# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 903b145d-1911-5a31-a1a5-2f4b22cab208
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.12.2010 E-8131/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-8131-2010_2010-12-14.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-8131/2010/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 4 .  D e z e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richter Martin Zoller;
Gerichtsschreiber Peter Jaggi.

A._______, unbekannte Staatsangehörigkeit,
vertreten durch Annelise Gerber,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 21. Oktober 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-8131/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  das  BFM mit  mangels  Anfechtung  in  Rechtskraft  erwachsener 
Verfügung  vom  18.  Februar  2009  feststellte,  der  Beschwerdeführer 
erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  sein  erstes  Asylgesuch  vom 
21. Dezember  2006 ablehnte  und die  Wegweisung aus der  Schweiz 
sowie den Vollzug anordnete,

dass der Beschwerdeführer am 10. Juni 2009 ein zweites Mal um Asyl 
nachsuchte und zur Begründung im Wesentlichen anführte, er habe im 
ersten  Asylverfahren  aus  Rücksicht  auf  seine  Mutter  verschwiegen, 
dass nebst seiner Familie auch er selber im Jahr (...)  respektive (...) 
nach Eritrea deportiert worden sei,

dass er bei seiner Mutter gelebt und die Schule besucht habe,

dass er im Jahre (...) ein Aufgebot für den Militärdienst erhalten habe, 
weshalb er untergetaucht sei und sich bis zu seiner Ausreise im (...) 
bei einem Onkel in (...) versteckt habe,

dass für die weiteren Aussagen auf die Akten verwiesen wird,

dass  das  BFM mit  Verfügung  vom 21.  Oktober  2010  –  eröffnet  am 
25. Oktober  2010  –  feststellte,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, sein zweites Asylgesuch ablehnte und die 
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete,

dass  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  mit  vom 
20. November 2010 datierter  Rechtsmitteleingabe (am 23. November 
2010 per Telefax und am 29. November 2010 per Post beim Bundes-
verwaltungsgericht  eingelangt)  in  materieller  Hinsicht  die  Aufhebung 
der vorinstanzlichen Verfügung und unter Feststellung der Flüchtlings-
eigenschaft die Gewährung von Asyl, eventualiter unter Anordnung der 
vorläufigen Aufnahme die Feststellung der Unzulässigkeit, subeventua-
liter  der  Unzumutbarkeit,  subsubeventualiter  der  Unmöglichkeit  des 
Wegweisungsvollzug beantragt,

dass er  in  prozessualer  Hinsicht  die Gewährung der  unentgeltlichen 
Rechtspflege beantragt,

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dass er zur Stützung seiner Vorbringen eine eritreische Identitätskarte 
samt  deutscher  Übersetzung  und  Zustellcouvert  (...)  zu  den  Akten 
reichte und eine Fürsorgebestätigung in Aussicht stellte,

dass  der  Instruktionsrichter  am 2. Dezember  2010 den Eingang der 
Rechtsmitteleingabe  bestätigte,  dem  Beschwerdeführer  mitteilte,  er 
dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, und den 
Entscheid  über  die  Verfahrensanträge  auf  einen  späteren  Zeitpunkt 
verlegte,

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezem-
ber 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des 
BFM  entscheidet  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31] i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bun-
desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden wird 
(Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich vorliegend, wie nachfolgend auf-
gezeigt,  um eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid 
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

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dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass ein erneutes Gesuch einer ausländischen Person, die sich nach 
rechtskräftiger Ablehnung ihres Asylgesuchs noch in der Schweiz be-
findet,  nur  dann  als  weiteres  Asylgesuch  im  Rahmen  von  Art.  32 
Abs. 2  Bst. e  AsylG zu qualifizieren ist,  wenn sie  damit  Nachflucht-
gründe geltend macht, die seit dem ersten Asylentscheid eingetreten 
und für die Flüchtlingseigenschaft  relevant sind (vgl. Entscheidungen 
und  Mitteilungen  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskom-
mission  [EMARK]  1998  Nr. 1,  unter  Anpassung  an  die  Artikelnum-
merierung des geltenden AsylG),

dass  ein  solches  Gesuch  indessen  als  Wiedererwägungsgesuch  zu 
behandeln ist, wenn entweder geltend gemacht wird, die ursprüngliche 
(fehlerfreie) Verfügung sei anzupassen, weil sich der rechtserhebliche 
Sachverhalt  seit  dem ursprünglichen Entscheid beziehungsweise seit 
dem Urteil  der mit Beschwerde angerufenen Rechtsmittelinstanz hin-
sichtlich  des Bestehens  von völker-  oder  landesrechtlichen Wegwei-
sungsvollzugshindernissen  in  wesentlicher  Weise  verändert  habe 
(EMARK 1998 Nr. 1),  oder  anbegehrt  wird,  die mangels Anfechtung 
oder infolge eines formellen Prozessurteils im Beschwerdeverfahren in 
materielle  Rechtskraft  erwachsene  Verfügung  sei  wegen  ursprüngli -
cher  Fehlerhaftigkeit  revisionsweise  (analog  zu  Art.  66  ff.  VwVG) 
aufzuheben  (EMARK  2003  Nr. 17  E. 2a  S. 103  f.  mit  weiteren 
Hinweisen),

dass vorliegend der Beschwerdeführer nach Erlass der mangels An-
fechtung in  Rechtskraft  erwachsenen Verfügung in  der  Schweiz  ver-
blieben ist,

dass  er  mit  seinen  Ausführungen  zur  Begründung  seines  Gesuchs 
vom 10. Juni 2009 (vgl.  Akten BFM B2/10 S. 5 und 6) offensichtlich 
weder  für  die Flüchtlingseigenschaft  relevante Nachfluchtgründe gel-
tend macht noch anführt, die ursprüngliche (fehlerfreie) Verfügung sei 
anzupassen, weil  sich der rechtserhebliche Sachverhalt  seit  dem ur-
sprünglichen  Entscheid  hinsichtlich  des  Bestehens  von  völker-  oder 
landesrechtlichen  Wegweisungsvollzugshindernissen  in  wesentlicher 
Weise verändert habe,

dass der Beschwerdeführer mit seinen Vorbringen vielmehr wiederer-
wägungsweise  sinngemäss  geltend  macht,  die  Verfügung  des  BFM 

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vom 18.  Februar  2009  sei  ursprünglich  fehlerhaft  und  deshalb  revi-
sionsweise (Art. 66 ff. VwVG) aufzuheben,

dass vor diesem Hintergrund das Bundesamt offensichtlich zu Unrecht 
das  Gesuch  des  Beschwerdeführers  vom 10. Juni  2009  als  zweites 
Asylgesuch  qualifiziert  hat,  weshalb  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht verletzt (Art. 106 AsylG),

dass  sich  der  festgestellte  Verfahrensmangel  nicht  im  Rahmen  des 
Rechtsmittelverfahrens heilen lässt, weshalb die Beschwerde im Sinne 
der  Erwägungen  gutzuheissen,  die  angefochtene  Verfügung  vom 
21. Oktober  2010  aufzuheben und die  Sache zur  Neubeurteilung  als 
Wiedererwägungsgesuch an das BFM zurückzuweisen ist,

dass mit dem Entscheid in der Hauptsache ohne vorgängige Instruk-
tion  der  sinngemässe  Antrag  auf  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses hinfällig wird,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen sind (Art. 63 Abs. 3 VwVG), womit der Antrag auf Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gegen-
standslos wird,

dass dem vertretenen Beschwerdeführer zulasten der Vorinstanz eine 
Parteientschädigung für  die  ihm erwachsenen notwendigen und ver-
hältnismässig  hohen Kosten zuzusprechen ist  (Art. 64  Abs. 1  VwVG 
i.V.m. Art. 7  des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 
und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]),

dass zwar keine Kostennote eingereicht worden ist, aber der zeitliche 
Vertretungsaufwand für  das  Rechtsmittelverfahren  sich  aufgrund  der 
Akten zuverlässig abschätzen lässt,

dass dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung der massgeben-
den Bemessungsfaktoren (Art. 9 - 13 VGKE) und der Entschädigungs-
praxis in vergleichbaren Fällen eine insgesamt auf Fr. 600.  (inkl.−  Aus-
lagen  und  allfällige  Mehrwertsteuer)  festzusetzende,  von der  Vorins-
tanz  zu  entrichtende  Parteientschädigung  zuzusprechen  ist  (Art. 10 
und Art. 14 Abs. 2 VGKE).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

2.
Die Verfügung vom 21. Oktober 2010 wird aufgehoben. Die Sache wird 
zur Neubeurteilung als Wiedererwägungsgesuch an das BFM zurück-
gewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Das  BFM hat  dem  Beschwerdeführer  für  das  Rechtsmittelverfahren 
eine Parteientschädigung von Fr.600.- zu entrichten.

5.
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM und  die  zu-
ständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Peter Jaggi

Versand:

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