# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d7da78d7-8751-51fb-aa45-2d085820cf29
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-03-12
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsgericht 12.03.2013 B 2012/131
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VG_001_B-2012-131_2013-03-12.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: B 2012/131

Stelle: Verwaltungsgericht

Rubrik: Verwaltungsgericht

Publikationsdatum: 12.03.2013

Entscheiddatum: 12.03.2013

Urteil Verwaltungsgericht, 12.03.2013
Ausländerrecht, Widerruf der Niederlassungsbewilligung, Art. 2 Abs. 2 
AuG.Mit der Beteiligung am Drogenhandel auf Händlerstufe, ohne sich in 
einer finanziellen Notlage zu befinden, und der Beherbergung des Händlers 
der nächsthöheren Stufe ist die Mitwirkung am organisierten 
Kokainhandelssystem in einer Funktion verbunden, welche die Beendigung 
des Aufenthalts in der Schweiz auch nach dem Freizügigkeitsabkommen 
zwischen der Schweiz und der EU zulässt (Verwaltungsgericht, B 2012/131).

Urteil vom 12. März 2013

Anwesend:  Präsident lic. iur. B. Eugster; Verwaltungsrichter lic. iur. A. Linder, 

Dr. B. Heer, lic. iur. A. Rufener, Dr. S. Bietenharder-Künzle; Gerichtsschreiber Dr. Th. 

Scherrer

_______________

In Sachen

X.Y.,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic.iur. A.B.,

gegen

Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen, Oberer Graben 32, 

9001 St. Gallen,

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Vorinstanz,

betreffend

Widerruf der Niederlassungsbewilligung

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:

A./ X.Y. (geb. 6. Februar 1972) stammt aus Nigeria. Im Jahr 2000 reiste er illegal in die 

Schweiz ein. Auf sein Asylgesuch, welches er als N.K. (geb. 6. Februar 1976, von Sierra 

Leone) stellte, trat das Bundesamt für Flüchtlinge (heute Bundesamt für Migration) am 

17. Juli 2000 nicht ein. Die Asylrekurskommission (heute Bundesverwaltungsgericht) 

wies den gegen den Nichteintretensentscheid erhobenen Rekurs am 25. Juni 2003 ab. 

Bereits seit 30. Juni 2002 war der Aufenthaltsort von X.Y. nicht mehr bekannt.

B./ X.Y. heiratete am 3. Juli 2002 in Lagos die irisch-schweizerische Doppelbürgerin 

U.T. (geb. 10. September 1955 in Dublin). Im Rahmen des Familiennachzugs reiste er 

am 4. September 2002 in die Schweiz ein und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung. Seit 

3. September 2007 verfügt er über die Niederlassungsbewilligung, bei der trotz des 

Hinweises auf seinen am 21. April 2006 ausgestellten irischen Pass der Zusatz "EG/

EFTA" fehlt. Nach verschiedenen befristeten Erwerbstätigkeiten ist er seit 18. Juni 2007 

als Produktionsmitarbeiter bei der C. AG, fest angestellt. Die Ehe mit U.T. wurde am 

10. Juli 2009 geschieden. Am 2. Dezember 2009 wurde X.Y. vom Kreisgericht Rheintal 

wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer 

Freiheitsstrafe von 14 Monaten, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei 

Jahren, verurteilt. Die dagegen erhobenen Rechtsmittel wurden vom Kantonsgericht 

am 17. August 2010 (ST.2010.12-SK3) und vom Bundesgericht am 22. Dezember 2010 

(6B_892/2010) abgewiesen.

X.Y. heiratete am 15. Januar 2010 in Nigeria seine Landsfrau O.P. (geb. 26. Juni 1983). 

Ihr Gesuch vom 6. Dezember 2010 um Familiennachzug wird angesichts des laufenden 

Verfahrens zur Überprüfung des Anwesenheitsrechts von X.Y. in der Schweiz, auf das 

sie sich beruft, beim Migrationsamt pendent gehalten.

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C./ Das Migrationsamt widerrief am 19. Mai 2011 die Niederlassungsbewilligung von 

X.Y. Den dagegen am 3. Juni 2011 erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und 

Justizdepartement des Kantons St. Gallen (nachfolgend Vorinstanz) am 11. Juni 2012 

ab.

D./ Gegen den Entscheid vom 11. Juni 2012 erhob X.Y. (nachfolgend 

Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 21. Juni 2012 und 

Ergänzung vom 10. August 2012 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem 

Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene 

Entscheid aufzuheben und vom Widerruf der Niederlassungsbewilligung abzusehen. 

Unter Verzicht auf eine Vernehmlassung beantragte die Vorinstanz am 14. August 2012 

die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge. Auf die Ausführungen des 

Beschwerdeführers zur Begründung seines Begehrens wird, soweit erforderlich, in den 

Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:

1. (…).

2. Die Beschwerde richtet sich gegen den Widerruf der Niederlassungsbewilligung, 

welche dem Beschwerdeführer am 3. September 2007 erteilt wurde.

2.1. Der Beschwerdeführer stammt aus Nigeria, ist aber zumindest seit der Ausstellung 

des irischen Passes am 21. April 2006 auch Staatsbürger von Irland, welches Mitglied 

der Europäischen Gemeinschaft (nachfolgend EG) ist. Für Staatsangehörige der 

Mitgliedstaaten der EG gilt das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer 

(Ausländergesetz; SR 142.20, abgekürzt AuG) nur so weit, als das Abkommen vom 

21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der EG 

und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen; 

SR 0.142.112.681, abgekürzt FZA) keine abweichenden Bestimmungen enthält oder 

das Gesetz günstigere Bestimmungen vorsieht (vgl. Art. 2 Abs. 2 AuG).

Nach Art. 2 Abs. 1 Anhang I FZA hat der unselbständig erwerbstätige 

Beschwerdeführer grundsätzlich das Recht, sich in der Schweiz aufzuhalten. Dieses 

Recht darf gestützt auf Art. 5 Abs. 1 FZA nur durch Massnahmen, die aus Gründen der 

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öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gerechtfertigt sind, eingeschränkt 

werden. Weitere Präzisierungen finden sich vor allem in der Richtlinie 64/221 EWG des 

Rates der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft vom 25. Februar 1964 zur 

Koordinierung der Sondervorschriften für die Einreise und den Aufenthalt von 

Ausländern, soweit sie aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit oder 

Gesundheit gerechtfertigt sind (kurz RL 64/221/EWG, publ. in: ABl. Nr. 56 S. 850), auf 

welche in Art. 5 Abs. 2 Anhang I FZA Bezug genommen wird (vgl. BGer 2C_221/2012 

vom 19. Juni 2012).

Art. 5 Anhang I FZA kann nicht zu Massnahmen gegen in der Schweiz befindliche 

Personen ermächtigen, die über diejenigen hinausgehen, welche im schweizerischen 

Recht vorgesehen sind. Eine andere Auffassung widerspräche unter anderem dem in 

Art. 2 FZA normierten Diskriminierungsverbot sowie der in Art. 2 Abs. 2 AuG 

enthaltenen Meistbegünstigungsklausel. Daher ist zunächst zu untersuchen, ob es 

ausserhalb des Freizügigkeitsabkommens eine Rechtsgrundlage gibt, auf welche die 

Verweigerung eines weiteren Verbleibs des Beschwerdeführers in der Schweiz gestützt 

werden kann (vgl. dazu nachfolgend E. 2.2). Erst bei Bejahung dieser Frage ist in einem 

nächsten Schritt zu prüfen, inwiefern das Freizügigkeitsabkommen den Behörden 

zusätzliche Schranken auferlegt (vgl. dazu nachfolgend E. 2.3; zum Prüfungsprogramm 

vgl. BGE 130 II 176 E. 3.2).

2.2. Bei der Anwendung des Landesrechts ist zu prüfen, ob ein Widerrufsgrund erfüllt 

(vgl. dazu nachfolgend E. 2.2.1.) und die Massnahme verhältnismässig ist (vgl. dazu 

nachfolgend E. 2.2.2.).

2.2.1. Nach Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 Ingress und lit. b AuG kann die 

Niederlassungsbewilligung eines Ausländers widerrufen werden, wenn er zu einer 

längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung ist diese Voraussetzung erfüllt, wenn gegenüber dem Ausländer eine 

Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr ausgesprochen wurde (BGE 135 II 377 E. 4.1). 

Ob die Strafe bedingt, teilbedingt oder unbedingt ausgesprochen wurde, spielt keine 

Rolle (vgl. BGer 2C_453/2011 vom 28. November 2011 E. 2.2.1 mit Hinweis). Mit der 

rechtskräftigen Verurteilung des Beschwerdeführers zu einer Freiheitsstrafe von 14 

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Monaten, bedingt erlassen bei einer Probezeit von zwei Jahren, ist der Widerrufsgrund 

gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 Ingress und lit. b AuG erfüllt.

2.2.2. Sowohl Art. 63 Abs. 1 als auch Art. 62 Ingress und lit. b AuG sind als 

"Kann-"Bestimmung formuliert und räumen der zuständigen Behörde einen gewissen 

Ermessensspielraum ein. Gemäss Art. 96 Abs. 1 AuG berücksichtigt die zuständige 

Behörde bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen 

Verhältnisse sowie den Grad der Integration der Ausländerinnen und Ausländer. Dabei 

sind namentlich die Schwere des Verschuldens bei Straftaten, die Dauer der bisherigen 

Anwesenheit sowie die dem Betroffenen und seiner Familie drohenden Nachteile zu 

berücksichtigen (vgl. BGE 135 II 377 E. 4.3 mit Hinweisen).

An die Schwere des Verschuldens sind umso strengere Anforderungen zu stellen, je 

länger der Betroffene in der Schweiz gelebt hat. Selbst wenn er sein ganzes bisheriges 

Leben in der Schweiz verbracht hat (Ausländer der "zweiten Generation"), ist bei 

Gewalt-, Sexual- und Betäubungsmitteldelikten bzw. wiederholter Straffälligkeit ein 

Widerruf des Anwesenheitsrechts nicht ausgeschlossen (vgl. BGE 122 II 433 E. 2c; 130 

II 176 E. 4.4.2). Neben dem strafrechtlichen Verschulden sind insbesondere die Art und 

Schwere der Straftat(en), die durch die Straftat verletzten Rechtsgüter, die Art und 

Umstände der Tatbegehung (einfache oder mehrfache Delinquenz) sowie das Verhalten 

nach der Tat zu berücksichtigen. Dem strafrechtlichen Resozialisierungsgedanken ist 

zwar im Rahmen der umfassenden Interessenabwägung Rechnung zu tragen. Die 

Prognose über das Wohlverhalten ist jedoch nicht ausschlaggebend, weil aus der Sicht 

der Ausländerbehörden das Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im 

Vordergrund steht. Aus ausländerrechtlicher Sicht ist das Risiko eines Rückfalls umso 

weniger hinzunehmen, je schwerer die Tat wiegt, welche die ausländische Person 

verübt hat. Im Zusammenhang mit Gewaltdelikten muss selbst ein geringes Restrisiko 

nicht in Kauf genommen werden (vgl. S. Hunziker, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], 

Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Stämpflis Handkommentar, 

Bern 2010, N 12 zu Art. 63 AuG mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche 

Rechtsprechung).

Das Verschulden des Beschwerdeführers an den in den Jahren 2008 und 2009 

begangenen Straftaten wiegt in ausländerrechtlicher Hinsicht schwer. Er wurde wegen 

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Drogenhandels – er hatte im Zeitraum etwa eines Jahres rund 100 Gramm 

Kokaingemisch, d.h. mehr als 18 Gramm reines Kokain weiterverkauft – zu einer 

bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Der Beschwerdeführer hat sich 

damit einer schweren Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig 

gemacht. Beim Betäubungsmittelhandel hängt das Verschulden wesentlich davon ab, 

in welcher Funktion der Täter mitgewirkt hat (vgl. Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen 

ST.2010.12-SK3 vom 17. August 2010 E. 2b). Da der Beschwerdeführer unter anderem 

einen Bezug von rund 50 Gramm Kokaingemisch bei seinem Lieferanten tätigte, 

durften ihn die Strafbehörden willkürfrei als Zwischenhändler und nicht als Lieferanten 

an Endverbraucher behandeln (vgl. BGer 6B_892/2010 vom 22. Dezember 2010 E. 1.4). 

Der Beschwerdeführer delinquierte – auch wenn er insgesamt eine relativ geringe 

Menge an Kokain umsetzte – als Zwischenhändler unterster Kategorie, ohne selber 

drogenabhängig zu sein oder sich – bei fester Anstellung mit einem monatlichen 

Einkommen von Fr. 3'500.- - in einer eigentlichen finanziellen Notsituation bzw. 

notstandsähnlichen Lage befunden zu haben. Nach den Feststellungen des 

Strafrichters ist sodann nicht ersichtlich, dass er – über sein teilweises Geständnis 

hinaus – eine besondere Einsicht und Reue an den Tag gelegt hätte. Die Bekundung, 

sich künftig an das Gesetz halten zu wollen, ist eine Selbstverständlichkeit (vgl. BGer 

6B_892/2010 vom 22. Dezember 2010 E. 3.3). In ausländerrechtlicher Hinsicht kommt 

hinzu, dass der Beschwerdeführer seinen Kokainlieferanten - mithin den Händler der 

nächsthöheren Stufe - bei sich zu Hause beherbergte (vgl. Urteil des Kreisgerichts 

Rheintal vom 2. Dezember 2009 E. 2). Zu berücksichtigen ist zudem, dass der 

Beschwerdeführer im Jahr 2000 sein Asylgesuch unter Verwendung einer falschen 

Identität einreichte.

Dieses öffentliche Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung des 

Beschwerdeführers überwiegt sein privates Interesse an einem weiteren 

Anwesenheitsrecht in der Schweiz. Zwar lebt er mit Unterbrüchen von unbekannter 

Dauer seit dem Jahr 2000 – mithin seit rund 12 Jahren – in der Schweiz und ist 

beruflich – als seit 18. Juni 2007 festangestellter Produktionsmitarbeiter bei C. AG, die 

ihm ein gutes Zeugnis ausstellt - hier integriert. Er wurde jedoch in Nigeria, wo er bis 

zum Alter von 24 Jahren lebte, sozialisiert. Dorthin kehrte er nach seiner Einreise in die 

Schweiz zumindest zweimal zurück, um zu heiraten. Den Beschwerdeführer binden 

keine familiären Beziehungen an die Schweiz. Seine Ehefrau, die er am 15. Januar 2010 

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in seiner Heimat heiratete, lebt in Nigeria. Dass sie in der Vergangenheit Beziehungen 

zur Schweiz hatte, wird weder geltend gemacht noch aus den Akten ersichtlich. Die 

Rückkehr nach Nigeria wird dem Beschwerdeführer deshalb wesentlich dadurch 

erleichtert, dass er in familiärer Hinsicht – Kontakte bestanden auch zu seiner Mutter, 

welche im Jahr 2002 eidesstattlich das Kindsverhältnis des Beschwerdeführers 

bestätigte (vgl. act. 13, Dossier des Beschwerdeführers S. 21/22), und zu seinem 

Schwiegervater, der im Jahr 2010 eine entsprechende Erklärung für die Ehefrau abgab 

(vgl. act. 13, Dossier der Ehefrau des Beschwerdeführers S. 10) - über 

Anknüpfungspunkte verfügt. Familiär ist der Beschwerdeführer somit ausschliesslich 

mit seinem Herkunftsland verbunden. Weitere persönliche Beziehungen hat er in der 

Schweiz unter anderem im Umfeld des Drogenhandels gepflegt. Die privaten 

Interessen an der Weiterführung dieser persönlichen Kontakte wiegen gering. Sodann 

werden die beruflichen Erfahrungen, die er in der Schweiz sammeln konnte, den 

wirtschaftlichen Neuanfang begünstigen.

2.3. Zu klären ist, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung auch vor den Regeln 

des Freizügigkeitsabkommens standhält.

2.3.1. Einschränkungen der Freizügigkeit sind eng auszulegen. Entfernungs- bzw. 

Fernhaltemassnahmen setzen eine tatsächliche und hinreichend schwere Gefährdung, 

die ein Grundinteresse der Gesellschaft berührt, voraus. Nicht jede Verletzung 

nationalen Rechts bewirkt eine solche Gefährdung. Soweit es – wie hier – nicht um 

Massnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit geht, darf ausschliesslich das 

persönliche Verhalten der in Betracht kommenden Einzelperson ausschlaggebend sein. 

Das bedeutet, dass der Ausländer, gegen den die ausländerrechtlichen Massnahmen 

ergriffen werden, durch sein persönliches Verhalten zu diesen Anlass gegeben haben 

muss. Art. 3 Abs. 1 RL 64/221/EWG steht Massnahmen entgegen, die zum Zwecke der 

Abschreckung anderer Ausländer, mithin aus generalpräventiven Gründen, verfügt 

werden. Ausserdem können strafrechtliche Verurteilungen allein laut Art. 3 Abs. 2 RL 

64/221/EWG nicht ohne weiteres Massnahmen begründen. Der EuGH hat diese 

Bestimmung dahin ausgelegt, dass von den Behörden eine spezifische Prüfung unter 

dem Blickwinkel der dem Schutz der öffentlichen Ordnung innewohnenden Interessen 

verlangt wird, die nicht notwendigerweise mit den Beurteilungen übereinstimmen muss, 

auf denen die strafrechtliche Verurteilung beruht. Somit darf eine frühere strafrechtliche 

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Verurteilung nur insoweit berücksichtigt werden, als die ihr zugrunde liegenden 

Umstände ein persönliches Verhalten erkennen lassen, das eine gegenwärtige 

Gefährdung der öffentlichen Ordnung darstellt. Es ist allerdings möglich, dass schon 

allein das vergangene Verhalten den Tatbestand einer solchen Gefährdung der 

öffentlichen Ordnung erfüllt. Laut EuGH obliegt es den nationalen Behörden, diese 

Frage in jedem Einzelfall zu beurteilen, wobei sie die besondere Rechtsstellung der 

dem Gemeinschaftsrecht unterliegenden Personen und die grosse Bedeutung des 

Grundsatzes der Freizügigkeit zu berücksichtigen haben (vgl. BGE 130 II 176 E. 3.4.1 

mit Hinweisen).

Nach Art. 27 Abs. 1 der Richtlinie 2004/38/EG des Europäischen Parlaments und Rates 

vom 29. April 2004 über das Recht der Unionsbürger und ihrer Familienangehörigen, 

sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten frei zu bewegen und aufzuhalten (vgl. ABl. L 

158/77 vom 30. April 2004, kurz RL 2004/38/EG), welche für die Schweiz nicht von 

unmittelbarer Bedeutung, aber geeignet ist, die Beurteilung der Verhältnismässigkeit zu 

prägen, darf die Freizügigkeit der Unionsbürger und ihrer Familienangehörigen aus 

Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit eingeschränkt werden. 

Art. 27 Abs. 2 RL 2004/38/EG weist – in Anknüpfung an die bisherige Rechtslage und 

die Rechtsprechung des EuGH – darauf hin, dass dabei ausschliesslich auf das 

persönliche Verhalten des Betroffenen abzustellen ist. Dieses muss eine "tatsächliche, 

gegenwärtige und erhebliche Gefahr" darstellen, die ein Grundinteresse der 

Gesellschaft berührt. Eine strafrechtliche Verurteilung allein kann nicht ohne weiteres 

eine Ausweisung begründen, und der Grundsatz der Verhältnismässigkeit ist zu 

beachten. Generalpräventive Begründungen sind damit von Vornherein unzulässig. Für 

Unionsbürger und ihre Familienangehörigen mit dem Recht auf Daueraufenthalt, 

welches ihnen nach einem ununterbrochenen, rechtmässigen Aufenthalt während fünf 

Jahren zukommt, kommen erhöhte Anforderungen zum Zug. Sie dürfen nur aus 

schwerwiegenden Gründen der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit ausgewiesen 

werden (Art. 28 Abs. 2 RL 2004/38/EG). Hat ein Unionsbürger die letzten zehn Jahre im 

Aufnahmemitgliedstaat gelebt oder ist er minderjährig, darf er nicht ausgewiesen 

werden, es sei denn, die Entscheidung beruhe auf zwingenden Gründen der 

öffentlichen Sicherheit, die von den Mitgliedstaaten festzulegen sind (Art. 28 Abs. 3 RL 

2004/38/EG).

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Der Begriff der "zwingenden Gründe" ist erheblich enger als derjenige der 

"schwerwiegenden Gründe" der öffentlichen Ordnung und Sicherheit. Nach der 

Rechtsprechung des EuGH sind solche zwingenden Gründe auf "aussergewöhnliche 

Umstände" zu begrenzen und setzen nicht nur das Vorliegen einer Beeinträchtigung 

der öffentlichen Sicherheit, sondern darüber hinaus einen "besonders hohen 

Schweregrad" derselben voraus. Im Übrigen ist auch der Begriff der öffentlichen 

Sicherheit selbst in diesem Kontext auszulegen. Dieser umfasst sowohl die innere als 

auch die äussere Sicherheit. Nach der Rechtsprechung können die Beeinträchtigung 

des Funktionierens der Einrichtungen des Staates und seiner wichtigen öffentlichen 

Dienste sowie das Überleben der Bevölkerung ebenso wie die Gefahr einer erheblichen 

Störung der auswärtigen Beziehungen oder des friedlichen Zusammenlebens der 

Völker oder eine Beeinträchtigung der militärischen Interessen die öffentliche Sicherheit 

berühren. Der bandenmässige Handel mit Betäubungsmitteln kann aber durchaus auch 

von diesem Begriff erfasst werden. Denn er stellt eine "diffuse Kriminalität" dar, die mit 

beeindruckenden wirtschaftlichen und operativen Mitteln ausgestattet ist und sehr 

häufig über internationale Verbindungen verfügt. Der EuGH verweist in diesem 

Zusammenhang darauf, dass in einem Rahmenbeschluss festgestellt worden sei, der 

illegale Drogenhandel stelle eine Bedrohung der Gesundheit, Sicherheit und 

Lebensqualität der Unionsbürger sowie der legalen Wirtschaftstätigkeit, der Stabilität 

und der Sicherheit der Mitgliedstaaten dar. Allerdings muss eine 

Ausweisungsmassnahme jedenfalls auf eine individuelle Prüfung des Einzelfalls 

gestützt werden. Sie kann nur dann mit zwingenden Gründen gerechtfertigt werden, 

wenn eine solche Massnahme angesichts der aussergewöhnlichen Schwere der 

Bedrohung für den Schutz der Interessen, die mit ihr gewahrt werden sollen, 

erforderlich ist. Dies setzt voraus, dass dieses Ziel unter Berücksichtigung der 

Aufenthaltsdauer im Aufnahmemitgliedstaat und insbesondere der schweren negativen 

Folgen, die eine solche Massnahme für den Unionsbürger haben kann, die vollständig 

in den Aufnahmestaat integriert sind, nicht durch weniger strikte Massnahmen erreicht 

werden kann. Weiter ist der aussergewöhnliche Charakter der Bedrohung der 

öffentlichen Sicherheit aufgrund des persönlichen Verhaltens des Betroffenen (die für 

die Zeit zu beurteilen ist, zu der die Ausweisungsverfügung ergeht), und zwar nach 

Massgabe der verwirkten und verhängten Strafen, des Grades der Beteiligung an der 

kriminellen Aktivität, des Umfangs des Schadens und gegebenenfalls der 

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Rückfallneigung, gegen die Gefahr abzuwägen, die Resozialisierung des Unionsbürgers 

in dem Staat, in den er vollständig integriert ist, zu gefährden (vgl. Epiney/ Mosters, Die 

Rechtsprechung des EuGH zur Personenfreizügigkeit und ihre Implikationen für das 

Freizügigkeitsabkommen Schweiz-EU, in: Schweizerisches Jahrbuch für Europarecht 

2010/2011, Zürich/ Bern 2011, S. 75 ff. mit Hinweisen insbesondere auf die 

Rechtsprechung).

2.3.2. Ob sich die Interessenabwägung bei der Beurteilung des Widerrufs der 

Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers an den "zwingenden" Gründen – 

weil er irischer Staatsbürger ist und sich seit mehr als zehn Jahren rechtmässig in der 

Schweiz aufhält – oder aber lediglich an den "schwerwiegenden" Gründen – weil er 

sich noch nicht während zehn Jahren oder länger als irischer Staatsbürger rechtmässig 

in der Schweiz aufgehalten hat –orientiert, kann offen bleiben. Selbst die dargestellte 

Rechtsprechung des EuGH zu den zwingenden Gründen lässt den Widerruf der 

Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers zu. Mit der Beteiligung am 

Drogenhandel auf Händlerstufe, ohne sich in einer eigentlichen finanziellen Notlage zu 

befinden, und der Beherbergung des Händlers der nächsthöheren Stufe bei sich zu 

Hause wirkte der Beschwerdeführer in einer Funktion am organisierten 

Kokainhandelssystem mit, welche mit Blick auf die genannten mit dem 

Betäubungsmittelhandel verbundenen vielfältigen Gefahren die Beendigung seines 

Aufenthalts in der Schweiz als verhältnismässig erscheinen lassen.

Seine privaten Interessen erscheinen von untergeordneter Tragweite (vgl. zur 

Interessenabwägung oben E. 2.2.2.). Dies gilt umso mehr, als ihn mit Irland, dessen 

Bürgerrecht er im Alter von über dreissig Jahren aufgrund einer - mittlerweile wieder 

aufgelösten – Ehe mit einer irisch-schweizerischen Doppelbürgerin erworben hatte, 

weder persönliche noch wirtschaftliche Beziehungen verbinden.

2.4. Zusammenfassend ergibt sich, dass das öffentliche Interesse an der Beendigung 

des Aufenthalts des Beschwerdeführers in der Schweiz schwer wiegt. Die privaten 

Interessen des Beschwerdeführers an dessen Weiterführung werden durch den 

Umstand relativiert, dass er familiär durch die Heirat einer in Nigeria lebenden 

Landsfrau nicht an die Schweiz gebunden ist und ihm der Neustart in seinem 

Heimatland aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen, welche er in der Schweiz 

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sammeln konnte, auch in wirtschaftlicher Hinsicht erleichtert wird. Da er zudem über 

einen irischen Pass verfügt, bestehen für den Beschwerdeführer Alternativen zu einer 

Rückkehr nach Nigeria. Insgesamt vermögen deshalb seine privaten Interessen an 

einem weiteren Verbleib in der Schweiz die öffentlichen Interessen am Widerruf seiner 

Niederlassungsbewilligung nicht zu überwiegen. Die Beschwerde ist deshalb 

abzuweisen.

3. (…).

Demnach hat das Verwaltungsgericht zu Recht erkannt:

1./  Die Beschwerde wird abgewiesen.

2./  Der Beschwerdeführer bezahlt die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens 

von Fr. 2'000.-- unter Verrechnung des geleisteten Kostenvorschusses in gleicher 

Höhe.

3./  Ausseramtliche Kosten werden nicht entschädigt.

V.          R.           W.

Der Präsident:                      Der Gerichtsschreiber:

lic. iur. Beda Eugster            Dr. Thomas Scherrer

Versand dieses Entscheides an:

-   den Beschwerdeführer (durch Rechtsanwalt lic.iur. A.B.)

-   die Vorinstanz

 

am:

 

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Rechtsmittelbelehrung:

Sofern eine Rechtsverletzung nach Art. 95 ff. BGG geltend gemacht wird, kann gegen 

diesen Entscheid gestützt auf Art. 82 lit. a BGG innert 30 Tagen nach Eröffnung beim 

Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde erhoben werden.

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	Ausländerrecht, Widerruf der Niederlassungsbewilligung, Art. 2 Abs. 2 AuG.Mit der Beteiligung am Drogenhandel auf Händlerstufe, ohne sich in einer finanziellen Notlage zu befinden, und der Beherbergung des Händlers der nächsthöheren Stufe ist die Mitwirkung am organisierten Kokainhandelssystem in einer Funktion verbunden, welche die Beendigung des Aufenthalts in der Schweiz auch nach dem Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU zulässt (Verwaltungsgericht, B 2012/131).

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