# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7e66b3a2-0fc0-52fc-a872-f1acabff8f05
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.03.2010 D-3297/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3297-2006_2010-03-11.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-3297/2006
law/joc
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 1 .  M ä r z  2 0 1 0

Richter Walter Lang (Vorsitz), 
Richter Bendicht Tellenbach, Richter Daniel Schmid;
Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg.

A._______, geboren (...),
Sierra Leone,
vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer, (...), 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
vormals Bundesamt für Flüchtlinge (BFF),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
(Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); 
Verfügung des BFF vom 31. August 2004 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-3297/2006

Sachverhalt: 

A.
Der Beschwerdeführer reiste eigenen Angaben zufolge am 5. Juli 1999 
aus Italien herkommend  in die Schweiz ein, wo er am folgenden Tag 
ein Asylgesuch stellte, welches er hauptsächlich damit begründete, er 
sei  von  seinem  muslimischen  Vater  1998  aus  dem  Elternhaus  in 
B._______  verstossen  worden,  da  er  die  muslimische  Religion  ver-
nachlässigt  habe  respektive  gegen  diese  Regeln  gewesen  sei. 
Nachdem er zunächst bei Freunden in B._______ untergekommen sei, 
habe ihn ein Freund seines Vaters zu seinem Vater zurückgebracht; 
dieser habe jedoch nichts von ihm wissen und ihn - wie er von seiner 
Grossmutter  erfahren  habe  -  umbringen  wollen.  Deshalb  sei  er  mit 
einem Freund zusammen ins Dorf C._______gereist, wo im Mai 1999 
Soldaten  die  Dorfbewohner  bestohlen  hätten.  Im  Juni  desselben 
Jahres  seien  er  und  sein  Freund  nach  D._______,  danach  nach 
E._______ F._______und G._______ und von dort aus mit dem Schiff 
nach  Italien  gelangt.  In  Italien  habe  er  sich  von  seinem  Freund 
getrennt und sei mit dem Zug nach Milano und von dort mit dem Auto 
in die Schweiz gereist.

B.
Diese  Sachvorbringen  erachtete  das  Bundesamt  mit  Verfügung  vom 
28. Januar 2000 einerseits als nicht glaubhaft,  andererseits als nicht 
asylrelevant. Da der Beschwerdeführer zudem keine Identitätspapiere 
abgegeben und dafür  nach Auffassung des Bundesamtes keine ent-
schuldbaren Gründe glaubhaft machen konnte, trat es in Anwendung 
von  Art.  32  Abs. 2  Bst.  a  der  damals  geltenden  Fassung  des  Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  auf das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  vom 5. Juli  1999  nicht  ein.  Gleichzeitig  ver-
fügte  es  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  forderte  den  Be-
schwerdeführer  -  unter  Androhung  der  Ausschaffung  im  Unter-
lassungsfall - auf, die Schweiz sofort zu verlassen. Einer allfälligen Be-
schwerde entzog das Bundesamt zudem die aufschiebende Wirkung.

C.
Nachdem die Verfügung des Bundesamtes vom 28. Januar 2000 unan-
gefochten in Rechtskraft  erwachsen war, liess der Beschwerdeführer 
mit  als  dringlichem  Wiedererwägungsgesuch  bezeichneter  Eingabe 
vom 14. August 2001 durch seine Rechtsvertretung beim Bundesamt 
beantragen,  es  sei  wiedererwägungsweise  auf  den  negativen  Asyl-

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entscheid zurückzukommen und das Asylgesuch neu zu prüfen. Dem 
Gesuch lagen eine Kopie eines Schreibens seiner Rechtsvertretung an 
das  (...)  H._______  vom  20.  Juni  2001,  eine  Erklärung  über  die 
Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht vom 12. Juni 2001 so-
wie eine Vollmacht der Rechtsvertretung bei. 

D.
Mit Eingabe an das Bundesamt vom 31. August 2001 reichte der Be-
schwerdeführer  einen  psychiatrischen  Bericht  der  Klinik  H._______ 
datierend vom 22. August 2001 zu den Akten. 

E.
Mit Verfügung vom 20. September 2001 forderte das Bundesamt den 
Beschwerdeführer  auf,  seine  Anträge  in  seiner  Eingabe  vom 
14. August 2001 genau zu formulieren.

F.
Mit  Eingabe  vom  26.  September  2001  liess  der  Beschwerdeführer 
beim Bundesamt eine Ergänzung zur Eingabe vom 14. August  2001 
einreichen,  in  der  er  beantragen  liess,  der  negative  Entscheid  des 
Bundesamtes  vom  28.  Januar  2000  sei  aufzuheben  und  das  Asyl-
gesuch neu zu prüfen. Zudem sei die Wegweisung sofort zu sistieren.

G.
Mit Verfügung vom 28. September 2001 wies das Bundesamt die zu-
ständige kantonale Behörde an, vorderhand keine Vollzugshandlungen 
vorzunehmen. 

H.
Mit Verfügung vom 26. September 2002 forderte das Bundesamt den 
Beschwerdeführer auf, ein aktuelles Arztzeugnis einzureichen und be-
züglich  der  mittels  Rapport  der  Kantonspolizei  vom  12.  Dezember 
2001  mitgeteilten  Vorfälle  in  der  (...)  I._______,  in  der  sich  der 
Beschwerdeführer  im  Dezember  2001  stationär  aufgehalten  habe, 
mitzuteilen, ob diesbezüglich ein Strafverfahren eingeleitet worden sei. 

I.
Mit  Schreiben  vom  7.  November  2002  gelangte  die  Psychiatrische 
I._______  an das  Bundesamt  und  reichte  einen  ärztlichen  Bericht 
betreffend den Beschwerdeführer zu den Akten.

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J.
Nachdem das Bundesamt den Beschwerdeführer mit  Verfügung vom 
5. März  2003  aufgefordert  hatte,  ein  aktuelles  Arztzeugnis  einzu-
reichen, liess dieser am 12. Mai 2003 dem Bundesamt einen ärztlichen 
Bericht  von  Dr. med.  J._______,  Facharzt  FMH  für  Psychiatrie  und 
Psychotherapie  und  Kinder-/Jugendpsychiatrie  und  Psychotherapie, 
datierend vom 7. Mai 2003 zukommen. 

K.
Mit Verfügungen vom 30. Dezember 2003, 9. März und 31. März 2004 
forderte  das  Bundesamt  den  Beschwerdeführer  erneut  auf,  ein 
aktuelles Arztzeugnis einzureichen. 

L.
Am 13. April 2004 ging beim Bundesamt ein am 8. April 2004 ausge-
stellter ärztlicher Bericht von Dr. med. J._______ ein.

M.
Den  Akten  zufolge  wurde  der  Beschwerdeführer  im  Zeitraum  von 
November 1999 bis am 15. April 2004 verschiedentlichen polizeilichen 
Personenkontrollen, unter anderem wegen Aufenthalts in der Drogen-
szene, unterzogen. Wiederholt wurde er zudem wegen verschiedener 
strafrechtlicher Tatbestände (unter  anderem wegen Widerhandlungen 
gegen das Betäubungsmittelgesetz, Raub, Vergewaltigung und Sach-
beschädigung)  verzeigt  respektive  angeschuldigt.  Eine  Verurteilung 
erfolgte indes nicht, da entweder keine Strafverfahren eingeleitet oder 
aber allfällige eingeleitete Strafverfahren eingestellt wurden. 

N.
Mit Verfügung vom 31. August 2004 wies das Bundesamt das Wieder-
erwägungsgesuch  des  Beschwerdeführers  vom 14.  August  2001  ab 
und hob die Sistierung der Wegweisung vom 28. September 2001 auf. 
Gleichzeitig  stellte  es  fest,  die  Verfügung  vom 28.  Januar  2000  sei 
rechtskräftig und vollstreckbar und einer allfälligen Beschwerde kom-
me keine aufschiebende Wirkung zu. 

O.
Mit  Eingabe  vom  30.  September  2004  (Poststempel)  liess  der  Be-
schwerdeführer gegen diese Verfügung durch seine Rechtsvertretung 
bei der Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) Beschwerde er-
heben  und  beantragen,  die  Verfügung  des  Bundesamtes  vom  28. 
Januar  2000 sei  aufzuheben  und das Asylgesuch neu zu prüfen. In 

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verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde zudem um Aussetzung des Voll-
zuges  der  Wegweisung  und  Wiederherstellung  der  aufschiebenden 
Wirkung  der  Beschwerde  sowie  darum ersucht,  im Sinne  einer  vor-
sorglichen  Massnahme  sei  das  K._______anzuweisen,  bis  zum 
Entscheid über die Aussetzung des Vollzuges von Vollzugshandlungen 
abzusehen. Zudem sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu 
verzichten und die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.

P.
Mit  Verfügung vom 1. Oktober 2004 setzte die ARK den Vollzug der 
Wegweisung vorsorglich aus. 

Q.
Am 11. Oktober 2004 (Eingang ARK) liess der Beschwerdeführer der 
ARK eine Fürsorgebestätigung der Asyl-Organisation L._______  vom 
4. Oktober 2004 zukommen. 

R.
Da  der  Beschwerdeführer  trotz  Aufforderung  der  mit  Verfügung  der 
ARK  vom  4.  Mai  2005  gesetzten  Frist  keinen  aktuellen  Arztbericht 
nachgereicht hatte, gelangte die ARK mit Schreiben vom 15. Juli 2005 
direkt  an  den  behandelnden  Arzt  und  bat  diesen  um Beantwortung 
verschiedener Fragen.

S.
Mit  Antwortschreiben  vom  15.  September  2005  reichte  der  be-
handelnde Arzt, Dr. med. J._______, einen ärztlichen Bericht ein. 

T.
T.a Am 1. November 2006 wurde der Beschwerdeführer durch das (...) 
L._______ wegen  Sachbeschädigung  i.S.  von  Art.  144  Abs. 1  des 
Schweizerischen  Strafgesetzbuchs  vom  21. Dezember  1937  (StGB, 
SR  311.0)  i.V.m.  Art.  172ter  StGB  (Inbrandsetzung  eines 
Papierbettbezuges in Haft, begangen am 12. April 2006), mehrfacher 
Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz  vom 26. März 1931  über 
Aufenthalt  und Niederlassung der  Ausländer  (ANAG, BS 1  121)  i.S. 
von  Art.  23a  ANAG i.V. m.  Art.  13e  ANAG (Aufenthalt  in  der  Stadt 
L._______ am 27. Juli  2006 und am 28. September  2006 trotz  Aus-
grenzungsverfügung;  rechtswidriges  Verweilen  in  der  Schweiz  trotz 
Wissen um Ausweisverfügung des (...) L._______ vom 13. April 2006), 
Hinderung  einer  Amtshandlung  i.S.  von  Art.  286 StGB  (der 
Beschwerdeführer wehrte sich im Rahmen einer Verhaftung vom 12. 

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Juni  2006  angeblich  aus  Angst  vor  der  Handschellenanlegung), 
mehrfacher Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz i.S. von Art. 
19 Ziff. 1 Abs. 4 und 5 des Betäubungsmittelgesetzes vom 3. Oktober 
1951 (BetmG, SR 812.121) (Verkauf von 0.3 Gramm Kokain vom 15. 
Mai  2006,  Aufbewahren von 0.5  Gramm Marihuana  für  Drittperson), 
und wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes i.S. 
von  Art. 19a  Ziff.  1  BetmG  (Besitz  von  1,7g  Kokain  zwecks 
Eigenkonsum vom 12. Juni 2006, Besitz von 2 Gramm Kokain zwecks 
Eigenkonsum vom 11. April  2006, Besitz einer unbestimmten Anzahl 
Gramm Kokain zwecks Eigenkonsum vom 28. September 2006) zu 80 
Tagen Gefängnis unbedingt verurteilt. 

T.b Am  26.  März  2007  erfolgte  durch  die  Staatsanwaltschaft 
M._______  eine  Verurteilung  zu  30  Tagen  Freiheitsstrafe  wegen 
Missachtung einer Zwangsmassnahme im Ausländerrecht.

T.c Am  24.  Mai  2007  wurde  der  Beschwerdeführer  erneut  wegen 
Widerhandlung gegen das ANAG verurteilt  (Verstoss gegen Art. 23a 
i.V.m. Art. 13e ANAG; Betreten des Gebietes der Stadt L._______ trotz 
Ausgrenzungsverfügung vom 28. Juli  2006),  wobei  eine  am 9. März 
2007  durch  die  Staatsanwaltschaft  M._______  ausgefällte  bedingte 
Geldstrafe  (unter  anderem  wegen  Verletzung  der  Ausgrenzungsver-
fügung vom 28. Juli  2006) von 60 Tagessätzen à Fr. 30.-- widerrufen 
wurde  und  der  Beschwerdeführer  unter  Einbezug  der  widerrufenen 
Strafe zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt 120 Tagen unbedingt ver-
urteilt  wurde.  Gegen  dieses  Urteil  legte  der  Beschwerdeführer  hin-
sichtlich  der  Strafzumessung  Berufung  ein.  Das  (...)  des  Kantons 
L._______ entschied mit Urteil vom 23. Januar 2008 das die vom Be-
schwerdeführer beantragte Geldstrafe oder gemeinnützige Arbeit nicht 
in  Betracht  falle  und  sprach  eine  Freiheitsstrafe  von  105  Tagen  als 
Gesamtstrafe aus. 

U.
Mit Vernehmlassung vom 7. Juni 2007 beantragte das Bundesamt dem 
nunmehr  zuständigen  Bundesverwaltungsgericht  gegenüber  die  Ab-
weisung der Beschwerde. 

V.
Dem  Beschwerdeführer  wurde  mittels  Verfügung  des  Bundesver-
waltungsgerichts  vom 19.  Juni  2007  Gelegenheit  eingeräumt,  innert 
Frist eine Stellungnahme zur Vernehmlassung des Bundesamtes ein-
zureichen.  Eine  vom  Beschwerdeführer  diesbezüglich  am  22.  Juni 

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2006 beantragte Fristerstreckung lehnte der  zuständige Instruktions-
richter mit Verfügung vom 28. Juni 2006 ab.

W.
Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft  M._______ vom 23. Mai 2008 
wurde  der  Beschwerdeführer  wegen  des  Vergehens  gegen  das  Be-
täubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 BetmG (unent-
geltliche Abgabe von 2 Gramm Kokaingemisch an einen Drogenkon-
sumenten im Zeitraum vom 9. bis 11. Mai 2008) schuldig befunden und 
ihm eine Freiheitsstrafe von 60 Tagen unbedingt auferlegt. 

X.
Mit Eingabe vom 30. Juni 2008 liess der Beschwerdeführer einen Be-
richt des psychiatrisch-psychologischen Dienstes des (...) des Kantons 
L._______ vom 6. Juni 2008 einreichen.

Y.
Nach vorgängiger  Aufforderung durch das  Bundesverwaltungsgericht 
liess der Beschwerdeführer mit Schreiben seiner Rechtsvertretung am 
18. Februar 2010 eine Kostennote einreichen. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Als  eine  der  Beschwerdeinstanzen  im  Verwaltungsverfahren  des 
Bundes  (vgl.  Art. 47  Abs.  1  Bst.  b  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 
172.021])  beurteilt das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 des 
Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR  173.32) 
Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Aus-
nahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Unter die Vorinstanzen fallen die in 
Art. 33 VGG genannten Behörden, zu welchen auch das BFM (Art. 33 
Bst. d VGG) zählt. Art. 32 VGG sieht für Verfügungen auf dem Gebiet 
des Asyls keine Ausnahme vor, womit die Zuständigkeit des Bundes-
verwaltungsgerichts als Beschwerdeinstanz im Asylverfahren gegeben 
ist (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]). 
Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(BGG, SR 173.110]) bestätigt diese Zuständigkeit und schliesst gleich-
zeitig die Weiterzugsmöglichkeit an das Bundesgericht aus. Als Folge 
der so definierten Zuständigkeit hat das Bundesverwaltungsgericht per 

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1. Januar 2007 die Beurteilung der seit dem 30. September 2004 bei 
der  ARK  hängig  gewesenen  Beschwerde  gegen  einen  Wieder-
erwägungsentscheid  des  Bundesamtes  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
übernommen (Art. 53 Abs. 2 VGG). 

1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor dem Bundesamt teil-
genommen, ist  durch die am 31. August  2004 ergangene Verfügung 
besonders  berührt  und kann ein schutzwürdiges Interesse an deren 
Aufhebung beziehungsweise Änderung für sich in Anspruch nehmen. 
Damit  ist  er  zur  Einreichung einer  dagegen gerichteten Beschwerde 
legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48  Abs.  1 
VwVG). 

1.3 Die Eingabefrist sowie die Anforderungen an Form und Inhalt der 
Beschwerdeschrift  sind  gewahrt  (Art.  105  AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG 
und Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 
somit einzutreten.

1.4 Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  un-
richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG).  Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Ent-
scheid  jedoch  ungeachtet  der  erhobenen  Rügen  grundsätzlich  in 
vollem  Umfang  überprüfen.  Es  stellt  den  Sachverhalt  von  Amtes 
wegen  fest  (Art.  12  VwVG)  und  es  wendet  das  Recht  von  Amtes 
wegen  an  (Art.  62  Abs. 4 VwVG). Das  Bundesverwaltungsgericht  ist 
demzufolge  verpflichtet,  auf  den  festgestellten  Sachverhalt  jene 
Rechtsnormen anzuwenden, die es als zutreffend erachtet, und ihnen 
jene  Auslegung  zu  geben,  von  der  es  überzeugt  ist  (vgl.  BVGE 
2007/41 E. 2 S. 529 f.).

2.
2.1 Die  Wiedererwägung  im  Verwaltungsverfahren  ist  ein  gesetzlich 
nicht geregelter Rechtsbehelf, auf dessen Behandlung durch die ver-
fügende  Behörde  grundsätzlich  kein  Anspruch  besteht.  Gemäss 
herrschender  Lehre  und  ständiger  Praxis  des  Bundesgerichts  wird 
jedoch  aus  Art. 29  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eid-
genossenschaft  vom 18. April  1999  (BV, SR  101)  unter  bestimmten 
Voraussetzungen  ein  verfassungsmässiger  Anspruch  auf 
Wiedererwägung  abgeleitet  (vgl.  BGE 127  I  133  E.  6,  mit  weiteren 

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Hinweisen). Danach hat die zuständige Behörde eine selbst getroffene 
Verfügung  in  Wiedererwägung  zu  ziehen,  wenn  sich  der 
rechtserhebliche  Sachverhalt  seit  Eintritt  der  Rechtskraft  -  am  Tag 
nach  Ablauf  der  nicht  genutzten  Rechtsmittelfrist  oder  durch  be-
stätigendes  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen  Rechts-
mittelinstanz - in wesentlicher Weise verändert hat und mithin eine An-
passung der (fehlerfreien) Verfügung erforderlich ist, ohne dass deren 
Gegenstand  neu  beurteilt  wird.  Im  Weiteren  können  auch  Revi-
sionsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen,  sofern 
sie sich auf eine rechtskräftige Verfügung beziehen, die entweder un-
angefochten blieb oder  deswegen niemals  einer  materiellen Prüfung 
unterzogen  wurde,  weil  das  angehobene  Beschwerdeverfahren  mit 
einem  formellen  Urteil  endete.  Ein  solchermassen  als  qualifiziertes 
Wiedererwägungsgesuch  zu  bezeichnendes  Rechtsmittel  ist  grund-
sätzlich nach den Regeln des Revisionsverfahrens gemäss Art. 66 ff. 
VwVG  zu  behandeln  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2003  Nr. 17  E. 2a 
S. 103 f. mit weiteren Hinweisen).

2.2 Der Sinn der Wiedererwägung - wie auch der Revision – ist nicht 
die  erneute  rechtliche  Würdigung  eines  bereits  hinlänglich  erstellten 
und endgültig beurteilten Sachverhalts (vgl. EMARK 1999 Nr. 4 E. 5a 
S. 24 f.). Anders ausgedrückt ist es unzulässig, ein rechtskräftig abge-
schlossenes  Verfahren  unter  dem  Titel  eines  Wiedererwägungsge-
suchs faktisch zu  wiederholen,  indem die  rechtliche Beurteilung  der 
verfügenden Behörde (erneut) in Frage gestellt wird. Gar nicht erst ein-
zutreten ist auf ein Wiedererwägungsgesuch schliesslich dann, wenn 
zu dessen Begründung lediglich unsubstanziierte Behauptungen auf-
gestellt  werden  und  aus  der  Rechtsschrift  die  tatsächlichen  An-
haltspunkte,  die  auf  das  Vorliegen  eines  Wiedererwägungsgrundes 
hindeuten sollen, nicht ersichtlich sind (vgl. EMARK 2005 Nr. 25 E. 4.2 
S. 227 f., EMARK 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f., EMARK 2001 Nr. 20 E. 
3c.dd S. 156).

2.3 In  den Eingaben vom 14. August  und vom 26. September  2001 
wird  hauptsächlich  geltend gemacht,  der  Beschwerdeführer  leide  an 
Konzentrationsschwierigkeiten,  Depressionen,  Suizidgedanken  und 
falle immer wieder plötzlich hin. Im Jahr 2000 habe er einen Zusam-
menbruch erlitten und sei für eine Nacht in eine Drogenentzugsklinik 
überwiesen worden. Kurz darauf habe man ihn in ein spezielles Heim 
für Asylbewerber mit  psychischen Problemen eingewiesen, wo er er-

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neut  in  starke  Depressionen  verfallen  sei  und  einen  Suizidversuch 
unternommen habe. Er sei deshalb in die (...) H._______ eingewiesen 
worden. Nach mehreren Wochen stationärer Behandlung werde er nun 
auf  eigenen  Wunsch  ambulant  weiter  behandelt.  Aufgrund  der 
Aussagen  der  behandelnden  Ärztin  habe  der  Beschwerdeführer  als 
Ursache  erstmals  erwähnt,  dass  er,  nachdem  er  sein  Elternhaus 
verlassen habe,  im Zeitraum vom September 1998 bis Februar 1999 
durch Rebellen zwangsrekrutiert worden sei. Die Rebellen hätten ihm 
immer wieder Drogen gespritzt. Im Februar 1999 sei er durch Truppen 
der  ECOMOG  (Economic  Community  Monitoring  Group) 
festgenommen und im Gefängnis N._______ in O._______ inhaftiert 
und  dort  misshandelt  worden.  Einer  der  Wachen  sei  ein  Bekannter 
seines  Vaters  gewesen,  und  er  habe  diesem  seine  Probleme  mit 
seinem Vater und den Rebellen anvertraut. Schliesslich habe ihm der 
Bekannte zur Flucht verholfen und ihn angewiesen, das Land sofort zu 
verlassen. Aufgrund seiner psychischen Probleme sei es ihm bislang 
unmöglich  gewesen,  über  seine  Erlebnisse  bei  den  Rebellen  zu 
berichten.

2.4 Diese Sachvorbringen sind darauf ausgerichtet, die rechtskräftige 
Verfügung vom 28. Januar 2000, mit welcher das Bundesamt auf das 
Asylgesuch des Beschwerdeführers in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 
Bst. a AsylG nicht eingetreten war, aufgrund von neuen Tatsachen als 
von  Anfang  an  fehlerhaft  erscheinen  zu  lassen.  Nach  Lehre  und 
Rechtsprechung gelten Tatsachen im Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a 
VwVG dann als  neu, wenn sie zurzeit der Erstbeurteilung der Sache 
bereits verwirklicht waren, im ordentlichen Verfahren jedoch trotz aller 
pflichtgemässen Sorgfalt nicht bekannt waren und daher nicht geltend 
gemacht  werden  konnten  beziehungsweise  deren  rechtzeitige 
Geltendmachung  nicht  zumutbar  war.  Erheblich sind  die  Tatsachen 
sodann,  wenn  sie  geeignet  sind,  die  tatbeständliche Grundlage  des 
angefochtenen Entscheides zu verändern und bei zutreffender recht-
licher Würdigung zu einem anderen, für den Gesuchsteller günstigeren 
Ergebnis zu führen (vgl. EMARK 1995 Nr. 21 E. 3a S. 207 und 1995 Nr. 
9  E.  5  S.  80  ff.).  Ähnliches  gilt  für  revisionsweise  eingereichte  Be-
weismittel: Sie sind nur dann als  neu zu qualifizieren und beachtlich, 
wenn sie entweder neue erhebliche Tatsachen erhärten oder geeignet 
sind, dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Ver-
fahren  bekannt  gewesen,  aber  zum  Nachteil  der  gesuchstellenden 
Partei  unbewiesen geblieben sind, respektive wenn sie bei Vorliegen 
im ordentlichen Verfahren vermutlich zu einem anderen Entscheid ge-

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führt  hätten. Gemäss Praxis zu Art. 66 Abs. 2 Bst. a VwVG ist es im 
Gegensatz  zu  geltend  gemachten  neuen  Tatsachen  indessen  nicht 
notwendig,  dass  die  Beweismittel  selber  aus  der  Zeit  vor  dem  in 
Rechtskraft  erwachsenen Entscheid stammen (vgl. EMARK 1994 Nr. 
27 E. 5c S. 199). 

3.
3.1 Vorliegend ist das Bundesamt auf das Wiedererwägungsgesuch – 
welches es implizit zu Recht unter dem Blickwinkel des qualifizierten 
Wiedererwägungsgesuchs geprüft hat (vgl. EMARK 2006 Nr. 20 E. 2.3 
S. 214) – eingetreten und hat dieses abgelehnt. Zur Begründung führt 
es im Wesentlichen aus,  im Falle  des Beschwerdeführers könne die 
Motivation,  aus  der  er  gezwungen  worden  sei,  bei  der  RUF 
(Revolutionary United Front) mitzumachen, nicht unter eine der in Art. 
3 AsylG aufgezählten Gründe subsumiert werden. Hinzu komme, dass 
für die Bestimmung der Flüchtlingseigenschaft der Zeitpunkt des Asyl-
entscheides massgebend sei. Die Asylgewährung setze daher voraus, 
dass  ein  Gesuchsteller  im  Zeitpunkt  des  Entscheides  von  asyl-
relevanter Verfolgung bedroht sei und somit Schutz brauche. Die RUF 
habe während ihrer mehrjährigen Schreckenskampagne zehntausende 
von  Zivilisten  ermordet  und  verstümmelt,  um  die  Regierung  -  die 
selber  zum Teil  massive  Menschrechtsverletzungen  zu  verantworten 
gehabt habe - zu übernehmen sowie die Diamantenfelder des Landes 
unter ihre Kontrolle zu bringen. Britische Truppen hätten im Mai 2000 
Foday Sankoh,  den Anführer der RUF, verhaftet. Im November 2000 
habe  die  RUF  mit  der  Regierung  ein  Friedensabkommen  unter-
zeichnet.  Im  Zuge  des  von  den  UNO-Friedenstruppen  (UNAMSIL) 
überwachten Prozesses zur Entwaffnung der Rebellen habe sich die 
Lage in Sierra Leone zunehmend stabilisiert. Am 6. Januar 2002 sei 
die Entwaffnung abgeschlossen worden und am 16. Januar 2002 habe 
die Regierung in O._______ ein Friedensabkommen mit den Vereinten 
Nationen unterzeichnet, das die Errichtung eines Sondertribunals zur 
juristischen Aufarbeitung der Verbrechen im vergangenen Bürgerkrieg 
vorsehe. Am 18. Januar 2002 sei der Bürgerkrieg offiziell für beendet 
erklärt  worden  und  Mitte  Mai  2002  hätten  zudem  freie 
Präsidentschafts-  und  Parlamentswahlen  stattgefunden,  bei  welchen 
die  SLPP (Volkspartei)  unter  Präsident  Kabbah  als  Siegerin  hervor-
gegangen sei. Internationale Beobachter hätten einen friedlichen und 
weitgehend  ordnungsgemässen  Ablauf  der  Wahlen  bestätigt.  Zudem 
seien viele Flüchtlinge aus Sierra Leone, die sich zuvor in Guinea und 
Liberia  aufgehalten  hätten,  in  ihre  Heimat  zurückgekehrt.  Aufgrund 

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dieser veränderten Situation seien die vom Beschwerdeführer wieder-
erwägungsweise geltend gemachten Vorbringen asylrechtlich nicht be-
achtlich.

3.2 In der Beschwerde vom 30. September 2004 wird demgegenüber 
eingewendet,  das  Bundesamt  gehe  in  seinem Wiedererwägungsent-
scheid nicht auf die von ihm neu dargelegten und durch das Bundes-
amt nicht bestrittenen Asylvorbringen, als Kindersoldat rekrutiert wor-
den zu sein, ein. Da diese Zwangsrekrutierung nicht Gegenstand der 
ursprünglichen  Verfügung  gewesen  sei,  müsse  diese  in  Wieder-
erwägung gezogen und das Asylgesuch unter Berücksichtigung aller 
Fakten neu geprüft werden. Wie dem ärztlichen Bericht von Dr. med. 
J._______ zudem zu entnehmen sei, sei – entgegen der Ansicht des 
Bundesamtes  –  eine  Therapie  des  Beschwerdeführers  als  lebens-
notwendig zu erachten. 

4.
4.1 Die  ursprüngliche  Verfügung  des  Bundesamtes  vom  28.  Januar 
2000 erging gestützt  auf  Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG in  der Fassung 
vom 26. Juni 1998 (AS 1999 2262). Danach war auf ein Asylgesuch 
nicht einzutreten, sofern Asylsuchende den Behörden nicht innerhalb 
von 48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reisepapiere oder an-
dere Dokumente abgaben, die es erlaubten,  sie zu identifizieren,  es 
sei denn, Asylsuchende konnten glaubhaft machen, dass sie dazu aus 
entschuldbaren Gründen nicht in der Lage waren oder aber wenn Hin-
weise auf Verfolgung vorlagen, die sich nicht als offensichtlich haltlos 
erwiesen.

4.2 Aus der  Begründung  der  angefochtenen  Verfügung,  wonach  die 
Zwangsrekrutierung nicht aus einem der in Art. 3 AsylG aufgeführten 
Gründe erfolgt und diese auch aufgrund der veränderten Situation im 
Heimatland als nicht beachtlich zu erachten sei, ergibt sich, dass das 
Bundesamt die behauptete Zwangsrekrutierung durch die RUF – ohne 
deren  Glaubhaftigkeit  explizit  in  Frage  zu  stellen  –  als  asylrechtlich 
nicht relevant beurteilt. Es stellt sich somit im Ergebnis auf den Stand-
punkt,  in  die  geltend  gemachte  Zwangsrekrutierung  sei  kein  Ver-
folgungshinweis zu erblicken, der im Sinne von Art. 32 Abs. 2 Bst. a 
AsylG in der Fassung vom 26. Juni 1998 (AS 1999 2262) nicht als von 
vornherein haltlos einzustufen sei, weshalb keine im Sinne von Art. 66 
Abs. 2  Bst. a  VwVG erheblich  veränderte  tatbeständliche Grundlage 
bestehe.

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4.3 Das  Bundesamt  hält  in  den  Erwägungen  fest,  die  Rekrutierung 
des Beschwerdeführers könne nicht  unter  einen der  in  Art. 3  AsylG 
aufgezählten  Gründe  subsumiert  werden.  Mit  dieser  Feststellung 
kommt das Bundesamt seiner Begründungspflicht gemäss Art. 35 Abs. 
1  VwVG nicht  nach,  weil  es  in  keiner  Weise  transparent  macht,  in-
wiefern der Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten zwecks Teilnahme 
an  einem  Bürgerkrieg,  die  –  wie  im  Falle  von  Sierra  Leone  –  mit 
Drogen  oder  unter  Todesdrohungen  zu  Gewalthandlungen  und  Ver-
brechen gezwungen und durch die Rebellen der RUF unter anderem 
auch misshandelt wurden, mangels eines Motives im Sinne von Art. 3 
Abs. 1 AsylG asylrechtlich keine Relevanz zukommen könne.

4.4 Das  Bundesamt  weist  zwar  zu  Recht  darauf  hin,  dass  sich  die 
Situation  in  Sierra  Leone  seit  der  Ausreise  des  Beschwerdeführers 
erheblich verändert hat. Hingegen greift der daraus gezogene Schluss, 
die vom Beschwerdeführer wiedererwägungsweise geltend gemachten 
Vorbringen  seien  asylrechtlich  nicht  beachtlich,  zu  kurz.  Gemäss 
Rechtsprechung  ist  eine  erlittene  Vorverfolgung  trotz  infolge  einer 
dauerhaft  veränderten  Situation  weggefallenen  Verfolgungsgefahr 
ausnahmsweise auch dann als im Sinne von Art. 3 AsylG asylrechtlich 
relevant zu betrachten, falls eine Rückkehr in den früheren Verfolger-
staat  aus  zwingenden,  auf  diese  Verfolgung  zurückgehende  Gründe 
nicht  zumutbar  ist,  wobei  als  "zwingende  Gründe"  in  erster  Linie 
traumatisierende  Erlebnisse  zu  betrachten  sind,  die  es  dem  Be-
troffenen angesichts erlebter schwerwiegender Verfolgungen im Sinne 
einer  Langzeittraumatisierung  psychologisch  verunmöglichen,  ins 
Heimatland zurückzukehren (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.4 S. 380). Ange-
sichts  der  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Arztzeugnisse,  in 
denen insbesondere von mehreren Suizidversuchen infolge schwerer 
depressiver  Episoden,  einer  schizoaffektiven  Störung,  einer  para-
noiden Psychose und einer posttraumatisch bedingten Überempfind-
lichkeit  gesprochen und unter  anderem ausgeführt  wird,  er  leide  an 
Halluzinationen,  die vermutlich mit  der Erfahrung als  Kindersoldat  in 
Bezug  stünden,  ist  das  Bestehen  einer  Langzeittraumatisierung  des 
Beschwerdeführers  in  Betracht  zu  ziehen.  Dem  Wiedererwägungs-
gesuch und den weiteren Akten ist jedoch nicht zu entnehmen, unter 
welchen  Umständen  die  angebliche  Zwangsrekrutierung  des  Be-
schwerdeführers  durch  die  RUF  erfolgte  und  welches  Schicksal 
diesem in den Reihen der RUF zuteil geworden ist. Infolge diesbezüg-
lich  unterbliebener  Sachverhaltsabklärungen ist  eine Beurteilung der 
Glaubhaftigkeit  der  angeblich  erfolgten  Zwangsrekrutierung  zum 

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Kindersoldaten  und  damit  die  Prüfung  der  Frage,  ob  allenfalls 
„zwingende  Gründe“  vorliegen,  die  es  dem  Beschwerdeführer  ver-
unmöglichen, nach Sierra Leone zurückzukehren, nicht möglich.

4.5 Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  das  Bundesamt  in  seiner 
Verfügung Art.  35  Abs. 1  VwVG verletzt,  weil  es  nur  feststellt,  nicht 
aber begründet,  weshalb die Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten 
asylrechtlich nicht relevant sein soll. Gleichzeitig hat es die asylrecht-
liche  Relevanz der  geltend  gemachten  Zwangsrekrutierung  verneint, 
ohne  den  diesbezüglich  rechtserheblichen  Sachverhalt  hinreichend 
abzuklären  und  zu  prüfen,  ob  dem Beschwerdeführer  allenfalls  auf-
grund "zwingender Gründe" Asyl  zu gewähren wäre. Es bleibt  somit 
unklar,  weshalb  in  Anbetracht  der  geltend  gemachten  Zwangs-
rekrutierung des Beschwerdeführers zum Kindersoldaten im Sinne von 
Art. 32  Abs. 2 Bst. a  AsylG in  der  Fassung vom 26. Juni  1998 (AS 
1999  2262)  nach  wie  vor  keine  Hinweise  auf  Verfolgung  vorliegen 
sollen, die nicht von  vornherein haltlos sind, und somit  in Bezug auf 
die Verfügung vom 28. Januar 2000 keine im Sinne von Art. 66 Abs. 2 
Bst. a VwVG erheblich veränderte tatbeständliche Grundlage bestehe. 
Aufgrund der Aktenlage ist alsdann auch vor dem Hintergrund des auf 
den 1. Januar 2007 in Kraft getretenen Art. 32 Abs. 2 Bst. a und Abs. 3 
AsylG in der Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 16. Dezember 2005 
(AS 2006 4745),  welcher  aufgrund der  Übergangsbestimmungen für 
die im Zeitpunkt  des Inkrafttretens der Änderung vom 16. Dezember 
2005 Abs. 1 des AsylG hängigen Asylverfahren gilt,  nicht  ersichtlich, 
inwiefern  bereits  auf  Grund einer  summarischen Prüfung festgestellt 
werden  könnte,  dass  der  Beschwerdeführer  auch  in  Anbetracht  der 
geltend  gemachten  Zwangsrekrutierung  die  Flüchtlingseigenschaft 
offensichtlich  nicht  erfüllt  bzw. zu  deren  Feststellung  keine  weiteren 
Abklärungen  nötig  sind  (BVGE  2007/8  E. 5.6.5  und  5.6.6  S. 90 ff.). 
Insofern  fallen  auch  ergänzende  Sachverhaltserhebungen  und  eine 
allfällige  Motivsubstitution  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  von 
vornherein  ausser  Betracht.  Die  Beschwerde  ist  demnach  gutzu-
heissen,  die  angefochtene Verfügung aufzuheben und die  Sache an 
das BFM zur Neubeurteilung zurückzuweisen.

4.6 Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens bleibt der Vollzug 
der Wegweisung des Beschwerdeführers  bis zu anderslautender An-
ordnung  durch  das  Bundesamt  im  Rahmen  der  Neubeurteilung  des 
Wiederwägungsgesuchs ausgesetzt. 

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5.
5.1 Angesichts des Ausgangs des Verfahrens sind keine Verfahrens-
kosten  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  2  VwVG).  Das  Gesuch  um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65 
Abs. 1 VwVG wird somit gegenstandslos.

5.2 Obsiegende  Parteien  haben  Anspruch  auf  eine  Parteient-
schädigung  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  Kosten  (Art.  7 
Abs. 1  des Reglements vom 21. Februar  2008 über  die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]). Der in der Kostennote vom 18. Februar 2010 geltend 
gemachte  Arbeitsaufwand  von 5,5  Stunden  sowie  die  Auslagen  von 
Fr. 41.--  erscheinen  angemessen.  Der  Stundenansatz  von  Fr. 150.-- 
bewegt sich zudem im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE. Das Bundes-
amt  ist  demzufolge anzuweisen,  dem Beschwerdeführer  eine Partei-
entschädigung von Fr. 866.-- auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die  angefochtene  Verfügung  wird  aufgehoben  und  die  Sache  zur 
Neubeurteilung an das BFM zurückgewiesen.

3.
Der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  bleibt  bis  zu 
anderslautender  Anordnung  durch  das  BFM  im  Rahmen  der  Neu-
beurteilung des Wiederwägungsgesuchs ausgesetzt. 

4.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

5.
Das  BFM hat  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  von 
Fr. 866.-- zu entrichten.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N  (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- das (zuständige kantonale Amt) ad (...) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg

Versand: 

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