# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 52393702-25c8-5dc1-83a6-121e28082cd1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-09-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.09.2023 F-4722/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-4722-2023_2023-09-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-4722/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  S e p t e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Sebastian Kempe, 

mit Zustimmung von Richter Lorenz Noli;   

Gerichtsschreiberin Caroline Rausch. 
 

 
 

Parteien 
 1. A.______, (…) 1992, Türkei, 

2. B.______, (…) 2011, Türkei, 

3. C.______, (…) 2013, Türkei, 

4. D.______, (…) 2016, Türkei 

Beschwerdeführende,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); Verfügung des SEM 

vom 24. August 2023 / N (…). 

 

 

 

F-4722/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführenden (Mutter und deren drei Kinder) suchten am 

29. Mai 2023 in der Schweiz um Asyl nach.  

B.  

Bereits am 6. April 2023 hatte der Ehemann der Beschwerdeführerin 1 und 

Vater der Beschwerdeführenden 2-4 in der Schweiz ein Asylgesuch einge-

reicht. Mit Verfügung vom 9. Mai 2023 war die Vorinstanz auf das Asylge-

such nicht eingetreten und hatte die Wegweisung nach Österreich ange-

ordnet. Die Verfügung war am 24. Mai 2023 in Rechtskraft erwachsen. 

C.  

Am 15. Juni 2023 gewährte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin 1 in 

Anwesenheit ihrer Rechtsvertretung das rechtliche Gehör zur allfälligen 

Zuständigkeit Österreichs für die Durchführung des Asyl- und Wegwei-

sungsverfahrens, zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid, zur Weg-

weisung in diesen Dublin-Mitgliedstaat sowie zu ihrem Gesundheitszu-

stand und dem ihrer Kinder.  

D.  

Am 19. Juni 2023 gewährte die Vorinstanz der Beschwerdeführerin 1 so-

dann das rechtliche Gehör betreffend der beabsichtigen Familienzusam-

menführung und Überweisung der Beschwerdeführenden nach Österreich 

und bat sie unter Verweis auf Art. 17 Abs. 2 der Verordnung (EU) Nr. 

604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 

zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitglied-

staats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder 

Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen 

Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO), um ihre schriftliche Zu-

stimmung.  

E.  

Mit Eingabe vom 23. Juni 2023 teilte die Rechtsvertretung der Vorinstanz 

mit, dass für die Beschwerdeführerin 1 die Einheit der Familie höchste Pri-

orität habe, weshalb sie eine mögliche Zuständigkeit Österreichs für das 

Asylverfahren in Kauf nehme. Dies sei «als schriftliche Kundgabe des 

Wunsches im Sinne der Bestimmung zu verstehen».  

F.  

Ebenfalls noch am 23. Juni 2023 ersuchte die Vorinstanz die 

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Seite 3 

österreichischen Behörden um Aufnahme der Beschwerdeführenden ge-

stützt auf Art. 17 Abs. 2 Dublin-III-VO.  

G.  

Mit Schreiben vom 4. August 2023 lehnten die österreichischen Behörden 

das Ersuchen mit Hinweis auf Art. 11 Bst. a Dublin-III-VO ab. 

H.  

Am 9. August 2023 ersuchte die Vorinstanz die österreichischen Behörden 

um eine erneute Prüfung des Gesuchs, mit der Begründung, dass das Zu-

ständigkeitsverfahren für den Ehemann der Beschwerdeführerin 1 bereits 

abgeschlossen sei und deshalb Art. 17 Abs. 2 Dublin-III-VO anwendbar sei.  

I.  

Am 11. August 2023 lehnten die österreichischen Behörden das Gesuch 

vom 9. August 2023 mit Hinweis auf ihre fehlende Kenntnis des Ausgangs 

des Beschwerdeverfahrens des Ehemannes der Beschwerdeführerin 1 ge-

gen die Wegweisungsverfügung ab.  

J.  

Am 11. August 2023 teilte die Vorinstanz den österreichischen Behörden 

mit, dass die Wegweisungsverfügung rechtskräftig sei.  

K.  

Am 22. August 2023 hiessen die österreichischen Behörden das Aufnah-

meersuchen gestützt auf Art. 17 Abs. 2 Dublin-III-VO gut. 

L.  

Mit Verfügung vom 24. August 2023, eröffnet am 29. August 2023, trat die 

Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf 

das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht ein, ordnete ihre Wegwei-

sung aus der Schweiz nach Österreich an und forderte sie auf, die Schweiz 

spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleich-

zeitig wies die Vorinstanz auf die einer allfälligen Beschwerde von Geset-

zes wegen fehlende aufschiebende Wirkung hin und beauftragte den Kan-

ton E._____ mit dem Vollzug der Wegweisung.  

M.   

Am 29. August 2023 teilte die Rechtsvertretung der Vorinstanz die Beendi-

gung des Mandatsverhältnisses mit. 

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Seite 4 

N.  

Mit Eingabe vom 1. September 2023 gelangte die Beschwerdeführenden 

gegen die Verfügung vom 24. August 2023 an das Bundesverwaltungsge-

richt und beantragten, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und 

ihre Beschwerde gutzuheissen. 

O.  

Mit Eingabe vom 2. September 2023 reichte die Beschwerdeführerin 1 wei-

tere Unterlagen ein.  

P.  

Am 4. September 2023 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten in 

elektronischer Form vor und gleichentags setzte der Instruktionsrichter den 

Vollzug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 6 AsylG).  

1.2 Gemäss Art. 105 AsylG in Verbindung mit Art. 31 VGG ist das Bundes-

verwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet des 

Asyls zuständig. Es entscheidet über diese in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Die Beschwerdeführenden 

sind zur Beschwerdeanhebung legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf 

die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (vgl. 

Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

2.  

2.1 Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliess-

lich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige 

und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge-

rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

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Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2; je m.w.H.).  

3.  

Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend zu zeigen sein 

wird – als offensichtlich unbegründet. Über sie ist daher in einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-

weise einer zweiten Richterin zu befinden (Art. 111 Bst. e AsylG) und das 

Urteil ist summarisch zu begründen (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Auf die Durch-

führung eines Schriftenwechsels wurde verzichtet (Art. 111a Abs. 1 AsylG).  

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG).  

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch Art. 

7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen 

Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein 

Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).  

4.3 Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates prüft das 

SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. Führt diese Prü-

fung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des 

Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mit-

gliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf 

das Asylgesuch nicht ein (Art. 29a Abs. 1 und 2 der Asylverordnung 1 vom 

11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]; vgl. dazu BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

Gleichzeitig verfügt das SEM die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

5.  

5.1 Der Mitgliedstaat, der das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen 

Mitgliedstaats durchführt, kann, bevor eine Erstentscheidung in der Sache 

ergangen ist, jederzeit einen anderen Mitgliedstaat ersuchen, den Antrag-

steller aufzunehmen, auch wenn der andere Mitgliedstaat nach den Krite-

rien in den Art. 8 –11 und 16 nicht zuständig ist. Dies aus humanitären 

Gründen, die sich insbesondere aus dem familiären oder kulturellen 

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Kontext ergeben, um Personen jeder verwandtschaftlichen Beziehung zu-

sammenzuführen. Die betroffenen Personen müssen dem schriftlich zu-

stimmen (Art. 17 Abs. 2 Dublin-III-VO).  

5.2 Streitig und zu prüfen ist, ob eine rechtsgültige Zustimmung der Be-

schwerdeführerin 1 im Sinne von Art. 17 Abs. 2 Dublin-III-VO vorliegt. 

5.3 Im Rahmen des Dublin-Gesprächs vom 15. Juni 2023 gab die Be-

schwerdeführerin 1 an, nicht nach Österreich gehen zu wollen. Sie habe 

sich für die Schweiz entschieden, da sie hier viele Möglichkeiten habe und 

das Bildungswesen in der Schweiz sehr gut sei. In Bezug auf ihren Ehe-

mann führte sie aus, dass sie mit ihm im Verfahren zusammenbleiben und 

nicht getrennt werden wolle. Eine Trennung wäre ein Schock bzw. ein 

Trauma für sie und ihre Kinder. 

5.4 Bezugnehmend auf diese Angaben teilte die Vorinstanz der Beschwer-

deführerin 1 am 19. Juni 2023 mit, dass Österreich als zuständiger Dublin-

Mitgliedstaat für das Asylgesuch ihres Ehemannes festgestellt worden sei 

und es beabsichtige, die österreichischen Behörden um Übernahme der 

Beschwerdeführerin 1 und ihrer Kinder im Sinne von Art. 10 oder Art. 17 

Abs. 2 Dublin-lll-VO zu ersuchen, um die Einheit der Familie zu wahren. 

Sodann wies das SEM die Beschwerdeführerin 1 darauf hin, dass sie für 

ein solches Vorgehen ihren dahingehenden Wunsch schriftlich mitteilen 

müsse und bat sie um entsprechende Mitteilung.  

5.5 Die Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin 1 antwortete hierauf mit 

Eingabe am 23. Juni 2023, dass die Beschwerdeführerin 1 ihr gegenüber 

geäussert habe, dass die Einheit der Familie für sie oberste Priorität habe, 

und folglich eine mögliche Zuständigkeit Österreichs für das Asylverfahren 

in Kauf genommen werde. Dies sei «als schriftliche Kundgabe des Wun-

sches im Sinne der Bestimmung zu verstehen».  

5.6 Die erforderliche Zustimmung im Sinne von Art. 17 Abs. 2 Dublin-III-VO 

lag mit dem Schreiben der Rechtsvertretung vor. Zumal die genannte Be-

stimmung weder Eigenschriftlichkeit noch eine eigenhändige Unterschrift 

verlangt. Die Vorinstanz hat folglich Art. 17 Abs. 2 Dublin-III-VO zu Recht 

angewendet und Österreich um Aufnahme der Beschwerdeführerin 1 und 

ihrer Kinder zwecks Zusammenführung mit ihrem Ehemann bzw. Vater er-

sucht. Mit der daraufhin erteilten Zustimmung der österreichischen Behör-

den wurde Österreich nach Massgabe der Dublin-III-VO zuständig für die 

Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens betreffend die 

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Beschwerdeführenden. Vorbehaltlich Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO in Verbin-

dung mit Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 sowie Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO (dazu 

jeweils unten E. 6) ist die Vorinstanz somit in Anwendung von Art. 31a Abs. 

1 Bst. b AsylG zu Recht auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden 

nicht eingetreten. 

5.7 An der an Richtigkeit der vorinstanzlichen Verfügung ändert nichts, 

wenn die Beschwerdeführerin 1 im Beschwerdeverfahren nun auf ihre Zu-

stimmung zurückkommt, und neu priorisiert, mit ihren Kindern in der 

Schweiz zu bleiben. Dies umso weniger, als sie keine wesentliche Ände-

rung der relevanten Umstände – etwa im Verhältnis zu ihrem Ehemann – 

geltend macht. Mithin verhält sich die Beschwerdeführerin 1 widersprüch-

lich, indem sie auf ihre Zustimmung zurückkommt. Ferner ist in diesem Zu-

sammenhang darauf hinzuweisen, dass die Dublin-III-VO den betroffenen 

Personen kein Recht einräumt, das gewünschte Zielland auszusuchen, 

sondern formell-rechtliche Kriterien für die Zuteilung im Vordergrund ste-

hen (vgl. BVGE 2019/VI/7 E. 8.2).  

5.8 Ebenso wenig ist der Beschwerdeführerin 1 behilflich, wenn sie auf Be-

schwerdeebene nun erstmals geltend macht, ihre Äusserung sei von der 

Rechtsvertretung lediglich «falsch verstanden und so dargestellt» worden, 

als ob sie mit ihrem Ehemann nach Österreich gehen wolle. Die Beschwer-

deführerin 1 muss sich das prozessuale Handeln ihrer Rechtsvertretung 

grundsätzlich anrechnen lassen. Dies gilt – jedenfalls im Grundsatz – auch 

in Anbetracht der Tatsache, dass es sich vorliegend um eine zugewiesene 

Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102f ff. Abs. 1 AsylG handelt. Ob bzw. 

inwieweit in diesem Kontext allenfalls ausnahmsweise vom Grundsatz der 

Zurechnung abzuweichen wäre, sollten konkrete Anhaltspunkte für eine 

schwerwiegende Sorgfaltspflichtverletzung seitens der Vertretung vorlie-

gen, braucht hier nicht geklärt zu werden. Denn die Beschwerdeführerin 

substantiiert den Vorwurf gegenüber ihrer zugewiesenen Rechtsvertretung 

mit keinem Wort. Mithin macht sie nicht ansatzweise glaubhaft oder zumin-

dest plausibel, inwiefern die Rechtsvertretung ihre Angaben hätte falsch 

verstehen können oder weshalb sie diese falsch dargestellt haben sollte. 

Auch sonst sind keinerlei Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die Rechts-

vertretung – welche über das Anwaltspatent verfügt und aus deren Äusse-

rungen im Schreiben vom 23. Juni 2023 sowie im Rahmen des Dublin-

Gesprächs klar wird, dass sie rechtliche Situation der Beschwerdeführerin 

und ihrer Familie einschliesslich der Bedeutung und Rechtswirkungen von 

Art. 17 Abs. 2 Dublin-III-VO erfasst hat – die Beschwerdeführerin 1 in der 

entscheidenden Frage der Zustimmung zur Familienzusammenführung in 

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Seite 8 

Österreich falsch verstanden oder gar absichtlich falsch dargestellt haben 

könnte. 

5.9 Damit bleibt es nach dem Gesagten bei der festgestellten staatsver-

traglichen Zuständigkeit Österreichs. 

6.  

6.1  

Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat be-

schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten-

losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er 

nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung 

zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses sogenannte 

Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung der be-

troffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer Verlet-

zung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde (BVGE 

2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. 

August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das Asylgesuch 

aus humanitären Gründen auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dub-

lin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser Entscheidung 

kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsgericht darf sein 

eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 2015/9 E. 7.6 und 

E. 8.1 in fine).  

6.2 Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts weist 

das Asylverfahren in Österreich keine systemischen Schwachstellen im 

Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf (vgl. anstelle vieler: Urteil des 

BVGer F-4294/2023 vom 11. August 2023 E. 6 m.w.H.). Dies stellen die 

Beschwerdeführenden denn auch nicht in Frage, weshalb sich Weiterun-

gen dazu erübrigen. Es sind ferner keine Anhaltspunkte ersichtlich oder 

werden geltend gemacht, welche einen Selbsteintritt der Schweiz gebieten 

würden, insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermes-

sensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens 

zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang 

einer weiteren Überprüfung.  

6.3 Es liegen somit weder völkerrechtliche Vollzugshindernisse vor, welche 

die Schweiz zum Selbsteintritt verpflichten würden, noch Rechtsfehler bei 

der Ermessensbetätigung. Es besteht folglich kein Grund für einen Selbst-

eintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Verbindung mit 

Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO.  

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Seite 9 

7.  

Die Vorinstanz ist nach dem Gesagten zu Recht in Anwendung von Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht 

eingetreten. Da die Beschwerdeführenden nicht im Besitz einer gültigen 

Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung sind, wurde die Wegweisung 

nach Österreich in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht ange-

ordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). Im Ergebnis ist die Beschwerde abzuwei-

sen.  

8.  

Mit diesem Urteil fällt der am 4. September 2023 angeordnete Vollzugstopp 

dahin. 

9.  

Die Kosten des Verfahrens sind ausgangsgemäss den Beschwerdeführen-

den aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-

zusetzen (Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 

173.320.2]).  

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand dieses Urteils zu-

gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.  

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden und die Vorinstanz. 

 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Sebastian Kempe Caroline Rausch