# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1a1a9678-d5ec-5542-9387-ed6e3da714d2
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-08-26
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 26.08.2014 SB130248
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB130248_2014-08-26.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr. SB130248-O/U/hb-cs 

 

Mitwirkend: Oberrichter Dr. Bussmann, Präsident, Oberrichterin Dr. Janssen und 

Oberrichter lic. iur. Stiefel sowie der Gerichtsschreiber lic. iur.  

Brülhart 

 

Urteil vom 26. August 2014 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Privatklägerin und Berufungsklägerin 

 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____,  

 

sowie 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
Anklägerin 

 

gegen 

 

B._____,  
Beschuldigter und Berufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____,  

 

betreffend Vergewaltigung etc.   
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Strafgericht, vom  
14. März 2013 (DG120026) 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 16. Oktober 2012 

(Urk. 40) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteile der Vorinstanz: 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird vollumfänglich freigesprochen. 

2. Mündliche Eröffnung und Begründung. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv 

mit nachfolgendem Erkenntnis. 

und sodann wird erkannt: 

1. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten (inkl. diejenigen 

der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Geschädigtenvertre-

tung) werden auf die Gerichtskasse genommen.  

2. Dem Beschuldigten werden Fr. 9'000.– als Genugtuung aus der Gerichts-

kasse zugesprochen. Der weitergehende Genugtuungsanspruch wird abge-

wiesen.  

Berufungsanträge: 

a) Der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin A._____: 

 (Urk. 99 S. 1) 

 1. Es seien der vorinstanzliche Freispruch des Beschuldigten (Dispositiv 

Ziffer 1) und infolgedessen auch die dem Beschuldigten aus der Ge-

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richtskasse zugesprochene Genugtuung (Dispositiv Ziffer 4) aufzuhe-

ben. 

 2. Es sei die Verwirklichung des zur Anklage gebrachten Sachverhaltes 

festzustellen. 

 3. Es sei das Verfahren zur Behandlung der Schuldfrage und der daraus 

resultierenden Folgen an die Vorinstanz zurück zu weisen; 

 unter ausgangsgemässer Regelung der Kosten- und Entschädigungs-

folgen. 

b) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten: 

 (Urk. 100 S. 2) 

Es sei von weiteren Beweisabnahmen abzusehen und das vorinstanzliche 

Urteil vollumfänglich zu bestätigen, unter Kostenfolge zulasten der Beru-

fungsklägerin. 

 

_______________________________ 

 

Das Gericht erwägt: 

I. Prozessgeschichte 

Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichtes 

Uster vom 14. März 2013 meldete die Vertreterin der Privatklägerin mit Eingabe 

vom 25. März 2013 rechtzeitig die Berufung an (Urk. 63). Das begründete Urteil 

wurde von ihr am 4. Juni 2013 entgegengenommen (Urk. 66 S. 2). Mit Eingabe 

vom 24. Juni 2013 wurde die Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 

StPO eingereicht und wurden zwei Beweisanträge gestellt (Urk. 70/1). Mit Präsi-

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dialverfügung vom 28. Juni 2013 wurde dem Beschuldigten und der Anklagebe-

hörde Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung resp. zum Antrag auf Nichtein-

treten angesetzt (Urk. 71). Sowohl die Anklagebehörde (mit Eingabe vom 8. Juli 

2013; Urk. 73) als auch der Beschuldigte (mit Eingabe vom 12. Juli 2013; Urk. 75) 

verzichteten darauf. Die Privatklägerin beantragte mit Eingabe vom 11. Juli 2013, 

dass dem urteilenden Gericht eine Person gleichen Geschlechts angehöre, dass 

sie im Fall einer Befragung von einer Person gleichen Geschlechts einvernom-

men werde, dass sie im Falle einer Befragung nicht in Gegenwart des Beschuldig-

ten einvernommen werde und dass, falls sie in ihrer Muttersprache befragt werde, 

für die Übersetzung ihrer Aussagen eine Person gleichen Geschlechts beigezo-

gen werde (Urk. 74 S. 2). Mit Präsidialverfügung vom 30. September 2013 wurde 

den Beweisanträgen der Privatklägerin insofern stattgegeben, als bei der C._____ 

Klinik in … ein Bericht über den Alkohol- und Medikamentenkonsum resp. das 

Sucht- und Missbrauchsverhalten des Beschuldigten im anklagerelevanten Zeit-

raum sowie über mögliche Auswirkungen davon auf sein soziales und sexuelles 

Verhalten eingeholt wurde. Von der ferner beantragten Einholung eines Gutach-

tens über die Frage der psychischen und physischen Auswirkungen des vom Be-

schuldigten konsumierten Mix aus Schlaftabletten, Schmerzmitteln und Alkohol 

auf seine Verhaltensweisen inkl. mögliches sexuelles Verlangen resp. Verhalten 

wurde hingegen einstweilen abgesehen (Urk. 77). Mit Schreiben vom 29. Oktober 

2013 entband der Beschuldigte die behandelnden Ärzte der C._____ Klinik von 

ihrer beruflichen Schweigepflicht (Urk. 84). Am 16. Dezember 2013 wurde der 

fragliche Bericht erstattet (Urk. 87). Mit Präsidialverfügung vom 19. Februar 2014 

wurde der Privatklägerin Frist zur Stellungnahme zum Bericht angesetzt (Urk. 88). 

Diese erstattete sie innert erstreckter Frist mit Eingabe vom 27. März 2014 (Urk. 

90; Urk. 91). Zugleich stellte sie den neuen Antrag, es seien die Verfasser des 

Berichts der C._____ Klinik ergänzend anzufragen, ob das in der Anklage um-

schriebene Verhalten des Beschuldigten, inklusive Vollzug des Geschlechtsver-

kehrs bis zum Samenerguss in den anklagegemäss umschriebenen Weisen, mit 

dem Alkohol- und Tablettenkonsum des Beschuldigten in den anamnestisch er-

hobenen Mengen (grundsätzlich) vereinbar sei (Urk. 91 S. 3). Mit Präsidialverfü-

gung vom 10. April 2014 wurde dieser Antrag einstweilen abgewiesen und dem 

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Beschuldigten sowie der Anklagebehörde Frist zur Stellungnahme zum Bericht 

der Ärzte der C._____ Klinik vom 16. Dezember 2013 angesetzt (Urk. 92). Der 

Verteidiger teilte mit Eingabe vom 17. April 2014 mit, dass er derzeit auf eine Stel-

lungnahme zum Bericht verzichte und sich eine solche für den Parteivortrag an-

lässlich der Berufungsverhandlung vorbehalte (Urk. 94), die Anklagebehörde liess 

sich nicht vernehmen. 

 

II. Prozessuales 

1. Gemäss Art. 402 i.V.m. Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des angefochtenen 

Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Die Privatklägerin liess Dispositivzif-

fer 3 des vorinstanzlichen Urteils, gemäss der die Entscheidgebühr im vorinstanz-

lichen Verfahren ausser Ansatz fällt und die übrigen Kosten (inkl. diejenigen der 

amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Geschädigtenvertreterin) auf die 

Gerichtskasse genommen werden, nicht anfechten (Urk. 70/1 S. 2). Da die Privat-

klägerin den vollumfänglichen Freispruch des Beschuldigten durch die Vorinstanz 

anficht und die anklagegemässe Verurteilung des Beschuldigten verlangt, kann 

auch Dispositivziffer 3 nicht in Rechtskraft erwachsen sein (vgl. Art. 428 Abs. 3 

StPO). 

2. Es ist zu beachten, dass die Vorinstanz die Hauptverhandlung im Sinne von 

Art. 342 Abs. 1 lit. b StPO zweigeteilt und im ersten Teil lediglich über die Tatfrage 

entschieden hat. Da sie zum Schluss kam, dass sich der eingeklagte Sachverhalt 

nicht erstellen lasse, wurden im zweiten Teil der Hauptverhandlung einzig die da-

raus resultierenden Folgen thematisiert (Urk. 69 S. 4 ff.). 

 

III. Schuldpunkt 

1. Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, die Privatklägerin in der Zeit von etwa 

30. Oktober 2004 bis etwa 15. Mai 2008 in seiner Wohnung an der …strasse … in 

…, danach von etwa 15. Mai 2008 bis etwa 1. Juli 2008 in der Wohnung an der 

-   6   - 

…strasse … in … und schliesslich von etwa 1. Juli 2008 bis etwa Weihnachten 

2009 in seiner Wohnung an der …strasse … in … an nahezu jedem Wochenende 

entweder in der Freitag- oder in der Samstagnacht um 02.00 Uhr nach dem Kon-

sum von Alkohol und Medikamenten jeweils so lange geschlagen und bespuckt 

zu haben, bis diese, die sich zu den genannten Zeitpunkten jeweils bei ihm auf-

gehalten habe und die zu diesen Zeitpunkten jeweils mit gemeinsamen sexuellen 

Handlungen nicht einverstanden gewesen sei, ihren Widerstand aufgegeben habe 

und er an ihr den Geschlechtsverkehr habe vollziehen können, der in der jeweili-

gen Wohnung immer im Schlafzimmer auf dem Bett erfolgt sei. Die Privatklägerin, 

die psychisch vom Beschuldigten abhängig gewesen sei, habe beim erzwunge-

nen Geschlechtsverkehr jeweils sagen müssen: "Papi, ich bin 10 oder 12 Jahre 

alt, ich bin deine kleine Hure, deine Schlampe". Sie habe immer stundenlang auf 

dem Beschuldigten sitzen oder, wenn sie "die Puppe" habe spielen müssen und 

sich nicht habe bewegen dürfen, ihn über sich dulden müssen. Wenn sie nicht 

mehr gewollt habe, habe sie vom Beschuldigten Ohrfeigen erhalten. Bei den ge-

schilderten Übergriffen sei es immer zum Geschlechtsverkehr gekommen, wobei 

sie so lange habe mitmachen müssen, "bis Papi glücklich" gewesen sei, der Be-

schuldigte also zum Samenerguss gekommen sei. Sie habe anlässlich der ge-

schilderten Gelegenheiten auch immer den Oralverkehr am Beschuldigten voll-

ziehen müssen, wobei er zu ihr immer gesagt habe "Erst blast du mir meinen 

Schwanz, du Hure, du Schlampe". Dabei sei er gelegentlich zum Samenerguss 

gekommen, wobei die Privatklägerin den Samen jeweils habe herunterschlucken 

müssen. Bei den beschriebenen sexuellen Handlungen habe der Beschuldigte sie 

auch an den Händen und Haaren oder an ihren Brüsten gerissen, was es ihr ver-

unmöglicht habe, vom Bett aufzustehen und sich vom Beschuldigten zu entfer-

nen. Zudem habe sie Angst vor dem Beschuldigten gehabt, insbesondere vor sei-

ner Wut (Urk. 40 S. 2 f.). 

2.1. Der Beschuldigte war während der Untersuchung und vor der Vorinstanz in 

den massgeblichen Punkten nicht geständig (Urk. 8/1 S. 2 ff.; Urk. 8/2 S. 2 ff.; 

Urk. 57 S. 2 ff.) und hält auch vor der Berufungsinstanz weiterhin daran fest, dass 

er die in der Anklageschrift geschilderten Straftaten nicht begangen habe 

(Urk. 100 S. 2 ff.; Prot. II S. 15 ff.). Er schildert sein Verhältnis zur Privatklägerin 

-   7   - 

als langjährige Beziehung, in der sexuelle Handlungen einzig einvernehmlich er-

folgt seien (vgl. insbesondere Urk. 8/2 S. 2 ff.). 

2.2. Demnach ist nachfolgend zu prüfen, ob sich der im Berufungsverfahren zu 

beurteilende Anklagesachverhalt, soweit er vom Beschuldigten bestritten wird, 

anhand der vorhandenen Beweismittel erstellen lässt. 

3.1. Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfenen Taten, ist der Sachverhalt 

aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente 

nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der aus Art. 9 

und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime "in 

dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, 

dass der einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (Urteile des Bun-

desgerichts 1P_587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2., und 1P_437/2004 vom 

1. Dezember 2004, E. 4.2.; Pra 2002 S. 4 f. Nr. 2 und S. 957 f. Nr. 180; BGE 127 I 

38 E. 2a, BGE 120 Ia 31 E. 2b). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, 

dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten un-

günstigen Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung 

Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteile des Bun-

desgerichtes 6B_795/2008 vom 27. November 2008, E. 2.4., und 6B_438/2007 

vom 26. Februar 2008, E. 2.1.). Die Überzeugung des Richters muss auf einem 

verstandesgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen 

Beobachter nachvollziehbar sein (Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches 

Strafprozessrecht, 6. Auflage, Basel 2006, § 54 N 11 ff.). Wenn erhebliche oder 

nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so abgespielt 

hat, wie er eingeklagt ist, ist der Beschuldigte nach dem Grundsatz "in dubio pro 

reo" freizusprechen (Bernard Corboz, "in dubio pro reo", in ZBJV 1993, N 419 f.). 

Soweit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der Nachweis der Tat mit Indizien 

zu führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren "Mosaik" zu würdi-

gen ist (vgl. dazu auch Pra 2004 Nr. 51 S. 256, Ziff. 1.4.; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 

f., Ziff. 3.4.). 

3.2. Aufgabe des Richters ist es demzufolge, seinem Gewissen verpflichtet, in ob-

jektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem 

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bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen 

Richtigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 Abs. 2 StPO; ZR 72 Nr. 80; Max Gul-

dener, Beweiswürdigung und Beweislast, S. 7; Pra 2004 Nr. 51 S. 256 Ziff. 1.4.; 

BGE 124 IV 86 E. 2a, BGE 120 1a 31 E. 2c). Es liegt in der Natur der Sache, 

dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Beweis-

führung erreicht werden kann. Daher muss es genügen, dass das Beweisergebnis 

über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist (vgl. Kassationsgerichtsentscheid 

vom 26. Juni 2003, Nr. 2002/387S, E. 2.2.1. mit Hinweisen). Bloss abstrakte oder 

theoretische Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche immer mög-

lich sind (Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 12, Urteile des Bundesgerich-

tes 6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4., und 1P_587/2003 vom 29. Ja-

nuar 2004, E. 7.2.). Es genügt also, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld aus-

geschlossen werden können. Hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser 

Wahrscheinlichkeit beruhen. 

3.3. Wie bereits angesprochen können auch indirekte, mittelbare Beweise, soge-

nannte Anzeichen oder Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsamen 

Schluss erlauben. Indizien sind Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere, 

unmittelbar erhebliche Tatsache zulassen. Beim Indizienbeweis wird somit vermu-

tet, dass eine nicht bewiesene Tatsache gegeben ist, weil sich diese Schlussfol-

gerung aus bewiesenen Tatsachen (Indizien) nach der Lebenserfahrung auf-

drängt. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig (Hau-

ser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 59 N 14). Da ein Indiz immer nur mit einer ge-

wissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, ein-

zeln betrachtet, die Möglichkeit des Andersseins offen, enthält daher auch den 

Zweifel (Hans Walder, Der Indizienbeweis im Strafprozess, ZStrR 108/1991, 

S. 309; Derselbe, Die Beweisführung in Strafsachen, insbesondere der Indizien-

beweis, Zürich 1974/75, S. 49). Es ist jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der 

verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen 

Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und 

insofern Zweifel offen lassen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat 

oder Täter zu schliessen (Urteile des Bundesgerichtes 6B_365/2009 vom 12. No-

vember 2009, E. 1.4., 6B_332/2009 vom 4. August 2009, E. 2.3. mit Hinweisen, 

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und 6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4.; Hauser/Schweri/Hartmann, 

a.a.O., § 59 N 15). 

3.4. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind diese 

frei zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten und 

den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung überzeu-

gend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt, 

verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgten. Bei der Würdigung 

von Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaub-

würdigkeit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist vielmehr die 

Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese sind einer 

kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das Vorhandensein von soge-

nannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist (vgl. Rolf Bender, Die 

häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 [1985] 

S. 53 ff.; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, Glaubwürdig-

keits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 3. Auflage, München 2007, N 310 ff. 

und N 350 ff.). Die wichtigsten Realitätskriterien sind dabei die "innere Geschlos-

senheit" und "Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehensablaufs", "kon-

krete und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses" sowie die "Schilderung des 

Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten 

ist, der den Vorfall selber miterlebt hat", "Kenntlichmachung der psychischen Si-

tuation von Täter und Zeuge bzw. unter Mittätern", "Selbstbelastung oder unvor-

teilhafte Darstellung der eigenen Rolle", "Entlastungsbemerkungen zugunsten des 

Beschuldigten" und "Konstanz der Aussage bei verschiedenen Befragungen, wo-

bei sich aber sowohl Formulierungen als auch die Angaben über Nebenumstände 

verändern können" (Robert Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozessrecht mit 

Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 316). Andererseits sind 

auch allfällige Phantasiesignale zu berücksichtigen. Als Indizien für falsche Aus-

sagen gelten "Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussa-

gen", "Zurücknahme oder erhebliche Abschwächungen in den ursprünglichen An-

schuldigungen", "Übersteigerungen in den Beschuldigungen im Verlaufe von 

mehreren Einvernahmen", "unklare, verschwommene oder ausweichende Antwor-

ten" sowie "gleichförmig, eingeübt und stereotyp wirkende Aussagen". Als gene-

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relle Phantasiesignale nennen Bender/Nack/Treuer die "Schwarz-Weiss-Malerei", 

die "Verarmung der Aussage", das "Flucht- und Begründungssignal" und die "be-

hauptete Akzeptanz gegenüber bezweifelbaren Rechtsverkürzungen", wobei wei-

ter festgehalten wird, den "Phantasiebegabten" falle es ganz allgemein leichter, 

von eigenen Aussagen und Aktivitäten zu berichten, als die Antworten und Reak-

tionen der Gegenseite zu erfinden. Wenn das eine oder andere Phantasiesignal 

auftritt, braucht die Aussage nicht verworfen zu werden. Es ist dann aber eine 

ausreichende Zahl von erstklassigen Realitätskriterien zu fordern. Bei häufigem 

Auftreten von Phantasiesignalen sollten an die Zahl und Qualität der Realitätskri-

terien strenge Anforderungen gestellt werden, damit eine Aussage als zuverlässig 

eingestuft werden kann (Bender/Nack/Treuer, a.a.O., N 429 ff.). 

3.5. Damit kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Aussagenden nach neue-

ren Erkenntnissen kaum mehr Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahr-

heitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkre-

ten Aussagen.  

3.6. Angesichts der Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, d.h. der 

verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbe-

standselemente nachzuweisen (vgl. dazu Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 

4. Auflage, Zürich 2004, N 599) und nicht der Beschuldigte seine Unschuld (BGE 

127 I 38 E. 2a und Urteile des Bundesgerichtes 1P_437/2004 vom 1. Dezember 

2004, E. 4.3., sowie 6S_154/2004 vom 30. November 2005, E. 4.). 

3.7. Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet als Beweislastregel keine Anwen-

dung, wenn der Beschuldigte eine ihn entlastende Behauptung aufstellt, ohne 

dass er diese in einem Mindestmass glaubhaft machen kann. Es tritt nämlich in-

soweit eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene Schutz-

behauptung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis wider-

legt werden muss. Ein solcher Beweis ist nur dann zu verlangen, wenn gewisse 

Anhaltspunkte wie konkrete Indizien oder eine natürliche Vermutung für die Rich-

tigkeit der Behauptung sprechen bzw. diese zumindest als zweifelhaft erscheinen 

lassen, oder wenn der Beschuldigte sie sonstwie glaubhaft macht (vgl. Kassati-

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onsgerichtsentscheid vom 2. November 2004, Nr. AC040082, E. 3.5, Stefan 

Trechsel, SJZ 1981 S. 320). 

4.1. An relevanten Beweismitteln liegen neben den Aussagen des Beschuldigten 

(Urk. 8/1-2, Urk. 18/10; Urk. 30; Urk. 31; Urk. 57, Prot. II S. 9 ff.) und der Privat-

klägerin (Urk. 6/1-4) Fotoaufnahmen der Arme der Privatklägerin (Urk. 5), ein un-

datierter Brief der Privatklägerin an den Beschuldigten (Urk. 7/1), eine Aufstellung 

von SMS, die im Mobiltelefon der Privatklägerin gespeichert waren (Urk. 7/2), ein 

ärztliches Zeugnis vom 1. November 2004 (Urk. 7/4), ein Kurzbericht des Stadt-

spitals … vom 30. Oktober 2004 (Urk. 9/2) und ein ärztlicher Bericht der C._____ 

Klinik vom 16. Dezember 2013 (Urk. 87) vor. 

Wie die Vorinstanz zu Recht festgestellt hat, ist die Hafteinvernahme des Be-

schuldigten vom 26. August 2010 nicht zu dessen Lasten verwertbar, da ein Fall 

von notwendiger Verteidigung vorlag, der Beschuldigte aber lediglich darauf hin-

gewiesen wurde, dass er einen Verteidiger beiziehen könne (Urk. 8/1 S. 1; 

Urk. 69 S. 28). Dies gilt auch für die Einvernahme vor dem Haftrichter (Urk. 

18/10). Da D._____, der Bruder des Beschuldigten, nicht als Zeuge einvernom-

men wurde, kann dessen Aufstellung (Urk. 7/5) ebenfalls nur zu Gunsten des Be-

schuldigten verwertet werden. Das Gleiche gilt ferner für das von der Vertreterin 

der Privatklägerin eingereichte versicherungspsychiatrische Gutachten über die 

Privatklägerin vom 9. Oktober 2012 (Urk. 51/3), denn bei dessen Erstattung, wel-

che nicht im Zusammenhang mit dem vorliegenden Strafverfahren, sondern zu 

einem anderen Zweck erfolgte, wurden die zu Gunsten eines Beschuldigten auf-

gestellten strafprozessualen Bestimmungen nicht eingehalten. Beim ärztlicher Be-

fund von med. pract. E._____, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, 

vom 22. Februar 2012 (Urk. 25/2) wurden, wie die Vorinstanz zutreffend festhielt 

(Urk. 69 S. 29), die prozessualen Mitwirkungsrechte des Beschuldigten verletzt, 

weshalb auch dieser nur zu dessen Gunsten verwertbar ist. Hinsichtlich der er-

wähnten Aufstellung der SMS, die im Mobiltelefon der Privatklägerin gespeichert 

waren, ist darauf hinzuweisen, dass diese von ihrer Vertreterin eingereicht wurde. 

Eine behördliche Auswertung der Ein- und Ausgänge von SMS wurde hinsichtlich 

dieses Mobiltelefons nicht vorgenommen. Der Beschuldigte und die Verteidigung 

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machen indes nicht geltend, dass die Auflistung nicht korrekt sei, weshalb grund-

sätzlich darauf abgestellt werden kann. Es kann allerdings nicht ausgeschlossen 

werden, dass die Aufstellung nicht alle SMS der fraglichen Zeitspanne umfasst, 

beispielsweise, weil die Privatklägerin einen Teil ihrer Nachrichten bereits ge-

löscht hatte. Der amtliche Verteidiger brachte vor, dass es sich beim ärztlichen 

Bericht der C._____ Klinik vom 16. Dezember 2013 (Urk. 87) weder um ein Gut-

achten noch um eine Zeugenaussage, sondern um eine schriftliche Auskunft im 

Sinne von Art. 145 StPO handle. Schriftliche Auskünfte und Arztzeugnisse im 

Sinne von Art. 195 Abs. 1 StPO könnten aufgrund der nicht beachteten Teilnah-

me- und Fragerechte des Beschuldigten und der fehlenden Rechtsbelehrung und 

Strafandrohung gegenüber den Ärzten nur zu Gunsten des Beschuldigten verwer-

tet werden (Urk. 100 S. 3). Wie es sich damit verhält, kann aber offen bleiben, wie 

unter den Erwägungen III. 6.1.3. und III. 6.5.4. aufzuzeigen sein wird. Der Ver-

wertbarkeit der übrigen Beweismittel steht nichts entgegen. 

4.2. Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist festzuhalten, dass er 

als Beschuldigter einvernommen und somit nicht unter der Strafandrohung von 

Art. 307 StGB zu wahrheitsgemässen Aussagen verpflichtet wurde. Zudem hat er, 

wie auch die Vorinstanz festgehalten hat (Urk. 69 S. 31), als direkt vom Verfahren 

Betroffener ein Interesse daran, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen 

Licht darzustellen, zumal ihm eine mehrjährige Freiheitsstrafe droht (Urk. 40 S. 4). 

Seine Aussagen sind daher mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen. 

4.3. Die Vorinstanz kam zu Recht zum Schluss, dass die psychiatrischen Diagno-

sen, die dem ärztlichen Befund vom 22. Februar 2012 sowie dem versicherungs-

psychologischen Gutachten vom 9. Oktober 2012 zu entnehmen sind, keine 

Rückschlüsse auf die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin zulassen (Urk. 69 S. 31 

f.). Die Privatklägerin deponierte ihre Aussagen anlässlich der beiden staatsan-

waltschaftlichen Einvernahmen vom 4. und vom 11. Oktober 2010 (Urk. 6/3 und 

6/4) – noch unter dem Regime des kantonalen Strafprozessrechts – unter der 

Strafandrohung von Art. 307 StGB. Dass sie im vorliegenden Verfahren bisher 

keine Zivilansprüche geltend gemacht hat, bedeutet nicht, dass sie nicht dennoch 

ein erhebliches Interesse an dessen Ausgang haben könnte. Einerseits hatte sie 

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aufgrund des Tatinterlokuts bisher keine Gelegenheit, solche im vorliegenden 

Verfahren geltend zu machen, andererseits könnte sie Zivilansprüche auch in ei-

nem späteren Zivilverfahren einklagen. Es liegen – auch angesichts eines SMS, 

das der Beschuldigte ihr am 28. Juni 2010 sandte (Urk. 7/2 Nr. 381) – Anhalts-

punkte dafür vor, dass die Privatklägerin während der Jahre, in denen sie für den 

Lebensunterhalt des Beschuldigten aufkam, keine oder nicht die ganzen geschul-

deten Steuern und Sozialversicherungsabgaben auf ihr Einkommen bezahlte (vgl. 

Urk. 6/2 S. 14) und deshalb im Zeitpunkt der Anzeigeerstattung mit hohen Steu-

ernachforderungen konfrontiert zu werden drohte, ausser sie konnte den Behör-

den plausibel machen, dass der Beschuldigte diese Abgaben schuldete. Auf die 

Ergänzungsfrage des Verteidigers anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme vom 11. Oktober 2010, ob sie das in den letzten Jahren erzielte Einkom-

men auch selber versteuern müsse, wenn sie beweisen könne, dass sie es dem 

Beschuldigten weitergereicht habe, erklärte ihre Vertreterin denn auch, dass dies 

Gegenstand von Verhandlungen mit dem Steueramt sei (Urk. 6/4 S. 10). Schliess-

lich ergibt sich aus einem Schreiben der Mutter des Beschuldigten vom 7. Sep-

tember 2010 an diesen ein Hinweis darauf, dass die Privatklägerin befürchten 

könnte, die Schweiz verlassen zu müssen (Urk. 6/4 S. 14; Urk. 18/12 Anhang; 

Urk. 60 S. 12) und kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass sie sich von 

einer Verurteilung des Beschuldigten Vorteile mit Bezug auf ihren aufenthalts-

rechtlichen Status erhofft. Diese Umstände legen nahe, auch die Aussagen der 

Privatklägerin mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen. 

5. Die Vorinstanz hat die Aussagen der beiden Befragten detailliert und korrekt 

wiedergegeben (Urk. 69 S. 6 ff.). Es kann daher zwecks Vermeidung von Wieder-

holungen grundsätzlich darauf verwiesen werden. 

6.1.1. Mit Datum vom 16. Dezember 2013 erstattete die mit Schreiben vom 

30. September 2013 (Urk. 79) gestützt auf die gleichentags ergangene Präsidial-

verfügung (Urk. 77) angefragte C._____ Klinik einen ärztlichen Bericht über den 

Beschuldigten (Urk. 87). Darin wird, gestützt auf die Angaben im genannten 

Schreiben, auf den Zeitraum vom 30. Oktober 2004 bis zum 15. Mai 2008 Bezug 

genommen. Gemäss Anklageschrift soll der Beschuldigte die eingeklagten Hand-

-   14   - 

lungen indes im Zeitraum vom 30. Oktober 2004 bis etwa Weihnachten 2009 vor-

genommen haben. Die abweichende Angabe im Schreiben an die C._____ Klinik 

beruht auf einem offensichtlichen Versehen des Gerichts, hat aber auf die erstat-

tete Auskunft keinen Einfluss, da diese generell die Anamnese vor dem Eintritt 

des Beschuldigten in die C._____ Klinik per 1. Juli 2010 zum Gegenstand hat.  

6.1.2. Aus dem Bericht der Ärzte der C._____ Klinik geht hervor, dass der Be-

schuldigte im Verlauf der stationären Behandlung angab, seit dem 30. Lebens-

jahr, d.h. seit ca. 2001 und somit seit einem Zeitpunkt, der geraume Zeit vor dem 

mutmasslichen Deliktszeitraum liegt, regelmässig Alkohol konsumiert zu haben. 

So habe er fast täglich zum Essen ein bis zwei Gläser Wein getrunken. Seit ca. 

Mitte 2008 habe er täglich bis zu einen Liter Wein und zusätzlich einen Liter Bier 

getrunken und ca. zwei Tabletten Zolpidem täglich konsumiert. Offensichtlich ge-

stützt auf die Angaben, die der Beschuldigte im Rahmen der stationären Behand-

lung machte, wird seitens der Ärzte der C._____ Klinik von einem Abhängigkeits-

syndrom von Alkohol und Hypnotika (Zolpidem) seit Mitte 2008 ausgegangen 

(Urk. 87 S. 1). 

6.1.3. Die Angaben zum Alkohol- und Medikamentenkonsum, die der Beschuldig-

te gemäss dem Bericht im Verlauf seines Aufenthalts in der C._____ Klinik mach-

te, liegen teilweise wesentlich niedriger als diejenigen der Privatklägerin und des 

Beschuldigten im vorliegenden Strafverfahren, und die Vorinstanz ging, gestützt 

auf diese Aussagen, zur Begründung des Freispruchs offensichtlich von den An-

gaben der Privatklägerin und des Beschuldigten aus. Wie nachfolgend zu zeigen 

sein wird, kann indessen offen bleiben, wie hoch der Alkohol- und Medikamenten-

konsum des Beschuldigten im anklagerelevanten Zeitraum tatsächlich war. Selbst 

als der Beschuldigte am 11. Mai 2010 gemäss seinen eigenen Angaben in einem 

SMS an die Privatklägerin eine Flasche Wodka getrunken und 6 Schlaftabletten 

genommen hatte, war er noch in der Lage, der Privatklägerin diese Textnachricht 

zu schreiben, worin er darüber hinaus erklärte, dass er nicht schlafen könne, 

wenn auch dieses SMS deutlich mehr Fehler enthielt als sonst (Urk. 7/2 Nr. 182). 

Grundsätzlich muss wohl davon ausgegangen werden, dass der Konsum von Al-

kohol und Schlaftabletten in einer derartigen Menge bei einer nicht von diesen 

-   15   - 

Substanzen abhängigen Person zu einem koma-ähnlichen Zustand führen könn-

te. Der Beschuldigte war aber gemäss dem Bericht der Ärzte der C._____ Klinik 

(Urk. 87 S. 1) von beiden Substanzen abhängig, und hinzu kommt, dass die von 

ihm genommenen Schlaftabletten möglicherweise auch paradoxe (gegenteilige) 

Reaktionen auslösen können. Die Antwort der Ärzte der C._____ Klinik auf die 

Frage der Auswirkungen des Alkohol- und Medikamentenkonsums des Beschul-

digten auf sein Sexualverhalten lässt sich denn auch dahingehend verstehen, 

dass der Konsum der von diesem in der C._____ Klinik angegebenen Menge Al-

kohol und Hypnotika die faktische Möglichkeit der Tatbegehung ihres Erachtens 

nicht ausschliessen würde (vgl. Urk. 87 S. 2). Ob auf diese Information abgestellt 

werden dürfte (dazu vorne unter Erwägung III. 4.1.), kann indessen, wie nachfol-

gend aufzuzeigen sein wird, ebenfalls offen bleiben. 

6.1.4. Geht man im Sinne einer Hypothese davon aus, dass der Beschuldigte 

auch nach Einnahme der fraglichen Substanzen in der von ihm und der Privatklä-

gerin im vorliegenden Verfahren angegebenen Quantität noch in der Lage gewe-

sen wäre, den Geschlechtsverkehr zu vollziehen, stellt dies zwar ein Indiz dafür 

dar, dass die Privatklägerin wahrheitsgemäss aussagte, stellt sich aber nach wie 

vor die Frage nach der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin.  

6.2.1. Viele der Angaben der Privatklägerin, die nicht das Kerngeschehen betref-

fen, werden durch die Aussagen des Beschuldigten oder auch durch den Inhalt 

der SMS, die ausgetauscht wurden (Urk. 7/2), bestätigt. So ergibt sich aus den 

SMS des Beschuldigten an die Privatklägerin, dass dieser tatsächlich ein Bordell 

mit sehr jungen Frauen eröffnen wollte (so die Privatklägerin: Urk. 6/2 S. 5; Urk. 

6/3 S. 5 und S. 12) und dass dafür eine Wohnung oder ein Haus gesucht wurde 

(Urk. 7/2 Nr. 257, 260, 262, 263, 264, 273), dass er mit seinem bisherigen Fahr-

zeug nicht zufrieden war und ein teureres haben wollte (Urk. 6/3 S. 4 f. und S. 12; 

Urk. 6/4 S. 16; Urk. 7/2 Nr. 101, 164, 175, 189, 199, 222), dass er die Aufnahme 

eines Kredits durch die Privatklägerin resp. Geld von ihr verlangte (Urk. 7/2 Nr. 

101, 135, 142, 145, 155, 158, 162, 163, 196, 214, 223, 224, 253, 275, 276, 281, 

285, 357, 358), dass sie ihm Geld in den Briefkasten legen sollte (Urk. 6/2 S. 13; 

Urk. 6/3 S. 12; Urk. 6/4 S. 10; Urk. 7/2 Nr. 135, 158, 162, 163, 214, 253, 275, 

-   16   - 

285), dass er sagte, es mache ihn "geil", wenn sie arbeiten gehe, damit er ins 

"Puff" gehen könnte (Urk. 6/3 S. 11; Urk. 6/4 S. 14; Urk. 7/2 Nr. 92) oder dass er, 

nachdem er auf der Strasse stand, auch bei "G._____" übernachtete (Urk. 6/1 S. 

3; Urk. 7/2 Nr. 328-331). Anders verhält es sich aber mit den Angaben der Privat-

klägerin zum eigentlichen Kerngeschehen, die vom Beschuldigten vollumfänglich 

bestritten werden.  

6.2.2. Erhebliche Widersprüche ergeben sich bereits hinsichtlich des ersten von 

der Privatklägerin geschilderten Übergriffs, der gemäss ihrer Darstellung eine Be-

handlung in der Notfallabteilung des Stadtspitals … zur Folge hatte. Diesen da-

tierte sie in ihrer ersten polizeilichen Einvernahme vom 21. Juli 2010 in den Zeit-

raum Januar/Februar 2005. Der Beschuldigte und sie seien im August 2004 zu-

sammengekommen, und die Übergriffe hätten etwa ein halbes Jahr später be-

gonnen (Urk. 6/1 S. 2). Anlässlich der zweiten polizeilichen Einvernahme vom 

4. August 2010 bestätigte sie zwar, dass der Beschuldigte und sie im August 

2004 zusammengekommen seien (Urk. 6/2 S. 4), doch gab sie zum Zeitpunkt, in 

dem dieser Übergriff stattgefunden habe, an, dies sei am Anfang der Beziehung 

gewesen (Urk. 6/2 S. 4), wobei sie ein Arztzeugnis vom 1. November 2004 ein-

reichte, aus dem sich eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit wegen Unfalls für die Zeit 

vom 30. Oktober bis 5. November 2004 ergibt (Urk. 6/2 S. 4; Urk. 7/4). Nun kann 

es zwar sein, dass die Privatklägerin, was die zeitliche Einordnung angeht, in der 

ersten Einvernahme einem Irrtum unterlag, wenngleich dies eher überraschend 

wäre, wenn sich dieses Ereignis wie von ihr geschildert zugetragen hätte. Es 

handelte sich nämlich gemäss der Darstellung der Privatklägerin ausgerechnet 

um die erste Übernachtung in der – kurz zuvor von ihr gemieteten – Wohnung des 

Beschuldigten (Urk. 6/2 S. 4; Urk. 6/3 S. 5 f.; Urk. 6/4 S. 3), von der man anneh-

men würde, dass sie nur schon deswegen als spezielles Ereignis im Gedächtnis 

haften geblieben wäre, und erst recht, wenn der gewalttätige Übergriff, den sie 

dem Beschuldigten vorwirft, sich tatsächlich ereignet hätte. Auffällig ist ferner eine 

Diskrepanz in den Angaben zum Hergang. Anlässlich der polizeilichen Einver-

nahme vom 4. August 2010 gab die Privatklägerin an, der Beschuldigte habe sich 

auf sie gesetzt, ca. eine halbe Stunde auf sie eingeschlagen und sie am Schluss 

gegen die Heizung gestossen, wo sie mit dem Kopf aufgeschlagen sei; zudem 

-   17   - 

habe er gesagt, dass er sie in dieser Nacht umbringe (Urk. 6/2 S. 7). Anlässlich 

der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 4. Oktober 2010 erklärte sie, er 

sei plötzlich ausgerastet, habe sich auf sie gesetzt und sie mit den Fäusten ge-

schlagen, wobei er immer wieder gesagt habe, "ich bringe dich um du Drecknutte, 

du Dreckschlampe". Irgendwann habe er aufgehört. Sie sei auf der Bettkante ge-

sessen, plötzlich sei er hochgesprungen und habe sie mit dem Kopf gegen den 

Heizkörper gestossen (Urk. 6/3 S. 5). Auf die Frage, wohin der Beschuldigte ge-

schlagen habe, erklärte sie, immer ins Gesicht und am Oberkörper, er sei ja auf 

ihren Beinen gesessen, auch auf ihre Hände und Beine. Nach der Dauer befragt 

antwortete sie, es sei ihr ewig erschienen, vielleicht eine halbe Stunde, sie wisse 

es nicht genau (Urk. 6/3 S. 6). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme vom 11. Oktober 2010 erklärte sie dann auf die Frage des Verteidigers, 

sie habe bezüglich des Vorfalls mit dem Loch im Kopf am 21. Juli 2010 ausge-

führt, der Beschuldigte habe dabei ca. eine halbe Stunde auf den Kopf eingeprü-

gelt, "Auf den Körper habe ich gesagt (Urk. 6/4 S. 13)". Dies impliziert, dass er sie 

nicht auf den Kopf resp. ins Gesicht geschlagen habe, wie sie in der staatsan-

waltschaftlichen Einvernahme vom 4. Oktober 2010 ausgesagt hatte, was einen 

Widerspruch darstellt. Hinzu kommt schliesslich, dass der Bericht des …-Spitals 

vom 30. Oktober 2004 (Urk. 9/2) in keiner Weise in Einklang steht mit den Anga-

ben der Privatklägerin zu den Geschehnissen an diesem Tag. Darin wurden ne-

ben einer leichten Hirnerschütterung "nur" eine 4 cm lange Rissquetschwunde an 

der Stirn (die der Beschuldigte nicht bestreitet, aber auf einen Unfall zurückführt, 

bei dem im Schlafzimmer in … der Deckenventilator hinuntergefallen bzw. das 

Bett zusammengekracht und die Privatklägerin vom Bett gefallen bzw. mit dem 

Kopf gegen den Heizkörper geprallt sei: Urk. 8/2 S. 3 f.; Urk. 57 S. 3; Prot. II S. 21 

f.) sowie eine Prellmarke am Unterarm festgestellt; der restliche Body-Check war 

gemäss dem Bericht unauffällig. Die Privatklägerin hatte demgegenüber erklärt, 

dass sie von Kopf bis Fuss blau gewesen und von der Krankenschwester und 

vom Arzt darauf angesprochen worden sei (Urk. 6/2 S. 8; Urk. 6/3 S. 5 f.). Als ihr 

dann anlässlich der Einvernahme vom 11. Oktober 2011 im Rahmen der Ergän-

zungsfragen des Verteidigers der Bericht, der nicht von ihr eingereicht, sondern 

von der Kantonspolizei beigezogen worden war (Urk. 9/1-2; Urk. 2 S. 2), vorgehal-

-   18   - 

ten wurde, erklärte sie im Widerspruch zu ihren eigenen Aussagen wie auch zum 

Bericht, gemäss dem der Body-Check unauffällig war (was impliziert, dass der 

ganze Körper "gecheckt" wurde), sie habe die Hose nie ausziehen müssen (Urk. 

6/4 S. 13). Die Vertreterin der Privatklägerin bringt vor, dass bei einem medizini-

schen Body-Check auf einer Notfallstation ein Patient mit festen Griffen über den 

Kleidern und gleichzeitiger Befragung überprüft werde. Aus dem Vermerk "restl. 

Bodycheck unauffällig" könne demnach nicht abgeleitet werden, dass die Privat-

klägerin keine weiteren Prellungen aufgewiesen habe (Urk. 99 S. 7). Bei der am-

bulanten Behandlung im …-Spital musste indes die 4 cm lange Rissquetschwun-

de genäht werden (Urk. 9/2), was normalerweise in einem Operationssaal ge-

schieht. Demnach ist es aus hygienischen Gründen naheliegend, dass sich die 

Privatklägerin ihrer Kleider entledigen musste. Abgesehen davon steht diese Er-

klärung der Vertreterin der Privatklägerin im Widerspruch zur ursprünglichen Dar-

stellung der Privatklägerin, dass sie von der Krankenschwester und dem Arzt auf 

ihre Hämatome am ganzen Körper angesprochen worden sei (siehe oben). Die 

Argumentation der Vertreterin der Privatklägerin überzeugt daher nicht. In Bezug 

auf die Ursache der Verletzungen machte die Vertreterin der Privatklägerin gel-

tend (Urk. 99 S. 5), dass Gewaltopfer häufig behaupten würden, dass sie in der 

Badewanne ausgerutscht seien (Urk. 9/2). Vor dem Hintergrund, dass die Privat-

klägerin zu diesem Zeitpunkt noch verheiratet und bei ihrem damaligen Ehegatten 

wohnhaft war (Urk. 6/2 S. 2 und S. 4), jedoch vom Beschuldigten ins …-Spital ge-

bracht wurde, erscheint es plausibel, dass sie in ihren Angaben gegenüber dem 

Spitalpersonal die Geschehnisse sozusagen vom Schlaf- ins Badezimmer verleg-

te. Im Übrigen stimmt die von der Privatklägerin gegenüber dem Spitalpersonal 

angegebene und im Kurzbericht des …-Spitals festgehaltene Schilderung (Urk. 

9/2), wonach sie den Kopf an einem Radiator angeschlagen habe (Urk. 9/2), mit 

den Aussagen des Beschuldigten (Urk. 8/2 S. 3 f.) überein. 

Der von der Privatklägerin geschilderte Vorgang vom 30. Oktober 2004 wird zwar 

auch in einem Schreiben, welches sie dem Beschuldigten am Tag nach dem Vor-

fall, der zum Aufsuchen des …-Spitals führte, also am 31. Oktober 2004, ge-

schrieben, ihm dann aber nicht übergeben haben will (Urk. 6/4 S. 16 f.), und das 

sie im Laufe der Untersuchung einreichte (Urk. 7/1), wiedergegeben. Es lässt sich 

-   19   - 

aber nicht ausschliessen, dass dieses Schriftstück nachträglich zu Beweiszwe-

cken erstellt wurde. Dessen Inhalt mutet jedenfalls äusserst sonderbar an, handelt 

es sich doch um eine ausführliche Darstellung der behaupteten Ereignisse, die 

man üblicherweise kaum an eine Person richten würde, die bei den beschriebe-

nen Vorfällen dabei war, zumal man am Folgetag wohl davon ausgehen würde, 

dass diese die Ereignisse noch in unmittelbarer Erinnerung hat. Es würde sich 

aber letztlich ohnehin bloss um eine Sachverhaltsdarstellung der Privatklägerin 

handeln, die einzig, weil sie am Tag nach dem fraglichen Vorfall niedergeschrie-

ben worden wäre, eine gewisse Indizwirkung hätte. 

Insbesondere die augenfällige Diskrepanz zwischen den Angaben der Privatklä-

gerin und dem Bericht des …-Spitals vom 30. Oktober 2004 lassen es als zwei-

felhaft erscheinen, dass die Angaben der Privatklägerin zum behaupteten Ge-

schehen an diesem Tag der Wahrheit entsprechen. Zwar wurde dieser von der 

Privatklägerin geschilderte Übergriff nicht eingeklagt. Für die Analyse ihres Aus-

sageverhaltens können ihre diesbezüglichen Aussagen aber dennoch herange-

zogen werden. 

6.2.3. Die Privatklägerin widersprach sodann ihrer eigenen Darstellung des Kern-

geschehens in den ersten drei Einvernahmen, als sie anlässlich der letzten Ein-

vernahme vom 11. Oktober 2010 auf die Frage "Sie haben letztes Mal weiter er-

zählt, sie seien nicht damit einverstanden gewesen, das kleine Mädchen, die Hure 

oder die Puppe zu spielen oder zu bellen, (…) wieso kam es dann dennoch zu 

solchen 'Rollenspielen'?" antwortete: "Ich wollte ihm einen Gefallen tun, dass er 

nicht noch mehr fremd geht", und weiter auf die Frage "Bitte schildern Sie konkret, 

zu welchen sexuellen Handlungen es in der Nacht jeweils kam, mit welchen Sie 

nicht einverstanden waren" erklärte, "Puppe spielen, kleines Mädchen spielen und 

bellen" (Urk. 6/4 S. 3). Dies kann nur dahingehend verstanden werden, dass die 

Privatklägerin zwar diese Rollenspielen eigentlich nicht wollte, aber, um den Be-

schuldigten vom Fremdgehen abzuhalten, dennoch von sich aus mitmachte. Ge-

gen Ende der gleichen Einvernahme relativierte die Privatklägerin diese Aussage 

zwar, indem sie zu verstehen gab, dass ihr Einverständnis die Rollenspiele tags-

über betroffen habe (Urk. 6/4 S. 16 und 18). In der Einvernahme vom 4. Oktober 

-   20   - 

2010 hatte sie aber angegeben, dass sie tagsüber nie das kleine Mädchen habe 

spielen müssen, und auf die Frage, mit was für Rollenspielen am Tag sie einver-

standen gewesen sei, geantwortet "mit Sklavinspielen mit peitschen und fesseln, 

einfach was Papi sagt" (Urk. 6/3 S. 9). In der staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme vom 11. Oktober 2010 erklärte sie ferner im Zusammenhang mit der von 

ihr geltend gemachten Angst vor dem Beschuldigten und den von ihr behaupteten 

Drohungen, sie habe sich dann gedacht, sie mache ihn lieber glücklich, egal, was 

das für sie bedeute (Urk. 6/4 S. 20), und im Zusammenhang mit der Frage des 

Verteidigers, ob er sie richtig verstehe, dass "es" so lange gedauert habe, bis der 

Beschuldigte sexuell befriedigt gewesen sei, also ejakuliert habe, "Ich wollte im-

mer, dass er glücklich ist, ich habe alles probiert" (Urk. 6/4 S. 21). Hinzuweisen ist 

aber auch auf die Antwort der Privatklägerin auf die anlässlich der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme vom 11. Oktober 2010 vom Verteidiger gestellte Frage, 

ob sie die Möglichkeit gehabt habe, wegzugehen, "Ja, ich habe einmal gesagt, ich 

müsse am Morgen früh aufstehen. Ich wollte schlafen. Seine Antwort war, du 

willst nicht, dass Papi böse wird. Das Problem war auch, dass das Taxi Fr. 200.– 

kostete. Ich wollte ihn auch nicht wütend machen, deshalb bin ich geblieben" 

(Urk. 6/4 S. 19). Ferner antwortete sie auf die Frage, aus welchem Anlass der Be-

schuldigte sie in der Nacht gewürgt habe, "Bei Sexspielen…" (Urk. 6/4 S. 4). Die 

Diskrepanzen bei diesen Angaben lassen ebenfalls Zweifel am Wahrheitsgehalt 

der Angaben der Privatklägerin aufkommen. Sollten die in der Anklageschrift um-

schriebenen sexuellen Handlungen dennoch stattgefunden haben, würde sich un-

ter diesen Umständen zudem die Frage stellen, ob resp. inwieweit die Privatklä-

gerin – wie in der Anklageschrift umschrieben ist – Widerstand leistete und diesen 

anschliessend aufgab. Ihre anlässlich der Einvernahme vom 4. August 2010 de-

ponierte Aussage, sie habe sich immer gewehrt, wo es auch gegangen sei (Urk. 

6/2 S. 8), wird jedenfalls durch die angeführten Aussagen anlässlich der Einver-

nahme vom 11. Oktober 2010 massiv in Frage gestellt. Selbst wenn man aber 

davon ausgehen würde, dass es jeweils zu Nachtzeiten zu den von der Privatklä-

gerin beschriebenen sexuellen Handlungen gekommen wäre, wäre weiter fraglich, 

ob für den Beschuldigten überhaupt erkennbar war, dass diese sexuellen Hand-

lungen gegen den Willen der Privatklägerin stattfanden. Die Privatklägerin führte 

-   21   - 

nämlich einerseits selbst aus, dass es auch zu Nachtzeiten zu einvernehmlichen 

sexuellen Handlungen gekommen sei (Urk. 6/3 S. 9). Insbesondere ist aber im 

Kontext der auch von der Privatklägerin eingeräumten Rollenspiele ("Sklavenspie-

le, mit peitschen und fesseln, einfach was Papi sagt"), welche tagsüber stattge-

funden hätten und mit denen sie einverstanden gewesen sei (Urk. 6/3 S. 9), nicht 

zu erstellen, dass es für den Beschuldigten erkennbar war, dass vergleichbare 

Rollenspiele zu Nachtzeiten gegen ihren Willen stattfanden, zumal die Privatklä-

gerin selbst angab, dass sie alles gemacht habe, um den Beschuldigten glücklich 

zu machen (Urk. 6/4 S. 20). Es ist zwar nicht von der Hand zu weisen, dass die 

Schilderungen der Privatklägerin, wonach sie jeweils habe sagen müssen, "Papi, 

ich bin 10 oder 12 Jahre alt, ich bin deine kleine Hure, deine Schlampe" oder sie 

habe "die Puppe spielen" müssen, aussergewöhnliche Umschreibungen von se-

xuellen Übergriffen darstellen. Da die Privatklägerin jedoch jahrelang als Domina 

arbeitete, ist davon auszugehen, dass sie auch mit sexuell deviantem Verhalten in 

Kontakt kam. Unter den gegebenen Umständen kann nicht ausgeschlossen wer-

den, dass die Privatklägerin entsprechende Kundenwünsche bzw. sexuelle Ver-

haltensweisen zu Unrecht auf den Beschuldigten übertragen hat. 

6.2.4. Auch die Aussagen der Privatklägerin betreffend die Reaktion des Beschul-

digten sind widersprüchlich. Einerseits gab sie an, dass der Beschuldigte am 

nächsten Morgen nie mehr etwas gewusst (Urk. 6/2 S. 8; Urk. 6/4 S. 19) resp. ge-

sagt habe, dass er nichts mehr wisse, weil er wegen der Schlaftabletten ein 

Blackout habe (Urk. 6/2 S. 15; Urk. 6/3 S. 8), und wenn sie ihm erzählt habe, was 

passiert sei, mit "Schissdreck nein" geantwortet oder gesagt habe "… so ein 

Schissdreck, er habe gedacht, es habe mir gefallen" (Urk. 6/3 S. 9 f.; Urk. 6/4 

S. 19). Unter diesen Umständen ist wenig verständlich, dass der Beschuldigte, 

wie die Privatklägerin an anderer Stelle angab, am Sonntagmorgen jeweils gesagt 

haben soll, sie solle ihm verzeihen, er würde dies nicht mehr machen (Urk. 6/2 

S. 12). 

6.2.5. Was allfällige Verletzungen im Rahmen der im Raum stehenden Übergriffe 

angeht, erklärte die Privatklägerin anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme vom 4. Oktober 2010 auf die Frage, ob sie im Rahmen der sexuellen 

-   22   - 

Übergriffe jemals verletzt worden sei, "Nein, ab und zu ein Kratzer, aber nichts 

Ernstes. Ich habe mehrere Verletzungen von ihm aber die waren tagsüber pas-

siert, da hatte er noch nicht so viele Schlaftabletten und so viel Alkohol" (Urk. 6/3 

S. 10; Hervorhebungen beigefügt). Auf die Frage nach der Art der Verletzungen 

antwortete sie, sie habe, nachdem der Beschuldigte sie mit Handys geschlagen 

habe, zwei Platzwunden am Kopf gehabt, nach einem Nachtessen, bei dem sie 

gestritten hätten, Schürfungen durch Fusstritte gegen die beiden Unterarme erlit-

ten, und sprach sie ferner die Wunde am Oberarm, welche durch das Weinglas 

einstanden sei, sowie die Platzwunde aus dem Vorfall vom 30. Oktober 2004 an 

(Urk. 6/3 S. 11). Die Frage, ob sie weitere Verletzungen erlitten habe, verneinte 

sie (Urk. 6/3 S. 11). Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 21. Juli 2010 

hatte sie demgegenüber geltend gemacht, sie habe ein Kind spielen und Kinds-

misshandlungen nachspielen müssen. Dabei sei sie gewürgt, verprügelt, bespuckt 

und beschimpft worden. Sie habe jeweils ihr eigenes Blut herunterschlucken 

müssen. Dabei sei sie jeweils vergewaltigt worden. Die Schläge und Drohungen 

seien immer in einem sexuellen Zusammenhang gewesen (Urk. 6/1 S. 3; Hervor-

hebung beigefügt). Ähnlich waren ihre Aussagen anlässlich der polizeilichen Ein-

vernahme vom 4. August 2010. Damals gab sie an, grundsätzlich sei es immer 

nachts um zwei Uhr dazu gekommen, dass er nach dem Konsum von Alkohol und 

Medikamenten Sex mit ihr gewollt habe. Sie habe das aber nicht gewollt. Er habe 

sie so lange geschlagen und bespuckt, bis sie hingehalten habe. Wenn sie "die 

Puppe" habe machen müssen, sei sie auch von ihm gewürgt worden (Urk. 6/2 

S. 8). Wenn sie nicht mehr gemocht habe, habe er ihr Ohrfeigen gegeben, und 

einmal habe sie sich mit einer Schere ritzen müssen, weil sie sich seit Kindesalter 

geritzt habe (Urk. 6/2 S. 9). Manchmal habe er sie extrem fest gewürgt. Man habe 

aber nachher nur ganz leichte Abdrücke oder leichte Rötungen an ihrem Hals se-

hen können (Urk. 6/2 S. 10). Später in der gleichen Einvernahme sagte sie aus, er 

habe ihr Ohrfeigen und Fusstritte gegeben und ihr das Natel über den Kopf ge-

schlagen, das sei immer nur nachts passiert, und auf die Frage, wie fest er sie 

geschlagen habe, antwortete sie, manchmal sehr fest; wenn sie geblutet habe, 

habe er sie im Bad eingesperrt (Urk. 6/2 S. 11; Hervorhebung beigefügt). Sie er-

klärte gegenüber der einvernehmenden Polizeibeamtin, sie habe viele Verletzun-

-   23   - 

gen davongetragen, zeigte ihr, wo sie Verletzungen erlitten habe (Urk. 6/2 S. 11) 

und bestätigte auf deren Frage, dass die sexuellen Übergriffe immer mit Gewalt-

ausbrüchen und Tätlichkeiten kombiniert gewesen seien (Urk. 6/2 S. 13). Anläss-

lich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 11. Oktober 2010 gab sie 

zwar ebenfalls zu Protokoll, dass der Beschuldigte jeweils Gewalt angewendet 

und sie angespuckt habe (Urk. 6/4 S. 4 und S. 19), machte sie aber keine Anga-

ben zu von ihr erlittenen Verletzungen, wurde allerdings auch nicht danach ge-

fragt. Zusammengefasst gab die Privatklägerin demnach in den ersten zwei Ein-

vernahmen an, vom Beschuldigten bei den sexuellen Übergriffen resp. Vergewal-

tigungen so massiv geschlagen worden zu sein, dass sie teilweise geblutet habe, 

worauf sie ihr eigenes Blut habe schlucken müssen oder ins Badezimmer ge-

sperrt worden sei, in der dritten Einvernahme demgegenüber, sie habe bei den 

sexuellen Übergriffen nur ab und zu einen Kratzer erlitten. Die Widersprüche in 

derart zentralen Punkten, auf die auch die Verteidigung hinwies (Urk. 100 

S. 10 f.), sind evident und lassen ebenfalls deutliche Zweifel an den Aussagen der 

Privatklägerin aufkommen. 

6.2.6. Ferner sagte die Privatklägerin, wie die Verteidigung zu Recht feststellte 

(Urk. 100 S. 9 f.), widersprüchlich zu den von ihr geschilderten Todesdrohungen 

aus. Dass der Beschuldigte der Privatklägerin in einem SMS vom 11. Mai 2010 

den Tod wünschte, ist erstellt (Urk. 7/2 Nr. 186), aber die Privatklägerin behaupte-

te anlässlich ihrer Einvernahme vom 9. August 2010, der Beschuldigte habe ihr 

bereits anlässlich ihrer ersten Übernachtung bei ihm gesagt, er bringe sie in die-

ser Nacht um (Urk. 6/2 S. 7; vgl. dazu auch oben). Anlässlich ihrer Einvernahme 

vom 4. Oktober 2010 gab sie demgegenüber an, er habe ihr öfters in der Nacht 

gesagt, eines Tages bringe er sie um; dies sei drei oder vier Mal geschehen, aber 

wirklich erst am Schluss (Urk. 6/3 S. 13). Diese Aussage wiederum steht in Wi-

derspruch zur Aussage der Privatklägerin anlässlich der Einvernahme vom 

11. Oktober 2010, sie habe jeweils aus Angst vor dem Beschuldigten nicht aus 

dem Bett flüchten können, wenn dieser angefangen habe zu "fummeln", denn sie 

habe nicht gewollt, dass er wütend werde, da er gedroht gehabt habe, er bringe 

sie um (Urk. 6/4 S. 20), zumal die Übergriffe während über fünf Jahren und über 

100 Mal stattgefunden haben sollen (Urk. 6/2 S. 13). 

-   24   - 

6.2.7. Sodann sind erhebliche Widersprüche bei der Schilderung des behaupteten 

gewalttätigen Übergriffs mit dem Weinglas auszumachen. Dass die Privatklägerin 

am linken Oberarm eine lange Narbe hat, die von einem Glasscherben stammen 

könnte, ist aufgrund der von der Kantonspolizei Zürich angefertigten Fotoaufnah-

me (Urk. 5 S. 1) erstellt. Anlässlich der letzten staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme vom 11. Oktober 2010 gab die Privatklägerin auf entsprechende Ergän-

zungsfrage des Verteidigers an, sie sei vom Beschuldigten im Mai 2010 mit dem 

Weinglas am Arm verletzt worden, korrigierte sich aber auf die Anmerkung des 

Verteidigers, sie habe indes einmal angegeben, der Vorfall sei am 1. April, mithin 

an ihrem Geburtstag, gewesen, es sei Ende April gewesen (Urk. 6/4 S. 12). In der 

Tat hatte die Privatklägerin anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme am 

21. Juli 2010 auf die Frage, wann der letzte Übergriff stattgefunden habe, erklärt, 

das sei an ihrem Geburtstag am 1. April 2010 gewesen, wobei im Protokoll nach-

träglich handschriftlich angefügt wurde: "Angriff mit Glas-Scherbe, riesige Narbe 

am Oberarm mit Todesdrohung" (Urk. 6/1 S. 2). Anlässlich der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahme vom 4. Oktober 2010 gab sie demgegenüber an, sie 

habe im Mai noch einmal bei ihm übernachtet. Er habe auch wieder vier 

Schlaftabletten genommen und Alkohol. Er habe ihr Vorwürfe gemacht, dass sie 

ihm keinen Porsche Cayenne organisiert habe, ein Weinglas kaputt gemacht und 

sie am Oberarm verletzt, was immer noch sichtbar sei (Urk. 6/3 S. 4). Auch hin-

sichtlich dieses behaupteten Übergriffs bestehen daher erhebliche Zweifel an der 

Richtigkeit der Darstellung der Privatklägerin. 

6.2.8. Wie aufgezeigt, weisen die Aussagen der Privatklägerin in wesentlichen 

Punkten Widersprüche und Unstimmigkeiten auf. Der Feststellung der Vorinstanz, 

die Privatklägerin habe ein konstantes Aussageverhalten gezeigt und ihre Aussa-

gen seien grundsätzlich widerspruchsfrei (Urk. 69 S. 41), kann daher nicht gefolgt 

werden. 

6.2.9. Auch die Analyse des generellen Aussageverhaltens der Privatklägerin 

weckt Zweifel an ihrer Darstellung. Ihre Schilderungen blieben, wie schon die Vor-

instanz zutreffend festgehalten hat (Urk. 69 S. 44), auffällig arm an Details. Zu 

Recht hat die Verteidigung darauf hingewiesen, dass sie nicht einen einzigen 

-   25   - 

Vergewaltigungsfall detailliert und nachvollziehbar schilderte, dass sie konkreten 

Fragen auswich und dass sie pauschale Handlungsabläufe darlegte (Urk. 60 

S. 20; Urk. 100 S. 6 und S. 11 ff.). Die von der Vertreterin der Privatklägerin an-

lässlich der Berufungsverhandlung zitierten Aussagen der Privatklägerin (Urk. 99 

S. 14 ff.) ändern daran nichts: Auch sie beziehen sich auf das dem Beschuldigten 

generell vorgeworfene Verhalten. Hinzuweisen ist aber auch darauf, dass die Pri-

vatklägerin auch den Beschuldigten entlastende Aussagen machte. Dass sie ihre 

Anschuldigungen gegenüber dem Beschuldigten im Laufe des Verfahrens teilwei-

se abschwächte (dazu vorne unter 6.2.5.), kann auch in diesem Licht betrachtet 

werden. Ferner erklärte sie beispielsweise, dass der Beschuldigte, wenn er sie bei 

Sexspielen gewürgt habe, Rücksicht auf ihre Asthma-Erkrankung genommen ha-

be (Urk. 6/4 S. 4). 

6.3.1. Es gibt aber weitere Umstände, die jedenfalls nicht für und teilweise auch 

gegen die Version der Privatklägerin sprechen: 

6.3.2. Den aktenkundigen SMS, die der Beschuldigte und die Privatklägerin ge-

genseitig austauschten, lassen sich mit einigen wenigen Ausnahmen (dazu nach-

folgend) keinerlei Hinweise auf die Sachverhaltsdarstellung der Privatklägerin 

entnehmen. Insbesondere enthalten die in der Aufstellung aufgeführten SMS an 

den Beschuldigten, die die Privatklägerin in Zeitpunkten schrieb, in denen sie 

nicht an der Beziehung festhalten wollte, keinerlei Vorwürfe oder auch nur Andeu-

tungen zu sexuellen Übergriffen. Hingegen schrieb die Privatklägerin am 16. Juni 

2010: "Ich lase mich nicht mmer won mäner kaput machen und für die arbeiten 

gehen. Am schlus bin ich nur arschloch" (Urk. 7/2 Nr. 437) – machte dem Be-

schuldigten also durchaus Vorwürfe, aber eben anderer Natur. Hätten sich die 

eingeklagten Vorfälle tatsächlich ereignet, wäre, wie dies auch die Verteidigung 

geltend machte (Urk. 60 S. 23), zu erwarten gewesen, dass sie (auch) diese the-

matisiert hätte. Das SMS vom 11. Mai 2010, in dem der Beschuldigte schrieb, es 

tue ihm leid, dass er ein so schlechter Vater gewesen sei (Urk. 7/2 Nr. 195), könn-

te man allenfalls in einen Zusammenhang zu den von der Beschuldigten erhobe-

nen Vorwürfen stellen (Vater = "Papi" - so musste die Privatklägerin den Beschul-

digten gemäss ihren Angaben während der Übergriffe nennen: Urk. 6/2 S. 7 ff.; 

-   26   - 

Urk. 6/3 S. 7 ff.; Urk. 6/4 S. 3 f.). Er leitete dieses SMS jedoch ein mit den Worten 

"Gibst Du … und … [Anm.: den beiden Hunden] einen Kuss…". Hundehalter be-

zeichnen sich bisweilen auch als "Vater" resp. "Mutter" der Tiere, weshalb die 

Verwendung des Wortes "Vater" auch in diesem Sinne resp. als Vater der aus 

dem Beschuldigten, der Privatklägerin und den Hunden bestehenden "Familie" 

gemeint gewesen sein kann. Darauf deutet auch ein SMS vom 27. März 2010 

(Urk. 7/2 Nr. 88) hin. Zudem würde es keinen Beweis für die von der Privatkläge-

rin behaupteten Übergriffe darstellen, wenn sich der Beschuldigte von der Privat-

klägerin "Papi" hätte nennen lassen. Ferner schrieb der Beschuldigte am 11. Mai 

2010 in einem SMS "… aber du hast nur mich belogen und mich nur ausgenützt 

für ddine sex und mit meine sex ist jetztschlüss weil mit medikamente kein sex 

mehr" (Urk. 7/2 Nr. 183). Dies könnte man in einem Zusammenhang mit den Vor-

würfen der Privatklägerin sehen. Naheliegender ist aber aufgrund des Inhalts die-

ses SMS, dass der Beschuldigte und die Privatklägerin sich gegenseitig in sexuel-

ler Hinsicht ausgenützt fühlten, zumal der zweite Teil dieser Nachricht, auch wenn 

sie bloss die Sicht des Beschuldigten wiedergibt, doch darauf hindeutet, dass die 

Privatklägerin durchaus die Kontrolle über die sexuellen Handlungen mit dem Be-

schuldigten hatte. Sodann schrieb der Beschuldigte in seinen SMS vom 23. und 

24. Juni 2010 teilweise von der Privatklägerin zugefügten Schmerzen und stellte 

diese in einen Zusammenhang mit seinem Medikamentenkonsum (Urk. 7/2 Nr. 

364, 375 und 376). Damit können aber, gerade da die Beziehung des Beschuldig-

ten mit der Privatklägerin jedenfalls in den letzten Monaten ihrer Existenz eher der 

Fahrt mit einer Achterbahn glich, ohne Weiteres auch "Herzschmerzen" gemeint 

gewesen sein, wie die Vorinstanz ebenfalls erwog (Urk. 69 S. 46 f.). 

6.3.3. Ferner ist die Begründung der Privatklägerin, weshalb sie nach dem ersten 

Vorfall, der Ende Oktober 2004 stattgefunden haben soll, beim Beschuldigten ge-

blieben sei, "Ich weiss auch nicht. Ich hatte einfach Angst davor, dass ich nachher 

kein Zuhause haben würde" (Urk. 6/2 S. 5), obwohl dieser sie schon während der 

ersten gemeinsamen Nacht vom 30. Oktober 2004 so stark misshandelt haben 

soll, dass sie wegen einer Hirnerschütterung und einer Platzwunde die Notfallsta-

tion des …-Spitals aufsuchen musste und sie damals auch mit dem Tode bedroht 

haben soll (Urk. 6/2 S. 7), nicht plausibel. Der Beschuldigte und sie waren erst 

-   27   - 

seit ca. August 2004 zusammen (Urk. 6/1 S. 2; Urk. 6/2 S. 4), und am 30. Oktober 

2004 wohnte die Privatklägerin zudem noch bei ihrem (heutigen Ex-)Ehemann in 

… (Urk. 6/2 S. 4; Urk. 6/3 S. 6; Urk. 6/4 S. 12; Urk. 9/2), weshalb sie durch eine 

Beendigung der Beziehung kein Zuhause verloren hätte. Sie gab zudem selber 

an, dass der Beschuldigte und sie, ausser im Jahre 2008 einmal während zwei 

Monaten, nie zusammengelebt hätten (Urk. 6/1 S. 2; Urk. 6/2 S. 3; Urk. 6/3 S. 2 

f.). Auch die Begründung, sie habe die – offensichtlich sehr gute – Beziehung zur 

Familie des Beschuldigten nicht verlieren wollen (Urk. 6/2 S. 6 und S. 14; Urk. 6/3 

S. 14; Urk. 6/4 S. 16), ist jedenfalls als Erklärung dafür, weshalb sie den Beschul-

digten nach dem ersten von ihr behaupteten Übergriff nicht verliess, nicht nach-

vollziehbar, denn die Beziehung zur Familie des Beschuldigten kann damals noch 

nicht bestanden haben. Gemäss den Aussagen des Beschuldigten kam die Pri-

vatklägerin sogar erst im Zeitraum, als er bei ihr in … wohnte, demnach Mitte 

2008, mit seiner Familie in Kontakt (Urk. 8/2 S. 5). Davon, dass sich die Privatklä-

gerin erstmals kurz vor der Anzeigeerstattung der Familie des Beschuldigten hatte 

anvertrauen können, geht im Übrigen auch ihre Vertreterin aus.  

6.3.4. Dass die Privatklägerin über mehr als fünf Jahre hinweg trotz der dem Be-

schuldigten vorgeworfenen Übergriffe Wochenende für Wochenende in dessen 

Wohnung zurückkehrte, um dieses mit ihm zu verbringen, erscheint auch unter 

Einbezug ihrer Erklärung, sie habe die Familie des Beschuldigten nicht verlieren 

wollen, da sie selber nie eine Familie gehabt habe, jedenfalls für Aussenstehende 

wenig nachvollziehbar, wenngleich dies nicht ausgeschlossen werden kann und 

der Umstand, dass sie sich über Jahre hinweg vom Beschuldigten ausnützen 

liess (dazu nachfolgend unter 6.4.2.), durchaus auf eine gewisse emotionale Ab-

hängigkeit vom Beschuldigten hindeutet. Das gleiche gilt für den Umstand, dass 

die Privatklägerin den Beschuldigten, nachdem er die Wohnung in … Mitte Juni 

2010 hatte verlassen müssen (Urk. 6/1 S. 3), und somit nach dem SMS vom 11. 

Mai 2010, das die Privatklägerin ihren Angaben zufolge als Todesdrohung wahr-

nahm, im Zeitraum bis zu seinem Eintritt im …-Spital am 21. Juni 2010 (Urk. 6/1 

S. 3) für vier Tage in ihrer Wohnung aufnahm (Urk. 6/4 S. 6 und S. 21), wenn sich 

der Anklagesachverhalt tatsächlich verwirklicht und sie die Todesdrohung ernst 

genommen hätte. 

-   28   - 

6.4.1. Hinzu kommt, dass die Privatklägerin, wie von der Verteidigung anlässlich 

der vorinstanzlichen Hauptverhandlung und auch anlässlich der Berufungsver-

handlung ausgeführt (Urk. 60 S. 5; Urk. 100 S. 8 f.; Prot. II S. 26 f.), ein Motiv hat-

te, den Beschuldigten zu belasten. 

6.4.2. Die Privatklägerin hatte den Beschuldigten während über fünf Jahren aus-

gehalten resp. sich prostituiert, um ihm ein äusserst luxuriöses Leben zu finanzie-

ren. Die Wohnung in …, die von ihm allein bewohnt wurde, kostete gemäss Miet-

vertrag monatlich Fr. 3'325.– bzw. inklusive Garage Fr. 3'475.– (Urk. 14/6/6), eine 

Reise nach Südafrika mit Flügen in der Business Class Fr. 30'000.– (Urk. 6/3 

S. 13) oder mehr (Urk. 6/4 S. 22), sein Auto Fr. 50'000.–, und er wollte ein noch 

teureres (Urk. 6/3 S. 4 f. und S. 12; Urk. 6/4 S. 16), und es wurde regelmässig in 

Restaurants der gehobenen Preisklasse wie dem … gegessen (Urk. 6/2 S. 14; 

Urk. 7/2 Nr. 49). Demgegenüber war der Beschuldigte nicht arbeitstätig und nütz-

te er die Privatklägerin finanziell nach Strich und Faden aus (Urk. 6/2 S. 5; Urk. 

6/4 S. 3; vgl. auch Urk. 7/2 Nr. 92: "Sorry, dass ich so geil bin auf Geld von Dir, es 

macht mich einfach geil auf Dich, wie gesagt, ich bin nicht normal…", und die 

dauernden Forderungen, ihm Geld zu bringen resp. einen Kredit zu besorgen), 

wobei er eingestandenermassen zudem fremdging (Urk. 6/2 S. 4 ff.; Urk. 6/3 S. 

10 f.; Urk. 6/4 S. 2 ff.; Urk. 8/2 S. 7). Nachdem es zuvor ein längeres Hin-und-Her 

gegeben hatte, in dem mal der eine, mal die andere die Beziehung nicht mehr 

weiterführen wollte (vgl. Urk. 7/2) – wollte er in der Phase der Anzeigeerstattung 

offensichtlich definitiv nichts mehr von ihr wissen (Urk. 7/2, Nr. 380, 400, 435 und 

438), während sie am Ende der Beziehung mit nichts als einem Schuldenberg da-

stand (Urk. 6/2 S. 2 f. und S. 14; Urk. 6/3 S. 12; Urk. 6/4 S. 10 und S. 22).  

6.4.3. Zudem wurde der Privatklägerin eingestandenermassen am 19. Juli 2010 

vom Steuerberater F._____ geraten, den Beschuldigten anzuzeigen, was sie of-

fenbar – unter Mitwirkung des Bruders des Beschuldigten – gleichentags tat 

(Urk. 1 S. 3; Urk. 6/4 S. 6; Urk. 7/5 S. 5 f.). Es liegen, wie bereits dargelegt, – 

auch angesichts des SMS, das der Beschuldigte der Privatklägerin am 28. Juni 

2010 sandte (Urk. 7/2 Nr. 381) – Anhaltspunkte dafür vor, dass die Privatklägerin 

während der Jahre, in denen sie den Beschuldigten aushielt, keine oder jedenfalls 

-   29   - 

nicht die ganzen geschuldeten Steuern und Sozialversicherungsabgaben bezahl-

te (vgl. Urk. 6/2 S. 14) und deshalb mit riesigen Nachforderungen konfrontiert zu 

werden drohte, ausser sie konnte den Behörden plausibel machen, dass der Be-

schuldigte diese Abgaben schuldete (dazu vorne unter 4.3.). Die Erklärung der 

Privatklägerin, sie habe wegen des SMS vom 11. Mai 2010 (Urk. 7/2 Nr. 186) oh-

nehin Anzeige erstatten wollen (Urk. 6/4 S. 6), erscheint jedenfalls als nachge-

schoben, lag dieses SMS doch im Zeitpunkt der Anzeige bereits mehr als zwei 

Monate zurück und hatte sie doch dem Beschuldigten in der Zeitspanne ab 

27. Mai 2010 auch wieder liebevolle SMS geschrieben (Urk. 7/2 Nr. 409 ff.) und 

diesen, ihren Angaben zufolge, im Juni 2010, als er wegen der Kündigung der 

Wohnung in … auf der Strasse stand, sogar während mehreren Tagen bei sich 

wohnen lassen (Urk. 6/4 S. 6). In diesem Zusammenhang ist zudem auf das SMS 

des Beschuldigten an die Privatklägerin vom 22. Juni 2010 hinzuweisen, in dem 

er – offensichtlich vom Stadtspital … aus – erklärte, "War super schön das du da 

warst und das gemeinsame nachtessen war toll und natürlich auch die nachspei-

se! (…)" (Urk. 7/2 Nr. 362). Die Privatklägerin hat die Behauptung des Beschuldig-

ten, es sei im Stadtspital … nochmals zu einem sexuellen Kontakt gekommen 

(Urk. 8/2 S. 4; Urk. 60 S. 9; Prot. II S. 22), stets bestritten. Es spricht aber vieles 

dafür, dass der Beschuldigte mit "Nachspeise" genau dies meinte, auch wenn 

sich dies nicht 100%-ig beweisen lässt, da er sich anlässlich der Berufungsver-

handlung nicht mehr daran erinnern konnte (Prot. II S. 23), und er somit diesbe-

züglich – im Gegensatz zur Privatklägerin – die Wahrheit sagte. Hätte die Privat-

klägerin zugegeben, dass sie noch im Stadtspital … sexuellen Kontakt mit dem 

Beschuldigten hatte, wäre dies in eklatantem Widerspruch zu ihrer Darstellung 

gestanden. 

6.4.4. Wenig plausibel erscheint jedenfalls, wie auch die Verteidigung anlässlich 

der vorinstanzlichen Hauptverhandlung ausführte (Urk. 60 S. 9 f.), dass die Pri-

vatklägerin die Anzeige (u.a.) erstattete, weil sie sich erhoffte, dass der Beschul-

digte nun endlich eine Therapie machen würde und arbeiten gehe, wie sie dies 

anlässlich ihrer Einvernahme vom 11. Oktober 2010 angab (Urk. 6/4 S. 2 und 

S. 6). Zum einen waren die Privatklägerin und der Beschuldigte im Zeitpunkt der 

Anzeigeerstattung bereits getrennt und hätte die Privatklägerin vor der Trennung 

-   30   - 

ein sehr viel grösseres Interesse daran gehabt, dass der Beschuldigte eine The-

rapie machen und arbeiten gehen würde, zum andern befand sich der Beschul-

digte im Zeitpunkt der Anzeigeerstattung bereits seit mehreren Wochen in einer 

Therapie, was der Privatklägerin bekannt war. Dass die Privatklägerin befürchtet 

habe, dass der Beschuldigte die Therapie abbrechen werde (Urk. 6/1 S. 3; Urk. 

99 S. 3 f.), vermag ebenfalls nicht zu überzeugen. Vielmehr musste sie damit 

rechnen, dass nach der Anzeigeerstattung der Beschuldigte angesichts der mas-

siven Tatvorwürfe unverzüglich in Untersuchungshaft kommen und die Therapie 

gerade deswegen unterbrochen würde. Zudem lässt sich die von der Vertreterin 

der Privatklägerin zitierte Aussage der Privatklägerin entgegen deren Ansicht 

(Urk. 99 S. 3 f.) nicht in einen Zusammenhang zu einer solchen Befürchtung set-

zen. 

6.4.5. Ferner ist nicht gänzlich auszuschliessen, dass die Privatklägerin den Be-

schuldigten aus Eifersucht bezichtigte, die eingeklagten sexuellen Handlungen 

gegen ihren Willen vorgenommen zu haben. So ist zunächst aufgrund der Aussa-

gen der Privatklägerin erstellt, dass der Beschuldigte während der Beziehung 

fremdging (Urk. 6/2 S. 4 ff.; Urk. 6/3 S. 10 f.; Urk. 6/4 S. 2 ff.), was auch der Be-

schuldigte einräumte (Urk. 8/2 S. 7; vgl. auch Prot. II S. 17, wo der Beschuldigte 

auf entsprechende Nachfrage die Aussage [selektiv] verweigerte, aber gleichzeitig 

aussagte, dass er ins Bordell gegangen sei). Die Angaben zur Frage, wer die Be-

ziehung beendete, gehen auseinander. Die Privatklägerin erklärte, dass sie sich 

vom Beschuldigten getrennt habe (Urk. 6/3 S. 4 und S. 14; Urk. 6/4 S. 2), wäh-

rend der Beschuldigte ausführte, dass er die Beziehung beendet habe (Prot. II 

S. 22). Die Privatklägerin erklärte anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 

4. August 2010, dass die Trennung nun definitiv sei, der Beschuldigte Kenntnis 

davon habe und sie angefleht habe (Urk. 6/2 S. 7). An gleicher Stelle gab die Pri-

vatklägerin aber zu Protokoll, dass dann ein SMS von seiner Geliebten gekom-

men sei, in dem diese geschrieben habe, dass der Beschuldigte vor fünf Stunden 

noch bei ihr gewesen sei (vgl. in diesem Zusammenhang die fünf SMS vom 

19. Juni 2010 von "G._____" an die Privatklägerin, in denen "G._____" die Privat-

klägerin mehrfach als "Schlampe" betitelte und ihr mitteilte, dass der Beschuldigte 

mit ihr guten Sex habe, er wisse, dass sie für ihn da sei und sie sein "Schatz" sei, 

-   31   - 

Urk. 7/2 Nr. 328 ff.). Da die Privatklägerin auch in den von ihr selbst eingereichten 

SMS mehrfach erwähnte, dass der Beschuldigte Schluss gemacht habe (Urk. 7/2 

Nr. 435 und 438) ist ihre Aussage, dass sie die Beziehung beendet habe, nicht 

glaubhaft. Nachdem der Beschuldigte die Privatklägerin jahrelang finanziell aus-

genutzt hatte, suchte er, kaum musste er die von der Privatklägerin bezahlte 

Wohnung verlassen, offensichtlich bereits "G._____" auf. In diesem Umstand 

kann durchaus ein Motiv erblickt werden, den Beschuldigten zu belasten. Daran 

ändert auch nichts, dass sich der Beschuldigte und die Privatklägerin unmittelbar 

danach offenbar noch ein letztes Mal vorübergehend versöhnten (vgl. Urk. 7/2 

Nr. 360 ff.). 

6.5.1. Es sind aber auch Indizien vorhanden, die für die Darstellung der Privatklä-

gerin und damit für die Verwirklichung des in der Anklageschrift umschriebenen 

Sachverhalts sprechen. 

6.5.2. Dass einige wenige der zahlreichen zwischen der Privatklägerin und dem 

Beschuldigten ausgetauschten SMS Hinweise enthalten, die mit dem eingeklag-

ten Sachverhalt in Einklang stehen, ohne dass sie diesen bestätigen würden, 

wurde bereits dargelegt (dazu vorne unter Erwägung III. 6.3.2.). 

6.5.3. Sodann ist durch den rechtskräftigen Strafbefehl vom 24. November 2011 

(Urk. 54B/12) erstellt, dass der Beschuldigte im Jahre 2011 in seinem familiären 

Umfeld ein massives Drohgebahren an den Tag legte und ein solches Verhalten 

demnach nicht persönlichkeitsinadäquat erscheint. Andererseits verwirklichte er 

diese Drohungen gerade nicht, während ihm im vorliegenden Verfahren (u.a.) ein 

massiv gewalttätiges Verhalten zur Erreichung seiner Ziele zum Vorwurf gemacht 

wird. Dasselbe lässt sich auch über die aktenkundigen Schreiben des Beschuldig-

ten an seine Eltern sagen (Urk. 14/5; Urk. 14/6/3-5). Der Beschuldigte war offen-

sichtlich im höchstem Masse enttäuscht (Urk. 14/6/3-5) und erbost (Urk. 14/5 Bei-

lage 1 und 2) darüber, dass seine Eltern der Privatklägerin nach seiner Verhaf-

tung Fr. 50'000.– bezahlten, während sie ihn aus seiner Sicht hängen liessen. 

Doch auch aus diesem Umstand lässt sich eben gerade nicht eine tatsächliche 

Umsetzung von Gewalt ableiten. Dass der Beschuldigte die Privatklägerin unter 

-   32   - 

psychischen Druck setzte, ist in der Anklageschrift höchstens angedeutet und da-

her nicht genügend umschrieben. 

6.5.4. Dass der Beschuldigte verbale Aggressionen gegen die Privatklägerin rich-

tete, ist durch einen Teil der SMS belegt (Urk. 7/2). Tätlichkeiten hat er im Laufe 

der Untersuchung in geringem Masse bejaht (Urk. 8/2 S. 6 f.), anlässlich der vor-

instanzlichen Hauptverhandlung (Urk. 57 S. 3) wie auch an der Berufungsver-

handlung (Prot. II S. 20 f., wobei der Beschuldigte diesbezüglich die Aussage 

teilweise [selektiv] verweigerte) jedoch bestritten. Es ist aber nicht ersichtlich, 

weshalb er sich im Untersuchungsverfahren zu Unrecht selber hätte belasten sol-

len. Dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin Tätlichkeiten begangen 

hat, ist somit erstellt, und es ist auch denkbar, dass es häufiger als vom Beschul-

digten ursprünglich eingestanden dazu kam. Doch selbst wenn es zu Tätlichkeiten 

gekommen wäre, wäre ein Zusammenhang zwischen den Tätlichkeiten und den 

sexuellen Handlungen betreffend die vorliegend eingeklagten Delikte der Verge-

waltigung und sexuellen Nötigung nicht erstellt. Vor diesem Hintergrund kann of-

fen bleiben, ob der ärztliche Bericht der C._____ Klinik vom 16. Dezember 2013, 

gemäss welchem der Beschuldigte im Rahmen seines stationären Aufenthaltes in 

der C._____ Klinik angegeben haben soll, sich daran zu erinnern, dass er nach 

dem Konsum von Alkohol und Hypnotika Tätlichkeiten auch gegenüber seiner 

damaligen Partnerin verübt habe (Urk. 87 S. 2), zu Lasten des Beschuldigten 

verwertet werden kann (Erwägung III. 4.1.). 

7. Insgesamt betrachtet vermögen die Indizien, die für die Sachverhaltsdarstel-

lung der Privatklägerin und damit für die Verwirklichung der in der Anklageschrift 

beschriebenen Straftaten sprechen, die erheblichen Zweifel daran, dass sich der 

Sachverhalt vollumfänglich so zugetragen hat, wie er eingeklagt wurde, nicht zu 

beseitigen. Zwar ist, wie dargelegt, erstellt, dass der Beschuldigte im eingeklagten 

Zeitraum gegenüber der Privatklägerin mehrfach tätlich wurde. Ferner ist nur 

schon aufgrund der eigenen Aussagen des Beschuldigten klar, dass es zwischen 

ihm und der Privatklägerin während des eingeklagten Zeitraums regelmässig zu 

Geschlechts- und Oralverkehr kam (Urk. 57 S. 3 ff.). Sodann spricht Einiges da-

für, dass die Privatklägerin sich während des eingeklagten Zeitraums in einer ge-

-   33   - 

wissen emotionalen Abhängigkeit vom Beschuldigten befand. Ein Zusammen-

hang zwischen den erstellten Tätlichkeiten und den in der Anklageschrift um-

schriebenen sexuellen Handlungen oder ein anderweitig nötigendes Verhalten 

des Beschuldigten, womit er bewirkte, dass die Privatklägerin einen Widerstand 

aufgab und sexuelle Handlungen entgegen ihren Willen über sich ergehen liess, 

lässt sich aber nicht mit der nötigen Sicherheit erstellen. Vielmehr verbleiben un-

überwindbare Zweifel daran, dass der Beschuldigte die Privatklägerin zu den ein-

geklagten sexuellen Handlungen nötigte, sei es durch die in der Anklageschrift 

umschriebenen gewalttätigen Übergriffe, sei es durch Ausübung psychischen 

Drucks. Können diese Sachverhaltselemente nicht erstellt werden, fällt eine Ver-

urteilung wegen Vergewaltigung und wegen sexueller Nötigung aufgrund des 

Fehlens eines objektiven Tatbestandsmerkmals ausser Betracht. Die von der Ver-

treterin der Privatklägerin beantragten weiteren Beweismittel könnten an diesem 

Ergebnis nichts ändern, weshalb kein Anlass besteht, auf die entsprechenden An-

träge weiter einzugehen. Der Beschuldigte ist daher nach dem Grundsatz "in du-

bio pro reo" freizusprechen. 

 

IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsregelung 

(Dispositivziffern 3 und 4) zu bestätigen. 

2.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Vorliegend hat einzig 

die Privatklägerin Berufung erhoben. Da sie vollständig unterliegt, hat sie die Kos-

ten des Berufungsverfahrens zu tragen. 

2.2. Forderungen aus Verfahrenskosten können von der Strafbehörde unter Be-

rücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse der kostenpflichtigen Person er-

lassen werden (Art. 425 StPO). Um auf die prekäre finanzielle Lage von Parteien 

Rücksicht zu nehmen, kann, insbesondere wenn die Verfahrenskosten unein-

bringlich sind, auf die Kostenauflage verzichtet werden (Schmid, StPO Praxis-

-   34   - 

kommentar, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, Art. 425 N 4). Angesichts der of-

fensichtlich hohen Schuldenlast der Privatklägerin aufgrund von geschuldeten 

Steuern und Sozialversicherungsabgaben sowie ihres heute äusserst bescheide-

nen Einkommens (vgl. Urk. 6/2 S. 14; Urk. 6/4 S. 10), rechtfertigt es sich vorlie-

gend, der Privatklägerin die Verfahrenskosten, einschliesslich derjenigen der amt-

lichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung, zu erlassen. 

 

Das Gericht erkennt: 

1. Der Beschuldigte B._____ ist der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von 

Art. 190 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne 

von Art. 189 Abs. 1 StGB nicht schuldig und wird freigesprochen. 

2. Die erstinstanzliche Kosten- und Genugtuungsregelung (Dispositivziffern 3 

und 4) wird bestätigt.  

3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'500.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 6'655.40   amtliche Verteidigung 

Fr. 8'085.–   unentgeltliche Geschädigtenvertretung 

 
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der amtli-

chen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung, werden der 

Privatklägerin auferlegt, aber erlassen. 

5. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Be-
schuldigten (übergeben) 

− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich (vorab per Fax) 
− die Vertreterin der Privatklägerin im Doppel für sich und zuhanden der 

Privatklägerin (übergeben) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

-   35   - 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Be-
schuldigten 

− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich 
− die Vertreterin der Privatklägerin im Doppel für sich und zuhanden der 

Privatklägerin 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss 

Art. 12 Abs. 1 lit. d VOSTRA mittels Kopie von Urk. 98 
− die Kantonspolizei Zürich, KIA-ZA, mit separatem Schreiben (§ 54a 

Abs. 1 PolG). 

6. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, be-
gründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung des 

Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichts-

gesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

-   36   - 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 26. August 2014 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter Dr. Bussmann 
 
 

Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 

lic. iur. Brülhart 
 
 

 

	Urteil vom 26. August 2014
	Anklage:
	Urteile der Vorinstanz:
	Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird vollumfänglich freigesprochen.
	2. Mündliche Eröffnung und Begründung. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv mit nachfolgendem Erkenntnis.
	und sodann wird erkannt:
	1. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten (inkl. diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung) werden auf die Gerichtskasse genommen.
	2. Dem Beschuldigten werden Fr. 9'000.– als Genugtuung aus der Gerichtskasse zugesprochen. Der weitergehende Genugtuungsanspruch wird abgewiesen.
	Berufungsanträge:
	Es sei von weiteren Beweisabnahmen abzusehen und das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich zu bestätigen, unter Kostenfolge zulasten der Berufungsklägerin.
	_______________________________
	Das Gericht erwägt:
	Das Gericht erkennt:
	1. Der Beschuldigte B._____ ist der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB nicht schuldig und wird freigesprochen.
	2. Die erstinstanzliche Kosten- und Genugtuungsregelung (Dispositivziffern 3 und 4) wird bestätigt.
	3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	4. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung, werden der Privatklägerin auferlegt, aber erlassen.
	5. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten (übergeben)
	 die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich (vorab per Fax)
	 die Vertreterin der Privatklägerin im Doppel für sich und zuhanden der Privatklägerin (übergeben)
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
	 die Vertreterin der Privatklägerin im Doppel für sich und zuhanden der Privatklägerin
	 die Vorinstanz
	 die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss Art. 12 Abs. 1 lit. d VOSTRA mittels Kopie von Urk. 98
	 die Kantonspolizei Zürich, KIA-ZA, mit separatem Schreiben (§ 54a Abs. 1 PolG).

	6. Rechtsmittel: Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.