# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 61bbdfac-7fd3-5b8c-8938-a93dc5034f17
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-12-04
**Language:** de
**Title:** Zürich Handelsgericht 04.12.2014 HG120245
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_HG_001_HG120245_2014-12-04.pdf

## Full Text

Handelsgericht des Kantons Zürich 
    
 

 

Geschäfts-Nr.: HG120245-O U/dz 

 

 

Mitwirkend: Oberrichter Dr. George Daetwyler, Vizepräsident, Oberrichterin 

Dr. Franziska Grob, die Handelsrichter Dr. Thomas Lörtscher und 

Dr. Alexander Müller, Handelsrichterin Nathalie Lang sowie die 

Gerichtsschreiberin Isabelle Monferrini 

 

Urteil vom 4. Dezember 2014 

 

in Sachen 

 

A._____ AG,  

Klägerin 

 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____  

 

gegen 

 
B._____ AG,  

Beklagte 

 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____  

 
betreffend Forderung 

 

- 2 - 

Inhaltsverzeichnis: 
 
Sachverhalt und Verfahren: .......................................................................................... 3 
 
1. Sachverhaltsübersicht ............................................................................................... 3 

1.1. Parteien ............................................................................................................... 3 
1.2. Prozessgegenstand ........................................................................................... 3 

2. Prozessgeschichte ..................................................................................................... 4 
 
Erwägungen: ..................................................................................................................... 5 
 
1. Zuständigkeit............................................................................................................... 5 
2. Sachverhalt ................................................................................................................. 5 

2.1. Unbestrittener Sachverhalt ............................................................................... 5 
2.2. Parteistandpunkte .............................................................................................. 7 
2.2.1.  Klägerin ............................................................................................................... 7 
2.2.2.  Beklagte............................................................................................................... 8 

3. Überblick über die Regress- und Anspruchsvoraussetzungen ........................10 
4. Gesundheitszustand ................................................................................................14 

4.1. Ausgangslage ...................................................................................................14 
4.2. Medizinische Aktenlage ..................................................................................15 
4.3. Zusammenfassende Würdigung der Beschwerden ...................................28 

5. Ursächlichkeit ...........................................................................................................30 
5.1. Allgemein ...........................................................................................................30 
5.2. Bei HWS-Schleuderverletzungen im Besonderen ......................................32 

6. Unfallschwere ...........................................................................................................40 
6.1. Parteistandpunkte ............................................................................................40 
6.1.1.  Klägerin .............................................................................................................41 
6.1.2.  Beklagte.............................................................................................................41 
6.2. Rechtliches........................................................................................................42 
6.3. Aktenlage...........................................................................................................45 
6.3.1.  Beweisofferten..................................................................................................45 
6.3.2.  D._____ .................................................. Fehler! Textmarke nicht definiert. 
6.3.3.  Verkehrstechnisches Gutachten des C._____............................................48 
6.3.4.  Würdigung .........................................................................................................49 

7. Initiale Symptomatik.................................................................................................57 
7.1. Parteistandpunkte ............................................................................................57 
7.1.1.  Klägerin .............................................................................................................57 
7.1.2.  Beklagte.............................................................................................................58 
7.2. Würdigung .........................................................................................................60 

8. Kausalität gemäss den medizinischen Berichten und Gutachten ....................67 
8.1. Erstdokumentation bis zur MEDAS-Begutachtung.....................................67 
8.2. MEDAS-Begutachtung ....................................................................................75 
8.3. Weitere ärztliche Berichte ...............................................................................87 

9. Fazit............................................................................................................................88 
10. Prozesskosten ..........................................................................................................89 
 
Erkenntnis: ......................................................................................................................89 

- 3 - 

Rechtsbegehren: 
(act. 1 S. 2) 

"1. Die Beklagte sei zu verurteilen, der Klägerin Fr. 309'859.00 zu-
züglich Zins zu 5%  

 - auf Fr. 162'533.00 seit dem 1. März 2005 
 - auf Fr. 147'326.00 seit dem 1. September 2005 

 zu bezahlen. 
 2. Unter o/e-Kostenfolge zulasten der Beklagten." 

Sachverhalt und Verfahren: 

1. Sachverhaltsübersicht 

1.1. Parteien 

Beide Parteien sind Versicherungsgesellschaften, welche den Betrieb aller Zwei-

ge des Versicherungs- und des Rückversicherungsgewerbes mit Ausnahme der 

Lebensversicherung bezwecken. Die Klägerin hat ihren Sitz in ... [ZH], die Beklag-

te in ... [ZH]. 

1.2. Prozessgegenstand 

Am 23. November 2002, um 23:55 Uhr, ereignete sich auf der ...strasse in der 

Gemeinde ..., Luzern, ein Verkehrsunfall, anlässlich welchem E._____, geb. tt. 

Mai 1970, eine seitliche Frontalkollision erlitt. Unfallverursacherin war eine bei der 

Beklagten (vormals …) haftpflichtversicherte Lenkerin. E._____ (nachfolgend 

"Versicherter") arbeitete seit dem 21. Oktober 2002 als Informatiker bei der 

F._____ GmbH und war in dieser Eigenschaft bei der Klägerin gegen Berufs- und 

Nichtberufsunfälle sowie Berufskrankheiten versichert (act. 1 Rz. 1 f., Rz. 13, 

Rz. 17; act. 12 Rz. 9, Rz. 16 ff.). In der Folge erbrachte die Klägerin dem Versi-

cherten insgesamt Leistungen im Umfang von CHF 387'324.00 (act. 1 Rz. 6; 

act. 12 Rz. 283 ff.). Die Klägerin stellt sich im Wesentlichen auf den Standpunkt, 

dass der Versicherte anlässlich des Unfallereignisses ein Schleudertrauma der 

Halswirbelsäule erlitten habe (act. 1 Rz. 17; act. 23 Rz. 21, Rz. 82, Rz. 199). Mit 

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der vorliegenden Klage macht die Klägerin geltend, die Beklagte könne aufgrund 

ihrer Eigenschaft als Motorfahrzeughaftpflichtversicherer der unfallverursachen-

den Lenkerin für den dem Versicherten entstandenen Schaden gestützt auf Art. 

65 in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 SVG direkt in Anspruch genommen werden 

und hafte mit einer Haftungsquote von 80%. Die Klägerin sei in die Ansprüche 

des Versicherten gestützt auf Art. 41 aUVG im Zeitpunkt des Unfalles bis auf die 

Höhe der gesetzlichen Leistungen aus obligatorischer Unfallversicherung einge-

treten. Dementsprechend mache sie gegenüber der Beklagten Regressansprüche 

im Umfang von CHF 309'859.00 geltend (act. 1 Rz. 65 ff.; act. 23 Rz. 21). Die Be-

klagte bestreitet, dass ein Regressanspruch der Klägerin besteht. Sie wendet ins-

besondere ein, dass das Unfallereignis vom 23. November 2002 für die geltend 

gemachten Beschwerden des Versicherten nicht kausal gewesen sei. 

2. Prozessgeschichte 

Mit Eingabe vom 16. November 2012 (act. 1) reichte die Klägerin die Klageschrift 

hierorts ein. In der Folge leistete die Klägerin den von ihr einverlangten Vorschuss 

für die Gerichtskosten in der Höhe von CHF 23'000.– fristgerecht (Prot. S. 2, S. 4; 

act. 9). Am 1. März 2013 erstattete die Beklagte fristgerecht ihre Klageantwort 

(act. 12). Nachdem die Beklagte mit Eingabe vom 16. April 2013 (act. 20) erklärt 

hatte, vorläufig keine Vergleichsverhandlung zu wünschen, wurde mit Verfügung 

vom 18. April 2013 ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Prot. S. 7 f.; act. 21). 

Die Klägerin erstattete ihre Replik mit Eingabe vom 24. Juni 2013 (act. 23), die 

Duplik der Beklagten erfolgte mit Eingabe vom 3. Oktober 2013 (act. 28). Mit Ein-

gabe vom 1. November 2013 (act. 35) erklärte die Beklagte erneut, derzeit keinen 

Spielraum für Vergleichsgespräche zu sehen. Mit Verfügung vom 6. November 

2013 wurde der Prozess der Bearbeitung zugeführt und der Klägerin die letztge-

nannte Eingabe der Beklagten zugestellt (Prot. S. 11; act. 36). Die Parteien haben 

auf die Durchführung einer Hauptverhandlung verzichtet (act. 40; act. 41). 

Der Prozess erweist sich als spruchreif (Art. 236 Abs. 1 ZPO). Auf die einzelnen 

Parteivorbringen ist anschliessend nur einzugehen, soweit sie sich zur Entscheid-

findung als notwendig erweisen. 

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Erwägungen: 

1. Zuständigkeit 

Gemäss Art. 38 Abs. 1 ZPO ist für Klagen aus Motorfahrzeugunfällen, worunter 

auch die vorliegend im Streit liegenden Regressansprüche zu subsumieren sind, 

das Gericht am Sitz der beklagten Partei oder am Unfallort zuständig. Die Beklag-

te hat ihren Sitz in ... [ZH], womit die örtliche Zuständigkeit des Handelsgerichts 

des Kantons Zürich gegeben ist. Die sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts 

ergibt sich vorliegend aus Art. 6 Abs. 2 ZPO i.V.m. § 44 lit. b GOG. 

2. Sachverhalt 

2.1. Unbestrittener Sachverhalt  

In Bezug auf das Unfallereignis sind sich die Parteien dahingehend einig, dass 

der Versicherte am 23. November 2002, um 23:55 Uhr, einen Verkehrsunfall erlit-

ten hat, welcher durch die bei der Beklagten versicherte Lenkerin ... verursacht 

wurde (nachfolgend unfallverursachende Lenkerin). Der Versicherte fuhr mit sei-

nem Personenwagen der Marke Mercedes mit einer Geschwindigkeit von ca. 40 

km/h auf dem rechten Fahrstreifen der ...strasse, in der Gemeinde ..., Luzern, 

vom ...platz kommend Richtung ...brücke. Die unfallverursachende Lenkerin bog 

unter Missachtung des Vortrittsrechts und ohne anzuhalten aus der Ausfahrt des 

...zentrums herkommend rechts auf die ...strasse ein. Trotz Einleitung einer Voll-

bremsung und einem Ausweichmanöver durch den Versicherten nach links, konn-

te die Kollision nicht verhindert werden. Die Kollision ereignete sich noch im Ein-

mündungsgebiet auf dem vom Versicherten benutzten rechten Fahrstreifen. Da-

bei stiess die unfallverursachende Lenkerin mit dem vorderen linken Radkasten 

bzw. vorderen Seitenbereich ihres Leihwagens der Marke Ford Focus gegen die 

rechte Frontecke des Personenwagens des Versicherten (act. 1 Rz. 1, Rz. 13; 

act. 12 Rz. 8, Rz. 16, Rz. 39). Beim Eintreffen der Polizei befanden sich die Un-

fallfahrzeuge noch in den Unfallendstellungen. Von der Wartelinie der Zufahrt 

konnte zur rechten Frontecke des Personenwagens des Versicherten ein Abstand 

von 5.65 m und von der Wartelinie zur rechten Heckecke ein solcher von 4.30 m 

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gemessen werden. Vor dem Personenwagen des Versicherten stand der Wagen 

der unfallverursachenden Lenkerin, ebenfalls leicht nach links abgedreht. Mit der 

linken hinteren Fahrzeugseite befand sich das Auto der unfallverursachenden 

Lenkerin auf gleicher Höhe mit der rechten vorderen Seite des Fahrzeugs des 

Versicherten. Vom linken vorderen Pneu des Personenwagens der unfallverursa-

chenden Lenkerin herrührend konnte eine 1.65 m lange Pneudruckschiebespur 

vorgefunden werden, welche auf dem Fahrstreifen des Versicherten, 4.55 m von 

der Wartelinie der Zufahrt zum Parkareal des ...zentrums entfernt, begann und in 

einem leichten Rechtsbogen zur Leitlinie führte, wo sie auch endete. Der Beginn 

dieser Pneudruckschiebespur ist mit der Kollisionsstelle gleichzusetzen (act. 1 

Rz. 14 f.; act. 12 Rz. 20). Unbestritten ist weiter, dass beim Personenwagen des 

Versicherten im Unfallzeitpunkt das Abblendlicht eingeschaltet war. Der Versi-

cherte war angegurtet, seine Kopfstellung gerade und sein Blick nach vorne 

gerichtet. Es erfolgte kein Kopfanprall (act. 1 Rz. 13; act. 12 Rz. 104, Rz. 120, Rz. 

124, Rz. 132; act. 23 Rz. 84, Rz. 97, Rz. 104).  

Die unfallverursachende Lenkerin wurde mit Strafverfügung des Amtsstatthalter-

amtes Hochdorf vom 9. April 2003 wegen fahrlässiger Körperverletzung zum 

Nachteil des Versicherten mit einer Busse von CHF 600.00 und wegen Nichtge-

währens des Vortritts mit Strafverfügung vom 9. Januar 2003 mit einer Busse von 

CHF 400.– bestraft (act. 1 Rz. 1, Rz. 16; act. 12 Rz. 8, Rz. 16, Rz. 39; act. 23 

Rz. 23 ff.).   

Der Versicherte arbeitete seit dem 21. Oktober 2002 als Informatiker bei der 

F._____ GmbH und war in dieser Eigenschaft bei der Klägerin gegen Berufs- und 

Nichtberufsunfälle sowie Berufskrankheiten versichert (act. 1 Rz. 2, Rz. 17; 

act. 12 Rz. 9). Am 28. November 2002 suchte der Versicherte seinen Hausarzt, 

Dr. med H._____, auf. Am 29. November 2002 kündigte die F._____ GmbH das 

Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten noch in der Probezeit und stellte ihn per 

sofort frei (act. 1 Rz. 20). Letzterer suchte am 2. Dezember 2002 erneut Dr. 

H._____ auf. Mit Arztzeugnis vom 3. Dezember 2002 wurde ihm rückwirkend auf 

den 30. November 2002 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. In der Folge 

erbrachte die Klägerin in ihrer Eigenschaft als Unfallversicherer Leistungen an 

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den Versicherten. Indes stellte sie diese mit Verfügung vom 26. Februar 2003 per 

14. Januar 2003 mit der Begründung ein, dass aufgrund der damals vorgelegenen 

medizinischen Akten keine Unfallfolgen mehr vorgelegen hätten, die eine weitere 

Arbeitsunfähigkeit des Versicherten zu begründen vermögen. Auf erhobene Ein-

sprache hin hob jedoch die Klägerin ihre leistungseinstellende Verfügung mit Ein-

spracheentscheid vom 4. August 2003 auf und wies die Sache an die verfügende 

Instanz zurück, damit diese im Sinne der Erwägungen neu verfüge (act. 1 Rz. 2; 

act. 12 Rz. 9). Am 9. Februar 2004 gab die Klägerin bei der MEDAS ... ein inter-

disziplinäres Gutachten in Auftrag. Gestützt auf das eingeholte Gutachten er-

brachte die Klägerin über das ursprüngliche Einstellungsdatum (14. Januar 2003) 

hinaus weitere Leistungen (act. 1 Rz. 3 f.; act. 12 Rz. 10 f.). Am 26. März 2006 

gab die Klägerin bei der MEDAS ... erneut ein Gutachten in Auftrag. Gestützt auf 

das am 21. Dezember 2006 ergangene MEDAS-Gutachten stellte die Klägerin mit 

Verfügung vom 16. April 2007 ihre Leistungen per 30. April 2007 ein (act. 1 Rz. 4, 

Rz. 55; act. 12 Rz. 10 f., Rz. 243). Die dagegen erhobene Einsprache wurde von 

der Klägerin mit Entscheid vom 22. April 2008 abgewiesen. Die gegen diesen 

Einspracheentscheid vom Versicherten erhobene Beschwerde an den Sozialver-

sicherungsgerichtshof des Kantons Freiburg wurde mit Urteil vom 26. Januar 

2011 abgewiesen. Das Urteil ist in Rechtskraft erwachsen (act. 1 Rz. 4 f.; act. 12 

Rz. 10; act. 3/16 f.). Insgesamt erbrachte die Klägerin Leistungen im Umfang von 

CHF 387'324.00. Die Klägerin macht gegenüber der Beklagten Regressansprü-

che im Umfang von CHF 309'859.00 geltend (act. 1 Rz. 65 ff.; act. 12 Rz. 283; 

act. 23 Rz. 21).  

2.2. Parteistandpunkte  

2.2.1.  Klägerin 

Die Klägerin macht geltend, dass der Versicherte Schleudertraumaverletzungen 

erlitten habe, welche auf den Verkehrsunfall vom 23. November 2002 zurückzu-

führen seien (act. 1 Rz. 17; act. 23 Rz. 37, Rz. 45, Rz. 84 f., Rz. 87, Rz. 89, 

Rz. 144, Rz. 199). Konkret habe der Versicherte ein Beschleunigungstrauma der 

Halswirbelsäule sowie ein Stauchungstrauma im Bereich der Brustwirbelsäule 

und der Lendenwirbelsäule erlitten (act. 23 Rz. 149). Der Versicherte habe so-

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gleich im Nachgang an das Unfallereignis über eine eingeschränkte HWS-

Beweglichkeit, Nackenschmerzen, Kopfschmerzen sowie über Übelkeit geklagt. 

Dies werde insbesondere durch die verschiedenen Arztberichte von Dr. med. 

H._____ belegt (act. 23 Rz. 53). Im Rahmen der MEDAS-Begutachtung vom 

1. Dezember 2004 seien die Gutachter zum Schluss gekommen, dass die damals 

beim Versicherten noch vorgelegenen Beschwerden und Befunde überwiegend 

wahrscheinlich kausal zum Unfall vom 23. November 2002 gewesen seien (act. 1 

Rz. 3). Das Gutachten habe namentlich eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit aus 

rheumatologischer, neurologischer und neuropsychologischer Sicht attestiert. Ge-

stützt auf das MEDAS-Gutachten und die weiteren vom Versicherten beigebrach-

ten ärztlichen Einschätzungen, die eine Arbeitsunfähigkeit attestiert hätten, habe 

die Klägerin gesetzliche Leistungen im Umfang von CHF 387'324.00 erbracht. Die 

Leistungen seien gestützt auf das Unfallversicherungsgesetz (UVG) geboten ge-

wesen (act. 1 Rz. 47, Rz. 68; act. 23 Rz. 96). Die Klägerin habe ihre Leistungen 

erst einstellen können, als das MEDAS-Gutachten vom 21. Dezember 2006 die 

Erreichung des status quo sine festgehalten habe. Somit habe sich die Klägerin 

gesetzeskonform verhalten. Da die gesundheitlichen Beeinträchtigungen und die 

daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit des Versicherten sowie die Kosten für die 

medizinische Behandlung unfallkausaler Natur seien (act. 23 Rz. 21, Rz. 82), ha-

be die Beklagte ihrerseits als Haftpflichtversicherer der unfallverursachenden 

Lenkerin die Klägerin im Umfang von 80% der erbrachten Taggeldleistungen und 

zusätzlichen Leistungen schadlos zu halten. Auch habe die Beklagte bis Dezem-

ber 2005 nie gegen die Ausrichtung der Leistungen durch die Klägerin opponiert. 

Die Beklagte sei in den sozialversicherungsrechtlichen Begutachtungsprozess im 

Dezember 2004 eingebunden gewesen. Daher handle es sich beim MEDAS-

Gutachten vom 1. Dezember 2004 um ein von den Parteien gemeinsam eingehol-

tes Gutachten, von dem das Gericht nur aus triftigen Gründen abweichen dürfe 

(act. 23 Rz. 6 ff.). 

2.2.2.  Beklagte  

Die Beklagte bestreitet, dass sich der Versicherte beim Unfallereignis vom 

23. November 2002 verletzt habe (act. 12 Rz. 8, Rz. 13, Rz. 101, Rz. 196). Sie 

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stellt sich auf den Standpunkt, dass die vom Versicherten geklagten somatischen 

und psychischen Beschwerden nicht unfallkausal seien (act. 12 Rz. 128, Rz. 142; 

act. 28 Rz. 39 ff.). Der Versicherte habe im Zeitpunkt des Unfalls über keine kör-

perlichen Beschwerden geklagt, die seine Arbeitsfähigkeit in irgendeiner Weise 

eingeschränkt hätten. Innerhalb der geforderten Latenzzeit von 72 Stunden seien 

keine Beschwerden aufgetreten, die dem typischen Beschwerdebild einer HWS-

Schleuderverletzung zugerechnet werden könnten. Ausserdem handle es sich um 

ein banales Unfallereignis, da die Geschwindigkeitsänderung weit unterhalb der 

Harmlosigkeitsgrenze für Frontalkollisionen von 20 bis 30 km/h liege. Somit seien 

keine Beschwerden der HWS erklärbar (act. 12 Rz. 40; act. 28 Rz. 39). Es seien 

allein unfallfremde Faktoren für die Beschwerden des Versicherten verantwortlich 

zu machen. Es habe bereits vor dem Unfall eine unfallfremde psychosoziale Be-

lastung vorgelegen, die derart stark gewesen sei, dass der Unfall vom 23. No-

vember 2002 keine Auswirkungen auf die Beschwerden gehabt habe (act. 28 

Rz. 58). So sei der Versicherte beruflich stark belastet gewesen. Die F._____ 

GmbH habe mit Schreiben vom 24. April 2003 mitgeteilt, dass sie schon bald 

nach Arbeitsbeginn habe feststellen müssen, dass der Versicherte den Anforde-

rungen nicht genüge. Es habe sich herausgestellt, dass er psychisch, in einzelnen 

Kursen auch fachlich, den Anforderungen nicht gewachsen gewesen sei. Er habe 

sich bei der F._____ GmbH beklagt, dass er sich überfordert fühle. Bereits drei 

Wochen nach Arbeitsbeginn sei mit ihm ein erstes Gespräch geführt worden. Es 

sei klar kommuniziert worden, dass eine wesentliche Verbesserung erforderlich 

sei, andernfalls das Arbeitsverhältnis nicht länger aufrechterhalten werden könne. 

Nachdem sich die Situation nicht verbessert habe und der Versicherte gegenüber 

der F._____ GmbH auch die Aussage gemacht habe, dass er an die Grenze sei-

ner Belastbarkeit gelangt sei, sei ihm noch in der Probezeit gekündigt worden. 

Dieser habe somit massiv dysfunktional auf die erneute Stellenkündigung reagiert 

und nicht auf das banale Unfallereignis. Das Vorliegen einer Überforderungssitua-

tion decke sich sodann mit den Erwägungen im MEDAS-Gutachten vom 

1. Dezember 2004 und vom 21. Dezember 2006 sowie mit dem Bericht von 

Dr. I._____ (act. 12 Rz. 29 ff.; act. 28 Rz. 50, Rz. 58). Auffallend seien in diesem 

Zusammenhang auch die zahlreichen Stellenwechsel des Versicherten (act. 12 

- 10 - 

Rz. 35). Nebst der Überforderung bei der Arbeit seien vor dem Unfall zusätzliche 

private Belastungen für den Versicherten angestanden. So seien bereits längst 

vor dem Unfall Verhandlungen über einen Hauskauf angelaufen und die Verkäu-

ferin habe auf den Abschluss des Kaufvertrages gedrängt. Mit dem Hauskauf sei-

en Hypothekarschulden im Umfang von rund CHF 800'000.00 verbunden gewe-

sen (act. 12 Rz. 29, Rz. 37). Für die Beschwerden des Versicherten seien somit 

der Arbeitsplatzverlust, die desaströse finanzielle Situation aufgrund des Haus-

kaufs, die narzisstische Persönlichkeitsstruktur und die tiefe Frustrationsschwelle 

verantwortlich. Dazu komme eine konfliktbelastete Kinder- und Jugendzeit mit ei-

nem gewaltbereiten Vater (act. 28 Rz. 39). Auf eine unfallfremde psychosoziale 

Belastungssituation würden auch die heftigen psychovegetativen Symptome so-

wie die Schweissausbrüche nachts und am Tag hinweisen (act. 12 Rz. 115). 

Wenn zudem die Beweglichkeit der HWS nicht eingeschränkt gewesen sei, gebe 

es für die angeblich unerträglichen Kopfschmerzen erst recht keine unfallkausale 

Erklärung (act. 12 Rz. 104). Ausserdem hätten im Unfallzeitpunkt bereits die von 

der MEDAS ... im Jahre 2006 für die Beschwerden als ursächlich erachteten und 

festgestellten Faktoren wie Grosswuchs, konstitutionell bedingte Fehlhaltung des 

oberen Achsenskeletts, leptosomer Körperbau und Dekonditionierung vorgelegen 

(act. 12 Rz. 236). 

3. Überblick über die Regress- und Anspruchsvoraussetzungen  

3.1. Der zu beurteilende Sachverhalt hat sich vor Inkrafttreten des Bundesge-

setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; in Kraft 

seit 1. Januar 2003) zugetragen. Damit sind die materiell-rechtlichen Bestimmun-

gen dieses Erlasses nicht anwendbar (Art. 82 Abs. 1 Satz 1 ATSG). Als materielle 

Bestimmungen sind unter anderem die Regressbestimmungen anzusehen 

(Art. 72 ff. ATSG). Im Übrigen hat das ATSG nicht zu einer inhaltlichen Änderung 

der für die Beurteilung massgeblichen Bestimmungen und Grundsätze geführt 

(BGE 134 V 109 E. 2.2 S. 112; KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, N 12 zu 

Art. 72 ATSG). Gemäss Art. 41 aUVG (heute Art. 72 ATSG) tritt der Versiche-

rungsträger im Zeitpunkt des Ereignisses bis auf die Höhe der gesetzlichen Leis-

tungen in die Ansprüche der versicherten Person ein. Bei der Unfallversicherung 

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wird in Bezug auf den Zeitpunkt der Subrogation auf das versicherte Ereignis des 

Unfalls abgestellt (HÜRZELER, in: HÜRZELER/TAMM/BIAGGI, Personenschadens-

recht, 2010, N 433). Gemäss Art. 65 Abs. 1 SVG steht dem Versicherten ein di-

rektes Forderungsrecht gegen den Halterhaftpflichtversicherer zu. Auf dieses di-

rekte Forderungsrecht kann sich daher auch der regressierende Sozial- oder Pri-

vatversicherer berufen (vgl. Art. 72 Abs. 4 ATSG). 

3.2. Wird durch den Betrieb eines Motorfahrzeuges ein Mensch getötet oder 

verletzt oder Sachschaden verursacht, so haftet der Halter für den Schaden 

(Art. 58 Abs. 1 SVG). Eine Haftung ist gegeben, wenn kumulativ ein Schaden, der 

Betrieb eines Motorfahrzeuges sowie ein natürlicher und adäquater Kausalzu-

sammenhang zwischen dem Betrieb des Motorfahrzeuges und dem Schaden zu 

bejahen ist. Das Verschulden bildet keine Haftungsvoraussetzung, da Art. 58 

SVG eine Gefährdungshaftung statuiert. Art und Umfang des Schadenersatzes 

richten sich nach den Grundsätzen des Obligationenrechts für unerlaubte Hand-

lungen (Art. 62 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 41 ff. OR). Als Schaden kommt dabei eine 

materielle Einbusse in Betracht, die auf eine Beeinträchtigung der körperlichen 

oder psychischen Integrität im Sinne von Art. 46 OR zurückzuführen ist. 

3.3. Nach Art. 8 ZGB hat, wo das Gesetz nicht anders bestimmt, jene Partei 

das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, die aus ihr Rechte 

ableitet. Demnach hat die Klägerin zunächst in rechtsgenügender Weise zu be-

haupten und sodann zu beweisen, dass ein Unfallereignis zu Verletzungen bzw. 

Beschwerden des Versicherten geführt hat, dass die Verletzungen bzw. Be-

schwerden einen Schaden bewirkt haben (Ursächlichkeit), dass der Unfall für die 

Körperverletzung und diese wiederum für den Schaden adäquat kausal erschei-

nen (Adäquanz) und dass es sich beim Unfallverursacher um den Halter des un-

fallverursachenden Fahrzeuges (Haltereigenschaft) und bei der Beklagten um 

dessen Motorfahrzeughaftpflichtversicherung gehandelt hat (Versicherungsver-

hältnis).  

Art. 8 ZGB gibt der beweispflichtigen Partei dann einen Anspruch darauf, für 

rechtserhebliche Vorbringen zum Beweis zugelassen zu werden, wenn ihr Be-

weisantrag nach Form und Inhalt den Vorschriften des anwendbaren Prozess-

- 12 - 

rechts entspricht (vgl. BGE 133 III 295 E. 7.1 S. 299 mit Hinweisen). Ein Beweis-

mittel ist nur dann als formgerecht angeboten zu betrachten, wenn sich die Be-

weisofferte eindeutig der damit zu beweisenden Tatsachenbehauptung zuordnen 

lässt und umgekehrt. In der Regel sind die einzelnen Beweisofferten unmittelbar 

im Anschluss an die Tatsachenbehauptungen aufzuführen, die damit bewiesen 

werden sollen. Dies ergibt sich ohne Weiteres aus dem Wortlaut der Bestimmun-

gen von Art. 152 Abs. 1 i.V.m. Art. 221 Abs. 1 lit. e ZPO (Recht auf Abnahme von 

Beweismitteln bei "Bezeichnung der einzelnen Beweismittel zu den behaupteten 

Tatsachen"; vgl. dazu Urteil 4A_56/2013 vom 4. Juni 2013 E. 4.4; BRÖNNIMANN, in: 

Berner Kommentar, Zivilprozessordnung, 2012, N 23 zu Art. 152 ZPO; KILLIAS, in: 

Berner Kommentar, a.a.O., N 29 zu Art. 221 ZPO; WILLISEGGER, in: Basler Kom-

mentar Schweizerische Zivilprozessordnung, 2. Aufl. 2013, N 31 zu Art. 221 ZPO; 

LEUENBERGER, in: SUTTER-SOMM/HASENBÖHLER/LEUENBERGER, Kommentar zur 

Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO), 2. Aufl. 2013, N 51 zu Art. 221 

ZPO).  

3.4. Die Beklagte ist unbestrittenermassen Haftpflichtversicherer der unfallver-

ursachenden Lenkerin (act. 1 Rz. 1, act. 12 Rz. 8). Dem Versicherten als geschä-

digten Lenker steht ihr gegenüber demnach gemäss Art. 65 Abs. 1 SVG im Rah-

men der Versicherungsdeckung ein direktes Forderungsrecht zu, aber nur soweit 

in Bezug auf den Halter die generellen Haftungsvoraussetzungen von Art. 58 

Abs. 1 SVG – Schaden, Betrieb eines Motorfahrzeuges sowie natürlicher und 

adäquater Kausalzusammenhang zwischen Betrieb des Motorfahrzeuges und Un-

fall sowie Schaden – gegeben sind. Insgesamt erbrachte die Klägerin Leistungen 

an den Versicherten im Umfang von CHF 387'324.00. Daher kann sie grundsätz-

lich gegen die Beklagte regressieren, sofern die bei der Beklagten haftpflichtversi-

cherte Fahrzeuglenkerin für den Unfall haftet. Die Klägerin tritt im Rahmen der ob-

ligatorischen Unfallversicherung aber nur bis auf die Höhe ihrer gesetzlichen Leis-

tungen in die Ansprüche des Versicherten ein.  

Die Klägerin macht wiederholt mit Hinweis auf ihre rechtskräftige Verfügung gel-

tend, gesetzliche Leistungen erbracht zu haben, was die Beklagte bestreitet. Die 

Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, dass die Beklagte nie gegen die Erbrin-

- 13 - 

gung der Leistungen opponiert und somit die Ausrichtung von Leistungen an den 

Versicherten akzeptiert habe. Von dieser Zustimmung könne sie nicht mehr ab-

rücken. Die Beklagte verhalte sich treuwidrig im Sinne von Art. 2 Abs. 2 ZGB, 

wenn sie das Vorliegen von gesetzlichen Leistungen bestreite (act. 23 Rz. 7 ff.). 

Sofern die Klägerin damit geltend machen wollte, dass die Haftung der Beklagten 

bereits deshalb entstanden sei, weil die Klägerin gesetzliche Leistungen erbracht 

habe, so ist ihr entgegenzuhalten, dass gestützt auf den Umstand, dass die Be-

klagte nicht explizit gegen die Ausrichtung opponierte, keineswegs darauf ge-

schlossen werden kann, dass sie auch eine Haftung ihrerseits anerkannt habe. 

Auch kann gestützt darauf noch kein rechtsmissbräuchliches Verhalten seitens 

der Beklagten angenommen werden, zumal es ihr grundsätzlich unbenommen ist, 

im Rahmen des vorliegenden Verfahrens Behauptungen der Klägerin zu bestrei-

ten, die sie im Vorfeld des Verfahrens angeblich nicht bestritten hat. In Bezug auf 

die Frage, ob die Klägerin "gesetzliche Leistungen" ausgerichtet hat, ist sodann 

Folgendes anzumerken: Grundsätzlich hat die Klägerin auch im Regressverfahren 

nachzuweisen, dass sie gesetzliche Leistungen erbracht hat. Allerdings stellt sich 

generell die Frage, ob das Gericht trotz rechtskräftiger Verfügung der Klägerin 

überprüfen kann, ob gesetzliche Leistungen erbracht wurden. In Bezug auf die 

Bindung der Zivilbehörden an solche Entscheide von Verwaltungsbehörden sind 

zwei Vorbehalte zu machen: Einerseits die jederzeit von Amtes wegen zu beach-

tende Nichtigkeit der Verfügung und andererseits ein Mangel, der nach der Praxis 

zur Wiedererwägung oder Revision der formell rechtskräftigen Verfügung führen 

könnte. So kann die Verfügung in Wiedererwägung gezogen werden, wenn sie 

zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Gemäss 

ständiger Rechtsprechung ist der Sozialversicherungsträger verpflichtet, auf eine 

formell rechtskräftige Verfügung zurückzukommen, wenn neue Tatsachen oder 

neue Beweismittel entdeckt würden, die geeignet seien, zu einer anderen rechtli-

chen Beurteilung zu führen (BGE 110 V 176 E. 2a S. 178; Urteil des 

Bundesgerichts 4C.374/2005 vom 10. Januar 2006 E. 4). Gesetzliche Leistungen 

können sodann nur dann vorliegen, wenn der Versicherte aufgrund des Unfalles 

voll oder teilweise arbeitsunfähig wurde, mithin der Unfall kausal für die Arbeitsun-

fähigkeit war (Art. 16 aUVG). Eine Überprüfung der Verfügung ist somit unter den 

- 14 - 

gegebenen Voraussetzungen möglich, weshalb entgegen der Ansicht der Kläge-

rin keine Rede davon sein kann, dass ein Regressanspruch bereits deshalb be-

stehe bzw. die Anspruchsvoraussetzung "gesetzliche Leistungen" ohne Weiteres 

erfüllt sei, weil ihre Verfügung rechtskräftig sei. Die Klägerin hat indessen auch 

die weiteren Anspruchsvoraussetzungen, Schaden, Betrieb eines Motorfahrzeu-

ges sowie natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang zwischen Betrieb des 

Motorfahrzeuges und Unfall sowie Schaden, nachzuweisen. Die Überprüfung der 

Verfügung kann jedenfalls dann unterbleiben, wenn die weiteren Anspruchs-

voraussetzungen nicht erfüllt sind. In der Folge gilt es somit zu prüfen, ob die wei-

teren Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Im Vordergrund der Prüfung stehen 

der Gesundheitszustand des Versicherten und der zwischen den Parteien umstrit-

tene Kausalzusammenhang zwischen den behaupteten Verletzungen bzw. Be-

schwerden des Versicherten und dem Unfallereignis vom 23. November 2002. 

Die Haltereigenschaft der unfallverursachenden Lenkerin und das Versicherungs-

verhältnis sind, wie gesehen, unbestritten und damit erstellt. 

4. Gesundheitszustand  

4.1. Ausgangslage  

Der Versicherte erlitt unbestrittenermassen bereits am 26. November 2000 einen 

ersten und am 22. März 2002 einen weiteren Verkehrsunfall. Die Parteien gehen 

dahingehend überein, dass die beiden Unfälle keine bleibenden körperlichen 

Schäden hinterlassen haben und die unfallbedingten Behandlungen vor dem Un-

fall vom 23. November 2002 abgeschlossen waren (act. 1 Rz. 18 f.; act. 12 

Rz. 26; act. 23 Rz. 27; act. 28 Rz. 56). 

Die Klägerin begnügt sich in Bezug auf die behaupteten Beschwerden des Versi-

cherten hauptsächlich damit, in chronologischer Reihenfolge auf zahlreiche medi-

zinische Arztberichte bzw. Gutachten zu verweisen bzw. daraus zu zitieren. Un-

klar ist, ob sie sämtliche von den Ärzten dokumentierten Beschwerden des Versi-

cherten auf den Unfall vom 23. November 2002 zurückführen will. Die Aussage, 

wonach die gesundheitlichen Beeinträchtigungen und die daraus resultierende 

Arbeitsunfähigkeit des Versicherten unfallkausaler Natur seien (act. 23 Rz. 21) 

- 15 - 

deutet darauf hin, dass sie sämtliche Beschwerden auf den Unfall zurückführen 

will. Nachfolgend ist auf die von den Parteien zum Gesundheitszustand des Ver-

sicherten angerufenen medizinischen Berichte und Gutachten einzugehen. Vorab 

ist festzuhalten, dass der vorliegende Fall medizinisch genügend abgeklärt wurde 

und keine weiteren Abklärungen notwendig sind, um über den Fall zu entschei-

den. Im Übrigen haben die Parteien auch keine weitere Begutachtung des Versi-

cherten beantragt. 

4.2. Medizinische Aktenlage 

4.2.1.  Am 28. November 2002, mithin fünf Tage nach dem Unfallereignis, suchte 

der Versicherte seinen Hausarzt, Dr. med. H._____, auf. Ein ärztlicher Bericht zu 

besagter Untersuchung besteht nicht. Es besteht in diesem Kontext lediglich ein 

Arztzeugnis, welches Dr. H._____ zuhanden der Klägerin am 3. Dezember 2002 

– nach einer erneuten Konsultation des Versicherten am 2. Dezember 2002 – er-

stellte (act. 3/21). Weiter liegen diverse Schreiben bei den Akten, welche auf die 

Erstkonsultation vom 28. November 2002 bzw. vom 2. Dezember 2002 Bezug 

nehmen (vgl. act. 3/29; act. 14/17; act. 14/18).  

Im Arztzeugnis vom 3. Dezember 2002 stellte Dr. H._____ die Diagnose "Rezidiv 

Schleudertrauma HWS". Zudem hielt er als Befund eine Einschränkung der Be-

weglichkeit der HWS in alle Richtungen, einen Hypertonus von Trapezius sowie 

kurzer Halsmuskulatur rechtsbetont, eine Druckdolenz über den dorsalen Wirbel-

fortsätzen sowie den Querfortsätzen rechtsbetont im Bereiche der mittleren HWS 

sowie subjektiv Übelkeit und Kopfschmerzen fest. Dr. H._____ verabreichte dem 

Versicherten ein entzündungshemmendes und ein muskelentspannendes 

Schmerzmittel. Die Arbeitsunfähigkeit setzte er rückwirkend auf den 30. Novem-

ber 2002 auf 100% an. 

Bei den Akten liegt sodann ein weiteres von Dr. H._____ ausgestelltes Arztzeug-

nis, welches vom 18. Dezember 2002 datiert und festhält, dass es sich um ein 

Schleudertrauma mit "typischen Beschwerden" handle (act. 14/3).  

- 16 - 

Im Schreiben an die Klägerin vom 10. Dezember 2002 (act. 3/29) antwortete 

Dr. H._____ auf die Frage der Klägerin, welche Beschwerden geltend gemacht 

würden und ob diese aus ärztlicher Sicht glaubhaft seien, stichwortartig Folgen-

des: "Schulter- Nackenbeschwerden mit Ausstrahlung gegen die Arme. Bewe-

gungseinschränkung des Kopfes, Schlafstörungen. Sämtliche Beschwerden sind 

typisch für ein derartiges Unfallgeschehen." 

In dem von Dr. H._____ ausgefüllten Zusatzfragebogen bei HWS-Verletzungen 

vom 17. Januar 2003 (act. 14/17) wurden unter dem Titel "1. Konsultation Datum: 

28.11.03" (recte: 2002) Spontanschmerzen im Nacken rechts/links, eine Ausstrah-

lung in die Schulter rechts sowie eine Bewegungseinschränkung der HWS ange-

kreuzt. Sodann wurden in der Spalte "nach dem Unfall Latenzzeit: 1/2 Stunden" 

Übelkeit, Erbrechen und Spontanschmerzen im Nacken rechts angekreuzt.  

Im Schreiben an das Amtsstatthalteramt vom 1. April 2003 (act. 14/18) führte 

Dr. H._____ in Bezug auf den Status des Versicherten bei Aufnahme der Behand-

lung Folgendes aus: Der Patient habe sich fünf Tage nach stattgefundenem Unfall 

gemeldet. Im Bereiche des Nackens seien Schmerzen angegeben worden mit ei-

ner Bevorzugung der rechten Seite. Die Kopfbeweglichkeit sei nicht wesentlich 

eingeschränkt gewesen, es habe jedoch ein deutlicher Endphasenschmerz beim 

Blick nach links bestanden. Bei Druck auf die Dornfortsätze der unteren Halswir-

belsäule sowie auf die Querfortsätze habe sich der Schmerz auslösen lassen. Die 

begleitende Muskulatur der Halswirbelsäule und des Musculus Trapezius seien 

verspannt und druckdolent gewesen. Eine deutliche Druckdolenz und Verspan-

nung habe sich ebenfalls im Bereiche der Muskulatur zwischen den Schulterblät-

tern sowie im Bereiche der Muskulatur parallel zur unteren Lendenwirbelsäule, 

auch hier rechts deutlich mehr als links, gefunden. Die Frage, welche Verletzun-

gen der Versicherte erlitten habe, beantwortete Dr. H._____ wie folgt: "Es besteht 

ein Beschleunigungstrauma der Halswirbelsäule sowie ein Stauchungstrauma im 

Bereiche der Brustwirbelsäule und der LWS." Weiter wird im Schreiben angege-

ben, dass der Versicherte initial noch versucht habe zu arbeiten. Wie häufig bei 

derartigen Verletzungen hätten die Beschwerden im Verlaufe der ersten Tage und 

Wochen noch zugenommen, wobei sich hier das Vollbild eines Panvertebralsyn-

- 17 - 

droms entwickelt habe, d.h. dass sich Schmerzen im Bereich des gesamten Rü-

ckens mit massiver Verspannung entwickelt hätten, was schliesslich zur Hospita-

lisation geführt habe. Begleitend habe sich das Vollbild einer akuten depressiven 

Episode entwickelt, ausgelöst durch das Unfallereignis, die Schmerzen sowie den 

daraus folgenden Stellenverlust. 

4.2.2.  Am 6. Januar 2003 wurde der Versicherte durch Dr. med. J._____ unter-

sucht. In seinem Bericht vom 13. Januar 2003 (act. 3/31) hielt er unter dem Titel 

"aktuelle Diagnosen" Folgendes fest: "Status nach Verkehrsunfall mit HWS. Aktu-

ell noch Rückenschmerzen tieflumbal rechts sowie Spannungskopfschmerzen. 

Verdacht auf depressive Episode." Dr. J._____ führte aus, dass der Versicherte 

aktuell über starke Rückenschmerzen und über eine Kraftverminderung berichte 

und angebe, kaum gehen zu können, sehr schnell müde zu sein und dass ihm 

etwas "kötzerig" sei. Weiter lokalisiere der Versicherte den Kopfschmerz frontal 

als Ring und rechtsseitig im Bereiche der Nackenmuskulatur ebenfalls als Ring. 

Unter dem Titel "Befund" bemerkte Dr. J._____ unter anderem eine leichte Fehl-

stellung des Rückens im Sinne einer leichten rechtskonvexen Skoliose und einen 

Beckenschiefstand nach links. Weiter liessen sich im Moment keine Segment-

funktionsstörungen der HWS, BWS und der LWS festhalten. Entsprechend seien 

auch die Globalfunktionen uneingeschränkt. Der paravertebrale Weichteilmantel 

sei zurzeit ungestört. Neurologisch seien keine Ausfälle zu verzeichnen. Bezüg-

lich der Kopfschmerzen würden keine Warnzeichen vorliegen. Psychisch hinter-

lasse der Versicherte eine Gehemmtheit und weise einige Zeichen einer wahr-

scheinlich depressiven Episode auf. Zudem hält Dr. J._____ fest, dass er die 

rückwirkende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht vornehmen könne, er gestützt 

auf die Angaben des Versicherten und unter Berücksichtigung des Unfallereignis-

ses, mit einem recht grossen Sachschaden am Auto, die Attestierung der Arbeits-

unfähigkeit ab 30. November 2002 als gerechtfertigt erachte. Der Versicherte und 

er seien sich einig geworden, dass der Versicherte mindestens zu 75% seine 

frühere Tätigkeit per sofort wieder ausführen könne. 

4.2.3.  Am 2. Februar 2003 begab sich der Versicherte in die Behandlung von 

Dr. K._____, Facharzt für Allgemeine Medizin. Dieser diagnostizierte in seinem 

- 18 - 

Bericht vom 2. Februar 2003 (act. 3/32) ein therapieresistentes posttraumatisches 

Schmerzbild nach Verkehrsunfall. Der Versicherte habe sich wegen unerträglicher 

Schmerzen im Kopf und am ganzen Rücken gemeldet. Er erscheine durch die 

Schmerzen zermürbt und depressiv. 

4.2.4.  Am 8. Februar 2003 begab sich der Versicherte in das Permanence Medi-

cal Center .... Dr. med. L._____ hielt in seinem gleichentags erstellten Bericht 

(act. 3/33) die Diagnose "Vegetative Dystonie und Schmerzattacken nach Be-

schleunigungstrauma der HWS" fest. Es bestehe eine druckdolente Muskulatur an 

Nacken und Sternocleidomastoideus (Muskel zwischen Brustbein, Schlüsselbein 

und der Schädelbasis) sowie ein massives vegetatives Beschwerdebild. Er verab-

reichte dem Versicherten diverse Schmerzmedikamente. 

4.2.5.  Nach einer konsiliarischen Untersuchung vom 6. Februar 2003 durch 

Dr. med. M._____, Facharzt FMH für Neurochirurgie, diagnostizierte der besagte 

Arzt in seinem Bericht vom 10. Februar 2003 zuhanden von Dr. med. H._____ 

(act. 3/34) ein persistierendes myotendinotisches Panvertebralsyndrom bei St.n. 

Verkehrsunfall vom 23.11.2002. Hinsichtlich der Anamnese hielt er unter anderem 

fest, dass der Versicherte über persistierende Rückenschmerzen mit punctum 

maximum am thorakolumbalen Übergang sowie am lumbosakralen Übergang 

rechtsbetont berichte. Etwas weniger stark seien die Schmerzen zwischen den 

Schulterblättern sowie im Nacken und Hinterkopfbereich mit teils Ausstrahlungen 

bis nach frontal rechtsbetont. Als Befund hielt Dr. M._____ eine leicht einge-

schränkte Allgemeinbeweglichkeit sowie eine Druckdolenz paravertebral am lum-

bosakralen Übergang rechts und paravertebral rechtsbetont am thorakolumbalen 

Übergang sowie über den Prozessus spinosi der mittleren und oberen BWS fest. 

Die Röntgenbilder würden auf eine leichte Densasymmetrie, eine diskrete S-

förmige Skoliose im Bereiche der HWS und eine leichte Rotationsfehlstellung von 

BWK 4 gegenüber BWK 3 deuten, was einem altersentsprechenden unauffälligen 

Befund entspreche. Aktuell sei der Versicherte noch zu 100% arbeitsunfähig, soll-

te aber nach der Rehabilitation wieder zu 100% arbeitsfähig sein. 

4.2.6.  Am 12. Februar 2003 fand eine konsiliarische rheumatologische Untersu-

chung des Versicherten durch Dr. med. G._____, Spezialarzt FMH für innere Me-

- 19 - 

dizin, statt. In seinem Bericht vom 14. Februar 2003 (act. 3/35) hielt er als Unter-

suchungsbefund fest, dass er den Versicherten als depressiv verstimmten und 

zeitweise leicht erregbaren, verzweifelten Mann erachte, der Angst um die prekä-

re Situation habe, da die Klägerin alle Leistungen eingestellt habe. Eine Untersu-

chung sei nicht möglich. In Bauchlage könne er die Wirbelsäule abtasten, wo er 

Irritationszonen und Verspannungen im HWS- und LWS-Bereich finde. In seiner 

Beurteilung hielt Dr. G._____ die Entwicklung eines massiven panvertebralen 

Schmerzsyndroms, einen psychischen Verzweiflungszustand und ein gesteigertes 

Schmerzempfinden trotz intensiver medikamentöser Schmerzbehandlung fest. In 

diesem Zustands- und Erscheinungsbild sei der Patient voll arbeitsunfähig und 

keinesfalls vermittelbar.  

4.2.7.  Vom 27. Februar 2003 bis 27. März 2003 war der Versicherte in der 

Rehaklinik Rheinfelden hospitalisiert. Im Bericht vom 6. Mai 2003 (act. 3/36) hiel-

ten Prof. Dr. med. N._____, Facharzt für Neurologie, und Dr. med. O._____, Ab-

teilungsärztin, folgende Diagnose fest: Der Versicherte habe seit dem Unfall per-

sistierende zervikozephale Schmerzen, eine Lumbalgie sowie minimale neu-

ropsychologische Funktionsstörungen und rezidivierende vegetative Dysregulati-

onen. Im Verlauf habe sich aufgrund äusserer Umstände zusätzlich eine Anpas-

sungsstörung mit vorwiegend ängstlicher, gekränkter und aggressiver Reaktion 

entwickelt. Prof. Dr. N._____ und Dr. O._____ beschrieben unter dem Titel "Jetzi-

ges Leiden" sodann, dass die Schmerzen mit der starken Schmerzmedikation er-

träglich seien, so dass die schnelle Ermüdbarkeit und die Schmerzattacken mit 

Übelkeit und Schwindel im Vordergrund stehen würden. Festgehalten werden 

weiter Nackenschmerzen mit Ausstrahlung über den Hinterkopf bis zur Stirn vor 

allem rechtsseitig, jedoch einmal auch linksseitig, Schwindel und Übelkeit bis zum 

Erbrechen bei den Schmerzattacken, Schmerzen über den Lendenwirbeln, die 

zum Teil über die gesamte Wirbelsäule ausstrahlen, Schmerzen in den Schulter-

blättern sowie Durchschlafstörungen (nicht schmerzbedingt). Ferner sei die Stim-

mung teilweise aggressiv und der Versicherte sei nicht mehr belastbar. Der Versi-

cherte wurde in beruflicher Hinsicht ab 1. Mai 2003 zu 100% arbeitsfähig erachtet.  

- 20 - 

4.2.8.  Dr. med. I._____ wurde durch die Rehaklinik Rheinfelden mit der Erstel-

lung eines psychiatrischen Konsiliums beauftragt. Im Bericht vom 5. April 2003 

(act. 3/37) erklärte er, dass es auf körperlicher Ebene wahrscheinlich durch die 

wiederholten Unfälle zu einer gewissen Vulnerabilisierung gekommen sei. Dies 

müsse auch auf psychischer Ebene angenommen werden. Immerhin habe der 

Versicherte die vor dem 23. November 2002 stattgefundenen Unfälle problemlos 

verarbeitet. Zum heutigen Zeitpunkt müsse eine Anpassungsstörung mit vorwie-

gend ängstlicher, gekränkter und aggressiver Reaktion diagnostiziert werden. Die 

Lebensgeschichte des Versicherten aus psychologischer Sicht zeige eine gewis-

se Vulnerabilisierung betreffend ungerechte Behandlung, Schlägen und Kränkun-

gen. Der Versicherte sei zudem hereditär durch die Gewalttätigkeit des Vaters be-

lastet. Die psychischen Beschwerden würden hauptsächlich die Folgen des medi-

co-legalen Streites betreffen. Letzteres belaste den Versicherten wahrscheinlich 

mehr als die eigentlichen Unfallfolgen. Andernorts hielt Dr. I._____ fest, dass die 

Beschwerden des Versicherten mit grosser Wahrscheinlichkeit im Sinne einer 

Teilkausalität auf den Unfall zurückzuführen seien.  

4.2.9.  Am 22. August 2003 und am 5. September 2003 wurde der Versicherte 

durch Dr. med. P._____, Spezialarzt für Neurologie, untersucht. In seinem Bericht 

vom 3. Oktober 2003 (act. 3/38) diagnostizierte er ein Distorsionstrauma der HWS 

nach einer Frontalkollision mit persistierenden Nackenschmerzen, rezidivierenden 

migräniformen Kopfschmerzen und posttraumatischer Belastungsstörung. Die 

bildgebenden Funktionsaufnahmen der HWS hätten keine Einschränkung der 

HWS ergeben. 

4.2.10.  Vom 1. Juni 2004 bis 13. Juli 2004 war der Versicherte in der aarReha 

Klinik Schinznach hospitalisiert. Dr. med. … hielt im Bericht vom 6. September 

2004 (act. 3/39 = act. 14/23) folgende Diagnose fest: "Status nach HWS-

Distorsionstrauma […] mit cervikocephalem Syndrom […], cervikospondylogenem 

Syndrom bds., chronischem Panvertebralsyndrom, keine Begleitverletzungen, 

posttraumatische leichte neuropsychologische Funktionsstörung, anamnetisch 

posttraumatische Anpassungsstörung mit vorwiegend ängstlicher, gekränkter und 

aggressiver Reaktion, aktuell weitgehend abgeklungen, Wirbelsäulenfehlform, 

- 21 - 

muskuläre Dysbalance." Die Beweglichkeit der HWS sei in Lateralflexion beidsei-

tig um 1/3 eingeschränkt, in Rotation nach links um 80°, nach rechts 45°. Es be-

stünden Endphasenschmerzen in der Lateralflexion beidseitig. Die Beweglichkeit 

der LWS sei frei ohne Endphasenschmerz. Dem Versicherten wurde eine 100%-

ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. Juni 2004 bis 13. Juli 2004 attestiert. Ab dem 

14. Juli 2004 bis 31. August 2004 wurde eine 20%-ige Arbeitsfähigkeit unter Be-

rücksichtigung ergonomischer Voraussetzungen angenommen.  

4.2.11.  Am 6. September 2004 wurde der Versicherte erneut durch Dr. med. 

P._____, Spezialarzt für Neurologie, untersucht. Gemäss seinem Bericht vom 

16. September 2004 (act. 3/40) habe der Versicherte ein "Distorsionstrauma der 

HWS nach einer Frontalkollision anlässlich eines Verkehrsunfalles am 23.11.2002 

mit anhaltenden Nackenschmerzen, chronischen migräniformen Kopfschmerzen, 

massiv verminderter posttraumatischen Belastbarkeit" erlitten. Bei der klinischen 

Untersuchung sei die Beweglichkeit der HWS für alle Richtungen nicht einge-

schränkt gewesen. Es müsse auf die Diskrepanz zwischen dem nahezu unauffäl-

ligen klinischen Befund und den subjektiv angeblich ausgeprägten Nackenbe-

schwerden hingewiesen werden. Der Unfall habe beim Versicherten möglicher-

weise ein bereits vorher nicht besonders gefestigtes psychisches Gleichgewicht 

destabilisiert und zu einer fortschreitenden Dekompensation der psychischen 

Kräfte geführt, was sich ungünstig auf die Schmerzverarbeitung auswirke. 

4.2.12.  Im Auftrag der Klägerin wurde der Versicherte von der Medizinischen Ab-

klärungsstelle Universitätskliniken ... (MEDAS) vom 21. bis 23. September 2004 

untersucht und begutachtet. Das Gutachten vom 1. Dezember 2004 (act. 3/5) 

wurde auf Basis einer internistischen, rheumatologischen, psychiatrischen, neuro-

logischen und neuropsychologischen Untersuchung erstellt. Den Teilgutachten 

sind folgende Angaben zu entnehmen: 

Im rheumatologischen Fachgutachten vom 22. September 2004 (act. 3/6) stellte 

Dr. med. Q._____, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie, folgende Di-

agnosen: "1. Chronisches zervikozephales sowie zervikovertebrales Syndrom 

(ICD-10 M53.0 resp. M54.2) bei/mit St.n. HWS-Distorsionen 11/02, St.n. HWS-

Distorsionen 11/00 sowie 03/02 ohne Residuen, Wirbelsäulenfehlhaltung, mehr-

- 22 - 

segmentale Dysfunktion, leichte muskuläre Dysbalance, Verdacht auf Symptom-

ausweitung bei psychosozialer Problemkonstellation/anamnetisch posttraumati-

scher Anpassungsstörung, 2. Anamnetisch intermittierendes Lumbovertebralsyn-

drom (ICD-10 M54.5) bei/mit Wirbelsäulenfehlhaltung/Haltungsinsuffizienz bei 

deutlicher Dekonditionierung." Dr. Q._____ beurteilte die objektivierbaren Befun-

de am Bewegungsapparat als gering, so dass das ganze Ausmass der vom Ver-

sicherten als limitierend vorgebrachten Beschwerden als nicht zwingend nachvoll-

ziehbar erscheine. Bei körperlich leicht bis mittelschwer belastenden Tätigkeiten 

bestehe eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80%, wobei die Minderung gegen-

über einem 100%-igen, 8-stündigen Arbeitspensum durch einen vermehrten Pau-

senbedarf und die Notwendigkeit zur Durchführung von entlastenden Übungen zu 

begründen sei (act. 3/5 S. 14 f.). 

Gemäss psychiatrischem Fachgutachten vom 21. September 2004 von Prof. 

Dr. med. R._____, Chefärztin, und Dr. med. …, Oberarzt, (act. 3/7), liege keine 

nach ICD-10 diagnostizierbare psychiatrische Erkrankung vor. Die Anpassungs-

störung müsse als vollständig remittiert gelten und in psychischer Hinsicht beste-

he volle Arbeitsfähigkeit (act. 3/5 S. 15). 

Dr. med …, Fachärztin FMH für Neurologie, und Dr. med …, Assistenzarzt, führ-

ten in ihrem neurologischen Fachgutachten vom 22. September 2004 (act. 3/8) 

Folgendes aus: Der Versicherte beschreibe Nackenschmerzen, welche in den 

Kopf, in die Wirbelsäule hinab sowie in beide Schultern ausstrahlen würden. Die 

Kopfschmerzen würden beidseits okzipital beginnen und bis nach frontal beidseits 

ausstrahlen. In Bezug auf den neurologischen Status führten die Gutachter unter 

anderem aus, dass die Beweglichkeit der Wirbelsäule für Rotation und Inklinati-

on/Reklination unauffällig sei. Die vom Versicherten angegebenen Schmerzen 

würden als chronisches Zervikozephalsyndrom mit Spannungskopfschmerzen mit 

migräniformer Komponente (ICD-10 M53.0, G44.2) und als Panvertebralsyndrom 

erachtet. Da der Versicherte über Kurzzeitgedächtnisstörungen klage, bestehe 

der Verdacht auf eine posttraumatische leichte neuropsychologische Funktions-

störung. Diesbezüglich werde auf das neuropsychologische Fachgutachten ver-

wiesen. Daher würden die neuropsychologischen Defizite aktuell nicht quantifi-

- 23 - 

ziert. Da weder ein Kopfanprall, noch Bewusstlosigkeit oder Amnesie bestanden 

habe, werde eine MTBI (Mild Traumatic Brain Injury) als äusserst unwahrschein-

lich erachtet. Aus neurologischer Sicht seien schwere Arbeiten nicht mehr mög-

lich, hingegen bestehe bei leichten bis mittelschweren Tätigkeiten eine Arbeitsfä-

higkeit von 75% (act. 3/5 S. 16 f.). 

Lic. phil. S._____, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, diagnostizierte im 

neurologischen Fachgutachten vom 23. September 2004 (act. 3/9) eine leichte 

neuropsychologische Störung. Weiter hielt er fest, dass im Vordergrund der neu-

ropsychologischen Befunde leichte bis mittelschwere Minderleistungen in den 

Aufmerksamkeitsfunktionen stünden. Weiter sei die Belastbarkeit vermindert und 

die Ermüdbarkeit erhöht. Aus neuropsychologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit 

zu 80% gegeben (act. 3/5 S. 17). Die Ausübung des früheren Berufs sei möglich, 

allenfalls müsse aber den Einschränkungen in den Aufmerksamkeitsfunktionen 

sowie der reduzierten Belastbarkeit Rechnung getragen werden. 

Im Gesamtgutachten vom 1. Dezember 2004 (act. 3/5) von Dr. med. T._____, 

Facharzt FMH für Innere Medizin, wurden alle in den Teilgutachten genannten 

Diagnosen übernommen. Zudem wird ausgeführt, dass möglicherweise eine ge-

wisse chronische Überforderungs- bzw. Überlastungssituation vorliege. In den ak-

tuellen Untersuchungen erscheine der objektivierbare Befund eher geringgradig. 

In der neuropsychologischen Testung seien Stimmungsschwankungen deutlich 

geworden, welche auf den persönlichen Hintergrund (Hauskauf 2002, teilweise 

Arbeitsunfähigkeit der Ehefrau seit dem Unfall vom 23. November 2002, Kind) 

sowie auf die deutlich spürbare Verunsicherung durch die aktuelle Situation zu-

rückzuführen seien. Dies alles stelle sehr hohe Anforderungen an den Versicher-

ten, denen er sich nicht wirklich gewachsen fühle (act. 3/5 S. 20 f.). Die Verunsi-

cherung zeige sich auch stark in der übertriebenen und detaillierten Selbstbe-

obachtung, die zu einem Schon- und Vermeidverhalten führe und mittlerweile 

auch bereits zu allgemeinen Dekonditionierungsphänomenen (act. 3/5 S. 21). Aus 

gesamtmedizinischer Sicht sei eine Arbeitsfähigkeit von 65% anzunehmen.  

- 24 - 

4.2.13.  Am 24. und 27. Dezember 2004 sowie am 8. und 11. Januar 2005 wurde 

der Versicherte im Permanence Medical Center ... behandelt (act. 14/25-28). Als 

Beschwerden wurden starke Rückenschmerzen angegeben. 

4.2.14.  Am 20. Januar 2005 war der Versicherte im Kantonsspital Luzern hospita-

lisiert. Im Austrittsbericht vom 8. Februar 2005 (act. 3/54) hielten die Chefärztin 

Prof. Dr. med. … und der Assistenzarzt Dr. med. … als Diagnose unter anderem 

ein chronisches Schmerzsyndrom und erhöhte Leberparameter mit Verdacht auf 

medikamentös-toxische Ursache fest. Weiter sei die aktive Beweglichkeit der 

HWS leicht reduziert gewesen, passiv altersentsprechend. Der übrige Status sei 

komplett unauffällig gewesen. Anamnetisch und klinisch habe mit den verfügba-

ren Methoden kein Korrelat zur Schmerzsymptomatik gefunden werden können. 

4.2.15.  Am 15. Februar 2005 hielt Dr. med U._____, neuer Hausarzt des Versi-

cherten, in seinem Bericht fest, dass der Versicherte an einer Exazerbation eines 

chronischen Schmerzsyndroms bei Status nach Schleudertrauma leide 

(act. 3/55). Deshalb sei er zu 100% arbeitsunfähig geschrieben worden. Dr. 

U._____ überwies den Versicherten ins Paraplegiker Zentrum Nottwil. 

4.2.16.  Dr. med. … und Dr. med. …, beide Fachärzte FMH für Anästhesiologie im 

Schweizer Paraplegiker Zentrum Nottwil, konnten gemäss Bericht vom 27. Mai 

2005 (act. 3/56) keine neuen Diagnosen stellen und bestätigten mehrheitlich die 

bisher bekannten. Weiter hielten sie fest, dass es eine Tatsache sei, dass die 

Schmerzen erst nach dem Unfall aufgetreten seien. Dennoch hätten weder eine 

selbsterklärende Pathologie noch wesentliche Pathologien generativer Art gefun-

den werden können. Im Status würden eine ausgesprochene Fehlhaltung entlang 

der Wirbelsäule mit Schultertiefstand rechts, S-förmiger Skoliose der Thorakalwir-

belsäule, eine ausgesprochene muskuläre Dysbalance und eine massive allge-

meine Dekonditionierung auffallen. Psychisch falle eine depressive Grundstim-

mung auf. Der Versicherte fürchte sich vor psychiatrischen Behandlungen, da er 

der Meinung sei, dass bei Erfolg von jenen die Schmerzen nicht mehr als unfall-

bedingt angesehen würden und er keinen Anspruch mehr auf Versicherungsleis-

tungen hätte. 

- 25 - 

4.2.17.  Prof. Dr. med V._____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothera-

pie, verweist in seinem Aktenkonsilium an die Beklagte vom 14. November 2005 

(act. 14/22) auf den Vorzustand des Versicherten, welcher die Entwicklung der 

Beschwerden auch ohne Unfallereignis erklären könne. So finde sich im Bereich 

der lumbalen Wirbelsäule, im Gegensatz zur Halswirbelsäule, bei welcher radio-

logisch nie ein pathologischer Befund nachgewiesen worden sei, eine geringgra-

dige Retrolisthesis auf LWK5/SWK1 bei begleitender Osteochondrose. Zudem 

seien der leptosome Körperbau und die muskuläre Dysbalance zu berücksichti-

gen, welche zu einer Ausweitung der Beschwerden entlang der gesamten Wirbel-

säule führen könnten. Zudem habe schon vor dem Unfall vom 23. November 

2002 eine enorme psychische Belastung bestanden. Weiter wies er auf die akten-

kundige Inkonsistenz der Befunde in Bezug auf die Halswirbelsäule hin.  

4.2.18.  Im Jahre 2006 erfolgte eine zweite Begutachtung des Versicherten durch 

die MEDAS ....  

Dr. med. W._____, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, stellte 

im rheumatologischen Fachgutachten vom 20. September 2006 (act. 3/11) fol-

gende Diagnosen: "1. Chronisches zervikovertebrales Schmerzsyndrom mit 

Schmerzausstrahlung in den occipalen Kopfbereich und nach lumbal, 2. Intermit-

tierendes thorako- und lumbovertebrales Schmerzsyndrom." In der aktuellen 

Untersuchung imponiere eine teils wohl staturbedingte deutliche Fehlform und 

Fehlhaltung des oberen Achsenskeletts mit teils wechselndem Schulterhochstand 

vor allem links und einer wechselnd und teils nur mässiggradig eingeschränkten 

HWS-Beweglichkeit nach allen Seiten. Lumbal bestehe freie Beweglichkeit. 

Insgesamt könne das Beschwerdebild und das vom Versicherten geltend 

gemachte Ausmass an Schmerzbehinderung im Alltag 3 1/2 Jahre nach dem 

Unfallereignis nicht erklärt werden. Eine chronische Schmerzperzeption im 

zervikothorakalen Bereich sei zweiffellos organläsionell begründbar mit einer 

ausgeprägten, teils durch jahrelange Dekonditionierung verstärkten Fehlhaltung 

des oberen Achsenskeletts, die konstitutionell bedingt scheine (Grosswuchs, lep-

tosomer Körperbau). Eine derartige Schmerzentwicklung sei auch unter Wegden-

ken des Unfallereignisses vom 23. November 2002 vorstellbar (act. 3/11 S. 9).  

- 26 - 

Gemäss neurologischem Fachgutachten vom 6. September 2006 von Dr. med. ..., 

Assistenzarzt, und Dr. med. ..., Facharzt FMH für Neurologie (act. 3/12; act. 3/10 

S. 11 f.), hätten sich Zeichen eines leichten Zervikalsyndroms gefunden. Die vom 

Versicherten beschriebenen, vielgestaltigen Kopfschmerzen seien als Span-

nungskopfschmerzen mit migräniformer Komponente zu beurteilen, welche zu-

mindest teilweise zervikogen getriggert würden. Da im Rahmen des Unfalls vom 

23. November 2002 weder ein Kopfaufprall noch eine Bewusstlosigkeit oder Am-

nesie bestanden habe, sei eine stattgehabte MTBI eher unwahrscheinlich. Der 

Unfall vom 23. November 2002 sei nur schwer mit dem aktuellen Beschwerdebild 

in Einklang zu bringen. Aktenkundig seien unterschiedliche HWS-Befunde, insbe-

sondere in Bezug auf die Beweglichkeit. Diese Inkonsistenzen könnten auch 

durch eine muskuläre Dysbalance im Bereich der gesamten Wirbelsäule, und 

nicht durch ein Beschleunigungstrauma, erklärbar sein. Aufgrund der Akten und 

der Anamnese würden beim Versicherten wahrscheinlich eine geringe Belastbar-

keit und dadurch auch eine verminderte Leistungsfähigkeit vorliegen. Dies lasse 

auf eine bereits vor dem Unfall vorhandene psychische Problematik schliessen. 

Aufgrund des leichten Zervikalsyndroms sei der Versicherte aus neurologischer 

Sicht für schwere körperliche Arbeiten zu 60% arbeitsfähig. Für mittelschwere Tä-

tigkeiten sei eine Arbeitsfähigkeit von 80%, für die bisherige Tätigkeit als Webde-

signer und Informatiker eine solche von 100% gegeben (act. 3/10 S. 11 f.). 

S._____, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, diagnostizierte im neu-

ropsychologischen Fachgutachten vom 10. September 2006 eine leichte bis mit-

telschwere neuropsychologische Störung (act. 3/10 S. 12; act. 3/13). Bezogen auf 

die neuropsychologische Abklärung von September 2004 würden die aktuellen 

Befunde deutlich schlechter ausfallen. Die sehr deutliche Progredienz der kogniti-

ven Symptomatik sei atypisch für einen Verlauf nach SHT (Schädelhirntrauma). 

Zudem würden keine somatischen oder psychischen Ereignisse vorliegen, die ei-

ne derart ausgeprägte Verschlechterung erklären könnten. Sie stehe auch im Wi-

derspruch zu den aktuellen eigenanamnetischen Angaben, dass der Verlauf seit 

der letzten neuropsychologischen Untersuchung nicht progredient gewesen und 

dass die Symptomatik von einer Ausprägung sei, dass sie im engeren Bekann-

tenkreis, nicht aber von weniger vertrauten Personen wahrgenommen werde. Die 

- 27 - 

schmerzbedingte verminderte Belastbarkeit und erhöhte Ermüdung würden wahr-

scheinlich ein suboptimales Leistungsvermögen bedingen. Möglicherweise liege 

aber auch eine reduzierte Leistungsbereitschaft vor. Die Validität der neuropsy-

chologischen Befunde sei zumindest kritisch zu hinterfragen. Aufgrund der kogni-

tiven Leistungen sei die Arbeitsfähigkeit im angestammten beruflichen Umfeld 

zumindest zu 65% gegeben (act. 3/10 S. 13). 

Prof. Dr. med. R._____, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, be-

schrieb im psychiatrischen Fachgutachten vom 18. September 2006 (act. 3/10 S. 

13 ff.; act. 3/14), dass der Versicherte fest davon überzeugt sei, an körperlichen 

Folgen des Unfalls zu leiden, weshalb er bis anhin eine psychotherapeutische Be-

treuung abgelehnt habe. Bei der aktuellen Begutachtung weise der Versicherte 

keine psychiatrische Diagnose im Sinne einer affektiven Erkrankung auf. Diagnos-

tisch sei vom Vorliegen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung auszu-

gehen. Dies begründe sich durch die anhaltende und belastende Schmerzprob-

lematik, worauf die Aufmerksamkeit des Versicherten fokussiert sei und einen 

deutlichen Leidensdruck bedinge. Die Schmerzproblematik lasse sich durch die 

somatischen Diagnosen nicht ausreichend erklären. Ausserdem würden sich leis-

tungsorientierte, angepasste und zwanghafte Persönlichkeitszüge mit einer ver-

minderten Frustrationstoleranz zeigen. Aufgrund der verminderten Belastbarkeit 

und des reduzierten Umstellungsvermögens sei er aus rein psychiatrischer Sicht 

zu rund 20% arbeitsunfähig (act. 3/14 S. 9). 

Im Gesamtgutachten vom 21. Dezember 2006 (act. 3/10) übernahm Dr. med. 

T._____, Facharzt FMH für Innere Medizin, die in den Teilgutachten gestellten Di-

agnosen. Zudem führte er aus, dass in Bezug auf die Beschwerden von Seiten 

des Bewegungsapparates (Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, Armschmer-

zen) aufgrund der aktuellen Untersuchung davon auszugehen sei, dass doch er-

hebliche Inkonsistenzen bestünden, insbesondere zwischen der spontanen Be-

weglichkeit und den Untersuchungsbefunden, welche in sich selber wiederum 

sehr unterschiedlich ausfallen würden. Insgesamt erscheine das Ausmass der 

geklagten Schmerzen mit dem klinischen Befund nur schlecht korrelierbar. Anzu-

nehmen sei eine durch die Fehlhaltung getriggerte und unterhaltene muskuläre 

- 28 - 

Schmerzgenese, welche mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als nicht unfall-

kausal zu betrachten sei. In Bezug auf die kognitiven Einbussen würden sich 

schwergradige Diskrepanzen ergeben. Dies sei nicht als bewusste Aggravation, 

sondern vielmehr als Ausdruck einer schwergradigen psychischen Fehlverarbei-

tung vor dem Hintergrund eines enormen psychosozialen Stresses (finanzielle 

Probleme, Belastung durch die ebenfalls gesundheitlich beeinträchtigte Ehefrau, 

Belastung durch das zweijährige Kind, unsichere Zukunftsaussichten usw.) zu se-

hen. So stehe momentan die psychische Fehlverarbeitung gegenüber den diskre-

panten, wechselhaften somatischen Befunden klar im Vordergrund. Ohne die so-

matischen Beschwerden wäre die psychische Fehlverarbeitung nicht entstanden, 

und ohne die Fehlverarbeitung dürften die somatischen/neuropsychologischen 

Beschwerden deutlich besser sein. Der Status quo sine sei ab Gutachtenszeit-

punkt erreicht (act. 3/10 S. 21).  

4.3. Zusammenfassende Würdigung der Beschwerden 

Gemäss Akten hat der Versicherte über multiple gesundheitliche Beeinträchtigun-

gen, insbesondere Schmerzen im Bereich des Rückens, des Nackens und Kopf-

schmerzen sowie über Übelkeit, teilweise Erbrechen und Müdigkeit, geklagt. In 

Bezug auf die ärztlichen Befunde und Diagnosen fällt zunächst die Inkonsistenz 

der Befunde in Bezug auf die Halswirbelsäule auf (vgl. auch die Hinweise bei 

Prof. Dr. V._____ in seinem Aktengutachten vom 14. November 2005, act. 14/22 

S. 21). Anlässlich der Erstkonsultation war die Beweglichkeit – je nach Schreiben 

von Dr. H._____ – in alle Richtungen eingeschränkt bzw. nicht wesentlich einge-

schränkt (act. 3/21; act. 14/18). Im Januar 2003 wurde kein relevanter Befund (Dr. 

J._____, act. 3/31), im Februar 2003 eine gewisse Bewegungseinschränkung 

festgehalten (Rehaklinik Rheinfelden act. 3/36), ohne dass eine Schmerzhaftigkeit 

erwähnt wurde. Im September 2004 wurde wiederum keine relevante Bewe-

gungseinschränkung festgestellt (Dr. P._____, act. 3/40), wobei keine Angaben 

über Schmerzen bei Bewegungen gemacht wurden. Im Juni 2004 war demge-

genüber eine gewisse Einschränkung mit Endphasenschmerzen bei allen Bewe-

gungen beschrieben worden (aarReha Schinznach, act. 3/39; act. 14/29). Rund 

drei Monate später wurden im Rahmen der MEDAS-Begutachtung bei verschie-

- 29 - 

denen, am gleichen Tag durchgeführten spezialärztlichen Untersuchungen, unter-

schiedliche Befunde betreffend Halswirbelsäule und Wirbelsäule erhoben (act. 

3/5-9). Schliesslich wurde im Mai 2005 erneut eine deutliche Einschränkung und 

Schmerzhaftigkeit dokumentiert (Schweizer Paraplegiker Zentrum Nottwil, 

act. 3/56).  

Die vom Versicherten geklagten Beschwerden entsprechen einerseits dem typi-

schen bunten Beschwerdebild, wie sie nach einer HWS-Verletzung auftreten kön-

nen. Andererseits können sie, wie auch die gestellten Diagnosen, verschiedene 

Ursachen haben. Dies gilt insbesondere für das diagnostizierte Panvertebralsyn-

drom (Schmerzen entlang der gesamten Wirbelsäule), die Lumbalgie (Schmerzen 

im Bereich der Lendenwirbelsäule), das intermittierende thorako- und lumbover-

tebrale Schmerzsyndrom und die von der Halswirbelsäule ausgehenden Schmer-

zen (zervikales Syndrom) mit Ausstrahlungen im Arm-/Schulterbereich (zerviko-

brachiales Syndrom) und Nacken-/Kopfbereich (zervikozephales Syndrom) und 

die erfolgte Chronifizierung der Schmerzen. Als Ursache eines myotendinotischen 

Panvertebralsyndroms kommen beispielsweise eine chronische Überlastung, ein 

Mikrotrauma sowie Stoffwechsel- oder Durchblutungsstörungen in Betracht 

(Psychrembel Klinisches Wörterbuch, 2011, S. 2042). Zervikozephale Schmerzen 

können beispielsweise auch aufgrund degenerativer Veränderungen entstehen 

(vgl. Psychrembel Klinisches Wörterbuch, 2011, S. 2265). 

Auch die Ärzte haben – sofern sie darauf eingingen – unterschiedliche Ursachen 

für die Beschwerden in Betracht gezogen. Als mögliche Ursache für die Be-

schwerden wurde verschiedentlich auf eine Fehlhaltung aufmerksam gemacht, 

die im Verbund mit einer konstatierten muskulären Dysbalance sowie einer mas-

siven allgemeinen Dekonditionierung zum aktuellen Beschwerdebild führen kön-

ne, so durch das Paraplegikerzentrum Nottwil (act. 3/56, vgl. vorne Ziff. 5.18), 

Prof. Dr. V._____ (act. 14/22, vgl. vorne Ziff. 4.2.17), im rheumatologischen ME-

DAS-Gutachten vom 22. September 2004 (act. 3/6, vgl. vorne Ziff. 4.2.12) sowie 

im neurologischen MEDAS-Gutachten vom 6. September 2006 (act. 3/12; vgl. 

vorne Ziff. 4.2.18). Weiter wurde darauf hingewiesen, dass es in diesem Zusam-

menhang auch den leptosomen Körperbau des Versicherten und die festgestellte 

- 30 - 

geringgradige Retrolisthesis (Verschiebung) auf Lendenwirbelkörper 

5/Sakralwirbelkörper 1 bei begleitender Osteochondrose zu berücksichtigen gelte 

(Prof. Dr. V._____ act. 14/22, vgl. vorne Ziff. 4.2.17). Ab Januar 2003 wurde von 

einer überwiegenden Zahl der Ärzte sodann auf eine psychische Komponente 

hingewiesen. So verwies bereits Dr. J._____ in seinem Bericht vom 13. Januar 

2003 (act. 3/31) auf eine depressive Episode, was in der Folge mehrmals bestä-

tigt wurde (vgl. act. 3/32; act. 3/35; act. 3/56). Im Februar 2003 wurde eine vege-

tative Dystonie (Somatisierungsstörung) und im September 2006 durch Prof. Dr. 

R._____, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, sodann eine anhal-

tende somatoforme Schmerzstörung festgehalten. Im April 2003 wurde durch den 

Psychiater Dr. I._____ eine Anpassungsstörung mit vorwiegend ängstlicher, ge-

kränkter und aggressiver Reaktion diagnostiziert. Auf einen psychischen Hinter-

grund und auf die vorhandene psychosoziale Problematik (finanzielle Probleme, 

Ehefrau ebenfalls mit eingeschränkter Arbeitsfähigkeit aufgrund des Unfalls vom 

23. November 2002, Belastung durch Kind, unsichere Zukunftsaussichten) wurde 

zudem in den Gutachten der MEDAS hingewiesen (vgl. act. 3/5; act. 3/10). Die 

psychosoziale Problematik wird gemäss den vorhandenen Unterlagen dadurch 

verstärkt, dass der Versicherte sehr hohe Leistungsanforderungen an sich selbst 

stelle und eine geringe Frustrationstoleranz aufweise.  

Schliesslich wurde von den Ärzten verschiedentlich auf einen unauffälligen Be-

fund sowie auf fehlende neurologische Ausfälle hingewiesen und erklärt, dass 

sich beim Versicherten ein altersentsprechender Befund vorfinde (vgl. Bericht 

Dr. J._____ act. 3/31; Dr. M._____ act. 3/34, Dr. P._____ act. 3/38 und Austritts-

bericht des Kantonsspitals Luzern vom 8. Februar 2005 act. 3/54). Entsprechend 

wurde darauf aufmerksam gemacht, dass das vom Versicherten geltend gemach-

te Beschwerdebild in Diskrepanz zu den erhobenen Befunden stehe. 

5. Ursächlichkeit 

5.1. Allgemein 

5.1.1.  Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst 

voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden 

- 31 - 

(Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Die 

sozialversicherungsrechtlichen Grundsätze zur natürlichen Kausalität können 

auch für haftpflichtrechtliche Fälle zur Anwendung gelangen, zumal insoweit – 

anders als bei der Rechtsfrage der Adäquanz – Gründe für eine unterschiedliche 

Handhabung im Sozialversicherungs- und Haftpflichtrecht nicht ersichtlich sind 

(BGE 123 III 110 E. 3a und 3b S. 113 f.; BGE 134 V 109 E. 8.1 S. 119; Urteil 

4A_494/2009 vom 17. November 2009 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 

4A_65/2009 vom 17. Februar 2010 E. 5.1; dies gilt ebenso im Motorfahrzeug-

Haftpflichtrecht, (BREHM, Motorfahrzeughaftpflicht, 2008, N 19).  

Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, 

ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder 

nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht 

werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natür-

lichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder 

unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä-

digende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis-

tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern 

Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge-

sundheitliche Störung entfiele. Insbesondere genügt es, wenn der Unfall für eine 

bestimmte gesundheitliche Störung eine Teilursache darstellt (BGE 129 V 177 

E. 3.1 S. 181; BGE 119 V 335 E. 1 S. 337; BGE 118 V 286 E. 1b S. 289; BGE 

117 V 359 E. 4a S. 360, je mit Hinweisen).  

Der natürliche Kausalzusammenhang ist indes zu verneinen, wenn ein krankhaf-

ter Vorzustand vorliegt, aufgrund dessen die Schädigung bereits bestand oder 

auch ohne das Unfallereignis entstanden wäre (vgl. BGE 131 III 12 E. 4 S. 14; 

BGE 119 V 335 E. 2b/bb S. 340 ff.; BGE 113 II 86 E. 3b S. 93 f.). Ein Schaden, 

der in vollem oder geringerem Umfang auch ohne den Unfall eingetreten wäre, ist 

keine Folge davon und ist, da er dem Haftpflichtigen nicht zugerechnet werden 

kann, von der Schadensberechnung auszunehmen. Wäre der Schaden hingegen 

ohne den Unfall voraussichtlich überhaupt nicht eingetreten, so bleibt der Haft-

pflichtige auch dann voll dafür verantwortlich, wenn der krankhafte Vorzustand 

- 32 - 

den Eintritt des Schadens begünstigt oder dessen Ausmass vergrössert hat (BGE 

131 III 12 E. 4 S. 14; BGE 113 II 86 E. 3b S. 93 f.). 

5.1.2.  Nach der allgemeinen Regel des Art. 8 ZGB hat der Versicherte bzw. des-

sen Sozialversicherung, der einen Halter bzw. dessen Haftpflichtversicherung 

nach Art. 58 Abs. 1 SVG belangen will, zu beweisen, dass der Schaden durch 

den Betrieb eines Motorfahrzeuges versursacht worden ist. Soweit dieser Kausal-

zusammenhang nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit nachgewiesen werden 

kann, genügt es, dass er als überwiegend wahrscheinlich erscheint. Ob zwischen 

einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher 

Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber das Gericht im Rah-

men der Beweiswürdigung nach dem üblichen Beweisgrad der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Danach gilt ein Beweis als erbracht, wenn für 

die Richtigkeit der Sachbehauptung nach objektiven Gesichtspunkten derart ge-

wichtige Gründe sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten vernünftiger-

weise nicht massgeblich in Betracht fallen. Umgekehrt ist der Beweis misslungen, 

wenn nach den besonderen Umständen des Falles neben den behaupteten weite-

re Ursachen ebenso ernst in Frage kommen oder sogar näher liegen (Urteil 

4A_494/2009 vom 17. November 2009 E. 2.1; BGE 132 III 715 E. 3.1 S. 719 f.; 

BGE 107 II 269 E. 1b S. 273; TAMM, in: HÜRZELER/TAMM/BIAGGI, Personenscha-

densrecht, Basel 2010, N 278). Die blosse Möglichkeit eines natürlichen Kausal-

zusammenhangs genügt hingegen nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181; BGE 119 

V 335 E. 1 S. 338; BGE 118 V 289 E. 1b S. 290, je mit Hinweisen).  

5.2.  Bei HWS-Schleuderverletzungen im Besonderen 

5.2.1.  Der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der da-

nach eingetretenen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit ist in der Regel anzunehmen, 

wenn ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule diagnostiziert wurde und das für 

diese Verletzung als typisch bezeichnete "bunte" Beschwerdebild mit einer Häu-

fung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- 

und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit, Sehstörungen, Reiz-

barkeit, Depression, Wesensveränderung usw. vorliegt (BGE 117 V 359 E. 4b 

S. 360; BGE 119 V 335 E. 1 S. 338; BGE 134 V 109 E. 6.2.1 S. 116). Nach herr-

- 33 - 

schender Lehre und Rechtsprechung ist dabei erforderlich, dass sich innert einer 

Latenzzeit von 24 bis höchstens 72 Stunden zumindest HWS- oder Nackenbe-

schwerden manifestieren. So wies das Eidgenössische Versicherungsgericht be-

reits im Jahre 1999 darauf hin, dass Beschwerden und Befunde in der Halsregion 

oder an der HWS erfahrungsgemäss innert dieser Zeitspanne aufzutreten hätten 

(Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 359 vom 12. August 1999 

E. 5e unter Hinweis auf ein unveröffentlichtes Urteil aus dem Jahre 1993). Diese 

Praxis wurde in der Folge mehrfach bestätigt (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 

8C_574/2009 vom 9. Dezember 2009 E. 5.3.1 mit weiteren Hinweisen; Urteil des 

Bundesgerichts 8C_1021/2009 vom 3. November 2010 E. 5.2; Urteil 

8C_619/2007 vom 29. Januar 2008 E. 3.2.1). Nicht vorausgesetzt wird hingegen, 

dass sämtliche der zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Schleudertraumas 

oder einer äquivalenten Verletzung gehörenden festgestellten Symptome innert 

dieser Latenzzeit aufgetreten sind.  

Charakteristisch für eine HWS-Schleuderverletzung ist somit, dass innert der ge-

nannten Latenzzeit mindestens HWS- oder Nackenbeschwerden auftreten und 

eine Häufung von typischen Beschwerden zu einer Arbeits- bzw. Erwerbsunfähig-

keit führt, auch wenn die festgestellten Funktionsausfälle organisch nicht nach-

weisbar sind. HWS-Schleuderverletzungen können zwar klinisch untersucht, aber 

abgesehen von ossären Läsionen und dergleichen nicht bildgebend objektiviert 

werden. Damit kommt den Angaben der versicherten Person über bestehende 

Beschwerden besondere Bedeutung zu, was aber auch ein Missbrauchspotenzial 

bietet. Die von den Ärzten erhobenen Befunde aus dem Katalog des für derartige 

Verletzungen als typisch erachteten Beschwerdebildes können bei identischer 

Symptomatik gegebenenfalls auch nichttraumatischer Genese sein. So können 

zahlreiche rein krankheitsbedingte Zustände gleichartige Beschwerdebilder verur-

sachen, wie sie für den Zustand nach "Schleudertrauma" typisch sein können, un-

ter anderen nämlich: chronisches oder rheumatisch bedingtes Zervikalsyndrom, 

psychosomatische Krankheitsbilder unterschiedlicher Herkunft, depressive Zu-

stände oder Medikamentenabusus bei chronischer Schmerzproblematik 

(STEINEGGER/JENZER, Der Kanarienvogel ist eine Zitrone - zum "typischen Be-

schwerdebild" nach "Schleudertrauma", in: FUHRER, Schweizerische Gesellschaft 

- 34 - 

für Haftpflicht- und Versicherungsrecht - Festschrift zum fünfzigjährigen Bestehen, 

2010, S. 573 f.).  

5.2.2.  Aufgrund der fehlenden Objektivierbarkeit und des Umstandes, dass die 

Beschwerden auch nichttraumatischer Genese sein können, stellt die Lehre und 

Rechtsprechung bestimmte Anforderungen an den Nachweis von HWS-

Schleuderverletzungen. Nach ständiger Rechtsprechung kann eine gesundheitli-

che Schädigung nicht schon deshalb als durch einen Unfall verursacht gelten, 

weil sie zeitlich nach diesem aufgetreten ist. Die Beweisregel "post hoc ergo prop-

ter hoc" im Sinne der natürlichen Vermutung, Beschwerden müssten unfallbedingt 

sein, wenn z.B. eine vorbestehende Erkrankung der Wirbelsäule bis zum Unfall 

schmerzfrei gewesen ist, wird vom Bundesgericht als unfallmedizinisch nicht halt-

bar und beweisrechtlich nicht zulässig erachtet, sofern der Unfall keine strukturel-

len Läsionen an der Wirbelsäule und namentlich keine Wirbelkörperfrakturen ver-

ursacht hat (TAMM, a.a.O., Rz. 278 und Fn. 446 mit Hinweisen; BGE 119 V 335 E. 

2b/bb S. 340 ff.). Das Vorliegen eines Schleudertraumas wie seine Folgen müs-

sen vielmehr durch zuverlässige ärztliche Angaben gesichert sein. So bilden zual-

lererst medizinische Fakten – wie fachärztliche Erhebungen über Anamnese, ob-

jektiven Befund, Diagnose, Verletzungsfolgen, unfallfremde Faktoren, Vorzustand 

usw. – die massgeblichen Grundlagen für die Kausalitätsbeurteilung (BGE 119 V 

335 E. 2b/aa S. 340). Demgegenüber genügen Angaben von Ärzten, wie zum 

Beispiel "Status nach Distorsionstrauma der Halswirbelsäule", für sich allein nicht 

für den Nachweis der Kausalität, soweit es sich um eine anamnetische Feststel-

lung handelt (ACKERMANN, Der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs, 

in: RIEMER-KAFKA, Beweisfragen im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren, 

2013, S. 103 mit Hinweisen). In Bezug auf die Würdigung von medizinischen Un-

terlagen ist sodann BGE 125 V 351 heranzuziehen, worin das Bundesgericht an-

schaulich die Grundsätze der Beweiswürdigung im Zusammenhang mit medizini-

schen Fragen festhielt. Der Entscheid erging zwar in sozialversicherungsrechtli-

chem Zusammenhang; es ist indessen nicht ersichtlich, weshalb die darin enthal-

tenen Grundsätze nicht auch in einem haftpflichtrechtlichen Verfahren zur An-

wendung gelangen sollten. Im erwähnten Entscheid ruft das Bundesgericht in Er-

innerung, dass die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, 

- 35 - 

sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen sind. Bezüglich des Beweis-

werts eines Arztberichts sei weniger die Herkunft und die Bezeichnung eines 

Berichts entscheidend, sondern vielmehr, ob der Bericht für die streitigen Belange 

umfassend sei, auf allseitigen Untersuchungen beruhe, auch die geklagten 

Beschwerden berücksichtige, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben 

worden sei, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchte und ob die 

Schlussfolgerungen der Experten begründet seien (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352). 

Je mehr ein Gutachten von diesen Anforderungen abweicht, desto kleiner ist sein 

Beweiswert. Als schlüssig ist das Gutachten zu betrachten, wenn die einzelnen in 

ihm enthaltenen Feststellungen aufeinander aufbauen und unter ihnen gegensei-

tige Bezüge hergestellt werden. In diesem Sinn ist zu prüfen, ob das Gutachten 

überzeugend ist (KIESER, Die rechtliche Würdigung von medizinischen Gutachten, 

in: SCHAFFHAUSER/SCHLAURI, Rechtsfragen der medizinischen Begutachtung in 

der Sozialversicherung, 1997, S. 151). 

In Bezug auf die Beweiskraft von Berichten und Gutachten misst das Bundesge-

richt den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die Schweizerische Un-

fallversicherungsanstalt (SUVA) und durch UVG-Privatversicherer eingeholten 

Gutachten von externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobach-

tungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten 

und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangten, bei 

der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zu, solange nicht konkrete Indizien gegen 

die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). 

Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtes kommt dabei 

insbesondere dem MEDAS-Gutachten grundsätzlich ein hoher Beweiswert zu 

(BGE 123 V 175 E. 4 S. 177 ff.). Doch auch in diesem Zusammenhang gebietet 

der Grundsatz der freien Beweiswürdigung – wie bei allen Beweismitteln – eine 

umfassende, inhaltsbezogene, verantwortliche und der behördlichen Begrün-

dungspflicht genügende Prüfung des Sachverständigengutachtens auf Be-

weiseignung und Beweiskraft im Einzelfall hin (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

9C_850/2013 vom 12. Juni 2014 E. 3.1).  

- 36 - 

In Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll der Richter der Erfahrungstat-

sache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags-

rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten 

aussagen. Das gilt für den allgemein praktizierenden Hausarzt wie für den 

behandelnden Spezialarzt und erst recht für den schmerztherapeutisch tätigen 

Arzt mit seinem besonderen Vertrauensverhältnis und dem Erfordernis, den 

geklagten Schmerz zunächst bedingungslos zu akzeptieren (Urteil des Bundesge-

richts 8C_913/2013 vom 11. April 2014 E. 4.4.3; BGE 135 V 465 E. 4.5 S. 470 f.; 

BGE 125 V 351 E. 3b/cc S. 353). Allein der Umstand, dass eine ärztliche Stel-

lungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, 

rechtfertigt aber nicht Zweifel an ihrem Beweiswert. Auch den Berichten und Gut-

achten versicherungsinterner Ärzte kommt schliesslich Beweiswert zu, sofern sie 

als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchs-

frei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache al-

lein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträ-

ger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit 

schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in 

die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im 

Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten zukommt, ist an 

die Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen 

(BGE 125 V 351 E. 3 S. 352 ff.). Auch reinen Aktengutachten kann voller 

Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im 

Wesentlichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden 

medizinischen Sachverhalts geht (Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2011 vom 

22. Dezember 2011 E. 3.2.2 mit Hinweis auf RKUV 1993 Nr. U 167 S. 95, 1988 

Nr. U 56 S. 366 E. 5b). Was zunächst die fachliche Befähigung betrifft, hat das 

Bundesgericht bzw. das frühere Eidgenössische Versicherungsgericht wiederholt 

entschieden, dass einem durch einen Assistenzarzt erstellten und durch den 

Vorgesetzten lediglich visierten Gutachten nicht von vornherein jeglicher 

Beweiswert abgeht (Urteil des Bundesgerichts 8C_213/2010 vom 3. August 2010 

E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).   

http://www.koordination.ch/de/online-handbuch/atsg/gutachten/beweiswert/%23c6987

- 37 - 

Gutachten, die von einer Partei in Auftrag gegeben wurden, kommt im Übrigen 

grundsätzlich nicht die Qualität von Beweismitteln zu (vgl. Art. 183 ff. ZPO), son-

dern von blossen Parteivorbringen (Urteil des Bundesgerichts 4A_286/2011 vom 

30. August 2011 E. 4; BGE 132 III 83 E. 3.4 S. 88 f.; Botschaft vom 28. Juni 2006 

zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, BBl 2006 7325 Ziff. 5.10.3). Dennoch 

müssen Privatgutachten – auch im Lichte der erwähnten bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung – im Rahmen der Beweiswürdigung beachtet werden, wenn da-

rin eine ernsthafte Auseinandersetzung einer fachlich kompetenten Person mit 

der Materie vorgenommen wurde (Urteil des Bundesgerichts 4A_193/2008 vom 

8. Juli 2008 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 4P.120/2005 vom 29. August 2005 

E. 3). Wurde ein Gutachten im gegenseitigen Einverständnis eingeholt, bietet dies 

möglicherweise eine gewisse Gewähr dafür, dass dem Experten die objektiv we-

sentlichen Gesichtspunkte des streitigen Sachverhalts zur Begutachtung unter-

breitet worden sind. Allein aufgrund des gemeinsamen Auftrags erlangt der Ex-

perte indes keine besondere Rechtsstellung, die mit derjenigen eines Gerichts-

gutachters vergleichbar wäre und es rechtfertigte, seine Meinungsäusserung be-

weismässig einem Gerichtsgutachten gleichzustellen (Urteil des Verwaltungsge-

richts Bern [Verwaltungsrechtliche Abteilung] vom 14. November 2011 i.S. X. ge-

gen Stiftung Inselspital [VGE 100.2010.493], E. 3.4.4, S. 267 f., in: BVR 2012 

S. 252 ff.). 

Unfallanalytische und biomechanische Gutachten können nach der Rechtspre-

chung des Bundesgerichts klassische Beweismittel darstellen, die gewichtige An-

haltspunkte zur relevanten Schwere des Unfallereignisses zu liefern vermögen. 

Dementsprechend ist der Einbezug der Geschwindigkeitsänderung und darauf 

basierender Biomechanik zur Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs 

zulässig. Die genannten Gutachten bilden für sich allein aber keine hinreichende 

Grundlage für die Kausalitätsbeurteilung (Urteil des Bundesgerichts 4A_540/2010 

vom 8. Februar 2011 E. 1.3.2; Urteil des Bundesgerichts 4A_494/2009 vom 

17. November 2009 E. 2.2 f. und E. 2.9; Urteil 8C_786/2009 vom 4. Januar 2010 

E. 4.6.1; ACKERMANN, a.a.O., S. 110 f.). Unfallprotokolle und Polizeirapporte sa-

gen über den Kausalzusammenhang nichts aus. Sie können dazu dienen, den 

Unfall sowie den Erfolg zu beweisen, indem beispielsweise Schäden an Fahrzeu-

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gen und Verletzungen festgehalten werden. Ob eine Verletzung aber wirklich 

durch den Unfall erfolgt ist, kann damit nicht belegt werden (ACKERMANN, a.a.O., 

S. 113). 

Auch in BGE 134 V 109 betonte das Bundesgericht, dass an die Grundlagen für 

den Schluss auf das Vorliegen von Schleuderverletzungen hohe Anforderungen 

zu stellen seien. Es präzisierte dabei, dass in der ersten Phase nach dem Unfall 

eine bestimmten Anforderungen genügende Erstabklärung notwendig sei. Na-

mentlich sei zu erwarten, dass der Unfallhergang möglichst genau und verifizier-

bar dokumentiert werde. Gleiches gelte für die anschliessend auftretenden Be-

schwerden. Diesen ersten tatbeständlichen Grundlagen komme grosses Gewicht 

zu. Was im Besonderen den erstbehandelnden Arzt betreffe, sei dieser gehalten, 

die versicherte Person sorgfältig abzuklären (in der Regel eingehende Befragung 

sowie klinische und gegebenenfalls röntgenologische Untersuchungen). Dazu ge-

höre auch die Befragung der versicherten Person nach ihrem gesundheitlichen 

Vorzustand, so u.a. nach psychischen Beschwerden vor dem Unfall oder im Zeit-

punkt des Unfalls. Die Aussagen der versicherten Person zum Unfallhergang und 

zu den bestehenden Beschwerden seien gestützt auf die erhobenen Befunde und 

weitere zur Verfügung stehende Angaben zum Unfallhergang und zum anschlies-

senden Verlauf kritisch zu prüfen. Gelange der Arzt bei der Diagnosestellung zur 

Auffassung, eine der hier zur Diskussion stehenden Verletzungen komme auf-

grund der bis dahin gegebenen zuverlässigen Anhaltspunkte nur als Verdachts- 

oder Differentialdiagnose in Frage, habe er dies in seinem Bericht so zum Aus-

druck zu bringen. Von besonderer Bedeutung sei sodann, dass der Arzt in seinem 

Bericht, nebst den weiteren der Diagnosestellung zugrunde gelegten 

Überlegungen, auch den Verlauf der Beschwerden ab dem Unfallzeitpunkt genau 

beschreibe. Zudem habe er gegebenenfalls bestehende Anhaltspunkte für einen 

protrahierten Verlauf und/oder ein Chronifizierungsrisiko anzuzeigen. Sobald An-

haltspunkte für ein längeres Andauern oder eine Chronifizierung der Beschwer-

den bestünden, sei eine eingehende medizinische Abklärung (im Sinne eines po-

lydisziplinären/interdisziplinären Gutachtens) vorzunehmen. In der Regel dürfte 

eine solche Begutachtung nach rund sechs Monaten Beschwerdepersistenz zu 

veranlassen sein (BGE 134 V 109 E. 9.4 S. 124 f.).  

- 39 - 

Ein solches poly-/interdisziplinäres Gutachten habe sodann bestimmten Voraus-

setzungen zu genügen. Nebst den allgemein gültigen Anforderungen an beweis-

kräftige medizinische Berichte und Gutachten (vgl. u.a. BGE 125 V 351 E. 3 

S. 352 ff.) sei empfehlenswert, dass die Begutachtung durch mit diesen Verlet-

zungsarten besonders vertraute Spezialärzte erfolge. Im Vordergrund stünden 

dabei Untersuchungen neurologisch/orthopädischer (soweit indiziert mit apparati-

ven Mitteln) und psychiatrischer sowie gegebenenfalls auch neuropsychologi-

scher Fachrichtung. Bei spezifischer Fragestellung und zum Ausschluss von Dif-

ferentialdiagnosen seien auch otoneurologische, ophthalmologische oder andere 

Untersuchungen angezeigt. Die Gutachter müssten hierbei über zuverlässige 

Vorakten verfügen. Inhaltlich seien überzeugende Aussagen dazu erforderlich, ob 

die geklagten Beschwerden überhaupt glaubhaft seien, und bejahendenfalls, ob 

für diese Beschwerden trotz Fehlens objektiv ausgewiesener organischer Unfall-

folgen ein beim Unfall erlittenes Schleudertrauma (Distorsion) der HWS, eine 

äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma überwiegend wahrscheinlich 

zumindest eine Teilursache darstelle. Aufgrund der Besonderheiten der Schleu-

dertrauma-Praxis müsse das Gutachten bei gefestigter Diagnose auch darüber 

Auskunft geben, ob eine bestehende psychische Problematik als Teil des für sol-

che Verletzungen typischen, einer Differenzierung kaum zugänglichen somatisch-

psychischen Beschwerdebildes zu betrachten sei, oder aber ein von diesem zu 

trennendes, eigenständiges Leiden darstelle. Nur wenn in der Expertise überzeu-

gend dargetan werde, dass die psychische Störung nicht Symptom der Verlet-

zung sei, könne dafür eine andere Ursache gesehen werden (BGE 134 V 109 

E. 9.5 S. 125 f.).  

Zu beachten ist schliesslich auch, dass es generell schwierig ist, rückwirkend und 

überdies für einen weit zurückliegenden Zeitraum die Arbeitsfähigkeit zuverlässig 

zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 8C_427/2011 vom 15. September 2011 

E. 4.2.4 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_483/2012 vom 

4. Dezember 2012 E. 5.2.2). Daher ist ein echtzeitliches Gutachten in der Regel 

eher geeignet, eine verlässliche Beurteilung zu ermöglichen, als eine deutlich 

nach dem massgeblichen Zeitraum erstellte Expertise (Urteil des Bundesgerichts 

8C_913/2013 vom 11. April 2014 E. 4.4.3). 

- 40 - 

5.2.3.  Im vorliegenden Fall geht es um einen Verkehrsunfall, der sich sechs Jah-

re vor Veröffentlichung von BGE 134 V 109, nämlich Ende November 2002, er-

eignet hat. Es stellt sich die Frage, ob die Rechtsprechung für die sich zeitlich vor 

der Fällung des Entscheids im Jahre 2008 ereigneten Unfälle Geltung bean-

sprucht. Grundsätzlich sind selbst Praxisänderungen – vorliegend geht es ledig-

lich um eine Präzisierung der Rechtsprechung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_987/2008 vom 31. März 2009 E. 3) – auf alle noch nicht rechtskräftig ent-

schiedenen Verfahren anzuwenden, was für die Anwendbarkeit von BGE 134 V 

109 auf den vorliegend noch nicht rechtskräftig entschiedenen Regressprozess 

spricht. Zu beachten gilt dabei, dass das Bundesgericht in diesem Zusammen-

hang auch erwogen hat, dass es nicht dem Unfallopfer angelastet werden könne, 

wenn eine eingehende medizinische Abklärung im Sinne eines polydisziplinä-

ren/interdisziplinären Gutachtens nicht nachgeholt werden könne bei einem Un-

fall, der Jahre zurückliege und sich damit vor der Präzisierung der Rechtspre-

chung ereignete (Urteil des Bundesgerichts 8C_987/2008 vom 31. März 2009 

E. 3). Hat aber eine solche polydisziplinäre/interdisziplinäre Begutachtung, wie im 

vorliegenden Fall, stattgefunden, so ist sie in Bezug auf die Beweiswürdigung im 

Lichte der präzisierten Rechtsprechung gemäss BGE 134 V 109 ff. zu prüfen, so-

weit es um die Präzisierung der Beurteilungskriterien der Zuverlässigkeit und 

Schlüssigkeit des Gutachtens geht, zumal auch das Bundesgericht die im ge-

nannten Entscheid festgehaltenen Kriterien zur Beurteilung von Unfällen heran-

zieht, die sich vor dem Jahre 2008 ereignet haben (vgl. beispielsweise Urteil des 

Bundesgerichts 8C_122/2010 vom 21. Mai 2010 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 

8C_51/2012 vom 29. Januar 2013 E. 3.3.1).  

6. Unfallschwere 

6.1. Parteistandpunkte 

Der Unfallhergang ist weitgehend unbestritten. Zwischen den Parteien streitig ist 

jedoch, mit welcher Geschwindigkeit die unfallverursachende Lenkerin gefahren 

ist und welche kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung der Personenwagen 

des Versicherten bzw. der Versicherte erfahren hat. 

- 41 - 

6.1.1.  Klägerin 

Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, dass der Versicherte aus einer Dis-

tanz von ca. 20 m habe sehen können, dass von rechts aus der vortrittsbelasteten 

Ausfahrt der von der unfallverursachenden Lenkerin gelenkte Personenwagen in 

"relativ schnellem Tempo" bzw. "in unverändert rassiger Fahrt" daher gekommen 

und ohne anzuhalten direkt vor den vom Versicherten gelenkten Personenwagen 

auf die ...strasse eingebogen sei (act. 1 Rz. 14 ff.; act. 23 Rz. 24). Die kollisions-

bedingte Geschwindigkeitsänderung des Personenwagens des Versicherten habe 

bei ca. 20 km/h gelegen (act. 1 Rz. 44). Der Sachschaden habe mindestens CHF 

9'000.– betragen. Somit sei von einem heftigen Unfallereignis auszugehen (act. 1 

Rz. 22, Rz. 43). In Bezug auf den Schaden des Personenwagens der unfallverur-

sachenden Lenkerin gehe aus der Beschreibung der technischen Unfallanalyse 

der D._____ vom 22. Juli 2003 (act. 3/47) hervor, dass unter anderem der Quer-

lenker beschädigt worden sei, was nur dann erklärbar sei, wenn massive Kräfte 

auf das linke Vorderrad eingewirkt hätten (act. 1 Rz. 45). Im Übrigen handle es 

sich bei der technischen Unfallanalyse um blosse Parteibehauptungen, welche in-

soweit bestritten würden, als von einer kollisionsbedingten Geschwindigkeit von 7 

bis 10 km/h ausgegangen werde. Bezeichnenderweise werde in den Gutachten 

der D._____ die Höhe der Reparaturkosten verschwiegen, obgleich die Repara-

turrechnungen vorgelegen hätten (act. 1 Rz. 43). Der Aufprall des Mercedes auf 

den Ford Focus vorne links sei wohl in erster Linie auf das linke Vorderrad erfolgt, 

sodass dort äusserst stabile Verhältnisse angetroffen worden seien, mit der Kon-

sequenz, dass die Annahme, die Kollisionsdauer habe sich im üblichen Rahmen 

von rund 0.1 - 0.15 Sekunden bewegt, als unzutreffend erscheine (act. 1 Rz. 45). 

Im Übrigen könnten Verletzungen auch bei niedrigen Geschwindigkeitsänderun-

gen resultieren, da es keine Harmlosigkeitsgrenze für HWS-Verletzungen gebe 

(act. 23 Rz. 37 f., Rz. 182).  

6.1.2.  Beklagte 

Die Beklagte behauptet, dass der Personenwagen des Versicherten als Folge des 

Aufpralls eine Geschwindigkeitsänderung von 7 bis 10 km/h erfahren habe. Bei 

dieser geringen Geschwindigkeitsänderung sei es demnach auch verständlich, 

- 42 - 

dass der Versicherte am Unfallort – und auch unmittelbar danach – keine 

Schmerzen verspürt bzw. keine Verletzungen aufgewiesen habe, zumal es sich 

um eine Frontalkollision gehandelt habe (act. 12 Rz. 40). Gestützt auf die Resulta-

te des Nachfahrversuches durch das C._____ könne von einer kollisionsbeding-

ten Geschwindigkeitsänderung von höchstens 12 km/h ausgegangen werden. Da 

der Toleranzwert zwischen 10.6 km/h und höchstens 12 km/h liege, sei von einem 

Mittelwert von 11.3 km/h auszugehen (act. 12 Rz. 42, Rz. 282; act. 28 Rz. 39). 

Das Delta-v liege somit weit unterhalb der Harmlosigkeitsgrenze, welche für Fron-

talkollisionen zwischen 20 bis 30 km/h liege. Somit handle es sich um ein banales 

Unfallereignis (act. 12 Rz. 40, Rz. 273; act. 28 Rz. 39). Die unfallverursachende 

Lenkerin sei zudem nur langsam in die ...strasse eingebogen. Dies entspreche ih-

rer Aussage anlässlich der Befragung durch die Kantonspolizei Luzern. Sie sei 

vom Parkareal aus in die ...strasse eingebogen, was beinahe einer 180-Grad-

Wende entspreche. Deshalb, und in Anbetracht der tiefen Ausgangsgeschwindig-

keit auf dem Parkareal, sei es gar nicht möglich, dass die unfallverursachende 

Lenkerin mit hohem Tempo eingebogen sei (act. 12 Rz. 17; act. 28 Rz. 66). Dass 

es sich um einen leichten Unfall bzw. Bagatellunfall gehandelt habe, werde auch 

dadurch bestätigt, dass der am Fahrzeug des Versicherten verursachte Sach-

schaden nur CHF 2'965.80 (exkl. MwSt.) betragen habe. Beim Fahrzeug der un-

fallverursachenden Lenkerin habe der Sachschaden sogar bloss CHF 843.60 

(exkl. MwSt.) betragen (act. 12 Rz. 43, Rz. 51).   

6.2. Rechtliches 

Beim Unfallereignis, insbesondere bei der Unfallschwere, handelt es sich um ein 

relevantes Beurteilungskriterium für die Ursächlichkeit; denn ein Unfallereignis 

muss so, wie es sich gemäss erstelltem Sachverhalt ereignet hat, im konkreten 

Fall tatsächlich geeignet sein, die behaupteten Beschwerden und Befunde, wel-

che im Bestreitungsfall durch zuverlässige ärztliche Angaben gesichert sein müs-

sen, zu verursachen. Denn nicht jede Relativbewegung zwischen Kopf und Rumpf 

ist mit einem Verletzungsrisiko verbunden. Eine Gefährdung der Halswirbelsäule 

– wie auch der Wirbelsäule im Allgemeinen – lässt sich nur begründen, wenn die 

unfallbedingt aufgezwungene Bewegung/Belastung die physiologische Belastbar-

- 43 - 

keit der (Hals-)Wirbelsäule übersteigt. Je höher das Mass der biomechanischen 

Einwirkung auf den Körper des Verletzten, desto grösser wird im statistischen Mit-

tel die Wa