# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 846d3b8a-ba72-52f8-8b50-0710a2a24664
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-26
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 26.06.2023 SST.2022.195
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-195_2023-06-26.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2022.195 
(ST.2021.156; StA.2021.4405) 

 

 

Urteil vom 26. Juni 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin L. Stierli 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Baden, 

Mellingerstrasse 207, 5405 Dättwil AG  

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1989, von Polen, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Stephan Weber,  

[…] 

 

 

 
 

Gegenstand  Raub, Hausfriedensbruch, falsche Anschuldigung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Baden erhob am 13. September 2021 Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen Raubs, eventualiter Erpressung, 

Freiheitsberaubung und Entführung, Hausfriedensbruchs und falscher 

Anschuldigung. Sie beantragte, dass der Beschuldigte dafür zu einer 

Freiheitsstrafe von vier Jahren zu verurteilen und für 15 Jahre des Landes 

zu verweisen sei. 

 

2. 

Mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau vom 11. Mai 2022 wurde der 

Beschuldigte wegen Raubs, Hausfriedensbruchs und falscher An-

schuldigung schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von vier 

Jahren verurteilt. Sodann wurde der Beschuldigte für 10 Jahre des Landes 

verwiesen. 

 

3. 

3.1. 

Gegen das ihm am 16. Mai 2022 zugestellte Urteil meldete der 

Beschuldigte mit Eingabe vom 17. Mai 2022 die Berufung an. Das 

begründete Urteil wurde ihm am 10. August 2022 zugestellt. 

 

3.2. 

Mit Berufungserklärung vom 26. August 2022 beantragte der Beschuldigte 

einen vollumfänglichen Freispruch, eine Genugtuung in Höhe von 

Fr. 14'350.00 zzgl. Zins und Schadenersatz in Höhe von Fr. 11'250.00. 

Zudem stellte er den Beweisantrag, es seien B. und C. im 

Berufungsverfahren zu befragen. 

 

3.3. 

Mit vorgängig zur Berufungsverhandlung erstatteter Berufungsbegründung 

vom 20. Januar 2023 hielt der Beschuldigte an seinen gestellten Anträgen 

fest. Zusätzlich beantragte er die Befragung von D. als Auskunftsperson.  

 

3.4. 

Die Staatsanwaltschaft Baden beantragte in ihrer vorgängigen Berufungs-

antwort vom 31. Januar 2023 die Abweisung der Berufung. 

 

4. 

Die Berufungsverhandlung fand am 26. Juni 2023 statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

 - 3 - 

 

 

 

1. 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen sämtliche Schuld-

sprüche (Dispositivziffer 1 des angefochtenen Entscheids) und damit 

einhergehend auch gegen die Strafzumessung, die Landesverweisung und 

die erstinstanzliche Kostenverlegung. Insoweit sich die Berufung des 

Beschuldigten auch gegen die Verweisung der Schadenersatzsprüche des 

Privatklägers E. auf den Zivilweg richtet, ist darauf mangels Beschwer des 

Beschuldigten nicht einzutreten. Unangefochten geblieben und somit 

grundsätzlich nicht zu überprüfen ist die Regelung über die 

beschlagnahmten Gegenstände und die dem amtlichen Verteidiger für das 

erstinstanzliche Verfahren zugesprochene Entschädigung (Art. 404 Abs. 1 

StPO). 

 

2.  

2.1. 

Dem Beschuldigten wird in der Anklage (Anklageziffern 1, 2 und 3) 

vorgeworfen, am 6. September 2019 um ca. 9:40 Uhr beim Einfamilienhaus 

von E. (Privatkläger) geklingelt zu haben. Der damals 70 Jahre alte E. sei 

alleine zuhause gewesen und habe die Türe geöffnet. Der Beschuldigte sei 

umgehend ins Haus getreten und habe die Türe hinter sich abgeschlossen. 

Er habe E. gefragt, wo «F.» (thailändischer Spitzname der Ehefrau von E.) 

sei, worauf E. entgegnet habe, dass diese in den Ferien sei. Daraufhin 

habe der Beschuldigte, der E. körperlich deutlich überlegen war, gefragt, 

wo der Safe sei. E. habe gesagt, dass er keinen Safe habe und den 

Beschuldigten gefragt, ob F. ihm Geld schulde. Daraufhin habe sich E. im 

Wohnzimmer auf einen Stuhl setzen müssen, während der Beschuldigte 

erneut gefragt habe, wo der Safe und das Geld seien. E. habe gesagt, dass 

er Geld in einem Couvert im Wohnzimmer oberhalb des Fernsehers habe. 

Nachdem der Beschuldigte das besagte Couvert nicht gefunden habe, sei 

E. aufgestanden und habe ihm das Couvert mit ca. Fr. 600.00 sowie das 

Geld aus zwei Portemonnaies, ca. Fr. 700.00 und EUR 150.00, 

ausgehändigt. 

 

Nachdem sich E. wieder auf den Stuhl habe setzen müssen, habe der 

Beschuldigte ihn nach dem Mobil- und Haustelefon gefragt und diese zur 

Seite gelegt. Dann habe der Beschuldigte E. die grosse Klinge eines 

Schweizer Sackmesser an den Hals gehalten, sodass die Klinge die linke 

Halsseite leicht berührt habe, und habe erneut nach dem Safe und dem 

Geld gefragt. In der Folge habe der Beschuldigte das Wohnzimmer nach 

Wertgegenständen durchsucht. Danach habe er die Hände von E. mit 

Panzer- bzw. Gewebeband gefesselt. Nachdem E. den Beschuldigten 

darauf aufmerksam gemacht habe, dass die Fesselung zu eng sei, habe 

der Beschuldigte mit seinem Messer das Klebeband aufgeschnitten und 

dabei E. zwei kleine Schnittverletzungen am linken Unterarm zugefügt. 

Danach habe er den Oberkörper von E. an die Stuhllehne, die Hände 

zusammen und die Beine je an ein Stuhlbein geklebt. In der Folge habe der 

 - 4 - 

 

 

 

Beschuldigte verschiedene Zimmer nach Wertgegenständen durchsucht 

und habe dabei einen Aktenkoffer mit Zahlenschloss gefunden. Als E. dem 

Beschuldigten die Zahlenkombination nicht habe nennen können, habe er 

diesen mit einem Schraubenzieher aufgebrochen. Im Koffer habe sich ein 

geschliffener weisser Diamant und ein Goldvreneli gefunden, welche der 

Beschuldigte an sich genommen habe.  

 

Während der Beschuldigte den Keller nach Wertgegenständen durchsucht 

habe, habe E. von seinem Stuhl aus durchs Fenster in den Garten geschaut 

und so getan, als ob ein Freund gekommen sei, indem er gerufen habe: 

«G., geh schnell weg und ruf die Polizei!». Der Beschuldigte sei daraufhin 

aus dem Keller gekommen und habe sämtliche Wertgegenstände (Bargeld 

Fr. 1'300.00 und EUR 150.00; mehrere Uhren; Diamant; Goldvreneli; Wert 

insgesamt ca. Fr. 25'000.00) in seine Tasche gepackt und habe das Haus 

um ca. 10:40 Uhr durch die Eingangstüre verlassen. E. habe sich dann 

gefesselt auf dem Stuhl zur Eingangstür bewegt und um Hilfe gerufen.  

 

Der Beschuldigte habe E. gezielt durch Drohen mit dem Messer und 

Fesselung an den Stuhl widerstandsunfähig gemacht und ihn gleichzeitig 

aufgefordert, zu sagen, wo sich der Safe und das Bargeld befinde, in der 

Absicht, möglichst viele Wertgegenstände zu entwenden. Entsprechend 

habe er sich des Raubs, eventualiter der Erpressung, der 

Freiheitsberaubung und Entführung sowie des Hausfriedensbruchs 

schuldig gemacht. 

 

2.2. 

Die Vorinstanz sah den Tatablauf, wie er der Anklage zugrunde gelegt 

worden war, als von E. glaubhaft geschildert und damit als erstellt an 

(vorinstanzliches Urteil, E. 2.4.2 S. 24). Hinsichtlich der Täterschaft des 

Beschuldigten erkannte die Vorinstanz, dass einerseits E. den 

Beschuldigten habe identifizieren können und andererseits die Aussagen 

des Beschuldigten widersprüchlich und wenig glaubhaft seien 

(vorinstanzliches Urteil, E. 2.4.2 S. 24 ff.). In rechtlicher Hinsicht habe sich 

der Beschuldigte des Raubs und des Hausfriedensbruchs schuldig 

gemacht, während die Erpressung und die Freiheitsberaubung vom Raub 

konsumiert würden (vorinstanzliches Urteil, E. 2.5 ff.). 

 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung einen vollumfänglichen 

Freispruch und bezeichnet C. als den eigentlichen Täter (mehr zum 

Vorwurf der falschen Anschuldigung, unten E. 4). 

 

3. 

3.1. 

Für die Erstellung des relevanten Sachverhalts und der Täterschaft liegen 

in erster Linie die Aussagen des Opfers E. sowie Aussagen des 

 - 5 - 

 

 

 

Beschuldigten sowie des vom Beschuldigten bezeichneten «wahren 

Täters» C. vor. 

 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer 

möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass 

bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den 

Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst 

anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen 

Beweise ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als 

Ganzem relevante Zweifel bestehen (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 

345 E. 2.2.3). 

 

3.2. 

Am 6. September 2019 um 10:48 Uhr wurde durch H. der Polizei via 

Kantonale Notrufzentrale gemeldet, dass dieser seinen Nachbarn, E. nach 

Hilferufen gefesselt in seinem Haus vorgefunden habe. Die eintreffende 

Polizei konnte am linken Arm vom E. eine kleine Schnittwunde feststellen 

(act. 427 f.). E. hat sodann in seinen Befragungen den Ablauf des Überfalls 

konstant, nachvollziehbar und glaubhaft geschildert (act. 584 ff; 602 f.; 

1056 ff.). Ungenauigkeiten, wie beispielsweise seine Angaben, wie lange 

er den Täter unmaskiert gesehen hat (act. 596: «Die Hälfte der Zeit war er 

unmaskiert, den Rest der Zeit hatte er ein Tuch im Gesicht… über die Nase 

gezogen»; act. 602: «Ich denke so die ersten ca. 10 Minuten war der Täter 

nicht maskiert.»; act. 1056: «[…], ca. 15 Minuten war er unmaskiert.»), 

vermögen, entgegen dem Vorbringen des Beschuldigten 

(Berufungsbegründung, Ziff. 2.3.2.) die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen 

keineswegs in Zweifel zu ziehen. E. hat von Beginn weg ausgeführt, dass 

er zumindest eine Zeit lang das Gesicht des Täters unmaskiert habe sehen 

können (vgl. act. 596), ansonsten hätte er den Täter gar nicht mit dieser 

Genauigkeit beschreiben können (vgl. act. 586: «Der Täter war männlich. 

Ca. 185 bis 190cm gross. Gewicht ca. 75-80kg. Schlank, sportlich/kräftige 

Statur. Alter ca. 25-30 Jahre. Jugendliches Aussehen. Ovales Gesicht. 

Weiche Gesichtszüge. Kleine Augen, dunkelbraun. Kleine Iris. Kein Bart, 

kein Dreitagebart. Er war rasiert.»). Ein Widerspruch in seinen Aussagen 

ist in Bezug auf den Gebrauch des Funkgeräts/altes Mobiltelefon 

ersichtlich: Während er zunächst aussagte, dass der Beschuldigte einen 

«schwarzen Kasten» hervorgenommen und nur kurz darauf geschaut, aber 

nichts gesprochen habe (act. 585), erklärte er später, dass der Täter damit 

in einer ihm unbekannten Sprache ein paar Worte mit jemanden 

gewechselt habe (act. 603). Anlässlich der Befragung vor Obergericht 

erklärte E. erneut, dass der Täter in einer ihm unbekannten Sprache mit 

 - 6 - 

 

 

 

jemanden via Telefon gesprochen habe (Protokoll Berufungsverhandlung, 

S. 11). Der Widerspruch konnte insofern nicht gelöst werden, allerdings 

vermag diese Ungenauigkeit seine weiteren widerspruchsfreien Aussagen 

nicht in Zweifel zu ziehen, zumal er nicht das eigentliche Kerngeschehen 

betrifft.  

 

Sodann passt die vom Nachbarn resp. der zuerst eingetroffenen 

Polizeipatrouille vorgefundene Situation zu den Schilderungen von E.. Der 

Nachbar I. hat ihn an den Stuhl gefesselt vorgefunden (act. 430). Auch hat 

E. am linken Arm eine kleine Schnittwunde aufgewiesen (act. 428), wobei 

E. diesbezüglich glaubhaft ausgesagt hat, dass er nach einer ersten 

Fesselung seiner Hände den Täter darauf hingewiesen habe, dass diese 

zu eng seien. Bei der Lockerung des Klebebands sei der Täter mit dem 

Messer abgerutscht und habe ihm diese Verletzung zugefügt (act. 585). 

Weitergehende Gewalteinwirkungen gegen ihn verneinte E. sodann konse-

quent (act. 587und 1058). Die Fotodokumentation der Wohnräume von E. 

(act. 474 ff.) zeugen sodann davon, dass die Kommoden und Schränke, 

wie von ihm geschildert (act. 585 und 1056; Protokoll Berufungs-

verhandlung, S. 2 f.), durchsucht worden sind.  

 

In den Schilderungen von E. sind keine Widersprüche oder 

Ungereimtheiten in Bezug auf den Ablauf des Überfalls auszumachen. Es 

sind in seinen Aussagen explizite Realkennzeichen erkennbar. Beispiels-

weise sagte er, dass der Täter ihm zum Schluss die Hand gegeben und 

sich bedankt habe (act. 586 und 1056), was derart abwegig erscheint, so 

dass es naheliegt, dass dies dem tatsächlich Erlebten von E. entspricht. In 

einer Gesamtwürdigung ist daher betreffend den Ablauf des Überfalls auf 

die glaubhaften Aussagen von E. resp. den in der Anklage geschilderte 

Tatablauf abzustellen. 

 

3.3. 

3.3.1. 

Hinsichtlich der Täterschaft meldete E. zwei Tage nach dem Vorfall der 

Polizei, den mutmasslichen Täter identifiziert zu haben. Er habe seiner 

Ehefrau vom Überfall erzählt, und dass der Täter ihren Spitznamen «F.» 

gekannt, einen slawischen Akzent gehabt habe und jung gewesen sei. 

Seine Ehefrau habe ihm darauf Fotos von zwei Männern gezeigt, wovon er 

einen sofort habe ausschliessen können und den anderen würde er zu 90% 

als den Täter bezeichnen (act. 595). Ein Widerspruch ist auch nicht darin 

zu erkennen, dass E. offenbar beim Betrachten des Bildes gegenüber 

seiner Tochter J. geäussert habe, dass er gut der Täter sein könne, er sich 

jedoch nicht ganz sicher sei (vgl. act. 610 und Vorbringen des 

Beschuldigten in Berufungsbegründung, Ziff. 2.3.3.2). Die Aussage von E., 

dass er zu 90% sicher sei, dass diese Person der Täter ist, ist ohne 

weiteres gleichbedeutend damit, dass er sich nicht ganz sicher ist, 

ansonsten er konsequenterweise von einer 100-prozentigen Sicherheit 

 - 7 - 

 

 

 

gesprochen hätte. Bei Betrachtung der E. zur Verfügung gestandenen 

Fotos (act. 622 f.) ist auch nachvollziehbar, dass er sich nicht gänzlich 

festlegen konnte, ob diese Person der Täter gewesen ist oder nicht, da es 

sich zweifellos um eine ältere Fotografie handelte (die ID datiert aus dem 

Jahr 2014). In der vorsichtigen Äusserung von E., dass er sich nicht ganz 

sicher sei, kann aber keineswegs eine mit grosser Unsicherheit behaftete 

Einschätzung erkannt werden (Berufungsbegründung, Ziff. 2.3.3.2. S. 10). 

Vielmehr konnte E. den Beschuldigten trotz einer älteren Aufnahme bereits 

mit annähernder Sicherheit identifizieren, zumal auch das Signalement 

passt. Aus den Akten ergibt sich weiter, dass E. um die Affäre seiner 

Ehefrau mit dem Beschuldigten erst nach seiner Identifikation des 

Beschuldigten als Täter erfahren hat. Als K., die Ehefrau von E., am 

8. September 2019 polizeilich einvernommen wurde, wollte sie zuerst auf 

die Frage, in welcher Beziehung sie zum Beschuldigten stehe, keine 

Antwort geben (act. 617). E. zeigte sich gemäss Polizeirapport sichtlich 

überrascht resp. schockiert, als er von der von seiner Ehefrau 

eingeräumten Affäre anlässlich der Einvernahme des Beschuldigten vom 

9. September 2019 erfahren hat (act. 436, 442 und 1060). Auch anlässlich 

der Berufungsverhandlung führte er aus, von der Affäre erst im Nachhinein, 

anlässlich der Befragung des Beschuldigten am Montag, 9. September 

2019, erfahren zu haben (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 5). 

Entsprechend kann bei einer vernünftigen Betrachtungsweise 

ausgeschlossen werden, dass E. den Beschuldigten nur deshalb als Täter 

identifiziert hat, weil er, nachdem er von der Affäre zwischen ihm und seiner 

Ehefrau erfahren hat, sich darauf fixiert hat, ihn auch zum Täter des 

Überfalls machen zu wollen. 

 

E. wurde anlässlich der Berufungsverhandlung erneut einvernommen und 

auf die Strafandrohung der falschen Anschuldigung hingewiesen. Er war 

sich erneut sehr sicher und bekundete keinen Zweifel, dass der an der 

Berufungsverhandlung anwesende Beschuldigte die Person gewesen sei, 

die ihn überfallen habe (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 6 und 8). 

 

Was den vom Beschuldigten als wahrer Täter bezeichneten C. betrifft, so 

schloss E. anlässlich der vorinstanzlichen Befragung und nach Vorhalt 

dreier Fotos, die C. zeigen, diesen als Täter klar aus (act. 1059). Eine 

Verwechslung zwischen dem Beschuldigten und C. ist aufgrund dessen 

auch auszuschliessen. Zwar räumte E. ein, dass die beiden sich ähnlich 

sehen würden (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 6), aber er konnte C. 

dennoch klar als Täter ausschliessen. Eine Verwechslung wurde sodann 

auch vom Beschuldigten ausgeschlossen (Protokoll 

Berufungsverhandlung, S. 17) und die von ihm anlässlich der 

Berufungsverhandlung erneut geäusserte Vermutung, dass er Opfer einer 

falschen Anschuldigung geworden sei (Protokoll Berufungsverhandlung, 

S. 15 und 17), ist schon aufgrund der damaligen Unkenntnis von E. von der 

Affäre zwischen seiner Ehefrau und dem Beschuldigten nicht plausibel. 

 - 8 - 

 

 

 

 

3.3.2. 

Der Beschuldigte wurde am 9. September 2019 und damit drei Tage nach 

dem Vorfall das erste Mal delegiert einvernommen. Seinen Tagesablauf 

vom Freitag, 6. September 2019, schilderte er zusammengefasst so: Er sei 

zwischen 9.00 und 10.00 Uhr aufgestanden, habe gefrühstückt und sei mit 

seinem Motorrad zu C. nach Q. gefahren. Dort hätten sie zusammen noch 

etwas gegessen und Sachen in sein Auto geladen. Danach habe er C. mit 

dessen Auto nach Offenburg in Deutschland gefahren und sei mit dem Zug 

wieder zurückgefahren. Zwischen 15.00 und 16.00 Uhr sei er im Zug von 

der Polizei kontrolliert worden (act. 507 f.). Auf explizite Nachfrage, ob er 

sich an jenem Tag im Wildpark S. aufgehalten habe, verneinte der 

Beschuldigte dies. Nachdem er darauf hingewiesen wurde, dass in seinen 

Effekten ein Parkticket vom 6. September 2019, bezahlt von 9.47 bis 

10.47 Uhr, gefunden wurde, erklärte er, dass er das Auto dort parkiert 

habe, als er C. holen gegangen sei (act. 510). Sodann erklärte der 

Beschuldigte, in Abweichung zu seinen zuvor gemachten Ausführungen, 

dass er an jenem Morgen mit seinem Motorrad zu C. gefahren sei und 

dieser dann Velo fahren gegangen sei. C. habe ihn dann angerufen und 

gebeten, ihn in S. abzuholen, da es angefangen habe zu regnen. Sie hätten 

das Velo ins Auto geladen, welches sie bei ihm – dem Beschuldigten – 

zuhause abgeladen hätten und seien dann nach Deutschland gefahren 

(act. 510 f.). Damit bestehen schon innerhalb der ersten und tatnächsten 

Einvernahme erhebliche Widersprüche, welche die Aussagen des 

Beschuldigten als sehr unglaubhaft erscheinen lassen. Bereits einen Tag 

später, anlässlich seiner Hafteröffnung am 10. September 2019, erklärte 

der Beschuldigte in Abweichung zu seinen Vortags gemachten 

Ausführungen, dass er mit C. bereits abgemacht habe, ihn später beim 

Wildpark zu treffen, bevor dieser mit dem Velo weggefahren sei. Er habe 

ihn anrufen wollen, jedoch habe er sein Handy zu Hause vergessen. Beim 

Wildpark hätten sie sein Velo in den Kofferraum geladen und seien nach 

Q. gefahren. Von da sei er – der Beschuldigte – mit dem Motorrad nach R. 

gefahren und C. mit dem Auto (act. 51). 

 

 

Zu diesen Widersprüchen kommt eine weitere Schilderung seines 

Tagesablaufs vom 6. September 2019 mit zahlreichen neuen Details hinzu, 

welche er anlässlich seiner zweiten Einvernahme vom 28. Oktober 2019 

erzählte. Entgegen seiner ursprünglichen Aussage sei er am 6. September 

2019 bereits um 7.00 Uhr aufgestanden und dann zu C. gefahren, da 

bereits länger abgemacht gewesen sei, dass er ihn nach Deutschland 

fahren würde. C. habe noch etwas einkaufen müssen und sei mit dem 

Fahrrad weggefahren, wobei er ihm – dem Beschuldigten – zuvor gesagt 

habe, ihn um ca. 10.00 Uhr mit seinem Auto beim Parkplatz beim Wildpark 

S. abzuholen. Diese Aussage steht erneut in Widerspruch zu seiner ersten 

Aussage, wonach C. ihn angerufen und gebeten habe, ihn abzuholen, da 

 - 9 - 

 

 

 

es angefangen habe zu regnen. C. habe beim Weggehen um das schwarze 

Halstuch vom Beschuldigten gebeten, weiter schwarze Handschuhe, ein 

schwarzes Baseball-Cap, hellblaue Jeans und eine schwarze Lederjacke 

getragen. Nachdem C. beim Parkplatz angekommen sei, hätten sie das 

Fahrrad ins Auto geladen und seien, wiederum in Abweichung zu seiner 

ersten Schilderung, zuerst wieder zur Wohnung von C. gefahren. Danach 

hätten sie das Fahrrad beim Beschuldigten zu Hause ausgeladen und 

seien später Richtung Deutschland losgefahren. Unterwegs, in der Gegend 

des M. in Egerkingen, habe C. anhalten wollen und hätte eine Tasche, in 

welche er zuvor bei sich zuhause seine verschwitzten Kleider und die 

Schuhe getan habe, in einen Abfalleimer geworfen (act. 520 f.). Sodann sei 

ihm auch noch in den Sinn gekommen, dass C. tags zuvor im N. in 

Oftringen neben Velozubehör zwei Rollen silbriges Klebeband und zwei 

Winkelschleifer gekauft habe. In Aarau habe er im L. ein paar schwarze 

Lederhandschuhe probiert und diese ohne zu bezahlen eingesteckt 

(act. 519). Aus diesen Gründen denke er, dass C. der Täter des Überfalls 

auf E. gewesen sei (act. 522).  

 

Das Aussageverhalten des Beschuldigten ist sehr auffällig und seine 

Aussagen wenig glaubhaft. Insbesondere wäre zu erwarten, dass die 

Aussagen nur drei Tage nach dem Vorfall detaillierter ausfallen würden als 

diejenigen, welche fast zwei Monate später gemacht werden. Diese 

Anreicherung an Details anlässlich seiner zweiten Einvernahme spricht 

nicht für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen, da aufgrund des Zeitablaufs 

eher das Gegenteil, eine Abnahme von Detailreichtum in den Aussagen, 

zu erwarten wäre. Sodann erscheint auch lebensfremd und nicht 

nachvollziehbar, weshalb er ein solch auffälliges Verhalten von C. nicht 

bereits in seiner ersten Einvernahme hätte schildern sollen. Besonders 

seine genaue Schilderung der Kleidung von C. (schwarzes Baseball-Cap, 

schwarze Adidas-Turnschuhe, hellblaue Jeans, schwarze Lederjacke 

[act. 520]) machen den Eindruck, dass sie nach Einsicht in die 

Untersuchungsakten gezielt an die Schilderung der Kleidung des Täters 

von E. (schwarzes Baseball-Cap, schwarze Winterjacke, dunkelblaue 

verwaschene Jeans, schwarze Turnschuhe [act. 586]) angepasst wurde. 

Dass er sich bei der ersten Einvernahme im Stress befunden habe und sich 

nicht habe erinnern können (act. 1063) erscheint abwegig und wenig 

glaubhaft. Schliesslich lieferte auch die Befragung vor Obergericht keine 

schlüssige Erklärung für seine widersprüchlichen Aussagen. Der 

Beschuldigte blieb dabei, dass C. der Täter gewesen sein müsse (vgl. 

Protokoll Berufungsverhandlung, S. 15). 

 

Auch nicht schlüssig oder nachvollziehbar ist sodann seine Äusserung 

anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 7. Oktober 2020 mit C., 

dass dieser an jenem Morgen nach Aarau einkaufen gehen wollte, er selber 

jedoch keine Lust gehabt habe (act. 568; sowie Protokoll 

Berufungsverhandlung, S. 12). Wenn C. an diesem Morgen tatsächlich 

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einen Raubüberfall geplant hätte, hätte er den Beschuldigten wohl nicht 

gefragt, ob dieser mitkommen möchte. 

 

Ebenfalls gänzlich unlogisch erscheint die Aussage des Beschuldigten, er 

habe C., welcher in Q. wohnt, beim Parkplatz S. abholen sollen. C. sei mit 

einem E-Bike unterwegs gewesen (act. 1062), weshalb nicht ersichtlich ist, 

weshalb er die letzten paar wenigen Kilometer nicht hätte zurücklegen 

können. Schliesslich ist auch die Geschichte, wie sie das E-Bike ins Auto 

geladen haben, nicht stringent. C. habe seine mitgeführte Tasche auf den 

Rücksitz gelegt, das Fahrrad hätten sie im Kofferraum verstaut (act. 520). 

Dazu befragt, erklärte der Beschuldigte anlässlich der 

Berufungsverhandlung zum ersten Mal detailliert, dass sie eine Rückbank 

heruntergelassen und das Vorderrad des Fahrrads herausgenommen 

hätten (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 14 f.). Es erscheint lebens-

fremd, diesen Aufwand zu betreiben, wenn C. mit dem E-Bike innerhalb 

von wenigen Minuten hätte nach Hause fahren können.  

 

3.3.3. 

Am 5. Januar 2020 meldete E. der Polizei, dass er per Zufall auf der 

Internetseite www.aaa.de seine, anlässlich des Raubüberfalls entwendete 

«Breguet» Uhr gesehen habe. Seine Nachforschungen hätten ergeben, 

dass ein gewisser C. diese Uhr in Bratislava in einem Pfandleihaus 

(www.bbb.sk [D.]) veräussert habe. Diese Angaben konnten von der Polizei 

verifiziert werden (act. 443; siehe Kaufvertrag act. 498). Der Verkauf dieser 

Uhr wird von C. selber nicht in Abrede gestellt. Er erklärte jedoch, dass er 

diese vom Beschuldigten geschenkt bekommen habe (act. 529 und 550). 

 

 

3.3.4. 

Der Beschuldigte kannte unbestrittenermassen die Ehefrau von E. und 

auch deren Spitznamen «F.» und er kannte ihre Adresse. Ebenso war ihm 

bekannt, dass die Ehefrau von E. über viel Geld verfügte, da er sie 

mehrfach zu Leuten gefahren habe, die Geld von ihr gewollt hätten. Auch 

wusste er, dass sie Fr. 40'000.00 mit nach Thailand nehmen würde 

(act. 505). C. erklärte, dass ihm eine Ex-Freundin des Beschuldigten 

bekannt sei, welche «F.» heisse (act. 539). Aufgrund der Aussagen der 

Tochter und der Ehefrau von E. ist jedoch davon auszugehen, dass C. 

beide gekannt hat (vgl. act. 611 und 617). Ob C. auch um die offenbar 

guten finanziellen Verhältnisse der Ehefrau von E. wusste, ist nicht erstellt.  

 

3.3.5. 

Insgesamt bestehen nach Würdigung sämtlicher Umstände keine Zweifel 

daran, dass der Beschuldigte der Täter ist, der E. in seinem Haus überfallen 

hat. Einerseits hat ihn E., noch bevor er über die Affäre zwischen seiner 

Ehefrau und dem Beschuldigten Kenntnis erhalten hat, als Täter 

identifiziert. Seine gleich nach dem Überfall bei der Polizei geäusserte 

 - 11 - 

 

 

 

Schilderung des Signalements des Täters passt auf den Beschuldigten. 

Andererseits sind die Aussagen des Beschuldigten widersprüchlich, nicht 

logisch und in ihrer Gesamtbetrachtung schlicht unglaubhaft. Für eine 

Täterschaft oder Mittäterschaft von C. spricht einzig der Umstand, dass er 

eine aus der Beute stammende Uhr in der Slowakei verkauft hat. Damit 

erscheint grundsätzlich eine gemeinsam verübte Tat des Beschuldigten 

zusammen mit C. im Rahmen des Denkbaren, allerdings fehlen 

diesbezüglich weitere Hinweise und Indizien. E. hat jedoch klar ausgesagt, 

dass es nicht C. war, der in sein Haus eingedrungen war. 

 

Nach dem Gesagten ist daher davon auszugehen, dass der Beschuldigte 

den Überfall auf E. gemäss Anklage verübt hat. 

 

3.4. 

Da keine Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten bestehen, erübrigt 

sich auch eine Einvernahme resp. eine Gegenüberstellung von C. mit E., 

da davon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind. E. hat den 

Beschuldigten als Täter identifiziert. Ihm wurden verschiedene Bilder von 

C. vorgelegt, wobei er klar verneinte, dass dieser Mann bei ihm 

eingedrungen sei. Der Antrag des Beschuldigten auf Befragung von C. ist 

daher abzuweisen. 

 

Ebenfalls ist nicht ersichtlich, inwiefern eine Befragung von B., der Freundin 

des Beschuldigten sowie Ex-Freundin von C., sachdienliche Hinweise zur 

Täterschaft geben könnte. Informationen zur Beziehung zwischen ihr und 

C., zur Trennung und zur «Nachtrennungszeit» (vgl. 

Berufungsbegründung, Ziff. 5.1) sind nicht geeignet, die Täterschaft zu 

klären. Ebenso wenig wird dargetan, inwiefern eine Befragung des 

Pfandleihers D. zur Aufklärung der Täterschaft beisteuern könnte. Dass C. 

die «Breguet» aus dem Diebesgut in Bratislava dem Pfandleiher verkauft 

hat, ist unbestritten. Damit sind auch die Anträge des Beschuldigten, B. und 

D. als Auskunftspersonen zu befragen, in einer antizipierten 

Beweiswürdigung abzuweisen (Art. 139 Abs. 2 StPO; vgl. BGE 141 I 60 E. 

3.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_900/2017 vom 14. Februar 2018 E. 1.3). 

 

3.5. 

3.5.1. 

Der Beschuldigte hat mit Berufung die rechtliche Würdigung des 

Sachverhalts unter den Tatbestand des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 

Abs. 1 und Ziff. 3 Abs. 3 StGB und des Hausfriedensbruchs gemäss 

Art. 186 StGB nicht explizit angefochten. 

 

3.5.2. 

Des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 StGB macht sich schuldig, wer mit 

Gewalt gegen eine Person oder unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für 

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 - 12 - 

 

 

 

Leib oder Leben oder nachdem er den Betroffenen zum Widerstand unfähig 

gemacht hat, einen Diebstahl begeht. 

 

Mit einer Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren wird bestraft, wenn der 

Räuber durch die Art, wie er den Raub begeht, seine besondere 

Gefährlichkeit offenbart (Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB). Nach der Recht-

sprechung ist die in Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB vorausgesetzte Gefährlich-

keit mit Blick auf die darin enthaltene Mindeststrafandrohung von zwei 

Jahren Freiheitsstrafe nur mit Zurückhaltung anzunehmen. Dies ergibt sich 

daraus, dass bereits der Grundtatbestand des Raubs einen Angriff auf das 

Opfer und damit begriffsnotwendig dessen mehr oder weniger grosse 

Gefährdung voraussetzt. Die in Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB genannte 

besondere Gefährlichkeit ist nur zu bejahen, wenn die konkrete Tat nach 

ihrem Unrechts- und Schuldgehalt besonders schwer wiegt. Ob dies der 

Fall ist, beurteilt sich auf Grund der gesamten Tatumstände. Die besondere 

Gefährlichkeit lässt sich namentlich mit der professionellen Vorbereitung 

der Tat und der ausgeprägt kühnen, verwegenen, heimtückischen, 

hinterlistigen oder skrupellosen Art ihrer Begehung begründen (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_55/2013 vom 11. April 2013 E. 1.2 f. mit Hinweisen). 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung genügt zur Erfüllung der 

besonderen Gefährlichkeit nach Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB, dass der Täter 

eine konkrete Gefahr für das Opfer schafft, auch wenn es dadurch keine 

Verletzungen davonträgt. Wer aus kurzer Distanz eine Pistole auf den Kopf 

des Opfers richtet, schafft beispielsweise eine solche Gefahr, auch wenn 

die Waffe dabei gesichert bzw. nicht durchgeladen ist (BGE 120 IV 317 

E. 2a; Urteil des Bundesgerichts 6B_626/2020 vom 11. November 2020 

E. 3.3). Im Rahmen der Qualifikation der besonderen Gefährlichkeit 

berücksichtigt die Rechtsprechung auch das Zusammenwirken mehrerer 

Täter sowie einen allfälligen Konsum von Alkohol oder Betäubungsmitteln 

und die sich daraus ergebende Möglichkeit unkontrollierter Handlungen 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_1397/2019 vom 12. Januar 2022 E. 2.2). 

 

Der vorsätzlich und mit Bereicherungsabsicht handelnde Beschuldigte hat, 

nachdem er gegen E. mehrere Nötigungshandlungen vorgenommen hat, 

indem er diesen mit Klebeband an einen Stuhl fesselte und die Spitze der 

Klinge eines Schweizer Taschenmessers an dessen linke Halsseite 

gehalten hat, Bargeld, mehrere Uhren, einen Diamanten und ein 

Goldvreneli an sich genommen. Damit hat der Beschuldigten den Grund-

tatbestand des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 StGB erfüllt. Indem der 

Beschuldigte E. zuerst die Spitze der Messerklinge an die linke Halsseite 

und danach die Klinge des Messers auch an das vorderste Glied des 

kleinen Fingers der linken Hand gehalten hat während er nach dem Safe 

und Geld gefragt hat, womit er implizit gedroht hat, den Finger 

abzuschneiden, sollte E. den Ort des Safes und des Geldes nicht 

preisgeben, hat er zudem eine besondere Gefährlichkeit gemäss Art. 140 

Ziff. 3 Abs. 3 StGB gezeigt. Der Beschuldigte hat E. in eine ernstliche und 

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 - 13 - 

 

 

 

konkrete Gefahr gebracht. Eine unbedachte Bewegung oder ein 

ungewolltes Zucken seitens von E. hätte unter Umständen zu einer 

bedrohlichen Schnittverletzung an der Halsschlagader führen können (vgl. 

dazu Urteile des Bundesgerichts 6B_491/2009 vom 26. Oktober 2009 

E. 6.2 und 6B_55/2013 vom 11. April 2013 E. 1.3). Es ist auch unerheblich, 

dass E. in besagter Situation für ein Opfer eines Raubüberfalls 

aussergewöhnlich «cool» und «geistesgegenwärtig» geblieben ist (vgl. 

Protokoll Berufungsverhandlung, S. 4 und 7 f.), denn eine besondere 

Gefährlichkeit kann auch darin bestehen, dass der mit einer Waffe 

hantierende Täter mit zunehmender Ungeduld unvorhergesehene 

Bewegungen machen und das Opfer schwer verwunden könnte. Das 

Halten der Klinge an seinen Hals hat E. deshalb als weniger schlimm 

empfunden, weil er es nicht gesehen hat. Hingegen hat er die Drohung, die 

Fingerkuppe abzuschneiden, wenn er den Standort des Safes nicht verrät, 

sehr ernst genommen. Er habe schon gedacht, dass sein Finger nun ab sei 

(Protokoll Berufungsverhandlung, S. 8). 

 

Nach dem Gesagten hat sich der Beschuldigte mit der Vorinstanz des 

qualifizierten Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB schuldig gemacht. 

 

3.5.3. 

Gemäss Art. 186 StGB macht sich des Hausfriedensbruchs u.a. schuldig, 

wer gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus unrechtmässig 

eindringt oder, trotz der Aufforderung eines Berechtigten, sich zu entfernen, 

darin verweilt. Er wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 

oder Geldstrafe bestraft.  

 

Der Beschuldigte hat sich gegen den Willen von E. Zugang zu dessen Haus 

verschafft. Er wusste sodann um die Unrechtmässigkeit seines 

Eindringens, er handelte entsprechend vorsätzlich. Ein gültiger Strafantrag 

liegt vor (act. 590). Entsprechend hat sich der Beschuldigte auch des 

Hausfriedensbruchs schuldig gemacht. 

 

4. 

4.1. 

Dem Beschuldigten wird weiter in der Anklage (Ziffer 4) vorgeworfen, einen 

Nichtschuldigen wider besseres Wissen bei der Behörde eines 

Verbrechens oder Vergehens beschuldigt zu haben, in der Absicht, eine 

Strafverfolgung gegen ihn herbeizuführen, indem er anlässlich der 

Einvernahme vom 28. Oktober 2019 zum Tatverdacht betreffend Raub zum 

Nachteil von E. C. als Täter ebendieses Raubes bezeichnete. 

 

4.2. 

Gemäss Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich der falschen 

Anschuldigung schuldig, wer einen Nichtschuldigen wider besseres Wissen 

 - 14 - 

 

 

 

bei der Behörde eines Verbrechens oder Vergehens beschuldigt, in der 

Absicht, eine Strafverfolgung gegen ihn herbeizuführen. 

 

Der Beschuldigte hat C. als Täter bezichtigt, um von ihm selbst als Täter 

abzulenken. Nachdem die Täterschaft des Beschuldigten erstellt ist (siehe 

dazu oben), musste er auch mit dem sicheren Wissen gehandelt haben, 

dass der Raub nicht von C. ausgeführt worden war. Dabei hat er – auch 

wenn er sich mit der falschen Anschuldigung von C. in erster Linie ein Alibi 

hat verschaffen wollen – zumindest in der Eventualabsicht gehandelt, d.h. 

in Kauf genommen, damit ein Strafverfahren gegen C. herbeizuführen. Der 

Beschuldigte wurde bei seinen Einvernahmen wiederholt auf den 

Straftatbestand der falschen Anschuldigung hingewiesen (vgl. act. 502, 

518 und 561). Dennoch hat er sich bewusst dazu entschieden, C. zu 

beschuldigen. Damit ist sowohl der objektive wie auch der subjektive 

Tatbestand der falschen Anschuldigung gemäss Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB erfüllt. 

 

5. 

5.1. 

Der Beschuldigte hat sich des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und 

Ziff. 3 Abs. 3 StGB, des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB und 

der falschen Anschuldigung gemäss Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig 

gemacht, wofür er angemessen zu bestrafen ist. 

 

5.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren 

verurteilt. 

 

5.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 

144 IV 217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit 

Hinweisen). Darauf kann verwiesen werden. 

 

5.4. 

5.4.1. 

Für den qualifizierten Raub gemäss Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB ist eine 

Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren auszufällen. 

 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung innerhalb des qualifizierten 

Strafrahmens bildet die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen 

Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Tatbestand des Raubes schützt 

sowohl das Vermögen als auch die persönliche Freiheit und darin enthalten 

die körperliche Unversehrtheit sowie die Willensfreiheit (BGE 133 IV 297; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_1095/2009 vom 24. September 2010 E. 2.2). 

 

 - 15 - 

 

 

 

Der Beschuldigte hat Bargeld, Uhren, ein Diamant und ein Goldvreneli im 

Wert von insgesamt rund Fr. 25'000.00 erbeutet. Es handelt sich um einen 

erheblichen Deliktsbetrag, der um ein Vielfaches über dem durchschnittlich 

verfügbaren Einkommen eines Privathaushaltes von rund Fr. 7'000.00 liegt 

(vgl. Medienmitteilung des Bundesamtes für Statistik vom 22. November 

2022). Der monetäre Taterfolg wiegt damit nicht mehr leicht bis mittel-

schwer. Die als Folge der Fesselung erlittenen körperlichen Verletzungen 

von E., u.a. eine Schnittwunde, sind noch als vergleichsweise leicht zu 

qualifizieren. Hingegen wurde das Sicherheitsgefühl von E. ganz massiv 

beeinträchtigt. Der Beschuldigte hat E. die Klinge eines Sackmessers an 

die linke Halsseite gehalten, weshalb er mit ernsthaften Verletzungen 

rechnen musste. Sodann war E. über längere Zeit in seinem eigenen Haus 

an einen Stuhl gefesselt. Mithin ist von einer damit einhergehenden 

erheblichen Verletzung der persönlichen Freiheit auszugehen. Selbst wenn 

E. den gegen ihn verübten Raubüberfall scheinbar gut überwunden hat, so 

hat er dennoch nachhaltig seine Lebensweise insofern angepasst, als er 

heute immer schaue, wer vor der Türe stehe, bevor er sie öffne. Und auch 

die Tatsache, dass er viel Glück gehabt habe und der ganze Überfall viel 

schlimmer hätte ausgehen können, scheint ihn weiterhin zu beschäftigen 

(vgl. Protokoll Berufungsverhandlung, S. 6 und 8). 

 

Die Art und Weise des Vorgehens des Beschuldigten zeugt von einer 

gewissen Kaltblütigkeit, indem er E. – einen ihm körperlich klar 

unterlegenen älteren Mann – fast eine Stunde lang in dessen eigenem 

Haus festgehalten und über längere Zeit mit Klebeband an einen Stuhl 

gefesselt hat. Weiter hat der Beschuldigte E. die Klinge eines Sackmessers 

an die linke Halsseite gehalten. Sein diesbezügliches Verhalten, das nur 

von vergleichsweise kurzer Dauer war, ist jedoch nicht wesentlich über die 

Erfüllung des qualifizierten Tatbestands gemäss Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 

StGB, der die Offenbarung einer besonderen Gefährlichkeit bei der 

Tatbegehung voraussetzt, hinausgegangen. Dieser Umstand kann sich 

aufgrund des Doppelverwertungsverbots deshalb innerhalb des 

qualifizierten Strafrahmens nicht zusätzlich verschuldenserhöhend 

auswirken. 

 

Der Beschuldigte handelte aus rein finanziellen und damit letztlich 

egoistischen Gründen. Rein monetäre Gründe sind jedoch jedem 

Vermögensdelikt immanent und werden beim Raub als qualifizierte Form 

der Nötigung, um einen Diebstahl zu begehen oder die weggenommene 

Sache behalten zu können, bereits durch das Tatbestandsmerkmal der 

unrechtmässigen Bereicherungsabsicht beim Diebstahl erfasst. Sie dürfen 

deshalb bei den Tatkomponenten nicht nochmals verschuldenserhöhend 

berücksichtigt werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1327/2015 vom 

16. März 2016 E. 4.2). Gemäss eigenen Angaben hat der Beschuldigte 

seine letzte Arbeitsstelle vor dem Raub selber gekündigt, eine neue 

Arbeitsstelle jedoch in Aussicht gehabt (act. 53) resp. nicht in prekären 

 - 16 - 

 

 

 

finanziellen Verhältnissen gelebt (act. 576). Er habe über ein Vermögen 

von ca. Fr. 1'000.00 verfügt und Schulden von Fr. 5'000.00 bei der Ehefrau 

von E. (act. 53) gehabt. Damit befand er sich zwar nicht in einer sehr 

komfortablen wirtschaftlichen Situation, dennoch ist davon auszugehen, 

dass er beim Entschluss, den Raub auf E. zu verüben, über ein erhebliches 

Mass an Entscheidungsfreiheit verfügte. Es war ihm ohne weiteres 

möglich, durch legale Arbeit seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Je 

leichter es aber für ihn gewesen wäre, das Vermögen und die persönliche 

Freiheit von E. zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung 

dagegen (BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114 mit Hinweisen; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3). 

 

Insgesamt ist innerhalb des qualifizierten Strafrahmens von nicht unter zwei 

Jahren Freiheitsstrafe von einem noch knapp leichten bis mittelschweren 

Verschulden und einer dafür angemessenen Einsatzstrafe von 4 Jahren 

auszugehen. 

 

5.4.2. 

An sich wäre die bis anhin ermittelte Freiheitsstrafe aufgrund der weiteren 

Straftaten, für welche eine Freiheitsstrafe auszusprechen ist, angemessen 

zu erhöhen bzw. es wäre – dort wo dies bei konkreter Betrachtung aufgrund 

der Schwere des jeweiligen Verschuldens und der Zweckmässigkeit 

möglich wäre – zusätzlich eine Geldstrafe auszusprechen. Dies kann 

jedoch unterbleiben, da bereits für den qualifizierten Raub – unter 

Berücksichtigung der sich neutral auswirkenden Täterkomponente (siehe 

dazu unten) – eine gleich hohe, wie die von der Vorinstanz ausgespro-

chene Freiheitsstrafe von 4 Jahren auszusprechen ist und die Ausfällung 

einer höheren Freiheitsstrafe oder einer zusätzlichen Geldstrafe aufgrund 

des Verschlechterungsverbots nicht möglich ist (Art. 391 Abs. 2 StPO; vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3, 

demzufolge nicht zu beanstanden ist, dass die weiteren Delikte nicht mehr 

im Einzelnen asperiert werden, wenn eine Strafe aufgrund des Verschlech-

terungsverbots nicht zu Lasten der beschuldigten Person abgeändert 

werden darf). 

 

5.4.3. 

Hinsichtlich der Täterkomponenten ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 

nicht vorbestraft ist, was sich als Normalfall jedoch neutral auswirkt (BGE 

136 IV 1). Der Beschuldigte zeigt sich nach wie vor uneinsichtig respektive 

bezeichnet weiterhin C. als wahren Täter. Er muss sich zwar nicht selbst 

belasten (vgl. Art. 113 Abs. 1 StPO). Bestreitet er jedoch Taten, kann auch 

keine erhebliche Strafminderung, wie dies bei einem von Anfang an 

geständigen, einsichtigen und reuigen Täter der Fall ist, erfolgen. Die über 

das Bestreiten seiner Täterschaft hinausgehende falsche Anschuldigung 

wurde bereits beim entsprechenden Tatbestand gewürdigt und kann im 

Rahmen der Täterkomponenten nicht erneut zu Lasten des Beschuldigten 

 - 17 - 

 

 

 

berücksichtigt werden. Weitere relevante, sich auf die Strafhöhe 

auswirkende Täterkomponenten sind nicht ersichtlich. Die weiteren Täter-

komponenten wirken sich neutral aus. Insbesondere ist beim Beschuldigten 

keine erhöhte Strafempfindlichkeit auszumachen. Nach dem Gesagten 

wirkt sich die Täterkomponente neutral aus. 

 

5.5. 

Nach dem Gesagten bleibt es bei der von der Vorinstanz ausgesprochenen 

Freiheitsstrafe von 4 Jahren. 

 

Ein bedingter Vollzug kommt bei einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren nicht in 

Frage (Art. 42 f. StGB), weshalb die Freiheitsstrafe unbedingt auszu-

sprechen ist. 

 

5.6. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 82 Tagen (9. September 2019 

bis 29. November 2019) ist dem Beschuldigten auf die Freiheitsstrafe 

anzurechnen (Art. 51 StGB). Nachdem die ausgestandene Untersuchungs-

haft vollständig auf die ausgefällte Freiheitsstrafe angerechnet wird, entfällt 

ein Schadenersatz- und Genugtuungsanspruch des Beschuldigten 

(Art. 431 Abs. 2 StPO e contrario).  

 

6. 

Der Beschuldigte hat die Landesverweisung nur im Zusammenhang mit 

dem von ihm beantragten Freispruch angefochten. Nachdem sich seine 

Berufung in diesem Punkt als unbegründet erweist und auch die von der 

Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe von 4 Jahren zu bestätigen ist, 

kann hinsichtlich der Landesverweisung vollumfänglich auf die zutreffen-

den Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vorinstanzliches Urteil, 

E. 5; Art. 82 Abs. 4 StPO). Diesen ist nichts hinzuzufügen. 

 

7. 

7.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

 

Die Berufung des Beschuldigten ist vollumfänglich abzuweisen, weshalb 

die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 (§ 18 VKD) 

vollständig dem unterliegenden Beschuldigten aufzuerlegen sind. 

 

7.2. 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für das obergerichtliche 

Verfahren gestützt auf seine Kostennote mit insgesamt Fr. 5'900.65 aus 

der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 

und Abs. 3bis AnwT).  

 

 - 18 - 

 

 

 

Ausgangsgemäss ist diese Entschädigung vom Beschuldigten zurückzu-

fordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 

Abs. 4 lit. a StPO). 

 

8. 

8.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person 

die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. Da der Beschuldigte im 

Sinne der Anklage schuldig gesprochen wird, sind ihm die vorinstanzlichen 

Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 11'526.15 (inkl. Anklagegebühr von 

Fr. 1'950.00) vollumfänglich aufzuerlegen. 

 

8.2. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 14'483.30 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr 

zurückzukommen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. 

Januar 2019 E. 2). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzufordern, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

9. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). Das ist auch der Fall, wenn eine Berufung vollumfänglich 

abgewiesen wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_761/2017 vom 17. Januar 

2018 E. 4 mit Hinweisen). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte ist schuldig  

- des Raubs gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 3 Abs. 3 StGB, 

- des Hausfriedensbruchs gemäss Art. 186 StGB, 

- der falschen Anschuldigung gemäss Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. 

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte wird gemäss den in Ziff. 1 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB 

und Art. 40 StGB 

 

 - 19 - 

 

 

 

zu einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.  

 

2.2. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 82 Tagen (9. September 2019 

bis 29. November 2019) wird dem Beschuldigten an die Freiheitsstrafe 

angerechnet.  

 

3. 

Der Beschuldigte wird gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB für 10 Jahre 

des Landes verwiesen. 

 

4. [in Rechtskraft erwachsen] 

Die folgenden beschlagnahmten Gegenstände werden dem Beschuldigten 

nach Eintritt der Rechtskraft auf Verlangen hin von der Vorinstanz oder der 

Kantonspolizei Aargau herausgegeben:  

  

- 1 Winkelschleifer Bosch – ungebraucht (beim Bezirksgericht) 

- 1 Winkelschleifer Einhell mit Akku – ungebraucht (beim Bezirksgericht) 

- 12 Alu Trennscheiben (beim Bezirksgericht) 

- 1 Festina Uhr mit Verpackung (beim Bezirksgericht) 

- 3 Sackmesser (beim kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei Aargau) 

- 1 Bahnbillett (beim kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei Aargau) 

- 1 Parkplatzquittung (beim kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei Aargau) 

 

Werden die genannten Gegenstände nicht innert 30 Tagen seit Eintritt der 

Rechtskraft herausverlangt, trifft die Staatsanwaltschaft die sachgemässen 

Verfügungen. 

 

5. 

Die Zivilklage des Privatklägers E. wird auf den Zivilweg verwiesen. 

 

6. 

6.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von 

Fr. 5'900.65 auszurichten.  

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seinen finanziellen Verhältnisse erlauben. 

 

7. 

7.1. 

 - 20 - 

 

 

 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 11'526.15 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 1'950.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 14'483.30 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seinen finanziellen Verhältnisse erlauben. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 26. Juni 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six     L. Stierli