# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4c74bfa3-7a43-5edb-8c1b-5b62beb4473d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-09-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.09.2021 D-3975/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3975-2021_2021-09-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3975/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  S e p t e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richter Andreas Trommer, Richter Simon Thurnheer 

Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Joana Mösch,  

HEKS Rechtsschutz,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren) und Datenänderung im Zentralen  

Migrationsinformationssystem (ZEMIS);  

Verfügung des SEM vom 31. August 2021 / N (…). 

 

 

 

D-3975/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer seinen Heimat-

staat im Frühling 2020 und suchte am 9. Juni 2021 in der Schweiz um Asyl 

nach. 

B.  

Gemäss Aktenvermerken vom 9. Juni 2021 (vgl. vorinstanzliche Akten 

1098654-3 und 1098654-7) leidet der Beschwerdeführer an psychischen 

Problemen.  

C.  

Da der Beschwerdeführer den (…) als Geburtsdatum angegeben hatte, 

wurde er am 28. Juni 2021 im Bundesasylzentrum (BAZ) B._______ im 

Rahmen der Erstbefragung UMA (EB UMA) befragt und gleichzeitig wur-

den ihm im Hinblick auf eine medizinische Altersabklärung Zusatzfragen 

gestellt. Dabei machte er geltend, Kopfschmerzen und Schmerzen im Bein 

zu haben. Ausserdem leide er an Anfällen, zuletzt vor ein paar Tagen. 

Diese würden immer vorkommen, wenn er zu viel nachdenke. Er bekomme 

dann Kopfschmerzen, ihm werde schwindlig und er falle zu Boden. Die 

Schmerzen im Bein würden daher rühren, dass die bulgarische Polizei ihn 

auf das Knie geschlagen habe. Zu seinem Geburtsdatum führte er aus, er 

wisse nur, dass er im Jahr (…) geboren sei (gemäss Umrechnung Dolmet-

scher: zwischen […]). Das genaue Geburtsdatum stehe auf der Tazkira. Er 

sei aktuell (…) alt. Die Tazkira sei ihm in Bulgarien von der Polizei abge-

nommen worden. Er habe in der Folge mit seinem Onkel Kontakt aufge-

nommen, damit dieser ihm eine neue Tazkira ausstellen solle. Diese sollte 

er gemäss Nachricht des Onkels im Laufe der nächsten Tage erhalten. 

Welche Geburtsdaten in Rumänien und Bulgarien registriert worden seien, 

wisse er nicht. Er sei nie zur Schule gegangen, lediglich in die Moschee, 

wo er den Koran gelernt habe. Er wäre gerne zur Schule gegangen, aber 

in seinem Heimatort habe es keine gegeben. Als Kind habe er mit seinem 

Vater auf den Feldern gearbeitet. Später, während der letzten eineinhalb 

Jahren vor seiner Ausreise, habe er im Laden der Familie gearbeitet. 

D.  

Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der  

"Eurodac"-Datenbank ergab, dass dieser am 29. November 2020 in Rumä-

nien ein Asylgesuch eingereicht hatte und in diesem Zusammenhang dak-

tyloskopisch erfasst worden war. Davor habe er bereits in Bulgarien und 

Frankreich Asylgesuche eingereicht. 

D-3975/2021 

Seite 3 

E.  

Am 29. Juni 2021 gab das SEM beim (…) ein medizinisches Altersgutach-

ten in Auftrag. 

F.   

Mit Antwort vom 2. Juli 2021 teilten die bulgarischen Behörden dem SEM 

mit, dass das Asylgesuch des Beschwerdeführers dort am 8. Oktober 2020 

abgewiesen worden und dieser in der Folge untergetaucht sei. Er habe 

keine Beschwerde erhoben. Aufgrund seiner Angaben sei er als volljährig 

registriert worden, eine Altersabklärung sei nicht durchgeführt worden.  

G.   

Im Altersgutachten des (…) vom 7. Juli 2021 wurde festgehalten, dass auf-

grund der kinderradiologischen Untersuchung von einer abgeschlossenen 

Ossifikation am linken Handskelett auszugehen sei. Diese liege bei Kna-

ben normalerweise ab einem minimalen Alter von 16.1 Jahren vor. Der Be-

fund der Ossifikation der medialen Schlüsselbeinepiphysen entspreche ei-

nem Stadium 3a. Diese entspreche bei Knaben einem mittleren Alter von 

19 ±1.1 Jahren. Das minimale Alter, bei welchem das vorliegende Stadium 

3a in einer Studie noch gesehen werden konnte, liege bei 17.5 beziehungs-

weise 16.4 Jahren. Die Zahnärztliche Untersuchung habe einen vollständi-

gen Abschluss des Wurzelwachstums an den Zähnen 1 bis 7 im 3. Quad-

raten ergeben, was ab einem Alter von 16 Jahren zur Beobachtung 

komme. Dies sei ein Mittelwert, nicht ein Minimum. An den Weisheitszäh-

nen lasse sich ein vollständiger Abschluss des Wurzelwachstums feststel-

len, was einem Mindestalter von 17 Jahren entspreche. In einer Gesamt-

schau ergebe dies ein Mindestalter von 17 Jahren, was mit den Angaben 

des Beschwerdeführers, (…) alt zu sein, nicht zu vereinbaren sei. Das 

wahrscheinliche Alter liege zwischen 18 und 21 Jahren.  

H.  

Am 13. Juli 2021 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer das 

rechtliche Gehör betreffend sein Alter und gleichzeitig betreffend die Zu-

ständigkeit Bulgariens, Rumäniens oder Frankreichs zur Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zum Nichteintretensentscheid sowie 

zur Wegweisung in eines dieser Länder. Am 23. Juli 2021 reichte der Be-

schwerdeführer eine entsprechende Stellungnahme ein. Gleichentags 

wurde sein Geburtsdatum im ZEMIS vom (…) auf den (…) gesetzt und der 

Eintrag gestützt auf Art. 25 Abs. 2 Bundesgesetz vom 19. Juni 1992 über 

den Datenschutz (DSG, SR 235.1) mit einem Bestreitungsvermerk verse-

hen. 

D-3975/2021 

Seite 4 

I.  

Mit Stellungnahme vom 23. Juli 2021 erklärte der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen, er sei mit der Altersanpassung nicht einverstanden. Er 

reichte zur Stützung seiner Vorbringen eine Fotografie der inzwischen vom 

Onkel erhaltene Tazkira ein. Zum Altersgutachten sei festzuhalten, dass 

dieses sehr ungenau sei und aufgrund der aufgeführten Mindestalter nicht 

nachvollziehbar, weshalb in der Zusammenfassung von einer Volljährigkeit 

ausgegangen werde. Die Ungenauigkeit des Gutachtens führe dazu, dass 

dessen Beweiswürdigung in Frage gestellt werden müsse. Die Schlussfol-

gerungen seien widersprüchlich und rein spekulativer Natur. Es sei auf die 

Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zu verweisen, wonach 

sich anhand der medizinischen Altersabklärung keine Aussage zur Minder- 

beziehungsweise Volljährigkeit einer Person machen lasse, wenn das Min-

destalter bei der zahnärztlichen Untersuchung und der Schlüsselbein- res-

pektive Skelettaltersanalyse unter 18 Jahren liege. Dies sei vorliegend der 

Fall. Somit sei das Gutachten nicht geeignet, um auf eine Volljährigkeit des 

Beschwerdeführers zu schliessen.  

J.  

Das SEM ersuchte die bulgarischen, rumänischen und französischen Be-

hörden um die Übernahme des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 18 

Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-

ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und 

Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines 

von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-

staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Neufas-

sung) (ABl. L 180/31 vom 29.6.2013; nachfolgend: Dublin-III-VO), unter 

Beilage des anonymisierten rechtsmedizinischen Gutachtens. 

K.  

Die rumänischen Behörden hiessen das Ersuchen am 13. August 2021 gut, 

während Bulgarien und Frankreich das Ersuchen ablehnten. 

L.  

Mit Eingabe vom 16. August 2021 beantragte der Beschwerdeführer beim 

SEM eine möglichst rasche Verlegung in eine UMA-Unterkunft. Er sei min-

derjährig und seine psychische Verfassung sei aktuell sehr schlecht. Fer-

ner werde dringend psychologische Unterstützung beantragt. Der Be-

schwerdeführer traue sich nicht, allein zur Pflege zu gehen. Weiter wurde 

Einsicht in Securitas-Rapporte beantragt.  

D-3975/2021 

Seite 5 

M.  

Mit Schreiben vom 20. August 2021 gelangte der Beschwerdeführer erneut 

an die Vorinstanz und beantragte, es sei eine beschwerdefähige Verfügung 

betreffend Altersanpassung zu erlassen. Dazu wurde im Wesentlichen aus-

geführt, es sei vorliegend fraglich, ob das am 23. Juli 2021 eingereichte 

rechtliche Gehör gewürdigt worden sei, da der Beschwerdeführer schon 

wenige Stunden nach Einreichung desselben ins BAZ verlegt worden sei. 

Dies habe zur Konsequenz, dass er mit erwachsenen Asylsuchenden un-

tergebracht sei und ihm keine kindsgerechte Betreuung mehr zur Verfü-

gung stehe. Aufgrund der aktuellen Covid-Situation habe er sich zudem in 

Isolation begeben müssen, wodurch ihm der Zugang zur Rechtsvertretung 

und Vertrauensperson während drei Wochen gänzlich verwehrt geblieben 

sei. Die daraus entstandene psychische Notlage des Beschwerdeführers 

sei verheerend und mit keiner rechtlichen Begründung zu legitimieren. Er 

sei somit durch die Altersanpassung besonders in seinen Rechten berührt 

und habe ein schutzwürdiges Interesse am Erlass einer Verfügung.  

N.  

Mit Eingabe vom 26. August 2021 gelangte der Beschwerdeführer mit einer 

Rechtsverweigerungs-/Rechtsverzögerungsbeschwerde ans Bundesver-

waltungsgericht. Nachdem das SEM anlässlich seiner Vernehmlassung 

vom 6. September 2021 über die Verfügung vom 31. August 2021 infor-

mierte, wurde das entsprechende Verfahren am 7. September 2021 durch 

das Gericht als gegenstandslos geworden abgeschrieben (D-3794/2021).  

O.  

Mit Verfügung vom 31. August 2021 – eröffnet am 1. September 2021 – 

trat das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) 

auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Weg-

weisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Gleichzeitig wurde festge-

stellt, dass das Geburtsdatum mit Bestreitungsvermerk auf den (…) fest-

gelegt werde und dass einer allfälligen Beschwerde keine aufschiebende 

Wirkung zukomme.  

P.  

Mit Eingabe vom 7. September 2021 erhob der Beschwerdeführer beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und 

beantragte dabei, diese sei vollumfänglich aufzuheben und die Vorinstanz 

anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten, das im ZEMIS geführte Ge-

burtsdatum vom (…) sei zu berichtigen und auf den (…) anzupassen, fer-

D-3975/2021 

Seite 6 

ner sei betreffend Altersanpassung eine Verfügung mit korrekter Rechts-

mittelfrist zu erlassen, eventualiter sei die Verfügung zur rechtsgenüglichen 

Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Im Sinne einer 

superprovisorischen Massnahme sei der vorliegenden Beschwerde die 

aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden anzuweisen, 

von einer Überstellung nach Rumänien abzusehen, bis das Bundesverwal-

tungsgericht über den Suspensiveffekt der Beschwerde entschieden habe, 

weiter sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und von der Er-

hebung eines Kostenvorschusses abzusehen. Schliesslich seien die Ver-

fahrensakten der Vorinstanz sowie die Akten des Beschwerdeverfahrens 

D-3794/2021 beizuziehen. 

Q.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

8. September 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

R.  

Am 8. September 2021 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der 

Überstellung per sofort einstweilen aus.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

D-3975/2021 

Seite 7 

Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Der Verfügung des SEM vom 31. August 2021 liegt eine mangelhafte 

Rechtsmittelbelehrung zugrunde, beträgt doch die Rechtsmittelfrist in Ver-

fahren betreffend Datenänderung im ZEMIS 30 Tage (Art. 50 Abs. 1 

VwVG). In diesem Sinne liegt eine fehlerhafte Eröffnung vor. Vorliegend 

hat dies jedoch keine Folgen, bewirkte doch die falsche Rechtsmittelbeleh-

rung keine Rechtsnachteile für den Beschwerdeführer, zumal er den 

ZEMIS-Eintrag mittels Beschwerde anfechten konnte und seit seiner Be-

schwerdeeingabe genügend Zeit hatte, Ergänzungen einzureichen (vgl. 

Urteil des BVGer F-5170/2020 vom 16. März 2021, vgl. zum Ganzen UHL-

MANN/SCHILLING-SCHWANK, in: Praxiskommentar VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 

38 N 22 f.). Dies gilt insbesondere im Hinblick auf den Ausgang des vorlie-

genden Verfahrens.  

3.  

3.1 Die vorliegende Beschwerde richtet sich sowohl gegen den Nichtein-

tretensentscheid betreffend das Asylgesuch als auch gegen die ZEMIS-

Eintragung.  

3.2 Mit Beschwerde kann in Bezug auf den Nichteintretensentscheid die 

Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschrei-

ten des Ermessens) sowie die unrichtige oder unvollständige Feststellung 

des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.3 Hinsichtlich der ZEMIS-Berichtigung entscheidet das Bundesverwal-

tungsgericht mit uneingeschränkter Kognition (Art. 49 VwVG).  

3.4 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).  

4.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

5.  

D-3975/2021 

Seite 8 

5.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind 

die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort 

aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; 

vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation 

im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-

gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-

men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-

genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel 

III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 

5.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, 

einen Drittstaatsangehörigen oder einen Staatenlosen, der seinen Antrag 

während der Antragsprüfung zurückgezogen und in einem anderen Mit-

gliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich ohne Aufenthaltstitel im 

Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats aufhält, nach Massgabe der 

Artikel 23, 24, 25 und 29 Dublin-III-VO wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 

Bst. c Dublin-III-VO). 

Diese Verpflichtung erlischt, wenn der Gesuchsteller oder eine andere Per-

son gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. c oder d Dublin-III-VO das Herrschaftsge-

biet der Mitgliedstaaten während einer Dauer von mindestens drei Mona-

ten verlassen hat, ausser die Person verfüge über einen durch den zustän-

digen Mitgliedstaat ausgestellten Aufenthaltstitel (vgl. Art. 19 Abs. 2 Dublin-

III-VO). 

D-3975/2021 

Seite 9 

5.4 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-

recht). 

5.5 Gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO ist im Falle eines unbegleiteten 

Minderjährigen ohne familiäre Anknüpfungspunkte (zu einem anderen  

Mitgliedstaat) der Staat zuständig, in welchem er seinen Antrag gestellt hat. 

Diese Bestimmung würde eine vorrangige Zuständigkeit der Schweiz be-

gründen (Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO), da nach der genannten Bestimmung 

von Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO unbegleitete Minderjährige von Wiederauf-

nahmeverfahren ausgenommen sind (vgl. ULRICH KOEHLER, Praxiskom-

mentar zum Europäischen Asylzuständigkeitssystem, Berlin 2018, N. 33 zu 

Artikel 8). 

6.   

6.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das 

ZEMIS, welches der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer- 

und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes 

über das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich vom 

20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das Zent-

rale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006 (SR 142.513; 

ZEMIS-Verordnung) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-Verord-

nung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere deren  

Auskunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf Infor-

mationen über die Beschaffung besonders schützenswerter Personen- 

daten, nach dem Datenschutzgesetz (DSG, SR 235.1) und dem VwVG. 

6.2 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu ver-

gewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundes- 

organen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, 

dass unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. 

Art. 25 Abs. 3 Bst. a DSG). Ist die Unrichtigkeit erstellt, besteht ein unein-

geschränkter Anspruch auf Berichtigung (vgl. statt vieler Urteil des BVGer 

A-7615/2016 vom 30. Januar 2018 E. 3.2, m.w.H.).  

6.3 Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person die 

Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung, die Bundesbehörde im Be-

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Seite 10 

streitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personen-

daten zu beweisen (vgl. Urteil des BGer 1C_240/2012 vom 13. August 

2012 E. 3.1; BVGE 2013/30 E. 4.1). Nach den massgeblichen Beweis- 

regeln des VwVG gilt eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung 

sämtlicher Erkenntnisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen 

Zweifel bleiben; unumstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich. 

7.   

7.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung im Wesentlichen 

an, dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, seine Minderjährigkeit 

glaubhaft zu machen. Er habe eine Tazkira (in Kopie) eingereicht, gemäss 

welcher er am (…) geboren und im Jahr (…) (…) Jahre alt sei. Selbst unter 

Berücksichtigung allfälliger zeitlicher Ungenauigkeiten, denen zufolge er 

zum heutigen Zeitpunkt noch minderjährig sein könnte, müsse jedoch auf-

grund der vorliegenden Aktenlage von seiner Volljährigkeit ausgegangen 

werden. Zum einen sei die Tazkira einer materiellen Prüfung nicht zugäng-

lich, erfahrungsgemäss nicht fälschungssicher oder im Nachhinein mit den 

erbetenen Angaben leicht käuflich erwerbbar. Zum anderen seien auch der 

ausführlichen EB UMA keine verwertbaren Hinweise zu entnehmen, die auf 

eine mögliche Minderjährigkeit hindeuten könnten. Ferner würden das Re-

sultat der Alterseinschätzung und die Antworten aus Bulgarien, Rumänien 

und Frankreich auf seine Volljährigkeit hinweisen. Dazu komme schliess-

lich das Geburtsdatum gemäss GWK-Rapport, welches wiederrum abwei-

chend von seinem angegebenen Alter sei und gemäss welchem er aktuell 

17-jährig sei. Mit seiner Stellungnahme habe er am von ihm angegebenen 

Alter festgehalten und geltend gemacht, daraus, dass er anlässlich der EB 

UMA gesagt habe, er kenne sein genaues Geburtsdatum nicht, könne nicht 

auf seine Volljährigkeit geschlossen werden. In Bulgarien habe er sodann 

kein Geburtsdatum oder Alter angegeben, weshalb er nicht wisse, wie die 

bulgarischen Behörden auf dieses Geburtsdatum gekommen seien. Das 

Altersgutachten sei sodann ungenau und damit ungeeignet, um auf eine 

Volljährigkeit zu schliessen. Diese Argumentation vermöge jedoch keine 

Änderung des Standpunktes des SEM zu rechtfertigen. Das Geburtsdatum 

sei deshalb im ZEMIS angepasst worden.  

Nachdem ein Abgleich mit Eurodac eine Asylgesuchstellung in Rumänien 

ergeben habe und die rumänischen Behörden ein entsprechendes Über-

nahmeersuchen gutgeheissen hätten, liege die Zuständigkeit zur Durch-

führung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens bei Rumänien. Es würden 

sodann keine Hinweise vorliegen, wonach die rumänischen Behörden ih-

ren völkerrechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen und ein allfälliges 

D-3975/2021 

Seite 11 

Asyl- und Wegweisungsverfahren nicht korrekt durchführen würden. Ru-

mänien habe alle relevanten Richtlinien umgesetzt und sei Signatarstaat 

der Flüchtlingskonvention sowie der EMRK. Es würden keine konkreten 

Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich Rumänien nicht an seine völker-

rechtlichen Verpflichtungen halten und die Asyl- und Wegweisungsverfah-

ren nicht korrekt durchführen würde. Es seien den Akten ferner auch keine 

Gründe gemäss Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO zu entnehmen, die die 

Schweiz verpflichten würden, das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu 

prüfen. Auch würden keine Gründe vorliegen, die die Anwendung der Sou-

veränitätsklausel anzeigen würden. Die in der Stellungnahme geäusserte 

Kritik am Zustand eines Flüchtlingscamps, in welchem er sich kurz aufge-

halten habe, vermöge die Vermutung, dass Rumänien seine völkerrechtli-

chen Verpflichtungen und insbesondere diejenigen aus der Aufnahmericht-

linie einhalte, nicht umzustossen. Auch die geltend gemachten Kopf- und 

Beinschmerzen würden daran nichts ändern. Eine geltend gemachte Epi-

lepsie sei sodann anlässlich der neurologischen Abklärung vom 16. Juli 

2021 nicht bestätigt worden. Rumänien verfüge zudem über eine ausrei-

chende medizinische Infrastruktur und sei verpflichtet, ihm bei Bedarf die 

erforderliche medizinische Versorgung zu gewähren. Somit sei Rumänien 

für sein weiteres Verfahren zuständig, weshalb die Schweiz auf sein Asyl-

gesuch nicht eintrete. 

7.2 Dem wurde in der Beschwerde im Wesentlichen entgegnet, bei der Be-

urteilung der Glaubhaftigkeit der Altersangaben müsse im Rahmen einer 

Gesamtwürdigung die Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte berücksichtigt 

werden, welche für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersan-

gabe sprechen würden. Altersbestimmungen, die nicht auf einer korrekten 

Gesamtwürdigung beruhen, würden eine Verletzung der Untersuchungs-

pflicht darstellen. Im Zweifelsfall sei von der Minderjährigkeit der gesuch-

stellenden Person auszugehen. Dies sei dadurch begründet, dass mit einer 

unrechtmässigen Feststellung der Volljährigkeit erhebliche Rechtsnach-

teile verbunden sein könnten. Vorliegend seien einerseits die Aussagen 

des Beschwerdeführers sowie die von ihm eingereichte Tazkira als Anhalts-

punkte für die Minderjährigkeit vorhanden, andererseits spreche nach An-

sicht des SEM das Altersgutachten sowie die Tatsache, dass er in anderen 

Dublin-Staaten als volljährige Person registriert worden sei, gegen die Min-

derjährigkeit. Zu den Aussagen des Beschwerdeführers sei festzuhalten, 

dass diese im Verlaufe des Verfahrens in der Schweiz jederzeit einheitlich 

und nachvollziehbar gewesen seien. Die Tazkira sei sodann im Zweifel als 

Indiz für die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers zu werten und müsse 

im Rahmen der Gesamtwürdigung berücksichtigt werden. Es sei in diesem 

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Seite 12 

Zusammenhang stossend, dass das erfasste Geburtsdatum in Rumänien 

einem minderjährigen Beschwerdeführer zum Nachteil gemacht werde, 

obschon dieses in der umgekehrten Situation von der Vorinstanz kaum als 

Indiz für seine Minderjährigkeit betrachtet worden wäre. So sei in der Ver-

fügung auch nicht erwähnt, auf welcher Grundlage die Angaben in Rumä-

nien und Bulgarien erfolgt seien. Festzuhalten sei, dass in diesen Staaten 

keine vertieften Abklärungen betreffend Alter vorgenommen worden seien. 

Zum Altersgutachten sei festzustellen, dass dieses kaum eine verlässliche 

Aussage zum Alter des Beschwerdeführers zulasse. So liege das Mindest-

alter sowohl bei der zahnärztlichen Untersuchung als auch bei der Schlüs-

selbein- respektive Skelettaltersanalyse unter 18 Jahren. Dies sei für die 

Altersschätzung gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts massge-

bend. Vorliegend habe der Beschwerdeführer konsistente Aussagen zu 

seinem Alter, zu Identitätspapieren beziehungsweise zu den Gründen für 

deren Nichteinreichung, zum fehlenden Bildungsstand, zu den Ausreise-

umständen sowie allgemein zu seinen persönlichen Lebensumständen in 

der Heimat gemacht. In der Würdigung der Vorinstanz seien diesbezüglich 

in keiner Weise diejenigen Indizien, welche für die Minderjährigkeit spre-

chen könnten, miteinbezogen worden. In einer Gesamtwürdigung sei der 

Beschwerdeführer als minderjährig zu betrachten, weshalb gemäss Art. 8 

der Dublin-III-VO die Schweiz auf sein Asylgesuch einzutreten habe.  

Der Vollständigkeit halber sei kurz auf den medizinischen Sachverhalt ein-

zugehen. Gemäss Art. 26 Abs. 4 AsylG seien sämtliche Abklärungen für die 

Anwendung des Dublin-Assoziierungsabkommen während der Vorberei-

tungsphase vorzunehmen. Vorliegend stelle die Vorinstanz zwar fest, der 

Beschwerdeführer sei neurologisch abgeklärt worden. Hinsichtlich seiner 

Traumaproblematik und der damit einhergehenden Beschwerden wie 

Schlaflosigkeit und akute Kopfschmerzen sei trotz mehrmaliger medizini-

scher Anträge nichts unternommen worden. Der Beschwerdeführer sei ei-

genen Aussagen zufolge mehrmals zur Pflege gegangen. Diese habe ihm 

lediglich Schmerzmittel gegeben. Bis heute sei ihm eine ärztliche Untersu-

chung bezüglich dieser Beschwerden verwehrt geblieben. Die Vorinstanz 

habe den medizinischen Sachverhalt somit nicht genügend abgeklärt und 

damit in ihrer Verfügung ihren Ermessensspielraum hinsichtlich eines 

Selbsteintritts unterschritten. 

8.   

8.1 Es obliegt grundsätzlich dem SEM zu beweisen, dass das aktuell im 

ZEMIS eingetragene Geburtsdatum ([…]) korrekt ist. Der Beschwerdefüh-

D-3975/2021 

Seite 13 

rer wiederum hat nachzuweisen, dass das von ihm im Datenänderungsge-

such geltend gemachte Datum ([…]) richtig beziehungsweise zumindest 

wahrscheinlicher ist als das im ZEMIS erfasste, ihm mithin eine höhere 

Glaubwürdigkeit zukommt als dem bisherigen Eintrag (vgl. Urteil des 

BVGer A-3051/2018 vom 12. März 2019 E. 5.5). Gelingt keiner Partei der 

sichere Nachweis, ist dasjenige Geburtsdatum im ZEMIS zu belassen oder 

einzutragen, dessen Richtigkeit wahrscheinlicher ist. 

8.2 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-

rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am 29. November 2020 in Rumänien 

ein Asylgesuch eingereicht hatte. Das SEM ersuchte deshalb die rumäni-

schen Behörden um Wiederaufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf 

Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO. Die rumänischen Behörden stimmten 

dem Gesuch um Übernahme am 13. August 2021 gestützt auf Art. 18 

Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zu. 

8.3 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, aufgrund der von ihm 

glaubhaft gemachten Minderjährigkeit sei gestützt auf Art. 8 Abs. 4 Dublin-

III-VO von der Zuständigkeit der schweizerischen Asylbehörden für sein 

Asylgesuch auszugehen, ist Folgendes festzustellen:  

8.3.1 Die Beweislast für die behauptete Minderjährigkeit trägt grundsätzlich 

die asylsuchende Person (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3 und E. 4.2.3). Im Rah-

men einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte, 

die für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersangaben spre-

chen, vorzunehmen. Wesentlich sind dabei als für echt befundene Identi-

tätspapiere oder eigene Angaben der betroffenen Person (vgl. Urteil des 

BVGer E-4931/2014 vom 21. Januar 2015 E. 5.1.1, mit Hinweis auf Ent-

scheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Asylrekurskommission [E-

MARK] 2004 Nr. 30). Das Resultat des Altersgutachtens stellt nur ein Ele-

ment bei der Beurteilung der Frage der Glaubhaftigkeit einer geltend ge-

machten Minderjährigkeit dar (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.1 ff.).  

8.3.2  Gemäss BVGE 2018 VI/3 sind von den in der Schweiz angewandten 

Methoden der medizinischen Altersabklärung nur die Schlüsselbein- res-

pektive Skelettaltersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung (nicht je-

doch die Handknochenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersu-

chung) zum Beweis der Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Per-

son geeignet. Es lässt sich anhand der medizinischen Altersabklärung 

keine Aussage zur Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Person 

machen, wenn das Mindestalter bei der zahnärztlichen Untersuchung und 

D-3975/2021 

Seite 14 

der Schlüsselbein- respektive Skelettaltersanalyse unter 18 Jahren liegt 

(vgl. ebenda E. 4.2.1 f.; Urteil des BVGer D-195/2021 vom 28. Januar 2021 

E. 4.2).  

8.3.3 Nach konstanter Rechtsprechung kann eine Abweichung zwischen 

dem Knochenalter und dem tatsächlichen Alter von zweieinhalb bis drei 

Jahren noch als innerhalb des Normalbereichs betrachtet werden. Liegt 

das behauptete Alter indes ausserhalb dieser Standard-Abweichung, stellt 

die Knochenaltersanalyse ein Beweismittel dar, aufgrund dessen darauf zu 

schliessen ist, dass die asylsuchende Person über ihr Alter zu täuschen 

versucht (vgl. EMARK 2000 Nr. 19 E. 7 und 8, 2001 Nr. 23 E. 4.b, 2004 Nr. 

30 E. 6.2 und zuletzt Urteil des BVGer E-1108/2020 vom 4. März 2020 

E. 6.2). 

8.4  

8.4.1 Nachfolgend ist daher zunächst die vom Beschwerdeführer behaup-

tete Minderjährigkeit zu beurteilen. Im Altersgutachten vom 7. Juli 2021 

wurde bezüglich des Skelettalters des Beschwerdeführers festgehalten, 

dass der Befund der Verknöcherung der medialen Schlüsselbein-Brust-

bein-Gelenke einem mittleren Alter von 19 mit einer möglichen Abweichung 

von 1.1 Jahren entspreche. Das minimale Alter, bei welchem das vorlie-

gende Stadium 3a vorkomme, liege bei 17.5 beziehungsweise 16.4 Jah-

ren. Bezüglich des Zahnalters wurde unter anderem angeführt, dass an 

den Zähnen 1 bis 7 im 3. Quadraten ein vollständiger Abschluss des Wur-

zelwachstums festgestellt werden könne, was ab einem Alter von 16 Jah-

ren zur Beobachtung komme. An den Weisheitszähnen sei ein vollständi-

ger Abschluss des Wurzelwachstums festzustellen, was auf ein Mindestal-

ter von 17 Jahren hindeute. In Zusammenschau der Befunde könne des-

halb von einem Mindestalter von 17 Jahren sowie von einem wahrschein-

lichen Alter zwischen 18 und 21 Jahren ausgegangen werden. Als Fazit 

hält das Gutachten sodann fest, dass der Beschwerdeführer mit überwie-

gender Wahrscheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet und die Volljährig-

keit erreicht habe. Das vom Beschwerdeführer angegebene Alter von (…) 

sei mit den erhobenen Befunden nicht zu vereinbaren. 

8.4.2 Gestützt auf die vorangegangenen Erwägungen ergibt sich, dass das 

Mindestalter des Beschwerdeführers gemäss der medizinischen Altersab-

klärung sowohl bei der zahnärztlichen Untersuchung als auch der Schlüs-

selbein- respektive Skelettaltersanalyse unter 18 Jahren liegt. Demnach 

lässt sich dem Altersgutachten keine Aussage zur Minder- beziehungs-

weise Volljährigkeit des Beschwerdeführers entnehmen. Die Vorinstanz hat 

D-3975/2021 

Seite 15 

dieses Gutachten demnach zu Unrecht als Indiz für die Volljährigkeit des 

Beschwerdeführers herangezogen. 

8.4.3 Als Indiz für die Volljährigkeit ist im vorliegenden Fall die Auskunft der 

rumänischen Behörden zu werten, gemäss welcher der Beschwerdeführer 

dort mit dem Geburtsdatum (…) registriert worden sei.  

8.4.4 Bei der Einschätzung des Alters des Beschwerdeführers ist eine Ge-

samtwürdigung vorzunehmen, bei der auch die protokollierten Aussagen 

zu den persönlichen Lebensumständen zu berücksichtigen sind (vgl. 

EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.4.3 f.: insbesondere [übereinstimmende] Anga-

ben zum Alter, zu Identitätspapieren bzw. zu den Gründen für deren Nicht-

einreichung, zu den familiäre Umständen, zum Schulbesuch, zu Berufsbil-

dung / Berufstätigkeit und zu den Ausreiseumständen sowie nachvollzieh-

bare länderspezifische Angaben zum behaupteten Herkunftsgebiet). In der 

Würdigung durch die Vorinstanz wurden jedoch vorliegend in keiner Weise 

diejenigen Indizien miteinbezogen, welche für die Minderjährigkeit des Be-

schwerdeführers sprechen könnten. Wie die Vorinstanz zu ihrer Feststel-

lung kommt, der ausführlichen EB UMA seien keine verwertbaren Hinweise 

zu entnehmen, die auf eine mögliche Minderjährigkeit hindeuten könnten, 

erschliesst sich dem Gericht nach Durchsicht der betreffenden Protokoll-

stelle nicht. Im Gegenteil erscheinen seine Aussagen zu seinem Alter so-

wie zu den Identitätspapieren, den Ausreiseumständen und zu seinen per-

sönlichen Lebensumständen anlässlich der EB UMA einheitlich und kon-

sistent und stimmen mit dem afghanischen Kontext überein. 

In Bezug auf die eingereichte Kopie der Tazkira führte die Vorinstanz zwar 

zutreffend aus, diesem Dokument komme insbesondere aufgrund des Vor-

liegens in Kopie nur ein geringer Beweiswert zu. Zudem handelt es sich bei 

der Tazkira nicht um ein fälschungssicheres Dokument, weshalb hinsicht-

lich der Frage der Identität von Inhabern eines solchen Dokuments praxis-

gemäss von einem reduzierten Beweiswert eingereichter Tazkiras auszu-

gehen ist. Der Beschwerdeführer machte bereits auf dem Personalienblatt 

und in der Erstbefragung geltend, er sei am (…) geboren worden. Anläss-

lich der EB UMA sagt er, er sei im Jahr (…) geboren und sei (…) Jahre alt. 

Dies steht grundsätzlich mit den Angaben auf der später eingereichten 

Tazkira ([…]-jährig im Jahr 2021) in Einklang. Dass der Beschwerdeführer 

nur das Jahr umgerechnet hat und den (…) ([…]) anstatt gemäss korrekter 

Umrechnung den (…) angegeben hat, erscheint im Hinblick auf seinen Hin-

weis, er kenne sein genaues Geburtsdatum nicht, dieses stehe auf seiner 

Tazkira und sein Onkel habe ihm dieses genannt, sowie seine geringe 

D-3975/2021 

Seite 16 

Schulbildung, durchaus als nachvollziehbar. Zudem erscheinen seine Er-

klärungen zum Alter im Länderkontext ebenfalls nachvollziehbar. Im afgha-

nischen Kontext ist es für im ländlichen Gebiet aufwachsende Jugendliche 

durchaus üblich, dass sie ihr Alter nicht mit Sicherheit angeben können und 

dieses von Drittpersonen im Verlauf ihres Lebens erfahren (vgl. Urteil des 

BVGer E-322/2021 vom 17. Februar 2021 E. 3.4).  

8.5 Das Gericht kommt in Übereinstimmung mit der in der Beschwerde an-

geführten Argumentation in einer Gesamtwürdigung zum Schluss, dass 

das vom Beschwerdeführer angegebene Geburtsdatum als wahrscheinli-

cher erscheint als das vom SEM eingetragene. Vor dem Hintergrund, dass 

die Differenz des möglichen Knochenalters weniger als drei Jahre von den 

Angaben des Beschwerdeführers und dem in seiner Tazkira erfassten Da-

tum abweicht, und aufgrund der Tatsache, dass das Gericht die Aussagen 

des Beschwerdeführers als grundsätzlich konsistent, im länderspezifi-

schen Kontext nachvollziehbar und damit glaubhaft erachtet, ist vorliegend 

das Vorgehen des SEM, ohne weitere Abklärungen oder Hinweise von der 

Volljährigkeit auszugehen, nicht nachvollziehbar. Vorliegend überwiegen 

die Indizien, welche für die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers spre-

chen beziehungsweise ist im Zweifel für die Minderjährigkeit zu entschei-

den.  

8.6 Nach dem Gesagten ist von der Minderjährigkeit des Beschwerdefüh-

rers auszugehen, mit der Folge, dass die Schweiz für die Durchführung 

des Asyl- und Wegweisungsverfahrens zuständig ist (Art. 8 Abs. 4 Dublin-

III-VO). Bei dieser Ausgangslage ist auf die weiteren in der Rechtsmitte-

leingabe enthaltenen Vorbringen nicht näher einzugehen. Der Vollständig-

keit halber ist allerdings dennoch festzuhalten, dass das Vorgehen der Vo-

rinstanz betreffend Abklärung der gesundheitlichen Vorbringen des Be-

schwerdeführers stossend erscheint. So gab es seit Beginn des Verfahrens 

(Akteneintrag vom 9. Juni 2021) immer wieder Hinweise für den schlechten 

psychischen Zustand des Beschwerdeführers; seine Rechtsvertreterin 

machte auch mehrmals darauf aufmerksam und ersuchte um Abklärung 

durch das SEM beziehungsweise beanstandete die mangelnde medizini-

sche Betreuung. In der Verfügung wird sodann mit keinem Wort auf mögli-

che psychische Probleme eingegangen. Damit hat das SEM seine Unter-

suchungs- und Begründungspflicht verletzt und den rechtserheblichen 

Sachverhalt unvollständig abgeklärt. 

D-3975/2021 

Seite 17 

8.7 Da das vom Beschwerdeführer geltend gemachte Geburtsdatum wahr-

scheinlicher ist als das vom SEM erfasste im ZEMIS, ist das SEM anzu-

weisen, das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im System zu ändern, 

nämlich auf den (…).  

9.  

Aufgrund des Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die Verfügung 

vom 31. August 2021 ist aufzuheben und das SEM anzuweisen, auf das 

Asylgesuch einzutreten. Ferner ist es anzuweisen, das Geburtsdatum des 

Beschwerdeführers im ZEMIS zu ändern.  

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

10.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung 

auszurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche 

Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen 

vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. 

auch Art. 111ater AsylG).  

11.  

Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet des Daten-

schutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993 

zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge-

nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) bekannt 

zu geben. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 31. August 2021 wird aufgehoben. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, auf das Asylgesuch einzutreten.  

D-3975/2021 

Seite 18 

4.  

Das SEM wird angewiesen, im ZEMIS als Geburtsdatum des Beschwerde-

führers den (…) einzutragen. 

5.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

6.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

7.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM, die kantonale Mig-

rationsbehörde, das Generalsekretariat des EJPD sowie den Eidgenös-

sichen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Aglaja Schinzel 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen Ziffer 4 dieses Urteils kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim 

Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 

Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des Bundesge-

richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die Rechtsschrift 

ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begrün-

dung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der 

angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind beizulegen (Art. 42 

BGG). 

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