# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5b4d5605-1281-5d71-8311-2c6ece3838a9
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-31
**Language:** de
**Title:** Lege artis festgestellte Depression als eigenständiger invalidisierender Gesundheitsschaden; befristeter Rentenanspruch; Eingliederungsmassnahmen bei über 55-jähriger Versicherter sind zu prüfen; Gutheissung betreffend Rente; Rückweisung betreffend Eingliederungsmassnahmen.
**Docket/Reference:** IV.2024.00091
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00091.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00091
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Käch
Sozialversicherungsrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Tiefenbacher
Urteil
vom
31. Mai 2024
in Sache
n
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Peter Egli
Rechtsanwälte Pfau und Egli
Stadthausstrasse 12, Postfach 2197, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1964, arbeitete
zuletzt in einem Pensum
von
80 % (Urk. 8/19 S. 3 unten) als Mitarbeiterin Küche
im Alters- und
Spitex
zentrum
Y.___
(Urk. 8/19 S. 3 oben).
Am
4.
Oktober 2021 meldete sie sich unter Hinweis auf eine schwere depressive Episode zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an (Urk. 8/24).
Nach medizinischen und erwerbli
chen Abklärungen verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/34), mit Verfügung vom 3. Juni 2022 den Anspruch der Versicherten auf Leistungen (Urk. 8/35). Die dagegen am 12. Juli 2022 erhobene Beschwerde (Urk. 8/36/3-6) hiess das Sozial
versicherungsgericht mit Urteil vom 24. November 2022 im Prozess Nr. IV.2022.00382 in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache an die IV-Stelle zu ergänzenden Abklärungen und Neuentschei
dung zurückwies (Urk. 8/39 = Urk. 8/44).
In der
F
olge holte die IV-Stelle
Berichte bei den behandelnden Ärzte
n
(Urk. 8/47 und Urk. 8/54/1-6) sowie ein psychiatrische
s
Gutachten (Urk. 8/64) ein. Nach Rücksprache mit dem regionalen
ärztlichen
Dienst (RAD; Urk. 8/65 S. 5 f.) ver
neinte sie
nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/66,
Urk.
8/74,
Urk.
8/76)
mit Verfügung vom 3.
Januar
202
4
einen
Anspruch
der Versicherten
auf Leistungen erneut (Urk. 8/
77
= Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 3.
Januar
202
4
(Urk. 2) erhob die Versicherte am 7. Februar 2024 Beschwerde (Urk. 1)
mit dem Antrag
(S. 2),
in Aufhebung der angefochtenen Verfügung (
Ziff.
1)
sei
die IV-Stelle zu verpflichten, ihr eine befristete ganze Invalidenrente von Mai 2022 bis März 2023 auszurichten (Ziff. 2), eventuell ergänzende psychiatrische Abklärungen vorzunehmen (Ziff. 3), sowie Eingliederungsmassnahmen zu prüfen (Ziff. 4). In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Durchführung einer öffentlichen Verhandlung (Ziff. 5) sowie um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (Ziff. 6)
. Mit Beschwerdean
twort vom 14. März 2024 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin am 27. März 2024 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein Renten
anspruch entstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstandener Rentenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Auf Grund der im
Oktober 2021
anhängig gemachten Anmeldung bei der Invali
denversicherung könnten allfällige Leistungen frühestens ab April 2022 ausge
richtet werden (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
In dieser übergangsrechtlichen Konstel
lation ist die seit 1. Januar 2022 geltende Rechtslage massgebend, die im Folgenden
soweit nichts anderes vermerkt ist
jeweils in dieser Version wie
dergegeben, zitiert und angewendet wird.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die
Annahme einer Invalidität setzt stets ein medizinisches Substrat voraus, das (fach-) ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und die Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit nachgewiesenermassen wesentlich beeinträchtigt (Urteile des Bundesge
richts 8C_43/2023 vom 29. November 2023 E. 5.1 und 8C_544/2022 vom 3. März 2023 E. 2.4). Der im Hinblick auf Rentenleistungen der Invalidenversicherung geltende enge (bio-psychische) Krankheitsbegriff klammert soziale Faktoren so weit aus, als es darum geht, die für die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit kau
salen versicherten Faktoren zu umschreiben. Die funktionellen Folgen von Gesundheitsschädigungen werden hingegen auch mit Blick auf psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren abgeschätzt, welche den Wirkungsgrad der Folgen einer Gesundheitsschädigung beeinflussen (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1 mit Hinweisen). Soweit soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen zei
tigen, bleiben sie ausgeklammert, gilt es doch sicherzustellen, dass gesundheitlich bedingte Erwerbsunfähigkeit zum einen (Art. 4 Abs. 1 IVG) und nicht versicherte Erwerbslosigkeit oder andere belastende Lebenslagen zum andern nicht ineinan
der aufgehen (BGE 141 V 281 E. 4.3.3 mit Hinweis auf BGE 127 V 294 E. 5a; vgl. auch BGE 143 V 409 E. 4.5.2). Psychosoziale Belastungsfaktoren können jedoch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie zu einer ausgewiesenen Beeinträchtigung der psychischen Integrität als solcher führen, welche ihrerseits eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirkt, wenn sie einen verselbständig
ten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner Folgen verschlimmern (Urteile des Bundesgerichts 8C_213/2022 vom 4. August 2022 und 9C_311/2021 vom 23. September 2021 E. 4.2, je mit Hinweisen). Praxisge
mäss spielt es keine Rolle, dass psychosoziale oder soziokulturelle Umstände bei der Entstehung einer Gesundheitsschädigung einen wichtigen Einfluss gehabt hatten, sofern sich inzwischen ein eigenständiger invalidisierender Gesundheits
schaden entwickelt hat (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_105/2023 vom 10. Juli 2023 E. 5.1 mit Hinweisen). Eine krankheitswertige Störung muss umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren das Beschwerdebild mitprägen (Urteil des Bundesgerichts 8C_43/2023 vom 29. November 2023 E. 5.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Eine Rente nach Abs. 1 wird nicht zugesprochen, solange die Möglichkeiten zur Eingliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1
bis
und 1
ter
nicht ausgeschöpft sind (Art. 28 Abs. 1
bis
IVG). Gemäss Art. 28b Abs. 1 IVG wird die Höhe des Rentenan
spruchs in prozentualen Anteilen an einer ganzen Rente festgelegt. Bei einem Invaliditätsgrad von 50-69 % entspricht der prozentuale Anteil dem Invaliditäts
grad (Abs. 2). Bei einem Invaliditätsgrad
ab
70 % besteht Anspruch auf eine
ganze Rente (Abs. 3). Bei einem Inv
aliditätsgrad unter 50 % gelten
die folgenden prozentualen Anteile (Abs. 4):
Invaliditätsgrad
prozentualer Anteil
49 Prozent
47.5
Prozent
48 Prozent
45
Prozent
47 Prozent
42.5
Prozent
46 Prozent
40
Prozent
45 Prozent
37.5
Prozent
44 Prozent
35
Prozent
43 Prozent
32.5
Prozent
42 Prozent
30
Prozent
41 Prozent
27.5
Prozent
40 Prozent
25
Prozent
1.5
Die rückwirkende Zusprache einer in der Höhe abgestuften und/oder zeitlich befristeten Invalidenrente richtet sich grundsätzlich nach denselben Regeln wie die Revision eines bestehenden Rentenanspruchs nach Art. 17 Abs. 1 ATSG (BGE 148 V 321 E. 7.3.1, 145 V 209 E. 5.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_142/2023 vom 18. September 2023 E. 3.3.1).
Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit dem
jenigen im – nach Massgabe des ana
log anwendbaren Art. 88a Abs. 1
IVV fest
zusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis
).
1.6
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sog. Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3
m.w.H
.).
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
tur
ierten Beweisverfahren nach BGE
141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderu
ng der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E.
4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E
. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem struktur
ierten Beweisverfahren nach BGE
141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fa
chärztlicher Berichte (vgl. BGE
125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemesse
n werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E.
7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressi
ven Störung auszugehen ist, die nicht schon als chronifiziert gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines struk
turierten Bew
eisverfahrens (BGE 143 V 409 E.
4.5.3; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_580/20
17 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
2.
2.1
Gestützt auf die Stellungnahme der Kundenberatung (KB; vgl. Feststellungsblatt vom 31. Oktober 2023, Urk. 8/65 S.
6
Mitte) verneinte die Beschwerdegegnerin den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung mit der Begründung (Urk. 2), aufgrund der Diagnose handle es sich um eine vorübergehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, die nicht schwer oder anhaltend genug sei, um die Kriterien einer Invalidenrente zu erfüllen. Die voll
ständige Krankschreibung sei zwar nachvollziehbar, beziehe sich aber auf den letzten Arbeitsplatz. Durch die Aufnahme einer geeigneten Tätigkeit könnte die Beschwerdeführerin ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen (S. 1 unten f.).
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein (Urk. 1), gemäss dem Gutachten von
Dr.
Z.___
(vgl. nachfolgende E. 3.
4
) sei sie bis Ende März 2023 für sämtliche Tätigkeiten - auch bei einem anderen Arbeitgeber - vollständig arbeitsunfähig gewesen, und es sei ihr erst ab 1. April 2023 wieder eine 80%ige Arbeitsfähigkeit zumutbar (S. 4 Ziff. 6).
Der Gutachter habe klargestellt, dass nicht alleine psy
chosoziale Belastungsfaktoren den psychischen Gesundheitsschaden unterhiel
ten, sondern dass es sich bei der Depression um einen verselbständigten Gesund
heitsschaden handle. Es habe nicht einzig eine vorübergehende arbeitsplatzbezogene Arbeitsunfähigkeit bestanden und der psychische Gesund
heitsschaden sei nicht allein durch psychosoziale Belastungsfaktoren unterhalten worden (S. 5 Ziff. 8). Auch der behandelnde Psychiater (vgl. nachstehende E. 3.
2
) habe festgehalten, dass die Krankheit nicht arbeitsplatzbezogen
und die depres
sive Störung nicht einzig auf psychosoziale Belastungsfaktoren zurückzuführen sei, sondern einen eigenständigen Krankheitswert habe (S. 5 f. Ziff. 9). Ab dem 26. Mai 2021 sei sie zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Ab 1. April 2023 sei ihr eine 80%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden. Ab 1. Mai 2022 bis 31. März 2023 habe sie somit Anspruch auf eine befristete ganze Rente (S. 6 f.
Ziff.
10-12). Sowohl der behandelnde Arzt als auch der Gutachter befürworteten Eingliede
rungsmassnahmen, welche zu prüfen seien (S. 7 Ziff. 13).
2.3
Streitig und zu prüfen ist
der
Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf Leistungen
der Invalidenversicherung, namentlich auf eine Rente
und Eingliederungsmass
nahmen
,
und insbesondere, ob sie an einem leistungsbegründenden, invaliden
versicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden litt.
3.
3.1
Das Gericht hielt mit Urteil vom 2
4.
November 2022 (Urk. 8/39 = Urk. 8/44) fest,
es könne nicht schlüssig nachvollzogen werden, dass die depressive Entwicklung nur zu einer vorübergehenden Arbeitsfähigkeit geführt haben soll und allein psy
chosoziale Belastungsfaktoren den psychischen Gesundheitsschaden unterhiel
ten. Der
S
achverhalt erweise sich als nur ungenügend abgeklärt, weshalb die Sache zu ergänzenden Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei (E. 4.4). In der Folge holte die Beschwerdegegnerin die nachfolgenden Berichte ein
:
3.2
3.2.1
Gemäss Bericht von
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, vom 17. März 2023 (Urk. 8/47) leidet die Beschwerdeführerin an einer depressiven Störung, anfänglich schwere Episode
, aktuell mittelgradige bis eher selten schwere Episode
(ICD-10: F32.1 bis 32.2) nach erlebter Mobbingsitu
ation am Arbeitsplatz nach 15-jähriger Tätigkeit (S. 3 unten). In der Zwischenzeit habe sich das seelische Zustandsbild kaum verändert. Sie leide weiterhin unter Schlaf- und Antriebsstörungen, Freud- und Lustlosigkeit sowie unter Rückzugs
tendenz. Weiterhin sei der Kontakt mit der freundlichen Beschwerdeführerin problemlos herstellbar. Sie könne sich gut ausdrücken. Mimik und Gestik seien am Anfang eingeschränkt gewesen. Die Weinanfälle, die sie nicht steuern könne, seien etwas seltener geworden. Die neurotische Störung, bei der sie sich bestän
dig, insbesondere nachts, an den Häutchen der Fingernägel verletze, bestehe wei
terhin.
Weil sie unter Antriebsstörungen leide, besuche ihre
Tochter sie weiterhin regelmässig und helfe
ihr
, den Haushalt zu führen
.
Aufgrund des Alters und der erlittenen seelischen Verletzung könne sich die Beschwerdeführerin nicht mehr vorstellen, vollzeitig zu arbeiten
(S. 3)
. Es bestehe aus psychiatrischer Sicht für sämtliche Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit. Ab 1. April 2023 sei sie im geschützten Rahmen versuchsweise zu 20 % arbeitsfähig
(S. 4)
.
3.2.2
Am 1. Februar 2024 hielt
Dr.
A.___
fest
(
Urk.
3)
, die Beschwerdeführerin habe nach einer doch sehr langen Tätigkeit an demselben Arbeitsplatz eine tiefe Krän
kung durch einen Vorgesetzten erlitten. Dieser Konflikt habe bereits im Jahre 2017 begonnen. Die depressive Störung sei jedoch nicht einzig auf diesen Kon
flikt zurückzuführen, sondern sei eine eigenständige Krankheit, welche diverse Gründe habe. Die sch
w
ere, später mittelgradige bis schwere depressive Störung habe sehr lange angehalten.
Die
Aufnahme einer Arbeit, auch an einem anderen Arbeitsplatz
,
sei für sämtliche Tätigkeiten zu dieser Zeit undenkbar gewesen (S. 1).
3.3
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Rheumato
logie, berichtete am 29. Juni 2023 (Urk. 8/54/1-6), die Beschwerdeführerin habe an
einer
zunehmende
n
physische
n
und psychische
n
Dekompensation gelitten, besonders auch durch den Druck an der Arbeitsstelle (S. 2 Ziff. 2.1). Aktuell stehe sie in psychiatrischer Behandlung (S. 2 Ziff. 2.2). Die Prognose sei schlecht (S. 3 Ziff. 2.7).
3.4
Dr.
med.
Z.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte im
von der Beschwerdegegnerin veranlassten
Gutachten vom 5. Oktober 2023 (Urk. 8/64)
folgende Diagnosen (S. 22 Ziff. 6.3):
-
chronifizierte leichte affektive Störung/depressive Verstimmung bei Sta
tus nach Mobbing und Arbeitsplatzverlust im Sinne einer Dysthymie (ICD-10: F34.1)
-
anamnestisch Status nach mittelgradiger
bis schwerer depressiver Episode
, gegenwärtig weitgehend remittiert (ICD-10: F32.4)
Seit 2018 werde eine depressive Entwicklung beschrieben. Aktuell bestehe noch ein leichtes depressives Syndrom im Sinne einer Dysthymie. Vom behandelnden Psychiater sei anamnestisch zusätzlich eine mittelgradige bis schwere depressive Episode diagnostiziert worden, welche unter adäquater Behandlung zwischen
zeitlich weitgehend remittiert sei. Im Längsverlauf sei von einer Kombination einer Dysthymie und depressiven Episode (double
depression
)
auszugehen (S. 22 oben)
.
Die Beschwerdeführerin habe erstmals im 2018 eine psychiat
risch/psychotherapeutische Behandlung aufgenommen. Dies nach depressiver Dekompensation bei Druck/Mobbing am Arbeitsplatz und sekundärem Arbeits
platzkonflikt. Nach vorübergehender Krankschreibung habe sie die Tätigkeit wie
der aufnehmen können. Die psychotherapeutische Behandlung sei gemäss Anga
ben der Beschwerdeführerin auch im Intervall zwischen den beiden Dekompensationen fortgesetzt worden. Im
Jahre
2021 sei ein erneuter Arbeits
platzkonflikt mit depressiver Dekompensation aufgetreten.
Dr.
A.___
(E. 3.2) habe eine im Verlauf im Ausprägungsgrad fluktuierende, mittelgradige bis pha
senweise schwere depressive Episode diagnostiziert. Es sei eine soweit beurteilbar adäquate antidepressive Behandlung verordnet worden. Es sei trotz im Verlauf beschriebener fehlender Veränderung kein Medikationswechsel erfolgt und
trotz des phasenweise beschriebenen schweren depressiven Syndroms
seien
keine sta
tionären oder teilstationären Behandlungen eingeleitet worden.
Bei der aktuellen gutachterlichen Untersuchung habe sich maximal noch ein leichtes depressives Syndrom im Sinne einer Dysthymie feststellen lassen (S. 22 Ziff.
7.1).
Aus psychiatrischer Sicht könnte die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätig
keit als Küchenmitarbeiterin während 8 Stunden pro Tag in wohlwollendem Umfeld arbeiten (S. 23
Ziff.
8
Mitte
i.V.m
S. 24 oben). Es bestehe eine leichte Einschränkung aufgrund der
Dekonditionierung
und der leichten Restdepressivi
tät von zirka 20 %. Die Arbeitsfähigkeit betrage damit 80 %. Die Einschätzung gelte ab dem Untersuchungszeitpunkt
(S. 23 Mitte und S. 24 Mitte)
.
Aufgrund der Konfliktsituation in Kombination mit der depressiven Entwicklung sei die vollständige Krankschreibung bezogen auf den letzten Arbeitsplatz nach
vollziehbar.
Eine retrograde Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei einem anderen Arbeitgeber sei aufgrund der mageren Dokumentation nur annäherungsweise möglich. Die Beschwerdeführerin beschreibe eine Verbesserung der depressiven Symptomatik seit April 2023, der behandelnde Psychiater habe ab April 2023 eine Teilarbeitsfähigkeit attestiert. Überwiegend wahrscheinlich s
ei
mit
Dr.
A.___
davon auszugehen, dass bis Ende März 2023 in jeder Tätigkeit eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe (S. 23
unten
Ziff. 8).
3.5
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie, RAD, empfahl am 10. Oktober 2023, auf das Gutachten von
Dr.
Z.___
(E. 3.4) abzustellen, welches die formalen Qualitätskriterien erfülle und in den medizinischen Schlussfolgerungen plausibel und nachvollziehbar sei (Urk. 8/65 S. 5 unten).
4.
4.1
Laut
Dr.
Z.___
litt die Beschwerdeführerin
im Begutachtungszeitpunkt lediglich
noch an
eine
r
chronifizierte
n
leichte
n
affektive Störung/depressive Verstimmung
, welche sie sowohl in der ursprünglichen Tätigkeit als auch in jeder anderen Tätigkeit zu 20 % in der Arbeitsfähigkeit einschränkt
(vorstehende E. 3.4)
. Dies
bestreitet die Beschwerdeführerin auch nicht, machte aber geltend, dass sie bis
April 2023 wegen
einer depressiven Störung unterschiedlichen Ausmasses
voll
ständig arbeitsunfähig gewesen sei (
vgl. vorstehende E.
2.2
).
Entgegen der
Annahme
der Beschwerdegegnerin lässt sich die von
Dr.
A.___
diagnostizierte schwere bis mittelgradige depressive Störung nicht bereits deshalb als invaliditätsfremd bezeichnen, weil sie auf psychosoziale Faktoren zurückge
führt werden kann. Sobald die entsprechende Diagnose lege artis gestellt wird und der Psychiater oder die Psychiaterin nicht
bloss
Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, sondern verselbständigte psychische Stö
rungen diagnostiziert, liegt vielmehr ein invalidenversicherungsrechtlich poten
ziell relevanter psychischer Gesundheitsschaden vor (BGE 127 V 294 E. 5a). Dass vorliegend
bloss
in psychosozialen und soziokulturellen Umständen aufgehende Befunde vorliegen,
begründete die Beschwerdegegnerin nicht näher.
Vielmehr setzt
e sie
sich damit klar in Widerspruch zu den fachärztlichen Beurteilungen und damit auch zu denjenigen des eigenen medizinischen Dienstes.
Sie ist in diesem Zusammenhang daran zu erinnern, dass es
in einer versicherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorgaben der Rechtsprechung
orientiert, zwar nicht nur zulässig, sondern sogar geboten ist, invalidenversiche
rungsrechtlich nicht relevante Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszuklammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1). Soziale Belastungen sind aber nicht vorab und losgelöst von der
Indikatorenprüfung
, sondern in deren Rahmen im Gesamtkontext zu würdigen (Urteil des Bundesgerichts 8C_105/2023 vom 10. Juli 2023 E. 5.1). Mithin sind die betreffenden Umstände und ihre Entwicklung als Ressourcen oder Belastungsfaktoren in den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» (BGE 141 V 281 E. 4.3.2 f.) zu bewerten (Urteil des Bundesge
richts 8C_43/2023 vom 29. November 2023 E. 5.2 mit Hinweisen).
4.2
Dr.
Z.___
(E. 3.4) führte aus
,
dass
die Beschwerdeführerin an Gedankenkreisen, Freud- und Lustlosigkeit
sowie
Angst, verbunden mit Herzrasen gelitten
habe
und der Antrieb sei vermindert gewesen. Zeitweise habe
sie
auch Suizidgedanken gehabt. Weiter habe sie unter Schlafstörungen gelitten
(
Urk.
8/64
S. 8-9). Aktuell sei die Grundstimmung hintergründig leicht niedergeschlagen, aber auslenkbar. Der Schlaf sei wieder besser, es bestehe eine Einschlaflatenz von zirka 30 Minu
ten
.
Frühe
r
habe die Beschwerdeführerin phasenweise nächtelang überhaupt nicht mehr geschlafen.
A
ktuell könne sie zirka 3-4 Stunden schlafen, wache aber oft um 2 oder 3 Uhr auf und könne nicht mehr weiterschlafen. Die App
e
titver
minderung sei aktuell wieder etwas besser und sie habe wieder zugenommen (S. 15).
Dr.
A.___
beschrieb Schlaf- und Antriebsstörungen, Freud- und Lust
losigkeit sowie eine Rückzugstendenz
(E. 3.2.1)
.
Nach dem Gesagten ist bei der Beschwerdeführerin vom Vorliegen einer fachärzt
lich schlüssig festgestellten, verselbständigten psychischen Störung auszugehen, die sich in erheblichem Masse auf ihre Arbeitsfähigkeit auswirkt
e
. Ist eine ver
selbständigte psychische Störung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
fachärztlicherseits
schlüssig festgestellt, so ist es unerheblich, ob invaliditäts
fremde psychosoziale Belastungsfaktoren zum Gesundheitsschaden geführt haben. Namentlich
schliesst
der Umstand, dass ein Gesundheitsschaden nach dem Auftreten von Belastungsfaktoren eingetreten ist, nicht aus, dass der Gesund
heitsschaden invalidenversicherungsrechtlich von Relevanz ist (vgl. vorstehend E. 1.
3
).
Des Weiteren ist anzumerken, dass vorliegend
gemäss
dem Gutachter
(E. 3.
4
)
eine
adäquate antidepressive Behandlung verordnet worden sei. Zwar trat im Verlauf vorerst keine Veränderung ein, mit der Zeit allerdings verbesserte sich der Gesundheitszustand dermassen, dass der Beschwerdeführerin im Gutachtenszeit
punkt die ursprüngliche und jede andere Tätigkeit im Umfang von 80 %
wieder
zumutbar war.
Entsprechend erachtete RAD-Arzt
Dr.
C.___
(E. 3.5)
die
Arbeitsunfähigkeit von 100 % von Juni 2021 bis März 2023 und eine solche von 20 % ab April 2023 als ausgewiesen
(
Urk.
8/65/6)
.
Insoweit die Kundenberatung sich auf den Standpunkt stellte,
gemäss
dem Gutachter beziehungsweise dem RAD liege die Diagnose einer
Dysthymia
vor
(vgl.
Urk.
8/65/6)
, ist dies zwar für den Gutachtenszeitpunkt zutreffend, nicht aber für den Zeitraum seit der Arbeits
aufgabe im Mai 2021 bis März 202
3.
Demensprechend greift auch das Argument, es handle sich um eine andauernde depressive Verstimmung, die nicht schwer oder anhaltend genug sei, um die Kriterien einer rezidivierenden depressiven Stö
rung zu erfüllen
, zu kurz.
Dr.
Z.___
ging gestützt auf die Diagnose und die Symptome davon aus, dass die Beschwerdeführerin auch bei einem anderen Arbeitgeber arbeitsunfähig gewesen wäre, womit die gesundheitliche Einschrän
kung nicht allein auf den Arbeitsplatz bezogen war.
D
ass die Beschwerdeführerin
- wie sie
selber
angegeben hat- durch die erlebte Situation am ehemaligen Arbeitsplatz immer noch
belastet
ist, mag zwar durchaus zutreffen, dass dieses Gefühl indessen alleinige Ursache für die Arbeitsunfähigkeit ist, ist damit aber nicht erstellt. Immerhin erhob
Dr.
Z.___
Symptome, die die Beschwerdeführerin an der Ausübung einer Arbeitstätigkeit hinderte
.
4.
3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgerich
t wie folgt systematisiert (BGE
141 V 281 E.
4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
(E.
4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
(E.
4.3.1)
-
Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde (E.
4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliede
rungserfolg oder -resistenz (E.
4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E.
4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnost
ik, persönliche Res
sourcen, E.
4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
(E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Ge
sichtspunkte des Verhaltens, E.
4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen verg
leich
baren Lebensbereichen (E.
4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck (E.
4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezo
gene Aspekt der Konsistenz (BGE
141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E.
7.4).
4.
4
Was den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Begut
achtung durch
Dr.
Z.___
betrifft, kann auf die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens verzichtet werden, war doch die Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit lediglich durch die
Dekonditionierung
und des nur noch leichten depres
siven Syndroms zu 20 % eingeschränkt. Dagegen ist die Plausibilität der voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit von Mai 2021 bis April 2023 mittels Indikatoren zu prüfen.
Zum Komplex der Gesundheitsschädigung
diagnostizierte der behandelnde Psy
chiater (E. 3.2) eine depressive Störung,
im Verlauf
schwere
n
und
mittelgradige
n
Ausmasses
(vgl.
auch Urk. 8/39 E.
3.1-3.3)
.
Die Ausprägung der Diagnose ergibt sich bereits mit der Beschreibung
ihres
Ausmasses
.
Dazu zu zählen auch die Darlegungen hinsichtlich der Funktionsstörungen, die sich aus den diagnostizier
ten Leiden ergeben
, wie Schlaf- und Antriebsstörung, Freud- und Lustlosigkeit, Rückzugstendenz und neurotische Störung (E. 3.2.1).
Dr.
Z.___
(E. 3.4) stellte die Diagnose nicht in Frage und kam, nachdem im Zeitpunkt der Begutachtung nur noch eine Dysthymie vorlag, zum Schluss, dass im Längsverlauf von einer Kom
bination einer Dysthymie und depressiven Episode auszugehen sei. Die
regelmäs
sige
, anfänglich wöchentlich, später vierzehntäglich stattfindende Psychotherapie sowie medikamentöse Behandlung (vgl. Urk. 8/32) deuten zudem auf einen Lei
densdruck hin.
Sodann
beleuchtete
Dr.
Z.___
Persönlichkeitsfaktoren und per
sönliche Ressourcen
und Belastungen
(
Urk.
8/64
S.
23 Ziff. 7.2
) und zum soziale
n
Kontext
legte er dar
, dass
die Beschwerdeführerin während der ausgeprägten depressiven Phase kaum mehr das Haus verlassen habe und von der Tochter intensiv bei der Haushaltsführung habe unterstützt werden müssen (S. 11 unten). Die letzte Ferienreise in die Heimat habe 2019 stattgefunden (S. 12).
Zur Konsis
tenz führte
Dr.
Z.___
aus, dass sich keine Hinweise auf Aggravation feststellen
liessen
(S. 13 Mitte).
Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich mithin anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen. Die von der Rechtsanwendung
zu prüfende Frage
, ob die medizinische Beurteilung die
massgebenden
normativen Rahmenbedingungen respektiert hat und das Leis
tungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren eingeschätzt wurde (vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist demnach im Ergebnis zu bejahen.
5.
5.1
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invali
deneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserla
ss zu berücksichtigen sind (BGE
143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174)
.
Im Rahmen von Revisionsverfahren ist der Zeitpunkt der Anpassung des Rentenanspruchs massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_486/2019 vom 18. September 2019 E. 7.4).
5.2
Die Beschwerdeführerin war nach Ablauf des Wartejahres im Mai 2022 vollstän
dig arbeitsunfähig, weshalb sie ab Mai 2022 Anspruch auf eine ganze Rente hat. Ab April 2023 war sie wieder zu 80 % arbeitsfähig. Die Verbesserung der Arbeits
fähigkeit ist damit ab Juli 2023 zu berücksichtigen
(vgl. Art. 88a Abs. 1 IVV),
und der Einkommensvergleich zur Anpassung des Rentenanspruchs hat auf das Jahr 2023 zu erfolgen
.
5.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (vgl. BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1
; vgl. auch Art. 26 Abs. 1 IVV
).
5.4
Aktenkundig ist, dass die Beschwerdeführerin bis 31. Januar 2019 in einem Voll
zeitpensum gearbeitet hat. Laut ihren A
ussagen gegenüber dem Gutachter
wurde das Arbeitsverhältnis gegen ihren Willen seitens der Arbeitgeberin auf 80 % reduziert (Urk. 8/
64 S. 8 unten)
. Aus welchen Gründen diese Reduktion
stattge
funden hat, hat die Beschwerdegegnerin nicht abgeklärt. Nachdem die Beschwer
deführerin bereits am 31. Januar 2018 wegen einer vollständigen Arbeitsunfä
higkeit ab 22. November 2017 zur Früherfassung gemeldet worden war (Urk. 8/2 S. 1 Ziff. 2) und die Beschwerdeführerin seit 4. Juni 2018 bei
Dr.
A.___
in Behandlung steht (Urk. 8/20), ist davon auszugehen, dass das Arbeitspensum aus gesundheitlichen Gründen reduziert wurde. Anzunehmen ist infolgedessen, dass die Beschwerdeführerin letztmals im Jahr 2016 ein Einkommen ohne Gesund
heitsschaden erzielte. Dieses betrug laut Auszug aus den
i
ndividuellen
Konti
(IK
Auszug) vom
13. Oktober 2021 Fr. 62’603.
(Urk. 8/28 S. 2). Unter Berücksich
tigung des Nominallohnindexes für Frauen von
100.8
Punkten im Jahr 2016 und von
107
Punkten im Jahr 202
3
(BFS, Nominallohnindex Frauen 2016-2023, T1.2.15)
ist
im Jahr 2023
von einem
Valideneinkommen
von Fr. 6
6’454
.
auszugehen.
5.5
Liegt kein anrechenbares Erwerbseinkommen vor, so wird das Einkommen mit Invalidität nach statistischen Werten nach Artikel 25 Absatz 3
IVV
bestimmt. Dabei sind rechtsprechungsgemäss grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt bezogen auf den Zeitpunkt des Rentenbeginns aktuellsten
vom Bundesamt für Statistik (BFS)
veröffentlichten Tab
ellen der
Schweizerischen Lohnstrukturerhe
bung (LSE)
zu verwenden (BGE
143 V 295 E. 4.1.3; Urteil des Bundesgerichts
8C_166/2023 vom 6. März 2024 E. 4.2 mit Hinweisen
)
. Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkre
ten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz ü
ber die Invalidenversicherung, 4. Aufl. 2022, N. 93 f.
zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5.6
Der Zentralwert
für Frauen im untersten Kompetenzniveau betrug im Jahr 2020 Fr. 4'276.
pro Monat (LSE 2020 TA1_tirage_skill_level). Unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 4
1
.7 Stunden (BFS, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen) ergibt dies unter Berücksichtigung der Entwicklung des Nominallohnindexes für Frauen von
103.6
Punkten im Jahr 2020 und
107
Punkten im Jahr 202
3
(Nominallohnindex
,
a.a.O.)
sowie unter Berücksichtigung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit ein Invalidenein
kommen von Fr. 4
4’199
.
. Gemessen am
Valideneinkommen
von Fr. 6
6’454
.
entspricht dies einer Erwerbseinbusse von Fr. 2
2’255
.
beziehungsweise einem Invaliditätsgrad von
rund
33 %.
Damit besteht ab Juli 2023 kein Anspruch mehr auf eine Invalidenrente
(vgl. vorste
hende E. 1.4)
.
6.
6.1
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Einglie
derungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung
auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der diesfalls grund
sätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbstein
gliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist (etwa bei einer stets vorhandenen, aber nicht verwerteten Restarbeitsfähigkeit; vgl. BGE 141 V 385 E. 5.3 in
fine
mit Hinweisen), wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist oder wenn sie über beson
ders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wie
der) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1, Urteil des Bundesgerichts 8C_705/2022 vom 23. August 2023 E. 7.2).
Die Rechtsprechung, wonach es bei der wiedererwägungs- oder revisionsweisen Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei zurückgelegtem 55. Altersjahr oder mehr als fünfzehn Jahre dauerndem Rentenbezug grundsätzlich Eingliederungsmassnahmen durch
zuführen gilt, findet auch dann Anwendung, wenn zeitgleich mit der
Rentenzu
sprache
über deren Befristung und/oder Abstufung befunden wird (
BGE 145 V 209
E. 5.4).
Für die Ermittlung des Eckwerts des 55. Altersjahres ist auch bei rück
wirkend befristeter und/oder abgestufter
Rentenzusprache
auf den Verfügungs
zeitpunkt abzustellen (BGE 148 V 321 E. 7.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_552/2023 vom 27. Februar 2024 E. 4.1)
.
6.2
Im Zeitpunkt der abweisenden Leistungsverfügung vom 3. Januar 2024 war die Beschwerdeführerin gut 59 Jahre alt. Gründe für eine Ausnahme vom Grundsatz der Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung sind nicht ersichtlich. Die Beschwerdegegnerin hat - die Motivation der Beschwerdeführerin vorausgesetzt (Art. 21 Abs. 4 ATSG) - Eingliederungsmassnahmen an die Hand zu nehmen.
7.
Zusammenfassend ist die Beschwerde gutzuheissen
und
die Verfügung der Beschwerdegegnerin aufzuheben mit der Feststellung, dass die Beschwerdeführe
rin von Mai 2022 bis Juni 2023 Anspruch hat auf eine ganze Rente
hat. Betref
fend Eingliederungsmassnahmen ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie solche prüfe und darüber entscheide.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens kann von einer öffentlichen Verhandlung abgesehen werden (BGE 136 I 279 E. 1 mit Hinweis auf BGE 122 V 47 E. 3b/
ee
und 3b/ff).
8
.
8
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.
festzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
8.2
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
des Geset
zes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
). Unter Berücksichtigung eines gerichtsüblichen Ansatzes von Fr. 220.
pro Stunde zuzüglich Mehrwertsteuer erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 1’500.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
8
.3
Damit erweist sich das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsver
tretung als gegenstandslos.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen, dass die Verfügung der
Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
, vom
3.
Januar 2024
aufzuheben ist mit der Feststellung, dass die Beschwerdeführerin von Mai 2022 bis Juni 2023 Anspruch hat auf eine befristete ganze Rente hat. Im Übrigen ist die Sache an die Beschwerdegegne
rin zurückzuweisen, damit sie Eingliederungsmassnahmen prüfe und darüber ent
scheide.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Parteientschä
digung von Fr.
1’500
.-- (inkl. Barauslagen und MWST) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Peter Egli
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkun
den sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensTiefenbacher