# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 63ee17fa-353a-596f-b6ac-a1839d4d5291
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-18
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 18.06.2020 SK 2019 306
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2019-306_2020-06-18.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 19 306

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 18. Juni 2020

Besetzung Oberrichter Kiener (Präsident i.V.), Oberrichterin Bratschi, Ober-
richterin Friederich Hörr
Gerichtsschreiber Bittel

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern
 

Anschlussberufungsführerin

und

C.________
vertreten durch Rechtsanwalt D.________

Strafkläger 1

und

2

E.________
vertreten durch Rechtsanwalt D.________

Strafklägerin 2

Gegenstand Mord, evtl. vorsätzliche Tötung sowie Widerrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Kollegialgericht) vom 17. Mai 2019 (PEN 2018 
274+275)

3

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Mit Urteil vom 17. Mai 2019 erklärte das Regionalgericht Emmental-Oberaargau 
(Kollegialgericht; nachfolgend: Vorinstanz) Error! Reference source not found. 
(nachfolgend: Beschuldigter) schuldig des Mordes, begangen am 6. Februar 2016 in 
I.________, z.N. J.________ (pag. 3450 ff.). Gestützt auf diesen Schuldspruch ver-
urteilte die Vorinstanz den Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von 15 Jahren 
(Ziff. I.1 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), zu den Verfahrenskosten, sich zu-
sammensetzend aus Gebühren von CHF 92‘657.35 und Auslagen von 
CHF 11‘592.10, insgesamt bestimmt auf CHF 104‘249.45 (exkl. Kosten für die amt-
liche Verteidigung und der Kosten für die unentgeltliche Rechtspflege der Privatklä-
gerschaft; Ziff. I.2) sowie zur Bezahlung einer Entschädigung von CHF 26‘243.10 an 
die Straf- und Zivilkläger C.________ und E.________ für ihre Aufwendungen im 
Verfahren (Ziff. I.3.).

Zudem widerrief das Gericht den dem Beschuldigten mit Strafbefehl der regionalen 
Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 21. September 2015 für eine Geldstrafe von 
80 Tagessätzen zu CHF 30.00 gewährte bedingte Vollzug (Ziff. II.1) und auferlegte 
ihm die Kosten des Widerrufsverfahrens von CHF 300.00 (Ziff. II.2).

Weiter legte es die Entschädigung für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten 
durch Rechtsanwalt B.________ auf CHF 40‘342.05 fest und verpflichtete Ersteren 
dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen und 
Rechtsanwalt B.________ die Differenz von CHF 8‘266.00 zwischen der amtlichen 
Entschädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftli-
chen Verhältnisse erlauben (Ziff. III.1). Ferner bestimmte es die amtliche Entschädi-
gung und das volle Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung von F.________ 
und G.________ durch Rechtsanwalt H.________ auf CHF 20‘429.20 und verpflich-
tete den Beschuldigten, F.________ und G.________ zuhanden von Rechtsanwalt 
H.________ die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung für die unentgelt-
liche Rechtspflege und dem vollen Honorar CHF 8‘602.10 zu bezahlen (Ziff. III.2).

Betreffend den Zivilpunkt stellte die Vorinstanz fest (Ziff. IV.1–4), dass der Beschul-
digte anerkannte, folgende Beträge zu schulden:

1. dem Straf- und Zivilkläger C.________ CHF 19‘824.90 als Schadenersatz sowie 
von CHF 50‘000.00 als Genugtuung;

2. der Straf- und Zivilklägerin E.________ CHF 50‘000.00 als Genugtuung;

3. der Straf- und Zivilklägerin F.________ CHF 40‘000.00 zuzüglich 5 % Zins seit 
dem 6. Februar 2016 als Genugtuung;

4. dem Straf- und Zivilkläger G.________ CHF 40‘000.00 zuzüglich 5 % Zins seit 
dem 6. Februar 2016 als Genugtuung.

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Überdies stellte die Vorinstanz fest, dass der Beschuldigte anerkannt hat, den Straf- 
und Zivilklägern F.________ und G.________ dem Grundsatz nach Schadenersatz 
zu schulden (IV.5). Die Zivilklagen wurden als gegenstandslos geworden abge-
schrieben (IV.6) und für den Zivilpunkt wurden keine Kosten ausgeschieden und 
keine gesonderten Entschädigungen zugesprochen (IV.7).

Schliesslich beschloss die Vorinstanz, dass der Beschuldigte in den vorzeitigen 
Strafvollzug zurückgeht (V.1) und traf die weiteren Verfügungen über die Beweismit-
tel (V.2–7)

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte gleichentags – und damit ohne Wei-
teres fristgerecht – die Berufung an (pag. 3459).

Die erstinstanzliche Urteilsbegründung datiert vom 30. Juli 2019 (pag. 3487 ff.).

In seiner Berufungserklärung vom 20. August 2019 (pag. 3558 ff.) beschränkte der 
Beschuldigte die Berufung auf den erstinstanzlichen Schuldspruch wegen Mordes 
(Ziff. I des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) sowie den Widerruf des mit Strafbe-
fehl der regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 21. September 2015 für 
eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu CHF 30.00 gewährten bedingten Vollzugs 
(Ziff. II). Demgegenüber blieben die Ziffern III (amtliche Entschädigung), IV (Zivil-
punkt) und V (weitere Verfügungen) des Urteils unangefochten.

Mit Eingabe vom 3. September 2019 teilten die Straf- und Zivilkläger 3 und 4 mit, 
dass sie auf eine Anschlussberufung verzichten (pag. 3574).

Die Generalstaatsanwaltschaft erhob am 6. September 2019 Anschlussberufung 
und beschränkte diese auf die Strafzumessung (pag. 3584 f.).

Mit Eingabe vom 12. September 2019 verzichteten die Straf- und Zivilkläger 1 und 2 
auf eine Anschlussberufung (pag. 3588). Überdies stellten sie den Antrag, es sei von 
Amtes wegen zu prüfen, ob die Berufung rechtzeitig erklärt worden sei.

Mit Beschluss vom 11. November 2019 stellte die Kammer fest, dass – entgegen 
den geäusserten Zweifeln – die Berufungserklärung des Beschuldigten rechtzeitig 
eingegangen war und sowohl auf die Berufung als auch auf die Anschlussberufung 
eingetreten werde (pag. 3622 ff.).

3. Beweisanträge in oberer Instanz

In seiner Berufungserklärung beantragte der Beschuldigte zum einen, es sei ein fo-
rensisches Zweitgutachten in Auftrag zu geben, zum anderen, dass ihm eine Frist 
zwecks Kurzbegründung der Anträge anzusetzen sei (pag. 3559; pag. 3576 f.). 
Während das zweitgenannte Begehren von der Verfahrensleitung mit Verfügung 
vom 27. August 2019 ohne Einholung einer Stellungnahme der übrigen Parteien be-
gründet abgewiesen wurde (pag. 3563 ff.), setzte sie diesen betreffend den Antrag 
auf Erstellung eines Zweitgutachtens Frist zur Stellungnahme.

In seiner Eingabe vom 27. August 2019 wiederholte der Beschuldigte seinen Antrag 
auf Erstellung eines Zweitgutachtens und stellte den weiteren Antrag, «[e]s seien die 

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Richtlinien der Staatsanwaltschaft und des Regionalgerichts zur Bemessung der 
Verfahrenskosten zu edieren und für prozedürlich zu erklären» (pag. 3576 f.).

Die Straf- und Zivilkläger 3 und 4 beantragten am 3. September 2019 die Abweisung 
des Antrags auf Erstellung eines Zweitgutachtens (pag. 3574). Im gleichen Sinne 
äusserte sich mit Eingabe vom 6. September 2019 die Generalstaatsanwaltschaft 
(pag. 3585). Die Straf- und Zivilkläger 3 und 4 teilten am 9. September 2019 weiter 
mit, dass sie auf eine Stellungnahme zum zweiten Beweisantrag verzichteten 
(pag. 3586). Die Straf- und Zivilkläger 1 und 2 teilten am 12. September 2019 ihrer-
seits mit, dass sie die Abweisung des Antrags auf Erstellung eines Zweitgutachtens 
beantragten (pag. 3588). Am 13. September 2019 äusserte sich die Generalstaats-
anwaltschaft auch betreffend den zweiten Beweisantrag abschlägig und wiederholte 
und begründete überdies ihren Standpunkt zum Antrag auf Erstellung eines Zweit-
gutachtens (pag. 3591 f.).

Mit Beschluss vom 11. November 2019 wies die Kammer beide Beweisanträge der 
Verteidigung mit einlässlicher Begründung ab (pag. 3621 ff., Ziff. 4 und 5).

Am 25. November 2019 stellte der Beschuldigte schliesslich die Anträge auf Einver-
nahme von Dr. med. K.________, auf Edition sämtlicher Einnahmen und Auslagen 
aus den Strafverfahren des Kantons Bern sowie auf Edition einer detaillierten Leis-
tungserfassung der Staatsanwaltschaft (pag. 3646 f.). Auch diese Anträge wurden 
mit Beschluss vom 31. Januar 2020 begründet abgewiesen (pag. 3653 ff.).

Mit E-Mail vom 15. Juni 2020 übersandte Rechtsanwalt B.________ der Kammer die 
vom Amt für Justizvollzug des Kantons Bern erstellte Risikoabklärung des Beschul-
digten vom 31. Dezember 2019 (nachfolgend: ROS-Abklärung) zu mit dem Antrag, 
diese zu den Akten zu erkennen (pag. 3763 ff.). Diesen Antrag hiess die Kammer in 
der Hauptverhandlung vom 16. Juni 2020 gut.

Anlässlich der Hauptverhandlung stellte Rechtsanwalt B.________ die Anträge, wo-
nach (i) ein forensisch-psychiatrisches Zweitgutachten in Auftrag zu geben sei, (ii) 
Dr. med. K.________ als Sachverständiger zu befragen sei und (iii) die Hauptver-
handlung sei auf späteren Termin nach Erhalt der entsprechenden Gutachten zu 
verschieben (pag. 3810). Diese Anträge wurden von der Kammer allesamt begrün-
det abgewiesen (pag. 3841).

4. Antrag auf Wechsel der amtlichen Verteidigung

Mit Schreiben vom 21. Januar 2020 an die Vorinstanz stellte der Beschuldigte eigen-
händig den Antrag, es sei Rechtsanwalt B.________ als amtlichen Verteidiger abzu-
setzen und an dessen Stelle Rechtsanwältin L.________ als amtliche Verteidigerin 
einzusetzen, da das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und Rechtsanwalt 
B.________ zerstört sei und sie sich in einem grossen Konflikt befänden (pag. 3649). 
Diesen Antrag wiederholte er in zwei weiteren Schreiben vom 17. Februar 2020 
(pag. 3669) und 12. März 2020 (pag. 3671).

Rechtsanwalt B.________ nahm am 13. Februar 2020 dazu Stellung und beantragte 
sinngemäss die Abweisung des Begehrens des Beschuldigten (pag. 3666 f.).

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In seiner Stellungnahme zur Eingabe von Rechtsanwalt B.________ wiederholte der 
Beschuldigte seine früheren Ausführungen und stellte in Aussicht, im Falle einer Ab-
weisung des Gesuchs den Verhandlungstermin vom Juni annullieren zu lassen 
(pag. 3676).

Am 24. März 2020 verfügte die oberinstanzliche Verfahrensleitung mangels des 
rechtsgenüglichen Nachweises eines erheblich gestörten Vertrauensverhältnisses 
die Abweisung des Gesuchs um Wechsel der amtlichen Verteidigung (pag. 3678 ff.).

5. Rückzug der Straf- und Zivilkläger 3 und 4 aus dem Verfahren

Nachdem der Verteidiger mit Eingabe vom 25. November 2019 präzisiert hatte, dass 
er das erstinstanzliche Urteil im Zivilpunkt nicht anfechte (pag. 3646), stellte die Kam-
mer in ihrem Beschluss vom 31. Januar 2020 in Aussicht, den Privatklägern 
F.________ und G.________ die unentgeltliche Rechtspflege zu entziehen und 
setzte ihnen Frist zur Stellungnahme zu diesem Vorgehen an (pag. 3653 ff., Ziff. 4).

Am 13. Februar 2020 teilte Rechtsanwalt H.________ mit, dass er keine Bemerkun-
gen zum von der Kammer in Aussicht gestellten Entzug der unentgeltlichen Rechts-
pflege der Privatkläger F.________ und G.________ anzubringen habe und dass 
sich die beiden vorerwähnten Personen auch als Strafkläger aus dem Verfahren 
zurückziehen würden (pag. 3685 f.).

Mit Verfügung vom 1. April 2020 entzog die oberinstanzliche Verfahrensleitung 
F.________ und G.________ die unentgeltliche Prozessführung, bestimmte das 
amtliche Honorar von Rechtsanwalt H.________ und stellte fest, dass F.________ 
und G.________ nicht mehr Parteien im oberinstanzlichen Verfahren sind 
(pag. 3696 ff.).

6. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Mit Beschluss vom 11. November 2019 wurde der vom Beschuldigten eingereichte 
Therapieverlaufsbericht des Forensisch-Psychiatrischen Dienstes der Universität 
Bern (nachfolgend: FPD) vom 13. September 2019, welcher zu Handen der Be-
währungs- und Vollzugsdienste (BVD) erstellt worden war, zu den Akten erkannt.

Mit Schreiben vom 21. April 2020 (pag. 3712) wurde der FPD ersucht, einen aktuel-
len Therapieverlaufsbericht über den Beschuldigten zu erstellen. Des Weiteren 
wurde bei der M.________ (Justizvollzugsanstalt) (nachfolgend: M.________) ein 
aktueller Führungsbericht eingeholt (pag. 3711). Diese Berichte vom 26. bzw. 
22. Mai 2020 langten fristgerecht beim Obergericht ein und wurden den Parteien zu-
gestellt.

Mit Beschluss anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung erkannte das Ge-
richt die ROS-Abklärung vom 31. Dezember 2019 (pag. 3810) zu den Akten.

Der Beschuldigte (pag. 3812 ff.) sowie der Gutachter, Dr. med. N.________, 
(pag. 3822 ff.) wurden oberinstanzlich von der Kammer ergänzend einvernommen.

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7. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ stellte in der Berufungserklärung namens des Beschul-
digten folgende Anträge (pag. 3559; Hervorhebung im Original), welche er im Laufe 
des Verfahrens und in der Hauptverhandlung teilweise korrigierte (pag. 3646 und 
pag. 3841):

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RECHTSBEGEHREN

1. In Gutheissung der Berufung sei das Urteil vom 17. Mai 2019 des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (PEN 18 274/275) vollumfänglich aufzuheben (ausgenommen Dispo. Ziffer III, IV 
und V);

2. Der Beschuldigte sei der vorsätzlichen Tötung (Art. 111 StGB) schuldig zu erklären (Dispo. Ziffer I).

3. Der Beschuldigte sei zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren zu verurteilen. Dabei sei ihm die Dauer 
der ausgestandenen Untersuchungshaft vom 06.02.2016 bis 02.01.2018 und ferner die Dauer des 
vorzeitigen Strafvollzuges seit 03.01.2018 an die Strafe anzurechnen (Dispo. Ziffer I.1).

4. Eventualiter sei eine strafvollzugsbegleitende, ambulante, psychotherapeutische Massnahme im 
Sinne von Art. 63 StGB anzuordnen.

5. Die Verfahrenskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen (Dispo. Ziffer 2 [recte: I.2]). Eventua-
liter: Es sei der Beschuldigte zu den Verfahrenskosten in Höhe von CHF 2'000.00 zu verurteilen 
(Dispo. Ziffer I.2).

6. Es sei auf den Widerruf der bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu CHF 30.00 zu verzichten 
(Dispo. Ziffer II.2 und II.3).

7. Es seien die Kosten für das Widerrufsverfahren auf die Staatskasse zu nehmen (Dispo. Ziffer II.3).

8. Eventualiter zu Ziffer 1 hiervor: Es sei das Urteil vom 17. Mai 2019 des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau vollumfänglich aufzuheben und zwecks neuer Begründung und Entscheidung an die 
Vorinstanz zurückzuweisen.

9. Es sei dem Beschuldigten die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, unter Verbeiständung 
durch den, Schreibenden.

10. Weitergehende oder anderslautende Anträge bleiben abhängig vom Beweisverfahren ausdrücklich 
vorbehalten.

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte und begründete an der oberinstanzlichen 
Verhandlung folgende Anträge (pag. 3855.1 f.; Hervorhebungen im Original):

I.

A.________ sei schuldig zu erklären des Mordes, begangen am 6. Februar 2016 in I.________, z.N. 
von J.________.

II.

A.________ sei in Anwendung von Art. 40, 47, 51, 112 StGB und Art. 426 ff. StPO

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 17 Jahren, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs-
haft von 697 Tagen und mit vorzeitigem Strafantritt am 3. Januar 2018;

2. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene Ge-
bühr gemäss Art. 21 VKD).

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III.

1. Der A.________ mit Strafbefehl der regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland vom 21. Sep-
tember 2015 für eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu CHF 30.00 gewährte bedingte Vollzug sei 
zu widerrufen.

2. Die Kosten des Widerrufsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.

IV.

1. A.________ sei in den vorzeitigen Strafvollzug zurück zu schicken.

2. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

3. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. ________) sei nach Ablauf der 
Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG).

4. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten sei 
nach Ablauf der Frist durch die auftraggebende Behörde einzuholen (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 
Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten).

Seitens der Privatklägerschaft wurden oberinstanzlich keine Anträge gestellt.

8. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte beschränkte seine Berufung auf den Schuldspruch wegen Mordes, 
auf die Sanktion sowie auf das Widerrufsverfahren; die Generalstaatsanwaltschaft 
erklärte lediglich betreffend die Strafzumessung Anschlussberufung (E. I.2 vorste-
hend), während die Privatkläger keine Anschlussberufung erhoben. Nicht angefoch-
ten geblieben sind damit die Ziffern III (amtliche Entschädigung), IV (Zivilpunkt) und 
V (weitere Beschlüsse) des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs, weshalb die Zif-
fern III, IV und V.2–5 des erstinstanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen sind. 
Betreffend die in den Ziffern V.1, V.6 und V.7 getroffenen Beschlüsse wurde bereits 
früher festgehalten, dass diese formell nicht in Rechtskraft erwachsen können und 
demnach Gegenstand des oberinstanzlichen Verfahrens sind (pag. 3654, Ziff. 2).

In den angefochtenen Punkten sowie jenen, welche kraft der Berufung nicht in 
Rechtskraft erwachsen können, ist das erstinstanzliche Urteil von der Kammer um-
fassend, d.h. mit voller Kognition, zu überprüfen (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO). Dabei 
ist aufgrund der Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft betreffend die 
Strafzumessung eine strengere Sanktion möglich und das Verschlechterungsverbot 
(Art. 391 Abs. 2 StPO) in diesem Punkt unbeachtlich.

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II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

1. Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird gemäss der Anklageschrift vom 28. Oktober 2018 
(pag. 2931 ff.) folgender Sachverhalt zur Last gelegt (Hervorhebungen im Original):

Am frühen Morgen (ca. um 05:50 Uhr [anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung korrigiert auf 
05:30 Uhr; pag. 3307]) des 6. Februars 2016 befanden sich der Beschuldigte und das Opfer an ihrem 
Domizil in I.________ und gerieten zunächst in einen verbalen Streit im Wohnzimmer. Das Opfer begab 
sich dann ins Schlafzimmer und machte die Türe zu, der Beschuldigte ging in die Küche, behändigte 
ein Victorinox-Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 19 cm (Gesamtlänge 31 cm) und wollte sich 
ins Schlafzimmer zum Opfer begeben. Zunächst versperrte das Opfer mit seinem Körpergewicht die 
Türe, und der Beschuldigte drückte und/oder schlug gegen die Türe, bis er diese schliesslich aufstossen 
konnte. Er betrat das Schlafzimmer und stach mit dem besagten Messer mehrfach auf das Opfer ein, 
verletzte es dabei an beiden Händen (mindestens 11 Hautdurchtrennungen an den Händen), am rech-
ten Unterarm (eine Stichverletzung) und an der linken Schultervorderseite (2 Hautabhebungen durch 
Schnitte oder Stiche). Im Verlauf dieses Angriffs kam das Opfer zu Fall oder ging von selber zu Boden. 
Danach packte er das Opfer an den Haaren und am Kopf und schnitt ihm mit mehreren Schnitten (min-
destens 3, ev. wesentlich mehr) in den Hals- und Gesichtsbereich, wobei er dem Opfer den rechten 
Kopfwendermuskel vollständig durchtrennte, ihm am Hals eine Hautdurchtrennung zufügte, die rechte 
innere Drosselvene, die rechte gemeinsame Halsschlagader, den Kehlkopf, die vordere Halsmuskulatur 
mit Ausnahme des linken Kopfwendermuskels, den rechten Schilddrüsenlappen, den rechten vorderen, 
langen Halswirbelsäulenmuskel vollständig durchtrennte, dem Opfer an der Vorderseite des 3. Halswir-
belsäulenkörpers mehrere Einkerbungen zufügte, ihm den rechtsseitigen Querfortsatz des 4. Halswir-
belkörpers abbrach und ihm am Wirbelgelenk zwischen dem 3. und dem 4. Halswirbelkörper Knochen-
defekte zufügte. Ausserdem fügte er dem Opfer zusätzlich unterhalb des rechten Ohrs und in der rech-
ten Kinnregion Schnitte zu. Das Opfer verstarb schliesslich an den Folgen dieser Verletzungen aufgrund 
des Eindringens von Luft in das Gefäss[s]ystem mit den Folgen einer Sauerstoffmangelversorgung des 
Hirns und/oder eines mechanischen Herzpumpversagens. Eventualiter hat der Beschuldigte das Opfer 
zusätzlich in die Bauchregion rechtsseitig der Wirbelsäule getreten oder geschlagen. Der Beschuldigte 
handelte vorsätzlich, indem er spätestens beim Betreten des Schlafzimmers, eventuell schon während 
des Streits, in der Nacht zuvor, am Vorabend oder noch früher beschloss, das Opfer zu töten und dies 
in die Tat umsetzte. Der Beschuldigte handelte überdies besonders skrupellos, indem er dem Opfer auf 
brutale Weise mit mehreren Schnitten den Hals durchschnitt und es langsam ausbluten und ersticken 
liess, indem er gegenüber dem Opfer besonders grausam und gefühlskalt agierte (exekutionsartige 
Ausführung der Tat am wehrlosen Opfer) und indem er das Opfer aus rein egoistischen und/oder fun-
damentalistischen, religiösen Motiven tötete, indem er der Auffassung war, Frau F.________ respek-
tiere ihn als Ehemann zu wenig, gehorche ihm nicht, habe Kontakt zu anderen Männern oder gehe 
fremd, was ihn moralisch dazu berechtige, sie zu töten; eventualiter ging sie tatsächlich fremd und der 
Beschuldigte wusste davon, konnte dies aus seiner religiösen und sittlichen Überzeugung nicht akzep-
tieren und fühlte sich deswegen moralisch dazu berechtigt, seine Ehefrau zu töten.

2. Das Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz hielt den Anklagesachverhalt für erstellt. Sie stellte dabei in der 
Hauptsache auf die konstanten und glaubhaften Aussagen des Beschuldigten ab, 
die mit den objektiven Beweismitteln übereinstimmten. Die Vorinstanz ging davon 
aus, dass sich die eventualiter angeklagten Tritte oder Schläge in die Bauchgegend 

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des Opfers nicht beweisen liessen und dass der Vorsatz zur Tötung spätestens beim 
Holen des Messers in der Küche gefasst worden sei. Beim Motiv kam die Vorinstanz 
zum Schluss, der Beschuldigte habe aus Eifersucht und wegen mangelndem Re-
spekt und verletztem Stolz als Ehemann gehandelt, wobei sich ein konkretes Fremd-
gehen des Opfers nicht habe nachweisen lassen (pag. 3508 ff.).

Im Weiteren hielt die Vorinstanz die von Dr. med. N.________ verfassten psychiatri-
schen Gutachten für schlüssig und folgte dessen Angaben, indem sie vom Fehlen 
einer schweren psychischen Störung und von voll erhaltener Schuldfähigkeit des Be-
schuldigten zum Zeitpunkt der Tat ausging.

3. Argumente der Verteidigung

Die Verteidigung zog den in der Berufungserklärung gestellten Antrag auf Verurtei-
lung wegen Totschlags zurück und beantragte einen Schuldspruch wegen vorsätzli-
cher Tötung, da der Beschuldigte nicht skrupellos gehandelt habe (pag. 3843). Zu-
dem sei seine Schuldfähigkeit beeinträchtigt und er leide an einer schweren psychi-
schen Störung, was sich auf die Sanktion auszuwirken habe (pag. 3844 f.).

4. Argumente der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft erhob Anschlussberufung, beschränkt auf die Straf-
zumessung und beantragte eine Freiheitsstrafe von 17 Jahren. In Bezug auf die Be-
weiswürdigung und die rechtliche Würdigung schloss sie sich – im Ergebnis – der 
Vorinstanz an (pag. 3846 ff.).

5. Unbestrittener Sachverhalt

Der angeklagte Sachverhalt ist grösstenteils unbestritten. Der Beschuldigte führte 
selbst aus, im erwähnten Zeitpunkt nach einem verbalen Streit in der Küche ein Mes-
ser geholt, dem Opfer ins Schlafzimmer gefolgt und dort mehrfach auf das Opfer 
eingestochen zu haben, wobei dieses die in der Anklageschrift erwähnten Verletzun-
gen erlitt, welche schliesslich zum Tod führten. Auch die Verteidigung legte diesen 
Sachverhalt ihren Überlegungen zugrunde (pag. 3426).

Wenngleich dieser Teil des Sachverhalts nicht umstritten ist, hat sich die Kammer 
selbst davon zu überzeugen, ob er zutreffend ist (vgl. Art. 10 Abs. 2 StPO). Vorlie-
gend sind allerdings keine Anhaltspunkte ersichtlich, welche die Kammer daran 
zweifeln liessen, dass diese unbestrittenen Punkte nicht den Tatsachen ent-
sprächen. Die Vorinstanz hat sich einlässlich auch zum unbestrittenen Sachverhalt 
geäussert und die entsprechenden objektiven und subjektiven Beweismittel gewür-
digt. Die Kammer schliesst sich diesen Erwägungen vollumfänglich an und erachtet 
den unbestrittenen Sachverhalt als erstellt.

6. Bestrittener Sachverhalt

Demgegenüber liess der Beschuldigte den Vorwurf, dass er besonders skrupellos 
handelte, im Parteivortrag vor der Vorinstanz durch seinen Verteidiger bestreiten 
(pag. 3426). So habe er das Opfer nicht langsam ausbluten und ersticken lassen und 
sei nicht gefühlskalt gewesen. Es lasse sich nicht widerlegen, dass das Opfer bereits 

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an den Stichen gestorben wäre. Überdies habe er das Opfer nicht aus rein egoisti-
schen und/oder fundamentalistischen, religiösen Motiven getötet. Vielmehr habe er 
gedacht, seine Frau würde ihn betrügen. Es habe sich eine lange und starke Stress-
situation an diesem Morgen explosionsartig entladen. Das Gleiche wiederholte er 
(sinngemäss) vor der Kammer (pag. 3842 f.).

Beweisthema ist folglich zum einen die Frage nach dem konkreten Tatvorgehen. 
Zum anderen gilt es das Motiv des Beschuldigten für die Tat zu eruieren. Ebenfalls 
Beweisthema ist ferner die Frage, in welchem Gesundheitszustand sich der Beschul-
digte zur Zeit der Tat befand und ob seine Schuldfähigkeit zur Zeit der Tat beein-
trächtigt war.

7. Beweismittel

Die Vorinstanz zählte die relevanten objektiven und subjektiven Beweismittel auf 
(S. 12 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 3498 ff.). Auf eine Wiederho-
lung kann demnach verzichtet werden.

Für das oberinstanzliche Verfahren ergänzend zu erwähnen sind die beiden Thera-
pieverlaufsberichte der FPD vom 13. September 2019 und vom 26. Mai 2020 
(pag. 3602 ff. bzw. 3722 ff.), der Vollzugsbericht der M.________ vom 22. Mai 2020 
(pag. 3718 ff.), die ROS-Abklärung vom 31. Dezember 2019 (pag. 3765 ff.) sowie 
die Befragungen des Beschuldigten sowie des Sachverständigen anlässlich der Be-
rufungsverhandlung vom 16. Juni 2020 (pag. 3812 ff.).

8. Beweiswürdigung

8.1 Allgemeines

Was die theoretischen Grundlagen der Beweiswürdigung angeht, kann auf die ein-
gehenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 3494 ff.).

8.2 Konkrete Beweiswürdigung 

8.2.1 Vorbemerkung

Die Vorinstanz unterteilte die Beweiswürdigung in die vier Unterkapitel «Beziehungs-
konstellation», «Vortatverhalten», «Tatablauf» und «unmittelbares Nachtatverhal-
ten». Die Kammer folgt diesem sachgerechten Aufbau, wobei sie in weiten Teilen 
auf die ausführlichen und zutreffenden Darlegungen der Vorinstanz verweisen kann.

8.2.2 Zur Beziehungskonstellation 

In ihrer schriftlichen Urteilsbegründung zeichnete die Vorinstanz die Beziehungskon-
stellation zwischen dem Opfer und dem Beschuldigten präzis nach (pag. 3499 ff.). 
Darauf kann verwiesen werden.

Ergänzend ist zu erwähnen, dass sich der Beschuldigte und das Opfer zu einem 
Zeitpunkt kennenlernten, als der Beschuldigte noch mit einer anderen Frau, 
O.________, verlobt war (siehe BM 14 6344, pag. 39). Offensichtlich überschnitten 
sich die beiden Beziehungen, wobei es in beiden zu Konflikten kam, die Interventio-
nen der Polizei wegen häuslicher Gewalt seitens des Beschuldigten erforderten, wie 
der Blick in die beigezogenen Vorakten zeigt (BM 14 6344, pag. 39; BM 15 11980). 

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Das Muster gewaltsamer, von Eifersucht des Beschuldigten geprägten Beziehun-
gen, wie es im Gutachten von Dr. med. N.________ zutreffend erwähnt wird, trat 
bereits schon vor, aber dann auch während der Beziehung mit dem Opfer deutlich 
zu Tage.

Nicht erwiesen ist, dass das Opfer aussereheliche Beziehungen pflegte. Demge-
genüber erachtet es die Kammer als erstellt, dass die Beziehung des Opfers zum 
Beschuldigten von Streit geprägt war und es J.________ mehrfach in Erwägung zog, 
sich vom Beschuldigten scheiden zu lassen oder sich zumindest von ihm zu trennen, 
wie etwa die Aussagen von C.________ (z.B. pag. 615 ff.) oder die Videosequenzen 
auf dem Mobiltelefon des Beschuldigten zeigen. Auch am Vortag der Tat kam es zu 
einer heftigen verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem 
Opfer (dazu sogleich).

8.2.3 Zum Vortatverhalten

Die Vorinstanz analysierte gründlich das Verhalten der beiden Beteiligten vor der Tat 
(pag. 3501 ff.). Auch in diesem Punkt kann auf diese Ausführungen verwiesen wer-
den.

Wie vorerwähnt und auch von der Vorinstanz zutreffend beschrieben, entbrannte am 
Nachmittag vor der Tat zwischen dem Beschuldigten und dem Opfer in ihrer gemein-
samen Wohnung in P.________ ein weiteres Mal ein – zumindest was die auf dem 
Mobiltelefon des Beschuldigten gespeicherten Videosequenzen zeigen – rein verba-
ler Streit. Der rund zehnminütigen Aufnahme «IMG_0493.MOV» kann entnommen 
werden, dass das Opfer dem Beschuldigten die Scheidung androhte und ihn auffor-
derte, sich von ihr scheiden zu lassen und/oder sie und die Schweiz zu verlassen 
(«Ils sont très contents si je me divorce et je te casse» [bei 0.48 min]; «Quitte la 
Suisse, quitte cette femme!» [bei 01.32 min]; «Laisse-moi tranquille et divorce!» [bei 
03.28 min]). Sie liebe ihn nicht mehr; er habe hier zu viele «Scheisse» gemacht (in 
Deutsch; bei 03.41 min]). Ohne sie habe er nichts in der Schweiz und sei nichts 
(«Rien tu as ici sans moi. Rien!» [bei 01.15 min]). Überdies warf sie ihm vor, dass er 
mit Drogen handle und sie schlage (z.B. «Tu vends la drogue, la drogue. Des kilos, 
des kilos» [bei 01.42 min]; «Lui il vend la drogue et me frappe. La dernière fois j’ai 
presque mourue» [bei 01.57 min]). Der Beschuldigte seinerseits warf dem Opfer u.a. 
vor, alkoholabhängig zu sein (in Deutsch; z.B. bei 08.48 min und 10.31 min) und sei-
nerseits Drogen zu konsumieren (in Deutsch; z.B. bei 05.55 min), keinen Respekt 
vor dem Mann und der Heirat zu haben (in Deutsch; bei 04.54 min) und mit anderen 
Männern zu schlafen (in Deutsch; z.B. bei 05.16 min und 08.38 min). Er überwache 
ihr Leben («Ich schauen alles deine Leben»; bei 05.52 min). Er schlage sie nicht, 
sondern sie habe seine Sachen zerstört (in Deutsch; bei 08.56 min). Gegen Ende 
der Aufnahme sagte der Beschuldigte zu ihr, dass er sie bis jetzt noch nicht beim 
Sex mit einem anderen Mann gesehen habe, doch wenn dies passieren sollte, sie 
ein grosses Problem haben würde (in Deutsch; bei 10.01 min).

Aus dieser Auseinandersetzung wird die vorerwähnte angespannte Beziehungssi-
tuation zwischen dem Beschuldigten und dem Opfer eindrücklich vor Augen geführt. 
Bemerkenswert ist insbesondere, dass der Beschuldigte offenbar stets vermutete, 
dass seine Ehefrau ihn betrügen würde, weshalb er sie überwachte. Er forderte von 

14

J.________ Respekt vor ihm und dem Institut der Ehe und drohte ihr – nicht näher 
spezifizierte – «grosse Probleme» an, sollte sie ihm untreu sein.

8.2.4 Zum Tatablauf

Betreffend das engere Tatgeschehen hielt die Vorinstanz folgenden Sachverhalt für 
erstellt (pag. 3505 f.):

Als der Beschuldigte am frühen Morgen ins Haus kam, war das Opfer wach. Die Aussagen, dass es 
dann im Wohnzimmer zum heftigen verbalen Streit kam, bei dem sich beide Ehegatten gegenseitig 
Vorwürfe machten und sich beleidigten (vgl. p. 757 f. Z. 132 ff.,), sind angesichts der konfliktgeladenen 
Ehegeschichte glaubhaft (vgl. dazu auch die nachfolgenden Erwägungen zum Tatmotiv, Ziff. 5.5). 

Während des Streits ging der Beschuldigte in die Küche und holte das Messer. Das Opfer befand sich 
im Wohnzimmer und muss erkannt haben, dass ein Angriff durch den Beschuldigten bevorstand. Des-
halb floh das Opfer ins Schlafzimmer und hielt die Tür zu. Dass das Opfer wohl erkannte, dass der 
Beschuldigte ein Messer behändigte, hat der Beschuldigte grundsätzlich bestätigt (p. 758 Z. 159, p. 783 
Z. 527 f. und 534 ff.). In der Hauptverhandlung hat er dann abweichend zu Protokoll gegeben, das Opfer 
habe das Messer nicht gesehen, als es ins Schlafzimmer geflüchtet sei (p. 3398 Z. 43 ff.). Die unstrittig 
erfolgte Flucht macht jedoch nur Sinn, wenn das Opfer die Gefahr erkannte.  

Der Beschuldigte konnte die vom Opfer mit Körperkraft zugehaltene Tür zum Schlafzimmer aufdrücken 
(p. 784 Z. 542 ff.). Der Beschuldigte hat geltend gemacht, er wisse nicht genau wo er das Opfer mit den 
ersten Schnitten und Stichen getroffen habe (p. 784 Z. 563 f.). Aufgrund des dynamischen Geschehens 
und der Abwehrbewegungen des Opfers erscheint dies glaubhaft und es kann davon ausgegangen 
werden, dass die ersten Verletzungen unkontrolliert zugefügt worden sind. Die ersten Stiche erfolgten 
gegen den Oberkörper (p. 784 Z. 575). Aus den verschiedenen Abwehrverletzungen ergibt sich, dass 
mehrere Stiche erfolgt sein müssen (p. 563 f.). Die in der Anklageschrift aufgeführten Verletzungen 
durch diese Stiche (elf Hautdurchtrennungen an den Händen, eine Stichverletzung am rechten Unter-
arm, zwei Abhebungen der Oberhaut an der linken Schultervorderseite) sind durch das rechtsmedizini-
sche Gutachten erstellt (p. 561, p. 570 ff.). Das Opfer ging dann zu Boden. Der Beschuldigte ergriff mit 
der linken Hand die Haare des am Boden liegenden Opfers, führte den Kopf auf seinen Oberschenkel 
und führte mit dem Messer in der rechten Hand dem Opfer mehrere Schnittverletzungen am Hals-/Kopf-
bereich zu (p. 784 sowie Tatrekonstruktion, p. 502 ff.). Diese Schnitte wurden folglich kontrolliert zuge-
fügt (Tatrekonstruktion, p. 502 ff. und p. 785 Z. 592 ff.). Nachweislich sind drei Schnitte im Kopf-/Hals-
bereich erfolgt, welche zu den in der Anklageschrift aufgeführten Verletzungen führten (p. 561 f., p. 569 
f.). Weitere Schnitte sind möglich (p. 563), jedoch nicht zweifelsfrei erstellt, zumal der Beschuldigte 
weitere Schnitte bestreitet (p. 785 Z. 602 ff.). 

Diese Darstellung trifft zu. Sie gründet auf den Aussagen des Beschuldigten bei Po-
lizei, Staatsanwaltschaft und der Tatrekonstruktion und stimmt mit den objektiven 
Beweismitteln (Spurenbild, IRM-Gutachten) überein.

Der Beschuldigte gab an, dass er nach dem Betreten des Schlafzimmers auf das 
Opfer eingestochen habe. Dabei sei dieses zunächst zu Boden gegangen, habe sich 
wieder erhoben und habe einige kleine Schritte nach hinten gemacht, vielleicht einen 
Meter. Dann sei es wieder zu Boden gegangen (pag. 762 Z 368 ff.). Anschliessend 
habe er, so der Beschuldigte, den Kopf des Opfers auf seinen Oberschenkel gezo-
gen und auf dessen Hals eingestochen bzw. auf diesen eingeschnitten (pag. 785 

15

Z 589 f., pag. 782 Z 501 f.). Bezüglich der Anzahl der Stiche bzw. Schnitte ver-
mochte der Beschuldigte keine sicheren Angaben zu machen. Er habe «[v]ielleicht 
zwei drei Male» geschnitten (pag. 785 Z 604). 

Aus dem rechtsmedizinischen Gutachten zum Todesfall, erstellt durch das Institut 
für Rechtsmedizin der Universität Bern (nachfolgend: IRM; pag. 559 ff.), ergibt sich, 
dass das Opfer mindestens 16 Schnittverletzungen und eine Stichverletzung aufwies 
– davon drei im Gesichts- und Halsbereich, zwei an der linken Schultervorderseite 
sowie mindestens elf an den Händen – sowie eine Stichverletzung am rechten Un-
terarm hatte. Weiter konnten bei ihm diverse Verletzungen infolge stumpfer Gewalt 
festgestellt werden (pag. 561).

Die an den Händen festgestellten Schnittverletzungen wertete das IRM überwiegend 
als Abwehrverletzungen (pag. 563). Diese Feststellung lässt sich mit den Schilde-
rungen des Beschuldigten ohne Weiteres in Einklang bringen: So versuchte das Op-
fer die ersten Stiche gegen seinen Oberkörper mit den blossen Händen abzuwehren, 
wodurch es an den Händen getroffen wurde. Auch die Stichverletzung am Unterarm 
sowie die zwei an der linken Schultervorderseite dürften im Zuge dieser Abwehr-
handlungen entstanden sein und stützen den vom Beschuldigten beschriebenen Tat-
ablauf.

Diese Abwehrverletzungen waren allerdings nicht todesursächlich. Der Tod des Op-
fers wurde mutmasslich durch das Eindringen von Luft in das Gefässsystem mit den 
Folgen einer Sauerstoffmangelversorgung des Hirns und/oder eines mechanischen 
Herzpumpversagens herbeigeführt (pag. 564), wozu einer der Stiche in den Hals 
kausal war:

Dem Gutachten des IRM zufolge wurden dem Opfer drei Schnittverletzungen im Ge-
sicht- und Halsbereich zugefügt:

‒ eine an der rechten Gesichtshälfte mit vollständiger Durchtrennung des rech-
ten Kopfwendermuskels (16 cm lang und 2 cm weit klaffend; Verletzung 
Nr. 1);

‒ eine mit Hautdurchtrennung an der rechten Unterkieferseite (4 cm lang und 
0.7 cm weit klaffend; Verletzung Nr. 2) und

‒ eine weitere am Hals (18 cm lang und 5 cm weit klaffend; Verletzung Nr. 3) 
mit vollständigen Durchtrennungen der rechten inneren Drosselvene, der 
rechten gemeinsamen Halsschlagader des Kehlkopfes, der vorderen Hals-
muskulatur und weiteren Muskeln und Abbrüchen von Knochen (Querfortsatz 
des 4. Halswirbelkörpers und Knochendefekt am Wirbelgelenk zwischen dem 
3. und 4. Halswirkbelkörper). Die Tiefe dieser Verletzung, die bis auf die Hals-
wirbelsäule reicht, spricht für mehrere Schnittbewegungen, die am Schluss 
das Gesamtbild der Verletzung Nr. 3 ergaben.

Zum Zeitpunkt der Entstehung der Verletzung Nr. 3 wies das Opfer nach dem IRM-
Gutachten noch einen funktionierenden Kreislauf auf und war deshalb noch am Le-
ben. Offensichtlich war diese Verletzung die für den Tod des Opfers entscheidende 
Schnittverletzung: Vorher war das Opfer noch am Leben, nachher kaum mehr. Daran 

16

ändert sich nichts, wenn die Verletzung Nr. 3 als erster der drei Schnitte in den 
Gesichts-/Halsbereich beigebracht worden wäre.

Der Beschuldigte wehrt sich gegen den Vorwurf, wonach er das Opfer langsam habe 
ausbluten und ersticken lassen, indem er vorbringt, dass bereits der erste Schnitt in 
den Hals tödlich gewesen sei.

Hierzu ist zunächst festzuhalten, dass es als beweismässig erstellt gelten kann, dass 
dem Opfer mindestens drei Schnitte in den Hals zugefügt wurden. Dies ergibt sich 
nicht nur aus dem IRM Gutachten, sondern auch aus den Aussagen des Beschul-
digten. So hat dieser erklärt, dass er mit dem Opfer noch gesprochen habe, ehe es 
gestorben sei, «[m]aximal 40 Sekunden – also nicht mehr als eine Minute» (pag. 11 
Z 205). Er habe sie gefragt, weshalb sie ihm das angetan habe; er habe in diesem 
Moment irgendwie Freude gehabt, habe gelächelt und sie dann geküsst (pag. 785 
Z 611 ff.). Nach den Schnitten in den Hals lebte das Opfer noch, was der Beschul-
digte explizit bestätigte (pag. 786 Z 629 ff.; pag. 3817 Z 36 ff.). Er habe dies an des-
sen Atmen erkannt (pag. 3817 Z 42 ff.). Obgleich der Beschuldigte wusste, dass 
J.________ noch lebte, er ihre Verletzungen und ihren Todeskampf sah, liess er sie 
weiter leiden. Er sprach mit ihr während sie nach und nach verblutete und erstickte. 
Währenddessen küsste er sie, da er ihr bei der Heirat versprochen habe, dass er sie 
küssen werde, wenn sie sterbe (pag. 12 Z 255 f.). Er erfreute sich gar an seiner Tat, 
fühlte sich erleichtert «[a]ls ob man neu geboren werden würde – als ob man neu zur 
Welt käme» (pag. 786 Z 624) – und wurde in seinem Glauben bestärkt (pag. 792 
Z 847 ff.; pag. 3818 Z 13 ff.).

Aufgrund dieser Aussagen erachtet es die Kammer zweifelsohne als erstellt, dass 
der Beschuldigte das Opfer langsam ausbluten und ersticken liess und es – entge-
gen seinen Behauptungen – nicht unmittelbar nach dem ersten Stich tot war.

Schliesslich wies das Opfer gemäss IRM-Gutachten noch eine weitere auffällige Ver-
letzung auf, nämlich eine Einblutung ins Weichteilgewebe im Bauchraum rechtsseitig 
der Wirbelsäule. Diese Verletzung hatte keine todesursächliche Relevanz, lässt aber 
an eine eher heftige stumpfe Gewalt gegen den Bauchraum des Opfers vor dessen 
Versterben denken (pag. 563). Obwohl der Beschuldigte erklärte, zu 99 % habe er 
diese Verletzung verursacht, er könne sich aber nicht erinnern, wie er das gemacht 
habe (pag. 544 f.; pag. 786 f. Z 648 ff.), erachtete die Vorinstanz es nicht als erwie-
sen, dass der Beschuldigte das Opfer geschlagen hatte. 

Dies lässt sich nach Auffassung der Kammer nicht halten. Die Begründung der Vor-
instanz, der Beschuldigte habe ein Messer in der rechten Hand gehabt, weshalb ein 
Zuschlagen oder Zutreten nicht naheliegend sei (pag. 3506), vermag in keiner Weise 
zu überzeugen. Das weiter angeführte Argument, die Verletzung könnte auch bei 
einem Sturz im Schlafzimmer oder sonstwo oder einer anderen körperlichen Ausein-
andersetzung entstanden sein, die nicht im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt 
stehe, ist theoretischer Natur: Es ist höchst unwahrscheinlich, dass eine solch auf-
fällige Verletzung von einem blossen Zu-Boden-Gehen herrührt, da sich ein derarti-
ger Aufprall nicht mit den im Vordergrund stehenden «heftigen, stumpfen Gewalt» 

17

vereinbaren lässt. Und für das Entstehen der Verletzung in einer anderen körperli-
chen Auseinandersetzung des Opfers mit irgendeiner anderen unbekannten Person, 
fehlen jede Hinweise.

Die Kammer geht deshalb davon aus, dass der Beschuldigte das Opfer vor den töd-
lichen Schnitten auch heftig in den Bauch schlug und/oder trat.

Anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung gab der Beschuldigte erstmals 
an, er habe das Messer nicht in der Küche geholt, sondern dieses sei beim Eingang 
der Wohnung bereitgelegen (pag. 3819 Z 3 ff.). Jemand müsse es dort hingelegt ha-
ben, vielleicht das Opfer oder eine Drittperson. Mit diesem Dritten meint der Beschul-
digte mutmasslich den Exfreund des Opfers, Q.________. Dieser sei – wie der Be-
schuldigte ebenfalls erstmals an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung vor-
brachte – eine Woche oder zehn Tage vor der Tat mit einem Messer zu ihnen ge-
kommen und habe dieses «dort» hingelegt (pag. 3816 Z 35 ff.). In Anbetracht der 
eingangs erwähnten Aussage, wonach das Messer beim Eingang der Wohnung ge-
legen habe, ist zu vermuten, dass der Beschuldigte mit «dort» ebendiesen Ort 
meinte. Diese Aussage ist indes wenig glaubhaft: So äusserte sich der Beschuldigte 
während des gesamten Verfahrens stets dahingehend, dass er das Messer in der 
Küche holen gegangen sei; zu keinem Zeitpunkt sprach er davon, dass das Messer 
beim Eingang der Wohnung bereitgelegen habe. Die Motivation für dieses geänderte 
Aussageverhalten des Beschuldigten dürfte darin liegen, dass er damit von seiner 
Schuld für die Tat ablenken will: So gab er denn in der oberinstanzlichen Hauptver-
handlung auch an, dass er nichts geplant habe. Vielmehr sei die Tat von jemandem 
für ihn geplant worden (pag. 3816 Z 38 f.). Es sei Schicksal gewesen (pag. 3818 
Z 16 f.). Das könne jedem passieren (pag. 3818 Z 5 f., pag. 3819 Z 42 ff.). In diesen 
Aussagen zeigt sich, dass der Beschuldigte auch heute noch die Verantwortung für 
die Tat nicht übernehmen will, sondern auf andere abzuschieben versucht. Während 
er im Laufe des Verfahrens die Schuld an der Tat mehrfach dem Opfer zuschob, soll 
dafür nun das durch «den lieben Gott» (pag. 3820 Z 2 ff.) bestimmte Schicksal hin-
halten. Im Ergebnis erachtet die Kammer die Aussage des Beschuldigten, wonach 
das Messer beim Eingang der Wohnung bereitgelegen habe, nicht als glaubhaft. 
Vielmehr ist – wie in der Anklageschrift erwähnt – davon auszugehen, dass der Be-
schuldigte das Messer in der Küche behändigte.

Anzufügen bleibt, dass die Rüge des Verteidigers, wonach die Vorinstanz bei der 
Würdigung des Sachverhalts zum Tatvorgehen von der Anklageschrift abgewichen 
sei (pag. 3842), unbehelflich ist: Das vorinstanzliche Beweisergebnis ist vom ange-
klagten Sachverhalt ohne Weiteres umfasst.

8.2.5 Zum Motiv

Die Vorinstanz hielt zum Motiv des Beschuldigten fest, aufgrund der tatnahen 
Erstaussage gegenüber dem Polizeinotruf sowie den Ausführungen über sämtliche 
Einvernahmen hinweg bestünden keine Zweifel, dass sich das Tatmotiv des Be-
schuldigten in Eifersucht und Rache darüber finde, dass ihm das Opfer nach seinen 
Vorstellungen untreu gewesen sei. Damit zusammenhängend sei verletzter Stolz 
hinzugekommen, da ihm das Opfer aus seiner Sicht mangelnden Respekt gezeigt 
habe (pag. 3509).

18

Die Kammer schliesst sich diesen Feststellungen an. Der Beschuldigte erklärte an-
lässlich seines Anrufs beim Polizeinotruf wörtlich: «Meine Frau figgen mit meinen 
Kollegen» (pag. 408). Die direkte Frage des Staatsanwalts, ob er J.________ um-
gebracht habe, weil sie ihm untreu gewesen sei, bejahte er unverhohlen: «Ja. Und 
das ist der Grund, wieso ich sie umgebracht habe» (pag. 787 Z 677 f.). In zahlreichen 
Einvernahmen betonte er die angebliche Untreue seiner Ehefrau (pag. 749 Z 221 f.; 
pag. 749 Z 230 f., pag. 755 Z 46 ff., pag. 757 Z 111 ff.). Er habe sie in der Tatnacht 
mit einem R.________ auf der S.________ in T.________ beim Sex beobachtet 
(pag. 740 Z 224 ff.). Bevor er das Messer in der Küche behändigt habe, habe er zum 
Opfer gesagt: «Du hast mich betrogen» (pag. 760 Z 288) und während er auf dieses 
einstach, habe er (auf Französisch) gefragt: «Du betrügst mich? Wie betrügst du 
mich?» (pag. 763 Z 414; bestätigt: pag. 790 Z 800).

Dem Beschuldigten scheint es überaus wichtig gewesen zu sein, dass ihm seine 
Ehefrau treu ist: «[…] Für mich ist es unmöglich, dass während der Ehe einer der 
Ehegatten den anderen betrügt und fremdgeht. Das ist unmöglich. Das sind Pflichten 
und Rechte von beiden, die respektiert werden müssen» (pag. 775 Z 231 ff.). Wie 
zentral ihm die Treue war, zeigt auch sein Vergleich mit der Pflichtverletzung eines 
Soldaten: «Jeder Betrug ist sehr schlecht. Auch wenn ein Soldat seine Pflicht für sein 
Heimatland nicht leistet, wird er schwer bestraft. In den östlichen Ländern wird man 
mit dem Tod bestraft» (pag. 787 Z 685 ff.). Er habe dem Opfer denn auch gesagt, 
dass sie ihn nie betrügen solle, da dies zur Katastrophe führen könne (pag. 757 
Z 110 f.). Dass es schliesslich dazu gekommen ist, sei alleine die Schuld des Opfers 
(pag. 782 Z 483 ff.). Der Beschuldigte sah sich offenbar aus moralischen und/oder 
religiösen Gründen dazu verpflichtet, J.________ zu töten: «Ich als Muslim betrüge 
nie. Ich schlafe nur mit meiner Frau, sonst mit niemandem. Wenn sie mich betrügt[,] 
werde ich meinen Kopf, meine Nerven und mein Herz verlieren. Wenn ich sie betrüge 
und sie würde mich dafür töten, würde sie richtig handeln und ich würde ihr verzei-
hen. Ja[,] sie hat tausend Mal das [R]echt[,] mich zu töten, wenn ich sie betrüge» 
(pag. 757 Z 126 ff.). Dass er durch die Tat nun seiner Verpflichtung nachgekommen 
ist, zeigt sich etwa in dessen Aussage, wonach er sich nach dem Tod von 
J.________ erleichtert und wie neu geboren gefühlt habe (pag. 786 Z 623 f.).

Des Weiteren gab der Beschuldigte an, dass ihn das Opfer regelmässig beleidigt 
und beschimpft habe, was auch sei ein Grund gewesen sei, J.________ zu töten 
(pag. 787 Z 680 ff.). Er fühlte sich von ihr ungerecht behandelt (pag. 788 Z 699 f.) 
und als Ehemann nicht respektiert (pag. 747 Z 125 ff.). Allerdings war der sich in 
diesem Verhalten manifestierende mangelnde Respekt gegenüber ihm nicht der 
primäre Beweggrund, seine Ehefrau zu töten (vgl. pag. 787 Z 682), sondern gesellte 
sich zum Hauptmotiv der vermuteten Untreue hinzu.

Im Ergebnis erblickt die Kammer – wie die Vorinstanz – das Motiv des Beschuldigten 
in dessen Eifersucht, seinem verletzten Stolz sowie in der Rache für die (vermutete) 
Untreue des Opfers.

8.2.6 Zur Frage nach einer Affekttat

Die Kammer ist der Auffassung, dass keine Affekttat vorliegt. Dagegen spricht vorab, 
dass der Beschuldigte gemäss seiner eigenen Aussage, bereits als er J.________ 

19

auf der S.________ mit einem anderen Mann beim Sex beobachtet haben will, – 
also nicht in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Tat – mit dem Gedanken spielte, seine 
Ehefrau zu töten (pag. 789 Z 736): Es sei das erste Mal in seinem Leben gewesen, 
dass er Tötungsgedanken gehabt habe. Und auch später, als er in T.________ in 
die Disco ging, dachte er daran (pag. 788 Z 726 ff.). Überdies bedrohte der Beschul-
digte das Opfer bereits früher mit dem Tod. Nicht anders ist die Aussage von 
C.________ zu verstehen, wonach ihn J.________ im Januar aufgefordert habe, sie 
jede Stunde anzurufen, um zu überprüfen, ob sie noch lebe (pag. 616 Z 230 f.; vgl. 
auch pag. 631 Z 40 f. und die Notiz von C.________ vom 16. Januar 2016 auf 
pag. 623: «Als J.________ wieder von Bedrohung durch A.________ u ihre Angst 
spricht [angeblich hat er sie am Mittwoch wieder fast erwürgt], […]»). Im nämlichen 
Sinn hat sich auch der Beschuldigte (implizit) geäussert (pag. 757 Z 110 f.: «Ich habe 
ihr auch gesagt, dass sie mich nie betrügen solle, da dies zur Katastrophe führen 
könne» und pag. 761 Z 334 ff.: «Ich habe ihr gesagt, dass sie einen grossen Krimi-
nellen mache, wenn sie so weiter mache. Jetzt bin ich halt ein grosser Krimineller. 
Sie wollte, dass ich [r]eligionslos bin»). Auch die (angebliche) Aussage am Tattag 
gegenüber U.________ am Bahnhof, nachdem er das Opfer beim Treffen mit 
U.________ beobachtet hatte («Gut, das[s] ich dich noch gesehen habe», pag. 692 
Z 150 f.), deutet darauf hin, dass der Beschuldigte bereits vorher die Tötung von 
J.________ ins Auge fasste.

Demgegenüber gab der Beschuldigte an, die Selbstbeherrschung verloren zu haben: 
«Sie hat mich seit zwei Jahren beleidigt. Heute Morgen war es mir einfach zu viel 
und ich konnte es nicht mehr ertragen. Sie hat mich provoziert und es stresste mich 
immer mehr» (pag. 738 Z 103 ff.; ähnlich pag. 10 Z 186 ff. und pag. 737 Z 97 f.: «Sie 
machte mir Stress und ich verlor meine Selbstbeherrschung. Ich war eine kurze Zeit 
Offside»). Diese Aussagen relativierte der Beschuldigte später jedoch wieder 
(pag. 787 Z 682: «Ja sicherlich, aber eine Beleidigung ist nicht vergleichbar mit be-
trügen oder fremdgehen»), was zeigt, dass nach seiner Ansicht nicht die Beleidigun-
gen an diesem Morgen, sondern das langgehegte Gefühl der Untreue für die Tat 
ausschlaggebend war.

Schliesslich hat auch der Gutachter im Zusammenhang mit dem Vorliegen der 
Schuldfähigkeit die Frage nach der Affekttat aus psychiatrischer Sicht geprüft und 
nach sorgfältiger Abwägung verworfen (siehe Gutachten pag. 2423 ff., bestätigt im 
Ergänzungsgutachten II pag. 3320): Obgleich die Analyse des dem Beschuldigten 
vorgeworfenen und von ihm auch eingeräumten Tatgeschehens erkennen lasse, 
dass auf ihn durchaus einige Merkmale zuzutreffen scheinen, welche für eine Affekt-
tat sprächen – etwa die spezifische Vorgeschichte mit anhaltenden Affektspannun-
gen und die wiederholten Kränkungserlebnisse im Rahmen des chronischen Ehe-
konfliktes –, überwiegten jedoch die Negativ-Merkmale, namentlich die Hinweise auf 
aggressive Vorverhalten gegenüber dem Opfer, angedeutete oder auch explizit for-
mulierte Ankündigungen der Tat, der nicht nachweisbare eindeutige und zeitlich 
enge Zusammenhang zwischen Provokation, Erregung und Tat, der ebenfalls nicht 
belegbare typische Affektaufbau (kein rechtwinklig einsetzender hochgradiger Af-
fekt), die zielgerichtete Gestaltung des in Etappen verlaufenden Tatgeschehens, fer-
ner die offenbar weitgehend erhaltene Introspektionsfähigkeit des Beschuldigten bei 

20

der Tatausführung, seine exakte und recht detailreiche Erinnerung an das Tatge-
schehen, die fehlende bzw. nicht belegte schwere seelische Erschütterung nach der 
Tat und nicht zuletzt auch seine in den Einvernahmen wie auch in der Begutachtung 
wiederholte rationale Rechtfertigung der Tötungshandlung.

Diese Ausführungen sind nachvollziehbar und überzeugen, weshalb im Ergebnis die 
Frage nach einer Affekttat zu verneinen ist.

8.2.7 Rechtserheblicher Sachverhalt zum Tatgeschehen

Die Kammer hält aus diesen Gründen den Anklagesachverhalt – ähnlich der Version 
der Vorinstanz (pag. 3510) – wie folgt als erwiesen:

Zwischen dem Beschuldigten und dem Opfer kam es am frühen Morgen des 6. Fe-
bruar 2016 am gemeinsamen Domizil in I.________ zu einem heftigen verbalen 
Streit im Wohnzimmer über die gemeinsame Ehesituation und das gegenseitige Ver-
halten. Dies nachdem es zwischen ihnen bereits rund zwölf Stunden vorher zu einer 
verbalen Auseinandersetzung gekommen war, anlässlich welcher das Opfer den Be-
schuldigten beschimpfte, ihn aufforderte die Beziehung zu ihr zu beenden und die 
Schweiz zu verlassen und erklärte, sich scheiden lassen zu wollen.

Der Beschuldigte begab sich dann in die Küche und behändigte dort ein Victorinox-
Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 19 cm (Gesamtlänge des Messers: 
31 cm) und kam ins Wohnzimmer zurück. Das Opfer floh – entweder bereits als sich 
der Beschuldigte in die Küche begab oder nach dessen Rückkehr mit dem Messer – 
ins Schlafzimmer und versuchte mit seiner Körperkraft die Türe zu versperren. Der 
Beschuldigte vermochte diese jedoch mit Gewalt aufzustossen, woraufhin er das 
Schlafzimmer betrat und mit dem erwähnten Küchenmesser auf das Opfer einzuste-
chen begann, wobei er zuerst auf den Oberkörper zielte. Das Opfer versuchte, die 
Stiche abzuwehren, wodurch es am rechten Unterarm (eine Stichverletzung), an der 
linken Schultervorderseite (zwei Hautabhebungen durch Schnitte oder Stiche) und 
an beiden Händen (elf Hautdurchtrennungen) verletzt wurde. Weiter versetzte der 
Beschuldigte dem Opfer Tritte oder Faustschläge in dessen Bauch. Das Opfer ging 
danach zu Boden, woraufhin der Beschuldigte stehend das Opfer an den Haaren 
packte und den Kopf auf seinen Oberschenkel führte. Dort fügte er dem Opfer, das 
mehrmals «Hör uf!» sagte, drei Schnittverletzungen im Hals- und Gesichtsbereich 
zu, wovon eine besonders tief war und bis auf den Halswirbelknochen reichte. Durch 
diese Schnitte durchtrennte er verschiedene wichtige Blutgefässe komplett und be-
wirkte beim Opfer die in der Anklageschrift umschriebenen Verletzungen. Während 
des Zustechens fragte er das Opfer auf Französisch: «Du betrügst mich? Wie be-
trügst du mich?» Das Opfer verstarb schliesslich nach diesem zwei- bis dreiminüti-
gen Angriff an den Folgen der Verletzungen aufgrund des Eindringens von Luft in 
das Gefässsystem gepaart mit einer Sauerstoffmangelversorgung des Hirns 
und/oder eines mechanischen Herzpumpversagens. Während ihres Todeskampfs 
fragte er J.________, weshalb sie ihm das angetan habe und küsste sie. Nachdem 
das Opfer verstorben war, legte er das Messer neben der Leiche auf den Boden, 
machte sich einen Kaffee, rauchte eine Zigarette und telefonierte mit seinem Bruder, 
ehe er um 05.39 Uhr die Polizei benachrichtigte.

21

Spätestens beim Holen des Messers in der Küche fasste der Beschuldigte den Ent-
schluss, das Opfer zu töten. Der Beschuldigte handelte so, weil er der Auffassung 
war, das Opfer sei ihm untreu gewesen und habe ihn als Ehemann zu wenig respek-
tiert.

8.3 Beweiswürdigung zum Gesundheitszustand des Beschuldigten zum Zeitpunkt der 
Tat

8.3.1 Zu den gutachterlichen Feststellungen und den Einwänden der Verteidigung

Besteht ernsthafter Anlass, an der Schuldfähigkeit des Täters zu zweifeln, so ordnet 
die Untersuchungsbehörde oder das Gericht nach Art. 20 des Schweizerischen 
Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB; SR 311.0) die sachverständige 
Begutachtung durch einen Sachverständigen an.

Die Staatsanwaltschaft holte zur Frage nach dem Gesundheitszustand des Beschul-
digten und der damit verbundenen Frage nach dessen Schuldfähigkeit im Tatzeit-
punkt mit Auftrag vom 18. Mai 2016 bei Dr. med. N.________ ein psychiatrisches 
Gutachten ein. Dieses wurde am 8. Dezember 2016 erstattet (pag. 2304 ff.) und in 
weiteren gutachterlichen Ausführungen aufgrund von Zusatzfragen der Parteien am 
13. April 2018 (pag. 2515 ff.) und am 29. April 2019 (pag. 3283 ff.) ergänzt. Schliess-
lich wurde der Gutachter von der Vorinstanz zur Hauptverhandlung vom 14. Mai 
2019 vorgeladen und dort ergänzend befragt (pag. 3406 ff.), wobei er nach der 
nachträglich durchgeführten Einvernahme des psychologischen Therapeuten lic. 
phil. V.________ (pag. 3413 ff.) nochmals ins Gericht zurückbeordert wurde, um mit 
den Ausführungen dieses sachverständigen Zeugen konfrontiert werden zu können 
(pag. 3418 f.). Auch oberinstanzlich wurde der Gutachter während fast zwei Stunden 
ausführlich befragt.

Der Gutachter kommt zum Schluss, dass der Beschuldigte zum Zeitpunkt der Tat 
unter folgenden Problemen gelitten habe (pag. 3317):

‒ chronifizierte (pag. 3824 Z 24 ff.), längerdauernde Anpassungsstörung;

‒ anamnestisch schädlicher Gebrauch multipler psychotroper Substanzen;

‒ leichte, unkomplizierte Alkoholintoxikation;

‒ ängstlich-selbstunsichere und emotional instabile (zum Teil borderlineartige) 
Persönlichkeitsakzentuierungen unterhalb der diagnostischen Schwelle einer 
lebensgeschichtlich überdauernden Persönlichkeitsstörung;

‒ anhaltende Anpassungsprobleme bei Veränderung der Lebensumstände 
und Schwierigkeiten bei der soziokulturellen Eingewöhnung nach Migration.

Gegen die gutachterlichen Schlussfolgerungen brachte der Verteidiger diverse Ein-
wände vor: Wie bereits vor der Vorinstanz machte er vor der Kammer geltend, dass 
der Beschuldigte im Tatzeitpunkt an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung gelitten 
habe und aufgrund dieser schuldunfähig gewesen sei (pag. 3844). Das Gutachten 
von Dr. med. N.________ kritisierte er als rechtsfehlerhaft, willkürlich, lückenhaft und 
aktenwidrig. Zur Begründung brachte er zusammengefasst vor, dass das Gutach-
tensergebnis der dokumentierten Krankengeschichte sowie den weiteren gestellten 

22

Diagnosen widerspreche. Sämtliche Einrichtungen, welche den Beschuldigten be-
handelt hätten, hätten ihm schwerwiegende Diagnosen gestellt (pag. 3844). Über-
dies habe Dr. med. N.________ in seinem ersten Gutachten 500 Seiten Krankenge-
schichte des Beschuldigten nicht berücksichtigt, was eine grobe berufsrechtliche 
Verletzung darstelle. Erst auf seine Intervention hin, habe er das nachgeholt 
(pag. 3843). Weiter habe der Gutachter kein testpsychologisches Verfahren ange-
wendet, was bei Verdacht auf depressive Störungen indes zwingend gewesen wäre 
(pag. 3844).

8.3.2 Zur Würdigung des Gutachtens im Allgemeinen

Nach Art. 10 Abs. 2 StPO würdigt das Gericht die Beweise frei nach seiner aus dem 
gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Gutachten sind Beweismittel, wes-
halb das Gericht bei dessen Würdigung frei ist. Indes hält das Bundesgericht in stän-
diger Rechtsprechung fest, dass Gerichte in Fachfragen – wozu die Beurteilung der 
Schuldfähigkeit durch psychiatrische Begutachtung zweifelsohne gehört (vgl. Art. 20 
StGB) – nicht ohne triftige Gründe seine Meinung anstelle jener des Experten setzen 
dürfen. Auf der anderen Seite kann das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise 
bzw. der Verzicht auf die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen gegen das 
Verbot willkürlicher Beweiswürdigung (Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizeri-
schen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV; SR 101]) verstossen. Erscheint 
dem Gericht die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, 
hat es nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben. Ein 
Gutachten stellt namentlich dann keine rechtsgenügliche Grundlage dar, wenn ge-
wichtige, zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien die Überzeugungskraft 
des Gutachtens ernstlich erschüttern. Das trifft etwa zu, wenn der Sachverständige 
die an ihn gestellten Fragen nicht beantwortet, seine Erkenntnisse und Schlussfol-
gerungen nicht begründet oder diese in sich widersprüchlich sind oder die Expertise 
sonst wie an Mängeln krankt, die derart offensichtlich sind, dass sie auch ohne spe-
zielles Fachwissen erkennbar sind (zum Ganzen BGE 142 IV 49 E. 2.1.3 S. 53; BGE 
141 IV 369 E. 6.1 S. 372 f.; Urteile des Bundesgerichts 6B_748/2019 vom 11. März 
2020 E. 1.3 und 6B_1165/2019 vom 30. Januar 2020 E. 1.3.3). Eine willkürliche Be-
weiswürdigung liegt nach ständiger Rechtsprechung nur vor, wenn die vorinstanzli-
che Beweiswürdigung schlechterdings unhaltbar ist, d.h. wenn die Behörde in ihrem 
Entscheid von Tatsachen ausgeht, die mit der tatsächlichen Situation in klarem Wi-
derspruch stehen oder auf einem offenkundigen Fehler beruhen. Dass eine andere 
Lösung ebenfalls möglich erscheint, genügt nicht (BGE 143 IV 241 E. 2.3.1 S. 244; 
BGE 141 IV 369 E. 6.3 S. 375, BGE 141 IV 305 E. 1.2 S. 308 f., je mit Hinweisen). 
Erforderlich ist, dass der Entscheid nicht nur in der Begründung, sondern auch im 
Ergebnis willkürlich ist (BGE 143 IV 305 E. 1.2 S. 309; Urteil des Bundesgerichts 
6B_1323/2019 vom 13. Mai 2020 E. 4.3.2).

8.3.3 Zur Würdigung des Gutachtens in formeller Hinsicht

Betreffend die formellen Aspekte des Gutachtens kann vorab auf die zutreffenden 
Ausführungen der Vorinstanz (pag. 3514 ff.) verwiesen werden. Ergänzend ist anzu-
merken, dass die Phase der Expertenauswahl mit der Gewährung des rechtlichen 
Gehörs zur Frage der Person des Experten rechtlich einwandfrei verlief und von den 
Parteien auch nicht bemängelt wurde. Erst nach Vorliegen des Gutachtens machte 

23

die Verteidigung geltend, der Gutachter sei fachlich unfähig und habe in den 
Ausstand zu treten – ein Anliegen, dem kein Erfolg beschieden war. Bei Dr. med. 
N.________ handelt es sich um einen erfahrenen forensischen Psychiater, der nach 
Erlangen seines Facharzttitels «Arzt für Psychiatrie» im Jahr 1995 bis 2008 am 
W.________ (Spital) in X.________ als Oberarzt an der Klinik für forensische Psych-
iatrie gearbeitet hatte, ehe er von 2011 bis 2017 beim AE.________ als leitender 
Arzt tätig war und im Jahr 2017 eine eigene Praxis für forensische Gutachten in 
Y.________ eröffnete. Er verfügt des Weiteren über das Zertifikat «Forensischer 
Psychiater» der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psy-
chosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) und bildete sich in tiefenpsycholo-
gisch fundierter Psychotherapie weiter (vgl. die Angaben auf der Website 
http://________.ch). Gemäss eigenen Angaben verfasste er in seiner Karriere bisher 
mindestens 300 grosse Schuldfähigkeits- und Prognosegutachten sowie mindestens 
500 Kurzgutachten zur Prognose (pag. 3822 Z 16 ff.).

Äusserlich imponieren die gutachterlichen Ausführungen durch ihre Gründlichkeit 
(Gutachtensumfang 137 Seiten, Ergänzungsgutachten I 19 Seiten, Ergänzungsgut-
achten II 42 Seiten). Das Hauptgutachten stützt sich (i) auf die bis zum Zeitpunkt der 
Erteilung des Gutachtensauftrags vom 16. Mai 2016 vorhandenen amtlichen Akten, 
die Akten, (ii) die umfangreichen Akten der KESB Z.________ und des Regionalen 
Sozialdienstes AA.________ über den Beschuldigten, das Opfer und deren Kinder, 
(iii) Auskünfte des zuletzt behandelnden Psychiaters Dr. med. AB.________, (iv) die 
Befund- und Verlaufsdokumentation des Gefängnispsychiatrischen Dienstes im Re-
gionalgefängnis P.________ (FPD-Berichte) und (v) die insgesamt mehr als sechs 
Stunden dauernde Untersuchung des Exploranden durch den Gutachter im Regio-
nalgefängnis P.________ am 4. Oktober 2016 und am 7. Oktober 2016, jeweils mit 
Hilfe eines arabischsprachigen Übersetzers (pag. 2305). Für das Ergänzungsgut-
achten II wurden (vi) zusätzlich sämtliche weiteren bis zum 26. April 2019 abgege-
benen Stellungnahmen des Gutachters (inkl. jene im Ergänzungsgutachten I) 
berücksichtigt, (vii) die vom Verteidiger zusammengetragenen Krankenunterlagen 
über den Beschuldigten zu dessen psychiatrischer Vorgeschichte, (viii) das Protokoll 
der letzten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme des Beschuldigen vom 11. Juni 
2018, (ix) die Schreiben des Verteidigers vom 7. Februar 2019 (pag. 3108 ff.) und 
vom 9. März 2019 (pag. 3131 ff.) sowie (x) die Erkenntnisse aus der zweistündigen 
gutachterlichen Nachuntersuchung und ergänzenden Exploration des Beschuldigten 
am 17. April 2019 in der M.________, welche ebenfalls unter Mitwirkung eines Über-
setzers stattfand. Zusätzlich wurden dem Gutachter die von der Staatsanwaltschaft 
edierten Notizen der Therapiegespräche von lic. phil. V.________ zugänglich ge-
macht (pag. 3162 ff.), welche ebenfalls in die gutachterliche Beurteilung Einfluss fan-
den (pag. 3298 ff.).

Diese Aufzählung zeigt, dass der Gutachter zur Abgabe seiner Einschätzung eine 
Vielzahl von Informationsquellen heranzog und diese ausführlich referierte. Der Vor-
wurf des Verteidigers, wonach der Gutachter durch Nichtberücksichtigung eines we-
sentlichen Teils der medizinischen Vorgeschichte des Beschuldigten eine «berufs-
rechtliche Verletzung» begangen habe, geht ins Leere: Bereits in seinem Hauptgut-
achten befasste sich Dr. med. N.________ ausführlich mit der psychiatrischen Vor-

24

geschichte des Beschuldigten (siehe exemplarisch pag. 2344 ff.). Die ihm für die Er-
stellung des Ergänzungsgutachten II unterbreiteten Unterlagen, welche der Verteidi-
ger zusammengetragen hatte und angeblich gänzlich unberücksichtigt geblieben 
sind, decken sich denn auch grösstenteils mit den bereits im Hauptgutachten berück-
sichtigten Quellen (vgl. pag. 3313), weshalb von Vornherein nicht von einer «berufs-
rechtlichen Verletzung» des Gutachters gesprochen werden kann.

Formelle Mängel sind jedenfalls bei der Begutachtung keine ersichtlich. Auf die ma-
teriellen Aspekte des Gutachtens ist nachfolgend einzugehen.

8.3.4 Zur psychiatrischen Diagnose

8.3.4.1 Zu den Einwänden der Verteidigung

Die Verteidigung macht – wie oben erwähnt (E. II.8.3.1) – zunächst geltend, dass die 
Diagnose nicht zutreffen könne, da sie mit den von Ärzten und Psychologen früher 
gestellten Diagnosen und insbesondere mit der Diagnose der aktuellen Therapeuten 
nicht übereinstimme.

Dieser Einwand wurde von Rechtsanwalt B.________ bereits vor der Vorinstanz ins 
Feld geführt, wozu diese jedoch zutreffend festhielt, dass die Diagnose des Gutach-
ters mitnichten allen früheren Diagnosen widerspräche: Da die übrigen Diagnosen 
unter sich bereits nicht deckungsgleich seien, sei es auch gar nicht möglich, dass 
sich die Diagnose des Sachverständigen mit sämtlichen bereits gestellten Diagno-
sen decken könne. Der Gutachter habe im ersten Ergänzungsgutachten nachvoll-
ziehbar begründet, weshalb sich seine Diagnose von anderen unterscheide. Die Er-
klärungen des Sachverständigen erachtete das Gericht denn auch als überzeugend 
(zum Ganzen pag. 3517).

Auch oberinstanzlich wurde Dr. med. N.________ mit dieser Frage und insbeson-
dere der Divergenz seiner Einschätzung zu jener, welche den Therapieberichten und 
Verlaufsdokumentationen des FPD zu entnehmen ist, konfrontiert (pag. 3831 
Z 10 ff.). Dabei legte er verständlich und nachvollziehbar dar, dass unterschiedliche 
Diagnosen zwischen Gutachtern und Therapeuten nicht unüblich seien und auf de-
ren unterschiedliche Rolle zurückzuführen seien: Während Therapeuten vorwiegend 
das Interesse hätten, ein schlüssiges Diagnosemodell zu formulieren, aufgrund des-
sen sie dann die Behandlung durchführen könnten, hätten Gutachter demgegenüber 
eine andere Herangehensweise: Sie gingen zunächst von einer Nullhypothese aus 
und untersuchten dann den Exploranden und seine Lebensgeschichte seit der Ge-
burt bis zum Delikt und danach. Anschliessend kämen sie zu einer integrierenden 
Einschätzung.

Überdies darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass eine nicht identische Termi-
nologie nicht zwingend eine andere Diagnose bedeutet: So wurde dem Gutachter 
anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung etwa die Frage unterbreitet, ob 
es einen Grund dafür gäbe, dass sowohl die ROS-Abklärung als auch der neuste 
Therapiebericht des FPD als Risikofaktoren u.a. das «polarisierende Beziehungs-
verhalten» erwähnten, wohingegen dieses im Gutachten nicht benennt werde. Die-
sen Vorhalt der (mutmasslich) divergierenden Diagnose vermochte der Gutachter 
indes damit zu entkräften, indem er glaubhaft ausführte, dass der Begriff des polari-
sierenden Beziehungsverhaltens eine sprachliche Neuschöpfung der Urbaniok-

25

Schule sei und dieses Verhalten in der von ihm diagnostizierten eingeschränkten 
Beziehungs- und Konfliktfähigkeit eingeschlossen sei (pag. 3829 Z 18 ff.).

Sowohl die Ausführungen der Vorinstanz als auch die Erklärungen des Gutachters 
anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung zeigen nachvollziehbar auf, wes-
halb sich die Diagnosen der den Beschuldigten in den letzten rund zehn Jahren be-
handelnden Ärzte und Psychologen nicht vollends decken. Daraus kann mitnichten 
abgeleitet werden, dass das Gutachten von Dr. med. N.________ unzutreffend 
wäre.

Zweitens brachte der Verteidiger vor, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt an 
einer Borderline-Persönlichkeitsstörung gelitten habe. Für die Diagnose einer sol-
chen müssten drei der fünf Kriterien gemäss ICD-10 erfüllt sein, wobei seiner Ansicht 
nach alle fünf erfüllt seien (pag. 3844).

Betreffend die Frage, weshalb Dr. med. N.________ im Unterschied zum Psycho-
therapeuten lic. phil. V.________ keine emotional instabile Persönlichkeitsstörung 
vom Borderline-Typus (ICD-10: F60.31) diagnostizierte, hielt die Vorinstanz – neben 
dem bereits oben genannten Argument der unterschiedlichen Aufgaben von behan-
delnden Therapeuten und gerichtlichen Sachverständigen – fest, dass der Gutachter 
über umfassende Aktenkenntnis verfügte, während lic. phil. V.________ sich einzig 
auf drei Aktenstücke habe stützen können (pag. 3519). Überdies seien die Therapie-
gespräche – anders als die Exploration durch den Gutachter – ohne Übersetzer 
durchgeführt worden, was aufgrund der nur knapp ausreichenden Sprachkenntnisse 
des Beschuldigten die Gefahr für Missverständnisse erhöhe (pag. 3520).

Die Kammer pflichtet dieser Auffassung vollumfänglich bei. Der Gutachter konnte 
namentlich im Ergänzungsgutachten II (pag. 3314 ff.) und in der oberinstanzlichen 
Einvernahme (pag. 3822 ff.) überzeugend darlegen, weshalb seiner Ansicht nach 
beim Beschuldigten zum Tatzeitpunkt keine Persönlichkeitsstörung vom Borderline-
Typus vorlag:

‒ So führte er zunächst aus, dass die vom Therapeuten lic. phil. V.________ 
in dessen Bericht vom 14. März 2019 erwähnten Auffälligkeiten in der Kind-
heit bzw. Jugend des Beschuldigten als auch die von diesem selbst erwähn-
ten Mangelerfahrungen und Ängste als Kind, das Erlebnis der sexuellen Un-
treue seiner Mutter und die Gewalttätigkeit seines Vaters nicht mit erhebli-
chen Störungssymptomen auf der Verhaltensebene und in seiner Sozialan-
passung verknüpft seien. Vielmehr seien diese von ihm «innerlich» erlitten 
worden, weshalb sie zwar als Indizien für eine neurotische (innerseelische) 
Problematik aufgefasst werden könnten. Allerdings liege diese eindeutig un-
terhalb der diagnostischen Schwelle einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, 
da eine solche definitionsgemäss bereits in der Kindheit oder Jugend klare 
und objektivierbare Borderline-Störungsmerkmale aufweisen müsste, wie 
etwa niedriges Struktur- und Objektbeziehungsniveau, unreife Abwehrme-
chanismen, nicht integrierte, rasch wechselnde Ich-Zustände, heftiges Aus-
agieren pathologischer Affekte mit entsprechenden sozialen Anpassungs- 
und Beziehungsproblemen, selbstverletzendes Verhalten, Essstörungen, 
Promiskuität im Sexualverhalten oder polyvalenter Drogenkonsum.

26

‒ Gegen eine Borderline-Persönlichkeitsstörung spreche weiter, dass der The-
rapeut beim Beschuldigten einen seit vielen Monaten stabilen und weitge-
hend unauffälligen psychischen Befund dokumentiert habe, was gerade nicht 
zu erwarten gewesen wäre, wenn der Beschuldigte tatsächlich an einer 
Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden würde, da der Beschuldigte an-
sonsten nicht innerhalb kurzer Zeit symptomfrei werde.

‒ Sämtlichen der vom Beschuldigten geschilderten, sich teilweise widerspre-
chenden Versionen zu dessen psychiatrischer Vorgeschichte liessen sich 
keine sicheren Belege oder auch nur hinreichende Anhaltspunkte dafür ent-
nehmen, dass bei ihm bereits seit Kindheit oder Jugend ein lebensgeschicht-
lich überdauerndes Muster erheblicher Fehlangepasstheit in verschiedenen 
psychischen Funktionsbereichen bestünde, was jedoch ein Eingangskrite-
rium für die diagnostische Feststellung einer Persönlichkeitsstörung gemäss 
ICD-10 darstellte. Vielmehr hätten sich die Verhaltensauffälligkeiten und fehl-
angepassten Reaktionen erst in der Schweiz nach der Migration des Be-
schuldigten klinisch manifestiert. Dafür, dass es an dieser Fehlangepasstheit 
beim Beschuldigten früher gefehlt habe, spreche auch seine Aussage, wo-
nach er in AC.________ während eines Jahres Militärdienst geleistet habe. 
So wäre es für eine an einer Borderline-Störung leidende Person praktisch 
unmöglich gewesen, diese Zeit durchzustehen.

‒ Schliesslich deute der kürzliche Abbruch der Therapie ebenfalls darauf hin, 
dass der Beschuldigte nicht an einer Borderline-Störung leide, da Borderline-
Gestörte nicht die Therapie abbrechen, sondern den Therapeuten so mal-
trätieren würden, dass dieser den Impuls verspürte, sich vom Patienten zu 
trennen.

Diese Interpretation erscheint schlüssig. Die emotional instabile Persönlichkeitss-
törung vom Borderline-Typus ist eine Erscheinungsform einer emotional instabilen 
Persönlichkeitsstörung. Wenn die Verteidigung vorbringt, dass für die Diagnose ei-
ner Borderline-Störung drei der fünf Kriterien nach ICD-10 erfüllt sein müssten, über-
sieht sie, dass neben den – von ihr angesprochenen – spezifischen Borderline-
Störungskriterien zusätzlich die nachfolgend aufgeführten allgemeinen Kriterien ei-
ner Persönlichkeitsstörung vorliegen müssen (vgl. MÜLLER JÜRGEN LEO/NEDOPIL 
NORBERT, Forensische Psychiatrie, 5. Aufl., Stuttgart/New York 2017, S. 216):

1. Deutliche Unausgeglichenheit in den Einstellungen und im Verhalten in meh-
reren Funktionsbereichen, wie Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle, Wahr-
nehmen und Denken sowie in den Beziehungen zu anderen.

2. Das abnorme Verhaltensmuster ist andauernd und nicht auf Episoden psy-
chischer Krankheiten begrenzt.

3. Das abnorme Verhaltensmuster ist tiefgreifend und in vielen persönlichen 
und sozialen Situationen eindeutig unpassend.

4. Die Störungen beginnen immer in der Kindheit oder Jugend und manifestie-
ren sich auf Dauer im Erwachsenenalter.

27

5. Die Störung führt zu deutlichem subjektivem Leiden, manchmal erst im späte-
ren Verlauf.

6. Die Störung ist meistens mit deutlichen Einschränkungen der beruflichen und 
sozialen Leistung verbunden.

7. Die Zustandsbilder sind nicht direkt auf Hirnschädigung oder -krankheiten 
oder auf eine andere psychische Störung zurückzuführen.

Voraussetzung für die Annahme einer Persönlichkeitsstörung ist damit offensichtlich 
ein «lebensgeschichtlich andauerndes Muster erheblicher Fehlangepasstheit in ver-
schiedenen psychischen Funktionsbereichen» (Ergänzungsgutachten II, pag. 3316), 
das beim Beschuldigten – wie der Gutachter nachvollziehbar ausführte – gerade 
nicht festzustellen ist. Der Gutachter verweist zudem darauf, dass der Therapeut die 
Borderline-Persönlichkeitsstörung offenbar lediglich als Deliktshypothese benutzt 
habe, um die Tat zu erklären (pag. 3831 Z 43 ff.). Dies sollte man – so der Gutachter 
– in der forensischen Begutachtung jedoch genau nicht tun (pag. 3832 Z 1 ff.). Viel-
mehr müsse man möglichst unabhängig vom Delikt Hinweise oder Belege für eine 
psychische Störung finden und erst in einem zweiten Schritt prüfen, wie sich diese 
auf die entscheidenden psychischen Funktionen, welche die Schuldfähigkeit konsti-
tuierten, ausgewirkt hätten (a.a.O). Mithin vermag auch dieses Vorbringen der Ver-
teidigung keine Zweifel an den gutachterlichen Schlussfolgerungen zu wecken.

Drittens brachte der Verteidiger schliesslich vor, dass der Gutachter kein testpsycho-
logisches Verfahren angewendet habe, was jedoch bei Verdacht auf depressive 
Störungen zwingend gewesen wäre.

Zur Frage nach der Vornahme testpsychologischer Abklärungen im Allgemeinen 
nahm Dr. med. N.________ bereits im Ergänzungsgutachten I Stellung, wobei er 
ausführte, dass er auf eine erweiterte testpsychologische Diagnostik (z.B. zum Per-
sönlichkeitsbild des Beschuldigten, zu dessen Intelligenzniveau oder zu dessen neu-
rokognitivem Leistungsprofil) verzichtet habe, da die dafür üblicherweise verwende-
ten Testinstrumente nicht in der Muttersprache des Beschuldigten vorlägen, auch 
nicht über Vermittlung durch einen Dolmetscher angewandt werden könnten und 
überdies nicht geeicht seien durch eine Vergleichsgruppe von aus AC.________ 
stammenden männlichen Erwachsenen, was die Interpretierbarkeit der Ergebnisse 
erheblich einschränken würde und keine verwertbaren Resultate erwarten liesse. Al-
lerdings seien für die Beantwortung der dem Gutachter unterbreiteten spezifischen 
Fragestellung ergänzende testpsychologische Abklärungen auch nicht erforderlich 
gewesen, weshalb darauf habe verzichtet werden können (zum Ganzen 
pag. 2519 f.).

Was den weiterführenden Einwand des Verteidigers anbelangt, wonach der Gutach-
ter betreffend die Frage nach der Depressivität des Beschuldigten kein testpsycho-
logisches Gutachten erstellt habe, führte Dr. med. N.________ anlässlich der obe-
rinstanzlichen Hauptverhandlung (pag. 3833 Z 12 ff.) aus, dass eine Depression 
nicht testpsychologisch diagnostiziert werden könne; vielmehr handle es sich dabei 
um eine klinische Diagnose. Da beim Beschuldigten jedoch weder klinisch noch nach 
dessen eigenen Angaben der Verdacht auf eine schwere depressiv-suizidale Ver-
fassung bestanden habe, habe es sich erübrigt, die Depression als nicht vorhandene 

28

psychische Störung quantitativ einzuschätzen. Überdies würde man auch mit einem 
Back-Depressionsinventarfragebogen nicht die Depression in der Zeit vor der Tat 
rückblickend in ihrer Schwere beurteilen können, sondern stets nur in jenem Mo-
ment, in dem man dieses Instrument einsetze.

Diese Ausführungen überzeugen. Der Gutachter legte mehrfach verständlich und 
nachvollziehbar dar, weshalb er darauf verzichtete, ein testpsychologisches Verfah-
ren anzuwenden. Die vom Verteidiger vorgetragene Kritik, welche notabene nicht 
substantiiert ist und folglich auch nicht nachvollziehbar ist, vermag die Überzeu-
gungskraft der gutachterlichen Folgerungen nicht in Zweifel zu ziehen.

Zusammenfassend schliesst sich die Kammer der ausführlichen und sorgfältigen 
Analyse des Gutachters zur psychiatrischen Diagnose an und erachtet die Vorbrin-
gen des Verteidigers nicht als überzeugend:

Der Verteidiger benutzt die Therapieberichte de facto als Gegengutachten. Dem 
steht vorab die fehlende Unabhängigkeit von Therapeuten entgegen (vgl. Urteil des 
Bundesgerichts 6B_828/2019 E. 1.4 vom 5. November 2019). Allerdings können 
Therapieberichte – wie Privatgutachten – geeignet sein, die Erstellung eines (zusätz-
lichen) Gutachtens zu rechtfertigen oder darzulegen, dass das gerichtliche oder amt-
liche Gutachten mangelhaft oder nicht schlüssig ist (Urteile des Bundesgerichts 
6B_82/2018 E. 3.3 vom 25. September 2018; 6B_53/2017 vom 2. Mai 2017 E. 1.3). 
Vorliegend gelingt indes weder das eine noch das andere: Dr. med. N.________ 
berücksichtigte in seinem Gutachten (inkl. der Ergänzungsgutachten) die gesamte 
Krankheitsgeschichte des Beschuldigten. Er legte einlässlich dar, wie er zu seiner 
Diagnose fand und erläuterte in nachvollziehbarer Weise, weshalb nicht alle beim 
Beschuldigten gestellten Diagnosen übereinstimmen können und müssen. Als er an-
lässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung unmittelbar mit der von seinen Fest-
stellungen abweichenden Diagnose von lic. phil. V.________ betreffend den Ge-
sundheitszustand des Beschuldigten während der Therapie konfrontiert wurde, ver-
mochte er überzeugend darzulegen, weshalb seine Tatzeitdiagnose zutreffend ist. 
Er beantwortete überdies sämtliche Ergänzungsfragen der Parteien sowie der 
Staatsanwaltschaft ausführlich und schlüssig und setzte sich dabei mit den Thera-
pieberichten sachlich auseinander und diskutierte alternative Diagnosen, um sie 
schliesslich zu verwerfen. Demgegenüber gehen die in den Therapieberichten an-
gestellten diagnostischen Überlegungen nicht über blosse Behauptungen hinaus. 
Deren Autoren setzen sich insbesondere nicht mit den gesamten gutachterlichen 
Ausführungen auseinander. Es bestehen mithin keine Anhaltspunkte dafür, welche 
am Ergebnis des Gutachtens Zweifel zu wecken vermöchten, geschweige denn des-
sen Überzeugungskraft ernstlich zu erschüttern in der Lage wären. Mithin sind keine 
triftigen Gründe ersichtlich, weshalb die Kammer in diesem Punkt von den gutach-
terlichen Feststellungen abweichen dürfte oder gar müsste.

8.3.4.2 Zum Schweregrad der vom Gutachter diagnostizierten Krankheitsbilder

Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Frage, ob eine psychische 
Störung «schwer» im Sinne von Art. 59 Abs. 1 und Art. 63 Abs. 1 StGB ist, und damit 
die Anordnung einer Massnahme zu prüfen ist, nicht Tat-, sondern Rechtsfrage (Ur-
teile des Bundesgerichts 6B_828/2019 vom 5. November 2019 E. 1.2.3; 6B_28/2017 

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vom 23. Januar 2018 E. 3.4; 6B_993/2013 vom 17. Juli 2014 E. 4.6). Bei der Beur-
teilung sind die diagnostischen Erhebungen des psychiatrischen Sachverständigen 
in Bezug zur Delinquenz zu setzen: Die Schwere der psychischen Störung entspricht 
im Prinzip dem Ausmass, in welchem sich die Störung in der Tat spiegelt (Deliktre-
levanz); die Störung muss als vorherrschende Ursache der Delinquenz erscheinen. 
Es darf indes nicht unbesehen auf die quantifizierende Angabe des Sachverständi-
gen abgestellt werden. Es ist durchaus möglich, dass eine Kombination von minder 
schweren Befunden eine Störungsqualität in der gesetzlich vorausgesetzten 
Schwere begründen (sog. Praxis einer Gesamtbetrachtung; zum Ganzen Urteil des 
Bundesgerichts 6B_933/2018 vom 3. Oktober 2019 E. 3.5.3 und 3.5.6).

Dr. med. N.________ hielt in seinem Gutachten fest, dass beim Beschuldigten «für 
die Tatzeit keine tatrelevante schwere psychische Störung festgestellt werden 
[konnte]» (pag. 2432; Hervorhebung im Original). In der Vorgeschichte wie auch im 
Tatvorfeld habe der Beschuldigte zwar an einer chronifizierten Anpassungsstörung 
mit Neigung zu depressiven Reaktionen sowie zu einem schädlichen Gebrauch mul-
tipler psychotroper Substanzen geneigt, ferner hätten bei ihm ängstlich-selbstunsi-
chere und emotional-instabile (impulsive) Persönlichkeitsakzentuierungen sowie An-
passungsprobleme und Schwierigkeiten bei der soziokulturellen Eingewöhnung 
nach seiner Migration bestanden, jedoch habe auch aus dem Zusammenwirken die-
ser verschiedenen psychosozialen Belastungsfaktoren – einschliesslich der für die 
Tatzeit anzunehmenden leichten Alkoholisierung – kein psychisches Störungsbild er-
heblicher Schwere resultiert (pag. 2436 f.). Aus gutachterlicher Sicht liege kein kau-
saler Zusammenhang zwischen der Tat und der psychischen Störung des Beschul-
digten vor (pag. 3320). Im Ergebnis hielt Dr. med. N.________ denn auch fest, dass 
– aus gutachterlicher Sicht – die Voraussetzungen für die Anordnung einer statio-
nären oder auch nur ambulanten therapeutischen Massnahme nach Art. 59 oder 
Art. 63 StGB nicht vorlägen (pag. 2438). An dieser Position hielt der Gutachter auch 
im Ergänzungsgutachten II fest (pag. 3323) und anlässlich der oberinstanzlichen 
Hauptverhandlung gab er zu Protokoll, dass er nach Kenntnis der aktuellen Berichte 
der FPD sowie der ROS-Abklärung keine neuen Erkenntnisse betreffend die ihm im 
Gutachtensauftrag unterbreitete Frage nach der Therapie und Massnahme gewin-
nen könne (pag. 3830 Z 36 ff.), er mithin weiterhin davon ausgeht, dass beim Be-
schuldigten keine schwere psychische Störung vorlag, welche als vorherrschende 
Ursache für die vorliegende Tat erscheint.

Der Vollständigkeit halber sei angeführt, dass Dr. med. N.________ im Ergänzungs-
gutachten II auf S. 35 (pag. 3317) versehentlich von einer «schwere[n], längerdau-
ernde[n] Anpassungsstörung […]» sprach. Anlässlich der Hauptverhandlung erklärte 
er allerdings, dass es sich dabei um einen Formulierungsfehler handle und es statt 
«schwere» «chronifizierte» heissen müsse (pag. 3824 Z 24 ff.).

Auf die Frage des Vorsitzenden in der oberinstanzlichen Hauptverhandlung, ob denn 
die Kombination dieser Störungen ihrerseits eine Störungsqualität von erheblicher 
Schwere zu begründen vermag, erklärte Dr. med. N.________ (pag. 3827 Z 7 ff.), 
dass wenn im Tatzeitpunkt nachweislich eindeutig depressiv-suizidale Symptome 
mitgewirkt hätten, man vom Vorliegen einer schweren psychischen Störung ausge-

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hen müsste. Allerdings fehle es an derartigen Belegen. Es sei für ihn nichts erkenn-
bar, das sich qualitativ von den anderen, dem Beschuldigten vertrauten, ihn aber 
sicherlich sehr belastenden, Umständen qualitativ abgehoben hätte. Folglich führte 
auch das Vorliegen multipler psychischer Störungen nicht zu einer Beeinträchtigung, 
welche das Mass einer schweren Störung erreichen würde.

Der Gutachter quantifizierte sämtliche Störungen des Beschuldigten (nach den 
psychiatrischen Quantifikationsskalen; siehe dazu dessen Ausführungen vor der 
Kammer auf pag. 3826 Z 18 ff.) nicht als schwer. Überdies erachtete er die Störun-
gen nicht als die vorherrschende Ursache für die vorliegende Tat. Die Kammer be-
trachtet diese Beurteilung als nachvollziehbar und schlüssig. Da die Schwere der 
psychischen Störung im Sinne von Art. 59 Abs. 1 und Art. 63 Abs. 1 StGB, gemäss 
der vorstehend zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung, nach dem Ausmass 
zu beurteilen ist, in welchem sich die Störung in der Tat spiegelt, der Gutachter je-
doch sämtlichen Störungsbildern keine hohe Tatrelevanz attestiert, können sämtli-
che Störungen für sich alleine betrachtet denn auch nicht «schwer» im rechtlichen 
Sinne sein. Dasselbe gilt im Ergebnis für die Kombination der einzelnen Störungen: 
Auch diese vermögen in einer Gesamtbetrachtung keine Störungsqualität in der ge-
setzlich vorausgesetzten Schwere zu begründen, was der Gutachter mehrfach ex-
plizit festhielt (z.B. pag. 2436 f.).

Folglich kann zusammenfassend festgehalten werden, dass der Beschuldigte im 
Tatzeitpunkt weder an einer oder mehreren schweren psychischen Störungen im 
Sinne einer psychiatrischen Klassifikation noch im Sinne von Art. 59 und Art. 63 
StGB litt (und bei ihm auch heute kein derartiges Leiden vorliegt) und auch die Kom-
bination seiner diese Schwelle nicht erreichenden Störungsbilder gesamthaft keine 
schwere Störung im Sinne der vorgenannten Normen zu begründen vermag.

8.3.4.3 Zur Schuldfähigkeit im Besonderen

War der Täter zur Zeit der Tat nicht fähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder 
gemäss dieser Einsicht zu handeln, so ist er nicht strafbar (Art. 19 Abs. 1 StGB); war 
er nur teilweise fähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser Ein-
sicht zu handeln, so mildert das Gericht die Strafe (Art. 19 Abs. 2 StGB). Während 
die Schuldunfähigkeit – mit Ausnahme der actio libera in causa von Art. 19 Abs. 4 
StGB – die Strafbarkeit per se ausschliesst, ist ein vermindert schuldfähiger Täter 
zwar zu verurteilen, doch ist im Rahmen der Strafzumessung der verminderten 
Schuldfähigkeit Rechnung zu tragen.

In seinem Gutachten vom 8. Dezember 2016 (pag. 2304 ff.) hielt Dr. med. 
N.________ auf die Frage nach der Schuldfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeit-
punkt fest, dass sich aus forensisch-psychiatrischer Sicht keine Anhaltspunkte dafür 
ergeben hätten, dass dieser im Zeitpunkt der Tat in seiner Fähigkeit, das Unrecht 
seiner Tat zu erkennen, oder auch in seiner grundsätzlichen Fähigkeit, sich gemäss 
seiner erhaltenen Unrechtseinsicht zu verhalten, erheblich beeinträchtigt gewesen 
sein könnte, weshalb der Gutachter zum Schluss kam, dass der Beschuldigte im 
Tatzeitpunkt schuldfähig war (pag. 2435). An diesem Ergebnis hielt der Gutachter 
auch in seinen beiden Ergänzungsgutachten vom 13. April 2018 (pag. 2515 ff.) und 

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vom 29. April 2019 (pag. 3283 ff.; insbesondere pag. 3318 ff.) fest und auch anläss-
lich seiner Einvernahmen vor dem erstinstanzlichen Gericht (pag. 3406 ff. und 
pag. 3418 f.) sowie der Kammer (pag. 3828 Z 38 ff.) sah er keine Gründe davon ab-
zuweichen.

Die Vorinstanz folgte der Auffassung des Gutachters und hielt mit Verweis auf des-
sen Ausführungen die Schuldfähigkeit für gegeben (pag. 3521 f.).

Rechtsanwalt B.________ kritisierte vor der Kammer insbesondere, dass der Gut-
achter von einer Alkoholintoxikation im Bereich von 0.57 und 1.49 Promille ausge-
gangen sei, jedoch betreffend seine Diagnose nicht zwischen diesen deutlich aus-
einanderliegenden Werten differenziert habe (pag. 3844).

Die Generalstaatsanwaltschaft erachtete in ihrem Plädoyer vor der Kammer das Er-
gebnis des Gutachters für zutreffend. Obgleich der Beschuldigte im Tatzeitpunkt an 
mehreren psychischen Störungen gelitten habe, bedeute das nicht per se, dass er 
schuldunfähig gewesen sei. Vielmehr hänge es davon ab, wie die psychischen 
Störungen bei der Tat gewirkt hätten. Der Gutachter habe erklärt, dass der Beschul-
digte im Tatzeitpunkt in seinem Urteilsvermögen nicht beeinträchtigt gewesen sei, 
was sich u.a. daran zeige, dass sich der Beschuldigte im Detail an das Verhalten von 
sich und seiner Ehefrau erinnern konnte. Auch die Ausführungen von Dr. med. 
N.________ zur Frage, ob die Alkoholintoxikation zum Tatzeitpunkt zu einer Aufhe-
bung oder einer Verminderung der Schuldfähigkeit geführt habe, erachtete die Ge-
neralstaatsanwaltschaft als überzeugend.

Die Kammer hält die gutachterliche Auffassung für schlüssig. Der Gutachter führte 
in seinem Ergänzungsgutachten II erneut aus, warum er beim Beschuldigten von er-
haltener Schuldfähigkeit ausgeht (pag. 3318 ff.). Er kam zum Schluss, dass die beim 
Beschuldigten vorliegende Anpassungsproblematik zum Tatzeitpunkt nur in abge-
schwächter, höchstens mittelschwerer Ausprägung ohne stärkere depressive Sym-
ptomatik und ohne suizidale oder selbstschädigende Tendenzen vorlag (pag. 3319). 
Eine eindeutige Tatrelevanz der beim Beschuldigten zu diagnostizierenden Störun-
gen sei nicht erkennbar (a.a.O). Der Beschuldigte sei zwar durch die chronische ehe-
liche Konfliktsituation und das von ihm als kränkend und provozierend erlebte Ver-
halten seiner Frau, die sich seiner Kontrolle offenbar zu entziehen versuchte, erheb-
lich belastet und habe sich zur Tatzeit in einer affektiv angespannten seelischen Ver-
fassung befunden (pag. 3321). Diese Belastungen hätten jedoch nicht zu erhebli-
chen – forensisch relevanten – Beeinträchtigungen in seiner Realitätsanpassung, 
seinem Urteilsvermögen, seiner Willensbildung und/oder seiner Handlungssteue-
rung und damit in seiner Fähigkeit, das Unrecht seiner Tat zu erkennen oder der 
Fähigkeit, sich gemäss dieser Einsicht zu verhalten, geführt (a.a.O.). Gemäss den 
Therapieberichten habe das Motiv erarbeitet werden können, dass Herr A.________ 
das Opfer lieber getötet hätte, als es zu verlieren (pag. 3828 f. Z 41 ff.). Wenn der 
Gutachter dies als «arg schlicht und simpel und doch eher wie das Ergebnis eines 
rationalen Überlegensprozesses» bezeichnete, erscheint das zutreffend.

Auch betreffend die Frage nach der Auswirkung des Alkoholkonsums sowie der Mü-
digkeit des Beschuldigten auf dessen Schuldfähigkeit äusserte sich der Gutachter, 
und zwar dahingehend, dass diese keine forensisch relevante Bedeutung bezüglich 

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der Einsichts- und/oder Steuerungsfähigkeit im Tatzeitpunkt gehabt hätten 
(pag. 3320). Wenn der Verteidiger dem Gutachter vorwirft, dass dieser nicht danach 
differenziere, ob die Blutalkoholkonzentration des Beschuldigten im Tatzeitpunkt 
0.57 oder 1.49 Promille betragen habe (pag. 3844), irrt er. Denn: Wie Dr. med. 
N.________ in der oberinstanzlichen Hauptverhandlung auf Frage des Verteidigers 
ausführte, sei er bei der Beurteilung der Auswirkung der Alkoholintoxikation auf die 
Schuldfähigkeit vom höchsten Wert ausgegangen (pag. 3835 Z 38). Im Ergänzungs-
gutachten II erläuterte der Gutachter nachvollziehbar, dass in der forensisch-psych-
iatrischen Beurteilung des Alkoholisierungsgrades und dessen Relevanz für die 
Schuldfähigkeit erst bei Werten von über 2.0 Promille möglicherweise eine intoxika-
tionsbedingte Verminderung der Schuldfähigkeit und bei Werten von über 3.0 Pro-
mille eventuell eine aufgehobene Schuldfähigkeit zu diskutieren sei (pag. 3318). Bei 
Tötungshandlungen sei diese Schwelle aufgrund der zu überwindenden grösseren 
Hemmschwelle gar noch höher anzusetzen (a.a.O.). Da die Blutalkoholkonzentration 
des Beschuldigten im Tatzeitpunkt – selbst wenn vom Maximalwert ausgegangen 
wird – deutlich unter der Schwelle von 2.0 Promille liegt, verneinte der Gutachter 
denn auch eine Verminderung der Schuldfähigkeit und sprach von einer leichten, 
unkomplizierten Alkoholintoxikation (a.a.O).

Diese Ausführungen überzeugen. Überdies deutet das Nachtatverhalten ebenfalls 
darauf hin, dass der Beschuldigte im Tatzeitpunkt weder schuldunfähig noch seine 
Schuldfähigkeit vermindert war: Nachdem er J.________ umgebracht hatte, legte 
der Beschuldigte das Messer neben die Leiche auf den Boden, ging in die Küche, 
wo er sich einen Kaffee zubereitete, begann eine Zigarette zu rauchen und rief sei-
nen Bruder an (pag. 800). Anschliessend suchte er im Internet nach der Nummer der 
Polizei (pag. 737 Z 76), ehe er diese um 05.39 Uhr anrief (pag. 800) und dem Be-
amten ruhig erklärte, wer er sei, dass er soeben seine Frau umgebracht habe und 
wo er sich befinde. Die Tonaufnahme des Anrufs zeigt, dass sein Gesprächspartner 
beim Polizeinotruf hörbar irritiert war und dem ihm Berichteten offenbar zunächst 
keinen Glauben schenkte, stellte er dem Beschuldigten doch lapidar in Aussicht, das 
«jemand zum Nachschauen» komme (pag. 408). Ferner spricht auch das intakte Er-
innerungsvermögen des Beschuldigten betreffend die Tat dafür, dass seine Schuld-
fähigkeit nicht beeinträchtigt war: Obgleich er in seiner ersten Einvernahme angab, 
sich nicht daran erinnern zu können, seiner Frau die Kehle durchgeschnitten zu ha-
ben und ihm dies erst bewusst geworden sei, als er das Messer in seiner Hand ge-
sehen habe (pag. 738 f. Z 147 ff.), vermochte er in den folgenden Einvernahmen de-
taillierte Angaben zum Tatverlauf zu machen (z.B. dass er das Opfer noch geküsst 
habe [pag. 749 Z 200 ff.], wo und wie oft [pag. 750 Z 251 ff.], dass er mit J.________ 
noch geredet habe, wie lange dies gedauert habe [pag. 749 Z 204 f.] und was er zu 
ihr gesagt habe [pag. 763 Z 411 ff.], was J.________ während der Tat zu ihm gesagt 
habe [pag. 752 Z 318 ff., pag. 763 Z 417 ff.], wie sie – nachdem sie zu Boden ge-
gangen ist – genau auf dem Boden gelegen sei [pag. 763 Z 422 ff.]).

Im Ergebnis ist damit von erhaltener Schuldfähigkeit auszugehen, wobei die psych-
iatrischen Diagnosen immerhin im Rahmen von Art. 47 StGB bei der Strafzumes-
sung zu berücksichtigen sein werden.

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8.3.5 Rechtserheblicher Sachverhalt zur Gesundheit und zur Schuldfähigkeit des Beschul-
digten zum Tatzeitpunkt

Gestützt auf die gutachterlichen Feststellungen ist beim Beschuldigten von den unter 
E. II.8.3.4 erwähnten Diagnosen und von erhaltener Schuldfähigkeit auszugehen.

III. Rechtliche Würdigung

1. Vorsätzliche Tötung (Art. 111 StGB) oder Mord (Art. 112 StGB)

1.1 Allgemeines

Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, ohne dass einer der besonderen Tatbestände 
der Art. 112 ff. StGB erfüllt ist, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft 
(Art. 111 StGB). Vorliegend bedarf es der Abgrenzung der vorsätzlichen Tötung zum 
Mord (Art. 112 StGB):

Handelt der Täter besonders skrupellos, sind namentlich sein Beweggrund, der 
Zweck der Tat oder die Art der Ausführung besonders verwerflich, so macht er sich 
des Mordes nach Art. 112 StGB strafbar. Dies trifft dann zu, wenn der Täter fremdes 
Leben aussergewöhnlich krass missachtet. Die Generalklausel der besonderen 
Skrupellosigkeit wird durch eine nicht abschliessende Aufzählung qualifizierender 
Merkmale («Beweggrund», «Zweck der Tat», «Art der Ausführung») konkretisiert. 
Neben den Absichten und Motiven des Täters können auch Faktoren massgebend 
sein, die dem nach aussen hin in Erscheinung tretenden Tathergang zuzuordnen 
sind. Indessen lässt sich auch die Art der Ausführung nicht losgelöst von inneren 
Faktoren beurteilen, muss sie doch ebenfalls Ausdruck einer besonders skrupello-
sen Haltung des Täters sein. Art. 112 StGB erfasst den skrupellosen, gemütskalten, 
krass und primitiv egoistischen Täter ohne soziale Regungen, der sich zur Verfol-
gung seiner Interessen rücksichtslos über das Leben anderer Menschen hinweg-
setzt. Die Art der Tatausführung ist besonders verwerflich, wenn sie unmenschlich 
oder aussergewöhnlich grausam ist resp. wenn dem Opfer mehr physische oder psy-
chische Schmerzen, Leiden oder Qualen zugefügt werden, als sie mit einer Tötung 
ohnehin verbunden sind. Massgebend sind in erster Linie die Merkmale der Tat sel-
ber. Vorleben und Verhalten nach der Tat sind nur zu berücksichtigen, soweit sie 
einen Bezug zur Tat aufweisen und zur Klärung der Täterpersönlichkeit beitragen. 
Entscheidend ist eine Gesamtwürdigung der inneren und äusseren Umstände. Dabei 
können besonders belastende Momente durch entlastende ausgeglichen werden; 
die Tötung kann auch erst aufgrund des Zusammentreffens mehrerer belastender 
Umstände, die je einzeln womöglich nicht ausgereicht hätten, als besonders skru-
pelloses Verbrechen erscheinen. Eine besondere Skrupellosigkeit kann beispiels-
weise fehlen, wenn das Tatmotiv einfühlbar und nicht krass egoistisch war, so etwa, 
wenn die Tat durch eine schwere Konfliktsituation ausgelöst wurde (zum Ganzen 
BGE 144 IV 345 E. 2.1.1 f. S. 346 f.; Urteil des Bundesgerichts 6B_943/2018 vom 
17. Januar 2019 E. 1.1.2).

Sowohl vorsätzliche Tötung als auch Mord sind nur bei vorsätzlicher Begehung straf-
bar (vgl. Art. 12 Abs. 1 StGB). Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, 
wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt (Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB). Der Vorsatz 

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muss sich auf alle objektiven Tatbestandselemente beziehen, im Fall von Art. 112 
StGB mithin auch auf die objektive Seite der die besondere Skrupellosigkeit begrün-
denden Gegebenheiten.

1.2 Subsumtion

Die Kammer ist der Auffassung, dass das Vorgehen des Beschuldigten als beson-
ders skrupellos im Sinne von Art. 112 StGB zu qualifizieren ist. Dies aus folgenden 
Gründen:

Erstens war der Beweggrund zur Tat (Tatmotiv) des Beschuldigten nichtig und recht-
fertigte nicht im Ansatz einen Angriff auf Leib und Leben von J.________. Der Be-
schuldigte vermutete, dass ihm das Opfer untreu gewesen und mit anderen Männern 
fremdgegangen sei. Konkrete Anhaltspunkte oder gar Belege für diese Vermutung 
vermochte der Beschuldigte indes nicht beizubringen; und auch die Ermittlungen der 
Polizei und der Staatsanwaltschaft konnten solche nicht zu Tage fördern. Die (an-
gebliche) vermeintliche Untreue des Opfers erweist sich damit als Vehikel, mit dem 
der Beschuldigte das eigene Vorgehen zu rechtfertigen versucht, das aber keinerlei 
faktische Grundlage hat. Das angegebene Motiv ist deshalb lediglich als vorgescho-
ben zu betrachten. In Wirklichkeit ist dieses in der überbordenden Eifersucht des 
Beschuldigten und damit blanken Egoismus und Machtkontrolle über ein nach des-
sen Vorstellungen unziemliches Verhalten des Opfers zu verorten, dessen Sanktio-
nierung er sich aufgrund seiner Kultur berechtigt fühlte, was sich exemplarisch in 
folgenden Aussagen und Verhaltensweisen des Beschuldigten zeigt:

 Während er auf das Opfer einstach, fragte der Beschuldigte dieses (auf 
Französisch): «Du betrügst mich? Wie betrügst du mich?» (pag. 763 Z 414; 
bestätigt: pag. 790 Z 800). Und bereits bevor er das Messer in der Küche 
behändigte, sagte er zu ihr: «Du hast mich betrogen» (pag. 760 Z 288).

 «Ich als Muslim betrüge nie. Ich schlafe nur mit meiner Frau, sonst nieman-
dem. Wenn sie mich betrügt[,] werde ich meinen Kopf, meine Nerven und 
mein Herz verlieren. Wenn ich sie betrüge und sie würde mich dafür töten, 
würde sie richtig handeln und ich würde ihr verzeihen. Ja[,] sie hat tausend 
Mal das [R]echt[,] mich zu töten, wenn ich sie betrüge» (pag. 757 Z 126 ff.). 
Offenbar gilt für den Beschuldigten moralisch auch das Umgekehrte.

 «Wenn nicht J.________[,] sondern meine Mutter dort gesessen wäre und 
das [G]leiche getan hätte, hätte ich genau gleich reagiert. Ich hätte auch 
meine Mutter getötet» (pag. 759 Z 224 f.).

 «[…] Während der Heirat waren ihr Vater und ein Priester dort. Ich habe vor 
allen zu J.________ gesagt, dass ich ein [g]läubiger, ein Moslem bin. Wenn 
ein Teil des Ehepaares fremdgeht, könnte das zu Fehlern führen.