# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1e94357-003b-5bfd-95d0-97e2959377ca
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-12
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 12.06.2024 SR1 2022 61
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_SR1-2022-61_2024-06-12.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Urteil vom 12. Juni 2024

Gegen dieses Urteil wurde Beschwerde erhoben. Der Fall ist am Bundesgericht 
hängig (6B_219/2025)

Referenz SK1 22 61

Instanz I. Strafkammer 

Besetzung Moses, Vorsitzender
Cavegn und Michael Dürst
Gustin, Aktuar

Parteien A._____
Beschuldigter
vertreten durch Rechtsanwältin M.A. HSG in Law and Economics 
Sabrina Tschurr
c/o Brenner Stillhart Tschurr Rechtsanwälte & Notare, Rosen-
bergstrasse 85, 9000 St. Gallen 

gegen

Staatsanwaltschaft Graubünden
Rohanstrasse 5, 7001 Chur

B._____
Privatklägerin
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Reto Nigg
Reichsgasse 65, 7000 Chur 

Gegenstand Raub etc.

Anfechtungsobj. Urteil Regionalgericht Plessur vom 04.11.2021, mitgeteilt am 
10.11.2022 (Proz. Nr. 515-2021-37)

Mitteilung 29. Januar 2025

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Sachverhalt

A. Die Staatsanwaltschaft eröffnete am 29. Januar 2021 die Strafuntersuchung 
gegen A._____ (nachfolgend: Beschuldigter) wegen Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 
1 StGB. Mit Verfügung vom 2. Februar 2021 ernannte die Staatsanwaltschaft 
Graubünden Rechtsanwältin MLaw Sabrina Tschurr als amtliche Verteidigerin des 
Beschuldigten. Bereits vorher, am 23. Januar 2021, konstituierte sich B._____ 
(nachfolgend: Privatklägerin) als Zivil- und Strafklägerin.

B. Der Beschuldigte befand sich vom 28. Januar 2021 bis am 11. März 2021 
während insgesamt 43 Tagen in Polizei- bzw. Untersuchungshaft.

C. Mit Anklageschrift vom 20. Juli 2021 erhob die Staatsanwaltschaft gegen 
den Beschuldigten Anklage wegen Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 
und Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB.

D. Die Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Plessur fand am 4. No-
vember 2021 statt. Die Staatsanwaltschaft beantragte für die angeklagten Tat-
bestände eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 26 Monaten, wovon 13 Monate bei 
einer Probezeit von drei Jahren aufzuschieben seien. Weiter beantragte die 
Staatsanwaltschaft die Verlängerung der Probezeit einer mit Strafbefehl vom 
14. Januar 2021 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe und einen Landesverweis 
für die Dauer von 10 Jahren, ausgeschrieben im Schengener Informationssystem 
(SIS). Der Beschuldigte beantragte im Schuldpunkt einen vollumfänglichen Frei-
spruch; zudem beantragte er eine pauschale Genugtuung von CHF 8'000.00 für 
den erlittenen Freiheitsentzug von 43 Tagen. Eventualiter stellte der Beschuldigte 
die Anträge, er sei wegen Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und wegen 
Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und zu 
einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, bedingt aufgeschobenen bei einer Pro-
bezeit von zwei Jahren, zu verurteilen. Von einem Landesverweis und vom Wider-
ruf der mit Strafbefehl vom 14. Januar 2021 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe 
von 10 Tagessätzen zu je CHF 80.00 sei abzusehen. Schliesslich sei die Zivilkla-
ge abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen.

E. Mit Urteil vom 4. November 2021 verurteilte das Regionalgericht Plessur 
den Beschuldigten wegen Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und Sach-
beschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB. Es sprach dafür eine Freiheitsstrafe 
von 20 Monaten aus, wobei es den Vollzug unter Ansetzung einer Probezeit von 3 
Jahren aufschob. Die bereits erstandene Polizei- und Untersuchungshaft von 
43 Tagen rechnete es der Strafe an. Weiter verzichtete das Regionalgericht auf 
einen Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 

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14. Januar 2021 ausgesprochenen Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je 
CHF 80.00. Hingegen sprach es einen Landesverweis aus und verwies den Be-
schuldigten für 7 Jahre aus der Schweiz, wobei die Landesverweisung im Schen-
gener Informationssystem SIS auszuschreiben sei. Die Zivilklage der Privatkläge-
rin verwies das Gericht auf den Zivilweg. Ausgangsgemäss auferlegte es dem Be-
schuldigten schliesslich die gesamten Verfahrenskosten von CHF 15'971.30 (Un-
tersuchungskosten, Gerichtsgebühr, amtliche Verteidigung). Die amtliche Verteidi-
gerin entschädigte das Gericht mit CHF 7'987.05.

F. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte fristgerecht Berufung an. In 
der Berufungserklärung vom 1. Dezember 2022 beantragte seine amtliche Vertei-
digerin in der Hauptsache die Aufhebung der Dispositivziffern betreffend Schuld-
spruch, Strafmass, Landesverweisung, Zivilforderung und Kostenfolgen. Weiter 
sei der Beschuldigte vom Vorwurf des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 
StGB und der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB freizuspre-
chen. Für den erlittenen Freiheitsentzug von 43 Tagen sei er mit einer Genugtu-
ung von CHF 8'600.00 zu entschädigen. Eventualiter stellte die Verteidigerin die 
Anträge, der Beschuldigte sei des Raubes und der Sachbeschädigung schuldig zu 
sprechen und dafür mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten, bedingt aufge-
schoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, zu bestrafen. Von einem Landes-
verweis sowie vom Widerruf der bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je 
CHF 80.00 sei abzusehen. Die Zivilforderung sei abzuweisen, eventualiter auf den 
Zivilweg zu verweisen. Alles unter gesetzlichen Kosten- und Entschädigungsfol-
gen.

G. Mit Eingabe vom 20. Dezember 2022 erklärte die Staatsanwaltschaft 
Graubünden die Anschlussberufung. Sie beantragte im Wesentlichen eine Er-
höhung der von der Vorinstanz ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 20 auf 26 
Monaten, wovon 13 Monate bei einer Probezeit von drei Jahren bedingt aufzu-
schieben seien. Weiter beantragte sie, den Beschuldigte für zehn anstatt sieben 
Jahre aus der Schweiz zu verweisen. 

H. Die mündliche Berufungsverhandlung vom 16. Mai 2024 fand in Anwesen-
heit der Staatsanwaltschaft, des Beschuldigten, seiner Verteidigerin und einer 
Dolmetscherin statt.

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Erwägungen

1. Prozessuales und Aktenbeizug

1.1. Gegen das angefochtene erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Ples-
sur ist die Berufung zulässig (Art. 398 Abs. 1 StPO). Die formellen Voraussetzun-
gen geben zu keinen Bemerkungen Anlass, womit auf die Berufung einzutreten 
und ein neues Urteil zu fällen ist (Art. 408 StPO). Angefochten sind mit Ausnahme 
von Ziff. 3 (Verzicht auf Widerruf) und Ziff. 5 (Zivilklage) sämtliche Dispositivziffern 
des vorinstanzlichen Urteils, womit über diese Punkte neu zu befinden ist. Ziff. 3 
und Ziff. 5 des vorinstanzlichen Urteils sind in Rechtskraft erwachsen. Festzuhal-
ten ist, dass die Staatsanwaltschaft betreffend Strafzumessung und Dauer des 
Landesverweises die Anschlussberufung erklärt hat und damit das Verbot der re-
formatio in peius (Verschlechterungsverbot) diesbezüglich nicht gilt.

1.2. Gemäss Art. 389 Abs. 1 StPO erhebt die Rechtsmittelinstanz von Amtes 
wegen die erforderlichen zusätzlichen Beweise. Vorliegend ist aus nachfolgenden 
Gründen ein Beizug diverser Akten aus anderen Verfahren erforderlich: Die hier 
zu beurteilende Tat ist vom Beschuldigten mutmasslich in Mittäterschaft mit zwei 
anderen Personen begangen worden. Trotz der Pflicht in Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO 
zur gemeinsamen Beurteilung in Fällen von Mittäterschaft hat die Vorinstanz für 
alle Angeklagten ein eigenes Verfahren durchgeführt und jeweils ein eigenes Urteil 
gefällt (Verfahren des Regionalgerichts Plessur Nrn. 515-2021-39 und 515-2021-
40). Die Akten dieser Verfahren liegen dem Berufungsgericht nicht vor, weshalb 
der Vorsitzende der I. Strafkammer des Kantonsgerichts das jeweilige Urteil und 
die jeweilige Einvernahme der beiden Beschuldigten C._____ und D._____ von 
Amtes wegen beigezogen hat (vgl. act. I.1-I.4). Die Dokumente sind den Parteien 
durch die Verfahrensleitung vor der Hauptverhandlung zugestellt worden (vgl. 
D.26).

2. Sachverhaltserstellung

2.1. Anklage und Vorbringen der Verteidigung

Mit Anklageschrift vom 20. Juli 2021 warf die Staatsanwaltschaft dem Beschuldig-
ten den folgenden Sachverhalt vor:

Raub gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und Sachbeschädigung gemäss 
Art. 144 Abs. 1 StGB

Am 22. Januar 2021, zwischen 23.37 Uhr und 23.41 Uhr, begingen 
C._____, D._____ und A._____ in E._____ auf der Einmündung Richtung 
Parkplatz F._____ zwischen der Toilette Parkplatz F._____ und dem Haus 

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G._____, einen Raub zum Nachteil von B._____, indem sie wie folgt vor-
gingen:

C._____, D._____ und A._____ standen beim H._____ und sahen, dass 
die ihnen unbekannte Fussgängerin B._____ mit einer umgehängten Hand-
tasche auf dem J._____ in Richtung I._____ ging. In der Absicht, sich un-
rechtmässig zu bereichern, fassten C._____, D._____ und A._____ den 
Entschluss, B._____ die Handtasche zu entwenden und dabei gegebenen-
falls Gewalt anzuwenden. C._____ folgte ihr auf dem J._____ Richtung 
K._____ und sprach sie an. Nachdem B._____ Angst bekam und umkehr-
te, folgte er ihr. Gleichzeitig näherten A._____ und D._____ sich vom 
H._____ her auf dem J._____ und folgten ihr zusammen mit C._____ auf 
den Parkplatz F._____. Dort forderten C._____, D._____ und A._____ 
B._____ auf, ihnen Geld zu geben. C._____ stiess B._____ zwei Mal mit 
den Händen gegen die Brust, so dass B._____ zu Boden stürzte und auf 
ihrer rechten Körperseite zu liegen kam. Die Tasche, welche B._____ auf 
der rechten Seite umgehängt hatte, lag zwischen ihr und dem Boden. An-
schliessend hielten C._____, D._____ und A._____ den Riemen der Ta-
sche und zogen B._____ ca. 10 Meter über den Asphalt. Dabei schlug 
B._____ mit dem Kopf auf dem Boden auf. Sie schrie um Hilfe. Als der 
Riemen der Tasche riss, flüchteten C._____, D._____ und A._____ mit der 
Tasche in Richtung F._____. C._____ kehrte nochmals zu der verletzt am 
Boden liegenden B._____ zurück und versetzte ihr einen Schlag. Danach 
entfernte auch er sich von ihr. Nachdem die Beschuldigten CHF 40.00 Bar-
geld, ein Mobiltelefon sowie ein Victorinox-Sackmesser aus der Tasche 
entwendet und zu sich genommen hatten, liessen sie die Tasche im Lift 
des Parkhauses F._____ zurück.

Durch ihr Vorgehen erwirtschafteten C._____, D._____ und A._____ sich 
einen ihnen nicht gebührenden Vermögensvorteil von CHF 2'369.00 (Ta-
sche samt Inhalt). Zudem fügten sie B._____ eine Schädelprellung mit 
Prellmarke frontal rechts sowie eine Oberschenkelkontusion rechts zu. 
Ausserdem beschädigten sie den Bügel der Sehbrille von B._____ (Sach-
schaden CHF 330.00). B._____ stellte am 23. Januar 2021 Strafklage und 
am 13. April 2021 Strafantrag und Privatklage. Die Verfahren gegen 
C._____ und D._____ werden unter separaten Prozeduren geführt 
(VV.2021.330 und VV.2020.3259).

2.2. Anlässlich der Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht bestritt die Ver-
teidigung zwar nicht die Tat an sich, jedoch eine Beteiligung des Beschuldigten 
daran. Im Wesentlichen brachte die Verteidigerin vor, dass der Beschuldigte in 
allen fünf Befragungen durch Polizei und Staatsanwaltschaft seine Beteiligung am 
Raub konsequent bestritten habe. Er habe stets zu Protokoll gegeben, dass er 
zwar an besagtem Abend mit C._____ und D._____ unterwegs gewesen sei, je-
doch weitergegangen sei, als diese mit dem Opfer gesprochen hätten. Er habe 
betont, das Opfer weder angefasst noch geschlagen zu haben und sich auch nicht 
dessen Tasche angeeignet zu haben. Besonders beachtenswert sei gewesen, 
dass das Opfer den Beschuldigten weder bei der polizeilichen Einvernahme vom 
1. Februar 2021 noch bei der persönlichen Gegenüberstellung am 23. Februar 
2021 eindeutig habe identifizieren können. Im Gegensatz dazu habe das Opfer 
C._____ zweifelsfrei aufgrund seiner Stimme und seines Aussehens als Täter 1 

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identifiziert - als denjenigen, der zuerst Kontakt aufgenommen, das Opfer zu Bo-
den gestossen und später noch einmal geschlagen habe. D._____ habe in seiner 
ersten polizeilichen Einvernahme ausgesagt, dass der Beschuldigte zwar anfäng-
lich dabei gewesen sei, sich jedoch entfernt habe, als sie sich dem Opfer genähert 
hätten. Er habe bestätigt, dass nur er und C._____ die Handtasche durchsucht 
und das Diebesgut unter sich aufgeteilt hätten. In späteren Aussagen habe 
D._____ diese Version bekräftigt und präzisiert, dass sie erst nach dem Überfall 
wieder auf den Beschuldigten getroffen seien. Obwohl C._____ offensichtlich die 
treibende Kraft gewesen sei, habe er wiederholt versucht, dem Beschuldigten die 
Schuld zuzuschieben. Die Vorinstanz habe erwogen, dass das Opfer zu Protokoll 
gegeben habe, sie sei von drei Männern angegriffen worden. Das Opfer habe bei 
ihrer Einvernahme vom 1. Februar 2021 präzisiert, dass mindestens zwei der 
Täter sie über den Asphalt geschleift hätten. Die Vorinstanz habe die Aussagen 
des Opfers als konstant und glaubhaft eingestuft und darauf hingewiesen, dass 
diese durch die Aussagen von L._____ und C._____ gestützt würden. L._____ 
habe behauptet, zwei Männer hätten das Opfer am Boden festgehalten, während 
der dritte zugeschlagen habe. Dies sei jedoch vom Opfer selbst nie so geschildert 
worden, was darauf hindeute, dass L._____ das Geschehen offensichtlich nicht 
korrekt beobachtet habe. Bezüglich der Aussagen des Beschuldigten habe die 
Vorinstanz angegeben, dass seine Schilderungen Handlungsbrüche enthalten 
würden und ausweichend seien. Namentlich habe er keine Begründung angege-
ben, warum er, als die beiden Mitbeschuldigten das Opfer angesprochen haben, 
weitergegangen sei. Der Beschuldigte sei diesbezüglich jedoch nie konkret befragt 
worden; es sei zudem nicht unüblich, weiterzugehen, wenn andere Personen ste-
hen blieben, um mit Fremden zu sprechen. Der Beschuldigte habe stets ausge-
sagt, dass er die Schreie des Opfers gehört habe, jedoch den eigentlichen Überfall 
nicht beobachtet habe. Die Aussagen des Beschuldigten seien konsistent und ge-
nau gewesen. Er habe immer wieder exakt dieselben Aussagen gemacht und Po-
sitionen auf einem Plan an zwei verschiedenen Einvernahmen exakt gleich ein-
zeichnen können. Das Opfer habe die anderen zwei Täter zudem eindeutig identi-
fiziert, den Beschuldigten jedoch nur als möglichen Täter 3 bezeichnet. Schliess-
lich habe die Vorinstanz auch die entlastenden Aussagen von D._____ nicht ge-
würdigt, der keinen Grund gehabt habe, den Beschuldigten zu entlasten. Insge-
samt lägen unüberwindbare Zweifel vor, dass der Beschuldigte am Raub beteiligt 
gewesen sei. Daher sei er nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" vom Vorwurf 
des Raubes und der Sachbeschädigung freizusprechen (vgl. act. H.2).

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2.3. Ausgangslage und vorliegende Beweismittel

Aus den Darlegungen der Verteidigung wird ersichtlich, dass der angeklagte 
Rahmensachverhalt, wonach B._____ am 22. Januar 2021 um etwa 23:37 Uhr 
zwischen der Toilette Parkplatz F._____ und dem Haus G._____ in Chur ausge-
raubt worden ist, nicht bestritten wird. Ebenfalls nicht bestritten wird, dass D._____ 
und C._____ am Raub beteiligt gewesen sind und der Beschuldigte mit diesen im 
Zeitpunkt des Raubes unterwegs gewesen sei. Bestritten wird letztlich, dass der 
Beschuldigte an der Tat selbst beteiligt gewesen ist; die Verteidigung und der Be-
schuldigte selbst stellen den Sachverhalt vielmehr so dar, dass der Beschuldigte 
lediglich als unbeteiligter Dritter dabei gewesen ist. Vorliegend ist damit nament-
lich zu prüfen, ob der Beschuldigte, wie im Anklagesachverhalt beschrieben, an 
der Tat mitgewirkt hat.

Zur Beurteilung dieser Frage liegen als Beweismittel namentlich die Aussagen des 
Beschuldigten (erste polizeiliche Einvernahme [StA act. 5.19], zweite polizeiliche 
Einvernahme [StA act. 5.23], Einvernahme zur Person [StA act. 3.7], Konfrontati-
onseinvernahme [StA act. 5.25], Einvernahme Regionalgericht [VI act. 21], Ein-
vernahme Kantonsgericht [act. H.4]), von D._____ (erste polizeiliche Einvernahme 
[StA act. 5.21], zweite polizeiliche Einvernahme [StA act. 5.24], Konfrontationsein-
vernahme [StA act. 5.25], Einvernahme Regionalgericht [act. I.4]), von C._____ 
(erste polizeiliche Einvernahme [StA act. 5.17], zweite polizeiliche Einvernahme 
[StA act. 5.18], dritte polizeiliche Einvernahme [StA act. 5.22], Konfrontationsein-
vernahme [StA act. 5.25], Einvernahme Regionalgericht [act. I.2]), der Privatkläge-
rin (erste polizeiliche Einvernahme [StA act. 5.13], zweite polizeiliche Einvernahme 
[StA act. 5.20], Konfrontationseinvernahme [StA act. 5.25]), und von L._____ (po-
lizeiliche Einvernahme [StA act. 5.16], staatsanwaltschaftliche Einvernahme [StA 
act. 5.27]) vor. Weiter liegen ein Rapport und eine Fotodokumentation der Kan-
tonspolizei (StA act. 5.1 u. 5.2), eine Aktennotiz zu einer Gegenüberstellung (StA 
act. 5.26) und ein Arztbericht betreffend die Privatklägerin in den Akten (StA 
act. 5.5). Das Kantonsgericht hat zudem die (rechtskräftigen) Urteile des Regio-
nalgerichts Plessur (und die bereits erwähnten Einvernahmen) betreffend C._____ 
und D._____ eingeholt (vgl. act. I). Die weiteren in den Akten befindlichen Be-
weismittel (namentlich div. Einvernahmen von Drittpersonen, Protokolle Haus-
durchsuchungen) tragen zur Beantwortung der Frage, inwiefern der Beschuldigte 
an der Tat beteiligt gewesen sein soll, nichts Wesentliches bei. Anhand der ge-
nannten relevanten Beweismittel ist die Beteiligung des Beschuldigten zu beurtei-
len.

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2.4. Grundsätze der Beweiswürdigung

Das Gericht würdigt Beweismittel gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO frei nach seiner aus 
dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Jede Person gilt bis zu ihrer 
rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (vgl. Art. 10 Abs. 1 StPO). Bestehen 
unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der 
angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Person günsti-
geren Sachlage aus (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO). Als Beweislastregel folgt aus der 
derart statuierten Unschuldsvermutung, dass es nicht Sache der beschuldigten 
Person ist, ihre Unschuld zu beweisen, sondern dass die Strafbehörden verpflich-
tet sind, den Nachweis der Schuld zu führen (vgl. Wolfgang Wohlers, in: Do-
natsch/Lieber/Summer/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Straf-
prozessordnung [StPO], 3. Aufl., Zürich 2020, N 6 zu Art. 10 StPO). An diesen 
Nachweis sind hohe Anforderungen zu stellen. Verlangt wird mehr als eine blosse 
Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft. Nach der aus 
Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 2 EMRK und Art. 10 Abs. 3 StPO fliessenden Be-
weiswürdigungsregel in dubio pro reo darf sich der Strafrichter jedoch nicht von 
der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt er-
klären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel an den tatsächlichen Vorausset-
zungen für eine verurteilende Erkenntnis bestehen (vgl. BGE 124 IV 86 E. 2a). 
Bloss theoretische und abstrakte Zweifel sind indessen nicht massgebend, weil 
solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. 
Es muss sich vielmehr um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel han-
deln, das heisst um solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen 
(vgl. BGE 120 Ia 31 E. 2).

Steht Aussage gegen Aussage, ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den 
Akten ergeben (BGer 6B_738/2018 v. 27.3.2019 E. 1.3.1; 6B_653/2016 v. 
19.1.2017 E. 3.2), zu untersuchen, welche Sachdarstellung überzeugend ist, wo-
bei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt, verbunden mit 
der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Bei der Beweiswürdigung von Aus-
sagen ist nicht die Form, sondern der Gesamteindruck, das heisst die Art und 
Weise der Bekundung sowie die Überzeugungskraft der Beweismittel im Einzelfall 
entscheidend, wobei nicht in erster Linie die Glaubwürdigkeit des Aussagenden, 
sondern vielmehr die Glaubhaftigkeit seiner konkreten Aussage im Vordergrund 
steht. Für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit ist eine konkrete Aussage durch me-
thodische Analyse ihres Inhalts (Vorhandensein von Realitätskriterien, Fehlen von 
Fantasiesignalen) darauf zu überprüfen, ob die auf ein bestimmtes Geschehen 
bezogenen Angaben auf ein tatsächliches Erleben der befragten Person zurück-

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gehen (BGE 147 IV 534 E. 2.3.3; 133 I 33 E. 4.3; 129 I 49 E. 5). Der allgemeinen 
Glaubwürdigkeit im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kommt bei 
der Würdigung von Aussagen kaum mehr relevante Bedeutung zu (BGE 147 IV 
534 E. 2.3.3). 

2.5. Aussagen der Privatklägerin

2.5.1. Wie dargelegt, ist die Privatklägerin im Verfahren zweimal alleine und ein-
mal im Rahmen einer Konfronteinvernahme einvernommen worden. Zur Frage, 
inwiefern der Beschuldigte am Raub beteiligt gewesen ist, äusserte sich die Pri-
vatklägerin an diversen Stellen in den Einvernahmen. Anlässlich der ersten poli-
zeilichen Einvernahme gab sie zu Protokoll, dass sie auf dem J._____ durch einen 
kleinen dunkelhäutigen Mann (Nordafrikaner; Täter Nr. 1) mit einer Bierbüchse in 
der Hand zuerst überholt und dann auf Deutsch und Englisch angesprochen wor-
den sei. Sie habe sich unwohl gefühlt und habe dann gewendet und sei in Rich-
tung F._____ gelaufen, da es dort heller und beleuchtet gewesen sei. Auf dem 
Weg in Richtung F._____, noch auf dem J._____, sei sie zwei dunkelhäutigen Ty-
pen begegnet. Einer habe ähnlich ausgesehen wie der vorherige Typ (Täter Nr. 2), 
der andere sei grösser gewesen und von hellerer Hauptfarbe (Araber; Täter Nr. 3). 
Da ihr die Männer vertrauenswürdig vorgekommen seien, habe sie diese ange-
sprochen und gefragt, ob sie ihr helfen würden, da sie sich wegen des anderen 
Mannes nicht wohlfühlen würde. Die zwei Männer seien dann zum anderen Mann 
gelaufen; sie sei weiter in Richtung F._____ und habe immer wieder retour ge-
schaut. Die zwei Männer seien wieder zu ihr aufgeschlossen und hätten gemeint, 
es sei jetzt alles in Ordnung. Sie seien dann wieder zurück zum ersten Mann. Als 
sie in Richtung F._____ eingebogen sei, habe sie bemerkt, dass jemand ganz na-
he hinter ihr sei. Sie habe sich umgedreht und die drei Typen von zuvor gesehen. 
Die beiden kleineren Nordafrikaner hätten sie überholt und seien vor ihr gestan-
den, der dritte Typ (Täter Nr. 3) hinter ihr. Die Nordafrikaner hätten etwas auf 
Deutsch gesagt, was sie nicht verstanden habe, dann hätten sie auf Englisch so 
etwas wie "gib uns Geld" gesagt. Der Arabertyp sei dann auch nach vorne zu den 
zwei anderen. Einer habe sie dann auf Englisch gefragt, woher sie sei. Als sie ge-
antwortet habe, "I'm Italian", habe der erste Mann sie angegriffen, indem er ihr mit 
beiden Händen einen Stoss gegen den Brustkorb versetzt habe. Einer der beiden 
anderen habe – sie könne nicht sagen welcher – habe ihr zwei Faustschläge ge-
gen die Brust versetzt. Dann hätten sie zwei oder alle drei an den Schultern ge-
fasst und sie geschüttelt, woraufhin sie auf den Boden gefallen sei. Dort habe sie 
sich verletzt und um Hilfe geschrien. Als sie am Boden gelegen sei, hätten die Ty-
pen – welcher genau oder ob alle, könne sie nicht sagen – den Tragriemen ihrer 

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Handtasche gepackt. Sie habe die Handtasche jedoch festgehalten, woraufhin die 
Männer sie etwa 10 bis 12 Meter auf dem Asphalt hinter sich hergezogen hätten. 
Eventuell habe sie sich auch hier den Kopf angestossen. Nach den 10 bis 12 Me-
ter hätten sich die Tragriemen der Handtasche gelöst, woraufhin die Männer mit-
samt der Tasche in Richtung F._____ weggerannt seien. Der Mann Nr. 1 sei et-
was langsamer gewesen; als dieser beim F._____ gewesen sei, sei er noch ein-
mal zurückgekommen und habe ihr einen Faustschlag oder Fusstritt in die rechte 
Schulter versetzt. Als sie am Boden gelegen sei, sei ein weiterer Mann, ein Si-
cherheitsbeamter, hinzugekommen. Dieser habe dann die Polizei gerufen. Den 
Täter Nr. 3 beschrieb die Privatklägerin wie folgt: Ca. 180 bis 182 cm gross, athle-
tischer Statur, breite Schultern, 25- bis 30-jährig, arabtertyp mit hellerer Haut und 
braunem Teint, ganz kurze Haare. Er habe eine gepflegte Erscheinung gehabt 
und sich insofern von den beiden anderen klar unterschieden. Er habe sicher 
Deutsch, Englisch und eventuell auch Italienisch gesprochen (StA act. 3.13, Fra-
gen 2, 3, 4, 5 und 8). 

Anlässlich der zweiten Einvernahme wurde die Privatklägerin namentlich zum 
Täter Nr. 3 und seiner Beteiligung befragt. Sie bestätigte, dass der Mann Deutsch, 
Englisch und auch Italienisch gesprochen habe. Als sie den zwei Männern zu Be-
ginn gesagt habe "Please, can you help me and stay with me for a while, because 
that guy (Täter Nr. 1) is giving me problems", habe dieser Mann gefragt: "Which 
guy?". Später, als sie gesagt habe, sie sei Italienerin, habe derselbe gesagt "ah, 
italiana". Welche Funktion der Täter Nr. 3 genau gehabt habe, könne sie nicht ge-
nau sagen, da alles sehr schnell gegangen sei. Sie sei sich aber ziemlich sicher, 
dass nur der kleine Täter Nr. 1 nicht in der Lage gewesen sei, sie alleine an der 
Tasche ziehend ca. 10 bis 12 Meter über den Asphalt zu schleifen, womit sie da-
von ausgehe, dass mindestens zwei Täter involviert gewesen seien. Auf die Fra-
ge, ob ein Täter während des Angriffs etwas abseits gestanden habe, gab sie an, 
dass sie dies nicht sagen könne (StA act. 5.20, Fragen 5, 6, 10 und 11). 

Anlässlich der Konfronteinvernahme bestätigte die Privatklägerin ihre bis dahin 
getätigten Aussagen. Konkretisierend brachte sie vor, dass es der Täter Nr. 3 ge-
wesen sei, welcher sie vor dem ersten Angriff durch den Täter Nr. 1 auf Englisch 
gefragt habe, woher sie sei ("Where do you come from?", vgl. StA act. 5.25, Frage 
Nr. 3). Auf die Frage, ob sie von allen drei Tätern angegriffen worden sei, konnte 
sie dies nicht genau angeben. Sie wisse, dass alle drei vor ihr gestanden hätten, 
als sie zweimal gegen den Brustkorb gestossen worden sei und als sie am Boden 
gelegen sei. Auch gehe sie davon aus, dass mehr als ein Täter sie mitgeschleift 

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habe. Sicher gesehen habe sie jedoch, dass alle drei Täter weggerannt seien, als 
sie die Tasche hatten (StA act. 5.25, Fragen Nrn. 3, 29).

2.5.2. Die Aussagen der Privatklägerin weisen eine sehr hohe Aussagequalität 
auf. Die geschilderten Abläufe sind in sich stimmig; zwischen den Einvernahmen – 
namentlich der ersten Einvernahme und der Konfronteinvernahme – bestehen 
sehr wenige Unterschiede und praktisch keine Widersprüche. Die Privatklägerin 
konnte genau angeben, wo sie wann durch wen angesprochen worden ist. Sie 
beschrieb die Interaktionen und Gespräche zwischen ihr und den drei Beschuldig-
ten sehr konkret. Erst nachdem der erste Angriff durch den ersten Täter erfolgt 
war, konnte sie nicht mehr genau sagen, welcher Täter was gemacht hat. Nament-
lich konnte sie nicht angeben, wer ihr den zweiten Schlag versetzt oder sie an der 
Handtasche gezogen hat. Dass sie dies so eingestand, spricht ebenfalls für eine 
hohe Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen, zumal anzunehmen ist, dass es für sie ein 
leichtes gewesen wäre, einem bestimmten Täter bestimmte Handlungen zuzu-
schreiben. Insgesamt weisen die Aussagen der Privatklägerin eine Vielzahl von 
weiteren Realkennzeichen auf. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Aussagen auf 
tatsächlich Erlebtem basieren, ist dementsprechend als sehr hoch zu werten. 
Nichts daran zu ändern vermögen die teilweise falschen Antworten in den beiden 
sequenziellen Foto-Wahlkonfrontationen (StA act. 5.13 u. 5.20) und die etwas va-
ge Antwort betreffend den Täter Nr. 3 an der Video-Gegenüberstellung ("mögli-
cherweise als Täter 3"; vgl. StA act. 5.26). Einerseits ist unbestritten, dass es sich 
bei den drei Personen von besagtem Abend um C._____, D._____ und den Be-
schuldigten gehandelt hat (vgl. Aussagen der drei Beschuldigten). Andererseits 
gab die Privatklägerin auch hier jeweils selbst an, dass sie sich jeweils nicht sicher 
sei (vgl. StA act. 5.13, Fragen 9 u. 10). Aus dem Gesagten folgt insgesamt, dass 
auf die Aussagen der Privatklägerin sehr genau abgestellt werden kann. 

2.6. Aussagen von L._____ 

2.6.1. Der Zeuge L._____ ist im Verfahren zweimal einvernommen worden. Bei 
ihm handelt es sich um den Securitas, welcher die Privatklägerin nach dem Vorfall 
aufgefunden hat. Anlässlich beider Einvernahmen gab er zu Protokoll, dass er in 
besagter Nacht für Securitas unterwegs gewesen sei und das Parkhaus F._____ 
kontrolliert habe. Als er die Einfahrtsrampe hinaufgelaufen sei, habe er jemanden 
um Hilfe rufen hören. Er habe dann gesehen, dass eine Frau am Boden lag und 
drei Täter bei ihr waren (StA act. 5.16 u. 5.27, jeweils Frage 1). An der ersten Ein-
vernahme gab L._____ weiter an, dass einer der grösseren die Frau festgehalten, 
die anderen zwei auf sie eingeschlagen hätten. Der kleinere habe bereits die Ta-
sche in der Hand gehabt, als er ihn erblickt habe. Alle drei seien dann zusammen 

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in Richtung M._____ davongelaufen; der Erste mit maximal 10 Sekunden Vor-
sprung zu den anderen (StA act. 5.16, Frage 1). An der zweiten Einvernahme gab 
er wiederum an, dass er Kleinste, sobald er ihn gesehen habe, mit der Tasche 
weggerannt sei, in Richtung F._____ am Brunnen vorbei. Die anderen beiden sei-
en noch bei der Frau gewesen. Einer habe die Frau noch festgehalten. Der andere 
habe auf sie eingeschlagen. Dann seien beide davongesprungen, dem Ersten hin-
terher (StA act. 5.27, Frage 1). In beiden Einvernahmen schilderte er dann gleich, 
dass er dann zur Frau hin sei; diese habe noch am Boden gelegen. Er habe ihr 
auf die Beine geholfen und sie etwas auf die Seite genommen. Sie sei dort bei den 
Bögen der ehemaligen Stadtbibliothek gesessen. Er habe dann die Polizei geru-
fen. Auf Nachfrage gab er an, dass er nicht sagen könne, ob – wie das Opfer aus-
gesagt hatte – ein Täter noch einmal zum Opfer zurückgelaufen sei und ihr dann 
einen Schlag versetzt habe (StA act. 5.16, Fragen 1 u. 3; 5.27, Fragen 1 u. 4).

2.6.2. Die Aussagen des Zeugen L._____ sind relativ kurz, was angesichts der 
kurzen Interaktion jedoch auch verständlich ist. Grundsätzlich sind die Aussagen 
in sich logisch und nachvollziehbar. Einzig hinsichtlich der konkreten Handlungen 
der drei Beteiligten bestehen gewisse Fragezeichen. Die Verteidigung bringt dies-
bezüglich zu Recht vor, dass auch die Privatklägerin nicht beschrieben hat, dass 
sie von einem Beschuldigten gehalten wurde, während die anderen beiden auf sie 
einschlugen. Diese Aussagen sind dementsprechend zu Recht mit einer gewissen 
Zurückhaltung zu würdigen, zumal L._____ offensichtlich nur sehr kurz Zeit hatte, 
die Situation zu erfassen. Seine Aussage spricht aber dennoch dafür, dass alle 
drei Beschuldigten direkt beim Opfer standen und auf dieses einwirkten. Insge-
samt sind die Aussagen von L._____ unter den genannten Einschränkungen als 
glaubhaft zu werten.

2.7. Aussagen des Beschuldigten

2.7.1. Der Beschuldigte ist im Verfahren insgesamt fünfmal zur Sache einver-
nommen worden. In allen Einvernahmen gestand er ein, dass er beim besagten 
Vorfall vor Ort gewesen sei, bestritt jedoch auch, an der Tat selbst beteiligt gewe-
sen zu sein. Im Einzelnen gab er anlässlich der ersten Einvernahme an, dass er 
an besagtem Tag gegen 16 Uhr nach der Arbeit mit dem Zug nach Chur gefahren 
sei, um sich mit Kollegen zu treffen. Irgendwann in der Nacht habe er dann 
C._____ getroffen, welcher mit einem anderen Mann zusammen gewesen sei, 
welchen er vom Sehen gekannt habe. Wie dieser heisse, wisse er nicht. Sie seien 
dann zusammen eine Stunde in der Stadt spazieren gegangen; in der Nähe des 
Parkhauses hätten sie eine Frau getroffen. C._____ und sein Kollege hätten mit 
der Frau gesprochen; er wisse nicht, ob sie diese gekannt hätten. Jedenfalls habe 

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er sich von der Frau und den anderen beiden entfernt und sei in Richtung Altstadt 
gelaufen. Etwa eine bis zwei Minuten später habe er gesehen, wie C._____ und 
der andere an ihm vorbeigerannt seien. Etwa eine halbe Stunde später habe er sie 
wider getroffen. C._____ habe gesagt, er habe mit der Frau gestritten. Danach 
habe er bei seinem eritreischen Kollegen N._____ in E._____ übernachtet. Auf 
Nachfrage bestritt er mehrfach, dass die Frau ebenfalls tätlich angegangen habe. 
Er habe die Frau schreien gehört und dann den Securitas gesehen. Er sei ganz 
vorne an der Ecke gestanden, die anderen etwa bei der Einfahrt zum Parkhaus. 
Was die anderen gemacht hätten, habe er nicht gesehen. (StA act. 5.19, Fragen 
2, 3, 4, 5, 6).

Auch anlässlich der zweiten Einvernahme bestritt der Beschuldigte, dass er am 
Vorfall beteiligt gewesen sei. Er sei zusammen mit den anderen vom H._____ auf 
dem AA._____ in Richtung F._____ gelaufen. Dort hätten sie den Fussgänger-
streifen bei der dortigen Toilette überquert. Vom F._____ her sei die Frau entge-
gengekommen. D._____ sei etwas vorausgegangen und habe sie angesprochen. 
C._____ und er seien etwas weiter hinten gewesen. Er habe gehört, dass D._____ 
die Frau auf Deutsch angesprochen habe. C._____ und er hätten aufgeschlossen; 
er sei weitergelaufen, C._____ sei stehen geblieben und habe mit der Frau auf 
Italienisch gesprochen. Ein paar Sekunden später habe er den Schrei der Frau 
gehört; ein Securitas sei in Richtung der Frau gelaufen. Nochmals einige Sekun-
den später seien D._____ und C._____ an ihm vorbeigerannt; er sei dann auch 
mitgerannt. Die anderen beiden seien in den Durchgang Richtung Parkhaus Lift, 
er sei weiter zur O._____ in die Wohnung eines Kollegen gelaufen. Die belasten-
den Aussagen von C._____, D._____ und L._____ bestritt der Beschuldigte ve-
hement. Er sei hinter dem Securitas gestanden, als dieser in Richtung Frau gelau-
fen sei und sei dabei etwa 50 Meter von ihr entfernt gewesen. Auf Nachfrage 
bestätigte er jedoch, dass er entgegen der Aussage an der ersten Einvernahme 
nicht in E._____, sondern in P._____ übernachtet habe. An der Einvernahme gab 
er an, dass er zwar verstehen könne, dass C._____ und D._____ ihn beschuldi-
gen würden, zumal sie selbst schon im Dreck stecken würden. Weshalb der Secu-
ritas ihn beschuldigt habe, verstehe er nicht, zumal er hinter diesem gestanden 
habe, er ihn also sicher nicht gesehen habe (StA act. 5.23, namentlich Fragen 3, 
12, 13, 14, 15, 16, 21, 22, 23, 24, 25, 60, 61).

Anlässlich der Konfronteinvernahme, der Einvernahme vor Regionalgericht und 
der Einvernahme vor Kantonsgericht bestätigte der Beschuldigte seine bis dahin 
getroffenen Aussagen, namentlich bestritt er auch weiterhin, an der Tat beteiligt 
gewesen zu sein (vgl. StA act. 5.25, VI act. 21 u. act. H.4). Zum Vorfall gab er vor 

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Kantonsgericht an, dass er weitergelaufen sei, als die zwei anderen zum Opfer 
seien. Kurz darauf habe er dann den Schrei des Opfers gehört. Er habe ihr nicht 
geholfen, weil er erschrocken sei, und sei dann weggerannt (act. H.4, Frage, 13).

2.7.2. Die Aussagen des Beschuldigten sind als grundsätzlich detailliert (zumin-
dest die ersten Aussagen) und konstant zu werten, auch wenn verschiedentlich 
Widersprüche vorhanden sind (bspw. Übernachtungsort nach der Tat). Der Ablauf 
der Geschehnisse direkt vor der eigentlichen Tat (namentlich erstes Ansprechen 
des Opfers durch einen Täter) entspricht dabei grundsätzlich den Aussagen der 
Privatklägerin. Dies gilt jedoch nicht für die Tat selbst. Während der Beschuldigte 
überhaupt keine Interaktion mit der Privatklägerin erwähnt, gab die Privatklägerin 
zu Protokoll, dass alle drei vor ihr gestanden hätten und der Beschuldigte (Täter 
Nr. 3) mit ihr gesprochen habe. Dies erscheint nicht zuletzt deshalb als glaubhaft, 
da die Privatklägerin den Beschuldigten anlässlich der ersten Einvernahme detail-
liert beschreiben konnte, was kaum möglich gewesen wäre, wenn der Beschuldig-
te nur an der Privatklägerin vorbeigelaufen und es zu gar keiner Interaktion ge-
kommen wäre. Insgesamt erscheinen die Aussagen des Beschuldigten hinsichtlich 
des Nebengeschehens durchaus als glaubhaft. Hinsichtlich der Tat selbst und sei-
ner eigenen Beteiligung widersprechen seine Angaben jedoch in wesentlichen 
Punkte den Aussagen der Privatklägerin und der übrigen anwesenden Personen. 
Weiter erscheint seine Darstellung, wonach er einfach weitergelaufen sei und 
nichts bemerkt habe, als kaum glaubhaft. Dies, zumal er vor Regionalgericht aus-
drücklich angegeben hat, dass er die beiden anderen verdächtigt habe, als der 
eine vorausgegangen sei und mit der Frau gesprochen habe (vgl. IV act. 21, Fra-
ge 5.8 und 5.9). Vor Kantonsgericht gab er zwar an, dass er dies vor Regionalge-
richt nicht so gesagt habe und es ein Sprachfehler sei; er habe keine Gefahr ge-
sehen (vgl. act. H.4, Fragen 79, 80). Dies erscheint jedoch als Schutzbehauptung, 
zumal auch andere Personen (namentlich C._____) aussagten, dass sich die Pri-
vatklägerin bereits beim ersten Ansprechen sichtlich unwohl gefühlt und sich von 
D._____ weggedreht habe und in eine andere Richtung gelaufen sei.

2.8. Aussagen von C._____ 

2.8.1. C._____ ist zur Sache selbst insgesamt fünfmal einvernommen worden. 
Anlässlich der ersten Einvernahme gab er an, dass er um etwa 23:20 bis 23:40 
Uhr den Beschuldigten und D._____ per Zufall beim H._____ getroffen habe. Als 
sie dort gewesen seien und miteinander gesprochen hätten, sei eine ältere Frau 
mit einer dunklen Handtasche vorbeigelaufen. Der Beschuldigte habe dann die 
Idee gehabt, der Frau die Tasche zu entreissen. Die Frau sei auf dem Trottoir in 
Richtung Kantonsschule gelaufen. D._____ sei dann auf den Weg in Richtung 

15 / 40

AB._____, um die Frau einzuholen. Dieser habe die Frau dann von vorne anspre-
chen wollen. Er (C._____) und der Beschuldigte seien der Frau auf dem J._____ 
nachgelaufen. D._____ sei beim F._____ wieder auf den J._____ und habe die 
Frau angesprochen. Die Frau habe sichtlich ein ungutes Gefühl bekommen und 
sich von D._____ weggedreht und sei wieder in ihre Richtung gelaufen. Sie habe 
ihnen gesagt, dass sie auf D._____ schauen sollten oder etwas Ähnliches. Er ha-
be ein schlechtes Gefühl gehabt, als er gemerkt habe, dass die Frau Hilfe wolle 
und was jetzt gleich kommen würde von den anderen. Die Frau sei dann über die 
Strasse in Richtung F._____. Auf der Höhe der Stopp-Markierung habe der Be-
schuldigte die Frau dann wieder eingeholt. Der Beschuldigte habe sie von vorne 
attackiert und dabei an ihrer Handtasche gerissen, woraufhin die Frau auf ihre 
rechte Seite gefallen sei. Danach sei D._____ gekommen und habe ebenfalls be-
gonnen, an der Tasche zu reissen. Er (C._____) und D._____ hätten am Riemen 
gezogen, bis die Frau die Tasche losgelassen habe. Danach seien sie auf den 
F._____ geflüchtet und da links abgebogen. Bei der Treppe ins Parkhaus hätten 
sie die Tasche durchsucht. CHF 40.00 habe er genommen, das Handy habe 
D._____ behalten (StA act. 5.17, Frage 1).

Anlässlich der zweiten Einvernahme zur Sache (StA act. 5.22) bestätigte er im 
Wesentlichen seine Aussagen aus der ersten Einvernahme. Zusätzlich gab er auf 
Vorhalt anderer Aussagen an, dass er sich mit der Frau nicht unterhalten und die 
Frau auch nicht als Erstes angegriffen habe (StA act. 5.22 Fragen 13, 14, 18, 19). 
Es stimme zwar, dass das Opfer am Riemen über den Asphalt geschleift worden 
sei, dies seien aber der Beschuldigte und D._____ gewesen (StA act. 5.22 Frage 
23). Weiter gab er neu zu Protokoll, dass der Beschuldigte nach der Tat ein Taxi 
gerufen und man sich beim Restaurant Q._____ getroffen habe und mit dem Taxi 
von dort weggefahren sei (StA act. 5.22 Fragen 9-12). 

An der Konfronteinvernahme (StA act. 5.25) und der Einvernahme vor Regional-
gericht (act. I.2) bestätigte er im Wesentlichen seine bis dahin getroffenen Aussa-
gen zur Tat selbst. Zum Verhalten nach der Tat wich er abermals etwas von sei-
nen bis dahin getroffenen Aussagen ab. So gab er an, dass man sich nach der Tat 
in einem Haus getroffen und von dort aus dann ein Taxi gerufen habe, um nach 
P._____ zu fahren. Die Beute hätten sie aufgeteilt; man habe etwas zum Rauchen 
gekauft und dann zu dritt geraucht (act. I.2, Fragen 14-17). 

2.8.2. Die Aussagen von C._____ sind – ähnlich wie beim Beschuldigten – im Ne-
bengeschehen als durchaus detailliert und konstant zu werten. So stimmen auch 
bei seinen Angaben hinsichtlich der Vorgänge direkt vor der Tat wesentliche Punk-
te mit den Angaben der Privatklägerin überein. Weiter bestätigte er den von der 

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Privatklägerin beschriebenen groben Tatablauf, wonach jemand die Privatklägerin 
gestossen habe und sie danach an der Tasche gezogen hätten. Noch mehr als 
beim Beschuldigten sind bei C._____ jedoch wesentliche Ungereimtheiten zu sei-
nem eigenen Tatbeitrag vorhanden. Gemäss C._____ war der Beschuldigte der 
eigentliche Haupttäter, welcher die Idee zum Raub hatte und die Privatklägerin als 
Erstes angegriffen habe. Dies widerspricht den Aussagen der Privatklägerin, von 
D._____ und dem Beschuldigten selbst. Es erscheint offensichtlich, dass C._____ 
seinen eigenen Tatbeitrag herunterspielen und den zwei anderen, namentlich dem 
Beschuldigten, die Hauptverantwortung überbinden wollte. Hinsichtlich des Tatbei-
trags der drei Beschuldigten ist auf die Aussagen von C._____ nur sehr zurückhal-
tend abzustellen. 

2.9. Aussagen von D._____

2.9.1. Auch D._____ ist im Verfahren zur Sache viermal einvernommen worden. 
An der ersten Einvernahme gab er zu Protokoll, dass er am fraglichen Abend 
zunächst alleine unterwegs gewesen sei. Am Bahnhof habe er dann den Beschul-
digten getroffen. Zusammen sei man zusammen in Richtung R._____; irgendwo-
her sei dann C._____ zu ihnen gestossen. Sie seien dann zusammen die Strasse 
dem Fluss entlang in Richtung F._____ gelaufen. Vor ihnen sei eine Frau gewe-
sen. Er sei dann auf die andere Seite gegangen, er glaube in die AC._____, und 
habe dann die Frau um Hilfe schreien hören. Er habe nicht gesehen, was genau 
passiert sei, nur wie die Frau am Boden gelegen habe und C._____ an der Ta-
sche und die Frau so über den Asphalt gezogen habe. Er habe zuerst zu C._____ 
und dann zu der Frau gesagt, sie sollen die Tasche loslassen. Die Frau habe dann 
auch losgelassen. Mit der Tasche seien sie davongerannt. Der Beschuldigte sei 
auch bei der Frau gewesen. Kurz bevor er wieder bei ihnen gewesen sei, sei er 
weggegangen. Wohin wisse er nicht. C._____ und er seien dann zu diesem Park-
haus und hätten geschaut, was in der Tasche gewesen sei. Sie hätten CHF 60.00 
und ein Handy und ein Messer mitgenommen. Danach seien sie zu Fuss zum 
Bahnhof und mit einem Taxi nach P._____ gefahren. Den Beschuldigten hätten 
sie noch in der Nähe vom Parkhaus gesehen und ihm erzählt, was sie aus der 
Tasche genommen hätten. Zur Frage, wer die Idee gehabt habe, die Frau zu über-
fallen, gab D._____ an, dass er dies nicht wisse, er jedenfalls nicht. Es sei nichts 
geplant gewesen; er sei erst dazugekommen, als C._____ an der Tasche gezogen 
habe und die Frau am Boden gelegen habe (StA act. 5.21, Fragen 1-20). 

Anlässlich der zweiten Einvernahme, der Konfronteinvernahme und der Einver-
nahme vor Regionalgericht blieb D._____ bei seinen Angaben. Er gab zwar zu, 
dass er ebenfalls an der Tasche gezogen habe, jedoch sei er erst dazugekom-

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men, als die Frau schon am Boden gelegen habe. Er habe die Frau nicht als Ers-
tes angesprochen und auch nicht geholfen, die Frau über den Asphalt zu ziehen. 
Der Beschuldigte sei auch da gewesen, aber sei irgendwo danebengestanden, er 
wisse es nicht mehr genau (vgl. StA act. 5.24, Fragen 7-24; StA act. 5.25, Fragen 
19-26). 

2.9.2. Die Aussagen von D._____ sind von allen drei Beschuldigten am wenigsten 
detailliert und namentlich hinsichtlich des Kernsachverhalts sehr pauschal und 
ausweichend ausgefallen. Während er den Ablauf vor dem Antreffen des Opfers 
zeitlich und räumlich noch nachvollziehbar beschrieb (vgl. StA act. 5.21, Frage 1), 
gab er für den weiteren Verlauf zusammengefasst lediglich an, dass er weggelau-
fen sei und eine kleine Runde gemacht habe, als er plötzlich einen Schrei gehört 
habe. Dies widerspricht den Aussagen der anderen Beteiligten, wonach er die Pri-
vatklägerin als Erstes angesprochen habe. Auch bei D._____ ist davon auszuge-
hen, dass er seine eigene Beteiligung herunterspielen wollte. Zum Beschuldigten 
gab er an, dass er nicht wisse, was dieser gemacht habe. Er sei jedoch bei der 
Frau gestanden, als diese am Boden gelegen habe (vgl. StA act. 5.24, Fragen 17 
und 19). Auch danach sei der Beschuldigte noch bei der Frau gewesen (StA 
act. 5.24, Frage 23). Insgesamt ist auch bei D._____ hinsichtlich des Tatbeitrags 
der drei Tatbeteiligten nur sehr zurückhaltend auf seine Aussagen abzustellen. 
Jedoch gab auch er an, dass der Beschuldigte – entgegen der Aussage des Be-
schuldigten – bei der Privatklägerin gestanden habe. 

2.10. Sonstige Beweismittel und Unterlagen

Wie dargelegt, liegen verschiedene weitere Beweismittel und Akten vor. Aus der 
Fotodokumentation der Staatsanwaltschaft und dem Arztbericht wird ersichtlich, 
dass das Opfer eine Schädelprellung sowie Prellungen am Oberschenkel und Ell-
bogen erlitten hat (vgl. StA act. 5.5 u. 5.2). Zudem ist erkennbar, dass auch die 
Brille des Opfers beschädigt worden ist (StA act. 5.2). Zu erwähnen ist schliesslich 
die vorgenommene Gegenüberstellung der drei Beschuldigten, anlässlich welcher 
die Privatklägerin C._____ als Täter Nr. 1, D._____ als Täter Nr. 2 und den Be-
schuldigten als (möglicherweise) Täter Nr. 3 identifizierte (vgl. StA act. 5.26). Die 
übrigen Beweismittel und Unterlagen tragen nichts Wesentliches zur Sachver-
haltserstellung bei. Hinzuweisen ist einzig auf die beiden rechtskräftigen Urteile 
des Regionalgerichts Plessur betreffend C._____ und D._____. In diesen sah das 
Regionalgericht den Anklagesachverhalt jeweils als erstellt an und verurteilte so-
wohl C._____ als auch D._____ wegen Raubes und Sachbeschädigung. 

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2.11. Gesamtwürdigung und Fazit

Aus den bisherigen Darlegungen wird deutlich, dass alle fünf vor Ort anwesenden 
Personen den Ablauf der Geschehnisse in unterschiedlicher Art und Weise be-
schrieben haben. Unbestritten erscheint, dass es sich bei den drei von der Privat-
klägerin beschriebenen Personen um C._____, D._____ und den Beschuldigten 
handelt, wobei der Beschuldigte als Täter Nr. 3 identifiziert wurde. Gestützt auf die 
Aussagen der Privatklägerin, von C._____ und des Beschuldigten ist weiter davon 
auszugehen, dass die Privatklägerin von einem der drei Beschuldigten auf dem 
J._____ angesprochen wurde und die Privatklägerin daraufhin die Richtung ge-
wechselt hat, um zu den zwei anderen Beschuldigten zu laufen. Fraglich er-
scheint, wer die Person gewesen ist, welche die Privatklägerin als Erstes ange-
sprochen hat. Die Privatklägerin identifizierte C._____ als Täter Nr. 1. Gemäss 
C._____ und dem Beschuldigten war es jedoch D._____, welcher der Privatkläge-
rin den Weg abgeschnitten und sie als Erste angesprochen hat. Im vorliegenden 
Verfahren muss diese Frage letztlich nicht definitiv beantwortet werden, zumal 
niemand angab, dass es sich dabei um den Beschuldigten gehandelt hat. Dieser 
Punkt kann damit offenbleiben. Unabhängig davon ist weiter davon auszugehen, 
dass die Privatklägerin nach einem kurzen Gespräch mit dem Täter Nr. 1 die Lauf-
richtung wechselte und die zwei anderen Beteiligten (d.h. der Beschuldigte und 
C._____ oder D._____) ansprach und um Hilfe bat (vgl. die übereinstimmenden 
Aussagen der Privatklägerin, von C._____ und des Beschuldigten). Anschliessend 
ist als erstellt anzusehen, dass sie vom J._____ in Richtung F._____ am gleich-
namigen Parkhaus vorbeilief, als sie von allen drei Beschuldigten eingeholt und 
abermals angesprochen wurde. Gemäss glaubhafter Aussage der Privatklägerin 
fragte dabei der Beschuldigte die Privatklägerin auf Englisch, woher sie sei. Ge-
stützt auf die Aussagen der Privatklägerin und C._____ ist weiter als erstellt anzu-
sehen, dass mindestens einer der drei Beschuldigten die Privatklägerin umgestos-
sen hat und einer oder mehrere Täter danach an der Handtasche gezerrt haben. 
Als Zwischenfazit kann damit festgehalten werden, dass bis zu diesem Zeitpunkt 
der Anklagesachverhalt ohne Weiteres als erstellt zu betrachten ist, zumal der 
Sachverhalt durch die Privatklägerin bis dahin sehr detailliert beschrieben worden 
ist und die drei Beschuldigten diesen punktuell selbst bestätigt haben.

Etwas weniger klar erscheint – wie bereits dargelegt – der weitere Tatablauf und 
namentlich die Beteiligung des Beschuldigten. Der Beschuldigte selbst gab zu 
Protokoll, dass er einfach an der Privatklägerin vorbeigelaufen sei und nichts be-
merkt habe, bis diese geschrien habe. Dies erscheint aufgrund diverser Indizien 
wenig glaubhaft. Erstens gab der Beschuldigte selbst an, dass er bereits einen 

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Verdacht gehabt habe, als einer der Beteiligten zur Privatklägerin gelaufen sei und 
sie angesprochen habe. Dass er in diesem Zeitpunkt das Verhalten des Täters 
Nr. 1 als verdächtig empfunden hat, erscheint denn auch als verständlich, zumal 
der Täter Nr. 1 offenbar die Privatklägerin umlaufen hat, um ihr den Weg abzu-
schneiden und auch C._____ angegeben hatte, dass sich die Privatklägerin sicht-
lich unwohl gefühlt hatte. Die gegenteiligen Aussagen des Beschuldigten vor Kan-
tonsgericht erscheinen deshalb als wenig glaubhaft. Zweitens gab die Privatkläge-
rin an, dass sie die zwei anderen Täter (also auch den Beschuldigten) angespro-
chen und um Hilfe gebeten habe, was auch C._____ so bestätigt. Dass der Be-
schuldigte dies sprachlich nicht verstanden hat, erscheint zwar möglich, ange-
sichts der vorherigen Umstände und seinen offenbar vorhandenen Englischkennt-
nissen jedoch ebenfalls als wenig glaubhaft. Vielmehr ist auch hier davon auszu-
gehen, dass dem Beschuldigten bewusst war, dass die Privatklägerin durch den 
Täter Nr. 1 unter Druck gesetzt worden war und ihr Gefahr drohte. Drittens gab die 
Privatklägerin ausdrücklich an, dass der Beschuldigte sie kurz vor der ersten Atta-
cke auf Englisch gefragt habe, woher sie sei. Diese Aussage erscheint glaubhaft, 
zumal die Privatklägerin ausdrücklich darauf hinwies, dass die Frage vom Täter 
Nr. 3 gekommen sei. Offensichtlich fand damit also eine Interaktion zwischen dem 
Beschuldigten und der Privatklägerin statt, obwohl dies der Beschuldigte im Ver-
fahren immer wieder bestritten hat. Und viertens gab die Privatklägerin schliesslich 
zu Protokoll, dass sie zwar nicht genau wisse, welcher Täter was getan habe, sie 
jedoch ausdrücklich bestätigte, dass alle drei Beschuldigten beim Angriff und da-
nach direkt bei ihr gestanden hätten. Auch der Zeuge L._____ und D._____ sag-
ten aus, dass alle drei Beschuldigten beim Opfer gestanden hätten, was diametral 
den Aussagen des Beschuldigten widerspricht. Angesichts dieser Umstände sind 
die Aussagen des Beschuldigten als Schutzbehauptung zu werten. Falls er nicht 
selbst an der Planung des Raubes beteiligt war – was nicht erstellt werden kann – 
so musste ihm aufgrund der Umstände zumindest bewusst gewesen sein, dass 
seine zwei anderen Kollegen einen Überfall oder etwas ähnliches planten. Trotz-
dem ist er bei den beiden und der Privatklägerin geblieben, hat selbst mit dem Op-
fer gesprochen und so das Opfer in vermeintlicher Sicherheit wiegen lassen. Die 
konsistenten Aussagen der Privatklägerin und namentlich von L._____ legen 
schliesslich nahe, dass der Beschuldigte beim Angriff nicht nur danebenstand, 
sondern aktiv am Übergriff mitwirkte, zumal L._____ beobachtete, wie alle drei 
Beteiligten in unmittelbarem Kontakt mit dem Opfer waren. Insgesamt ergibt sich 
aus den vorliegenden Beweisen deshalb ein weitgehend klares Bild: Der Beschul-
digte war Teil des Übergriffs auf die Privatklägerin, indem er sie zuerst mit einem 
Gespräch ablenkte und dann aktiv am Entreissdiebstahl der Tasche mitwirkte. Die 
vorliegende Beweislage ist ausreichend stark, um die aktive Beteiligung des Be-

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schuldigten am Raub zu belegen. Daran vermag auch die Behauptung der Vertei-
digung nichts zu ändern, wonach der Beschuldigte gar nicht an der Beute beteiligt 
worden sei. Dies, zumal der Beschuldigte selbst aussagte, dass C._____ das Taxi 
nach P._____ bezahlt habe und es als wahrscheinlich erscheint, dass die Taxi-
fahrt mit der Beute bezahlt worden ist. Zusammenfassend ist der Anklagesachver-
halt als erstellt zu erachten.

3. Rechtliche Würdigung

3.1. Raub (Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB)

3.1.1. Gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich des Raubes schuldig, wer 
mit Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für 
Leib und Leben oder nachdem er den Betroffenen zum Widerstand unfähig ge-
macht hat, einen Diebstahl begeht. Einen Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 
StGB begeht, wer jemandem eine fremde bewegliche Sache zur Aneignung weg-
nimmt, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern.

Unter dem Begriff der Gewalt von Art. 140 Ziff. 1 StGB ist die unmittelbare physi-
sche Einwirkung auf den Körper des Opfers zu verstehen. Nicht erforderlich ist, 
dass der Täter das Opfer durch die Anwendung von Gewalt zum Widerstand un-
fähig macht. Den Tatbestand des Raubes von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB erfüllt 
bereits, wer das Opfer durch Gewalt veranlasst, die Wegnahme einer Sache zu 
dulden (BGE 133 IV 207 E. 4.3.1). Die Gewalt muss darauf gerichtet sein, den 
Widerstand des Opfers zu brechen. Massgeblich ist die Intensität der Gewalt. Die 
Einwirkung auf den Körper muss einen Schweregrad erreicht haben, der norma-
lerweise genügt, um dem Opfer eine wirksame Gegenwehr zu verunmöglichen 
oder doch wesentlich zu erschweren (BGE 133 IV 207 E. 4.3.2 S. 211). Leistet 
das Opfer Gegenwehr und muss es der Täter zum Beispiel umwerfen, schlägt 
oder tritt er es, so bricht er den Widerstand im Sinne des Gewaltbegriffs von 
Art. 140 StGB. In subjektiver Hinsicht verlangt der Tatbestand – über die Dieb-
stahlsabsicht hinaus – Vorsatz, der sich auf die Ausführung der Nötigungshand-
lung gegenüber dem Opfer zum Zwecke eines Diebstahls bezieht. Der Täter muss 
die Wegnahme der Sache erzwingen wollen oder zumindest in Kauf nehmen, dass 
er den Widerstand des Opfers durch die ausgeübte Gewalt bricht (BGE 133 IV 
207 E. 4.3.3; BGer 6B_1404/2020 v. 17.1.2022 E. 1.2.2, nicht publ. in BGE 148 IV 
124).

3.1.2. Vorliegend kann nicht als erstellt erachtet werden, dass der Beschuldigte 
selbst gegen das Opfer Gewalt angewendet hat. Zudem ist aufgrund diverser 

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Aussagen der zwei anderen Beschuldigten nicht davon auszugehen, dass er die 
Tasche der Privatklägerin an sich genommen hat. Angesichts dessen erscheint 
klar, dass der Beschuldigte einzelne Tatbestandsvoraussetzungen in alleiniger 
Täterschaft nicht erfüllt hat. Fraglich ist jedoch, ob er sich des Raubes in Mittäter-
schaft strafbar gemacht hat; in diesem Falle wären ihm Handlungen der anderen 
Mittäter anzurechnen.

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts (bestätigt in BGer 
6B_140/2021 v. 24.2.2022) gilt als Mittäter, wer bei der Entschliessung, Planung 
oder Ausführung eines Delikts vorsätzlich und in massgebender Weise mit ande-
ren Tätern zusammenwirkt, sodass er als Hauptbeteiligter dasteht (vgl. dazu BGE 
135 IV 152 E. 2.3.1; 133 IV 76 E. 2.7; 130 IV 58 E. 9.2.1; 125 IV 134 E. 3a; 120 IV 
265 E. 2c/aal; 118 IV 397 E. 2b). Daraus folgt aber nicht, dass tatbestandsmässi-
ge Ausführungshandlungen notwendige Voraussetzung für die Annahme von Mit-
täterschaft sind. Vielmehr wird die mittäterschaftliche Tatbeteiligung massgeblich 
an der Rolle gemessen, die der Einzelne willentlich übernimmt (vgl. dazu BGer 
6B_939/2013 v. 17.6.2014 E. 2). Neben der gemeinsamen Tatausführung setzt 
Mittäterschaft sodann einen gemeinsamen Tatentschluss voraus (BGE 126 IV 84 
E. 2c/aa; 125 IV 134 E. 3a; 120 IV 17 E. 2d). Die Willensübereinstimmung kann 
irgendwie hergestellt werden; einer besonderen Verabredung bedarf es nicht 
(BGer 6B_939/2013 v. 17.6.2014 E. 2). Namentlich ist auch an spontanen, nicht 
geplanten Aktionen oder unkoordinierten Straftaten Mittäterschaft möglich, wie 
etwa dann, wenn mehrere Personen in stillschweigendem Einverständnis auf ei-
nen anderen einzuschlagen beginnen (BGE 118 IV 227 E. 5d/aa; BGer 
6B_1201/2019 v. 1.5.2020 E. 1.3.2 m.w.H.). Allerdings haftet jeder Mittäter nur, 
soweit sein Wille reicht. Die Grenze für die subjektive Zurechnung von mittäter-
schaftlichem Handeln liegt mithin dort, wo ein vom gemeinsamen Tatplan abwei-
chender Ablauf für einen Beteiligten nicht vorhersehbar ist und von ihm deshalb 
auch nicht gebilligt werden kann (BGE 118 IV 227 E. 5d/cc; s.a. BGer 6B_98/2013 
v. 10.6.2013 E. 2.3 und 6P.188/2006 vom 21.2.2007 E. 6.6). Nicht erforderlich ist 
grundsätzlich, dass der Mittäter bei der Entschlussfassung mitwirkt. Es genügt, 
dass er sich später den Vorsatz seines Mittäters zu eigen macht (sog. sukzessive 
Mittäterschaft). In diesem Fall haftet der Hinzutretende indessen nur für dasjenige 
Unrecht, das nach seinem Beitritt noch begangen wird (BGer 6B_473/2012 v. 
21.2.2013 E. 1.4; 6B_1091/2009 v. 29.4.2010 E. 3.3). Erst wenn Mittäterschaft 
bejaht wird, kommt schliesslich die strafprozessuale Beweiserleichterung zum 
Tragen, wonach jedem Mittäter die Tatbeiträge der jeweils anderen wie die eige-
nen zugerechnet werden (BGE 143 IV 361 E. 4.10; BGer 6B_371/2020 v. 
10.9.2020 E. 2.3).

22 / 40

Wie im Rahmen der Sachverhaltserstellung festgestellt, hat der Beschuldigte in 
massgeblicher Weise an der vorliegend zu beurteilenden Tat mitgewirkt. Zusam-
men mit den anderen beiden Mittäter hat er die Privatklägerin angehalten und an-
gesprochen; der Beschuldigte selbst verwickelte die Privatklägerin in ein kurzes 
Gespräch, kurz bevor ein anderer Mittäter auf die Privatklägerin einwirkte. Im Wei-
teren ist als erstellt anzusehen, dass der Beschuldigte in irgendeiner Form auf die 
Privatklägerin eingewirkt hat, als sie am Boden lag, sei dies, indem er sie festge-
halten hat oder mit anderen Mitbeschuldigten am Riemen der Tasche gezogen 
hat. Mit seinen Handlungen hat er damit aktiv eine entscheidende Rolle einge-
nommen. Ob der Beschuldigte bereits von Beginn weg – wie von C._____ be-
hauptet – massgeblich am Tatentschluss beteiligt war, lässt sich jedoch nicht er-
stellen. Zumindest jedoch hat er sich in konkludenter Art und Weise den Tatent-
schluss der zwei anderen Mittäter zu eigen gemacht, als er bemerkt hat, dass die-
se eine Aktion gegen die Privatklägerin planten. Gemäss eigenen Aussagen ver-
dächtigte er seinen Kollegen D._____ ja bereits dann, als dieser die Privatklägerin 
ein erstes Mal angesprochen hatte. Dass seine zwei Kollegen einen Raub oder 
etwas Ähnliches planten, lag aufgrund der Gesamtumstände im Rahmen des vor-
aussehbaren. Die Handlungen, welche seine Mittäter durchführten, waren damit 
durch den Willen des Beschuldigten abgedeckt, womit ihm diese Handlungen im 
Rahmen der Tatbestandsbeurteilung anzurechnen sind.

3.1.3. Aufgrund der Mittäterschaft der drei Angeklagten ist der Tatbestand des 
Raubes anhand der Handlungen aller drei Beteiligten zu prüfen. Wie dargelegt, ist 
der Anklagesachverhalt dabei grundsätzlich als erstellt anzusehen. Es ist damit 
davon auszugehen, dass ein Mittäter die Privatklägerin zweimal mit den Händen 
gegen die Brust stiess, sodass die Privatklägerin zu Boden fiel und auf der rechten 
Körperseite zu liegen kam. Diese Handlung ist rechtsgenüglich als Gewalt im Sin-
ne des Raubtatbestands anzusehen, zumal damit offensichtlich der Widerstand 
der Privatklägerin in grossen Teilen bereits gebrochen worden ist. Weiter zogen 
die Beschuldigten so an der Tasche, dass die Privatklägerin über den Asphalt ge-
zogen wurde und sie dabei mutmasslich den Kopf auf dem Boden aufschlug. Als 
der Riemen der Tasche riss, behändigte sich einer der beiden anderen Mittäter 
der Tasche, woraufhin alle drei wegrannten. Damit brachen sie den Gewahrsam 
der Privatklägerin an der Tasche samt Inhalt und begründeten daran selbst neuen 
Gewahrsam. Durch ihr Vorgehen erwirtschafteten sich die drei Mittäter – zumin-
dest vorübergehend – einen Vermögensvorteil von rund CHF 2'369.00, wobei sie 
lediglich etwas Bargeld, ein Mobiltelefon und ein Sackmesser behielten. Unab-
hängig davon, dass sie sich der Tasche freiwillig entledigten, haben sie damit die 
objektiven Voraussetzungen des Diebstahls und damit auch des Raubes im Sinne 

23 / 40

von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB erfüllt. In subjektiver Hinsicht handelten die Mit-
täter hinsichtlich aller Tatbestandsvoraussetzungen mit direktem Vorsatz und Be-
reicherungsabsicht. 

Zusammenfassend erfüllte der Beschuldigte in Mittäterschaft sowohl den objekti-
ven als auch den subjektiven Tatbestand des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 
Abs. 1 StGB. Rechtfertigungsgründe oder Schuldausschlussgründe sind nicht er-
sichtlich. Der Beschuldigte ist im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig 
zu sprechen.

3.2. Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB)

3.2.1. Gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB macht sich der Sachbeschädigung strafbar, 
wer eine Sache, an der ein fremdes Eigentums-, Gebrauchs- oder Nutzniessungs-
recht besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht. Der Begriff des Scha-
dens ist in einem weiteren Sinne zu verstehen. In Frage kommen sowohl materiel-
le Schäden als auch solche immaterieller Art. Zu berücksichtigen sind namentlich 
Kosten für die Wiederbeschaffung und Reparatur. In subjektiver Hinsicht verlangt 
der Tatbestand Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt (Art. 12 Abs. 1 und Abs. 2 
StGB). 

3.2.2. Vorliegend ist als erstellt anzusehen, dass durch die Handlungen der drei 
Beschuldigten die Sehbrille der Privatklägerin (Wert CHF 330.00) beschädigt wor-
den ist. Eine Sachbeschädigung im Sinne von Art.144 Abs. 1 StGB liegt damit oh-
ne Weiteres vor. Wie bei der Beurteilung des Raubes kann vorliegend nicht erstellt 
werden, dass die Brille der Privatklägerin direkt durch eine Handlung des Be-
schuldigten beschädigt worden ist. Die Ausführungen zur Mittäterschaft im Rah-
men der Beurteilung des Raubes gelten vorliegend jedoch analog, es kann darauf 
verwiesen werden. Namentlich musste der Beschuldigte auch davon ausgehen, 
dass im Rahmen des Raubes eine Sachbeschädigung eintreten konnte. Der Tat-
bestand der Sachbeschädigung ist sowohl in objektiver als auch in subjektiver 
Hinsicht als erfüllt anzusehen. Auch diesbezüglich sind keine Rechtfertigungs-
gründe oder Schuldausschlussgründe ersichtlich, womit der Beschuldigte im Sinne 
von Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen ist.

3.3. Fazit rechtliche Würdigung

Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte als Mittäter sowohl des Raubes im 
Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB wie auch der Sachbeschädigung gemäss 
Art. 144 Abs. 1 StGB strafbar gemacht. 

24 / 40

4. Strafzumessung

4.1. Grundsätze, Anträge und Vorbringen der Verteidigung

4.1.1. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 
StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt 
(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. mit Hinweisen; vgl. auch 144 IV 313 E. 1; 144 IV 217 
E. 2.3 ff.; 142 IV 265 E. 2.3 ff.). Darauf kann verwiesen werden. 

4.1.2. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 
20 Monaten. Den Vollzug der Strafe schob sie unter Ansetzung einer Probezeit 
von drei Jahren auf. Der Beschuldigte beantragt im Sinne eines Eventualantrags 
die Reduktion der vorinstanzlichen Strafe auf sechs Monate Freiheitsstrafe. Die 
Staatsanwaltschaft wiederum beantragt eine Erhöhung auf 26 Monate Freiheits-
strafe, wobei der Vollzug der Strafe lediglich hinsichtlich 13 Monaten aufzuschie-
ben sei. 

4.1.3. Die Verteidigung führte an der Hauptverhandlung aus, dass die Vorinstanz 
zum objektiven Tatverschulden festgestellt habe, dass ein relativ hoher Deliktsbe-
trag vorliege und der Beschuldigte sowie seine Mittäter das Opfer zu Beginn ver-
folgt und verängstigt hätten, bevor sie ihm den Weg abgeschnitten hätten. Zudem 
hätten die Täter eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem körperlich unterle-
genen Opfer gezeigt. Es sei jedoch zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte im 
Vergleich zu seinen Mittätern eine eher untergeordnete Rolle gespielt habe, da er 
das Opfer weder geschlagen noch an der Tasche gezerrt habe. Das objektive Tat-
verschulden wiege somit im Rahmen des Raubes leicht. Diese Feststellung der 
Vorinstanz sei korrekt; zu berücksichtigen sei zudem, dass der Beschuldigte kei-
nen Rappen des Deliktsbetrags behändigt habe. Zum subjektiven Tatverschulden 
habe die Vorinstanz festgehalten, dass der Beschuldigte mit seinen Mittätern aus 
rein finanziellen Interessen gehandelt habe. Damit verkenne die Vorinstanz, dass 
der Beschuldigte die Handtasche nie in den Händen gehabt habe und offensicht-
lich kein Interesse an der Tasche oder ihrem Inhalt gehabt habe. Zudem sei er im 
Gegensatz zu seinen Mittätern berufstätig gewesen und habe es nicht nötig ge-
habt, Personen auszurauben. Die Vorinstanz habe die hypothetische Einsatzstrafe 
auf 18 Monate festgesetzt, ohne dies zu begründen. Angesichts der Rolle des Be-
schuldigten und seiner tatsächlichen Handlungen plädierte die Verteidigung für 
eine Festsetzung auf sechs Monate Freiheitsstrafe. 

Zur Sachbeschädigung schliesslich habe die Vorinstanz korrekt ausgeführt, dass 
die hypothetische Einsatzstrafe um einen Monat erhöht werden solle. Die Verteidi-

25 / 40

gung wies betreffend die Tatkomponenten jedoch darauf hin, dass die Vorinstanz 
eine nicht einschlägige Vorstrafe des Beschuldigten als straferhöhend gewertet 
habe, obwohl es sich um ein Bagatellvergehen handle. Zudem sei fraglich, ob der 
Beschuldigte den Strafbefehl rechtzeitig zur Kenntnis genommen habe. Aufgrund 
seiner persönlichen Verhältnisse und seines bisherigen Verhaltens sei die Strafe 
des Beschuldigten vielmehr um einen Monat zu reduzieren. Insgesamt sei der Be-
schuldigte maximal mit einer Strafe von sechs Monaten Freiheitsstrafe und einer 
Probezeit von zwei Jahren zu bestrafen (act. H.2, S. 6 f.). 

4.2. Strafrahmen und Sanktionsart

4.2.1. Vorliegend hat sich der Beschuldigte des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 
Abs. 1 StGB sowie der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig 
gemacht. Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sieht als Sanktion eine Freiheitsstrafe von 
sechs Monaten bis zu zehn Jahren vor. Ein Verstoss gegen Art. 144 Abs. 1 StGB 
wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Es sind keine 
Gründe vorhanden, weshalb vom ordentlichen Strafrahmen der beiden Tatbestän-
de abzuweichen ist.

4.2.2. Für den Raub ist die Sanktionsart – wie dargelegt – im Gesetz zwingend 
festgelegt; dementsprechend ist dafür eine Freiheitsstrafe festzulegen. Hinsichtlich 
der Sachbeschädigung fallen jedoch sowohl eine Freiheitsstrafe als auch eine 
Geldstrafe in Betracht. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium 
die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter 
und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 
134 IV 97 E. 4.2 mit Hinweisen). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll 
nach konstanter Rechtsprechung bei alternativ zur Verfügung stehenden und hin-
sichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige 
gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen ein-
greift (BGE 138 IV 120 E. 5.2; BGer 6B_125/2018 v. 14.6.2018 E. 1.3.2; je m.H.). 
Die Geldstrafe stellt die Hauptsanktion dar (BGE 134 IV 97 E. 4.2.2). Sie wiegt als 
Vermögenssanktion prinzipiell weniger schwer als ein Eingriff in die persönliche 
Freiheit (BGE 138 IV 120 E. 5.2; 134 IV 97 E. 4.2.2). Am Vorrang der Geldstrafe 
hat der Gesetzgeber im Rahmen der erneuten Revision des Sanktionenrechts 
entgegen der ursprünglichen Stossrichtung festgehalten (BGE 144 IV 217 E. 3.6 
mit Hinweisen). Dem Gesagten entsprechend ist in casu für die Sachbeschädi-
gung lediglich eine Geldstrafe auszusprechen. Dies, zumal für den Raub ohnehin 
eine Freiheitsstrafe auszusprechen ist und eine Geldstrafe für die Sachbeschädi-
gung unter diesen Umständen und angesichts der tiefen Schadenssumme als 
genügend erscheint, um den Beschuldigten von weiteren Taten abzuhalten. 

26 / 40

Zusammenfassend ist damit für den Raub eine Freiheitsstrafe und für die Sachbe-
schädigung eine Geldstrafe auszusprechen.

4.3. Strafe Raub

4.3.1. Tatkomponenten

In objektiver Hinsicht ist zu bemerken, dass der Beschuldigte mit zwei Mittätern 
handelte, wodurch sie in der Übermacht waren. Sie agierten nachts, in unbeleuch-
teten Verhältnissen und zielgerichtet. Der Angriff auf das Opfer erfolgte unvermit-
telt, so dass sich die Privatklägerin kaum wehren konnte. Tatmotiv war letztlich 
Geldgier. Dass die Privatklägerin nicht schwerere Verletzungen erhalten hat, ist 
wohl lediglich ihrer geringen Gegenwehr und dem Erscheinen des Sicherheitsbe-
amten zu verdanken. In diesem Sinne ist die Tatschwere an sich als erheblich zu 
werten. Zu berücksichtigen ist jedoch, wie die Verteidigung zu Recht vorbringt, 
dass der Beschuldigte eine untergeordnete Rolle eingenommen hat. In diesem 
Sinne ist das objektive Tatverschulden seines Tatbeitrags geringer einzuordnen, 
als dies die Staatsanwaltschaft darlegt (vgl. act. H.1, S. 6 f.). Insgesamt ist ange-
sichts des Deliktbetrags, der eher leichten Verletzungen der Privatklägerin und der 
eher geringen Tatbeteiligung des Beschuldigten noch von einem für den Tatbe-
stand leichten Verschulden auszugehen. Dies rechtfertigt eine Strafe im untersten 
Drittel des Strafrahmens. Im Rahmen der subjektiven Tatschwere ist zu beachten, 
dass die Tat direktvorsätzlich und gezielt verübt worden ist. Es ist zwar nicht da-
von auszugehen, dass der Beschuldigte die Idee zur Tat hatte. Jedoch hat er sich 
den Tatentschluss seiner Mittäter zu eigen gemacht und damit letztlich direktvor-
sätzlich gehandelt. Das subjektive Tatverschulden vermag damit die objektive 
Tatschwere unter keinem Titel in einem milderen Licht erscheinen zu lassen.

Die Verteidigung sieht angesichts der Rolle des Beschuldigten eine Einsatzstrafe 
von sechs Monaten als anmessen an. Dies erscheint unter Beachtung der Schwe-
re des Raubes an sich als wesentlich zu tief. Insgesamt ist die Strafe aufgrund der 
Tatkomponenten auf 18 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen. 

4.3.2. Täterkomponente

Was die persönlichen Verhältnisse anbelangt, kann auf die Ausführungen der Vor-
instanz (act. E.1, E. A) verwiesen werden. Die persönlichen Verhältnisse zeitigen 
keine Auswirkungen auf die Strafzumessung. Die Vorstrafe aus dem Jahr 2021 ist 
nicht einschlägig und vorliegend nicht zu berücksichtigen. Entgegen der Verteidi-
gung sind jedoch auch keine Gründe ersichtlich, weshalb die Strafe um einen Mo-

27 / 40

nat gesenkt werden sollte. Die Strafe ist aufgrund der Täterkomponenten weder zu 
erhöhen noch zu senken.

4.3.3. Zwischenfazit Raub

Unter Berücksichtigung der erfolgten Erwägungen resultiert eine dem Verschulden 
und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemessene Freiheits-
strafe von 18 Monaten. 

4.4. Strafe Sachbeschädigung

Bei der objektiven Tatschwere bezüglich der Sachbeschädigung ist festzuhalten, 
dass ein Schaden in der Höhe von rund CHF 330.00 verursacht wurde. Mit der 
Vorinstanz ist immerhin zu berücksichtigen, dass die Sachbeschädigung nur Mittel 
zum Zweck beziehungsweise Nebenfolge des Raubes war. Insgesamt ist das Ver-
schulden am unteren Rand des unteren Drittels anzusetzen. Eine Geldstrafe von 
30 Tagessätzen erscheint vorliegend als angemessen. Die persönlichen Verhält-
nisse zeitigen keine Auswirkungen auf die Strafzumessung. Es kann auf das Aus-
geführte zum Raub verwiesen werden. Aus dem Dargelegten resultiert eine dem 
Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemesse-
ne Geldstrafe von 30 Tagessätzen.

4.5. Tagessatz

Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen und wirt-
schaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach 
Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstüt-
zungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (vgl. Art. 34 Abs. 2 StGB). Vor-
liegend reichte der Beschuldigte einen Arbeitsvertrag und eine Lohnabrechnung 
ein, gemäss welchem er ein Nettogehalt (auch abzüglich Quellensteuer) von rund 
CHF 4'200.00 erwirtschaftet (act. B.2 und B.3). Zuzüglich der Quellensteuer von 
CHF 421.60, abzüglich eines Pauschalabzugs von 20% für den allgemeinen Le-
bensaufwand und eines Abzugs von CHF 300.00 für die Unterstützung seines 
Kindes in T._____ verbleibt ein anrechenbares Einkommen von CHF 3'422.40, 
womit der Tagessatz auf abgerundete CHF 110.00 festzulegen ist. 

4.6. Fazit Strafzumessung

Zusammenfassend ist der Beschuldigte für den Raub und die Sachbeschädigung 
mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten und einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen 
zu je CHF 110.00 zu bestrafen.

28 / 40

5. Vollzug

5.1. Nach Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe, 
von gemeinnütziger Arbeit oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Mona-
ten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe 
nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen 
oder Vergehen abzuhalten. Es kann eine Strafe von mindestens einem Jahr und 
höchstens drei Jahren nur teilweise aufschieben, wenn dies notwendig ist, um 
dem Verschulden des Täters genügend Rechnung zu tragen (Art. 43 Abs. 1 
StGB). Im überschneidenden Anwendungsbereich von Art. 42 und 43 StGB (zwi-
schen einem und drei Jahren) ist der Strafaufschub nach Art. 42 StGB die Regel, 
die grundsätzlich vorgeht. Der teilbedingte Vollzug bildet dazu die Ausnahme. Sie 
ist nur zu bejahen, wenn der Aufschub wenigstens eines Teils der Strafe aus spe-
zialpräventiver Sicht erfordert, dass der andere Strafteil unbedingt ausgesprochen 
wird. Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so be-
stimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 Abs. 1 
StGB).

5.2. Vorliegend hat der Beschuldigte – wie bereits dargelegt – eine Vorstrafe, 
welche jedoch nicht einschlägig ist (SVG-Delikt) und in der Beurteilung der Legal-
prognose kaum zu berücksichtigen ist. Sonst hat sich der Beschuldigten seit sei-
ner Ankunft in der Schweiz nichts zuschulden kommen lassen. Angesichts dessen 
ist nicht davon auszugehen, dass er erneut straffällig wird, zumal die heute ausge-
fällte Strafe bei erneuter Delinquenz zu vollziehen wäre. Der individuelle Tatbei-
trag des Beschuldigten ist zudem als eher gering einzuordnen; auch ein teilweiser 
Vollzug erscheint deshalb – gerade unter Berücksichtigung der 43 Tagen Untersu-
chungshaft – als nicht notwendig, um dem Verschulden Rechnung zu tragen. Es 
ist entgegen der Staatsanwaltschaft nicht ersichtlich, dass eine teilbedingte Frei-
heitsstrafe nötig ist, um den Beschuldigten von weiteren Straftaten abzuhalten 
(vgl. dazu Plädoyer StA, act. H.1, S. 9). Angesichts dieser Gründe ist dem Be-
schuldigten damit der bedingte Strafvollzug unter Ansetzung einer minimalen Pro-
bezeit von zwei Jahren zu gewähren (Art. 42 Abs. 1 StGB).

6. Landesverweis

6.1. Ausgangslage und rechtliche Grundlagen

6.1.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für sieben Jahre aus der Schweiz 
verwiesen. Die Verteidigung beantragte vor dem Kantonsgericht von einem Lan-

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desverweis abzusehen; die Staatsanwaltschaft beantragte eine Verlängerung des 
Landesverweises auf 10 Jahre. 

6.1.2. Gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB verweist das Gericht den Ausländer, der 
wegen Raubes (Art. 140 StGB) verurteilt wird, unabhängig von der Höhe der Stra-
fe für 5 bis 15 Jahre aus der Schweiz. Die obligatorische Landesverweisung we-
gen einer Katalogtat im Sinne von Art. 66a Abs. 1 StGB greift grundsätzlich unab-
hängig von der konkreten Tatschwere (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 144 IV 332 E. 
3.1.3). Sie muss zudem unabhängig davon ausgesprochen werden, ob es beim 
Versuch geblieben ist und ob die Strafe bedingt, unbedingt oder teilbedingt ausfällt 
(BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 144 IV 168 E. 1.4.1).

6.1.3. Von der Anordnung der Landesverweisung kann nur "ausnahmsweise" un-
ter den kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1.) einen 
schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und (2.) die öffentlichen Interes-
sen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers 
am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der besonderen Situation 
von Ausländern Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren oder aufge-
wachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB; sog. Härtefallklausel). Die Härtefallklausel 
dient der Umsetzung des Verhältnismässigkeitsprinzips (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV). Sie 
ist restriktiv anzuwenden (BGE 146 IV 105 E. 3.4.2 m.H.). Nach der bundesge-
richtlichen Rechtsprechung lässt sich zur kriteriengeleiteten Prüfung des Härtefalls 
im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB der Kriterienkatalog der Bestimmung über den 
"schwerwiegenden persönlichen Härtefall" in Art. 31 Abs. 1 der Verordnung vom 
24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (VZAE; SR 
142.201) heranziehen (BGE 146 IV 105 E. 3.4.2; 144 IV 332 E. 3.3.2). Zu berück-
sichtigen sind namentlich der Grad der (persönlichen und wirtschaftlichen) Integra-
tion, einschliesslich familiärer Bindungen des Ausländers in der Schweiz bzw. in 
der Heimat, die Aufenthaltsdauer, der Gesundheitszustand und die Resozialisie-
rungschancen. Ebenso ist der Rückfallgefahr und wiederholter Delinquenz Rech-
nung zu tragen. Bei der Härtefallprüfung ist nicht schematisch ab einer gewissen 
Aufenthaltsdauer von einer Verwurzelung in der Schweiz auszugehen. Es ist viel-
mehr anhand der gängigen Integrationskriterien eine Einzelfallprüfung vorzuneh-
men (BGE 146 IV 105 E. 3.4.2; 144 IV 332 E. 3.3.2; 6B_149/2021 v. 3.2.2022 
E. 2.3.2; 6B_1468/2020 v. 13. 10.2021 E. 1.2; m.H.). Erforderlich sind besonders 
intensive, über eine normale Integration hinausgehende private Beziehungen be-
ruflicher oder gesellschaftlicher Natur (BGE 144 II 1 E. 6.1; 6B_429/2021 v. 
3.5.2022 E. 3.1.2; 6B_759/2021 v. 16.12.2021 E. 4.2.3; m.H.). 

30 / 40

6.1.4. Von einem schweren persönlichen Härtefall ist in der Regel bei einem Ein-
griff von einer gewissen Tragweite in den Anspruch des Ausländers auf das in 
Art. 13 BV und Art. 8 EMRK verankerte Recht auf Achtung des Privat- und Famili-
enlebens auszugehen (BGer 6B_149/2021 v. 3.2.2022 E. 2.3.3; 6B_1077/2020 v. 
2.6.2021 E. 1.2.3; 6B_568/2020 v. 13.4.2021 E. 5.3.4; m.H.). Art. 66a StGB ist 
insoweit EMRK-konform auszulegen. Die Interessenabwägung im Rahmen der 
Härtefallklausel von Art. 66a Abs. 2 StGB hat sich daher an der Verhältnismässig-
keitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu orientieren (BGE 145 IV 161 E. 3.4; 
6B_1077/2020 v. 2.6.2021 E. 1.2.3; 6B_1178/2019 v. 10.3.2021 E. 3.2.5). Die 
Staaten sind nach dieser Rechtsprechung berechtigt, Delinquenten auszuweisen; 
berührt die Ausweisung indes Gewährleistungen von Art. 8 Ziff. 1 EMRK, ist der 
Eingriff nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu rechtfertigen. Erforderlich ist, dass die aufent-
haltsbeendende oder -verweigernde Massnahme gesetzlich vorgesehen ist, einem 
legitimen Zweck im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK entspricht (Schutz der nationa-
len oder öffentlichen Sicherheit, Aufrechterhaltung der Ordnung, Verhütung von 
Straftaten etc.) und verhältnismässig ist (BGE 146 IV 105 E. 4.2; 143 I 21 E. 5.1; 
142 II 35 E. 6.1).  

6.1.5. Art. 66d StGB regelt den Vollzug der obligatorischen Landesverweisung. 
Mögliche Vollzugshindernisse im Sinne dieser Bestimmung sind unter Verhältnis-
mässigkeitsgesichtspunkten bereits bei der strafgerichtlichen Anordnung der Lan-
desverweisung zu berücksichtigen, soweit die Verhältnisse stabil und die rechtli-
che Durchführbarkeit der Landesverweisung definitiv bestimmbar sind (BGer 
6B_45/2020 v. 14.3.2022 E. 3.3.3; 6B_105/2021 v. 29.11.2021 E. 3.4.2; 
6B_1077/2020 v. 2.6.2021 E. 1.5.6; vgl. zum Härtefall aus gesundheitlichen Grün-
den: BGE 145 IV 455 E. 9.4). Liegt ein definitives Vollzugshindernis vor, so hat der 
Sachrichter auf die Anordnung der Landesverweisung zu verzichten (BGE 147 IV 
453 E. 1.4.5; 145 IV 455 E. 9.4). Im Übrigen ist dem (flüchtlingsrechtlichen) Non-
refoulement-Gebot (Art. 25 Abs. 2 BV, Art. 5 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. 
Juni 1998 [AsylG; SR 142.31]) und anderen völkerrechtlich zwingenden Bestim-
mungen auf der Ebene des Vollzugs Rechnung zu tragen (vgl. Art. 66d Abs. 1 
StGB; BGer 6B_45/2020 v. 14.3.2022 E. 3.3.3; 6B_747/2019 vom 24.6.2020 
E. 2.1.2). 

6.2. Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung brachte anlässlich der Hauptverhandlung vor, dass der Beschul-
digte V._____ und in AD._____ aufgewachsen sei, einer Stadt, die als Zentrum 
eines gescheiterten Staates gelte. Seit dem Sturz des Diktators AE._____ im Jahr 
1991 herrsche in V._____ ein anhaltender Machtkampf zwischen verschiedenen 

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Stämmen, während die S._____ weite Teile des Landes kontrolliere. Diese Orga-
nisation habe kürzlich einen verheerenden Angriff in AD._____ verübt, was das 
hohe Risiko von Terroranschlägen und Entführungen im gesamten Land unter-
streiche. Die Sicherheitslage sei katastrophal, und es gebe weder Rechtsstaatlich-
keit noch soziale Wohlfahrt. Der Beschuldigte sei das älteste von vier Kindern und 
habe familiäre Verbindungen in AF._____ und der Schweiz. Sein Vater sei 2013 
ermordet worden, was die instabile Familiensituation verdeutliche. Seine Mutter 
lebe in T._____, während seine Grossmutter in U._____ wohne. In V._____ lebe 
niemand mehr aus seiner Kernfamilie. Er sei in V._____ einmal verheiratet gewe-
sen und habe eine Tochter, welche im Jahr 2008 zur Welt gekommen sei. Mittler-
weile sei er geschieden und habe seine Tochter seit 2012 nicht mehr gesehen. 
Beruflich sei der Beschuldigte in V._____ vielfältig tätig gewesen, unter anderem 
als Schuhputzer und Taxifahrer sowie als Inhaber eines Fotogeschäfts. Nachdem 
ein Mitglied von S._____ durch einen Mitarbeiter auf einem Video festgehalten 
worden sei, sei er bedroht worden und habe sich gezwungen gesehen, 2012 zu 
fliehen. Seine Flucht habe ihn über mehrere Länder nach W._____ und schliess-
lich in die Schweiz geführt, wo er seit 2013 lebe. In der Schweiz habe sich der Be-
schuldigte gut integriert und sei seit 2016 erwerbstätig. Nach seiner Entlassung 
aus der Untersuchungshaft habe er sofort einen Job gefunden und arbeite derzeit 
als Produktionsmitarbeiter. Seine Arbeitgeberin schätze seine Leistung sehr, was 
auf eine erfolgreiche wirtschaftliche Integration hinweise. Zudem verfüge er über 
ausreichende Deutschkenntnisse, um im Alltag kommunizieren zu können. Die 
Vorinstanz habe Zweifel an seinen Sprachkenntnissen und sozialen Kontakten in 
der Schweiz geäussert. Diese Einschätzung sei unzutreffend, da der Beschuldigte 
über ein aktives soziales Netzwerk verfüge und regelmässig Kontakt zu Freunden 
und Kollegen pflege. Da seine gesamte Familie nicht mehr in V._____ lebe und 
ihm dort zudem Gefahr für Leib und Leben drohe, sei eine Rückkehr für ihn un-
möglich. Zusammenfassend stelle die Verteidigung fest, dass ein persönlicher 
Härtefall vorliege, da die Gefahrenlage in V._____ eine Wiedereingliederung un-
möglich mache. Daher solle das private Interesse des Beschuldigten am Verbleib 
in der Schweiz höher gewichtet werden als das öffentliche Interesse an seiner 
Landesverweisung (act. H.2, S. 7 ff.).

6.3. Katalogtat

Vorliegend hat sich der Beschuldigte des Raubes im Sinne von Art. 140 StGB und 
der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 StGB strafbar gemacht. Beim Tatbestand 
des Raubes handelt es sich dabei um eine Katalogtat gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. c 

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StGB. Unabhängig von der Höhe der Strafe ist der Beschuldigte deshalb 
grundsätzlich für 5 bis 15 Jahre des Landes zu verweisen (Art. 66a Abs. 1 StGB).

6.4 Härtefallbeurteilung

6.4.1. Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten im da-
maligen Zeitpunkt korrekt zusammengefasst (act. E.1, E. A und E. 7.3). Demnach 
wurde der Beschuldigte am A._____ 1991 in V._____ geboren und wuchs dort mit 
einer Schwester und drei Brüdern bei seinen Eltern auf. Er besuchte acht Jahre 
lang die Schule und arbeitete dann als Schuhmacher, Fotograf und Taxifahrer. 
Sein Vater war Polizist und ist verstorben. Am 23. Oktober 2013 kam der Beschul-
digten in die Schweiz; er verfügt heute über einen Ausweis F (vorläufig aufge-
nommener Ausländer). Vor Staatsanwaltschaft und Regionalgericht gab der Be-
schuldigte an, dass seine Geschwister und seine Mutter in V._____ wohnen wür-
den (vgl. StA act. 3.2, Frage 1, VI act. 21, S. 8). Anlässlich der Verhandlung vor 
dem Kantonsgericht – rund zweieinhalb Jahre später – brachten er und die Vertei-
digung vor, dass ein Bruder in X._____, eine Schwester in Y._____ und seine 
Mutter mit zwei weiteren Brüdern in T._____ wohnen würden. Aus der Familie sei 
niemand mehr in V._____ (vgl. act. H.4, Fragen IV.2, IV.10). Neu erläuterte er zu-
dem, dass er eine Freundin in T._____ habe, welche er zu heiraten gedenke. Er 
wolle mit ihr in der Schweiz wohnen (vgl. act. H.4, Fragen V.72 ff.). Als Grund, 
weshalb er aus V._____ geflüchtet sei, gab er an, dass seine Familie für die Re-
gierung gearbeitet habe und ihm deshalb von verschiedenen regierungsfeindli-
chen Gruppierungen Gefahr drohe (act. H.4, Frage V. 59). Vor Kantonsgericht gab 
er im Schlusswort zudem zu Protokoll, dass er in V._____ ein Fotostudio gehabt 
habe und ein Mitarbeiter Videoaufnahmen gemacht habe, auf welchen ein Terro-
rist zu sehen gewesen sei. Die Terrorgruppe habe anschliessend seinen Laden in 
die Luft gejagt und sie gesucht, weshalb sie geflüchtet seien. Als er schon in der 
Schweiz gewesen sei, hätten sie nach seinem Vater geschaut und ihn umgebracht 
(vgl. StA act. H.3, S. 6). Zu seiner Integration in der Schweiz gab der Beschuldigte 
an, dass er einen sehr guten Bezug zur Schweiz habe und er sehr viele Bezie-
hungen zu Einheimischen habe. Er spreche Deutsch, nur nicht genug gut, um an 
einer Gerichtsverhandlung teilzunehmen, weshalb er einen Dolmetscher benötige. 
Zu seiner beruflichen Integration erläuterte er, dass er seit September 2023 bei 
der Z._____ arbeite und netto CHF 4'000.00 verdiene (vgl. act. H.4, S. 2 f. und 6 
ff.).

6.4.2. Der Beschuldigte lebt seit nunmehr fast 12 Jahren in der Schweiz, weshalb 
eine Landesverweisung für ihn zweifellos eine gewisse Härte bedeuten würde. 
Dennoch kam der Beschuldigte erst 2013 im Alter von 22 Jahren in die Schweiz, 

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womit er die ersten rund zwei Drittel seines Lebens in V._____ verbracht hat, dar-
unter die prägenden Jahre als Kind und Jugendlicher. Der Beschuldigte ist zudem 
alleinstehend und hat keine Kinder in der Schweiz. Dass er eine besonders enge 
Beziehung zu seinem offenbar in X._____ wohnhaften Bruder hat, macht er nicht 
geltend. Gemäss den Angaben vor Kantonsgericht verfügt er zwar über keine Fa-
milie mehr in V._____. Ob dies tatsächlich so ist, erscheint aufgrund seiner frühe-
ren Angaben im Jahr 2021 zumindest fraglich. Angesichts dieser Punkte und an-
gesichts der Tatsache, dass der Beschuldigte die Landessprache spricht und mit 
den örtlichen Gegebenheiten vertraut ist, wären seine Chancen auf eine Wieder-
eingliederung deshalb ohne Weiteres intakt. Dies, auch wenn die Wegweisung 
aufgrund des generell niedrigen Lebensstandards und der instabilen Verhältnisse 
in V._____ zweifellos mit einer gewissen Härte verbunden wäre.

6.4.3. Was seine Integration in der Schweiz angeht, ist dem Beschuldigten zugu-
tezuhalten, dass er an verschiedenen Orten gearbeitet hat und zurzeit bei der 
Z._____ angestellt ist. Er erzielt ein regelmässiges Einkommen und hat – soweit 
bekannt – keine wesentlichen Schulden. Seine wirtschaftliche Eingliederung ist 
heute deshalb insgesamt grundsätzlich als gelungen zu bezeichnen, auch wenn 
der Beschuldigte in der Vergangenheit seine Arbeitsstelle mehrfach wechselte und 
teilweise auch Arbeitslosengelder bezog. Die wirtschaftliche Integration des Be-
schuldigten ist denn auch das Element, welches vorliegend für einen schweren 
persönlichen Härtefall sprechen könnte. In der Gesamtbetrachtung vermag dies 
jedoch nicht zu genügen. Dies auch deshalb, weil der Beschuldigte auch nach 12 
Jahren im Land offenbar nicht sehr gut Deutsch spricht (vgl. eigene Aussage in 
act. H.4, Frage V.7, "wenig Deutsch"), auch wenn er sich offenbar grundsätzlich 
im Berufsalltag verständigen kann. Der Beschuldigte gab vor Kantonsgericht an, 
dass er sehr viel Kontakt zu Einheimischen habe. Ob dies tatsächlich so ist, er-
scheint fraglich, zumal er dazu nichts Konkretes angab und vielmehr allgemein auf 
seine Arbeitskollegen und Nachbarn verwies. Zusammenfassend ist die wirtschaft-
liche Integration als gelungen, die gesellschaftliche Integration jedoch als ungenü-
gend zu betrachten. Eine Integration, die sich durch besonders intensive Bezie-
hungen auszeichnet und bei einer Ausweisung aus der Schweiz zu einer eigentli-
chen Entwurzelung führen würde, liegt auf jeden Fall nicht vor. 

6.4.4. Nicht durchzudringen vermag der Beschuldigte ferner mit seinem Argu-
ment, es bestünde kein öffentliches Interesse an seiner Fernhaltung aus der 
Schweiz, da von ihm keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehe. Das öf-
fentliche Interesse an einer Landesverweisung ergibt sich bereits aus seiner Ver-
urteilung wegen einer Katalogtat nach Art. 66a Abs. 1 StGB und liegt in der Ver-

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hinderung weiterer Straftaten und dem Schutz der öffentlichen Sicherheit und 
Ordnung. Zwar ist der Beschuldigte nicht beziehungsweise nur mit einem Baga-
telldelikt vorbestraft. Gerade bei schweren Straftaten – was ein Raub zweifellos ist 
– genügt aber auch bei einem Ersttäter ein geringes Rückfallrisiko, um von einer 
Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung auszugehen (vgl. BGer 
6B_748/2021 v. 8.9.2021 E. 1.3.2; 6B_191/2020 v. 17.6.2020 E. 1.8).

6.4.5. Schliesslich stehen der Landesverweisung im jetzigen Zeitpunkt auch keine 
Vollzugshindernisse entgegen. Der Beschuldigte ist kein anerkannter Flüchtling, 
womit Art. 66d Abs. 1 lit. a StGB keine direkte Anwendung findet. Dafür, dass dem 
Beschuldigten, wie er vorbrachte, in V._____ ernsthafte Gefahr drohen würde, 
bestehen schliesslich zu wenig konkreten Anhaltspunkte; die Angaben des Be-
schuldigten dazu waren sehr knapp und Belege sind letztlich keine Vorhanden. 
Auch die Mutter des Beschuldigten und seine Geschwister waren gemäss seinen 
eigenen Angaben zumindest bis Ende 2021 im Land wohnhaft, was darauf hindeu-
tet, dass der Familie keine weitere Verfolgung droht. Andere Gründe macht der 
Beschuldigte nicht geltend. Hinsichtlich solcher Umstände, die den Beschuldigte 
individuell-persönlich treffen müssten, käme ihm trotz Geltung des Untersu-
chungsgrundsatzes eine Mitwirkungspflicht zu (vgl. BGer 6B_105/2021 v. 
29.9.2021 E. 3.4.2; 6B_1077/2020 v. 2.6.2021 E. 1.5.6; 6B_1024/2019 v. 
29.1.2020 E. 1.3.6). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass offenbar auch die 
Behörden im Asylverfahren zum Schluss gekommen sind, dass dem Beschuldig-
ten keine Flüchtlingseigenschaft zukommt, weshalb er lediglich vorläufig aufge-
nommen worden ist. Gewiss dürfte – wie von der Verteidigung zu Recht geltend 
gemacht – das Leben im Herkunftsland des Beschuldigten vor dem genannten 
politischen Hintergrund weitaus härter und gefährlicher sein als in der Schweiz. 
Die Zustände in V._____ können sich aber verändern. Es lässt sich denn auch 
nicht mit hinreichender Sicherheit prognostizieren, wie sich die Lage in V._____ in 
nächster Zukunft entwickeln wird, zumal die Schweiz in den vergangenen Jahren 
auch verschiedentlich Rückführungen vornehmen konnte. Der Landesverweisung 
stehen im jetzigen Zeitpunkt damit keine völkerrechtlichen Bestimmungen entge-
gen. Es bleibt daran zu erinnern, dass die Vollzugsbehörde die Vollstreckbarkeit 
nötigenfalls anhand der aktuellen Verhältnisse nach Art. 66d Abs. 1 StGB überprü-
fen und dabei auch Umstände beachten wird, die für die Beurteilung der Zumut-
barkeit und Verhältnismässigkeit massgebend sind, in den Sachentscheid jedoch 
nicht oder erst als Prognose Eingang gefunden haben (vgl. BGE 147 IV 453 E. 
1.4.7).

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6.4.6. In der Gesamtbetrachtung geht die Vorinstanz zu Recht davon aus, dass 
die Landesverweisung beim Beschuldigten keinen schweren persönlichen Härte-
fall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB bewirkt. Angesichts der dargelegten priva-
ten Interessen würde schliesslich wohl auch eine Interessenabwägung zuunguns-
ten des Beschuldigten ausgehen. Insgesamt ist damit eine Landesverweisung 
auszusprechen.

6.5. Dauer

Gemäss Art. 66a StGB ist die Landesverweisung für 5 bis 15 Jahre auszuspre-
chen, wobei die Dauer verhältnismässig sein muss. Die Staatsanwaltschaft bean-
tragt eine Dauer von 10 Jahren. Angesichts dessen, dass der Tatbeitrag und des 
Beschuldigten eher tief einzuschätzen ist, er sich ansonsten in den vergangenen 
Jahren abgesehen von einer anderen Straftat korrekt verhalten hat und der Lan-
desverweis auf das Leben des Beschuldigten erhebliche Auswirkungen hat, er-
scheint es angemessen, die Massnahme lediglich für die Dauer des gesetzlichen 
Minimums von fünf Jahren auszusprechen.

6.6. Ausschreibung der Landesverweisung im SIS

6.6.1. Landesverweisungen gegenüber Ausländern aus Staaten, die nicht zum 
Schengen-Raum gehören, werden im Schengener Informationssystem (SIS) aus-
geschrieben, wenn davon auszugehen ist, dass die Anwesenheit der betreffenden 
Person im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates die öffentliche Sicherheit und Ord-
nung gefährdet. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Drittstaatsangehörige 
wegen einer Straftat verurteilt worden ist, die mit mindestens einem Jahr Frei-
heitsstrafe bedroht ist (Art. 24 Abs. 2 SIS-II-VO; vgl. Art. 96 Abs. 2 lit. a SDÜ). 
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Voraussetzung gemäss 
Art. 24 Ziff. 2 lit. a SIS-II-Verordnung erfüllt, wenn der entsprechende Straftatbe-
stand eine Freiheitsstrafe im Höchstmass von einem Jahr oder mehr vorsieht. Im 
Sinne einer kumulativen Voraussetzung ist zudem zu prüfen, ob vom Beschuldig-
ten eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung ausgeht. Damit wird 
dem in Art. 21 SIS-II-Verordnung verankerten Verhältnismässigkeitsprinzip Rech-
nung getragen. An die Annahme einer solchen Gefahr sind jedoch keine allzu ho-
hen Anforderungen zu stellen. Nicht verlangt wird, dass das individuelle Verhalten 
der betroffenen Person eine tatsächliche, gegenwärtige und hinreichend schwere 
Gefährdung darstellt, die ein Grundinteresse der Gesellschaft berührt. Dass bei 
der Legalprognose zum Beispiel eine konkrete Rückfallgefahr verneint und die 
Strafe bedingt ausgesprochen wurde, steht einer Ausschreibung der Landesver-
weisung im SIS daher nicht entgegen. Ebenso wenig setzt Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-

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Verordnung die Verurteilung zu einer "schweren" Straftat voraus, sondern es 
genügen eine oder mehrere Straftaten, die einzeln betrachtet oder in ihrer Ge-
samtheit von einer "gewissen" Schwere sind, unter Ausschluss von blossen Baga-
telldelikten. Entscheidend ist zudem nicht das Strafmass, sondern in erster Linie 
die Art und Häufigkeit der Straftaten, die konkreten Tatumstände sowie das übrige 
Verhalten der beschuldigten Person (vgl. etwa BGE 147 IV 340 E. 4.7.1 ff.).

6.6.2. Die Voraussetzungen einer Ausschreibung sind vorliegend erfüllt. Der Be-
schuldigte ist V._____ Staatsangehöriger und damit Drittstaatenangehöriger. So-
weit ersichtlich verfügt er in keinem anderen Mitgliedstaat über ein Aufenthalts-
recht. Sodann liegt die gegen den Beschuldigten ausgesprochene Freiheitsstrafe 
über einem Jahr. Durch den Raub wird die öffentliche Sicherheit und Ordnung oh-
ne Frage stark beeinträchtigt, weshalb eine Ausschreibung auch verhältnismässig 
ist. Dementsprechend ist die Ausschreibung im SIS anzuordnen.

6.7. Fazit Landesverweis

Zusammenfassend erfüllt der Beschuldigte einerseits eine Katalogtat im Sinne von 
Art. 66a Abs. 1 StGB, andererseits liegt kein Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 
StGB vor. Gegen den Beschuldigten ist demnach ein fünfjähriger Landesverweis 
auszusprechen. Die Landesverweisung ist im Schengener Informationssystem 
(SIS) auszuschreiben.

7. Kosten- und Entschädigungsfolgen

7.1. Untersuchung und Vorinstanz

7.1.1. Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen Entscheid, so befindet sie auch 
über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). 
Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person dabei die Verfahrens-
kosten, wenn sie verurteilt wird.

7.1.2. Der Beschuldigte wird mit dem vorliegenden Urteil verurteilt; eine Anpas-
sung erfolgt lediglich im Strafmass, was für die vorinstanzliche Kostenverteilung 
nicht relevant ist. An den Kosten- und Entschädigungsfolgen der Vorinstanz ist 
demnach festzuhalten, zumal die beschuldigte Person die Verfahrenskosten 
gemäss Art. 426 Abs.1 StPO zu tragen hat, wenn sie verurteilt wird. Diesbezüglich 
und hinsichtlich der Entschädigung der amtlichen Verteidigerin kann auf die zutref-
fenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (act. E.1, E. 10; Art. 82 
Abs. 4 StPO). Die Verfahrenskosten von CHF 15'971.30 (Untersuchungskosten: 
CHF 4'384.25; Gerichtsgebühr: CHF 3'600.00; amtliche Verteidigung: 

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CHF 7'987.05) sind damit vollumfänglich durch den Beschuldigten zu tragen. Die 
Kosten der amtlichen Verteidigung von CHF 7'987.05 werden einstweilen aus der 
Gerichtskasse des Regionalgerichts Plessur bezahlt. Vorbehalten bleibt die Rück-
erstattungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO.

7.2. Rechtsmittelinstanz (mit Berichtigung des vorzeitigen Entscheiddispositivs)

7.2.1. In Anwendung von Art. 7 VGS (BR 350.210) ist die Gerichtsgebühr für das 
Berufungsverfahren auf CHF 4'000.00 festzulegen. Die Kosten des Berufungsver-
fahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens 
(Art. 428 Abs. 1 StPO).

7.2.2. In casu dringen sowohl der Beschuldigte als Berufungskläger als auch die 
Staatsanwaltschaft als Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin nur 
teilweise mit ihren Anträgen durch. Im Hauptpunkt (Schuldpunkt und Landesver-
weis) ist der Beschuldigte – abgesehen von der Dauer des Landesverweises – als 
unterliegend zu betrachten. Hinsichtlich des Strafmasses dringen sowohl die 
Staatsanwaltschaft wie auch der Beschuldigte mit ihren (Eventual)anträgen nicht 
vollständig durch. Angesichts dieser Ausgangslage und des Aufwands der Anträge 
erscheint es gerechtfertigt, dem Beschuldigten ¾ (CHF 3'000.00) und der Staats-
anwaltschaft ¼ (CHF 1'000.00) der Verfahrenskosten aufzuerlegen.

7.2.3. Vorliegend war der Beschuldigte amtlich verteidigt. Die Kosten der amtli-
chen Verteidigung übernimmt einstweilen der Kanton Graubünden, sie sind aber 
vom Beschuldigten zurückzuerstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnis-
se zulassen (Art. 426 Abs. 1 StPO; Art. 135 Abs. 4 StPO). Zurückzuerstatten sind 
die Kosten dabei nur insoweit, als der Beschuldigte in der Sache unterliegt, vorlie-
gend demnach zu ¾. 

Die amtliche Verteidigerin reichte anlässlich der Hauptverhandlung zwei Honorar-
noten im Umfang von CHF 611.10 und CHF 3'480.65 (inkl. Spesen und MwSt.; 
act. G.1 und G.2) ein. Dieser Gesamtaufwand erscheint der vorliegenden Sache 
angemessen. Im unbegründeten Entscheiddispositiv vom 12. Juni 2024 der er-
kennenden I. Strafkammer ist lediglich eine Honorarnote (act. G.2) berücksichtigt 
worden. In Anwendung von Art. 83 Abs. 1 StPO ist das Entscheiddispositiv dies-
bezüglich von Amtes wegen zu berichtigen. Die Verteidigerin ist damit durch den 
Kanton Graubünden neu mit CHF 4'091.75 zu entschädigen. Vorbehalten bleibt 
die Rückerstattungspflicht des Beschuldigten im Umfang von CHF 3'068.80, so-
bald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. Die Dispositivziffer 5.3 ist 

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dementsprechend anzupassen. Die Berichtigung wird den Parteien in Form eines 
Beschlusses eröffnet (Art. 83 Abs. 4 StPO).

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Demnach wird beschlossen:

1. Das unbegründet mitgeteilte Entscheiddispositiv des Urteils vom 12. Juni 
2024 wird betreffend die Entschädigung der amt