# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0306320a-3250-507d-950a-39a4e5dec709
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-08-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.08.2023 E-3244/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3244-2020_2023-08-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3244/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  A u g u s t  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richter Lorenz Noli (Vorsitz), 

Richter Walter Lang, Richterin Roswitha Petry,    

Gerichtsschreiber Urs David. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch lic. iur. Isabelle Müller, Caritas Schweiz, 

(…),  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 27. Mai 2020 / N (…). 

 

 

 

E-3244/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin wurde gemäss den Akten am (…) Oktober 2019 

in Italien und am 3. November 2019 durch die schweizerischen Grenz-

wachtbehörden beim versuchten illegalen Grenzübertritt in die Schweiz 

ohne gültige Identitätspapiere daktyloskopiert. Am 10. November 2019 

stellte sie als unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA) in der 

Schweiz ein Asylgesuch und wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) der 

Region B._______ zugewiesen. Am 18. November 2019 mandatierte sie 

die ihr im BAZ zugewiesene Rechtsvertretung zur Vertretung im Asylver-

fahren. Am 27. November 2019 erfolgte ihre Erstbefragung (EB). Gemäss 

einem vom SEM in Auftrag gegebenen und am 5. Dezember 2019 vom 

Institut für Rechtsmedizin der Universität B._______ erstellten Altersgut-

achten sei die Altersangabe der Beschwerdeführerin plausibel. Am 9. De-

zember 2019 wurden drei medizinische Dokumente zu den Akten gegeben 

(vgl. unten E. 4.1). Gleichentags äusserte die Beschwerdeführerin schrift-

lich und unter Hinweis auf geschlechtsspezifische Vorbringen den Wunsch 

nach einer Befragung in einem reinen Frauenteam. Am 22. Januar 2020 

wurde sie im Beisein ihrer Rechtsvertretung in einem reinen Frauenteam 

zu ihren Asylgründen angehört. Am 27. Januar 2020 wurde sie dem erwei-

terten Verfahren zugewiesen und am 3. Februar 2020 erfolgte ihre Kan-

tonszuweisung. Mit Schreiben vom 17. März 2020 zeigte die Beschwerde-

führerin die Mandatierung ihrer neuen Rechtsvertretung an und ersuchte 

gleichzeitig um Einsicht in die Verfahrensakten (insb. auch betreffend eine 

zwischenzeitlich durchgeführte Lingua-Herkunftsabklärung) spätestens 

nach Abschluss des Verfahrens und vor Ergehen des Asylentscheides; zu-

dem ersuchte sie um Mitteilung von vorgesehenen weiteren Verfahrens-

schritten. Mit (zwei) Antwortschreiben vom 31. März 2020 erhielt die Be-

schwerdeführerin zum einen Gelegenheit zur Anhörung der CD mit dem 

Lingua-Interview am 15. April 2020 am Sitz des SEM und zum andern zur 

Beanspruchung des rechtlichen Gehörs bis zum 20. April 2020 zum we-

sentlichen Inhalt des Lingua-Gutachtens und zum Ergebnis, wonach sie 

entgegen ihrer Behauptung nicht im geltend gemachten Distrikt von Mog-

adischu in Südsomalia sozialisiert worden sei; dabei wurde ihr Einsicht in 

die Qualifikation und den Werdegang der sachverständigen Person ge-

währt. Mit Schreiben vom 2. April 2020 beantragte die Beschwerdeführerin 

erweiterte Akteneinsicht, insbesondere zumindest in die mit der Herkunft 

verbundenen Stellen aus den Protokollen (BzP, Anhörung etc.). Mit Ant-

wortschreiben vom 8. April 2020 gab das SEM diesem Antrag statt. Mit 

Stellungnahme vom 20. April 2020 kritisierte die Beschwerdeführerin die 

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Lingua-Abklärung und das dabei gewonnene Ergebnis und hielt an den ge-

machten Herkunftsangaben fest. Am 19. Mai 2020 gewährte das SEM der 

Beschwerdeführerin Einsicht in die aus seiner Sicht editionspflichtigen 

Asylverfahrensakten.  

B.  

Mit Verfügung vom 27. Mai 2020 – eröffnet am 28. Mai 2020 – stellte das 

SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht 

(Dispositiv Ziff. 1), lehnte deren Asylgesuch ab (Dispositiv Ziff. 2) und ord-

nete ihre Wegweisung aus der Schweiz (Dispositiv Ziff. 3) sowie den Voll-

zug an (Dispositiv Ziff. 4-6). 

C.  

Mit Schreiben vom 10. Juni 2020 und ergänzendem E-Mail vom 15. Juni 

2020 ersuchte die Beschwerdeführerin das SEM um Zustellung konkret 

bezeichneter und bislang nicht zur Einsicht gegebener Aktenstücke. 

Noch am 15. Juni 2020 gewährte das SEM ergänzende Akteneinsicht, un-

ter gleichzeitiger Bezeichnung von zehn geheimhaltungswürdigen oder in-

ternen Aktenstücken, deren Einsichtgabe zu verweigern sei. 

D.  

Mit Eingabe vom 24. Juni 2020 und Ergänzung vom 29. Juni 2020 erhob 

die Beschwerdeführerin gegen die Verfügung des SEM vom 27. Mai 2020 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin beantragt sie die Auf-

hebung des angefochtenen Entscheids, die Gewährung von Asyl unter 

Feststellung ihrer Flüchtlingseigenschaft, eventualiter die Gewährung der 

vorläufigen Aufnahme unter Feststellung der Unzulässigkeit beziehungs-

weise der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges, subeventualiter die 

Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur erneuten Sachverhaltsfest-

stellung und zur Neubeurteilung sowie in prozessualer Hinsicht die Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses und amtliche Beiordnung der damaligen 

Rechtsvertreterin als unentgeltliche Rechtsbeiständin. 

E.  

Mit Instruktionsverfügung vom 2. Juli 2020 bestätigte der zuständige In-

struktionsrichter die zuvor am 26. Juni 2020 bereits provisorisch verfügte 

Feststellung des rechtmässigen Aufenthalts der Beschwerdeführerin in der 

Schweiz während des Verfahrens. Im Weiteren hiess er die Gesuche um 

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Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, Verzicht auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses sowie amtliche Rechtsverbeiständung gut. 

F.  

Mit Eingaben vom 17. Juli, 17. August und 28. Dezember 2020 ergänzte 

die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde. 

G.  

Mit fristwahrend eingegangener Vernehmlassung vom 15. Januar 2021 be-

antragt das SEM sinngemäss die Abweisung der Beschwerde. 

H.  

Mit ebenfalls fristwahrend eingegangener Replik vom 3. Februar 2021 hält 

die Beschwerdeführerin ihrerseits an den gestellten Rechtsbegehren fest. 

I.  

Mit Eingaben vom 29. März, 5. Mai und «05.05.» (Eingang am 28. Juni) 

2021 sowie vom 26. Januar 2022 ergänzte die Beschwerdeführerin ihre 

Beschwerdeakten weiter.  

Ein mit der letzten Eingabe gleichzeitig deponiertes Anliegen betreffend pri-

oritäre Behandlung der Beschwerdesache beantwortete der Instruktions-

richter mit Schreiben vom 8. Februar 2022 mit dem Hinweis auf die hohe 

Pendenzenlast und die Priorisierungsordnung am Gericht sowie mit dem 

Bemühen um einen Verfahrensabschluss im Verlaufe des Jahres 2022. 

J.  

Auf entsprechendes Gesuch vom 7. März 2022 hin entband der Instrukti-

onsrichter mit Zwischenverfügung vom 15. März 2022 die bis dahin einge-

setzte Rechtsvertreterin von ihrem Mandat als amtliche Rechtsbeiständin. 

Gleichzeitig ordnete er der Beschwerdeführerin antragsgemäss die rubri-

zierte Rechtsvertreterin als neue amtliche Rechtsbeiständin bei. In den Er-

wägungen hielt er fest, dass – vorbehältlich einer umgehenden anderslau-

tenden Erklärung – davon auszugehen sei, die vormalige Rechtsvertreterin 

übertrage ihren Anspruch auf amtliches Honorar an die Caritas Schweiz. 

K.  

Ein weiteres Ersuchen der Beschwerdeführerin vom 7. November 2022 um 

prioritäre Behandlung der Beschwerdesache beantwortete der Instrukti-

onsrichter mit Schreiben vom 9. November 2022 mit dem Hinweis auf die 

hohe Pendenzenlast und die Priorisierungsordnung am Gericht sowie mit 

dem Bemühen um einen Verfahrensabschluss bis Mitte 2023. Ein erneutes 

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schriftliches Gesuch vom 28. Juni 2023 um prioritäre Behandlung beant-

wortete der Gerichtsschreiber telefonisch mit dem Hinweis, dass in Kürze 

die Zirkulation des erstellten Urteilsentwurfs eingeleitet werde. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1  

3.1.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

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begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.1.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-

sen oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn 

die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für 

gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat diese Anforderungen an das Glaubhaft-

machen von Asylvorbringen in verschiedenen Entscheiden vertieft darge-

legt (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11 E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je 

m.w.H.). Gemäss dieser ständigen Praxis sind Vorbringen dann glaubhaft, 

wenn sie genügend substanziiert, konkret, präzis, in sich schlüssig und 

plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen erschöpfen 

oder den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen und 

sie dürfen nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren. 

Darüber hinaus muss die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig er-

scheinen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbrin-

gen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, wichtige Tatsa-

chen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens 

Vorbringen auswechselt oder unbegründet nachschiebt, mangelndes Inte-

resse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaft-

machung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes 

Beweismass und lässt Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den 

Vorbringen. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das 

Gericht von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend 

für wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma-

chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen 

zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche 

und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-

stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob 

die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, 

überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-

len. 

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Seite 7 

3.2 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

3.3 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der 

Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV, 

Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-

dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der 

Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im 

Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürger-

krieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet 

sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von 

Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug ist 

schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Ausländer weder 

in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausrei-

sen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

4.  

4.1 Anlässlich der EB und der Anhörung machte die Beschwerdeführerin 

zur Begründung ihres Asylgesuchs im Wesentlichen Folgendes geltend:  

Sie sei Angehörige der Volksgruppe der Somalis, islamischen Glaubens 

und im Quartier C._______ in Mogadischu wohnhaft gewesen. Eine Fami-

lie habe sie als Neugeborenes – blutverschmiert und noch mit der Nabel-

schnur – auf der Strasse gefunden und bei sich aufgenommen, da niemand 

nach ihr gesucht habe. Ihre leiblichen Eltern habe sie nie gekannt und nie 

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Nachforschungen nach diesen angestellt, weshalb sie ihre Clanzugehörig-

keit nicht kenne und daran auch kein Interesse gehabt habe, zumal die 

Ziehfamilie darüber nicht informiert gewesen sei. Ihre Ziehmutter sei ver-

storben als sie sechs Jahre alt gewesen seien. Mit ungefähr zehn Jahren 

sei sie in die Koranschule in ihrem Quartier eingetreten. Der Lehrer habe 

sie immer wieder beleidigt und die anderen Kinder hätten sie als uneheli-

ches Kind gemieden, geschlagen, ihre Bücher kaputt gemacht und sie ein-

mal mit einem Stift an der (…) verletzt, wobei sie viel Blut verloren habe. 

Auch in der Nachbarschaft sowie von zu Besuch kommenden Angehörigen 

und Freunden der Ziehfamilie sei sie beleidigt, beschimpft, diskriminiert 

und zum Verlassen des ziehelterlichen Hauses aufgefordert worden. Nach 

zwei Jahren sei sie deshalb nicht mehr zur Koranschule gegangen und die 

meiste Zeit zu Hause geblieben. Im November 2016 sei sie von ihrer einige 

Jahre älteren Stiefschwester spät abends zu einem in der Nachbarschaft 

wohnenden Apotheker geschickt worden, da ihr Ziehvater schwer erkrankt 

sei. Unterwegs sei sie von dasitzenden, ihr unbekannten Männern – mög-

licherweise hätten diese gewusst, wer sie sei – angehalten, angesprochen 

und dann bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen worden. In diesem Zustand 

hätten die Männer sie an einen abgelegeneren Ort gebracht und vergewal-

tigt. Am nächsten Morgen habe sie ihr Bewusstsein wiedererlangt und Ver-

letzungen von der Vergewaltigung sowie eine Stichwunde am Bein festge-

stellt; sie habe im Unterleib stark geblutet. Sie sei verwirrt gewesen und 

habe nicht sprechen können. Leute hätten sie dann ihrer Schwester über-

geben. Mit ihrer Stiefschwester habe sie daraufhin unter Schmerzen die 

nahegelegene Polizeistation aufgesucht, wo die Polizisten sie aber nur 

ausgelacht und eine Anzeigeaufnahme verweigert hätten, weshalb sie sich 

nicht in Spitalpflege habe begeben können. Nachdem ihr kranker Ziehvater 

noch im November 2016 verstorben sei, habe sie einen Monat lang mit 

ihrer Stiefschwester alleine zu Hause gelebt. Im Januar 2017 hätten sie 

beide zusammen Somalia mit einem Auto verlassen und seien danach mit 

einem Schlauchboot nach Jemen gelangt, wo sie in einem Lager gelebt 

hätten. Ihre zum Teil noch länger offenen Wunden seien erst mit der Zeit 

verheilt und sie sei seit dem Vergewaltigungsvorfall bis heute öfters traurig. 

Im März 2017 seien sie auf dem See- und Landweg via den Sudan nach 

Libyen weitergereist. Ihre Stiefschwester sei in der Sahara verstorben, ver-

mutlich infolge Einnahme verunreinigten Wassers. In Libyen sei sie über 

zwei Jahre von Schleppern in einem Lager festgehalten und geschlagen 

worden, weil sie das verlangte Geld nicht habe aufbringen können; andere 

Frauen hätten sich zeitweise um sie gekümmert. Sie habe Wunden am 

Körper davongetragen und sei krank geworden. Ein ranghoher Mann der 

Schlepperorganisation habe sich ihrer angenommen und sich um ihre 

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Weiterreise nach Europa bemüht. Am 18. Oktober 2019 habe sie Libyen 

mit einem Boot in Richtung Italien verlassen können und sei am 9. Novem-

ber 2019 in die Schweiz eingereist. Nach Somalia zurückkehren könne sie 

nicht, weil sie dort niemanden mehr habe. Mit den dortigen Behörden habe 

sie im Übrigen nie Probleme gehabt. 

Als Beweismittel wurden eine medizinische Dokumentation vom 14. No-

vember 2019 (betr. gynäkologische Probleme und […]), ein ärztlicher Kurz-

bericht vom 15. November 2019 (betr. […] und […] insb. im […]bereich, 

Verletzungen an der […] und synkopale Zustände in der Vergangenheit) 

sowie ein radiologischer (…)-Befundbericht vom 19. November 2019 zu 

den Akten gegeben. Identitätsdokumente habe sie nie gehabt oder bean-

tragt. Ihr Geburtsdatum wisse sie von ihren Zieheltern; es handle sich um 

den Tag ihrer Auffindung auf der Strasse. 

4.2 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids qualifizierte das 

SEM die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Verfolgungsvor-

bringen als den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftmachung 

eines asylbegründenden Sachverhalts nicht genügend. Gemäss dem Gut-

achten der sachverständigen Person der Fachstelle Lingua sei die Be-

schwerdeführerin entgegen deren Behauptung definitiv nicht im D._______ 

Distrikt, Mogadischu, Süd-Somalia sozialisiert worden. Die linguistische 

Analyse des Telefongesprächs habe zwar ergeben, dass keine Zweifel an 

der Muttersprache Somalisch bestünden, dies aber nicht automatisch eine 

Sozialisation am angegebenen Herkunftsort bedeute, sondern bloss auf 

eine Sozialisation in einem Milieu, wo dieser Dialekt gesprochen werde. 

Aussprache und Wortwahl der Beschwerdeführerin beinhalteten denn 

auch Merkmale, die ausschliesslich in den nördlichen Dialekten Somalias 

vorkämen und dem im D._______ Distrikt gesprochenen Somalisch fremd 

seien. Diese Besonderheiten liessen die mögliche Annahme einer Soziali-

sation in Nordsomalia zu. Die Charakteristiken der nördlichen Dialekte So-

malias fänden sich aber auch im Somalisch, das ausserhalb von Somalia, 

zum Beispiel innerhalb von somalischen Gemeinden in diversen arabi-

schen Ländern, gesprochen werde. Vorliegend bestehe zwar die Möglich-

keit, dass sie sich die Besonderheiten in ihrer Sprache während ihres Auf-

enthalts in Jemen angeeignet habe, wo eine grössere somalische Diaspora 

lebe. Allerdings sei zweifelhaft, dass sie in der geltend gemachten Zeit-

spanne von lediglich drei Monaten ihren Dialekt an das Nordsomalisch 

hätte anpassen können. Die Prüfung der landeskundlich-kulturellen Kennt-

nisse erhärteten die Zweifel betreffend den angeblichen Ort ihrer Hauptso-

zialisation, zumal sie weder den Bezirk, noch das Quartier noch irgendeine 

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Seite 10 

Strasse von ihrem Distrikt habe angeben können und die angeblich von ihr 

zu Gebeten besuchte Moschee namens E._______ dort nicht existiere. Im 

telefonischen Interview habe sie ferner auf die Frage nach den bekanntes-

ten Sehenswürdigkeiten in Mogadischu ausser dem Bakaaro Markt keiner-

lei Sehenswürdigkeiten nennen können und die Angaben zu den in Moga-

dischu getragen Kleidern entsprächen nicht der somalischen Tradition. 

Trotz ihres jugendlichen Alters und der Ausbildung von lediglich zwei Jah-

ren Koranschule wäre zumindest ein Basiswissen zu Mogadischu zu er-

warten gewesen. Die im Rahmen des rechtliche Gehörs zu den Ergebnis-

sen der Sprach- und Herkunftsanalyse mit Schreiben vom 20. April 2020 

deponierten Einwände (nicht kindsgerecht gestellte Fragen [z.B. Preis für 

Zucker und Tee], Druckausübung während des Gesprächs trotz damaliger 

Krankheit und Emotionalität) seien nicht stichhaltig, da die Lingua-Analyse 

unter Berücksichtigung ihres persönlichen Profils und insbesondere ihres 

jugendliches Alter ausgewertet worden sei. Die Antworten hätten jedoch 

den Erwartungen an eine Person mit ihrem Profil nicht entsprochen. Dass 

sie die gestellten und von ihr notierten Fragen während der Sprach- und 

Herkunftsanalyse später gegenüber der Rechtsvertreterin habe beantwor-

ten beziehungsweise berichtigen können, erstaune nicht, zumal sie mittels 

öffentlich zugänglicher Quellen leicht abrufbar seien. Dem Vorwurf einer 

Druckausübung könne nicht gefolgt werden. Vielmehr räume sie ein, aus 

reiner Emotionalität während des Gesprächs einmal den Hörer aufgelegt 

zu haben, was auf ihre Frustration wegen ihrer mangelnden Kenntnisse 

schliessen lasse. Die angebliche Mühe mit dem Abrufen von Erinnerungen, 

Konzentrationsprobleme und eigene Verschlossenheit beruhten auf einer 

subjektiven Einschätzung ihrer Rechtsvertretung; dieser stehe es offen, die 

Beschwerdeführerin an die jugendpsychiatrischen Dienste für psychologi-

sche Abklärungen zu überweisen. Betreffend die sprachliche Kompetenz 

sei dem Einwand einer raschen sprachlichen Anpassung im jugendlichen 

Alter entgegenzuhalten, dass es unwahrscheinlich sei, in nur drei Monaten 

in Jemen den Heimatdialekt zu verlieren und die Besonderheiten eines an-

deren Dialekts vollständig anzunehmen beziehungsweise in Libyen die Be-

sonderheiten des nordsomalischen Dialekts zu erlernen. In der Anhörung 

habe sie denn auch erwähnt, in Libyen Arabisch gelernt zu haben. Die Ein-

wände anlässlich des rechtlichen Gehörs vermöchten das Ergebnis der 

Sprach- und Herkunftsanalyse nicht umzustossen. Die Schlussfolgerung 

der Analyse werde des Weiteren durch ihre in der Anhörung gemachten 

unsubstanziierten, detailarmen, undifferenzierten und widersprüchlichen 

Angaben zu ihrem Leben in Mogadischu (als Findelkind auf der Strasse 

aufgefunden; Leben bei Stieffamilie [z.B. Alltag, Besuche, TV-Sender]; Un-

kenntnis betreffend leibliche Eltern; Clanzugehörigkeit der Stieffamilie, der 

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Nachbarn und Quartierbewohner) und zu ihrer Ausreise untermauert. Die 

Erklärungen hierzu (insb. weitgehendes Desinteresse) seien nicht über-

zeugend ausgefallen und deuteten auf ein versuchtes Verheimlichen der 

fehlenden Kenntnisse über die Clans in Mogadischu hin. Die Angaben zu 

ihrer Stieffamilie und zum Leben in Mogadischu vermittelten gesamthaft 

nicht den Eindruck, als hätte sie das Geschilderte tatsächlich erlebt, son-

dern deuteten auf eine Täuschung ihrer tatsächlichen Herkunft hin. Die 

Zweifel an der geltend gemachten Herkunft würden durch die Asylgründe 

zusätzlich bestärkt. Die Schilderungen der Beleidigungen, Diskriminierun-

gen, Schläge, (…)verletzung, Ausgrenzungen und Sachbeschädigungen 

durch Nachbarsfrauen, Schüler oder Lehrer seien – auch auf Nachfragen 

hin – sehr allgemein, oberflächlich und stereotyp gehalten und wiesen 

kaum Realkennzeichen auf (insb. Detaillierungen, freies assoziatives Er-

zählen, Interaktionsschilderung, inhaltliche Besonderheiten, Gefühlsbeto-

nungen). Trotz ihrer Jugendlichkeit hätten anschaulichere Schilderungen 

solcher Erlebnisse erwartet werden dürfen. Auch die Aussagen zu den Vor-

fällen vom November 2016 (Anhaltung, Vergewaltigung und Verletzungen 

durch unbekannte Männer; Bewusstlosigkeit; erfolgloser Versuch der An-

zeigeerstattung bei der Polizei am Folgetag) liessen jegliche Realitäts-

kennzeichen vermissen. Bei diesen Schilderungen handle es sich vielmehr 

um eine blosse Aneinanderreihung von Geschehnissen ohne persönliche 

Note und trotz Nachfragen insbesondere auch ohne anschauliche Anga-

ben zu Anzahl und Auffälligkeiten der Peiniger oder zum Ort der Wiederer-

langung des Bewusstseins. Verschiedene Nachfragen dazu habe sie aus-

weichend beantwortet. Die Aussagen hinterliessen einen unsubstanziier-

ten und undifferenzierten Eindruck und liessen inhaltliche Besonderheiten 

(z.B. individualisierte Aussagen zu persönlicher Betroffenheit, Schmerz-

empfindungen oder persönlich gefärbte Reaktionsmuster) gänzlich vermis-

sen. Unsubstanziiert und stereotyp erwiesen sich insbesondere die Um-

stände der versuchten Anzeigeerstattung (inkl. Bezeichnung der Polizei-

station und den Weg dazu) und die Schilderung der geltend gemachten 

Vergewaltigung lasse jegliche Anschaulichkeit vermissen, die vernünftiger-

weise, auch von einer jugendlichen Person, angesichts eines solch ein-

schneidenden Erlebnisses hätte verlangt werden können. Die Angaben zur 

Ausreise aus Somalia und zur Weiterreise seien sodann vage, substanz-

arm und wenig konkret (Auto-Chauffeur, Reiseweg, Ankunftsorte mit dem 

Auto und nach der Meeresüberquerung nach Jemen) und jene zur Reise-

finanzierung von Libyen nach Europa auch mehrfach widersprüchlich aus-

gefallen (anfängliche Behauptung und spätere Negierung einer Geld-

sammlung durch andere Frauen bzw. unentgeltliche Hilfeleistung durch ei-

nen Schlepper nach erfolglosen Finanzierungsbemühungen). 

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Seite 12 

Zusammengefasst ergebe sich aus ihrem Sprachgebrauch sowie der lü-

ckenhaften, unsubstantiierten und widersprüchlichen Angaben zu ihrem 

Alltag und zu den Reiseumständen, dass sie nicht in der behaupteten Re-

gion sozialisiert worden sei, und die Asylvorbringen erwiesen sich als un-

glaubhaft, weshalb deren Asylrelevanz nicht zu prüfen sei. Sie erfülle die 

Flüchtlingseigenschaft daher nicht. 

Die gesetzliche Regelfolge der Ablehnung des Asylgesuchs sei die Weg-

weisung aus der Schweiz. Weiter seien die Angaben der Beschwerdefüh-

rerin zu ihrer geltend gemachten Herkunft sowie zu ihrer persönlichen und 

familiären Situation in Somalia nach dem bisher Erwogenen unglaubhaft 

(substanzarme Angaben zur Verwandtschaft der Stieffamilie trotz angeb-

lich häufiger Besuche; Unwissen betr. deren Clanzugehörigkeit und zum 

vorherrschenden Clan in ihrem Wohnquartier in Mogadischu; völlig unsub-

stanziierte generelle Kenntnisse über Mogadischu; unsubstanziierte und 

widersprüchliche Schilderung der [Aus-] Reiseumstände), und sie habe 

auch keine Identitätspapiere vorgelegt. Die erstellte Sprach- und Her-

kunftsanalyse bestätige denn auch, dass sie definitiv nicht im D._______ 

Distrikt in Mogadischu sozialisiert worden sei, wogegen sie insbesondere 

auch aufgrund der Besonderheiten in ihrer Sprache vielmehr in Nordsoma-

lia oder in einer somalischen Diaspora in einem Arabisch sprechenden 

Land sozialisiert worden sein müsse. Es sei mithin von einer versuchs-

weise Verheimlichung beziehungsweise Verschleierung ihrer Identität aus-

zugehen. Zwar seien die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des 

Vollzugs grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen. Indessen finde diese 

Untersuchungspflicht nach Treu und Glauben ihre Grenzen an der Mitwir-

kungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch der 

Substanziierungslast unterlägen (Art. 7 AsylG). Mit ihren unglaubhaften An-

gaben zu ihren Asylgründen sowie den Angaben zu ihrer Herkunft und zu 

ihrer persönlichen und familiären Situation habe sie die ihr obliegende Mit-

wirkungsplicht grob verletzt. Durch dieses Verhalten verunmögliche sie 

eine sinnvolle Prüfung der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des 

Wegweisungsvollzugs. Gemäss Lehre könne eine grobe Verletzung der 

Mitwirkungspflicht den Vollzug einer Wegweisung nicht verhindern, wenn 

Gesuchstellende eine sinnvolle Prüfung betreffend eine drohende Gefähr-

dung im Heimat- oder Herkunftsstaat verunmöglichten, und gemäss Praxis 

des Bundesverwaltungsgerichts sei es nicht Sache der Asylbehörden, bei 

fehlenden Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in 

hypothetischen Herkunftsländern bzw. -regionen zu forschen. Vorliegend 

habe somit die Beschwerdeführerin die Folgen ihrer unglaubhaften Identi-

tätsangaben und der Unglaubhaftigkeit ihres Sachverhaltsvortrags zu 

E-3244/2020 

Seite 13 

tragen, indem vermutungsweise einer Wegweisung an den bisherigen Auf-

enthaltsort keine Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 44 AsylG i.V.m. 

Art. 83 AIG entgegen stünden (unter Hinweis auf das Urteil des BVGer  

E-5677/2017 vom 17. Oktober 2017 E. 8.3.2). Aufgrund der schuldhaft und 

grob verletzten Mitwirkungspflicht bestehe kein Grund zur Annahme allfäl-

liger Hinweise auf die Flüchtlingseigenschaft, weswegen der Grundsatz 

der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht anwendbar sei. 

Aus den Akten ergäben sich auch keine Anhaltspunkte dafür, dass ihr im 

Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlich-

keit eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Zu-

dem sei die Möglichkeit einer Berufung auf des Übereinkommen über die 

Rechte des Kindes vom 20. November 1989 (KRK) mangels hinreichender 

Bestimmtheit insbesondere der dortigen Programmartikel eingeschränkt. 

Der Vollzug der Wegweisung sei nur dann unzulässig, wenn er auf einer 

Bestimmung des schweizerischen Rechts oder auf einer Behördenpraxis 

beruht, die mit den allgemeinen Richtlinien der KRK, namentlich mit deren 

Art. 22 nicht vereinbar sei. Die schweizerischen Behörden hätten diese 

Verpflichtungen gegenwärtig im Rahmen gewisser gesetzlicher und regle-

mentarischer Normen im Ausländer- und Asylrecht (insbesondere Art. 83 

AIG; Art. 46 AsylG; Art. 17 Abs. 2bis, Weisung SEM III/1.3) präzisiert und im 

ZGB sei der Schutz der ausländischen Minderjährigen während ihres Auf-

enthaltes in der Schweiz genügend geregelt. Der Vollzug der Wegweisung 

erweise sich somit als zulässig. Er sei zumindest in den Norden Somalias 

(Somaliland und Puntland) praxisgemäss auch als zumutbar zu erachten. 

Im Gegensatz zur andauernden Gewaltsituation in manchen Teilen Soma-

lias herrsche dort keine Situation allgemeiner Gewalt. Aufgrund ihrer un-

glaubhaften Angaben zu Herkunft, Lebensumständen und Beziehungsnetz 

in Somalia sowie der Lehre und Rechtsprechung zu den Konsequenzen 

einer groben Verletzung der Mitwirkungspflicht könne sie sich nicht auf die 

schlechte allgemeine Sicherheitslage in Mittel- und Südsomalia berufen. 

Vielmehr sei davon auszugehen, dass sie in besagte nördliche Landesteile 

Somalias zurückkehren könne, wo keine Situation allgemeiner Gewalt 

herrsche. Im Hinblick auf das Kindswohl sei zu berücksichtigen, dass sie 

sich erst seit wenigen Monaten in der Schweiz befinde und ihre Integration 

mithin gering sei. Den Akten liessen sich weiter keine Hinweise entnehmen, 

wonach sie über intensive Beziehungen zu wichtigen Bezugspersonen in 

der Schweiz verfüge oder ein entsprechendes Abhängigkeitsverhältnis be-

stehe. Die blosse Möglichkeit einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 stehe der 

Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen Gründen 

ebenso wenig entgegen wie die eingereichten ärztlichen Berichte betref-

fend vorgenommene (…)untersuchungen; der Röntgenbefund habe keine 

E-3244/2020 

Seite 14 

Hinweise auf eine solche Erkrankung ergeben. Der Vollzug der Wegwei-

sung sei im Übrigen möglich und durchführbar. 

4.3 In ihrer Rechtsmitteleingabe macht die Beschwerdeführerin vorbemer-

kend auf die bei Minderjährigen praxisgemäss herabgesetzten Anforderun-

gen an die Mitwirkungspflicht aufmerksam. Das SEM habe bei den Befra-

gungen und beim Lingua-Telefongespräch weder ihrer altersgemässen 

persönlichen Entwicklung noch ihrer psychischen und emotionalen Belas-

tung Rechnung getragen und sowohl ihre Erinnerungs- und Konzentrati-

onsschwierigkeiten als auch Indizien für eine Traumatisierung gänzlich un-

beachtet belassen. Seine Pflicht zur medizinischen Sachverhaltsabklärung 

von Amtes wegen habe es rechtswidrig an sie beziehungsweise ihre 

Rechtsvertretung abgeschoben. In eigener Initiative habe letztere nun eine 

kinderpsychologische Abklärung veranlasst, die sich aber pandemiebe-

dingt verzögere. Es gelte zu beachten, dass eine psychische Belastung 

und insbesondere eine Traumatisierung einen beträchtlichen Einfluss auf 

das Aussageverhalten hätten. Sie sei während des ganzen erstinstanzli-

chen Verfahrens minderjährig gewesen. Art. 12 Abs. 1 KRK schreibe vor, 

dass die Vertragsstaaten die Meinung eines Kindes, welches fähig ist, sich 

eine eigene Meinung zu bilden, angemessen und entsprechend seinem 

Alter und seiner Reife zu berücksichtigen hätten. Auch Art. 7 Abs. 5 AsylV 1 

gewährleiste eine kindsgerechte Anhörung. Schlüsselelemente seien da-

bei die Beachtung der kindlichen Entwicklung und Psychologie sowie eine 

kulturelle Sensibilität und interkulturelle Kommunikation. Dementspre-

chend dürften an den von Minderjährigen vorgebrachten Sachverhalt nicht 

dieselben strengen Voraussetzungen der Glaubhaftmachung geknüpft 

werden wie bei Erwachsenen. Minderjährigen fehle es zum Teil bereits an 

der Fähigkeit zu erkennen, welche Informationen wichtig und wesentlich 

seien, weshalb ihre Darstellung verzerrt erscheinen könne. Kindern könne 

es auch schwerfallen, Eingebildetes von der Wirklichkeit zu unterscheiden 

oder abstrakte Begriffe wie Zeit oder Entfernung zu fassen. Folglich gelte 

für sie ein tieferer Beweismassstab und der Lügenbegriff sei bei ihnen an-

ders zu bewerten als bei Erwachsenen. Im Zweifel sei zugunsten des Kin-

des zu entscheiden. Die Vorinstanz habe diesen herabgesetzten Beweis-

massstab nicht beachtet und insbesondere dem Umstand keine Rechnung 

getragen, dass sich die Ereignisse im Kindesalter zugetragen hätten und 

zudem bereits Jahre zurücklägen; ein Gehirn im Kindesalter speichere Ge-

schehnisse anders als im Erwachsenenalter, weshalb aus entwicklungs-

psychologischer Sicht Vergessen, Verzerren oder (bei Trauma) Verdrän-

gen wahrscheinlicher seien. Ihre Schilderungen seien unter Beachtung die-

ser Umstände nun durchaus plausibel und glaubhaft, zumal sie in 

E-3244/2020 

Seite 15 

Betrachtung der Protokolle zwar häufig eher kurz geantwortet habe, aber 

durchaus auch zur Preisgabe von Details fähig gewesen sei. Sie habe zu-

dem nicht über ihr Alter getäuscht. Des Weiteren spreche sie gemäss Lin-

gua-Analyse den somalischen Dialekt, der dem von ihr angegebenen Her-

kunftsdistrikt entspreche. Die Tatsache, dass sie Somalia vor Jahren im 

Kindesalter verlassen habe, müsse in die heutige Charakteristik ihres Dia-

lekts miteinbezogen werden. Mit Blick auf die kulturellen, bildungsfernen 

sowie altersbedingten Gegebenheiten werde aus den Protokollen zudem 

ersichtlich, dass sie trotz kurzem Erzählstil und Zurückhaltung in den Ant-

worten durchaus individuelle Inhalte wiedergegeben habe. Das SEM setze 

bei seiner Beurteilung auf einen abstrakten Massstab, wie ihre Aussagen 

seiner Meinung nach hätten ausfallen müssen. Neben den bereits erstin-

stanzlich erwähnten fänden sich in den Aussageprotokollen weitere Indi-

zien für einen echten Erlebnishintergrund, beispielsweise der Umstand, 

dass sie stets emotional, bedrückt, teilweise abwesend gewesen sei, an 

gewissen Stellen geweint und eine in sich gekehrte Körperhaltung einge-

nommen habe. Ihre Aussagen präsentierten sich konsistent, stimmig und 

im zeitlichen Rahmen eingebettet. Sie habe die 1000er-Note des Somali-

schen Schillings sowie den ortsnahen Markt richtig benennen können und 

mehrmals erwähnt, dass sie als Neugeborene noch mit der Nabelschnur 

gefunden worden sei. Aufgrund dieser Erkenntnisse müsse angenommen 

werden, dass sich ihre Vorbringen so zugetragen hätten und sie bis zum 

13. Lebensjahr in Mogadischu als Findelkind sozialisiert worden sei. So-

dann verweist die Beschwerdeführerin auf Art. 3 Abs. 2 AsylG, wonach den 

frauenspezifischen Fluchtgründen Rechnung zu tragen sei. Gemäss bun-

desverwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung (u.a. Urteil E-4912/2017 vom 

8. November 2017 und BVGE 2014/27 vom 6. August 2014) hätten Frauen, 

die intern vertrieben und/oder Opfer von sexueller Gewalt wurden, begrün-

dete Furcht vor zukünftiger Verfolgung. Insbesondere Minderheitenclans 

und alleinstehende Frauen und Kinder ohne Schutz eines erwachsenen 

männlichen Verwandten seien konkret gefährdet, erneut Opfer ge-

schlechtsspezifischer Verfolgung zu werden. Ein staatlicher Schutz stehe 

den betroffenen Frauen in Somalia grundsätzlich nicht zur Verfügung. Die 

SFH, Human Rights Watch sowie verschiedene andere Organisationen, 

staatliche Behörden und Medien bestätigten in ihren Berichten die prekäre 

Situation, Diskriminierung und Stigmatisierung von Frauen, die Opfer von 

in Somalia verbreiteter sexueller Gewalt wurden. Vergewaltigungstäter 

blieben trotz entsprechendem Straftatbestand meist straflos und es gebe 

in Somalia keine Gesetze, die häusliche Gewalt, Vergewaltigung innerhalb 

der Ehe und sexuelle Belästigung verbieten. Als minderjähriges, familien-

loses Opfer sexueller Gewalt ohne Wissen um die Zugehörigkeit zu einem 

E-3244/2020 

Seite 16 

Clan und ohne Schutz eines erwachsenen männlichen Verwandten erfülle 

sie die Voraussetzungen zur Anerkennung als Flüchtling und zur Asylge-

währung.  

Betreffend den Vollzug der Wegweisung sei dem Grundsatz des Kindes-

wohls (Art. 3 KRK) besondere Beachtung zu schenken. Dabei müssten alle 

an die Persönlichkeit des Kindes geknüpften Elemente wie Alter, Reife, 

Grad der Abhängigkeit, Art der Beziehungen zu den Betreuungspersonen, 

Ressourcen dieser Personen, Schulbildung beziehungsweise vorberufli-

che Ausbildung, Grad der Integration im Verhältnis zur Aufenthaltsdauer in 

der Schweiz sowie Chancen und Risiken einer Reintegration im Heimat- 

oder Herkunftsland berücksichtigt werden; dies vor dem Hintergrund der 

sozialen und wirtschaftlichen Realität in diesem Land. Gemäss Rechtspre-

chung (EMARK 2006/13) sei die Situation der minderjährigen Person dabei 

realistisch einzuschätzen, wobei nicht nur festzustellen sei, ob im jeweili-

gen Land Eltern oder andere Angehörige leben, beziehungsweise ob Dritt-

personen oder geeignete Einrichtungen zur Beherbergung und Betreuung 

vorhanden seien, sondern es sei abzuklären, ob die Person effektiv in ihr 

familiäres Umfeld zurückplatziert beziehungsweise – wenn dies nicht mög-

lich oder mit dem Kindeswohl unvereinbar ist – anderswo konkret unterge-

bracht und betreut werden könne. Das SEM habe sich nicht an diese Ver-

pflichtungen bei der Wegweisung von UMA gehalten, indem es sowohl die 

Aussagen zu ihrer persönlichen und familiären Situation als auch ihre Her-

kunft als nicht glaubhaft erachte, ihr eine Mitwirkungspflichtverletzung vor-

werfe und auf Unmöglichkeit einer sinnvollen Prüfung des Wegweisungs-

vollzugs schliesse. Das Kindeswohl klammere es dabei gänzlich aus. Den-

noch prüfe es die Zumutbarkeit der Wegweisung nach Somalia, namentlich 

in den nördlichen Teil Somalias und erkenne diesen als zumutbar, ohne zu 

untersuchen, ob sie einer Aufnahmeeinrichtung übergeben werden könne, 

die den Kindesschutz gewährleistet (unter Hinweis auf BVGE 2015/30  

E. 7.3). Eine Wegweisung nach Somalia sei aufgrund der aus aktuellen 

Länderberichten hervorgehenden aktuellen politischen und wirtschaftli-

chen Situation generell für alle Personen unzumutbar. Aufgrund ihrer Min-

derjährigkeit und ihrer Eigenschaft als Vergewaltigungsopfer liege zudem 

eine doppelt gelagerte Gefährdungssituation vor. Der Wegweisungsvollzug 

müsse daher unter dem Aspekt des Kindeswohls sowie der frauenspezifi-

schen Vorbringen geprüft werden, sollte nicht bereits ohne solche Nachfor-

schungen auf Unzumutbarkeit geschlossen werden können. Andernfalls 

wäre das Verfahren zur erneuten Sachverhaltsermittlung sowie zur Neube-

urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

E-3244/2020 

Seite 17 

Als Beweismittel gab die Beschwerdeführerin beschwerdeergänzend einen 

Austrittsbericht einer psychiatrischen Klinik vom 15. Oktober 2020 (betr. 

[…] Hospitalisation im Oktober 2020 aufgrund schwerer […] und […]), ei-

nen kinder- und jugendpsychiatrischen Bericht derselben psychiatrischen 

Klinik vom 18. Dezember 2020 (betr. […], Belastungen durch Erinnerungen 

an vergangene Erlebnisse und Erfahrungen, Symptome einer F._______ 

und zwischenzeitliche […]) sowie einen sozialpädagogischen Bericht der 

Bezugsperson im Asylzentrum vom (…) Dezember 2021. 

4.4 In seiner Vernehmlassung nimmt das SEM zunächst Bezug auf den 

eingereichten ärztlichen Bericht vom 15. Oktober 2020 und hält fest, dass 

aufgrund der im erstinstanzlichen Verfahren als unglaubhaft erkannten 

Herkunft der Beschwerdeführerin die Prüfung der Zumutbarkeit eines Weg-

weisungsvollzugs in Bezug auf ihre gesundheitlichen Beschwerden verun-

möglicht werde. Eine bestehende Suizidalität verstosse gemäss Praxis 

nicht gegen Art. 3 EMRK, wenn der wegweisende Staat Massnahmen er-

greife, um die Umsetzung einer Suiziddrohung zu verhindern. Allfälligen 

suizidalen Tendenzen könne im Falle einer (zwangsweisen) Rückführung 

bei der Ausgestaltung der Modalitäten durch angemessene und sorgfältige 

Vorbereitung mit geeigneten medizinischen und anderen Massnahmen 

(z.B. Begleitung durch medizinisches Fachpersonal) Rechnung getragen 

werden. Da die Beschwerdeführerin sich in der Schweiz in ärztlicher Be-

handlung befinde, könne einer allfällig erneut auftretenden akuten Suizida-

lität medikamentös und therapeutisch entgegengewirkt werden (unter Hin-

weis auf das Urteil des BVGer vom 23. Februar 2018 D-5796/2017 

E. 7.2.2). Hinsichtlich des (…)verdachts empfehle sich die Einreichung ei-

nes aktuellen ärztlichen Berichts beim Bundesverwaltungsgericht. Dem 

Einwand, dass nach psychologischen Erkenntnissen und aufgrund der 

Aussagepsychologie von Jugendlichen die Aussagen der Beschwerdefüh-

rerin durch die neuen Arztberichte in einem anderen Licht erschienen. sei 

entgegenzuhalten, dass das persönliche Profil sowie die gesundheitliche 

Verfassung der Beschwerdeführerin bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit 

der Angaben berücksichtigt worden seien. Die auf Beschwerdeebene ein-

gereichten neuen Unterlagen vermöchten seine Unglaubhaftigkeitsein-

schätzung und die erkannte Herkunftstäuschung nicht umzustossen. Die 

Beschwerdeschrift enthalte auch keine anderweitigen neuen erheblichen 

Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung des in der Verfügung 

Erwogenen bewirken könnten. 

4.5 Replikweise kritisiert die Beschwerdeführerin die aus ihrer Sicht un-

sorgfältigen und in keiner Weise Kindeswohl freundlichen Ausführungen 

E-3244/2020 

Seite 18 

gemäss der Vernehmlassung. Diese liessen einen Bezug zu entwicklungs-

psychologischen Erkenntnissen und die Berücksichtigung des in Art. 3 

KRK verankerten Kindeswohls vermissen. Darin wie auch bereits im Asyl-

entscheid nehme es zu allen Inhalten Stellung, die gegen die Beschwerde-

führerin sprächen, ohne eine Glaubhaftigkeitsprüfung mit dem geforderten 

herabgesetzten Beweismassstab (unter Berücksichtigung ihrer Minderjäh-

rigkeit, Herkunft, Erlebnisse und psychischen Belastung) vorzunehmen. 

Für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spreche zunächst – trotz anfängli-

cher unbegründeter Zweifel des SEM und dadurch ausgelöster unnötiger 

Zufügung gesundheitsschädigender Röntgenstrahlungen – die nachweisli-

che Plausibilität ihres angegebenen Alters und mithin ihrer Minderjährig-

keit. Weiter seien Konsistenz und Art ihrer Antworten stets dieselben und 

indivergent geblieben, was auf einen zurückhaltenden Kommunikationsstil 

hindeute und den Vorwurf undetaillierter und undifferenzierter Angaben zu 

ihrem Leben und zur Stieffamilie relativiere. Ihre Aussagen müssten viel-

mehr vor ihrem persönlichen Hintergrund und ihrer psychologischen Ver-

fassung betrachtet werden. Sie habe ihr Leben und ihre Asylgründe unter 

Berücksichtigung dieser Gegebenheiten widerspruchsfrei, emotional und 

ehrlich geschildert. In welcher Form das SEM ihr persönliches Profil und 

ihre gesundheitliche Verfassung bei der Glaubhaftigkeitsprüfung behaup-

tungsgemäss berücksichtigt habe, gehe weder aus der Vernehmlassung 

noch aus dem Asylentscheid hervor. Der aus den Berichten ersichtliche 

Umstand, dass sie auch nach vielen therapeutischen Sitzungen Mühe 

habe, ihre Erlebnisse der Psychologin mitzuteilen, sei vom SEM genauso 

wenig beachtet worden wie die Tatsache, dass es ihr schwerfalle, ein Ver-

trauen aufzubauen. Emotionale Ausbrüche und ihre innere Barriere würden 

vielmehr gegen sie verwendet, beispielsweise mit dem – angesichts der 

vorliegenden psychologischen Fachberichte erschütternden – Argument, 

sie hätte das Lingua-Gespräch aus Frustration beendet, da sie die Antwor-

ten nicht hätte liefern können. Emotionale Faktoren könnten die Aussagen 

vom Minderjährigen praxisgemäss aber durchaus beeinflussen, beispiels-

weise ein von Angst getriebenes Verändern oder Verschweigen von Fakten 

oder ein Verdrängen von traumatisierend wirkenden Ereignissen und Erin-

nerungen; gleichsam sei der Zeitablauf zwischen den Ereignissen und dem 

Anhörungszeitpunkt zu berücksichtigen (unter Hinweise auf BVGE 

2014/30 E. 2.3.4 und das BVGer-Urteil E-4050/2014 vom 21. Dezember 

2015 E. 5.5). Als minderjähriger Person dürfe ihr zudem nicht die Verlet-

zung ihrer Mitwirkungspflicht entgegengehalten werden, wenn sie sich 

nicht hinreichend kompetent auszudrücken vermöge (unter Hinweis auf 

das BVGer-Urteil E-5528/2013 vom 23. Januar 2015 E. 11.1). Auch die Tat-

sache, dass die Fragen im Lingua-Gespräch sich nicht von denen für 

E-3244/2020 

Seite 19 

Erwachsene unterschieden hätten, sei unberücksichtigt geblieben. Sie 

habe bloss 13 Jahre in ihrer Heimat gelebt und habe daher die Preise für 

bestimmte Alltags- und Haushaltsartikel nicht wissen können. Die in der 

linguistischen Analyse gewonnene Erkenntnis, dass sie fliessend Soma-

lisch spreche, dies ihre Muttersprache sei und es im Dialekt auch dem ent-

spreche, was im Heimatdistrikt der Beschwerdeführerin gesprochen 

werde, bleibe seitens des SEM ebenfalls gänzlich unberücksichtigt und 

werde stattdessen dahingehend zu ihren Lasten ausgelegt, als dies noch 

kein Beweis für ihre Herkunft aus Mogadischu, sondern lediglich ein Hin-

weis auf ihre Sozialisierung in einem Milieu darstelle, wo dieser Dialekt ge-

sprochen werde. Eine solche Einseitigkeit und Unausgewogenheit sei ge-

rade bei minderjährigen und mithin besonders schutzbedürftigen Asylsu-

chenden unangebracht. Selbst bei einer Verletzung der Mitwirkungspflicht 

müsste das SEM Abklärungen bezüglich des Vorhandenseins eines sozia-

len Netzes tätigen, solange die Minderjährigkeit nicht bestritten sei (unter 

Hinweis auf das BVGer-Urteil E-1279/2014 vom 7. September 2015, E. 

5.3.2). Betreffend die Suizidalität in Verbindung mit einem Wegweisungs-

vollzug sei schliesslich auf das Urteil E-6277/2020 vom 12. Januar 2020 

hinzuweisen, wonach das Kindeswohl und namentlich die psychische und 

physische Gesundheit nicht unberücksichtigt belassen werden dürfe.  

4.6 Beschwerdeergänzend macht die Beschwerdeführerin nebst ihrer Kri-

tik an der langen und dem Kindeswohl zuwiderlaufenden Verfahrensdauer 

insbesondere auf ihren weiterhin labilen und durch einen (…) Eingriff An-

fang 2021 zusätzlich belasteten psychischen Gesundheitszustand und auf 

ihre allgemein schwierige Gefühlslage aufmerksam. Dem beiliegenden kin-

der- und jugendpsychiatrischen Abschlussbericht vom 13. April 2021 gin-

gen eine (…) sowie der Verdacht auf eine F._______ hervor, verbunden mit 

(…)- und (…)störungen, (…) Episoden (mit Notfalleinweisung im […] 2021) 

und körperlichen Beschwerden, wobei die Ursachen in Misshandlungen in 

der Heimat und während der Flucht sowie in der Ungewissheit über den 

Ausgang des Asylverfahrens und in Zukunftsängsten zu vermuten seien. 

Es sei eine langandauernde Psychotherapie in einem stabilen Umfeld not-

wendig. Sie habe weiterhin Mühe, über ihre Erlebnisse in der Vergangen-

heit zu sprechen und diese würden aufgrund einer zu befürchtenden Ret-

raumatisierung therapeutisch nicht angesprochen, weshalb die Therapie 

temporär habe abgebrochen werden müssen, bis eine Verbesserung ihrer 

Lebenssituation eintrete. Die psychologischen Erkenntnisse seien zwin-

gend betreffend ihr Aussageverhalten als Minderjährige im Asylverfahren 

und insbesondere im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung zu berücksich-

tigen. Es sei nach dem Gesagten nachvollziehbar, dass sie auch im 

E-3244/2020 

Seite 20 

erstinstanzlichen Verfahren Schwierigkeiten gehabt habe, sich entspre-

chend den Erwartungen der Vorinstanz auszudrücken. Zudem sei unter 

den gegebenen Umständen ein Wegweisungsvollzug jedenfalls als unzu-

lässig und unzumutbar einzustufen. 

5.  

5.1  

5.1.1 Das SEM ist nach korrekter und vollständiger Sachverhaltsabklärung 

und -feststellung mit überaus einlässlicher, weitgehend überzeugender und 

zureichend auf die Akten abgestützter Begründung zur zutreffenden Er-

kenntnis gelangt, die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen würden 

den Anforderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit nicht genügen, 

weshalb kein Anspruch auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und 

Gewährung des Asyls bestehe. Diese Erwägungen und im Besonderen 

auch jene betreffend die Unglaubhaftigkeit der angeblichen Hauptsoziali-

sation in Mogadischu, der Benachteiligungen durch Nachbarsfrauen, 

Schüler oder Lehrer sowie der konkreten Umstände der geltend gemach-

ten Vergewaltigung und der versuchten Anzeigeerstattung sind nicht zu be-

anstanden. Es kann insoweit zur Vermeidung von Wiederholungen auf die 

Inhalte der angefochtenen Verfügung (vgl. dort E. II) und die Vernehmlas-

sung sowie die zusammenfassenden Wiedergaben oben (E. 4.2 [1. Ab-

schnitt]) und E. 4.4) verwiesen werden, soweit nicht nachfolgend noch 

punktuelle Relativierungen zu erörtern sind.  

5.1.2 Die Beschwerde, die Replik und die verschiedenen Ergänzungseiga-

ben der Beschwerdeführerin öffnen betreffend Flüchtlingseigenschaft und 

Asyl keine gegenüber diesen Erkenntnissen grundlegend andere Betrach-

tungsweise: Durchaus beachtenswert ist der Hinweis auf die bei Minder-

jährigen praxisgemäss herabgesetzten Anforderungen an die Mitwirkungs-

pflicht und ebenso an das Glaubhaftmachen. Dass das SEM diesen As-

pekten im Rahmen der Würdigung der behaupteten Verfolgungslage keine 

Beachtung geschenkt und bei den Befragungen und beim Lingua-Telefon-

gespräch weder der altersgemässen persönlichen Entwicklung noch der 

psychischen und emotionalen Belastung der Beschwerdeführerin Rech-

nung getragen habe, kann in der geltend gemachten Form aufgrund der 

Akten nicht gestützt werden. Immerhin wäre es der Ausgewogenheit der 

Beurteilung dienlicher gewesen, wenn das SEM das mehrjährige Zurück-

liegen (bis maximal zum 13. Lebensjahr) der behauptungsgemässen Ver-

folgungsereignisse im Zeitpunkt der Befragungen und Anhörungen eben-

falls in den Entscheid hätte einfliessen lassen (vgl. dazu BVGE 2014/30 E. 

2.3.4 sowie das Urteil des BVGer E-4260/2022 E. 5.2.4). Am gewonnenen 

E-3244/2020 

Seite 21 

Ergebnis unglaubhafter Asyl- und Herkunftsvorbringen ändert dies jedoch 

vorliegend nichts. Der Vorwurf, das SEM sei seiner Pflicht zur medizini-

schen Sachverhaltsabklärung nicht nachgekommen und habe diese 

rechtswidrig an die Beschwerdeführerin beziehungsweise ihre Rechtsver-

tretung abgeschoben, ist schon deshalb nicht gerechtfertigt, weil die Be-

schwerdeführerin im gesamten bisherigen Asylverfahren wenig Bereit-

schaft zeigte, an ihrer psychiatrischen Behandlung ernsthaft mitzuwirken 

und über ursächliche Ereignisse zu sprechen. Dies scheint sich auch in der 

Folge nicht verbessert zu haben. So geht beispielsweise aus dem mit Ein-

gabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 5. Juli 2021 beigelegten Ab-

schlussbericht der Kinder- und Jugendpsychiatrie G._______ vom 13. April 

2021 hervor, dass sich die Beschwerdeführerin nicht an Termine hielt und 

mehrfach vereinbarten Sitzungen fernblieb. Anfang April 2021 wurde ge-

meinsam entschieden, die therapeutische Zusammenarbeit zu beenden. 

Die Beschwerdeführerin sei aktuell nicht bereit, in die Therapie zu kom-

men. Sie warte nun einfach auf den erneuten Asylentscheid.  

Dass die Beschwerdeführerin in den vorinstanzlichen Anhörungen neben 

häufig kurzen Antworten punktuell auch zur Angabe von Details fähig ge-

wesen sei und zudem nicht über ihr Alter getäuscht habe, führt noch nicht 

zur Annahme der Glaubhaftigkeit der Herkunfts- und Verfolgungsvorbrin-

gen, sondern dies sind Teile ihrer Mitwirkungspflicht, die auch bei Minder-

jährigen erwartet und vorausgesetzt werden. Das SEM hat im Weiteren 

zutreffend und ausgewogen argumentiert, dass die Beschwerdeführerin 

den somalischen Dialekt des angegebenen Herkunftsdistrikts spreche, hin-

gegen daraus noch kein automatischer Rückschluss auf die Glaubhaf-

tigkeit dieser Herkunftsbehauptung, sondern bloss – aber zureichend – auf 

die Sozialisierung in einem entsprechenden Dialektmilieu gezogen werden 

kann. Die von der Beschwerdeführerin gerügte Nichtberücksichtigung der 

Tatsache, dass sie Somalia Jahre zuvor im Kindesalter verlassen habe und 

dieser Umstand in die Charakteristik ihres Dialekts hätte einbezogen wer-

den müssen, trifft nicht zu. In der angefochtenen Verfügung (dort E. II/1) 

wurden die angeblichen Auslandaufenthalte zwischen der Ausreise aus 

Somalia und der Einreise in die Schweiz – insbesondere Jemen und Libyen 

– in die Würdigung explizit einbezogen, ohne sich bereits klar auf einen 

ausserhalb Mogadischus liegenden Sozialisationsort (z.B. Nordsomalia 

oder Jemen) festzulegen. Der entscheidende, gegen eine Sozialisation in 

Mogadischu und mithin gegen die Wahrheitskonformität der angeblich dort 

erlebten Verfolgungsereignisse sprechende Faktor bildet die zulasten der 

Beschwerdeführerin ausfallende Würdigung der überaus mangelhaften 

und erst im Nachhinein aufgebesserten landeskundlich-kulturellen 

E-3244/2020 

Seite 22 

Kenntnisse betreffend diesen angeblichen Hauptsozialisationsort. Diese 

vom SEM umfassend vorgenommene Würdigung ist nicht zu beanstanden 

und die betreffende Gegenargumentation beschränkt sich auf die Nennung 

punktueller Indizien für einen dennoch denkbaren echten Erlebnishinter-

grund. Diese reichen zur Annahme einer überwiegenden Wahrscheinlich-

keit und mithin der Glaubhaftigkeit der Vorbringen nicht aus. Mit der zu 

stützenden vorinstanzlichen Erkenntnis einer unglaubhaften Herkunft aus 

und Sozialisation in Mogadischu und der bereits daraus, aber auch aus 

anderen zutreffend erkannten Elementen sich ergebenden Unglaubhaf-

tigkeit der (allesamt auf Mogadischu lokalisierten) Verfolgungsvorbringen 

verliert der Hinweis in der Beschwerde, wonach den frauenspezifischen 

Fluchtgründen und dem Kindeswohl (in den Befragungen und Anhörungen) 

praxiswidrig ungenügend Rechnung getragen worden sei, an Schlagkraft. 

Vielmehr ist aufgrund der gesamten Akten und Umstände davon auszuge-

hen, dass die damals zwar unbestritten minderjährige Beschwerdeführerin 

weder ein Findelkind noch familienlos noch unwissend über ihre Clanzu-

gehörigkeit noch Opfer der geltend gemachten sexuellen Gewalt ist bezie-

hungsweise war. Daran ändert letztlich der Umstand nichts, dass sie im 

Verlaufe des Verfahrens auch emotionale und mentale Reaktionen gezeigt 

hat. Das Bundesverwaltungsgericht erachtet alle angefertigten Befra-

gungs- und Anhörungsprotokolle als für die gewonnene Erkenntnis (Un-

glaubhaftigkeit der Herkunfts- und Verfolgungsvorbringen) verwertbar. 

Dass aus diesen ein (laut Replik) zurückhaltender Kommunikationsstil der 

Beschwerdeführerin hervorgeht, ist nicht in Abrede zu stellen. Diese Fest-

stellung dient indessen nicht der Relativierung des vorinstanzlichen Vor-

wurfs undetaillierter und undifferenzierter Angaben, sondern festigt jenen 

betreffend einer von der Beschwerdeführerin begangenen Mitwirkungsver-

letzung bezüglich Herkunft, Hauptsozialisationsort, Clanzugehörigkeit so-

wie familiären beziehungsweise verwandtschaftlichen Hintergrund.  

5.1.3 Somit ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin keine im Sinne 

von Art. 7 AsylG glaubhaften Benachteiligungen erlebt oder objektiv be-

gründeterweise zu befürchten hat. Die Feststellung der Unglaubhaftigkeit 

von Asylvorbringen führt zum rechtslogisch konsequenten Verzicht auf eine 

Prüfung deren Asylrelevanz nach Massgabe der gesetzes- und praxisge-

mässen Anforderungen von Art. 3 AsylG, zumal es nunmehr an einem un-

ter diese Bestimmung subsumierbaren und einer Würdigung der flücht-

lingsrechtlichen Beachtlichkeit zugänglichen Sachverhalt fehlt. In Stützung 

der vorinstanzlichen Erkenntnisse besteht kein Anspruch der Beschwerde-

führerin auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des 

Asyls. 

E-3244/2020 

Seite 23 

5.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Dies wird 

in der Beschwerde auch nicht bestritten. 

5.3  

5.3.1 Die Vorinstanz hat im Weiteren den Wegweisungsvollzug zu Recht 

als zulässig, zumutbar und möglich erkannt. Zur Vermeidung von Wieder-

holungen kann auch hierzu auf die zu bestätigenden, umfassenden und 

praxisgestützten Ausführungen des SEM in der angefochtenen Verfügung 

(dort E. III) sowie auf die vorstehende Zusammenfassung (vgl. oben E. 4.2 

[2. Abschnitt]) und E. 4.4) verwiesen werden.  

5.3.2 Die Beschwerde öffnet auch diesbezüglich keinen neuen Blickwinkel: 

Angesichts der zu bestätigenden vorinstanzlichen Erkenntnis, wonach auf-

grund der Mitwirkungsverletzung und Täuschungsabsicht der Beschwer-

deführerin die Untersuchungs- und die Prüfungspflicht der Asylbehörden 

hinsichtlich des Wegweisungsvollzuges beschränkt seien, ist praxisge-

mäss von der Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzuges (Zulässigkeit, 

Zumutbarkeit und Möglichkeit) und insbesondere vom Nichtbestehen einer 

existenziellen Notlage – zumindest in Nordsomalia, wo im Gegensatz zu 

anderen Landesteilen nach konstanter Praxis keine Situation allgemeiner 

Gewalt herrscht – auszugehen; es besteht daher keine Notwendigkeit zur 

Vornahme weiterer Abklärungen. Zudem ist festzuhalten, dass sich die Be-

schwerdeführerin seit ihrer Einreise in die Schweiz im Alter von 16 Jahren 

nur noch am Rande in einer entscheidenden Phase der Persönlichkeits-

prägung befunden hat. Mit besonderem Bezug auf die KRK, das dort in 

Art. 3 verbriefte Kindeswohl und die damit verbundene Beurteilung der Zu-

mutbarkeitsfrage ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin inzwischen 

volljährig geworden ist und sich daher nicht mehr auf diese Konvention 

oder auf die minderjährigenspezifische Praxis (vgl. dazu BVGE 2014/20 

E. 8.3.6; 2009/51 E. 5.6, je m.w.H.) berufen kann. Insbesondere kann im 

heutigen Zeitpunkt auch auf die nach Art. 69 Abs. 4 AIG geforderte Sicher-

stellung verzichtet werden, dass eine unbegleitete minderjährige Person 

im Rückkehrstaat einem Familienmitglied, einem Vormund oder einer Auf-

nahmeeinrichtung übergeben werden kann, welche den Schutz des Kindes 

gewährleisten (vgl. dazu BVGE 2015/30 E. 7.3 m.w.H.). Es erübrigt sich 

daher, eine allfällige entsprechende Missachtung dieser Praxis durch das 

SEM zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung (vgl. Be-

schwerde Ziff. B/II/6) zu erörtern. An den gewonnenen Erkenntnissen 

E-3244/2020 

Seite 24 

ändert der Umstand nichts, dass das Bundesverwaltungsgericht die ge-

setzliche Vorgabe einer prioritären Behandlung von Verfahren von unbe-

gleiteten Minderjährigen (vgl. Art. 17 Abs. 2bis AsylG) vorliegend bedauerli-

cherweise nicht einhalten konnte, die Beschwerdeführerin dadurch zwi-

schenzeitlich ihre Volljährigkeit erreicht hat und sie mithin erst dadurch ihre 

gesetzes- und praxisgemäss privilegierte Stellung als UMA bei der Beur-

teilung der Frage des Wegweisungsvollzuges verloren hat.  

Als Folge ihrer Mitwirkungspflichtverletzung und Täuschungsabsicht muss 

die Beschwerdeführerin praxisgemäss die daraus fliessenden negativen 

Konsequenzen tragen (vgl. statt vieler: Urteile des BVGer E-5796/2019 

vom 19. Mai 2021, E. 8.13; E-2085/2019 vom 25. November 2020 E. 8.2; 

D-5001/2019 vom 31. Dezember 2020, E. 8.3; D-4408/2020,10. November 

2020, E. 8.4; E-4028/2020 vom 25. August 2020, E. 8.2), insbesondere 

dass medizinische Behandlungsmöglichkeiten in der Heimat betreffend 

ihre (behauptungsgemässen und teilweise aktenkundig ausgewiesenen) 

psychischen und physischen Anliegen durch die Asylbehörden nicht ver-

tiefter abgeklärt und auf ihre Bedeutsamkeit für die Beurteilung der Zumut-

barkeitsfrage näher gewürdigt werden können. In diesem Zusammenhang 

geht jedoch aktuell aus dem an das Bundesverwaltungsgericht gerichteten 

Schreiben der Beschwerdeführerin vom 28. Juni 2023 erhellend hervor, 

dass die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge ohne weiteres in 

der Lage war, sich bereits «bestmöglichst» zu integrieren, die hiesige Spra-

che «gut» zu erlernen und sie aktuell sogar aktive Erfahrungen auf dem 

hiesigen Arbeitsmarkt in Form eines Schnupperpraktikums als Fachange-

stellte in einem (…) sammelt. Weiter geht aus dem Schreiben hervor, dass 

sich die Beschwerdeführerin darüber hinaus anscheinend auch befähigt 

fühlen würde, in naher Zukunft gar eine Lehrstelle anzutreten. Die Be-

schwerdeführerin ist somit in der Lage, sich in einem neuen Umfeld zu in-

tegrieren, ist willens, aktiv einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, ist bereit 

(Sprach-)Kompetenzen zu erlernen und Verantwortung zu tragen, wie 

auch – im Lichte der Tätigkeit in einem (…) – sich gar um die Pflege und 

Bedürfnisse Dritter zu kümmern. Auch vor diesem Hintergrund ist die ob-

genannte Schlussfolgerung sicherlich nicht zu beanstanden. 

Im Hinblick auf die zu bestätigende Möglichkeit des Wegweisungsvollzu-

ges (vgl. Art. 83 Abs. 2 AIG) ist im Übrigen darauf hinzuweisen, dass es der 

nach wie vor mitwirkungsverpflichteten Beschwerdeführerin obliegt, sich 

bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr 

notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und 

dazu auch BVGE 2008/34 E. 12). 

E-3244/2020 

Seite 25 

Der Vollzug der Wegweisung ist nach dem Gesagten als zulässig, zumut-

bar und möglich zu bezeichnen. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme 

fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Be-

schwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf deren Erhe-

bung ist jedoch angesichts der mit Instruktionsverfügung vom 2. Juli 2020 

gewährten unentgeltlichen Prozessführung zu verzichten. 

7.2 Mit besagter Instruktionsverfügung wurde die vormalige Rechtsvertre-

terin als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Mit Zwischenverfügung 

vom 15. März 2022 wurde sie von ihrem Mandat entbunden und gleichzei-

tig wurde die rubrizierte Rechtsvertreterin als neue amtliche Rechtsbei-

ständin beigeordnet. Beide erfüllten ihre Mandate für die Caritas Schweiz. 

In den Erwägungen der Zwischenverfügung vom 15. März 2022 hielt der 

Instruktionsrichter fest, dass – vorbehältlich einer umgehenden anderslau-

tenden Erklärung – davon auszugehen sei, die vormalige Rechtsvertreterin 

übertrage ihren Anspruch auf amtliches Honorar an die Caritas Schweiz. 

Eine entsprechende anderslautende Erklärung ist nicht eingegangen. Die 

neu eingesetzte Rechtsvertreterin ist einzig mit einer Verfahrensstandsan-

frage in Erscheinung getreten, weshalb es sich rechtfertigt, das gesamte 

Honorar der Caritas Schweiz auszurichten und eine allfällige interne Auf-

teilung dieser Trägerschaft zu überlassen. Von den insgesamt zwölf Einga-

ben an das Bundesverwaltungsgericht im vorliegenden Verfahren sind de-

ren fünf (Eingänge zwischen 3. Februar 2021 und 26. Januar 2022) mit der 

Angabe des Zeitaufwandes versehen, wobei das Total von 6.25 Stunden 

leicht überhöht erscheint. Die weiteren Aufwendungen (inkl. jene für die 

Abfassung der Beschwerde vom 24. Juni 2020) lassen sich zuverlässig 

abschätzen. Der Caritas Schweiz ist in Berücksichtigung der massgebli-

chen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) und unter Anwendung des 

Stundenansatzes von Fr. 150.– (vgl. Zwischenverfügung vom 2. Juli 2020 

S. 3) ein amtliches Honorar von insgesamt Fr. 3’000.– (inklusive Auslagen 

und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) für 

E-3244/2020 

Seite 26 

die notwendigen Aufwendungen ihrer beiden im vorliegenden Beschwer-

deverfahren amtlich beigeordneten Mitarbeiterinnen auszurichten.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3244/2020 

Seite 27 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Der Caritas Schweiz wird für die Aufwendungen ihrer beiden im vorliegen-

den Beschwerdeverfahren amtlich beigeordneten Mitarbeiterinnen ein Ho-

norar von insgesamt Fr. 3’000.– zulasten der Gerichtskasse ausgerichtet.  

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Lorenz Noli Urs David 

 

 

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