# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8064ae81-34ce-5c49-9476-8e52b48797ac
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-02-14
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 14.02.2012 OH 2011/8
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_OH-2011-8_2012-02-14.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: OH 2011/8

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: OH - Opferhilfe

Publikationsdatum: 14.02.2012

Entscheiddatum: 14.02.2012

Entscheid Versicherungsgericht, 14.02.2012
Art. 1 und 22 Abs. 1 OHG: Anspruch auf Genugtuung nach OHG. Schwere der 
psychischen Beeinträchtigung nach einem sexuellen Übergriff war 
ungenügend abgeklärt. Rückweisung zu weiteren Abklärungen (Entscheid 
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 14. Februar 2012, OH 
2011/8).Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg-Haltinner, 
Versicherungsrichterin Marie Löhrer, a.o. Versicherungsrichter Christian 
Zingg; Gerichtsschreiber Marcel KuhnEntscheid vom 14. Februar 2012in 
SachenA.___,Rekurrentin,vertreten durch Kinderschutzzentrum St. Gallen, 
Claudiusstrasse 6, 9006 St. Gallen,gegenSicherheits- und Justizdepartement 
des KantonsSt. Gallen, Moosbruggstrasse 11, 9001 St. 
Gallen,Vorinstanz,betreffendGenugtuungSachverhalt:

A.     

A.a   A.___ liess am 5. Mai 2011 durch das Kinderschutzzentrum St. Gallen ein Gesuch 

um Ausrichtung einer Genugtuung nach Opferhilfegesetz (OHG) in der Höhe von Fr. 

10'000.-- stellen. Sie sei am 30. Oktober 2010 Opfer einer Vergewaltigung nach Art. 

190 StGB und einer Freiheitsberaubung nach Art. 183 StGB durch einen ihr 

unbekannten jungen Mann geworden. Um ihre Intimsphäre zu schützen und ihre 

persönliche Stabilisierung nicht zu gefährden, sei aus fachlicher Sicht der Entscheid 

nachvollziehbar, keine Strafanzeige zu erheben. Die begangenen Straftaten würden 

eine schwerwiegende Beeinträchtigung im psychischen und sexuellen Bereich und 

einen gravierenden Einschnitt in die psychosexuelle Entwicklung der Gesuchstellerin 

darstellen, deren Folgen noch nicht abschliessend beurteilt werden könnten (act. G 

3.1/1). Dem Gesuch legte sie u.a einen Bericht der Kinder- und Jugendpsychiatrischen 

Dienste St. Gallen (KJPD) vom 22. Februar 2011 bei. Diesem Bericht ist zu entnehmen, 

dass sich die Gesuchstellerin seit 19. November 2010 in Abklärung und Behandlung 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

befinde, da sie Unterstützung in der Verarbeitung einer Vergewaltigung wünsche. Es 

würden sich deutliche Zeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung zeigen. In 

den Sitzungen habe sie spontan, bis jetzt einmal ausführlich, von einer einmalig 

erlittenen Vergewaltigung durch einen ihr unbekannten Mann berichtet. Die Aussagen 

würden altersgemäss und authentisch wirken. Am 30. Oktober 2010 sei sie mit einer 

Kollegin auf einer Party in einem leerstehenden Haus in C.___ gewesen. Da es im Haus 

Übernachtungsmöglichkeiten gegeben habe, hätten sie spontan beschlossen, dort zu 

bleiben und am Morgen beim Aufräumen zu helfen. Um ca. 01.00 Uhr habe ihre 

Kollegin allerdings entschieden, sich in der Stadt mit ihrem Freund zu treffen, und mit 

ihm zu sich nach Hause zu gehen. Die Gesuchstellerin habe sich bald darauf 

aufgemacht, einen Schlafplatz im 1. Stock des Hauses zu organisieren. Sie habe sich 

alleine in diesem Stockwerk aufgehalten, als ein ihr unbekannter Typ gekommen sei, 

der sie "blöd angemacht" habe. Sie habe sich zu wehren versucht. Er habe sie aber in 

ein Zimmer gedrängt, die Tür geschlossen und sie vergewaltigt. Sie habe zum Teil die 

Musik von unten gehört, aber sie habe sich nicht bemerkbar machen und auch nicht 

wehren können. Sie habe sich in einem Zustand der Erstarrung beschrieben. Nachher 

sei der Typ verschwunden. Sie sei bis zum anderen Morgen geblieben und habe beim 

Aufräumen geholfen. Im Laufe des Tages habe sie sich mit ihrer Kollegin getroffen und 

erzählt, was ihr passiert sei. Die Kollegin habe sie anschliessend zuerst ins Kinderspital 

und dann zu einem gynäkologischen Untersuch ins Kantonsspital begleitet. Zusammen 

hätten sie am Sonntagabend die Mutter der Gesuchstellerin informiert. Über die 

Schulpsychologin habe sich die Gesuchstellerin dann für psychologische 

Unterstützung an die KJPD gewandt. Die aktuellen Schwierigkeiten der Gesuchstellerin 

würden in einem klaren Zusammenhang mit der erlittenen Vergewaltigung stehen, 

weshalb sie einer psychotherapeutischen Behandlung bedürfe (act. G 3.1/1d).

A.b   Mit Schreiben vom 19. Mai 2011 bestätigte das Kantonsspital St. Gallen, dass die 

Gesuchstellerin am 31. Oktober 2010 im Rahmen des Programms "Soforthilfe für 

vergewaltigte Frauen" zur ambulanten Beratung und Behandlung erschienen sei. Sie 

sei durch eine Fachfrau beraten sowie durch eine Gynäkologin und einen 

Rechtsmediziner untersucht worden (act. G 3.1/3a). Am 30. Mai 2011 liess das 

Kantonsspital St. Gallen dem Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. 

Gallen die Resultate der durchgeführten Untersuchungen zukommen (act. G 3.1/6).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.c   Mit Verfügung vom 11. August 2011 wies das Sicherheits- und Justizdepartement 

des Kantons St. Gallen das Genugtuungsbegehren ab. Die Tatsache, dass sich die 

Gesuchstellerin im Spital habe untersuchen lassen, spreche dafür, dass zwischen ihr 

und dem ihr unbekannten jungen Mann Geschlechtsverkehr stattgefunden habe. 

Überwiegend wahrscheinlich erscheine, dass die Gesuchstellerin den Sexualkontakt 

nicht gewollt habe. Mit Zweifel behaftet sei jedoch die Frage, ob der 

Geschlechtsverkehr rechtlich als Vergewaltigung zu werten sei. Die Einwirkung müsse 

eine gewisse Intensität erreichen, damit sie als Gewalt im Sinn von Art. 190 Abs. 1 

StGB qualifiziert werden könne. Mit Ausnahme, dass die Gesuchstellerin ins Zimmer 

gedrängt worden sei, seien die Angaben zur Gewaltanwendung nur sehr vage. Die 

ärztliche Untersuchung habe keine Gewaltspuren zum Vorschein gebracht. Unter 

diesen Umständen liege es nahe, dass die Einwirkung des unbekannten Mannes auf 

die Gesuchstellerin die für eine Vergewaltigung nötige Intensität nicht erreicht habe. 

Insgesamt reiche die vorliegende Beweislage nicht aus, um die Vergewaltigung mit 

dem über die Glaubhaftmachung hinausgehenden Beweismass der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit zu beweisen (act. G 1.1).

B.       

B.a   Gegen diese Verfügung richtet sich der vom Kinderschutzzentrum St. Gallen im 

Namen von A.___ eingereichte Rekurs vom 24. August 2011 mit den sinngemässen 

Anträgen, die Verfügung vom 11. August 2011 sei aufzuheben und der Rekurrentin sei 

eine Genugtuung nach OHG von Fr. 10'000.-- auszurichten. Dr. B.___, Kantonsspital 

St. Gallen, sei anlässlich der gynäkologischen Untersuchung am 31. Oktober 2010 im 

Kantonsspital St. Gallen anwesend gewesen und habe weitere Aussagen der 

Rekurrentin schriftlich festgehalten, aus denen der detaillierte Ablauf der Straftat 

hervorgehe. Gemäss telefonischer Auskunft von Dr. B.___ vom 18. August 2011 habe 

die Rekurrentin erzählt, dass sie vom unbekannten Mann an ihren Armen festgehalten 

worden sei und er ihr sein Knie in den Schritt gedrückt habe. Sie habe auch kleinere 

Hämatome am Armgelenk aufgewiesen, die allenfalls das Festhalten dokumentieren 

könnten. Diese Aussagen seien unmittelbar nach der Straftat erfolgt, womit eine 

allfällige Beeinflussung Dritter weitgehend ausgeschlossen werden könne. Die 

posttraumatische Belastungsstörung stehe im klaren Zusammenhang zur erlittenen 

Vergewaltigung. Die Aussagen der Rekurrentin würden mit den ärztlichen Befunden 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

übereinstimmen. Durch die aktive Gegenwehr habe sie verhindern können, dass der 

unbekannte junge Mann völlig in sie eingedrungen sei und einen Samenerguss gehabt 

habe. Es hätten demzufolge keinerlei Verletzungen im Intimbereich festgestellt werden 

können und der Spermanachweis und der Chlamydienbefund seien negativ gewesen. 

Die notwendige Intensität der Gewaltanwendung für eine Vergewaltigung sei aufgrund 

der Aussagen der Rekurrentin somit gegeben (act. G 1).

B.b   Mit Eingabe vom 31. August 2011 beantragt die Vorinstanz die Abweisung des 

Rekurses und verweist auf die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung (act. G 

3).

B.c   Am 8. September 2011 liess die Rekurrentin einen Bericht von Dr. B.___ vom 

5. September 2011 ins Recht legen. Im Bericht wurde im Wesentlichen ausgeführt, 

dass die Rekurrentin anlässlich der körperlichen und gynäkologischen Untersuchung in 

der Frauenklinik des Kantonsspitals St. Gallen vom 31. Oktober 2010 u.a. ausgesagt 

habe, am 30. Oktober 2010 auf einer Party bei einem Kollegen in C.___ gewesen zu 

sein. Gegen 02.00 Uhr habe sie eine Schlafgelegenheit gesucht. Dabei habe sie ein ihr 

unbekannter Mann angemacht. Sie habe ihm gesagt, dass er sie in Ruhe lassen solle. 

In der Folge habe er sie mit seinen Händen an ihren Handgelenken gepackt und 

herunter gedrückt. Dabei habe er sie vermutlich mit seinen Knien im Beinbereich fixiert. 

Er habe ihr die Hose ausgezogen und versucht, mit dem Glied in sie einzudringen. Sie 

habe sich gewehrt. Er hätte nicht in die Scheide eindringen können und habe letztlich 

sein Unterfangen erfolglos abbrechen müssen. Es sei zum Kontakt im äusseren 

Scheidenbereich gekommen, ohne dass ein Samenerguss stattgefunden habe. Ein 

Kondom sei nicht verwendet worden. Er sei dann recht schnell weggegangen (act. G 5 

und 5.1).

B.d   Mit Schreiben vom 21. September 2011 nahm die Vorinstanz zum Bericht von 

Dr. B.___ vom 5. September 2011 Stellung und führte im Wesentlichen aus, dass es 

sich bei diesem Bericht - entgegen den Ausführungen der Rekurrentin - nicht um 

echtzeitliche Notizen handle, sondern um ein mehr als zehn Monate nach der 

gynäkologischen Untersuchung verfasstes Dokument. Sodann sei dem Bericht - im 

Widerspruch zu den Ausführungen der KJPD im Schreiben vom 22. Februar 2011 - zu 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

entnehmen, dass der Geschlechtsverkehr vor dem Eindringen in die Scheide 

abgebrochen worden sei, und zwar weil sich die Rekurrentin gewehrt habe (act. G 7).

B.e   Im Schreiben vom 2. November 2011 teilte die Vertretung der Rekurrentin 

hauptsächlich mit, dass die Gegenwehr der Rekurrentin im Bericht von Dr. B.___ 

lediglich klarer umschrieben worden und deshalb noch kein Widerspruch zum Bericht 

der KJPD auszumachen sei. Sowohl die Therapeutin der KJPD als auch das 

Kinderschutzzentrum St. Gallen seien von einer vollzogenen Vergewaltigung mit 

Penetration ausgegangen. Dem Bericht von Dr. B.___ zu Folge sei es jedoch zu einem 

Kontakt im äusseren Scheidenbereich und nicht zu einer Penetration gekommen. 

Sowohl eine versuchte Vergewaltigung als auch eine sexuelle Nötigung würden 

schwere Straftaten im Sinn des Strafgesetzbuches darstellen, welche laut 

Therapiebericht der KJPD zu einer posttraumatischen Belastungsstörung und einem 

gravierenden Einschnitt in die psychosexuelle Entwicklung geführt hätten. Der 

Rekurrentin stehe somit eine Genugtuung nach OHG zu (act. G 11).

B.f    Die Vorinstanz hat auf die Einreichung einer weiteren Stellungnahme verzichtet 

(act. G 13).      

Erwägungen:

1.        

1.1    Nach Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten 

(OHG; SR 312.5) hat jede Person Anspruch auf Unterstützung nach diesem Gesetz, die 

durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität 

unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Opfer). Der Anspruch besteht unabhängig davon, 

ob der Täter ermittelt worden ist, ob er sich schuldhaft verhalten hat oder ob er 

vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat (Art. 1 Abs. 3 OHG). Unter einer Straftat ist ein 

tatbestandsmässiges, rechtswidriges Verhalten im Sinn des Strafgesetzbuches zu 

verstehen. Im Unterschied zum Strafrecht muss dieses Verhalten im Opferhilferecht 

jedoch nicht zusätzlich schuldhaft sein (Peter Gomm/Dominik Zehntner, 

Opferhilfegesetz, 3. Aufl., Art. 1 N 3).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

1.2    Es ist in erster Linie Sache der Strafbehörden, das Vorliegen einer Straftat 

abzuklären (Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2003, 1A.110/2003, E. 3.2). 

Das Opfer ist hingegen nicht zur Einreichung einer Strafanzeige verpflichtet, um als 

Opfer im Sinn des OHG anerkannt zu werden (Gomm/Zehntner, a.a.O., Art. 1 N 13). Bei 

fehlendem Strafverfahren hat die Entschädigungsbehörde den Sachverhalt abzuklären 

(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 8. Februar 2010, OH 

2009/6, E. 1.3). Wird kein Strafverfahren durchgeführt, so stellt sich die Frage nach den 

Anforderungen an den Nachweis der Opfereigenschaft. Nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung sind daran je nach Art der Hilfe unterschiedliche Anforderungen zu 

stellen. Für die Inanspruchnahme der unentgeltlichen Beratungshilfe genügt es 

grundsätzlich, wenn die Opfereigenschaft glaubhaft erscheint (BGE 122 II 216, E. 3c). 

Bei den finanziellen Leistungen muss dagegen in Anlehnung an das 

Sozialversicherungsrecht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Straftat vorliegen 

(Eva Weishaupt, Finanzielle Leistungen gemäss Opferhilfegesetz, in: Bernhard 

Ehrenzeller/Christine Guy-Ecabert/ André Kuhn [Hrsg.], Das revidierte Opferhilfegesetz, 

Zürich/St. Gallen 2009, S. 55).

1.3    Gemäss Art. 22 Abs. 1 OHG hat das Opfer Anspruch auf eine Genugtuung, wenn 

die Schwere der Beeinträchtigung es rechtfertigt; die Artikel 47 und 49 des 

Obligationenrechts (SR 220) sind sinngemäss anwendbar. Nicht jede physische oder 

psychische Verletzung oder Beeinträchtigung führt zu einer Genugtuung. 

Voraussetzung ist eine gewisse Schwere der Beeinträchtigung, wie beispielsweise 

Invalidität oder dauernde Beeinträchtigung eines wichtigen Organs. Ist die Schädigung 

nicht dauernd, so ist ein Anspruch auf Genugtuung nur gegeben, wenn besondere 

Umstände vorliegen, wie etwa eine lange Leidenszeit, Arbeitsunfähigkeit oder ein 

längerer Spitalaufenthalt (Gomm/ Zehntner, a.a.O., Art. 22 N 9, mit Hinweisen auf 

Rechtsprechung und Literatur). Schwieriger als körperliche Einschränkungen sind 

psychische Beeinträchtigungen (oft auch als Folgen von Eingriffen in die sexuelle 

Integrität) zu bewerten, ist dabei doch vor allem auf die Angaben des Opfers selbst 

oder allenfalls spezialisierter Fachärzte abzustellen. Ungewiss ist auch oft, ob die 

daraus resultierenden Beeinträchtigungen dauerhafter Natur sind oder nicht. Nachdem 

das Opferhilfegesetz bei der Umschreibung des Geltungsbereichs in Art. 1 Abs. 1 OHG 

Eingriffe in die psychische und sexuelle Integrität den körperlichen Eingriffen 

gleichstellt, ist davon auszugehen, dass der Gesetzgeber hiefür die Schwelle nicht 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

höher setzen wollte als bei körperlichen Folgen einer Straftat. Wirken sich psychische 

Folgen einer Straftat deshalb auf die alltäglichen Verrichtungen bzw. auf die 

persönliche Verfassung des Opfers oder auf seine Beziehungen zu ihm nahestehenden 

Personen einigermassen gewichtig aus, so ist ihm ein Anspruch auf Genugtuung 

zuzuerkennen (Gomm/Zehntner, a.a.O., Art. 22 N 10).

2.        

2.1    Die Vorinstanz stützt sich in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen auf 

den Bericht der KJPD vom 22. Februar 2011 sowie auf die vom Kantonsspital St. 

Gallen anlässlich der Untersuchung vom 31. Oktober 2010 erstellten Unterlagen. 

Aufgrund dieser Aktenlage kommt sie zum Schluss, dass die Angaben zur 

Gewaltanwendung nur sehr vage seien und die ärztliche Untersuchung keine 

Gewaltspuren zum Vorschein gebracht habe, weshalb die Einwirkung des unbekannten 

Mannes auf die Rekurrentin die für eine Vergewaltigung nötige Intensität wohl nicht 

erreicht habe. Dem während des Rekursverfahrens eingereichten Bericht von Dr. B.___ 

vom 5. September 2011 ist hingegen eine konkrete Gewaltanwendung zu entnehmen, 

allerdings sei der Geschlechtsverkehr vor dem Eindringen in die Scheide abgebrochen 

worden, da sich die Rekurrentin gewehrt habe.

2.2    Die vorliegende Aktenlage ist somit bezüglich des tatsächlichen 

Geschehensablaufs zwar nicht ganz einheitlich, belegt allerdings unbestrittenermassen, 

dass es am 31. Oktober 2010, ca. 2 Uhr, zwischen der Rekurrentin und einem ihr 

unbekannten Mann zu einem von ihr ungewünschten sexuellen Kontakt gekommen ist. 

Gegen den Bericht von Dr. B.___ bringen die Parteien keine konkreten Einwände vor. 

Solche sind vorliegend auch nicht auszumachen. Insbesondere sind keine Indizien 

ersichtlich, welche gegen die Glaubwürdigkeit der Aussagen der Rekurrentin sprechen 

würden. Diesbezüglich wurde bereits im Bericht der KJPD vom 22. Februar 2011 

ausgeführt, dass die Aussagen altersgemäss und authentisch gewirkt hätten. Der 

Umstand, dass die Rekurrentin gegenüber der Psychologin noch von einer 

Vergewaltigung gesprochen hat, begründet keine Zweifel an der Richtigkeit der 

Ausführungen gegenüber Dr. B.___. Die Unterscheidung lässt sich wohl vielmehr damit 

erklären, dass die Rekurrentin bei der Schilderung der Geschehnisse in 

nachvollziehbarer Weise nicht auf juristische Abgrenzungen im Zusammenhang mit 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

dem Begriff der Vergewaltigung Rücksicht genommen hat. Unter Berücksichtigung, 

dass die Rekurrentin die Angaben bereits anlässlich der Untersuchung im 

Kantonsspital St. Gallen am 31. Oktober 2010 gemacht und die Geschehnisse äusserst 

detailliert wiedergegeben hat, ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den 

Sachverhalt abzustellen, wie er im Bericht von Dr. B.___ vom 5. September 2011 

festgehalten wurde. Weitere Abklärungen zur Ermittlung des Sachverhalts erscheinen 

vorliegend nicht angezeigt, weshalb aus Rücksicht auf die Intimsphäre vorliegend auch 

auf eine Befragung der Rekurrentin verzichtet werden kann. Aufgrund der 

Ausführungen im Bericht von Dr. B.___ ist demzufolge nicht von einer Vergewaltigung 

nach Art. 190 StGB auszugehen, da es nicht zu einer Erzwingung des Beischlafs 

gekommen ist (vgl. Philipp Maier, Basler Kommentar Strafrecht II, 2. Aufl., Art. 190 N 9). 

Indessen kann davon ausgegangen werden, dass die Rekurrentin Opfer anderer 

Straftaten geworden ist, wobei insbesondere die Tatbestandsmässigkeit der sexuellen 

Nötigung nach Art. 189 StGB und auch der versuchten Vergewaltigung nach Art. 190 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB in Betracht fallen und von der Vorinstanz, an welche die 

Streitsache zurückzuweisen ist, näher zu prüfen sind.

2.3    Wie bereits erwähnt, führt nicht jede psychische Beeinträchtigung, etwa in Folge 

von Eingriffen in die sexuelle Integrität, zu einer Genugtuung, sondern es wird 

vorausgesetzt, dass sich die Straftat auf die alltäglichen Verrichtungen bzw. auf die 

persönliche Verfassung des Opfers oder auf seine Beziehungen zu ihm nahestehenden 

Personen einigermassen gewichtig auswirkt (vgl. E. 1.3). Im Bericht der KJPD vom 22. 

Februar 2011 wurde ausgeführt, dass sich die Rekurrentin seit 19. November 2010 in 

Abklärung und Behandlung befinde. Die therapeutischen Sitzungen würden 

wöchentlich, bei Bedarf zweimal pro Woche, stattfinden. Es würden sich deutliche 

Zeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung mit psychophysischer Unruhe, 

zum Teil Gefühl der Betäubtheit, Schlafstörungen, schneller Ermüdbarkeit und 

Erschöpfbarkeit, Appetitverminderung, starken Stimmungsschwankungen, generell 

gedrückter und nachdenklicher Stimmung, Gedankenkreisen um das Erlebnis der 

Vergewaltigung, ebenfalls flashbackartigen Bildern und häufig den Tränen nahe, 

zeigen. Die Rekurrentin berichte sodann von Konzentrationsschwierigkeiten und 

Lernproblemen, erhöhter Reizbarkeit, sozialer Unsicherheit mit grosser Ängstlichkeit 

und Rückzugstendenzen sowie von suizidalen Gedanken. Die Vergewaltigung stehe im 

Zentrum der therapeutischen Gespräche, auch wenn sie nicht explizit besprochen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

werde. Im Moment liege der Fokus auf der Stabilisierungsarbeit. Das traumatisierende 

Erlebnis der Vergewaltigung bedeute einen gravierenden Einschnitt in die 

psychosexuelle Entwicklung der Rekurrentin. Im Moment sei es noch nicht möglich 

abzuschätzen, wie sich diese traumatisierende Erfahrung auf die spätere sexuelle 

Entwicklung und die Beziehungen der Rekurrentin auswirken würden. Weitere Berichte 

sind den vorliegenden Akten nicht zu entnehmen. Für die Beurteilung des Anspruchs 

auf eine Genugtuung wären allerdings psychiatrische Berichte notwendig, welche sich 

zur Schwere der allenfalls noch bestehenden psychischen Beeinträchtigungen der 

Rekurrentin äussern sowie zum Verlauf und zur Prognose der psychischen 

Gesundheitsbeeinträchtigung Stellung nehmen, zumal im Bericht der KJPD vom 

22. Februar 2011 explizit ausgeführt wurde, dass die Auswirkungen des sexuellen 

Übergriffs noch nicht abschätzbar seien. 

2.4    Nach dem gegenwärtigen Stand der Aktenlage kann somit ein Anspruch auf 

Genugtuung nicht abschliessend beurteilt werden, weshalb die Streitsache zur 

weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. Dabei hat diese aktuelle 

psychiatrische Berichte einzufordern, welche die notwendigen Angaben zur Beurteilung 

eines Anspruchs auf Genugtuung nach OHG enthalten, damit sie anschliessend neu 

über den Anspruch verfügen kann

3.        

3.1    In teilweiser Gutheissung des Rekurses ist die angefochtene Verfügung vom 

11. August 2011 aufzuheben und die Streitsache zur weiteren Abklärung im Sinn der 

Erwägungen und zu neuer Verfügung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

3.2    Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 30 Abs. 1 OHG).     

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/10

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

1.       In teilweiser Gutheissung des Rekurses wird die angefochtene Verfügung vom 

11. August 2011 aufgehoben und die Streitsache zur weiteren Abklärung im Sinn der 

Erwägungen und zu neuer Verfügung an die Vorinstanz zurückgewiesen.

2.       Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 14.02.2012
	Art. 1 und 22 Abs. 1 OHG: Anspruch auf Genugtuung nach OHG. Schwere der psychischen Beeinträchtigung nach einem sexuellen Übergriff war ungenügend abgeklärt. Rückweisung zu weiteren Abklärungen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 14. Februar 2012, OH 2011/8).Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg-Haltinner, Versicherungsrichterin Marie Löhrer, a.o. Versicherungsrichter Christian Zingg; Gerichtsschreiber Marcel KuhnEntscheid vom 14. Februar 2012in SachenA.___,Rekurrentin,vertreten durch Kinderschutzzentrum St. Gallen, Claudiusstrasse 6, 9006 St. Gallen,gegenSicherheits- und Justizdepartement des KantonsSt. Gallen, Moosbruggstrasse 11, 9001 St. Gallen,Vorinstanz,betreffendGenugtuungSachverhalt:

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T11:55:45+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen