# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 170c1f1e-5790-585d-9d31-c5e37370a134
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.09.2010 D-5908/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5908-2010_2010-09-03.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5908/2010/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Richter Martin Zoller (Vorsitz),
Richter François Badoud,
Richter Bendicht Tellenbach; 
Gerichtsschreiber Daniel Widmer.

A._______, geboren (...),
und deren Kinder B._______, geboren (...),
und C._______, geboren (...),
Kolumbien,
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Einreisebewilligung und Asyl;
Verfügung des BFM vom 27. Mai 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5908/2010

Sachverhalt:

A.
Die Beschwerdeführerin  suchte mit  Schreiben vom 18. Mai  2009 an 
die Schweizer Botschaft  in Bogotá für  sich und (...)  sinngemäss um 
Asyl  nach.  Das  spanischsprachige  Schreiben,  welches  am  22.  Mai 
2009  bei  der  Schweizer  Botschaft  einging,  war  durch  mehrere 
Beilagen ergänzt.

Zur Begründung führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, 
sie habe zusammen mit ihrem Ehemann und (...) in der Nähe von (...)  
gewohnt, welche Region während des bewaffneten Konflikts in Kolum-
bien von den Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC) 
und  den  Paramilitärs  (Autodefensas)  umkämpft  worden  sei.  Viele 
unschuldige Bewohner seien unter dem Vorwurf der Kollaboration mit 
der Gegenpartei getötet und die übrigen, um demselben Schicksal zu 
entgehen,  vertrieben  worden.  Vor  diesem  Hintergrund  seien  (...) 
umgebracht und (...) mit dem Tod bedroht worden. Im Jahr 1999 seien 
sie  und  ihre  Familie  von  bewaffneten  Gruppierungen  der  Konflikt-
parteien  bedroht  und  vertrieben  worden,  weshalb  sie  sich  im  Jahr 
2000 zum Umzug nach (...) gezwungen gesehen habe. Dort seien sie 
innerhalb des Stadtgebiets  (...)  Mal  umgezogen. Im Jahr 2007 habe 
sie  sich  von ihrem Ehemann getrennt  und  sei  mit  den  Kindern  von 
Bogotá weggezogen. Vom (...) bis (...) habe sie in (...) gearbeitet. Weil 
sich auch dort die beiden Konfliktparteien bekämpft hätten, habe sie 
wieder nach (...) zurückziehen müssen. Unter diesen schwierigen Um-
ständen und wegen der Menschenrechtsverletzungen ersuche sie um 
Hilfe.

Mit Schreiben vom 6. Juli 2009 setzte die Schweizer Botschaft der Be-
schwerdeführerin eine 30-tägige Frist zur Beantwortung von (...) Fra-
gen.  Das  weder  datierte  noch  unterzeichnete  Antwortschreiben  der 
Beschwerdeführerin samt diversen Beilagen traf am 10. August 2009 
bei der Schweizer Botschaft  ein. Diese sandte das Antwortschreiben 
am 25. August  2010 mit der Aufforderung um Unterzeichnung an die 
Beschwerdeführerin  zurück,  woraufhin  es  unterzeichnet  am 
2. September 2009 bei der Schweizer Botschaft eintraf.

B.
Die von der Beschwerdeführerin eingereichten Eingaben samt Bei la-
gen  wurden  von  der  Schweizer  Botschaft  mit  Schreiben  vom 

Seite 2

D-5908/2010

8. September 2009 an das BFM weitergeleitet; diese führte dabei aus, 
dass eine persönliche Befragung der Beschwerdeführerin aus Kapazi-
tätsgründen nicht möglich sei.

C.
Mit  Zwischenverfügung vom  16.  Februar  2010  (Versand  am 
17. Februar 2010) teilte das BFM der Beschwerdeführerin durch Ver-
mittlung  der  Schweizer  Botschaft  mit,  dass  es  aufgrund  der  Akten, 
namentlich der schriftlichen Begründung des Asylgesuchs sowie der 
beigelegten  ausführlichen  Dokumentation,  den  entscheidrelevanten 
Sachverhalt als erstellt erachte und sich daher eine Anhörung auf der 
Botschaft  als  nicht  notwendig  erweise.  Unter  Berücksichtigung  na-
mentlich  der  Beziehungsnähe  der  asylsuchenden  Personen  zur 
Schweiz,  deren  Assimilationsmöglichkeiten  in  der  Schweiz,  der 
aktuellen Gefährdung im Heimatstaat,  der Möglichkeit  der Schutzsu-
che  in  einem  anderen  Staat  und  des  öffentlichen  Interesses  der 
Schweiz erwäge das BFM, die Asylgesuche abzulehnen und die Ein-
reisebewilligung  zu  verweigern.  Insbesondere  erachte  das  BFM  die 
Beschwerdeführenden  als  nicht  schutzbedürftig  und  die  Möglichkeit 
einer anderweitigen Schutzsuche als gegeben. Zu diesen Ausfüh-run-
gen  wurde  der  Beschwerdeführerin  eine  Frist  von  30  Tagen  zur 
Stellungnahme gesetzt.

Das BFM ersuchte die Schweizer Botschaft um umgehende Informa-
tion, falls seine Zwischenverfügung unzustellbar sein oder sich die Be-
schwerdeführerin nicht innert der gesetzten Frist äussern sollte.

D.
Mit  Schreiben vom 7. April  2010 teilte  die Schweizer Botschaft  dem 
BFM mit, dass sie von der Beschwerdeführerin seit der Zustellung der  
Zwischenverfügung nichts  mehr  gehört  habe  und  die  Frist  von  30 
Tagen für eine Stellungnahme demnach abgelaufen sei.

E.
Mit  am 21. Juni  2010  über  die  Schweizer  Botschaft  versandter  Ver-
fügung  vom  27.  Mai  2010  verweigerte  das  BFM  den  Beschwerde-
führenden die Einreise in die Schweiz und lehnte deren Asylgesuche 
ab.

Zur  Begründung  führte  das  BFM im Wesentlichen aus,  bei  den  Be-
schwerdeführenden handle es sich nicht um landesweit bekannte Per-

Seite 3

D-5908/2010

sönlichkeiten, weshalb nicht davon auszugehen sei, dass sie von den 
Verfolgern auf nationaler Ebene gesucht würden. Auch wären die Ver-
folger kaum in der Lage, die Beschwerdeführenden an einem beliebi-
gen Ort in Kolumbien ausfindig zu machen. Deshalb sei auf das Be-
stehen  einer  innerstaatlichen  Fluchtalternative  zu  schliessen.  Mithin 
seien  sie  keiner  unmittelbaren  Gefahr  im  Sinne  des  Asylgesetzes 
ausgesetzt  und  bedürften  dementsprechend  nicht  des  Schutzes der 
Schweizer  Behörden.  Zudem  machten  sie  keine  besonders  nahen 
Beziehungen  zur  Schweiz  geltend.  Unter  diesen  Umständen  sei  es 
ihnen zuzumuten, in einem anderen Land als der Schweiz um Schutz 
nachzusuchen,  beispielsweise  in  einem  der  Nachbarstaaten  Kolum-
biens,  welche  sowohl  das  Abkommen  vom  28. Juli  1951  über  die 
Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  als  auch  das  ent-
sprechende Zusatzprotokoll vom 31. Juli 1967 ratifiziert hätten.

F.
Mit Eingabe vom 26. Juli 2010 an die Schweizer Botschaft, welche mit 
Schreiben  vom  12.  August  2010  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
weitergeleitet  wurde,  beantragten  die  Beschwerdeführenden  sinn-
gemäss, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihnen die 
Einreise  in  die  Schweiz  zu  bewilligen  beziehungsweise  Asyl  zu  ge-
währen. Auf die Begründung wird, soweit für den Entscheid wesentlich, 
in den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als 
Vorinstanzen  gelten  die  in  Art.  33  VGG genannten  Behörden. Dazu 
gehören  Verfügungen  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls;  das 
Bundesverwaltungsgericht  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig 
(Art.  105  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  [AsylG,  SR  142.31]; 
Art. 83 Bst. c Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Das  Verfahren  richtet  sich  nach 

Seite 4

D-5908/2010

dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG,  soweit  das  AsylG  nichts 
anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).

1.2 Amtssprachen des Bundes sind das Deutsche, Französische und 
Italienische (vgl. Art. 70 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizeri-
schen Eidgenossenschaft  vom 18. April  1999 [BV, SR 101]). Die Be-
schwerde ist nicht in einer Amtssprache abgefasst. Auf die Ansetzung 
einer  Frist  zur  Beschwerdeverbesserung  kann  indessen  verzichtet 
werden, da der in Spanisch verfassten Beschwerdeeingabe genügend 
klare,  sinngemässe  Rechtsbegehren und deren  Begründung zu ent-
nehmen sind und ohne Weiteres darüber befunden werden kann.

1.3 Die angefochtene Verfügung wurde gemäss der der Beschwerde 
beigelegten Empfangsbestätigung vom 18. Juni 2010 am 21. Juli 2010 
eröffnet. Die Beschwerde traf gemäss Schreiben vom 12. August 2010 
und Eingangsstempel  der  Schweizer  Botschaft  am 27. Juli  2010 bei 
dieser ein und ist mithin rechtzeitig erfolgt.

1.4 Die Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt,  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  be-
ziehungsweise  Änderung und sind  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die – abgesehen vom 
unter E. 1.2 festgestellten Mangel – frist- und formgerecht eingereichte 
Beschwerde ist somit einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung eines Schriftenwechsels verzichtet.

4.
4.1 In  formeller  Hinsicht  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  gemäss 
Art. 19  AsylG ein  Asylgesuch  im Ausland bei  einer  schweizerischen 

Seite 5

D-5908/2010

Vertretung gestellt werden kann, welche es mit einem Bericht an das 
Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Ver-
tretung  führt  mit  der  asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine  Be-
fragung  durch (Art.  10  Abs. 1  der  Asylverordnung 1  vom 11. August 
1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311]).  Ist  dies  nicht 
möglich, so wird die asylsuchende Person von der Vertretung aufgefor-
dert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). 
Das Bundesverwaltungsgericht hat in Auslegung dieser Bestimmungen 
in  BVGE 2007/30 erkannt,  dass  sich  die  Unmöglichkeit  einer  Befra-
gung aus organisatorischen oder kapazitätsmässigen Gründen bei der 
jeweiligen  Vertretung,  aus  faktischen  Hindernissen  im  betreffenden 
Land oder aus bei der asylsuchenden Person liegenden persönlichen 
Gründen ergeben kann (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.2 und 5.3). Da die An-
hörung der Sachverhaltserstellung sowie der Gewährung des rechtli-
chen  Gehörs  dient  (vgl.  BVGE  a.a.O. E.  5.5),  ist  die  asylsuchende 
Person  bei  gegebener  Unmöglichkeit  einer  Anhörung  unter  Hinweis 
auf ihre Mitwirkungspflicht in einem individualisierten Schreiben mittels 
konkreter Fragen aufzufordern, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten; 
ein standardisiertes Schreiben vermag diesen Anforderungen damit in 
aller Regel nicht zu genügen (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.4). Allerdings kann 
sich  eine Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhalts-
abklärung erübrigen, wenn der Sachverhalt bereits aufgrund des ein-
gereichten Asylgesuchs als  entscheidreif  erstellt  erscheint;  der  asyl -
suchenden Person ist aber diesfalls immerhin im Sinne des rechtlichen 
Gehörs  die  Gelegenheit  zu  geben,  sich  zu  einem  abzusehenden 
negativen  Entscheid  zumindest  schriftlich  zu  äussern  (vgl.  BVGE 
a.a.O. E. 5.7). Schliesslich ist das Bundesamt in jedem Fall gehalten,  
das  Absehen  von  einer  Befragung  in  der  Verfügung  über  das  Asyl-
gesuch zu begründen (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.6 sowie 5.7).

4.2
4.2.1 Im vorliegenden Fall wurden die Beschwerdeführenden von der 
schweizerischen Vertretung in Bogotá zu ihren am 22. Mai 2009 einge-
gangenen  Asylgesuchen  vom  18.  Mai  2009  nicht  befragt,  da  die 
Botschaft  dazu  gemäss  Überweisungsschreiben  vom  8.  September 
2009 aus Kapazitätsgründen nicht in der Lage war; die Beschwerde-
führerin wurde indessen mittels Schreiben vom 6. Juli 2009 zur weite-
ren  Konkretisierung  ihrer  Asylgründe  aufgefordert.  Die  in  diesem 
Schreiben enthaltenen Fragestellungen decken sämtliche für die Beur-
teilung des Asylgesuches aus dem Ausland notwendigen Aspekte ab 
(vgl. dazu nachfolgende E. 5.2), namentlich die genauen Personalien 

Seite 6

D-5908/2010

der  asylsuchenden  Person,  deren  verwandtschaftliche  Beziehungen 
ausserhalb des Heimatstaates,  die Asylvorbringen,  die unternomme-
nen Massnahmen zur Schutzsuche, die Möglichkeit  einer innerstaat-
lichen  Fluchtalternative  sowie  die  Möglichkeit  der  Schutzsuche  in 
anderen  latein-  und  südamerikanischen  Staaten.  Die  Beschwerde-
führerin hat die ihr gestellten Fragen mit Eingabe vom 10.  August 2009 
(Eingangsstempel) ausführlich beantwortet und ihre  Angaben auffor-
derungsgemäss mit entsprechenden Beweismitteln unterlegt. Bei die-
ser Sachlage ist festzuhalten, dass im erstinstanzlichen Verfahren dem 
Anspruch der  Beschwerdeführenden auf  Gewährung  des rechtlichen 
Gehörs  grundsätzlich  Rechnung  getragen  und  der  entscheidwesent-
liche Sachverhalt in genüglicher Weise und umfassend abgeklärt wur-
de, zumal die Beschwerdeführerin ihre  Asylgründe bereits im Rahmen 
ihres schriftlichen Asylgesuchs vom 18. Mai  2009 ausführlich darge-
legt und in diesem Zusammenhang mehrere Beweismittel eingereicht 
hatte.

4.2.2 Die  Vorinstanz  hat  in  der  angefochtenen  Verfügung  zur  Be-
gründung  des  Verzichts  auf  eine  persönliche  Anhörung  auf  ihr  ent-
sprechendes  Schreiben  vom 16.  Februar  2010  an  die  Beschwerde-
führerin verwiesen. Damit ist  sie ihrer diesbezüglichen Begründungs-
pflicht nachgekommen. Daran vermag der Hinweis in der Beschwerde, 
die  Beschwerdeführerin  sei  auf  das  erwähnte  Schreiben  wegen 
während  der  letzten  Monate  erfolgter  Domizilwechsel  nicht  einge-
gangen und ersuche um Zustellung der Korrespondenz an ihre bishe-
rige Adresse in (...), da sie aus Sicherheitsgründen ihre gegenwärtige 
Adresse nicht bekanntgeben könne, nichts zu ändern.

5.
5.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 
Abs. 2 AsylG bewilligt  das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Ab-
klärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, 
im  Wohnsitz-  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes 
Land auszureisen.

5.2 Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung ei-
ner Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei 
den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt.  Neben  der 

Seite 7

D-5908/2010

erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich 
die Beziehungsnähe zur  Schweiz,  die Möglichkeit  der  Schutzgewäh-
rung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen 
Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur an-
derweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- 
und Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen (vgl. die weiter-
hin zutreffende Praxis  gemäss Entscheidungen und Mitteilungen der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15, insbe-
sondere S. 131 ff., welche angesichts bloss redaktioneller Änderungen 
bei der letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit 
hat). Ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung ist da-
bei  die  Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen  Personen  (vgl.  EMARK 
1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Ge-
fährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der 
Verbleib  am Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung 
zugemutet werden kann.

6.
6.1 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat,  
die  Beschwerdeführenden  hätten  in  ihrem Gesuch  keine  besonders 
nahen  Beziehungen  zur  Schweiz  geltend  gemacht.  Im  Weiteren  hat 
das Bundesamt zu Recht erwogen, dass es den Beschwerdeführen-
den zuzumuten sei, in einem anderen Land um Asylgewährung nach-
zusuchen (vgl. Art. 52 Abs. 2 AsylG). So sind beispielsweise die Nach-
barstaaten Brasilien, Ecuador, Panama und Peru Vertragsparteien so-
wohl  der  FK  als  auch  des  betreffenden  Zusatzprotokolls  vom 
31. Januar 1967; Venezuela wiederum hat zwar das Abkommen selbst 
nicht  ratifiziert,  wohl  aber  das  Protokoll.  Diese  Länder  verfügen  mit 
Ausnahme Venezuelas  über  ein  eigenes,  gesetzlich  geregeltes  Ver-
fahren zur Anerkennung von Flüchtlingen. Zudem halten sie sich ge-
mäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  grundsätz-
lich an das Gebot des Non-Refoulements von Art. 33 FK, auch wenn 
als Einschränkung festgestellt werden muss, dass es in den Grenzge-
bieten – insbesondere denjenigen zu Panama und Venezuela – in den 
letzten  Jahren  zu  unkontrollierten  Rückschiebungen  durch  die 
Grenzbehörden gekommen ist. Für die praktische Möglichkeit und die 
Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsuche spricht im Weiteren die 
Möglichkeit  der  visumsfreien  Einreise  nach  Brasilien,  Ecuador  und 
Peru sowie der Umstand, dass jährlich mehrere tausend kolumbiani-
sche  Staatsangehörige  in  den  Nachbarländern  –  namentlich  in 

Seite 8

D-5908/2010

Ecuador – um Asyl nachsuchen und dort zu einem beträchtlichen Teil 
auch tatsächlich als Flüchtlinge anerkannt werden. Insgesamt ergeben 
sich  keine  Anhaltspunkte,  die  darauf  schliessen  liessen,  es  sei  den 
Beschwerdeführenden praktisch unmöglich oder objektiv unzumutbar, 
sich in einen anderen Staat, insbesondere einen der Nachbarstaaten 
Kolumbiens, zu begeben (vgl. EMARK 2004 Nr. 20 sowie 1997 Nr. 15, 
Erw. 2f, S. 132). Dies gilt umso mehr, als aus den Akten ersichtlich ist, 
dass es sich bei der Beschwerdeführerin und ihren Kindern nicht um 
landesweit  bekannte Persönlichkeiten handelt,  die aufgrund ihrer be-
sonders exponierten Stellung auch bei einer Flucht ins nahe Ausland 
allenfalls  befürchten  müssten,  weiterhin  verfolgt  zu  werden. Diesbe-
züglich finden sich in der Beschwerde vom 26. Juli  2010 auch keine 
Entgegnungen.

6.2 Bei dieser Sachlage kann letztlich offen bleiben, ob sich die Be-
schwerdeführenden den Bedrohungen durch die FARC und die Para-
militärs  allenfalls  durch  eine  innerstaatliche  Wohnsitzverlegung  ent -
ziehen  könnten.  Immerhin  ist  dazu  zu  bemerken,  dass  sie  für  den 
Zeitraum  ihres  Aufenthalts  in  (...)  keine  Behelligungen  durch  ihre 
Verfolger geltend machten. Schliesslich wird in  der Beschwerde vor-
gebracht,  der  Beschwerdeführerin  liege  in  erster  Linie  daran,  ihren 
Kindern  eine  bessere  Lebensqualität  zu  ermöglichen,  was  ihr  die 
gegenwärtigen  Umstände  schwierig  machten,  da  sie  bei  der  Suche 
nach einer Arbeit,  welche der Familie ein Auskommen erlaube, nicht 
auf staatliche Unterstützung zählen könne. Dazu ist festzuhalten, dass 
die Praxis der Schweizer Asylbehörden bei Beeinträchtigungen in den 
Bereichen von Bildung und Beruf beziehungsweise bei der Zufügung 
wirtschaftlicher  Nachteile  hohe  Anforderungen  an  das  Ausmass  der 
Benachteiligung stellt. So wird beispielsweise die behördliche Weige-
rung, die asylsuchende Person in den öffentlichen Dienst einzustellen, 
nicht als ernsthafter Nachteil im Sinne des Asylgesetzes anerkannt, in 
diesem Bereich aber Verfolgung angenommen, wenn der betroffenen 
Person ein menschenwürdiges, seiner Ausbildung und seinen Fähig-
keiten  entsprechendes  Leben  verunmöglicht  oder  unzumutbar  er-
schwert  wird  beziehungsweise  der  Staat  es  ihr  verunmöglicht  oder 
unzumutbar  erschwert,  einer  existenzsichernden,  ihrer  Ausbildung 
entsprechenden  Tätigkeit  nachzugehen  (vgl.  WALTER KÄLIN,  Grundriss 
des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a.M. 1990, S. 53). Daraus erhellt, 
dass allein die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte  fehlen-
de staatliche Unterstützung bei  der Arbeitssuche vorliegend – unge-

Seite 9

D-5908/2010

achtet der Frage der Verfolgungsmotive – nicht als relevant im Sinne 
von Art. 3 AsylG qualifiziert werden kann.

6.3 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die 
Beschwerdeführenden aufgrund der Akten über keine Beziehungsnähe 
zur  Schweiz  verfügen,  hingegen  die  Möglichkeit  der  anderweitigen 
Schutzsuche haben. Unter diesen Umständen hat die Vorinstanz den 
Beschwerdeführenden zu Recht die Erteilung der Einreisebewilligung 
verweigert und die Asylgesuche abgelehnt.

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist demnach abzuweisen.

8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-
lich  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG). 
Aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  und  in  Anwendung  von 
Art. 63 Abs. 1 in fine VwVG und Art. 2 und 3 Bst. b des Reglements 
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem 
Bundesverwaltungsgericht, VGKE, SR 173.320.2) ist indes auf die Er -
hebung von Verfahrenskosten zu verzichten.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 10

D-5908/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführenden (...)
- die schweizerische Vertretung in Bogotá (...)
- das BFM (...)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Martin Zoller Daniel Widmer

Versand: 

Seite 11