# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2a832b59-7313-5619-80a0-1ae0a780b4dc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 E-5447/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5447-2011_2011-11-07.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­5447/2011

U r t e i l   v om   7 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Christa Luterbacher,
mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;
Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler.

Parteien A._______, geboren am (…),
Eritrea, 
vertreten durch LL.M. lic.iur. Susanne Sadri, (…), 
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Familienzusammenführung zugunsten von B._______, 
geboren am (…), Eritrea; Verfügung des BFM vom 2. 
September 2011 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass  der  in  der  Schweiz  als  Flüchtling  anerkannte  Bruder  des 
Beschwerdeführers  in dessen Namen am 7. Februar 2011 unter Beilage 
eines Schreibens und einer Vollmacht des Beschwerdeführers das BFM 
um  Bewilligung  der  Einreise  zwecks  Stellen  eines  Asylgesuches 
ersuchte, 

dass  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom  25.  Februar 
2011 die Einreise in die Schweiz bewilligte, 

dass  der  Beschwerdeführer  am  9.  April  2011  auf  dem  Luftweg  in  die 
Schweiz einreiste und am 10. April 2011 in Basel um Asyl nachsuchte,

dass  das  BFM  am  2.  Mai  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum 
(EVZ) Basel die Befragung zur Person sowie die Anhörung nach Art. 29 
Abs.  1  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31) 
durchführte, 

dass  das  BFM  noch  gleichentags  das  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführers guthiess und feststellte, der Beschwerdeführer erfülle 
die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG,

dass die Caritas Bern mit Eingabe vom 22. August 2011 ein Gesuch um 
Familienzusammenführung  mit  der  Ehefrau  und  den  [Kindern], 
C._______, D._______ und B._______ einreichte,

dass der Beschwerdeführer darum ersuchte, die Einreisebewilligungen an 
die Schweizer Botschaft in Addis Abeba zu senden,

dass  das  BFM  mit  separaten  Verfügungen  vom  2.  September  2011, 
eröffnet  am  6.  September  2011,  die  Familienzusammenführung 
hinsichtlich  der  Ehefrau  und  der  zwei  ehelichen  Kinder  C._______  und 
D._______  bewilligte,  hingegen  jene  mit  dem  ausserehelichen  Sohn 
B._______  verweigerte  und  das Gesuch  um Familienzusammenführung 
ablehnte,

dass das BFM in seiner Begründung einleitend auf die Voraussetzungen 
der Familienzusammenführung verwies, 

dass  es  dazu  ausführte,  eine  der  Voraussetzungen  sei,  dass  die  zu 
vereinenden  Familienangehörigen  vor  der  Trennung  in  einer 

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Familiengemeinschaft  gelebt  haben müssten  und  die  Familie  durch  die 
Flucht getrennt worden sei,

dass diese Voraussetzung bezüglich des Sohnes B._______ nicht erfüllt 
sei, da dieser uneheliche, aus einer kurzen Liebschaft stammende Sohn 
laut Angaben des Beschwerdeführers bei seiner Mutter gelebt habe, 

dass  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  mit  Eingabe 
vom  30.  September  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht  gegen  die 
Abweisung  der  Familienzusammenführung  mit  dem  Sohn  B._______ 
Beschwerde erhob, 

dass er darin die Aufhebung der Verfügung des BFM vom 2. September 
2011  in materieller Hinsicht beantragte und um Bewilligung der Einreise 
des  Sohnes  B._______,  dessen  Anerkennung  als  Flüchtling  und 
Gewährung von Asyl gestützt auf Art. 51 AsylG ersuchte, 

dass er in prozessrechtlicher Hinsicht die Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege  im  Sinn  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) 
beantragte,

dass  er  zusammen mit  der  Beschwerde  ein  Schreiben  des  ehemaligen 
BFM­Direktors  Alard  du  Bois­Reymond  vom  19.  Juli  2011  an  die 
Schweizerische  Flüchtlingshilfe  (SFH)  mit  dem  Betreff  "Für  einen 
grosszügigen Umgang mit Flüchtlingen aus (Nord)­Afrika und dem Nahen 
Osten" einreichte, 

dass  die  Instruktionsrichterin  am  7.  Oktober  2011  den  Eingang  der 
Beschwerde bestätigte,

und das Bundesverwaltungsgericht erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht – vorbehältlich des Vorliegens eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staats,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht – endgültig über Beschwerden 
gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG 
i.V.m.  Art.  31­34  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005 
[VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]) ,

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dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten  ist  (Art.  108 Abs.  1 AsylG sowie Art.  37 VGG  i.V.m. Art.  52 
VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es 
sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass Ehegatten, eingetragene Partnerinnen und Partner von Flüchtlingen 
und  ihre  minderjährigen  Kinder  als  Flüchtlinge  anerkannt  werden  und 
Asyl  erhalten,  sofern  keine  besonderen  Umstände  dagegen  sprechen 
(Art. 51 Abs. 1 AsylG),

dass  den  vorgenannten  Personen  die  Einreise  auf  Gesuch  hin  zu 
bewilligen ist, falls sie sich noch im Ausland befinden (Art. 51 Abs. 1 und 
4 AsylG),

dass  die  Einreise  auf  Gesuch  hin  zu  bewilligen  ist,  wenn  die 
anspruchsberechtigten  Personen  durch  die  Flucht  getrennt  wurden  und 
sich noch im Ausland befinden (Art. 51 Abs. 4 AsylG),

dass das BFM in der angefochtenen Verfügung dargelegt hat, weshalb es 
vorliegend die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 4 AsylG als nicht erfüllt 
erachtet,

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dass Art. 51 Abs. 4 AsylG praxisgemäss voraussetze, dass der Flüchtling 
vor der Ausreise in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Mitglied seiner 
Familie  gelebt  habe,  für  das  die  Familienzusammenführung  verlangt 
werde,  und  dass  die  Familienangehörigen  durch  die  Flucht  getrennt 
worden seien,

dass den Akten zu entnehmen sei,  dass es sich beim Sohn B._______ 
um  ein  Kind  aus  einer  kurzen  früheren  Beziehung  handle,  welches  bei 
seiner Mutter lebe, 

dass  überdies  keine Einwilligung  der Mutter  B._______s  dafür  vorliege,     
ihren Sohn künftig bei dessen Vater leben zu lassen, 

dass  sodann  eine  Prüfung  allfälliger  eigener  Asylgründe  unterbleiben 
könne,  da  Art.  37  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über 
Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311), welcher eine solche vorgängige 
Prüfung vorsehe, vorliegend nicht anwendbar sei, 

dass zur Vermeidung von Wiederholungen hinsichtlich der Gründe für die 
Verweigerung  der  Familienzusammenführung  mit  B._______  auf  die 
praxiskonformen  und  überzeugenden  Ausführungen  des  BFM  in  der 
angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann,

dass  darin  nachvollziehbar  dargelegt  wird,  dass  die  Trennung  des 
Beschwerdeführers  von  seinem Sohn B._______  laut Akten nicht  durch 
die  Flucht  erfolgt  ist  und  deshalb  die  in  Art.  51 Abs.  4 AsylG  erwähnte 
Grundvoraussetzung  für  eine  flüchtlingsrechtliche  Familienvereinigung 
nicht erfüllt ist,

dass das im EVZ Basel erstellte Protokoll die Richtigkeit dieser Erwägung 
bestätigt (Akten BFM A8/9, S.3 f.), 

dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Beschwerde  entgegen  den 
protokollierten  Aussagen  geltend  macht,  er  habe  im  EVZ  einen  ganz 
anderen Sachverhalt dargestellt, 

dass  er  nämlich  angegeben  habe,  dass  die  leibliche  Mutter  den  Sohn 
B._______  im  Jahre  2006 dem Beschwerdeführer  beziehungsweise  der 
heutigen,  seit  2005  religiös  angetrauten  Ehefrau  gebracht  habe,  wo 
dieser  fortan mit den ehelichen Kindern – diese sind  in den Jahren  (…) 
und (…) geboren – zusammengelebt habe, 

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dass  angesichts  der  eindeutigen  Aussagen  im  EVZ­Protokoll  diese 
Version  der  Familienverhältnisse  als  klar  nachgeschoben  und  damit 
unglaubhaft  zu  bezeichnen  ist,  sind  dem  EVZ­Protkoll  doch  keine 
Verständigungsschwierigkeiten  zu  entnehmen,  die  auf  eine  derartige 
Falscherfassung des vorgebrachten Sachverhaltes hindeuten würden, 

dass der Beschwerdeführer die dortige Verständigung als gut bezeichnet 
hat (A8/9, S.7),

dass  somit  festgestellt  werden  kann,  dass  das  Gesuch  um  Einreise 
zwecks  Familienzusammenführung  hinsichtlich  des  Sohnes  B._______ 
zu Recht und mit zutreffender Begründung abgewiesen worden ist,

dass weder  das  eingereichte  Schreiben  des  ehemaligen  BFM­Direktors 
noch  der  Umstand,  dass  sich  B._______  angeblich  inzwischen  in  den 
Sudan  begeben  habe,  wo  er  auf  eine  Einreise  warte,  an  dieser 
Auffassung etwas zu ändern vermag,

dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung sodann hinsichtlich 
der Prüfung der eigenen Asylgründe von B._______ Art. 37 AsylV 1  ins 
Feld geführt hat, 

dass  gemäss  dieser  Bestimmung  die  Prüfung  des  Einbezugs  in  die 
Flüchtligseigenschaft eines Elternteils gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG erst 
dann erfolgt, wenn  in Anwendung von Art.  5 AsylG  festgestellt  ist,  dass 
die einzubeziehende Person die Flüchtlingseigenschaft nicht selbständig 
erfüllt,

dass die Vorinstanz die Anwendung dieser Verordnungsbestimmung mit 
der  Begründung  verneint  hat,  dass  B._______  nicht  zum  davon 
betroffenen Personenkreis gehöre, 

dass  diese  Begründung  angesichts  des  Umstandes,  dass  es  sich  bei 
B._______  laut Akten um einen  leiblichen Sohn des Beschwerdeführers 
handelt, als unrichtig zu bezeichnen ist,

dass  diese  irrige  Erwägung  des  BFM  jedoch  unbeachtlich  ist,  da  eine 
Prüfung  der  eigenen  Asylgründe  voraussetzt,  dass  die  betreffende 
Person entweder direkt aus dem Ausland ein Asylgesuch einreicht oder 
sich  aus  deren  Ausführungen  gegenüber  den  Schweizer  Behörden 
sinngemäss,  so  wie  das  Gesuch  nach  Treu  und  Glauben  verstanden 
werden muss, ein Schutzersuchen ergibt (vgl. BVGE 2007/19),

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dass  hinsichtlich  des  Sohnes  B._______  jedoch  weder  im 
vorinstanzlichen  Verfahren  noch  im  Beschwerdeverfahren  eine 
Gefährdung B._______s in Eritrea geltend gemacht wurde, 

dass den Akten somit  insgesamt nichts zu entnehmen  ist, was zu einer 
Prüfung der originären Flüchtlingseigenschaft hätte führen müssen,

dass nach dem Gesagten nochmals festzustellen ist, dass das BFM das 
Gesuch um Familienzusammenführung den Sohn B._______ betreffend 
zu Recht abgewiesen hat,

das demzufolge die Beschwerde abzuweisen ist, 

dass  aus  den  obstehenden  Erwägungen  die  Aussichtslosigkeit  der 
Beschwerde  hervorgeht  und  daher  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG 
abzuweisen ist,

dass  sich  das Gesuch  um Erlass  des  Kostenvorschusses  aufgrund  der 
direkten Entscheidfindung als gegenstandslos erweist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 600.‒  
(Art.  1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.

3.  
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das BFM und die zuständige 
kantonale Behörde.

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin:

Christa Luterbacher Gabriela Oeler

Versand: