# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1e0ff1ba-6de3-5838-99c6-37da4a9919a1
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-11-11
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 11.11.2014 IV 2013/436
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2013-436_2014-11-11.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2013/436

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 08.06.2020

Entscheiddatum: 11.11.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 11.11.2014
Art. 13 Abs. 1 IVG; Ziff. 178 GgV Anhang. Operationsbedürftigkeit (Entscheid 
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. November 2014, 
IV 2013/436).

Entscheid Versicherungsgericht, 11.11.2014

Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichter Ralph Jöhl, 

a.o. Versicherungsrichter Christian Zingg; Gerichtsschreiberin Fides Hautle

Entscheid vom 11. November 2014

in Sachen

SWICA Krankenversicherung AG, Rechtsdienst, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur,

Beschwerdeführerin,

und

A.___,

Beigeladener,

vertreten durch B.___,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

betreffend

medizinische Massnahmen (für A.___,

Vers.-Nr. ___)

Sachverhalt:

A.      

A.a  A.___ wurde am 5. Oktober 2012 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung für Minderjährige, namentlich von medizinischen Massnahmen, 

angemeldet. Er leide am Geburtsgebrechen Ziff. 178 GgV Anhang.

A.b  Das Spital C.___ gab im Arztbericht vom 16. Oktober 2012 (act. 7) an, es bestehe 

eine pathologisch verminderte Unterschenkel-Aussentorsion, die erstmals am 5. Juli 

2011 festgestellt worden sei. Es liege das Geburtsgebrechen Ziff. 178 GgV Anhang vor. 

Der Winkel der Malleolengabel zum Tibiaplateau liege mit ca. 10° Aussentorsion 

deutlich unter dem Normbereich. Durch medizinische Massnahmen könne die 

Möglichkeit einer späteren Eingliederung ins Erwerbsleben wesentlich verbessert 

werden. Der Versicherte benötige eine Behandlung in Form einer Torsionskorrektur 

mittels monolateralem Fixateur externe, ausserdem auch Unterarmgehstützen. Die 

Operation sei auf Ende Oktober 2012 geplant. - Auf Anraten des Regionalen Ärztlichen 

Dienstes (RAD) der Invalidenversicherung wurde der Originalbefund der CT-

Torsionsmessung einverlangt. Dem Radiologiebericht der [...] Klinik am Spital C.___ 

vom 23. Juli 2012 (act. 13) mit der Fragestellung nach einer Femur/Tibia-Torsion ist 

unter anderem zu entnehmen, dass die "Aussenrotation OSG" rechts 23° und links 15° 

betrage, die Rotationsdifferenz im Kniegelenk rechts 6°, links 1° Innenrotation des 

Unterschenkels in Bezug auf den Oberschenkel.

A.c  Der RAD hielt am 8. Januar 2013 (act. 14) dafür, aus versicherungsmedizinischer 

Sicht seien die medizinischen Voraussetzungen für das Geburtsgebrechen Ziff. 178 

GgV Anhang nicht erfüllt, denn die Werte der CT-Torsionsbestimmung lägen innerhalb 

des nicht therapiebedürftigen Intervalls (der Normwert der Torsion von Unterschenkeln 

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liege beim Adoleszenten bei 24° Aussentorsion +/- 5°, als Operationsindikation würden 

eine Aussentorsion von mehr als 40° bzw. eine verminderte Tibiatorsion von 5° 

undweniger gelten).

A.d  Auf Anfrage reichte das Spital C.___ am 24. Januar 2013 (act. 17) den 

Operationsbericht vom 23. Oktober 2012 und den Hospitalisationsbericht vom 

12. November 2012 ein. Gemäss dem Operationsbericht hat eine Derotations-Osteo­

tomie Tibia beidseits mit Fixation mit monolateralem Fixateur externe stattgefunden.

A.e  Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen gab dem Spital 

C.___ am 31. Januar 2013 (act. 18) zwei Publikationen (Prof. Dr. med. F. Hefti, in: 

Kinderorthopädie in der Praxis, 2.A. Heidelberg 2006, act. 19; und Dr. med. P. Schmid, 

Achs- und Rotationsdeformitäten, in: Pädiatrie up2date 2010, act. 20) zur Kenntnis, 

wonach Operationen bei erhöhter Unterschenkelaussentorsion von über 40° und 

"verminderter Unterschenkelinnentorsion" (wohl: verminderte Unterschenkeltorsion) 

von unter 5° empfohlen würden, und ersuchte um Auskunft, weshalb beim Versicherten 

trotz ausserhalb dieser Empfehlung liegender Werte eine Operation angeraten und 

durchgeführt worden sei.

A.f   Das Spital C.___ antwortete am 7. Februar 2013 (act. 21), es gehe genau nach der 

Literaturempfehlung (von Prof. Dr. Hefti) vor. Wenn klinisch eine erhöhte 

Unterschenkelaussentorsion von über 40° bzw. "verminderte 

Unterschenkelinnentorsion" (wohl: verminderte Unterschenkel[aussen]torsion) von 

unter 5° zu messen sei, wie es beim Versicherten der Fall gewesen sei, führe es 

zusätzlich eine CT-Torsionsmessung durch. Dort habe sich beim Versicherten eine 

Tibiatorsion deutlich unter der "Norm von 33° +/- 8° (nach Literatur 

Computertomographische Torsionswinkel- und Längenmessung an der unteren 

Extremität von H.A. Waidelich, 1992)" gezeigt. Nicht nur die CT-Diagnostik, sondern 

auch die klinische Messung habe zur Überzeugung geführt, dass bei erfolgloser 

konservativer Therapie aus orthopädischer Sicht eine Torsionskorrektur indiziert sei. Es 

(das Spital bzw. sein Vorgehen) stimme mit der in der Literatur angegebenen klinischen 

Messmethode überein, denn die Indikation der supra-malleolären Korrektur beziehe 

sich auf die klinische Untersuchung.

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A.g  Der RAD hielt am 29. Mai 2013 (act. 22) dafür, es lägen keine (Langzeit-) Daten zu 

der vom Spital C.___ empfohlenen Therapie (bei seit einigen Monaten gehäuft 

gestellten Diagnosen) vor. Das hätten zwei dort tätige Ärzte den Vertretern 

der Sozialversicherungsanstalt bestätigt. Es würden sogenannt nicht der Norm 

entsprechende Untersuchungsbefunde biomechanisch korrigiert, ohne dass ein 

Wirkungsnachweis bestünde. Die Relevanz der gemessenen Winkelwerte sei unklar. 

Die empfohlene Therapie entspreche lediglich einer Hypothese, nicht einem 

nachweisbar wirksamen Therapieversuch. Bei fehlender Evidenz müsse ein 

Leistungsanspruch im Sinn von Geburtsgebrechen Ziff. 178 GgV Anhang abgewiesen 

werden, denn Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit seien unter diesen Umständen nicht 

nachgewiesen. Es handle sich auch nicht um ein in der Medizin und an anderen 

Zentren verbreitetes Prozedere.

A.h  Mit Vorbescheid vom 18. Juni 2013 (act. 24 f.) stellte die Sozialversicherungs­

anstalt/IV-Stelle dem Vater des Versicherten eine Abweisung des Leistungsgesuchs in 

Aussicht. - Die Eltern des Versicherten wandten am 26. Juli 2013 (act. 28) ein, ihr Sohn 

zeige seit Jahren ein auffälliges Gangbild mit nach innen gedrehten Füssen und habe 

dadurch zusätzlich eine Beschwielung auf dem Fussrücken.

A.i   Mit Verfügung vom 9. August 2013 (act. 29) wies die Sozialversicherungsanstalt/

IV-Stelle das Gesuch um medizinische Massnahmen ab.

B.      

Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde der SWICA Krankenversicherung 

AG vom 10. September 2013. Die Beschwerdeführerin beantragt, die Beschwerde­

gegnerin sei in Aufhebung der angefochtenen Verfügung zu verpflichten, die 

Behandlungskosten für das Geburtsgebrechen Ziff. 178 GgV Anhang zu übernehmen, 

eventualiter sei festzustellen, dass keine Sozialversicherung, namentlich nicht die 

subsidiär haftende obligatorische Krankenversicherung, leistungspflichtig sei, sofern 

die Beschwerdegegnerin die Leistungspflicht zu Recht gestützt auf fehlende 

versicherungsmedizinische Voraussetzungen ablehne. Nach Ziff. 178 GgV Anhang sei 

die Schienbein-Innen- und Aussenrotation (recte: -torsion, -drehung) ab vollendetem 

viertem Lebensjahr ein Geburtsgebrechen, sofern eine Operation notwendig sei. Die 

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Verordnung habe - anders als beispielsweise bei den Ziff. 209 und 201 - keine Grade 

angegeben, ab welchen eine Rotation (gemeint wohl: Torsion) operationsbedürftig sei. 

Die Qualifikation als Geburtsgebrechen knüpfe sich ausschliesslich an die 

Notwendigkeit der Operation. Vorliegend sei ausgewiesen und von der 

Beschwerdegegnerin anerkannt, dass der versicherte achtjährige Knabe an einer 

angeborenen verminderten Aussenrotation (wohl: Aussentorsion) beider Unterschenkel 

gelitten habe, die am 23. Oktober 2013 (recte: 2012) operativ saniert worden sei. 

Sämtliche Voraussetzungen der Ziff. 178 GgV Anhang seien daher erfüllt. Die Operation 

wäre kaum durchgeführt worden, wenn sie nicht notwendig gewesen wäre. Die 

Beschwerdegegnerin unterstelle dem Spital, medizinisch nicht notwendige Operationen 

durchzuführen. Träfe das zu, wäre auch die obligatorische Krankenversicherung nicht 

leistungspflichtig, denn auch ihre Leistungspflicht setzte die medizinische 

Notwendigkeit von Eingriffen voraus. Es wäre diesfalls festzustellen, dass mangels 

medizinischer Operationsindikation weder die Invaliden-, noch die subsidiär haftende 

Krankenversicherung leistungspflichtig sei. Die versicherte Person müsse sich in einer 

solchen Konstellation zuerst gegen die Invalidenversicherung, dann gegen die 

Krankenversicherung und schliesslich gegen das Spital wehren. Schlimmstenfalls hätte 

die versicherte Person (falls sich die Operation tatsächlich als nicht notwendig erweisen 

sollte) selbst für die Operation aufzukommen, was systemwidrig sei, zumal eine 

pathologische angeborene Aussenrotation (gemeint wohl: Aussentorsion) der Schenkel 

mit entsprechendem Gangbild diagnostiziert worden sei, die im Anhang der 

Geburtsgebrechensverordnung aufgeführt sei. Bei der Beschwerdeführerin lägen 

mehrere ähnliche Fälle von der Beschwerdegegnerin.

C.      

In ihrer Beschwerdeantwort vom 28. Oktober 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde. Sie könne das Geburtsgebrechen Ziff. 178 GgV 

Anhang mangels Operationsindikation nicht anerkennen und habe folglich auch nicht 

nach Art. 13 IVG für die Behandlung des Leidens aufzukommen. Dass die Kosten der 

Operation im schlimmsten Fall vom Versicherten selbst getragen werden müssten, sei 

kein rechtliches Argument für die Leistungspflicht der Invalidenversicherung und habe 

unberücksichtigt zu bleiben. - Den eingereichten Akten ist unter anderem zu 

entnehmen, dass das Spital C.___ der Beschwerdegegnerin am 3. Oktober 2013 

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(act. 33 ff.) zwei Schriftstücke eingereicht hat. Gemäss der einen Beilage hat die 

Beschwerdeführerin dem Spital am 11. September 2013 die Rechnung retourniert und 

mitgeteilt, sie sei hier nicht vorleistungspflichtig, weil die Beschwerdegegnerin nicht die 

Zuständigkeit (Geburtsgebrechen oder nicht), sondern die Operationsindikation in 

Frage stelle. Das Spital zum andern hat in einem internen Schreiben vom 

24. September 2013 (act. 35) unter anderem festgehalten, bei der Erstuntersuchung 

vom 5. Dezember 2011 sei klinisch eine Aussentorsion der Malleolengabel zum 

Tibiaplateau von maximal 5°, also eine Aussentorsion im deutlich pathologischen 

Bereich (Norm 20° +/- 10°), festgestellt worden. Bei einer Bewegungsanalyse hätten 

pathologische Drehmomente ausgeschlossen werden können, so dass zunächst 

Physiotherapie und Gangschulung zur Erreichung einer vermehrten Aussenrotation 

vorgeschlagen worden seien. Es habe sich klinisch von November 2011 bis Sommer 

2012 aber keine Verbesserung gezeigt. Bei der folgenden CT-Torsionsmessung habe 

sich eine deutlich reduzierte Aussentorsion der distalen Tibia zum Kniegelenk von 

rechts 23° und links lediglich 15° (Norm 33° +/- 8°) gezeigt. Klinisch sei am 23. Juli 

2012 nach wie vor ein pathologischer Tastbefund erhoben worden, der aber statt mit 5° 

mit 10° Aussenrotation (wohl: -torsion) beurteilt worden sei. Damals habe das Spital 

keine Vorgabe der Beschwerdegegnerin gehabt, wonach eine Kostenübernahme nur 

erfolge, wenn klinisch die Aussenrotation (wohl: -torsion) der Tibia bei 5° und weniger 

liege. Erst im Jahr 2013 habe die Beschwerdegegnerin ihm das bekannt gemacht. Das 

Spital aber habe bereits seit Anfangs 2013 versucht, von der IV klare Richtlinien zu 

erhalten. Aus orthopädischer Sicht sei der Entscheid, die Kostenübernahme 

abzulehnen, ferner nicht nachvollziehbar, weil der Aussentorsionswert der Tibia 

präoperativ mit 10° angegeben worden sei, denn die klinische Untersuchung sei sehr 

variabel und differiere von Orthopäde zu Orthopäde. Eine Operationsindikation werde 

zudem nur gestellt, wenn nicht nur die klinische Untersuchung, sondern auch die CT-

Torsionsmessung und die Ganganalyse pathologisch ausfielen. Postoperativ habe sich 

das Gangbild sehr gut verbessert. Die Operation sei notwendig, d.h. indiziert, und 

zweckmässig gewesen.

D.      

Mit Replik vom 25. November 2013 bringt die Beschwerdeführerin vor, eine vom Spital 

C.___ durchgeführte Operation könne von der Beschwerdegegnerin nicht ohne 

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weiteres als nicht indiziert betrachtet werden und die entsprechenden 

Operationskosten könnten nicht zulasten des Kindes gehen, dessen Eltern sie kaum 

freiwillig in Kauf genommen hätten. Unbestrittenermassen habe eine pathologische 

Aussenrotation (wohl: -torsion) vorgelegen, die habe korrigiert werden müssen. Es gehe 

nicht an, die Eltern der versicherten Person als Kostenträger zu bestimmen, indem man 

dem Spital C.___ in unqualifizierter Weise unterstelle, standardmässig nicht notwendige 

Operationen durchzuführen. In weiteren Verfahren betreffend ähnlich gelagerte 

Sachverhalte habe die Beschwerdegegnerin die Leistungspflicht bei einer angeborenen 

pathologischen Aussenrotation (wohl: -torsion) des Unterschenkels abgelehnt, weil es 

sich bei der Behandlung um eine Hemiepiphysiodese und nicht um eine Osteotomie 

gehandelt habe. Wäre eine Osteotomie durchgeführt worden, hätte sie möglichweise 

erneut die Operationsindikation abgelehnt.

E.      

Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet. - Mit Schreiben vom 21. Feb­

ruar 2014 an seinen gesetzlichen Vertreter ist der Versicherte beigeladen worden. Eine 

Stellungnahme ging nicht ein.

Erwägungen:

1.       

1.1   Mit der angefochtenen Verfügung vom 9. August 2013 hat die 

Beschwerdegegnerin das Gesuch des Versicherten um Kostenübernahme für 

medizinische Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 178 GgV 

Anhang (nämlich die Derotations-Osteotomie Tibia beidseits vom 23. Oktober 2012, 

act. 17-5, distal, vgl. act. 17-1) abgewiesen. Die Beschwerdeführerin beantragt im 

Hauptstandpunkt die Übernahme der Behandlungskosten.

1.2   Gemäss Art. 59 ATSG ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch die angefochtene 

Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder 

Änderung hat. - Erlässt ein Versicherungsträger eine Verfügung, welche die 

Leistungspflicht eines anderen Trägers berührt, so hat er auch ihm die Verfügung zu 

eröffnen. Dieser kann die gleichen Rechtsmittel ergreifen wie die versicherte Person 

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(Art. 49 Abs. 4 ATSG). Die Beschwerdeführerin ist (als Adressatin der Verfügung) zur 

Beschwerdeerhebung legitimiert (vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 14. Oktober 2008, 

8C_236/2008). Auf die Streitsache ist einzutreten.

2.       

2.1   Nach Art. 13 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr

Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 ATSG) not­

wendigen medizinischen Massnahmen. Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für 

welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn 

das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (Art. 13 Abs. 2 IVG). Gemäss Art. 1 

Abs. 1 der Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV) gilt die blosse Veranlagung zu 

einem Leiden nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeitpunkt, in dem ein 

Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich. Die Geburtsgebrechen 

sind nach Art. 1 Abs. 2 GgV in der Liste im Anhang aufgeführt. Ziff. 178 GgV Anhang 

nennt als Geburtsgebrechen eine angeborene Tibia-Innen- und Aussentorsion, ab 

vollendetem vierten Lebensjahr, sofern eine Operation notwendig ist.

2.2   Gemäss dem IV-Arztbericht des Spitals C.___ vom 16. Oktober 2012 handelt es 

sich bei der verminderten Aussentorsion beider Unterschenkel des Versicherten um ein 

angeborenes Leiden. Das ist nicht bestritten worden.

3.       

3.1   Die Beschwerdegegnerin lehnt eine Kostenübernahme deswegen ab, weil die 

Operation nicht notwendig gewesen sei. Dem Aspekt der Notwendigkeit (Indikation) 

der Operation kommt bei Ziff. 178 GgV Anhang eine doppelte Rolle zu. Denn die 

Notwendigkeit einer medizinischen Massnahme ist für eine Kostenübernahme stets 

vorausgesetzt (unten E. 3.2). Von der Voraussetzung der Operationsnotwendigkeit 

hängt aber bei der betreffenden Ziffer auch die Anerkennung als IV-Geburtsgebrechen 

als solches ab.

3.2   Gemäss Art. 14 Abs. 1 IVG umfassen die medizinischen Massnahmen die 

Behandlung, die vom Arzt selbst oder auf seine Anordnung durch medizinische 

Hilfspersonen in Anstalts- oder Hauspflege vorgenommen wird (lit. a) und die Abgabe 

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der vom Arzt verordneten Arzneien (lit. b). Als medizinische Massnahmen, die für die 

Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die 

nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den 

therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 3 

GgV). Laut der Rechtsprechung gilt eine Behandlungsart dann als bewährter Erkenntnis 

der medizinischen Wissenschaft entsprechend, wenn sie von Forschern und Praktikern 

der medizinischen Wissenschaft auf breiter Basis anerkannt ist. Das Schwergewicht 

liegt auf der Erfahrung und dem Erfolg im Bereich einer bestimmten Therapie. Die für 

den Bereich der Krankenpflege entwickelte Definition der Wissenschaftlichkeit findet 

prinzipiell auch auf die medizinischen Massnahmen der Invalidenversicherung 

Anwendung. Eine Vorkehr, welche mangels Wissenschaftlichkeit nicht durch die 

obligatorische Krankenpflegeversicherung zu übernehmen ist, kann grundsätzlich auch 

nicht als medizinische Massnahme nach Art. 12 oder 13 IVG zu Lasten der 

Invalidenversicherung gehen. Auch in der Invalidenversicherung gilt das fundamentale 

Prinzip der wissenschaftlich nachgewiesenen Wirksamkeit, d.h. der wissenschaftlichen 

Anerkennung (Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 29. Januar 

2004, I 19/03, vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 13. Juni 2012, 8C_590/11, BGE 115 V 

195 E. 4b, BGE 123 V 60 E. 2b.cc, AHI 2001 S. 76 f. E. 1b).

3.3   Das Spital C.___ hat die Operationsindikation gestellt, die Operation somit als 

notwendig betrachtet, und die Behandlung auch durchgeführt.

3.4   Die von Ärzten als Angehörige eines freien Berufes applizierten Heilanwendungen 

haben die gesetzliche Vermutung für sich, dass sie den Voraussetzungen für eine 

Kostenübernahme durch die obligatorische Krankenpflegeversicherung entsprechen 

(die Kostenvergütungspflicht ist zu bejahen, sofern die ärztlich erbrachte Leistung nicht 

von der Kostenvergütungspflicht ausgenommen worden ist, vgl. Art. 33 Abs. 5 KVG). 

Hält ein (im Entscheid: Kranken-)Versicherer dafür, dass eine bestimmte nicht 

ausgeschlossene ärztliche Therapie unwirksam, unzweckmässig oder unwirtschaftlich 

sei (Art. 32 Abs. 1 KVG), hat er im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes die 

Verhältnisse abzuklären (z.B. durch Einholung eines Gutachtens) und hernach über die 

Leistungspflicht im Einzelfall zu verfügen (vgl. BGE 129 V 170 f. E. 3.2).

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3.5   Der RAD stellt sich vorliegend auf den Standpunkt, als Normwerte der 

Operationsindikation zur supramalleolären "Tibiatorsionsosteotomie" würden eine 

Aussentorsion von mehr als 40° und eine verminderte Tibiatorsion von 5° und weniger 

gelten. Auf die (vom Spital C.___) gewählte Weise würden dagegen bloss nicht der 

Norm entsprechende (sc. wohl: aber nicht operationsbedürftige) 

Untersuchungsbefunde biomechanisch korrigiert, ohne dass ein Wirkungs- und 

Wirtschaftlichkeitsnachweis für diese Korrektur bestünde. Es gebe über diese Therapie 

keine Langzeitdaten und es handle sich nicht um ein in der Medizin und an anderen 

medizinischen Zentren verbreitetes Prozedere.

3.6   Es kann davon ausgegangen werden, dass Wissenschaftlichkeit und Wirksamkeit 

der Derotations-Osteotomie der Tibia als solche bei gegebener Indikation nicht um­

stritten sind. In der einen eingelegten Publikation von Prof. Dr. Hefti (act. 19) wird aber 

festgehalten, sie (sc. wohl: die Ärzte der Kinderorthopädischen Universitätsklinik am 

Universitätskinderspital beider Basel) stellten die Indikation zur supramalleolären 

Tibiadetorsionsosteotomie (bei einer Aussentorsion von mehr als 40° bzw.) bei einer 

verminderten Tibiatorsion von 5° und weniger (S. 549). In der anderen vorliegenden 

Publikation von Dr. Schmid (act. 20) wird dargelegt, eine Korrektur der vermehrten 

Unterschenkelinnentorsion komme nur bei kleinen Winkeln (unter 5°) und durch den 

konsekutiven Einwärtsgang bedingten Beschwerden (häufiges Stolpern über die 

Vorfüsse, Fehlbelastungen in den Füssen und Kniebeschwerden) infrage (S. 3).

3.7   Im Schreiben an die IV-Stelle vom 7. Februar 2013 (act. 21) hat das Spital C.___ 

angegeben, beim Versicherten sei klinisch eine "verminderte 

Unterschenkelinnentorsion" (wohl: verminderte Unterschenkeltorsion) von unter 5° 

gemessen worden. Die Indikation (bzw. wohl das Kriterium für die Indikation) der 

supramalleolären Korrektur beziehe sich auf die klinische Untersuchung. Es (das Spital) 

gehe genau nach der Literaturempfehlung vor; das Vorgehen stimme mit der in der 

Literatur angegebenen klinischen Messmethode überein. Das Spital hält also dafür, 

klinisch gesehen sei der betreffende, in der Literatur vorgesehene (Maximal-) Wert (von 

5°) nicht überschritten gewesen.

3.8   Nur bei der ersten klinischen Untersuchung vom 5. Dezember 2011 (vgl. dazu 

act. 35, Untersuchungsbericht nicht bei den Akten) wurde der Winkel allerdings auf

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maximal 5° festgesetzt, während das Ergebnis einer späteren klinischen Messung (vom 

23. Juli 2012) zwar nach Angaben des Spitals ebenfalls einen klinisch pathologischen 

Befund ergab, der aber mit einer Verdrehung von 10° beurteilt wurde. Entsprechend 

wurde denn auch im IV-Arztbericht vom 16. Oktober 2012 beim Befund eine 

Aussentorsion der Malleolengabel zum Tibiaplateau von ca. 10° angegeben (ohne 

Unterscheidung, ob links oder rechts). Bei klinischen Messungen ist sicherlich zu 

berücksichtigen, dass sie mit einer gewissen Ungenauigkeit behaftet und von 

eingeschränkter Reliabilität sind. Einen Grund, darauf gar nicht abzustellen, bedeutet 

das aber nicht. Es zeigt sich insgesamt, dass der in der aufgelegten Literatur als 

Obergrenze für eine Operationsindikation umschriebene Winkel von 5° abgesehen vom 

Messergebnis der erwähnten, in den Akten nicht dokumentierten ersten klinischen 

Untersuchung, die sich wohl einzig auf die linke Seite bezog, (selbst) nach klinischer 

Erhebung überschritten war. Bei der Operation war davon auszugehen, dass der 

Grenzwert nicht eingehalten war. Radiologisch haben sich, was nach Darstellung des 

Spitals C.___ für die Einhaltung der Vorgaben aus der Literatur allerdings nicht 

massgebend ist, (noch) näher am Normalbefund liegende Werte ergeben. Gemäss der 

CT-Messung und dem Operationsbericht lag beim Versicherten eine Aussenrotation 

OSG bzw. eine verminderte Tibiatorsion von rechts 23° und links 15° vor.

3.9   Es ist nicht bekannt, ob es in der medizinischen Literatur abweichende 

Auffassungen zu den relevanten Grenzwerten (für eine Operationsindikation) gibt. 

Zumindest hat aber das Spital C.___ selber keine solchen bezeichnet, sondern im 

Gegenteil dafürgehalten, gemäss diesen Vorgaben vorgegangen zu sein. - Was im 

Übrigen die Normwerte der Torsion von Unterschenkeln betrifft, wurden immerhin 

unterschiedliche Winkel bezeichnet. Der RAD benannte am 8. Januar 2013 (act. 14) für 

Adoleszente einen Grad von 24° Aussentorsion +/- 5°, das Spital C.___ im internen 

Schreiben vom 24. September 2013 (act. 35) einen Grad von 20° +/- 10° und im 

Schreiben vom 7. Februar 2013 (act. 21) einen solchen von 33° +/- 8° (der sich 

allerdings gemäss der zitierten Quelle, H.A. Waidelich, auf über 18-Jährige bezieht, vgl. 

https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/

s-2008-1033007).

3.10  Es fragt sich daher, welche Bedeutung den Grenzwerten für die Operations­

indikation in der medizinischen Wissenschaft zukommt, ob es sich dabei nach 

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medizinischer Wissenschaft um strikte Erfordernisse für die Indikation einer Operation 

handle, eine Indikation ausserhalb der normierten Werte also generell ausgeschlossen 

werde, oder ob eine Indikation - unter bestimmten Umständen - auch ausserhalb 

dieser Grenzwerte begründet sein könne. Die beiden Publikationen lassen eher darauf 

schliessen, dass Operationen jedenfalls nur unter restriktiven Voraussetzungen 

angezeigt sind.

3.11   Im konkreten Sachverhalt wird die Operationsindikation mit weiteren Faktoren 

begründet. Namentlich war die Fehlstellung bereits seit längerem (offenbar ohne den 

gewünschten Erfolg) konservativ behandelt worden und lag ausserdem eine 

pathologische Beschwielung über der lateralen Talusschulter sowie über dem 

Calcaneus an beiden Fussristen vor. Im IV-Arztbericht vom 16. Oktober 2012 ist 

angegeben worden, der Versicherte sei nun ein Jahr lang mittels Physiotherapie und 

Gangschulung behandelt worden, doch habe sich keine Besserung des Gangbildes 

gezeigt. Das Aufsetzen der Füsse und die Belastung seien nach wie vor pathologisch. 

Aufgrund des eindrücklichen Bildes sei entschieden worden, den Versicherten 

frühzeitig zu operieren und nicht das weitere Wachstum abzuwarten.

3.12    Die gegenwärtige Aktenlage lässt einen Entscheid darüber nicht zu, ob die 

konkret strittige Operation indiziert gewesen sei oder nicht. Einerseits ist davon 

auszugehen, dass der Entscheid des Arztes als Einzelfallentscheid sich an allen 

sachbezogenen Umständen zu orientieren hat, anderseits ist denkbar, dass es gewisse 

Grenzen gibt, ausserhalb derer ein solcher Entscheid nach medizinischer Wissenschaft 

generell nicht am Platz ist (weil die Wirksamkeit und Zweckmässigkeit dort nicht erstellt 

ist).

3.13    Da von der Frage der Operationsindikation vorliegend wie erwähnt die 

Anerkennung als Geburtsgebrechen selbst abhängt, ist hierzu eine medizinische 

fachärztliche Stellungnahme (wohl hauptsächlich eine Aktenstellungnahme, da die 

Operation inzwischen bereits erfolgt ist) erforderlich und wird von der 

Beschwerdegegnerin einzuholen sein.

3.14    Angesichts der notwendigen Rückweisung der Sache erübrigt sich das 

Befassen mit dem Eventualstandpunkt der Beschwerdeführerin.

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4.     

4.1   Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung vom 9. August 2013 teilweise gutzuheissen. Die Sache ist 

zur ergänzenden Abklärung im Sinn der Erwägungen und zu entsprechender neuer 

Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

4.2   Eine Rückweisung zur weiteren Abklärung der Streitsache und anschliessender 

neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin stellt praxisgemäss aus prozessualer 

Sicht in Bezug auf die Kosten ein vollständiges Obsiegen dar (vgl. BGE 137 V 57). 

Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin sind ihr die Gerichtskosten, die 

nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 

Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1  IVG), gesamthaft 

aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- 

erscheint angemessen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der 

Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.

4.3   Die obsiegende Krankenversicherung hat als mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben 

betraute Organisation keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (BGE 126 V 149 

E. 4a).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.      In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 

9. August 2013 aufgehoben und die Sache wird zur ergänzenden Abklärung im Sinn 

der Erwägungen und zu entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin 

zurückgewiesen

2.      Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.

3.      Der Beschwerdeführerin wird der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- 

zurückerstattet

bis

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	Entscheid Versicherungsgericht, 11.11.2014
	Art. 13 Abs. 1 IVG; Ziff. 178 GgV Anhang. Operationsbedürftigkeit (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. November 2014, IV 2013/436).

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		2025-07-19T09:31:01+0200
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