# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 710e5e4a-80e0-5b4b-8504-200de4dfbef7
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-07-12
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 12.07.2013 IV 2011/254
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2011-254_2013-07-12.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2011/254

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 16.08.2019

Entscheiddatum: 12.07.2013

Entscheid Versicherungsgericht, 12.07.2013
Art. 28 Abs. 2 IVG, Art. 43 ATSG. Rentenanspruch. 
Medikamentenabhängigkeit. Auf Grund der vom Gutachten abweichenden 
RAD-Meinung sind weitere Abklärungen vorzunehmen (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. Juli 2013, IV 
2011/254).

Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg Haltinner, Versicherungsrichterinnen Marie Löhrer 

und Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiberin Jeannine Bodmer

Entscheid vom 12. Juli 2013

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Rente

Sachverhalt:

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A.   

A.a A.___ meldete sich am 21. Mai 2010 zum Bezug von Invalidenleistungen an (act. 

G 4.1.1, 4.1.6). Gemäss dem Telefongespräch zwischen der RAD-Ärztin Dr. med. 

C.___ und dem Hausarzt der Versicherten, Dr. med. B.___, vom 28. Mai 2010 lag bei 

der Versicherten ein Zustand nach subakutem Leberversagen und eine Depression vor. 

Die Versicherte sei am 8. August 2008 zu 100% arbeitsunfähig geschrieben worden. 

Nachdem sich ihre Leberfunktion vorübergehend verbessert habe, sei ihr für eine 

körperlich leichte Tätigkeit wieder eine Arbeitsfähigkeit attestiert worden. Die 

Realisierbarkeit der bescheinigten Arbeitsfähigkeit sei aber nicht gegeben; es habe 

auch in den Arbeitsprogrammen des Arbeitsamtes Schwierigkeiten gegeben (act. 

G 4.1.17-1).

A.b Im Bericht vom 24. August 2010 diagnostizierte Dr. med. D.___, Facharzt FMH für 

Psychiatrie und Psychotherapie, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine 

depressive Episode seit Mai 2007 (eventuell auch seit 2003), eine Leberinsuffizienz bei 

Hepatopathie unklarer Ätiologie (akut von Juli 2008 bis etwa Oktober 2008). Ohne 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe ein Verdacht auf übermässigen Gebrauch 

von Benzodiazepinen. Die Versicherte sei im Juni 2007 wegen Depression mit 

insbesondere Schlafstörungen in seine ambulante Behandlung überwiesen worden. 

Diese habe sie aber bald abgebrochen und sich Rezepte gegen Schlafstörungen 

schicken lassen. Seit Oktober 2008 bestehe eine regelmässige ambulante Behandlung 

(delegierte Psychotherapie und Psychopharmakatherapie) in seiner Praxis. Es 

bestünden Antriebslosigkeit, Unruhe, Schlafstörungen und weitere Symptome einer 

Depression, wie z.B. Perspektivlosigkeit und fehlende Motivation. Die Versicherte sei 

als Hilfsarbeiterin seit Anfang August 2008 zu 100% arbeitsunfähig. Mit Hilfe von 

Massnahmen zur beruflichen Eingliederung könne aber möglicherweise eine 

Arbeitsfähigkeit von 50% erreicht werden (act. G 4.1.25-6).

A.c In zwei Berichten von 17. September 2010 hielt Dr. med. E.___, Facharzt für 

Neurologie, fest, der EEG-Befund sei soweit regelrecht, ohne Herdbefund und ohne 

Nachweis von epileptischen Potentialen. Er gehe letztendlich von einem provozierten 

epileptischen Anfall aus, bei bekannter Hepatopathie, aber auch raschem 

Benzodiazepinentzug. Weiter gehe er davon aus, dass bei der Versicherten auch eine 

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äthyltoxisch induzierte Enzephalopathie vorliege. Hierfür spreche, dass sie auf 

Benzodiazepinentzug schnell mit einem epileptischen Anfall reagiere (act. G 4.1.36).

A.d Mit Schreiben vom 26. Oktober 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es 

seien auf Grund ihres Gesundheitszustands zurzeit keine beruflichen 

Eingliederungsmassnahmen möglich (act. G 4.1.33).

A.e Am 23. November 2010 wurde die Versicherte polydisziplinär im ABI (Ärztliches 

Begutachtungsinstitut GmbH), Basel, untersucht (act. G 4.1.30). Im Gutachten vom 

13. Januar 2011 kamen die Experten zum Schluss, dass bei der Versicherten in der 

angestammten sowie in anderen leichten bis mittelschweren Tätigkeiten eine Arbeits- 

und Leistungsfähigkeit von 100% bestehe. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die 

Arbeitsfähigkeit hielten sie eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0), einen Status 

nach Alkoholabhängigkeit (ICD-10 F10.2), eine Benzodiazepinabhängigkeit (ICD-10 

F13.2), einen asymmetrischen diskreten Haltetremor unklarer Ätiologie (ICD-10 G25.9), 

ein Mikroadenom der Hypophyse (MRI-Verdachtsdiagnose; ICD-10 D35.2V), einen 

Verdacht auf eine leichte sensible Polyneuropathie (toxisch, ICD-10 G62.1), einen 

Status nach subakutem Leberversagen bei Hepatopathie unklarer Ätiologie 08/2008 

(ICD10 K72.0Z) und mit Verdacht auf äthyltoxische Genese und aktuell normalen 

Leberenzymen, Übergewicht mit BMI von 29kg/m  (ICD-10 E66.9), Nikotinabusus 

(ICD-10 F17.1) und einen Status nach Nephrolithiasis (ICD-10 N20.0Z) fest (act. 

G 4.1.35).

A.f  Gemäss dem Untersuchungsbericht des Spitals F.___ vom 3. Januar 2011 erlitt die 

Versicherte am 2. Januar 2011 ein Supinationstrauma des linken OSG. Es ergaben sich 

aber keine Hinweise auf ossäre Läsionen (act. G 4.1.34).

A.g RAD-Ärztin Dr. med. G.___, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in 

der Stellungnahme vom 5. April 2011 fest, dass das ABI-Gutachten die Versicherte aus 

internistischer, neurologischer und psychiatrischer Sicht konsensuell und 

widerspruchsfrei beurteilt habe. Die psychiatrischen Ausführungen seien jedoch etwas 

knapp gehalten. Unter der beschriebenen Benzodiazepinabhängigkeit lasse sich 

derzeit nicht mit ausreichender Sicherheit ein IV-relevanter psychischer 

Gesundheitsschaden diagnostizieren. Es sei aber vorstellbar, dass nach erfolgreichem 

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Benzodiazepin-Entzug eine IV-relevante Störung sichtbar werde. Deshalb werde auch 

unter diesem Aspekt dringend ein Benzodiazepin-Entzug empfohlen (act. G 4.1.38).

A.h Mit Vorbescheid vom 18. April 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten in 

Aussicht, einen Rentenanspruch mangels rentenbegründenden Invaliditätsgrades zu 

verneinen (act. G 4.1.44).

A.i Dagegen erhob die Versicherte am 13. Mai 2011 Einwand. Sie brachte vor, dass sie 

die IV-Rente nicht wegen ihrer Alkoholabhängigkeit beantragt habe, sondern wegen 

ihrer Depressionen. Ihre Leber sei wieder gesund und ihr Alkoholproblem habe sie im 

Griff. Seit 2008 nehme sie jedoch regelmässig Antidepressiva, Beruhigungs- und 

Schlafmittel. Dies könnten ihre Ärzte bestätigen (act. G 4.1.45).

A.j RAD-Ärztin Dr. G.___ nahm dazu am 23. Mai 2011 Stellung. Das Suchtverhalten, 

welches aktuell als Hauptursache für die Einschränkungen angenommen werde, sei die 

Benzodiazepinabhängigkeit und nicht der Zustand nach Alkoholabusus. Auch der 

behandelnde Psychiater habe in seinem Bericht vom 24. August 2010 den Verdacht auf 

übermässigen Gebrauch von Benzodiazepinen bestätigt (act. G 4.1.47).

A.k Am 16. August 2011 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid und 

lehnte einen Rentenanspruch der Versicherten ab. Die Abklärungen hätten ergeben, 

dass die Arbeitsunfähigkeit vor allem durch das Abhängigkeitsverhalten begründet sei, 

weshalb keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege (act. G 11.1.12).

B.   

B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde der 

Versicherten vom 29. August 2011 mit dem sinngemässen Antrag auf deren Aufhebung 

und Zusprache einer Rente. Zur Begründung führte die Versicherte aus, dass sie seit 

2003 immer wieder unter depressiven Verstimmungen leide. Nach Erhalt der 

Kündigung im Oktober 2007 habe sie angefangen, Alkohol zu konsumieren, habe 

jedoch im August 2008 eine schwere Lebererkrankung durchgemacht. Nach Besserung 

der Lebererkrankung hätten sich ihre Depressionen verschlechtert. Sie leide immer 

noch unter schweren Depressionen, sei immer müde, antriebslos und oft nicht in der 

Lage, selbständig ihren Haushalt zu erledigen. Ohne Medikamente könne sie nicht 

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schlafen und nicht normal funktionieren. Die Medikamente würden ihr helfen, normal zu 

funktionieren (act. G 1).

B.b Mit Beschwerdeantwort vom 19. Oktober 2011 beantragte die 

Beschwerdegegnerin die Beschwerdeabweisung. Gestützt auf die 

Bundesgerichtspraxis begründe Alkoholismus wie auch Drogensucht und 

Medikamentenabhängigkeit für sich allein keine Invalidität. Vielmehr würden diese 

Süchte invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder 

einen Unfall bewirkt hätten, in deren Folge ein Gesundheitsschaden eingetreten sei, 

oder wenn sie selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen 

Gesundheitsschadens seien, dem Krankheitswert zukomme. Dem Alkoholproblem 

könne vorliegend keine IV-rechtliche Relevanz zugebilligt werden und der leichten 

depressiven Episode (ICD-10 F32.0) sei kein Krankheitswert beizumessen. Daher 

würden die psychiatrischen Befunde keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit 

begründen (act. G 4).

B.c In der Replik vom 6. November 2011 hielt die Beschwerdeführerin an ihren 

Anträgen fest. Sie fügte hinzu, dass ihr neu Dr. med. H.___ beim Entzug des 

Medikaments Bromazepamum helfen würde. Dr. H.___ sei der Meinung, dass alle 

Symptome auf Parkinson hindeuten würden. Einen Termin beim Neuropsychiater 

müsse sie aber noch vereinbaren. Bevor eine Entscheidung getroffen werde, ersuche 

sie daher das Gericht, Dr. H.___ zu kontaktieren (act. G 6).

B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 11. November 2011 auf 

die Einreichung einer Duplik (act. G 8).

Erwägungen:

1.  

Zwischen den Parteien ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine 

Rentenleistung streitig.

2.

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2.1  Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde 

ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes 

über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). 

Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, 

geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung 

und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten 

auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

2.2  Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 

831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte 

Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 

zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein 

Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein 

Anspruch auf eine Viertelsrente.

2.3  Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im 

Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung 

zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte 

Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen 

Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche 

Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 

261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und 

Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das 

Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche 

Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des 

Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der 

medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten 

begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss kommt 

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einem Gutachten oder anderen medizinischen Beurteilungen schon dann kein voller 

Beweiswert zu, wenn Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen; es muss nicht 

feststehen, dass die medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen 

entsprechen, was nicht mit medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden in der 

Regel nicht beurteilen können (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; 

seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober 

2002, I 779/01, E. 4.2).

2.4  Das sozialversicherungsrechtliche Verfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz 

beherrscht, indem Verwaltung und Sozialversicherungsgericht von sich aus für die 

richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen 

haben. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in 

den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2 mit Hinweisen; vgl. BGE 

130 I 183 E. 3.2). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn einer 

Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen 

mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Fall der 

Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem 

unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift 

allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des 

Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu 

ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu 

entsprechen (BGE 117 V 265 E. 3b mit Hinweisen).

2.5  Nach Art. 43 Abs. 2 ATSG hat sich die versicherte Person ärztlichen oder fach­

lichen Untersuchungen zu unterziehen, soweit diese für die Beurteilung notwendig und 

zumutbar sind. In Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes ist die Verwaltung vor 

einem Entscheid zunächst aber verpflichtet, diejenigen Sachverhaltsabklärungen zu 

treffen, die ohne Schwierigkeiten und ohne besonderen Aufwand auch ohne die 

verlangte Mitwirkung der versicherten Person möglich sind.

3.

3.1  Vorab zu klären ist die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche 

Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt. Die 

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Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf das ABI-

Gutachten vom 13. Januar 2011 (act. G 4.1.35).

3.2  In der gesamtgutachterlichen Würdigung kamen die Experten zum Schluss, dass 

bei der Beschwerdeführerin für angestammte und andere leichte bis mittelschwere 

Tätigkeiten eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 100% bestehe (act. G 4.1.35-16). 

Dem psychiatrischen Teilgutachten von Dr. med. I.___ ist zu entnehmen, dass die 

Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin im Jahr 2003 begonnen hätten, als sie mit 

ihrer Familie umgezogen sei. Schon im Vorfeld habe der Umzug die 

Beschwerdeführerin belastet, sie sei antidepressiv und mit einem Benzodiazepin 

behandelt worden. Am neuen Wohnort habe sie sich nie wohl gefühlt und bei der Arbeit 

sei sie vom Chef immer wieder kritisiert worden. Der Benzodiazepinkonsum habe sich 

gesteigert, gleichzeitig habe sie auch mehr Alkohol konsumiert. Nach Verlust der 

Arbeitsstelle infolge Kündigung durch die Arbeitgeberin sei sie arbeitslos gewesen und 

habe einige Arbeitseinsätze in einem Altersheim und einer Textilwerkstatt gehabt. Dann 

sei sie an einer schweren Leberentzündung erkrankt. Während der akuten Phase habe 

sie unter Bewegungsstörungen gelitten, die sich in der Zwischenzeit aber 

zurückgebildet hätten. Seit der Lebererkrankung 2008 trinke sie keinen Alkohol mehr, 

nach wie vor nehme sie aber grosse Mengen eines Benzodiazepinpräparates ein. Sie 

habe Mühe, sich für die Hausarbeit zu motivieren. Nachts leide sie unter 

Schlafstörungen, die auch damit zusammenhingen, dass sie den Alltag sehr passiv 

verbringe und sich tagsüber immer wieder hinlege. Sie klage vor allem über Müdigkeit, 

mangelnden Antrieb und auch eine gewisse Ängstlichkeit. Sie beklage einen gewissen 

Lebensverleider, verneine jedoch Suizidgedanken. Es handle sich hierbei um eine 

leichte depressive Episode. Daneben bestehe eine ausgeprägte 

Benzodiazepinabhängigkeit. Im Sommer 2010 habe die Beschwerdeführerin in den 

Ferien einen epileptischen Anfall erlitten, als sie zu wenig Lexotanil (ein Benzodiazepin) 

bei sich gehabt habe. Auch dies sei ein Hinweis dafür, dass die Beschwerdeführerin 

einen massiven Benzodiazepinkonsum betreibe. Die Klagen über Müdigkeit, 

Antriebslosigkeit, der Rückzug ins Bett und auch die im Rahmen der Untersuchung 

festgestellte Verlangsamung und Müdigkeit seien im Zusammenhang mit der massiven 

Benzodiazepinabhängigkeit zu sehen. Eine mittelgradige oder schwere depressive 

Störung liege nicht vor. Auch sei die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht 

eingeschränkt. Es bestünden keine Hinweise auf irreversible, geistige oder psychische 

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Schäden nach langjähriger Alkoholabhängigkeit. Der Konsum von Benzodiazepinen 

führe nicht zu irreversiblen geistigen oder psychischen Schäden. Die depressive 

Störung sei geringgradig ausgeprägt und schränke die Arbeitsfähigkeit nicht ein. Die 

geklagten Ängste seien im Rahmen der leichten depressiven Störung, aber auch im 

Zusammenhang mit dem Konsum der Benzodiazepine zu sehen. Die 

Beschwerdeführerin nehme derart hohe Mengen von Benzodiazepinen ein, dass der 

Abfall des Benzodiazepinspiegels im Blut immer wieder leichte Unsicherheit und 

Ängste hervorrufe. Hinsichtlich der psychiatrischen Einschätzung von Dr. D.___ vom 

24. August 2010 hielt Dr. I.___ fest, der behandelnde Arzt habe eine Depression 

diagnostiziert, die er aber nicht näher ausgeführt habe, und eine Benzodiazepin­

abhängigkeit erwähnt. Dr. D.___ sehe die Arbeitsfähigkeit einzig durch die depressive 

Störung beeinträchtigt. Ab August 2010 habe er eine Arbeitsunfähigkeit von 100% 

attestiert. Dagegen habe er (Dr. I.___) im Gutachten dargelegt, dass die depressive 

Störung lediglich geringgradig ausgeprägt sei. Demgegenüber bestehe eine 

ausgeprägte Benzodiazepinabhängigkeit. Auch die Tatsache, dass die 

Beschwerdeführerin einen schweren epileptischen Anfall erlitten habe, spreche dafür, 

dass es sich um eine massive Abhängigkeitserkrankung handle. Bei der 

neurologischen Begutachtung durch Dr. med. J.___ vom 23. November 2010 sei ein 

Verhangensein der Beschwerdeführerin zusammen mit einem "Müde wirken" und 

langsamen Bewegungsabläufen aufgefallen. Dies könne durch die 

Benzodiazepineinnahme erklärt werden. Kognitive Defizite seien bei der neurologischen 

Untersuchung nicht feststellbar, Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit hätten sich als 

ausreichend gut erwiesen. Während der Untersuchung sei nur einmal während des 

Ansprechens eines belastenden Themas ein Tremor aufgefallen. Es hätten sich keine 

weiteren Zeichen im Sinne einer extrapyramidalen Bewegungsstörung ergeben. Die 

Feinbeweglichkeit und grobe Kraft seien erhalten (act. G 4.1.35).

3.3  Nach der Rechtsprechung begründet eine Drogen- bzw. Medikamenten- und 

Alkoholsucht für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Die 

Suchterkrankung kann jedoch im Rahmen der Invalidenversicherung relevant werden, 

wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher 

oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden 

eingetreten ist, oder wenn sie selber Folge eines geistigen Gesundheitsschadens ist, 

dem Krankheitswert zukommt (BGE 99 V 28 E. 2; Urteil des Bundesgerichtes vom 13. 

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April 2007, I 207/2006). Ob die Sucht ursächlich für eine andere 

Gesundheitsschädigung war oder erst in Folge einer solchen auftrat, ist in einem 

solchen Fall nicht mehr von Belang. Erforderlich ist lediglich, dass auch ein anderer 

Gesundheitsschaden vorliegt, der mit der Sucht in Zusammenhang steht. Ist dies 

erfüllt, so geht es nicht etwa darum, den auf die Sucht entfallenden Anteil der 

Arbeitsunfähigkeit abzuspalten und als nicht invalidisierend zu bezeichnen. Vielmehr ist 

bei Bejahung eines solchen Zusammenhangs mit einer anderen Erkrankung auch die 

Sucht vollumfänglich zu berücksichtigen (Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons 

St. Gallen vom 25. Juni 2009, IV 2008/307, E. 2.1). Im vorliegenden Fall schätzten die 

ABI-Gutachter die Benzodiazepinabhängigkeit weder als Folge einer Krankheit noch als 

ursächlich für einen anderen invalidisierenden Gesundheitsschaden ein. Zwar befand 

die RAD-Ärztin Dr. G.___ in der Stellungnahme vom 5. April 2011 die gutachterlichen 

Beurteilungen des ABI grundsätzlich als konsensuell und widerspruchsfrei, wobei die 

psychiatrischen Ausführungen etwas knapp gehalten seien. Sie hielt fest, der Gutachter 

könne trotz Benzodiazepinabhängigkeit keine Arbeitsunfähigkeit erkennen. Er sehe die 

Notwendigkeit des Entzugs offenbar im subjektiven Gewinn für die Versicherte. 

Allerdings äusserte die RAD-Ärztin auch gewisse Zweifel an der Stimmigkeit des 

Gutachtens. So lasse sich ihres Erachtens unter der beschriebenen 

Benzodiazepinabhängigkeit derzeit nicht mit ausreichender Sicherheit ein IV-relevanter 

psychischer Gesundheitsschaden diagnostizieren, es sei jedoch vorstellbar, dass nach 

erfolgreichem Benzodiazepin-Entzug eine IV-relevante Störung sichtbar werde. 

Deshalb empfehle der RAD auch unter diesem Aspekt dringend einen Benzodiazepin-

Entzug (act. G 4.1.38). In der Stellungnahme vom 30. September 2011 bestätigte Dr. 

G.___, dass eine deutlichere psychische Störung durch den hohen Benzodiazepin-

Konsum verdeckt sein könne. Primär sei es angezeigt, den übermässigen 

Benzodiazepin-Konsum zu reduzieren, auch um den kausalen Therapiezugang zu 

öffnen (z.B. verhaltenstherapeutische Interventionen, adäquate antidepressive 

Medikation mit Aufdosieren/Switchen). Dies werde jedoch in einem stationären 

Aufenthalt erfolgen müssen, um Zusammenhänge erkennen und Compliance und 

Zwischenfälle begleiten zu können (act. G 4.1.52). Dass die RAD-Ärztin dennoch 

insgesamt auf das ABI-Gutachten abstellen möchte, weil derzeit nicht mit 

ausreichender Sicherheit ein IV-relevanter psychischer Gesundheitsschaden 

festgestellt werden könne, überzeugt nicht. Nachdem die RAD-Ärztin nämlich die 

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Möglichkeit aufzeigte, dass neben dem Benzodiazepinüberkonsum noch eine 

deutlichere psychische Störung vorhanden sein könnte, kann nicht mit der Beweiskraft 

der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass den 

Einschränkungen der Beschwerdeführerin keine IV-relevante Krankheit zu Grunde liegt. 

Insgesamt ergeben sich somit erhebliche Zweifel an den Schlussfolgerungen des ABI-

Gutachtens. Die IV-Stelle wird daher ein neues medizinisches Gutachten einholen 

müssen. Dieses wird darüber Auskunft zu geben haben, ob bei der Beschwerdeführerin 

ein psychisches Leiden vorliegt, das die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt und das von der 

Suchtmittelabhängigkeit überlagert ist. Die Wahl der Untersuchungsmethode 

(Abklärung im ambulanten oder stationären Rahmen) wird Sache der zu 

beauftragenden Gutacherstelle sein.

4.  

4.1  Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung vom 16. August 2011 teilweise gutzuheissen. Die Sache ist zur weiteren 

Abklärung und zu neuer Verfügung im Sinne der Erwägungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

4.2  Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles 

Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin 

vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu 

bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss der Beschwerdeführerin von Fr. 600.-- ist ihr 

zurückzuerstatten.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 

VRP entschieden:

1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 16. August 2011 

aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung und zu neuer Verfügung im

Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

bis

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2. Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der 

geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin 

zurückerstattet.

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