# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c6de1206-a454-56b0-9876-a20320d4cb9b
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-23
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 23.05.2024 WPR.2024.48
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WPR-2024-48_2024-05-23.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WPR.2024.48 / dh 
ZEMIS [***]; N [***] 

 

Urteil vom 23. Mai 2024 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz  

Gerichtsschreiberin i.V. Feusier  

Rechtspraktikant Hausmann  

 

 
   

Gesuchsteller   Amt für Migration und Integration Kanton Aargau,  

Sektion Asyl und Rückkehr, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau  

vertreten durch Alexia Altunkapan, Bahnhofstrasse 88, 5000 Aarau  

 

 
   

Gesuchsgegner   B._____, von der Türkei  

z.Zt. im Bezirksgefängnis, 5000 Aarau  

amtlich vertreten durch lic. iur. Roland Metzger, Rechtsanwalt, 

Obertorplatz 7, Postfach 557, 4310 Rheinfelden  

 

 
   

Gegenstand  Ausschaffungshaft gestützt auf Art. 76 AIG / Haftüberprüfung 

  

 - 2 - 

 

 

   

Der Einzelrichter entnimmt den Akten: 

 

A. 

Der Gesuchsgegner reiste eigenen Angaben zufolge am 8. Juni 2022 

illegal in die Schweiz ein und reichte am darauffolgenden Tag ein 

Asylgesuch ein (Akten des Amts für Migration und Integration [MI-act.] 5). 

 

Am 7. Oktober 2022 wies das Staatssekretariat für Migration (SEM) den 

Gesuchsgegner dem Kanton Aargau zu (MI-act. 30 ff.), worauf ihm 

gleichentags durch das Amt für Migration und Integration Kanton Aargau 

(MIKA) das Formular "Merkblatt für dem Kanton Aargau zugewiesene 

Asylsuchende" ausgehändigt wurde. Darin wird der Gesuchsgegner unter 

anderem verpflichtet, die ihm zugewiesene Unterkunft nicht ohne 

schriftliche Zustimmung des kantonalen Sozialdienstes zu wechseln, die 

Gemeinde nicht ohne schriftliche Zustimmung der neuen Gemeinde zu 

wechseln und sich an der ihm zugewiesenen Adresse zur Verfügung zu 

halten, sodass ihm Postsendungen und sonstige Mitteilungen zugestellt 

werden können. Das Merkblatt enthielt den Hinweis, dass eine Verletzung 

der darin genannten Pflichten zur Anordnung einer Ausschaffungshaft 

führen könne (MI-act. 38). 

 

Mit Entscheid vom 22. Dezember 2022 lehnte das SEM das Asylgesuch 

des Gesuchsgegners ab, wies ihn aus der Schweiz weg, ordnete an, er 

habe die Schweiz bis zum Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen und 

beauftragte den Kanton Aargau mit dem Vollzug der Wegweisung (MI-

act. 41 ff.). 

 

Am 25. Januar 2023 erhob der Gesuchsgegner gegen die Verfügung des 

SEM vom 22. Dezember 2022 beim Bundesverwaltungsgericht 

Beschwerde (MI-act. 49) und der Gesuchsgegner und seine Verlobte, 

C._____, leiteten im gleichen Monat beim Zivilstandsamt V._____ 

gemeinsam ein Ehevorbereitungsverfahren ein (MI-act. 50 f.). 

 

Mit Entscheid vom 8. Februar 2023 bestätigte das 

Bundesverwaltungsgericht, dass bis zum Abschluss des 

Rechtsmittelverfahrens betreffend Asylstatus des Gesuchsgegners 

derselbe in der Schweiz verweilen dürfe (MI-act. 52 ff.). 

 

Am 19. Juni 2023 verfügte das Zivilstandsamt V._____, dass die 

Eheschliessung des Gesuchsgegners mit seiner Verlobten wegen 

Scheinehe verweigert wird, wogegen der Gesuchsgegner beim 

Generalsekretariat der Sicherheitsdirektion des Kantons Bern Beschwerde 

einreichte (MI-act. 91). 

 

Mit Entscheid vom 28. November 2023 wies das 

Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde des Gesuchsgegners gegen 

 - 3 - 

 

 

den Ablehnungsentscheid des SEM ab, womit sowohl der Ablehnungs- als 

auch der Wegweisungsentscheid des SEM in Rechtskraft erwuchsen (MI-

act. 62 ff.). 

 

Am 11. November 2023 reichte der Gesuchsgegner beim Migrationsdienst 

des Kantons Bern ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung 

zur Vorbereitung der Heirat ein (MI-act. 103). 

 

Am 14. Dezember 2023 versuchte der Gesuchsgegner vergebens, sich bei 

der Einwohnerkontrolle der Gemeinde W._____ im Kanton Bern 

anzumelden, um bei seiner Verlobten zu leben. Das MIKA wurde über 

diesen Sachverhalt, einschliesslich der aktuellen Adresse der Verlobten, 

telefonisch in Kenntnis gesetzt (MI-act. 84). 

 

Mit Schreiben vom 18. Dezember 2023 wurde der Gesuchsgegner vom 

MIKA zu einem Ausreisegespräch auf den 11. Januar 2024 vorgeladen (MI-

act. 85 f.). Der Gesuchsgegner blieb diesem Ausreisegespräch 

unentschuldigt fern, da er vom 20. Dezember 2023 bis zum 23. Februar 

2024 ohne entsprechende Abmeldung bei seiner Verlobten in W._____ 

verweilte und ihm die Vorladung nicht ordentlich zugestellt werden konnte 

(MI-act. 102, Protokoll S. 4, act. 26).  

 

Mit Schreiben vom 4. März 2024 informierte der Migrationsdienst des 

Kantons Bern den Gesuchsgegner, dass sein Gesuch um Vorbereitung der 

Heirat formlos sistiert werde, da sein Beschwerdeverfahren betreffend die 

Frage der Scheinehe hängig sei (MI-act. 103). 

 

Anlässlich des Ausreisegesprächs vom 21. Mai 2024 gab der 

Gesuchsgegner gegenüber dem MIKA zu Protokoll, er wolle nicht aus der 

Schweiz ausreisen (MI-act. 120 ff.).  

 

B. 

Anschliessend an das Ausreisegespräch vom 21. Mai 2024 gewährte das 

MIKA dem Gesuchsgegner das rechtliche Gehör betreffend die Anordnung 

einer Ausschaffungshaft (MI-act. 125 ff.). Im Anschluss an die Befragung 

wurde dem Gesuchsgegner die Anordnung der Ausschaffungshaft wie folgt 

eröffnet (act. 1): 

 

1. 
Es wird eine Ausschaffungshaft angeordnet. 
 
2. 
Die Haft begann am 21. Mai 2024, 16.20 Uhr. Sie wird in Anwendung von 
Art. 76 AIG für drei Monate bis zum 20. August 2024, 12.00 Uhr, 
angeordnet. 
 

 - 4 - 

 

 

3. 
Die Haft wird im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich 
vollzogen. Soweit für die Befragung oder die Durchführung einer 
Haftverhandlung zwingend, erfolgt die Inhaftierung für die notwendige 
Dauer im Bezirksgefängnis Aarau.  

 

Noch während dem Gesuchsgegner die Haftanordnung eröffnet wurde, 

versuchte dieser zu entweichen, konnte aber durch anwesende Beamte der 

Kantonspolizei Aargau festgehalten werden (MI-act. 145). 

 

C. 

Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Einzelrichter des 

Verwaltungsgerichts wurden der Gesuchsteller und der Gesuchsgegner 

befragt. 

 

D. 

Der Gesuchsteller beantragte die Bestätigung der Haftanordnung 

(Protokoll S. 8, act. 36). 

 

Der Gesuchsgegner liess folgende Anträge stellen (Protokoll S. 9, act. 37): 

 

1. 
Es sei die Verfügung des Gesuchstellers vom 21. Mai 2024 betreffend 
Anordnung der Ausschaffungshaft über den Gesuchsgegner B._____ 
aufzuheben und es sei der Gesuchsgegner aus der Ausschaffungshaft zu 
entlassen. 
 
2. 
Es sei die Bestellung des amtlichen Rechtsvertreters für den 
Gesuchsgegner zu bestätigen. 
 
3. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates. 

 

 
   

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

 

I. 

1. 

Das angerufene Gericht überprüft die Rechtmässigkeit und 

Angemessenheit einer durch das MIKA angeordneten Ausschaffungshaft 

aufgrund einer mündlichen Verhandlung spätestens nach 96 Stunden 

(Art. 80 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und 

Ausländer und über die Integration vom 16. Dezember 2005 [Ausländer- 

und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20], § 6 des Einführungsgesetzes 

zum Ausländerrecht vom 25. November 2008 [EGAR; SAR 122.600]). Die 

Haftüberprüfungsfrist beginnt mit der ausländerrechtlich motivierten 

Anhaltung der betroffenen Person zu laufen (vgl. BGE 127 II 174, Erw. 2. 

b/aa). 

 - 5 - 

 

 

 

2. 

Im vorliegenden Fall wurde dem Gesuchsgegner am 21. Mai 2024 im 

Anschluss an ein Ausreisegespräch das rechtliche Gehör betreffend die 

Anordnung einer Ausschaffungshaft gewährt. In der Folge wurde er nach 

Eröffnung der Haftanordnung um 16.20 Uhr inhaftiert. Die mündliche 

Verhandlung begann am 23. Mai 2024, 11.10 Uhr; das Urteil wurde um 

12.00 Uhr eröffnet. Die richterliche Haftüberprüfung erfolgte somit 

innerhalb der Frist von 96 Stunden. 

 

II. 

1. 

Wurde ein erstinstanzlicher Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet 

oder wurde die betroffene Person mit einer Landesverweisung belegt, kann 

die zuständige kantonale Behörde die betroffene Person zur Sicherstellung 

des Vollzugs in Haft nehmen (Art. 76 AIG). 

 

Zuständige kantonale Behörde im Sinne von Art. 76 Abs. 1 AIG ist gemäss 

§ 13 Abs. 1 EGAR das MIKA. Im vorliegenden Fall wurde die 

Haftanordnung durch das MIKA und damit durch die zuständige Behörde 

erlassen (act. 1 ff.). 

 

2. 

2.1. 

Das MIKA begründet seine Haftanordnung damit, dass es den 

Gesuchsgegner aus der Schweiz ausschaffen und mit der Haft den Vollzug 

sicherstellen wolle. Der Haftzweck ist damit erstellt. 

 

2.2. 

Der Haftrichter hat sich im Rahmen der Prüfung, ob die Ausschaffungshaft 

rechtmässig ist, Gewissheit darüber zu verschaffen, ob ein erstinstanzlicher 

Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet oder eine erstinstanzliche 

Landesverweisung ausgesprochen wurde (Art. 76 Abs. 1 AIG). 

 

Mit Entscheid vom 22. Dezember 2022 lehnte das SEM das Asylgesuch 

des Gesuchsgegners ab und wies ihn gleichzeitig aus der Schweiz weg 

(MI-act. 41 ff.). Dieser Entscheid ist am 28. November 2023 rechtskräftig 

geworden (MI-act. 62 ff.). Es liegt somit ein rechtsgenüglicher 

Wegweisungsentscheid vor. 

 

2.3. 

Gemäss Art. 80 Abs. 6 lit. a AIG ist die Haft zu beenden, wenn sich erweist, 

dass der Vollzug der Wegweisung aus rechtlichen oder tatsächlichen 

Gründen undurchführbar ist. 

 

 - 6 - 

 

 

Im vorliegenden Fall sind keine Anzeichen vorhanden, die an der 

Ausschaffungsmöglichkeit in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht Zweifel 

aufkommen lassen würden. Die Identität des Gesuchsgegners steht fest, 

da dem MIKA eine Kopie des Reisepasses des Gesuchsgegners vorliegt 

(MI-act. 58). Gemäss Eingabe der Vertreterin des MIKA anlässlich der 

heutigen Verhandlung befindet sich der originale Reisepass des 

Gesuchsgegners beim Zivilstandsamt V._____ (act. 38). Weiter liess die 

Vertreterin des MIKA verlauten, dass regelmässig Flugverbindungen in die 

Türkei bestünden und jederzeit ein Flug gebucht werden könne (Protokoll 

S. 7, act. 29). 

 

Auf entsprechende Nachfrage des Rechtsvertreters des Gesuchsgegners 

hin gab die Vertreterin des MIKA zudem an, es sollte spätestens bis Ende 

der Woche vom 27. Mai 2024 möglich sein, für den Gesuchsgegner ein 

Ersatzreisedokument zu beschaffen, sollte sein Reisepass wider Erwarten 

nicht beschaffbar sein (Protokoll S. 7 f., act. 29 f.). 

 

Damit stehen dem Vollzug der Wegweisung zum heutigen Zeitpunkt keine 

Hindernisse entgegen. 

 

3. 

3.1. 

Das MIKA stützt seine Haftanordnung auf Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG, 

wonach ein Haftgrund dann vorliegt, wenn konkrete Anzeichen befürchten 

lassen, dass sich die betroffene Person der Ausschaffung entziehen will, 

insbesondere, weil sie der Mitwirkungspflicht nach Art. 90 AIG und Art. 8 

Abs. 1 lit. a oder Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, 

SR 142.31) nicht nachkommt. Ob im Sinne dieser Gesetzesbestimmung 

konkrete Anzeichen befürchten lassen, dass sich eine Person der 

Ausschaffung entziehen will, ist aufgrund des ganzen bisherigen 

Verhaltens, insbesondere auch gegenüber den Behörden, sowie ihrer 

eigenen Aussagen zu beurteilen. Auch wenn einzelne Fakten für sich eine 

Ausschaffungshaft nicht rechtfertigen, kann dies aufgrund der Gesamtheit 

der Vorkommnisse der Fall sein. Erforderlich sind gewichtige 

Anhaltspunkte dafür, dass die betroffene Person sich der Ausschaffung 

entziehen und untertauchen will. Die blosse Vermutung, dass sie sich der 

Wegweisung entziehen könnte, genügt nicht; deren Vollzug muss erheblich 

gefährdet erscheinen (vgl. BGE 129 I 139, Erw. 4.2.1).  

 

Von einer Untertauchensgefahr und damit von einem Haftgrund ist zudem 

auch dann auszugehen, wenn das bisherige Verhalten der betroffenen 

Person darauf schliessen lässt, dass sie sich behördlichen Anordnungen 

widersetzt (Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG).  

 

Eine klare Trennung der beiden genannten Haftgründe ist in der Praxis 

kaum möglich. Vielmehr ist Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG wohl als 

 - 7 - 

 

 

Präzisierung von Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG zu verstehen, womit die 

beiden Bestimmungen als einheitlicher Haftgrund zu betrachten sind (vgl. 

ANDREAS ZÜND, in: MARC SPESCHA/ANDREAS ZÜND/PETER 

BOLZLI/CONSTANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kommentar 

Migrationsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, N. 7 zu Art. 76 AIG und TARKAN 

GÖKSU, in: MARTINA CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR 

[Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die 

Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N. 11 zu Art. 76). 

 

3.2. 

Der Gesuchsgegner, gegen den ein rechtskräftiger Wegweisungsentscheid 

vorliegt, hätte die Schweiz gemäss Ausreisefrist des SEM spätestens am 

15. Dezember 2023 verlassen müssen (MI-act. 110). Anlässlich des 

Ausreisegesprächs vom 21. Mai 2024, des gleichentags gewährten 

rechtlichen Gehörs sowie an der heutigen Verhandlung äusserte sich der 

Gesuchsgegner wiederholt dahingehend, dass er nicht bereit sei, die 

Schweiz freiwillig in Richtung Türkei zu verlassen (MI-act. 120 ff., 125 ff., 

Protokoll S. 2, 6, act. 24, 28). In dieser konstanten Weigerung, seiner 

Ausreisepflicht nachzukommen, ist ein klares Anzeichen dafür zu 

erkennen, dass sich der Gesuchsgegner der Ausschaffung entziehen will. 

 

Seine Untertauchensgefahr unterstrich der Gesuchsgegner zudem mit 

seinem Fluchtversuch, welchen er anlässlich der Hafteröffnung vom 

21. Mai 2024 beging (MI-act. 145, Protokoll S. 6 f., act. 28 f.). Ein solches 

Verhalten dient einzig dazu, sich der drohenden Ausschaffungshaft 

entziehen zu wollen und zeugt von einer besonderen Renitenz gegenüber 

behördlichen Anordnungen. Entgegen dem Einwand seines 

Rechtsvertreters ist nicht relevant, wie dieses Verhalten strafrechtlich zu 

qualifizieren ist. 

 

Hinzu kommt, dass der Gesuchsgegner, entgegen der ihm auferlegten 

Pflicht, nicht dafür besorgt war, dass ihm jederzeit Post zugestellt werden 

kann (MI-act. 38, Protokoll S. 4, act. 26). Auch dieses Verhalten deutet im 

konkreten Fall auf eine Untertauchensgefahr hin. 

 

Ob der Aufenthalt des Gesuchsgegners bei seiner Freundin bereits als 

Untertauchen zu qualifizieren ist, ist fraglich, kann aber offengelassen 

werden. Immerhin war dem MIKA der Aufenthalt des Gesuchsgegners 

offenbar bekannt (Protokoll S. 5, act. 27). 

 

Nach dem Gesagten steht im vorliegenden Fall fest, dass der 

Gesuchsgegner insbesondere aufgrund seiner Weigerung, die Schweiz zu 

verlassen und mit seinem wiederholt gegen behördliche Anordnungen 

gerichteten Verhalten klare Anzeichen für eine Untertauchensgefahr 

gesetzt hat. Es ist unter diesen Umständen nicht davon auszugehen, dass 

er nach einer Entlassung aus der Ausschaffungshaft die Schweiz auf 

 - 8 - 

 

 

direktem Weg freiwillig in Richtung Türkei verlassen würde. Damit ist der 

Haftgrund von Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG erfüllt. 

 

4. 

Bezüglich der Haftbedingungen liegen keine Beanstandungen vor 

(Protokoll S. 8, act. 30). 

 

5. 

Es liegen auch keine Anzeichen dafür vor, dass das MIKA dem 

Beschleunigungsgebot (Art. 76 Abs. 4 AIG) nicht ausreichend Beachtung 

geschenkt hätte. 

 

6. 

Das MIKA ordnete die Ausschaffungshaft für drei Monate an. Nachdem der 

Vollzug der Rückführung massgeblich vom Verhalten des Gesuchsgegners 

abhängig ist und es diesbezüglich zu Verzögerungen kommen kann, ist die 

beantragte Haftdauer nicht zu beanstanden. Im Übrigen ist festzuhalten, 

dass das MIKA bisher stets bemüht war, Ausschaffungen so rasch wie 

möglich zu vollziehen. Sollte das MIKA entgegen seiner bisherigen 

Gewohnheit das Beschleunigungsgebot verletzen, besteht die Möglichkeit, 

ein Haftentlassungsgesuch zu stellen. 

 

7. 

Abschliessend stellt sich die Frage, ob die Haftanordnung deshalb nicht zu 

bestätigen sei, weil sie im konkreten Fall gegen das Prinzip der 

Verhältnismässigkeit verstossen würde. Eine mildere Massnahme zur 

Sicherstellung des Vollzugs der Wegweisung ist nicht ersichtlich. Dies gilt 

umso mehr, als der Gesuchsgegner sich bis zuletzt mehrfach weigerte, die 

Schweiz zu verlassen (MI-act. 121, 126, Protokoll S. 2, 6, act. 24, 28) und 

mit seinem Verhalten, insbesondere dem Fluchtversuch vom 21. Mai 2024 

(MI-act. 145), keinerlei Gewähr für eine ordnungsgemässe Ausreise in sein 

Heimatland bietet. 

 

Bezüglich der familiären Verhältnisse ergeben sich keine Anhaltspunkte, 

welche gegen eine Haftanordnung sprechen würden. Der Gesuchsgegner 

macht auch nicht geltend, er sei nicht hafterstehungsfähig. Insgesamt sind 

keinerlei Gründe ersichtlich, welche die angeordnete Haft als 

unverhältnismässig erscheinen liessen. 

 

III. 

1. 

Gemäss § 28 Abs. 1 EGAR ist das Verfahren betreffend Haftüberprüfung 

unentgeltlich. Demgemäss werden keine Kosten erhoben. 

 

 - 9 - 

 

 

2. 

Dem Gesuchsgegner ist gemäss § 27 Abs. 2 EGAR zwingend ein amtlicher 

Rechtsvertreter zu bestellen, da der Gesuchsteller eine Haft für eine Dauer 

von mehr als 30 Tagen anordnete. Der Vertreter des Gesuchsgegners wird 

aufgefordert, nach Haftentlassung des Gesuchsgegners seine Kostennote 

einzureichen. 

 

IV. 

1. 

Der Gesuchsgegner wird darauf hingewiesen, dass ein 

Haftentlassungsgesuch frühestens einen Monat nach Haftüberprüfung 

gestellt werden kann (Art. 80 Abs. 5 AIG) und beim MIKA einzureichen ist 

(§ 15 Abs. 1 EGAR). 

 

2. 

Soll die Haft gegebenenfalls verlängert werden, ist nicht zwingend eine 

Verhandlung mit Parteibefragung durchzuführen (Aargauische Gerichts- 

und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2009, S. 359 Erw. I/4.3 ff.). Im 

Rahmen des rechtlichen Gehörs hat das MIKA dem Gesuchsgegner daher 

die Frage zu unterbreiten, ob er die Durchführung einer mündlichen 

Verhandlung wünscht und ob er in diesem Fall eine Präsenzverhandlung 

verlangt oder mit einer Skype-Verhandlung einverstanden ist (Urteil des 

Bundesgerichts 2C_846/2021 vom 19. November 2021). Die Anordnung 

einer allfälligen Haftverlängerung ist dem Verwaltungsgericht spätestens 

acht Arbeitstage vor Ablauf der bewilligten Haft einzureichen. 

 

3. 

Der vorliegende Entscheid wurde den Parteien zusammen mit einer kurzen 

Begründung anlässlich der heutigen Verhandlung mündlich eröffnet. Das 

Dispositiv wurde den Parteien ausgehändigt. 

 

 
   

Der Einzelrichter erkennt: 

 

1. 

Die am 21. Mai 2024 angeordnete Ausschaffungshaft wird bis zum 

20. August 2024, 12.00 Uhr, bestätigt. 

 

2. 

Die Haft ist im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich zu 

vollziehen. Für die Dauer der Befragung oder die Durchführung einer 

Haftverhandlung kann die Inhaftierung, soweit zwingend notwendig, im 

Bezirksgefängnis Aarau erfolgen. 

 

3. 

Es werden keine Kosten auferlegt. 

 - 10 - 

 

 

 

4. 

Als amtlicher Rechtsvertreter wird lic. iur. Roland Metzger, Rechtsanwalt, 

Rheinfelden, bestätigt. Der Rechtsvertreter wird aufgefordert, nach 

Haftentlassung des Gesuchsgegners seine detaillierte Kostennote 

einzureichen. 

 

 
   

Zustellung an: 

den Gesuchsgegner (Vertreter, im Doppel) 

das MIKA (mit Rückschein) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht, 

kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie interkantonalem Recht 

innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, angefochten werden. Die unterzeichnete Beschwerde 

muss das Begehren, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie in gedrängter 

Form die Begründung, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt, mit 

Angabe der Beweismittel enthalten. Der angefochtene Entscheid und als 

Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (Art. 82 ff. des 

Bundesgesetzes über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz; BGG; 

SR 173.110] vom 17. Juni 2005). 

 

 
   

Aarau, 23. Mai 2024 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Busslinger Feusier