# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fce336f2-d8f7-55ba-8128-7a6e50288995
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-08
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 08.04.2022 SST.2021.198
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2021-198_2022-04-08.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2021.198 
(ST.2019.260; StA.2019.62) 

 

 

Urteil vom 8. April 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Fedier  

Oberrichter Cotti  

Gerichtsschreiberin L. Stierli        

 

 
   

Anklägerin   Kantonale Staatsanwaltschaft, 

Bleichemattstrasse 7, 5001 Aarau  

 

    
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1995, von Chur, 

[…]  

verteidigt durch Rechtsanwalt Stefan Semela,  

[…]   

 

  
 

Gegenstand  Misswirtschaft, Unterlassen der Buchführung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Kantonale Staatsanwaltschaft erliess gegen den Beschuldigten am 

18. September 2019 den folgenden Strafbefehl: 

 

" Sachverhalt: 

 

1. Misswirtschaft, Art. 165 StGB i.S. B. AG 

Der Beschuldigte hat durch Misswirtschaft, namentlich durch ungenügende 

Kapitalausstattung, unverhältnismässigen Aufwand und arge Nachlässigkeit 

in der Berufsausübung und Vermögensverwaltung die Überschuldung und 

Zahlungsunfähigkeit der B. AG herbeigeführt und verschlimmert sowie im 

Bewusstsein der Zahlungsunfähigkeit deren Vermögenslage verschlimmert.  

 

Tatort: Q. (Sitz B. AG) 

Tatzeit: 13.05.2016 - 14.06.2017 (Ablösung durch Nachfolger C. 

im Handelsregister als Organ der B. AG, VO 1, act. 42) 

Deliktssumme: mind. CHF 649'498.87 (VO 1, act. 363) 

 

Der Beschuldigte war vom 13.05.2016 bis zum 14.06.2017 als Mitglied des 

Verwaltungsrates der B. AG im Handelsregister eingetragen (VO 1, act. 42). 

Über den Einsatz als Verwaltungsrat existiert eine Vereinbarung zwischen 

dem Beschuldigten und dem Alleinaktionär D., in welchem auf die 

statutarischen und gesetzlichen Pflichten verwiesen wird (VO 1, act. 373).  

 

Am 05.12.2016 wurde die B. AG zweimal betrieben, unter anderem für 

Baumaterialien (VO 1, act. 331). Damit erkannte der Beschuldigte 

spätestens in diesem Zeitpunkt, dass sich die B. AG in einer finanziell 

schwierigen Situation befand und dass begründete Besorgnis einer 

Überschuldung bestand (Besorgniszeitpunkt). Trotzdem unterliess es der 

Beschuldigte unter Verletzung der entsprechenden gesetzlichen Pflichten, 

gemäss Art. 725 OR, unverzüglich eine Zwischenbilanz zu erstellen und 

diese durch einen zugelassenen Revisor prüfen zu lassen sowie 

gegebenenfalls das zuständige Gericht mittels Überschuldungsanzeige zu 

informieren. Stattdessen wurde die B. AG weiter zum Beladen mit Schulden 

missbraucht und mit verschiedenen Organwechseln versuchte sich der 

Beschuldigte seiner Verantwortung zu entziehen. 

 

Am 31.03.2017 erklärte der Beschuldigte seinen Rücktritt aus dem 

Verwaltungsrat und sollte durch E. ersetzt werden. Der Beschluss wurde 

jedoch nicht vollzogen, respektive später aufgehoben und der Beschuldigte 

blieb im Handelsregister eingetragenes Organ. Kurz darauf verkaufte der 

Alleinaktionär D. sämtliche Aktien der längst hoffnungslos überschuldeten 

Unternehmung an C. und dieser wurde am 14.06.2017 anstelle des 

Beschuldigten als neues Organ im Handelsregister eingetragen (VO 1, act. 

42, 261, act. 296 ff, 377). Im Zeitpunkt des Austritts des Beschuldigten als 

Organ waren im Betreibungsregister diverse Betreibungen, Pfändungen, 

Konkursandrohungen und Verlustscheine verzeichnet und es handelte sich 

 - 3 - 

 

 

bei der B. AG lediglich noch um eine Wegwerfgesellschaft. Anschliessend 

wurde als letzte Person G. als Organ eingetragen. C. ist zur Verhaftung 

ausgeschrieben und aus der Schweiz ausgereist. Bei G. handelt es sich um 

einen Firmenbestatter (VO 1, act. 161).  

  

Mit Entscheid vom 07.12.2017 wurde der Konkurs über die B. AG eröffnet. 

Zu diesem Zeitpunkt bestanden gegen die B. AG Betreibungen oder 

Verlustscheine im Forderungsbetrag von total CHF 649'498.87 (VO 1, act. 

363). Am 26.07.2018 wurde das Konkursverfahren mangels Aktiven 

eingestellt. Der ganze Forderungsbetrag blieb offen. 

 

Infolge der Untätigkeit des Beschuldigten hatte sich die finanzielle Lage der 

Gesellschaft zwischen dem Besorgniszeitpunkt vom 05.12.2016 bis zu 

seinem Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat bzw. bis zur 

Konkurseröffnung im Umfang von über CHF 600'000.00 weiterhin 

verschlechtert. 

 

Durch pflichtgemässes Handeln des Beschuldigten, welches eine 

rechtzeitige Konkurseröffnung nach sich gezogen hätte, wären die diversen 

Schulden (insbesondere auch Steuern, Sozialversicherungsabgaben sowie 

Dauerschuldverhältnisse wie Leasing- und Mietkosten, etc.) nicht 

angefallen. 

 

Indem der Beschuldigte es, wie geschildert, unterliess, trotz Anzeichen der 

Überschuldung die für diese Situation vorgeschriebenen Kapitalschutz-

massnahmen, gemäss Art. 725 Abs. 2 OR, zu ergreifen, verletzte er seine 

Pflicht als Organ der Gesellschaft. Diese Pflichtverletzung hatte die 

Verschleppung des Konkurses und damit die vorstehend beschriebene 

Verschlimmerung der Vermögenslage der B. AG, zum Nachteil der 

Gläubiger, zur Folge. Dies hat der Beschuldigte zumindest ernsthaft für 

möglich gehalten und in Kauf genommen. 

 

Mit dem geschilderten Verhalten hat sich der Beschuldigte der 

Misswirtschaft durch arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung im Sinne 

von Art. 165 StGB strafbar gemacht. 

 

2. Unterlassen der Buchführung, Art. 166 StGB i.S. B. AG 

Der Beschuldigte hat die ihm gesetzlich obliegende Pflicht zur 

ordnungsgemässen Führung und Aufbewahrung von Geschäftsbüchern und 

zur Aufstellung einer Bilanz verletzt, so dass sein Vermögensstand nicht 

ersichtlich war. 

 

Tatort: Q. 

Tatzeit: 13.05.2016 - 14.06.2017 (Ablösung durch Nachfolger C. 

im Handelsregister als Organ der B. AG) 

 

Dem Beschuldigten oblag als Organ der B. AG ab dem 13.05.2016 bis 

14.06.2017 die unübertragbare und unentziehbare Aufgabe der 

Ausgestaltung des Rechnungswesens, der Finanzkontrolle sowie der 

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Finanzplanung und der Erstellung des Geschäftsberichts. Am 17.12.2017 

wurde über das Unternehmen der Konkurs eröffnet. Der Beschuldigte 

unterliess es im Zeitraum seiner Organtätigkeit für die B. AG eine 

Buchhaltung zu erstellen und/oder den mandatierten Buchhalter mit den 

erforderlichen Informationen zu bedienen und zu überwachen. Über den 

gesamten Zeitraum liegt keine Buchhaltung vor. Der Beschuldigte wusste, 

dass er zur Buchführung verpflichtet war, oder rechnete mindestens damit. 

Dennoch erstellte er willentlich keine Buchhaltung, so dass der 

Vermögensstand der Gesellschaft für den genannten Zeitraum nicht 

ersichtlich ist. 

 

Durch das geschilderte Verhalten hat sich der Beschuldigte der 

Unterlassung der Buchführung im Sinne von Art. 166 StGB strafbar 

gemacht. 

 

 

Dieses Verhalten ist strafbar gemäss: 

 

Art. 165 Ziff. 1 StGB, Art. 166 StGB, Art. 42 StGB, Art. 44 StGB, Art. 47 

StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 106 StGB 

 

 

Der Beschuldigte wird verurteilt zu:  

 

1. Einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu je CHF 130.00, bedingt

 aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren. 

 

 2. Einer Busse von  CHF 2'000.00 

Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an die Stelle der Busse eine 

Ersatzfreiheitsstrafe von 16 Tagen. 

 

3. Den Kosten 

 

 - Strafbefehlsgebühr CHF 1'700.00 

 

 Rechnungsbetrag CHF 3'700.00 

 

Über Auslagen, die nach Erlass des vorliegenden Strafbefehls eingehen, 

wird separat verfügt. 

 

4. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

 

5. Die Schadenersatzforderung folgender Zivilpartei wird auf den Zivilweg 

verwiesen: 

 

  H., […] 

 

6. Das Urteil wird im Strafregister eingetragen." 

 

 - 5 - 

 

 

2. 

Der Beschuldigte erhob dagegen am 26. September 2019 Einsprache. Die 

Kantonale Staatsanwaltschaft hielt am Strafbefehl fest und überwies die 

Akten mit Verfügung vom 2. Dezember 2019 dem Bezirksgericht Baden zur 

Durchführung des Hauptverfahrens. 

 

3. 

3.1. 

Am 16. Dezember 2020 fand die Hauptverhandlung vor dem Präsidenten 

des Bezirksgerichts Baden mit Befragung des Beschuldigten statt. 

 

3.2. 

Die Zivil- und Strafklägerin des erstinstanzlichen Verfahrens, die H., wurde 

mit Verfügung des Bezirksgerichts Baden vom 11. November 2020 von der 

Teilnahme an der Hauptverhandlung dispensiert. Sie stellte indes bereits 

mit Eingabe vom 11. Juni 2020 die folgenden Anträge: 

 

" Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin die folgenden Beträge zu 
bezahlen: 
- CHF 2'242.00 für den Zeitraum vom 1. Mai 2016 bis 30. Juni 2016, 

nebst 5% Zins ab 1. Januar 2017; 
-  CHF 12'077.20 für den Zeitraum vom 1. Juli 2016 bis 

31. Dezember 2016, nebst 5% Zins ab 1. Januar 2017; 
-  CHF 12'095.50 für den Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis 30. Juni 2017, 

nebst 5% Zins ab 1. Januar 2018; 
 

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beklagten." 
 

3.3. 

Der Beschuldigte stellte anlässlich der Hauptverhandlung die folgenden 

Anträge:  

 

" 1.  
 Es sei der Beschuldigte in Bezug auf die Anklage vom 2. Dezember 2019 

vollumfänglich von Schuld und Strafe freizusprechen. 
 
 2. 
 Auf die Zivilklage sei nicht einzutreten. Eventualiter sei die Zivilklage auf den 

Zivilweg zu verweisen. 
 
 3. 
 Es seien die Verfahrenskosten auf die Staatskasse zu nehmen. Die 

Verteidigung sei gemäss eingereichter Kostennote zu entschädigen." 
 

3.4. 

Der Präsident des Bezirksgerichts Baden erkannte am 16. Dezember 2020:  

 

" 1. 

 Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf: 

 - des Unterlassens der Buchführung i.S.v. Art. 166 StGB. 

 

 - 6 - 

 

 

 2. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der Misswirtschaft i.S.v. Art. 165 Ziff. 1 StGB. 

 

3. 

Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der genannten 
Gesetzesbestimmungen sowie Art. 34 StGB und Art. 47 StGB,  

mit 60 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 150.00, d.h. total Fr. 9'000, 

bestraft. 
 

 4. 

Der Vollzug der ausgefällten Geldstrafe wird gestützt auf Art. 42 StGB 

aufgeschoben. Die Probezeit wird gemäss Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

 

5. 

Die Schadenersatzansprüche der Zivil- und Strafklägerin H. werden auf den 

Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 StPO). 

 

6. 

6.1 

  Die Verfahrenskosten bestehen aus: 

  a) der Gerichtsgebühr Fr. 1'200.00 

  b) der Anklagegebühr Fr. 1'700.00 

  c)  den Spesen Fr.  212.40 

  d)  den Kosten der schriftlichen Urteilsbegründung Fr.  60.00 

  Total Fr.  3'172.40 

 

 6.2 

Dem Beschuldigten werden die Gebühren gemäss lit. a) und b) sowie die 

Kosten gemäss lit. c) und lit. d) im Gesamtbetrag von Fr. 3'172.40 zu 4/5 mit 

Fr. 2'537.90 auferlegt. Die restlichen Verfahrenskosten gehen zu Lasten des 

Staates.  

 

 7. 

Die Gerichtskasse wird angewiesen, dem Beschuldigten 1/5 seiner 

Parteikosten in Höhe von Fr. 1'013.45 (inkl. MWST 7.7 % von Fr. 72.45) zu 

ersetzen. Die restlichen Parteikosten trägt der Beschuldigte selbst."  

 

3.5. 

Gegen das den Parteien im Dispositiv zugestellte Urteil meldete der 

Beschuldigte am 4. Januar 2021 und die Kantonale Staatsanwaltschaft am 

5. Januar 2021 die Berufung an. Das begründete Urteil wurde den Parteien 

am 16. August 2021 zugestellt. 

 

 - 7 - 

 

 

4. 

4.1. 

Mit Berufungserklärung vom 20. August 2021 stellte die Kantonale 

Staatsanwaltschaft gemäss Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO folgende Anträge auf 

Abänderung des erstinstanzlichen Urteils: 

 

" -  Der Beschuldigte sei wegen des angeklagten Sachverhaltes wegen 

Unterlassung der Buchführung gemäss Art. 166 StGB zu verurteilen. 

  -  Der Beschuldigte sei zu einer angemessenen Geldstrafe nicht unter 

160 Tagessätzen zu je CHF 130.00, bedingt aufgeschoben bei einer 

Probezeit von 2 Jahren, sowie einer Busse von CHF 2'000.00 zu 

verurteilen. 

  - Die Verfahrens- und Parteikosten sind vollumfänglich dem Beschuldigten 

aufzuerlegen." 

 

4.2. 

Der Beschuldigte teilte mit Eingabe vom 29. September 2021 mit, dass er 

darauf verzichte, einen Nichteintretensantrag zu stellen bzw. die 

Anschlussberufung zu erklären. 

 

4.3. 

Mit Berufungsbegründung vom 29. September 2021 hielt die Kantonale 

Staatsanwaltschaft an ihren gestellten Berufungsanträgen fest. 

 

4.4. 

Mit Berufungsantwort vom 22. November 2021 beantragte der 

Beschuldigte die Abweisung der Berufung der Kantonalen Staatsan-

waltschaft unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

5. 

Die Berufungsverhandlung mit Befragung des Beschuldigten fand am 

8. April 2022 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Die Berufung richtet sich gegen das Urteil des Präsidenten des 

Bezirksgerichts Baden vom 16. Dezember 2020, mit welchem der 

Beschuldigte wegen Misswirtschaft zu einer bedingten Geldstrafe von 

60 Tagessätzen à Fr. 150.00 verurteilt wurde. Vom Vorwurf der 

Unterlassung der Buchführung wurde der Beschuldigte freigesprochen. 

 

1.2. 

Die Kantonale Staatsanwaltschaft wendet sich mit der Berufung gegen den 

Freispruch des Beschuldigten vom Vorwurf der Unterlassung der 

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Buchführung sowie gegen die Bemessung der Strafe und die Kosten- und 

Entschädigungsfolgen. Die übrigen Punkte des Urteils sind unangefochten 

geblieben und im Berufungsverfahren nicht mehr zu überprüfen (Art. 404 

Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, sich der Unterlassung der 

Buchführung schuldig gemacht zu haben. Er habe es im Zeitraum seiner 

Organtätigkeit für die B. AG (13. Mai 2016 - 14. Juni 2017) unterlassen, 

eine Buchhaltung zu erstellen und/oder den mandatierten Buchhalter mit 

den erforderlichen Informationen zu bedienen und zu überwachen. Über 

den gesamten Zeitraum würde keine Buchhaltung vorliegen (Strafbefehl 

Anklageziffer 2, Gerichtsakten [GA] act. 3). 

 

2.2. 

Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten vom Vorwurf der Unterlassung 

der Buchführung frei. Sie gelangte zum Ergebnis, dass der Beschuldigte 

zwar vom 13. Mai 2016 bis 14. Juni 2017 als Verwaltungsratsmitglied der 

B. AG im Handelsregister eingetragen war, aufgrund der 

Mandatsvereinbarung vom 5. Mai 2016 sei er jedoch verpflichtet gewesen, 

ausschliesslich nach den Anweisungen von D., dem zweiten 

Verwaltungsratsmitglied, zu handeln. Der Beschuldigte habe nie Einblick in 

die finanziellen Belange der B. AG gehabt. D. sei die Aufgabe der 

Geschäftsführung und damit auch die Einhaltung der Buchführungspflicht 

zugeteilt gewesen. Es könne daher nicht – unabhängig davon, inwiefern 

überhaupt eine tatbestandsmässige Handlung vorliege oder nicht – von 

einem (eventual-)vorsätzlichen Handeln des Beschuldigten ausgegangen 

werden. Für den Beschuldigten hätten während seiner Zeit als 

Verwaltungsrat auch keine erkennbaren Anzeichen bestanden, dass die 

Buchführung der B. AG nicht ordnungsgemäss erfolgt sei (vorinstanzliches 

Urteil, E. 8).  

 

2.3. 

Die Kantonale Staatsanwaltschaft rügt mit Berufung im Wesentlichen, dass 

die Mandatsvereinbarung vom 5. Mai 2016 zwischen dem Beschuldigten 

und D. nicht eine rechtsgültige Delegation der Buchführungspflicht 

innerhalb des Verwaltungsrates darstelle. Gemäss Ziffer 3 der genannten 

Vereinbarung habe dem Beschuldigten die Einsicht in sämtliche 

Geschäftsakten der B. AG jederzeit offen gestanden. Der Beschuldigte 

hätte damit seinen gesetzlichen Mandatspflichten nachkommen können. 

Weiter habe der Beschuldigte für seine Tätigkeit im Verwaltungsrat auch 

eine monatliche Pauschale zuzüglich Spesen erhalten. 

 

D., welcher unter finanziellen, geschäftlichen und gesundheitlichen 

Problemen gelitten habe, sei als Verwaltungsrat eingesetzt worden, um die 

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zivil- und strafrechtliche Verantwortung auf ihn abschieben zu können. Zu 

diesem Zweck habe ihn der Beschuldigte auch eine Mandatsvereinbarung 

unterzeichnen lassen, welche sämtliche Haftung D. zuschiebe. D. habe es 

indes an den grundlegenden Kenntnissen der hiesigen Rechtsordnung und 

den Fähigkeiten zur Ausübung eines Verwaltungsratsamtes gemangelt. 

Der Beschuldigte sei über seine gesamte Mandatsdauer vollumfänglich 

buchführungs- bzw. rechnungslegungspflichtig gewesen und er habe um 

seine entsprechenden Pflichten gewusst (Berufungsbegründung, S. 3 f.). 

 

3. 

3.1. 

Der Schuldner, der die ihm gesetzlich obliegende Pflicht zur 

ordnungsmässigen Führung und Aufbewahrung von Geschäftsbüchern 

oder zur Aufstellung einer Bilanz verletzt, so dass sein Vermögensstand 

nicht oder nicht vollständig ersichtlich ist, wenn über ihn der Konkurs 

eröffnet oder in einer gemäss Art. 43 SchKG erfolgten Pfändung gegen ihn 

ein Verlustschein ausgestellt worden ist, macht sich der Unterlassung der 

Buchführung gemäss Art. 166 StGB strafbar. Die Eröffnung des Konkurses 

bildet objektive Strafbarkeitsbedingung (Urteil des Bundesgerichts 

6B_1340/2017 vom 24. September 2018 E. 1.2). Die möglichen Tatobjekte 

ergeben sich aus Art. 957 ff. OR und umfassen die kaufmännische 

Buchführung und Rechnungslegung samt Bestandteilen. Die Buch-

führungspflicht wird verletzt, wenn die Buchführung ganz unterbleibt oder 

mangelhaft erfolgt und dadurch die Vermögenslage des Schuldners nur mit 

erheblichem Aufwand überblickt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 

6B_893/2018 vom 2. April 2019 E. 1.1.1).  

 

3.2. 

3.2.1. 

Anhand des Auszugs des Handelsregisteramts des Kantons Zürich der B. 

AG ist erstellt, dass der Beschuldigte vom 13. Mai 2016 bis am 

17. August 2016 als einziger Verwaltungsrat mit Einzelunterschrifts-

berechtigung und anschliessend bis am 14. Juni 2017 als Mitglied des 

Verwaltungsrats ohne Zeichnungsberechtigung im Handelsregister 

eingetragen war (Untersuchungsakten [UA] act. 1/42). Dies wird vom 

Beschuldigten auch nicht bestritten (UA act. 1/207). Dass die B. AG 

gestützt auf Art. 957 Abs. 1 Ziff. 2 OR als juristische Person der Pflicht zur 

Buchführung und Rechnungslegung unterlag, ist ebenfalls unbestritten. 

 

Nachfolgend ist einerseits zu prüfen, ob eine Buchführung vorliegt bzw. 

diese den gesetzlichen Anforderungen entspricht und andererseits, ob dem 

Beschuldigten die Pflicht zur Buchführung oblag.  

 

3.2.2. 

Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 7. Februar 2019 sagte D. 

aus, dass er E., dem Vater des Beschuldigten, die Buchführung faktisch 

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übergeben und dieser sie auch ausgeführt habe (UA act. 1/240). Der 

Beschuldigte sagte vor der Kantonspolizei Zürich am 24. Januar 2019 aus, 

dass die Buchführungspflicht D. als "Chef der Firma" zugekommen sei und 

er nichts damit zu tun gehabt habe. Er wisse nicht, wer über welchen 

Zeitraum die Buchhaltung der B. AG geführt habe (UA act. 1/208 f.). Im 

Rahmen der staatsanwaltlichen Einvernahme vom 19. November 2019 

gab der Beschuldigte hingegen an, dass die Buchhaltung gemacht worden 

sei. Einen Teil habe sein Vater gemacht und einen Teil vorher die I. (UA 

act. 4/8). E. führte in seiner Einvernahme durch die Kantonspolizei Zürich 

vom 21. Januar 2019 aus, dass es betreffend Buchführung ab circa August 

2016 einen Mandatsvertrag zwischen der J. und der B. AG gegeben habe. 

D. habe die Geschäftsunterlagen aber erst Ende Januar resp. anfangs 

Februar 2017 übergeben. Zuvor sei ein Treuhandbüro in S. mit der 

Buchhaltung betreut gewesen. Gemäss den Aussagen von E. war er an der 

Gesellschaft, welche die Buchführung übernommen habe, beteiligt, da er 

selber angab, dass die Buchhaltung bis circa Ende Mai 2017 durch "uns" 

geführt worden sei. Es sei aber nicht sein eigenes Mandat gewesen, 

sondern dasjenige von K., Mitarbeiterin der L., weshalb er keine 

detaillierten Auskünfte erteilen könne (UA act. 1/171 f.). Dass E. die 

Buchführung ausführte, bestätigten auch G. und C. anlässlich der Einver-

nahme durch das Betreibungs- und Konkursamt Liestal vom 15. März 2018 

(UA act. 1/326). 

 

Anhand der Aussagen erscheint soweit erstellt, dass die B. AG die 

Buchführung nicht selber ausführte, sondern an externe Firmen übergab 

und E. dabei beteiligt war. Welche Firma über welchen Zeitraum die 

Buchführung übernommen hat, ergibt sich indes aus den vorliegenden 

Akten nicht abschliessend. Es ist der für die Buchführungspflicht 

verantwortliche Person erlaubt, einen Buchhalter anzustellen oder eine 

Buchhaltungsstelle zu beauftragen, wenn sie bildungsmässig 

ausserstande ist, die Bücher selbst zu führen. Wird der Auftrag frühzeitig 

erteilt, dass mit der Fertigstellung der Bilanz vor Ablauf der Abschlussfrist 

gerechnet werden darf, beschränkt sich seine Pflicht allein auf Auswahl, 

Instruktion und Kontrolle des mit der Bilanzierung Betrauten (Urteil des 

Bundesgerichts 6S.132/2000 vom 24. August 2000 E. 3). 

 

3.2.3. 

Der Vater des Beschuldigten, E., übergab der Kantonspolizei anlässlich der 

Einvernahme vom 21. Januar 2019 einen USB Stick. Der Stick enthalte den 

gesamten bis zum Zeitpunkt der Einvernahme gesicherten Datenbestand 

der B. AG (UA act. 1/169). Auf dem abgegebenen USB Stick befand sich 

indes einzig die Buchhaltung für das Jahr 2015 (UA act. 1/160). Der 

Beschuldigte selbst reichte im Rahmen seiner Schlusseinvernahme durch 

die Kantonale Staatsanwaltschaft vom 19. November 2019 weitere zur 

Buchhaltung gehörende Akten ein (UA act. 4/11 ff.). Die eingereichten 

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Unterlagen habe er von seinem Vater erhalten. Die neuen Besitzer (der B. 

AG) hätten diese nicht abgeholt (UA act. 4/9). 

 

Vorliegend bestehen zwar buchhalterische Geschäftsunterlagen der B. AG, 

die durch den Beschuldigten und dessen Vater eingereichten Unterlagen 

entsprechen jedoch nicht den gesetzlichen Voraussetzungen einer 

kaufmännischen Buchführung nach Art. 957 ff. OR. Für das Geschäftsjahr 

2016 liegen ausschliesslich die Bilanz, die Erfolgsrechnung und das 

Kontoblatt der Buchführung- und Beratungsaufwands vor. Weitere 

Kontoblätter sowie Belege der jeweiligen Buchungen fehlen gänzlich. Das 

Gleiche gilt für die Unterlagen des Geschäftsjahrs 2017; detaillierte 

Kontoblätter oder Belege befinden sich nicht bei den Akten. Anhand der 

eingereichten Unterlagen kann die Vermögenslage der B. AG nicht 

überblickt resp. nicht nachvollzogen werden. Die Unterlagen erfüllen die 

gesetzlichen Vorgaben einer vollständigen Buchführung bei Weitem nicht. 

Im Übrigen entsprechen die Geschäftsunterlagen des Jahres 2017 auch 

inhaltlich – soweit aus den Akten ersichtlich – nicht einer 

ordnungsgemässen und wahrheitsgetreuen Buchführung. Der in der Bilanz 

2017 ausgewiesene Betrag des Kontos F von Fr. 8'557.54 stimmt 

nachweislich nicht mit dem effektiven Betrag des Kontos per 

31. Dezember 2017 überein (UA act. 1, 350 ff.). Weiter dürften die per 

31. Dezember 2017 ausgewiesenen Debitoren bei der anfangs Dezember 

2017 in Konkurs gefallenen Aktiengesellschaft und im Sinne von Art. 230 

SchKG mangels Aktiven eingestellten Konkursverfahrens nicht vorhanden 

gewesen sein (UA act. 1/308 ff.).  

 

3.2.4. 

Die Buchführungspflicht verlangt fortlaufend systematische, vollständige 

und klare rechnerische Aufzeichnungen über die Geschäftsvorgänge 

(BGE 114 IV 31 E. 2; BGE 77 IV 164 E. 1). Nach dem Gesagten wurde die 

Buchführungspflicht vorliegend verletzt. Wie aufgezeigt entspricht die 

kaufmännische Buchführung der B. AG nicht den gesetzlichen Vorgaben 

von Art. 957 ff. OR. Aufgrund der mangelnden Buchführung konnte die 

Vermögenslage der B. AG nicht überblickt werden und es erfolgte demnach 

eine Verschleierung des tatsächlichen Vermögensstandes der B. AG. 

Dabei ist es unbeachtlich, ob die Buchführung nicht durch die B. AG selber 

geführt wurde. Sollte der Auftrag zur Buchführung frühzeitig an eine 

geeignete Drittperson übergeben worden sein, oblag dem Verwaltungsrat 

weiterhin die Pflicht zur Instruktion und Kontrolle des mit der Bilanzierung 

Betrauten (vgl. oben E. 3.2.2). Sofern eine verspätete Aufgabenerteilung 

erteilt worden sein sollte, bestand die Pflicht zur Buchführung mithin beim 

Verwaltungsrat (vgl. hienach E. 3.3) 

 

3.3. 

Gemäss Art. 716a Abs. 1 Ziff. 3 OR kommt dem Verwaltungsrat einer 

Aktiengesellschaft die unübertragbare und unentziehbare Aufgabe zu, eine 

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Buchführung zu führen sowie ist er verantwortlich, dass die Rechnungs-

legung ordnungsgemäss erfolgt. Die gesetzliche Pflicht besteht 

grundsätzlich für den ganzen Verwaltungsrat, unabhängig davon, wer im 

inneren Verhältnis der Verwaltungsratsmitglieder als Geschäftsführer 

auftritt. 

 

Die Vorinstanz ging davon aus, dass der Beschuldigte aufgrund der 

Vereinbarung vom 5. Mai 2016 zwischen ihm und D. (UA act. 1/373 f.) 

verpflichtet gewesen sei, ausschliesslich weisungsgebunden zu handeln 

und nichts zu unternehmen, was nicht mit D. abgesprochen gewesen sei. 

Da der Beschuldigte nie Einsicht in die finanziellen Belange der B. AG 

gehabt habe, sei die Einhaltung der Buchführungspflicht nicht seine 

Aufgabe gewesen (vorinstanzliches Urteil, E. 8). Der Vorinstanz ist insofern 

zuzustimmen, als dass gemäss Ziffer 8 der unterzeichneten Vereinbarung 

der Beschuldigte zwar weisungsgebunden die Interessen der B. AG zu 

vertreten hatte und sich mit D. für sein Handeln absprechen musste, dies 

aber nur soweit, als dadurch nicht gesetzliche oder statutarische Normen 

verletzt werden. Wie obstehend ausgeführt, besteht bei einer 

Aktiengesellschaft die gesetzliche Pflicht zur Buchführung, worauf auch die 

durch den Beschuldigten unterzeichneten Statuten (UA act. 1/282) sowie 

die Vereinbarung in Ziffer 11 verweisen. Weiter bestand für den 

Beschuldigten nach Ziffer 3 der Vereinbarung jederzeit die Möglichkeit, 

Einsicht zu nehmen in sämtliche Geschäftsakten der B. AG. Der 

Beschuldigte sagte zwar mehrfach aus, er habe nicht über die finanzielle 

Lage der B. AG Bescheid gewusst und sich auf die mündliche Zusicherung 

von D. verlassen, dass alles in Ordnung sei. Es sei nicht seine Aufgabe 

gewesen, sich um die Buchführung zu kümmern (UA act. 1/208 ff; GA 

act. 78; Protokoll Berufungsverhandlung, S. 2 ff.). Er macht hingegen nicht 

geltend, D. hätte ihm auf sein Verlangen hin das ihm gemäss Vereinbarung 

zustehende Einsichtsrecht in die Geschäftsakten verweigert. Der 

Beschuldigte bestätigte mithin, dass er nichts unternommen habe, damit 

die korrekte Buchhaltung der B. AG gewährleistet gewesen wäre 

(UA act. 1/209 f.).  

 

Jeder Verwaltungsrat einer AG muss dafür sorgen, dass die Gesellschaft 

eine Buchhaltung führt. Dies gehört gemäss Art. 716a Abs. 1 Ziff. 3 OR zu 

seinen unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben. Aus der in der 

Vereinbarung formulierten Weisungsgebundenheit kann sich der 

Beschuldigte als Mitglied des Verwaltungsrats der B. AG eben gerade nicht 

der unentziehbaren und unübertragbaren Pflicht zur Führung einer 

korrekten Buchhaltung entziehen. Selbst unter der Annahme, dass der 

Beschuldigte grundsätzlich treuhänderisch tätig war im Verwaltungsrat 

(Berufungsantwort S. 3) und die Geschäftsführung D. zukam, bestand für 

ihn als im Handelsregister eingetragenes Verwaltungsratsmitglied trotzdem 

eine gesetzliche Aufsichtspflicht über die B. AG. Für eine rechtsgültige 

Delegation von (delegierbaren) Aufgaben nach Art. 716b OR bräuchte es 

 - 13 - 

 

 

zudem eine Grundlage in den Statuten, woran es vorliegend fehlt. Die 

Weisungsgebundenheit wird durch die zwingenden Gesetzes- und 

Statutenbestimmungen beschränkt, wie dies auch in Ziffer 8 der 

Vereinbarung zwischen dem Beschuldigten und D. festgehalten wurde. Der 

Beschuldigte durfte somit nicht einfach untätig bleiben. Schliesslich wurde 

der Beschuldigte gemäss Ziffer 9 der Vereinbarung für seine Tätigkeit im 

Verwaltungsrat mit einer Honorarpauschale von monatlich Fr. 500.00 

entschädigt. Nach eigenen Aussagen habe er die Entschädigung dafür 

erhalten, dass er "dort drinnen stehe", gemeint war damit das 

Handelsregister (GA act. 79; Protokoll Berufungsverhandlung, S. 6). Auch 

wenn der Beschuldigte die B. AG vom 13. Mai 2016 bis am 

17. August 2016 als einziger Verwaltungsrat mit Einzelunterschrifts-

berechtigung führte, habe er über die Rechte und Pflichten einer 

Firmenführung "eigentlich nichts" gewusst. Ihm sei gesagt worden, was er 

zu tun habe, weshalb er sich auch nicht mit den Pflichten zur Firmenführung 

vertraut gemacht habe (UA act. 1/209). Dem Beschuldigten musste jedoch 

schon aufgrund seiner Tätigkeit in mehreren Verwaltungsräten (vgl. 

UA act. 1/360; Protokoll Berufungsverhandlung, S. 6 f.) bewusst sein, dass 

das Mandat als Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft auch Pflichten mit 

sich bringt. Selbstverständlich vermag den Beschuldigten auch nicht zu 

entlasten, dass er sich schlicht und einfach nicht für die Finanzen und die 

Organisation der AG (inkl. Buchhaltung) interessiert hat (vgl. Protokoll 

Berufungsverhandlung, S. 3 ff.).  

 

3.4. 

Zusammenfassend liegt keine den gesetzlichen Vorgaben von Art. 957 ff. 

OR entsprechende kaufmännische Buchhaltung vor. Des Weiteren ist 

aufgrund der Vereinbarung vom 5. Mai 2016 zwischen D. und dem 

Beschuldigten sowie dessen Aussagen nicht von einer rechtsgültigen 

Delegation der Buchführung innerhalb des Verwaltungsrats auszugehen. 

Der Beschuldigte konnte sich schliesslich auch nicht von der 

unübertragbaren und unentziehbaren Aufgabe entbinden, eine korrekte 

Buchführung sicherzustellen. Nachdem auch die objektive Strafbarkeits-

bedingung des eröffneten Konkurses erfüllt ist (Konkurseröffnung am 

7. Dezember 2017 [UA act. 1/308 ff.]), hat der Beschuldigte den objektiven 

Tatbestand der Unterlassung der Buchführung erfüllt. 

 

3.5. 

3.5.1. 

In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 166 StGB Vorsatz, wobei Eventual-

vorsatz genügt. Dieser muss sich einerseits auf die Verletzung der 

Buchführungs- oder Aufbewahrungspflicht, andererseits aber auch auf die 

daraus hervorgehende Konsequenz der Verschleierung der 

Vermögenslage beziehen, hingegen muss die Verschleierung nicht das 

eigentliche Handlungsziel darstellen (HAGENSTEIN, in: Basler Kommentar, 

 - 14 - 

 

 

Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N 40 zu Art. 166 StGB mit zahlreichen 

Hinweisen). 

 

3.5.2. 

Der Beschuldigte hat oder hatte in mehreren Verwaltungsräten von 

Aktiengesellschaften Einsitz (UA act. 1/360). Zudem hat er im Zeitpunkt der 

Sitzverlegung der B. AG von T. nach Q. und der entsprechenden Annahme 

der Wahl als einziges Mitglied des Verwaltungsrats mit Einzelunterschrift 

die neuen Statuten am 4. Mai 2016 unterzeichnet (UA act. 1/272 ff.). Artikel 

9 der Statuten führt unter dem Titel "Buchführung" unter anderem aus, dass 

die Jahresrechnung, bestehend aus Erfolgsrechnung, Bilanz und Anhang, 

gemäss den Vorschriften des Schweizerischen Obligationenrechts, 

insbesondere der Art. 957 ff. zu erstellen sei (UA act. 1/282). Durch seine 

Unterschrift unter die Statuten bestätigte der Beschuldigte, damit 

einverstanden zu sein und auch davon Kenntnis genommen zu haben, 

dass eine Buchführungspflicht besteht. Im Übrigen bestätigte der 

Beschuldigte selbst, dass er unter dem Begriff der Buchhaltung die 

Finanzübersicht einer Firma verstehe (UA act. 1/206). Der Beschuldigte 

brachte anlässlich der Berufungsverhandlung vor, nicht einmal zu wissen, 

was Statuten sind (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 7) resp. nicht mehr 

zu wissen, was er unterschrieben habe (Protokoll Berufungsverhandlung, 

S. 8). Dieser Hinweis ist unglaubhaft und als Schutzbehauptung zu 

verstehen. Zwar hat der Beschuldigte eine Schreib- und Leseschwäche 

(vgl. Protokoll Berufungsverhandlung, S. 7), allerdings konnte er eine Lehre 

erfolgreich abschliessen und besucht momentan eine Weiterbildung 

(Protokoll Berufungsverhandlung, S. 8 f.). Insofern ist nicht anzunehmen, 

dass er ausser Stande gewesen ist, den Inhalt der Statuten wahrzunehmen 

und/oder entsprechende Abklärungen zu tätigen. Aus dem Gesagten ist zu 

schliessen, dass der Beschuldigte um die Buchführungspflicht einer 

Aktiengesellschaft wusste. Wie bereits ausgeführt (vgl. oben E. 3.3), 

verlangte der Beschuldigte zu keinem Zeitpunkt Einsicht in die 

Geschäftsbücher der B. AG. Als er realisiert habe, dass die B. AG in 

finanzielle Schwierigkeiten geraten sei, habe er bei D. nachgefragt, wobei 

ihm versichert worden sei, dass alles in Ordnung sei (UA act. 1, 211 f.; GA 

act. 78). Er habe dann nicht weiter nachgefragt. Erst als er gemerkt habe, 

dass kein Baumaterial mehr vorhanden gewesen sei, habe er das 

Schreiben bezüglich Rücktritt aus dem Verwaltungsrat aufgesetzt (GA 

act. 79). Indem der Beschuldigte zu keinem Zeitpunkt Einsicht in die 

Geschäftsakten verlangte, obwohl er um die Buchführungspflicht der 

Aktiengesellschaft wusste, untätig blieb und lediglich auf das Wort von D. 

vertraute, ohne solches zu hinterfragen, nahm er zumindest in Kauf, dass 

es zu Unklarheiten über den Vermögensstand und Verschleierung der 

Vermögenslage kommen würde. Entgegen den Ausführungen der 

Vorinstanz (vorinstanzliches Urteil, E. 8) ist daher auch der subjektive 

Tatbestand erfüllt. 

 

 - 15 - 

 

 

3.6. 

Nachdem keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe ersichtlich 

sind, hat sich der Beschuldigte der Unterlassung der Buchführung nach 

Art. 166 StGB schuldig gemacht. Die Berufung der Kantonalen 

Staatsanwaltschaft ist in diesem Punkt gutzuheissen. 

 

4. 

4.1. 

Der Beschuldigte hat sich der Unterlassung der Buchführung gemäss 

Art. 166 StGB sowie der Misswirtschaft i.S.v. Art. 165 Ziff. 1 StGB schuldig 

gemacht. 

 

Der Strafrahmen von Art. 165 Ziff. 1 StGB erstreckt sich von Freiheitsstrafe 

bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Die Unterlassung der Buchführung sieht 

einen Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe 

vor. 

 

4.2. 

Der Deliktszeitpunkt umfasst die Jahre 2016 sowie 2017 und liegt damit vor 

Inkrafttreten des neuen Sanktionenrechts (ab 1. Januar 2018). Das neue 

Sanktionenrecht zeitigt auf den vorliegenden Fall indessen keine 

Auswirkungen und erweist sich nicht als milder (vgl. sog. "lex mitior", Art. 2 

Abs. 2 StGB), weshalb in Bezug auf das Sanktionenrecht das im 

Tatzeitpunkt geltende Recht zur Anwendung gelangt.  

 

4.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt. Entsprechendes gilt für die Bildung der 

Einsatzstrafe und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB in 

Anwendung des Asperationsprinzips (vgl. BGE 144 IV 313; 

BGE 144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.6.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4). Darauf 

kann verwiesen werden. 

 

Hat das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täter begangen hat, bevor 

er wegen einer andern Tat verurteilt worden ist (sog. retrospektive 

Konkurrenz), so bestimmt es die Zusatzstrafe in der Weise, dass der Täter 

nicht schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren Handlungen 

gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 2 StGB). Die Bestimmung 

will im Wesentlichen das in Art. 49 Abs. 1 StGB verankerte 

Asperationsprinzip auch bei retrospektiver Konkurrenz gewährleisten. Der 

Täter, der mehrere gleichartige Strafen verwirkt hat, soll nach einem 

einheitlichen Prinzip der Strafschärfung beurteilt werden, unabhängig 

davon, ob die Verfahren getrennt durchgeführt werden oder nicht. Es ist 

mithin in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 und 2 StGB eine Gesamtstrafe 

auszufällen, soweit es sich um gleichartige Strafen handelt (BGE 144 IV 

 - 16 - 

 

 

217, E. 2.2 ff.; BGE 142 IV 265, E. 2.3.1; BGE 141 IV 61 E. 6.1.2; BGE 138 

IV 113 E. 3.4.1 mit Hinweis).  

 

4.4. 

Mit Strafbefehl vom 5. Februar 2020 der Staatsanwaltschaft Muri-

Bremgarten wurde der Beschuldigte wegen Nichtabgabe von Ausweisen 

und/oder Kontrollschildern zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tages-

sätzen à Fr. 100.00 und einer Busse von Fr. 300.00 verurteilt. Die 

vorliegend zu beurteilenden Delikte hat der Beschuldigte vor dieser 

Verurteilung begangen. Aufgrund der Vorstrafenlosigkeit des 

Beschuldigten und da auch keine weiteren Anhaltspunkte dafür vorliegen, 

dass eine Geldstrafe aus präventiven Überlegungen nicht zweckmässig 

wäre (vgl. BGE 134 IV 82 E. 4.1), kann für beide vorliegend zu beurteilen-

den Delikte eine Geldstrafe (zusammen mit einer Verbindungsbusse) als 

Sanktionsart ausgesprochen werden. Aufgrund der Gleichartigkeit der 

Strafen ist daher eine Zusatzstrafe auszusprechen.  

 

4.5. 

4.5.1. 

Das schwerste Delikt bildet vorliegend die Misswirtschaft. Diesbezüglich ist 

die Einsatzstrafe festzulegen: 

 

Der Tatbestand der Misswirtschaft schützt im Speziellen das Vermögen der 

Gläubiger sowie das Zwangsvollstreckungsverfahren als solches (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1279/2018 vom 26. März 2019 E. 1.2.1). Im 

Zeitpunkt der Konkurseröffnung der B. AG am 7. Dezember 2017 beliefen 

sich die offenen Forderungen auf einen Gesamtbetrag von Fr. 649'498.87. 

Es handelt sich dabei um einen namhaften Betrag, insbesondere, wenn 

man berücksichtigt, dass die Gesellschaft lediglich vier bis fünf Mitarbeiter 

hatte (UA act. 1/175; UA act. 1/213). Damit einhergehend ist der Taterfolg 

nicht zu bagatellisieren. Auch wenn der Beschuldigte gemäss der 

unterzeichneten Vereinbarung vom 5. Mai 2016 weisungsgebunden zu 

handeln hatte und D. als Geschäftsführer der B. AG mit 

Einzelzeichnungsbefugnis waltete, bestand für den Beschuldigten als 

Verwaltungsratsmitglied gemäss Art. 716a Abs. 1 Ziff. 7 OR die 

unübertragbare und unentziehbare Pflicht, i.S.v. Art. 725 Abs. 2 OR im 

Zeitpunkt der begründeten Besorgnis einer Überschuldung entsprechende 

Vorkehrungen zu treffen. Dem Beschuldigten waren die Pflichten eines 

Verwaltungsrates, nicht zuletzt wegen seiner Tätigkeit in gleich mehreren 

Verwaltungsräten, ohne Weiteres bekannt. Er hat jedoch ausschliesslich 

auf die Zusicherung von D. vertraut, anstatt selber Einsicht in die 

Geschäftsakten zu nehmen, was ihm sogar gemäss Vereinbarung explizit 

auch zugestanden wurde und somit für den Beschuldigten 

unmissverständlich klar war (vgl. UA act. 1/373). Entsprechend zeigt das 

Verhalten des Beschuldigten, dass er sich schlicht nicht für die finanziellen 

Belange interessiert hat, obwohl er um seine Pflichten als Verwaltungsrat 

 - 17 - 

 

 

wusste. Der Beschuldigte verfügte trotz der gemäss Vereinbarung 

vorhandenen Weisungsgebundenheit über ein hohes Mass an 

Entscheidungsfreiheit, da es ihm jederzeit freistand, die Geschäftsakten 

einzusehen oder aus dem Verwaltungsrat zurückzutreten, wenn er die 

damit einhergehenden Pflichten nicht auf sich nehmen wollte. Dem 

Beschuldigten war somit ein rechtmässiges Verhalten zumutbar und das 

Delikt ohne Weiteres vermeidbar. 

 

Insgesamt ist hinsichtlich der Misswirtschaft in Relation zum Strafrahmen 

und den davon erfassten Deliktssummen und Verhaltensweisen von einem 

nicht mehr nur leichten Verschulden auszugehen. Unter Berücksichtigung 

der noch auszufällenden Verbindungsbusse (siehe unten) ist die 

Einsatzstrafe auf 120 Tagessätze festzusetzen. 

 

4.5.2. 

Durch sein Verhalten hat der Beschuldigte ebenfalls den Tatbestand der 

Unterlassung der Buchführung erfüllt. 

 

Art. 166 StGB soll gewährleisten, dass der Vermögensstatus eines 

Unternehmens stets vollständig ersichtlich ist (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1340/2015 vom 17. März 2017 E. 5.3). Geschützt wird 

mit Art. 166 StGB der Anspruch der Gläubiger, in der Zwangsvollstreckung 

auf das Vermögen des Schuldners zu greifen und sich daraus zu 

befriedigen. Zudem sollen die zivilrechtlichen Normen, die der Sicher-

stellung der Buchführung und damit der Dokumentation des Vermögens-

stands eines Unternehmens im Interesse der beteiligten Personen dienen, 

strafrechtlich geschützt werden (HAGENSTEIN, a.a.O., N 1 f. zu Art. 166 

StGB). Der Beschuldigte war als Verwaltungsratsmitglied gemäss Art. 716a 

Abs. 1 Ziff. 3 OR zur Buchführung verpflichtet (vgl. E. 3.3). Durch die 

Unterlassung der Buchführung konnte die Vermögenslage der B. AG nicht 

überblickt werden, dementsprechend wurden die geschützten Rechtsgüter 

verletzt. Die Art und Weise der Tatbegehung ging jedoch nicht wesentlich 

über die blosse Erfüllung des Tatbestands hinaus. Zudem handelte der 

Beschuldigte eventualvorsätzlich. Wie bereits vorstehend ausgeführt, 

verfügt der Beschuldigte indes über ein hohes Mass an 

Entscheidungsfreiheit, da er die Geschäftsakten jederzeit hätte einsehen 

können und dementsprechend erkannt hätte, dass keine ausreichende 

kaufmännische Buchführung vorliegt. Unter Berücksichtigung sämtlicher 

Umstände wiegt das Verschulden des Beschuldigten aber noch leicht und 

es wäre eine dafür angemessene Geldstrafe von 90 Tagessätzen 

festzusetzten.  

 

In Anwendung des Asperationsprinzips und in Anbetracht des engen 

zeitlichen, räumlichen und sachlichen Zusammenhangs mit der 

Misswirtschaft, was den Gesamtschuldbeitrag als geringer erscheinen 

 - 18 - 

 

 

lässt, ist die Einsatzstrafe von 120 Tagessätzen um 40 Tagessätze auf 

160 Tagessätze zu erhöhen. 

 

4.5.3. 

Im Rahmen der Täterkomponenten wirkt sich die Vorstrafenlosigkeit des 

Beschuldigten neutral aus. Mit der Vorinstanz bleiben auch die 

Strafempfindlichkeit, die beruflichen und familiären Verhältnisse sowie das 

Nachtatverhalten ohne Auswirkung auf die Strafzumessung (vorin-

stanzliches Urteil, E. 9.5.3), weshalb es bei einer Geldstrafe von 

160 Tagessätzen sein Bewenden hat. 

 

4.5.4. 

Zuletzt ist die gebildete Gesamtstrafe unter Berücksichtigung der 

Grundstrafe angemessen zu erhöhen. Die Grundstrafe beläuft sich auf eine 

Geldstrafe von 10 Tagessätzen. Entsprechend ist eine Asperation im 

Umfang von 5 Tagessätzen vorzunehmen. 

 

4.6. 

Zusammengefasst ergibt sich somit eine hypothetische Gesamtstrafe von 

165 Tagessätzen Geldstrafe. Hiervon ist die rechtskräftige Grundstrafe von 

10 Tagesätzen in Abzug zu bringen, womit sich eine Zusatzstrafe von 

155 Tagessätzen ergibt. 

 

4.7. 

4.7.1. 

Ein Tagessatz beträgt höchstens Fr. 3'000.00. Das Gericht bestimmt die 

Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen und wirtschaftlichen 

Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach 

Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und 

Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (aArt. 34 Abs. 

2 StGB). Ausgangspunkt ist das Nettoeinkommen, das der Täter im 

Zeitpunkt des Urteils durchschnittlich erzielt bzw. alle geldwerten 

Leistungen, die ihm zufliessen (BGE 134 IV 60 E. 6.1).  

 

4.7.2. 

Die Tagessatzhöhe bestimmt sich nach den persönlichen und 

wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils (Art. 34 

Abs. 2 StGB). Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte der 

Beschuldigte, als Bauleiter in einer befristeten 50%-Prozent Anstellung 

tätig zu sein und monatlich Fr. 4'900.00 zu verdienen. Der Beschuldigte ist 

seit Anfang Jahr verheiratet, wobei seine Frau selber berufstätig ist, und 

nach wie vor kinderlos (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 9). Nach einem 

Pauschalabzug von 20% für Krankenkasse und Steuern resultiert somit ein 

Tagessatz in Höhe von Fr. 130.00, d.h. die Zusatzgeldstrafe beläuft sich 

auf insgesamt Fr. 20'150.00. 

 

 - 19 - 

 

 

4.8. 

Unter Verweis auf die Ausführungen der Vorinstanz (vorinstanzliches Urteil, 

E. 10.2) ist die Geldstrafe aufzuschieben bei einer Probezeit von zwei 

Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB). 

 

4.9. 

4.9.1. 

Um dem Verschulden des Beschuldigten gerecht zu werden sowie um 

neben der bedingten Geldstrafe eine Warnwirkung zu erzielen, kann das 

Gericht zusätzlich zur bedingten Geldstrafe eine Verbindungsbusse 

aussprechen (Art. 42 Abs. 4 StGB i.V.m. Art. 106 StGB). Die Vorinstanz 

verzichtete darauf, eine Verbindungsbusse auszusprechen, nachdem die 

bedingte Geldstrafe dem Verschulden des Beschuldigten hinreichend 

Rechnung trage (vorinstanzliches Urteil, E. 10.2). 

 

Nach Ansicht des Obergerichts ist der Auffassung der Vorinstanz nicht zu 

folgen. Auch wenn dem Beschuldigten für die Zukunft keine 

Schlechtprognose zu stellen und die Geldstrafe dementsprechend 

aufzuschieben ist, scheint es vorliegend dennoch angezeigt, unter 

spezialpräventiven Gesichtspunkten das eher geringen Drohpotential der 

bedingten Geldstrafe zu erhöhen und dem Beschuldigten den Ernst der 

Lage aufzuzeigen.  

 

Unter Berücksichtigung der untergeordneten Bedeutung der Verbindungs-

busse gegenüber der bedingten Geldstrafe, der wirtschaftlichen 

Verhältnisse des Beschuldigten und dessen Verschulden, erscheint eine 

Verbindungsbusse in der Höhe von Fr. 1'100.00 als angemessen und mit 

der bundesgerichtlichen Praxis im Einklang (vgl. BGE 135 IV 188 E. 3.4.4).  

 

Diese Busse ist gemäss den obigen Ausführungen (siehe E. 4.3) mit der 

Grundstrafe von Fr. 300.00 Busse zu asperieren. Aufgrund des fehlenden 

sachlichen und zeitlichen Zusammenhangs erscheint eine Erhöhung um 

Fr. 200.00 angemessen. Von der hypothetischen Gesamtbusse von 

Fr. 1'300.00 ist die rechtskräftige Busse von Fr. 300.00 in Abzug zu 

bringen, womit eine Busse von Fr. 1'000.00 als Zusatzstrafe resultiert. 

 

4.9.2. 

Für den Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, spricht das 

urteilende Gericht eine Ersatzfreiheitsstrafe aus, welche den Verhältnissen 

der Beschuldigten angemessen ist (Art. 106 Abs. 2 und 3 StGB). 

 

Gestützt auf einem der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des 

Beschuldigten entsprechendem Umrechnungsschlüssel von Fr. 130.00 

(BGE 134 IV 60 E. 7.3.3), ergibt sich eine Ersatzfreiheitsstrafe von 8 Tagen.  

 

 - 20 - 

 

 

5. 

5.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom 

10. November 2017 E. 4.3). 

 

Im Berufungsverfahren obsiegt die Kantonale Staatsanwaltschaft 

vollständig. Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Berufungsanträgen 

vollumfänglich und hat ausgangsgemäss die Kosten des Berufungs-

verfahrens zu tragen.  

 

5.2. 

Nachdem der Beschuldigte mit seinen Berufungsanträgen vollumfänglich 

unterliegt, hat er seine eigenen Parteikosten selber zu tragen (Art. 436 

Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). 

 

6. 

6.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO).  

 

Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die 

erstinstanzlichen Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Vorliegend hat 

die Vorinstanz den Beschuldigten vom Vorwurf der Unterlassung der 

Buchführung freigesprochen und ihm die erstinstanzlichen Verfahrens-

kosten zu 4/5 auferlegt (vorinstanzliches Urteil, E. 12.2). Nachdem der 

diesbezügliche Freispruch der Vorinstanz aufgehoben und der 

Beschuldigte der Unterlassung der Buchführung schuldig gesprochen wird, 

hat er die erstinstanzlichen Verfahrenskosten vollumfänglich zu tragen.  

 

6.2. 

Da dem Beschuldigten die erstinstanzlichen Verfahrenskosten vollum-

fänglich auferlegt werden, hat er seine eigenen Parteikosten selber zu 

tragen. 

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

   

Das Obergericht beschliesst: 

 - 21 - 

 

 

 

Auf die Berufung des Beschuldigten wird nicht eingetreten. 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der Misswirtschaft gemäss Art. 165 Ziff. 1 StGB; 

- der Unterlassung der Buchführung gemäss Art. 166 StGB. 

 

2. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 1 erwähnten 

Bestimmungen und gestützt auf Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, aArt. 34 

StGB, aArt. 42 StGB, Art. 44 Abs. 1 StGB und Art. 106 StGB 

 

als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten 

vom 5. Februar 2020 zu einer bedingten Geldstrafe von 155 Tagessätzen 

à Fr. 130.00, d.h. Fr. 20'150.00, Probezeit 2 Jahre,  

 

und einer Verbindungsbusse von Fr. 1'000.00, ersatzweise 8 Tage 

Freiheitsstrafe,  

 

verurteilt.  

 

3. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die Schadenersatzansprüche der H. werden auf den Zivilweg verwiesen. 

 

4. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer 

Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.00 und den Auslagen von Fr. 125.00, 

zusammen Fr. 2'125.00, werden vollumfänglich dem Beschuldigten 

auferlegt. 

 

5. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 3'172.40 werden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

 

6. 

Der Beschuldigte hat seine erst- und zweitinstanzlichen Parteikosten selbst 

zu tragen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 - 22 - 

 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht zu 

bezahlen bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der 

Probezeit aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere 

Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 

Abs. 1 StGB).  

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 8. April 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Plüss     L. Stierli