# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 36132a01-7f90-5dad-8efe-96ea4fb5452c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-06-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.06.2020 E-2972/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2972-2020_2020-06-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2972/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  J u n i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Einzelrichterin Gabriela Freihofer, 

mit Zustimmung von Richter Markus König;   

Gerichtsschreiber Christoph Berger. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. Ljuba Kurcubic,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung (Asyl); 

zugunsten von 

B._______, geboren am (…), 

und deren Kinder 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

E._______, geboren am (…), 

Eritrea, 

Verfügung des SEM vom 7. Mai 2020. 

 

E-2972/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Mit Verfügung vom 28. Januar 2020 anerkannte das SEM den Beschwer-

deführer als Flüchtling und gewährte ihm Asyl. 

B.  

Mit Eingabe vom 8. April 2020 ersuchte der Beschwerdeführer beim SEM 

um Familienzusammenführung mit seiner Ehefrau und deren gemeinsa-

men Kinder. 

C.  

Mit Verfügung vom 7. Mai 2020 lehnte das SEM die Erteilung einer Einrei-

sebewilligung in die Schweiz für seine Ehefrau und die gemeinsamen Kin-

der und das Gesuch um Familienasyl ab. 

D.  

Mit Eingabe datiert vom 5. Juni 2020 erhob der Beschwerdeführer durch 

seine Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und 

beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und zwecks voll-

ständiger Abklärung des Sachverhalts und Wahrung des rechtlichen Ge-

hörs an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei seiner Ehefrau 

und seinen Kindern die Einreise in die Schweiz zu bewilligen und seinem 

Gesuch um Familienasyl stattzugeben. Es sei auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses zu verzichten und ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu 

gewähren sowie in der Person der Unterzeichnenden eine unentgeltliche 

Rechtsbeiständin zu bestellen. 

E.  

Mit Schreiben des Bundesverwaltungsgerichts vom 9. Juni 2020 wurde 

dem Beschwerdeführer der Eingang der Beschwerde bestätigt. 

F.  

Mit Eingabe vom 17. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Bestä-

tigung der zuständigen Gemeindebehörde vom 9. Juni 2020 nach, wonach 

er vollumfänglich von der Sozialhilfe unterstützt werde. Zudem wurden 

zwei Fotografien zu den Akten gegeben, auf denen die Ehefrau des Be-

schwerdeführers gemeinsam mit ihren drei Kindern zu sehen sind. Im Wei-

teren stellte der Beschwerdeführer in Aussicht, er werde sich nach Mög-

lichkeit darum bemühen, namentlich eine Bestätigung der Anmeldung sei-

ner Familie im Flüchtlingscamp im Sudan zu beschaffen. 

E-2972/2020 

Seite 3 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Der 

Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-

gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie 

Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-

fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weiterungen und mit summarischer 

Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

4.  

4.1 Ehegatten von asylberechtigten Flüchtlingen und deren minderjährige 

Kinder werden gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG ihrerseits als Flüchtlinge aner-

kannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegenspre-

chen. Anspruchsberechtigte Personen nach Art. 51 Abs. 1 AsylG haben 

gemäss Art. 51 Abs. 4 AsylG einen Anspruch auf Erteilung einer Einreise-

bewilligung, sofern sie sich noch im Heimatstaat oder im Ausland aufhalten 

und durch die Flucht des in der Schweiz asylberechtigten Flüchtlings ge-

trennt wurden. Die Erteilung einer Einreisebewilligung setzt eine vorbe-

standene Familiengemeinschaft sowie die fest beabsichtigte Familienver-

einigung in der Schweiz voraus (vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5, 2017 VI/4 E. 3.1 

und E. 4.4.2, 2012/32 E. 5). 

4.2 Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach Art. 51 Abs. 4 AsylG be-

zweckt die Wiederherstellung von vorbestandenen Familiengemeinschaf-

ten, die «allein aufgrund der Fluchtumstände» und somit «unfreiwillig» ge-

trennt worden ist (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4.2 m.w.H.). Die Trennung der 

Familiengemeinschaft muss demnach kausal mit jenen Umständen zu-

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Seite 4 

sammenhängen, welche zur Flucht aus dem Heimatland Anlass gegeben 

haben. Ausnahmsweise kann auch dann von einer im Sinne von Art. 51 

Abs. 4 AsylG relevanten Trennung ausgegangen werden, wenn nicht die 

Flucht eines Familienmitglieds ins Ausland als solche, sondern andere 

zwingende Gründe zur Trennung der Familiengemeinschaft geführt haben 

(vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5.2). 

4.3 Wer um die Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Familienasyl 

ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen zur Fa-

miliengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht vorbestandene Familien-

gemeinschaft, die Familientrennung durch die Flucht sowie die fest beab-

sichtigte Familienvereinigung aller Anspruchsberechtigter nachzuweisen 

oder zumindest glaubhaft zu machen. Die Bewilligung des Familiennach-

zugs dient insbesondere nicht der Wiederaufnahme von zuvor beendeten 

Beziehungen. 

4.4 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, der Be-

schwerdeführer habe sein Gesuch um Familienasyl damit begründet, er 

habe im Jahre 2012 in Eritrea geheiratet und nach seiner Flucht aus Eritrea 

seien ihm seine Ehefrau und ein Kind zirka fünf Monate später in den Su-

dan gefolgt. Ein Sohn sei bei den Eltern des Beschwerdeführers in Eritrea 

geblieben. Er habe zirka ein Jahr mit seiner nachgefolgten Familie illegal 

im Sudan zusammengelebt, bevor er alleine nach Europa aufgebrochen 

sei. Er habe seine Frau im Sudan zurückgelassen, weil sie damals schwan-

ger und gesundheitlich angeschlagen gewesen sei. Er sei somit von seiner 

Familie einerseits durch die Ausreise aus Eritrea und andererseits auf der 

Flucht im Sudan unfreiwillig getrennt worden. Die Trennung von seiner 

Ehefrau und den beiden Kindern stelle somit eine Trennung auf der Flucht 

als eine mögliche Konstellation der Trennung durch Flucht im Sinne von 

Art. 51 Abs. 4 AsylG dar. Dabei habe er auf ein Einzelurteil des Bundesver-

waltungsgerichts (BVGer D-2566/2017 vom 1. Mai 2018 E. 6.1) verwiesen. 

Nach seiner Flucht sei er per Telefon und Messenger mit seiner Frau in 

Kontakt geblieben. Er habe sein Gesuch mit Passfotos seiner Frau und 

seiner drei Kinder gestützt und habe auf die bereits im Asylverfahren ein-

gereichten zivilrechtlichen Dokumente seiner Angehörigen verwiesen 

(Taufscheine der Kinder, Heiratsurkunde). 

4.5 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung stellte das SEM fest, 

aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers und der eingereichten Do-

kumente im Asylverfahren dürfte die Zugehörigkeit der nachzuziehenden 

Angehörigen zur Familiengemeinschaft erfüllt sein und es sei auch vom 

E-2972/2020 

Seite 5 

Kriterium der vorbestandenen Familiengemeinschaft in Eritrea auszuge-

hen. 

Indessen würden sich Vorbehalte bezüglich der Trennung durch Flucht er-

geben. Der Beschwerdeführer sei (mit Verweisen auf die entsprechenden 

Aktenstellen in seinem Asylverfahren) am 30. Dezember 2014 definitiv aus 

Eritrea geflüchtet und habe sich dann bis Juli 2016 im Sudan aufgehalten. 

Seine Frau und die Tochter M. seien ihm im Juli 2015 in den Sudan nach-

gereist. Sein Sohn M. sei bei seinen Eltern in Eritrea zurückgeblieben. An-

schliessend habe der Beschwerdeführer mit seiner Frau und seiner Tochter 

M. im Sudan zusammengelebt. Insgesamt habe er über ein Jahr mit seiner 

Frau und seiner Tochter M. im Drittstaat Sudan gewohnt. Im Jahre 2016 

habe seine Frau im Sudan eine weitere Tochter geboren. Aufgrund der Ak-

tenlage und der Aussagen des Beschwerdeführers seien weder er noch 

seine Frau im Sudan in asylrechtlich relevanter Weise gefährdet gewesen, 

zumal er sich längere Zeit im Sudan aufgehalten habe und dort erneut Va-

ter geworden sei. Auch seien keine anderen glaubhaften Anzeichen akten-

kundig, welche eine unfreiwillige Trennung erforderlich gemacht hätten. 

Daraus ergebe sich, dass die (zeitlich letzte) Trennung ausschliesslich 

durch asylfremde Motive motiviert gewesen sei und der Beschwerdeführer 

seine Frau und die beiden Töchter im Sudan nicht im Rahmen einer verfol-

gungsindizierten Flucht, sondern freiwillig verlassen habe. Seine Flucht sei 

mit der Ausreise von Eritrea in den Drittstaat Sudan, der Wiedervereinigung 

der Familie im Sudan sowie dem längeren Aufenthalt im Sudan abge-

schlossen worden. Durch seine anschliessende freiwillige Abreise aus dem 

Sudan habe eine freiwillige Trennung von seiner Familie stattgefunden, 

weshalb die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 4 AsylG nicht erfüllt seien. 

An dieser Schlussfolgerung und der freiwilligen Trennung vermöge seine 

Rechtfertigung, wonach seine Frau damals schwanger und gesundheitlich 

angeschlagen gewesen sei, nichts zu ändern. Es sei zwar nachvollziehbar, 

dass er seine Ehefrau nicht den Risiken einer Weiterreise quer durch die 

Sahara nach Europa habe aussetzen wollen, aber dennoch könne nicht 

von einer unfreiwilligen Trennung gesprochen werden. Zudem hätte der 

Beschwerdeführer die Möglichkeit gehabt, bei seiner Ehefrau im Sudan zu 

verbleiben. Stattdessen habe er sich aber bewusst für die alleinige freiwil-

lige Weiterreise nach Europa entschieden. Daran ändere auch der Verweis 

auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nichts, zumal es sich dabei 

um einen Einzelfall handle, der nicht der konstanten Rechtsprechung des 

Bundesverwaltungsgerichts zu vorliegender Konstellation entspreche. 

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Vielmehr zeige die konstante Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts dazu unzweifelhaft auf, dass bei freiwilliger Trennung von Familien 

in Drittstaaten die Voraussetzungen von Art. 51 Abs. 4 AsylG nicht erfüllt 

und derartige Gesuche um Familienasyl abzulehnen seien. Hierzu führte 

das SEM als Beispiele sechs Urteile des Bundesverwaltungsgerichts auf.  

Zusätzlich äusserte sich das SEM bezüglich des in Eritrea verbliebenen 

Sohnes des Beschwerdeführers. Im Wesentlichen führte es dazu an, ge-

mäss den vorliegend gegebenen Umständen sei weder der Wille noch die 

Absicht des Beschwerdeführers glaubhaft erkennbar, mit diesem Sohn 

eine Familiengemeinschaft zu bilden und zu leben. Für den Zeitrahmen 

des eineinhalbjährigen Aufenthaltes des Beschwerdeführers in Khartum 

(Sudan) seien keine aktenkundigen Hinweise vorhanden, wonach er ver-

sucht habe, seinen Sohn in den Sudan zu holen. Auch seien keine regel-

mässigen aktenkundigen Kontakte zu seinem in Eritrea verbliebenen Sohn 

seit der definitiven Ausreise aus Eritrea im Dezember 2014 bis heute glaub-

haft nachgewiesen. Das Verhalten des Beschwerdeführers lasse vielmehr 

auf eine seit seiner definitiven Ausreise aus Eritrea im Dezember 2014 ab-

gebrochene Beziehung zu diesem Sohn schliessen, weshalb zusätzlich 

von besonderen Umständen im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG auszuge-

hen sei, zumal das Familienasyl nach Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG praxisge-

mäss nicht der Wiederaufnahme von zuvor abgebrochenen Beziehungen 

diene. Dabei verwies das SEM auf BVGE 2012/32 E. 5.4.2.  

4.6 Mit der Beschwerde wird der Begründung der Verfügung des SEM im 

Wesentlichen entgegengehalten, gemäss Rechtsprechung des Bundes-

verwaltungsgerichts bilde die Trennung auf der Flucht eine der möglichen 

Konstellationen der Trennung durch die Flucht im Sinne von Art. 51 Abs. 4 

AsylG. Das Ziel des Beschwerdeführers sei gemäss seinen Angaben Eu-

ropa und nicht der Sudan gewesen. Er habe sich damit im Sudan noch 

immer auf der Flucht befunden. Zudem habe er aufgrund seiner illegalen 

Einreise in den Sudan befürchten müssen, in Haft genommen und nach 

Eritrea zurückgeschafft zu werden. Er habe auch während eines Jahres 

mehrere Male versucht, aus dem Sudan auszureisen. Von seiner Familie 

habe er sich aus nachvollziehbaren Gründen aufgrund der Schwanger-

schaft seiner Frau beziehungsweise der Niederkunft unfreiwillig trennen 

müssen. Die Weiterreise nach Europa sei für die Frau und die Kinder zu 

gefährlich gewesen. 

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Seite 7 

Entgegen der Behauptung des SEM habe der Beschwerdeführer gegen-

über seinem in Eritrea verbliebenen Sohn seine Fürsorgepflicht nicht ver-

letzt. Er habe ohne seine Frau und seine Kinder alleine aus Eritrea flüchten 

müssen. Seine Frau habe Eritrea ebenfalls verlassen und dabei den Sohn 

vorübergehend zurücklassen müssen. Es sei nicht er gewesen, der den 

Sohn zurückgelassen habe, weil er die Beziehung zu ihm abgebrochen 

hätte. Seit März 2020 befinde sich der Sohn bei seiner Mutter und seinen 

Geschwistern im Sudan, zu denen der Beschwerdeführer täglich Kontakt 

habe. Sein Wille, die Familiengemeinschaft räumlich wiederaufzunehmen, 

sei klar erkennbar.  

Zusammenfassend ergebe sich, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt 

der Flucht eine Familiengemeinschaft mit seiner Ehefrau und seinen Kin-

dern gebildet und die Beziehung nie abgebrochen habe. Auch habe er sich 

von der Familie auf der Flucht unfreiwillig getrennt. Demnach seien die Vo-

raussetzungen für die Gewährung des Familienasyls erfüllt.  

5.  

5.1 Eine Prüfung der Akten ergibt, dass die vorinstanzliche Schlussfolge-

rung, wonach die Voraussetzungen für die asylrechtliche Familienzusam-

menführung gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG vorliegend nicht erfüllt 

sind, zu bestätigen ist. Die zusätzlichen Vorbringen auf Beschwerdeebene 

vermögen nicht durchzudringen und die rechtlichen Entgegnungen lassen 

aufgrund der geltenden Rechtsprechung keine andere Betrachtungsweise 

zu.  

5.2 Das Hauptbegehren der Beschwerde, die angefochtene Verfügung sei 

aufzuheben und zwecks vollständiger Abklärung des Sachverhalts und 

Wahrung des rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz zurückzuweisen, wird 

nicht begründet. Es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern der rechtserhebli-

che Sachverhalt nicht hinreichend erstellt oder der Anspruch auf rechtli-

ches Gehör verletzt worden sein sollte. Auf das Rechtsbegehren ist dem-

nach nicht weiter einzugehen. 

5.3 Das SEM zeigte in der angefochtenen Verfügung die geltende Recht-

sprechung des Bundesverwaltungsgerichts korrekt auf und stellte insofern 

zu Recht fest, dass es sich beim auch in der Beschwerdeschrift herange-

zogenen Entscheid des BVGer D-2566/2017 vom 1. Mai 2018 um ein Urteil 

handelte, das als Einzelfall nicht durchwegs von der konstanten Rechtspre-

chung des Bundesverwaltungsgerichts zu vorliegender Konstellation ge-

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Seite 8 

stützt werden dürfte. Zudem unterscheidet sich die Ausgangslage für die-

sen Entscheid mit einer bedeutend kürzeren Aufenthaltsdauer im Drittstaat 

nicht unwesentlich (vgl. auch Urteil des BVGer D-3294/2019 vom 4. Mai 

2020 E. 7.2). 

Massgeblich ist der Umstand, dass der Beschwerdeführer am 30. Dezem-

ber 2014 Eritrea verlassen und seit Juli 2015 über ein Jahr mit seiner Frau 

und seiner Tochter M. im Sudan zusammengelebt hat, bis er sich ent-

schloss, im Sinne der Rechtsprechung "freiwillig" alleine nach Europa wei-

terzureisen. Es gibt keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass er wäh-

rend seines Aufenthalts im Sudan asylrechtlich relevanten Nachteilen aus-

gesetzt gewesen wäre und er sich mit seiner Weiterreise unfreiwillig von 

seiner Familie getrennt hätte. Die Vorbringen in der Rechtsmitteleingabe, 

der Beschwerdeführer habe befürchten müssen, im Sudan in Haft genom-

men und nach Eritrea zurückgeschafft zu werden, weshalb er aus dem Su-

dan habe ausreisen müssen, was er während des einjährigen Aufenthaltes 

im Sudan mehrere Male versucht habe, finden in den Akten keine Stütze 

und sind als nachgeschoben und somit als untauglicher Versuch zu werten, 

die sachverhaltlichen Voraussetzungen nachträglich anzupassen. Es ist 

festzustellen, dass der Beschwerdeführer seine Familie im Sudan somit 

nicht im Rahmen einer verfolgungsindizierten Flucht, sondern freiwillig ver-

lassen hat. Die Flucht endete mithin im Sudan.  

Wie das SEM in der angefochtenen Verfügung zutreffend erkannte, vermag 

der Umstand, dass seine Frau damals schwanger und gesundheitlich an-

geschlagen gewesen sei, nichts an einer freiwilligen Trennung und einer 

bewussten freiwilligen alleinigen Weiterreise nach Europa zu ändern. 

Diese Gründe könnten zwar im Rahmen einer verfolgungsindizierten 

Flucht bezüglich der Unfreiwilligkeit der Trennung allenfalls eine Rolle spie-

len. Für sich allein vermögen sie aber die Unfreiwilligkeit der Trennung der 

Familiengemeinschaft nicht zu begründen. Abgesehen davon muss der Ar-

gumentation des Beschwerdeführers, er habe sich aus nachvollziehbaren 

Gründen, nämlich aufgrund der Schwangerschaft seiner Frau beziehungs-

weise der Niederkunft und damit einhergehenden gesundheitlichen Be-

schwerden unfreiwillig von ihr trennen müssen, zumindest zurückhaltend 

begegnet werden. Vielmehr dürfte erwartet werden, dass der Beschwerde-

führer sich gerade in der Zeit der mit gesundheitlichen Beschwerden ver-

bundenen Schwangerschaft und Niederkunft um seine Ehefrau gekümmert 

und ihr zur Seite gestanden hätte, anstatt sich ohne unmittelbar drohendem 

verfolgungsindizierten Anlass auf schwer absehbare Zeit von ihr und der 

Familie zu trennen. Das bewusste Zurücklassen einer mit gesundheitlichen 

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Seite 9 

Beschwerden belasteten Ehefrau mit einem ungeborenen oder neugebo-

renen Kind und einer zweijährigen Tochter ohne zwingenden Grund und 

auf kaum absehbare Zeit prägt das Bild eines für das Gericht schwer nach-

vollziehbaren Verständnisses einer gelebten Familiengemeinschaft und 

Verantwortungsbewusstseins. Daraus darüber hinaus eine unfreiwillige 

Trennung ableiten zu wollen, da gerade zu diesem Zeitpunkt die gemein-

same Weiterreise für Frau und Kind zu gefährlich gewesen wäre, erweist 

sich als nicht adäquater Rechtfertigungsgrund. 

Entgegen der mit der Beschwerde vertretenen Sichtweise ist nach dem 

Gesagten die Voraussetzung der Trennung auf der Flucht als Konstellation 

der Trennung durch die Flucht nicht erfüllt. Da damit das Erfordernis der 

Trennung durch Flucht nicht erfüllt ist, ist irrelevant, dass der Wille des Be-

schwerdeführers und seiner Ehefrau zur Aufrechterhaltung der Familien-

gemeinschaft stets gegeben gewesen wäre respektive keine (dauerhafte) 

Trennungsabsicht bestanden hätte (vgl. zur ganzen hier massgeblichen 

Frage Urteil des BVGer E-1142/2018 vom 6. September 2019 E. 6.3). 

Im Weiteren ist die – für den vorliegenden Entscheid massgebliche – Fest-

stellung des SEM in der angefochtenen Verfügung bezüglich des in Eritrea 

verbliebenen Sohnes des Beschwerdeführers nicht zu beanstanden, dass 

gemäss den vorliegend gegebenen Umständen weder der Wille noch die 

Absicht des Beschwerdeführers glaubhaft erkennbar sei, mit seinem Sohn 

eine Familiengemeinschaft zu bilden und zu leben. Das SEM führte zu 

Recht weiter aus, das Verhalten des Beschwerdeführers lasse vielmehr auf 

eine seit seiner definitiven Ausreise aus Eritrea im Dezember 2014 abge-

brochene Beziehung zu diesem Sohn schliessen, weshalb zusätzlich von 

besonderen Umständen im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG auszugehen 

sei, zumal das Familienasyl nach Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG praxisgemäss 

nicht der Wiederaufnahme von zuvor abgebrochenen Beziehungen diene. 

Der Einwand in der Beschwerde, nicht der Beschwerdeführer habe seinen 

Sohn in Eritrea zurückgelassen, sondern seine Ehefrau anlässlich ihrer 

Ausreise aus Eritrea in den Sudan, vermag das Gericht nicht zu überzeu-

gen. Es ist aufgrund der Aktenlage nicht ersichtlich, dass sich der Be-

schwerdeführer im Verlaufe von über einem Jahr auch nur darum bemüht 

hätte, seinen Sohn in seine im Sudan wohnhafte Familie einzugliedern. Bei 

dieser Sachlage kann verzichtet werden, auf weitere diesbezügliche Aus-

führungen in der angefochtenen Verfügung und die entsprechenden Ent-

gegnungen in der Beschwerde einzugehen. 

E-2972/2020 

Seite 10 

Dass sich der Sohn – wie in der Beschwerde nachgeführt – nunmehr seit 

März 2020 bei seiner Mutter und seinen Geschwistern im Sudan befindet, 

nimmt das Gericht als vorliegend irrelevanten Umstand zur Kenntnis. 

5.4 Die Voraussetzungen für die Bewilligung der Einreise in die Schweiz 

für die Ehefrau und die Kinder des Beschwerdeführers und für die Gewäh-

rung des Familienasyls (Art. 51 Abs. 4 AsylG) sind damit nicht erfüllt. Die 

Vorinstanz hat das Gesuch um eine Einreisebewilligung in die Schweiz und 

Erteilung des Familienasyls zu Recht abgelehnt. 

Die weiteren Beschwerdevorbringen und die eingereichten Beweismittel 

sind nicht geeignet, eine Änderung am Entscheid zu bewirken. Im Übrigen 

ist der Beschwerdeführer darauf hinzuweisen, dass der Familiennachzug 

nach den Vorschriften des Ausländer- und Integrationsgesetzes (AIG, SR 

142.20) vorbehalten bleibt. 

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. Die in Aussicht gestellte Bestätigung der Anmeldung der Familie 

im Flüchtlingscamp im Sudan braucht nach dem Gesagten nicht abgewar-

tet zu werden. 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–  

(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist unbesehen der Pro-

zessbedürftigkeit des Beschwerdeführers abzuweisen, da sich die Begeh-

ren der Beschwerde als aussichtlos erwiesen (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Dem-

nach ist auch das Gesuch um Bestellung einer amtlichen Rechtsbeiständin 

abzuweisen (Art. 102m Abs. 1 AsylG). 

Das Gesuch um Verzicht der Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit 

vorliegendem Urteil gegenstandlos. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

E-2972/2020 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Be-

stellung einer amtlichen Rechtsbeiständin werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Gabriela Freihofer Christoph Berger 

 

 

 

 

Versand: