# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 486520b9-2c8f-5827-9ddb-422f370f782e
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-08
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 08.09.2023 200 2020 506
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2020-506_2023-09-08.pdf

## Full Text

200 20 506 AHV
MAK/FRN/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 8. September 2023

Verwaltungsrichterin Mauerhofer, Kammerpräsidentin
Verwaltungsrichter Jakob, Verwaltungsrichterin Wiedmer
Gerichtsschreiberin Franzen

A.________ AG
vertreten durch Fürsprecher B.________
Beschwerdeführerin

gegen

Ausgleichskasse des Kantons E.________
Beschwerdegegnerin

in Sachen 
D.________

betreffend Verfügung vom 17. Juni 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Sept. 2023, AHV/20/506, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 1965 geborene D.________ (sel., Versicherter) war seit 2003 als ... 
tätig und dadurch bei der A.________ AG (A.________ bzw. Beschwerde-
führerin) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Er wurde am TT. MM 
2006 in ... erschossen (Akten der A.________ [act. IA] 66, 75). Die 
A.________ leistete ab dem 1. Juli 2006 Hinterlassenenrenten nach dem 
Bundesgesetz über die Unfallversicherung vom 20. März 1981 (UVG; SR 
832.20) an die in ... wohnhafte Witwe des Versicherten und ihre fünf ge-
meinsamen Kinder (Verfügung vom 5. Dezember 2008 [act. IA 86 f.]). Im 
Jahr 2010 reisten die Witwe und drei der fünf Kinder in die Schweiz ein und 
stellten ein Asylgesuch (act. IA 189). Mit der Zuweisung an den Kanton 
E.________ übernahm das Sozialamt F.________ deren Einkommens- 
und Vermögensverwaltung. Am 18. Mai 2010 reichte der von der Witwe 
bevollmächtigte G.________ bei der Ausgleichskasse des Kantons 
E.________ eine AHV-Anmeldung ein (act. IA 185 ff.). Diese sprach den in 
der Schweiz wohnhaften Hinterbliebenen per 1. Mai 2010 Hinterlassenen-
renten nach dem Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversi-
cherung vom 20. Dezember 1946 (AHVG; SR 831.10) zu (Verfügung vom 
22. Oktober 2010 [act. IA 164 ff.]). Die beiden übrigen Kinder reisten im 
Jahr 2012 in die Schweiz nach. Die Ausgleichskasse des Kantons 
E.________ sprach ihnen per 1. September 2012 Hinterlassenenrenten zu 
(Verfügung vom 22. Oktober 2012; act. IA 167 ff.).

Die A.________ machte am 2. November 2015 per E-Mail gegenüber dem 
Sozialamt F.________ auf die Erforderlichkeit einer AHV-Anmeldung auf-
merksam und bat um Rückmeldung (act. IA 115); soweit aktenkundig, ist 
eine solche nicht erfolgt. Mit E-Mail vom 8. Juli 2018 (act. IA 150) teilte die 
Beiständin der ältesten Tochter H.________ der A.________ mit, deren 
AHV-Rente werde eingestellt, weil der Lehrvertrag im Juli auslaufe. In der 
Folge berechnete die A.________ die UV-Renten neu und forderte wegen 
bislang unterbliebener Berücksichtigung der Hinterlassenenrenten der AHV 
vom Sozialamt F.________ einen Betrag von Fr. 117'326.65 zurück (Verfü-
gung vom 16. August 2019 [act. IA 218]). Eine dagegen erhobene Einspra-

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che (act. IA 241) wies die A.________ mit Entscheid vom 18. März 2020 
(act. IA 246) ab. Die hiergegen erhobene Beschwerde des Sozialamts 
F.________ (act. IA 248) hiess das Verwaltungsgericht des Kantons 
E.________ mit Urteil S 2020 57 vom 3. März 2022 gut, indem es den Ein-
spracheentscheid vom 18. März 2020 aufhob (Akten der Ausgleichskasse 
des Kantons E.________ [act. II] 101). Mit Urteil vom 16. November 2022, 
8C_235/2022, wies das Bundesgericht (BGer) die von der A.________ 
erhobene Beschwerde ab (act. II 111).  Zur Begründung wurde ausgeführt, 
die Rückforderungsverfügung sei ergangen, als die – ab Kenntnis des 
Rückforderungstatbestands laufende – einjährige Verwirkungsfrist bereits 
abgelaufen gewesen sei (E. 5.3). 

 

B.

Am 11. Dezember 2019 hatte die A.________ bei der Ausgleichskasse des 
Kantons E.________ (Beschwerdegegnerin) ein Staatshaftungsbegehren 
mit einer Schadenersatzforderung in Höhe von Fr. 258’368.95 eingereicht 
(act. IA 243). Mit Verfügung vom 17. Juni 2020 wies die Ausgleichskasse 
des Kantons E.________ die Rückforderung (recte: den Schadenersatzan-
spruch) vollumfänglich ab (act. IA 251).

C.

Hiergegen erhob die A.________, vertreten durch Fürsprecher 
B.________, am 29. Juni 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des 
Kantons Bern und stellte die folgenden Anträge:

1. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 17. Juni 2020 sei aufzu-
heben und die Haftung der Ausgleichskasse des Kantons E.________ 
sei gestützt auf Art. 78 ATSG zu bestätigen.

2. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin 
Fr. 258'368.95 nebst Zins von 5 % ab 12. Dezember 2020 aus Übe-
rentschädigung zu bezahlen.

3. Die Verfahrensbeteiligten I.________, ihre minderjährigen Kinder 
J.________ (TT.MM.JJJJ), K.________ (TT.MM.JJJJ), L.________ 
(TT.MM.JJJJ), M.________ (TT.MM.JJJJ) sowie die inzwischen voll-

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jährige H.________ (TT.MM.JJJJ) und der Kanton E.________, vertre-
ten durch das Sozialamt F.________ seien beizuladen.

4. Das beim Verwaltungsgericht des Kantons E.________, ..., mit Be-
schwerde des Kantons E.________ vom 13. Mai 2020 gegen den Ein-
spracheentscheid der Beschwerdeführerin vom 18. März 2020 ange-
hobene Verfahren (S 20 57) sei mit dem vorliegenden Verfahren in 
Bern vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Bern zu vereinigen.

Unter Kostenfolge und Entschädigungsfolge

Mit Stellungnahme vom 8. Juli 2020 stellte der Kanton E.________, Sozial-
amt F.________, folgende Anträge:

1. Es sei von einer Verfahrensvereinigung mit dem beim Verwaltungsge-
richt des Kantons Bern hängigen Verfahren betreffend die Beschwerde 
des Kantons E.________ vom 13. Mai 2020 gegen den Einspra-
cheentscheid der A.________ vom 18. März 2020 (Verfahrensnummer 
S 20 57) abzusehen.

2. Eventualiter sei die Beschwerde der A.________ vom 29. Juni 2020 
gegen die Verfügung der Ausgleichskasse des Kantons E.________ 
an das Verwaltungsgericht des Kantons E.________ zu überweisen 
und es seien die Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons 
E.________ zu vereinigen.

3. Der Kanton E.________, I.________ und ihre minderjährigen Kinder 
sowie ihre inzwischen volljährige Tochter H.________ seien nicht bei-
zuladen.

4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwer-
deführerin.

Mit prozessleitender Verfügung vom 3. August 2020 wies die Instruktions-
richterin den Antrag auf Vereinigung des Verfahrens vor dem Verwaltungs-
gericht des Kantons E.________ mit demjenigen vor dem Verwaltungsge-
richt des Kantons Bern ab. Zudem sistierte sie das vorliegende Verfahren 
bis zum Vorliegen des rechtskräftigen Entscheids des Verwaltungsgerichts 
des Kantons E.________. 

Am 14. August 2020 ging beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern die 
Vernehmlassung der Beschwerdeführerin vom 13. August 2020 im vor dem 
Verwaltungsgericht des Kantons E.________ hängigen Verfahren ein.

Am 12. April 2022 liess die Beschwerdeführerin dem Verwaltungsgericht 
des Kantons Bern das Urteil S 2020 57 des Verwaltungsgerichts des Kan-
tons E.________ vom 3. März 2022 zukommen. Des Weiteren teilte sie mit, 
sie habe dagegen Beschwerde beim Bundesgericht eingereicht und bean-
trage, das vorliegende Verfahren sei bis zum Entscheid des Bundesge-

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richts weiterhin zu sistieren. Die Instruktionsrichterin hiess diesen Antrag 
mit prozessleitender Verfügung vom 29. April 2022 gut. 

Am 8. Dezember 2022 ging beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern 
eine Eingabe der Beschwerdeführerin ein, samt Urteil BGer 8C_235/2022, 
betreffend den Rückforderungsanspruch. Mit prozessleitender Verfügung 
vom 23. Dezember 2022 hob die Instruktionsrichterin die Sistierung des 
vorliegenden Verfahrens auf und setzte der Beschwerdegegnerin Frist bis 
27. Februar 2023 zum Einreichen einer Beschwerdeantwort. 

Mit Beschwerdeantwort vom 24. Februar 2023 schloss die Beschwerde-
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde. 

Mit Replik vom 14. April 2023 bzw. Duplik vom 17. Mai 2023 bestätigten die 
Parteien ihre Anträge. 

Erwägungen:

1.

1.1  Die angefochtene Verfügung ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Über Ersatzforderungen aus Verantwortlichkeit ent-
scheidet die zuständige Behörde durch Verfügung (Art. 78 Abs. 2 des Bun-
desgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozial-
versicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Ein Einspracheverfahren wird 
nicht durchgeführt (Art. 78 Abs. 4 Satz 2 ATSG). Gegen Verfügungen, ge-
gen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, kann Beschwerde erho-
ben werden (Art. 56 Abs. 1 ATSG).

Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beur-
teilt gemäss Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Geset-
zes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der 
Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Ver-
fügungen. Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG). Da 

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auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b 
ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 
1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten 
sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

1.2  Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 17. Juni 2020 (act. IA 
251). Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf 
Schadenersatz in der Höhe von Fr. 258'368.95 sowie Zins von 5 % ab 
12. Dezember 2020 hat.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

 

2.

2.1 Gemäss Art. 78 Abs. 1 ATSG haften für Schäden, die von Durch-
führungsorganen oder einzelnen Funktionären von Versicherungsträgern 
einer versicherten Person oder Dritten widerrechtlich zugefügt wurden, die 
öffentlichen Körperschaften, privaten Trägerorganisationen oder Versiche-
rungsträger, die für diese Organe verantwortlich sind. Die zuständige 
Behörde entscheidet durch Verfügung über Ersatzforderungen (Art. 78 
Abs. 2 ATSG). Für das Verfahren nach Abs. 1 (und 3) gelten die Bestim-
mungen dieses Gesetzes. Die Art. 3 - 9, 11, 12, 20 Abs. 1, 21 und 23 des 
Bundesgesetzes vom 14. März 1958 über die Verantwortlichkeit des Bun-
des sowie seiner Behördemitglieder und Beamten (VG; SR 170.32) sind 
sinngemäss anwendbar (Art. 78 Abs. 4 ATSG). 

Als geschädigte ʺDrittpersonʺ i.S.v. Art. 78 Abs. 1 ATSG kommt auch eine 
andere Sozialversicherung in Frage. Die Beschwerdeführerin ist somit ak-
tivlegitimiert (Entscheid des BGer vom 11. Dezember 2012, 8C_81/2012, 
E. 3; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 78 N. 30). Die Be-
schwerdegegnerin ist gemäss Art. 78 Abs. 1 ATSG als Versicherungsträ-

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ger, der für seine Organe verantwortlich ist, passivlegitimiert und auch zu-
ständig zum Erlass der Verfügung (KIESER, a.a.O., Art. 78 N. 83). 

2.1.1 Art. 78 Abs. 1 ATSG statuiert eine Kausalhaftung und verlangt mit-
hin kein Verschulden des Organs bzw. des Funktionärs. Hingegen muss 
ein Kausalzusammenhang zwischen der widerrechtlichen Handlung und 
dem Schaden bestehen. Widerrechtlichkeit im Sinne der Bestimmung setzt 
die Verletzung einer Gesetzesbestimmung zum Schutz der Interessen Drit-
ter voraus, ohne dass es dafür einen Rechtfertigungsgrund gibt (Art. 3 
Abs. 1 VG i.V.m. Art. 78 Abs. 4 ATSG; Entscheid des BGer vom 24. Januar 
2017, 8C_283/2016, E. 4.1, und 21. Januar 2013, 8C_194/2012, E. 5.1, 
KIESER, a.a.O., Art. 78 N. 52 und 63).

2.1.2 Schaden ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts 
die ungewollte Verminderung des Reinvermögens. Er kann in einer Ver-
minderung der Aktiven, einer Vermehrung der Passiven oder in entgange-
nem Gewinn bestehen und entspricht der Differenz zwischen dem gegen-
wärtigen Vermögensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das 
schädigende Ereignis hätte, bzw. den Einkünften, die nach dem schädi-
genden Ereignis tatsächlich erzielt worden sind, und denjenigen, die ohne 
dieses Ereignis zugeflossen wären (BGE 132 III 321 E. 2.2.1 S. 323 f.).

2.1.3 Der adäquate Kausalzusammenhang ist gegeben, wenn die schädi-
gende Handlung nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach den 
allgemeinen Lebenserfahrungen geeignet ist, den tatsächlich eingetretenen 
Erfolg herbeizuführen oder jedenfalls zu begünstigen (KIESER, a.a.O., 
Art. 78 N. 70).

2.1.4 Hat der Geschädigte in die schädigende Handlung eingewilligt oder 
haben Umstände, für die er einstehen muss, auf die Entstehung oder Ver-
schlimmerung des Schadens eingewirkt, so kann die zuständige Behörde 
die Ersatzpflicht ermässigen oder gänzlich von ihr entbinden (Art. 4 VG).

Die adäquate Kausalität kann ausgeschlossen, d.h. unterbrochen werden, 
wenn eine andere, gleichzeitig auftretende Tatsache (höhere Gewalt, das 
Verschulden oder die Handlung eines Dritten oder des Geschädigten) ei-
nen besonderen Umstand darstellt oder so ausserordentlich stark er-
scheint, dass damit nicht zu rechnen war. Die Unvorhersehbarkeit der kon-

https://www.swisslex.ch/doc/unknown/ae874ead-f2e3-4473-8656-7bd6f3489c0e/citeddoc/8710aeac-5912-472d-b110-102cba207345/source/document-link

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Sept. 2023, AHV/20/506, Seite 8

kurrierenden Handlung genügt als solche nicht, um den adäquaten Kausal-
zusammenhang zu unterbrechen; es ist zusätzlich erforderlich, dass die 
entsprechende Handlung von solcher Bedeutsamkeit ist, dass sie sich als 
wahrscheinlichste und unmittelbarste Ursache des betreffenden Gesche-
hens aufdrängt und alle anderen Faktoren, die zu seiner Herbeiführung 
beigetragen haben, namentlich das Verhalten des Schädigers, verdrängt 
(Entscheid des BGer vom 21. Januar 2013, 8C_194/2012, E. 6.1; BGE 133 
V 14 E. 10.2 S. 23 f.).

2.1.5 Vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen sind in 
zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich, die 
bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führen-
den Tatbestandes Geltung haben (BGE 148 V 162 E. 3.2.1 S. 166, 144 V 
210 E. 4.3.1 S. 213).

Gemäss aArt. 20 Abs. 1 VG (in der vorliegend anwendbaren, bis 31. De-
zember 2019 geltenden Fassung) i.V.m. aArt. 60 Abs. 1 des Schweizeri-
schen Obligationenrechts (OR; SR 220 [in der vorliegend anwendbaren, bis 
31. Dezember 2019 geltenden Fassung]) erlischt die Haftung des Bundes, 
wenn der Geschädigte sein Begehren auf Schadenersatz oder Genugtuung 
nicht innert eines Jahres seit Kenntnis des Schadens einreicht, auf alle 
Fälle nach zehn Jahren seit dem Tage der schädigenden Handlung des 
Beamten. Mit anderen Worten gilt zum einen eine relative Verwirkungsfrist 
von einem Jahr laufend ab Kenntnis des Schadens sowie eine zehnjährige 
absolute Verwirkungsfrist laufend ab dem Tag der schädigenden Handlung 
des Beamten (KIESER, a.a.O., Art. 78 N. 108). 

2.2 Gemäss Art. 32 Abs. 1 ATSG geben die Verwaltungs- und Rechts-
pflegebehörden des Bundes, der Kantone, Bezirke, Kreise und Gemeinden 
den Organen der einzelnen Sozialversicherungen auf schriftliche und be-
gründete Anfrage im Einzelfall kostenlos diejenigen Daten bekannt, die 
erforderlich sind für: a.) die Festsetzung, Änderung oder Rückforderung 
von Leistungen; b.) die Verhinderung ungerechtfertigter Bezüge; c.) die 
Festsetzung und den Bezug der Beiträge; d.) den Rückgriff auf haftpflichti-
ge Dritte. Unter den gleichen Bedingungen leisten die Organe der einzel-
nen Sozialversicherungen einander Verwaltungshilfe (Art. 32 Abs. 2 
ATSG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Sept. 2023, AHV/20/506, Seite 9

2.3

2.3.1 Erlässt ein Versicherungsträger eine Verfügung, welche die Leis-
tungspflicht eines anderen Trägers berührt, so hat er auch ihm die Verfü-
gung zu eröffnen. Dieser kann die gleichen Rechtsmittel ergreifen wie die 
versicherte Person (Art. 49 Abs. 4 ATSG). Der erste Satz dieser Bestim-
mung schützt die Interessen Dritter. Auch eine unmittelbare quantitative 
Auswirkung auf die Leistungspflicht genügt, um ʺBerührtseinʺ zu begründen 
(BGE 144 V 29 E. 3 S. 31). 

2.3.2 Gemäss Art. 68 Abs. 3 lit. c der Verordnung über die Alters- und 
Hinterlassenenversicherung vom 31. Oktober 1947 [AHVV; SR 831.101] ist 
die Rentenverfügung den Parteien zuzustellen, insbesondere dem zustän-
digen Unfallversicherer, sofern dessen Leistungspflicht berührt ist. 

2.4 Gemäss Rz. 2002 des Kreisschreibens über das Meldesystem und 
das Verrechnungswesen zwischen AHV/IV und obligatorischer Unfallversi-
cherung (KSVUV, gültig ab 1. April 2004) wird das Meldeverfahren im Ein-
zelfall grundsätzlich vom Unfallversicherer eingeleitet, indem dieser beim 
zuständigen AHV/IV-Durchführungsorgan (Ausgleichskasse, IV-Stelle) mit 
Formular 318.283.01 die Durchführung eines Meldeverfahrens beantragt. 
Vor dem Eintreffen eines solchen Antrags haben weder die Ausgleichskas-
se noch die IV-Stelle gegenüber dem Unfallversicherer tätig zu werden 
(Ausnahme Rz. 2003).

Geht aus einer Anmeldung zum Bezug von Leistungen der IV oder von 
Hinterlassenenrenten hervor, dass Leistungen der UV bezogen werden und 
hat der Unfallversicherer noch keinen Antrag im Sinne von Rz. 2002 einge-
reicht, so teilt die IV-Stelle bzw. die Ausgleichskasse dem Unfallversicherer 
mit Formular 318.283.01 mit, dass eine Anmeldung zum Bezug von Leis-
tungen der IV bzw. von Hinterlassenenrenten eingereicht wurde und fragt 
an, ob die Durchführung eines Meldeverfahrens beantragt wird. Das Mel-
deverfahren ist nur durchzuführen, wenn diese Anfrage positiv beantwortet 
wird (Rz. 3003 KSVUV).

2.5 Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen 
und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll 
sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Ein-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Sept. 2023, AHV/20/506, Seite 10

zelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren 
gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne 
triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeu-
gende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird 
dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsglei-
che Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 147 
V 79 E. 7.3.2 S. 82, 146 V 224 E. 4.4.2 S. 228). Das Gericht weicht jedoch 
insoweit von Weisungen ab, als sie nicht gesetzmässig sind bzw. in Er-
mangelung gesetzlicher Vorschriften mit den allgemeinen Grundsätzen des 
Bundesrechts nicht im Einklang stehen (BGE 132 V 121 E. 4.4 S. 125).

2.6  Hat der nach UVG Rentenberechtigte Anspruch auf eine Rente der 
IV oder der AHV, so wird ihm eine Komplementärrente gewährt; diese ent-
spricht in Abweichung von Art. 69 ATSG der Differenz zwischen 90 % des 
versicherten Verdienstes und der Rente der IV oder der AHV, höchstens 
aber dem für Voll- oder Teilinvalidität vorgesehenen Betrag. Die Komple-
mentärrente wird beim erstmaligen Zusammentreffen der erwähnten Ren-
ten festgesetzt und lediglich späteren Änderungen der für Familienangehö-
rige bestimmten Teile der Rente der IV oder der AHV angepasst (Art. 20 
Abs. 2 UVG).  

3.

3.1  Die Beschwerdeführerin verlangt von der Beschwerdegegne-
rin Schadenersatz in der Höhe von Fr. 258'368.95 (zuzüglich Zins), da die 
Beschwerdegegnerin fehlerhaft gearbeitet habe. Die Fehlerhaftigkeit be-
stehe in unzureichender Durchführung der Verwaltungshilfe gemäss Art. 32 
Abs. 2 ATSG. Namentlich habe es die Beschwerdegegnerin unterlassen, 
gemäss Rz. 2003 KSVUV bei der Beschwerdeführerin anzufragen, ob das 
Meldeverfahren durchzuführen sei. Zudem seien der Beschwerdeführerin 
die Rentenverfügungen nicht eröffnet worden (Beschwerde S. 8 f. Ziff. 6). 
In der Folge habe die Beschwerdeführerin während Jahren keine Kenntnis 
von den AHV-Renten und somit auch keinen Anlass gehabt, die Renten-
leistungen gemäss UVG im Sinne von (tieferen) Komplementärrenten neu 
zu berechnen (Beschwerde S. 9 f. Ziff. 7). Es seien daher zu hohe Leistun-

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gen erbracht worden, die – gemäss inzwischen rechtskräftigem Urteil BGer 
8C_235/2022 – infolge verspäteter Geltendmachung verwirkt und somit 
nicht zurückgefordert werden könnten (Beschwerde S. 6, 10).

3.2  Die Beschwerdeführerin bezifferte die Schadenersatzforderung – 
zu viel ausgerichtete UV-Renten ab dem 1. Mai 2010 – auf Fr. 258'368.95 
(zuzüglich Zins). Die Summe ist aus der mit dem Staatshaftungsbegehren 
vom 11. Dezember 2019 (act. IA 243) eingereichten Aufstellung ersichtlich 
(act. IA 242). Die Beschwerdegegnerin macht geltend, die aktuell zur Ver-
fügung gestellten Unterlagen genügten nicht für eine umfassende Überprü-
fung des Betrags. Mit Blick auf das Ergebnis kann offen bleiben, ob dies 
zutrifft (vgl. E. 3.5.6 hiernach).  

3.3  Weiter ist zu prüfen, ob eine widerrechtliche Handlung erfolgt ist. 
Auf dem Anmeldeformular vom 18. Mai 2010 hatte der Vertreter der Hinter-
bliebenen, G.________, vermerkt, dass die Beschwerdeführerin Leistungen 
erbringt (act. IA 191, Ziff. 4.6). Dies war der Beschwerdegegnerin somit 
bekannt. Unbestrittenermassen hat sie der Beschwerdeführerin jedoch die 
Rentenverfügungen vom 22. Oktober 2010 und 22. Oktober 2012 (act. IA 
164 ff., 167 ff.) nicht eröffnet und damit gegen Art. 49 Abs. 4 ATSG und Art. 
68 Abs. 3 lit. c AHVV (vgl. E. 2.3.1 f. hiervor) verstossen. Mithin steht auch 
die Widerrechtlichkeit ihrer Handlungsweise als Versicherungsträgerin fest.

3.4  Was die Frage nach der Verletzung des KSVUV (vgl. E. 2.4 hier-
vor) angeht, ist festzuhalten, dass den Unfallversicherer gestützt auf Rz. 
2002 eine Meldepflicht trifft. Die Beschwerdeführerin – die von der bereits 
erfolgten AHV-Meldung vom 18. Mai 2010 durch G.________ keine Kennt-
nis hatte – ist jedoch untätig geblieben. Somit ist eine Meldepflichtverlet-
zung zu bejahen. Auf dem Anmeldungsformular ist allerdings vermerkt, 
dass die Beschwerdeführerin Leistungen erbringt (act. IA 191 Ziff. 4.6), die 
Beschwerdegegnerin hätte der Beschwerdeführerin somit mitteilen müs-
sen, dass eine Anmeldung erfolgt sei und hätte anfragen müssen, ob die 
Durchführung des Meldeverfahrens beantragt werde (Rz. 2003). Dies ist 
nicht erfolgt. Insofern haben beide Parteien gegen das im KSVUV Vorge-
sehene verstossen. Ob der Verstoss der Beschwerdegegnerin gegen das 
KSVUV als widerrechtliches Handeln zu qualifizieren ist, kann offen blei-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Sept. 2023, AHV/20/506, Seite 12

ben, da bereits mit der Verletzung von Art. 49 Abs. 4 ATSG und Art. 68 
Abs. 3 lit. c AHVV (vgl. E. 3.3 hiervor) die Widerrechtlichkeit gegeben ist. 

3.5  Das widerrechtliche Verhalten der Beschwerdegegnerin (insbeson-
dere die unterlassene Eröffnung der Verfügungen trotz entsprechendem 
Vermerk in der Anmeldung vom 18. Mai 2010 [act. IA 191, Ziff. 4.6]) hat 
den Eintritt des Schadens überwiegend wahrscheinlich herbeigeführt oder 
zumindest begünstigt. Im Weiteren ist zu prüfen (vgl. E. 3.5.2 ff. hiernach), 
ob die Beschwerdeführerin durch ihr eigenes Verhalten ein Verschulden 
trifft, das geeignet ist, den Kausalzusammenhang zwischen den Versäum-
nissen der Beschwerdegegnerin und dem geltend gemachten Schaden zu 
unterbrechen (Art. 4 VG; vgl. E. 2.1.4 hiervor).  

3.5.1 Gemäss Art. 43 Abs. 1 Satz 1 ATSG prüft der Versicherungsträger 
die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor 
und holt die erforderlichen Auskünfte ein. Nach dem Untersuchungsgrund-
satz hat die Behörde somit den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes 
wegen abzuklären. In diesem Sinne war bzw. ist die Beschwerdeführerin 
verpflichtet, die Ansprüche des Versicherten bzw. dessen Hinterbliebenen 
zu ermitteln. Unter anderem hat sie zu prüfen, ob ungekürzte Renten oder 
Komplementärrenten geschuldet sind. Ob dies zutrifft, muss fortlaufend 
geprüft werden, zumal bei Dauerschuldverhältnissen der massgebende 
Sachverhalt jederzeit ändern kann. Den Akten ist diesbezüglich Folgendes 
zu entnehmen:

3.5.2  Nach dem Tod des Versicherten am TT. MM 2006 lebten dessen 
Witwe und Waisen zunächst weiterhin in ... . Gemäss Art. 18 Abs. 2 AHVG 
sind Ausländer sowie ihre Hinterlassenen ohne Schweizer Bürgerrecht ge-
genüber der AHV nur rentenberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und 
gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben. Eine anderslautende zwi-
schenstaatliche Vereinbarung zwischen der Schweiz und ..., die dieser Be-
stimmung vorginge, besteht nicht. Solange sie in ... wohnhaft waren, hatten 
die Hinterbliebenen des Versicherten somit keinen Anspruch auf Leistun-
gen der AHV. Hingegen erbrachte die Beschwerdeführerin ab dem 1. Juli 
2006 Hinterlassenenrenten nach UVG (act. IA 86 f.). Am 18. Mai 2010 teilte 
der Bevollmächtigte, G.________, der Beschwerdeführerin mit, dass die 
Anspruchsberechtigten nun in der Schweiz leben (act. IA 100) und hier 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Sept. 2023, AHV/20/506, Seite 13

Leistungen der Asylsozialhilfe beziehen (vgl. E-Mail von G.________ vom 
31. August 2010 [act. IA 105 f.], aus der hervorgeht, dass die Anspruchsbe-
rechtigten vom Kanton E.________, Sozialamt F.________, unterstützt 
werden; sowie die bestätigende Antwort der Beschwerdeführerin vom sel-
ben Tag, dass die Rentenzahlungen künftig auf ein Konto der Finanzver-
waltung des Kantons E.________ fliessen; ausserdem Korrespondenz der 
Beschwerdeführerin mit dem Sozialamt F.________ per E-Mail und regulä-
rer Post [act. IA 108 ff.]). Dass der Bevollmächtigte am 18. Mai 2010 im 
Namen der Hinterbliebenen auch eine AHV-Anmeldung eingereicht hatte 
(act. IA 193), erfuhr die Beschwerdeführerin nicht.

Aus dem Umstand, dass die Witwe und Waisen ihres Versicherten vom 
Sozialamt F.________ unterstützt wurden, musste der Beschwerdeführerin 
aber klar sein, dass Letztere sämtliche Ansprüche der Versicherten aus 
Sozialversicherungsrecht geltend zu machen haben, namentlich auch sol-
che gestützt auf AHV-Recht. Ohne der Frage weiter nachzugehen, und 
insbesondere ohne nachzufragen, ob eine AHV-Anmeldung erfolgt sei, 
richtete die Beschwerdeführerin weiterhin ungekürzte Hinterlassenenrenten 
aus. Erst im Jahr 2015 wurde sie aktiv und machte mit E-Mail vom 2. No-
vember 2015 (act. IA 115) das Sozialamt F.________ auf die Erforderlich-
keit einer AHV-Anmeldung aufmerksam: ʺKönnen Sie das bitte vornehmen 
und uns zu gegebener Zeit über den Entscheid orientieren?ʺ Eine diesbe-
zügliche Rückmeldung des Sozialamts F.________ ist nicht aktenkundig, 
ebenso wenig, dass die Beschwerdeführerin beim Sozialamt F.________ 
erneut nachgefragt hätte. Auch als die Beschwerdeführerin aus der E-Mail 
der Beiständin vom 8. Juli 2018 erfahren hatte, dass die Tochter 
H.________ eine AHV-Rente bezieht (act. IA 150), hat die Beschwerdefüh-
rerin zunächst nichts unternommen. Erst sieben Monate später, am 12. 
Februar 2019 (nachdem sie am 29. Januar 2019 von einer IV-finanzierten 
Wiedereingliederungsmassnahme der Tochter H.________ Kenntnis erhal-
ten hatte [act. IA 154]), hat sich die Beschwerdeführerin bei der Beschwer-
degegnerin nach den Unterlagen betreffend AHV-Renten erkundigt (act. IA 
159). Den zwischenzeitlich noch nicht (durch Ablauf der absoluten, fünfjäh-
rigen Frist) verwirkten Anteil des Rückforderungsanspruchs hat sie sodann 
erst mit Verfügung vom 16. August 2019 (act. IA 218) geltend gemacht. Zu 
diesem Zeitpunkt war die einjährige relative Verwirkungsfrist (die am 1. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Sept. 2023, AHV/20/506, Seite 14

August 2018 zu laufen begonnen hatte) bereits abgelaufen, die Rückforde-
rung infolgedessen ausgeschlossen (Entscheid des BGer 8C_235/2022, E. 
5.3). 

3.5.3  Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtenen Verfügung 
u.a. damit, die Beschwerdeführerin hätte im Rahmen ihrer ʺaktiven Rolleʺ 
nach erfolgter Einreise der Hinterbliebenen in die Schweiz bei der Aus-
gleichskasse zumindest telefonisch nachfragen müssen, ob diese Leistun-
gen erbringe. Hingegen habe die Beschwerdeführerin ohne weitere Ab-
klärungen durchgehend ungekürzte Leistungen erbracht. Der Kausalzu-
sammenhang sei durch das Verhalten der Beschwerdeführerin unterbro-
chen worden (act. IA 251 S. 2 Ziff. 4 f.).  

Zwar gab es etliche Hinweise, dass die Hinterbliebenen des Versicherten 
neben den Renten der UV auch solche der AHV beziehen könnten (vgl. 
Beschwerdeantwort vom 24. Februar 2023 S. 3 f. zu Art. 7). Diesen ist die 
Beschwerdeführerin nicht nachgegangen, obschon es ihr ohne weiteres 
möglich und zumutbar gewesen wäre, bei der Beschwerdegegnerin oder 
(erneut) beim Sozialamt F.________ nachzufragen. Sie durfte sich auch 
nicht darauf verlassen, im Fall einer Auszahlung von AHV-Renten würden 
ihr die entsprechenden Verfügungen eröffnet, zumal sie auch – in Un-
kenntnis der bereits erfolgten Anmeldung durch G.________ – die ihr ob-
liegende Meldung gemäss Rz. 2002 des KSVUV versäumt und den Orga-
nen der AHV somit ihrerseits keinen Anlass zur Eröffnung ihrer Rentenver-
fügungen gegeben hatte.

3.5.4  An die Intensität eines anderen Ereignisses (etwa in Form eines 
Selbstverschuldens des Geschädigten) zur Unterbrechung des Kausalver-
laufs werden hohe Anforderungen gestellt (vgl. E. 2.1.4 hiervor). Die Be-
schwerdeführerin ging zwar den Hinweisen, wonach die Hinterbliebenen 
neben den Renten der UV auch solche der AHV beziehen könnten, nicht 
nach. Wie dargelegt, ist dies im Rahmen der Schadensbildung als bedeut-
sam einzustufen. Angesichts des Versäumnisses der Beschwerdegegnerin 
– unterlassene Eröffnung der Rentenverfügungen trotz entsprechendem 
Vermerk in der Anmeldung vom 18. Mai 2010 (act. IA 191, Ziff. 4.6) – 
kommt jedoch allein dieser Vorgehensweise der Beschwerdeführerin inner-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Sept. 2023, AHV/20/506, Seite 15

halb des Geschehensablaufs nicht die Intensität einer Handlungsweise zu, 
die geeignet ist, den adäquaten Kausalzusammenhang zu unterbrechen. 

3.5.5  Hinzu kommt allerdings, dass die Beschwerdeführerin es versäum-
te, den Rückforderungsanspruch im Umfang des noch nicht absolut ver-
wirkten Anteils von (mutmasslich) Fr. 117'326.65 rechtzeitig geltend zu ma-
chen, und dass dieser in der Folge ebenfalls verwirkte (Entscheid des BGer 
8C_235/2022, E. 5.3). Da sich der Betrag der zu viel ausgerichteten UV-
Rentenleistungen um die Höhe des Rückforderungsanspruchs reduziert 
hätte, soweit die Beschwerdeführerin rechtzeitig reagiert hätte, ist in ihrem 
Verhalten (Unterlassen) ein Umstand im Sinne von Art. 4 VG zu erblicken; 
mithin läge ein im Rahmen der Schadenersatzbemessung zu berücksichti-
gender Herabsetzungsgrund vor (vgl. TOBIAS JAAG, in: SCHIND-
LER/TANQUEREL/TSCHANNEN/UHLMANN [Hrsg.], Schweizerisches Bundes-
verwaltungsrecht [SBVR], Band I/3, Staats- und Beamtenhaftung, 3. Aufl. 
2017, N. 171 und Fn. 542). 

3.5.6  Zu prüfen bleibt die Rechtzeitigkeit des Schadenersatzbegehrens. 
Diese wird seitens der Beschwerdegegnerin bestritten (Beschwerdeantwort 
vom 24. Februar 2023, S. 4 f. zu Art. 8). 

Entscheidend für den Fristenlauf ist der Zeitpunkt, in dem die Beschwerde-
führerin Kenntnis von allen wesentlichen Elementen des Schadens hatte 
bzw. diese in groben Zügen abschätzen konnte (vgl. BGE 126 III 161 E. 3 
S. 163; ROBERT K. DÄPPEN, in: WIDMER LÜCHINGER/OSER [Hrsg.], Basler 
Kommentar, Obligationenrecht, 2020, Art. 60 N. 7). Am 15. Februar 2019 
(Eingangsstempel) trafen die Rentenverfügungen der Beschwerdegegnerin 
aus den Jahren 2010, 2012 und 2018 bei der Beschwerdeführerin ein (act. 
IA 162 ff.). Die Beschwerdeführerin hatte jedoch bereits aufgrund der        
E-Mail der Beiständin vom 8. Juli 2018 (act. IA 150) einen Hinweis auf ei-
nen möglichen Schadenersatzanspruch erhalten, zumal der Rückforde-
rungsanspruch für die zwischen dem 1. Mai 2010 und dem 30. April 2015 
erbrachten – zu hohen – Rentenleistungen zu diesem Zeitpunkt offensicht-
lich bereits verwirkt war, und diesbezüglich die Höhe des Schadens bereits 
feststand. Dies gilt nicht nur für die Leistungen an die Tochter des Versi-
cherten, um die es in der E-Mail vom 8. Juli 2018 ging, sondern für die 
Leistungen an sämtliche Hinterbliebenen, zumal die Ausrichtung von AHV-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Sept. 2023, AHV/20/506, Seite 16

Renten an die übrigen Familienmitglieder bei der vorliegenden Ausgangs-
lage naheliegend ist, wie das Bundesgericht im Zusammenhang mit der 
Rückforderung erkannte. Das Bundesgericht hat sodann eine Abklärungs-
frist von drei Wochen als angemessen beurteilt (BGer 8C_235/2022, E. 5.1 
[act. II 111]). Es ist kein Grund ersichtlich, bezüglich des Schadenersatzan-
spruchs eine andere Abklärungsfrist einzuräumen als für die Geltendma-
chung des Rückforderungsanspruchs. Der Fristenlauf für die einjährige 
relative Verjährungsfrist gemäss Art. 78 Abs. 4 ATSG i.V.m. aArt. 20 Abs. 1 
VG und aArt. 60 Abs. 1 OR (vgl. E. 2.1.5 hiervor) hatte somit am 1. August 
2018 begonnen und infolgedessen geendet, bevor die Beschwerdeführerin 
am 11. Dezember 2019 den Schadenersatzanspruch geltend machte. 

3.6  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass insoweit, als ein Scha-
denersatzanspruch grundsätzlich gegeben ist, dieser im Zeitpunkt der Ein-
reichung des Schadenersatzbegehrens bei der Beschwerdegegnerin am 
11. Dezember 2019 (act. IA 243) infolge Ablaufs der einjährigen relativen 
Frist bereits verwirkt war. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.   

4.

4.1 Es sind keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG; 
KIESER, a.a.O, Art. 78 N. 103). 

4.2  Die obsiegende Beschwerdegegnerin hat als Sozialversicherungs-
träger keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (BGE 126 V 143 E. 
4b S. 150).  

 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Sept. 2023, AHV/20/506, Seite 17

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Es werden weder Verfahrenskosten erhoben noch wird eine Parteien-
tschädigung zugesprochen. 

3. Zu eröffnen (R):
- Fürsprecher B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- Ausgleichskasse des Kantons E.________  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Die Kammerpräsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden. Der Streitwert im Sinne von Art. 51 ff. BGG liegt über Fr. 30'000.-- .