# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f79685e2-ecd0-52ea-9422-117597505cdb
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-05-22
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 22.05.2013 SK1 2013 8
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2013-8_2013-05-22.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Ref.: Chur, 22. Mai 2013 Schriftlich mitgeteilt am:
SK1 13 8 [nicht mündlich eröffnet]          28. Mai 2013

Urteil
I. Strafkammer

Vorsitz Schlenker
RichterInnen Brunner und Michael Dürst
Aktuar ad hoc Ludwig

In der strafrechtlichen Berufung

des X._____, Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Peter Portmann, 
Postfach 551, Quaderstrasse 18, 7002 Chur,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichts Plessur vom 10. Januar 2013, mitgeteilt am 4. Februar 
2013, in Sachen der Staatsanwaltschaft Graubünden, Sennhofstrasse 17, 7001 Chur, 
Berufungsbeklagte, gegen den Berufungskläger,

betreffend Verletzung von Vorschriften der Strassenverkehrsgesetzgebung,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt:

A. X._____ wurde am _____ in M._____ geboren. Er wuchs im Kanton Zürich auf 
und erlernte den Schreinerberuf. Im Jahr 2005 zog er in den Kanton Graubünden. 
X._____ ist ledig und arbeitet zurzeit als Monteur bei der P._____ AG in O._____, wo er 
monatliche Einkünfte von rund CHF 5'000.-- erwirtschaftet. Sein Vermögen in Form einer 
Liegenschaft beträgt rund CHF 500'000.--. Es bestehen indessen noch Hypothekarschul-
den von CHF 350‘000.--.

B. Im schweizerischen Strafregister ist X._____ laut dem Auszug vom 16. Mai 2012 
nicht verzeichnet.

C. Am 30. Dezember 2011 um 6:55 Uhr fuhr X._____ mit seinem Auto, einem _____, 
GR _____, von R._____ her kommend auf der _____ strasse Richtung O._____. Gleich-
zeitig bog Y._____ mit einem Lastwagen _____ vom Hof her in die _____ strasse ein. Die 
Fahrbahn war mit Schnee bedeckt und der andauernde Schneefall schränkte die Sicht 
stark ein. Um auf der engen Strasse mit dem Lastwagen kreuzen zu können, versuchte 
X._____, auf das in seiner Fahrtrichtung rechtsseitige Trottoir aufzufahren. Dies gelang 
ihm jedoch nicht, stattdessen rutschte sein Fahrzeug ab und prallte in die Front des Last-
wagens von Y._____ und anschliessend in die Stützmauer der Strasse. Die Kollision er-
eignete sich auf dem Strassenstück zwischen der Einmündung der alten _____ strasse in 
die _____ strasse und dem Hof. Verletzt wurde bei dem Zusammenstoss niemand, es 
kam jedoch bei beiden beteiligten Fahrzeugen zu einem Sachschaden von je rund CHF 
6'000.--.

D. Mit Strafbefehl vom 28. Februar 2012, mitgeteilt am 6. März 2012, sprach die 
Staatsanwaltschaft Graubünden gegen X._____ eine Busse von CHF 300.--, Ersatzfrei-
heitsstrafe 3 Tage, wegen Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG und 
Art. 4 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG aus.

E. Gegen diesen Strafbefehl erhob X._____ am 15. März 2012 Einsprache. Die 
Staatsanwaltschaft Graubünden ergänzte hierauf die Untersuchung durch weitere Bewei-
serhebungen und erhob am 26. November 2012 Anklage gegen X._____ vor dem Be-
zirksgericht Plessur, wobei sie diesem was folgt beantragte:

1. X._____ sei der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG 
sowie Art. 4 Abs. 1 und 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig 
zu sprechen.

2. Der Beschuldigte sei mit einer Busse von CHF 300.00 zu bestrafen, bei 
schuldhafter Nichtbezahlung mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.

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3. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten zu überbinden.

Ihrer Anklageschrift legte die Staatsanwaltschaft Graubünden die folgenden Ausführun-
gen zum Sachverhalt zugrunde:

„Der Beschuldigte fuhr am 30. Dezember 2011, um 06:55 Uhr, mit seinem 
Fahrzeug, einem _____, GR _____, auf der schneebedeckten _____ strasse von 
R._____ Richtung O._____. Ca. 50 Meter oberhalb des Hofs in O._____ kam ihm 
der von Y._____ gelenkte Lastwagen Marce _____, GR _____, entgegen. Da das 
Kreuzen an dieser Stelle nicht möglich war, hielt Y._____ den Lastwagen ganz am 
rechten Strassenrand an. Der Beschuldigte versuchte zunächst, mit den rechten 
Rädern seines Fahrzeugs auf das angrenzende Trottoir zu fahren, was ihm ange-
sichts der winterlichen Strassenverhältnisse misslang. In der Folge geriet sein 
Fahrzeug ins Rutschen und kollidierte mit dem stillstehenden Lastwagen. An bei-
den Fahrzeugen entstand ein Sachschaden von je ca. CHF 6'000.00.“

F. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 10. Januar 2013 vor dem Bezirksgericht 
Plessur beantragte X._____, er sei unter Kosten- und Entschädigungspflicht des Staates 
vollumfänglich von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen freizusprechen.

G. Das Bezirksgericht Plessur erkannte mit Urteil vom 10. Januar 2013, ohne schriftli-
che Begründung mitgeteilt am 11. Januar 2013:

1. X._____ ist der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG 
und Art. 4 Abs. 1 und 2 VRV i.V.m. Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig.

2.a) Dafür wird X._____ mit einer Busse von CHF 300.00 bestraft.

b) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 3 Tage. Sie tritt an die Stelle der 
Busse, soweit diese schuldhaft nicht bezahlt wird.

3.a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 2'595.00 (Untersuchungsgebühren und 
Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 1'595.00, Gerichtsge-
bühren CHF 1'000.00) gehen zu Lasten von X._____.

b) X._____ schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich:

Busse CHF      300.00

Verfahrenskosten CHF   2'595.00

Total CHF   2'895.00

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In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind dem Bezirks-
gericht Plessur innert 30 Tagen nach der Zustellung des Urteils mit beiliegen-
dem Einzahlungsschein zu bezahlen.

c) Wird eine schriftliche Begründung verlangt oder die Berufung angemeldet, er-
höhen sich die Gerichtsgebühren auf CHF 1'500.00.

4./5. [Rechtsmittelbelehrung]

6. [Mitteilung]

H. Gegen dieses Urteil des Bezirksgerichts Plessur vom 10. Januar 2013 meldete 
X._____ demselben mit Eingabe vom 17. Januar 2013 die Berufung an. In der Folge wur-
de ihm am 4. Februar 2013 ein mit folgender Begründung versehenes Urteil in der Sache 
zugestellt:

Im Zusammenhang mit der ständigen Beherrschung des Fahrzeugs, welche Art. 31 Abs. 
1 SVG vom Fahrzeugführer fordere, komme der allgemeinen Fahrregel von Art. 4 VRV 
über die angemessene Geschwindigkeit grosse Bedeutung zu. Nach Art. 4 VRV dürfe der 
Fahrzeugführer nur so schnell fahren, dass er innerhalb der überblickbaren Strecke halten 
könne; wo das Kreuzen schwierig sei, müsse auf halbe Sichtweite angehalten werden 
können. Die Geschwindigkeit könne dabei auf schnee- und eisbedeckten Strassen nicht 
konkretisiert werden, unter solchen Umständen müsse nach Art. 4 Abs. 2 VRV jedoch 
langsam gefahren werden, notfalls im Schritttempo. Im Untersuchungsverfahren habe der 
Beschuldigte geltend gemacht, er sei mit 20 km/h die _____ strasse hinuntergefahren. An 
der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Plessur habe er sich dann korrigiert und 
seine Geschwindigkeit mit 5-7 km/h angegeben, da er im 1. Gang mit der Motorenbremse 
gefahren sei. Wie hoch die Geschwindigkeit des Beschuldigten vor der Kollision effektiv 
gewesen sei, lasse sich nicht eruieren; aufgrund der Tatsache, dass dieser anschliessend 
die Beherrschung über sein Fahrzeug verloren habe und ins Rutschen geraten sei, sei 
jedoch erstellt, dass er seine Geschwindigkeit nicht ausreichend verringert habe. Da der 
Beschuldigte also zu schnell gefahren sei, sei er darüber hinaus auch seiner Vorsichts-
pflicht, sein Fahrzeug ständig unter Kontrolle zu haben, nicht nachgekommen. Bezüglich 
des subjektiven Tatbestandes habe der Beschuldigte fahrlässig gehandelt. Nach der all-
gemeinen Lebenserfahrung sei im Winter nämlich stets mit rutschigen Strassenverhältnis-
sen zu rechnen. Da X._____ auf der zudem noch abschüssigen Strasse seine Geschwin-
digkeit nicht weiter verringert habe, habe er subjektiv seine Sorgfaltspflicht verletzt. Im 
Weiteren qualifizierte die Vorinstanz das Verschulden von X._____ als leicht und erachte-
te eine Busse von CHF 300.-- als angemessen. Die Gerichtsgebühren erhöhte es wie 
angekündigt auf CHF 1'500.--.

I. Am 25. Februar 2013 reichte X._____ dem Kantonsgericht von Graubünden als 
Rechtsmittelinstanz die Berufungserklärung ein, in welcher er beantragte:

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1. Ziff. 1, 2 und 3 des angefochtenen Urteils seien aufzuheben.

2. X._____ sei der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG 
sowie Art. 4 Abs. 1 und 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG freizu-
sprechen.

3. Unter Tragung der Gerichtskosten durch die Staatskasse und vollumfängliche 
ausseramtliche Entschädigung für die dem Berufungskläger entstandenen 
Aufwendungen, für das hierseitige wie das vorinstanzliche Verfahren.

Zusätzlich wiederholte X._____ den bereits im Untersuchungsverfahren und vor der Vor-
instanz gestellten Beweisantrag auf Durchführung eines gerichtlichen Augenscheins am 
Unfallort.

J. Das Bezirksgericht Plessur und die Staatsanwaltschaft Graubünden verzichteten 
auf die Einreichung einer Stellungnahme gemäss Art. 400 Abs. 3 StPO.

K. Mit Verfügung vom 5. März 2013 ordnete der Vorsitzende der ersten Strafkammer 
des Kantonsgerichts von Graubünden gestützt auf Art. 406 Abs. 1 lit. c StPO das schriftli-
che Verfahren an. Gleichzeitig wurde angekündigt, über die Frage, ob ein Augenschein 
am Unfallort durchgeführt werde, zu einem späteren Zeitpunkt zu befinden.

L. Mit Eingabe vom 27. März 2013 begründete X._____ seine zuvor erklärten Beru-
fungsanträge. Er brachte dabei vor, die Beweiswürdigung der Vorinstanz sei widersprüch-
lich und willkürlich. Diese habe nicht berücksichtigt, dass er äusserst langsam die _____ 
strasse hinuntergefahren sei, nämlich mit jedenfalls weniger als 7 km/h. Das Problem ha-
be nicht darin bestanden, dass er nicht habe anhalten, sondern, dass er nicht habe aus-
weichen können, was jedoch am Fahrverhalten des Kollisionsgegners Y._____ gelegen 
habe. Dieser sei in dem Zeitpunkt in die _____ strasse eingebogen, in welchem der Beru-
fungskläger selbst sich an einem Punkt befunden habe, an welchem ein Kreuzen der 
Fahrzeuge nicht möglich gewesen sei. Dass es ihm misslungen sei, für das Ausweich-
manöver über die Randsteinkante zu fahren, zeige, dass er sogar zu langsam gefahren 
sei; mit einer höheren Geschwindigkeit wäre dieses Manöver nämlich erwartungsgemäss 
geglückt. Entscheidend sei die Frage, ob ihm die Reaktion, dem entgegenkommenden 
Lastwagen auszuweichen, durch welche er schliesslich die Kontrolle über sein Fahrzeug 
verloren habe, vorzuwerfen sei. Der Beschuldigte habe sich durch das unerwartete Ent-
gegenkommen des Lastwagens in einer plötzlichen Notstandslage befunden, welche ein 
augenblickliches Reagieren nötig gemacht habe. Damit sei seine Reaktion aber, auch 
wenn sich diese im Nachhinein objektiv betrachtet nicht als zweckmässig erwiesen habe, 
entschuldbar. Zudem habe nach Art. 14 Abs. 2 VRV ein Vortrittsberechtigter auf jene 
Strassenbenützer Rücksicht zu nehmen, die eine Kreuzung vor diesem erreichen würden. 
Vorliegend hätte Y._____ das Fahrzeug des Beschuldigten erkennen und deshalb an der 
Kreuzung warten und diesen passieren lassen müssen. Durch sein gegenteiliges Vorge-

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hen, dennoch in die _____ strasse einzubiegen, habe Y._____ sich den Vortritt wider-
rechtlich erzwungen. Die Anklagebehörde und die Vorinstanz hätten des Weiteren nicht 
beachtet, dass der Lastwagenfahrer Y._____ widersprüchliche Aussagen zum Unfallge-
schehen gemacht habe, was aber nur darin begründet sein könne, dass in Wahrheit statt 
dem Beschuldigten dieser selbst den Unfall verursacht habe.

M. In ihrer dem Kantonsgericht von Graubünden am 4. April 2013 eingereichten Beru-
fungsantwort beantragte die Staatsanwaltschaft Graubünden die kostenfällige Abweisung 
der Berufung. Ergänzend dazu brachte sie vor, dass im vorliegenden Falle einzig eine 
Übertretung Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens bilde, weshalb mit der Beru-
fung gemäss Art. 398 Abs. 4 StPO bezüglich der Feststellung des Sachverhalts nur gel-
tend gemacht werden könne, diese sei willkürlich, wobei für eine solche Rüge präzise im 
Einzelnen dargelegt werden müsse, inwiefern der angefochtene Entscheid an einem qua-
lifizierten und offensichtlichen Mangel leide. Da der Berufungskläger dieser Obliegenheit 
vorliegend nicht nachgekommen sei, sondern sich dessen Ausführungen in appellatori-
scher Kritik am erstinstanzlichen Urteil erschöpften, müsse die Berufung bereits aus die-
sem Grunde abgewiesen werden.

N. Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und im angefochtenen Ent-
scheid wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen:

1.a) Gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teil-
weise abgeschlossen worden ist, ist die Berufung an das Kantonsgericht von Graubünden 
zulässig (Art. 398 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 22 des Einführungsgesetzes zur 
Schweizerischen Strafprozessordnung [EGzStPO; BR 350.100]). Die Berufung bezieht 
sich somit auf Entscheide, in denen über Straf- und Zivilfragen materiell befunden wird, in 
erster Linie Urteile, die auf Verurteilung oder Freispruch lauten und der Fall vor der ersten 
Instanz damit abgeschlossen wird (Eugster, in: Niggli / Heer / Wiprächtiger [Hrsg.], Basler 
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Basel 2011, Art. 398, N 2). 
Gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO ist die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert 10 
Tagen seit Eröffnung des Urteils (Art. 84 StPO) schriftlich oder mündlich zu Protokoll an-
zumelden. Die Partei, die Berufung angemeldet hat, hat sodann innert 20 Tagen seit Zu-
stellung des begründeten Urteils dem Berufungsgericht eine schriftliche Berufungser-
klärung einzureichen (Art. 399 Abs. 3 StPO), worin sie anzugeben hat, ob sie das Urteil 
vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (lit. a), welche Abänderungen des erstinstanzli-
chen Urteils sie verlangt (lit. b) und welche Beweisanträge sie allenfalls stellt (lit. c). Vor-
liegend wurde das Dispositiv des angefochtenen Urteils am 11. Januar 2013 schriftlich 
mitgeteilt und damit die Rechtsmittelfrist nach Art. 384 lit. a StPO ausgelöst, woraufhin 

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X._____ dem Bezirksgericht Plessur am 17. Januar 2013 und somit binnen Frist die Beru-
fung anmeldete. Die Mitteilung des schriftlich begründeten Urteils erfolgte am 4. Februar 
2013. In der Folge erklärte X._____ mit Eingabe vom 25. Februar 2013 zuhanden des 
Kantonsgerichts von Graubünden die Berufung nach Art. 399 Abs. 3 StPO, welche er am 
27. März 2013 begründete. Da die Berufung vorliegend auch die an sie gestellten Former-
fordernisse erfüllt, wird darauf eingetreten.

b) Da Art. 90 Ziff. 1 SVG einzig die Verhängung einer Busse als Strafe vorsieht, bildet 
vorliegend ausschliesslich eine Übertretung Gegenstand des erstinstanzlichen Strafver-
fahrens (Art. 103 StGB).  Mit der Berufung kann deshalb nach Art. 398 Abs. 4 StPO nur 
geltend gemacht werden, das angefochtene Urteil des Bezirksgerichts Plessur sei rechts-
fehlerhaft oder die Feststellung des Sachverhalts sei offensichtlich unrichtig, also willkür-
lich, respektive beruhe auf einer Rechtsverletzung. Damit bleibt, im Gegensatz zu Über-
schreitung und Missbrauch des Ermessens, auch die Unangemessenheit des vorinstanz-
lichen Entscheids einer Überprüfung im Rechtsmittelverfahren entzogen (Schmid, 
Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, Zürich 2009, Art. 398, N 12). 
Neue Behauptungen und Beweise können im Berufungsverfahren zudem nicht vorge-
bracht werden. Das Kantonsgericht von Graubünden überprüft das angefochtene Urteil 
grundsätzlich nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Tritt es auf die 
Berufung ein, so fällt es ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche ersetzt (Art. 408 
StPO).

2. Der Berufungskläger stellte mit seiner Berufungserklärung vom 25. Februar 2013 
den Beweisantrag, es sei durch das Gericht ein Augenschein vor Ort durchzuführen. Die-
sen Beweisantrag hatte X._____ bereits an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung ge-
stellt, weshalb er keinen neuen Beweis im Sinne von Art. 398 Abs. 4 StPO darstellt und 
sein Einbringen in das Berufungsverfahren demnach zulässig ist. Es wird deshalb im Fol-
genden zu dem Antrag Stellung genommen:

Nach Art. 193 Abs. 1 StPO besichtigt das Gericht Gegenstände, Örtlichkeiten und Vor-
gänge, die für die Beurteilung des Sachverhalts bedeutsam sind, aber nicht unmittelbar 
als Beweisgegenstände vorliegen, in einem Augenschein an Ort und Stelle. Dies bedeu-
tet, dass für die Frage der Durchführung eines Augenscheins immer eine antizipierte Be-
weiswürdigung in dem Sinne vorgenommen werden muss, als das Gericht zu entscheiden 
hat, ob die durch den Augenschein wahrnehmbare Örtlichkeit überhaupt für die Beurtei-
lung eines strittigen Sachverhalts bedeutsam ist. Vorliegend wurden die beiden Unfall-
fahrzeuge bereits vor dem Eintreffen der Polizei verstellt, so dass eine genaue Ermittlung 
des Kollisionsorts ohnehin nicht mehr möglich ist. Es liegt jedoch sowohl eine polizeiliche 
Fotodokumentation der Unfallörtlichkeit, welche unmittelbar nach der Kollision angefertigt 
wurde, bei den Akten, als auch eine massstabsgetreue Skizze des Strassenverlaufs, an-
hand welcher sämtliche Distanzen ausgemessen werden können. Aus der Fotodokumen-
tation gehen zudem die winterlichen Verhältnisse, wie sie am Unfalltag herrschten, hervor, 

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welche durch einen im jetzigen Zeitpunkt durchgeführten Augenschein nicht mehr er-
schlossen werden könnten. Auch hat der Rechtsvertreter des Beschuldigten an der vor-
instanzlichen Hauptverhandlung zusätzlich noch eine selbst erstelle Fotodokumentation 
als Beweismittel eingereicht (Beilage zu act. 10 des vorinstanzlichen Verfahrens). Auf 
einen Augenschein nach Art. 193 StPO ist aber zu verzichten, wenn die fraglichen, zu 
beweisenden Tatsachen bereits aus unmittelbar vorliegenden Beweisgegenständen, wie 
zum Beispiel Fotografien, hervorgehen (Donatsch, in: Donatsch / Hansjakob / Lieber 
[Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Zürich 2010, Art. 193, N 
18). Zwar ist das Vorbringen des Berufungsklägers, aus der gefertigten Skizze liessen 
sich nur die horizontalen Distanzen aus der Vogelperspektive entnehmen, nicht jedoch die 
genaue vertikale Steigung des Strassenverlaufs, durchaus zutreffend. Jedoch ist nicht 
ersichtlich, inwiefern die exakte Kenntnis dieser Grösse für die Beurteilung des Sachver-
halts entscheidend sein sollte. Dem Ganzen ist abschliessend noch hinzuzufügen, dass 
sowohl die Unfallörtlichkeit als auch das Gelände der _____ strasse und des Hofs sämtli-
chen Berufungsrichterinnen und –richtern bestens bekannt sind. Es kann demnach vorlie-
gend auf die Durchführung eines Augenscheins verzichtet werden und der dahingehende 
Beweisantrag des Berufungsklägers wird abgewiesen.

3. Sofern die Staatsanwaltschaft Graubünden in ihrer Berufungsantwort vom 4. April 
2013 ausführt, die vorliegende Berufung müsse schon deswegen abgewiesen werden, 
weil der Berufungskläger in seiner Berufungsbegründung die Beweiswürdigung der Vorin-
stanz als willkürlich rüge, ohne jedoch im Weiteren konkret darzulegen, inwiefern der an-
gefochtene Entscheid an einem qualifizierten und offensichtlichen Mangel leide – und sich 
somit als willkürlich erweise –, so trifft sie mit dieser Ansicht nicht den eigentlichen Punkt. 
Art. 398 Abs. 4 StPO schränkt nämlich im Falle von Übertretungsstrafsachen die Kogniti-
on der Rechtsmittelinstanz nur bezüglich der vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellung 
und der Ermessensausübung ein. Diese müssen sich in der Tat als offensichtlich unrichtig 
und damit als willkürlich erweisen, um ein Einschreiten des Berufungsgerichts zu rechtfer-
tigen. Keine Kognitionsbeschränkung wird der Berufungsinstanz jedoch zur Beurteilung 
von Rechtsfragen auferlegt, nennt doch Art. 398 Abs. 4 StPO als Berufungsgrund, das 
vorinstanzliche Urteil sei rechtsfehlerhaft (Urteil des Bundesgerichts 6B_61/2012 vom 30. 
November 2012, E. 2.3). Zwar rügt der Berufungskläger vorliegend, die Beweiswürdigung 
des Bezirksgerichts Plessur erweise sich seiner Ansicht nach als willkürlich; anhand sei-
ner weiteren Ausführungen wird jedoch deutlich, dass er sich nicht gegen die Sachver-
haltsfeststellung der Vorinstanz wendet, sondern gegen die rechtliche Beurteilung dersel-
ben. So hat das Bezirksgericht Plessur bezüglich der als widersprüchlich gerügten Punkte 
– der Geschwindigkeit des Fahrzeugs von X._____, des genauen Orts der Kollision be-
ziehungsweise des Abrutschens vom Trottoir sowie der Strassenbreite an der Unfallstelle 
– eine Festlegung auf einen bestimmten Sachverhalt gerade offengelassen und ausge-
führt, diese Angaben seien für die rechtliche Beurteilung nicht relevant. Zur Überprüfung 

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der erstinstanzlichen rechtlichen Beurteilung des Falles kommt dem Kantonsgericht von 
Graubünden jedoch freie Kognition zu.

4.a) Nach Art. 4 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung (VRV; SR 741.11), dessen Ver-
letzung dem Beschuldigten vom Bezirksgericht Plessur vorgeworfen wird, darf ein Fahr-
zeugführer nur so schnell fahren, dass er sein Fahrzeug innerhalb der überblickbaren 
Strecke anhalten kann. Wo das Kreuzen mit entgegenkommenden Fahrzeugen schwierig 
ist, so muss er auf halbe Sichtweite anhalten können. Dass ein Kreuzen an der Unfallstel-
le schwierig, ja sogar unmöglich ist, ist vorliegend unbestritten. Es ist daher zu prüfen, 
inwiefern der erstellte Sachverhalt den Schluss zulässt, der Berufungskläger sei vorlie-
gend mit einer Geschwindigkeit gefahren, die es ihm verunmöglicht habe, innerhalb der 
Strecke seiner halben Sichtweite anhalten zu können. Das Bezirksgericht Plessur führt zu 
diesem Punkt aus, im Zusammenhang mit der Pflicht zur Beherrschung des Fahrzeugs 
nach Art. 31 Abs. 1 SVG – deren Verletzung dem Berufungskläger ebenfalls vorgeworfen 
wird – komme der allgemeinen Fahrregel von Art. 4 VRV über die angemessene Ge-
schwindigkeit grosse Bedeutung zu. Da der Beschuldigte geständig sei, beim Versuch, 
auf das Trottoir aufzufahren, ins Rutschen gekommen und trotz anschliessenden Brems-
versuchs in das Fahrzeug von Y._____ geprallt zu sein, sei der Tatbestand von Art. 4 
Abs. 1 VRV vorliegend als erstellt zu erkennen. Diese Beurteilung erweist sich jedoch als 
zu kurz gegriffen. So kann zwar bei einer überhöhten Geschwindigkeit regelmässig auch 
auf ein Nichtbeherrschen des Fahrzeugs geschlossen werden; dies gilt jedoch nicht für 
den Umkehrschluss. Allein aus der Tatsache, dass der Beschuldigte zwar versucht habe, 
zu bremsen, ihm dies jedoch nicht gelungen sei, kann nicht gefolgert werden, es sei die-
sem aufgrund seiner gefahrenen Geschwindigkeit nicht möglich gewesen, sein Fahrzeug 
auf halbe Sichtweite zum Stillstand zu bringen. So kann auch allein aus der Tatsache, 
dass ein Fahrzeuglenker nicht rechtzeitig vor einem Hindernis anhalten kann, nicht ein-
fach gefolgert werden, seine Geschwindigkeit sei übersetzt gewesen (Giger, Kommentar 
SVG, Zürich 2008, Art. 32, N 18). Vorliegend hat X._____ das Fahrzeug von Y._____ 
trotz der widrigen Sichtverhältnisse bereits wahrgenommen, als dieses sich auf dem Hof 
befand und in die _____ strasse einbog. Er setzte seine Fahrt daraufhin jedoch fort, in der 
Annahme, der Lastwagen werde anhalten und ihn passieren lassen. Als er erkannte, dass 
dies nicht geschah, unternahm er zuerst den Versuch, über das Trottoir auszuweichen. 
Erst als er von dort abrutschte, versuchte er, zu bremsen, was jedoch misslang und dazu 
führte, dass sein Fahrzeug weiter rutschte und zuerst in den Lastwagen von Y._____ und 
anschliessend in die Stützmauer prallte. Der Bremsversuch ist somit nach den Aussagen 
von X._____ – und auch nach denjenigen von Y._____ – erst erfolgt, als sich die beiden 
Fahrzeuge bereits relativ nahe beieinander befanden. Erstellt ist daher bloss, dass 
X._____ sein Fahrzeug trotz Bremsversuchs nicht mehr rechtzeitig zum Stillstand brachte 
– nicht jedoch, dass die Strecke zwischen Bremsversuch und Kollision die halbe Sichtwei-
te von X._____ betragen habe. Vielmehr ist aufgrund der Aussagen der Beteiligten anzu-
nehmen, dass der Berufungskläger nach dem Bremsen nur eine kurze Strecke gerutscht 

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ist, die Sichtweite jedoch ein Vielfaches davon betragen hat. Unter diesen Umständen 
kann X._____ nicht nachgewiesen und vorgeworfen werden, er sei aus Gründen einer 
überhöhten Geschwindigkeit nicht imstande gewesen, sein Fahrzeug innerhalb der halben 
Sichtweite zum Stillstand zu bringen.

b) Ähnliches ergibt sich bei der Betrachtung des Vorwurfs einer Verletzung von Art. 4 
Abs. 2 VRV. Nach dieser Bestimmung hat der Fahrzeuglenker langsam zu fahren, wo die 
Strasse verschneit, vereist, mit nassem Laub oder mit Split bedeckt ist. Dass die Strasse 
zum Unfallzeitpunkt schneebedeckt war, ist erstellt und unbestritten. Widersprüchlich ist 
jedoch das Vorgehen des Bezirksgerichts Plessur, soweit dieses anführt, die effektive 
Geschwindigkeit von X._____ sei vorliegend gar nicht relevant; aufgrund der Tatsache, 
dass dieser die Beherrschung über sein Fahrzeug verloren habe, sei nämlich erstellt, 
dass er seine Geschwindigkeit nicht in ausreichendem Masse reduziert habe. Damit über-
sieht die Vorinstanz jedoch, dass neben einer Geschwindigkeitsübertretung auch andere 
Gründe zu einem Kontrollverlust über ein Fahrzeug führen können. So ist denn, wie die 
Vorinstanz unter Bezugnahme auf Giger, a.a.O., S. 90 selbst ausführt, eine Verletzung 
von Art. 31 Abs. 1 SVG auch bei kleinster Geschwindigkeit und sogar bei stillstehendem 
Fahrzeug möglich. Hätte es tatsächlich an einer überhöhten Geschwindigkeit des Beru-
fungsklägers gelegen, dass dieser die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor, so wäre er 
konsequenterweise eines Verstosses gegen Art. 32 Abs. 1 SVG, und nicht gegen Art. 31 
Abs. 1 SVG, schuldig zu sprechen gewesen (Weissenberger, Kommentar zum Strassen-
verkehrsgesetz, Zürich 2011, Art. 32, N 4). Das Bundesgericht hat denn auch konstant 
festgehalten, dass Art. 32 Abs. 1 SVG lex spezialis zu Art. 31 Abs. 1 SVG sei. Wenn die 
Nichtbeherrschung einzig auf übersetzte Geschwindigkeit zurückzuführen ist, so ist nach 
einhelliger Lehre und Praxis nur Art. 32 Abs. 1 SVG anzuwenden. Idealkonkurrenz be-
steht nur, wenn der Fahrzeuglenker zu schnell fährt und z.B. zu spät Massnahmen zur 
Abwendung eines drohenden Unfalls ergreift (vgl. BGer 6B_718/2011 vom 2. Mai 2012). 
Vorliegend war der Berufungskläger abwärts auf einer schneebedeckten und somit rut-
schigen Strasse unterwegs. Beim Versuch, auf das erhöhte Trottoir aufzufahren, ist er 
abgerutscht, und hat beim anschliessenden Bremsen die Kontrolle über sein Fahrzeug 
verloren. Dieser Unfallhergang macht es naheliegend, dass statt einer überhöhten Ge-
schwindigkeit ein anderer Fahrfehler für den Kontrollverlust über das Fahrzeug in Betracht 
kommt, nämlich in erster Linie das Auffahren auf das schneebedeckte, erhöhte Trottoir 
und das anschliessende, abrupte Bremsmanöver. Widersprüchlich ist zudem auch das 
Vorgehen der Vorinstanz, einleitend zutreffend festzuhalten, im Winter müsse auf vereis-
ten Strassen oder Bergstrassen notfalls im Schritttempo gefahren werden, anschliessend 
jedoch auszuführen, es sei nicht von Relevanz, ob der Beschuldigte mit einer Geschwin-
digkeit von 5-7 km/h oder mit einer solchen von 20 km/h gefahren sei. Zwar ist der Begriff 
des Schritttempos in der Rechtssprechung nicht mit einem exakten Zahlwert festgelegt, 
dennoch muss angenommen werden, eine Geschwindigkeit von ca. 5 km/h sei jedenfalls 
noch Schrittgeschwindigkeit. Obwohl die zulässige Geschwindigkeit, gerade bei widrigen 

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Strassenverhältnissen, zahlenmässig jeweils nicht genau festgelegt, sondern von der Ge-
samtheit der Umstände abhängig ist, kann dem Beschuldigten nicht vorgehalten werden, 
eine Geschwindigkeit von 5-7 km/h sei bereits unangemessen.

c) Das Bezirksgericht Plessur stützt sich in seiner Argumentation im Weiteren auf 
den Entscheid des Kantonsgerichtsausschusses von Graubünden SB 05 3 vom 16. Fe-
bruar 2005. Zwar ist es richtig, dass an dortiger Stelle festgehalten wurde, der Umstand, 
dass die Beschuldigte ins Rutschen gekommen sei, lasse ohne weiteres den Schluss zu, 
dass diese nicht die nötige Vorsicht habe walten lassen und somit zu schnell unterwegs 
gewesen sei. Es ist jedoch zu beachten, dass diesem Entscheid ein vom vorliegenden 
grundsätzlich verschiedener Sachverhalt zugrundelag. So war dazumal die Beschuldigte 
auf einem ebenen, vereisten Strassenabschnitt unterwegs gewesen. Als sie in einem Ab-
stand von 15 – 20 Metern vor sich anderer Fahrzeuge gewahr wurde, versuchte sie sofort, 
zu bremsen, wobei sie jedoch mit ihrem Fahrzeug ins Rutschen kam und in das vor ihr 
stehende Auto prallte. In einem solchen Fall lässt die Tatsache, dass es trotz Bremsver-
suchs der Fahrzeuglenkerin zu einer Kollision kam, tatsächlich ohne weiteres den Schluss 
zu, diese sei angesichts der Strassenverhältnisse zu schnell gefahren und zudem nicht 
imstande gewesen, auf halbe Sichtweite anzuhalten. Abweichend davon ist der vorliegen-
de Sachverhalt jedoch in der Hinsicht, dass sich die Kollision hier auf einem abschüssigen 
Strassenstück ereignete und der Beschuldigte nach dem Sichtkontakt mit dem entgegen-
kommenden Fahrzeug zuerst weiterfuhr, dann ein Ausweichmanöver startete und erst 
anschliessend einen Bremsversuch unternahm. Die Umstände des vorliegenden Falls 
lassen daher – gerade entgegengesetzt zu denjenigen des angeführten vermeintlichen 
Präzedenzfalles – statt einer Geschwindigkeitsübertretung die Annahme einer anderen 
Kollisionsursache zu. Der Beschuldigte ist daher in korrekter Anwendung der Vorschriften 
von Art. 4 Abs. 1 und 2 VRV von einer Verletzung dieser Pflichten, seine Geschwindigkeit 
betreffend, freizusprechen.

5.a) Es ist damit im Folgenden noch zu prüfen, inwiefern X._____ eine Verletzung von 
Art. 31 Abs. 1 SVG zur Last gelegt werden kann. Dass hierzu keine Übertretung der an-
gemessenen Fahrgeschwindigkeit vonnöten ist, wurde bereits dargelegt. Nach der Ver-
kehrsregel von Art. 31 Abs. 1 SVG muss der Fahrzeugführer sein Fahrzeug ständig so 
beherrschen, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Dass X._____ bei 
seinem Ausweich- und Bremsversuch ins Rutschen kam und damit die Kontrolle über sein 
Fahrzeug verlor, ist unbestritten und wird von diesem auch explizit in seiner Berufungsbe-
gründung anerkannt. X._____ wendet jedoch ein, die Nichtbeherrschung seines Fahr-
zeugs könne ihm nicht vorgeworfen werden, da er sich in einer Notstandssituation befun-
den habe. Y._____ sei ihm mit seinem Lastwagen „entgegengedonnert“, und es habe für 
den Berufungskläger die Gefahr bestanden, vom entgegenkommenden Lenker übersehen 
zu werden. Diesem Vorbringen ist jedoch zu entgegnen, dass Gegenverkehr auf einer 
zweiseitig befahrenen Strasse mitnichten eine Notstandssituation darstellt, sondern viel-

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mehr ein alltägliches Verkehrsgeschehen. Dem tut auch keinen Abbruch, dass an der 
Unfallstelle ein Kreuzen der Fahrzeuge mutmasslich nicht möglich war und dass es sich 
bei dem entgegenkommenden Fahrzeug um einen grossen Lastwagen handelte. Es gibt 
keine Anzeichen, dass Y._____ zu schnell gefahren wäre; dass er das hinunterfahrende 
Auto von X._____ bemerkt hat, ist aufgrund der Tatsache erstellt, dass er vor der Kollision 
am rechten Strassenrand anhielt, was auch vom Beschuldigten eingestanden wurde. Das 
Vorgehen von Y._____, trotz allfälligen Gegenverkehrs in die _____ strasse einzubiegen, 
ist auch – wie von der Vorinstanz ausgeführt – durch Art. 9 Abs. 2 VRV gedeckt, wonach 
Y._____ vortrittsberechtigt war. Als unbehelflich erweist sich dabei das Vorbringen des 
Beschuldigten, der Lastwagenführer Y._____ hätte erkennen müssen, dass X._____ im 
Begriffe gewesen sei, die Kreuzung auf dem Hof vor diesem zu erreichen, weshalb 
Y._____ in Anwendung von Art. 14 Abs. 2 VRV den Beschuldigten hätte passieren lassen 
müssen. Allein die Tatsache, dass sich die Kollision unbestrittenermassen erst nach der 
besagten Kreuzung (in Fahrtrichtung von Y._____) ereignet hat, lässt ganz offensichtlich 
darauf schliessen, dass X._____ die Kreuzung eben gerade nicht vor Y._____ erreicht 
hat. Zudem ist durch die Aussagen des Beschuldigten erstellt, dass dieser den entgegen-
kommenden Lastwagen auf der Kreuzung beim Hof erstmals bemerkte, während er selbst 
noch die _____ strasse hinunterfuhr (act. 26, S. 5 des Untersuchungsverfahrens). 
X._____ hätte daher die Pflicht gehabt, sein Fahrzeug zum Stillstand zu bringen, als er 
den ihm entgegenkommenden Lastwagen bemerkte – spätestens jedoch, als er erkannte, 
dass dieser nicht anzuhalten beabsichtigte. In der Folge hätte er zurücksetzen müssen, 
um dem Gegenverkehr den diesem zukommenden Vortritt zu gewähren (vgl. dazu auch 
die Formulierungen von Art. 38 Abs. 1 VRV und Art. 45 Abs. 1 SVG über das Kreuzen 
gleichartiger Fahrzeuge). Dass ein solches Vorgehen möglich gewesen wäre, anerkennt 
der Beschuldigte selbst (act. 26, S. 5 des Untersuchungsverfahrens). Ebenso, dass ein 
kurzes Stück oberhalb der Kollisionsstelle genügend Raum für ein Kreuzen der Fahrzeu-
ge vorhanden gewesen wäre.

b) Unbehelflich für den Beschuldigten ist weiterhin sein Verweisen auf die bundesge-
richtliche Rechtsprechung in BGE 127 II 302, E. 3d. Dies nur schon, da es in besagtem 
Fall um die Verhängung einer administrativen Massnahme ging, wobei, wie auch die Vor-
instanz darlegt, sowohl der Kontrollverlust über das Fahrzeug als auch ein leichtes Ver-
schulden eines Fahrzeuglenkers angenommen wurde, der sich von zwei auf dem Pan-
nenstreifen abgestellten Polizeifahrzeugen mit Warnblinkanlage zu einer Vollbremsung 
mit anschliessendem Schleudern des Fahrzeugs hinreissen liess. Mehr als ein leichtes 
Verschulden von X._____ hat jedoch auch die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid 
nicht angenommen.

c) Soweit der Beschuldigte vorbringt, die Aussagen des Kollisionsgegners Y._____ 
seien „unmöglich und gar haarsträubend“, so ist darauf mit der Vorinstanz zu wiederholen, 
dass sowohl im erstinstanzlichen Strafverfahren vor dem Bezirksgericht Plessur als auch 

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nun im Berufungsverfahren vor dem Kantonsgericht von Graubünden einzig die Aussagen 
des Beschuldigten selbst zur Sachverhaltsfeststellung hinzugezogen wurden. Es erübrigt 
sich daher, überhaupt darauf einzugehen, ob die Aussagen von Y._____ allenfalls Wider-
sprüchlichkeiten aufweisen oder nicht. Wenn X._____ einwendet, der Lastwagenlenker 
habe den Unfall selbst verursacht, so ist dem noch hinzuzufügen, dass das Strafrecht 
keine Schuldkompensation kennt und daher für das vorliegende Strafverfahren einzig das 
Verhalten des Beschuldigten beurteilt werden muss.

d) Zum subjektiven Tatbestand ist zu sagen, dass, wie auch die Vorinstanz ausführte, 
aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung im Winter stets mit rutschigen Strassenver-
hältnissen zu rechnen ist. Wer daher auf einer schneebedeckten, abwärtsführenden 
Strasse auf ein erhöhtes Trottoir aufzufahren versucht und in der Folge trotz Bremsver-
suchs ins Rutschen kommt und sein Fahrzeug nicht mehr zu beherrschen vermag, hat 
augenscheinlich seine Sorgfaltspflichten verletzt und damit fahrlässig gehandelt. Durch 
den Verzicht auf ein frühzeitiges Anhalten seines Fahrzeugs, – obwohl der Beschuldigte 
um das Vortrittsrecht des Gegenverkehrs wusste, und auch annahm, es wäre ihm möglich 
gewesen, zurückzufahren – und durch das anstelle des Anhaltens durchgeführte, riskan-
tere Ausweichmanöver über das schneebedeckte Trottoir – wobei dem Beschuldigten 
zumindest die Möglichkeit eines Abrutschens bewusst gewesen sein musste –  hat 
X._____ einen Fahrfehler begangen und seine Sorgfaltspflicht nach Art. 12 Abs. 3 StGB 
missachtet, weshalb Fahrlässigkeit gegeben ist.

Bezüglich der Ausführungen zum objektiven und subjektiven Tatbestand von Art. 31 Abs. 
1 SVG kann zudem vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz 
verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).

6.a) Es ergibt sich somit abschliessend, dass sich X._____ der Nichtbeherrschung sei-
nes Fahrzeugs gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG und somit in Verbindung dieser Bestimmung 
mit Art. 90 Ziff. 1 SVG einer Verkehrsregelverletzung schuldig gemacht hat. Mit der Vorin-
stanz ist dabei ein leichtes Verschulden anzunehmen, welches auch der Beschuldigte 
selbst zumindest eventualiter anerkennt. Der erstinstanzliche Schuldspruch ist daher 
diesbezüglich abzuändern, als dass der Berufungskläger der Verletzung der Verkehrsre-
geln gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig zu spre-
chen ist.

b) Bezüglich der Strafzumessung macht der Berufungskläger keine Einwände gel-
tend. Dazu ist noch zu bemerken, dass das Bezirksgericht Plessur trotz einer leicht ab-
weichenden rechtlichen Beurteilung vom gleichen Sachverhalt ausging wie das Kantons-
gericht von Graubünden, und die diesbezüglich durch Ermessensausübung ermittelte 
Busse von CHF 300.-- nach Art. 398 Abs. 4 StPO nur abgeändert werden müsste, wenn 
sie sich auch bei Anwendung von Art. 31 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 
SVG als willkürlich erweisen würde. Dies ist indessen offensichtlich nicht der Fall. Auch 

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bei einer Verurteilung wegen Verletzung von Art. 31 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 
Ziff. 1 SVG ist eine Busse von CHF 300.-- angemessen, weshalb das Kantonsgericht von 
Graubünden im Rahmen seines Ermessens keine Veranlassung sieht, diese an sich 
schon geringfügige Busse zu reduzieren. Es bleibt damit bei einer Busse von CHF 300.-- 
(vgl. auch BGer 6S. 43/2001 vom 19. Juni 2001). Im übrigen kann auch hier ergänzend 
auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).

7. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelver-
fahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Vorliegend obsiegt der Beru-
fungskläger nur in einem untergeordneten Punkt. Gemäss Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO 
könnten dem Berufungskläger, da der angefochtene Entscheid nur unwesentlich abgeän-
dert wird, die Verfahrenskosten grundsätzlich vollumfänglich auferlegt werden. Diese Be-
stimmung findet indes auf den vorliegenden Sachverhalt, wie dem Schrifttum zu entneh-
men ist, keine Anwendung, da sie primär für Fälle gedacht ist, in welchen die Rechtsmitte-
linstanz  von dem ihr zustehenden Ermessen anders Gebrauch macht, also zum Beispiel 
die Dauer einer Sanktion oder die Höhe einer Busse geringfügig herabsetzt (vgl. Griesser, 
in: Donatsch / Hansjakob / Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozess-
ordnung, Zürich 2010, Art. 428, N 12 und 13; Domeisen, in: Niggli / Heer / Wiprächtiger 
[Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, Basel 2011, Art. 428, N 
21). Im vorliegenden Fall obsiegt der Berufungskläger materiell in einem zwar unterge-
ordneten Schuldpunkt, womit sich jedoch eine Anpassung der Kosten aufdrängt. Für Ur-
teile im Berufungsverfahren beträgt die Gerichtsgebühr zwischen CHF 1'500.-- und CHF 
20'000.-- (Art. 7 der Verordnung über die Gerichtsgebühren in Strafverfahren [VGS; BR 
350.210]). In Anwendung dieser Bestimmung werden die Kosten des vorliegenden Beru-
fungsverfahrens auf CHF 2'000.-- festgesetzt, welche zu ¾ zu Lasten des Berufungsklä-
gers und zu ¼ zu Lasten des Kantons Graubünden gehen. Analog dazu ist die ausser-
amtliche Entschädigung zu regeln. Der Rechtsvertreter hat im Berufungsverfahren darauf 
verzichtet, dem Kantonsgericht von Graubünden eine Honorarnote einzureichen. Ange-
sichts der Kosten des Rechtsvertreters im vorinstanzlichen Verfahren von rund CHF 
6'200.-- und der Tatsache, dass die Berufung weniger Aufwand verursacht haben wird, 
erscheint angesichts des Umfangs der Berufungsschrift ein Aufwand von CHF 2‘000.-- 
inkl. MwSt. und Spesen als angemessen, wobei X._____ ¼ dieses Betrages, also CHF 
500.--, als ausseramtliche Entschädigung zugesprochen wird. Die Kostenverteilungen der 
Staatsanwaltschaft und der Vorinstanz sind nicht zu ändern, da diese ohnehin angefallen 
wären, zumal der Berufungskläger im Berufungsverfahren Freispruch beantragte (vgl. 
dazu auch SK1 12 50 vom 21. Februar 2013, Erwägung 9).

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III. Demnach wird erkannt:

1. Die Berufung wird teilweise gutgeheissen und die Ziffer 1 des angefochte-
nen Urteils wird aufgehoben.

2.a) X._____ wird von der Anklage der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss 
Art. 4 Abs. 1 und 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG freigespro-
chen.

2.b) X._____ ist schuldig der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 31 
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.

3. Ansonsten wird die Berufung abgewiesen.

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens von CHF 2'000.-- gehen zu ¾ zu Las-
ten von X._____ und zu ¼ zu Lasten des Kantons Graubünden, welcher 
X._____ für das Berufungsverfahren mit CHF 500.-- ausseramtlich zu ent-
schädigen hat.

5. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. des Bundesgesetzes 
vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; 
SR 173.110) Beschwerde in Strafsachen an das Bundesgericht geführt 
werden. Die Beschwerde ist dem Schweizerischen Bundesgericht, 1000 
Lausanne 14, schriftlich innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen 
Ausfertigung der Entscheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschrie-
benen Weise einzureichen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimati-
on, die weiteren Voraussetzungen und das Verfahren der Beschwerde gel-
ten die Art. 29 ff., 72 ff. und Art. 90 ff. BGG.

6. Mitteilung an: