# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8b2c03b7-6384-5113-9a2b-e1c43bc66312
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-16
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Sonstiges 16.02.2021 IV 2019/67
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_999_IV-2019-67_2021-02-16.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 1/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2019/67

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 20.08.2021

Entscheiddatum: 16.02.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 16.02.2021
Art. 61 lit. b ATSG. Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV. Art. 7, 8 und 16 ATSG. Art. 28 IVG. 
Eintreten auf Beschwerde. Eintreten auf Neuanmeldung. Würdigung eines 
bidisziplinären (orthopädischen und psychiatrischen) Gutachtens. 
Einkommensvergleich. Keine rentenbegründende Invalidität (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. Februar 2021, IV 
2019/67).

Entscheid vom 16. Februar 2021

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiberin Viviane Kull

Geschäftsnr.

IV 2019/67

Parteien

A.___

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Reinhold Nussmüller, Weinfelderstrasse 23, 

Postfach 1473, 8580 Amriswil

gegen

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 2/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im Juni 2010 wegen psychischen und somatischen 

Beeinträchtigungen bei der IV-Stelle des Kantons Thurgau zum Bezug von beruflichen 

Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Sie gab an, 

bei der C.___ eine Anlehre als Verkäuferin absolviert zu haben. Von August 2006 bis 

März 2008 habe sie in einem 50%-Pensum als Lagermitarbeiterin bei der D.___ AG 

gearbeitet. Von April 2008 bis April 2010 habe sie Arbeitslosengelder bezogen.

A.a. 

Nach dem Einholen von medizinischen Berichten wurde die Versicherte am 

16./17. Juni 2011 und am 14./28. Juli 2011 durch das Z.___ bidisziplinär 

(rheumatologisch und psychiatrisch) untersucht und es wurde eine Evaluation der 

funktionellen Leistungsfähigkeit durchgeführt. Nachdem der Regionale Ärztliche Dienst 

(RAD) die Einschätzung im Gutachten vom 22. September 2011 (IV-act. 86) als nicht 

nachvollziehbar beurteilt hatte (vgl. die Einträge im Case Report der IV-Stelle vom 

10./11. Oktober 2011, IV-act. 103), teilte die IV-Stelle des Kantons Thurgau der 

Versicherten am 19. Oktober 2011 mit, dass eine erneute medizinische Abklärung 

notwendig sei (IV-act. 88). Am 20./23. Februar 2012 wurde die Versicherte durch die 

Medas Ostschweiz bidisziplinär (rheumatologisch und psychiatrisch) untersucht. Im 

Gutachten vom 14. Juni 2012 gaben die Sachverständigen folgende Diagnosen mit 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an (IV-act. 96-17 f.): Chronifiziertes panvertebrales 

Schmerzsyndrom mit Schmerzausweitungstendenz im Sinne eines generalisierten, 

diffusen Schmerzsyndroms, lumbale Hyperlordose, akzentuierte BWS-Kyphose, 18/18 

druckdolente fibromyalgiespezifische Tender points, muskuläre Dekonditionierung, 

initiale Spondylose L4 und L5 sowie Th1/2, patellofemorales Schmerzsyndrom Knie 

A.b. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 3/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

links nach anamnestisch Kniekontusion links 1998 und 07/2011. Als Diagnosen ohne 

wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nannten sie: Somatisierungsstörung, 

St. n. rezidivierender depressiver Störung, leichte Episode, aktenkundig 22. September 

2011 (ICD-10 F33.01), DD Dysthymia (ICD-10 F34.1), St. n. Tod des Ehemannes durch 

Suizid 2007 (ICD-10 Z63.4), längere Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z73.3), Adipositas Grad II, 

normozytäre, hypochrome Anämie, DD Eisenmangel, Vitamin D-Insuffizienz, Lipödeme 

beidseits, funktionelle Magen-/Darmbeschwerden. Der rheumatologische 

Sachverständige führte aus (IV-act. 96-20 ff.), bei einer global uneingeschränkten, 

harmonischen und schmerzfreien Beweglichkeit aller Wirbelsäulenabschnitte seien von 

der Versicherten diffuse, lumbal betonte panvertebrale Druckdolenzen, Druckdolenzen 

an sämtlichen 18/18 fibromyalgiespezifischen Tender points sowie darüber hinaus an 

multiplen Lokalisationen am ganzen Körper geäussert worden, vereinbar mit einem 

chronifizierenden, lumbal betonten, panvertebralen Schmerzsyndrom mit einer 

Schmerzausweitungstendenz im Sinne eines generalisierten, diffusen 

Schmerzsyndroms. Radikuläre Reiz- oder sensomotorische Ausfallsymptome seien 

nicht fassbar gewesen. Auch für die anamnestisch geschilderten Sensibilitätsstörungen 

in den Händen und Fingern beidseits habe sich kein adäquates klinisches Korrelat 

gefunden. Im peripheren Gelenkstatus seien von der Versicherten vor allem diffuse 

Druckdolenzen im gesamten Kniebereich links geschildert worden. Es hätten sich 

weder Hinweise für entzündliche Veränderungen der peripheren Gelenke noch des 

Achsenskeletts ergeben. Die von der Versicherten geschilderten polytopen 

muskuloskelettalen Beschwerden unter Betonung der Lumbalregion und des linken 

Kniegelenks stimmten zwar mit den klinisch festgestellten Schmerzlokalisationen 

überein; das subjektiv invalidisierende Schmerzausmass korreliere jedoch nicht mit den 

objektivierbaren pathologischen klinischen oder radiologischen Befunden. Es hätten 

sich auch Hinweise für eine nichtorganische Krankheitskomponente bei einer sehr 

tiefen Selbsteinschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit ergeben. Eine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit könne lediglich für ausschliesslich mittelschwere 

und schwere Tätigkeiten, für das Heben und Tragen von Lasten über zehn Kilogramm 

(repetitiv) bzw. über 15 Kilogramm (vereinzelt), für längere Arbeiten in ausgesprochenen 

Wirbelsäulenzwangshaltungen sowie für kniend oder in der Hocke auszuführende 

Arbeiten bestätigt werden. In körperlich adaptierten Tätigkeiten könne keine 

quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden. Der psychiatrische 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 4/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Sachverständige hielt fest (IV-act. 96-14 ff.), die Versicherte sei in ungünstigen 

soziofamiliären Verhältnissen aufgewachsen. Der Vater habe die Familie verlassen und 

die Mutter habe arbeiten müssen, weshalb die Versicherte bei Pflegeeltern 

aufgewachsen sei. Mit dem Erreichen der Volljährigkeit habe sie zur Mutter 

zurückgehen können und habe eine zweijährige Anlehre als Verkäuferin absolviert. 

Begleitend zu somatischen Beschwerden seien rezidivierende depressive Episoden 

aufgetreten, weswegen sie sich seit 1999, mit Unterbrechungen, in psychiatrischer-

psychotherapeutischer Behandlung befinde. Ihr Ehemann habe sich im Jahr 2007 

suizidiert. Danach hätten Gefühle der Überforderung und der Leistungsinsuffizienz 

zugenommen, ebenso seien Momente der Traurigkeit mit plötzlichem Weinen sowie 

eine Verschlimmerung der Schmerzempfindung aufgetreten. Durch eine geeignete 

psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung und nach einem Klinikaufenthalt in 

E.___ (laut Akten vom 20. Mai 2010 bis 13. Juli 2010) hätten sich die depressiven 

Symptome gebessert, nicht jedoch die Schmerzen und die weiteren somatischen 

Beschwerden. Nach dem Tod ihres Ehemannes sei die Versicherte eine neue 

Partnerschaft eingegangen. Dass die Versicherte an schwankenden Verstimmungen bis 

hin zu depressiven Episoden gelitten habe, sei nachvollziehbar. Nach dem tragischen 

Tod ihres Ehemannes habe sie eine Trauerphase durchlitten, die jedoch kein 

psychopathologisches Ausmass erreicht habe. Bei den Beschwerden der Versicherten 

handle es sich um seit Jahren bestehende, multiple, wiederholt auftretende und häufig 

wechselnde körperliche Symptome. Die Versicherte befinde sich nicht zuletzt 

deswegen in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Trotz der Versicherung 

mehrerer Ärzte, dass für viele ihrer Symptome keine körperlichen Erklärungen zu finden 

seien, zeige die Versicherte Mühe, dies anzunehmen. Die Versicherte leide an einer 

Somatisierungsstörung. Depressive Symptome begleiteten eine chronifizierte 

Schmerzstörung sehr häufig, seien vorliegend aber nicht als eigenständiges 

Krankheitsbild im Sinne einer Komorbidität zu werten. Die Willensanstrengung zur 

adäquaten Überwindung des syndromalen Zustands sei der Versicherten zumutbar. 

Aus psychiatrischer Sicht bestehe weder für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als 

Lagermitarbeiterin noch für körperlich adaptierte Tätigkeiten eine Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit. In der bidisziplinären Beurteilung gaben die Sachverständigen an, in 

körperlich leichten bis gelegentlich mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeiten 

ohne das Heben und Tragen von Lasten über zehn Kilogramm (repetitiv) bzw. über 15 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 5/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.

Am 26. Februar 2014 meldete sich die Versicherte wegen psychischen und 

somatischen Problemen erneut bei der IV-Stelle des Kantons Thurgau zum 

Leistungsbezug an (IV-act. 108). Am 9. April 2014 ging ein Austrittsbericht der E.___ 

vom 1. April 2014 betreffend einen stationären Aufenthalt der Versicherten vom 

28. Januar 2014 bis 20. März 2014 ein (5. Hospitalisation, IV-act. 117). Darin waren 

folgende Diagnosen aufgeführt: Komplexe posttraumatische Belastungsstörung 

(ICD-10 F43.1), kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, 

dependenten und histrionischen Zügen (ICD-10 F61.0), rezidivierende depressive 

Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.01). Fachpersonen hielten fest, die 

Versicherte sei für ein Intervall einer störungsspezifischen Traumatherapie auf die 

Traumastation gekommen. Ein weiteres Intervall sei ab Anfang 2015 geplant. Sie 

attestierten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bei Austritt. Mit einer Verfügung vom 

10. Dezember 2014 trat die IV-Stelle des Kantons Thurgau auf das Leistungsbegehren 

nicht ein (IV-act. 121). Das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau wies eine 

dagegen erhobene Beschwerde am 24. Juni 2015 ab (VV.2015.20/E, IV-act. 127). 

Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.

C.  

Kilogramm (vereinzelt), ohne längere Arbeiten in ausgesprochenen 

Wirbelsäulenzwangshaltungen, ohne kniend oder in der Hocke auszuführende Arbeiten 

könne keine Arbeitsunfähigkeit begründet werden.

Mit einer Verfügung vom 3. September 2012 wies die IV-Stelle des Kantons 

Thurgau das Leistungsbegehren ab (IV-act. 101). Das Verwaltungsgerichts des Kantons 

Thurgau trat am 30. Januar 2013 auf eine dagegen erhobene Beschwerde nicht ein (VV.

2012.325/E, IV-act. 105). Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.

A.c. 

Am 31. Oktober 2016/2. November 2016 meldete sich die Versicherte bei der IV-

Stelle des Kantons St. Gallen zum Leistungsbezug an (IV-act. 132). Sie reichte einen 

Austrittsbericht der E.___ vom 14. Juli 2016 betreffend einen stationären Aufenthalt 

vom 30. Mai 2016 bis 11. Juli 2017 ein (10. Hospitalisation, IV-act. 131). Fachärzte 

hatten die Diagnosen einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 

F43.1), einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, 

dependenten und histrionischen Zügen (ICD-10 F61.0) und einer rezidivierenden 

C.a. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 6/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), genannt. Sie 

hatten berichtet, zu Beginn der Behandlung sei ein zum depressiven Pol ausgelenktes 

Stimmungsbild mit einem verminderten Antrieb und mit Stimmungsschwankungen im 

Vordergrund gestanden. Die Versicherte habe vom Aufenthalt sehr profitieren können, 

der Antrieb und die Stimmung hätten sich verbessert und stabilisiert. Beim Austritt 

hätten noch ein leicht zum depressiven Pol ausgelenkter Affekt sowie leichte 

Rückzugstendenzen bestanden. Der Hausarzt Dr. med. F.___, Facharzt für Allgemeine 

Medizin FMH, berichtete am 24. November 2016 (IV-act. 146), seit dem Jahr 2012 sei 

eine deutliche Verschlechterung des Gesundheitszustands der Versicherten 

festzustellen. Allein die Tatsache, dass die Versicherte ab März 2013 während mehrerer 

Hospitalisationen rund 21 Wochen in der Klinik E.___ verbracht habe, seien Indiz 

genug, wie schlecht es ihr von psychischer Seite her ergangen sei. In der genannten 

Zeit und bis auf weiteres könne der Versicherten keine verwertbare Arbeitstätigkeit 

zugemutet werden. Er legte mehrere Berichte der E.___ bei: Am 15. November 2016 

hatten Fachärzte der E.___ mitgeteilt, die Versicherte sei vom 5. Oktober 2016 bis 

1. November 2016 hospitalisiert gewesen (11. Hospitalisation, IV-act. 147). Zu Beginn 

der Behandlung hätten psychopathologisch eine zum depressiven Pol ausgelenkte 

Stimmung sowie formalgedanklich eine monothematische Einengung im Vordergrund 

gestanden. Intendierte Gedanken hätten nur mit Mühe zu Ende geführt werden können. 

Diagnostisch seien die vordiagnostizierte komplexe posttraumatische 

Belastungsstörung, die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige 

Episode, und die kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, 

dependenten und histrionischen Zügen verifiziert worden. In einer 

neuropsychologischen Testung sei eine insgesamt leichte bis mittelschwere 

Beeinträchtigung in den Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen sowie in den 

Exekutivfunktionen festgestellt worden. Beim Austritt habe noch ein leicht depressiver 

Affekt mit formalen Denkstörungen und mit einer Grübelneigung bestanden. Am 

8. August 2013 hatten Fachpersonen der E.___ über einen stationären Aufenthalt der 

Versicherten vom 25. Juli 2013 bis 6. August 2013 berichtet (4. Hospitalisation, IV-

act. 152). Sie hatten folgende Diagnosen genannt: Komplexe posttraumatische 

Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), vordiagnostizierte kombinierte 

Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, dependenten und histrionischen 

Zügen (ICD-10 F61.0), rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 7/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

(ICD-10 F33.01). Sie führten aus, die Versicherte sei auf die Traumastation für ein 

erstes Intervall einer störungsspezifischen, ätiologieorientierten Traumatherapie 

eingetreten. Sie habe bald beschlossen, wieder auszutreten, da es nicht der richtige 

Zeitpunkt dafür gewesen sei. Am 10. Juni 2013 hatten Fachärzte der E.___ über einen 

stationären Aufenthalt der Versicherten vom 18. März 2013 bis 29. April 2013 berichtet 

(3. Hospitalisation, IV-act. 153). Sie hatten eine vordiagnostizierte kombinierte 

Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, dependenten und histrionischen 

Zügen (ICD-10 F61.0) bei/mit einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtige 

Episode leicht- bis mittelgradig (ICD-10 F33.1), und einer komplexen 

posttraumatischen Belastungsstörung, Diagnosestellung im Februar 2013 in domo 

(ICD-10 F43.1), angegeben. Sie hatten ausgeführt, am 27. Februar 2013 sei ein 

psychotraumatologisches Konsilium durchgeführt worden. Zur Traumaanamnese 

hatten sie festgehalten, die Versicherte habe sich in ihrer Kindheit sehr unsicher 

gefühlt. Die Mutter habe gearbeitet und sich wenig um sie gekümmert. Sie sei deshalb 

bei der Grossmutter untergebracht gewesen. Im Kindergarten habe sie nicht geredet. 

Nach einem Jahr in einem Heim sei sie zu Pflegeeltern gekommen. Sie habe sich dort 

wohlgefühlt, aber sie habe nicht verstanden, weshalb sie weggegeben worden sei. Ihre 

Schwester habe zuhause bleiben dürfen. In der Schule habe sie sich als Aussenseiterin 

gefühlt und sie sei gehänselt worden. In der Ehe habe sie sich auch einsam gefühlt. 

Durch den Suizid ihres Ehemannes – sie habe ihn erschossen aufgefunden – sei sie in 

eine Krise geraten. In einer späteren Beziehung habe sie kein Verständnis gefunden, 

der Mann habe sie abgewertet und aggressiv behandelt. Zum Hospitalisationsverlauf 

hatten die Fachärzte angegeben, beim Eintritt habe ein mittelgradiges depressives 

Störungsbild im Vordergrund gestanden. Im Zuge der Behandlung habe die Versicherte 

mehr psychische Stabilität und Euthymie entwickelt.

Dr. med. G.___, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, teilte am 5. Januar 2017 mit 

(IV-act. 156), die Versicherte sei bereits elfmal in der Klink E.___ hospitalisiert gewesen, 

zuletzt im Oktober/November 2016. Der Zuweisungsgrund sei (wie auch in den Jahren 

zuvor) die Exazerbation der depressiven Störung gewesen. Die stationären Aufenthalte 

seien jeweils zur Stabilisierung des Zustandsbilds erfolgt. Der Beginn der Problematik 

sei in die Kindheit der Versicherten zurückzudatieren. Die Diagnostik bezüglich ihrer 

Traumatisierung habe erst Anfang des Jahres 2013 in der Klink E.___ stattgefunden. 

C.b. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 8/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit für den allgemeinen Arbeitsmarkt sei momentan 

und bis auf weiteres nicht gegeben.

Der RAD-Arzt Dr. med. H.___ notierte am 16. Januar 2017 nach einer Durchsicht 

der medizinischen Akten (IV-act. 159), das in den Gutachten festgehaltene 

diagnostische Muster habe sich aus der Sicht der behandelnden Ärzte im Längsschnitt 

quantitativ hinsichtlich eines ausgeprägteren Schweregrades insbesondere der 

depressiven Störung verstärkt. Qualitativ stehe eine posttraumatische Problematik im 

Vordergrund. Eine Verschlechterung sei vorderhand glaubhaft gemacht.

C.c. 

Mit einer Mitteilung vom 17. Januar 2017 wies die IV-Stelle das Begehren um 

berufliche Massnahmen ab (IV-act. 163).

C.d. 

Die IV-Stelle holte bei der E.___ weitere Austrittsberichte ein: Vom 23. Oktober 

2012 betreffend einen stationären Aufenthalt der Versicherten vom 18. September 2012 

bis 9. Oktober 2012 (2. Hospitalisation, IV-act. 170), vom 12. Januar 2015 betreffend 

einen stationären Aufenthalt vom 30. Dezember 2014 bis 12. Januar 2015 

(6. Hospitalisation, IV-act. 171), vom 18. Februar 2015 betreffend einen stationären 

Aufenthalt vom 15. Januar 2015 bis 18. Februar 2015 (7. Hospitalisation, IV-act. 172), 

vom 20. März 2015 betreffend einen stationären Aufenthalt vom 4. März 2015 bis 

20. März 2015 (8. Hospitalisation, IV-act. 173) und vom 10. November 2015 betreffend 

einen stationären Aufenthalt vom 6. Oktober 2015 bis 29. Oktober 2015 

(9. Hospitalisation, IV-act. 174).

C.e. 

Die Versicherte gab am 10. Mai 2017 im Fragebogen zur Rentenabklärung 

betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt an (IV-act. 180), dass sie ohne eine 

gesundheitliche Beeinträchtigung zu 100% als Lagermitarbeiterin arbeiten würde.

C.f. 

Dr. G.___ teilte am 6. Juni 2017 mit (IV-act. 186), sie behandle die Versicherte seit 

dem Jahr 2010. Sie nannte die folgenden Diagnosen: Komplexe posttraumatische 

Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), rezidivierende depressive Störung mit zumeist 

mittelgradigen, teilweise auch schweren Episoden (ICD-10 F33.1), kombinierte 

Persönlichkeitsstörung mit ängstlich vermeidenden, dependenten und histrionischen 

Zügen (ICD-10 F61.0), leichte bis mittelschwere neuropsychologische 

Funktionsstörung, Fibromyalgie-Syndrom und schmerzhafte Ansatztendinopathia 

C.g. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 9/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

patellae. Dr. G.___ attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für Tätigkeiten auf 

dem allgemeinen Arbeitsmarkt seit dem Jahr 2010. Am 7. Juni 2017 berichteten 

Fachpersonen der E.___ über einen stationären Aufenthalt der Versicherten vom 

13. April 2017 bis 23. Mai 2017 (12. Hospitalisation, IV-act. 185). Sie gaben dieselben 

Diagnosen wie im Bericht vom 15. November 2016 an. Sie führten aus, die Versicherte 

sei zum dritten Intervall der störungsspezifischen und ätiologieorientierten 

Traumatherapie eingetreten. Es bestehe eine komplexe posttraumatische 

Belastungsstörung im Sinne einer posttraumatischen Entwicklungsstörung mit einer 

emotionalen Vernachlässigung und einem unsicher ambivalenten Bindungsmuster. Der 

Hausarzt Dr. F.___ gab am 29. Juni 2017 an (IV-act. 188), die Versicherte sei durch 

Jugenderlebnisse und durch den Suizid ihres Ehemannes seelisch schwer 

traumatisiert. Diese Belastung habe auch körperliche Symptome im Sinne einer 

somatoformen Schmerzkomponente zur Folge, nämlich ein chronisches 

Panvertebralsyndrom, muskuläre Dysbalancen, eine leichte Fehlform, eine 

mässiggradige Osteochondrose L5/S1, Spondylarthrosen L4/5 und L5/S1 sowie 

praktisch chronische Knieschmerzen links bei St. n. Arthroskospie 1998. Er attestierte 

eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und in adaptierten 

Tätigkeiten.

Die IV-Stelle bat die Versicherte um eine detaillierte Beschreibung, weshalb sie 

heute bei einer vollen Gesundheit einer 100%igen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. 

Die Versicherte gab am 11. Oktober 2017 an (IV-act. 194), dass sie dann genug 

belastbar wäre, um einer vollen Erwerbstätigkeit nachzugehen, und dass sie 

alleinstehend sei und bei einem vollen Lohn gut leben könnte. Sie habe zuletzt nur 

noch in Teilzeit gearbeitet, weil sich ihr Gesundheitszustand immer mehr verschlechtert 

habe und sie nicht mehr zu 100% habe arbeiten können.

C.h. 

Fachärzte der E.___ berichteten am 3. November 2017 über einen stationären 

Aufenthalt der Versicherten vom 11. September 2017 bis 29. September 2017 

(13. Hospitalisation, IV-act. 197). Sie gaben die folgenden Diagnosen an: Komplexe 

posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), rezidivierende depressive 

Störung, gegenwärtig leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0), vordiagnostiziert: 

Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, dependenten und 

histrionischen Zügen (ICD-10 F61), leichte bis mittelschwere neuropsychologische 

C.i. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 10/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Funktionsstörungen, Fibromyalgie-Syndrom und schmerzhafte Ansatztendinopathie 

patellae. Sie hielten fest, beim Austritt habe noch eine leicht depressive Verstimmung 

bestanden. Dr. G.___ teilte am 18. Dezember 2017 mit (IV-act. 200), der 

psychopathologische Befund sei im Vergleich zum Juni 2017 praktisch gleich. Die 

Auffassung sei unauffällig, der formale Gedankengang geordnet. Die Versicherte gebe 

ausgeprägte diffuse Angstzustände und konkrete zukunftsbezogene Ängste an. Die 

Stimmung sei deutlich gedrückt, ängstlich, teilweise hoffnungslos bei ausgeprägten 

Schuld- und Insuffizienzgefühlen. Die affektive Schwingungsfähigkeit sei deutlich 

reduziert. Der Antrieb sei mittelgradig gehemmt und es bestehe nach wie vor ein 

sozialer Rückzug. Eine Ressource stelle die Kreativität der Versicherten dar. Dr. G.___ 

attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für Tätigkeiten auf dem freien 

Arbeitsmarkt.

Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 4. April 2018 mit (IV-act. 208), dass eine 

bidisziplinäre Begutachtung notwendig sei. Am 8./20. Juni 2018 wurde die Versicherte 

bidisziplinär (orthopädisch und psychiatrisch) durch Dr. med. I.___ und Dr. med. J.___ 

untersucht und es wurde eine testdiagnostische Untersuchung durchgeführt. Im 

Gutachten vom 6. Juli 2018 nannten die Sachverständigen die folgenden "relevanten" 

Diagnosen (IV-act. 213-8): Chronisches Panvertebralsyndrom bei degenerativen 

Veränderungen ossärer und diskogener Art und einer leichten Fehlform im Sinne einer 

Skoliose und einer Hyperkyphose, femoropatelläres Schmerzsyndrom mit einer 

Ansatztendinopathie des Ligamentum patellae, diffuses muskulo-skelettales 

Schmerzsyndrom, DD: Fibromyalgie, Spannungskopfschmerzen, kombinierte 

Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, abhängigen und histrionischen 

Anteilen (ICD-10 F61.0), chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen 

Faktoren (ICD-10 F45.41), rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert 

(ICD-10 F33.4). Der orthopädische Sachverständige Dr. I.___ führte aus (IV-

act. 213-21 f.), bei der Versicherten sei es im Jahr 1998 nach einem Sturz auf das linke 

Kniegelenk zu linksseitigen Knieschmerzen gekommen. Eine Arthroskopie habe keinen 

pathologischen Befund ergeben. In der Folge hätten die Schmerzen persistiert. Nach 

einem weiteren Sturz im Juli 2011 sei es zu einer Schmerzexazerbation gekommen. 

Anfang des Jahres 2018 habe die Versicherte wiederum fachärztliche Hilfe in Anspruch 

genommen. Die Beschwerden seien im Sinne eines femoropatellären 

C.j. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 11/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Schmerzsyndroms und einer Ansatztendinopathie des Ligamentum patellae 

interpretiert worden. Zwei intraartikuläre Infiltrationen hätten keine Besserung gebracht. 

Bereits seit der Lehrzeit weise die Versicherte Rückenschmerzen auf, welche auf eine 

"verkrümmte Wirbelsäule" zurückgeführt und konservativ behandelt worden seien. Die 

Schmerzen seien vor allem lumbal, aber auch cervical lokalisiert und strahlten zeitweise 

in die Extremitäten aus. Klinisch könnten keine neurologischen Reiz- oder gar 

Ausfallsymptome festgestellt werden. Die Beschwerden bedingten gewisse 

Einschränkungen seitens des Achsenskeletts, seien jedoch nicht so schwerwiegend, 

dass keine Arbeitsfähigkeit gegeben wäre. Die Versicherte sei gemäss ihren Angaben 

in allen Aktivitäten eingeschränkt. Unter Berücksichtigung der klinischen Befunde sei 

festzuhalten, dass die geklagten Beschwerden nur teilweise durch die objektivierbaren 

Feststellungen erklärt werden könnten. Es sei davon auszugehen, dass die Versicherte 

ihren Beschwerden einen hohen Stellenwert beimesse und daraus recht absolute 

Schlussfolgerungen in Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit ziehe. Wie dies die 

Vorgutachter ebenfalls dargelegt hätten, liege eine verminderte Belastbarkeit des 

Achsenskeletts und der linken unteren Extremität vor. Die Beweglichkeit sei allerdings 

nicht relevant eingeschränkt. Instabilitäten oder neurologische Reiz- oder 

Ausfallsymptome lägen nicht vor. An den oberen Extremitäten sowie der rechten 

unteren Extremität seien keine Einschränkungen festzustellen. Der Vergleich der 

aktuellen Untersuchungsbefunde mit jenen der Vorgutachter zeige, dass keine 

relevanten Veränderungen eingetreten seien. Unter diesen Umständen sei es 

angezeigt, die frühere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zu übernehmen. In einer 

adaptierten Tätigkeit sei weiterhin und ununterbrochen von einer vollständigen Arbeits­

fähigkeit auszugehen. Eine leidensangepasste Tätigkeit müsste folgende Kriterien 

erfüllen: Wechselbelastend, körperlich leicht, mit der Möglichkeit des Wechselns 

zwischen Sitzen, Gehen und Stehen, ohne Heben und Tragen von Lasten über zehn 

Kilogramm, ohne Zwangspositionen der Wirbelsäule (kein Bücken, keine 

Rotationsbewegungen) und der Kniegelenke (kein Abknien, Hocken oder Kauern), kein 

Absolvieren längerer Gehstrecken, kein Überwinden von Höhendifferenzen. Die 

psychiatrische Gutachterin Dr. J.___ hielt fest (IV-act. 213-30 ff.), im Vordergrund der 

Untersuchung stehe eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-

vermeidenden, abhängigen und histrionischen Anteilen. Dieser Persönlichkeitsstörung 

sei eine Persönlichkeitsentwicklungsstörung vorausgegangen. Die Versicherte habe 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 12/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

eine sehr schwierige und teilweise traumatisch erlebte Kindheit verbracht. Die 

Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung werde auch von den 

behandelnden Fachärzten und Fachkliniken seit 2010 unverändert angegeben. Im 

Rahmen der aktuellen Untersuchung seien insbesondere histrionische Anteile mit 

einem blumigen und wenig detaillierten Sprachstil, einer Neigung zu einem 

übertriebenen Gefühlsausdruck und eine Aufmerksamkeitszentrierung auf die eigene 

Person spürbar gewesen. Im Weiteren hätten abhängige Anteile mit dem Gefühl der 

Unfähigkeit, das eigene Leben selbstständig zu führen, vorgelegen. Die Versicherte 

sehe sich als schwach und hilflos an, weshalb sie in praktisch allen Lebenssituationen 

auf die Unterstützung durch andere angewiesen sei. Dies erkläre auch teilweise die 

mehrfachen und langfristigen stationären Aufenthalte in der Klinik E.___. Die ängstlich-

vermeidenden Anteile äusserten sich durch den Wunsch von "mehr Zuwendung durch 

andere" bei der gleichzeitigen Angst vor Zurückweisung oder Kritik. Im Hinblick auf die 

zumutbare Arbeitsfähigkeit sei die kombinierte Persönlichkeitsstörung jedoch als 

Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu werten, da eine Krankschreibung 

rein aus diesem Grund nie vorgelegen habe, es nie zu einer Entlassung aus 

Persönlichkeitsgründen gekommen sei und die Störung bereits seit der Jugend 

vorliege. Im Verlauf seit 2010 sei von den behandelnden Ärzten die Diagnose einer 

rezidivierenden depressiven Störung angegeben worden. Im Untersuchungszeitpunkt 

liege keine relevante depressive Symptomatik vor, sodass diagnostisch ein remittiertes 

Zustandsbild bei einer rezidivierenden depressiven Störung vorliege. Subjektiv 

beschreibe die Versicherte, sich aktuell mittelgradig depressiv zu fühlen – 

entsprechende klinische Befunde könnten jedoch nicht festgestellt werden. Die im 

Rahmen der Begutachtung durch die Medas Ostschweiz festgestellte somatoforme 

Störung könne bestätigt werden. Die diagnostischen Kriterien für eine chronische 

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren seien erfüllt. Das 

Vorliegen einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung könne verneint 

werden, zumal weder die diagnostischen Kriterien noch der geforderte Schweregrad 

der Traumatisierungen erfüllt seien. Die Symptome und auch die Art der 

Traumatisierungen einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung seien weder 

in den Berichten der Klinik E.___ noch von Dr. G.___ beschrieben worden und hätten 

auch in der aktuellen Untersuchung nicht festgestellt werden können. Das Auffinden 

des Ehemannes, welcher sich suizidiert habe, stelle jedoch ein schweres psychisches 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 13/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Trauma dar. Erstmalige posttraumatische Symptome wie eine Affektstörung und 

diffuse Angstzustände habe die Versicherte jedoch erst zwei Jahre nach dem Ereignis 

entwickelt. Diese Symptome seien im Rahmen eines stationären Aufenthalts im Jahr 

2010 in der Klinik E.___ behandelt worden. Diagnostisch seien eine rezidivierende 

depressive Störung und eine Persönlichkeitsstörung festgehalten worden, jedoch keine 

posttraumatische Belastungsstörung. Insgesamt habe sich das Zustandsbild im 

Vergleich zur Referenzsachlage im Jahr 2012 nicht relevant verändert. Gegenwärtig 

liege keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vor. In Bezug auf die 

Konsistenz hielt Dr. J.___ fest, im Rahmen der neuropsychologischen Testung habe 

sich ein gutes Arbeitsgedächtnis mit Angaben von vielen Interessen gezeigt. Hinweise 

auf kognitive Einschränkungen hätten sich nicht ergeben. Anspruchsvollere Tests habe 

die Versicherte gut gemeistert. Bei leichteren und monotonen Tests habe sie hingegen 

Schwierigkeiten gezeigt. Auch die Symptomvalidierungstests seien auffällig gewesen. 

Insgesamt sei der Eindruck einer sehr geringen Anstrengungsbereitschaft entstanden. 

Im Rahmen der klinischen Untersuchung sei aufgefallen, dass es gerade bei der 

Schilderung traumatischer Erlebnisse zu keinerlei Gefühlsregungen gekommen sei. Im 

Abschnitt zu den Fähigkeiten und Ressourcen äusserte sich Dr. J.___ zum Bestehen 

bzw. Nichtbestehen von Einschränkungen der Versicherten gemäss dem Mini-ICF-

APP. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit gab Dr. J.___ an, unverändert zur Begutachtung 

im Jahr 2012 liege keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vor. In 

adaptierten Tätigkeiten bestehe somit eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Im Verlauf seit 

dem Jahr 2012 sei es zu insgesamt zwölf stationären Aufenthalten in der Klinik E.___ 

gekommen. Die Diagnose einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung 

könne weder aktuell festgestellt noch anhand der Diagnosekriterien nachvollzogen 

werden. Depressive Episoden seien ebenfalls beschrieben worden; sie seien bei der 

langjährigen Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung nachvollziehbar. 

Während der stationären Aufenthalte habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit 

vorgelegen. Bidisziplinär attestierten die Gutachter in einer adaptierten Tätigkeit 

(wechselbelastend, körperlich leicht, mit der Möglichkeit des Wechselns zwischen 

Sitzen, Gehen und Stehen, ohne Heben und Tragen von Lasten über zehn Kilogramm 

und ohne Zwangspositionen der Wirbelsäule [kein Bücken, keine 

Rotationsbewegungen] und der Kniegelenke [kein Abknien, Hocken oder Kauern], kein 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 14/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Absolvieren längerer Gehstrecken, kein Überwinden von Höhendifferenzen) eine 

vollständige Arbeitsfähigkeit.

Der RAD-Arzt Dr. H.___ notierte am 15. August 2018 (IV-act. 215), das Gutachten 

entspreche im Wesentlichen den geltenden versicherungsmedizinischen Kriterien. Eine 

relevante und anhaltende Veränderung des Gesundheitszustands seit September 2011 

(medizinischer Referenzzeitpunkt) werde gutachterlich verneint.

C.k. 

Am 17. Oktober 2018 berichteten Fachpersonen der E.___, die Versicherte sei vom 

10. August 2018 bis 21. September 2018 stationär behandelt worden 

(14. Hospitalisation, IV-act. 218). Sie gaben folgende Diagnosen an: Rezidivierende 

depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), komplexe 

posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), kombinierte 

Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, dependenten und histrionischen 

Zügen (ICD-10 F61), vorbekannte leichte bis mittelschwere neuropsychologische 

Funktionsstörung, vorbekanntes Fibromyalgie-Syndrom und schmerzhafte 

Ansatztendinopathie patellae, vorbeschriebene Vitamin-D-Insuffizienz. Sie hielten fest, 

bei Eintritt habe sich das Stimmungsbild depressiv ausgelenkt präsentiert. Die affektive 

Resonanz sei verzögert und der Antrieb sei verlangsamt gewesen. Mimik und Gestik 

seien monoton gewesen. Es habe ein sozialer Rückzug bestanden. Bei Austritt habe 

psychopathologisch noch ein haftendes Kontaktverhalten sowie eine Grübelneigung 

bei einer deutlich gebesserten Stimmung bestanden. Diagnostisch sei von einer 

rezidivierenden depressiven Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode 

auszugehen. Aus den Voraufenthalten sei das Vorliegen einer komplexen 

posttraumatischen Belastungsstörung sowie einer kombinierten Persönlichkeitsstörung 

zu bestätigen.

C.l. 

Mit einem Vorbescheid vom 19. Oktober 2018 kündigte die IV-Stelle der 

Versicherten die Abweisung des Begehrens um eine Invalidenrente an (IV-act. 221). Zur 

Begründung gab sie an, die Versicherte sei als Vollerwerbstätige einzustufen. Aus ver­

sicherungsmedizinischer Sicht bestehe für alle wechselbelastenden, körperlich leichten 

Tätigkeiten (Gewichtsbelastung <10kg) ohne Zwangspositionen der Wirbelsäule und 

der Kniegelenke eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Beim Validen- und beim 

Invalideneinkommen sei auf den durchschnittlichen Lohn einer Hilfsarbeiterin gemäss 

C.m. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 15/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik abzustellen. Der 

Invaliditätsgrad betrage damit 0%. Die Versicherte erhob am 22. November 2018 einen 

Einwand (IV-act. 224). Sie machte im Wesentlichen geltend, die psychiatrische 

Gutachterin habe bescheinigt, dass die kombinierte Persönlichkeitsstörung isoliert 

keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Diese Diagnose sei in Summe mit den 

weiteren Einschränkungen zu betrachten und habe somit klar Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit. Die rezidivierende depressive Störung sei als remittiert eingeschätzt 

worden. Diese Einschätzung widerspreche sämtlichen fachärztlichen Einschätzungen. 

Diese Diagnose habe im Verlauf des Jahres immer von leicht über mittelgradig bis 

teilweise schwer geschwankt. Auch im Bericht der Klinik E.___ vom 17. Oktober 2018 

sei eine mittelgradige Depression attestiert worden. Nicht nachvollziehbar sei die 

Verneinung der posttraumatischen Belastungsstörung. Dr. G.___ werde dazu noch 

Stellung nehmen. Dr. G.___ berichtete am 17. Dezember 2018 (IV-act. 226), sie stimme 

mit der psychiatrischen Gutachterin nicht überein, dass keine Diagnose mit Einfluss auf 

die Arbeitsfähigkeit bestehe. Sie halte an der Diagnose einer posttraumatischen 

Belastungsstörung fest. Sowohl diese als auch die kombinierte Persönlichkeitsstörung 

seien relevant für die verminderte Arbeitsfähigkeit der Versicherten. Die Summe der 

psychiatrischen Diagnosen sowie das Fibromyalgie-Syndrom wirkten sich dergestalt 

aus, dass die Versicherte gezwungen sei, auf sich und ihre Befindlichkeit zu achten, 

d.h. bei Bedarf Pausen einzulegen, und dass sie eine längere Regenerationszeit 

benötige. Aufgrund der Persönlichkeitsstörung benötige die Versicherte einen 

verständnisvollen Ansprechpartner; ihre Teamfähigkeit sei deutlich herabgesetzt. 

Aktuell sei eine ca. halbschichtige Wiedereingliederung über den geschützten 

Arbeitsmarkt vorstellbar. Die Versicherte interpretiere Situationen teilweise falsch und 

gerate leicht in Konflikt mit anderen Mitarbeitenden. Sie leide intermittierend unter 

schweren Symptomen wie Hyperarousal (starke innere Anspannung, innere Unruhe 

und Ängstlichkeit), Intrusionen, Nachhallungen und Wiedererlebenssymptomen. Im 

Weiteren leide sie unter Selbstunsicherheit, intermittierend kämen auch Schuld- und 

Schamgefühle hinzu. In Phasen von grossen sozialen Ängsten sei die Versicherte nicht 

mehr in der Lage, sich für ihre Rechte und Bedürfnisse einzusetzen oder sich vor 

unangemessenem Verhalten ausreichend zu schützen. Sie gerate in subjektive Stress- 

und Überforderungssituationen. Anforderungen und Leistungserwartungen lösten einen 

Druck aus, der sie teilweise handlungsunfähig mache. Ihr sei bekannt, dass die 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 16/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

D.  

Versicherte bei Schilderungen der traumatischen Erlebnisse erst einmal teilnahmslos 

wirke. Sie (die Versicherte) sei bemüht, sehr angepasst zu sein.

Der RAD-Arzt Dr. H.___ notierte am 11. Februar 2019 (IV-act. 227), Dr. G.___ 

wiederhole im Bericht vom 17. Dezember 2018 im Wesentlichen ihre bereits vor der 

Begutachtung festgehaltene Beurteilung (vgl. den Verlaufsbericht vom 18. Dezember 

2017). Nach der neuerlichen Hospitalisation in der Klinik E.___ (Bericht vom 

17. Oktober 2018) stelle sich die Situation der Versicherten ebenfalls nicht 

grundsätzlich anders dar als vor der Begutachtung. Eine grundlegende Änderung des 

medizinischen Sachverhalts im Vergleich zur Zeit vor der Begutachtung und im 

Vergleich zum Gutachtenszeitpunkt werde mit den neu eingereichten medizinischen 

Berichten nicht belegt.

C.n. 

Mit einer Verfügung vom 13. Februar 2019 wies die IV-Stelle das Begehren um 

eine Invalidenrente ab (IV-act. 228). Zum Einwand hielt sie fest, an der bisherigen 

Einschätzung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit sei festzuhalten. Sie verwies auf die 

RAD-Stellungnahme vom 11. Februar 2019.

C.o. 

Die Versicherte ersuchte die IV-Stelle am 11. März 2019 um eine Fristerstreckung 

von einem Monat, "um die Beschwerde beim Versicherungsgericht ein zu reichen. 

Gegen die Verfügung vom 13. Februar 2019" (IV-act. 229).

C.p. 

Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) überwies am 18. März 2019 die 

"Beschwerde" der Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführerin) vom 11. März 2019 

dem Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (act. G 1) und setzte die 

Beschwerdeführerin gleichentags darüber in Kenntnis (IV-act. 231). Das 

Versicherungsgericht gewährte am 19. März 2019 eine Nachfrist zur Verbesserung der 

Beschwerde und drohte an, bei unbenutztem Fristablauf auf die Beschwerde nicht 

einzutreten (act. G 2). Am 29. März 2019 reichte die Beschwerdeführerin eine 

verbesserte Beschwerde ein (act. G 3). Sie hielt fest, dass sie eine Beschwerde gegen 

die Verfügung vom 13. Februar 2019 einreiche. Das Leistungsbegehren sei abgewiesen 

worden. Die Beschwerdegegnerin habe das generalisierte Schmerzsyndrom in den 

Vordergrund gestellt, sei jedoch in keiner Weise auf die Diagnosen einer komplexen 

D.a. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 17/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

posttraumatischen Belastungsstörung und einer kombinierten Persönlichkeitsstörung 

eingegangen. Ihr Gesundheitszustand habe sich aufgrund dieser Diagnosen seit 

September 2012 massiv verschlechtert; sie sei seit diesem Zeitpunkt durchgehend 

vollständig arbeitsunfähig. Am 1. April 2019 werde sie erneut in die E.___ eintreten. 

Entsprechende Berichte würden nachgereicht. Es seien auch weitere stationäre 

Traumatherapien geplant. Dr. G.___, bei der sie seit Oktober 2010 in regelmässiger 

Behandlung sei, könne die Entwicklung bestätigen. Aufgrund dieser Tatsachen 

beantrage sie eine erneute umfassende Prüfung und Beurteilung. Am 12. April 2019 

ersuchte die Beschwerdeführerin um den Erlass des Kostenvorschusses (act. G 5). Am 

8. Mai 2019 reichte sie das Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" ein (act. 

G 7). Im August 2019 (Posteingang: 5. August 2019) reichte sie einen Austrittsbericht 

der E.___ vom 10. Mai 2019 betreffend einen stationären Aufenthalt vom 1. April 2019 

bis 26. April 2019 ein (15. Hospitalisation, act. G 12.1). Fachpersonen hatten dieselben 

Diagnosen wie im Bericht vom 17. Oktober 2018 angegeben. Sie hatten festgehalten, 

diagnostisch hätten sie eine mittelgradige depressive Episode bei einer rezidivierenden 

depressiven Störung gesehen. Die Beschwerdeführerin sei in einem deutlich 

gebesserten Zustand entlassen worden.

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 20. August 2019 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 14). Zur Begründung führte sie an, ob aufgrund der Neuanmeldung 

vom November 2016 ein Rentenanspruch bestehe, beurteile sich praxisgemäss in 

analoger Anwendung der für die Rentenrevision geltenden Regeln. Massgeblich sei 

demnach, ob eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten 

sei, die geeignet sei, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu 

beeinflussen. Dabei bilde in zeitlicher Hinsicht die letzte, auf einer materiellen Prüfung 

des Rentenanspruchs beruhende, rechtskräftige Verfügung den Ausgangspunkt – hier 

der 3. September 2012 – und die streitige Verfügung den Endpunkt – hier der 

13. Februar 2019 – für die Beurteilung, ob eine solche Änderung eingetreten sei. Die 

Tatsache allein, dass ein Administrativgutachten und die Berichte der behandelnden 

Ärzte diametral voneinander abwichen, verbiete nicht, auf die Expertise abzustellen. 

Anders verhalte es sich, wenn konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit des 

Gutachtens sprächen. Soweit Dr. G.___ postuliere, dass bei der Beschwerdeführerin 

die Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung erfüllt seien, sei darauf 

D.b. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 18/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

hinzuweisen, dass die psychiatrische Gutachterin Dr. J.___ mit einer ausführlichen und 

nachvollziehbaren Begründung dargelegt habe, dass bei der klinischen Untersuchung 

die hierfür geforderten diagnostischen Kriterien und Merkmale nicht hätten festgestellt 

werden können. Anhaltspunkte dafür, dass die psychiatrische Begutachtung nicht lege 

artis durchgeführt worden wäre, bestünden nicht. Ein Grund für die Divergenz zwischen 

der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin durch Dr. G.___ und 

Dr. J.___ sei darin zu sehen, dass Dr. J.___ dieser Beurteilung eine objektivierte 

Zumutbarkeitsprüfung zugrunde gelegt und hinreichend auf die Standardindikatoren 

Bezug genommen habe. Das Schreiben von Dr. G.___ vom 17. Dezember 2018 

vermöge das psychiatrische Teilgutachten nicht in Zweifel zu ziehen. Aus dem Bericht 

der E.___ vom 17. Oktober 2018 ergäben sich keine objektivierbaren Hinweise darauf, 

dass sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit dem 

bidisziplinären Gutachten vom 6. Juli 2018 relevant und anhaltend verschlechtert 

haben könnte. Dasselbe gelte in Bezug auf den jüngsten Bericht der E.___ vom 10. Mai 

2019. Die Vorbringen in der Beschwerde vermöchten die Beweistauglichkeit des 

bidisziplinären Gutachtens vom 6. Juli 2018 nicht in Frage zu stellen. Gestützt auf das 

Gutachten sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer adaptierten 

Verweistätigkeit vollständig arbeitsfähig sei.

Im August 2019 reichte die Beschwerdeführerin ein Schreiben der E.___ vom 

14. August 2019 betreffend ein Indikationsgespräch am 18. September 2019 für eine 

Anmeldung/Information auf der Traumastation ein (act. G 15).

D.c. 

Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen bewilligte am 27. August 2019 

das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) für 

das Beschwerdeverfahren (act. G 16).

D.d. 

Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (vgl. act. G 18).D.e. 

Am 2. November 2020 teilte Rechtsanwalt lic. iur. R. Nussmüller dem 

Versicherungsgericht mit, dass die Beschwerdeführerin ihn mit der Vertretung 

beauftragt habe (act. G 19). Er ersuchte um Akteneinsicht, um der Versicherten den 

weiteren Verfahrensablauf erläutern und eine Einschätzung abgeben zu können. Am 

20. November 2020 verdankte er die Zustellung der Akten und gab an, dass er sich 

D.f. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 19/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erwägungen

1.  

davon Kopien erstellt habe (act. G 21). Er hielt fest, er habe den Akten entnommen, 

dass die Streitsache spruchreif sei. Er bat um eine direkt eröffnende Zustellung des 

Entscheids an ihn.

Die Beschwerdeführerin hat mit einem Schreiben vom 11. März 2019 die 

Beschwerdegegnerin um eine Fristerstreckung von einem Monat ersucht, "um die 

Beschwerde beim Versicherungsgericht ein zu reichen. Gegen die Verfügung vom 

13. Februar 2019". Die Beschwerdegegnerin hat die "Beschwerde" am 18. März 2019 

dem Versicherungsgericht überwiesen. Nachdem das Versicherungsgericht der 

Beschwerdeführerin am 19. März 2019 eine Nachfrist zur Verbesserung der 

Beschwerde eingeräumt und angedroht hatte, bei unbenütztem Fristablauf nicht auf die 

Beschwerde einzutreten, hat die Beschwerdeführerin am 29. März 2019 eine 

verbesserte Beschwerde eingereicht. Im Folgenden ist zu prüfen, ob die 

Beschwerdeführerin mit dem Schreiben vom 11. März 2019 ein Beschwerdeverfahren 

anhängig gemacht hat und ob das Schreiben vom 29. März 2019 den Anforderungen 

an eine Beschwerde gemäss Art. 61 lit. b des Bundesgesetzes über den Allgemeinen 

Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) respektive Art. 48 in Verbindung 

mit Art. 42 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRP, sGS 951.1) 

genügt.

1.1. 

Gemäss Art. 48 VRP ist ein Rekurs bei der Rekursinstanz schriftlich einzureichen. 

Er muss einen Antrag sowie eine Darstellung des Sachverhalts und eine Begründung 

enthalten. Er ist zu unterzeichnen. Fehlen Antrag, Darstellung des Sachverhalts, 

Begründung oder Unterschrift, so fordert die Rekursinstanz den Rekurrenten unter 

Ansetzung einer Frist auf, den Rekurs zu ergänzen. Die Ergänzung kann zu Protokoll 

gegeben werden. Mit der Aufforderung zur Ergänzung ist anzudrohen, dass nach 

unbenützter Frist auf den Rekurs nicht eingetreten werde. Gemäss Art. 42 lit. a VRP 

können beim Versicherungsgericht mit Rekurs angefochten werden: Verfügungen und 

Einspracheentscheide, gegen die nach dem Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil 

des Sozialversicherungsrechts Beschwerde erhoben werden kann. Diese kantonalen 

Verfahrensbestimmungen genügen den Anforderungen von Art. 61 lit. b ATSG. Dieser 

sieht nämlich vor, dass eine Beschwerde eine gedrängte Darstellung des Sachverhalts, 

ein Rechtsbegehren und eine kurze Begründung enthalten muss. Genügt sie diesen 

Anforderungen nicht, so setzt das Versicherungsgericht der Beschwerde führenden 

1.2. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 20/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Person eine angemessene Frist zur Verbesserung und verbindet damit die Androhung, 

dass sonst auf die Beschwerde nicht eingetreten werde. Das Ansetzen einer Frist zur 

Verbesserung einer Beschwerde durch das Versicherungsgericht setzt allerdings 

voraus, dass ein Beschwerdeverfahren überhaupt anhängig gemacht worden ist. Nach 

der Auffassung des Bundesgerichts ist es dafür ausreichend, wenn die betreffende 

Person klar einen Anfechtungswillen bekundet hat, wenn sie also erkennbar zum 

Ausdruck gebracht hat, dass sie mit der erlassenen Verfügung nicht einverstanden ist 

und diese durch die Rechtsmittelinstanz überprüft haben will; dies gilt auch dann, wenn 

diese Willenserklärung gegenüber einer unzuständigen Behörde erfolgt ist. Ist eine 

solche Willenserklärung innerhalb der laufenden Rechtsmittelfrist erfolgt, gilt die 

Beschwerdefrist als gewahrt (Art. 60 Abs. 2 i.V.m. Art. 39 Abs. 2 ATSG). Eine 

unzuständige Behörde hat eine rechtzeitig erhobene Beschwerde ohne Verzug dem 

zuständigen Versicherungsgericht zu überweisen (Art. 58 Abs. 3 ATSG; zum Ganzen 

Urteile des Bundesgerichts vom 24. Januar 2020, 8C_757/2019, E. 4, und vom 

21. September 2015, 9C_211/2015, E. 2, m.w.N.).

Die Beschwerdeführerin ist im Zeitpunkt, als sie das Schreiben vom 11. März 2019 

verfasst hat, nicht anwaltlich vertreten gewesen. Aus der Formulierung, "um die 

Beschwerde beim Versicherungsgericht ein zu reichen. Gegen die Verfügung vom 

13. Februar 2019", kommt der Wille der Beschwerdeführerin zum Ausdruck, gegen die 

Verfügung vom 13. Februar 2019 eine Beschwerde beim Versicherungsgericht zu 

erheben. Sie hat damit erkennbar kundgetan, dass sie mit der erlassenen Verfügung 

nicht einverstanden ist und dass sie diese durch das Versicherungsgericht überprüft 

haben möchte. Diese Willenserklärung ist innerhalb der laufenden Rechtsmittelfrist und 

damit rechtzeitig erfolgt. Der Umstand, dass sie gegenüber der Beschwerdegegnerin 

und damit einer unzuständigen Behörde erfolgt ist, ist nicht massgebend. Die 

Beschwerdegegnerin hat denn auch zu Recht das Schreiben vom 11. März 2019 dem 

Versicherungsgericht überwiesen. Mit der Eingabe vom 11. März 2019 an die 

Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin also ein Beschwerdeverfahren 

anhängig gemacht. Das Versicherungsgericht hat der Beschwerdeführerin am 19. März 

2019 eine Nachfrist zur Verbesserung der Beschwerde gewährt. Am 29. März 2019 hat 

die Beschwerdeführerin eine verbesserte Beschwerde eingereicht. Sie hat eine 

"erneute umfassende Prüfung und Beurteilung" beantragt; damit kann sie nur den 

Anspruch auf eine Invalidenrente gemeint haben. Sie hat geltend gemacht, dass sich 

ihr Gesundheitszustand aufgrund der ärztlich gestellten Diagnosen einer komplexen 

posttraumatischen Belastungsstörung und einer kombinierten Persönlichkeitsstörung 

seit September 2012 massiv verschlechtert habe und dass sie seit diesem Zeitpunkt 

durchgehend vollständig arbeitsunfähig sei. Die Beschwerdegegnerin sei in keiner 

1.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 21/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.  

Weise auf diese Diagnosen eingegangen, sondern habe das generalisierte 

Schmerzsyndrom in den Vordergrund gestellt. Die Beschwerdeführerin hat damit einen 

Antrag mit einer kurzen Begründung gestellt. Ihre Ausführungen enthalten zudem (in 

medizinischer Hinsicht) einige Anhaltspunkte zum Sachverhalt. Da das Gericht von 

Amtes wegen die Akten der Beschwerdegegnerin beizuziehen und den für den 

Streitgegenstand massgeblichen Sachverhalt festzustellen hat, sind die Anforderungen 

an die Sachverhaltsdarstellung in der Beschwerde tief anzusetzen. Die 

Sachverhaltsangaben im Schreiben vom 29. März 2019 sind daher ausreichend. Die 

Beschwerdeführerin hat das Schreiben vom 29. März 2019 unterzeichnet. Dieses 

genügt damit den Anforderungen an eine Beschwerde gemäss Art. 61 lit. b ATSG 

respektive Art. 48 in Verbindung mit Art. 42 lit. a VRP. Auf die am 11. März 2019 

rechtzeitig erhobene und am 29. März 2019 verbesserte Beschwerde ist damit 

einzutreten.

Die Beschwerdeführerin hat sich am 31. Oktober 2016/2. November 2016 zum 

dritten Mal zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet, 

nachdem die IV-Stelle des Kantons Thurgau das erste Leistungsbegehren mit einer 

Verfügung vom 3. September 2012 abgewiesen hatte und auf das zweite 

Leistungsbegehren mit einer Verfügung vom 10. Dezember 2014 nicht eingetreten war. 

Bei der Anmeldung vom 31. Oktober 2016/2. November 2016 kann es sich also nur um 

eine sogenannte Neuanmeldung gehandelt haben.

2.1. 

Gemäss Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV, 

SR 831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht 

wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise 

geändert hat. Da der Rentenanspruch mit der das Verfahren abschliessenden 

Verfügung vom 3. September 2012 zuletzt materiell geprüft worden ist, ist 

massgebend, ob die Beschwerdeführerin glaubhaft gemacht hat, dass sich ihr 

Gesundheitszustand seit diesem Zeitpunkt verschlechtert und dass damit ihr 

Arbeitsunfähigkeitsgrad in einem erheblichen Ausmass angestiegen ist. Die 

Beschwerdeführerin hat hierfür mehrere Berichte der E.___ (IV-act. 131, 147, 152, 153), 

einen Bericht des Hausarztes Dr. F.___ vom 24. November 2016 (IV-act. 146) sowie 

einen Bericht der behandelnden Psychiaterin Dr. G.___ vom 5. Januar 2017 (IV-

act. 156) eingereicht. Aus diesen Berichten ergibt sich, dass im Februar 2013 von 

Fachärzten der E.___ eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung 

diagnostiziert worden war. Diese Diagnose war im Verlauf der mehreren 

darauffolgenden stationären Aufenthalte in der E.___ jeweils bestätigt worden. Im 

2.2. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 22/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.

Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 13. Februar 2019 

einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 0% 

verneint. Strittig ist somit, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine 

Invalidenrente hat.

Weiteren ist ersichtlich, dass sich die Beschwerdeführerin seit der rentenabweisenden 

Verfügung vom 3. September 2012 nicht nur traumatherapeutisch, sondern auch zur 

Behandlung von leichten respektive mittelgradigen depressiven Episoden mehrfach 

stationär in der E.___ aufgehalten hatte. Im Gutachten der Medas Ostschweiz vom 

14. Juni 2012, welches der rentenabweisenden Verfügung vom 3. September 2012 

zugrunde gelegen hatte, war die Diagnose einer komplexen posttraumatischen 

Belastungsstörung nicht genannt worden. Es war lediglich ein St. n. einer 

rezidivierenden depressiven Störung, leichte Episode, aktenkundig 22. September 

2011 (ICD-10 F33.01), DD Dysthymia (ICD-10 F34.1), diagnostiziert worden. 

Möglicherweise hat sich die depressive Symptomatik seit dem 3. September 2012 also 

verstärkt. Mit der im Vergleich zur Situation am 3. September 2012 neu diagnostizierten 

komplexen posttraumatischen Belastungsstörung und der seit diesem Zeitpunkt 

möglichen Verstärkung der depressiven Symptomatik hat die Beschwerdeführerin eine 

wesentliche Verschlechterung ihres Gesundheitszustands glaubhaft gemacht. Die 

Beschwerdegegnerin ist damit zu Recht auf die Neuanmeldung vom 31. Oktober 

2016/2. November 2016 eingetreten.

Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die 

ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht 

durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder 

verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende 

oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, 

SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, 

geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung 

und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten 

auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

3.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 23/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.  

Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich 

durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, 

das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 

zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares 

Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, 

wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).

3.2. 

Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der 

verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu Dres. 

I.___ und J.___ mit der Erstellung eines bidisziplinären Gutachtens (orthopädisch und 

psychiatrisch) beauftragt. Im Gutachten vom 6. Juli 2018 haben Dres. I.___ und J.___ in 

adaptierten Tätigkeiten eine vollständige Arbeitsfähigkeit attestiert. Strittig und im 

Folgenden zu prüfen ist, ob dem Gutachten voller Beweiswert zukommt, das heisst, ob 

es die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegt.

4.1. 

Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange 

umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen 

Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 

125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass die psychiatrische Gutachterin die vom 

Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und 

vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen 

Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen, 

anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143 

V 409 und 143 V 418).

4.2. 

Der orthopädische Sachverständige Dr. I.___ und die psychiatrische Gutachterin 

Dr. J.___ haben umfassende Kenntnis von den Vorakten gehabt und diese gewürdigt. 

Sie haben die Beschwerdeführerin persönlich untersucht, die subjektiven Klagen 

aufgenommen und die erhobenen objektiven Befunde im Gutachten wiedergegeben. 

Dr. I.___ hat nachvollziehbar dargelegt, dass bei der Beschwerdeführerin eine 

verminderte Belastbarkeit des Achsenskeletts und der linken unteren Extremität 

vorgelegen hat. Die Beweglichkeit ist jedoch nicht relevant eingeschränkt gewesen. 

4.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 24/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Instabilitäten oder neurologische Reiz- oder Ausfallsymptome haben nicht vorgelegen. 

Dr. I.___ hat die geklagten Beschwerden nur teilweise durch die objektivierbaren 

Befunde erklären können. Er hat für adaptierte Tätigkeiten eine vollständige 

Arbeitsfähigkeit attestiert. In diesem Zusammenhang hat er zwar festgehalten, dass die 

frühere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zu übernehmen sei (gemeint: die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung des rheumatologischen Gutachters der Medas Ostschweiz 

im Gutachten vom 14. Juni 2012), da der Vergleich der aktuellen 

Untersuchungsbefunde mit jenen der Vorgutachter zeige, dass keine relevanten 

Veränderungen eingetreten seien. Daraus könnte der Eindruck entstehen, dass Dr. I.___ 

die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht unabhängig vorgenommen habe. Da er die 

Beschwerdeführerin aber umfassend und nicht bloss hinsichtlich möglicher Ver­

änderungen des Gesundheitszustands untersucht hat, ist eindeutig von einer 

eigenständigen Arbeitsfähigkeitsschätzung auszugehen. Dies zeigt sich auch daran, 

dass er im Vergleich zum rheumatologischen Gutachter der Medas Ostschweiz ein 

leicht konservativeres Belastungsprofil für adaptierte Tätigkeiten angegeben hat. Als 

Adaptionskriterien hat Dr. I.___ genannt: Wechselbelastend, körperlich leicht, mit der 

Möglichkeit des Wechselns zwischen Sitzen, Gehen und Stehen, ohne Heben und 

Tragen von Lasten über zehn Kilogramm, ohne Zwangspositionen der Wirbelsäule (kein 

Bücken, keine Rotationsbewegungen) und der Kniegelenke (kein Abknien, Hocken oder 

Kauern), kein Absolvieren längerer Gehstrecken, kein Überwinden von 

Höhendifferenzen. Angesichts der Natur der erhobenen Befunde sind sowohl die 

Arbeitsfähigkeitsschätzung als auch das Belastungsprofil von Dr. I.___ schlüssig. 

Medizinische Berichte oder Einwände der Beschwerdeführerin, die Zweifel an der 

Einschätzung von Dr. I.___ wecken könnten, liegen nicht vor. Dr. J.___ hat 

nachvollziehbar erklärt, dass eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-

vermeidenden, abhängigen und histrionischen Anteilen (ICD-10 F61.0) im Vordergrund 

der Untersuchung gestanden sei. Sie hat diese Diagnose aufgrund der von ihr 

erhobenen objektiven Befunde überzeugend hergeleitet. Sie hat zudem darauf 

hingewiesen, dass diese Diagnose auch von den behandelnden Fachärzten und 

Fachkliniken seit dem Jahr 2010 unverändert angegebenen worden sei. Sie hat 

ausgeführt, die kombinierte Persönlichkeitsstörung erkläre auch teilweise die 

mehrfachen und langfristigen stationären Aufenthalte in der E.___. Sie hat dieser 

Diagnose keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zugemessen, da die Störung 

bereits seit der Jugend der Beschwerdeführerin vorliege, es nie zu einer Entlassung aus 

Persönlichkeitsgründen gekommen sei und eine Krankschreibung rein aus diesem 

Grund nie erfolgt sei. Diese Einschätzung überzeugt, zumal sich aus den Akten und 

den Angaben der Beschwerdeführerin hinsichtlich der Auswirkung der 

Persönlichkeitsstörung auf die frühere Erwerbstätigkeit keine gegenteiligen 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 25/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Anhaltspunkte ergeben. Im Weiteren hat Dr. J.___ aufgezeigt, dass sie anlässlich der 

Untersuchung keine relevante depressive Symptomatik hat feststellen können, obwohl 

die Beschwerdeführerin angegeben hat, sich mittelgradig depressiv zu fühlen. Dr. J.___ 

hat festgehalten, die behandelnden Ärzte hätten im Verlauf seit dem Jahr 2010 die 

Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung angegeben. Sie hat deshalb die 

Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 

F33.4), gestellt. Die im Gutachten der Medas Ostschweiz angegebene Diagnose einer 

chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 

F45.41) hat Dr. J.___ bestätigt und entsprechend erklärt. Im Weiteren hat sie 

ausführlich begründet, weshalb die Diagnose einer komplexen posttraumatischen 

Belastungsstörung weder im Untersuchungszeitpunkt hat gestellt noch aufgrund der 

Berichte der E.___ und von Dr. G.___ hat nachvollzogen werden können. Die Erhebung 

der Befunde und die gestützt darauf gestellten Diagnosen sind schlüssig und 

nachvollziehbar; die von derjenigen der behandelnden Ärzten abweichende 

Einschätzung hat Dr. J.___ plausibel begründet. Im Weiteren hat sich Dr. J.___ zu den 

Standardindikatoren geäussert, insbesondere zur Konsistenz und zu den Ressourcen. 

Die Ausführungen zu den Ressourcen sind zwar eher knapp ausgefallen; zusammen 

mit den Schilderungen der Alltagsaktivitäten, die ein beträchtliches Aktivitätsniveau der 

Beschwerdeführerin aufzeigen (etappenweise Erledigung des Haushalts, Einkaufen, 

Kochen, Basteln, Umsorgen der Katzen, Kontakte mit Bekannten, IV-act. 213-28), sind 

diese aber ausreichend und zeigen das Bestehen von erheblichen Ressourcen auf. In 

Bezug auf die Konsistenz ist festzuhalten, dass Dr. J.___ als Resultat der neuro­

psychologischen Testung den Eindruck einer sehr geringen Anstrengungsbereitschaft 

angegeben hat. Dies stimmt mit der Angabe von Dr. I.___ überein, wonach die 

Beschwerdeführerin ihren Beschwerden einen hohen Stellenwert beimesse und daraus 

recht absolute Schlussfolgerungen in Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit ziehe. Dies 

weist auf eine Selbstlimitierung der Beschwerdeführerin hin. Dr. J.___ ist zum Schluss 

gelangt, dass keine Diagnose mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. 

Demzufolge hat sie eine vollständige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten 

attestiert. Retrospektiv hat sie einzig für die Zeit der stationären Aufenthalte eine 

vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung ist in 

Anbetracht dessen, dass keine Diagnose mit einer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

vorliegt und dass die Beschwerdeführerin über beträchtliche Ressourcen verfügt, 

überzeugend. In Bezug auf die retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung ist ausserdem 

zu berücksichtigen, dass die Fachärzte der E.___ in dem für einen potentiellen 

Rentenanspruch relevanten Zeitraum (also ab dem 1. April 2017 oder dem 1. Mai 2017, 

vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) bis zum Zeitpunkt der Begutachtung keine beim Austritt 

bestehende Arbeitsunfähigkeit attestiert und jeweils über einen gebesserten 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 26/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Gesundheitszustand berichtet haben (Austrittsberichte vom 7. Juni 2017 und vom 

3. November 2017, IV-act. 185, 197; im Bericht vom 3. November 2017 ist nur noch 

eine beim Austritt bestehende leichte depressive Verstimmung angegeben worden). Im 

Weiteren ist in Bezug auf diese Berichte sowie die Berichte von Dr. G.___ vom 6. Juni 

2017 und vom 18. Dezember 2017 (IV-act. 186, 200) der Erfahrungstatsache Rechnung 

zu tragen, dass die behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen 

Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen pflegen und 

dazu neigen, die pessimistischen Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv 

ausgewiesen zu qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353, E. 3b.cc; Urteil des Eidgenössischen 

Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03, E. 2.4.2). Der Umstand, dass 

Dr. G.___ in diesen Berichten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit für Tätigkeiten auf 

dem freien Arbeitsmarkt attestiert hat, vermag deshalb keine Zweifel an der 

Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. J.___ zu wecken.

Im Folgenden ist zu prüfen, ob die nach der Erstattung des Gutachtens erstellten 

Berichte der E.___ vom 17. Oktober 2018 (IV-act. 218) und 10. Mai 2019 (act. G 12.1) 

sowie der Bericht von Dr. G.___ vom 17. Dezember 2018 (IV-act. 226) Zweifel am 

Gutachten zu wecken vermögen. Im Bericht der E.___ vom 17. Oktober 2018 haben die 

Fachärzte keine neuen Diagnosen angegeben. Der stationäre Aufenthalt vom 

10. August 2018 bis 21. September 2018 ist wegen einer mittelgradigen depressiven 

Episode erfolgt. Beim Austritt haben noch ein haftendes Kontaktverhalten und eine 

Grübelneigung bei einer deutlich gebesserten Stimmung bestanden. Eine beim Austritt 

bestehende Arbeitsunfähigkeit ist nicht attestiert worden. Selbst wenn sich der 

Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin aufgrund einer Depression verschlechtert 

und die Depression eine Arbeitsunfähigkeit ausgelöst haben sollte, liegt aufgrund der 

relativ kurzen Dauer des stationären Aufenthalts mit einer beim Austritt deutlich 

gebesserten Stimmung keine längerdauernde Erwerbsunfähigkeit im Sinne von Art. 8 

Abs. 1 ATSG vor, die eine Invalidität hätte bewirken können. Der Bericht vom 10. Mai 

2019 betrifft einen stationären Aufenthalt vom 1. bis 26. April 2019, also einen Zeitraum 

nach dem Verfügungserlass. Die Behandlung ist wiederum wegen einer mittelgradigen 

depressiven Episode erfolgt. Da zur Beurteilung der Rechtmässigkeit der Abweisung 

des Rentenbegehrens der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bis zum 

Zeitpunkt des Verfügungserlasses massgebend ist, sich der Bericht vom 10. Mai 2019 

aber auf einen späteren Zeitraum bezieht und keine objektiven Hinweise auf eine 

Verschlechterung des Gesundheitszustands vor dem 13. Februar 2019 enthält, ist 

dieser Bericht nicht zu berücksichtigen. Dasselbe gilt in Bezug auf das Schreiben der 

E.___ vom 14. August 2019 betreffend ein Indikationsgespräch für eine Anmeldung/

Information auf der Traumastation (act. G 15). Diese Berichte wecken somit keine 

4.4. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 27/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Zweifel am Gutachten. Dr. G.___ hat am 17. Dezember 2018 angegeben, sie halte an 

der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung fest. Aus ihren Ausführungen 

ergibt sich aber nicht, wie die angegebenen Symptome einer posttraumatischen 

Belastungsstörung (Hyperaraousal, Intrusionen, Nachhallungen und 

Wiedererlebenssymptome) auftreten und wie sich diese konkret äussern. Dr. G.___ hat 

die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung also nach wie vor nicht 

begründet. Im Weiteren hat Dr. G.___ angeführt, die Summe der psychiatrischen 

Diagnosen sowie das Fibromyalgie-Syndrom wirkten sich dergestalt aus, dass die 

Beschwerdeführerin gezwungen sei, auf sich und ihre Befindlichkeit zu achten, d.h. bei 

Bedarf Pausen einzulegen, und dass sie eine längere Regenerationszeit benötige. Die 

Beschwerdeführerin benötige einen verständnisvollen Ansprechpartner; ihre 

Teamfähigkeit sei deutlich herabgesetzt. Aktuell sei eine ca. halbschichtige 

Wiedereingliederung über den geschützten Arbeitsmarkt vorstellbar. Der Bericht vom 

17. Dezember 2018 enthält keine neuen medizinischen Aspekte. Bei der von Dr. G.___ 

angegebenen Arbeitsfähigkeitsschätzung handelt es sich lediglich um eine andere 

Beurteilung desselben Sachverhalts. Dieser Bericht ist somit nicht geeignet, Zweifel am 

Gutachten zu wecken, zumal auch hier der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen ist, 

dass die behandelnden Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im 

Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten auszusagen pflegen und dazu neigen, die 

pessimistischen Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu 

qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353, E. 3b.cc; Urteil des Eidgenössischen 

Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03, E. 2.4.2).

Zu prüfen bleibt, ob die Einwände der Beschwerdeführerin Zweifel am Gutachten 

zu wecken vermögen. Die Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, Dr. J.___ habe 

bescheinigt, dass die kombinierte Persönlichkeitsstörung isoliert keinen Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit habe. Diese Diagnose sei in Summe mit den weiteren Einschränkungen 

zu betrachten und habe somit klar Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Im Weiteren 

hat sie vorgebracht, die rezidivierende depressive Störung sei als remittiert 

eingeschätzt worden. Diese Einschätzung widerspreche sämtlichen fachärztlichen 

Einschätzungen. Diese Diagnose habe im Verlauf des Jahres immer von leicht über 

mittelgradig bis teilweise schwer geschwankt. Dazu ist festzuhalten, dass Dr. J.___ 

anlässlich der Begutachtung keine depressiven Symptome hat feststellen können. Die 

Diagnose eines im Untersuchungszeitpunkt remittierten depressiven Zustandbilds ist 

daher überzeugend. In Bezug auf die Berichte der behandelnden Fachärzte ist auf die 

Ausführungen in der Erwägung 4.4 zu verweisen. Hinsichtlich der Diagnose der 

kombinierten Persönlichkeitsstörung ist darauf hinzuweisen, dass Dr. J.___ 

überzeugend begründet hat, weshalb diese Diagnose keinen Einfluss auf die 

4.5. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 28/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

5.

Bleibt der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Einkommensvergleich zu 

überprüfen.

Arbeitsfähigkeit hat. Nicht ersichtlich ist, inwiefern sich an der 

Arbeitsfähigkeitsschätzung etwas ändern sollte, wenn man diese Diagnose in 

Kombination mit den Diagnosen einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen 

und psychischen Anteilen und einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig 

remittiert, betrachtet, da gemäss der überzeugenden Einschätzung von Dr. J.___ keine 

der genannten Diagnosen eine Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit zur 

Folge hat. Die Beschwerdeführerin hat schliesslich angeführt, die Beschwerdegegnerin 

habe das generalisierte Schmerzsyndrom in den Vordergrund gestellt, gehe jedoch in 

keiner Weise auf die Diagnosen einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung 

und einer kombinierten Persönlichkeitsstörung ein. Die Beschwerdeführerin übersieht 

dabei, dass der angefochtenen Verfügung vom 13. Februar 2019 das bidisziplinäre 

Gutachten von Dres. I.___ und J.___ zugrunde liegt, worin die Diagnosen ausführlich 

diskutiert worden sind. Der Einwand der Beschwerdeführerin ist damit nicht stichhaltig.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder die Einwände der Beschwerde­

führerin noch die Berichte der E.___ und von Dr. G.___ Zweifel an der gutachterlichen 

Einschätzung zu wecken vermögen. Damit steht mit dem Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin in adaptierten 

Tätigkeiten vollständig arbeitsfähig ist. Retrospektiv hat lediglich während der 

stationären Aufenthalte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Da diese 

Aufenthalte jeweils nur von relativ kurzer Dauer gewesen sind, haben diese keine 

invalidenversicherungsrechtlich relevante, anhaltende Arbeitsunfähigkeit zur Folge 

gehabt.

4.6. 

Zunächst ist massgebend, auf welcher Basis der Einkommensvergleich durchzu­

führen ist. Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten 

nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs (Art. 29 Abs. 1 IVG). Die 

Beschwerdeführerin hat sich am 31. Oktober 2016/2. November 2016 zum 

Leistungsbezug angemeldet. Der frühest mögliche Rentenbeginn ist also der 1. April 

2017 oder der 1. Mai 2017 gewesen (welches Datum massgebend ist, kann 

offengelassen werden). Basis für den Einkommensvergleich bilden damit die 

Verhältnisse im Jahr 2017.

5.1. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 29/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Die Beschwerdeführerin hat eine zweijährige Anlehre als Verkäuferin absolviert und 

anschliessend während einigen Jahren in diesem Beruf gearbeitet. Obwohl sie später 

auch als Restaurantmitarbeiterin und als Lagermitarbeiterin gearbeitet hat (vgl. die 

Arbeitszeugnisse, IV-act. 134), also eine Hilfsarbeiterinnentätigkeit ausgeübt hat, 

könnte sie im fiktiven "Gesundheitsfall" wieder als Verkäuferin arbeiten. Das vor rund 

30 Jahren erlernte Wissen und die damals erlernten Fähigkeiten könnte sie nämlich, 

allenfalls nach einer kurzen Einarbeitung, auch heute noch einsetzen, da sich die 

beruflichen Anforderungen einer Verkäuferin nicht in einem Ausmass geändert haben, 

dass die damals erworbenen Berufskenntnisse aus heutiger Sicht nutzlos wären. Die 

Validenkarriere besteht damit in einer Tätigkeit als Verkäuferin. Das durchschnittliche 

Einkommen einer Verkäuferin in der Altersgruppe 30-49 Jahre hat im Jahr 2016 

Fr. 4'550.-- monatlich betragen (Schweizerische Lohnstrukturerhebung des 

Bundesamts für Statistik, T17, Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach 

Berufsgruppen, Lebensalter und Geschlecht, privater und öffentlicher Sektor [Bund, 

Kantone, Bezirke, Gemeinden, Körperschaften] zusammen). Aufgerechnet auf das Jahr 

2017 (Schweizerischer Lohnindex: Index und Veränderungen auf der Basis 2015 = 100 

[NOGA08], Nominallohnindex 2016-2019, T1.15, Detailhandel) hat es Fr. 4'559.-- 

betragen (Fr. 4'550.-- ÷ 100.5 × 100.7).

5.2. 

In Bezug auf die Bemessung des Invalideneinkommens ist massgebend, dass der 

Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit als Hilfsarbeiterin eine 

Vollerwerbstätigkeit zumutbar ist, während aufgrund des im Gutachten von Dr. I.___ 

formulierten Belastungsprofils in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin keine 

vollständige Arbeitsfähigkeit mehr gegeben sein dürfte. Die Beschwerdeführerin 

vermag deshalb mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit in einer 

Hilfsarbeiterinnentätigkeit ein höheres Einkommen zu erzielen als in einer (in der 

Arbeitsfähigkeit eingeschränkten) Tätigkeit als Verkäuferin, zumal der Zentralwert des 

Einkommens einer Verkäuferin nicht wesentlich höher liegt als der Zentralwert des 

Einkommens einer Hilfsarbeiterin. Das durchschnittliche monatliche Einkommen einer 

Hilfsarbeiterin hat im Jahr 2017 nämlich Fr. 4'379.-- brutto betragen (vgl. Anhang 2 der 

IV-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019). Die Invalidenkarriere 

besteht also in einer Tätigkeit als Hilfsarbeiterin. Nun stellt sich die Frage, ob die 

Beschwerdeführerin zusätzliche Lohnnachteile in Kauf zu nehmen hat. Bei Personen, 

die in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sind, können im Vergleich zu gesunden 

Arbeitnehmern nämlich Lohnnachteile entstehen, da der Wert der Arbeitsleistung aus 

der Sicht eines betriebswirtschaftlich-ökonomisch handelnden Arbeitgebers vermindert 

ist. Eine gesundheitlich beeinträchtigte Person wäre nämlich unfähig, sich 

vorübergehend an einem nicht adaptierten Arbeitsplatz einsetzen zu lassen. Sie wäre in 

5.3. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 30/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

6.  

der Regel auch nicht in der Lage, Überstunden zu leisten. Längerfristig betrachtet 

bestünde zudem das Risiko von vermehrten krankheitsbedingten Absenzen. Geht man 

von einem ökonomischen Invaliditätsbegriff aus bzw. will man einen Soziallohnanteil 

ausscheiden, ist wegen diesen Nachteilen, die betriebswirtschaftlich zu einem 

Minderlohn zwingen würden, bei der Ermittlung des Ausgangswerts des 

zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ein zusätzlicher Abzug 

vorzunehmen. Ob die Beschwerdeführerin mit zusätzlichen Lohnnachteilen zu rechnen 

hat, welche einen zusätzlichen Abzug vom zumutbarerweise erzielbaren 

Invalideneinkommen rechtfertigen würde, kann vorliegend aber offenbleiben. Denn 

selbst bei einer grosszügigen Betrachtungsweise würde dieser Abzug sicher nicht mehr 

als 15% betragen; das Invalideneinkommen läge damit bei Fr. 3'722.--. Bei einem 

Valideneinkommen von Fr. 4'559.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 3'722.-- 

würde der Invaliditätsgrad 18% betragen. Ein Rentenanspruch resultiert damit nicht.

Aus dem Einkommensvergleich resultiert somit ein Invaliditätsgrad von maximal 

18%. Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine 

Invalidenrente im Ergebnis also zu Recht verneint. Die Beschwerde ist demnach 

abzuweisen.

5.4. 

Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erweist 

sich in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang 

des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin 

aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten) 

ist sie von der Bezahlung zu befreien.

6.1. 

bis

Die Beschwerdeführerin hat ihren Rechtsvertreter erst nach dem Abschluss des 

Schriftenwechsels mandatiert. Der Rechtsvertreter hat das Versicherungsgericht am 

2. November 2020 um Akteneinsicht ersucht, um der Beschwerdeführerin den weiteren 

Verfahrensablauf erläutern und eine Einschätzung abgeben zu können. Am 

20. November 2020 hat er die Zustellung der Akten verdankt und angegeben, dass er 

sich davon Kopien erstellt habe. Dem Ausgang des Beschwerdeverfahrens gemäss hat 

die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. Art. 61 

lit. g ATSG). Ihr Rechtsvertreter hat kein Gesuch um die Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung gestellt. Damit besteht weder ein Anspruch auf eine 

Parteientschädigung noch ein Anspruch auf eine Entschädigung durch den Staat.

6.2. 

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 31/31

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.

Die Beschwerdeführerin wird zufolge unentgeltlicher Rechtspflege von der Bezahlung 

der Gerichtskosten von Fr. 600.-- befreit.

Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur 

Nachzahlung der Gerichtskosten verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 

der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO, SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP, sGS 951.1]).

6.3. 

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 16.02.2021
	Art. 61 lit. b ATSG. Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV. Art. 7, 8 und 16 ATSG. Art. 28 IVG. Eintreten auf Beschwerde. Eintreten auf Neuanmeldung. Würdigung eines bidisziplinären (orthopädischen und psychiatrischen) Gutachtens. Einkommensvergleich. Keine rentenbegründende Invalidität (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. Februar 2021, IV 2019/67).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte