# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f3f9db38-58b2-5fcc-b667-5cb12680ed12
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.09.2010 A-4073/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-4073-2008_2010-09-07.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-4073/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Richter Daniel de Vries Reilingh (Vorsitz), 
Richter Daniel Riedo, Richterin Salome Zimmermann, 
Gerichtsschreiberin Ursula Spörri.

X._______ AG, ...,
vertreten durch ...,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Zollverwaltung EZV, 
Zollkreisdirektion Schaffhausen,
Bahnhofstrasse 62, Postfach 1772, 8201 Schaffhausen,
handelnd durch die Oberzolldirektion (OZD),
Hauptabteilung Recht und Abgaben, Monbijoustrasse 40, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Verzollung von Apfelmus; Tarifeinreihung.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-4073/2008

Sachverhalt:

A.
Am 14. Januar 2008 meldete die Y._______ AG, ..., bei der Zollstelle 
St. Margrethen DA Au (hiernach: Zollstelle) eine für die X._______ AG, 
...  (hiernach:  Gesellschaft,  Zollpflichtige  oder  Beschwerdeführerin), 
bestimmte Sendung im EDV-Verfahren (E-dec) wie folgt zur Einfuhr an:

E-dec Nr. Ware Eigen-
masse

Roh-
masse

Tarif-Nr. Zollan-
satz

17521320.1 Apfelmus 
ungesüsst

6'739 
[kg]

7'219 
[kg]

2007.9919 [Fr.] 0.00

Das Selektionsverfahren lautete  auf  "gesperrt". Im Anschluss an die 
formelle  Überprüfung  ordnete  die  Zollstelle  eine  materielle  Kontrolle 
(Beschau) an, worüber sie am 25. Januar 2008 einen Zollbefund er-
stellte.  Die  Sendung  wurde  mit  Einfuhrliste  Nr. 17521320.2  gemäss 
Art. 39 Abs. 3 des Zollgesetzes vom 18. März 2005 (ZG, SR 631.0) am 
14. Januar 2008 provisorisch zur Einfuhr veranlagt (Sicherstellung der 
Zollabgaben zum höchsten, nach der Art der Ware möglichen Zollan-
satz [Tarifnummer 2008.9919], Zollansatz: Fr. 18.-- je 100 kg brutto).

B.
Die Zollstelle überwies die anlässlich der vorerwähnten Beschau erho-
benen Muster zusammen mit Kopien der Einfuhrlisten und der Begleit-
papiere zwecks Überprüfung der Tarifeinreihung an die Oberzolldi rek-
tion (OZD). Die unterbreiteten Muster wurden durch die Sektion Che-
misch-technische Kontrolle (SCTK) der OZD untersucht. Aufgrund der 
Untersuchungsergebnisse teilte die OZD der Zollkreisdirektion Schaff -
hausen am 5. Februar 2008 den folgenden Revisionsbefund mit:
"B._______
- Apfelmark 1.5 mm
Apfelpulpe
beige  homogene,  viskose  Masse  aus  passierten  Äpfeln,  mit  einem 
Brix-Wert von 12.4°, nicht durch Kochen hergestellt, ohne Zusatz von 
Zucker oder anderen Süssstoffen, mit Zugabe von Zitronensäure asep-
tisch abgefüllt, in Fässer à 210 kg
Tarifnummer: 2008.9919".

Seite 2

A-4073/2008

Gestützt  auf  den  vorstehenden  Revisionsbefund  der  OZD nahm die 
Zollstelle die definitive Veranlagung nach Tarifnummer 2008.9919 vor 
und erhob mit definitiver Veranlagungsverfügung Nr. 17521320.3 vom 
15. Februar 2008 einen Zoll von Fr. 1'299.40.

C.
Mit Schreiben vom 7. März 2008 erhob die Gesellschaft Beschwerde 
gegen die provisorische Veranlagung vom 14. Januar 2008 und bean-
tragte  die  Verzollung  des  Apfelmuses  unter  der  Tarifnummer 
2007.9929. Sie machte geltend, dem Apfelmus werde durch eine ther-
mische Behandlung unter  teilweisem Vakuum Wasser  entzogen,  wo-
durch eine Brixerhöhung von 1-2°  gegenüber  dem Ausgangsprodukt 
entstehe. Zudem senke sich der Bostwickwert (Fliesskurve) gegenüber 
dem Ausgangsprodukt um 10-20 mm. Damit seien alle nötigen Anfor-
derungen der Zolltarifnummer 2007.9929 erfüllt. Zudem werde Apfel-
mus  mit  gleicher  Qualität  in  der  EU  unter  der  Tarifnummer 
2007.9950.20 eingereiht.

D.
Mit Beschwerdeentscheid vom 19. Mai 2008 wies die Zollkreisdirektion 
Schaffhausen die Beschwerde der Gesellschaft vom 7. März 2008 ab. 
Sie führte im Wesentlichen aus, für die Einreihung unter die Tarifnum-
mer 2007 sei einerseits eine thermische Behandlung des Produkts er-
forderlich,  andererseits  müsse  die  Viskosität  gegenüber  dem  Aus-
gangserzeugnis eindeutig erhöht  worden sein. Beim streitbetroffenen 
Apfelmus liege keine Erhöhung der  Viskosität  gemäss Anmerkung 5 
zum Kapitel  20  vor,  weshalb  eine Einreihung  unter  der  Tarifnummer 
2007 somit nicht in Frage komme.

E.
Gegen  diesen  Entscheid  liess  die  Zollpflichtige  mit  Eingabe  vom 
18. Juni 2008 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einreichen 
und beantragen, sowohl der Beschwerdeentscheid vom 19. Mai 2008 
als auch die Veranlagungsverfügung Nr. 17521320.3 vom 15. Februar 
2008  seien  aufzuheben  und  die  Verzollung der beanstandeten Sen-
dung  sei  unter  der  Tarifnummer  2007.9919  zuzulassen,  alles  unter 
Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie begründete ihre Anträge insbe-
sondere damit, dass die Zollbehörde trotz des klaren und eindeutigen 
Wortlautes der Anmerkung Nr. 5 zum Kapitel 20 für gekochtes Apfel-
mus  weitergehende  Anforderungen  verlange,  als  vom  Gesetzgeber 
festgelegt. Die gesetzlichen Vorschriften verlangten nämlich, entgegen 

Seite 3

A-4073/2008

der Auffassung der Zollbehörden, in keiner Weise einen deutlich höhe-
ren Brix-Wert und auch keine eindeutig höhere Viskosität. Die Zollbe-
hörden verschärften mithin die Anforderungen ohne ausreichende ge-
setzliche Grundlage.

F.
In ihrer Vernehmlassung vom 22. August 2008 beantragte die OZD die 
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde.

G.
Auf die weiteren Begründungen in den Eingaben der Parteien wird – 
soweit  entscheidrelevant  –  im Rahmen der  nachfolgenden Erwägun-
gen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17.  Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist. 
Eine solche liegt nicht vor und die Zollkreisdirektion Schaffhausen ist  
eine Behörde im Sinn von Art. 33 VGG. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. 
Soweit das VGG nichts anderes bestimmt, richtet sich gemäss dessen 
Art. 37 das Verfahren nach dem VwVG. Auf die frist- und formgerecht 
eingereichte Beschwerde ist somit – unter Vorbehalt der Ausführungen 
in E. 1.3 hiernach – grundsätzlich einzutreten.

1.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen  Ent-
scheid grundsätzlich in  vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerde-
führerin  kann neben der Verletzung von Bundesrecht  (Art. 49 Bst. a 
VwVG)  und  der  unrichtigen  oder  unvollständigen  Feststellung  des 
rechtserheblichen Sachverhaltes (Art. 49 Bst. b VwVG) auch die Rüge 
der Unangemessenheit erheben (Art. 49 Bst. c VwVG; vgl.  ANDRÉ MO-
SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 2.149).

Seite 4

A-4073/2008

1.3 Anfechtungsobjekt  im  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsge-
richt bildet einzig der vorinstanzliche Entscheid; dieser ersetzt allfällige 
Entscheide unterer Instanzen (sog. Devolutiveffekt; MOSER/BEUSCH/KNEU-
BÜHLER, a.a.O., Rz. 2.7). Soweit die Beschwerdeführerin die Aufhebung 
der  erstinstanzlichen  Veranlagungsverfügung  Nr.  17521320  vom 
15. Februar 2008 beantragt, ist daher auf ihre Beschwerde nicht ein-
zutreten.

2.
2.1
Die  Gesetzgebung  über  Zölle  und  andere  Abgaben auf  dem grenz-
überschreitenden Warenverkehr  ist  Sache des Bundes (Art. 133 der 
Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April 1999 [BV, SR 101]). Waren, die ins Zollgebiet oder aus dem 
Zollgebiet verbracht werden, sind zollpflichtig und müssen nach dem 
ZG sowie  nach  dem  Zolltarifgesetz  vom  9.  Oktober  1986  (ZTG, 
SR 632.10)  veranlagt  werden  (Art. 7  ZG). Die  Ein-  und  Ausfuhrzölle 
werden durch den Zolltarif  festgesetzt. Dieser ist in einem separaten 
Erlass, dem ZTG, enthalten. Art. 1 ZTG schreibt vor, dass alle Waren, 
die über  die  schweizerische Zollgrenze ein-  und ausgeführt  werden, 
nach dem Generaltarif zu verzollen sind, welcher in den Anhängen 1 
und 2 des ZTG enthalten ist. Der Generaltarif  wird in der Amtlichen 
Sammlung des Bundesrechts (AS) nicht veröffentlicht. Die Veröffentli -
chung erfolgt  durch Verweis  (Art. 5  Abs. 1  des Publikationsgesetzes 
vom 18. Juni 2004 [PublG, SR 170.512]). Der Generaltarif kann jedoch 
mitsamt seinen Änderungen bei der OZD eingesehen oder im Internet 
(unter www.ezv.admin.ch bzw. www.tares.ch) konsultiert werden. Das-
selbe gilt für den Gebrauchstarif (Art. 15 Abs. 2 und Anhänge 1 und 2 
ZTG;  Fn.  29  zum  ZTG).  Trotz  fehlender  Veröffentlichung  in  der  AS 
kommt dem Generaltarif Gesetzesrang zu (Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.1, A-2748/2008 vom 
16. Oktober 2009 E. 2.1; THOMAS COTTIER/DAVID HERREN, in: Kocher/Clava-
detscher  [Hrsg.],  Handkommentar,  Zollgesetz,  Bern  2009,  Einleitung 
Rz. 96 ff.).

2.2
2.2.1 Die  Schweiz  ist  dem  internationalen  Übereinkommen  vom 
14. Juni  1983 über  das Harmonisierte  System zur  Bezeichnung und 
Codierung  der  Waren  (SR 0.632.11,  nachfolgend  Übereinkommen) 
beigetreten. Dieses ist für die Schweiz am 1. Januar 1988 in Kraft ge-
treten. Das "Harmonisierte  System" (HS)  bedeutet  die  Nomenklatur, 

Seite 5

A-4073/2008

welche  die  Nummern  und  Unternummern  mit  den  dazugehörenden 
Codenummern, die Abschnitt-, Kapitel- und Unternummern-Anmerkun-
gen sowie  die  "Allgemeinen Vorschriften  für  die  Auslegung des HS" 
umfasst  (Art. 1  Bst. a  des  Übereinkommens).  Aufgrund  von  Art.  3 
Ziff. 1 Bst. a des Übereinkommens ist die Schweiz verpflichtet, ihre Ta-
rifnomenklatur  mit  dem HS in  Übereinstimmung zu bringen und alle 
Nummern und Unternummern des HS sowie die dazugehörenden Co-
denummern zu verwenden, ohne etwas hinzuzufügen oder zu ändern 
(Nr. 1) und die Allgemeinen Vorschriften für die Auslegung des HS so-
wie  alle  Abschnitt-,  Kapitel-  und  Unternummern-Anmerkungen anzu-
wenden und den Geltungsbereich  der  Abschnitte,  Kapitel,  Nummern 
und Unternummern des HS nicht zu verändern (Nr. 2). Das ZTG bein-
haltet den Nomenklaturtext des HS (s. den Anhang in Verbindung mit 
Art. 2 des Übereinkommens), womit der schweizerische Tarif dem HS 
entspricht  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-642/2008 
vom 3.  März  2010  E.  2.2.1,  A-1772/2006  vom 11. September  2008 
E. 2.1.2).

2.2.2 Die  Nomenklatur  des  HS  bildet  die  systematische  Grundlage 
des schweizerischen Generaltarifs,  dessen Kodierung durchwegs als 
achtstellige Tarifnummer pro Warenposition ausgestaltet und damit ge-
genüber der sechsstelligen Nomenklatur des HS um zwei Stellen ver-
feinert  ist  (REMO ARPAGAUS,  Zollrecht,  in: Koller/Müller/Rhinow/Zimmerli 
[Hrsg.],  Schweizerisches  Bundesverwaltungsrecht,  Bd. XII,  2. Aufl., 
Basel 2007, Rz. 576). Daraus folgt, dass die schweizerische Nomen-
klatur  bis  zur  sechsten  Ziffer  völkerrechtlich  bestimmt  ist.  Falls  die 
siebte und achte Ziffer  ihre  Grundlage im ZTG finden, kommt ihnen 
Gesetzesrang zu. Die Prüfung der Verfassungsmässigkeit der Bestim-
mungen erübrigt sich somit, weil das Bundesverwaltungsgericht keine 
Möglichkeit  hätte,  die  Norm aufzuheben oder ihr  die  Anwendung zu 
versagen (Art. 190 BV; vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-
642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.2.2,  A-2748/2008 vom 16. Oktober 
2009  E. 2.2.2,  A-1734/2006  vom 10. Juli  2009  E. 2.2.2  mit  weiteren 
Hinweisen; vgl. auch ARPAGAUS, a.a.O., Rz. 578; YVO HANGARTNER, in: Eh-
renzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender [Hrsg.], Die schweizerische 
Bundesverfassung,  Kommentar,  2. Aufl.,  Zürich  2008,  Rz. 5 f.  zu 
Art. 190 BV).

2.2.3 Die  Vertragsstaaten  des  oben  bezeichneten  Übereinkommens 
(E. 2.2.1) beabsichtigen eine einheitliche Auslegung und Anwendung 
des  HS  (vgl.  Art. 7  Ziff. 1  Bst. c  und  Art. 8  Ziff. 2  des  Übereinkom-

Seite 6

A-4073/2008

mens). Hierzu dienen u.a. die "Avis de classement" (nachfolgend Ein-
reihungsavisen)  und die "Notes explicatives du Système Harmonisé" 
(nachfolgend Erläuterungen), welche vom Rat für die Zusammenarbeit 
auf  dem Gebiet des Zollwesens (Weltzollrat) auf Vorschlag des Aus-
schusses des Harmonisierten Systems genehmigt worden sind (Art. 1 
Bst. e und f in Verbindung mit Art. 7 Ziff. 1 Bst. a - c in Verbindung mit 
Art. 8 Ziff. 2 und 3 des Übereinkommens). Diese Vorschriften sind als 
materiell internationales (Staatsvertrags-)Recht für das Bundesverwal-
tungsgericht verbindlich. Die Vertragsstaaten haben einzig nach Art. 7 
Ziff. 1 sowie Art. 8 Ziff. 1 und 2 des Übereinkommens die Möglichkeit, 
die Überprüfung oder Änderung der  Erläuterungen und Einreihungs-
avisen  zu  veranlassen  (vgl.  statt  vieler:  Urteile  des  Bundesverwal-
tungsgerichts  A-642/2008  vom 3.  März  2010  E.  2.2.3,  A-2748/2008 
vom  16. Oktober  2009  E. 2.2.3,  A-1734/2006  vom  10. Juli  2009 
E. 2.2.3, teilweise mit  weiteren Hinweisen). Dennoch bleibt Raum für 
nationale Regelungen. So kann die OZD zum Beispiel zusätzlich soge-
nannte  Schweizerische  Erläuterungen  erlassen  (vgl.  Urteil  des  Bun-
desverwaltungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.2.3).

2.3
2.3.1 Für die Tarifeinreihung massgebend ist die Art, Menge und Be-
schaffenheit der Ware zum Zeitpunkt, in dem sie der Zollstelle ange-
meldet wird (vgl. Art. 19 Abs. 1 Bst. a ZG). Auf den Verwendungszweck 
ist  demgegenüber nur dann abzustellen, wenn dies in den einzelnen 
Tarifpositionen als Einreihungskriterium ausdrücklich festgehalten ist. 
Ist dies nicht der Fall, kommt dem Verwendungszweck wie auch dem 
Preis,  der Verpackung, der Bezeichnung durch Hersteller  oder Emp-
fänger der Ware lediglich hinweisende, nicht aber ausschlaggebende 
Bedeutung zu (zum [alten] Zollgesetz vom 1. Oktober 1925 [aZG, AS 
42 287 und BS 6 465], welches diesbezüglich aber nicht anders aus-
gestattet war: Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-642/2008 vom 
3. März 2010 E. 2.3.1, A-2748/2008 vom 16. Oktober 2009 E. 2.3.1, A-
1734/2006 vom 10. Juli 2009 E. 2.3.1 mit weiteren Hinweisen).

2.3.2 Hinsichtlich der Auslegung sehen die von den schweizerischen 
Zollbehörden angewendeten "Allgemeinen Vorschriften für die Ausle-
gung  des  Harmonisierten  Systems"  (AV)  übereinstimmend  mit  den 
"Allgemeinen  Vorschriften  für  die  Auslegung  des  HS"  des  offiziellen 
Textes des Übereinkommens in Ziff. 1 vor, dass für die Tarifeinreihung 
einer Ware der Wortlaut der Nummern und der Abschnitt- oder Kapitel-
Anmerkungen sowie die weiteren Allgemeinen Vorschriften, soweit die-

Seite 7

A-4073/2008

se dem Wortlaut der Nummern und der Anmerkungen nicht widerspre-
chen,  massgebend sind. Bei  der  Bestimmung der zutreffenden Tarif-
nummer ist somit stufenweise in der gesetzlich festgelegten Reihenfol-
ge (Tariftext  – Anmerkungen – Allgemeine Vorschriften) vorzugehen. 
Die  nächstfolgende  Vorschrift  ist  immer  erst  dann  heranzuziehen, 
wenn die vorangehende Bestimmung nicht zum Ziel geführt, d.h. keine 
einwandfreie  Tarifierung  ermöglicht  hat  (vgl.  statt  vieler:  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 2.3.2, A-
2748/2008 vom 16. Oktober 2009 E. 2.2.2, A-1734/2006 vom 10. Juli 
2009 E. 2.2.2, A-6623/2008 vom 9. März 2009 E. 2.3.2, je mit weiteren 
Hinweisen).

2.3.3 Kommen für die Einreihung von Waren bei Anwendung der Vor-
schrift  AV Ziff. 2b  oder  in  irgendeinem anderen Fall  zwei  oder  mehr 
Nummern in Betracht, so ist gemäss AV Ziff. 3 wie folgt zu verfahren:

• a) Die Nummer mit der genaueren Warenbezeichnung geht den 
Nummern  mit  allgemeiner  Warenbezeichnung  vor.  Zwei  oder 
mehr Nummern, von denen sich jede nur auf einen Teil der Stof-
fe  einer  gemischten  oder  zusammengesetzten  Ware  oder  nur 
auf einen Teil der Artikel im Falle von für den Einzelverkauf auf-
gemachten Warenzusammenstellungen bezieht, sind jedoch im 
Hinblick auf diese Ware oder diesen Artikel als gleich genau zu 
betrachten, selbst wenn eine von ihnen eine genauere oder voll -
ständigere Warenbezeichnung aufweist.

• b) Mischungen, Waren, die aus verschiedenen Stoffen oder Be-
standteilen  bestehen  und  für  den  Einzelverkauf  aufgemachte 
Warenzusammenstellungen,  deren  Einreihung  nicht  nach  der 
Vorschrift AV Ziff. 3a erfolgen kann, werden nach dem Stoff oder 
Bestandteil  eingereiht,  der ihnen ihren wesentlichen Charakter 
verleiht,  sofern  dieser  Stoff  oder  Bestandteil  ermittelt  werden 
kann.

• c) Ist  die Einreihung nach den Vorschriften AV Ziff. 3a und 3b 
nicht möglich, so ist die Ware der in der Nummerierung zuletzt 
genannten gleichermassen  in  Betracht  kommenden  Nummer 
zuzuweisen.

2.3.4 Gemäss AV Ziff. 6 sind massgebend für die Einreihung von Wa-
ren in die Unternummern einer Nummer der Wortlaut dieser Unternum-
mern  und  der  Unternummer-Anmerkungen  sowie,  mutatis  mutandis, 
die  Vorschriften  der  AV, wobei  nur  die  Unternummern  der  gleichen 

Seite 8

A-4073/2008

Gliederungsstufe einander gegenübergestellt werden können. Bei Aus-
legung dieser  Vorschrift  sind,  vorbehältlich gegenteiliger  Bestimmun-
gen,  die  Abschnitt-  und  Kapitel-Anmerkungen  ebenfalls  anwendbar. 
Wie bereits erwähnt (E. 2.2.3) bleibt dennoch Raum für nationale Re-
gelungen. Massgebend für die Einreihung von Waren in die schweize-
rischen Unternummern sind der Wortlaut dieser schweizerischen Un-
ternummern  und  der  schweizerischen  Anmerkungen  sowie,  mutatis 
mutandis,  die  Vorschriften  der  AV, wobei  nur  schweizerische  Unter-
nummern  der  gleichen  Gliederungsstufe  einander  gegenübergestellt 
werden können. Bei Auslegung dieser Vorschrift sind, vorbehältlich ge-
genteiliger  Bestimmungen betreffend die  schweizerischen Unternum-
mern, die Abschnitt-,  Kapitel-  und Unternummer-Anmerkungen eben-
falls  anwendbar  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-642/2008 
vom 3. März 2010 E. 2.3.4).

3.
Im vorliegenden Fall ist die Tarifierung der im Sachverhalt erwähnten 
Einfuhrsendung von ungesüsstem Apfelmus strittig (vgl. oben Sachver-
halt A). Die Beschwerdeführerin verlangt, das eingeführte ungesüsste 
Apfelmus unter die Tarifnummer 2007.9919 einzuordnen. Die OZD ist 
hingegen der Meinung, dass das eingeführte Mus unter die Tarifnum-
mer 2008.9919 falle. Im Folgenden werden zunächst die vorliegend in 
Frage kommenden Tarifnummern 2007 (E. 3.1) und 2008 (E. 3.2) um-
schrieben, um  anschliessend  nach  einer  zunächst  grundsätzlichen 
(E. 3.3), eine fallbezogene (E. 3.4) Einordnung des im Streit liegenden 
Produkts vornehmen zu können.

3.1
3.1.1 Nach dem betreffenden Gebrauchstarif  zum Zeitpunkt  der ein-
zelnen  Einfuhren  des  fraglichen  Erzeugnisses  (vgl.  oben  Sachver-
halt A) fielen folgende Waren unter die Tarifnummer 2007: "Konfitüren, 
Fruchtgelees,  Marmeladen,  Fruchtmus  und  Fruchtpasten,  durch  Ko-
chen hergestellt, auch mit Zusatz von Zucker oder anderen Süssstof-
fen".

3.1.2 Laut Ziffer 5 der Anmerkungen zum Kapitel 20 bedeutet der Aus-
druck "durch Kochen hergestellt" im Sinn der Nr. 2007 (vgl. den Tarif-
text in E. 3.1.1) "eine thermische Behandlung unter Normaldruck oder 
teilweisem Vakuum, um die Viskosität des Produktes durch Reduzie-
rung des Wassergehalts oder andere Mittel zu erhöhen" (vgl. die fran-
zösische Originalfassung: "Aux fins du no 2007, l'expression 'obtenues 

Seite 9

A-4073/2008

par cuisson' signifie obtenues par traitement thermique à la pression 
atmosphérique ou sous vide partiel en vue d'accroître la viscosité du 
produit par réduction de sa teneur en eau ou par d'autres moyens").

3.1.3 Die Erläuterungen zu Kapitel  20  (Zubereitungen von Gemüse, 
Früchten oder anderen Pflanzenteilen) enthalten zum einen "Allgemei-
nes" und zum anderen auch spezifische Ausführungen zu den einzel-
nen  Tarifnummern  (2001  bis  2009).  Gemäss  den  Erläuterungen  zur 
Nummer 2007 wird zum Herstellen von  Fruchtmus passiertes Frucht-
fleisch oder Pulver von Schalenfrüchten, auch mit Zuckerzusatz, bis zu 
einer mehr oder weniger dickbreiigen Konsistenz gekocht.  Fruchtmus 
unterscheide sich von Konfitüre durch die starke Fruchtkonzentration 
und eine weichere Konsistenz. Fruchtpasten (z.B. aus Äpfeln, Quitten, 
Birnen, Aprikosen, Mandeln usw.) hingegen seien eingedickte Frucht-
muse  von fester  oder  beinahe fester  Konsistenz. Dabei  könnten  die 
Waren dieser Nummer, die in der Regel unter Verwendung von Zucker 
hergestellt würden, auch mit künstlichen Süssstoffen (z.B. Sorbitol) ge-
süsst sein (vgl. Erläuterungen zur Nummer 2007).

3.2
3.2.1 Unter die Tarifnummer 2008 fallen demgegenüber folgende Wa-
ren: "Früchte und andere geniessbare Pflanzenteile, in anderer Weise 
zubereitet oder haltbar gemacht, auch mit Zusatz von Zucker oder an-
deren Süssstoffen oder von Alkohol, anderweit weder genannt noch in-
begriffen" (vgl. Schweizerischer Gebrauchstarif zum Zeitpunkt der ein-
zelnen Einfuhren gemäss Sachverhalt A hiervor).

3.2.2 Die Tarifnummer 2008 umfasst gemäss den betreffenden Erläu-
terungen  zum Schweizer  Generaltarif  "Früchte  und  andere  geniess-
bare Pflanzenteile, ganz, in Stücken oder zerquetscht, einschliesslich 
Mischungen ganzer Früchte, die durch andere als in den vorstehenden 
Nummern dieses Kapitels oder in  andern Kapiteln vorgesehene Ver-
fahren zubereitet oder konserviert sind". 
Hierher gehören namentlich insbesondere: 

" 1)...
2) ...
3) Früchte (einschliesslich Fruchtschalen und Samen) im Naturzustand in 

Sirup, in Alkohol oder mit chemischen Konservierungsmitteln haltbar 
gemacht. 

4) Fruchtpulpe, sterilisiert, auch gekocht. 
5) ...
6) Gekochte Früchte. Mit Wasser oder Dampf gekochte Früchte, gefroren, 

gehören jedoch zu Nr. 0811 [bei dieser letztgenannten Tarifnummer geht 

Seite 10

A-4073/2008

es laut dem zugehörigen Tariftext um "Früchte, nicht gekocht oder in 
Wasser oder Dampf gekocht, gefroren, auch mit Zusatz von Zucker oder 
anderen Süssstoffen"].

7) ...
8) ...
9) ...

10) ..."

Unter  den  Schweizerischen  Erläuterungen  (zur  Tarifnummer  2008) 
wird  zudem u.a. ausgeführt: "Pulpe im Sinne dieser Nummer ist  ein 
mehr  oder  weniger  brei-  oder  musartiges Erzeugnis aus rohen oder 
vorgekochten Früchten, die durch Sterilisieren oder ohne Wasser mit 
chemischen Konservierungsmitteln haltbar gemacht sind, ohne Zusatz 
von Zucker oder anderen Süssstoffen. Je nach dem Ausgangsmaterial 
und dem Bearbeitungsgrad enthalten Fruchtpulpen meist noch ganze 
oder halbe Früchte oder Fruchtstücke in unregelmässiger Form. In re-
gelmässige Formen (Würfel, Scheiben, Segmente usw.) geschnittene 
Früchte gelten nicht als Pulpe im Sinne dieser Nummer. Fruchtpulpen 
werden  zur  Herstellung  von  Konfitüre,  Patisserieprodukten  usw. ver-
wendet.  Die  Art  der  Verpackung  spielt  für  die  Tarifeinreihung  keine 
Rolle."

3.3 In seinem Urteil A-642/2008 vom 3. März 2010 hielt das Bundes-
verwaltungsgericht dafür, dass bereits aus dem entsprechenden Tarif -
text hervorgehe, dass namentlich "Fruchtmus" grundsätzlich unter die 
Tarifnummer 2007 einzureihen sei. Demgegenüber lese sich der Text 
zur Tarifnummer 2008 klarerweise als Auffangposition im Vergleich zu 
anderen Tarifnummern – dies insbesondere aufgrund seiner Textpas-
sagen wie  "in  anderer  Weise zubereitet  oder  haltbar  gemacht"  oder 
"anderweit weder genannt noch inbegriffen". Die betreffenden Erläute-
rungen  zur  Tarifnummer  2007  enthielten  sodann  eine  Definition  von 
"Fruchtmus" und grenzten dieses von "Fruchtpaste" ab. In den entspre-
chenden Erläuterungen zur Tarifnummer 2008 fehle es dagegen an ei-
ner expliziten Erwähnung von "Fruchtmus". Vielmehr werde dort in all-
gemeiner  Art  und  Weise  namentlich  auf  Früchte  im  Naturzustand, 
Fruchtpulpe  oder  gekochte  Früchte  verwiesen.  Immerhin  handle  es 
sich bei "Pulpe" um ein "mehr oder weniger brei- oder musartiges Er-
zeugnis  aus  rohen  oder  vorgekochten  Früchten".  Jedoch  enthielten 
Fruchtpulpen "meist noch ganze oder halbe Fruchtstücke in unregel-
mässiger Form". Zudem würden sie "zur Herstellung von Konfitüren, 
Patisserieprodukten usw. verwendet"  (Urteil  des  Bundesverwaltungs-
gerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 3.3 1. Absatz).

Seite 11

A-4073/2008

Im genannten Urteil erwog das Bundesverwaltungsgericht weiter, "Ap-
felmus" lasse sich, als wohl bekanntestes Beispiel für "Fruchtmus", ge-
stützt auf den entsprechenden Tariftext bzw. die  zugehörigen Erläute-
rungen in grundsätzlicher Weise unter die Tarifnummer 2007 einreihen. 
Es verwies auch auf die online zugänglichen elektronischen Zoll tarife 
aus Deutschland (http://auskunft.ezt-online.de) und Polen (http://isztar. 
mf.gov.pl), in welchen "Apfelmus" ausdrücklich unter die Tarifnummer 
2007 eingereiht werde; dasselbe gelte für den integrierten Tarif der EU, 
"TARIC"  (http://ec.europa.eu/taxation_customs/dds/tarhome_de.htm). 
Es  führte  aus,  dass  nur  falls  das  betreffende Fruchtmus ausnahms-
weise "in anderer Weise zubereitet [d.h. z.B. überhaupt nicht gekocht] 
oder  haltbar  gemacht"  worden sein  sollte,  eine  Tarifeinreihung  unter 
der  Nummer 2008 in  Frage käme (Urteil  des  Bundesverwaltungsge-
richts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 3.3 2. Absatz).

Gemäss Rechtsprechung der  (früheren)  Eidgenössischen  Zollrekurs-
kommission (ZRK) gehe aus den  Erläuterungen zum Gebrauchstarif 
1986 zur Tarifnummer 2007 hervor, dass den unter diese Tarifnummer 
fallenden Produkten ein längerer Kochvorgang gemeinsam sei. Dabei 
müsse der Kochprozess einer gewissen Veredelung des Erzeugnisses 
dienen, wodurch dieses – wie beispielsweise die Konfitüre – sein End-
stadium erreicht  habe oder diesem zumindest  einen entscheidenden 
Schritt näher gekommen sei. Massgebend sei, ob bloss eine Haltbar-
machung oder aber eine weitergehende Verarbeitung bzw. Veredelung 
der Masse stattgefunden habe (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 3.3; unveröffentlichte Entscheide der 
ZRK  861/94  vom  7.  Juli  1994  E.  5.b,  858/94  vom  30. Mai  1996 
E. 3.aa).

3.4 Dementsprechend stellt sich vorliegend die Frage, ob das streitbe-
troffene  ungesüsste  Apfelmus  im  Sinn  der  betreffenden  Anmerkung 
zur Tarifnummer 2007 (vgl. E. 3.1.2)  "durch Kochen hergestellt"  wor-
den ist. Ein Produkt gilt dann als "durch Kochen hergestellt", wenn es 
eine thermische Behandlung erfahren hat,  um seine Viskosität durch 
Reduzierung des Wassergehalts oder andere Mittel zu erhöhen ("... en 
vue d'accroître la viscosité du produit  par réduction de sa teneur en 
eau ou par d'autres moyens") (vgl. E. 3.1.2 sowie Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 3.4).

3.4.1 Unbestritten ist,  dass Erzeugnisse der Tarifnummer 2007 einer 
thermischen Behandlung bedürfen und diese Voraussetzung im vorlie-

Seite 12

A-4073/2008

genden Fall erfüllt ist: Gemäss Verfahrensanweisung des Produzenten 
B._______  AG/S.p.A.,  ...,  wurden  die  Äpfel  zuerst  kalt  passiert  und 
danach im Maischeerhitzer gekocht (vgl. Verfahrensanweisung, act. 16 
der Vernehmlassungsbeilagen). Gemäss der Rohstoffspezifikation der 
Beschwerdeführerin (act. 15 der Vernehmlassungsbeilagen) werde das 
Apfelmus  ohne  Zusätze  (Zucker,  Farbstoffe,  Konservierungsmittel) 
mittels Kochen hergestellt und durch Pasteurisieren haltbar gemacht; 
das Kochen erhöhe den Brix-Wert gegenüber dem Ausgangsmaterial 
um 1-2° Brix; als Antioxidans werde L-Ascorbinsäure zugesetzt (Roh-
stoffspezifikation,  S. 1;  act.  15  der  Vernehmlassungsbeilagen). Auch 
die  unwidersprochen  gebliebenen  Angaben  des  oben  genannten 
Produzenten bestätigen dieses Produktionsverfahren: Dieser erklärte, 
dass "... über einen sogenannten Entgaser" gefahren werde und dass 
das  durch  die  Erhitzung  entstehende  Kondensat  nicht  mehr  dem 
Mark/Mus zugefügt  werde  (E-mail  der  Firma B._______  AG an den 
Rechtsanwalt  der Beschwerdeführerin vom 4. Juni  2008, act. 22 der 
Vernehmlassungsbeilagen).  Die  Zollkreisdirektion  Schaffhausen  er-
kannte denn auch in ihrem Beschwerdeentscheid vom 19. Mai 2008, 
dass  das  eingeführte  Apfelmus  zweifelsohne  eine  thermische  Be-
handlung  erfahren habe (act.  2  S. 4  der  Beschwerdebeilagen). Dies 
stimmt  auch  insofern  mit  der  zitierten  Rechtsprechung  der  ZRK 
überein,  als  die Äpfel  einer Veredelung unterzogen worden sind und 
das Apfelmus sein Endstadium erreicht hat. Es bleibt nun zu klären, ob 
–  und  bejahendenfalls  in  welchem Umfang  –  die  Viskosität  des  Er-
zeugnisses im Rahmen der Herstellung erhöht werden muss und ob 
dies in casu so der Fall war.

3.4.2 In seinem Urteil A-642/2008 vom 3. März 2010 erwog das Bun-
desverwaltungsgericht, im Tariftext zur Nummer 2007 sowie in den be-
treffenden Anmerkungen und Erläuterungen werde nicht festgelegt, in 
welchem Ausmass die Viskosität  bei  den betreffenden Fruchterzeug-
nissen ("durch Reduzierung des Wassergehalts  oder  andere  Mittel") 
erhöht werden müsse. Die gesetzlichen Bestimmungen bzw. Erläute-
rungen zum Tarif 2007 enthielten keinerlei Hinweise oder Anhaltspunk-
te, wonach die Viskosität "eindeutig" erhöht worden sein müsste. Eine 
allenfalls geforderte minimale Erhöhung der Viskosität müsste sich klar 
und  deutlich  aus  der  betreffenden  gesetzlichen  Grundlage  ergeben, 
dies schon aufgrund des strengen Legalitätsprinzips im Abgaberecht 
sowie im Hinblick auf eine rechtsgleiche und damit willkürfreie Tarifein-
reihung wie auch nicht zuletzt der Rechtssicherheit wegen (Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-642/2008 vom 3. März  2010 E. 3.5.1). 

Seite 13

A-4073/2008

Ungeachtet  der fehlenden tarifarischen Festlegung, in  welchem Aus-
mass die Viskosität mindestens zu erhöhen sei,  war das Bundesver-
waltungsgericht der Ansicht, dass diese Voraussetzung erfüllt sei, weil 
sich die Viskosität im damals zu beurteilenden Fall mittels Zuckerzu-
satz "deutlich", d.h. um rund 31%, erhöht habe (Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts A-642/2008 vom 3. März 2010 E. 3.5.2 und 3.6).

3.4.2.1 Wie  dargelegt,  wird  aufgrund  des  Wortlauts  von  Anmerkung 
Nr. 5 zum Kapitel 20 (E. 3.4.1 hiervor) keine bestimmte, messbare Er-
höhung  der  Viskosität  gefordert.  Aufgrund  einer  grammatikalischen 
Auslegung dieser Anmerkung kann somit nicht verlangt werden, dass 
das Produkt "eindeutig dickflüssiger bzw. viskoser" sein muss (als die 
natürliche  Frucht).  Eine  "eindeutige"  Erhöhung  der  Viskosität  wird 
nämlich von der genannten Anmerkung nicht gefordert, weder mit ei-
nem zu erreichenden Mindestwert  noch im Vergleich zur natürlichen 
Frucht. Im Zentrum der Anmerkung steht vielmehr die thermische Be-
handlung. Die Erhöhung der Viskosität ist  wohl Zweck dieser thermi-
schen Behandlung ("um ... zu"; vgl. auch die französische Originalfas-
sung ["... en vue d[e] ..."], welche auf eine Absicht, ein zu erreichendes 
Ziel, nicht aber auf eine zusätzliche Bedingung, hinweist; vgl. E. 3.1.2 
hiervor), nicht aber eine im Sinne der Vorinstanz verstandene, zusätzli-
che Voraussetzung für die Einreihung unter der Tarifnummer 2007.

3.4.2.2 Es  ist  nicht  zulässig  (E. 3.4.1  hiervor),  ohne  entsprechende 
gesetzliche Grundlage, auf eine bestimmte prozentuale oder absolute 
Erhöhung des Brix-Wertes abzustellen, um eine Einreihung unter Tarif-
nummer 2007 zuzulassen. Der Brix-Wert wird in der Nomenklatur des 
HS als offizielles Kriterium für die tarifarische Abgrenzung von konzen-
trierten Fruchtsäften innerhalb der Tarifnummer 2009 angewendet.  In 
der Unternummer-Anmerkung Nr. 3 zu Kapitel 20 wird der Begriff und 
die  entsprechende  Messmethode  wie  folgt  definiert: "Im  Sinne  der 
Nrn. 2009.12,  2009.21,  2009.31,  2009.41,  2009.61  und  2009.71  gilt 
als 'Brix-Wert' der Brix-Grad, welcher direkt auf der Skala eines Br ix-
Hydrometers abgelesen wird oder der Brechungsindex, ausgedrückt in 
Prozenten des Saccharosegehalts, gemessen mit einem Refraktome-
ter bei einer Temperatur von 20 °C oder nach Korrektur für eine Tem-
peratur von 20 °C, falls die Messung bei einer abweichenden Tempera-
tur durchgeführt wurde."  Dabei wird z.B. für die Einreihung von Apfel-
saft unter die Tarifnummer 2009 ein Brix-Wert von nicht mehr als 20 
verlangt.  Die  OZD  gibt  diesbezüglich  in  ihrer  Vernehmlassung  vom 
22. August 2008 an, dass eine Erhöhung des Brix-Wertes von 70-80% 

Seite 14

A-4073/2008

(je nach Fruchtsorte) zum nicht konzentrierten Saft verlangt werde. Im 
Unterschied zur Tarifnummer 2009 enthält  die Tarifnummer 2007 kei-
nen (minimalen) Brix-Wert und auch keine anderen Angaben in Bezug 
auf  die  Messbarkeit  der  (Erhöhung  der)  Viskosität.  Es  wird  allein  – 
aber immerhin – verlangt,  dass das Erzeugnis eine "thermische Be-
handlung unter Normaldruck oder teilweisem Vakuum" erfahren muss, 
"um die Viskosität des Produktes durch Reduzierung des Wasserge-
halts oder andere Mittel zu erhöhen" (vgl. E. 3.1.1 hiervor). Im vorlie -
genden Fall  hat  das streitbare Apfelmus eine solche thermische Be-
handlung  erfahren.  Gemäss  den  Angaben  der  Beschwerdeführerin 
ergab die thermische Behandlung eine Erhöhung der Viskosität (um 1-
2° Brix); weiter wurde das durch die Erhitzung entstehende Kondensat 
nicht  mehr  dem  Mark/Mus  zugefügt  (vgl.  E. 3.4.1  hiervor). Die  Be-
schwerdegegnerin vertritt jedoch den Standpunkt, dass bei der Unter-
suchung des aus der Einfuhrsendung vom 14. Januar 2008 stammen-
den Musters ein Brixwert von 12,4° festgestellt worden sei und dieser 
Wert dem Erfahrungswert von rohen, unverarbeiteten Äpfeln entspre-
che. Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Veränderung 
in Bezug auf die Viskosität bewege sich im Bereich des Erfahrungs-
wertes von rohen, unveränderten Äpfeln, womit von einer eindeutigen 
Erhöhung der Viskosität nicht die Rede sein könne. Die Tatsache, dass 
das bei der Erhitzung entwichene Wasser dem Mus nicht mehr zuge-
fügt worden ist, ist dagegen unbestritten; damit sind die gesetzlich ver-
langten  Bedingungen  erfüllt.  Die  weitergehenden Anforderungen  der 
Beschwerdegegnerin  erweisen  sich  nach  den  vorstehenden  Ausfüh-
rungen als gesetzeswidrig.

3.5 Die OZD  räumt in ihrer Vernehmlassung ein, dass in der kombi-
nierten  Nomenklatura  der  Europäischen  Union  (EU)  unter  der  Tarif -
nummer 2007 eine spezielle Unternummer für Apfelmus besteht (act. 7 
S. 9). 

Die Schweiz ist – wie bereits erwähnt – dem HS-Übereinkommen bei-
getreten  (E. 2.2.1).  Zu  den wichtigsten  Zielen des Übereinkommens 
gehört die Erleichterung des internationalen Handels. Die Einheitlich-
keit  der  Tarifnomenklaturen der  Mitgliedstaaten und auch deren ein-
heitliche Auslegung und Anwendung ist deshalb unabdingbare Voraus-
setzung  zur  Erreichung  dieses  Zieles.  So  verpflichten  sich  die  Ver-
tragsstaaten gemäss Art. 3 des Übereinkommens ihre Tarifnomenkla-
turen mit dem HS in Einklang zu bringen und alle Nummern und Unter-

Seite 15

A-4073/2008

nummern des HS sowie die dazugehörenden Codenummern zu ver-
wenden, ohne etwas hinzuzufügen oder zu ändern (vgl. E. 2.2.1).

Vorliegend  stellt  sich  jedoch  die  Frage  nach  der  Bedeutung  eines 
durch  die  EU  getroffenen  Tarifierungsentscheides  für  den  Nichtmit -
gliedstaat Schweiz. Wenn die EU ihren Mitgliedstaaten eine Tarifierung 
verordnet, d.h. unabhängig vom Übereinkommen über das HS, und die 
Schweiz  an  diese  Verordnung  nicht  gebunden  ist,  so  müssen  unter 
dem Gesichtspunkt  der  erwähnten  Einheitlichkeit  doch wohl  ausser-
ordentliche, sachlich überzeugende und zwingende Gründe vorliegen, 
damit die Schweizer Zollverwaltung ein identisches Produkt anders zu 
tarifieren hat,  als  die  überwiegende Mehrheit  der  europäischen,  ins-
besondere umliegenden Staaten. Zudem ist eine Regelung, nach der 
die Schweiz eine Ware anders tarifiert  als die benachbarten Staaten 
im internationalen Warenverkehr wenig praktikabel. Dementsprechend 
ist das Bundesverwaltungsgericht zwar nicht an das Verwaltungshan-
deln  der  Zollämter,  weder  schweizerischer  noch  ausländischer,  ge-
bunden. Der  Umstand,  dass  die  EU Apfelmus der  Tarif-Nr. 2007  zu-
weist, ist jedoch als Indiz für die Richtigkeit der Tarifierung unter diese 
Nummer  zu  werten  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-
1704/2006 vom 25. Oktober 2007 E. 3.3.4 2. Abschnitt; Entscheide der 
ZRK 2003-018 vom 18. April 2005 E. 4e, 851/94 vom 16. Januar 1995 
E. 2d.bb). Wie eine unterschiedliche tarifarische Einreihung von unge-
süsstem Apfelmus in  der  Schweiz im Vergleich zu anderen europäi-
schen Ländern (vgl. E. 3.3) zu begründen wäre, erklärt die OZD denn 
auch nicht.

3.6 Damit ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit darauf einzutreten 
ist  (E. 1.3 hiervor),  und der Beschwerdeentscheid der Zollkreisdirek-
tion Schaffhausen vom 19. Mai 2008 aufzuheben. Die im Streit liegen-
de Einfuhr ist unter der Tarifnummer 2007.9919 des Schweizerischen 
Gebrauchstarifs 1986 einzureihen und damit als zollfrei zu veranlagen.

4.
4.1 Bei diesem Verfahrensausgang sind der obsiegenden Beschwer-
deführerin und  der  Vorinstanz  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen 
(Art. 63 VwVG). Entsprechend hat die Zollkreisdirektion Schaffhausen 
den von der Beschwerdeführerin im vorinstanzlichen Verfahren einbe-
zahlten Kostenvorschuss von Fr. 150.-- zurückzuerstatten. Der im vor-
liegenden Verfahren geleistete Kostenvorschuss von Fr. 650.--  ist der 
Beschwerdeführerin ebenfalls zurückzuerstatten.

Seite 16

A-4073/2008

4.2 Die Vorinstanz hat der obsiegenden Beschwerdeführerin eine Par-
teientschädigung auszurichten (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG). Diese um-
fasst die Kosten der Vertretung und allfällige weitere Auslagen der Par-
tei,  inklusive  Mehrwertsteuer;  das  Gericht  setzt  die  Parteientschädi-
gung  aufgrund  der  eingereichten  Kostennote  oder,  mangels  Einrei-
chung  einer  solchen,  aufgrund  der  Akten  fest.  Das  Anwaltshonorar 
wird dabei nach dem notwendigen Zeitaufwand bemessen, wobei der 
Stundenansatz mindestens Fr. 200.-- und höchstens Fr. 400.-- beträgt. 
Die Auslagen der Vertretung werden aufgrund der tatsächlichen Kos-
ten ausbezahlt (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7 ff. des Reglements 
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Vorinstanz hat 
der  lediglich  im  bundesverwaltungsgerichtlichen  Verfahren  anwaltlich 
vertretenen Beschwerdeführerin, die vorliegend keine Kostennote ein-
gereicht hat, eine Parteientschädigung auszurichten, die aufgrund der 
Akten auf Fr. 1'000.-- (inkl. MWST und Auslagen) festzusetzen ist.

5. Dieser  Entscheid  kann  nicht  mit  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen  Angelegenheiten  an  das  Bundesgericht  weitergezogen  werden 
(Art. 83 Bst.  l des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, 
SR 173.110]).

Seite 17

A-4073/2008

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die  Beschwerde  wird gutgeheissen,  soweit  darauf  eingetreten  wird, 
und  der  Beschwerdeentscheid  der  Zollkreisdirektion  Schaffhausen 
vom 19. Mai 2008 aufgehoben.

2.
Die im Streit liegende Einfuhr ist unter der Tarifnummer 2007.9919 ein -
zureihen und damit als zollfrei zu veranlagen.

3.
Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Die  Zollkreisdirektion 
Schaffhausen wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin den im vorins-
tanzlichen Beschwerdeverfahren eingeforderten Kostenvorschuss von 
Fr. 150.-- zurückzuerstatten. Der im vorliegenden Verfahren geleistete 
Kostenvorschuss von Fr. 650.-- wird der Beschwerdeführerin ebenfalls 
zurückerstattet.

4.
Die Zollkreisdirektion Schaffhausen wird verpflichtet, der Beschwerde-
führerin eine Parteientschädigung von Fr. 1'000.-- auszurichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Einschreiben)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel de Vries Reilingh Ursula Spörri

Versand:

Seite 18