# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3ad34252-0229-555c-a045-c41efc6699cd
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-01-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.01.2019 D-1181/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1181-2017_2019-01-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1181/2017 

law/fes 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  J a n u a r  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Roswitha Petry, Richter Daniele Cattaneo,    

Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Monika Böckle,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 23. Januar 2017 / N (…). 

 

 

 

D-1181/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger und ethnischer 

Hazara aus B._______ (Distrikt C._______, Provinz Bayran) mit letztem 

Wohnort in Kabul, verliess Afghanistan eigenen Angaben zufolge im Feb-

ruar/März 2016 und begab sich nach Pakistan, von wo er via den Iran, die 

Türkei, Griechenland und Italien am 14. Mai 2016 in die Schweiz einreiste 

und gleichentags bei der Grenzbehörde um Asyl nachsuchte. 

B.  

Am 25. Mai 2016 erhob das SEM die Personalien des Beschwerdeführers 

und befragte ihn zum Reiseweg und summarisch zu den Gründen für das 

Verlassen des Heimatlandes. Am 10. Januar 2017 hörte ihn die Vorinstanz 

einlässlich zu den Asylgründen an. 

Der Beschwerdeführer führte zur Begründung seines Asylgesuches im We-

sentlichen aus, als er die fünfte Klasse besucht habe, sei seine Familie 

wegen eines Landstreites in seinem Heimatdorf nach Kabul gezogen. Im 

Jahr 2010 habe er seine Berufsausbildung als (...) abgeschlossen. Danach 

habe er bis Ende 2012 als (...) für die Unternehmen D._______ in der Pro-

vinz Kapisa und E._______ in der Provinz Kandahar gearbeitet. Diese Un-

ternehmen hätten im Auftrag der International Security Assistance Force 

(ISAF, Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe) gearbeitet. Wäh-

rend seiner Arbeit für das Unternehmen D._______ im Jahr 2012 sei er von 

den Taliban telefonisch bedroht worden. Er habe deswegen seine Arbeits-

stelle gekündigt. Danach habe er für das Unternehmen F._______ in der 

Provinz Paktya gearbeitet. Zwecks Beendigung eines Projekts bei seinem 

ehemaligen Arbeitgeber D._______, sei er am 22. Dezember 2014 in der 

Provinz Kapisa unterwegs gewesen. Dort seien er, sein Chef und weitere 

Mitarbeiter am Nachmittag um 16 Uhr von den Taliban angehalten worden. 

Sie seien zu einem Haus gebracht und dort mehrere Stunden festgehalten 

worden. Die Taliban hätten ihm und seinem Chef einen Drohbrief ausge-

händigt, in welchem verkündet worden sei, dass sie zum Tode verurteilt 

seien. Sein Chef habe daraufhin mit den Taliban verhandelt, ansonsten wä-

ren sie geköpft worden. Nach Bezahlung eines Lösegeldes von mehreren 

zehntausend Euros seien sie sodann am gleichen Abend freigekommen. 

Er habe danach für G._______ in der Provinz Paktya gearbeitet. Dieses 

Unternehmen liege jedoch im (…), weshalb er sich dort relativ sicher ge-

fühlt habe. Dieser Arbeitgeber sei ebenfalls von den Taliban bedroht wor-

den und habe Schutzgeld bezahlen müssen. Ende des Jahres 2015 sei die 

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Seite 3 

Person, die ihnen Baumaterial geliefert habe, mit dem Fahrer von den Ta-

liban festgenommen worden. Er wisse nicht, ob der Arbeitgeber die Taliban 

nicht bezahlt habe oder ob es einen Konflikt zwischen ihnen gegeben habe. 

Er habe aber Angst bekommen, dass auch ihm etwas passieren werde, 

und deshalb die Arbeit gekündigt. Er sei nach Kabul zurückgekehrt. Als ein 

ehemaliger Mitarbeiter von D._______ von den Taliban in Kabul in einem 

sicheren Quartier getötet worden sei, habe er Angst bekommen, dass ihm 

aufgrund des Drohbriefs, seiner Arbeitstätigkeiten und weil er auf der 

schwarzen Liste der Taliban stehe, dasselbe passiere, und sich zur Aus-

reise entschieden. Zudem habe er als Hazara und Schiit keine Sicherheit 

in Afghanistan gehabt und sei während seiner Schulzeit diskriminiert wor-

den. Im Februar oder März 2016 sei er aus Afghanistan ausgereist. Nach 

der Erstbefragung habe er erfahren, dass sein Vater am 16. September 

2016 getötet worden und seine gesamte Verwandtschaft Anfang November 

2016 aus Afghanistan ausgereist sei. Er wisse bis auf zwei Cousins in 

Deutschland nicht, wo sich die Familienangehörigen aufhalten würden. 

Der Beschwerdeführer reichte eine Kopie seiner Tazkara, sein Berufsab-

schlussdiplom, seine Arbeitszeugnisse der Firmen D._______ und 

E._______, den Drohbrief der Taliban vom 22. Dezember 2014, die Todes-

anzeige seines Vaters vom 16. September 2016, Kopien der Tazkara sei-

nes Vaters und seines Bruders H._______, den Arbeitsvertrag seines Bru-

ders H._______ und den Sendeumschlag ein. 

C.  

Mit tags darauf eröffneter Verfügung vom 23. Januar 2017 stellte das SEM 

fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte 

sein Asylgesuch vom 14. Mai 2016 ab, verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete deren Vollzug an. 

D.  

Mit Eingabe vom 23. Februar 2017 liess der Beschwerdeführer handelnd 

durch seine Rechtsvertreterin gegen diesen Entscheid beim Bundesver-

waltungsgericht Beschwerde erheben und beantragen, es sei die ange-

fochtene Verfügung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft festzustellen 

und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft fest-

zustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die 

Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustellen und der Beschwerdeführer 

vorläufig aufzunehmen. Allenfalls sei die Sache zur Neubeurteilung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht liess er zu-

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Seite 4 

dem beantragen, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu ver-

zichten und ihm die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeistän-

dung zu gewähren. 

Mit der Beschwerde reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorgebestäti-

gung vom 22. Februar 2017, zwei Schnellrecherchen und ein Update der 

Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) zu Afghanistan, mehrere Fotos der 

Familienangehörigen, ein Vergleichsbild des Friedhofs in I._______, 

J._______ (Pakistan) aus dem Internet und eine Kostennote ein. 

E.  

Mit Verfügung vom 12. April 2017 stellte der zuständige Instruktionsrichter 

des Bundesverwaltungsgerichts fest, der Beschwerdeführer könne den 

Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten und hiess die Gesuche 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeistän-

dung gut, verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und ord-

nete dem Beschwerdeführer Frau lic. iur. Monika Böckle, St. Gallen als 

Rechtsbeiständin bei. Gleichzeitig gab er dem SEM Gelegenheit, eine Ver-

nehmlassung zur Beschwerdeeingabe einzureichen. 

F.  

In seiner Vernehmlassung vom 20. April 2017 hielt das SEM vollumfänglich 

an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-

schwerde. 

G.  

Am 9. Mai 2017 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlassung Stellung 

und reichte eine Kostennote ein. 

H.  

Mit Eingabe vom 14. Juni 2017 reichte der Beschwerdeführer eine Kopie 

eines Fotos betreffend einen Arztbericht seiner Mutter von einem Arzt in 

I._______ und vier Kopien von Fotos seiner Familienangehörigen ein. Am 

10. Juli 2017 reichte er die Originale der vier Fotos der Familienangehöri-

gen datiert vom 7. Mai 2017 nach mit dem Umschlag des Fotoentwick-

lungsbüros und dem DHL-Sendeumschlag. 

I.  

Mit Eingabe vom 15. November 2018 reichte der Beschwerdeführer wei-

tere Fotos der Familienangehörigen sowie eine Kopie des Mietvertrags der 

Wohnung der Familie inklusive eine englische Übersetzung und einen Aus-

zug aus Google-Maps des (…) Spitals in J._______ ein. 

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Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31], Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. 

Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

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Seite 6 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM lehnte das Asylgesuch mit der Begründung ab, die Vorbrin-

gen des Beschwerdeführers seien einerseits nicht glaubhaft und würden 

andererseits der Asylrelevanz entbehren. 

Im Einzelnen führte es aus, der Beschwerdeführer habe betreffend der 

Festhaltung durch die Taliban am 22. Dezember 2014 und der Erhaltung 

des Drohbriefs unterschiedliche Angaben gemacht. Anlässlich der Erstbe-

fragung habe er erklärt, dass er mit dem Chef von D._______ sowie zwei 

Mitarbeitern festgehalten worden sei. In der Anhörung habe er gesagt, 

dass er, sein Chef und drei weitere Mitarbeiter davon betroffen gewesen 

seien. Auf Vorhalt hin habe er erklärt, er sei an der Erstbefragung falsch 

verstanden worden. Weiter habe er an der Erstbefragung erzählt, dass ein 

Lösegeld in der Höhe von 20‘000 Euro bezahlt worden sei. Anlässlich der 

Anhörung habe er demgegenüber erklärt, das Lösegeld habe 40‘000 Euro, 

je 20‘000 Euro für ihn und seinen Vorgesetzten betragen. Auf Vorhalt habe 

er wiederum gemeint, er sei an der Erstbefragung missverstanden worden. 

Danach habe er an der Erstbefragung angegeben, er sei nach 16 Uhr für 

acht bis neun Stunden festgehalten worden. In der Anhörung habe er er-

klärt, er sei von 16 bis 20 Uhr festgehalten worden und somit lediglich vier 

Stunden in Gefangenschaft gewesen. Auf Vorhalt habe er einerseits geant-

wortet, dass er schlecht auf die Erstbefragung vorbereitet gewesen sei und 

andererseits, dass er die Zeitangaben nur ungefähr geschätzt habe. Da 

ihm das Protokoll der Erstbefragung rückübersetzt worden sei und er mit 

seiner Unterschrift die Richtigkeit der Angaben bestätigt habe, könne aus-

geschlossen werden, dass es in dieser Häufung zu Missverständnissen 

gekommen sei. Seine Erklärung der widersprüchlichen und unpräzisen An-

gaben vermöchten daher nicht zu überzeugen. Schliesslich müsse erwar-

tet werden, dass er über diese Ausnahmesituation präzise und spontan be-

richten könne, wenn er diese tatsächlich erlebt habe. Aufgrund der wider-

sprüchlichen und unpräzisen Angaben könne ihm letztlich nicht geglaubt 

werden, dass er von den Taliban entführt worden sei und einen Drohbrief 

erhalten habe. Der von ihm eingereichte Drohbrief der Taliban vermöge an 

dieser Einschätzung nichts zu ändern, da dieser mangels Sicherheitsmerk-

malen nicht auf seine Echtheit und Authentizität überprüft werden könne 

und somit leicht fälschbar sei oder käuflich erworben werden könne. Be-

züglich der telefonischen Drohung gelte festzuhalten, dass diese nach der 

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Kündigung 2012 und seinem Stellenwechsel aufgehört hätten. Er sei da-

nach – abgesehen von der unglaubhaften Gefangennahme – bis zu seiner 

Ausreise im Februar oder März 2016 nie mehr direkt und persönlich von 

den Taliban bedroht worden. Die Schutzgelderpressungen seiner Arbeitge-

ber hätten nicht ihn persönlich betroffen. Somit sei er während dreier Jahre 

vor seiner Ausreise nicht mehr von den Taliban behelligt worden. Er habe 

auf explizite Nachfrage hin auch keine konkreten Hinweise auf eine Verfol-

gung seiner Person zum Zeitpunkt der Ausreise zu geben vermocht und 

habe auf den Tod eines ehemaligen Mitarbeiters von D._______ verwie-

sen, der Ende 2015 zuhause in Kabul getötet worden sei. Konkrete Hin-

weise, dass die Taliban zum Zeitpunkt seiner Ausreise ein persönliches In-

teresse an ihm gehabt hätten, würden somit fehlen. Eine Verbindung seiner 

geltend gemachten Bedrohungslage mit dem Tod seines Vaters lasse sich 

sodann auch nicht herstellen. Wäre sein Vater aufgrund der Probleme des 

Beschwerdeführers mit den Taliban getötet worden, so müsse angenom-

men werden, dass die Taliban ein Interesse daran gehabt hätten, ihn dies 

wissen zu lassen. Er habe jedoch angegeben, den Grund für den Tod sei-

nes Vaters nicht zu kennen. Weiter müsse angenommen werden, dass er 

auch im Falle seiner Rückkehr nach Afghanistan keinen Verfolgungsmass-

nahmen durch die Taliban ausgesetzt wäre. Aufgrund seiner Arbeit als (...) 

für Subunternehmen, die im Auftrag der ISAF oder der Regierung arbeiten 

würden, sei er nicht in bewaffnete Kämpfe involviert oder anderweitig poli-

tisch exponiert gewesen, weshalb er auch nicht über ein erhöhtes Risi-

koprofil verfüge, dass ihn zur Zielscheibe der Taliban machen könnte. 

Schliesslich seien die afghanischen Behörden in Kabul gemäss allgemei-

ner Praxis und Rechtsprechung schutzwillig und –fähig. Da er keine Prob-

leme mit den afghanischen Behörden gehabt habe, sei es ihm zuzumuten, 

bei allfälligen zukünftigen Bedrohungen durch die Taliban, diese um Schutz 

zu ersuchen. Die von ihm erwähnten Drohungen der Taliban würden des-

halb keine Asylrelevanz entfalten. Die von ihm beschriebene allgemeine 

Lage der Hazara sei auf die schlechte Sicherheitssituation in Afghanistan 

zurückzuführen. Es lägen aber keine Anzeichen dafür vor, dass Angehörige 

der Ethnie der Hazara in Afghanistan allein wegen ihrer ethnischen Zuge-

hörigkeit einer gezielten Verfolgung unterlägen. Aufgrund seines jungen Al-

ters sei er nicht in die Landstreitigkeiten seiner Familie involviert gewesen 

und seine Familie habe nach dem Umzug nach Kabul keine Probleme 

mehr gehabt. Es handle sich dabei um lokal oder regional beschränkte Ver-

folgungsmassnahmen, denen sich seine Familie durch einen Wegzug in 

einen anderen Teil seines Heimatlandes habe entziehen können. Er sei 

deshalb nicht auf den Schutz der Schweiz angewiesen. 

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Seite 8 

4.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen geltend gemacht, der Be-

schwerdeführer sei sehr wohl in der Lage gewesen, die Situation der Fest-

nahme präzis zu schildern. So habe er bis in Detail erklärt, wie und wo sie 

von den Taliban genau angehalten worden seien. Auch die darauffolgende 

Festhaltung und die Art und Weise, wie er das Lösegeld habe organisieren 

können, habe er ausführlich beschrieben. Diese detaillierten Schilderun-

gen seien von der Vorinstanz in keiner Weise gewürdigt worden. Die Aus-

sage anlässlich der Erstbefragung, es seien nur zwei Mitarbeiter dabei ge-

wesen, könne sich der Beschwerdeführer nur durch Unachtsamkeit seiner-

seits oder durch ein Verständigungsproblem mit dem Dolmetscher erklä-

ren. Während seiner Anhörung habe er einheitlich erklärt, dass sie insge-

samt fünf Personen gewesen seien. Bezüglich des Lösegelds habe sich 

der Beschwerdeführer nicht widersprochen. Er habe im Rahmen der Erst-

befragung angegeben, sein Chef habe ein Lösegeld von 20‘000 Euro be-

zahlt. Diese Ausgabe habe er bei seiner Anhörung präzisiert, indem er er-

klärt habe, dass er und sein Chef je 20‘000 Euro hätten bezahlen müssen 

und somit insgesamt 40‘000 Euro bezahlt worden seien. Weiter sei es zu 

einer Ungenauigkeit im Rahmen der Erstbefragung bezüglich der Zeit-

dauer gekommen, während welcher der Beschwerdeführer und seine Kol-

legen von den Taliban festgehalten worden seien. Bei der Erstbefragung 

habe er angegeben, es seien ungefähr acht bis neun Stunden gewesen. 

Dies habe er anlässlich der Anhörung korrigiert, bei welcher er angegeben 

habe, es seien vier Stunden gewesen. Die Erklärung, wie es dazu gekom-

men sei, sei nachvollziehbar. Er habe erklärt, dass er die Zeitangaben bei 

der Erstbefragung lediglich geschätzt und deshalb nur ungefähre Angaben 

gemacht habe. Es sei durchaus vorstellbar, dass eine Person auf die 

Schnelle nicht in der Lage sei, präzise Zeitangaben zu machen, zumal in 

einer Stresssituation wie vorliegend nicht von zentraler Bedeutung sei, wie 

lange genau man festgehalten worden sei. Sodann sei es auch nicht ab-

wegig, dass sich der Beschwerdeführer vor seiner Anhörung nochmals ge-

nauer darüber Gedanken gemacht habe und deshalb im Rahmen dersel-

ben konkretere Angaben habe machen können. Von der Vorinstanz sei zu-

dem nicht erkannt worden, dass er den Zeitpunkt der Festnahme, nämlich 

16 Uhr, sowohl bei der Erstbefragung wie auch bei der Anhörung spontan 

und übereinstimmend habe angeben können. Zusammenfassend könne 

festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer die Festnahme und die 

konkreten Drohungen durch die Taliban glaubhaft dargelegt habe. Zudem 

habe der Beschwerdeführer den ihm von den Taliban ausgehändigten 

Drohbrief der Vorinstanz abgegeben, welche diesen ebenfalls nicht gewer-

tet habe. Sie verweise lediglich darauf, dass solche Briefe leicht fälschbar 

seien. Gemäss Schnellrecherche der SFH vom 14. November 2016 seien 

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Seite 9 

Drohbriefe aber eine beliebte und sehr weit verbreitete Taktik der Taliban. 

Gemäss dem Bericht der Immigration and Refugee Board of Canada vom 

10. Februar 2015 seien Drohbriefe der Taliban eine ernstzunehmende An-

gelegenheit. Insbesondere die Ermordung seines Kollegen, welcher in der 

gleichen Situation wie der Beschwerdeführer gewesen sei – ehemalige Tä-

tigkeit für D._______, Erhalt eines Drohbriefes mit Todesdrohung durch die 

Taliban – habe den Beschwerdeführer dazu veranlasst, Afghanistan zu ver-

lassen, da er berechtigterweise um sein eigenes Leben gefürchtet habe. 

Er habe nicht mehr länger mit der ständigen Angst leben können, dass die 

Taliban jederzeit ihre Todesdrohungen umsetzen könnten. Es sei immer 

wieder zu gewaltsamen Übergriffen im beruflichen Umfeld des Beschwer-

deführers gekommen, weshalb er auch seines eigenen Lebens nicht mehr 

sicher gewesen sei. Es sei nicht klar, wer genau hinter dem Mord seines 

Vaters stecke. Seine Familie – mit welcher er mittlerweile in Kontakt habe 

treten können – habe ihm erklärt, dass sie vermute, dass die Taliban dafür 

verantwortlich seien. Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdefüh-

rer aufgrund seiner Arbeitstätigkeit in den Fokus der Taliban gerückt sei 

und diese nicht davor zurückschrecken würden, ihre ausgesprochenen To-

desdrohungen auch durchzusetzen. Die Vorinstanz verweise sodann in ih-

rer Verfügung auf den Schutzwillen und die Schutzfähigkeit der afghani-

schen Behörden in Kabul, ohne dies weiter auszuführen. Aufgrund der ak-

tuellen, sich stetig verschlechternden Sicherheitslage in Afghanistan, 

könne diese Vermutung aber nicht ohne weiteres aufrechterhalten werden. 

Den UNHCR-Richtlinien zur Feststellung des internationalen Schutzbe-

darfs afghanischer Asylsuchender vom 19. April 2016 bezüglich der Fähig-

keit des Staates, Zivilisten vor Menschenrechtsverletzungen zu schützen, 

könne entnommen werden, dass von einem hohen Mass an Korruption, 

von Herausforderungen für die effektive Regierungsgewalt und einem 

Klima der Straflosigkeit als Faktoren berichtet werde, die die Rechtsstaat-

lichkeit schwächen und die Fähigkeit des Staats untergraben würden, 

Schutz vor Menschenrechtsverletzungen zu bieten. Gemäss den UNHCR-

Richtlinien, würden die Taliban über die operativen Kapazitäten verfügen, 

Angriffe in allen Teilen des Landes auszuführen. Vor diesem Hintergrund 

dürfe im Falle des Beschwerdeführers nicht ohne weiteres vom Schutzwille 

und der Schutzfähigkeit der afghanischen Behörden ausgegangen werden. 

Der Beschwerdeführer füge selbst an, dass es für ihn als Hazara zusätzlich 

fraglich sei, inwiefern der Schutzwille der Behörde bestehe. Das SEM ziehe 

nicht in Zweifel, dass der Beschwerdeführer für mehrere Unternehmen ge-

arbeitet habe, welche teilweise im Auftrag der ISAF oder der Regierung 

tätig gewesen seien. Aus dem Bericht des UNHCR gehe hervor, dass Zivi-

listen, welche im Afghanistankonflikt tatsächlich mit der Regierung und der 

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Seite 10 

internationalen Gemeinschaft einschliesslich der internationalen Streit-

kräfte verbunden gewesen seien oder diese unterstützt hätten, von regie-

rungsfeindlichen Gruppen – insbesondere den Taliban – angegriffen und 

bedroht würden. Der Beschwerdeführer falle unter die beschriebene Risi-

kogruppe. Er habe für Unternehmen, welche im Auftrag der ISAF und der 

Regierung tätig gewesen seien, gearbeitet. Er habe deshalb aufgrund sei-

ner Arbeitstätigkeit begründete Furcht vor einer asylrechtlich relevanten 

Verfolgung. Angesichts der unveränderten Sicherheitslage in Afghanistan 

sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vernünftigerweise 

auch künftig Verfolgung zu befürchten habe. Das Verfolgungsrisiko werde 

dadurch erhöht, dass der Beschwerdeführer bereits vor seiner Ausreise in 

Konflikt mit den Taliban geraten sei und diese ihm mittels Drohbrief vorge-

worfen hätten, er sei ein Spion. Es sei davon auszugehen, dass keine funk-

tionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung stehe.  

5.   

5.1 Der Beschwerdeführer machte zur Begründung seines Asylgesuches 

geltend, es habe eine Landstreitigkeit mit seiner Familie gegeben, als er 

noch ein Kind gewesen sei. Zudem sei er im Jahr 2012 von den Taliban 

telefonisch bedroht worden. Den Landstreitigkeiten liegt indessen kein 

asylrechtlich relevantes Motiv zugrunde und die Familie konnte sich allfäl-

ligen ihr daraus erwachsenden Nachteilen durch ihren Wegzug nach Kabul 

entziehen. Auch den telefonischen Drohungen seitens der Taliban konnte 

sich der Beschwerdeführer durch einen Stellenwechsel an einem anderen 

Arbeitsort innerhalb Afghanistans entziehen. Beide Vorbringen stehen im 

Übrigen in keinem zeitlichen Kausalzusammenhang zur erst im Jahr 2016 

erfolgten Ausreise des Beschwerdeführers aus Afghanistan. Sie sind daher 

asylrechtlich nicht relevant. 

5.2  

5.2.1 Weiter machte der Beschwerdeführer geltend, er sei von den Taliban 

am 22. Dezember 2014 festgenommen und gemäss einem Drohbrief zum 

Tode verurteilt worden. Aufgrund eines Lösegeldes sei er freigekommen. 

Sein Name stehe auf einer schwarzen Liste und sobald er den Taliban ein 

weiteres Mal in die Hände falle, würden sie ihn töten. 

5.2.2 Übereinstimmend mit der Einschätzung des SEM ist davon auszuge-

hen, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Festnahme durch 

die Taliban am 22. Dezember 2014 nicht glaubhaft ist. Dabei ist einerseits 

auf die vom SEM festgestellten Widersprüche betreffend die Anzahl der 

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Seite 11 

festgenommenen Personen und die Höhe des Lösegeldbetrags zu verwei-

sen. In der Beschwerde werden die Widersprüche mit Verständigungsprob-

lemen anlässlich der Erstbefragung begründet und geltend gemacht, diese 

seien mit präzisierenden Angaben anlässlich der Anhörung behoben wor-

den. Aus dem Protokoll der Erstbefragung geht jedoch nicht hervor, dass 

es zu Verständigungsproblemen gekommen ist. Die Befragung fand in der 

Muttersprache des Beschwerdeführers statt und er gab an, er verstehe den 

Dolmetscher gut. Das Protokoll wurde ihm sodann rückübersetzt und er 

bestätigte unterschriftlich, dass dieses seinen Aussagen und der Wahrheit 

entspricht (vgl. Akte A7/12 S. 2, 4 und 9). Die Erklärung in der Beschwerde, 

der Beschwerdeführer habe in der Erstbefragung gemeint, sein Chef habe 

20‘000 Euro bezahlen müssen, und er habe anlässlich der Anhörung prä-

zisiert, es seien insgesamt 40‘000 Euro Lösegeld verlangt worden, denn er 

und sein Chef hätten je 20‘000 Euro bezahlen müssen, ist nicht plausibel. 

Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer, wenn er selber 

auch 20‘000 Euro Lösegeld hätte bezahlen müssen, dies anlässlich der 

Erstbefragung so erwähnt hätte und nicht nur vom Lösegeld gesprochen 

hätte, welches vom Chef verlangt worden sei. Was die Zeitdauer der Fest-

haltung durch die Taliban betrifft, machte der Beschwerdeführer nicht un-

wesentlich divergierende Angaben. Der diesbezügliche Erklärungsver-

such, er habe anlässlich der Erstbefragung nur ungefähre Angaben ge-

macht, überzeugt nicht. Seine Beschreibung des Rückwegs von 

K._______ zurück nach Kabul ist zwar ausführlich ausgefallen und deutet 

darauf hin, dass er diese Strecke aus der persönlichen Erfahrung kennt. 

Seine Schilderung der mehrstündigen Festhaltung weckt jedoch nicht den 

Eindruck, dass er diese selber erlebt hat. So weist sie weder Details noch 

Realkennzeichen auf. Der Beschwerdeführer beschreibt weder das Haus 

noch die Räumlichkeiten, wo er angeblich mehrere Stunden festgehalten 

worden sei, und auch die Taliban werden mit keinen charakteristischen Ei-

genschaften beschrieben. Die Schilderung der eigenen Festnahme und 

Festhaltung durch die Taliban fällt seitens des Beschwerdeführers zudem 

ausgesprochen emotionslos aus, dies obschon er gemäss dem ihm von 

den Taliban ausgehändigten Drohbrief zum Tode verurteilt worden sein soll. 

Aufgrund der Widersprüche in zentralen Punkten und der detailarmen und 

ohne Realkennzeichen geschilderte Festnahme durch die Taliban, ist nicht 

davon auszugehen, dass er eine solche tatsächlich selbst erlebt hat.  

5.2.3 An dieser Einschätzung vermag auch der eingereichte Drohbrief 

nichts zu ändern. Es ist von vornherein nicht nachvollziehbar, warum die 

Taliban zeitgleich zur Festnahme noch einen Brief mit dem Todesurteil 

D-1181/2017 

Seite 12 

schreiben und dem Beschwerdeführer aushändigen sollten. Dies wirkt kon-

struiert, weshalb das SEM zu Recht an der Echtheit des Drohbriefes zwei-

felte, den der Beschwerdeführer im Übrigen anlässlich der Erstbefragung 

noch mit keinem Wort erwähnte.  

5.2.4 Nebst der Unglaubhaftigkeit der Festnahme durch die Taliban ist fer-

ner festzustellen, dass nach der angeblichen Freilassung am 22. Dezem-

ber 2014 bis zu seiner Ausreise im Februar/März 2016 keine asylrelevan-

ten Ereignisse, welche sich gegen den Beschwerdeführer gerichtet hätten, 

mehr vorgefallen sind (vgl. Akte A17/21 F48, F54 ff.). Sein letzter Arbeitge-

ber musste zwar den Taliban Schutzgelder bezahlen und – so der Be-

schwerdeführer – es sei auch zu Festnahmen von Mitarbeitern durch die 

Taliban gekommen. Zudem sei ein ehemaliger Arbeitskollege von 

D._______ in Kabul von den Taliban getötet worden. Konkrete Hinweise 

oder Ereignisse, aufgrund derer geschlossen werden müsste, der Be-

schwerdeführer habe im Zeitpunkt seiner Ausreise selbst im Fokus der Ta-

liban gestanden oder sei auf einer schwarzen Liste derselben verzeichnet 

gewesen, liegen jedoch nicht vor. Wäre Letzteres tatsächlich der Fall ge-

wesen, so hätten die Taliban ihn vor seiner Ausreise aufgespürt, zumal sie 

– wie der Beschwerdeführer behauptet – alle Informationen über ihn ge-

habt hätten oder in Erfahrung hätten bringen können (vgl. Akte A17/21 

F84 ff.). 

5.3 Das SEM hat sodann zutreffend festgestellt, dass sich zwischen der 

vom Beschwerdeführer geltend gemachten Bedrohungslage und dem Tod 

seines Vaters kein Zusammenhang herstellen lässt. Es ist nicht davon aus-

zugehen, dass sein Vater aufgrund seiner angeblichen Probleme mit den 

Taliban getötet worden ist, zumal die Taliban ansonsten ein Interesse ge-

habt hätten, dies den Beschwerdeführer wissen zu lassen. Der Beschwer-

deführer gab anlässlich der Anhörung selbst an, er kenne den Grund für 

den Tod seines Vaters nicht (vgl. Akte A17/21 F92 f.). 

5.4 Soweit der Beschwerdeführer vorbrachte, er sei aufgrund seiner Zuge-

hörigkeit zur Ethnie der Hazara während seiner Schulzeit diskriminiert wor-

den, indem er hinten in der Klasse habe sitzen müssen, schlechte Noten 

und keine Bücher bekommen habe, ist festzustellen, dass dies nicht die 

Intensität einer asylrelevanten Gefährdung erreicht. In Bezug auf die allge-

meine Situation der Hazara ist festzustellen, dass die Zugehörigkeit zu den 

Hazara für sich alleine keinen Asylgrund im Sinne von Art. 3 AsylG darstellt 

(vgl. Urteil des BVGer D-4572/2016 vom 6. Dezember 2017 E. 5.4). Die für 

die Annahme einer Kollektivverfolgung gestellten hohen Anforderungen 

D-1181/2017 

Seite 13 

(vgl. dazu ausführlich BVGE 2013/12 E. 6; BVGE 2013/11 E. 5.3.2) sind im 

Falle der Hazara in Afghanistan nicht erfüllt.  

5.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht 

gelungen ist, die Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder zumindest 

glaubhaft zu machen, weshalb das SEM zu Recht die Flüchtlingseigen-

schaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt hat. 

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

D-1181/2017 

Seite 14 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Af-

ghanistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung nach Kabul dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach 

Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-

setzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-

schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste 

der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder 

glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-

menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-

gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 

m.w.H.). Zwar hat sich die Sicherheitslage weiter verschlechtert, die allge-

meine Menschenrechtssituation in Kabul lässt den Wegweisungsvollzug 

zum heutigen Zeitpunkt jedoch nicht als unzulässig erscheinen, da jeden-

falls dort nicht von einer derart desolaten Sicherheitslage ausgegangen 

werden muss, dass die hohen Anforderungen des „real risks“ einer un-

menschlichen Behandlung erfüllt wären. Nach dem Gesagten ist der Voll-

zug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtli-

chen Bestimmungen zulässig. 

7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

D-1181/2017 

Seite 15 

7.4.1 Das SEM hielt in Bezug auf den Wegweisungsvollzug fest, dieser 

könne nach Kabul unter begünstigenden Umständen als zumutbar erachtet 

werden. Der Beschwerdeführer stamme aus der Provinz Bayran und habe 

seit seiner Kindheit mit berufsbedingten Unterbrüchen in Kabul gelebt. Er 

verfüge in Kabul somit über eine innerstaatliche Wohnsitzalternative. Er sei 

ein junger und gesunder Mann, der auf eine fundierte Berufsbildung und 

mehrere Jahre Berufserfahrung zurückblicken könne. Aufgrund seiner 

langjährigen Berufstätigkeit sei anzunehmen, dass er über Kontakte in Af-

ghanistan verfüge, die ihm sowohl bei der Wiedereingliederung als auch 

bei der Arbeitssuche unterstützend zur Seite stehen könnten. Er habe zu-

dem erwähnt, dass es seiner Familie in Kabul finanziell gut gegangen sei 

und diese vor ihrer Ausreise über drei Häuser in Kabul verfügt habe. Be-

treffend sein familiäres Beziehungsnetz in Afghanistan habe er in der Erst-

befragung erklärt, seine Eltern, sechs Brüder, drei Schwestern und drei 

Onkel würden in Kabul leben. Zu den Verwandten in Drittstaaten befragt, 

habe er einen Cousin in Deutschland erwähnt. Anlässlich der Anhörung 

habe er ein anderes Bild gezeichnet. So habe er geltend gemacht, dass 

seit der Erstbefragung seine gesamte Familie und Verwandtschaft aus Af-

ghanistan ausgereist sei. Anlässlich der Anhörung sei er gebeten worden, 

genauer zu erklären, was mit seinen Verwandten passiert sei und weshalb 

er keinerlei Informationen über deren Aufenthalt habe. Seine diesbezügli-

chen Antworten seien vage geblieben. Im Wesentlichen habe er verallge-

meinernd erklärt, seine Verwandten hätten aufgrund der schlechten Sicher-

heitslage in Kabul das Land verlassen und seien Richtung Iran und Pakis-

tan ausgereist. Abgesehen von zwei Cousins in Deutschland wisse er aber 

nicht, wo sich seine Verwandten konkret aufhalten würden. Zu seiner Fa-

milie habe er den Kontakt vollständig verloren. Hätte seine Familie und 

seine gesamte Verwandtschaft in den sieben Monaten zwischen Erstbefra-

gung und Anhörung tatsächlich Afghanistan verlassen, so wäre zu erwar-

ten gewesen, dass er genauere Informationen zu den Umständen hätte 

liefern können. Seine Angaben zum Beziehungsnetz in Afghanistan müss-

ten daher als Schutzbehauptung qualifiziert werden, mit dem es ihm nicht 

gelinge, ein fehlendes familiäres Netzwerk in Kabul glaubhaft zu machen. 

Es sei dem SEM deshalb letztendlich auch nicht möglich sich in voller 

Kenntnis seiner tatsächlichen persönlichen und familiären Situation zur Zu-

mutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung zu äussern. Zwar seien die Weg-

weisungshindernisse grundsätzlich von Amtes wegen zu prüfen; diese Un-

tersuchungspflicht finde jedoch seine Grenzen an der Mitwirkungs- und 

Wahrheitspflicht des Gesuchstellers. Aus den Akten würden sich letztlich 

D-1181/2017 

Seite 16 

keine Hinweise ergeben, die dagegen sprechen, dass er sich aufgrund sei-

nes Alters, seiner Verfassung und seines Beziehungsnetzes rasch wieder 

in seinem Heimatland integrieren und ein Auskommen finden könnte.  

7.4.2 In der Beschwerde wird dem entgegen gehalten, der Beschwerde-

führer habe gleich zu Beginn seiner Anhörung erklärt, dass sein Vater am 

16. September 2016 umgebracht worden sei und dass seine Familie ge-

plant gehabt habe, Kabul zu verlassen, da sie sich nicht mehr sicher gefühlt 

hätten. Dies habe er von seinem Bruder erfahren. Zum Zeitpunkt der An-

hörung habe er jedoch nicht gewusst, wohin genau seine Familie gegan-

gen sei. Er habe versucht, seinen Bruder zu kontaktieren, er habe jedoch 

telefonisch niemanden mehr erreicht. Vor ein paar Wochen sei er aber per 

Facebook von seinem Bruder kontaktiert worden. Dieser habe ihn darüber 

informiert, dass sich seine Familie jetzt in Pakistan in der Stadt J._______ 

befände und sie ihre Häuser in Kabul hätten verkaufen müssen, da sie auf-

grund der Sicherheitslage und seinen Problemen (des Beschwerdeführers) 

nicht mehr länger in Kabul hätten bleiben können. Die eingereichten Fotos 

würden belegen, dass sich die gesamte Familie mittlerweile in Pakistan 

befinde. Die zwei Onkel väterlicherseits und der eine Onkel mütterlicher-

seits seien in den Iran geflohen. Den aktuellen Aufenthaltsort kenne er aber 

nicht. Vor dem aktuellen Hintergrund könne nicht davon gesprochen wer-

den, dass der Beschwerdeführer über ein tragbares Beziehungsnetz in Ka-

bul verfüge, zumal er auch erklärt habe, dass keiner der Mitarbeitenden 

von G._______ noch in Afghanistan lebe. Auch bei seiner Ausreise sei er 

von drei Arbeitskollegen begleitet worden. Im Allgemeinen müsse darauf 

hingewiesen werden, dass sich die Sicherheitslage in allen Landesteilen 

Afghanistans in den letzten Jahren zunehmend verschlechtert habe. Es 

könne nicht davon ausgegangen werden, dass Kabul eine zumutbare in-

nerstaatliche Wohnsitzalternative für ihn darstelle. 

7.4.3 Das SEM hält in seiner Vernehmlassung fest, der Beschwerdeführer 

habe auch in der Beschwerde keine substantiierten und plausiblen Anga-

ben zur Emigration seiner ganzen Familie und Verwandtschaft zwischen 

Mai 2016 und Januar 2017 gemacht. Des weiteren seien die nachgereich-

ten Fotos nicht dazu geeignet, eine dauerhafte Emigration seiner Familie 

nach Pakistan beziehungsweise ein fehlendes Beziehungsnetz in Afgha-

nistan glaubhaft zu machen, zumal den Fotos auch nicht entnommen wer-

den könne, wann sie aufgenommen worden seien und ob es sich dabei 

überhaupt um Familienangehörige des Beschwerdeführers handle.  

D-1181/2017 

Seite 17 

7.4.4 In der Replik wird im Wesentlichen geltend gemacht, dass die der 

Beschwerde beigelegten Fotos Mitte Februar 2017 aufgenommen worden 

seien. Es treffe zu, dass das genaue Datum auf den Fotos nicht ersichtlich 

sei. Setze man die vom Beschwerdeführer bei der Erstbefragung angege-

benen Altersangaben in Beziehung zu den Personen auf den Bildern, 

könne man darauf schliessen, dass die Fotos neueren Datums sein müs-

sen. Vor allem der älteste Bruder des Beschwerdeführers weise eine hohe 

äusserliche Ähnlichkeit zum Beschwerdeführer auf.  

7.5  

7.5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Urteil D-5800/2016 vom 

13. Oktober 2017 eine ausführliche Lageanalyse zur Situation in der afgha-

nischen Hauptstadt Kabul vorgenommen (vgl. E. 6.3 ff. [als Referenzurteil 

publiziert]). Danach stellt sich zum heutigen Zeitpunkt sowohl die Sicher-

heitslage, welche als volatil und von zahlreichen Anschlägen geprägt zu 

bezeichnen ist, als auch die humanitäre Situation in Kabul im Vergleich zu 

der in BVGE 2011/7 beschriebenen Situation klar verschlechtert dar. Die 

Lage in Kabul ist daher grundsätzlich als existenzbedrohend und somit un-

zumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG zu qualifizieren. Von dieser Re-

gel kann abgewichen werden, falls besonders begünstigende Faktoren 

vorliegen, aufgrund derer ausnahmsweise von der Zumutbarkeit des Voll-

zugs ausgegangen werden kann. 

Wie bereits in BVGE 2011/7 festgestellt, kann danach der Vollzug der Weg-

weisung zumutbar sein, wenn im Einzelfall besonders günstige Vorausset-

zungen vorliegen, und die nach Kabul zurückkehrende Person demnach 

ausnahmsweise nicht in eine existenzbedrohende Lage geraten würde. 

Solche günstigen Voraussetzungen können grundsätzlich namentlich dann 

gegeben sein, wenn es sich beim Rückkehrer um einen jungen, gesunden 

Mann handelt. Unabdingbar ist in jedem Fall ein soziales Netz, das sich im 

Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehrenden 

als tragfähig erweist. Dieses soziale Netz muss dem Rückkehrenden ins-

besondere eine angemessene Unterkunft, Grundversorgung sowie Hilfe 

zur sozialen und wirtschaftlichen Reintegration bieten können. Allein auf-

grund von losen Kontakten zu Bekannten, Verwandten oder auch Mitglie-

dern der Kernfamilie, bei welchen insbesondere das wirtschaftliche Fort-

kommen sowie die Unterbringung ungeklärt sind, ist nicht von einem trag-

fähigen sozialen Beziehungsnetz auszugehen. Es liegt in der Natur der Sa-

che, dass bei Personen, bei welchen Kabul lediglich eine Aufenthaltsalter-

native darstellt und die somit kaum oder nie in Kabul gelebt haben, eine 

D-1181/2017 

Seite 18 

Bejahung eines solchen tragfähigen sozialen Netzes noch grösserer Zu-

rückhaltung bedarf. Ebenso ist entscheidrelevant, über welche Berufser-

fahrung die rückkehrende Person verfügt beziehungsweise inwiefern eine 

wirtschaftliche Wiedereingliederung mit einer bezahlten Arbeit im Zusam-

menspiel mit dem Beziehungsnetz begünstigt werden kann. Angesichts der 

festgestellten Verschlechterung der Lage in Kabul versteht es sich von 

selbst, dass das Vorliegen dieser strengen Anforderungen in jedem Einzel-

fall sorgfältig geprüft wird und diese erfüllt sein müssen, um einen Wegwei-

sungsvollzug nach Kabul als zumutbar zu qualifizieren.  

Zusammenfassend ergibt sich, dass eine Wegweisung nach Kabul ledig-

lich bei Vorliegen besonders günstiger Voraussetzungen – so insbeson-

dere alleinstehende, gesunde Männer mit einem tragfähigen Beziehungs-

netz, einer Möglichkeit zur Sicherung des Existenzminimums und einer ge-

sicherten Wohnsituation – als zumutbar zu qualifizieren ist. 

7.5.2 Der Beschwerdeführer lebte seit seiner Kindheit bis zu seiner Aus-

reise im Frühjahr 2016 mit berufsbedingten Unterbrüchen in der Hauptstadt 

Kabul. Er ist jung, gesund, verfügt über ein hohes Bildungsniveau und 

stammt aus einer relativ wohlhabenden Familie, welche in Kabul mehrere 

Häuser besitzt. Im Falle seiner Rückkehr nach Kabul dürfte er dort auch 

auf ein tragfähiges soziales Beziehungsnetz zurückgreifen können, wel-

ches ihm eine angemessene Unterkunft, Grundversorgung sowie Hilfe zur 

sozialen und wirtschaftlichen Reintegration bieten kann. Wie schon das 

SEM ausführte, muss bezweifelt werden, dass – wie behauptet- die ganze 

Kernfamilie und die Verwandtschaft inzwischen nicht mehr in Kabul lebt. 

Selbst wenn es sich bei den auf den mit der Beschwerde eingereichten, elf 

vor dem Friedhof in J._______ abgebildeten Personen tatsächlich um 

seine Familie handeln sollte, wird damit nicht belegt, dass sich seine ganze 

Familie dauerhaft in Pakistan niedergelassen hat. Da der Beschwerdefüh-

rer offenbar mit seiner Familie in Kontakt steht, wäre zu erwarten, dass er 

substantiiert über die Gründe für die Ausreise seiner Familienangehörigen 

aus Afghanistan hätte berichten können. Dies ist jedoch nicht der Fall. So 

wird nicht näher ausgeführt, inwiefern die Familie in Kabul wegen dem Be-

schwerdeführer Probleme gehabt und warum sich die Familie dort nicht 

mehr sicher gefühlt haben soll. Zudem fällt auf, dass ausser auf den beiden 

Fotos der Angehörigen vor dem Friedhof auf den restlichen Fotos nicht alle 

seine zehn Geschwister (sechs Brüder und vier Schwestern) abgebildet 

sind, sondern nur jeweils die gleichen sechs Geschwister mit der Mutter. 

Drei Brüder und die älteste Schwester fehlen auf den zuletzt eingereichten 

Fotos. Aus der Kopie des eingereichten Mietvertrags geht sodann hervor, 

D-1181/2017 

Seite 19 

dass die Miete für die Dauer vom 1. März 2017 bis zum 1. Februar 2018 

(elf Monate) abgeschlossen wurde. Nicht nachvollziehbar ist sodann, wa-

rum auch seine drei Onkel Kabul in derselben Zeitspanne verlassen haben 

sollen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer 

nach wie vor über Familienangehörige und aufgrund seines langjährigen 

Aufenthalts ohnehin über ein Netzwerk von Freunden und Bekannten in 

Kabul verfügt. Im Weiteren kann er auf eine solide Bildung und jahrelange 

Berufserfahrung als (...) zurückgreifen. Damit sind die Voraussetzungen 

gegeben, dass er sich in Kabul eine wirtschaftliche Existenz wird aufbauen 

können.  

7.5.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung des 

Beschwerdeführers nach Kabul nicht als unzumutbar. 

7.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

7.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch 

das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mit Verfügung vom 12. Ap-

ril 2017 gutgeheissen wurde, werden dem Beschwerdeführer vorliegend 

keine Verfahrenskosten auferlegt. 

9.2 Das Gesuch um Bestellung einer amtlichen Rechtsbeiständin im Sinne 

von Art. 110a Abs. 1 AsylG wurde mit Verfügung vom 12. April 2017 gutge-

heissen und dem Beschwerdeführer seine Rechtsvertreterin als amtliche 

Rechtsbeiständin beigeordnet. Die notwendigerweise erwachsenen Partei-

kosten sind deshalb durch das Bundesverwaltungsgericht zu übernehmen 

D-1181/2017 

Seite 20 

(vgl. Art. 110a Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 9–14 des Reglements vom 21. Feb-

ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nach Praxis des Gerichts werden 

amtlich bestellten Rechtsvertreterinnen ohne Anwaltspatent mit einem 

Stundensatz von Fr. 100.– bis 150.– entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 

Abs. 2 VGKE). Mit der Replik wurde eine aktualisierte Kostennote einge-

reicht, worin der zeitliche Aufwand von acht Stunden, Übersetzungskosten 

von Fr. 70.– und weitere Auslagen von Fr. 50.– aufgeführt sind. Dies er-

scheint angemessen. Für die weiteren Eingaben wird mit einer Stunde Auf-

wand und Auslagen von Fr. 20.– gerechnet. Gestützt auf die in Betracht zu 

ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist der Rechtsbeistän-

din zu Lasten des Bundesverwaltungsgerichts ein Honorar von insgesamt 

Fr. 1609.20 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag i.S.v. Art. 9 Abs. 1 

Bst. c VGKE) zuzusprechen. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-1181/2017 

Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

3.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin wird durch das Bundesverwaltungsgericht 

ein Honorar von Fr. 1609.20 ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Sarah Ferreyra 

 

 

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