# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3138f26e-7d2b-597c-9f63-e0b2475ed4fd
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-05-05
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 05.05.2020 OG.2019.00083 (OGS.2020.75)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2019-00083_2020-05-05.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Beschluss
  vom 05. Mai 2020

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2019.00083

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  A.______

  
	
    

  
	
  Beschwerdeführer

  
	
   

  
	
  verteidigt
  durch B.______

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Staats- und Jugendanwaltschaft des
  Kantons Glarus

  
	
    

  
	
  Beschwerdegegnerin

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
  Akteneinsicht

  
	
   

  
	
  Anträge des Beschwerdeführers (gemäss
  Eingabe vom 4. November 2019, act. 2 S. 2):

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Verfügung der Staatsanwaltschaft Glarus vom 23. Oktober 2019 sei
    aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer und seiner Verteidigung
    vollumfängliche Einsicht in die Untersuchungsakten (SA.2019.00615) zu
    gewähren.

    
	
    2.

    	
    Alles
    unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.

    

  

  
	
  Anträge der Beschwerdegegnerin (gemäss Eingabe vom
  10. Januar 2020, act. 6, S. 1):

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde sei abzuweisen.

    
	
    2.

    	
    Alles
    unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdeführers.

    

  ____________________

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I.

  
	
  1. Die Staats- und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus
  (nachfolgend Staatsanwaltschaft) verdächtigt A.______ (vormals [...];
  nachfolgend Beschuldigter), sich in der Nacht vom 19./20. Mai 2017
  im Club [...] in Birmensdorf zusammen mit C.______ und D.______ (Bruder des
  Beschuldigten) des Angriffs (i.S.v. Art. 134 StGB) zum Nachteil von
  E.______ und F.______ schuldig gemacht zu haben (nachfolgend auch Delikt
  Birmensdorf). Der Beschuldigte wurde am 9. Oktober 2019 verhaftet
  und befindet sich seither in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft geht
  davon aus, dass der mutmassliche Angriff vom 19./20. Mai 2017 das
  Tatmotiv war für einen versuchten Auftragsmord, begangen am
  3. Oktober 2018 in Bilten, zum Nachteil von C.______. E.______ und
  F.______ werden verdächtigt, in diesen Auftragsmord involviert zu sein
  (act. 6, SG.2019.00105 act. 1).

  
	
   

  
	
  2. Der Beschuldigte beantragte mit Schreiben vom
  4. Oktober 2019 und vom 14. Oktober 2019 bei der
  Staatsanwaltschaft Akteneinsicht (act. 3/3, act. 3/4). Mit Verfügung vom
  23. Oktober 2019 wies die Staatsanwaltschaft dieses Gesuch ab, mit
  der Begründung, die wichtigsten Beweise (i.S.v. Art. 101 Abs. 1
  StPO) seien noch nicht erhoben worden (act. 1).

  
	
   

  
	
  3. Mit Beschwerde vom 4. November 2019 erhob der
  Beschuldigte gegen die vorgenannte Verfügung der Staatsanwaltschaft
  Beschwerde beim Obergericht des Kantons Glarus mit den eingangs
  wiedergegebenen Anträgen (act. 2).

   

  
	
  4. Die Beschwerdeantwort der Staatsanwaltschaft vom
  10. Januar 2020 (act. 6) wurde dem Beschuldigten zur
  Kenntnisnahme zugestellt (act. 7). Mit Eingabe vom
  20. Januar 2020 reichte der Beschuldigte dem Obergericht
  unaufgefordert einen „Nachtrag zur Beschwerde“ ein (act. 8). Die
  Staatsanwaltschaft nahm dazu mit Eingabe vom 7. Februar 2020
  freiwillig Stellung (act. 12). Diese Eingabe wurde dem Beschuldigten zur
  Kenntnisnahme zugestellt (act. 14). Mit Eingabe vom 25. März 2020
  gelangte der Beschuldigte erneut unaufgefordert ans Obergericht
  (act. 15); diese Eingabe wurde der Staatsanwaltschaft zugestellt (act.
  16).

  
	
   

  
	
  5. Die Akten der bisherigen Haftverfahren SG.2019.00105,
  SG.2019.00123 SG.2019.00130, OG.2019.00098, SG.2020.00023, OG.2020.00012,
  SG.2020.00037 und OG.2020.00023 wurden beigezogen (act. 16).

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1. Die angefochtene Verfügung der Staatsanwaltschaft vom
  23. Oktober 2019 ist der Beschwerde zugänglich (Art. 393 Abs. 1 lit.
  a StPO i.V.m. Art. 20 Abs. 1 lit. b StPO). Die Beschwerdefrist von zehn Tagen
  (Art. 396 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 90 StPO) ist vorliegend
  eingehalten (act. 3/2, act. 2). Zur Beschwerde legitimiert ist jede
  Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder
  Änderung eines Entscheids hat (Art. 382 Abs. 1 StPO). Das
  Rechtsschutzinteresse bzw. die Beschwer muss im Zeitpunkt des Entscheids über
  die Beschwerde aktuell sein. Der Beschwerdeführer als Beschuldigter in der
  Strafuntersuchung betreffend das Delikt Birmensdorf hat ein rechtlich
  geschütztes Interesse, Einsicht in die Akten dieser Strafuntersuchung zu
  nehmen. Die übrigen Prozessvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen
  Anlass. Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

  
	
   

  
	
  2. Mit Beschwerde kann eine Rechtsverletzung und/oder eine
  unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts sowie
  Unangemessenheit gerügt werden (Art. 393 Abs. 2 StPO). 

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1. 

  
	
  1.1. Der Beschuldigte macht in seiner Beschwerde geltend, die
  Staatsanwaltschaft habe mit ihrer Verfügung gegen Art. 6 Ziff. 1 und 3 EMRK,
  Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 32 Abs. 2 BV, Art. 3 StPO, Art. 107 StPO, Art.
  101 StPO und gegen Art. 225 Abs. 2 StPO verstossen. Weiter ist der
  Beschuldigte der Auffassung, die angefochtene Verfügung der
  Staatsanwaltschaft sei unangemessen (act. 2 S. 3, 13).

   

  
	
  1.1.1. Der Beschuldigte führt in seiner Beschwerde hinsichtlich
  der geltend gemachten Rechtsverletzungen Folgendes aus (act. 2 S. 5 ff.):

  
	
  Zum
  Zeitpunkt der Beschwerde vom 4. November 2019 seien ihm von der
  Staatsanwaltschaft die folgenden Akten mit dem Haftantrag zur Verfügung
  gestellt worden: Protokoll seiner Einvernahme vom 9. Oktober 2019,
  seine administrativen Akten sowie der Spitalbericht von E.______ und einen
  Auszug aus einer Einvernahme mit E.______. Sämtliche weiteren
  Untersuchungsakten würden vorenthalten, wobei die folgenden Aktenstücke
  vermutlich vorhanden seien: Die Protokolle der früheren Einvernahmen mit
  E.______; die Protokolle der Zeugen- und Konfrontationseinvernahmen, welche in
  Anwesenheit der Verteidigung durchgeführt worden seien; ärztliche Unterlagen
  sowie die Akten der Unfallversicherung von E.______; Akten betreffend
  Hausdurchsuchung und Befragung Personal des Hotels [...]; Aktenverzeichnisse;
  Protokolle der Befragungen von Mitbeschuldigten; Auswertung der Videokamera
  des Tatorts und der Mobiltelefone der Beteiligten.

  
	
   

  
	
  1.1.2. Weiter bemängelt der Beschuldigte, die
  Staatsanwaltschaft habe in der angefochtenen Verfügung lediglich knapp
  festgehalten, die Akteneinsicht werde verweigert, weil die wichtigsten
  Beweise noch nicht erhoben worden seien, was eine Verletzung der aus dem
  rechtlichen Gehör fliessenden Begründungspflicht darstelle. Er, die beiden
  Mitbeschuldigten, E.______ und zwei weitere Zeugen seien bereits (teils mehrfach)
  einvernommen worden. Es sei unklar, welche weiteren Beweise noch erhoben
  werden müssten und wieso diese zu den wichtigsten Beweisen gehörten. Er habe
  von Anfang an ausgesagt, dass er am betreffenden Abend nicht am Tatort
  gewesen sei, und es sei daher nicht ersichtlich, inwiefern er seine Aussagen
  nach Kenntnis der Akten anpassen könne. Die Strafuntersuchung laufe bereits
  seit geraumer Zeit. E.______ habe in der Konfrontationseinvernahme vom
  21. Oktober 2019 zwei Zeugen erwähnt und diese hätten mit ihren Aussagen
  ihn (den Beschuldigten) entlastet und die Version von E.______ widerlegt. Die
  Staatsanwaltschaft könne vorbringen, F.______ sei noch zu befragen. F.______
  sei aber flüchtig und es gehe nicht an, dass ihm (dem Beschuldigten) sämtliche
  Akten (Hervorhebung hinzugefügt) vorenthalten würden mit der Begründung, der
  flüchtige F.______ müsse noch befragt werden. Der Beschuldigte ist der
  Auffassung, dass die wichtigsten Beweise erhoben worden seien (act. 2 S. 11
  ff.).

  
	
   

  
	
  1.1.3. Nach dem Dafürhalten des Beschuldigten gebe es keine
  sachlichen Gründe, ihm die Einsicht in die Akten zu verweigern, weshalb die
  Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 23. Oktober 2019 auch
  unangemessen sei. Willkürlich scheine die Verweigerung der Akteneinsicht
  bezüglich der Protokolle der Einvernahmen mit Personen, mit denen er bereits
  konfrontiert worden sei, und auch betreffend die weiteren Aktenstücke wie
  z.B. die ärztlichen Unterlagen von E.______, die wichtig seien für die
  Beurteilung der Glaubwürdigkeit von E.______. Weiter bestehe der Verdacht,
  dass Entlastendes zurückbehalten werde, um seine weitere Inhaftierung zu
  erwirken (act. 2 S. 13 f.).

  
	
   

  
	
  1.2. Die Staatsanwaltschaft führt in ihrer Beschwerdeantwort
  aus, dass die wichtigsten Beweise (i.S.v. Art. 101 StPO) noch nicht erhoben
  worden seien. Der Verteidigung werde Akteneinsicht gewährt, sobald es der
  Verfahrensstand erlaube. Es handle sich vorliegend um eine umfangreiche
  Strafuntersuchung mit zahlreichen involvierten Personen, welche im
  Zusammenhang mit zwei Taten teilweise als beschuldigte Personen und als
  Geschädigte fungierten. Die entscheidenden Beweise seien sehr umfangreich,
  weshalb die Strafverfolgungsbehörden darauf angewiesen seien, diese zu
  erheben und die beschuldigten Personen zu befragen, bevor sie vom Inhalt der entsprechenden
  Aktenteile Kenntnis erhielten. Sodann sei bei mehreren Beschuldigten die
  Kollusionsgefahr vom Zwangsmassnahmengericht und vom Obergericht des Kantons
  Glarus bejaht worden. Aufgrund der zwischenzeitlich getätigten Ermittlungen
  bestünden konkrete Anhaltspunkte, dass für einzelne Personen durch die
  Mitwirkung im Verfahren eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben oder die
  Gefahr, sie einem anderen schweren Nachteil auszusetzen, bestehe. Aus diesem
  Grunde seien Schutzmassnahmen i.S.v. Art. 149 StPO angeordnet
  worden und es sei auch deshalb notwendig, das Akteneinsichtsrecht derzeit zu
  beschränken. In der Zwischenzeit sei F.______ verhaftet worden (act. 6).

  
	
   

  
	
  1.3. Mit „Nachtrag zur Beschwerde“ vom
  20. Januar 2020 (act. 8) orientiert der Beschuldigte das
  Obergericht, dass die Staatsanwaltschaft in den bisherigen Haftverfahren
  einzelne Aktenstücke (oder Seiten) zugänglich gemacht habe. Vorenthalten
  würden die Protokolle der in Anwesenheit der Verteidigung einvernommenen
  Zeugen (G.______ und zwei anonyme Personen). Der Beschuldigte behauptet
  (erneut), dass entlastende Beweise zurückbehalten würden (act. 8 S. 2 f.).

  
	
   

  
	
  1.4. Die Staatsanwaltschaft äussert sich in ihrer Eingabe vom
  7. Februar 2020 dahingehend, dass die Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten
  erst seit rund vier Monaten laufe. Zwischenzeitlich habe F.______ den
  Beschuldigten identifiziert und belastet. Der Beschuldigte gehe fehl in der
  Annahme, dass bei einer fehlenden Wahrnehmung bzw. fehlendem
  Erinnerungsvermögen eines in Frage kommenden Zeugen grundsätzlich von einem
  Dahinfallen des Tatverdachts auszugehen sei. Es bestünden immer noch konkrete
  Anhaltspunkte, dass für einzelne Personen im Sinne von Art. 149
  Abs. 1 StPO durch die Mitwirkung im Verfahren eine erhebliche Gefahr für
  Leib und Leben oder die Gefahr, sie einem anderen schweren Nachteil
  auszusetzen, bestehe. Die entsprechenden Anträge (i.S.v.
  Art. 150 StPO) seien vom Zwangsmassnahmengericht mit Verfügung vom
  31. Januar 2020 genehmigt worden. Dem Zwangsmassnahmengericht seien
  fortwährend die notwendigen Akten eingereicht und dem Beschuldigten
  zugestellt worden. Entgegen den unzutreffenden Vorwürfen und Behauptungen des
  Beschuldigten sei ihm weder ein Entlastungsbeweis verwehrt noch sei sein
  rechtliches Gehör verletzt worden (act. 12).

  
	
   

  
	
  1.5. Mit Eingabe vom 25. März 2020 informiert der
  Beschuldigte das Obergericht, dass seit der Konfrontationseinvernahme vom
  4. Februar 2020 keine Verfahrenshandlungen mehr stattgefunden
  hätten. Es könne nicht mehr behauptet werden, die wichtigsten Beweise seien
  noch nicht erhoben worden, abgesehen davon, dass die Akteneinsicht nur
  partiell zu beschränken gewesen wäre. Gemäss den Angaben des zuständigen
  Polizeisachbearbeiters seien die Ermittlungen abgeschlossen (act. 15). 

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  2.1. Im Strafprozess hat eine Partei grundsätzlich Anspruch
  auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) und ein faires Verfahren (Art. 6
  Ziff. 1 und 3 EMRK) und als Ausfluss davon Anspruch auf Akteneinsicht
  (Art. 3 Abs. 2 lit. c, Art. 101 Abs. 1 und Art. 107
  Abs. 1 lit. a StPO). 

  
	
   

  
	
  2.1.1. Den Zeitpunkt
  der Akteneinsicht während eines laufenden Strafverfahrens legt Art. 101
  Abs. 1 StPO fest. Nach dieser Norm können die Parteien bis spätestens
  nach der Einvernahme der beschuldigten Person und der Erhebung der übrigen
  wichtigsten Beweise durch die Staatsanwaltschaft die Akten des
  Strafverfahrens einsehen. Mit der offenen Formulierung von Art. 101
  Abs. 1 StPO räumt der Gesetzgeber der Staatsanwaltschaft ein Ermessen
  ein, den Zeitpunkt der Einsicht in die Akten individuell festzulegen (BGE 137
  IV 280 E. 2.3) und den Umfang der Akteneinsicht im Verlauf der
  Strafuntersuchung flexibel zu handhaben. Häufig wird zu Beginn der
  Strafuntersuchung die Akteneinsicht nur in beschränktem Umfang zu gewähren
  oder gar zu verweigern sein. Mit dem Fortschreiten der Strafuntersuchung ist
  die Akteneinsicht in der Regel zu erweitern (Schmutz,
  in: Basler
  Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, Art. 1-195 StPO,
  2. Aufl., N 21 zu Art. 101). Die Staatsanwaltschaft hat den Zeitpunkt der Gewährung der
  Akteneinsicht durch eine Abwägung der Interessen der am Verfahren beteiligten
  Parteien festzulegen, wobei sie insbesondere das Interesse des Beschuldigten
  an einer wirksamen Verteidigung und dasjenige an der Ermittlung der
  materiellen Wahrheit, unter Berücksichtigung des
  Verhältnismässigkeitsprinzips, zu beachten hat (Greter/Gisler, Le moment de la consultation du dossier
  pénal et les restrictions temporaires à son accès, forumpoenale 5/2013, S.
  303). Besonders bei
  umfangreichen Strafuntersuchungen drängt sich die Gewährung der Akteneinsicht
  erst dann auf, wenn und soweit dies ohne Gefährdung des Untersuchungszwecks
  möglich erscheint (Brüschweiler,
  in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl.,
  N 6 zu Art. 101 StPO). Bei
  zahlreichen zu untersuchenden Sachverhalten und erhobenen Beweisen kann es
  angezeigt sein, jene Aktenteile der Einsicht zugänglich zu machen, zu welchen
  die beschuldigte Person bereits einlässlich befragt werden konnte, während
  jene Akten, die weitere Sachverhalte und erhobene Beweise betreffen, noch
  unter Verschluss zu halten sind. Es muss möglich sein, den Beschuldigten
  hierzu zu befragen, bevor er vom Inhalt der entsprechenden Aktenteile
  Kenntnis erhält (Schmutz,
  a.a.O., N 15 und N 20 zu Art. 101).

  
	
   

  
	
  2.1.2. Der
  Begriff des wichtigsten Beweises (Art. 101 Abs. 1 StPO) ist ein unbestimmter
  Rechtsbegriff. Dieser Begriff betrifft die Beweiskraft eines Beweismittels
  und seine Bedeutung ist auf den konkreten Fall bezogen auszulegen (Greter/Gis-ler, a.a.O., S. 302). Die
  wichtigsten Beweise sind die unerlässlichen Beweismittel für die
  Wahrheitsfindung in der konkreten Strafsache, ohne deren Erhebung der Fall
  nicht zur Anklage gebracht werden kann. Die wichtigsten Beweise umfassen
  beispielsweise die Einvernahme der Hauptbelastungszeugen, insbesondere der
  Opfer bei Delikten gegen die körperliche Integrität, und auch die
  Einvernahmen von entscheidenden Tatzeugen (Greter,
  Die Akteneinsicht im Schweizerischen Strafverfahren, Zürich 2012, S. 120
  ff.).

  
	
   

  
	
  2.2. Nach
  Art. 225 Abs. 2 StPO gewährt das Zwangsmassnahmengericht der beschuldigten
  Person und der Verteidigung auf Verlangen vorgängig zur Verhandlung Einsicht
  in die ihm vorliegenden Akten. Gestützt auf diese Bestimmung kann die
  Staatsanwaltschaft nur die für den Haftantrag wesentlichen Akten beilegen und
  gewisse Akten zurückbehalten. Dieses Vorgehen ist insbesondere dann
  angezeigt, um zu verhindern, dass die beschuldigte Person über dieses
  Einsichtsrecht von Artikel 225 Absatz 2 Einzelheiten der Untersuchung
  erfährt, welche ihr aus taktischen Gründen noch nicht bekannt sein sollten
  (Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom
  21. Dezember 2005, BBl 2006 1183 f., 1230; nachfolgend Botschaft).
  Eine aus untersuchungstaktischen Gründen getroffene Selektion der dem Zwangsmassnahmengericht
  eingereichten Haftakten birgt allerdings das Risiko, dass eine zu knappe
  Dokumentation zur Abweisung des Haftantrags führen kann (Schmutz, a.a.O., N 17 zu Art. 101).

  
	
   

  
	
  3. 

  
	
  3.1. Mit Beschwerde vom 4. November 2019 beantragt
  der Beschuldigte vollumfängliche Einsicht in die Strafuntersuchungsakten
  (act. 2 S. 2 Ziff. 1). Die Staatsanwaltschaft stellte dem
  Beschuldigten und dem Zwangsmassnahmengericht zusammen mit ihrem Haftantrag
  vom 11. Oktober 2019 u.a. auch die Seiten 8-11 aus einer
  Einvernahme mit E.______ zur Verfügung. Aus dem Beilagenverzeichnis des
  Haftantrages geht hervor, dass die Einvernahme mit E.______, in welcher
  dieser den Beschuldigten sehr schwer belastete, vermutlich am
  19. September 2019 durchgeführt wurde (SG.2019.00105 act. 1,
  act. 2). Entsprechend ist anzunehmen, dass die Strafuntersuchung
  betreffend das Delikt Birmensdorf zum Zeitpunkt des Haftantrages resp. der
  Beschwerdeerhebung, entgegen der Behauptung des Beschuldigten (act. 2
  S. 12), noch ganz am Anfang stand. Insoweit der Beschuldigte in seiner
  Beschwerde vollumfängliche Einsicht in die Akten der Strafuntersuchung
  betreffend das Delikt Birmensdorf fordert, ist dieses Begehren aufgrund des
  Umstandes, dass sich diese Strafuntersuchung zum damaligen Zeitpunkt noch
  ganz am Anfang befand, abzuweisen. Zu der vom Beschuldigten explizit in
  seiner Beschwerde geforderten Einsicht in einzelne Akten betreffend das
  Delikt Birmensdorf ist Folgendes festzuhalten:

  
	
   

  
	
  3.1.1. Der Beschuldigte will Einsicht in die früheren
  Einvernahmen mit den Mitbeschuldigten (C.______ und D.______). Diese seien
  bereits mit ihm (dem Beschuldigten) konfrontiert worden und hätten ihn
  entlastet (act. 2 S. 6).

  
	
  Der
  Beschuldigte wurde anlässlich der Hafteröffnung vom 9. Oktober 2019
  mit dem Tatvorwurf konfrontiert und auch darüber informiert, dass sein
  Bruder, D.______, ausgesagt habe, er (D.______) sei an jenem Abend vom
  19./20. Mai 2017 zusammen mit C.______ im Club [...] gewesen (SG.2019.00105
  act. 2/2). 

  
	
  Weiter
  wurde der Beschuldigte anlässlich der Hafteröffnung auch zu C.______ und
  D.______ befragt. Hätte die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten bereits
  damals oder kurz darauf (mit dem Haftantrag) Einsicht in die Einvernahmen mit
  D.______ und C.______ gewährt, hätte der Beschuldigte seine Aussagen mit den
  Aussagen dieser mitbeschuldigten Personen (von denen einer sein Bruder ist)
  abstimmen können. Ein solches mutmassliches Verhalten des Beschuldigten wäre
  dem Zweck der damals noch in den Anfängen steckenden Strafuntersuchung
  komplett zuwidergelaufen. Die Staatsanwaltschaft kann, wie bereits dargelegt,
  aus ermittlungstaktischen Gründen zu Beginn der Strafuntersuchung die Akten
  für den Haftrichter beschränken (Botschaft, 1230). Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft, ihrem
  Haftantrag nur die bereits erwähnten Akten beizulegen, ist angesichts des
  Anfangsstadiums und der Komplexität der vorliegenden Strafuntersuchung nicht zu beanstanden, zumal aufgrund der damaligen
  Beweislage auch eine konkrete Kollusionsgefahr vorgelegen haben könnte. Das
  Vorliegen einer konkreten Kollusionsgefahr wurde vom Zwangsmassnahmengericht
  in seiner Verfügung vom 11. Oktober 2019 nicht geprüft (SG.2019.00105
  act. 2/2, act. 12), jedoch in den folgenden Haftverfahren mehrfach bejaht
  (OG.2019.00098 act. 48 Erw. III.2 S. 15, SG.2020.00023 act. 8 Erw. 4 S. 3,
  OG.2020.00012 act. 25 Erw. III.2 S. 17).

  
	
  Bei der
  vom Beschuldigten erwähnten Konfrontationseinvernahme zwischen ihm, D.______,
  C.______ und E.______ handelt es sich um die Einvernahme vom
  21. Oktober 2019; das entsprechende Protokoll wurde dem Beschuldigten
  mit dem Haftverlängerungsgesuch der Staatsanwaltschaft vom
  6. November 2019 zur Verfügung gestellt (SG.2019.00123 act. 1, act.
  2/1).

  
	
  Nach
  dem Gesagten ist nicht ersichtlich, inwiefern die Staatsanwaltschaft dem
  Beschuldigten das rechtliche Gehör verweigert hätte, indem sie ihm die
  früheren Einvernahmen mit D.______ und C.______ bis zum Zeitpunkt der
  Beschwerdeerhebung vom 4. November 2019 nicht zur Verfügung
  stellte.

  
	
   

  
	
  3.1.2. Sodann will der Beschuldigte Einsicht in die Akten der
  Hausdurchsuchung / Befragung des Personals des Hotels [...]. Er müsse
  überprüfen, wie die Hausdurchsuchung und die angebliche Befragung der
  Mitarbeiter des Hotels [...] abgelaufen sei bzw. was diese ausgesagt hätten
  (act. 2 S. 7).

  
	
  Der
  Beschuldigte wurde anlässlich der Hafteröffnung vom 9. Oktober 2019 auch mit
  den Ergebnissen der Hausdurchsuchung an seinem angeblichen Wohnort im Hotel
  [...] in Einsiedeln konfrontiert. Dem Haftantrag vom
  11. Oktober 2019 lag u.a. auch der Bericht über den Ablauf der
  Hausdurchsuchung und die Befragung der Rezeptionistin vom
  23. September 2019 bei. Dieser wurde der Verteidigerin zur
  Verfügung gestellt (SG.2019.00105 act. 2/2 S. 1, S. 7 Frage 4, act.
  2/6, act. 3/8).

  
	
   

  
	
  3.1.3. Schliesslich verlangt der Beschuldigte auch die
  Zustellung eines Verzeichnisses der Strafuntersuchungsakten und Einsicht in
  die Auswertungen der Videokamera des Tatorts sowie der Mobiltelefone der
  Beteiligten (act. 2 S. 7 f.).

  
	
  Die
  Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in diesem schweren Gewaltdelikt richten
  sich gegen zahlreiche Personen. Es handelt sich um eine sehr grosse
  Strafuntersuchung und ein Aktenverzeichnis würde offenlegen, welche Beweise bereits erhoben wurden. Dies gilt
  es zu vermeiden; die Strafuntersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Die vom Beschuldigten geforderte Einsicht in die
  Auswertung der Videokamera des Tatorts ist nicht nachvollziehbar. Aus den
  gesamten Haftakten ergeben sich keinerlei Hinweise, dass der Tathergang
  aufgezeichnet wurde. Hinsichtlich der verlangten Einsicht in die Auswertungen
  der Mobiltelefondaten der Beteiligten ist zu erwähnen, dass der Beschuldigte
  am 9. Oktober 2019 ohne sein Mobiltelefon bei der Kantonspolizei
  Glarus erschienen ist (SG.2019.00105 act. 2/2 S. 10). Bei einer
  Auswertung von Mobiltelefondaten muss umfangreiches Datenmaterial gesichtet
  und gestützt darauf die weiteren Ermittlungen geplant werden. Angesichts der
  noch laufenden Strafuntersuchung ist in der Verweigerung der Einsicht in
  diese Akten keine Rechtsverletzung zu erblicken.

  
	
   

  
	
  3.1.4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte
  anlässlich seiner Hafteröffnung mit den bis dato vorhandenen wesentlichen
  Untersuchungsergebnissen konfrontiert wurde und er seine Verteidigungsrechte
  wirksam wahrnehmen konnte. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Staatsanwaltschaft
  geltendes Recht verletzt hätte. Dem Haftantrag der Staatsanwaltschaft vom
  11. Oktober 2019 ist zu entnehmen, dass die Verteidigerin des
  Beschuldigten mit den Haftakten bedient wurde (SG.2019.00105 act. 1,
  act. 3/8). Somit ist unklar, worin die vom Beschuldigten pauschal
  geltend gemachte Verletzung von Art. 225 Abs. 2 StPO (act. 2 S. 3)
  liegen soll. Ergänzend ist festzuhalten, dass auch die Akten der
  nachfolgenden Haftverfahren der Verteidigerin stets zugestellt wurden
  (SG.2019.00123 act. 1 S. 7, act. 4; SG.2019.00130
  act. 3-5, act. 18-19; OG.2019.00098 act. 34, act. 48
  S. 23; SG.2020.00023 act. 10, act. 11/1; OG.2020.00012
  act. 12, act. 14 S. 3; SG.2020.00037 act. 10;
  OG.2020.00023 act. 24 ff.). 

  
	
   

  
	
  3.2. Aus der Beschwerdebegründung geht hervor, dass sich der
  Antrag des Beschuldigten auf vollumfängliche Akteneinsicht auch auf die Akten
  der Strafuntersuchung betreffend versuchten Mordes (Delikt Bilten) bezieht
  (act. 2 S. 2 Ziff. 1, S. 8).

  
	
   

  
	
  3.2.1. Die Strafuntersuchung betreffend das Delikt Bilten
  befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Das Delikt
  Birmensdorf steht nur insoweit in einem Zusammenhang mit dem Delikt Bilten,
  als es mutmasslich das Tatmotiv der Vergeltung für den versuchten Mord in
  Bilten war. Dem Beschuldigten wird keine Beteiligung am Delikt Bilten
  vorgeworfen. Insoweit der Beschuldigte vollumfängliche Einsicht in die Akten
  der Strafuntersuchung betreffend das Delikt Bilten verlangt, ist auf seine
  Beschwerde nicht einzutreten. Es ist nicht ersichtlich, worin das rechtlich
  geschützte Interesse des Beschuldigten an der vollumfänglichen Einsicht in
  diese 

  Strafuntersuchungsakten liegen könnte. Selbst wenn auf die Beschwerde des
  Beschuldigten hinsichtlich der begehrten Einsicht in die
  Strafuntersuchungsakten betreffend Delikt Bilten einzutreten wäre, wäre sie
  aus den nachfolgenden Gründen dennoch abzuweisen.

  
	
   

  
	
  3.2.2.
  Der Beschuldigte beantragt insbesondere
  Einsicht in sämtliche früheren Einvernahmen mit E.______. Er müsse prüfen, ob
  diese Aussagen in sich stimmig, glaubhaft seien und Entlastendes beinhalteten
  (act. 2 S. 5 f.).

  
	
  E.______
  belastete den Beschuldigten in seiner Aussage vom 19. September 2019 sehr
  schwer. Zutreffend ist, dass E.______ betreffend das Delikt in Bilten, in
  welches der Beschuldigte nicht involviert ist, bereits zu einem früheren
  Zeitpunkt einvernommen wurde. Es ist nicht ersichtlich, weshalb der
  Beschuldigte eine Beweiswürdigung dieser früheren Aussagen von E.______
  vorzunehmen hätte; dies ist Aufgabe des Sachrichters (BGE 143 IV 316
  E. 3.1). Weiter
  verkennt der Beschuldigte, dass E.______ ihn sehr schwer belastet
  hatte und aufgrund dieser Aussagen die Strafuntersuchungsbehörde überhaupt
  erst gegen den Beschuldigten zu ermitteln begann. Bei diesem Sachverhalt ist
  nicht anzunehmen, dass E.______ den Beschuldigten entlastet hätte.

  
	
   

  
	
  3.2.3. Weiter fordert der Beschuldigte Einsicht in sämtliche
  ärztlichen Unterlagen (auch in jene der Unfallversicherung) von E.______
  (act. 2 S. 6 f.).

  
	
  Gemäss
  dem Spitalbericht von E.______ erlitt dieser eine Fraktur am Stirnbein (Os
  frontale) und bereits am 20. Mai 2017 fand eine erste Computertomographie
  statt (SG.2019.00105 act. 2/1). Der Spitalbericht von E.______ belegt die
  Verletzungen am Kopf, welche E.______ mutmasslich am 19./20. Mai 2017 vom
  Beschuldigten, von D.______ und C.______ zugefügt wurden. Wie der
  Beschuldigte in seiner Beschwerde ausführt (act. 2 S. 6 f.), gab E.______ dem
  behandelnden Arzt an, er habe sich seine Verletzungen am Kopf durch einen
  Fahrradunfall zugezogen. Die Verletzungen, welche E.______ aufgrund des
  mutmasslichen Angriffs an den Armen und Rücken erlitten haben soll, gab
  E.______ dem behandelnden Arzt nicht zur Kenntnis und es ist gestützt darauf
  zu vermuten, dass diesbezüglich auch keine ärztlichen Unterlagen existieren.
  Die Akten der Unfallversicherung von E.______ sind für den Beschuldigten
  irrelevant.

   

  
	
  3.3. Der Beschuldigte vertritt in seiner Beschwerde vom 4.
  November 2019 die Auffassung, die Strafuntersuchung laufe schon seit geraumer
  Zeit und die wichtigsten Beweise seien bereits erhoben worden (act. 2 S. 10
  ff.).

  
	
   

  
	
  3.3.1. Es wurde bereits erwähnt, dass die Strafuntersuchung
  betreffend das Delikt in Birmensdorf zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung am
  4. November 2019 noch ganz am Anfang stand (vgl. Erw. III.3.1. vorstehend).

  
	
   

  
	
  3.3.2. Der zweite mutmasslich Geschädigte im Delikt
  Birmensdorf, F.______, wird verdächtigt, in den versuchten Auftragsmord in
  Bilten involviert zu sein. Er war zum Zeitpunkt der Verhaftung des
  Beschuldigten flüchtig. Seine Aussage zum mutmasslichen Tathergang des
  Angriffs vom 19./20. Mai 2017 im Club [...] gehört zweifelsfrei zu den
  wichtigsten Beweisen (i.S.v. Art. 101 Abs. 1 StPO).
  Zwischenzeitlich konnte F.______ verhaftet werden und es ist aufgrund der im
  Recht liegenden Haftakten ergänzend zu bemerken, dass F.______ die
  Darstellung des Tathergangs, wie ihn E.______ geschildert hatte, bestätigte
  und den Beschuldigten ebenfalls schwer belastete (OG.2020.00012 act. 2/3).

  
	
   

  
	
  3.3.3. Sodann behauptete der Beschuldigte anlässlich seiner
  Hafteröffnung, er sei zur Tatzeit im [...] gewesen. Diese Behauptung stand
  diametral in Widerspruch zu den Aussagen von E.______. Weitere Ermittlungen
  bezüglich des Aufenthaltsortes des Beschuldigten zur Tatzeit drängten sich
  geradezu auf und die diesbezüglichen Erkenntnisse gehören zu den wichtigsten
  Beweisen (i.S.v. Art. 101 Abs. 1 StPO). Tatsächlich stellte sich
  heraus, dass der Beschuldigte zur Tatzeit nicht im [...] war (OG.2020.00012
  act. 2/1) und mehrere Personen bestätigten, dass er sich zur Tatzeit im
  Club [...] aufhielt (OG.2020.00012 act. 1 S. 7, act. 21/1 S.
  2). 

  
	
   

  
	
  3.3.4. Entscheidende Zeugenaussagen gehören ebenfalls zu den
  wichtigsten Beweisen (i.S.v. Art. 101 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte
  führt in seiner Beschwerde aus, die von E.______ genannten zwei Zeugen seien
  befragt worden und hätten ihn entlastet (act. 2 S. 12). Diese
  Darstellung des Beschuldigten ist unzutreffend. Das Obergericht hatte sich
  bereits in seinem Beschluss vom 23. Dezember 2019 ausführlich mit
  diesem Argument auseinandergesetzt und dazu festgehalten, dass die von
  E.______ genannten Zeugen (konkret handelt es sich um die Herren XY______
  [SG.2019.00123 act. 2/1 S. 10 und 16]) sich nicht mehr hätten erinnern
  können, an jenem Abend im Club [...] gewesen zu sein oder sie seien sich
  dessen nicht sicher gewesen. Keiner der genannten Zeugen wolle im Club [...]
  eine Schlägerei beobachtet haben (OG.2019.00098 act. 48
  Erw. III.1.3.4. f.). Somit sind diese Zeugenaussagen aus heutiger Sicht
  nicht entscheidend und gehören wohl nicht zu den wichtigsten Beweisen. Im
  Übrigen ist festzuhalten, dass die Staatsanwaltschaft die
  Einvernahmeprotokolle dieser beiden Zeugenaussagen im Verfahren SG.2019.00130
  zu den Haftakten reichte und diese wurden auch der Verteidigung zugestellt
  (SG.2019.00130 act. 5, act. 2/4, act. 2/5).

  
	
   

  
	
  3.3.5. Im Lichte der vorstehenden Erwägungen ist mit der
  Staatsanwaltschaft davon auszugehen, dass zum Zeitpunkt der angefochtenen
  Verfügung vom 23. Oktober 2019 resp. der Beschwerdeerhebung die
  wichtigsten Beweise (i.S.v. Art. 101 Abs. 1 StPO) noch nicht erhoben wurden
  und die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten die geforderte vollumfängliche
  Akteneinsicht zu Recht verweigerte.

  
	
   

  
	
  3.4.
  Der Beschuldigte ist auch der
  Auffassung, dass die Verfügung der Staatsanwaltschaft vom
  23. Oktober 2019 unangemessen sei, da keine sachlichen Gründe für
  eine Verweigerung der Akteneinsicht vorhanden seien (act. 2 S. 13 f.). 

  
	
  Wie
  dargelegt, lagen zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung mindestens zwei
  sachliche Gründe für eine Verweigerung der vollumfänglichen Akteneinsicht
  vor: Die Strafuntersuchung befand sich noch am Anfang und die wichtigsten
  Beweise waren noch nicht erhoben. Die vorliegende Strafuntersuchung befasst
  sich mit der Aufklärung eines schweren Gewaltdelikts, in das mutmasslich
  mehrere Personen involviert sind. Es besteht ein gewichtiges öffentliches
  Interesse an der raschen Aufklärung dieses Delikts und es ist nicht
  ersichtlich, inwieweit die von der Staatsanwaltschaft praktizierte partielle
  Verweigerung der Akteneinsicht unangemessen wäre. 

  
	
   

  
	
  4. Zum „Nachtrag zur Beschwerde“ vom
  20. Januar 2020 (act. 8) des Beschuldigten ist Folgendes zu
  bemerken:

  
	
  Die
  Staatsanwaltschaft verweigerte bisher auch die Einsicht in die Protokolle der
  Einvernahmen mit den zwei anonymen Zeugen (Art. 149 Abs. 1 und Abs. 2
  lit. a und e StPO). Aus den Akten geht hervor, dass der Beschuldigte und
  seine Verteidigung den Einvernahmen dieser zwei anonymen Personen in einem
  Nebenraum beiwohnen (und sich auch dazu äussern) konnten (OG.2020.00012
  act. 21/1 S. 2). Damit hat die Staatsanwaltschaft das rechtliche
  Gehör des Beschuldigten und insbesondere seine Verteidigungsrechte gewahrt
  (Art. 149 Abs. 5 StPO). Diese Befragungsprotokolle wurden
  zwischenzeitlich zu den Haftakten gereicht und auch der Verteidigung zur
  Verfügung gestellt (OG.2020.00023 act. 24 ff.).

  
	
  Sodann
  will der Beschuldigte Einsicht in die Befragung des Zeugen G.______
  (Befragung vom 23. Oktober 2019). Das Obergericht äusserte sich
  bereits zu den Aussagen von G.______ und hielt fest, dass nie behauptet
  worden sei, G.______ sei zur Tatzeit am Tatort gewesen. Es sei fraglich, was
  er zum Tathergang aussagen könne (OG.2020.00012 act. 25
  Erw. III.1.4.3). Ergänzend ist festzuhalten, dass sich aus den Haftakten
  keine Hinweise ergeben, wonach G.______ den Beschuldigten belastet hätte. Der
  pauschale Vorwurf des Beschuldigten, die Staatsanwaltschaft halte offenbar
  entlastende Beweise zurück (act. 8 S. 2 f.), ist nicht
  nachvollziehbar. Wenn eine derartige „offenbare“ Verfehlung seitens der
  Staatsanwaltschaft vorliegen sollte, wäre es Sache des Beschuldigten
  darzulegen, worin diese Verfehlung liegt. 

  
	
   

  
	
  5. Die Ausführungen des Beschuldigten in seiner Eingabe vom
  25. März 2020 (act. 15) zielen an der Sache vorbei und sind
  gar zirkelschlüssig. Der Beschuldigte räumt in dieser Eingabe selber ein, dass
  die Akteneinsicht nur partiell zu beschränken gewesen wäre (genau dieses
  Vorgehen wählte die Staatsanwaltschaft), hingegen verlangte er in der
  vorliegend zu beurteilenden Beschwerde vom 4. November 2019
  vollumfängliche Einsicht in die Strafuntersuchungsakten betreffend die
  Delikte Birmensdorf und Bilten (act. 2). Mit Blick auf die gerade erst vom
  Zwangsmassnahmengericht verlängerte Untersuchungshaft gegen den Beschuldigten
  (SG.2020.00037 act. 15), sind die Ausführungen der Verteidigerin, ein
  Sachbearbeiter der Polizei habe sie über den Abschluss der Ermittlungen
  orientiert und demnach seien alle wichtigsten Beweise erhoben (act. 15), wohl
  unzutreffend (vgl. auch Art. 16 Abs. 2 i.V.m. Art. 61
  lit. a StPO). 

  
	
   

  
	
  6. Nach dem Gesagten ist
  die Beschwerde des Beschuldigten vollumfänglich abzuweisen, soweit überhaupt
  darauf eingetreten wird.

  
	
   

  
	
  IV.

  
	
  1. Die Regelung der
  Kostenfolgen hat im Endentscheid zu erfolgen (Art. 421 Abs. 1
  StPO). Die Gerichtsgebühr für das Beschwerdeverfahren ist zuhanden der das
  Strafverfahren abschliessenden Behörde auf CHF 800.— festzusetzen
  (Art. 8 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 6 der Zivil- und
  Strafprozesskostenverordnung [GS III A/5]) und zu den Untersuchungskosten im
  Sinne von Art. 326 Abs. 1 lit. d StPO zu schlagen.
  Parteientschädigungen sind keine zuzusprechen (Art. 423 Abs. 1
  StPO). 

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1. Die Entschädigung der
  amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten für ihre im Beschwerdeverfahren
  getätigten Aufwendungen wird durch die Staatsanwaltschaft oder das urteilende
  Gericht bei Abschluss des Strafverfahrens festzusetzen sein (Art. 135
  Abs. 2 StPO). Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Tarifs für die Entschädigung
  der öffentlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung vom
  12. März 2004 des Kantons Glarus (GS III I/5 [systematische
  Gesetzessammlung], nachstehend Tarif) beanspruchen die Bestimmungen Geltung
  für die öffentliche Verteidigung in Strafsachen vor den
  Strafuntersuchungsbehörden und den Gerichten des Kantons Glarus. Nach Art. 2
  Abs. 2 dieses Tarifs setzt sich die Entschädigung aus dem Honorar zuzüglich
  Mehrwertsteuer sowie den notwendigen Auslagen (Reisespesen, Porto,
  Kommunikationsmittel, Fotokopien usw.) zusammen. Nach Art. 3 des Tarifs
  bemisst sich das Honorar nach dem notwendigen Zeitaufwand, der Bedeutung und
  der Schwierigkeit der zu beurteilenden Sachverhalts- und Rechtsfragen, der
  Verantwortung der Rechtsvertretung sowie dem Interesse der Parteien am
  Verfahren, wobei Art. 8 Abs. 1 des Tarifs für das Honorar in Strafsachen
  einen Stundenansatz von 180 Franken vorsieht. In der Regel wird pro A4-Seite
  Text ein Aufwand von ca. einer Stunde als angemessen betrachtet. Dies gilt in
  erster Linie für das Verfassen von Rechtsschriften und kann nicht auf
  sämtliche Schreibarbeiten wie z.B. das Verfassen von Briefen übernommen werden.
  Überdies ist auf den notwendigen Schreibumfang abzustützen, d.h. unnötige,
  repetitive oder gar ausschweifende Ausführungen können nicht entschädigt
  werden. 

  
	
   

  
	
  2.2. Die Verteidigerin
  macht für das vorliegende Beschwerdeverfahren bis und mit Beschwerdeerhebung
  Aufwendungen von "aktuell" CHF 2'027.80 (Stundenansatz CHF 180.—)
  geltend (act. 2 S. 15). Dieser geltend gemachte Aufwand scheint
  unverhältnismässig hoch und bedarf der nachfolgend zu begründenden Kürzungen.

  
	
  Die Beschwerdeschrift umfasst
  (nach Abzug des Titelblatts und der Unterschriftsseite) 13 Seiten. In diesem
  redaktionellen Teil besticht die Beschwerdeschrift durch teils
  weitschweifende und unnötige Ausführungen. Weitschweifend sind insbesondere
  die rechtlichen Ausführungen, die sich insgesamt auf rund vier Seiten
  erstrecken (S. 8-10, 11, 13 f.). Im vorliegenden Beschwerdeverfahren
  stellten sich keine aussergewöhnlichen Rechtsfragen und es war daher
  keinesfalls notwendig, dass sich die amtliche Verteidigerin in diesem Umfang
  zu Art. 101 StPO äussert. Die notwendigen rechtlichen Ausführungen
  hätten auf einer (maximal zwei) Seiten dargelegt werden können. Entsprechend
  scheint gerechtfertigt, das geltend gemachte Honorar um CHF 390.— (2
  Seiten à CHF 180.— zuzüglich 7.7 % MWST, gerundet) zu kürzen. Unnötig
  waren die zahlreichen punktuellen Ausführungen betreffend das Delikt Bilten
  (S. 5, 6, 7, 8). Dem Beschuldigten wurde nie vorgeworfen, in dieses Delikt
  involviert zu sein (vgl. Erw. III.3.2. vorstehend). Dies rechtfertigt eine
  Honorarkürzung um weitere CHF 190.— (1 Seite à CHF 180.— zuzüglich
  7.7 % MWST, gerundet).

  
	
  Für die nach der
  Beschwerdeerhebung eingereichten Eingaben kann die Verteidigung nicht
  entschädigt werden. Im "Nachtrag zur Beschwerde" vom
  20. Januar 2020 sowie im Schreiben vom 25. März 2020
  informierte die Verteidigerin das Obergericht über die zwischenzeitlich in
  den Haftverfahren eingereichten Aktenstücke resp. über den Stand der
  Strafuntersuchung (act. 8 S. 1-4 oben, act. 15). Das
  Obergericht war zu diesem Zeitpunkt darüber im Bilde, da es sich in seinen
  Beschlüssen vom 23. Dezember 2019 resp. vom
  20. Februar 2020 mit diesen Akten bereits ausführlich befasste
  (OG.2019.00098 act. 48, OG.2020.00012 act. 25). Sodann repetiert
  die Verteidigerin in ihrer Eingabe vom 20. Januar 2020 bereits vorgetragene
  rechtliche Ausführungen und äussert sich unnötig zur Kollusionsgefahr (die
  Frage der Kollusionsgefahr ist in einem Haftverfahren zu thematisieren [act.
  8 S. 4 f.]). 

  
	
  Nach dem Gesagten sind die zum
  Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung geltend gemachten Aufwendungen um
  CHF 580.— (inkl. MWST) zu reduzieren und die Entschädigung der amtlichen
  Verteidigerin ist auf CHF 1'500.— (aufgerundet, inkl. MWST und Auslagen)
  festzusetzen. 

  
	
  Die Regelung der Kostenauflage
  ist dem Endentscheid vorbehalten.

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
  Das
  Gericht beschliesst:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtsgebühr für das Beschwerdeverfahren wird auf CHF 800.—
    festgesetzt.

    
	
    3.

    	
    Die
    Entschädigung der amtlichen Verteidigerin B.______ für ihre im vorliegenden
    Beschwerdeverfahren OG.2019.00083 getätigten Aufwendungen wird auf CHF
    1'500.— (inkl. MWST und Auslagen) festgesetzt. 

    
	
    4.

    	
    Die
    Regelung der Kostenauflage wird dem Endentscheid vorbehalten.

    
	
    5.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    
	
     

    	
    [...]