# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a2067e9f-44eb-535e-8ce2-c89958262902
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-30
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 30.10.2023 SST.2023.73
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-73_2023-10-30.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2023.73 
(ST.2022.100; StA.2021.5122) 

 

 

Urteil vom 30. Oktober 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichterin Vasvary  

Gerichtsschreiberin Rosset 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

Privatklägerin   A._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Tom Schaffner,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1990, von Dagmersellen und Emmen, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Franz Hollinger,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, 

Freiheitsberaubung usw. 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Am 30. Juni 2022 erhob die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c, lit. d, lit. e und lit. g 

BetmG i.V.m. Abs. 2 lit. a BetmG, versuchter Erpressung gemäss Art. 156 

StGB i.V.m. Art. 22 StGB, mehrfacher Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 

Ziff. 1 Abs. 1 StGB, mehrfacher Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB, 

versuchter einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 StGB i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB, mehrfacher, teilweise versuchter Nötigung gemäss Art. 181 

StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, Sachbeschädigung gemäss 

Art. 144 Abs. 1 StGB, mehrfachen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 

StGB, mehrfacher Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB, 

mehrfachen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage gemäss Art. 179septies 

StGB, mehrfachen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung gemäss 

Art. 292 StGB und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG. 

 

2. 

Mit Urteil vom 15. September 2022 erkannte das Bezirksgericht Lenzburg: 

 
1. 
Der Beschuldigte ist schuldig 
 
- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 

Abs. 1 lit. c, d, e und g i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG (Straftatendossier 9), 
- der versuchten Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

(Straftatendossier 9), 
- der mehrfachen Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB 

(Straftatendossier 9), 
-  der mehrfachen Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB (Straftatendossier 9), 
- der versuchen einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB (Straftatendossier 6), 
- der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB (Straftatendossier 6), 
-  der versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

(Straftatendossier 6), 
- des mehrfachen Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB (Straftatendossier 6), 
- der Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB (Straftatendossier 6), 
- der mehrfachen Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB (Straftatendossier 6), 
- der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB (Straftatendossier 7), 
- der mehrfachen Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB (Straftatendossier 7), 
- des mehrfachen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage gemäss Art. 179septies StGB 

(Straftatendossier 7), 
- der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB (Straftatendossier 2), 
- der mehrfachen Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB (Straftatendossier 2), 
- des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB (Straftatendossier 8), 
- des mehrfachen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung gemäss Art. 292 StGB 

(Straftatendossier 1),  
- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19a 

Ziff. 1 BetmG (Straftatendossiers 4, 5 und 9). 
 

 - 3 - 

 

 

2. 
Der Beschuldigte wird hierfür in Anwendung der genannten Gesetzesbestimmungen sowie 
Art. 333 Abs. 1 StGB, Art. 19 Abs. 3 BetmG, Art. 26 BetmG, Art. 34 StGB, Art. 40 StGB, 
Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB und Art. 106 StGB, 
  
zu einer Freiheitsstrafe von 26 Monaten,  
 
zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à CHF 30.00, d.h. CHF 2'100.00,  
 
und zu einer Busse von CHF 1'000.00, ersatzweise 33 Tage Freiheitsstrafe, verurteilt. 
 
3. 
Gestützt auf Art. 59 i.V.m. Art. 60 StGB wird eine kombinierte, stationäre therapeutische 
Massnahme angeordnet. 
 
4. 
Die vorläufige Festnahme von zwei Tagen (10. März 2021 bis 12. März 2021), die Dauer 
der ausgestandenen Untersuchungshaft von 219 Tagen (15. Oktober 2020 bis 12. 
November 2020, 17. November 2020 bis 25. Januar 2021 und 14. April 2021 bis 11. August 
2021), sowie der vorzeitige Straf- und Massnahmenvollzug von 400 Tagen (12. August 
2021 bis 15. September 2022), total 621 Tage, werden dem Beschuldigten an die 
Freiheitsstrafe, die Geldstrafe sowie die stationäre Massnahme angerechnet. 
 
5. 
Gestützt auf Art. 69 Abs. 2 StGB werden folgende Gegenstände eingezogen und 
vernichtet: 
 
- 1 Mobiltelefon iPhone 7 (schwarz), inkl. SIM-Karte 
- 1 Notizheft 
- 1 Küchenmesser, glatte Klinge, heller Holzgriff 
- 1 Küchenmesser, gezahnte Klinge, grau-weisser Kunststoffgriff 
- 1 Wischmopp mit verkrümmter Leichtmetallstange 
- 1 Bierdose "Gralsburg" 
 
6. 
Folgende Gegenstände werden der Zivil- und Strafklägerin 1 [A._____] nach Rechtskraft 
des vorliegenden Verfahrens gegen Empfangsbestätigung zurückgegeben: 
 
- 1 Mobiltelefon Samsung (schwarz), inkl. SIM-Karte (zerbrochen, Display zersplittert), 
- 1 Mobiltelefon Wiko (weiss), inkl. SIM-Karte (Display defekt, Schutzabdeckung 

roségold). 
 
7. 
Der Beschuldigte hat die Verfahrenskosten, bestehend aus einer Staatsgebühr von 
CHF 4'300.00 sowie den Auslagen von CHF 23'963.60, inkl. der Untersuchungskosten von 
CHF 23'882.60, insgesamt CHF 28'263.60, zu bezahlen.  
 
8. 
Der Beschuldigte hat die Anklagegebühr von CHF 3'750.00 zu bezahlen. 
 
9. 
Die Gerichtskasse Lenzburg wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 
Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. Franz Hollinger, Brugg AG, die richterlich auf 
CHF 54'463.90 (inkl. 7.7 % MWSt von CHF 3'893.90) festgesetzte Entschädigung 
auszurichten. 
 

 - 4 - 

 

 

Die dem amtlichen Verteidiger ausgerichtete Entschädigung kann zu einem späteren 
Zeitpunkt vom kostenfälligen Beschuldigten zurückgefordert werden, sofern es seine 
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 
 
10. 
10.1. 
Der Beschuldigte hat der Zivil- und Strafklägerin 1 [A._____] CHF 2'000.00 zzgl. Zins zu 5 
% seit 14. Oktober 2020 als Genugtuung zu bezahlen. 
 
Der Beschuldigte hat der Zivil- und Strafklägerin 1 [A._____] CHF 743.00 als 
Schadenersatz zu bezahlen. 
 
10.2. 
Der Beschuldigte hat der Zivil- und Strafklägerin 3 [Gemeinde Z._____] CHF 497.80 als 
Schadenersatz zu bezahlen. 
 
11. 
Der Beschuldigte hat der Zivil- und Strafklägerin 1 [A._____] die gerichtlich auf CHF 
5'923.40 (inkl. 7.7 % MWSt von CHF 423.50) festgesetzten Parteikosten zu ersetzen. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 13. März 2023 beantragte der Beschuldigte, 

er sei von den Vorwürfen der qualifizierten Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 2 BetmG, der versuchten 

Erpressung, der mehrfachen Freiheitsberaubung, der mehrfachen Drohung 

(Dossier 9), der versuchten einfachen Körperverletzung, der mehrfachen, 

teilweise versuchten Nötigung sowie des mehrfachen Hausfriedensbruchs 

(Dossier 6) freizusprechen und stattdessen der Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 BetmG und der Drohung 

(Dossier 9) schuldigzusprechen. Weiter beantragte er, er sei mit einer 

Freiheitsstrafe von 9 Monaten und einer Busse von Fr. 400.00 zu bestrafen 

und es sei eine Massnahme gemäss Art. 60 StGB anzuordnen. Die 

Zivilforderung der Privatklägerin sei abzuweisen, eventualiter auf den 

Zivilweg zu verweisen. 

 

3.2. 

Mit Eingabe vom 30. Oktober 2023 beantragte die Privatklägerin die 

Abweisung der Berufung. 

 

3.3. 

Die Berufungsverhandlung fand am 30. Oktober 2023 statt. In Abänderung 

seines bisher gestellten Antrags, wonach eine Suchtbehandlung gemäss 

Art. 60 StGB anzuordnen sei, beantragte der Beschuldigte, es sei 

stattdessen eine ambulante Massnahme gemäss Art. 63 StGB 

anzuordnen. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Abweisung der 

Berufung sowie die Anordnung einer vollzugsbegleitenden ambulanten 

Massnahme. 

 

 

 - 5 - 

 

 

   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

1.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der (mehrfachen) qualifizierten 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 2 

lit. a BetmG schuldiggesprochen. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vom vorgenannten Vorwurf 

freizusprechen und stattdessen der Widerhandlung gegen das Betäu-

bungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 BetmG schuldigzusprechen 

(Berufungserklärung S. 2).  

 

1.2. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, sich der qualifizierten 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 2 

lit. a BetmG strafbar gemacht zu haben, indem er unbefugt Kokain in einer 

Menge, von welcher er gewusst habe oder habe annehmen müssen, dass 

die Widerhandlung damit mittelbar oder unmittelbar die Gesundheit vieler 

Menschen in Gefahr habe bringen können, veräussert, auf andere Weise 

einem anderen verschafft, in Verkehr gebracht, besessen, die Finanzierung 

des unerlaubten Handels mit Kokain vermittelt sowie zu einer 

Widerhandlung Anstalten getroffen habe (Anklageziffer 1).  

 

1.3. 

Insoweit der Beschuldigte in formeller Hinsicht vorbringt, die Staatsanwalt-

schaft habe in der Anklageziffer 1 den Anklagegrundsatz verletzt, da der 

Aufbau unübersichtlich sei und keine Zuordnung der einzelnen 

Sachverhalte zu den angeklagten Tatbeständen möglich sei (Plädoyer des 

amtlichen Verteidigers an der Berufungsverhandlung S. 1 f.), ist ihm nicht 

zu folgen:  

 

Nach dem Anklagegrundsatz (Art. 9 Abs. 1 StPO) bestimmt die 

Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens. Sie hat die der 

beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so 

präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver 

Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das 

Anklageprinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten 

Person und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (BGE 147 IV 

439 E. 7.2 mit Hinweisen). Entscheidend ist, dass die beschuldigte Person 

genau weiss, was ihr konkret vorgeworfen wird, damit sie ihre 

Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann (BGE 143 IV 63 E. 2.2). 

 

Es ist dem Beschuldigten zwar dahingehend beizupflichten, dass die 

Staatsanwaltschaft unter der Anklageziffer 1 die qualifizierte Wider-

handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, die versuchte Erpressung, 

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die mehrfache Freiheitsberaubung und die mehrfache Drohung und somit 

vier verschiedene Straftatbestände angeklagt hat. Die vier dazugehörigen 

Anklagesachverhalte lassen sich jedoch jeweils eindeutig einem Straftat-

bestand zuordnen, wurden die einzelnen Sachverhalte doch als 

eigenständige Abschnitte aufgegliedert, zwischen welchen jeweils ein – 

wenn auch kleiner – Abstand vorhanden ist. Weiter wurden die 

Sachverhalte in derselben Reihenfolge aufgegliedert, wie auch zuvor die 

einzelnen Straftatbestände. Folglich wusste der anwaltlich vertretene 

Beschuldigte, wogegen er sich zu verteidigen hatte. Es war ihm denn auch 

ohne weiteres möglich, sich gegen die in der Anklage erhobenen Vorwürfe 

angemessen zu wehren. Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes ist 

damit nicht auszumachen. 

 

1.4. 

Einer Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz macht sich u.a. 

strafbar, wer Betäubungsmittel unbefugt veräussert, auf andere Weise 

einem anderen verschafft, in Verkehr bringt (Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG) 

oder besitzt (Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG), wer den unerlaubten Handel mit 

Betäubungsmitteln finanziert oder seine Finanzierung vermittelt (Art. 19 

Abs. 1 lit. e BetmG) oder wer zu einer Widerhandlung nach Art. 19 Abs. 1 

lit. c bis lit. e BetmG Anstalten trifft (Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG). Veräussern 

bedeutet die vorsätzliche Übertragung der Verfügungsmacht über 

Betäubungsmittel an eine andere Person. Die Entgegenahme eines 

allfälligen Kaufpreises ist irrelevant. Das Vermitteln von Betäubungsmitteln 

fällt unter Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG (BGE 142 IV 401 E. 3.4). Das 

Vermitteln ist nicht bereits dann vollendet, wenn ein objektiv tauglicher 

Hinweis auf die erwähnten Umstände durch eine andere Person eingeht. 

Bis zu diesem Zeitpunkt liegt lediglich ein Anstaltentreffen vor. Ein 

Vermitteln ist erst vollendet, wenn der Mitteilungsempfänger vom Hinweis 

Gebrauch gemacht und Sachherrschaft über die Betäubungsmittel erlangt 

hat (SCHLEGEL/JUCKER: OFK BetmG, 4. Aufl. 2022, N. 52 ff. zu Art. 19 

BetmG). Der Tatbestand des Anstaltentreffens zielt nicht darauf ab, jede 

untergeordnete Hilfeleistung von Dritten, welche die Begehung eines 

Delikts nach Art. 19 Abs. 1 lit. a bis lit. f BetmG fördert, als Haupttat zu 

erfassen. Anstalten trifft daher nur, wer nach seinem Plan eine Straftat nach 

Art. 19 Abs. 1 lit. a bis lit. f BetmG selber als Täter oder zusammen mit 

anderen Personen als Mittäter verüben will. Wer diesen Plan nicht hegt, 

trifft keine Anstalten zu einer Tat und ist allenfalls Gehilfe (BGE 130 IV 131 

E. 2.2 ff.). Art. 19 Abs. 1 BetmG verlangt Vorsatz, wobei Eventualvorsatz 

genügt (BGE 126 IV 201 E. 2). 

 

Eine qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 

begeht gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG, wer weiss oder annehmen 

muss, dass die Widerhandlung mittelbar oder unmittelbar die Gesundheit 

vieler Menschen in Gefahr bringen kann. Gemäss der bundesgerichtlichen 

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Rechtsprechung ist dies bei Kokain bei einer reinen Wirkstoffmenge von 

18 Gramm der Fall (BGE 145 IV 312, Regeste). 

 

1.5. Abnehmer C._____ 

1.5.1. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, er habe C._____ anfangs April 

2021 ein Kokaingemisch übergeben und sei im Anschluss für die 

Eintreibung von Fr. 500.00 zuständig gewesen. Sodann habe er C._____ 

am 12. April 2021 angeboten, erneut Kokain von D._____ zu kaufen 

(Anklageziffer 1). 

 

1.5.2. 

Eine durch den Beschuldigten vorgenommene Veräusserung von Kokain 

an C._____, welche von Erstgenanntem konstant bestritten wurde (GA act. 

1994 f.; UA act. 336.18; Protokoll Berufungsverhandlung S. 15), ist nicht 

erstellt. So geht ein Verkauf weder aus den zwischen dem Beschuldigten 

und D._____ versendeten Signal-Nachrichten, noch aus dem Facebook-

Messenger-Chat zwischen dem Beschuldigten und C._____ hervor (vgl. 

UA act. 1833; 1829 f.; 1643). D._____ (ehemaliger Mitbeschuldigter; 

abgekürztes Verfahren AS.2022.5), welcher im angeklagten Tatzeitraum 

Kokain verkaufte und mit dem Beschuldigten befreundet war und 

Letztgenanntem jeweils unentgeltlich Kokain übergab, hat anlässlich der 

Berufungsverhandlung ausgesagt, dass der Beschuldigte kein Kokain 

verkauft habe (Protokoll Berufungsverhandlung S. 3 ff.). Diese Aussage 

von D._____ ist glaubhaft, hat er den Beschuldigten an der 

Berufungsverhandlung doch nicht nur entlastet, sondern durchaus auch 

belastet (vgl. Protokoll Berufungsverhandlung S. 4). Folglich kann dem 

Beschuldigten nicht nachgewiesen werden, dass er C._____ Kokain 

verkauft hätte. Sodann bleibt festzuhalten, dass eine allfällige 

Entgegennahme eines Kaufpreises irrelevant wäre und ohnehin nicht eine 

Veräusserung begründen könnte (vgl. hierzu E. 1.4). Eine Vermittlung des 

Kontakts von C._____ an D._____ durch den Beschuldigten zwecks eines 

späteren Kokainkaufs lässt sich ebenso wenig erstellen. So hat der 

Beschuldigte an der Berufungsverhandlung zu Protokoll gegeben, nicht 

sicher zu sein, ob er C._____ zwecks eines späteren Kokainkaufs an 

D._____ vermittelt habe. Es sei letztendlich zu keinem Kokainkauf durch 

C._____ gekommen, weil D._____ in den Ferien gewesen sei (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 16). Weitere Beweise, welche eine Vermittlung 

nachzuweisen vermögen würden, liegen keine vor. Zusammenfassend ist 

weder eine Veräusserung von Kokain durch den Beschuldigten an C._____ 

noch eine Vermittlung erstellt. 

 

Der Beschuldigte ist in Bezug auf den C._____ betreffenden 

Anklagesachverhalt vom Vorwurf der (qualifizierten) Widerhandlung gegen 

das Betäubungsmittelgesetz freizusprechen. 

 

 - 8 - 

 

 

1.6. Abnehmer E._____ 

1.6.1. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten weiter vor, er habe dem Abnehmer 

E._____ mindestens 10 Gramm Kokaingemisch übergeben und 

anschliessend den Kaufpreis von Fr. 1'000.00 eingetrieben 

(Anklageziffer 1). 

 

1.6.2. 

Der Beschuldigte bestreitet, dem Abnehmer E._____ Kokain veräussert zu 

haben (Protokoll Berufungsverhandlung S. 17).  

 

1.6.3. 

In einer Notiz auf dem Mobiltelefon von D._____ wurde folgendes 

festgehalten: «O._____ 300.- fr; P._____ 1100.- fr; H._____ 8500.-fr; 

E._____ 1000.- fr; G._____ 20.- fr» (UA act. 1590 f.). Diese Notiz wurde mit 

dem Mobiltelefon des Beschuldigten fotografiert (UA act. 1594). Hierbei 

handelt es sich um eine Auflistung der Kokainabnehmer von D._____ sowie 

ihrer Schulden, was von diesem bestätigt wurde (UA act. 1671; Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 4). Somit steht fest, dass D._____ dem 

Abnehmer E._____ Kokain verkauft hat und Letztgenannter Schulden in 

Höhe von Fr. 1'000.00 bei D._____ hatte. Dies wurde von D._____ 

anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigt (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 5). Die alleinige Tatsache, dass der Beschuldigte 

diese Notiz mit seinem Mobiltelefon abfotografiert hat, vermag jedoch nicht 

nachzuweisen, dass er das Kokain dem Abnehmer E._____ übergeben 

hat. Der Beschuldigte hat an seiner Schlusseinvernahme angegeben, dass 

es im Chat mit E._____ zwar um die Übergabe von Kokain gegangen sei, 

das Treffen am 12. April 2021 jedoch nicht stattgefunden habe. Eine 

Übergabe von Kokain habe nie stattgefunden (UA act. 336.22). Aus den 

zwischen dem Beschuldigten und dem Kontakt E._____ versendeten 

Nachrichten ergibt sich nicht, dass der Beschuldigte diesem Kokain 

verkauft hätte, wird darin doch weder eine Mengenangabe erwähnt noch 

ein Kaufpreis vereinbart. Weiter geht aus diesen Nachrichten nicht hervor, 

ob es im Anschluss daran tatsächlich zu einem Treffen zwischen ihnen 

beiden gekommen ist (UA act. 1766 f.), was vom Beschuldigten denn auch 

konstant bestritten worden ist. Folglich ist nicht erstellt, dass der 

Beschuldigte dem Abnehmer «E._____» Kokain veräussert hat.  

 

Der Beschuldigte ist in Bezug auf den den Abnehmer «E._____» 

betreffenden Anklagesachverhalt vom Vorwurf der (qualifizierten) Wider-

handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz freizusprechen.  

 

1.7. Abnehmer F._____ 

1.7.1. 

Dem Beschuldigten wird weiter vorgeworfen, er habe am 30. März 2021 

F._____ über den Facebook-Chat kontaktiert und diesen gefragt, ob er 

 - 9 - 

 

 

Betäubungsmittel benötige und ihm Betäubungsmittelabnehmer vermitteln 

könne. Der Beschuldigte habe F._____ angeboten, diesem eine 

unbekannte Menge Kokain zu schenken, falls er ihm Abnehmer vermittle 

(Anklageziffer 1).  

 

1.7.2. 

Der Beschuldigte macht geltend, dass das Vermitteln nicht vollendet sei, 

da es nie zu einer Übergabe von Kokain gekommen sei (GA act. 2039).  

 

1.7.3. 

Aus den zwischen dem Beschuldigten und F._____ versendeten 

Facebook-Nachrichten ergibt sich, dass der Beschuldigte F._____ am 

30. März 2021 gefragt hat, ob er ein Paar Leute für ihn habe, woraufhin 

Letztgenannter geantwortet hat, dass er ihm schon ein Paar geben könne. 

Der Beschuldigte schrieb weiter, dass F._____ ihm Leute bringen solle, 

dann werde er ihm etwas schenken. Daraufhin entgegnete dieser, dass es 

aber gut sein müsse, woraufhin der Beschuldigte schrieb, dass er selbst 

nur die rechte Hand sei und dies sein Kollege mache (UA act. 1640 ff.). An 

seiner Einvernahme vom 9. Juni 2021 gab der Beschuldigte zu Protokoll, 

dass es nach diesen Nachrichten zu keinem Treffen gekommen sei (UA 

act. 1741). An seiner Schlusseinvernahme führte er betreffend F._____ 

aus, dass er Kundschaft habe vermitteln und diesem wahrscheinlich Kokain 

habe verschenken wollen. Er habe Kundschaft gesucht (UA act. 336.21). 

An der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte an, dass es nie zu 

einem Treffen zwischen D._____ und F._____ gekommen sei (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 18). Unter Würdigung der vorgehend 

dargelegten Facebook-Nachrichten und Aussagen des Beschuldigten lässt 

sich weder ein Anstaltentreffen zu einer Veräusserung von Kokain noch 

eine Vermittlung erstellen. So ist in den Nachrichten des Beschuldigten 

höchstens eine untergeordnete Hilfeleistung zu erkennen, welche jedoch 

für die Erfüllung des Tatbestands des Anstaltentreffens nicht genügt. 

Nachdem es nie zu einem Treffen mit F._____ und somit auch nie zu einer 

Übergabe von Kokain an diesen gekommen ist, liegt auch kein Vermitteln 

vor, setzt ein solches doch die Erlangung der Sachherrschaft über die 

Betäubungsmittel voraus (vgl. E. 1.4). 

 

Der Beschuldigte ist deshalb in Bezug auf den den Abnehmer F._____ 

betreffenden Anklagesachverhalt vom Vorwurf der (qualifizierten) 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz freizusprechen. 

 

1.8. Abnehmer G._____ 

1.8.1. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten weiter vor, er habe zu einem 

unbekannten Zeitpunkt den Abnehmer G._____ an D._____ vermittelt und 

sei anschliessend für die Eintreibung des Kaufpreises von Fr. 20.00, 

 - 10 - 

 

 

welcher der Abnehmer G._____ D._____ für einen Kauf von 0.6 Gramm 

Kokaingemisch geschuldet habe, zuständig gewesen (Anklageziffer 1).  

 

1.8.2. 

Dass der Abnehmer G._____, bei welchem es sich gemäss den Angaben 

des Beschuldigten um den dem Obergericht aus anderen Verfahren 

bekannten G._____ handelt (Protokoll Berufungsverhandlung S. 19), 

D._____ Fr. 20.00 schuldete, geht aus der vorgängig bereits erwähnten 

Telefonnotiz hervor (vgl. UA act. 1591; E. 1.6.3). D._____ hat bestätigt, 

dass G._____ bei ihm ein Säckchen Kokain à 0.6 Gramm gekauft und 

bereits Fr. 80.00 bezahlt habe (UA act. 1671). Der Beschuldigte habe ihm 

G._____ vorgestellt (Protokoll Berufungsverhandlung S. 6). Anlässlich 

seiner Schlusseinvernahme hat der Beschuldigte zu Protokoll gegeben, 

G._____ möglicherweise vermittelt zu haben (UA act. 336.21). Auch an der 

Berufungsverhandlung bestätigte der Beschuldigte, G._____ an D._____ 

zwecks eines Kokainverkaufs vermittelt zu haben (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 19). Da es tatsächlich zu einem Kauf von 0.6 

Gramm Kokain durch G._____ bei D._____ aufgrund der Vermittlung durch 

den Beschuldigten gekommen ist, liegt eine vollendete Vermittlung vor. 

Entgegen der Staatsanwaltschaft ist die Entgegennahme des Kaufpreises 

irrelevant (vgl. E. 1.4), weshalb nicht weiter auf die diesbezüglichen 

Ausführungen des Beschuldigten einzugehen ist (vgl. Plädoyer des 

amtlichen Verteidigers an der Berufungsverhandlung S. 2 f.).  

 

Es bleibt der Vollständigkeit halber festzuhalten, dass der Sachverhalt der 

den ehemaligen Mitbeschuldigten D._____ betreffenden Anklage für das 

vorliegende Strafverfahren – entgegen dem Vorbringen des amtlichen 

Verteidigers (Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der 

Berufungsverhandlung S. 2) – keine Rolle spielt. Dies ist damit zu 

begründen, dass die beiden Verfahren vorinstanzlich nicht gemeinsam 

verhandelt und beurteilt worden sind, da beim ehemaligen 

Mitbeschuldigten D._____ ein abgekürztes Verfahren gemäss Art. 358 

StPO durchgeführt worden ist. Dass der Beschuldigte im den G._____ 

betreffenden Anklagesachverhalt der Anklage von D._____ nicht 

vorkommt, vermag keine Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten zu 

begründen. Relevant und hervorzuheben ist, dass der Beschuldigte selbst 

mehrmals bestätigt hat, betreffend diesen Abnehmer 

Vermittlungshandlungen vorgenommen zu haben, weshalb dies für das 

Obergericht erstellt ist.  

 

1.8.3. 

Indem der Beschuldigte G._____ zwecks eines späteren Verkaufs von 0.6 

Gramm Kokain, davon 0.4 Gramm reiner Wirkstoff aufgrund des 

unbestrittenen Reinheitsgrads von 69 % (Plädoyer des amtlichen 

Verteidigers an der Berufungsverhandlung S. 3), an D._____ vermittelt hat 

und es in der Folge tatsächlich zum Verkauf gekommen ist, hat er den 

 - 11 - 

 

 

objektiven Tatbestand der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge-

setz durch Vermittlung erfüllt.  

 

Der Beschuldigte handelte im Wissen darum, G._____ zwecks eines 

späteren Kokainverkaufs an D._____ zu vermitteln und wollte dies auch. 

So hat er diesbezüglich zu Protokoll gegeben, D._____ bewusst neue 

Abnehmer vermittelt zu haben, um von diesem Kokain zu erhalten 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 16). Folglich hat er vorsätzlich 

gehandelt und den subjektiven Tatbestand der Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz durch Vermittlung erfüllt. 

 

Der Beschuldigte hat sich in Bezug auf den den Abnehmer G._____ 

betreffenden Anklagesachverhalt der Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz schuldig gemacht. 

 

1.9. Abnehmer H._____ und I._____ 

1.9.1. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, er habe H._____ und I._____ den 

Kontakt zu D._____ zum Zweck des Verkaufs von Kokain vermittelt, 

nachdem er diese Ende Februar 2021 kennengelernt habe. Zusammen mit 

D._____ habe er H._____ und I._____ insgesamt 30 Gramm 

Kokaingemisch mit einem durchschnittlichen Reinheitsgrad von 69% 

(Cocain Hydrochlorid) verkauft, welches diese weiterverkaufen sollten. 

Anfangs März 2021 habe D._____ H._____ und I._____ 10 Gramm 

Kokaingemisch übergeben. Dazu sei der Beschuldigte mit H._____ und 

I._____ mit einem unbekannten Personenwagen nach Rupperswil zu 

D._____ gefahren, wo die Übergabe stattgefunden habe. Einige Tage 

später habe sich H._____ alleine nach Rupperswil zu D._____ begeben, 

wo Letztgenannter ihm weitere 20 Gramm Kokaingemisch für den 

Weiterverkauf übergeben habe. H._____ und I._____ hätten das 

Kokaingemisch auf Kredit bezogen, wobei anfänglich ein Kaufpreis von 

insgesamt Fr. 2'500.00 für die 30 Gramm Kokaingemisch – 20.7 Gramm 

reines Kokain – vereinbart worden sei. Nachdem H._____ und I._____ 

nicht bezahlt hätten, da sie das Kokaingemisch selbst konsumiert hätten, 

anstatt dieses weiterzuverkaufen, hätten der Beschuldigte und D._____ 

aufgrund angehäufter Zinsen zuerst Fr. 5'000.00 und anschliessend 

Fr. 8'000.00 gefordert (Anklageziffer 1). 

 

1.9.2. 

Der Beschuldigte macht geltend, lediglich von einem Verkauf von 

10 Gramm Kokain gewusst zu haben. Dass H._____ alleine noch einmal 

20 Gramm Kokain bei D._____ geholt habe, habe er nicht gewusst. Sein 

Vorsatz habe sich somit lediglich auf die ersten 10 Gramm Kokain 

bezogen. Die restlichen 20 Gramm Kokain seien ihm nicht zuzurechnen 

(Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der Berufungsverhandlung S. 3). 

 

 - 12 - 

 

 

1.9.3. 

Das Obergericht erachtet es gestützt auf die nachfolgenden Ausführungen 

als erstellt, dass der Beschuldigte lediglich den ersten Verkauf von 

10 Gramm Kokain von D._____ an H._____ und I._____ vermittelt hat, 

nicht jedoch den zweiten Verkauf von 20 Gramm Kokain: 

 

Der Beschuldigte gesteht ein, H._____ und I._____ für den ersten Verkauf 

von 10 Gramm Kokain an D._____ vermittelt zu haben (UA act. 336.20 f.; 

Protokoll Berufungsverhandlung S. 19 f.). Bei dieser ersten Übergabe von 

10 Gramm Kokain sei er selbst anwesend gewesen. Von der zweiten 

Übergabe habe er jedoch nichts gewusst (Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 19 f.). 

 

H._____ hat an seiner Einvernahme vom 5. Mai 2021 bestätigt, D._____ 

über den Beschuldigten kennengelernt zu haben und durch den 

Beschuldigten erfahren zu haben, dass er bei diesem Kokain beziehen 

könne. D._____ habe ihm in Rupperswil an zwei verschiedenen Tagen 

insgesamt 30 Gramm Kokain zum Preis von Fr. 2'500.00 übergeben. Zur 

ersten Übergabe von 10 Gramm Kokain sei er zusammen mit dem 

Beschuldigten und I._____ zu D._____ gefahren. Den Preis habe er mit 

dem Beschuldigten vereinbart. Das Kokain sei ihm von D._____ übergeben 

worden. Danach sei es zu einer zweiten Übergabe von 20 Gramm Kokain 

durch D._____ gekommen, wobei an dieser Übergabe nur er selbst und 

D._____ anwesend gewesen seien. Für die zweite Übergabe habe 

H._____ sich direkt bei D._____ gemeldet. Zwischen der ersten und der 

zweiten Übergabe sei vielleicht eine Woche verstrichen. Das Kokain hätten 

er und I._____ selber konsumiert, wobei anfänglich mit D._____ vereinbart 

worden sei, dass sie dieses hätten weiterverkaufen sollen. Es sei nie etwas 

bezahlt worden. Aufgrund der Zinsen hätten er und I._____ schlussendlich 

Schulden von Fr. 8'000.00 gehabt (UA act. 1782 ff.). H._____ zufolge 

hätten der Beschuldigte und D._____ ihm gegenüber angegeben, dass 

D._____ der Chef und der Beschuldigte dessen rechte Hand gewesen sei 

(UA act. 1787). Aus der als glaubhaft zu qualifizierenden Aussage von 

H._____, wonach er sich für den zweiten Verkauf von Kokain direkt an 

D._____ gewendet habe und der Beschuldigte anlässlich dieser Übergabe 

nicht anwesend gewesen sei, ergibt sich, dass der Beschuldigte an diesem 

zweiten Verkauf von 20 Gramm Kokain nicht beteiligt war. Dies deckt sich 

denn auch mit der Angabe des Beschuldigten, wonach er vom zweiten 

Verkauf nichts gewusst habe. 

 

An seiner Einvernahme vom 26. Mai 2021 führte D._____ aus, dass er 

selbst Kokain verkauft habe. Der Beschuldigte habe damit nichts zu tun und 

sei nicht seine rechte Hand. D._____ habe H._____ insgesamt 20 Gramm 

Kokain zum Preis von Fr. 1'400.00 verkauft, wovon 6 Gramm Dafalgan 

gewesen seien. Er bestätigte, H._____ über den Beschuldigten 

kennengelernt zu haben. Es sei zuerst zu einer Übergabe von 10 Gramm 

 - 13 - 

 

 

Kokain gekommen. Bei der zweiten Übergabe habe er H._____ 10 Gramm 

zum Preis von Fr. 700.00 übergeben, wovon 6 Gramm Dafalgan gewesen 

seien. Der Preis für 10 Gramm habe Fr. 700.00 betragen und derjenige für 

20 Gramm Fr. 1'400.00. Das Kokain sei nicht bezahlt worden. An der ersten 

Übergabe in Rupperswil seien er selbst, der Beschuldigte, H._____ und 

I._____ anwesend gewesen. Zur zweiten Übergabe sei H._____ alleine mit 

dem Fahrzeug von I._____ gekommen. Zwischen der ersten und der 

zweiten Übergabe seien eine bis zwei Wochen vergangen (UA 

act. 1661 ff.). Betreffend die Frage, ob der Beschuldigte bei den Übergaben 

anwesend war, liegen sich widersprechende Aussagen von D._____ vor. 

So hat er an seiner Einvernahme vom 26. Mai 2021 zuerst angegeben, der 

Beschuldigte sei bei den Treffen mit H._____ immer anwesend gewesen 

(UA act. 1667 Ziff. 64 f.), bevor er angab, dass sich an der zweiten 

Übergabe lediglich er selbst und H._____ getroffen hätten (UA act. 1669 

Ziff. 83). Sodann hat er angegeben, dass der Beschuldigte bei zwei, drei 

Treffen anwesend gewesen sei (UA act. 1670 Ziff. 92). An der 

Berufungsverhandlung führte D._____ aus, dass es zu zwei oder drei 

Übergaben von insgesamt 20 bis 30 Gramm gestrecktem Kokain mit einem 

Reinheitsgrad zwischen 60 bis 70 % gekommen sei und dass der 

Beschuldigte lediglich bei einem Verkauf anwesend gewesen sei (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 6 f.; 13). Aufgrund der Widersprüche und 

Unsicherheiten in den Aussagen von D._____ betreffend die Frage, ob der 

Beschuldigte anlässlich des zweiten Verkaufs anwesend war, vermögen 

diese eine Anwesenheit des Beschuldigten beim zweiten Verkauf von 

Kokain nicht nachzuweisen. Unter Berücksichtigung der 

übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und von H._____ lässt 

sich nicht erstellen, dass der Beschuldigte anlässlich der zweiten Übergabe 

von Kokain anwesend war und von diesem Verkauf wusste. 

 

Am vorgenannten Beweisergebnis vermögen die Aussagen von I._____ 

nichts zu ändern. I._____ hat an seiner Einvernahme vom 5. Mai 2021 

bestätigt, dass er und H._____ D._____ über den Beschuldigten 

kennengelernt hätten (UA act. 1847). Von wem H._____ 10 Gramm Kokain 

erhalten habe, habe er nicht gesehen, da er im Auto gewartet habe. 

Ungefähr eine Woche später sei es zu einer zweiten Übergabe von 

10 Gramm Kokain gekommen, wobei er auch diesbezüglich nicht wisse, 

von wem H._____ die Drogen bekommen habe. Insgesamt seien 20 bis 30 

Gramm übergeben worden. Auf entsprechende Nachfrage hin, weshalb er 

im Widerspruch zu seinen früheren Angaben nun 30 Gramm angebe, sagte 

I._____, dass er an drei Übergaben anwesend gewesen sein müsse (UA 

act. 1852 ff.). Nachdem die Aussagen von I._____ mit Unsicherheiten 

behaftet sind, er betreffend die Menge keine genauen Angaben machen 

kann und nicht weiss, welche Personen anlässlich der Übergaben 

anwesend waren, da er währenddessen jeweils im Fahrzeug gewartet hat, 

vermögen auch diese Aussagen nicht nachzuweisen, dass der 

Beschuldigte am zweiten Verkauf von 20 Gramm Kokain beteiligt war. 

 - 14 - 

 

 

Zusammenfassend erachtet es das Obergericht gestützt auf die 

übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und des Abnehmers 

H._____ als erstellt, dass der Beschuldigte lediglich den ersten Verkauf von 

10 Gramm Kokain (6.9 Gramm reiner Wirkstoff; Reinheitsgrad 69 %) durch 

D._____ an H._____ und I._____ vermittelt hat. Eine weitere 

Vermittlungstätigkeit ist nicht erstellt. 

 

1.9.4. 

Indem der Beschuldigte H._____ und I._____ zwecks eines Verkaufs von 

10 Gramm Kokain an D._____ vermittelt hat und es in der Folge tatsächlich 

zu diesem Verkauf gekommen ist, hat er den objektiven Tatbestand der 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz durch Vermittlung 

erfüllt.  

 

Der Beschuldigte handelte im Wissen darum, H._____ und I._____ zwecks 

des Verkaufs von 10 Gramm Kokain an D._____ zu vermitteln und wollte 

dies auch. Wie bereits vorgängig dargelegt, hat der Beschuldigte 

zugegeben, D._____ neue Abnehmer vermittelt zu haben, um von diesem 

Kokain zu erhalten (Protokoll Berufungsverhandlung S. 16). Folglich hat 

der Beschuldigte vorsätzlich gehandelt und den subjektiven Tatbestand der 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz durch Vermittlung 

erfüllt.  

 

Der Beschuldigte hat sich in Bezug auf den die Abnehmer H._____ und 

I._____ betreffenden Anklagesachverhalt (betreffend 10 Gramm Kokain; 

davon 6.9 Gramm reiner Wirkstoff) der Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz durch Vermittlung schuldig gemacht.  

 

1.10. 

Betreffend den Vorwurf der qualifizierten Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG ist folgendes 

festzuhalten: 

 

Gestützt auf die vorgehenden Ausführungen (vgl. E. 1.8 f.) ist erstellt, dass 

der Beschuldigte Ende Februar 2021 H._____ und I._____ zwecks eines 

Kokainverkaufs von 10 Gramm und zu einem unbekannten Zeitpunkt 

G._____ zwecks eines Verkaufs von 0.6 Gramm Kokain an D._____ 

vermittelt hat. Es handelte sich um Kokain mit einem durchschnittlichen 

Reinheitsgrad von 69 %, was vom Beschuldigten nicht bestritten wird 

(Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der Berufungsverhandlung S. 3). 

Durch diese Einzelhandlungen wurde der Grenzwert für die Annahme eines 

mengenmässig qualifizierten Falls im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG, 

welcher bei Kokain bei einer reinen Wirkstoffmenge von 18 Gramm liegt, 

nicht erreicht. 

 

 - 15 - 

 

 

Folglich liegt keine qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz vor und es kann offen bleiben, ob unter den vorliegenden 

Umständen vor dem Hintergrund eines mengenmässig qualifizierten Falls 

überhaupt eine Addierung der jeweiligen Mengen zulässig wäre. Nachdem 

jedoch – bis auf die die Abnehmer C._____, E._____ und F._____ 

betreffenden Anklagesachverhalte, in Bezug auf welche ein Freispruch 

ergeht – ein Schuldspruch wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz auszufällen ist, hat diesbezüglich kein Freispruch 

vom Vorwurf der qualifizierten Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz zu ergehen (vgl. BGE 142 IV 378 E. 1.3). 

 

1.11. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte betreffend die Anklagesach-

verhalte C._____, E._____ und F._____ vom Vorwurf der (qualifizierten) 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz freizusprechen. 

Betreffend die Anklagesachverhalte G._____ (0.6 Gramm Kokain, davon 

0.4 Gramm reiner Wirkstoff) sowie H._____ und I._____ (10 Gramm 

Kokain, davon 6.9 Gramm reiner Wirkstoff) hat er sich der mehrfachen 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 1 

lit. c BetmG schuldig gemacht. Seine Berufung erweist sich in diesem 

Punkt somit als teilweise begründet. 

 

2. Versuchte Erpressung 

2.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der versuchten Erpressung gemäss 

Art. 156 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldiggesprochen.  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vom Vorwurf der 

versuchten Erpressung freizusprechen (Berufungserklärung S. 2).  

 

2.2. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, sich der versuchten Erpressung 

gemäss Art. 156 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht zu 

haben, indem er an einem Abend Mitte März 2021 gegen 21.00 Uhr in 

Wohlen H._____ und I._____ begegnet sei und diese im Auftrag von 

D._____ dazu aufgefordert habe, mit ihm nach Rupperswil zu D._____ zu 

fahren, um dort die offene Schuld aus dem Kokainkauf von Fr. 8'000.00 zu 

bezahlen. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, habe der 

Beschuldigte H._____ und I._____ wissen lassen, dass er ein Messer auf 

sich trage, wodurch die um ihre körperliche Unversehrtheit fürchtenden 

H._____ und I._____ ohne Gegenwehr der Forderung, mitzufahren, 

nachgekommen seien. Nach ihrer Ankunft beim […]-Weg in Rupperswil 

hätten H._____ und I._____ in Anwesenheit von D._____ gesagt, dass sie 

den Kaufpreis nicht bezahlen könnten, woraufhin es zu einer verbalen 

Auseinandersetzung gekommen sei. Der Beschuldigte habe während der 

verbalen Auseinandersetzung H._____ mehrmals mit den Händen gegen 

 - 16 - 

 

 

dessen Kopf und Oberkörper geschlagen und Steine in dessen Richtung 

geworfen, wobei die Steine H._____ nicht getroffen hätten. Weiter habe der 

Beschuldigte H._____ mit einem unbekannten Gegenstand auf dessen 

Unterarm geschlagen. D._____ habe H._____ mehrmals mit den Händen 

gegen dessen Kopf und Oberkörper geschlagen und zu H._____ und 

I._____ gesagt, dass etwas passieren werde (Anklageziffer 1). 

 

2.3. 

Der Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 1 StGB macht sich strafbar, wer in 

der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu bereichern, 

jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile zu einem 

Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selber oder einen andern am 

Vermögen schädigt. Wendet der Täter gegen eine Person Gewalt an oder 

bedroht er sie mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben, findet 

Art. 156 Ziff. 3 StGB Anwendung. 

 

Ein Versuch gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB liegt vor, wenn der Täter, 

nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Vergehens 

begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder, wenn der 

zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder dieser nicht 

eintreten kann. Lässt sich das Opfer nicht einschüchtern, liegt ein Versuch 

vor. 

 

2.4. 

Dass der Beschuldigte H._____ und I._____ durch das Vorzeigen eines 

Messers dazu gezwungen hätte, mit ihm von Wohlen nach Rupperswil zu 

fahren, um dort offene Schulden zu begleichen, ist nicht erstellt:  

 

Der Beschuldigte bestreitet, während der Fahrt ein Messer dabeigehabt zu 

haben (Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der Berufungsverhandlung 

S. 4). Wie er zurecht geltend macht, liegen sodann in Bezug auf das Messer 

sich widersprechende Aussagen von H._____ vor, weshalb diese nicht als 

glaubhaft zu qualifizieren sind. So führte dieser an seiner Einvernahme vom 

14. April 2021 aus, von mehreren Personen, darunter auch durch den 

Beschuldigten, mit einem Messer in das Fahrzeug von I._____ gerissen 

worden zu sein. Der Beschuldigte habe ein Butterflymesser gehabt (UA 

act. 1773). An seiner Einvernahme vom 5. Mai 2021 führte H._____ 

dagegen aus, dass der Beschuldigte einen kleinen Zwiebelschneider mit 

einem roten Griff dabeigehabt habe (UA act. 1789). Es handelt sich hierbei 

um zwei völlig unterschiedliche Messer, weshalb dies Zweifel daran 

begründet, ob der Beschuldigte tatsächlich ein Messer auf sich trug. 

Hinzukommt, dass I._____ anlässlich seiner Einvernahme vom 5. Mai 2021 

mit keinem Wort ein Messer erwähnte (vgl. UA act. 1857 f.), was jedoch zu 

erwarten gewesen wäre, hätte der Beschuldigte tatsächlich ein solches 

vorgezeigt, um seinen Willen durchzusetzen.  

 

 - 17 - 

 

 

Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass nach Art. 147 Abs. 4 StPO 

Beweise, die in Verletzung der Bestimmungen von Artikel 147 StPO 

erhoben worden sind, nicht zulasten der Partei, welche nicht anwesend 

war, verwertet werden dürfen. Nachdem die vorgängig dargelegten 

Aussagen von H._____ anlässlich seiner Einvernahme vom 14. April 2021, 

welche ohne Wahrung des Teilnahmerechts des Beschuldigten 

durchgeführt worden ist (vgl. UA act. 1769 ff.), betreffend das Messer 

zugunsten des Beschuldigten ausgefallen sind, sind diese verwertbar. 

 

2.5. 

Der Beschuldigte bestreitet nicht, H._____ in Rupperswil mit seiner Hand 

in dessen Gesicht sowie mit dessen Pistole auf dessen Unterarm 

geschlagen zu haben (GA act. 2043; UA act. 1731; 1735). Dies habe er 

gemacht, weil H._____ eine Pistole, welche echt ausgesehen habe, 

dabeigehabt habe. Als H._____ die Pistole gezogen habe, sei es 

ausgeartet. H._____ sei deshalb geschlagen worden, weil er Schulden 

habe (UA act. 1735). Folglich ist unbestritten, dass der Beschuldigte 

H._____ mit seiner Hand und mit einer Pistole geschlagen und somit 

Gewalt gegen Letztgenannten angewendet hat. Nicht erstellt ist hingegen, 

dass es dem Beschuldigten durch die Anwendung von Gewalt gegenüber 

H._____ darum ging, diesen dazu zu bringen, dessen Schulden bei 

D._____ zu begleichen. So hat der Beschuldigte an der Berufungs-

verhandlung zu Protokoll gegeben, H._____ geschlagen zu haben, weil 

dieser eine Pistole hervorgezogen habe und er selbst diese H._____ habe 

wegnehmen wollen. Ob die Schulden bei D._____ beglichen werden, habe 

ihn nicht interessiert, da es sich nicht um seine Drogen gehandelt habe. Es 

sei D._____ gewesen, der ein Zahlungsultimatum gestellt habe (Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 22 f.). 

 

D._____ hat an seiner Einvernahme vom 26. Mai 2021 ausgeführt, dass 

der Beschuldigte H._____ und I._____ nach Rupperswil gebracht habe, 

weil die beiden Schulden bei ihm (D._____) gehabt hätten. Es sei darum 

gegangen zu besprechen, weshalb das Geld nicht komme. Er selbst habe 

H._____ viermal mit seiner Hand ins Gesicht geschlagen und der 

Beschuldigte habe diesen ebenfalls geschlagen. Sie hätten H._____ 

geschlagen, weil dieser nicht bezahlt habe und eine Waffe dabeigehabt 

habe. Er selbst habe H._____ gesagt, dass er das Geld bringen solle. 

H._____ habe eine Waffe dabeigehabt, welche der Beschuldigte diesem 

weggenommen und anschliessend H._____ auf die Schulter geschlagen 

habe (UA act. 1677 ff.). An der Berufungsverhandlung bestätigte D._____, 

dass es an diesem Tag zu einer Pöbelei resp. zu Tätlichkeiten und 

Diskussionen gekommen sei. Es sei bei der Diskussion um Schulden 

gegangen (Protokoll Berufungsverhandlung S. 8 f.). 

 

An seiner Einvernahme vom 5. Mai 2021 führte H._____ aus, dass in 

Rupperswil besprochen worden sei, wie die Schulden hätten bezahlt 

 - 18 - 

 

 

werden können und dass mehr Zinsen verlangt worden seien (UA 

act. 1791). Es sei D._____ gewesen, der gesagt habe, dass er noch eine 

«Neun-Millimeter» im Auto habe, wenn sie nicht zahlen würden. D._____ 

habe dann einen Gegenstand gezeigt, der wie eine Pistole ausgesehen 

habe (UA act. 1788 f.).  

 

Entgegen der Staatsanwaltschaft (Plädoyer der Staatsanwaltschaft an der 

Berufungsverhandlung S. 3 f.), ist nicht erstellt, dass der Beschuldigte 

Gewalt gegen H._____ angewendet hat, in der Absicht, diesen dazu zu 

bewegen, dessen Schulden bei D._____ zu begleichen. So liegen 

übereinstimmende Aussagen des Beschuldigten, von D._____ sowie von 

H._____ vor, wonach es einzig D._____ gewesen sei, welcher gegenüber 

H._____ gesagt habe, er solle ihm das Geld bringen. Es sei D._____ 

gewesen, welcher H._____ ein Zahlungsultimatum gestellt habe. 

Hinzukommt, dass keine mittäterschaftliche Tatbegehung des 

Beschuldigten zusammen mit D._____ angeklagt wurde. Eine solche geht 

in keiner Weise aus dem Anklagesachverhalt hervor (vgl. Anklageziffer 1). 

Folglich kann dem Beschuldigten die durch D._____ gegenüber H._____ 

ausgesprochene Aufforderung zur Begleichung der Schulden nicht 

angelastet werden. Mithin lässt sich nicht erstellen, dass der Beschuldigte 

in der Absicht gehandelt hat, H._____ durch die Anwendung von Gewalt 

dazu zu bringen, sich selber an dessen Vermögen zu schädigen und 

D._____ unrechtmässig zu bereichern. Folglich hat der Beschuldigte den 

subjektiven Tatbestand der Erpressung nicht erfüllt.  

 

Der Beschuldigte ist vom Vorwurf der versuchten Erpressung 

freizusprechen. Seine Berufung erweist sich in diesem Punkt als 

begründet.  

 

3. Mehrfache Freiheitsberaubung 

3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der mehrfachen Freiheitsberaubung 

gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldiggesprochen. 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vom Vorwurf der 

mehrfachen Freiheitsberaubung freizusprechen (Berufungserklärung S. 2). 

 

3.2. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, sich der mehrfachen 

Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig gemacht 

zu haben, indem er in einer unbekannten Nacht Mitte März 2021 H._____ 

und I._____ verboten habe, sein Zimmer im Hotel Y._____ in X._____ zu 

verlassen, nachdem er diese zuvor dazu aufgefordert habe, mit ihm 

zusammen für eine unbestimmte Dauer in sein Zimmer mitzukommen. 

Dies, weil der Beschuldigte nach dem angeklagten Vorfall der versuchten 

Erpressung (vgl. E. 2) nicht gewollt habe, dass diese ohne Begleichung 

 - 19 - 

 

 

ihrer Schulden nach Hause zurückkehren. Der Beschuldigte habe H._____ 

und I._____ gesagt, dass diese das Zimmer nicht verlassen dürften. Um 

seiner Anordnung Nachdruck zu verleihen, habe er das Messer «rotes 

Rüsterli» in der Hand gehalten und damit gespielt. Infolge des tätlichen 

Übergriffs in Rupperswil und der Anordnung des Beschuldigten hätten 

H._____ und I._____ befürchtet, der Beschuldigte könne ihre körperliche 

Unversehrtheit verletzen, weshalb sie gemeinsam mit dem Beschuldigten 

im Hotelzimmer geblieben seien und gemacht hätten, was er ihnen gesagt 

habe. Im Hotelzimmer hätten sie aufgrund der Aufforderung des 

Beschuldigten zu dritt eine unbekannte Menge Kokain konsumiert. Nach 

ca. anderthalb Stunden im Zimmer und dem Konsum des vorhandenen 

Kokains habe H._____ dem Beschuldigten zwecks Flucht vorgeschlagen, 

dass er gemeinsam mit I._____ weiteres Kokain für den gemeinsamen 

Gebrauch besorgen werde. Da der Beschuldigte weiteres Kokain habe 

konsumieren wollen, habe dieser der Beschaffung von neuem Kokain 

durch H._____ und I._____ zugestimmt und diesen dafür erlaubt, das 

Zimmer zu verlassen. H._____ und I._____ hätten sich an den Wohnort 

von I._____ in Sicherheit begeben, anstatt neues Kokain zu beschaffen und 

seien nicht mehr zum Beschuldigten zurückgekehrt (Anklageziffer 1). 

 

3.3. 

Der Freiheitsberaubung gemäss Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich 

strafbar, wer jemanden unrechtmässig festnimmt oder gefangen hält oder 

jemandem in anderer Weise unrechtmässig die Freiheit entzieht. 

Freiheitsberaubung ist die Aufhebung der körperlichen Bewegungsfreiheit. 

Unrechtmässig ist eine Freiheitsberaubung, wenn rechtfertigende 

Umstände fehlen. Als solche kommen nebst den gesetzlichen Recht-

fertigungsgründen nach Art. 14 ff. StGB auch Einwilligungen in Betracht. 

Die unzulässige Beschränkung der Fortbewegungsfreiheit liegt nach 

Rechtsprechung und Lehre darin, dass jemand daran gehindert wird, sich 

selbstständig, mit Hilfsmitteln oder mit Hilfe Dritter nach eigener Wahl vom 

Ort, an dem er sich befindet, an einen anderen Ort zu begeben oder bringen 

zu lassen. Die Beschränkung der Bewegungsfreiheit muss von einer 

gewissen Erheblichkeit sein. Es genügen bereits einige Minuten. Der 

subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz, wobei sich dieser auch auf die 

Unrechtmässigkeit der Freiheitsberaubung richten muss (BGE 141 IV 10 

E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 6B_1064/2013 vom 10. März 2014 

E. 1.3). 

 

3.4. 

Der Beschuldigte bestreitet nicht, mit H._____ und I._____ in das 

Hotelzimmer gefahren zu sein und dass sie sich anschliessend zu dritt 

darin aufgehalten hätten. Er bringt jedoch vor, dass H._____ und I._____ 

freiwillig mit ihm mitgekommen seien, um zusammen Kokain zu 

konsumieren. Weiter bestreitet der Beschuldigte, ein Messer im Zimmer 

gehabt zu haben. Für eine Freiheitsberaubung würden keine Beweise 

 - 20 - 

 

 

vorliegen, da die Aussagen von H._____ und I._____ widersprüchlich seien 

(Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der Berufungsverhandlung S. 7 f.; 

GA act. 2037; UA act.336.19). 

 

3.5. 

Entgegen der Vorinstanz erachtet es das Obergericht nicht als erstellt, dass 

der Beschuldigte H._____ und I._____ gegen deren Willen in seinem 

Hotelzimmer festgehalten hat: 

 

Der Beschuldigte hat konstant ausgeführt, H._____ und I._____ nach dem 

gemeinsamen Konsum von Kokain aus seinem Hotelzimmer rausgeworfen 

zu haben (UA act. 706; 1737; 336.19; Protokoll Berufungsverhandlung 

S. 21). Seine Angabe, wonach er die beiden nicht mehr in seinem 

Hotelzimmer gewollt habe, da kein Kokain mehr für den gemeinsamen 

Konsum vorhanden gewesen sei, deckt sich denn auch mit den Aussagen 

von H._____ und I._____, wonach sie am Schluss kein Kokain mehr gehabt 

hätten (UA act. 1794; 1860). Die unbestrittene Tatsache, dass I._____ und 

H._____ das Hotelzimmer denn auch tatsächlich ohne Zwischenfälle 

verlassen konnten, führt vor Augen, dass diese nicht vom Beschuldigten 

dort festgehalten worden sind. 

 

Dem von I._____ und H._____ vorgebrachten und angeklagten 

Handlungsmotiv des Beschuldigten, wonach er diesen so lange verboten 

habe, sein Hotelzimmer zu verlassen, bis sie ihre Schulden beglichen 

hätten (vgl. UA act. 1858; 1793), kann nicht gefolgt werden. So ist nicht 

nachvollziehbar, wie I._____ und H._____ das Geld zur Begleichung ihrer 

bei D._____ vorhandenen Schulden hätten beschaffen sollen, solange sie 

im Hotelzimmer des Beschuldigten waren. Dies wäre bei einem Verbleib im 

Hotelzimmer gar nicht möglich gewesen. Gemäss den übereinstimmenden 

Aussagen des Beschuldigten, von I._____ und von H._____, seien sie alle 

lediglich im Hotelzimmer herumgesessen und hätten dort Kokain 

konsumiert. Wie I._____ und H._____ hierbei plötzlich zu Geld hätten 

kommen sollen, bleibt schleierhaft.  

 

Zusammenfassend ist für das Obergericht nicht erstellt, dass der 

Beschuldigte H._____ und I._____ gegen deren Willen in seinem 

Hotelzimmer festgehalten hat. Er ist deshalb vom Vorwurf der mehrfachen 

Freiheitsberaubung freizusprechen. Seine Berufung erweist sich in diesem 

Punkt als begründet. 

 

4. Mehrfache Drohung 

4.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der mehrfachen Drohung gemäss 

Art. 180 Abs. 1 StGB schuldiggesprochen.  

 

 - 21 - 

 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei betreffend das Dossier 9 

lediglich wegen Drohung schuldigzusprechen (Berufungserklärung S. 2).  

 

4.2. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, sich der mehrfachen Drohung 

gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB schuldig gemacht zu haben, indem er am 

7. April 2021 auf einem Parkplatz zwischen der BP-Tankstelle in Wohlen 

und einem Lokal auf H._____ zu gerannt sei. Im Glauben daran, es könne 

infolge der offenen Forderung von Fr. 8'000.00 dasselbe wie im März 2021 

in Rupperswil passieren, sei H._____ davongerannt. Der Beschuldigte sei 

diesem nachgerannt und habe ihn zu Fuss auf einer kurzen Strecke 

verfolgt. Im Anschluss an diesen Vorfall habe sich der Beschuldigte zwecks 

Eintreibung der Schulden aus dem Kokainerwerb mindestens zweimal, 

einmal zusammen mit zwei unbekannten Personen, an den Wohnort des 

Vaters von H._____ in Fahrwangen begeben und habe an die Türe geklopft 

und geklingelt, um seiner zuvor gegenüber H._____ ausgesprochenen 

Ankündigung, dass dessen Vater und Familie für seine Schulden bluten 

müssten, Nachdruck zu verleihen. Weiter habe sich der Beschuldigte 

mindestens einmal an den Wohnort der Mutter von I._____ in X._____ 

begeben, um nach dem Aufenthalt von H._____ und I._____ zu fragen. 

Infolge der tätlichen Auseinandersetzung Mitte März 2021 in Rupperswil, 

dem Vorfall im Zimmer des Hotels Y._____ in X._____, der Verfolgung in 

Wohlen und der ausgesprochenen Ankündigung des Beschuldigten, dass 

die Familie von H._____ bluten werde, sowie durch das Erscheinen des 

Beschuldigten beim Vater von H._____ und bei der Mutter von I._____, 

habe sich H._____ fortan in dessen Sicherheitsgefühl verletzt gefühlt und 

befürchtet, der Beschuldigte könne ihm oder seiner Familie etwas an Leib 

und Leben antun, falls er den geforderten Betrag von Fr. 8'000.00 nicht 

zahle (Anklageziffer 1). 

 

4.3. 

Gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB wird auf Antrag bestraft, wer jemanden durch 

schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt. Erforderlich ist ein 

Verhalten, das geeignet ist, die geschädigte Person in Schrecken oder 

Angst zu versetzen. Dabei ist grundsätzlich ein objektiver Massstab 

anzulegen, wobei in der Regel auf das Empfinden eines vernünftigen 

Menschen mit einigermassen normaler psychischer Belastbarkeit 

abzustellen ist. Zudem ist erforderlich, dass die betroffene Person durch 

das Verhalten des Täters tatsächlich in Schrecken oder Angst versetzt wird. 

Subjektiv muss der Täter im Bewusstsein handeln, dass eine bestimmte 

Drohung geeignet ist, jemanden mindestens möglicherweise in Angst oder 

Schrecken zu versetzen und der Täter muss das wollen bzw. mindestens 

in Kauf nehmen. Ein Wille, die Drohung in die Tat umzusetzen, ist hingegen 

nicht erforderlich (BGE 137 IV 258 E. 2.6; Urteil des Bundesgerichts 

6B_196/2018 vom 19. September 2018 E. 1.1.2). 

 

 - 22 - 

 

 

4.4. 

Betreffend die angeklagte Drohung, welche am 7. April 2021 auf einem 

Parkplatz zwischen der BP-Tankstelle in Wohlen und einem Lokal 

begangen worden sein soll, indem der Beschuldigte H._____ nachgerannt 

sei und diesen zu Fuss auf einer kurzen Strecke verfolgt habe, ist 

Folgendes festzuhalten: 

 

H._____ hat am 14. April 2021 Strafantrag gestellt (UA act. 1868). Der 

Beschuldigte bestreitet nicht, H._____ zu Fuss verfolgt zu haben (UA 

act. 336.19; Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der Berufungs-

verhandlung S. 8). Das blosse Hinterherrennen ohne das Hinzukommen 

einer verbalen Drohung stellt im vorliegenden Fall jedoch keine schwere 

Drohung i.S.v. Art. 180 StGB dar, bestand doch aufgrund dessen, dass 

zuvor gegenüber H._____ weder eine versuchte Erpressung noch eine 

Freiheitsberaubung durch den Beschuldigten begangen wurde, keine 

vorbestehende Drohkulisse, welche ein künftiges Unheil hätte erwarten 

lassen können. Seine Berufung erweist sich somit als begründet und er ist 

vom Vorwurf der Drohung in diesem Punkt freizusprechen. 

 

4.5. 

Betreffend die angeklagte Drohung durch die Ankündigung des 

Beschuldigten, wonach der Vater und die Familie von H._____ für dessen 

Schulden bluten müssten und dem nachfolgenden Aufkreuzen des 

Beschuldigten beim Vater von H._____ ist Folgendes festzuhalten:  

 

Die vorgenannte Drohung des Beschuldigten gegenüber H._____ lässt 

sich anhand der Akten nicht erstellen. Der Beschuldigte hat diesbezüglich 

jeweils entweder von seinem Aussageverweigerungsrecht gemäss Art. 113 

Abs. 1 StPO Gebrauch gemacht (UA act. 1721) oder angegeben, H._____ 

nicht bedroht zu haben (UA act. 1734; 1739). Anlässlich seiner 

Einvernahme vom 5. Mai 2021 führte H._____ lediglich aus, die den 

Beschuldigten diesbezüglich belastenden Textnachrichten nicht mehr auf 

seinem Mobiltelefon zu haben (UA act. 1796). Folglich konnten diese 

angeblichen Nachrichten nicht gesichert werden. Die anlässlich der 

Einvernahme von H._____ vom 14. April 2021 getätigten und zu Ungunsten 

des Beschuldigten ausgefallenen Aussagen sind gestützt auf Art. 147 

Abs. 1 StPO nicht verwertbar, wurde an dieser delegierten Einvernahme 

doch das Teilnahme- und Konfrontationsrecht des Beschuldigten nicht 

gewahrt (vgl. UA act. 1769). Somit kann dem Beschuldigten nicht 

nachgewiesen werden, H._____ angedroht zu haben, dessen Vater und 

Familie bedroht zu haben. Folglich lässt sich im Besuch des Beschuldigten 

beim Vater von H._____ zuhause kein drohendes Verhalten ableiten, hat 

er bei diesem doch einzig an die Türe geklopft und geklingelt. Dasselbe gilt 

für das Auftauchen des Beschuldigten am Wohnort der Mutter von I._____. 

Eine schwere Drohung gegenüber H._____ lässt sich darin nicht erkennen. 

 - 23 - 

 

 

Seine Berufung erweist sich als begründet und er ist auch in diesem Punkt 

vom Vorwurf der Drohung freizusprechen. 

 

5. Versuchte einfache Körperverletzung 

5.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der versuchten einfachen 

Körperverletzung gemäss Art. 123 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

schuldiggesprochen.  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vom vorgenannten Vorwurf 

freizusprechen (Berufungserklärung S. 2).  

 

5.2. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, sich der versuchten einfachen 

Körperverletzung gemäss Art. 123 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

schuldig gemacht zu haben, indem er am 15. Oktober 2020 gegen 

01.00 Uhr in der Küche der Wohnung von A._____ an der […]-Strasse […] 

in 5726 Unterkulm auf diese losgegangen sei, indem er sie auf eine nicht 

mehr ermittelbare Art und Weise geschubst und ca. 20 Mal mit der Faust 

und der offenen Hand gegen ihren Körper geschlagen habe. Er habe 

sodann deren Wischmopp behändigt und mit dessen Leichtmetallstange 

ca. zehn bis 15 Mal auf sie eingeschlagen, bis dieser zerbrochen sei. 

Danach habe er erneut mit den Händen auf sie eingeschlagen. Dadurch 

habe A._____ diverse bandförmige, abblassbare Hautrötungen linksseitig 

am Brustkorb, abblassbare Hautrötungen und Schürfungen mittig und links 

am Oberbauch und am rechten Oberarm, Kratzer am Oberbauch rechts 

aussen und am linken Unterarm sowie am linken Unterschenkel erlitten. 

Ferner habe sie abblassbare, bandförmige bzw. doppelt konturierte 

Hautrötungen am linken Unterarm sowie kratzerartige Hautläsionen am 

rechten Unterarm, am rechten Oberschenkel und linksseitig über dem 

Schulterblatt erlitten (Anklageziffer 2).  

 

5.3. 

Der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB macht sich 

strafbar, wer vorsätzlich einen Menschen «in anderer Weise» als nach 

Art. 122 StGB an Körper oder Gesundheit schädigt. Der Tatbestand der 

einfachen Körperverletzung erfasst alle Körperverletzungen, die nicht 

schwer i.S.v. Art. 122 StGB sind und nicht blosse Tätlichkeiten nach 

Art. 126 StGB darstellen. Eine einfache Körperverletzung liegt bei 

Verletzungen der körperlichen oder geistigen Gesundheit, die mindestens 

eine gewisse Behandlung und Heilungszeit erfordern, vor. Als Beispiele 

sind etwa Knochenbrüche, Hirnerschütterungen, Quetschungen mit 

Blutergüssen und Schürfungen sowie Störungen der psychischen 

Gesundheit, die einem eigentlichen Krankheitszustand gleichkommen, zu 

nennen. Gerade bei Blutergüssen, Schürfungen, Kratzwunden oder 

Prellungen ist die Abgrenzung zur Tätlichkeit nur schwer möglich. 

 - 24 - 

 

 

Entscheidend ist das Ausmass des verursachten Schmerzes (BGE 103 IV 

64 E. II.2.c; BGE 134 IV 189 E. 1.3; EGE, in: Annotierter Kommentar StGB, 

2020, N. 1 zu Art. 123 StGB). Subjektiv ist Vorsatz erforderlich, wobei 

Eventualvorsatz genügt. Strafbar ist auch der Versuch (siehe dazu E. 2.3). 

 

5.4. 

Der Beschuldigte macht in formeller Hinsicht eine Verletzung des 

Anklagegrundsatzes geltend (Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der 

Berufungsverhandlung S. 10).  

 

Es ist dem Beschuldigten zwar dahingehend beizupflichten, als dass der 

Anklagesachverhalt sich nicht zum subjektiven Tatbestand der versuchten 

einfachen Körperverletzung äussert (vgl. Anklageziffer 2). Nachdem 

Art. 123 StGB jedoch – anders als der nicht angeklagte Art. 125 StGB – 

Vorsatz verlangt (vgl. Art. 12 Abs. 1 StGB), ist nicht zwingend, dass sich 

die Anklage explizit dazu äussert, inwiefern ein (eventual-)vorsätzliches 

Vorgehen vorliegt (vgl. BGE 120 IV 348 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts 

6B_1454/2021 vom 26. Mai 2023 E. 2.4). Da die angeklagte (versuchte) 

einfache Körperverletzung nur (eventual-)vorsätzlich begangen werden 

kann, wusste der anwaltlich vertretene Beschuldigte, wogegen er sich zu 

verteidigen hatte, nämlich gegen eine(eventual-)vorsätzlich begangene 

versuchte einfache Körperverletzung. Es war ihm denn auch ohne weiteres 

möglich, sich gegen den in der Anklage erhobenen Vorwurf angemessen 

zu wehren. Eine Verletzung des Anklagegrundsatzes ist damit nicht 

auszumachen. 

 

5.5. 

A._____ hat rechtsgültig Strafantrag gegen den Beschuldigten gestellt (UA 

act. 1451). Sie hat Hautrötungen, Schürfungen, Kratzdefekte sowie 

kratzerartige Hautläsionen erlitten, welche als oberflächliche Verletzungen 

zu qualifizieren sind, keine Behandlungszeit erforderten und nicht einem 

Krankheitszustand gleichkamen. Die erlittenen Verletzungen haben somit 

nicht die für eine einfache Körperverletzung notwendige schwere erreicht, 

weshalb der Beschuldigte den objektiven Tatbestand der einfachen 

Körperverletzung nicht erfüllt hat. Für das Obergericht ist jedoch erstellt, 

dass er zumindest in Kauf genommen hat, A._____ durch die Schläge mit 

dem Wischmopp zu verletzen. Dies ist damit zu begründen, dass er nicht 

bloss einmal, sondern gleich mehrmals damit auf sie eingeschlagen hat 

und dies so lange, bis der Stiel des Wischmopps, welcher aus einer mit 

Plastik umhüllten Aluminium-Verstrebung besteht (vgl. UA act. 1311.4) und 

damit eine gewisse Härte und Stabilität aufweist, tatsächlich zerbrochen ist. 

Dies zeigt, dass der Beschuldigte mit einer nicht bloss geringfügigen 

Intensität auf A._____ eingeschlagen hat, weshalb sein Handeln nur noch 

als Inkaufnahme einer Körperverletzung ausgelegt werden kann. Hätte er 

lediglich beabsichtigt, den Wischmopp dazu zu benutzen, A._____ das 

Messer, welches diese hielt, aus der Hand zu schlagen, wäre es nicht zu 

 - 25 - 

 

 

einem Zerbrechen des Wischmopps gekommen. Damit hat er sich der 

versuchten einfachen Körperverletzung schuldig gemacht und seine 

Berufung erweist sich in diesem Punkt als unbegründet. 

 

Dem Beschuldigten kann nicht gefolgt werden, wenn er geltend macht, aus 

reiner Notwehr mit dem Wischmopp versucht zu haben, ihr das Messer, 

welches sie gehalten habe, aus der Hand zu schlagen (Plädoyer des 

amtlichen Verteidigers an der Berufungsverhandlung S. 9 f.; Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 25). Aus dem Rapport der Kantonspolizei vom 

22. März 2021 geht hervor, dass A._____ auf ihrem Balkon gestanden und 

um Hilfe geschrien habe, weshalb durch die Drittpersonen J._____ und 

K._____ unabhängig voneinander je eine Meldung bei der Notrufzentrale 

erfolgt sei (UA act. 1267). Die Tatsache, dass A._____ von ihrem Balkon 

aus lautstark um Hilfe schreien musste, spricht gegen das Vorbringen des 

Beschuldigten, wonach sie die Aggressorin gewesen sein soll. Weiter ist 

erstellt, dass der Beschuldigte unmittelbar zuvor gegen den Willen von 

A._____ in deren Wohnung eingedrungen ist (vgl. nachfolgend die 

Ausführungen zum Hausfriedensbruch). Hinzukommt, dass der 

Beschuldigte zugegeben hat, wütend gewesen zu sein, als er sich zu 

A._____ nachhause begeben hat (UA act. 355). Für das Obergericht gilt 

als erstellt, dass A._____ das Messer lediglich zum Selbstschutz behändigt 

hat, als der Beschuldigte gegen ihren Willen in ihre Wohnung eingedrungen 

ist. Das Vorliegen einer Notwehrsituation ist damit zu verneinen. 

 

6. Mehrfache, teilweise versuchte Nötigung 

6.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten der mehrfachen, teilweise 

versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB, teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 

StGB schuldiggesprochen.  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei vom vorgenannten Vorwurf 

freizusprechen (Berufungserklärung S. 2).  

 

6.2. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, er habe sich der mehrfachen, 

teilweise versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB, teilweise i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht, indem er am 15. Oktober 2020 

gegen 01.00 Uhr zuerst an der Türe der Wohnung von A._____ an der […]-

Strasse […] in 5726 Unterkulm ununterbrochen geklingelt habe, um sie 

dazu zu bringen, ihre Wohnungstüre zu öffnen. Als sie dies nicht gemacht 

habe, sei er auf den Balkon geklettert und habe so lange gegen die 

Balkontüre getreten, bis A._____ aus Angst, der Beschuldigte könnte die 

Balkontüre eintreten, diese geöffnet habe. Als sie später ihre Wohnung 

habe verlassen wollen, habe der Beschuldigte sich ihr in den Weg gestellt, 

indem er sich vor die Wohnungstüre gestellt habe, wodurch er sie am 

Verlassen der Wohnung gehindert habe (Anklageziffer 2).  

 - 26 - 

 

 

6.3. 

Der Nötigung gemäss Art. 181 StGB macht sich strafbar, wer jemanden 

durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere 

Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen 

oder zu dulden. Eine andere Beschränkung der Handlungsfreiheit i.S.v. 

Art. 181 StGB liegt vor, wenn das für gewöhnlich akzeptierte Mass an 

Beeinflussung eines anderen auf ähnliche Art und Weise klar überschritten 

wird wie im Falle der Gewalt und der Androhung ernstlicher Nachteile. Es 

muss ihr eine den gesetzlich genannten Mitteln vergleichbare 

Zwangswirkung zukommen. Es genügt folglich nicht jeder noch so 

geringfügige Druck auf die Entscheidungsfreiheit eines andern. Der Täter 

muss das Nötigungsopfer durch Einsetzen eines Nötigungsmittels in 

dessen Handlungsfreiheit beschränken, indem er es gegen dessen Willen 

zu einem von ihm gewünschten Tun, Unterlassen oder Dulden veranlasst 

(BGE 141 IV 437 E. 3.2.1). Das nötigende Verhalten muss für den 

Nötigungserfolg kausal sein. Art. 181 StGB verlangt Vorsatz, wobei 

Eventualvorsatz genügt (Urteil des Bundesgerichts 6B_1037/2019 vom 

24. Juni 2020 E. 2.3.3). Strafbar ist auch der Versuch (siehe dazu E. 2.3). 

 

6.4. 

Der Beschuldigte bestreitet nicht, wiederholt an der Wohnungstüre von 

A._____ geklingelt, danach mehrmals mit seinem Fuss gegen die 

Balkontüre getreten und diese für einen kurzen Moment am Verlassen der 

Wohnung gehindert zu haben (Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der 

Berufungsverhandlung S. 10; Protokoll Berufungsverhandlung S. 25). Er 

macht jedoch geltend, dass sämtliche Handlungen das üblicherweise 

geduldete Mass der Beeinflussung nicht eindeutig überschritten hätten 

(Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der Berufungsverhandlung S. 10).  

 

6.5. 

Dem Beschuldigten ist dahingehend beizupflichten, als dass im 

wiederholten Klingeln an der Wohnungstüre und dadurch, dass er sich 

A._____ für einen kurzen Moment in den Weg stellte, keine klare 

Überschreitung des gewöhnlich akzeptierten Masses an Beeinflussung 

eines anderen auf ähnliche Art und Weise wie im Falle der Gewalt und der 

Androhung ernstlicher Nachteile liegt. Eine nur kurzfristige Hinderung der 

Willensausübung genügt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung 

für die Annahme einer Nötigung nicht (BGE 119 IV 301 E. 3a). Er hat den 

objektiven Tatbestand der Nötigung diesbezüglich somit nicht erfüllt. Er hat 

sodann jedoch so lange mit seinem Fuss gegen die Balkontüre getreten, 

bis A._____ sich dazu gezwungen sah, diese zu öffnen. Mithin hat er sie 

damit durch andere Beschränkung ihrer Handlungsfreiheit als durch Gewalt 

oder Androhung ernstlicher Nachteile dazu genötigt, ihm die Türe zu öffnen 

und ihm Zugang zu ihrer Wohnung zu gewähren. Das für gewöhnlich 

akzeptierte Mass an Beeinflussung eines anderen wurde überschritten, da 

der Handlung des Beschuldigten eine eigentliche Zwangswirkung zukam. 

 - 27 - 

 

 

Das intensive Treten gegen die Balkontüre hat A._____ in ihrer 

Handlungsfreiheit so stark eingeschränkt, dass sie sich dadurch gegen 

ihren Willen dazu veranlasst sah, den Beschuldigten in ihre Wohnung 

hineinzulassen. Damit hat der Beschuldigte den objektiven Tatbestand der 

Nötigung erfüllt. Er wusste, dass A._____ ihm die Balkontüre nicht öffnen 

wollte und handelte mit dem Willen, diese durch das ununterbrochene 

Treten gegen die Balkontüre dazu zu bringen, ihm die Türe zu öffnen und 

ihn in die Wohnung hineinzulassen. Damit hat er auch den subjektiven 

Tatbestand der Nötigung erfüllt. 

 

6.6. 

Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte hinsichtlich des Vorwurfs der 

Nötigung durch wiederholtes Klingeln und dadurch, dass er sich A._____ 

für einen kurzen Moment in den Weg gestellt habe, freizusprechen. 

Betreffend das wiederholte Treten gegen die Balkontüre hat er sich der 

Nötigung gemäss Art. 181 StGB schuldig gemacht. Seine Berufung erweist 

sich in diesem Punkt als teilweise begründet. 

 

7. Mehrfacher Hausfriedensbruch 

7.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten des mehrfachen Hausfriedensbruchs 

gemäss Art. 186 StGB schuldiggesprochen.  

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung, er sei betreffend das Dossier 6 

vom Vorwurf des mehrfachen Hausfriedensbruchs freizusprechen 

(Berufungserklärung S. 2). 

 

7.2. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, er habe sich des mehrfachen 

Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB schuldig gemacht, indem er am 

14. Oktober 2020 zwischen 21.00 Uhr und 23.00 Uhr die Wohnung von 

A._____ an der […]-Strasse […] in 5726 Unterkulm nicht verlassen habe, 

obwohl sie ihn wiederholt dazu aufgefordert habe. Weiter sei er am 

15. Oktober 2020 gegen 01.00 Uhr deren Aufforderung, wonach er nach 

Hause gehen solle, nicht nachgekommen, als er mehrmals an ihrer 

Wohnungstüre geklingelt habe. Auch nachdem sie den Beschuldigten, als 

dieser sich in ihrer Wohnung befand, dazu aufgefordert habe, ihre 

Wohnung zu verlassen, sei er dieser Aufforderung nicht nachgekommen 

(Anklageziffer 2).  

 

7.3. 

Des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB macht sich u.a. strafbar, 

wer gegen den Willen des Berechtigten in eine Wohnung unrechtmässig 

eindringt oder, trotz der Aufforderung eines Berechtigten, sich zu entfernen, 

darin verweilt. Erforderlich ist Vorsatz, wobei Eventualvorsatz genügt. Der 

Täter muss im Wissen darum handeln, dass der Wille der berechtigten 

 - 28 - 

 

 

Person mindestens möglicherweise einem Betreten der Wohnung 

entgegensteht bzw. diese den Täter ausdrücklich zum Verlassen des 

Raumes aufgefordert hat. Sodann muss er den Willen haben bzw. 

mindestens in Kauf nehmen, trotzdem in den Bereich einzudringen bzw. 

darin zu verweilen (BGE 90 IV 74 E. 3; BGE 108 IV 33 E. 5c). 

Hausfriedensbruch ist ein Antragsdelikt. Zum Strafantrag legitimiert ist der 

Berechtigte, d.h. der Träger des Hausrechts (BGE 87 IV 120 E. 1).  

 

7.4. 

A._____ hat rechtsgültig Strafantrag gegen den Beschuldigten gestellt (UA 

act. 1451). Der Beschuldigte bestreitet nicht, in der Nacht vom 14. auf den 

15. Oktober 2020 die Wohnung von A._____ gegen deren mehrmals 

ausdrücklich kundgetanen Willen betreten zu haben und darin, entgegen 

der mehrmaligen Aufforderung, die Wohnung zu verlassen, verweilt zu 

sein. Folglich bestreitet der Beschuldigte nicht, den objektiven Tatbestand 

des Hausfriedensbruchs erfüllt zu haben. Er macht jedoch betreffend den 

subjektiven Tatbestand geltend, nicht in der Absicht gehandelt zu haben, 

das Hausrecht von A._____ zu verletzen, da er lediglich sein Mobiltelefon, 

welches A._____ in der Wohnung versteckt habe, habe zurückzuholen 

wollen (Plädoyer des amtlichen Verteidigers an der Berufungsverhandlung 

S. 11; Protokoll Berufungsverhandlung S. 25 ff.). 

 

Dem Vorbringen des Beschuldigten kann nicht gefolgt werden. Er wusste, 

dass A._____ nicht wollte, dass er ihre Wohnung betrat und anschliessend 

darin verweilte, bestreitet er doch nicht, dass sie ihm dies wiederholt 

mitgeteilt hat (Protokoll Berufungsverhandlung S. 25; UA act. 1386 f.). Er 

handelte mit dem Willen, ihre Wohnung entgegen ihrem Willen zu betreten, 

um darin sein Mobiltelefon zu suchen. Dass es ihm in erster Linie darum 

ging, sein Mobiltelefon, welches sich in der Wohnung befand, 

zurückzuerhalten, ändert nichts an seinem Vorsatz. Direkter Vorsatz 

(zweiten Grades) ist auch gegeben, wenn der Täter den deliktischen Erfolg 

(hier: die Verletzung des Hausrechts) als notwendige Folge oder als Mittel 

zur Erreichung des verfolgten Zwecks (hier: Behändigung seines 

Mobiltelefons) in seinen Entschluss mit einbezogen hat, selbst wenn dieser 

ihm gleichgültig oder sogar unerwünscht sein mag. Der Hausfriedensbruch 

braucht nicht das direkt vom Beschuldigten erstrebte Ziel zu sein (zum 

Vorsatz zweiten Grades siehe z.B. Urteil des Bundesgerichts 6B_480/2016 

vom 5. August 2016 E. 4.3). 

 

Entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten (Plädoyer des amtlichen Ver-

teidigers an der Berufungsverhandlung S. 11), vermag der Umstand, dass 

sich A._____ sein Mobiltelefon unrechtmässig angeeignet hat, wofür sie mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm vom 12. Januar 2022 

verurteilt worden sei (vgl. Eingabe des Beschuldigten an der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung), keinen Rechtfertigungsgrund zu 

begründen. Eine allfällige unrechtmässige Aneignung gemäss Art. 137 

 - 29 - 

 

 

StGB stellt vorliegend keinen Rechtfertigungsgrund für den 

Hausfriedensbruch dar, zumal A._____ dem Strafbefehl zufolge lediglich 

für die unrechtmässige Aneignung seit dem 15. Oktober 2020 und nach 

ihrer Befragung auf dem Polizeiposten und somit nach dem vorliegend 

abzuhandelnden Hausfriedensbruch verurteilt worden ist. Im Zeitpunkt des 

Hausfriedensbruchs lag dem Strafbefehl zufolge somit noch keine 

unrechtmässige Aneignung vor.  

 

Die Berufung des Beschuldigten erweist sich in diesem Punkt als 

unbegründet und er ist wegen Hausfriedensbruchs schuldig zu sprechen, 

wobei entgegen der Vorinstanz (vgl. vorinstanzliches Urteil E. 4.2.7.2) nicht 

von einer mehrfachen Tatbegehung auszugehen ist. Vorliegend hat das 

unrechtmässige Eindringen und Verweilen in der Wohnung in der Nacht 

vom 14. auf den 15. Oktober 2020 auf einem einheitlichen Willensakt des 

Beschuldigten, der sein Mobiltelefon zurückhaben wollte, beruht. Weiter 

bestand ein enger räumlicher und zeitlicher Zusammenhang zwischen den 

einzelnen Handlungen und haben sich diese alle gegen A._____ als 

Trägerin des Hausrechts gerichtet. Mithin erscheinen die Einzelhandlungen 

als einheitliches Geschehen im Sinne einer natürlichen Handlungseinheit 

(vgl. BGE 133 IV 256 E. 4.5). 

 

8. Strafzumessung 

8.1. 

Der Beschuldigte hat sich der mehrfachen Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz, der versuchten einfachen Körperverletzung, der 

Nötigung, der mehrfachen Drohung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs, 

der Sachbeschädigung, der mehrfachen Beschimpfung, des mehrfachen 

Missbrauchs einer Fernmeldeanlage, des mehrfachen Ungehorsams 

gegen eine amtliche Verfügung und der mehrfachen Übertretung des 

Betäubungsmittelgesetzes schuldig gemacht. Dafür ist er angemessen zu 

bestrafen. 

 

8.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

8.3. 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter 

Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die 

Zweckmässigkeit und Angemessenheit einer bestimmten Sanktion, ihre 

Auswirkungen auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre 

Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention zu berücksichtigen 

(BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 134 IV 82 E. 4.1).  

 

 - 30 - 

 

 

Die Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 

Abs. 1 BetmG, die einfache Körperverletzung gemäss Art. 123 StGB, die 

Nötigung gemäss Art. 181 StGB, die Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 

StGB, der Hausfriedensbruch gemäss Art. 186 StGB und die 

Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB werden mit 

Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Die 

Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB wird mit Geldstrafe bis zu 

90 Tagessätzen bestraft. Der Missbrauch einer Fernmeldeanlage gemäss 

Art. 179septies StGB, der Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung 

gemäss Art. 292 StGB und die Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes 

gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG werden mit Busse bestraft. 

 

Der Beschuldigte ist mehrfach, teilweise einschlägig vorbestraft. So wurde 

er mit Urteil des Bezirksgerichts Dietikon vom 23. April 2013 wegen 

Sachbeschädigung, versuchten Diebstahls und Hausfriedensbruchs zu 

einer unbedingten Geldstrafe von 70 Tagessätzen à Fr. 100.00 verurteilt. 

Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 24. Juni 

2015 wurde er wegen Sachbeschädigung, Fahrens eines Motorfahrzeugs 

in fahrunfähigem Zustand, mehrfacher Gewalt oder Drohung gegen 

Behörden oder Beamte, Verletzung der Verkehrsregeln, mehrfacher 

Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes, mehrfacher Beschimpfung, 

Fahrens eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand mit qualifizierter 

Atemalkohol- oder Blutalkoholkonzentration, Hausfriedensbruchs, falscher 

Anschuldigung und Führens eines Motofahrzeugs trotz Verweigerung, 

Entzug oder Aberkennung des Ausweises zu einer teilbedingten Geldstrafe 

von 150 Tagessätzen à Fr. 30.00 mit einem bedingt zu vollziehenden Anteil 

von 110 Tagessätzen, Probezeit 3 Jahre, sowie einer Busse von Fr. 500.00 

verurteilt. Weiter wurde er mit Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau 

vom 1. Dezember 2017 wegen Fahrens eines Motofahrzeugs in 

fahrunfähigem Zustand, Fahrens ohne Berechtigung, grober Verletzung 

der Verkehrsregeln, falscher Anschuldigung und Übertretung des 

Betäubungsmittelgesetzes als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 24. Juni 2015 zu einer 

unbedingten Geldstrafe von 140 Tagessätzen à Fr. 90.00 sowie einer 

Busse von Fr. 100.00 verurteilt (vgl. aktueller Strafregisterauszug). 

 

Die drei weiteren im Strafregisterauszug verzeichneten Strafen wurden 

nach den vorliegend zu beurteilenden Delikten ausgesprochen, weshalb es 

sich hierbei nicht um Vorstrafen handelt. Sie betreffen jedoch das 

Nachtatverhalten und dürfen deshalb im Rahmen der Prüfung der 

Zweckmässigkeit einer Strafe mitberücksichtigt werden. Mit Urteil des 

Amtsgerichts Bad Säckingen vom 11. März 2021 wurde der Beschuldigte 

wegen Widerhandlung gegen ausländische Gesetzesbestimmungen zu 

einer unbedingten Geldstrafe von 200 Tagessätzen à EUR 40.00 verurteilt. 

Mit Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 21. Mai 2021 wurde 

 - 31 - 

 

 

er sodann wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungs-

mittelgesetz und Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu einer 

unbedingten Freiheitsstrafe von 3 Jahren verurteilt. Schliesslich wurde er 

mit Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 30. Mai 2022 wegen 

Fahrens ohne Berechtigung, mehrfachen, teilweise versuchten Raubs mit 

einer gefährlichen Waffe, Verletzung der Verkehrsregeln, gewerbs- und 

bandenmässigen Diebstahls, mehrfacher Entwendung eines Motorfahr-

zeugs zum Gebrauch, Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der 

Fahrunfähigkeit, mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfachen 

Hausfriedensbruchs zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 5 Jahren und 

einer Busse von Fr. 300.00 verurteilt (vgl. aktueller Strafregisterauszug). 

 

Die gegen den Beschuldigten ergangenen Strafen, welche teilweise 

einschlägig sind, zeigen seine Ungerührtheit gegenüber dem Straf- und 

Vollzugssystem und dass er sich durch die Ausfällung einer weiteren 

bedingten oder unbedingten Geldstrafe nicht beeindrucken lassen würde. 

Die ausgesprochenen teilbedingten und unbedingten Strafen konnten ihn 

nicht von weiterer Delinquenz abhalten, was er eindrücklich unter Beweis 

gestellt hat. Unter diesen Umständen erweist sich eine blosse Geldstrafe 

hinsichtlich jener Straftatbestände, die alternativ eine Freiheitsstrafe oder 

Geldstrafe vorsehen, aus spezialpräventiven Gründen auch dort nicht mehr 

ausreichend, wo dies allein aufgrund der Schwere des Verschuldens noch 

möglich wäre. Vielmehr ist in Anbetracht der teilweise einschlägigen 

Vorstrafen und der Ungerührtheit des Beschuldigten gegenüber dem Straf- 

und Vollzugssystem davon auszugehen, dass nur eine Freiheitsstrafe als 

angemessene und zweckmässige Sanktion in Frage kommt. Damit sind, 

bis auf die Beschimpfung, welche einzig eine Geldstrafe vorsieht und die 

Übertretungen, für welche Bussen auszusprechen sind, für sämtliche 

begangenen Straftaten Freiheitsstrafen auszufällen. 

 

8.4. 

8.4.1. 

Die Einsatzfreiheitsstrafe ist für die H._____ und I._____ betreffende 

Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz als – bei gleichem 

Strafrahmen – konkret schwerstes Delikt festzusetzen. Dazu ergibt sich 

Folgendes: 

 

Der Beschuldigte hat die Abnehmer H._____ und I._____ zum Zweck des 

Verkaufs von 10 Gramm Kokain (6.9 Gramm reiner Wirkstoff) durch 

D._____ an diesen vermittelt, woraufhin es in der Folge tatsächlich zu 

diesem Verkauf gekommen ist.  

 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung innerhalb des Strafrahmens bildet 

die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 

StGB). Der Tatbestand von Art. 19 BetmG soll insbesondere die öffentliche 

Gesundheit schützen. Geschützt werden sollen aber auch die einzelnen 

 - 32 - 

 

 

Personen von den negativen gesundheitlichen oder sozialen Folgen 

suchtbedingter Störungen (SCHLEGEL/JUCKER, OFK BetmG, 4. Aufl. 2022, 

N. 1 zu Art. 19 BetmG mit Hinweisen). Es handelt sich dabei um 

hochstehende Rechtsgüter. Massgebend für die Bestimmung der 

objektiven Tatschwere und dem damit einhergehenden Verschulden sind 

zunächst Art und Menge der Drogen. Je grösser die Menge und je 

schädlicher die Art der vom Täter gehandelten Betäubungsmittel erscheint, 

desto gewichtiger erweist sich die von ihm mit der Tatverübung 

geschaffene gesundheitliche Gefährdung Dritter. Auch der Reinheitsgrad 

der Betäubungsmittel kann für das Verschulden von Bedeutung sein. 

Handelt der Täter wissentlich mit ausgesprochen reinen Drogen, ist das 

Verschulden schwerer, handelt er wissentlich mit besonders stark 

gestreckten Drogen, ist es leichter (BGE 122 IV 299 E. 2c). Bei Kokain 

handelt es sich um eine harte Droge mit grossem Abhängigkeits- und 

Gefährdungspotential. Die Menge des reinen Wirkstoffs liegt mit 

6.9 Gramm bei mehr als einem Drittel des Grenzwerts von 18 Gramm für 

einen mengenmässig schweren Fall. Diese Wirkstoffmenge ist nicht zu 

bagatellisieren. Dementsprechend nicht mehr leicht bis mittelschwer wiegt 

das Tatverschulden des Beschuldigten. Der Drogenmenge ist zwar keine 

vorrangige, aber auch nicht eine untergeordnete Bedeutung zuzumessen. 

Es wäre verfehlt, im Sinne eines Tarifs überwiegend oder gar allein auf 

dieses Kriterium abzustellen. Falsch wäre aber auch die Annahme, diesem 

Strafzumessungselement komme eine völlig untergeordnete oder gar keine 

Bedeutung zu. Der Reinheitsgehalt des Kokains von 69% erscheint 

durchschnittlich, weshalb dies neutral zu werten ist. 

 

Ein besonders raffiniertes Vorgehen oder eine besondere kriminelle Ener-

gie, die wesentlich über die Erfüllung des Tatbestands hinausgeht, ist nicht 

auszumachen. Entsprechend ist die Art und Weise des Tatvorgehens bzw. 

die Verwerflichkeit des Handelns des Beschuldigten neutral zu werten. 

Ebenfalls neutral wirkt sich der Umstand aus, dass dem Beschuldigten 

keine höhere hierarchische Stellung innerhalb eines Verteilnetzes zukam. 

Denn auch wer an einem Drogenhandel nur auf einer tiefen Hierarchiestufe 

mitwirkt oder nur vermittelt, nimmt im Drogenhandel eine wichtige und 

unabdingbare Rolle ein, was einen erheblichen strafrechtlichen Vorwurf zu 

begründen vermag (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_683/2012 vom 

15. Juli 2013 E. 3.4; BGE 135 IV 191 E. 3.4). 

 

Hinsichtlich der Beweggründe ist zu berücksichtigen, dass der Beschul-

digte während des Tatzeitraums selbst von Betäubungsmitteln abhängig 

war und sich durch den Betäubungsmittelhandel den eigenen Konsum 

finanzierte. Der Umstand, dass er nicht direkt einen finanziellen Profit 

anstrebte, wirkt sich allerdings neutral und nicht verschuldensmindernd 

aus, da das Fehlen eines verschuldenserhöhenden Umstandes nicht 

verschuldensmindernd, sondern überhaupt nicht zu berücksichtigen ist. 

Auch verfügte der Beschuldigte trotz seiner Drogensucht (vgl. Plädoyer des 

 - 33 - 

 

 

amtlichen Verteidigers an der Berufungsverhandlung S. 4; UA act. 294) 

über ein erhebliches Mass an Entscheidungsfreiheit. So lag dem 

psychiatrischen Gutachten von Dr. med. L._____ vom 4. Juli 2021 zufolge 

im Tatzeitpunkt keine verminderte Schuldfähigkeit vor. Die Fähigkeit zur 

Einsicht in das Unrecht der Tat sei nicht vermindert gewesen. Die 

Steuerungsfähigkeit sei mitunter aufgrund seiner Suchterkrankung 

herabgesetzt gewesen, wobei diese Herabsetzung keine Auswirkung auf 

die Schuldfähigkeit gehabt habe (UA act. 294 f.). Insbesondere ist auch 

nicht ersichtlich, dass er sich im Tatzeitpunkt ernsthaft darum gekümmert 

hätte, von seiner Drogensucht wegzukommen oder eine legale 

Substitutionsabgabe beantragt hätte. Mithin hat er mit der Vermittlung zum 

Erhalt von Drogen zwecks Befriedigung seiner Drogensucht den aus seiner 

Sicht einfachsten Weg gewählt. Je leichter es jedoch für ihn gewesen wäre, 

die Normen der Betäubungsmittelgesetzgebung zu respektieren, desto 

schwerer wiegt unter Verschuldensgesichtspunkten die Entscheidung 

dagegen (vgl. BGE 117 IV 112 E.1; BGE 127 IV 101 E. 2a; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3). Dennoch 

rechtfertigt es sich bei einer Gesamtbetrachtung, den Umstand, dass die 

Vermittlung der Ermöglichung des eigenen Betäubungsmittelkonsums 

sowie der Befriedigung der eigenen Sucht gedient hat, innerhalb des 

Strafrahmens leicht bis mittelstark verschuldensmindernd zu 

berücksichtigen (vgl. Art. 19 Abs. 3 lit. b BetmG). 

 

Insgesamt ist unter Berücksichtigung der von der Widerhandlung gegen 

das Betäubungsmittelgesetz erfassten Betäubungsmittel, Drogenmengen, 

Handlungsweisen und Beweggründe von einem nicht mehr leichten 

Verschulden und in Relation zum Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu 

drei Jahren von einer dafür – auch unter Berücksichtigung des 

Strafminderungsgrundes gemäss Art. 19 Abs. 3 lit. b BetmG – 

angemessenen Einsatzstrafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe auszugehen.  

 

8.4.2. 

Diese Einsatzstrafe ist für die weiteren Straftaten, für welche eine 

Freiheitsstrafe auszufällen ist, in Anwendung des Asperationsprinzips 

gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen. 

 

8.4.2.1. 

In Bezug auf die G._____ betreffende Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz ergibt sich Folgendes:  

 

Der Beschuldigte hat den Abnehmer G._____ zum Zweck des Verkaufs 

von 0.6 Gramm Kokain (0.4 Gramm reiner Wirkstoff) an D._____ vermittelt, 

woraufhin es zum Verkauf gekommen ist. Wie bereits dargelegt, handelt es 

sich bei Kokain um eine harte Droge mit grossem Abhängigkeits- und 

Gefährdungspotential. Auch hier ist der durchschnittliche Reinheitsgehalt 

des Kokains von 69% neutral zu werten. Es handelt sich bei 0.4 Gramm 

 - 34 - 

 

 

reinem Wirkstoff um eine kleine Drogenmenge, weshalb das Verschulden 

entsprechend leicht wiegt.  

 

Betreffend die neutral zu wertende Art und Weise des Tatvorgehens und 

die fehlende höhere hierarchische Stellung kann auf die vorgängig in 

E. 8.4.1 gemachten Ausführungen verwiesen werden. Auch betreffend die 

leicht bis mittelstark verschuldensmindernd zu berücksichtigende Tatsa-

che, dass der Beschuldigte im Tatzeitpunkt betäubungsmittelabhängig war 

und die Vermittlung der Erlangung von Kokain diente, kann auf die in 

E. 8.4.1 gemachten Ausführungen verwiesen werden.  

 

Insgesamt ist unter Berücksichtigung der von der Widerhandlung gegen 

das Betäubungsmittelgesetz erfassten Betäubungsmittel, Drogenmengen, 

Handlungsweisen und Beweggründe von einem leichten Verschulden und 

in Relation zum Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren von 

einer dafür – auch unter Berücksichtigung des Strafminderungsgrundes 

gemäss Art. 19 Abs. 3 lit. b BetmG – angemessenen Einzelstrafe von 

3 Monaten Freiheitsstrafe auszugehen. Im Rahmen der Asperation ist zu 

berücksichtigen, dass insofern ein persönlicher und sachlicher 

Zusammenhang zur vorgängig abgehandelten Vermittlung besteht, als 

dass es in beiden Fällen um die Vermittlung von neuen Abnehmern an 

D._____ zwecks des Verkaufs von Kokain ging. Hinsichtlich der sich 

daraus ergebenden Gefährdung der geschützten Rechtsgüter spielt dies 

allerdings keine Rolle, weshalb der Gesamtschuldbeitrag nicht zu 

bagatellisieren ist. Nach dem Gesagten rechtfertigt sich für die vorliegende 

Vermittlung eine Erhöhung der Einsatzfreiheitsstrafe um 2 Monate auf 

8 Monate. 

 

8.4.2.2. 

Betreffend die versuchte einfache Körperverletzung gemäss Art. 123 StGB 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB ergibt sich Folgendes:  

 

Methodisch ist zunächst die schuldangemessene Strafe für das vollendete 

Delikt festzulegen und die derart ermittelte hypothetische Strafe in der 

Folge unter Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungsgrundes von 

Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). 

 

Der Tatbestand der einfachen Körperverletzung schützt sowohl die 

körperliche Integrität als auch die psychische Gesundheit (BGE 134 IV 189  

E. 1.4). Der Beschuldigte hat am 15. Oktober 2020 mehrmals mit einem 

Wischmopp auf A._____ eingeschlagen und dabei in Kauf genommen, 

diese dadurch zu verletzen. Dadurch hat A._____ Hautrötungen, 

Schürfungen, Kratzdefekte sowie kratzerartige Hautläsionen erlitten, bei 

welchen es sich jedoch lediglich um oberflächliche Verletzungen handelt, 

welche nicht die für eine einfache Körperverletzung notwendige schwere 

 - 35 - 

 

 

erreichen, weshalb es bei einem Versuch geblieben ist. Bei einer 

vollendeten einfachen Körperverletzung wäre von vergleichsweise leichten 

Verletzungen auszugehen, welche nicht grosse Schmerzen verursacht 

hätten, weshalb der Taterfolg als leicht zu bezeichnen wäre. 

 

Das Tatvorgehen bzw. die Verwerflichkeit des Handelns des Beschuldigten 

ist nicht über die blosse Erfüllung des Tatbestandes hinausgegangen, was 

sich neutral auswirkt. So zeugt sein Vorgehen weder von besonderer 

Brutalität noch Hinterhältigkeit. Das erhebliche Mass an Entscheidungs-

freiheit, über welches er verfügte, ist leicht verschuldenserhöhend zu 

berücksichtigen. So ist er bei A._____ zuhause auf diese losgegangen, 

nachdem er gegen ihren Willen in deren Wohnung eingedrungen ist, um 

sein Mobiltelefon zurückzuerhalten. Es wäre für ihn ein leichtes gewesen, 

sich zu beherrschen und darauf zu verzichten mit dem Wischmopp auf 

A._____ einzuschlagen. Je leichter es aber für ihn gewesen wäre, die 

körperliche Integrität von A._____ zu respektieren, desto schwerer wiegt 

die Entscheidung dagegen und damit sein Verschulden. 

 

Insgesamt wäre unter Berücksichtigung des Strafrahmens von bis zu 

drei Jahren Freiheitsstrafe und dem breiten Spektrum der davon erfassten 

Verletzungsfolgen und Handlungsweisen für eine vollendete einfache 

Körperverletzung von einem leichten Verschulden und – bei isolierter 

Betrachtung – einer Einzelstrafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe 

auszugehen. Nachdem es jedoch bei einem Versuch geblieben ist, ist eine 

angemessene Strafminderung gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB vorzunehmen. 

Dabei hat die Strafminderung umso geringer auszufallen, je näher der 

tatbestandsmässige Erfolg und je schwerer die tatsächlichen Folgen der 

Tat waren (BGE 121 IV 49 E. 1b). Der Taterfolg ist nur deshalb nicht 

eigetreten, weil der Wischmopp zerbrochen und die durch A._____ 

erlittenen Verletzungen die vom Tatbestand der einfachen 

Körperverletzung erforderliche Schwere nicht erreicht haben. Der 

Beschuldigte hat wiederholt auf A._____ eingeschlagen, bis der aus einer 

Aluminium-Verstrebung bestehende Wischmopp schliesslich zerbrochen 

ist. Er hat somit nicht aus eigenem Antrieb von einer Weiterverfolgung der 

Tat abgesehen, sondern lediglich deshalb aufgehört zuzuschlagen, weil 

der Wischmopp zerbrochen ist. Der Umstand, dass es bei einem blossen 

Versuch geblieben ist, ist deshalb nur leicht verschuldensmindernd mit 

1 Monat zu veranschlagen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_510/2015 

vom 25. August 2015 E. 1.3). Im Rahmen der Asperation ist festzuhalten, 

dass die versuchte einfache Körperverletzung in keinem Zusammenhang 

zur bereits abgehandelten mehrfachen Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz steht, weshalb der Gesamtschuldbeitrag 

dementsprechend schwer wiegt. Damit ist die Freiheitsstrafe für die 

versuchte einfache Körperverletzung um 4 Monate auf 12 Monate zu 

erhöhen.  

 

 - 36 - 

 

 

8.4.2.3. 

Betreffend die Nötigung ergibt sich Folgendes: 

 

Art. 181 StGB schützt die Handlungsfreiheit bzw. die Freiheit der 

Willensbildung und -betätigung des Einzelnen (BGE 137 IV 326 E. 3.6). Der 

Beschuldigte hat am 15. Oktober 2020 so lange gegen die Balkontüre von 

A._____ getreten, bis diese aus Angst, der Beschuldigte könnte die 

Balkontüre eintreten, die Türe geöffnet hat. Die geschaffene 

Zwangssituation und die damit einhergehende Einschränkung der 

Handlungsfreiheit von A._____ ist nicht über die blosse Erfüllung des 

Tatbestands hinausgegangen. 

 

Leicht verschuldenserhöhend ist das hohe Mass an Entscheidungsfreiheit, 

über welches der Beschuldigte verfügte, zu berücksichtigen. Es wäre ihm 

ohne Weiteres zuzumuten gewesen, darauf zu verzichten, wiederholt mit 

seinem Fuss gegen die Balkontüre von A._____ zu treten und ihren Willen, 

ihn nicht in ihre Wohnung hineinlassen zu wollen, zu respektieren und sich 

ohne sein Mobiltelefon nachhause zu begeben bzw. dieses auf legalem 

Weg erhältlich zu machen.  

 

Insgesamt ist von einem vergleichsweise noch leichten Tatverschulden und 

einer – bei isolierter Betrachtung – angemessenen Einzelstrafe von 

3 Monaten Freiheitsstrafe auszugehen. Im Rahmen der Asperation muss 

berücksichtigt werden, dass die Nötigung in einem engen persönlichen, 

zeitlichen und sachlichen Zusammenhang zur gleichentags begangenen 

versuchten einfachen Körperverletzung steht, weshalb der 

Gesamtschuldbeitrag dementsprechend weniger schwer wiegt. Die 

Freiheitsstrafe ist für die Nötigung angemessen um 2 Monate auf 1 Jahr 

und 2 Monate zu erhöhen. 

 

8.4.2.4. 

In Bezug auf den in der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober 2020 

begangenen Hausfriedensbruch ergibt sich Folgendes: 

 

Der Tatbestand des Hausfriedensbruchs schützt das Hausrecht, d.h. die 

Befugnis, über das Haus ungestört zu herrschen und in ihm den eigenen 

Willen frei zu betätigen. Das Hausrecht ist Teil der Persönlichkeitsrechte 

des Inhabers eines Raums (BGE 103 IV 162 E. 1 f.; BGE 83 IV 154 E. 1). 

Der Beschuldigte ist in der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober 2020 gegen 

den mehrmals ausdrücklich kundgetanen Willen von A._____ und somit 

unrechtmässig in deren Wohnung eingedrungen und ist anschliessend 

darin verweilt. Dabei hat er nicht nur das Hausrecht, sondern auch die 

Privatsphäre der in dieser Nacht anwesenden A._____ verletzt und sie in 

ihrem Sicherheitsgefühl beeinträchtigt. Diese Folgen der Straftaten sind für 

die Betroffenen vielfach gravierend (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_510/2015 vom 25. August 2015 E. 1.3). 

 - 37 - 

 

 

Die Art und Weise des Handelns des Beschuldigten ist nicht wesentlich 

über die blosse Tatbestandserfüllung hinausgegangen, was sich neutral 

auswirkt. Leicht verschuldenserhöhend ist jedoch wiederum das hohe 

Mass an Entscheidungsfreiheit, über welches er verfügte, zu 

berücksichtigen. Es wäre ihm ohne Weiteres zuzumuten gewesen, darauf 

zu verzichten, die Wohnung von A._____ zu betreten und die Frage nach 

dem Verbleib seines Mobiltelefons auf andere und legale Weise 

abzuklären.  

 

Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu drei Jahren 

Freiheitsstrafe und den davon erfassten Hausfriedensbrüchen und 

Handlungsweisen von einem vergleichsweise knapp nicht mehr leichten 

Tatverschulden und einer dafür – bei isolierter Betrachtung – 

angemessenen Einzelstrafe von 3 Monaten Freiheitsstrafe auszugehen. Im 

Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen, dass der Haus-

friedensbruch in einem engen persönlichen, zeitlichen und sachlichen 

Zusammenhang zur gleichentags begangenen versuchten einfachen 

Körperverletzung sowie der Nötigung steht, weshalb der Gesamt-

schuldbeitrag dementsprechend weniger schwer wiegt. Die Freiheitsstrafe 

ist für den Hausfriedensbruch angemessen um 1 Monat auf 1 Jahr und 

3 Monate zu erhöhen. 

 

8.4.2.5. 

In Bezug auf den am 8. April 2020 begangenen Hausfriedensbruch ergibt 

sich Folgendes: 

 

Der Beschuldigte ist am vorgenannten Datum gegen den Willen des 

Berechtigten in die umzäunte Badeanstalt am […]-See in Z._____ 

eingedrungen. Dies, obwohl entsprechende Hinweise und Schilder bei den 

Zugängen zum […]-See ein Betretungs- und Aufenthaltsverbot 

signalisierten. Durch sein Vorgehen wurde jedoch – soweit ersichtlich – 

niemand in dessen Privatsphäre oder Sicherheitsgefühl verletzt. Die Art 

und Weise des Handelns des Beschuldigten ist denn auch nicht über die 

blosse Tatbestandserfüllung hinausgegangen. Leicht 

verschuldenserhöhend wirkt sich wiederum das hohe Mass an 

Entscheidungsfreiheit, über welches er verfügte, aus. Es wäre ihm ohne 

Weiteres zuzumuten gewesen, darauf zu verzichten, die Badeanstalt zu 

betreten und sich stattdessen an einem frei zugänglichen Ort aufzuhalten. 

Je leichter es aber für ihn gewesen wäre, den Willen des Berechtigten zu 

respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit 

sein Verschulden. 

 

Insgesamt ist in Relation zum Strafrahmen von bis zu drei Jahren 

Freiheitsstrafe und den davon erfassten Hausfriedensbrüchen und 

Handlungsweisen von einem vergleichsweise leichten Tatverschulden und 

einer dafür – bei isolierter Betrachtung – angemessenen Einzelstrafe von 

 - 38 - 

 

 

1 ½ Monaten Freiheitsstrafe auszugehen. Im Rahmen der Asperation ist 

festzuhalten, dass der vorliegende Hausfriedensbruch in keinem 

Zusammenhang zu den vorgängig abgehandelten Delikten steht, weshalb 

der Gesamtschuldbeitrag dementsprechend schwer wiegt. Die 

Freiheitsstrafe ist für den Hausfriedensbruch angemessen um 1 Monat auf 

1 Jahr und 4 Monate zu erhöhen. 

 

8.4.2.6. 

Betreffend die Sachbeschädigung ergibt sich Folgendes: 

 

Durch Art. 144 StGB wird die unbeeinträchti