# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0ce0a373-b320-5e66-907f-de4de57965fb
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240089-O1
**Docket/Reference:** SB240089-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240089-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240089-O/U/ad

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichter lic. iur. Wenker 

und Oberrichter lic. iur. Hoffmann sowie Gerichtsschreiberin MLaw 

Brülisauer

Urteil vom 23. September 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

sowie

B._____, 

Privatkläger

betreffend versuchte Tötung und Widerruf

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 6. Abteilung, vom 

21. November 2023 (DG230017)

-   2   -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 13. Februar 

2023 (Urk. 16) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 59 S. 48 ff.)

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der versuchten Tötung i.S.v. Art. 111 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB. 

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 6 ½ Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und 

mit heute 454 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafantritt erstanden 

3.

4.

sind.

Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

Der bedingte Vollzug der Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 90.– ge-

mäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 19. Oktober 

2020 wird widerrufen. 

5.

Der bedingte Vollzug der Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 100.– ge-

mäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 15. Ja-

nuar 2021 wird widerrufen.

6.

Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 10 Jahre des Landes 

verwiesen.

7.

Der Privatkläger B._____ wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den 

Weg des Zivilprozesses verwiesen.

8.

Die folgenden sichergestellten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-

Triage, unter der Geschäfts-Nr. 83483107 lagernden Gegenstände werden 

dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft bis spätestens 3 Monate da-

nach auf erstes Verlangen hin herausgegeben. Nach ungenutztem Ablauf 

dieser Frist werden die Gegenstände der Lagerbehörde zur Vernichtung 

überlassen:

-   3   -

 Sportschuhe, Asservat-Nr. A016'492'129; 

 Herrenhemd, Asservat-Nr. A016'492'130; 

 Herrenjacke, Asservat-Nr. A016'492'141; 

 Herrenhose, Asservat-Nr. A016'492'152.

9.

Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I vom 6. Februar 2023 

beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, un-

ter der Geschäfts-Nr. 83483107 lagernden Gegenstände werden eingezo-

gen und nach Eintritt der Rechtskraft der zuständigen Lagerbehörde zur Ver-

nichtung überlassen:

 Messer (Rüstmesser Victorinox), Asservat-Nr. A016'487'186;

 Messer (Rüstmesser à Table), Asservat-Nr. A016'487'324;

 Messer (Rüstmesser Richardson), Asservat-Nr. A016'487'368;

 Messer (Rüstmesser Victorinox), Asservat-Nr. A016'487'404;

 Messer (Rüstmesser JUSTINUS), Asservat-Nr. A016'487'346.

10. Die folgenden sichergestellten und unter der Geschäfts-Nr. 83483107 bei 

der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, lagernden Asservate werden 

nach Eintritt der Rechtskraft der zuständigen Lagerbehörde zur Vernichtung 

überlassen:

 Shirt (schwarz, aufgeschnitten), Asservat-Nr. A016'485'168; 

 DNA-Spur-Wattetupfer, Asservat-Nr. A016'486'183;

 DNA-Spur-Wattetupfer, Asservat-Nr. A016'486'207;

 DNA-Spur-Wattetupfer, Asservat-Nr. A016'486'218;

 Tatort-Fotografie, Asservat-Nr. A016'486'989;

 IRM-Fotografie, Asservat-Nr. A016'492'083;

 DNA-Spur-Wattetupfer, Asservat-Nr. A016'492'107;

 DNA-Spur-Wattetupfer, Asservat-Nr. A016'492'118;

-   4   -

 IRM-Fotografie, Asservat-Nr. A016'492'185;

 DNA-Spur-Wattetupfer, Asservat-Nr. A016'492'196;

 DNA-Spur-Wattetupfer, Asservat-Nr. A016'492'209;

 DNA-Spur-Wattetupfer, Asservat-Nr. A016'492'210;

 DNA-Spur-Wattetupfer, Asservat-Nr. A016'492'221;

 Vergleichs-WSA, Asservat-Nr. A016'492'232;

 Dokumentation, Asservat-Nr. A016'560'604.

11. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:

2'100.00   Gebühr Vorverfahren;

1'120.00   Kosten Kantonspolizei Zürich;

8'922.70   Gutachten/Expertisen;

11'294.10   Amtliche Verteidigung RA X2._____;

12'120.00   Amtliche Verteidigung RA X1._____.

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

12. Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ wird für seine Bemühungen und Barausla-

gen als amtlicher Verteidiger der Beschuldigten mit Fr. 12'120.– (inkl. Mehr-

wertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.

13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-

men diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auf-

erlegt.

14. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-

nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO. 

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Berufungsanträge:

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten:

(Urk. 71 S. 1 f. / Prot. II S. 3 f.)

1.

Der  Beschuldigte  sei  wegen  einfacher  Körperverletzung  i.S.v. 

Art. 123 StGB zu verurteilen und mit einer Geldstrafe zu bestrafen.

2.

Dem  Beschuldigten  sei  für  die  Überhaft  eine  Genugtuung  von 

CHF 200.00/Tag zzgl. 5 % Zins seit der Verhaftung zuzusprechen.

3.

Eventualiter: Der Beschuldigte sei wegen versuchter, schwerer Körper-

verletzung zu verurteilen und mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten 

zu bestrafen.

4.

5.

6.

Dem Beschuldigten sei der bedingte Strafvollzug zu gewähren.

Auf eine Landesverweisung sei zu verzichten. 

Unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  zzgl.  MWST  zu  Lasten  des 

Staats.

b)

Der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:

(schriftlich, Urk. 65)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

__________________________________

Erwägungen:

I. Verfahrensgang

1.

Bis zur Eröffnung des angefochtenen Entscheides kann hinsichtlich des Ver-

fahrensgangs auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 59 

S. 5 f.). Am 23. November 2023 meldete der Beschuldigte fristgerecht Berufung 

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an (Urk. 54). Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 59) am 9. Februar 

2024 (Urk. 57/2) reichte der Beschuldigte am 29. Februar 2024 dem Obergericht 

fristgerecht seine Berufungserklärung ein (Urk. 62).

2. Mit Präsidialverfügung vom 4. März 2024 wurde der Staatsanwaltschaft wie 

auch dem Privatkläger in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO sowie 

Art. 401 StPO eine Kopie der Berufungserklärung des Beschuldigten zugestellt 

und Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten 

auf die Berufung zu beantragen (Urk. 63). Die Staatsanwaltschaft verzichtete mit 

Eingabe vom 7. März 2024 (Eingangsdatum: 11. März 2024) explizit auf eine An-

schlussberufung und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

(Urk. 65). Der Privatkläger liess sich nicht vernehmen.

3.

Am 21. März 2024 wurden die Parteien auf den 1. November 2024 zur Beru-

fungsverhandlung vorgeladen (Urk. 69).

4.

Zur Berufungsverhandlung erschienen der untersuchungsführende Staats-

anwalt sowie der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers 

Rechtsanwalt X1._____ (Prot. II S. 3).

5.

Anlässlich seines Plädoyers führte der Verteidiger aus, die Vorinstanz habe 

beim Beschuldigten eine verminderte Schuldfähigkeit erkannt, jedoch zu wenig 

gewichtet. Der Blutalkoholgehalt des Beschuldigten habe zur Tatzeit sehr nah an 

dem Wert gelegen, bei dem man von einer vollen Schuldunfähigkeit ausgehe. 

Dennoch und entgegen Art. 20 StGB habe die Vorinstanz kein Gutachten einge-

holt. Man kenne zwar die Intoxikation des Beschuldigten, nicht jedoch deren Aus-

wirkung auf seine Schuldfähigkeit. Diese sei nicht leicht, sondern stark vermindert 

gewesen (Urk. 71 S. 7 - 10 Ziff. 18 - 25 und Prot. II S. 15 f. Ergänzung 3).

6. Mit Beschluss vom 5. November 2024 wurde ein ärztliches Gutachten über 

den geistigen Zustand des Beschuldigten, dessen Schuldfähigkeit zur Tatzeit so-

wie die Zweckmässigkeit einer Massnahme nach den Artikeln 56 - 64 StGB ange-

ordnet (Urk. 76). Nachdem die Parteien sich zur Person des Gutachters und zu 

-   7   -

den an ihn zu stellenden Fragen geäussert hatten (Urk. 79 und Urk. 82), erging 

der konkrete Gutachtensauftrag am 28. November 2024 (Urk. 84).

7.

Das Gutachten von Dr. med. B._____ vom 24. März 2025 ging hierorts am 

25. März 2025 ein (Urk. 85). Mit Verfügung vom 2. April 2025 wurde den Parteien 

das Gutachten zugestellt und ihnen Frist angesetzt, um Ergänzungsfragen an den 

Gutachter zu stellen (Urk. 87). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf das Stellen 

von Ergänzungsfragen (Urk. 89). Mit Eingabe vom 2. Mai 2025 stellte die Verteidi-

gung ebenfalls keine Ergänzungsfragen, nahm aber bereits zum Gutachten Stel-

lung (Urk. 92). Die Staatsanwaltschaft liess sich in Kenntnis der Stellungnahme 

der Verteidigung mit Eingabe vom 26. Mai 2025 vernehmen (Urk. 96). Weitere 

Stellungnahmen wurden nicht erstattet (vgl. Urk. 100).

8.

Bereits anlässlich der Berufungsverhandlung erklärten sich die Parteivertre-

ter mit einer schriftlichen Weiterführung des Verfahrens einverstanden (Prot. II 

S. 21). Die Ansetzung einer weiteren Verhandlung erscheint nicht notwendig. Da-

mit ist der Fall spruchreif.

II. Prozessuales

1.  Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-

schiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im 

Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-

fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen.

1.1.  Die Staatsanwaltschaft hat auf Anschlussberufung verzichtet und die Bestä-

tigung des vorinstanzlichen Urteils beantragt (Urk. 65).

1.2.  Der Beschuldigte beschränkte seine Berufung auf den Schuldspruch wegen 

versuchter vorsätzlicher Tötung (Disp.-Ziff. 1), die Strafzumessung (Disp.-Ziff. 2), 

den Strafvollzug (Disp.-Ziff. 3), den Widerruf (Disp.-Ziff. 4 und 5), die Landesver-

weisung (Disp.-Ziff. 6) sowie die Kostenauflage (Disp.-Ziff. 13). Sinngemäss mit-

angefochten ist damit auch der Nachforderungsvorbehalt gemäss Ziffer 14.

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1.3.  Das vorinstanzliche Urteil ist folglich mit Bezug auf die Dispositivziffern 7 

(Entscheid betreffend Zivilansprüche), 8 (Herausgabe sichergestellte Gegen-

stände), 9 (Einziehung und Vernichtung), 10 (Asservate zur Vernichtung), 

11 (Kostenhöhe) und 12 (Verteidigerhonorar) in Rechtskraft erwachsen, was 

vorab mit Beschluss festzustellen ist.

2.  Weil ausschliesslich der Beschuldigte Berufung erhoben hat – und weil 

keine Anschlussberufung erhoben wurde –, darf der vorinstanzliche Entscheid 

nicht zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden (Art. 391 Abs. 2 StPO).

Die erstmalige Anordnung einer ambulanten Massnahme im Berufungsverfahren 

– wie vom Gutachter empfohlen (Urk. 85 S. 35 und S. 38) – würde gemäss Bun-

desgericht das Verschlechterungsverbot nach Art. 391 Abs. 2 StPO verletzen 

(BSK StPO-KELLER, N 5a zu Art. 391 StPO mit Hinweis auf BGE 148 IV 89, 

E. 4.4) und fällt daher ausser Betracht, auch wenn die Verteidigung nicht dagegen 

opponiert (Urk. 92 S. 2). Umso mehr muss das auch für die Anordnung anderer 

Massnahmen gelten, welche erstmalig auszusprechen wären. Im Resultat ist das 

Gutachten somit einzig für die Frage der Schuldfähigkeit des Beschuldigten und 

damit für die Strafzumessung relevant.

III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung

1.  Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten anklagegemäss der versuchten 

vorsätzlichen Tötung schuldig (Urk. 59 S. 48).

Gemäss Anklage wird dem Beschuldigten zusammengefasst vorgeworfen, am 

25. August 2022 um ca. 03.30 Uhr anlässlich einer kleinen Wohnungsparty dem 

Privatkläger B.____ bei einer zunächst verbalen Auseinandersetzung mit einem 

Rüstmesser (mit spitz zulaufender min. 8.5 cm langer Klinge mit Wellenschliff) 

nacheinander zwei Stiche in den Nackenbereich versetzt zu haben. Der Privatklä-

ger stand vor dem Beschuldigten (von Angesicht zu Angesicht), als der Beschul-

digte die Stichverletzungen vornahm.

2.  Der Beschuldigte anerkennt grundsätzlich, dass er den Privatkläger mit dem 

Messer verletzt hat (Urk. 3/2 F/A 13 ff S. 7 ff., Prot. I S. 16 ff., Prot. II S. 10). Je-

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doch stellt er sich konstant auf den Standpunkt, dass er den Privatkläger weder 

töten, noch habe schwer verletzen wollen (vgl. z.B. Urk. 3/2 F/A 136 S. 29, Prot. I 

S. 17). Der Beschuldigte bestreitet demnach, den subjektiven Tatbestand der ver-

suchten vorsätzlichen Tötung erfüllt zu haben.

2.1.  Hinsichtlich des Sachverhalts ist sodann unbestritten und aufgrund des Un-

tersuchungsergebnisses ohne weiteres als erstellt zu betrachten, dass der Be-

schuldigte dem Privatkläger, B.____, nach einer zunächst verbalen Auseinander-

setzung und anschliessenden Rangelei zwei Messerstiche im Bereich des Na-

ckens versetzt hat. Dies hat die Vorinstanz im Grundsatz zutreffend festgestellt 

(Urk. 59 S. 8 ff.). Des Weiteren kann zu den Grundsätzen der Beweiswürdigung 

bzw. Sachverhaltserstellung auf die ausführlichen und zutreffenden Erwägungen 

der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Urk. 59 S. 7 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

2.2.  Ergänzend ist in sachverhaltlicher Hinsicht festzustellen bzw. zu unterstrei-

chen, dass der Beschuldigte erklärte, er habe den Privatkläger nur an den Schul-

tern treffen wollen, dort wo nur Knochen und ganz wenig Fleisch ist (Urk. 3/2 

F/A 25 S. 10). Es ist jedoch aus den rechtsmedizinischen Gutachten ersichtlich, 

dass der Privatkläger im Nackenbereich getroffen wurde. Dies wird vom Beschul-

digten auch nicht in Abrede gestellt. Als der Beschuldigte die Stiche vornahm, 

stand der Privatkläger direkt vor ihm: Dabei stach der Beschuldigte eben nicht in 

die Schulter, sondern stattdessen ungezielt hinter den Privatkläger in dessen Na-

cken, wo er gar nicht einschätzen konnte, was bzw. wohin genau er treffen würde. 

In der vorinstanzlichen Befragung erklärte der Beschuldigte, dass der Privatkläger 

mit erhobenen Fäusten und mit dem Gesicht zu ihm gerichtet gewesen sei, dieser 

dann nach unten gegangen sei, weshalb sich dieser Ort "geboten" habe und er 

sich da bewusst fürs Stechen entschieden habe (Prot. I S. 27 und S. 30). Sodann 

sagte der Beschuldigte anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung bloss 

bezogen auf die Wucht seiner Stiche (und nicht den Ort, worauf er einstach) sel-

ber aus, er könne sich nicht vorstellen, aus der Schulter heraus ausgeholt zu ha-

ben. Dann wäre er [der Privatkläger] tot (Prot. I. S. 29). Er gab ferner selber zu 

Protokoll, der Privatkläger hätte sterben können (Prot. I S. 21). Es kann daher 

keine Rede davon sein, dass der Beschuldigte (nota bene emotional aufgewühlt 

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wegen den Provokationen des Privatklägers, alkoholisiert und in einem dynami-

schen Geschehen) bewusst kalkuliert eine Stelle für seine Stiche gesucht hätte, 

die harmlos wäre. Folglich kann auch den Aussagen des Beschuldigten anlässlich 

der Berufungsverhandlung nicht gefolgt werden, wonach er die Schulter des Pri-

vatklägers habe treffen wollen. Er habe eine gute Übersicht gehabt und habe ge-

nau gesehen, wohin er steche (Prot. II S. 13); dies umso mehr, als er trotz seiner 

angeblichen Übersicht gerade nicht die Schulter traf (Urk. 7/10 S. 4 f. und 

Urk. 7/13 S. 2 f.).

2.3.  Sofern die Verteidigung auch in der Berufungsverhandlung geltend macht, 

das Geschehen sei nicht dynamisch gewesen (Urk. 71 S. 6), so kann ihm auf-

grund der Aussagen des Beschuldigten nicht gefolgt werden (Urk. 3/2 F/A 14 f. 

S. 7 ff., F/A 123 f. S. 27; Prot. I S. 21 und S. 26 f.).

2.4.  Weiter macht der Beschuldigte geltend, er sei "über Stunden" (Urk. 3/2 

F/A 12 S. 6, F/A 34 S. 12, F/A 136 S. 29) vom Privatkläger provoziert worden. 

Diese Aussage erweist sich als übertrieben, zumal der Beschuldigte erzählte, 

dass sie nach ihrem Besuch in der C._____-Bar um ca. 00.30 oder 01.00 Uhr wie-

der zu Hause gewesen seien (Urk. 3/2 F/A 89). Die Stimmung sei gut gewesen, 

sie hätten ein Kartenspiel gespielt und es sei getanzt worden. Sie hätten einfach 

eine "gute Zeit" gehabt (Urk. 3/2 F/A 12 S. 5 ff.), was auch vom Privatkläger be-

stätigt wurde (Urk. 4/1 F/A 26). Die Provokation des Privatklägers wurde gemäss 

Aussagen des Beschuldigten sodann konkret, als der Beschuldigte die Wohnung 

kurzzeitig verliess und bei seiner Rückkehr vom Privatkläger offenbar mit den 

Worten "der Vollidiot ist schon wieder da" begrüsst wurde. Nach Gesagtem ist 

nicht nachvollziehbar bzw. kann dem Beschuldigten nicht abgenommen werden, 

dass den Messerstichen "stundenlange" Provokationen des Privatklägers voran-

gingen, zumal in den ca. drei Stunden, als sie zurück in der Wohnung waren, zu-

nächst eine gute Stimmung herrschte. Dennoch ist zusammen mit der Vorinstanz 

davon auszugehen, dass es zu Demütigungen und Provokationen seitens des Pri-

vatklägers kam (Urk. 59 S. 22 E. II.D.3.5.2 und S. 28 f. E. III.B.2.10. f.). In der Be-

rufungsverhandlung war dann zwar nicht mehr direkt von Provokationen die 

Rede. Der Beschuldigte führte aus, der Streit sei nicht gross gewesen. Er – der 

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Beschuldigte – habe gemeint, der Privatkläger belästige die anwesende Frau. 

Ausserdem habe der Privatkläger immer ein Messer erwähnt. Da habe er, der Be-

schuldigte, es ausprobieren wollen. Er habe den Privatkläger leicht verletzen wol-

len. Er räumte dann aber ein, dass er recht zugestochen habe, was gegen einen 

kleinen Streit und ein kontrolliertes Vorgehen spricht (Prot. II S. 11 f.).

2.5.  Offen bleiben muss hingegen, wann genau der Privatkläger – nach dem ers-

ten oder zweiten Stich – auf die Knie ging, da die Aussagen des Beschuldigten 

dazu widersprüchlich sind bzw. er diesbezüglich Erinnerungslücken geltend 

macht (Urk. 3/2 F/A 12 S. 8, F/A 15 S. 9, F/A 18-20 S. 9 f., Prot. I S. 19 und 

S. 20), jedenfalls spielt dies jedoch – wie im Folgenden aufzuzeigen sein wird – 

keine Rolle.

3. 

Zu den rechtlichen Grundlagen des Tatbestands der versuchten Tötung so-

wie des strafbaren Versuchs kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen der 

Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 59 S. 22 - 30.). 

3.1.  Der Beschuldigte machte an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung zusam-

mengefasst geltend, er habe dem Privatkläger die Messerstiche zwar zugefügt, 

dabei jedoch keine besondere Wucht aufgewendet, er habe ihn weder schwer 

verletzen noch töten wollen (Prot. I S. 17). Dies wiederholte er anlässlich der Be-

rufungsverhandlung (Prot. II S. 13).

Dessen Verteidigung führte anlässlich der Berufungsverhandlung zusammenfas-

send sinngemäss aus, die Stiche hätten nicht in grosser Nähe zu lebenskritischen 

Organen gelegen. Die Stichkanäle seien nicht so tief gewesen wie ursprünglich 

angenommen. Der Beschuldigte habe keine grosse Wucht angewandt, als er zu-

gestochen habe. Weiter stellt sich die Verteidigung sinngemäss auf den Stand-

punkt, das massgebliche Ergänzungsgutachten vom 24. November 2022 bein-

halte zurecht keine Ausführungen dazu, dass eine grosse Wucht vorgelegen habe 

oder, dass die Stiche schwere oder lebensbedrohliche Verletzungen hätten verur-

sachen können (Urk. 71 S. 3 - 5). Darauf wird nachstehend noch einzugehen 

sein.

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3.2.  Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, ohne dass eine der besonderen 

Voraussetzungen von Art. 112 ff. StGB zutrifft, macht sich gemäss Art. 111 StGB 

der vorsätzlichen Tötung schuldig. Der objektive Tatbestand von Art. 111 StGB ist 

vorliegend nicht erfüllt, weil der für die Vollendung dieses Delikts erforderliche Ta-

terfolg – der Tod des Opfers – nicht eingetreten ist. Folglich kommt von vornher-

ein nur ein strafbarer Versuch in Frage (Art. 22 Abs. 1 StGB). Dieser setzt zum ei-

nen voraus, dass der subjektive Tatbestand des in Frage stehenden Delikts voll-

ständig verwirklicht ist (sog. Tatentschluss), und zum anderen, dass der Beschul-

digte mit der Tatausführung begonnen, d.h. seine Tatentschlossenheit manifes-

tiert hat, ohne dass alle objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht wären 

(sog. Ansetzen zur Tat). Das Vorliegen eines Versuchs ist nach objektivem Mass-

stab, aber auf subjektiver Beurteilungsgrundlage festzustellen (BGE 140 IV 150, 

E. 3.4 m.w.H.). Im Folgenden ist sodann das Vorliegen des subjektiven Tatbe-

stands zu überprüfen. 

3.2.1. Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen 

und Willen ausführt (Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB). Vorsätzlich handelt zudem be-

reits, wer die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, 

weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt bzw. sich mit ihm ab-

findet, mag er ihm auch unerwünscht sein (sog. Eventualvorsatz; vgl. Art. 12 

Abs. 2 Satz 2 StGB). Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in diesem Sinne 

in Kauf genommen hat, muss das Gericht bei Fehlen eines Geständnisses des 

Beschuldigten aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse 

des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere 

der Sorgfaltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tat-

handlung. Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist 

und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf gefolgert 

werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen. Das 

Gericht darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem 

Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereit-

schaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des 

Erfolgs ausgelegt werden kann. Eventualvorsatz kann indessen auch vorliegen, 

wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne sehr 

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wahrscheinlich, sondern bloss möglich war. Doch darf nicht allein aus dem Wis-

sen des Täters um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme 

geschlossen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukommen (BGer. 

6B_1424/2020 vom 31. Januar 2022, E. 1.3.3 m. H.). 

3.2.2. Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Praxis bedarf es keiner besonderen 

Intelligenz, um zu erkennen, dass ungezielte Messerstiche in den Brust- oder 

Bauchbereich eines Menschen dessen Tod zur Folge haben können. So schlies-

sen namentlich weder Mängel des Schulwissens oder fehlende Schreibgewandt-

heit noch die momentane Erregung über einen Angriff das Erkennen des mit dem 

Einsatz des Messers verbundenen erheblichen Todesrisikos aus (BGE 109 IV 5, 

E. 2; BGer. 6B_829/2010 vom 28. Februar 2011, E. 3.2; BGer. 6B_177/2011 vom 

5. August 2011, E. 2.10).

Die Vorinstanz hat ausführlich und korrekt dargelegt, dass der Beschuldigte im 

Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB wusste, dass der Eintritt des Todes eine mögliche 

Folge seines Handelns war (Urk. 59 S. 25 ff. E. III.2.4.-2.7.). Ergänzend ist so-

dann – wie bereits erwähnt – festzustellen, dass der Beschuldigte dies mit seinen 

eigenen Aussagen anlässlich der Hauptverhandlung bestätigt hat, indem er er-

klärte "(…) Es ist schon klar, er hätte sterben oder schwer verletzt werden können 

(…)." (Prot. I S. 21). Wenn er mehr ausgeholt hätte, wäre der Privatkläger tot ge-

wesen (Prot. I S. 29).

3.2.3. Zur Annahme eines Tötungsvorsatzes müssen zum Wissenselement wei-

tere Umstände hinzukommen. Solche Umstände liegen namentlich vor, wenn der 

Täter das ihm bekannte Risiko in keiner Weise kalkulieren und dosieren kann und 

der Geschädigte keinerlei Abwehrchancen hat (BGer. 7B_704/2023 vom 13. Fe-

bruar 2024, E. 2.2.5 mit Hinweis auf BGE 133 IV 1, E. 4.5; BGer. 6B_1113/2023 

vom 14. Dezember 2023, E. 3.2.2; BGer. 6B_915/2021 vom 26. Januar 2022, 

E. 3.2.3; je mit Hinweisen). Bleibt es dem Zufall überlassen, ob die Gefahr sich 

verwirklicht oder nicht, liegt (versuchte) eventualvorsätzliche Tötung vor (BGer. 

6B_1113/2023 vom 14. Dezember 2023, E. 3.2.2; BGer. 7B_151/2022 vom 

24. August 2023, E. 2.3.5; BGer 6B_915/2021 vom 26. Januar 2022, E. 3.2.3; je 

mit Hinweisen).

-   14   -

Die Vorinstanz hat auch hierzu korrekte Ausführungen gemacht, auf welche ver-

wiesen werden kann (Urk. 59 S. 27 - 29 E. III.2.8.-2.11.).

Ergänzend ist sodann festzustellen, dass auch die nachfolgenden Umstände auf 

den Eventualvorsatz des Beschuldigten schliessen lassen:

Anlässlich der Befragung vor Vorinstanz erzählte der Beschuldigte von einer Kon-

versation, welche er im Sommer 2022 mit dem Privatkläger geführt habe. Er habe 

ihm damals anlässlich einer Grillparty erklärt, dass es Länder gäbe, in denen sinn-

gemäss das Verhalten des Privatklägers nicht toleriert würde. Im schlimmsten Fall 

würde man abgestochen. Er habe dabei gerade ein Messer in der Hand gehalten 

und gesagt, so ein Messer könne in ihm landen, und dass er dies nicht überleben 

werde. Der Privatkläger denke unter Alkoholeinfluss, dass er unsterblich sei 

(Prot. I S. 28 f., zur "Unsterblichkeit" vgl. auch Prot. II S. 12). Der Beschuldigte 

gab auch anlässlich seiner staatsanwaltlichen Einvernahme zu Protokoll, dass er 

dem Privatkläger habe zeigen wollen, dass dieser nicht unverletzlich sei (Urk. 3/2 

F/A 12 S. 7; ähnlich Prot. II S. 12). Da der Beschuldigte zudem erklärte, dass es 

ihm beim Vorfall vom 25. August 2022 um eine Machtdemonstration gegenüber 

dem Privatkläger gegangen sei, deutet dieses Gespräch vom "Sommer 2022" ge-

rade darauf hin, dass der Beschuldigte dem Privatkläger damit hat aufzeigen wol-

len, dass dieser eben nicht unsterblich ist, und zeigt des Weiteren auch auf, dass 

es dem Beschuldigten sehr wohl klar war, wie sich ein Messerstich auswirken 

kann. Das Verhalten des Beschuldigten vom 25. August 2022, welches hier zu 

beurteilen ist, liegt zudem zeitlich nah an der vom Beschuldigten ausgeführten 

Anekdote, was darauf hinweist, dass dessen "Machtdemonstration" in seinen Au-

gen nun fällig war. Weiter erklärte der Beschuldigte, dass er sich bewusst zum 

Stechen umentschieden habe (Prot. I S. 30), dies obwohl er gemäss eigenen 

Aussagen viel mit Messern arbeite. Er erklärte anlässlich seiner staatsanwaltli-

chen Einvernahme, dass er die Stichtiefe von 6.1 cm hinterfrage (wenn man mit 

einem solchen Messer "penetriere" und es dann herausziehe, dann müsste da 

Gewebe rauskommen [Urk. 3/2 F/A 132 S. 28]). Damit enthüllte der Beschuldigte, 

dass er beim Zustechen eben gerade nicht damit rechnen konnte, dass er nur auf 

Fleisch und Knochen trifft.

-   15   -

3.2.4. Die Vorinstanz geht unter Bezugnahme auf das Gutachten und das Ergän-

zungsgutachten des IRM (Urk. 7/10 sowie Urk. 7/13) sowie die einschlägige bun-

desgerichtliche Rechtsprechung im Ergebnis zu Recht von einem hohen Risiko 

der Tatbestandsverwirklichung, d.h. der Tötung des Privatklägers durch das Ver-

halten des Beschuldigten, aus. Den Ausführungen der Verteidigung, wonach eine 

mögliche Lebensgefahr zu verneinen sei (Urk. 71), kann hingegen nicht gefolgt 

werden:

Das IRM-Gutachten hält zwar fest, dass von den dem Privatkläger tatsächlich zu-

gefügten Verletzungen (zwei tiefe [oberer Stichkanal: 6.4 cm und unterer Stichka-

nal: 5.1 cm] Stichverletzungen; Urk. 7/13 S. 2 f.) keine Lebensgefahr ausging. Ge-

mäss beiden rechtsmedizinischen Gutachten lagen diese zwei Stichverletzungen 

jedoch in unmittelbarer Nähe der Wirbelsäule und aufgrund der Wundtiefe auch in 

verletzungsgefährdender Entfernung zur Lunge, weshalb es lediglich glücklichen 

Umständen zu verdanken war, dass die Messerstiche nicht zu schlimmeren oder 

gar tödlichen Verletzungen geführt haben (Urk. 7/10 S. 5; Urk. 7/13 S. 3) und des-

halb keine konkrete Lebensgefahr vorgelegen habe.

Die (erfolgreichen) Messerstiche erfolgten in einer dynamischen Auseinanderset-

zung, weshalb es dem Beschuldigten nicht möglich war, die Lokalisation am und 

vor allem auch im Körper des Privatklägers zu kontrollieren oder zu steuern (wo-

bei die Lokalisation innerhalb von Körpern ohnehin kaum möglich wäre). Es war 

im konkreten Tatgeschehen einzig und allein dem Zufall überlassen, wo und wie 

der Beschuldigte den Privatkläger genau treffen würde. Es hätte gerade so gut 

auch zu einem Treffer mit dem Messer an einer wesentlich lebenskritischeren Ein-

stichstelle – Wirbelsäule, Rückenmark, Brusthauptschlagader und mit noch tiefe-

rem Stichkanal – kommen können, der gemäss dem Gutachten auch tödliche Ver-

letzungen (insb. verschiedener lebenswichtiger innerer Organe oder grösserer 

Blutgefässe wie etwa der Brusthauptschlagader) hätte nach sich ziehen können. 

Entsprechend ging zwar nicht von der konkret erlittenen Verletzung des Privatklä-

gers, sehr wohl aber von der konkreten Tatausführung des Beschuldigten ein er-

hebliches Risiko einer Tötung des Privatklägers aus.

-   16   -

Wenn die Verteidigung geltend macht, es habe zu keinem Zeitpunkt eine Lebens-

gefahr bestanden, und man könne nichts über die Gefährlichkeit der Stiche sagen 

(Urk. 71 S. 5), so verkennt sie mithin, dass das im Rahmen der Beurteilung des 

Eventualvorsatzes relevante Todesrisiko nicht nur von den dem Opfer tatsächlich 

zugefügten Verletzungen selbst ausgehen kann, sondern auch von möglichen an-

deren Verletzungen, die aufgrund des konkreten Tatvorgehens im allgemein be-

kannten Rahmen des Kausalverlaufs liegen, hier namentlich von anderen mögli-

chen Treffern mit dem Messer. Gerade bei einem dynamischen und weitgehend 

unkontrollierbaren Tatgeschehen wie dem hier zu beurteilenden muss ein breites 

Spektrum möglicher Kausalverläufe als naheliegend bzw. wahrscheinlich betrach-

tet werden. Mit anderen Worten: Nicht die Gefahr nach Beendigung des jeweili-

gen Stichs ist relevant, sondern die Gefahr, als der Beschuldigte bereits in der 

Tatausführung begriffen war, die Einstichstelle im Detail aber noch nicht fest-

stand. Wie nachstehend erläutert wird, kann eine Todesgefahr auch dann beste-

hen, wenn das Opfer gar keine Verletzungen erleidet.

Hinzu kommt, dass der Beschuldigte neben dem ersten Messerstich auch noch 

ein weiteres Mal zugestochen hat. Eine tödliche Stichverletzung wäre angesichts 

des konkreten Tatgeschehens ohne weiteres möglich – und aus der Sicht ex ante 

auch durchaus sehr wahrscheinlich – gewesen. Wie die Vorinstanz zutreffend 

festhält, geht auch das Bundesgericht in konstanter Rechtsprechung davon aus, 

dass bei unkontrollierten Messerstichen in den Bereich des Gesichts bzw. Halses 

des Opfers in einer dynamischen Auseinandersetzung in aller Regel mit schweren 

Verletzungen gerechnet werden muss, wobei das Risiko einer tödlichen Verlet-

zung generell als hoch einzustufen ist. Das gilt selbst bei Stichverletzungen mit ei-

ner eher kurzen Messerklinge (BGer. 6B_475/2012 vom 27. November 2012, 

E. 4.2, mit Verweis auf BGer. 6B_239/2009 vom 13. Juli 2009, E. 2.4 [Stich in den 

Brustbereich mit einem Taschenmesser der Marke "Victorinox", Klingenlänge 

4.1 cm]; BGer. 6B_808/2013 vom 19. Mai 2014, E. 2.3 [Stich oberhalb des linken 

Beckenkamms, nach oben und zur Körpermitte hin verlaufend, mit einer Klingen-

länge von 8 cm]; vgl. auch BGer. 6B_935/2017 vom 9. Februar 2018, E. 1.3; 

6B_234/2016 vom 5. August 2016, E. 3.3; BGer 6B_432/2010 vom 1. Oktober 

2010, E. 4). Dass der Beschuldigte den Privatkläger mit dem Messer tatsächlich 

-   17   -

getroffen und diesem dabei keine lebensgefährliche Verletzungen zugefügt hat, 

ist wie erwogen nicht entscheidend. Massgebend ist vielmehr, dass er ihn mit 

dem ersten Messerstich und auch mit dem nachfolgenden Messerstich einem 

sehr grossen Todesrisiko ausgesetzt hat (BGer. 6B_935/2017 vom 9. Februar 

2018, E. 1.3). Es gehört zum Allgemeinwissen und bedarf keiner besonderen In-

telligenz, um zu erkennen, dass Stichverletzungen im Gesicht, am Hals und am 

Oberkörper eines Menschen mit einer ca. 8.5 cm langen Messerklinge tödlich en-

den können (BGer. 6B_935/2017 vom 9. Februar 2018, E. 1.3; 6B_475/2012 vom 

27. November 2012, E. 4.2; BGer. 6B_829/2010 vom 28. Februar 2011, E. 3.2; 

BGer. 7B_704/2023 vom 13. Februar 2024, E. 3.2.). Es steht deshalb ausser 

Frage, dass der Beschuldigte die Möglichkeit erkannt haben muss, dass sein 

Handeln – das mehrfache unkontrollierte Zustechen auf das Opfer mit einem 

Messer mit einer Klingenlänge von ca. 8.5 cm gegen den Nacken – den Tod des 

Privatklägers hätte zur Folge haben können, was er letztlich – wie bereits erwähnt 

– auch selber einräumte. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte vorliegend die Ver-

wirklichung dieses Risikos kaum kalkulieren konnte und über keinerlei Dosie-

rungsmöglichkeiten verfügte.

Bezogen auf die vom Beschuldigten immer wieder angesprochene und angeblich 

minime Wucht seiner Stiche (vgl. z.B. Prot. I S. 29 und Prot. II S. 13; vgl. auch 

Urk. 71 S. 2 f.) ist anzumerken, dass deren nähere Quantifizierung als stark oder 

schwach für die Beurteilung des Falles insofern irrelevant ist, als feststeht, dass 

die Wucht offensichtlich das Mass erreichte, die nötig war, um die beim Privatklä-

ger festgestellten Verletzungen zu verursachen und ihn damit aufgrund der Nähe 

der doch mehrere Zentimeter tiefen Stiche zum Halses und zur Wirbelsäule einer 

akuten Todesgefahr auszusetzen.

Weiter sprechen vorliegend auch der Beweggrund des Beschuldigten ("Machtde-

monstration") und die Art der Tatausführung klar für eine Inkaufnahme der Todes-

folge. Vor diesem Hintergrund kann nur darauf geschlossen werden, dass der Be-

schuldigte den Tod des Privatklägers in Kauf genommen hat oder mit dem Tod 

des Privatklägers vernünftigerweise rechnen musste.

-   18   -

3.2.5. Die Vorinstanz hat damit im Ergebnis den eventuellen Tötungsvorsatz des 

Beschuldigten zu Recht bejaht. Die zahlreichen Einwendungen der Verteidigung 

gehen allesamt ins Leere (vgl. Urk. 71). Diesbezüglich kann auf die zutreffenden 

Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 59 S. 24 ff.), wobei ergän-

zend nur Folgendes anzufügen ist: 

In objektiver Hinsicht setzt der strafbare Versuch gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB vor-

aus, dass der Täter mit der Ausführung des Verbrechens oder Vergehens begon-

nen hat. Das ist vorliegend ohne weiteres gegeben, wovon auch die Vorinstanz 

zutreffend ausging (Urk. 59 S. 29 f. E. III.3.2.). Im Einklang mit der vorinstanzli-

chen Auffassung liegt hier sogar eine vollendet versuchte Tatbegehung vor. Es 

kann vollumfänglich auf die korrekten Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 

werden, weitere Ausführungen dazu erübrigen sich.

4.  Nach dem Gesagten liegt in objektiver und subjektiver Hinsicht ein vollende-

ter (tauglicher) Tötungsversuch im Sinne von Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB vor. Damit treten der Tatbestand der versuchten schweren Körper-

verletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB so-

wie jener der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB, welche die 

Verteidigung angewendet haben will, zurück (unechte Konkurrenz; vgl. BGE 137 

IV 113, E. 1). Ein Schuldspruch bloss wegen einfacher Körperverletzung bzw. ver-

suchter schwerer Körperverletzung kommt wegen der hohen und vorliegend auch 

unmittelbaren Todeswahrscheinlichkeit bei der Tatausführung nicht in Betracht.

Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe wurden nicht geltend gemacht und 

sind auch nicht ersichtlich. Auf die zufolge Alkoholkonsums verminderte Schuldfä-

higkeit des Beschuldigten wird im Rahmen der Strafzumessung einzugehen sein.

5.  Der Beschuldigte ist den vorstehenden Erwägungen folgend – und in Bestä-

tigung von Dispositivziffer 1 des vorinstanzlichen Urteils – der versuchten vorsätz-

lichen Tötung im Sinne von Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schul-

dig zu sprechen.

-   19   -

IV. Sanktion / Widerruf

1.  Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 

6 ½ Jahren, unter Anrechnung der durch Haft und vorzeitigen Strafantritt erstan-

denen Zeit (Urk. 59, Dispositiv-Ziff. 2).

Vorsätzliche Tötung gemäss Art. 111 StGB wird mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf 

Jahren bestraft. Liegt nur eine versuchte Tatbegehung vor, kann der untere Straf-

rahmen unterschritten oder gar auf eine andere Strafart erkannt werden (Art. 22 

Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 48a StGB). Dasselbe gilt für die vorliegend anzunehmen-

de verminderte Schuldfähigkeit (Art. 19 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 48a StGB). Grund-

sätzlich kann hinsichtlich der allgemeinen Grundlagen der Strafzumessung auf die 

zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 59 S. 30 ff. 

E. IV.A.). Anzumerken ist, dass der ordentliche Strafrahmen nach Praxis des Bun-

desgerichts nur ausnahmsweise zu verlassen ist. Wenn jedoch – wie vorliegend – 

zwei teils gewichtige Strafmilderungsgründe gegeben sind, kann dennoch eine 

Unterschreitung notwendig erscheinen.

2. 

Ist, wie hier, die Strafe für ein versuchtes Delikt zuzumessen, so ist in einem 

ersten Schritt die schuldangemessene Strafe für das hypothetisch vollendete De-

likt zu bemessen, d.h. die objektive und subjektive Tatschwere auf Grundlage der 

Hypothese einer Deliktsvollendung – hier also unter der Annahme, dass der Pri-

vatkläger gestorben wäre – zu beurteilen. Die so ermittelte hypothetische Strafe 

ist in der Folge unter Berücksichtigung des Strafmilderungsgrunds von Art. 22 

Abs. 1 StGB angemessen zu reduzieren (BGer. 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013, 

E. 2.3.1; BGer. 6B_865/2009 vom 25. März 2010, E. 1.6.1). 

3.  Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass Art. 111 StGB 

das Leben eines Menschen schützt, mithin das höchste aller Rechtsgüter. Der mit 

der Tötung als solcher verbundene Unrechtsgehalt kann jedoch, anders als etwa 

bei einer Körperverletzung, nicht abgestuft werden, so dass aus der Rechtsgut-

verletzung allein nichts für die Strafzumessung abgeleitet werden kann (BGer. 

6B_1038/2017 vom 31. Juli 2018, E.  2.6.1). Die objektive Tatschwere bestimmt 

sich damit zunächst anhand des äusseren Tathergangs und der Tatumstände, in-

-   20   -

klusive der unmittelbaren Vorbereitungshandlungen sowie des unmittelbaren 

Nachtatverhaltens. Eine Bewertung des objektiven Tatverschuldens rein anhand 

der äusseren, aus jeglichem Kontext gelösten Geschehnisse – gleichsam aus der 

Sicht eines unwissenden Beobachters – wäre indessen mit der tatbeständlichen 

Struktur der Tötungsdelikte nicht vereinbar. Bei Totschlag (Art. 113 StGB) und bei 

Mord (Art. 112 StGB) kennzeichnen gerade auch subjektive Elemente (eine ent-

schuldbare heftige Gemütsbewegung oder eine grosse seelische Belastung bzw. 

eine besondere Skrupellosigkeit) den privilegierten bzw. den qualifizierten Tatbe-

stand. Subjektive Merkmale wie Motive, Beweggründe und Absichten des Täters 

sind deshalb implizit auch beim hier einschlägigen Grundtatbestand des Art. 111 

StGB massgeblich, wenn es um die Festlegung des objektiven Schweregrades 

geht. Dieser bestimmt sich mit anderen Worten anhand aller Tatkomponenten, 

welche einem gesetzlichen Tatbestandsmerkmal – namentlich mit Blick auf eine 

mögliche Privilegierung (Art. 113 StGB) oder Qualifikation (Art. 112 StGB) – zuzu-

ordnen sind. Solche bereits für die rechtliche Würdigung relevanten subjektiven 

Merkmale sind nach der Konzeption der Tötungstatbestände deshalb von Beginn 

weg – trotz ihrer an sich subjektiven Qualität also ausnahmsweise bereits unter 

dem Titel der objektiven Tatschwere – zu berücksichtigen (BGer. 6B_1038/2017 

vom 31. Juli 2018, E. 2.6.1; OGer ZH, SB190588 vom 8. September 2020, 

E. IV.4.1).

3.1.  Im Rahmen der Verschuldensbewertung für das hypothetisch vollendete De-

likt ist hier davon auszugehen, dass der Beschuldigte das Opfer tödlich verletzt 

hat.

3.1.1. Der Beschuldigte hatte situativ, aufgrund einer Auseinandersetzung mit 

dem Privatkläger, entschieden, auf diesen einzustechen. Mit Bezug auf den Be-

weggrund wurde bereits ausgeführt, dass es dem Beschuldigten bei seinem Han-

deln um eine "Machtdemonstration" ging, wobei übereinstimmend mit der Vorin-

stanz festzustellen ist, dass der Beschuldigte damit aus nichtigem Anlass han-

delte. Hierbei nahm der Beschuldigte die Tötung des Privatklägers in Kauf und 

gewichtete sein subjektives Bedürfnis nach einer Machtdemonstration in ethisch 

krass verwerflicher Weise höher als das Leben des Opfers. Eine solche Haltung 

-   21   -

entspringt nicht nur blankem Egoismus, sondern offenbart auch eine ausseror-

dentlich krasse Geringschätzung fremden menschlichen Lebens bei der Durchset-

zung eigener Dominanz. Zwar ist davon auszugehen, dass der Privatkläger den 

Beschuldigten zuvor insofern provoziert hatte, als er diesen mit Worten demütigte 

und mutmasslich auch aufforderte, ihm "das mit dem Messer" zu zeigen. Dabei 

handelte es sich indessen um eine völlig untergeordnete Bagatelle, wie sie unter 

jungen Menschen bei Partys und Zusammenkünften vorkommen kann. Dass sich 

der Beschuldigte über das Verhalten des Privatklägers geärgert hat und sich sub-

jektiv – augenscheinlich krass übersteigert – gekränkt fühlte, mag zutreffen, än-

dert indessen nichts daran, dass er letztlich wegen eines absolut nichtigen Anlas-

ses den Tod eines Menschen in Kauf genommen hat. Sein Verhalten steht in kei-

nem Verhältnis zur Provokation des Privatklägers und wird auch unter Berück-

sichtigung der subjektiv empfundenen Kränkung des Beschuldigten nicht ansatz-

weise verständlich oder nachvollziehbar. Leicht relativierend einzubeziehen ist 

ferner, dass das Opfer nicht bzw. nicht von vornherein komplett wehrlos war. Er-

schwerend fällt dagegen sein brachiales Vorgehen ins Gewicht.

Der Beschuldigte handelte nicht direktvorsätzlich und ging auch nicht geplant und 

kühl kalkulierend vor.

Zusammenfassend ist das Verschulden in Bezug auf die eventualvorsätzliche Tö-

tung als nicht mehr leicht einzustufen, was bei einer vollendeten Tötung eine hy-

pothetische Einsatzstrafe am oberen Ende des unteren Drittels bzw. von 10 Jah-

ren Freiheitsstrafe rechtfertigen würde.

3.1.2. Mit Blick auf das subjektive Tatverschulden ist hier zudem das Mass der 

Entscheidungsfreiheit und die Frage der Schuldfähigkeit des Beschuldigten zu be-

rücksichtigen. Der Beschuldigte stand im Tatzeitpunkt unter starkem Alkoholein-

fluss. Laut rechtsmedizinischem Gutachten wies der Beschuldigte eine zum Tat-

zeitpunkt rückgerechnete Alkoholkonzentration zwischen 2.25 ‰ und 2.94 ‰ auf 

(Urk. 6/8 S. 1). Zu Gunsten des Beschuldigten ist von der höheren Blutalkohol-

konzentration, mithin von 2.94 ‰ auszugehen. Nicht ersichtlich und auch nicht 

eingeklagt ist, dass der Beschuldigte vor Trinkbeginn damit hätte rechnen müs-

sen, unter Alkoholeinfluss Gewalttaten zu begehen. Ebenso wenig kann davon 

-   22   -

ausgegangen werden, dass er sich zu diesem Zweck bewusst Mut angetrunken 

hätte.

Gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB ist der Täter nicht strafbar, wenn er zur Zeit der Tat 

nicht fähig war, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht 

zu handeln. War der Täter zur Zeit der Tat nur teilweise fähig, das Unrecht seiner 

Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so mildert das Gericht 

die Strafe (Art. 19 Abs. 2 StGB). Ausschlaggebend für die Beeinträchtigung von 

Einsichts- und Steuerungsfähigkeit infolge von Trunkenheit ist der psychopatholo-

gische Zustand (der Rausch), und nicht dessen Ursache, die Alkoholisierung, die 

sich in der Blutalkoholkonzentration widerspiegelt. Zwischen dieser und darauf 

beruhender forensisch relevanter Psychopathologie gibt es keine feste Korrela-

tion; stets sind Alkoholgewöhnung, die Tatsituation sowie die weiteren Umstände 

in die Beurteilung der Schuldfähigkeit einzubeziehen. Im Sinne einer groben 

Faustregel geht die Rechtsprechung dennoch davon aus, dass bei einer Blutalko-

holkonzentration von unter zwei Gewichtspromillen in der Regel keine Beeinträch-

tigung der Schuldfähigkeit gegeben ist, und dass bei einer solchen von drei Pro-

millen und darüber meist Schuldunfähigkeit vorliegt (BGer. 6B_1050/2020 vom 

20. Mai 2021, E. 3.3). 

Der Beschuldigte erklärte sinngemäss, er habe schon "x tausend Mal" im Leben 

getrunken und auch schon viel mehr als am Abend des 25. August 2022 (Urk. 3/2 

F/A 51). Anders als bei vielen anderen Menschen, welche die Motorik verlieren, 

nur noch schlecht sprechen können und umfallen, sei dies bei ihm nicht so, er 

verliere nie die Motorik (Urk. 3/2 F/A 99 S. 24; Prot. I S. 11). Dass der Beschul-

digte trotz des scheinbar erheblichen Alkoholkonsums noch weitgehend steue-

rungsfähig war, zeigt der Umstand, dass er am besagten Abend in der Lage war, 

ein Trottinett zu fahren (Prot. I S. 22). Massgeblich ist jedoch letztlich das psychia-

trische Gutachten vom 24. März 2025, wonach die Schuldfähigkeit des Beschul-

digten im Tatzeitpunkt leicht bis mittelgradig vermindert gewesen sei (Urk. 85 

S. 33 f.). Zugunsten des Beschuldigten ist daher – einhergehend mit der Verteidi-

gung – von einer mittelgradigen Einschränkung der Schuldfähigkeit des Beschul-

-   23   -

digten auszugehen (Urk. 92 S. 1). Somit ist die Einsatzstrafe auf 5 Jahre zu redu-

zieren.

3.2. 

In einem weiteren Schritt ist die für das vollendete Delikt verschuldensan-

gemessene Strafe aufgrund des Umstands zu reduzieren, dass es bei einer ver-

suchten vorsätzlichen Tötung geblieben ist (Art. 22 Abs. 1 StGB; vgl. dazu MA-

THYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Aufl. 2019, N 119 ff.). Hierbei ist zu beachten, 

dass ein vollendeter Versuch vorliegt, der Beschuldigte also alles unternommen 

hat, was nach seinem Tatentschluss zur Herbeiführung der Todesfolge nötig ge-

wesen wäre und sogar zweimal zustach. Dass der Privatkläger überlebt hat, ist 

nicht auf das Zutun des Beschuldigten zurückzuführen, sondern ausschliesslich 

Glück und Zufall geschuldet. Wie die Vorinstanz richtig erwägt, waren die letztlich 

fast folgenlosen Verletzungen des Privatklägers nicht etwa auf die Zurückhaltung 

oder Wachsamkeit des Beschuldigten zurückzuführen, sondern letztlich nur dem 

Zufall geschuldet. Der Beschuldigte hätte ebenso gut ein paar Zentimeter weiter 

rechts oder links zustechen und den Privatkläger bei gleicher Intensität tödlich 

verletzen können. Es ist somit nicht dem Beschuldigten zugute zu halten, dass 

der Tötungserfolg ausgeblieben ist. Ferner muss davon ausgegangen werden, 

dass die Gefahr des Todes des Privatklägers sehr gross war, was nur eine ge-

ringe Reduktion der Strafe impliziert. Dagegen waren die effektiven körperlichen 

Folgen sehr gering, wie die Verteidigung richtig dafür hält (Urk. 92 S. 2), wobei sie 

jedoch immerhin das Mass einer einfachen Körperverletzung erreichten, was das 

Strafbedürfnis etwas relativiert.

Aufgrund des Umstands, dass es ausschliesslich Glück und Zufall zu verdanken 

ist, dass der Privatkläger nicht gestorben ist, und wegen der vom Beschuldigten 

geschaffenen Todesgefahr, jedoch der geringen Tatfolgen rechtfertigt sich ein 

Strafabzug von 1 Jahr, so dass die Strafe auf 4 Jahre festzusetzen ist.

3.3.  Hinsichtlich der Täterkomponente ist zunächst auf die zutreffenden vorin-

stanzlichen Erwägungen zu den persönlichen Verhältnissen, dem Vorleben und 

den Vorstrafen des Beschuldigten zu verweisen (Urk. 59 S. 36). Von ihm ist ge-

stützt auf seine eigenen Angaben bekannt, dass er im Jahr 2006 oder 2007 das 

Abitur in Tschechien absolviert hat und im Frühjahr 2007 in die Schweiz einreiste, 

-   24   -

um eine Weiterbildung in der Hotelfachschule D._____ zu machen. Seine Eltern 

und seine drei Schwestern leben in Tschechien. In der Schweiz leben lediglich 

zwei Cousins des Beschuldigten. Der Beschuldigte ist ledig und hat keine Kinder 

(Urk. 3/2 F/A 143 ff. S. 30 ff. und Prot. II S. 5 - 7).

Aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ergeben sich keine straf-

zumessungsrelevanten Umstände.

Der Beschuldigte weist zwei Vorstrafen auf (Urk. 61). Diese sind nicht einschlägig 

und vergleichsweise geringfügig, was nur eine geringe Erhöhung der Strafe recht-

fertigen würde. Allerdings ist auch zu berücksichtigen, dass sie nicht weit zurück-

liegen und der Beschuldigte davon unbeeindruckt und viel massiver selbst wäh-

rend laufender Probezeit delinquierte. Die Strafe ist daher unter diesem Aspekt 

um 6 Monate auf 4 ½ Jahre zu erhöhen.

3.4.  Mit Bezug auf das Nachtatverhalten führte die Vorinstanz aus, dass das vom 

Beschuldigten abgelegte Teilgeständnis in Bezug auf den objektiven Tatbestand 

viel zu kurz gegriffen habe und nicht zu berücksichtigen sei. Eine erhebliche 

Strafreduktion sei deshalb nicht zu rechtfertigen (Urk. 59 S. 36).

3.4.1. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und im 

Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhalten 

eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wir-

ken sich strafmindernd aus. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständ-

nisse können eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 

202 E. 2d/cc). Der Grad der Strafminderung hängt aber insbesondere davon ab, 

in welchem Stadium des Verfahrens das Geständnis erfolgte. Ein Geständnis 

kann bei der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung so-

mit zugunsten des Täters berücksichtigt werden, wenn es die Untersuchung er-

leichtert hat und/oder Ausdruck von Einsicht und Reue ist.

Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich demgegenüber aufdrängen, wenn das 

Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich weil der Täter nur 

aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder erst nach Ausfällung des erstin-

-   25   -

stanzlichen Urteils gestand (BGer. 6B_891/2017 vom 20. Dezember 2017, 

E. 3.5.2 und BGer. 6B_426/2010 vom 22. Juli 2010, E. 1.5, jeweils mit Hinwei-

sen). Die bundesgerichtliche Praxis zeigt, dass nur ein ausgesprochen positives 

Nachtatverhalten zu einer maximalen Strafreduktion von einem Drittel führen 

kann. Zu einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von allem Anfang an 

und aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin oder nach 

Vorlage entsprechender Beweise oder gar erst nach Ergehen eines erstinstanzli-

chen Schuldspruches. Ferner gehört kooperatives Verhalten in der Untersuchung 

dazu, wenn beispielsweise aufgrund des Verhaltens eines Beschuldigten weitere 

Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Rechenschaft gezogen werden können, was 

ohne sein kooperatives Mitwirken nicht möglich gewesen wäre. Schliesslich ge-

hört Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue dazu. Nur wenn all diese Faktoren er-

füllt sind, kann eine Strafreduktion von einem Drittel erfolgen. Fehlen einzelne 

Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger stark zu mindern (BSK StGB-WI-

PRÄCHTIGER/KELLER, N 169 ff. zu Art. 47 StGB).

3.4.2. Anlässlich der Hafteröffnung machte der Beschuldigte von seinem Aussa-

geverweigerungsrecht Gebrauch: Dies bleibt im Rahmen der Strafzumessung un-

beachtlich. Dennoch erklärte er nach der Tat, dass es ihm schrecklich gehe, und 

zeigte sich überrascht, dass er zwei Mal auf den Privatkläger eingestochen hat 

(Urk. 3/1 F/A 5 und 6 S. 2). Anlässlich der zweiten Einvernahme machte der Be-

schuldigte zum Teil sehr detailreiche Ausführungen und bemühte sich, Erinne-

rungslücken auch als solche zu deklarieren. Er betonte zudem mehrmals, dass es 

ihm leid tue, was passiert sei. Er schäme sich extrem dafür (Urk. 3/1 F/A 43 S. 6; 

Urk. 3/2 F/A 13 S. 7, Prot. I S. 26 und S. 41 f.). Das Geständnis des Beschuldig-

ten wird jedoch dahingehend relativiert, dass er erst ausführlich aussagte, nach-

dem er über die Aussagen der anderen beteiligten Personen im Bilde war, wobei 

auch da zu berücksichtigen ist, dass für ihn aus diesen Aussagen ersichtlich war, 

dass die beiden Zeugen grundsätzlich nicht mitbekommen haben, wie es zu den 

Messerstichen gekommen ist und er sich dies hätte zunutze machen können. Das 

Geständnis des Beschuldigten und seine Reue sind deshalb im Umfang von 

6 Monaten zu berücksichtigen.

-   26   -

3.5.  Weitere strafmindernde oder -erhöhende Umstände liegen nicht vor. Im Re-

sultat ist die Strafe auf 4 Jahre festzulegen.

3.6.  Einer Anrechnung der bereits erstandenen Untersuchungs- bzw. Sicher-

heitshaft (Art. 51 StGB) sowie der Dauer des vorzeitigen Strafvollzugs von insge-

samt 1'126 Tagen bis und mit heute (25. August 2022 bis 23. September 2025) 

steht nichts entgegen.

4.  Bei der Dauer der hier ausgesprochenen Freiheitsstrafe fällt ein bedingter 

oder teilbedingter Vollzug ausser Betracht (Art. 42 f. StGB). Demnach ist die Frei-

heitsstrafe unbedingt auszusprechen. 

5.  Da der Beschuldigte während der Probezeiten seiner beiden Vorstrafen de-

linquierte, stellt sich die Frage des Widerrufs. Zu den Grundlagen der Nichtbe-

währung im Sinne von Art. 46 StGB kann vorab auf die Erwägungen der Vorin-

stanz verwiesen werden (Urk. 59 S. 37 f. E. IV.D.). 

5.1.  Ein Verbrechen oder Vergehen während der Probezeit führt nicht zwingend 

zum Widerruf. Ist aufgrund einer Gesamtbetrachtung nicht zu erwarten, dass der 

Beschuldigte weitere Straftaten begehen wird, kann das Gericht gemäss Art. 46 

Abs. 2 StGB vom Widerruf absehen und stattdessen eine Verwarnung ausspre-

chen oder die Probezeit um höchstens die Hälfte der im Urteil festgesetzten 

Dauer verlängern. Ein Widerruf ist nur dann anzuordnen, wenn bei einer Gesamt-

betrachtung von Vor- und Rückfalltat unter Einbezug der zur Anwendung gelan-

genden Strafarten, Strafhöhen und Vollzugsformen letztlich von einer negativen 

Legalprognose bzw. von ungünstigen Bewährungsaussichten ausgegangen wer-

den muss. Ein Widerruf setzt somit kumulativ eine Rückfalltat – und zwar ein Ver-

brechen oder Vergehen – sowie eine damit verbundene ungünstige Prognose vor-

aus. Das Gericht kann zum Schluss kommen, dass vom Widerruf des bedingten 

Strafvollzuges abgesehen werden kann, wenn die neue Strafe vollzogen wird.

5.2.  Der Beschuldigte weist – wie erwähnt – zwei Vorstrafen auf: Er wurde mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 19. Oktober 2020 zu einer 

bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 90.– wegen Betrugs unter Anset-

-   27   -

zung einer Probezeit von 2 Jahren sowie mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Winterthur/Unterland vom 15. Januar 2021 wegen Urkundenfälschung zu einer 

bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 100.– unter Ansetzung einer 

Probezeit von 2 Jahren verurteilt (Urk. 61).

Diese Vorstrafen sind nicht einschlägig und in diesem Kontext hat der Beschul-

digte keine Untersuchungshaft zu gewärtigen gehabt. Er ist mithin erst mit der ak-

tuellen Verurteilung, insbesondere aufgrund der mehrjährigen unbedingten Frei-

heitsstrafe und der darauf folgenden mehrjährigen Landesverweisung zum ersten 

Mal folgenschwer betroffen und bekommt die Konsequenzen seiner Delinquenz 

zu spüren, welche ihn gehörig beeindrucken und von der Begehung weiterer De-

likte abhalten dürften. Überdies fällt vorliegend positiv ins Gewicht, dass der Be-

schuldigte weitestgehend geständig ist und sich in diesem Sinne auch einsichtig 

und reuig zeigt. Entsprechend darf beim Beschuldigten für die Beurteilung der Wi-

derrufe noch von einer positiven Legalprognose ausgegangen werden. Daher ist 

kein Widerruf vorzunehmen.

Wird auf den Widerruf der bedingt ausgesprochenen Strafe verzichtet, so muss 

eine Ersatzmassnahme angeordnet werden (BGE 100 IV 199). Gemäss Art. 46 

Abs. 2 StGB kann das Gericht den Verurteilten verwarnen oder die Probezeit um 

höchstens die Hälfte der im Urteil festgesetzten Dauer verlängern. Die Dauer der 

Probezeit darf auch bei mehreren Verlängerungen die ursprüngliche Probezeit 

nicht um mehr als die Hälfte überschreiten (BSK StGB-SCHNEIDER/GARRÉ, N 52 

zu Art. 46 StGB).

Nachdem vorliegend bei beiden Urteilen vom Widerruf des bedingten Vollzuges 

der Geldstrafe abzusehen ist, rechtfertigt es sich, die Probezeit bei beiden Vor-

strafen um jeweils 1 Jahr zu verlängern.

V. Landesverweisung

1.  Die Vorinstanz sprach gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. a StGB eine Landes-

verweisung für die Dauer von 10 Jahren aus (Urk. 59 S. 38 ff. E. V.).

-   28   -

2.  Die Verteidigung brachte im Berufungsverfahren unter Hinweis auf das vor-

instanzliche Plädoyer dagegen vor, dass auf die Landesverweisung zu verzichten 

sei, da von einem Härtefall auszugehen sei (Urk. 71 S. 11). Der Beschuldigte 

spreche sehr gut Schweizerdeutsch, sei beruflich integriert und verfüge über ei-

nen grossen Freundeskreis sowie intakte Familienverhältnisse. Er habe keine 

Schulden und verfüge über regelmässige Einkünfte. Er sei mit 20 Jahren einge-

reist und lebe über 16 Jahre in der Schweiz. In Tschechien würden nur noch 

seine Eltern leben (Urk. 47 S. 12 f.). Ebenso sei das FZA zu berücksichtigen.

3.  Die versuchte vorsätzliche Tötung stellt eine sogenannte Katalogtat im 

Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. a StGB dar. Im Übrigen kann bezüglich der Anord-

nung der obligatorischen Landesverweisung vollumfänglich auf die zutreffenden 

Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 59 S. 38 - 42 E. V.), an de-

ren (sinngemässer) Gültigkeit sich auch im Berufungsverfahren nichts geändert 

hat.

3.1.  Zum Vorliegen eines persönlichen Härtefalls ist ergänzend festzustellen, 

dass gemäss der Härtefallklausel ausnahmsweise von einer obligatorischen Lan-

desverweisung abgesehen werden kann, wenn diese für den Ausländer einen 

schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und die öffentlichen Interessen 

an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am 

Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Der besonderen Situation von Auslän-

dern, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind, ist dabei Rechnung zu 

tragen. Als in der Schweiz aufgewachsen kann gelten, wer während fünf Jahren 

die obligatorische Schule besucht oder einen grossen Teil der früheren Kindheit in 

der Schweiz verbracht hat (BSK StGB-ZURBRÜGG/HRUSCHKA, N 124 zu Art. 66a 

StGB). Dabei gilt, dass bei Personen, die in der Schweiz geboren oder aufge-

wachsen sind, nicht automatisch ein Härtefall vorliegt. Ein solcher bestimmt sich 

nicht anhand von starren Altersangaben oder einer bestimmten Dauer der Anwe-

senheit, sondern setzt eine Einzelfallprüfung voraus, bei der die gängigen Integra-

tionskriterien angewendet werden müssen (BGer. 6B_690/2019 vom 4. Dezember 

2019, E. 3.4.4). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann die Beurtei-

lung eines Härtefalles kriteriengeleitet nach der Bestimmung über den "schwer-

-   29   -

wiegenden persönlichen Härtefall" gemäss Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über 

die Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 vorgenom-

men werden (BGer. 6B_659/2018 vom 20. September 2018, E. 3.3.3). Diese Kri-

terien sind insbesondere die Integration in der Schweiz, die Familienverhältnisse, 

die finanziellen Verhältnisse, die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, der Ge-

sundheitszustand sowie die Möglichkeiten für eine Wiedereingliederung im Her-

kunftsland. Weitere Kriterien sind die Aufenthaltsdauer und die Resozialisierungs-

chancen sowie die Rückfallgefahr und wiederholte Delinquenz (BGer. 

6B_651/2018 vom 17. Oktober 2018, E. 8.3.3; BGer. 6B_659/2018 vom 20. Sep-

tember 2018, E. 3.3.3; BGer. 6B_873/2018 vom 15. Februar 2019, E. 3.1; je mit 

Hinweisen). Härtefallbegründende Aspekte müssen grundsätzlich den Betroffenen 

selbst treffen. Treten sie bei Dritten auf, sind sie nur dann zu berücksichtigen, 

wenn sie sich zumindest indirekt auch auf den Betroffenen auswirken. In diesem 

Rahmen können namentlich auch die drohenden Nachteile für die Familie und 

insbesondere die Kinder der von einer Landesverweisung bedrohten Person be-

rücksichtigt werden. Allerdings ist der Ausländer, der eine Katalogtat verübt, auch 

dann grundsätzlich des Landes zu verweisen, wenn er mit Kindern hier in der 

Schweiz lebt und einer Arbeit nachgeht. Um einen schweren persönlichen Härte-

fall annehmen zu können, müssen in der Regel weitere Kriterien hinzutreten, na-

mentlich eine starke Verwurzelung in der Schweiz und/oder grosse Schwierigkei-

ten, sich im Heimatstaat privat und beruflich wieder zurechtzufinden. Allerdings 

sind auch die Situation im Heimatland des Beschuldigten und in diesem Zusam-

menhang auch mögliche Vollzugshindernisse zu berücksichtigen (BGer. 

6B_651/2018 vom 17. Oktober 2018, E. 8.3.3), auch wenn nicht per se von einem 

Härtefall auszugehen ist, solange die Vollzugshindernisse nicht direkt mit der be-

treffenden Person zusammenhängen. 

3.2.  Ausser dass der Beschuldigte sprachlich in der Schweiz integriert ist, gibt es 

vorliegend keine Hinweise, welche die Härtefallklausel zur Anwendung bringen 

würden. Der Beschuldigte ist erst im Alter von 20 Jahren in die Schweiz gekom-

men, ist hier entgegen den Ausführungen der Verteidigung spätestens seit Beginn 

des vorliegenden Verfahrens beruflich nicht integriert und hat aufgrund seines 

Eintrages im Strafregister auch künftig keine guten Aussichten auf dem Arbeits-

-   30   -

markt. Ebenso sind entgegen der Ansicht der Verteidigung die familiären Bande 

nach Tschechien nicht auf seine Eltern beschränkt, welche für sich alleine bereits 

ein grosses Gewicht haben. In der Schweiz hat er nach eigenen Angaben bis auf 

zwei Cousins keine familiären Beziehungen. Er weist demnach keinerlei relevan-

ten Bezug zur Schweiz auf. Beim Beschuldigten liegt deshalb entgegen den Aus-

führungen der Verteidigung offensichtlich kein schwerer persönlicher Härtefall im 

Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB vor. Auch wenn eine Rückkehr für den Beschul-

digten zwar mit einer gewissen Härte verbunden ist, steht dies dem Vollzug der 

Wegweisung nicht im Weg. Der Beschuldigte ist somit im Sinne von Art. 66a 

Abs. 1 lit. a StGB des Landes zu verweisen. Hinsichtlich der Dauer der Landes-

verweisung kann mit der Vorinstanz geschlossen werden, dass 10 Jahre an sich 

vor allem aufgrund der Schwere der Tat angemessen erscheinen, wenn auch die 

Vorinstanz die Reue und Einsicht des Beschuldigten zu wenig gewichtet hat 

(Urk. 59 S. 42 E. V.B.4.). Zieht man jedoch auch die im mittleren Mass reduzierte 

Schuldfähigkeit in Betracht, so rechtfertigt sich eine Dauer von 8 Jahren.

4.  Mit Blick auf das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-

schaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten 

andererseits über die Freizügigkeit (FZA; SR 0.142.112. 681) ist mit dem Bundes-

gericht festzuhalten, was folgt: Die Zielsetzung wie die Bestimmungen in den um-

fangreichen Anhängen des FZA regeln das Recht auf Freizügigkeit der Arbeitneh-

mer und Arbeitnehmerinnen und Selbständigerwerbenden sowie ihrer Familienan-

gehörigen (diesbezüglich regelt Art. 3 Anhang I FZA das Recht von Familienange-

hörigen, bei einer aufenthaltsberechtigten Person Wohnung zu nehmen; vgl. 

BGE 144 II 1, E. 3), allerdings unter dem Vorbehalt eines rechtskonformen Ver-

haltens im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA. Damit wurde der völkerrechtlich 

unbestrittene Grundsatz in das FZA übernommen, wonach jeder Staat die Ein-

reise und den Aufenthalt von Ausländern auf seinem Territorium grundsätzlich 

selber bestimmen und damit auch einschränken kann.

Das FZA berechtigt mithin lediglich zu einem doppelt bedingten Aufenthalt in der 

Schweiz, nämlich einerseits nach Massgabe der spezifischen Vertragsvereinba-

rungen als Voraussetzung eines rechtmässigen Aufenthalts und andererseits 

-   31   -

nach Massgabe des rechtskonformen Verhaltens im Sinne von Art. 5 Abs. 1 An-

hang I FZA.

Das FZA enthält keine strafrechtlichen Bestimmungen und ist kein strafrechtliches 

Abkommen. Mit dem FZA vereinbarte die Schweiz – pointiert formuliert – keine 

Freizügigkeit für kriminelle Ausländer (BGE 145 IV 55, E. 3.3).

Ferner ist zu berücksichtigen, dass ein geringes, aber tatsächlich vorhandenes 

Rückfallrisiko für eine aufenthaltsbeendende Massnahme im Sinne von Art. 5 

Abs. 1 Anhang I FZA genügen kann, sofern dieses Risiko eine schwere Verlet-

zung hoher Rechtsgüter wie z.B. die körperliche Unversehrtheit beschlägt. Mit 

dem Erfordernis der gegenwärtigen Gefährdung ist nicht gemeint, dass weitere 

Straftaten mit Gewissheit zu erwarten sind (BGE 145 IV 55, E. 4.4).

Vorliegend ist einerseits nicht zu erwarten, der zur Zeit zwangsläufig arbeitslose 

Beschuldigte werde sich noch in den Schweizer Arbeitsmarkt integrieren können. 

Andererseits liegt eine Straftat gegen das höchste Rechtsgut überhaupt vor, wo-

durch auch ohne ausgeprägte Rückfallgefahr eine hinreichende Gefährdung der 

öffentlichen Sicherheit gegeben ist. Eine Landesverweisung ist ohne weiteres mit 

dem FZA vereinbar.

5.  Dagegen steht eine Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener 

Informationssystem nicht zur Debatte, da der Beschuldigte EU-Bürger ist.

VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.  Dass die Vorinstanz dem Beschuldigten die Kosten des Vorverfahrens und 

des erstinstanzlichen Hauptverfahrens vollumfänglich auferlegt hat, ist – nachdem 

der gegen ihn ergangene Schuldspruch im Berufungsverfahren zu bestätigen ist – 

so zu belassen (Art. 426 Abs. 1 StPO).

2.  Die Gebühr für den Berufungsprozess ist auf Fr. 4'500.– zu veranschlagen 

(vgl. Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 GebV OG und § 14 

Abs. 1 lit. b GebV OG). Weitere Kosten sind im Umfang von Fr. 11'972.25 für das 

-   32   -

psychiatrische Gutachten von Dr. med. B._____ vom 24. März 2025 angefallen 

(Urk. 90).

2.1.  Im Berufungsprozess werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen 

auferlegt (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Ob bzw. inwieweit eine Partei im Sinne 

dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab, in welchem Ausmass 

ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gutgeheissen werden (vgl. BGer. 

6B_791/2023 vom 23. August 2023, E. 1.4 m.w.H.). Erhebt einzig die beschul-

digte Person Berufung und obsiegt sie teilweise, gehen hingegen die darauf ent-

fallenden Kosten anteilsmässig zulasten der Staatskasse (vgl. JOSITSCH/SCHMID, 

Praxiskommentar StPO, N 3 Art. 428 StPO). 

2.2.  Mit seiner Berufung erreicht der Beschuldigte, dass der bedingte Vollzug sei-

ner Vorstrafen nicht widerrufen wird. Ausserdem erzielt er eine Strafreduktion. Im 

wichtigsten Punkt, dem Schuldspruch, unterliegt er jedoch vollständig. Ausgangs-

gemäss und in Gewichtung der Berufungsbegehren sind ihm damit die Kosten 

des Berufungsprozesses, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, 

zu drei Fünfteln aufzuerlegen.

3.  Die amtliche Verteidigung macht für ihre Aufwendungen und Barauslagen im 

Berufungsprozess Fr. 8'620.20 (inkl. Auslagen und MWST) geltend (Urk. 93). Das 

geforderte Honorar steht im Einklang mit den Ansätzen der Anwaltsgebührenver-

ordnung und erweist sich grundsätzlich als angemessen. Zu berücksichtigen ist, 

dass nach Stellung der Honorarnote noch geringfügige Aufwände anfielen. Dage-

gen sind Studium des Urteils und Besprechung mit dem Beschuldigten in der Ho-

norarnote bereits verrechnet. Mithin ist der amtliche Verteidiger mit einem gerun-

deten Honorar von Fr. 9'000.– (inkl. Auslagen und 8,1 % MWST) aus der Ge-

richtskasse zu entschädigen.

Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. 

Analog zur Verteilung der übrigen Kosten ist beim Beschuldigten hinsichtlich der 

Kosten der amtlichen Verteidigung für das erstinstanzliche Verfahren gestützt auf 

Art. 135 Abs. 4 StPO ein Nachforderungsvorbehalt in vollem Umfang und für das 

Berufungsverfahren im Umfang von drei Fünfteln vorzusehen.

-   33   -

4. 

Für die vom Beschuldigten geltend gemachte Genugtuung wegen Überhaft 

(vgl. Urk. 71 S. 1) bleibt schliesslich angesichts des Ausgangs des Strafverfah-

rens kein Raum. Entsprechend erübrigen sich weitere Erörterungen dazu.

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 6. Abteilung, 

vom 21. November 2023 bezüglich der Dispositivziffern 7 (Entscheid betref-

fend Zivilansprüche), 8 (Herausgabe sichergestellte Gegenstände), 9 (Ein-

ziehung und Vernichtung), 10 (Asservate zur Vernichtung), 11 (Kostenhöhe) 

und 12 (Verteidigerhonorar) in Rechtskraft erwachsen ist.

2.

Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der versuchten Tötung im Sinne von 

Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB. 

2.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 4 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und 

mit heute 1'126 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafantritt erstan-

3.

4.

den sind.

Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

Auf den Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat 

vom 19. Oktober 2020 für eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 90.– 

gewährten bedingten Vollzugs wird verzichtet und stattdessen wird die Pro-

bezeit um 1 Jahr verlängert.

5.

Auf den Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Un-

terland vom 15. Januar 2021 für eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 

Fr. 100.– gewährten bedingten Vollzugs wird verzichtet und stattdessen wird 

die Probezeit um 1 Jahr verlängert.

-   34   -

6.

Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. a StGB für 8 Jahre 

des Landes verwiesen.

7.

Die Landesverweisung wird im Schengener Informationssystem nicht ausge-

schrieben.

8.

9.

Die erstinstanzliche Kostenauflage (Ziff. 13 und 14) wird bestätigt

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

4'500.– ; die weiteren Kosten betragen:

11'972.25   Psychiatrisches Gutachten vom 24. März 2025;

9'000.–   Amtliche Verteidigung RA A. X1._____ (inkl. 8,1 % 

MWST).

10. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtli-

chen Verteidigung, werden dem Beschuldigten zu drei Fünfteln auferlegt und 

im Übrigen auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Ver-

teidigung werden auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungs-

pflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt im Umfang 

von drei Fünfteln vorbehalten.

11. Schriftliche Mitteilung in vollständiger Ausfertigung an











die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

den Privatkläger (durch Publikation im kantonalen Amtsblatt)

das Amt für Justizvollzug und Wiedereingliederung des Kantons Zürich, 
Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste 

das Migrationsamt des Kantons Zürich

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an







die Vorinstanz

das Amt für Justizvollzug und Wiedereingliederung des Kantons Zürich, 
Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste

das Migrationsamt des Kantons Zürich 

-   35   -









die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung 
des DNA-Profils

die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat, zuhanden der Akten der Unter-
suchung Nr. B-5/2020/34650, betreffend vorstehende Disp.-Ziff. 4

die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, zuhanden der Akten der 
Untersuchung Nr. C-1/2020/35630, betreffend vorstehende Disp.-Ziff. 5

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A und Formular B

12. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-

chen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes. 

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 23. September 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

Oberrichter lic. iur. Spiess

MLaw Brülisauer