# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 134bb6ef-ed8d-503f-81d9-f5ef08343fb5
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-30
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht 30.10.2023 FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Publikationen/SG_KGN_001_FS-2021-21-EZE2---FS_2023-10-30.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2024 Seite 1/52

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 04.01.2024

Entscheiddatum: 30.10.2023

Entscheid Kantonsgericht, 30.10.2023
Art. 176, Art. 307 Abs. 1, Art. 308 Abs. 1, Art. 315a ZGB, Art. 107 ZPO. Bei 
gegebenen Voraussetzungen ist es in der Regel im Kindeswohl, dass sich 
beide Eltern an der Betreuung des Kinds beteiligen. Der Begriff der 
alternierenden Obhut setzt allerdings keine strikt hälftige Betreuung voraus; 
eine Betreuung ab ca. 30 % genügt. Berechnung von Kinder- und 
Ehegattenunterhalt. Der durch die Plafonierung des Ehegattenunterhalts 
freiwerdende Überschuss ist nach grossen und kleinen Köpfen auf den 
Ehemann und die Kinder aufzuteilen (Kantonsgericht, Einzelrichter im 
Familienrecht, 30. Oktober 2023, FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2).

Entscheid siehe PDF

 

 

 
 
Kantonsgericht St. Gallen 

Einzelrichter im Familienrecht 

 

 

 
 
 
 

 Entscheid vom 30. Oktober 2023 
 

Geschäftsnr.   FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 / ZV.2022.85-EZE2 / 
ZV.2023.127-EZE2 (SF.2021.52-[…]) 

   

Verfahrens-betei-
ligte 

 A.__,  
 

Ehefrau, Mutter, Gesuch- 
stellerin, Berufungsklägerin 
und Berufungsbeklagte, 

 
vertreten von Rechtsanwalt G.,  
 

  und 
 

  B.__,  
 

Ehemann, Vater, Gesuchsgeg-
ner, Berufungskläger und Be-
rufungsbeklagter,  

 
vertreten von Rechtsanwalt H.,  
 
 

Gegenstand  Eheschutzmassnahmen 
 
 

 

  

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

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Erwägungen 

 

I. 

 

1. A. (nachfolgend: Ehefrau) und B. (nachfolgend: Ehemann) heirateten am 

DD.MM.2012. Sie sind Eltern von C., geb. DD.MM.2014, und D., geb. DD.MM.2016.  

 

2. Am 9. Juni 2021 stellte die Ehefrau beim Kreisgericht Z. ein Eheschutzgesuch. Am 

DD.MM.2021 beantragte die Ehefrau superprovisorische Massnahmen, welche der Fami-

lienrichter am darauffolgenden Tag antragsgemäss wie folgt erliess: 

 

1. Die eheliche Liegenschaft wird samt Hausrat und Mobiliar (ausgenommen die persönli-

chen Gegenstände des Ehemannes) mit sofortiger Wirkung der Ehefrau und den bei-

den gemeinsamen Kindern C., geb. DD.MM.2014, und D., geb. DD.MM.2016, zur allei-

nigen Benützung zugewiesen. 

2. Der Ehemann hat die eheliche Liegenschaft sofort zu verlassen. 

3. Dem Ehemann wird unter Anordnung der polizeilichen Durchsetzung und unter Andro-

hung einer Bestrafung mit Busse gestützt auf Art. 292 StGB im Missachtungsfall mit so-

fortiger Wirkung untersagt,  

- die Liegenschaft zu betreten und sich dieser Liegenschaft auf weniger als 100 Me-

ter zu nähern. Ausgenommen ist eine behördlich bewilligte Betretung. 

- die gemeinsamen Kinder zur Schule zu begleiten oder von dort abzuholen. 

4. Die beiden gemeinsamen Kinder C. und D. werden mit sofortiger Wirkung unter die al-

leinige elterliche Obhut der Mutter gestellt.  

5. Der Ehemann hat Gelegenheit, sich dazu innert 10 Tagen schriftlich zu äussern; er 

kann aber auch erst an der Hauptverhandlung Stellung nehmen. 

6. Die Kosten bleiben bei der Hauptsache.  

 

3. Am 15. August 2021 zog der Ehemann aus der gemeinsamen ehelichen Liegen-

schaft aus. 

 

4. Nach ergangener Stellungnahme des Ehemanns erliess der Familienrichter am 

DD.MM.2021 folgende neue superprovisorische Massnahmen: 

 
1. Ziffer 3 der superprovisorischen Verfügung vom DD.MM.2021 wird aufgehoben. 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

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2. Ziff. 4 der superprovisorischen Verfügung vom DD.MM.2021 wird mit folgendem Zusatz 

ergänzt: 

Der Gesuchsgegner und Vater kann seine beiden Kinder am Samstag, DD.MM.2021, 

sowie Samstag, DD.MM.2021, ganztags (09.00 bis 19.00 Uhr) zu sich auf Besuch neh-

men. Ferner darf der Gesuchsgegner und Vater einmal wöchentlich, am Mittwochnach-

mittag, mit seinen Kindern telefonieren.  

3. Im Übrigen gilt die superprovisorische Massnahme vom DD.MM.2021 unverändert.  

 

5. Nach durchgeführter Hauptverhandlung am DD.MM.2021 entschied der Familien-

richter am DD.MM.2021 wie folgt: 

 

1. Es wird festgestellt, dass die Ehegatten seit dem 15. August 2021 zum Getrenntleben 

berechtigt sind. 

2. Es wird per 16. September 2021 die Gütertrennung angeordnet. 

3. Die eheliche Liegenschaft wird samt Hausrat und Mobiliar (ausgenommen die persönli-

chen Gegenstände des Ehemannes, nachfolgend Ziff. 4) der Ehefrau und den beiden 

gemeinsamen Kindern C., geb. DD.MM.2014 und D., geb. DD.MM.2016 zur alleinigen 

Benützung zugewiesen. 

4. Die Ehefrau wird verpflichtet, folgende Gegenstände an den Ehemann herauszugeben:  

(…) 

5. Der Ehemann wird verpflichtet, keine Einwirkungen technischer Art gegenüber dem 

Haus vorzunehmen.  

6. Für die Kinder C., geb. DD.MM.2014 und D., geb. DD.MM.2016, wird eine Beistand-

schaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB errichtet. Der Beistand soll insbeson-

dere: 

- Die Eltern in Bezug auf die Kinderbelange, insbesondere die Übergaben der Kin-

der sowie die Ausübung des Besuchs- und Ferienrechts des Vaters, mit Rat und 

Tat unterstützen.  

- Im Konfliktfall betreffend das Besuchs- und Ferienrecht unterstützt der Beistand 

die Eltern bei der Lösungsfindung. Er beantragt bei der zuständigen KESB die Re-

gelung der Modalitäten der Ausübung des Besuchs- und Ferienrechts, sofern sich 

die Eltern nicht einigen können. 

- Der Beistand stellt bei der zuständigen KESB Antrag auf Änderung der Besuchs-

rechtsregelung, wenn er feststellt, dass diese nicht (mehr) dem Kindeswohl ent-

spricht.  

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

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Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Y. wird angewiesen, die Beistandschaft 

zu vollziehen. 

7. Die gemeinsamen Kinder C., geb. DD.MM.2014, und D., geb. DD.MM.2016, werden un-

ter die Obhut der Gesuchstellerin / Mutter gestellt und werden in der Regel durch die 

Mutter betreut. 

Der Kindsvater ist berechtigt, seine beiden Kinder jedes zweite Wochenende von Frei-

tag, 19.00 Uhr bis Sonntag, 19.00 Uhr zu sich auf Besuch und in den Schulferien wäh-

rend drei Wochen pro Kalenderjahr zu sich respektive mit sich in die Ferien zu nehmen, 

wobei die Ausübung des Ferienkontaktes drei Monate im Voraus unter den Parteien ab-

zusprechen ist.  

Betreffend Feiertage sprechen sich die Eltern gegenseitig ab. Für den Fall, dass sie 

sich nicht einigen können, gilt die folgende Regelung: 

- Weihnachten: Am 24. Dezember sind die Kinder in den geraden Jahren jeweils bei 

der Mutter, am 25. und 26. Dezember beim Vater. In den ungeraden Jahren gilt 

diese Regelung umgekehrt. 

- Silvester/Neujahr: in den geraden Jahren (massgebend ist Silvester) sind die Kin-

der bei der Mutter, in den ungeraden beim Vater. 

- Ostern/Pfingsten/Auffahrt: Karfreitag und Ostersamstag sowie Pfingsten verbrin-

gen die Kinder in den geraden Jahren bei der Mutter; Ostersonntag und Ostermon-

tag sowie Auffahrt sind die Kinder beim Vater. In den ungeraden Jahren gilt diese 

Regelung umgekehrt. 

8. Die Eltern üben die elterliche Sorge über die beiden Kinder C., geb. DD.MM.2014 und 

D., geb. DD.MM.2016, weiterhin gemeinsam aus.  

9. Der Vater bezahlt ab August 2021 an den Barunterhalt jedes Kindes monatlich im Vo-

raus Fr. 600.00, jeweils zuzüglich allfälliger Kinder- oder Ausbildungszulagen, die tat-

sächlich bezogen werden bzw. bezogen werden können. 

Zusätzlich bezahlt der Vater ab August 2021 als Betreuungsunterhalt für die beiden ge-

meinsamen Kinder Fr. 3'900.00 bis zum 30. Juni 2022. 

10. Der Ehemann entschädigt den Rechtsvertreter der Gesuchstellerin pauschal mit 

Fr. 5'000.00 (inkl. Barauslagen und MwSt) sowie seine anwaltliche Vertretung mit 

Fr. 6'160.45 (inkl. Barauslagen und MwSt). 

11. Die Entscheidgebühr von Fr. 1'500.00 für den begründeten Entscheid (inkl. Kosten für 

das Verfahren betreffend vorsorgliche Massnahmen) bezahlt der Ehemann. 

12. Die Entscheide vom DD.MM.2021 und DD.MM.2021 betreffend superprovisorische 

Massnahme (Eheschutzmassnahmen) werden aufgehoben. 

 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

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6. Gegen diesen Entscheid erhob die Ehefrau am DD.MM.2021 Berufung mit folgen-

den Anträgen: 

 
1. Ziffer 9 (Dispositiv) des Entscheides des Familienrichters des Kreisgerichtes Z. vom 

DD.MM.2021 sei aufzuheben. 

2.a) Der Gesuchsgegner / Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin / Beru-

fungsklägerin an den Unterhalt seiner beiden Kinder C., geb. DD.MM.2014, und D., 

geb. DD.MM.2016, rückwirkend ab 15. August 2021 monatliche und monatlich im Vo-

raus zahlbare Unterhaltsbeiträge im Betrage von zumindest CHF 2'530.00 pro Kind und 

Monat, zuzüglich allfälliger Kinder- resp. Ausbildungszulagen zu bezahlen. 

Eventualiter zu vorstehend Absatz 1 sei der Gesuchsgegner / Berufungsbeklagte zu 

verpflichten, der Gesuchstellerin / Berufungsklägerin an den Unterhalt seiner zwei Kin-

der C. und D. für die Zeit ab 15. August 2021 bis 30. Juni 2022 monatliche und monat-

lich im Voraus zahlbare Unterhaltsbeiträge von zumindest CHF 2'530.00 pro Kind und 

Monat und danach solche im Betrage von zumindest CHF 1'960.00 pro Kind und Mo-

nat, immer jeweils zuzüglich allfälliger Kinder- resp. Ausbildungszulagen zu bezahlen. 

b) Der Gesuchsgegner / Berufungsbeklagte sei weiter zu verpflichten, der Gesuchstellerin 

/ Berufungsklägerin persönlich rückwirkend ab 15. August 2021 einen monatlichen und 

monatlich im Voraus zahlbaren Unterhalt im Betrage von zumindest CHF 1100.00 zu 

bezahlen. 

Eventualiter zu vorstehend Absatz 1 sei der Gesuchsgegner / Berufungsbeklagte zu 

verpflichten, der Gesuchstellerin / Berufungsklägerin persönlich für die Zeit ab 15. Au-

gust 2021 bis 30. Juni 2022 monatliche und monatlich im Voraus zahlbare Unterhalts-

beiträge von zumindest CHF 1'100.00 und danach solche im Betrage von zumindest 

CHF 1'675.00 zu bezahlen. 

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Gesuchsgegners / Berufungsbe-

klagten nach richterlichem Ermessen. 

 

7. Am DD.MM.2021 erhob der Ehemann gegen den Entscheid ebenfalls Berufung und 

stellte folgende Anträge: 

 
1. Es sei Dispositiv-Ziffer 7 des Entscheides des Kreisgerichtes Z. vom DD.MM.2021 be-

treffend Eheschutzmassnahmen aufzuheben und wie folgt zu ändern: 

Die gemeinsamen Kinder C., geb. DD.MM.2014 und D., geb. DD.MM.2016, seien unter 

die alternierende Obhut der Parteien zu stellen. 

Dabei seien die Kinder jeweils von Sonntagabend 18:00 Uhr bis Mittwochmittag von der 

Mutter zu betreuen und von Mittwoch 14:00 Uhr resp. Schulschluss bis Samstagmorgen 

9:00 Uhr vom Vater zu betreuen. Die Wochenenden seien alternierend zwischen den 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

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Ehegatten aufzuteilen, wobei dem Vater die Wochenenden an den ungeraden und der 

Mutter diejenige an den geraden Kalenderwochen zukommen. Weiter sind die Schulfe-

rien der Kinder sowie die Feiertage hälftig auf die Parteien zu verteilen. 

2. Es sei Dispositiv-Ziffer 9 des Entscheides des Kreisgerichtes Z. vom DD.MM.2021 be-

treffend Eheschutzmassnahmen aufzuheben und wie folgt zu ändern: 

a) Der Berufungskläger sei zu verpflichten, ab August 2021 (unter Anrechnung des bisher 

geleisteten Unterhalts) an den Barunterhalt von C. und D. monatlich im Voraus je CHF 

233.50 zu bezahlen, jeweils zuzüglich allfälliger Kinder- oder Ausbildungszulagen, die 

tatsächlich bezogen werden bzw. bezogen werden können. 

 Ein Betreuungsunterhalt sei nicht geschuldet. 

b) Sodann sei der Berufungskläger zu verpflichten, nach Erhalt eines allfällig erhältlichen 

Bonus innert 20 Tagen aus diesem Bonus folgende Unterhaltsbeiträge an die Beru-

fungsbeklagte zu bezahlen. 

- für C.: 1/12 des Bonus 

- für D.: 1/12 des Bonus 

- für die Berufungsbeklagte: 1/3 des Bonus 

3. Es sei Dispositiv-Ziffer 10 des Entscheides des Kreisgerichtes Z. vom DD.MM.2021 be-

treffend Eheschutzmassnahmen aufzuheben und wie folgt zu ändern:  

 Die Parteikosten seien wettzuschlagen.  

4. Es sei Dispositiv-Ziffer 11 des Entscheides des Kreisgerichtes Z. vom DD.MM.2021 be-

treffend Eheschutzmassnahmen aufzuheben und wie folgt zu ändern:  

Die Entscheidgebühr von CHF 1'500.00 für den begründeten Entscheid (inkl. Kosten für 

das Verfahren betreffend vorsorgliche Massnahmen) sei von den Parteien je zur Hälfte 

zu übernehmen.  

5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich MWST) zu Lasten der Beru-

fungsbeklagten. 

8. Mit Berufungsantwort vom DD.MM.2021 stellte der Ehemann das Begehren, die Be-

rufung der Ehefrau sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen abzuweisen und die bei-

den Berufungsverfahren seien zu vereinigen. Die Ehefrau stellte mit ihrer Berufungsant-

wort vom DD.MM.2021 ebenfalls den Antrag, die Berufung des Ehemanns unter Kosten- 

und Entschädigungsfolgen abzuweisen und die Berufungsverfahren zu vereinigen. Die 

Berufungsantworten wurden mit Schreiben vom DD.MM.2021 bzw. DD.MM.2021 gegen-

seitig zur Kenntnisnahme zugestellt mit dem Hinweis sich umgehend zu äussern, falls das 

rechtliche Gehör eine Stellungnahme erfordere. In Ausübung des Replikrechts liess sich 

die Ehefrau am DD.MM.2021 und der Ehemann (innert erstreckter Frist) am DD.MM.2022 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

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vernehmen. Nachdem die Eingaben wiederum gegenseitig zugestellt wurden, reichten der 

Ehemann am DD.MM.2022 und die Ehefrau am DD.MM.2022 eine Stellungnahme ein. 

Diese wurden den Ehegatten wiederum zur Kenntnis gebracht, woraufhin die Ehefrau mit 

Schreiben vom DD.MM.2022 mitteilte, auf eine erneute Vernehmlassung zu verzichten 

und der Ehemann am DD.MM.2022 erneut eine Stellungnahme einreichte. Nach gegen-

seitiger Zustellung dieser Eingaben reichte der Ehemann am DD.MM.2022 eine Eingabe 

ein und die Ehefrau teilte mit Schreiben vom DD.MM.2022 mit, auf eine nochmalige Ver-

nehmlassung zu verzichten. Die Eingaben wurden den Parteien mit Schreiben vom 

DD.MM.2022 wiederum gegenseitig zur Kenntnisnahme zugestellt. 

 

9. Am DD.MM.2022 stellte der Beistand von D. und C. einen Antrag um Regelung der 

Modalitäten des Besuchs- und Ferienrechts. Am DD.MM.2021 wurden die beiden Beru-

fungsverfahren vereinigt und fortan unter der Nummer FS.2021.21 weitergeführt. Nach-

dem sich die Ehegatten zum Antrag des Beistands geäussert haben, entschied die Einzel-

richterin des Kantonsgerichts diesbezüglich wie folgt:  

 
1. Ziffer 6 des Entscheids des Familienrichters des Kreisgerichts Z. vom DD.MM.2021, mit 

der die Beistandschaft für die Kinder C., geb. DD.MM.2014, und D., geb. DD.MM.2016, 

errichtet wurde, wird hinsichtlich der Aufgaben der jeweiligen Beistandsperson gemäss 

der nachfolgenden Ziffer 2 geändert. 

2. Die jeweilige Beistandsperson hat folgende Aufgaben bzw. Kompetenzen: 

a) Sie unterstützt die Eltern in Bezug auf die Kinderbelange, insbesondere die Übergaben 

der Kinder sowie die Ausübung des Besuchs- und Ferienrechts des Vaters, mit Rat und 

Tat. 

b) Im Konfliktfall betreffend das Besuchs- und Ferienrecht unterstützt sie die Eltern bei der 

Lösungsfindung. 

c) Bei Uneinigkeiten der Eltern betreffend die Umsetzung bzw. Detailregelung des persön-

lichen Verkehrs hat sie die Kompetenz, konkrete und verbindliche Anordnungen zu tref-

fen und über die Modalitäten zu entscheiden. 

d) Sie stellt bei der zuständigen KESB Antrag auf Änderung der Besuchsrechtsregelung, 

wenn sie feststellt, dass diese nicht (mehr) dem Kindeswohl entspricht. 

3. Die Kosten dieses Entscheids bleiben bei der Hauptsache. 

 

10. Mit Schreiben vom DD.MM.2023 wurden die Ehegatten informiert, dass neu der 

Präsident der II. Zivilkammer als Einzelrichter zuständig sei. Am DD.MM.2023 fand eine 

Einzelanhörung der Ehegatten statt. Am DD.MM.2023 reichte der Beistand von D. und C. 

den vom Gericht angeforderten Bericht ein, welcher den Parteien zusammen mit den Ak-

tennotizen betreffend die Elternanhörung vom DD.MM.2023 mit Schreiben vom 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

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DD.MM.2023 zugestellt wurde. Der Ehemann nahm zu diesem am DD.MM.2023 und die 

Ehefrau am DD.MM.2023 Stellung. Am DD.MM.2023 wurden die Kinder D. und C. ange-

hört. Mit Schreiben vom DD.MM.2023 wurden den Parteien die Aktennotizen betreffend 

Kinderanhörung vom DD.MM.2023 sowie die Eingaben vom DD.MM.2023 zur Kenntnis-

nahme zugestellt. Es gingen keine weiteren Eingaben ein. Es wurden die erstinstanzli-

chen Akten eingeholt. Das Verfahren erweist sich als spruchreif. 

 

 

II. 

 
1. Nach Eingang der Berufung prüft die Rechtsmittelinstanz von Amtes wegen das 

Vorliegen der Rechtsmittelvoraussetzungen. Sowohl die Berufung der Ehefrau vom 

DD.MM.2021 als auch jene des Ehemanns vom DD.MM.2021 gingen – unter Berücksich-

tigung der 10-tägigen Berufungsfrist ab Zustellung des Entscheids am DD.MM.2021 – 

rechtzeitig, schriftlich begründet und mit konkreten Anträgen versehen bei der Rechtsmit-

telinstanz ein. Beide Parteien sind durch das vorinstanzliche Urteil beschwert und zur 

Rechtsmittelerhebung legitimiert. 

 

Mit Schreiben vom DD.MM.2023 teilte der Ehemann mit, dass mittlerweile ein Schei-

dungsverfahren beim Kreisgericht Z. eingeleitet worden sei. Für die Zuständigkeit des Ein-

zelrichters des Kantonsgerichts zum Erlass von Eheschutzmassnahmen bedeutet dies fol-

gendes: Mit der Anhängigkeit der Ehescheidung wird das Eheschutzverfahren nicht ein-

fach gegenstandslos. Das Eheschutzgericht bleibt zuständig für Massnahmen bis zum 

Eintritt der Rechtshängigkeit der Ehescheidung. Getroffene Eheschutzmassnahmen dau-

ern zudem über diesen Zeitpunkt hinaus fort, solange keine – diese ablösenden – vor-

sorglichen Massnahmen im Scheidungsverfahren verfügt werden. Liegt (in Ermangelung 

eines Massnahmebegehrens im Rahmen des Scheidungsverfahrens) kein Zuständigkeits-

konflikt vor, ist im Weiteren nicht von Belang, ob über die Eheschutzmassnahmen vor o-

der erst nach der Rechtshängigkeit der Scheidungsklage entschieden wird. Schliesslich 

hat das Eheschutzgericht in diesem Fall alle Tatsachen zu berücksichtigen, also auch sol-

che, die nach Eintritt der Rechtshängigkeit des Scheidungsverfahrens eintreten oder wirk-

sam werden, sofern sie gehörig ins Verfahren eingebracht wurden (BGer 5A_120/2021 

E. 4.2 ff.; 5A_294/2021 E. 4.5 und E. 4.7; BGE 129 III 60 E. 2, 3; BGE 138 III 646 = Pra 

2013 Nr. 34 E. 3.3.2; KGer SG FS.2018.25 vom 20. Juni 2019 E. II.3.b/bb, m.w.H. 

[www.publikationen.sg.ch]). Soweit bekannt, wurde im Rahmen des Scheidungsverfah-

rens kein Verfahren betreffend vorsorgliche Massnahmen anhängig gemacht; die Parteien 

machen jedenfalls nichts solches geltend. Es besteht folglich kein Zuständigkeitskonflikt 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

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und der angerufene Einzelrichter des Kantonsgerichts bleibt für den Erlass bzw. die Über-

prüfung von Eheschutzmassnahmen zuständig. Unter dem Vorbehalt rechtsgenügender 

Begründung (Art. 311 Abs. 1 ZPO) ist auf die Berufung einzutreten. 

 

2. Im Berufungsverfahren noch streitig sind die Obhut bzw. die Betreuungsanteile der 

Eltern, der Kinderunterhalt, der Ehegattenunterhalt sowie die vorinstanzliche Kosten- und 

Entschädigungsregelung (vi-Entscheid, Dispositiv-Ziffer 7, 9, 10 und 11). Die nicht ange-

fochtenen Bestimmungen des vorinstanzlichen Entscheids (Dispositiv-Ziffer 1, 2, 3, 4, 5, 6, 

8 und 12) sind mit Ausnahme der Dispositiv-Ziffer 6, welche mit vorliegendem Entscheid 

von Amtes wegen angepasst wird, mit Ablauf der Berufungsfrist am DD.MM.2021 in Teil-

rechtskraft erwachsen und nicht mehr Gegenstand des Berufungsverfahrens (vgl. BGE 

137 III 617 E. 4.5.3; BGer 5A_90/2017 E. 11.2; BGer 5A_420/2016 E. 2.2).  

 

3.a) Für die Kinderbelange gelten der Offizial- und der uneingeschränkte Untersu-

chungsgrundsatz. Das Gericht ist demnach nicht an die Anträge der Parteien gebunden 

und stellt den Sachverhalt von Amtes wegen fest bzw. nimmt Beweiserhebungen auch 

ohne entsprechenden Parteiantrag vor (Art. 296 Abs. 1 und 3 ZPO). Praxisgemäss kom-

men diese Grundsätze im Rechtsmittelverfahren ebenfalls zur Anwendung, mit der Kon-

sequenz, dass die in Art. 317 ZPO vorgesehene Novenbeschränkung nicht zu beachten 

ist und das Gericht alle bis zur Urteilsberatung bekannten Tatsachen und Beweismittel be-

rücksichtigt (analog Art. 229 Abs. 3 ZPO; BGE 147 III 301 E. 2.2; 144 III 349 E. 4.2.1 = 

Pra 2019 Nr. 88). Aufgrund der Offizialmaxime kann im Übrigen eine Abweichung vom an-

gefochtenen Entscheid – im Rahmen des Streitgegenstandes – auch zu Ungunsten der 

rechtsmittelführenden Partei erfolgen (vgl. BGer 5A_420/2016 E. 2.2). Auch bei Geltung 

des umfassenden Untersuchungsgrundsatzes haben die Parteien indes rechtsgenügliche 

Behauptungen vorzubringen und sind nicht von ihrer prozessualen Mitwirkungspflicht ent-

bunden. Faktisch begrenzt wird die Untersuchungsmaxime überdies durch die Pflicht der 

Parteien, ihre Eingaben zu begründen (vgl. BGer 5A_141/2014 E. 3.4; 5A_285/2013 

E. 4.3, unter Hinweis auf BGE 128 III 411 E. 3.2.1; vgl. z.B. auch SUMMERMATTER, Zur Ab-

änderung von Kinderalimenten, Fam-Pra.ch 2012, S. 38 ff., 47 f.).  

 

b) Im Bereich des Ehegattenunterhalts, der dem eingeschränkten bzw. sozialen Unter-

suchungsgrundsatz untersteht (Art. 272 ZPO), ist die Novenbeschränkung von Art. 317 

Abs. 1 ZPO hingegen grundsätzlich zu beachten (vgl. BGE 147 III 301 E. 2.2; LEUENBER-

GER/UFFER-TOBLER, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 2. Aufl., N 12.53a). Das Gericht 

darf allerdings Erkenntnisse, die es im Zusammenhang mit den Kinderbelangen erhält, 

auch für die Beurteilung des Ehegattenunterhalts verwenden (BGE 147 III 301 E. 2.2; vgl. 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

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BGer 5A_141/2014 E. 3.4). Weiter gilt für den Ehegattenunterhalt im Gegensatz zu den 

Kinderbelangen die Dispositionsmaxime und das Gericht ist deshalb an die geforderten 

Unterhaltsbeiträge gebunden (vgl. Art. 58 Abs. 1 ZPO). Nicht gebunden ist sie dabei aller-

dings an die einzelnen Elemente der Unterhaltsberechnung (vgl. BGer 5P.481/2006 E. 4; 

LEUENBERGER/UFFER-TOBLER, a.a.O., N 4.3; SUTTER-SOMM/SEILER, in: Sutter-Somm/ 

Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., 3. Aufl., Art. 58 N 6 ff.). 

 

 

III. 

 

Regelung der Obhut bzw. der Betreuungsanteile 

1.a) Die Ehegatten haben die gemeinsame elterliche Sorge (nicht angefochtene Disposi-

tiv-Ziffer 8 des vi-Entscheids). Damit geht nicht notwendigerweise die Errichtung einer al-

ternierenden Obhut einher. Vielmehr ist zu prüfen, ob die alternierende Obhut unter den 

konkreten Umständen im Kindswohl liegt und tatsächlich möglich ist. Das Gericht ist ge-

halten, gestützt auf festgestellte Tatsachen der Gegenwart und der Vergangenheit eine 

sachverhaltsbasierte Prognose darüber zu stellen, ob die alternierende Obhut als Betreu-

ungslösung aller Voraussicht nach dem Wohl des Kinds entspricht (BGer 5A_629/2019 

E. 4.1; BGE 142 III 612 E. 4.2; vgl. LEUENBERGER, Alternierende Obhut auf einseitigen An-

trag, in: FamPra.ch 2019 S. 1103 f.).  

 

Eine alternierende Obhut kommt grundsätzlich nur in Frage, wenn beide Eltern erzie-

hungsfähig sind. Weiter ist dieses Betreuungsmodell nur praktisch umsetzbar, wenn die 

Eltern fähig und bereit sind, in Kinderbelangen laufend miteinander zu kommunizieren und 

im Hinblick auf die notwendigen organisatorischen Vorkehrungen zu kooperieren. Zudem 

kommt es auf die geografische Situation an, namentlich die Distanz zwischen den Woh-

nungen der beiden Eltern. Bedeutsam ist auch die Kindswohlwirksamkeit der Stabilität, 

wie sie mit einer Weiterführung der bisherigen Regelung einhergeht. Andere Kriterien sind 

das Alter des Kinds, seine Beziehungen zu Geschwistern und seine Einbettung in das 

weitere soziale Umfeld. Die Möglichkeit der Eltern, das Kind persönlich zu betreuen, spielt 

hauptsächlich dann eine Rolle, wenn spezifische Bedürfnisse des Kinds eine persönliche 

Betreuung notwendig erscheinen lassen oder wenn ein Elternteil selbst in den Randzeiten 

(morgens, abends und an den Wochenenden) nicht bzw. kaum zur Verfügung stünde; an-

sonsten ist von der Gleichwertigkeit von Eigen- und Fremdbetreuung auszugehen (vgl. zu 

diesem Grundsatz BGE 144 III 481 E. 4.6.3 und E. 4.7). Beachtung verdient auch der 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

11/51 

Wunsch des Kinds, selbst wenn es bezüglich der Betreuungsregelung (noch) nicht urteils-

fähig ist (zum Ganzen BGer 5A_345/2020 E. 5.2. m.w.H.; BGE 142 III 612 E. 4.3). Diese 

Kriterien sind nachfolgend zu prüfen.  

 

b/aa) Der vorinstanzliche Familienrichter hat erwogen, dass nach seinem Eindruck beide 

Eltern erziehungsfähig scheinen würden. Während diese Erwägung in Bezug auf die Ehe-

frau von keiner Partei in Frage gestellt wird, behauptet die Ehefrau, es würden Zweifel bei 

der Erziehungsfähigkeit des Ehemanns bestehen.  

 

b/bb) Erziehungsfähigkeit wird als die grundlegende Kompetenz verstanden, die emotio-

nalen und körperlichen Bedürfnisse seines Kinds zu erkennen, das Kind zu versorgen und 

zu betreuen sowie erzieherisch angemessen auf die kindlichen Bedürfnisse einzugehen 

(LUDEWIG/BAUMER/SALZGEBER/HÄFELI/ALBERMANN, Richterliche und behördliche Entschei-

dungsfindung zwischen Kindswohl und Elternwohl: Erziehungsfähigkeit bei Familien mit 

einem psychisch kranken Elternteil, in: FamPra.ch 2015, S. 562 ff., 574). Sie setzt eine 

echte Zuneigung zum Kind sowie ein waches Interesse an ihm und seiner Entwicklung vo-

raus (BGE 111 II 225 E. 2; BK ZGB-BÜHLER/SPÜHLER, 3. Aufl., aArt. 156, N 89).  

 

Vorliegend führte der Beistand in seinem Bericht vom DD.MM.2023 aus, beide Eltern – 

und somit auch der Ehemann, dessen Erziehungsfähigkeit die Ehefrau in Zweifel zieht – 

würden hochwertige elterliche Kompetenzen aufweisen und ihre Kinder auf liebevolle und 

vorbildliche Art und Weise unterstützen und fördern. Diese Schilderungen decken sich mit 

dem persönlichen Eindruck des Berufungsgerichts des Ehemanns anlässlich dessen Ein-

zelanhörung vom DD.MM.2023. Ihm schien es wichtig zu sein, trotz der alleinigen Obhut 

der Ehefrau einen intensiven Kontakt zu den Kindern zu pflegen. So telefoniert er bei-

spielsweise jeden Mittwochnachmittag mit ihnen. Auch in den Aussagen und dem Auftre-

ten der Kinder anlässlich der Anhörung vom DD.MM.2023 finden sich keine Anzeichen 

dafür, dass sich der Ehemann nicht um ihre emotionalen und körperlichen Bedürfnisse 

kümmern bzw. sie nicht angemessen versorgen und betreuen könnte.  

 

Die von der Ehefrau in ihren Rechtsschriften an den Ehemann gerichteten Vorwürfe, er 

würde C. schlagen, beruhen nicht auf objektivierbaren bzw. beweisbaren Anhaltspunkten. 

Es sind keinerlei Arztberichte, Strafanzeigen, Polizeirapporte, Fotos von Verletzungen o-

der Ähnliches, welche Gewalt des Ehemanns gegenüber C. dokumentieren würden, ak-

tenkundig. Zwar hat C. an der vorinstanzlichen Kindsanhörung am DD.MM.2021 auf die 

Frage des Familienrichters "Schlagen tut er Dich aber nicht?" mit "manchmal" und auf die 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

12/51 

Folgefrage "Aber nicht fest?" "manchmal auch etwas fest" geantwortet. Das Berufungsge-

richt hat indessen erhebliche Zweifel, ob die Fragweise des vorinstanzlichen Richters mit 

geschlossenen Fragen (ja/nein Fragen) mit hoher Wahrscheinlichkeit zu realitätsbasierten 

Antworten der Kinder führt. Gerade im Zusammenhang mit möglichen Gewalterfahrungen 

sind Fragen mit geringer Suggestivwirkung zu stellen (vgl. die Wegleitung "Kinder inmitten 

von Partnerschaftsgewalt", eine Orientierungshilfe für die interdisziplinäre Fallarbeit, S. 

117, abrufbar unter https://www.sg.ch/sicherheit/haeusliche-gewalt/links.html [zuletzt be-

sucht am 20. Oktober 2023]). Denn bei der Befragung von Kindern besteht eine grosse 

Gefahr von suggestiven Effekten. Kinder sehen in den meisten Erwachsenen Autoritäts-

personen, die mehr wissen als sie selbst. Erziehungsbedingt gehorchen Kinder generell 

Autoritäten und mithin auch unbewusst und unterschwellig transportierten "Befehlen" der 

Suggestion. Gerade jüngere Kinder (Vorschulalter) laufen Gefahr, Informationen des Be-

fragers in ihre Antworten einzubauen. Dazu kommt, dass jüngere Kinder sich der negati-

ven Konsequenzen ihrer Aussagen für Dritte oft nicht bewusst sind. Es fällt ihnen leicht, 

die Meinung des Befragers zu übernehmen, da sie davon ausgehen, dass ihre Aussage 

geringe Auswirkungen haben werde (BERLINGER, Glaubhaftigkeitsbegutachtung im Straf-

prozess, Beweiseignung und Beweiswert, 2014, S. 58 f. und S. 78). Die Antworten anläss-

lich der Kindsanhörung vor der Vorinstanz scheinen durch die stark suggestiv wirkenden 

Fragen ("Schlagen tut er Dich aber nicht?" und "Aber nicht fest?") zustande gekommen 

sein, für welche C. aufgrund seines jungen Alters (zum Zeitpunkt der Kindsanhörung sie-

ben Jahre) anfällig gewesen ist. Sie können deshalb nicht für die Entscheidfindung ver-

wendet werden. Gleiches gilt für die Ausführungen im Schreiben von E. vom 

DD.MM.2021, dem Freund der Schwester der Ehefrau, wonach C. ihm erzählt habe, er 

habe Angst vor Papa, dieser würde ihn schlagen und ins Zimmer einsperren. Überdies ist 

unklar, wie diese angeblichen Aussagen zustande gekommen sind, weshalb sie nicht als 

Beweis für die behaupteten Gewaltvorfälle dienen können. Für diese Schlussfolgerung 

spricht auch, dass die Gewaltvorwürfe an der zweiten Kindsanhörung vor dem Berufungs-

gericht am DD.MM.2023 nicht bestätigt wurden. Weder C. noch D. erzählten von Gewalt-

vorfällen. Auch die Ehefrau selbst thematisierte an ihrer Einzelanhörung vom 

DD.MM.2023 angebliche Gewaltvorfälle des Ehemanns gegenüber den Kindern bzw. C. 

nicht. Vielmehr sagte sie aus, sie würde den Kindern jeweils sagen, sie sollten die Be-

schäftigungen mit dem Vater geniessen.   

 

b/cc) Im Rahmen der Erziehungsfähigkeit resp. Erziehungseignung ist im Übrigen auch 

der Beziehungs- und Bindungsaspekt zu prüfen. Es geht dabei um die Frage, ob dem Er-

ziehungsverhalten des Elternteils eine tragfähige, vertraute Eltern-Kind-Beziehung zu-

grunde liegt (STAUB, Das Wohl des Kindes bei Trennung und Scheidung, 2018, S. 86). 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

13/51 

Die Bindungstoleranz drückt sich in einer Achtung der Beziehung des Kinds zum anderen 

Elternteil aus (BGE 117 II 353 E. 3; 115 II 209 E. 4b; FamKomm Scheidung I-MAIER/VET-

TERLI, 4. Aufl., Art. 176 ZGB N 5). Die Eltern haben sich zu bemühen, zwischen der kon-

fliktbehafteten Elternebene einerseits sowie dem Eltern-Kind-Verhältnis andererseits zu 

unterscheiden und das Kind aus dem elterlichen Konflikt herauszuhalten. Sodann haben 

beide Elternteile ein kooperatives Verhalten an den Tag zu legen und die zumutbaren An-

strengungen bei der gegenseitigen Kommunikation zu unternehmen, ohne die die elterli-

chen Pflichten nicht in effektiver Weise und zum Vorteil des Kinds ausgeübt werden kön-

nen. Es ist allgemein anerkannt, dass die Beziehung des Kinds zu beiden Elternteilen 

wichtig ist und bei dessen Identitätsfindung eine entscheidende Rolle spielen kann (BGE 

130 III 585 E. 2.2.2; 131 III 209 E. 4). Beide Elternteile haben deshalb mit Blick auf das 

Wohl des Kinds die Pflicht, eine gute Beziehung zum jeweils anderen Elternteil zu fördern; 

ihre Beachtung ist für eine tragfähige und kindswohlorientierte Pflege und Erziehung wich-

tig (zum Ganzen BGer 5A_616/2020 E. 2.1.1 m.w.H.). 

 

Der Ehemann scheint die Beziehung seiner Kinder zur Ehefrau zu achten. So führte er an 

seiner Anhörung vom DD.MM.2023 aus, sie sei eine gute Mutter und versuche, alles für 

die Kinder zu geben. Seine Aussagen, er wolle die Kinder nicht beeinflussen und spreche 

nicht schlecht über die Ehefrau, sind glaubhaft. Auch die Kinder zeigten an ihrer Anhörung 

vom DD.MM.2023 keine Anzeichen, dass sie vom Vater im Hinblick auf die Anhörung be-

einflusst worden sind. Diese Beobachtungen stimmen überein mit dem Bericht des Bei-

stands vom DD.MM.2023, welcher zwar ausführte, die Kinder würden sehr wahrscheinlich 

unter einem massiven Loyalitätskonflikt stehen, diesen aber eher darauf zurückführte, 

dass die Kinder die Ablehnung der Mutter gegenüber dem Vater spüren und den Kindern 

der elterliche Konflikt bewusst sei. Von einer Beeinflussung der Kinder durch den Vater ist 

hingegen keine Rede. Der Beistand hält des Weiteren fest, der Ehemann habe eine hohe 

Bereitschaft, eine direkte Kommunikation zur Ehefrau aufzubauen und würde öfter nach-

geben. Vor diesem Hintergrund ist dem Ehemann eine gute Bindungstoleranz zu attestie-

ren. An dieser Einschätzung ändern auch die Ausführungen der Ehefrau, wonach sich der 

Ehemann in der Vergangenheit im Beisein seiner Kinder schlecht, verletzend und herab-

setzend über sie geäussert habe, nichts. Einerseits bestreitet der Ehemann diese Vorbrin-

gen allesamt und die Ehefrau legt keine objektiven Beweise wie z.B. schriftliche Korres-

pondenz ins Recht. Andererseits wären auch einzelne im Streit und in der Vergangenheit 

gefallene beleidigende Äusserungen nicht geeignet, dem Ehemann die Erziehungsfähig-

keit abzusprechen. Auch die von der Ehefrau ins Recht gelegten "Bestätigungsschreiben" 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

14/51 

bzw. offerierten Zeugenaussagen von Personen, welche der Ehefrau offenbar sehr nahe-

stehen (z.B. Geschwister und Freunde der Ehefrau), vermögen keine Zweifel an der Er-

ziehungsfähigkeit des Ehemanns hervorzurufen.  

 

b/dd) Insgesamt liegen keine Sachverhaltselemente vor, welche in objektiver Weise an 

der uneingeschränkten Erziehungsfähigkeit des Vaters zweifeln lassen und eine weitere 

Abklärung im Eheschutzverfahren z.B. durch ein Gutachten erforderlich machen würden. 

Vor dem Hintergrund, dass der Vater die Erziehungsfähigkeit der Mutter nicht in Frage 

stellt, ist auch nicht nachvollziehbar, welche Erkenntnisse das von ihm beantragte Fami-

liengutachten der KJPD für das vorliegende Eheschutzverfahren liefern sollte. Die Vo-

rinstanz ist damit zu Recht davon ausgegangen, dass beide Elternteile erziehungsfähig 

sind.  

 

c/aa) Die Vorinstanz hat die Anordnung der alternierenden Obhut (unter anderem) auf-

grund der fehlenden Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit der Eltern verweigert. 

Sie führte aus, die Eltern würden berichten, dass die Übergaben schwierig seien und die 

Kommunikation nicht möglich sei. Überdies zeigten die ins Recht gelegten Schriftstücke 

z.B. WhatsApp Korrespondenz, dass eine vernünftige Kommunikation nicht mehr möglich 

sei. An der Hauptverhandlung seien die Parteien auch nicht in der Lage gewesen, sich 

gegenseitig zu begrüssen.  

 

c/bb) Der Ehemann wendet dagegen ein, die vorinstanzliche Einschätzung stütze sich 

einzig auf die Äusserungen der Parteien und deren Verhalten anlässlich der Eheschutz-

verhandlung. Die Eltern hätten zumindest bis zur Einreichung des Eheschutzgesuchs um-

fassend und zielgerichtet miteinander kommuniziert und sich über das Wohlbefinden der 

Kinder informiert, was aus der vorinstanzlich eingereichten WhatsApp und  

E-Mailkorrespondenz hervorgehe. Im Übrigen würden die Konflikte im Zusammenhang 

mit der Betreuung der beiden Kinder durch die eingerichtete Beistandschaft getragen wer-

den. Auch die vorinstanzlichen Erwägungen, die Übergaben der Kinder seien schwierig, 

reichten nicht aus, um die Kommunikations- bzw. Kooperationsfähigkeit der Eltern in Kin-

derbelangen zu verneinen. Hinzu komme, dass sich die Anzahl der Übergaben durch die 

alternierende Obhut nicht erhöhen würden. 

 

c/cc) Die Ehefrau vertritt die Auffassung, die Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit 

der Parteien sei massiv und nachhaltig gestört und würden sich negativ auf das Kinds-

wohl auswirken. Der Ehemann setze der Ehefrau "Fristen" und verlange seine Kinder ent-

gegen der klaren Abmachung wöchentlich mehrmals ans Telefon. Mit diesen Handlungen 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

15/51 

wolle er der Ehefrau zeigen, dass er alleine einseitig bestimme. Seit dem Auszug des 

Ehemanns aus dem ehelichen Haushalt habe sich die Situation für die Kinder deutlich be-

ruhigt. Die Übergaben seien aber nach wie vor beklemmende Situationen. Bei der Anord-

nung einer alternierenden Obhut wäre es zwingend erforderlich, dass sich die Eltern ver-

mehrt und intensiver gegenseitig austauschen müssen z.B. über schulische Belangen wie 

Hausaufgaben, Anlässe, Freizeitaktivitäten, Arztbesuche etc. 

 

c/dd) Die alternierende Obhut ist nur praktisch umsetzbar, wenn die Eltern fähig und be-

reit sind, in Kinderbelangen laufend miteinander zu kommunizieren und im Hinblick auf die 

notwendigen organisatorischen Vorkehrungen zu kooperieren. Die Kommunikation zwi-

schen den Eltern kann auch bloss schriftlich erfolgen. Es steht einer alternierenden Obhut 

nicht entgegen, wenn die Eltern zur gemeinsamen Entscheidfindung über die Kinderbe-

lange auf die Vermittlung einer Drittperson angewiesen sind. Ferner kann allein aus dem 

Umstand, dass ein Elternteil sich einer Regelung mit geteilter Betreuung widersetzt, nicht 

ohne weiteres geschlossen werden, die nötige Kooperation sei nicht gewährleistet. Unter 

diesem Aspekt ist von einer alternierenden Obhut nur abzusehen, wenn das Verhältnis 

unter den Eltern hinsichtlich anderer Kinderbelange von einer Feindseligkeit gezeichnet 

ist, die annehmen lässt, eine alternierende Obhut würde das Kind dem gravierenden El-

ternkonflikt in einer Weise aussetzen, die seinen Interessen offensichtlich zuwiderläuft 

(zum Ganzen BGer 5A_629/2019 E. 4.2; BGer 5A_345/2020 E. 5.2; BGE 142 III 612 

E. 4.2).  

 

Vorliegend ist das Verhältnis zwischen den Ehegatten nach wie vor strittig. Allerdings 

scheint seit dem vorinstanzlichen Verfahren eine gewisse Beruhigung eingetreten zu sein. 

So führte die Ehefrau anlässlich ihrer Anhörung vom DD.MM.2023 aus, die Übergaben 

hätten sich gebessert. Die Ehegatten würden sich bei den Übergaben nicht persönlich 

treffen, sondern der Ehemann würde jeweils im Auto auf die Kinder warten. Die Kinderbe-

lange würden sie ebenfalls nicht persönlich diskutieren, sondern über WhatsApp oder E-

Mail. Vieles würde auch über den Beistand laufen, z.B. als D. die wilden Pocken gehabt 

habe. Die Planung der Sommerferien sei allerdings schwierig gewesen. Auch D. berich-

tete an der Anhörung vom DD.MM.2023, der Wechsel zwischen den Eltern funktioniere 

gut. C. führte aus, die Eltern hätten sich zwar früher viel gestritten, jetzt könnten sie aber 

nicht mehr, da der Papa sich jeweils vorher von ihnen verabschiede und nicht mehr die 

Treppe hochkomme. Schliesslich führt auch der Beistand in seinem Bericht vom 

DD.MM.2023 aus, die elterliche Beziehung habe sich beruhigt. Zwar berichtete auch er 

davon, dass diese weiterhin stark durch den Konflikt der Eltern geprägt sei und die Eltern 

nicht miteinander kommunizieren würden bzw. nur kaum auf direkter Ebene. So würden 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

16/51 

die Eltern die Kinderbelange jeweils über den Beistand übermitteln. In der Regel teile die 

Mutter die Informationen dem Beistand per E-Mail mit, welche er anschliessend an den 

Vater weiterleite. Eine gemeinsame Absprache bezüglich der Kinderbelange finde dabei 

nicht bzw. kaum (teilweise erst durch Intervention) statt. Dass sich die elterliche Bezie-

hung im Vergleich zum Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheids vom DD.MM.2021 ver-

bessert hat, zeigt sich auch in der kürzlich geäusserten Bereitschaft beider Eltern, eine El-

terntherapie zur Verbesserung der Kommunikation durchzuführen. 

 

Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten, dass es den Eltern gelingt, sich schriftlich oder 

mit Hilfe des Beistands über die Kinderbelange auszutauschen. Zwar ist zu erwarten, 

dass bei Vorliegen der alternierenden Obhut, zumindest anfänglich, vermehrt Absprachen 

im organisatorischen Bereich anfallen werden. Diese Absprachen können – wie bisher die 

Absprachen betreffend die Ausübung der elterlichen Sorge – schriftlich oder über den Bei-

stand erfolgen. So hat z.B. der Ehemann vorgeschlagen, zusammen mit dem Beistand 

und der Ehefrau eine WhatsApp-Gruppe zu gründen. Darin könnten beispielsweise die 

notwendigen Absprachen getätigt werden. Eine andere Variante wäre, dass die Eltern ein 

Büchlein haben, in welches sie gegenseitig die notwendigen Informationen schreiben und 

den Kindern jeweils mitgeben (vgl. BGer 5A_629/2019 E. 8.3.1). Es ist nicht ersichtlich, 

dass die Anordnung der alternierenden Obhut die Kinder stärker als die aktuelle Betreu-

ungssituation dem Elternkonflikt aussetzt. Vielmehr besteht die Chance, dass der vom 

Beistand bei den Kindern festgestellte Loyalitätskonflikt durch die Anordnung der alternie-

renden Obhut entgegengewirkt werden kann, da die Kinder beide Elternteile gleichermas-

sen sehen und sie als gleichwertig anschauen dürfen (vgl. BGer 5A_345/2020). Zusam-

menfassend ist festzuhalten, dass entgegen der Ansicht der Mutter die mangelhafte Ko-

operations- und Kommunikationsfähigkeit der Eltern der Anordnung der alternierenden 

Obhut nicht entgegensteht. Dem Umstand, dass sich die Kommunikation schwierig gestal-

tet, wird bei der konkreten Ausgestaltung der Obhut Rechnung getragen (vgl. nachste-

hend E. III.2). 

 

d/aa) Die Vorinstanz hat die Verweigerung der alternierenden Obhut insbesondere mit 

dem bisher gelebten klassischen Rollenmodell der Eltern begründet. Die Ehefrau habe 

sich mehrheitlich und dauerhaft um die Kinder gekümmert, während der Ehemann Vollzeit 

gearbeitet habe. Die Eltern hätten auch früher keine alternierende Obhut eingeführt. 

 

d/bb) Der Ehemann wendet ein, er habe sich bereits während des Zusammenlebens ne-

ben seiner Erwerbstätigkeit in einem grossen Umfang an der Kinderbetreuung beteiligt, 

mithin sei die Kinderbetreuung zwischen den Parteien ungefähr hälftig aufgeteilt worden. 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

17/51 

So habe er teilweise zusammen mit der Ehefrau und den Kindern Mittag gegessen, wenn 

er im Homeoffice gearbeitet habe. Zudem habe er sich nach seinem Feierabend voll und 

ganz der Kinderbetreuung gewidmet. Die Kinder seien sich folglich gewöhnt, von beiden 

Elternteilen betreut zu werden. Zudem habe er bereits vor der Trennung sein Pensum re-

duzieren wollen, um einen "Papitag" einzuführen, was zwischen den Parteien aber zu 

Streitereien geführt habe. 

 

d/cc) Dagegen vertritt die Ehefrau die Auffassung, die Grundsätze der Stabilität und der 

Kontinuität der Verhältnisse würden für die Beibehaltung der bisherigen Betreuungsrege-

lung sprechen. Es sei nicht zutreffend, dass sich der Ehemann neben seiner Erwerbstätig-

keit in einem grossen Umfang an der Kinderbetreuung beteiligt haben soll. Der Ehemann 

sei jeweils um ca. 18.00 Uhr heimgekehrt, und es habe ihm daran gelegen, dass die Kin-

der nach dem Nachtessen spätestens um 19.30 bis 20.00 Uhr zu Bette gegangen seien. 

Die Ehefrau habe die Kinder ab deren Geburt während der Wochentage faktisch alleine 

betreut, der Kontakt des Ehemanns mit den Kindern habe sich während der Woche auf 

täglich maximal ein bis zwei Stunden beschränkt. Die von ihm angesprochene Home-

office-Tätigkeit sei erst mit der Coronazeit zum Tragen gekommen. In der Zeit, in der der 

Ehemann tatsächlich im Homeoffice gewesen sei, habe er es den Kindern strikte verbo-

ten, Lärm zu machen oder Freunde in das Haus zu bringen. Der Ehemann habe sich just 

mit der Einleitung des Eheschutzverfahrens zu bemühen begonnen, mehr Zeit mit seinen 

Kindern zu verbringen, was als prozesstaktisches Manöver zu qualifizieren sei.  

 

d/dd) Das Kriterium der Kontinuität bzw. Stabilität versteht sich als Weiterführung der bis-

herigen Lebensweise bzw. als Fortbestehen des Aufenthaltsortes und beinhaltet ebenso 

das Kriterium der Beziehungskontinuität (BGE 138 III 565 E. 4.3; FamKomm Scheidung I-

MAIER/VETTERLI, 4. Aufl., Art. 176 ZGB N 2a f.). In diesem Sinne fällt die alternierende Ob-

hut eher in Betracht, wenn die Eltern das Kind schon vor ihrer Trennung abwechselnd be-

treuten. Das Kriterium der Stabilität spielt insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern 

eine wichtige Rolle. Geht es hingegen um Jugendliche, kommt der Zugehörigkeit zu ei-

nem sozialen Umfeld grosse Bedeutung zu (BGer 5A_722/2020 E. 3.1.3; BGE 142 III 612 

E. 4.3).  

 

Es ist unbestritten, dass der Ehemann während des Zusammenlebens Vollzeit erwerbstä-

tig war, während die Ehefrau ihre Erwerbstätigkeit mit der Geburt der Kinder aufgab und 

erst nach der Trennung wieder aufnahm. Auch wenn es zwar glaubhaft erscheint, dass 

der Ehemann insbesondere zu Coronazeiten die Kinder über den Mittag und am Abend 

ebenfalls (mit)betreut hat, entspricht dies entgegen seiner Auffassung nicht einer hälftigen 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

18/51 

Aufteilung der Betreuung während des Zusammenlebens. Gleichwohl ist davon auszuge-

hen, dass die Kinder mit ihrem Vater vor der Trennung – neben der Zeit am Wochenende 

und in den Ferien – auch unter der Woche häufig Zeit verbracht haben. So ist er gemäss 

Ausführungen der Ehefrau jeweils um ca. 18.00 Uhr nach Hause gekehrt und verbrachte 

täglich ein bis zwei Stunden mit den Kindern. Seit der Trennung der Eltern im August 

2021 – also nunmehr seit rund zwei Jahren – betreut die Mutter C. und D. grösstenteils 

alleine. Jedes zweite Wochenende und insgesamt drei Wochen Ferien verbringen die Kin-

der bei ihrem Vater. Überdies stehen der Vater und die Kinder regelmässig telefonisch in 

Kontakt.  

 

Damit ist festzuhalten, dass sich die Kinder zwar gewöhnt sind, überwiegend von der Mut-

ter betreut zu werden und die Anordnung der alternierenden Obhut mit einer gewissen 

Umgestaltung des Familienalltags einhergeht. Allerdings darf aufgrund des rund sieben- 

bzw. fünfjährigen Zusammenleben der Kinder mit dem Vater sowie dem regelmässigen 

Kontakt seit der Trennung auch die Bindung zum Vater als konstant betrachtet werden. 

Zudem sind die Kinder mit sieben bzw. neun Jahren in einem Alter, in dem die Zugehörig-

keit zum sozialen Umfeld vermehrt in den Vordergrund rückt (vgl. BGE 142 III 612 E. 4.3; 

vgl. z.B. FS/41, S. 2 f., wo D. betont, es sei ihr wichtig, mit ihrem Freund in die Schule zu 

fahren und sie wolle nicht von ihrem Bruder C. getrennt werden). Diese kann auch mit der 

alternierenden Obhut beibehalten werden: Die Eltern wohnen beide in X. lediglich ca. 1.5 

km voneinander entfernt. Es ist den Kindern möglich, diesen Weg teils auch selbständig 

zu Fuss innert rund 20 Minuten bzw. mit dem Velo innert rund fünf Minuten zu bewältigen 

(vgl. www.google.com/maps). Mit einer Ausdehnung der Betreuungsanteile des Vaters 

wäre es für die Kinder weiterhin problemlos möglich, die gleiche Schule zu besuchen, ih-

ren gewohnten Hobbys nachzugehen und ihre Freunde zu treffen. Folglich steht dem Kri-

terium der Kontinuität/Stabilität nicht entgegen, wenn der Vater die Kinder mehr betreut 

als bisher.  

 

e/aa) Als weiterer Gesichtspunkt ist die Möglichkeit der Eltern, das Kind persönlich zu be-

treuen, zu beachten (BGer 5A_722/2020 E. 3.1.3). Dazu führte die Vorinstanz aus, für die 

Betreuung habe vornehmlich die Mutter Zeit, da der Vater seine wirtschaftliche Leistungs-

fähigkeit ausschöpfen müsse. 

 

e/bb) Der Ehemann wendet ein, es lasse sich nicht eruieren, weshalb nur er seine Leis-

tungsfähigkeit ausschöpfen müsse. Gemäss Schulstufenmodell werde getrenntlebenden 

Eltern ab Eintritt des jüngsten Kinds in den Kindergarten ein Vollzeit- sowie ein 50 %-Pen-

sum zugemutet. Dieses vorliegend zumutbare 150 % Pensum könne je hälftig von beiden 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

19/51 

Eltern erbracht werden. Im vorliegenden Fall sei wesentlich, dass der Arbeitgeber des 

Ehemanns einer Reduktion des Pensums auf 75 % explizit zugestimmt habe.  

 

e/cc) Die Ehefrau führt demgegenüber aus, der Ehemann habe weder im Rahmen des 

vorinstanzlichen Verfahrens noch in der Berufungsschrift konkret dargelegt, wie er seine 

berufliche Tätigkeit mit den von ihm beantragten Betreuungszeiten vereinbaren wolle. 

Auch in der Bestätigung seiner Arbeitgeberin vom DD.MM.2021 werde nicht konkretisiert, 

wie eine denkbare Pensumsreduktion effektiv zu verwirklichen wäre. Auch würden ihm of-

fensichtlich keine Drittpersonen zur Verfügung stehen, welche im Bedarfsfall bereit und 

geeignet wären, die Kinderbetreuung anstelle von ihm zu übernehmen. 

 

e/dd) Dem Ehemann ist Recht zu geben, dass die vorinstanzlichen Erwägungen, wonach 

der Vater keine Zeit für die Betreuung habe, weil er seine wirtschaftliche Leistungsfähig-

keit ausschöpfen müsse, nicht schlüssig ist. Denn gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-

chung haben bei gegebenen Voraussetzungen beide Eltern gleichermassen Anspruch da-

rauf, sich an der Betreuung des Kinds zu beteiligen. Dies gilt auch dann, wenn ein Eltern-

teil in der Vergangenheit zu hundert Prozent erwerbstätig war, sich in Zukunft aber durch 

Reduktion seines Arbeitspensums an der Betreuung des Kinds beteiligen möchte. Des-

halb ist unerheblich, dass der Ehemann in der Vergangenheit bislang zu hundert Prozent 

erwerbstätig war. Abzustellen ist vielmehr darauf, in welchem Ausmass er in Zukunft für 

die Betreuung von C. und D. verfügbar sein wird (vgl. BGer 5A_888/2016 3.3.2). Die für 

die alternierende Obhut erforderliche zeitliche Verfügbarkeit ist beim Ehemann zu beja-

hen: Aus dem von ihm eingereichten Schreiben seiner Arbeitgeberin vom DD.MM.2021 

geht hervor, dass er sein Arbeitspensum per 1. August 2021 oder nach Vereinbarung auf 

bis zu 75 % reduzieren kann. Überdies ermöglicht die Arbeitgeberin eine freie Einteilung 

der Wochenarbeitszeit und Homeoffice. Anlässlich seiner Anhörung vom DD.MM.2023 

führte der Ehemann erneut aus, er könne sein Pensum auf bis zu 75 % reduzieren und 

drei Tage im Homeoffice arbeiten. Was die Ehefrau mit ihren Behauptungen, die Angaben 

des Ehemanns würden sich nicht mit den Interessen seiner Arbeitgeberin vereinbaren las-

sen, konkret meint, ist nicht ersichtlich. Aufgrund des Alters der Kinder ist davon auszuge-

hen, dass sich die Betreuung zunehmend auf den Abend (Hausaufgaben, Fahrdienst, 

Hobbys) verschiebt. Mit der in Aussicht gestellten Pensumsreduktion, der Homeoffice-

Möglichkeit und allenfalls der Inanspruchnahme der schulischen Betreuungsmöglichkeiten 

(z.B. Mittagstisch) steht die (hochprozentige) Arbeitstätigkeit des Vaters der alternieren-

den Obhut nicht entgegen. Schliesslich nannte der Ehemann seine Mutter als Drittperson, 

welche geeignet wäre, im Notfall bei seinem Ausfall die Kinderbetreuung zu übernehmen. 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

20/51 

Die in diesem Zusammenhang von der Ehefrau vorgebrachten und vom Ehemann bestrit-

tenen Behauptungen, die Kinder würden die Grossmutter väterlicherseits bloss einmal im 

Monat sehen und hätten zu ihr keinen engeren Bezug, stellen keinen stichhaltigen Grund 

dar, weshalb die Grossmutter im Notfall – und somit ausnahmsweise – nicht geeignet 

wäre, die beiden Kinder zu betreuen.  

 

f/aa) Betreffend den Wunsch der Kinder hat die Vorinstanz erwogen, diese hätten anläss-

lich der Anhörung vom DD.MM.2021 klar zum Ausdruck gebracht, dass der jetzige Zu-

stand – alleinige Obhut bei der Ehefrau und Besuchsrecht des Ehemanns – in Ordnung 

sei. Die Anordnung einer alternierenden Obhut würde demnach dem klar geäusserten 

Willen der Kinder zuwiderlaufen. 

 

f/bb) Der Ehemann führt aus, die Aussagen der Kinder an der Anhörung seien nicht klar 

gewesen. Insbesondere die Aussagen von C. seien kritisch zu hinterfragen. Seine Äusse-

rungen würden auf einer Überforderung mit der Trennungssituation oder auf andere psy-

chische Besorgnisse beruhen und er befinde sich möglicherweise in einem grossen Loya-

litätskonflikt. Da sich gerade im vorliegenden Fall der wirkliche Kinderwille nicht ohne wei-

teres mit den wörtlichen Äusserungen der Kinder gleichsetzen lasse, beantragt der Ehe-

mann nochmals die Einholung eines Familiengutachtens bei den KJPD. 

 

f/cc) Die Ehefrau lasst ausführen, es lasse sich aus den Aussagen der Kinder anlässlich 

der Anhörung vom DD.MM.2021 ohne weiteres feststellen, was die Kinder C. und D. wirk-

lich wollen. Sie würden in der Obhut ihrer Mutter leben wollen und von ihr betreut werden, 

wie dies seit ihrer Geburt immer der Fall gewesen sei. Dass dies der wirkliche Wille der 

beiden Kinder sei, zeige sich in der positiven Entwicklung, wie sie sich seit Aufnahme des 

Getrenntlebens präsentiere. 

 

f/dd) Bei der Regelung der Betreuung ist auch der Wunsch des Kinds miteinzubeziehen. 

Je älter das Kind ist, desto mehr Gewicht ist dem Wunsch des Kinds in der Regel beizu-

messen, wobei die Rechtsprechung grundsätzlich davon ausgeht, dass Kinder ab dem Al-

ter von 12 Jahren in der Lage sind, autonom einen Willen zu bilden. Indessen darf auch 

der aktenkundig geäusserte Wille eines etwas jüngeren Kinds nicht einfach ausgeblendet 

werden (BGer 5A_469/2018 E. 4.2). Zu beachten ist, dass bei der Beurteilung der Ob-

hutsfrage der Wunsch des Kinds gegenüber den anderen Kriterien nicht vorranging zu be-

rücksichtigt werden muss (BGer 5A_115/2015 E. 5.4.2).  

 

 

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21/51 

Vor dem vorinstanzlichen Richter äusserten die Kinder anlässlich der Anhörung vom 

DD.MM.2021 den Wunsch, die Situation so beizubehalten, wie sie sei. Dem Ehemann ist 

Recht zu geben, dass diese Aussagen bzw. insbesondere jene von C., welcher anlässlich 

der Anhörung auch Schläge des Vaters erwähnte, obwohl objektive Anhaltspunkte dazu 

fehlen (vgl. vorstehend E. III.1.b/bb), möglicherweise auf einen Loyalitätskonflikt oder 

Überforderung mit der Trennungssituation beruhen. Entsprechend wurden die Kinder vom 

Einzelrichter des Kantonsgerichts am DD.MM.2023 erneut angehört. Die zum Zeitpunkt 

der zweiten Anhörung siebenjährige D. zeigte sich eher skeptisch, unter der Woche Zeit 

beim Vater zu verbringen. Dies begründete sie damit, dass sie in diesem Fall nicht den 

gesamten Schulweg mit ihrem Freund fahren könne. Sie könne sich aber vorstellen, auch 

unter der Woche beim Vater zu sein, wenn sie etwas grösser sei. Falls C. bereits jetzt un-

ter der Woche zum Vater gehen würde, würde sie auch mitgehen. Sie könnte sich am 

ehesten vorstellen, wenn das Wochenende fertig wäre, noch einen Tag länger beim Vater 

zu bleiben und dann von ihm aus in die Schule zu gehen. Der zum Zeitpunkt der Anhö-

rung neunjährige C. äusserte sich dahingehend, dass er manchmal denke, es wäre 

schön, mehr Zeit beim Vater zu verbringen und manchmal, es sei gut, so wie es jetzt sei. 

Als Zusatztag fände er (manchmal) den Montag gut. Damit bringt C. keine klare Meinung 

betreffend die Betreuungsregelung zum Ausdruck. D. scheint zwar die aktuelle Betreu-

ungssituation zu favorisieren, zeigt sich aber auch nicht abgeneigt, mehr Zeit beim Vater 

zu verbringen. Damit steht auch der Wille der Kinder der Anordnung einer alternierenden 

Obhut nicht entgegen. Der Wunsch von D., an den Wochentagen von der Mutter betreut 

zu werden, wird in der konkreten Ausgestaltung der alternierenden Obhut (teilweise) be-

rücksichtigt (vgl. nachstehend E. III.2). 

 

Mit der nochmaligen Kindsanhörung vor dem Berufungsgericht konnte der für den vorlie-

genden Eheschutzentscheid relevante Willen der Kinder genügend miteinbezogen wer-

den. Es sind keine sich aus der zweiten Anhörung ergebenden Fragen ersichtlich, deren 

Beantwortung Sachverstand im Sinne von Art. 183 ZPO und damit ein Gutachten bzw. 

eine Anhörung durch eine Fachperson erfordern würde (vgl. auch BGE 127 III 295 und 

BGer 5A_911/2012 E. 7.2.2, wonach das Gericht in der Regel das Kind persönlich anhört 

und die Delegation der Anhörung an eine Drittperson eine Ausnahme darstellt z.B. wenn 

die Anhörung aufgrund der konkreten Umstände eine spezifische Ausbildung und Erfah-

rung erfordert). Damit ist dem Antrag des Ehemanns auf Einholung eines Familiengutach-

tens bei der KJPD bzw. Anhörung der Kinder durch eine Fachperson nicht stattzugeben, 

zumal seine Begründung ohnehin überwiegend auf den Aussagen von C. vor Vorinstanz 

beruht, welche dieser vor der Berufungsinstanz nicht wiederholte.  

 

 

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22/51 

2.a) Insgesamt sind die Voraussetzungen für eine Ausdehnung der Betreuungsanteile 

des Ehemanns gegeben. Gerade auch die geografischen Verhältnisse lassen dies ohne 

weiteres zu. Bei gegebenen Voraussetzungen – wie hier vorliegend – haben beide Eltern-

teile gleichermassen Anspruch darauf, sich an der Betreuung des Kinds zu beteiligen 

(BGer 5A_888/2016 E. 3.3.2). Das Bundesgericht hat den Wert der Beziehung des Kinds 

zu beiden Elternteilen sowie deren Rolle bei der Identitätsfindung mehrfach hervorgeho-

ben (BGE 130 III 585 E. 2.2.2; BGer 5A_409/2008 E. 3.2). So soll das Kind trotz der Tren-

nung der Eltern bestmöglich von Vater und Mutter profitieren und an deren Ressourcen 

teilhaben. Als alternierend ist die so verstandene Obhut zu bezeichnen, wenn die Eltern 

ungefähr gleichwertig an der Betreuung des Kinds beteiligt sind (BGer 5A_345/2020 E. 

5.1 m.w.H.).  

 

b) Der Ehemann beantragt, die Kinder wöchentlich von Mittwoch, 14:00 Uhr, resp. 

Schulschluss bis Samstagmorgen, 9.00 Uhr, sowie jedes Wochenende am den ungera-

den Kalenderwochen zu betreuen. Anlässlich seiner Anhörung vom DD.MM.2023 führte 

der Ehemann aus, dass der Freitag als Zusatztag sehr geeignet sei, es würde aber auch 

an den anderen Tagen gehen. 

 

c) Da die Ehefrau die Auffassung vertritt, die Betreuungsanteile müssten nicht neu 

festgelegt werden, hat sie sich in ihren Rechtsschriften nicht zur konkreten Ausgestaltung 

einer alternierenden Obhut geäussert. Anlässlich ihrer Anhörung vom DD.MM.2023 führte 

sie aus, dass, falls die alternierende Obhut angeordnet würde, Montag oder Freitag als 

Zusatztag am einfachsten wäre. 

 

d) Entgegen den vom Ehemann implizierten Ausführungen setzt der Begriff der alter-

nierenden Obhut keine strikt hälftige Betreuung voraus (BGer 5A_463/2022 E. 3; BGer 

5A_722/2020 E. 3.4.2; BGer 5A_345/2020 E. 5.1 m.w.H.; BGer 5A_139/2020 E. 3.3.2). 

Vielmehr ist die konkrete Festlegung der Betreuungsanteile im konkreten Einzelfall nach 

gerichtlichem Ermessen festzulegen (BGer 5A_463/2022 E. 3.2; BGer 5A_139/2020 E. 

3.3.2). In der Praxis wird regelmässig ab einem Betreuungsmodell von ca. 30 % von alter-

nierenden Betreuungsmodellen gesprochen (FamKomm Scheidung I-MAIER/VETTERLI, Art. 

176 ZGB N 1g). Vorliegend erscheint es aufgrund der vorstehend genannten Kriterien – 

Kinder wurden seit rund sieben bzw. neun Jahren hauptsächlich von der Mutter betreut 

und D. favorisiert weiterhin die hauptsächliche Betreuung durch die Mutter – nicht ange-

zeigt, die Betreuung strikt hälftig aufzuteilen und damit die bisher gelebte Betreuungsrege-

lung komplett umzustossen. Dafür spricht auch die schwierige und schwerfällige Kommu-

 

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23/51 

nikation der Eltern (vgl. vorstehend E. III.1.c). Denn mit der wachsenden Anzahl Wochen-

tagen, an denen der Vater die Betreuung übernimmt, steigen auch die notwendigen Ab-

sprachen zwischen den Eltern. Beispielsweise müsste die Mutter bei der vom Ehemann 

beantragten Betreuungsregelung den Vater jeweils im Vorfeld über die Pläne der Kinder 

für den Mittwochnachmittag informieren bzw. diese absprechen. Es erscheint deshalb ge-

rechtfertigt, die Betreuungsanteile des Ehemanns im Rahmen des vorliegenden Ehe-

schutzverfahrens lediglich um einen vollen Wochentag (= 24 Stunden) zu erweitern. Be-

züglich des am besten in Frage kommenden zusätzlichen Wochentags wurde von den El-

tern übereinstimmend der Freitag genannt. Die Kinder gaben zwar als Präferenz den 

Montag an, welchen die Ehefrau ebenfalls als zusätzliche Präferenz anführte. Angesichts 

der umständlichen Kommunikation zwischen den Eltern ist es allerdings wichtig, dass der 

zusätzliche Betreuungstag grundsätzlich immer stattfinden kann. Dies kann am Freitag 

besser gewährleistet werden, da der Ehemann ausführte, dieser würde zu 98 % passen. 

Die Notwendigkeit eines reibungslosen Ablaufs der neuen Betreuungsregelung überwiegt 

den Wunsch der Kinder, weshalb der Freitag (samt Donnerstagabend) als zusätzlicher 

Betreuungstag zu bestimmen ist. Dies gilt umso mehr, als dass die Begründung der Kin-

der insbesondere auf dem Kontakt mit den Tageskindern am Freitag beruht, welcher vor 

dem Hintergrund, dass sich die Ehefrau um eine einträglichere Erwerbsquelle zu küm-

mern hat (vgl. nachstehend E. III.9), allenfalls ohnehin wegfallen wird. Damit betreut der 

Ehemann die Kinder von Donnerstagabend, 18.00 Uhr, bis Freitagabend, 18.00 Uhr. Zu-

sätzlich betreut er sie – wie bisher (bzw. neu mit leicht angepassten Uhrzeiten) und von 

der Ehefrau nicht in Frage gestellt – jedes zweite Wochenende von Freitagabend, 18.00 

Uhr, bis Sonntagabend, 18.00 Uhr. In der übrigen Zeit werden die Kinder von der Mutter 

betreut.  

 

e) Damit die Ehegatten die für die neue Betreuungsregelung erforderlichen organisato-

rischen Vorkehrungen treffen und die Kinder auf die neue Regelung vorbereiten können, 

ist diese erst nach Ablauf einer rund zweimonatigen Übergangsfrist (und unter Berück-

sichtigung der Weihnachtsferien) ab dem 8. Januar 2024 anzuordnen.  

 

Ferien- und Feiertagsregelung 

3.a) Der Ehemann verlangt, dass die Schulferien der Kinder sowie die Feiertage hälftig 

auf die Eltern verteilt werden. Die Ehefrau verlangt die Abweisung der Berufung und damit 

die Bestätigung der vorinstanzlichen Ferienregelung, wonach der Ehemann drei Wochen 

Ferien pro Kalenderjahr mit den Kindern verbringt. Angesichts der verfügten alternieren-

den Obhut erscheint es folgerichtig, wenn beide Elternteile gleich viele Ferienwochen mit 

 

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den Kindern verbringen, mithin je sechs Wochen. Dies gilt umso mehr, als dass die Be-

treuung in den Ferien – im Gegensatz zur Betreuung an den Wochentagen – länger am 

Stück erfolgen kann, womit weniger Übergaben und Absprachen zwischen den Eltern er-

forderlich sind. Entsprechend steht auch die schwerfällige Kommunikation zwischen den 

Eltern einer Ausweitung der Ferienbetreuung durch den Vater nicht entgegen. Schliesslich 

bezieht sich auch der Wunsch von D., momentan unter der Woche nicht vom Vater be-

treut zu werden, nur auf die Schultage und nicht auf die Ferienbetreuung. Um die Interes-

sen und Bedürfnisse der Parteien in gleichem Masse zu berücksichtigen, ist es angezeigt, 

dass die Ferien im Voraus festgelegt werden. Die Absprache hat jeweils bis spätestens 

30. November für das kommende Jahr zu erfolgen. Dabei werden die Eltern weiterhin 

vom Beistand unterstützt und bei Uneinigkeit hat dieser die Kompetenz, verbindlich fest-

zulegen, wann welcher Elternteil die Schulferien mit den Kindern verbringt.  

 

b) Soweit ersichtlich, wurde die Feiertagsregelung der Vorinstanz nicht in Frage ge-

stellt, womit diese bestätigt werden kann, zumal damit die Feiertage im Einklang mit dem 

Berufungsantrag des Ehemanns hälftig auf die Eltern aufgeteilt werden. Zu berücksichti-

gen ist die Rangfolge der Betreuungsregelung: Die Feiertagsregelung geht der Ferienre-

gelung vor und diese wiederum geht der Alltagsregelung vor. 

 

Wohnsitz der Kinder 

4. Üben die Eltern die Obhut alternierend aus, so stellt sich die Frage des Wohnsitzes 

der Kinder. Dieser befindet sich am Aufenthaltsort, zu dem die engsten Beziehungen be-

stehen (BGer 5A_210/2021). Vorliegend ist der Betreuungsanteil der Ehefrau höher, wes-

halb es sich rechtfertigt, den Wohnsitz der Kinder bei ihr festzulegen. Dies entspricht auch 

dem Antrag des Ehemanns vor Vorinstanz. 

 

Weisung zur Elterntherapie 

5.a) Mit Schreiben vom DD.MM.2023 hat der Beistand beantragt, dass die Eltern ange-

wiesen werden, eine gemeinsame Elterntherapie durchzuführen mit den Zielen, dass eine 

direkte Kommunikation zwischen den Eltern ermöglicht wird, die elterliche Sorge für die 

Kinder qualitativ gesteigert wird, und Abmachungen zwischen den Eltern direkt geklärt 

werden können sowie der etwaige Loyalitätskonflikt der Kinder reduziert wird. Sowohl der 

Ehemann als auch die Ehefrau stimmten diesem Antrag zu.  

 

b) Gemäss Art. 273 Abs. 2 bzw. Art. 307 Abs. 1 ZGB trifft die Kindesschutzbehörde 

bzw. das Gericht (Art. 315a Abs. 1 ZGB) die geeigneten Massnahmen zum Schutz des 

 

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25/51 

Kinds, wenn dessen Wohl gefährdet ist und die Eltern nicht von sich aus für Abhilfe sor-

gen oder sie dazu ausserstande sind. Insbesondere können die Eltern ermahnt werden 

oder es können ihnen Weisungen erteilt werden (Art. 307 Abs. 3 ZGB). Zu denken ist na-

mentlich an die Verpflichtung zur Führung von Gesprächen mit Beratungsstellen oder die 

Mitwirkung an einer Mediation bzw. Gesprächstherapie zwecks Verbesserung der Kom-

munikation zwischen den Eltern (vgl. BGE 142 III 197 E. 3.7; BGer 5A_877/2017 E. 5.1; 

5A_522/2017 E. 4.7.3.2; 5A_852/2011 E. 6; BSK ZGB I-BREITSCHMID, 7. Aufl., Art. 307 

N 22; KUKO ZGB-COTTIER, 2. Aufl., Art. 307 N 3 und 6; BSK ZGB I-SCHWENZER/COTTIER, 

Art. 273 N 24).  

 

Von einer Gefährdung des Kindswohls ist auszugehen, wenn nach den konkreten Umstän-

den die ernsthafte Möglichkeit einer gegenwärtigen oder zumindest unmittelbar bevorste-

henden Gefahr für die Kindsentwicklung abzusehen ist, die bei ihrer Fortdauer eine erhebli-

che Beeinträchtigung des physischen und/oder psychischen Wohls des Kinds voraussehen 

lässt (vgl. BSK ZGB I-BREITSCHMID, Art. 307 N 18; OFK-MARANTA, 4. Aufl., Art. 307 ZGB N 

3). 

 

c) Vorliegend führt der Beistand aus, den Kindern sei der elterliche Konflikt bewusst 

und sie würden die Ablehnung der Mutter gegenüber dem Vater spüren. Dies führe dazu, 

dass die Kinder sehr wahrscheinlich unter einem massiven Loyalitätskonflikt ständen, wel-

cher sich deutlich auf die Entwicklung der Kinder auswirken könne. Die Kinder seien auf 

sein Anraten hin zur psychologischen Abklärung angemeldet worden und würden von 

Herrn Dr. F behandelt werden. Folglich ist davon auszugehen, dass die ernste Möglichkeit 

besteht, dass durch den Elternkonflikt die psychische Entwicklung der Kinder gefährdet 

wird. Entsprechend erscheint es angezeigt, zusätzlich zur bereits bestehenden Beistand-

schaft die vom Beistand beantragte Weisung an die Eltern zur Teilnahme einer Therapie 

auszusprechen, zumal beide Eltern damit einverstanden sind. Die Kosten für die Therapie 

tragen die Eltern entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit. Der monatliche Überschuss des 

Ehemanns beträgt (in der dritten Phase) nach Bezahlung der Unterhaltsbeiträge 

Fr. 1'030.00 und jener der Ehefrau Fr. 725.00. Folglich hat der Ehemann 60% und die 

Ehefrau 40% der Kosten zu übernehmen.  

 

Aufgabenbereich der Beistandsperson 

6. Der vorinstanzliche Familienrichter hat für die Kinder eine Beistandschaft nach 

Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB errichtet. Mit Entscheid vom DD.MM.2022 änderte die Einzel-

richterin des Kantonsgerichts die Aufgaben und Kompetenzen der Beistandsperson vor-

 

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26/51 

sorglich ab. Aufgrund der Anordnung der alternierenden Obhut muss der Aufgabenbe-

reich der Beistandsperson erneut insbesondere im Hinblick auf die Terminologie (leicht) 

angepasst werden. Die Beistandsperson hat weiterhin die Aufgabe, die Eltern in Bezug 

auf die Kinderbelange mit Rat und Tat zu unterstützen. Die Unterstützung hat insbeson-

dere bei den Übergaben der Kinder und bei der Regelung der Ferien sowie neu bei der 

Umsetzung der alternierenden Obhut zu erfolgen. Im Konfliktfall betreffend die Regelung 

der alternierenden Obhut und der Ferien unterstützt sie die Eltern bei der Lösungsfindung. 

Bei Uneinigkeiten der Eltern betreffend die Umsetzung bzw. Detailregelung der Betreu-

ungsregelung und der Ferienregelung hat sie die Kompetenz, konkrete und verbindliche 

Anordnungen zu treffen und über die Modalitäten zu entscheiden. Sie stellt bei der zu-

ständigen Behörde Antrag auf Änderung der Betreuungsanteile, wenn sie feststellt, dass 

diese nicht (mehr) dem Kindswohl entsprechen. Zudem wird der Aufgabenbereich der 

Beistandsperson ergänzt mit der Aufgabe, die Eltern in der Suche nach einer geeigneten 

Therapieperson zu unterstützen, im Austausch mit der Fachperson zu stehen und bei Ab-

schluss einen Bericht an die zuständige Behörde zu erstellen. 

 

Kinder- und Ehegattenunterhalt 

7.a) Bei der Festsetzung der Unterhaltsansprüche in einer Familie wird die zweistufig-

konkrete Methode angewandt. Bei dieser Methode wird dem Einkommen der Familienmit-

glieder ihr Bedarf gegenübergestellt, der in einem ersten Schritt auf Basis des betrei-

bungsrechtlichen Existenzminimums gemäss den Richtlinien der Konferenz der Betrei-

bungs- und Konkursbeamten der Schweiz vom 1. Juli 2009 (im Folgenden: Schweizer 

Richtlinien) zu ermitteln ist. Anschliessend sind vorab der Barunterhalt, weiter der Betreu-

ungsunterhalt der Kinder und sodann allfälliger Ehegattenunterhalt zu decken, wobei dem 

Unterhaltspflichtigen stets das betreibungsrechtliche Existenzminimum zu belassen ist. 

Erst wenn das betreibungsrechtliche Existenzminimum aller Beteiligten gedeckt ist, kann 

es darum gehen, verbleibende Ressourcen in einer erweiterten Bedarfsrechnung auf das 

familienrechtliche Existenzminimum aufzustocken. Den Besonderheiten des Einzelfalls ist 

schliesslich im Rahmen der Überschussverteilung Rechnung zu tragen (vgl. zum Ganzen 

BGE 147 III 265 E. 7.2 f.; 147 III 301 E. 4.3). Es ist somit das Familieneinkommen festzu-

stellen und den Familienmitgliedern anhand ihres Bedarfs zuzuteilen (BGE 147 III 265 

E. 8.1; BGer 5A_584/2018 E. 4.3).  

 

b) Im Nachfolgenden wird auf die Einkommen und Bedarfspositionen der Familienmit-

glieder eingegangen. Anschliessend werden die Einkommen und der Bedarf einander ge-

genübergestellt.  

 

 

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8.a) Einkommen des Ehemanns: Die Vorinstanz hat das monatliche Nettoeinkommen 

des Ehemanns auf Fr. 11'360.00 festgesetzt.  

 

b) Der Ehemann bemängelt, die Vorinstanz habe beim Einkommen fälschlicherweise 

den Bonus und die Entschädigung miteinberechnet. Die Höhe der Bonuszahlung variiere, 

weshalb dieser aus dem Einkommen auszuklammern und nach Erhalt anteilmässig auf 

die Familie zu verteilen sei. Effektiv angefallene Spesen seien ebenfalls nicht als Einkom-

men anzurechnen. Der Ehemann geht damit von einem monatlichen Nettoeinkommen 

von Fr. 9'405.00 bei einem Vollzeitpensum bzw. Fr. 7'055.00 bei einem Pensum von 75 % 

aus. 

 

c) Die Ehefrau geht vom der von der Vorinstanz auf Fr. 11'360.00 angesetztes Netto-

einkommen des Ehemanns aus, wobei sie behauptet, der Lohn 2021 sei wohl höher. Die 

Bonuszahlung sei in den Vorjahren immer in etwa derselben Höhe angefallen, weshalb es 

gerechtfertigt sei, diesen in den Lohn einzurechnen. 

 

d) Bei der Bemessung des Unterhaltsbeitrags ist grundsätzlich vom tatsächlich erziel-

ten Einkommen des Unterhaltspflichtigen auszugehen, zu dem auch erhaltene Boni zäh-

len. Bei schwankendem Einkommen bzw. Einkommensbestandteilen sollte jedoch auf das 

Durchschnittseinkommen mehrerer – in der Regel der letzten drei – Jahre abgestellt wer-

den. Auf diese Weise kann eine Annäherung an die tatsächlichen Verhältnisse über einen 

längeren Zeitraum erreicht werden. Hierin liegt eine unter Verfassungsgesichtspunkten 

zulässige Vereinfachung der Einkommensberechnung. Bei stetig steigenden oder sinken-

den Bonuszahlungen, würde sich ein derartiges Vorgehen demgegenüber verbieten und 

wäre grundsätzlich von den Zahlen des letzten Jahres auszugehen (zum Ganzen BGer 

5A_125/2020 E. 4.2.1 f. m.w.H.).  

 

Aus dem Arbeitsvertrag des Ehemanns geht hervor, dass eine allfällige Auszahlung und 

die Höhe des Bonus vom Erreichen der vereinbarten Ziele abhängt. Entgegen der Auffas-

sung der Ehefrau variiert somit der Bonus, was auch der Vergleich der Lohnausweise 

2019 bis 2021 zeigt (vgl. nachstehend). Folglich kann entgegen der Auffassung der Vo-

rinstanz und der Ehefrau nicht einzig vom erzielten Einkommen im Jahr 2020 ausgegan-

gen werden. Allerdings ist auch das vom Ehemann beantragte Vorgehen, den Bonus vom 

Einkommen auszuklammern und erst nach Erhalt anteilsmässig auf die Familie zu vertei-

len, nicht zielführend, birgt dieses doch bei den verstrittenen Parteien die Gefahr, zusätzli-

che Unklarheiten und damit Streitpotenzial zu schaffen. Die nicht weiter substantiierte Be-

hauptung des Ehemanns, es stehe nicht fest, ob im nächsten Jahr ein Bonus ausbezahlt 

 

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werde, ist vor dem Hintergrund, dass gemäss den aktenkundigen Lohnausweisen jedes 

Jahr ein Bonus von mindestens Fr. 8'700.00 ausgerichtet wurde, nicht glaubhaft. Deshalb 

ist im Einklang mit der vorstehend zitierten bundesgerichtlicher Rechtsprechung auf den 

Durchschnitt der letzten drei Jahre abzustellen. Irrelevant sind die Ausführungen der Ehe-

frau, wonach aufgrund der vom Ehemann absolvierten Ausbildungen anzunehmen sei, 

sein Einkommen würde in der Zukunft steigen. Soweit dies tatsächlich der Fall sein wird, 

kann das höhere Einkommen im Scheidungs- bzw. in einem Abänderungsverfahren be-

rücksichtigt werden.  

 

Die im Recht liegenden Lohnausweise des Ehemanns zeigen für die Jahre 2019 bis 2021 

folgendes Bild:  

 

- 2019: Das Nettoeinkommen betrug Fr. 143'720.00 inkl. Kinderzulagen. Darin 

sind der Grundlohn von Fr. 144'857.00 (brutto) und der Bonus von 

Fr. 16'560.00 (brutto) enthalten. 

- 2020: Das Nettoeinkommen betrug Fr. 141'842.00 inkl. Kinderzulagen. Darin 

sind der Grundlohn von Fr. 135'297.00 (brutto), der Bonus von Fr. 18'375.00 

(brutto) sowie eine "Entschädigung" von Fr. 8'426.00 enthalten.   

- 2021: Das Nettoeinkommen betrug Fr. 136'028.00 inkl. Kinderzulagen. Darin 

sind der Grundlohn von Fr. 146'009.00 (brutto), eine Sonderprämie von 

Fr. 500.00, ein Kaderbonus von Fr. 8'700.00 und eine Dienstalterszulage von 

Fr. 500.00 enthalten. 

 

Entgegen der Auffassung des Ehemanns ist auch die im Jahr 2020 ausbezahlte "Entschä-

digung" von Fr. 8'426.00 als Einkommen anzurechnen. Der Ehemann führt zwar zutref-

fend aus, dass Spesen nicht zum Einkommen zu addieren sind, wenn sie glaubhaft effek-

tive Auslagen ersetzen (FamKomm Scheidung I-MAIER/VETTERLI, 2022, Art. 176 N 32a). 

Er erklärt allerdings nicht weiter, was mit "Entschädigung" konkret gemeint ist und reicht 

keine Belege wie z.B. eine Spesenabrechnung ein. Die Entschädigung ist im Lohnaus-

weis unter dem Titel "7 andere Leistungen" und nicht unter dem Titel "13 Spesenvergü-

tungen" aufgeführt. Überdies wurde sie in der Steuererklärung als Einkommen deklariert, 

obwohl Spesen, d.h. der effektive Ersatz von Kosten des Arbeitnehmers im Zusammen-

hang mit seiner beruflichen Tätigkeit, nicht steuerbar wären (BSK DBG-SUTER/MEIER, Art. 

17 N 21). Vor diesem Hintergrund ist nicht glaubhaft, dass die im Jahr 2020 ausbezahlte 

"Entschädigung" von Fr. 8'740.00 effektiv angefallene Auslagen ersetzte.  

 

 

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Dem Ehemann ist damit ein monatliches Nettoeinkommen von Fr. 11'250.00 anzurechnen 

(= [Fr. 143'720.00 + Fr. 141'842.00 + Fr. 136'028.00] / 3 / 12 ./. Fr. 460.00 [Abzug Kinder-

zulagen]).  

 

Mit der alternierenden Obhut, welche ab dem 8. Januar 2024 gilt, wird der Ehemann in 

seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sein, da er die Kinder zusätzlich jeden Donnerstag- 

bis Freitagabend betreuen wird. Vor dem Hintergrund, dass die Kinder am Freitag die 

Schule besuchen, der Ehemann die Möglichkeit hat, im Homeoffice zu arbeiten und seine 

Arbeitszeiten flexibel zu gestalten, ist davon auszugehen, dass er in Zukunft ein Pensum 

von 90 % ausüben kann (80 % am Montag bis Donnerstag und 10 % am Freitag [vgl. 

BGer 5A_743/2017 E. 5.3.3]). Dies stimmt auch mit seiner Aussage anlässlich der Anhö-

rung vom DD.MM.2023 überein, wonach er bei einem zusätzlichen Betreuungstag sein 

Pensum lediglich um 10-15 % reduzieren müsse. Demnach wird ihm ab 8. Januar 2024 

ein monatliches Nettoeinkommen von Fr. 10'125.00 (= Fr. 11'250.00 * 0.9) angerechnet.  

 

9.a) (Hypothetisches) Einkommen der Ehefrau: Die Vorinstanz erwog, dass sich die 

Ehefrau bisher ausschliesslich um die Kinder gekümmert habe. Sie habe eine Ausbildung 

als Fachangestellte Gesundheit und kaufmännische Angestellte. Mit dieser Erfahrung 

könne von einem Einkommen von Fr. 5'170.00 bis Fr. 6'900.00 ausgegangen werden. Ihr 

werde deshalb ab dem 1. Juli 2022 ein Einkommen von netto Fr. 3'500.00 für ein 50 % 

Pensum angerechnet. 

 

b) Die Ehefrau ist demgegenüber der Auffassung, ihr sei kein hypothetisches Einkom-

men anzurechnen. Die Kinder seien zwar schulpflichtig, die Parteien hätten aber während 

des Zusammenlebens übereinstimmend den Plan, dass die Ehefrau jedenfalls bis zum 

Eintritt von Tochter D. in die Oberstufe keiner Erwerbstätigkeit nachgehe und sich vollum-

fänglich der Kinderbetreuung und Haushaltsführung widme. Sollte die Berufungsinstanz 

anderer Auffassung sein und von einem hypothetischen Einkommen der Berufungskläge-

rin ab Mitte 2022 ausgehen, so wäre es nicht realistisch anzunehmen, diese könne ein 

Einkommen von netto Fr. 3'500.00 pro Monat erzielen. Die Ehefrau sei seit Ende 2013 

Hausfrau und Betreuerin ihrer Kinder. Als FAGE sei sie bereits nach Lehrabschluss nie 

mehr tätig gewesen. Im besten Falle könne der Ehefrau zugemutet werden, ab 1. Juli 

2022 ein Einkommen von netto Fr. 2'000.00 pro Monat (13. Monatslohn eingerechnet) zu 

erzielen. 

 

c) Der Ehemann bestreitet, dass die Parteien während des Zusammenlebens überein-

stimmend den Plan gehabt hätten, dass die Ehefrau bis zum Eintritt der Tochter D. in die 

 

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Oberstufe keiner Erwerbstätigkeit nachgehe und sich vollumfänglich der Kinderbetreuung 

und der Haushaltsführung widme. Der Ehefrau sei ein 50 %-Pensum zuzumuten. Sie ver-

füge über eine Ausbildung als Fachangestellte Gesundheit sowie als kaufmännisch Ange-

stellte Die Nachfrage nach Pflegepersonal sei äusserst hoch und die Ehefrau sei erst 35 

Jahre alt, weshalb sie beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt habe. Es sei deshalb nicht zu 

beanstanden, dass die Vorinstanz der Ehefrau nach einer angemessenen Übergangsfrist 

ab dem 1. Juli 2022 ein monatliches Einkommen von Fr. 3'500.00 angerechnet habe. Bei 

einem Pensum von 75 % entspreche dies einem Einkommen von Fr. 4'969.00. 

 

d/aa) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aktualisiert sich der Grundsatz der 

Eigenversorgung der Ehegatten ab dem Zeitpunkt der Scheidung. Diese Pflicht besteht 

zudem bereits ab dem Trennungszeitpunkt, wenn keine vernünftige Aussicht auf Wieder-

aufnahme des Ehelebens mehr besteht (BGE 147 III 249 E. 3.4.4; 130 III 537 E. 3.2; 137 

III 385 E. 3.1; 138 III 97 E. 2.2). Ein hypothetisches Einkommen darf der Ehefrau nur an-

gerechnet werden, wenn dieses zu erreichen sowohl zumutbar als auch möglich ist. Dabei 

gilt, dass die Zumutbarkeit eine Rechtsfrage, die tatsächliche Möglichkeit eine Tatfrage 

darstellt (BGE 143 III 233 E. 3.2). Grundsätzlich gilt ein Vollzeiterwerb als zumutbar. Da-

von ist abzuweichen, soweit der betreffende Teil gemeinsame Kinder betreut, denn hier 

bemisst sich die Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit nach Massgabe des Schulstufenmo-

dells (BGE 147 III 249 E. 3.4.4 m.w.H.). Bei den tatsächlichen Verhältnissen ist auf das 

Alter, die körperliche Gesundheit, die sprachlichen Kenntnisse, die bisherigen Tätigkeiten, 

die bisherigen und die für den Wiedereinstieg zumutbaren Aus- und Weiterbildungen, die 

persönliche Flexibilität, die Lage auf dem Arbeitsmarkt u.Ä.m., mithin generell auf die kon-

kreten Chancen abzustellen, in einem bestimmten Bereich, welcher nicht zwingend dem 

früheren Tätigkeitsfeld entsprechen muss, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (BGE 147 

III 249 E. 3.4.4). Hypothetische Einkünfte können ausgehend von einem konkret beste-

henden Erwerbseinkommen festgelegt werden (AFFOLTER, Das hypothetische Einkommen 

im Familienrecht – ein Überblick, AJP 2020, S. 833 ff., 841; BGer 5A_384/2018 E. 4.9.4). 

Scheidet diese Möglichkeit aus, entspricht es gefestigter Rechtsprechung, auf statistische 

Erhebungen zurückzugreifen, namentlich auf den Lohnrechner des SECO (BGer 

5A_435/2019 E. 4.1.2 m.w.H.). Sofern der Richter die Pflicht zur Aufnahme oder Auswei-

tung der Erwerbstätigkeit bejaht und von der betreffenden Partei durch die Anrechnung 

eines hypothetischen Einkommens eine Umstellung ihrer Lebensverhältnisse verlangt, ist 

der verpflichteten Partei hinreichend Zeit zu lassen, die rechtlichen Vorgaben in die Tat 

umzusetzen. Die Dauer dieser Übergangsfrist bestimmt sich nach den Umständen des 

Einzelfalls (dazu BGE 129 III 417 E. 2.2; 114 II 13 E. 5). 

 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

31/51 

d/bb) Vorliegend besteht keine vernünftige Aussicht auf Wiederaufnahme des Ehelebens; 

die Parteien haben bereits das Scheidungsverfahren eingeleitet. Damit hat die Ehefrau 

die Pflicht, wieder eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Irrelevant ist die Behauptung der 

Ehefrau, die Parteien hätten vereinbart, sie solle bis zum Eintritt von D. in die Oberstufe 

keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Zum einen hat die Ehefrau diese vom Ehemann be-

strittene Vereinbarung nicht bewiesen. Zum anderen könnte ohnehin nicht auf eine Ver-

einbarung abgestützt werden, welche während des Zusammenlebens und damit unter der 

(impliziten) Voraussetzung des Aufrechterhaltens der Ehe bzw. des Zusammenlebens ge-

schlossen wurde. Gemäss dem Schulstufenmodell ist der Ehefrau eine Erwerbsarbeit von 

50 % zuzumuten (BGE 144 III 481 E. 4.7.6).  

 

d/cc) Betreffend mögliche Erwerbstätigkeiten ist zu berücksichtigen, dass die Ehefrau 

eine Lehre als Fachfrau Gesundheit und als kaufmännische Angestellte absolvierte. An-

schliessend war sie als kaufmännische Angestellte und als Sachbearbeiterin im Verkaufs-

innendienst tätig. Nach der Geburt des Sohns C. im Jahr 2014 ist sie bis zur Trennung im 

August 2021 keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen. Aktuell arbeitet sie am Don-

nerstag- und Freitagmorgen als Tagesmutter, wobei sie jeweils ein Kind betreut und 

Fr. 8.80 pro Stunde erhält. Zudem ist sie für einen Stundenlohn von Fr. 30.00 am Montag-

morgen als Putzhilfe beschäftigt. Die Ehefrau führte anlässlich ihrer Einzelanhörung aus, 

sie wolle zurück ins Büro, sobald die Kinder mehr alleine sein könnten.  

 

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist Pflegepersonal gesucht und in diesem 

Bereich ist ein beruflicher Wiedereinstieg selbst nach längerem beruflichem Unterbruch 

mit der nötigen Anstrengung möglich (BGE 147 III 249 E. 3.4.4.). Der Gesundheitsbereich 

ist nämlich seit Längerem von einem strukturellen Fachkräftemangel betroffen, weshalb 

im Bereich der Assistenzberufe im Gesundheitswesen eine tiefe Arbeitslosenquote be-

steht (vgl. SECO, Indikatorensystem Arbeitskräftesituation, Methodische Grundlagen und 

Ergebnisse, Arbeitspapier September 2023, S. 22, 32, 49). Es ist deshalb davon auszuge-

hen, dass die Ehefrau trotz des Umstands, dass sie seit Lehrabschluss nicht mehr als 

Fachfrau Gesundheit tätig war, eine Stelle in diesem Bereich finden könnte. Ebenfalls 

möglich erscheint eine Tätigkeit als Sachbearbeiterin oder Sekretärin z.B. im Bereich Pro-

duktion, in welchem sie immerhin nach der Ausbildung als kaufmännisch Angestellte rund 

vier Jahre Praxiserfahrung sammelte. Dem Umstand, dass der Wiedereinstieg aufgrund 

der rund siebenjährigen Absenz vom Arbeitsmarkt erschwert sein dürfte, hat die Vo-

rinstanz mit der langen Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2022 genügend Rechnung getra-

gen. Die Ehefrau erklärt nicht, weshalb es ihr in dieser Zeit nicht möglich gewesen sein 

sollte, eine Stelle als Fachfrau Gesundheit, Sachbearbeiterin oder Sekretärin zu finden. 

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

32/51 

Insbesondere weist sie keinerlei Suchbemühungen nach. Die von der Ehefrau zwischen-

zeitlich wiederaufgenommene Erwerbstätigkeit als Putzhilfe und Tagesmutter im Umfang 

von ca. 30 % entspricht weder vom zeitlichem Umfang her noch einkommensmässig einer 

Tätigkeit, welche ihr zumutbar und mit ihren abgeschlossenen Ausbildungen möglich 

wäre. Dies scheint ihr auch selbst bewusst zu sein, hat sie in ihren Rechtsschriften doch 

nicht geltend gemacht, ihr sei das aktuell erzielte Einkommen anzurechnen.  

 

Betreffend die Höhe des hypothetischen Einkommens erscheinen die Annahmen der Vor-

instanz, die Ehefrau könnte im Bereich Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, 

Verwaltung von Unternehmen eine Stelle finden und mit einem 50 % Pensum ein monatli-

ches Nettoeinkommen von Fr. 3'500.00 erzielen, unrealistisch. Vielmehr ist vom Median-

lohn für eine in der Ostschweiz tätige Fachfrau Gesundheit oder allgemeine Büro- und 

Sekretariatskraft im Bereich Herstellung von Waren auszugehen. Dieser entspricht ge-

mäss Salarium (brutto, inkl. 13. Monatslohn) rund Fr. 5'400.00 (Parameter: Ostschweiz, 

86 Gesundheitswesen, 32 Assistenzberufe im Gesundheitswesen, ohne Kaderfunktion, 

42 Stunden, abgeschlossene Berufsausbildung, 35 Jahre, 0 Dienstjahre, weniger als 20 

Beschäftigte, 13 Monatslöhne, keine Sonderzahlungen, Monatslohn, Schweizerin) bzw. 

Fr. 5'300.00 (Parameter: Ostschweiz, 32 Herstellung von sonstigen Waren, 41 Allgemeine 

Büro- und Sekretariatskräfte, ohne Kaderfunktion, 42 Wochenstunden, abgeschlossene 

Berufsausbildung, 35 Jahre, 4 Dienstjahre, 20-49 Beschäftigte, 13 Monatslöhne, keine 

Sonderzahlungen, Monatslohn, Schweizerin). Abzüglich eines pauschalen Beitrags an die 

Sozialabgaben von 13 % ist von einem monatlichen Nettoeinkommen von rund 

Fr. 4'600.00 für eine Vollzeitstelle bzw. rund Fr. 2'300.00 für eine 50 % Tätigkeit auszuge-

hen.  

 

Die Vorinstanz hat der Ehefrau für die Aufnahme einer 50 %-igen Erwerbstätigkeit eine 

Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2022 eingeräumt, was die Parteien nicht konkret bean-

standen. Diese knapp achtmonatige Übergangsfrist erscheint im Hinblick auf die längere 

Abwesenheit der Ehefrau vom Arbeitsmarkt angemessen. Die Ehefrau hat diese Über-

gangsfrist während des Rechtsmittelverfahrens zwar nicht genutzt und die geforderte Er-

werbstätigkeit nicht aufgenommen. Gleichwohl ist ihr mit vorliegendem Entscheid keine 

neue Übergangsfrist anzusetzen, da sie mit Eröffnung des vorinstanzlichen Entscheids 

damit rechnen musste, dass sie nach Ablauf des 30. Juni 2022 eine Erwerbstätigkeit im 

Umfang von 50 % aufzunehmen hatte (vgl. BGer 5A_594/2020 E. 4.5; MAIER, Unterhalts-

festsetzung in der Praxis, ein Kasuistikhandbuch mit Fallbeispielen, 2023, N 870).  

 

 

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d/dd) Mit der Geltung der alternierenden Obhut ab dem 8. Januar 2024 wird die Ehefrau 

am Freitag von der Kinderbetreuung entlastet, was es ihr ermöglicht, ihre Erwerbstätigkeit 

auszubauen. Entsprechend ist ihr ab diesem Zeitpunkt ein höheres Pensum von 60 % zu-

zumuten (40 % [= 10 % pro Tag] während der Schulabwesenheit der Kinder an den eige-

nen Betreuungstagen und 20 % am Freitag [vgl. BGer 5A_743/2017 E. 5.3.3]) und ihr ein 

monatliches Nettoeinkommen von Fr. 2'760.00 anzurechnen. Für die Aufstockung des 

Pensums im Umfang von lediglich 10 % erscheint die kurze Übergangsfrist bis zum 7. Ja-

nuar 2024 angemessen.  

 

10.) Grundbeträge: Die von der Vorinstanz im Bedarf der Eltern und der Kinder berück-

sichtigten Grundbeträge entsprechen den Schweizer Richtlinien und sind für die erste und 

zweite Phase (alleinige Obhut der Ehefrau) zutreffend. 

 

In der dritten Phase ist für C. einen Grundbetrag von Fr. 600.00 einzusetzen (Schweizer 

Richtlinien, S. 1). Überdies ist zu berücksichtigen, dass sich die Ehegatten in dieser 

Phase die Obhut teilen, wobei der Ehemann C. und D. zu ungefähr 35 % betreut (122 

Tage [40 Wochentage, 40 Wochenendtage, 42 Ferientage] im Verhältnis zu 365 Tage 

[vgl. vorstehend E. III.2.d ff.]). Damit ist einerseits der Grundbetrag beim Ehemann eben-

falls auf Fr. 1'350.00 zu erhöhen und andererseits ist vom Grundbetrag für die beiden Kin-

der ein entsprechender Anteil von 35 % bzw. Fr. 210.00 für C. und Fr. 140.00 für D. dem 

Ehemann zuzurechnen (vgl. KGer SG FS.2019.14/15 vom 7. April 2021 [www.publikatio-

nen.sg.ch]; vgl. auch JUNGO/ARNDT, Barunterhalt der Kinder: Bedeutung von Obhut und 

Betreuung der Eltern, FamPra.ch 2019, S. 750 ff., 756 ff.).  

 

11.a) Wohnkosten: Die Vorinstanz hat beim Ehemann Wohnkosten von Fr. 2'240.00 be-

rücksichtigt (vi-Entscheid, S. 46). Die Ehefrau rügt, diese seien unangemessen hoch. 

Wohnkosten für eine alleinstehende Person seien nach der Rechtsprechung des Kantons-

gerichts St. Gallen beim Bedarf mit monatlich maximal Fr. 1'100.00 einzurechnen. Soweit 

die effektiven Wohnkosten diesen Betrag allenfalls übersteigen, seien sie aus dem Über-

schussanteil zu finanzieren. Der Ehemann wendet ein, im Falle der alternierenden Obhut 

seien ihm die vollen Mietkosten von Fr. 2'240.00 für seine 4.5-Zimmerwohnung anzurech-

nen, da die beiden Kinder bei ihm zur Hälfte übernachten würden. Auch bei einer alleini-

gen Obhutszuteilung müssten ihm die vollen Wohnkosten angerechnet werden, weil er ei-

nen ähnlichen Wohnkomfort haben dürfe wie die Ehefrau, welche in einem geräumigen 

Einfamilienhaus mit 6.5 Zimmern lebe, zumal es die finanziellen Verhältnisse ohne weite-

res zuliessen. Überdies sei zu berücksichtigen, dass er gemäss superprovisorischem Ent-

 

FS.2021.21-EZE2 / FS.2021.22-EZE2 

 

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scheid der Vorinstanz vom DD.MM.2021 angewiesen worden sei, die eheliche Liegen-

schaft per sofort zu verlassen, weshalb er unter Zeitdruck notgedrungen eine Wohnung 

habe mieten müssen.  

 

b) Zum familienrechtlichen Existenzminium, auf welches Anspruch besteht, soweit es 

– wie vorliegend – die finanziellen Mittel zulassen, gehören auch den finanziellen Verhält-

nissen entsprechende statt am betreibungsrechtlichen Existenzminimum orientierte 

Wohnkosten (BGE 147 III 265 E. 7.2). Grundsätzlich ist von den effektiven Wohnkosten 

auszugehen. Erscheinen diese angesichts der konkreten wirtschaftlichen und persönli-

chen Verhältnisse und des jeweiligen Wohnungsmarktes als übersetzt, so kann nach Ab-

lauf des nächsten Kündigungstermins eine Herabsetzung auf ein den konkreten Verhält-

nissen angemessenes Mass erfolgen. Dabei ist ein wichtiges Kriterium, wie viele Perso-

nen in der fraglichen Wohnung leben. In der Regel erscheint ein Zimmer pro Elternteil und 

Kind zuzüglich eines Raumes als Wohnzimmer als angemessen (MAIER, a.a.O., N 985). 

Bei der Frage, welcher Mietzins angemessen ist, ist auch auf eine Gleichbehandlung der 

Parteien zu achten (SPYCHER/MAIER, Bemessungsmethoden in: Hausheer/Spycher 

[Hrsg.], Handbuch des Unterhaltsrechts, 2023, S. 57 ff., 76).  

 

Im Gegensatz zum vorinstanzlichen Entscheid wird dem Antrag auf alternierende Obhut 

stattgegeben. Es erscheint deshalb gerechtfertigt, dass die Kinder auch beim Ehemann je 

ein eigenes Zimmer haben, womit entgegen der Auffassung der Ehefrau nicht von einem 

Einpersonenhaushalt ausgegangen werden kann, sondern die vom Ehemann gemietete 

4.5-Zimmerwohnung angemessen erscheint (ein Zimmer für den Ehemann, zwei Zimmer 

für die Kinder und ein Wohnzimmer). Überdies weist der Ehemann zu Recht darauf hin, 

dass der Ehefrau ein Einfamilienhaus mit 6.5 Zimmern zur Verfügung steht, weshalb die 

Mietwohnung des Ehemanns auch unter dem Gesichtspunkt der Gleichbehandlung der 

Parteien nicht zu beanstanden ist. Die geltend gemachten Wohnungskosten für die 4.5-

Zimmerwohnung von insgesamt Fr. 2'240.00, welche auch die Miete für den notwendigen 

Autoabstellplatz von Fr. 150.00 beinhalten, liegen zwar im oberen Rahmen der ortsübli-

chen Mietzinse (vgl. www.comparis.ch, wonach der Mietzins für 4.5-Zimmerwohnungen in 

X. ohne Autoabstellplatz aktuell zwischen Fr. 1'220.00 und Fr. 2'140.00 beträgt). Ange-

sichts der guten finanziellen Verhältnisse der Familie rechtfertigt es sich allerdings nicht, 

den Mietzins herabzusetzen. Demnach ist weiterhin von monatlichen Wohnkosten von 

Fr. 2'240.00 auszugehen. Überdies ist bei den Kindern ab dem 8. Januar 2024 (Anord-

nung der alternierenden Obhut) ein Anteil an den Wohnkosten des Ehemanns in der Höhe 

von je 20 % bzw. je Fr. 448.00 zu berücksichtigen (BGer 5A_583/2018 E. 5.1; KGer SG 

FS.2019.14-EZE2 vom 7. April 2021 E. II.6.d [www.publikationen.sg.ch]).  

 

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35/51 

 

c) Die Wohnkosten der Ehefrau hat die Vorinstanz auf monatlich Fr. 1'400.00 beziffert 

(Fr. 1'100.00 Ehefrau, je Fr. 150.00 Anteil pro Kind), was vom Ehemann (zumindest teil-

weise) unbestritten geblieben ist. Die Ehefrau geht hingegen in ihrer Berechnung von 

Wohnkosten von insgesamt Fr. 1'250.00 aus (Fr. 620.00 Ehefrau, je Fr. 315.00 Anteil pro 

Kind).  

 

Bei selbst bewohntem Eigentum ist anstelle des Mietzinses auf die tatsächlichen bzw. den 

angemessenen Liegenschaftsaufwand abzustellen, d.h. auf die Hypothekarzinse (ohne 

Amortisation), die öffentlich-rechtlichen Abgaben und die (durchschnittlichen) Unterhalts-

kosten. Zudem sind die durchschnittlichen Aufwendungen für die Beheizung und Neben-

kosten der Wohnräume hinzuzurechnen (Schweizer Richtlinien, S. 1 f.). Der Liegen-

schaftsunterhalt kann auf 20 % des Eigenmietwerts geschätzt werden (vgl. auch BGer 

5A_730/2020 E. 5.2.2.2.2.1.3.). 

 

Der von der Ehefrau genannte Betrag von Fr .1'250.00 setzt sich zusammen aus den mo-

natlichen Hypothekarzinsen von rund Fr. 740.00 und monatlichen pauschalen Unterhalts-

kosten von Fr. 510.00, was der monatlichen Rate von 20 % des Eigenmietwerts ent-

spricht. Während diese Berechnung keine Heiz- und Nebenkosten enthält, scheint die Vo-

rinstanz einen Betrag von Fr. 150.00 für die Heiz- und Nebenkosten berücksichtigt zu ha-

ben, was den Schweizer Richtlinien entspricht. Demnach werden der nachfolgenden Un-

terhaltsberechnung die von der Vorinstanz festgesellten Wohnkosten von insgesamt 

Fr. 1'400.00 zu Grunde gelegt. Davon ist wiederum ein Anteil von je 20 % bzw. je 

Fr. 280.00 den Kindern zuzuweisen, womit der Wohnkostenanteil der Ehefrau auf 

Fr. 840.00 zu beziffern ist. 

 

12. Krankenkasse: Während die Vorinstanz und der Ehemann in seiner Berufungs-

schrift je Fr. 300.00 pro Elternteil und je Fr. 75.00 pro Kind einsetzten, veranschlagte die 

Ehefrau mit Verweis auf die Prämienbelege 2020 Fr. 210.00 für den Ehemann, Fr. 230.00 

für die Ehefrau, Fr. 99.00 für C. und Fr. 98.00 für D. In seiner Berufungsantwort schloss 

sich der Ehemann schliesslich der Auffassung der Ehefrau an und stellte fest, beide Par-

teien würden entgegen der Berechnung der Vorinstanz von den tatsächlichen Kranken-

kassenprämien 2020 ausgehen, welche für den Ehemann Fr. 210.00, für die Ehefrau 

Fr. 230.00, für C. Fr. 99.00 und für D. Fr. 98.00 betragen würden. 

 

Die von den Parteien (schlussendlich) übereinstimmend bezifferten Kosten für die Kran-

kenkasse, bestehend aus den monatlichen Prämien für die Grundversicherung und der 

 

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Zusatzversicherung, sind durch die Prämienübersicht für das Steuerjahr 2020 belegt. Da-

mit ist von folgenden (gerundeten) Positionen auszugehen: Ehefrau: Fr. 230.00, Ehemann 

Fr. 210.00, D.: Fr. 100.00, C.: Fr. 100.00.  

 

13. Versicherungs- und Kommunikationspauschale: Während die Vorinstanz die Versi-

cherungspauschale auf je Fr. 50.00 bezifferte, gehen die Parteien übereinstimmend von 

Kosten von je Fr. 80.00 aus. Im familienrechtlichen Existenzminium kann monatlich eine 

Versicherungspauschale für Unfall-, Hausrat- und Haftpflichtversicherungen berücksichtigt 

werden (vgl. BGE 147 III 265 E. 7.2; MAIER, a.a.O., N 1083). Diese beträgt gemäss 

St. Gallischer Gerichtspraxis und entgegen der (nicht weiter begründeten) Auffassung der 

Parteien Fr. 50.00, weshalb es mit der vorinstanzlichen Erwägung sein Bewenden hat 

(vgl. KGer SG FO.2019.24-K2 vom 21. Dezember 2021 [www.publikationen.sg.ch]).  

 

Vom Amtes wegen ist bei beiden Ehegatten eine Kommunikationspauschale von je 

Fr. 130.00 einzusetzen (vgl. KGer SG FO.2019.24-K2 vom 21. Dezember 2021 

[www.publikationen.sg.ch]).  

 

14. Mobilitätskosten: Den Parteien ist Recht zu geben, dass entgegen den vorinstanzli-

chen Erwägungen im familienrechtlichen Existenzminium der Ehegatten keine "Mobilitäts-

kosten" von je Fr. 300.00 zu berücksichtigen sind. Denn Kosten für nicht beruflich be-

dingte Mobilität sind aus dem Überschuss zu decken (MAIER, a.a.O., N 1157). Das Glei-

che gilt auch für die von der Ehefrau in unbekannter Höhe vorgebrachten (Mehr)kosten für 

ihr Fahrzeug, auf welches sie aufgrund des jungen Alters der Kinder angewiesen sei. 

 

15. Berufsauslagen: Die vorinstanzlich im Bedarf des Ehemanns berücksichtigten Be-

rufsauslagen von monatlich Fr. 1'000.00 blieben von beiden Parteien unbestritten, wes-

halb es damit in den ersten zwei Phasen sein Bewenden hat. Mit der Pensumsreduktion 

ab dem 8. Januar 2024 sind die Berufsauslagen entsprechend auf 90 % und damit auf 

Fr. 900.00 zu reduzieren. 

 

Entgegen dem vorinstanzlichen Entscheid sind die Parteien übereinstimmend der Auffas-

sung, der Ehefrau müsse ab dem 1. Juli 2022 Berufsauslagen von monatlich Fr. 300.00 

angerechnet werden. Dieser Auffassung ist zu folgen, da der Ehefrau ab diesem Zeitpunkt 

ein hypothetisches Einkommen angerechnet wird und entsprechend in ihrem Bedarf auch 

hypothetische Berufsauslagen zu berücksichtigen sind. Die von den Parteien einvernehm-

 

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lich auf Fr. 300.00 für ein 50 % Pensum geschätzten Berufsauslagen können übernom-

men werden. Ab dem 8. Januar 2024 sind diese entsprechend dem ab diesem Zeitpunkt 

erwarteten 60 % Pensum auf Fr. 360.00 zu erhöhen.  

 

16.a) Steuern: Die Vorinstanz hat bei beiden Parteien Steuern von monatlich je Fr. 500.00 

berücksichtigt, womit die Ehefrau einverstanden ist. Der Ehemann ist hingegen der Auf-

fassung, diese seien nur gerechtfertigt, wenn die Ehefrau im Rahmen der alternierenden 

Obhut in einem Pensum von 75 % arbeite. In der ersten Phase könne hingegen die mo-

natliche Steuerlast von Fr. 1'000.00 nicht hälftig auf die Parteien aufgeteilt werden. Denn 

die Ehefrau könne den Kinderabzug für die beiden Kinder geltend machen, während der 

in Vollzeit erwerbstätige Ehemann mehr als die errechneten Fr. 500.00 Steuern bezahlen 

müsse. Es rechtfertigte sich deshalb, in der ersten Phase dem Ehemann Fr. 750.00 und 

der Ehefrau Fr. 250.00 anzurechnen.  

 

b) Da die vorliegende Unterhaltsberechnung höhere Unterhaltsbeiträge ergibt, was 

sich in Wechselwirkung wiederum in den Steuern niederschlägt, sind diese für sämtliche 

Phasen anzupassen. Die Steuern sind anhand der eingereichten Unterlagen und anwend-

baren Steuerkalkulatoren (www.sg.ch/steuern-finanzen/steuern/steuerkalkulator.html) an-

näherungsweise zu ermitteln.1 

 

In der ersten Phase belaufen sich die Steuern auf Seiten des Ehemanns auf schätzungs-

weise Fr. 540.00 pro Monat (Eckdaten: Jahreseinkommen von Fr. 135'000.00, Abzüge von 

total Fr. 80’526.00,2 steuerbares Vermögen von Fr. 113'000.00 [Hälfte des steuerbaren Ver-

mögens gem. Steuererklärung 2020], Tarif alleinstehend, Berechnungsjahr 2022). Die Steu-

erlast der Ehefrau vor der Ausscheidung der auf die Kinder entfallenden Beträge wird auf 

monatlich Fr. 190.00 geschätzt (Eckdaten: Einkünfte von total Fr. 89’380 [= 12 x Fr. 460.00 

[Kinderzulagen ] zzgl. Fr. 62'