# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1fe326d7-88a0-5333-bdf8-925421253e7f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.03.2010 E-136/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-136-2007_2010-03-16.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-136/2007/frk 
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 6 .  M ä r z  2 0 1 0

Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz),
Richter Fulvio Haefeli,
Richter François Badoud, 
Gerichtsschreiber Rudolf Raemy.

A._______,
Kolumbien,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Verweigerung der Einreise; Verfügung des BFM 
vom 9. November 2006 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-136/2007

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer,  ein  kolumbianischer  Staatsangehöriger  aus 
B._______,  Departement  Magdalena,  ersuchte  mit  Eingabe  vom 
27. April  2006  bei  der  schweizerischen  Vertretung  in  Bogota  um 
Gewährung von Asyl in der Schweiz für sich und seine Familie. 

Zur Begründung seines Gesuchs machte er im Wesentlichen geltend, 
er  sei  von  1990  bis  1995  in  B._______  als  Vorsitzender  des 
Kommunalausschusses  tätig  gewesen.  Aufgrund  seines  sozialen 
Engagements sei er gezwungen worden, mit seiner Familie in das De-
partement Tolima zu fliehen. Dort  hätten sie sich aufgrund der zuvor 
gegen sie gerichteten Morddrohungen 5 Jahre lang unauffällig verhal-
ten. Danach sei er wieder zurückgekehrt. Es sei ihm mitgeteilt worden, 
dass  er  bleiben könne,  sofern  er  sich  nicht  weiter  sozial  engagiere, 
ansonsten er und seine Familie umgebracht würden. Als er den dort 
ansässigen  Leuten  geraten  habe,  sich  gegen  die  Unterwerfung  zu 
wehren,  und die Vereinigte Bürgerwehr Kolumbiens (AUC) davon er-
fahren habe, habe er wieder Sicherheitsprobleme bekommen. Die AUC 
und die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) hätten von ihm 
verlangt, dass er mit ihnen zusammenarbeite, was er verweigert habe, 
worauf  ihm  eine  Frist  von  24  Stunden  gesetzt  worden  sei,  um  mit 
seiner  Familie  zu  verschwinden.  Der  Beschwerdeführer  habe  sich 
deswegen  mit  seiner  Familie  wiederum  in  das  Departement  Tolima 
begeben. Auch dort sei er indessen zur Zusammenarbeit mit der AUC 
aufgefordert  worden,  worauf  er  mit  seiner  Familie  in  die  Stadt 
C._______ im Departement Bolivar gezogen sei. In C._______ habe er 
als  Taxifahrer  gearbeitet  und  als  Vertriebener  Hilfe  von  "minuto  de 
dios"  erhalten.  Im  Jahr  2004  sei  er  zu  Hause  von  vier  Personen 
aufgefordert worden, die Stadt innert drei Stunden zu verlassen, was 
zu seiner vierten Vertreibung geführt habe. Mit seiner Familie sei er in 
die  Stadt  D._______  weitergezogen  und  als  Opfer  des  bewaffneten 
Konflikts von der dortigen Stiftung "E._______" unterstützt worden. Im 
März  2005  sei  er  zum  Vorstandsmitglied  dieser  Stiftung  gewählt 
worden  und  habe  in  dieser  Funktion  Aktivitäten  zugunsten  der 
zwangsvertriebenen  Familien  und  der  Stiftungsmitglieder  entwickelt. 
Die Stiftung selber sei in der Folge Zielscheibe von Drohungen seitens 
der  Nationalen  Befreiungsarmee  (ELN),  der  FARC  und  der  AUC 
geworden.  Nachdem  Kollegen  des  Beschwerdeführers  getötet  und 
erneute  Drohungen  ausgesprochen  worden  seien,  seien  sie  zur 

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Sicherheitspolizei in D._______ gegangen, um Anzeige zu erstatten. In 
der  Zwischenzeit  seien  sechs  bewaffnete  Personen  bei  der  Stiftung 
gewesen und hätten dort  weitere Drohungen hinterlassen. Daraufhin 
habe der Vorstand entschieden, den Standort des Büros der Stiftung 
zu  verlegen.  Nachdem  vermummte  Personen  in  sein  Haus 
eingedrungen  und  unter  anderem  ein  Foto  seines  Militärdienst 
leistenden Schwagers gefunden hätten, sei er als Informant betrachtet 
und beschuldigt worden. Angesichts dieser Anschuldigungen habe er 
zusammen mit seiner Familie D._______ verlassen. Am 19. Dezember 
2005 sei in der Nähe seines Wohnortes auf ihn geschossen und am 
25. Dezember  2005  gar  ein  Kollege  erschossen worden,  weil  er  mit 
dem  Beschwerdeführer  verwechselt  worden  sei.  Daraufhin  sei  der 
Beschwerdeführer durch das Schutzprogramm des Innenministeriums 
nach  F._______  gebracht  worden,  wo  er  beim  Men-
schenrechtsbeauftragten ausgesagt  habe. Durch die  Vermittlung des 
Roten Kreuzes sei danach die ganze Familie nach F._______ gebracht 
worden. In F._______ habe der Beschwerdeführer jedoch weitere Dro-
hungen erhalten und sei wiederholt verfolgt worden. Zudem seien auch 
Drohungen  betreffend  seine  Kinder  ausgesprochen  worden.  Wegen 
dieser Belästigungen in F._______ fürchte er um sein Leben und das 
Leben  seiner  Familie  und  wisse  nicht  mehr,  wie  sie  sich  schützen 
könnten.

Zur  Untermauerung seiner  Vorbringen reichte  der  Beschwerdeführer 
zwei von ihm eingereichte Strafanzeigen vom 18. und 25. April  2006, 
sowie  Schreiben  der  Stiftung  "E._______",  eine  Bescheinigung 
betreffend  die  Stiftung  "E._______"  sowie  Ausweisekopien  seiner 
Familie zu den Akten.

Mit  undatierter  Eingabe  reichte  der  Beschwerdeführer  den 
ausgefüllten,  ihm  von  der  schweizerischen  Vertretung  abgegebenen 
Fragebogen zu den Akten.

B.
Die schweizerische Vertretung in Bogota übermittelte das Asylgesuch 
des Beschwerdeführers am 18. Juli 2006 zuständigkeitshalber an das 
BFM.

C.
Das BFM verweigerte dem Beschwerdeführer und seiner Familie mit 
Verfügung  vom  9. November  2006  die  Einreise  in  die  Schweiz  und 

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lehnte  sein  Asylgesuch  ab. Zur  Begründung  führte  es  aus,  der  Be-
schwerdeführer  berufe  sich  auf  Bedrohungen  durch  verschiedene 
Guerillagruppierungen. Es sei indessen festzuhalten, dass der kolum-
bianische Staat grundsätzlich über eine funktionierende und effiziente 
Schutzinfrastruktur, insbesondere über einen funktionierenden Polizei-
apparat sowie über ein Rechts- und Justizsystem verfüge. Er bekämp-
fe die Aktivitäten der Guerilla im Rahmen des Möglichen, so dass des-
sen Schutzwilligkeit als gegeben erachtet werden könne. Es sei dem 
Beschwerdeführer daher zumutbar und möglich, sich unter den Schutz 
der Behörden zu stellen. Aufgrund der Akten gebe es keinen Grund, 
vorliegend von dieser Regelvermutung abzuweichen. Schliesslich gelte 
es festzuhalten, dass es keinem Staat gelinge, die absolute Sicherheit 
aller seiner Bürger jederzeit und überall zu garantieren. Zudem handle 
es sich beim Beschwerdeführer und seiner Familie nicht um landesweit 
bekannte Persönlichkeiten, weshalb nicht davon auszugehen sei, dass 
die Verfolger sie an einem beliebigen Wohnort in Kolumbien ausfindig 
machen könnten. Dem Beschwerdeführer stehe daher die Möglichkeit 
einer innerstaatlichen Fluchtalternative offen. Demzufolge sei er keiner 
unmittelbaren  Gefahr  im  Sinne  des  Asylgesetzes  ausgesetzt  und 
bedürfe dementsprechend nicht des Schutzes der Schweiz.

Im Übrigen habe der  Beschwerdeführer  keine besonders  nahen Be-
ziehungen zur Schweiz geltend gemacht, weshalb es ihm zuzumuten 
sei, in einem anderen Land um Schutz nachzusuchen, beispielsweise 
in einem Nachbarstaat Kolumbiens. Die meisten Staaten Südamerikas 
hätten die Flüchtlingskonvention ratifiziert und hielten sich gemäss den 
Erkenntnissen  des  BFM  an  die  damit  verbundenen  Verpflichtungen. 
Brasilien,  Ecuador, Panama und Peru seien Vertragsparteien sowohl 
des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der 
Flüchtlinge  als  auch  des  entsprechenden  Zusatzprotokolls  vom 
31. Januar 1967. Sie verfügten über ein eigenes, gesetzlich geregeltes 
Verfahren zur Anerkennung von Flüchtlingen. Zudem hielten sie sich 
grundsätzlich  an  das  Gebot  des  Non-Refoulements  gemäss  Art. 33 
FK, auch wenn es in den Grenzgebieten zu Panama und Venezuela zu 
unkontrollierten  Rückschiebungen  durch  die  Grenzbehörden  gekom-
men sei. Für die praktische Möglichkeit und anderweitige Schutzsuche 
spreche im Weiteren die  Möglichkeit  der  visumsfreien Einreise  nach 
Brasilien, Ecuador und Peru sowie der Umstand, dass jährlich mehrere 
Tausend kolumbianische Staatsangehörige in den Nachbarländern um 
Asyl ersuchten und dort zu einem beträchtlichen Teil auch als Flücht-
linge  anerkannt  würden.  Diese  Staaten  erschienen  überdies  bereits 

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aus geografischen, aber auch aus sprachlichen und kulturellen Grün-
den als offensichtlich näher liegend. Zudem verfüge der Beschwerde-
führer dort auf Grund des kulturellen Hintergrundes über grössere In-
tegrationschancen als  in  der  Schweiz. Es  werde somit  als  zumutbar 
erachtet, dass sich der Beschwerdeführer für die Schutzgewährung an 
einen anderen Staat als die Schweiz wende. An diesen Erwägungen 
vermöchten die eingereichten Dokumente nichts  zu ändern,  stützten 
diese doch lediglich die nicht in Frage gestellten Vorbringen des Be-
schwerdeführers. Vor diesem Hintergrund sei  dem Beschwerdeführer 
die Einreise in die Schweiz nicht  zu bewilligen und sein Asylgesuch 
abzuweisen.

D.
Der  Beschwerdeführer  reichte  mit  Eingabe  vom 13. Dezember  2006 
bei der schweizerischen Vertretung in Bogota Beschwerde gegen die 
Verfügung  des  BFM  vom  9. November  2006  ein.  Diese  wurde 
zuständigkeitshalber an das Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet. 
Sinngemäss  beantragte  er  die  Aufhebung  der  angefochtenen 
Verfügung sowie die Bewilligung der Einreise in die Schweiz und die 
Asylgewährung. In seiner Beschwerde verwies er im Wesentlichen auf 
den zur Begründung des Asylgesuchs geltend gemachten Sachverhalt. 
Ergänzend machte er geltend, dass sein Bruder im September 2006 
gefoltert  und ermordet worden sei. In F._______ lebe er in ständiger 
Angst  um sein  Leben  und  dasjenige  seiner  Familie.  Die  Lage  habe 
sich  verschärft,  und  er  erhalte  Drohungen  gegen  sich  und  seine 
Familie.

Als Beweismittel  legte der Beschwerdeführer seiner Eingabe die be-
reits  zur  Stützung des  Asylgesuchs eingereichten Dokumente  sowie 
weitere Dokumente, darunter ein Schreiben der Sicherheitspolizei (De-
partemento  Administrativo  de  Seguridad  D.A.S.)  vom 22. Mai  2006, 
des  Innen-  und Justizministeriums vom 23. Mai  2006,  der  Staatsan-
waltschaft vom 27. April 2006, sowie eine Strafanzeige des Beschwer-
deführers vom 16. Mai 2006 bei.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5  des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998 
(AsylG, SR 142.31); Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106 
Abs. 1 AsylG).

1.3 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abge-
fasst.  Aus prozessökonomischen  Gründen  wurde  auf  die  Ansetzung 
einer Frist  zur  Beschwerdeverbesserung jedoch verzichtet,  da der in 
Spanisch  verfassten  Beschwerdeeingabe  genügend  klare, 
sinngemässe Rechtsbegehren und deren Begründung zu entnehmen 
sind  und  ohne  weiteres  darüber  befunden  werden  kann.  Der 
vorliegende  Entscheid  ergeht  hingegen  in  deutscher  Sprache  (vgl. 
Art. 33a Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG).

1.4 Die  Beschwerde  ist,  abgesehen vom sprachlichen Mangel,  frist- 
und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die 
angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwür-
diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 
daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG 
i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1,  50  und  52  VwVG).  Auf  die 
Beschwerde ist einzutreten.

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2.
Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wird  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet. 

3.
3.1 In  formeller  Hinsicht  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  gemäss 
Art. 19  AsylG ein  Asylgesuch  im Ausland bei  einer  schweizerischen 
Vertretung gestellt werden kann, welche es mit einem Bericht an das 
Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Ver-
tretung führt  mit  der asylsuchenden Person in der Regel eine Befra-
gung durch (Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 
über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, 
so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefordert, ihre 
Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Das Bun-
desverwaltungsgericht  hat  in  Auslegung  dieser  Bestimmungen  in 
BVGE 2007/30 erkannt, dass sich die Unmöglichkeit einer Befragung 
aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen Gründen  bei  der  je-
weiligen Vertretung, aus faktischen Hindernissen im betreffenden Land 
oder aus bei der asylsuchenden Person liegenden persönlichen Grün-
den ergeben kann (BVGE a.a.O. E. 5.2 und 5.3). Da die Anhörung der 
Sachverhaltserstellung sowie der Gewährung des rechtlichen Gehörs 
dient (BVGE a.a.O. E. 5.5), ist die asylsuchende Person bei gegebener 
Unmöglichkeit  einer  Anhörung  unter  Hinweis  auf  ihre  Mitwirkungs-
pflicht  in einem individualisierten Schreiben mittels konkreter  Fragen 
aufzufordern,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten;  ein  standardi-
siertes Schreiben vermag diesen Anforderungen in aller Regel nicht zu 
genügen (BVGE a.a.O. E. 5.4). Allerdings kann sich eine Befragung 
beziehungsweise  eine  schriftliche  Sachverhaltsabklärung  erübrigen, 
wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs 
als entscheidreif erstellt erscheint; der asylsuchenden Person ist aber 
diesfalls immerhin im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu 
geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid zumindest 
schriftlich  zu  äussern  (BVGE  a.a.O.  E.  5.7).  Schliesslich  ist  das 
Bundesamt in jedem Fall gehalten, das Absehen von einer Befragung 
in der Verfügung über das Asylgesuch zu begründen (BVGE a.a.O. E. 
5.6 sowie 5.7).

3.2 Im vorliegenden Fall wurde der Beschwerdeführer weder von der 
schweizerischen Vertretung in Bogota zu seinem Asylgesuch befragt, 
noch wurde er mittels eines individualisierten Schreibens zur weiteren 
Konkretisierung  seiner  Asylgründe  aufgefordert.  Der  ihm  von  der 

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Vertretung zugestellte Fragebogen genügt den oben erwähnten Anfor-
derungen an eine schriftliche Sachverhaltsabklärung nicht, da er aus-
schliesslich Fragen zu persönlichen Lebensdaten, Sprachkenntnissen, 
Auslandaufenthalten  beziehungsweise  Kontakten  zu  ausländischen 
Botschaften  und  verwandtschaftlichen  Beziehungen  ausserhalb  Ko-
lumbiens  enthält;  diese  Fragen  sind  zwar  für  die  Beurteilung  eines 
Asylgesuches  aus  dem  Ausland  durchaus  von  Belang  (vgl.  dazu 
nachfolgend E. 3.2),  stehen jedoch in keinem direkten Bezug zu den 
eigentlichen  Asylgründen.  Angesichts  der  ausführlichen  schriftlichen 
Begründung  des  Asylgesuches  sowie  der  gleichzeitig  eingereichten 
Beweismittel,  aus  welchen  sich  insgesamt  alle  entscheidrelevanten 
Informationen  in  Bezug  auf  die  Urheber  und  die  Aktualität  der 
Verfolgung sowie die vom Beschwerdeführer unternommenen Schritte 
zum Erhalt innerstaatlichen Schutzes ergeben, erscheint indessen der 
rechtserhebliche  Sachverhalt  genügend  abgeklärt,  so  dass  auf  eine 
Befragung  beziehungsweise  eine  schriftliche  Aufforderung  zur 
weiteren Konkretisierung der Angaben verzichtet werden kann.

Nach  der  obenstehend  zitierten  Rechtsprechung  des Bundesverwal-
tungsgerichts hätte das BFM bei dieser Sachlage indessen einerseits 
dem Beschwerdeführer Gelegenheit geben müssen, sich zum abzuse-
henden negativen Entscheid zu äussern, und andererseits in der Ver-
fügung vom 9. November  2006 den Verzicht  auf  eine  Befragung be-
gründen  müssen.  Die  Nichtbeachtung  dieser  Grundsätze  stellt  eine 
Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, welche angesichts dessen for-
meller  Natur  grundsätzlich  zur  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfü-
gung  führen  würde  (BVGE  2008/14  E. 4.1  S. 185,  BVGE  2007/30 
E. 8.2 S. 371 mit weiteren Hinweisen, BVGE 2007/27 E. 10.1 S. 332).

In  Bezug  auf  den  vorliegenden  Einzelfall  ist  indessen  festzustellen, 
dass  zunächst  die  ARK  und  seit  dem  1. Januar  2007  auch  das 
Bundesverwaltungsgericht als deren Nachfolgeorganisation die Praxis 
des Bundesamtes im Zusammenhang mit der Frage der Anhörung von 
asylsuchenden  Personen,  welche  ihr  Asylgesuch  bei  einer 
schweizerischen  Vertretung  im  Ausland  stellten,  nie  gerügt  hat. 
Aufgrund des Urteils BVGE 2007/30 vom 27. November 2007 ist das 
bisherige Vorgehen des Bundesamtes zwar als nicht rechtskonform zu 
bezeichnen; die Vorinstanz ist aufgrund der gesetzlichen Bestimmun-
gen gehalten, das rechtliche Gehör zu gewähren. Die Aufhebung eines 
Entscheides des BFM, vor dessen Ausfällung das Bundesamt diesem 
Erfordernis  nicht  nachgekommen  ist,  erscheint  allerdings  dennoch 

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nicht  in  jedem Fall  zwingend. Namentlich  in  Fällen,  in  welchen  das 
BFM den erstinstanzlichen Entscheid betreffend die Fragen der Einrei-
sebewilligung und des Asyls  vor  Bekanntsein  des genannten Urteils 
des  Bundesverwaltungsgerichts  getroffen  hat,  kann es  angezeigt  er-
scheinen, den Verfahrensmangel zu heilen (vgl. dazu Entscheidungen 
und Mitteilungen der Asylrekurskommission [EMARK] 1999 Nr. 3 E. 3c 
S. 20 f.; vgl. zur Praxis des Bundesverwaltungsgerichts betreffend die 
Frage der Heilung von Verfahrensmängeln BVGE 2007/30 E. 8.2 und 
im gleichen Sinne auch BVGE 2007/27 E. 10.1 S. 332, wobei gemäss 
diesem Entscheid eine Heilung die Ausnahme bleiben soll), sofern auf-
grund der Akten davon ausgegangen werden kann, dass der asylsu-
chenden  Person  in  materieller  Hinsicht  kein  Nachteil  erwachsen  ist, 
Diese  Voraussetzung  ist  gegeben,  wenn  der  entscheidwesentliche 
Sachverhalt aufgrund der schriftlichen Begründung des Asylgesuches 
und allfälliger Beweismittel als hinreichend erstellt zu erachten ist und 
der asylsuchenden Person zumindest auf Beschwerdeebene die Mög-
lichkeit offenstand, sich nochmals einlässlich zu ihren Asylgründen zu 
äussern.

3.3 Im  vorliegenden  Fall  sind  die  Voraussetzungen  für  eine  Heilung 
der festgestellten Verletzung des rechtlichen Gehörs erfüllt; die Verfü-
gung des BFM datiert vom 9. November 2006, mithin einem Zeitpunkt 
vor dem Entscheid BVGE 2007/30, und der rechtserhebliche Sachver-
halt  ist  angesichts der Aktenlage – wie in E. 2.2 ausgeführt – als er-
stellt zu bezeichnen. Ferner hatte der Beschwerdeführer im vorliegen-
den Beschwerdeverfahren Gelegenheit, seine Asylgründe erneut aus-
führlich darzulegen. Bei  dieser  Sachlage besteht  einerseits  kein An-
lass zu weiter gehenden Sachverhaltsabklärungen und ist andererseits 
von einer Kassation der angefochtenen Verfügung abzusehen, mithin 
in materieller Hinsicht zu prüfen, ob das BFM dem Beschwerdeführer 
zu Recht  die Einreise in  die Schweiz verwehrt  und sein Asylgesuch 
abgewiesen hat.

4.
4.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 
Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Abklä-
rung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im 

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Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land 
auszureisen.

4.2 Die Voraussetzungen zur Erteilung einer Einreisebewilligung sind 
grundsätzlich  restriktiv  zu  umschreiben,  wobei  den  Behörden  ein 
weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen 
Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  sind  namentlich  die 
Beziehungsnähe zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung 
durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, 
die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  an-
derweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- 
und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. die weiter-
hin zutreffende Praxis der ARK in EMARK 1997 Nr. 15, insbesondere 
S. 131 ff., welche angesichts bloss redaktioneller Änderungen bei der 
letzten  Totalrevision  des  Asylgesetzes  nach  wie  vor  Gültigkeit  hat). 
Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei 
die  Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen Personen (vgl. EMARK 1997 
Nr. 15 E. 2c S. 130),  mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefähr-
dung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft  gemacht wird und ob der 
Verbleib  am Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung 
zugemutet werden kann.

5.
5.1 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, 
der Beschwerdeführer habe in seinem Gesuch keine besonders nahen 
Beziehungen  zur  Schweiz  geltend  gemacht,  und  es  ihm zuzumuten 
sei,  in  einem anderen  Land  um  Asylgewährung  nachzusuchen  (vgl. 
Art. 52  Abs. 2  AsylG).  So  sind  beispielsweise  die  Nachbarstaaten 
Brasilien,  Ecuador,  Panama  und  Peru  Vertragsparteien  sowohl  des 
Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 
als  auch  des  betreffenden  Zusatzprotokolls  vom  31. Januar  1967; 
Venezuela wiederum hat zwar das Abkommen selbst  nicht  ratifiziert, 
wohl  aber  das  Protokoll.  Diese  Länder  verfügen  mit  Ausnahme 
Venezuelas über ein eigenes, gesetzlich geregeltes Verfahren zur An-
erkennung von Flüchtlingen. Zudem halten sie sich  gemäss den Er-
kenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  grundsätzlich  an  das 
Gebot  des  Non-Refoulement  von  Art. 33  FK,  auch  wenn  als  Ein-
schränkung festgestellt werden muss, dass es in den Grenzgebieten – 
insbesondere denjenigen zu Panama und Venezuela – in den letzten 
Jahren zu unkontrollierten Rückschiebungen durch die Grenzbehörden 

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gekommen ist. Für die praktische Möglichkeit und die Zumutbarkeit der 
anderweitigen  Schutzsuche  spricht  im  Weiteren  die  Möglichkeit  der 
visumsfreien  Einreise  nach  Brasilien,  Ecuador  und  Peru  sowie  der 
Umstand,  dass  jährlich  mehrere  tausend  kolumbianische  Staats-
angehörige in den Nachbarländern – namentlich in Ecuador – um Asyl 
ersuchen und dort  zu  einem beträchtlichen Teil  auch tatsächlich  als 
Flüchtlinge  anerkannt  werden.  Insgesamt  ergeben  sich  keine 
Anhaltspunkte,  die  darauf  schliessen  liessen,  es  sei  dem 
Beschwerdeführer praktisch unmöglich oder objektiv unzumutbar, sich 
in  einen  anderen  Staat,  insbesondere  einen  der  Nachbarstaaten 
Kolumbiens, zu begeben (vgl. EMARK 2004 Nr. 20 sowie 1997 Nr. 15, 
E. 2 f, S. 132). Dies umso mehr, als aus den Akten ersichtlich ist, dass 
es  sich  beim  Beschwerdeführer  nicht  um  eine  landesweit  bekannte 
Persönlichkeit  handelt,  die  aufgrund  ihrer  besonders  exponierten 
Stellung auch bei  einer Flucht  ins nahe Ausland befürchten müsste, 
weiterhin  verfolgt  zu  werden.  Unbehelflich  ist  schliesslich  das 
Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  wonach  sein  Bruder  im 
September 2006 gefoltert  und ermordet  worden sei,  handelt  es sich 
doch dabei  um eine durch nichts  gestützte,  blosse Behauptung des 
Beschwerdeführers.

5.2 Bei dieser Sachlage kann letztlich offen bleiben, ob sich der Be-
schwerdeführer und seine Familie den Bedrohungen durch die Gueril-
lagruppen  allenfalls  durch  eine  innerstaatliche  Wohnsitzverlegung 
entziehen könnte.

5.3 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass der 
Beschwerdeführer aufgrund der Akten über keine Beziehungsnähe zur 
Schweiz verfügt, hingegen die Möglichkeit der anderweitigen Schutz-
suche  hat.  Unter  diesen  Umständen  hat  die  Vorinstanz  dem  Be-
schwerdeführer  zu  Recht  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ver-
weigert und das Asylgesuch abgewiesen.

6.
Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten von Fr. 600.-- 
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG); aus ver-

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E-136/2007

waltungsökonomischen  Gründen  wird  indessen  in  Anwendung  von 
Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2) auf die Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

3.
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, die schweizerische Ver-
tretung in Bogota und das BFM.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Regula Schenker Senn Rudolf Raemy

Versand:

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