# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2f0e8463-c909-5320-abd3-a2a6551e1f3e
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-07-02
**Language:** de
**Title:** Rente: medizinischer Sachverhalt unbestritten; Einkommensvergleich, insbesondere Abzug vom Tabellenlohn
**Docket/Reference:** IV.2012.00130
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.00130.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.00130
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Käch
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Neuenschwander-Ern
i
Urteil
vom
2. Juli 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch DAS Rechtsschutz-Versicherungs-AG
lic. iur. Y.___
Badenerstrasse 141, Postfach 1372, 8026 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
Swiss Life AG
General-Guisan-Quai 40, Postfach, 8022 Zürich
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1964, verheiratet und Mutter von zwei 1986 und 1989 geborenen Kindern, war seit dem 10. Juni 2002 in einem Vollzeitpen
-
sum als Köchin für die
Z.___
tätig (vgl. Urk. 8/2; Urk. 8/16/1-7).
Wegen eines Rückenleidens wurde ihr ab dem 23. Februar 2010 eine 50%ige, ab dem 18. April 2010 eine 100%ige sowie ab dem 14. Juli 2010 eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl. Urk. 8/4/28).
Am 15. September 2010 meldete sich die Versicherte zum Bezug von Leistungen der Invaliden
-
versicherung (be
rufliche Massnahmen, Rente) an (Urk. 8/2).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog Akten der AXA Winterthur als zuständiger Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 8/4) und holte einen Auszug aus dem individuellen Konto
(Urk. 8/13), einen Arbeitgeber
bericht (Urk. 8/16) sowie medizinische Berichte (Urk. 8/14-15; Urk. 8/21-22) ein. Am 1. Oktober 2010 teilte sie mit, dass derzeit keine beruflichen Eingliede
rungsmassnahmen möglich seien (Urk. 8/12). Die IV-Stelle zog weitere Akten der AXA Winterthur (Urk. 8/18; Urk. 8/23), insbesondere einen Bericht über eine konsiliarische psychiatrische Untersuchung
(
Urk. 8/18/4-5 = Urk. 8/23/1-2) sowie ein rheumatologisches Kurz-Gutachten (Urk. 8/23/3-15), bei.
Nach durch
geführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 8/31; Urk. 8/33; Urk. 8/37) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom
21. Dezember 2011
eine Viertels
rente ab dem 1. März 2011 zu (
Urk. 8/52 und Urk. 8/40
= Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom
21. Dezember 2011
(Urk. 2) erhob die Versicherte am
1. Februar 2012
Beschwerde (Urk. 1)
und beantragte, ihr sei ab
Februar 2011
eine
halb
e Invalidenrente
zuzusprechen (S. 2 Ziff. 1
). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Vernehmlassung vom
9. März 2012
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7).
Die Beschwerdeführerin hielt mit Replik vom 18. Mai 2012 (Urk. 10) ebenso an ihrem Antrag fest wie die Beschwerdegegnerin mit Duplik vom 7. Juni 2012 (Urk. 12).
Mit Verfügung vom 1
2
.
Juni
20
12
wurde die Swiss Life
AG
zum Prozess beigeladen (Urk.
13
).
Mit Schreiben vom
1
8
.
Juni
20
12 (Urk. 15)
teilte
d
ie
BVG Sammelstiftung
Swiss Life mit, dass sie anstelle der Swiss Life zum Verfahren hätte beigeladen werden müssen. Sie verzichte jedoch
auf eine Stellungnahme.
Dies wurde de
n
Parteien
am
19. Juni
2012 (Urk. 1
6
) zur Kennt
nis gebracht.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
D
ie massgebenden rechtlichen Grundlagen, insbesondere betreffend die Inva
-
lidi
tätsbemessung (Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) und den Rentenanspruch (Art. 28 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG), sind im angefochtenen Entscheid zutreffend wiedergegeben (Urk. 2 Verfügungsteil 2 S. 1). Darauf kann, mit den nachstehenden Ergänzungen, verwiesen werden.
1.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
-
ein
kommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkom
mensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah
rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortge
setzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 S. 224 mit Hinweisen). Bezog eine versi
cherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, feh
lende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse, beschränkte An
stellungsmöglichkeiten wegen Saisonnierstatus) ein deutlich unterdurchschnitt
liches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditätsbemessung nach Art. 16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Einkommensniveau be
gnügen wollte (BGE 125 V 146 E. 5c/bb S. 157 mit Hinweisen).
1.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, na
mentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebun
gen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/aa und bb, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu
grunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende be
triebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 f. E. 3b/bb, 124 V 321 E. 3b/aa; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem 23. Februar 2010 (Beginn der einjäh
rigen Wartezeit) in ihrer Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt sei. Aufgrund der medizinischen Abklärungen sei ihr seit Februar 2010 eine behinderungsan
gepasste Tätigkeit zu 75 % zumutbar (Verfügungsteil 2 S. 1 unten). Sie stellte einem Valideneinkommen von Fr. 77‘074.-- ein Invalideneinkommen von
Fr. 41‘392.-- (ausgehend vom Tabellenlohn gemäss LSE 2008 im Anforderungs
-
ni
veau 3 und 4; Leidensabzug von
10
%)
gegenüber
und
berechnete
einen Inva
-
li
ditätsgrad von 46
%
. Dementsprechend sprach sie der Beschwerdeführerin eine Viertelsrente ab Mä
rz 2011 zu (Verfügungsteil 2 S.
1 f.).
Im Rahmen der Beschwerdeantwort (Urk. 7)
nahm die Beschwerdegegnerin eine
Neuber
echnung sowohl des Validen-
als auch des Invalideneinkommens
vor. Sie ermittelte ein
Valideneinkommen von Fr. 75‘488.86 und ein Invalidenein
kommen
von Fr. 40‘020.60 (ausgehend vom Tabellenlohn gemäss LSE 2010 im Anforderungsniveau 4; ohne Leidensabzug
). Dementsprechend ergab sich ein Invaliditätsgrad von 47 %.
2.2
Die Beschwerdeführerin
beanstandete
in ihrer Beschwerde (Urk. 1)
die Berech
nung des Invalideneinkommens. Sie hielt fest, dass sie von ihrer Berufsausbil
dung als Köchin in körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten nicht mehr profitieren könne. Dazu seien keine Ausbildungen erforderlich, weshalb vom Anforderungsniveau 4 auszugehen sei.
Ein Leidensabzug von 10 % sei ebenso gerechtfertigt (S. 4 Ziff. 3.c).
Sie errechnete, ausgehend von
einem Vali
deneinkommen von Fr. 77‘074.-- und einem Invalideneinkommen von
Fr. 36‘992.--
,
einen Invaliditätsgrad von 5
2
%
(S. 4 f.).
Mit Replik (Urk. 10) machte die Beschwerdeführerin geltend, dass von einem leidensbedingten Abzug von 5 % auszugehen sei
, da sie nur noch verlangsamt arbeiten könne und
ihr nur
noch körperlich leichte
, wechselbelastende Tätig
keiten ohne repetitives Heben und Tragen von Lasten über 7.5-10 kg mit
zu
sätzlichen positionellen Einschränkungen
zumutbar seien (S.
2).
Sie berechnete einen Invaliditätsgrad von 51 % (S. 3).
2.3
Zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente,
wobei einzig der Einkommensvergleich strittig ist.
Die Bezifferung der Arbeits
fähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit mit 75 % wurde
seitens der Be
schwerdeführerin
nicht beanstandet (Urk. 1 S. 3
unten
).
3.
Dr. med.
A.___
nannte im rheumatologischen Kurzgutachten vom
15
.
Februar 2011
(
Urk. 8
/23/3-15
)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 10 Ziff. 3.b):
-
chronifiziertes panvertebrales Schmerzsyndrom mit spondylogener und anamnestisch zervikozephaler Ausstrahlung
-
Torsionsskoliose
(Cobb-Winkel 24°
)
, akzentuierte thorakale Kyphose
-
(Osteo-)Chondrose L3/4 und L5/S1, breitbasige Diskusprotrusionen und foraminale Diskushernie L4/5 rechts, Spondylarthrose, degenera
tive Einengung L4/5 rechts rezessal/foraminal sowie L5/S1 rechts fo
raminal mit möglicher Nervenwurzelirritation L4 und L5 rechts (MRI 18.02.10)
-
initiale Chondrose C5/6
-
muskuläre Dysbalance und Insuffizienz
-
Schmerzverarbeitungsstörung
-
Anpassungsstörung (gemäss Akten betreffend psychiatrische Exploration vom November 2010; vgl. Urk. 8/23/1-2)
Dr.
A.___
hielt fest
,
dass aus rheumatologischer Sicht eine Arbeitsun
fähigkeit der
Beschwerdeführerin
für berufliche Tätigkeiten mit schwerer oder überwiegend mittelschwerer körperlicher Arbeit ausgewiesen sei. Die durch die vorbehandelnden Ärzte attestierten Arbeitsunfähigkeiten in der zuletzt ausgeführten Tätigkeit als Heimköchin sei angesichts der Akten und des mutmasslichen Arbeitsplatzprofils nachvollziehbar (S. 12 Ziff. 2).
In
körperlich leichte
n
bis gelegentlich mittelschwere
n
körperliche
n
Tätigkeiten ohne repetiti
ves Heben/Tragen von Lasten über 7.5-10 kg, ohne längeres Arbeiten in ergo
nomisch ungünstigen Wirbelsäulenhaltungen sowie ohne repetitive Wirbelsäu
lenflexionen/-extensionen
bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit
von
höchstens
20-30 % (Notwendigkeit gehäufter und über das betriebsübliche Mass hinausge
hender Pausen zur Durchführung von Entspannungsübungen und Einnahme von Entlastungsstellungen
; S. 12 Ziff. 3
).
Dr.
A.___
berichtete ausserdem über eine bedrückte, deutlich angstge
prägte Grundstimmung der Beschwerdeführerin anlässlich der Begut
achtung. Bei der psychiatrischen Exploration in der Klinik
B.___
vom Novem
ber 2010 sei indessen keine psychiatrische Erkrankung von Krankheitswert im invalidenversicherungsrechtlichen Sinn diagnostiziert worden (S. 13 Ziff. 9
;
vgl. Urk. 8/23/1-2
).
Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer angepass
ten Tätigkeit ausging.
4
.
4
.1
Zur Bestimmung des Valideneinkommens
ist auf den bisherigen Lohn
als Kö
chin in der
Z.___
abzustellen. Dem Arbeitgeb
erbericht vom 10. November 2010
ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2010
ein monatliches Einkommen von
Fr. 5'687.40
erziel
te
(
Urk. 8/16/1-7 Ziff. 2.10
)
.
Unter Berücksicht
igung des 13. Monatslohnes ergibt
sich
so
mit ein Einkommen von Fr. 73'936.20
für das
Jahr 2010.
Damit
resultiert
unter weiterer Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 1 % (Bundesamt für Statis
tik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne 1976-2011, Nominallöhne Frauen 2011) für das Jahr 2
011 ein
Einkommen von rund Fr. 7
4'
676
.-- (Fr.
73'936.20
x 1.01), welches als Valideneinkommen ein
zusetzen ist.
4
.2
Das Invalideneinkommen ist gestützt auf die Lohnstatistik gemäss der Lohnstruk
turerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) zu ermitteln, und zwar anhand des über den Durchschnitt aller Wirtschaftszweige von Frauen mit einfachen und repetitiven Tätigkeiten erzielten Lohnes, der sich im Jahr 2010 auf Fr. 4’225.-- pro Monat belief (LSE 2010, Tab. TA 1, Total, Niveau 4), was bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 41.6 Stunden (Die Volkswirt
schaft 1/2-2011, S. 94 Tab. B9.2, Total) rund Fr. 52’728.-- im Jahr ergibt
(Fr. 4’225.-- : 40 x 41.6 x 12). Unter Berücksichtigung der Nominal
-
lohnentwicklung von 1 % ergibt sich für das Jahr 2011 ein Einkommen von rund Fr. 53'255.-- (Fr. 52’728.-- x 1.01).
Angepasst an das zumutbare Pensum von 75 % resultiert somit ein Einkommen von Fr. 39'941.25 (
53'255.--
x 0.75).
Nicht sachgerecht ist es - wie dies die Beschwerdegegnerin in der angefochte
nen Verfügung
vorgenommen
hat
te
(vgl. Urk. 2
Verfügungsteil 2 S. 1 unten) -
zur Errechnung des Invalideneinkommens einerseits Überwachungs-/Kontroll-, Montage- oder Verpackungsarbeiten als mögliche Tätigkeiten aufzuführen und gleichzeitig in Bezug auf die Tabellenlöhne vom Durchschnitt der Anforde
rungsniveau
s
3 und 4 auszugehen.
Die Beschwerdegegnerin begründete dies damit,
dass
d
ie
Beschwerdeführerin
als Köchin mit anerkanntem Berufsab
schluss auch in fremden Tätigkeitsbereichen ein besseres Kompetenzpotential mit erhöhten Erwerbsmöglichkeiten realisieren könne
(Urk. 2 Verfügungsteil 2 S. 2 Mitte)
. Dies vermag nicht zu überzeugen
. So
verfügt die Beschwerdeführe
rin
nicht über Fachkenntnisse i
n Bezug auf die
genannt
en Tätigkeiten
und es sind diesbezüglich auch
ke
ine Fachkenntnisse erforderlich. Dementsprechend sind
die Löhne gemä
ss Niveau 4 heranzuziehen
.
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
-
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nurmehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem
Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens
25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75).
Während die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung einen Abzug von 10 % vornahm, da „
zusätzlich
die bestehenden Behinderungen als lohn
mindernde Faktoren zu berücksichtigen“ seien (Urk. 2 Verfügungsteil 2 S. 1 unten), stellte sie sich in der
Beschwerdeantwort
auf den Standpunkt, dass die Faktoren einer unterdurchschnittlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit bereits mit der medizinischen Beurteilung (durch Dr.
A.___
) abge
golten seien (Urk. 7 S. 2).
Dem
Kurzgutachten
von
Dr.
A.___
ist fol
gendes Belastungsprofil zu entnehmen
(Urk. 8
/23/3-15 S. 12 Ziff.
3): körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere körperliche Tätigkeiten ohne repetitives Heben/Tragen von Lasten über 7.5-10 kg, ohne längeres Arbeiten in ergono
misch ungünstigen Wirbelsäulenhaltungen sowie ohne repetitive Wirbelsäulen
flexionen/-extensionen. In solchen Tätigkeiten schätzte
Dr.
A.___
die Arbeitsunfähigkeit der B
eschwerdeführer
in auf höchstens 20-30 %, wobei sich die reduzierte Leistungsfähigkeit
aus der
Notwendigkeit gehäufter und über das betriebsübliche Mass hinausgehender Pausen zur Durchführung von Ent
spannungsübungen und Einnahme von Entlastungsstell
ungen ergebe
.
Somit zeigt sich, dass in der medizinischen Beurteilung zwar d
en
vermehrten Pausen
Rechnung getragen wurde
,
n
icht aber der
Tatsache, dass der Beschwerdeführe
r
in nur noch leichte bis mittelschwere Tätigkeiten mit zusätzlichen positionelle
n Einschränkungen zumutbar sind
.
E
in Abzug vom Tabellenlohn von 10 %
, wie ihn die Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung vorgenommen hatte
,
erscheint demnach als
gerechtfertigt.
Damit ergibt sich ein Invalidenein
kommen von
rund Fr. 35'947.-- (
Fr.
39'941.25 x 0.9).
4
.3
Bei einem Valideneinkommen von Fr. 74'676.-- und einem Invalideneinkom
men von Fr.
35'947
.-- beträgt die Einkommenseinbusse Fr. 38‘729.--, was ei
nem Invaliditätsgrad von 51.86 % entspricht. Damit is
t ein Anspruch
der
Be
schwerdeführerin
auf eine halbe Invalidenr
ente ausgewiesen.
Gemäss
Art. 29 Abs. 1 IVG
entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs
.
Da sich die Beschwerdeführerin am
15. September 2010 zum Bezug von Leistungen der In
validenversicherung anmeldete (Urk. 8/2), entsteht der
Rentenanspruch somit ab März 2011
und nicht wie beantragt ab Februar 2011 (vgl. Urk. 1. S. 2)
.
4.4
In
teilweiser
Gutheissung
der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
21. Dezember 2011
(Urk. 2) daher
insoweit abzuändern, als festzustellen ist,
dass ab dem 1.
März 2011
ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung besteht.
5.
Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 600.-- fest
zusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessentschädigung auszurichten (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht). Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses wird diese beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 170.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr.
9
00
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgelegt.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom
21. Dezember 2011
insoweit abgeändert, als festgestellt wird, dass die Beschwer
-
deführe
rin ab dem 1. März 2011 Anspruch auf eine halbe Rente hat.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozess
-
entschä
digung von Fr.
9
00
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
DAS Rechtsschutz-Versicherungs-AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Swiss Life AG,
BVG Sammelstiftung
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannNeuenschwander-Erni
KI/CN/BSversandt