# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 864d2dab-2593-5a3d-959c-5507f32f4b84
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-04-30
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 30.04.2013 S 2012 101
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2012-101_2013-04-30.pdf

## Full Text

S 12 101

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 30. April 2013

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend IV-Rente

1. …, Jahrgang 1963, ist gelernter Koch und war zuletzt als selbständig 

erwerbender Hotelier tätig. Seit ca. 2008 leidet er an zunehmenden 

Lumboischialgien links, welche ab 26.September 2008 zur Arbeitsunfähigkeit 

führten. Am 16. Februar 2009 erfolgte eine operative Dekompression der 

diagnostizierten Discushernie im Segment L5/S1. Mit Gesuch vom 3. Juli 2009 

meldete sich … bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-

Stelle) zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an. Mit Verfügung 

vom 19. März 2010 verneinte die IV-Stelle den Anspruch auf berufliche 

Massnahmen. Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. 

2. Mit Schreiben vom 7. April 2010 teilte er der IV-Stelle mit, dass er beim Heben 

von Pfannen und schweren Sachen immer wieder Rückfälle erleide. Laut 

seinem Arzt dürfe er solche Sachen nicht mehr machen. Ein Arzttermin sei in 

der kommenden Zeit geplant.

3. Mit Verfügung vom 26. Mai 2010 sprach ihm die IV-Stelle eine halbe IV-Rente 

ab dem 1. Januar 2010 bis zum 31. März 2010 bei einem Invaliditätsgrad von 

50% zu. In der Verfügung wurde festgehalten, dass er seit dem 26.September 

2008 (Beginn der einjährigen Wartezeit) in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt 

sei. Nach Ablauf der einjährigen Wartezeit habe weiterhin eine 50%ige 

Arbeitsunfähigkeit bestanden. Am 20. Dezember 2009 habe er seine bisherige 

Tätigkeit wieder vollumfänglich aufnehmen können. Gemäss Abschlussbericht 

vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) Ostschweiz, könne ab dem 26. 

Oktober 2009 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in ideal leidensadaptierter 

Tätigkeit ausgegangen werden. Der Rentenanspruch sei – infolge verspäteter 

Anmeldung – am 1. Januar 2010 entstanden. Da ab dem 20. Dezember 2009 

eine rentenausschliessende Arbeitsfähigkeit vorgelegen habe, sei nach einer 

dreimonatigen Wartefrist kein Rentenanspruch mehr gegeben. Auch diese 

Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.

4. Mit Gesuch vom 15. November 2010 meldete sich … erneut zum Bezug von IV-

Leistungen an. Gemäss Arztbericht von Dr. med. A, Spital …, vom 9. November 

2010 habe sich bei … eine Zunahme der tieflumbalen Schmerzen entwickelt. Er 

habe Schmerzen bei Belastungen ohne Ausstrahlung in die Beine. Die 

Schmerzen würden vor allem beim Tragen von Gewichten und bei körperlicher 

Anstrengung angegeben. Der Patient wünsche eine IV-Abklärung. Er könne 

seine Tätigkeit als Gastwirt in der Küche nicht mehr ausüben. Vom 12. August 

2010 bis zum 30. September 2010 sei er zu 100%, vom 1. Oktober 2010 bis 

zum 20. Dezember 2010 zu 50% arbeitsunfähig.

5. Im Bericht vom 4. Februar 2011 führte Dr. med. A aus, dass … vom 1. Oktober 

2010 an bis auf Weiteres 50% arbeitsfähig sei. Die bisherige Tätigkeit sei zwar 

noch zumutbar, aber nicht zu 100%. Momentan und längerfristig würde die 

Arbeitsfähigkeit nicht über 50% gesteigert werden können. Langfristig bestehe 

sehr wahrscheinlich eine maximale Arbeitsfähigkeit zwischen 50 und 60%. Ob 

eine chirurgische Intervention am Rücken eine Verbesserung der 

Arbeitsfähigkeit bewirken könne, sei noch offen.

6. Mit Schlussbericht vom 7. März 2011 hielt die RAD-Ärztin … fest, dass … in 

einer leidensadaptierten wechselbelastenden Tätigkeit unter Beachtung 

qualitativer Einschränkungen zu 100% arbeitsfähig sei, mit um 20% reduzierter 

Leistungsfähigkeit durch erhöhten Pausenbedarf. Im Abklärungsbericht für 

Selbständigerwerbende vom 14. November 2011, erstellt durch … Treuhand + 

Revision, Chur, wurden mittels Betriebsanalyse ein Valideneinkommen von Fr. 

53‘500.00 und ein Invalideneinkommen von Fr. 22‘100.00 errechnet, woraus 

sich ein Invaliditätsgrad von ca. 59 % ergebe. 

7. Mit Verfügung vom 8. August 2012 lehnte die IV-Stelle einen Anspruch von … 

auf eine Invalidenrente ab. Aus medizinischer Sicht sei … eine der Behinderung 

angepasste Tätigkeit (leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit 

ohne Zwangshaltung für die Wirbelsäule, ohne schweres Heben und Tragen, 

ohne längerdauernde Halte- und Überkopfarbeiten) zu 80% zumutbar (100% 

mit um 20% reduzierter Leistungsfähigkeit durch erhöhten Pausenbedarf). Es 

werde auf den medizinischen Bericht der RAD-Ärztin vom 7.März 2011 

abgestellt. Das Valideneinkommen betrage gemäss Betriebsanalyse indexiert 

Fr. 54‘015.00, unter Berücksichtigung der Einkommensaufteilung zwischen … 

und seiner Ehefrau im Verhältnis von ⅔ zu ⅓. Auf Basis der LSE 2008, 

Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten), männlich, 

Leistungsfähigkeit 80% belaufe sich das Invalideneinkommen auf Fr. 49‘975.00, 

das entsprechende Einkommen ohne Behinderung betrage Fr. 54‘015.00, 

wodurch sich ein Invaliditätsgrad von 7.47% ergebe. Da der Invaliditätsgrad 

unter 40% liege, bestehe kein Rentenanspruch. Im Übrigen sei … die Aufgabe 

seines Betriebes zu Gunsten einer wirtschaftlich lukrativeren Tätigkeit im 

Angestelltenverhältnis zumutbar.

8. Dagegen erhob … (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 14. September 2012 

Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und 

beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Es sei eine 

Invalidenrente auf der Basis eines Invaliditätsgrades von 59%, mit Beginn ab 

12. August 2010, festzulegen. Eventualiter seien Anordnungen zur 

ergänzenden medizinischen Abklärung des Sachverhalts mittels Gutachten 

durch das Gericht zu treffen. Subeventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren 

Abklärung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurück zu weisen. Das 

Invalideneinkommen sei gemäss Betriebsanalyse, nicht gemäss LSE zu 

berechnen. Eine Betriebsaufgabe sei nicht zumutbar. Die 

Anstellungsaussichten bei einer anderen Tätigkeit seien zudem gering, zumal 

der Beschwerdeführer über keine Ausbildung in einem anderen Beruf verfüge. 

Ausserdem seien IV-Eingliederungsmassnahmen rechtskräftig abgewiesen 

worden. Die Betriebsanalyse, namentlich die Errechnung des Validen- und 

Invalideneinkommens, werde beanstandet. Der medizinische Sachverhalt sei 

ungenügend abgeklärt. Es bestünde eine widersprüchliche Beurteilung zur 

Restarbeitsfähigkeit. Der RAD setze sich mit der Einschätzung von Dr. med. A 

nicht auseinander. Es sei durchaus möglich, dass sich das Ergebnis der erneut 

anstehenden Operation auch auf die Restarbeitsfähigkeit auswirke. Es müsse 

eine weitere Abklärung mittels Einholung eines umfassenden medizinischen 

Gutachtens erfolgen, unter Umständen unter Einbezug einer Evaluation der 

funktionellen Leistungsfähigkeit. Die Verneinung des Rentenanspruchs sei zu 

Unrecht erfolgt. Der Rentenanspruch beginne am 12. August 2010.

9. Mit Vernehmlassung vom 3. Oktober 2012 beantragte die IV-Stelle 

(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Der 

Wechsel in eine leidensadaptierte Tätigkeit sei für den Beschwerdeführer 

sowohl möglich als auch zumutbar. Ihm seien einfache und repetitive 

Tätigkeiten zu 80% zumutbar. Falls eine neue Operation erfolge und diese eine 

mehr als drei Monate dauernde Arbeitsunfähigkeit bewirke, werde ein 

(befristeter) Rentenanspruch geprüft. An der Einschätzung des RAD bezüglich 

Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sei nichts auszusetzen. Zusätzlich 

werde auf die (mit der Vernehmlassung eingereichte) Stellungnahme der RAD-

Ärztin vom 3.Oktober 2012 verwiesen, welche die Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit von 100% mit um 20% reduzierter Leistungsfähigkeit in 

leidensadaptierter Tätigkeit bestätige. Ein Gutachten sei nicht erforderlich. 

Würde der Beschwerdeführer seine Leistungsfähigkeit bestmöglich nutzen, 

würde nur eine Einschränkung von 7.47% bestehen, was für einen 

Rentenanspruch nicht genüge. 

10. Mit Replik vom 12. November 2012 hielt der Beschwerdeführer an seinen 

Anträgen fest und vertiefte seine Standpunkte. Betreffend Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit wurden weitere Arztberichte im Zusammenhang mit der am 21. 

September 2012 durchgeführten Operation eingereicht. Die Operation sei nötig 

geworden, nachdem sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers 

verschlechtert habe. Ein Abschluss des Falles sei daher fraglich. Die 

Möglichkeit der Betriebsaufgabe respektive deren Zumutbarkeit würden im 

Hinblick auf die konkreten Umstände des Falles erneut bestritten. Am 22. 

November 2012 reichte der Beschwerdeführer ein ärztliches Zeugnis von Dr. 

med. B ein, welches eine vorläufige vollständige Arbeitsunfähigkeit des 

Beschwerdeführers vom 20. September 2012 bis zum 31. Dezember 2012 

bescheinigte. 

11. In ihrer Duplik vom 26. November 2012 verwies die Beschwerdegegnerin auf 

eine beigelegte Stellungnahme der RAD-Ärztin vom 23. November 2012, 

wonach die postoperativ begründete Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers 

als vorübergehend und drei Monate nicht überschreitend eingeschätzt werde. 

Das Arztzeugnis von Dr. med. B vermöge die Einschätzung der IV-Stelle nicht 

zu erschüttern. Ausserdem sei das RAD in ihren medizinischen 

Sachentscheiden im Einzelfall unabhängig.

12. Mit Stellungnahme vom 17. Januar 2013 zum Schreiben der RAD-Ärztin vom 

23. November 2012 reichte der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr. med. B 

vom 14. Januar 2013 ein. Laut Dr. med. B sei der Beschwerdeführer im jetzigen 

Zeitpunkt für leichte körperliche Tätigkeiten maximal 50% arbeitsfähig, schwere 

körperliche Arbeit sei ihm derzeit nicht zumutbar. Hinsichtlich der Dauer der 

Arbeitsfähigkeit stehe der Bericht von Dr. med. B in Widerspruch zur 

Einschätzung des RAD, weshalb, da Zweifel am Anspruch auf eine IV-Rente 

bestünden, ergänzende medizinische Abklärungen anzuordnen seien.

Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie auf die angefochtene 

Verfügung wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die Verfügung der 

Beschwerdegegnerin vom 8. August 2012, in welcher der Anspruch des 

Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente verneint wurde. Strittig und zu 

prüfen sind die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und damit 

verbunden das Invalideneinkommen sowie die Zumutbarkeit eines 

Berufswechsels.

2. a) Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen 

Gesundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit 

dauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechtes [ATSG; SR 830.1] und Art. 4 

des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Art. 7 

ATSG bezeichnet die Erwerbsunfähigkeit als den durch Beeinträchtigung der 

körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachten und nach 

zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibenden ganzen oder 

teilweisen Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Bei erwerbstätigen Versicherten erfolgt die 

Ermittlung der Invalidität in der Regel nach der Methode des 

Einkommensvergleiches (Art. 16 ATSG). Bei dieser Methode wird das 

gegenwärtig trotz Behinderung noch zumutbare Erwerbseinkommen mit jenem 

ohne Behinderung verglichen, wobei die daraus resultierende Differenz in 

Prozenten den IV-Grad ergibt. Ist ein Versicherter danach mindestens 40% 

invalid, so hat er Anspruch auf eine Viertelsrente, bei mindestens 50% auf eine 

halbe Rente, bei mindestens 60% auf eine Dreiviertelsrente und ab 70% auf 

eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Für die Festsetzung des IV-Grades 

kommt es primär auf die wirtschaftliche Erwerbsunfähigkeit und nicht auf die 

medizinische Arbeitsunfähigkeit an (BGE 132 V 395 E.2.1). Ohne zuverlässige 

und beweistaugliche Bestimmung der graduellen Arbeitsfähigkeit durch die 

Ärzte als Beurteilungsgrundlage ist eine seriöse Ermittlung der 

Erwerbsunfähigkeit (IV-Grad) aber zum voraus nicht möglich (BGE 125 V 261 

E.4, 122 V 160 f. E.1c; 115 V 134 E.2). Nur sie können aufgrund ihrer 

Kenntnisse das funktionelle und zeitliche Leistungsvermögen bewerten. 

Gestützt auf die ärztlichen Erkenntnisse kann sodann das hypothetische 

Invalideneinkommen berechnet werden (SVR 2002 IV Nr. 19, S. 58). In Bezug 

auf den Beweiswert eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die 

streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch 

die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten 

(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen 

Situation bzw. der Zusammenhänge einleuchtet und die Schlussfolgerungen 

des Experten begründet sind (BGE 125 V 352; 122 V 160). 

b) Gemäss Art. 59 Abs. 2bis IVG stehen die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) 

den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des 

Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung 

nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der 

Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im 

Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid 

im Einzelfall unabhängig (Urteil des Bundesgerichts 9C_323/2009 vom 14. Juli 

2009 E.4.1). Nach Art. 49 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; 

SR 831.201) beurteilen die regionalen ärztlichen Dienste die medizinischen 

Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden 

können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der 

allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die 

regionalen ärztlichen Dienste können bei Bedarf selber ärztliche 

Untersuchungen von Versicherten durchführen. Sie halten die 

Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2). Nicht zwingend erforderlich 

ist, dass die versicherte Person untersucht wird. Nach Art. 49 Abs. 2 IVV führt 

der RAD für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des 

Leistungsanspruchs nur „bei Bedarf“ selber ärztliche Untersuchungen durch. In 

den übrigen Fällen stützt er seine Beurteilung auf die vorhandenen ärztlichen 

Unterlagen ab (Urteil des Bundesgerichts 9C_323/2009 vom 14. Juli 2009 

E.4.3.1). Das Absehen von eigenen Untersuchungen ist somit nicht an sich ein 

Grund, um einen RAD-Bericht in Frage zu stellen. Dies gilt insbesondere, wenn 

es im Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen 

Sachverhalts geht und die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten 

Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 9C_323/2009 vom 

14. Juli 2009 E.4.3.1 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch BGE 127 I 57 f. E.2e 

und f). Die RAD bezeichnen die zumutbaren Tätigkeiten und die unzumutbaren 

Funktionen unter Angabe einer allfälligen medizinisch begründeten zeitlichen 

Schonung. Damit soll im Hinblick auf eine erfolgreiche Eingliederung eine 

objektivere Festlegung der massgebenden funktionellen Leistungsfähigkeit der 

Versicherten ermöglicht werden. Gestützt auf die Angaben des RAD hat die IV-

Stelle zu beurteilen, was einer versicherten Person aus objektiver Sicht noch 

zumutbar ist und was nicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_323/2009 vom 

14. Juli 2009 E.4.2 mit weiteren Hinweisen).

c) Auch auf Stellungnahmen der RAD kann indessen nur abgestellt werden, wenn 

sie den allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen 

Bericht genügen (Urteil des Bundesgerichts 9C_323/2009 vom 14. Juli 2009 

E.4.3.1; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 694/05 vom 15. 

Dezember 2006 E.2). Sie müssen insbesondere in Kenntnis der Vorakten 

(Anamnese) abgegeben worden sein und in der Beschreibung der 

medizinischen Situation und Zusammenhänge einleuchten; die 

Schlussfolgerungen sind zu begründen (BGE 125 V 352 E.3a). Die RAD-Ärzte 

müssen sodann über die im Einzelfall gefragten persönlichen und fachlichen 

Qualifikationen verfügen (Urteil des Bundesgerichts 9C_323/2009 vom 14. Juli 

2009 E.4.3.1 mit weiteren Hinweisen). Bezüglich dieser materiellen und 

formellen Anforderungen sind sie im Beschwerdefall gerichtlich überprüfbar 

(Urteil des Bundesgerichts 9C_323/2009 vom 14. Juli 2009 E.4.3.1). Hierbei hat 

das Sozialversicherungsgericht einen strengen Massstab anzulegen. Zu 

berücksichtigen gilt, dass der RAD zur Verwaltung gehört, es sich bei ihm 

mithin um einen versicherungsinternen Dienst handelt (BGE 135 V 260 E.3.4.2 

[in fine]; Urteil des Bundesgerichts 8C_245/2011 vom 25. August 2011 E.5.1). 

BGE 135 V 465 hat festgehalten, dass Berichten versicherungsinterner 

medizinischer Fachpersonen zwar stets Beweiswert zuzuerkennen ist, dass 

ihnen jedoch praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen 

oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in 

Auftrag gegebenen Gutachten zukommt. Bestehen auch nur geringe Zweifel an 

der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen 

Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 

469 f. E.4.3.2 und 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_245/2011 vom 25. August 

2011 E.5.3). 

d) Aus dem Grundsatz der Waffengleichheit folgt gemäss BGE 135 V 465 das 

Recht der versicherten Person, mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit 

und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen der versicherungsinternen 

Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese von der versicherten Person 

eingereichten Beweismittel stammen regelmässig von behandelnden Ärztinnen 

und Ärzten oder von anderen medizinischen Fachpersonen, die in einem 

auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person stehen. Da sich die 

behandelnden Ärztinnen und Ärzte zudem in erster Linie auf die Behandlung zu 

konzentrieren haben, verfolgen deren Berichte nicht den Zweck einer den 

abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden 

objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je 

die materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 352 E.3a 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_245/2011 vom 25. August 2011 E.5.3). Aus 

diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Haus- und 

behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche 

Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen 

(BGE 125 V 353 E.3a/cc mit weiteren Hinweisen), wird im Streitfall eine direkte 

Leistungszusprache einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden 

Ärztinnen und Ärzte denn auch kaum je in Frage kommen (BGE 135 V 470 f. 

E.4.5). Die von der versicherten Person aufgelegten Berichte sind jedoch 

daraufhin zu prüfen, ob sie auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und 

Schlüssigkeit der Feststellungen versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte 

wecken. Um solche Zweifel auszuräumen, wird das Gericht entweder ein 

Gerichtsgutachten anzuordnen oder die Sache an den Versicherungsträger 

zurückzuweisen haben, damit dieser im Verfahren nach Art. 44 ATSG eine 

Begutachtung veranlasst (BGE 135 V 471 E.4.6).

3. a) Die IV-Stelle stützte sich vorliegend bezüglich der Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit auf die medizinische Beurteilung der RAD-Ärztin vom 7. März 

2011. Der Beschwerdeführer macht dabei geltend, diese Einschätzung und die 

Berichte des behandelnde Arztes, Dr. med. A, stünden in Widerspruch 

zueinander. Der medizinische Sachverhalt sei demnach zu wenig geklärt, 

weshalb auch über den Anspruch einer IV-Rente noch nicht entschieden 

werden könne.

b) Laut medizinischem Bericht von Dr. med. A, Leiter Orthopädie im Spital …, vom 

4. Februar 2011 bestehe beim Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit im 

Umfang von 50% seit dem 1. Oktober 2010 und bis auf Weiteres. Die bisherige 

Tätigkeit sei momentan zwar noch zumutbar, aber nicht zu 100%. Als zeitlicher 

Rahmen werden ein Arbeitsaufwand sowie eine Intensität zwischen 50% und 

80% angegeben. Es bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit, da der 

Beschwerdeführer (weiterhin) an einer Lumboischialgie links mit Schmerzen, 

vor allem bei Belastungen, leide. Das Ausmass der verminderten 

Leistungsfähigkeit betrage 4-6 Stunden pro Tag mit einem Belastungsprofil 

zwischen 50% und 75%. Es sei nicht auszuschliessen, dass der 

Beschwerdeführer erneut operiert werden müsse. Ob durch diese Intervention 

eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne, sei fraglich. 

Momentan und auch längerfristig werde die Arbeitsfähigkeit nicht über 50% 

gesteigert werden können. Langfristig bestehe sehr wahrscheinlich eine 

maximale Arbeitsfähigkeit zwischen 50% und 60%. Ob eine chirurgische 

Intervention am Rücken eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit bewirken 

könne, sei noch offen. Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit bzw. 

der Erhöhung der Einsatzfähigkeit könne nicht gerechnet werden. Zur 

Zumutbarkeit einer behinderungsangepassten Tätigkeit hielt Dr. med. A fest 

(vgl. IV-act. 61/7), dass bei einer wechselbelastenden Tätigkeit im Umfang von 

4-6 Stunden pro Tag eine Leistung von 50% möglich sei, allerdings ohne 

Bücken, Über-Kopf-Arbeiten, Kauern, Knien, Rotation im Sitzen/Stehen, auf 

Leitern/Gerüste Steigen und Treppen Steigen; beim Heben/Tragen sei von 

einer Gewichtslimite von 2kg bzw. 5kg auszugehen. Insgesamt ergibt sich somit 

nach den Angaben von Dr. med. A sowohl für die bisherige als auch für die 

adaptierte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von 50%.

c) Demgegenüber attestierte die RAD-Ärztin in ihrem Abschlussbericht vom 7. 

März 2011 dem Beschwerdeführer in einer leidensadaptierten Tätigkeit – d.h. in 

einer leichten bis mittelschweren wechselbelastenden Tätigkeit ohne 

Zwangshaltung für die Wirbelsäule, ohne schweres Heben und Tragen, ohne 

längerdauernde Halte- und Überkopfarbeiten – eine Arbeitsfähigkeit von 100% 

mit um 20% reduzierter Leistungsfähigkeit durch erhöhten Pausenbedarf. Was 

die bisherige Tätigkeit des Beschwerdeführers anbetrifft, so werde die 

Einschätzung des behandelnden Orthopäden (Dr. med. A) geteilt, wonach eine 

wesentliche Steigerung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit 

gegebenenfalls auf 50% bis 60% auch nach einem eventuellen operativen 

Eingriff kaum möglich erscheine.

d) Ihre Einschätzung zur Arbeitsfähigkeit in der adaptierten Tätigkeit begründet die 

RAD-Ärztin erst in ihrer Stellungnahme vom 3. Oktober 2012 (eingereicht mit 

der Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin) und wie folgt: Grundlage der 

Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit seien die Arztberichte 

von Dr. med. A vom 4. November 2010 respektive vom 4. Februar 2011 

gewesen. Diese würden neben den bekannten Diagnosen die für eine 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit notwendigen objektiven Untersuchungsbefunde 

mitteilen, die sich zu beiden Terminen im Wesentlichen unverändert dargestellt 

hätten. Es zeige sich eine relevante Funktionseinschränkung der Wirbelsäule, 

während klinisch keine Hinweise auf die Mitbeteiligung nervaler Strukturen 

vorhanden gewesen seien (fehlende Nervendehnungszeichen, volle 

Kraftentwicklung der Muskelgruppen der unteren Extremitäten), welche eine 

höhere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auch in adaptierter Tätigkeit 

begründen könnten. Eine klare Operationsindikation (auch aufgrund der 

fehlenden neurologischen Symptomatik) habe zum Zeitpunkt des Arztberichtes 

von Dr. med. A vom 4. Februar 2012 nicht bestanden, bestenfalls eine 

optionale, da laut Dr. med. A „es nicht auszuschliessen sei, dass der Patient 

erneut operiert werden muss“. Der reduzierten Belastbarkeit der Wirbelsäule sei 

hinsichtlich der angestammten Tätigkeit durchaus Rechnung getragen worden. 

Aus medizinischer Sicht sei bei der Art des Leidens grundsätzlich von einer 

höheren Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit bei Beachtung der 

qualitativen Einschränkungen auszugehen. Gestützt darauf habe sich für das 

RAD die genannte Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von 100% mit um 20% 

reduzierter Leistungsfähigkeit in leidensadaptierter Tätigkeit ergeben.

e) Es fragt sich, ob die Einschätzung der RAD-Ärztin auch angesichts der teilweise 

abweichenden Beurteilung des behandelnden Arztes Dr. med. A noch als 

schlüssig und nachvollziehbar erscheint und darauf abgestellt werden darf bzw. 

durfte. Das Gericht gelangt zum Schluss, dass die Einschätzung der RAD-

Ärztin das Abweichen von der Beurteilung des behandelnden Arztes nicht 

überzeugend zu begründen vermag, dies insbesondere deshalb, weil sich die 

RAD-Ärztin nicht eingehend und schlüssig mit den unterschiedlichen 

Einschätzungen hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in 

leidensadaptierter Tätigkeit auseinandersetzt. Die Widersprüche in der 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierter Tätigkeit können 

damit nicht ausgeräumt bzw. geklärt werden, was, in Anwendung der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. oben E.2c und d), insofern zu Lasten 

der Beschwerdegegnerin geht, als dass Zweifel an der Zuverlässigkeit und 

Schlüssigkeit der Feststellungen der versicherungsinternen RAD-Ärztin geweckt 

werden. Angesichts dessen durfte die Beschwerdegegnerin ihren Entscheid 

betreffend Rentenanspruch und Zumutbarkeit des Berufswechsels nicht allein 

auf die Einschätzung der RAD-Ärztin abstützen. Sowohl die seinerzeitige als 

auch die heutige Aktenlage erlauben keine abschliessende Beurteilung; der 

medizinische Sachverhalt erscheint demnach als ungenügend abgeklärt. Die 

Angelegenheit erweist sich unter diesen Umständen als noch nicht spruchreif, 

weshalb sie an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird zur 

gutachterlichen fachmedizinischen Abklärung der für die leidensadaptierte 

Tätigkeit bestehenden Arbeitsfähigkeit. Anschliessend und gestützt darauf wird 

die Anspruchsberechtigung des Beschwerdeführers von der 

Beschwerdegegnerin erneut zu prüfen sein. Damit erübrigt sich die gerichtliche 

Beurteilung der übrigen Streitpunkte (Zumutbarkeit des Berufswechsels, 

Berechnung des Invalideneinkommens sowie die rechtsrelevanten 

Auswirkungen der Operation des Beschwerdeführers vom 21. September 

2012).

4. Die Beschwerde wird demnach gutgeheissen und die angefochtene Verfügung 

aufgehoben. Die Angelegenheit wird zur ergänzenden medizinischen Abklärung 

und Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. Für die 

fachmedizinische Begutachtung wird sich die Beschwerdegegnerin an die 

Vorgaben gemäss BGE 137 V 210 zu halten haben.

5. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das vorliegende Verfahren kostenpflichtig. Die 

Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert 

im Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 500.00 festgelegt und gegenüber der 

unterlegenen Partei erhoben. Vorliegend erscheinen Gerichtskosten in der 

Höhe von Fr. 700.00 als angemessen. Die Rückweisung gilt als vollständiges 

Obsiegen der beschwerdeführenden Partei (BGE 132 V 125 E.6.2 m.w.H.; UELI 

KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, N. 117 zu Art. 61), weshalb 

die Gerichtskosten von der unterlegenen Beschwerdegegnerin zu bezahlen 

sind.

6. Der Beschwerdeführer hat im Falle des Obsiegens und somit auch vorliegend 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG). Im vorliegenden 

Verfahren hat der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt …, 

eine Honorarnote von Fr. 9‘381.90 (35.5 Stunden x Fr. 240.00, zzgl. Spesen 

[Fr. 166.90], zzgl. MWST) eingereicht. Die Beschwerdegegnerin kritisiert mit 

Stellungnahme vom 17. Januar 2013 einzelne Positionen als mit dem 

vorliegenden Verfahren nicht in Zusammenhang stehend. Die Honorarnote 

scheint jedoch nachvollziehbar „aufgeschlüsselt“ zu sein; einzig bei der Position 

„Prüfung Stellungnahme … als Lebensversicherer, RS, Tel. an Herrn …“ (10. 

September 2012; Zeitumfang 100‘) ist nicht ersichtlich, inwiefern sie im 

Zusammenhang mit dem vorliegenden Verfahren stehen sollte. Ein solcher 

Zusammenhang wird denn auch vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in 

seinem Schreiben vom 29.  Januar 2013 nicht dargelegt, in welchem er Stellung 

zum entschädigungsberechtigten Aufwand und den diesbezüglichen 

Einwänden der Beschwerdegegnerin anlässlich ihrer Stellungnahme vom 17. 

Januar 2013 nimmt. Insgesamt erscheint jedoch der geltend gemachte 

Zeitaufwand (35.5 Stunden à Fr. 240.00) als nicht angemessen, zumal der 

vorliegende Fall weder als besonders komplex noch sonst als besonders 

schwierig anzusehen ist. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG setzt das 

Versicherungsgericht die aussergerichtliche Entschädigung fest, wobei es diese 

ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und 

nach der Schwierigkeit des Prozesses bemisst. In Berücksichtigung dessen 

wird dem Beschwerdeführer eine (pauschale) Parteientschädigung in der Höhe 

von Fr. 3‘500.00 (inkl. MWST) zugesprochen, welche von der 

Beschwerdegegnerin zu übernehmen ist.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung vom 8. 

August 2012 aufgehoben. Die Angelegenheit wird zur medizinischen Abklärung 

im Sinne der Erwägungen an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons 

Graubünden (IV-Stelle) zurückgewiesen.

2. Die Kosten von Fr. 700.00 gehen zulasten der Sozialversicherungsanstalt des 

Kantons Graubünden (IV-Stelle) und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.

3. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden (IV-Stelle) bezahlt 

dem Beschwerdeführer eine aussergerichtliche Parteientschädigung von Fr. 

3‘500.00 (inkl. MWST).