# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 71c91aae-3f76-53d4-8db8-b8933eb2143a
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-03-28
**Language:** de
**Title:** Verletzung des rechtlichen Gehörs durch unzureichende Auseinandersetzung mit den gegen das Gutachten erhobenen Einwänden und durch Nichterlassen eines neuen Vorbescheids nach Einholung eines bidisziplinären Gutachtens im Vorbescheidverfahren; Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache zur Durchführung eines ordentlichen Verwaltungsverfahrens.
**Docket/Reference:** IV.2017.01318
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.01318.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.01318
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiberin Senn-Buchter
Urteil
vom
28. März 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Tomas Kempf
Flum
Schlegel Kempf Rechtsanwälte
Webernstrasse 5, 8610 Uster
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren
1963 und zuletzt
als Baufacharbeiter bei der
Y.___
(Urk. 5/12) tätig gewesen,
meldete sich am 11. Dezem
ber
2015 wegen einer Bandscheiben
problematik bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 5/7).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
veranlasste Mass
nahmen zur
beruflichen Wiederein
gliederung
(Urk. 5/26, Urk. 5/39), welche sie am 10. November
2016 zufolge Arbeitsun
fähig
keit des Versicherten
beendete
(Urk. 5/48).
Nach durch
laufenem
Vorbe
scheid
verfahren
(Vorbescheid vom 10. April
2017, Urk. 5/67; Einwand vom 19. Mai
2017, Urk. 5/72), in dessen Verlauf sie eine
bidiszipl
inäre
Begut
achtung veranlasst
hatte
(Gutachten von Prof. Dr. med.
Z.___
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH sowie Neurologie FMH, und Dr. med. und Dr. sc. nat. ETH
A.___
, Innere Medizin FMH spez. Rheumaerkrankungen, vom 14./23. August 2017, Urk. 5/82-84), verneinte sie mit Verfügung vom 31. Oktober
2017 (Urk. 2) einen Leistungsanspruch des Ver
sicherten, insbeson
dere einen Rentenanspruch ausgehend von e
inem Invalidi
tätsgrad von 13 %.
2.
Hiergegen erhob
X.___
am
1.
Dezember
2017 Be
schwerde mit folgenden Anträ
gen (
Urk.
1 S. 2):
„
1.
Es sei die Verfügung vom 3
1.
Oktober 2017 aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer gemäss den nachfolgenden Erwägungen mit Wirkung ab
1.
Juni
2016 eine Rente der Invalidenversicherung sowie sämtliche weiteren Leistungen nach IVG (berufliche Massnahmen, Taggelder etc.) auszurichten;
2.
Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung und Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurück zu weisen;
unter Kosten
-
und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwertsteuer) zulasten der Beschwerdegegnerin.“
Die IV-Stelle ersuchte in ihrer Beschwerdeantwort vom 2
4.
Januar 2018 (
Urk.
4)
um Abweisung der Beschwerde, was
dem Beschwerdeführer am 2
6.
Januar 2018 zur Kenntnis gebracht
wurde
(
Urk.
6).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
57a
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbescheid
s
mit. Die versicherte Person hat An
spruch auf rechtliches Gehör im Sinne von
Art.
42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG).
Die Parteien können innerhalb einer Frist von 30 Tagen bei der IV-Stelle münd
lich oder schriftlich Einwände zum Vorbescheid vorbringen (
Art.
73
ter
Abs.
1 und
Abs.
2 Satz
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV). Her
nach entscheidet die IV-Stelle mittels Verfügung, wobei sie sich darin mit den für den Beschluss relevanten Einwänden der Parteien auseinanderzusetzen hat (
Art.
74
Abs.
1 und 2 IVV).
Die von den kantonalen IV-Stellen erlassenen Verfügungen sind sodann – in Abweichung von
Art.
52 und
Art.
58 ATSG – ohne vorgängiges
Einsprachever
fahren
direkt beim Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar (
Art.
69
Abs.
1
lit
.
a IVG).
1.2
Nach
Art.
42 ATSG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, wobei sie vor Erlass von Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind – was auf Verfügungen über Leistungen der Invalidenversicherung nach dem Gesagten nicht zutrifft –
,
nicht angehört werden müssen.
Ein Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der explizi
ten gesetzlichen Regelung in
Art.
42 ATSG auch in
Art.
29
Abs.
2 der Bundes
verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(BV) garantiert wird (vgl. BGE
124 V 180 E.
1a), ist das Recht der versicherten Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erhebli
chen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Be
wei
se entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äus
sern, wenn dieses geeignet ist, den
Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E.
3.1). Der Gehörsanspruch verpflichtet die Behörde, die Vorbringen der be
troffenen
Person auch tatsächlich zu hören, zu prüfen und in der
Entscheidfin
dung
zu berücksichtigen, weshalb sie ihren
Entscheid zu begründen hat (BGE
134 I 83 E.
4.1). Die Pflicht der Behörde, ihre Verfügungen – sofern sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (
Art.
49
Abs.
3 Satz
2 ATSG) – zu begründen, bezweckt insbesondere, die betroffene Person in die Lage zu versetzen, eine
Ver
fügung
gegebenenfalls sachg
erecht anfechten zu können (BGE 124 V 180 E. 1a, vgl. auch BGE
134 I 83 E.
4.1 mit Hinweisen).
Um den verfassungsrechtlichen Anforderungen zu genügen, muss die Begrün
dung wenigstens kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der Entscheid stützt. Aus der Begründung muss jedenfalls ersichtlich werden, ob und warum die Behörde ein Vorbringen einer Partei für unzutreffend beziehungsweise unerheblich hält. Es muss erkennbar sein, ob die Behörde es überhaupt in Betracht gezogen hat. Sie darf sich nicht auf den Hinweis beschränken, die Überlegungen der versi
cherten Person seien zur Kenntnis genommen und geprüft worden. Die Begrün
dung muss so abgefasst sein, dass eine Anfechtung des Entscheids möglich ist (
Kieser
,
ATSG
-Kommentar,
3.
Auflage
Zürich/Basel/Genf
2015, N
56 zu
Art.
49, mit Hinweis auf BGE
124 V 180).
Das
Vorbescheidverfahren
geht über den verfassungsrechtlichen Mindestan
spruch auf rechtliches Gehör (
Art.
29
Abs.
2 BV) hinaus, indem es Gelegenheit gibt, sich nicht nur zur Sache, sondern auch zum vorgesehenen Entscheid zu äus
sern (BGE 134 V 97 E. 2.8.2 mit Hinweisen).
1.3
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Daher führt dessen Ver
letzung ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Vorbehalten bleiben praxisgemäss Fälle, in denen die Verletzung des Begründungsrechts nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor einer Instanz äussern kann, welche sowohl Tat- als auch Rechtsfragen uneingeschränkt überprüft. Von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist im Sinne einer Hei
lung des Mangels selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalis
tischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wäre
n (BGE 132 V 387 E.
5.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Mit Vorbescheid vom 1
0.
April
2017 (
Urk.
5/67) stellte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die Verneinung seines Rentenanspruchs in Aussicht
. Sie stützte sich dabei auf einen
Invaliditätsgrad von 13
%
, welchen sie ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer „optimal angepassten“ Tätigkeit
aus der Gegenüberstellung eines
Validenlohn
s
von
Fr.
69‘290.-- und eines Inva
lideneinkommens von
Fr.
60‘167.20 ermittelt hatte.
2.2
Dagegen erhob der Beschwerdeführer
am 19. Mai 2017
Einwand
(Urk. 5/72)
und
brachte vor
, die Beschwerdegegnerin gehe zu Unrecht davon aus, dass er in einer
(
von ihr
nicht näher umschriebenen
)
angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei
und ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könne. Er be
antrage die
Zusprache
einer (ganzen) Invalidenrente
ab
dem
1. Juni 2016
und sämtlicher weiterer Leistungen nach IVG (berufliche Massnahmen, Taggelder etc.)
. Allenfalls seien für einen solchen Entscheid noch weitere Abklärungen zu tätigen, namentlich
sei
– der Empfehlung von
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie (Berich
t vom 25. Januar 2017, Urk. 5/51
)
,
fol
gend – ein (psychiatrisch-rheumatologisches) Gutachten einzuholen.
2.3
Nachdem
sich
der regionale
ärztliche
Dienst (RAD)
– in Abkehr von seiner
vor
maligen
Einschätzung (Stellungnahme vom 31. März 2017, Urk. 5/66/4-5) – am 22. Juni
2017 (Urk. 5/100/2-3) für eine Begutachtung in den Fachrichtungen Rheu
matologie und Psychiatrie ausgesprochen hatte, erging am 14./23. August 2017 das
bidisziplinäre
Gutachten
von Prof. Dr.
Z.___
und Dr.
A.___
zu
handen der Beschwerdegegnerin (Urk. 5/82-84). Am 28. August 2017 nahm der RAD dazu Stellung (Urk. 5/100/3-4).
2.4
A
m 1
9.
September
2017
(Urk. 5/85) gab die Beschwerdegegnerin dem Be
schwer
deführer
Gelegenheit, zu den seit
seinem
Einwand vom 1
9.
Mai 2017 er
gangenen Akten Stellung zu nehmen
.
In seiner Eingabe vom 2
7.
Oktober 2017 (
Urk.
5/99) machte der Beschwerdefüh
rer
zusammengefasst
geltend, das Gutachten stelle keine zuverlässige medizini
sche Entscheidungsgrundlage dar.
Namentlich
könne auf die darin attestierte Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer angepassten Tätigkeit und das umschriebe
ne Zumutbarkeitsprofil nicht abgestellt werden. Die
Gutachter
hätten es
an einer eigentlichen Auseinandersetzung
mit den Einschätzungen der behandelnden Ärzte fehlen lassen und ihren abweichenden Standpunkt nicht hinreichend be
gründet. Das gutachterlich formulierte Belastungsprofil trage seinen Einschrän
kungen nicht gebührend Rechnung.
Sodann
habe Dr.
A.___
mit ihren
wie
derholt
en Hinweisen
auf
„deutliche Gebrauchsspuren“
beziehungsweise „deutli
che Schwielen“ an Händen und Knien eine Arbeitstätigkeit
in einer knienden Tätig
keit unterstellt, obwohl in früheren Berichten von derartigen
Merkmalen
keine Rede sei und auch Prof.
Dr.
Z.___
keine solchen aufgefallen seien. Schliesslich werde in beiden Teilgutachten ein auf
der Plattform „
Facebook
“
veröffentlichtes Bild von ihm thematisiert, ohne
dass sich erschliesse, woher dieses stamme und
aus welchen Gründen er damit konfrontiert werde, zumal er eine absolut plau
sible Erklärung zu dessen Entstehung habe.
2.5
Hernach erliess die Beschwerdegegnerin die abschlägige Verfügung vom 3
1.
Oktober 2017 (
Urk.
2).
Darin
äusserte sie sich
zu
den
Vorbringen
des Be
schwerdeführers
wie folgt: „Das Gutachten von
Dr.
A.___
und
Dr.
Z.___
ist nachvollziehbar, wurde in Kenntnis der
Vorakten
erstellt und ist in seinen Fol
gerungen schlüssig. Wir stellen daher darauf ab. Das Gutachten bestätigt un
seren Vorbescheid: In der angestammten Tätigkeit als Baufacharbeiter ist Herr
X.___
nicht mehr arbeitsfähig. In einer optimal angepassten Tätig
keit besteht jedoch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Berufliche Massnahmen mit IV-Taggeld wurden bereits durchgeführt. Über eine Ausbildung verfügt der Kunde nicht, so dass kein Anspruch auf eine Umschulung besteht. Für die Un
terstützung bei der Stellensuche ist das RAV zuständig, da der Kunde diesbe
züglich nicht einge
schränkt ist.“
2.6
In ihrer Beschwerdeantwort vom 2
4.
Januar
2018 (
Urk.
4) verwies die Be
schwerdegegnerin auf
ihre
Akten, insbesondere auf das
bidisziplinäre
Gutachten vom 14./2
3.
August
2017, die Stellungnahme ihres RAD vom 2
8.
August
2017 und die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung
.
3.
3.1
In der angefochtenen Verfügung vom 31. Oktober
2017 (Urk. 2)
führte die Be
schwerdegegnerin
hinsichtlich der Einwände des Beschwerdeführers lediglich aus, das
bidisziplinäre
Gutachten von Prof. Dr.
Z.___
und Dr.
A.___
vom 14./23. August
2017
sei nachvollziehbar, in Kenntnis der
Vorakten
erstellt wor
den und in seinen Folgerungen schlüssig
, weshalb darauf abgestellt werde
. Es bestätige den Vorbescheid beziehungsweise die darin angenommene Arbeitsfä
higkeit von 100 % in einer
„optimal angepassten“ Tätigkeit
(vgl. E. 2.5
hiervor)
.
In dieser allgemein gehaltenen Formulierung
kann
klarerweise keine rechtsge
nügende Begründung erblickt werden.
Mit der
vom Beschwerdeführer
am
27. Oktober 2017
geäusserte
n
Kritik am
besagten
Gutachten
(vgl. E.
2.4
hiervor)
setzte sich
die
Beschwerdegegnerin
in der Verfügung
nicht
in der gebotenen Weise
auseinander
.
Der
in der Beschwerdeantwort
vom 24. Januar 2018
ange
führte
pauschale
Verweis
auf die IV-Akten
beziehungsweise auf
einzelne Akten
stücke
(vgl. E. 2.6
hiervor)
vermag diesen Begründungsmangel
von vornherein
nicht zu beheben.
3.2
Überdies
führt
zwar
die
Durchführung von weiteren Abklärungen im
Vorbe
scheidverfahren
nicht zwingend dazu, dass ein neuer Vorbescheid zu erlassen
ist; dies hängt von den Umständen des Einzelfalles ab, unter anderem von der inhaltlichen Bedeutung der Sachverhaltsvervollständigung (Urteil des Bundes
gerichts 9C_606/2014 vom
9.
Dezember 2014 E.
2.1 in
fine
).
Vorliegend wurde der
entscheidrelevante
medizinische Sachverhalt grösstente
ils nach Erlass des Vorbescheid
s vom 1
0.
April 2017 (
Urk.
5/67) abgeklärt, wurde doch auf
Einwand des Beschwerdeführers (
Urk. 5/72
)
hin das
psychiatrisc
h-rheumatologische
Gutachten
von Prof. Dr.
Z.___
und Dr.
A.___
14./23. August
2017 (Urk. 5/82-84)
eingeholt und als
medizinische Entschei
dungs
grundlage für
den abschlägigen Leistungsentscheid
herangezogen
(vgl.
E. 2.2, E.
2.3 und E. 2.5 hiervor)
.
Eine solch umfassende Sachverhalts
vervoll
stän
digung ist derart wesentlich, dass dem Beschwerdeführer zur rechts
genü
genden Gewährung des rechtlichen Gehörs vor Erlass der ange
fochtenen Verfü
gung vom 3
1.
Oktober
2017 (
Urk.
2) mit einem neuen Vor
bescheid hätte mitge
teilt werden müssen, wie die Beschwerdegegnerin anhand der ergänzenden medizinischen Abklärungen
über den Leistungs
an
spruch
zu entscheiden gedenkt.
Daran ändert nichts, dass das
fragliche
Gutachten nicht zu einem anderen als dem mit Vorbescheid vom 1
0.
April 2017 (
Urk.
5/67) in Aussich
t gestellten Ent
scheid führte.
3.3
Die angefochtene Verfügung erging somit unter schwerer Verletzung des recht
lichen Gehörs des Beschwerdeführers, wie dieser beschwerdeweise zu Recht rüg
te
(Urk. 1 S. 6 Ziff. 8)
. Es kann nicht angehen, dass der Beschwerdeführer in den Verfahrensakten nach allfälligen der angefochtenen Verfügung zugrunde lie
genden Überlegungen seitens der Beschwerdegegnerin suchen muss, um sich eine Meinung bilden zu können, ob und allenfalls mit welcher Argumentation er den leistungsabweisenden Entscheid anfechten soll. Der Beschwerdeführer wurde so gewissermassen auf den Gerichtsweg gezwungen, um Kenntnis von den Entscheidungsgründen der Beschwerdegegnerin zu erhalten beziehungswei
se um – nachdem sich die Beschwerdegegnerin im vorliegenden Verfahren dies
bezüglich nicht weiter vernehmen liess (vgl. E. 2.4 hiervor) – namentlich vom Gericht zu erfahren, wie der Entscheid begründet werden könnte. Dies kann nicht im Sinne der Verfahrensökonomie liegen und erweist sich auch unter Be
rücksichtigung der Kostenpflicht des Beschwerdeverfahrens (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) als stossend.
Zudem ist es nicht Sache des Gerichts, unter allen Blickwinkeln in den Akten nach möglicherweise zutreffenden Erklärungen zu forschen,
welche
die verfügte
Abweisung des Leistungsbegehrens belegen könnten, ohne dass die Verwaltung hierzu mit Blick auf die konkrete Aktenlage Erwägungen angestellt hätte. Letzte hat ihre Begründung so abzufassen, dass nicht nur für den Betroffenen, sondern
auch für das Gericht ersichtlich wird, von welchen Überlegungen sie sich hat leiten lassen.
Die ins
Einwandverfahren
verschobenen umfangreichen Abklärungen verhin
dern eine unkomplizierte und prozessökonomische Diskussion im Verwaltungs
verfahren, wenn deren Würdigung und der vorgesehene Entscheid vor der Ein
leitung des Gerichtsverfahrens nicht mehr angekündigt wird. Dies
läuft
dem Sinn und Zweck des
Vorbescheidverfahrens
zuwider
, mit dem auch eine verbes
serte Akzeptanz des Entscheids beim Versicherten angestrebt wird, was die Beschwer
degegnerin mit ihrer Vorgehensweise g
änzlich zu verkennen scheint.
Schliesslich
kann es nicht Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass Verwaltungsbehörden sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und da
rauf vertrauen, dass solche Verfahrensmängel in einem von der betroffenen Person allfällig angehobenen Prozess dann behoben würden (vgl. BGE 116 V 182 E. 3c).
Es besteht daher für das Gericht kein Anlass, die Gehörsverletzung im vorliegenden Verfahren als geheilt zu betrachten.
3.4
D
amit ist d
ie angefochtene Verfügung vom 3
1.
Oktober
2017 (
Urk.
2)
aus for
mellen Gründen –
ungeachtet der materiellen Erfolgsaussic
hten der Beschwerde (vgl. E. 1.3
hiervor
) –
aufzuheben. Die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zu
rückzuweisen, damit sie über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers in einem rechtsgenügenden Verwaltungsverfahren im Sinne der Erwägungen neu entscheide. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
4.
4.1
Die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur neuen Verfügung gilt recht
sprechungsgemäss für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen
(BGE 141 V 281 E. 11.1, 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2).
4.2
Die Kosten des Verfahrens gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 600.-- festzusetzen und entsprechend dessen Ausgang der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.3
Ausgangsgemäss steht dem Beschwerdeführer
gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG und § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) eine Prozessentschädigung zu, welche ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses sowie unter Anwendung des
gerichtsüblichen
Stundenansatzes von Fr.
220.
--
(zuzüglich Mehrwertsteuer) für
freiberufliche
Rechtsanwälte auf Fr.
1'800.
-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 3
1.
Oktober 2017 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit sie in einem rechtsgenü
genden Verwaltungsverfahren über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu entscheide.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozess
entschädigung von
Fr. 1’800
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Tomas Kempf
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubSenn-Buchter