# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1164bb2a-56c2-5040-8b0b-02ab915c8643
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1994-06-24
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Rekurskommission Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement 24.06.1994 JAAC 59.94
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_028_JAAC-59-94--_1994-06-24.pdf

## Full Text

JAAC 59.94

Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der
Rekurskommission EVD vom 24. Juni 1994 in Sachen

X gegen Z und Regionale Rekurskommission Nr. 9;
94/8B-027

Adaptation des contingents suite à une modification de la surface
déterminante; droit applicable; déroulement de la procédure.

1. Droit applicable: OCLP 89 ou OCLP 93?

En cas de modification de la législation, il convient d’appliquer le
droit qui était en vigueur au cours de l’année laitière pour laquelle
la modification de surface a produit ses effets sur le contingent et
non celui qui était en vigueur à la date de la modification de surface
(consid. 3.4).

2. Art. 19 al. 2 let. b, 20 al. 1 et 37 OCLP 93: déroulement de la procédure
en cas d’adaptation du contingent suite une modification de la surface
déterminante.

- Suite à l’introduction par l’OCLP 93 d’une réduction légale de 10% du
contingent transféré au preneur, il n’y a plus de connexité directe entre
la réduction du contingent du cédant et l’augmentation de celui du
preneur, comme c’était le cas sous l’empire de l’OCLP 89. Toutefois, le
rapport juridique entre les deux opérations forme un tout homogène,
de sorte que les conséquences juridiques d’un transfert de contingent
suite à une cession de terres doivent être réglées dans une seule et même
décision (consid. 4.2).

- Si, pour régler un transfert de contingent, la fédération laitière prend
deux décisions séparées, l’autorité de recours ne pourra se prononcer
que sur la décision attaquée, et non sur l’autre qui sera entrée en force,
à moins que cette dernière n’ait été assortie d’une réserve quant à son
entrée en force (consid. 4.3).

1

Anpassung der Einzelkontingente infolge Änderung der massgeblichen
Nutzfläche; anwendbares Recht; Verfahrensablauf.

1. Anwendbares Recht: MKTV 89 oder MKTV 93?

Bei der Frage, welches Recht bei einer Rechtsänderung Anwendung
findet, ist nicht auf den Zeitpunkt der Flächenänderung abzustellen,
sondern zu beurteilen, welches Recht in der Periode der
kontingentsrechtlichen Auswirkungen der Flächenänderung galt
(E. 3.4).

2. Art. 19 Abs. 2 Bst. b, 20 Abs. 1 und 37 MKTV 93: Verfahrensablauf
bei Kontingentsanpassungen infolge Änderung der massgeblichen
Nutzfläche.

- Aufgrund der mit der MKTV 93 eingeführten 10prozentigen
Kontingentskürzung auf seiten des Landübernehmers sind die
Wechselwirkungen zwischen den Kontingentsänderungen nicht mehr
derart unmittelbar, wie es die MKTV 89 noch vorgesehen hat. Nach wie
vor wird aber ein einheitliches Rechtsverhältnis geregelt, so dass es sich
aufdrängt, die kontingentsrechtlichen Folgen einer Landabgabe in einer
einzigen Verfügung zu regeln (E. 4.2).

- Wird über die Kontingentsänderungen in zwei getrennten Verfügungen
entschieden, so kann die Beschwerdeinstanz nur über die angefochtene
Verfügung befinden, wogegen die nicht angefochtene Verfügung ohne
entsprechenden Vorbehalt in Rechtskraft erwächst (E. 4.3).

Adeguamento dei contingenti in seguito ad una modificazione della
superficie utile determinante; diritto applicabile; svolgimento della
procedura.

1. Diritto applicabile: OCLP 89 o OCLP 93?

In caso di modificazione della legislazione occorre applicare il diritto
che era in vigore durante l’anno lattiero per il quale la modificazione
della superficie ha prodotto i suoi effetti sul contingente e non quello che
era in vigore alla data della modificazione della superficie (consid. 3.4).

2. Art. 19 cpv. 2 lett. b, 20 cpv. 1, 37 OCLP 93: svolgimento della
procedura in caso di adeguamento del contingente in seguito ad una
modificazione della superficie utile determinante.

- In seguito all’introduzione da parte dell’OCLP 93 di una riduzione
legale del 10% del contingente trasferito al cessionario, non vi è più
interazione diretta fra la riduzione del contingente del cedente e
l’aumento di quello del cessionario, come era ancora previsto dall’OCLP
89. Nondimeno, il rapporto giuridico fra le due operazioni forma
un tutto omogeneo, di modo che le conseguenze giuridiche di un
trasferimento di contingente a seguito di una cessione di terreno
devono essere disciplinati in un’unica decisione (consid. 4.2).

2

- Se per decidere su una modificazione del contingente, la federazione
lattiera prende due decisioni separate, l’autorità di ricorso potrà
pronunciarsi soltanto sulla decisione impugnata mentre, senza una
rispettiva riserva, la decisione non impugnata passa in giudicato
(consid. 4.3).

Aus dem Sachverhalt:

Infolge der Abgabe von Pachtland an X kürzte der Milchverband Bern mit
Verfügung vom 22. Oktober 1993 das Kontingent von Z um rund 70% des
massgeblichen Hektarendurchschnittes. In einer weiteren Verfügung wurde
das Kontingent des Landübernehmers X um die entsprechende Menge erhöht.

Die Beschwerde des Landabgebers Z vom 15. November 1993 hiess die
Regionale Rekurskommission Nr. 9 mit Entscheid vom 12. Januar 1994 gut und
kürzte dessen Kontingent um 50% des massgeblichen Hektarendurchschnittes.
Im gleichen Entscheid wurde auch die Kontingentserhöhung beim
Landübernehmer X entsprechend neu festgesetzt.

Dagegen führt X am 3. März 1994 Beschwerde bei der Rekurskommission
EVD und beantragt, der Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben und der
erstinstanzliche Entscheid des Milchverbandes zu schützen.

Aus den Erwägungen:

1. (Zuständigkeit)

2. (Beschwerdelegitimation; Eintreten auf die Beschwerde, soweit es das
Feststellungsinteresse des Beschwerdeführers betrifft; vgl. REKO/EVD
93/8B-004 E. 2, veröffentlicht in: VPB 59.90[3])

3. Nach Art. 2 des Milchwirtschaftsbeschlusses 1988 vom 16. Dezember 1988
(Milchwirtschaftsbeschluss 1988 [MWB 1988], SR 916.350.1) beschränkt der
Bund die Preisgarantie für Verkehrsmilch durch eine einzelbetriebliche
Milchkontingentierung, um die Milcheinlieferungen an die Absatzverhältnisse
anzupassen, den Aufwand der Milchrechnung zu begrenzen und den
Milchpreis zu sichern. Für jedes Kilo Milch, das ein Produzent über sein
Kontingent hinaus liefert, hat er eine Abgabe zu bezahlen (Art. 3 MWB 1988).
Der Bundesrat kann auf Beginn eines Milchjahres die Gesamtmilchmenge,
die für die Einzelkontingente zur Verfügung steht, neu festsetzen und die
entsprechende Anpassung der Einzelkontingente regeln (Art. 2 Abs. 2 MWB
1988).

3.1. Dementsprechend hat der Bundesrat die Festsetzung und Anpassung
der einzelbetrieblichen Milchkontingente in kurzen Abständen den
Bedürfnissen der Produktionslenkung angepasst, letztmals in der Verordnung
vom 26. April 1993 über die Milchkontingentierung im Talgebiet und in
der Bergzone I (Milchkontingentierung-Talverordnung 93 [MKTV 93],
SR 916.350.101). Sie löste auf den 1. Mai 1993 (Milchjahr 1993/94) die

3

https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002819.pdf?ID=150002819

Verordnung vom 20. Dezember 1989 über die Milchkontingentierung in der
Talzone, in der voralpinen Hügelzone und in der Zone I des Berggebietes
(Milchkontingentierung-Talverordnung 89, MKTV 89, AS 1990 286 1059, 1991
1125, 1992 946 2049) ab (Art. 47 und 49 MKTV 93).

3.2. Im vorliegenden Fall haben die Vorinstanzen stillschweigend die
Milchkontingentierung-Talverordnung 89 angewandt. Das Bundesamt für
Landwirtschaft (hiernach: Bundesamt) vertritt in seiner Stellungnahme
dieselbe Meinung und begründet dies damit, dass die Flächenabgabe vor dem
1. Mai 1993 stattgefunden habe. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden.

3.3. Bei der Beurteilung, welches Recht bei einer Rechtsänderung
Anwendung findet, gilt der Grundsatz, dass diejenigen Rechtssätze
massgebend sind, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder
zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (Rhinow René
A. / Krähenmann Beat; Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung,
Ergänzungsband, Basel und Frankfurt a. M. 1990, Nr. 15 B I; BGE 113 Ib 246
E. 2a). Der Gesetzgeber kann eine davon abweichende übergangsrechtliche
Regelung treffen (BGE 107 Ib 133 E. 2b). Dies trifft aber im vorliegenden
Fall nicht zu, denn die Übergangsbestimmungen von Art. 48 der
Milchkontingentierung-Talverordnung 93 regeln bezüglich der Frage des
anwendbaren Rechts lediglich den Sonderfall der Stallsanierung. Für die
anderen Sachverhalte mit kontingentsrechtlichen Auswirkungen ist deshalb
auf den allgemein anerkannten übergangsrechtlichen Grundsatz abzustellen.
Bezogen auf den vorliegenden Fall ist im folgenden abzuklären, wann
sich der rechtlich zu ordnende oder zu Rechtsfolgen führende Tatbestand
erfüllt respektive wann sich eine Änderung der massgeblichen Nutzfläche
kontingentsrechtlich auswirkt.

3.4. Das Einzelkontingent ist die Verkehrsmilchmenge, die ein Produzent
ab einem Betrieb im Laufe eines Milchjahres (1. Mai bis 30. April) zum
garantierten Preis abliefern kann (Art. 3 MKTV 93). Zu Beginn eines
jeden Milchjahres teilen die Milchverbände den Produzenten das für
das neue Milchjahr geltende Kontingent mit (Art. 31 Abs. 2 MKTV 93).
Einzelkontingente werden demnach in der Regel jeweils auf den 1. Mai
eines Milchjahres festgesetzt. Sie bestehen aus dem im vergangenen
Milchjahr rechtsgültig zugeteilten Einzelkontingent (Art. 8 Abs. 1 MKTV
93) und aus den Zuschlägen und Abzügen nach dem 3. Abschnitt der
Milchkontingentierung-Talverordnung 93.

Geht es, wie vorliegend, um eine Flächenänderung, kann diese aufgrund der
Art. 19 und 20 der Milchkontingentierung-Talverordnung 93 Anpassungen
der Kontingente beim Landabgeber und beim Landübernehmer bewirken.
Wurde im Laufe eines Milchjahres ein Vertrag zwischen Landabgeber
und Landübernehmer über die Kontingentsänderungen abgeschlossen,
muss dieser bis zum 31. Mai des folgenden Milchjahres beim zuständigen
Milchverband eingereicht werden, andernfalls hat der Landübernehmer
ein Gesuch um Anpassung der Kontingente zu stellen (Art. 37 Abs. 1 MKTV
93). Der Milchverband überprüft die Verträge und verfügt die anerkannten
Kontingentsänderungen, welche ab 1. Mai nach Vertragsabschluss gelten
(Art. 37 Abs. 2 MKTV 93).

4

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_113_Ib_246&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_107_Ib_133&resolve=1

Die kontingentsrechtlichen Folgen einer Landabgabe wirken sich demnach
bei Landabgeber und Landübernehmer erst in jener Kontingentsperiode
aus, welche der Flächenänderung folgt. Mit anderen Worten sind
Flächenänderungen Bemessungsgrundlage der Kontingentsänderungen und
stellen entgegen der Meinung des Bundesamtes bloss Sachverhalt dar. Bei
der Frage, welches Recht bei einer Rechtsänderung Anwendung findet, ist
demnach nicht auf den Zeitpunkt der Flächenänderung abzustellen, sondern
zu beurteilen, welches Recht in der Periode der kontingentsrechtlichen
Auswirkungen einer Flächenänderung galt. Erfolgt eine Änderung der
Rechtsgrundlagen, kann in diesem Ergebnis auch keine Rückwirkung
gesehen werden. Denn vergleichbar mit dem Steuergesetz, welches auf
Bemessungsgrundlagen zurückgreift, die vor dem Inkrafttreten des Gesetzes
entstanden sind, können die Kontingentsgrundlagen auf Grund von Faktoren
bemessen werden, die sich in einer vorhergehenden Kontingentsperiode
herausgebildet haben (BGE 104 Ib 219 E. 6).

3.5. Im vorliegenden Verfahren erfolgte die Flächenänderung zwar vor dem
1. Mai 1993, wirkte sich aber kontingentsrechtlich erst im Milchjahr 1993/94
aus. In dieser Periode galt die Milchkontingentierung-Talverordnung 93,
welche am 1. Mai 1993 in Kraft trat (Art. 49 MKTV 93). Für die Feststellung der
kontingentsrechtlichen Folgen der Flächenänderung ist deshalb ohne weiteres
die neue Milchkontingentierung-Talverordnung 93 anwendbar.

4. Was den Verfahrensablauf bei Kontingentsänderungen infolge
Flächenabgabe angeht, so ist von den folgenden Überlegungen auszugehen:

4.1. Liegt kein Pachtvertrag im Sinne von Art. 19 Abs. 1 der
Milchkontingentierung-Talverordnung 93 vor, so können sich Landabgeber
und Landübernehmer über die Kontingentsänderung infolge Flächenabgabe
einigen (Art. 19 Abs. 2 Bst. a MKTV 93). Kommt keine Einigung zustande,
so entscheidet bei einer Flächenänderung zwischen Produzenten auf
Gesuch des Landübernehmers hin der zuständige Milchverband (Art. 37
Abs. 1 MKTV 93). In der Folge erlässt der Milchverband einen Entscheid
gestützt auf Art. 19 Abs. 2 Bst. b der Milchkontingentierung-Talverordnung
93. Danach hat er das Kontingent des Landabgebers in der Regel
um 50% des massgeblichen Hektarendurchschnittes zu kürzen. Die
Kontingentsänderung auf seiten des Landübernehmers wird durch Art. 20
der Milchkontingentierung-Talverordnung 93 geregelt. Nach Abs. 1 dieser
Bestimmung hat der Milchverband das Kontingent des Landübernehmers, falls
das Land aufgrund eines landwirtschaftlichen Pachtvertrages übernommen
wurde, um die im Pachtvertrag festgelegte und um 10% verminderte Menge
zu erhöhen. In den übrigen Fällen wird das Kontingent um die um 10%
verminderte Menge erhöht, die der Landabgeber nach Art. 19 abzutreten
hat.

4.2. Aufgrund der materiellen Bestimmungen betreffend
Kontingentsänderungen infolge Flächenabgabe kann festgehalten
werden, dass der Verordnungsgeber eine Wechselwirkung zwischen
der Kontingentskürzung auf seiten des Landabgebers und der
Kontingentserhöhung beim Landübernehmer erreichen wollte. Zwar
ist diese Wechselwirkung aufgrund der wirtschaftslenkenden Massnahme
der 10prozentigen Kürzung nicht mehr derart unmittelbar, wie es die
Milchkontingentierung-Talverordnung 89 vorgesehen hat. Dennoch

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_104_Ib_219&resolve=1

wird nach wie vor derselbe Sach- und Rechtsverhalt geregelt, mithin ein
einheitliches Rechtsverhältnis, so dass es sich an und für sich aufdrängt, die
kontingentsrechtlichen Folgen einer Landabgabe in einer einzigen Verfügung
zu regeln.

4.3. Verfahrensmässig schreibt die Milchkontingentierung-Talverordnung 93
lediglich vor, dass der Milchverband die anerkannte Kontingentsänderung zu
verfügen (Art. 37 Abs. 2 MKTV 93) und gemäss den allgemeinen Grundsätzen
des Verwaltungsverfahrens den Parteien zu eröffnen hat (Art. 43 sowie Art. 44
Abs. 3 MKTV 93 i.V.m. Art. 34 VwVG), mithin dem Gesuchsteller und dem
Landabgeber, deren Rechte durch die Verfügung unmittelbar betroffen sind
(Art. 5 Abs. 1 VwVG).

Über das weitere Vorgehen spricht sich die
Milchkontingentierung-Talverordnung 93 nicht aus. Der Entscheid über das
zweckmässige Vorgehen bleibt demnach den Milchverbänden überlassen.
Allerdings sind sie bei der Wahl ihrer Vorgehensweise an allgemeine
Verfahrensgrundsätze gebunden. Insbesondere haben die Milchverbände
zu beachten, dass beim Entscheid über einen Sachverhalt, welcher
wechselseitige Auswirkungen rechtlicher Art auf mehrere Produzenten
hat, diese Wechselwirkung auch im Beschwerdefall uneingeschränkt
erhalten bleiben muss. Entscheidet beispielsweise ein Milchverband über
die Kontingentsübertragung in zwei getrennten Verfügungen, so kann
auf Beschwerde eines Produzenten hin die Beschwerdeinstanz nur über
die angefochtene Verfügung befinden, wogegen die nicht angefochtene -
vorausgesetzt, es fehlt ein entsprechender Vorbehalt - in Rechtskraft
erwachsen ist. Sind mehrere Gesuche gemäss dem 3. Abschnitt der
Milchkontingentierung-Talverordnung 93, welche denselben Produzenten
betreffen, zu regeln, so ist im weiteren zu berücksichtigen - vorausgesetzt,
die Gesuchsverfahren werden in einer Verfügung zusammengefasst -
dass dem Verfügungsadressaten das Recht zustehen muss, nur einzelne
Gesuchsentscheide anzufechten. Dies bedingt aber, dass im Dispositiv
der Verfügung über die verschiedenen Gesuche getrennt befunden wird.
Überdies muss bei der Abfassung und Mitteilung der Entscheide beachtet
werden, dass die Geschäftssphäre des Produzenten gewahrt bleibt und
Tatsachen, welche nur den Gesuchsteller beschlagen, nicht unbesehen einem
Drittproduzenten bekanntgegeben werden. Schlussendlich ist anzufügen, dass
die Folgen unklarer respektive unkorrekter Entscheide von der zuständigen
Behörde zu vertreten sind und nicht zum Nachteil der Privaten gereichen
dürfen. Insbesondere darf aus mangelhafter Eröffnung den Parteien kein
Rechtsnachteil erwachsen (Art. 38 VwVG).

4.4. Im vorliegenden Verfahren entschied der Milchverband
unbestrittenermassen gestützt auf Art. 18 Abs. 2 Bst. b der
Milchkontingentierung-Talverordnung 89, welcher inhaltlich mit Art. 19 Abs. 2
Bst. b der Milchkontingentierung- Talverordnung 93 übereinstimmt. Dieser
Entscheid ist, soweit dies aus den Akten hervorgeht, nur dem Landabgeber
Z eröffnet worden. Der Landübernehmer X erhielt eine eigene Verfügung
gestützt auf Art. 19 der Milchkontingentierung-Talverordnung 89, also ohne
10prozentige Kürzung gemäss der richtigerweise anzuwendenden neuen
Verordnung (Art. 20 Abs. 1 MKTV 93). Da nur die Verfügung des Landabgebers
angefochten wurde, ist festzustellen, dass der an X adressierte Entscheid,
welcher über keinen Rechtskraftvorbehalt verfügt, in Rechtskraft erwachsen

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ist. X hätte demnach gar kein schutzwürdiges Interesse, einen Entscheid
der Rekurskommission EVD anzubegehren, da sich seine Eingabe lediglich
gegen die durch die Rekurskommission Nr. 9 beurteilte Verfügung des
Landabgebers Z richten könnte. Auf Beschwerde des Landabgebers hin
änderte aber die Rekurskommission Nr. 9 nicht nur die angefochtene, sondern
auch die rechtskräftige Verfügung ab, regelte mithin unerlaubterweise die
kontingentsrechtlichen Folgen der Landabgabe für beide Parteien neu. Hierzu
war die Vorinstanz nicht befugt, da mit Eintritt der formellen Rechtskraft eine
Verfügung innerhalb eines bestimmten Verfahrens unabänderlich wird und
mit Ausnahme eines allfälligen Widerrufes oder einer Revision auch für die
Behörde als rechtsbeständig zu betrachten ist (Kölz Alfred / Häner Isabelle,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, Zürich 1993,
Rz. 166 ff.). Soweit die Vorinstanz demnach die rechtskräftige Verfügung des X
abgeändert hat, ist der Entscheid der Rekurskommission Nr. 9 aufzuheben.

4.5. Im weiteren ist anzufügen, dass der Milchverband in Zukunft gut
beraten sein wird, seine Verfügungen im Sinne der E. 4.3 abzufassen.
Abgesehen davon, dass er die wechselseitigen Kontingentsänderungen in zwei
Entscheiden regelt, sind die zu verfügenden Kontingentsänderungen (Art. 43
MKTV 93) bloss als Begründung angeführt, obwohl diese eigentlich Gegenstand
der Verfügung sein sollten und zusammen mit dem rechtskräftigen Kontingent
des Vorjahres (Art. 8 Abs. 1 MKTV 93) den rechnerischen Betrag des
Kontingents für das aktuelle Milchjahr ergeben. Aus den Verfügungen
des Milchverbandes geht weiter hervor, dass das Dispositiv der jeweiligen
Verfügung aus der Kontingentsfestsetzung für das aktuelle Milchjahr besteht.
Diese Praxis ist zumindest fragwürdig, denn das neue Jahreskontingent kann
gar nicht verfügt werden, solange die Zuschläge und Abzüge gestützt auf den 3.
Abschnitt der Milchkontingentierung-Talverordnung

93 noch nicht in Rechtskraft erwachsen sind. Denkbar ist lediglich die
Mitteilung der rechnerischen Zusammenfassung der Kontingentsänderungen
(3. Abschnitt MKTV 93) unter Einbezug des bisherigen Kontingentes
(Art. 8 Abs. 1 MKTV 93). Ob überhaupt das neue Kontingent
jeweils in Verfügungsform zu eröffnen ist oder ob eine blosse
Mitteilung als Saldo im oben genannten Sinne mit Art. 31 Abs. 2 der
Milchkontingentierung-Talverordnung 89 vereinbar ist, kann hier offen
gelassen werden.

4.6. (...)

5. (...)

(Die Rekurskommission EVD heisst die Beschwerde, soweit darauf einzutreten
ist, gut, hebt den angefochtenen Entscheid der Rekurskommission Nr. 9
insoweit auf, als darin über das Kontingent des Beschwerdeführers befunden
wurde und stellt fest, dass der an den Beschwerdeführer gerichtete Entscheid
des Milchverbandes in Rechtskraft erwachsen ist)

[3] Vgl. oben S. 756.

7

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 59.94 - Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 24.

Juni 1994 in Sachen X gegen Z und Regionale Rekurskommission Nr. 9; 94/8B-027

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1995
Année

Anno

Band 59
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	Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 24. Juni 1994 in Sachen X gegen Z und Regionale Rekurskommission Nr. 9; 94/8B-027
	Aus dem Sachverhalt:
	Aus den Erwägungen: