# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8620aa91-b881-50fc-9265-322ed1207ddb
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-09-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.09.2020 E-3253/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3253-2020_2020-09-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 
E-3253/2020 
 

 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  S e p t e m b e r  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Esther Marti (Vorsitz), 

Richter Markus König, Richter David R. Wenger,   

Gerichtsschreiberin Nina Klaus. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

und deren Kinder 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

alle Afghanistan,  

(…),   

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 25. Mai 2020 / N (…). 

 

 

 

E-3253/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A._______ (Beschwerdeführer) und B._______ (Beschwerdeführerin), af-

ghanische Staatsangehörige hazarischer Ethnie, verliessen den Iran ihren 

Angaben gemäss Ende Dezember 2015 und Anfang Januar 2016 und ge-

langten am 2. Juli 2017 zusammen mit ihren drei Kindern in die Schweiz. 

Hier suchten sie am selben Tag um Asyl nach. Die Befragungen zur Person 

fanden am 12. Juli 2017 statt (BzP; Protokolle in den SEM-Akten A17/15 

[Beschwerdeführer] und A18/5 [Beschwerdeführerin]). Am 23. Okto-

ber 2018 erfolgte die Anhörung zu den Asylgründen der Beschwerdeführe-

rin (Protokoll in den SEM-Akten A30/20) und am 1. November 2018 jene 

des Beschwerdeführers (Protokoll in den SEM-Akten A32/24).  

B.  

B.a Zur Begründung seines Asylgesuchs führte der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen aus, er sei im Dorf E._______ (Distrikt F._______, Provinz 

G._______) aufgewachsen. Er habe die Beschwerdeführerin bei einer 

Wasserstelle in seinem Heimatdorf kennengelernt und sie dann öfters ge-

troffen. Nach etwa sechs bis sieben Monaten hätten seine Eltern für ihn um 

die Hand der Beschwerdeführerin angehalten. Diese hätten jedoch nicht 

zugestimmt – auch nachdem seine Eltern ein zweites Mal gefragt hätten –

, weil die Beschwerdeführerin ihrem Cousin väterlicherseits, namens 

H._______, versprochen gewesen sei. In der Folge habe er die Beschwer-

deführerin weiterhin heimlich getroffen. Nachdem die Familie der Be-

schwerdeführerin von ihrer verbotenen Beziehung erfahren habe, habe er 

nichts mehr von ihr gehört, bis er von einer ihrer Freundinnen erfahren 

habe, dass sie (Beschwerdeführerin) von ihren Eltern in den Keller einge-

sperrt worden sei. Am folgenden Tag habe er sich zu ihr begeben und sie 

aus dem Keller befreit. Danach hätten sie Afghanistan im Frühling 1999 

verlassen und seien in den Iran geflüchtet, wo ihre drei gemeinsamen Kin-

der geboren seien; geheiratet habe er die Beschwerdeführerin nicht. 

In den Jahren 2006/2007 hätten eine oder mehrere Personen sich in sei-

nem Wohnquartier in I._______ mit einem Foto nach ihm erkundigt. Nach 

diesem Vorfall sei er mit seiner Familie mehrmals umgezogen, immer in 

I._______.  

Im Dezember 2015 seien dann zwei vermummte Männer in sein Haus in 

I._______ eingedrungen. Es habe eine Schlägerei gegeben und er habe 

eine Kopfverletzung davongetragen, seiner Frau hätten sie den Arm gebro-

chen. Als die Beschwerdeführerin einem der Täter die Maske vom Gesicht 

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gerissen habe, habe sie ihren Cousin H._______ erkannt; er habe eine 

Narbe im Gesicht gehabt. Beim anderen Täter habe es sich gemäss der 

Beschwerdeführerin um ihren Bruder gehandelt. Er (Beschwerdeführer) 

habe die Gesichter der Täter jedoch nicht gesehen und sie für Räuber ge-

halten. Aufgrund der Schreie ihrer Kinder seien die Nachbarn gekommen 

und die beiden Männer seien geflüchtet. Da sie sich illegal im Iran aufge-

halten hätten, habe er die Polizei nicht alarmieren wollen. Sie hätten dann 

seinen Arbeitgeber angerufen, der ihn ins Spital gebracht habe, wo er un-

gefähr eine Woche lang geblieben sei. Aus Angst, seitens der Familie der 

Beschwerdeführerin und insbesondere H._______ umgebracht zu werden, 

habe er die Ausreise aus dem Iran organisiert. Ungefähr zwei Wochen 

nach dem Überfall habe er mit der Beschwerdeführerin und den drei ge-

meinsamen Kindern I._______ verlassen. Sie seien über die Türkei und 

mehrere weitere Länder in die Schweiz gereist. 

B.b Die Beschwerdeführerin gab an, ebenfalls in J._______ aufgewachsen 

und mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern gelebt zu haben. Die 

Schule habe sie nie besucht. Sie habe den Beschwerdeführer regelmässig 

heimlich in ihrem Heimatdorf getroffen. Als ihre Eltern davon erfahren hät-

ten, sei sie geschlagen worden und habe ein paar Tage lang das Haus nicht 

mehr verlassen dürfen. Die Eltern des Beschwerdeführers seien zwei Mal 

erfolglos zur Brautwerbung erschienen. Ihre Eltern hätten sie nämlich – ge-

gen ihren Willen – mit ihrem damals (…)-jährigen Cousin H._______ ver-

heiraten wollen. Dennoch habe sie den Beschwerdeführer weiterhin heim-

lich getroffen. Als ihre Eltern von den heimlichen Treffen erfahren hätten, 

sei sie von ihrem Vater geschlagen und für etwa eine Woche in den Keller 

gesperrt worden. Ihre Freundin K._______, die jeweils am Abend mit ihr 

durch das Kellerfenster gesprochen habe, habe den Beschwerdeführer in-

formiert; er habe sie über K._______ dann wissen lassen, dass sie sich 

keine Sorgen zu machen brauche, er werde sie befreien und mit ihr fliehen. 

Nachdem der Beschwerdeführer von ihrer Festnahme vernommen habe, 

sei er abends gekommen und habe sie befreit. In der Folge seien sie in 

den Iran geflüchtet.  

Sieben Jahre später hätten ihr jüngerer Bruder L._______ und ihr Cousin 

H._______ im Iran mithilfe einer Fotografie nach dem Beschwerdeführer 

gesucht, wovon sie erfahren hätten. Sie seien deshalb mehrmals in 

I._______ umgezogen.  

Eines nachts seien zwei vermummte Personen in ihr Haus in M._______ 

eingebrochen, und es sei zu einer Schlägerei gekommen. Sie habe dem 

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einen Täter die Vermummung vom Gesicht gerissen und H._______ er-

kannt. Den anderen Täter habe sie als ihren Bruder L._______ identifizie-

ren können. H._______ habe ihr den Arm gebrochen. Nachdem die Nach-

barn erschienen seien, seien die beiden Männer geflüchtet. Sie habe sich 

danach mit ihren Kindern beim Arbeitgeber des Beschwerdeführers aufge-

halten, während der Beschwerdeführer für zehn Tage habe hospitalisiert 

werden müssen. Danach habe sie mit ihrer Familie den Iran verlassen. An 

der iranisch-türkischen Grenze sei sie zusammen mit ihren beiden Töch-

tern nach Afghanistan ausgeschafft worden. Sie hätten sich eine Woche 

lang in N._______ aufgehalten, bevor sie wieder illegal in den Iran nach 

O._______ zurückgekehrt seien; von dort seien sie direkt wieder mit dem 

Schlepper in die Türkei gelangt, wo sie den Beschwerdeführer und 

P._______ wieder getroffen hätten und mit ihnen weitergereist seien. 

Bei einer Rückkehr nach Afghanistan befürchte sie, dass sie und ihre Kin-

der umgebracht würden, weil sie mit dem Beschwerdeführer – ohne mit 

ihm verheiratet zu sein und ohne Einverständnis ihrer Eltern – eine Familie 

gegründet habe.  

C.  

Mit Verfügung vom 25. Mai 2020, eröffnet am 27. Mai 2020, verneinte das 

SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte ihre 

Asylgesuche vom 2. Juli 2017 ab, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete zufolge der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs die vorläufige Aufnahme an.  

D.  

Die Beschwerdeführenden gelangten mit Beschwerde vom 24. Juni 2020 

an das Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragen, die Verfügung des 

SEM vom 25. Mai 2020 sei aufzuheben, sie seien als Flüchtlinge 

anzuerkennen und es sei ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die 

angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an 

die Vorinstanz zurückzuweisen.   

In prozessualer Hinsicht ersuchen sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses, und um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung ihrer 

Wahl.  

Als Beilage legten sie ihrer Eingabe unter anderem die Kurzberichte der 

Hilfswerksvertretung (HWV) vom 4. November 2018 in Kopie, zu den Ak-

ten. 

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Seite 5 

E.  

Am 30. Juni 2020 bestätigte die zuständige Instruktionsrichterin den 

Eingang der Beschwerde und stellte das Anwesenheitsrecht der 

Beschwerdeführenden in der Schweiz fest. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 2. Juli 2020 forderte die Instruktionsrichterin 

die Beschwerdeführenden auf, innert Frist eine Beschwerdeverbesserung 

nachzureichen.  

G.  

Mit Schreiben vom 7. Juli 2020 bestätigte das zuständige kantonale Amt 

die Fürsorgeabhängigkeit der Beschwerdeführenden. 

H.  

Mit Eingabe vom 9. Juli 2020 reichten die Beschwerdeführenden fristge-

recht eine Beschwerdeverbesserung ein.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorliegend – end-

gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist fristgerecht eingereicht worden. Mit der Nachrei-

chung der Originalunterschriften der Beschwerdeführenden im Rahmen 

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Seite 6 

der Beschwerdeverbesserung erfüllt die Beschwerdeschrift auch die ge-

setzlichen Formerfordernisse. Die Beschwerdeführenden haben am Ver-

fahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die angefochtene Ver-

fügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an de-

ren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung 

der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 

Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. Mit Beschwerde an 

das Bundesverwaltungsgericht können gemäss dieser Bestimmung die 

Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Missbrauch und Überschrei-

tung des Ermessens, sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung 

des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. 

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Streitig und zu prüfen ist die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführe-

rin und gegebenenfalls die Asylgewährung. Falls kein Asyl zu gewähren ist, 

ist im Weiteren gegebenenfalls die Wegweisung zu prüfen.   

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-

hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-

ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegen-

satz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der be-

schwerdeführenden Partei. Für die Glaubhaftmachung reicht es jedoch 

nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdi-

gung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände ge-

gen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu aus-

führlich BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 

E. 2.3). 

6.  

6.1 Die Vorinstanz begründet den ablehnenden Asylentscheid im Wesent-

lichen damit, dass die Vorbringen der Beschwerdeführenden den Anforde-

rungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen vermöchten. 

6.1.1 Zum einen qualifiziert sie die Ereignisse, die 1999 zur Ausreise der 

Beschwerdeführenden aus ihrem Heimatstaat Afghanistan in den Iran ge-

führt hätten, als unglaubhaft.  

Zunächst hält das SEM diesbezüglich fest, aufgrund der undifferenzierten 

und oberflächlichen Schilderungen des Beschwerdeführers sei nicht glaub-

haft, dass er die Beschwerdeführerin, wie von ihm dargelegt, kennen ge-

lernt habe. Er habe lediglich angegeben, sie hätten sich einfach kennen-

gelernt, sich gesehen und angefangen, miteinander eine Beziehung zu füh-

ren. Auch auf Nachfrage hin, habe er lediglich geltend gemacht, er habe 

am Anfang "Hallo" gesagt, an einem anderen Tag habe er gefragt, wie es 

ihr gehe und so habe er langsam das Gespräch mit ihr angefangen. Auch 

der Beschwerdeführerin sei es nicht gelungen, anschaulich zu schildern, 

wie sie den Beschwerdeführer kennengelernt habe.  

Sodann hält das SEM die Aussagen der Beschwerdeführenden bezüglich 

der heimlichen Treffen für wirklichkeitsfremd. Denn vor dem sozio-kulturel-

len Hintergrund Afghanistans, insbesondere in den ländlichen Regionen, 

sei nicht denkbar, dass ein Mädchen regelmässig das Elternhaus verlasse, 

um sich mit ihrem Freund zu treffen. Die Beschwerdeführerin habe denn 

auch explizit ausgesagt, ihr Vater habe sie nicht oft nach draussen gehen 

lassen und ihr auch nicht erlaubt, eine Schule zu besuchen. Es erscheine 

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zudem nicht plausibel, dass die heimlichen Treffen der Beschwerdeführen-

den über sechs bis sieben Monate hinweg nie von irgendjemanden ent-

deckt worden seien.  

Die Gefangenschaft der Beschwerdeführerin im Keller und die darauffol-

gende Befreiung seien ebenfalls unglaubhaft. So seien ihre Schilderungen 

zur einwöchigen Haft undifferenziert und oberflächlichen ausgefallen. Die 

Frage, wie sie sich während dieser Woche gefühlt habe, habe sie nicht 

beantwortet, sondern sie habe lediglich gesagt, sie sei dazu gezwungen 

worden. Auf erneute Nachfrage hin, habe sie auf stereotype Art und Weise 

wiederholt, sie sei dazu gezwungen worden, sie habe dort sein müssen. 

Zu einem späteren Zeitpunkt der Anhörung sei sie noch einmal aufgefor-

dert worden, ihre Eindrücke oder Gefühle während ihrer Zeit im Keller zu 

beschreiben. Sie habe lediglich geltend gemacht, sie habe an die heftigen 

Schläge ihres Vaters gedacht. Ihre weiteren Aussagen hätten sich nicht auf 

die Frage bezogen. Sie habe erklärt, dass sie keine Ausbildung habe ma-

chen dürfen. Ferner hätten die Beschwerdeführenden widersprüchliche 

Angaben zur Befreiung aus dem Keller gemacht. Der Beschwerdeführer 

habe bei der BzP vorgebracht, er habe das Schloss der Türe, das leicht zu 

öffnen gewesen sei, aufgemacht und die Beschwerdeführerin mitgenom-

men. Bei der Anhörung habe er hingegen zu Protokoll gegeben, er habe 

die Türe zum Keller aufbrechen wollen, die Beschwerdeführerin habe ihm 

jedoch gesagt, er solle sie durch das Fenster befreien solle. Es sei schwie-

rig gewesen, das Fenster zu entfernen und nur mit viel Schwierigkeiten 

habe er sie befreien können. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs dazu 

habe er behauptet, die Befreiung sei durch das Fenster erfolgt und er habe 

Probleme mit seinem Kopf aufgrund der erlittenen Schläge; er habe bereits 

bei der BzP anlässlich der Rückübersetzung gesagt, dass es sich um das 

Fenster gehandelt habe. Es sei ein Fehler des Dolmetschers, dass dies 

nicht geändert worden sei. Diese Einwände hält die Vorinstanz für untaug-

lich. Da der Beschwerdeführer die Aussagen der BzP anlässlich der Rück-

übersetzung unterschrieben habe, sei davon auszugehen, dass eine 

schriftliche Korrektur vorgenommen worden wäre, hätte er seine Aussagen 

anlässlich der Rückübersetzung tatsächlich geändert. Auch sein Einwand, 

er habe Probleme mit seinem Kopf, könne nicht gehört werden. So habe 

er bei der BzP und der Anhörung angegeben, es gehe ihm gesundheitlich 

gut, abgesehen von seiner Hörschwäche. Es müsse vielmehr davon aus-

gegangen werden, dass er seine Angaben bei der Anhörung denjenigen 

der Beschwerdeführerin angepasst habe, welche bei der BzP ausgesagt 

habe, dass er sie durch das Fenster befreit habe. Auch die Angaben der 

Beschwerdeführerin seien widersprüchlich. Anlässlich der BzP habe sie er-

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klärt, ihre Freundin K._______ habe den Beschwerdeführer darüber infor-

miert, dass ihre Eltern sie geschlagen und eingesperrt hätten. Der Be-

schwerdeführer habe sie daraufhin durch K._______ wissen lassen, dass 

er sie befreien werde und sie vorgängig das Fenster bearbeiten solle; wäh-

rend der Gefangenschaft im Keller habe K._______ ihr nämlich jeweils am 

Abend am Kellerfenster Informationen übermittelt. Im Gegensatz dazu 

habe sie bei der Anhörung angegeben, der Beschwerdeführer habe durch 

K._______ erfahren, dass sie im Keller eingesperrt gewesen sei, als diese 

den anderen Mädchen davon erzählt habe. Auf die Frage, woher 

K._______ von ihrer Haft gewusst habe, habe sie zu Protokoll gegeben, 

das wisse sie nicht. Die Frage, ob sie während der Zeit, als sie im Keller 

eingesperrt gewesen sei, Kontakt mit K._______ gehabt habe, habe sie 

überdies verneint.   

6.1.2 Zum anderen hält die Vorinstanz auch die Vorbringen der Beschwer-

deführenden zum geltend gemachten Überfall im Iran für unglaubhaft. So 

handle es sich bei den Schilderungen des Beschwerdeführers lediglich um 

eine Aneinanderreihung von Geschehnissen ohne persönliche Note. Auch 

seine Antworten auf Nachfragen zu den geltend gemachten Geschehnis-

sen seien insgesamt detailarm ausgefallen. Auf die Frage, ob er den Mo-

ment wiedergeben könne, als er die zwei Personen in seinem Haus gese-

hen habe, und ob er schildern könne, was alles passiert sei, habe er in 

stereotyper Art und Weise wiederholt, dass er geschlagen worden sei. Auf 

die Frage, was weiter vorgefallen sei, habe er geantwortet, es sei sonst 

nichts passiert. Er habe lediglich wiederholt, dass die Nachbarn einge-

schritten seien. Er habe keinerlei Details zu diesem Vorfall angegeben, was 

erstaune, da die Beschwerdeführerin bei der BzP vorgebracht habe, sie 

habe H._______ und der Beschwerdeführer seinerseits habe ihrem Bruder 

L._______ die Maske vom Gesicht gerissen. Es sei davon auszugehen, 

dass der Beschwerdeführer sich daran erinnern könnte, wäre die Identität 

der beiden Angreifer tatsächlich aufgedeckt geworden, zumal es sich um 

ein einschneidendes Erlebnis gehandelt hätte, das einen nachhaltigen Ein-

druck hinterlassen hätte. Die zu den Akten gereichten CDs, die eine Ver-

letzung am Handgelenk der Beschwerdeführerin bestätigten, seien nicht 

geeignet zu einer anderen Einschätzung zu führen, zumal sie die Ursache 

der Verletzung nicht belegten.  

6.2 In ihrer Beschwerdeschrift halten die Beschwerdeführenden an der 

Glaubhaftigkeit ihrer Sachdarstellung fest. Sie verweisen auf zahlreiche 

Protokollstellen, die sehr wohl von einer erlebnisorientierten Erzählweise 

zeugten. Auch die HWV-Berichte vermöchten die Glaubhaftigkeit zu stüt-

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Seite 10 

zen. Unstimmigkeiten könnten auch auf Übersetzungsfehler oder Missver-

ständnisse zurückzuführen sein, zumal das SEM weder die Kopfverletzung 

des Beschwerdeführers oder seine Hörprobleme berücksichtigt habe, und 

auch nicht ihren tiefen Bildungsstand. Auf einzelne Einwände wird in den 

folgenden Erwägungen eingegangen.  

7.  

Vorab ist festzustellen, dass die sinngemäss erhobenen formellen Ein-

wände, wonach nicht berücksichtigt worden sei, dass es dem Beschwer-

deführer bei der Anhörung schwergefallen sei, über das Erlebte zu berich-

ten und die Vorinstanz auch den tiefen Bildungsstand nicht berücksichtigt 

habe, unberechtigt sind. Aus den Anhörungsprotokollen ergibt sich eine 

sehr sorgfältige Befragungsweise. Zuerst wurden zahlreiche einleitende 

Fragen gestellt (vgl. A32 F1-F42) und der Beschwerdeführer wurde gebe-

ten, zu sagen, wenn er etwas nicht verstehe (vgl. ebd. F2, F7). Die Befra-

gerin hat ihn sodann in freier Rede sprechen lassen und zahlreiche offene 

Fragen oder Rückfragen gestellt; am Schluss hat sie sodann mehrmals 

nachgefragt, ob er nun alles habe sagen können (vgl. ebd. F141f., F144, 

F149) und ihn auch mit Unstimmigkeiten und Widersprüchen konfrontiert, 

die sie erkannt hatte (vgl. ebd. F146-F148). Es ist auch nicht erkennbar, 

inwiefern sich der Beschwerdeführer nicht hätte hinreichend äussern kön-

nen, weil er aufgrund eines Schlages auf den Kopf oder seiner Hörprob-

leme nicht dazu in der Lage gewesen wäre. Vielmehr hat er viele der offen 

gestellten Fragen ausführlich und verständlich beantwortet. Keine Hin-

weise gibt es auch auf Übersetzungsfehler. Auch an der BzP gab der Be-

schwerdeführer an, die Dolmetscherin von der Sprache her gut zu verste-

hen, wenn sie laut genügend spreche, und auch dort wurde er darauf auf-

merksam gemacht, dass er sagen solle, wenn er etwas von der Lautstärke 

her oder inhaltlich nicht richtig verstehe, und dass dies wichtig sei (vgl. A17 

einleitende Fragen, h). Dass der Beschwerdeführer dort sodann durchaus 

in der Lage war, Korrekturen anzumerken, ist aus der Ziffer 5.02 ersichtlich. 

Auch die von der Beschwerdeführerin erhobenen formellen Einwände sind 

unberechtigt. So ist nicht ersichtlich, weshalb das SEM gehalten gewesen 

wäre, ihr weitere Fragen zu stellen oder inwiefern es bei ihr zu einem Über-

setzungsfehler bei der BzP gekommen wäre, den sie anlässlich der Rück-

übersetzung und Unterschrift nicht bemerkt hätte. Abschliessend kann auf 

die Berichte der HWV verwiesen werden, die der Beschwerde beigelegt 

wurden. Diesen sind gerade keine Hinweise auf formelle Fehler zu entneh-

men, im Gegenteil wird dort festgehalten, die befragenden Personen seien 

sehr geduldig, empathisch, einfühlsam gewesen, würden ihre Sache gut 

machen und die Verständigung habe funktioniert.  

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Seite 11 

Es sind zusammenfassend keine Gründe ersichtlich, die eine Rückweisung 

der Angelegenheit an die Vorinstanz rechtfertigen würden. Der diesbezüg-

liche Antrag ist abzuweisen.  

8.  

8.1 In materieller Hinsicht, folgert das Bundesverwaltungsgericht nach 

Überprüfung aller Akten, dass das SEM zu Recht zum Schluss gelangt ist, 

in einer Gesamtwürdigung seien die geltend gemachten Ausreise- und 

Asylgründe nicht glaubhaft. Die Ausführungen in der Beschwerdeschrift 

vermögen keine andere Einschätzung zu bewirken.  

8.1.1 Zwar sind verschiedene Einwände der Beschwerdeführenden 

berechtigt. So sind ihre Schilderungen nicht überall wenig konkret und 

pauschal ausgefallen. Sie enthalten auch Merkmale, die, basierend auf 

Erkenntnissen der Aussagepsychologie, geeignet sind, eine Sachdar-

stellung als glaubhaft zu qualifizieren (sog. Realkennzeichen, vgl. dazu 

dazu ANGELIKA BIRCK, Traumatisierte Flüchtlinge, Wie glaubhaft sind ihre 

Aussagen?, Heidelberg 2002, S. 82 ff. und S. 139 ff.; REVITAL 

LUDEWIG/DAPHNA TAVOR/SONJA BAUMER, Wie können aussagepsy-

chologische Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, 

in: AJP 11/2011, S. 1423 ff.; vgl. auch BGE 129 I 49 E. 5 sowie BVGE 

2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1 und 2012/5 E. 2.2, jeweils m.w.H.). Die 

Angaben zur Herkunftsregion sind beispielsweise anschaulich und mit 

Einzelheiten versehen ausgefallen (vgl. u.a. A32 F14-20, F26f., F29 oder 

A30 F28-31, F35-41, F44 f. und F127). Zu Recht wird in der Beschwerde 

auch eingewandt, entgegen der Ansicht der Vorinstanz seien die Angaben 

dazu, wie sich die Beschwerdeführenden kennengelernt hätten, nicht 

weltfremd. Vielmehr sind ihre diesbezüglichen Schilderungen nach-

vollziehbar und gut vereinbar mit der geltend gemachten Herkunft aus einer 

traditionellen und ländlichen Gegend (vgl. u.a. A32 F75f. und A30 F130-

134 F31, F41, F44 f. und F127). Richtig ist auch, dass die 

Beschwerdeführerin wiederholt weinte, als sie von den Schlägen ihres 

Vaters erzählte und vom Eingesperrt sein (vgl. u.a. A30 F46 oder F57). 

Darauf weist auch die HWV in ihrem Bericht hin. Ausserdem hat sie die 

Beschreibung des Kellers durchaus mit Einzelheiten beschrieben (vgl. z.B. 

ebd. F49).  

8.1.2 Demgegenüber fallen die vom SEM zu Recht aufgeführten erhebli-

chen Widersprüche in den Aussagen der Beschwerdeführenden zur Ge-

fangenschaft der Beschwerdeführerin im Keller, die wegen der unerlaubten 

Beziehung erfolgt sei, besonders ins Gewicht. Dazu kann auf die entspre-

chende ausführliche Erwägung in der angefochtenen Verfügung verwiesen 

E-3253/2020 

Seite 12 

werden (vgl. oben unter E. 6.1.1 letzter Abschnitt). Zu Recht wird bereits 

vom SEM festgehalten, die Erklärungen anlässlich des rechtlichen Gehörs 

vermöchten nichts zu bewirken. In der Beschwerde werden diese Ein-

wände lediglich wiederholt; ergänzend kann dazu auf das unter der Ab-

handlung des Rückweisungsantrags Gesagte verwiesen werden (vgl. oben 

E. 7). Den Akten sind zudem weitere wesentliche Unstimmigkeiten zu ent-

nehmen. So gab die Beschwerdeführerin anlässlich der BzP an, ihre Eltern 

hätten einmal gesehen, wie sie mit dem Beschwerdeführer geredet habe 

und sie in der Folge verprügelt und in den Keller gesperrt (vgl. A18 Ziff. 

7.01). Im Gegensatz dazu machte sie bei der Anhörung geltend, die Eltern 

hätten von den heimlichen Treffen nichts gewusst und sie wisse nicht, wie 

sie davon erfahren hätten (vgl. A30 F46). Nicht vereinbaren lässt sich auch 

die eindeutige Angabe der Beschwerdeführerin an der BzP, der Beschwer-

deführer habe sie über ihre Freundin wissen lassen, das sie am Fenster 

etwas machen solle, damit er sie leichter befreien könne (vgl. A18 Ziff. 

7.01), mit ihrer späteren Angabe, sie habe während ihrer Haft mit nieman-

dem, insbesondere nicht mit ihrer Freundin, Kontakt gehabt (vgl. A30 

F77f.). 

8.1.3 In einer Abwägung des bisher Gesagten, vermögen die Beschwerde-

führenden auch in Berücksichtigung ihrer teilweise berechtigten Einwände 

nicht glaubhaft zu machen, dass sie aufgrund einer nicht akzeptierten Be-

ziehung vor ihrer Ausreise in Afghanistan Übergriffe erlebt und ihnen wei-

tere solche gedroht hätten. Damit ist grundsätzlich auch der damit zusam-

menhängenden behaupteten späteren Verfolgung im Iran bereits die 

Grundlage entzogen. Zwar sind auch in Bezug auf den Überfall nicht ganz 

alle Angaben der Beschwerdeführenden substanzlos ausgefallen; so wirkt 

etwa die Umschreibung, wie andere Sachen in den Hintergrund getreten 

seien beim Überfall, durchaus echt (vgl. A32 F104, F115). Auch der Ein-

wand der Beschwerdeführerin, es habe auch ihrerseits lebensnahe Schil-

derungen gegeben, etwa hinsichtlich der beim Überfall erlittenen Verlet-

zungen, ist berechtigt (vgl. A30 F46, S. 6 unten). Dennoch zeigt das SEM 

zu Recht auch unplausible Aussagen auf, es kann darauf verwiesen wer-

den (vgl. oben E. 6.1.2). Zusätzliche Rückfragen, wie in der Beschwerde 

moniert wird, waren, wie bereits erwähnt, auch in Berücksichtigung der in-

dividuellen Umstände des Beschwerdeführers nicht von Nöten. Auch hier 

kommen noch weitere Unstimmigkeiten hinzu. So verstrickte sich der Be-

schwerdeführer in einen erheblichen Widerspruch, wenn er bei der BzP 

angab, er habe nach dem Vorfall seinen Arbeitgeber angerufen (vgl. 

A17/15 Ziff. 7.01) und dann an der Anhörung geltend machte, seine Tochter 

habe seinen Arbeitgeber telefonisch kontaktiert (vgl. A32 F69). Auch die 

Vorbringen zu der angeblichen Suche nach dem Beschwerdeführer mittels 

E-3253/2020 

Seite 13 

Fotografie sind widersprüchlich ausgefallen. So gab der Beschwerdeführer 

bei der BzP an, mehrere Personen hätten nach ihm gesucht (vgl. A17 Ziff. 

7.01), während er anlässlich der Anhörung nur eine Person erwähnte, die 

sich nach ihm erkundigt habe (vgl. A32 F62).  

8.1.4 Insgesamt ergibt sich, dass die Beschwerdeführenden zwar einzelne 

Sachvorbringen tatsächlich mit Einzelheiten versehen und lebensnah vor-

gebracht haben. Angesichts der Herkunft der Beschwerdeführerin kann 

auch nicht ausgeschlossen werden, dass sie in ihrer Jungend Übergriffe 

ihres Vaters erlebt hat und auch eingesperrt worden ist. Damit ist aber die 

geltend gemachte Asylbegründung noch nicht glaubhaft gemacht. Ebenso 

wahrscheinlich ist, dass ihr Leiden, das offenbar auch an der Anhörung 

zum Ausdruck gekommen ist, auf die allgemeinen Lebensumstände, de-

nen sie als junge Frau in einer ländlichen Gegend Afghanistans unterwor-

fen war, zurückzuführen ist. Für eine solche Einschätzung spricht nicht zu-

letzt ihre Antwort auf die Frage 125 ("Ich möchte noch einmal zurückkom-

men auf den Keller, in dem Sie eingesperrt waren […] Haben Sie noch 

mehr Erinnerungen an diese Zeit, Eindrücke oder Gefühle, die sie durch-

lebt haben?"). Statt auf das konkrete Ereignis zurückzukommen, auf das 

die Befragerin sich bezieht, verbindet die Beschwerdeführerin dort die 

Schläge ihres Vaters direkt mit dem Umstand, dass sie die Schule nicht 

habe besuchen dürfen und so auch keine Möglichkeit gehabt habe, ihre 

Berufswünsche und Träume zu verwirklichen. Auch in Bezug auf den Iran 

kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich einzelne Ereignisse zuge-

tragen haben, die Beschwerdeführenden möglicherweise auch einen Über-

fall erlebt haben. In einer Gesamtwürdigung ist aber die Sachdarstellung 

der Beschwerdeführenden aufgrund erheblicher Widersprüche in zentralen 

Elementen, die sich weder aus formellen Gründen erklären lassen noch 

materiell von den Beschwerdeführenden erklärt werden können, nicht 

glaubhaft. Damit war weder für den Ausreisezeitpunkt aus Afghanistan 

noch ist für eine heutige hypothetische Rückkehr in den Heimatstaat mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Be-

schwerdeführenden und ihre Kinder aufgrund einer als illegitim betrachte-

ten Beziehung ernsthafte Nachteile zu befürchten hatten respektive hätten.  

8.2 Zusammenfassend hat das SEM zu Recht festgestellt, die Beschwer-

deführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG 

nicht und es hat deswegen auch zu Recht ihre Asylgesuche abgelehnt.  

9.  

9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

E-3253/2020 

Seite 14 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

9.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine 

ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu 

Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich 

den Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihre 

Rechtsbegehren jedoch nicht von vornherein als aussichtslos betrachtet 

werden können und ihre Bedürftigkeit ausgewiesen ist, ist das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 

VwVG gutzuheissen. Es sind somit keine Verfahrenskosten zu erheben. 

11.2 Die Beschwerdeführenden haben die mit nachgereichter Beschwer-

deverbesserung in Form ihrer Originalunterschrift rechtsgenügliche Be-

schwerdeschrift offenbar selbst verfasst, wobei ersichtlich ist, dass sie ver-

mutungsweise über einen juristischen Beistand verfügt haben. Abgesehen 

von der von Amtes wegen eingeholten Beschwerdeverbesserung drängten 

sich weitere Instruktionsmassnahmen nicht auf. Die Beiordnung einer amt-

lichen Rechtsvertretung (aArt. 110a Abs. 1 AsylG), auf welche die Be-

schwerdeführenden grundsätzlich Anspruch hätten, würde folglich einen 

prozessualen Leerlauf bedeuten. Der diesbezügliche Antrag ist daher ab-

zuweisen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3253/2020 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten wird verzichtet. 

3.  

Das Gesuch um Beiordnung einer amtlichen Rechtsvertretung wird abge-

wiesen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Nina Klaus 

 

 

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