# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ef3d41bc-c76d-5eed-90bc-46fb14903cac
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-30
**Language:** de
**Title:** Gesuch des Krankenversicherers auf Kostenübernahme für ambulante und stationäre Behandlungen im Zusammenhang mit einem Geburtsgebrechen nicht verspätet, teilweise Gutheissung
**Docket/Reference:** IV.2017.00046
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.00046.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.00046
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst als Einzelrichter
Gerichtsschreiber Hausammann
Urteil
vom
30. Juni 2018
in Sachen
SWICA Krankenversicherung AG
SWICA Gesundheitsorganisation, Rechtsdienst
Römerstrasse 38, 8401 Winterthur
Beschwerdeführerin
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
X.___
Beigeladener
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren
am 2
7.
September
1994
, wohnte bis zum vierten Lebensjahr bei seiner Grossmutter in Brasilien und zog dann zu seiner Mutter in die Schweiz
(
Urk.
6/12,
Urk.
6/57)
. Er
wurde unter Hinweis auf das Geburtsgebre
chen
Ziff.
404 des Anhangs der Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
; Stö
rungen des Verhaltens bei Kindern mit normaler Intelligenz, im Sinne krankhafter Beeinträchtigung der Affektivität oder Kontaktfähigkeit, bei Störungen des Antriebes, des Erfassens, der perzeptiven Funktionen, der Wahrnehmung, der Konzentrationsfähigkeit sowie der Merkfähigkeit, sofern sie mit bereits gestellter Diagnose als solche vor der Vollendung des
9.
Altersjahres auch behandelt wor
den sind) von
seiner
Mutter
erstmals
im
Juli 2002 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 6/2).
Das
Istituto
delle
assicurazioni
sociali
,
ufficio
dell’assicurazione
invalidità
del
Cantone
Ticino, erteilte
X.___
mit Verfügung vom
5.
August 2002 erstmals Kostengutsprache für die Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziff.
404 vom 14. April 2002 bis am 3
0.
April 2007 (Urk. 6/10/2). Nach dem
Umzug des Beschwerdeführers
in den Kanton Zürich im September 2003 (
Urk.
6/48) verfügte die neu zuständige Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, die Kostenübernahme für eine ambulante Psychotherapie nach ärztlicher Verordnung im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen
Ziff.
404 von 2
2.
März 2004 bis 3
1.
März 2006 (
Urk.
6/15). Diese Kostengutsprache wurde in der Folge mehrfach verlängert, zunä
c
hst bis 3
0.
April 2007 (
Urk.
6/22), 3
0.
April 2008 (
Urk.
6/30)
,
3
0.
April 2010 (
Urk.
6/35) und
letztmals
bis 3
0.
April 2012 (
Urk.
6/41). Die IV-Stelle übernahm zudem weiterhin die Kosten zur Behandlung des Geburtsgebrechens (medizini
sche Massnahmen) bis 3
0.
April 2012 (
Urk.
6/29).
1.2
Im August 2013 meldete sich der Versicherte
erneut
zum Leistungsbezug bei der IV-Stelle an (
Anmeldung für Erwachsene: Berufliche Integration/Rente, Urk.
6/46).
In der Folge
tätigte die IV-Stelle medizinische und erwerbliche Abklä
rungen und
liess
den Versicherten
unter anderem
psychiatrisch begutachten (Gut
achten vom
9.
März 2016 [
Urk.
6/122]).
1.
3
Die SWICA Krankenversicherung AG (nachfolgend SWICA) als zuständiger Kran
kenversicherer sandte der IV-Stelle am
3.
Februar 2016 die von ihr bezahlten Rechnungen für die Weiterführung der Psychotherapie 2013/2014 zu. Sie bat um Durchführung der nötigen medizinischen Abklärungen und um Mitteilung, ob die ambulant und stationär durchgeführten Behandlungen im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen stünden und die Kosten von der Invalidenversicherung übernommen würden (
Urk.
6/115). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 2
7.
Juni 2016 [Urk. 6/125], Einwand
der SWICA Krankenver
sicherung AG
vom 2
5.
August 2016 [
Urk.
6/130]) wies die IV-Stelle mit Verfü
gung vom
9.
Dezember 2016 das Gesuch um Kostenübernahme für ambulante und stationäre Behandlung ab (
Urk.
6/142
= Urk. 2
).
2.
Gegen diese Verfügung erhob die SWICA Krankenkasse AG mit Eingabe vom 13. Januar 2017 Beschwerde und beantragte
sinngemäss
, die Beschwerdegegne
rin sei zu verpflichten, die von der Beschwerdeführerin erbrachten Leistungen
im Rahmen von
Psychotherapie
n
zwischen
1.
Juni 2013 und
8.
Juli 2014 im Zusam
menhang mit dem Geburtsgebrechen
Ziff.
404
zu übernehmen und ihr
zurückzu
erstatten (
Urk.
1)
. Mit Beschwerdeantwort vom 15.
Februar 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5, unter Beilage ihrer Akten [
Urk.
6/1-161]). Das hiesige Gericht lud mit Verfügung vom
2.
März 2017
X.___
zum Prozess bei (
Urk.
7). Innert der angesetzten Frist zur Stellungnahme liess sich der Beigeladene nicht vernehmen, was den Parteien mit Verfügung vom
8.
Mai 2017 mitgeteilt wurde (
Urk.
9).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen
.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
) notwendigen medizini
schen Massnahmen (
Art.
13
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung [IVG]
). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Mass
nahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebre
chen von geringfügiger Bedeutung ist (
Art.
13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeit
punkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (
Art.
1
Abs.
1
GgV
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufge
führt. Das Eidgenössische Departement des Innern kann die Liste jährlich anpas
sen, sofern die Mehrausgaben einer solchen Anpassung für die Versicherung ins
gesamt drei Millionen Franken pro Jahr nicht übersteigen (
Art.
1
Abs.
2
GgV
). Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
).
2.2
Wer eine Versicherungsleistung beansprucht, hat sich beim zuständigen Versi
cherungsträger in der für die jeweilige Sozialversicherung gültigen Form anzu
melden (Art. 29 Abs. 1 ATSG). Mit der
rechtsgenüglichen
Anmeldung (Art. 65 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV) bei der IV-Stelle wahrt die ver
sicherte Person grundsätzlich alle ihre zu diesem Zeitpunkt nach Treu und Glau
ben mit dem angemeldeten Risikoeintritt in Zusammenhang stehenden Leistungs
ansprüche gegenüber der Invalidenversicherung, selbst wenn sie diese im Anmel
deformular nicht im Einzelnen angibt. Macht sie später geltend, sie habe abgese
hen von den verfügungsmässig zugesprochenen oder verweigerten Ansprüchen noch Anrecht auf eine andere Versicherungsleistung und sie habe sich hierfür rechtsgültig angemeldet, so ist nach den gesamten Umständen des Einzelfalls im Lichte des Grundsatzes von Treu und Glauben zu prüfen, ob jene frühere unge
naue Anmeldung auch den zweiten, allenfalls später substantiierten Anspruch mitumfasst; dabei ist ein solcher Zusammenhang relativ grosszügig anzunehmen (Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl., Zürich 2014, Art. 46 N 3-4 mit Hinweisen unter anderem auf BGE 121 V 195
E.
2, 111 V 261 E. 3b sowie SVR 2013 UV Nr. 16).
2.3
Macht eine versicherte Person ihren Anspruch auf medizinische Massnahmen mehr als zwölf Monate nach dessen Entstehung geltend, so wird die Leistung nur für die zwölf Monate nachgezahlt, die der Geltendmachung vorangehen (Art. 48 Abs. 1 IVG). Dies gilt auch, wenn ein Versicherungsträger eine hinreichend sub
stantiierte Anmeldung übersieht.
Diesfalls
sind mehr als zwölf Monate vor der Neuanmeldung zurückliegende Leistungen untergegangen (absolute Verwir
kungsfrist; Urteil des Bundesgerichts 8C_274/2011 vom 22. Juni 2011, E. 2.2 mit Hinweisen).
2.4
Nach Art. 64 ATSG wird die Heilbehandlung, soweit Leistungen gesetzlich vor
geschrieben sind, ausschliesslich von einer einzigen Sozialversicherung über
nommen (Abs. 1). Die Heilbehandlung geht, wenn die Voraussetzungen des jeweiligen Einzelgesetzes erfüllt sind, im gesetzlichen Umfang und in nachste
hender Reihenfolge zu Lasten der Militärversicherung (
lit
. a), der Unfallversiche
rung (
lit
. b), der Invalidenversicherung (
lit
. c) und der Krankenversicherung (
lit
. d).
Nach dem in Art. 64 Abs. 1 ATSG verankerten Grundsatz der absoluten Priorität hat ausschliesslich eine einzige Sozialversicherung die Heilbehandlung - soweit die Leistungen gesetzlich vorgeschrieben sind - zu übernehmen. Ein in der Prio
ritätenordnung von Art. 64 Abs. 2 ATSG subsidiärer Sozialversicherungsträger wird nicht leistungspflichtig (BGE 134 V 1 E. 6.1).
2.5
Art. 70 ATSG sieht vor, dass wenn ein Versicherungsfall einen Anspruch auf Sozialversicherungsleistungen begründet, aber Zweifel darüber bestehen, welche Sozialversicherung die Leistungen zu erbringen hat, die berechtigte Person Vor
leistung verlangen kann (Abs. 1). Die Krankenversicherung ist für Sachleistungen und Taggelder vorleistungspflichtig, deren Übernahme durch die Krankenversi
cherung, die Unfallversicherung, die Militärversicherung oder die Invalidenversi
cherung umstritten ist (Abs. 2). Die berechtigte Person hat sich bei den in Frage kommenden Sozialversicherungen anzumelden (Abs. 3).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin vertritt in der angefochtenen Verfügung den Stand
punkt, das Gesuch der Beschwerdeführerin vom
3.
Februar 2016 sei verspätet eingereicht worden, da die Psychotherapie bereits
in den Jahren 2013 und
2014 stattgefunden habe. Es liege auch kein Anwendungsfall von
Art.
70 ATSG vor. Zudem
liege kein
von der Invalidenversicherung anerkannt
es Geburtsgebrechen
vor
(
Urk.
2).
3.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen im Wesentlichen vor, sie habe die Kos
ten der Behandlungen zwischen dem 1
4.
März 2013 und 3
0.
September 2014 im Rahmen von Vorleistungen nach
Art.
70
Abs.
2
lit
. a ATSG übernehmen müssen. Die Kosten seien nur entstanden, da die Beschwerdegegnerin den Beigeladenen zu dieser speziellen Therapieform aufgefordert habe. Ein behandlungsbedürftiges Geburtsgebrechen 404
habe bis zum Erreichen des 20.
Lebensjahres bestanden. Dies sei bislang nicht bestritten worden und ergebe sich überdies aus dem Gut
achten von
Dr.
med.
Y.___
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, zerti
fizierter medizinischer Gutachter SIM
. Die Anmeldung zum Leistungsbezug we
gen eines
Geburtsgebrechens
aus dem Jahr 2002
umfasse auch die vorliegend interessierende Psychotherapie. Eine Verwirkung des Rückforderungsanspruchs sei nicht eingetreten (
Urk.
1
).
4.
4.1
Dr.
med.
Z.___
, FMH Kinder- und Jugendmedizin,
hielt im Bericht
vom 12. Juli 2002 zu Händen der IV-Stelle Tessin
fest, der
Beigeladene
leide am Geburtsgebrechen
Ziff.
404 und empfahl den Beginn einer Ritalin-Behandlung ab Beginn der Klasse 2a, Logopädie sowie allenfalls Psychotherapie (
Urk.
6/4). Die Beschwerdegegnerin sprach der Beigeladene
n erstmals mit Verfügung vom 5.
August 2002
für den Zeitraum zwischen
14. April 2002
und
am 3
0.
April 2007 medizinische Massnahmen zur Behandlung dieses Geburtsgebrechens
zu
(Urk. 6/10/2)
und erteilte mit Verfügung vom
5.
August 2004 Kostengutsprache für eine
ambulante Psychotherapie nach ärztlicher Verordnung im Zusammen
hang mit dem Geburtsgebrechen
Ziff.
404 von 2
2.
März 2004 bis 31.
März 2006 (
Urk.
6/15).
4.2
Dr.
Y.___
hielt im
psychiatrischen
Gutachten vom
9.
März 2016 folgende Diag
nosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest
(
Urk.
6/122/21)
:
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ (ICD-10 F60.30) mit unreifen Anteilen (ICD-10 Z73.1)
-
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sind dem Gutachten keine zu entnehmen (
Urk.
6/122/21).
Dr.
Y.___
führte aus
, im März 2013 sei es zu einem stationären Aufenthalt im Sanatorium
A.___
gekommen, wo die Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus gestellt worden sei. Nahtlos sei
d
er
Beigeladene
in die p
sychiatrische
K
linik
B.___
,
ins Zentrum für Psy
chiatrische Rehabilitation
,
eingetreten. Dort sei die i
m
A.___
gestellte Diagnose bestätigt worden. Nach diesem Aufenthalt sei eine ambulante psycho
therapeutische Behandlung erfolgt (
Urk.
6/122/22). Diagnostisch müsse von einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung ausgegangen werden. Aufgrund der anamnestisch mehrfach geschilderten impulsiven Durchbrüche bestehe ein impulsiver
Subtypus
gemäss ICD-10 F60.3
0.
Die Aufmerksamkeits- und Hyper
aktivitätsproblematik sei weiterhin aktiv, weshalb die entsprechende Diagnose weitergeführt werden müsse. Aufgrund der Aktenlage, der eigenen klinischen Einschätzung, aber auch den fremdanamnestischen Angaben sei der Beigeladene nicht in der Lage, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Ausbildung zu absolvieren.
Er werde auch nicht als Hilfsarbeiter innerhalb des ersten Arbeitsmarktes beste
hen können, weshalb hier von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegan
gen werden müsse. Eine Fortsetzung der bisherigen psychiatrischen Behandlung sollte sicher stattfinden (
Urk.
6/122/24). Durch eine Fortsetzung der psychothe
rapeutischen Be
h
andlung, mindestens im zweiwöchentlichen, besser einwöchent
lichen Setting, könne eine Verbesserung möglich werden. Es sei von einem lang
wierigen therapeutischen Prozess auszugehen. Es bestehe zwischenzeitlich eine adäquate Behandlung, welcher der
Beigeladene
nachkomme (
Urk.
6/122/26-27).
5.
5.1
Strittig und zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die Übernahme der Kosten für die Psychotherapie im Zeitraum zwischen
1. Juni
2013 und 3
0.
September 2014 zu Recht verweigert hat.
5.2
In den Akten sind keine Hinweise ersichtlich, wonach die Beschwerdeführerin als Krankenversicherer im Zeitpunkt der Leistungserbringung Zweifel an ihrer Leis
tungspflicht gehabt hätte. Die Leistungsübernahme erfolgte vielmehr vorausset
zungslos.
Sie wurde zudem stets über die zugesprochenen Leistungen durch die Invalidenversicherung informiert.
Daraus ergibt sich, dass es sich vorliegend nicht um einen Anwendungsfall von Art. 70 ATSG handelt, wie die Beschwerde
gegnerin in der angefochtenen Verfügung zu Recht festgestellt hat (Urk. 2 S. 1). Der Einschätzung ihres Rechtsdienstes folgend ging die Beschwerdegegnerin von einer verspäteten Anmeldung aus und wies
deshalb
eine Kostenübernahme für die ambulante und stationäre Psychotherapie aus den Jahren 2013 und 2014 ab (Urk. 6/115).
5.3
Nicht nachvollziehbar erscheint das Argument der Beschwerdegegnerin, es sei das Geburtsgebreche
n
des Beigeladenen nie anerkannt worden
(
Urk.
2 S. 2)
, zumal bereits im Jahr 2002, im Alter des Beigeladenen von 8 Jahren, dessen Geburtsgebrechen diagnostiziert
(E. 4.1)
und nachfolgend
mehrfach
Leistungen der Invalidenversicherung im Zusammenhang mit diesem Geburtsgebrechen zugesprochen wurden. Die Psychotherapie (ambulant/stationär), für welche die Beschwerdeführerin um Kostenübernahme ersuchte, steht nach Einschätzung des Gutachters
Dr.
Y.___
denn auch
noch immer im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen
(E. 4.2)
. Der
Beigeladene
war zum Zeitpunkt der Therapie noch unter 20 Jahre alt. Es handelt sich um eine Fortsetz
ung der bisherigen Behand
lung, für welche die Beschwerdegegnerin bis im April 2012 noch ausdrücklich Kostengutsprache erteilt hatte.
Weitere Kostengutsprachen sind den Akten nicht zu entnehmen, was der Beschwerdeführerin in
casu
jedoch nicht zum Nachteil gereicht.
Eine nachvollziehbare Begründung, weshalb die Beschwerdegegnerin in Bezug auf die am
3.
Februar 2016 beantragte Kostenübernahme in zeitlicher Hinsicht das Gesuch der Beschwerdeführerin
von jenem Datum
(Urk. 6/115) als mass
geblich erachtete und sie sämtliche Ansprüche für Psychotherapien im Zusam
menhang mit dem Geburtsgebrechen, welche länger als ein Jahr
zurückliegen
, als verwirkt erachtet hat, lässt sich den Akten nicht entnehmen. Zu beachten ist, dass die vorliegende Streitigkeit weder auf der Anmeldung des Beigeladenen vom 2
3.
August 2013
zum Bezug einer Rente respektive beruflicher Massnahmen
noch auf dem Gesuch vom 3. Februar 2016 beruht, sondern auf der Anmeldung der Mutter des Beigeladenen vom
4.
Juli 2002
(
Urk.
6/2)
. Die damalige Anmeldung zum Leistungsbezug steht einer Verwirkung
in
casu
entgegen. Für dieses Ergebnis spricht auch, dass es sich bei der in den Jahren 2013 und 2014 durchgeführten Psychotherapie (ambulant/stationär) um die Fortführung der bisherigen Therapie handelt, für welche seit 2
2.
März 2004 bis durchgehend 3
0.
April 2012 Kosten
gutsprache erte
ilt worden war (
Urk.
6/15, Urk.
6/22,
Urk.
6/30,
Urk.
6/35,
Urk.
6/41). Auch medizinische Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebre
chens
Ziff.
404 wurden seit 1
4.
April 2002 durchgehend bis 3
0.
April 2012 ver
gütet (
Urk.
6/10/2,
Urk.
6/29). In diesem Sinne ist nicht einzusehen, weshalb eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für sämtliche Kostenübernahmen, wel
che vor dem
3.
Februar 2015 erfolgt sind, verwirkt sein sollten.
5.4
Wie es sich mit der von der Beschwerdeführerin beantragten Rückerstattung der bezahlten Rechnungen verhält, braucht vorliegend nicht geprüft zu werden. Denn mit der angefochtenen Verfügung vom
9.
Dezember 2016 entschied die Beschwerdegegnerin über ihre Leistungspflicht für den Zeitraum vom 14. März 2013 bis 3
0.
September 2014 (vgl. Urk. 2), und nicht über ihre allfällige Rücker
stattungspflicht gegenüber der Beschwerdeführerin (vgl.
Urteil des Bundesge
richts 8C_236/2008 vom 14. Oktober 2008, E. 8.1).
Erst wenn entschieden ist, welcher Sozialversicherungszweig letztendlich leistungspflichtig ist, kann in einem nächsten Schritt der entsprechende Ausgleich gegenüber dem vorleisten
den Sozialversicherungszweig in Frage kommen.
Bezüglich einer allfälligen Rückerstattungspflicht der Beschwerdegegnerin fehlt es daher an einem Anfech
tungsobjekt, weshalb in diesem Punkt auf die Beschwerde nicht einzutreten ist.
5.5
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde – soweit auf sie einzutreten ist – gutzu
heissen und die angefochtene Verfügung vom
9.
Dezember 2016 dahingehend abzuändern, dass die Beschwerdegegnerin für die ambulante und stationäre Psy
chotherapie der Versicherten auch für die Zeit zwischen
1.
Juni 2013 und
8.
Juli 2014
im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 404
GgV
leistungs
pflichtig ist.
Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Da die Beschwerdeführerin
im Wesentlichen
obsiegt, sind die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Der Einzelrichter erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
9.
Dezember 2016 dahingehend abgeändert
, als
festgestellt
wird
, dass diese für die ambulante Psychotherapie
von
X.___
vom
1.
Juni 2013 bis
8.
Juli 2014
im Zusammenhang mit den Geburtsgebrechen Ziff. 404
GgV
leistungspflichtig ist.
Im übrigen Umfang wird auf die Beschwerde nicht eingetreten.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
SWICA Krankenversicherung AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
X.___
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der EinzelrichterDer Gerichtsschreiber
HurstHausammann