# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6301c696-4673-5b90-8c1e-25953cbe7082
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.11.2023 E-703/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-703-2023_2023-11-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-703/2023 / E-716/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  N o v e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), 

Richterin Roswitha Petry,  

Richterin Camilla Mariéthoz Wyssen,    

Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. 

   

Parteien 

 
A._______, angegebenes Geburtsdatum (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw LL.M. Fabian Baumer-Schuppli,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG); 

Datenänderung im Zentralen Migrationsinformationssystem 

(ZEMIS);  

Verfügung des SEM vom 27. Januar 2023. 

 

 

E-703/2023 / E-716/2023  

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger – ersuchte 

am 9. Oktober 2022 in der Schweiz um Asyl. Dabei gab er an, am (…) 

geboren und damit minderjährig zu sein.  

B.  

Abfragen des SEM bei der europäischen Fingerabdruckdatenbank (Euro-

dac) ergaben, dass er am 28. Juli 2021 in Österreich und am 11. August 

2021 in Frankreich um Asyl ersucht hatte.  

C.  

Am 9. Oktober 2022 führte das SEM im Beisein der dem Beschwerdeführer 

zugewiesenen Rechtsvertretung eine Erstbefragung für unbegleitete Min-

derjährige (EB UMA) durch und gewährte ihm unter anderem das rechtli-

che Gehör zu seiner Auffassung, dass es Zweifel an seiner Minderjährigkeit 

hege, weshalb eine rechtsmedizinische Altersabklärung in Betracht gezo-

gen werde.  

Anlässlich der Befragung reichte der Beschwerdeführer eine Tazkira im 

Original beim SEM ein.  

D.  

Am 9. Dezember 2022 stellte das SEM gestützt auf Art. 18 Abs. 1 der Ver-

ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates 

vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-

mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-

angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags 

auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) Infor-

mationsersuchen an Österreich und Frankreich zwecks Wiederaufnahme 

des Beschwerdeführers zur Durch- respektive Weiterführung des Asylver-

fahrens.  

E.  

Mit Antwort an das SEM vom 21. Dezember 2022 lehnten die österreichi-

schen Behörden das Ersuchen um Wiederaufnahme mit der Begründung 

ab, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen unbegleiteten Minder-

jährigen handle, weshalb Österreich nicht zur Prüfung des Asylgesuchs zu-

ständig sei. Die französische Dublin-Unit stimmte am 22.  Dezember 2022 

einer Wiederaufnahme des Beschwerdeführers zwecks Weiterführung 

dessen Asylverfahrens zu.  

E-703/2023 / E-716/2023  

Seite 3 

F.  

In seinem Gutachten vom 28. Dezember 2022 kam das vom SEM am 

19. Dezember 2022 beauftragte Institut für Rechtsmedizin des B._______ 

(nachfolgend: IRM) zum Schluss, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt 

der Untersuchung vom (…) ein durchschnittliches Lebensalter von 16 bis 

19 Jahren und ein Mindestalter von 16.4 Jahren aufweise, womit das von 

ihm angegebene Geburtsdatum (chronologisches Lebensalter von […] 

Jahren [...] Monaten) gemäss der aktuellen wissenschaftlichen Studienlage 

zutreffen könne.   

G.   

Dem Beschwerdeführer wurde durch das SEM am 30. Dezember 2022 un-

ter Hinweis auf dessen Altersangabe im französischen Asylverfahren und 

der erfolgten Zustimmung Frankreichs das rechtliche Gehör zu einer Weg-

weisung nach Frankreich gewährt. 

H.  

Der Beschwerdeführer nahm am 4. Januar 2023 Stellung und führte aus 

respektive beantragte, im ZEMIS (Zentrales Migrationsinformationssys-

tem) sei das Geburtsdatum (…) zu belassen, ebenso sei er weiterhin in 

den UMA-Strukturen unterzubringen, die von ihm eingereichte Tazkira sei 

auf ihre Echtheit zu überprüfen.  

I.  

Am 10. Januar 2023 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer nachträg-

lich das rechtliche Gehör zum Ergebnis des Altersgutachtens, welches an 

der Einschätzung, dass es sich bei ihm nicht um einen Minderjährigen 

handle, nichts ändere.  

J.  

Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe seiner Rechtsvertretung am     

16. Januar 2023 Stellung. Dabei hielt er an seinen Anträgen fest und er-

suchte ergänzend darum, dass im Falle des Eintrags des Geburtsdatums 

mit dem (…) ein Bestreitungsvermerk im ZEMIS anzubringen respektive 

zeitgleich mit dem Asylentscheid eine entsprechende ZEMIS-Verfügung zu 

erlassen sei.   

K.  

Mit Verfügung vom 27. Januar 2023 – eröffnet am gleichen Tag – trat das 

SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch 

des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte dessen Überstellung nach 

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Seite 4 

Frankreich, den gemäss der Dublin-III-VO für die Behandlung des Asylge-

suches zuständigen Dublin-Staat. Gleichzeitig beauftragte es den zustän-

digen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung nach Frankreich und stellte 

fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine auf-

schiebende Wirkung zu. Dem Beschwerdeführer wurden die editionspflich-

tigen Akten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt. Festgestellt wurde zu-

dem, dass das Geburtsdatum im ZEMIS auf den (…) laute.  

L.  

Gleichentags wurde die entsprechende Mutation des Geburtsdatums im 

ZEMIS vorgenommen und mit einem Bestreitungsvermerk versehen. 

M.  

Mit Eingabe vom 3. Februar 2023 an das Bundesverwaltungsgericht erhob 

der Beschwerdeführer handelnd durch den rubrizierten Rechtsvertreter ge-

gen die Verfügung des SEM Beschwerde. Er beantragte, die Verfügung sei 

aufzuheben, auf sein Asylgesuch sei einzutreten und das Geburtsdatum 

sei auf den (…) (recte: […]) zu berichtigen. Eventualiter sei die Sache zur 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

In prozessualer Hinsicht wurde beantragt, es sei der Beschwerde die auf-

schiebende Wirkung zu erteilen und im Sinne einer superprovisorischen 

Massnahme seien die Vollzugsbehörden anzuweisen, von einer Überstel-

lung nach Frankreich einstweilen abzusehen. Ferner sei die unentgeltliche 

Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses sei zu verzichten.  

Der Beschwerde war unter anderem ein Bericht der Schweizerischen Ge-

sellschaft für Rechtsmedizin (SGRM) vom Juni 2022 beigelegt und in die-

sem Zusammenhang wurde ersucht, die SGRM sei im Rahmen einer In-

struktionsmassnahme aufzufordern, zur Auslegung des Gutachtens durch 

das SEM Stellung zu nehmen.  

N.  

Am 7. Juli 2023 ordnete die Instruktionsrichterin einen superprovisorischen 

Vollzugsstopp an.  

O.  

Das in der Beschwerde gestellte Begehren um Änderung des Geburtsda-

tums im ZEMIS wurde mit Zwischenverfügung vom 10. Februar 2023 von 

den übrigen Rechtsbegehren getrennt, diesbezüglich ein Verfahren unter 

der Geschäftsnummer E-716/2023 eröffnet und festgehalten, dass die 

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Seite 5 

beiden Verfahren koordiniert behandelt würden. Das Gesuch um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung wurde gutgeheissen und auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet. Der Beschwerde 

wurde die aufschiebende Wirkung erteilt. Gleichzeitig wurde das SEM zur 

Vernehmlassung eingeladen.  

P.  

Das SEM beantragte mit Vernehmlassung vom 24. Februar 2023 die Ab-

weisung der Beschwerde.  

Q.  

Der Rechtsvertreter replizierte namens des Beschwerdeführers mit Ein-

gabe vom 15. März 2023.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG); soweit die ZEMIS-Berichtigung 

betreffend, steht gegen den vorliegenden Beschwerdeentscheid hingegen 

ein Rechtsmittelweg an das Schweizerische Bundesgericht offen. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die übri-

gen Sachurteilsvoraussetzungen (Legitimation [Art. 48 Abs. 1 VwVG], Frist 

[Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 50 Abs. 1 VwVG] und Form [Art. 52 VwVG]) 

sind offensichtlich erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1 Die vorliegende Beschwerde richtet sich sowohl gegen den Nicht- 

eintretensentscheid des SEM betreffend das Asylgesuch (Dublin-

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Seite 6 

Verfahren) als auch gegen die Änderung der ZEMIS-Eintragung (betreffend 

das Geburtsdatum respektive Alter). 

2.2 Praxisgemäss wird das Beschwerdeverfahren betreffend ZEMIS- 

Datenbereinigung E-716/2023 separat neben dem Dublin-Beschwerdever-

fahren E-703/2023 geführt (vgl. BVGE 2018 VI/3). Vorliegend kann  

– aufgrund der Verfahrenskonstellation und des Prozessausgangs – je-

doch in einem Urteil über beide Verfahren befunden werden. 

3.  

3.1 Mit asylrechtlicher Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Bei Beschwerden gegen 

Nichteintretensentscheide, mit denen es das SEM ablehnt, das Asylgesuch 

auf seine Begründetheit hin zu überprüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die 

Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz grundsätzlich auf die 

Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht 

eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).  

3.2 Hinsichtlich der ZEMIS-Berichtigung (Datenschutz) entscheidet das 

Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich mit uneingeschränkter Kognition. 

Es überprüft die angefochtene Verfügung auf Rechtsverletzungen – ein-

schliesslich unrichtiger oder unvollständiger Feststellung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Ermessensausübung – sowie 

auf Angemessenheit hin (Art. 49 VwVG).  

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung – explizit       

oder stillschweigend – zugestimmt hat, auf das Asylgesuch grundsätzlich 

nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2). 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III (Art. 8 

– 15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur 

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Seite 7 

Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in ei-

nem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dub-

lin-III-VO).  

Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind 

die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort 

aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; 

vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation 

im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-

gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-

men eines – wie vorliegend – Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take 

back) findet demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeits-

prüfung nach dem Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 

und 8.2.1 m.w.H.). 

4.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-

gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat 

als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als 

zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-

staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

4.4 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert 

und das SEM kann das Asylgesuch gemäss dieser Bestimmung «aus hu-

manitären Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-

VO ein anderer Staat zuständig wäre. 

4.5 Von einem Wiederaufnahmeverfahren ausgenommen sind unbeglei-

tete Minderjährige (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin-III-VO, Wien 2014, 

Kap. 15 f. zu Art. 8, m.H.). In einem solchen Fall gelangt Art. 8 Abs. 4 

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Seite 8 

Dublin-III-VO zur Anwendung, wonach derjenige Staat zuständig ist, in wel-

chem die unbegleitete minderjährige Person einen Antrag auf internationa-

len Schutz gestellt hat. Als Minderjähriger gilt gemäss Art. 2 Bst. i Dublin-

III-VO sowie Art. 1a Bst. d AsylV 1 ein Drittstaatsangehöriger unter 18 Jah-

ren.  

5.  

5.1 Die Vorinstanz führt zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben das 

ZEMIS, das der Bearbeitung von Personendaten aus dem Ausländer- und 

dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 des Bundesgesetzes über 

das Informationssystem für den Ausländer- und den Asylbereich vom 

20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in der Verordnung über das 

Zentrale Migrationsinformationssystem vom 12. April 2006 (ZEMIS-

Verordnung, SR 142.513) näher geregelt ist. Nach Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-

Verordnung richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere deren 

Auskunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie das Recht auf 

Informationen über die Beschaffung besonders schützenswerter 

Personendaten, nach den Bestimmungen des Bundesgesetzes über den 

Datenschutz vom 19. Juni 1992 (Datenschutzgesetz, aDSG, SR 235.1, in 

der bis zum 31. August 2023 geltenden Version; vgl. zur Anwendbarkeit 

des bisherigen Rechts auf laufende Beschwerdeverfahren Art. 70 DSG in 

der ab 1. September 2023 geltenden Version [AS 2022 491]; vgl. BGE 139 

II 263 E. 6 und BGE 144 II 326 E. 2.1.1 sowie TSCHANNEN / ZIMMERLI / 

MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Auflage 2022, §24 Rz. 551 f.) 

und des VwVG. 

5.2 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu ver-

gewissern (Art. 5 Abs. 1 aDSG). Werden Personendaten von Bundesorga-

nen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, dass 

unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. Art. 25 

Abs. 3 Bst. a aDSG). Auf die Berichtigung besteht in einem solchen Fall ein 

absoluter und uneingeschränkter Anspruch (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 3.2). 

Die ZEMIS-Verordnung sieht zudem in Art. 19 Abs. 3 ausdrücklich vor, 

dass unrichtige Daten von Amtes wegen zu berichtigen sind. 

5.3 Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person die 

Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung, die Bundesbehörde im Be-

streitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bearbeiteten Personen-

daten zu beweisen. Nach den massgeblichen Beweisregeln des VwVG gilt 

eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung sämtlicher Erkennt-

nisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen Zweifel bleiben; 

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unumstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich. Die mit dem Be-

richtigungsbegehren konfrontierte Behörde hat zwar nach dem Untersu-

chungsgrundsatz den Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen abzu-

klären (Art. 12 VwVG); die gesuchstellende Person ist jedoch gemäss 

Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG verpflichtet, an dessen Feststellung mitzuwir-

ken (vgl. zum Ganzen BVGE 2018 VI/3 E. 3.3 m.w.H.). 

5.4 Kann bei einer verlangten oder von Amtes wegen beabsichtigten Be-

richtigung weder die Richtigkeit der bisherigen noch diejenige der neuen 

Personendaten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich weder die einen 

noch die anderen Daten bearbeitet werden. Dies ist jedoch nicht immer 

möglich, müssen doch bestimmte Personendaten zur Erfüllung wichtiger 

öffentlicher Aufgaben notwendigerweise bearbeitet werden. Dies gilt na-

mentlich auch für im ZEMIS erfasste Namen und Geburtsdaten. In solchen 

Fällen überwiegt das öffentliche Interesse an der Bearbeitung möglicher-

weise unzutreffender Daten das Interesse an deren Richtigkeit. Unter die-

sen Umständen sieht Art. 25 Abs. 2 aDSG die Anbringung eines Bestrei-

tungsvermerks vor. Spricht dabei mehr für die Richtigkeit der neuen Daten, 

sind die bisherigen Angaben zunächst zu berichtigen und die neuen Daten 

anschliessend mit einem derartigen Vermerk zu versehen. Verhält es sich 

umgekehrt, erscheint also die Richtigkeit der bisher eingetragenen Daten 

als wahrscheinlicher oder zumindest nicht als unwahrscheinlicher, sind 

diese zu belassen und mit einem Bestreitungsvermerk zu versehen. Über 

dessen Anbringung ist jeweils von Amtes wegen und unabhängig davon zu 

entscheiden, ob ein entsprechender Antrag gestellt worden ist (vgl. zum 

Ganzen BVGE 2018 VI/3 E. 3.4 m.w.H.; Urteil des BVGer E-3182/2021 

vom 6. Oktober 2022 E. 4.4). 

6.  

6.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung erwog das SEM im We-

sentlichen, das vorliegende Altersgutachten lasse keine Aussage darüber 

zu, ob der Beschwerdeführer voll- oder minderjährig sei. Es komme daher 

bei der Glaubhaftigkeitsprüfung auf die Gesamtwürdigung aller Indizien an. 

Der Beschwerdeführer habe ausweichende Aussagen zu altersrelevanten 

Fragen gemacht, indem er auf die Frage, seit wann er sein Alter kenne, 

erklärt habe, er sei im Jahr (…), mithin nach gregorianischem Kalender 

zwischen (…) bis (…) geboren, die Tazkira sei jedoch (…), das heisst zwi-

schen (…) bis (…), als er (…) Jahre gewesen sei, ausgestellt worden. Er 

sei sodann gefragt worden, wie alt er gewesen sei, als seine Mutter ihm 

sein Alter mitgeteilt habe. Er habe geantwortet, nach seiner Ankunft in der 

Schweiz habe er seine Mutter nach dem Alter gefragt. Dies erstaune, weil 

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Seite 10 

er dargelegt habe, sein Geburtsjahr anhand der Tazkira zu kennen. Im Wei-

teren habe er es in Zusammenhang mit Fragen zu seiner Schulbildung un-

terlassen zu erklären, weshalb er vor dem (…) Lebensjahr nicht die Schule 

oder die Koranschule besucht habe. Auch in seiner Stellungnahme habe 

er dazu keine Ausführungen gemacht. An der EB UMA habe er angegeben, 

die Tazkira sei, als er (…) Jahre gewesen sei, für die Koranschule ausge-

stellt worden, was nicht plausibel erscheine, da er die Koranschule erst mit 

(…) Jahren besucht habe. Er habe zudem einmal verneint, in seinem Hei-

matland gearbeitet zu haben, an anderer Stelle aber auch erwähnt, auf den 

Feldern gearbeitet zu haben.  

Zum Abbruch der Koranschule und seiner Ausreise habe er vage Angaben 

gemacht, indem er erklärt habe, die Schule mit (…) Jahren und (…) oder 

(…) Monaten abgebrochen und Afghanistan mit (…) Jahren und (…) oder 

(…) Monaten verlassen zu haben. Daraus sei zu schliessen, dass er vor 

Abbruch der Koranschule ausgereist sei. Gleiches gelte für die Aussagen, 

er habe besagte Schule vor zwei Jahren abgebrochen sowie, er habe sein 

Heimatland vor zweieinhalb Jahren verlassen. Die Aussagen zur Koran-

schule und zur Ausreise seien somit bei der geltend gemachten Minderjäh-

rigkeit nicht dienlich. Da er zudem unterschiedliche Angaben zu seinen 

Lese- und Schreibkenntnissen gemacht habe, jedoch sein Mobiltelefon be-

dienen und mit WhatsApp und Facebook umgehen und mithin Voice-Nach-

richten versenden könne, werde vermutet, dass es sich bei ihm nicht um 

einen Analphabeten handle, was durch die BAZG-Akten (rechtliches Gehör 

zur Anordnung von Fernhaltemassnahmen) bestätigt werde. Als Indiz für 

seine Volljährigkeit spreche nicht zuletzt sein äusseres Erscheinungsbild. 

Ferner wirke er aufgrund seiner Aussagen in der EB UMA zu seinen per-

sönlichen Daten und seinem Reiseweg nicht glaubwürdig. So habe er an-

gegeben, sein in Frankreich angegebenes Geburtsdatum sei ein Fehler 

gewesen, da er nicht lesen und schreiben könne. Ein Bekannter habe die-

ses Datum ohne sein Wissen eingetragen. Diese Erklärung überzeuge 

nicht, da er den Fehler nicht habe berichtigen lassen. Seine Begründung 

dazu, er habe nicht gewusst, wie er dieses hätte korrigieren können res-

pektive in Frankreich könne man die Identität nicht berichtigen, sei unplau-

sibel und widersprüchlich; dies auch weil er über eine Tazkira verfügt habe. 

Unter Berücksichtigung seiner Angabe, ein wenig lesen zu können, hätte 

er die Angaben auf dem französischen Personalienblatt überprüfen kön-

nen. Aus den österreichischen Unterlagen gehe hervor, dass er dort das-

selbe Geburtsdatum angegeben habe. Österreich habe jedoch eine Alters-

abklärung initiiert gehabt und er sei vor Durchführung derselben unterge-

taucht, vermutungsweise gerade wegen des bevorstehenden Gutachtens.  

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Seite 11 

Inwiefern der Aufenthalt in Frankreich, wie von ihm geltend gemacht, ein 

Versehen gewesen sein soll, sei schleierhaft, habe er doch dieses Land als 

sein Reiseziel angegeben. Ausserdem habe er in Frankreich den Asylent-

scheid abgewartet, weshalb anzunehmen sei, die Asylgesuchseinreichung 

in der Schweiz sei dem ablehnenden Entscheid Frankreichs geschuldet. 

Zudem habe Frankreich dem Wiederaufnahmeersuchen des SEM zuge-

stimmt, noch bevor das Altersgutachten versandt worden sei, womit sich 

Frankreich selber ein Bild über das Alter gemacht habe. Mit Bezug auf die 

Tazkira führte das SEM aus, gemäss den darin enthaltenen Angaben sei 

er im Jahr (…)  (…) Jahre alt geschätzt worden. Dabei handle es sich nicht 

um ein rechtsgenügliches Identitätsdokument, weshalb er sein Alter nicht 

habe belegen können. Einer Tazkira komme nur geringe Beweiskraft zu 

und solche Dokumente seien leicht käuflich erwerbbar. Ausserdem weise 

die Tazkira Manipulationsspuren auf.  

In einer Gesamtwürdigung aller Indizien seien seine Aussagen somit nicht 

glaubhaft und er wirke persönlich unglaubwürdig. Er habe zudem keine 

rechtsgenüglichen Identitätspapiere eingereicht. Im weiteren Verlauf des 

Verfahrens werde er daher als volljährige Person behandelt.  

Da die geltend gemachte Minderjährigkeit nicht glaubhaft sei, sei das be-

reits im ZEMIS festgehaltene Geburtsdatum zumindest wahrscheinlicher 

als der vorgebrachte (…), weshalb der Antrag des Beschwerdeführers, 

sein Geburtsdatum sei im ZEMIS beim (…) zu belassen, abgelehnt werde. 

6.2 In der Beschwerde wurde geltend gemacht, die Auslegung des Alters-

gutachtens durch das SEM sei falsch. Darin werde festgehalten, dass das 

vom Beschwerdeführer behauptete chronologische Lebensalter von (…) 

Jahren und (…) Monaten im Untersuchungszeitpunkt zutreffen könne, zu-

mal ein Mindestalter von 16.4 Jahren ermittelt worden sei. Gemäss dem 

aktuellen Methodendokument der Schweizerischen Gesellschaft für 

Rechtsmedizin (SGRM) könne aus medizinischer Sicht eine Minderjährig-

keit sodann nur ausgeschlossen werden, wenn der höchste Mindestwert 

über 18 Jahren liege. Im Weiteren erstaune es nicht, dass sich der Be-

schwerdeführer als UMA bei seiner Mutter nochmals über sein Alter erkun-

digt habe. Er habe schon anlässlich der EB UMA klargestellt, dass er auf 

den Feldern gearbeitet habe und beschäftigt gewesen sei. Der Einwand 

des SEM, er habe keine Erklärung abgeben können, weshalb er die Mad-

rasa nicht vor dem (…) Lebensjahr besucht habe, gehe daher ins Leere. 

Er habe zudem dargelegt, dass es sich bei den Altersangaben im Zeitpunkt 

des Abbruchs der Koranschule und der Ausreise um Schätzungen handle. 

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Seite 12 

Er sei wenig gebildet, was sich – entgegen der Ansicht des SEM – seinen 

Aussagen auch entnehmen lasse. Dem rechtlichen Gehör zur Anordnung 

von Entfernungs- und Fernhaltemassnahmen sei nicht zu entnehmen, 

dass er - wie von der Vorinstanz suggeriert werde - kein Analphabet sei 

und Englisch sprechen und schreiben könne. Zum Erscheinungsbild nenne 

das SEM keine objektiven überprüfbaren Kriterien, aufgrund derer er als 

volljährig zu schätzen wäre. Den Altersangaben in Frankreich komme ein 

geringer Beweiswert zu, da die Umstände der Registrierung nicht bekannt 

und keine Protokolle aus Frankreich vorhanden seien. Es erscheine auch 

widersprüchlich, wenn das SEM darauf verweise, er hätte in Frankreich 

seine Tazkira einreichen können, diese aber im vorliegenden Verfahren als 

ungeeignetes Identitätsdokument darstelle. Zum Manipulationsvorwurf der 

Tazkira habe er sich sodann nie äussern können, weshalb sein rechtliches 

Gehör verletzt worden sei. Keine Tazkira würde Sicherheitsmerkmale auf-

weisen, dennoch käme ihnen nach Rechtsprechung des Bundesverwal-

tungsgerichts ein gewisser Beweiswert zu. Er habe sich zudem in der 

Schweiz der Altersbegutachtung unterzogen, weshalb der Einwand des 

SEM, er habe Österreich verlassen, um sich einer Altersbegutachtung nicht 

unterziehen zu müssen, aus der Luft gegriffen scheine. Da das vom Be-

schwerdeführer angegebene Geburtsdatum als wahrscheinlicher er-

scheine, sei das von der Vorinstanz eingetragene Geburtsdatum im ZEMIS 

zu berichtigen. 

6.3 In der Vernehmlassung argumentierte das SEM im Wesentlichen, be-

reits im Protokoll der EB UMA sei durch die Dolmetscherin auf die 

schlechte Lesbarkeit des in der Tazkira vermerkten Alters hingewiesen wor-

den. Er hätte daher schon in jenem Zeitpunkt die Gelegenheit gehabt, sich 

dazu zu äussern. Dem Entscheid sei sodann die Aktennotiz betreffend das 

Ergebnis der Echtheitsprüfung der Tazkira beigelegt worden, womit er die-

ses auf Beschwerdeebene habe anfechten können. Die Tazkira sei zudem 

nicht als Fälschung erachtet und bei der Gesamtwürdigung als Indiz mit-

einbezogen worden. Dem Beschwerdeführer sei demnach kein Rechts-

nachteil entstanden und es liege keine Gehörsverletzung vor. Der Tazkira 

komme lediglich ein verminderter Beweiswert zu. Für eine wie vom Be-

schwerdeführer beantragte Auslegung des Altersgutachtens durch die 

SGRM bestehe kein Anlass. Indem er die Auswertung des Gutachtens 

durch das SEM anzweifle, zweifle er auch die ständige Rechtsprechung 

des Bundesverwaltungsgerichts an. Im Weiteren sei es realitätsfremd, 

dass er über Englischkenntnisse verfüge, gleichzeitig aber Analphabet sei. 

Ausserdem habe er den BAZ-Akten zufolge erklärt, es sei ein Dari-spre-

chender Dolmetscher vor Ort gewesen, weshalb es zu Missverständnissen 

E-703/2023 / E-716/2023  

Seite 13 

hinsichtlich des Ziellandes Frankreich gekommen sei; dies treffe jedoch 

nicht zu, da Englisch als Sprache vermerkt worden sei. Es sei im Übrigen 

immer noch nicht ersichtlich, weshalb er, obwohl er eingesperrt gewesen 

sein solle, dennoch das Haus habe verlassen und auf den eigenen Feldern 

arbeiten können. Es könne zudem angenommen werden, dass Frankreich 

von der Ablehnung Österreichs Kenntnis genommen und die Angaben in 

Österreich überprüft worden seien und Frankreich auch deshalb von der 

Volljährigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen sei, weil er dort ein 

Jahr lang im Asylverfahren gewesen sei. Da die geltend gemachte Minder-

jährigkeit nicht glaubhaft sei, sei das bereits im ZEMIS festgehaltene Ge-

burtsdatum wahrscheinlicher als das vom Beschwerdeführer behauptete.  

6.4 In der Replik wurde hinsichtlich der vom SEM zitierten Protokollstelle 

zur schlechten Lesbarkeit der Tazkira eingewandt, weder der Beschwerde-

führer noch die anwesende Rechtsvertretung seien gehalten gewesen, zu 

solch impliziten und hypothetischen Einwänden Stellung zu nehmen. Der 

Beschwerdeführer sei erst mit dem Entscheid des SEM über die Manipu-

lationsvorwürfe der Tazkira informiert worden. Gemäss der Argumentation 

des SEM in der Vernehmlassung gehe dieses einerseits von der Echtheit 

der Tazkira aus, andererseits äussere es sich diesbezüglich widersprüch-

lich. Gemäss der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts müsse geschlos-

sen werden, dass das Ergebnis eines Altersgutachtens, bei dem das mitt-

lere Mindestalter unter 18 Jahren liege, sehr wohl Rückschlüsse auf das 

Alter des Beschwerdeführers zulasse. Die Vorinstanz dürfe nicht ohne 

überzeugende Gründe vom Ergebnis des Altersgutachtens abweichen. Im 

Zweifelsfall sei laut dem Methodendokument der SGRM von der Minder-

jährigkeit auszugehen. Im schweizerischen Asylverfahren gelte der Grund-

satz "in dubio pro minore". Im Weiteren wurde argumentiert, entgegen der 

Darlegung der Vorinstanz gehe aus der von ihr zitierten Protokollstelle nicht 

hervor, dass der Beschwerdeführer in Paschtu schreiben könne. Rudimen-

täre Englischkenntnisse würden sodann nicht dagegensprechen, dass sein 

Bildungsniveau tief sei. Dem vermeintlichen Widerspruch zum vom SEM 

aufgeführten Zeitpunkt des Schulbeginns liege sodann ein Sachverhaltsirr-

tum zu Grunde, da das SEM die entsprechenden Protokollstellen falsch 

interpretiert habe. 

7.  

7.1 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer am 11. August 

2021 in Frankreich um Asyl ersucht hat und Frankreich einem Wiederauf-

nahmeersuchen des SEM zugestimmt hat. Damit wäre grundsätzlich 

E-703/2023 / E-716/2023  

Seite 14 

Frankreich zur Prüfung des Asylgesuchs des Beschwerdeführers zustän-

dig.  

7.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er zum Zeitpunkt der Asyl-

gesuchstellung in der Schweiz als unbegleitete minderjährige Person im 

Sinne von Art. 2 Bst. i Dublin-III-VO und Art. 1a Bst. d AsylV1 gegolten 

habe, weshalb die Schweiz vorrangig zur Prüfung seines Asylgesuches zu-

ständig sei. 

7.3  

7.3.1 Bei der Beurteilung der Frage, ob das angegebene Alter einer asyl-

suchenden Person glaubhaft erscheint, ist im Rahmen einer Gesamtwür-

digung eine Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte, welche für oder gegen 

die Richtigkeit der betreffenden Altersangaben sprechen, vorzunehmen. 

Dabei gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Die gesuchstellende 

Person hat die geltend gemachte Minderjährigkeit dabei zumindest glaub-

haft zu machen, sie trägt grundsätzlich die Beweislast (vgl. BVGE 2021 

VI/3 E. 5.2. m.w.H.) Gelingt ihr die Glaubhaftmachung der Minderjährigkeit 

nicht, so hat sie die Folgen zu tragen und wird als volljährig erachtet (vgl. 

(BVGE 2019 I/6 E. 5.4).  

7.3.2 Für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Angaben wird auf allfällige 

vorhandene Ausweisepapiere und die Aussagen zur Person – wie etwa die 

Angaben zum schulischen Lebenslauf und zum familiären Umfeld – abge-

stellt. Fehlen rechtsgenügliche Identitätsausweise oder bestehen Hin-

weise, dass die angeblich minderjährige Person das Mündigkeitsalter be-

reits erreicht hat, so kann gestützt auf Art. 17 Abs. 3bis AsylG i.V.m. Art. 7 

Abs. 1 Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) im 

Rahmen der Feststellung des Sachverhalts mit Unterstützung wissen-

schaftlicher Methoden abgeklärt werden, ob die Altersangabe der asylsu-

chenden Person dem tatsächlichen Alter entspricht (vgl. BVGE 2019/6 

E. 5.5 m.w.H.).  

7.3.3 Gemäss der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts stellen solche medizinische Altersabklärungen – je nach Ergebnis – 

unterschiedlich zu gewichtende Indizien für das Vorliegen der Minder- res-

pektive Volljährigkeit einer Person dar (vgl. BVGE 2019/6 E. 5.6 m.H. auf 

2018 VI/3 E. 4.2). Liegen eindeutige Ergebnisse der in der Schweiz ange-

wandten Methoden zur medizinischen Altersbestimmung vor, bleibt nur we-

nig Raum für die Beweiswürdigung. Resultate von medizinischen Alters-

gutachten, die etwa ein sehr starkes Indiz für die Volljährigkeit einer Person 

E-703/2023 / E-716/2023  

Seite 15 

darstellen, können durch die Vorlage von Unterlagen mit reduziertem Be-

weiswert – wie beispielsweise einer Tazkira – nicht in Frage gestellt werden 

(vgl. BVGE 2019/6 E. 6.1 f., E. 6.3-6.5). 

7.3.4 Nach der Rechtsprechung überprüft das Gericht ärztliche Berichte 

und Gutachten mit Blick auf ihren Beweiswert dahingehend, ob sie als 

schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet, lückenfrei sowie in sich 

widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen die Zuverlässigkeit der be-

gutachtenden Person bestehen (vgl. Urteil des BVGer E-1036/2023 vom 

2. März 2023 E. 5.3 m.H. auf BGE 125 V 351 E. 3b/aa; ANJA MARTINA BIN-

DER, Expertenwissen und Verfahrensgarantien, 2016, S. 69 ff., S. 199 ff., 

insb. S. 200 m.w.H.).  

7.4  

7.4.1 Das vorliegende Gutachten des IRM B._______ wurde durch Exper-

ten und Expertinnen der Rechtsmedizin verfasst und erweist sich nach Auf-

fassung des Gerichts als schlüssig und widerspruchsfrei.  

7.4.2 Das Gutachten stützt sich auf das aktuelle Methodendokument der 

Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin (vgl. Schweizerische Ge-

sellschaft für Rechtsmedizin [SGRM], Sektion Medizin, Arbeitsgruppe Qua-

litätsmanagement in der Forensischen Medizin, Forensische Altersdiag-

nostik, Methodendokument Version 02, Ausgabe Juni 2022 

[https://sgrm.ch/inhalte/Forensische-Medizin/AG_QM_FAD_MD_V02_08-

06-2022.pdf], abgerufen am 18. Oktober 2023).  

7.4.3 Gemäss diesem Methodendokument ist im Asylverfahren das Min-

destalterprinzip anzuwenden, da Berechnungen von Mittelwerten ange-

sichts der aktuellen Datenlage die Anforderungen an den geforderten Be-

weismassstab nicht erfüllen können, wobei bei Anwendung mehrerer Säu-

len das höchste Mindestalter anzugeben ist (vgl. SGRM, Forensische Al-

tersdiagnostik, 2022, S. 4 ff.). Diesem Prinzip folgend wurde beim Be-

schwerdeführer bei der Hand ein Mindestalter von 16.1 Jahren (und ein 

mittleres Alter von 18 Jahren) ermittelt. Da das Skelettwachstum der Hand 

als abgeschlossen bezeichnet wurde, wurde zudem eine computertomo-

graphische Untersuchung der medialen Clavicula-epiphysen durchgeführt 

und zusätzlich eine Untersuchung der Zähne vorgenommen (vgl. SGRM, 

Forensische Altersdiagnostik, 2022, S. 3 und 10; BVGE 2018 VI/3 

E. 4.2.1). Die Wachstumsfugen der beiden inneren Schlüsselbeine waren 

gemäss dem Gutachten maximal 1/3 der Schaftbreite knöchern durchbaut 

und wiesen beidseits ein Stadium 3a nach Kellinghaus und Schmeling auf, 

E-703/2023 / E-716/2023  

Seite 16 

wobei dieses Stadium nach Wittschieber einem Mindestalter von 16.4 Jah-

ren (und einem Durchschnittsalter von 19 Jahren) entspricht. Bei den Weis-

heitszähnen wurde sowohl ein Mineralisationsstadium F als auch ein Sta-

dium E nach Demirjan festgestellt. Auch wurde festgehalten, dass das Wur-

zelwachstum an einem Weisheitszahn begonnen habe und an zwei ande-

ren Weisheitszähnen fortgeschritten sei. Bei den Zähnen wurde auf ein 

Durchschnittsalter des Beschwerdeführers nach Olze von 16 bis 17 Jahren 

geschlossen. Für das höchste festgestellte Mineralisationsstadium F 

konnte nach Knell kein Mindestalter angegeben werden. Entwicklungsstö-

rungen wurden beim Beschwerdeführer im Übrigen keine festgestellt (vgl. 

SEM Akte A29 S. 3 ff.). Damit fällt zwar – wie vom SEM zu Recht erkannt 

– auf, dass bei den Weisheitszähnen kein Mindestalter angegeben wird. 

Die Ursache dafür liegt allerdings gemäss dem Gutachten darin begründet, 

dass für das Stadium F in der Literatur kein höchstes Mindestalter angege-

ben wird. Die Gutachtenden konnten aufgrund der verschiedenartig fest-

gestellten Stadien F und G (begonnenes und fortgeschrittenes Wurzel-

wachstum) demnach das höchste Mindestalter nicht benennen, sondern 

hierzu lediglich ein Durchschnittsalter angeben, welches bei 16 bis 17 Jah-

ren liege, mithin im Bereich der Minderjährigkeit.  

7.4.4 Der höchste in den Säulen festgestellte Mindestwert betrug damit 

16.4 Jahre, wobei sich dieser auf das Ergebnis der Schlüsselbeinanalyse, 

das beidseitig ein Stadium 3a ergab, stützt. Dieser Mindestwert erscheint     

massgeblich und ist nicht in Frage zu stellen, zumal gemäss dem erwähn-

ten Methodendokument zumindest bei der Frage nach der Volljährigkeit die 

mediale Schlüsselbeinepiphyse als einzige Säule die Voraussetzung für 

eine Altersschätzung „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ er-

füllt, wobei für die Bejahung der Volljährigkeit mindestens ein Stadium 3c 

nach Kellinghaus erforderlich ist (vgl. SGRM, Forensische Altersdiagnostik, 

2022, S. 7). Da beim Beschwerdeführer dieses Stadium nicht erfüllt war, 

sondern lediglich ein Stadium 3a und damit verbunden ein Mindestalter von 

16.4 Jahren erkannt wurde, spricht dies für seine Minderjährigkeit im Un-

tersuchungszeitpunkt.  

7.4.5 Die Begutachtenden kamen in ihrer Beurteilung denn auch zum 

Schluss, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Untersuchung ein 

Mindestalter von 16.4 Jahren aufwies und sich ein durchschnittliches Le-

bensalter von 16 bis 19 Jahren ergebe. Das von ihm angegebene Geburts-

datum (chronologisches Lebensalter von […] Jahren und […] Monaten) 

könne gemäss der aktuellen wissenschaftlichen Studienlage somit zutref-

fen (vgl. a.a.O. S. 5).  

E-703/2023 / E-716/2023  

Seite 17 

7.5  

7.5.1 Dieser Feststellung stehen auch die Aussagen des Beschwerdefüh-

rers zu seiner persönlichen Situation und seinem Geburtsdatum nicht ent-

gegen.  

7.5.2 Die Aussagen des Beschwerdeführers zu seinem Alter erweisen sich 

zwar nicht in allen Punkten als stimmig, indes sind die diesbezüglichen, 

wesentlichen Vorbringen bei einer Gesamtbetrachtung als überwiegend 

glaubhaft zu erachten: Der Beschwerdeführer wurde in Frankreich mit ei-

nem anderen Geburtsjahr registriert als in der Schweiz. Seine Erklärung, 

er habe sich dort als (…)-Jähriger registrieren lassen, da ihm ein Junge 

erklärt habe, unter (…) Jahren sei man noch minderjährig, scheint auf den 

ersten Blick nicht gerade überzeugend. Hingegen verfängt seine Aussage, 

er habe das Personalienblatt in Frankreich durch jemanden ausfüllen las-

sen, da er selber nicht (respektive nur ein wenig) lesen und schreiben 

könne (vgl. SEM Akte A14 Ziff. 1.17.04). Fakt ist nämlich, dass er das Per-

sonalienblatt in der Schweiz ebenfalls nicht selbstständig ausgefüllt hat 

(vgl. SEM Akte A1 S. 1). Dies wiederum spricht dafür, dass er nur wenig 

lesen und schreiben kann und wie in der Beschwerde betont wird, nur we-

nig gebildet ist. Seine mündlichen Englischkenntnisse lassen jedenfalls – 

entgegen der dahingehenden Ansicht des SEM – nicht auf Gegenteiliges 

schliessen.  

7.5.3 In Österreich wurde er mit demselben Geburtsjahr (…) registriert wie 

er dieses in der Schweiz geltend machte. Österreich lehnte sowohl das 

Wiederaufnahmeersuchen Frankreichs als auch jenes der Schweiz mit der 

Begründung ab, dass es sich beim Beschwerdeführer um einen UMA 

handle (vgl. SEM Akte A25 S. 1 f., A26 S. 1), was ebenfalls für die geltend 

gemachte Minderjährigkeit spricht. Aus dem Umstand allein, dass Öster-

reich ein Altersgutachten initiiert hatte und der Beschwerdeführer kurze 

Zeit nach seiner Asylgesuchstellung untertauchte (vgl. SEM Akte A 26 S.1), 

lässt sich nicht schliessen, dass der Grund für sein Verschwinden in Öster-

reich die dort bevorstehende Altersschätzung gewesen ist, wie dies das 

SEM vermutet. Festzustellen ist sodann, dass er sich in der Schweiz der 

medizinischen Altersschätzung nicht verweigert, sondern sich dieser ohne 

Weiteres unterzogen hat.  

7.5.4 Der Beschwerdeführer hat im schweizerischen Asylverfahren sein 

Geburtsjahr stets mit dem Jahr (…) bezeichnet. Dies lässt sich auch seinen 

wesentlichen Aussagen zum Alter entnehmen (vgl. SEM Akte A1, S.1; A14 

Ziffer 1.06). Den genauen Tag und Monat vermochte er zwar nicht 

E-703/2023 / E-716/2023  

Seite 18 

anzugeben, was aber darin begründet sein mag, dass das Alter in Afgha-

nistan – wie er darlegt – keine grosse Rolle spielt und er nie gross danach 

gefragt worden sei (vgl. SEM Akte A14 Ziff. 1.06). Diese Erklärung er-

scheint auch im länderspezifischen Kontext möglich, da in Afghanistan feh-

lendes Wissen zum Alter nicht unüblich ist. Sein Vorbringen, dass er sich 

nach seiner Ankunft bei seiner Mutter nach seinem Alter erkundigte, mag 

zwar angesichts seiner weiteren Angabe, dass er sein Geburtsjahr von der 

Tazkira kenne, erstaunen. Er vermochte indes anzugeben, dass er bei de-

ren Ausstellung (…) Jahre alt war. Gemäss gregorianischem Kalender 

ergibt sich für das auf der Tazkira aufgeführte Ausstellungsjahr (…) eine 

Zeitspanne zwischen (…) bis (…). Wäre er bei Ausstellung der Tazkira (…) 

Jahre alt gewesen, so wäre er zwischen (…) und (…) geboren, was sich 

mit dem von ihm genannten Geburtsjahr (…) vereinbaren lässt. Dem SEM 

kann daher nicht gefolgt werden, wenn es die Angabe des Beschwerdefüh-

rers, er sei im Jahr (…) geboren, seine Tazkira sei jedoch im Jahr (…), als 

er (…) gewesen sei, als vage erachtet.  

7.5.5 Der Vorwurf der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe es unterlas-

sen zu begründen, weshalb er vor dem (…) Lebensjahr nicht zur Schule 

gegangen sei, erscheint im Gesamtkontext nicht gerechtfertigt, zumal er 

unter anderem geltend machte, er habe auf den eigenen Feldern gearbei-

tet (vgl. SEM Akte A14 Ziffern 1.17.05 und 4.03), was im länderspezifischen 

Kontext ebenfalls möglich erscheint.  

7.5.6 Die vom SEM als vage bezeichneten Angaben zum Schulabbruch 

und zum Ausreisezeitpunkt, lassen im Gesamtkontext ebenfalls nicht auf 

die Unglaubhaftigkeit seiner Angaben schliessen, zumal es sich um unge-

fähre Angaben handelte, indem er zum Schulabbruch zunächst erklärte: 

"Ich war vielleicht (…) und (…), (…) Monate alt" (vgl. SEM Akte 14 Ziffer 

1.17.04). Zudem gab er zum Ausreiszeitpunkt an der EB UMA vom 11. No-

vember 2022 zugleich an, er sei ungefähr vor zweieinhalb, drei Jahren aus-

gereist (vgl. a.a.O. Ziffer 5.01). Damit wäre er ungefähr im Jahr 2019 aus-

gereist. Diese Angaben lassen sich mit der von ihm behaupteten Minder-

jährigkeit im Zeitpunkt der Asylgesuchstellung vom 9. Oktober 2022 res-

pektive mit dem von ihm genanntem Geburtsjahr (…) vereinbaren. 

7.6  

7.6.1 Was schliesslich die Tazkira anbelangt, lässt sich vorab festhalten, 

dass diese nicht als fälschungssicher gilt und ihr deshalb gemäss geltender 

Rechtsprechung nur ein reduzierter Beweiswert zukommt, da selbst bei 

Vorliegen des Originals die Möglichkeit besteht, dass die darin enthaltenen 

E-703/2023 / E-716/2023  

Seite 19 

zeitlichen Angaben über das Geburtsdatum nicht dem wirklichen Alter ent-

sprechen (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.2, 2013/30 E. 4.2.2). Mithin handelt es 

sich nicht um ein rechtsgenügliches Identitätsdokument.   

7.6.2 Den Akten lässt sich entnehmen, dass die vom Beschwerdeführer im 

Original eingereichte Tazkira durch das SEM geprüft und mangels Sicher-

heitsmerkmalen erkannt wurde, dass deren Echtheit nicht überprüfbar sei 

(vgl. SEM Akte A47). Dies spricht allerdings nicht dagegen, dass das Do-

kument nicht echt sein könnte, da somit sowohl deren Echtheit als auch 

deren Fälschung möglich wäre.  

7.6.3 Es trifft im Weiteren zwar zu, dass das Ausstellungsdatum nicht gut 

leserlich erscheint, weshalb auch nicht auszuschliessen wäre, dass allen-

falls an dieser Stelle manipuliert worden wäre (vgl. SEM Akte A13). Nichts-

destotrotz wurde aber bei der Ausweisprüfung nicht etwa von einer erkenn-

baren Manipulation gesprochen und bei deren Übersetzung zudem das 

Ausstellungsdatum mit dem Jahr (…) oder (…) bezeichnet (vgl. SEM Akte 

A47). Ihr kann daher nicht jeglicher Beweiswert abgesprochen werden, zu-

mal sich die darin enthaltenen Angaben mit den Altersangaben des Be-

schwerdeführers vereinbaren lassen.  

7.7 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist festzustellen, dass die In-

dizien, welche für die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers sprechen, 

insgesamt überwiegen. Das Gericht kommt daher in gesamthafter Würdi-

gung und entgegen der Vorinstanz zum Schluss, dass es dem Beschwer-

deführer gelungen ist, seine Minderjährigkeit glaubhaft im Sinn von Art. 7 

AsylG zu machen.  

7.8 Nach dem Gesagten ist von der Minderjährigkeit des Beschwerdefüh-

rers auszugehen, mit der Folge, dass die Schweiz für die Durchführung 

des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO 

zuständig ist. Die Beschwerde ist somit diesbezüglich gutzuheissen, die 

angefochtene Verfügung ist in den Dispositivziffern 1-4 aufzuheben und die 

Vorinstanz ist anzuweisen, auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers 

einzutreten.   

8.  

8.1 Was den Antrag auf Aufhebung der Dispositivziffer 6 anbelangt, ist ge-

mäss den vorstehenden Ausführungen weder die Richtigkeit des aktuell im 

ZEMIS eingetragenen (…) noch diejenige des vom Beschwerdeführer an-

gegebenen Geburtsdatums (…) bewiesen. Es ist jedoch festzustellen, 

E-703/2023 / E-716/2023  

Seite 20 

dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Minderjährigkeit und 

das von ihm angegebene Geburtsdatum (…) gemäss dem Ergebnis des 

Gutachtens möglich und demnach eher wahrscheinlich erscheint als die 

von der Vorinstanz angenommene Volljährigkeit des Beschwerdeführers 

und das auf dieser Annahme eingetragene fiktive Geburtsdatum.  

8.2 Die Beschwerde ist auch diesbezüglich gutzuheissen und die Disposi-

tivziffer 6 der angefochtenen Verfügung ist aufzuheben. Das SEM ist anzu-

weisen, das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im ZEMIS vom (…) auf 

den (…) zu ändern. 

9.  

Angesichts dieses Verfahrensausgangs erübrigt sich eine Auseinanderset-

zung mit den formellen Rügen sowie den weiteren Beschwerdevorbringen. 

10.   

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).  

10.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist für das Asylverfahren keine 

Parteientschädigung auszurichten, da es sich vorliegend um eine zugewie-

sene unentgeltliche Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG han-

delt, deren Leistungen vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG ent-

schädigt werden (vgl. auch Art. 111ater AsylG).  

10.3 Angesichts seines Obsiegens wäre dem Beschwerdeführer in Anwen-

dung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm im ZEMIS-

Verfahren notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Da 

diesbezüglich kein wesentlicher Aufwand entstanden ist, ist dem Be-

schwerdeführer keine Parteientschädigung zuzusprechen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-703/2023 / E-716/2023  

Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen.  

2.  

Die Verfügung des SEM vom 27. Januar 2023 wird aufgehoben. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, sich für das Asylverfahren des Beschwerde-

führers für zuständig zu erklären und das nationale Asylverfahren durchzu-

führen.   

4.  

Das SEM wird angewiesen, im ZEMIS als Geburtsdatum den (…) einzu-

tragen. 

5.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

6.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

7.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM, die kantonale Mig-

rationsbehörde und das Generalsekretariat des Eidgenössischen Justiz- 

und Polizeidepartements (EJPD). 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Claudia Jorns Morgenegg 

 

  

E-703/2023 / E-716/2023  

Seite 22 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen Ziffer 4 dieses Entscheids kann innert 30 Tagen nach Eröffnung 

beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtli-

chen Angelegenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die 

Frist ist gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist 

beim Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizeri-

schen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsulari-

schen Vertretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechts-

schrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. 

Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind beizulegen, soweit 

sie der Beschwerdeführer in Händen hat (Art. 42 BGG). 

 

Versand: