# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b069e539-7ec8-5808-ba71-da8ead9be9c0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.07.2010 D-4891/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4891-2010_2010-07-14.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4891/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 4 .  J u l i  2 0 1 0

Einzelrichter Martin Zoller, 
mit Zustimmung von Richter Jean-Pierre Monnet;
Gerichtsschreiber Jürg Hünerwadel.

B._______, Kongo (Kinshasa),
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwä-
gungsentscheid); Verfügung des BFM vom 7. Juni 2010.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4891/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass die Beschwerdeführerin – eine kongolesische Staatsangehörige 
aus  A._______  –  eigenen  Angaben  zufolge  ihren  Heimatstaat  am 
22. Dezember  2009  verliess  und  am  23.  Dezember  2009  in  die 
Schweiz gelangte, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte,

dass sie  zur  Begründung des Asylgesuchs im Wesentlichen  geltend 
machte, sie habe seit  2002 eine Liebesbeziehung mit  einem ruandi-
schen Hutu namens C._______ gehabt,

dass es sich bei ihrem Freund um einen Polizisten und Hutu-Aktivisten 
handle, der sich abwechslungsweise in D._______ und in A._______ – 
ab dem Jahr 2007 bei ihr – aufgehalten habe,

dass ihr Freund im Oktober 2009 in D._______ festgenommen worden 
sei und die Sicherheitskräfte in der Folge von ihrer Beziehung erfahren 
hätten,

dass am 15. November 2009 ihre Schwester mit deren Kindern festge-
nommen worden sei, was ihr ihre beste Freundin E._______ mitgeteilt 
habe,

dass sie sich nach Erhalt dieser Nachricht unverzüglich in eine Kirche 
begeben habe und nach einem dortigen einmonatigen Aufenthalt  mit 
der Unterstützung durch den Pastor am 22. Dezember 2009 ihren Hei-
matstaat auf dem Luftweg verlassen habe,

dass das BFM das Asylgesuch der Beschwerdeführerin mit Verfügung 
vom 28. Januar 2010 ablehnte und die Wegweisung aus der Schweiz 
sowie den Vollzug anordnete,

dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, die Vorbrin-
gen der Beschwerdeführerin vermöchten den Anforderungen von Art. 7 
des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  an  das 
Glaubhaftmachen nicht standzuhalten,

dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  25. Februar 2010 
gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde 
erhob  und  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  sowie  die 
Gewährung von Asyl beantragte,

Seite 2

D-4891/2010

dass sie in prozessualer Hinsicht um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) er-
suchte,

dass der damals zuständige Instruktionsrichter mit Zwischenverfügung 
vom 4. März 2010 das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wegen 
Aussichtslosigkeit  der  Rechtsbegehren  abwies  und  die  Beschwerde-
führerin zur Leistung eines Kostenvorschusses aufforderte,

dass die Beschwerdeführerin den einverlangten Kostenvorschuss nicht 
leistete und mit Eingabe vom 17. März 2010 ein Gesuch um Bewilli -
gung der ratenweisen Zahlung einreichte,

dass der damals zuständige Instruktionsrichter als Einzelrichter mit Ur-
teil vom 31. März 2010 das Gesuch um Ratenzahlung abwies und auf 
die Beschwerde – wie in der Zwischenverfügung vom 4. März 2010 an-
gedroht – nicht eintrat,

dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 28. April 2010 die revi-
sionsweise Aufhebung des Urteils vom 31. März 2010 beantragte,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom 4.  Mai  2010  auf 
dieses Revisionsgesuch nicht eintrat,

dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 1. Juni 2010 das BFM 
um Wiedererwägung der Verfügung vom 28. Januar 2010 und Gewäh-
rung von Asyl ersuchte,

dass sie  zur  Begründung  ihres  Gesuches vorbrachte,  sie  sei  in  der 
Zwischenzeit  in  den  Besitz  eines  Beweismittels  gelangt,  das  die 
Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen belege,

dass sie in diesem Zusammenhang eine Ausgabe der kongolesischen 
Zeitung "F._______" vom 3. Dezember 2009 einreichte,

dass das BFM mit Verfügung vom 7. Juni 2010 – eröffnet am 8. Juni 
2010 – das Wiedererwägungsgesuch abwies, die Rechtskraft und Voll-
streckbarkeit  seiner  Verfügung  vom 28.  Januar  2010  feststellte  und 
eine Gebühr von Fr. 600.-- erhob,

Seite 3

D-4891/2010

dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 5. Juli 2010 beim Bun-
desverwaltungsgericht  Beschwerde gegen die Verfügung vom 7. Juni 
2010 erhob und der Aufhebung sowie die Gewährung von Asyl bean-
tragte,

dass sie in prozessualer Hinsicht sinngemäss um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ersuchte,

dass der Instruktionsrichter mit  Telefax vom 7. Juli  2010 den Vollzug 
der Wegweisung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aussetzte,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM ent-
scheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31-33  des  Verwaltungsgerichts-
gesetzes  vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG 
richtet,  soweit  das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und 
Art. 6 AsylG),

dass die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art.  111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

Seite 4

D-4891/2010

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ein gesetzlich nicht 
geregelter  Rechtsbehelf  ist,  indessen  nach  herrschender  Lehre  und 
ständiger Praxis des Bundesgerichts unter bestimmten Voraussetzun-
gen aus Art. 29 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) ein Anspruch auf Wieder-
erwägung abzuleiten ist,

dass dabei unter anderem auch eigentliche Revisionsgründe im Sinne 
von Art. 66 Abs. 2 VwVG einen Anspruch auf Wiedererwägung begrün-
den können, sofern sie sich auf eine in materielle Rechtskraft erwach -
sene Verfügung beziehen, die entweder unangefochten geblieben oder 
deren Beschwerdeverfahren mit  einem formellen Prozessurteil  abge-
schlossen worden ist,

dass ein solchermassen als qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu 
bezeichnendes Rechtsmittel grundsätzlich nach den Regeln des Revi-
sionsverfahrens zu behandeln ist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilun-
gen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 17 
E. 2a S. 103 f., mit weiteren Hinweisen),

dass die Vorinstanz im vorliegenden Fall  den Anspruch auf  Behand-
lung des Wiedererwägungsgesuches nicht in Abrede stellte und – zu 
Recht – darauf eingetreten ist und eine materielle Beurteilung vorge-
nommen hat,

dass somit auf Beschwerdeebene zu prüfen ist,  ob die Vorinstanz in 
zutreffender Weise das Bestehen des geltend gemachten Wiedererwä-
gungsgrundes  verneint  und  an  ihrer  ursprünglichen  Verfügung  vom 
28. Januar 2010 festgehalten hat,

dass das BFM zur Begründung seiner Verfügung vom 7. Juni 2010 im 
Wesentlichen ausführt,  das von der Beschwerdeführerin mit  Eingabe 
vom 1. Juni 2010 eingereichte Beweismittel sei nicht erheblich im Sin -
ne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG,

dass es zunächst nicht nachvollziehbar sei, weshalb die Beschwerde-
führerin das Exemplar der Zeitung "F._______" vom 3. Dezember 2009 
nicht früher eingereicht habe, und die Tatsache des erst jetzt erfolgten 

Seite 5

D-4891/2010

Vorlegens den Schluss nahelege, es handle sich dabei nicht um ein 
authentisches Exemplar dieser Zeitung,

dass ferner verschiedene formelle Aspekte diese Einschätzung bestä-
tigten, so ein uneinheitliches Erscheinungsbild bezüglich Papierquali-
tät, ein von den anderen Berichten abweichender Zeilenabstand beim 
Artikel  über  die  Beschwerdeführerin,  unterschiedliche Datenangaben 
auf  den  Seiten  (3.  Dezember  2009  beziehungsweise  15.  Dezember 
2009) und schliesslich eine uneinheitliche Gestaltung der Fusszeilen,

dass sich zudem krasse inhaltliche Abweichungen zwischen dem Zei -
tungsbericht über die Beschwerdeführerin und deren eigenen Asylvor-
bringen ergäben,

dass  etwa  im  Bericht  die  Rede  von  einer  "G._______"  sei,  die 
Beschwerdeführerin  aber  deren  Personalien  mit  "E._______"  ange-
geben habe,

dass im Zeitungsartikel sodann ausgeführt werde, die Beschwerdefüh-
rerin sei wegen ihres Ehemannes "H._______" gefährdet, bei welchem 
es sich um einen Tutsi handle,

dass die Beschwerdeführerin selber demgegenüber vorgebracht habe, 
sie  sei  wegen  ihres  Freundes  mit  dem  Vornamen  "C._______" 
gefährdet, der ein Hutu sei,

dass sich das Bundesverwaltungsgericht nach Prüfung der Akten der 
Einschätzung der Vorinstanz – wonach das eingereichte Beweismittel 
den Anforderungen von Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG an die Erheblich-
keit (vgl. dazu EMARK 2002 Nr. 13 E. 5a S. 113 f.) nicht zu genügen 
vermöge – anschliesst,

dass dabei zur Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich auf die 
soeben ausgeführte Begründung der Vorinstanz zu verweisen ist,

dass hinsichtlich der vom BFM festgestellten Unregelmässigkeiten in 
Bezug auf das von der Beschwerdeführerin eingereichte Exemplar der 
"F._______"  als  weiteres  offensichtliches  Manipulationsmerkmal  der 
Umstand  anzufügen  ist,  dass  der  Artikel  auf  Seite  4  mit  dem  Titel 
"I._______",  welcher  demjenigen  über  die  Beschwerdeführerin 
vorangeht, mitten in einem Satz abgeschnitten ist,

Seite 6

D-4891/2010

dass die Ausführungen der Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde-
eingabe vom 5. Juli  2010 nicht geeignet sind, zu einer anderen Ein-
schätzung zu führen,

dass sich  die  Beschwerdeführerin  nämlich  mit  Blick auf  die  von der 
Vorinstanz  zutreffend  festgestellten  Ungereimtheiten  bezüglich  des 
eingereichten Zeitungsexemplars auf eine blosse Bestreitung der for-
mellen Aspekte (Papierqualität, Schriftbild, u.a.) beschränkt und sich in 
keiner  Weise zu den offensichtlichen und groben inhaltlichen Abwei-
chungen zwischen dem Zeitungsartikel  und ihren eigenen Aussagen 
vor den schweizerischen Asylbehörden äussert,

dass die Beschwerdeführerin sodann selber einräumt, die festgestell-
ten formellen Ungereimtheiten vermöchten Zweifel an der Authentizität 
des Zeitungsexemplars zu begründen, jedoch an dessen Echtheit fest -
hält und die Vornahme einer Echtheitsprüfung im Rahmen einer Bot -
schaftsanfrage beantragt,

dass dieser Antrag indessen angesichts der Offensichtlichkeit  der in-
haltlichen Widersprüche zwischen dem Artikel und den Aussagen der 
Beschwerdeführerin abzuweisen ist,

dass nach dem Gesagten das Vorliegen eines Wiederwägungsgrundes 
zu verneinen ist,

dass es der Beschwerdeführerin mithin nicht gelungen ist darzutun, in-
wiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder un-
angemessen ist  (Art. 106 AsylG),  weshalb die Beschwerde abzuwei-
sen ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG),  nachdem  ihr  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wegen  –  obenstehend 
aufgezeigter  –  Aussichtslosigkeit  der  Beschwerdebegehren  abzuwei-
sen ist.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 7

D-4891/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt, mit den Akten (per Kurier; in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Martin Zoller Jürg Hünerwadel

Versand:

Seite 8