# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ea9f9cef-e37a-5124-9296-8b0264649021
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-02-19
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 19.02.2016 SB140039
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB140039_2016-02-19.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB140039-O/U/jv 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. P. Marti, Präsident, und lic. iur. M. Langmeier, 

Ersatzoberrichter lic. iur. A. Flury sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. S. Bussmann 

 
Urteil vom 19. Februar 2016 

 

in Sachen 

 

A._____,  

Beschuldigter und Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 
Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl, 

vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. M. Imholz, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin  

betreffend Raub etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, 
vom 5. November 2013 (DG130026) 

 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 23. Januar 2013 ist 

diesem Urteil beigeheftet (Urk. 30). 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 65 S. 96 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

- des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB  

- des Hausfriedensbruches im Sinne von Art. 186 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 27 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 3 Tage 

durch Haft erstanden sind. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 18 Monaten aufgeschoben und 

die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (9 Monate), abzüglich 3 Tage, die 

durch Untersuchungshaft erstanden sind, wird die Freiheitsstrafe vollzogen. 

4. a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ in solidarischer 

Haftung mit allfälligen Mittätern Schadenersatz von Fr. 3'840.10 zuzüglich Zins von 

5 % ab 2. Juni 2010 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren 

des Privatklägers B._____ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

Es wird Vormerk genommen, dass der Beschuldigte das Schadenersatzbegehren 

im Betrag von Fr. 2'000.10 anerkannt hat. 

b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ in solidarischer 

Haftung mit allfälligen Mittätern Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 2. Juni 2010 als 

Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren des Pri-

vatklägers B._____ abgewiesen. 

Es wird Vormerk genommen, dass der Beschuldigte das Genugtuungsbegehren im 

Betrag von Fr. 500.– anerkannt hat. 

-   3   - 

5. Die sich bei den Akten befindliche Schlüsselkette des Privatklägers B._____ wird 

als Beweismittel bei den Akten belassen. 

6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 5'400.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 1'000.–   Gebühr Strafuntersuchung 

Fr.    Auslagen Untersuchung 

Fr.    amtliche Verteidigung 

Fr. 1'321.85   unentgeltliche Rechtsvertretung B._____ (= 1/3) 

Fr.    Kanzleikosten 

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Be-

schuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie ein Drittel der 

Kosten der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers werden dem Beschuldigten 

auferlegt, aber einstweilen auf die Staatskasse genommen; vorbehalten bleibt eine 

Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 426 Abs. 4 StPO. 

Über die verbleibenden zwei Drittel der Kosten der unentgeltlichen Vertretung des 

Privatklägers B._____ wird in den Verfahren DG130024 und DG130025 befunden. 

8. (Mitteilungen) 

9. (Rechtsmittel)" 

-   4   - 

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 11 ff.) 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 137 S. 2 f.) 

Hauptantrag: 

1. A._____ sei des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 StGB, des mehrfachen 

Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB sowie des Hausfriedensbruchs 

im Sinne von Art. 186 StGB frei zu sprechen. 

2. Auf die Zivilansprüche der Privatklägerschaft sei nicht einzutreten bzw. diese 

seien abzuweisen. 

3. Ausgangsgemäss sei A._____ für die erlittene Haft angemessen zu ent-

schädigen und die Kosten des Untersuchungs- und Gerichtsverfahrens, inkl. 

der Kosten des Obergerichts, sowie die Kosten des amtlichen Verteidigers 

seien vollständig auf die Staatskasse zu nehmen.  

Eventualantrag: 

1. Eventualiter sei A._____ der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB und des 

Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 schuldig zu sprechen. Hinsicht-

lich des angeklagten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB und 

des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB sei A._____ 

frei zu sprechen. 

2. A._____ sei mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu CHF 30.00 als Zu-

satzstrafe zum Urteil des OG ZH, unter Anrechnung der bereits erstandenen 

Haft zu bestrafen.  

3. Die Geldstrafe sei bedingt auszufällen unter Ansetzung einer Probezeit von 

2 Jahren. 

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4. Die Zivilansprüche der Privatklägerschaft seien im Umfang von CHF 500.00 

als Genugtuung und CHF 2000.10 als Schadenersatz zuzüglich Schadens-

zins unter solidarischer Haftung der Mittäter gutzuheissen, im Mehrbetrag 

seien die Schadenersatzforderungen ab- bzw. auf den Zivilweg zu verwei-

sen. 

5. Die Kosten des Untersuchungs- und des erstinstanzlichen Gerichtsverfah-

rens, seien A._____ anteilmässig – gemäss beantragtem Schuldspruch – 

aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie ein Drittel der 

Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung bis und mit Urteil des 

Bezirksgerichts, seien A._____ aufzuerlegen, die Kosten des obergerichtli-

chen Verfahrens seien gemäss Obsiegen zu verlegen und die Kosten der 

amtlichen Verteidigung sowie diejenigen der unentgeltlichen Geschädigten-

vertretung seien auf die Staatskasse zu nehmen.  

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 141 S. 1) 

1. Die Beweisanträge des Berufungsklägers seien abzuweisen. 

2. Die Berufungsanträge des Berufungsklägers seien abzuweisen. 

3. Der Beschuldigte sei des qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 

StGB schuldig zu sprechen. 

4. Der Beschuldigte sei mit 3 ½ Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen.   

c) Der Privatklägerschaft B._____: 

1. Die Berufung sei abzuweisen. 

2. Ziffer 4 lit. a und b des vorinstanzlichen Urteils seien zu bestätigen.  

3. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen seien ausgangsgemäss festzu-

setzen. 

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Erwägungen: 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 5. November 2013 wurde der 

Beschuldigte des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie des 

Hausfriedenbruchs im Sinne von Art. 186 StGB schuldig gesprochen und mit 

27 Monaten Freiheitsstrafe bestraft, wovon 3 Tage durch Haft erstanden sind. Der 

Vollzug der Freiheitsstrafe wurde im Umfang von 18 Monaten unter Ansetzung ei-

ner Probezeit von 4 Jahren aufgeschoben und im Umfang von 9 Monaten für voll-

ziehbar erklärt. Weiter wurde der Beschuldigte verpflichtet, dem Privatkläger in 

solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern Schadenersatz von Fr. 3'840.10 und 

eine Genugtuung von Fr. 1'500.– zu bezahlen, je zuzüglich 5 % Zins ab 2. Juni 

2010. Schliesslich wurden die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen 

Verfahrens dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung 

sowie ein Drittel der Kosten der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers 

(über die anderen zwei Drittel wurde in den Verfahren gegen die Mittäter ent-

schieden) wurden jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen, unter 

Vorbehalt der Nachzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO und Art. 426 Abs. 4 StPO (Urk. 65 S. 96/97). 

1.2. Gegen dieses mündlich am 5. November 2013 eröffnete Urteil liess der 

Beschuldigte seinen amtlichen Verteidiger noch gleichentags Berufung anmelden 

(Urk. 58) und – nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 63/1-3) – dem 

Obergericht am 3. Februar 2014 fristgerecht die Berufungserklärung einreichen. 

Neben dem Antrag auf einen vollumfänglichen Freispruch wurden darin auch Be-

weisanträge gestellt: Der Beschuldigte beantragte die Befragung von C._____ 

und D._____ sowie E._____, die bestätigen könnten, dass er sich am Tattag, dem 

1. Juni 2010, gar nicht in der Schweiz aufgehalten habe (Urk. 67).  

1.3. Mit Präsidialverfügung vom 6. Februar 2014 wurde die Berufungserklärung 

in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der Staatsanwaltschaft und dem 

Privatkläger zugestellt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder 

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Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen sowie zu den Beweisanträgen des 

Beschuldigten Stellung zu nehmen. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten Frist 

angesetzt, um zu seinen finanziellen Verhältnissen Auskünfte zu erteilen und zu 

belegen (Urk. 69). 

1.4. Am 26. Februar 2014 erklärte die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung 

und beantragte, es seien die Beweisanträge des Beschuldigten abzuweisen 

(Urk. 71). Hierauf hielt die Verteidigung am 24. März 2014 an ihren Beweisanträ-

gen fest (Urk. 74). Der Privatkläger liess mitteilen, sich diesbetreffend dem Antrag 

und der Begründung der Staatsanwaltschaft anzuschliessen (Urk. 76). Es folgte 

Korrespondenz zwischen dem Kammerpräsidenten, dem Staatsanwalt und dem 

Verteidiger zu Fragen über die allfälligen Modalitäten der beantragten Einvernah-

me der in der Slowakei wohnhaften Zeugen (Urk. 78-82). 

1.5. Mit Eingabe vom 7. April 2014 reichte der Verteidiger zudem ein Dokument 

ein, welches er vom Beschuldigten erhalten habe und belege, dass sich dieser 

am 1. Juni 2010 in Zilina (Slowakei) von F._____ habe zahntechnisch behandeln 

lassen. Der Verteidiger stellte in den Raum, dass seiner Ansicht nach deshalb 

auch F._____ rechtshilfeweise befragt werden sollte (Urk. 82; Urk. 84). Daraufhin 

beantragte die Staatsanwaltschaft am 30. April 2014 einerseits, es sei die in slo-

wakischer Sprache abgefasste Bestätigung ins Deutsche übersetzen zu lassen, 

und andererseits seien bei F._____ Originale aus den Krankenakten des Be-

schuldigten einzuholen, welche näheren Aufschluss zur angeblichen Behandlung 

am 1. Juni 2010 geben könnten (Urk. 87; vgl. dazu auch der Vertreter des Privat-

klägers in Urk. 92). In der Folge wurde das vom Verteidiger eingereichte Doku-

ment übersetzt (Urk. 88/89) und den Parteien zugestellt (Urk. 90).  

Nachdem der Beschuldigte F._____ von der beruflichen Schweigepflicht entbun-

den hatte (Urk. 97), wurde F._____ mit Präsidialverfügung vom 3. Juli 2014 an-

gewiesen, dem Gericht die vollständige Patientenakte des Beschuldigten im Ori-

ginal einzureichen (Urk. 101; Urk. 103). 

1.6. Am 20. August 2014 ging ein Antwortschreiben von F._____ ein (Urk. 110 

– Übersetzung Urk. 115). Daraus ergibt sich, dass diese als Zahntechnikerin in 

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der Privaten Zahntechnik des Gesundheitszentrums der Universität Zilina arbeite 

und für Zahnärzte prothetische Arbeiten herstelle. Am 1. Juni 2010  

– so führt sie aus – habe in den Nachmittagsstunden ein junger Mann angeklopft 

und ihr sein Problem geschildert. Sie habe vermutet, dass er ein ausländischer 

Student sei, da er nicht slowakisch gesprochen habe. Weil in der benachbarten 

Zahnpraxis der Arzt nicht mehr anwesend gewesen sei, habe sie sich entschlos-

sen, dem Mann zu helfen. Sie habe festgestellt, dass sein Zahnfleisch über der 

Krone im oberen Frontalbereich angeschwollen gewesen sei und etwas unter 

dem Zahnfleisch gesteckt habe. Es sei ihr gelungen, mit einem dentalen Instru-

ment einen kleinen dünnen Knochen herauszuziehen. Weiter habe sie empfohlen, 

am nächsten Tag einen Zahnarzt aufzusuchen. Das sei alles, was sie für den Be-

schuldigten gemacht habe. Er habe ihr auf einem Stück Papier seinen Namen 

und den Staat Schweiz aufgeschrieben. Daraufhin habe sie den Namen in das 

Tagebuch der Reparaturen der prothetischen Arbeiten eingetragen; darum könne 

sie das genaue Datum angeben, das ja schon vier Jahre zurückliege. Weil sie 

keine Zahnärztin sei, sondern lediglich eine Zahntechnikerin, könne sie keine Do-

kumentation der prothetischen Arbeit zustellen. Zum Zustandekommen der Bestä-

tigung führt F._____ aus, am 27. Februar 2014 sei sie von der Mutter des Be-

schuldigten aufgesucht und darum gebeten worden, schriftlich zu bestätigen, dass 

sie deren Sohn behandelt habe. Die Mutter habe ihr auch den Grund genannt, 

weshalb sie ein solches Dokument brauche. Auf einem kleinen Formular in der Art 

eines Rezeptes habe sie darauf mit ihrer Unterschrift und dem Stempel bestätigt, 

dass eine Leistung ohne Anspruch auf Vergütung durchgeführt worden sei 

(Urk. 115). 

1.7. Mit Präsidialverfügung vom 24. November 2014 wurden die Beweisanträge 

der Verteidigung einstweilen abgewiesen, wonach C._____ und D._____ und 

E._____ als Zeugen zum Thema einzuvernehmen seien. Anschliessend wurde 

zur Berufungsverhandlung auf den 26. Februar 2015 vorgeladen (Urk. 130). 

1.8. Angaben und Belege zur finanziellen Situation des Beschuldigten (vgl. da-

zu die Verfügung vom 6. Februar 2014, Urk. 69) gingen bis heute keine ein. 

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1.9. Zur Berufungsverhandlung vom 26. Februar 2015 erschienen der zu-

ständige Staatsanwalt, der unentgeltliche Rechtsbeistand des Privatklägers sowie 

der Beschuldigte und sein amtlicher Verteidiger (Prot. II S. 11). Es wurde der Be-

schuldigte einvernommen (Urk. 136), und die Parteivertreter hielten ihre Plä-

doyers (Prot. II S. 16 ff.). Insbesondere erneuerte bzw. ergänzte der Verteidiger 

aber seine Beweisanträge und forderte die Befragung von C'._____ und D'._____ 

(bis dahin unpräzis als "C._____ und D._____" bezeichnet), E._____ sowie 

F._____ (Prot. II S. 13). Diese Personen könnten allesamt Auskunft über den 

Aufenthaltsort des Beschuldigten zum Tatzeitpunkt geben (Prot. II S. 13/14). 

Gleichzeitig reichte der Verteidiger eine handschriftliche Bestätigung von 

C'._____ und D'._____ vom 27. Februar 2014 ein, wonach der Beschuldigte "am 

1.6.2010 bei uns war" (Urk. 138). 

1.10. Angesichts der gegebenen Ausgangslage erwies sich das Verfahren nach 

der Berufungsverhandlung noch nicht als spruchreif. Mit Beschluss vom 9. März 

2015 wurden deshalb die Beweisanträge der Verteidigung gutgeheissen und wur-

de die Staatsanwaltschaft mit der Befragung von C'._____, D'._____, E._____ 

und F._____ beauftragt (Urk. 149, vgl. auch Urk. 148). 

1.11. Am 1. Juli 2015 erstattete die Staatsanwaltschaft Bericht über die Erledi-

gung der ergänzenden Beweisabnahme: Während F._____ und E._____ am 

30. Juni 2015 unter Wahrung der Parteirechte als Zeugen einvernommen werden 

konnten, hatten C'._____ und D'._____ mitgeteilt, aus gesundheitlichen Gründen 

nicht zu einer Reise in die Schweiz in der Lage zu sein und zudem ihre Aussagen 

als Verwandte des Beschuldigten gestützt auf Art. 168 StPO zu verweigern. Eine 

Dienstreise nach Zilina zur Befragung der beiden – so der Staatsanwalt in seinem 

Bericht – erübrige sich aber deshalb, weil C'._____ und D'._____ das Recht zu-

stehe, im Sinne von Art. 169 StPO das Zeugnis zu verweigern, um sich nicht einer 

drohenden Strafverfolgung auszusetzen (Urk. 151). 

1.12. In der Folge wurde mit dem Einverständnis der Parteien die schriftliche 

Fortsetzung des Berufungsverfahrens angeordnet (Urk. 155) und fand der ent-

sprechende Schriftenwechsel statt (Urk. 166; Urk. 170; Urk. 171; Urk. 173; 

Urk. 178; Urk. 181; Urk. 184). 

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2. Umfang der Berufung 

2.1. Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich anfechten 

und möchte freigesprochen werden (Urk. 67 S. 2; Urk. 137 S. 2; Urk. 166 S. 2). 

Die Staatsanwaltschaft beschränkt ihre Anschlussberufung auf die rechtliche 

Qualifikation des Raubs sowie die Sanktion und beantragt, es sei der Beschuldig-

te des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB (statt Ziff. 1) schuldig zu 

sprechen und mit einer Freiheitsstrafe von 3 ½ Jahren zu bestrafen (Urk. 71 S. 2; 

Urk. 141 S. 1; Urk. 173 S. 1). 

2.2. In diesem Sinne ist das vorinstanzliche Urteil grundsätzlich in seiner Ge-

samtheit angefochten. Allerdings wendet sich niemand gegen Dispositivziffer 5, 

wonach die Schlüsselkette, welche der Privatkläger zu Vergleichszwecken einge-

reicht hatte (Urk. 65 S. 93/94), als Beweismittel bei den Akten zu belassen sei 

(Urk. 65 S. 97). Ebenso beanstandet keine der Parteien die Kostenfestsetzung 

gemäss Dispositivziffer 6 (Urk. 56 S. 97). Die beiden genannten Dispositivziffern 

bilden demnach nicht Gegenstand des Berufungsverfahrens und sind in Rechts-

kraft erwachsen. Das ist vorab vorzumerken (Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung 

mit Art. 402 und 437 StPO, Art. 404 StPO). 

3. Beweisanträge/Prozessuales 

3.1. Die Parteien sind sich uneinig darüber, wie hinsichtlich C'._____ und 

D'._____ weiter zu verfahren ist.  

3.1.1. Wie bereits ausgeführt, wurde die Staatsanwaltschaft in Gutheissung der 

entsprechenden Beweisanträge des Verteidigers mit der Einvernahme der beiden 

Genannten – der Tante des Beschuldigten und deren Ehemanns – betraut. Am 

18./23. März 2015 erliess die Staatsanwaltschaft je eine Vorladung an C'._____ 

und D'._____, wonach diese am 30. Juni 2015 in Zürich zur Befragung als Zeu-

gen zu erscheinen hätten. Den (ordnungsgemäss in slowakischer Sprache auf 

dem Rechtshilfeweg zugestellten) Vorladungen beigefügt waren verschiedene 

Hinweise, unter anderem darauf, dass ein Slowakisch-Dolmetscher anwesend 

sein werde, die durch die Anreise entstehenden Kosten durch die Gerichtskasse 

ersetzt würden und dass im Krankheitsfall ein ärztliches Zeugnis beizubringen sei. 

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Im Weiteren wurden die Wortlaute von Art. 205 StPO, Art. 163 Abs. 2 StPO, 

Art. 165 StPO, Art. 168 StPO, Art. 177 StPO, Art. 205 Abs. 4 StPO sowie Art. 307 

Abs. 1 StGB wiedergegeben (Urk. 152/12-15). Mit von der Aussage her weitge-

hend gleichlautenden Eingaben vom 29. Mai 2015 (Urk. 152/28, Übersetzung: 

Urk. 152/32; Urk. 152/34, Übersetzung: Urk. 152/37) liessen daraufhin C'._____ 

und D'._____ der Staatsanwaltschaft je ein "Entschuldigungsschreiben" zukom-

men, in welchen sie unter Beilage ihrer Schwerbehindertenausweise und Darle-

gung ihrer mehrfachen Leiden ausführen, zu einer Reise in die Schweiz sowohl 

aktuell als auch in Zukunft nicht in der Lage zu sein. Im Weiteren – so teilten sie 

ebenfalls mit – verweigerten sie ihre Aussagen "auch aufgrund der Verwandt-

schaft mit A._____ gemäss Art. 168 Abs. 1 lit. c StPO", da der Beschuldigte der 

Sohn der Schwester von C'._____ bzw. der Schwägerin von D'._____ sei. 

3.1.2. Ein Zeugnisverweigerungsrecht, wie sie es für sich in Anspruch nehmen, 

haben C'._____ und D'._____ nicht. Ihr Verwandtschaftsgrad ist von den in 

Art. 168 StPO genannten Zeugnisverweigerungsrechten aufgrund persönlicher 

Beziehungen nicht mehr umfasst. Insbesondere sind sie nicht im Sinne des von 

ihnen angerufenen Art. 168 Abs. 1 lit. c StPO in gerader Linie mit dem Beschul-

digten verwandt, und zwar weder C'._____ als dessen Tante noch D'._____ als 

Ehemann der Letzteren. 

3.1.3. Entsprechend weist die Verteidigung zu Recht darauf hin, dass C'._____ 

und D'._____ bis anhin entgegen dem obergerichtlichen Auftrag von der Staats-

anwaltschaft noch nicht befragt worden sind. Es trifft zu, dass die beiden – jeden-

falls mit Blick auf das von ihnen fälschlicherweise angerufene Zeugnisverweige-

rungsrecht gemäss Art. 168 StPO – zum Zeugnis verpflichtet sind. Und ebenfalls 

ist zutreffend, dass die beiden in der Slowakei (z.B. auf dem Wege einer vom Ver-

teidiger vorgeschlagenen Videobefragung) einzuvernehmen wären, nachdem da-

von auszugehen ist, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht zu einer Reise 

in die Schweiz in der Lage sind. In diesem Sinne beantragt der Verteidiger denn 

auch (weiterhin), es seien C'._____ und D'._____ per Videokonferenz zur Sache 

zu befragen (Urk. 166 S. 3 ff.). 

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3.1.4. Wie bereits kurz angetönt, macht die Staatsanwaltschaft dagegen geltend, 

es hätten sich C'._____ und D'._____ "angesichts der bestehenden Sachlage zu 

Recht auf ein Zeugnisverweigerungsrecht berufen, und zwar jenes im Sinne von 

Art. 169 Abs. 1 lit. a StPO, Art. 6 EMRK und Art. 14 Ziff. 3 lit. g des IPBR". Des-

halb sei auf eine Einvernahme zu verzichten (Urk. 173 S. 2). Aus der Eingabe der 

Staatsanwaltschaft vom 1. Juli 2015 ergibt sich, dass sie aus der "bestehenden 

Sachlage" schliesst, es hätten C'._____ und D'._____ das Zeugnis verweigert, um 

sich nicht der Gefahr einer Strafverfolgung wegen Begünstigung auszusetzen. Es 

ergebe sich nämlich aus den erhobenen Beweisen, dass der Beschuldigte und 

dessen Mutter die Zeugen "massiv beeinflusst" hätten und die Mutter die Zeugen 

zu diesem Zweck auch aufgesucht habe. Das Recht, in einer solchen Situation 

das Zeugnis zu verweigern, um sich nicht einer drohenden Strafverfolgung aus-

zusetzen, ergebe sich aus Art. 169 StPO, Art. 14 Ziff. 3 lit. g IPBPR sowie Art. 6 

EMRK und gelte auch für die Slowakei (Urk. 151 S. 3/4). 

3.1.5. Mit der Verteidigung (Urk. 181 S. 2/3) kann dieser Auffassung nicht gefolgt 

werden. Ganz klar haben C'._____ und D'._____ – wenn auch unberechtigter-

weise – zum Ausdruck gebracht, ihr Zeugnis darum verweigern zu wollen, weil sie 

in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zum Beschuldigten stehen. Dass ihnen 

auch ein Zeugnisverweigerungsrecht zusteht für den Fall, dass sie sich mit ihren 

Aussagen selbst belasten müssten, dürfte ihnen dagegen kaum bekannt gewesen 

sein, zumal der einschlägige Artikel 169 StPO ebenso wenig wie die von der 

Staatsanwaltschaft zitierten Artikel aus IPBPR und EMRK in den Hinweisen der 

Vorladungen enthalten waren (Urk. 152/12-15). Ihren Schreiben an die Staatsan-

waltschaft wäre denn auch nicht zu entnehmen, dass C'._____ und D'._____ be-

fürchteten, sich durch ihre Aussagen selbst zu belasten oder gar einer Strafver-

folgung auszusetzen. Was die Staatsanwaltschaft dazu ausführt ist Spekulation. 

Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass C'._____ und D'._____ – 

bis anhin – gültig ein Zeugnisverweigerungsrecht in Anspruch genommen hätten. 

3.1.6. Allerdings muss das nicht heissen, dass C'._____ und D'._____ nun jeden-

falls noch einvernommen werden müssten. Wie bereits im Beschluss vom 9. März 

2015 erwogen (Urk. 149 S. 4/5) und hinten noch darauf einzugehen sein wird 

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(Erw. 5.10.1), ist nämlich unter Umständen zulässig, dass das Gericht in antizi-

pierter Beweiswürdigung auf die Abnahme von Beweisen verzichtet, wenn sich 

diese als nicht mehr notwendig erweist. Dies gilt auch dann, wenn das Gericht 

zunächst einmal der Auffassung war, ein bestimmter Beweis müsse abgenommen 

werden: Beweisanordnungen erwachsen als verfahrensleitende Entscheide nicht 

in materielle Rechtskraft und können daher jederzeit in Wiedererwägung gezogen 

werden, insbesondere dann, wenn sie veränderten Verhältnissen angepasst wer-

den müssen. Gerade eine solche Sachlage könnte vorliegend gegeben sein: 

Während zum Zeitpunkt des Beschlusses vom 9. März 2015 noch gar keine der 

vom Verteidiger beantragten Beweise abgenommen waren, liegen nun – da die 

Parteien sich (abermals) über die Notwendigkeit der Einvernahmen von C'._____ 

und D'._____ nicht einig sind – immerhin schon die Zeugenaussagen von 

F._____ und E._____ vor. Ob C'._____ und D'._____ heute noch zu befragen 

sind, ist deshalb unter Einbezug der aus den Befragungen von F._____ und 

E._____ gewonnenen Erkenntnisse neu zu beurteilen. Darauf kann aber erst hin-

ten im Rahmen der Erwägungen zur Beweislage eingegangen werden. 

3.2. Neu beantragt die Verteidigung schliesslich, es sei zusätzlich auch noch 

G._____, die Mutter des Beschuldigten, zu befragen (Urk. 166 S. 3; Urk. 181 

S. 3). Der Verteidiger will damit die Annahme der Staatsanwaltschaft widerlegen, 

es sei F._____ von der Mutter des Beschuldigten unter Druck gesetzt worden, 

den 1. Juni 2010 als Behandlungsdatum anzugeben, ein nicht zutreffendes Re-

zept auszustellen und gegenüber dem Obergericht Zürich tatsachenwidrig schrift-

lich zu berichten (Urk. 166 S. 5/6). Die Staatsanwaltschaft stellt sich gegen diesen 

weiteren Beweisantrag (Urk. 173 S. 3). Auch darüber kann erst weiter hinten be-

funden werden. 

4. Sachverhalt – Identifikation des Beschuldigten 

4.1. Der Beschuldigte bestreitet seit Anbeginn des Verfahrens, diejenige Per-

son zu sein, welche anklagegemäss zusammen mit H._____ und  

I._____ für den Überfall auf den Privatkläger vom 1. Juni 2010 verantwortlich ist. 

Er sei nicht dabei gewesen. Die entsprechenden Belastungen durch H._____, 

I._____ und den Privatkläger seien falsch.  

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4.2. Auch der Verteidiger hält berufungsweise daran fest, dass aus seiner Sicht 

die aus den Aussagen der beiden angeblichen Mittäter und des Privatklägers her-

geleitete Täteridentifikation des Beschuldigten sowohl in formeller als auch mate-

rieller Hinsicht zu bemängeln sei (Urk. 67 S. 3; Urk. 56D S. 3 ff.; Urk. 137 S. 3 ff.). 

4.3. Die Vorinstanz kam dagegen nach eingehender Würdigung der Aussagen 

aller bis zum Datum der erstinstanzlichen Urteils befragten Personen zum 

Schluss, dass die Belastungen durch die beiden Mitbeschuldigten und den Privat-

kläger glaubhaft seien und insbesondere keine Anzeichen für ein Komplott be-

stünden. Es stehe deshalb mit hinreichender Sicherheit fest, dass der Beschuldig-

te der dritte Beteiligte am eingeklagten Vorfall gewesen sei (Urk. 65 S. 63/64). 

4.4. Zu dieser Ausgangslage ist zunächst kurz zusammengefasst festzuhalten, 

dass der Privatkläger von Beginn weg den ihm schon vorgängig bekannten  

H._____ als einen der drei Täter bezeichnet hat. Nach dem Überfall vor seiner 

Haustür hatte sich der Privatkläger nämlich zusammen mit J._____ zu seinen Bü-

roräumlichkeiten an der K._____-Strasse … begeben und war dort mit H._____ 

zusammengetroffen, als dieser aus dem Hinterausgang der Liegenschaft rannte. 

H._____, am 23. Juni 2010 erstmals befragt, stellte denn auch nicht in Abrede, 

den Privatkläger zu kennen und ihn auch schon einige Male in seinem Büro be-

sucht zu haben. Er bestritt indessen über vier Einvernahmen hinweg und ein Jahr 

lang, der vom Privatkläger bezeichnete Täter zu sein. Erst nachdem H._____ am 

9. August 2011 die Ergebnisse der rückwirkenden Telefonkontrolle vorgehalten 

worden waren, wonach er am 1. Juni 2010 um 5.00.56 Uhr den Privatkläger kon-

taktiert hat und sein Mobiltelefon anschliessend in der Umgebung der eingeklag-

ten Taten eingeloggt gewesen ist, gab H._____ zu, an den Taten beteiligt gewe-

sen zu sein. Im Folgenden schilderte er den Ablauf der Geschehnisse und erklär-

te unter anderem, damals mit I._____ und einem Dritten, den er als "Kasten" be-

zeichnete und der von I._____ "L._____" genannt worden sei, unterwegs gewe-

sen zu sein. Zur möglichen Identifikation dieses Dritten wurden H._____ diverse 

Fotobogen mit Bildern von insgesamt 54 Männern vorgehalten, worunter H._____ 

einen als den "Kasten" zu erkennen glaubte. Er sei sich zwar nicht zu 100 % si-

cher, aber er denke schon, dass es dieser gewesen sei (Urk. 11/5 S. 5 und Foto-

-   15   - 

bogen 4 Bild 1 – der Beschuldigte befand sich allerdings nicht unter den 54 Män-

nern). 

Nach dieser Einvernahme wurde I._____ festgenommen und am 16. August 2011 

ein erstes Mal befragt. Er stellte eine Beteiligung an der Tat zunächst rundweg in 

Abrede und stellte die Sache so dar, dass ihm H._____ einmal erzählt habe, wie 

er – H._____ – mit einem anderen im Büro des Privatklägers ein "Schächteli" ge-

nommen und vom Privatkläger dabei angetroffen worden sei. Er – I._____ – habe 

damit nichts zu tun (Urk. 12/1 S. 3/4). In der Folge wurde am 7. September 2011 

eine Lebendwahlkonfrontation mit dem Privatkläger durchgeführt und erkannte 

dieser I._____ als Tatbeteiligten (Urk. 16/6 und 16/7). Eine gute Woche später 

fand am 16. September 2011 eine Konfrontationseinvernahme zwischen H._____ 

und I._____ statt. H._____ blieb bei seinen Belastungen und I._____ gab dann 

zu, beim Vorfall zumindest teilweise anwesend gewesen zu sein. Er stellte aber 

einen konkreten Tatbeitrag seinerseits weiterhin in Abrede (Urk. 13/1 S. 8 ff.).  

In der Einvernahme von I._____ vom 16. August 2011 und in der zwei Tage spä-

ter durchgeführten Hafteinvernahme war der an ihn gerichtete Vorwurf noch ge-

wesen, er habe die Tat mit H._____ und einem M._____ begangen (mutmasslich 

war dieser Name aufgrund der Angaben von H._____ in der Einvernahme vom 

9. August 2011 ins Spiel gekommen). Danach wurde dieser Name aber wieder 

fallen gelassen. Entsprechend war in der vorerwähnten Konfronta-

tionseinvernahme zwischen H._____ und I._____ am 16. September 2011 bezüg-

lich des dritten Beteiligten dann nur noch – auch von Seiten von I._____ – vom 

"Anderen" die Rede (Urk. 13/1 passim). In seiner Einvernahme vom 3. Oktober 

2011 nannte dann aber I._____ von sich aus den Beschuldigten. Auf Vorhalt der 

Staatsanwältin, er habe (wohl vor der formellen Einvernahme) gesagt, es sei noch 

"ein Typ namens N._____" dabei gewesen, bestätigte I._____ dies und präzisier-

te, dass dessen richtiger Name A._____ sei. Er habe diesen in seinem Telefon 

unter "N._____" gespeichert. "N._____" wohne in der Nähe von ihm in …/…, sei 

etwa 25- oder 26-jährig, spreche serbisch und albanisch und fahre einen BMW 

330, dunkelblau metallisiert (Urk. 12/3 S. 1/2). Eine Woche später bezeichnete 

I._____ den Beschuldigten auf einem ihm vorgehaltenen Fotobogen mit 8 ver-

-   16   - 

schiedenen Männern zutreffend und ohne zu zögern als denjenigen, der auch da-

bei gewesen sei. Das sei A._____, Spitzname N._____; er sei sich zu 100 % si-

cher (Urk. 12/4 S. 2 und Fotobogen Bild 3).  

Nach diesen Erkenntnissen wurde der Beschuldigte am 18. Oktober 2011 ver-

haftet und ein erstes Mal einvernommen. In der Konfrontationseinvernahme mit 

I._____ vom 20. Oktober 2011 hielt dieser an der klaren Belastung des Beschul-

digten fest und anerkannte jener zwar, I._____ zu kennen. Er stellte aber jegliche 

Mitwirkung an der Tat in Abrede (Urk. 13/2). Am 10. Januar 2012 fand deshalb ei-

ne Lebendwahlkonfrontation mit H._____ statt, wo diesem 6 Männer präsentiert 

wurden, worunter sich auch der Beschuldigte befand. H._____ war sich nicht si-

cher und bezeichnete den Beschuldigten nur – aber immerhin – als "möglichen 

Täter". Mit Sicherheit schloss H._____ aber die weiteren 5 zur Auswahl stehen-

den Männer als Täter aus (Urk. 16/9 S. 4 und 16/10, 3. Konfrontationsblatt). Am 

1. Juni 2012 fand auch noch eine Lebendwahlkonfrontation mit dem Privatkläger 

statt, wo dieser den Beschuldigten unter 6 verschiedenen Männern als Mittäter 

erkannte und sich dabei zu 100 % sicher war (Urk. 16/14 und 16/15 S. 2 ff.). An-

lässlich der Schlusseinvernahme, welche am 22. Oktober 2012 konfrontativ zwi-

schen H._____ und dem Beschuldigten durchgeführt wurde, erklärte H._____ 

schliesslich, er habe den Beschuldigten vor der Einvernahme vor dem Haus nun-

mehr "zu 100 %" als den dritten Täter erkannt. An der Lebendwahlkonfrontation 

"sei es nicht so hineingekommen" und ziemlich schwierig gewesen (Urk. 13/3 

S. 3/4). 

4.5. Es dauerte damit etliche Zeit, bis der Beschuldigte als Tatverdächtiger 

überhaupt ins Verfahren einbezogen worden war. So vergingen nach dem 1. Juni 

2010 nicht weniger als ein Jahr und vier Monate, bis der Name des Beschuldigten 

am 3. Oktober 2011 ein erstes Mal fiel. Die entsprechenden Aussagen von  

I._____ waren danach aber zu überprüfen, insbesondere durch weitere Befragun-

gen von H._____ und des Privatklägers. In diesem Sinne wurden im Verlaufe des 

Jahres 2012 mit den Genannten Lebendwahlkonfrontationen durchgeführt. An-

lässlich derselben erklärten dann sowohl der Privatkläger als auch H._____, im 

-   17   - 

Beschuldigten den Mittäter zu erkennen. Daran hielten sie fortan fest, insbeson-

dere auch anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung. 

4.6. Diese Entwicklung indiziert damit jedenfalls als Solche keine Falschbe-

lastung des Beschuldigten. Weder H._____ noch der Privatkläger kannten den 

Beschuldigten vor dem 1. Juni 2010, sodass diese zunächst gar nicht in der Lage 

waren, den Untersuchungsbehörden mehr als nur eine Täterbeschreibung aus 

der Erinnerung zu liefern. Erst nachdem I._____ den ihm bekannten Beschuldig-

ten der Täterschaft bezichtigte, konnte dieser tangiert und – auf Fotografien oder 

"live" – H._____ und dem Privatkläger zur allfälligen Identifikation präsentiert wer-

den. Der Verteidiger kritisiert nun aber die verschiedenen Identifikationen im Ein-

zelnen. Darauf ist im Folgenden einzugehen. 

4.7. Hinsichtlich der Aussagen von I._____ (dazu der Verteidiger in Urk. 56D 

S. 3/4 und Urk. 137 S. 6 ff.; Vorinstanz in Urk. 65 S. 39 ff.) trifft zu, dass dieser in 

seinen drei ersten Einvernahmen den Beschuldigten noch nicht genannt hat. Be-

treffend die ersten beiden Einvernahmen kann daraus aber jedenfalls nichts zu-

gunsten des Beschuldigten abgeleitet werden. Hier hat I._____ bekanntlich noch 

selbst bestritten, überhaupt am Ort des Geschehens anwesend gewesen zu sein. 

Dass er unter diesen Voraussetzungen auch keine Angaben zur allfälligen Mit-

täterschaft gemacht hat, ist naheliegend.  

Die dritte Befragung I._____s fand dann als Konfrontationseinvernahme zusam-

men mit H._____ statt, wo sich I._____ zunächst ausführlich anhören musste, wie 

ihn H._____ belastete (vgl. Urk. 13/1 S. 2 ff.). Ganz offensichtlich erschien es 

I._____ danach nicht mehr tunlich, weiter seine Anwesenheit am 1. Juni 2010 zu 

bestreiten, und er verlegte sich darauf, seinen Tatbeitrag als so klein wie möglich 

darzustellen. Bezüglich der dritten damals anwesenden bzw. beteiligten Person 

sprach I._____ – wie vorgängig H._____ – jeweils vom "Anderen". Er stellte die-

sen aber – entgegen der Darstellung von H._____ – als "ein Kollege von H'._____ 

[d.h. H._____]" dar, der mit jenem Serbisch zu sprechen begonnen habe 

(Urk. 13/1 S. 8). Dem widersprach dann H._____ hingegen sogleich dezidiert: 

"Der Andere" sei Albaner und kein Serbe gewesen und er habe den gar nicht ge-

kannt (Urk. 13/1 S. 9). Weiter wurde in jener Einvernahme die Identität des "Ande-

-   18   - 

ren" nicht mehr thematisiert. Dass hier I._____ den Beschuldigten (noch) nicht ins 

Spiel brachte, ist darum ebenfalls ohne Weiteres nachvollziehbar, ist doch der 

Beschuldigte ein Kollege bzw. jedenfalls Bekannter von I._____ und eben gerade 

nicht "ein Kollege von H'._____". 

In den gut zwei Wochen zwischen der Konfrontationseinvernahme mit H._____ 

vom 16. September 2011 und der nächsten Einvernahme vom 3. Oktober 2011 

kam dann I._____ aber offensichtlich zum Schluss, dass – wohl angesichts des 

"Auspackens" von H._____ – seine Version nicht mehr aufrecht zu erhalten war, 

wonach "der Andere" ein Kollege von H._____ gewesen sei. In dieser Situation 

nannte I._____ nun den Namen des Beschuldigten. Soweit die Verteidigung kriti-

siert, dass der Name des Beschuldigten erstmals in einem nicht protokollierten 

Gespräch gefallen sein müsse (Urk. 56D S. 3/4; Urk. 137 S. 8), ist dem – mit der 

Vorinstanz (Urk. 65 S. 57/58) – entgegen zu halten, dass die Vorgehensweise der 

Staatsanwältin entgegen der Meinung der Verteidigung gerade keine Verletzung 

des rechtlichen Gehörs darstellt, sondern gegenteils den Verlauf und die Entste-

hung der Aussage höchstmöglich transparent macht. So ergibt sich aus den vom 

Verteidiger beanstandeten Passagen des betreffenden Einvernahmeprotokolls 

(Urk. 12/3 S. 1 und 2) klar, dass der Name von "N._____" offensichtlich schon vor 

Beginn der formellen Einvernahme gefallen war, und genau das wird durch die 

Protokollierung "Sie haben ausgesagt, …" und "Ihrem Anwalt sollen Sie gesagt 

haben, …" offen gelegt. Das war fair und korrekt. Dass schliesslich ein "Deal" mit 

der Staatsanwaltschaft I._____ zu einer (Falsch-)belastung des Beschuldigten 

motiviert hätte, um aus der Haft entlassen zu werden (Urk. 56D S. 4), ist eine Un-

terstellung des Verteidigers, für die sich keine Anhaltspunkte finden – ganz davon 

abgesehen, dass sich I._____ bei der fraglichen Einvernahme gar nicht mehr in 

Haft befunden hat (Urk. 12/3 S. 1). 

Ebenfalls zu verwerfen sind die Einwände der Verteidigung, wonach die Wahlbild-

identifikation sowie die "Live-Identifikation" des Beschuldigten durch I._____ in 

formeller Hinsicht nicht verwertbar seien (Urk. 56A S. 4; Urk. 137 S. 7). Insbeson-

dere ist mit der Vorinstanz zu unterstreichen, dass es bei diesen Identifikationen 

nicht etwa darum ging, dass ein Zeuge unter vielen verschiedenen Personen den 

-   19   - 

ihm nicht weiter bekannten Täter identifizieren musste. Vielmehr war ja eigentlich 

schon in der Einvernahme vom 3. Oktober 2011 klar, dass I._____ mit seiner Be-

schuldigung effektiv den Beschuldigten meinte, nachdem er diesen ja schon seit 

längerem kannte und auch verschiedenste genaue Angaben zu dessen Person 

und Umfeld machen konnte. Wenn der Verteidiger dies unter anderem mit den 

Argumenten bezweifelt, es habe I._____ in der Einvernahme nur von  

"A._____" (ohne Nachname) gesprochen und dessen Alter auf 25 oder 26 Jahre 

geschätzt, obwohl der Beschuldigte im Oktober 2011 27 Jahre alt gewesen sei 

(Urk. 137 S. 6), sind das gesuchte Spitzfindigkeiten, woraus nichts zugunsten des 

Beschuldigten abgeleitet werden kann. Am 3. Oktober 2011 war der Beschuldigte 

denn auch gerade einmal seit einer knappen Woche 27- und nicht mehr 26-

jährig… Entgegen dem, was die Verteidigung zu konstruieren versucht, kann 

deshalb nicht ernsthaft bezweifelt werden, dass I._____ damals vom Beschuldig-

ten sprach. Die Bild- bzw. Lebendidentifikation diente der Staatsanwaltschaft un-

ter diesen Umständen lediglich noch dazu, dies absolut "wasserdicht" zu machen 

(vgl. Urk. 65 S. 59). I._____ bezeichnete dann auf dem ihm vorgezeigten Foto-

wahlbogen den Beschuldigten auch ohne zu zögern (Urk. 12/4).  

Es steht mithin fest, dass I._____ den Beschuldigten ganz bewusst und insbe-

sondere ohne jeden Zweifel über dessen Identität belastet. Sollte der Beschuldig-

te in Tat und Wahrheit nicht Täter sein, müsste sich I._____ also entweder ge-

täuscht haben oder den Beschuldigten bewusst falsch der Tat bezichtigen. Davon 

ist jedoch – mit der Vorinstanz (Urk. 65 S. 45/46, 57-59 und 63/64) – nicht auszu-

gehen. Eine Verwechslung ist auszuschliessen, nachdem sich die beiden schon 

seit längerem kennen und, wie gesehen, von Seiten I._____s keinerlei Zweifel an 

der Identität des Beschuldigten bestehen. Auch wenn I._____ zur Tatzeit unter 

Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden haben mag, ist darum nicht vorstellbar, 

dass I._____ meint, er habe die Tat zusammen mit dem Beschuldigten begangen, 

obwohl es effektiv jemand anderer war. Für eine bewusste Falschbelastung be-

stehen sodann keine Anhaltspunkte und wäre insbesondere auch kein Motiv er-

sichtlich. Letztlich macht denn auch der Beschuldigte selbst nicht geltend, I._____ 

würde ihn bewusst falsch anschuldigen; jedenfalls konnte der Beschuldigte 

-   20   - 

gleichermassen keine Umstände nennen, die I._____ zu einer bewussten Falsch-

belastung hätten Anlass geben können (Prot. I S. 48-50; Urk. 136 S. 4). 

4.8. H._____ – so ist aufgrund der allseitigen Aussagen anzunehmen – kannte 

den Beschuldigten dagegen vor dem 1. Juni 2010 nicht. Entsprechend konnte er 

anfänglich auch nicht namentlich vom Beschuldigten als dritten Tatbeteiligten 

sprechen, so wie er es dann später tat. In der Einvernahme vom 9. August 2011, 

als sich H._____ zum Geständnis entschloss, sprach er von dieser dritten Person 

als einem etwa 24- oder 25-jähriger "Kasten" albanischer Herkunft, der ein dreitü-

riges Auto mit einem ZH- oder SG-Kontrollschild gefahren und von I._____ 

"L._____" genannt worden sei (Urk. 11/5 S. 3/4). Das sind zwar noch nicht sehr 

spezifische Angaben. Sie grenzen aber den Kreis möglicher Täter gleichwohl be-

reits ziemlich stark ein und treffen im Übrigen alle auf den Beschuldigten zu, mit 

Ausnahme des kleinen Unterschieds, dass I._____ den Beschuldigten "N._____" 

und nicht "L._____" nannte. Im Rahmen dieser Einvernahme wurden H._____ 

dann auf 7 Fotobogen nicht weniger als 56 Bilder verschiedener Männer vorge-

halten. Der Beschuldigte (zu jenem Zeitpunkt noch nicht tangiert) befand sich 

nicht darunter. H._____ entschied sich für die Nummer 1 auf dem Bogen 4, wenn 

auch mit dem Zusatz, nicht zu 100 % sicher zu sein (Urk. 11/5 S. 5 und Fotobo-

gen 4). Der Verteidigung ist damit Recht zu geben, dass der Mann auf dem er-

wähnten Bild "definitiv nicht A._____" ist (Urk. 56D S. 5; Urk. 137 S. 4). Wenn sie 

dann aber weiter behauptet, die von H._____ bezeichnete Person gleiche dem 

Beschuldigen nicht einmal (a.a.O.), so stimmt das offensichtlich nicht: Wenn man 

die Fotografie des Beschuldigten (z.B. in Urk. 12/4, Fotobogen Bild Nr. 3) allen 56 

H._____ vorgezeigten Fotos gegenüber stellt, so springt einem geradezu ins Au-

ge, dass der von H._____ bezeichnete Mann auf dem Bild 1 des Fotobogens 4 

dem Beschuldigten von allen mit Abstand am ähnlichsten sieht. Wenn jemand das 

Gesicht des Beschuldigten in Erinnerung hat und danach über ein Jahr später aus 

den 56 H._____ vorgehaltenen Bildern dasjenige auswählt, wie es H._____ getan 

hat, so ist das absolut zwanglos nachvollziehbar – umso mehr, als das Bild des 

Beschuldigten eben nicht in der Auswahl zu finden war. Dass H._____ das er-

wähnte Bild ausgewählt hat, spricht damit viel mehr dafür als dagegen, dass er 

schon damals den Beschuldigten als Tatbeteiligten "im Kopf" hatte. 

-   21   - 

Anlässlich der Lebendwahlkonfrontation ein knappes halbes Jahr später, am 

10. Januar 2012, wurden H._____ 6 Männer gegenüber gestellt. Hier befand sich 

der Beschuldigte, der zu jenem Zeitpunkt aufgrund der Angaben von I._____ in 

das Verfahren miteinbezogen worden war, ebenfalls darunter. H._____ war sich 

aber nicht sicher. Immerhin bezeichnete er den Beschuldigten als einzige Person, 

die als möglicher Täter in Frage komme und schloss die anderen fünf mit Über-

zeugung aus (Urk. 16/9 S. 4 und 3. Beilagenset). Eine Identifikation hat damit – 

mit dem Verteidiger (Urk. 56D S. 5; Urk. 137 S. 4) – nicht stattgefunden. Aller-

dings kann aus den Aussagen von H._____ auch hier abgeleitet werden, dass er 

das Bild des Beschuldigten im Gedächtnis hatte. Denn offensichtlich war ihm 

noch immer ein Gesicht in der Art des Bildes 1 von Bogen 4 der Fotowahlkon-

frontation und desjenigen des Beschuldigten in Erinnerung. Anders wäre nicht zu 

erklären, dass er den Beschuldigten am 10. Januar 2012 nur – aber immerhin – 

als möglichen Täter bezeichnete. Und immerhin waren zum damaligen Zeitpunkt 

bereits über anderthalb Jahre seit dem Vorfall verstrichen. 

In der Konfrontationseinvernahme vom 22. Oktober 2012 gab dann H._____ zu 

Protokoll, dass er den dort anwesenden Beschuldigten bereits vor der Einver-

nahme als Mittäter erkannt habe, als dieser mit seinem Anwalt an ihm vorbeige-

gangen sei. Er sei sich zu 100 % sicher (Urk. 13/3 S. 3/4). Wenn der Verteidiger 

hierzu rügt, diese Identifikation sei "nicht verwertbar" (Urk. 56D S. 5; Urk. 137 

S. 4), so ist dies in formeller Hinsicht sicher nicht richtig: Es ist nicht ersichtlich, 

welche prozessualen Vorschriften nicht eingehalten worden wären. Der Skepsis 

der Verteidigung ist indessen insoweit recht zu geben, als die Identifikation eines 

Täters in einer Foto- oder Lebendwahlkonfrontation im Normalfall sicher aussage-

kräftiger ist als die Bezeichnung einer Person als Täter, die einem bereits als Be-

schuldigter präsentiert wird. So ist die deutliche Bezeichnung des Beschuldigten 

als Mittäter durch H._____ in der Einvernahme vom 22. Oktober 2012 sicher mit 

den nötigen Vorbehalten zu würdigen. Es kann aber der Auffassung der Verteidi-

gung nicht gefolgt werden, "dass H._____ einfach unter dem Eindruck, dass 

A._____ als Mitbeschuldigter in der Lebendwahlkonfrontation und in der Konfron-

tationseinvernahme zuvor mit B._____ und ihm zusammen war und B._____ dort 

A._____ als den dritten Täter beschuldigte, dachte, A._____ sei tatsächlich der 

-   22   - 

dritte Täter" (Urk. 56D S. 5; ähnlich in Urk. 137 S. 5). Vielmehr hat nämlich  

H._____ – wie gesehen – bereits von Beginn weg und noch weit bevor er um die 

Belastungen des Beschuldigten durch I._____ und den Privatkläger wusste, Tä-

terbeschreibungen und -identifikationen abgegeben, die klar in die Richtung des 

Beschuldigten deuteten. So erscheint sein Aussageverhalten vielmehr als zurück-

haltend und vom Willen getragen, keine falsche Person belasten zu wollen. Seine 

Aussagen sind glaubhaft und es ist ihm abzunehmen, dass ihm hinsichtlich der 

Identifikation des Beschuldigten das Zusammentreffen mit diesem vor der Einver-

nahme vom 22. Oktober 2012 die letzte Gewissheit gegeben hat. Das ist auch 

durchaus plausibel, weist doch eine Person viele Wiedererkennungsmerkmale 

auf, die in Foto- oder Lebendwahlkonfrontationen nur unzureichend oder gar nicht 

zum Ausdruck kommen. Jedenfalls kann eine Person grundsätzlich sicher besser 

und zuverlässiger wiedererkannt werden, wenn einem diese Person natürlich be-

gegnet, als wenn einem zur Identifikation nur eine eher statische und stumme 

Präsentation oder gar lediglich die Fotografie von Gesichtern zur Verfügung steht. 

Das so wahrnehmbare Gesamtbild, inklusive etwa auch dem Gang oder der 

Stimme, vermittelt zweifelsohne einen höheren Wiedererkennungswert als ledig-

lich die "fotografierbare" Erscheinung. 

Unter diesen Voraussetzungen ist – wiederum mit der Vorinstanz (Urk. 65 S. 39, 

55-57 und 63/64) – auch bei H._____ davon auszugehen, dass er den Beschul-

digten nicht unzutreffend belastet. Ein Irrtum ist auszuschliessen, da seine Anga-

ben zum dritten Täter von Anfang an konstant und widerspruchsfrei auf den Be-

schuldigten zutrafen und seine schliessliche Identifikation zurückhaltend und 

nachvollziehbar ausgefallen ist. Eine bewusste Falschanschuldigung scheidet 

auch hier darum aus, weil einerseits keinerlei Motive dafür ersichtlich wären oder 

auch nur schon vom Beschuldigten behauptet würden, und andererseits auch aus 

den Aussagen H._____' nicht auf Solches geschlossen werden könnte: Gegen-

teils ist – wie schon erwähnt – seine Identifikation des Beschuldigten vorsichtig 

und zurückhaltend ausgefallen. Hätte er bewusst den Beschuldigten falsch an-

schuldigen wollen, hätte er das schon viel früher tun können und wohl auch spä-

testens bei der Lebendwahlkonfrontation getan. 

-   23   - 

4.9. Bezüglich der Aussagen des Privatklägers moniert die Verteidigung zu-

nächst, dass dieser als Auskunftsperson im Sinne von Art. 178 lit. a StPO befragt 

und entsprechend gemäss Art. 180 Abs. 2 StPO zur Aussage verpflichtet worden 

sei, obwohl ihn die Beschuldigten mehrfach des Verkaufs und der Abgabe von 

Kokain bezichtigt hätten und er deshalb nicht hätte zur Aussage verpflichtet wer-

den dürfen. Die Aussagen des Privatklägers seien darum nicht verwertbar 

(Urk. 56D S. 5-7; Urk. 137 S. 9). Hierzu ist zunächst festzuhalten, dass der Privat-

kläger nicht "jeweils" – wie sich die Verteidigung noch in der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung ausdrückte (Urk. 56D S. 5) – unter Aussagepflicht einvernom-

men worden ist. In der polizeilichen Befragung vom 4. Juni 2010 und in der 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme als Auskunftsperson vom 19. Juli 2010 

wurde er ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er die Aussage ohne Angabe 

von Gründen verweigern könne (Urk. 9/1 S. 1 und Urk. 9/2 S. 2). Erst ab dem 

9. August 2011 erfolgten seine Einvernahmen explizit unter Verweis auf Art. 180 

Abs. 2 StPO (Urk. 9/3 bis 9/5). Es kann den Akten nicht entnommen werden, was 

der Grund für dieses Vorgehen der Staatsanwaltschaft war. Nachdem sich der 

Privatkläger bereits am 11. Juli 2010 (gegen H._____) konstituiert hatte (Urk. 6/3), 

hätte er nämlich grundsätzlich bereits am 19. Juli 2010 zur Aussage verpflichtet 

werden müssen. Dass die Staatsanwältin den Beschuldigten damals nicht unter 

diesen Vorzeichen befragt hat, könnte demnach – im Sinne dessen, was die Ver-

teidigung vorbringt – durchaus damit begründet gewesen sein, dass H._____ den 

Privatkläger vorgängig recht deutlich des (früheren) Kokainverkaufs beschuldigt 

hatte (vgl. insbesondere Urk. 11/3). Ein Jahr später sah dann die Staatsanwältin 

offenbar die Voraussetzungen von Art. 178 lit. d StPO beim Privatkläger nicht 

mehr gegeben und befragte ihn unter Geltung von Art. 178 lit. a StPO und 

Art. 180 Abs. 2 StPO, wie das bei Privatklägern eben grundsätzlich zu tun ist. Wie 

es sich mit alledem letztlich genau verhält, kann indessen offen bleiben: Tatsache 

ist nämlich, dass sich der Geschädigte – wie gesehen – schon in einem sehr frü-

hen Stadium des Verfahrens als Privatkläger konstituierte und Zivilforderungen 

stellte, mithin praktisch von Beginn weg zum Ausdruck gebracht hat, sich aktiv am 

Verfahren beteiligen und Ansprüche gegen die Täter stellen zu wollen. Entspre-

chend sagte er denn auch in der polizeilichen Einvernahme vom 4. Juni 2010 und 

-   24   - 

der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. Juli 2010 einlässlich aus, ob-

wohl er dazu von seiner prozessualen Stellung her und im Sinne der an ihn er-

gangenen Hinweise nicht verpflichtet gewesen wäre. Es kann damit fraglos davon 

ausgegangen werden, dass der in den Einvernahmen ab dem 9. August 2011 je-

weils unter Hinweis auf Art. 180 Abs. 2 StPO befragte Privatkläger auch dann 

ausgesagt hätte, wenn er nicht noch formell zur Aussage verpflichtet worden wä-

re. Und schliesslich ist – mit der Vorinstanz (Urk. 65 S. 61) – festzuhalten, dass in 

dieser Konstellation der Beschuldigte ohnehin nichts zu seinen Gunsten aus ei-

nem möglicherweise nicht angebrachten Hinweis nach Art. 180 Abs. 2 StPO ab-

leiten könnte: Nachdem der Privatkläger ja in den ersten Einvernahmen freiwillig 

umfassend ausgesagt hatte, könnte sich höchstens dieser selbst darauf berufen, 

in den späteren Befragungen zu Unrecht auf Art. 180 Abs. 2 StPO hingewiesen 

worden zu sein. 

Hinsichtlich des materiellen Gehalts der auf die Identität der Täter zielenden Aus-

sagen des Privatklägers stellt sich die Ausgangslage ähnlich wie bei den dies-

bezüglichen Aussagen von H._____ dar: So ist zunächst im Sinne der Vorbringen 

des Verteidigers zutreffend, dass der Privatkläger in der Einvernahme vom 9. Au-

gust 2011 den Beschuldigten nicht identifiziert hat (Urk. 56D S. 6; Urk. 137 S. 9). 

Allerdings war dieser auf den 56 dem Privatkläger vorgelegten Fotografien (die 

gleichen wie bei H._____) auch gar nicht zu finden. Im Gegensatz zu H._____ 

war der Privatkläger indessen offensichtlich unsicherer und bezeichnete letztlich 

10 Personen, die aus seiner Sicht als Täter in Frage kämen (Urk. 9/3 S. 4/5). Im-

merhin ist aber zu beachten, dass unter diesen 10 Personen auch diejenige war, 

die von H._____ bezeichnet wurde und die dem Beschuldigten sehr ähnlich sieht. 

Auch die Gesamtschau aller vom Privatkläger bezeichneten Fotografien lassen 

erkennen, dass er offenbar schon einen Menschentyp als Täter in Erinnerung hat-

te, der mit dem Beschuldigten zumindest vergleichbar ist. So werden auch seine 

ersten Aussagen unmittelbar nach der Tat bestätigt, wonach es sich bei demjeni-

gen Täter, den ihn gewürgt habe, um einen ca. 170 cm grossen, ca. 20 bis 25 

Jahre alten "Balkantyp" leicht festerer Statur und mit dunkelblonden kurzen Haa-

ren gehandelt habe (Urk. 9/1 S. 2). 

-   25   - 

Nachdem der Beschuldigte aufgrund der Aussagen von I._____ festgenommen 

worden war, wurde mit dem Privatkläger nochmals eine Fotowahlkonfrontations-

einvernahme durchgeführt. Unter den 8 ihm vorgelegten Fotografien erkannte er 

hier den Beschuldigten als einen von aus seiner Sicht zwei möglichen Tätern. Er 

betonte aber, sich nicht sicher zu sein, und favorisierte schliesslich diejenige Per-

son, bei welcher es sich nicht um den Beschuldigten handelte (Urk. 9/4 S. 2). 

Auch hier stimmt damit mit dem Verteidiger, dass keine Täteridentifikation statt-

fand (Urk. 56D S. 6; Urk. 137 S. 9). Auch hier ist aber offensichtlich, dass das Bild 

des Täters, wie es der Privatkläger sich vorstellte, durchaus mit demjenigen des 

Beschuldigten in Einklang zu bringen ist. 

In der am 29. Mai 2012 durchgeführten Lebendwahlkonfrontation identifizierte der 

Privatkläger den Beschuldigten als Täter. Er sei sich dessen zu 100 % sicher; er 

habe diesen aufgrund der Statur, der Breite, der Grösse, der Haarfarbe und we-

gen des Gesichts sofort klar erkannt (Urk. 16/15 S. 2/3). Die verschiedenen Ar-

gumente der Verteidigung, wonach diese Identifikation nicht verwertbar sei 

(Urk. 56D S. 6/7; Urk. 137 S. 9/10), schlagen auch hier nicht durch: Es ist nicht 

ersichtlich, welche prozessualen Vorschriften dabei verletzt worden sein sollten. 

Im Rahmen der Würdigung der Aussagen des Privatklägers ist indessen durchaus 

zu beachten, dass die Lebendwahlkonfrontation erst zwei Jahre nach der Tat 

stattgefunden hat und in einer solchen Zeit das menschliche Erinnerungsvermö-

gen verblassen kann. Und ebenso zutreffend ist, dass der Privatkläger eine Foto-

grafie des Beschuldigten (im Rahmen der Fotowahlkonfrontation) schon einmal 

gesehen hatte, bevor es zur Lebendwahlkonfrontation gekommen war, sowie 

dass anlässlich derselben die zweite Person, die vom Privatkläger in der Foto-

wahlkonfrontation neben dem Beschuldigten als möglicher Täter bezeichnet wor-

den war, sich nicht unter den sechs dem Privatkläger präsentierten Männern be-

fand. Wenn der Verteidiger aber geltend macht, dadurch sei dem Privatkläger in 

unzulässiger Weise die Täterschaft des Beschuldigten suggeriert worden, trifft 

dies nicht zu: So ist mit der Vorinstanz (Urk. 65 S. 62) darauf hinzuweisen, dass 

zum normalen Ablauf gehört, einem Geschädigten oder sonstigen Zeugen bzw. 

Auskunftspersonen zur Identifikation des Täters zunächst verschiedene Bilder 

vorzulegen und erst nachher – falls nötig – noch eine Lebendwahlkonfrontation 

-   26   - 

durchzuführen. Deshalb liegt sehr häufig in der Natur der Sache, dass bei der 

Identifikation eines Täters bei einer Lebendwahlkonfrontation der Zeuge eine Fo-

tografie des Täters schon vorgängig bei der Fotowahlkonfrontation einmal ge-

sehen hat. Hierin im Sinne der Kritik der Verteidigung aber eine massgebliche 

Suggestion zu sehen, ist indessen kaum möglich: Gerade vorliegend wurden ja 

dem Privatkläger in den beiden Fotowahlkonfrontationseinvernahmen insgesamt 

nicht weniger als 64 Bilder vorgelegt, welche er in seinem Kopf "gespeichert" ha-

ben müsste, um sie – überdies mehrere Monate im Nachhinein – mit den Gesich-

tern der sechs ihm an der Lebendwahlkonfrontation präsentierten Männern zu 

vergleichen. Es braucht keine weiteren Erläuterungen dazu, dass jedenfalls der 

durchschnittliche Mensch zu Solchem nicht in der Lage ist. 

Es bleibt damit die Glaubhaftigkeit der – formell allesamt gültig deponierten – Be-

lastungen des Privatklägers zu überprüfen. Und hier fällt auf, dass er konstant 

und widerspruchsfrei ausgesagt hat, die Identifikation des Beschuldigten stetig 

präzisierend bis hin zur Wahlkonfrontation vom 29. Mai 2012, wo er den Be-

schuldigten erkannte. Wenn die Verteidigung herausstreicht, dass der Privatklä-

ger einmal gemeint habe, der Täter habe braune Augen, ein andermal aber von 

blauen Augen gesprochen habe (Urk. 56D S. 6; Urk. 137 S. 9; vgl. dazu Urk. 9/5 

S. 10/11), so kann das nicht entscheidend sein: Insbesondere ist zu beachten, 

dass es zur Tatzeit noch dunkel war – worauf gerade in diesem Zusammenhang 

im Übrigen auch der Privatkläger selbst hinwies (Urk. 9/5 S. 10). Die Aussagen 

des Privatklägers wirken vielmehr vorsichtig und zurückhaltend, vom erkennbaren 

Bestreben getragen, niemanden falsch zu belasten. Er legte seine Unsicherheit 

von Beginn weg offen und wünschte denn auch von sich aus eine Lebendwahl-

konfrontation (Urk. 9/5 S. 10). Es sind keine Anzeichen dafür ersichtlich, dass er 

den Beschuldigten falsch belasten würde; insbesondere liessen seine Aussagen 

auch den Schluss nicht zu, er habe sich letztlich einfach für "irgendeinen" Täter 

entschieden, um einen Adressaten für seine Schadenersatz- und Genugtuungs-

forderungen zu haben. Für eine bewusste Falschanschuldigung wären schliess-

lich – wiederum mit der Vorinstanz (Urk. 65 S. 64) – keinerlei Motive erkennbar. 

Wie schon erwähnt, kannten sich der Privatkläger und der Beschuldigte vor die-

sem Verfahren gar nicht. 

-   27   - 

4.10. Im Sinne eines Fazits ist damit bis hierhin vollumfänglich auf die vor-

instanzlichen Schlüsse zu verweisen (Urk. 65 S. 63 f.). Der Beschuldigte wird von 

drei Personen unabhängig voneinander und übereinstimmend als Täter bezeich-

net: Von seinem – ihm nicht etwa feindlich gesinnten – Kollegen I._____ sowie 

von H._____ und dem Privatkläger, die ihn beide vorgängig nicht kannten. Die je-

weiligen Täterbeschreibungen stimmen untereinander überein und trafen bereits 

in der Anfangsphase viel eher auf den Beschuldigten zu, als sie gegen ihn ge-

sprochen hätten. Sie sind allesamt zurückhaltend ausgefallen und enthalten kei-

nerlei Elemente, die auf eine Falschbelastung hindeuten würden. Die letztlichen 

Identifikationen sind glaubhaft und in ihren Zustandekommen plausibel zu erklä-

ren. Und während schon bei jedem Einzelnen keinerlei Motiv ersichtlich wäre, den 

Beschuldigten bewusst zu Unrecht zu belasten, ist Solches für eine Absprache 

untereinander schon ganz auszuschliessen: Es ist nicht vorstellbar, aus welchen 

Gründen sich der mit dem Beschuldigten bekannte I._____, H._____ und der von 

diesen überfallene Privatkläger darauf hätten einigen sollen, den Beschuldigten 

fälschlicherweise der Mitwirkung an der Tat vom 1. Juni 2010 zu bezichtigen. Im 

Übrigen auf die sorgfältigen und zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwei-

send (Urk. 65 S. 63/64), ist aufgrund der bis hierhin abgehandelten Beweislage 

zweifelsfrei davon auszugehen, dass der Beschuldigte am eingeklagten Vorfall 

vom 1. Juni 2010 beteiligt war. 

5. Sachverhalt – Alibi 

5.1. Wie gesehen (vorstehende Erw. 1.2 ff.), macht der Beschuldigte im Beru-

fungsverfahren nun aber geltend, er habe sich am 1. Juni 2010 gar nicht in der 

Schweiz aufgehalten, sondern sei in Zilina (Slowakei) gewesen. Selbstredend ist 

das eine Behauptung von Relevanz, die es im Folgenden zu überprüfen gilt. Im 

Vorfeld der Berufungsverhandlung gingen dazu bereits zwei Bestätigungen von 

F._____ ein (s. vorstehend Erw. 1.5 f.), und in der Verhandlung selbst legte der 

Verteidiger eine Bestätigung von C'._____ und D'._____ vom 27. Februar 2014 

vor, wonach der Beschuldigte am 1. Juni 2010 bei ihnen gewesen sei (Urk. 138). 

Im Rahmen der ergänzenden Beweiserhebungen wurden sodann F._____ 

(Urk. 152/49) und E._____ (Urk. 152/57) als Zeugen befragt und gingen – wie be-

-   28   - 

reits erwähnt – seitens der ebenfalls zur Einvernahme vorgeladenen C'._____ 

und D'._____ die Mitteilungen ein, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht 

zu einer Reise in die Schweiz in der Lage seien und im Übrigen mit Blick auf ihr 

verwandtschaftliches Verhältnis zum Beschuldigten ohnehin keine Aussagen ma-

chen möchten (Urk. 152/32 und Urk. 152/37). 

5.2. Bis in die vorinstanzliche Hauptverhandlung bestritt der Beschuldigte je-

weils kurz und knapp, an der vorliegend zu beurteilenden Tat beteiligt gewesen zu 

sein. Der Vorwurf stimme nicht; er könne sich nicht erklären, weshalb er belastet 

werde (Prot. I S. 49). In der Berufungserklärung vom 3. Februar 2014 teilte dann 

der Verteidiger mit, der Beschuldigte habe herausgefunden, dass er zum Tatzeit-

punkt nicht in der Schweiz, sondern in der Slowakei gewesen sei (Urk. 67 S. 4).  

5.3. In der Berufungsverhandlung wurde der Beschuldigte dazu befragt. Er er-

klärte, in der Nacht vom 31. Mai 2010 auf den 1. Juni 2010 in Zilina, auch bei sei-

ner Tante C'._____ gewesen zu sein. Er sei mit jenen Personen zusammen ge-

wesen, die er im Rahmen seiner Beweisanträge genannt habe. Auch andere Leu-

te habe er besucht; aber wie und wo genau wisse er nicht mehr (Urk. 136 S. 6). 

Er meine, Zürich am 31. Mai 2010 am Morgen verlassen zu haben; es könne aber 

auch Abend gewesen sein. Soweit er sich erinnere, sei er mit dem Zug gefahren. 

Er wisse aber nicht mehr, was für eine Route der Zug genommen habe; er schaue 

nicht, wo er durchfahre. Auf entsprechende Nachfrage wusste er auch nicht, wie 

oft er schon von Zürich nach Zilina gefahren sei, um welche Zeit er angekommen 

sei und wieviel die Reise gekostet habe (Urk. 136 S. 8). In der Slowakei meine er 

"nicht lange" geblieben zu sein; vielleicht 3 Tage, "vielleicht aber auch 5, 6 oder 7 

Tage". Entsprechend wisse er auch nicht, wann er wieder in Zürich gewesen sei 

(Urk. 136 S. 9). Die Rückreise habe er wahrscheinlich mit dem Zug angetreten. Er 

wisse aber nicht, ob er habe umsteigen müssen (Urk. 136 S. 16).  

Soviel er wisse, habe ihn damals E._____ zum Bahnhof gefahren; vermutlich 

nach Zürich, "vielleicht aber auch nach … oder …", vielleicht am Morgen, viel-

leicht am Mittag oder am Abend. Er wisse auch nicht, wie oft ihn E._____ schon 

insgesamt zum Bahnhof gebracht habe (Urk. 136 S. 9/10). 

-   29   - 

F._____ habe er damals auf Anraten seiner Tante aufgesucht, weil er etwas zwi-

schen dem Implantat am rechten Schaufelzahn und dem Zahnfleisch gehabt ha-

be. Er wisse allerdings nicht mehr genau, wann das gewesen sei; man müsse da-

für F._____ fragen. Er meine, das sei an einem Nachmittag gewesen, wisse aber 

nicht, ob er das richtig in Erinnerung habe. F._____ habe ihm dann einen Essens-

rest entfernt, und er habe ihr dafür etwa 20 bis 30 Euro gegeben (Urk. 136 

S. 10/11). Nach der Herkunft des vom Verteidiger dem Gericht eingereichten "Re-

zepts" befragt, erwiderte der Beschuldigte, das nicht zu wissen. Er habe über sei-

ne Mutter F._____ gefragt, vielleicht habe auch seine Tante gefragt. Das interes-

siere ihn nicht. Bezüglich des Inhalts des Berichts von F._____ erklärte der Be-

schuldigte wechselweise, nichts zu wissen oder man müsse seine Mutter oder 

F._____ fragen (Urk. 136 S. 12/13). 

C'._____ und D'._____ habe er bei ihnen zuhause getroffen. Die Adresse und 

wann das gewesen sei, wisse er nicht (Urk. 136 S. 13). Auf die Frage nach dem 

Grund seiner Reise antwortete der Beschuldigte, er habe weg "von den Leuten 

und der Allgemeinheit" gewollt. Es könne nicht sein, "dass man eingesperrt wird, 

nur weil jemand etwas behauptet". Er habe dann immer etwas unternommen und 

wohl auch noch andere Leute getroffen; er könne sich aber nicht mehr erinnern. 

Wo er am 1. Juni 2010 gewesen sei und was er dann gemacht habe, wisse er 

"aufgrund der Zeugenaussagen". Er habe es "etwas verschleiert" und "weit weg" 

in seinem Kopf (Urk. 136 S. 14).  

Auf Nachfrage, ob es möglich sei, dass er zwar irgendwann im Jahre 2010 in  

Zilina gewesen sei, aber nicht genau am 1. Juni 2010, erwiderte er, er persönlich 

wisse es ja nicht genau, sondern nur "aufgrund der Unterlagen". Es wäre gut 

möglich, dass er sich irre; auch die Leute könnten sich irren. "Es kann alles sein" 

(Urk. 136 S. 15). Wie häufig er in den letzten Jahren in Zilina gewesen sei, konnte 

der Beschuldigte nicht klar sagen. Er müsse lügen, wenn er es genauer sagen 

wolle; es sei "eher einmal als fünfmal pro Jahr" gewesen; jedenfalls aber "nicht 

mehrmals pro Monat". Er habe keine Agenda, lebe in einer anderen Welt und ha-

be auch nichts, um Aufzeichnungen zu machen (Urk. 136 S. 15). Er wisse auch 

-   30   - 

nicht, ob er schon mehr als einmal den Zug nach Zilina genommen habe 

(Urk. 136 S. 17). 

Der Beschuldigte wurde schliesslich gefragt, weshalb ihm erst im Jahre 2014 und 

im Rechtsmittelverfahren in den Sinn komme, dass er sich am 1. Juni 2010 gar 

nicht in der Schweiz aufgehalten habe, obwohl er bereits über mehrere Jahre 

hinweg in der Strafuntersuchung stand und insbesondere auch bereits das erst-

instanzliche Gerichtsverfahren stattgefunden hatte. Er habe nicht gedacht, so der 

Beschuldigte, "dass es nötig sei". Vor Bezirksgericht habe man ihn auch nicht ge-

fragt, wo er gewesen sei (Urk. 136 S. 9). Er habe "das mit dem Raub" nicht ernst 

genommen, es sei lächerlich. Erst sein Anwalt habe dann Druck gemacht und ge-

sagt, man müsse nun wissen, wo er gewesen sei (Urk. 136 S. 10, 15). Er sei da-

mals aufgrund der Vorkommnisse "gröber neben den Schuhen" gestanden 

(Urk. 136 S. 14). 

5.4. Am 30. Juni 2015 wurde E._____ als Zeuge befragt (Urk. 152/57). Er arbei-

tete zum vorliegend massgeblichen Zeitpunkt mit dem Beschuldigten zusammen 

und war mit diesem befreundet. Anschliessend hätten sie aber verschiedene Ent-

wicklungen durchgemacht (der Zeuge ist im Gegensatz zum Beschuldigten ver-

heiratet und hat Kinder). Sie hörten aber immer noch manchmal voneinander. 

Nun habe ihn der Beschuldigte im Jahre 2014 einmal angerufen und gefragt, ob 

er sich daran erinnern könne, ihn – den Beschuldigten – einmal gefahren zu ha-

ben für eine Reise in sein Heimatland. Die Frage habe keinen Bezug zu einem 

bestimmten Datum gehabt; sie hätten einfach diskutiert, wo er ihn überall hin-

gefahren haben könnte. Anlässlich eines Telefonanrufs vor der Einvernahme – so 

der Zeuge weiter – habe der Beschuldigte das Datum des 30. Mai 2010 erwähnt; 

dieses Datum habe er allenfalls schon damals genannt (Urk. 152/57 S. 3). Er  

– der Zeuge – habe versucht, Rückschlüsse zu ziehen. Er sei nämlich die letzten 

drei Wochen seines Arbeitsverhältnisses im Mai 2010 in Deutschland gewesen, 

und wenn er sich recht erinnere, sei der letzte Arbeitstag der Freitag, 27. Mai 

2010, gewesen. Den 30. Mai habe ihm der Arbeitgeber dann "geschenkt". Vor 

dem 27. Mai 2010 könne die Fahrt also nicht gewesen sein (Urk. 152/57 S. 5). Ob 

es der 27, 28. oder 29. bzw. am 30. oder 31. gewesen sei, wisse er nicht 

-   31   - 

(Urk. 152/57 S. 3, 4, 8). Er könne sich nicht an das genaue Datum erinnern, an 

welchem er den Beschuldigten herumgefahren habe. Er wisse einfach, dass er 

am 1. August 2010 die neue Arbeitsstelle angetreten habe und im Juli 2010 mit 

seiner Familie vermutlich in den Ferien gewesen sei. Er möge sich aber in ge-

wissen Bildern daran zu erinnern, den Beschuldigten einmal an einem Morgen 

früh abgeholt und an den Bahnhof Zürich gefahren zu haben. "Tendenziell" habe 

er den Beschuldigten hinter dem Kino ABC oder bei den Taxiparkplätzen aus-

steigen lassen; konkret daran erinnern könne er sich aber nicht. Wahrscheinlich 

habe ihn der Beschuldigte gefragt, ob er ihn fahre; er habe auch einmal ange-

sprochen, dass er in seine Heimat gehen wolle (Urk. 152/57 S. 5). Er nehme an, 

es sei morgens gewesen, schätzungsweise 8.00 Uhr oder 9.00 Uhr. Es müsste an 

einem Sonntag oder Montag gewesen sein (Urk. 152/57 S. 6, 7). 

5.5. Ebenfalls am 30. Juni 2015 fand die Zeugeneinvernahme von F._____ statt 

(Urk. 152/49). Sie bestätigte zunächst kurz zusammengefasst ihr Schreiben vom 

20. August 2014 (Urk. 115); der Beschuldigte sei anfangs Juni 2010 nach 16.00 

Uhr vorbeigekommen, und sie habe diesem einen abgebrochenen Zahnstocher 

aus dem Zahnfleisch gezogen (Urk. 152/49 S. 3/4 – auf Nachfrage: es habe wie 

das Ende eines dünnen Knöchelchens ausgesehen, Urk. 152/49 S. 6). 

Drei Jahre danach sei sie von der Mutter des Beschuldigten aufgesucht worden. 

Diese habe sie gefragt, ob sie eine Bestätigung des Besuchs des Beschuldigten 

abgeben könne. Sie – F._____ – habe daraufhin ein Rezept geschrieben 

[Urk. 88/89] und bestätigt, ohne Entgelt eine Behandlung gemacht zu haben. Hin-

sichtlich des genauen Datums der Behandlung habe sie sich nicht mehr erinnern 

können. Die Mutter des Beschuldigten habe sie aber gefragt, ob sie – F._____ – 

die Bestätigung der Behandlung auf den 1. Juni 2010 datieren könne. Das habe 

sie dann gemacht und die Bestätigung auf den 1. Juni 2010 ausgestellt 

(Urk. 152/49 S. 4/5). Darauf angesprochen, dass sie in der Bestätigung zuhanden 

des Gerichts (Urk. 110 = Übersetzung Urk. 115) geschrieben habe, sie hätte sich 

den Namen des Beschuldigten in das Tagebuch der Reparaturen der protheti-

schen Arbeiten eingetragen und könne darum das genaue Datum des 1. Juni 

2010 angeben, erklärte F._____, nachdem sie von der Mutter des Beschuldigten 

-   32   - 

kontaktiert worden sei, habe sie sich den Namen des Beschuldigten auf ein Stück 

Papier geschrieben. Dieses habe sie dann in das Buch gelegt unter dem Datum 

1. Juni 2010, damit sie sich daran erinnern würde, etwas ausgestellt zu haben 

(Urk. 152/49 S. 5, 9/10). F._____ bestätigte dann nochmals, von der Mutter des 

Beschuldigten gebeten worden zu sein, genau das Datum des 1. Juni 2010 auf-

zuschreiben. Diese habe gesagt, es würde ihnen sehr helfen, wenn sie genau 

dieses Datum bezeichnen würde (Urk. 152/49 S. 6). Selber erinnere sie sich im-

merhin daran, dass der Besuch ungefähr 2 Wochen vor ihrem 60. Geburtstag am 

13. Juni 2010 gewesen sei (Urk. 152/49 S. 7, 8). 

Nach der Rückübersetzung und Überprüfung des Einvernahmeprotokolls hielt 

F._____ nochmals ausdrücklich fest, von sich aus nicht bestätigen zu können, ob 

der Besuch des Beschuldigten am 1., 2. oder 3. Juni 2010 stattgefunden habe. 

Sie habe anfänglich die Wichtigkeit des genauen Datums nicht erfasst und auf die 

Bitte der Mutter des Beschuldigten hin den 1. Juni 2010 geschrieben. Jetzt, da sie 

sehe, dass das genaue Datum sehr wichtig sei, müsse sie einräumen, dass es 

auch der 2. oder 3. Juni 2010 hätte sein können. Es wäre daher möglich – so 

F._____ weiter –, dass sie unter dem Druck der Mutter des Beschuldigten den 

1. Juni 2010 angegeben habe, obwohl es der 2. oder 3. gewesen sei (Urk. 152/49 

S. 12/13; Urk. 152/50). 

5.6. Der Verteidiger ist der Auffassung, dass der Alibibeweis für den Beschul-

digten erbracht sei. Es sei auf die entsprechenden Bestätigungen und Aussagen 

abzustellen. Sowohl F._____ als auch E._____ hätten glaubhaft herleiten können, 

dass der Beschuldigte kurz vor bzw. am 1. Juni 2010 in Zilina gewesen sei. Das 

werde auch durch die Bestätigung des Ehepaars D._____/C._____ belegt 

(Urk. 137 S. 12; Urk. 166 S. 11/12). 

5.7. Die Staatsanwaltschaft ist der gegenteiligen Auffassung. Auf die Zeugen 

könne von Vornherein nicht abgestellt werden, da der Beschuldigte seit der Haft-

entlassung und der Verkündung des erstinstanzlichen Urteils jede Zeit der Welt 

gehabt habe, sich ein Alibi zu verschaffen und sich hiezu mit angeblichen Zeugen 

abzusprechen. Die Zeugin hätte sich sodann nicht genau daran erinnern können, 

wann sie dem Beschuldigten das Knöchelchen aus dem Zahnfleisch gezogen 

-   33   - 

bzw. ihn zum Bahnhof gefahren haben. Und nachdem sich F._____ sicher sei, 

dass der Beschuldigte nach 16.00 Uhr bei ihr erschienen sei, wäre auch möglich, 

dass dieser nach Verübung des Raubs um 6.00 Uhr bis nach 16.00 Uhr mit sei-

nem BMW nach Zilina gereist sein könnte (Urk. 141 S. 2/3; Urk. 173 S. 2). 

5.8. Verschiedene Umstände lassen hochgradig daran zweifeln, dass der Be-

schuldigte im Sinne seiner Behauptungen zur Tatzeit tatsächlich landesabwesend 

gewesen sein könnte: 

5.8.1. Zunächst ist schon einmal kaum erklärlich, weshalb der Beschuldigte diese 

Behauptung erstmals im Berufungsverfahren, nach seiner erstinstanzlichen Verur-

teilung vorbringt. Zwar stimmt schon, dass er erst am 18. Oktober 2011 verhaftet 

und ein erstes Mal befragt worden ist, "weshalb es nach dieser grossen Zeitspan-

ne entsprechend schwierig und langwierig für ihn war, herauszufinden, wo er sich 

genau zum Tatzeitpunkt aufhielt" (so der Verteidiger in Urk. 74 S. 2). Ab da stand 

er jedoch bis zur Anklageerhebung am 23. Januar 2013 (Urk. 30) bzw. der vor-

instanzlichen Hauptverhandlung am 31. Oktober 2013 (Prot. I S. 12) während 

mehr als zwei Jahren im vorliegenden Verfahren, konfrontiert mit dem schwerwie-

genden Vorwurf, am 1. Juni 2010 für einen Raub (mit-)verantwortlich gewesen zu 

sein. Dass er da nie auch nur am Rande einmal in den Raum gestellt hat, zur Tat-

zeit möglicherweise gar nicht in der Schweiz gewesen zu sein, ist – wenn es denn 

so gewesen wäre – eigentlich fast nicht vorstellbar. Stattdessen verneinte der Be-

schuldigte immer nur ohne jeglichen Erklärungsversuch sehr karg und pauschal, 

dabei gewesen zu sein. Das ist prozessual sein gutes Recht. Angesichts der nach 

den belastenden Aussagen von I._____, H._____ und des Privatklägers offen-

sichtlich immer ungünstiger werdenden Beweissituation wäre von ihm indessen 

schon zu erwarten gewesen, sich wenigstens im Ansatz etwas einlässlicher zu 

entlasten zu versuchen, anstatt sich – faktisch – einfach zu verweigern. Damit 

wird nicht etwa eine Beweislastumkehr vorgenommen oder vom Beschuldigten 

verlangt, sich selbst zu belasten: Vielmehr erachtet auch das Bundesgericht die 

Grenzen des "nemo tenetur"-Grundsatzes als dann erreicht, wenn sich ein Be-

schuldigter weigert, zu seiner Entlastung erforderliche Angaben zu machen, 

obschon eine Erklärung angesichts der belastenden Beweiselemente vernünf-

-   34   - 

tigerweise erwartet werden dürfte (Urteile des Bundesgerichts 6B_562/2010 vom 

28. Oktober 2010 E. 2.1; 6B_453/2011 vom 20. Dezember 2011 E. 1.6; Pra 

90/2001 Nr. 110 E. 3 und 4; zuletzt in 6B_678/2013 vom 3. Februar 2014 E. 4.4). 

Wenn der Beschuldigte während der ganzen Untersuchung und des erstinstanzli-

chen Verfahrens nicht einmal ansatzweise antönte, dass er über ein Alibi verfü-

gen könnte, fällt dies demnach im Sinne der Vermutung zu seinem Nachteil ins 

Gewicht, dass es ein solches Alibi eben nicht gibt (Urteil des Bundesgerichts 

6B_426/2013 vom 18. Dezember 2013 E. 1 am Schluss). 

Was der Beschuldigte in der Berufungsverhandlung zur Erklärung dieses Aus-

sageverhaltens auszuführen versuchte, wirkt sich alles andere als zu seinen 

Gunsten aus. Gegenteils liegt fast die Frage nahe, ob er das Gericht für dumm 

verkaufen will, wenn er allen Ernstes geltend macht, man habe ihn vor Bezirksge-

richt nicht danach gefragt, wo er gewesen sei (Urk. 136 S. 9). Angesichts des 

Tatvorwurfs war ja gerade das Thema der bezirksgerichtlichen Hauptverhandlung, 

wo sich der Beschuldigte am 1. Juni 2010 aufgehalten hat. Und – es muss noch-

mals gesagt werden – wenn der Beschuldigte in der Hauptverhandlung auch nur 

annähernd daran gedacht haben könnte, am 1. Juni 2010 nicht in der Schweiz 

gewesen zu sein, so wäre unerklärlich, dass er das nicht wenigstens in den Raum 

gestellt hätte. Soweit der Beschuldigte dazu sagt, er habe nicht gedacht, dass das 

nötig sei, und er habe "das mit dem Raub" nicht ernst genommen (Urk. 136 

S. 9/10), ist das unplausibel und unglaubhaft. Es sei daran erinnert, dass sich der 

Beschuldigte mit einer – nach seiner Darstellung ungerechtfertigten – Anklage 

konfrontiert gesehen hat, die eine Verurteilung wegen Raubes, mehrfachen Dieb-

stahls und Hausfriedensbruchs sowie eine Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe 

von 3 ½ Jahren forderte. Auch ein Beschuldigter, der "neben den Schuhen" steht, 

wird in einer solchen Situation irgendwann im Verlaufe einer mehrjährigen Straf-

untersuchung und nicht erst im Berufungsverfahren nach einem erstinstanzlichen 

Schuldspruch zumindest einmal behaupten, er sei gar nicht im Lande gewesen, 

wenn das effektiv so gewesen sein könnte. 

5.8.2. In materieller Hinsicht tragen die Aussagen des Beschuldigten überhaupt 

nichts dazu bei, das einem sein geltend gemachtes Alibi auch nur halbwegs 

-   35   - 

wahrscheinlich machen würde: In ausreichend konkretem Masse lassen sich dar-

aus einzig die Behauptungen ableiten, er sei – jeweils irgendwann einmal – von 

E._____ zu einem Bahnhof gefahren worden, habe seine Tante und deren Mann 

besucht und sich von F._____ einen Fremdkörper aus dem Zahnfleisch entfernen 

lassen. Eigentlich auf jede weitere Nachfrage reagierte der Beschuldigte dann 

aber mit Nichtwissen und/oder mit dem Verweis, man solle doch seine Mutter, 

seine Tante oder F._____ fragen. Der Beschuldigte war nicht in der Lage, das 

angebliche Reisedatum zu nennen, die ungefähre Tageszeit, den Bahnhof, an 

welchen ihn E._____ gefahren habe, die grobe befahrene Route und ob er habe 

umsteigen müssen, den Fahrpreis, die auch nur ungefähre Aufenthaltsdauer in Zi-

lina, das genaue Datum der zahnärztlichen Behandlung, die Adresse seiner Tan-

te, die Namen der Personen, mit welchen er etwas unternommen habe, die Um-

stände des Zustandekommens der Bestätigungen von C'._____, D'._____ und 

F._____. Auch auf Fragen zu Nebenumständen gab er derart nichtssagende Ant-

worten, dass diese jeglicher Überprüfbarkeit entzogen sind: So wollte er in den 

letzten Jahren "eher einmal als fünfmal pro Jahr" bzw. "nicht mehrmals pro Mo-

nat" in Zilina gewesen sein und auch nicht mehr wissen, ob er schon mehr als 

einmal mit dem Zug nach Zilina gefahren sei. Zwischen "einmal pro Jahr" und 

"nicht mehrmals pro Monat" liegt nun schon einmal der Faktor 12, und dass der 

Beschuldigte – im Zeitpunkt der Berufungsverhandlung 30-jährig, Absolvent der 

obligatorischen Schulen und einer Lehre als Polymechaniker, bei verschiedenen 

Arbeitgebern tätig und mit dem Vorsatz, eine Weiterbildung in Angriff zu nehmen 

– nicht mehr wissen will, ob er lediglich einmal oder mehr als einmal mit dem Zug 

zu seiner Tante in Zilina gefahren ist, ist wirklich nicht glaubhaft und legt die Ver-

mutung nahe, dass er mehr vertuschen als aufklären will. 

5.8.3. Sodann sind auch die Bestätigungen von F._____ zweifelhaft:  

5.8.3.1. Zunächst fällt auf, dass zwischen der mit "Rezept" überschriebenen Be-

stätigung vom 27. Februar 2014 (Urk. 89) und dem Schreiben vom 13. August 

2014 (Urk. 115) dahingehend ein Widerspruch besteht, als im ersten Schriftstück 

von der "Korrektur einer prothetischen Arbeit" die Rede ist, während F._____ im 

späteren Brief schildert, sie habe dem Beschuldigten einen kleinen dünnen Kno-

-   36   - 

chen aus dem Zahnfleisch entfernt. Das ist nicht in Einklang zu bringen. Weder 

eine Fachperson noch ein Laie spricht von der Korrektur einer prothetischen Ar-

beit, wenn es darum geht, dass eine Zahntechnikerin einem Patienten ein kleines 

Knochenstück aus dem Zahnfleisch zieht. Es ist deshalb aufgrund dieser Unterla-

gen nicht klar, was nun F._____ am 1. Juni 2010 für den Beschuldigten effektiv 

getan haben will. 

5.8.3.2. Weiter legen diese Dokumente die Frage nahe, wie sich F._____ im Jah-

re 2014 daran erinnern kann, was sie am 1. Juni 2010 getan hat, zumal es offen-

bar kein Patientendossier oder ähnliche Dokumentationen gibt (Urk. 115 S. 2). 

Wenn F._____ dazu schreibt, sie habe den Namen des Beschuldigten "in das Ta-

gebuch der Reparaturen der prothetischen Arbeiten" eingetragen (a.a.O.) und 

könne sich deshalb an das genaue Datum erinnern, so erneuert das vorab den 

bereits vorstehend angesprochenen Widerspruch. Sodann blieb mit dem Schrei-

ben vom 13. August 2014 offen, ob es das "Tagebuch der Reparaturen der pro-

thetischen Arbeiten" überhaupt gibt und welche Einträge gegebenenfalls beste-

hen, nachdem F._____ weder das Buch im Original noch eine Kopie des angebli-

chen Eintrags einreichte. Beim Wortlaut der Verfügung vom 3. Juli 2014 hätte das 

indessen nahe gelegen: Es musste F._____ klar sein, dass es angesichts der 

Aufforderung, "die vollständige Patientenakte des Beschuldigten A._____ im Ori-

ginal einzureichen" (Urk. 101), dem Gericht um schriftliche Beweismittel ging und 

deshalb wenigstens eine Kopie des Tagebucheintrags einzureichen angezeigt 

gewesen wäre, wenn schon keine "Patientenakte" existiert. 

5.8.3.3. Schliesslich schreibt F._____, die Mutter des Beschuldigten habe sie am 

27. Februar 2014 aufgesucht und gebeten, schriftlich zu bestätigen, dass sie den 

Beschuldigten behandelt habe. Dabei habe die Mutter auch den Grund genannt, 

weshalb sie ein solches Dokument brauche. F._____ schliesst ihren Brief vom 13. 

 August 2014 mit den Worten, sie sei in ihrer 40-jährigen Praxis noch nie "mit so 

einem Problem" konfrontiert worden und es tue ihr sehr leid, "dass dieser junge 

Mann grosse Probleme mit dem Gesetz" habe (Urk. 115 S. 2). Das macht schon 

etwas stutzig und belegt, dass die Mutter des Beschuldigten F._____ zur Ausstel-

lung der ersten Bestätigung veranlasst hat. Was sie allerdings für einen Grund für 

-   37   - 

diesen Wunsch angegeben hat und aus welchen "grossen Problemen mit dem 

Gesetz" F._____ dem Beschuldigten mit ihrer Bestätigung zu helfen trachtete, 

bleibt angesichts der nebulösen Formulierung des Schreibens wiederum ganz un-

klar. 

5.8.3.4. Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 166 S. 7) sind also die 

Bestätigungen von F._____ alles andere als klar, sondern widersprüchlich und mit 

vielen – möglicherweise unbewussten – Relativierungen versehen, nicht zuletzt 

auch was das Zustandekommen der beiden Papiere anbelangt. 

5.8.4. In Gutheissung des entsprechenden Beweisantrags des Beschuldigten 

wurde F._____ dann bekanntlich als Zeugin befragt (Urk. 152/49). 

5.8.4.1. Nachdem deren Aussagen nicht im vom Beschuldigten erhofften Sinne 

ausgefallen sind (vgl. vorstehende Erw. 5.5), macht der Verteidiger dazu nun vor-

ab geltend, es sei die betreffende Einvernahme "aufgrund unzulässiger Beeinflus-

sung durch die Dolmetscherin" nicht zum Nachteil des Beschuldigten verwertbar 

(Urk. 166 S. 6/7). 

Dieser Einwand ist jedoch zu verwerfen: So beziehen sich die bezüglichen Vor-

behalte des Verteidigers allesamt auf das Geschehen nach der Rückübersetzung 

der grundsätzlich abgeschlossenen Einvernahme durch die Dolmetscherin. Dar-

aus ergibt sich, dass im Zuge dieser Rückübersetzung zwischen F._____ und der 

Dolmetscherin offenbar das Gespräch darauf gekommen ist, wie wichtig das ge-

naue Datum der Behandlung des Beschuldigten ist. Daraufhin betonte  

F._____ in einer ergänzenden Erklärung, sie könne nicht zu 100 % bestätigen, 

dass der Beschuldigte am 1. Juni 2010 bei ihr erschienen sei, sondern es könne 

auch der 2. oder 3. Juni gewesen sein. Auf entsprechende Frage des Verteidigers 

bestätigte F._____, von der Dolmetscherin auf diesen Punkt hingewiesen worden 

zu sein. Allerdings habe sie – F._____ – bei der Rückübersetzung selbst gemerkt, 

dass sich insbesondere hinsichtlich der vorherigen Fragen 27 und 50 Widersprü-

che ergeben könnten (Urk. 152/49 S. 11-13). 

-   38   - 

Entscheidend fällt dazu ins Gewicht, dass es sich bei den ergänzenden Einlas-

sungen von F._____ nicht etwa um Korrekturen oder Abänderungen von früheren 

Aussagen ging, sondern vielmehr um Präzisierungen und Bekräftigungen. Schon 

in der Einvernahme vor dem Unterbruch zur Rückübersetzung hatte sie nämlich 

alles andere als deutlich bestätigt, dass der Beschuldigte am 1. Juni 2010 bei ihr 

gewesen sei. Bereits auf die erste Frage nach dem konkreten Datum erklärte sie 

nämlich wörtlich: "Das weiss ich nicht mehr, aber seine Mutter hat mich angefragt, 

ob ich die Bestätigung der Behandlung auf den 1. Juni datieren kann" 

(Urk. 152/49 S. 5). Und kurz darauf verdeutlichte sie: "Die Mutter hat mich gebe-

ten, dieses Datum [d.h. den 1. Juni 2010] zu schreiben, da ich mich nicht mehr 

genau erinnerte, an welchem Tag ich A._____ behandelte. Und die Mutter hat mir 

gesagt, das würde ihnen sehr helfen, wenn ich genau dieses Datum aufschreiben 

und bezeichnen würde" (Urk. 152/49 S. 6).  

Noch eindeutiger konnte F._____ nicht kundtun, dass sie die Bestätigungen auf 

Wunsch der Mutter des Beschuldigten genau auf den 1. Juni 2010 datierte, sich 

selber aber nicht mehr daran erinnern konnte, an welchem Tag der Besuch des 

Beschuldigten stattgefunden hat. Daran ändert nichts, dass sie dann später auf 

Vorhalt des Zitats aus der Bestätigung durch den Verteidiger "Ich trug den Namen 

in das Tagebuch der Reparaturen der prothetischen Arbeiten ein, darum kann ich 

das genaue Datum angeben – 1.6.2010" offenkundig in die Enge getrieben 

schliesslich sagte: "Ja, das habe ich so geschrieben und jetzt bleibe ich bei dem, 

was ich geschrieben habe" (Urk. 152/49 S. 10). Es ist ja nicht so, dass davon 

ausgegangen werden müsste, F._____ habe bewusst ein unzutreffendes Datum 

genannt. Vielmehr wusste sie es eben einfach nicht mehr und bestätigte dem Be-

schuldigten in der ergänzenden Befragung nach der Rückübersetzung des Proto-

kolls denn auch, nicht ausschliessen zu können, dass er am 1. Juni 2010 bei ihr 

gewesen sei (Urk. 152/49 S. 11/12). 

Von einer unzulässigen Beeinflussung F._____s durch die Dolmetscherin kann 

deshalb keine Rede sein. Die Aussagen sind damit vollumfänglich verwertbar. 

5.8.4.2. In materieller Hinsicht ist aus den Aussagen F._____s in Kombination mit 

deren Bestätigungen zwar zu schliessen, dass der Beschuldigte sie wohl schon 

-   39   - 

einmal konsultiert hat. Hinsichtlich des genauen Zeitpunkts ist aber bereits ihr 

Rückschluss, es sei ungefähr zwei Wochen vor ihrem 60. Geburtstag am 13. Juni 

2010, an einem Montag oder Dienstag gewesen (Urk. 152/49 S. 7), mit einem 

Vorbehalt zu versehen, nachdem ihr offensichtlich die Mutter des Beschuldigten 

das Datum des 1. Juni 2010 genannt hat. So ist nicht klar, ob sich F._____ von 

sich aus an einen Besuch des Beschuldigten ungefähr zwei Wochen vor ihrem 

60. Geburtstag erinnerte oder ob sie nach der Nennung des 1. Juni 2010 durch 

die Mutter des Beschuldigten folgerte, das müsse also ungefähr zwei Wochen vor 

ihrem 60. Geburtstag gewesen sein. So krebste sie denn auch nach der Einver-

nahme etwas zurück und musste einräumen, dass es "auch der 2. oder 3. Juni 

2010" gewesen sein könnte (Urk. 152/49 S. 12/13). 

5.8.4.3. Aufgrund der Aussagen von F._____ ist deshalb zwar nicht aus-

zuschliessen, dass der Beschuldigte am 31. Mai oder am 1. Juni 2010 bei ihr ge-

wesen sein könnte. Der positive Schluss, dass der Beschuldigte an einem dieser 

Daten in Zilina in der Praxis von F._____ war, wie dies der Verteidiger tut 

(Urk. 166 S. 8), ist allerdings nicht möglich. F._____ hat sich den Besuch des Be-

schuldigten nicht notiert, darüber auch sonst keine Aufzeichnungen erstellt und 

vermochte sich von sich aus an den genauen Zeitpunkt nicht zu erinnern, sondern 

bekam den 1. Juni 2010 von der Mutter des Beschuldigten genannt, verbunden 

mit dem Wunsch, es würde ihnen sehr helfen, wenn F._____ genau dieses Datum 

bezeichnen würde. 

5.8.5. Zu den Aussagen des ebenfalls auf Antrag des Beschuldigten befragten 

E._____ (s. vorstehende Erw. 5.4) ist Ähnliches zu sagen. Bei ihm war es offen-

kundig ebenfalls so, dass er sich nicht daran zu erinnern vermochte, den Be-

schuldigten zur fraglichen Zeit zum Bahnhof gefahren zu haben. Vielmehr wurde 

auch ihm das Datum des 30. Mai 2010 vom Beschuldigten genannt und begann 

E._____ danach, durch Rückschlüsse insbesondere mit Bezug auf das damalige 

Ende seines Arbeitsverhältnisses zu plausibilisieren zu versuchen, ob eine solche 

Fahrt stattgefunden haben könnte. Das bejahte er, da er am 27. Mai 2010 aus 

Deutschland zurückgekehrt sei; danach könne es gewesen sein. Er wisse aber 

nicht, ob es der 28., 29., 30. oder 31. Mai gewesen sei; er habe damals Zeit ge-

-   40   - 

habt und sei vor seinen Ferien im Juli auch den Monat Juni noch da gewesen 

(Urk. 152/57 S. 4/5). Hinzu kommt, dass E._____ zum vom Beschuldigten be-

haupteten Zweck der Fahrt überhaupt nichts bestätigen konnte. So sagte er ledig-

lich sehr allgemein aus, der Beschuldigte habe ihn "auch mal angesprochen, dass 

er in seine Heimat gehen wolle", ohne dass er das in konkreten Zusammenhang 

mit der zur Diskussion stehenden angeblichen Fahrt gestellt hätte (Urk. 152/57 

S. 5). Ebenso konnte er lediglich mutmassen, den Beschuldigten "tendenziell" hin-

ter dem Kino ABC oder bei den Taxiparkplätzen abgesetzt zu haben, und er 

wusste auch nicht, was der Beschuldigte nach dem Aussteigen getan hat (a.a.O.). 

Angesichts dessen hilft diesem auch nichts, wenn E._____ vermutet, die Fahrt 

habe an einem Sonntag oder Montag stattgefunden (Urk. 152/57 S. 7). 

Aus den Aussagen von E._____ lässt sich deshalb ebenfalls nichts zugunsten 

des vom Beschuldigten behaupteten Alibis ableiten. Dass im Sinne der Aussagen 

von E._____ nicht ausgeschlossen werden kann, dass er den Beschuldigten am 

30. oder 31. Mai 2010 zum Hauptbahnhof Zürich gefahren hat, ist weit davon ent-

fernt, ein positives Indiz für die Darstellung des Beschuldigten zu sein. Alleine der 

Umstand, dass es sein könnte, dass E._____ den Beschuldigten an einem jener 

Tage zum Bahnhof gefahren hat, wobei der Zeuge überdies nicht bestätigen 

kann, ob der Beschuldigte überhaupt den Zug genommen hat und wohin dieser 

gegebenenfalls gefahren ist, muss als für den Beweis des vom Beschuldigten be-

haupteten Alibis untauglich bezeichnet werden. 

5.9. Bis dahin vermögen also die Ausführungen des Beschuldigten und die von 

ihm dafür angerufenen Beweise, er sei zur Tatzeit gar nicht in der Schweiz gewe-

sen, das gemäss Erw. 4.10 feststehende Beweisergebnis nicht im Ansatz zu er-

schüttern. Was der Beschuldigte selber dazu sagt, ist an Unbestimmtheit kaum zu 

überbieten. Aus seinen vorab von – angeblichem – Nichtwissen geprägten Ant-

worten ist zu folgern, dass er nicht bereit ist, irgendetwas Konstruktives zu einer 

überprüfbaren Darstellung beizutragen. Nur so kann erklärt werden, dass er sogar 

auf Fragen keine Antwort wissen wollte, wo das – zumindest mit einem Minimum 

an Anstrengung – schlicht nicht sein kann. Dazu passen auch seine wirren Erklä-

rungsversuche zum Umstand, dass ihm erst im Berufungsverfahren in den Sinn 

-   41   - 

gekommen sein will, zum Tatzeitpunkt in der Slowakei gewesen zu sein. Aus den 

Bestätigungen und Aussagen von F._____ bzw. E._____ ergibt sich sodann deut-

lich, dass sie sich beide nicht von sich aus daran erinnern konnten, den Beschul-

digten zu der von ihm behaupteten Zeit behandelt bzw. zum Bahnhof gefahren zu 

haben. Vielmehr war es in beiden Fällen so, dass ihnen von der Mutter des Be-

schuldigten bzw. von diesem selbst die fraglichen Daten genannt worden waren 

und sie danach versuchten, diese mithilfe von Nebenumständen aus dem eigenen 

Erleben zu plausibilisieren. Bei Lichte betrachtet ergibt sich als beweismässiges 

Ergebnis deshalb lediglich, dass es die beiden Befragten zwar für möglich erach-

teten, den Beschuldigten zu den von diesem behaupteten Zeiten behandelt bzw. 

gefahren zu haben. Ebenso gut hätte dies jedoch auch an anderen Tagen der Fall 

gewesen sein können. Letztlich fasste der Beschuldigte die diesbezügliche Be-

weislage an der Berufungsverhandlung gleich selbst treffend zusammen: "Ich 

persönlich weiss es ja nicht genau. Ich weiss es aufgrund der Unterlagen. Ehrlich 

gesagt wäre es gut möglich, dass ich mich irre. Auch die Leute könnten sich irren. 

Es kann alles sein." (Urk. 136 S. 15). Wenn der Beschuldigte selbst einräumt, 

nicht genau zu wissen, wann er – angeblich – in die Slowakei gereist sei, und er 

dafür – unter anderem – auf F._____ und E._____ verweist, die beide eingestan-

denermassen ebenfalls keine eigene genaue Erinnerung daran haben, so ist mit-

nichten dargetan, dass sich der Beschuldigte zur Tatzeit, am frühen Morgen des 

1. Juni 2010, in der Slowakei aufgehalten hat. 

5.10. Es bleiben die bisher noch nicht durchgeführten Einvernahmen von  

C'._____ und D'._____ sowie die vom Verteidiger in seiner Eingabe vom 21. Sep-

tember 2015 neu beantragte Befragung von G._____, der Mutter des Beschuldig-

ten (Urk. 166 S. 3). 

5.10.1. Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte Anspruch auf rechtliches Gehör räumt 

dem Betroffenen das persönlichkeitsbezogene Mitwirkungsrecht ein, erhebliche 

Beweise beizubringen, mit solchen Beweisanträgen gehört zu werden und an der 

Erhebung wesentlicher Beweise mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweis-

ergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen 

(BGE 138 V 125 E. 2.1; 137 I 195 E. 2.2; 135 I 187 E. 2.2). Der Anspruch auf 

-   42   - 

rechtliches Gehör verlangt, dass die Behörde die Argumente und Verfahrens-

anträge des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich 

hört, prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Daraus folgt die Pflicht der 

Behörden, ihren Entscheid zu begründen (BGE 127 I 54 E. 2b; 126 I 97 E. 2b; 

124 I 49 E. 3a, 241 E. 2, je mit Hinweisen).  

Die grundsätzliche Pflicht, die ihr angebotenen Beweise abzunehmen, die sich auf 

entscheidwesentliche Tatsachen beziehen, hindert die Behörde indes nicht daran, 

auf weitere Erhebungen zu verzichten, wenn sie in willkürfreier Würdigung der be-

reits abgenommenen Beweise zur Überzeugung gelangt, der rechtlich erhebliche 

Sachverhalt sei genügend abgeklärt, und sie überdies in willkürfreier antizipierter 

Würdigung der zusätzlich beantragten Beweise annehmen kann, ihre Überzeu-

gung werde auch durch diese nicht geändert (BGE 136 I 229 E. 5.3; 134 I 140 

E. 5.3; 131 I 153 E. 3; 124 I 208 E. 4a, je mit Hinweisen). Dabei muss die Straf-

behörde das vorläufige Beweisergebnis hypothetisch um die Fakten des Antrages 

ergänzen und würdigen. Die Ablehnung des Beweisantrags ist nur zulässig, wenn 

die zu beweisende Tatsache nach dieser Würdigung als unerheblich, offenkundig, 

der Strafbehörde bekannt oder bereits rechtsgenügend erwiesen anzusehen ist 

(vgl. Art. 139 Abs. 2 StPO; Urteile des Bundesgerichts 6B_764/2013 vom 26. Mai 

2014 E. 4.3, 6B_358/2013 vom 20. Juni 2013 E. 3.4 sowie 6B_648/2014 vom 

28. Januar 2015 E. 2.1 [n.p. in BGE 141 IV 34]). Ebenso kann die Abnahme von 

rechtsmissbräuchlich beantragten Beweisen unterbleiben, wenn damit das Ver-

fahren blockiert oder verschleppt werden soll (BSK StPO-Hauri/Venetz, N. 34 zu 

Art. 343 StPO mit weiteren Hinweisen). 

5.10.2. Die Verteidigung möchte die Mutter des Beschuldigten, G._____, zur Fra-

ge einvernommen haben, "wie das angeblich geführte Gespräch mit F._____ ver-

lief und ob sie F._____ auf irgendeine Weise unter Druck setzte" (Urk. 166 S. 10). 

Die Staatsanwaltschaft stellt sich diesem Antrag mit der Begründung entgegen, 

es sei die Mutter des Beschuldigten nicht bei dessen Besuch bei F._____ dabei 

gewesen, weshalb sie über das betreffende Datum nichts sagen könne. Ob mit ih-

rer späteren Vorsprache bei F._____ ein Drängen verbunden gewesen sei, könne 

offen bleiben, denn jedenfalls habe diese das so empfunden (Urk. 173 S. 3). 

-   43   - 

Mit der Staatsanwaltschaft ist auf die beantrage Einvernahme zu verzichten; sie 

ist unerheblich. G._____ kann – was im Übrigen von der Verteidigung auch gar 

nicht behauptet wird – aus eigener Wahrnehmung nichts über den Besuch ihres 

Sohnes bei F._____ aussagen. Und selbstredend würde sie verneinen, F._____ 

unter Druck gesetzt zu haben, den 1. Juni 2010 als Datum der Behandlung anzu-

geben. Das änderte aber nichts daran, dass aufgrund der glaubhaften Aussagen 

von F._____ jedenfalls davon auszugehen ist, dass sie das erwähnte Datum von 

der Mutter des Beschuldigten genannt erhalten hat. Das ist das für die Beweis-

würdigung entscheidende Kriterium. Ob F._____ ein Drängen oder gar Unter-

Druck-setzen empfunden hat, ist deshalb irrelevant und überdies eine subjektive 

Empfindung ihrerseits, wozu G._____ naturgemäss nichts aussagen kann. 

5.10.3. Wie bereits vorne erwähnt (Erw. 1.10), erachtete es die Kammer im Be-

schluss vom 9. März 2015 als erforderlich, der Verteidigung folgend C'._____ und 

D'._____ einzuvernehmen. Damals lagen als Beweismittel zum vom Beschuldig-

ten geltend gemachten Alibi allerdings erst die beiden schriftlichen Bestätigungen 

von F._____ und jene von C'._____ und D'._____ vor. Nun sind durch die Zeu-

geneinvernahmen von F._____ und E._____ einige zusätzliche Erkenntnisse ge-

wonnen worden und ist deshalb über die Notwendigkeit der Einvernahmen von 

C'._____ und D'._____ neu zu entscheiden. 

5.10.4. Gemäss der Behauptung des Verteidigers würden C'._____ und D'._____ 

bestätigen, dass sie den Beschuldigten zum Tatzeitpunkt am 1. Juni 2010 bei sich 

in Zilina beherbergt haben (Prot. II S. 14). Wenn keine Befragung erfolge, sei auf 

die in der Berufungsverhandlung eingereichte Erklärung des Ehepaars 

D'._____/C'._____ abzustellen, wonach der Beschuldigte am 1. Juni 2010 bei 

ihnen gewesen sei (Urk. 166 S. 10; Urk. 138). 

Im Rahmen einer antizipierten Beweiswürdigung muss im Sinne der bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung – wie gesehen – das vorläufige Beweisergebnis 

hypothetisch um die Fakten des Antrages ergänzt und gewürdigt werden. Entge-

gen der Verteidigung verlangt das vom Gericht aber nicht, dass es die mit einem 

Antrag auf Zeugeneinvernahme behaupteten Aussagen unbesehen als wahr an-

sehen müsste. Der Verteidiger spricht damit die sog. Wahrunterstellung an, bei 

-   44   - 

welcher die Abnahme von beantragten Beweisen unterbleiben kann, wenn an-

stelle dessen die Fiktion tritt, der Beweis sei gelungen. Bei einer antizipierten Be-

weiswürdigung ist dies indes gerade nicht der Fall, sondern es wird angenommen, 

dass auch die Abnahme des Beweises am feststehenden Beweisergebnis nichts 

zu ändern vermöchte. Antizipierte Beweiswürdigung und Wahrunterstellung dür-

fen nicht verwechselt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_793/2010 vom 

14. April 2011 E. 2.3; Beschluss des Kassationsgerichts des Kantons Zürich 

AC050002 vom 23. September 2005 E. 8c/bb m.w.H.).  

Sofern C'._____ und D'._____ denn überhaupt Aussagen machen würden, was 

angesichts ihrer Erklärungen (Urk. 152/32 und Urk. 152/37) fraglich erscheint, ist 

zwanglos anzunehmen, dass sie auch als Zeugen bestätigen würden, es sei der 

Beschuldigte am 1. Juni 2010 bei ihnen gewesen (vgl. dazu den Inhalt von 

Urk. 138). Entgegen der Meinung der Verteidigung und im Sinne des Vorstehen-

den muss das aber nicht a priori als wahr angenommen werden, sondern es ist 

diese Aussage vor dem Hintergrund der ganzen derzeitigen Beweissituation zu 

überprüfen und zu würdigen. 

5.10.5. Hier fällt entscheidend ins Gewicht, dass die aktuelle Beweislage keinerlei 

Zweifel an der anklagegemässen Beteiligung des Beschuldigten am Überfall auf 

den Privatkläger vom 1. Juni 2010 offen lässt. Der Beschuldigte wurde sowohl 

von den Mitbeteiligten I._____ und H._____ als auch dem Privatkläger klar und 

eindeutig identifiziert, und für das vom Beschuldigten behauptete Alibi liegen nach 

dessen eigenen Einvernahme und der Befragung von F._____ und E._____ als 

Zeugen keine konkreten Anhaltspunkte vor. Es hat sich ergeben, dass niemand 

eine positive Erinnerung daran hat, dass der Beschuldigte zur Tatzeit am 1. Juni 

2010 effektiv in Zilina gewesen wäre. Selbst der Beschuldigte räumt ja ein, es sei 

durchaus möglich, dass man sich diesbezüglich irren könnte. Hiervon ist ange-

sichts der zweifelsfreien Identifikation des Beschuldigten durch die Tatbeteiligten 

denn auch auszugehen. Nachdem sich der Beschuldigte am frühen Morgen des 

1. Juni 2010 am angeklagten Raubüberfall beteiligt hat, konnte er sich nicht zur 

selben Zeit in Zilina aufhalten. Daran änderte auch nichts, wenn C'._____ und 

D'._____ im Sinne ihrer schriftlichen Erklärung nun noch mündlich bestätigen 

-   45   - 

würden, es sei der Beschuldigte am 1. Juni 2010 bei ihnen gewesen. Entweder 

irrten auch sie sich, was insbesondere angesichts der ganz vagen Aussagen des 

Beschuldigten sowie des Zeitablaufs (bereits die an der Berufungsverhandlung 

eingereichte schriftliche Bestätigung datiert mit dem 27. Februar 2014 von 3 Jah-

ren und 8 Monaten nach dem – angeblichen – Besuch) nicht erstaunlich wäre, 

oder sie bestätigten den Aufenthalt des Beschuldigten bewusst wahrheitswidrig 

falsch, woraufhin deuten könnte, dass sie zumindest