# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 40365781-9553-581d-949b-5f1085e19868
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-11
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 11.01.2022 VBE.2021.299
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2021-299_2022-01-11.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

3. Kammer 

 

 

VBE.2021.299 / mg / fi  
Art. 4 

 

Urteil vom 11. Januar 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Gössi, Präsidentin  

Oberrichter Kathriner 

Oberrichterin Peterhans  

Gerichtsschreiber Güntert          

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____   

 

    
   

Beschwerde-

gegner  

 AWA - Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau, Rain 53, 

5000 Aarau   

 

     
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend AVIG 

(Einspracheentscheid vom 18. Mai 2021) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1.  

Der 1977 geborene Beschwerdeführer meldete sich am 25. Oktober 2019 

zur Arbeitsvermittlung an und stellte am 28. Oktober 2019 Antrag auf Ar-

beitslosenentschädigung ab dem 28. Oktober 2019. Mit Verfügung vom 

12. März 2021 stellte ihn der Beschwerdegegner wegen Nichtannahme 

einer zumutbaren Arbeit mit Wirkung ab dem 5. Februar 2021 für 23 Tage 

in der Anspruchsberechtigung ein. Die dagegen erhobene Einsprache vom 

11. April 2021 (Poststempel), wies der Beschwerdegegner mit Einsprache-

entscheid vom 18. Mai 2021 ab. 

 

2. 

2.1. 

Mit Schreiben vom 16. Juni 2021 leitete der Beschwerdegegner eine mit 

"Einsprache" bezeichnete Eingabe vom 7. Juni 2021 des Beschwerdefüh-

rers, in der dieser sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheids 

beantragte, als Beschwerde an das Versicherungsgericht weiter. 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 23. Juni 2021 beantragte der Beschwerdegegner 

die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Am 3. Dezember 2021 fand vor Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

eine Verhandlung statt. Dabei wurden der Beschwerdeführer als Partei und 

B. als Zeuge befragt. Der Beschwerdegegner verzichtete auf eine 

Teilnahme an der Verhandlung. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegner den Beschwerdeführer 

mit Einspracheentscheid vom 18. Mai 2021 ab dem 5. Februar 2021 wegen 

Nichtannahme einer zumutbaren Arbeit für die Dauer von 23 Tagen zu 

Recht in der Anspruchsberechtigung einstellte. Der Beschwerdegegner be-

gründet den Einspracheentscheid vom 18. Mai 2021 damit, dass ihm die C. 

mehrfach schriftlich und telefonisch mitgeteilt habe, dass der 

Beschwerdeführer am 4. Februar 2021 eine ihm telefonisch angebotene 

Stelle als Strassenbauer abgelehnt habe. Die vom Beschwerdeführer ein-

gereichte Telefonliste (vgl. Vernehmlassungsbeilage [VB] 50) habe keinen 

Beweiswert, da sie jederzeit mit einfachsten Mitteln abgeändert werden 

könne (VB 5). 

 

 - 3 - 

 

 

 

In seiner als Einsprache bezeichneten Beschwerde vom 7. Juni 2021 bringt 

der Beschwerdeführer dagegen vor, dass bis zum 26. Februar 2021 kein 

telefonischer Kontakt mit der C. stattgefunden habe und er sämtliche 

Pflichten und Kontrollvorschriften erfüllt habe. Er verweist zudem auf die 

von ihm eingereichte Telefonliste (VB 50), welche beweise, dass zum 

fraglichen Zeitpunkt kein telefonischer Kontakt zwischen der C. und dem 

Beschwerdeführer stattgefunden habe. 

 

2. 

2.1. 

Wenn der Versicherte die Kontrollvorschriften oder die Weisungen der zu-

ständigen Amtsstelle nicht befolgt, namentlich eine zumutbare Arbeit nicht 

annimmt (Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG), ist er in der Anspruchsberechtigung 

einzustellen. Die Nichtannahme einer zumutbaren Arbeit betrifft neben 

einer von der Amtsstelle zugewiesenen Stelle auch die Nichtannahme einer 

selbst gefundenen Stelle oder einer von Dritten vermittelten oder angebo-

tenen Arbeitsgelegenheit (THOMAS NUSSBAUMER, Arbeitslosenversiche-

rung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV, Soziale Si-

cherheit, 3. Aufl. 2016, S. 2519 f. Rz. 850). Der Einstellungstatbestand von 

Art. 30 Abs. 1 lit. d AVIG erfasst grundsätzlich jedes Verhalten, welches 

das Zustandekommen eines Arbeitsverhältnisses scheitern lässt (Urteil des 

Bundesgerichts 8C_750/2019 vom 10. Februar 2020 E. 4.1 mit Hinwei-

sen). Der Einstellungstatbestand ist auch dann erfüllt, wenn der Versicherte 

die Arbeit zwar nicht ausdrücklich ablehnt, es aber durch sein Verhalten in 

Kauf nimmt, dass die Stelle anderweitig besetzt wird (JACQUELINE CHO-

PARD, Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, 1998, S. 148) bzw. er 

sich nicht ernsthaft um die Aufnahme von Vertragsverhandlungen bemüht 

(Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts C 130/03 vom 6. Februar 2004 

E. 2.1 mit Hinweisen). 

 

2.2. 

Im Sozialversicherungsrecht gilt der Beweisgrad der überwiegenden Wahr-

scheinlichkeit. Die blosse Möglichkeit eines Sachverhalts genügt für die Be-

gründung eines Leistungsanspruches nicht. Es ist vielmehr jener Sachver-

haltsdarstellung zu folgen, die von allen möglichen Geschehensabläufen 

als die wahrscheinlichste gewürdigt wird (BGE 138 V 218 E. 6 S. 221, 126 

V 353 E. 5b S. 360). 

 

2.3. 

Der im Sozialversicherungsprozess geltende Untersuchungsgrundsatz 

schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwen-

dig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (Art. 61 lit. c ATSG) 

oder der verfügenden Verwaltungsstelle (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ist, für die 

Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversi-

cherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast 

nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten 

 - 4 - 

 

 

 

jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt 

Rechte ableiten wollte. Demgemäss hat die Partei, die einen Anspruch gel-

tend macht, die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, während die 

Beweislast für die rechtsaufhebenden bzw. rechtsvernichtenden oder 

rechtshindernden Tatsachen bei der Partei liegt, die den Untergang des 

Anspruchs behauptet oder dessen Entstehung oder Durchsetzbarkeit be-

streitet (Urteil des Bundesgerichts 8C_831/2019 vom 13. Februar 2020 

E. 3.2.2). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als 

unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund 

einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die 

Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen 

(BGE 138 V 218 E. 6 S. 221 f. mit Hinweisen).  

 

3. 

3.1. 

Vorliegend ist den Akten Folgendes bezüglich des massgeblichen Gesche-

hensablaufes zu entnehmen: 

 

3.1.1. 

Gemäss Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen vom Dezem-

ber 2020 hat sich der Beschwerdeführer am 21. Dezember 2020 bei der C. 

als Strassenbauer beworben (VB 70). 

 

3.1.2. 

Mit E-Mail vom 4. Februar 2021 teilte die C. dem Beschwerdegegner mit, 

dass der Beschwerdeführer am 4. Februar 2021 eine ihm telefonisch 

angebotene Stelle als Strassenbauer abgelehnt habe (VB 67). Mit 

Schreiben vom 15. Februar 2021 bestätigte die C., dass der Be-

schwerdeführer eine Stelle abgelehnt habe (VB 54). 

 

3.1.3. 

Mit Schreiben vom 26. Februar 2021 (VB 61) nahm der Beschwerdeführer 

die Gelegenheit zur Stellungnahme wahr (vgl. VB 64 und VB 66). Er 

machte geltend, dass bis zum 26. Februar 2021 kein telefonischer Kontakt 

mit der C. stattgefunden habe und er sämtliche Pflichten und 

Kontrollvorschriften erfüllt habe. Er verwies zudem auf die von ihm einge-

reichte Telefonliste (VB 50), welche beweise, dass zum fraglichen Zeit-

punkt kein telefonischer Kontakt zwischen der C. und dem Be-

schwerdeführer stattgefunden habe (VB 61). 

 

3.1.4. 

Mit Schreiben vom 3. März 2021 forderte der Beschwerdegegner die C. 

auf, einen Verbindungsnachweis bezüglich des Telefongesprächs vom 

4. Februar 2021 einzureichen (VB 58). Mit E-Mail vom 9. März 2021 

(VB 42) und mit Telefonat vom 11. März 2021 (VB 41) teilte die C. mit, dass 

 - 5 - 

 

 

 

aufgrund eines Systemwechsels der Telefonanlage kein Nachweis 

bezüglich des fraglichen Zeitpunkts erbracht werden könne. 

 

3.1.5. 

Im Rahmen des Einspracheverfahrens erkundigte sich der Beschwerde-

gegner am 22. April 2021 telefonisch bei der C., ob eine Perso-

nenverwechslung vorliegen könnte. Die C. bestätigte erneut, dass es sich 

um den Beschwerdeführer und niemand anderen gehandelt habe, mit 

welchem am 4. Februar 2021 ein telefonischer Kontakt stattgefunden habe 

(VB 19). 

 

3.2. 

An der Verhandlung vom 3. Dezember 2021 vor Versicherungsgericht 

ergab sich bezüglich des massgebenden Geschehensablaufes Folgendes: 

 

3.2.1. 

Der Zeuge B. führte bei seiner Befragung aus, er habe von Januar 2021 

bis Juni 2021 bei der C. gearbeitet (Protokoll S. 3). Seine Aufgabe sei es 

gewesen, für Temporärstellen passende Personen zu finden. Er habe 

dabei pro Tag um die 200 Telefonate geführt (Protokoll S. 3). Zu 

Personenverwechslungen sei es jedoch nicht gekommen, da man einen 

guten Überblick habe und sehr genau wisse, wer wie heisse und wer was 

beruflich mache (Protokoll S. 4). Er könne sich noch an das Telefonat vom 

4. Februar 2021 erinnern, es sei dabei um eine Arbeitsstelle in 

unmittelbarer Nähe vom Wohnort des Beschwerdeführers gegangen (Pro-

tokoll S. 4 und S. 5). Es sei etwas im Bereich Strassen- oder Tiefbau im 

Aargau gewesen (Protokoll S. 5). Der Beschwerdeführer habe gesagt, dass 

er momentan nicht arbeiten wolle (Protokoll S. 4). Der Zeuge habe darauf 

erwidert, dass er dies melden müsse, da der Beschwerdeführer verpflichtet 

sei, eine derartige Stelle anzunehmen (Protokoll S. 4 f.). Der Beschwerde-

führer habe darauf geantwortet, der Zeuge solle machen was er wolle und 

habe das Telefon aufgehängt (Protokoll S. 5). Am 26. Februar 2021 sei der 

Zeuge vom Beschwerdeführer angerufen worden und der Beschwerdefüh-

rer habe gefragt, weshalb der Zeuge eine Meldung gemacht habe (Proto-

koll S. 5).  

 

3.2.2. 

Der Beschwerdeführer brachte im Rahmen der Parteibefragung vor, er 

habe 2017 seinen Führerschein und damit eine super Arbeitsstelle verloren 

(Protokoll S. 5). Danach habe er für ein Temporärbüro gearbeitet und habe 

als gelernter Strassenbauer in der Hierarchie wieder ganz unten anfangen 

müssen (Protokoll S. 5 f.). Er sei während drei Saisons für die D. tätig 

gewesen. Es sei jedoch nicht möglich gewesen, dort eine Festanstellung 

zu bekommen (Protokoll S. 6). Er sei dann durch ein Temporärbüro im Juli 

oder August 2020 zur G. vermittelt worden (Protokoll S. 6). Bei der G. habe 

er von Anfang an den Status gehabt wie zuletzt bei der D. (Protokoll S. 6). 

 - 6 - 

 

 

 

Von Seiten der G. sei ihm mitgeteilt worden, dass man derzeit aufgrund 

einer Sperre keine weiteren Personen einstellen könne, es bestehe aber 

grosses Interesse daran, ihn fest einzustellen (Protokoll S. 6). Man habe 

ihm gesagt, er solle weiterhin auf Abruf bei der G. arbeiten, dann würde er 

als einer der ersten eingestellt werden. Mitte oder Ende Februar, Anfang 

März 2021 habe er bei der G. wieder arbeiten können (Protokoll S. 6). Seit 

Anfang Mai 2021 sei er bei der G. festangestellt (Protokoll S. 6). Sein Ziel 

sei es gewesen, möglichst schnell eine Festanstellung zu bekommen 

(Protokoll S. 6). Er habe nicht in ein anderes Geschäft gewollt, wenn er 

doch gewusst habe, dass er bei der G. eine Festanstellung bekommen 

könne (Protokoll S. 6). Er habe den Temporärbüros mitgeteilt, dass er nicht 

an zwei Orten gleichzeitig sein könne (Protokoll S. 6). Hätte jemand wegen 

einer Festanstellung und nicht wegen einer befristeten Stelle angerufen, 

wäre die Situation anders gewesen (Protokoll S. 7). Von einem Telefonat 

am 4. Februar 2021 wisse er nichts bzw. daran könne er sich nicht erinnern 

und von der C. habe er keine SMS, keine E-Mails oder ähnliches erhalten 

(Protokoll S. 7). An das Telefonat vom 26. Februar 2021 könne er sich 

erinnern (Protokoll S. 7). Er nehme an, er habe der C. mitgeteilt, dass er 

bei der G. definitiv eine Arbeit habe (Protokoll S. 7). In seiner 

abschliessenden Stellungnahme erklärte der Beschwerdeführer, der Zeuge 

habe gesagt, er sei am 26. Februar 2021 vom Beschwerdeführer angerufen 

worden (Protokoll S. 9). Der Beschwerdeführer habe den Zeugen gar nie 

angerufen (Protokoll S. 9). Es sei möglich, dass die C. ihn am 26. Februar 

2021 noch einmal angerufen habe und er dann sicherlich gesagt habe, 

dass er nun anderweitig beschäftigt sei (Protokoll S. 9). 

 

4. 

4.1. 

Fraglich ist, ob am 4. Februar 2021 ein telefonischer Kontakt zwischen dem 

Zeugen B. von der C. und dem Beschwerdeführer stattfand und im Rahmen 

eines allfälligen Kontakts dem Beschwerdeführer eine zumutbare 

Arbeitsstelle angeboten wurde, welche dieser pflichtwidrig ablehnte. 

 

4.1.1. 

Der Beschwerdeführer legt einen von ihm erstellten Printscreen der Anruf-

liste seines Handys ins Recht, auf dem am 4. Februar 2020 kein Telefonat 

mit der C. verzeichnet ist (VB 50). Der eingereichte Printscreen stellt eine 

Urkunde im Sinne von Art. 12 lit. a VwVG dar (vgl. AUER/BINDER, in: 

Auer/Müller/Schindler, Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-

tungsverfahren, 2. Aufl., Zürich 2019, N. 28 f. zu Art. 12 VwVG). Aufgrund 

der leichten Manipulierbarkeit geniessen solche elektronische Dateien al-

lerdings einen niedrigeren Beweiswert als genuine Schriftstücke (AUER/ 

BINDER, in: a.a.O., N. 29 zu Art. 12 VwVG; RÜETSCHI, in: Berner 

Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung Bd. II, Bern 2012, N. 16 

zu Art. 177 ZPO). Es ist gerichtsnotorisch, dass die vorliegend eingereichte 

Telefonliste sehr leicht abgeändert werden kann.  

 - 7 - 

 

 

 

 

4.1.2. 

Im vorinstanzlichen Verfahren bestätigte B. wiederholt, dass der 

Beschwerdeführer in einem Telefongespräch am 4. Februar 2021 die an-

gebotene Arbeit abgelehnt habe (vgl. VB 67, 54, 41, 19). An der Verhand-

lung vom 3. Dezember 2021 wurde er vor dem Versicherungsgericht als 

Zeuge befragt und entsprechend auf die Zeugnis- und die Wahrheitspflich-

ten und auf die Strafbarkeit eines falschen Zeugnisses nach Art. 307 StGB 

aufmerksam gemacht. Im Rahmen der Zeugenbefragung hat er bestätigt, 

dass er am 4. Februar 2021 mit dem Beschwerdeführer telefoniert habe 

und dieser eine ihm angebotene Stelle abgelehnt habe (vgl. E. 3.2.1.). Für 

die Glaubwürdigkeit des Zeugen spricht, dass er kein Interesse am Aus-

gang des Verfahrens hat und insbesondere keinen Grund hat, unter Straf-

androhung nach Art. 307 StGB ein falsches Zeugnis abzulegen. So führte 

er glaubhaft aus, derartige Meldungen seien für ihn vor allem mit Aufwand 

verbunden und er erhalte für diese Meldungen keine Provision (Protokoll 

S. 9). Zum fraglichen Zeitpunkt arbeitete der Zeuge für ein Temporärbüro 

und führte in dieser Funktion regelmässig Telefonate und bot Stellen an, 

weshalb davon auszugehen ist, dass er verschiedene arbeitssuchende 

Personen unterscheiden konnte. Aus den Akten geht hervor, dass die Mel-

dung des Zeugen an den zuständigen Personalberater des RAV am 4. Feb-

ruar 2021 (VB 67) erfolgte, also am selben Tag wie das fragliche Telefon-

gespräch, was die Gefahr einer Verwechslung der Personen ebenfalls un-

wahrscheinlich macht. Der Zeuge konnte sich auch noch an den Ge-

sprächsverlauf und an Einzelheiten des Telefonats erinnern, ohne dabei in 

Widersprüche zu verfallen (vgl. E. 3.2.1.). Die Aussagen des Zeugen er-

scheinen deshalb schlüssig und glaubhaft. 

 

4.1.3. 

Der Beschwerdeführer hatte hingegen aus mehreren Gründen ein persön-

liches Interesse daran, ein befristetes Stellenangebot zum fraglichen Zeit-

punkt abzulehnen. Gemäss seinen Aussagen sei ihm zum damaligen Zeit-

punkt bei der G. eine Festanstellung in Aussicht gestellt worden (vgl. 

E. 3.2.2.). Zudem hatte der Beschwerdeführer bei der G. von Anfang an 

denselben Status gehabt wie zuletzt bei der D. in E. (vgl. E. 3.2.2.). Die 

mögliche Festanstellung bei der G. bewahrte ihn somit davor, in der 

Hierarchie erneut von unten anfangen zu müssen, wie er es zuvor getan 

hatte, nachdem er seine Stelle verloren hatte. Mit der Annahme einer auf 

drei Monate befristeten Stelle riskierte der Beschwerdeführer somit, das in 

Aussicht gestellte Stellenangebot bei der G. nicht antreten zu können. Dies 

wird vom Beschwerdeführer auch nicht in Abrede gestellt, wenn er ausführt, 

er habe nicht in ein anderes Geschäft gewollt, wenn er doch gewusst habe, 

dass er bei G. eine Festanstellung bekommen könne (E. 3.2.2.). Zudem hat 

der Beschwerdeführer auch ein persönliches Interesse am Ausgang des 

Verfahrens, um die Einstellung der 23 Arbeitslosentaggelder zu vermeiden. 

Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer am 26. Februar 

 - 8 - 

 

 

 

2021 die C. anrief (vgl. VB 44). Wenn der Beschwerdeführer in seinen ab-

schliessenden Bemerkungen behauptet, er habe die C. gar nie angerufen 

und es sei die C. gewesen, welche am 26. Februar 2021 den 

Beschwerdeführer anrief, ist diese Behauptung aktenwidrig.  

 

4.2. 

Während der Beschwerdeführer ein persönliches Interesse am Ausgang 

des Verfahrens hat und kein Interesse daran hatte, eine ihm im Februar 

2021 angebotene befristete Stelle anzunehmen, um seine mögliche Fest-

anstellung bei der G. nicht zu gefährden (E. 4.1.3.), gibt es keinen 

ersichtlichen Grund, an der Glaubwürdigkeit des Zeugen B. zu zweifeln 

(E. 4.1.2.). Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist es überwiegend 

wahrscheinlich, dass dem Beschwerdeführer, wie vom Zeugen B. 

dargelegt, am 4. Februar 2021 telefonisch eine auf drei Monate befristete 

Stelle angeboten wurde und der Beschwerdeführer diese Stelle 

pflichtwidrig abgelehnt hat. 

 

5. 

5.1. 

Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens 

(Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 

30 Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschul-

den (Art. 45 Abs. 3 AVIV).  

 

Ein schweres Verschulden liegt nach Art. 45 Abs. 4 AVIV vor, wenn die 

versicherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeits-

stelle ohne Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle aufgegeben hat (lit. a) 

oder eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat (lit. b). Liegen besondere Um-

stände im Einzelfall vor, kann dieser Rahmen unterschritten werden. Vor-

ausgesetzt ist dabei ein entschuldbarer Grund, der das Verschulden leich-

ter als schwer erscheinen lässt. Dieser kann die subjektive Situation der 

betroffenen Person oder eine objektive Gegebenheit (so die Befristung der 

Stelle) beschlagen (BGE 130 V 125 E. 3.5 S. 131; THOMAS NUSSBAUMER, 

a.a.O., S. 2524 Rz. 863 f.). 

 

5.2. 

Die Beschwerdegegnerin hat die Einstelldauer auf 23 Tage festgelegt. Das 

Einstellraster des SECO (AVIG-Praxis ALE, Sanktionen [D79]) sieht in 

Ziff. 2.A.6 bei der erstmaligen Ablehnung einer zugewiesenen oder selbst-

gefundenen zumutbaren, auf 3 Monate befristeten Stelle 23 bis 30 Einstell-

tage vor. Indem der Beschwerdegegner im angefochtenen Einspracheent-

scheid den Beschwerdeführer 23 Tage in der Anspruchsberechtigung ein-

stellte (VB S. 5 ff.), verfügte er das Minimum des Sanktionsrahmens, was 

unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Um-

stände nicht zu beanstanden ist. Es besteht daher kein triftiger Grund, in 

 - 9 - 

 

 

 

das Ermessen der Vorinstanz einzugreifen (Urteil des Bundesge-

richts 8C_342/2017 vom 28. August 2017 E. 4.2. mit Hinweisen). Die Ein-

stelldauer von 23 Tagen ist damit zu bestätigen. 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

6.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

6.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer    

den Beschwerdegegner    

das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) 

 

  

 - 10 - 

 

 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 11. Januar 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

3. Kammer 

Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Gössi Güntert