# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bbc71242-ceac-5c25-b5b0-b006b25733a1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-04-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.04.2008 D-3883/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3883-2006_2008-04-22.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3883/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 2 .  A p r i l  2 0 0 8

Richter Robert Galliker (Vorsitz),
Richter Thomas Wespi, Richter Gérald Bovier, 
Gerichtsschreiberin Regula Frey.

A._______, alias B._______, alias C._______, alias 
D._______, Pakistan,
wohnhaft E._______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt 
für Flüchtlinge (BFF),  Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfü-
gung des BFF vom 26. August 2004 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3883/2006

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge im August 2004 
den Heimatstaat mit einer unbekannten Airline Richtung Italien verliess 
und von dort illegal in die Schweiz gelangte, wo er am 19. August 2004 
um Asyl nachsuchte,

dass er anlässlich der Befragung in der Empfangsstelle (neu: Verfah-
rens-  und  Empfangszentrum)  Kreuzlingen  vom  20.  August  2004  im 
Wesentlichen ausführte, er sei am F._______ geboren worden,

dass  das  BFF  im  Einverständnis  des  Beschwerdeführers  eine  Kno-
chenanalyse zur Altersbestimmung durchführen liess,

dass das Knochenalter  des Beschwerdeführers gemäss Analyse der 
Fachärztin vom 23. August 2004 mindestens sechzehn Jahre betrug,

dass das BFF dem Beschwerdeführer am 25. August 2004 im Beisein 
einer Vertrauensperson zum Abklärungsergebnis das rechtliche Gehör 
gewährte, wobei er das von ihm behauptete Alter nochmals bestätigte,

dass das BFF mit Verfügung vom 26. August 2004 – eröffnet am glei-
chen Tag – gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b  des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat so-
wie die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug anordnete,

dass  das  BFF  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  der  Be-
schwerdeführer habe trotz Aufforderung keine "Identitätsnachweise" zu 
den Akten gegeben und behaupte, am 25. Dezember 1988 geboren zu 
sein,

dass nach dem Ergebnis der radiologischen Untersuchung jedoch fest-
stehe, dass er ein abgeschlossenes Knochenwachstum aufweise und - 
nach  Abzug  einer  Sicherheitsmarge  von  drei  Jahren  -  mindestens 
sechzehn Jahre alt sei,

dass damit  grundsätzlich eine Täuschung über die Identität  vorliege, 
weil zu dieser auch die Angabe des tatsächlichen Geburtsdatums be-
ziehungsweise Alters gehöre,

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dass daran auch das Festhalten des Beschwerdeführers an seiner Be-
hauptung  bezüglich  seines  Alters  anlässlich  des  rechtlichen  Gehörs 
nicht zu ändern vermöge,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 2. September 2004 bei 
der  damals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  Be-
schwerde erhob,

dass der Beschwerdeführer mit Beschwerdeverbesserung vom 9. Sep-
tember 2004 die Aufhebung der Verfügung der Vorinstanz und Rück-
weisung der Sache (Eintreten), eventualiter die Feststellung der Unzu-
mutbarkeit des Vollzugs beantragte, 

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Gewährung der unentgelt-
lichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes 
vom 20. Dezember  1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 
172.021)  und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 
ersuchte,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  am 1. Januar  2007 die  Beurtei-
lung  der  bei  der  ehemaligen  ARK hängigen  Rechtsmittel  übernahm 
und dabei das neue Verfahrensrecht anwendet (Art. 53 Abs. 2 des Ver-
waltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32]),

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen  Verfügungen  (Art.  5  VwVG)  des  Bundesamtes  entscheidet 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 – 34 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun-
desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110),

dass der Beschwerdeführer legitimiert  ist,  weshalb auf  die  frist-  und 
formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 
AsylG; Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG),

dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung 
von Bundesrecht,  die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass die Beurteilung von Beschwerden gegen Nichteintretensentschei-
de praxisgemäss auf die Überprüfung der Frage beschränkt ist, ob die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

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dass die Beurteilungszuständigkeit  der Beschwerdeinstanz somit da-
rauf beschränkt ist, bei Begründetheit des Rechtsmittels die angefoch-
tene Verfügung aufzuheben und die Sache zu neuer Entscheidung an 
die Vorinstanz zurückgehen zu lassen (vgl. Entscheidungen und Mittei-
lungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 2004 
Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass die Vorinstanz demgegenüber die Frage der Wegweisung sowie 
deren Vollzugs materiell geprüft hat, weshalb dem Bundesverwaltungs-
gericht einzig diesbezüglich volle Kognition zukommt,

dass gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG auf Asylgesuche nicht einge-
treten wird, wenn Asylsuchende die Behörden über ihre Identität täu-
schen und diese Täuschung aufgrund der Ergebnisse der erkennungs-
dienstlichen  Behandlung  oder  anderer  Beweismittel  feststeht,  wobei 
der Begriff  der Identität Namen, Vornamen, Staatsangehörigkeit, Eth-
nie,  Geburtsdatum,  Geburtsort  und  Geschlecht  des  Asylsuchenden 
umfasst (vgl. Art. 1 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 
über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]), 

dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörungen behauptete, er 
sei am F._______ geboren, womit er im Zeitpunkt der vorgenommenen 
Knochenaltersanalyse 15 Jahre und 8 Monate alt gewesen wäre,

dass gemäss Analysebericht des Radiologieinstituts des Kantonsspi-
tals Frauenfeld vom 23. August 2004 das Knochenalter des Beschwer-
deführers - ohne Abzug der Sicherheitsmarge von drei Jahren - min-
destens 19 Jahre betrug,

dass die vorliegend durchgeführte Knochenaltersanalyse den von der 
Praxis festgesetzten Anforderungen entspricht (vgl. dazu EMARK 2005 
Nr. 16 S. 141 ff.; 2004 Nr. 31 S. 218 ff.),

dass  vorliegend  die  Abweichung  zwischen  dem  festgestellten  Kno-
chenalter  und dem behaupteten Alter  drei  Jahre übersteigt,  weshalb 
die radiographische Untersuchung des Handknochens zum  Nachweis 
einer Identitätstäuschung im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG ge-
nügt (vgl. EMARK 2001 Nr. 23 S. 184 ff.), 

dass der Einwand in  der Stellungnahme vom 17. Juni  2005,  mit  der 
Einreichung  des  Geburtsregisterauszuges  in  Kopie  sei  er  seiner 
Pflicht,  sein  Alter  zu  beweisen,  nachgekommen,  unbehelflich  ist,  da 

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Kopien grundsätzlich keinen Beweis für das Bestehen eines Original-
dokuments liefern, zumal beim Kopieren von Dokumenten inhaltsver-
ändernde Manipulationen nicht ausgeschlossen werden können,

dass die Beschwerdevorbringen insgesamt nicht geeignet sind, zu ei-
ner von der Vorinstanz abweichenden Betrachtungsweise zu führen,

dass das Bundesamt in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG zu 
Recht  auf  das  Asylgesuch  des Beschwerdeführers  nicht  eingetreten 
ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat, vorliegend der Beschwerdeführer 
weder eine Aufenthaltsbewilligung besitzt noch einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen hat,  weshalb die verfügte Wegweisung im Ein-
klang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und zu bestätigen ist 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG, Art. 32 Bst. a AsylV 1; vgl. EMARK 2001 Nr. 21),

dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzli-
chen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern re-
gelt, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar 
oder nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]), 

dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtli-
che  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin 
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass der Vollzug der Wegweisung vorliegend in Beachtung der mass-
geblichen  völker-  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  nicht  un-
zulässig  ist,  da  aus  den  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  und 
den  übrigen  Akten  keine  Hinweise  auf  eine  menschenrechtswidrige 
Behandlung  ersichtlich  sind  (vgl.  Art.  3  EMRK),  die  ihm in  Pakistan 
droht,

dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumut-
bar erweist, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf Grund von 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG),

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dass vorliegend weder  die  allgemeine Lage in  Pakistan noch  indivi-
duelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr 
schliessen lassen, weshalb der Vollzug der Wegweisung des volljähri-
gen Beschwerdeführers nicht unzumutbar ist,

dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Pakis-
tan schliesslich auch nicht unmöglich ist, da keine Vollzugshindernisse 
bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, 
bei der Beschaffung gültiger Reisepapiere mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 
AsylG),

dass  nach  dem Gesagten  der  vom Bundesamt  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung zu bestätigen ist,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, 

dass der Antrag, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu 
verzichten,  aufgrund des direkten Entscheids in  der Hauptsache ge-
genstandslos geworden ist,

dass  das  Gesuch,  dem  Beschwerdeführer  sei  die  unentgeltliche 
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG zu gewähren, zufolge Aus-
sichtslosigkeit der Beschwerde abzuweisen ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art.  1-3  des  Reglements  vom 11. Dezember  2006  über  die  Kosten 
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 
173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird ab-
gewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser Betrag ist  innert  30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Diese Urteil geht an:

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Akten 

Ref.-Nr. N _______ (in Kopie)
- das G._______ (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Robert Galliker Regula Frey

Versand: 

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