# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3f1a39f9-3051-552e-9547-79f00674a4dd
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-25
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 25.10.2022 S 2020 107
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2020-107_2022-10-25.pdf

## Full Text

Mitgeteilt am

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 19 123 und S 20 107

2. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz von Salis
RichterIn Meisser, Pedretti
Aktuarin Parolini

URTEIL

vom 25. Oktober 2022

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Kaspar Gehring,

Beschwerdeführerin
gegen 

B._____ AG,
Beschwerdegegnerin 1/Beigeladene

und

D._____,
Beschwerdegegnerin 2/Beigeladene

betreffend Versicherungsleistungen nach UVG

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1. A._____, Jahrgang 1979, begann eine Lehre als C._____ (1997-2001), die 

sie eigenen Angaben zufolge nicht abschloss. In der Folge absolvierte sie 

eine Lehre als Verkäuferin für E._____ (2001-2003). 

1.1. Vom 1. Juli 2009 bis zum 28. Februar 2011 war A._____ bei der F._____ 

Genossenschaft als Teilzeitkassiererin (bei einem Arbeitspensum von 

42 %) angestellt und dadurch bei der D._____ Versicherungsgesellschaft 

(nachfolgend D._____) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und 

Nichtberufsunfällen versichert. 

1.2. Per 8.  Mai 2017 trat A._____ bei der G._____ AG eine Stelle als Hauswar-

tin (bei einem Arbeitspensum von 100 %) an. Im Rahmen dieses Anstel-

lungsverhältnisses war sie bei der B._____ AG (nachfolgend B._____) ob-

ligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Be-

rufskrankheiten versichert. 

2. A._____ verunfallte in den Jahren 2010 und 2017 und verletzte sich jeweils 

u.a. an der linken Schulter:

2.1. Am 12. Mai 2010 wurde A._____ in Italien auf dem Fussgängerstreifen von 

einem Automobilisten angefahren. Dabei erlitt sie (mutmasslich) eine Knie- 

und Schulterkontusion links. Dieser Unfall wurde der D._____ mit Schaden-

meldung UVG vom 17. Mai 2010 (eingegangen am 18. Mai 2010) gemeldet 

(Schadennummer H._____). 

2.2. Am 9. Dezember 2017 rutschte A._____ bei der Arbeit auf Schnee und Eis 

aus und stürzte dabei auf die linke Schulter. In der Folge litt sie erneut an 

Beschwerden der linken Schulter. Dieser Unfall wurde der B._____ mit 

Schadenmeldung UVG vom 1. August 2018 (eingegangen am 14. bzw. 

22. August 2018) gemeldet (Schadennummer I._____). 

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3. In der Schadenmeldung UVG vom 17. Mai 2010 an die D._____ wurde als 

Folge des Unfalls vom 12. Mai 2010 von einer Quetschung des linken Un-

terarms sowie einer Schürfung des linken Knies berichtet.

3.1. Die am Unfalltag konsultierten Ärztinnen, Dr. med. J._____, Leitende Ärztin 

Notfall-Zentrum der Klinik K._____, und Dr. med. L._____, Assistenzärztin 

Notfall-Zentrum, diagnostizierten eine Knie- und Schulterkontusion links. 

3.2. Die D._____ anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzli-

chen Leistungen (Heilbehandlung und Taggelder). In der Radiologie der 

Uniklinik M._____ vom 9. August 2010 wurde eine posttraumatische Frozen 

Shoulder links diagnostiziert. Mit Bericht vom 31. Januar 2011 hielt die 

Hausärztin, Dr. med. N._____, Ärztin für allgemeine Medizin FMH, fest, 

dass die Versicherte beim Heben und Tragen von Lasten bzw. Kraftaufwen-

dungen mit dem linken Arm sowie bei Arbeiten über Schulterhöhe und ev. 

auf Leitern steigen eingeschränkt, in einer angepassten Tätigkeit jedoch voll 

arbeitsfähig sei. In der Folge teilte die D._____ der Versicherten mit Schrei-

ben vom 8. Februar 2011 mit, dass sie die Taggeldleistungen unter Berück-

sichtigung einer Übergangsfrist maximal bis zum 30. April 2011 erbringe. 

3.3. Wegen persistierender Beschwerden suchte A._____ Dr. med. O._____, 

Facharzt für Chirurgie FMH, Unfallchirurgie, Sportmedizin, Orthopädische 

Chirurgie, auf. Dieser diagnostizierte am 1. Oktober 2012 eine Hill-Sachs-

Läsion, eine Labrumruptur und eine Bursitis subacromialis/subdeltoidea der 

linken Schulter. Er attestierte ihr für eine körperlich schwere Tätigkeit eine 

vollständige Arbeitsunfähigkeit, in einer leichten, wechselbelastenden 

Tätigkeit jedoch eine volle Arbeitsfähigkeit. Nach einer am 13. Februar 2013 

durchgeführten Schulteroperation (arthroskopische Labrumrekonstruktion, 

Synovektomie [Anm. des Gerichts = operative Abtragung der Gelenk-

schleimhaut, vgl. https://flexikon.doccheck.com/ de/Synovektomie] des gle-

nohumeralen Gelenks, subacromiale Dekompression) liess die D._____ die 

Versicherte durch Dr. med. P._____, Orthopädische Chirurgie und Trauma-

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tologie des Bewegungsapparates, zertifizierte med. Gutachterin SIM, Ver-

trauensärztin SGV, begutachten. 

3.4. Das Gutachten wurde am 4. August 2016 erstattet. Dr. med. P._____ ant-

wortete auf die Frage nach dem Kausalzusammenhang (bei fehlender Erst-

dokumentation aus der Klinik in Italien, jedoch gestützt auf den MRT-Befund 

vom 29. Juni 2010), dass eine Schulterluxation durch das Unfallereignis 

sehr unwahrscheinlich bzw. unwahrscheinlich sei; dieses sei geeignet ge-

wesen, zu einer Prellung oder Stauchung der Schulter zu führen. Zeitnah 

sei es zu einer retraktilen Kapsulitis (Anm. des Gerichts: Kapsulitis = Frozen 

Shoulder/Schultersteife = chronische, entzündliche Veränderungen im Be-

reich der Schultergelenkkapsel, vgl.  https://flexikon.doccheck. com/de/Fro-

zen_shoulder) mit Komplikationen gekommen; eine solche könne viele Ur-

sachen haben. Inzwischen würden ausgeprägte degenerative Veränderun-

gen vorliegen. Dr. med. P._____ attestierte A._____ eine volle Arbeitsfähig-

keit für ihre Tätigkeit als Kassiererin mit einem Arbeitspensum von 42 % bei 

unfallbedingten Einschränkungen für mittelschwere und schwere Tätigkei-

ten in Kombination mit Heben und Tragen sowie Tätigkeiten über Kopf. Die 

Versicherte könne körperlich leichte Tätigkeiten, bevorzugt aus wechseln-

der Ausgangslage, in vollem Pensum ohne Einschränkungen verrichten. 

Der unfallbedingte Integritätsschaden (Omarthrose mit deutlichen Funkti-

onseinschränkungen) betrage aktuell 15 %, auf Dauer voraussichtlich 

20 %. Auf die Frage nach unfallfremden Faktoren verwies die Gutachterin 

auf die allgemeine Anamnese.

3.5. Gestützt auf das Gutachten von Dr. med. P._____ vom 4. August 2016 und 

weitere medizinische Berichte stellte die D._____ mit Verfügung vom 

21. Juli 2017 die Ausrichtung von Heilbehandlungskosten per 4. August 

2016 ein, bejahte den Taggeldanspruch für die Zeit zwischen dem 13. Fe-

bruar 2013 und dem 9. November 2014 und verneinte einen Rentenan-

spruch. Sie sprach A._____ zudem eine Integritätsentschädigung von 

CHF 25'200.00 zu. Die D._____ hielt fest, gemäss dem Gutachten von 

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Dr. med. P._____ sei mit keiner namhaften Besserung mehr zu rechnen, 

weshalb die Voraussetzungen für einen Anspruch auf weitere Heilbehand-

lungen und Taggelder nicht mehr erfüllt seien. Der Einkommensvergleich 

bei einem Valideneinkommen von CHF 47'714.15 und einem Invalidenein-

kommen von CHF 52'844.75 ergebe keine Erwerbseinbusse. Die Inte-

gritätsentschädigung wurde gestützt auf einen Integritätsschaden von 20 % 

auf der Basis des Höchstbetrages des versicherten Jahresverdienstes von 

CHF 126'000.00 festgelegt.

3.6. Die dagegen erhobene Einsprache von A._____ vom 13. September 2017 

wies die D._____ in Bestätigung der angefochtenen Verfügung mit Einspra-

cheentscheid vom 11. Juli 2018 ab. 

3.7. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A._____ am 10. September 

2018 Beschwerde an das Sozialversicherungsgericht Zürich. Dieses hielt 

mit Urteil vom 16. Dezember 2019 (Verfahren UV.2018.00203) fest, dass 

die Frage der Ausrichtung von Taggeldleistungen über den April 2011 hin-

aus unfallversicherungsrechtlich als abgeschlossen zu betrachten sei 

(E.4.2), dass die Parteien ausgewiesener- und unbestrittenermassen von 

einem Endzustand per 4. August 2016 sowie einer 100%igen Arbeitsfähig-

keit in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit ausgingen (E.5.1) und 

dass die D._____ einen Rentenanspruch zu Recht verneint habe (E.5.3.3). 

In Bezug auf den Unfall vom 9. Dezember 2017 hiess das Gericht die Be-

schwerde teilweise gut (E.6). Es führte diesbezüglich aus, anhand der im 

Recht liegenden Unterlagen könne nicht abschliessend festgestellt werden, 

ob und in welchem Umfang die D._____ leistungspflichtig sei, weshalb es 

die Sache an die D._____ zurückwies, damit sie in Bezug auf das Ereignis 

vom Dezember 2017 weitere Abklärungen tätige und über ihre diesbezügli-

che Leistungspflicht entscheide. 

3.8. In der Folge zog die D._____ die Akten der B._____ bei und verneinte mit 

Verfügung vom 29. Mai 2020 ihre Leistungspflicht bezüglich des Unfalls 

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vom 9. Dezember 2017. Sie begründete dies damit, dass der Fallabschluss 

per 4. August 2016 erfolgt sei, weshalb sie vom Ereignis vom 9. Dezember 

2017 grundsätzlich nicht betroffen sei. Dagegen erhob A._____ am 1. Juli 

2020 Einsprache, beantragte die Ausrichtung weiterer Taggelder und die 

Prüfung von Langzeitleistungen.

3.9. Mit Einspracheentscheid vom 18. August 2020 wies die D._____ die Ein-

sprache in Bestätigung ihrer Verfügung vom 29. Mai 2020 ab. Darin führte 

sie aus, es liege kein koordinationsrechtlicher Tatbestand vor, für den Unfall 

vom 9. Dezember 2017 sei vollumfänglich der für dieses Ereignis zustän-

dige Versicherer leistungspflichtig. Die Versicherte habe bis zum Unfall 

2017 nie über eine mögliche Verschlechterung ihres Zustands informiert, 

weshalb davon auszugehen sei, sie sei bis dahin beschwerdefrei gewesen. 

Auch die UVG-Akten liessen keinen anderen Schluss zu. Ein Rückfall könne 

erst geprüft werden, wenn der Endzustand feststehe; da die diesbezügliche 

Verfügung nicht rechtskräftig sei, entfalle die Prüfung eines Rückfalls. Ein 

solcher liege allerdings gar nicht vor, da aufgrund der Akten eher von einem 

krankheitsbedingten Geschehen auszugehen sei. Selbst wenn die entspre-

chende Verfügung rechtskräftig wäre, müsse der für den Unfall vom 12. Mai 

2010 (recte wohl: 9. Dezember 2017) zuständige Versicherer für einen 

Rückfall aufkommen, zumal es sich um ein neues Ereignis handle, das nach 

Eintreten des Endzustands eintrat und auf das sie keinen Einfluss mehr 

habe.

4. In der Schadenmeldung UVG vom 1. August 2018 an die B._____ wurde 

festgehalten, dass A._____ nach dem Sturz auf die linke Schulter im De-

zember 2017 zugewartet habe, dass die Beschwerden jedoch immer 

schlimmer geworden seien.

4.1. A._____ begab sich im August 2018 erstmals nach dem Unfall vom 9. De-

zember 2017 in ärztliche Behandlung. Dr. med. Q._____, FMH Allgemeine 

Innere Medizin, Sportmedizin SGSM, Notarzt SGNOR, attestierte ihr eine 

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volle Arbeitsunfähigkeit vom 2.-14. August 2018, Dr. med. R._____, Fach-

arzt für Allgemeine Innere Medizin, eine solche vom 15.-31. August 2018. 

Letzterer diagnostizierte eine fortgeschrittene Omarthrose links (Anm. des 

Gerichts = degenerative Veränderungen des Gelenkknorpels des Schulter-

gelenks, vgl. https://flexikon.doccheck.com/de/Omarthrose) bei Exazerba-

tion der vorbestehenden Omarthrose durch den Unfall und überwies sie an 

das Kantonsspital Graubünden (nachfolgend KSGR). Dr. med. S._____, 

Leitender Arzt der Klinik für Orthopädie und Traumatologie des Bewegungs-

apparates am KSGR, stellte mit Bericht vom 22. August 2018 die Diagnose 

einer fortgeschrittenen Omarthrose links bei Status nach Arthroskopie der 

Schulter links mit anterokaudaler Schulterstabilisation und subacromialer 

Dekompression am 13. Februar 2013. Im Dezember 2017 sei es zu einem 

erneuten Distorsionstrauma der linken Schulter gekommen, wobei die vor-

bestandenen Beschwerden deutlich exazerbiert seien. Auf seine Empfeh-

lung hin erfolgte am 16. Oktober 2018 die Implantation einer anatomischen 

Schulter-Totalprothese links. 

4.2. Die B._____ holte bei ihrem beratenden Arzt, Dr. med. T._____, Facharzt 

für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie an der K._____-Klinik, eine 

Aktenbeurteilung ein. Dieser hielt am 7. Dezember 2018 bzw. 6. Januar 

2019 fest, dass es beim Sturz im Dezember 2017 zu einer vorübergehen-

den Verschlimmerung des Vorzustands im Sinne einer Distorsion der linken 

Schulter gekommen sei. Eine traumatisch bedingte, strukturelle Verletzung 

der linken Schulter aufgrund des Sturzes sei nicht objektivierbar. Die Im-

plantation der Schulterprothese links vom 16. Oktober 2018 stehe nicht mit 

dem Unfallereignis vom 9. Dezember 2017 in natürlich kausalem Zusam-

menhang. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei der Vorzustand aus 

dem Jahr 2013 die Indikation der Prothesenimplantation. Da die Beschwer-

den infolge einer Distorsion in der Regel innert weniger Monate abheilten, 

wobei der Vorzustand den Heilverlauf verlängere, sei der Status quo sine 

am 31. August 2018 erreicht. 

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4.3. Mit Verfügung vom 27. März 2019 verneinte die B._____ gestützt auf die 

Stellungnahme von Dr. med. T._____ wegen Wegfalls der Unfallkausalität 

ihre Leistungspflicht für die Zeit ab dem 1. September 2018 und stellte die 

Ausrichtung von Heilbehandlungskosten und Taggeldern ein. Sie ging da-

von aus, dass die Versicherte anlässlich des Unfalls vom 9. Dezember 

2017, bei einer fortgeschrittenen Omarthrose als Vorzustand, eine Distor-

sion der linken Schulter erlitten habe. Die Implantation der Schulterprothese 

links sei dem Vorzustand aus dem Jahr 2013 bzw. dem Unfallereignis aus 

dem Jahr 2010 zuzuordnen und beim damaligen Unfallversicherer zu mel-

den. Gegen diese Verfügung erhob A._____ am 9. Mai 2019 Einsprache. 

4.4. Mit Einspracheentscheid vom 13. September 2019 wies die B._____ die 

Einsprache von A._____ ab. Sie stellte dabei weiterhin auf die Beurteilung 

von Dr. med. T._____ ab, wonach dem Sturz vom 9. Dezember 2017 ledig-

lich eine untergeordnete Bedeutung zukomme. Dieser habe zu einer vorü-

bergehenden Exazerbation der Schulterbeschwerden links geführt, sei je-

doch nicht kausal zur Implantation der Schulterprothese. Die Schulterbe-

schwerden seien auf den Vorzustand mit Status nach Schulterluxation links 

und Verletzung des Labrums und Labrumrekonstruktion mit subacromialer 

Dekompression bei Impingementsymptomatik im 2013 zurückzuführen. Die 

im August 2018 festgestellte fortgeschrittene Omarthrose sei letztlich die 

Ursache der Schulterprothesenimplantation.

5. A._____ (nachfolgend Beschwerdeführerin) erhob gegen beide Einspra-

cheentscheide Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden:

5.1. Gegen den Einspracheentscheid vom 13. September 2019 (Unfall vom 

9. Dezember 2017/B._____) erhob die Beschwerdeführerin am 11. Oktober 

2019 Beschwerde mit folgenden Rechtsbegehren (Verfahren S 19 123):

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"1. Der Einspracheentscheid vom 13. September 2019 und die zu Grunde 
liegende Verfügung seien aufzuheben, soweit die gesetzlichen Leis-
tungen per 31. August 2018 terminiert wurden.

2. Die Beschwerdegegnerin sei im Sinne einer vorsorglichen Mass-
nahme zu verpflichten, der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leis-
tungen als Vorleistungen gemäss Art. 102a UVV auch nach 31. Au-
gust 2018 zu erbringen.

3. Die Beschwerdegegnerin sei alsdann zu verpflichten, der Beschwer-
deführerin ab 1. September 2018 die gesetzlichen Leistungen definitiv 
zu gewähren. Insbesondere Taggelder zu entrichten und Heilbehand-
lungskosten zu übernehmen, später allenfalls weitere Leistungen.

4. Es sei die D._____ Versicherungen AG, dem Prozess beizuladen.

5. Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen. 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegeg-
nerin (inkl. 7.7 % MwSt.)."

5.1.1. Am 31. Oktober 2019 reichte die D._____ als Beigeladene ihre Vernehm-

lassung ein. Sie stellte mit Hinweis darauf, dass bereits ein Verfahren vor 

dem Sozialversicherungsgericht Zürich hängig sei, keinen Antrag. Darüber 

hinaus erachtete sie sich als nicht leistungspflichtig und von der Verfügung 

der B._____ nicht betroffen. Der Endzustand sei noch vor dem Unfall vom 

9. Dezember 2017 erreicht gewesen und der Fallabschluss per 4. August 

2016 verfügt worden, weshalb der aktuelle Unfall und die dadurch verur-

sachten Beschwerden nichts mit dem Unfall vom 12. Mai 2010 zu tun hät-

ten. Der neue Unfall schliesse zudem einen Rückfall aus; ein solcher wäre 

ohnehin erst zu prüfen, wenn der Endzustand rechtskräftig feststehe.

5.1.2. Mit Vernehmlassung vom 4. November 2019 beantragte die B._____ (nach-

folgend Beschwerdegegnerin 1) die Abweisung der Beschwerde und auch 

des Antrags auf Erlass von vorsorglichen Massnahmen (Vorleistungs-

pflicht), zumal die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben für ihren Er-

werbsausfall Krankentaggeld beziehe und für die Heilungskosten die Kran-

kenkasse vorleistungspflichtig sei. Zudem habe die D._____ noch keinen 

Entscheid über den Rückfall gefällt. Grundsätzlich sei gemäss Art. 70 

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Abs. 1 lit. 1 ATSG die Krankenkasse vorleistungspflichtig. Nur wenn zwei-

felsfrei feststehe, dass nur Unfallfolgen vorlägen, komme Art. 102a UVV zur 

Anwendung, wonach derjenige Versicherer die Leistungen im Sinne von 

Vorleistungen zu erbringen hat, der dem Auftreten der Unfallfolgen in zeitli-

cher Hinsicht am nächsten ist. In Bezug auf die materielle Leistungspflicht 

macht die Beschwerdegegnerin 1 geltend, dass die nach dem 31. August 

2018 aufgetretenen Schulterbeschwerden gestützt auf die Beurteilung des 

ärztlichen Beraters Dr. med. T._____ nicht mehr auf den Unfall vom 9. De-

zember 2017 zurückzuführen seien. Gemäss dem Bericht von Dr. med. 

O._____ vom 9. Juni 2017 sei der Beschwerdeführerin schon vor dem Un-

fall die Implantation einer Schulterprothese empfohlen worden, womit der 

Beweis des Wegfalls der natürlichen Kausalität erbracht sei. 

5.1.3. Mit Verfügung vom 8. November 2019 forderte die Instruktionsrichterin die 

Parteien auf, sich zur vorgesehenen Sistierung des Verfahrens bis zum Vor-

liegen des Urteils des Sozialversicherungsgerichts Zürich zu äussern. Die 

entsprechende Stellungnahme der Beschwerdeführerin ging am 13. De-

zember 2019 ein mit Zustimmung betreffend Sistierung im Hinblick auf die 

materielle Prüfung, jedoch nicht im Hinblick auf die Vorleistungspflicht. 

5.1.4. Die D._____ nahm am 18. Dezember 2019 zur Frage der Vorleistungs-

pflicht in ablehnender Weise Stellung und stellte mit Schreiben vom 8. Ja-

nuar 2020 das in der Zwischenzeit ergangene Urteil des Sozialversiche-

rungsgerichts Zürich vom 16. Dezember 2019 (UV.2018.00203) zu. Dazu 

hielt sie fest, dass sie gemäss dem erwähnten Urteil keine weiteren Taggel-

der auszurichten habe, der Endzustand per 4. August 2016 erreicht und 

keine Rente zugesprochen worden sei. Die Sache sei lediglich zu weiteren 

Abklärungen betreffend das Ereignis vom Dezember 2017 zurückgewiesen 

worden. Sie lehne allerdings ihre Leistungspflicht grundsätzlich ab.

5.1.5. Mit Eingabe vom 31. Januar 2020 nahm die Beschwerdegegnerin 1 zu den 

Schreiben der D._____ vom 18. Dezember 2019 und vom 8. Januar 2020 

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Stellung. Sie teilte die Ansicht der D._____, dass offen sei, ob Unfallfolgen 

vorlägen und dass somit grundsätzlich nach Art. 70 Abs. 2 lit. a ATSG die 

Krankenkasse vorleistungspflichtig sei. Nur wenn zweifelsfrei feststehe, 

dass nur Unfallfolgen vorlägen, komme Art. 102a UVV zur Anwendung. 

5.1.6. Mit Eingabe vom 16. März 2020 hielt die Beschwerdeführerin an ihren ge-

stellten Anträgen fest und bestritt die Vorbringen der Beschwerdegegne-

rin 1. Sie bestätigte, dass sie das Urteil des Sozialversicherungsgerichts 

Zürich vom 16. Dezember 2019 (UV.2018.00203) nicht weitergezogen 

habe.

5.1.7. Mit Eingabe vom 24. März 2020 bestätigte die D._____, dass sie das Urteil 

des Sozialversicherungsgerichts Zürich vom 16. Dezember 2019 

(UV.2018.00203) nicht angefochten habe. Sie werde dieses umsetzen, sich 

anhand der Akten der Beschwerdegegnerin 1 über das Unfallereignis vom 

9. Dezember 2017 ein Bild machen und über dessen Einfluss auf die Ver-

fügung vom 21. Juli 2017 verfügen. Über einen allfälligen Rückfall könne 

sie aber erst nach rechtskräftigem Fallabschluss entscheiden, was wegen 

des Rückweisungsentscheids bisher nicht der Fall sei.

5.1.8. Mit Eingabe vom 14. Mai 2020 nahm die Beschwerdeführerin zur Eingabe 

der D._____ vom 24. März 2020 Stellung. Sie führte aus, insbesondere in 

Bezug auf die Frage der Vorleistungspflicht sei es nicht relevant, ob die 

D._____ bereits eine formelle Verfügung betreffend Rückfall oder Spätfolge 

erlassen habe oder nicht.

5.1.9. Mit Eingabe vom 15. September 2020 teilte die Beschwerdeführerin mit, 

dass die D._____ ihre Leistungspflicht erneut mit Verfügung vom 29. Mai 

2020 und Einspracheentscheid vom 18. August 2020 abgelehnt habe, wo-

gegen sie nun ebenfalls Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kan-

tons Graubünden erhoben (Verfahren S 20 107) und die Vereinigung beider 

Verfahren beantragt habe.

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5.2. Gegen den Einspracheentscheid der D._____ vom 18. August 2020 (Unfall 

vom 12. Mai 2010/D._____) erhob die Beschwerdeführerin am 15. Septem-

ber 2020 Beschwerde mit folgenden Rechtsbegehren (Verfahren S 20 107):

"1. Der Einspracheentscheid vom 18. August 2020 und die zu Grunde lie-
gende Verfügung vom 29. Mai 2020 seien aufzuheben.

2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin 
- nach Einholung einer gerichtlichen medizinischen Expertise oder 
nach eigenen medizinischen Abklärungen - die gesetzlichen Leistun-
gen zu gewähren, insbesondere Taggelder zu entrichten und Heilbe-
handlungskosten zu übernehmen, später allenfalls weitere Leistun-
gen.

3. Es sei das vorliegende Verfahren mit dem Verfahren Nr. S 19 123 zu 
vereinigen. 

4. Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen. 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegeg-
nerin (inkl. 7.7 % MwSt.)."

Sie stellte in beweisrechtlicher Hinsicht den Antrag auf Einholung eines ge-

richtlichen Gutachtens.

5.2.1. Mit Vernehmlassung vom 28. September 2020 beantragte die D._____ 

(nachfolgend Beschwerdegegnerin 2) die Abweisung der Beschwerde. Zu-

dem ersuchte sie um Beizug des von der IV-Stelle des Kantons Graubün-

den eingeholten polydisziplinären Gutachtens vom 23. August 2020. Weiter 

sprach sie sich gegen eine Vereinigung der Verfahren aus. 

5.2.2. Mit Vernehmlassung vom 26. Oktober 2020 enthielt sich die B._____/Be-

schwerdegegnerin 1 als Beigeladene eines Antrags, sprach sich jedoch für 

eine Verfahrensvereinigung aus.

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5.2.3. Mit Replik vom 8. Dezember 2020 hielt die Beschwerdeführerin an den mit 

Beschwerde vom 15. September 2020 gestellten Anträgen vollumfänglich 

fest.

5.2.4. Mit Schreiben vom 18. Dezember 2020 verzichtete die Beschwerdegegne-

rin 1 auf die Einreichung einer Duplik. Ebenfalls mit Duplik vom 18. Dezem-

ber 2020 hielt die Beschwerdegegnerin 2 an ihren Rechtsbegehren fest.

6. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 22. Dezember 2020 vereinigte die 

Instruktionsrichterin die beiden Verfahren S 19 123 und S 20 107, legte dar, 

dass vorerst auf den Erlass eines Zwischenentscheids bezüglich Vorleis-

tungspflicht im Sinne vorsorglicher Massnahmen verzichtet werde und ord-

nete die Einholung der IV-Akten an. Sie kündigte zudem ihre Absicht an, ein 

monodisziplinäres Gerichtsgutachten, insbesondere zur Frage des Kausal-

zusammenhangs zwischen den orthopädischen Beschwerden und dem Un-

fall vom 9. Dezember 2017 bzw. einem Rückfall/Spätfolgen zum Unfall vom 

12. Mai 2010, in Auftrag zu geben.

6.1. Mit Schreiben vom 8. Januar 2021 teilte die Beschwerdeführerin mit, dass 

sie mit dem aufgezeigten Vorgehen einverstanden sei. Sie schlug als Ge-

richtsgutachter Dr. med. U._____, Chefarzt/Leiter Schulter- und Ellenbo-

genchirurgie Kantonsspital AN._____, und alternativ Spezialisten (z.B. Prof. 

Dr. med. V._____, bei dem die Beschwerdeführerin eine Zweitmeinung zur 

Notwendigkeit der Operation eingeholt habe, Dr. med. W._____ und 

Dr. med. X._____) der Y._____ Klinik, Fachbereich Schulter- und Ellenbo-

genchirurgie, vor. 

6.2. Mit Schreiben vom 29. Januar 2021 bestätigte die Beschwerdegegnerin 2, 

die Anordnungen der Instruktionsrichterin zur Kenntnis genommen zu ha-

ben. Sie führte aus, eine erneute Leistungspflicht der Beschwerdegegne-

rin 2 komme nur dann in Frage, wenn ein revisionsrechtlicher Tatbestand 

(d.h. Rückfall oder eine Spätfolge) von der Beschwerdeführerin glaubhaft 

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gemacht werde. Zudem wies sie darauf hin, das Gericht dürfe keinen Ent-

scheid fällen, der im Widerspruch zum nicht angefochtenen Urteil vom 

16. Dezember 2019 (gemeint sein dürfte das Urteil des Sozialversiche-

rungsgerichts Zürich UV.2018.00203) stehe, und es sei auch Sache des 

Gerichts zu verhindern, dass es anstelle der Beschwerdeführerin die 

nachträgliche Änderung des anspruchsrelevanten Sachverhalts abkläre, 

nachdem sich diese ihr gegenüber zu keinem Zeitpunkt in diesem Sinne 

geäussert habe. Gemäss rechtskräftigem Urteil vom 16. Dezember 2019 

betrage das Valideneinkommen CHF 49'314.05; ein Einkommen, das die 

Beschwerdeführerin mit ihrer späteren körperlich anspruchsvollen Tätigkeit 

als Hauswartin bei weitem überschritten habe, weshalb ein Anspruch ihr 

gegenüber ohnehin ausgeschlossen sei.

6.3. Mit Schreiben vom 9. Februar 2021 teilte die Beschwerdegegnerin 1 mit, 

dass sie gegen die von der Beschwerdeführerin vorgeschlagene Gutach-

tensperson keine Einwände habe. Alternativ schlug sie Dr. med. Z._____, 

Orthopädische Chirurgie FMH, zertifizierter Gutachter SIM, AO._____ Spi-

tal, oder Dr. med. AA._____, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumato-

logie, Zentrum für Orthopädie & Neurochirurgie, AB._____, vor. 

6.4. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 9. März 2021 gab die Instruktions-

richterin bekannt, dass sich Prof. Dr. U._____, Kantonsspital AN._____, zur 

Erstellung des Gutachtens in Zusammenarbeit mit dem Assistenzarzt pract. 

med. AC._____ bereit erklärt habe. Gleichzeitig räumte sie den Parteien die 

Möglichkeit ein, vor der definitiven Auftragserteilung, allfällige Ausstands- 

oder Ablehnungsgründe betreffend den vorgeschlagenen Gutachter bzw. 

den Assistenzarzt geltend zu machen sowie zum beigelegten Fragenkata-

log Stellung zu nehmen und allfällige Ergänzungsfragen einzureichen. Die 

Beschwerdeführerin (mit Ergänzungsantrag zu Frage Ziff. 6 betreffend den 

natürlichen Kausalzusammenhang) und die Beschwerdegegnerin 2 (mit 

Antrag auf Weglassen der Kurzübersicht zur Vorgeschichte, Unzulässigkeit 

der Frage Ziff. 6.2 mangels Rückfallmeldung, verschiedenen Ergänzungs-

- 15 -

fragen und Hinweisen auf einen Krankheitszustand vor dem Unfall 2010 so-

wie auf die Verteilung bzw. Tragung der Gutachtenskosten) reichten je mit 

Schreiben vom 25. März 2021, die Beschwerdegegnerin 1 (mit Antrag auf 

Streichung der Fragen Ziffern 7-9 und Ergänzungen/Anpassungen der Fra-

gen Ziffern 6.1.1, 6.1.2, 7.1, 8 und 9) mit Schreiben vom 29. März 2021 ihre 

Stellungnahmen ein. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 16. April 2021 

bereinigte die Instruktionsrichterin den Fragenkatalog und stellte den Par-

teien die definitive Fassung zu. 

6.5. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 30. April 2021 erteilte die Instrukti-

onsrichterin Prof. Dr. med. U._____, unter Hinweis auf Art. 307 des Schwei-

zerischen Strafgesetzbuches (SR 311 [StGB]; Strafbarkeit der Abgabe ei-

nes falschen Gutachtens), den Auftrag zur Erstellung eines orthopädischen 

Gerichtsgutachtens.

7. Das monodisziplinäre Gerichtsgutachten von Prof. Dr. med. U._____/pract. 

med. AC._____ wurde am 30. Dezember 2021 ausgestellt. 

7.1. Die Gutachter stellten folgende fachspezifische Diagnosen mit Auswirkung 

auf die Arbeitsfähigkeit (S. 29): 

- St.n. Implantation anatomische Schultertotalprothese links am 

16.10.2018 (Dr. S._____) mit postoperativer transienter Neuropraxie 

N. axillaris, N. musculocutaneus und N. medianus links bei

- posttraumatischer fortgeschrittener Omarthrose links, ED 06/2015 

(Dr. AI._____)

- St.n. SAS links mit anterokaudaler Schulterstabilisation, subacro-

mialer Dekompression vom 13.02.2013 (Dr. O._____) bei

- St.n. Schulterkontusion mit Schulter(sub)luxation und spontaner 

Reposition links anlässlich Auffahrtrauma vom 12.05.2010

- Depression.

- 16 -

Zum Vorzustand legten die Gutachter dar, dass zum Zeitpunkt des Unfalls 

vom 9. Dezember 2017 eine fortgeschrittene Omarthrose bestanden habe, 

die erstmals im September 2013 MR-tomographisch beschrieben worden 

war, in der MR-Untersuchung vom Juni 2012 und somit vor der Schulterar-

throskopie noch nicht bestanden hatte. Die Omarthrose sei überwiegend 

wahrscheinlich in der Zeit zwischen 2010 und 2013 aufgetreten, weshalb 

die Gutachter unfallfremde Faktoren verneinten. Die Omarthrose sei über-

wiegend wahrscheinlich Folge des Unfalls vom 12. Mai 2010 bzw. der Ope-

ration vom 13. Februar 2013. Auf die Frage nach dem natürlichen Kausal-

zusammenhang legten sie dar, dass die Omarthrose als Hauptursache der 

Beschwerden eher unwahrscheinlich kausal (im Sinne von Hauptursache) 

mit dem Unfall vom 9. Dezember 2017 sei. Die dabei erlittene Kontu-

sion/Distorsion habe höchstwahrscheinlich zu einer Aktivierung der vorbe-

stehenden Omarthrose und somit zu einer richtunggebenden Verschlech-

terung geführt. Sie bejahten eine Teilkausalität von ungefähr 20 % und er-

achteten den Status quo sine als am 31. August 2018 wahrscheinlich noch 

nicht eingetreten. Bei der Omarthrose handle es sich überwiegend wahr-

scheinlich um Spätfolgen des Unfalls vom 12. Mai 2010 bzw. der Operation 

vom 13. Februar 2013. Brückensymptome seien gegeben. Als Endzustand 

lasse sich anamnestisch der August 2020 evaluieren. Die Arbeitsfähigkeit 

für eine angepasste Tätigkeit (Bürotätigkeiten/kommunikative Arbeiten 

ohne Belastung der linken Schulter) bezifferten die Gutachter auf 100 %, 

diejenige für die (nicht leidensangepasste) Tätigkeit als Hauswartin/Verkäu-

ferin auf 0 %. Den Integritätsschaden gemäss Anhang 3 der UVV/SUVA-

Tabellen legten sie bei 25 % fest.

7.2. Mit Stellungnahme vom 27. Januar 2022 hielt die Beschwerdegegnerin 2 

fest, das Gutachten bestätige, dass höchstens eine Omarthrose auf den 

Unfall vom 12. Mai 2010 zurückzuführen sein könnte. Diese (als Spätfolge 

des Unfalls) habe sie bereits mit der Zusprechung einer Integritätsentschä-

digung von 20 % mittels Verfügung vom 21. Juli 2017 berücksichtigt, womit 

dieser Gesundheitsschaden zu keinen weiteren Ansprüchen ihr gegenüber 

- 17 -

führe. Die seit August 2015 bestehende und auch von Dr. med. P._____ 

bestätigte, unfallfremde Depression (mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig-

keit) sei nicht in die gutachterliche Beurteilung eingeflossen, zudem sei wi-

dersprüchlich, dass trotz dieser Diagnose unfallfremde Faktoren verneint 

würden. Weiter führte die Beschwerdegegnerin 2 aus, wenn der Gutachter 

das Entstehen der Omarthrose auf die Zeit zwischen 2010 und 2013 zurück-

führe, weil vor dem Unfall vom 12. Mai 2010 keine Schulterbeschwerden 

bestanden hätten, so bediene er sich der unzulässigen Beweismaxime 

"post hoc, ergo propter hoc". Offensichtlich lasse sich die Ursache der 

Omarthrose retrospektiv nicht evaluieren. Ferner bemängelte die Be-

schwerdegegnerin 2 auch, dass die Versicherte eine ihrem Gesundheitszu-

stand nicht angepasste Tätigkeit angenommen und damit ihre Schadenmin-

derungspflicht verletzt habe. Für eine allfällige Verschlimmerung des Ge-

sundheitszustands müsse sie nicht aufkommen. Im Übrigen enthalte das 

Gutachten verschiedene Inkonsistenzen zur Belastbarkeit und den geschil-

derten Tätigkeiten in Haushalt und Sport.

7.3. Die Beschwerdeführerin erachtete das Gerichtsgutachten in ihrer Stellung-

nahme vom 28. Januar 2022 als beweiskräftig. Sie wies darauf hin, dass 

entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin 1 am 31. August 2018 noch 

kein Status quo erreicht gewesen sei. Angesichts der Mitverursachung der 

Gesundheitsschädigung durch die bei den Beschwerdegegnerinnen versi-

cherten Unfälle würden Leistungsansprüche bestehen, für deren Erbrin-

gung gestützt auf Art. 102a UVV (Vorleistungspflicht) und Art. 100 Abs. 4 

und Abs. 5 UVV (Leistungspflicht bei mehreren Unfallereignissen) die Be-

schwerdegegnerin 1 zuständig sei. Die Beschwerdeführerin habe im Rah-

men einer durch die Invalidenversicherung finanzierten Umschulung im De-

zember 2021 das Diplom als Sachbearbeiterin Immobilienbewirtschaftung 

erlangt und befinde sich weiter in der Umschulung zur Erlangung eines Han-

delsdiploms. Die Invalidenversicherung habe dafür ab dem 16. April 2021 

bis zum 31. August 2021 Invalidentaggelder ausgerichtet, aktuell richte sie 

seit dem 1. Februar 2022 erneut Taggelder aus. Da der Rentenanspruch 

- 18 -

erst nach der Umschulung beurteilt werden könne, habe die Beschwerde-

führerin vorerst Anspruch auf Taggelder der Unfallversicherung.

7.4. Mit Stellungnahme vom 24. Februar 2022 beantragte die Beschwerdegeg-

nerin 1, auf das Gerichtsgutachten sei nicht abzustellen und es sei gestützt 

auf die eingereichte medizinische Stellungnahme von Dr. med. AD._____, 

Facharzt Orthopädische Chirurgie, vom 28. Januar 2022 die Leistungs-

pflicht der Beschwerdegegnerin 1 mangels natürlicher Kausalität zu vernei-

nen. Eventualiter sei ein gerichtliches Obergutachten einzuholen, subeven-

tualiter seien die gesetzlichen Leistungen zu 20 % dem von ihr zu vertre-

tenden Unfallereignis vom 9. Dezember 2017 aufzuerlegen. Das Gutachten 

habe formale Mängel, insbesondere würde die Aktenlage unvollständig dar-

gestellt, beispielsweise bezüglich Schmerzmittelkonsum und Funktionsein-

schränkungen, und es würden Anamnese und subjektive Angaben ver-

mischt. Zudem sei das Gutachten auch nicht schlüssig. Die Aussage, der 

Unfall 2017 sei für die nach dem 31. August 2018 aufgetretenen Beschwer-

den eher unwahrscheinlich kausal, sei zur Aussage, der Unfall habe zu ei-

ner richtunggebenden Verschlechterung der vorbestehenden Klink geführt, 

widersprüchlich. Darüber hinaus entbehre die Postulierung einer richtung-

gebenden Verschlimmerung einer schlüssigen Grundlage, zumal die Be-

schwerdeführerin nach dem Unfall 2017 nicht mehr Schmerzmittel einneh-

men musste als vorher, ihr in den Monaten nach dem Unfall keine schulter-

bedingte Arbeitsunfähigkeit attestiert worden war, für die Zeit nach dem Un-

fall 2017 keine Funktionseinschränkung, die über die davor festgestellten 

erheblichen Funktionseinschränkungen hinausgingen, dokumentiert seien, 

und zumal der Unfall 2017 auch keine strukturellen Schädigungen bewirkt 

habe. Sie widerspreche u.a. auch der Aussage, dass bei einer so fortge-

schrittenen Omarthrose der Zeitpunkt zur Prothesenoperation sehr wahr-

scheinlich früher oder später eingetroffen wäre. Der von ihr konsultierte 

Dr. med. AD._____ teile die Schlüsse der Gutachter nicht; nach dessen An-

sicht habe der Unfall 2017 nicht zu einer richtunggebenden Verschlimme-

rung geführt, zumal sich aus den Akten keine Grundlage für die Annahme 

- 19 -

ergebe, wonach der Unfall die vorbestehende Omarthrose aktiviert habe. 

Der Begriff der Aktivierung entspreche einer nachweisbaren strukturellen 

Schädigung, die entzündliche Veränderungen des Gelenks und/oder des 

subchondralen Knochens (Knochenmarködem) beinhalte und vorliegend im 

MRI neun Monate nach dem Ereignis nicht zu erkennen sei, womit eine Ak-

tivierung der Omarthrose nie eingetreten sei oder spätestens zu jenem Zeit-

punkt abgeheilt gewesen wäre. Dies sei wenig wahrscheinlich, weil sich da-

durch eine Verbesserung der Beschwerden eingestellt hätte. Die Indikation 

zur endoprothetischen Versorgung sei bereits über ein Jahr vor dem Unfall 

2017 von zwei unabhängigen Ärzten festgestellt worden; gemäss Dr. med. 

AD._____ hätte jedes denkbare äussere Ereignis oder auch jeder innere 

Anlass ohne Zweifel und zur gleichen Zeit zur schulterprothetischen Versor-

gung geführt. Mit den aufgezeigten Mängeln sowie den Aussagen von 

Dr. med. AD._____ lägen triftige Gründe vor, die ein Abweichen von der 

gerichtsgutachterlichen Postulierung einer richtunggebenden Verschlimme-

rung durch den Unfall 2017 rechtfertigten. Sollte das Gericht die natürliche 

Kausalität nicht bereits aufgrund der Stellungnahme von Dr. med. 

AD._____ verneinen, so sei ein Oberexperte zur Überprüfung der Kausa-

litätsüberlegungen des Gerichtsgutachters zu beauftragen. Im Falle der Be-

jahung eines natürlichen Kausalzusammenhangs seien allfällig neu zuge-

sprochene Dauerleistungen im Innenverhältnis gestützt auf Art. 100 Abs. 5 

UVV und anhand der gutachterlichen Gewichtung der Kausalitätsanteile im 

Verhältnis 20 % (Unfall 2017) zu 80 % (Unfall 2010) zu verteilen. Die Gut-

achter hätten das Erreichen des Endzustands per August 2020 festgelegt, 

bis dahin sei der Anspruch auf UVG-Taggelder zu prüfen. 

7.5. Mit Schreiben vom 6. April 2022 äusserte sich die Beschwerdeführerin ein-

gehend zu den Stellungnahmen der Beschwerdegegnerinnen. Vorerst be-

anstandete sie die Einreichung des versicherungsmedizinischen Berichts 

von Dr. med. AD._____ nach Eintritt der Rechtshängigkeit des Beschwer-

deverfahrens. Die Stellungnahme der Beschwerdegegnerin 2 erachtete die 

Beschwerdeführerin als widersprüchlich und deren Einwände weder geeig-

- 20 -

net, Zweifel an der gutachterlichen Einschätzung zu begründen noch deren 

Leistungspflicht in Frage zu stellen. Die formale Kritik der Beschwerdegeg-

nerin 1 am Gerichtsgutachten wies die Beschwerdeführerin zurück. Die 

Ausführungen der Gerichtsgutachter, welche die Omarthrose als Hauptur-

sache für die Operation und die bestehenden Beschwerden und den Unfall 

2017 als teilkausal-mitursächlich beurteilten, seien sehr differenziert und 

von grossem Sachverstand in unfallversicherungsrechtlicher Hinsicht getra-

gen. Diese begründeten schlüssig und nachvollziehbar, dass der Unfall 

2017 den gesundheitlichen Verlauf beschleunigt habe und somit mitursäch-

lich für die Behandlungsnotwendigkeiten (inkl. Prothesenimplantation) sei, 

unabhängig davon, dass früher oder später allenfalls eine Operationsnot-

wendigkeit eingetreten wäre. Die von der Beschwerdegegnerin 1 eingeholte 

Parteibeurteilung von Dr. med. AD._____ vermöge das Gerichtsgutachten 

nicht zu entkräften.

8. Gemäss den IV-Akten meldete sich die Beschwerdeführerin am 22. Oktober 

2018 aufgrund einer Erschöpfungsdepression bei der IV-Stelle Graubünden 

(nachfolgend IV-Stelle) zum Bezug von Leistungen an. Gemäss Arbeitsun-

fähigkeitszeugnis des behandelnden Psychiaters, Dr. med. AE._____, vom 

11. Februar 2019 lag eine Anpassungsstörung mit ausgeprägten angstbe-

tonten funktionell-vegetativen Symptomen und einer depressiven Episode 

bei habituell biografisch-traumatogener Strukturvulnerabilität (u.a. mit er-

höhter emotionaler Verletzungssensitivität) vor. Seit dem 7. Mai 2018 be-

stand deswegen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Gemäss Bericht von 

Dr. med. S._____ vom 29. April 2019 zeigte sich bei der Versicherten, nach 

deutlicher Einschränkung in den ersten postoperativen Monaten, ein erfreu-

licher Verlauf. In der Folge holte die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutach-

ten ein, das am 23. August 2020 erstattet wurde (in den Fachdisziplinen 

allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Neuropsychologie, Orthopädie und 

EFL). Demnach wurde folgender Gesundheitszustand diagnostiziert: 

Schmerzhafte Funktionseinschränkung (ICD: M25.81) der linken Schulter 

mit/bei - St.n. fortgeschrittener Omarthrose (ICD: M19.21) links mit/bei: - 

- 21 -

St.n. Arthroskopie Schulter links mit anterocaudaler Schulterstabilisation, 

subacromialer Dekompression vom 13. Februar 2013 - St.n. Implantation 

anatomische Schulter Totalprothese links (Tornier Wright Ascend Flex, 

Schaft 2C, Kopf 46/17/4. Perform Glenoid S40, Optipac Zement), tran-

sossäre Naht Subscapularis, Bizepstenodese am 16. Oktober 2018, sowie 

leichtgradig depressive Episode (ICD-10: F32.00). Die Arbeitsfähigkeit im 

angestammten Beruf als Hausabwartin wurde als aus orthopädischer 

(100 %) und psychiatrischer (20 %) Sicht nicht mehr zumutbar erachtet und 

die Arbeitsunfähigkeit ab dem 7. Mai 2018 auf 100 % geschätzt. In einem 

leidensadaptierten Beruf betrage die Arbeitsunfähigkeit 20 % (aus orthopä-

discher und psychiatrischer Sicht) ab dem 24. Juni 2020. 

Die IV-Stelle gewährte mit Mitteilung vom 28. Oktober 2020 Berufsberatung 

und Abklärung der beruflichen Eingliederungsmöglichkeiten. In der Folge 

begann die Beschwerdeführerin ab Januar 2021 einen Wiedereingliede-

rungsprozess mit Umschulung zur Sachbearbeiterin Immobilienbewirt-

schafterin und eine Weiterbildung zur Erlangung des Handelsdiploms, wel-

ches sie ihren Angaben zufolge voraussichtlich im März 2023 erlangen wird.  

9. Mit Verfügung vom 15. September 2022 schloss die Instruktionsrichterin 

den Schriftenwechsel ab und forderte die anwaltlich vertretenen Parteien 

auf, ihre Honorarnoten einzureichen.

10. Mit Schreiben vom 21. September 2022 gab der Rechtsvertreter der Be-

schwerdeführerin seinen Aufwand in den beiden (nunmehr vereinigten) Ver-

fahren bekannt.

Auf die weiteren Ausführungen in den angefochtenen Einspracheentschei-

den und in den Rechtsschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den nach-

folgenden Erwägungen eingegangen.

- 22 -

Das Gericht zieht in Erwägung:

1.1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Einspracheentscheide 

der Beschwerdegegnerin 1 vom 13. September 2019 (Unfall vom 9. De-

zember 2017/B._____; S 19 123; Akten der Beschwerdeführerin [Bf-act.] 2, 

Akten der Beschwerdegegnerin 1 [Bg1-act.] 81) und der Beschwerdegeg-

nerin 2 vom 18. August 2020 (Unfall vom 12. Mai 2010/D._____; S 20 107; 

Bf-act. 2, Akten der Beschwerdegegnerin 2 [Bg2-act.] 186). Derartige Ent-

scheide können gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfall-

versicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m. Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 

(ATSG; SR 830.1) beim Versicherungsgericht desjenigen Kantons ange-

fochten werden, in dem die versicherte Person oder der Beschwerdeführer 

zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Die Beschwerdeführerin 

hat Wohnsitz in AF._____, womit das Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerden örtlich zu-

ständig ist. Dessen sachliche und funktionelle Zuständigkeit ergibt sich aus 

Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungs-

rechtspflege (VRG; BR 370.100), wonach das Verwaltungsgericht als kan-

tonales Versicherungsgericht Beschwerden gegen Einspracheentscheide 

und Verfügungen in Sozialversicherungssachen beurteilt, die gemäss Bun-

desrecht der Beschwerde unterliegen. Mit Einspracheentscheid vom 

13. September 2019 (S 19 123) und vom 18. August 2020 (S 20 107) wie-

sen die Beschwerdegegnerinnen 1 und 2 die jeweilige Einsprache der Be-

schwerdeführerin ab, womit taugliche Anfechtungsobjekte für ein Verfahren 

vor dem streitberufenen Gericht vorliegen und die Zuständigkeit des ange-

rufenen Gerichts für die Beurteilung der vorliegenden Streitsache zu beja-

hen ist. Als formelle und materielle Adressatin der angefochtenen Einspra-

cheentscheide ist die Beschwerdeführerin von diesen berührt und sie weist 

ein schutzwürdiges Interesse an deren gerichtlichen Überprüfung auf 

(Art. 59 ATSG). 

- 23 -

1.2. Strittig ist, ob die Beschwerdegegnerin 1 oder die Beschwerdegegnerin 2 

oder beide und in diesem Fall allenfalls, in welchem Verhältnis, für die Be-

handlung der nach dem 31. August 2018 verbliebenen Beschwerden in der 

linken Schulter und damit auch für die im Zusammenhang mit der Schulter-

prothesenimplantation im Oktober 2018 stehenden Kosten leistungspflichtig 

ist bzw. sind. Anfechtungsgegenstand ist dabei sowohl der Einspracheent-

scheid der Beschwerdegegnerin 1 vom 13. September 2019 (S 19 123) und 

der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin 2 vom 18. August 2020 

(S 20 107). Auszugehen ist vom Sachverhalt, der sich bis zu diesen Zeit-

punkten realisiert hat (BGE 142 V 337 E.3.2.2, BGE 131 V 402 E.2.1.2.1, 

Urteil des Bundesgerichts 9C_719/2020 vom 4. Januar 2022 E.3.2).

1.3. Nicht eingetreten werden kann auf die Rechtsbegehren der Beschwerde-

führerin, die dem Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin 1 vom 

13. September 2019 zugrundeliegende Verfügung vom 27. März 2019 und 

die dem Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin 2 vom 18. August 

2020 zugrundeliegende Verfügung vom 29. Mai 2020 sei ebenfalls aufzu-

heben, werden doch diese bereits mit dem jeweils angefochtenen Einspra-

cheentscheid hinfällig. Im Übrigen ist jedoch auf die frist- und formgerecht 

eingereichten Beschwerden (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG) einzutreten. 

2. Bezüglich des anwendbaren Rechts ist zu beachten, dass am 1. Januar 

2017 die revidierten Bestimmungen des UVG und der Verordnung über die 

Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft getreten sind. Gemäss 

Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 

2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkraft-

treten ereignet haben (…), nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend fin-

den daher für die Fragen im Zusammenhang mit dem Unfall vom 12. Mai 

2010 grundsätzlich die bis zum 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen 

des UVG Anwendung, für diejenigen im Zusammenhang mit dem Unfall 

vom 9. Dezember 2017 die revidierten Bestimmungen des UVG. 

- 24 -

3. In beweisrechtlicher Hinsicht ist zunächst auf die Anträge der Parteien ein-

zugehen.

3.1. Die Beschwerdeführerin beantragte den Beizug der vollständigen Akten der 

Beschwerdegegnerin 2 sowie die Einholung eines medizinischen Gerichts-

gutachtens zur Frage der Unfallkausalität, eventualiter (mit Hinweis auf das 

Urteil des Bundesgerichts 9C_207/2012 vom 3. Juli 2013 = BGE 139 V 349 

E.5.4) könne auch lediglich ein Einigungsverfahren durchgeführt werden, 

mit Festlegung des Fragenkatalogs und dannzumaliger Rückweisung an 

die Beschwerdegegnerinnen zur Durchführung des Gutachtens. 

Mit Vernehmlassung vom 31. Oktober 2019 reichte die Beschwerdegegne-

rin 2 sämtliche sie betreffenden Akten ein, womit der entsprechende Antrag 

der Beschwerdeführerin gegenstandslos wurde. Dem Antrag auf Einholung 

eines Gerichtsgutachtens wurde mit verfahrensleitender Verfügung vom 

30. April 2021 stattgegeben, die Instruktionsrichterin beauftragte mit Verfü-

gung vom 30. April 2021 (ohne Durchführung eines Einigungsverfahrens) 

Prof. Dr. med. U._____, das entsprechende monodisziplinäre Gerichtsgut-

achten (in Zusammenarbeit mit pract. med. AC._____) zu verfassen, worauf 

das Gerichtsgutachten am 30. Dezember 2021 erstattet wurde. 

3.2. Die Beschwerdegegnerin 2 beantragte die Einholung der Akten des Sozia-

lversicherungsgerichts Zürich. Da dieses, soweit ersichtlich, auf dieselben 

medizinischen Akten abstellte, kann auf die Einholung dieser gerichtlichen 

Verfahrensakten verzichtet werden. Weiter beantragte die Beschwerdegeg-

nerin 2 den Beizug des von der IV-Stelle eingeholten polydisziplinären Gut-

achtens vom 23. August 2020. Im Januar 2021 edierte die IV-Stelle sämtli-

che IV-Akten inkl. polydisziplinäres Gutachten vom 23. August 2020, womit 

diesem Antrag Genüge getan ist.

- 25 -

3.3. Auf den Eventualantrag der Beschwerdegegnerin 1 auf Einholung eines 

Obergutachtens zur Überprüfung der Kausalitätsüberlegungen der Ge-

richtsgutachter wird in Erwägung 5.5.9. eingegangen. 

4. Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden, soweit das Gesetz nichts anderes be-

stimmt, die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfäl-

len und Berufskrankheiten gewährt. In diesen Fällen hat die versicherte Per-

son im Sinne von sogenannt kurzfristigen Versicherungsleistungen u.a. An-

spruch auf zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG; Heil-

behandlung) und Taggelder, die den durch die gesundheitliche Beeinträch-

tigung erlittenen Erwerbsausfall ausgleichen sollen (Art. 16 UVG). Ist die 

versicherte Person infolge des Unfalls zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 

ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (sogenannt langfristige 

Leistung), sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenal-

ters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG), und sofern von der Fortsetzung der 

ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszu-

stands zu erwarten ist und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invali-

denversicherung abgeschlossen sind; mit dem Rentenbeginn fallen die 

Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG) 

(Wortlaut von Art. 18 UVG in der Fassung vor dem 1. Januar 2017: Ist der 

Versicherte infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid [Art. 8 ATSG], 

so hat er Anspruch auf eine Invalidenrente). Erleidet die versicherte Person 

durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, 

geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie auch Anspruch auf eine 

angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 UVG) (sogenannt langfris-

tige Leistung).

4.1. Die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers setzt eine Kau-

salität zwischen dem Unfall und der Gesundheitsschädigung sowie deren 

Folgen voraus (Arbeitsunfähigkeit, Invalidität, Tod, Integritätseinbusse, Hilf-

losigkeit), wobei es sich um einen natürlichen und adäquaten Kausalzusam-

menhang handeln muss (BGE 147 V 161 E.3.1, BGE 129 V 177 E.3.1; HÜR-

- 26 -

ZELER/USINGER-EGGER, Einführung in das schweizerische Unfallversiche-

rungsrecht, Bern 2021, Rz. 221 f. und Rz. 249 ff., RUMO-JUNGO/HOLZER, 

Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl., Zürich 2012, Art. 6, 

S. 53 ff.). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind 

alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als 

eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit 

eingetreten gedacht werden kann (statt vieler: BGE 147 V 161 E.3.2). Ent-

sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kau-

salzusammenhangs nicht erforderlich, dass das Unfallereignis die alleinige 

oder unmittelbare Ursache der gesundheitlichen Störungen und Beschwer-

den ist; vielmehr genügt es, dass das Unfallereignis eine Teilursache des 

Gesundheitsschadens ist (HÜRZELER/USINGER-EGGER, a.a.O., Rz. 252; NA-

BOLD, in: HÜRZELER/KIESER, Kommentar zum UVG, Bern 2018, Art. 6 

Rz. 52), d.h. dass der Unfall nicht weggedacht werden kann, ohne dass 

auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 147 V 161 

E.3.2, BGE 129 V 177 E.3.1).

4.2. Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist, stellt eine Tatfrage 

dar, die mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit von der leistungsansprechenden Per-

son nachzuweisen ist, wobei die blosse Möglichkeit, dass ein solcher be-

steht, den Beweisanforderungen nicht genügt (BGE 146 V 51 E.5.1, 

BGE 129 V 177 E.3.1; HÜRZELER/USINGER-EGGER, a.a.O., Rz. 253, NABOLD, 

a.a.O., Art. 6 Rz. 53). Nicht tauglich für den Beweis des natürlichen Kausa-

lzusammenhangs ist das Argument, die gesundheitlichen Beeinträchtigun-

gen seien erst nach dem Unfall aufgetreten und deshalb auf das Unfaller-

eignis zurückzuführen, d.h. die Beweismaxime "post hoc, ergo propter hoc" 

ist unzulässig (BGE 119 V 335 E.2b/bb; Urteil des Bundesgerichts 

8C_241/2020 vom 29. Mai 2020 E.3; HÜRZELER/USINGER-EGGER, a.a.O., 

Rz. 253, NABOLD, a.a.O., Art. 6 Rz. 53 Fn. 94).

- 27 -

4.3. Die Frage, ob ein bestimmter natürlicher Kausalzusammenhang adäquat 

ist, stellt eine Rechtsfrage dar. Bei organisch objektiv ausgewiesenen Un-

fallfolgen erfolgt eine einfache Adäquanzprüfung. Dabei spielt die 

Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausa-

lzusammenhang ergebenden Leistungspflicht des Unfallversicherers prak-

tisch keine (selbständige) Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit 

der natürlichen Kausalität deckt (BGE 140 V 356 E.3.2; BGE 138 V 248 E.4; 

HÜRZELER/USINGER-EGGER, a.a.O., Rz. 271, NABOLD, a.a.O., Art. 6 Rz. 62 

f.). Daher erfolgt in solchen Fällen grundsätzlich keine Eingrenzung mittels 

der Adäquanzformel (HÜRZELER/USINGER-EGGER, a.a.O., Rz. 271).

4.4. Entfällt der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis 

und dem Gesundheitsschaden gänzlich, so besteht keine Leistungspflicht 

des Unfallversicherers mehr (HÜRZELER/USINGER-EGGER, a.a.O., Rz. 261, 

NABOLD, a.a.O., Art. 6 Rz. 54). Klingt der Gesundheitsschaden infolge eines 

Vorzustandes nicht ab, so kann sich der Unfallversicherer nur von einer 

Leistungspflicht befreien, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und 

adäquate Ursache darstellt, der Gesundheitsschaden also nur noch und 

ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht (BGE 147 V 161 E.3.3 

mit Hinweisen; HÜRZELER/USINGER-EGGER, a.a.O., Rz. 261). Dies trifft zu, 

wenn entweder der "Status quo ante" – der Gesundheitszustand, wie er un-

mittelbar vor dem Unfall bestanden hat –, oder aber der "Status quo sine", 

– der Zustand, wie er sich nach schicksalsmässigem Verlauf eines krank-

haften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte 

–, erreicht ist (BGE 147 V 161 E.3.3 mit Hinweisen; HÜRZELER/

USINGER-EGGER, a.a.O., Rz. 262 f., NABOLD, Art. 6 Rz. 54). 

Trifft ein Unfall auf einen vorgeschädigten Körper und steht medizinischer-

seits fest, dass weder der Status quo ante noch der Status quo sine je wie-

der erreicht werden können, so handelt es sich nach der Rechtsprechung 

um eine "richtunggebende Verschlimmerung" (Urteile des Bundesgerichts 

8C_421/2018 vom 28. August 2018 E.3.2, 8C_781/2017 vom 21. Septem-

- 28 -

ber 2018 E.5.1 und 8C_240/2016 vom 13. Juli 2016 E.3 in fine; NABOLD, 

a.a.O., Art. 6 Rz. 54, RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., Art. 6, S. 54, ACKER-

MANN, in: SCHAFFHAUSER/KIESER, Unfall und Unfallversicherung, St. Gallen 

2009, S. 39 f.). Solange der Status quo sine vel ante nicht erreicht ist, hat 

der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben 

den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu über-

nehmen (Urteile des Bundesgerichts 8C_421/2018 vom 28. August 2018 

E.3.2 und 8C_781/2017 vom 21. September 2018 E.5.1). Wird hingegen 

durch einen Unfall ein klinisch stummer krankhafter Vorzustand aktiviert, 

wäre aber zu dessen Aktivierung nicht unbedingt ein Unfallereignis notwen-

dig gewesen, so spricht das Bundesgericht von einer blossen Gelegenheits- 

oder Zufallsursache des Gesundheitszustands, die keine Leistungspflicht 

der Unfallversicherung nach sich zieht (Urteile des Bundesgerichts 

8C_206/2022 vom 14. Juli 2022 E.2.3, 8C_287/2020 vom 27. April 2021 

E.3.1 und 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E.4.1; NABOLD, a.a.O., Art. 6 

Rz. 55; ACKERMANN, in: SCHAFFHAUSER/KIESER, Unfall und Unfallversiche-

rung, St. Gallen 2009, S. 38 f.).

4.5. Der Beweis, dass der einmal erstellte natürliche Kausalzusammenhang 

weggefallen ist, obliegt dem Unfallversicherer (HÜRZELER/USINGER-EGGER, 

a.a.O., Rz. 264). Der Beweis ist hauptsächlich mit Angaben medizinischer 

Fachpersonen zu führen (Urteil des Bundesgerichts 8C_287/2020 vom 

27. April 2021 E.3.1; NABOLD, a.a.O., Art. 6 Rz. 53); es gilt der Beweisgrad 

der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (HÜRZELER/USINGER-EGGER, a.a.O., 

Rz. 264). Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei 

Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massge-

bend (vgl. zum Ganzen: Urteile des Bundesgerichts 8C_734/2021 vom 8. 

Juli 2022 E.2.2.2, 8C_408/2019 vom 26. August 2019 E.3.2, 8C_93/2019 

vom 23. August 2019 E.2.2 und 8C_17/2017 vom 4. April 2017 E.2.2; HÜR-

ZELER/USINGER-EGGER, a.a.O., Rz. 264). 

- 29 -

4.6. Ist der Unfall nur teilweise ursächlich für den Gesundheitsschaden, so führt 

die Regelung von Art. 36 Abs. 1 UVG dazu, dass der Unfallversicherer den-

noch die ungekürzten sogenannt kurzfristigen Leistungen (Heilbehandlung, 

Kostenvergütungen, Taggelder, Hilflosenentschädigungen) schuldet (HÜR-

ZELER/USINGER-EGGER, a.a.O., Rz. 261 und Rz. 292 [Durchbrechung des 

Kausalitätsprinzips bei diesen Leistungen], NABOLD, a.a.O. Art. 36 Rz. 9). 

Eine angemessene Kürzung (als Folge des Kausalitätsprinzips) der lang-

fristigen Leistungen (Invalidenrenten, Hinterlassenenrenten, Integritätsent-

schädigungen) erfolgt unter bestimmten, sehr eingeschränkten Vorausset-

zungen, wenn der Gesundheitsschaden teilweise durch mitwirkende unfall-

fremde Ursachen herbeigeführt wurde (Art. 36 Abs. 2 UVG; HÜRZELER/USIN-

GER-EGGER, a.a.O., Rz. 292). Damit eine Kürzung der langfristigen Leistun-

gen zulässig ist, muss die auf die unfallfremden Ursachen zurückzu-

führende Gesundheitsschädigung bereits vor dem Unfall zu einer Vermin-

derung der Erwerbsfähigkeit geführt haben (BGE 126 V 116 E.3, BGE 121 

V 326 E.3c; Urteil des Bundesgerichts 8C_337/2016 vom 7. Juli 2016 

E.4.2.1; NABOLD, a.a.O., Art. 36 Rz. 19 f., ACKERMANN, a.a.O., S. 36).

4.7. Gestützt auf Art. 11 UVV werden die Versicherungsleistungen durch die Un-

fallversicherung auch für Rückfälle und Spätfolgen gewährt. Bei einem 

Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich ge-

heilten Gesundheitsschädigung; von Spätfolgen wird gesprochen, wenn ein 

scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische Verände-

rungen bewirkt, die zu einem oft völlig anders gearteten Krankheitsbild 

führen (BGE 118 V 293 E.2c; Urteile des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 

21. Februar 2018 E.3.1.1, 8C_934/2014 vom 8. Januar 2016 E.3.2; HÜRZE-

LER/USINGER-EGGER, a.a.O., Rz. 324; GEHRING, in: GEHRING/KIESER/BOLLIN-

GER, Kommentar KVG/UVG, Zürich 2018, Nr. 2 UVG, Art. 6, Rz. 26 f., NA-

BOLD, a.a.O., Art. 6 Rz. 89). Voraussetzung für die Ausrichtung von Versi-

cherungsleistungen für Rückfälle und Spätfolgen ist, dass zwischen den er-

neut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten 

Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater 

- 30 -

Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E.2c; Urteil des Bundes-

gerichts 8C_421/2018 vom 28. August 2018 E.3.1; NABOLD, a.a.O., Art. 6 

Rz. 90, GEHRING, a.a.O., Nr. 2 UVG, Art. 6, Rz. 28). Der Beweis für den Be-

stand des natürlichen Kausalzusammenhangs obliegt dem/der Versicher-

ten; je grösser der Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der 

gesundheitlichen Beeinträchtigung ist, desto strengere Anforderungen wer-

den an den Wahrscheinlichkeitsbeweis gestellt (Urteile des Bundesgerichts 

8C_772/2019 vom 4. August 2020 E.3.2 und 8C_331/2015 vom 21. August 

2015 E.2.2.2; NABOLD, a.a.O., Art. 36 Rz. 12; GEHRING, a.a.O., Nr. 2 UVG, 

Art. 6, Rz. 28). Bei Beweislosigkeit fällt der Entscheid zu Lasten der versi-

cherten Person aus (Urteile 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E.3.2.2 

und 8C_331/2015 vom 21. August 2015 E.2.2.2). Werden durch einen Un-

fall Beschwerden verursacht, übernimmt die Unfallversicherung den durch 

das Unfallereignis verursachten Schaden, spätere Gesundheitsstörungen 

dagegen nur, wenn eindeutige Brückensymptome gegeben sind (Urteile 

des Bundesgerichts 8C_589/2017 vom 21. Februar 2018 E.3.2.2, 

8C_331/2015 vom 21. August 2015 E.2.2.2 und 8C_521/2011 vom 5. De-

zember 2011 E.2.2.2).  

Rückfall und Spätfolgen setzen in aller Regel voraus, dass die Heilbehand-

lung nach dem Grundfall (rechtskräftig z.B. durch Ablauf der Rechtsmittel-

frist oder Zeitablauf nach einer formlosen Mitteilung) abgeschlossen wurde 

(NABOLD, a.a.O., Art. 6 Rz. 91, GEHRING, a.a.O., Nr. 2 UVG, Art. 6 Rz. 31). 

Solange dies nicht der Fall ist, obliegt der Kausalitätsnachweis nicht dem 

Versicherten, vielmehr hat der Unfallversicherer den Wegfall des Kausalzu-

sammenhangs nachzuweisen (GEHRING, a.a.O., Nr. 2 UVG, Art. 6, Rz. 31). 

4.8. Die Art. 77 UVG und Art. 99 ff. UVV regeln den Fall, dass mehrere Unfall-

versicherer, bei denen die versicherte Person zugleich oder hintereinander 

versichert ist bzw. war, für die Erbringung der Leistungen in Frage kommen 

(HÜRZELER/USINGER-EGGER, a.a.O., Rz. 574; Mehrfachträgerschaft). Die 

Leistungspflicht bei zeitlich nacheinander eingetretenen Unfällen, für die 

- 31 -

verschiedene Versicherer zuständig sind, ist in Art. 100 UVV geregelt (MO-

SIMANN, in: HÜRZELER/KIESER, a.a.O., Art. 77 Rz. 7 ff.); die Bestimmung um-

fasst den Fall, dass eine versicherte Person verunfallt, während sie auf-

grund eines früheren versicherten Unfalls noch Anspruch auf Taggeld hat 

(Art. 100 Abs. 1 UVV) oder während sie aufgrund eines früheren versicher-

ten Unfalls noch in medizinischer Behandlung steht, aber keinen Anspruch 

mehr auf ein Taggeld hat (Art. 100 Abs. 2 UVV). Ferner ist die Konstellation 

von Rückfällen und Spätfolgen aufgrund mehrerer versicherter Unfälle nor-

miert (Art. 100 Abs. 3 UVV). In den Fällen nach Art. 100 Abs. 1-3 UVV, in 

denen der zweite bzw. der letzte Versicherer leistungspflichtig ist, sind die 

anderen Versicherer dem leistungspflichtigen Versicherer nicht zur Ver-

gütung verpflichtet (Art. 100 Abs. 4 UVV). Art. 100 Abs. 5 UVV regelt die 

Frage der Leistungspflicht für eine Rente, Integritätsentschädigung oder 

eine Hilflosenentschädigung, wenn diese Folge mehrerer Unfälle sind (zum 

Ganzen: HÜRZELER/USINGER-EGGER, a.a.O., Rz. 578).

4.9. Können sich mehrere Unfallversicherer nicht einigen, wer von ihnen für Un-

fallfolgen leistungspflichtig ist, so kommt Art. 102a UVV (in Kraft seit 2017) 

zum Tragen (HÜRZELER/USINGER-EGGER, a.a.O., Rz. 579, MOSIMANN, 

a.a.O., Art. 77 Rz. 13). Demnach hat derjenige Versicherer die Leistungen 

im Sinne von Vorleistungen zu erbringen, der dem Auftreten der Unfallfol-

gen in zeitlicher Hinsicht am nächsten ist. Art. 70 Abs. 1 ATSG regelt hin-

gegen die Vorleistungspflicht unter mehreren Sozialversicherungen.

4.10. Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz be-

herrscht (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben Versiche-

rungsträger und Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige 

Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Die Verwaltung 

als verfügende Instanz und im Beschwerdefall das Gericht dürfen eine Tat-

sache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen 

überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Ent-

scheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem 

- 32 -

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse 

Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderun-

gen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, 

die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste 

würdigt (BGE 144 V 427 E.3.2, BGE 138 V 218 E.6).

Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweis-

führungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungs-

gerichts (oder der verfügenden Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammen-

tragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungspro-

zess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, 

als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei 

ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten 

wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als un-

möglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund ei-

ner Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die 

Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 144 

V 427 E.3.2, BGE 138 V 218 E.6; Urteil des Bundesgerichts 8C_17/2017 

vom 4. April 2017 E.2.2).

4.11. Versicherungsträger und im Beschwerdefall das Gericht sind auf verlässli-

che medizinische Entscheidungsgrundlagen angewiesen. Wie die einzel-

nen Beweismittel zu würdigen sind, wurde in BGE 125 V 351 E.3 festgelegt. 

Demnach gilt für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbe-

schwerdeverfahren der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Das heisst, 

Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise 

frei, nämlich ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend 

und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet 

dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie 

stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg-

baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsan-

spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden 

- 33 -

medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte 

Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die 

eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (zum Ganzen: 

BGE 143 V 124 E.2.2.2, BGE 134 V 231 E.5.1, BGE 125 V 351 E.3a; RUMO-

JUNGO/HOLZER, a.a.O., Art. 1, S. 6 f.). 

4.12.1. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der 

Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-

chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-

nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der 

medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 

Situation einleuchtet, und ob die Schlussfolgerungen des Experten begrün-

det sind (zum Ganzen: BGE 134 V 231 E.5.1, BGE 125 V 351 E.3a; RUMO-

JUNGO/HOLZER, a.a.O., Art. 1, S. 6 f.). Ausschlaggebend für den Beweiswert 

ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Be-

zeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als 

Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 122 V 157 E.1c).

4.12.2. Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweis-

würdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizi-

nischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzu-

stellen:

Was die Berichte und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen be-

trifft, so kommt auch ihnen Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erschei-

nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und 

keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 

E.3b/ee). Die Tatsache allein, dass die befragte Arztperson in einem An-

stellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf 

mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf viel-

mehr besonderer Umstände, die das Misstrauen in die Unparteilichkeit der 

Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die 

- 34 -

erhebliche Bedeutung, die den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht 

zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger 

Massstab anzulegen (zum Ganzen: BGE 125 V 351 E.3b). Bestehen auch 

nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versiche-

rungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen 

vorzunehmen (vgl. BGE 145 V 97 E.8.5, BGE 142 V 58 E.5.1, BGE 139 V 

225 E.5.2, BGE 135 V 465 E.4.3.2 und 4.4; Urteile 9C_168/2020 vom 

17. März 2021 E.3.2 und 8C_679/2016 vom 7. Dezember 2016 E.2). Was 

Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt der Umstand allein, dass eine ärztli-

che Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren einge-

bracht wird, nicht Zweifel an ihrem Beweiswert (BGE 125 V 351 E.3b/dd). 

Nach der Praxis weicht das Gericht nicht ohne zwingende Gründe von der 

Einschätzung von medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre 

Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen be-

stimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen 

kann vorliegen, wenn das Gerichtsgutachten widersprüchlich ist oder wenn 

ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu an-

deren Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner 

gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer 

Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit 

des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung 

durch eine/n Oberexpertin/en für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Ober-

expertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfol-

gerungen zieht (BGE 125 V 351 E.3b/aa, BGE 122 V 157 E.1a-c, BGE 118 

V 290 E.1b). Anspruch auf ein Gerichtsgutachten besteht rechtsprechungs-

gemäss, wenn die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren in 

rechtserheblichen Punkten nicht ausreichend beweiswertig sind (BGE 143 

V 269 E.6.2.3.2, BGE 137 V 210 E.4.4.1.5; Urteile des Bundesgerichts 

8C_80/2021 vom 7. Juli 2021 E.2.1, 8C_188/2020 vom 5. Mai 2020 E.2, 

8C_187/2017 vom 11. August 2017 E.2.4 und 8C_348/2016 vom 9. De-

zember 2016 E.2.4).

- 35 -

5. Im Nachfolgenden sind diese Grundsätze auf den vorliegenden Fall anzu-

wenden. 

5.1.1. Anfänglich anerkannten beide Beschwerdegegnerinnen ihre Leistungs-

pflicht nach UVG –, die Beschwerdegegnerin 2 für den Unfall vom 12. Mai 

2010 bzw. die Schulteroperation vom 13. Februar 2013, die Beschwerde-

gegnerin 1 für den Unfall vom 9. Dezember 2017 – und erbrachten die dies-

bezüglichen gesetzlichen Leistungen. Damit entfällt die einmal anerkannte 

Leistungspflicht der Unfallversicherer für den jeweiligen Unfall erst, wenn 

der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache des Gesund-

heitsschadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich 

auf unfallfremden Ursachen beruht, mithin der Status quo ante oder der Sta-

tus quo sine erreicht ist (vgl. dazu Erwägung 4.4). 

Im Einspracheentscheid vom 13. September 2019 (Bf-act. 2, Bg1-act. 81) 

verneinte die Beschwerdegegnerin 1, dass die nach dem 31. August 2018 

fortbestehenden Beschwerden, die zur Implantation der Schultertotalpro-

these geführt hatten, auf den Unfall vom 9. Dezember 2017 zurückzuführen 

seien. Sie ging von einem Vorzustand aus dem Jahr 2013 bzw. einem Rück-

fall bezüglich des Unfalls aus dem Jahr 2010 aus, für den die Beschwerde-

gegnerin 2 zuständig sei, weshalb sie den Fall auf den Zeitpunkt 31. August 

2018 hin abschloss. 

5.1.2. Das Erreichen des (medizinischen) Endzustands (Fallabschluss) bedeutet 

in erster Linie, dass von weiteren Behandlungen keine namhafte Besserung 

zu erwarten ist, was eine zukünftige Verschlechterung und den Bezug von 

Leistungen aus Rückfall/Spätfolgen nicht ausschliesst (BGE 144 V 245 

E.5.5.5 und E.6.1). In Bezug auf den Unfall vom 12. Mai 2010 bzw. die 

Schulteroperation vom 13. Februar 2013 wurde der Endzustand am 4. Au-

gust 2016 erreicht, was das Sozialversicherungsgericht Zürich mit rechts-

kräftigem Urteil vom 16. Dezember 2019 (Verfahren UV.2018.00203 E.5.1) 

- 36 -

bestätigte (auf Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 11. Juli 

2018 bzw. die Verfügung vom 21. Juli 2017 hin [Bg2-act. 136]). Die Behaup-

tung der Beschwerdegegnerin 2, der Fallabschluss sei angesichts des 

Rückweisungsentscheids des Sozialversicherungsgerichts Zürich noch 

nicht erfolgt, ist daher nicht zu hören. Für die Zeit nach der Schulteropera-

tion im Februar 2013 bis zum 9. November 2014 richtete die Beschwerde-

gegnerin 2 weitere Taggelder aus und sprach eine Integritätsentschädigung 

zu, was vorliegend nicht strittig ist; ein Rentenanspruch wurde hingegen 

verneint. Der Grundfall selbst war damit abgeschlossen und die Beschwer-

degegnerin 2 hatte nach August 2016 keine Leistungen mehr zu erbringen 

(Taggelder, Heilbehandlung, Rente, Integritätsentschädigung). Sofern die 

Beschwerdegegnerin 2 im Zusammenhang mit dem Unfall vom Dezember 

2017 leistungspflichtig werden sollte, wäre dies nur dann der Fall, wenn für 

die Zeit nach Fallabschluss am 4. August 2016 eine Verschlechterung des 

Gesundheitszustands, mithin ein Rückfall oder Spätfolgen aus dem Unfall 

2010 bzw. aus der Schulteroperation 2013 vorliegen würden. In diesem Zu-

sammenhang muss denn auch die Rückweisung der Sache seitens des So-

zialversicherungsgerichts Zürich gesehen werden (Urteil vom 16. Dezem-

ber 2019 im Verfahren UV.2018.00203 E.6). Dieses verpflichtete die Be-

schwerdegegnerin 2, weitere Abklärungen zu tätigen und ihre Leistungs-

pflicht bezüglich der nach dem Unfall vom 9. Dezember 2017 aufgetretenen 

Beschwerden zu prüfen. Die Beweispflicht für einen natürlichen Kausalzu-

sammenhang zwischen den erneut geltend gemachten gesundheitlichen 

Beschwerden (Rückfall/Spätfolgen) und dem Unfall 2010 bzw. der Opera-

tion 2013 oblag in diesem Fall der Beschwerdeführerin (vgl. dazu Erwägung 

4.7).

5.1.3. Ein Rückfall bzw. Spätfolgen können der Versicherung jederzeit gemeldet 

werden (GEHRING, a.a.O., Nr. 2 UVG Art. 6 Rz. 25 mit Hinweis auf Urteil der 

Cour de droit public Neuchâtel vom 9. Februar 2015, CPD.2014.13, publi-

ziert in: SVR 2016 UV Nr. 6). Auch wenn die Beschwerdegegnerin 2 be-

hauptet, die Beschwerdeführerin habe ihr nie einen Rückfall und somit eine 

- 37 -

Verschlechterung des Gesundheitszustands gemeldet, so erlangte sie von 

den nach dem Unfall vom 9. Dezember 2017 aufgetretenen gesundheitli-

chen Beschwerden unbestrittenermassen Kenntnis. Ausgewiesen ist, dass 

die Beschwerdeführerin mit den Schreiben vom 17. September 2018 (Bg2-

act. 140), vom 19. Oktober 2018 (Bg2-act. 142) und vom 4. April 2019 (Bf-

act. 5) an die Beschwerdegegnerin 2 auf das erneute Ereignis bzw. auf den 

verschlechterten Gesundheitszustand hinwies und dass in der Beschwer-

deschrift der Beschwerdeführerin vom 10. September 2018 an das Sozial-

versicherungsgericht Zürich (Bg2-act. 139) davon die Rede war. In ihrer Be-

schwerdeantwort im dortigen Verfahren führte die Beschwerdegegnerin 2 

aus, der geltend gemachte Rückfall werde im Rahmen eines neuen Verwal-

tungsverfahrens zu prüfen sein (Bg2-act. 141). Im Übrigen war in den auch 

der Beschwerdegegnerin 2 zugestellten Entscheiden der Beschwerdegeg-

nerin 1 – Verfügung vom 27. März 2019 (Bg1-act. 66) bzw. Einspracheent-

scheid vom 13. September 2019 (Bg1-act. 81) –, mit der diese ihre Leis-

tungspflicht (Heilbehandlungen und Taggeldleistungen) per 31. August 

2018 einstellte, von einem Rückfall bzw. von der Notwendigkeit einer ent-

sprechenden Anmeldung die Rede. Der angeblich verspätete Zeitpunkt der 

Anmeldung kann der Beschwerdeführerin somit nicht entgegengehalten 

werden.   

5.1.4. Die Beschwerdegegnerin 2 zog in Folge des Urteils des Sozialversiche-

rungsgerichts Zürich vom 16. Dezember 2019 (Verfahren UV.2018.00203) 

die Akten der Beschwerdegegnerin 1 bei und verneinte mit Verfügung vom 

29. Mai 2020 (Bg2-act. 183) bzw. Einspracheentscheid vom 18. August 

2020 (Bg2-act. 186) ihre Leistungspflicht bezüglich des Unfalls vom 9. De-

zember 2017. Eigene medizinische Abklärungen nahm sie nicht vor. Viel-

mehr stellte sie darauf ab, dass die Versicherte keine Verschlechterung ih-

res Gesundheitszustands geltend gemacht habe, der Fallabschluss per 

4. August 2016 zu Recht erfolgt bzw. ein Rückfall mangels Feststehens des 

Endzustands nicht zu prüfen und sie vom Unfall vom 9. Dezember 2017 

nicht betroffen sei. Geht man von einer gültigen Rückfallmeldung aus (vgl. 

- 38 -

Erwägung 5.1.3), so ist fraglich, ob die Beschwerdegegnerin 2 ihrer Unter-

suchungspflicht allein mit dem Beizug der Akten der Beschwerdegegnerin 1 

nachgekommen ist. Immerhin ist es nach dem Untersuchungsgrundsatz 

Sache der verfügenden Verwaltungsstelle, für die Zusammentragung des 

Beweismaterials besorgt zu sein (BGE 117 V 261 E.3b, BGE 115 V 113 

E.3d/bb; vgl. Erwägung 4.10).

Zwar ist die Beschwerdeführerin für das Vorliegen eines Rückfalls bzw. von 

Spätfolgen beweispflichtig (vgl. Erwägung 4.7), doch hat sie die Folgen der 

Beweislosigkeit nur dann zu tragen, wenn der Sachverhalt, aus dem sie 

Leistungsansprüche ableitet (Rückfall/Spätfolgen), unbewiesen bleibt, 

wenn es sich mithin als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungs-

grundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermit-

teln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu 

entsprechen (BGE 138 V 218 E.6, BGE 117 V 261 E.3b, BGE 115 V 142 

E.8a; Urteil des Bundesgerichts 8C_17/2017 vom 4. April 2017 E.2.2, BGE 

115 V 142 E.8a; vgl. Erwägungen 4.7 und 4.10). 

5.2.1. In Bezug auf die Folgen aus dem Ereignis vom 9. Dezember 2017 erachtete 

die Beschwerdegegnerin 1 den Status quo sine vel ante als am 31. August 

2018 erreicht (Verfügung vom Verfügung vom 27. März 2019 bzw. Einspra-

cheentscheid vom 13. September 2019). Da der diesbezügliche Einspra-

cheentscheid der Beschwerdegegnerin 1 (Bg1-act. 81) angefochten (Ver-

fahren S 19 123) und somit nicht rechtskräftig ist, bleibt die Beschwerde-

gegnerin 1 angesichts der ursprünglich anerkannten Leistungspflicht für 

den Wegfall des Kausalzusammenhangs (Erreichen des Status quo ante 

oder des Status quo sine) beweispflichtig (vgl. Erwägungen 4.5 und 4.7). 

Während also die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin 1 für die Zeit 

zwischen dem Unfall und dem 31. August 2018 unbestritten ist, muss sie 

für die Zeit ab dem 1. September 2018 und damit auch bezüglich der Leis-

tungen aus der Schulteroperation vom 16. Oktober 2018 geprüft werden. 

- 39 -

5.2.2. Im Zusammenhang mit den gesundheitlichen Beschwerden nach dem Er-

eignis vom 9. Dezember 2017 unternahm die Beschwerdegegnerin 2, trotz 

Abklärungs- bzw. Untersuchungspflicht und entsprechender Anordnung 

seitens des Sozialversicherungsgerichts Zürich (Bg2-act. 168) keinerlei me-

dizinische Abklärungen hinsichtlich der Frage von Rückfall/Spätfolgen, 

währenddem die Beschwerdegegnerin 1 zur Frage ihrer Leistungspflicht bei 

Dr. med. T._____ eine versicherungsmedizinische Beurteilung einholte (Bf-

act. 5, Bg1-act. 48, Bg2-act. 145). Im angefochtenen Einspracheentscheid 

vom 18. August 2020 (in Bestätigung der Verfügung vom 29. Mai 2020; Ver-

fahren S 20 107) äusserte sich die Beschwerdegegnerin 2 denn auch nicht 

zu den Voraussetzungen von Rückfällen/Spätfolgen, vielmehr verhedderte 

sie sich in der widersprüchlichen Behauptung, der Fallabschluss sei per Au-

gust 2016 erfolgt bzw. der Grundfall sei noch nicht rechtskräftig abgeschlos-

sen, weshalb ein Rückfall nicht geprüft werden könne.

5.2.3. Sind die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren nicht aus-

reichend beweiswertig (BGE 143 V 269 E.6.2.3.2, BGE 137 V 210 

E.4.4.1.5; Urteile des Bundesgerichts 8C_80/2021 vom 7. Juli 2021 E.2.1, 

8C_188/2020 vom 5. Mai 2020 E.2, 8C_187/2017 vom 11. August 2017 

E.2.4 und 8C_348/2016 vom 9. Dezember 2016 E.2.4; vgl. Erwägung 

4.12.2), obliegt es dem angerufenen Gericht in Beachtung des Untersu-

chungsgrundsatzes, zunächst die strittige (Tat-)Frage des Kausalzusam-

menhangs zwischen dem Gesundheitsschaden der Beschwerdeführerin 

und dem Unfall vom 9. Dezember 2017 bzw. einem allfälligen Rückfall  oder 

Spätfolgen aus dem Unfall vom 12. Mai 2010 bzw. der Schulteroperation 

vom 13. Februar 2013 zu beurteilen. Was den zu berücksichtigenden Sach-

verhalt betrifft, ist der Zeitpunkt des Einspracheentscheids der Beschwer-

degegnerin 1 vom 13. September 2019 (Unfall vom 9. Dezember 2017) 

bzw. des Einspracheentscheids der Beschwerdegegnerin 2 vom 18. August 

2020 (Unfall vom 12. Mai 2010) massgebend (vgl. Erwägung 2). 

- 40 -

5.3. Im Nachfolgenden sind die medizinischen Akten zu würdigen, insbesondere 

das vom Gericht eingeholte monodisziplinäre Gutachten von Prof. Dr. med. 

U._____/pract. med. AC._____ vom 30. Dezember 2021, wobei zu beach-

ten ist, dass das Gericht gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung 

(BGE 143 V 269 E.6.2.3.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_80/2021 vom 

7. Juli 2021 E.2.1 und 8C_188/2020 vom 5. Mai 2020 E.2) bei Gerichtsgut-

achten nicht ohne zwingende Gründe von den Einschätzungen des medizi-

nischen Experten abweicht (BGE 125 V 351 E.3b/aa, BGE 118 V 290 E.1b; 

vgl. Erwägung 4.12.2). 

5.3.1. Die folgenden ärztlichen Berichte waren nach dem Unfall vom 12. Mai 2010 

erstellt worden: 

- Bericht vom 21. Mai 2010 (Dr. med. J._____ und Dr. med. L._____, Kli-
nik K._____; Bg 2-act. 3): Knie- und Schulterkontusion links am 
12.05.2010, im Spital AG._____ Schulter links und Knie geröntgt, Frak-
tur ausgeschlossen.

- Bericht vom 29. Juni 2010 (MRT-Befund, Klinik K._____; Bg2-act. 8): 
Zeichen einer retraktilen Kapsulitis ohne Läsion der Rotatoren, diese 
sind kräftig ohne Atrophie/Verfettung, kein posttraumatisches Knochen-
marködem, Verdacht auf SLAP-Läsion.

- Bericht vom 9. August 2010 (Radiologie, Klinik M._____; Bg2-act. 11): 
Diagnose Frozen Shoulder (keine degenerativen Veränderungen).

- Bericht vom 9. August 2010 (Dr. med. AL._____, Klinik M._____, Bg2-
act. 12): Soweit beurteilbar Rotatorenmanschette intakt. Alle Bewegun-
gen endgradig mit starker Schmerzprovokation. Keine Arthrose. Frozen 
shoulder links. 

- Bericht vom 31. Januar 2011 (Dr. med. N._____, Hausärztin, Bg2-
act. 19): Die Patientin sei auch beim Heben und Tragen von Lasten / 
Kraftaufwendungen mit dem linken Arm sowie bei Arbeiten mit Armhe-
ben über Schulterhöhe und eventuell auf Leitern steigen eingeschränkt. 
In einer angepassten Tätigkeit sei sie ab sofort voll arbeitsfähig in vol-
lem zeitlichem Ausmass und mit voller Leistung.

- Berichte vom 10. März/16. Juni/6. Oktober/28. Oktober 2011 (versch. 
Berichte von Dr. med. N._____, Bg2-act. 23, 26, 35, 37): Progrediente 
Besserung, keine unfallfremden Faktoren. Schulterschmerzen links 
langsam regredient.

- 41 -

- Bericht vom 12. März 2012 (Dr. med. N._____, Bg2-act. 38): Frozen 
Shoulder, neu Knacksen linke Schulter bei Bewegungen, Kausalität 
sehr wahrscheinlich (90-100 %), noch kein Abschluss.

- Bericht vom 1. Oktober 2012 (Dr. med. O._____, Facharzt für Chirurgie 
FMH, chirurgische Schwerpunktpraxis; Bg2-act. 49): Keine Arthrosezei-
chen. Die intraartikuläre Kontrastapplikation sei von der Patientin ver-
weigert worden. Flache Hill-Sachs-Läsion als Hinweis auf eine zurück-
liegende Luxation (nicht im Verlauf der letzten Monate). Nur kleiner, sta-
biler Labrumriss vorne. Sehr geringe Bursitis subacromialis/subdeltoi-
dea. Soweit ohne intraartikulären Kontrast beurteilbar seien die restli-
chen Strukturen intakt.

- Operationsbericht vom 13. Februar 2013 (Dr. med. O._____; Bg2-
act. 59): Schulteroperation (arthroskopische Labrumrekonstruktion, 
Synovektomie des glenohumeralen Gelenks, subacromiale Dekom-
pression).

- Bericht vom 25. September 2013 (Radiologie, Dr. med. AH._____, Bg2-
act. 62) und Bericht vom 4. Oktober 2013 (Dr. med. O._____, Bg2-
act. 63): Am 14. August 2013 habe die Patientin über vermehrte 
Schmerzen im Bereich der linken Schulter nach "Knackgeräusch" bei 
der Physiotherapie nach Aufdehnen in Aussenrotation berichtet. Befund 
aktuell gut vereinbar mit einer aktivierten Arthrose bei fortgeschrittenem 
Knorpelschaden, möglicherweise Korrelat der Knackgeräusche. Ent-
zündlicher Reizzustand im Bereich der Supraspinatussehne. Tendino-
pathie der langen Bizepssehne. Mechanisch insuffizient imponierendes 
Labrum glenoidale, welches degenerativ stark alteriert sei, leicht ver-
schoben imponiere und teilweise nicht mehr abgrenzbar sei.

- Bericht vom 1. April 2015 (Dr. med. AI._____, Facharzt FMH für Or-
thopädische Chirurgie, Klinik K._____; Bg2-act. 74): Ausgesprochene 
Schultersteife links. Zur Bestandesaufnahme neue Arthro-MRI-Unter-
suchung und Röntgenuntersuchung und dann Besprechung der Thera-
pieoptionen. 

- Bericht vom 4. Mai 2015 (Dr. med. AJ._____, Radiologie, Klinik 
K._____; Bg2-act. 76): Mässig fortgeschrittene Omarthrose mit multi-
plen Geröllzysten im Glenoid. Die Knorpelüberzüge seien ausgedünnt.
Osteophytäre Appositionen lägen am Humeruskopf und Glenoid. Ten-
dinotische Ausdünnung der Supraspinatussehne. Leicht aktivierte AC-
Gelenksdegeneration.

- Bericht vom 8. Juni 2015 (Dr. med. O._____, Bg2-act. 79): Die Patientin 
klage weiterhin über chronische Abduktionsschmerzen der linken 
Schulter. Die Schmerzen würden durch Hebetätigkeiten des linken 
Arms mit Gewichtsbelastung verstärkt. Wenn sie den linken Arm nicht 

- 42 -

belaste, seien die Schmerzen erträglich. Schmerzmittel müsse sie noch 
selten und nur bei Bedarf einnehmen. Diagnose linke Schulter: Akti-
vierte Omarthrose Grad III, Tendinopathie der Rotatorenmanschette. Im 
linken Schultergelenk bestehe eine fortgeschrittene Omarthrose mit tie-
feren Knorpeldefekten. Das linke Schultergelenk sei funktionell einge-
schränkt und schmerzhaft beweglich. Weiterhin bestehe eine schmerz-
hafte Belastungsintoleranz. Eine Omarthrose der linken Schulter sei 
zeitlebens als irreversibel einzuschätzen und könne im Verlauf der 
Jahre zur Verstärkung der Symptomatik führen. Eine funktionelle Ver-
besserung der linken Schulter werde durch weitere Physiotherapie er-
reicht werden. Weiterhin solle die berufliche Tätigkeit leidensangepasst 
optimiert werden. Eine angepasste leichte Tätigkeit ohne Hebearbeiten 
mit dem linken Arm und ohne Überkopfarbeiten seien uneingeschränkt 
möglich.

- Monodisziplinäres Gutachten von Dr. med. P._____, Orthopädie und 
Traumatologie des Bewegungsapparates, med. zertifizierte Gutachterin 
SIM, Fähigkeitsausweis Vertrauensarzt SGV, vom 4. August 2016, im 
Auftrag der Beschwerdegegnerin 2 (Bf-act. 3, Bg2-act. 106): Seit 
spätestens Juni 2010 sei die Diagnose einer retraktilen Kapsulitis (= 
Frozen shoulder) mit Verdacht auf eine SLAP-Läsion bekannt ([Akro-
nym für superiores Labrum von anterior nach posterior] = Schädigung 
des oberen Labrum glenoidale des Schulterblatts am Ursprung der lan-
gen Bizepssehne). In der Folge Diagnose einer alten Hill-Sachs-Defor-
mität (= Impression im Oberarmkopf durch die Schultergelenkspfanne, 
die den Knorpel oder aber Knochen und Knorpel betreffen kann; Folge 
von meist häufig wiederholten Schulterluxationen). Im Rahmen einer 
Arthroskopie am 13. Februar 2013 sei eine Labrumrekonstruktion mit 
Synovektomie und subacromialer Dekompression erfolgt. Seit Septem-
ber 2013 und Mai 2015 seien degenerative Veränderungen bekannt. 
Aktuell ergäben sich deutliche Funktionseinschränkungen der linken 
Schulter in allen Funktionsebenen. Die Schmerzen konzentrierten sich 
auf den Verlauf Musculus infraspinatus und supraspinatus sowie auf 
den Processus coracoideus. Es bestünden eine Fehlstatik der Wir-
belsäule, eine Haltungsinsuffizienz, ein muskulärer Hartspann und eine 
verschmächtigte Rumpfmuskulatur, jedoch kein nervenwurzelbezoge-
nes neurologisches Defizit, zudem Fehl- und Überbelastung des Bewe-
gungsapparates bei Übergewicht von mehr als 30 kg. 
Die Versicherte sei von einem anfahrenden Auto links erfasst worden. 
Das Ereignis vom 12. Mai 2010 sei geeignet gewesen, entweder eine 
Stauchung oder Prellung der linken Schulter herbeizuführen. Eine 
Schulterluxation sei, in Kenntnis des MRT-Befundes vom 29. Juni 2010, 
sehr unwahrscheinlich. Die Erstdokumentation aus der Klinik in Italien 
sei leider nicht beschafft worden. Im Verlauf seien Prellungen und Bur-
sitis präpatellaris des linken Kniegelenks ohne Folgen ausgeheilt. Pro-
blematisch sei der Verlauf der linken Schulter mit einer retraktilen Kap-
sulitis mit Verdacht auf eine Labrumläsion im Juni 2010 gewesen.  

- 43 -

Nach dem ursächlichen Zusammenhang gefragt, gab die Gutachterin 
an, eine retraktile Kapsulitis könne viele Ursachen haben. Zu einem 
Vorzustand sei nichts bekannt. Eine namhafte Besserung der Gesund-
heitsschädigung dürfe nicht erwartet werden, da inzwischen ausge-
prägte degenerative Veränderungen vorlägen. Die Aktenlage für die Be-
gutachtung sei zu dünn, um die Frage unter Einschluss gesicherter Er-
krankungen zu beantworten.
In der angestammten Tätigkeit als Kassierin mit einem 42 %-Pensum 
bestehe volle Arbeitsfähigkeit mit Einschränkungen für mittelschwere 
und schwere Tätigkeiten in Kombination mit Heben und Tragen sowie 
Tätigkeiten über Kopf. Es handle sich um qualitative Einschränkungen 
ohne Auswirkungen auf das Pensum. Die Beschwerdeführerin könne 
körperlich leichte Tätigkeiten, die sie bevorzugt aus wechselnder Aus-
gangslage verrichten könne, in vollem Pensum ohne Einschränkungen 
verrichten.
Der unfallbedingte Integritätsschaden für eine Omarthrose mit deutli-
chen Funktionseinschränkungen betrage aktuell 15 %, voraussichtlich 
auf Dauer 20 %. 
Die Beurteilung sei ohne Unfallaufnahmen aus Italien erfolgt (für die 
Gutachterin ist unverständlich, dass keine Bemühungen erfolgten, 
diese Unterlagen einzuholen; vgl. dazu Bg2-act. 103-105; die Be-
schwerdeführerin konnte die Erstdokumentation inkl. Röntgenaufnah-
men nicht nachreichen).

- Bericht vom 25. August 2016 (Dr. med. AI._____, K._____-Klinik; Bg2-
act. 107): Relevante, posttraumatische Gelenksschädigung. Die ein-
zige therapeutische Option im Bereich der linken Schulter sei die Schul-
tertotalprothese. Die Beweglichkeit sei stark eingeschränkt. Die Pro-
gnose sollte jedoch günstig sein. Vorgesehen sei eine aktuelle Rönt-
gen- und CT-Untersuchung zur präoperativen Planung der Schulterto-
talprothese. Er empfahl, nicht mehr einen manuell tätigen Beruf zu 
wählen.

- Bericht vom 20. Oktober 2016 (Dr. med. AI._____, K._____, an 
D._____; Bg2-act. 115): Mässig bis starke Omarthrose bei grossem
Osteophyten inferior und sehr unregelmässigem Gelenkskopf, vor al-
lem kranial. Grössere Zysten im Glenoidbereich. Das Glenohumeralge-
lenk sei zentriert. Das Gelenk zeige doch eine ordentlich starke Schä-
digung. Angesichts dessen werde die Implantation einer anatomischen 
Schultertotalprothese empfohlen mit günstiger Prognose. Die Omar-
throse sei wohl mit Sicherheit auf den Unfall und die Operation zurück-
zuführen. Eine primär degenerative Arthrose im Alter von 37 Jahren sei 
höchst unwahrscheinlich.

- Bericht vom 30. November 2016 (Dr. med. AK._____, Y._____-Klinik, 
an D._____; Bg2-act. 116): Selbstzuweisung zur Einholung einer Zweit-
meinung. In Zusammenschau ergebe sich das Bild einer posttraumati-
schen Omarthrose, DD einer postoperativen Omarthrose. Weder vor-

- 44 -

herige MR-Bildgebung noch die entsprechenden radiologischen Be-
funde würden vorliegen, weshalb die Unfallkausalität nicht klar zu be-
antworten sei. Gemäss vorliegendem OP-Bericht zeigten sich intraope-
rativ wenig bis keine degenerativen Veränderungen. Hinzu komme die 
weiterhin massiv eingeschränkte aktive wie passive Schultergelenksbe-
weglichkeit im Sinne einer persistierenden, gravierenden Frozen Shoul-
der. Aus chirurgischer Sicht komme bei derart geschädigtem Gelenk 
nur noch die Prothesenimplantation als sinnvolle chirurgische Mass-
nahme in Frage. Zur Schmerzreduktion wäre sicherlich auch eine intra-
artikuläre sowie subacromiale Kortisoninfiltration möglich.

- Bericht vom 4. Mai 2017 (Dr. med. O._____; Bg2-act. 128): Vom 
13. Februar 2013 bis Ende Dezember 2014 sei es der Beschwerdefüh-
rerin nicht möglich gewesen, eine angepasste Tätigkeit auszuüben. 
Nach der Schulteroperation vom 13. Februar 2013 sei der Heilungsver-
lauf durch die präoperative Bewegungseinschränkung sowie den über 
Jahre erfolgten Muskelabbau des linken Schultergürtels protrahiert wor-
den. Insbesondere habe über den gesamten postoperativen Behand-
lungsverlauf ein Funktionsdefizit und eine Belastungsintoleranz der lin-
ken Schulter bestanden. Er habe die Versicherte erstmals wieder seit 
langer Zeit zur Konsultation gesehen. Bei der klinischen Untersuchung 
habe sich eine erhebliche Funktionseinschränkung der linken Schulter 
durch fortgeschrittene Einsteifung gezeigt. (…) In einer MRI-Untersu-
chung vom Herbst 2016 und einer Zweitbeurteilung der linken Schulter 
durch die Y._____-Klinik Zürich sei der Versicherten eine ausgeprägte 
Omarthrose mitgeteilt und unter Vorbehalt eine Schulterprothese links 
empfohlen worden. Bei der recht jungen Patientin (37) solle jedoch ein 
Gelenksersatz mittels Schulterprothese genau geprüft werden und 
stelle nicht die erste Wahl der Therapie dar.

- Bericht vom 9. Juni 2017 (Dr. med. O._____; Bg2-act. 129): Diagnose: 
Fortgeschrittene Omarthrose linke Schulter, Ausdünnung der Supraspi-
natussehne links, AC-Gelenksarthrose links. Die klinische Untersu-
chung zeige eine erhebliche Funktionseinschränkung der linken Schul-
ter durch fortgeschrittene Einsteifung. Zum Funktionserhalt der linken 
Schulter und zur Eingliederung in den Arbeitsprozess sei weitere Phy-
siotherapie zu empfehlen. Erneute Arthro-MRI Untersuchung vorge-
schlagen. In Abhängigkeit der Resultate könne versucht werden, die 
Symptomatik des linken Schultergelenks durch eine Schulterarthrosko-
pie zu verbessern. Das Ziel dieser Massnahme wäre eine vorüberge-
hende Funktionsverbesserung sowie Schmerzlinderung mit dem Ziel, 
eine Eingliederung in das Berufsleben zu erreichen. Die vorgeschrie-
bene (recte wohl: fortgeschrittene) Omarthrose könne durch einen ope-
rativen Eingriff nicht behandelt werden.

5.3.2. Nach dem Unfall vom 9. Dezember 2017 ergingen die folgenden ärztlichen 

Berichte: 

- 45 -

- Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom 7. August 2018 (Dr. med. Q._____; 
Bg1-act. 10): Arbeitsunfähigkeit 100 % vom 2.-14. August 2018.

- Bericht vom 9. August 2018 (Radiologie KSGR; Bg1-act. 19): Schulter-
sonographie vom 8. August 2018.

- Bericht vom 13. August 2018 (Radiologie KSGR; Bg1-act. 16): Gado-
Schulterarthro links am 10. August 2018.

- Arbeitsunfähigkeitszeugnis vom 14. August 2018 (Dr. med. R._____; 
Bg1-act. 10): Arbeitsunfähigkeit 100 % vom 15.-31. August 2018.

- Bericht vom 22. August 2018 (Dr. med. S._____, KSGR; Bf-act. 4, Bg1-
act. 18): Konsultation am 16. August 2018. Im Dezember 2017 sei es 
leider zu einem erneuten Distorsionstrauma der linken Schulter gekom-
men, wobei die vorbestandenen Beschwerden deutlich exazerbierten 
und bis zum aktuellen Zeitpunkt eine deutliche Einschränkung im be-
ruflichen sowie privaten Alltag verursachten. Die Patientin sei aktuell 
nicht in der Lage, die Hand über Schulterhöhe hinaus zu bewegen. Kli-
nisch sowie subjektiv bestehe eine fortgeschrittene Pathologie über der 
linken Schulter mit Omarthrose und deutlicher Ausdünnung der Knor-
peloberflächen humeral sowie glenoidal mit langsam beginnender De-
zentrierung nach dorsokranial. Im alten MRI vom Februar 2018 habe 
sich noch eine kongruente Rotatorenmanschette mit nur geringfügiger 
Ausdünnung der Supraspinatussehne und leichter Tendinopathie ge-
zeigt. Keine muskuläre Degeneration. Es bestehe klinisch auch eine 
Kapsulitis mit Einschränkung der passiven sowie auch aktiven Beweg-
lichkeit. Als therapeutische Option bei dieser fortgeschrittenen Proble-
matik bleibe letztlich nur noch die Implantation einer anatomischen 
Schulter-TP mit gleichzeitiger Mobilisation und Kapsulotomie. Pro-
gnostisch müsse festgehalten werden, dass bei der aktuellen Schulter-
pathologie links mit und ohne operatives Vorgehen eine einge-
schränkte Belastbarkeit bestehe und bestehen bleibe. Erfahrungs-
gemäss müsse mit einer Belastungsgrenze von max. 5kg bis Bauch-
höhe, 2kg bis Brusthöhe und keine Belastung ab Schulterhöhe für nicht 
repetitive Arbeiten gerechnet werden. 

- Bericht vom 2. September 2018 (Dr. med. R._____; Bg1-act. 17): Erst-
behandlung am 14. August 2018. Exazerbation der vorbestehenden 
Omarthrose durch den Unfall. Zur Arbeitsunfähigkeit notierte er: Keine 
Überkopfarbeiten, Schulter kaum zu gebrauchen. 

- OP-Bericht vom 16. Oktober 2018 (Dr. med. S._____; Bg1-act. 41): 
Schulter-Totalprothese

- Versicherungsmedizinische Beurteilung vom 7. Dezember 2018/ 6. Ja-
nuar 2019 (Dr. med. T._____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie 

- 46 -

und Traumatologie, K._____-Klinik, beratender Arzt der Beschwerde-
gegnerin 1; Bf-act. 5, Bg1-act. 48, Bg2-act. 145): Nach dem Sturz vom 
9. Dezember 2017 hätten in der Bildgebung keine akut traumatischen 
Veränderungen gesehen werden können. Abstellend auf den Bericht 
von Dr. med. O._____ vom 13. Februar 2013 und weitere Berichte aus 
dem Jahr 2018 (Röntgen vom 8. August 2018, Arthro-MRI vom 10. Au-
gust 2018, Zeugnis Hausarzt vom 2. September 2018, Bericht Dr. med. 
S._____ vom 16. August 2018, Operationsbericht vom 16. Oktober 
2018) hielt er fest, dass die schwere Omarthrose der linken Schulter 
sowie die dazugehörenden Osteophyten (Anm. des Gerichts: Osteo-
phyten = Knochenauswüchse in abgenutzten Gelenken) und der Knor-
pelschaden auf den Vorzustand 2013 zurückzuführen seien. Durch den 
Sturz vom 9. Dezember 2017 sei es zu einer vorübergehenden Ver-
schlimmerung des Vorzustands im Sinne einer Distorsion der linken 
Schulter gekommen; eine traumatisch bedingte, strukturelle Verletzung 
der linken Schulter auf Grund des Sturzes sei nicht objektivierbar. Die 
Implantation der Schulterprothese links vom 16. Oktober 2018 stehe 
mit dem Unfallereignis vom 9. Dezember 2017 nicht in natürlich kausa-
lem Zusammenhang. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei der 
Vorzustand aus dem Jahr 2013 die Indikation der Prothesenimplanta-
tion. Die Beschwerden infolge einer Distorsion heilten in der Regel in-
nert weniger Monate ab. Der schwere Vorzustand verlängere den Heil-
verlauf. Ein Status quo sine sei am 31. August 2018 erreicht gewesen.

- Polydisziplinäres Gutachten der IV-Stelle vom 23. August 2020
(orthopädische Chirurgie, allgemeine Innere Medizin, Neuropsycholo-
gie, Psychiatrie, EFL; IV-Akten): Die Gutachter diagnostizierten eine 
schmerzhafte Funktionseinschränkung der linken Schulter (ICD: 
M25.81) sowie eine leichtgradig depressive Episode (ICD-10: F32.00) 
(mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) und attestierten eine Arbeits-
unfähigkeit in der angestammten Tätigkeit von 100 % und in einer Ver-
weistätigkeit von 20 %. Die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit 
wurde ab dem 1. März 2020 als möglich erachtet. Nach erfolgter 
Schulterprothese links stelle dieser Zeitpunkt den medizinischen End-
zustand im Hinblick auf eine mögliche Tätigkeit dar.

5.3.3. Prof. Dr. med. U._____/pract. med. AC._____ untersuchten die Beschwer-

deführerin am 15. September 2021 und diagnostizierten, auch auf der Basis 

bildgebender Untersuchungen (Röntgen, MRI), in dem am 30. Dezember 

2021 ausgestellten Gerichtsgutachten (mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig-

keit) einen St.n. Implantation anatomische Schultertotalprothese links am 

16.10.2018 (Dr. med. S._____) mit postoperativer transienter Neuropraxie 

N. axillaris, N. musculocutaneus und N. medianus links, bei posttraumati-

scher fortgeschrittener Omarthrose links, ED 06/2015 (Dr. med. AI._____ 

- 47 -

[recte: Dr. med. O._____]), St.n. SAS (Anm. Gericht: Subakromialsyndrom 

[https://flexikon.doccheck.com/de/SAS]) links mit anterokaudaler Schulter-

stabilisation, subacromialer Dekompression vom 13.02.2013 (Dr. med. 

O._____) und St.n. Schulterkontusion mit Schulter(sub)luxation und spon-

taner Reposition links anlässlich Auffahrtrauma vom 12.05.2010. Unter den 

Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führten sie zudem auch 

eine Depression auf (Gutachten, S. 29, Ziff. 4.1).

Zum Vorzustand legten die Gutachter dar, dass zum Zeitpunkt des Unfalls 

vom 9. Dezember 2017 eine fortgeschrittene Omarthrose bestand, die erst-

mals im September 2013 MR-tomographisch beschrieben worden war (in 

den Verlaufskontrollen mit deutlicher Zunahme), vor der Schulterarthrosko-

pie im Jahr 2013 somit (insbesondere in der MR-Untersuchung vom Juni 

2012) noch nicht bestanden hatte. Die Ursache der Omarthrose lasse sich 

retrospektiv nicht genau evaluieren (Trauma vs. Operation), eine

Omarthrose könne jedoch durchaus posttraumatisch nach einer Schulterlu-

xation oder postoperativ auftreten. Eine altersbedingte primäre Omarthrose 

im Alter der Explorandin sei äusserst unwahrscheinlich, weshalb die Omar-

throse überwiegend wahrscheinlich in der Zeit zwischen 2010 und 2013 auf-

getreten sei. Da vor dem Unfall vom 12. Mai 2010 keine