# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a58dd32b-4523-5611-9c54-94f743cbfa20
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-01-11
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Sozialversicherungsrecht 11.01.2024 720 2021 163 / 03 (720 21 163 / 03)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_002_720-2021-163---03_2024-01-11.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche-

rungsrecht 

 

 
vom 11. Januar 2024 (720 21 163 / 03) 

____________________________________________________________________ 

 

 

Invalidenversicherung  

 

 

Bestimmung des massgebenden medizinischen Sachverhalts aufgrund eines Gerichts-

gutachtens; Anwendung der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung. 

 

 
Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jürg Pulver, Kantons-

richterin Elisabeth Berger Götz, Gerichtsschreiberin Katja Wagner 
 
 

Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Javier Ferreiro, Advo-
kat, Gerbergasse 1, 4001 Basel 

  
 
gegen 
 
 

 IV-Stelle Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, 
Beschwerdegegnerin 
 

  
  
Betreff IV-Rente  
 
 
 
A. Die 1976 geborene und zuletzt im Bereich Administration/Buchhaltung tätig gewesene 
A.____ meldete sich am 15. Oktober 2015 unter Hinweis auf eine Angststörung bei der Eidge-
nössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Nach Abklärung der erwerbli-
chen und gesundheitlichen Verhältnisse sprach die IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) der 
Versicherten mit Verfügung vom 22. April 2021 eine Viertelsrente mit Wirkung ab 1. Mai 2021 
zu.  

 

 
 
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B. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte, vertreten durch Javier Ferreiro, Advo-
kat, mit Eingabe vom 20. Mai 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abtei-
lung Sozialversicherungsrecht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die Verfügung der 
IV-Stelle aufzuheben und ihr rückwirkend per 1. März 2016 eine ganze Invalidenrente zuzu-
sprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu rechtsgenüglichen Abklärungen in psychiatri-
scher und neuropsychologischer Hinsicht zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 
ersuchte sie um unentgeltliche Prozessführung und Verbeiständung mit Advokat Ferreiro als 
Rechtsvertreter. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, dass das von der IV-Stelle ein-
geholte Gutachten, auf das sich die Verfügung stütze, in verschiedener Hinsicht nicht beweis-
kräftig sei. In erwerblicher Hinsicht wird bemängelt, dass das Valideneinkommen nicht korrekt 
festgesetzt worden sei. Dieses sei anhand des zuletzt vor Eintritt des Gesundheitsschadens 
tatsächlich erzielten Einkommens zu ermitteln. Schliesslich sei ihr ein leidensbedingter Abzug in 
der Höhe von 15% zu gewähren.  
 
C. Mit prozessleitender Verfügung vom 25. Mai 2021 bewilligte der instruierende Präsi-
dent der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbei-
ständung mit Advokat Ferreiro als Rechtsvertreter. 
 
D. In ihrer Vernehmlassung vom 27. Juli 2021 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der 
Beschwerde.  
 

E. Anlässlich der Urteilsberatung vom 27. Januar 2022 gelangte das Kantonsgericht zur 
Auffassung, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vorhan-
denen medizinischen Akten nicht möglich sei. Das Gericht beschloss deshalb, den Fall auszu-
stellen und zur Klärung des medizinischen Sachverhalts ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten 
bei der MEDAS Interlaken anzuordnen.  
 
F. Das Gutachten der MEDAS Interlaken erging am 13. April 2023. Die Parteien erhielten 
in der Folge Gelegenheit, sich zum Inhalt des Gutachtens und zur Frage zu äussern, wie sich 
dessen Ergebnisse auf den Leistungsanspruch der Versicherten auswirken würden. Mit Einga-
be vom 23. Mai 2023 verwies die IV-Stelle im Wesentlichen auf eine Stellungnahme ihres regi-
onalen ärztlichen Dienstes (RAD) vom 10. Mai 2023, worin dieser Gemeinsamkeiten und Unter-
schiede zwischen dem Gerichtsgutachten und dem ursprünglich seitens der IV-Stelle veranlass-
ten Verwaltungsgutachten hervorhob. In ihrer Stellungnahme vom 23. August 2023 erachtete 
die Beschwerdeführerin das Gutachten als beweiskräftig und hielt vollumfänglich an ihrem An-
trag fest, wonach ab 1. März 2016 Anspruch auf eine ganze Rente bestehe.  
 
 
Das Kantonsgericht zieht  i n  E r w ä g u n g :  
 
1.1 Auf die beim örtlich und sachlich zuständigen Gericht und im Weiteren form- und frist-
gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten. 
 

 

 
 
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1.2 Am 1. Januar 2022 ist die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung 
des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft getreten. Auf alle Rentenansprüche, die ab 
dem 1. Januar 2022 entstehen, finden grundsätzlich die Bestimmungen des IVG und der Ver-
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 17. Januar 1961 sowie diejenigen des Bun-
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vom 6. Oktober 
2000 in der Fassung gültig ab 1. Januar 2022 Anwendung (Kreisschreiben über Invalidität und 
Rente in der Invalidenversicherung [KSIR], gültig ab 1. Januar 2022, Rz. 9100). Wie die nach-
folgenden Erwägungen zeigen werden, ist der Versicherungsfall (rentenbegründende Invalidität; 
BGE 137 V 417 E. 2.2.4) noch vor dem 1. Januar 2022 eingetreten. Damit kommt der allgemei-
ne Grundsatz zur Anwendung, wonach im Rahmen einer Rechtsänderung dasjenige Recht gilt, 
welches bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands in Kraft stand 
(BGE 138 V 475 E. 3 mit Hinweisen; BGE 127 V 466 E. 1). Im vorliegenden Fall sind somit die 
Bestimmungen des IVG in der bis Ende 2021 geltenden Fassung anwendbar. Sie werden im 
Folgenden jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet. 
 
2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs-
fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein-
gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während 
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig 
gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). 
 
2.2 Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit 
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge von Geburts-
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit ist der 
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust 
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver-
stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 
 
2.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt abge-
stuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 70%, 
auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie zu 
mindestens 50% und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40% invalid ist. 
 
2.4 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychischen Gesundheitsbeeinträchti-
gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich an-
erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu 
betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psychischen Leiden belastenden 
psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein 
invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 
Abs. 1 IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbs-
fähigkeit wesentlich beeinträchtigt. In BGE 143 V 409 und 143 V 418 hat das Bundesgericht 
entschieden, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Be-
weisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses für somatoforme Leiden entwi-

 

 
 
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ckelte Vorgehen definiert systematisierte Indikatoren, die – unter Berücksichtigung von leis-
tungshindernden äusseren Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen 
(Ressourcen) anderseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu-
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4 bis 3.6 und 4.1). Entscheidend ist dabei, unabhängig von 
der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrund-
lage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei 
die versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit 
Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 
 
3.1 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG 
anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das 
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh- 
rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom-
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht 
invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der 
Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst 
genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der Einkommensdifferenz lässt 
sich der Invaliditätsgrad bestimmen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; 
BGE 128 V 30 E. 1). 
 
3.2 Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich (z.B. Haushalt) tätig sind 
und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Be-
messung der Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse 
sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Betätigungsvergleich; Art. 28a Abs. 2 
IVG). 
 
3.3 Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb 
des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 
ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für 
diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbs-
tätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der 
Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Berei-
chen zu bemessen (gemischte Methode der Invaliditätsbemessung; Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei 
diesen Versicherten anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs 
ohne Gesundheitsschaden ganztägig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung aus-
schliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27bis IVV, in der vorlie-
gend anwendbaren, bis Ende 2017 gültig gewesenen Fassung). 
 
3.4 In Bezug auf die Bemessung der Invalidität aufgrund der gemischten Methode ist zu 
beachten, dass Art. 27bis

 
Abs. 3 lit. a IVV (in der seit dem 1. Januar 2018 geltenden Fassung) 

bestimmt, dass sich die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätigkeit bei 
Teilerwerbstätigen, die sich zusätzlich im Aufgabenbereich nach Art. 7 Abs. 2 IVG betätigen, 
nach Art. 16 ATSG richtet, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die 

 

 
 
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Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Voller-
werbstätigkeit hochgerechnet wird. Nach ständiger Rechtsprechung kann die Invaliditätsbe-
messung mittels der gemischten Methode nach dem neuen Berechnungsmodell gemäss 
Art. 27bis Abs. 2 bis 4 IVV in der Fassung vom 1. Dezember 2017 erst ab dem Zeitpunkt des 
Inkrafttretens dieser Bestimmung am 1. Januar 2018 erfolgen (statt vieler: Urteil des Bundesge-
richts vom 20. Januar 2020, 9C_690/2019, E. 4.2 mit zahlreichen Hinweisen).  
 
4.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä-
higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Un-
terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung 
zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur-
teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die 
versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige 
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person 
noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 
 
4.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs-
prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) − wie alle an-
deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 
pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit-
tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob 
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs ge-
statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den 
Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu-
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich 
des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen 
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer-
den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation 
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind 
(BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).  
 
4.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem Grundsatz der 
freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte 
und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche Zusam-
menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu 
auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5). So führte das Bundesgericht zu den Gerichtsgutachten 
aus, dass das Gericht "nicht ohne zwingende Gründe" von den Einschätzungen der medizini-
schen Expertinnen und Experten abweicht, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Ge-
richtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfas-
sen (BGE 125 V 351 E. 3b/aa). Gleichwohl wie bei Gutachten externer Spezialärztinnen und     
-ärzte, welche von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt wurden und 
den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht insbesondere einem von 
ihm eingeholten Gerichtsgutachten vollen Beweiswert zuerkennen, solange "nicht konkrete In-

 

 
 
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dizien gegen die Zuverlässigkeit" der Expertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4). Schliesslich 
lässt es die Natur des Begutachtungsauftrags eines amtlich bestellten fachmedizinischen Ex-
perten nicht zu (BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 2001, I 506/00, E. 2b), ein 
Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklä-
rungen zu nehmen, wenn andere Ärztinnen und Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen ge-
langen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). Vorbe-
halten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil beispielsweise 
die behandelnden Ärzte wichtige − und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entsprin-
gende − Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt 
geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, E. 2.2.1, mit Hinweisen). 
 
5.1 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 22. April 2021 bei der 
Beurteilung des medizinischen Sachverhalts im Wesentlichen auf das polydisziplinäre Gutach-
ten der MEDAS Bern vom 8. März 2019. Gestützt darauf sprach sie der Versicherten eine Vier-
telsrente ab 1. Mai 2021 zu. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutach-
ten externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und 
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der 
Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft 
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spre-
chen (vgl. E. 4.3 hiervor). Anlässlich der in dieser Angelegenheit erfolgten Urteilsberatung vom 
27. Januar 2022 gelangte das Kantonsgericht nun allerdings zur Auffassung, dass diesem Gut-
achten keine ausschlaggebende Beweiskraft zukomme. So erwies sich das psychiatrische 
Fachgutachten sowohl in Bezug auf die Herleitung der Diagnosen als auch die daraus resultie-
renden funktionellen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit als unvollständig und enthielt zahl-
reiche Ungereimtheiten und Widersprüche (vgl. hierzu ausführlich den Beschluss des Kantons-
gerichts vom 27. Januar 2022, Ziff. 3.1). Das Fachgutachten liess ferner sowohl eine eingehen-
de Auseinandersetzung mit abweichenden Beurteilungen als auch eine Bezugnahme auf die 
ICF-Kriterien vermissen. Ins Gewicht fiel unter anderem, dass – entgegen den gutachterlichen 
Darstellungen – die im Gutachten von PD Dr. med. B.____, FMH Psychiatrie und Psychothera-
pie, vom 19. August 2016 gestellte Diagnose eines Depersonalisations-
/Derealisationssyndroms (ICD-10 F48.1) anhand der innerpsychischen Struktur der Versicher-
ten und einer eingehenden Würdigung der Familien- und Sozialanamnese sorgfältig hergeleitet 
und begründet worden war. Hinsichtlich des neuropsychologischen Fachgutachtens ergaben 
sich erhebliche Unklarheiten in Bezug auf die mit den Befunden verbundenen Auswirkungen auf 
die Arbeitsfähigkeit. Hervorzuheben war, dass im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit 
in der angestammten Tätigkeit eine ausserhäusliche Tätigkeit als nicht mehr zumutbar erachtet 
wurde, da die Versicherte durch die Tätigkeit als Mutter und Hausfrau ausgelastet sei und mit 
einer Tätigkeit ausser Haus überfordert wäre. Demgegenüber wurde für eine leidensadaptierte 
Tätigkeit keine Leistungseinschränkung gesehen, wobei sich hierfür keine (nachvollziehbare) 
Begründung finden liess. Der Hinweis, dass die Belastbarkeit in einer solchen Tätigkeit gering-
fügig höher wäre, vermochte jedenfalls eine volle Leistungsfähigkeit in einer angepassten Tä-
tigkeit in keiner Weise zu begründen, sondern liess die Beurteilung vielmehr als widersprüchlich 
erscheinen. In Bezug auf das ophthalmologische Fachgutachten sah das Kantonsgericht die 
rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige Beurteilungsgrundlage als 

 

 
 
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erfüllt an. Mit Blick auf allfällige Wechselwirkungen der Diagnosen sowie im Sinne einer medizi-
nischen Gesamtbetrachtung drängte sich indessen auch eine erneute Begutachtung in diesem 
Fachgebiet auf. Nachdem darüber hinaus im Rahmen der Konsensbeurteilung die Ar-
beits(un)fähigkeit so wiedergegeben wurde, wie sie bereits im psychiatrischen und neurologi-
schen Teilgutachten unter Einbezug des neuropsychologischen Fachgutachtens beschrieben 
wurde, und ohne weitere Begründung auf ein aggravatorisches Verhalten seitens der Versicher-
ten geschlossen wurde, waren die gutachterlichen Schlussfolgerungen zur Arbeitsfähigkeit im 
Ergebnis nicht überzeugend. Nach Auffassung des Gerichts vermochten indessen auch die 
versicherungsinternen Beurteilungen keine verlässliche Entscheidungsgrundlage zu bilden. 
Nachdem sich dementsprechend mit Beschluss des Kantonsgerichts vom 27. Januar 2022 die 
Einholung eines gerichtlichen Gutachtens als unerlässlich erwiesen hatte, steht nunmehr das 
gerichtliche Gutachten der MEDAS Interlaken vom 13. April 2023 im Zentrum der medizinischen 
Beurteilung. 
 
5.2 In diesem Gutachten diagnostizieren die beteiligten Fachpersonen aus polydisziplinä-
rer Sicht mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine mittelgradige neuropsychologische Störung 
mit kognitiven Minderleistungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Exekutivfunkti-
onen und visuell räumlichem Denken mit/bei: Infarkt im frontalen Operculum links (02.09.2017) 
und retinalem Infarkt links (01.09.2017), ältere, seit 2015 aufgetretene, am ehesten postischä-
mische Läsionen in Putamen/capsula externa rechts (ED 08.09.2017), ein ischämischer Hirnin-
farkt im Stromgebiet der Arteria cerebri media links (Gyrus frontaiis medius, ED 02.09.2017). 
Ferner eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradig, ohne somatisches Syndrom 
(ICD-10 F33.10), eine kombinierte organische psychische Störung aufgrund mehrerer Hirninsul-
te mit organisch bedingter Depressivität, Ängstlichkeit, kognitiven Einschränkungen, Zwangs-
gedanken und Derealisations- und Depersonalisationsphänomenen (ICD-10 F06.9), ein Deper-
sonalisations- und Derealisationssyndrom (ICD-10 F48.1), eine komplexe posttraumatische 
Belastungsstörung (ICD-11 6B41), ein Zentralarterienverschluss links (01.09.2017) sowie eine 
schwergradige Fatigue und moderate Tagesschläfrigkeit.  
 
5.3 Im Rahmen ihrer Konsensbeurteilung äussern sich die Gutachterinnen und Gutachter 
zusammenfassend wie folgt:  
 
5.3.1 Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine komplexe Mehrfachproblematik mit einer de-
pressiven Erkrankung, einer chronischen Traumafolgestörung im Sinne einer komplexen post-
traumatischen Belastungsstörung nach ICD-11 und einer kombinierten organischen Erkrankung 
mit Auswirkung auf die depressive Symptomatik, die Ängstlichkeit, kognitive Funktionen, aber 
auch mit Zwangsgedanken und Derealisations- und Depersonalisationsphänomenen. Es sei 
davon auszugehen, dass ein Teil der depressiven Symptomatik, der ängstlichen Symptomatik 
sowie zumindest ein Teil der auffälligen Derealisations- und Depersonalisationsphänomene und 
auch der kognitiven Probleme durch die Hirninsulte in der linken und rechten Hemisphäre be-
gründet seien. Die funktionalen Auswirkungen auf psychiatrischem Fachgebiet durch die objek-
tivierten Befunde und Diagnosen seien alle mittel- bis schwergradig. So sei es der Versicherten 
in der aktuellen gesundheitlichen Verfassung nicht möglich, sich an externe vorgegebene Re-
geln und Routinen anzupassen und sie könne Aufgaben nicht planen, strukturieren und umset-

 

 
 
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zen. Auch ihre Flexibilität und Umstellungsfähigkeit seien stark eingeschränkt. Fachliche Kom-
petenzen könne sie nur umsetzen in Phasen von relativ euthymer Stimmung. Ihre emotionale 
Regulationsfähigkeit sei aber stark reduziert, hier wäre sie beispielsweise im normalen Druck 
der Arbeitswelt stark gefordert, beziehungsweise überfordert. Aufgrund der stark reduzierten 
Selbstorganisationsfähigkeit im Bereich von Selbstwert, Selbstbild, emotionalen und interperso-
nellen Fertigkeiten sei sie in der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, aber auch in der Selbst-
behauptungsfähigkeit stark beeinträchtigt. Aufgrund der psychiatrischen Symptomatik im Be-
fund sei auch ihre Durchhaltefähigkeit stark beeinträchtigt. 
 
5.3.2 Aus ophthalmologischer Sicht sei der Fernvisus am linken Auge nach der arteriellen 
Durchblutungsstörung kaum reduziert. Der bestkorrigierte Nahvisus sei auf 0.6 partiell reduziert 
und das Lesetempo verlangsamt. Es bestehe ein Gesichtsfeldausfall temporal unten. Durch die 
Problematik des linken Auges sei nur eine grobe Stereopsis nachweisbar. Das rechte Auge sei 
dominant, wodurch ein relevanter Störfaktor des linken Auges im binokularen Zustand nicht zu 
erwarten sei, jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen werden könne. 
 
5.3.3 Von neurologischer Seite seien die erhobenen Befunde mit der Diagnose eines links-
hirnigen ischämischen Hirninfarktes bei Dissektion der Arteria carotis interna vereinbar. Dane-
ben bestünden bildgebend rechtshemisphärische Infarkte, welche erstmals 2017 beschrieben 
worden seien. Ätiologisch werde eine Dissektion im mittleren distalen Gefässabschnitt der Arte-
ria carotis interna links diskutiert, wobei die Ätiologie der vermuteten Dissektion offenbleibe, 
ebenso die Ursache der inzidentell entdeckten chronischen rechtshemisphärischen Infarkte. Die 
Sprachstörung wie auch die Gesichtsfelddefekte des linken Auges können ätiologisch zugeord-
net werden. Auch die deutlich niedergeschlagene Stimmung könne neurologisch bei den bihe-
misphärischen ischämischen Hirnläsionen im Sinne einer "Poststroke Depression (PSD)" mit-
bedingt sein. Diese sei eine häufige Folge eines Hirninfarktes, korreliert mit erhöhter Morbidität 
und Mortalität, ausgeprägter funktionaler Einschränkung sowie schlechteren Rehabilitationsout-
comes. 
 
5.3.4 Aus neuropsychologischer Sicht würden sich auch in der aktuellen Untersuchung mit-
telschwere neuropsychologische Funktionsstörungen zeigen. Auch diese Defizite mit deutlich 
reduzierter Belastbarkeit könnten durch die Insulte erklärt werden. Betroffen seien die Bereiche 
Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Exekutivfunktion und visuell räumliches Denken. Die durchgeführ-
ten Performancevalidierungsverfahren sowie die Beschwerdevalidierung seien gänzlich unauf-
fällig ausgefallen.  
 

5.3.5 Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führen die Gutachter aus, dass in der zuletzt ausgeüb-
ten Tätigkeit als Buchhalterin und Fachperson Administration im Konsens bereits seit dem Un-
fall 2015 keine Arbeitsfähigkeit mehr vorliege (0% AF / 100% AUF). In einer angepassten Tätig-
keit müsste ein tieferes Anforderungsprofil für administrative Tätigkeiten bestehen und es müss-
ten weitgehend selbstgewählte Arbeitszeiten möglich sein. Um einer weiteren Vereinsamungs- 
und Rückzugstendenz entgegenzuwirken, sollte der Arbeitsplatz ausserhäuslich liegen. Dabei 
müsste jedoch die Möglichkeit bestehen, sich in einen ruhigen Raum zurückzuziehen und zeit-
weise im Homeoffice zu arbeiten. Erforderlich seien regelmässige und selbstbestimmte Pausen, 

 

 
 
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während denen die Versicherte ihren Arbeitsplatz kurz verlassen dürfte, um an die frische Luft 
zu gehen. Dies könne sich positiv auf die Konzentrationsfähigkeit und die Fatigue auswirken. 
Die Tätigkeit sollte nicht aus reiner Bildschirmarbeit bestehen. PC-Arbeit sei zwar grundsätzlich 
möglich, jedoch in reduziertem Mass und maximal über drei Stunden am Stück. Zu vermeiden 
seien monotone Arbeiten mit hoher Anforderung an Aufmerksamkeit und Konzentration bzw. 
diese bedürften flexibler Pausen. Aufgrund der diskreten Aphasie mit dadurch resultierender 
frühzeitiger Erschöpfung dürften keine ausserordentlichen sprachlichen Anforderungen gestellt 
werden. Es dürften keine Arbeiten gefordert werden, welche beidseits einen vollen Visus, ein 
uneingeschränktes Binokularsehen/Stereosehen sowie ein beidseitig normales Gesichtsfeld 
voraussetzen. Regelmässige Feedbacks im beruflichen Rahmen könnten der Verunsicherung 
der Versicherten positiv entgegenwirken. Die Arbeitszeiten sollten regelmässig sein. Schichtar-
beit sollte vermieden werden, da sich diese negativ auf die Fatigue auswirke. Da es sich beim 
vorliegenden neuropsychologischen Befund um basale kognitive Einschränkungen handle mit 
ausgeprägten Aufmerksamkeitsdefiziten sowie deutlich reduzierter Belastbarkeit, bestehe eine 
relevante Leistungsminderung auch in leidensangepassten Tätigkeiten. In einer entsprechend 
angepassten Tätigkeit bestehe im Konsens eine Gesamtarbeitsfähigkeit von 30%. Dies ergebe 
sich aus einer möglichen zeitlichen Anwesenheit von 50% mit einer zusätzlichen qualitativen 
Leistungsminderung um 40%, entsprechend einer Gesamtarbeitsfähigkeit von 30% (AUF 70%). 
Diese Einschätzung gelte seit den Insulten von September 2017. Eine Wiederaufnahme der 
ausserhäuslichen Arbeitstätigkeit wäre schrittweise und begleitet zu planen, um die Erfolgs-
chancen zur erfolgreichen Wiedereingliederung zu erhöhen, da die Versicherte nun bereits seit 
mehreren Jahren keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehe. 
 
5.4  Das zitierte Gerichtsgutachten der MEDAS Interlaken erfüllt alle rechtsprechungsge-
mässen Anforderungen an ein beweiskräftiges Gerichtsgutachten (vgl. E. 4.3 hiervor). Das Gut-
achten ist umfassend und die darin dargelegten medizinischen Zusammenhänge sowie die je-
weils vorgenommenen Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar und überzeugend. Die Gutach-
terinnen und Gutachter haben die Versicherte persönlich untersucht, eine umfassende Anam-
nese erhoben und gehen einlässlich auf ihre Angaben und Beschwerden ein. Sie setzen sich 
zudem fundiert mit den bei den Akten liegenden medizinischen Berichten auseinander und be-
gründen ihre Einschätzungen in überzeugender Weise. Anzumerken ist, dass allenfalls in Be-
zug auf abweichende Beurteilungen teilweise eine etwas vertiefende Auseinandersetzung 
wünschbar gewesen wäre. Dies vermag den Beweiswert des Gutachtens indessen nicht infrage 
zu stellen. Entscheidend ist, dass die begutachtenden Fachpersonen ihre Einschätzung in 
Kenntnis der gesamten Aktenlage und nach gut dokumentierter eingehender Erhebung eigener 
Befunde abgeben. 
 
5.5 So werden die affektiven Symptome und die neurokognitiven Defizite nachvollziehbar 
einer multifaktoriellen Genese zugeordnet. Die begutachtenden neurologischen Fachpersonen 
vermögen dabei namentlich schlüssig zu begründen, dass die psychische Störungssymptomatik 
nicht losgelöst von den ischämischen Hirnläsionen betrachtet werden kann, was im Vorgutach-
ten bei der Gesamtbeurteilung nicht einbezogen wurde (vgl. neurologisches Fachgutachten, 
S. 19). Auch von psychiatrischer Seite wird hierzu in Übereinstimmung bekräftigt, dass ein Teil 
der psychiatrischen Diagnosen durch die Insulte begründet sind (vgl. psychiatrisches Fachgut-

 

 
 
Seite 10   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

achten, S. 13). Das psychiatrische Gutachten weist sodann eine ausführliche und sorgfältige 
Diskussion der Mini-ICF-APP-Kriterien auf, welche eine umfassende Würdigung der das Leis-
tungsvermögen abbildenden Fähigkeiten der Versicherten umfasst (vgl. psychiatrisches Fach-
gutachten, S. 13 f.). Gestützt darauf sowie unter Hinweis auf eine komplexe Mehrfachproblema-
tik wird aus psychiatrischer Sicht einleuchtend dargelegt, weshalb in Abweichung zum psychiat-
rischen Vorgutachten der MEDAS Bern der Schweregrad der psychiatrischen Beeinträchtigung 
als gravierender zu beurteilen ist. Anhand der Standardindikatoren wird die deutlich reduzierte 
Leistungs- bzw. Arbeitsfähigkeit ferner nachvollziehbar bekräftigt. Nicht anders verhält es sich in 
Bezug auf die übrigen Teilgutachten. Auch aus neuropsychologischer Sicht werden die Insulte 
als Hauptursache für die kognitiven Beschwerden angenommen, die zusätzlich durch die affek-
tiven Schwierigkeiten verstärkt werden. Mittels der durchgeführten Testverfahren konnte eine 
mittelschwere neurologische Störung bestätigt werden, wobei die Beschwerdevalidierung gänz-
lich unauffällig ausgefallen ist (vgl. neuropsychologisches Fachgutachten, S. 10 und E. 5.3.4 
hiervor). Die noch anlässlich der Urteilsberatung vom 27. Januar 2022 bestehenden Unge-
reimtheiten in Bezug auf das Diagnosebild und die damit verbundenen Auswirkungen auf die 
Gesamtarbeitsfähigkeit sind nachträglich vollständig ausgeräumt worden. Insgesamt sind die 
medizinisch-diagnostischen Feststellungen im Gerichtsgutachten bzw. namentlich die daraus 
resultierenden Schlussfolgerungen betreffend die funktionelle Leistungsfähigkeit umfassend 
und plausibel begründet worden, und es ergibt sich ein lückenloses Bild der Gesundheitsschä-
digung und der Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten. 
 
5.6  In ihrer Eingabe zum Gerichtsgutachten vom 23. Mai 2023 verweist die Beschwerde-
gegnerin im Wesentlichen auf eine Stellungnahme ihres RAD vom 10. Mai 2023. Darin führt 
Dr. med. C.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, im Wesentlichen aus, dass sowohl die 
begutachtenden Fachpersonen der MEDAS Bern als auch diejenigen der MEDAS Interlaken in 
Bezug auf die zuletzt ausgeübte ausserhäusliche Tätigkeit als Sachbearbeiterin in Überein-
stimmung keine Arbeitsfähigkeit attestieren würden. Die abweichende Einschätzung hinsichtlich 
einer beschwerdeangepassten Verweistätigkeit des Gutachtens der MEDAS lnterlaken (Arbeits-
fähigkeit von 0% [recte: wohl 30%]) im Vergleich zum Gutachten der MEDAS Bern (6h/d ent-
sprechend einer Arbeitsfähigkeit von 75%) ergebe sich aus folgenden Gründen: bei bekanntem 
Hirninfarkt werde neurologisch und somit somatisch bereits eine 70%ige-Arbeitsunfähigkeit in 
Verweistätigkeiten attestiert; die neuropsychologischen Beschwerdevalidierungsverfahren seien 
in der aktuellen neuropsychologischen Untersuchung unauffällig gewesen; psychiatrisch werde 
die Versicherte aktuell mittelgradig depressiv eingeschätzt und es würden posttraumatische 
Beschwerden anerkannt, wohingegen im Gutachten von 2019 eine Anpassungsstörung diag-
nostiziert worden sei. Insgesamt werde eine höhere Krankheitsbewertung des somatischen, des 
psychischen und des neuropsychologischen Gesundheitszustands vorgenommen. Da das So-
zialversicherungsgericht in jedem Fall auf das Obergutachten abstützen werde, erübrige sich 
jede weitere Stellungnahme. 
 
Unklar ist, worauf die Beschwerdegegnerin bzw. ihr RAD mit diesem Einwand abzielt. Unter 
Berücksichtigung des vorstehend Dargelegten vermögen diese Ausführungen jedenfalls keine 
Zweifel am Gerichtsgutachten zu begründen. Dies umso weniger, als weder die Beschwerde-
gegnerin noch ihr RAD anhand dieser pauschalen Hinweise konkrete Kritikpunkte am Gutach-

 

 
 
Seite 11   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

ten äussern. Die Kritik des RAD erschöpft sich vielmehr in einer isolierten Hervorhebung der 
übereinstimmenden und divergierenden Schlussfolgerungen der begutachtenden Fachperso-
nen, ohne sich dabei mit den im Gesamtkontext getätigten gutachterlichen Ausführungen aus-
einanderzusetzen oder Aspekte zu benennen, die bei der gutachterlichen Untersuchung uner-
kannt oder ungewürdigt geblieben wären. Gleichermassen verhält es sich in Bezug auf die in 
den Raum gestellte Feststellung, wonach die Gerichtsgutachter insgesamt eine höhere Krank-
heitsbewertung des somatischen, des psychischen und des neuropsychologischen Gesund-
heitszustands vorgenommen hätten.  
 
6. Wie ausgeführt (vgl. E. 4.3 hiervor), weicht das Gericht bei einem Gerichtsgutachten 
nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Expertinnen und Exper-
ten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, 
um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Solche zwingenden Gründe liegen 
im vorliegenden Fall keine vor (vgl. aber E. 7 hiernach), weshalb kein Anlass besteht, von den 
Ergebnissen des zitierten Gerichtsgutachtens abzuweichen. Für die Beurteilung des Gesund-
heitszustands und der Arbeitsfähigkeit der Versicherten kann demnach auf das überzeugende 
Gutachten der MEDAS Interlaken vom 13. April 2023 abgestellt werden.  
 
7.1 Mit Blick auf die erwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen 
eingehender zu beleuchten ist der retrospektive Verlauf der Arbeitsfähigkeit bzw. die Frage 
nach dem Rentenbeginn.  
 
7.2 Wie bereits dargelegt (vgl. E. 2.1 hiervor), besteht nach Art. 28 Abs. 1 IVG Anspruch 
auf eine Rente für Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, er-
halten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses 
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (lit. c). Nach Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenan-
spruch darüber hinaus frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des 
Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG. 
 
7.3.1 Nachdem die Beschwerdeführerin sich am 15. Oktober 2015 bei der Invalidenversiche-
rung zum Leistungsbezug anmeldete, kann der Rentenanspruch unter Berücksichtigung der 
Karenzfrist von sechs Monaten frühestens per 1. April 2016 entstehen. Das Gerichtsgutachten 
geht retrospektiv seit dem Unfall im Januar 2015 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in 
der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Buchhalterin und Fachperson Administration aus. Diese 
Einschätzung steht im Einklang mit den echtzeitlichen medizinischen Beurteilungen, auf welche 
auch das Gerichtsgutachten wiederholt verweisen. Zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit gibt zu-
nächst das Gutachten von PD Dr. B.____ vom 19. August 2016 näher Aufschluss. 
PD Dr. B.____ beurteilte die Versicherte von Februar 2015 bis November 2015 als vollständig 
arbeitsunfähig im ersten Arbeitsmarkt (vgl. Gutachten vom 19. August 2016, IV-act. 42, S. 21). 
Die von PD Dr. B.____ formulierte Prognose, derzufolge innerhalb der darauffolgenden sechs 
bis zwölf Monate eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei, bewahrheitete sich im 
weiteren Verlauf jedoch nicht. So konnte die in der Folge ab November 2016 behandelnde Psy-

 

 
 
Seite 12   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

chiaterin Dr. med. D.____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, keine Verbesserung 
des Gesundheitszustands ausmachen und sie beurteilte die Versicherte von Beginn der Be-
handlung an bis Ende Februar 2017 weiterhin zu 100% arbeitsunfähig (vgl. Bericht vom 
24. April 2017, IV-act. 76). Vor diesem medizinischen Hintergrund kann eine anspruchsrelevan-
te Arbeitsunfähigkeit ab Januar 2015 angenommen werden, womit das Wartejahr im April 2016 
(Ablauf der sechsmonatigen Karenzfrist) erfüllt war und der frühestmögliche Rentenbeginn auf 
den 1. April 2016 zu liegen kommt.  
 
7.3.2 In Bezug auf eine leidensadaptierte Tätigkeit beurteilen die Gerichtsgutachter die Ver-
sicherte seit den Insulten von September 2017 zu 30% arbeitsfähig. Hierbei äussern sie sich 
jedoch nicht näher zu den seinerzeitigen Umständen, zumal die Versicherte im September 2017 
vorübergehend hospitalisiert war (vgl. Austrittsbericht des Universitätsspitals Basel vom 
14. September 2017, IV-act. 86). Zu berücksichtigen gilt es diesbezüglich nun aber, dass 
Dr. D.____ im Verlauf der ab November 2016 erfolgten Behandlung eine leichte Besserung der 
depressiven Symptome und der Depersonalisation/-realisation verzeichnen konnte, weshalb sie 
die Versicherte bereits ab März 2017 zu 30% arbeitsfähig beurteilte. Diese Einschätzung grün-
dete unter anderem auf dem Ratingbogen des Mini-ICF-APP und bezog sich auf die seitens der 
Versicherten im damaligen Zeitpunkt von zu Hause aus ausgeübte angepasste Tätigkeit, wo sie 
sich nicht in einem fremden sozialen Umfeld bewegen musste. Diese Beurteilung erweist sich 
als schlüssig und überzeugend. Es kommt hinzu, dass das Gerichtsgutachten an verschiedener 
Stelle auf diese Einschätzung verweist und die entsprechende Beurteilung auch ex post nicht 
infrage stellt (vgl. insbesondere psychiatrisches Fachgutachten, S. 14). Nachdem sich der Be-
ginn der Arbeitsfähigkeit von 30% in Bezug auf eine angepasste Tätigkeit nicht allein aus der 
gerichtsgutachterlichen Konsensbeurteilung, sondern erst im Zusammenwirken mit den beweis-
kräftigen echtzeitlichen Beurteilungen mit hinreichender Klarheit ergibt, rechtfertigt es sich, in 
diesem Punkt von der gutachterlichen Konsensbeurteilung entsprechend abzuweichen. Es ist 
demnach überwiegend wahrscheinlich bereits ab März 2017 von einer Arbeitsfähigkeit von 30% 
hinsichtlich einer leidensadaptierten Tätigkeit auszugehen. Bis zu diesem Zeitpunkt bestand mit 
Blick auf die vorstehenden Ausführungen (vgl. E. 7.3.1 hiervor) eine vollständige Arbeitsunfä-
higkeit für jegliche Tätigkeiten.  
 
8.1 In Bezug auf die Ermittlung des Invaliditätsgrads gilt es vorab zu berücksichtigen, dass 
die Versicherte anlässlich der Abklärung der Statusfrage im Haushaltsbericht vom 1. Dezember 
2016 erklärte, dass sie ohne gesundheitliche Einschränkungen ab Oktober 2015 (10. Geburts-
tag der Tochter) einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 80% nachgehen würde. In einer weiteren 
Haushaltsabklärung vom 9. Oktober 2019 äusserte sich die Versicherte zur Statusfrage dahin-
gehend, dass sie ab August 2017 aufgrund des teilweisen Wegfalls der Betreuungspflichten 
gegenüber der Tochter einer vollschichtigen Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Diese Feststel-
lungen sind zwischen den Parteien zu Recht unbestritten. Folglich ist der Invaliditätsgrad bis 
August 2017 nach der gemischten Methode zu ermitteln, wobei auf die bis 31. Dezember 2017 
geltende gesetzliche Regelung und Rechtsprechung abzustellen ist (vgl. E. 3.4 hiervor).  
 
8.2 Wie eingangs ausgeführt (vgl. E. 3.1 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen 
Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. Art. 16 ATSG). Dassel-

 

 
 
Seite 13   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

be gilt im Rahmen der gemischten Methode der Invaliditätsbemessung für die Ermittlung des 
Invaliditätsgrades im Erwerbsbereich.  
 
8.3.1 Die Beschwerdegegnerin ermittelte in ihrer Verfügung vom 22. April 2021 sowohl das 
massgebende Validen- wie auch das zumutbare Invalideneinkommen in Anwendung der Tabel-
lenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE).  
 
8.3.2 Die Beschwerdeführerin beanstandet die Ermittlung des Valideneinkommens anhand 
der LSE. Sie macht geltend, dass vielmehr das vor Eintritt des Gesundheitsschadens als Buch-
halterin tatsächlich erzielte Einkommen in der Höhe von Fr. 101'369.-- (hochgerechnet auf ein 
Vollzeitpensum) zuzüglich Teuerung zu veranschlagen sei. Es sei erstellt, dass die ehemalige 
Arbeitgeberin im Wissen um die damals bereits sechs Monate andauernde Arbeitsunfähigkeit 
und den Umstand, dass diese sich weiter erstrecken würde, gekündigt habe.  
 
Der Auffassung der Beschwerdeführerin kann nicht beigepflichtet werden. Zwar wird für das 
Valideneinkommen in der Regel auf das zuletzt erzielte Einkommen abgestellt (vgl. 
BGE 144 I 103 E. 5.3, 134 V 322 E. 4.1). Dies gilt allerdings nur für Fälle, bei welchen ange-
nommen werden kann, die versicherte Person wäre ohne Gesundheitsschaden nach wie vor an 
der zuletzt innegehabten Stelle tätig. Von dieser Sachlage kann vorliegend jedoch nicht ausge-
gangen werden. Wie sich dem Kündigungsschreiben vom 20. August 2015 entnehmen lässt, 
hatte die Arbeitgeberin der Versicherten infolge Betriebsumstrukturierungen gekündigt, mithin 
aus invaliditätsfremden Gründen. Somit wäre sie im Zeitpunkt der Invaliditätsbemessung auch 
ohne die gesundheitlichen Einschränkungen nicht mehr bei dieser angestellt (vgl. zum Ganzen 
etwa Urteile des Bundesgerichts vom 25. August 2017, 8C_382/2017, E. 2.3.1, vom 9. Mai 
2016, 8C_934/2015, E. 2.2, vom 24. April 2015, 8C_41/2015, E. 2.3 sowie vom 18. November 
2014, 8C_462/2014, E. 4.2). Konkrete Hinweise für eine mögliche Kündigung aus gesundheitli-
chen Gründen sind keine ersichtlich. Ins Gewicht fällt hierbei auch, dass die ehemalige Arbeit-
geberin diesen Kündigungsgrund auch gegenüber der IV-Stelle in dieser Form bestätigte. 
Nachdem die Feststellungen gegenüber dem Versicherungsträger nicht für künftige Arbeitneh-
mer einsehbar sind, ist nicht überwiegend wahrscheinlich, dass die ehemalige Arbeitgeberin im 
Rahmen des Kündigungsschreibens zum Schutz der Versicherten und zulasten der Wahrheits-
pflicht auf die Erwähnung gesundheitsbedingter Kündigungsgründe verzichtete. Vor diesem 
Hintergrund vermag auch die mit der Beschwerde beigebrachte nachträgliche Erklärung der 
ehemaligen Arbeitgeberin nicht zu überzeugen, wonach die seinerzeitige Kündigung nach der 
langandauernden Arbeitsunfähigkeit der Versicherten und sich daraus ergebender Umstruktu-
rierung im Betrieb erfolgt sei. Dies umso weniger, als eine betriebliche Umstrukturierung infolge 
gesundheitlicher Beeinträchtigungen einer einzelnen Mitarbeiterin bei einem Unternehmen von 
entsprechender Grösse als äusserst unwahrscheinlich erscheint. Vielmehr kann mit dem Be-
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass die Versicherte im Zeit-
punkt der Invaliditätsbemessung im Jahr 2016 nicht mehr an ihrer bisherigen Stelle tätig gewe-
sen wäre. Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist daher ebenfalls auf statistische Werte 
zurückzugreifen. Mit Blick auf den frühestmöglichen Rentenbeginn kommt hierbei die LSE 2016 
zur Anwendung.  
 

 

 
 
Seite 14   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

8.4.1 Nachdem die Versicherte über ein Bürofachdiplom verfügt und jahrelang als kaufmän-
nische Angestellte im Bereich Buchhaltung/Administration tätig war, erweist es sich – auch un-
ter zusätzlicher Berücksichtigung der Weiterbildung im Finanzwesen – als sachgerecht, ent-
sprechend der angefochtenen Verfügung die Tabelle T17 heranzuziehen und konkret auf die 
Branche "Bürokräfte Finanz- und Rechnungswesen, Statistik und Materialwirtschaft" abzustel-
len, welche ausdrücklich als eigene Kategorie aufgeführt wird. Im Fall der 1976 geborenen Ver-
sicherten sind die Durchschnittslöhne der Alterskategorie "30 - 49 Jahre" massgebend und da-
mit ein monatliches Einkommen von Fr. 5'538.-- bzw. unter Berücksichtigung der betriebsübli-
chen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden ein Jahreseinkommen von Fr. 69'280.-- her-
anzuziehen. Nach Anpassung des Betrags an die Nominallohnentwicklung (0,4% für das Jahr 
2017) ergibt sich ein Valideneinkommen von Fr. 69'558.--.  
 
8.4.2 Das Invalideneinkommen ist gestützt auf den Wert "Total" (Frauen, Kompetenzni-
veau 1) der Tabelle TA1 der LSE 2016 zu berechnen und ein monatliches Einkommen von 
Fr. 4'363.-- zu veranschlagen. Damit resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 54'799.-- bzw. 
bei einer Restarbeitsfähigkeit von 30% sowie nach Anpassung an die Nominallohnentwicklung 
(0,4% für das Jahr 2017) ein solches von Fr. 15'618.--. Hierbei zusätzlich berücksichtigt ist ein 
leidensbedingter Abzug von 5%.  
 
Ein zusätzlicher Abzug erscheint vorliegend nicht gerechtfertigt, da den massgebenden Um-
ständen mit einem Abzug von 5% bereits hinreichend Rechnung getragen wurde. Hierbei gilt es 
auf die restriktive Rechtsprechung des Bundesgerichts zu verweisen, wonach unter dem Titel 
leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem 
ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu bezeichnen sind (vgl. Urteil des Bundes-
gerichts vom 15. Juli 2020, 8C_151/2020, E. 6.2 mit Hinweis). Solche Umstände können vorlie-
gend nicht ausgemacht werden und werden von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend 
gemacht. Dessen ungeachtet könnte einem entsprechenden Abzug einzig für den Anspruchs-
zeitraum vom 1. Juli 2017 bis 31. Oktober 2017 rentenrelevante Bedeutung zukommen (vgl. 
E. 8.6 hiernach). Selbst bei Vornahme des beantragten Abzugs von 15% resultierte indessen 
für diesen Zeitraum kein Anspruch auf eine ganze Rente (vgl. E. 8.6 hiernach). 
 
8.5 Davon ausgehend, dass in medizinischer Hinsicht im Zeitpunkt des frühestmöglichen 
Rentenbeginns (April 2016) eine vollschichtige Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit bestand 
(vgl. E. 7.3.1 und 7.3.2 hiervor), kann ohne weitere Erörterungen festgehalten werden, dass der 
Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich ab dem genannten Zeitraum 100% betrug. Für die Zeit ab 
März 2017 steht nach den vorliegenden Erwägungen fest, dass die Beschwerdeführerin in einer 
leidensangepassten Tätigkeit zu 30% arbeitsfähig ist. Diesbezüglich resultiert aus der Gegen-
überstellung des Valideneinkommens von Fr. 69'558.-- und des Invalideneinkommens von 
Fr. 15'618.-- ein Invaliditätsgrad von gerundet 77% (vgl. zur Rundungspraxis BGE 130 V 121) 
für den Erwerbsbereich.  
 
8.6 Unter Berücksichtigung der Anteile von 80% Erwerbstätigkeit und 20% Haushalt resul-
tiert im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns (April 2016) gewichtet ein Invaliditäts-
grad von 80% (0,8 x 100 + 0,2 x 0), womit Anspruch auf eine ganze Invalidenrente besteht. Für 

 

 
 
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die Zeit ab 1. März 2017 ergibt sich ein gewichteter Invaliditätsgrad von 62% (0,8 x 77 + 
0,2 x 0), was Anspruch auf eine Dreiviertelsrente ergibt. Zu keinem anderen Ergebnis führte die 
zusätzliche Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs in der beantragten Höhe von 15%. 
Hierbei resultierte bei einem Invalideneinkommen von Fr. 13'974.-- ein gewichteter Invaliditäts-
grad von 64% (0,8 x 80 + 0,2 x 0). In diesem Zusammenhang gilt es nun allerdings die Bestim-
mungen nach Art. 88 ff. IVV zu berücksichtigen. Bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit 
ist die anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung 
von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in welchem angenommen werden kann, dass sie 
voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie 
ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und voraussichtlich weiter an-
dauern wird (vgl. Art. 88a Abs. 1 IVV). Unter Beachtung der Karenzfrist von drei Monaten nach 
Art. 88a Abs. 1 IVV besteht der Anspruch auf die ganze Rente somit bis zum 30. Juni 2017. Ab 
1. Juli 2017 besteht Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. Nachdem die Versicherte gemäss 
Haushaltsabklärung vom 9. Oktober 2019 ab August 2017 jedoch einer vollschichtigen Er-
werbstätigkeit nachgehen würde (vgl. E. 8.1 hiervor), ergibt sich ab diesem Zeitpunkt ein Invali-
ditätsgrad von 77% (vgl. E. 8.5 hiervor) und damit wiederum Anspruch auf eine ganze Rente. 
Die Dreiviertelsrente ist daher unter Berücksichtigung von Art. 88a Abs. IVV bis zum 
31. Oktober 2017 zu befristen und es besteht ab 1. November 2017 erneut Anspruch auf eine 
ganze Rente.  
 

9. Im Ergebnis ist die Beschwerde demnach teilweise gutzuheissen. Die angefochtene 
Verfügung der IV-Stelle vom 22. April 2021 ist aufzuheben und es ist festzustellen, dass die 
Beschwerdeführerin ab 1. April 2016 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, ab 1. Juni 2017 
Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und ab 1. November 2017 Anspruch auf eine ganze Rente 
hat. 
 

10.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die 
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit-
wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in 
denen infolge wiederholter Urteilsberatungen durch das Kantonsgericht ein grosser Verfahrens-
aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksichtigung des bun-
desrechtlichen Kostenrahmens auf Fr. 1'000.-- fest. Die Verfahrenskosten werden gestützt auf 
§ 20 Abs. 3 VPO in der Regel in angemessenem Ausmass der unterliegenden Partei auferlegt. 
In casu hat deshalb die IV-Stelle als unterliegende Partei die Verfahrenskosten zu tragen. Die 
Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'000.-- sind somit der IV-Stelle aufzuerlegen.  
 
10.2 Im Zusammenhang mit den Kosten für die gerichtliche Begutachtung ist Art. 45 Abs. 1 
ATSG zu beachten. Dieser Bestimmung zufolge hat der Versicherungsträger die Kosten der 
Abklärung zu übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnah-
men angeordnet, so hat er deren Kosten dennoch zu übernehmen, wenn die Massnahmen für 
die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesproche-
ner Leistungen bildeten. Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 entschieden hat, sind in je-

 

 
 
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nen Fällen, in denen zur Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismass-
nahmen an sich eine Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wah-
rung der Verfahrensfairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen 
MEDAS-Begutachtung den IV-Stellen aufzuerlegen (das soeben zitierte Urteil E. 4.4.2). Vorlie-
gend war das Kantonsgericht anlässlich seiner Urteilsberatung vom 27. Januar 2022 zum Er-
gebnis gelangt, dass ein Sachentscheid gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht 
möglich war. Es kann in dieser Hinsicht vollumfänglich auf die Erwägungen im Beschluss des 
Kantonsgerichts vom 27. Januar 2022 verwiesen werden (vgl. auch E. 5.1 hiervor). In Anbe-
tracht der dort erwogenen Umstände war die gerichtliche Begutachtung durch die MEDAS Inter-
laken nicht nur angezeigt, sondern unerlässlich. Es tritt hinzu, dass das Gerichtsgutachten 
nunmehr zweifellos die Grundlage für die der Beschwerdeführerin zuzusprechende Invaliden-
rente bildet. Im Lichte der geschilderten Rechtsprechung sind die daraus resultierenden Kosten, 
welche sich insgesamt auf Fr. 16'433.15 belaufen (Fr. 16'087.65 gemäss Honorarrechnung der 
MEDAS Interlaken vom 24. Mai 2023 sowie Reisekosten im Zusammenhang mit der Begutach-
tung von Fr. 345.50), demnach der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.  
 
10.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz 
der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert 
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. 
Nachdem die Beschwerdeführerin mehrheitlich obsiegt hat, hat sie Anspruch auf Ersatz ihrer 
Parteikosten. Der durch den Rechtsvertreter in seinen Honorarnoten vom 16. August 2021 und 
16. Juni 2023 geltend gemachte Aufwand von insgesamt 28 Stunden und 40 Minuten erweist 
sich im Quervergleich zu ähnlich gelagerten Fällen als zu hoch. Nachdem das Kantonsgericht 
das Verfahren mit Beschluss vom 27. Januar 2022 ausgestellt hatte, erteilte es der MEDAS 
Interlaken am 8. April 2022 den definitiven Auftrag zur Erstellung des Gerichtsgutachtens. Mit 
Verfügung vom 2. Mai 2023 wurde den Parteien Gelegenheit eingeräumt, bis zum 1. Juni 2023 
Stellung zu nehmen. Zumal den Parteien ein Entwurf des Gutachtensauftrags bereits mit Be-
schluss vom 27. Januar 2022 zugestellt und die Möglichkeit für Ergänzungsfragen eingeräumt 
worden war, ist insbesondere der im Zeitraum nach der definitiven Auftragserteilung bis zur Er-
stattung des Gerichtsgutachtens geltend gemachte Aufwand für die Korrespondenz mit der 
MEDAS Interlaken vom 18. Mai 2022 sowie 20. Juni 2022 nicht nachvollziehbar. Dieser Auf-
wand von rund 25 Minuten ist daher nicht zu berücksichtigen. Ferner macht der Rechtsvertreter 
einen Aufwand von rund 6 Stunden und 45 Minuten für das Studium des Gerichtsgutachtens 
sowie das Verfassen der neunseitigen Stellungnahme vom 1. Juni 2023 an das Kantonsgericht 
geltend. Dieser Aufwand ist zu hoch. Das Gutachten ist zwar ausführlich, aber gut leserlich und 
verständlich geschrieben. Zumal der Rechtsvertreter sich den gutachterlichen Ausführungen 
mehrheitlich anschliessen konnte, ist ein Aufwand für die geltend gemachten Bemühungen von 
insgesamt rund 4 Stunden als ausreichend zu beurteilen. Ferner gilt es zu berücksichtigen, 
dass das Erstellen einer Honorarnote keine zu entschädigende Leistung des Anwalts, sondern 
Voraussetzung seiner Entschädigung nach Aufwand und anwaltliche Obliegenheit ist. Der hier-
für jeweils am 16. August 2021 und 1. Juni 2023 geltend gemachte Aufwand ist daher nicht zu 
berücksichtigen. Unter Beachtung aller Umstände erscheint daher ein Aufwand von pauschal 
25 Stunden als angemessen. Die Bemühungen sind zu dem in Sozialversicherungsprozessen 
für durchschnittliche Fälle zur Anwendung gelangenden Stundenansatz von Fr. 250.-- zu ent-

 

 
 
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schädigen. Der Beschwerdeführerin ist daher eine Parteientschädigung in der Höhe von 
Fr. 6'811.60 (25 Stunden à Fr. 250.-- + Auslagen von Fr. 74.60 und 7,7% Mehrwertsteuer) zu-
lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen. 
 

 

 
 
Seite 18   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Demgemäss wird  e r k a n n t : 
 

://: 1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Die angefochtene Verfü-
gung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 22. April 2021 wird aufgeho-
ben und es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung 
ab 1. April 2016 Anspruch auf eine ganze Rente, ab 1. Juni 2017 An-
spruch auf eine Dreiviertelsrente und ab 1. November 2017 Anspruch 
auf eine ganze Rente hat. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewie-
sen. 

 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1’000.-- werden der IV-Stelle 
Basel-Landschaft auferlegt. 

 3. Die Kosten für die gerichtliche Begutachtung in der Höhe von 
Fr. 16'087.65 sowie die Reisekosten der Beschwerdeführerin in der 
Höhe von Fr. 345.50 (insgesamt Fr. 16'433.15) werden der IV-Stelle 
Basel-Landschaft auferlegt 

 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdeführerin eine Par-
teientschädigung in der Höhe von Fr. 6'811.60 (inkl. Auslagen und 
7,7 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.