# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9f173450-6458-5323-9426-d42d65ab147f
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-09-26
**Language:** de
**Title:** Rückweisung. Sachverhalt betreffend somatische Beschwerden erstellt. Weitere Abklärungen betreffend psychische Beschwerden erforderlich.
**Docket/Reference:** IV.2019.00357
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2019.00357.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2019.00357
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiberin Schleiffer Marais
Urteil
vom
2
6.
September 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1975 geborene
X.___
, gelernter Zimmermann, meldete sich am 26. April 2000 u
nter Hinweis auf ein Hautleiden sowie
eine Sonnen- und Stauballergie bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
(Berufsberatung, Umschulung, Arbeitsvermittlung)
an (Urk. 5/1). Am
10.
Oktober
2001
verneinte das
damals zuständige
Sozialversicherungsamt Schaffhausen, IV-Stelle, eine
n
Anspruch auf berufliche Massnahmen (Urk. 5/33).
Am 2. September 2003 meldete sich der Versicherte
mit Verweis
auf ein schweres Hautleiden erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug
(Berufs
beratung, Umschulung, Arbeitsvermittlung)
an (Urk. 5/38).
Am
4.
Mai 2004 auferlegte
die nunmehr zuständige Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versicherten eine Schade
n
minderungspflicht betreffend die Durchführung einer psychiatrischen Beha
ndlung (Urk. 5/51
)
und mit Verfü
gung vom
5.
Mai 2004 (
Urk.
5/50) wies sie einen Anspruch auf berufliche Mass
nahmen ab.
Am 18. Juli 2018 meldete sich der Versicherte
unter Hin
weis auf Hautprobleme, Allergien, einen Nasenbruch, psychische Beschwerden sowie auf Zahn-,
Rücken- und Verdauungsprobleme
bei der Invalidenversicherung zur Früherfassung (Umschulung, Urk. 5/53) respektive am 23. August 2018 zur beruflichen Integra
tion/Rente (Urk. 5/58) an
. In der Folge nahm die IV-Stelle erwerbliche u
nd medizinische Abklärungen vor und verneinte
n
ach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 5/68)
am 6. Mai 2019
einen Anspruch auf Leistu
ngen der Invali
denversiche
rung (berufliche Massnahmen, Rente;
Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 20. Mai 2019 (Poststempel) Beschwerde (Urk. 1) und beantragte die Zusprechung von IV-Leistungen in maximaler Höhe für die Dauer von maximal fünf Jahren. Mit Beschwerdeantwort vom 17. Juni 2019 (Urk. 4) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 18. Juni 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 6).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über
die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Aus Art. 4 Abs. 2 IVG ergibt sich, dass der Eintritt der Invalidität für die einzelnen Leistungen der Invalidenversicherung autonom zu bestimmen ist (sog. leistungs
spezifische Invalidität). Dabei sind die rechtlichen Vorgaben zu berücksichtigen, die sich aus Art. 4 Abs. 1 IVG (in Verbindung mit Art. 8 ATSG) ergeben. Folglich begründet der Gesundheitsschaden für jede Leistungsart innerhalb der Eingliede
rungsmassnahmen je einen eigenen Versicherungsfall (BGE 112 V 275; vgl. auch BGE 137 V 417 E. 2.2.3, 126 V 241 E. 4).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheits
schaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf
die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (Urk. 2) damit, dass aufgrund der eingeholten Berichte keine Arbeitsunfähigkeit vorliege und der Beschwerdeführer in seiner Arbeit als selbständig tätiger Hauswart nicht einge
schränkt sei. Im Weiteren sei kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen, weshalb kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung bestehe (S. 1).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), er müsse
zwecks Bestreitung seines Lebensunterhalts
nicht nur als Hauswart arbei
ten können, sondern auch als (gelernter) Zi
mmermann respektive Bauarbeiter
.
Im Weiteren wies er
darauf hin, dass er
unter
Hautprobleme
n
, ein
e
m
hautbedingte
n
extrem schlechte
n
Sonnenschutz, psychische
n
Probleme
n
, Rücken
beschwerden
, Vorstufen von diversen Infarkten, Allergien, diverse
n
Gelenk- und Sehnen
probleme
n
, Fussnagel
- und
Zahnprobleme
n
, rheumatische
n
Erkrankungen sowie eine
r
Rückbildung der für die Arbeit als Zimmermann erforderlichen Muskeln
leide
.
Es bestünden zudem
Geldprobleme,
die
früheren Drogenprobleme
habe er hingegen
gelöst
.
2.3
Strittig und zu prüfen sind der Anspruch auf berufliche Massnahmen und der Rentenanspruch. Über den Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen wurde letztmals mit (leistungsabweisender) Verfügung vom
5.
Mai 2004 (
Urk.
5/50) entschieden. In medizinischer Hinsicht stützte diese sich im Wesentlichen auf die Berichte von
Dr.
Y.___
, Facharzt für Allergologie, Klini
sche Immunologie, Dermatologie und Venerologie, vom
4.
Mai und 2
6.
Juli 2001 (
Urk.
5/24,
Urk.
5/30) sowie auf das Gutachten von
Dr.
Z.___
vom 1
5.
Sep
tember 2001 (
Urk.
5/32). Darin diagnostizierten die Ärzte eine
Follikulitis
und eine Überempfindlichkeit von Haut und Schleimhäuten ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sowie eine Drogenabhängigkeit und eine Depression, welche sich im bisherigen Tätigkeitsbereich nur
geringgradig
auswirkten. Da neben dem Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen auch der – damals nicht geprüfte – Rentenanspruch strittig ist und eine leistungsspezifische Anspruchsprüfung zu erfolgen hat, ist vorliegend nicht eine revisionsrelevante Veränderung zu prüfen, sondern wie bei einer Erstanmeldung zu verfahren.
3.
3.1
Im
Bericht
des
A.___
vom
1. November 2018 (Urk. 5/6
4/7
)
wurden
folgende Diagnosen
aufgeführt
:
-
bilateraler Niereninfarkt unklarer Genese 04/2011
-
normale Nierenfunktion
-
dreimonatige orale Antikoagulation mit
Marcoumar
-
Zustand nach
Polytoxikomanie
-
Ecstasy-, Ritalin-, LSD-, Amphetamin-Konsum
-
Verhaltensauffälligkeiten und
Verdacht auf kognitive Störung/
leichte Minder
intelligenz
-
b
isher nicht neuropsychologisch abgeklärt
-
Somatisierungsneigung
-
selbständig erwerbend als Hauswart
-
sozioökonomische (finanzielle) Schwierigkeiten
-
Rhinopathia
allergica
, multiple Sensibilisierung
-
Pricktest: Sensibilisierung auf Hausstaubmilben im Vordergrund
-
m
öglicherweise Nahrungsmittelkreuzallergien
-
zurzeit keine Basistherapie
-
OSG-Beschwerden rechts mit rezidivierenden Tendovaginitiden und
Achillo
dynie
-
11/2018 Abklärung orthopädisch durch Dr.
B.___
-
Status nach
clavicula
Fraktur links, offene Reposition mit Plattenosteosyn
these 11/
20
15
-
Status nach Nikotinkonsum, kumulativ zirka 8
py
Unter dem Titel Noxen wurde auf Cannabis hingewiesen.
3.2
Am
7. Dezember 2018
erwähnte
die Hausärztin des Beschwerdeführers, m
ed.
pract
.
C.___
,
unter dem Titel
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Verdacht auf eine kognitive Störung. Im Weiteren hielt sie fest, dass sie aktuell keine Ursache/Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sehe. Eventuell müsste eine erneute Abklärung einer möglichen allergischen Rhinitis erfolgen, wobei diese Diagnose die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtige und keine Basistherapie bestehe. Betreffend die unklaren Fus
sschmerzen rechts sei eventuell
Physiother
a
pie zu empfehlen (Urk. 5/64/2-5
S. 2
Ziff. 2.5 ff.
).
Die Hausärztin erwähnte sodann einen Cannabiskonsum (S. 3 Ziff. 3.6).
3.3
In seinem Bericht vom 17. Dezember 2018 (Urk. 5/66/7-9) stellte
Dr.
med.
B.___
, Chefarzt Orthopädie und Traumatologie am
D.___
, folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2):
-
unklare OSG-Schmerzen Fuss rechts
-
muskuläre
Dysbalance
und koordinatives Defizit
-
beginnende
Fasciitis
plantaris
ohne wesentliche Achillessehnen-Verkür
zung
-
fraglich intermittierend auftretende
Achillodynie
Dr.
med.
B.___
hielt fest, dass für die Tätigkeit als Hau
swart (körperlich strenge Tätigkeit
) keine Arbeitsunfähigkeit bestehe (S. 1 Ziff. 1.3, S. 2 Ziff. 3). Die Prognose sei sehr gut,
vorausgesetzt
die Verbesserung der Koordination und
Dys
balance
der Muskulatu
r sowie das physiotherapeutische Aufbautraining
würden
konsequent
durchgeführt
und selbständig zu Hause
weiterverfolgt
. Aufgrund
des
Ausschlusses einer nachweislichen Verletzung des Sprunggelenks, im Sinne eines morphologischen Korrelats, im MRI, habe die Behandlung bei ihm
– Dr.
B.___
– abgeschlossen werden können (S. 2 Ziff. 2.7 f.).
Der Arzt wies schliesslich darauf hin, dass der Beschwerdeführer
während den Konsultationen geistesabwe
send gewesen sei und auf Frage
n
nicht fragenspezifisch geantwortet habe (S. 3 Ziff. 4.4).
3.4
Dr.
med.
E.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärzt
licher Dienst (RAD)
,
hielt a
m 25. Februar 2019
fest,
dass von den behandelnden Ärzten keine Arbeitsunfähigkeit gesehen werde und der Beschwerdeführer weiterhin als selbständiger Hauswart tätig sei, weshalb von keiner Arbeits
un
fähigkeit für die aktuelle Tätigk
eit auszugehen sei. Im Weiteren liege
weder
eine psychiatrische Diagnose noch eine
f
achärztliche Versorgung vor
und
es bestehe
gemäss den behandelnden Ä
rzten ein Cannabiskonsum
. Aus dem Gutachten vom 17. September 2001
(vgl. Urk. 5/32/1-7)
gehe hervor, dass
der Beschwerdeführer
Cannabis (erstmals 1998)
sowie
auch Heroin, Ecstasy, Kokain
, LSD
,
Pilze
und Alkohol
konsu
miere
respektive konsumiert habe
, wobei die Diagnose einer Abhängigkeit nicht gestellt worden sei. Bei laut psychiatrischer Begutachtung unauffälliger Kindheit/Jugend und beim Fehlen weiterer psychiatrischer Diagno
sen könne von einem primären Substanzmissbrauch ausgegangen werden. Zudem lägen erhebliche psychosoziale Faktoren vor
.
Die RAD-Ärztin hielt sodann fest, dass die vorliegenden medizinischen Unter
lagen nachvollziehbar und konsistent seien und aus versicherungsmedizinischer Sicht von keinem IV-relevanten Gesundheitsschaden auszugehen sei
.
Schliesslich führte die RAD-Ärztin aus, dass eine neuropsychologische Testung einer kognitiven Einschränkung
sowie der Intelligenz
nur sinnvoll sei, wenn keine Intoxikation vorliege, um valide Ergebnisse zu erzielen. Da gemäss
den
Arztberichten ein Cann
a
biskonsum bestehe, müsste vor einer allfälligen Unter
suchung ein Ausschluss
einer
Intoxikation
mit Cannabis respektive weitere
n
Drogen erfolgen
(Urk. 5/67 S. 3 f.).
4.
4.1
Aufgrund der medizinischen Aktenlage
ist davon auszugehen
, dass der Beschwer
deführer im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) in somatischer Hinsicht unter einer allergischen Rhinitis sowie unklaren OSG-Schmerzen am
rechten Fuss leidet
, welchen keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkei
t zukommt
(vgl. E. 3.
1
f
f
.
hievor
).
Die Hausärztin erwähnte die Möglichkeit einer erneuten Abklärung der Rhinitis, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass eine ent
sprechende Diagnose die Arbeit
sfähigkeit nicht vermindere.
Gleichermassen ist die von Dr.
B.___
im Zusammenhang mit den OSG-Schmerzen attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit
in der
von ihm
als körpe
rlich anstrengend qualifizierte
n
Hauswarttätigkeit
plausibel, zumal
aufgrund des MRI eine nachweisliche Verlet
zung des Sprunggelenks ausgeschlossen wurde und im Wesentlichen eine muskuläre
Dysbalance
respektive ein koor
dinatives
Defizit im Vordergrund stand.
In diesem Zusammenhang wies er auf die Notwendigkeit eines konsequent durch
geführten und zu Hause weiter geführten physiotherapeutischen Aufbautrainings zur Verbesserung der Koordination und
Dysbalance
der Muskulatur hin (
Urk.
5/66/8
Ziff.
2.7). Von den vom Beschwerdeführer geklagten Rücken
beschwerden hatte
Dr.
B.___
sodann Kenntnis (
Urk.
5/66/8
Ziff.
2.1), schloss daraus aber auf keine Einschränkungen.
Die vom Beschwerdeführer nicht näher bezeichneten Hautbeschwerden fanden sodann weder im Bericht der Ärzte des
D.___
noch im Bericht der Hausärztin Eingang (vorstehend E. 3.1-2). Was die im Jahr 2001 festgestellte
Follikulitis
angeht, so hielt
Dr.
Y.___
mit Bericht vom
4.
Mai 2001 (
Urk.
5/24/2) fest, dass sie sich durch Schweiss in den Sommermonaten während der Arbeit zwar verstärke, es sich dabei aber nicht um eine Berufserkrankung handle und der Beruf als Zimmermann oder Dachdecker aus dermatologischer Sicht zumutbar sei.
Betreffend die übrigen vom Beschwerdeführer erwähnten somatischen Probleme
(Urk. 1)
ist darauf hinzuweisen, dass
diese in der medizi
nischen Aktenlage keinen Niederschlag finden (rheumatische Erkrankungen sowie Fussnagel- und Zahnprobleme) respektive
aktenkundig
letztmals im Jahre 2011 aufgetreten sind (bilateraler Niereninfarkt, vgl. E. 3.
1.
hievor
).
4.2
In den Berichten des
A.___
vom 1. November 2018
sowie der Hausärztin vo
m 7. Dezember 2018
wurde der Verdacht auf eine kognitive Störung respektive eine leichte Minderintelligenz erwähnt. Dr.
B.___
wies in seine
m Bericht vom 17. Dezember 2018
zudem darauf hin, dass der Beschwerde
führer während den Konsultationen geistesabwesend gewesen sei und auf Fragen nicht fragenspezifisch geantwortet habe
(vgl. E. 3.1-3
hievor
)
.
Anhaltspunkte für eine starke Verlangsamung sind auch dem Protokoll zur Früherfassung zu ent
nehmen (vgl.
Urk.
5/54 S. 2
Ziff.
3).
Die RAD-Ärztin verneinte einen invaliden
versicherungsrelevanten psychischen Gesundheitsschaden
unter Hinweis
darauf, dass weder eine psychiatrische Diagnose noch eine fachärztliche Versorgung bestehe und verwies im Übrigen
auf das psychiatrische Gutachten von Dr. med.
Z.___
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH
(v
gl. E. 3.4)
.
Letzteres datiert
vom 15. September 2001 (
vgl.
Urk. 5/32/1-7)
,
weshalb
der damaligen gutachterlichen
Einschätzung
(inklusive Diagnosen)
bei
der
Beurteilung des
im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung
vorliegenden
Gesundheitszustands des Beschwerde
führers
keine
(
wesentliche
)
Relevanz zukommt.
Im Zusammenhang mit der
psychiatrische
n
Behandlung
des Beschwerdeführers
bestehen
sodann wider
sprüchliche Angaben.
Der Beschwerdeführer gab im Rahmen der Früherfassung im Juli 2018 an, dass er seinen damaligen Hausarzt
Dr.
med.
F.___
, Allge
meine Innere Medizin,
bezüglich einer
stationäre
n
Massnahme habe anfragen wollen beziehungsweise der
Arzt
ihn nicht zu einem Psychiater überweisen wolle
. Demgegenüber
soll sich der Beschwerdeführer gemäss den Informationen
des Sozialamtes bis anhin geweigert habe
n
, sich einer psychiatrischen Behandlung zu unterziehen (Urk. 5/54 S. 2).
Ferner gab der Beschwerdeführer zwar an, seine Drogenprobleme gelöst zu haben (
Urk.
1), d
emgegenüber ging die Hausärztin
im Dezember 2018 noch von einem Cannabiskonsum aus.
Betreffend den
von
der
RAD-Ärztin
erwäh
n
ten
primären Su
bstanzmissbrauch ist auf die Praxis
änderung des Bundesgerichts betreffend Leistungen der Invalidenversicherung bei Suchterkrankung (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juli 2019 9C_724/2018)
hinzuweisen
. Danach wurde die bisherige Rechtsprechung, wonach primäre Substanzkonsumstörungen
zum vornherein keine invalidenversicherungsrecht
lich relevanten Gesundheitsschäden darstellen können, fallen gelassen und es
ist - gleich wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen
(BGE143 V 409, BGE 143 V 418)
– nach dem strukturierten Beweisverfahren zu ermitteln, ob und gegebenenfalls inwieweit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhängigkeits
syndrom im Einzelfall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person auswirkt (Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juli 2019 9C_724/2018
E. 7)
.
Im Übrigen befreit der Hinweis der RAD-Ärztin, wonach eine neuropsychologische Testung einer kognitiven Einschränkung bei Cannabiskonsu
m keinen Sinn mach
e, die Beschwerde
gegnerin
nicht davon, den Sachverhalt in psychischer Hinsicht in rechtsgenügender Weise abzuklären, zumal
das
konkrete
Ausmass eines
(
allfälli
gen
)
Substanzkonsums des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung
nicht feststeht
und hinsichtlich der
kognitive
n
Störung respektive Minderintelligenz lediglich eine nicht fachärztlich gestellte Verdachtsdiagnose besteht
.
Vor diesem Hintergrund fehlt es an einer vollständigen Sachverhaltsermittlung betreffend den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers. Damit mangelt es an verlässlichen medizinischen Grundlagen zur Beurteilung der gesundheitlichen Situation und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und damit an der Grundlage für einen Entscheid. Entsprechend ist die angefochtene Verfügung vom 6. Mai 2019 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache zu weiteren Abklärungen in psychiatrischer Hinsicht und zum erneuten Entscheid über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers (berufliche Massnahmen, Rente) an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen und, da die Rückweisung an die Verwaltung nach stän
diger Rechtsprechung als vollständiges Obsiegen gilt (vgl. etwa Urteil des Bun
desgerichts U 199/02 vom 10. Februar 2004 E. 6, mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3),
ausgangsgemäss
von der Beschwerdegeg
nerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne
gutgeheissen
, dass die Verfügung vom
6. Mai 2019
aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen über den Leistungsanspruch de
s
Beschwerdeführer
s
neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubSchleiffer Marais