# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 417131f6-e76d-5dbe-b974-de5a401e4709
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 17.02.2023 WBE.2023.49
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2023-49_2023-02-17.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

1. Kammer 

 

 

WBE.2023.49 
WBE.2023.57 
WBE.2023.58 / pm / jb 
Art. 30 

 

Urteil vom 17. Februar 2023 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Cotti, Vorsitz  

Verwaltungsrichter Dommann  

Verwaltungsrichterin Schöb-Talerico  

Gerichtsschreiberin i.V. Meyer      

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____,   

Beistand: B._____, KESD Kindes- und Erwachsenenschutzdienst Bezirk 

R._____ 

 

 
 

   

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend fürsorgerische Unterbringung 

(Medikationen ohne Zustimmung im Notfall/Abweisung 

Entlassungsgesuch) 

 

1. Entscheid von C._____, Leitender Arzt, PDAG, vom 10. Februar 2023 

betreffend Behandlung ohne Zustimmung im Notfall 

(Zwangsmedikation) 

2. Entscheid von C._____, Leitender Arzt, PDAG, vom 11. Februar 2023 

betreffend Behandlung ohne Zustimmung im Notfall 

(Zwangsmedikation) 

3. Entscheid der Klinik der PDAG vom 15. Februar 2023  

(Abweisung Entlassungsgesuch) 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten: 

 

A. 

1. 

A. war bereits diverse Male stationär in der Klinik der Psychiatrischen 

Dienste Aargau AG (PDAG) hospitalisiert, letztmalig im Jahr 2021. 

Diagnostiziert wurde damals, wie auch schon zuvor, eine gemischte schi-

zoaffektive Störung. Den Klinikakten sowie den Akten des Verwaltungs-

gerichts lässt sich entnehmen, dass Frau A. schon lange in Behandlung ist 

und es ihr zwischenzeitlich dank einer medikamentösen Therapie 

besserging. Sie konnte ihren Lebensunterhalt selber bestreiten, indem sie 

als N. arbeitete, und bewältigte ihren Alltag selbstständig. 

 

B. 

1. 

Der Zustand von A. verschlechterte sich deutlich, nachdem sie gegen 

Ende 2022 die Abilify-Depotmedikation abgesetzt hatte. Weil A. am 

25. Januar 2023 diverse SMS mit suizidalen Äusserungen verschickt hatte, 

wurde sie mit Entscheid von Dr. med. H., Leitender Arzt, Spital R., 

gleichentags mittels fürsorgerischer Unterbringung in die Klinik der 

Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) eingewiesen. Die dagegen 

erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht nach Durchführung 

einer Verhandlung mit Entscheid vom 31. Januar 2023 ab und stellte fest, 

dass die Entlassungszuständigkeit bis zum 7. März 2023 bei der PDAG und 

danach beim Familiengericht R. liege, sofern das Familiengericht die 

Entlassungszuständigkeit nicht an die PDAG übertrage (WBE.2023.26). 

 

2. 

Mit Eingabe vom 10. Februar 2023 (Eingang gleichentags per SecureMail) 

erhob A. Beschwerde gegen die notfallmässige Behandlung ohne Zu-

stimmung. Dabei verwendete sie das Formular der Klinik der PDAG für die 

Beschwerde gegen die fürsorgerische Unterbringung. 

 

3. 

Mit Instruktionsverfügung vom 13. Februar 2023 wurden verschiedene Be-

weisanordnungen getroffen. Insbesondere wurde die Eingabe der PDAG 

zur Erstattung eines schriftlichen Berichts zugestellt. Ausserdem wurde 

Dr. med. J., Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, als sachver-

ständige Person mit der Erstattung eines Gutachtens beauftragt und es 

wurde zu einer Verhandlung auf den 17. Februar 2023 vorgeladen. 

 

4. 

Des Weiteren wurde die Klinik der PDAG um Behandlung der Eingabe der 

Beschwerdeführerin als Entlassungsgesuch ersucht. 

 - 3 - 

 

 

 

5. 

Der von K., Oberarzt, und L., Assistenzarzt, durch die Klinik der PDAG ver-

fasste Bericht sowie der Entscheid der Klinik der PDAG über das Ent-

lassungsgesuch (Abweisung), beide vom 15. Februar 2023, gingen am 

16. Februar 2023 beim Verwaltungsgericht ein. 

 

6. 

6.1. 

An der Verhandlung vom 17. Februar 2023 in der Klinik der PDAG nahmen 

die Beschwerdeführerin sowie für die Einrichtung die erwähnten Ärzte 

(Oberarzt und Assistenzarzt) teil. Ausserdem war der Gutachter anwesend. 

 

Die Beschwerdeführerin erklärte zu Protokoll, dass sie neben der bereits 

angefochtenen Behandlung ohne Zustimmung im Notfall vom 10. Februar 

2023 auch den Entscheid betreffend Behandlung ohne Zustimmung im Not-

fall vom 11. Februar 2023 sowie den Entscheid der Klinik der PDAG vom 

15. Februar 2023 betreffend Abweisung des Entlassungsgesuchs mit Be-

schwerde anfechten wolle. 

 

6.2. 

Nach der Befragung aller Beteiligten erstattete die sachverständige Person 

mündlich das Gutachten.  

 

6.3. 

Unter Würdigung der gesundheitlichen und sozialen Umstände der Be-

schwerdeführerin fällte das Verwaltungsgericht das vorliegende Urteil, wel-

ches den Beteiligten mit einer kurzen Begründung mündlich eröffnet wurde. 

 

7. 

Das Urteil wurde in der Folge im Dispositiv an die Beteiligten verschickt. 

 

8. 

Mit Eingabe vom 27. Februar 2023 [sic] (Eingang am 26. Februar 2023 per 

SecureMail) erhob A. erneut Beschwerde gegen die aktuelle fürsorgerische 

Unterbringung sowie gegen die Abweisung des Entlassungsgesuchs. 

Gemäss Auskunft des Rechtsdienstes der Klinik der PDAG sind seit der 

Verhandlung vom 17. Februar 2023 keine neuen Entscheide ergangen, 

weswegen die Eingabe als Antrag auf Urteilsbegründung entge-

gengenommen wird. 

 

  

 - 4 - 

 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

 

I. 

1. 

Das Verwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen eine Abweisung ei-

nes Entlassungsgesuchs sowie gegen eine Behandlung einer psychischen 

Störung ohne Zustimmung (§ 59 Abs. 1 lit. d und lit. e des Einführungsge-

setzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch vom 27. Juni 2017 [EG ZGB; 

SAR 210.300]). Es ist folglich zur Beurteilung der Beschwerde gemäss 

Art. 439 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 

1907 (ZGB; SR 210) gegen die angefochtenen Entscheide vom 10.  und 

11. Februar 2023 betreffend Behandlung ohne Zustimmung im Notfall so-

wie gegen den Entscheid der Klinik der PDAG vom 15. Februar 2023 (Ab-

weisung Entlassungsgesuch) zuständig. 

 

2. 

Mit der Beschwerde können Rechtsverletzungen, die unrichtige oder un-

vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Unange-

messenheit gerügt werden (Art. 450a Abs. 1 ZGB). Soweit das ZGB und 

das EG ZGB keine Regelungen enthalten, sind die Bestimmungen der Zi-

vilprozessordnung sinngemäss anwendbar (Art. 450f ZGB). 

 

II. WBE.2023.49 sowie WBE.2023.57 

1. 

Im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung dürfen (medikamentöse) 

Behandlungen auch gegen den Willen der betroffenen Person vorgenom-

men werden (Art. 434 ZGB). Dafür müssen die folgenden Voraussetzungen 

kumulativ erfüllt sein: (1) ohne Behandlung droht der betroffenen Person 

ein ernsthafter Schaden oder das Leben oder die körperliche Integrität von 

Drittpersonen ist gefährdet; (2) die betroffene Person ist bezüglich ihrer Be-

handlungsbedürftigkeit urteilsunfähig; (3) es steht keine angemessene 

Massnahme zur Verfügung, die weniger einschneidend ist (Abs. 1). 

 

Die Selbstgefährdung ist nur ausreichend, wenn ohne die Behandlung der 

betroffenen Person mit hoher Wahrscheinlichkeit ein ernsthafter gesund-

heitlicher Schaden droht. Ernstlich ist ein Gesundheitsschaden, wenn er zu 

einer langen Beeinträchtigung wichtiger körperlicher oder psychischer 

Funktionen führt. Es braucht sich aber nicht um einen bleibenden oder ir-

reversiblen Gesundheitsschaden zu handeln. Die Fremdgefährdung ge-

nügt nur, wenn das Leben oder die Integrität Dritter ernstlich gefährdet ist 

(THOMAS GEISER/MARIO ETZENSBERGER, in: Basler Kommentar, Zivilge-

setzbuch I, 7. Aufl. 2022, N. 20 f. zu Art. 434/435 ZGB). 

 

An der Urteilsfähigkeit bezüglich ihrer Behandlungsbedürftigkeit fehlt es der 

betroffenen Person insbesondere, wenn sie sich zwar einen Willen bilden, 

 - 5 - 

 

 

 

aber aufgrund ihrer Krankheit keinen Entschluss fassen kann, welcher auf 

einem Mindestmass an Rationalität beruht (GEISER/ETZENSBERGER, a.a.O., 

N. 18 zu Art. 434/435 ZGB). 

 

Im Hinblick auf die Verhältnismässigkeit muss geprüft werden, ob weniger 

einschneidende Massnahmen zur Verfügung stehen, um den angestrebten 

Zweck zu erreichen. Weniger einschneidend sind Massnahmen, die dem 

tatsächlichen oder mutmasslichen Willen des Patienten mehr entsprechen 

als die vorgeschlagene (GEISER/ETZENSBERGER, a.a.O., N. 22 zu 

Art. 434/435 ZGB; GUILLOD, a.a.O., N. 24 zu Art. 434 ZGB). 

 

In einer Notfallsituation können die zum Schutz der betroffenen Person 

oder Dritter unerlässlichen medizinischen Massnahmen sofort ergriffen 

werden (Art. 435 ZGB). Eine Notfallsituation im Sinne von Art. 435 ZGB 

liegt vor, wenn ein akuter Behandlungsbedarf besteht und dieser so dring-

lich ist, dass das Prozedere nach Art. 434 ZGB nicht eingehalten werden 

kann, namentlich kein Behandlungsplan, auch nicht ein provisorischer, er-

stellt werden kann (GEISER/ETZENSBERGER, a.a.O., N. 29 zu Art. 434/435 

ZGB; GUILLOD, a.a.O., N. 3 zu Art. 435 ZGB mit Hinweisen). Aufgrund der 

Dringlichkeit kann die Interessenabwägung und die Beurteilung der Ver-

hältnismässigkeit sehr viel weniger sorgfältig vorgenommen werden als im 

Verfahren nach Art. 434 ZGB (GEISER/ETZENSBERGER, a.a.O., N. 29 zu 

Art. 434/435 ZGB). 

 

2. 

2.1. 

Am 10. Februar 2023 wurden der Beschwerdeführerin um 12:30 Uhr ohne 

ihre Zustimmung 20 mg Olanzapin und 2.5 mg Temesta verabreicht. Ge-

mäss ärztlicher Anordnung sei das Ziel dieser Behandlung die Beruhigung, 

Vorbeugung von Verletzungen sowie Vermeidung von Gesundheitsschä-

den gewesen. Die Unerlässlichkeit der medizinischen Massnahme be-

gründe sich durch die akute Selbst- und Fremdgefährdung sowie durch 

eine Chronifizierungsgefahr (Anordnung der Medikation ohne Zustimmung 

im Notfall vom 10. Februar 2023). 

 

2.2. 

Am 9. Februar 2023 entwich die Beschwerdeführerin aus der Klinik der 

PDAG. Zu diesem Zeitpunkt habe sie sich gemäss den Klinikakten gereizt, 

affektlabil, antriebsgesteigert und psychomotorisch unruhig verhalten; zu-

dem habe sie psychotisch mit hypochondrischem Wahn, Beeinträchti-

gungs- und Beobachtungsideen imponiert und klare Anhaltspunkte für tak-

tile Halluzinationen gezeigt. Aufgrund dieser Symptomatik habe die Be-

schwerdeführerin wiederholt konkrete Suizidabsichten geäussert. Da ein 

Gespräch mit ihr nicht möglich gewesen sei, habe man eine Suizidalität 

nicht ausschliessen können. Als die Beschwerdeführerin in Begleitung der 

Polizei nach der Entweichung am 10. Februar 2023 wieder in die Klinik der 

 - 6 - 

 

 

 

PDAG zurückkam, fing sie an, das Pflegepersonal zu beleidigen, zu bespu-

cken und Gegenstände zu demolieren. Aufgrund dieses Verhaltens erfolgte 

die Behandlung ohne Zustimmung im Notfall. 

 

2.3. 

Für das Verwaltungsgericht ist es aufgrund der vorstehenden Erwägungen 

ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin am 10. Februar 2023 medika-

mentös behandelt werden musste, um eine Eskalation zu verhindern und 

sowohl sie selbst als auch Dritte in der körperlichen Integrität zu schützen. 

Eine angemessenere mildere Massnahme stand nicht zur Verfügung. Die 

Behandlung ohne Einwilligung war deshalb verhältnismässig. 

 

3. 

3.1. 

Am 11. Februar 2023 um 09:00 Uhr wurden der Beschwerdeführerin ohne 

ihre Zustimmung 10 mg Valium und 10 mg Haldol i.m. verabreicht. Gemäss 

ärztlicher Anordnung bestand das Ziel dieser Behandlung in der Lebenser-

haltung, Beruhigung, Vorbeugung von Verletzungen sowie Vermeidung 

von Gesundheitsschäden. Ohne diese medizinische Massnahme habe die 

Gefahr eines ernsthaften gesundheitlichen Schadens bestanden und die 

körperliche Integrität Dritter sei ernsthaft gefährdet gewesen (Anordnung 

der Medikation ohne Zustimmung im Notfall vom 11. Februar 2023). 

 

Die Beschwerdeführerin habe sich im Isolationszimmer hoch angetrieben, 

psychomotorisch sehr unruhig und dem Personal gegenüber aggressiv ver-

halten. Sie habe gegen die Tür und Wände geschlagen und geschrien, 

dass sie die Medikation in Spritzenform unbedingt brauche. Eine Medika-

tion per os sei ihr angeboten worden, habe aufgrund der starken Unruhe 

jedoch nicht eingenommen werden können. Die Zwangsmedikation sei auf-

grund akutem selbst- und fremdaggressiven Verhalten und Verweigerung 

der Medikation per os als ultima ratio notwendig gewesen. 

 

3.2. 

Der Zustand der Beschwerdeführerin hatte sich durch die erste Behandlung 

ohne Zustimmung im Notfall noch nicht genügend beruhigt oder gar stabi-

lisiert. Die Beschwerdeführer schlug gegen die Tür und die Wände, womit 

sie sich selber in ihrer Gesundheit gefährdete. Sie verhielt sich auch ge-

genüber dem Pflegepersonal aggressiv, womit auch die körperliche Inte-

grität Dritter gefährdet war. Eine Behandlung der Beschwerdeführerin war 

deshalb erforderlich. Da eine Medikation per os zu diesem Zeitpunkt nicht 

möglich war, stand keine angemessenere mildere Massnahme als die er-

folgte Behandlung zur Verfügung, um eine Beruhigung herbeizuführen. Die 

Behandlung ohne Zustimmung im Notfall vom 11. Februar 2023 war des-

halb ebenfalls zulässig. 

 

 - 7 - 

 

 

 

4. 

Die Behandlung ohne Zustimmung im Notfall vom 10. Februar 2023 

(WBE.2023.49) wie auch die Behandlung ohne Zustimmung im Notfall vom 

11. Februar 2023 (WBE.2023.57) sind beide folglich nicht zu beanstanden 

und die dagegen erhobenen Beschwerden abzuweisen. 

 

III. WBE.2023.58 

1. 

1.1. 

Bei den im ZGB verwendeten Begriffen der psychischen Störung, der geis-

tigen Behinderung und der schweren Verwahrlosung handelt es sich um 

Rechtsbegriffe. Sie unterliegen im Grundsatz der Definitionsmacht und 

Auslegungshoheit der Jurisprudenz. Wo die Begrifflichkeiten jedoch mit der 

medizinischen Terminologie übereinstimmen, wie bei der psychischen Stö-

rung und der geistigen Behinderung, muss die rechtsanwendende Instanz 

daran gebunden sein (Konferenz für Kindes- und Erwachsenenschutz 

[KOKES], Praxisanleitung Erwachsenenschutzrecht, 2021 [nachfolgend: 

KOKES-Praxisanleitung], S. 247). Massgebend ist diesbezüglich die von 

der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene Kodifikation 

ICD-10 (bis zur Umsetzung der ICD-11) und darin insbesondere Kapitel V 

über die psychischen Störungen. 

 

1.2. 

Im Rahmen der Verhandlung vom 31. Januar 2023 bestätigte die Gutach-

terin die Diagnose einer gemischten schizoaffektiven Störung (Protokoll der 

Verhandlung vom 31. Januar 2023, S. 23 f). An der heutigen Verhandlung 

schloss sich der Gutachter dieser Beurteilung an (Protokoll der Verhand-

lung vom 17. Februar 2023 [nachfolgend: Protokoll]; S. 15; Verlaufsbericht 

vom 15. Februar 2023). 

 

1.3. 

Für das Verwaltungsgericht steht mit Blick auf die Einschätzung der Vertre-

ter der Klinik, die psychiatrischen Gutachten und den an der Verhandlung 

gewonnenen persönlichen Eindruck fest, dass die Beschwerdeführerin an 

einer gemischten schizoaffektiven Störung leidet und somit eine psychi-

sche Störung im Sinne von Art. 426 Abs. 1 ZGB vorliegt. 

 

2. 

Mit Eingabe vom 10. Februar 2023 stellte die Beschwerdeführerin sinnge-

mäss ein Entlassungsgesuch, welches mit Entscheid der Klinik der PDAG 

vom 15. Februar 2023 abgewiesen wurde. 

 

3. 

3.1. 

Die betroffene Person wird entlassen, sobald die Voraussetzungen für die 

fürsorgerische Unterbringung nicht mehr erfüllt sind (Art. 426 Abs. 3 ZGB). 

 - 8 - 

 

 

 

Kann einer Person die nötige Sorge anders erwiesen werden, das heisst 

mit weniger schwerwiegenden Eingriffen als mit einer fürsorgerischen 

Unterbringung, so ist die Person zu entlassen und es müssen mildere 

Massnahme angeordnet werden (Art. 389 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 ZGB). Bei 

Gefahr eines sofortigen Rückfalls ist die Entlassung jedoch nicht angezeigt 

(vgl. Aargauische Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2010, 

S. 197, Erw. 4.1). Sie erfordert mithin eine gewisse Stabilisierung des 

Gesundheitszustands. Ausserdem muss die notwendige Nachbetreuung 

ausserhalb der Einrichtung organisiert sein. Ohne ausreichende Stabilisie-

rung des Gesundheitszustandes und Organisation einer adäquaten Nach-

betreuung drohten ein rascher Rückfall und damit verbunden eine erneute 

Klinikeinweisung, was für die betroffene Person insgesamt belastender 

wäre als die Aufrechterhaltung der fürsorgerischen Unterbringung für eine 

beschränkte Zeit.  

 

3.2. 

Aus dem Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin am 25. Januar 

2023 wegen suizidaler Äusserungen in die Klinik der PDAG mittels fürsor-

gerischer Unterbringung eingewiesen wurde. Ihr Gesundheitszustand hat 

sich bis heute nicht entscheidend verbessert. Für den Gutachter besteht 

weiterhin zumindest eine latente, zeitweise auch eine akute, Suizidalität 

(Protokoll, S. 15). Aufgrund der fehlenden Krankheitseinsicht und der Über-

zeugung der Beschwerdeführerin, dass sie gerade wegen der psychiatri-

schen Medikation unter gewissen körperlichen Beschwerden leide (Proto-

koll, S. 8f.), wäre im Falle einer sofortigen Entlassung damit zu rechnen, 

dass sie die Medikamente absetzt und sich die psychotische Symptomatik 

verschlechtern würde. Dadurch könnten sich die Suizidalität und die Gefahr 

einer raschen Wiedereinweisung rasch akzentuieren (vgl. Entscheid der 

Klinik der PDAG vom 25. Februar 2023). Beides gilt es zu verhindern. Ge-

mäss den Vertretern der Klinik wurde vor einigen Tagen mit der Abilify-Me-

dikation begonnen. Diese Behandlung zeige bereits erste Wirkung. Jedoch 

sei die Beschwerdeführerin untermedikiert, da eine abgesprochene zusätz-

liche Abilify-Medikation per os zur Unterstützung im Nachhinein verweigert 

worden sei (Protokoll, S. 11 f). Der Meinungsumschwung der Beschwerde-

führerin belegt ihre mangelhafte Absprachefähigkeit und nährt die Vermu-

tung, dass sie nach einer sofortigen Entlassung die Medikation absetzten 

würde. Wegen des momentan zu tiefen Medikamentenspiegels ist die Be-

schwerdeführerin gemäss der übereinstimmenden und nachvollziehbar be-

gründeten Einschätzung der Vertreter der Klinik und des Gutachters aktuell 

noch zu wenig geschützt, um in ihre schwierige Lebenssituation entlassen 

zu werden (Protokoll, S. 11f. und 15). Daran würde auch eine ambulante 

Nachbehandlung nichts ändern.  

 

 - 9 - 

 

 

 

3.3. 

Wie von den Klinikvertretern sowie dem psychiatrischen Gutachter über-

einstimmend geschildert, muss sich der psychische Zustand der Beschwer-

deführerin weiter stabilisieren. Dazu ist eine neuroleptische Behandlung mit 

Abilify unerlässlich. Da die Beschwerdeführerin nur über eine unzureichen-

de Krankheits- und Behandlungseinsicht verfügt, ist wenigstens die Verab-

reichung der zweiten Depotspritze im stationären Rahmen abzuwarten. Die 

Entlassung sollte innerhalb von ungefähr zwei bis vier Wochen erfolgen 

können. Bei einer sofortigen Entlassung müsste hingegen mit einer Ver-

schlechterung des Gesundheitszustands und einer baldigen Wiedereinwei-

sung gerechnet werden. Die bei einem sofortigen Austritt zu erwartenden 

negativen Folgen für die Beschwerdeführerin (bis hin zur Suizidalität) wie-

gen weniger schwer als die Fortsetzung der aktuellen stationären Behand-

lung während einer gewissen Zeit.  

 

3.4. 

Aufgrund des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin, die an einer 

psychischen Störung im Sinne von Art. 426 Abs. 1 ZGB leidet, erweist sich 

die fürsorgerische Unterbringung in der Klinik der PDAG, welche eine ge-

eignete Einrichtung darstellt, nach wie vor als verhältnismässig. Die Be-

schwerde gegen den negativen Entlassungsentscheid ist deshalb abzuwei-

sen. 

 

IV. 

Gestützt auf § 37 Abs. 3 lit. b EG ZGB werden in Verfahren betreffend für-

sorgerische Unterbringung keine Gerichtskosten erhoben. Eine Parteient-

schädigung fällt aufgrund des Unterliegens der Beschwerdeführerin ausser 

Betracht. 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht erkennt: 

 

1. 

1.1. 

Die Beschwerde gegen den Entscheid von C., PDAG, vom 10. Februar 

2023 betreffend Behandlung ohne Zustimmung im Notfall 

(Zwangsmedikation) wird abgewiesen (WBE.2023.49). 

 

1.2. 

Die Beschwerde gegen den Entscheid von C., PDAG, vom 11. Februar 

2023 betreffend Behandlung ohne Zustimmung im Notfall 

(Zwangsmedikation) wird abgewiesen (WBE.2023.57). 

 

 - 10 - 

 

 

 

1.3. 

Die Beschwerde gegen den Entscheid der Klinik der PDAG vom  

15. Februar 2023 (Abweisung Entlassungsgesuch) wird abgewiesen 

(WBE.2023.58). 

 

2. 

Das Verfahren ist kostenlos. 

 

3. 

Es werden keine Parteikosten ersetzt. 

 

 
   

Zustellung an: 

der Beschwerdeführerin 

den Beistand: B., KESD Kindes- und 

Erwachsenenschutzdienst Bezirk R. 

die PDAG 

 

Mitteilung an: 

das Familiengericht R. 

 

 
   

Beschwerde in Zivilsachen 

 

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht, 

kantonalen verfassungsmässigen Rechten und interkantonalem Recht in-

nert 30 Tagen seit Zustellung mit der Beschwerde in Zivilsachen beim 

Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten wer-

den. Die Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit 7. Tag nach Ostern, vom 

15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit 2. Ja-

nuar. Die unterzeichnete Beschwerde muss das Begehren, wie der Ent-

scheid zu ändern ist, sowie in gedrängter Form die Begründung, inwiefern 

der angefochtene Akt Recht verletzt, mit Angabe der Beweismittel enthal-

ten. Der angefochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkun-

den sind beizulegen (Art. 72 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesge-

richt [Bundesgerichtsgesetz, BGG] vom 17. Juni 2005). 

 

 
 

 - 11 - 

 

 

 

   

Windisch, 17. Februar 2023 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Vorsitz: Gerichtsschreiberin i.V.:  

 

 

 

Cotti Meyer