# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 42b046c8-ac34-56f1-85ac-3328f0e7a807
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2007-05-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.05.2007 A-1608/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1608-2006_2007-05-08.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-1608/2006
{T 0/2}

Urteil vom 8. Mai 2007

Mitwirkung: Richter Markus Metz (Vorsitz), Richter Daniel Riedo, Richter 
Thomas Stadelmann (Kammerpräsident). Gerichtsschreiber 
Johannes Schöpf.

X._______, ...
Beschwerdeführerin, vertreten durch ...

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung, Hauptabteilung Mehrwertsteuer, Schwarz-
torstrasse 50, 3003 Bern,
Vorinstanz

betreffend
Mehrwertsteuer (MWSTG; 2. Quartal 2005).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

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Sachverhalt:

A. Die X._______ mit Sitz in A._______ war ab dem 1. September 2004 bei 
der  Eidgenössischen  Steuerverwaltung  (ESTV)  unter  der  Nummer  ...  im 
Register  der  Mehrwertsteuerpflichtigen  eingetragen.  Zweck  der 
Gesellschaft  war  die  Ausführung  von  geologischen  und  bautechnischen 
Bohrarbeiten  aller  Art;  sie  kann  sich  an  Firmen  mit  gleichem  oder 
ähnlichem  Zweck  beteiligen  sowie  Liegenschaften  erwerben,  verwalten 
oder veräussern. Die Verwaltung hat der Mehrwertsteuerpflichtigen am 22. 
November 2004 die Abrechnung der Mehrwertsteuer nach vereinnahmten 
Entgelten bewilligt.

Gemäss  Fusionsvertrag  vom  28.  Juni  2006  wurde  die  X._______  mit 
Aktiven und Passiven durch die Y._______ mit dem ursprünglichen Sitz in 
Fiesch,  ab  8.  Juni  2006  in  A._______,  übernommen.  Mit  den  neuen 
Statuten  vom  28. Juni  2006  änderte  die  Y._______  die  Firma  in 
X._______.  Die  (alte)  X._______  wurde  ebenfalls  am 28.  Juni  2006  im 
Handelsregister  gelöscht.  Mit  Statutenänderung vom 20. November 2006 
verlegte  die  (neue)  X._______  den  Sitz  nach  B._______.  Hauptzweck 
dieser  Gesellschaft  ist  der  Betrieb  eines  Gipser-  und  Malergeschäftes 
(Verputz und Isolierarbeiten sowie Leichtbau und Stuckaturen) sowie die 
Ausführung von geologischen und bautechnischen Bohrarbeiten aller Art. 
Die  Gesellschaft  kann  auch  Maschinen,  Inventar  und  Mobilien  kaufen, 
mieten, verkaufen und vermieten, insbesondere für den Tiefbau bzw. den 
Tiefgrundbau. Sie kann sich an anderen Unternehmungen beteiligen und 
überhaupt alle Geschäfte tätigen, die dem Zweck der Gesellschaft dienlich 
sind.

B. Für die Steuerperiode 3. Quartal 2004 (Zeitraum vom 1. bis 30. September 
2004) errechnete die X._______ in ihrer Mehrwertsteuerabrechnung vom 
19. November  2004  ein  Guthaben  aus  deklarierten  Vorsteuern  von 
Fr. 30'461.50. Nach Korrekturen stellte die ESTV am 18. März 2005 eine 
Ergänzungsabrechnung  (EA)  Nr.  ...  aus,  in  der  sie  den  zulässigen 
Vorsteuerabzug auf Fr. 6'983.40 festsetzte. Diesen Betrag verrechnete die 
ESTV mit den zu Unrecht  deklarierten Vorsteuern und zahlte ihn am 23. 
März 2005 der X._______ aus. Diese EA blieb unangefochten.

C. Für  die  Abrechnungsperiode 2.  Quartal  2005 (Zeitraum vom 1.  April  bis 
30. Juni  2005)  deklarierte  die  X._______  in  der  Mehrwertsteuer-
abrechnung vom 15. Juli 2005 einen an die ESTV zu leistenden Mehrwert-
steuerbetrag  von Fr.  6'269.05.  Sie  blieb  die  Bezahlung  dieses  Betrages 
jedoch schuldig, weshalb die Verwaltung am 9. Januar 2006 einen förm-
lichen Entscheid erliess, wonach die X._______ Fr. 6'269.05 zuzüglich 5% 
Verzugszins seit dem 1. September 2005 zu zahlen hatte. Gleichzeitig hob 
sie  den  Rechtsvorschlag  gegen  den  Zahlungsbefehl  Nr. ...  vom  1. 
Dezember 2005 des Betreibungsamts ... auf.

D. Die X._______ reichte gegen diesen Entscheid am 8. Februar 2006 bei der 
ESTV Einsprache ein mit der Begründung, die angefochtene Verfügung sei 
nicht gerechtfertigt. Tatsache sei, dass die X._______ noch ein Guthaben 

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aus  der  Mehrwertsteuerabrechnung  bei  der  Verwaltung  habe.  Die 
Differenz rühre offensichtlich daher, dass die ESTV den Vorsteuerabzug, 
den die  X._______  zurecht  vornahm,  nicht  akzeptiere.  Es liege deshalb 
eine zulässige Verrechnung vor.  Die X._______ begründete jedoch nicht 
weiter, aus welcher Abrechnung ihr ein Guthaben zustehen sollte.

E. Die  ESTV  verpflichtete  die  X._______  im  Einspracheentscheid  vom  16. 
Mai  2006  zur  Zahlung  von  Fr.  6'269.05  Mehrwertsteuer  zuzüglich  5% 
Verzugszinsen  seit  dem  1.  September  2005  für  die  Steuerperiode 
2. Quartal 2005 (Zeitraum vom 1. April 2005 bis 30. Juni 2005). Das Gut-
haben der X._______ aus dem 4. Quartal 2005 im Betrag von Fr. 5'269.35 
wurde an die Mehrwertsteuerschuld angerechnet und der Rechtsvorschlag 
im  Umfang  des  Restbetrages  aufgehoben.  Die  Verwaltung  behielt  sich 
eine  Kontrolle  vor;  der  Mehrwertsteuerpflichtigen  wurden  keine 
Verfahrenskosten  auferlegt,  eine  Parteientschädigung  wurde  nicht 
zugesprochen.

F. Mit Eingabe vom 14. Juni 2006 erhob die X._______ (Beschwerdeführerin) 
gegen den Einspracheentscheid der ESTV vom 16. Mai 2006 Beschwerde 
bei  der  Eidgenössischen  Steuerrekurskommission  (SRK)  mit  folgenden 
Anträgen:

"1.  Der  angefochtene  Entscheid  (recte:  Einspracheentscheid)  sei  soweit 
aufzuheben, als die Einsprache der X._______ nicht gutgeheissen worden 
ist.

2. Es sei  festzustellen,  dass die X._______ auch für das zweite Quartal 
2005 (1. April 2005 bis 30. Juni 2005) keine Mehrwertsteuer schuldet, weil 
sie vollständig durch Verrechnung untergegangen ist.

3.  Dementsprechend  sei  Ziff.  2  des  angefochtenen  Entscheides  (recte: 
Einspracheentscheides) soweit aufzuheben, als darin von einer Schuld mit 
Zinspflicht der Beschwerdeführerin ausgegangen wird.

4. Ziffer 3 des Entscheides (recte: Einspracheentscheides) sei vorbehaltlos 
aufzuheben.

5. Entgegen Ziff. 6 des Entscheides (recte: Einspracheentscheides) sei der 
Einsprecherin auch für das erstinstanzliche Verfahren eine angemessene 
Partei- und Anwaltskostenentschädigung zuzusprechen.

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (amtliche Kosten und Partei-
kosten) zu Lasten des Staates."

Zur Begründung führte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, der 
Vorsteuerabzug  sei  im  Widerspruch  zum geltenden  Recht  von  der  Ver-
waltung nicht akzeptiert worden. Dafür habe die ESTV keine Begründung 
genannt,  sodass  es  der  Beschwerdeführerin  nicht  möglich  sei,  inhaltlich 
dazu Stellung zu nehmen.

G. Die ESTV beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 4. September 2006, die 
Beschwerde sei kostenpflichtig abzuweisen. Die Verwaltung bringt insbe-
sondere vor, Streitgegenstand bilde der Einspracheentscheid vom 16. Mai 
2006.  Aufgrund  der  Begründung  der  Beschwerde  müsse  davon  ausge-

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gangen  werden,  dass  sich  die  Verrechnungseinrede  der  Beschwerde-
führerin  auf  die EA Nr.  ...  vom 18.  März 2005 betreffend das 3. Quartal 
2004 beziehe. Diese sei von der Beschwerdeführerin jedoch nie bestritten 
worden,  weshalb  zu  diesem  Punkt  kein  begründeter  Entscheid  bzw. 
Einspracheentscheid vorliege. Die ESTV habe sich deshalb auf die nicht 
bestrittene EA Nr. ... verlassen können. Sie werde jedoch nach Abschluss 
des vorliegenden Verfahrens sowohl die Einsprache vom 8. Februar 2006 
als auch die Beschwerde vom 14. Juni 2006 als Bestreitung der EA Nr. ... 
entgegennehmen  und  einen  diesbezüglichen  Entscheid  treffen.  Die 
Beschwerdeführerin  habe  zwar  die  Einrede  der  Verrechnung  erhoben, 
aber  nicht  erwähnt,  welches  "Guthaben"  sie  denn  an  ihre 
Mehrwertsteuerschuld für das 2. Quartal 2005 angerechnet haben möchte. 
Das Guthaben aus dem 4. Quartal 2005 im Betrag von Fr. 5'269.35 sei im 
angefochtenen Einspracheentscheid berücksichtigt worden.

H. Mit  Schreiben vom 9. Februar  2007 teilte  das Bundesverwaltungsgericht 
den Parteien mit, dass es das hängige Beschwerdeverfahren übernommen 
hat.

Auf  die  weiteren  Begründungen  der  Eingaben  wird  –  soweit  entscheid-
wesentlich – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  nach  Art.  53  Abs.  2  des  Bundesge-
setzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesverwaltungsgericht  (VGG, 
SR 173.32) seit dem 1. Januar 2007 zur Entscheidung in der vorliegenden 
Streitsache zuständig. Die Beschwerde vom 14. Juni 2006 gegen den Ein-
spracheentscheid der ESTV vom 16. Mai 2006 wurde seinerzeit frist- und 
formgerecht  bei  der  SRK  eingereicht.  Die  Beschwerdeführerin  ist  nach 
Art. 48 Abs. 1 Bst. b und c des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zur Beschwerde legi-
timiert. Der von der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 63 Abs. 4 VwVG 
einverlangte  Kostenvorschuss  von  Fr.  500.--  ist  fristgerecht  bezahlt 
worden. Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten.

2. Die Beschwerdeführerin  anerkennt  das Guthaben der ESTV gemäss der 
Mehrwertsteuerabrechnung für das 2. Quartal 2005 (Zeitraum vom 1. April 
bis  30.  Juni  2005)  nach  der  Verrechnung  ihres  eigenen  Guthabens  ge-
mäss  der  Mehrwertsteuerabrechnung  für  das  4.  Quartal  2005  (Zeitraum 
vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2005) von Fr. 999.70, macht aber gel-
tend, die Verwaltung habe zu Unrecht ihren Vorsteuerabzug nicht akzep-
tiert. Sie beruft sich dabei – ohne dies in der Begründung zur Beschwerde 
vom 14. Juni 2006 auszuführen – offenbar auf die EA Nr. ... vom 18. März 
2005, in der die ESTV deklarierte Vorsteuern im Umfang von Fr. 23'478.-- 
nicht anerkannt hatte.

2.1 Nach  der  Einreichung  einer  Quartalsabrechnung  durch  den  Mehrwert-
steuerpflichtigen kann die ESTV eine Überprüfung nach Art. 62 des Bun-
desgesetzes vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer (Mehrwert-

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steuergesetz,  MWSTG,  SR 641.20)  vornehmen.  Diese  Kontrolle  bezieht 
sich auf  die zu zahlende Steuer und auf  die Vorsteuer;  sie schliesst  mit 
einer  EA,  wenn  der  bezahlte  Mehrwertsteuerbetrag  zu  niedrig  oder  mit 
einer  Gutschrift  (GS),  wenn  der  bezahlte  Mehrwertsteuerbetrag  zu hoch 
war (ISABELLE HOMBERGER GUT, in: mwst.com, Basel 2000, Art. 47 Rz. 5). Die 
EA ist nach der Praxis der ESTV und der Rechtsprechung keine Verfügung 
im  Sinn  von  Art.  5  VwVG  (ALOIS CAMENZIND/NIKLAUS HONAUER/KLAUS A. 
VALLENDER,  Handbuch  zum  Mehrwertsteuergesetz  (MWSTG),  Bern  2003 
Rz. 1678;  Entscheid  der  SRK  vom  31.  August  2004,  veröffentlicht  in 
VPB 69.6 E. 2b/bb; BVGer vom 28. Februar 2007 [A-1366/2006] E. 2.2 mit 
Hinweisen auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts), sondern vielmehr 
eine  amtliche  Mitteilung  der  Verwaltung  und  erwächst  mangels  Ver-
fügungscharakter  nicht  in  Rechtskraft  (vgl.  zum  Ganzen  auch:  GERHARD 
SCHAFROTH/THOMAS P. WENK, Selbstveranlagung und Ergänzungsabrechnung, 
in: Der Schweizer Treuhänder [ST], Ausgabe 10/1998, S. 1167 ff.). Sie er-
öffnet auch kein Rechtsmittelverfahren. Eine EA kann jederzeit zu Gunsten 
oder zu Ungunsten der Mehrwertsteuerpflichtigen abgeändert werden, so-
fern  die  Mehrwertsteuerabrechnung  nicht  bereits  Gegenstand  eines  in 
Rechtskraft  erwachsenen  Entscheids  im Sinne von Art.  63 MWSTG war 
oder  die  Steuer  verjährt  ist  (vgl.  dazu  Entscheid  der  SRK  vom 17.  Juli 
2001, veröffentlicht in VPB 66.43 E. 3a, mit weiteren Hinweisen). Falls der 
Mehrwertsteuerpflichtige mit der EA oder mit der GS nicht einverstanden 
ist, kann er nach Art. 63 Abs. 1 Bst. a und c MWSTG einen förmlichen Ent-
scheid verlangen (vgl.  HOMBERGER GUT, a.a.O., Art. 63 Rz. 15). Dieser Ent-
scheid eröffnet den Weg der Einsprache an die ESTV nach Art. 64 Abs. 1 
MWSTG.  Deren  Einspracheentscheid  kann  an  das  Bundesverwaltungs-
gericht weitergezogen werden. Solange aber der Mehrwertsteuerpflichtige 
keinen  förmlichen  Entscheid  verlangt,  darf  die  ESTV  davon  ausgehen, 
dass die EA bzw. die GS korrekt und akzeptiert ist.

2.2 Die ESTV hat mit der EA Nr. ...  vom 18. März 2005 die Abrechnung der 
Beschwerdeführerin  vom  19.  November  2004  für  das  3. Quartal  2004 
(Zeitraum vom 1.  bis  30.  September  2004)  korrigiert  und den gesamten 
von ihr  anerkannten Vorsteuerüberschuss von Fr.  6'983.50 am 23.  März 
2005 ausbezahlt. Die Beschwerdeführerin verlangte über diese EA keinen 
förmlichen Entscheid der ESTV nach Art. 63 Abs. 1 Bst. a und c MWSTG. 
Die  Beschwerdeführerin  verlangt  im  vorliegenden  Verfahren  einzig  die 
Verrechnung  der  im  Übrigen  unbestrittenen  MWST-Forderung  mit 
Vorsteuerguthaben  den  Zeitraum  vom  1.  bis  30.  September  2004 
betreffend.  Gemäss  Art.  125  Ziff.  3  des  Bundesgesetzes  vom  30. März 
1911  betreffend  die  Ergänzung  des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuches 
(Fünfter  Teil:  Obligationenrecht;  OR,  SR  220)  können  Private  ihre 
Forderungen  gegenüber  dem Gemeinwesen  nur  verrechnen,  sofern  das 
Gemeinwesen  zustimmt  (vgl.  auch  ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX 
UHLMANN,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  5.  Auflage,  Zürich/Basel/Genf 
2006,  Rz.  806).  Die  ESTV  hat  stillschweigend  einer  Verrechnung  nicht 
zugestimmt, indem für sie die Sache nach der Auszahlung des als zulässig 
anerkannten Vorsteuerabzugs von Fr. 6'983.40 (EA Nr.  ...  vom 18. März 

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2005) abgeschlossen war. Es stellt  sich deshalb die Frage, ob die ESTV 
allenfalls  zu  Unrecht  einer  Verrechnung  der  Steuerforderungen  nicht 
zustimmte.

3.

3.1 Unter dem Anfechtungs- oder Beschwerdeobjekt  ist der Gegenstand des 
Anfechtungsverfahrens, das heisst der angefochtene Akt der Verwaltung, 
zu  verstehen.  Angefochten  wird  ein  Hoheitsakt  bei  einer  staatlichen  In-
stanz  (der  Beschwerdeinstanz;  vgl.  RENÉ RHINOW/HEINRICH KOLLER/CHRISTINA 
KISS,  Öffentliches  Prozessrecht  und  Justizverwaltungsrecht  des  Bundes, 
Basel 1996, Rz. 963 ff.). Das Anfechtungsobjekt, das heisst die Verfügung 
oder der Entscheid der unteren Instanz, bildet den Rahmen, welcher den 
möglichen Umfang des Streitgegenstandes begrenzt. Gegenstand des Be-
schwerdeverfahrens kann nur sein, was Gegenstand des erstinstanzlichen 
Verfahrens war oder  nach richtiger  Gesetzesauslegung hätte sein sollen 
(Entscheid  der  Eidgenössischen  Personalrekurskommission  [PRK]  vom 
8. November  2005,  veröffentlicht  in  Verwaltungspraxis  der 
Bundesbehörden [VPB] 70.52 E. 2).

3.2 Streitgegenstand  in  der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege ist  dem-
zufolge  das  Rechtsverhältnis,  das  Gegenstand  der  angefochtenen  Ver-
fügung bildet, soweit es im Streit liegt. Nicht die Verfügung selbst ist also 
Streitgegenstand  (sie  bildet  das  Anfechtungsobjekt),  sondern  das  in  der 
Verfügung  geregelte  oder  zu  regelnde,  im  Beschwerdeverfahren  noch 
streitige  Rechtsverhältnis.  Anfechtungsobjekt  und  Streitgegenstand  sind 
identisch,  wenn  die  Verwaltungsverfügung  insgesamt  angefochten  wird. 
Bezieht sich demgegenüber die Beschwerde nur auf einen Teil des durch 
die  Verfügung  bestimmten  Rechtsverhältnisses,  gehören  die  nicht  bean-
standeten  Teilaspekte  des  verfügungsweise  festgelegten  Rechtsverhält-
nisses  zwar  wohl  zum  Anfechtungs-,  nicht  aber  zum  Streitgegenstand 
(BGE 110 V 51 E. 3c; RHINOW/KOLLER/KISS, a.a.O., Rz. 899 ff.).

3.3 Der Streitgegenstand darf nicht über das Anfechtungsobjekt hinausgehen. 
In der streitigen öffentlichen Rechtspflege erscheint vor allem wichtig, dass 
der  Prozess  auf  den  Streitgegenstand  beschränkt  ist  (die  Rechtsmittel-
instanz hat keine allgemeine Aufsicht über die Verwaltung); im Laufe des 
Beschwerdeverfahrens darf der Streitgegenstand nicht erweitert und quali-
tativ  verändert  werden.  Er  kann  sich  höchstens  verengen  und  um nicht 
mehr strittige Punkte reduzieren, nicht aber ausweiten. Gegenstände, über 
welche die erstinstanzlich verfügende Behörde nicht entschieden hat, darf 
die zweite Instanz nicht beurteilen; sonst würde in die funktionelle Zustän-
digkeit  der  ersten  Instanz  eingegriffen.  Das  bedeutet  auch,  dass  die 
Rechtsmittelinstanz im Rahmen des Rechtsmittelverfahrens die Verfügung 
nur  insoweit  überprüfen  darf,  als  sie  angefochten  ist  (BGE  131  II  203 
E. 3.2;  Entscheid  der  SRK  vom  18.  Januar  1999,  veröffentlicht  in  VPB 
63.78 E. 2; vgl. auch ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und 
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Auflage, Zürich 1998, Rz. 403 ff.; 
ANDRÉ MOSER,  in:  MOSER/UEBERSAX,  Prozessieren  vor  eidgenössischen 
Rekurskommissionen,  Basel  und  Frankfurt  am Main  1998,  Rz.  2.13  mit 

7

weiteren Hinweisen).

3.4 Im vorliegenden Fall  ist  das Anfechtungsobjekt  der  Einspracheentscheid 
der  ESTV  vom 16.  Mai  2006,  der  wiederum  aufgrund  einer  Einsprache 
gegen den Entscheid  der  Verwaltung vom 9.  Januar  2006 ergangen ist, 
über  die  Mehrwertsteuerabrechnung  der  Beschwerdeführerin  betreffend 
das 2. Quartal 2005 (Zeitraum vom 1. April bis 30. Juni 2005). Streitgegen-
stand  ist  damit  die  Frage,  ob  die  Beschwerdeführerin  aus  dieser  Ab-
rechnungsperiode noch Mehrwertsteuern schuldet. Nicht zum Streitgegen-
stand gehört nach den obigen Ausführungen hingegen die EA Nr. ... vom 
18.  März  2005  über  die  Abrechnungsperiode  3.  Quartal  2004  (Zeitraum 
vom 1. bis 30. September 2004), denn darüber hat die ESTV noch nicht 
rechtskräftig  entschieden  (vgl.  oben  E.  2.2).  Deshalb  kann  über  die 
Möglichkeit,  das  diesbezüglich  behauptete,  aber  durch  die  ESTV 
korrigierte  Vorsteuerguthaben  der  Beschwerdeführerin  zu  verrechnen, 
nicht im vorliegenden Beschwerdeverfahren entschieden werden.

3.5 Aus diesem Grund ist die Beschwerde abzuweisen.

4. Die  ESTV  weist  die  Beschwerdeführerin  in  ihrer  Vernehmlassung  vom 
4. September 2006 zu Recht  in ein separates Verfahren;  die Verwaltung 
wird gestützt auf die Einsprache vom 8. Februar 2006 und die Beschwerde 
vom  14.  Juni  2006  bereffend  die  EA  Nr.  ...  vom  18.  März  2005  einen 
Entscheid nach Art. 63 Abs. Bst. c MWSTG fällen, der dann einem eigenen 
Einsprache- bzw. Beschwerdeverfahren unterliegen wird. Sollte sich durch 
die  Kontrolle  oder  in  einem  Einsprache-  bzw.  Beschwerdeverfahren 
zeigen,  dass  die  ESTV  den  durch  die  Beschwerdeführerin  deklarierten 
Vorsteuerabzug  zu  Unrecht  nicht  im  vollen  oder  im  gesetzlich  erforder-
lichen Umfang gewährt  hat,  wird sie eine Nachzahlung leisten,  die nach 
Art. 48 Abs. 4 MWSTG mit einem Vergütungszins, dessen Höhe dem Ver-
zugszins entspricht, ausgerichtet wird.

5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde in allen Punkten ab-
zuweisen ist. Dies betrifft auch den Antrag der Beschwerdeführerin, ihr sei 
für das Einspracheverfahren vor der ESTV eine Parteientschädigung zuzu-
sprechen.

Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  hat  die  Beschwerdeführerin  nach 
Art. 63  Abs.  1  VwVG  die  Verfahrenskosten  zu  tragen.  Die  Ver-
fahrenskosten  werden  in  Anwendung  von  Art.  4  des  Reglements  vom 
11. Dezember 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  auf  Fr.  500.--  festgesetzt 
und mit dem von der Beschwerdeführerin geleisteten Kostenvorschuss in 
gleicher Höhe verrechnet.  Eine Parteientschädigung ist  der Beschwerde-
führerin aus denselben Gründen nicht auszurichten.

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die  Verfahrenskosten  im  Betrag  von  Fr.  500.--  werden  der  X._______ 

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auferlegt und mit dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 500.-- 
verrechnet.

3. Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

4. Dieses Urteil wird eröffnet:

- der Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)

- der Vorinstanz (Gerichtsurkunde)

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Thomas Stadelmann Johannes Schöpf

Rechtsmittelbelehrung

Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  können  innert  30  Tagen  seit  Eröffnung  beim 
Schweizerischen Bundesgericht in Lausanne angefochten werden. Die Rechtsschrift ist 
in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 
der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Sie muss spätestens am letzten Tag 
der Frist beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen 
Post  oder  einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung über-
geben werden (Art. 42, 48, 54, 83 Bst. l und m und Art. 100 des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG, SR 173.110]).

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