# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cf5e904b-0b36-5b47-bc42-e05ef58ee935
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-03-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.03.2024 E-815/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-815-2022_2024-03-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-815/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  M ä r z  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler, Richterin Roswitha Petry,    

Gerichtsschreiber Stefan Trottmann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Sophie Frühauf,  

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren (…), 

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 21. Januar 2022 / N (…). 

 

 

 

E-815/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 7. Dezember 2020 in der Schweiz 

um Asyl nach und wurde am 30. Dezember 2020 im Rahmen der Erstbe-

fragung UMA befragt (vgl. Akten der Vorinstanz 1083120-[nachfolgend: 

SEM-act.] 1/2 und 16/14). 

A.b Mit Verfügung vom 4. Mai 2021 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch 

des Beschwerdeführers nicht ein, legte das Geburtsdatum mit Bestrei-

tungsvermerk auf den (…) 2002 fest, wies ihn in den für ihn zuständigen 

Dublin-Mitgliedsstaat Rumänien weg und beauftragte den zuständigen 

Kanton mit der Umsetzung des Vollzugs der Wegweisung (vgl. SEM-act. 

65/14). 

A.c Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das BVGer mit Urteil  

E-2241/2021 vom 30. Juni 2021 gut, hob die Verfügung der Vorinstanz vom 

4. Mai 2021 auf und wies die Sache hinsichtlich der Überstellung im Rah-

men der Dublin-III-Verordnung sowie der ZEMIS-Berichtigung zur Neube-

urteilung an die Vorinstanz zurück (vgl. SEM-act. 79/21). 

A.d Aufgrund des gesundheitlichen Zustandes und auf Antrag seiner 

Rechtsvertreterin wurde der Beschwerdeführer schriftlich zu seinen Asyl-

gründen befragt und reichte am 22. Dezember 2021 das entsprechende 

Befragungsprotokoll der Vorinstanz ein (vgl. SEM-act. 95/5).  

Zur Begründung seines Asylgesuches führte er im Wesentlichen aus, er sei 

afghanischer Staatsangehöriger und ethnischer Tadschike. Nach seiner 

sechsjährigen Schullaufbahn habe er seinen Heimatort B._______ (Distrikt 

Jalriz, Provinz Maidan Wardak) zwischen Juni und Dezember 2018 erst-

mals verlassen und sei mit seinem Bruder zwecks Arbeitsaufnahme in den 

Iran ausgereist. Nach einigen Monaten sei er wieder zu seiner Familie nach 

Afghanistan zurückgekehrt. In den folgenden fünf Monaten, die er in sei-

nem Heimatort verbracht habe, habe sich die lokale Sicherheitslage ver-

schlechtert. Die Taliban hätten es in dieser Zeit geschafft, einige Polizei-

posten in der Region einzunehmen. Zudem sei in seiner Region ein Mullah 

namens C._______ mit seinen Leuten präsent gewesen. Der Mullah habe 

von den Dorfleuten verlangt, ihre älteren Jungen dem Dschihad – dem 

Kampf gegen die afghanische Regierung sowie gegen die amerikanische 

Besatzung – zur Verfügung zu stellen und die jüngeren Jungen zur Ausbil-

dung in seine Schule zu schicken. Die örtliche Bevölkerung sei dieser For-

derung gespalten gegenübergestanden. Sein Vater und sein Grossvater 

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Seite 3 

seien damit nicht einverstanden gewesen, der Onkel väterlicherseits sei-

nes Vaters hingegen schon. Sein Vater habe grosse Angst vor seinem On-

kel gehabt: Da sein Vater vor langer Zeit im (…)transport für die Amerikaner 

tätig gewesen sei, habe er befürchtet, sein Onkel, ein Anhänger des Mul-

lahs, könnte diesen darüber in Kenntnis setzen. Der Mann seiner Tante, 

der damals (…) der (…)polizei gewesen sei, habe seinem Vater diese Ar-

beit vermittelt gehabt. Um zu verhindern, dass seine Söhne in den Kampf 

beziehungsweise in die Ausbildung des Mullahs geschickt würden, und aus 

Angst, dass ein Onkel den Mullah über seine frühere Tätigkeit für die Ame-

rikaner in Kenntnis setzen könnte, habe sein Vater die Ausreise seiner Fa-

milie aus Afghanistan beschlossen. Zirka Ende 2019 habe seine Familie in 

der Folge das Land verlassen. Auf der Reise habe er seine Angehörigen 

aus den Augen verloren. Über den Iran, die Türkei, Griechenland sowie 

weitere Länder sei er illegal in die Schweiz gelangt, wo er sein Asylgesuch 

eingereicht habe. Bei einer Rückkehr nach Afghanistan würde er intensive 

Verfolgung durch den Mullah befürchten, weil er sich seiner Aufforderung 

widersetzt habe. Ob und inwiefern der Mullah allfällig mit den Taliban in 

Verbindung gestanden habe, wisse er nicht. Weiter befürchte er Probleme, 

da der Onkel seines Vaters den örtlichen Mullah über die besagte frühere 

Tätigkeit für die Amerikaner informieren könnte.  

A.e Am 10. Januar 2022 wurde der Beschwerdeführer dem erweiterten 

Verfahren zugeteilt (vgl. SEM-act. 97/2). 

B.  

Mit Verfügung vom 21. Januar 2022 (gleichentags eröffnet) stellte das SEM 

fest, die Behandlung des Asylfalls des Beschwerdeführers im beschleunig-

ten Verfahren werde abgelehnt, der vorliegende Entscheid ergehe im er-

weiterten Verfahren. Zudem lehnte es das Asylgesuch des Beschwerde-

führers ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug 

der Wegweisung schob es wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vor-

läufigen Aufnahme auf, wobei es den zuständigen Kanton mit deren Um-

setzung beauftragte. Ferner händigte es ihm die editionspflichtigen Akten 

gemäss Aktenverzeichnis aus (vgl. SEM-act. 105/11 f.). 

C.  

Mit Eingabe vom 18. Februar 2022 reichte der Beschwerdeführer durch 

seine Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein 

und beantragt, es seien die Ziffern 1 und 2 der angefochtenen Verfügung 

aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu ge-

währen. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 

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zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung und um den Verzicht auf die Erhebung ei-

nes Kostenvorschusses.  

Der Beschwerde legte er eine Vollmacht vom 19. Januar 2022 und die an-

gefochtene Verfügung, beide in Kopie, bei.  

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 10. März 2022 hiess die Instruktionsrichterin 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und 

verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zudem lud sie die 

Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.  

E.  

Die Vorinstanz reichte am 18. März 2022 ihre Vernehmlassung ein. Mit In-

struktionsverfügung vom 24. März 2022 stellte die Instruktionsrichterin 

dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung zu und lud diesen ein, eine 

Replik einzureichen. Dieser replizierte am 8. April 2022.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

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Seite 5 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

1.4 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

2.  

2.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu 

prüfen sind, da sie unter Umständen geeignet sein könnten, eine Kassation 

der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2).  

2.2 Der Beschwerdeführer führt aus, die Vorinstanz sei im Rahmen ihrer 

Untersuchungspflicht verpflichtet gewesen, die Frage, für wen er hätte re-

krutiert werden sollen, genauer abzuklären. Es sei stossend, ohne weitere 

Abklärungen beziehungsweise Rückfragen die Tatsache gegen ihn zu ver-

wenden, dass er nicht wisse, für wen der Mullah habe rekrutieren lassen. 

Auch habe sich die Vorinstanz nicht ernsthaft mit dem Umstand auseinan-

dergesetzt, dass sein Vater als Chauffeur für die Amerikaner gearbeitet 

habe und gemäss UNHCR einer Gruppe von Personen angehöre, welche 

aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt 

sei. Auch habe sie sich nicht mit den eingereichten Beweismitteln, nament-

lich mit den Lieferscheinen, befasst. In der Replik wird darüber hinaus vor-

gebracht, die Vorinstanz habe die veränderte Lage in Afghanistan seit der 

Machtübernahme der Taliban nicht berücksichtigt und sich auch nicht mit 

der Frage auseinandergesetzt, wie die Taliban mit gewissen Personen-

gruppen, namentlich mit Minderjährigen umgingen. 

2.3 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–h aufge-

listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).  

2.4 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderer-

seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass 

eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-

greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er-

lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise 

beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen 

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Seite 6 

Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Be-

weise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu 

äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der An-

spruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Be-

fugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren 

ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 

E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). 

2.5 Der Beschwerdeführer hat die Vorinstanz mit Schreiben vom 25. No-

vember 2021 über seinen Gesundheitszustand informiert und ersucht, auf-

grund seiner psychischen Probleme den für das Asylgesuch massgebli-

chen Sachverhalt anhand eines vom SEM vorgefertigten Fragenkatalogs 

in gewohnter Umgebung durch eine Vertrauensperson erstellen zu lassen 

(vgl. SEM-act. 89/2). Das SEM stellte dem Beschwerdeführer am 7. De-

zember 2021 einen Fragekatalog zu, welchen dieser im Beisein seiner Bei-

ständin und eines Dolmetschers beantwortet hat und von seinem Rechts-

vertreter eingereicht wurde (vgl. SEM-act. 92/4 ff.). Die Fragen 4 bis 7 the-

matisieren die vorgebrachte Rekrutierung durch den Mullah. Frage 6 wurde 

durch das SEM wie folgt ausformuliert: «Für wen hätten die örtlichen älte-

ren Jungen gemäss Aufforderung des Mullahs gegen wen kämpfen sol-

len?». Der Beschwerdeführer antwortete darauf knapp: «Gegen Amerika 

und gegen Ashraf Ghani, den Präsidenten von Afghanistan. Der Mullah war 

gegen die Regierung Afghanistans und wollte, dass alle mit ihm gegen die 

Regierung kämpften.». Es kann offensichtlich nicht von einer Verletzung 

des Untersuchungsgrundsatzes gesprochen werden, wenn der Beschwer-

deführer die ihm gestellte Frage nicht detaillierter beantwortet, als er dies 

vorliegend getan hat. Ebenso hat sich die Vorinstanz in der angefochtenen 

Verfügung mit dem Umstand, dass der Vater des Beschwerdeführers ge-

mäss seinen Vorbringen als Chauffeur die amerikanischen Streitkräfte mit 

(…) belieferte, sowie mit den diesbezüglichen Lieferscheinen auf Seite 6 

rechtsgenüglich befasst und ihre Schlussfolgerungen begründet. Sodann 

wurde die Machtübernahme der Taliban, und somit auch deren Umgang 

mit Minderjährigen, in der angefochtenen Verfügung – soweit aufgrund der 

gewährten vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs erforderlich – auf Seite 5 thematisiert, indem festgehalten 

wurde, dass die vom Beschwerdeführer benannten Rekrutierungsversuche 

auf keinem flüchtlingsrechtlichen Motiv beruhten. Der Beschwerdeführer 

habe in jenem Zeitpunkt die für den Kampf gewünschten Eigenschaften – 

männlich und in einem bestimmten Alter – erfüllt, weshalb er zum Kampf 

geeignet erschienen sei. Den Akten seien auch keine konkreten Hinweise 

betreffend zusätzliche Risikofaktoren zu entnehmen, wonach der örtliche 

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Seite 7 

Mullah ihn nicht als «normalen» Jugendlichen, sondern als Feind und Ver-

räter betrachtet habe.  

2.6 Die erhobenen Rügen erweisen sich somit als nicht begründet. Folglich 

besteht keine Veranlassung, den angefochtenen Entscheid aus formellen 

Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entspre-

chende Eventualbegehren ist abzuweisen.  

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung hinsichtlich der 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers aus, die vorgebrachten 

Rekrutierungsversuche beruhten auf keinem flüchtlingsrechtlich relevanten 

Motiv. Das von ihm dargelegte Vorgehen des Mullahs habe nicht das Ziel 

verfolgt, ihn aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen 

Gruppe zu treffen beziehungsweise ihn deswegen zu verfolgen. Vielmehr 

habe er in jenem Zeitpunkt die für den Kampf gewünschten Eigenschaften 

– männlich und in einem bestimmten Alter – erfüllt, weshalb er zum Kampf 

geeignet erschienen sei. Den Akten seien keine konkreten Hinweise be-

treffend zusätzliche Risikofaktoren zu entnehmen, wonach der örtliche Mul-

lah ihn nicht als «normalen» Jugendlichen, sondern als Feind und Verräter 

betrachtet, ihm mithin eine oppositionelle Gesinnung unterstellt habe. Er 

habe zudem angegeben, die Aufforderung des Mullahs habe alle ansässi-

gen Familien gleichermassen betroffen. Eine flüchtlingsrechtlich relevante 

Verfolgung sei daher zu verneinen. Ferner habe er in der Erstbefragung 

sowie in seinem eingereichten Fragebogen nicht anzugeben vermocht, in 

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Seite 8 

welchem Namen der benannte Mullah seine Rekrutierungsbemühungen 

habe erfolgen lassen. Vor dem Hintergrund der Lageveränderung und 

Machtübernahme der Taliban nach seiner Ausreise erübrigten sich somit 

weitere hypothetische Ausführungen zu einer allfälligen flüchtlingsrechtlich 

relevanten Verfolgung bei einer Rückkehr in sein Heimatland. Dass er bei 

einer allfälligen Rückkehr nach Afghanistan intensiven Nachteilen im Sinne 

des Asylgesetzes ausgesetzt sein könnte, sei ohnehin nicht anzunehmen. 

So lebe etwa sein volljähriger Bruder D._______, den die Aufforderung des 

Mullahs ebenfalls betroffen habe, nach wie vor mit seiner Familie in seinem 

Heimatdorf. Dass D._______ nicht mit ihm und seiner Familie ausgereist 

sei, habe er – ohne weitere Erklärung und Kontextualisierung – lediglich 

damit begründet, dass er verheiratet und bei seiner Familie geblieben sei. 

Es sei aus seinen Ausführungen nicht zu erkennen, dass D._______ nach 

seiner Ausreise intensiven Verfolgungshandlungen ausgesetzt gewesen 

sei. Auch auf entsprechende Nachfrage hin habe der Beschwerdeführer 

zudem nicht vermocht, den Zeitrahmen für die angeblichen früheren Tätig-

keiten seines Vaters für die Amerikaner zu bestimmen. Unter Beilage dreier 

schlecht leserlicher Arbeitsunterlagen seines Vaters habe er zu Protokoll 

gegeben, er wisse nicht, bis wann sein Vater für die Amerikaner gearbeitet 

habe. Im Jahr 2012 sei er gemäss Arbeitsunterlagen noch in diesem Be-

reich tätig gewesen, ehe er seine Stelle aufgegeben habe, da sie zu ge-

fährlich geworden sei, zumal auf den Strassen viele Autos explodiert seien. 

Dass sein Onkel dem örtlichen Mullah nunmehr im Zuge des Streits über 

die oben abgehandelte Rekrutierung von der früheren Tätigkeit seines Va-

ters habe erzählen können, stütze er vollumfänglich auf Mutmassungen auf 

Basis des (im Rahmen der Beantwortung des Fragebogens unkonkret und 

ohne zeitliche Einordnung dargebrachten) allgemein schlechten Verhält-

nisses zwischen seinem Vater und seinem Onkel. Die Vorbringen hielten 

den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG 

nicht stand.  

4.2 Der Beschwerdeführer erwidert in seiner Beschwerde, bei der Beurtei-

lung der Frage, ob ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv vorliege, sei ins-

besondere auf das Urteil des BVGer E-5072/2018 vom 17. Dezember 2020 

zu verweisen, in welchem festgestellt worden sei, die Einberufung von jun-

gen Männern zum Militärdienst aufgrund ihres Alters, ihres Geschlechts 

und ihrer Nationalität würde in der Regel keine asylrelevante Verfolgung 

darstellen, da die Wehrpflicht rechtsstaatlich legitim sei. Daraus lasse sich 

jedoch weder ableiten, dass die Verpflichtung junger Männer oder gar Kin-

der zum Dienst in einer privaten Miliz keine Form der Verfolgung darstelle, 

noch dass Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Herkunft der rekrutierten 

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Seite 9 

Minderjährigen flüchtlingsrechtlich wertlos seien. Auch er, der Beschwer-

deführer, befürchte eine Zwangsrekrutierung, die den Zweck verfolge, ihn 

für Kriegshandlungen einzusetzen. Er habe angegeben, der Mullah und 

der Onkel seines Vaters hätten ihn als Soldaten rekrutieren oder in die Aus-

bildung als Kämpfer oder Selbstmordattentäter in den Dschihad schicken 

wollen. Es stehe somit ausser Frage, dass die Aufforderung des Mullahs, 

welche auch ihn betreffe, den Zweck verfolge, Minderjährige für Kriegs-

handlungen anzuwerben beziehungsweise auszubilden. Zudem handle es 

sich beim Mullah um einen einflussreichen privaten Machthaber, welcher 

die Jugendlichen nicht für private Zwecke, sondern im grossen Stil für den 

bewaffneten Kampf habe rekrutieren wollen. So habe er, der Beschwerde-

führer, auch angegeben, die örtlichen älteren Jugendlichen hätten gegen 

Amerika und den afghanischen Präsidenten kämpfen müssen. Alle Er-

wachsenen hätten als Kämpfer gegen die Regierung einrücken und die 

Kinder in die Militärschule gehen müssen. Im oben zitierten Urteil komme 

das Gericht, entgegen der bisherigen Rechtsprechung betreffend Zwangs-

rekrutierung von Jugendlichen zum Schluss, der Antragssteller habe bei 

seiner Ausreise aus Afghanistan begründete Furcht gehabt, aus einem 

asylrechtlich relevanten Motiv zu einem nicht legitimen Kampfeinsatz in ei-

ner quasistaatlichen oder privaten Miliz gezwungen zu werden. Das Ge-

richt habe argumentiert, es sei zutreffend, dass die Einberufung junger 

Männer in den Militärdienst an deren dienstpflichtiges Alter, ihr Geschlecht 

und ihre Staatsangehörigkeit anknüpfe und nicht auf einem flüchtlingsrele-

vanten Motiv beruhe. Die bevorstehende Zwangsrekrutierung eines Min-

derjährigen für einen Kampf- oder Kriegseinsatz sei aber als ernsthafter 

Nachteil, zumindest im Sinne eines unerträglichen psychischen Drucks, 

anzuerkennen. Zudem qualifiziere das Gericht die Zwangsrekrutierung auf-

grund der Minderjährigkeit des Antragsstellers und der Rekrutierung durch 

quasistaatliche Machthaber als eine nicht legitime (staatliche) Einberufung 

zu einer militärischen Dienstleistung, welche im humanitären Völkerrecht 

verboten sei. Weiter sei eine bevorstehende Zwangsrekrutierung durch lo-

kale, quasistaatliche Machthaber als nicht legitimer, ernsthafter und geziel-

ter Nachteil zu werten, der auch die erforderliche Intensität aufweise. Fer-

ner stelle die Rekrutierung von Kindern unter 15 Jahren ein Kriegsverbre-

chen dar und werde im Rahmen des Universalitätsprinzips auch in der 

Schweiz strafrechtlich verfolgt, selbst wenn die Tat im Ausland begangen 

werde. Auch der Ansicht der Vorinstanz, den Akten seien keine Hinweise 

auf zusätzliche Risikofaktoren zu entnehmen, wonach der örtliche Mullah 

ihn nicht als «normalen Jugendlichen» ansehen würde, sei zu widerspre-

chen. Sein Vater habe als Chauffeur für die Amerikaner gearbeitet, weshalb 

er, der Beschwerdeführer, zu einer Gruppe von Personen gehöre, die durch 

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Seite 10 

das UNHCR definiert worden und welche aufgrund ihrer Exponiertheit ei-

nem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt sei.  

4.3 Die Vorinstanz führte in ihrer Vernehmlassung aus, der in der Be-

schwerde angebrachte Verweis auf das Urteil E-5072/2018 führe zu keiner 

anderen Einschätzung hinsichtlich der fehlenden flüchtlingsrechtlichen Re-

levanz der geltend gemachten angeblichen Rekrutierungsversuche. Einer-

seits handle es sich hierbei weder um ein Grundsatz- noch um ein Refe-

renzurteil (unter Verweis auf das Urteil des BVGer E-3295/2021 vom 

29. Juli 2021 E. 7.2). Andererseits sei im zitierten Einzelurteil namentlich 

die Illegitimität der Einberufung von Minderjährigen zu militärischen Hand-

lungen durch lokale quasi-staatliche Machthaber als flüchtlingsrechtlich be-

deutsam erachtet worden. Wie im Entscheid festgehalten, habe der Be-

schwerdeführer nicht anzugeben vermocht, in welchem Namen er vonsei-

ten des Mullahs hätte rekrutiert werden sollen und in welchem Verhältnis 

der Mullah etwa zu den Taliban gestanden habe. Schliesslich sei im Ent-

scheid ebenfalls festgehalten worden, dass die Aufforderung zur Kampf-

teilnahme gleichermassen den Bruder des Beschwerdeführers betroffen 

habe. Dass dieser nach wie vor im Heimatort lebe, spreche unbesehen der 

Frage nach einer allfälligen flüchtlingsrechtlichen Relevanz gegen eine be-

gründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung. Dass dieser Faktor in der Be-

schwerde nicht ansatzweise zur Sprache komme – und etwa keinerlei An-

gaben zur Lebensrealität dieses Bruders im Heimatdorf gemacht würden – 

spreche an dieser Stelle für sich und lasse das Vorhandensein einer be-

gründeten Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr 

nach Afghanistan noch unwahrscheinlicher erscheinen.  

4.4 Der Beschwerdeführer bringt in seiner Replik in materieller Hinsicht vor, 

die Vorinstanz stelle ohne weitere Abklärungen die Vermutung auf, es 

könne aufgrund seiner spärlichen Angaben nicht angenommen werden, 

dass die angeblichen Rekrutierer einen quasistaatlichen Charakter aufge-

wiesen hätten.  

5.  

5.1 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte 

Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche 

im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen 

der asylsuchenden Person gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungs-

motive drohen oder zugefügt worden sein. Weiter ist massgeblich, ob die 

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Seite 11 

geltend gemachte Gefährdungslage noch aktuell ist (vgl. BVGE 2007/31 

E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils m.w.H.). Ob eine begründete Furcht vor 

künftiger Verfolgung vorliegt, ist aufgrund einer objektivierten Betrach-

tungsweise zu beurteilen. Es müssen hinreichende Anhaltspunkte für eine 

konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in der glei-

chen Lage Furcht vor Verfolgung hervorrufen würden. Die objektive Be-

trachtungsweise ist durch das vom Betroffenen bereits Erlebte und das 

Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer be-

reits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat objektive 

Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2011/50 

E. 3.1.1; 2011/51 E. 6; 2008/4 E. 5.2, je m.w.H). 

5.2 Dem Beschwerdeführer drohte seinen Angaben zufolge im Jahr 2019 

eine Zwangsrekrutierung als damals Minderjähriger durch den örtlichen 

Mullah. So erläuterte er, der Mullah habe von den Dorfleuten verlangt, ihre 

älteren Jungen dem Dschihad zur Verfügung zu stellen und die jüngeren 

zur Ausbildung in seine Schule zu schicken. Im Gegensatz zu seinem Vater 

sei dessen Onkel damit einverstanden gewesen. Sein Vater habe grosse 

Angst vor dem Onkel gehabt, da ersterer vor langer Zeit im (…)transport 

für die Amerikaner tätig gewesen sei und befürchtet habe, der Onkel könne 

den Mullah darüber in Kenntnis setzen. Um zu verhindern, dass seine 

Söhne in den Kampf beziehungsweise in die Ausbildung des Mullahs ge-

schickt würden und aus Angst, dass sein Onkel den Mullah über seine 

frühere Tätigkeit für die Amerikaner in Kenntnis setzen könnte, habe sein 

Vater die Ausreise seiner Familie aus Afghanistan beschlossen. In seiner 

Beschwerde konkretisiert der Beschwerdeführer diesbezüglich, er sei ak-

tuell noch minderjährig und hätte sowohl bei seiner Ausreise als auch bei 

einer allfälligen Rückkehr nach Afghanistan zu befürchten, vom lokalen 

Mullah oder durch die Taliban zwangsrekrutiert zu werden (vgl. Be-

schwerde Ziffer 10 Seite 10). Er macht somit eine begründete Furcht vor 

zukünftigen Nachteilen im Zeitpunkt der Ausreise geltend. Seine Schilde-

rungen erscheinen im zeitlichen und länderspezifischen Kontext grund-

sätzlich plausibel. So war der Einfluss der Taliban in seiner Heimatprovinz 

Maidan Wardak gemäss European Union – Agency for Asylum im Berichts-

zeitraum von 2019 bis 2020 hoch («Wardak province is considered a ‘rela-

tively volatile’ province, with the Taliban active in most of its districts»; vgl. 

euaa, Wardak, < https://euaa.europa.eu/country-guidance-afghanistan-

2020/wardak > m.w.H., abgerufen am 28. Februar 2024). Verschiedene 

Berichte weisen zudem darauf hin, dass die Taliban vorwiegend junge 

Paschtunen aus ländlichen Gebieten zu rekrutieren versuchen. Diesbezüg-

lich ist allerdings umstritten, ob sie dabei stets Gewalt anwenden oder sich 

E-815/2022 

Seite 12 

auf die Rekrutierung von Freiwilligen fokussieren (vgl. UK Home Office, 

Country Policy and Information Note Afghanistan: unaccompanied child-

ren, Oktober 2021, S. 32 ff., < https://www.ecoi.net/en/file/lo-

cal/2062547/AFG_CPIN_Unaccompanied_children.pdf > m.w.H., abgeru-

fen am 28. Februar 2024). Angesichts dessen stellt sich die Frage, ob dem 

damals rund (…)-jährigen Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Ausreise 

vonseiten der Taliban (oder des lokalen Mullahs) tatsächlich ernsthafte 

Nachteile aufgrund eines asylrechtlichen relevanten Motivs drohten. Eine 

entsprechende Auseinandersetzung kann vorliegend jedoch mit Verweis 

auf die nachfolgenden Erwägungen unterbleiben. Im Übrigen ist diesbe-

züglich festzuhalten, dass das vom Beschwerdeführer referenzierte Urteil  

E-5072/2018 weder ein Grundsatz- noch ein Koordinationsurteil ist und in 

diesem Zusammenhang auf weitere Urteile zu verweisen ist, in denen nicht 

von einem diskriminierenden Ansatz im Zusammenhang mit Zwangsrekru-

tierungen ausgegangen wurde (vgl. statt vieler Urteile BVGer D-3480/2021 

vom 10. August 2022 E. 5.3; E-2456/2018 vom 26. Juni 2020 m.w.H.,  

D-1257/2020 vom 16. März 2020 E. 5.5.2, D-7291/2017 vom 2. April 2019 

E. 5.2). 

5.3  

5.3.1 Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass die 

Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers im Resultat zu Recht 

abgelehnt hat. Seine Vorbringen belegen nicht, dass ihm aus heutiger Sicht 

bei einer hypothetischen Rückkehr in naher Zukunft mit der notwendigen 

Wahrscheinlichkeit eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG drohen 

würde.  

5.3.2 Vorab ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass die Taliban inzwi-

schen die Macht ergriffen haben und es sich beim Beschwerdeführer nicht 

mehr um eine minderjährige Person handelt. Eine mögliche zukünftige 

Rekrutierung kann daher bereits deshalb nicht mehr als illegitim qualifiziert 

werden. Ohnehin sind die Taliban aber nach der zwischenzeitlich erfolgten 

Machtübernahme wohl nicht mehr auf Zwangsrekrutierungen angewiesen. 

So beinhalten aktuelle Berichte zur Lage in Afghanistan keine Hinweise auf 

systematische Zwangsrekrutierungen, sie deuten vielmehr darauf hin, dass 

die Taliban Mitglieder der ehemaligen Sicherheitskräfte zu rekrutieren ver-

suchen (vgl. UK Home Office, Afghanistan: Fear of the Taliban, April 2022, 

Ziff. 6.11, < https://www.ecoi.net/en/file/local/2068081/AFG_CPIN_Fear 

_of_the_Taliban.pdf >, abgerufen am 28. Februar 2024). Zwar ist die aktu-

elle Informationslage in Bezug auf die Rekrutierungsstrategie schlecht und 

es ist davon auszugehen, dass nicht alle Vorfälle von 

E-815/2022 

Seite 13 

Menschenrechtsverletzungen gemeldet werden. Es ist aber gemäss den 

zur Verfügung stehenden Informationen nicht mehr von systematischen 

Zwangsrekrutierungen auszugehen, wie sie kurz vor der Machtübernahme 

der Taliban offenbar in einigen Regionen vorkamen. Von einer hohen Wahr-

scheinlichkeit einer möglichen zukünftigen Rekrutierung des Beschwerde-

führers bei einer (hypothetischen) Rückkehr kann damit nicht ausgegan-

gen werden.  

5.3.3 Schliesslich liegen auch keine Hinweise dafür vor, dass der Be-

schwerdeführer dadurch, dass er sich damals der Aufforderung zur Unter-

stützung durch Ausreise entzogen hat, aktuell im Fokus der Taliban oder 

des lokalen Mullahs stehen und deshalb bestraft werden könnte. Ferner 

kann seinen Aussagen nicht entnommen werden, dass er in deren Augen 

als religiöser oder politischer Oppositioneller gegolten hätte. Aus den Akten 

ist nicht ersichtlich, dass er politisch aktiv gewesen ist oder er sich ander-

weitig aufgrund seiner Familie, persönlicher Merkmale oder Aktivitäten ge-

genüber den Taliban oder des lokalen Mullahs besonders exponiert hat. 

Vielmehr erläutert er, er habe nie persönliche Probleme mit den Taliban 

gehabt (vgl. SEM-act. 16/14 Ziffer 7.01). Ebenso wenig hat er sich ander-

weitig aufgrund seiner Familie, persönlicher Merkmale oder Aktivitäten ge-

genüber dem Mullah besonders exponiert. Der Beschwerdeführer wurde 

denn auch nie persönlich vom Mullah oder anderen Gruppierungen behel-

ligt, einzig wurde in der Moschee ein allgemeingehaltener Aufruf an die Fa-

milien gerichtet, diese sollten die jüngeren Kinder in die Ausbildung schi-

cken, wo sie lernten, zu kämpfen und Selbstmordattentate auszuüben. 

Auch seine von ihm geäusserte Furcht ist rein hypothetischer Natur. So 

antwortete er auf die schriftlich gestellte Frage der Vorinstanz, was er bei 

einer Rückkehr befürchten würde: «Sie würden mir nicht verzeihen. Sie 

würden mich auch umbringen, weil ich nicht mitgemacht habe.» (vgl. SEM-

act. 95/5 Antwort zu F20). Zudem machte er nicht geltend, dass seine in 

Afghanistan verbliebenen Angehörigen seinetwegen ernsthaft behelligt 

worden wären und er nach der Ausreise von den Taliban oder vom lokalen 

Mullah gesucht worden wäre, was ebenfalls gegen eine begründete Furcht 

spricht. An dieser Einschätzung vermag auch das Vorbringen, sein Vater 

habe um 2012 bei einer amerikanischen Firma gearbeitet, die die amerika-

nische Armee mit (…) beliefert habe, nichts zu ändern. Der Beschwerde-

führer führt diesbezüglich selber aus, es hätten alle (Grosseltern, seine 

Mutter, sein Onkel, der Onkel seines Vaters, seine Nachbarn, «die Behör-

den von der Regierung» sowie der Mann seiner Tante, welcher bei der Ver-

waltung gearbeitet habe und Kommandant der Regionalpolizei gewesen 

sei) gewusst, was sein Vater arbeite (vgl. SEM-act. 95/5 Antwort zu F16). 

E-815/2022 

Seite 14 

Da aufgrund der früheren beruflichen Tätigkeit seines Vaters, welche mehr 

als zehn Jahre zurückliegt, vom Beschwerdeführer keine Behelligung ihn 

oder seinen Bruder betreffend vorgebracht wurden und letzterer mit seiner 

Familie im Heimatort verblieben ist, ist somit auch diesbezüglich nicht von 

einer Gefährdungslage auszugehen. Dementsprechend würden ihm bei ei-

ner allfälligen Rückkehr keine gezielten Nachteile drohen, die über die Ge-

fährdungslage hinausgehen, die im Rahmen der Prüfung der Zumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs berücksichtigt wurde.  

5.3.4 Eine objektiv begründete Furcht vor künftiger Verfolgung ist demnach 

nicht zu erkennen, womit die Vorinstanz den Vorbringen zu Recht die Asyl-

relevanz abgesprochen hat. 

5.4 Insgesamt ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine aktuell 

drohende Verfolgung nach Art. 3 AsylG darlegen konnte. Das SEM hat die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers demnach zu Recht verneint 

und sein Asylgesuch abgelehnt. 

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

6.3 Nachdem das SEM den Beschwerdeführer mit der angefochtenen Ver-

fügung wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in der Schweiz 

vorläufig aufgenommen hat, stellt sich die Frage nach dem Vorliegen der 

weiteren Voraussetzungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegwei-

sung – Unzulässigkeit und Unmöglichkeit – im vorliegenden Fall nicht, da 

diese Vollzugshindernisse alternativer Natur sind; ist eines erfüllt, gilt der 

Vollzug der Wegweisung als undurchführbar (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

E-815/2022 

Seite 15 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dem Beschwerdeführer die 

Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 VwVG). Da das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 

10. März 2022 gutgeheissen wurde, ist von einer Kostenauflage abzuse-

hen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-815/2022 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Gabriela Freihofer Stefan Trottmann 

 

 

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