# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e33d843f-1320-57a4-86d2-7523704dc61f
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-28
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 28.06.2018 SB170440
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB170440_2018-06-28.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB170440-O/U/jv 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. R. Naef, Präsident, lic. iur. M. Langmeier und 

lic. iur. B. Gut sowie der Gerichtsschreiber Dr. iur. F. Manfrin 

 

Urteil vom 28. Juni 2018 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigte und I. Berufungsklägerin 

verteidigt durch Rechtsanwältin Dr. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. M. Stammbach,  

Anklägerin und II. Berufungsklägerin 

betreffend vorsätzliche Tötung etc.  
(Rückweisung der strafrechtlichen Abteilung des Schweiz. Bundesgerichts) 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung,  
vom 11. März 2015 (DG140187)  

Urteil der I. Strafkammer des Obergerichtes des Kantons Zürich 
vom 21. April 2016 (SB150309)  

Urteil der strafrechtlichen Abteilung des Schweiz. Bundesgerichts  
vom 18. Oktober 2017 (6B_853/2016) 

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Anklage:  

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 23. Juni 

2014 (Urk. 63) ist diesem Urteil beigeheftet. 

 

Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 11. März 2015 (DG140187):  
(Urk. 106 S. 97 ff.) 

"Das Gericht erkennt: 

1. Die Beschuldigte ist schuldig 

- der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 16 Abs. 1 StGB so-

wie 

- des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG. 

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 5 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 271 Tage durch Untersu-

chungshaft erstanden sind. 

3. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 8. März 2013 beschlagnahmte Pfeffer-

spray sowie die beiden Klappmesser (Sachkautions-Nr. 9709) werden nach Eintritt der 

Rechtskraft dieses Entscheids eingezogen und der Kasse des Bezirksgerichts Zürich zur 

Vernichtung überlassen. 

4. Die folgenden Gegenstände werden der Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses 

Entscheids auf erstes Verlangen herausgegeben. Bei Nichtabholung werden die Gegen-

stände nach Ablauf von 6 Monaten nach Eintritt der Rechtskraft durch die Kasse des Be-

zirksgerichts Zürich zu Gunsten der Staatskasse verwertet bzw. – sofern davon kein die 

Verwertungskosten übersteigender Erlös zu erwarten ist – vernichtet: 

a. mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 8. März 2013 beschlagnahmt (Sach-

kautions-Nr. 9709) 

  - 1 Handycam "Aiptek" 

  - 3 USB Memorysticks 

  - 2 SD-Karten 

  - 2 "PConKey" Karten 

  - 1 Ordner mit div. Papierware 

b. mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 28. März 2013 beschlagnahmt (Sach-

kautions-Nr. 9735) 

- 1 iPhone (Tigerfell-Muster-Schutzhülle) 

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- 1 iPhone (silberne Schutzhülle) 

- 1 iPhone (schwarz) 

c. mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 17. Oktober 2013 beschlagnahmt 

(Sachkautions-Nr. 9875) 

  - 1 Festplatte Seagate 750 GB 

5. Die folgenden Gegenstände werden der Privatklägerin nach Eintritt der Rechtskraft dieses 

Entscheids auf erstes Verlangen herausgegeben. Bei Nichtabholung werden die Gegen-

stände nach Ablauf von 6 Monaten nach Eintritt der Rechtskraft durch die Kasse des Be-

zirksgerichts Zürich vernichtet: 

a. die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 26. März 2013 beschlagnahmten 

und in derselben aufgelisteten diversen Gegenstände (Sachkautions-Nr. 9727) 

b. eine sich bei den Akten befindende Schachtel mit unakturierten Gegenständen  

(Dokumente, diverse Ausweise, Fotoaufnahmen, ein Küchenmesser) 

6. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 29. August 2013 beschlag-

nahmten Gegenstände (Sachkautions-Nr. 9841) werden der Kantonspolizei Zürich nach 

Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids zur gutscheinenden Verwendung überlassen: 

  - 1 Soft-Air-Pistole HFC 33 mit Magazin 

  - 1 Pistole "Glock" 17 mit Magazin 

  - 2 Magazine zu Pistole "Glock" 

7. Sämtliche beim Forensischen Institut Zürich gelagerten Spuren und weiteren Asservate 

werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids durch die Lagerbehörde vernichtet. 

8. Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin B._____ aus dem 

eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Fest-

stellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin B._____ auf 

den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

9. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._____ CHF 10'000 zuzüglich 5 % 

Zins ab 17. November 2012 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das 

Genugtuungsbegehren abgewiesen. 

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10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf 

CHF 12'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 

CHF 53'398.40   Auslagen Vorverfahren 

CHF 6'466.00   Kosten der Kantonspolizei Zürich 

CHF 6'000.00   Gebühr Strafuntersuchung gem. § 4 Abs. 1 Bst. d GebV StrV 

CHF 15'000.00   amtliche Verteidigung (Akontozahlung) 

CHF 48'072.85   amtliche Verteidigung 

CHF 9'583.70   unentgeltliche Rechtsverbeiständung 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen 

der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, wer-

den der Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgelt-

lichen Vertretung der Privatklägerschaft werden auf die Gerichtskasse genommen; vor-

behalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO in Bezug auf die Kosten 

der amtlichen Verteidigung. 

12. Rechtsanwalt Dr. iur. X1._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger der 

Beschuldigten mit CHF 63'072.85 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt, wobei 

bereits eine Akontozahlung von CHF 15'000 erfolgt ist. 

13. Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ wird für seine Aufwendungen als unentgeltlicher Vertreter der 

Privatklägerin B._____ mit CHF 9'583.70 aus der Gerichtskasse entschädigt. 

14. (Mitteilungen) 

15. (Rechtsmittel)" 

Berufungsanträge im zweiten Berufungsverfahren (SB170440): 

a) Der Verteidigung der Beschuldigten: 

 (Urk. 182 S. 1 f.) 

A. Hauptanträge 

Das Urteil des Obergerichts Zürich vom 21. April 2016 (SB150309) sei 

1. in Dispositivziffer 1 im Ergebnis zu bestätigen und die Beschuldigte 

vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung freizusprechen. 

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2. in allen weiteren Dispositivziffern zu bestätigen. 

B. Eventualanträge 

1. Eventualiter sei das Urteil des Obergerichts Zürich vom 21. April 2016 

(SB150309) aufzuheben und die Beschuldigte wegen fahrlässiger  

Tötung gemäss Art. 117 StGB i.V.m. Art. 111 StGB, 15 StGB, Art. 13 

Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen. 

2. Diesfalls sei die Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von höchstens 

neun Monaten zu bestrafen, welche durch 271 Tage Untersuchungs-

haft bereits erstanden sind. 

3. Subeventualiter sei die Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von  

maximal zwei Jahren zu bestrafen, deren Vollzug in dem die bereits  

erstandene Haft von 271 Tagen überschiessenden Anteil unter An-

setzung einer Probezeit aufzuschieben sei.  

C. Kosten des Rechtsmittelverfahrens  

Die Kosten dieses Rechtsmittelverfahrens seien der Staatskasse auf-

zuerlegen und der Beschuldigten sei für das Verfahren im Umfang des 

Obsiegens eine Entschädigung ihrer Aufwendungen für die ange-

messene Ausübung der Verfahrensrechte zuzusprechen. 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 184 S. 1) 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 11. März 2015 (DG140187) 

sei grundsätzlich zu bestätigen, mit folgenden Ausnahmen (Dispositiv 

Ziff. 1 & 2): 

2. Neu Dispositiv Ziff. 1: Die Beschuldigte sei der vorsätzlichen Tötung im 

Sinne von Art. 111 StGB und des Vergehens gegen das Waffengesetz 

im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG schuldig zu sprechen. 

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3. Neu Dispositiv Ziff. 2: Die Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Frei-

heitsstrafe von 11 Jahren (unter Anrechnung der erstandenen Haft). 

c) Der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin 

B._____:  

(Urk. 185 S. 2) 

1. Die Beschuldigte sei wegen vorsätzlicher Tötung schuldig zu sprechen 

und angemessen zu bestrafen. 

2. Es sei festzustellen, das die Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 

aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatz-

pflichtig ist.  

3. Die Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin eine ange-

messene Genugtuung zuzüglich eines Genugtuungszinses zu 5% seit 

dem 17.11.2012 zu bezahlen. 

4. Die Bestellung des Referierenden zum unentgeltlichen Geschädigten-

vertreter sei für das Gerichtsverfahren zu bestätigen. 

5. Alles unter Auflage der Kosten- und Entschädigungsfolgen an die Be-

schuldigte. 

 

Erwägungen: 

I. Einleitung und Verfahrensgang 

1. Am 17. November 2012 tötete die Beschuldigte ihren damaligen Freund 

†C._____ in dessen Wohnung im Verlaufe eines Streites mit fünf Schüssen aus 

einer Handfeuerwaffe.  

2. Mit Datum vom 23. Juni 2014 wurde Anklage wegen vorsätzlicher Tötung 

erhoben (Urk. 63). Mit vorstehend aufgeführtem Urteil vom 11. März 2015 sprach 

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das Bezirksgericht Zürich die Beschuldigte der vorsätzlichen Tötung im Sinne von 

Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 StGB (Notwehrexzess) sowie des 

Verstosses gegen das Waffengesetz schuldig und bestrafte sie mit einer Frei-

heitsstrafe von 5 Jahren (Urk. 106). 

3. Auf Berufung sowohl der Beschuldigten als auch der Staatsanwaltschaft hin, 

sprach die I. Strafkammer des Obergerichts (SB150309; in anderer Zusammen-

setzung) die Beschuldigte mit Urteil vom 21. April 2016 vom Vorwurf der vorsätz-

lichen Tötung frei und bestrafte sie wegen Verstosses gegen das Waffengesetz 

mit einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu Fr. 30.-- (Urk. 143). Diesen 

Entscheid hob das Bundesgericht auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft hin mit 

Urteil vom 18. Oktober 2017 auf und wies die Sache zu neuer Entscheidung an 

das Obergericht zurück (Urteil des Bundesgerichts 6B_853/2016 vom 18. Oktober 

2017; Urk. 155).  

II. Umfang der Berufung 

1. Beschuldigte 

Die Berufung der Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldpunkt betreffend die 

vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB, die Höhe der Strafe, die Zivil-

forderungen der Privatklägerin und die Kostenauflage (Urk. 135 S. 1; Urk. 182 

S. 1 f.; Prot. II S. 5 f. und 7). 

2. Die Staatsanwaltschaft 

Die Staatsanwaltschaft ficht den Schuldpunkt betreffend Tötung insofern an, als 

sie sich gegen die Anwendung von Art. 16 Abs. 1 StGB wendet und eine Verurtei-

lung wegen vorsätzlicher Tötung im Sinne von Art. 111 StGB beantragt. Ferner 

richtet sich die Berufung gegen die Strafhöhe (Urk. 107; Urk. 185 S. 2; Prot. II S. 6 

und 7).  

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3. Rechtskräftiger Teil des vorinstanzlichen Urteils  

Nicht angefochten und somit gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO nicht mehr zu überprü-

fen sind somit der Schuldspruch betreffend Vergehen gegen das Waffengesetz 

(Dispositivziffer 1 al. 2), der Entscheid über die sichergestellten Gegenstände 

(Dispositivziffern 3 - 7), die Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 10) und die Ent-

schädigungen der Rechtsvertreter (Dispositivziffern 12 und 13) (vgl. Prot. II S. 7). 

III. Prozessuales 

1. Geschädigter D._____ 

1.1. Die Vorinstanz führte in ihrem Verfahren als Privatklägerschaft einzig die 

Mutter des Getöteten, B._____ (Urk. 106 S. 1). Weitere Privatkläger wurden we-

der in den Untersuchungsakten noch im Urteil der Vorinstanz erwähnt und es 

wurde auch nicht über Zivilansprüche solcher formell entschieden. 

1.2. Mit Eingabe vom 19. Oktober 2017 meldete sich Fürsprecherin Z._____ 

und teilte mit, dass sie den minderjährigen Sohn des Getöteten, D._____, geb. 

tt.mm.2011, vertrete (Urk. 156). Sie ersuchte um Zustellung der bisher ergange-

nen Urteile sowie um Klärung der Situation, weshalb über die von ihr eingegebe-

nen Ansprüche ihres Klienten nicht entschieden worden sei. Sie machte geltend, 

dass sie mit Vollmacht der gesetzlichen Vertreterin von D._____ am 

12. Dezember 2012 mandatiert worden sei und seinerzeit der Staatsanwaltschaft 

Zivilforderungen angemeldet habe. Sie reichte eine Kopie der entsprechenden 

Vollmacht und des Formulars betreffend Geltendmachung von Rechten als Pri-

vatklägerschaft ein, Dokumente, welche sich in den bisher angelegten Akten nicht 

auffinden liessen (Urk. 158/1-3).  

1.3. In ihren Stellungnahmen erklärten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch 

die Vertreterin der Beschuldigten und der Vorsitzende der Vorinstanz, ihnen sei 

eine Konstituierung von D._____ als Privatkläger im Laufe der Untersuchung bzw. 

des erstinstanzlichen Verfahrens unbekannt (Urk. 166, 170 und 171).  

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1.4. Da kein Nachweis über die Zustellung der mit gewöhnlicher Post versende-

ten, eingangs erwähnten Dokumente von Fürsprecherin Z._____ vorlagen und die 

Vorinstanz auch nicht über deren Ansprüche befunden hatte, beschloss die hiesi-

ge Kammer am 19. Dezember 2017, dass D._____ im Berufungsverfahren nicht 

als Privatkläger konstituiert gelte (Urk. 173). Dieser Entscheid ist in Rechtskraft 

erwachsen. 

2. Reformatio in peius 

2.1. Die Vorinstanz hielt in ihrem Dispositiv fest, dass die Beschuldigte der vor-

sätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 16 Abs. 1 StGB schuldig 

gesprochen werde. Gemäss Art. 16 Abs. 1 StGB mildert das Gericht die Strafe, 

wenn der Abwehrende die Grenzen der Notwehr überschreitet. Die Vorinstanz 

ging in ihrem Schuldspruch also explizit von einem sogenannten Notwehrexzess 

aus. 

2.2. Die Staatsanwaltschaft focht in ihrer Berufung diesen Schuldspruch bzw. 

das Bestehen einer Notwehrsituation nicht an. Die Beschuldigte verlangte mit ih-

rer Berufung anstelle des Schuldspruchs wegen Tötung in Notwehrexzess einen 

Freispruch. Die hiesige Kammer ging in ihrem aufgehobenen Urteil vom 21. April 

2016 davon aus, dass demzufolge der Schuldspruch und damit Dispositivziffer 1 

des vorinstanzlichen Entscheides aufgrund von Art. 391 Abs. 2 StPO nicht zu 

Lasten des Beschuldigten abgeändert werden könne und das Vorliegen einer 

Notwehrsituation als gegeben zu betrachten sei. Davon ging auch die Verteidi-

gung aus (Urk. 135 S. 6). 

2.3. Das Bundesgericht verwirft diese Auffassung in ihrem Rückweisungsent-

scheid. Es sei nicht einzusehen, dass mangels Anfechtung des Schuldspruchs 

nicht mehr auf das Bestehen einer Notwehrsituation zurück zu kommen sei (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_853/2017 vom 18. Oktober 2017 E. 3.1.1). Die hiesige 

Kammer habe den Anwendungsbereich und den Regelungsgehalt von Art. 391 

und Art. 404 Abs. 1 StPO vermengt (Urk. 155 E. 3.1.). Das Bundesgericht habe 

schon mehrfach festgehalten, dass im Falle einer auf die Strafzumessung be-

schränkten Berufung eine umfassende Kognition bestehe, welche nicht unter 

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Hinweis auf den nicht angefochtenen Schuldpunkt beschränkt sei (Urk. 155 

E. 3.1.1.). Bei den entsprechenden Hinweisen auf andere Bundesgerichtsent-

scheide lässt das Bundesgericht jedoch unerwähnt, dass Berufungsgegenstand in 

den zitierten Entscheiden ausnahmslos eine Strafzumessung war, welche nicht in 

einem Widerspruch zum nicht angefochtenen, rechtskräftigen Schuldspruch der 

Vorinstanz resultierte (Urteil des Bundesgerichts 6B_724/2017 vom 21. Juli 2017; 

BGE 139 IV 282, 141 IV 132, 141 IV 244). Es erstaunt zudem, wenn das Bundes-

gericht in der Rückweisungsbegründung seinen Entscheid 139 IV 282 zitiert 

(Urk. 155 E. 3.1.2.), worin es ausdrücklich festhielt: "Massgeblich für die Frage, ob 

eine unzulässige reformatio in peius vorliegt, ist das Dispositiv". In Erwägung 2.5 

und 2.6 jenes Entscheids hielt das Bundesgericht fest, dass der Wegfall eines   

fakultativen oder obligatorischen Strafmilderungsgrundes, beispielsweise bei   

Annahme eines vollendeten Deliktes anstelle eines versuchten Deliktes, eine Ver-

letzung des Verschlechterungsverbotes darstelle. Die I. Strafkammer des Ober-

gerichts hat aufgrund dieses Bundesgerichtsentscheides im aufgehobenen Ent-

scheid befunden, dass sie im Rahmen der Strafzumessung an das Vorliegen ei-

ner Notwehrsituation gebunden sei, weil die Vorinstanz im nicht von der Staats-

anwaltschaft angefochtenen Schuldpunkt des Dispositivs ausdrücklich Art. 16 

Abs. 1 StGB nennt, welche Bestimmung zwingend eine Notwehrsituation voraus-

setzt und somit einen Strafmilderungsgrund vorsieht. Wenn das Bundesgericht im 

Rückweisungsentscheid schreibt, der Vorinstanz wäre es ohne Weiteres möglich 

gewesen, abweichend von der ersten Instanz den Strafmilderungsgrund des Not-

wehrexzesses (Art. 16 Abs. 1 StGB) mangels Vorliegen einer Notwehrsituation zu 

verneinen, erscheint dies als Änderung der Rechtsprechung gemäss BGE 139 IV 

282, welche für die damals entscheidende Kammer nicht vorhersehbar war. 

IV. Standpunkte der Parteien 

1. Beschuldigte 

Die Verteidigung verlangt einen Freispruch vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung. 

Sie vertritt den Standpunkt, dass die Beschuldigte, soweit keine Notwehrlage  

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vorgelegen habe, einem Irrtum über das Fortbestehen der Notwehrlage – einer 

Putativnotwehr – unterlegen sei (Urk. 135 Rz 6 und 29-52; Urk. 182 Rz 63 ff.). 

Eventualiter – sollte der Irrtum als vermeidbar angesehen werden – sei von einer 

fahrlässigen Tötung auszugehen (Urk. 182 Rz 75-77). Bei den letzten beiden 

Schüssen stünde zudem die Kausalität für den tatbestandlichen Erfolg nicht fest 

(Urk. 182 Rz 60-62). 

2. Staatsanwaltschaft 

Die Staatsanwaltschaft stellt sich auf den Standpunkt, dass zwar bei den  

Schüssen 1-3 eine Notwehrsituation vorgelegen, die Beschuldigte aber in einem 

massiven, nicht entschuldbaren Notwehrexzess gehandelt habe. Bei den  

Schüssen 4 und 5 sei keine Notwehrsituation mehr vorgelegen. Die fünf Schüsse 

seien als Tateinheit zu betrachten, weshalb in einer Gesamtschau das Verhalten 

als vorsätzliche Tötung zu werten sei (Urk. 184 S. 1-7). Sie beantragt eine höhere 

Strafe, nämlich 11 Jahre anstelle der von der Vorinstanz ausgefällten fünf Jahre 

(Urk. 138 und Urk. 184 S. 7-11).  

V. Sachverhalt 

1. Die Beziehung zwischen der Beschuldigten und †C._____ 

Das Verhältnis der Beschuldigten zum Opfer ist vorliegend von wichtiger Bedeu-

tung für die Beurteilung der Motivation zur Tat und der subjektiven und objektiven 

Bewertung einer Notwehrsituation. Die Staatsanwaltschaft hat dies richtig erkannt 

und aussergewöhnlich viele Zeugenbefragungen durchgeführt, welche ein gutes 

Bild ergeben. Vorgängig ist deshalb ausführlich auf diese Einvernahmen einzuge-

hen. 

1.1. Darstellung der Beschuldigten 

1.1.1. Die Beschuldigte hatte mit dem Opfer eine problematische Beziehung. Sie 

führte in ihren Befragungen aus, sie hätten sich im Oktober 2008 kennen gelernt 

(Urk. 4/1 S. 3; Urk. 4/2 S. 2). Kurze Zeit danach seien sie zusammen gewesen. 

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Es habe aber Unterbrüche gegeben. Es sei eine Beziehung gewesen, welche mal 

war und mal nicht (Urk. 4/1 S. 2; ähnlich zuletzt auch Urk. 180 S. 9). †C._____ 

[nachfolgend auch als C._____ zitiert] habe ihr vom Typ her gefallen, von seiner 

Art her, seinem Charme, vom Mann her, gross und stark. In ihren Augen sei er ein 

sehr schöner Mann gewesen, in den Augen ihrer Kollegin aber eher ein Monster 

(Urk. 4/2 S. 3). Die Zeit des Kennenlernens sei merkwürdig gewesen.  Sie habe 

beispielsweise nicht immer zu ihm nach Hause gehen dürfen und das Gefühl ge-

habt, er verheimliche ihr gegenüber etwas (Urk. 4/2 S. 4). So habe sie sich ge-

wundert, dass auf dem Namensschild seiner Wohnung "C._____ + E._____" ge-

standen habe (Urk. 4/2 S. 7). Sie habe ihn immer wieder danach gefragt, doch er 

habe ihr keine Erklärung geben wollen, weshalb sie vermutet habe, er lebe in ei-

ner Scheinehe. Umgekehrt habe C._____ auch nicht zu ihr nach Hause kommen 

dürfen, weil ihr Vater sonst "den Neger mit der Pumpaction aus dem Haus beför-

dert hätte", so der Wortlaut der Beschuldigten (Urk.4/1 S. 4). Das habe sie aber 

C._____ natürlich nicht so gesagt, aber weil er nicht habe kommen dürfen, sei er 

misstrauisch und eifersüchtig gewesen. Ab November 2008 hätten sie dann eine 

Beziehung gehabt, jedenfalls habe sie ab jenem Zeitpunkt den Eindruck gehabt, 

sie sei seine Freundin (Urk. 4/2 S. 5). Er habe ihr gefallen und sie habe angefan-

gen, ihn zu mögen. Er habe viel von seinem Hobby, dem Kampfsport erzählt, 

dass er ein "mega Profi" sei. Sie habe viel Zeit bei ihm zuhause verbracht; er ha-

be aber nicht gewollt, dass sie bei ihm einziehe. Was ihm gefallen habe, sei, dass 

er Kontrolle über sie gehabt habe, sie dann aber bei einem Streit aus seiner 

Wohnung habe weisen können (Urk. 4/2 S. 6). Einen Schlüssel für die Wohnung 

habe sie deshalb nie erhalten.  

1.1.2. Im Dezember 2008 habe sie von den Geldproblemen von C._____ erfah-

ren. Sie habe ihn in der Folge finanziell unterstützt. Natürlich habe sie dies ihrem 

Vater nie gesagt und C._____ habe ihr hoch und heilig versprochen, dass er es 

ihr zurück zahle. 2009 sei C._____ nach Brasilien geflogen und habe sich dort 

den Arm gebrochen (Urk. 4/2 S. 8). Sie habe dann seine ganze Rückreise organi-

siert und bezahlt. Wegen dem gebrochenen Arm habe er seinen Job als Türste-

her nicht mehr machen können, weshalb er sehr launisch gewesen sei und die 

Streitereien begonnen hätten. 

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1.1.3. Es habe immer wieder Streit gegeben und C._____ sei immer wieder ge-

walttätig gewesen. Die Gewalt habe 2011 begonnen und stetig zugenommen und 

es sei immer schlimmer geworden. Wenn sie miteinander geredet hätten, habe es 

immer wieder in "Brüllereien" ausgeartet (Urk. 4/1 S. 4). Ein Streit habe aus einem 

ganz lächerlichen Grund entstehen können, beispielsweise weil er ihr vorge-

worfen habe, einen Typen zu lange angeschaut zu haben (Urk. 4/2 S. 9; ähnlich 

zuletzt auch Urk. 180 S. 8-11). Er habe ihr auch gedroht, dass er sie zum Krüppel 

mache, dass er sie unkenntlich mache, in den Rollstuhl bringe, sie umbringe 

(Urk. 4/1 S. 8). Es habe auch richtig hässliche Beschimpfungen gegeben, bei-

spielweise mit Worten wie Dreckschlampe und Schwanzlutscherin (Urk. 4/2 S. 9). 

Auch Alkohol und Kokain sei bei den Auseinandersetzungen im Spiel gewesen. 

Er habe jeweils verlangt, dass sie ihn anschaue, wenn er mit ihr spreche. Wenn 

sie dies nicht getan habe, habe er ihren Kopf in seine Richtung gedreht (Urk. 4/2 

S. 9). Einmal habe er ihr seine geladene Glock17 an ihren Kopf gehalten und ge-

sagt, wenn sie noch einen Mucks mache, drücke er ab (Urk. 4/1 S. 5). Er habe sie 

auch gewürgt, geschüttelt, "geschupft", "eben das ganze Programm" (Urk. 4/1 

S.5). Einmal habe er sie mit einem Elektroschocker "gebraten", so dass es 

Brandspuren durch ihre Hosen an ihrem Gesäss gegeben habe. So habe er sie 

markiert (Urk. 4/2 S. 8). Sie habe darauf zu ihm gesagt, dass sie hoffe, dass er 

nicht noch andere Sachen mit ihr mache, nicht so wie mit einem Hund. Uriniert 

habe er aber nie über sie. Er sei sehr speziell gewesen. Wenn sie nicht gemacht 

habe, was er gesagt habe, dann habe es Konsequenzen gehabt (Urk. 4/1 S. 4). 

Er habe selbst gesagt, wenn man einen Knuddeltypen wünsche, so sei er der 

Falsche. Er sei cool und männlich. C._____ sei ihr aber ans Herz gewachsen und 

von seinem Aussehen und seiner Ausstrahlung her habe er ihr gefallen. Auch 

vom Job her hätten sie gemeinsame Interessen gehabt und geplant, eine Securi-

ty-Firma zu gründen (Urk. 4/2 S. 8).  

1.1.4. Trotz der Auseinandersetzungen hätten sie sich immer wieder versöhnt. 

"C._____ hat immer wieder Schluss mit mir gemacht, weil er genau wusste, wie 

sehr ich an ihm hing" (Urk. 4/2 S. 10). Sie habe ihm gesagt, dass sie nicht so 

schnell aufgebe. Manchmal habe sie ihn um Verzeihung gebeten für Dinge, für 

welche sie gar nichts dafür konnte (Urk. 4/2 S. 10). Wenn sie beispielsweise im 

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Autoverkehr in einen Stau gekommen sei, habe sie sich dafür entschuldigt, dass 

sie nicht früher losgefahren sei. Er habe jedoch geglaubt, sie sei zu spät gekom-

men, weil sie bei einem anderen Mann gewesen sei. Deshalb habe sie angefan-

gen, die Autofahrten zu Beweiszwecken zu filmen (Urk. 4/2 S. 10). Im Jahre 2010 

sei sie von C._____ mit einer anderen Frau namens F._____ betrogen worden. 

Mit ihr habe er ein Kind, aber dies sei ein Unfall gewesen, er habe das nicht ge-

wollt. Sie habe sich "verarscht" und verletzt gefühlt. Als sie C._____ damit kon-

frontiert habe, habe er es abgestritten. Aber F._____ habe ihr die Fremdbezie-

hung bestätigt und sei aus allen Wolken gefallen, als die Beschuldigte ihr eröffnet 

habe, dass eigentlich sie mit ihm zusammen sei (Urk. 4/2 S. 11). Umgekehrt sei 

C._____ unglaublich eifersüchtig gewesen. Aus seiner Sicht habe alles, was sie 

gemacht habe, mit fremden Männern zu tun gehabt. Wenn sie beispielsweise ei-

nen neuen Job erhalten habe, dann sei es seiner Ansicht nach gewesen, weil sie 

einem Vorgesetzten den Schwanz gelutscht habe. Er habe auch gewollt, dass sie 

nicht mehr im Sicherheitsbereich arbeite, weil es dort zu viele Männer habe. Sie 

habe auch nicht mehr "shoppen" gehen dürfen, weil er der Ansicht gewesen sei, 

sie mache andere Männer an. In seinen Augen hätte sie bloss noch ungeschminkt 

und mit einem Kopftuch aus dem Hause gehen dürfen (Urk. 4/2 S. 12). Es habe 

sehr viel Streit wegen der Eifersucht von C._____ gegeben. Sie sei aber auch ei-

fersüchtig gewesen und sei Indizien nachgegangen. Sie hätten beide halt schon 

Temperament gehabt, definitiv (Urk. 4/2 S. 9 und 11). Für Aussenstehende sei ih-

re Beziehung nicht nachvollziehbar gewesen, nämlich dass sie trotz der Streite-

reien immer wieder zusammen gekommen seien. Nahestehende hätten ihr Vor-

würfe gemacht, weshalb sie sich das alles gefallen lasse und dass sie nicht mehr 

dieselbe wie früher sei. Sie habe sich dafür geschämt. Aber er habe ihr erklärt, 

dass er wahre Gefühle für sie habe und er sie gerne als Frau hätte. Er habe ge-

meint, eigentlich stimme alles, wenn nur nicht ihr schlechter Charakter sei; an 

dem müsse sie arbeiten, dann komme alles gut (Urk. 4/2 S. 17). Sie ihrerseits ha-

be gedacht, dass sie ihm helfen müsse. Er habe den Job verloren und sei in die 

Drogen abgestürzt. Sie habe es nicht übers Herz gebracht, ihn im Stich zu lassen. 

1.1.5. Im Nachhinein betrachtet, denke sie jetzt schon, dass † C._____ mit ihr ge-

spielt habe, aber nicht nur mit ihr, mit vielen. Damals allerdings habe sie das nicht 

- 15 - 

so empfunden. Sie habe damals seine Eifersucht auch als Zeichen der Zuneigung 

verstanden. Sie sei von einer Beziehung ausgegangen, und das habe †C._____ 

auch ihrem Umfeld, bspw. ihrer Mutter, so vermittelt (Urk. 180 S. 20 f.). 

 

1.2. Darstellung der Freundinnen / Bekanntschaften von †C._____ 

1.2.1. F._____ 

F._____, welche ein gemeinsames Kind mit †C._____ hat und mit ihm während 

vier Monaten zusammen gelebt hatte, schilderte, dass sie im April 2011 wieder 

aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen sei, weil ein Zusammenleben ein-

fach nicht gegangen sei (Urk. 14/1 S. 3). Es sei unerträglich geworden, weil 

C._____ sie häufig attackiert habe. Geschlagen habe er sie zwar nicht, aber fest-

gehalten, weggestossen oder weggeworfen. Dabei habe er auf ihre Schwanger-

schaft keine Rücksicht genommen. Wenn es zu Schlägen gekommen wäre, dann 

hätte sie dies wohl nicht überlebt. Er sei sehr kräftig und ihr körperlich weit über-

legen gewesen. Sie habe keine Chance gehabt, sich gegen seine Angriffe und 

Übergriffe zu wehren. Er habe sie jeweils mit seinem rechten Arm um den Hals 

gehalten und sie so gewürgt, dann weggeschleudert. Manchmal habe sie blaue 

Flecken und Prellungen davon getragen, einmal wegen einem Kantenschlag ge-

gen ihre Nase Nasenbluten (Urk. 14/1 S. 6). Teilweise habe sie wie Verbrennun-

gen gehabt, dann, wenn er sie mit nackter Haut über den Laminatboden gezogen 

habe. Es sie auch zu verbalen Streitigkeiten gekommen. C._____ habe den Ver-

dacht gehabt, dass sie sich mit andern Männern treffe (Urk. 14/1 S. 4). Er habe 

viel Alkohol getrunken, meistens Whiskey. Sie habe ihm auch Geld geliehen, 

einmal Fr. 8'000.-- für ein Auto, ein anderes Mal Fr. 2'000.-- (Urk. 14/1 S. 7). Trotz 

der Übergriffe sei sie aber immer wieder schwach geworden und zu ihm zurück 

gekehrt. C._____ sei sehr überzeugend und habe auch eine weinerliche Art, so 

dass er sie immer wieder um den Finger habe wickeln können. Er habe ihr immer 

wieder versprochen, dass er sich ändern werde. Als sie von der Beschuldigten  

erfahren und diese getroffen habe, sei sie von der Beschuldigten vor C._____ 

gewarnt worden: "Sie hat mir eigentlich alles so offenbart und gesagt, wie es 

- 16 - 

nachher mit C._____ herausgekommen war. Sie hatte absolut recht und ich 

wünschte heute, ich hätte A._____ geglaubt und wäre ihren Ratschlägen gefolgt. 

Es wäre mir viel erspart geblieben" (Urk. 14/1 S. 9). F._____ bekräftigte in ihrer 

Zeugeneinvernahme, dass ihre Aussagen bei der polizeilichen Befragung der 

Wahrheit entsprächen (Urk. 14/2 S. 3). Sie habe Angst vor ihm gehabt, weil er so 

gross und stark gewesen sei. Wenn er mit der Beschuldigten so wie mit ihr umge-

gangen sei, dann könne sie verstehen, dass so etwas passiert sei. Körperlich ha-

be die Beschuldigte so wie sie selbst nicht die geringste Chance gegen ihn ge-

habt (Urk. 14/1 S. 14). 

1.2.2. G._____  

G._____ sagte als Zeugin aus, sie sei mit † C._____ von 2003 bis 2005 verheira-

tet gewesen (Urk. 14/8 S. 2 f.). Getrennt hätten sie sich, weil C._____ tätlich ge-

gen sie geworden sei. Er sei eines Abends betrunken nach Hause gekommen 

und habe Sex gewollt. Sie habe sich aber geekelt und abgelehnt, weil er stark 

nach Alkohol gerochen habe. Darauf sei er wütend geworden und habe behaup-

tet, sie habe einen anderen. Als er sie an den Handgelenken gepackt und gegen 

die Badezimmertüre gedrückt habe, habe sie sich wehren wollen. Darauf sei er 

"total ausgetickt" und habe sie zu Boden gerissen. Er habe sie am Boden liegend 

getreten und sie als Schlampe betitelt. Er sei auf sie drauf gesessen und habe ih-

ren Kopf auf den Boden geschlagen und sie gewürgt. Dann sei sie ohnmächtig 

geworden (Urk. 14/8 S. 4). Als sie wieder zu sich gekommen sei, sei er weg ge-

wesen und sie habe in Panik die Wohnung verlassen. Schon früher habe er ein-

mal die Badezimmertüre mit der Faust eingeschlagen und einmal, als sie im Bett 

gelegen habe, das ganze Bett mit ihr gepackt und gegen die Dachschräge gewor-

fen (Urk. 14/8 S. 5). C._____ sei immer sehr eifersüchtig gewesen und wenn sie 

nicht gemacht habe, was er wollte, sei er ausgerastet. Sie sei von ihm psychisch 

abhängig gewesen und habe ein schlechtes Gewissen beim Gedanken gehabt, 

ihn zu verlassen. Von aussen habe man gedacht, es sei klar, dass sie gehen 

müsse; aber sie sei wie in einer anderen Welt gewesen. Mit Hilfe von Dritten sei 

es ihr dann aber gelungen, sich von ihm zu trennen. Auf die Frage des Staatsan-

waltes, ob sie sich vorstellen könne, wie er reagiert hätte, wenn jemand mit einer 

- 17 - 

Waffe auf ihn zielte, gab die Zeugin G._____ zur Antwort, dass er dieser Person 

die Waffe wegnehmen würde. Solche Dinge seien bei ihm automatisch abgelau-

fen. Auf den Vorhalt, dass es offenbar anders gelaufen und †C._____ erschossen 

worden sei, erwiderte die Zeugin: "Das hat mich sehr überrascht. Ich dachte, dass 

das Umgekehrte irgendwann der Fall sein würde" (Urk. 14/8 S. 9). 

1.2.3. H._____ 

Die Zeugin H._____ gab als Zeugin zu Protokoll, sie sei eine Kollegin von 

I._____, der ersten Ehefrau von †C._____ (Urk. 14/10 S. 2). Sie wisse, dass die-

se im Jahre 2001 gegen C._____ eine Strafanzeige wegen Körperverletzung ein-

gereicht habe. I._____ habe ihr geklagt, dass sie in der Beziehung zu C._____ 

unter körperlicher Gewalt und psychischem Druck gelitten habe. Die Zeugin reich-

te eine Emailkorrespondenz mit I._____ ein, worin Letztere die Darstellung sinn-

gemäss bestätigte: "Er war kein Teddybär und Löcher in den Türen und Dellen in 

der Wohnung gab es damals auch" (Urk. 14/11 S. 7). 

1.2.4. J._____ 

Etwas anders tönte es von der Zeugin J._____. Sie sei ca. 2010 für ein halbes 

Jahr mit †C._____ zusammen gewesen. Sein Spitzname sei C1._____ gewesen. 

Er sei der Mann, den sie am meisten geliebt habe (Urk. 14/12 S. 16). Gewalttätig 

oder aggressiv ihr gegenüber sei er nie gewesen und sie könne sich dies auch 

nicht vorstellen (Urk. 14/13 S. 5). Er habe nicht gerne Streit gehabt. Auf andere 

Frauen angesprochen gab sie an, davon gewusst zu haben. Er sei ein guter Lieb-

haber gewesen und habe halt Sex mit anderen Frauen gehabt. Das sei aber et-

was anderes als eine Beziehung (Urk. 14/13 S. 7).  

1.2.5. K._____ 

Auch die Zeugin K._____ schilderte, gegen aussen sei †C._____ schon ein Ma-

cho gewesen und habe hart gewirkt. Doch er habe einen ganz feinen Kern ge-

habt, sei auch verletzlich gewesen (Urk. 14/14). Sie hätten sich gut miteinander 

verstanden und seien auch intim geworden. Sie habe sich jedoch wegen seiner 

Eifersucht von ihm getrennt. Er habe gewollt, dass sie zu ihm ziehe, doch mit dem 

Zusammenziehen sei sie vorsichtig. Es sei auch wegen ihrer Katze nicht gegan-

- 18 - 

gen, da sie im Parterre und er in einem oberen Stock gewohnt habe (Urk. 14/14 

S. 9). Er sei nie handgreiflich ihr gegenüber geworden (Urk. 14/14 S. 12, 

Urk. 14/15 S. 15). Er habe mit ihr dann aber Schluss gemacht, weil es nicht funk-

tioniert habe (Urk. 14/13 S. 4).  

1.2.6. L._____ 

Die Zeugin L._____ schilderte, dass sie während vier oder fünf Jahren eine On-

off-Beziehung mit †C._____ geführt habe (Urk. 14/16 S. 2). Die kürzeste Zeit der 

Trennung sei zwei Wochen gewesen, die längste fünf Monate. In diesen Zeiten 

habe er auch andere Frauen gehabt. Zusammengezogen seien sie aber nie. Sie 

seien sich im Charakter ähnlich gewesen, hätten aber verschiedene Vorstellun-

gen von einer Beziehung gehabt (Urk. 14/17 S. 4). Auf entsprechende Frage gab 

die Zeugin zu Protokoll, C._____ sei nie tätlich ihr gegenüber geworden. Es sei 

eher sie selbst gewesen, welche manchmal laut geworden sei. C._____ sei ein 

ruhiger und geduldiger Typ gewesen, eigentlich ein einsamer Mensch, weil er kei-

ne Familie gehabt habe (Urk. 14/16 S. 3). Sie habe ihn auch nie stark alkoholisiert 

gesehen und seine Selbstkontrolle habe er nie verloren (Urk. 14/16 S. 6). Ab und 

zu sei er eifersüchtig gewesen, aber nicht schlimm. Sie habe zwar jahrelang mit 

ihm gestritten, aber nie erlebt, dass er Gegenstände rumgeworfen habe. Gegen 

Ende sei er trauriger geworden, habe massiv abgenommen und sei unzufrieden 

mit der Arbeit gewesen. Er habe auch seinen Sohn vermisst und oft erwähnt, 

dass er von hier weg wolle (Urk 14/17 S. 5). Darauf angesprochen, was sie den-

ke, wie †C._____ wohl reagiert hätte, wenn er von jemandem mit einer Waffe be-

droht worden wäre, gab die Zeugin an: "Dann wäre er nicht mehr so ruhig, ich 

kann mir vorstellen, dass er dann auf Abwehr oder sogar auf Angriff übergeht. 

(…) Er ist nicht der Typ, der die Hände in die Höhe halten würde und "bitte, bitte" 

machen würde" (Urk. 14/17 S. 10).  

1.2.7. E1._____ 

Die Zeugin E1._____ sagte aus, sie habe †C._____ kurz nach dem Kennenlernen 

geheiratet, weil er ansonsten die Schweiz hätte verlassen müssen (Urk. 14/19 

S. 2). Die ersten zwei oder drei Monate nach der Heirat seien eigentlich ganz gut 

verlaufen. C._____ sei sehr liebenswürdig gewesen. Immer mehr habe sich aber 

- 19 - 

auch sein anderes Gesicht gezeigt. Es sei ein hin und her gewesen. Zeitweise sei 

er sehr aggressiv und dann wieder sehr liebenswürdig gewesen. Er habe auch Af-

fären mit anderen Frauen gehabt, was sie zu Beginn verdrängt habe. Wenn sie 

ihn darauf angesprochen habe, sei er dann auch gewalttätig geworden. Er habe 

ein Doppelleben geführt. Nach drei Jahren Zusammenleben habe sie dann einen 

Schlussstrich ziehen wollen und mit Hilfe eines Anwaltes und Geld sei ihr dann 

die Scheidung gelungen. Mit Geld habe man ihn immer gut ködern können. Er 

habe später noch eine Kollegschaft mit ihr gewollt, sie aber nicht, weshalb sie 

auch ihre Telefonnummer geändert habe (Urk. 14/19 S. 4). Auf die Frage, wie sie 

†C._____ als Mensch charakterisieren würde, meinte sie: "Als Kollege sicher ein 

guter Typ, als Ehemann würde ich ihn keiner Frau wünschen". Er sei manchmal 

sehr liebenswürdig und freundlich gewesen auch kinderliebend. Dann wiederum 

sei er sehr bestimmend, aggressiv und gewalttätig gewesen. Er habe aber immer 

sehr überlegt gehandelt und nie etwas im Affekt gemacht. Er habe sie beispiels-

weise nie ins Gesicht geschlagen, da man dies ja hätte sehen können (Urk. 14/19 

S. 5). Er habe Frauen sehr gut manipulieren und um den Finger wickeln können. 

Wenn sie keinen Streit miteinander gehabt hätten, habe sie sich wohl bei ihm ge-

fühlt. Andernfalls habe sie sehr oft Angst vor ihm gehabt. Er habe sich auch schon 

mal gepackt, gewürgt und in die Ecke geworfen. Mehrmals habe sie blaue Fle-

cken oder Beulen davongetragen. Es habe eine oder zwei Situationen gegeben, 

in denen sie sich nicht mehr sicher gewesen sei, ob sie heil davon komme 

(Urk. 14/19 S. 6). Einmal habe er seine Dienstwaffe gegen ihren Kopf gerichtet. 

Ob sie geladen gewesen sei, wisse sie nicht; sie sei einfach weggegangen. Aber 

von da an hätten sie nur noch nebeneinander her gelebt. Er habe sich bei Tätlich-

keiten aber jeweils unter Kontrolle gehabt und sei nie total ausgerastet und 

schnell wieder "runter" gekommen. Über seine Gefühle habe er nicht sprechen 

können, ausser wenn er Alkohol getrunken habe. Manchmal habe er eine ganze 

Flasche Whiskey ausgetrunken. Er habe aber nie getrunken, wenn er gearbeitet 

habe (Urk. 14/19 S. 8). Er sei auch eifersüchtig gewesen. So habe sie beispiels-

weise kaum noch in den Ausgang gehen dürfen.  

- 20 - 

1.2.8. M._____ und N._____  

M._____ und N._____ schilderten in ihren Befragungen, dass sie †C._____ als 

angenehmen und freundlichen Kollegen gekannt hätten (Urk. 14/21, 14/22 und 

14/23). Es habe auch sexuelle Kontakte gegeben; er sei halt ein Frauenheld ge-

wesen. Aggressiv oder tätlich geworden sei er nie.  

1.3. Darstellung der Untermieter von †C._____ 

1.3.1. O._____ 

Die Zeugin O._____ war von April bis September 2012 Untermieterin eines Zim-

mers in der Wohnung von †C._____. Ihr Verhältnis zu ihm sei rein mietrechtlicher 

Natur gewesen (Urk. 12/1 S. 3). Es habe noch einen anderen Untermieter gehabt, 

P._____ (Urk. 12/2 S. 4). Der sei dann aber von †C._____ rausgeschmissen wor-

den, weil er sich nicht an den Putzplan gehalten und deswegen oft Streit mit 

C._____ gehabt habe (Urk. 12/2 S. 5). C._____ habe regelmässiges Staubsau-

gen verlangt, mindestens zweimal die Woche, den Boden feucht aufnehmen usw. 

Sie habe mit dem strengen Putzplan keine Probleme gehabt. Nach P._____ sei 

dann Q._____ gekommen; der habe aber noch schlechter geputzt als P._____. 

O._____ berichtete, dass C._____ in der Zeit von April bis Herbst 2012 zahlreiche 

Frauenbesuche gehabt habe. Bevor sie eigenzogen sei, habe ihr C._____ gesagt, 

dass er seit mehreren Monaten zwei Frauen regelmässig treffe, jedoch keine fes-

te Beziehung mit diesen habe (Urk. 12/2 S. 5). In ihrer Zeit als Untermieterin habe 

sie ca. sechs Frauen von C._____ flüchtig kennengelernt. Einzelne Frauen habe 

sie mehrmals gesehen, andere nicht mehr. Auch die Beschuldigte habe sie so 

kennengelernt. Sie habe schon gemerkt, dass sich C._____ gegenüber der Be-

schuldigten nicht treu verhalten habe. Im Mai oder Juni 2012 sei fast jeden Tag 

eine deutsche Frau namens K._____ bei C._____ gewesen. Dann sei diese plötz-

lich weg gewesen. Ab Sommer 2012 sei dann die Beschuldigte regelmässig in der 

Wohnung gewesen. Die beiden hätten schon eine spezielle Beziehung gehabt. 

Die Beschuldigte habe immer für C._____ gekocht und alles für ihn gemacht. 

Wenn sie [die Zeugin] an seine Zimmertüre geklopft habe, dann habe C._____ oft 

am Computer gesessen, während die Beschuldigte auf dem Bett gelegen und TV  

geschaut habe (Urk. 12/1 S. 8). Ansonsten habe sie die beiden, wenn sie beide in 

- 21 - 

der Wohnung gewesen seien, selten zusammen gesehen. Ab und zu habe die 

Beschuldigte auch dort übernachtet. C._____ sei für die Beschuldigte zu 300 Pro-

zent der Machotyp gewesen. An einen handfesten Streit zwischen den beiden 

könne sie sich nicht erinnern. Wenn etwas war, dann verbal und so, dass sie es 

wieder vergessen habe (Urk. 12/2 S. 8). Über Persönliches habe sie mit den bei-

den nie gesprochen. Darauf angesprochen, ob C._____ eifersüchtig gewesen sei, 

meinte die Zeugin, sie denke schon, dass er ein bisschen eifersüchtig gewesen 

sei. So habe C._____ ihr gegenüber einmal geäussert, dass er es merkwürdig 

fände, dass sie einen Freund habe und trotzdem mit zwei Männern in einer WG 

lebe; er seinerseits würde dies seiner Freundin nie erlauben (Urk. 12/2 S. 11). Die 

Zeugin schloss ihre Darstellung mit der Bemerkung, dass sie, als sie aus der Zei-

tung erfahren habe, dass C._____ von einer Frau erschossen worden sei, spon-

tan an die Beschuldigte gedacht habe, weil sie sich niemand anderen habe vor-

stellen können. Es habe sie aber schon überrascht (Urk. 12/2 S. 12).  

1.3.2. Q._____ 

Der Zeuge Q._____, der zweite Untermieter von †C._____, gab an, er kenne 

†C._____ seit ca. acht Jahren (Urk. 12/3 S. 1). Sie hätten zusammen Krafttraining 

betrieben. Die Beschuldigte kenne er nur vom Sehen her. C._____ habe sie ihm 

auch nie richtig vorgestellt. C._____ habe oft Frauenbesuche gehabt. Wenn er mit 

seiner Freundin Streit gehabt habe, so sei dies in seinem Zimmer gewesen. Dann 

habe C._____ schon laut werden können und er sei deswegen jeweils erschro-

cken. Er habe aber nie feststellen können, dass C._____ eine Frau geschlagen 

oder physisch auf sie eingewirkt habe (Urk. 12/3 S. 7). Vom Tod von C._____ ha-

be er durch die Medien erfahren. Heute mache er sich Vorwürfe, dass er ihn nicht 

genügend klar aufgefordert habe, sich wieder intensiver dem Kampftraining zu 

widmen und seinen Lebenswandel in geordnete Bahnen zu lenken. C._____ habe 

die Zeit zuvor vermehrt dem Alkohol zugesprochen und innert einem oder zwei 

Tagen bis zu drei Flaschen Wodka getrunken. In den Monaten vor seinem Tod 

habe der Alkoholkonsum zugenommen und er vermute, C._____ habe auch 

Schlafmittel und Kokain genommen. Dann sei er jeweils fast nicht mehr an-

sprechbar gewesen. Den Job als Security-Mitarbeiter habe C._____ aufgegeben, 

- 22 - 

weil er einen normalen Tagesjob gewollt habe. Mit der Beschuldigten habe er zu-

nehmend verbal gestritten, gegen Ende ca. drei Mal wöchentlich. Dass †C._____ 

bei solchen Streitigkeiten ausgerastet sei, habe er aber nie erlebt. C._____ habe 

immer einen kontrollierten Eindruck gemacht. Eine Stunde vor seinem Tod habe 

er C._____ noch in der Wohnung getroffen. Er sei ganz schlecht "zwäg" gewesen, 

er glaube kurz vor der Bewusstlosigkeit. Er sei nicht ansprechbar gewesen. Als er 

gesagt habe, dass er ins Training gehe, habe C._____ nicht geantwortet 

(Urk. 12/5 S. 8).  

1.3.3. R._____ 

Die Zeugin R._____ war ab Oktober 2012 ebenfalls Untermieterin bei †C._____ 

(Urk. 12/6 S. 2). Die Beschuldigte kenne sie nur vom Sehen her; C._____ habe 

ihr diese auch nie vorgestellt. Zu deren persönlichem Verhältnis könne sie auch 

nichts sagen. Manchmal sie die Beschuldigte fast jeden Abend in der Wohnung 

gewesen, manchmal eine Woche lang nicht. Die Beschuldigte habe immer eine 

kleine Sporttasche mit Kleidern dabei gehabt. Einmal habe sie einen Streit zwi-

schen den beiden mitbekommen; es sei aber mehr eine "Zickerei" gewesen und 

im Nachgang sei die Beschuldigte zu ihr gekommen und habe sich entschuldigt. 

Körperliche Übergriffe habe sie nie wahrgenommen, auch nicht blaue Flecken 

oder Ähnliches bei der Beschuldigten. Die Beschuldigte habe für C._____ kochen 

und waschen müssen, und er habe eigentlich nichts gemacht. Das sei aber nor-

mal in einer Beziehung (Urk. 12/6 S. 4). Sie habe bei C._____ auch andere Frau-

en gesehen und sie glaube schon, dass er die Beschuldigte betrogen habe; viel-

leicht hätten sie aber auch eine offene Beziehung geführt. Aufgrund der leeren 

Wodkaflaschen habe sie angenommen, dass C._____ einiges an Alkohol getrun-

ken habe. Betrunken habe sie ihn allerdings nie erlebt.  

1.4. Darstellung weiterer Bekannter von †C._____ 

1.4.1. S._____ 

S._____ kannte †C._____ vom Kampfsporttraining (Urk. 13/10 S. 2). Von Kolle-

gen wisse er, dass C._____ viel Streit mit der Beschuldigten gehabt habe. Auch 

C._____ habe im gegenüber erwähnt, dass er ein Problem mit einer Frau habe. 

- 23 - 

Er habe erwähnt, dass er sich von der Beschuldigten verfolgt fühle, dass sie ihn 

nicht in Ruhe lasse. Er [der Zeuge] habe das so aufgefasst, dass die Beschuldigte 

in C._____ verliebt gewesen sei, er aber so weiter leben wollte, wie bis anhin, 

nämlich mit vielen Frauen. C._____ habe gesagt, sie stritten, sie rufe ihn zu viel 

an, sie lasse ihn nicht atmen. Bis kurz vor seinem Tod sei C._____ häufig mit ei-

ner anderen Frau im Ausgang gewesen, mit T._____ (Urk. 13/10 S. 4). 

1.4.2. U._____ 

Die Zeugin U._____ gab zu Protokoll, †C._____ sei seit ca. Frühling 2012 ein Kol-

lege von ihr gewesen (Urk. 113/12 S. 1). Sie hätten die Freizeit zusammen ver-

bracht, seien gemeinsam essen gegangen und im Ausgang gewesen. Sie hätten 

praktisch jeden zweiten Tag miteinander telefoniert, zum letzten Mal ca. eine 

Stunde bevor er erschossen worden sei (Urk. 13/13 S. 3). Die Beschuldigte kenne 

sie nicht genauer. Sie habe diese durch C._____ kennengelernt. Die Beschuldigte 

sei arrogant gewesen und habe sie nicht einmal gegrüsst. Zur Beziehung zwi-

schen †C._____ und der Beschuldigten gab die Zeugin an, sie wisse einfach, 

dass die beiden etwas miteinander gehabt hätten, also sexueller Art. Sie wisse 

aber nicht, ob da noch mehr war, ob sie eine Beziehung miteinander gehabt hät-

ten. Sie wisse aber, dass C._____ die Sache habe beenden wollen. Er habe ihr 

auch gesagt, dass er Angst vor der Beschuldigten habe, dass ihn diese mit Tele-

fonanrufen und SMS terrorisiere, dass sie eine "Psycho-Frau" sei (Urk. 13/13 

S. 2, 13/13 S. 5).  

1.5. Zusammenfassung 

Die geschilderten Aussagen sind unterschiedlich zu bewerten, da sie teilweise 

aus zu subjektiver Warte erfolgten bzw. in einzelnen Passagen manchmal von 

wenig Objektivität zeugen. Allerdings lassen sich solche unsachlichen Einfär-

bungen in den Aussagen recht einfach erkennen und extrahieren. In der Summe 

ergibt sich deshalb ein relativ aussagekräftiges Bild. †C._____ besass offenbar 

eine starke Ausstrahlung auf zahlreiche Frauen, insbesondere wegen seiner sehr 

kräftigen körperlichen Statur. Besonders in der Kennenlernphase war er meist 

charmant, respektvoll und liebenswürdig aber auch direkt und somit vertrauens-

würdig. Nicht allzu lange nach Beginn einer Beziehung zeigte er jedoch auch 

- 24 - 

noch ein zweites Gesicht. Er hatte ein Machogehabe und in einer Mann-Frau-

Beziehung ging er nicht von einem gleichberechtigten Rollenverständnis aus. So 

war er beispielsweise schnell eifersüchtig, beanspruchte aber seinerseits jegliche 

sexuelle Freiheiten, leugnete seine Eskapaden aber meist gegenüber Partnerin-

nen und blieb in der Schilderung von vermeintlichen Nebenbuhlerinnen sehr 

zweckgerichtet und nicht immer bei der Wahrheit. Er fühlte sich in einer Bezie-

hung schnell eingeengt und wollte unabhängig bleiben, war letztlich wohl nur be-

schränkt beziehungsfähig, weshalb er sich gegen aussen auch nur schwer zu ei-

ner Beziehung bekennen konnte. Seine Seite als kinderliebender Familienmensch 

führte aufgrund seiner promiskuitiven Seite zu inneren Konflikten. So friedliebend 

†C._____ gegenüber Dritten war, so beschränkt war seine Konfliktfähigkeit in Be-

ziehungen zu Partnerinnen. Gesprächen über eigene Gefühle ging er aus dem 

Weg. Wiederholt wurde er tätlich oder zumindest körperlich übergriffig, allerdings 

meist ohne dass er die Grenze zu Körperverletzungen überschritt. Er hatte sich in 

der Regel gut unter Kontrolle, zeigte sich aber unter Alkohol-, Kokain oder Medi-

kamenteneinfluss verändert, mit einem Hang zu Depressionen. In den Monaten 

vor seinem Tod war er der Beziehung zur Beschuldigten wohl etwas überdrüssig 

geworden. Ein Hinweis dafür ist auch die Abschrift eines Telefonates von 

†C._____ an die Stadtpolizei vom 22. Oktober 2012 (Urk. 25/1). Er bat damals um 

polizeiliche Hilfe, weil die Beschuldigte sich weigere, seine Wohnung zu verlas-

sen. Er äusserte damals gegenüber dem diensthabenden Polizeibeamten, die 

Beschuldigte sei nicht seine Freundin und mache Probleme. Wenngleich die 

Streitigkeiten mit der Beschuldigten meistens nur verbaler Art waren, gab es aber 

auch tätliche Übergriffe, allerdings nicht von erheblicher Schwere. Die Beschuldig-

te hing emotional noch stark an †C._____ und wollte die Realitäten nicht immer 

sehen. Sie fühlte sich von †C._____ einerseits magisch angezogen, andererseits 

aber persönlich abgewiesen. In ihren Vorstellungen von einer echten Beziehung 

zu ihm fühlte sie sich enttäuscht und in ihrer Ehre verletzt, zumal sie gegenüber 

Dritten die Beziehung rechtfertigen musste und realisierte, dass †C._____ gegen-

über Dritten nicht zu ihr stand. 

- 25 - 

2. Eskalation und Tötung am 17. November 2012 

2.1. Grund des Zusammentreffens 

2.1.1. Der Darstellungen der Beschuldigten lässt sich entnehmen, dass es keinen 

speziellen Grund gab, weshalb sie †C._____ am Tattag in seiner Wohnung auf-

suchte (so zuletzt Urk. 180 S. 14: "Es war der normale Ablauf wie schon in den 

Vortagen."). 

2.1.2. Am Freitagmorgen sei noch alles in Ordnung gewesen (Urk. 4/6 S. 4). Es 

sei heile Welt gewesen, friedlich. Sauer sei C._____ erst gegen Abend geworden, 

als sie sich angeschickt habe, zur Arbeit zu gehen. Ihm habe ihre Arbeit beim 

Club V._____ nicht gepasst. Sie sei am Vorabend, d.h. am Freitag, den 16. No-

vember 2017, noch bei †C._____ in seiner Wohnung gewesen. Sie hätten ge-

meinsam gegessen und sich einmal mehr gezankt, weil er eifersüchtig gewesen 

sei. Sie sei dann gegangen und habe um ca. 23:00 Uhr im Club V._____ mit ihrer 

Arbeit als Security begonnen. Um 2:00 Uhr sei Arbeitsschluss gewesen (Urk. 4/1 

S. 2). Sie habe mit C._____ eigentlich abgemacht, dass man sich danach noch 

treffe. Er sei aber auch im Ausgang gewesen. Sie hätten sich zusammen am Te-

lefon unterhalten betreffend dem Stand der Dinge, ob sie zu ihm oder er zu ihr 

kommen solle (Urk. 4/3 S. 5). Die Verfassung von †C._____ sei zu diesem Zeit-

punkt freundlich, normal gewesen. Sie selbst sei genervt gewesen, weil sie ihm 

habe Meldung machen müssen von ihrem Arbeitsende. Die Beschuldigte drückte 

dies mit den Worten aus: "Hätte ich dies mit ihm gemacht, so hätte es ein Riesen-

donnerwetter gegeben", "sonst hätte er mich wieder angefickt" (Urk. 4/3 S. 6). Sie 

hätten einander auch noch SMS gesendet, sie sei dann aber zu Hause einge-

schlafen und nicht mehr nach Zürich zu ihm. Sie habe ca. drei Stunden geschla-

fen und sei ca. um 10:00 Uhr wieder aufgewacht, wahrscheinlich wegen dem pie-

penden Handy. Sie sei übermüdet gewesen und habe die SMS von C._____ ge-

sehen und gedacht, jetzt gehe dieser Psychostress wieder los, das heisst die 

Vorwürfe wegen anderer Männer und seine Unterstellungen (Urk. 4/3 S 10). Sie 

habe deshalb keine Lust gehabt, zu ihm zu gehen (Urk. 4/3 S. 11). Sie sei dann 

zur Coop-Tankstelle in W._____ gefahren und habe dort eingekauft und sich mit 

einem Kollegen getroffen und unterhalten (Urk. 4/3 S. 12). Danach sei sie wieder 

- 26 - 

nach Hause gegangen und habe erneut mit †C._____ telefoniert, wobei sie sich 

am Telefon gestritten hätten. Er sei ziemlich wütend gewesen, weil sie nach Ar-

beitsschluss nicht mehr zu ihm gekommen sei und weil sie auf seine Anrufversu-

che und SMS nicht reagiert habe. Obschon sie lediglich geschlafen habe, sei sie 

aus seiner Sicht bei anderen Männern gewesen. Er sei am Telefon ihr gegenüber 

respektlos und aggressiv gewesen, habe sie beleidigt. Irgendwann, ca. um 16:00 

Uhr, habe er ihr dann per SMS geschrieben, dass wenn ihr wirklich etwas an ihrer 

Beziehung läge, sie schon längst zu ihm gekommen wäre (Urk. 4/3 S. 14). Das 

sei ein typisches Spielchen von ihm gewesen. Er habe ihr noch per SMS ge-

schrieben, dass sie von irgendwo her noch Alkohol auftreiben solle, was sie dann 

aber nicht getan habe. Alkohol brauche er immer dann, wenn er "drauf sei", das 

heisse, zum Runterfahren vom Kokain (Urk. 4/3 S. 21). Sie sei dann zu ihm ge-

gangen.  

2.1.3. Die Begründung der Beschuldigten für ihre Kehrtwende überzeugt aller-

dings nicht. Auf entsprechende Frage, weshalb sie denn trotz der Aggressivität 

und den Beleidigungen trotzdem zu ihm gefahren sei, gab sie zu Protokoll: "Weil 

es sonst keine Chance mehr gegeben hätte. C._____ hat sich mit seinem Dro-

genkonsum verändert. Er war sehr stimmungsschwankend. Ich wollte ihm helfen, 

doch er stürzte richtig ab. Auch um seine Steuerangelegenheiten kümmerte ich 

mich" (..) "Ich wollte wissen, woran ich bei ihm war und dass endlich das ewige 

Streiten aufhöre. Ich wollte Frieden" (Urk. 4/3 S. 14). Diese Erklärungen tönen 

reichlich konstruiert und es kann ausgeschlossen werden, dass es altruistische 

Gründe waren, welche die Beschuldigte dazu bewegten, sich zur Wohnung von 

†C._____ zu begeben. Die gesamte Darstellung der Beschuldigten von ihrer zwi-

schenmenschlichen Beziehung lassen vielmehr nur den Schluss zu, dass sie wei-

terhin ambivalente Gefühle hegte, in gewisser Weise zumindest psychisch von 

ihm abhängig war und sich zu ihm in seine Wohnung begab, weil sie nach wie vor 

an eine Beziehung glaubte oder zumindest noch nicht bereit war, sich von 

†C._____ zu lösen. Andernorts schilderte sie ausdrücklich: "Ich habe immer noch 

daran geglaubt" oder sprach davon, dass sie leide, weil sie einen Menschen getö-

tet habe, den sie geliebt habe (Urk. 4/1 S. 9 und 13). Dieses Bild vermittelt auch 

der SMS-Verkehr zwischen den beiden am Nachmittag vor der Tat: Nach einem 

- 27 - 

emotionalen Hin und Her mit Beschuldigungen, Vorwürfen und Beleidigungen sei-

tens †C._____ schrieb dieser: "Du kannst schon kommen!!! Sex, Spaß!!! Aber 

mehr wirst du nicht bekommen!!!" Darauf erwiderte die Beschuldigte: "Ich will ne 

Chance, eine richtige!! Ansonsten tut es mir nur weh!! Spaß ist das keinen nur 

Schmerz." Und weiter: "Ohne Chance bringt es nichts." "Ich will mit dir keine Spaß 

und Sex Zeit, ich will eine Chance für eine Beziehung und Familie, ansonsten. 

Bringt es nichts." (Urk. 30/7 S. 207, Schreibweise übernommen). In den weiteren 

SMS im selben Stil flehte die Beschuldigte regelrecht um eine ernsthafte Chance 

und zum Beschuldigten gehen zu dürfen. 

2.2. Prognose hinsichtlich einer gewalttätigen Auseinandersetzung 

Ebenso wird aus den Aussagen der Beschuldigten deutlich, dass sich die  

Probleme zwar mit zunehmender Zeit der Beziehung verschlimmerten und es sich 

abzeichnete, dass die übereinstimmenden Vorstellungen und Wünsche an eine 

Beziehung zu konträr waren, dass letztlich aber am Tattag, dem 17. November 

2012, keine ausserordentliche Situation vorlag, welche sich von Spannungssitua-

tionen in früheren Konflikten unterschied. So gab denn die Beschuldigte anläss-

lich der Berufungsverhandlung bspw. zu Protokoll: "Es waren immer die gleichen 

Auseinandersetzungen" (Urk. 180 S. 8) oder "Es war der normale Ablauf wie 

schon in den Vortagen" (Urk. 180 S. 14). Die Beschuldigte schilderte in der Unter-

suchung, wie †C._____ jeweils Druck auf sie ausübte und auch tätlich gegenüber 

ihr wurde, eigentliche Körperverletzungen machte sie jedoch nie oder nie klar gel-

tend. So gab sie beispielsweise zu Protokoll: "Wenn man nicht macht, was er 

sagt, dann hat das Konsequenzen" (Urk. 4/1 S. 4). Darauf angesprochen, ob dies 

Prügel bedeute, verneinte die Beschuldigte. Es habe bedeutet, dass es mehr 

Streit gebe und dass er gedroht habe, wie zum Beispiel jenes Mal, als er ihr die 

geladene Waffe an den Kopf gehalten habe (Urk. 4/1 S. 5). Er habe sie dann auch 

jeweils gestossen und "gepiesackt" oder er habe gegen Gegenstände geschlagen 

(Urk. 4/1 S. 6). Was für Gewalt von †C._____ ausging, schilderte die Beschuldigte 

andernorts: "Ich habe bereits mehrere Gewalterfahrungen mit ihm gehabt. Auch 

Drohungen mit Schusswaffen von seiner Seite her. Ich hatte zwei Mal seine Glock 

17 im geladenen entsicherten Zustand an meinem Kopf. Er würgte mich auch. 

- 28 - 

Schütteln, schupfen, das ganze Programm. Was dazu gehörte, waren Gewaltde-

monstrationen. Darunter verstehe ich, dass er mich beispielsweise fixierte und 

dabei auf mich sass, dass er mich einsperrte, dass er gegen die Wand mit der 

Faust schlug. Er hat davon auch noch Blut an der Wand" (Urk. 4/1 S. 5; vgl. zu-

letzt auch Urk. 180 S. 13). Von erheblichen Körperverletzungen ist in den Darstel-

lungen der Beschuldigten keine Rede. 

Es war auch nicht so, dass die Beschuldigte nur ein rein willenloses Objekt von 

†C._____ war, welches nur noch rein passiv auf dessen Anweisung hin handeln 

konnte. Insofern ist der Fall nicht vergleichbar mit einer Ehegattin unter demsel-

ben Dach, welche ökonomisch vollständig abhängig vom gewalttätigen Ehemann 

ist, jahrelang massivste körperliche Misshandlungen erduldete und weder eigenen 

Willen aufbringen kann noch zu irgendwelchem nennenswerten Widerstand im-

stande ist (analog bei einer sogenannten Haustyrannentötung). Die Beschuldigte 

hatte einerseits eine eigene Wohnung, ein eigenes Leben, eigene soziale Kontak-

te und durchaus auch einen eigenen Willen und einen Stolz, und, was schon fast 

zynisch tönt, eine eigene Schusswaffe. Illustrativ ist dazu auch die Geschichte mit 

dem Pfefferspray, wo sie über einen Streit mit †C._____ erzählte: "C._____ hatte 

ein Messer und Pfefferspray hervorgenommen. Er war dann verwundert, als ich 

den Pfefferspray eingesetzt hatte, seitlich von seinem Auto. Pfefferspray war für 

C._____ wie Deo. Er war sich Pfefferspray gewohnt, durch seine Einsätze." 

(Urk. 4/2 Antwort 63). Andernorts schilderte die Beschuldigte: "Vor einer Woche 

hatten wir draussen einen Streit, wobei er mich mit dem Pfefferspray attackieren 

wollte." "Wir haben uns dann um den Pfefferspray gerangelt. Ich konnte diesen 

behändigen und sprayte damit eine Linie, was ihn ziemlich hässig machte" 

(Urk. 4/5 S. 13). "Ich kam ihm dann zuvor und habe ihn gepfeffert. Er fuhr mir 

dann nach und hatte dann ein Messer in der Hand. Er schlug gegen die Scheibe. 

Diese ging zum Glück nicht kaputt" (Urk. 4/1 S. 5). Bemerkenswert, dass die Sor-

ge der Beschuldigten der Glasscheibe und nicht ihrem Leben galt. Sie sei im Auto 

geblieben und er habe sie aufgefordert, auszusteigen. Sie habe ihm gesagt, er 

solle ihr zuerst das Messer übergeben, was er darauf auch getan habe (Urk. 4/5 

S. 13). Sie habe das Messer bei ihr deponiert und darauf hätten sie miteinander 

- 29 - 

reden können. Am nächsten Tag habe sie ihm sein Messer wieder zurückgege-

ben. 

Aufschlussreich sind die Aussagen der Beschuldigten, wenn sie einerseits vor-

bringt, †C._____ sei regelmässig gewalttätig geworden, habe ihr gedroht, sie um-

zubringen, ihr erklärt, sie müsse aufpassen und könne sich keine Fehler mehr er-

lauben, auch damit gedroht, dass er ihrer Familie etwas antue, ihrer Mutter und 

ihrem Bruder (Urk. 4/5 S. 12; Urk. 180 S. 13, 21 f.), andererseits dann aber davon 

spricht, dass sie ihm habe helfen wollen, dass sie ihn geliebt habe. Sie sei zu ihm 

gegangen, weil sie ihn möge, nicht gewollt habe, dass es ihm schlecht gehe 

(Urk. 4/7 S. 3; vgl. auch Urk. 180 S. 15 f.). Aus diesen Aussagen ist nicht zu fol-

gern, dass die behaupteten bedrohlichen und tätlichen Übergriffe nicht stattgefun-

den hätten, aber immerhin stufte die Beschuldigte die Drohungen offenbar als im-

pulsive Reaktionen von †C._____ im Zustand der Wut ein, ohne reelle Gefahr ei-

ner Ausführung. Sie hatte mit anderen Worten durchaus noch die Möglichkeit, ei-

nen eigenen Willen zu bilden und selbst zu entscheiden, ob sie die Beziehung 

weiterführen oder abbrechen wollte. Die Gefahr, dass sie von †C._____ spitalreif 

geschlagen oder sogar getötet würde, bestand nach ihrer subjektiven Einschät-

zung nicht, ansonsten sie sicher nicht eine derartige Zuneigung zu †C._____ 

empfunden hätte. 

2.3. Einstecken der Pistole 

Die Tatwaffe, eine Heckler & Koch USP, 9mm, hat die Beschuldigte gemäss ihren 

Angaben von †C._____ käuflich erworben (Urk. 4/1 S. 9; Waffenerwerbschein 

Urk. 4/3 S. 22-23). Einen Waffentragschein habe sie nicht. Sie habe mit der Waffe 

aber seit 2010 trainiert und schon viele Male damit geschossen (Urk. 4/3 S. 20). 

Eine Zeit lang habe sie damit viel geübt und auch Kurse besucht. Es sei aber das 

erste Mal gewesen, dass sie diese Pistole zu †C._____ mitgenommen habe. Dies 

wegen den erlittenen Erfahrungen mit dem Pfefferspray, dem Würgen, dem Mes-

ser und dem "an den Kopf Halten der Waffe" durch †C._____ (Urk. 4/1 S. 9; ähn-

lich auch Urk. 180 S. 14 f., 21 f.). Sie habe ein ungutes Gefühl gehabt, weil es oft 

zu Handgreiflichkeiten gekommen sei, wenn sie sich über ihre Beziehung unter-

halten hätten (Urk. 4/3 S. 14). Sie habe die Pistole mitgenommen, weil C._____ 

- 30 - 

sie im Vorfeld, d.h. in den letzten Monaten massiv bedroht habe (ähnlich auch 

Urk. 180 S. 14 f., 21 f.). Sie habe das Magazin eingesetzt, wisse aber nicht, wie 

viele Schüsse darin gewesen seien. Patronen habe sie nicht noch ins Magazin 

getan. Die Waffe könne man nicht sichern, man müsse einfach eine Ladebewe-

gung machen, dann sei die Pistole scharf (Urk. 4/1 S. 10 f.). Ein zweites Mal da-

rauf angesprochen, aus welchem Grund sie die Waffe eingesteckt hatte, erwiderte 

die Beschuldigte: "Aus Selbstschutz. Im Falle eines Angriffs, dass ich die Distanz 

zu C._____ halten könnte" (…) "Ich meinte damit, im Falle eines Angriffs ich die 

Waffe sichtbar ziehe und ihn so abschrecke und letztlich gehen kann. C._____ ist 

nahkampferfahren und fast drei Mal so schwer wie ich. Ich habe die Waffe mitge-

nommen, weil ich schlechte Erfahrungen von früher hatte" (Urk 4/3 S. 16). Die 

Pistole habe sie aus einem kleinen Schrank genommen, wo verschiedene persön-

liche Dinge von ihr wie Head-Set, Arbeitsausweis, Pfefferspray etc. lägen. Das 

Magazin sei geladen gewesen und sie habe es in die Pistole eingesteckt (Urk. 4/3 

S. 18). Auf die Frage, weshalb sie die Pistole nicht ohne Magazin mitgenommen 

habe, gab die Beschuldigte an: "Ja wenn es zu einem Angriff gekommen wäre, 

hätte ich mich im allerschlimmsten Fall nicht verteidigen können" (Urk. 4/3 S. 19). 

Sie habe aber nicht gewusst, dass die Situation eskalieren würde. "Ich habe diese 

Situation schon oft erlebt. Ich wusste ja nicht, wie dies endet. Es hätte auch gut 

werden können. Wir hätten gut reden können" (Urk. 4/3 S. 19). Die Pistole habe 

sie in einer Ledertasche am Gurt getragen und damit sei sie zur Wohnung von 

C._____ gefahren (Urk. 4/1 S. 7 und 4/3 S. 20). Die Waffe habe ihr das Gefühl 

gegeben, jemanden abzuschrecken. Das Szenario Schiessen habe sie sich nicht 

überlegt (Urk. 4/7 S. 4). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Beschul-

digte aus, sie habe die Waffe mitgenommen, weil †C._____ davor seine Waffe so 

oft benutzt und damit gedroht habe. Die Waffe habe ihr das Gefühl gegeben, 

"auch etwas zu haben, eine Art ebenbürtig zu sein". Die ganze Gewalt, die Waffe 

und die Drohungen hätten sich vor dem Tattag summiert. Sie führte aber auch 

aus, dass sie sich keine grossen Gedanken gemacht und die Waffe einfach mit-

genommen habe. Es sei ein Impuls gewesen (Urk. 180 S. 14 f., 21).  

Die Angaben der Beschuldigten zum Einstecken der Waffe sind mithin wider-

sprüchlich. Einerseits will sie sich keine grossen Gedanken gemacht, andererseits 

- 31 - 

will sie die Waffe für den Fall eines Angriffs eingesteckt haben. Vor dem Hinter-

grund ihrer Aussage, wonach sie †C._____ mit der Waffe habe ebenbürtig sein 

wollen, muss gefolgert werden: Der Umstand, dass sie die Waffe just an jenem 

Tag das erste Mal zu †C._____ mitgenommen hat, kann nicht anders gedeutet 

werden, als dass sie an jenem Tag jedenfalls von der gesteigerten Möglichkeit 

ausgegangen ist, dass die Waffe – zumindest zur Abschreckung – zum Einsatz 

gelangen könnte. 

2.4. Ereignisse in der Wohnung bis kurz vor der Schussabgabe 

Die Beschuldigte gab an, dass sie über keinen Schlüssel zur Wohnung von 

†C._____ verfügt habe. Bei ihrem Eintreffen habe sie ihm unten mit dem Handy 

telefoniert (Urk. 4/1 S. 3). Darauf habe C._____ den Türöffner betätigt und sie sei 

hinauf zur Wohnung im 3. Stock, sei eingetreten. Als sie ins Wohnzimmer gegan-

gen sei, habe sie C._____ durch den Spalt seiner Zimmertüre gegrüsst und an-

schliessend habe sie ihre Sachen, einschliesslich der Bauchtasche, aufs Sofa im 

Wohnzimmer gelegt (Urk. 4/3 S. 25). Darauf sei sie ins Zimmer von C._____ ge-

gangen, wo sie zu Diskutieren begonnen hätten. Einmal sei sie in die Küche ge-

gangen, um etwas zu trinken, einmal sei C._____ auf das WC gegangen, einmal 

ebenfalls in die Küche, wobei er mit einem Glas Smirnoff-Mix-Drink in der Hand 

zurück gekommen sei. Während des Gesprächs habe C._____ auch Kokain 

durch die Nase konsumiert. Das Ganze habe sich dann hochgeschaukelt und der 

fehlende Alkohol sei zum Problem geworden (Urk. 4/3 S. 26). Sie habe mit ihm 

weiter über ihre Beziehung gesprochen und ihm gesagt, dass er sich nicht überall 

einmischen solle. Wenn er sie schon nicht als Freundin haben wolle, dann solle er 

nicht so eifersüchtig sein. Man könne auch einfach nur Kollegen sein und einan-

der aus dem Weg gehen. Darauf sei †C._____ so richtig böse geworden und ha-

be sie aufs Neue beleidigt. Sie ihrerseits sei ins Wohnzimmer gegangen und habe 

auf dem Sofa ihre Sachen behändigt und angezogen, Schuhe, Cap, Bauchtasche, 

Jacke. Sie sei im Begriff gewesen zu gehen, als C._____ das Wohnzimmer betre-

ten habe und richtig "ausgeflippt" sei (Urk. 4/3 S. 26; ähnlich auch Urk. 180 S. 16). 

Er habe herumgebrüllt und sich selber auf die Beine geschlagen, wie ein Gorilla 

oder ein Psycho (Urk. 4/3 S. 27; vgl. auch Urk. 180 S. 16). Andernorts erwähnt die   

- 32 - 

Beschuldigte, er habe die Worte "schlissen" und "kaputtmachen" verwendet 

(Urk. 4/1 S. 8). Er werde sie "brätschen" (Urk. 4/1 S. 4). 

Dann fuhr die Beschuldigte fort: "Ich sagte zu ihm, dass ich gehen wolle. Da wur-

de er mir gegenüber erstmals handgreiflich. Er schupfte mich mit einer Hand weg. 

Er kam auf mich zu und schupfte mich erneut weg, dabei schlug er mich auf die 

Brust. Er sagte mir, 'jetzt chunsch dra, jetzt wird’s wüescht, ich brätsche dich 

jetzt'. Ich konnte mich auffangen und konnte mich hinter das Sofa flüchten. 

C._____ rannte mir hinterher. Er sagte 'dich mach ich kaputt, so dass dich nach-

här niemer meh bruche chan'. Ich sagte immer wieder zu ihm, dass er mich gehen 

lassen soll. Ich stand hinter dem Sofa, es schützte mich vor ihm. C._____ hob da 

Sofa hoch …. es kam wie eine Wand hoch.. ich weiss nicht mehr, wie er dies tat 

…. es flog hoch. Es war ein riesen Gerumpel. In diesem Moment hatte ich einen 

grossen riesen Schrecken. Nun war kein Sofa mehr zwischen uns. C._____ stand 

ca. 2 1/2 Meter von mir entfernt. In diesem Moment zog ich mit meiner rechten 

Hand meine Pistole aus der Bauchtasche. Der Reissverschluss war offen. Ich 

hielt die Pistole mit beiden Händen und sagte laut: 'lah mi jetzt gah, hör uf …' 

C._____ sagte: 'Jetzt isch fertig und du chunsch drah'...(Urk. 4/3 S. 27). Die Be-

schuldigte macht geltend, in Todesangst gewesen zu sein: "Ich habe geschrien, 

er solle aufhören, weg weg. Ich weiss nicht mehr genau, was ich sagte. Ich schrie 

auch. Das ging alles sehr schnell" (Urk. 4/1 S. 7). †C._____ habe gesagt, jetzt sei 

sie dran. "Ich bettelte um mein Leben und sagte ihm, ich wolle gehen, bitte lass 

mich gehen. (…) Als er auf mich zustürmte, ging es um mein Leben. Entweder er 

oder ich" (Urk. 4/1 S. 8).  

Mit dem Hervornehmen der Pistole habe die Beschuldigte bezweckt, dass 

†C._____ erschrecke, dass sie ihn auf Distanz halten könne, dass er sie letztlich 

gehen lasse. Sie habe die Pistole in ungeladenem Zustand auf ihn gerichtet 

(Urk. 4/3 S. 28; vgl. auch Urk. 180 S. 16).  

2.5. Schussabgabe 

†C._____ habe nicht auf die Pistole reagiert. Er habe so getan, wie wenn die Pis-

tole gar nicht für ihn existiere. Er sei auf sie zugekommen, frontal, habe auf Angriff 

umgeschaltet. Dann habe sie mit der linken Hand eine Ladebewegung gemacht 

- 33 - 

und zeitgleich gesagt, "geh weg". Sie habe ihn damit abschrecken wollen, die 

Ernsthaftigkeit ihres Tuns unterstützen wollen. Sie gab zu Protokoll: "Normale 

Menschen würden sich von einer Pistole abschrecken lassen. Ich jedenfalls wür-

de dies. Doch C._____ nicht" (Urk. 4/3 S. 29; ähnlich auch Urk. 180 S. 16). Sie 

habe die Waffe mit gestreckten Armen mit beiden Händen gehalten und auf ihn 

gezielt. †C._____ sei ungefähr zwei Meter entfernt gewesen. Die Ladebewegung 

habe ihn nicht interessiert, er sei weiter in ihre Richtung gekommen, zuerst lang-

sam, dann immer schneller. Um zur Wohnungstüre zu gelangen, hätte sie an 

C._____ vorbeikommen müssen, doch das sei nicht gegangen (Urk. 4/3 S. 31).  

"Dann habe ich auf ihn geschossen. Er stand ca. einen Meter von mir weg. Mit 

meinem Oberkörper lehnte ich noch etwas zurück und schoss dann auf C._____". 

Für Warnschüsse sei es zu spät gewesen. Sie habe nicht einmal an diese Mög-

lichkeit gedacht. Alles ging schnell. Sie habe im Schrecken auf C._____ geschos-

sen. Das sei kein Manöver gewesen, keine Taktik (Urk. 4/3 S. 32; ähnlich auch 

Urk. 180 S. 18). Sie habe einfach in seine Richtung geschossen. Es sei grau und 

Rauch gewesen, ein Schreckgefühl. Sie habe Panik gehabt und auch nichts ge-

hört. Normalerweise habe man nach dem Schiessen ein dumpfes Rauschen im 

Ohr, doch dies habe sie nicht gehabt.  

Sie wisse nicht, wie viele Male sie geschossen und ob sie ihn getroffen habe. Er 

sei auf sie zugestürmt und habe sie packen wollen. Die Distanz sei nur noch ein 

Meter gewesen, alles sei sehr schnell gegangen, es sei eine Ausnahmesituation 

gewesen. Sie habe nicht gezielt auf ihn geschossen, sondern einfach aus der  

Abschreckposition auf ihn geschossen. Sie habe sich das gar nicht überlegt, zum 

Beispiel auf sein Bein zu zielen. Dafür wäre die Distanz ohnehin zu kurz gewesen. 

Sie habe nur noch aus der Wohnung gewollt. Sie habe sich in panischer Angst 

"freigeschossen" (Urk. 4/3 S. 34). Auf entsprechende Frage hin gab die Beschul-

digte an, sie wisse nicht, weshalb sie ein viertes und fünftes Mal auf †C._____ 

geschossen habe. Sie erinnere sich, dass sie schiessend Richtung Wohnungstüre 

gegangen sei (Urk. 4/3 S. 37). Sie habe die Wohnung verlassen, sei die Treppe 

hinunter gerannt und habe dabei die Pistole in der Hand gehalten. Draussen habe 

sie dann ihrer Mutter telefoniert und gesagt, dass etwas Schlimmes passiert sei. 

Danach habe sie bei der Polizei angerufen (Urk. 4/3 S. 39). Erste Hilfe habe sie 

- 34 - 

†C._____ nicht geleistet. Sie habe die Wohnung in Panik verlassen und das Ge-

fühl gehabt, er verfolge sie (ähnlich zuletzt auch Urk. 180 S. 19 f.). 

Diese Aussagen bestätigte die Beschuldigten im Wesentlichen ohne Widersprü-

che und sinngemäss gleichlautend anlässlich ihrer erneuten Schilderungen des 

Tatablaufs in späteren Einvernahmen (Urk. 4/4). Sie blieb insbesondere bei der 

Version, dass sie nur noch in Richtung des Angreifers geschossen, dabei aber 

nicht gezielt habe (Urk. 4/4 S. 5). Sie habe ein Blackout und keine Bilder mehr, 

weshalb sie †C._____ auch nie am Boden liegend gesehen habe (Urk. 4/4 S. 6). 

Auf Schuss-Serien angesprochen sagte sie aus, wenn es eine Pause gegeben 

habe, dann höchstens ein bis zwei Sekunden. Nach ihrem Gefühl sei sie schies-

send aus der Wohnung gerannt (Urk. 4/5 S. 3). Wenn sie bewusst wahrgenom-

men hätte, dass C._____ auf dem Boden lag, dann hätte sie nicht mehr geschos-

sen (Urk. 4/6 S. 3). Sie habe keine Bilder mehr im Gedächtnis. Es sei wie ein Ge-

fühl, bevor man ohnmächtig werde. Nebel grau. Sie habe wie Schatten gesehen. 

Dieser Schatten sei für sie der Angreifer gewesen. Auf Vorhalt, dass jeder Schuss 

ein Treffer gewesen sei, erwiderte die Beschuldigte, dass dies für sie unerklärlich 

sei (Urk. 4/6 S. 3). Sie habe Todesangst gehabt und sich verfolgt gefühlt, bis sie 

unten vor dem Haus gestanden habe. Auf den Vorhalt, dass sie die Schussrich-

tung der Waffe ja verändert habe und zum Schluss nach unten gezielt und das 

Opfer getroffen habe, woraus man schliessen müsse, dass sie †C._____ sehr 

wohl gesehen und wahrgenommen habe, konnte die Beschuldigte keine Erklä-

rung liefern (Urk. 4/7 S. 5 und 8). 

3. Tatrekonstruktion durch das Forensische Institut Zürich 

3.1. Das Forensische Institut Zürich erstellte ein aufschlussreiches 3D-Modell 

vom Tatablauf und dokumentierte dieses mittels Bilder (Urk. 16/5). Dabei wurden 

insbesondere die Schussrichtungen und die Standorte von Täterin und Opfer bei 

den Schussabgaben rekonstruiert (Urk. 15/4). Insbesondere durch Überblendung 

der fünf Situationen im Zeitpunkt der Schussabgaben in einem Bild ergibt sich mit 

hoher Sicherheit der exakte dynamische Ablauf (Urk. 16/5 S. 29). Grundlage für 

das Gutachten bildeten unter anderem die unveränderte Endlage des Opfers, die 

Körpergrösse von Opfer und Täter, die Orientierung der Schusskanäle im Körper 

- 35 - 

des Opfers, die Details der Verletzungen bzw. der Einschussstellen, die physikali-

schen Gesetze beim Fallen des Opfers auf den Boden, die Lage der Patronen-

hülsen und der mutmassliche Fluchtweg der Täterin zur Wohnungstüre. Die 

Schilderungen der Beschuldigten zum Tatablauf konnten in dieser Studie weitge-

hend bestätigt werden. Darüber hinaus konnte auch mit hoher Wahrscheinlichkeit 

festgestellt werden, wie bzw. aus welcher Position die Schüsse, insbesondere die 

letzten beiden abgegeben wurden und in welchen zeitlichen Abständen. Dies-

bezüglich gab die Beschuldigte, wie bereits mehrfach erwähnt, an, sie könne sich 

nicht mehr daran erinnern, es seien ihr keine Bilder mehr im Gedächtnis geblie-

ben. Auf den Fotos des Tatortes lässt sich zudem erkennen, dass †C._____ das 

Sofa auf die Seite geworfen bzw. umgekippt hatte und so mutmasslich den Weg 

zwischen sich und der Beschuldigten "freiräumte" (Urk. 15/3). 

3.2. Aus dem Gutachten des Forensischen Instituts Zürich geht hervor, dass 

zwischen den Schüssen 1 und 2 eine Vorwärtsbewegung von †C._____ in Rich-

tung der Beschuldigten und ein Zurückweichen der Beschuldigten stattfand. Diese 

Schüsse trafen das Opfer gemäss Gutachten frontal im Oberbauch und der Brust 

(Urk. 16/4 S. 21). Die mutmassliche Distanz zwischen der Beschuldigten und 

†C._____ lag im Bereich von einem bis drei Metern.  

3.3. Auf den Bildern, welche das Tatgeschehen von der Seite darstellen, ist er-

sichtlich, dass beim Schuss 3 keine Vorwärtsbewegung von †C._____ mehr er-

folgte, sondern dass er – die Arme vor dem Körper gebeugt – offenbar durch die 

ersten beiden Schüsse gestoppt nach hinten zusammensackte (Urk. 16/5 S. 22 

und 23). Zu sehen ist weiter, dass zwischen C._____ und der Beschuldigten ein 

Salontisch steht und der Abstand zwischen den beiden Beteiligten deutlich mehr 

als eine Armlänge von C._____ beträgt. Die Position der Beschuldigten ist – ge-

genüber der Anfangsposition bei Schuss 1 – schon leicht in Richtung Wohnungs-

türe verschoben (Urk. 16/5 S. 23).  

3.4. Bei Schuss 4 lag C._____ bereits auf dem Boden. Das schliesst der Gut-

achter aus dem Umstand, dass der Einschuss im Unterbauch erfolgte und das 

Projektil im Körper des Opfers hochstieg und schliesslich unterhalb der Schulter-

- 36 - 

blätter stecken blieb (Urk. 16/5 S. 24). Das Opfer musste mit anderen Worten   

bereits mit den Füssen in Richtung Beschuldigte ausgerichtet gewesen sein. Die 

Beschuldigte war bei dieser vierten Schussabgabe noch nicht zum Gehen ge-

wandt, aber sie hat ihre Position einen Schritt oder zwei Schritte weiter in Rich-

tung Türe verschoben (Urk. 16/5 S. 25).  

3.5. Bei Schuss 5 war die Beschuldigte bereits in Richtung Zimmerausgang  

unterwegs und mehrere Meter vom Standort der ersten drei Schussabgaben ent-

fernt, was sich zwingend aus der Lage des Opfers am Boden und der Einschuss-

richtung von oben gegen den Kopf bzw. der Aufprallstelle des Projektils auf dem 

Boden und der Zimmerdecke ergibt (Urk. 16/5 S. 28). 

3.6. Ausgehend von der nicht zu widerlegenden Behauptung der Beschuldig-

ten, dass sie panisch geflüchtet sei, ist es plausibel, dass sie den letzten Schuss 

einhändig und eher gegen rückwärts – relativ zu ihrer Laufrichtung zur Woh-

nungstüre hin – abgegeben hat. Gleichwohl ist von einem im Rahmen dieser Vo-

raussetzungen gezielt abgegebenen Schuss auszugehen, nachdem das Projektil 

am Boden ganz knapp neben dem Kopf von †C._____ einschlug und ein Teil des 

Geschosses nach dem Abpraller denn auch in den Kopf eindrang. Aus der Positi-

onsveränderung der Beschuldigten ergibt sich zwingend, dass der fünfte Schuss 

in einem gewissen zeitlichen Abstand zum vierten Schuss erfolgte. 

4. Angriff 

Die Untersuchungen des Forensischen Instituts (FOR) und des Instituts für 

Rechtsmedizin (IRM) ergaben, dass alle Schüsse nicht aufgesetzt waren, das 

heisst aus einer gewissen Entfernung zum Körper des Opfers abgegeben wurden 

(Urk. 16/4 und Urk. 16/5 S. 30; Urk. 21/8 S. 6). 

4.1. Erster Schuss 

4.1.1. Im Moment, als †C._____ auf die Beschuldigte zukam, nachdem er das 

schwere, zwischen ihnen gestandene Sofa auf die Seite geworfen hatte, drohte 

ein tätlicher Angriff. Die Beschuldigte richtete zunächst ihre ungeladene Waffe auf 

- 37 - 

†C._____, machte dann eine Ladebewegung und schoss auf seinen Oberkörper. 

Das Projektil traf ihn auf der rechten Seite des Oberbauchs, unterhalb des Rip-

penbogens, drang durch das Bauchmuskelgewebe und die Leber, streifte bzw. 

durchschlug zwei Rippen und trat dann auf der rechten Flanke des Körpers wie-

der aus (Urk. 21/8 S. 3 f.; Urk. 16/4 S. 21). Die Schussrichtung lässt sich aufgrund 

des weiteren Wegs des Projektils in den Kleiderschrank im Eingangsbereich der 

Wohnung recht exakt feststellen (Urk. 16/4 S. 21, S1). Daraus ergibt sich auch 

zweifelsfrei, dass †C._____ zwischen der Beschuldigten und der Wohnungstüre 

stand (Urk. 16/4 S. 21; Urk. 16/5 Abb. 9 und 10). 

4.1.2. Die Staatsanwaltschaft bestritt die Behauptung der Beschuldigten, dass 

†C._____ auf sie losgestürmt sei. Wäre dem so gewesen, dann wäre der über 

100 kg schwere †C._____ nach ihrer Ansicht ungefähr dort bäuchlings zu Liegen 

gekommen, wo die Beschuldigte ursprünglich gestanden habe (Prot. II S. 11 f.). 

Dem kann insoweit beigepflichtet werden, als nicht von einer besonders schnellen 

Vorwärtsbewegung ausgegangen werden kann, einerseits weil †C._____ gar kei-

ne lange Anlaufbahn hatte, sondern praktisch aus dem Stehen heraus "startete", 

andererseits weil eine schnelle Vorwärtsbewegung bzw. Beschleunigung einen 

stark nach vorne gebeugten Körper bedingt hätte, was wiederum einen von oben 

nach unten im Körper verlaufenden Schusskanal verursacht hätte. Die Dokumen-

tation des Forensischen Instituts zeigt jedoch einen relativ waagrecht verlaufen-

den Schusskanal (Urk. 16/5 S. 7, S1). Der Gutachter spricht von einem ganz 

leicht nach hinten aussen abfallenden Schusskanal, was auf ein leichtes Vorn-

überbeugen des Opfers hindeute (Urk. 16/1 S. 21). Es steht auch fest, dass die 

Vorwärtsbewegung von †C._____ gestoppt wurde und dieser dann rückwärts auf 

den Boden fiel. Aufgrund dieser Umkehr der Bewegungsrichtung kann eine kraft-

volle bzw. schnelle Vorwärtsbewegung ausgeschlossen werden. Abgesehen da-

von kann jedoch nicht restlos bzw. auf Zentimeter genau geklärt werden, wie sich 

das Opfers in den letzten Sekunden vor seinem Tod bewegte und welche exakte 

Zeit zwischen den Schüssen verstrichen ist. Das forensische Gutachten gibt auch 

keinen Aufschluss darüber, welche mechanische Wirkung die Projektile auf die 

Eigenbewegung des Opfers hatten. Mangels rechtsgenügender Gegenbeweise ist 

zu Gunsten der Beschuldigten davon auszugehen, dass †C._____ sie packen 

- 38 - 

wollte und aus diesem Grund auf sie zugegangen ist. Diese Behauptung der Be-

schuldigten erscheint denn auch aufgrund der gesamten Umstände als plausibel. 

Subjektiv mag die Beschuldigte diese Bewegung als "Zustürmen" empfunden ha-

ben, objektiv kann es sich aber nicht um eine sehr schnelle Bewegung gehandelt 

haben. Es ist deshalb von einem initialen Angriff von †C._____ auf die Beschul-

digte auszugehen, der tätlich zu werden drohte, insbesondere weil er zuvor das 

Sofa umgeworfen hatte. Ein drohender bzw. im Gange befindlicher Angriff als Vo-

raussetzung einer Notwehrhandlung ist als erwiesen zu betrachten. Auch die 

Staatsanwaltschaft geht nunmehr von einem Angriff ab dem Moment des Sofa-

Wurfs aus (vgl. Urk. 184 S. 3). 

4.2. Zweiter Schuss 

4.2.1. Der zweite Schuss traf das Opfer aus ähnlicher Richtung, dieses Mal noch 

frontaler im mittleren Brustbereich, exakt in der Mitte der Tätowierung "keine 

Gnade" (Urk. 15/3 S. 6; Urk. 16/2 S. 16). Bevor das Projektil in den Oberkörper 

eindrang, traf es jedoch noch den linken Daumen, woraus zu schliessen ist, dass 

†C._____ seine Hand vor den Körper hielt. Ob er sich an den Bauch bzw. die ers-

te Schusswunde griff, wie die Staatsanwaltschaft geltend machte (im ersten Beru-

fungsverfahren SB150309, Prot. II S. 13), lässt sich nicht beweisen. Demgegen-

über steht fest, dass der Schusskanal um 15° nach unten verläuft, was auf einen 

gesenkten Oberkörper und somit auf eine Vorwärtsbewegung des Opfers hindeu-

tet. Darauf schloss auch der Gutachter (Urk. 16/4 S. 22). Deshalb muss davon 

ausgegangen werden, dass †C._____ nach wie vor auf die Beschuldigte zuging, 

was im Gesamtkontext objektiv als Angriffssituation zu werten ist.  

4.2.2. Das Projektil durchdrang wiederum die Bauchmuskulatur und die Leber, traf 

einen Lendenwirbelkörper und verletzte dabei die Spinalnervenwurzel und blieb 

schliesslich im rechten Wirbelsäulenaufrichtemuskel stecken (Gutachten des IRM, 

Urk. 21/8 S. 3). Aufgrund letzterer Verletzungen sei es möglich, das eine sofortige 

Lähmung der Beine eingetreten sei, was eine Erklärung für ein zu Bodenfallen 

von †C._____ sei (Urk. 21/8 S. 6).  

 

- 39 - 

4.3. Dritter Schuss 

Der Dritte Schuss durchschlug den linken Arm im Bereich des Ellbogens und 

durchschlug anschliessend den rechten Oberschenkel. Aufgrund des stark auf-

steigenden Schusskanals im Oberschenkel ist zwingend zu schliessen, dass sich 

†C._____ im Moment der dritten Schussabgabe nicht mehr vorwärts bewegte, 

sondern sich vielmehr im rückwärts Fallen befand (Urk. 16/5 S. 7). Das korreliert 

auch mit der Endlage des Opfers auf dem Rücken liegend. Durch die Treffer am 

linken Arm und hernach am rechten Bein sowie der Fluchtrichtung der Beschul-

digten Richtung Wohnungstüre steht ebenso fest, dass †C._____ nicht mehr fron-

tal der Beschuldigten gegenüber stand, sondern sich von ihr abwendete 

(Urk. 16/5 S 21). Objektiv gesehen war der Angriff in diesem Moment bereits ge-

stoppt bzw. vorüber. 

4.4. Vierter Schuss 

Die Ausführungen der Verteidigung, wonach der vierte Schuss lediglich die Niere, 

aber keine lebenswichtige Organe getroffen habe (Urk. 182 S. 22), sind aktenwid-

rig: Dieser Einschuss erfolgte im rechten Unterbauch, wobei das Projektil durch 

die Bauchmuskulatur drang, den Dickdarm und die rechte Niere durchquerte, 

dann die untere Hohlvene auf Höhe der Nierenarterie, anschliessend die Leber 

und das Zwerchfell sowie den rechten Lungenflügellappen (Urk. 21/8 S. 4). Es 

blieb schliesslich im Bereich der 10. und 11. Rippe in Wirbelsäulennähe unterhalb 

der Schulterblätter stecken (Urk. 21/8 S. 4). Aufgrund dieser Verletzung sei der 

rechte Lungenflügel des Opfers kollabiert. Der Schusskanal ist stark ansteigend, 

weshalb die Gutachter schliessen, dass die Schussabgabe auf das am Boden lie-

gende Opfer erfolgt sei und die Schussdistanz bei einem Winkel von ca. 30° mehr 

als zwei Meter betragen habe (Urk. 21/8 S. 23). An dieser Schlussfolgerung kann 

nicht gezweifelt werden, zumal sie absolut kohärent mit einem dynamischen Ab-

lauf ist. Auch bei der vierten Schussabgabe drohte objektiv kein Angriff mehr.  

4.5. Fünfter Schuss 

Der fünfte Schuss feuerte die Beschuldigte ab, als sie bereits bei der Wohnzim-

mertüre stand (Urk.16/5 S. 27). Das lässt sich aufgrund der Endlage des Opfers, 

- 40 - 

welches durch diesen Schuss am Kopf getroffen wurde, und der Aufprallstelle an 

der gegenüberliegenden Wand ermitteln (Urk. 16/5 S. 27). Es muss deshalb einen 

gewissen zeitlichen Unterbruch im Sekundenbereich zwischen dem vierten und 

fünften Schuss gegeben haben. Das Projektil prallte am Boden ab und zersplitter-

te in Kern und Mantel. Der Kern drang in den Kopf von †C._____, der Mantel 

setzte seinen Weg quer durch das Wohnzimmer fort und schlug an der Wand ein 

(Urk. 16/4 S. 23; Urk. 16/5 S. 27, Urk. 21/8 S. 6). Das Projektil im Kopf blieb im 

rechten Schläfenmuskel stecken und verursachte keine Verletzung des Knochens 

und des Gehirns (Urk. 21/8 S. 3). Auch bei diesem Schuss drohte selbstredend 

vom am Boden liegenden Opfer kein Angriff mehr. 

5. Medizinische Befunde 

5.1. Das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich (IRM) 

hält als Todesursache fest: Verbluten infolge schussbedingter Organverletzungen 

(Urk. 21/8 S. 1). Dem Bericht der Legalinspektion ist zu entnehmen, es hätten 

insgesamt 10 Hautdefekte in Form von Schussverletzungen nachgewiesen wer-

den können. Es seien vier Durchschüsse (Bauch, rechter Oberschenkel, linker 

Ellbogen und linker Daumen) feststellbar gewesen, wobei es sich bei den beiden 

Durchschussverletzungen am linken Arm wahrscheinlich um sekundäre Treffer 

gehandelt habe. Bei zwei von drei Einschussverletzungen am Bauch handle es 

sich um Steckschüsse (Urk. 21/2). Der dritte Steckschuss habe den Kopf be-

troffen (Urk. 21/8 S. 5). 

5.2. Gemäss den Gutachtern Dr. med. AA._____ und Dr. med. AB._____, bei-

des Fachärzte für Rechtsmedizin, habe kein Treffer für sich allein zu einem sofor-

tigen Todeseintritt oder zwingend zu einer sofortigen Handlungsunfähigkeit des 

Opfers geführt (Urk. 21/8 S. 6). Es könne davon ausgegangen werden, dass nach 

den Schusstreffern eine gewisse Überlebenszeit und Handlungsfähigkeit bestan-

den habe. †C._____ sei bei Verletzungsbeibringung am Leben gewesen bzw. die 

Herz-Kreislauffunktion noch eine gewisse Zeit erhalten geblieben. Aufgrund des 

Verletzungsbildes sei von einer Überlebenszeit im Minutenbereich auszugehen. 

Der pharmakologische Befund hält fest, dass das Opfer im Zeitpunkt des Todes 

- 41 - 

unter der kombinierten Wirkung von Alkohol und Kokain gestanden habe 

(Urk. 21/8, letzte Seite). 

6. Telefonanruf der Beschuldigten an die Notrufzentrale 

Kurz nach der Tat telefonierte die Beschuldigte zuerst mit ihrer Mutter, hernach 

rief sie bei der Notrufzentrale der Polizei an (Urk. 23/4). Die Niederschrift des An-

rufes erweckt zweifellos den Eindruck, dass die Beschuldigte geschockt war vom 

Vorgefallenen. Besonders auffällig ist aber auch, dass die Beschuldigte †C._____ 

sofort Vorwürfe machte und in überraschend hohem Ausmass Besorgnis über ihr 

eigenes Schicksal äusserte. So beginnt sie das Gespräch nicht etwa mit dem 

Hinweis, dass jemand erschossen worden sei und sofort jemand kommen müsse, 

was nach allgemeiner Erfahrung das typische Verhalten gewesen wäre. Vielmehr 

startet sie unmittelbar mit dem Hinweis, dass sie angegriffen worden sei, mit den 

Worten "er" sei auf Drogen und sie habe grosse Angst vor ihm (Urk. 23/4 S. 1): 

"Guten Tag. Ich bin angegriffen worden von meinem Freund. Er ist auf Drogen. 

Ich habe mega Angst vor ihm. Ich musste meine Waffe mitnehmen, um meine 

Sachen bei ihm zu holen. Ich habe meine Waffe mitgenommen. Ich wollte mit ihm 

noch sprechen und er hat mich angegriffen." Die Beschuldigte stellte in befremdli-

cher Weise immer wieder Rechtfertigungsgründe für ihr Verhalten in den Vorder-

grund, machte sich offenbar aber wenig Gedanken darüber, dass in diesem Mo-

ment einzig und allein die sofortige medizinische Nothilfe für das Opfer gezählt 

hätte. Ins Auge springt dabei, dass sogar die Begründung, weshalb sie die Waffe 

mitgenommen habe – um ihre Sachen dort abzuholen –, nicht der Wahrheit ent-

sprach. Sie hatte gar keine persönlichen Gegenstände in der Wohnung von 

†C._____. Auch ihre Wortwahl – sie spricht mehrfach von "diesem Siech" oder 

"dä Dräcksiech" habe sie angegriffen – sowie der Umstand, dass sie während des 

gesamten Telefongespräch kein einziges Mal erwähnt, dass das Opfer dringend 

medizinische Hilfe benötige, zeigt wenig Empathie für das Opfer in diesem Mo-

ment, wenig Bedauern über das Vorgefallene, sondern mehr oder fast aus-

schliesslich Sorge über das eigene Schicksal. Eher untypisch für einen Notruf er-

scheinen auch die Passagen, in welchen die Beschuldige erwähnt, dass er ihr 

auch schon mal seine Dienstwaffe an den Kopf gehalten habe, dass er sie schon 

- 42 - 

gestossen und "getätscht" habe und sie nun nicht wegen ihm ins Gefängnis wolle. 

Ebenso ihre Gegenfragen, ob sie denn jetzt verhaftet werde, mit Handschellen 

"und allem", ob sie nun eingesperrt werde oder die Bemerkung, dass sie ihre ei-

gene Waffe deswegen nicht abgeben wolle (Urk. 23/4 S. 6 und 7). Solche Äusse-

rungen bei einem Notruf wegen eines Vorfalls mit Schussverletzungen erscheinen 

nicht kohärent mit einem Täter, der rein instinktiv, ohne Willens- und Steuerungs-

fähigkeit, in reiner Angst und Panik auf die Person geschossen hat, welche er an-

geblich liebt. Andererseits ist zu bedenken, dass Menschen sehr unterschiedlich 

in bzw. kurz nach Extremsituationen reagieren. Das Telefonat mit der Polizei fand 

auch nicht unmittelbar nach der Tat statt, sondern erst nachdem die Beschuldigte 

mit ihrer Mutter telefoniert hatte. Mit anderen Worten waren der Beschuldigten 

schon zahlreiche Gedanken über die Folgen ihrer Tat durch den Kopf gegangen. 

Es erscheint deshalb viel zu spekulativ, wenn die Vorinstanz aufgrund dieser 

Äusserungen praktisch den ganzen subjektiven Tatbestand während der Schüsse 

herleitet (Urk. 106 S. 17 und 72). Aber immerhin muss aus dem Notruf geschlos-

sen werden, dass sich die Beschuldigte sehr wohl darüber im Klaren war, dass 

sie †C._____ getroffen hatte. Nur so erklären sich die wiederholten Ausführungen 

der Beschuldigten, dass sie auf ihn geschossen (bspw. Urk. 23/4 S. 1, 2 und insb. 

S. 4: "Worauf haben Sie geschossen bei ihm?" "Ich habe einfach auf ihn ge-

schossen."), dies aber zur Verteidigung und in Notwehr getan habe und nun 

fürchte, ins Gefängnis zu müssen.  

7. Sachverhalt in der Anklageschrift 

Der in der Anklageschrift umschriebene Sachverhalt beschränkt sich in An-

wendung von Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO auf das zentrale Geschehen. Dieser 

Sachverhalt kann als vollumfänglich erstellt gelten. Auch die Verteidigung vertritt, 

zumindest in objektiver Hinsicht, keinen anderen Standpunkt. Der darüber hin-

ausgehende und vorstehend geschilderte und als erwiesen betrachtete Sach-

verhalt spielt für den subjektiven Tatbestand und die Frage des Rechtfertigungs-

grundes eine relevante Rolle. 

- 43 - 

VI. Rechtliche Würdigung 

1. Begründung im vorinstanzlichen Entscheid 

Die Verteidigung wendete zu Recht ein, dass die Begründung im vorinstanzlichen 

Urteil Mängel aufweist.  

1.1. Zum einen vertrat das Bezirksgericht die Auffassung, dass zu prüfen sei, 

ob die Staatsanwaltschaft den Nachweis des Vorsatzes oder Eventualvorsatzes 

erbracht habe "und damit" die Behauptung der Beschuldigten in Notwehr ge-

handelt zu haben, widerlegt sei (Urk. 106 S. 16). Die Verteidigung bringt richtig 

vor, dass sich Vorsatz und Rechtfertigungsgrund dogmatisch in keiner Weise ge-

genseitig ausschliessen und separat zu prüfen sind. 

1.2. Das Bezirksgericht ging pauschal von einer Notwehrlage aus, obschon es 

im vorliegenden Fall aus juristischer Sicht in Bezug auf die Beurteilung der Not-

wehr zwingend ist, das Geschehen rund um die Pistolenschüsse in Einzelteile zu 

zerlegen, auch wenn es subjektiv von der Beschuldigten als einheitlich erlebt 

wurde (Urk. 135 S. 21). Dies hat die Vorinstanz bei ihrer Sachverhaltswürdigung 

zwar zunächst getan und festgehalten, dass "sicher nicht alle Schüsse in Notwehr 

erfolgten" (Urk. 106 S. 46). Sie ging dann aber im Widerspruch dazu später in ih-

rer Begründung pauschal und insgesamt von einer Notwehrsituation aus 

(Urk. 106 S. 68). Sie hat sich dann folgerichtig, aber deshalb ebenso unzu-

treffend, nicht mit der Putativnotwehr auseinandergesetzt, was einer der zentralen 

Standpunkte der Beschuldigten war (und ist). Die Verteidigung schreibt dazu tref-

fend, dass hier eine argumentative Lücke klaffe, die genau so gross sei wie die 

Zahl der Schüsse, die nicht in Notwehr abgegeben wurden (Urk. 135 S. 3 Rz 6). 

1.3. Der Verteidigung ist auch beizupflichten, dass die Feststellung der Vor-

instanz, wonach "aufgrund des erstellten Sachverhaltes und des Gesamtbildes 

sicher kein Anwendungsfall von Art. 16 Abs. 2 StGB vorliege (Notwehrexzess in 

entschuldbarer Aufregung, Urk. 106 S. 68) eine Nichtbegründung ist und den An-

forderungen von Art. 81 Abs. 3 StPO nicht genügt.  

- 44 - 

2. Begründung im ersten Berufungsentscheid 

2.1. Richtig hat das Bundesgericht festgehalten, dass es nicht angeht, wenn die 

Berufungsinstanz im ersten Entscheid einerseits in toto auf die Sachverhaltsdar-

stellung des vorinstanzlichen Urteils verwies und dieser beipflichtete, andererseits 

dann im Rahmen der rechtlichen Würdigung von einem teilweise abweichenden 

Sachverhalt ausging (Urteil des Bundesgerichts 6B_853/2016 vom 18. Oktober 

2017 E. 3.2.1). 

2.2. Zuzustimmen ist dem Bundesgericht auch bei der Feststellung, dass die 

erkennende Kammer im ersten Berufungsentscheid nicht klar festgehalten hat, 

bei welchen Schüssen von einer Notwehrlage und bei welchen von Notwehr-

exzess ausgegangen wurde (Urteil des Bundesgerichts 6B_853/2016 vom 

18. Oktober 2017 E. 3.2.2). Ebenso wurde nicht oder zu wenig auf den quantita-

tiven Notwehrexzess eingegangen, d.h. auf die Frage, ob beispielsweise Schüsse 

auf weniger wichtige Körperteile genügt hätten bzw. angemessen gewesen wären 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_853/2016 vom 18. Oktober 2017 E. 3.2.2).  

2.3. Nur schwer nachvollziehbar ist hingegen die Rüge des Bundesgerichts, 

wenn es im ersten Berufungsentscheid des Obergerichts einen Widerspruch ortet, 

indem es einerseits davon ausgegangen sei, dass die Beschuldigte vorsätzlich 

eine geladene Waffe mitgenommen habe, weil nach ihrer Aussage eine ungela-

dene Waffe wirkungslos sei, ihr andererseits dann aber zugestanden werde, von 

der Wirkungslosigkeit der Drohung mit der Waffe bestürzt gewesen zu sein (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_853/2016 vom 18. Oktober 2017 E. 3.2.1 S. 13). Eine 

solche dialektische Betrachtung hat nichts mit der Lebenswirklichkeit gemein. 

Auch wer weiss, dass nur eine geladene Waffe einen Angriff effektiv abwehren 

kann, kann durchaus von der Hoffnung fest überzeugt sein, dass die blosse Dro-

hung mit der geladenen Waffe ausreichen werde. Wirkungslosigkeit von "Schüs-

sen" mit einer ungeladenen Waffe ist nicht dasselbe wie Wirkungslosigkeit einer 

Drohung mit einer Waffe. Schliesslich hat die Beschuldigte den Entscheid, eine 

geladene Waffe mitzunehmen, auch nicht in derselben dramatischen Angriffssitu-

ation gefasst, wie sie vorlag, als †C._____ wütend auf sie losging. Der Auffassung 

des Bundesgerichts könnte nur beigepflichtet werden, wenn der Beschuldigten ein 

- 45 - 

vorgefasster Entschluss zur Tötung nachgewiesen werden könnte, wovon selbst 

die Staatsanwaltschaft nicht ausgeht. 

3. Objektiver und subjektiver Tatbestand 

3.1. Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, ohne dass eine besondere Voraus-

setzung von Art. 112 StGB - Art. 117 StGB vorliegt, wird gemäss Art. 111 StGB 

mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft.  

3.2. Zwar schliessen sich Totschlag gemäss Art. 113 StGB und Notwehrsitua-

tion gemäss BGE 102 IV 228 nicht immer gegenseitig aus. Wenn die heftige  

Gemütsbewegung jedoch einzig aufgrund der Angriffs- bzw. Notwehrsituation 

entstand, scheidet der Tatbestand des Totschlags aus und es liegt Tötung in 

Notwehr vor. Auch die Verteidigung geht zu Recht nicht von Totschlag aus. 

3.3. In einem früheren Eventualantrag beantragte die Verteidigung einen 

Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung gemäss Art. 117 StGB. Diese Auffas-

sung lässt sich auf überzeugende deutsche Lehrmeinungen zum mitverschulde-

ten Notwehrexzess abstützen. Das Bundesgericht folgt allerdings einer anderen 

Auffassung, wonach die Schaffung einer Gefahrensituation für den Angreifer bei 

den Anforderungen an die Verhältnismässigkeit der Abwehrreaktion zu berück-

sichtigen sei (Urteil des Bundesgerichts 6B_853/2016 vom 18. Oktober 2017 

E. 3.1.und 3.2). Dies geht auch klar aus dem Rückweisungsentscheid hervor. Neu 

beantragt die Verteidigung einen Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung ge-

mäss Art. 117 StGB mit der Begründung, die Beschuldigte sei in Bezug auf die 

Schüsse 4 und 5 irrigerweise von einer andauernden Notwehrsituation ausgegan-

gen. Würde dieser Irrtum als vermeidbar qualifiziert werden, käme lediglich eine 

Fahrlässigkeitsstrafbarkeit in Betracht (Urk. 182 S. 23 ff.). Darauf wird bei der  

Beurteilung einer allfälligen Putativnotwehr einzugehen sein.  

3.4. Das IRM legte den Todeszeitpunkt von †C._____ in den Zeitraum zwi-

schen 17:00 und 20:00 Uhr (Urk. 21/8 S. 5). Er starb somit unmittelbar oder ganz 

kurze Zeit nach der Tat um ca. 17:00 Uhr. Als Grund für das Versterben wird ein 

Verbluten in Folge schussbedingter Organverletzungen genannt (Urk. 21/8 S. 5). 

- 46 - 

Da die ersten beiden Schüsse und der vierte Schuss das Opfer im Oberkörper 

trafen und lebenswichtige Organe verletzten, der kausale Anteil der einzelnen 

Verletzungen jedoch nicht quantifiziert werden kann, ist in rechtlicher Hinsicht von 

einer kumulativen Kausalität dieser drei Schüsse für die Todesfolge auszugehen 

(Donatsch/Tag, Strafrecht I, 9. Aufl., Zürich 2013, S. 105). Auf den dritten und 

fünften Schuss wird weiter unten noch eingegangen. Sie führte lediglich zu ver-

gleichsweise leichten Verletzung an den Extremitäten und am Kopf. 

3.5. Im Zusammenhang mit dem subjektiven Tatbestand ist es unzulässig, 

wenn die Vorinstanz die genaue Vorsatzart offen lässt und schreibt, es liege zu-

mindest Eventualvorsatz vor (Urk. 106 S. 70). Die Art des Vorsatzes ist für die 

Strafzumessung relevant und das Gericht hat darüber zwingend zu entscheiden.  

3.6. Der Vorsatz muss für den Zeitpunkt der Tat beurteilt werden. Direkter Vor-

satz scheidet nicht deshalb aus, weil der Täter im Nachhinein die Tat bereut und 

äussert, er habe den Tod nicht gewollt. 

3.7. Wenn jemand fünf Schüsse aus einer Pistole auf den Oberkörper und Kopf 

eines Menschen abgibt, dann liegt die Wahrscheinlichkeit des Eintritts des Todes 

so nahe, dass nur noch wenig Raum für die Annahme einer blossen Möglichkeit 

der Todesfolge, d.h. einen Eventualvorsatz verbleibt. Im Zusammenhang mit dem 

subjektiven Tatbestand ist jedoch weniger die objektive, natürliche Kausalität 

massgebend, sondern vielmehr aufgrund äusserer Umstände Wissen und Wi