# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 97331daa-c4c8-5af1-be6f-12b17d1c63a6
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1992-09-10
**Language:** de
**Title:** Streit-, Verfahrensgegenstand. Erweiterung des Prozessthemas (Kasuistik). Abgrenzung Dachgeschoss/Vollgeschoss.
**Docket/Reference:** BRKE IV Nr. 0108/1992
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_IV_108_1992_961.pdf

## Full Text

BRKE IV Nr. 108/1992 vom 10. September 1992 in BEZ 1993 Nr. 17

3.  a)  Wegen der Anpassung des Gebäudegrundrisses an die besondere Form 
des Baugrundstücks weist das Bauvorhaben insgesamt neun abgewinkelte Aussen-
wandflächen auf. Diese Strukturierung des Baukörpers findet auch in der Dachform 
ihren  Niederschlag.  Nur  bei  den  insgesamt  drei  gegen  Nordwesten  und  Südosten 
gerichteten  Fassaden  ist  eine  eigentliche  Traufseite,  d.h.  eine  horizontale  Begren-
zung  der  Dachunterseite  erkennbar,  und  es  stellen  nur  die  Nordost- und  die  Süd-
westseite  des  Gebäudes  eigentliche  Giebelseiten  dar,  bei  welchen  die  Fassade 
rechtwinklig  zum  Dachfirst  verläuft.  Bei  den  übrigen  Aussenwänden  bilden  die  Un-
terseiten der Dachflächen und die Fassaden schräg ansteigende Schnittlinien.

b) Die  zulässige  Gebäudehöhe  wird  durch  die  erlaubte  Vollgeschosszahl  be-
stimmt (§ 278 Abs. 1 PBG). Dabei ist von einer Bruttogeschosshöhe von 3,3 m und 
zusätzlich von 1,5 m für die Erhebung des Erdgeschosses auszugehen (§ 279 Abs. 
1 PBG). Die Gebäudehöhe ist von der jeweiligen Schnittlinie zwischen Fassade und 
Dachfläche auf den darunterliegenden gewachsenen Boden zu messen; durch ein-
zelne,  bis  1,5  m  tiefe  Rücksprünge  bewirkte  Mehrhöhen  sind  unbeachtlich  (§  280 
Abs. 1 PBG).

In  der  Wohnzone  W2  sind  zwei  Vollgeschosse  und  zusätzlich  ein  Dachge-
schoss erlaubt (Art. 21 BauO). Für das Bauvorhaben resultiert somit eine maximale 
Gebäudehöhe von 8,1 m. Die Schnittlinie zwischen Fassade und Dachfläche ist je-
doch nicht nur als obere Determinante der Gebäudehöhe, sondern auch für die Qua-
lifizierung der horizontalen Gebäudeabschnitte als Voll- oder Dachgeschosse mass-
gebend (vgl. § 275 Abs. 1 und 2 PBG). Die enge Verknüpfung zwischen Gebäude-
höhe und Vollgeschosszahl lässt es zu, dass die Rechtsmittelbehörde besonders bei 
einem Bauvorhaben, welches einen derart speziellen Verlauf der besagten Schnittli-
nien  aufweist,  vor  der  Überprüfung  der  Gebäudehöhe  abklärt,  ob  das  Projekt  nicht 
die das Höhenmass bestimmende Anzahl erlaubter Vollgeschosse überschreite.

c) Vollgeschosse  sind  gemäss  §  275  Abs.  1  PBG  horizontale  Gebäude-
abschnitte,  die  über  dem  gewachsenen  Boden  und  unter  der  Schnittlinie  zwischen 
Fassade und Dachfläche liegen. Dachgeschosse sind horizontale Gebäudeabschnit-
te, die über der Schnittlinie zwischen Fassade und Dachfläche liegen. Gebäudeab-
schnitte  mit  einer  Kniestockhöhe  von  höchstens  0,9  m,  gemessen  0,4  m  hinter  der 

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Fassade, gelten als Dachgeschosse (§ 275 Abs. 2 PBG). An die Geschosszahl an-
rechenbar  sind  Voll- und  Dachgeschosse,  wenn  sie  Wohn-,  Schlaf- oder  Arbeits-
räume enthalten (§ 276 Abs. 1 PBG).

Vorliegend machen die eindeutig traufseitigen Fassaden lediglich rund 20% des 
an  dieser  Stelle  gemessenen  Gebäudeumfanges  aus.  Auch  die  Gesamtlänge  der 
eindeutigen Giebelseiten bewegt sich etwa im gleichen Rahmen. Der übrige Teil der 
Gebäudeseiten findet ihren oberen Abschluss in den schräg ansteigenden Unterkan-
ten der Dachflächen, was eine markante Vergrösserung der dem Dachgeschoss zu-
zuordnenden Fassadenflächen ermöglicht. Dies hat wiederum zur Folge, dass des-
sen Kubatur zu weiten Teilen unter die Schnittlinie zwischen Fassade und Dachflä-
che zu liegen kommt. Für die Qualifizierung eines horizontalen Gebäudeabschnittes 
als Dachgeschoss genügt es jedoch nicht, dass sich der Rauminhalt nur an wenigen 
Stellen über dieser Schnittlinie befindet. Andernfalls wären der Umgehung der Vor-
schriften  über  die  Geschosszahl  Tür  und  Tor  geöffnet,  und  es  würde  die  rechtlich 
bedeutsame  Unterscheidung  zwischen  Voll- und  Dachgeschossen  verwischt.  Die 
aus der hier gewählten Dachform resultierende Vergrösserung der Fassadenflächen 
auf  Kosten der  Dachfläche  lässt  denn  auch  das  Dachgeschoss  selbst  äusserlich 
nicht als solches in Erscheinung treten. Vielmehr handelt es sich dabei um ein Voll-
geschoss.  Zum  gleichen  Ergebnis  führt  die  Betrachtung  der  Kniestockhöhen.  Die 
Möglichkeit  der  Vergrösserung  des  Dachgeschossraumes  mittels  Verlängerung  der 
Gebäudeaussenwände  über  die  Decke  des  obersten  Vollgeschosses  hinaus  muss 
jedoch  auf  ein  bestimmtes  Mass  beschränkt  bleiben,  damit  eine  deutliche  Abgren-
zung zu den Vollgeschossen bestehen bleibt. Die im Bereich der schräg verlaufen-
den  Dachflächenunterkanten  über  die  Decke  des  obersten  Vollgeschosses  hinaus-
ragenden  Teile  der  Umfassungsmauern  haben  als  Kniestock  zu  gelten.  In  diesem 
Bereich  wird  vorliegend  die  Maximalhöhe  gemäss  §  275  Abs.  2  PBG,  welche  den 
Gebäudeabschnitt noch als Dachgeschoss gelten liesse, bei weitem überschritten.

Das in den Plänen als "Erdgeschoss" bezeichnete Geschoss gilt, da teilweise in 
den gewachsenen Boden hineinragend (vgl. § 275 Abs. 3 PBG), als Untergeschoss, 
ist jedoch mangels Zulässigkeit solcher Geschosse in den Wohnzonen der Gemein-
de X. zu Recht als Vollgeschoss angerechnet worden. Daneben verfügt das Baupro-
jekt noch über ein eigentliches Vollgeschoss (in den Plänen als "Obergeschoss" be-
zeichnet).  Die  Qualifizierung  des  Dachgeschosses  als  weiteres  Vollgeschoss  führt 
daher  zur  Ueberschreitung  der  Anzahl  erlaubter  Vollgeschosse.  Da  nur  die  Erset-
zung von Vollgeschossen durch Dachgeschosse erlaubt ist, jedoch nicht umgekehrt 
(vgl. § 276 Abs. 3 PBG), erweist sich das geplante Mehrfamilienhaus mithin als bau-
rechtswidrig.

d)  Die  zur  Ueberschreitung  der  erlaubten  Vollgeschosszahl  führenden  Gründe 
zwingen zu einer völligen Neukonzipierung der Dachform. Die Dachflächen sind im 
Bereich  der  heute  schräg  verlaufenden  Unterseiten  so  weit  nach unten  auszudeh-
nen, bis die unmittelbar darunterliegenden Räume zu wesentlichen Teilen in den Be-
reich der Dachkonstruktion zu liegen kommen. Die erforderliche Neugestaltung der 
Dachform wird sich insoweit auch auf die gerügte Gebäudehöhe auswirken, als die
massgebenden  Schnittlinien  zwischen  Fassaden  und  Dachflächen  in  weiten  Berei-
chen  des  Gebäudes  ebenfalls  tiefer  zu  liegen  kommen.  Durch  die  Schaffung  von 
mehr klar erkennbaren Traufseiten dürfte sich dannzumal auch die Frage erübrigen, 
ob  die  Gebäudehöhe  auch  im  Bereich  der  schräg  verlaufenden  Dachflächenunter-
seiten zu messen sei.

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e)  Durch  die  Statuierung  einer  Nebenbestimmung  lässt  sich  der  Mangel  nicht 
beheben, so dass der Rekurs in diesem Punkte gutzuheissen und der angefochtene 
Beschluss demgemäss als Ganzes aufzuheben ist.