# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ef5a7d97-cc68-5174-bd62-9cf5546c7990
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-08-20
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 20.08.2018 SK 2018 19
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2018-19_2018-08-20.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 18 19

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 20. August 2018 

Besetzung Oberrichter Kiener (Präsident i.V.), Oberrichter Schmid, Oberrich-
ter Aebi
Gerichtsschreiber Bruggisser

Verfahrensbeteiligte A.________
v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

Gegenstand Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Oberland (Ein-
zelgericht) vom 13. Oktober 2017 (PEN 17 188)

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Regeste:

Art. 391 Abs. 2 StPO, Art. 42 Abs. 4, Art. 106 StGB; Verschlechterungsverbot im Beru-
fungsverfahren, Verbindungs- und Übertretungsbussen

Eine Erhöhung der Übertretungsbusse im Berufungsverfahren, bei dem das Rechtsmittel 
nur zu Gunsten der beschuldigten Person ergriffen worden ist, verletzt das Verschlechte-
rungsverbot nicht, wenn der Gesamtbetrag der Bussen im Dispositiv aufgrund einer tiefe-
ren Verbindungsbusse im Vergleich zum Gesamtbetrag der Bussen im erstinstanzlichen 
Dispositiv tiefer ausfällt (E. 15).

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 13. Oktober 2017 hat das Regionalgericht Oberland (Einzelgericht; 
nachfolgend: Vorinstanz) Folgendes erkannt (pag. 98 ff.; Hervorhebungen im Origi-
nal):

I.

A.________ wird freigesprochen:

1. von der Anschuldigung der groben Verkehrsregelverletzung, angeblich begangen am 30. Sep-
tember 2016 in Innertkirchen/Meiringen, 

a. durch Überholen von C.________ und Überfahren einer Sicherheitslinie; 

b. durch mehrmaliges starkes Abbremsen vor D.________;

c. durch weitere Überholmanöver von 3 Motorrädern und einem Camper Van. 

2. Die auf den Freispruch entfallende Hälfte der Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus 
Gebühren der Staatsanwaltschaft von CHF 500.00 und Gerichtsgebühren von CHF 2'000.00 
sowie Auslagen von CHF 290.00 insgesamt bestimmt auf CHF 2'790.00, die Hälfte ausma-
chend CHF 1'390.00 werden dem Kanton Bern auferlegt.

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 300.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 1'090.00.

3. A.________ wird eine Entschädigung von CHF 2'509.00 ausgerichtet.

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der groben Verkehrsregelverletzung, begangen am 30. September 2016, in Innertkirchen, ca. 
14:40 Uhr durch Überholen von D.________ trotz Gegenverkehrs und durch knappes Einbiegen 
und Abdrängen des Motorradfahrers D.________. 

2. der einfachen Verkehrsregelverletzung, begangen am 30. September 2016, in Innertkirchen, 
ca. 14:40 Uhr durch Nichtwahren eines ausreichenden Abstandes gegenüber dem vor ihm fah-
renden Motorradlenker C.________. 

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und in Anwendung der Artikel

34, 42 Abs. 2 und 4, 44, 47, 106 StGB
426 Abs. 1 StPO
10 Abs. 2, 12 Abs. 1 VRV
34 Abs. 4, 35 Abs. 2, 90 Abs. 1 und 2 SVG

verurteilt:

3. Zu einer Geldstrafe von 8 Tagessätzen zu CHF 3'000.00, ausmachend total CHF 24'000.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.

4. Zu einer Verbindungsbusse von CHF 6'000.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter 
Nichtbezahlung wird auf 2 Tage festgesetzt.

5. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 300.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 3 Tage festgesetzt.

6. Zur Hälfte der Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren der Staatsanwalt-
schaft von CHF 500.00 und Gerichtsgebühren von CHF 2'000.00 sowie Auslagen von 
CHF 290.00 insgesamt bestimmt auf CHF 2'790.00. Die Hälfte ausmachend CHF 1'390.00.

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 300.00. Die re-
duzierten Verfahrenskosten betragen damit CHF 1'090.00.

7. [Eröffnung und Mitteilungen]

2. Berufung und schriftliches Verfahren

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte/Berufungsführer A.________ (nach-
folgend: Beschuldigter), damals verteidigt durch Rechtsanwalt E.________, mit 
Eingabe vom 16. Oktober 2017 fristgerecht die Berufung an (pag. 102). Die schrift-
liche Urteilsbegründung ist fälschlicherweise auf den 19. Januar 2017 datiert 
(pag. 109 ff.), wobei neben der falschen Jahreszahl auch der Tag nicht zutreffen 
kann, da die Urteilsbegründung den Parteien mit Verfügung vom 17. Januar 2018 
zugestellt wurde (pag. 128 f.). Die vom 31. Januar 2018 datierende Berufungser-
klärung des Beschuldigten ging form- und fristgerecht beim Obergericht des Kan-
tons Bern ein (pag. 135 f.). Darin beschränkte der Beschuldigte die Berufung auf 
den Schuld- und Sanktionspunkt gemäss Ziff. II des vorinstanzlichen Urteilsdisposi-
tivs und beantragte, von beiden Vorwürfen freigesprochen zu werden. Weiter bean-
tragte er, die Verfahrenskosten seien dem Kanton Bern aufzuerlegen und ihm sei 
für die Ausübung seiner Verfahrensrechte eine Parteientschädigung auszurichten.

Seitens der Generalstaatsanwaltschaft wurde weder Anschlussberufung erklärt 
noch wurden Gründe für ein Nichteintreten auf die Berufung geltend gemacht. Mit 
Eingabe vom 12. Februar 2018 teilte sie mit, auf die Teilnahme am oberinstanzli-
chen Verfahren zu verzichten (pag. 141).

Mit Eingabe vom 1. März 2018 teilten Rechtsanwalt B.________ und Rechtsanwäl-
tin F.________ (ehemals G.________) mit, dass das Mandat ab sofort wieder 
durch sie geführt werde (pag. 145; Anwaltsvollmacht, unter Einräumung des Sub-
stitutionsrechts, in den Vorakten, pag. 29). Weiter gaben sie bekannt, dass der Be-
schuldigte mit einem schriftlichen Verfahren einverstanden sei. Gestützt auf 

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Art. 406 Abs. 2 der Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) ordnete der Verfahrens-
leiter mit Verfügung vom 2. März 2018 die Durchführung eines schriftlichen Verfah-
rens an (pag. 147 f.). Innert zweimal erstreckter Frist reichte Rechtsanwalt 
H.________, der sich mit einer Substitutionsvollmacht von Rechtsanwalt 
B.________ legitimierte (pag. 187), namens und im Auftrag des Beschuldigten die 
vom 6. Juni 2018 datierende schriftliche Berufungsbegründung ein (pag. 173 ff.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Praxisgemäss wurden in oberer Instanz ein Bericht über die wirtschaftlichen Ver-
hältnisse (Erhebungsformular vom 19. März 2018, pag. 160 f.) sowie aktuelle Aus-
züge aus dem Strafregister (vom 22. März 2018, pag. 163) und dem eidgenössi-
schen Administrativmassnahmen-Register (ADMAS-Auszug, datierend vom 
6. März 2018, pag. 153) über den Beschuldigten eingeholt.

4. Anträge des Beschuldigten

Die Verteidigung stellte in der Berufungsbegründung vom 6. Juni 2018, wie schon 
zuvor in der Berufungserklärung (pag. 136), die folgenden Anträge (pag. 174):

1. Herr A.________ sei vom Vorwurf der groben Verkehrsregelverletzung freizusprechen (Ziff. II./1. 
des Urteils).

2. Herr A.________ sei vom Vorwurf der einfachen Verkehrsregelverletzung freizusprechen 
(Ziff. II./2. des Urteils).

3. Die auf Herrn A.________ entfallenden Verfahrenskosten im gegen ihn geführten Strafverfahren 
seien dem Kanton Bern aufzuerlegen und Herrn A.________ sei für die Ausübung seiner Ver-
fahrensrechte eine Parteientschädigung nach Massgabe der noch einzureichenden Kostennote 
auszurichten.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte focht das erstinstanzliche Urteil nur in Teilen, beschränkt auf 
Ziff. II des Dispositivs, an. Der nicht angefochtene Freispruch vom Vorwurf der gro-
ben Verkehrsregelverletzung gemäss Ziff. I.1 des Urteilsdispositivs und die dafür 
ausgeschiedenen und dem Kanton Bern zur Zahlung auferlegten hälftigen Verfah-
renskosten von CHF 1'390.00 (Ziff. I.2) sowie die dem Beschuldigten auszurichten-
de Entschädigung von CHF 2'509.00 (Ziff. I.3) sind damit in Rechtskraft erwachsen.

Über die angefochtene Ziff. II des erstinstanzlichen Urteils, insbesondere über die 
Schuldsprüche wegen grober und einfacher Verkehrsregelverletzung und die allen-
falls dafür auszusprechende Strafe, hat die Kammer neu zu befinden. Gegenstand 
des vorinstanzlichen Verfahrens bildete nebst dem Übertretungstatbestand gemäss 
Art. 90 Abs. 1 Strassenverkehrsgesetz (SVG; SR 741.01) mit Art. 90 Abs. 2 SVG 
auch ein Vergehen (vgl. Art. 102 SVG und Art. 333 Abs. 1 Strafgesetzbuch [StGB; 
SR 311.0] i.V.m. Art. 10 Abs. 3 und Art. 103 StGB), sodass der Kammer umfas-
sende Kognition zukommt (vgl. Art. 398 Abs. 2 und Abs. 4 StPO). Da das Rechts-
mittel nur zugunsten des Beschuldigten erhoben wurde, ist die Kammer nach 
Art. 391 Abs. 2 StPO an das Verschlechterungsverbot gebunden, das heisst sie 

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darf das Urteil nicht zum Nachteil des Beschuldigten abändern (sog. Verbot der re-
formatio in peius).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Anklagesachverhalt und Beweisergebnis der Vorinstanz

Im Strafbefehl vom 27. Februar 2017, der vorliegend als Anklageschrift fungiert 
(vgl. Art. 356 Abs. 1 Satz 2 StPO), werden dem Beschuldigten zwei Sachverhalte 
vorgeworfen, die sich beide am 30. September 2016 zwischen 14:40 und 15:30 Uhr 
in Innertkirchen bzw. zwischen Innertkirchen und Meiringen zugetragen haben sol-
len (pag. 23): 

- Der Beschuldigte sei mit seinem Personenwagen in einer Kolonne hinter dem 
Motorradlenker C.________ gefahren, wobei er diesem im Dorf Innertkirchen 
bis auf eine Autolänge auf das Motorrad aufgefahren sei und somit den Ab-
stand nicht ausreichend gewahrt habe.

- Danach soll der Beschuldigte auf der Strecke Innertkirchen in Richtung Interla-
ken auf Höhe Wychel mit seinem Personenwagen trotz regen Gegenverkehrs 
C.________, den hintersten Lenker einer Motorradkolonne bestehend aus rund 
sieben Motorrädern, überholt und dabei eine Sicherheitslinie überfahren haben. 
Auf Höhe des in der Kolonne vor C.________ fahrenden Motorradfahrers 
D.________ habe der Beschuldigte, um eine Kollision mit dem Gegenverkehr 
zu vermeiden, wieder auf seine Fahrbahn einbiegen wollen. Dabei habe er das 
Motorrad abgedrängt, bis D.________ abgebremst und ihn habe einbiegen las-
sen. Als der Beschuldigte mit seinem Personenwagen zurück auf der Fahrbahn 
gewesen sei, habe er unvermittelt mehrmals stark abgebremst, sodass 
D.________ ebenfalls stark habe bremsen müssen. Mit demselben Überhol-
manöver habe er weitere drei Motorräder und anschliessend noch einen Cam-
per Van überholt.

Einzelne Elemente des zweitgenannten Anklagesachverhalts erachtete die Vorin-
stanz für zu wenig konkret, da weder der genaue Vorgang umschrieben noch der 
Ort des Geschehens näher bezeichnet werde (pag. 114 f., S. 6 f. der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung). Aus diesem Grund sprach sie den Beschuldigten vom 
Vorwurf frei, angeblich durch «Überholen von C.________ und Überfahren einer 
Sicherheitslinie», «mehrmaliges starkes Abbremsen vor D.________» und/oder 
«weitere Überholmanöver von 3 Motorrädern und einem Camper Van» eine grobe 
Verkehrsregelverletzung begangen zu haben (vgl. Ziff. I.1 des vorinstanzlichen Ur-
teilsdispositivs, pag. 98). Die Vorinstanz ging damit sinngemäss davon aus, dass 
der Strafbefehl insoweit nicht den gesetzlichen Anforderungen (Art. 325 Abs. 1 Bst. 
f und Art. 353 Abs. 1 Bst. c StPO) entspricht. Wieso sie dann aber entgegen dem 
Vorgehen gemäss Art. 356 Abs. 5 bzw. Art. 329 Abs. 2 StPO oder allenfalls einer 
Einstellung gestützt auf Art. 329 Abs. 4 und 5 StPO zu einem Freispruch kam, legte 
sie in der Urteilsbegründung nicht dar. Da die Freisprüche in Rechtskraft erwach-
sen sind, gilt es diese ungeachtet der Strafprozesskonformität ihrer Entstehung zu 
respektieren.

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Im Übrigen stellte die Vorinstanz auf die für glaubhaft befundenen Aussagen der 
Zeugen ab. Gestützt darauf erachtete sie den Sachverhalt gemäss Strafbefehl 
«bezüglich des Überholens von D.________ trotz Gegenverkehrs und des knappen 
Einbiegens [vor] und Abdrängens von D.________» und bezüglich des Nichtwah-
rens eines ausreichenden Abstands gegenüber C.________ als erwiesen 
(pag. 119, S. 11 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

7. Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung wendet sich gegen die vorinstanzliche Beweiswürdigung und 
macht geltend, die Vorinstanz habe den Sachverhalt unrichtig, teilweise unvollstän-
dig festgestellt sowie die Grundsätze der freien Beweiswürdigung (Art. 10 Abs. 2 
StPO) und in dubio pro reo (Art. 10 Abs. 3 StPO) verletzt (pag. 175 ff.). Zusam-
mengefasst bringt die Verteidigung vor, die Vorinstanz habe in pauschaler Weise 
eine Absprache bzw. Instruktion der Zeugen ausgeschlossen, was aktenwidrig sei. 
Die Zeugen hätten sich untereinander abgesprochen und das Verfahren sei durch 
den zivil fahrenden Polizisten C.________ initiiert worden, worauf der Beschuldigte 
mehrmals hingewiesen habe. Die Zeugen hätten selber zugegeben, dass man sich 
bezüglich Sachverhalt abgesprochen habe. Sie hätten zwar versucht, die Bedeu-
tung dieser Absprachen herunterzuspielen. Daraus sei aber eine Beschwichti-
gungstendenz zu erkennen. In dubio pro reo sei davon auszugehen, dass die Aus-
sagen der Zeugen nicht glaubhaft seien und sie dem Beschuldigten hätten «eins 
auswischen» wollen, weil sie sich vom offensichtlich wohlhabenden, älteren Be-
schuldigten und seinem grossen Fahrzeug bei ihrem gemütlichen Ausflug gestört 
gefühlt hätten. Gegen die Glaubhaftigkeit der Zeugenaussagen spreche auch, dass 
sie dem Beschuldigten weitere Straftaten vorgeworfen hätten, von denen er aber 
freigesprochen worden sei. Die Vorinstanz habe diese Punkte unberücksichtigt ge-
lassen.

Zum angeblichen Überholen trotz Gegenverkehr und Abdrängen weist die Verteidi-
gung zunächst auf Widersprüche in der vorinstanzlichen Urteilsbegründung hin. So 
sei sich die Vorinstanz offenbar nicht im Klaren darüber, wen der Beschuldigte 
überholt haben soll. Manchmal erwähne sie D.________, an gewissen Stellen 
C.________ und in der Subsumtion werde offen gelassen, wer überholt worden 
sein soll. Diese in sich widersprüchlichen Ausführungen würden zeigen, dass die 
Beweiswürdigung unsorgfältig vorgenommen worden sei. Weiter habe die Vorin-
stanz ausgeführt, sämtliche Zeugen hätten beobachtet, dass der Beschuldigte 
C.________ überholt habe. Dies sei aktenwidrig. I.________ und J.________ hät-
ten dies nicht so berichtet. Die Aussage von J.________, er habe im Rückspiegel 
einen Range Rover neben seinem Motorradkollegen gesehen, sei unglaubhaft, weil 
er bei einer Distanz zu D.________ von rund 150 Metern kaum mit einem kurzen 
Blick in den verkleinerten Rückspiegel seines Motorrads habe erkennen können, 
was sich derart weit hinter ihm abgespielt habe. Demgegenüber habe der Beschul-
digte glaubhaft versichert, ruhig gefahren zu sein, die betreffende Strecke gut zu 
kennen und genau zu wissen, wo man problemlos überholen könne. Der Beschul-
digte habe die Zeugen denn auch erst überholt, als dies gefahrlos möglich gewe-
sen sei. Weiter sei der Vorwurf der Vorinstanz nicht nachvollziehbar, wonach die 
Aussagen des Beschuldigten dürftig gewesen seien. In der ersten Einvernahme 

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habe er bereitwillig ausgesagt und die Aussagen an der zweiten Einvernahme 
bestätigt, was nicht zu seinem Nachteil ausgelegt werden dürfe. Zudem sei er in 
gerichtlichen Angelegenheiten unerfahren und würden die eingeräumten Erinne-
rungslücken die Glaubhaftigkeit nicht abwerten. Der Feststellung der Vorinstanz, 
die Schilderungen von C.________ und D.________ zum Wiedereinbiegen des 
Beschuldigten seien glaubhaft, könne nicht gefolgt werden. So könne D.________ 
nicht beurteilen, ob ein hinter ihm fahrendes Auto «plötzlich» zu einem Überhol-
manöver angesetzt haben will. Es sei nicht erstellt, dass D.________ die Einleitung 
des Überholmanövers durch Kopfdrehen oder im Rückspiegel beobachtet habe – 
falls dem doch so wäre, würde es an der Überraschung («plötzlich») fehlen. Völlig 
unberücksichtigt lasse die Vorinstanz, dass D.________ zum Zeitpunkt des angeb-
lichen Vorfalls noch Lernfahrer gewesen und erst seit ca. drei Monaten Motorrad 
gefahren sei. Dass der unerfahrene D.________ durch den überholenden grossen 
Geländewagen des Beschuldigten verunsichert worden sei, sei nachvollziehbar, 
aber kein Beweis oder Indiz dafür, dass der Beschuldigte D.________ abgedrängt 
habe. Es ergebe sich aus der allgemeinen Lebenserfahrung, dass Lernfahrer in 
derartigen Situationen häufig falsch reagieren würden. Aus diesen Gründen seien 
die Aussagen von D.________ und C.________ nicht glaubhaft und nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb die Vorinstanz einseitig auf die Aussagen der Zeugen abgestellt 
habe. Jedenfalls bestünden auch hier vernünftige Zweifel, dass sich der Sachver-
halt so abgespielt habe. Daran würden die Aussagen der Zeugen, der Beschuldigte 
sei rücksichtslos und gefährlich gefahren, nichts ändern. Diese seien viel zu pau-
schal und liessen eine Übertreibungstendenz erkennen.

Zum angeblichen Nichtwahren eines genügenden Abstands gegenüber 
C.________ bringt die Verteidigung im Wesentlichen vor, die Begründung der Vor-
instanz, die Aussagen von C.________ und D.________ dazu seien glaubwürdig, 
weil es plausibel erscheine, dass der Beschuldigte durch das nahe Auffahren die 
Überholdistanz habe verkürzen wollen, sei eine reine Mutmassung. Ausserdem 
habe die Vorinstanz die glaubhaften Aussagen des Beschuldigten, insbesondere 
die Angabe, die Geschwindigkeit der Motorradkolonne habe ca. 40 bis 50 km/h be-
tragen, völlig unberücksichtigt gelassen. Einmal mehr habe die Vorinstanz allein 
auf die Zeugenaussagen abgestellt und sei von einer Geschwindigkeit von mindes-
tens 50 km/h ausgegangen. Die Aussagen der Zeugen betreffend die Geschwin-
digkeit würden aber weit auseinandergehen, seien in sich widersprüchlich und des-
halb nicht glaubhaft. Weiter habe der Beschuldigte glaubhaft angegeben, dass ein 
zu nahes Auffahren aus technischen Gründen nicht möglich sei, weil sein Fahrzeug 
über ein integriertes Radarsystem verfüge, das den Abstand zum Vorfahrer über-
wache und einhalte. Die diesbezügliche Begründung der Vorinstanz, der Beschul-
digte habe nicht nachweisen können, dass das Radarsystem eingeschaltet gewe-
sen sei, verstosse in grober Wiese gegen den Grundsatz in dubio pro reo als Be-
weislastregel. Das angebliche Nichtwahren des genügenden Abstands zu 
C.________ sei damit beweismässig nicht erstellt.

8. Unbestrittener, rechtskräftig beurteilter und bestrittener Sachverhalt

Unbestritten ist, dass der Beschuldigte an jenem 30. September 2016 als Fahrer 
seines Personenwagens der Marke Range Rover vom Tessin über den Nufenen-

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pass, den Grimselpass und anschliessend dem Brienzersee entlang auf dem 
Heimweg nach K.________ war (vgl. pag. 6, Z. 11–14). Damit passierte er auch die 
fragliche Stelle der Kantonsstrasse in und nach der Ortschaft Innertkirchen. Direkt 
vor dem Beschuldigten war eine Motorradkolonne unterwegs, die er dann – 
zunächst ein bis zwei, später die weiteren Motorräder – überholte (vgl. pag. 33). 
Die zeitliche Eingrenzung im Strafbefehl auf zwischen 14:40 und 15:30 Uhr blieb 
ebenfalls unbestritten. Es herrschte, wie auch der Beschuldigte angab (pag. 7, 
Z. 26–31), dichter Verkehr und teilweise Kolonnenverkehr. Die Witterung war tro-
cken und sonnig, die Sichtverhältnisse waren gut (vgl. pag. 2).

Nicht mehr zu beurteilen weil bereits rechtskräftig entschieden sind diejenigen Teile 
des angeklagten Sachverhalts, für die der Beschuldigte rechtskräftig freigespro-
chen worden ist. Dies gilt zunächst für das – als solches unbestrittene – Überholen 
des hintersten Motorrads in der Kolonne, gefahren von C.________, angeblich mit 
Überfahren einer Sicherheitslinie. Weiter nicht mehr Eingang in die Beurteilung fin-
den die Geschehnisse, die sich zugetragen haben, nachdem der Beschuldigte vor 
dem Motorradfahrer D.________ zurück auf den rechten Fahrstreifen eingebogen 
war.

Bestritten und nachfolgend zu ermitteln ist damit zum einen, ob der Beschuldigte 
dem Motorrad von C.________, hinter dem er sich im Dorf Innertkirchen unbestrit-
tenermassen befand, bis auf eine Autolänge auffuhr. Zum anderen ist zu klären, ob 
der Beschuldigte danach den Motorradfahrer D.________ trotz Gegenverkehrs 
überholte, durch knappes Wiedereinbiegen abdrängte und zum Abbremsen zwang. 
Wie erwähnt, geht es nicht mehr um das Überholen von C.________, sondern um 
das gemäss Umschreibung in der Anklageschrift direkt an jenes Überholmanöver 
anschliessende Überholen des vor C.________ in derselben Kolonne fahrenden 
D.________.

Die vorinstanzlichen Ausführungen zu diesem Überholen der hintersten beiden Mo-
torradfahrer der Kolonne erweisen sich in verschiedener Hinsicht als unpräzise und 
teilweise in sich widersprüchlich, worauf die Verteidigung zu Recht hinweist. So 
gab die Vorinstanz, indem sie festhielt, der Beschuldigte sei von der Anschuldigung 
der groben Verkehrsregelverletzung, angeblich begangen «durch das Überfahren 
einer Sicherheitslinie beim Überholen von D.________» freigesprochen worden 
(pag. 114, S. 6 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; Hervorhebungen hinzuge-
fügt), den selber gefällten Freispruch in Bezug auf den überholten Motorradfahrer 
falsch wieder. Zudem ist die Formulierung ungenau, erfolgte der Freispruch doch 
nicht nur bezüglich des Überfahrens der Sicherheitslinie beim Überholen, sondern 
explizit auch hinsichtlich des Überholens (von C.________) selber. Bei der Um-
schreibung des bestrittenen Sachverhalts verwechselte die Vorinstanz wiederum 
die beiden hintersten Motorradfahrer der Kolonne (vgl. pag. 115, S. 7 der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). Gleichwohl lassen die weiteren Erwägungen der 
Vorinstanz (insb. pag. 119, S. 11 [E. II.4.4] der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung) und vor allem die Formulierung im Dispositiv eindeutig erkennen, dass es 
auch ihr ausschliesslich um das Überholen und angebliche Abdrängen des zweit-
hintersten Motorrads in der Kolonne, gefahren von D.________, ging.

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9. Beweismittel

Zur Ermittlung des relevanten Sachverhalts liegen abgesehen von den Satelliten-
aufnahmen des fraglichen Strassenabschnitts (pag. 71, 84) keine objektiven Be-
weismittel wie Fotos, Geschwindigkeits- oder Abstandsmessungen vor. Die Ge-
schehnisse vom 30. September 2016 wurden aber einerseits durch den Beschul-
digten und andererseits teilweise durch die Motorradfahrer, die vom Beschuldigten 
überholt wurden, wahrgenommen. Neben den Angaben des Beschuldigten, der von 
der Polizei und der Vorinstanz zur Sache befragt wurde und seinen Standpunkt 
auch in der Einsprachebegründung darlegte, liegen Aussagen und Angaben von 
drei Motorradfahrern und einer Motorradfahrerin, die sich unbestrittenermassen in 
der Motorradkolonne befanden, vor. Diese subjektiven Beweismittel werden nach-
folgend zusammenfassend wiedergeben.

9.1 Aussagen und Angaben des Beschuldigten

Der Beschuldigte wurde am 1. Dezember 2016 polizeilich zur Sache befragt 
(pag. 6 ff.). Er gab zusammengefasst an, er sei nicht pressiert gewesen. Es sei ei-
ne einzige Kolonnen-Fahrerei über den Grimselpass und dem Brienzersee entlang 
gewesen. In seinem Fahrzeug habe er ein Radarsystem, welches die Distanz zum 
vorderen Fahrzeug kontrolliere und einhalte. Wenn das vor ihm fahrende Fahrzeug 
abbremse, bremse seines ebenfalls ab, wenn das voranfahrende Fahrzeug wieder 
beschleunige, tue dies das seinige auch. Dieses System müsse manuell, via 
Knopfdruck, aktiviert werden und könne – wie er später auf Nachfrage angab – 
auch per Knopfdruck ausgeschaltet werden. Aufgrund des dadurch erleichterten 
Fahrkomforts habe er das System aber immer bzw., wie er dann präzisierte, natür-
lich nicht im Stadtverkehr, aber wenn er über Land fahre, eingeschaltet. Am besag-
ten Tag habe das System wohl eingeschaltet, als er im Tessin auf die Autobahn 
aufgefahren sei. Ein starkes Auffahren, teils weniger als eine Autolänge auf einen 
Motorradfahrer zwischen Innertkirchen bis zur Umfahrungsstrasse Meiringen, sei 
ihm nicht aufgefallen, und er sei sich nicht bewusst, dies gemacht zu haben. Auch 
an ein Überholmanöver bei regem Gegenverkehr möge er sich nicht erinnern. 
Wenn Gegenverkehr geherrscht hätte, hätte er nicht überholt, und er überhole nicht 
über eine Sicherheitslinie. Konfrontiert mit dem Vorwurf, den Motorradfahrer beim 
Wiedereinbiegen abgedrängt zu haben, schüttelte der Beschuldigte den Kopf und 
gab zu Protokoll, sich nicht bewusst zu sein, dass dies so passiert sein sollte. Er 
könne sich dies nicht erklären. Der Beschuldigte vermochte sich auf entsprechende 
Fragen nicht mehr daran zu erinnern, welchen Abstand er zum Motorrad vor ihm 
hatte und ob er auf dieser Strecke überholte. Später führte er aus, dass er sich an 
die Motorradfahrer erinnern könne: «Das war ein Töffclub, das waren ungefähr 15 
Motorräder. Die sind aber Spazieren gefahren. Ich mag mich erinnern, zum Teil 
sind diese so in Schlittenmotorrädern gefahren. Diese sind auch langsam gefahren, 
ich mag mich schon erinnern. Ich bin mir aber nicht bewusst, dass es zu so einer 
Situation kam.»

Weitere Angaben zum Sachverhalt machte die Verteidigung in der Einsprachebe-
gründung vom 12. April 2017 für den Beschuldigten (pag. 33 f.). Er sei der Motor-
radkolonne vom Grimselpass her lange Zeit hinterhergefahren. Aufgrund der vielen 
Kurven sei es ihm lange nicht möglich gewesen, die Motorräder zu überholen. Die 

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relativ lange Motorradkolonne sei sehr gemächlich, mit einer Durchschnittsge-
schwindigkeit von ca. 30 bis 40 km/h Richtung Aareschlucht gefahren. Der Be-
schuldigte habe dann auf der Dorfstrasse in Innertkirchen eine erste Gelegenheit 
gehabt, ein bis zwei Motorräder zu überholen. Dies jedoch auf der geraden, über-
sichtlichen Dorfstrasse. Es treffe nicht zu, dass die jeweils überholten Motorräder 
nach dem Überholmanöver stark hätten abbremsen müssen, um ein Wiedereinbie-
gen des Beschuldigten zu ermöglichen. Es habe sich um völlig normale, ungefähr-
liche Überholmanöver gehandelt, an die sich der Beschuldigte auch erst nach Le-
sen der amtlichen Akten erinnert habe, weil er zu keinem Zeitpunkt davon ausge-
gangen sei, etwas falsch gemacht zu haben.

In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 13. Oktober 2017 bestätigte der 
Beschuldigte seine früheren Aussagen sowie die Darstellung in der Einsprachebe-
gründung (pag. 67). Nach der Einvernahme der Zeugen wurde der Beschuldigte 
erneut befragt (pag. 85 f.). Auf die Frage, wie es mit dem Radargerät sei, wenn er 
bremse, gab er an, dieses springe raus und müsse dann wieder eingeschaltet wer-
den. Weiter ergänzte er unter anderem, er sei hinter der Gruppe hergefahren und 
habe viele knappe Möglichkeiten zum Überholen gehabt. Er habe von zwei Mög-
lichkeiten gewusst, die er für ein Überholmanöver habe nutzen können, was er 
dann auch gemacht habe. Es seien lange und übersichtliche Strecken. Bis vor Frau 
L.________ habe er die Gruppe vor der Aareschlucht überholen können, ansch-
liessend habe er die Restlichen überholt. Die Motorradfahrer seien gemütlich ge-
fahren die ganze Zeit. Die Zeugen würden wohl sinngemäss aussagen wollen, 
dass er schneller als 80 km/h gefahren sei.

9.2 Aussagen und Angaben von C.________

C.________ – von Beruf Polizist (vgl. pag. 2) – hielt seine Wahrnehmungen in ei-
nem vom 4. Oktober 2016 datierenden Bericht schriftlich fest (pag. 4 f.). Demnach 
sei er damals gemeinsam mit J.________, M.________, D.________, N.________ 
und L.________, jeder mit seinem Motorrad, mit ca. 65 km/h in einer Kolonne aus 
einem Camper Van und ca. sieben Motorrädern von Innertkirchen her in Richtung 
Interlaken unterwegs gewesen. Auf der Dorfstrasse habe ein grauer Personenwa-
gen des Typs Range Rover mit dem Kontrollschild BE________ begonnen, ihn 
über die Sicherheitslinie zu überholen, nachdem ihm der Personenwagen schon im 
Dorf Innertkirchen sehr nah, zum Teil weniger als eine Autolänge aufgefahren sei. 
Als der Personenwagen ihn trotz regem Gegenverkehr überholt gehabt habe, habe 
dieser das von D.________ gefahrene Motorrad vor ihm gedrängt, bis dieses ab-
gebremst habe und den Personenwagen habe einbiegen lassen, um eine Kollision 
des grauen Wagens mit dem Gegenverkehr zu vermeiden.

In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 13. Oktober 2017 wurde 
C.________ als Zeuge befragt (pag. 80 ff.). Zunächst bestätigte er seine Angaben 
im Bericht. Weiter gab er zusammengefasst auf entsprechende Fragen an, er und 
mehrheitlich Familienmitglieder sowie eine Kollegin seien damals von O.________ 
(Ortschaft) über den Grimselpass und retour unterwegs gewesen. Sie seien gemüt-
lich unterwegs gewesen, weil noch ein Camper von ihnen dabei gewesen sei. Wie 
schnell, wisse er aber nicht. In Innertkirchen sei ihm ein weisser Personenwagen 
aufgefallen, der ihm relativ nah aufgefahren sei. Nach Innertkirchen habe ihn dieser 

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nach dem kleinen «Inseli» überholt. Auf Vorhalt der abweichenden Ortsangabe von 
D.________ gab er an, er sei nicht hundertprozentig sicher, würde aber sagen, das 
Überholmanöver sei nach dem «Inseli» gewesen und markierte die Stelle auf ei-
nem Ausdruck einer Satellitenaufnahme (pag. 84). Gefragt nach der Gefährlichkeit 
des Manövers sagte er aus, für ihn sei es nicht gefährlich gewesen, aber das Ab-
drängen von D.________ schon. Anschliessend hätten sie in Brienz einen Kaffee 
getrunken und er habe sich zur Verfügung gestellt, die Anzeige zu machen. Die In-
itiative dazu sei von allen gekommen, wahrscheinlich aber hauptsächlich von ihm 
und seinem Vater. Auf spätere Frage der Verteidigung ergänzte er, er habe sich 
zur Verfügung gestellt, da er die Abläufe kenne. Er habe die Beteiligten auf allfälli-
ge Einvernahmen hingewiesen. Über den Vorfall habe man nicht nochmals disku-
tiert, nur über die Vorladungen. Auf Ergänzungsfrage der Verteidigung nach dem 
Tempo, das sie den Grimsel hinunter gehabt hätten, wiederholte C.________, sie 
seien eher gemütlich unterwegs gewesen wegen seinem Vater und dem Schwie-
gervater, D.________ als Anfänger sowie dem Camper vor ihnen. Die Distanz zwi-
schen den Motorrädern sei schwierig zu sagen, habe vielleicht 30 bis 40 Meter be-
tragen, diejenige zu D.________ wohl eher 30 Meter bzw. vielleicht 30 bis 35 Meter 
beim Bremsmanöver. Er habe auch bremsen müssen, um die Distanz zu 
D.________ zu halten. Auf Frage nach der Farbe des Personenwagens gab 
C.________ an, es sei lange her, aber er würde sagen, dieser sei weiss gewesen. 
Auf Vorhalt der Angaben in seinem Bericht räumte er ein, es könne auch sein, dass 
er grau gewesen sei, er könne sich nicht mehr an die Farbe erinnern.

9.3 Aussagen von D.________

In der polizeilichen Einvernahme als Auskunftsperson vom 21. Dezember 2016 
(pag. 14 ff.) sagte D.________ zusammengefasst aus, in Innertkirchen gemerkt zu 
haben, dass ein SUV auf seine Gruppe, in der er als zweithinterster gefahren sei, 
aufgeschlossen habe. Hinter ihm sei sein Schwager C.________, vor ihm seine 
Cousine L.________ gefahren. Sie seien mit ca. 50 km/h unterwegs gewesen. Vor 
der Gruppe sei ein Wohnmobil gefahren. Die Verkehrssituation habe aber nicht zu-
gelassen, dieses zu überholen. In seinem Rückspiegel habe er gesehen, dass der 
Geländewagen sehr nahe aufgefahren sei. Plötzlich habe dieser zu einem Über-
holmanöver angesetzt. Wie die Verkehrssituation in diesem Moment genau gewe-
sen sei, könne er nicht mehr sagen. Das Ansetzen zum Überholmanöver sei kurz 
nach der P.________ (Garage) erfolgt. Der Geländewagen habe auf dieser Strecke 
beschleunigt, um sie zu überholen und kurz vor der folgenden Mittelinsel wieder 
zurück auf ihre Spur gewechselt. Er habe sich mit seinem Motorrad auf der glei-
chen Höhe in der Mitte seiner Fahrspur befunden und habe, als er dies realisiert 
habe, gebremst und sein Motorrad Richtung Strassenrand gelenkt, wodurch er eine 
drohende Kollision habe vermeiden können. Danach schilderte er seine Wahrneh-
mungen über die Geschehnisse in und nach der Aareschlucht, insbesondere auch 
seine Angst um die vor ihm fahrende Cousine. Auf weitere Fragen sagte er aus, 
den genauen Typ des Fahrzeugs nicht nennen zu können, es sei aber ein SUV 
gewesen. Er habe diesen in seinem Rückspiegel in der Ortschaft Innertkirchen 
wahrgenommen. Der Geländewagen habe auf seiner Höhe gegen ihn gelenkt und 
ihn abgedrängt. Wieso der Personenwagen vor ihm habe einbiegen wollen, könne 
er nicht mehr genau sagen, weil es so lange her sei. Entweder sei es wegen der 

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dortigen Mittelinsel oder wegen einem entgegenkommenden Personenwagen ge-
wesen. Gefragt nach seinem Gefühlszustand beim erlebten Manöver gab er zu 
Protokoll, er sei noch nicht so lange, erst seit dem Sommer Motorrad gefahren, ha-
be aber ein gutes Fahrgefühl auf seinem Motorrad. Als er gemerkt habe, dass ein 
grosser Geländewagen auf der linken Spur plötzlich gegen seine Seite eingebogen 
sei, habe er Angst gehabt, weil er gesehen habe, dass die Mittelinsel auf sie zuge-
kommen sei und der Platz nicht für beide reichen würde. Er habe instinktiv ge-
bremst und gehofft, dass dies reichen würde, um eine Kollision zu verhindern.

In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 13. Oktober 2017 bestätigte 
D.________ diese Aussagen auch als Zeuge (pag. 68 ff.). Auf einmal habe ihn ein 
SUV von hinten überholt und wieder auf seine Fahrspur gewechselt. Dabei habe 
der SUV ihn abgedrängt. Er sei sich nicht mehr ganz sicher, ob ein entgegenfah-
rendes Auto gekommen sei. Er, damals noch Lehrfahrer [recte: Lernfahrer], habe 
rechts ausweichen und bremsen müssen. Es sei sehr angsteinflössend gewesen. 
Gefragt nach dem Ort des Vorfalls sagte er aus, es sei bei der P.________ (Gara-
ge) gewesen und zeichnete die Stelle sodann auf einem Ausdruck einer Satelliten-
aufnahme ein (pag. 71). Dass der Personenwagen die Sicherheitslinie überfahren 
habe, könne er nicht bestätigen. Der Beschuldigte sei aber auch danach einfach 
aggressiv gefahren und der vor ihm fahrenden L.________ nahe aufgefahren und 
habe diese später überholt. Gefragt nach der damaligen Geschwindigkeit sagte er 
aus, dies nicht mehr zu wissen. Sie seien bestimmt nicht zu schnell gewesen we-
gen dem Wohnmobil. Nach dem Vorfall seien sie an einem See noch etwas trinken 
gegangen. Dort habe man besprochen, den Lenker anzuzeigen. Die Frage, ob er 
nahe am Sturz gewesen sei, verneinte er. Er habe wohl richtig reagiert – zuvor ha-
be er noch Kurse gehabt, daher sei es ihm auch noch präsent gewesen, wie zu re-
agieren sei. Auf entsprechende Ergänzungsfragen der Verteidigung verneinte er, 
noch mit C.________ über den Vorfall gesprochen zu haben. Sie hätten nur über 
die Zeit der Vorladung gesprochen, nicht über Details. Er selber habe nicht Anzeige 
erstattet, weil sie als ganze Gruppe unterwegs gewesen seien. Es sei vereinbart 
worden, dass dies C.________ übernehme, weil er als Polizist am besten gewusst 
habe wie. Dass er mit seiner Cousine L.________ im letzten Jahr darüber gespro-
chen habe, könne sein. Es könne gut sein, dass sie nochmal darüber gesprochen 
hätten. Dasselbe gelte für C.________.

9.4 Aussagen von J.________

Am 23. Dezember 2016 wurde J.________ polizeilich als Auskunftsperson zum 
Vorfall befragt (pag. 11 ff.). Er schilderte Geschehnisse, die auf der Umfahrungs-
strasse von Meiringen Richtung Brienz stattgefunden haben sollen. Was sich vor-
her – das heisst in und (unmittelbar) nach Innertkirchen – zugetragen habe, könne 
er nicht sagen, weil er als vorderster Fahrer der Motorradgruppe unterwegs gewe-
sen sei. Auf der Umfahrungsstrasse sei er hinter einem Auto gefahren, das mit ei-
ner Geschwindigkeit von 80 bis 85 km/h unterwegs gewesen sei. Dann habe er im 
Rückspiegel einen Range Rover gesehen, der trotz dauerndem Gegenverkehr ne-
ben einem Motorradkollegen gefahren sei. Der Lenker des Personenwagens sei 
dann neben ihn (J.________) gefahren und habe ihn weggedrängt. Er habe ab-
bremsen und auf die rechte Seite ausweichen müssen, dass es nicht zur Kollision 

13

gekommen sei. Es sei eine gefährliche Situation gewesen. Später habe der Lenker 
auch den Personenwagen überholt. Er sei sich hundertprozentig sicher, dass der 
Gegenverkehr aufgrund dieses Überholens habe abbremsen müssen. Auf entspre-
chende Frage gab er weiter an, er könne nicht sagen, ob der Lenker des Perso-
nenwagens dabei eine Sicherheitslinie überfahren habe. Weiter sagte er aus, dass 
dort, wo er überholt worden sei, die Strecke übersichtlich und gerade sei. Zum 
Schluss ergänzte er noch, dass sich der Lenker äusserst rücksichtslos benommen 
und klar einen Unfall in Kauf genommen habe.

Am 13. Oktober 2017 wurde J.________ zudem als Zeuge zur Sache befragt 
(pag. 72 ff.), wobei er seine früheren Aussagen als richtig bestätigte. Er gab unter 
anderem an, nichts mehr vom Vorfall vor der Aareschlucht zu wissen, wie er schon 
der Polizei gesagt habe. Auf der geraden Strecke nach Meiringen habe er im 
Rückspiegel jemanden gesehen, der trotz Gegenverkehrs überholt habe. Das erste 
Mal habe er etwas zwischen dem ersten und zweiten Kreisel realisiert. Er sei dann 
noch vor dem zweiten Kreisel überholt worden. Auch er zeichnete die Stelle auf ei-
ner ausgedruckten Satellitenaufnahme ein (pag. 75). Nach dem Vorfall hätten sie 
am Brienzersee angehalten. Auf entsprechende Frage gab er an, dass dort der 
Vorfall kurz besprochen («nicht gross») worden sei, dass sich aber die Jungen 
mehr geärgert hätten und gesagt worden sei, dass der Fahrzeugführer angezeigt 
werde. Die Anzeige habe dann sein Junior gemacht, weil dieser als Polizist besser 
als er wisse, was zu machen sei. Als Bauer fehle ihm auch die Zeit dazu. Die Er-
gänzungsfrage der Verteidigung, ob er vor der Einvernahme mit seinem Sohn 
darüber diskutiert habe, verneinte er. Man habe nur noch im Restaurant darüber 
gesprochen. Er habe die Sache seinem Sohn überlassen.

9.5 Aussagen von I.________

In der vorinstanzlichen Hauptverhandlung wurde zudem I.________ – die offenbar 
zuvor noch L.________ hiess und von den Beteiligten teilweise noch so genannt 
wurde – zum Vorfall befragt (pag. 76 ff.). Im Wesentlichen sagte sie aus, sie sei in 
der Mitte der Gruppe gewesen. Auf der Umfahrung nach Meiringen habe sie im 
Rückspiegel gesehen, dass ein Autofahrer gedrängt habe, es sei glaublich ein 
Range Rover gewesen. Vor ihr sei noch ein Bus oder Car und ein Wohnmobil ge-
fahren. Der Autofahrer sei sehr rücksichtslos gefahren. Sie sei dann vor den alten 
Militärkasernen, in der Mitte zwischen den beiden Kreiseln bei Meiringen überholt 
worden. Auf die Frage, ob sie wisse, was (zuvor) mit D.________ und C.________ 
gewesen sei, gab sie an, nichts gesehen zu haben. Nach dem Vorfall hätten sie 
beim Brienzersee nochmals angehalten. Sie glaube Herr C.________ habe den 
Autofahrer zuvor noch angezeigt. Sie hätten über den Vorfall im Restaurant ge-
sprochen. Herr C.________ habe sie noch gefragt, ob sie als Zeugin aussagen 
würde. Sie hätte keine Anzeige gemacht und habe einfach geflucht. Auf spätere 
Ergänzungsfrage der Verteidigung sagte sie aus, sie habe bereits während dem 
Fahren geflucht und Angst gehabt, da es in beide Fahrtrichtungen viel Verkehr ge-
habt habe. Die Frage, ob sie nochmals mit den Beteiligten über den Vorfall gespro-
chen habe, verneinte sie. Man habe nur noch über den Stand des Verfahrens, dass 
man vor Gericht müsse, gesprochen.

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10. Beweiswürdigung der Kammer

10.1 Theoretische Grundlagen Beweiswürdigung

Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung – insbe-
sondere zur freien richterlichen Beweiswürdigung gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO, zur 
Tragweite des Grundsatzes in dubio pro reo und zur Würdigung von Aussagen – 
zutreffend wiedergegeben (pag. 111 ff., S. 3 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung). Auf diese Erwägungen wird verwiesen.

10.2 Allgemeines

Wie die vier Zeugen übereinstimmend berichteten, waren sie in einer Gruppe von 
insgesamt sechs Personen auf ihren Motorrädern am 30. September 2016 gemein-
sam auf einem Ausflug. Am Vormittag fuhren sie über den Grimselpass Richtung 
Wallis und am Nachmittag wieder zurück, wobei sie zwischen 14:40 und 15:30 Uhr 
die fragliche Stelle in und nach Innertkirchen passierten. Auch die Reihenfolge bzw. 
ihre eigene Position in der Kolonne schilderten die Zeugen in sich und untereinan-
der widerspruchsfrei. Demnach war C.________ zuhinterst in der Kolonne, vor ihm 
D.________ und dann I.________. Voraus fuhr J.________, der Vater von 
C.________. Zwischen diesem und I.________ müssen sich die weiteren beiden 
Fahrer, M.________ und N.________, die im vorliegenden Verfahren nicht befragt 
wurden, befunden haben. Alle vier Zeugen erwähnten zudem, dass vor ihrer Ko-
lonne ein Camper bzw. ein Wohnmobil fuhr. Dass dies den Motorradfahrern aufge-
fallen und besonders im Gedächtnis geblieben ist, leuchtet ein, war es doch offen-
bar neben dem dichten Verkehr dieses Fahrzeug, welches dazu führte, dass die 
Kolonne dahinter nur mit gemächlichem Tempo fahren konnte, was in der kurven-
reichen Passabfahrt auch den Motorradfahrern im hinteren Bereich der Kolonne 
aufgefallen sein musste. Die Motorradfahrer fuhren damit ohne grössere Abstände 
geschlossen hintereinander mit derselben Geschwindigkeit.

Die Zeugen berichteten davon, auf der Strecke Innertkirchen Richtung Interlaken – 
entsprechend ihrer Position in der Motorradkolonne an leicht verschiedenen Stellen 
vor und nach dem kurvenreichen Abschnitt bei der Aareschlucht – von einem 
Geländewagen überholt worden zu sein, dessen Fahrer offenbar keiner der Zeugen 
genau erkennen konnte. C.________ und J.________ gaben an, dass es ein Mann 
gewesen sei und erkannten die Fahrzeugmarke Range Rover. C.________ hatte 
sich – wie er im Bericht und dann als Zeuge angab – die Nummer des Fahrzeugs 
gemerkt, womit der Verdacht auf den Beschuldigten fiel. Dieser räumte auch ein, 
mit seinem Range Rover an den fraglichen Stellen zunächst die hintersten und an-
schliessend die restlichen Fahrer einer Motorradkolonne überholt zu haben. Unter 
diesen Umständen steht ausser Zweifel, dass es sich beim Geländefahrzeug, das 
den Zeugen aufgefallen war, um dasjenige des Beschuldigten mit ihm als Fahr-
zeugführer handelte.

10.3 Zu den Aussagen der Zeugen im Allgemeinen

Die Vorinstanz hat eine Absprache bzw. Instruktion der Zeugen deswegen ausge-
schlossen, weil die Zeugen abhängig von ihrem Platz in der Kolonne eine unter-
schiedlich gute Sicht auf die Vorfälle gehabt hätten und sich dementsprechend die 
Aussagen in Umfang und Detailgenauigkeit unterscheiden würden (pag. 117, S. 9 

15

der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). In dieser Kürze und Allgemeinheit ver-
mag diese Begründung nicht zu überzeugen. Immerhin sind die vier Zeugen mit-
einander verwandt oder verschwägert (Vater und Sohn, Schwager und dessen 
Cousine) und gaben alle an, direkt nach dem Vorfall am Brienzersee angehalten 
und dort in einem Restaurant über den Vorfall gesprochen zu haben. Gelegenhei-
ten für eine inhaltliche Absprache der Aussagen waren damit durchaus vorhanden. 
Alle Zeugen machten jedoch keinen Hehl daraus, dass sie sich – örtlich und zeitlich 
nah am Vorfall – austauschten. Sie beschrieben offen, nachvollziehbar und im Kern 
übereinstimmend, um was es dort ging. Demnach wurde über das Wahrgenomme-
ne gesprochen und man kam überein, die Vorkommnisse zur Anzeige zu bringen. 
Dass man die Anzeigeerstattung C.________ überliess, dem als Polizist die ent-
sprechenden Abläufe am besten bekannt waren, leuchtet ein. Dass sich der Polizist 
in der Familie besonders dafür verantwortlich sah, ist ebenso nachvollziehbar. 
C.________ räumte auch selber ein, dass die Initiative, Anzeige zu erstatten, 
hauptsächlich von ihm und seinem Vater kam. Insbesondere I.________, die aller-
dings den ersten Teil des Sachverhalts nicht mitbekommen hatte, war die Strafan-
zeige offenbar kein spezielles Anliegen – sie hatte, wie sie lebhaft beschrieb, über 
den Vorfall einfach geflucht. Entgegen der Argumentation der Verteidigung sind die 
Aussagen der Zeugen zu dieser Besprechung am Brienzersee stimmig und wirken 
nicht ausweichend, beschwichtigend oder relativierend. Die Zeugen berichteten in 
ihren späteren Einvernahmen jeweils nur von den Sachverhaltsabschnitten, die sie 
selbst wahrgenommen hatten, was sich mit ihrer Position in der Kolonne logisch in 
Einklang bringen lässt. Einzig C.________ erwähnte, worauf er in der Einvernahme 
vor der Vorinstanz hinwies, in seinem Bericht vom 4. Oktober 2016 auch Elemente, 
von denen ihm sein Vater berichtet und die er selber nicht bzw. nur aus der Distanz 
wahrgenommen hatte, weil sie sich im vorderen Teil der Kolonne ereignet hatten 
(vgl. pag. 81, Z. 13, 26 f). Dies alles spricht dafür, dass die Zeugen in den Einver-
nahmen nicht einfach eine einstudierte Geschichte erzählten, sondern die Ge-
schehnisse beschrieben, wie sie sie damals wahrgenommen hatten. Dementspre-
chend unterscheiden sich die Aussagen, so übereinstimmend und widerspruchsfrei 
sie untereinander auch sein mögen, durchaus in den Details. So beschrieben die 
Zeugen dieselben Sachen teilweise auf leicht unterschiedliche Weise bzw. unter 
Verwendung verschiedener Wörter. Beispielsweise sprach nur C.________ von ei-
nem Camper, die anderen verwendeten das Wort «Wohnmobil». Den Personen-
wagen des Beschuldigten erkannte C.________ ebenso wie sein Vater als einen 
des Typs Range Rover, D.________ sprach allgemeiner von einem SUV oder ei-
nem Geländewagen und I.________ gab an, nicht zu wissen, ob es ein Range oder 
Land Rover war. Letztere berichtete im Gegensatz zu den anderen Zeugen auch 
von einem Bus oder Car, der sich vor ihr befunden habe. Auch zwischen 
D.________ und C.________, die als einzige die hier relevanten Vorgänge beob-
achteten, bestanden in den Details ihrer Beschreibung des dynamischen Gesche-
hens durchaus gewisse Abweichungen. Beide verorteten das Überholmanöver 
zwar in der Nähe einer Verkehrsinsel, waren sich über die genaue Stelle, die sie 
jeweils auf einem Ausdruck eines Satellitenbilds einzuzeichnen vermochten, nicht 
ganz einig, wobei der als zweites einvernommene C.________ auch nach Hinweis 
auf die unterschiedlichen Darstellungen nicht von seiner Einschätzung abwich. 

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Diese zwar erklärbaren, aber doch auffallenden Differenzen wären nicht zu erwar-
ten, hätten die Zeugen ihr Aussageverhalten abgesprochen. Bei einer Absprache 
hätten sich D.________ und C.________ sicherlich über den genauen Ort des von 
ihnen als gefährlichstes Manöver beschriebenen Überholens und Abdrängens von 
D.________ «geeinigt» – und wenn nicht, dann hätten sie sich zumindest kaum so 
konkret auf eine Stelle festgelegt. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die 
Zeugen zwar grob Kenntnis von den Wahrnehmungen der anderen hatten. Inhaltli-
che Absprachen oder gar eine Instruktion durch C.________ haben weder nach 
dem Vorfall noch im Hinblick auf die Einvernahmen stattgefunden.

Offenbar aus Aufregung über die wahrgenommenen Vorfälle hatten alle Zeugen 
das Bedürfnis, sich zeitnah darüber und über das weitere Vorgehen auszutau-
schen. Die glaubhaften Aussagen der Zeugen zu den Umständen, wie sie dann 
zum Entschluss kamen, eine Strafanzeige gegen den Beschuldigten einzureichen, 
lassen erkennen, dass es ihnen nicht darum gegangen sein kann, dem Beschuldig-
ten damit eins auszuwischen. Der Wille, den betreffenden Fahrzeuglenker straf-
rechtlich zur Verantwortung zu ziehen, war, wie schon erwähnt, nicht bei allen 
gleich vorhanden. J.________ gab dazu an, die Jungen unter ihnen hätten sich 
mehr geärgert und gesagt, dass der Fahrzeuglenker angezeigt werde. Keiner der 
Zeugen hatte den Fahrzeuglenker genau gesehen. Die Person des Beschuldigten 
– nach der Darstellung der Verteidigung ein offensichtlich wohlhabender, älterer 
Herr (pag. 34, 175) – kann für den Entscheid, Anzeige zu erstatten, keine Rolle ge-
spielt haben. Ebenso wenig bestehen Anhaltspunkte dafür, dass sich die Mitglieder 
der Motorradgruppe vom grossen Fahrzeug des Beschuldigten speziell provoziert 
gefühlt hätten oder dass sie eine gewisse Abneigung empfanden. Anders als es 
der Beschuldigte in der polizeilichen Einvernahme darzustellen versuchte, handelte 
es sich bei der Motorradgruppe auch nicht um einen «Töffclub» mit ungefähr 15 
Motorrädern, teilweise mit «Schlittenmotorrädern», sondern um sechs Familienmit-
glieder verschiedenen Alters, die in gemütlichem Tempo auf dem Heimweg von ei-
nem Tagesausflug waren. Die Zeugen schilderten die Geschehnisse in den Einver-
nahmen nüchtern und ohne auffallende Übertreibungen. Eine Tendenz, den Be-
schuldigten übermässig oder unnötig zu belasten, ist nicht auszumachen. Die Zeu-
gen stellten den Sachverhalt keineswegs einseitig zulasten des Beschuldigten dar 
und versuchten nicht, eigene Unsicherheiten über mögliche Verfehlungen des Be-
schuldigten zu verbergen. Beispielsweise gaben D.________ und J.________ an, 
nicht bestätigen bzw. sagen zu können, ob der Beschuldigte eine Sicherheitslinie 
überfuhr oder nicht. D.________ verneinte, nahe am Sturz gewesen zu sein und 
J.________ hob hervor, dass das Überholmanöver des Beschuldigten auf einer 
übersichtlichen und geraden Strecke erfolgt sei. Gerade J.________ liess also ent-
lastende Elemente nicht unerwähnt. Für die Vermutung der Verteidigung, 
J.________ habe mit der Aussage, er sei mit 80 km/h unterwegs gewesen, als er 
vom Beschuldigten überholt worden sei, offensichtlich erreichen wollen, dass der 
Beschuldigte auch noch wegen Überschreitens der maximal zulässigen Geschwin-
digkeit verurteilt wird, bestehen keine Anhaltspunkte. Mit dem gemächlichen Tem-
po der Kolonne, von dem alle Zeugen sprachen, wurde dem Beschuldigten denn 
auch eine gewisse Veranlassung zum Überholen zugestanden und die Gefährlich-
keit der Manöver (leicht) relativiert. Auch C.________ entlastete den Beschuldigten 

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insofern, als er angab, das Überholmanöver für sich allein sei für ihn nicht gefähr-
lich gewesen, wohl aber das Abdrängen von D.________ beim Wiedereinbiegen. 
Dass der Beschuldigte von einzelnen Vorwürfen, die auf die Aussagen der Zeugen 
zurückgehen, freigesprochen worden ist, kann ebenfalls nicht als Hinweis auf 
übermässige Belastung gewertet werden. Der Freispruch erfolgte aufgrund der von 
der Vorinstanz für unzureichend erachteten Umschreibung der Sachverhaltsele-
mente im Strafbefehl.

Nach dem Gesagten ist nicht ersichtlich, wieso die vier Zeugen bzw. C.________ 
den Vorfall fälschlicherweise zur Anzeige hätten bringen sollen, womit sie sogar ein 
Verfahren wegen falscher Anschuldigung riskiert hätten. Weiter bestehen keinerlei 
Anhaltspunkte dafür und ist auch kein Grund ersichtlich, dass die Zeugen – teilwei-
se entgegen ihrer Wahrheitspflicht – falsche Aussagen und Angaben machten, den 
Beschuldigten zu Unrecht belasteten oder den Vorfall gravierender darstellten, als 
er sich in Wirklichkeit zugetragen hatte. C.________ war als Polizist auch von An-
fang an bewusst, dass die Aussagen der Beteiligten für die Ermittlung des Sach-
verhalts von Bedeutung sein würden und wies die anderen auf allfällige Einver-
nahmen hin.

10.4 Nahes Auffahren in Innertkirchen

I.________ und J.________ war das Fahrzeug des Beschuldigten erst kurz bevor 
dieses sie nach der Aareschlucht auf der Umfahrungsstrasse überholte aufgefallen. 
Zum angeblichen nahen Auffahren auf den letzten in der Motorradkolonne, 
C.________, das sich noch innerhalb des Dorfs Innertkirchen zugetragen haben 
soll, konnten sie daher keine Angaben machen. C.________ fokussierte in seinem 
tatnah verfassten Bericht nur wenig auf dieses angeblich nahe Auffahren, setzte es 
aber in unmittelbaren Kontext mit dem darauffolgenden Überholmanöver, welches 
ihm offenbar als der deutlich gravierendere Vorfall in Erinnerung geblieben ist. 
Stimmig dazu stellte er als Zeuge befragt später klar, das Manöver sei für ihn – an-
ders als das Abdrängen von D.________ für diesen – nicht gefährlich gewesen. 
Auch die Aussage, ihm sei in Innertkirchen ein Fahrzeug aufgefallen, das ihm «re-
lativ» nah aufgefahren sei, wirkt differenziert und nicht übertrieben. Gleiches schil-
derte auch der zweithinterste Fahrer in der Motorradkolonne, D.________. In In-
nertkirchen habe er gemerkt, dass ein Geländewagen auf die Gruppe aufgeschlos-
sen habe. Im Rückspiegel habe er gesehen, dass der Geländewagen sehr nahe 
aufgefahren sei, bevor dieser dann plötzlich zum Überholmanöver angesetzt habe. 
Die Aussagen stimmen damit nicht nur hinsichtlich des nahen Auffahrens und des 
Orts dieses Vorfalls überein, sondern setzen das Verhalten des Beschuldigten, 
welches offenbar beide erst auf seinen Geländewagen aufmerksam gemacht hatte, 
in den Zusammenhang mit dem dann offenbar überraschenden Ansetzen zum 
Überholen. Dass D.________ den genauen Abstand nicht zahlenmässig – und 
damit auch nicht dramatisiert – umschrieb (und z.B. nicht die im Bericht von 
C.________ erwähnte Autolänge nannte), bringt nochmals zum Ausdruck, dass er 
die Wahrnehmungen aus seiner Warte – dem zweithintersten Fahrer in der Kolon-
ne, der das nahe Auffahren auf das hinter ihm fahrende Motorrad im Rückspiegel 
mitverfolgte – schilderte und nicht zulasten des Beschuldigten Mutmassungen an-
stellte. Insgesamt wirken die Aussagen beider Zeugen gleichermassen als glaub-

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haft und zuverlässig. Wie die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat, erscheint es 
plausibel, dass der Beschuldigte im Hinblick auf das angestrebte und dann auch 
durchgeführte Überholmanöver wegen des grossen Verkehrsaufkommens mit dem 
nahen Auffahren die Überholdistanz verkürzen wollte. Dies um die gemächlich fah-
rende Kolonne, der er über lange Zeit nachfuhr, bei einer sich bietenden Möglich-
keit zu überholen. Entgegen dem Einwand der Verteidigung handelt es sich dabei 
nicht um eine reine Mutmassung, sondern um eine Überlegung, welche die Anga-
ben der beiden Zeugen zusätzlich stützt. Auch der Beschuldigte macht nämlich gel-
tend, er habe von zwei Überholmöglichkeiten gewusst und diese dann genutzt 
(pag. 85, Z. 29 f.).

Rund zwei Monate nach dem Vorfall wurde der Beschuldigte polizeilich dazu be-
fragt. Noch bevor er auf den konkreten Vorwurf angesprochen wurde, wies er aus-
führlich auf das Radarsystem in seinem Auto hin, welches die Einhaltung der Di-
stanz zum vorderen Fahrzeug gewährleiste. Zum konkreten Vorwurf des zu nahen 
Aufschliessens machte er dann kaum Angaben und erklärte, so etwas wäre ihm 
nicht aufgefallen und er sei sich in keiner Art und Weise bewusst, dies gemacht zu 
haben. Weiter fügte er hinzu, dass mit diesem Automaten auch nicht logisch sei, 
dass dies passiere. An die nachfolgenden Überholmanöver konnte er sich ebenfalls 
überhaupt nicht mehr erinnern («[a]uf einer vier bis fünfstündigen Fahrt kommt es 
ja zu x-Situationen» [pag. 9, Z. 2 f.]), ebenso wenig wie an den Abstand zum Motor-
radfahrer. Der Abstand sei auf jeden Fall sicher, normal und vom Radarsystem ge-
steuert gewesen. Im weiteren Verlauf der Einvernahme vermochte er sich plötzlich 
doch an die Motorradfahrer zu erinnern und beschrieb diese als einen Töffclub von 
ca. 15 Motorrädern. Deutlich detaillierter und stringenter liess der Beschuldigte die 
Vorkommnisse dann Monate später in der schriftlichen Einsprachebegründung 
schildern. Demnach sei er vom Grimselpass her lange Zeit der Motorradkolonne 
hinterhergefahren, wobei es ihm lange nicht möglich gewesen sei, diese zu überho-
len. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Motorradkolonne gab er mit ca. 30 bis 40 
km/h an. Angesichts dessen, dass sich der Beschuldigte in der ersten Einvernahme 
noch kaum an den Vorfall zu erinnern schien, sondern lediglich angab, es sei eine 
einzige Kolonnen-Fahrerei gewesen, sind diese detaillierteren Angaben, mehr als 
ein halbes Jahr nach dem Vorfall, erstaunlich. Diese Inkonsistenz im qualitativen 
Aussageverhalten lässt sich nicht einfach damit erklären, dass – wie in der Ein-
sprachebegründung geltend gemacht wurde (pag. 33 f.) – er sich erst nach Einsicht 
in die amtlichen Akten daran erinnerte, weil es sich für ihn um völlig normale Über-
holmanöver gehandelt habe und er zu keinem Zeitpunkt davon ausgegangen sei, 
etwas falsch gemacht zu haben. Das geschilderte Hinterherfahren hinter einer rela-
tiv langen Motorradkolonne mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 bis 
40 km/h über eine lange Strecke (teilweise ausserorts) ohne Überholmöglichkeit ist 
ein Vorgang, der nicht als völlig normal und alltäglich bezeichnet werden kann und 
daher durchaus eine gewisse Zeit im Gedächtnis bleibt. Auch an der Hauptver-
handlung berichtete der Beschuldigte wiederum relativ detailliert über das Gesche-
hene. Er sei lange hinter der Gruppe hergefahren, habe viele knappe Möglichkeiten 
zum Überholen gehabt und dann zwei Möglichkeiten für ein Überholmanöver ge-
nutzt – zunächst vor der Aareschlucht bis vor Frau L.________, später die restli-
chen Motorradfahrer. Dies deutet ebenfalls darauf hin, dass er sich deutlich besser 

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an die damaligen Vorkommnisse erinnern konnte, als er noch gegenüber der Poli-
zei vorgab. Vor allem die ersten Aussagen des Beschuldigten wirken ausweichend 
und wenig zuverlässig, wobei er sich im Wesentlichen darauf beschränkte, die 
Vorwürfe mehr oder weniger pauschal in Abrede zu stellen bzw. mit Hinweis auf 
den Abstandsregeltempomat als technisch unmöglich darzustellen. 

Insgesamt bestehen für die Kammer auch unter Berücksichtigung der Aussagen 
des Beschuldigten keine unüberwindlichen Zweifel daran, dass sich der Sachver-
halt so verwirklicht hat, wie dies die beiden Zeugen glaubhaft und übereinstimmend 
schilderten. Zweifel an einem zu nahen Auffahren resultieren auch nicht aus der 
Tatsache, dass das Fahrzeug des Beschuldigten seinen Angaben zufolge mit ei-
nem Abstandsregeltempomat ausgerüstet war. Zwar erweist sich die Begründung 
der Vorinstanz, der Beschuldigte habe den Nachweis nicht erbracht, dass das Ra-
darsystem eingeschaltet war (pag. 119 und 122, S. 11 und 14 der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung), vor dem Hintergrund der Beweislastregel in dubio pro reo nicht 
als haltbar, worauf die Verteidigung zu Recht hinweist. Der Beschuldigte räumte 
aber selber ein, dass das System mit einfachem Knopfdruck deaktiviert werden 
kann. Gemäss seinen Angaben an der Hauptverhandlung wird die Automatik auch 
beim Bremsen deaktiviert und muss wieder eingeschaltet werden. Unter diesen 
Umständen ist ohne weiteres möglich und damit gestützt auf die glaubhaften Aus-
sagen der beiden Zeugen zum (zu) nahen Auffahren davon auszugehen, dass das 
System in jenem Zeitpunkt nicht aktiv war. Dies ist im Übrigen auch ohne die An-
gaben der Zeugen wahrscheinlich. Alle Beteiligten sprachen von einem hohen Ver-
kehrsaufkommen, der Beschuldigte gar von einer einzigen «Kolonnen-Fahrerei» 
über den Grimselpass, wobei man nur mit gemächlichem Tempo vorangekommen 
sei. Von den gefahrenen Geschwindigkeiten und der Verkehrsdichte her präsentier-
ten sich die Verhältnisse also eher wie im Stadtverkehr, wo der Beschuldigte 
gemäss eigenen Angaben das System «natürlich» nicht aktiviert habe (pag. 7, 
Z. 45). Zudem ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte in der kurvenreichen 
Passabfahrt auch selber bremsen musste, zumal bei diesen Verkehrsverhältnissen. 
Davon, dass er das System, das er eigenen Angaben zufolge wohl noch im Tessin 
eingeschaltet gehabt habe, jeweils wieder aktivierte, berichtete er jedoch nie. Zu-
sammenfassend ist damit gestützt auf die glaubhaften Aussagen von C.________ 
und D.________ erstellt, dass der Beschuldigte dem Motorradfahrer C.________ 
im Dorf Innertkirchen sehr nahe auffuhr.

Um beurteilen zu können, ob der Abstand beim Hintereinanderfahren ausreichend 
war oder nicht, muss weiter ermittelt werden, wie nahe und bei welcher Geschwin-
digkeit aufgefahren wurde. Die beiden Zeugen umschrieben den Abstand überein-
stimmend als sehr nahe. Während D.________ das Auffahren von weiter vorne im 
Rückspiegel sah, war C.________ als hinterster Motorradfahrer in der Kolonne 
sehr viel näher am Geschehen. In seinem tatnah verfassten Bericht, den er später 
als Zeuge bestätigte, gab er den Abstand mit «zum Teil weniger als eine Autolän-
ge» an. Erfahrungsgemäss sind Distanzen gerade im Strassenverkehr schwer zu 
schätzen. Vorliegend ist zudem nicht bekannt, ob C.________ den Kopf gedreht 
oder – was eine Schätzung zusätzlich erschwert hätte – die Szenerie lediglich im 
Rückspiegel verfolgt hatte. Selbst wenn letzteres der Fall gewesen wäre, stützte 
C.________ seine Schätzung aber nicht auf einen einzigen Blick zurück, sondern 

20

beobachtete das nahe Auffahren über eine gewisse Zeitdauer, wie aus der glaub-
haften Beschreibung im Bericht hervorgeht. Weshalb er mit der Schätzung, für die 
er sich zudem an einer greifbaren Vergleichsgrösse orientierte, völlig daneben lie-
gen sollte, ist nicht einzusehen, zumal er als Polizist im Abschätzen von Abständen 
überdurchschnittlich geübt gewesen sein dürfte. Zu berücksichtigen ist weiter, dass 
C.________ von weniger als einer Autolänge sprach, was den Schluss, dass sich 
der Beschuldigte – wie ihm im Strafbefehl vorgeworfen wird – auf (nicht mehr als) 
eine Autolänge annäherte, weiter festigt. Unter diesen Umständen geht die Kam-
mer von einem Abstand von bis zu sechs Metern aus, denen sich der Beschuldigte 
dem Motorrad von C.________ näherte.

Damit bleibt noch die in diesem Zeitpunkt gefahrene Geschwindigkeit zu klären. 
Die Vorinstanz ging gestützt auf die Aussagen der Zeugen von mindestens 50 km/h 
aus (vgl. pag. 122, S. 14 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Die Geschwin-
digkeitsangaben der Zeugen gehen aber relativ weit auseinander, worauf die Ver-
teidigung zu Recht hinweist: C.________ gab an, man sei ca. 65 km/h gefahren 
(pag. 4) bzw. man sei eher gemütlich unterwegs gewesen, wie schnell wisse er 
aber nicht (pag. 81, Z. 46; pag. 82, Z. 16 f.). D.________ erklärte, man sei 
ca. 50 km/h gefahren (pag. 14, Z. 22) bzw. er wisse es nicht mehr, aber bestimmt 
nicht zu schnell (pag. 77, Z. 39). I.________ sprach von ca. 70 bis 80 km/h bzw., 
dass man eher gemütlich gefahren sei (pag. 77, Z. 39). J.________ gab die Ge-
schwindigkeit mit etwa 80 km/h an (pag. 12, Z. 23 f. und 61 f.; pag. 72, Z. 28; 
pag. 74, Z. 8). Der Beschuldigte schätzte die Geschwindigkeit der Motorradkolonne 
in der Einsprachebegründung auf 30 bis 40 km/h. Die unterschiedlichen Angaben 
sind offensichtlich vor allem darauf zurückzuführen, dass sie nicht denselben Zeit-
punkt betreffen. J.________ bezog sich mit seinen Angaben auf die Situation auf 
der Umfahrungsstrasse nach der Aareschlucht, I.________ auf die Fahrt von der 
Grimsel herunter. Auch die von C.________ auf ca. 65 km/h geschätzte Geschwin-
digkeit scheint sich auf das von ihm als gefährlicher eingeschätzte Überholmanö-
ver, das nach dem nahen Auffahren ausserhalb des Dorfs Innertkirchen stattgefun-
den haben soll, zu beziehen. Dieser Umstand könnte auch die Differenz zu den ca. 
50 km/h, die D.________ angegeben hat, erklären. Bis auf J.________ sprachen 
alle Zeugen davon, dass man nicht zu schnell bzw. eher gemütlich unterwegs war, 
was auch mit der Aussage des Beschuldigten, die Motorradkolonne sei gemächlich 
Richtung Aareschlucht unterwegs gewesen, übereinstimmt. Unter diesen Umstän-
den bestehen Zweifel, ob im Dorf Innertkirchen, wo der Beschuldigte sehr nahe 
auffuhr, mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 km/h – das heisst an der 
Grenze des innerorts Zulässigen bzw. leicht darüber – gefahren wurde. Zugunsten 
des Beschuldigten ist davon auszugehen, dass D.________ die Geschwindigkeit 
etwas zu hoch eingeschätzt hat und der Beschuldigte wie der vor ihm fahrende 
C.________ im Dorf Innertkirchen mit ca. 40 km/h unterwegs waren. Im Übrigen 
kann an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass der Abstand selbst bei ei-
ner Geschwindigkeit von 30 km/h nicht ausreichend gewesen wäre. 

Nach dem Gesagten ist erstellt, dass sich der Beschuldigte am 30. September 
2016 zwischen 14:40 und 15:30 Uhr in Innertkirchen mit seinem Personenwagen 
bei einer Geschwindigkeit von ca. 40 km/h bis auf sechs Meter auf das vor ihm fah-
rende Motorrad aufgefahren ist.

21

10.5 Überholen trotz Gegenverkehrs und Abdrängen durch knappes Einbiegen

Es ist nochmals zu erwähnen, dass sich die hier (noch) relevanten Vorfälle vor dem 
kurvigen Abschnitt bei der Aareschlucht ereigneten. Unbestrittenermassen überhol-
te der Beschuldigte dort die hintersten beiden Motorräder der Kolonne, gefahren 
von C.________ und D.________. Aus den Aussagen der direkt vor D.________ 
fahrenden I.________ und von J.________, der die sechsköpfige Kolonne anführ-
te, geht klar hervor, dass ihnen beiden das Fahrzeug des Beschuldigten erst auffiel 
als dieses auf der Umfahrungsstrasse nach der Aareschlucht zum Überholen an-
setzte (vgl. dazu auch den von J.________ auf dem Satellitenbild eingezeichneten 
Ort des Vorfalls, pag. 75). Wenn J.________ also aussagte, er habe im Rückspie-
gel einen Range Rover neben seinem Motorradkollegen gesehen und der Perso-
nenwagen sei dann neben ihn gefahren (pag. 12, Z. 24 ff.), kann er damit nicht das 
Manöver, mit dem der Beschuldigte D.________ überholte, gemeint haben. Hinter 
J.________ fuhren noch zwei weitere Motorradfahrer sowie I.________, die alle-
samt in dieser (zweiten) Phase vom Beschuldigten überholt wurden. Es erscheint 
logisch und plausibel, dass es eines dieser Überholmanöver war, welches von 
J.________ beobachtet wurde. Schon aufgrund seines Abstands als vorderster 
Fahrer in der Kolonne zu D.________, dem zweithintersten Fahrer, ist nachvoll-
ziehbar, dass er das Manöver, mit dem der Beschuldigte zuvor D.________ über-
holte, nicht mitbekam. Seine Aussagen tragen damit zur Klärung des hier relevan-
ten Überholens von D.________ nicht viel bei, sprechen aber auch nicht dagegen, 
dass sich der Vorfall so ereignet hat, wie von D.________ und C.________ be-
schrieben. Ähnlich gestaltet sich die Situation bei I.________. Ihre Aussage, sie 
habe im Rückspiegel gesehen, dass ein Autofahrer gedrängt habe (pag. 76, Z. 22), 
bezieht sich auf die Situation, als sich der Beschuldigte hinter ihr befand, kurz be-
vor dieser sie dann «auf der Umfahrung nach Meiringen» «in der Mitte zwischen 
den beiden Kreiseln bei Meiringen» überholt habe (pag. 76, Z. 21 und 32; vgl. 
pag. 77, Z. 17 ff.). Wie sie dann auch ausdrücklich und glaubhaft aussagte, habe 
sie nicht gesehen, was (zuvor) mit den hinter ihr fahrenden D.________ und 
C.________ geschehen sei (pag. 76, Z. 40 ff.). Diese Aussagen unterstreichen 
nochmals den oben erwähnten Eindruck, dass die Zeugen nicht unterschlugen, nur 
(teils untereinander verschiedene) Teilsequenzen des dynamischen Geschehens 
wahrgenommen zu haben, was gegen eine Absprache spricht. Auch bei 
I.________ steht die Tatsache, dass ihr zunächst nichts aufgefallen war, der Dar-
stellung der direkt involvierten D.________ und C.________ nicht entgegen. Wie 
bereits die Vorinstanz festgehalten hat, ist insbesondere angesichts des grossen 
Verkehrsaufkommens davon auszugehen, dass sie ihre Aufmerksamkeit in Fahrt-
richtung lenkte und jeweils nur für einen kurzen Moment in den Rückspiegel schau-
te. So ist erklärbar, dass das Überholmanöver, mit dem der Beschuldigte die hinter 
ihr fahrenden Motorradfahrer überholte, ihrer Wahrnehmung entging. Der Vorin-
stanz kann nach dem Gesagten aber insofern nicht gefolgt werden, als sie erwog, 
alle vier Zeugen hätten das fragliche Überholmanöver beobachtet und bestätigt; 
gesehen haben es nur C.________ und D.________.

C.________ und der vor ihm fahrende D.________ waren schon im Dorf Innertkir-
chen auf den Geländewagen des Beschuldigten aufmerksam geworden, weil dieser 
sehr nahe auf C.________ auffuhr (E. 10.4 oben). Die danach folgenden Manöver, 

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mit denen der Beschuldigte die beiden Motorradfahrer über den Gegenfahrstreifen 
überholte, haben damit beide Zeugen aus nächster Nähe aber leicht anderer Posi-
tion mitverfolgt. Sie schilderten das dynamische Geschehen denn auch stimmig 
und im Kern übereinstimmend: Der Beschuldigte habe, nachdem er C.________ 
sehr nahe aufgefahren war, zum Überholmanöver angesetzt und sich auf Höhe des 
Motorrads von D.________ wieder auf den rechten Fahrstreifen gedrängt, worauf 
D.________ habe abbremsen und den Beschuldigten einbiegen lassen müssen, 
um eine (drohende) Kollision zu vermeiden. Die Aussagen von D.________ und 
C.________ wirken nicht einstudiert oder abgesprochen. Beide gestehen eigene 
Unsicherheiten und Erinnerungslücken ein und belasten den Beschuldigten nicht 
unnötig (vgl. E. 10.3 oben). D.________ beschrieb insbesondere in der ersten Ein-
vernahme den Ablauf des Manövers sehr plastisch und wirklichkeitsnah. Es ist da-
von auszugehen, dass er das Überholen – wie das zuvor wahrgenommene nahe 
Auffahren auf C.________, das ihn erst auf den Wagen des Beschuldigten auf-
merksam gemacht hatte (vgl. pag. 15, Z. 24) – zunächst im Rückspiegel wahrnahm 
(vgl. pag. 70, Z. 11 f.). Daraus kann aber nicht abgeleitet werden, er könnte von der 
Einleitung des Überholmanövers nicht überrascht worden sein. Aus seinen Aussa-
gen geht hervor, dass er kaum mit einem Überholmanöver rechnete, weil die Ver-
kehrssituation es für sie auch nicht zugelassen habe, das Wohnmobil vor ihnen zu 
überholen (vgl. pag. 15, Z. 23 f.). Damit und gerade weil er das Fahrzeug des Be-
schuldigten im Rückspiegel beobachtete und so den Moment des Ausscherens auf 
den Gegenfahrstreifen genau wahrnahm, ist die Überraschung, welche er mit sei-
nen Aussagen anschaulich zum Ausdruck brachte («plötzlich», pag. 15, Z. 25), gut 
nachvollziehbar. Ebenfalls authentisch und logisch verknüpft mit dem äusseren 
Geschehen schilderte D.________ weitere Aspekte seines Innen- und Gefühlle-
bens. Er beschrieb nicht nur die Angst, die in ihm im Moment aufkam, als der Be-
schuldigte mit dem Geländewagen auf seiner Höhe auf seinen Fahrstreifen dräng-
te, sondern auch wie dieses Gefühl fortdauerte bzw. sich in der Sorge um die vor 
ihm fahrende Cousine bemerkbar machte (vgl. pag. 15, Z. 41 ff; pag. 16, Z. 84 f.; 
pag. 68, Z. 32 f.; pag. 70, Z. 11). Das beschriebene Detail, dass es die heranna-
hende Mittelinsel war, die nur Platz für eines der beiden Fahrzeuge bot und ihm 
deswegen besondere Furcht einjagte, wirkt lebensnah (pag. 16, Z. 80 f: «Ich hatte 
Angst, weil ich sah, dass die Mittelinsel auf uns zu kam und er Platz für uns beide, 
wenn wir neben einander fahren würden, unmöglich reichen würde.»). Die Aussa-
gen von D.________ zum Überholmanöver des Beschuldigten sind glaubhaft. So-
weit die Verteidigung die Aussagen von D.________ deswegen in Zweifel zieht, 
weil er damals noch Lernfahrer war und erst seit dem Sommer 2016 Motorrad fuhr 
– und deswegen die Situation einzig auf seine unangemessene Reaktion zurückzu-
führen sein könne (worüber er nun hinwegtäuschen wolle) –, kann ihr nicht beige-
pflichtet werden. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass D.________ diese Anga-
ben von sich aus machte, ohne danach gefragt worden zu sein (vgl. pag. 16, Z. 77; 
pag. 68, Z. 32). Es mag zwar zutreffen, dass ein Lernfahrer aufgrund fehlender 
Fahrpraxis gewisse Situationen zum ersten Mal antrifft und womöglich nicht auf 
Anhieb richtig einschätzt. Genauso könnte aber mit der allgemeinen Lebenserfah-
rung argumentiert werden, dass einem Neulenker die theoretischen und teilweise 
auch praktischen Kenntnisse des Verhaltens im Strassenverkehr präsenter sind, 

23

als jemandem, bei dem die entsprechende Schulung Jahrzehnte zurückliegt. So 
verneinte D.________ zwar, nahe an einem Sturz gewesen zu sein, wies aber auf 
die zuvor absolvierten Kurse hin, dank denen es ihm noch präsent war, wie zu re-
agieren ist (pag. 69, Z. 29 f.). Sowohl D.________ als auch C.________ schilderten 
übereinstimmend, dass D.________ auf das Einbiegen bzw. Drängen des Be-
schuldigten reagierte bzw. zur Verhinderung einer Kollision reagieren musste. Dies 
tat er, indem er mit dem Motorrad abbremste, auf den rechten Fahrbahnrand aus-
wich und den Beschuldigten einbiegen liess. C.________ hatte als hinterster Mo-
torradfahrer die beste Sicht auf das Überholen und Abdrängen von D.________, 
das sich wenige Meter vor ihm in seinem direkten Sichtfeld ereignete. Er vermochte 
das Fahrzeug des Beschuldigten relativ genau zu beschreiben und merkte sich 
damals dessen Kontrollschild, was zeigt, dass er die Szenerie aufmerksam beob-
achtete. Seine Angaben zu diesem Vorfall wirken ebenfalls zuverlässig und glaub-
haft.

Der Beschuldigte bestritt, D.________ trotz Gegenverkehrs überholt und sodann 
abgedrängt zu haben. Er machte geltend, dass es sich dabei um ein normales, un-
gefährliches Überholmanöver gehandelt habe. Konkrete Aussagen zum fraglichen 
Überholmanöver vermochte er erst in der schriftlichen Einsprachebegründung und 
dann in der Einvernahme vor der Vorinstanz zu machen, während er vor der Polizei 
noch ausweichend und unspezifisch ausgesagt hatte. Dass dieses Aussageverhal-
ten darauf hindeutet, dass er nicht durchwegs erlebnisbasiert aussagte, wurde be-
reits erwähnt (E. 10.4 oben). Der Beschuldigte wollte die Gruppe vor ihm, der er 
lange hinterhergefahren war, überholen. An der Hauptverhandlung gab er dazu an, 
er habe von zwei Überholmöglichkeiten gewusst, die er dann, anders als die vielen 
knappen Möglichkeiten zuvor, auch genutzt habe. Dies kann gut so gewesen sein, 
zumal dem Beschuldigten nicht bzw. nicht mehr vorgeworfen wird, an der fragli-
chen Stelle sei es per se verboten, zu überholen. Was aber den konkreten Ablauf 
der Überholmanöver mit dem anschliessenden Wiedereinbiegen anbelangt, hat die 
Kammer auch unter Berücksichtigung der Aussagen des Beschuldigten keine 
ernsthaften Zweifel, dass sich dies so zutrug, wie die beiden Zeugen glaubhaft und 
im Wesentlichen übereinstimmend berichteten. Indem die Vorinstanz zum gleichen 
Schluss kam, hat sie den Sachverhalt weder unrichtig festgestellt, noch die 
Grundsätze der freien Beweiswürdigung oder in dubio pro reo verletzt. Für ein 
knappes Manöver spricht weiter das nahe Auffahren vor dem Ansetzen zum Über-
holen. Zudem war der Geländewagen des Beschuldigten nicht einfach nur 
D.________ und C.________ negativ aufgefallen. Die davor fahrenden I.________ 
und J.________ berichteten gleichermassen von einem rücksichtslosen Fahrstil 
und ähnlichen Vorkommnissen, als der Beschuldigte danach die weiteren Motor-
radfahrer in der Kolonne überholte.

Hinsichtlich des genauen Orts, an dem die Manöver auf der relativ geraden Strecke 
nach dem Dorf Innertkirchen stattfanden, wichen die Aussagen von D.________ 
und C.________ geringfügig voneinander ab (vgl. die auf den Satellitenaufnahmen 
markierten Stellen, pag. 71 und 84). Gemäss D.________ begannen die Manöver 
etwa auf Höhe der P.________ (Garage), C.________ verortete das Geschehen 
etwa 100 Meter weiter vorne, bei der Einmündung «Wychel». Entscheidend ist hier 
aber, dass die Angabe von D.________ mit dem von ihm in der ersten Einvernah-

24

me eindrücklich und glaubhaft beschriebenen Detail der herannahenden Verkehrs-
insel übereinstimmt, während sich C.________ auf Nachfrage über den genauen 
Ort nicht mehr zu 100 Prozent sicher war (vgl. pag. 81, Z. 1). Dabei muss es sich 
um die auf den Satellitenaufnahmen erkennbare Mittelinsel vor der Einmündung 
«Ryschi» handeln. Der Beschuldigte muss damit vor dieser Mittelinsel – nach der 
die Hauptstrasse eine leichte Linkskurve beschreibt – wieder auf den eigenen 
Fahrstreifen gewechselt und D.________ abgedrängt haben. 

Weiter berichteten alle Zeugen von starkem Gegenverkehr (vgl. pag. 4; pag. 12, 
Z. 25; pag. 15, Z. 23 f.; pag. 77, Z. 34 f.). Der Verkehr in die entgegengesetzte 
Richtung liess es der Motorradgruppe nicht zu, das langsamer vor ihnen fahrende 
Wohnmobil zu überholen (vgl. pag. 15, Z. 23 f.) und war offenbar der Grund, wes-
halb der Beschuldigte die Motorradfahrer zuvor nicht überholte, obwohl er ihnen 
lange Zeit hinterherfuhr. Die Tatsache, dass der Beschuldigte nicht zu Beginn der 
geraden Hauptstrasse zum Überholen ansetzte, sondern erst nach dem Dorf In-
nertkirchen auf Höhe der P.________ (Garage), weist darauf hin, dass es auch 
unmittelbar vor dem Überholen entgegenfahrende Fahrzeuge hatte. C.________ 
berichtete denn auch davon, dass der Beschuldigte trotz regem Gegenverkehr 
überholt und sodann auf Höhe von D.________ wieder auf den rechten Fahrstrei-
fen gewechselt habe, um eine Kollision mit dem Gegenverkehr zu vermeiden. Die-
se Angaben wirken folgerichtig und glaubhaft. Daran ändert nichts, dass 
D.________ selber über die genauen Verkehrsverhältnisse in diesem Zeitpunkt 
keine Angaben machen konnte (vgl. pag. 15, Z. 25 f. und 66). Er achtete in diesem 
Augenblick offenbar weniger auf den Gegenverkehr, sondern beobachtete 
zunächst das herannahende Fahrzeug des Beschuldigten im Rückspiegel, bevor er 
dann voll und ganz auf die eigene Reaktion fokussiert war und seinen Blick auf den 
eigenen Fahrstreifen richtete, wovon das erwähnte Detail mit der herannahenden 
Verkehrsinsel zeugt. Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass der Be-
schuldigte eine Lücke im Gegenverkehr nutzte, um die Überholmanöver zu starten, 
bevor er dann aber wegen eines herannahenden Autos wieder auf den rechten 
Fahrstreifen einbiegen wollte. Dabei drängte er das Motorrad ab, bis D.________ 
abbremste und ihn einbiegen liess. Die weiteren Motorradfahrer konnte der Be-
schuldigte wegen des Gegenverkehrs auch erst nach der Aareschlucht überholen. 
C.________ gab an, er habe ebenfalls abbremsen müssen, um die Distanz zu 
D.________ zu halten (pag. 82, Z. 30 f.). Es ist jedoch gut möglich, dass er sich mit 
dieser Aussage auf das dem Beschuldigten ursprünglich vorgeworfene Geschehen 
bezog, das sich nach dem Wiedereinbiegen vor D.________ zugetragen haben soll 
(«mehrmaliges starkes Abbremsen vor D.________») und für das der Beschuldigte 
rechtskräftig freigesprochen worden ist. Daher ist davon auszugehen, dass 
C.________ auf das Abbremsen von D.________ nicht direkt reagieren musste.

Damit ist klar, dass der Beschuldigte nicht aus nichtigem Anlass zurück auf den 
rechten Fahrstreifen schwenkte. Der Beschuldigte wusste aufgrund der Fahrt zu-
vor, dass sich eine ganze Kolonne von Motorradfahrern vor ihm befand. Als er sich 
zum Überholen auf den Gegenfahrstreifen begab, beabsichtigte er denn auch, 
möglichst viele davon, sicher aber auch den an zweithinterster Stelle fahrenden 
D.________ zu überholen. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass der Be-
schuldigte D.________ im Moment des Streifenwechsels übersah. Vielmehr dräng-

25

te er ihn bewusst ab und zwang ihn auf diese Weise dazu, durch Abbremsen und 
Ausweichen Platz auf dem rechten Fahrstreifen zu machen. Weiter wusste der Be-
schuldigte vom regen Gegenverkehr, der ihn bis zu diesem Zeitpunkt vom Überho-
len abgehalten hatte.

Damit ist der Sachverhalt gemäss Strafbefehl, soweit dieser noch Gegenstand des 
vorliegenden Verfahrens bildet, erstellt. In Ergänzung zum unbestrittenen Sachver-
halt kann zusammenfassend festgehalten werden, dass der Beschuldigte der vor 
ihm fahrenden geschlossenen Motorradkolonne lange Zeit hinterherfuhr, wobei der 
rege Gegenverkehr ein Überholen kaum zuliess. Nach dem Dorf Innertkirchen ca. 
im Bereich der P.________ (Garage) kam kurz kein Gegenverkehr, was der Be-
schuldigte dazu nutzen wollte, den hintersten Teil der Motorradkolonne zu überho-
len. Er schwenkte auf den Gegenfahrstreifen und fuhr an C.________ vorbei. Auf 
Höhe des davor fahrenden Motorradfahrers D.________ wollte der Beschuldigte, 
um eine Kollision mit dem Gegenverkehr zu vermeiden, wieder auf seinen Fahr-
streifen wechseln. Dabei drängte er D.________ ab, der daraufhin abbremste, 
nach rechts auswich und ihn einbiegen liess.

III. Rechtliche Würdigung

11. Grobe Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Abs. 2 SVG)

11.1 Art. 90 Abs. 2 SVG erfüllt, wer durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine 
ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. 

Der objektive Tatbestand verlangt nach der Rechtsprechung, dass der Täter eine 
wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet und dadurch die 
Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet. Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit an-
derer ist bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben. Diese setzt 
die naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung voraus. 
Eine konkrete Gefahr oder Verletzung ist nicht verlangt (statt vieler Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1324/2017 vom 9. Mai 2018 E. 2.1 mit Hinweisen). 

Subjektiv erfordert der Tatbestand ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend 
verkehrsregelwidriges Verhalten, das heisst ein schweres Verschulden, bei fahrläs-
sigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit. Diese ist zu bejahen, wenn der 
Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner Fahrweise bewusst ist. Grobe 
Fahrlässigkeit kommt aber auch in Betracht, wenn der Täter die Gefährdung ande-
rer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht (vgl. Art. 100 Ziff. 1 
SVG). Die Annahme einer groben Verkehrsregelverletzung setzt in diesem Fall 
voraus, dass das Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf 
Rücksichtslosigkeit beruht. Rücksichtslos ist unter anderem ein bedenkenloses 
Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern. Dieses kann auch in einem blossen 
(momentanen) Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen bestehen (BGE 
131 IV 133 E. 3.2 mit Hinweisen). Je schwerer die Verkehrsregelverletzung objektiv 
wiegt, desto eher wird Rücksichtslosigkeit subjektiv zu bejahen sein, sofern keine 
besonderen Gegenindizien vorliegen (BGE 142 IV 93 E. 3.1 mit Hinweisen). Dabei 
ist grundsätzlich von einer objektiv groben Verletzung der Verkehrsregeln auf ein 

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zumindest grobfahrlässiges Verhalten zu schliessen. Die Rücksichtslosigkeit ist 
ausnahmsweise zu verneinen, wenn besondere Umstände vorliegen, die das Ver-
halten subjektiv in einem milderen Licht erscheinen lassen (Urteile des Bundesge-
richts 6B_1324/2017 vom 9. Mai 2018 E. 2.1; 6B_558/2017 vom 21. September 
2017 E. 1.2 und 6B_1004/2016 vom 14. März 2017 E. 3.2 mit Hinweis).

Gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG ist Überholen und Vorbeifahren an Hindernissen nur 
gestattet, wenn der nötige Raum übersichtlich und frei ist und der Gegenverkehr 
nicht behindert wird. Im Kolonnenverkehr darf nur überholen, wer die Gewissheit 
hat, rechtzeitig und ohne Behinderung anderer Fahrzeuge wieder einbiegen zu 
können. Dabei handelt es sich um eine für die Gewährleistung der Sicherheit im 
Strassenverkehr wichtige Bestimmung (Urteil des Bundesgerichts 6B_616/2010 
vom 19. Oktober 2010 E. 3.2.2; vgl. allgemein BGE 129 IV 155 E. 3.2.1; 121 IV 235 
E. 1c). Ein Überholen liegt vor, wenn ein schnelleres Fahrzeug ein in gleicher Rich-
tung langsamer vorausfahrendes einholt, an ihm vorbeifährt und vor ihm die Fahrt 
fortsetzt, wobei weder das Ausschwenken noch das Wiedereinbiegen eine notwen-
dige Voraussetzung des Überholens bildet (BGE 142 IV 93 E. 3.2 mit Hinweisen). 
Art. 10 Abs. 2 der Verkehrsregelnverordnung (VRV; SR 741.11) sieht vor, dass der 
Fahrzeugführer nach dem Überholen wieder einzubiegen hat, sobald für den über-
holten Strassenbenützer keine Gefahr mehr besteht. Das heisst, es muss zwischen 
dem Überholenden und dem Überholten ein ausreichender Sicherheitsabstand be-
stehen (vgl. zum ausreichenden Abstand auch E. 12 unten). Muss der Überholte 
abbremsen, um überhaupt den minimalen Sicherheitsabstand wiederherzustellen, 
dann ist der Überholende in unzureichendem Abstand wieder eingeschwenkt und 
der Überholte wurde behindert bzw. gefährdet.

11.2 Vorab ist festzuhalten, dass der Beschuldigte für das Überholen des hintersten 
Motorrads in der Kolonne, gefahren von C.________, rechtskräftig vom Vorwurf der 
groben Verkehrsregelverletzung freigesprochen worden ist. Die nachfolgende 
rechtliche Würdigung bezieht sich daher ausschliesslich auf das unmittelbar daran 
anschliessende Manöver betreffend D.________, konkret das linksseitige Vorbei-
fahren (Überholen), Abdrängen und Wiedereinbiegen. Da der Beschuldigte, schon 
bevor er durch den Streifenwechsel zum Überholen von C.________ ansetzte, den 
Entschluss gefasst hatte, auch gleich noch den das zweithinterste Motorrad in der 
Kolonne (D.________) zu überholen, sind die tatsächlichen Umstände in diesem 
Zeitpunkt für die rechtliche Beurteilung des Überholmanövers bezüglich 
D.________ dennoch von Bedeutung.

Das Überholen – insbesondere wenn dazu die dem Gegenverkehr zustehende 
Fahrbahnseite beansprucht wird – gehört zu den gefährlichsten Fahrmanövern im 
Strassenverkehr. Ein solches Manöver ist deshalb, sofern es nicht überhaupt ver-
boten ist, nur gestattet bzw. darf nur durchgeführt werden, wenn der nötige Raum 
übersichtlich und frei ist und der Gegenverkehr nicht behindert oder gefährdet wird. 
Vorliegend zeigt die Tatsache, dass der Beschuldigte aufgrund des Gegenverkehrs 
auf den rechten Fahrstreifen wechseln musste – und zwar noch deutlich bevor er 
wie beabsichtigt linksseitig an D.________ vorbeigefahren war –, dass das Über-
holmanöver von Anfang an nicht gefahrlos möglich war. Bevor der Beschuldigte auf 
den Gegenfahrstreifen ausschwenkte, um die hintersten beiden Motorräder der Ko-

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lonne vor ihm zu überholen, konnte er nicht davon ausgehen, dass ihm über die 
ganze Länge der Überholstrecke keine Fahrzeuge entgegenkommen würden. Zu-
dem kann dieser Raum aufgrund der leichten Linkskurve, der Mittelinsel und der 
dort von rechts einmündenden Strasse nicht als übersichtlich bezeichnet werden. 
Hinzu kommt, dass vor dem Beschuldigten eine geschlossene Kolonne von Motor-
radfahrern fuhr. Im Kolonnenverkehr ist beim Überholen eine ganz besondere 
Rücksichtnahme auf die anderen Verkehrsteilnehmer gefordert, der der Beschul-
digte vorliegend ebenfalls nicht nachkam. Er hatte nicht die Gewissheit, rechtzeitig 
in die Motorradkolonne einbiegen zu können, weil die Motorräder aufgrund des 
langsameren Wohnmobils vor ihnen relativ dicht hintereinander und zudem als 
Gruppe unterwegs waren. Das Wiedereinbiegen erfolgte, nachdem der Beschuldig-
te D.________ durch Abdrängen zum Abbremsen und Ausweichen zwang, unter 
offenkundiger Verletzung des Sicherheitsabstands. D.________ musste diesen 
durch Abbremsen wiederherstellen. Damit missachtete der Beschuldigte gleich 
mehrere wichtige Verkehrsvorschriften in objektiv schwerer Weise.

Das vorschriftswidrige Verhalten des Beschuldigten hatte vor allem zur Folge, dass 
er auf Höhe des Motorradfahrers D.________ zurück auf den rechten Fahrstreifen 
drängen musste, um eine Kollision mit dem Gegenverkehr zu verhindern. Auf das 
deswegen erfolgte Wiedereinbiegen mit massiv zu kleinem bzw. ohne Sicherheits-
abstand musste der Motorradfahrer D.________ sofort durch Abbremsen und 
Ausweichen an den rechten Fahrbahnrand reagieren, ansonsten er mit dem 
Geländewagen des Beschuldigten kollidiert wäre. Mithin war D.________ einer 
konkreten Gefahr ausgesetzt, die sich dank seiner Reaktion glücklicherweise nicht 
verwirklichte. Darüber hinaus wurde auch das entgegenkommende Fahrzeug, dem 
der Beschuldigte ausgewichen war, erhöht abstrakt gefährdet. Der objektive Tatbe-
stand von Art. 90 Abs. 2 SVG ist damit erfüllt.

11.3 In subjektiver Hinsicht ist wie dargelegt von einer objektiv groben Verletzung der 
Verkehrsregeln grundsätzlich auf ein zumindest grobfahrlässiges Verhalten zu 
schliessen. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, die das Verhalten des Be-
schuldigten weniger schwer erscheinen lassen würden. Als er zum Überholen an-
setzte, befand sich auf dem Gegenfahrstreifen kein unmittelbar entgegenkommen-
des Fahrzeug. Insofern kann dem Beschuldigten nicht vorgeworfen werden, er ha-
be den Gegenverkehr bewusst ernstlich gefährden wollen, zumal er sich damit 
selbst einer grossen Gefahr ausgesetzt hätte. Dennoch war in der konkreten Situa-
tion mit entgegenkommenden Fahrzeugen zu rechnen. Schon während der ganzen 
Fahrt vom Grimselpass herunter und noch kurz vor dem Überholmanöver herrschte 
viel und ständiger Gegenverkehr, der ein sicheres Überholen verunmöglichte. Als 
der Beschuldigte dann nach dem Dorf Innertkirchen gleichwohl zum Überholen der 
vor ihm fahrenden Motorradfahrer ansetzte, war die Situation wegen der leichten 
Linkskurve, der nahen Mittelinsel sowie der einmündenden Strassen trotz guter 
Strassen- und Sichtverhältnisse nur wenig übersichtlich. Jedenfalls war damit zu 
rechnen, dass während des Manövers, mit dem der Gegenfahrstreifen zum Über-
holen gleich mehrerer Motorradfahrer beansprucht würde, Fahrzeuge entgegen-
kommen, die dadurch behindert oder gar gefährdet werden könnten. Dies liess den 
Beschuldigten offenbar völlig unbeeindruckt. Um die vor ihm fahrende Motorradko-
lonne möglichst schnell überholen zu können, nahm er die ernstliche Gefahr für die 

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Sicherheit entgegenkommender Fahrzeuge und der zu überholenden Motorradfah-
rer in Kauf.

Dies umso mehr, als für ihn völlig ungewiss war, ob er überhaupt rechtzeitig – ge-
schweige denn unter Einhaltung der Sicherheitsabstände – wieder auf den rechten 
Fahrstreifen würde einbiegen können. Der Beschuldigte fuhr der Motorradgruppe 
lange Zeit hinterher und hatte erkannt, dass es sich dabei um eine geschlossene 
Kolonne handelte. Indem er sich in dieser Situation entschloss, auch gleich noch 
D.________ zu überholen, nahm er dessen Behinderung und Gefährdung durch zu 
knappes Wiedereinbiegen billigend in Kauf. Der Beschuldigte wusste zwar im Mo-
ment, als er für die Überholmanöver auf den Gegenfahrstreifen ausschwenkte, 
nicht sicher, dass er den Motorradfahrer D.________ abdrängen werde. Aufgrund 
des regen Gegenverkehrs war allerdings damit zu rechnen, dass abrupt und ohne 
Rücksicht auf die Motorradkolonne wieder auf den rechten Fahrstreifen gewechselt 
werden muss, um eine Kollision mit entgegenkommenden Fahrzeugen zu verhin-
dern. 

Zusammenfassend kann damit festgehalten werden, dass für den Beschuldigten 
einerseits damit zu rechnen war, dass der von ihm für das Überholen von 
D.________ in Beschlag genommene Gegenfahrstreifen nicht frei von Gegenver-
kehr bleiben wird. Andererseits wusste er aufgrund der Motorradkolonne, die er 
links zu überholen begann, dass er wegen herannahendem Gegenverkehr nicht 
ohne Gefährdung der Motorradfahrer in der Kolonne würde ausweichen können. 
Indem der Beschuldigte gleichwohl überholte, missachtete er nicht einfach nur die 
Vorsicht, die ihm im Strassenverkehr oblag, sondern riskierte bewusst eine sehr 
gefährliche Situation und nahm die naheliegende Gefährdung fremder Interessen in 
Kauf. Er handelte völlig bedenkenlos und leichtfertig gegenüber fremden Rechts-
gütern. Unter diesen Umständen teilt die Kammer im Ergebnis die vorinstanzliche 
Einschätzung, dass das Verhalten des Beschuldigten auf Rücksichtslosigkeit be-
ruht und in besonderer Weise vorwerfbar ist. Der Beschuldigte handelte eventual-
vorsätzlich. Damit ist auch der subjektive Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG erfüllt. 
Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe liegen nicht vor.

11.4 Der Beschuldigte hat sich der groben Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 2 
i.V.m. Art. 35 Abs. 2 SVG und Art. 10 Abs. 2 VRV schuldig gemacht, begangen am 
30. September 2016 in Innertkirchen durch Überholen trotz Gegenverkehrs und 
Abdrängen von sowie knappes Einbiegen vor Motorradfahrer D.________.

12. Einfache Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Abs. 1 SVG)

Wer Verkehrsregeln des Strassenverkehrsgesetzes oder der Vollziehungsvorschrif-
ten des Bundesrates verletzt, wird nach Art. 90 Abs. 1 SVG mit Busse bestraft.

Art. 34 Abs. 4 SVG schreibt vor, dass gegenüber allen Strassenbenützern ein aus-
reichender Abstand einzuhalten ist, namentlich beim Kreuzen und Überholen sowie 
beim Neben- und Hintereinanderfahren. In Art. 12 Abs. 1 VRV wird die Regel da-
hingehend konkretisiert, dass der Fahrzeugführer beim Hintereinanderfahren einen 
ausreichenden Abstand zu wahren hat, sodass er auch bei überraschendem Brem-
sen des voranfahrenden Fahrzeugs rechtzeitig halten kann. Ob der Abstand im 
Sinne dieser Bestimmungen auseichend ist oder nicht, hängt von den gesamten 

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Umständen ab. Die Rechtsprechung hat keine allgemeinen Grundsätze zur Frage 
entwickelt, bei welchem Abstand in jedem Fall, das heisst auch bei günstigen Ver-
hältnissen, eine einfache Verkehrsregelverletzung anzunehmen ist. Im Sinne von 
Faustregeln wird für Personenwagen auf die Regel «halber Tacho» (entsprechend 
1,8 Sekunden) und die «Zwei-Sekunden»-Regel abgestellt. Diese Distanz ent-
spricht ungefähr der Anhaltestrecke bei plötzlichem ordnungsgemässem Bremsen 
und Anhalten des vorausfahrenden Personenwagens (zum Ganzen BGE 131 IV 
133 E. 3.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_1382/2017 vom 28. Juni 
2018 E. 3.3).

Der Beschuldigte fuhr dem vor ihm fahrenden Motorradfahrer bei einer Geschwin-
digkeit von ca. 40 km/h bis auf sechs Meter auf. Damit unterschritt er die erwähnten 
Faustregeln deutlich. Die Abstandszeit lag gar unter der Marke von 0,6 Sekunden, 
welche zumindest auf Autobahnen als Richtschnur für die Beurteilung, ob ein grobe 
Verkehrsregelverletzung vorliegt oder nicht, beigezogen wird (vgl. Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1004/2016 vom 14. März 2017 E. 2.3 mit Hinweisen). Nachdem 
der Beschuldigte für das nahe Auffahren erstinstanzlich der einfachen Verkehrsre-
gelverletzung schuldig gesprochen worden ist, ist aufgrund des Verschlechterungs-
verbots nicht näher darauf einzugehen, ob sogar die Voraussetzungen einer gro-
ben Verkehrsregelverletzung vorliegen. Jedenfalls wäre der Beschuldigte bei die-
sem Abstand trotz der guten Strassen- und Sichtverhältnisse nicht in der Lage ge-
wesen, seinen Geländewagen bei überraschender Vollbremsung des Motorrads 
rechtzeitig zum Stillstand zu bringen. Die Zeit unterschreitet eine realistische 
Bremsreaktionszeit selbst dann noch, wenn von einem bremsbereiten und geübten 
Fahrer mit einer Reaktionszeit von etwas unter einer Sekunde ausgegangen wird 
(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 6B_1030/2010 vom 22. März 2011 E. 3.3.3, 
wonach Untersuchungen zufolge die Bremsreaktionszeit selbst bei erhöhter 
Bremsbereitschaft in der Regel mindestens eine Sekunde beträgt). Der objektive 
Tatbestand ist damit erfüllt. In subjektiver Hinsicht liegt vorsätzliches Handeln vor. 
Der Beschuldigte wollte möglichst nahe an das vor ihm fahrende Motorrad auffah-
ren, um dieses bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit schneller überholen zu 
können. Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe liegen nicht vor.

Der Beschuldigte hat sich damit der einfachen Verkehrsregelverletzung gemäss 
Art. 90 Abs. 1 i.V.m. Art. 34 Abs. 4 SVG und Art. 12 Abs. 2 VRV schuldig gemacht, 
begangen am 30. September 2016 zwischen 14:40 und 15:30 Uhr in Innertkirchen 
durch Nichtwahren eines ausreichenden Abstands nach vorne.

IV. Strafzumessung

13. Allgemeines zur Strafzumessung und anwendbares Recht

Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundlagen der Strafzumessung korrekt wie-
dergegeben (pag. 122 f., S. 14 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Es kann 
darauf verwiesen werden.

Am 1. Januar 2018 sind die revidierten Bestimmungen des allgemeinen Teils des 
StGB in Kraft getreten. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttre-

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ten des neuen Strafgesetzbuches begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst 
nachher, so ist gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB das neue Gesetz anzuwenden, wenn 
dieses für ihn das mildere ist. Der Vergleich der Schwere verschiedener Strafnor-
men ist nach der sog. konkreten Methode vorzunehmen, wonach sich umfassende 
Beurteilungen des Sachverhalts nach altem und nach neuem Recht gegenüberzu-
stellen sind. Anzuwenden ist in Bezug auf ein und dieselbe Tat nur entweder das 
alte oder das neue Recht. Eine kombinierte Anwendung der beiden Rechte ist aus-
geschlossen (BGE 134 IV 82 E. 6.2.1 und 6.2.3).

Mit den neu in Kraft getretenen Änderungen des Sanktionenrechts wurden vor al-
lem der Anwendungsbereich der Geldstrafe eingeschränkt und derjenige der Frei-
heitsstrafe ausgeweitet. Vorliegend würden indessen in beiden Fällen – nach altem 
wie nach neuem Recht – bedingte Geldstrafen in derselben Höhe resultieren. Da 
das neue Recht auch sonst nicht zu einer milderen Sanktion führen würde, ist das 
zur Tatbegehung geltende Recht, das StGB in seiner bis zum 31. Dezember 2017 
geltenden Fassung (aStGB), anzuwenden.

14. Strafe für die grobe Verkehrsregelverletzung

14.1 Strafrahmen und Tatkomponenten

Die grobe Verkehrsregelverletzung wird gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG mit Geldstrafe 
oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft.

Ausgangspunkt der Strafzumessung ist das Tatverschulden. Das Tatverschulden 
orientiert sich an der Bandbreite möglicher Begehungsweisen innerhalb des vorlie-
genden Tatbestands. Im Rahmen der objektiven Tatkomponenten ist zu gewichten, 
wie schwer der Beschuldigte gegen die Verkehrsregeln verstossen hat. Das Aus-
mass der Gefährdung war vorliegend nicht unerheblich. Der Beschuldigte schuf 
nicht nur eine erhöht abstrakte, sondern eine konkrete Gefahr für den Motorradfah-
rer D.________. Dieser musste schnell reagieren und abbremsen, um einen Zu-
sammenstoss zu verhindern. Eine Kollision mit dem grossen Geländewagen des 
Beschuldigten hätte für D.________, der als Motorradfahrer besonders exponiert 
war, schwerwiegende Folgen haben können. Darüber hinaus wurde das entgegen-
kommende Fahrzeug erhöht abstrakt gefährdet. Das Vergehen fand indes bei einer 
nicht allzu hohen Geschwindigkeit statt. Dies war wohl mit ein Grund, warum 
D.________ trotz seiner prompten Reaktion nicht nahe an einem Sturz war und der 
hinter ihm fahrende C.________ nicht sofort abbremsen musste. Sach- oder Per-
sonenschäden hatte das Manöver glücklicherweise ebenfalls nicht zur Folge. Die 
Art und Weise des Vorgehens des Beschuldigten geht nicht über das für die Tatbe-
standsmässigkeit Erforderliche hinaus. Insgesamt wirken sich die objektiven Tat-
komponenten leicht erhöhend aus.

Der Beschuldigte handelte nicht nur grobfahrlässig, sondern eventualvorsätzlich. 
Eine besonders verwerfliche, beispielsweise schikanöse Absicht ist allerdings nicht 
erkennbar. Vielmehr hatte er aufgrund des gemächlichen Tempos der vor ihm fah-
renden Motorradkolonne durchaus eine gewisse Veranlassung, eine sich bietende 
Überholmöglichkeit zu nutzen. Zur Vermeidbarkeit ist festzuhalten, dass der Be-
schuldigte zwar im Zeitpunkt, als er aufgrund des nahenden Gegenverkehrs zurück 
auf den rechten Fahrstreifen drängte, kaum bessere Alternativen hatte. Diese Si-

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tuation war indes auf sein eigenes verkehrswidriges Verhalten zurückzuführen, weil 
er zuvor seinen Fahrstreifen ohne jede Rücksicht auf die Kolonne vor ihm und den 
regen Gegenverkehr verliess und in Kauf nahm, nicht rechtzeitig und ohne Behin-
derung anderer Fahrzeuge wieder einbiegen zu können. Insgesamt wirkt sich auch 
die subjektive Tatschwere erhöhend aus.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Tatverschulden unter Berücksichti-
gung sämtlicher objektiver und subjektiver Tatkomponenten als leicht zu bezeich-
nen und im unteren Bereich des Strafahmens anzusiedeln ist. Die praxisgemäss 
als Orientierungshilfe beigezogenen Richtlinien für die Strafzumessung des Ver-
bands Bernischer Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte 
(VBRS) empfehlen bei groben Verkehrsregelverletzungen eine Strafe ab 12 Stra-
feinheiten (VBRS-Richtlinien, S. 6). Unter diesen Umständen erscheint die von der 
Vorinstanz auf 10 Strafeinheiten festgelegte Sanktion als deutlich zu tief. Einer Er-
höhung im Berufungsverfahren steht indes das Verschlechterungsverbot entgegen.

14.2 Täterkomponenten 

Der verheiratete Beschuldigte ist mittlerweile _ Jahre alt und, wie auf den Polizei-
protokollen vermerkt ist, von Beruf Ingenieur (Dipl. ETH). Gemäss seinen Angaben 
zur Person vor der Vorinstanz (pag. 85 f.) ist er Alleininhaber der Firma 
Q.________AG, die 250 Angestellte hat. Aus dem Handelsregister ist ersic