# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c9e33a8f-4c8f-5880-ba4f-925fabb9360f
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-11-21
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 4. Kammer 21.11.2006 R 2006 84
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_004_R-2006-84_2006-11-21.pdf

## Full Text

R 06 84
4. Kammer 

URTEIL
vom 21. November 2006

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Baueinsprache

1. Am 10. Juni 2006 reichten … und … bei der Gemeinde … ein Baugesuch zur 

Erstellung eines Ferienhauses auf Parzelle 515 ein. Mit Einsprache vom 7. 

Juli 2006 beanstandete …, dass das Bauvorhaben gegen die Vorschriften 

über die Gebäude- und Firsthöhen verstosse. Am 31. August, mitgeteilt am 4. 

September 2006, erteilte der Gemeindevorstand … die Baubewilligung mit 

Bedingungen und Auflagen und wies die Einsprache ab, da die 

Höhenvorschriften bei richtiger Messweise eingehalten seien.

2. Dagegen erhob … 26. September 2006 Rekurs an das Verwaltungsgericht 

mit dem Antrag, den angefochtenen Entscheid aufzuheben. Die Traufhöhe 

betrage an der südwestlichen Gebäudeecke 8.47 m und an der südöstlichen 

Gebäudeecke 8.80 m. Die Firsthöhe lasse sich aufgrund der vorhandenen 

Koten nicht exakt errechnen, da der Fusspunkt, d.h. der senkrechte Abstand 

zwischen der tiefsten Stelle des gewachsenen Bodens und der Oberkante der 

Firstpfette nicht gemessen worden sei. Annäherungsweise könnten jedoch die 

Fusspunkte für die südwestliche und südöstliche Gebäudeecke ermittelt 

werden, was einen Fusspunkt von 1'374.39 ergebe. Daraus resultiere eine 

Firsthöhe von 12.08 m. Die Gemeinde habe sich offensichtlich dadurch 

irritieren lassen, dass das Ober- und Dachgeschoss (recte: EG und DG) 

gegenüber dem Erdgeschoss (recte: UG) rückspringend seien. Als 

Fusspunkte für die Trauf- und Firsthöhe habe sie nicht die effektiven 

Schnittstellen der Gebäudeecken bzw. der Fassade mit dem gewachsenen 

Terrain als massgebend erkannt, sondern fiktive Schnittstellen, welche sich 

ergäben, wenn man die reduzierten Gebäudegrundrisse des Ober- und 

Dachgeschosses (recte: EG und DG) auf das gewachsene Terrain projiziere.

3. Die Gemeinde beantragte in ihrer Vernehmlassung die Abweisung des 

Rekurses unter Hinweis auf den angefochtenen Entscheid.

4. Ebenfalls Abweisung des Rekurses beantragte die Bauherrschaft. Es sei 

Praxis der Gemeinde …, an den tatsächlich vorhandenen Gebäudeecken 

senkrecht zu tatsächlich vorhandenen Fuss- bzw. Firstpfetten zu messen. 

Auch das Gesetz sehe nicht vor, das virtuelle Schnittpunkte ins Gelände 

weitergezogen würden, um Trauf- und Firsthöhen zu messen. Genauso sei 

die Gemeinde vorgegangen.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird, 

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Wie das Bundesgericht in den letzten Jahren wiederholt entschieden hat, fällt 

das öffentliche Baurecht im Kanton Graubünden grundsätzlich in den 

Autonomiebereich der Gemeinden. In Bezug auf all jene Fragen, die im 

kantonalen Gesetz keine abschliessende Regelung gefunden haben und bei 

denen den Gemeinden eine relativ erhebliche Gestaltungsfreiheit zusteht, 

stellen die Vorschriften der kommunalen Bauordnungen autonomes 

Gemeinderecht dar (BGE 128 I 3 E. 2b S. 8). Die Gemeindeautonomie bezieht 

sich dabei nicht nur auf die Rechtsetzung, sondern auch auf die 

Rechtsanwendung und -auslegung, wenn die anwendbare Bestimmung dem 

selbständigen Gemeinderecht angehört. Das Verwaltungsgericht hat sich 

dann bei der Anwendung und Auslegung solcher Normen Zurückhaltung 

aufzuerlegen, wenn ein Zweifelsfall vorliegt, die Auslegung schwierig ist oder 

in besonderem Masse örtliche Verhältnisse zu würdigen sind. Den 

Gemeinden steht in solchen Fällen ein geschützter Beurteilungs- und 

Ermessensspielraum zu, in welchen das Verwaltungsgericht nur eingreifen 

kann, sofern die Gemeinde diesen Bereich missbraucht oder überschritten 

hat. Die Kognition des Verwaltungsgerichtes beschränkt sich damit praktisch 

auf eine Willkürprüfung, d.h. das Verwaltungsgericht kann nur dann 

eingreifen, wenn sich der gestützt auf autonomes Gemeinderecht erlassene 

Entscheid als sachlich unvertretbar erweist oder gegen allgemeine 

Rechtsgrundsätze verstösst. Das Gericht hat insbesondere dann keinen 

Anlass einzugreifen, wenn sich die Gemeinde bei der Anwendung und 

Auslegung ihres autonomen Rechtes an den klaren Wortlaut einer 

Bestimmung hält (vgl. VGU R 03 93). Bei den vorliegend zur Diskussion 

stehenden Bestimmungen des kommunalen Baugesetzes über die zulässigen 

Gebäudehöhen handelt es sich fraglos um autonomes Gemeinderecht, 

überlässt es auch das neue das kantonale Raumplanungsgesetz (KRG) doch 

ausdrücklich den Gemeinden, wie sie auf diesem Gebiet legiferieren wollen 

(vgl. Art. 25 KRG).

2. Art. 67 des kommunalen Baugesetzes (BG) hat im hier interessierenden 

Zusammenhang folgenden Wortlaut:

"1. Als Traufhöhe gilt der senkrechte Abstand zwischen der tiefsten Stelle des 

gewachsenen Bodens und der Oberkante der Fusspfette. Sie ist für alle 

äusseren Gebäudeecken einzuhalten.

2. Als Firsthöhe gilt der senkrechte Abstand zwischen der tiefsten Stelle des 

gewachsenen Bodens und der Oberkante der Firstpfette.

(3.)

4. Bei gegliederten Bauten wird die Trauf- und Firsthöhe für jeden Baukörper 

einzeln ermittelt."

Vorliegend weist das Bauvorhaben eine recht ungewöhnliche Gebäudeform 

auf. Während das UG auf der Südseite des Gebäudes rechteckig geformt ist 

und durch einen weiter hinausragenden Balkon noch verlängert wird, ist der 

Bau im EG und DG 7-eckig. Dadurch entsteht vor dem EG ein grosser Vorbau. 

Durch die unterschiedlichen Grundrisse von UG und EG/DG entsteht eine 

gestaffelte resp. gegliederte Baute. Bei gegliederten Bauten wird die Trauf- 

und Firsthöhe jedoch nach dem Wortlaut des Gesetzes für jeden Baukörper 

einzeln ermittelt. Allein dieser Umstand besagt schon, dass die Gemeinde bei 

der Messung der First- und Traufhöhe richtig vorgegangen ist, hat sie doch 

nicht auf die Aussenpunkte des Erdegeschosses abgestellt, sondern in 

Übereinstimmung mit der anwendbaren Norm jeweils senkrecht unterhalb der 

Fuss- bzw. Firstpfette gemessen, wie sich den Plänen entnehmen lässt. Sie 

mass also dort, wo sich die Dachkonstruktion effektiv befindet und nicht an 

einem Punkt, welcher beim vorgelagerten Schlafzimmeranbau im EG fiktiv in 

der Luft bestimmt wird. Demnach stimmt die Behauptung des Rekurrenten 

nicht, die Gemeinde habe für ihre Messweise fiktive Fusspunkte 

angenommen. Inwiefern im Übrigen die Gemeinde das ihr zustehende 

Rechtsanwendungsermessen missbraucht oder überschritten hat, vermag 

der Rekurrent mit  keinem Wort darzutun. Der Rekurs ist als unbegründet 

abzuweisen.

4. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten zulasten des Rekurrenten, 

welcher überdies die anwaltlich vertretene Bauherrschaft angemessen 

aussergerichtlich zu entschädigen hat.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Der Rekurs wird abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 3'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 108.--

zusammen Fr. 3'108.--

gehen zulasten von … und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses 

Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.

3. … entschädigt … und … aussergerichtlich mit zusammen Fr. 2'000.-- (inkl. 

MWST).