint 

hat. Sollte sich ergeben, dass der Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung 

grundsätzlich im Raum stünde, wäre ergänzend zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin 

Eingliederungsmassnahmen zuverlässig geprüft hat.

2.      

2.1    Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen 

des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung 

über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. 

Obwohl der hier zu beurteilende Sachverhalt teilweise den Zeitraum vor deren 

Inkrafttreten beschlägt, sind grundsätzlich die neuen Bestimmungen anzuwenden (vgl. 

Ralph Jöhl, Übergangsrechtliche Probleme im Leistungsrecht der Sozialversicherung, 

Diss., St. Gallen 1996, S. 2 f.). Hinsichtlich der hier einzig relevanten Änderung 

bezüglich des Beginns des Rentenanspruchs ginge damit indessen eine erhebliche 

Schlechterstellung und stossende Ungleichbehandlung gegenüber Versicherten, deren 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Leistungsgesuch vor Inkrafttreten der neuen Bestimmungen beurteilt wurde, einher. 

Dass es angesichts dessen an einer übergangsrechtlichen Regelung fehlt, wird zu 

Recht als auslegungsbedürftige Lücke angesehen (vgl. den Entscheid IV 2009/5 des 

Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 28. Oktober 2009, E. 2). 

Diesbezüglich ist deshalb vorliegend altes Recht anzuwenden (vgl. auch das 

Rundschreiben Nr. 253 des Bundesamtes für Sozialversicherungen vom 12. Dezember 

2007 sowie den Entscheid 8C_312/2009 des Bundesgerichts vom 1. Dezember 2009, 

E. 5.1, mit zahlreichen Hinweisen); im Übrigen kommt neues Recht zur Anwendung.

2.2    Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder 

teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), das heisst der durch 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 

und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung 

gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid 

geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). Bei einem Invaliditätsgrad von 

weniger als 40 % besteht kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung 

(Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG).

2.3    Die Feststellung des Gesundheitsschadens, das heisst die Befunderhebung und 

die gestützt darauf gestellte Diagnose, aber auch die Prognose und die Ätiologie, die 

durch den festgestellten Gesundheitsschaden verursachte Arbeitsunfähigkeit sowie 

das noch vorhandene funktionelle Leistungsvermögen oder das Vorhandensein und die 

Verfügbarkeit von Ressourcen sind Tatfragen (BGE 132 V 398 E. 3.2), deren 

Beantwortung entsprechendes Fachwissen voraussetzt. Im Rahmen des 

Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) hat die IV-Stelle daher in aller Regel 

ärztliche Sachverständige zur Beantwortung dieser Fragen beizuziehen (vgl. Art. 43 

Abs. 2 ATSG und Art. 69 Abs. 2 und 4 IVV), so etwa jene des IV-internen regionalen 

ärztlichen Dienstes (RAD; vgl. Art. 49 Abs. 1 IVV) oder solche einer MEDAS. Aufgabe 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

der IV-Stelle und des Versicherungsgerichts ist es, diese Tatsachen rechtlich zu 

würdigen, das heisst zu beurteilen, ob die ärztlichen Aussagen und Schätzungen die 

zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs erlauben und, falls dies der Fall ist, 

gestützt auf diese Feststellungen sowie die Feststellungen zu den beiden 

Vergleichseinkommen den Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f. 

E. 3.2 f.).

3.      

In medizinischer Hinsicht liegen insbesondere das Gutachten von D.___ sowie die 

Arztberichte von Dr. E.___, Dr. B.___ und Dr. C.___ im Recht. Es ist zu prüfen, ob 

anhand dieser Berichte die zuverlässige Ermittlung des Invaliditätsgrades möglich ist.

3.1    Im Gegensatz zu den übrigen Ärzten gab D.___ seine Beurteilung nicht nur 

gestützt auf die im Rahmen einer ausführlichen Untersuchung erhobenen Befunde, 

sondern auch in Kenntnis sämtlicher relevanter Vorakten ab. Er gelangte dabei im 

Wesentlichen zu denselben Schlüssen wie bereits Dr. C.___ in dessen Bericht vom 

8. Juli 2005, dass nämlich in leichten bis mittelschweren körperlichen Tätigkeiten die 

Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht nicht wesentlich beeinträchtigt sei. Diese 

Schlussfolgerung scheint angesichts der erhobenen Befunde durchaus 

nachvollziehbar. Die davon abweichende Einschätzung von Dr. E.___, der weitgehend 

identische Befunde erhob, die Arbeitsfähigkeit aber auch in leichten bis mittelschweren 

körperlichen Tätigkeiten als erheblich beeinträchtigt qualifizierte, vermag dagegen nicht 

zu überzeugen, lagen doch Dr. E.___ offensichtlich nicht sämtliche relevanten Vorakten 

vor, setzte er sich doch entsprechend auch nicht mit den Einschätzungen von D.___ 

und Dr. C.___ auseinander und begründete er doch schliesslich auch seine 

Schlussfolgerung nicht weiter. Bezüglich leidensadaptierter Tätigkeiten ist daher 

aufgrund des insofern nachvollziehbaren und überzeugenden Gutachtens von D.___ 

von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen.

3.2    Bezüglich Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Haushaltsangestellte 

gelangte D.___ zum Schluss, diese sei lediglich um etwa 20 % beeinträchtigt, wobei 

aber monotone Belastungen wie langdauerndes Staubsaugen, Bügeln oder ungünstige 

Körperpositionen in knieender, vornübergebückter Haltung, Arbeiten im 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Überkopfbereich, mit repetitiv rumpfrotierenden Stereotypien oder mit langdauernd 

erhobenen Armen zu vermeiden und eine freie Einteilbarkeit der anstehenden 

Belastungen sowie die Annahme, dass schweres Heben und Tragen delegiert werden 

könnten, vorauszusetzen seien (vgl. IV-act. 45–10). Diese Einschätzung vermag zwar in 

medizinischer Hinsicht ebenfalls zu überzeugen, trägt aber offensichtlich den 

Gegebenheiten der tatsächlich ausgeübten Tätigkeit zu wenig Rechnung. 

Haushaltsangestelle – so auch die Beschwerdeführerin (vgl. etwa IV-act. 26–9, 32–5, 

35–6 und 44–5) – werden nämlich in aller Regel zur Verrichtung der schwereren 

Tätigkeiten im Haushalt beschäftigt, das heisst insbesondere zum Putzen, Waschen 

und Bügeln. Diese Tätigkeiten erweisen sich nicht nur bezüglich der zu hebenden und 

tragenden Lasten, sondern vor allem auch bezüglich Repetition, Monotonie und 

Körper(zwangs)haltung als eher schwer bzw. im vorliegenden Fall als ungünstige und 

zu vermeidende Arbeiten. Selbstverständlich können sie in aller Regel auch nicht 

delegiert werden, besteht der Sinn und Zweck der Beschäftigung einer 

Hausangestellten doch gerade darin, die entsprechenden Tätigkeiten an diese zu 

übertragen; das Delegieren an eine andere Person ist ausgeschlossen oder jedenfalls 

mit einer Erwerbseinbusse verbunden. Verrichtet die Haushaltsangestellte ihre Arbeit in 

den verschiedenen Fremdhaushalten (Arbeitgebern) jeweils in Teilzeit (stundenweise 

Anstellung, insgesamt aber 100% Erwerbstätigkeit), wie dies bei der 

Beschwerdeführerin der Fall ist, so ist auch eine freie Einteilung der Arbeiten praktisch 

ausgeschlossen. Mit anderen Worten bringt die von der Beschwerdeführerin konkret 

ausgeübte Erwerbstätigkeit in weiten Teilen genau jene Belastungen mit sich, die 

gemäss Gutachten von D.___ an sich vermieden werden sollten. In der angestammten, 

tatsächlich ausgeübten Tätigkeit scheint daher eine 80%ige Arbeits- bzw. 

Leistungsfähigkeit nicht mehr zumutbar. Diesbezüglich vermag die Einschätzung von 

Dr. E.___, der insofern nachvollziehbar darlegte, dass für schwere, aber – u.a. aufgrund 

der Fingerarthrosen – auch für leichtere, typische Haushaltsarbeiten eine erhebliche 

Einschränkung vorliege, eher zu überzeugen. Bezüglich der angestammten Tätigkeit ist 

deshalb von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen.

3.3    Zusammenfassend ist aufgrund der bei den Akten liegenden medizinischen 

Berichte von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in der angestammten Tätigkeit und einer 

solchen von 100 % in leidensadaptierten Tätigkeiten auszugehen.

4.      

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Es ist zu prüfen, in welcher Art und Weise der Beschwerdeführerin die Verwertung der 

medizinisch festgestellten Arbeitsfähigkeit zumutbar ist.

4.1    Der Invaliditätsbegriff im Sinne der oben angeführten Bestimmungen (vgl. E. 2.2) 

setzt bereits begrifflich notwendigerweise nicht nur eine medizinische, sondern auch 

eine erwerbliche Eingliederung voraus. Die erwerbliche Eingliederung kann unter 

Umständen einen Berufswechsel mit sich führen, wobei es sich dabei um einen 

Ausfluss der Schadenminderungspflicht der Versicherten handelt. Diese wird indessen 

– gemäss allgemeinen sozialversicherungsrechtlichen Grundsätzen – durch die 

Zumutbarkeit begrenzt. Ob eine versicherte Person zu einem Berufswechsel 

anzuhalten ist, hängt mithin davon ab, ob ihr dieser zumutbar ist. Bei der Prüfung der 

Zumutbarkeit sind sämtliche Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich 

das Alter der versicherten Person, die Dauer der bisherigen Berufstätigkeit, die 

Qualifikation, die Verbundenheit mit dem Beruf, der Gesundheitszustand und so weiter 

(vgl. Thomas Locher, Die Schadenminderungspflicht im Bundesgesetz vom 19. Juni 

1959 über die Invalidenversicherung, in: Sozialversicherungsrecht im Wandel – 

Festschrift 75 Jahre Eidgenössisches Versicherungsgericht, Bern 1992, S. 428).

4.2    Die 1948 geborene und seit 1980 in der Schweiz lebende Beschwerdeführerin 

absolvierte lediglich die Primarschule in Spanien und erlernte keinen Beruf. Bereits im 

Jahr ihrer Einreise in die Schweiz nahm sie die Tätigkeit als Haushaltsangestellte bei 

einem der Arbeitgeber auf, der sie bis mindestens zum Erlass der angefochtenen 

Verfügung beschäftigt hat (vgl. zum Ganzen IV-act. 13). Dem Auszug aus dem 

Individuellen Konto lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin durchgehend 

seit 1980 als Angestellte in verschiedenen fremden Haushalten arbeitete (vgl. IV-act. 5), 

wobei sie verschiedene Anstellungen während Jahren bzw. Jahrzehnten innehatte und 

teilweise nach wie vor innehat. Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung 

arbeitete die Beschwerdeführerin im Umfang von 50 % als Haushaltshilfe in 

verschiedenen Haushalten; teilweise bezog sie einen Soziallohn, das heisst, der Lohn 

entsprach nicht mehr der tatsächlich noch erbrachten Leistung. In diesem Zeitpunkt 

war sie bereits 61 Jahre alt.

4.3    In Würdigung dieser Tatsachen ist die Zumutbarkeit eines Berufswechsels zu 

verneinen. Die Beschwerdeführerin ist momentan eingegliedert und kommt dabei ihrer 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Schadenminderungspflicht insofern nach, als sie die medizinisch-theoretisch attestierte 

Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ausschöpft. Sie im Alter von über 60 

Jahren zu verpflichten, ihre während über 30 Jahren und nach wie vor ausgeübte 

Tätigkeit aufzugeben und sich eine andere, leidensadaptierte Tätigkeit zu suchen, hätte 

de facto eine Ausgliederung aus dem Erwerbsleben zur Folge. Die schlecht 

ausgebildete, kurz vor der ordentlichen Pensionierung stehende, in schweren wie in 

feinmotorischen Tätigkeiten beeinträchtigte Beschwerdeführerin würde mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit keine geeignete Tätigkeit mehr finden, in der sie die 

medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit von 100 % für leidensadaptierte Tätigkeiten 

verwerten könnte. Zwar ist zu berücksichtigen, dass bei der Frage nach zumutbaren 

Tätigkeiten auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt abzustellen ist, doch dürfen nicht 

realitätsfremde bzw. unmögliche Annahmen getroffen werden. Erscheint das Finden 

einer geeigneten Stelle von vornherein ausgeschlossen, weil die zumutbare Tätigkeit 

nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass der allgemeine Arbeitsmarkt sie 

praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen 

eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre, kann auch unter Berücksichtigung 

des ausgeglichenen Arbeitsmarktes nicht von einer zumutbarerweise verwertbaren 

Tätigkeit gesprochen werden (vgl. etwa den Entscheid U 34/03 des Bundesgerichts 

vom 28. Januar 2004, E. 4.1, mit Hinweisen). Massgebend für die Bemessung des 

Invaliditätsgrades ist deshalb vorliegend die Arbeitsfähigkeit in der angestammten 

Tätigkeit.

5.      

5.1    Der Invaliditätsgrad entspricht mithin dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, beträgt also 

50 %. Damit hat die Beschwerdeführerin gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG Anspruch auf eine 

halbe Rente der Invalidenversicherung.

5.2    In seinem Bericht vom 14. Februar 2008 attestierte Dr. B.___ eine 

Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab 1. Dezember 2006 (vgl. IV-act. 33–1 ff.). Die übrigen 

Arztberichte, namentlich auch das Gutachten von D.___, enthalten keine Angaben zum 

Beginn der Arbeitsunfähigkeit. Einer der Arbeitgeber der Beschwerdeführerin gab aber 

entsprechend dem Arztbericht von Dr. B.___ in seinem Arbeitgeberbericht vom 

18. Januar 2008 an, die Beschwerdeführerin habe das Pensum per 1. Januar 2007 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

reduziert (vgl. IV-act. 25). Gesamthaft ist deshalb davon auszugehen, dass die 

massgebende gesundheitsbedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit per 

1. Dezember 2006 eingetreten ist. Der Rentenbeginn ist deshalb auf den 1. Dezember 

2007 festzusetzen.

6.      

6.1    In diesem Sinne ist die Beschwerde vom 29. Juni 2009 gutzuheissen, die 

angefochtene Verfügung vom 29. Mai 2009 aufzuheben und die Sache zur 

Rentenberechnung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

6.2    Nach Art. 69 Abs. 1  IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die 

Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen 

Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand 

und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt. 

Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint vorliegend angemessen. Nach Art. 95 

Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren 

ganz oder teilweise abgewiesen werden. Angesichts des vollen Unterliegens der 

Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten gesamthaft 

aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin ist der von ihr geleistete Kostenvorschuss 

zurückzuerstatten.

6.3    Die obsiegende Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Parteientschädigung. 

Die Parteikosten werden vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 

61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). In einem Fall mit mittlerem Aufwand und 

Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine Pauschalentschädigung von Fr. 3’500.-- 

ausgerichtet. Insgesamt rechtfertigt sich in der vorliegenden Sache, die Entschädigung 

auf pauschal Fr. 3’500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

entschieden:

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/12

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

1.       In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 29. Mai 

2009 aufgehoben. Die Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine halbe Rente der 

Invalidenversicherung mit Wirkung ab 1. Dezember 2007. Die Sache wird an die 

Beschwerdegegnerin zur Rentenberechnung zurückgewiesen.

2.       Die Beschwerdegegnerin hat Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der 

Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- 

zurückerstattet.

3.       Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 3’500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 08.09.2011
	Art. 8, 16 und 43 ATSG. Würdigung medizinischer Gutachten. Verwertbarkeit der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit, Zumutbarkeit des Berufswechsels (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. September 2011, IV 2009/232).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T12:20:02+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen