# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 88f15c2f-2c6a-5003-9c55-6219e7521355
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-04-22
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 22.04.2025 VBE.2024.428
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2024-428_2025-04-22.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

VBE.2024.428 / DB / ss  
Art. 43 

 

Urteil vom 22. April 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin  

Oberrichterin Fischer  

Oberrichterin Hausherr  

Gerichtsschreiber Bächli          

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____ 

vertreten durch MLaw Stephanie C. Elms, Rechtsanwältin, Industrie-

strasse 13c, Postfach, 6302 Zug    

     

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

     

 
   

Beigeladene   PAX, Sammelstiftung BVG, Aeschenplatz 13, Postfach, 4002 Basel      

 

    
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 27. Juni 2024) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die 1974 geborene, als Marketingfachperson tätig gewesene Beschwerde-

führerin meldete sich am 12. Oktober 1997 erstmals bei der Beschwerde-

gegnerin zum Bezug von Leistungen (Berufsberatung, Umschulung, Hilfs-

mittel) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. In der Folge 

wies die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf berufliche Massnahmen 

mit Verfügung vom 2. April 1998 ab, leistete jedoch mit Mitteilung vom 

28. März 1998 für den Zeitraum vom 1. Januar 1997 bis 31. Dezember 

1999 Kostengutsprache für das Hilfsmittel Ziff. 10.04* HVI in Form eines 

Amortisations- und Reparaturkostenbeitrages an das Motorfahrzeug der 

Beschwerdeführerin. Diese Kostengutsprache wurde in der Folge zweima-

lig, zuletzt bis 31. Dezember 2010, verlängert. 

 

1.2. 

Am 15. Dezember 2022 meldete sich die Beschwerdeführerin erneut zum 

Leistungsbezug (berufliche Integration, Rente) an. Die Beschwerdegegne-

rin tätigte in der Folge medizinische und berufliche Abklärungen und liess 

die Beschwerdeführerin am 3. Januar 2024 durch den Regionalen Ärztli-

chen Dienst (RAD) neurologisch untersuchen. Gestützt auf die Beurteilung 

des RAD vom 3. Januar 2024 und einen basierend auf den Akten erstellten 

"Bericht Selbständigerwerbende" vom 3. April 2024 wies die Beschwerde-

gegnerin das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin nach durchgeführ-

tem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 27. Juni 2024 ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 27. Juni 2024 erhob die Beschwerdeführerin mit 

Eingabe vom 2. September 2024 fristgerecht Beschwerde und stellte fol-

gende Rechtsbegehren: 

 

"1. Die Verfügung vom 27.6.2024 sei aufzuheben und es sei die Beschwer-
degegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin die gesetzlichen 
Leistungen nach IVG, namentlich eine Invalidenrente ab Anspruchsbe-
ginn, zu gewähren. 

 
 2. Eventuell sei eine verwaltungsexterne medizinische Begutachtung 

durchzuführen. 
 
 Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MwSt. zu Las-

ten der Beschwerdegegnerin." 
 

Zudem beantragte sie, es sei ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen. 

 

 - 3 - 

 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 17. Oktober 2024 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 23. Oktober 2024 wurde die be-

rufliche Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin zum Verfahren bei-

geladen und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt. Mit Eingabe 

vom 27. November 2024 beantragte die Beigeladene sinngemäss die Ab-

weisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Soweit die Beschwerdeführerin die Durchführung eines zweiten Schriften-

wechsels beantragt hat (vgl. Beschwerde S. 2), ist darauf hinzuweisen, 

dass Art. 61 lit. a ATSG ein rasches Verfahren vorsieht, woraus sich kein 

Anspruch auf einen zweiten Schriftenwechsel ergibt. Auch vor dem Hinter-

grund des Replikrechts (BGE 137 I 195 E. 2.3.1 S. 197; 133 I 100 E. 4.5 

S. 103 f.) ist die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels nicht zwin-

gend. Das Gericht kann Eingaben auch lediglich zur Kenntnisnahme zu-

stellen, wenn von den Parteien erwartet werden kann, dass sie unaufgefor-

dert dazu Stellung nehmen (BGE 138 I 484 E. 2.1 und 2.2 S. 485 f.; 133 I 

98 E. 2.2 S. 99). Dies trifft vor allem bei rechtskundig vertretenen Personen 

wie der Beschwerdeführerin zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

9C_641/2014 vom 16. Januar 2015 E. 2 mit Hinweisen). Das Versiche-

rungsgericht stellte die Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin vom 

17. Oktober 2024 – worin sich diese materiell nicht äusserte – der Be-

schwerdeführerin mit Verfügung vom 23. Oktober 2024 sowie die Eingabe 

der Beigeladenen vom 27. November 2024 mit Verfügung vom 10. Dezem-

ber 2024 zu. Bis zum vorliegenden Entscheid liess sich die Beschwerde-

führerin nicht mehr vernehmen, weshalb von einem Verzicht auf das Rep-

likrecht auszugehen ist (vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts 9C_547/2021 

vom 14. Dezember 2021; 9C_641/2014 vom 16. Januar 2015 E. 2; 

9C_214/2013 vom 31. August 2013 E. 3.3; 9C_193/2013 vom 22. Juli 2013 

E. 2.1). 

 

2. 

Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. 

 

3. 

3.1. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 

27. Juni 2024 in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die neurologi-

sche Untersuchung des RAD-Arztes Prof. Dr. med. B._____, Facharzt für 

 - 4 - 

 

 

Neurologie, vom 3. Januar 2024. Dieser hielt fest, bei der Beschwerdefüh-

rerin liege seit vielen Jahren eine Multiple Sklerose vor. Im Vordergrund der 

klinischen Symptomatik bestehe eine Beeinträchtigung der Mobilität. Das 

Gangbild sei spastisch-ataktisch, die Beschwerdeführerin könne nur kurze 

Distanzen zu Fuss zurücklegen. Sie gebe an, keine Hilfsmittel einzusetzen, 

wobei ohne Hilfsmittel insbesondere auf unebenen Oberflächen eine Sturz-

gefahr bestehe. Zusätzlich finde sich eine leichte Koordinationsstörung bei-

der Hände. Die Beschwerdeführerin gebe an, sie sei vermehrt erschöpft. In 

Anbetracht der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin sei 

diese Angabe aus Sicht des RAD nachvollziehbar und plausibel und bei der 

Bemessung der berufsbezogenen Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen 

(Vernehmlassungsbeilage [VB] 36). 

 

3.2. 

Gestützt auf seine Untersuchung sowie die weiteren medizinischen Akten 

nahm Prof. Dr. med. B._____ am 3. Januar 2024 eine versicherungsmedi-

zinische Würdigung vor und führte aus, aus dem letzten neurologischen 

Bericht von Oktober 2022 (VB 18 S. 3 f.) gehe hervor, dass die Beschwer-

deführerin vor allem unter Gleichgewichtsstörungen leide. Der neurologi-

sche Bericht sei klar und sachlich abgefasst und für den RAD nachvollzieh-

bar, wobei sich der Befund anlässlich der Untersuchung des RAD vom 

3. Januar 2024 bestätigt habe. Die Beschwerdeführerin könne nur kurze 

Distanzen zu Fuss zurücklegen, wobei Sturzgefahr bestehe, welche jedoch 

durch die Verwendung geeigneter Hilfsmittel zu kompensieren wäre. Die 

Koordinationsfähigkeit beider Hände sei leicht eingeschränkt. Zudem be-

stehe eine abnorme Erschöpfbarkeit, welche die berufsbezogene Leis-

tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin etwa auf eine halbschichtige Tätig-

keit reduziere. Die Beschwerdeführerin könne eine angepasste, primär sit-

zende Tätigkeit, welche nur seltenes Stehen und kein Gehen und nur ge-

ringe Anforderungen an die koordinativen Funktionen der Hände beinhalte, 

in einem Pensum von 50 % leisten, wobei keine zusätzliche Leistungsmin-

derung bestehe. Dies könne in der angestammten Tätigkeit als Marketing-

fachperson ausgeübt werden. Aufgrund der medizinischen Dokumente und 

der anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin sei davon auszuge-

hen, dass die Arbeitsunfähigkeit im oben genannten Ausmass im Jahr 2020 

eingetreten sei (VB 35 S. 3 f.). 

 

4. 

4.1. 

4.1.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet 

 - 5 - 

 

 

und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 

231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

4.1.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im 

Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebe-

nen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und 

Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind 

ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f. 

und 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

4.1.3. 

Der Beweiswert von RAD-Berichten nach persönlichen Untersuchungen 

der Versicherten im Sinne von Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem von externen 

medizinischen Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den 

praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 

231 E. 5. 1 S. 232) genügen und der Arzt oder die Ärztin über die notwen-

digen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1 S. 219; 

Urteile des Bundesgerichts 8C_142/2023  vom 18. September 2023 

E. 3.3.3. und  8C_839/2016 vom 12. April 2017 E. 3.2).  

 

4.2. 

Der Untersuchungsbericht (VB 36) und die versicherungsmedizinische 

Würdigung von Prof. Dr. med. B._____ vom 3. Januar 2024 (VB 35) werden 

den von der Rechtsprechung formulierten Anforderungen an eine medizi-

nische Stellungnahme gerecht (vgl. E. 4.1.1. hiervor). Sie wurden in Kennt-

nis der relevanten Vorakten erstellt (VB 35 S. 3), geben die subjektiven 

Angaben der Beschwerdeführerin wieder (vgl. VB 36 S. 3 f.), beruhen auf 

einer persönlichen Untersuchung durch den beurteilenden Arzt (vgl. VB 36 

S. 4 f.) und setzen sich im Anschluss daran mit den subjektiven Beschwer-

deangaben und den medizinischen Akten auseinander (vgl. VB 35 S. 3 ff.). 

Zudem verfügt Dr. med. B._____ über einen Facharzttitel in Neurologie und 

somit unbestrittenermassen über die fachlichen Qualifikationen, um das 

vorliegend massgebende neurologische Problem einer Multiplen Sklerose 

zu beurteilen. Die Beurteilung von Prof. Dr. med. B._____ ist nachvollzieh-

bar und daher grundsätzlich geeignet, den Beweis für den anspruchserheb-

lichen Sachverhalt zu erbringen. 

 

4.3. 

4.3.1. 

Die Beschwerdeführerin macht bezüglich der medizinischen Situation im 

Wesentlichen geltend, die Beschwerdegegnerin habe den Sachverhalt 

 - 6 - 

 

 

bzw. das Belastungsprofil nicht rechtsgenüglich abgeklärt, weshalb ein 

Gutachten nach Art. 44 ATSG einzuholen sei (Beschwerde S. 6 ff.) 

 

4.3.2. 

Die Beschwerdeführerin bringt keine medizinischen Unterlagen bei, welche 

auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Be-

urteilung des RAD-Arztes Prof. Dr. med. B._____ zu begründen vermögen. 

Dieser hat sich mit den vorhandenen medizinischen Unterlagen im Rahmen 

seiner Würdigung vom 3. Januar 2024 umfassend auseinandergesetzt und 

ausdrücklich festgehalten, der vorliegende neurologische Befund aus dem 

Bericht von Oktober 2022 (Bericht des Neurozentrum C.._____ vom 10. 

Oktober 2022; VB 18 S. 3 ff.) bestätige sich anlässlich der aktuellen Unter-

suchung (VB 35 S. 3). Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, sie könne 

keine ausserhäusliche Tätigkeit wahrnehmen, widerspricht dies ihren eige-

nen Angaben anlässlich der RAD-Untersuchung vom 3. Januar 2024, wo 

sie ausführte, sie könne sich vorstellen, ca. 50 % zu arbeiten; eine externe 

Berufstätigkeit sei (nur) dann möglich, wenn sie den Arbeitsplatz mit dem 

Pkw aufsuchen und vom Parkplatz problemlos an den Arbeitsplatz auf ei-

nem kurzen Weg gelangen könne (VB 36 S. 4). Prof. Dr. med. B._____ 

kam in seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 3. Januar 2024 

denn auch zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin in der angestamm-

ten Tätigkeit als Marketingfachperson seit 2020 (nur) sitzende Tätigkeiten 

in einem 50%-Pensum ohne zusätzliche Leistungseinschränkung ausüben 

könne. In einer angepassten Tätigkeit bestehe seit 2020 aufgrund einer 

verminderten Belastbarkeit in zeitlicher Hinsicht in einer sitzenden Tätigkeit 

mit nur seltener Notwendigkeit des Stehens und ohne Notwendigkeit des 

Gehens, mit geringen Anforderungen an die koordinativen Funktionen der 

Hände eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (VB 35 S. 4), was ohne Weiteres 

nachvollziehbar ist (vgl. E. 4.2.). Bezüglich des Vorbringens der Beschwer-

deführerin, die Frage hinsichtlich der Zumutbarkeit einer ausserhäuslichen 

bzw. ausserhalb der eigenen GmbH liegenden Tätigkeit sei dem RAD nicht 

mehr vorgelegt worden, ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei der Frage 

nach der Zumutbarkeit eines Berufswechsels um eine Rechtsfrage handelt 

(vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_759/2018 vom 13. Juni 2019 E. 7.4.1 

mit Hinweis), welche vom Rechtsanwender und nicht einem Arzt zu beant-

worten ist. Somit wurde diese Frage zu Recht durch den Kundenberater 

der Beschwerdegegnerin gestützt auf die medizinischen Feststellungen be-

antwortet, hat sich der RAD (vgl. die Ausführungen hiervor) doch dazu ge-

äussert, unter welchen Rahmenbedingungen eine ausserhäusliche Tätig-

keit möglich ist. Hinsichtlich der medizinischen Beurteilung des Sachver-

halts durch die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ist schliesslich 

darauf hinzuweisen, dass diese bereits deshalb unbehelflich ist, weil sie als 

medizinischer Laie hierfür nicht befähigt ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

9C_283/2017 vom 29. August 2017 E. 4.1.2; 9C_614/2015 vom 21. Juni 

2016 E. 5.1). Somit ist aus medizinischer Sicht ohne weitere Abklärungen 

 - 7 - 

 

 

von der von Prof. Dr. med. B._____ festgestellten Arbeitsfähigkeit von 50 % 

für eine angepasste Tätigkeit auszugehen. 

 

5. 

5.1. 

Gemäss Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität 

und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Ein-

gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgegli-

chener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Bezie-

hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie 

nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Massgebend sind die 

Verhältnisse im Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns (vgl. SVR 2020 IV 

Nr. 70 S. 243, 8C_132/2020 E. 4.1 mit Hinweisen; BGE 143 V 295 E. 4.1.3 

S. 300). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol-

gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig 

möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf 

sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt 

(BGE 130 V 343 E. 3.4 S. 348 f.; 128 V 29 E. 1 S. 30; Urteil des Bundes-

gerichts 8C_368/2021 vom 22. Juli 2021 E. 7.2). 

 

5.2. 

In ihrer Verfügung vom 27. Juni 2024 bemass die Beschwerdegegnerin für 

den Zeitpunkt des frühestmöglichen Anspruchsbeginns (Juni 2023; Beginn 

Wartejahr Januar 2020 [Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG], Anmeldung vom 15. De-

zember 2022 [Art. 29 Abs. 1 IVG]) das Valideneinkommen gestützt auf die 

bisherige Tätigkeit als Geschäftsführerin und Inhaberin des eigenen Unter-

nehmens anhand der Angaben im individuellen Konto (IK) der Beschwer-

deführerin und unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung seit 

dem Eintragungsjahr bis zum Jahr 2022 (mangels Angaben für das Jahr 

2023). Dabei errechnete die Beschwerdegegnerin ein durchschnittliches 

Einkommen von Fr. 25'220.00. Gestützt auf die Tabellenlöhne der Schwei-

zerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Jahres 2020 des Bundesamtes 

für Statistik (BFS), Tabelle TA1, Total, Kompetenzniveau 1, Frauen, unter 

Berücksichtigung einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 

41.7 Stunden sowie der Nominallohnentwicklung von 2020 bis 2022 (man-

gels Angaben für das Jahr 2023) von 109.4/107.9 und unter Berücksichtigung 

eines Abzuges von 10 % gestützt auf Art. 26bis Abs. 3 IVV (in der ab 1. Ja-

nuar 2022 geltenden Fassung) sowie des noch zumutbaren Pensums von 

50 % errechnete die Beschwerdegegnerin ein Invalideneinkommen von 

Fr. 24'406.00. Ausgehend von diesen Vergleichseinkommen resultierte ein 

Invaliditätsgrad von 3 % (VB 45 S. 2). 

 

5.3. 

Hinsichtlich des von der Beschwerdegegnerin angenommenen Validenein-

kommens von Fr. 25'220.00 bestreitet die Beschwerdeführerin nicht, dass 

 - 8 - 

 

 

dieses dem unter Beachtung der Nominallohnentwicklung berechneten 

Durchschnitt der im IK-Auszug für die Jahre 2014 bis 2017 ersichtlichen 

Einkommen (VB 19) entspricht. Sie macht jedoch im Wesentlichen geltend, 

die bereits vor vielen Jahren gestellte Diagnose MS habe sich bereits in 

den der Berechnung zugrunde gelegten Jahren auf die Leistungsfähigkeit 

ausgewirkt und das von der Beschwerdegegnerin bestimmte Validenein-

kommen sei teilweise im Krankheitsfall generiert worden, weshalb nicht da-

rauf, sondern auf LSE-Löhne abzustellen sei. Es resultiere dabei ein Vali-

deneinkommen von Fr. 105'695.05, indexiert auf 2023 (Beschwerde S. 5).  

 

Dem kann nicht gefolgt werden. Es sind den medizinischen Akten keine 

Hinweise zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin vor Eintritt der Ar-

beitsunfähigkeit im Jahr 2020 aus gesundheitlichen Gründen längerfristig 

in der Berufsausübung eingeschränkt war und daher lediglich ein unter-

durchschnittliches Einkommen erwirtschaftete. Zudem äusserte die Be-

schwerdeführerin im Erstgespräch vom 23. Dezember 2023 auch selber, 

seit Januar 2020 eingeschränkt zu sein (VB 11 S. 1; "Aussage der ersten 

Stunde", vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_161/2019 vom 28. Juni 2019 

E. 5.4.3; 9C_481/2018 vom 17. August 2018 E. 3.2.1). Zugunsten der Be-

schwerdeführerin ging der Abklärungsdienst davon aus, die Beschwerde-

führerin sei seit einer Rückenoperation im Jahr 2018 eingeschränkt, zumin-

dest bis zu diesem Zeitpunkt könne die negative Einkommensentwicklung 

nicht im Zusammenhang mit einer Gesundheitsbeeinträchtigung gesehen 

werden (VB 41 S. 1), und stützte sich folglich auf die in den Jahren 2014 

bis 2017 erzielten Einkommen ab. Die Beschwerdeführerin begnügte sich 

demnach, ohne bereits in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen zu 

sein, über viele Jahre mit einem bescheidenen Einkommen. Es ist folglich 

der anhand der Einträge im IK bemessene durchschnittliche Verdienst der 

Jahre 2014 bis 2017 für die Festlegung des Valideneinkommens massge-

bend (vgl. statt vieler BGE 135 V 58 E. 3.4.6 S. 64 f. und 125 V 146 

E. 5c/bb S. 157 sowie SVR 2023 IV Nr. 40 S. 135, 8C_396/2022 E. 3.2.2 

mit Hinweisen unter anderem auf SVR 2017 IV Nr. 6 S. 15, 9C_644/2015 

E. 4.6.2), zumal die Beschwerdeführerin gerade nicht vorbringt, sie hätte 

die bereits im Gesundheitsfall wenig einträgliche selbständige Tätigkeit 

ohne die gesundheitliche Einschränkung aufgegeben und eine besser ent-

schädigte andere Tätigkeit aufgenommen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

9C_311/2022 vom 18. April 2023 E. 3.2.2).  

 

5.4. 

Die Festsetzung des Invalideneinkommens anhand lohnstatistischer Anga-

ben auf Fr. 24'406.00 für ein 50%-Pensum in angepasster Tätigkeit sowie 

unter Berücksichtigung eines Abzuges von 10 % für Teilzeitarbeit per 2022 

gestützt auf Art. 26bis Abs. 3 IVV (in der ab 1. Januar 2022 geltenden Fas-

sung) (folglich Fr. 54'236.40 [53'492.76 : 107.9 x 109.4] für ein 100%-Pen-

sum) wird von der rechtskundig vertretenen Beschwerdeführerin nicht 

grundsätzlich in Frage gestellt und gibt mit Blick auf die Akten und die 

 - 9 - 

 

 

Rechtsprechung (vgl. statt vieler BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301 mit Hinweis 

unter anderem auf BGE 129 V 472 E. 4.2.1 S. 475) sowie die zum Zeit-

punkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung für den jeweiligen Be-

rechnungszeitpunkt aktuellsten statistischen Grundlagen (vgl. hierzu 

BGE 143 V 295 E. 2.3 S. 297 und SVR 2022 IV Nr. 23 S. 73, 8C_202/2021 

E. 6.2 sowie SVR 2020 IV Nr. 70 S. 243, 8C_132/2020 E. 4.2.1) auch zu 

keinerlei Weiterungen Anlass.  

 

Die Beschwerdeführerin macht jedoch geltend, es sei ihr beim Invaliden-

einkommen zusätzlich zum bereits gewährten Abzug von 10 % ein leidens-

bedingter Abzug von 15 % zu gewähren (Beschwerde S. 6). Wie es sich 

damit genau verhält, kann indes offenbleiben. Selbst bei Gewährung eines 

gemäss Rechtsprechung maximalen leidensbedingten Abzugs von 25 % 

(vgl. dazu statt vieler BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301 und 134 V 322 E. 5.2 

S. 327 f.), welcher im Resultat dem von der Beschwerdeführerin geforder-

ten Abzug von 15 % zusätzlich zum bereits gewährten Teilzeitabzug von 

10 % entsprechen würde, resultiert unter Anwendung der allgemeinen Me-

thode des Einkommensvergleichs bei einem Invalideneinkommen von 

Fr. 20'338.65 (75 % von 50 % von Fr. 54'236.40), einem Valideneinkom-

men von Fr. 25'220.00 (vgl. E. 5.3. hiervor) und somit einem Invaliditäts-

grad von (gerundet) 19 % ([Fr. 25'220.00 - Fr. 20'338.65] : Fr. 25'220.00 

x 100) kein Rentenanspruch (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG). Ab 1. Januar 

2024 beträgt der maximal zulässige Abzug gemäss Art. 26bis Abs. 3 IVV (in 

der ab 1. Januar 2024 gültigen Fassung) zudem 20 %, weshalb auch für 

die Zeitspanne ab 1. Januar 2024 kein rentenbegründender Invaliditätsgrad 

resultieren würde.  

 

5.5. 

Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, die Invaliditätsgradberechnung 

sei unter Anwendung des Prozentvergleichs durchzuführen  (Beschwerde 

S. 5), ist sie darauf hinzuweisen, dass ein solcher gemäss bundesgericht-

licher Rechtsprechung nur vorzunehmen ist, wenn die fraglichen Erwerbs-

einkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 8C_285/2020 vom 15. September 2020 E. 4.1 mit Hin-

weisen), was gemäss den obigen Erwägungen (vgl. E. 5.3. und 5.4. hiervor) 

offensichtlich nicht der Fall ist.  

 

5.6. 

Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch der Be-

schwerdeführerin auf eine Invalidenrente mit Verfügung vom 27. Juni 2024 

(VB 48) zu Recht verneint. 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

 - 10 - 

 

 

6.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.  

 

6.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 

  

 - 11 - 

 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 22. April 2025 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin:    Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Peterhans    Bächli