# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 241d0b05-16ca-58ab-8be5-aa29dddb44ab
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-19
**Language:** de
**Title:** Aargau Spezialverwaltungsgericht Steuern 19.10.2023 3-RV.2022.154
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_SVWG_002_3-RV-2022-154_2023-10-19.pdf

## Full Text

Spezialverwaltungsgericht 

Steuern 

 

3-RV.2022.154       
P 172 
 

 

 

 

Urteil vom 19. Oktober 2023 
 
 

 
 

Besetzung  Präsident Fischer  

Richter Wick  

Richter Lämmli  

Gerichtsschreiber Fäs          

 

 
 

   

Rekurrent 1  A._____  

 

Rekurrentin 2  B._____  

   

 

 
 
 

Gegenstand  Einspracheentscheid der Steuerkommission Q._____ 

vom 6. Oktober 2022 

betreffend Kantons- und Gemeindesteuern 2019 

 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Gericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Mit Verfügung vom 20. April 2022 wurden A._____ und B._____ von der 

Steuerkommission Q._____ für das Jahr 2019 zu einem steuerbaren 

Einkommen von CHF 68'600.00 und zu einem steuerbaren Vermögen von 

CHF 1'478'000.00 veranlagt. In Abweichung von der Selbstdeklaration 

wurden unter anderem die Kosten für ein Fensterrollo von CHF 27.90 und 

für die Abblindung des Kaminabzuges von CHF 660.45 nicht als 

Liegenschaftsunterhalt zum Abzug zugelassen. 

 

2. 

Gegen die Verfügung vom 20. April 2022 erhob A._____ mit Schreiben vom 

18. Mai 2022 Einsprache. Die Steuerkommission Q._____ ist von 

folgendem sinngemäss gestellten Begehren ausgegangen: 

 

"Es seien die Liegenschaftsunterhaltskosten für die Liegenschaft an der R-

Strasse 65 a/b neu zu beurteilen." 

 

3. 

Mit Entscheid vom 6. Oktober 2022 reduzierte die Steuerkommission 

Q._____ in teilweiser Gutheissung der Einsprache das steuerbare Ein-

kommen von CHF 68'600.00 auf CHF 63'359.00. 

 

4. 

Den Einspracheentscheid vom 6. Oktober 2022 (Versanddatum 23. No-

vember 2022) hat A._____ mit rechtzeitigem Rekurs vom 10. Dezember 

2022 (Postaufgabe am 12. Dezember 2022) an das Spezialverwal-

tungsgericht, Abteilung Steuern, weitergezogen. Er beantragt, 

 

es seien zusätzliche Liegenschaftsunterhaltskosten von total CHF 688.35 zum 

Abzug zuzulassen. 

 

Auf die Begründung wird, soweit für die Entscheidung erforderlich, in den 

Erwägungen eingegangen. 

 

5. 

Die Steuerkommission Q._____ und das Kantonale Steueramt beantragen 

die Abweisung des Rekurses. 

 

6. 

A._____ hat eine Replik erstattet. 

  

 - 3 - 

 

 

 
   

Das Gericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der vorliegende Rekurs betrifft die Kantons- und Gemeindesteuern 2019. 

Massgebend für die Beurteilung sind das Steuergesetz vom 15. Dezember 

1998 (StG) und die Verordnung zum Steuergesetz vom 11. September 

2000 (StGV). 

 

2. 

2.1. 

Der Rekurs vom 10. Dezember 2022 wurde nur vom Rekurrenten unter-

zeichnet, aber nicht von dessen Ehefrau. 

 

2.2. 

Verheiratete, welche in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben, 

üben die ihnen zukommenden Verfahrensrechte und –pflichten gemeinsam 

aus (§ 172 Abs. 1 StG). Es besteht zudem für Rechtsmittelverfahren eine 

Vertretungsvermutung (vgl. auch § 172 Abs. 3 StG). Die Ehegatten bilden 

bei einer rechtlich und tatsächlich ungetrennten Ehe im Rechtsmittelverfah-

ren eine Art notwendige Streitgenossenschaft, was beide zu Verfahrens-

beteiligten macht. Demgemäss gelten beide Ehegatten auch dann als Re-

kurrenten, wenn ein Rekurs nur von einem Ehegatten eingereicht wird. Dies 

ist bei der Parteibezeichnung zu berücksichtigen (Urteil des Bundes-

gerichts vom 2. Februar 2018 [2C_80/2018], Erw. 2.3; AGVE 2008 S. 126). 

 

2.3. 

Somit kommt der Ehefrau des Rekurrenten, da keine getrennte Ehe vor-

liegt, im vorliegenden Verfahren ebenfalls Parteistellung zu. 

 

3. 

Bei Liegenschaften im Privatvermögen können die Unterhaltskosten, die 

Kosten der Instandstellung von neu erworbenen Liegenschaften, die Versi-

cherungsprämien und die Kosten der Verwaltung durch Dritte abgezogen 

werden (§ 39 Abs. 2 Satz 1 StG). Als Kosten für den Unterhalt von Liegen-

schaften gelten bloss die werterhaltenden Aufwendungen (§ 24 Abs. 1 

StGV). 

 

Nicht abziehbar sind die Aufwendungen für die Anschaffung, Herstellung 

oder Wertvermehrung von Vermögensgegenständen (§ 40 Abs. 1 lit. d 

StG). 

 

  

 - 4 - 

 

 

4. 

4.1. 

Der Rekurrent beantragt, es seien CHF 660.45 (vgl. Rechnung der C._____ 

AG, S._____, vom 13. November 2019) für den "Kaminabzug abblinden" 

zum Abzug zuzulassen. 

 

4.2. 

Die Steuerkommission Q._____ hat mit der Begründung "kein Unterhalt" 

den Abzug nicht gewährt (Einspracheentscheid, S. 1; vgl. auch Details 

Steuerveranlagung 2019).  

 

4.3. 

4.3.1. 

Der Einspracheentscheid ist gemäss § 195 Abs. 3 StG schriftlich zu be-

gründen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass jedenfalls die bun-

desrechtlichen Minimalanforderungen, wie sie aus Art. 29 Abs. 2 BV ("Die 

Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör") abgeleitet werden, Be-

achtung finden. Die tatsächlichen Feststellungen und rechtlichen Überle-

gungen, welche die Einsprachebehörde dem Entscheid zu Grunde gelegt 

hat, müssen nachvollzogen werden können. Die Begründung hat zudem 

eine Beurteilung der Beweismittel zu enthalten. Weiter hat die Einsprache-

behörde zu den Anträgen der steuerpflichtigen Person so Stellung zu neh-

men, dass ersichtlich wird, wieweit ihnen entsprochen wird. Sie muss sich 

jedoch nicht mit jedem Vorbringen der steuerpflichtigen Person auseinan-

dersetzen und jedes einzelne Argument ausdrücklich widerlegen. Sie darf 

sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Als Mini-

malerfordernis verbleibt aber stets, dass sich die am Verfahren beteiligten 

Personen anhand der Begründung über die Tragweite des Entscheids Re-

chenschaft ablegen können. Dieses Minimalerfordernis wird verletzt, wenn 

sich die Steuerbehörde im Einspracheentscheid mit Begehren und mit Be-

weismitteln, welche die steuerpflichtige Person angerufen hat, überhaupt 

nicht auseinandersetzt (Bundesgerichtsurteil vom 20. Dezember 2012 

[2C_843/2012]; Bundesgerichtsurteil vom 3. Mai 2005 [1P.115/2005], mit 

Verweis auf BGE 126 I 97; VGE vom 1. Dezember 2008 [WBE.2007.154]; 

Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 5. Auflage, Muri-Bern 2023, 

§ 175 StG N 31, § 195 StG N 9, mit Hinweisen). 

 

4.3.2. 

Beim Hinweis "kein Unterhalt" handelt es sich nicht um eine Begründung, 

sondern um die rechtliche Beurteilung der geltend gemachten Kosten. Dem 

Einspracheentscheid kann der Grund, warum es sich nach Auffassung der 

Steuerkommission Q._____ nicht um Unterhalt handelt, nicht entnommen 

werden. Erst durch Konsultation der vom Rekurrenten erstellten und der 

Steuererklärung beigelegten Aufstellung "Unterhalt R-Strasse 65a/b 2019" 

ist aufgrund einer Handnotiz ersichtlich, dass die Steuerkommission 

Q._____ der Auffassung ist, dass die Abblindung neu angebracht wurde, 

 - 5 - 

 

 

also "kein Ersatz" vorliegt. Da diese handschriftlich ergänzte Aufstellung 

nicht als integrierender Bestandteil des Einspracheentscheides bezeichnet 

und diesem beigelegt wurde, liegt eine Verletzung der Begründungspflicht 

vor. 

 

4.3.3. 

Die Verletzung des rechtlichen Gehörs führt in der Regel zu einer Rückwei-

sung der Angelegenheit zur nochmaligen Durchführung des Einsprache-

verfahrens (schwere Verfahrensfehler). Von einer Rückweisung der Ange-

legenheit kann indessen ausnahmsweise selbst bei schwerwiegenden Ver-

fahrensfehlern abgesehen werden, wenn und soweit die Rückweisung zu 

einem formalistischen Leerlauf und damit zu einer unnötigen Verzögerung 

führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen Parteien nicht zu ver-

einbaren ist (VGE vom 26. Oktober 2011 [WBE.2008.134]). 

 

5. 

5.1. 

Die in § 179 Abs. 1 StG verankerte Untersuchungspflicht der Veranla-

gungsbehörde besagt, dass diese alle tatsächlichen und rechtlichen Ver-

hältnisse von Amtes wegen abzuklären hat, die für eine vollständige und 

richtige Besteuerung massgebend sind. Diese Untersuchungspflicht ist um-

fassend, wobei einer Veranlagung mithin nur solche Tatsachen zugrunde 

gelegt werden dürfen, von deren Vorhandensein sich die Veranlagungs-

behörde selber überzeugt hat. Der behördlichen Untersuchungspflicht steht 

der Mitwirkungsgrundsatz gemäss den §§ 180 – 182 StG gegenüber, wo-

nach sich der Steuerpflichtige aktiv an der behördlichen Abklärung des 

steuerlich relevanten Sachverhalts zu beteiligen hat (VGE vom 20. Mai 

2020 [WBE.2020.53]; Urteil des Bundesgerichts vom 26. Mai 2023 

[9C_251/2023]). 

 

5.2. 

Durch die Deklaration der CHF 660.45 bei den Liegenschaftsunterhaltskos-

ten haben die Rekurrenten implizite einen adäquaten Ersatz einer beste-

henden Abblindung des Kaminabzugs geltend gemacht. Bevor die Steuer-

kommission Q._____ davon abweichend von einer erstmaligen Anbringung 

einer Abblindung ausgehen durfte, hätte sie den Rekurrenten aufgrund der 

Untersuchungsmaxime kontaktieren und ihm die Gelegenheit einräumen 

müssen, seine Sichtweise darzulegen und gegebenenfalls belegmässig 

nachzuweisen. Da die Steuerkommission Q._____ dies unterlassen hat, 

hat sie die Untersuchungsmaxime verletzt.  

 

5.3. 

Kommt die Veranlagungsbehörde ihrer Untersuchungspflicht nicht nach, 

bedeutet dies einen wesentlichen Verfahrensmangel. Ist der Sachverhalt 

weder im Veranlagungs- noch im Einspracheverfahren genügend abgeklärt 

worden, ist es dem Spezialverwaltungsgericht, unter dem Vorbehalt, dass 

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nicht ein schwerwiegender Verfahrensmangel vorliegt, welcher eine Rück-

weisung der Angelegenheit zur Neubeurteilung durch die Steuerkommis-

sion nach sich zieht, unbenommen, die Steuerfaktoren aufgrund eigener 

Erhebungen festzusetzen (SGE vom 22. Dezember 2011 [3-RV.2009.83]). 

 

6. 

6.1. 

Der Rekurrent führt zur Abblindung des Kaminabzugs im Rekurs das Fol-

gende aus: 

 

"Es handelt sich um den altersbedingten Ersatz der seit dem Umbau anno 1981 

bestehenden Abblindung des damals erstellten zweiten Kaminabzugs. Dieser 

war für den eventuellen späteren Einbau eines zweiten Schwedenofens vorge-

sehen, auf den dann jedoch verzichtet wurde. Anlässlich der Umbauarbeiten 

2016/2019 zeigte sich, dass diese Abblindung nicht mehr dicht war. Zur Ver-

meidung eindringender Feuchtigkeit in diesen Kaminabzug musste die Abblin-

dung deshalb erneuert werden." 

 

6.2. 

Gemäss den Ausführungen des Rekurrenten handelt es sich also um den 

Ersatz einer bereits bestandenen, undicht gewordenen Abblindung. Diese 

Ausführungen erscheinen glaubwürdig und deren Richtigkeit wird in der 

Vernehmlassung weder von der Steuerkommission Q._____ noch vom 

Kantonalen Steueramt in Frage gestellt. Es sind daher die geltend gemach-

ten CHF 660.45 als Liegenschaftsunterhalt zum Abzug zuzulassen. 

 

7. 

7.1. 

Der Rekurrent beantragt weiter, es seien CHF 27.90 (vgl. Kassenbeleg der 

D._____ Q._____ vom 2. September 2019) für den altersbedingten Ersatz 

eines fest mit dem Fensterrahmen verbundenen Rollos als Liegenschafts-

unterhalt zum Abzug zuzulassen. 

 

7.2. 

Die Steuerkommission Q._____ hat den Abzug mit der Begründung 

"Mobiliar" nicht gewährt (Einspracheentscheid, S. 1). 

 

7.3. 

Auf die rechtliche Beurteilung dieser Kosten kann verzichtet werden, da ein 

allfälliger Abzug auf das steuerbare Einkommen keinen Einfluss hat, weil 

Restbeträge des Einkommens unter CHF 100.00 ausser Betracht fallen 

(§ 43 Abs. 3 StG). 

 

8. 

In Gutheissung des Rekurses ist somit das steuerbare Einkommen von 

CHF 63'359.00 auf (gerundet) CHF 62'600.00 herabzusetzen.  

 

 - 7 - 

 

 

9. 

Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten des Rekursverfahrens auf 

die Staatskasse zu nehmen (§ 189 Abs. 1 StG). Den nicht vertretenen Re-

kurrenten ist keine Parteikostenentschädigung auszurichten (§ 189 Abs. 2 

StG). 

 

 

  

 - 8 - 

 

 

 
   

Das Gericht erkennt: 

 

1. 

In Gutheissung des Rekurses wird das steuerbare Einkommen auf 

CHF 62'600.00 festgesetzt. 

 

2. 

Die Kosten des Rekursverfahrens werden auf die Staatskasse genommen. 

 

3. 

Es wird keine Parteikostenentschädigung ausgerichtet. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

die Rekurrenten 

das Kantonale Steueramt  

das Steueramt Q._____ 

 

 

 
 

   

Rechtsmittelbelehrung  

 

Dieser Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Be-

schwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau angefochten 

werden. Die Beschwerde ist in doppelter Ausfertigung beim Spezialver-

waltungsgericht, Laurenzenvorstadt 9, 5001 Aarau, einzureichen. Die 

Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit dem 7. Tag nach Ostern, vom 

15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit dem 

2. Januar. Die unterzeichnete Beschwerdeschrift muss einen Antrag, wie 

der Entscheid zu ändern sei, sowie eine Begründung enthalten. Der ange-

fochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind beizu-

legen (§§ 28 und 43 f. des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 

4. Dezember 2007 [VRPG] in Verbindung mit Art. 145 Abs. 1 der Schwei-

zerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [ZPO]; §§ 187, 

196 und 198 des Steuergesetzes vom 15. Dezember 1998 [StG]). 

 

  

 - 9 - 

 

 

 

 
   

Aarau, 19. Oktober 2023 

 

Spezialverwaltungsgericht 

Steuern 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Fischer Fäs