# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b57ff3bf-12c2-57e4-a664-bdd3ad499692
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-19
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 19.06.2023 SB220294
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB220294_2023-06-19.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB220294-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident und lic. iur. S. Volken, die 

Ersatzoberrichterin C. Fischer Maurer sowie die Gerichtsschreiberin 

MLaw A. Simic 

 

Urteil vom 19. Juni 2023 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. X1._____,  

substituiert durch Rechtsanwältin MLaw X2._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat,  
vertreten durch Stv. Leitenden Staatsanwalt lic. iur. D. Regenass, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

betreffend Ausnützung der Notlage  
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich,  
4. Abteilung - Einzelgericht, vom 10. März 2022 (GG210307)  

- 2 - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 27. September 

2021 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 29). 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 53 S. 37 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der Ausnützung der Notlage im Sinne von Art. 193 

Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 190.–. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. 

4. Von der Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils wird abgesehen. 

5. Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ wird für die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin mit 

Fr. 8'622.45 (inkl. Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

6. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 1'600.–   Gebühr Strafuntersuchung 

Fr. 1'200.–   Gebühr Beschwerdeverfahren UE200435-O 

Fr. 8'622.45   unentgeltliche Vertretung Privatklägerin 
 

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.  

7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen 

der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auferlegt. 

Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.  

8. (Mitteilungen) 

9. (Rechtsmittel)" 

 

 

- 3 - 

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 4 f.) 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 55 S. 2; Urk. 66 S. 2): 

"1. Die Dispositivziffern 1, 2 und 3 des Urteils des Einzelgerichts in Strafsachen 

des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 10. März 2022 (GG210307-L), 

seien aufzuheben und der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizu-

sprechen. 

 2. Die Dispositivziffern 6 und 7 des Urteils des Einzelgerichts in Strafsachen 

des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 10. März 2022 (GG210307-L), 

seien aufzuheben und die Gerichts- und Untersuchungskosten, inklusive die 

Kosten für die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin, seien auf die Ge-

richtskasse zu nehmen. 

 3. Dem Beschuldigten sei eine Prozessentschädigung in der Höhe von mindes-

tens CHF 23'540.00 (CHF 16'684.25 + CHF 6'855.75) für die anwaltliche 

Verteidigung aus der Gerichtskasse zuzusprechen. 

 4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten der Staats-

kasse." 

b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 60): 

(schriftlich) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils 

c) Des unentgeltlichen Rechtsvertreters der Privatklägerin B._____  

(Urk. 68 S. 1): 

"1. Das erstinstanzliche Urteil sei in allen die Privatklägerin betreffenden Punk-

ten zu bestätigen. 

 2. Die Kosten für die unentgeltliche Rechtsbeistandschaft in der Höhe gemäss 

beigelegter Honorarnote seien vom Staat zu tragen. 

 3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschuldigten." 

- 4 - 

Erwägungen: 

I. Prozessuales 

1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom 

10. März 2022 wurde der Beschuldigte A._____ anklagegemäss der Ausnützung 

einer Notlage schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe bestraft, wobei ihm 

der bedingte Strafvollzug gewährt wurde (Urk. 53 S. 37). Gegen diesen Entscheid 

liess der Beschuldigte durch seine erbetene Verteidigung mit Eingabe vom 

15. März 2022 innert gesetzlicher Frist Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1 StPO; 

Urk. 45). Die Berufungserklärung der Verteidigung ging ebenfalls innert gesetzli-

cher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 55). Anklage-

behörde und Privatklägerin haben mit Eingaben vom 7. respektive 20. Juni 2022 

innert Frist mitgeteilt, dass auf Anschlussberufung verzichtet wird (Urk. 60; Urk 

61; Art. 400 Abs. 2f. und Art. 401 StPO). Beweisergänzungsanträge wurden im 

Berufungsverfahren nicht gestellt (Art. 389 Abs. 3 StPO; Urk. 55, 60 und 61). Die 

Verteidigung hat die Berufung in ihrer Berufungserklärung teilweise beschränkt 

(Urk. 55; Art. 399 Abs. 4 StPO). Anklagebehörde und Privatklägerin beantragen 

die Bestätigung des angefochtenen Entscheides (Urk. 60 und 61).  

2. Gemäss den Anträgen der Parteien ist demnach im Berufungsverfahren 

einzig die vorinstanzliche Kostenfestsetzung nicht angefochten (Urteilsdispositiv-

Ziff. 6).  

Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnung ist vorab Vormerk zu nehmen 

(Art. 404 StPO). 

II. Schuldpunkt 

1.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Anklagebehörde vom 

27. September 2021 zusammengefasst zur Last gelegt, er habe als praktizieren-

der Psychiater die sich bei ihm in psychologischer Therapie befindende Privatklä-

gerin in sexueller Absicht von ca. Mai 2018 bis Juli 2018 im Rahmen von Umar-

mungen, die zur Begrüssung oder Verabschiedung bei Therapiesitzungen statt-

fanden, mehrfach über den Kleidern am Gesäss berührt. Am 30. Juli 2018 habe 

- 5 - 

der Beschuldigte sodann der Privatklägerin an seinem Wohnort wiederum bei den 

Begrüssungs- und Verabschiedungsumarmungen ans Gesäss gefasst und sie im 

Rahmen einer Massage, zu welcher er sie überredete, unter ihrem T-Shirt am 

Rücken mit Öl eingerieben und ihr mit der Hand unter der Hose und Unterhose 

ans Gesäss gefasst (Urk. 29 S. 2 ff.).  

1.2. Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass es zu sporadischen Umarmungen 

gekommen sei. Er und die Privatklägerin hätten sich aber nicht immer auf diese 

Art und Weise begrüsst oder verabschiedet. Teilweise hätten sie sich auch nur die 

Hand gegeben. Der Beschuldigte bestritt jedoch, dass er die Privatklägerin bei 

diesen Umarmungen am Gesäss berührt habe. Am 30. Juli 2018 habe er bei der 

Privatklägerin einzig eine Fussreflexmassage, jedoch keine wie von der Privat-

klägerin beschriebene Rückenmassage durchgeführt und dieser auch nicht ans 

Gesäss gegriffen (Prot. I S. 17 f. und S. 21 ff.; Urk. 65 S. 10 f. und S. 16). 

1.3. In der Anklageschrift wird weiter dargestellt, der Beschuldigte habe der 

Privatklägerin, bei welcher Depressionen und ADHS diagnostiziert worden seien 

und die in der Therapie Halt und Lösungen gesucht habe, diverse Geschenke und 

Gefälligkeiten zukommen lassen. Diese Nicht-Einhaltung der gebotenen thera-

peutischen Distanz habe bei der Privatklägerin zu einer emotionalen Abhängig-

keit, einer fehlenden Abwehrbereitschaft und einem Verlust der Selbstbestim-

mung geführt (Urk. 29 S. 2 f. und S. 5).  

1.4. Der Beschuldigte bestreitet die in der Anklageschrift angeführten Geschenke 

und Gefälligkeiten im äusseren Sachverhalt nicht grundsätzlich, relativiert diese 

jedoch im Umfang respektive seine damit verbundene Absicht stark: Die Umar-

mungen seien von der Privatklägerin aus gekommen; Geldgeschenke seien nicht 

für die Privatklägerin, sondern für deren Mutter gewesen und er habe auch ande-

ren Patienten, die in Not gewesen seien, Geld geliehen oder gegeben; dies sei 

nichts Besonderes; den Nachhilfeunterricht habe er nur organisiert, nicht selber 

durchgeführt; es habe nicht wie von der Privatklägerin geschildert vier bis fünf 

Therapiesitzungen ausserhalb der Praxis gegeben; alle Geschenke respektive 

"kleinen Aufmerksamkeiten" seien bedingungslos und stets aus einem therapeuti-

schen Grund bzw. aus Hilfsbereitschaft erfolgt (Prot. I S. 12-17; Urk. 65 S. 7 f.). 

- 6 - 

Die Verteidigung wies anlässlich der Berufungsverhandlung zudem darauf hin, 

dass der Beschuldigte nicht nur der Privatklägerin, sondern auch seinen weiteren 

Patienten Aufmerksamkeiten und Geschenke gegeben habe. So habe er einer 

Patientin Mandalas aus Konstanz oder Olivenöl aus Griechenland mitgebracht 

(Urk. 66 S. 4 und S. 12 f.). Diesbezüglich ist vorweg der Privatklägervertretung 

zuzustimmen, dass es einen Unterschied darstellt, ob der Beschuldigte als Psy-

chiater seiner Patientin ein Mandala bzw. Olivenöl oder eine Geburtstagskarte mit 

einem sich Händchen haltenden Paar und einem Herzanhänger schenkt, wie er 

es vorliegend gegenüber der Privatklägerin gemacht hatte (vgl. Prot. II S. 10).  

1.5. Durch seine Bestreitung der inkriminierten übergriffigen Handlungen gegen 

die Privatklägerin (mehrfaches ans Gesäss-Greifen während Umarmungen; Ein-

Ölen des Rückens der Privatklägerin unter Herunterschieben der BH- und Shirt-

Träger; Einreiben von Öl am Gesäss unter Hose- und Unterhose) behauptet der 

Beschuldigte auf den Punkt gebracht, dass die Privatklägerin eben diese Hand-

lungen frei erfunden habe und ihn vorsätzlich falsch belaste (vgl. auch Urk. 65 

S. 14).  

Die Vorinstanz hat vorab die vorhandenen Beweismittel angeführt (Urk. 53 S. 9 

unten) und namentlich die Aussagen der Direktbeteiligten, der Privatklägerin und 

des Beschuldigten, ausführlich zitiert (Urk. 53 S. 6 f. und S. 11 ff.). Darauf wird 

ebenso verwiesen wie auf die Darstellung der allgemeinen Grundsätze der Be-

weiswürdigung und die Bewertung der Glaubwürdigkeit der Aussagenden (Urk. 53 

S. 8-10; vgl. dazu BGE 147 IV 534 E.2.3.3. und Urteil des Bundesgerichts 

6B_331/2020 vom 7. Juli 2020 E.1.2. mit Verweis). 

1.6. Die Vorinstanz hat in einer ausführlichen und detaillierten sowie im Resultat 

wie in der Begründung überzeugenden Beweiswürdigung erwogen, dass die 

Sachdarstellung der Privatklägerin überzeuge (Urk. 53 S. 16-22) und die Bestrei-

tungen des Beschuldigten nicht glaubhaft seien (Urk. 53 S. 11-16). Dabei hat sie 

sich auch ebenso ausgiebig wie zutreffend mit der Kritik der Verteidigung ausei-

nandergesetzt. Darauf wird vorab vollumfänglich verwiesen.  

- 7 - 

1.7. Die Vorinstanz hat zusammengefasst erwogen, die Aussagen der Privat-

klägerin seien inhaltlich konstant, sehr detailreich und dennoch widerspruchsfrei. 

Sie habe bei beiden Einvernahmen lange, zusammenhängende Antworten und 

wiederholt Ergänzungen und Konkretisierungen gemacht, was für eine Erzählung 

aus ihrem Erinnerungsvermögen und gegen eine ausgedachte Geschichte 

spreche. Sowohl der quantitative Reichtum ihrer Aussagen betreffend das Kern- 

und das Randgeschehen als auch der Umstand, dass ihre Aussagen keine 

Strukturbrüche aufweisen, seien als Realkennzeichen zu beurteilen, die für die 

Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen sprechen. Darüber hinaus habe die Privatklägerin 

nebensächliche Umstände geschildert, die nicht in direktem Zusammenhang mit 

der Tat standen. Nachvollziehbar, eindrücklich und glaubhaft habe sie ihr schlech-

tes Gefühl als Folge der Umarmungen, die Reaktion des Beschuldigten auf ihr 

zurückziehendes Verhalten sowie ihren inneren Zwist bei den Geldgeschenken 

und nach den Umarmungen dargestellt.  

Das Treffen vom 30. Juli 2018 einschliesslich Hypnose, Fuss- und anschliessen-

der Rückenmassage mit den Berührungen am Gesäss habe die Privatklägerin de-

tailliert, plastisch und in chronologisch nachvollziehbarer Reihenfolge geschildert. 

Sie habe den Inhalt des Gesprächs zu Beginn der Sitzung detailliert wiedergege-

ben und diverse innere Vorgänge sowie die von ihr erlebten Gefühle beschrieben. 

Auf den visuellen Aufzeichnungen der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft 

sei zu erkennen, dass die Privatklägerin ihre Aussagen mit Gesten und Handbe-

wegungen untermauerte, was von Originalität zeuge und die Glaubhaftigkeit ihrer 

Aussagen unterstreiche. Geringfügige Abweichungen in nebensächlichen Details 

seien nicht relevant, zumal sie transparent deklariert habe, sich nicht mehr erin-

nern zu können, was angesichts der seit dem Vorfall verstrichenen Zeit durchaus 

nachvollziehbar erscheine. Die Darstellung der Privatklägerin decke sich weiter 

mit dem Chat zwischen ihr und ihrem damaligen Freund C._____, worin sie 

schrieb, dass sie sich unwohl fühle und der Beschuldigte komische Sachen von 

ihr wolle. Dermassen authentisch wirkende Aussagen liessen sich in diesem De-

tailgrad nicht erfinden. Durch ihre lebensnahen und nachvollziehbaren Aussagen 

würde sich ihre Ambivalenz gegenüber dem Beschuldigten wie ein roter Faden 

ziehen, was gegen eine falsche Anschuldigung des Beschuldigten spreche. 

- 8 - 

Schliesslich habe die Privatklägerin auch glaubhaft und nachvollziehbar aufgelöst, 

weshalb sie sich erst nach etwa eineinhalb Jahren an die Polizei wandte, nämlich 

weil sie sich bei ihrer Kontaktnahme der Praxis "D._____" nicht ernst genommen 

gefühlt habe.  

Zusammenfassend habe die Privatklägerin bei den Einvernahmen konstante und 

logisch konsistente, anschauliche, lebensnahe und mit der objektiven Beweislage 

in Einklang stehende und in jeder Hinsicht überzeugende Aussagen gemacht, die 

eine Fülle von Realitätskriterien erfüllten, was für die Zuverlässigkeit ihrer Darstel-

lungen und dafür spreche, dass ihre Schilderungen auf tatsächlichen Erlebnissen 

beruhen und nicht etwa erfundene Phantasiegeschichten sind.   

1.8. All dies ist in der Tat überzeugend. Die nachstehenden Erwägungen sind 

daher namentlich ergänzender Natur. Vorab zeigt eine Visionierung der Einver-

nahme der Privatklägerin, dass diese sehr ausführlich und erlebt-wirkend aussagt 

(Urk. 3/3). Beschuldigter und Verteidigung vermögen das vorstehend Zitierte nicht 

in Zweifel zu ziehen.  

1.9. Für eine bewusste Falschbelastung des Beschuldigten durch die Privatklä-

gerin ist entgegen der Verteidigung keinerlei nachvollziehbares Motiv erkennbar: 

Die Privatklägerin befand sich in einer schwierigen Lebensphase und wurde vom 

Beschuldigten therapiert. Die Privatklägerin hat ausdrücklich geschildert, dass sie 

sich beim Beschuldigten therapeutisch gut aufgehoben gefühlt und er ihr durch 

seine Behandlung geholfen habe (Urk. 3/2 S. 4 oben). Auch anlässlich der 

Berufungsverhandlung betonte die Privatklägervertretung, dass die Privatklägerin 

dem Beschuldigten aus therapeutischer Sicht einiges verdanke und nicht zuletzt 

aufgrund der Hilfe, die sie vom Beschuldigten erhalten habe, so lange bei ihm in 

Therapie geblieben sei (Prot. II S. 11). Mit der Privatklägervertretung ist nicht 

einsehbar, weshalb die Privatklägerin dieses anfänglich ausschliesslich positive 

Patienten-Arzt-Verhältnis in eine Übergriffsproblematik verdrehen sollte. Die 

Behauptung, die Privatklägerin habe sich vom Beschuldigten unter "therapeuti-

schem Druck" gefühlt und ihn daher als "den Bösen" betrachtet (Urk. 40 S. 7), 

deckt sich in keiner Weise mit den Schilderungen, wie die Privatklägerin den The-

rapieverlauf erlebt hat und überzeugt entsprechend nicht. Der weitere Erklärungs-

- 9 - 

versuch, die Privatklägerin habe offenbar ein generelles Problem mit ihrem Ge-

säss gehabt, sei darauf negativ fixiert gewesen und habe betreffend diesen Kör-

perteil mögliche Übergriffe auf die Person des Beschuldigen projiziert (Urk. 40 

S. 6), ist schon eigentlich abenteuerlich. Auch die – anlässlich der Berufungsver-

handlung erneut wiederholte – Theorie, die Privatklägerin habe sich tatzeitaktuell 

mit ihren gegen den Beschuldigten erhobenen Vorwürfen bei ihrem damaligen 

Freund wichtig machen wollen (Urk. 40 S. 7; Urk. 66 S. 7), überzeugt nicht: Die 

Privatklägerin schrieb noch aus der Therapie-Sitzung vom 30. Juli 2018 vom 

Wohnort des Beschuldigten ihrem Bekannten Textnachrichten, wonach sie sich 

aufgrund des Verhaltens des Beschuldigten nicht wohl fühle (Urk. 6/2; Urk. 8/3). 

Bei der Polizei angezeigt hat sie den Beschuldigten jedoch erst über ein Jahr und 

drei Monate später (Urk. 13). Die Tatsache dieser späten – und wie von der 

Privatklägerin überzeugend geschildert: wohlüberlegten – Anzeigeerstattung wi-

derlegt die Theorie eines spontanen und wahrheitswidrigen Wichtig-Machens zum 

Tatzeitpunkt. Die Privatklägerin hat den Beschuldigten sodann deshalb mit Ver-

spätung bei der Polizei angezeigt, weil sie zuerst dessen Praxis orientierte. Erst 

als sie merkte, dass sie dort nicht ernst genommen wurde, ging sie zu den Behör-

den (Urk. 3/2 S. 10 f.; vgl. Urk. 53 S. 22 mit Verweisen). Schliesslich akzeptierte 

sie eine – mit rechtlicher Begründung ergangene – Einstellung des Verfahrens 

durch die Untersuchungsbehörde nicht und focht diese – erfolgreich – an (Urk. 19, 

21/3 und 21/6). All dies überführt den Beschuldigten zwar noch nicht, es spricht 

jedoch gegen eine spontane und leichtfertige Falschbelastung durch die Privat-

klägerin. 

Ebenfalls zu verwerfen ist die Behauptung, die Privatklägerin habe sich eine mög-

liche Entschuldigung zurecht gelegt, ihre anstehenden Prüfungen nicht absolvie-

ren zu müssen oder ein allfälliges Versagen zu rechtfertigen (Urk. 40 S. 7; Urk. 66 

S. 8): Die Privatklägerin befand sich mit ernsthaften psychischen Schwierigkeiten 

beim Beschuldigten in Behandlung; zwischenzeitlich war sie suizidal; sodann hat-

te sie den Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft zu verarbeiten. Sie 

brauchte schlicht keine weitere Entschuldigung für ein allfälliges Versagen bei 

Schulprüfungen. Inwiefern sich die Privatklägerin tatsächlich unter Druck fühlte, 

ergibt sich sodann aus der durch den Beschuldigten geführten Patientenakte 

- 10 - 

(Urk. 10/4). Der Beschuldigte selber sagte aus, es sei vereinbart worden, dass die 

Privatklägerin die Prüfung verschieben und es ihr freigestellt sein soll, ob sie die-

se absolviere (Urk. 22 S. 6). Das behauptete Motiv, mit einer Falschbelastung des 

Beschuldigten ein Entschuldigungs-Konstrukt für ein Prüfungsversagen zu bilden, 

bestand schlicht nicht. Der Privatklägervertreter hat dem Beschuldigten an der 

Hauptverhandlung sodann zutreffend vorgehalten, die Privatklägerin habe die 

Prüfungen ja noch vor Anzeigeerstattung bestanden (Prot. I S. 32), worauf der 

Beschuldigte seine ursprüngliche Motiv-Behauptung dahingehend abänderte, die 

Privatklägerin habe generell einen Schuldigen dafür gesucht, "dass sie es im Le-

ben nicht geschafft habe" (Prot. I S. 32). Dies ist offensichtlich eine ebenso nach-

geschobene wie inkonstante Schutzbehauptung.  

Der im Übrigen – ebenfalls – nachgeschobene Versuch, eine behauptete Falsch-

belastung durch die Privatklägerin mit einer bei ihr vorliegenden psychischen 

Erkrankung zu erklären, wurde bereits durch die Vorinstanz überzeugend verwor-

fen (Urk. 53 S. 11). Dem Vorhalt des Privatklägervertreters, dass sich der durch 

den Beschuldigten selber erstellten Patientenakte nichts Diesbezügliches ent-

nehmen lasse, hatte der Beschuldigte nichts Substantielles entgegenzusetzen 

(Prot. I S. 31 f.). Auch die anlässlich der Berufungsverhandlung vorgebrachte Er-

klärung der Verteidigung, weshalb der Beschuldigte zu einer solchen "Diagnose" 

gekommen sei (vgl. Urk. 66 S. 6 f.), überzeugt nicht. Der Beschuldigte äusserte 

sich anlässlich seiner Befragung an der Berufungsverhandlung denn auch nicht 

mehr dahingehend. Vielmehr stellte er sich auf den Standpunkt, dass die Privat-

klägerin lüge und allenfalls von ihrer Schwester, welche – angeblich – eine 

Borderline-Störung habe, beeinflusst worden sei (Urk. 65 S. 14 f.). Auch diesbe-

züglich fehlen jedoch konkrete Anhaltspunkte.  

Ferner spricht auch die Art der Darstellung der Privatklägerin gegen eine erfunde-

ne Falschbelastung: Die Privatklägerin schildert Berührungen des Beschuldigten, 

welche – im Vergleich mit sämtlichen möglichen Übergriffen – betreffend ihre 

Tatintensität noch nicht sehr schwerwiegend ausfallen, wie dies zu erwarten wäre, 

wenn sie dem Beschuldigten schlicht nach Kräften schaden möchte. Die im Kern-

geschehen konstanten Schilderungen des Vorgefallenen decken sich sodann mit 

- 11 - 

dem bereits zitierten, spontanen, tatzeitaktuellen SMS-Verkehr. Die Darstellung 

des Beschuldigten beinhaltet hingegen teilweise offensichtliche Ausreden, so 

wenn er behauptet, sämtliche seiner Zuwendungen an die Privatklägerin hätten 

therapeutischen Charakter gehabt (Prot. I S. 15). Ein professionell agierender 

Therapeut schenkt einer jungen Patientin weder einen Herz-Anhänger noch eine 

Karte mit der Abbildung eines sich umarmenden Paares, und dies mit der Bemer-

kung, die Patientin müsse dies als Symbol "von Freund zu Freund" betrachten 

(Urk. 3/1 S. 2; Urk. 3/2 S. 4). Ebenso wenig organisiert ein Therapeut, welcher ein 

professionelles Therapeuten-Patientinnen-Verhältnis wahrt, die schulische Nach-

hilfe seiner Patientin und finanziert diese gleich auch noch zumindest mit und 

schenkt der Patientin einen Laptop-Computer. Bezeichnenderweise windet sich 

der Beschuldigte, die Hingabe des Laptops als Geschenk zuzugeben und ver-

sucht, diese als kleine Aufmerksamkeit zu bagatellisieren (Prot. I S. 14 und S. 16). 

Ferner zeigen auch die Ausführungen der Verteidigung, wonach der Beschuldigte 

nicht nur die Privatklägerin, sondern auch andere Patienten und Patientinnen di-

verse Male umarmt haben soll (Urk. 66 S. 13), dass der Beschuldigte im Allge-

meinen keine professionelle und insbesondere körperliche Distanz wahren konn-

te. Insofern erstaunt auch nicht, dass der Beschuldigte in diesen Umarmungen 

bzw. den Geschenken an die Privatklägerin nichts Problematisches erkennen 

wollte und diese vielmehr als Ausdruck seiner hilfsbereiten Ader anschaute (vgl. 

Urk. 65 S. 7 f.). Die von der Verteidigung eingereichten Dankesschreiben von di-

versen Patienten und Patientinnen des Beschuldigten (Urk. 67/1) sind im Übrigen 

irrelevant für den vorliegend zu beurteilenden Vorwurf. So stellte auch die Privat-

klägerin die therapeutischen Fähigkeiten des Beschuldigten nicht in Abrede (vgl. 

vorstehend Ziff. 1.9.). Wenn der Beschuldigte schliesslich bei der polizeilichen 

Einvernahme aussagte, die Vorwürfe der Privatklägerin hätten ihn überrascht und 

sie sei eine Person für ihn gewesen, für welche er sich sehr eingesetzt habe (vgl. 

Urk. 66 S. 19), ist ihm dies zwar zu glauben. Nichtsdestotrotz hat der Beschuldig-

te offensichtlich gegenüber der Privatklägerin eine Affektion entwickelt, welche 

über ein professionelles Therapeuten-Patientinnen-Verhältnis mit der gebotenen 

Distanz hinausging. An diesem Schluss vermag auch der Hinweis der Verteidi-

gung, wonach der Beschuldigte die Privatklägerin an der Berufungsverhandlung 

- 12 - 

offenbar nicht erkannt haben will (Prot. II S. 15), nichts zu ändern. Vor diesem 

Hintergrund überzeugen dann auch die aufgrund ihrer Originalität und ihres De-

tailreichtums sehr erlebt wirkenden Schilderungen der Privatklägerin, wonach der 

Beschuldigte sich in den inkriminierten, einzelnen Fällen physisch-distanzlos ge-

genüber der Privatklägerin verhielt und durch unaufgeforderte, ihm erkennbar 

nicht gewünschte Berührungen im Intim-Bereich übergriffig wurde. Der Glaubhaf-

tigkeit der Ausführungen der Privatklägerin tut insgesamt keinen Abbruch, dass 

sie – wie die Verteidigung vorbrachte (vgl. Urk. 66 S. 15) – zunächst aussagte, die 

Massage am 30. Juli 2018 sei nur wenige Sekunden lang gewesen, später jedoch 

ausführte, sie habe maximal zehn Minuten gedauert. Vielmehr erweist sich die 

zeitliche Wiedergabe eines solchen Übergriffs für ein Opfer notorischerweise als 

schwierig und liegt der Fokus in einer solchen Situation auf das Empfundene und 

Gefühlte. So konnte die Privatklägerin denn auch detailliert schildern, wie der Be-

schuldigte zuerst oben war, dann mit seinen Händen an den Rücken und dann 

weiter an ihren Po ging. Anschliessend ging er wieder nach oben und wollte den 

BH-Verschluss öffnen, weil dieser ihn störte (vgl. Urk. 3/2 Frage 78). Ferner kann 

der Verteidigung nicht dahingehend gefolgt werden, dass es nicht nachvollziehbar 

sei, dass die Privatklägerin nicht habe sagen können, ob der Beschuldigte sie mit 

einer oder mit zwei Händen "begrapscht" habe (Urk. 66 S. 17). Wenn die Privat-

klägerin im gleichen Zusammenhang aussagte, die Hände des Beschuldigten sei-

en nicht ganz auf dem Po, sondern zur Hälfte auf dem Po und zur Hälfte auf dem 

Rücken gelegen (vgl. Urk. 66 S. 17), ist dies detailliert und aussagekräftig. Auch 

die weiteren Hinweise der Verteidigung auf angebliche "Widersprüche" in den 

Aussagen der Privatklägerin vermögen nicht zu überzeugen. So hatte die Privat-

klägerin beispielsweise nie angegeben, dass der Beschuldigte eine derart grosse 

Menge Massageöl gebraucht habe, dass es zwangsläufig Flecken auf ihren Klei-

dern oder auf dem Stuhl hätte hinterlassen müssen (vgl. Urk. 66 S. 15). Insge-

samt hat die Privatklägerin entgegen der Verteidigung und gerade im Kernge-

schehen stets konstante, detaillierte und widerspruchsfreie Aussagen getätigt.  

Zusammenfassend ist das in der Anklageschrift inkriminierte Verhalten des 

Beschuldigten somit mit Verweis auf die sorgfältige Beweiswürdigung im ange-

fochtenen Entscheid erstellt. Bei diesem Resultat erübrigt sich auch eine weitere 

- 13 - 

Auseinandersetzung mit den Aussagen, insbesondere Bestreitungen des Be-

schuldigten, zu deren – fehlender – Überzeugungskraft sich die Vorinstanz aus-

führlich und zutreffend geäussert hat (Urk. 53 S. 11 ff.; vgl. Urk. 66 S. 4 f., S. 8 f.).  

2.1. Die Anklagebehörde hat den inkriminierten Sachverhalt als Ausnützung der 

Notlage gemäss Art. 193 StGB angeklagt (Urk. 29 S. 5). Die Privatklägervertre-

tung hat im Hauptverfahren eine davon abweichende rechtliche Würdigung gel-

tend gemacht (Urk. 38 S. 1). Im Berufungsverfahren opponierte sie mangels ei-

genständiger Berufung und Anschlussberufung nicht gegen die rechtliche Würdi-

gung der Vorinstanz (Urk. 68 S. 3). Die Verteidigung verlangt im Berufungs- wie 

bereits im Hauptverfahren einen Freispruch – auch – aus rechtlichen Gründen. 

Inhaltlich verweist sie im Berufungsverfahren auf ihre Ausführungen vor der ers-

ten Instanz (Urk. 40 S. 25 ff.; Urk. 66 S. 20). Die Vorinstanz hat den Beschuldig-

ten anklagegemäss schuldig gesprochen (Urk. 53 S. 37). 

2.2. Im Sinne von Art. 193 StGB macht sich jener Täter strafbar, welcher in einer 

Ausnützung einer Notlage oder (alternativ) einer durch ein Arbeitsverhältnis oder 

eine in anderer Weise begründeten Abhängigkeit eine Person zur Vornahme oder 

Duldung einer sexuellen Handlung veranlasst. Die Anklagebehörde geht davon 

aus, bei der Privatklägerin habe aufgrund des Therapieverhältnisses und nament-

lich dessen spezieller Ausgestaltung durch den Beschuldigten eine Abhängigkeit 

bestanden (Urk. 29 S. 5). Das wiederholte Ausgreifen am Gesäss sei als sexuelle 

Handlungen zu qualifizieren, zu deren Duldung der Beschuldigte die Privatkläge-

rin in Ausnützung des Abhängigkeitsverhältnisses veranlasst habe. Eine Ausei-

nandersetzung mit dem – alternativen – Tatbestandselement der Notlage ist da-

her obsolet (vgl. Urk. 40 S. 26). 

2.3. Gemäss Bundesgericht ist das Opfer abhängig im Sinne des Tatbestandes, 

wenn es auf Grund eines im Gesetz genannten Umstandes nicht ungebunden 

bzw. frei ist und damit objektiv oder auch nur subjektiv auf den Täter angewiesen 

ist. Soweit es um ein Abhängigkeitsverhältnis geht, muss dieses die Entschei-

dungsfreiheit wesentlich einschränken. Für die Bestimmung des Ausmasses der 

Abhängigkeit sind die konkreten Umstände des Einzelfalles massgebend. Dem 

Abhängigkeitsverhältnis liegt in der Regel eine besondere Vertrauensbeziehung 

- 14 - 

und immer ein ausgeprägtes Machtgefälle zu Grunde (BGE 133 IV 53 E.5.2). 

Gemäss Kommentar und höchstrichterlicher Praxis steht bei der Tatbestands-

variante der in anderer Weise (als durch eine Notlage oder ein Arbeitsverhältnis) 

begründeten Abhängigkeit der sexuelle Missbrauch durch Psychotherapeuten 

geradezu im Vordergrund (OFK, StGB, Weder, Art. 193 N 4; BGE 133 IV 53 

E.5.3). In der Psychotherapie vertraut sich der psychisch leidende Patient einsei-

tig mit all seinen Problemen, Sorgen und Schwächen dem Behandelnden an und 

legt dabei ganz persönliche Gefühle, Phantasien, Ängste und Wünsche offen. Da-

raus kann sich im Verlaufe der Therapie eine ausserordentlich intime Situation 

entwickeln, die zu einer hohen Verletzlichkeit des Patienten führt. In der Regel ist 

die therapeutische Beziehung zwischen einem Psychotherapeuten und seinem 

Patienten von einem intensiven Vertrauensverhältnis geprägt. Auch führen die 

Therapien häufig, jedoch nicht zwingend, zu einem Machtgefälle und zu therapie-

typischen inneren Vorgängen, die einen für die Tat nach Art. 193 StGB hinrei-

chenden Kontroll- und Autonomieverlust beim Patienten bewirken (BGE 133 IV 53 

E.5.3 mit Verweisen).  

2.4. Die 19 bzw. 20 Jahre junge Privatklägerin befand sich seit 9. November 

2017 beim über 50 Jahre älteren Beschuldigten wegen schwerwiegender Le-

bensprobleme in psychotherapeutischer Behandlung. Eindrücklich beschrieb sie, 

welche Bedeutung die Therapie für sie hatte und auch welchen Nutzen sie grund-

sätzlich daraus zog: Der Beschuldigte sei eine grosse Hilfe für sie gewesen und 

sie habe sich ihm anvertrauen können; er sei für sie da gewesen, auch in der 

Nacht (Urk. 3/2 S. 4). Ebenso deutlich schilderte die Privatklägerin auch, wie sie 

sich durch das Verhalten des Beschuldigten, welches er im Rahmen der Therapie 

an den Tag legte, unter Druck gefühlt hat: Sie habe sich sehr oft unter Druck ge-

fühlt; sie habe sich irgendwann nicht mehr getraut, ihm gegenüber die ganze 

Wahrheit zu erzählen; sie habe befürchtet, den Beschuldigten zu enttäuschen; sie 

habe Mühe entwickelt, die Behandlungstermine wahrzunehmen; sie habe sich 

immer wieder gegenüber dem Beschuldigten verpflichtet gefühlt; sie habe sich 

gegenüber dem Beschuldigten in Verlegenheit gefühlt (Urk. 3/2 S. 13 f.). 

- 15 - 

Im konkreten Fall bestanden somit zwischen dem Beschuldigten und der Privat-

klägerin zweifellos eine besondere Vertrauensbeziehung wie ein ausgeprägtes 

Machtgefälle im Sinne der zitierten bundesgerichtlichen Praxis, aus welchen ein 

tatbestandsrelevantes Abhängigkeitsverhältnis abzuleiten ist. Dieses Abhängig-

keitsverhältnis musste dem Beschuldigten bekannt sein; er wusste, dass die 

Privatklägerin sich nicht gegen seine körperlichen Annäherungen wehren konnte, 

wehren würde und dies nutzte er in der Folge aus (vgl. BSK StGB-MAIER, Art. 193 

N 14). Die Privatklägerin hat die wiederholten Griffe an ihr Gesäss denn auch nie 

abgewehrt, sondern erduldet und beim letzten Vorfall unter einem Vorwand den 

Tatort verlassen. 

2.5. Gemäss erstelltem Sachverhalt hat der Beschuldigte der Privatklägerin 

wiederholt, während jeweils ca. 2 Sekunden mit einer oder auch zwei Händen 

über den Kleidern ans Gesäss gefasst. Am 30. Juli 2018 schob er schliesslich 

seine Hand unter die Kleider der Privatklägerin und fasste ihr ans Gesäss. Die 

Verteidigung hat im Hauptverfahren und auch anlässlich der Berufungsverhand-

lung bestritten, dass es sich dabei um tatbeständliche sexuelle Handlungen ge-

handelt habe (Urk. 40 S. 29 f.; Urk. 66 S. 20). Bereits die Vorinstanz hat zur fragli-

chen Qualifikation theoretische Erwägungen angestellt, worauf vorab verwiesen 

wird (Urk. 53 S. 26). 

Eine sexuelle Handlung ist – nebst zahlreichem Weiteren – ein spürbarer oder 

lang anhaltender Griff an die Brust einer Frau über den Kleidern. Eine Vielzahl 

von an sich noch nicht erheblichen sexuellen Verhaltensweisen kann in einem 

Gesamtkontext als sexuelle Handlung qualifiziert werden (BSK StGB, Maier, Art. 

189 N 48 mit Verweis auf die Praxis). Ein Griff an die Brust einer Frau ist von der 

Intensität der sexuellen Verhaltensweise einem Griff an ihr Gesäss gleichzuset-

zen. Die Griffe an das Gesäss der Privatklägerin waren sodann für diese spürbar 

und mit jeweils 2 Sekunden Dauer auch nicht mehr rein flüchtig. Sodann erfolgten 

diese wiederholt und durchaus in einem Gesamtkontext.  

Das Bundesgericht qualifizierte sodann – bereits – ein Berühren eines Beines und 

Oberschenkels als sexuelle Handlung im Sinne von Art. 193 StGB, da dies in ei-

nem Gesamtgeschehen erfolgte (Urteil des Bundesgerichts 6S.239/2000 vom 

- 16 - 

30. August 2000 E.3.). Beim Gesäss handelt es sich fraglos um einen noch inti-

meren Teil des weiblichen Körpers als bei einem Bein oder einem Oberschenkel. 

Der Griff an das weibliche Gesäss stellt – ob über oder unter den Kleidern erfolgt 

– somit umso mehr eine sexuelle Handlung dar. Die in concreto inkriminierten 

Griffe des Beschuldigten an das Gesäss der Privatklägerin erfolgten sodann in ei-

nem Therapeuten-Patientinnenverhältnis und in der Therapie-Praxis des Be-

schuldigten, also mit einem grossen hierarchischen Gefälle zwischen den Beteilig-

ten. Auch hier ist ein Gesamtgeschehen im Sinne der zitierten bundesgerichtli-

chen Praxis zu erkennen. Wenn der Beschuldigte dann am 30. Juli 2018 in seiner 

eigenen und für die Privatklägerin fremden Wohnung seine Hand unter die Hose 

und Unterhose der Privatklägerin schob und an ihr Gesäss griff, erreichte dieses 

sexuelle Verhalten ohnehin eine Intensität, welche eine Qualifikation als reine se-

xuelle Belästigung ausschliesst.  

2.6. Mit der zutreffenden rechtlichen Qualifikation der Anklagebehörde und der 

Vorinstanz hat der Beschuldigte den Tatbestand von Art. 193 StGB objektiv und 

subjektiv erfüllt. Der angefochtene Schuldspruch ist zu bestätigen. In Nachach-

tung des Verschlechterungsverbots ist im Berufungsverfahren die Frage einer 

mehrfachen Tatbegehung nicht aufzugreifen (Art. 391 Abs. 2 StPO).  

2.7. Eine Auseinandersetzung mit dem Tatbestand der sexuellen Belästigung ist 

obsolet, da die Vorinstanz diesbezüglich eine Strafbarkeit des einzig appellieren-

den Beschuldigten verworfen hat (Urk. 53 S. 29 f.). 

III. Sanktion 

1.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einer Geldstrafe von 150 Tages-

sätzen zu Fr. 190.– und damit knapp unter dem Antrag der Anklagebehörde be-

straft (Urk. 53 S. 2 und S. 37). Die Verteidigung hat sich – basierend auf ihrem 

Antrag auf vollumfänglichen Freispruch im Schuldpunkt – nicht zum Strafmass 

geäussert (Urk. 40; Urk. 66).  

- 17 - 

1.2. Die Vorinstanz hat den anwendbaren Strafrahmen korrekt abgesteckt und 

die theoretischen Grundsätze der Strafzumessung angeführt (Urk. 53 S. 30 f.). 

Darauf wird verwiesen.  

2.1. Zur Tatkomponente und dort zur objektiven Tatschwere hat die Vorinstanz 

erwogen, der Beschuldigte habe als behandelnder Psychiater der Privatklägerin 

seine berufliche Stellung bzw. das bestehende Vertrauens- und Abhängigkeits-

verhältnis zwischen ihm und der Privatklägerin auf perfide Weise ausgenutzt, um 

seine sexuell motivierten Handlungen an ihr zu vollziehen. Er habe viel in den 

Aufbau des Vertrauensverhältnisses investiert; insbesondere durch das ausser-

gewöhnliche Engagement ausserhalb der Therapiesitzungen und die Geldge-

schenke habe er die Schuld- und Verpflichtungsgefühle der Privatklägerin ge-

schürt. Sein Verhalten sei eigentlich systematisch und geplant gewesen. Die se-

xuellen Handlungen an sich seien im Spektrum der möglichen Übergriffe noch 

klar an der untersten Grenze anzusiedeln (Urk. 53 S. 31 f.). All dies ist zutreffend 

und zu übernehmen. Obwohl die sexuellen Übergriffe des Beschuldigten graduell 

noch nicht schwer waren, bestand bei der Privatklägerin, welche sich mit einem 

sehr schwierigen persönlichen Hintergrund dem sie therapierenden Beschuldigten 

uneingeschränkt anvertraute, die grosse Gefahr, dass sie in ihrem Sicherheitsge-

fühl massiv geschädigt wird. Die inkriminierten Grenzüberschreitungen gegenüber 

einer besonders vulnerablen Person in einem äusserst sensiblen Täter-Opfer-

Verhältnis sind daher verwerflich und nicht zu bagatellisieren. 

Zur subjektiven Tatschwere hat die Vorinstanz erwogen, der Beschuldigte habe 

hinsichtlich des äusseren Tatgeschehens mit direktem Vorsatz gehandelt. Dass 

die Privatklägerin die sexuellen Handlungen nur aufgrund des Abhängigkeitsver-

hältnisses und der damit einhergehenden fehlenden Entscheidungsfreiheit dulde-

te, habe er mindestens billigend in Kauf genommen. Er habe aus rein egoisti-

schen Beweggründen zu seiner eigenen sexuellen Erregung und Befriedigung 

gehandelt, wobei er als Psychiater um die psychische Verfassung der Privatkläge-

rin und um die möglichen schwerwiegenden Folgen, die sein Verhalten nach sich 

ziehen kann, gewusst habe (Urk. 53 S. 32). Auch dies trifft vollumfänglich zu. Der 

Beschuldigte verfolgte ausschliesslich seine eigenen Bedürfnisse und ignorierte 

- 18 - 

dabei das Wohl seiner ihm anvertrauten Patientin. Eine Einschränkung seiner 

Schuldfähigkeit (Art. 19 Abs. 2 StGB) wurde im Übrigen – zurecht – nie geltend 

gemacht (Urk. 40; Urk. 66).  

Wenn die Vorinstanz nach der Beurteilung der Tatkomponente dennoch ein noch 

eher leichtes Verschulden erkannt hat, ist dies korrekt. Mit der Vorinstanz führt 

dies zu einer hypothetischen Einsatzstrafe im unteren Drittel des Strafrahmens. 

Die bemessene Einsatzstrafe von 150 Strafeinheiten erscheint dem Verschulden 

des Beschuldigten in der Tat angemessen (Urk. 53 S. 32). 

2.2. Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz den Werdegang und die persön-

lichen Verhältnisse des Beschuldigten angeführt (Urk. 53 S. 32). An der Beru-

fungsverhandlung wurde aktualisiert, dass der Beschuldigte seit dem 30. Juni 

2022 nicht mehr arbeitstätig ist, da ihm gekündigt wurde. Er erhält eine Rente aus 

Deutschland, welche ungefähr EUR 780 und eine Rente aus der Schweiz, welche 

Fr. 50.– betragen. Eine AHV hat er jedoch nicht. Im Übrigen verfügt er über ein 

Barvermögen von rund Fr. 180'000.– und besitzt eine Ferienwohnung auf 

E._____ [Ortschaft in Griechenland], wo er sich zurückziehen möchte, falls er 

nicht mehr in der Schweiz arbeiten könnte. Ferner führte der Beschuldigte aus, 

dass er während des Ceausescu-Regimes aus Rumänien ausgewandert und in 

Deutschland in einer Pumpfabrik gearbeitet hat. Sein Medizinstudium in Human-

medizin hat er in F._____ und G._____ [Ortschaften in Deutschland] abgeschlos-

sen, jedoch aus finanziellen Gründen keinen Facharzt-Titel erworben. Nach sei-

ner Scheidung ist er bislang keine neue Beziehung eingegangen (Urk. 65 S. 1-6). 

Sämtliche Punkte der Täterkomponente wirken sich strafzumessungsneutral aus: 

die persönlichen Verhältnisse ebenso wie die durchschnittlich-intensive 

Strafempfindlichkeit, die Vorstrafenlosigkeit (Urk. 54) und das fehlende Geständ-

nis respektive die fehlende Bekundung von Einsicht und Reue (Prot. I S. 46; Prot. 

II S. 16).  

2.3. Die Täterkomponente führt somit weder zu einer Erhöhung noch zu einer 

Senkung der nach der Beurteilung der Tatkomponente bemessenen hypotheti-

schen Einsatzstrafe. Bei der Strafart der Geldstrafe hat es schon aus prozessua-

len Gründen zu bleiben (Art. 391 Abs. 2 StPO).  

- 19 - 

2.4. Die vorinstanzlich bemessene Höhe des Tagessatzes der Geldstrafe von 

Fr. 190.– ist jedoch zu reduzieren, da der Beschuldigte nicht mehr in einem An-

stellungsverhältnis ist und zurzeit nur von seinem Vermögen zehrt bzw. von sei-

ner Rente aus Deutschland und der Schweiz lebt (vgl. Urk. 65 S. 2 und S. 6). In 

Anbetracht seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und unter Berücksichtigung 

seiner Vermögenswerte rechtfertigt sich vorliegend, den Tagessatz auf Fr. 100.– 

festzusetzen. 

3. Die Bestätigung des vorinstanzlich gewährten bedingten Strafvollzuges un-

ter Ansetzung der gesetzlich minimalen Probezeit (Art. 44 Abs. 1 StGB) ist wiede-

rum schon aus prozessualen Gründen verbindlich (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

4. Gleiches gilt für das vorinstanzliche Absehen von der Abnahme einer DNA-

Probe und des Erstellens eines DNA-Profils (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

IV. Kosten  

1. Ausgangsgemäss ist die angefochtene vorinstanzliche Kostenregelung zu 

bestätigen, soweit sie nicht die Entschädigung des unentgeltlichen Privatklägerin-

nenvertreters betrifft (Art. 426 StPO). Bezüglich Letzterer hat die Vorinstanz in-

konstant entschieden: Einerseits wurde der unentgeltliche Privatklägerinnenver-

treter aus der Gerichtskasse entschädigt (Ziff. 5), dann wurden dem Beschuldig-

ten die gesamten Verfahrenskosten, inklusive Kosten des unentgeltlichen Privat-

klägerinnenvertreters, auferlegt, dann jedoch diese betreffend wieder eine staatli-

che Nachforderung vorbehalten (Ziff. 7). Zugunsten des Beschuldigten ist davon 

auszugehen, dass die Vorinstanz die Kosten des unentgeltlichen Privatklägerin-

nenvertreters auf die Gerichtskasse genommen und diesbezüglich eine Nachfor-

derung vorbehalten hat. In diesem Sinne ist der vorinstanzliche Kostenentscheid 

zu korrigieren respektive zu verdeutlichen.  

2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf 

Fr. 3'000.– festzusetzen.  

3. Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit seinen Anträgen voll-

umfänglich. Daher ist ihm die Gerichtsgebühr vollumfänglich aufzuerlegen. Die 

- 20 - 

Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin sind einstweilen auf die 

Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten in Bezug 

auf die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO in Verbindung mit Art. 138 Abs. 1 StPO vorbehalten. 

4. Der unentgeltliche Privatklägerinnenvertreter macht für das Berufungsver-

fahren eine Entschädigung von total Fr. 3'138.50 (inkl. Barauslagen, MwSt. und 

Berufungsverhandlung) geltend. Der Aufwand ist ausgewiesen und angemessen 

und in dieser Höhe zu entschädigen. 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, 

Einzelgericht, vom 10. März 2022 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:  

"Es wird erkannt: 

1.-5. (…)  

6. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 1'500.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 1'600.–   Gebühr Strafuntersuchung 

Fr. 1'200.–   Gebühr Beschwerdeverfahren UE200435-O 

Fr. 8'622.45   unentgeltliche Vertretung Privatklägerin 
 

 7. (…) 

 8. (Mitteilungen) 

 9. (Rechtsmittel)" 

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der Ausnützung der Notlage im Sinne 

von Art. 193 Abs. 1 StGB. 

- 21 - 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 

Fr. 100.–. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

4. Von der Abnahme einer DNA-Probe und der Erstellung eines DNA-Profils 

wird abgesehen. 

5. Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ wird für die unentgeltliche Vertretung der Pri-

vatklägerin in der Untersuchung und im Hauptverfahren mit Fr. 8'622.45 

(inkl. Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, exklusive 

derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, werden 

dem Beschuldigten auferlegt. Betreffend die aus der Gerichtskasse ausge-

richtete Entschädigung der Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Pri-

vatklägerschaft bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 138 Abs. 1 StPO in 

Verbindung mit Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.  

7. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.--  ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 3'138.50   unentgeltliche Vertretung Privatklägerschaft 

8. Die Gerichtsgebühr des Berufungsverfahrens wird dem Beschuldigten aufer-

legt. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft des 

Berufungsverfahrens werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. 

Eine Rückforderung im Sinne von Art. 138 Abs. 1 StPO in Verbindung mit 

Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten. 

9. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
(übergeben) 

− die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (versandt) 
− die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die Privat-

klägerschaft (übergeben) 

- 22 - 

− die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich (versandt) 

 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten 
− die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat  
− die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die 

Privatklägerschaft 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A  
− die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich. 

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes-

gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
 

- 23 - 

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer 

 
 

Zürich, 19. Juni 2023 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

lic. iur. B. Gut 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

MLaw A. Simic 
 

 
 

Zur Beachtung: 

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam 

gemacht: 

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss 

er/sie die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte 

Freiheitsstrafe. 

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden 

(Art. 46 Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB), 

- wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht, 

- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet. 

	Urteil vom 19. Juni 2023
	Anklage:
	Urteil der Vorinstanz: (Urk. 53 S. 37 ff.)
	"Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der Ausnützung der Notlage im Sinne von Art. 193 Abs. 1 StGB.
	2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 190.–.
	3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
	4. Von der Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils wird abgesehen.

	5. Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ wird für die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin mit Fr. 8'622.45 (inkl. Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
	6. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
	Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
	7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auferlegt. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
	8. (Mitteilungen)
	9. (Rechtsmittel)"
	Berufungsanträge: (Prot. II S. 4 f.)
	"1. Die Dispositivziffern 1, 2 und 3 des Urteils des Einzelgerichts in Strafsachen des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 10. März 2022 (GG210307-L), seien aufzuheben und der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
	2. Die Dispositivziffern 6 und 7 des Urteils des Einzelgerichts in Strafsachen des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 10. März 2022 (GG210307-L), seien aufzuheben und die Gerichts- und Untersuchungskosten, inklusive die Kosten für die unentgel...
	3. Dem Beschuldigten sei eine Prozessentschädigung in der Höhe von mindestens CHF 23'540.00 (CHF 16'684.25 + CHF 6'855.75) für die anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
	4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten der Staatskasse."
	"1. Das erstinstanzliche Urteil sei in allen die Privatklägerin betreffenden Punkten zu bestätigen.
	2. Die Kosten für die unentgeltliche Rechtsbeistandschaft in der Höhe gemäss beigelegter Honorarnote seien vom Staat zu tragen.
	3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Beschuldigten."
	Erwägungen:
	I.  Prozessuales
	Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnung ist vorab Vormerk zu nehmen (Art. 404 StPO).

	II. Schuldpunkt
	III. Sanktion
	IV. Kosten
	Es wird beschlossen:
	1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, Einzelgericht, vom 10. März 2022 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:
	"Es wird erkannt:
	1.-5. (…)
	6. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
	2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
	Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der Ausnützung der Notlage im Sinne von Art. 193 Abs. 1 StGB.
	2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 100.–.
	3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
	4. Von der Abnahme einer DNA-Probe und der Erstellung eines DNA-Profils wird abgesehen.

	5. Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ wird für die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin in der Untersuchung und im Hauptverfahren mit Fr. 8'622.45 (inkl. Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
	6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, exklusive derjenigen der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auferlegt. Betreffend die aus der Gerichtskasse ausgerichtete Entschädigung der Koste...
	7. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	8. Die Gerichtsgebühr des Berufungsverfahrens wird dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft des Berufungsverfahrens werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine Rückforderung im Sinne von...
	9. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten (übergeben)
	 die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (versandt)
	 die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die Privatklägerschaft (übergeben)
	 die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich (versandt)
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
	 die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die Privatklägerschaft
	 die Vorinstanz
	 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A
	 die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich.

	10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.
	Zur Beachtung:
	- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet.