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**Case Identifier:** c59bf457-5a53-5ac0-8d5f-60e1570d2c69
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-02
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 02.06.2021 200 2021 71
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-71_2021-06-02.pdf

## Full Text

200 21 71 AHV
SCI/COC/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 2. Juni 2021

Verwaltungsrichter Schwegler, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Jakob
Gerichtsschreiberin Collatz

A.________
Beschwerdeführer

gegen

Ausgleichskasse des Kantons Bern 
Abteilung Beiträge und Zulagen, Chutzenstrasse 10, 3007 Bern
Beschwerdegegnerin

in Sachen
B.________ AG in Liquidation

betreffend Einspracheentscheid vom 7. Dezember 2020

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Juni 2021, AHV/21/71, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die B.________ AG war seit Juli 2008 als beitragspflichtige Arbeitgeberin 
der Ausgleichskasse des Kantons Bern (AKB bzw. Beschwerdegegnerin) 
angeschlossen (Akten der AKB, Antwortbeilage [AB] 118). Mit Wirkung ab 
dem xx. Juni 2016 wurde über die Gesellschaft der Konkurs eröffnet 
(AB 120, 123 f.). Der Kollokationsplan und das Konkursinventar lagen vom 
xx. Januar bis xx. Februar 2020 bzw. bis xx. Januar 2020 auf (AB 26). Das 
Konkursverfahren wurde mit Verfügung des zuständigen Einzelgerichts 
vom xx. Mai 2020 als geschlossen erklärt und die Gesellschaft wurde im 
Handelsregister gelöscht (AB 23 f.). Am 15. Mai 2020 wurde der AKB im 
erwähnten Konkursverfahren ein Konkursverlustschein in der Höhe von 
Fr. 92'589.70 für offene Beiträge für die Jahre 2014 bis 2016 ausgestellt 
(AB 22).

Bereits mit Verfügung vom 30. Mai 2018 (AB 82) hatte die AKB von 
A.________ (genannt C.________), welcher vom 20. August 2015 bis zum 
11. April 2016 Verwaltungsratspräsident und anschliessend ab 11. April 
2016 einziges Mitglied des Verwaltungsrates mit Einzelunterschrift der 
B.________ AG war (Schweizerisches Handelsamtsblatt [SHAB] Nr. … 
vom …. August 2015 und Nr. … vom …. April 2016; AB 3), Schadenersatz 
in der Höhe von Fr. 78'009.30 für in den Jahren 2015 und 2016 entgangene 
paritätische Sozialversicherungsbeiträge (inkl. Verwaltungskosten, Mahn-
gebühren und Verzugszinsen) gefordert. Gleichzeitig hatte die AKB mit 
acht weiteren Verfügungen vom 30. Mai 2018 (AB 84 - 91) von acht ehe-
maligen Mitgliedern des Verwaltungsrates der B.________ AG Schadener-
satz in diverser Höhe für in den Jahren 2015 und 2016 entgangene paritäti-
sche Sozialversicherungsbeiträge gefordert. Gegen die (sie betreffenden) 
Verfügungen erhoben A.________ (AB 70) und auch die acht weiteren 
Verwaltungsratsmitglieder (AB 69, 71, 75 - 80) jeweils Einsprache. Mit acht 
Entscheiden vom 6. Januar 2020 (AB 27 - 29) resp. vom 7. Dezember 2020 
(AB 5 - 9) hiess die AKB die Einsprachen der acht Verwaltungsratsmitglie-
der (AB 69, 71, 75 - 80) gut resp. insoweit teilweise gut, als sie auf die wei-
tere Geltendmachung von Schadenersatz verzichtete. Im Übrigen (Kosten- 

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und Entschädigungsfolgen) wies sie die Einsprachen ab, soweit sie darauf 
eintrat. Nachdem die AKB A.________ Gelegenheit gegeben hatte, die 
bestrittenen Beitragshöhen der Jahre 2015 und 2016 mittels geeigneten 
Unterlagen zu belegen (AB 15 und 21), und dieser entsprechende Stel-
lungnahmen eingereicht hatte (AB 14 und 18), wies die AKB die Einspra-
che von A.________ (AB 70) mit Entscheid vom 7. Dezember 2020 (AB 4) 
ab, soweit sie darauf eintrat.

B.

Hiergegen erhob A.________ (Beschwerdeführer) am 22. Januar 2021 
Beschwerde und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Einspra-
cheentscheids und die Zusprache einer "Umtriebsentschädigung". 

Mit Beschwerdeantwort vom 6. April 2021 schloss die Beschwerdegegnerin 
auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.

Mit Schlussbemerkungen vom 6. Mai 2021 hielt der Beschwerdeführer an 
seinen Anträgen und Ausführungen fest.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 

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und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 52 Abs. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 
über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10]). Da 
auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b 
ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 
1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten 
sind, ist auf die Beschwerde einzutreten. 

1.2 Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 7. Dezem-
ber 2020 (AB 4). Streitig und zu prüfen ist die gegenüber dem Beschwerde-
führer geltend gemachte Schadenersatzforderung für entgangene Sozial-
versicherungsbeiträge (zzgl. akzessorischer Forderungen) betreffend die 
Jahre 2015 und 2016 in der Höhe von insgesamt Fr. 78'009.30 (vgl. Verfü-
gung vom 30. Mai 2018; AB 82 S. 2 f.). 

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). Sie beurteilen 
offensichtlich begründete oder offensichtlich unbegründete Fälle in Zweier-
besetzung (Art. 56 Abs. 3 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Miss-
achtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er 
diesen zu ersetzen. Die zuständige Ausgleichskasse macht den Schaden-
ersatzanspruch durch Erlass einer Verfügung geltend (Art. 52 Abs. 1 und 4 
AHVG). Aufgrund von Art. 66 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. Juni 
1959 über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), Art. 6 des Bundes-
gesetzes vom 25. Juni 1982 über die obligatorische Arbeitslosenversiche-
rung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0; vgl. BGE 113 V 
186) und Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 25. September 1952 

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über den Erwerbsersatz für Dienstleistende, bei Mutterschaft und bei Va-
terschaft (EOG; SR 834.1) findet die Regelung von Art. 52 AHVG im Bei-
tragsrecht der Invaliden- und Arbeitslosenversicherung sowie bei der Er-
werbsersatzordnung sinngemäss Anwendung. Das Gleiche gilt im Beitrags-
recht der Familienzulagen (Art. 25 lit. c des Bundesgesetzes vom 24. März 
2006 über die Familienzulagen und Finanzhilfen an Familienorganisationen 
[FamZG; SR 836.2], in Kraft seit 1. Januar 2009).

2.2 Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so 
haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäfts-
führung oder Liquidation befassten Personen (Art. 52 Abs. 2 Satz 1 AHVG; 
BGE 129 V 11, 123 V 12 E. 5b S. 15). Wer als Organ einer juristischen 
Person belangt werden kann, beurteilt sich nicht allein nach formellen Krite-
rien, sondern danach, ob die betreffende Person Organen vorbehaltene 
Entscheide getroffen oder die eigentliche Geschäftsführung besorgt und so 
die Willensbildung der Gesellschaft massgebend beeinflusst hat (BGE 132 
III 523 E. 4.5 S. 528, 114 V 213; SVR 2020 AHV Nr. 8 S. 23 E. 2.2). Sind 
mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften sie 
für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 2 Satz 2 AHVG). Die so-
lidarische Haftung erlaubt der Ausgleichskasse, gegen alle oder lediglich 
einige von ihnen, allenfalls nur einen Einzelnen, vorzugehen (BGE 134 V 
306 E. 3.1 S. 308, 114 V 213 E. 3 S. 214).

2.3 Der für eine Haftung nach Art. 52 AHVG vorausgesetzte Schaden 
entsteht dann, wenn der Ausgleichskasse ein ihr gesetzlich geschuldeter 
Betrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dem Betrag, dessen die 
Kasse verlustig geht. Dazu gehören die von den Arbeitgebenden geschul-
deten Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge, die Verwaltungs- und Be-
treibungskosten, Veranlagungs- und Mahngebühren sowie die Verzugszin-
sen (BGE 121 III 382 E. 3b bb S. 384; SVR 2007 AHV Nr. 2 S. 6 E. 5, 1999 
AHV Nr. 16 S. 45 E. 5). Ordnungsbussen sind hingegen nicht Schadensbe-
standteil (SVR 2009 AHV Nr. 3 S. 13 E. 7).

2.4 Der Schaden muss durch eine Missachtung von Vorschriften ent-
standen sein. Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. der Verord-
nung vom 31. Oktober 1947 über die Alters- und Hinterlassenen-
versicherung (AHVV; SR 831.101) schreibt vor, dass der Arbeitgeber bei 

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jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug bringt und zusam-
men mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. 
Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsun-
terlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 
ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen 
Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und 
Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene 
öffentlichrechtliche Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser öffentlichrechtlichen 
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 
AHVG und zieht die volle Schadensdeckung nach sich (BGE 118 V 193 
E. 2a S. 195).

2.5 Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht 
nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absicht-
lich oder grobfahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch diese 
Missachtung ein Schaden verursacht worden ist. Absicht bzw. Vorsatz und 
Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG 
statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um 
eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht (BGE 108 V 183 E. 1b 
S. 186).

2.5.1 Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber 
das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage 
und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen 
(SVR 2011 AHV Nr. 14 S. 49 E. 3.2). Das Mass der zu verlangenden Sorg-
falt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmänni-
schen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher der Betreffende an-
gehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die 
Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetzli-
cher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich 
ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Or-
gane eines Arbeitgebers zu ermitteln (BGE 112 V 156 E. 4 S. 159, 108 V 
199 E. 3a S. 202).

2.5.2 Nach Art. 717 Abs. 1 i.V.m. Art. 716a Abs. 1 Ziff. 5 des Schweizeri-
schen Obligationenrechts (OR; SR 220) gehört die Oberaufsicht über die 
mit der Geschäftsführung betrauten Personen, namentlich im Hinblick auf 

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die Befolgung der Gesetze, zu den unübertragbaren und unentziehbaren 
Aufgaben des Verwaltungsrates. Diese Aufgaben müssen "mit aller Sorg-
falt" erfüllt werden. Dies setzt unter anderem voraus, dass der Verwaltungs-
rat die ihm unterbreiteten Berichte kritisch liest, nötigenfalls ergänzende 
Auskünfte verlangt und bei Irrtümern oder Unregelmässigkeiten einschrei-
tet. Dabei wird es aber einem Verwaltungsratspräsidenten einer Grossfirma 
nicht als grobfahrlässiges Verschulden angerechnet werden können, wenn 
er nicht jedes einzelne Geschäft, sondern nur die Tätigkeit der Geschäfts-
leitung und den Geschäftsgang im Allgemeinen überprüft und daher bei-
spielsweise nicht beachtet, dass in Einzelfällen die Abrechnung über Lohn-
beiträge nicht erfolgt ist (BGE 108 V 199 E. 3a S. 202; SVR 2010 AHV 
Nr. 4 S. 14 E. 6.1). Demgegenüber muss bei einfachen Verhältnissen vom 
einzigen Verwaltungsrat und faktischen Geschäftsführer einer Aktiengesell-
schaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person 
in Organstellung zu besorgen hat, der Überblick über alle wesentlichen 
Belange der Firma verlangt werden, und zwar selbst dann, wenn er seine 
Befugnisse weitgehend an Dritte delegiert hat (BGE 108 V 199 E. 3b 
S. 203; SVR 2007 AHV Nr. 9 S. 25 E. 6).

2.5.3 Gemäss ständiger Rechtsprechung ist nicht jede Verletzung der 
öffentlichrechtlichen Aufgaben der Arbeitgeber als Institution der Versiche-
rungsdurchführung ohne weiteres als qualifiziertes Verschulden ihrer Orga-
ne im Sinne von Art. 52 AHVG zu werten. Das absichtliche oder grobfahr-
lässige Missachten von Vorschriften verlangt vielmehr einen Normverstoss 
von einer gewissen Schwere. Dagegen kann beispielsweise die relativ kur-
ze Dauer des Beitragsausstandes sprechen, wobei aber immer eine Wür-
digung sämtlicher konkreter Umstände des Einzelfalls Platz zu greifen hat. 
Zudem dürfen die Nichtabrechnung wie auch die Nichtbezahlung der Bei-
träge als solche nicht einem qualifizierten Verschulden gleichgesetzt wer-
den, weil dies auf eine nach Gesetz und Rechtsprechung unzulässige, da 
in Art. 52 AHVG gerade nicht vorgesehene Kausalhaftung hinausliefe. 
Vielmehr sind auch in dieser Hinsicht die gesamten Umstände zu würdigen. 
Verwaltung und Sozialversicherungsgericht dürfen sich bei festgestellter 
Verletzung der AHV-Vorschriften daher nicht auf die Prüfung beschränken, 
ob Exkulpations- oder Rechtfertigungsgründe vorliegen, sondern haben 
vorgängig festzustellen, ob ein qualifiziertes Verschulden im Sinne von 

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Art. 52 AHVG anzunehmen ist (BGE 136 V 268 E. 3 S. 274, 121 V 243 
E. 4b und 5 S. 244; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts 
[EVG; heute Bundesgericht {BGer}] vom 4. Oktober 2004, H 273/03, 
E. 3.2.1).

2.6 Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, 
wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des 
Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im 
Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem 
Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missach-
tung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, 
aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn besondere Umstän-
de die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht 
schuldhaft erscheinen lassen. So kann es sein, dass es einem Arbeitgeber, 
der sich in schwieriger finanzieller Lage befindet, durch das Nichtbezahlen 
der Beiträge gelingt, die Existenz seines Unternehmens zu retten. Ein sol-
ches Vorgehen führt allerdings nur dann nicht zu einer Haftung gemäss 
Art. 52 AHVG, wenn der Arbeitgeber im Zeitpunkt seiner Entscheidung auf-
grund der objektiven Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage 
damit rechnen durfte, dass die Unternehmung überlebt und er die Forde-
rung der Ausgleichskasse innert nützlicher Frist würde befriedigen können 
(BGE 108 V 183 E. 1b S. 186 und 189 E. 2b S. 193; AHI 2003 S. 100 
E. 3a; SVR 2017 AHV Nr. 13 S. 41 E. 7.2). Eine kurze Dauer bzw. "nützli-
che Frist" in diesem Sinne ist z.B. überschritten, wenn die Beitragszah-
lungspflicht über ein Jahr lang verletzt wird, zumal wenn dabei kein geziel-
tes, auch in zeitlicher Hinsicht konkretes Sanierungskonzept vorliegt oder 
wenn eine Sanierung erst nach einem jahrelang defizitären Geschäftsgang 
erwartet werden kann. Nicht entschuldbar ist die Beitragsrückbehaltung, 
wenn eine Sanierung überhaupt nicht ernsthaft erwartet werden kann (SVR 
2017 AHV Nr. 19 S. 64 E. 8.2).

2.7 Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach 
Art. 52 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässi-
gen Missachtung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein 
adäquater Kausalzusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a 
S. 406). Daran fehlt es, wenn auch ein pflichtgemässes Verhalten den 

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Schaden nicht hätte verhindern können. Indessen vermag die blosse Hypo-
these, der Schaden wäre auch bei pflichtgemässem Verhalten eingetreten, 
die Adäquanz nicht zu beseitigen. Dass ein Schaden ohnehin eingetreten 
wäre, muss vielmehr mit Gewissheit oder doch mit hoher Wahrscheinlich-
keit nachgewiesen sein. Das schuldhafte Verhalten eines solidarisch Er-
satzpflichtigen kann nur dann als inadäquat für den eingetretenen Schaden 
gelten, wenn das Verschulden des Dritten oder des Geschädigten dermas-
sen schwer wiegt, dass das eigene Fehlverhalten eindeutig in den Hinter-
grund tritt und damit nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der Le-
benserfahrung nicht mehr als adäquate Schadensursache erscheint (SVR 
2011 AHV Nr. 16 S. 60 E. 4.3.1).

2.8 Der Schadenersatzanspruch verjährt zwei Jahre, nachdem die zu-
ständige Ausgleichskasse vom Schaden Kenntnis erhalten hat, spätestens 
aber fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können unterbro-
chen werden (Art. 52 Abs. 3 Satz 1 und 2 AHVG). Hinsichtlich der Frage, 
welchen Handlungen der Ausgleichskasse und der Beschwerdeinstanzen 
verjährungsunterbrechende Wirkung zukommt, ist sinngemäss die Rege-
lung für Forderungen aus unerlaubter Handlung (Art. 60 OR und Art. 135 ff. 
OR) anwendbar. Der Schadenersatzanspruch kann auch während des Ein-
spracheverfahrens oder verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahrens 
verjähren (BGE 141 V 487 E. 2.3 S. 489, 135 V 74 E. 4.2.2 S. 78). Der Ar-
beitgeber kann auf die Einrede der Verjährung verzichten (Art. 52 Abs. 3 
Satz 3 AHVG).

3.

3.1

3.1.1 Der Beschwerdeführer war vom 20. August 2015 bis zum 11. April 
2016 Verwaltungsratspräsident und anschliessend ab 11. April 2016 einzi-
ges Mitglied des Verwaltungsrates mit Einzelunterschrift der B.________ 
AG (AB 3), womit ihm formelle Organeigenschaft zukam. Damit unterliegt 
er den Haftungsbestimmungen von Art. 52 AHVG (vgl. E. 2.2 hiervor). So-
dann wurde das am xx. Juni 2016 eröffnete Konkursverfahren (AB 120, 
123 f.) am xx. Mai 2020 als geschlossen erklärt und die Gesellschaft wurde 

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im Handelsregister gelöscht (AB 23 f.). Die B.________ AG vermochte 
dementsprechend die ausstehenden Beitragsforderungen nicht mehr zu 
begleichen und kann auch für die geltend gemachte Schadenersatzpflicht 
nicht mehr in Anspruch genommen werden, weshalb subsidiär die solidari-
sche Haftung ihrer Organe und damit (auch) diejenige des Beschwerdefüh-
rers greift (vgl. E. 2.2 hiervor). Anders als vom Beschwerdeführer ange-
nommen (Beschwerde S. 1 Ziff. 2) gilt dies auch für diejenigen Beiträge, die 
vor seiner Übernahme der Funktion als Verwaltungsratspräsident am 
20. August 2015 geschuldet waren. Denn ein neues Verwaltungsratsmit-
glied haftet grundsätzlich für die laufenden wie auch für die bereits vor Auf-
nahme seines Mandats fälligen Sozialversicherungsabgaben (Entscheid 
des BGer vom 19. Juni 2020, 9C_538/2019, E. 3). Eine Haftung des Be-
schwerdeführers wäre nur dann zu verneinen, wenn die Gesellschaft be-
reits vor seinem Eintritt zahlungsunfähig war (BGer 9C_538/2019, E. 4.2), 
was hier jedoch nicht der Fall war. Denn die Revisionsstelle der AG sprach 
im Bericht über die prüferische Durchsicht (Review) zum Semesterab-
schluss per 30. Juni 2015 vom 24. August 2015 (AB 70, Beilage 3 S. 2) erst 
von einer Überschuldung der Gesellschaft, was rechtssprechungsgemäss 
jedoch nicht genügt (BGer 9C_538/2019, E. 4.1 f.). 

3.1.2 Dass die Beschwerdegegnerin verzichtet hat, die weiteren Mitglie-
der des Verwaltungsrates der B.________ AG ins Recht zu fassen resp. 
mit in Rechtskraft erwachsenen Einspracheentscheiden vom 6. Januar 
2020 (AB 27 - 29) resp. 7. Dezember 2020 (AB 5 - 9) die gegen die Verfü-
gungen vom 30. Mai 2018 (AB 84 - 91) erhobenen Einsprachen guthiess, 
spielt hier keine Rolle, da die Organe respektive die dahinter stehenden 
natürlichen Personen solidarisch haften (Art. 52 Abs. 2 Satz 2 AHVG). Dies 
erlaubt es der Beschwerdegegnerin, gegen alle oder auch nur eine einzel-
ne Person vorzugehen (vgl. E. 2.2 hiervor). Der Beschwerdeführer kann 
somit nicht eine rechtsungleiche Behandlung rügen (Beschwerde S. 1 
Ziff. 1). Weil die entsprechenden Verfahren betreffend die weiteren acht 
(ehemaligen) Verwaltungsratsmitglieder der B.________ AG abgeschlos-
sen sind, besteht zudem kein Anlass, diese ins vorliegende Verfahren bei-
zuladen, da der Entscheid im vorliegenden Verfahren für diese Drittperso-
nen keine Bindungswirkung mehr entfalten kann (vgl. Entscheid des BGer 
vom 30. September 2008, 9C_158/2008, E. 3.1).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Juni 2021, AHV/21/71, Seite 11

Der Beschwerdeführer wurde mit Kopien der Einspracheentscheide vom 
7. Dezember 2020 betreffend die übrigen ehemaligen Mitglieder des Ver-
waltungsrates (AB 5 - 9) bedient und erhielt nach der zutreffenden Argu-
mentation der Beschwerdegegnerin (Beschwerdeantwort S. 3 Ziff. 2) durch 
die am 21. Dezember 2020 gewährte Akteneinsicht (AB 1 f.) auch von den 
drei weiteren Einspracheentscheiden vom 6. Januar 2020 (AB 27 - 29) 
Kenntnis. Bei dieser Ausgangslage vermag er aus dem Umstand, dass er 
fälschlicherweise in den Einspracheverfahren betreffend die übrigen Per-
sonen nicht mittels Beiladung einbezogen wurde (Beschwerde S. 1 Ziff. 1; 
Schlussbemerkungen S. 1 Ziff. 2), nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, 
hätte er doch auch nachträglich gegen die Einspracheentscheide noch ein 
Rechtsmittel ergreifen können (in Bezug auf jene vom 6. Januar 2020 be-
stand zunächst eine sog. hinkende Rechtskraft [vgl. dazu etwa MICHEL 
DAUM, in HERZOG/DAUM {Hrsg.}, Kommentar zum Gesetz über die Verwal-
tungsrechtspflege im Kanton Bern, 2. Aufl. 2020, Art. 44 N. 59]), was er 
jedoch unterliess (vgl. BGE 134 V 306).

Schliesslich könnte der Beschwerdeführer, wenn er zufolge seiner Ver-
pflichtung zur Leistung von Schadenersatz Drittpersonen ins Recht fassen 
wollte, dies im Rahmen eines zivilrechtlichen Verfahrens vornehmen. Inso-
weit hätte er selbst eine allfällige Streitverkündung (vgl. Art. 78 der Schwei-
zerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 [Zivilprozessord-
nung, ZPO; SR 272]) vornehmen können (MICHEL DAUM, a.a.O., Art. 14 
N. 19 f.; BVR 2015 S. 371). Auch solche Schritte hat er jedoch nicht einge-
leitet. 

3.2 Erstellt ist ferner, dass die B.________ AG die Sozialversiche-
rungsbeiträge von Januar 2015 bis zum hier massgebenden Zeitpunkt der 
Konkurseröffnung per xx. Juni 2016 (vgl. UELI KIESER, Rechtsprechung des 
Bundesgerichts zum AHVG, 4. Aufl. 2020, Art. 52 N. 87) nicht im geschul-
deten Umfang geleistet hat und die Beschwerdegegnerin insoweit einen 
Schaden erlitten hat (vgl. AB 82). Zwar hat die Beschwerdegegnerin bezüg-
lich der ab Januar 2015 geleisteten Sozialversicherungsbeiträge Bestäti-
gungen über die Bezahlung der eingeforderten Beiträge ausgestellt, in wel-
chen sie die gesetzliche Zahlungspflicht für den entsprechenden Monat als 
erfüllt bezeichnete (AB 57, Beilagen 14a ff.). Insoweit war der Saldo jeweils 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Juni 2021, AHV/21/71, Seite 12

ausgeglichen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es sich diesbezüglich 
einzig um Akontobeiträge gehandelt hat und die definitive Lohnsumme erst 
Ende des Jahres abgerechnet wird. Es ist Sache des Unternehmens und 
der Verantwortlichen fortlaufend die Beiträge abzuziehen und monatlich 
abzuliefern (Art. 14 Abs. 1 AVHG i.V. mit Art. 34 Abs. 1 lit. a AHVV; Art. 35 
Abs. 1 AHVV). Zudem hat die Arbeitgeberin massgebliche Änderungen zu 
melden, damit die Akontobeiträge angepasst werden können (Art. 35 
Abs. 2 AHVV). Dies wurde im vorliegenden Fall offensichtlich unterlassen.

Die Höhe der Schadensumme hat die Beschwerdegegnerin gestützt auf 
den Arbeitgeberkontrollbericht vom 20. September 2016 und die Abrech-
nung lnsolvenzentschädigung vom 10. Oktober 2016 (AB 107 und 110; vgl. 
auch AB 4) ermittelt, was nicht zu beanstanden ist, zumal eine Lohndekla-
ration seitens der B.________ AG bezüglich der betroffenen Jahre trotz 
mehrfacher Aufforderung (AB 111, 112, 118) unterblieb. Unstimmigkeiten 
sind der in der Verfügung vom 30. Mai 2018 (AB 82) vorgenommen Scha-
denersatzberechnung sowie den beigelegten Kontoauszügen nicht erkenn-
bar. Dabei ist es insbesondere korrekt, dass die "Wohnungskosten" als 
Lohnleistungen der … berücksichtig und entsprechend als AHV-pflichtiger 
Lohn beurteilt wurden (anders Beschwerde S. 2 Ziff. 4; Art. 13 AHVV). Da-
mit ist mit der Beschwerdegegnerin von einem massgebenden Schaden 
von Fr. 78'009.30 auszugehen. 

Soweit der Beschwerdeführer die Schadenhöhe beanstandet und dabei 
geltend macht, dass die Beschwerdegegnerin diesbezüglich beweispflichtig 
sei (Beschwerde S. 2 Ziff. 4), ist ihm insoweit zuzustimmen, als grundsätz-
lich die Beschwerdegegnerin die Höhe der Schadenersatzsumme zu ermit-
teln hat. Der Untersuchungsgrundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; 
er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 
193 E. 2 S. 195, 122 V 157 E. 1a S. 158; SVR 2009 IV Nr. 4 S. 7 E. 4.2.2). 
Diese verlangt, dass die mit der Schadenersatzforderung belasteten Per-
son substantiiert darlegt, weshalb der von der Kasse ermittelte Schadens-
betrag unzutreffend ist (vgl. Entscheid des EVG vom 31. August 2005, 
H 80/05, E. 2.3.2). Dieser Pflicht kam der Beschwerdeführer jedoch nicht 
ansatzweise nach. So hat er – trotz mehrfacher Aufforderung insbesondere 
im Einspracheverfahren (AB 15, 21) – keine Unterlagen eingereicht, die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Juni 2021, AHV/21/71, Seite 13

Anlass geben würden, auf die Schadenhöhe zurückzukommen. Beachtlich 
ist dabei insbesondere, dass Kenntnis von den tatsächlich ausbezahlten 
Löhnen und echtzeitlichen Zugang zu den entsprechenden Informationen 
vorab die Arbeitgeberin und damit der Beschwerdeführer hatte, welche die 
hierbei notwendigen Abzüge vorzunehmen und abzuliefern hat. Der Be-
schwerdeführer als Verwaltungsratspräsident hatte darüber den vollständi-
gen Überblick zu haben. 

3.3 Die B.________ AG – respektive der Beschwerdeführer als ihr Or-
gan – hat die Zahlungspflicht (Art. 14 Abs. 1 AHVG i.V.m. Art. 34 ff. AHVV) 
verletzt, so dass das Tatbestandselement der Rechtswidrigkeit (vgl. E. 2.4 
hiervor) ohne weiteres zu bejahen ist.

3.4 Der Beschwerdeführer ist der ihm als Verwaltungsratspräsident re-
sp. Verwaltungsratsmitglied obliegenden Sorgfaltspflicht nicht nachgekom-
men. Die langdauernde Nichtbezahlung der Beiträge stellt eine zumindest 
grobfahrlässige Verletzung dieser Pflicht und damit ein qualifiziertes Ver-
schulden dar. Der Beschwerdeführer legt denn auch nicht dar, dass er sich 
um die Bezahlung der fälligen Sozialversicherungsbeiträge gekümmert 
hätte. Entsprechende Bemühungen sind auch nicht ersichtlich, was praxis-
gemäss einen qualifizierten schuldhaften Verstoss gegen die AHV-
Vorschriften begründet (vgl. E. 2.5.3 hiervor). Gründe, welche ein Ver-
schulden im Sinne von Absicht oder Grobfahrlässigkeit ausschliessen wür-
den, sind im Übrigen nicht ersichtlich und werden auch nicht substantiiert 
vorgebracht. 

3.5 Exkulpations- und Rechtfertigungsgründe (vgl. E. 2.6 hiervor) be-
stehen nicht. Insbesondere kann sich der Beschwerdeführer nicht darauf 
berufen, dass zwei andere Mitglieder des Verwaltungsrates für die Bezah-
lung der Sozialversicherungsbeiträge zuständig gewesen seien (Be-
schwerde S. 2 Ziff. 3). Denn die Oberaufsicht über die mit der Geschäfts-
führung betrauten Personen gehört zu den unübertragbaren und unent-
ziehbaren Aufgaben des Verwaltungsrates (vgl. E. 2.5.2 hiervor) und damit 
auch zu denjenigen des Beschwerdeführers (AB 3). Auch durfte der Be-
schwerdeführer – entgegen seinen Ausführungen (Beschwerde S. 2 
Ziff. 3) – aufgrund der finanziellen Situation der Gesellschaft nicht davon 
ausgehen, dass die Sozialversicherungsbeiträge innert nützlicher Frist 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Juni 2021, AHV/21/71, Seite 14

nachgezahlt werden könnten. So hatte die Revisionsstelle der AG bereits 
im Bericht über die prüferische Durchsicht (Review) zum Semesterab-
schluss per 30. Juni 2015 vom 24. August 2015 (AB 70, Beilage 3 S. 2) 
darauf aufmerksam gemacht, dass "die B.________ AG im Sinne von 
Art. 725 Abs. 2 OR überschuldet ist". Zudem hatte die B.________ AG seit 
2014 Ausstände gegenüber der Ausgleichskasse (vgl. die Kontoauszüge 
vom 29. Mai 2018; AB 82 S. 4 ff.), weshalb nicht allein kurzfristige 
Ausstände im Sinne der Rechtsprechung (vgl. E. 2.6 hiervor) bestanden. 
Abwegig erscheint ferner das Argument des Beschwerdeführers, der … sei 
der Fairness verpflichtet gewesen und habe deshalb primär den Betrieb 
aufrechterhalten müssen, weswegen die Sozialversicherungsbeiträge nicht 
bezahlt worden seien (Beschwerde S. 2 Ziff. 3). Das Gegenteil ist der Fall, 
wenn ein … anders als seine Gegner die Sozialversicherungsbeiträge nicht 
leistet, verschafft er sich einen unzulässigen Vorteil. 

Und letztlich bleibt darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer 
gemäss Rechtsprechung (Entscheid des BGer vom 17. September 2007, 
9C_111/2007, E. 3.1; SVR 1995 AHV Nr. 70 S. 214 E. 5) hätte dafür be-
sorgt sein müssen, dass nur so viele Löhne ausbezahlt werden, als die 
darauf unmittelbar entstehenden Beitragsforderungen gedeckt sind. Anders 
als vom Beschwerdeführer behauptet (Schlussbemerkung vom 6. Mai 
2021, S. 1 f. Ziff. 4) waren die … mit dem Konkurs bzw. Auflösung des … 
unbesehen allfälliger privatrechtlicher Regelungen der … von ihren Ver-
pflichtungen gegenüber der früheren Arbeitgeberin entbunden und konnten 
(und mussten angesichts der arbeitslosenversicherungsrechtlichen Scha-
denminderungspflicht) entsprechend eine neue Anstellung suchen. 

3.6 Ein pflichtgemässes Verhalten des Beschwerdeführers hätte den 
Schaden verhindern können. Der adäquate Kausalzusammenhang zwi-
schen der Missachtung von Vorschriften und dem Eintritt des Schadens ist 
demnach gegeben (vgl. E. 2.7 hiervor). Ein allenfalls zu einer Reduktion 
der Schadenersatzpflicht führendes Mitverschulden der Verwaltung ist nicht 
ersichtlich und wird auch nicht geltend gemacht.

3.7 Schliesslich ist der Schadenersatzanspruch nicht verjährt. Der 
Kollokationsplan als für die relative zweijährige Verjährungsfrist massge-
bende Bezugsgrösse (BGE 128 V 15 E. 2a S. 17) lag vom xx. Januar bis 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Juni 2021, AHV/21/71, Seite 15

xx. Februar 2020 auf (AB 26). Ferner erfolgte die für die absolute fünfjähri-
ge Verjährungsfrist massgebende Bezugsgrösse der Konkurseröffnung 
(BGE 141 V 487 E. 2.2 S. 488, 136 V 268 E. 2.6 S. 273) per xx. Juni 2016 
(AB 120, 123 f.), so dass mit dem Erlass der Schadenersatzverfügung am 
30. Mai 2018 (AB 82) und des Einspracheentscheids am 7. Dezember 
2020 (AB 4) sowohl die relative zwei- als auch die absolute fünfjährige (un-
terbrechbare) Verjährungsfrist eingehalten sind (vgl. E. 2.8 hiervor). Darü-
ber hinaus unterschrieb der Beschwerdeführer am 14. Oktober 2019 einen 
Verjährungseinredeverzicht bis zum 31. Dezember 2022 (AB 46), was 
gemäss Art. 52 Abs. 3 AHVG zulässig ist.

4.

Nach dem Dargelegten sind sämtliche Haftungsvoraussetzungen gemäss 
Art. 52 AHVG erfüllt. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 7. De-
zember 2020 (AB 4) erweist sich damit als rechtens und die Beschwerde ist 
als offensichtlich unbegründet abzuweisen. 

5.

5.1 Das vorliegende Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 61 Ingress ATSG 
i.V.m. Art. 102 ff. VRPG und Art. 1 des Dekrets vom 24. März 2010 betref-
fend die Verfahrenskosten und die Verwaltungsgebühren der Gerichts-
behörden und der Staatsanwaltschaft [Verfahrenskostendekret; VKD; BSG 
161.12]; vgl. auch BBl 2018 1639). Die Verfahrenskosten bestehen aus 
einer Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 1 Satz 1 VRPG). Die Behörde setzt 
die Gebühr gestützt auf die gesetzliche Gebührenordnung nach pflicht-
gemässem Ermessen fest (Art. 103 Abs. 2 VRPG). Die Gebühren für die 
Beurteilung von Streitigkeiten durch das Verwaltungsgericht betragen auf 
dem Gebiet des Sozialversicherungsrechts Fr. 200.-- bis Fr. 2'500.-- (Art. 4 
Abs. 2 i.V.m. Art. 51 lit. e VKD). 

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 2'000.--, werden ent-
sprechend dem Ausgang des Verfahrens dem Beschwerdeführer zur Be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 2. Juni 2021, AHV/21/71, Seite 16

zahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe 
entnommen.

5.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf 
Parteientschädigung oder wie vom Beschwerdeführer verlangt eine "Um-
triebsentschädigung" (Umkehrschluss aus Art. 1 Abs. 1 AHVG i.V.m. 
Art. 61 lit. g ATSG).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 2'000.-- werden dem Beschwerdeführer 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- A.________
- Ausgleichskasse des Kantons Bern, Abteilung Beiträge und Zulagen  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden. Der Streitwert im Sinn von Art. 51 ff. BGG beträgt Fr. 78'009.30.