# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3b8e9780-cdf8-58b0-b493-1a860223fd4c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.10.2011 D-6726/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6726-2009_2011-10-06.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­6726/2009

U r t e i l   v om   6 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi,
mit Zustimmung von Richter Fulvio Haefeli;
Gerichtsschreiber Stefan Weber.

Parteien A._______, geboren X._______,
Afghanistan,
vertreten durch lic. iur. Dominique Wetli,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen 
Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 27. 
Oktober 2009 / N_______.

D­6726/2009

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
A.a.  Der  Beschwerdeführer,  ein  aus  Kabul  stammender  ethnischer 
Tadschike mit  letztem Wohnsitz  in Kabul, stellte am 27. November 2001 
ein  Asylgesuch  in  der  Schweiz.  Zu  dessen  Begründung  machte  er  im 
Wesentlichen  geltend, Behelligungen  seitens  der  Taliban  –  nicht  zuletzt 
wegen  seiner  ethnischen  Herkunft  –  sowie  der  in  Afghanistan 
herrschende Bürgerkrieg seien die Auslöser für seine Ausreise gewesen. 
Insbesondere  sei  sein  Bruder  im  Jahre  (...)  bei  einem  Raketenangriff 
getötet worden, worauf er von seinen Eltern wiederholt gedrängt worden 
sei, das Land zu verlassen.

A.b. Mit Verfügung vom 1. April 2003 lehnte das damalige Bundesamt für 
Flüchtlinge (BFF) das Gesuch gestützt auf Art. 3 und 7 des Asylgesetzes 
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) ab und ordnete die Wegweisung 
des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Diese 
Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.

A.c. Am 23. Oktober 2009 ersuchte der Beschwerdeführer das BFM um 
Wiedererwägung  der  Verfügung  vom  1.  April  2003  bezüglich  des 
Wegweisungsvollzugs und beantragte unter anderem die Gewährung der 
vorläufigen Aufnahme infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 
Zur Begründung  führte er  im Wesentlichen eine massgeblich veränderte 
Sachlage  und  das  Vorliegen  neuer  Beweismittel  an.  So  leide  er  seit 
längerer  Zeit  an  einer  schweren  (Nennung  Erkrankung)  und  könne  nur 
noch  im  Rahmen  eines  sehr  engmaschigen  Betreuungs­  und 
Pflegesettings leben. Ohne diese Betreuung müsse davon ausgegangen 
werden,  dass  sich  sein  Zustand  innert  kürzester  Zeit  dramatisch 
verschlechtern  und  er  nur  kurze  Zeit  überleben  würde.  Bevor  er  im 
Durchgangszentrum für betreuungsintensive Asylsuchende untergebracht 
gewesen  sei,  sei  es  immer  wieder  zu  massiven  Exzessen  und 
Zwischenfällen gekommen, wobei er auch wiederholt mit dem Gesetz  in 
Konflikt geraten sei.  Im (...) sei er  (...) von einem Geländer gefallen und 
habe sich dabei eine schwere (Nennung Verletzung) zugezogen. Seither 
leide  er  auch  an  (...)problemen  und  müsse  täglich  Medikamente 
einnehmen. Weiter sei angesichts der heutigen prekären Sicherheitslage 
in  seiner  Heimat  auch  die  Stadt  Kabul,  wohin  ein  Vollzug  der 
Wegweisung  bisher  unter  bestimmten  strengen  Voraussetzungen  vom 
Bundesverwaltungsgericht als zumutbar erachtet worden sei, nicht mehr 
sicher. Er sei vor mehr als acht Jahren aus Afghanistan ausgereist. Seine 

D­6726/2009

Seite 3

noch  lebenden  Familienangehörigen  hätten  die  Heimat  ebenfalls 
verlassen.  Erst  kürzlich  habe  er  über  Bekannte  erfahren,  dass  seine 
Mutter mit  einem  geregelten  Aufenthalt  in  B._______  lebe.  Diese  habe 
ihn  in  der  Folge  hier  in  der  Schweiz  besucht,  wobei  er  erfahren  habe, 
dass  sein  Vater  vor  (...)  Jahren  in  B._______  verstorben  sei.  In  Kabul 
verfüge  er  weder  über  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  noch  über  eine 
gesicherte  Wohnsituation  oder  die  in  seinem  Fall  notwendige 
medizinische Betreuung. Zur Stützung seiner Vorbringen reichte er unter 
anderem mehrere Arztberichte ein.

B. 
Mit  Verfügung  vom  27.  Oktober  2009  trat  das  BFM  auf  das Wiederer­
wägungsgesuch nicht ein und stellte fest, dass die Verfügung vom 1. April 
2003 rechtskräftig und vollstreckbar sei und einer allfälligen Beschwerde 
keine aufschiebende Wirkung zukomme.

C. 
Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 27. Oktober 2009 gegen 
diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean­
tragte  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  vom  27. Oktober 
2009,  die  Feststellung  einer  wiedererwägungsrechtlich  massgeblichen 
Änderung  der  Sachlage  und  der  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs,  die  Anweisung  an  die  Vorinstanz,  ihm  die 
vorläufige  Aufnahme  in  der  Schweiz  zu  gewähren,  eventualiter  die 
Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  zwecks  Eintretens  auf  das 
Wiedererwägungsgesuch  und  Erlasses  eines  neuen  Entscheides,  und 
ersuchte  in  prozessualer  Hinsicht  um  Wiederherstellung  der 
aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde,  um  Sistierung  des 
Wegweisungsvollzugs bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens, 
um die Anweisung  an  die  zuständige  Fremdenpolizeibehörde,  im Sinne 
einer  vorsorglichen  Massnahme  von  jeglichen  Vollzugsmassnahmen 
abzusehen,  um  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im 
Sinne von Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie um Verzicht 
auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Auf  die  Begründung  wird, 
soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

D. 
Mit  Telefax  des  Instruktionsrichters  vom  27.  Oktober  2009  wurde  der 
Vollzug der Wegweisung vorsorglich ausgesetzt.

D­6726/2009

Seite 4

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungs­gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Ausliefe­rungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Per­son  Schutz  sucht  (Art.  105  des  Asylgesetzes 
vom  26.  Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31];  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des 
Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Eine 
solche Ausnahme  im Sinne von Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 BGG  liegt  in  casu 
nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet demnach endgültig.

1.2. Die Zuständigkeit  des Bundesverwaltungsgerichts  für Beschwerden 
gegen  das  Nichteintreten  auf  Wiedererwägungsgesuche 
beziehungsweise  die  Ablehnung  von  Wiedererwägungsgesuchen  ergibt 
sich  aus  dem  Umstand,  dass  nach  Lehre  und  Praxis 
Wiedererwägungsentscheide  grundsätzlich  wie  die  ursprüngliche 
Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden 
können  (vgl.  BGE  113  Ia  146  f.;  VPB  1985  Nr.  24;  FRITZ  GYGI, 
Bundesverwaltungsrechtspflege,  2.  Aufl.,  Bern  1983,  S.  220;  URSINA 
BEERLI­BONORAND,  Die  ausserordentlichen  Rechtsmittel  in  der 
Verwaltungsrechtspflege  des Bundes  und  der Kantone,  Zürich  1985,  S. 
174 f.).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 
105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf 
die Beschwerde ist einzutreten.

1.4. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

D­6726/2009

Seite 5

1.5.  Die  vorliegende  Beschwerde  erweist  sich  –  wie  nachfolgend 
aufgezeigt  –  als  offensichtlich  unbegründet,  weshalb  darüber  in 
einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters 
beziehungsweise einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. 
e AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die 
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.

2. 
2.1. Die  Behörde  hat  auf  ein Wiedererwägungsgesuch  hin  zunächst  zu 
prüfen,  ob die Voraussetzungen,  unter  denen  sie  zum Eintreten auf  ein 
Wiedererwägungsgesuch  verpflichtet wäre,  erfüllt  sind. Dabei  genügt es 
zwar für die Zulässigkeit des Wiedererwägungsgesuchs, dass Umstände, 
die  einen  verfassungsmässigen  Anspruch  auf  Wiedererwägung 
begründen  würden,  substanziiert  behauptet  werden.  Sind  dem  Gesuch 
nicht  genügend  substanziierte  Wiedererwägungsgründe  zu  entnehmen, 
so  ist  die  Verwaltungsbehörde  nicht  gehalten,  auf  das  Gesuch 
einzutreten,  ja  es  überhaupt  formell  anhand  zu  nehmen  (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 7 E. 4a S. 44).

2.2. Nachdem  das  BFM mit  Verfügung  vom  27.  Oktober  2009  auf  das 
Wiedererwägungsgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist, 
beschränkt  sich  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  einzig  auf  die 
Frage, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Gesuch nicht eingetreten ist.

3.  
3.1.  Die  Vorinstanz  brachte  zur  Begründung  des  ablehnenden 
Wiedererwägungsentscheides  mit  Verweis  auf  EMARK  2000  Nr.  5  im 
Wesentlichen  vor,  ein  Begehren  um  Wiedererwägung  wegen 
nachträglicher Veränderung der Verhältnisse unterliege  nach Lehre  und 
Praxis  keiner  bestimmten  Frist,  weshalb  die  Revisionsfrist  nach  Art.  67 
VwVG  daher  auf  diese  Wiedererwägungsgesuche  nicht  analog 
anwendbar  sei.  Dies  bedeute  jedoch  nicht,  dass  eine Wiedererwägung 
unbeschränkt und zu einem beliebigen Zeitpunkt nach der eingetretenen 
Veränderung  der  Verhältnisse  verlangt  werden  könne.  Vielmehr  sei  für 
die  Frage  der  zeitlichen  Beschränkung  eines 
Wiedererwägungsbegehrens  der  Grundsatz  von  Treu  und  Glauben 
wegleitend,  woraus  sich  eine  zeitliche  Schranke  zwischen 
Kenntnisnahme  der  Wiedererwägungsgründe  und  der  Stellung  des 
Gesuchs  ergebe.  Vorliegend  sei  festzustellen,  dass  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers bezüglich seiner (Nennung Erkrankung) aufgrund der 

D­6726/2009

Seite 6

Akten  seit  Jahren  bekannt  seien.  Der  Unfall,  der  seine  angeführten 
(...)probleme  verursacht  habe,  habe  sich  im  Jahre  (...)  ereignet.  Die 
Familienmitglieder  (Vater  und  Mutter)  sollen  Afghanistan  vor  Jahren 
verlassen  haben.  Einen  Beleg  dafür  habe  der  Beschwerdeführer  nicht 
eingereicht.  Unter  Berücksichtigung  des  Grundsatzes  von  Treu  und 
Glauben  sowie  des  Umstandes,  dass  sich  aus  dem 
Wiedererwägungsgesuch  auch  keine  substanziierten Hinweise  ergäben, 
wonach  das  Gesuch  aus  entschuldbaren  Gründen  nicht  früher  hätte 
eingereicht  werden  können,  könne mehrere  Jahre,  nachdem  sich  oben 
genannte  Ereignisse  zugetragen  hätten,  mit  der  Begründung  des 
veränderten Sachverhalts keine Wiedererwägung mehr verlangt werden. 
Auf das Gesuch vom 23. Oktober 2009 sei demzufolge nicht einzutreten.

3.2.  Demgegenüber  hielt  der  Beschwerdeführer  in  seiner 
Rechtsmitteleingabe  an  den  bereits  in  seinem Wiedererwägungsgesuch 
vorgebrachten  Gründen  im  Wesentlichen  fest  und  führte  an,  er  habe 
weder  den  ursprünglichen  Asylentscheid  der  Vorinstanz  angefochten 
noch  habe  er  bis  kurz  vor  der  Ausschaffung  je  ein  ausserordentliches 
Verfahren  angestrebt.  Es  entspreche  seinem  Verhaltensmuster,  die 
Frage  der  Rückkehr  nach  Afghanistan  durch  (Nennung  des  Verhaltens 
aufgrund  der  Erkrankung)  zu  umgehen.  Diese  Strategie  verfolge  er 
bereits  seit  jungen  Jahren,  um  anstehende  Probleme  zu  lösen.  Zudem 
fehle ihm die Einsicht in seine Erkrankung, was dem Erkrankungsbild des 
(...)  durchaus  entspreche.  Deshalb  liege  ein  entschuldbarer  Grund, 
weshalb die (Nennung Erkrankung) erst jetzt geltend gemacht werde, vor. 
Es  würden  mehrere  Wegweisungshindernisse  bestehen,  wobei  seine 
(Nennung  Erkrankung)  nicht  zu  spät  und  die  Unzumutbarkeit  eines 
Wegweisungsvollzugs  nach  Kabul  zum  heutigen  Zeitpunkt  zu  Recht 
geltend gemacht worden seien.

4.  
4.1. Der Beschwerdeführer  reichte ein Wiedererwägungsgesuch ein und 
begründete  es mit  einer  massgeblich  veränderten  Sachlage  seit  Erlass 
der ursprünglichen Verfügung. Daher  ist  zu prüfen, ob ein  im Verhältnis 
zur Verfügung vom 1. April  2003 wesentlich  veränderter Sachverhalt  im 
Sinne  der  Wiedererwägung  vorliegt.  Wie  die  Vorinstanz  im 
angefochtenen  Entscheid  zu  Recht  festhielt,  unterliegt  ein 
Wiedererwägungsgesuch  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  keiner 
bestimmten Frist. Das heisst  indes nicht, dass eine Wiedererwägung zu 
jedem  beliebigen  Zeitpunkt  nach  der  eingetretenen  Veränderung  der 
Verhältnisse  verlangt  werden  kann.  Eine  zeitliche  Schranke  ergibt  sich 

D­6726/2009

Seite 7

nämlich aus dem Grundsatz von Treu und Glauben. In EMARK 2000 Nr. 
5  hielt  die  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  als 
Vorgängerorganisation  des  Bundesverwaltungsgerichts  fest,  dass  die 
Einreichung eines Wiedererwägungsgesuches elf Monate nach Kenntnis 
des  ein  Wiedererwägungsbegehren  möglicherweise  begründenden 
Sachverhalts als dem Grundsatz  von Treu und Glauben zuwiderlaufend 
zu erachten sei. Vorliegend sind die angeführten  (Nennung Erkrankung) 
des  Beschwerdeführers  seit  vielen  Jahren  bekannt  und  der  damit  in 
Zusammenhang  stehende  Unfall,  der  ursächlich  für  die  geltend 
gemachten  (...)probleme  ist,  geschah  im  (...).  Sodann  ist  der  Umstand, 
dass  seine  Eltern  aus  Afghanistan  geflohen  seien  und  er  selber  somit 
über  kein  soziales  Netz  mehr  in  seiner  Heimat  verfüge,  dem 
Beschwerdeführer  gemäss  eigenen  Aussagen  seit  März  2008  bekannt. 
Zwischen  diesen  Ereignissen  und  der  Einreichung  des 
Wiedererwägungsgesuchs am 23. Oktober 2009 liegen mindestens über 
eineinhalb  Jahre  bis  mehrere  Jahre.  Daher  ist  das  vorliegende 
Wiedererwägungsgesuch im Sinne der vorstehenden Erwägungen als zu 
spät  eingereicht  zu  bewerten,  zumal  Gründe,  weshalb  er  mit  der 
Einreichung  des  Wiedererwägungsgesuchs  solange  zuwartete,  im 
Wiedererwägungsgesuch  selber  nicht  angeführt  werden.  Zwar  bringt  er 
diesbezüglich  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  vor,  das  Krankheitsbild 
seiner  (Nennung  Erkrankung)  sei  ein  entschuldbarer  Grund  für  die 
verspätete  Geltendmachung  dieses  Umstandes,  da  ihm  die  Einsicht  in 
diese  Erkrankung  fehle  und  er  sich  diese  daher  selber  gar  nicht 
eingestehe. Dieser Einwand vermag  jedoch nicht zu überzeugen, zumal 
der  Beschwerdeführer  den  Akten  zufolge  seit  etlichen  Jahren  im 
Durchgangszentrum  (...)  deswegen  intensiv  therapiert  und  betreut  wird, 
soweit  aktenkundig  seit  Juli  2008  keine  ärztlichen  Kontrollen  mehr 
benötigt  und  sein  psychisches  Gleichgewicht  durch  das  engmaschige 
Behandlungs­  und  Betreuungsnetz  stabil  gehalten  wird.  Ebenso  wenig 
vermag der Hinweis, dass er – ausgehend vom Zeitpunkt der Einreichung 
des Wiedererwägungsgesuchs vom 23. Oktober 2009 – erst vor wenigen 
Wochen über Dritte erfahren habe, dass seine Mutter noch lebe und sich 
in  B._______  befinde,  an  dieser  Einschätzung  etwas  zu  ändern,  zumal 
dieser  als  aktenwidrig  zu  erachten  ist.  Den  Akten  zufolge  will  der 
Beschwerdeführer  schon  im  Frühling  des  Jahres  2008  vernommen 
haben,  dass  sich  seine  Eltern  in  B._______  aufhalten  würden,  und 
insbesondere will er eigenen Angaben zufolge seit Mai 2008 Kontakte mit 
seiner  Mutter  pflegen.  Der  Beschwerdeführer  konnte  demnach  nicht 
plausibel  und  nachvollziehbar  darlegen,  weshalb  er  mit  dem 

D­6726/2009

Seite 8

Geltendmachen der im Wiedererwägungsgesuch enthaltenen Vorbringen 
über eineinhalb respektive mehrere Jahre lang zuwartete.

4.2.  Die  Vorinstanz  ist  unter  diesen  Umständen  zu  Recht  auf  das 
Wiedererwägungsgesuch vom 23. Oktober 2009 nicht eingetreten.

5. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist abzuweisen.

6.  
6.1.  Mit  dem  Entscheid  in  der  Hauptsache  sind  die  Gesuche  um 
Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  sowie  um 
Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  gegenstandslos 
geworden.

6.2. Der  Beschwerdeführer  ersucht  um  die  Gewährung  der  unentgeltli­
chen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Eine Partei, die 
nicht  über  die  erforderlichen Mittel  verfügt,  wird  auf  Antrag  hin  von  der 
Bezahlung  der Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr Begehren  nicht  aus­
sichtslos erscheint  (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aufgrund obiger Erwägungen 
ist  die  eingereichte  Beschwerde  in  casu  als  aussichtslos  zu  erachten, 
weshalb das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 
im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  –  auch  bei  ausgewiesener 
Bedürftigkeit – abzuweisen ist.

6.3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1200.– 
(Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 1­3 des Reglements vom 21. Febru­
ar  2008  über  die Kosten  und Entschädigungen  vor  dem Bundesverwal­
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2] dem Beschwerdeführer aufzuerlegen 
(Art. 37 VGG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

D­6726/2009

Seite 9

D­6726/2009

Seite 10

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  im 
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 1200.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Thomas Wespi Stefan Weber

Versand: