# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 11da1a1a-2394-5af7-8c05-6392494961f8
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-05-12
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 12.05.2009 BP.2009.12
**Docket/Reference:** BP.2009.12
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BP-2009-12_2009-05-12

## Full Text

Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 64 Abs. 1 BGG);;Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 64 Abs. 1 BGG);;Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 64 Abs. 1 BGG);;Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 64 Abs. 1 BGG)

Entscheid vom 12. Mai 2009  
I. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, 
Tito Ponti und Alex Staub,  
Gerichtsschreiberin Tanja Inniger  

   
 
Partei 

  
A., vertreten durch Rechtsanwalt Urs Späti,  
 

Gesuchsteller 
 

  
   

Gegenstand  Unentgeltliche Rechtspflege (Art. 64 Abs. 1 BGG) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  BP.2009.12 
(Hauptverfahren: BB.2009.15)  
(Nebenverfahren: BP.2009.9)  
 

 

 

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Sachverhalt: 
 

A. Im Rahmen eines gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahrens gegen eine 
libanesisch-stämmige Gruppierung im Zusammenhang mit internationalem 
Kokainhandel verdächtigte die Bundesanwaltschaft A. der qualifizierten Wi-
derhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Ziff. 2 BetmG), 
ausgehend von einer kriminellen Organisation gemäss Art. 260ter StGB, 
sowie der Geldwäscherei (Art. 305bis StGB).  
 
 

B. Mit Verfügung vom 23. Januar 2009 wurde das Verfahren gegen A. bezüg-
lich der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie zwei der 
drei ihm vorgeworfenen Geldwäschereihandlungen eingestellt, wobei A. 
Fr. 10'000.-- der Verfahrenskosten auferlegt wurden.  

 
 
C. Gegen diese Kostenauflage erhob A. mit Eingabe vom 30. Januar 2009 

Beschwerde bei der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts.  
 
 
D. Innert der von der I. Beschwerdekammer bis am 12. Februar 2009 ange-

setzten Frist zur Leistung des Kostenvorschusses in der Höhe von 
Fr. 1'500.-- ersuchte A. um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 
und reichte verschiedene Dokumente ein (act. 1 – 1.4). Die I. Beschwerde-
kammer stellte ihm anschliessend das Formular betreffend unentgeltliche 
Rechtspflege zu mit der Aufforderung, dieses vollständig und wahrheitsge-
treu auszufüllen und inklusive der darin genannten Unterlagen bis am 
26. Februar 2009 einzureichen (act. 2). Am 26. Februar 2009 reichte A. das 
Formular zusammen mit weiteren Unterlagen ein (act. 3 – 3.7).  
 
Auf die Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Akten wird so-
weit erforderlich in den rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.  
 
 
 
Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

1. Der Gesuchsteller stellte das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ge-
stützt auf Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 64 Abs. 1 BGG vor Ablauf der 
angesetzten Frist zur Bezahlung des Kostenvorschusses und damit im Lau-
fe des hängigen Beschwerdeverfahrens. Ebenfalls reichte er das betreffen-

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de Formular sowie diverse Unterlagen fristgerecht ein. Auf das Gesuch ist 
demnach einzutreten.  

 
 
2.  
2.1 Für Kosten und Entschädigung im gerichtlichen Verfahren vor Bundesstraf-

gericht gelten sinngemäss die Art. 62 – 68 BGG, soweit das Bundesstraf-
rechtspflegegesetz keine abweichenden Bestimmungen enthält (Art. 245 
Abs. 1 BStP). Nach Art. 64 Abs. 1 BGG befreit das Bundesstrafgericht eine 
Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der 
Bezahlung der Gerichtskosten und von der Sicherstellung der Parteient-
schädigung, sofern ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. In ca-
su kann die vom Gesuchsteller erhobene Beschwerde betreffend Kosten-
auferlegung bei Einstellung nicht von vorneherein als aussichtslos bezeich-
net werden. Bedürftig ist eine Partei, welche die Leistung der erforderlichen 
Prozess- und Parteikosten nur erbringen kann, wenn sie die Mittel angreift, 
die sie zur Deckung des Grundbedarfs für sich und ihre Familie benötigt 
(BGE 125 IV 161 E. 4a S. 164; 124 I 1 E. 2a S. 2; vgl. auch 128 I 225 
E. 2.5.1 S. 232, 127 I 202 E. 3b S. 205). Die prozessuale Bedürftigkeit be-
urteilt sich nach der gesamten wirtschaftlichen Situation des Rechtsuchen-
den im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs. Dazu gehören einerseits 
sämtliche finanziellen Verpflichtungen, andererseits die Einkommens- und 
Vermögensverhältnisse (BGE 124 I 1 E. 2a S. 2; 120 Ia 179 E. 3a S. 181, 
je m.H.). Bei der Ermittlung des notwendigen Lebensunterhaltes soll nicht 
schematisch auf das betreibungsrechtliche Existenzminimum abgestellt, 
sondern den individuellen Umständen Rechnung getragen werden. Ein all-
fälliger Überschuss zwischen dem zur Verfügung stehenden Einkommen 
und dem Zwangsbedarf der Gesuch stellenden Partei ist mit den für den 
konkreten Fall zu erwartenden Gerichts- und Anwaltskosten in Beziehung 
zu setzen (BGE 118 Ia 369 E. 4a S. 370 f.); dabei sollte es ihr der monatli-
che Überschuss ermöglichen, die Prozesskosten bei weniger aufwändigen 
Prozessen innert eines Jahres, bei anderen innert zweier Jahre zu tilgen 
(vgl. zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 5P.457/2003 vom 19. Januar 
2004 E. 1.2).  

 
2.2 Grundsätzlich obliegt es dem Gesuchsteller, seine Einkommens- und Ver-

mögensverhältnisse umfassend darzulegen und soweit wie möglich zu be-
legen. Dabei dürfen umso höhere Anforderungen an eine umfassende und 
klare Darstellung der finanziellen Situation gestellt werden, je komplexer 
die finanziellen Verhältnisse sind. Aus den eingereichten Belegen muss auf 
jeden Fall der aktuelle Grundbedarf des Gesuchstellers hervorgehen. Die 
Belege haben zudem über sämtliche finanziellen Verpflichtungen des Ge-

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suchstellers sowie über seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse 
Aufschluss zu geben (BGE 125 IV 161 E. 4a S. 164 f.). Kommt der Ge-
suchsteller dieser umfassenden Pflicht zur Offenlegung seiner finanziellen 
Situation nicht nach bzw. ergeben die vorgelegten Urkunden und die ge-
machten Angaben kein kohärentes und widerspruchsfreies Bild seiner fi-
nanziellen Verhältnisse, so kann sein Gesuch mangels ausreichender Sub-
stanziierung oder mangels Bedürftigkeitsnachweises abgewiesen werden 
(BÜHLER, Die Prozessarmut, in: SCHÖBI (Hrsg.), Gerichtskosten, Parteikos-
ten, Prozesskaution, unentgeltliche Prozessführung, Bern 2001, S. 189 f.; 
BGE 125 IV 161 E. 4a S. 165; TPF BB.2007.61-A vom 11. Januar 2008 
E. 1.1; TPF BH.2007.11 vom 11. Oktober 2007 E. 7.1; TPF BB.2005.26 
vom 14. Juni 2005 E. 2.1 [nicht publiziert]; TPF BV.2005.16-A vom 7. Juni 
2005 E. 2.1). 

 
 
3.  
3.1 Der Gesuchsteller hat das Formular betreffend unentgeltliche Rechtspflege 

grösstenteils ausgefüllt, indes ohne Angabe der Kontoverbindung/en, je-
doch hat er die entsprechenden Auszüge eines Bankkontos sowie weitere 
Unterlagen eingereicht. Der Gesuchsteller arbeitet im Stundenlohn. Aus 
den vorhandenen Lohnabrechnungen von September 2008 bis Januar 
2009 (act. 1.1; act. 3.7) sowie unter Einbezug einer zusätzlichen Salärzah-
lung am 10. Dezember 2008 (act. 1.3, 3c, S. 2) ergibt sich im Durchschnitt 
ein monatliches Einkommen des Gesuchstellers von Fr. 4'727.20 (inkl. Kin-
derzulagen). Dem Formular zufolge ist die Ehefrau Hausfrau und erzielt 
kein Einkommen. Vom genannten monatlichen Einkommen sind als 
Grundbedarf folgende Beträge in Abzug zu bringen: 

 

 Auslagen Monat 
 Mietzins inkl. Nebenkosten    1’245.00 
 Rate Krankenkassenprämien abzügl. Prämienverbilligung   235.95 
 Mobiliar- / Haftpflichtversicherung   26.50 
 Abo-Kosten öffentl. Verkehr   65.00 
 Rückzahlung Darlehen   300.00 
 Anteil Steuern (Bund, Kt., Gde.)   252.05 
 Total Auslagen   2'124.50 
 

 Grundbeträge  Monat 
 Grundbetrag Ehepaar  1'550.00 
 Grundbeträge Kinder (bei Alter von 0 – 18 Jahre)  1'250.00 
 Zuschlag von 20%  560.00 
 Total Grundbeträge  3'360.00 

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 Nicht zu berücksichtigen sind die vom Gesuchsteller geltend gemachten, 
monatlichen Auslagen im Zusammenhang mit seinem Auto, also die Auto-
kosten für den Arbeitsweg von Fr. 400.-- sowie die Auto-
Versicherungsprämie von Fr. 50.--. Der Gesuchsteller beteuert zwar, das 
Fahrzeug sei für die Ausübung der Arbeit unentbehrlich (act. 3), dies ist je-
doch aufgrund der seit 1. Februar 2009 herrschenden Wohnsituation zu 
verneinen, liegt doch gemäss Twixroute der neue Wohnort des Gesuchstel-
lers lediglich noch 4,7 km von seinem Arbeitsort entfernt und sind ausrei-
chend öffentliche Verkehrsmittel (Zug und Bus) vorhanden (act. 4). Der 
Auslagenersatz erfolgt somit – wie in der vorangehenden Zusammenstel-
lung ersichtlich – wie bei der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel, wobei 
im Falle des Gesuchstellers Fr. 65.-- pro Monat für ein Zonen-
Monatsabonnement für Erwachsene, 2. Klasse, anzurechnen ist (act. 5). Im 
Weiteren führt der Gesuchsteller Kosten für auswärtige Verpflegung in der 
Höhe von Fr. 500.-- pro Monat auf, obwohl gemäss dem Lohnausweis 
(act. 3.6) und den vorliegenden Lohnabrechnungen (act. 1.1; act. 3.7) die 
effektiven Spesen jeweils vergütet werden und somit für derartige Kosten 
der Arbeitgeber aufkommt. In den monatlichen Ausgaben sind daher keine 
Kosten für auswärtige Verpflegung einzubeziehen. Die Steuern können ge-
stützt auf die ausgewiesenen Kantons- und Gemeindesteuern des Kantons 
Schaffhausen für das Steuerjahr 2008 (act. 3.5) sowie die provisorische 
Berechnung der direkten Bundessteuer (act. 6) mit insgesamt Fr. 3’024.60 
bemessen werden, woraus sich ein monatlicher Anteil von Fr. 252.05 er-
gibt.  

 
 Im Ergebnis stehen also dem monatlichen Durchschnittseinkommen von 

Fr. 4'727.20 monatliche Auslagen von Fr. 2'124.50 sowie Grundbeträge in 
der Höhe von Fr. 3'360.-- gegenüber. Daraus resultiert ein Fehlbetrag von 
Fr. 757.30 pro Monat.  

 
 Des Weiteren wird dem Gesuchsteller der auf dem beigelegten Kontoaus-

zug per 31. Januar 2009 ausgewiesene Kontostand von Fr. 828.-- (act. 1.3, 
3a, S. 5) als Vermögen zugerechnet. Als ausgewiesene Schulden werden 
die Darlehen des Arbeitgebers an den Gesuchsteller (act. 3.2; act. 1.3, 3a, 
S. 2) berücksichtigt, wobei die Restschuld zur Zeit der Einreichung des Ge-
suchs noch Fr. 3'600.-- betrug.  

 
3.2 Wie der dargelegten finanziellen Situation des Gesuchstellers zu entneh-

men ist, entsteht rechnerisch bereits unter der Berücksichtigung der mini-
mal erforderlichen Ausgaben (siehe Grundbeträge und monatliche Ausla-
gen) ein Fehlbetrag von mehreren Hundert Franken pro Monat. Umso er-
staunlicher ist es, wie der Gesuchsteller die – im Formular mit Fr. 450.-- 

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bezifferten – monatlichen Kosten für das Auto, welches er zumindest für 
den Arbeitsweg benutzt, finanzieren kann. Ungewöhnlich ist zudem, dass 
er gemäss den Kontoauszügen vom 1. Oktober 2008 bis 31. Januar 2009 
beispielsweise mit Zahlungsauftrag vom 29. Dezember 2008 ein Geschenk 
von Fr. 500.-- auszurichten vermochte (act. 1.3, 3c, S. 3/4) und dass er in 
der Lage ist, die in seiner separaten Kostenaufstellung (act. 1.4) zusätzlich 
geltend gemachten monatlichen Kosten von Fr. 150.-- für Telefon und In-
ternet zu bezahlen, was die Kontoauszüge von Dezember 2008 und Januar 
2009 bestätigen (act. 1.3, 3a, S. 3, 5, 3c, S. 4). Im Weiteren ist insbesonde-
re nicht nachvollziehbar, wie es dem Gesuchsteller mit der bisher bekann-
ten finanziellen Ausgangslage gelingt, seit Januar 2009 monatlich sogar 
noch den Betrag von Fr. 500.-- an seinen Verteidiger zu bezahlen. Diese 
monatliche Zahlung zur Tilgung des Anwaltshonorars wird sowohl vom Ge-
suchsteller im Formular (act. 3.1, S. 4) und in seiner separaten Kostenauf-
stellung (act. 1.4) angegeben wie auch vom Verteidiger selbst im Begleit-
brief vom 26. Februar 2009 (act. 3) und durch den Kontoauszug von Januar 
2009 (act. 1.3, 3a, S. 4) bestätigt. Ergänzend ist anzumerken, dass sich 
aus den vorhandenen Kontoauszügen (act. 1.3) sowie dem geringen Soll-
zinsbetrag für das Jahr 2008 (act. 1.3, 3b) kein regelmässiger Minussaldo 
ergibt. Die Berücksichtigung all dieser Umstände lässt eine weitere Ein-
kommensquelle vermuten.  

 
3.3 Aus diesen Gründen ergeben die vorgelegten Unterlagen und die gemach-

ten Angaben des Gesuchstellers kein kohärentes und insbesondere kein 
widerspruchsfreies Bild seiner finanziellen Verhältnisse. Das Gesuch um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist daher mangels Bedürftig-
keitsnachweises abzuweisen.  

 
 
4. Dem Gesuchsteller ist bis am 22. Mai 2009 Frist zur Leistung des Kosten-

vorschusses von Fr. 1'500.-- anzusetzen.  
 
 
5. Die Kosten des vorliegenden Entscheides bleiben bei der Hauptsache.  

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Demnach erkennt die I. Beschwerdekammer: 
 
1. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Be-

schwerdeverfahren BB.2009.15 wird abgewiesen.  
 
2. Dem Gesuchsteller wird bis am 22. Mai 2009 Frist zur Leistung des Kosten-

vorschusses in der Höhe von Fr. 1'500.-- gesetzt.  
 

3. Die Kosten des vorliegenden Entscheides werden mit der Hauptsache ver-
legt.  

 
 

Bellinzona, 13. Mai 2009 
 
Im Namen der I. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin:  
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Rechtsanwalt Urs Späti  
 
 
Beilage 
 
- Einzahlungsschein 
 
 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.