# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e3f0472-9e37-51d6-89f9-d51a531f97a4
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-12-06
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 06.12.2023 WPR.2023.103
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WPR-2023-103_2023-12-06.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WPR.2023.103 / sf       
ZEMIS [***]; N [***]   

 

 

Urteil vom 6. Dezember 2023 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz  

Gerichtsschreiberin i.V. Feusier    

 

 
   

Gesuchsteller   Amt für Migration und Integration Kanton Aargau,  

Sektion Asyl und Rückkehr, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau   

vertreten durch Beata Messmer, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau 1    

 

    
   

Gesuchsgegner   A._____, von Algerien   

z. Zt. im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft, 8058 Zürich   

amtlich vertreten durch lic. iur. Burim Imeri, Rechtsanwalt, 

Schaffhauserstrasse 57, Postfach, 4332 Stein AG    

 

 
   

Gegenstand  Ausschaffungshaft gestützt auf Art. 76 AIG / Haftverlängerung 

 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Der Einzelrichter entnimmt den Akten: 

 

A. 

Der Gesuchsgegner reiste eigenen Angaben zufolge am 28. Juli 2022 

illegal in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch (Akten 

des Amts für Migration und Integration [MI-act.] 109). Am 30. September 

2022 ersuchte das Staatssekretariat für Migration (SEM) die italienischen 

Behörden um Rückübernahme des Gesuchsgegners, welche diese 

offenbar am 1. bzw. am 28. Dezember 2022 ablehnte (MI-act. 234).  

 

Im Zeitraum zwischen September 2022 und April 2023 wurde der 

Gesuchsgegner mehrfach strafrechtlich verurteilt (MI-act. 35 ff., 84 ff., 

182 ff.). 

 

Mit Verfügung vom 13. Januar 2023 schrieb das SEM das Asylgesuch des 

Gesuchsgegners wegen Verletzung der Mitwirkungspflicht als 

gegenstandslos geworden von der Kontrolle ab (MI-act. 91 ff.). 

 

Am 19. Februar 2023 wurde der Gesuchsgegner von der Regionalpolizei 

Oberes Fricktal wegen Verdachts auf Raubüberfall vorläufig 

festgenommen (MI-act. 137 ff.). In der Folge wurde er am 22. Februar 2023 

in Untersuchungshaft versetzt (MI-act. 127 ff.) und am 16. Mai 2023 in das 

Zentralgefängnis Lenzburg überstellt (MI-act. 154 ff.).  

 

Mit Urteil des Bezirksgerichts Laufenburg vom 16. Mai 2023 wurde der 

Gesuchsgegner wegen Raubes zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 

sieben Monaten verurteilt. Ausserdem wurde er gestützt auf Art. 66a des 

Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 (StGB; 

SR 311.0) für acht Jahre des Landes verwiesen (MI-act. 172 ff., 184 f.). 

 

Am 17. Mai 2023 ersuchte das Amt für Migration und Integration Kanton 

Aargau (MIKA) das SEM um Vollzugsunterstützung bei der Identifikation 

des Gesuchsgegners und bei der Papierbeschaffung (MI-act. 160). In der 

Folge teilte das SEM dem MIKA am 5. Juni 2023 mit, es habe dem 

algerischen Konsul am 31. Mai 2023 mit Bezug auf den Gesuchsgegner 

einen Identifizierungsantrag im Rahmen eines Sammelantrags überreicht 

(MI-act. 161 f., 171) 

 

Mit Schreiben vom 26. Juni 2023 teilte das MIKA dem Gesuchsgegner mit, 

es beabsichtige, ihn auf den Termin der Haftentlassung aus der Schweiz 

nach Algerien auszuschaffen, forderte ihn auf, gültige Reisedokumente zu 

beschaffen und gab ihm im Sinne eines rechtlichen Gehörs die Möglichkeit, 

bis am 20. Juli 2023 Aufschubgründe im Sinne von Art. 66d StGB geltend 

zu machen (MI-act. 187 f.). Hierzu nahm der Gesuchsgegner nicht Stellung 

(MI-act. 234).  

 

 - 3 - 

 

 

Anlässlich eines Telefongesprächs vom 12. Juli 2023 teilte der 

Gesuchsgegner dem MIKA mit, er wolle freiwillig in sein Heimatland 

zurückkehren, verfüge jedoch über keine Reise- oder Identitätspapiere (MI-

act. 194). 

 

Im Anschluss an ein Telefongespräch vom 24. Juli 2023 zwischen dem 

MIKA und der Mutter bzw. der Schwester des Gesuchsgegners liess 

Letztere dem MIKA mehrere Dokumente des Gesuchsgegners zukommen 

(MI-act. 204, 207 ff.), welche das MIKA gleichentags an das SEM 

weiterleitete (MI-act. 205 f.). Ebenfalls am gleichen Tag teilte das SEM dem 

MIKA mit, es handle sich bei diesen Dokumenten um eine Kopie des 

Geburtsscheins des Gesuchsgegners sowie vermutlich um ein 

Familienbüchlein. Man werde im Verlauf der folgenden Woche einen 

Identifikationsantrag stellen, mit dem Hinweis, dass der Gesuchsgegner zur 

freiwilligen Rückkehr bereit sei (MI-act. 210).  

 

Am 11. August 2023 bzw. am 21. August 2023 teilte der Gesuchsgegner 

dem MIKA telefonisch mit, er habe seine Meinung geändert und sei nicht 

mehr zur Ausreise nach Algerien bereit (MI-act. 211, 216).  

 

Am 13. September 2023, 14.00 Uhr, wurde der Gesuchsgegner aus dem 

Strafvollzug dem MIKA zwecks Gewährung des rechtlichen Gehörs 

betreffend die Anordnung einer Ausschaffungshaft zugeführt (MI-

act. 227 ff.) und im Anschluss wieder ins Zentralgefängnis Lenzburg 

zurückgeführt (MI-act. 225). Der Gesuchsgegner wurde am 17. September 

2023, 07.00 Uhr, aus dem Strafvollzug entlassen und unmittelbar daran 

anschliessend im Auftrag des MIKA migrationsrechtlich festgenommen. Mit 

Urteil vom 18. September 2023 wurde die angeordnete Ausschaffungshaft 

durch den Einzelrichter des Verwaltungsgerichts bis zum 16. Dezember 

2023, 12.00 Uhr, bestätigt (WPR.2023.80 [MI-act. 256 ff.]).  

 

B. 

Am 5. Dezember 2023 gewährte das MIKA dem Gesuchsgegner das 

rechtliche Gehör betreffend Verlängerung der Ausschaffungshaft um 

weitere drei Monate (MI-act. 288 ff.). Im Anschluss an die Befragung wurde 

dem Gesuchsgegner die Verlängerung der Ausschaffungshaft wie folgt 

eröffnet (act. 1): 

 

1. 
Die Ausschaffungshaft wird gestützt auf Art. 79 AIG für drei Monate bis 
zum 16. März 2024, 12.00 Uhr, verlängert. 
 
2. 
Eventualiter wird gestützt auf Art. 78 AIG eine Durchsetzungshaft 
angeordnet. 
 

 - 4 - 

 

 

3. 
Die Haft wird im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich 
(ZAA) vollzogen. Soweit für die Befragung oder die Durchführung einer 
Haftverhandlung zwingend, erfolgt die Inhaftierung für die notwendige 
Dauer im Bezirksgefängnis Aarau. 

 

C. 

Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Einzelrichter des 

Verwaltungsgerichts wurden der Gesuchsteller und der Gesuchsgegner 

befragt. 

 

D. 

Der Gesuchsgegner liess folgende Anträge stellen (Protokoll S. 4, act. 24): 

 

1. 
Die angeordnete Verlängerung der Ausschaffungshaft sei nicht zu 
bestätigen. Der Gesuchsgegner sei aus der Haft zu entlassen. 
 
2. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

 
   

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

 

I.  

1. 

Ordnet das MIKA eine Haftverlängerung an, so ist diese durch die 

richterliche Behörde vor Ablauf der bereits bewilligten Haft zu überprüfen 

(BGE 128 II 241, Erw. 3.5), wobei die betroffene Person auf die 

Durchführung einer Verhandlung mit Parteibefragung verzichten kann 

(Aargauische Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2009, S. 359, 

Erw. I/4.3 ff.). 

 

2. 

Im vorliegenden Fall wurde die bestehende Haft bis zum 16. Dezember 

2023, 12.00 Uhr, bestätigt (Entscheid des Verwaltungsgerichts 

WPR.2023.80 vom 18. September 2023; MI-act. 256 ff.). 

 

Die Verhandlung betreffend Bewilligung der Haftverlängerung erfolgte am 

6. Dezember 2023 und damit vor Ablauf der bestehenden Haft. 

 

II. 

1. 

Wurde ein erstinstanzlicher Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet, 

kann die zuständige kantonale Behörde die betroffene Person zur 

Sicherstellung des Vollzugs in Haft nehmen bzw. bei bestehender Haft eine 

Haftverlängerung anordnen (Art. 76 AIG). 

 

 - 5 - 

 

 

Zuständige kantonale Behörde im Sinne von Art. 76 AIG ist gemäss § 13 

Abs. 1 EGAR das MIKA. Im vorliegenden Fall wurde die Haftverlängerung 

durch das MIKA und damit durch die zuständige Behörde angeordnet 

(act. 1 ff.). 

 

2. 

2.1. 

Das MIKA begründet die Haftverlängerung damit, dass es den 

Gesuchsgegner aus der Schweiz ausschaffen und mit der Haft den Vollzug 

sicherstellen wolle. Der Haftzweck ist damit erstellt. 

 

2.2. 

Der Haftrichter hat sich im Rahmen der Prüfung, ob die Ausschaffungshaft 

rechtmässig ist, Gewissheit darüber zu verschaffen, ob ein erstinstanzlicher 

Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet wurde (Art. 76 Abs. 1 AIG). 

 

Mit Urteil vom 16. Mai 2023 wurde der Gesuchsgegner durch das 

Bezirksgericht Laufenburg gestützt auf Art. 66a StGB für acht Jahre aus 

der Schweiz verwiesen (MI-act. 172 ff.). Das Urteil erwuchs in der Folge 

unangefochten in Rechtskraft (MI-act. 179). Damit liegt eine 

rechtsgenügliche Landesverweisung vor. 

 

2.3. 

Gemäss Art. 80 Abs. 6 lit. a AIG ist die Haft zu beenden, wenn sich erweist, 

dass der Vollzug der Wegweisung aus rechtlichen oder tatsächlichen 

Gründen undurchführbar ist. 

 

Der Vertreter des Gesuchsgegners bringt vor, die 

Ausschaffungsmöglichkeit sei in tatsächlicher Hinsicht zu bezweifeln, da 

nach einer positiven Identifizierung noch zusätzlich mit mehreren Monaten 

für das Counceling zu rechnen sei. Aus diesem Grund bestehe keine 

Vollzugsperspektive (act. 27).  

 

Wie mit Urteil vom 18. September 2023 festgestellt wurde, stehen dem 

Vollzug der Wegweisung zum heutigen Zeitpunkt keine Hindernisse 

entgegen (vgl. WPR.2023.80, Erw. II/2.3; MI-act. 260 f.). Daran ändert die 

lange Wartezeit für das Counceling – entgegen der Auffassung des 

Vertreters des Gesuchsgegners – nichts. Weitere Anzeichen, die an der 

Ausschaffungsmöglichkeit in rechtlicher oder tatsächlicher Hinsicht Zweifel 

aufkommen lassen würden, sind ebenfalls keine ersichtlich. 

 

3. 

Der mit Urteil vom 18. September 2023 festgestellte Haftgrund besteht 

nach wie vor (vgl. WPR.2023.80, Erw. II/3; MI-act. 261 f.). 

 

 - 6 - 

 

 

4. 

Bezüglich der Haftbedingungen liegen keine Beanstandungen vor 

(Protokoll S. 3, act. 23). 

 

5. 

Der Vertreter des Gesuchsgegners bemängelt, dass die Schweizer 

Behörden die Identifizierung des Gesuchsgegners nicht mit genügend 

Nachdruck vorangetrieben hätten. Zwar behaupte das MIKA, das 

algerische Konsulat sei im Oktober 2023 gemahnt worden, ein 

entsprechender Beleg sei in den Akten jedoch nicht zu finden (act. 27).  

 

Der Haftrichter hat sich im Rahmen der Prüfung, ob die Verlängerung der 

Ausschaffungshaft rechtmässig ist, unter anderem Gewissheit darüber zu 

verschaffen, ob die für den Vollzug der Weg- oder Ausweisung notwendi-

gen Vorkehren im Sinne von Art. 76 Abs. 4 AIG umgehend getroffen 

worden sind (Beschleunigungsgebot). Eine Verletzung des Beschleu-

nigungsgebotes führt in der Regel zur sofortigen Beendigung der 

Ausschaffungshaft (MARTIN BUSINGER, Ausländerrechtliche Haft, in: 

Zürcher Studien zum öffentlichen Recht, Zürich / Basel / Genf 2015, S. 57). 

 

Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt das Beschleuni-

gungsgebot als verletzt, wenn im Hinblick auf die Ausschaffung während 

mehr als zwei Monaten keinerlei Vorkehren mehr getroffen wurden, ohne 

dass die Verzögerung in erster Linie auf das Verhalten ausländischer 

Behörden oder des Betroffenen selber zurückgeht (vgl. dazu 

BGE 124 II 49, Erw. 3a, S. 51 mit Hinweisen; bestätigt unter anderem mit 

Urteil des Bundesgerichts vom 4. Januar 2019 

[2C_1106/2018], Erw. 3.3.2). Dabei spielt es keine Rolle, welche 

Schweizer Behörde für die Verzögerung verantwortlich ist (BGE 139 I 206, 

Erw. 2.3). So wurde eine Verletzung bejaht, als das Bundesamt für 

Migration das Verfahren verzögert hatte, obwohl die kantonale 

Fremdenpolizei mehrmals beim Bundesamt vorstellig geworden war 

(vgl. BGE 124 II 49, Erw. 3b/bb). Die Behörden sind gestützt auf das 

Beschleunigungsgebot zwar nicht gehalten, in jedem Fall schematisch 

bestimmte Handlungen vorzunehmen, müssen das Verfahren jedoch 

zielgerichtet vorantreiben, da ansonsten kein schwebendes Verfahren im 

Sinne von Art. 5 Ziff. 1 lit. f der Konvention zum Schutze der 

Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; 

SR 0.101) mehr vorliegt (BGE 139 I 206, Erw. 2.1 mit weiteren Hinweisen). 

Massgebend ist dabei insbesondere die konkrete Situation im angefragten 

Zielland sowie die Erfahrungen, die die zuständigen Schweizer Behörden 

bezüglich der Papierbeschaffung mit diesem Land gemacht haben. Ein 

längeres Zuwarten nach einer Anfrage kann insbesondere dann angezeigt 

sein, wenn sich ein Monieren der ausstehenden Antwort in der Verangen-

heit als kontraproduktiv erwiesen hat. Obschon den Behörden ein gewisser 

Spielraum bei der Einschätzung der Geeignetheit der erforderlichen 

 - 7 - 

 

 

(weiteren) Schritte zukommt, rechtfertigt sich ein mehr als zweimonatiges 

Zuwarten nur bei klaren Anzeichen, dass ein früheres Nachfragen kontra-

produktiv war (AGVE 2014, S. 120 f., Erw. 5). 

 

Bezüglich Algerien ist gerichtsnotorisch, dass seitens der algerischen 

Behörden mit längeren Antwortzeiten zu rechnen ist und dass sich zu 

häufiges Nachfragen in der Vergangenheit als kontraproduktiv erwiesen 

hat. Zwar scheint sich die Zusammenarbeit zwischen Algerien und der 

Schweiz in Bezug auf die Vollzugsmodalitäten verbessert zu haben und 

sind seit Kurzem zwangsweise Rückführungen nach Algerien wieder 

möglich. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich auch die Zusammenarbeit 

bezüglich Identifizierung normalisiert hat. Insofern ist nicht zu beanstanden, 

wenn sich das SEM dazu entschieden hat, für das Monieren ausstehender 

Identifikationsanfragen nach wie vor eine etwas längere Zeitspanne 

vorzusehen. Anzumerken bleibt, dass das MIKA jedoch lückenlos 

sämtliche Bestrebungen hinsichtlich der Identitätsabklärungen zu 

dokumentieren hat. Dazu gehören insbesondere auch sämtliche Schritte 

des SEM mit Blick auf das Nachfragen bei ausländischen Behörden. Es 

geht nicht an, dass das MIKA anlässlich der Haftüberprüfungsverhandlung 

undokumentiert behauptet, das SEM habe eine bei einer ausländischen 

Behörde ausstehende Identitätsanfrage moniert. Solche Schritte sind 

zumindest mittels entsprechender Mails durch das SEM zu bestätigen. 

Vorliegend ist aufgrund der Bekräftigung der Vertreterin des MIKA davon 

auszugehen, dass die ausstehende Antwort bezüglich Identitätsanfrage 

durch das SEM rechtzeitig moniert wurde. 

Insgesamt liegen damit keine Anzeichen dafür vor, dass das MIKA dem 

Beschleunigungsgebot nicht ausreichend Beachtung geschenkt hätte. Im 

Übrigen ist festzuhalten, dass das MIKA stets bemüht war, Ausschaffungen 

so rasch wie möglich zu vollziehen. Sollte das MIKA entgegen seiner 

bisherigen Gewohnheit das Beschleunigungsgebot verletzen, besteht die 

Möglichkeit, ein Haftentlassungsgesuch zu stellen. 

 

6. 

6.1. 

Gemäss Art. 79 Abs. 1 AIG darf die ausländerrechtliche Inhaftierung im 

Sinne von Art. 75 – 78 AIG zusammen die maximale Haftdauer von 

sechs Monaten nicht überschreiten. Eine darüber hinausgehende 

Verlängerung auf höchstens 18 Monate, bzw. für Minderjährige zwischen 

15 und 18 Jahren auf höchstens zwölf Monate, ist nur zulässig, wenn 

entweder die betroffene Person nicht mit den zuständigen Behörden 

kooperiert oder sich die Übermittlung der für die Ausreise erforderlichen 

Unterlagen durch einen Staat, der kein Schengen-Staat ist, verzögert 

(Art. 79 Abs. 2 AIG). 

 

 - 8 - 

 

 

6.2. 

Im vorliegenden Fall befindet sich die Gesuchsgegner mit Ablauf der 

bewilligten Haft bereits seit drei Monaten in ausländerrechtlicher Haft im 

Sinne von Art. 75 – 78 AIG (Ausschaffungshaft 17. September 2023 – 

16. Dezember 2023).  

 

Die sechsmonatige Frist wird damit am 16. März 2024 enden und die Haft 

kann längstens bis zum 16. März 2025 verlängert werden. 

 

6.3. 

Das MIKA ordnete die Verlängerung der Ausschaffungshaft um weitere 

drei Monate, d.h. bis zum 16. März 2024, 12.00 Uhr, an.  

 

Da die ausländerrechtliche Inhaftierung im Sinne von Art. 75 - 78 AIG im 

vorliegenden Fall die Dauer von sechs Monaten nicht überschreitet, bedarf 

es keiner Prüfung der Voraussetzungen von Art. 79 Abs. 2 AIG. 

 

Nachdem die maximal zulässige Haftdauer nicht überschritten wird sowie 

der Vollzug der Rückführung massgeblich vom Verhalten des 

Gesuchsgegners abhängig ist und es diesbezüglich zu Verzögerungen 

kommen kann, ist die angeordnete Haftverlängerung nicht zu beanstanden. 

Im Übrigen ist festzuhalten, dass das MIKA bisher stets bemüht war, 

Ausschaffungen so rasch wie möglich zu vollziehen. Sollte das MIKA 

entgegen seiner bisherigen Gewohnheit das Beschleunigungsgebot 

verletzen, besteht die Möglichkeit, ein Haftentlassungsgesuch zu stellen. 

 

7. 

Abschliessend stellt sich die Frage, ob die Haftverlängerung deshalb nicht 

zu bestätigen sei, weil sie im konkreten Fall gegen das Prinzip der 

Verhältnismässigkeit verstossen würde. Eine mildere Massnahme zur 

Sicherstellung des Vollzugs der Wegweisung ist nicht ersichtlich. Bezüglich 

der familiären Verhältnisse ergeben sich keine Anhaltspunkte, welche 

gegen eine Haftverlängerung sprechen würden. Der Gesuchsgegner 

macht auch nicht geltend, er sei nicht hafterstehungsfähig. Insgesamt sind 

keinerlei Gründe ersichtlich, welche die Verlängerung der Haft als 

unverhältnismässig erscheinen liessen. 

 

III. 

1. 

Gemäss § 28 Abs. 1 EGAR ist das Verfahren betreffend Haftüberprüfung 

unentgeltlich. Demgemäss werden keine Kosten erhoben. 

 

2. 

Der mit Urteil vom 18. September 2023 bestätigte amtliche Rechtsvertreter 

bleibt im Amt und kann seine Kostennote im Rahmen des Verfahrens 

WPR.2023.80 einreichen.  

 - 9 - 

 

 

 

IV. 

1. 

Der Gesuchsgegner wird darauf hingewiesen, dass ein 

Haftentlassungsgesuch frühestens einen Monat nach Haftüberprüfung 

gestellt werden kann (Art. 80 Abs. 5 AIG) und beim MIKA einzureichen ist 

(§ 15 Abs. 1 EGAR). 

 

2. 

Soll die Haft gegebenenfalls verlängert werden, ist nicht zwingend eine 

weitere Verhandlung mit Parteibefragung durchzuführen (vgl. AGVE 2009, 

S. 359., Erw. I/4.3 ff.). Im Rahmen des rechtlichen Gehörs hat das MIKA 

dem Gesuchsgegner daher die Frage zu unterbreiten, ob er die 

Durchführung einer mündlichen Verhandlung wünscht und ob er in diesem 

Fall eine Präsenzverhandlung verlangt oder mit einer Skype-Verhandlung 

einverstanden ist (Urteil des Bundesgerichts 2C_846/2021 vom 

19. November 2021) . Die Anordnung einer allfälligen Haftverlängerung ist 

dem Verwaltungsgericht spätestens acht Arbeitstage vor Ablauf der 

bewilligten Haft einzureichen. 

 

3. 

Der vorliegende Entscheid wurde den Parteien zusammen mit einer kurzen 

Begründung anlässlich der heutigen Verhandlung mündlich eröffnet. Das 

Dispositiv wurde den Parteien ausgehändigt. 

 

 
   

Der Einzelrichter erkennt: 

 

1. 

Die am 5. Dezember 2023 angeordnete Verlängerung der 

Ausschaffungshaft wird bis zum 16. März 2024, 12.00 Uhr, bestätigt. 

 

2. 

Die Haft ist im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich zu 

vollziehen. Für die Dauer der Befragung oder die Durchführung einer 

Haftverhandlung kann die Inhaftierung, soweit zwingend notwendig, im 

Bezirksgefängnis Aarau erfolgen. 

 

3. 

Es werden keine Kosten auferlegt. 

 

4. 

Der Rechtsvertreter wird aufgefordert, nach Haftentlassung des 

Gesuchsgegners seine detaillierte Kostennote im Verfahren WPR.2023.80 

einzureichen. 

 - 10 - 

 

 

 

 
   

Zustellung an: 

den Gesuchsgegner (Vertreter, im Doppel) 

das MIKA (mit Rückschein) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht, 

kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie interkantonalem Recht 

innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, angefochten werden. Die unterzeichnete Beschwerde 

muss das Begehren, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie in gedrängter 

Form die Begründung, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt, mit 

Angabe der Beweismittel enthalten. Der angefochtene Entscheid und als 

Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (Art. 82 ff. des 

Bundesgesetzes über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG; 

SR 173.110] vom 17. Juni 2005). 

 

 
   

Aarau, 6. Dezember 2023 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

           i.V 

 

Busslinger Feusier