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**Case Identifier:** eb9e6d18-e1f3-5f4f-b103-74f57411abc0
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-12
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 12.01.2023 SST.2022.5
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-5_2023-01-12.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2022.5 

(ST.2020.51; StA.2019.432) 

 

 

Urteil vom 12. Januar 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichterin Vasvary  

Gerichtsschreiber Fehlmann 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, 

Wildischachenstrasse 14, 5200 Brugg AG  

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1977, von Waldstatt, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Emanuel Suter,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Sexuelle Handlungen mit einem Kind, mehrfache Pornografie; 

Kosten- und Entschädigungsfolgen 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft erhob am 14. Juli 2020 Anklage gegen den 

Beschuldigten wegen mehrfacher, teilweise versuchter sexueller 

Handlungen mit Kindern sowie mehrfacher Pornografie. 

 

2. 

Das Bezirksgericht Brugg stellte mit Urteil vom 6. April 2021 das Verfahren 

in Bezug auf die Anklageziffer 1.2 unter Annahme einer sexuellen 

Belästigung mangels Strafantrags sowie infolge Verjährung ein, sprach den 

Beschuldigten in Bezug auf die Anklageziffer 1.3 sowie 1.4 vom Vorwurf 

der mehrfachen, versuchten sexuellen Handlungen mit einem Kind frei und 

wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind (Anklage-

ziffer 1.1), Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB (Anklage-

ziffer 2.1) sowie mehrfacher Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 2 

StGB (Anklageziffer 2.2) schuldig und verurteilte ihn unter Aufschub 

zugunsten der angeordneten ambulanten Massnahme zu einer 

unbedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten sowie teilweise als 

Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 

12. November 2018 zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen. Es 

verzichtete unter Verlängerung der Probezeit auf den Widerruf der mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 12. November 

2018 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von 20 Tagessätzen und 

entschied über die beschlagnahmten Gegenstände. Es auferlegte dem 

Beschuldigten die Verfahrenskosten vollumfänglich. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 29. Dezember 2022 beantragte der 

Beschuldigte die Auferlegung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten im 

Umfang von 40 % und damit einhergehend die Rückforderung der dem 

amtlichen Verteidiger zugesprochenen Entschädigung ebenfalls nur im 

Umfang von 40 %. 

 

3.2. 

Mit Verfügung vom 4. Januar 2022 wurde gestützt auf Art. 406 Abs. 1 lit. d 

StPO die Durchführung des schriftlichen Verfahrens angeordnet. 

 

3.3. 

Der Beschuldigte reichte am 28. Januar 2022 die schriftliche Berufungs-

begründung ein. 

 

3.4. 

Mit Berufungsantwort vom 7. Februar 2022 beantragte die Staats-

anwaltschaft die Abweisung der Berufung.   

 - 3 - 

 

 

 

   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung richtet sich ausschliesslich gegen die Kosten- und 

Entschädigungsfolgen. Im Übrigen ist das Urteil der Vorinstanz 

unangefochten geblieben. Eine Überprüfung dieser unbestrittenen Punkte 

findet somit grundsätzlich nicht statt (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten im erstinstanzlichen 

Verfahren, wenn sie verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO). Wird das 

Verfahren eingestellt oder die beschuldigte Person freigesprochen, so 

können ihr die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden, 

wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt 

oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO; vgl. BGE 

144 IV 202 E. 2.2; BGE 119 Ia 332 E. 1b; BGE 116 Ia 162 E. 2c). 

 

2.2. 

Eine Kostenauflage respektive die Verweigerung einer Entschädigung 

wegen zivilrechtlich schuldhaften Verhaltens kann sich grundsätzlich auf 

das Persönlichkeitsrecht stützen. Die Bestimmungen von Art. 28 ff. ZGB 

räumen allgemein Schutz vor widerrechtlicher Persönlichkeitsverletzung 

ein. Wer in seiner Persönlichkeit widerrechtlich verletzt wird, kann zu 

seinem Schutz gegen jeden, der an der Verletzung mitwirkt, das Gericht 

anrufen und die vom Gesetz vorgesehenen Mittel ergreifen. Das 

geschützte Persönlichkeitsgut ist die Selbstbestimmung der Person. 

Allerdings kann nicht jede noch so geringfügige Beeinträchtigung der 

Persönlichkeit als rechtlich relevante Verletzung verstanden werden. Die 

Verletzung muss eine gewisse Intensität erreichen. Sodann muss zwischen 

dem zivilrechtlich vorwerfbaren Verhalten und den durch die Untersuchung 

entstandenen Kosten ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen 

(Urteile des Bundesgerichts 6B_247/2010 vom 3. Juni 2010 E. 2.4.3, 

6B_578/2012 vom 28. Februar 2013 E. 2 sowie 6B_552/2017 vom 

18. Januar 2018 E. 1.2). 

 

2.3. 

2.3.1. 

Hinsichtlich des Vorwurfs der sexuellen Handlungen mit einem Kind 

(Anklageziffer 1.2), wo die Vorinstanz unter Annahme einer sexuellen 

Belästigung das Verfahren mangels Strafantrags sowie infolge Verjährung 

eingestellt hat, hat sie die Kostenauflage im Wesentlichen damit begründet, 

dass der Beschuldigte durch sein Verhalten mit Nachrichtenaustausch mit 

u.a. sexualisiertem Inhalt mit dessen damaligen Schülerin C. gegen seine 

als Lehrer aus dem Recht des Kantons Aargau abgeleiteten Verpflichtung 

zu einer durch u.a. Anerkennung, Verständnis sowie Achtung geprägtem 

 - 4 - 

 

 

 

Verhalten und zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte, was selbstredend 

auch für den Kanton Solothurn gelten würde, verstossen habe. Weiter habe 

er durch Nichtverständigung des schulpsychologischen Diensts oder einer 

kinderpsychiatrischen Stelle wegen deren Suizidgedanken gegen eine 

Verhaltensnorm verstossen. 

 

Der Beschuldigte bringt dagegen im Wesentlichen vor, dass mangels 

Strafantrags sowie der bereits zum damaligen Zeitpunkt eingetretenen 

Verjährung gar nie ein Strafverfahren hätte eröffnet werden dürfen, was ein 

(kausales) Fehlverhalten der Staatsanwaltschaft darstelle. Weiter mangle 

es an einer entsprechenden Verhaltensnorm im Schulrecht des Kantons 

Solothurn. 

 

2.3.2. 

Es ist unbestritten bzw. klar nachgewiesen, dass ein (privates) Treffen 

zwischen dem damals 35-jährigen, als Lehrer tätigen Beschuldigten mit 

seiner damals noch nicht 16-jährigen Schülerin C. Ende Herbst 2012 im 

Wald stattgefunden hatte, wobei es zu einer (kurzen) Umarmung sowie 

zumindest zu einem Kuss – im vorliegenden Rahmen ist es unerheblich, 

ob dieser Kuss gemäss dem Beschuldigten auf den Kopf oder die Stirn oder 

gemäss C. auf den Mund ohne Zunge erfolgt sei – gekommen war. Sie 

hatte ihm recht viele Probleme anvertraut (vgl. Aussagen des 

Beschuldigten: UA act. 614 ff., 626 ff., 688 f., VA act. 261, 263 ff.; 

Aussagen von C.: UA act. 722 ff., VA act. 243 ff.). Weiter hatte der 

Beschuldigte sie in einer elektronischen Nachricht (vergeblich) nach einem 

Foto von ihr in Unterwäsche gefragt, was der Beschuldigte auch selber als 

unangemessen erachtet hatte (vgl. UA act. 427 f.: «uwösch»; vgl. Aussage 

des Beschuldigten, UA act. 615-617: «falsch» bzw. «nicht richtig» 

verhalten, UA act. 629: «nicht anständig» bzw. «falsch» verhalten). 

 

2.3.3. 

Mit der Umarmung sowie dem Kuss seiner Schülerin C. – vorliegend ist das 

Wissen um den Umstand, dass sie sich im damaligen Zeitpunkt noch im 

Schutzalter befunden hatte, nicht entscheidend – hat der Beschuldigte 

seine Grenzen als fast 20 Jahre älterer Erwachsener klar überschritten. Er 

hat das angesichts der anvertrauten persönlichen Probleme bestehende 

Vertrauen von C. ausgenutzt und ist im Rahmen eines privaten Treffens 

unerwünscht körperlich zudringlich geworden. Weiter hat er durch das 

Fragen nach einem Bild von C. in Unterwäsche eine anzügliche 

Aufforderung gemacht. Das Vorliegen einer Einwilligung wird weder vom 

Beschuldigten (explizit) behauptet noch wäre eine solche aufgrund der 

vorliegenden Umstände (u.a. des Alters von C., des Altersunterschieds 

zum Beschuldigten, des offensichtlichen Fehlens einer Partnerschaft) 

ersichtlich. Eine Rechtfertigung durch ein überwiegendes privates oder 

öffentliches Interesse oder Gesetz fällt ausser Betracht. Das Verhalten des 

Beschuldigten ist sodann schuldhaft, da es von dem unter den gegebenen 

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Verhältnissen als angebracht geltenden Durchschnittsverhalten abweicht 

und er urteilsfähig war. 

 

Der Beschuldigte hat mit diesen Persönlichkeitsverletzungen klarerweise 

gegen die Rechtsordnung – zweifellos verpflichtet das Persönlichkeitsrecht 

gemäss Art. 28 ff. ZGB als Verhaltensnorm den Beschuldigten als Lehrer 

unabhängig einer allfälligen (expliziten) Regelung bzw. Wiederholung 

bundesrechtlicher Normen im Recht des Kantons Solothurn – verstossen 

(vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 1P.630/2001 vom 18. Februar 

2002 E. 5.2.1 betreffend Berührung des Oberkörpers von Schülern durch 

einen Lehrer). Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der 

allgemeinen Erfahrung des Lebens hat er damit den Verdacht auf potentiell 

strafbare Handlungen erweckt und damit (adäquat kausal) Anlass zur 

Eröffnung bzw. Ausdehnung eines Strafverfahrens gegeben. Auch nach 

durchgeführter Untersuchung hat hinreichend Anlass bestanden, Anklage 

zu erheben und die erhobenen Vorwürfe – ohne Aufforderung für ein Foto 

in Unterwäsche – durch ein Gericht beurteilen zu lassen, zumal zum 

damaligen Zeitpunkt angesichts eines unbestrittenermassen tatsächlich 

stattgefundenen Treffens zumindest neben der angeklagten vollendeten 

eine versuchte sexuelle Handlung mit einem Kind – diesem Tatbestand 

wäre auch kein Prozesshindernis (Verjährung, fehlender Strafantrag) 

entgegen gestanden – nicht als unwahrscheinlich hat erachtet werden 

können. Der Beschuldigte hat mit seinem Verhalten in zivilrechtlich 

vorwerfbarer Weise gegen die Verhaltensnorm von Art. 28 ZGB 

verstossen, so dass ihm auch hinsichtlich der Anklageziffer 1.2 die Kosten 

aufzuerlegen respektive eine Entschädigung zu verweigern ist. 

 

2.4. 

2.4.1. 

Hinsichtlich der Vorwürfe der mehrfachen, versuchten sexuellen Hand-

lungen mit einem Kind (Anklageziffer 1.3 sowie 1.4), wo die Vorinstanz den 

Beschuldigten aufgrund des Vorliegens von höchstens straflosen 

Vorbereitungshandlungen freigesprochen hat, hat sie die Kostenauflage im 

Wesentlichen damit begründet, dass er aufgrund der Art und Weise sowie 

des Inhalts der elektronischen Nachrichten gegen die Intimsphäre von 

beiden, die nicht seine Schülerinnen gewesen seien, als Verhaltensnorm 

verstossen habe. 

 

Der Beschuldigte bringt dagegen im Wesentlichen vor, dass es an einer 

entsprechenden Verhaltensnorm mangle und überdies an einer 

Lehrerstellung des Beschuldigten den beiden Mädchen gegenüber. Weiter 

hätte ein Strafverfahren gar nie eröffnet werden dürfen, da es durch das 

ganze Verfahren an Anhaltspunkten für ein beabsichtigtes Treffen 

gemangelt habe und damit die Schwelle zum strafbaren Versuch nicht 

überschritten worden sei – worauf der amtliche Verteidiger bereits im 

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Untersuchungsverfahren hingewiesen habe –, was ein (kausales) 

Fehlverhalten der Staatsanwaltschaft darstelle. 

 

2.4.2. 

Es ist unbestritten bzw. klar nachgewiesen, dass der damals 41-jährige 

Beschuldigte mit der damals anfangs gerade noch 13-jährigen E. ab August 

2018 nicht «altersadäquat» elektronische Nachrichten u.a. im Rahmen des 

Spiels «Wahrheit oder Pflicht» ausgetauscht hatte. Es handelt sich bei ihr 

um die Tochter einer langjährigen Freundin des Beschuldigten, welche er 

schon von klein auf gekannt habe (Aussagen des Beschuldigten: UA 

act. 574 f., UA act. 690 f., VA act. 274 f.; Aussagen von E.: UA act. 460 f.). 

Der Beschuldigte hatte sie u.a. nach der BH-Grösse oder mehrfach nach 

einem BH-Bild von ihr gefragt oder ihr mitgeteilt, dass sie einen heissen 

«popo» habe (UA act. 469 ff.). 

 

Weiter ist unbestritten bzw. klar nachgewiesen, dass der damals 41-jährige 

Beschuldigte mit der damals anfangs gerade noch 13-jährigen F. ab 

Dezember 2018 nicht «altersadäquat» elektronische Nachrichten u.a. im 

Rahmen des Spiels «Wahrheit oder Pflicht» ausgetauscht hatte. Es handelt 

sich bei ihr um die Freundin von E. (Aussagen des Beschuldigten: UA 

act. 618 f., VA act. 274 f.; Aussagen von F., UA act. 487 f., VA act. 249 ff.). 

Der Beschuldigte hatte sie u.a. gefragt, ob sie Schamhaare habe sowie ob 

sie schon geleckt worden sei, und hatte ihr ein Bild mit 20 Sexstellungen 

zum Erraten der Lieblingssexstellung geschickt (UA act. 493 ff.). 

 

2.4.3. 

Mit den Textnachrichten mit den beiden sich noch im Schutzalter 

befindlichen Mädchen hat der Beschuldigte seine Grenzen als 28 Jahre 

älterer Erwachsener klar überschritten und das Gespräch wurde von ihm 

mehrfach auf eine sexuelle Ebene geführt. Er hat durch das Fragen nach 

der BH-Grösse sowie einem Bild im BH an E. und nach der 

Schambehaarung, dem Lecken sowie der Lieblingssexstellung an F. 

anzügliche Aufforderungen gemacht. Das Vorliegen einer Einwilligung wird 

weder vom Beschuldigten (explizit) behauptet noch wäre eine solche 

aufgrund der vorliegenden Umstände (u.a. des Alters von E. sowie F., des 

Altersunterschieds zum Beschuldigten, des offensichtlichen Fehlens einer 

Partnerschaft) ersichtlich. Eine Rechtfertigung durch ein überwiegendes 

privates oder öffentliches Interesse oder Gesetz fällt ausser Betracht. Das 

Verhalten des Beschuldigten ist sodann schuldhaft, da es von dem unter 

den gegebenen Verhältnissen als angebracht geltenden 

Durchschnittsverhalten abweicht und er urteilsfähig war. 

 

Der Beschuldigte hat mit seinen Persönlichkeitsverletzungen klarerweise 

gegen die Rechtsordnung – zweifellos verpflichtet das Persönlichkeitsrecht 

gemäss Art. 28 ff. ZGB als Verhaltensnorm den Beschuldigten unabhängig 

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einer allfälligen (expliziten) Regelung bzw. Wiederholung bundesrecht-

licher Normen im kantonalen Recht oder einer allfälligen Lehrerstellung 

seinerseits – verstossen. Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der 

allgemeinen Erfahrung des Lebens hat er damit den Verdacht auf potentiell 

strafbare Handlungen erweckt und damit (adäquat kausal) Anlass zur 

Eröffnung bzw. Ausdehnung eines Strafverfahrens gegeben. 

 

Fraglich ist allerdings, ob nach durchgeführter Untersuchung hinreichend 

Anlass bestanden hatte, in beiden Fällen auch Anklage zu erheben. Die 

Kausalität muss für jede Verfahrensstufe gesondert geprüft werden. Die 

Beurteilung der Prozessaussichten ist dem pflichtgemässen Ermessen der 

Strafverfolgungsbehörde anheim gestellt. In Zweifelsfällen beweismässiger 

und vor allem rechtlicher Art soll Anklage erhoben werden (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 1P.36/2002 vom 29. April 2002 E. 1.3.4). 

 

Hinsichtlich F. wurde gemäss Anklage dem Beschuldigten gestützt auf die 

Aussage von E. (UA act. 460) u.a. vorgeworfen, dass er F. aufgefordert 

habe, Nacktfotos zu schicken und er ihr seinerseits Fotos in Unterhosen 

habe zukommen lassen. Zum damaligen Zeitpunkt hätte eine versuchte 

sexuelle Handlung mit einem Kind nicht mehr als wahrscheinlich erachtet 

werden können. Für einen Versuch einer sexuellen Handlung mit einem 

Kind in der Tatbestandsvariante des Verleitens zu einer sexuellen 

Handlung wäre nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung eine 

Aufforderung zum Posieren in einer nach den Umständen objektiv 

aufreizenden Stellung notwendig, so dass nicht jedes Nacktbild genügt (vgl. 

BGE 131 IV 64 E. 11.2). Eine derartige bzw. spezifizierte und für die 

rechtliche Qualifikation ausschlaggebende Aufforderung lässt sich dem 

angeklagten Sachverhalt nicht entnehmen. Für die Tatbestandsvariante 

der versuchten Vornahme einer sexuellen Handlung mangelt es nach der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung an der erforderlichen Tatnähe (vgl. 

zur Abgrenzung strafloser Vorbereitungshandlungen zur versuchten 

sexuellen Handlung mit einem Kind: BGE 131 IV 100). Das Sprechen über 

die Vornahme sexueller Handlungen im Internet in einem Chat-Room 

genügt aufgrund der in zeitlicher und räumlicher Hinsicht derart weiten 

Entfernung noch nicht, da die potenziellen Opfer im Chat-Room anonym 

registriert und daher bloss virtuell und nicht bereits physisch betroffen sind. 

Der letzte entscheidende bzw. der erste über die blosse Vorbereitung 

hinausführende Schritt und damit der Beginn des Versuchs liegt darin, dass 

der Beschuldigte in der Folge zur Tat entschlossen an den vereinbarten 

Treffpunkt reist und sich dort einfindet. Entsprechend kann der angeklagte 

Sachverhalt, wo sich kein beabsichtigtes Treffen entnehmen lässt und noch 

nicht einmal über eigentliche sexuelle Handlungen gesprochen wurde, 

nicht genügen. Dass der Beschuldigte F. (über E.) gekannt hat, ändert 

daran nichts. Dafür hätte bei einer Aufforderung zur Erstellung eines 

Nacktbilds eine versuchte Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 5 StGB als 

nicht unwahrscheinlich erachtet werden können, zumal Nacktaufnahmen 

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von Kindern auch ohne besondere Betonung des Genitalbereichs als 

pornografisch qualifiziert werden können (vgl. BGE 131 IV 64 E. 11.2). Bei 

zweifelhafter Beweis- oder Rechtslage hat nicht die Staatsanwaltschaft 

über die Stichhaltigkeit des strafrechtlichen Vorwurfs zu entscheiden, 

sondern das zur materiellen Beurteilung zuständige Gericht (vgl. BGE 

143 IV 241 E. 2.2.1), zumal der Beschuldigte im Untersuchungsverfahren 

«bloss» ausgesagt hatte, dass er nicht glaube, dass er F. aufgefordert 

habe, ihm Nacktfotos zu schicken (UA act. 692). Diesem Tatbestand wäre 

auch kein Prozesshindernis (Verjährung, fehlender Strafantrag) 

entgegengestanden. Damit kann jedenfalls nicht gesagt werden, es hätte 

auf eine Anklage von vornherein verzichtet werden müssen. Auch wenn 

das Verfahren vor Vorinstanz mit einem Freispruch geendet hat, steht es 

in kausalem Zusammenhang mit den anzüglichen Aufforderungen des 

Beschuldigten an die damals minderjährige F.. 

 

Eine versuchte sexuelle Handlung mit einem Kind konnte angesichts des 

schlussendlich zur Anklage erhobenen Sachverhalts auch zum Nachteil 

von E. – mithin eine Aufforderung zur Angabe der BH-Grösse sowie der 

Farbe der Unterwäsche oder Fragen nach einem Freund sowie über 

Kusserfahrungen – in Anbetracht der vorstehend erwähnten bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung zur Abgrenzung strafloser Vorbereitungs-

handlungen zur versuchten sexuellen Handlung mit einem Kind zum 

damaligen Zeitpunkt nicht mehr als wahrscheinlich erachtet werden. Auch 

bezüglich dieses angeklagten Sachverhalts mangelt es an der 

erforderlichen Tatnähe, da sich kein beabsichtigtes Treffen entnehmen 

lässt und noch nicht einmal über eigentliche sexuelle Handlungen 

gesprochen wurde. Dass der Beschuldigte E. gekannt hat, ändert daran 

nichts. Nachdem es für eine allfällige sexuelle Belästigung bereits an einem 

Strafantrag gemangelt hatte und auch sonst kein anderer Straftatbestand 

als wahrscheinlich erachtet werden konnte, ist der adäquate Kausal-

zusammenhang zwischen dem zivilrechtlich vorwerfbaren Verhalten des 

Beschuldigten und den auf das erstinstanzliche Verfahren für diese 

Anklageziffer 1.3 entfallenden Kosten nicht gegeben (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_241/2015 vom 26. Januar 2016 E. 1.4). 

 

Der Beschuldigte hat mit seinem Verhalten in zivilrechtlich vorwerfbarer 

Weise gegen die Verhaltensnorm von Art. 28 ZGB verstossen, so dass ihm 

hinsichtlich der Anklageziffer 1.4 zum Nachteil von F. die Kosten bis und 

mit dem vorinstanzlichen Verfahren und hinsichtlich der Anklageziffer 1.3 

zum Nachteil von E. «nur» bis und mit dem Vorverfahren aufzuerlegen 

respektive eine Entschädigung zu verweigern ist. Hinsichtlich der 

Anklageziffer 1.3 zu Lasten von E. können dem Beschuldigten die auf das 

erstinstanzliche Verfahren entfallenden Kosten hingegen nicht auferlegt 

werden. Weiter kann von ihm die Entschädigung des amtlichen 

Verteidigers im entsprechenden Umfang des auf das vorinstanzliche 

Verfahren entfallenden Aufwands nicht zurückgefordert werden. 

 - 9 - 

 

 

 

 

2.4.4. 

Angesichts des auf die Anklageziffer 1.3 zu Lasten von E. im 

vorinstanzlichen Verfahren entfallenden Aufwands rechtfertigt es sich, 1/6 

der vor Vorinstanz angefallenen Kosten – Gerichtsgebühr von Fr. 4'000.00, 

Kosten für das durch die Vorinstanz in Auftrag gegebene Gutachten sowie 

den Verlaufsbericht von Fr. 19'082.50 und anderen Auslagen von 

Fr. 243.50, gesamthaft Fr. 23'326.00 – mit Fr. 3'888.00 auf die Staatskasse 

zu nehmen und im Übrigen mit Fr. 19'438.00 samt Anklagegebühr von 

Fr. 3'100.00 sowie den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von 

Fr. 1'246.00, gesamthaft Fr. 23'784.00, dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

 

Von der Entschädigung des amtlichen Verteidigers von Fr. 27'894.55 ent-

fallen auf das vorinstanzliche Verfahren ab Anklageerhebung Fr. 6'275.05. 

Davon ist 1/6 mit Fr. 1'046.00 auf die Staatskasse zu nehmen. Vom 

Beschuldigten ist die Entschädigung des amtlichen Verteidigers ohne 

diesen auf die Anklageziffer 1.3 zu Lasten von E. im vorinstanzlichen 

Verfahren entfallenden Aufwands im Umfang von Fr. 26'848.55 

zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

3. 

3.1. 

Die Berufung des Beschuldigten ist einzig hinsichtlich der auf die 

Anklageziffer 1.3 zu Lasten von E. im vorinstanzlichen Verfahren 

entfallenden Kosten samt Rückforderung der dem amtlichen Verteidiger 

zugesprochenen Entschädigung gutzuheissen. Bei diesem Ausgang des 

Verfahrens sind die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 1'200.00 

(§ 18 VKD) dem Beschuldigten zu 5/6 mit Fr. 1'000.00 aufzuerlegen und im 

Übrigen auf die Staatkasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

 

3.2. 

Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren gestützt auf die von 

ihm eingereichte Kostennote aus der Staatskasse mit gerundet 

Fr. 2'450.00 zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und 

Abs. 3bis AnwT). 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu 5/6 mit Fr. 2'042.00 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

4. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

  

 - 10 - 

 

 

 

   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. [in Rechtskraft erwachsen] 

Das Verfahren wird in Bezug auf den Vorwurf der sexuellen Handlungen 

mit einem Kind (Anklageziffer 1.2) eingestellt. 

 

2. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der mehrfachen versuchten sexuellen 

Handlungen mit einem Kind (Anklageziffern 1.3 sowie 1.4) freigesprochen. 

 

3. [in Rechtskraft erwachsen] 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 

Ziff. 1 StGB (Anklageziffer 1.1); 

- der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB (Anklage-

ziffer 2.1); 

- der Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB (Anklage-

ziffer 2.2). 

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

4.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 3 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 sowie 

Abs. 2 StGB, Art. 34 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 StGB, Art. 44 StGB und 

Art. 106 StGB 

 

zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten, 

 

und als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft 

Brugg-Zurzach vom 12. November 2018 zu einer bedingten Geldstrafe von 

30 Tagessätzen à Fr. 110.00, d.h. Fr. 3'300.00, Probezeit 2 Jahre, 

verurteilt. 

 

4.2. 

Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 

12. November 2018 für die Geldstrafe von 20 Tagessätzen gewährte 

bedingte Strafvollzug wird nicht widerrufen. Stattdessen wird der Beschul-

digte gestützt auf Art. 46 Abs. 2 StGB verwarnt und es wird die Probezeit 

von 2 Jahren um 1 Jahr verlängert. 

 

4.3. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 87 Tagen (19. März 2019 bis 

13. Juni 2019) wird dem Beschuldigten auf die Freiheitsstrafe angerechnet. 

 

 - 11 - 

 

 

 

5. [in Rechtskraft erwachsen] 

5.1. 

Es wird eine ambulante Massnahme gemäss Art. 63 StGB angeordnet. 

 

5.2. 

Der Vollzug der Freiheitsstrafe gemäss Ziff. 4.1 wird gestützt auf Art. 63 

Abs. 2 StGB zu Gunsten der ambulanten Behandlung aufgeschoben. 

 

6. [in Rechtskraft erwachsen] 

Dem Beschuldigten wird gemäss Art. 67 Abs. 3 StGB lebenslänglich jede 

berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen 

regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, verboten. 

 

7. [in Rechtskraft erwachsen] 

7.1. 

Folgende beschlagnahmte Gegenstände werden eingezogen: 

 

- USB Stick TDK 16 GB 

- DVD Russian bare.com 

 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen. 

 

7.2. 

Folgende Gegenstände werden dem Beschuldigten nach Rechtskraft des 

Urteils und nach erfolgter sowie nicht wiederherstellbarer Löschung der 

verbotenen pornografischen Daten auf seine Kosten herausgegeben: 

 

- Apple iPhone 6S 

- Apple iPad Air 

 

Mit dem Vollzug wird die Staatsanwaltschaft beauftragt. Sie trifft die 

sachgemässen Verfügungen. 

 

8. 

8.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 1'200.00 werden dem 

Beschuldigten zu 5/6 mit Fr. 1'000.00 auferlegt und im Übrigen auf die 

Staatskasse genommen. 

 

8.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 2'450.00 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu 5/6 mit Fr. 2'042.00 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

 - 12 - 

 

 

 

9. 

9.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten werden dem Beschuldigten im 

Umfang von Fr. 23'784.00 (inkl. Anklagegebühr von Fr. 3'100.00) auferlegt. 

 

9.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 27'894.55 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten im Umfang von 

Fr. 26'848.55 zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben. 

 

 

 Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht bezahlen 

bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Probezeit 

aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten 

verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 

StGB). 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 

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Aarau, 12. Januar 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Six Fehlmann