# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0e69110d-5f3a-546c-84b3-f73e7cbcf79d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.11.2022 E-3722/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3722-2020_2022-11-24.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3722/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 4 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichter David R. Wenger, 

mit Zustimmung von Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger;   

Gerichtsschreiberin Giulia Marelli. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…),  

B._______, geboren am (…), 

beide Syrien,   

vertreten durch lic. iur. Othman Bouslimi,  

Beschwerdeführerinnen,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 23. Juni 2020 / N (…). 

 

 

 

E-3722/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A._______ (Beschwerdeführerin 1) suchte am 14. Oktober 2019 in der 

Schweiz um Asyl nach. Ihre am (…) in der Schweiz geborene Tochter 

B._______ (Beschwerdeführerin 2) wurde in das Asylverfahren einbezo-

gen. 

B.  

Die Personalien der Beschwerdeführerin 1 wurden am 16. Oktober 2019 

aufgenommen, bevor sie am 19. Februar 2020 und am 4. März 2020 zu 

ihren Asylgründen befragt wurde. Mit Entscheid der Vorinstanz vom 

11. März 2020 wurde ihr Gesuch dem erweiterten Verfahren zugewiesen. 

C.  

In ihren Anhörungen machte die Beschwerdeführerin 1 im Wesentlichen 

geltend, sie sei syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie und stamme 

aus C._______, Distrikt Qamishli, Gouvernement Al-Hasaka. 2002 habe 

ihre Mutter für sie eine Zwangsheirat veranlasst, wobei ihr Ehemann sie 

von Beginn an geschlagen und misshandelt habe, sodass sie in ständiger 

Angst vor ihm gelebt habe. Nach der Geburt des dritten Kindes sei die Fa-

milie nach D._______ umgezogen, wo sie aufgrund der Situation mit ihrem 

Ehemann mehrere Versuche unternommen habe, sich das Leben zu neh-

men. Die Familie sei schliesslich zurück nach E._______, nach der Geburt 

des vierten Kindes nach F._______ und schlussendlich nach G._______ 

gezogen. In dieser Zeit habe ihr Ehemann seinem Bruder geholfen, dessen 

Sohn von den «Apochi» zurückzuholen. Er habe sich monatelang um des-

sen Befreiung bemüht, bis er die Familie, bei der der Junge festgehalten 

worden sei, habe ausfindig machen können und bei den syrischen Sicher-

heitsbehörden angezeigt habe. Nach ungefähr einem Jahr Aufenthalt in 

G._______ sei ihr Mann in den Irak gereist, um dort zu arbeiten und seine 

Schulden zu begleichen. Da er ihr sein Telefon samt SIM-Karte überlassen 

habe, habe sie entdeckt, dass er Drohnachrichten von den «Apochi» er-

halten habe, die sich indirekt auch an ihre Kinder gerichtet hätten. In der 

Folge habe sie Angst gehabt, von den «Apochi» festgenommen zu werden. 

Inzwischen fürchte sie zudem, sie werde bei einer – hypothetischen – 

Rückkehr nach Syrien wie alle alleinstehenden Personen von den 

«Apochi» gezwungen, Militärdienst zu leisten und für sie an der Front zu 

kämpfen.  

Im Juni oder Juli 2012 seien sie und ihre Kinder aufgrund der Angst vor 

den «Apochi» mit ihrem Bruder H._______ (N […]; nachfolgend: 

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Seite 3 

H._______) während dessen Militärurlaub mithilfe eines Schleppers nach 

I._______ im Irak gereist, wo sie zusammen mit ihrem Ehemann im Haus 

ihres Neffen, später bei ihrem Onkel und schliesslich in einem eigenen 

Miethaus untergekommen sei. Gleichzeitig sei die Situation für ihre Fami-

lienangehörigen in Aleppo sehr schwierig und gefährlich gewesen, da die 

syrischen Behörden nach H._______ gefragt bzw. ihn gesucht hätten. 

Nach ungefähr einem Monat seien auch ihre Mutter und ihre Schwester 

nach I._______ gekommen. Ihre Geschwister und ihre Mutter seien 

schliesslich im Jahr 2015 per Visum vom Irak in die Schweiz gereist. Da ihr 

Ehemann gedroht habe, ihre Kinder im Irak zurückzubehalten, habe sie die 

Reise nicht wie ursprünglich vorgesehen mitangetreten. 

Während ungefähr sechs Monaten habe ihr Ehemann sie in der Folge ge-

zwungen, mit zwei Männern Geschlechtsverkehr zu haben, um seinerseits 

Gegenleistungen – hauptsächlich finanzieller Art – zu erhalten. In dieser 

Zeit habe sie gesundheitliche Probleme bekommen und sei einen Monat 

krank gewesen. Schliesslich sei sie zum Bruder ihres Ehemanns in ein 

Flüchtlingslager in I._______ gezogen, wo ihr Mann nach einiger Zeit zu 

ihnen gestossen sei. Ihr Gesundheitszustand sei nach wie vor sehr 

schlecht gewesen und sie habe mehrmals zum Arzt gebracht werden müs-

sen. Ihr Ehemann habe währenddessen mit Gewalt versucht, sie in die 

Stadt zurückzubewegen, weshalb sie mehrere Suizidversuche unternom-

men habe aus Angst, wieder in ihr altes Leben zurückkehren zu müssen.  

Ungefähr Ende 2017 habe ihr Ehemann ihr ausrichten lassen, er habe sich 

in der Zwischenzeit von ihr scheiden lassen und eine Cousine geheiratet, 

mit welcher er sich im selben Flüchtlingslager niedergelassen habe. Er 

habe ihr den Kontakt mit den Kindern verboten und erklärt, er sei bereit, für 

sie und die Kinder ein Haus zu mieten. Aus Angst, so wieder «Besuche» 

von Männern zu bekommen, habe sie sich geweigert und sei im Flücht-

lingslager zu ihren Nachbarn gezogen. Aufgrund der Aussichtslosigkeit ih-

rer Lage sei sie im Juni oder Juli 2018 zusammen mit einer anderen Familie 

aus dem Irak ausgereist. 

D.  

Die Beschwerdeführerin 1 reichte im vorinstanzlichen Verfahren ihre origi-

nale syrische Identitätskarte und einen Registerauszug des UNHCR zu ih-

rer Person ein. 

E.  

Mit Verfügung vom 23. Juni 2020 (gleichentags eröffnet) stellte das SEM 

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Seite 4 

fest, die Beschwerdeführerinnen erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte ihr Asylgesuch ab, wies sie aus der Schweiz weg, verfügte infolge 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme, be-

auftragte den zuständigen Kanton mit deren Umsetzung und händigte die 

editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. 

F.  

Mit Eingabe vom 21. Juli 2020 erhoben die Beschwerdeführerinnen gegen 

diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie bean-

tragen, es sei der Entscheid der Vorinstanz aufzuheben und ihnen die 

Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen sowie Asyl zu gewähren. Weiter sei 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unent-

geltliche Prozessführung zu gewähren. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 6. August 2020 wies der Instruktionsrichter 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab und 

forderte die Beschwerdeführerinnen zur Leistung eines Kostenvorschus-

ses auf. Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht bezahlt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-

den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet 

des Asyls in der Regel sowie auch vorliegend endgültig (Art. 105 AsylG; 

Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadres-

sat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- 

und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 1 

AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

2.   

2.1  Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

2.2  Der Wegweisungsvollzug wurde zugunsten einer vorläufigen Auf-

nahme aufgeschoben und bildet deshalb nicht Gegenstand des Beschwer-

deverfahrens. 

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Seite 5 

2.3  Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im 

Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten 

Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) und mit sum-

marischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-

zichtet.  

3.      

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).  

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4. 

4.1 Die Vorinstanz begründete ihren Asylentscheid mit der fehlenden asyl-

rechtlichen Relevanz der geltend gemachten Vorbringen. So seien die im 

Irak erlittenen Misshandlungen nicht erheblich, da sich die Nachteile nicht 

im Heimatstaat der Beschwerdeführerin 1, sondern in einem Drittstaat er-

eignet hätten. Aus den Akten ergäben sich des Weiteren keine Hinweise, 

wonach ihr solche Nachteile im Heimatstaat drohen würden, da ihr Ehe-

mann Syrien aus Angst vor den «Apochi» verlassen, sich später von ihr 

scheiden lassen und eine andere Frau geheiratet habe und sich seither im 

Irak aufhalte. Es lägen keine stichhaltigen Gründe für die Annahme vor, 

dass ihr Ehemann in naher Zukunft nach Syrien zurückkehren und die Be-

schwerdeführerin 1 dort weiterverfolgen werde. Im Übrigen habe sie im 

Rahmen ihrer beiden Anhörungen auch nie geltend gemacht, sich bei einer 

Rückkehr nach Syrien von ihrem Ehemann bedroht zu fühlen. In Bezug auf 

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die Vorbringen der Beschwerdeführerin 1, sie sei in Syrien wiederholt von 

ihrem Ehemann geschlagen, vernachlässigt und hintergangen worden, be-

stehe heute aufgrund des Gesagten kein aktuelles Schutzbedürfnis mehr. 

Es bestehe im Weiteren kein Anlass zur Annahme, sie werde bei einer all-

fälligen Rückkehr nach Syrien als geschiedene Frau sozial geächtet oder 

gar von der Gesellschaft ausgeschlossen, sodass ihr aufgrund eines 

dadurch bewirkten unerträglichen psychischen Drucks ein menschenwür-

diges Leben verunmöglicht oder in unzumutbarer Weise erschwert würde. 

Im Übrigen sei unklar, ob sie wirklich geschieden sei, da sie selbst diesbe-

züglich abweichende Angaben gemacht habe. Auch die von ihr geltend ge-

machte Furcht, als alleinstehende Frau von den «Apochi» in den Militär-

dienst eingezogen zu werden, sei in Übereinstimmung mit der bundesver-

waltungsgerichtlichen Rechtsprechung als nicht asylerheblich zu qualifizie-

ren. Die von der Beschwerdeführerin 1 weiter vorgebrachte Befürchtung, 

sie und ihre Kinder könnten wegen ihres Ehemannes seitens der «Apochi» 

ernsthafte Nachteile erleiden, sei nicht hinlänglich begründet. So habe sich 

die Beschwerdeführerin 1 nach der Ausreise ihres Ehemannes aus Syrien 

bis zum Ende des Schuljahres weiterhin dort aufgehalten. In dieser Zeit 

seien sie bzw. ihre Kinder weder von den «Apochi» gesucht noch auf an-

dere Weise behelligt worden. Der Umstand, dass es die «Apochi» somit 

offensichtlich bei den Bedrohungen via SMS belassen hätten, lege den 

Schluss nahe, sie hätten keine ernsthafte Verfolgungsabsicht. Ferner sei 

auch das Vorliegen einer Reflexverfolgung der Beschwerdeführerin 1 auf-

grund der Desertion ihres Bruders H._______ zu verneinen: Aus dem Dos-

sier ihres Bruders seien keine Hinweise ersichtlich, wonach die syrischen 

Behörden diesen zum heutigen Zeitpunkt als Gegner des Regimes einstu-

fen würden. Sein Dossier ebenso wie das Dossier ihrer Mutter enthielten 

keine Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerinnen oder andere Fa-

milienangehörige aufgrund seiner Desertion Nachteile im asylrechtlichen 

Sinne zu gewärtigen hätten. Im Ergebnis hielten sämtliche Vorbringen der 

Beschwerdeführerinnen den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft 

gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.  

4.2 Die Beschwerdeführerinnen führen eingangs an, sie seien mit der Ver-

fügung der Vorinstanz insoweit einverstanden, als die im Drittland Irak 

stattgefundene Verfolgung seitens des Ex-Mannes der Beschwerdeführe-

rin 1 asylrechtlich nicht zu berücksichtigen sei. Hingegen könne eine Rück-

kehr ihres Ex-Mannes nach Syrien und entsprechend eine erneute Verfol-

gung durch ihn nicht mit grosser Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen wer-

den. Es handle sich somit um drohende, zukünftige Benachteiligungen und 

nicht um vergangene Ereignisse, weshalb diese geeignet seien, ihre 

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Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Überdies würde ihr im Falle einer 

Rückkehr nach Syrien als geschiedene Frau mit unehelichem Kind auf-

grund ihres sozialen Status ein menschenwürdiges Leben in unzumutbarer 

Weise erschwert, da sie weder auf die Unterstützung ihrer Familie, die sich 

in der Schweiz befinde, noch der Familie ihres Ex-Mannes zählen könnte, 

was einen unerträglichen psychischen Druck bewirken würde. Entschei-

dend für ihre soziale Stellung in Syrien sei nicht, ob tatsächlich eine offizi-

elle bzw. formelle Scheidung vorliege, sondern die traditionelle Scheidung, 

die erwiesenermassen erfolgt sei als ihr Ex-Mann drei Mal das Scheidungs-

wort vor ihr ausgesprochen habe. Gemäss den angegebenen Quellen 

seien geschiedene Frauen in Syrien erhöhten Bedrohungen ausgesetzt 

und würden sozial stigmatisiert sowie rechtlich diskriminiert. Schliesslich 

sei in Bezug auf die aus der Desertion ihres Bruders resultierende dro-

hende Reflexverfolgung das Vorliegen einer begründeten Furcht zu beja-

hen: Es bestünde einerseits durch die Verwandtschaft zu ihm, andererseits 

durch den Umstand, dass sie ihm zur Flucht verholfen und mit ihm das 

Land verlassen habe, eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für sie, ins Visier 

des syrischen Regimes zu geraten. Dass dies in der Vergangenheit nicht 

geschehen sei, liege einzig daran, dass sie mit ihm zusammen ausgereist 

und seither nicht mehr nach Syrien zurückgekehrt sei. Ferner sei auch die 

seit Oktober 2019 veränderte Situation in Nordsyrien zu berücksichtigen. 

Im Falle einer Rückkehr nach Syrien sehe sie sich ausserdem durch die 

«Apochi» bedroht, indem sie einerseits fürchte, aufgrund der Probleme ih-

res Ehemanns mit letzteren verhaftet, andererseits als alleinstehende Frau 

gezwungen zu werden, für sie an der Front zu kämpfen. Es sei zudem den 

frauenspezifischen Fluchtgründen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG Rechnung 

zu tragen. 

5. 

5.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit 

der Vorinstanz festzustellen, dass die Asylvorbringen der Beschwerdefüh-

rerinnen den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 

AsylG nicht standzuhalten vermögen, weshalb vorab auf die zutreffenden 

Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen ist. 

5.2 Was die Furcht vor einer möglichen Rekrutierung seitens der YPG 

(Yekîneyên Parastina Gel, von den Beschwerdeführerinnen «Apochi» bzw. 

«Apuchi» genannt) anbelangt, vermag – wie die Vorinstanz bereits zutref-

fend festgestellt hat – eine Dienstverweigerung bei der YPG keine asylre-

levante Verfolgung zu begründen (vgl. statt vieler Urteile BVGer E-

1187/2018 vom 26. April 2018 E. 4, D-5287/2015 vom 7. Juli 2016 E. 6.3.2, 

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D-7292/2014 vom 22. Mai 2015 E. 4.4.2). Auch der zweiten in Bezug auf 

die YPG geltend gemachten Befürchtung, aufgrund ihres Ehemanns durch 

diese verhaftet zu werden, fehlt die Asylrelevanz. So gab die Beschwerde-

führerin 1 an, ihr Ehemann habe einerseits geholfen, den Sohn seines Bru-

ders von der YPG zurückzuholen, andererseits habe er die Familie, bei der 

sein Neffe festgehalten worden sei, bei den Behörden angezeigt. Dies 

habe die YPG dazu bewogen, ihrem Mann gegen ihn und die Familie ge-

richtete Drohnachrichten zu schicken. Als Auslöser dieser Drohungen ist 

jedoch kein Verfolgungsmotiv im Sinne von Art. 3 AsylG erkennbar, wes-

halb sie von vornherein keine Asylrelevanz zu entfalten vermögen. Ferner 

ist übereinstimmend mit der Vorinstanz festzustellen, dass auch nicht vom 

Vorliegen einer begründeten Furcht auszugehen ist: Die Beschwerdefüh-

rerin 1 hat mit ihren Kindern auch nach der Ausreise ihres Mannes noch 

einige Zeit in Syrien gelebt, ohne dass sich die Drohungen seitens der YPG 

in irgendeiner Form konkretisiert hätten, weshalb nicht vom Bestehen einer 

ernsthaften Verfolgungsabsicht auszugehen ist. Im Übrigen wird in der Be-

schwerdeschrift diesbezüglich auch nichts weiter geltend gemacht. 

5.3  

5.3.1 Bezüglich der Situation geschiedener Frauen in Syrien geht das Bun-

desverwaltungsgericht – entgegen der Beschwerdevorbringen – nicht ge-

nerell davon aus, dass der entsprechende Zivilstand einer Frau für sich 

allein genommen asylrechtliche Relevanz zu entfalten vermag (vgl. Urteile 

des BVGer E-4042/2020 vom 18. November 2021 E. 5.2; E-5120/2017 

E. 7.2.1). Die Anforderungen an die Feststellung einer Kollektivverfolgung 

sind gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ferner 

sehr hoch (vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2 m.w.H.) und vorliegend offensichtlich 

nicht erfüllt. Wenn auch nicht in Abrede gestellt werden soll, dass sich die 

Situation geschiedener Frauen in Syrien schwierig präsentieren kann, 

ergibt sich daraus nach dem Gesagten nicht generell eine asylrelevante 

Verfolgung. Eine solche lässt sich im Übrigen auch nicht aus den in der 

Beschwerdeschrift zitierten Quellen ableiten.  

5.3.2 Soweit die Beschwerdeführerin 1 weiter darauf verweist, ihr Leben in 

Syrien als geschiedene Frau mit einem unehelichen Kind würde einen un-

erträglichen psychischen Druck bewirken, ist festzuhalten, dass ein solcher 

grundsätzlich einen ernsthaften Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG dar-

stellt, allerdings auch die Anforderungen an dessen Annahme hoch sind. 

Er ist zu bejahen, wenn die betroffene Person oder Teile einer Bevölkerung 

systematisch schweren oder wiederholten Eingriffen in ihre Menschen-

rechte durch den Staat ausgesetzt sind (oder dieser keinen adäquaten 

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Schutz vor Übergriffen Dritter zu gewähren imstande ist) und diese Ein-

griffe eine derartige Intensität erreichen, dass ein menschenwürdiges Le-

ben nicht mehr möglich erscheint (vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2; 2013/21 

E. 9.1; 2013/12 E. 6; 2013/11 E. 5.4.2; 2011/16 E. 5, jeweils m.w.H.). Aus-

gangspunkt ist dabei ein konkreter Eingriff, der stattgefunden hat oder mit 

solcher Wahrscheinlichkeit droht, dass die Furcht vor ihm begründet er-

scheint, wobei er aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründe 

erfolgen muss. Beruht der psychische Druck demgegenüber auf gesell-

schaftlichen, wirtschaftlichen oder ähnlichen Gegebenheiten in einem 

Staat, ist er selbst dann nicht flüchtlingsrechtlich relevant, wenn Angehö-

rige bestimmter politischer, religiöser oder ähnlicher Gruppen besonders 

darunter leiden (vgl. Urteile des BVGer E-1060/2022 vom 22. März 2022 

E. 6.2.1; D-2407/2019 vom 27. Juni 2019 E. 7.3.2). Die Beschwerdeführe-

rin 1 hat vorliegend nichts vorgebracht, was darauf schliessen lassen 

würde, sie habe eine objektiv begründete Furcht, in naher Zukunft und mit 

hoher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu erleiden, die einem unerträgli-

chen psychischen Druck gleichkommen, zumal sie sich auch in erster Line 

auf allgemeine gesellschaftliche Umstände in Syrien bezieht.  

5.3.3 Es gilt im Übrigen festzustellen, dass – entgegen der Beschwerde-

vorbringen – im Fall der Beschwerdeführerin 1 gerade nicht von besonders 

ungünstigen Umständen ausgegangen werden kann. So versteht sich die 

Beschwerdeführerin 1 mit ihrer in der Schweiz lebenden Familie auch nach 

ihrer Scheidung grundsätzlich gut, wobei ihr Bruder und ihre Mutter die 

Scheidung in der Vergangenheit zeitweise explizit vorgeschlagen bzw. ge-

billigt haben (SEM-Akten […] und […]). Auch die Familie ihres (Ex-)Mannes 

hat sie in verschiedener Hinsicht unterstützt und sie gemäss ihren Aussa-

gen «über alles geliebt und geschätzt» (SEM-Akten […]). Aus den Akten 

ergibt sich im Übrigen nicht, dass ausserhalb der beiden Familien über-

haupt jemand Kenntnis von der Scheidung der Beschwerdeführerin 1 ha-

ben könnte; vielmehr gab sie selbst an, nicht zu glauben, dass sie in Syrien 

offiziell als geschieden gelte (SEM-Akte […]). Das Beschwerdevorbringen, 

sie gelte mit Sicherheit als geschieden, da ihr Mann erwiesenermassen 

drei Mal vor ihr das Scheidungswort ausgesprochen habe, steht mithin – 

wie auch nachfolgend ausgeführt – ihren eigenen Aussagen entgegen.  

Auch der eingereichte UNHCR-Registerauszug (SEM-Akte […]) ist nicht 

geeignet, in Bezug auf den Zivilstand der Beschwerdeführerin 1 etwas Kon-

kretes zu beweisen, ist doch weder ersichtlich, wann der Eintrag erfolgt ist 

noch auf welchen Informationen er beruht. Angesichts der Tatsache, dass 

die Beschwerdeführerin 1 im Rahmen der Anhörungen in der Schweiz, also 

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fast zwei Jahre nach dem Verlassen des Flüchtlingscamps im Irak, selbst 

noch abweichende Angaben zu ihrem Zivilstand machte (SEM-Akten […] 

und […]) beziehungsweise angab zu glauben, sie gelte nicht offiziell als 

geschieden (…), bleibt fraglich, auf welcher Grundlage sie im in Frage ste-

henden UNHCR-Register als geschieden registriert wurde. Schlussendlich 

kann dies nach dem unter E. 5.3.1 und 5.3.2 Gesagten ohnehin offenblei-

ben. Im Ergebnis trägt die angefochtene Verfügung auch den frauenspezi-

fischen Fluchtgründen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG hinreichend Rechnung. 

5.4 Was die in der Beschwerde nachgeschobene Sorge vor Rückkehr und 

Verfolgung durch ihren (Ex-)Ehemann in Syrien betrifft, so ist diese zumin-

dest objektiv als nicht begründet einzuschätzen. Ihr Ehemann hat sich aus 

eigenem Antrieb von der Beschwerdeführerin 1 scheiden lassen und – un-

abhängig vom unklaren tatsächlichen Zivilstand in Bezug auf die Be-

schwerdeführerin 1 – eine andere Frau geheiratet, mit der er im Irak zu-

sammenlebt. Der Beschwerdeführerin 1 hat er, als sich beide noch im Irak 

befanden, überdies gesagt, sie solle aufhören, Leute zu ihm zu schicken 

um mit ihm zu reden, sie seien jetzt zwei geschiedene Leute und sie solle 

ihn in Ruhe lassen (SEM-Akte […]). Auch wenn es aus subjektiver Sicht 

der Beschwerdeführerin 1 im Lichte der jahrelangen Misshandlungen 

durch ihren Ehemann nachvollziehbar ist, dass sie sich nach wie vor – auch 

in der Schweiz (SEM-Akte […]) – vor ihm fürchtet, sind aus den Akten keine 

Hinweise ersichtlich, wonach diese Furcht objektiv begründet wäre, wes-

halb das Vorbringen keine asylrechtliche Relevanz zu entfalten vermag. 

5.5 Bezüglich der geltend gemachten Reflexverfolgung, die ihr aufgrund 

der Desertion ihres Bruders H._______ drohe, ist in Übereinstimmung mit 

der Vorinstanz festzustellen, dass die Akten keine konkreten Hinweise ent-

halten, wonach die Beschwerdeführerin 1 wegen der Desertion von 

H._______ im Visier der syrischen Behörden wäre und aufgrund dessen 

eine asylrelevante Reflexverfolgung zu fürchten hätte. Sofern in der Be-

schwerde diesbezüglich hauptsächlich vorgebracht wird, die Beschwerde-

führerin 1 habe ihrem Bruder zur Flucht verholfen und mit ihm das Land 

verlassen, gilt festzuhalten, dass sich ersteres nicht aus den Akten ergibt, 

sondern sie ausgesagt hat, ihr Bruder habe mit ihrem Ehemann die Aus-

reise organisiert (SEM-Akte […]). Im Übrigen ergibt sich weder aus den 

vorinstanzlichen Akten noch aus der Beschwerdeschrift, dass die syrischen 

Behörden von der gemeinsamen Ausreise Kenntnis erlangt hätten. Die Be-

schwerdeschrift enthält denn auch keinerlei Ausführungen zur Feststellung 

der Vorinstanz, wonach sich weder aus den Asylakten von H._______ noch 

derjenigen der Mutter Hinweise ergäben, dass die Beschwerdeführerin 1 

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Seite 11 

oder ihre Familienangehörigen aufgrund der Desertion von H._______ 

Nachteile im asylrechtlichen Sinne zu gewärtigen hätten. Es liegen somit 

insgesamt keine konkreten Hinweise für das Bestehen einer allfälligen Re-

flexverfolgung vor, zumal alleine die gemeinsame Ausreise hierfür nicht 

ausreicht. 

5.6 Im Übrigen ist festzuhalten, dass die illegale Ausreise aus Syrien sowie 

die Asylgesuchstellung in der Schweiz für sich genommen keine flücht-

lingsrechtliche Relevanz entfalten, sofern keine Verfolgungssituation im 

Sinne von Art. 3 AsylG und keine besondere individuelle Vorbelastung vor-

liegen (vgl. zur diesbezüglichen Praxis des Bundesverwaltungsgerichts die 

Referenzurteile D-3839/2013 vom 28. Oktober 2013 E. 6.4.3 sowie  

E-2943/2019 vom 6. Juli 2022 E. 7.4). Dies ist im Fall der Beschwerdefüh-

rerinnen zu verneinen, da aufgrund der Aktenlage – wie vorstehend aus-

geführt – nichts auf eine asylbeachtliche Verfolgung zum Zeitpunkt der 

Ausreise hindeutet.  

5.7 Schliesslich sind auch die Ausführungen zur veränderten Lage vor Ort 

nicht geeignet, am Beweisergebnis etwas zu ändern. Es ist festzustellen, 

dass es den Beschwerdeführerinnen nicht gelungen ist, einen flüchtlings-

rechtlich bedeutsamen Sachverhalt darzulegen. Die Feststellung der Vor-

instanz, die Beschwerdeführerinnen erfüllten die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, ist dementsprechend zu bestätigen. Die Vorinstanz hat das Asylge-

such zu Recht abgelehnt. 

6.     

6.1  Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG).  

6.2  Die Beschwerdeführerinnen verfügen insbesondere weder über eine 

ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu 

Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).  

7.     

Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 23. Juni 2020 die Unzumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt und die vorläufige Aufnahme 

der Beschwerdeführerinnen in der Schweiz angeordnet hat, erübrigen sich 

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praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglich-

keit des Wegweisungsvollzugs. 

 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen.  

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-

rerinnen aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführerinnen 

auferlegt. Der einbezahlte Kostenvorschuss von Fr. 750.– wird zur Bezah-

lung der Verfahrenskosten verwendet.  

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, die Vorinstanz und die 

zuständige kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

David R. Wenger Giulia Marelli 

 

 

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