# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7fb7aa51-e8e6-5042-8787-cfd1028e4d9b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-12-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.12.2022 F-4528/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-4528-2022_2022-12-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-4528/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  D e z e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richter Andreas Trommer (Vorsitz), 

Richterin Déborah D'Aveni, 

Richterin Regula Schenker Senn, 

Gerichtsschreiber Julius Longauer. 

   

Parteien 

 
Z._______, geb. am (…) 1999, Afghanistan, 

Beschwerdeführer,  

vertreten durch MLaw Elena Liechti, AsyLex,  

 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 26. September 2022 / N (…). 

 

 

 

F-4528/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 13. Juni 2022 in der Schweiz um Asyl 

nach (Akten der Vorinstanz 1175503 / N 779750 [SEM-act.]1). 

B.  

Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Euro-

dac"-Datenbank ergab Treffer für Bulgarien (Datum des Aufgreifens nach 

illegaler Einreise: 10. März 2022, Datum des Asylgesuchs: 31. März 2022) 

und Kroatien (Datum des Aufgreifens nach illegaler Einreise: 3. Juni 2022, 

Datum des Asylgesuchs: 3. Juni 2022) (SEM-act. 8). 

C.  

Am 30. Juni 2022 fand das persönlichen Gespräch nach Art. 5 der Verord-

nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO, ABl. L 180/31 

vom 29.6.2013) statt (nachfolgend auch: Dublin-Gespräch).  

Dem Beschwerdeführer wurde die Gelegenheit gegeben, sich zu einem 

allfälligen Nichteintretensentscheid, zur möglichen Überstellung nach Bul-

garien beziehungsweise Kroatien und zu seinem Gesundheitszustand zu 

äussern. Die Sachverhaltsaufnahme zu den einzelnen Punkten (rechtli-

ches Gehör Bulgarien, rechtliches Gehör Kroatien und medizinischer 

Sachverhalt) wurde jedoch aus Zeitgründen jeweils abgebrochen und die 

beim Gespräch anwesende Rechtsvertretung des Beschwerdeführers auf 

die Möglichkeit einer schriftlichen Ergänzung hingewiesen. 

D.  

Mit zwei Eingaben vom 30. Juni 2022 und 14. Juli 2002 ergänzte die 

Rechtsvertretung die Ausführungen des Beschwerdeführers anlässlich des 

persönlichen Dublin-Gesprächs (SEM-act. 20, 25). 

E.  

Am 7. Juli 2022 gelangte die Vorinstanz an die kroatischen und bulgari-

schen Behörden und ersuchte gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-

VO um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers (SEM-act.21, 23). 

Die kroatischen Behörden, bei denen der Beschwerdeführer mit dem Ge-

burtsdatum 1. Januar 1999 registriert ist, lehnten das Gesuch am 21. Juli 

F-4528/2022 

Seite 3 

2022 ab. Zur Begründung führten sie aus, das kroatische Zuständigkeits-

prüfungsverfahren sei nach wie vor hängig. Der Fall werde pendent gehal-

ten und die Vorinstanz sobald als möglich über den Ausgang des Verfah-

rens orientiert (SEM-act. 26). 

Die bulgarischen Behörden stimmten dem Wiederaufnahmegesuch am 

21. Juli 2022 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO zu. Die Vor-

instanz wurde bei gleicher Gelegenheit darüber informiert, dass der Be-

schwerdeführer in Bulgarien als Z._______, am (…) 1996 geborener ma-

rokkanischer Staatangehöriger, registriert sei (SEM-act. 27). 

F.  

Mit Verfügung vom 26. September 2022 (eröffnet am 30. September 2022) 

trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 

142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte 

dessen Wegweisung nach Bulgarien und forderte ihn auf, die Schweiz am 

Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte 

sie die Aushändigung der editionspflichtigen Akten und stellte fest, dass 

einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschiebende 

Wirkung zukomme (SEM-act. 31). 

G.  

Mit Beschwerde vom 7. Oktober 2022 gelangte der Beschwerdeführer an 

das Bundesverwaltungsgericht (Akten des BVGer [Rek-act.] 1). 

In der Sache beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügung und das Eintreten auf sein Asylgesuch, eventualiter 

die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zwecks Neubeurteilung. In 

prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege mit Verzicht auf die Erhebung von Verfahrenskosten und ins-

besondere eines Kostenvorschusses, ferner um Gewährung der aufschie-

benden Wirkung mit entsprechender Anweisung an die Adresse der kanto-

nalen Behörden und schliesslich um superprovisorische Aussetzung des 

Wegweisungsvollzugs. 

H.  

In einer Zwischenverfügung vom 10. Oktober 2022 setzte das Bundesver-

waltungsgericht den Vollzug der Überstellung in Anwendung von Art. 56 

VwVG superprovisorisch aus (Rek-act.2). 

F-4528/2022 

Seite 4 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. Oktober 2022 gewährte der Instruktions-

richter der Beschwerde antragsgemäss die aufschiebende Wirkung, hiess 

das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut 

und teilte mit, dass über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung zu einem späteren Zeitpunkt befunden werde (Rek-act. 3).  

J.  

Mit Vernehmlassung vom 26. Oktober 2022 beantragte die Vorinstanz die 

Abweisung der Beschwerde (Rek-act. 5). 

K.  

Der Beschwerdeführer hielt mit Replik vom 18. November 2022 an seinem 

Rechtsmittel fest (Rek-act. 7). 

L.  

Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit erheblich, in den Erwägungen 

eingegangen. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Gemäss Art. 105 AsylG in Verbindung mit Art. 31 ff. VGG ist das Bun-

desverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet 

des Asyls zuständig und entscheidet in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3. Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 

Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

daher einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

F-4528/2022 

Seite 5 

3.  

Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe seinen Anspruch auf 

rechtliches Gehör verletzt, indem sie das Dublin-Gespräch vorzeitig abge-

brochen (vgl. oben Prozessgeschichte Bst. C) und es auf Paschtu geführt 

habe, einer Sprache, die er nicht vollständig beherrsche. 

3.1. Das aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör fliessende Recht auf 

vorgängige Anhörung (Art. 29 VwVG) wird im Verfahren auf Bestimmung 

des nach Massgabe der Dublin-III-VO zuständigen Mitgliedstaates im Rah-

men eines persönlichen Gesprächs nach Art. 5 Dublin-III-VO ausgeübt. 

Denn dieses dient nicht nur der Ermittlung des für die Zuständigkeitsbe-

stimmung erheblichen Sachverhalts, sondern soll der antragstellenden 

Person die Möglichkeit geben, allfällige Einwände gegen die Zuständigkeit 

dieses Mitgliedstaates als solche und gegen die Überstellung dorthin vor-

zutragen (vgl. dazu BVGE 2017 VI/5 E. 7.2; vgl. auch Urteile des BVGer 

F-3788/2022 vom 20. September 2022 E. 3.4.2 und F-2619/2022 vom  

24. Juni 2022 E. 5.3 m.H.). 

3.2. Das persönliche Gespräch nach Art. 5 Dublin-III-VO ist grundsätzlich 

in Form einer persönlichen Anhörung durchzuführen, auf die unter Vorbe-

halt der in seinem Abs. 2 genannten Ausnahmetatbestände nicht verzichtet 

und die nicht durch eine schriftliche Stellungnahme ersetzt werden kann 

(Urteile F-3788/2022 E. 3.4.2; F-2619/2022 E. 5.3 m.H.; anders Urteil des 

BVGer D-3233/2021 vom 21. Juli 2021 E. 4.3). Das persönliche Gespräch 

hat zeitnah, in jedem Fall aber vor dem Entscheid über die Überstellung 

des Antragstellers in den zuständigen Mitgliedstaat stattzufinden (Abs. 3). 

Es ist in einer Sprache abzuhalten, welche die antragstellende Person ver-

steht oder von der vernünftigerweise angenommen werden darf, dass sie 

sie versteht und in der sie sich verständigen kann. Erforderlichenfalls ist 

ein Dolmetscher beiziehen (Abs. 4). Auf ein persönliches Gespräch kann 

verzichtet werden, wenn die antragstellende Person flüchtig ist (Abs. 2 

Bst. a), oder wenn sie die sachdienlichen Angaben bereits gemacht hat, 

sodass der zuständige Mitgliedstaat auf andere Weise bestimmt werden 

kann. Im letzteren Fall gibt der Mitgliedstaat, der auf das Gespräch verzich-

tet, dem Antragsteller Gelegenheit, alle weiteren sachdienstlichen Informa-

tionen vorzulegen, bevor eine Entscheidung über seine Überstellung in den 

zuständigen Mitgliedstaat ergeht (Abs. 2 Bst. b). 

3.3. Der Verzicht auf die Durchführung eines persönlichen Gesprächs, 

ohne dass einer der in Art. 5 Abs. 2 Bst. b Dublin-III-VO genannten Tatbe-

stände erfüllt wäre, ist rechtsprechungsgemäss als schwerwiegende Ver-

letzung des rechtlichen Gehörs zu werten. Da das persönliche Gespräch, 

F-4528/2022 

Seite 6 

wie oben ausgeführt, nicht durch eine schriftliche Stellungnahme der an-

tragstellenden Person ersetzt werden kann, wird die Gehörsverletzung 

auch nicht dadurch geheilt, dass die antragstellende Person die Möglich-

keit zur schriftlichen Äusserung gegenüber dem SEM erhält (davon wird im 

Urteil D-3233/2021 noch ausgegangen). Dazu müsste das persönliche Ge-

spräch nachgeholt werden. Dieselbe Feststellung gilt für das Rechtsmittel-

verfahren, wobei hier einer Heilung der Gehörsverletzung zusätzlich die 

eingeschränkte Kognition des Bundesverwaltungsgerichts entgegensteht. 

Als Folge der Gehörsverletzung ist die angefochtene Verfügung ungeach-

tet der Verfahrensaussichten in der Sache zu kassieren (vgl. Urteile  

F-3788/2022 E. 3.4.4, F-2619/2022 E. 5.7 m.H.; Urteil des BVGer  

F-5279/2020 vom 11. Februar 2021 E. 5.4 und E. 6).  

3.4. Diese skizzierte Rechtsprechung ist auf die vorliegende Streitsache 

nicht übertragbar. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass ein persönliches 

Gespräch nach Art. 5 Dublin-III-VO zu allen für die Zuständigkeitsbestim-

mung relevanten Punkten durchgeführt wurde, die befragende Person je-

doch die Anhörung zu einzelnen Punkten aus Zeitgründen jeweils unter-

brach, die antragstellende Person auf die Möglichkeit einer schriftlichen Er-

gänzung hinwies und die Anhörung zu anderen Punkten fortsetzte. Es liegt 

auf der Hand, dass die Gesprächsleitung die Möglichkeit zu einem solchen 

Vorgehen haben muss, wenn sie rechtsfehlerfrei zur Überzeugung gelangt, 

dass der für die Zuständigkeitsbestimmung erhebliche Sachverhalt ausrei-

chend erhoben wurde und die antragstellende Person genügend Gelegen-

heit hatte, sich zur Sache zu äussern. Die Situation ist mit der in Art. 5 Abs. 

2 Bst. b Dublin-III-VO geregelten Konstellation wertungsmässig vergleich-

bar, in der kein persönliches Gespräch durchgeführt werden muss, wenn 

die antragstellende Person die sachdienlichen Angaben bereits gemacht 

hat, sodass der zuständige Mitgliedstaat auf andere Weise ermittelt werden 

kann, und ihr die Möglichkeit eingeräumt wird, alle weiteren sachdienstli-

chen Informationen vorzulegen, bevor eine Entscheidung über ihre Über-

stellung in den zuständigen Mitgliedstaat ergeht. 

3.5. Auf der Grundlage der vorstehenden Erwägungen ist festzuhalten, 

dass die Vorgehensweise der befragenden Person nicht beanstandet wer-

den kann. Der Sachverhalt wurde in Bezug auf die mögliche Zuständigkeit 

der anderen in Frage kommenden Mitgliedstaaten ausreichend erhoben 

und der Beschwerdeführer hatte ausreichend Gelegenheit, sich zur Zu-

ständigkeitsfrage und allfälligen Überstellungshindernissen zu äussern. 

Die Gesprächsführung durfte daher ohne Verletzung des rechtlichen Ge-

hörs die Anhörung jeweils unterbrechen und den Beschwerdeführer auf die 

Möglichkeit ergänzender Vorbringen in Schriftform verweisen.  

F-4528/2022 

Seite 7 

3.6. Es tritt hinzu, dass die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers bei 

dessen persönlichen Einvernahme anwesend war und das Vorgehen der 

Gesprächsführung zu keinem Zeitpunkt beanstandete. Erst zusammen mit 

der schriftlichen Eingabe vom 14. Juli 2022 führte sie in allgemeiner Weise 

aus, dass auch Gesuchsteller mit längeren Reisewegen oder komplizierte-

ren Gesundheitszuständen das Anrecht hätten, diese auf mündlichem Weg 

den Behörden mitteilen zu können. Ein förmlicher Antrag auf erneute 

mündliche Anhörung wurde auch bei dieser Gelegenheit nicht gestellt 

(SEM-act. 25). Verfahrensfehler sind mit Blick auf den Grundsatz von Treu 

und Glauben und das Verbot von Rechtsmissbrauch (Art. 5 Abs. 3 BV) so 

bald als möglich zu monieren, ansonsten die Möglichkeit verwirkt wird, sich 

auf sie zu berufen (vgl. etwa BGE 143 V 66 E. 4.3 m.H.). Unter den gege-

benen Umständen muss die erst auf Beschwerdeebene erhoben Rüge ei-

ner Verletzung des rechtlichen Gehörs durch Unterbrechung der Anhörung 

und Verweis auf die Möglichkeit einer schriftlichen Eingabe, selbst wenn 

sie begründet wäre (was nicht der Fall ist), zurückgewiesen werden. 

3.7. Die Rüge des Beschwerdeführers, sein Anspruch auf rechtliches Ge-

hör sei auch dadurch verletzt worden, weil die Anhörung in Paschtu durge-

führt worden sei, einer Sprache, die er nur eingeschränkt beherrsche, er-

weist sich als zum vorherein unbegründet. Es ist darauf hinzuweisen, dass 

der Beschwerdeführer anlässlich des persönlichen Gesprächs ausdrück-

lich bestätigte, dass er die Dolmetscherin gut verstehe. Er bestätigte auch 

unterschriftlich, dass ihm seine Aussagen von seiner Rechtsvertretung 

Satz für Satz vorgelesen und durch die Dolmetscherin in eine für ihn ver-

ständliche Sprache übersetzt worden seien, ferner, dass er die Aussagen 

verstanden habe und dass das Festgehaltene seiner freien Äusserung ent-

spreche. Hinzuweisen ist schliesslich darauf, dass die beim persönlichen 

Gespräch anwesende Rechtsvertretung des Beschwerdeführers keine Ein-

wendungen erhob. Im Übrigen gilt auch hier, dass entsprechende Bean-

standungen so bald als möglich in das Verfahren hätten eingebracht wer-

den müssen, was nicht geschehen ist. 

3.8. Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist festzuhalten, dass sich die 

Rüge einer Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör als unbegrün-

det erweist und zurückzuweisen ist. 

4.  

4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

F-4528/2022 

Seite 8 

Abs. 1 Bst. b AsylG). In diesem Fall verfügt das SEM in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an (Art. 44 AsylG).  

4.2. Als staatsvertragliche Grundlage für die Zuständigkeit eines anderen 

Staates gelangt vorliegend die Dublin-III-VO zur Anwendung. Führt die 

Prüfung der in ihr festgelegten Kriterien zur Feststellung, dass ein anderer 

Mitgliedstaat zuständig ist, tritt das SEM, nachdem dieser Mitgliedstaat ei-

ner Aufnahme oder Wiederaufnahme der asylsuchenden Person zuge-

stimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (Art.1 und Art. 29a Abs. 1 und 2 

der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]; vgl. 

BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

4.3. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). 

4.4. Im Fall des Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge), geregelt in 

Art. 21 und Art. 22 Dublin-III-VO, sind zur Bestimmung des zuständigen 

Mitgliedstaates die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Krite-

rien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zustän-

digkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden. Dabei ist 

von der Situation in demjenigen Zeitpunkt auszugehen, in dem der Asylsu-

chende erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat (Art. 7 

Abs. 2 Dublin-III-VO). 

4.5. Im Fall des Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back), geregelt in 

Art. 23–25 Dublin-III-VO, findet grundsätzlich keine Zuständigkeitsprüfung 

nach Kapitel III statt, da diese von einem anderen Mitgliedstaat bereits 

durchgeführt wurde (Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d Dublin-III-VO) oder durchzu-

führen ist (Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO). Die Zuständigkeit beziehungs-

weise die Verpflichtung zur Wiederaufnahme ergibt sich direkt aus Art. 18 

Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO (vgl. Urteil 

des EuGH [Grosse Kammer] vom 2. April 2019, H. und R., C 582/17 und 

C-583/17, EU:C:2019:280 [nachfolgend: Urteil des EuGH H. und R.], Rn. 

61, 67, 80, 84; BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 

5.  

Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer vor seiner Einreise in die 

Schweiz zunächst in Bulgarien und später in Kroatien je ein Asylgesuch 

eingereicht hatte. Als mögliche Zuständigkeitskriterien kamen daher Art. 18 

F-4528/2022 

Seite 9 

Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO in Betracht, 

die vom SEM im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens zu verfolgen 

waren. Nachdem Kroatien einer Wiederaufnahme unter Hinweis auf ein ei-

genes, nicht abgeschlossenes Zuständigkeitsprüfungsverfahren abgelehnt 

und Bulgarien anschliessend einer Wiederaufnahme gestützt auf Art. 18 

Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO zugestimmt hat, steht die grundsätzliche Zu-

ständigkeit Bulgariens fest. Nachfolgend ist zu prüfen, ob Gründe für einen 

Übergang der Zuständigkeit auf die Schweiz vorliegen. 

6.  

Als mögliche Rechtsgrundlage für den Zuständigkeitsübergang von Bulga-

rien auf die Schweiz kommt Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO in Betracht: 

6.1. Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO regelt, wie zu verfahren ist, wenn es sich 

als unmöglich erweist, einen Antragsteller an den zunächst als zuständig 

bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für 

die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen 

für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen auf-

weisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Be-

handlung im Sinne des Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (EU-Grundrechtecharta, ABl. C 364/1 vom 18.12.2000) mit sich 

bringt. In einem solchen Fall setzt der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-

staat die Prüfung der in Kapitel III vorgesehenen Kriterien fort, um festzu-

stellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden kann. 

Kann keine Überstellung gemäss diesem Absatz an einen aufgrund der 

Kriterien des Kapitels III bestimmten Mitgliedstaat oder an den ersten Mit-

gliedstaat, in dem der Antrag gestellt wurde vorgenommen werden, so wird 

der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat der zuständige Mitgliedstaat. 

6.2. In seinem Referenzurteil F-7195/2018 vom 11. Februar 2020 hat sich 

das Bundesverwaltungsgericht ausführlich mit dem bulgarischen Asylsys-

tem und der Situation asylsuchender Personen in diesem Land auseinan-

dergesetzt. Es hat festgehalten, dass das dortige Asylverfahren sowie die 

Aufnahmebedingungen zwar Mängel aufweisen würden, diese aber nicht 

systemischer Natur seien, weshalb von Überstellungen nach Bulgarien 

grundsätzlich nicht abzusehen sei. Korrekte Asylverfahren seien nicht sys-

tembedingt unmöglich. Die tiefe Anerkennungsquote gegenüber Staatsan-

gehörigen gewisser Länder rechtfertige es nicht, keine Überstellungen 

mehr vorzunehmen. Betroffene Personen könnten gegen einen negativen 

Asylentscheid ein wirksames Rechtsmittel einlegen. Zudem seien die Be-

dingungen in den Aufnahme- und Haftzentren zwar prekär, könnten jedoch 

F-4528/2022 

Seite 10 

nicht als unmenschlich oder entwürdigend qualifiziert werden (vgl. Refe-

renzurteil F-7195/2018 E. 6.6.1 und 6.6.7).  

6.3. Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner Rechtsprechung trotz 

der aktuellen Belastung Bulgariens durch ukrainische Kriegsflüchtlinge 

weiterhin nicht von systemischen Mängeln im bulgarischen Asylverfahren 

aus. Für eine Änderung der Rechtsprechung besteht auch in Würdigung 

der vom Beschwerdeführer gemachten Äusserungen zu seiner Behand-

lung in Bulgarien keine Veranlassung und auch der zitierte Bericht der 

Schweizerischen Flüchtlingshilfe vom 13. September 2022 «Polizeigewalt 

in Bulgarien und Kroatien: Konsequenzen für die Dublin-Überstellungen» 

sowie die weiteren erwähnten Berichte und Quellen zur Situation in Bulga-

rien vermögen an dieser Einschätzung nichts zu ändern (vgl. etwa Urteil 

des BVGer E-5296/2022 vom 28. November 2022 E. 6 m.H.; D-4840/2022 

vom 31. Oktober 2022 E. 6.3 m.H.). Unter diesen Umständen ist die An-

wendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 

7.  

Als eine weitere potentielle Rechtsgrundlage für einen Zuständigkeits-

übergang auf die Schweiz ist Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO zu prüfen. 

7.1. Gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat abwei-

chend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO beschliessen, einen bei ihm von ei-

nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf inter-

nationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung 

festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist. Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser 

Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen 

auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat 

zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshinder-

nisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1). 

7.2. Bei der Beurteilung eines Selbsteintritts gilt es zu beachten, dass Bul-

garien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 

28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) 

sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) 

ist. Ferner wird Bulgarien durch die Richtlinien des Europäischen Parla-

ments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen 

Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen 

F-4528/2022 

Seite 11 

Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie, ABl. L 180/96 vom 29. Juni 2013) so-

wie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie, ABl. L 180/96 vom 29. Juni 2013) gebunden.  

7.3. Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO 

kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Bulgarien sei-

nen völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen nachkommt und 

insbesondere die Rechte respektiert und schützt, die sich für schutzsu-

chende Personen aus der Verfahrens- und der Aufnahmerichtlinie ergeben 

(vgl. Referenzurteil F-7195/2018 E. 6.1; ferner statt vieler Urteile des 

BVGer E-5529/2022 vom 5. Dezember 2022 E. 6.2; E-5296/2022 E. 6.3). 

Diese Vermutung kann zwar im Einzelfall widerlegt werden. Hierfür bedarf 

es aber konkreter und ernsthafter Hinweise, die vom Betroffenen glaubhaft 

darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.; Urteil des BVGer D-5698/2017 

vom 6. März 2018 E. 5.3.1). 

8.  

Der Beschwerdeführer beruft sich auf eigene Erfahrungen in Bulgarien. Es 

ist nachfolgend zu prüfen, ob diese geeignet sind, die Vermutung zu er-

schüttern, dass Bulgarien ihm gegenüber seinen völker- und gemein-

schaftsrechtlichen Verpflichtungen nachkommt. 

8.1. Im Verfahren vor dem SEM und dem Bundesverwaltungsgericht 

brachte der Beschwerdeführer zusammenfassend vor, er habe insgesamt 

drei Mal erfolglos versucht, von der Türkei nach Bulgarien zu gelangen. 

Jedes Mal sei er aufgegriffen und in die Türkei abgeschoben worden. Das 

vierte Mal sei ihm die Einreise gelungen. Er sei jedoch im Land in eine 

Verkehrskontrolle geraten und festgenommen worden. Anschliessend 

habe er 24 Stunden in Polizeihaft verbracht, bevor er in ein geschlossenes 

Camp überführt worden sei, wo er 21 Tage inhaftiert gewesen sei. An-

schliessend sei er einem Gericht vorgeführt und wegen illegaler Einreise 

bestraft worden. Schliesslich sei er in ein offenes Asylzentrum transferiert 

worden. Nachdem er mit seiner Verwandtschaft habe Kontakt aufnehmen 

können und diese ihm Geld habe zukommen lassen, habe er Bulgarien 

verlassen und sei über Kroatien in die Schweiz gelangt. Eigener Darstel-

lung zufolge war der Beschwerdeführer während seines Aufenthaltes in 

Bulgarien exzessiver Gewalt, erniedrigender Behandlung und Schikanen 

seitens der Grenzbehörden, der Polizei und der Mitarbeiter des geschlos-

senen Camps sowie des Asylzentrums ausgesetzt gewesen – der Be-

schwerdeführer spricht auf Rechtsmittelebene von Folter – und habe unter 

F-4528/2022 

Seite 12 

prekären räumlichen und hygienischen Verhältnissen, unzureichender Er-

nährung und Diskriminierung infolge seiner afghanischen Herkunft gelitten. 

Zudem sei er im Asylzentrum in seiner Religionsausübung behindert wor-

den. 

8.2. Es soll nicht in Abrede gestellt werden, dass der Beschwerdeführer in 

Bulgarien schwierigen Verhältnissen ausgesetzt war. Ob seine Vorbringen 

tatsächlich Erlebtem entsprechen, erscheint jedoch schon deswegen frag-

lich, weil er in Bulgarien als marokkanischer Staatsangehöriger und mit ei-

nem anderen Geburtsdatum registriert ist (vgl. oben Bst. E). Daraus muss 

geschlossen werden, dass er die bulgarischen Behörden über seine Iden-

tität täuschte, was nicht nur seinen Klagen über die eigene Diskriminierung 

als Afghane die Grundlage entzieht, sondern darüber hinaus seine persön-

liche Glaubwürdigkeit und damit zugleich die Glaubhaftigkeit seiner Vor-

bringen beschädigt.  

Davon unabhängig ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in Bulga-

rien am 10. März 2022 bei seiner illegalen Einreise aus einem Drittland 

polizeilich aufgegriffen wurde. Das Asylgesuch stellte er 21 Tage später am 

31. März 2022 (vgl. oben Bst. B). Anlässlich des erstinstanzlichen Verfah-

rens beklagte er sich jedoch nur über die Behandlung während den diver-

sen Pushbacks bei den drei erfolglosen Einreiseversuchen und den sich 

an die erfolgreiche vierte Einreise anschliessenden Aufenthalt in Polizei- 

und Administrativhaft, also über Verhältnisse vor der Einreichung des Asyl-

gesuchs, das er nach eigener Aussage gar nicht in Bulgarien stellen wollte. 

Die Verhältnisse im offenen Asylzentrum, in das er nach Einreichung des 

Asylgesuchs verlegt worden war, thematisierte er ohne nachvollziehbaren 

Grund erst auf Rechtsmittelebene. Unter den gegebenen Umständen 

drängt sich der Verdacht auf, dass er seinen ursprünglichen Vorbringen 

durch nicht erlebte, nachgeschobene Sachverhaltselemente Nachdruck 

verleihen will. 

8.3. Den Akten kann entnommen werden, dass der Beschwerdeführer in 

Bulgarien ein Asylgesuch gestellt hatte, über das inhaltlich noch nicht be-

funden wurde. Denn die Zustimmung der bulgarischen Behörden zu einer 

Wiederaufnahme des Beschwerdeführers erfolgte ausdrücklich gestützt 

auf Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO. Gemäss den Erkenntnissen des 

Bundesverwaltungsgerichts hätte er daher nach einer Überstellung nach 

Bulgarien Zugang zum Asylverfahren, das wieder aufgenommen oder fort-

geführt würde, und er würde einem ordentlichen Aufnahmezentrum zuge-

wiesen (vgl. Referenzurteil F-7195/2018 E. 6.6.4). Die Vorbringen des Be-

schwerdeführers, die sich – soweit überhaupt glaubhaft vorgetragen – auf 

F-4528/2022 

Seite 13 

die Verhältnisse vor der Überstellung in das offene Asylzentrum beziehen, 

sind daher nicht geeignet, die Vermutung einer konventions- und gemein-

schaftsrechtskonformen Behandlung einer in Bulgarien asylsuchenden 

Person ernsthaft zu erschüttern. Im Übrigen ist daran festzuhalten, dass 

sich der Beschwerdeführer bei einer allfälligen vorübergehenden Ein-

schränkung der ihm zustehenden Aufnahmebedingungen an die Behörden 

wenden und seine Rechte auf dem Rechtsweg einfordern kann (vgl. Art. 26 

Aufnahmerichtlinie). 

9.  

Der Beschwerdeführer beruft sich ferner auf seinen gesundheitlichen Zu-

stand, der einer Überstellung nach Bulgarien entgegenstehe. 

9.1. Der gesundheitliche Zustand einer asylsuchenden Person kann ge-

mäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO der Überstellung in den zuständigen Mit-

gliedstaat entgegenstehen, wenn diese eine Verletzung von Art. 3 EMRK 

zur Folge hätte. Das ist nur ganz ausnahmsweise der Fall. Von einer 

EMRK-Verletzung geht die Rechtsprechung etwa dann aus, wenn sich die 

asylsuchende Person in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krank-

heitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung 

mit dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unter-

stützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die 

damalige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte 

[EGMR]). Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft schwer-

kranke Personen, die durch die Abschiebung – mangels angemessener 

medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfron-

tiert würden, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlech-

terung ihres Gesundheitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu intensi-

vem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung füh-

ren würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 

2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H.).  

9.2. Bulgarien verfügt über eine grundsätzlich ausreichende medizinische 

Infrastruktur. Zudem wird Bulgarien durch die Aufnahmerichtlinie verpflich-

tet, antragstellenden Personen die erforderliche medizinische Versorgung, 

die zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behand-

lung von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zu-

gänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Antragstellenden 

Personen mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische 

oder sonstige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psycholo-

gischen Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Da 

das bulgarische Asyl- und Aufnahmesystem keine systemischen Mängel 

F-4528/2022 

Seite 14 

im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO aufweist, ist vermutungsweise an-

zunehmen, dass es den genannten Verpflichtungen nachkommt. Diese 

Vermutung kann im Einzelfall widerlegt werden, wofür es konkreter und 

hinreichender Hinweise bedarf, die vom Betroffenen glaubhaft darzutun 

sind. Darauf wurde bereits weiter oben eingegangen (E. 7.3). 

Gemäss dem mehrfach zitierten Referenzurteil stellt sich die Situation bei 

besonders vulnerablen Personen mit Blick auf die prekären Verhältnisse in 

den bulgarischen Haft- und Asylzentren wie folgt dar: Zwar wird die Über-

stellung von Personen, die in diese Kategorie fallen, nicht per se in Frage 

gestellt. Bei Vorliegen entsprechender Indizien ist jedoch abzuklären, ob 

tatsächlich eine solche Vulnerabilität besteht, welches die konkreten Be-

dürfnisse der Betroffenen sind und ob diesen in Bulgarien angemessen 

entsprochen werden kann. Um die Zulässigkeit einer Überstellung sicher-

zustellen, sind von den bulgarischen Behörden gegebenenfalls individuelle 

und konkrete Garantien einzuholen (Referenzurteil F-7195/2018 E. 7.4.2). 

Bei der Beurteilung der Frage, ob nach einer Überstellung nach Bulgarien 

den konkreten Bedürfnissen des Betroffenen angemessen entsprochen 

werden kann, kommt es zentral auf den Stand des bulgarischen Verfahrens 

an. Denn wurde sein Asylgesuch in Bulgarien bereits inhaltlich behandelt 

und abgelehnt, muss der Betroffene damit rechnen, in einem Haftzentrum 

untergebracht zu werden, in dem namentlich der Zugang zur ärztlicher Ver-

sorgung limitiert ist (Referenzurteil F-7195/2018 E. 6.6.3). 

9.3. Der Beschwerdeführer berichtete während des Dublin-Gesprächs und 

im Rahmen der ergänzenden Stellungnahme von verschiedenen psychi-

schen Problemen (Stress, Reizbarkeit, innere Unruhe, Angstzustände, An-

triebs- und Appetitlosigkeit, Einschlaf- und Durchschlafprobleme, Alb-

träume im Zusammenhang mit auf der Flucht Erlebtem), die er auf ein 

Trauma zurückführte (SEM-act. 18, 25) und derentwegen er am 23. Juni 

und 7. Juli 2022 interne Arzttermine in Anspruch nahm. Es wurden ihm bei 

dieser Gelegenheit die Medikamente Trittico (ab. 23. Juni 2022) und Ser-

tralin (ab 7. Juli 2022) zur täglichen Einnahme verschrieben (SEM-act. 32). 

Am 10. August 2022 hatte er einen Termin auf der Akutambulanz der 

B._______ Kliniken (…). Eine Diagnose wurde bei dieser Gelegenheit nicht 

gestellt, indessen festgehalten, dass die vom Beschwerdeführer geschil-

derte Symptomatik zu einer PTBS passe (SEM-act. 32, Eintrittsbericht der 

B._______ Kliniken vom 10. August 2022, Beilage zu Rek-act. 5). Ein für 

den 26. August 2022 abgemachter Folgetermin bei den B._______ Kliniken 

fiel aus und einen auf den 13. September 2022 angesetzten Ersatztermin 

nahm der Beschwerdeführer unentschuldigt nicht wahr (Telefonnotiz vom 

28. Oktober 2022, Beilage zu Rek-act. 5). Das gleiche gilt für den ebenfalls 

F-4528/2022 

Seite 15 

auf den 13. September 2022 angesetzten Termin beim Hausarzt des Bun-

desasylzentrums. Erst nach Erhalt der angefochtenen Verfügung meldete 

er sich wieder bei Medic-Help. Da er jedoch die verschriebenen Medika-

mente trotz entsprechenden Hinweises verschreibungswidrig nur spora-

disch einnahm, wurde für ihn von Medic-Help kein weiterer Arzttermin ver-

einbart (SEM-act. 32, Mail von Medic-Help vom 24. Oktober 2022, Beilage 

zu Rek-act. 5). 

9.4. Gemäss Eintrittsbericht der B._______ Kliniken vom 10. August 2022 

als dem inhaltlich aussagekräftigsten medizinischen Aktenstück wurde an-

lässlich der Vorstellung des Beschwerdeführers die bereits weiter oben auf-

geführte Symptomatik erhoben, die gemäss behandelndem Arzt in seiner 

Rückmeldung an Medic-Help einer PTBS zugeordnet werden kann. Auf 

entsprechende Frage war der Beschwerdeführer offenbar nicht in der 

Lage, nähere Angaben zu seiner Medikation zu geben, sodass eine An-

frage an die Medic-Help des Bundesasylzentrums notwendig wurde. Im 

Rahmen des psychischen Befundes hielt der behandelnde Arzt fest: «23-

jähriger, bewusstseinsklarer, allseits orientierter Patient in gepflegtem Er-

scheinungsbild. lm Kontakt freundlich zugewandt, offen erzählend. lm Ge-

spräch kein Anhalt für Auffassungs- und Aufmerksamkeitsstörungen oder 

Beeinträchtigungen des Gedächtnisses. lm Affekt ratlos wirkend, schwin-

gungsfähig. Nonverbal normaler Blickkontakt, keine psychomotorische Un-

ruhe. Der Antrieb wurde als leicht vermindert beschrieben. lm formalen Ge-

dankengang geordnet. Keine Hinweise für wahnhaftes Erleben/inhaltliche 

Denkstörungen, Halluzinationen und lch-Störungen. Albtraumbedingte Ein- 

und Durchschlafstörungen. Appetit wechselhaft mal vermindert, mal sehr 

ausgeprägt. Patient verneint klar und glaubhaft Lebensüberdruss, Sui-

zidgedanken und Suizidpläne. Zukunftsorientiert: berichtet von seinen 

Hoffnungen und Zielen im Leben. Keine akuten Eigen- und Fremdgefähr-

dungsaspekte. Anamnestisch kein selbstverletzendes Verhalten.» Als wei-

teres Prozedere wurde ein Folgetermin zwecks Abklärung des Krankheits-

bilds vereinbart. Ansonsten wurde eine Psychoedukation zur PTBS sowie 

die Fortsetzung und allenfalls Anpassung der medikamentösen Behand-

lung empfohlen. 

9.5. Auf Rechtsmittelebene äusserte sich der Beschwerdeführer zur Nicht-

wahrung der Arzttermine und Nichtbefolgung der Medikation: Vom auf den 

13. September 2022 angesetzten Ersatztermin bei den B._______ Kliniken 

habe er nichts gewusst. Die B._______ Kliniken hätten ihm sodann einen 

zweiten Termin zwecks Ersteinschätzung und korrekter Medikamentenein-

stellung gegeben. Es sei daher nachvollziehbar, dass er erst einen weite-

F-4528/2022 

Seite 16 

ren Termin bei dem Psychologen/Psychiater möchte, bevor er die Medika-

mente einfach zu sich nehme, welche allenfalls gar nicht richtig eingestellt 

seien. Dies sei umso mehr nachvollziehbar, da er sein Vertrauen in den 

Staat verloren habe, zumal er in Bulgarien durch Staatsvertreter erniedrigt 

und gefoltert worden sei. Diese Erklärungsversuche überzeugen nicht. Ge-

mäss Auskunft des Medic-Help werden Asylsuchende jeweils am Vorabend 

anlässlich des Abendessens über bevorstehende Arzttermine informiert. 

Ferner ist eine Liste mit den Arztterminen auf dem Infoboard zu finden (Mail 

des Medic-Help vom 24. Oktober 2022, Beilage zu Rek-act. 5). Dass das 

beim Beschwerdeführer nicht der Fall gewesen war, ist nicht anzunehmen. 

Als ohne jeden Wirklichkeitsbezug konstruiert und schlicht nicht nachvoll-

ziehbar erscheint die Erklärung des Beschwerdeführers zu den Gründen, 

die ihn veranlasst hätten, seine Medikamente nicht entsprechend der Ver-

schreibung einzunehmen. Es sei in diesem Zusammenhang darauf hinge-

wiesen, dass der Beschwerdeführer nicht bildungsfern ist (nach eigener 

Aussage studierte er Informatik an der Universität Kabul), sich im erstin-

stanzlichen Verfahren explizit über Verzögerungen bei der Medikamenten-

ausgabe beklagte und schliesslich über die Bedeutung der regelmässigen 

Medikamenteneinnahme für die Aufgleisung einer wirksamen Therapie ge-

naue Kenntnis habe musste. 

9.6. Es wurde bereits weiter oben dargelegt, dass das Asylverfahren des 

Beschwerdeführers in Bulgarien inhaltlich noch nicht abgeschlossen wurde 

und er deshalb nach einer Überstellung dorthin in die ordentlichen Asyl-

strukturen integriert würde. Das heisst insbesondere, dass er nicht in einem 

geschlossenen Haft-, sondern in einem offenen Asylzentrum mit den ent-

sprechenden Leistungen untergebracht würde (vgl. oben 8.3). Ferner ist in 

Würdigung der Medizinalakten und des aktenkundigen Verhaltens des Be-

schwerdeführers auch ohne eine abschliessende medizinische Diagnose 

auszuschliessen, dass seine Überstellung nach Bulgarien eine Verletzung 

des Art. 3 EMRK zur Folge hätte. Sein Gesundheitszustand vermag daher 

eine Unzulässigkeit im Sinne der restriktiven Rechtsprechung nicht zu 

rechtfertigen. Die aktenkundigen gesundheitlichen Probleme sind auch 

nicht von einer derartigen Schwere, dass aus humanitären Gründen von 

einer Überstellung abgesehen werden müsste.  

10.  

10.1. Was den Selbsteintritt aus humanitären Gründen angeht, ist festzu-

halten, dass Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 dem SEM einen Ermessensspielraum 

verleiht (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit der Kognitionsbeschränkung durch 

die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 (Streichung der Angemessen-

heitskontrolle durch das Bundesverwaltungsgericht gemäss aArt. 106 

F-4528/2022 

Seite 17 

Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den vorinstanzlichen Verzicht 

der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht mehr auf Angemessen-

heit hin. Es beschränkt seine Beurteilung nunmehr im Wesentlichen auf die 

Frage, ob das SEM den Sachverhalt korrekt und vollständig erhoben, allen 

wesentlichen Umständen Rechnung getragen und seinen Ermessensspiel-

raum genutzt hat (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a und b AsylG). 

10.2. Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu be-

anstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermes-

sensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens 

zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang 

weiterer Äusserungen. Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine 

Anwendung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Voll-

ständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsu-

chenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber 

auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3). 

11.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 

Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten 

und hat in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht die Wegwei-

sung nach Bulgarien angeordnet.  

12.  

Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des 

Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind 

allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) 

nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 m.w.H.). 

13.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung 

des SEM zu bestätigen.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da er  bedürftig ist 

und sein Rechtsmittel nicht als zum Vornherein aussichtslos beurteilt wer-

den konnte, ist seinem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege in Gestalt 

der Befreiung von den Verfahrenskosten zu entsprechen (Art. 65 Abs. 1 

VwVG).  

F-4528/2022 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen, und der Beschwerdeführer wird von der Bezahlung der Verfah-

renskosten befreit. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Andreas Trommer Julius Longauer 

 

 

Versand: