# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 955dac93-9e90-5f04-9798-4a49955f3d74
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-12
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 12.01.2023 SK 2022 449
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-449_2023-01-12.pdf

## Full Text

-Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 22 449

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 12. Januar 2023 

Besetzung Oberrichter Zbinden (Präsident i.V.), 
Oberrichter Vicari, Oberrichterin Schwendener
Gerichtsschreiberin Piccioni

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern  

Anschlussberufungsführerin

Gegenstand Raub (mehrfach begangen), Diebstahl (mehrfach und teilweise 
geringfügig begangen), Sachbeschädigung (mehrfach und teilwei-
se geringfügig begangen) etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 14. Januar 2022 (PEN 2021 817)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kollegialgericht) fällte am 14. Januar 2022 
folgendes Urteil (pag. 1193 ff.): 

I.
A.________ wird freigesprochen:

von der Anschuldigung des Raubes, angeblich begangen am 28. September 2019 in Bern, gemein-
sam mit E.________ und Unbekannt z.N. von F.________ (Deliktsbetrag: rund CHF 400.00; AKS Ziff. 
1.1);
unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten (1/5 der auf ihn entfallenden Kosten), 
sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 6'052.35 und Auslagen von CHF 535.45 (ohne Kos-
ten für die amtliche Verteidigung durch Rechtsanwalt B.________), insgesamt bestimmt auf 
CHF 6’587.80, an den Kanton Bern (vgl. Tabelle bei den Schuldsprüchen).

II.
A.________ wird hingegen schuldig erklärt:
1. des Raubes, mehrfach begangen

1.1. am 19. Oktober 2019 in Zürich (im Zug von Bern nach Zürich) z.N. von G.________ (Delikts-
betrag: rund 12 Rappen; AKS Ziff. 1.2);

1.2. am 18. Juli 2020 in Gümligen z.N. von H.________ (Deliktsbetrag: rund CHF 500.00; AKS 
Ziff. 1.3);

2. des Diebstahls, mehrfach und teilweise geringfügig begangen
2.1. am 19. Oktober 2019 in Zürich (im Zug von Bern nach Zürich) z.N. von I.________ (Delikts-

betrag: mindestens 20 Euro; AKS Ziff. 2.1);
2.2. am 23. September 2019 in Bern (K.________) z.N. der L.________ (Deliktsbetrag: CHF 

7.25; geringfügig; AKS Ziff. 2.2);
2.3. am 14. April 2020 in Bern (J.________) gemeinsam begangen mit D.________ z.N. der 

J.________ GmbH (Deliktsbetrag: CHF 740.55; AKS Ziff. 2.3);
2.4. am 6. Juni 2020 in Bern (Bahnhof) z.N. von M.________ (Deliktsbetrag: CHF 80.00; AKS 

Ziff. 2.4);
3. der Sachbeschädigung, mehrfach und teilweise geringfügig begangen

3.1. am 14. April 2020 in Bern (J.________) gemeinsam begangen mit D.________ z.N. der 
J.________ GmbH (Sachschaden: rund CHF 1'000.00; AKS Ziff. 3.1);

3.2. am 6. Juni 2020 in Bern (Bahnhof) z.N. von M.________ (Sachschaden: rund CHF 30.00; 
geringfügig; AKS Ziff. 3.2);

4. des Hausfriedensbruchs, begangen am 14. April 2020 in Bern (J.________) gemeinsam mit 
D.________ z.N. der J.________ GmbH (AKS Ziff. 4);

5. der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, begangen am 18. Juli 2020 in Gümli-
gen (N.________) z.N. von O.________ (AKS Ziff. 5);

6. der Hinderung einer Amtshandlung, begangen am 10. Oktober 2020 in Bern (P.________; AKS 
Ziff. 6);

3

7. der Beschimpfung, begangen am 18. Juli 2020 in Bern (Q.________) z.N. von O.________ (AKS 
Ziff. 7);

8. der Tätlichkeiten, begangen am 3. Oktober 2020 in Bern (R.________) z.N. von S.________ 
(AKS Ziff. 1.4);

9. der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfach begangen
9.1. am 28. September 2019 in Bern durch Konsum einer unbestimmten Menge Amphetamine, 

Marihuana, Benzodiazepine, Metamphetamin, Morphin und MDMA (AKS Ziff. 8.1);
9.2. am 21. November 2019 in Thun durch Besitz von rezeptpflichtigen Medikamenten (vier Ta-

bletten Temesta à 1 mg) ohne Rezept und in Bern durch Konsum einer unbestimmten Men-
ge Marihuana (AKS Ziff. 8.2); 

9.3. am 26. März 2020 in Bern (T.________) durch Konsum einer unbestimmten Menge Marihu-
ana (AKS Ziff. 8.3);

9.4. am 14. April 2020 in Bern (Domizil D.________) durch Konsum einer unbestimmten Menge 
Marihuana und Kokain (AKS Ziff. 8.4);

9.5. am 17. Juli 2020 in Bern, Gümligen und anderswo durch Konsum einer unbestimmten Men-
ge Marihuana und Amphetamine (AKS Ziff. 8.5);

10. der Widerhandlungen gegen das Personenbeförderungsgesetz (Benutzen eines Fahrzeugs 
ohne gültigen Fahrausweis oder andere Berechtigung), mehrfach begangen
10.1.am 21. August 2019 auf der Strecke Bern nach Bümpliz (AK.________; AKS Ziff. 9.1);
10.2.am 22. September 2020 auf der Strecke Köniz nach Haltestelle AM.________ 

(AL.________; AKS Ziff. 9.2);
11. der Widerhandlungen gegen das kantonale Strafgesetz (Nachtruhestörung und Verweigerung 

der Namensangabe), begangen am 10. Oktober 2020 in Bern (P.________; AKS Ziff. 10);

und in Anwendung der Art. 34, 40, 41 Abs. 1 Bst. b, 47, 49 Abs. 1, 51, 66a Abs. 1 Bst. c und d, 106, 
126 Abs. 1, 139 Ziff. 1, 140 Ziff. 1, 144 Abs. 1, 172ter, 177, 186, 285, 286 StGB, Art. 19a BetmG, Art. 
57 Abs. 3 PBG, Art. 12 Abs. 1 Bst. a, 15 KStrG, Art. 426 ff. StPO

verurteilt:
1. Zu einer Freiheitsstrafe von 34 Monaten.

Die Untersuchungshaft von 195 Tagen wird auf die Freiheitsstrafe angerechnet und es wird fest-
gestellt, dass die Strafe am 19. Februar 2021 vorzeitig angetreten worden ist.

2. Zu einer Geldstrafe von 27 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend CHF 810.00.
3. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 1'300.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-

bezahlung wird auf 13 Tage festgesetzt.
4. Zu einer Landesverweisung von 6 Jahren.
5. Zu den auf die Schuldsprüche entfallenden anteilsmässigen Verfahrenskosten (4/5 der Kosten 

der Tabelle, vgl. unten), sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 24'209.35 und Auslagen 
von CHF 2'141.75, insgesamt bestimmt auf CHF 26'351.10 (ohne Kosten für die amtliche Vertei-
digung).

4

Die gesamten Gebühren setzen sich zusammen aus:

Gebühren der Untersuchung CHF 18’061.70
Gebühren Zwangsmassnahmengericht CHF 1’200.00
Auftritt Staatsanwalt an der Hauptverhandlung CHF 1’000.00
Kosten des Gerichts (inkl. schriftl. Begründung) CHF 10’000.00
Total CHF 30’261.70

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:

Entschädigung für Zeugen HV CHF 20.00
Allgemeine Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 1’482.00
Persönliche Kosten A. CHF 1’175.20
Total CHF 2’677.20

Total Verfahrenskosten CHF 32’938.90

III.
1. Es wird festgestellt, dass die amtliche Entschädigung für die amtliche Verteidigung von 

A.________ durch Rechtsanwalt U.________ (14.-22.04.2020) mit Verfügung vom 22. April 2020 
auf CHF 814.55 bestimmt und bereits ausbezahlt wurde. Das volle Honorar wurde auf CHF 
1'016.45 festgesetzt.
A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung von insgesamt CHF 
814.55 im Umfang von 4/5, ausmachend CHF 651.65 zurückzuzahlen und Rechtsanwalt 
U.________ die Differenz von CHF 201.90 zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen 
Honorar im Umfang von 4/5, ausmachend CHF 161.50 zu erstatten, sobald es seine wirtschaftli-
chen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Im Umfang von 1/5 besteht weder eine Rück- 
(CHF 162.90) noch Nachzahlungspflicht (CHF 40.40).

2. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von A.________ 
durch Rechtsanwalt B.________ (ab dem 28.09.2019) werden wie folgt bestimmt:

Leistungen ab 01.01.2018
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 105.00 200.00 CHF 21’000.00
Aufwand MLaw 12.25 100.00 1’225.00
Reisezuschlag CHF 225.00

CHF 513.00
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 22’963.00 CHF 1’768.15

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 24’731.15

volles Honorar 105.00 250.00 CHF 26’250.00
Aufwand Mlaw 12.25 125.00 1’531.25
Reisezuschlag CHF 225.00

CHF 513.00
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 28’519.25 CHF 2’196.00

CHF 0.00
Total CHF 30’715.25

nachforderbarer Betrag CHF 5’984.10

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 24'731.15. 
A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung von insgesamt CHF 
24'731.15 im Umfang von 4/5, ausmachend CHF 19'784.90 zurückzuzahlen und Rechtsanwalt 
B.________ die Differenz von CHF 5'984.10 zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vol-
len Honorar im Umfang von 4/5, ausmachend CHF 4'787.30 zu erstatten, sobald es seine wirt-
schaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). Im Umfang von 1/5 besteht weder eine 
Rück- (CHF 4'946.25) noch Nachzahlungspflicht (CHF 1'196.80).

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IV.
A.________ wird in Anwendung von Art. 41 ff., 49 OR sowie Art. 126 und 432 ff. StPO weiter verur-
teilt zur Bezahlung von CHF 100.00 Genugtuung an den Privatkläger O.________.

V.
Im Zivilpunkt wird weiter verfügt:
1. Es wird festgestellt, dass der Privatkläger H.________ seine Zivilklage vor Abschluss der erstin-

stanzlichen Hauptverhandlung zurückgezogen hat und diese auf dem Zivilweg erneut geltend ma-
chen kann (Art. 122 Abs. 4 StPO).

2. Es wird festgestellt, dass A.________ anerkannt hat, der Privatklägerin M.________ einen Betrag 
von CHF 100.00 zu schulden. Die Zivilklage wird insoweit als gegenstandslos geworden abge-
schrieben.

3. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden.

VI.
Weiter wird beschlossen:
1. A.________ geht in den vorzeitigen Strafvollzug zurück.
2. Die beschlagnahmten Drogen (0.2 g Marihuana) und Medikamente (4 Blister mit je einer Tablette 

Temesta) werden zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB).
3. Dem zuständigen Bundesamt wird die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN 

Z.________) nach Ablauf der gesetzlichen Frist vorzeitig erteilt (Art. 16 Abs. 1 lit. e DNA-ProfilG).
4. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die Zustimmung zur Löschung der erho-

benen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (PCN Z.________) nach Ablauf der gesetzli-
chen Frist vorzeitig erteilt (Art. 17 Abs. 1 lit. e i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbei-
tung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten).

5. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 
Schengener Informationssystem angeordnet.

6. Schriftlich zu eröffnen:
- der regionalen Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, Staatsanwalt V.________ (gegen Emp-

fangsbestätigung ausgehändigt)
- dem Beschuldigten, amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt B.________ (gegen Empfangs-

bestätigung im Doppel ausgehändigt)
- dem Privatkläger H.________ (gegen Empfangsbestätigung ausgehändigt)
- dem Privatkläger O.________ (mittels LSI)
- der Privatklägerin M.________ (mittels LSI)
- Rechtsanwalt U.________ (auszugsweise Ziff. III 1.)
Schriftlich mitzuteilen (vor Rechtskraft):
- dem Amt für Justizvollzug, Bewährungs- und Vollzugsdienste (BVD; unverzüglich per Fax)
- der JVA AO.________ (unverzüglich per Email)
- dem Staatssekretariat für Migration (SEM; A-Post)
- dem Amt für Bevölkerungsdienste des Kantons Bern (ABEV; per Email)
- Kantonspolizei Bern, Y.________, zu Handen des Regionalgefängnisses Bern (gegen Emp-

fangsbestätigung ausgehändigt)
Schriftlich mitzuteilen (nach Rechtskraft):
- der Koordinationsstelle Strafregister
- dem Amt für Bevölkerungsdienste des Kantons Bern (ABEV; anonymisiert)

6

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete A.________ (nachfolgend: Beschuldigter), amtlich 
verteidigt durch Rechtsanwalt B.________, mit Eingabe vom 19. Januar 2022 frist-
gerecht Berufung an (pag. 1217). 

Mit Verfügung vom 11. Juli 2022 wurde den Parteien die schriftliche Berufungsbe-
gründung zugestellt (pag. 1371 ff., 1498 f.). Hierauf beschränkte die Verteidigung 
des Beschuldigten mit form- und fristgerechter Berufungserklärung vom 2. August 
2022 (pag. 1504 ff.) die Berufung auf die Bemessung der Strafe und die Anordnung 
der Landesverweisung. Die Verteidigung stellte den Antrag, das erstinstanzliche 
Urteil sei insoweit abzuändern, als dem Beschuldigten der bedingte Strafvollzug zu 
gewähren, das Strafmass angemessen zu reduzieren und auf die Anordnung der 
Landesverweisung zu verzichten sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolge 
(pag. 1506).

Mit Schreiben vom 11. August 2022 (pag. 1514 f.) erklärte die stv. Generalstaats-
anwältin W.________ die Anschlussberufung und beschränkte diese auf den Sank-
tionenpunkt. Sie führte aus, sie beabsichtige, eine 34 Monate übersteigende Frei-
heitsstrafe, eine Geldstrafe, eine Busse sowie eine Landesverweisung von 6 Jah-
ren zu beantragen. 

Der Strafkläger, der Straf- und Zivilkläger 1 und die Straf- und Zivilklägerin 2 haben 
sich innert Frist nicht vernehmen lassen. Da sämtliche den Strafkläger und die 
Straf- und Zivilkläger betreffenden Ziffern des Urteilsdispositivs vom 14. Januar 
2022 (Ziff. II. Schuldsprüche, Ziff. IV./V. Regelung Zivilpunkt) rechtskräftig gewor-
den sind, wurden diese mit Verfügung vom 12. Oktober 2022 aus dem oberinstanz-
lichen Verfahren entlassen (pag. 1544 ff.).

Die Berufungsverhandlung vor der 1. Strafkammer fand am 12. Januar 2023 statt 
(pag. 1805 ff.).

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurden von Amtes wegen ein aktueller 
Strafregisterauszug, ein aktueller Führungsbericht bei der Justizvollzugsanstalt So-
lothurn sowie aktuelle Berichte beim Migrationsdienst des Kantons Bern und beim 
Staatssekretariat für Migration hinsichtlich der Prüfung einer strafrechtlichen Lan-
desverweisung über den Beschuldigten eingeholt (pag. 1548 ff., 1768 f., 1776 f., 
1785 ff.). Weiter wurde der rechtskräftige Strafbefehl vom 15. April 2020 ediert 
(pag. 1802 f.) und bei den Bewährungs- und Vollzugsdiensten (BVD) das provisori-
sche Ende der Haftdauer angefragt (vgl. Email vom 21. Dezember 2022 der BVD, 
pag. 1773 f.).

Auf Antrag der Verteidigung wurde zudem an der Berufungsverhandlung eine        
E-Mail vom 11. Januar 2023 vom Sozialdienst der Justizvollzugsanstalt 
AO.________ zu den finanziellen Verhältnissen des bzw. der Abzahlung offener 
Forderungen durch den Beschuldigten zu den Akten genommen (pag. 1829 ff.).

An der Berufungsverhandlung wurde der Zeuge C.________

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4. Anträge der Parteien

4.1 Beschuldigter

Rechtsanwalt B.________ stellte an der Berufungsverhandlung vom 12. Januar 
2023 folgende Anträge (pag. 1823 f.):

I.
Die Ziffer II. des Urteils PEN X.________ vom 14. Januar 2022 sei im Sinne der nachfolgenden Zif-
fern abzuändern: 

Der Beschuldigte sei zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 17.5 Monaten. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben 
und die Probezeit auf vier Jahre festzusetzen. Die bisher ausgestandene Haft von 888 Tagen sei 
an die Strafe anzurechnen.

2. zu einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend CHF 750.00. Der Vollzug 
der Geldstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit auf vier Jahre festzusetzen.

3. zu einer Übertretungsbusse von CHF 1’256.00. 
4. Auf die Anordnung einer Landesverweisung sei zu verzichten. 

II.
A.________ sei unverzüglich aus der Haft zu entlassen.

III.
A.________ sei durch den Kanton Bern eine nach gerichtlichem Ermessen zu bestimmende Genug-
tuung für besonders schwere Verletzungen seiner persönlichen Verhältnisse (Freiheitsentzug von 
363 Tagen) auszurichten.

IV.
1. Das Honorar der amtlichen Verteidigung für das Verfahren sei gemäss noch einzureichender 

Honorarnote gerichtlich zu bestimmen. 
2. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

4.2 Generalstaatsanwalt

Die stv. Generalstaatsanwältin W.________ stellte an der Berufungsverhandlung 
vom 12. Januar 2023 folgende Anträge (pag. 1834 ff.):

I.
Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegial-
gericht in Dreierbesetzung) vom 14. Januar 2022 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich

1. des Freispruchs von der Anschuldigung des Raubes, angeblich begangen am 28. September 
2019 in Bern, gemeinsam mit E.________ und unbekannt z.N. von F.________ (DB: rund CHF 
400.00), unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten (1/5 der auf ihn entfallenden 
Kosten), sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 6’052.35 und Auslagen von CHF 
535.45 (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung durch Rechtsanwalt B.________), insgesamt 
bestimmt auf CHF 6’587.80, an den Kanton Bern;

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2. der Schuldsprüche, wonach A.________ schuldig erklärt wurde des Raubes, mehrfach und 
teilweise geringfügig begangen
2.1. am 19. Oktober 2019 in Zürich, z.N. von G.________ (DB: rund 12 Rappen);
2.2. am 18. Juli 2019 in Gümligen, z.N. von H.________ (DB: CHF 500.00);

3. der Schuldsprüche, wonach A.________ schuldig erklärt wurde des Diebstahls, mehrfach und 
teilweise geringfügig begangen
3.1. am 19. Oktober 2019 in Zürich z.N. von I.________ (DB: mind. 20 Euro); 
3.2. am 23. September 2019 in Bern z.N. der L.________ (DB:  CHF  7.25; geringfügig; 
3.3. am 14. April 2020 in Bern z.N. der J.________ GmbH (DB: CHF 740.55); 
3.4. am 6. Juni 2020 in Bern z.N. M.________ (DB: CHF 80.00); 

4. der Schuldsprüche, wonach A.________ schuldig erklärt wurde der Sachbeschädigung, 
mehrfach und teilweise geringfügig begangen
4.1. am 14. April 2020 in Bern z.N. von J.________ GmbH; 
4.2. am 6. Juni 2020 in Bern z.N. von M.________;

5. des Hausfriedensbruchs, begangen am 14. April 2020 in Bern z. N. der J.________;

6. der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, begangen am 18. Juli 2020 in Güm-
ligen z.N. von O.________;

7. der Hinderung einer Amtshandlung, begangen am 10. Oktober 2020 in Bern;

8. der Beschimpfung, begangen am 18. Juli 2020 in Bern;

9. der Tätlichkeiten, begangen am 3. Oktober 2020 in Bern z.N. von S.________;

10. der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfach begangen 
10.1. am 28. September 2019 in Bern durch Konsum einer unbestimmten Menge Amphetamine, 

Marihuana, Benzodiazepine, Methamphetamin, Morphin und MDMA;
10.2. am 21. November 2019 in Thun durch Besitz von rezeptpflichtigen Medikamenten ohne 

Rezept und in Bern durch Konsum einer unbestimmten Menge Marihuana; 
10.3. am 26. März 2020 in Bern durch Konsum einer unbestimmten Menge Marihuana; 
10.4. am 14. April 2020 in Bern durch Konsum einer unbestimmten Menge Marihuana und Am-

phetamine;
10.5. am 17. Juli 2020 in Bern, Gümligen und anderswo durch Konsum einer unbestimmten 

Menge Marihuana;

11. der Widerhandlungen gegen das Personenförderungsgesetz (Benutzen eines Fahrzeugs 
ohne gültigen Fahrausweis oder andere Berechtigung), mehrfach begangen
11.1. am 21. August 2019 auf der Strecke Bern nach Bümpliz 
11.2. am 22. September 2020 auf der Strecke Köniz nach Haltestelle AM.________;

12. der Widerhandlung gegen das kantonale Strafgesetz (Nachtruhestörung und Verweigerung 
der Namensangabe), begangen am 10. Oktober 2020 in Bern;

13. der Verfügungen im Zivilpunkt, der Einziehung der beschlagnahmten Drogen und Medikamente 
sowie der Mitteilung der Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN 
Z.________) bzw. der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten (PCN 
Z.________).

II.

9

A.________ sei gestützt auf die rechtskräftigen Schuldsprüche in Anwendung der einschlägigen Ge-
setzesbestimmungen zu verurteilen

1. zu einer Freiheitsstrafe von 38 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft; 

2. zu einer Geldstrafe von 27 Tagessätzen zu CHF 30.00. Im Falle des schuldhaften Nichtbezah-
lens zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von 27 Tagen; 

3. zu einer Übertretungsbusse von CHF 1'300.00. Im Falle des schuldhaften Nichtbezahlens zu 
einer Ersatzfreiheitsstrafe von 13 Tagen; 

4. zu einer Landesverweisung von 6 Jahren (inkl. SIS Ausschreibung); 

5. zur Bezahlung von 4/5 der erst- und der gesamten oberinstanzlichen Verfahrenskosten (in-
kl. eine Gebühr von CHF 500.00 gemäss Art. 21 VKD). 

IV. (rechte III.)

Im Weiteren sei zu verfügen:

1. Es sei die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 
Schengener Informationssystem anzuordnen. 

2. Der Beschuldigte sei in Sicherheitshaft zu belassen (Art. 231 Abs. 1 Bst. a StPO). 

3. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochte-
nen Punkten (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; 
SR 312.0]). 

Mit Blick auf den Umfang der Berufung (dazu Ziff. 2 hiervor, beschränkte Berufung 
des Beschuldigten und beschränkte Anschlussberufung der Generalstaatsanwalt-
schaft) hat die Kammer die Bemessung der Strafe (Urteilsdispositiv Ziff. II. Verurtei-
lung Ziff. 1.-3.), die Anordnung der Landesverweisung (Urteilsdispositiv Ziff. II. Ver-
urteilung Ziff. 4. ), die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Infor-
mationssystem (Urteilsdispositiv Ziff. VI.5.), die Kosten- und Entschädigungsfolgen 
(Urteilsdispositiv Ziff. II., Verurteilung Ziff. 5., und Ziff. III.) sowie die Haftfrage (Ur-
teilsdispositiv Ziff. VI.1.) zu überprüfen. Praxisgemäss ist auch über das DNA-Profil 
(Urteilsdispositiv Ziff. VI.3.) und die erkennungsdienstlichen Daten (Urteilsdispositiv 
Ziff. VI.4.) neu zu verfügen. Abgesehen davon ist das Urteil des Regionalgerichts 
Bern-Mittelland (Kollegialgericht) vom 14. Januar 2022 in Rechtskraft erwachsen.

Die Kammer verfügt als Berufungsgericht bei der Überprüfung der angefochtenen 
Punkte über volle Kognition in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 
Abs. 2 und 3 StPO). Sie ist aufgrund der Anschlussberufung der Generalstaata-
sanwaltschaft nicht an das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO 
gebunden, d.h. sie darf das Urteil auch zu Ungunsten des Beschuldigten abändern. 

10

II. Rechtskräftige Schuldsprüche

6. Allgemeines

Die Schuldsprüche wegen mehrfachen Raubs, mehrfachen Diebstahls, teilweise 
geringfügig begangen, mehrfacher Sachbeschädigung, teilweise geringfügig be-
gangen, Hausfriedensbruchs, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, 
Hinderung einer Amtshandlung, Beschimpfung, Tätlichkeit, Widerhandlungen ge-
gen das Betäubungsmittelgesetz (BetmG; SR 812.121), mehrfach begangen, Wi-
derhandlung gegen das Personenbeförderungsgesetz (PBG; SR 745.1), mehrfach 
begangen, sowie Widerhandlung gegen das kantonale Strafgesetz (KStrG; 
BSG 311.1) blieben wie zuvor erwähnt unangefochten (vgl. Ziff. I. 5. hiervor) und 
sind infolgedessen in Rechtskraft erwachsen. Damit kann für den Sachverhalt, die 
Beweiswürdigung und die rechtliche Würdigung grundsätzlich auf die erstinstanzli-
che Urteilsbegründung verwiesen werden (pag. 1380 ff.). Zum besseren Verständ-
nis erfolgt unmittelbar nachfolgend eine kurze Chronologie der aktenkundigen Vor-
fälle. Soweit mit Blick auf die Strafzumessung und/oder die Frage der Landesver-
weisung weitere Ergänzungen und Präzisierungen notwendig erscheinen, erfolgen 
diese an den entsprechenden Stellen.

7. Chronologie 

Am 21. August 2019 benutzte der Beschuldigte ohne gültigen Fahrausweis das 
Tram in Bümpliz (pag. 386). Die Vorinstanz sprach ihn entsprechend der Wider-
handlung gegen das PBG schuldig (pag. 1464 f.). 

Am 23. September 2019 wurde der Beschuldigte angehalten, als er in Begleitung 
eines Kollegen ein Poulet gestohlen hatte (pag. 377 ff.). Der Beschuldigte gab 
zunächst an, sein Kollege habe ihm das Deliktsgut einfach zugesteckt und blieb 
auch später bei dieser Version. Die Vorinstanz erachtete diese Angaben im Ver-
gleich zu den Angaben des Ladendetektivs und des Kollegen des Beschuldigten 
als unglaubhaft und es kam entsprechend zu einem Schuldspruch wegen Dieb-
stahls (pag. 1442 f.).

Der Beschuldigte wurde am 28. September 2019 morgens in Bern erneut angehal-
ten, da man ihn der Beteiligung an einem Raub z.N. von F.________ in der Nähe 
der AA.________ verdächtigte. Gleichentags erfolgte die Entlassung aus der Poli-
zeihaft (pag. 25 ff.). Konkret soll sich der Beschuldigte gemeinsam mit weiteren 
Personen an der Wegnahme der Armbanduhr von F.________ unter Anwendung 
von Zwang (Festhalten am Handgelenk) und Androhung von Gewalt (Hand aufzie-
hen, verbale Drohung) beteiligt haben (siehe Anklageschrift, pag. 1013). In Anwen-
dung des Grundsatzes in dubio pro reo verneinte die Vorinstanz hier eine Tatbetei-
ligung (pag. 1402) und gelangte zu einem Freispruch. Gestützt auf den gleichen-
tags erfolgten Drogen-Schnelltest wurde der Beschuldigte jedoch wegen Betäu-
bungsmittelkonsums schuldig gesprochen (pag. 178, 1462 ff.).

Als die Securitas und Transportpolizei am frühen Morgen des 19. Oktober 2019 
wegen einer Schlägerei am Hauptbahnhof Zürich ausrücken mussten, erfuhren sie 
vom Vorfall z.N. von G.________, welcher sich kurz zuvor ereignet hatte 
(pag. 28 ff.). Laut Anklageschrift habe der Beschuldigte auf der Zugfahrt von Bern 

11

nach Zürich unter Einsatz körperlicher Gewalt von G.________ Geld gefordert und 
auch bekommen (pag. 1013 f.). Der Beschuldigte bestritt vorerst jegliche Beteili-
gung (pag. 29) bzw. räumte dann zunächst lediglich einen verbalen Disput mit 
G.________ ein (pag. 299). Später gab er zu, dass G.________ im Zuge des Dis-
puts das Portemonnaie hervorgezogen habe (pag. 340). Der Beschuldigte soll sich 
im Zugsabteil neben G.________ gesetzt, diesen gegen die Wand bzw. die Schei-
be gedrückt und Geld eingefordert haben. G.________ habe schliesslich sein Por-
temonnaie präsentiert, woraus der Beschuldigte eine indische Banknote genom-
men habe (das Geld «landete» schliesslich im Büstenhalter der Begleitung des Be-
schuldigten, AB.________). G.________ hätte anschliessend noch Geld an einem 
Bancomaten abheben bzw. Alkohol kaufen sollen. Laut AB.________ sei der Be-
schuldigte damals stark alkoholisiert gewesen (pag. 315/356 [so auch G.________ 
pag. 369 Z. 100], der Atemlufttest ergab allerdings lediglich einen Wert von 0.31 
mg/L, pag. 286). Die Vorinstanz erachtete diesen Anklagepunkt als erstellt und 
führte aus, bei acht Befragungen zum Vorfall habe der Beschuldigte erst in den 
letzten drei Einvernahmen den Sachverhalt zumindest teilweise eingestanden, dies 
wohl gestützt auf die Aussagen von AB.________ (pag. 1410 ff.). Die Vorinstanz 
sprach den Beschuldigten wegen Raubes z.N. von G.________ schuldig (pag. 
1402 ff., 1414). Auf Grund am Verhaftsort im Bahnhof Zürich aufgefundener Bank-
karten (pag. 290) ergab sich, dass auf demselben Zug dem schlafenden 
I.________ die Brieftasche gestohlen worden war. Dies räumte der Beschuldigte 
ein, wobei er das Ganze als Mutprobe bezeichnete. Es kam entsprechend auch zu 
einem Schuldspruch wegen Diebstahls z.N. von I.________ (pag. 1437 ff., 1441). 

Der Beschuldigte kam als Folge seiner Aktivitäten im Zug in Untersuchungshaft 
und wurde erst am 18. November 2019 entlassen (pag. 61).

Auf Grund des verdächtigen Verhaltens einer Gruppe von Jugendlichen im Manor 
unterzog die Polizei u.a. auch den Beschuldigten am 21. November 2019 in Thun 
einer Personenkontrolle. Diese ergab beim Beschuldigten den Besitz von vier Ta-
bletten Temesta ohne Rezept. Weiter gestand der Beschuldigte ein, Marihuana zu 
konsumieren. Der Beschuldigte wurde entsprechend der Widerhandlungen gegen 
das Betäubungsmittelgesetz schuldig gesprochen (pag. 387 ff., 1462 ff.). 

Der Vollständigkeit halber sei auch auf die Vorfälle vom 14. und 21. Februar 2020 
hingewiesen, wobei diese nicht Gegenstand dieses Verfahrens sind. Der Beschul-
digte entwendete an beiden Daten im Coop AC.________ eine Flasche Cognac 
(vgl. Strafbefehl vom 15. April 2020, pag. 1802 f.).

Am 26. März 2020 wurde der Beschuldigte mit Kollegen angehalten und kontrol-
liert. Gemäss Anzeige vom 17. April 2020 habe der Beschuldigte nach Marihuana 
gerochen und den Konsum auch eingestanden (pag. 431). Der Beschuldigte wurde 
von der Vorinstanz hierfür wegen Betäubungsmittelkonsums schuldig gesprochen 
(pag. 1462).

Gestützt auf eine Videoüberwachung und ein Tätersignalement hielt die Polizei den 
Beschuldigten wegen des Einbruchdiebstahls in die J.________ Tankstelle, be-
gangen am 14. April 2020 kurz nach Mitternacht in Bern, an (pag. 64). Er wurde 
gleichentags aus der Polizeihaft entlassen. Der Beschuldigte brach zusammen mit 

12

D.________ in die Tankstelle ein (zunächst Versuch, mit Brecheisen die Hauptein-
gangstüre aufzubrechen, dann Scheibe Höhe Kassenbereich eingeschlagen, 
D.________ drang ein und übergab diverses Deliktsgut an den Beschuldigten, pag. 
391 [vor allem Zigaretten und Alkohol]). Der Beschuldigte gab diesen Vorfall spon-
tan auf der Fahrt zur Polizeiwache zu (pag. 396). Ein Drogenschnelltest fiel positiv 
auf COC und THC aus. Der Beschuldigte führte die Polizei zum versteckten De-
liktsgut (pag. 397). Er gab an, das Ganze sei die Idee von D.________ gewesen 
und er habe erst vor Ort vom Delikt erfahren. Diese Aussage erachtete die Vorin-
stanz als unglaubhaft und verurteilte den Beschuldigten als Mittäter wegen Dieb-
stahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs (pag. 1443 ff.).

Am 6. Juni 2020 liess M.________ (IV-Rentnerin mit Gehhilfen) im Bahnhof Bern 
ihre Tasche unbeaufsichtigt stehen, um sich einen Kaffee zu holen. Gemäss An-
zeigebericht hätten sich vier junge, alkoholisierte Personen an ihrer Tasche zu 
schaffen gemacht (pag. 558). Dabei sei die Tasche am Reissverschluss kaputt ge-
gangen und eine Stange Zigaretten abhanden gekommen. Auf Grund des Video-
materials konnte der Beschuldigte als Beteiligter identifiziert werden. Den Diebstahl 
räumte der Beschuldigte bei der Anhaltung ein (pag. 563). Die Vorinstanz sprach 
den Beschuldigten hierfür des Diebstahls und der geringfügigen Sachbeschädigung 
schuldig.

Am 18. Juli 2020 erfolgte eine weitere Festnahme des Beschuldigten unmittelbar 
nach dem Vorfall z.N. von H.________ in Gümligen, dies auf Grund eines Tätersi-
gnalements (pag. 67). Die Anklageschrift umschreibt den Vorfall z.N. von 
H.________ vom 18. Juli 2020 wie folgt (pag. 1014):

H.________ begab sich am Bahnhof Gümligen in die Unterführung, um zu Gleis 2 zu gelangen, wo er 
A.________, welcher in Begleitung einer weiteren Person war, begegnete und von diesem leicht an 
der Schulter berührt und nach «Münz» gefragt wurde. In der Folge behändigte H.________ sein Por-
temonnaie und öffnete das Münzfach, wobei A.________ und die andere Person unvermittelt in das 
Münzfach griffen. Als H.________ das Münzfach wieder schloss, forderte A.________ mehr Geld und 
stiess H.________ mit dem Unterarm gegen die Brust, in der Absicht, ihm das Portemonnaie aus den 
Händen zu nehmen. H.________ stiess A.________ von sich weg, konnte so sein Portemonnaie in 
den Händen halten und rannte die Treppe zum Perron hoch, wobei er aber auf dem oberen Teil der 
Treppe stürzte und ihm das Portemonnaie aus den Händen zu Boden fiel. Währenddessen rannte 
A.________ hinter H.________ her und versetzte diesem, als H.________ daran war, wieder aufzu-
stehen, einen Faustschlag ins Gesicht (zwischen Oberlippe und Nase). In der Folge rannte 
H.________ weg, wobei A.________ ihm weiter folgte. Als der Geschädigte oberhalb der Treppe 
durchrannte, begab sich A.________ zur Treppe, behändigte das zuvor runtergefallene Portemonnaie 
(enthaltend Bargeld von CHF 200.00, Münz CHF 3.15, mehrere Bank- und Kreditkarten, Führeraus-
weis, Identitätskarte, Kundenkarte Migros, Gutscheinkarte Jack & Jones im Gesamtwert von ca. CHF 
500.00) vom Boden und entfernte sich damit von den Örtlichkeiten. Damit bereicherte A.________ 
sich unter Anwendung von Gewalt wissentlich und willentlich unrechtmässig.

Auf dem angehaltenen Beschuldigten fand man die Geldkarte des Geschädigten 
und auch ein Minigrip Marihuana. Gemäss Anzeige habe sich der Beschuldigte vor 
dem Transport zur Wehr gesetzt. Dabei habe der Beschuldigte den Polizisten 
O.________ sogar mit dem Fuss gegen den Brustkorb getreten (pag. 540) und ha-
be ins Schliesszeug gelegt werden müssen (pag. 434/540). Beim Transport habe 

13

der Beschuldigte herumgeschrien. Später habe er teilweise Schnappatmung und 
weitere Gemütsschwankungen gezeigt. Als er bewusstlos geworden und nicht 
mehr ansprechbar gewesen sei, habe man ihn ins Q.________ verlegen müssen. 
Als er wieder zu sich gekommen sei, habe er O.________ mehrfach beschimpft. 
Nachträglich sprach der Beschuldigte von einem Filmriss ab dem Aussteigen an 
der Station in Gümligen (pag. 444), konnte sich dann später aber doch an Details 
erinnern (pag. 450). Er habe viel Wodka und Whisky getrunken (lt. Vorhalt pag. 444 
Z. 86 1.7 Promille [siehe hierzu auch HV-Protokoll pag. 1153 Z. 13 ff.]). THC habe 
er letztmals am Vorabend konsumiert; von Amphetaminkonsum habe er nichts mit-
bekommen (das Urin-Screening sprach auf beide Substanzen an, pag. 435). Die 
Vorinstanz erachtete die Angaben zum Filmriss als vorgeschoben (pag. 1424) und 
insgesamt den Sachverhalt im Sinne der Anklage als erstellt. Der Beschuldigte 
wurde des Raubes z.N. von H.________, der Beschimpfung sowie der Gewalt und 
Drohung gegen Behörden und Beamte (beides z.N. von O.________) und des 
Betäubungsmittelkonsums schuldig gesprochen (u.a. pag. 1426 ff.). Der Vorfall z.N. 
von H.________ führte letztlich zur Anordnung von Untersuchungshaft, die bis am 
27. August 2020 andauerte (pag. 100).

Am 22. September 2020 fuhr der Beschuldigte ohne Fahrausweis mit dem Bus 
nach Köniz und wurde entsprechend wegen Widerhandlung gegen das Personen-
beförderungsgesetz schuldig gesprochen (pag. 672, 1464 f.). Gleichentags erfolgte 
der Vorfall z.N. von AD.________, welcher nicht Gegenstand dieses Verfahrens ist. 
Der Beschuldigte soll AD.________ u.a. mit der Faust ins Gesicht geschlagen ha-
ben (pag. 647 ff.). Der Beschuldigte entschuldigte sich beim Opfer (pag. 659), wor-
aufhin dieses den Strafantrag gegen den Beschuldigten zurückzog (pag. 661). Der 
Beschuldigte leistete für diesen Vorfall Abzahlungen (vgl. pag. 1156,1330 und 1812 
f.).

Der Vorfall vom 3. Oktober 2020 in Bern z.N. von S.________ wurde als Raub, 
evtl. nur einfache Körperverletzung zur Anklage gebracht (pag. 1014 [pag. 1139 
der Würdigungsvorbehalt des Gerichts betr. Tätlichkeiten]). S.________ selber gab 
an, er sei ausgeraubt worden, als er aus der AE.________ gekommen sei. Der Be-
schuldigte habe ihn angerempelt und eine Auseinandersetzung angezettelt, mün-
dend in einem Faustschlag ins Gesicht von S.________. In der Folge hätten Por-
temonnaie und Hausschlüssel gefehlt. Der Atemlufttest ergab beim Beschuldigten 
einen Wert von 0.3 mg/L (pag. 572). Die Vorinstanz stellte hinsichtlich der tätlichen 
Auseinandersetzung insbesondere auf die Angaben von S.________ ab. Da Por-
temonnaie und Schlüssel nicht aufgefunden wurden – insbesondere nicht beim Be-
schuldigten –, ging die Vorinstanz von alternativen Erklärungsmöglichkeiten für das 
Abhandenkommen dieser Gegenstände bei S.________ aus, weshalb es hier beim 
Beschuldigten lediglich zu einem Schuldspruch wegen Tätlichkeiten kam (pag. 
1434).

Laut Anzeige versuchte der Beschuldigte sodann am 10. Oktober 2020 in Bern am 
P.________, sich frühmorgens einer Personenkontrolle (von ihm durch auffälliges 
Verhalten in einer Gruppe von Personen provoziert) zu entziehen, wobei er lauthals 
umhergeschrien und die Angabe seiner Personalien verweigert habe (pag. 641). 
Der Beschuldigte wurde hierfür wegen Hinderung einer Amtshandlung sowie we-

14

gen Widerhandlungen gegen das kantonale Strafgesetz durch Nachtruhestörung 
und durch Verweigerung der Namensangabe schuldig gesprochen (pag. 1457 ff.).

Gestützt auf einen Verhaftungsbefehl wegen des Falles S.________ (pag. 856) er-
folge am 21. Oktober 2020 in der Schreinerei der AF.________ (pag. 104; Drogen-
schnelltest war THC-positiv, pag. 574) eine erneute Anhaltung des Beschuldigten 
(mit bis zur Berufungsverhandlung fortdauernder Inhaftierung). Das Kantonale 
Zwangsmassnahmegericht befand in seinem Haftanordnungsentscheid vom 
23. Oktober 2020: «Die zahlreichen Interventionen von Polizei und Staatsanwalt-
schaft und die bisher zweifache Versetzung in Untersuchungshaft scheinen ihn 
überhaupt nicht beeindruckt zu haben» (pag. 126).

III. Strafzumessung

8. Allgemeines

Die Wahl der Strafart ist der erste Schritt bei der Strafzumessung (vgl. z.B. 
BGE 147 IV 241 E. 3.2 und BGE 144 IV 313 E. 1.1.1). Soweit die massgebliche 
Strafart nicht bereits im entsprechenden Straftatbestand ohne Wahlmöglichkeit fi-
xiert ist, hat das Gericht nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip diejenige von meh-
reren schuldangemessen erscheinenden Sanktionen zu wählen, die weniger stark 
in die persönliche Freiheit des Beschuldigten eingreift bzw. ihn am wenigsten hart 
trifft. Hierbei gilt die Freiheitsstrafe als schwerste Sanktion, gefolgt von Geldstrafe 
und Busse (HANS MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Auflage 2019, Rz. 466 
ff.). Massgeblich für die Wahl sind nach BGE 147 IV 241 die Zweckmässig-
keit/Angemessenheit der Sanktion, die Effekte auf den Täter, die Effekte auf die 
soziale Situation des Täters, die Präventionswirkung und das Verschulden. Die 
Sanktionshöhe ist erst später zu bestimmen und ist nicht massgeblich für die Wahl 
der Strafart.   

Nach Art. 47 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs (StGB; SR 311.0) misst das 
Gericht sodann die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt 
das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf 
das Leben des Täters. Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung 
oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Han-
delns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit 
der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefähr-
dung oder Verletzung zu vermeiden. Bei der Strafzumessung ist zwischen Tat- und 
Täterkomponente zu unterscheiden. Die Tatkomponente umfasst das Ausmass des 
verschuldeten Erfolges, die Art und Weise der Begehung der Tat, die Willensrich-
tung und die Beweggründe des Täters. Zur Täterkomponente sind die persönlichen 
Verhältnisse des Täters, das Vorleben und die Vorstrafen, das Verhalten nach der 
Tat und im Strafverfahren, die Strafempfindlichkeit sowie weitere strafmindernde 
und straferhöhende Aspekte zu zählen (BGE 141 IV 61 E. 6.1.1 mit Hinweisen; Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_236/2016 E. 4.2).

Soweit nachfolgend auf die Richtlinien für die Strafzumessung des Verbands Ber-
nischer Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte (VBRS) 

15

Bezug genommen wird, ist zu betonen, dass dies zulässig ist, mit der Einschrän-
kung, dass Straftaxen nur Richtlinienfunktion haben und das Gericht nicht binden 
oder daran hindern sollen, seine Überzeugung zur schuldangemessenen Strafe im 
Sinne von Art. 47 StGB frei gewinnen und begründen zu können (WIPRÄCHTI-
GER/KELLER, in Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Auflage 2018, N. 213 Art. 47). 

Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für meh-
rere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der 
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass 
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das 
gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei der Bil-
dung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB ist vorab der Strafrahmen für die 
schwerste Straftat zu bestimmen. 

Die Bestimmung der schwersten Straftat erfolgt abstrakt nach der höchsten Straf-
androhung. Bei gleichem Strafrahmen ist jedes der entsprechenden Delikte für die 
Einsatzstrafe geeignet, wobei gemäss MATHYS (Leitfaden Strafzumessung, 2. Auf-
lage 2019, Rz. 485) zu prüfen ist, welche Straftat im konkreten Fall die höchste 
Strafe nach sich zieht.

9. Strafart

Im vorliegenden Fall ist bereits auf Grund des gesetzlichen Strafrahmens der Delik-
te, wofür es vorinstanzlich einen Schuldspruch gab, vorgezeichnet, dass es Frei-
heitsstrafe (Raub), Geldstrafe (Beschimpfung und Hinderung einer Amtshandlung) 
wie auch Busse (Widerhandlungen gegen das PBG, geringfügiger Diebstahl, Ei-
genkonsumhandlungen BetmG, geringfügige Sachbeschädigung, Tätlichkeiten, 
Widerhandlungen gegen das KStrG) als Sanktion geben muss. 

Das Gesetz lässt lediglich beim Diebstahl (Vorfälle I.________, J.________ Tank-
stelle und M.________), der Sachbeschädigung (Vorfall J.________ Tankstelle), 
dem Hausfriedensbruch (Vorfall J.________ Tankstelle) und der Gewalt und Dro-
hung gegen Behörden und Beamte (Vorfall O.________) die Auswahl zwischen 
Freiheitsstrafe und Geldstrafe. Diesbezüglich führte die Vorinstanz Folgendes aus 
(pag. 1468 f.):

Es ist zu erwarten, dass eine (höhere) Geldstrafe nicht vollzogen werden könnte. Der Beschuldigte 
befindet sich in Haft, verfügt über keine abgeschlossene Ausbildung und hat nur vage Aussichten sei-
ne finanziellen Verhältnisse zukünftig zu verbessern. Im Betreibungsregisterauszug des Beschuldig-
ten sind per 6. Oktober 2021 Betreibungen in der Höhe von CHF ca. 7'500.00 sowie Verlustscheine in 
der Höhe von ca. CHF 700.00 verzeichnet (pag. 1084 f.). Er verfügt somit über keine finanziellen Mit-
tel, um eine Geldstrafe bezahlen zu können. Weiter ist nicht ersichtlich, dass er solche innert abseh-
barer Zeit auf legalem Weg erlangen könnte. Schliesslich wird er die Schweiz nach seiner Entlassung 
aus dem Strafvollzug infolge der ausgesprochenen Landesverweisung verlassen müssen (vgl. Ziff. IV 
hiernach) und mit grosser Wahrscheinlichkeit nach AN.________ zurückkehren. Der Vollzug einer 
Geldstrafe erscheint auch unter diesem Gesichtspunkt als fraglich. Nach Ansicht des Gerichts wäre 
der Beschuldigte nicht im Stande die Geldstrafe sofort bzw. bis zum Ablauf der Ausreisefrist zu be-
gleichen. Im Übrigen ist festzuhalten, dass selbst die Verteidigung – sofern sie keinen Freispruch ver-
langte und es sich um Delikte mit alternativ zur Verfügung stehenden Sanktionen handelte – eine 
Freiheitsstrafe beantragte (pag. 1170 f. und 1191).

16

Die Kammer geht mit der Vorinstanz insofern einig, dass in den Fällen, in welchen 
gesetzlich sowohl eine Freiheitstrafe wie auch eine Geldstrafe möglich ist, im Er-
gebnis eine Freiheitsstrafe auszusprechen ist. Jedoch ist zu den Ausführungen der 
Vorinstanz präzisierend und teilweise korrigierend Folgendes festzuhalten:

Nach Ansicht der Kammer ist vor allem aus spezialpräventiven Gründen in den ge-
nannten Fällen eine Freiheitsstrafe angebracht. So war der Beschuldigte schon vor 
dem Vorfall z.N. von I.________ wiederholt angehalten und einmal sogar in Poli-
zeihaft gesetzt worden, was offenkundig seine Wirkung auf das Verhalten des Be-
schuldigten verfehlte. Zeitgleich und thematisch ähnlich mit dem Diebstahl z.N. von 
I.________ erfolgte in derselben Nacht bzw. im selben Zug (nach den Einvernah-
men wohl zeitlich etwas später als der Diebstahl) der Raub z.N. von G.________. 
Verschuldensangemessen und zweckmässig erscheint da auch für den Diebstahl 
z.N. von I.________ nur eine Freiheitsstrafe. Für den Einbruchdiebstahl in die 
J.________ Tankstelle, und zwar für die ganze Einheit von Diebstahl, Sachbe-
schädigung und Hausfriedensbruch (eine Aufsplittung der Strafart wäre hier nicht 
nachvollziehbar), gilt dasselbe. Im April 2020 hatte der Beschuldigte bereits weitere 
Anhaltungen und die einmonatige Untersuchungshaft in Sachen Vorfälle 
I.________ / G.________ hinter sich und immer noch nichts gelernt. Der Diebstahl 
an M.________ zeigt ebenfalls eine gewisse Unbelehrbarkeit des Beschuldigten – 
etwa nach der Polizeihaft i.S. J.________ Tankstelle – und zudem eine entfernte 
Ähnlichkeit mit dem Vorfall I.________ (Gelegenheit ergriffen bei einem Bahnkun-
den), auch hier erscheint eine blosse Geldstrafe nicht angemessen. Bleibt schliess-
lich der Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, der eben-
falls zeigt, dass sich der Beschuldigte in der Vergangenheit von den Behörden 
nichts gefallen lassen wollte, so dass auch hier einzig eine Freiheitsstrafe dem De-
likt angemessen erscheint und entsprechende Signalwirkung auf den Beschuldig-
ten entfalten kann. Ob der Beschuldigte nun über genügend finanzielle Mittel verfü-
gen würde, um eine Geldstrafe zu bezahlen, ob eine Geldstrafe voraussichtlich 
vollzogen werden könnte und somit Art. 41 Abs. 1 Bst. b StGB Anwendung finden 
würde, kann an dieser Stelle offen gelassen werden, da nach Gesagtem eben aus 
spezialpräventiven Gründen in den genannten Fällen eine Freiheitsstrafe auszu-
sprechen ist. 

10. Freiheitsstrafe

10.1 Einsatzstrafe: Raub z.N. von H.________

Vorliegend ist für beide Raubdelikte – z.N. H.________ und z.N. G.________ – die 
gleiche abstrakte Strafandrohung vorgesehen (Freiheitsstrafe ab 6 Monaten bis zu 
10 Jahren). Somit ist für die Festlegung des schwersten Delikts auf die konkreten 
Umstände abzustellen. Aufgrund der Gewalteinwirkung und deren Folgen (Nasen-
bluten, Arbeitsunfähigkeit, psychische Beeinträchtigungen) erachtet die Kammer in 
Übereinstimmung mit der Vorinstanz den Raub z.N. von H.________ als schwerste 
Straftat (pag. 1469). Die Einsatzstrafe ist somit anhand dieses Vorfalls zu bestim-
men.  

17

10.1.1 Tatschwere

Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass bei einem relativ geringen Deliktsbetrag von 
ca. CHF 500.00 und einem Gewalteinsatz, der folgenlos verheilt ist, an sich noch 
von einer leichten Rechtsgutsverletzung gesprochen werden kann, auch wenn die 
psychischen Folgen beim Opfer längerdauernd sind (pag. 1470). Es gibt keine 
Hinweise auf eine grosse Vorausplanung des Vorfalles. Das Verwerfliche der Vor-
gehensweise liegt nach Auffassung der Kammer weniger beim Aufbau der Drohku-
lisse im Beisein eines Kollegen des Beschuldigten, als darin, dass der Beschuldigte 
den gutmütigen H.________, welcher ja von sich aus «Münz» geben wollte, im An-
schluss daran so traktierte und dabei ein beharrliches Vorgehen zeigte. Der Vor-
satz sowie die finanziellen und egoistischen Beweggründe sind tatbestandsimma-
nent.

Die Verteidigung wies auf die Kasuistik hin und führte aus, mit Blick auf SK 20 122 
(Urteil vom 4. Februar 2021 der 2. Strafkammer) oder SK 21 191 (Urteil vom 
7. September 2021 der 2. Strafkammer) sei von einem tieferen objektiven Tatver-
schulden auszugehen, als die Vorinstanz angenommen habe. So habe der Be-
schuldigte beispielsweise in SK 21 191 – anders als in vorliegendem Fall – ein 
Messer als Nötigungsmittel eingesetzt und die Strafkammer sei trotzdem von ledig-
lich 10 Monaten für das objektive Tatverschulden ausgegangen. Der Raub in SK 20 
122 wiege in etwa gleich schwer wie in vorliegendem Fall und trotzdem sei in je-
nem Fall die objektive Tatschwere deutlich tiefer – auf lediglich 9 Monate – festge-
setzt worden. Der Verteidigung ist zu entgegnen, dass beim Vergleich mit lediglich 
einzelnen Fällen immer Vorsicht geboten ist. So ist etwa der Raub in SK 21 191 
deutlich weniger schwerwiegend als der Raub zum Nachteil von H.________. In 
SK 21 191 ging es um eine angedeutete Messerbewegung im Hüftbereich zum Si-
chern der Beute nach erfolgtem Diebstahl, ohne in unmittelbare Nähe des Opfers 
zu kommen (räuberischer Diebstahl, Art. 140 Ziff. 1 Abs. 2 StGB). Es gab keine 
Bedrohung oder körperliche Einwirkung zur Begehung des Diebstahls. Der zweite 
erwähnte Raub in SK 20 122 (der Beschuldigte entriss dem Opfer CHF 20.00, die-
ses wollte das Geld zurück, zur Sicherung der Beute verabreichte der Beschuldigte 
zusammen mit weiteren Tätern dem Opfer Faustschläge zur Sicherung der Beute) 
ist nach Auffassung der Kammer sehr mild beurteilt worden und taugt ebenfalls 
nicht als Präjudiz. Bei Konsultation weiterer Fälle aus der Praxis oszillieren die Ein-
satzstrafen bei Raubdelikten einer ähnlichen Kategorie erheblich. Immerhin ist fest-
zuhalten, dass bei einem klaren Einsatz von körperlicher Gewalt – wie dies vorlie-
gend erfolgt ist – die Jahresschwelle regelmässig klar überschritten wird.

Unter den genannten Umständen erscheint eine Ausgangsstrafe von 16 Monaten 
angemessen. 

10.1.2 Schuldfähigkeit

Bleibt die Frage, ob im Sinne der Verteidigung bei diesem Vorfall wegen der erhöh-
ten Blutalkoholkonzentration von einer verminderten Schuldfähigkeit gesprochen 
werden kann (pag. 1171, 1819).

War der Täter zur Zeit der Tat nur teilweise fähig, das Unrecht seiner Tat einzuse-
hen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so mildert das Gericht die Strafe 

18

(Art. 19 Abs. 2 StGB). Die Begehung der Tat in angetrunkenem Zustand bildet 
noch keinen Grund, um an der Schuldfähigkeit des Täters zu zweifeln, wenn aus-
ser der Blutalkoholkonzentration keine weiteren Indizien für Zweifel an der Schuld-
fähigkeit bestehen. Immerhin stellt das Bundesgericht im Sinne einer Faustregel 
darauf ab, dass eine verminderte Schuldfähigkeit bei einer Blutalkoholkonzentration 
von unter 2 Promille nicht vorliegt (BGE 122 IV 49 E. 1b) bzw. das Bundesgericht 
vermutet bei einer Blutalkoholkonzentration zwischen 2 und 3 Promille eine Ver-
minderung, die aber im Einzelfall durch Gegenindizien umgestossen werden kann 
(BGE 122 IV 50). Falls ernsthafter Anlass besteht, an der Schuldfähigkeit des 
Täters zu zweifeln, so ordnet das Gericht die sachverständige Begutachtung an 
(Art. 20 StGB). Diese Bestimmung verbietet grundsätzlich die Annahme verminder-
ter Schuldfähigkeit ohne Begutachtung – wurde indessen Art. 20 StGB in dem von 
der Verteidigung beantragten Masse berücksichtigt, fehlt beim Weiterzug u.U. eine 
Beschwer (StGB Praxiskommentar-TRECHSEL/JEAN-RICHARD, 2021, N 1 zu Art. 20 
StGB). 

Die Vorinstanz verneinte vorliegend eine Verminderung der Schuldfähigkeit, erach-
te jedoch im Tatzeitpunkt eine Blutalkoholkonzentration von ca. 2 Promille sowie 
den Nachweis verschiedener Drogenabbauprodukte im Urin des Beschuldigten als 
erwiesen (pag. 1471). Die Blutalkoholkonzentration von ca. 2 Promille im Tatzeit-
punkt in Kombination mit dem Verhalten des Beschuldigten im Nachgang zur An-
haltung (Aufbegehren gegenüber der Polizei, Bewusstlosigkeit) sind nach Ansicht 
der Kammer durchaus Indizien für das Vorliegen einer knapp leicht verminderten 
Schuldfähigkeit. Von der Ausgangsstrafe von 16 Monaten sind somit hierfür 2 Mo-
nate abzuziehen, was zu einer Tatkomponenten-Einsatzstrafe von 14 Monaten 
führt. Das von der Generalstaatsanwaltschaft im Parteivortrag zitierte Urteil des 
Bundesgerichts 6B_203/2010 (pag. 1824) ist nicht einschlägig und verunmöglicht 
nach Ansicht der Kammer die Annahme einer knapp leicht verminderten Schuld-
fähigkeit nicht. Abgesehen davon wird im zitierten Entscheid ausgeführt, dass die 
dort zur Diskussion stehenden 1.51 Promille höchstens, aber immerhin, in gerin-
gem Masse strafmindernd berücksichtigt werden könnten (E. 5.3.2).

10.2 Zu asperierende Delikte

10.2.1 Raub z.N. von G.________

Was die Tatschwere anbelangt, ist auch hier von einer noch leichten Rechtsgutver-
letzung zu sprechen (Deliktsbetrag 12 Rappen; das Opfer wurde körperlich be-
drängt, aber nicht verletzt, war aber natürlich im Zug zu nächtlicher Stunde [Tatzeit 
pag. 286 ca. 0205 – 0214 Uhr] in der Mobilität eingeschränkt und dementspre-
chend dem Täter ausgeliefert). Spezielle Vorausplanung ist nicht ersichtlich, auch 
nicht ein gewiefter Aufbau einer Drohkulisse; auch das zu-Boden-Spucken (von der 
Vorinstanz als grosse Demütigung herausgestrichen, pag. 1472) ist nicht überzu-
bewerten. Die fehlende Gegenwehr des Opfers kann entgegen den Ausführungen 
der Verteidigung (pag. 1819) offensichtlich nicht als Entlastungsargument gewertet 
werden. Bei der Art und Weise der Tatausführung ist vor allem die Beharrlichkeit 
und Dauer der Einwirkung auf das Opfer negativ zu werten (der Beschuldigte be-
drängte das Opfer noch beim Verlassen des Zuges, pag. 314). Direkter Vorsatz 
und Bereicherungsabsicht sind hier tatbestandsimmanent. Zur Vermeidbarkeit führt 

19

die Vorinstanz zu Recht aus, dass die Begleiter teilweise versuchten, den Beschul-
digten von seinem Vorhaben abzubringen (pag. 356 Z. 31 ff. oder auch Videoauf-
nahmen pag. 314). Insgesamt erscheint eine Strafe von 12 Monaten (auch im Ver-
gleich zum Raubvorfall H.________) schuldangemessen. Angesichts des tatzeit-
nahen Atemlufttests von lediglich 0.62 Promille ist eine weitere Reduktion auf 
Grund Alkoholkonsums nicht angezeigt, auch wenn AB.________ und G.________ 
von einer (starken) Alkoholisierung sprachen. Dieser Vorfall wird asperierend mit 
8 Monaten berücksichtigt (Asperationsfaktor 2/3).

10.2.2 Diebstahl z.N. von I.________

Die Vorinstanz resümiert die Referenzsachverhalte in den VBRS-Richtlinien zum 
Diebstahl im Elektronikfachgeschäft wie auch zum Garderobendiebstahl mit weit-
aus höheren Deliktsbeträgen im dreistelligen Bereich und der Empfehlung von 
30 Strafeinheiten (pag. 1472 f.). Dementsprechend schätzt sie die konkrete 
Tatschwere etwas geringer ein und geht von 20 Strafeinheiten aus. Nach Auffas-
sung der Kammer dürfte der Fall aber wohl gleich schwer wiegen wie die Refe-
renzsachverhalte. Es geht zwar nur um eine Beute im Bereich von 20.00 EUR. 
Dies war aber zufällig und vor allem geschah der Diebstahl an einem schlafenden 
Opfer. Dies ist nicht bloss dreist, sondern beinhaltet auch ein zusätzliches Gefah-
renpotential, wenn das Opfer plötzlich aufwacht und eine Konfrontation mit dem 
Täter erfolgt. Unter Berücksichtigung der neutralen subjektiven Komponenten (di-
rekter Vorsatz und Bereicherungsabsicht [dass es hier um eine reine Mutprobe ge-
gangen sei, wirkt als Schutzbehauptung]) erscheint eine Sanktion von 30 Strafein-
heiten schuldangemessen. Der Vorfall wird asperierend mit 20 Tagen berücksich-
tigt (Asperationsfaktor 2/3).

10.2.3 Diebstahl z.N. der J.________ GmbH

Erschwerend fallen hier ins Gewicht ein Mindestmass an Vorausplanung (illustriert 
an der Mitnahme des Brecheisens), das Vorgehen zu zweit und der ungehemmte 
Einsatz brachialer Gewalt gegen Sachen; man liess nach einem ersten Misserfolg 
bei der Türe nicht ab (wobei die Sachbeschädigung selber separat zu bewerten 
ist). Bei der Arbeitsteilung blieb der Beschuldigte zwar draussen, währenddessen 
sein Begleiter D.________ eindrang und die Beute hinausreichte – dies rechtfertigt 
es aber nicht, den Beschuldigten leichter als D.________ zu bestrafen. Es blieb al-
lerdings bei einem relativ geringen Deliktsbetrag von ca. CHF 750.00, die Tankstel-
le war unbedient und der Vorfall geschah zu nächtlicher Stunde ohne Involvierung 
weiterer Personen. Die Tankstelle insgesamt liegt aber nicht abgelegen, sondern in 
der Nähe von Wohnungen. Der direkte Vorsatz und die Bereicherungsabsicht sind 
neutral bzw. tatbestandsimmanent zu bewerten. Insgesamt liegt juristisch gespro-
chen immer noch ein leichtes Verschulden vor. Angemessen erscheint der Kammer 
hier eine Sanktion von 60 Tagen. Zu addieren sind damit bei einem Asperationsfak-
tor von 2/3 40 Tage.

10.2.4 Sachbeschädigung z.N. J.________ GmbH

Beim Einbruch in die Tankstelle wurde die Haupteingangstüre beschädigt und ein 
Fenster eingeschlagen. Es wurde ein Sachschaden von ca. CHF 1'000.00 ange-
zeigt. Dabei wurde soviel Sachschaden verursacht, wie für den Einbruch notwendig 

20

war. Etwa pag. 415 Z. 38 ff. zeigt deutlich, dass auch der Beschuldigte (neben 
D.________) aktiv an der vorsätzlichen Sachbeschädigung beteiligt war. Auch im 
Quervergleich mit dem Referenzsachverhalt VBRS (Auto zerkratzt, Sachschaden 
ca. CHF 300.00 = 15 Strafeinheiten) sind 20 Strafeinheiten schuldangemessen. Die 
Sachbeschädigung ist auf Grund des engen Zusammenhangs mit den anderen De-
likten z.N. der J.________ GmbH mit einem Asperationsfaktor von 1/2 zu asperie-
ren, somit sind 10 Tage zu addieren. 

10.2.5 Hausfriedensbruch z.N. der J.________ GmbH

Die Bandbreite der im VBRS-Katalog genannten Hausfriedensbrüche erstreckt sich 
von schon fast begründeten Hausrechtsverletzungen durch den Vermieter (5 Stra-
feinheiten) bis zum Bruch des Hausrechts in Anwesenheit des Hausrechtsinhabers 
(40 Strafeinheiten). Der gewaltsame Hausfriedensbruch i.S. J.________ in Abwe-
senheit von weiteren Personen bewegt sich hier zwischendrin, weshalb eine Strafe 
von 20 Tagen angemessen erscheint. Auf Grund des engen Zusammenhangs mit 
den anderen Delikten z.N. der J.________ GmbH ist der Hausfriedensbruch mit 1/2 
zu asperieren und somit in der Gesamtfreiheitsstrafe mit weiteren 10 Tagen zu 
berücksichtigen.

10.2.6 Diebstahl z.N. von M.________

Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass dieser Diebstahl aus einer unbeaufsichtigten 
Tasche wohl etwas weniger schwer wiegt als der Diebstahl am schlafenden 
I.________. Es liegen keine Anhaltspunkte für eine geplante Tat vor, die Beute in 
Form einer Stange Zigaretten im Wert von CHF 80.00 war gering. Dass man hier 
bewusst die Tasche einer behinderten Frau in den Fokus genommen hätte, lässt 
sich nicht nachweisen. Die subjektiven Tatkomponenten (direkter Vorsatz und Be-
reicherungsabsicht) sind neutral zu werten. In der Anzeige ist zwar von der Begeg-
nung mit 4 alkoholisierten Personen die Rede. Dass dies jedoch gerade auch auf 
den Beschuldigten zugetroffen hätte und zudem auch noch eine Reduzierung sei-
nes Allgemeinzustandes mit sich gebracht hätte, ist nicht dargetan. 15 Tage er-
scheinen schuldangemessen. Der Vorfall wird asperierend mit 10 Tagen (Asperati-
onsfaktor 2/3) berücksichtigt.

10.2.7 Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte

Der Vorinstanz kann zugestimmt werden, dass der Vorfall z.N. von O.________ 
von der objektiven Tatschwere her leicht gravierender erscheint als der Referenz-
sachverhalt VBRS (Ellbogen in die Magengegend als Widerstand gegen eine Fest-
nahme, 20 Strafeinheiten). O.________ erhielt einen Fusstritt gegen den Brustkorb. 
25 Tage erscheinen hier angemessen, wobei – analog dem Raub z.N. von 
H.________ – eine knapp leicht verminderte Schuldfähigkeit zu veranschlagen ist, 
was mit einem Abzug von 3 Tagen berücksichtigt wird. Von den 22 Tagen sind cir-
ca 2/3 zu asperieren, ausmachend gerundet 15 Tage. 

10.3 Fazit nach Tatkomponentenprüfung

Es resultiert eine Freiheitsstrafe von 25.5 Monaten (14 Monate + 8 Monate + 20 
Tage + 40 Tage + 10 Tage + 10 Tage + 10 Tage + 15 Tage).

21

10.4 Täterkomponenten

Der Beschuldigte hat auch nach dem jüngst eingeholten Strafbericht vom 3. Januar 
2023 keine Vorstrafen verzeichnet (pag. 1789), was aber neutral zu gewichten ist. 
Nach den edierten Migrationsakten erging am 14. September 2017 ein Strafbefehl 
der Jugendstaatsanwaltschaft (Diebstahl von geringem Vermögenswert [Finger-
spinner]) mit Verweis. Ferner existiert dort die Kopie eines Anzeigerapports über 
einen (geringfügigen) Ladendiebstahl vom 14. und 21. Februar 2020 im Coop be-
treffend je einer Flasche Cognac. Dieser rechtskräftige Strafbefehl vom 15. April 
2020 wurde ediert (pag. 1802 f.).

Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten erscheinen, abgesehen von der 
hier zu beurteilenden Delinquenz, auch zum heutigen Zeitpunkt als unauffällig bzw. 
neutral für die Strafzumessung. Die Vorinstanz gibt ihre Erkenntnisse hierzu – be-
zogen auf den Urteilszeitpunkt – korrekt wie folgt wieder (pag. 1475 f.):

Der Beschuldigte ist in AN.________ geboren und kam gemäss eigenen Angaben im Alter von sechs 
Jahren bzw. im Jahr 2007 in die Schweiz (pag. 1155, Z. 28 ff.). Er verfügt über einen C-Ausweis (pag. 
1155, Z. 32 f.). Gemäss seinen Angaben sei er mit seiner Familie aufgrund des Diktators in die 
Schweiz gekommen, da sein Vater politisch aktiv sei. Er pflegt keinen regen Kontakt zu seinem Vater, 
zu seiner Mutter allerdings schon. Er hat eine Halbschwester, zwei Schwestern und einen Bruder. Ein 
weiterer Bruder sei im Jahr 2018 verstorben. Er besuchte vom Kindergarten zur neunten Klasse (Re-
alschule) die Schule in der Schweiz und absolvierte anschliessend eine Vorlehre als Fach-
mann/Fachfrau Gesundheit (FaGe). Anschliessend begann er ein Praktikum in AH.________, wobei 
er dieses abbrach und mit Hilfe der AG.________ eine Lehre als Schreiner anfing. Aufgrund der ge-
gen ihn angeordneten Untersuchungshaft konnte er die Lehre nicht rechtzeitig antreten, weshalb er 
mit dieser erst nach seiner Haftentlassung anfing. Nach seiner erneuten Verhaftung musste er die 
Lehre allerdings wieder abbrechen. Der Beschuldigte musste teilweise auch vom Sozialdienst unter-
stützt werden. Vor seiner Verhaftung lebte er in einer Wohngemeinschaft mit einer weiteren Person. 
Die Wohnung habe er ebenfalls mit Hilfe der AG.________ erhalten. Gemäss seinen Angaben, be-
stehen seine einzigen finanziellen Verpflichtungen darin, seine Schulden (sowie teilweise Regressfor-
derungen der Versicherung) abzubezahlen. Der Beschuldigte ist weder verheiratet noch lebt er in ei-
ner stabilen Partnerschaft oder hat Kinder. 

Der Beschuldigte wurde auch anlässlich der Berufungsverhandlung zu seinen per-
sönlichen Verhältnissen befragt. Als Ergebnis kann gesagt werden, dass die vorin-
stanzlichen Erwägungen nach wie vor Geltung haben. Ergänzend kann die positive 
Entwicklung des Beschuldigten im Strafvollzug und die Besserung des Verhältnis-
ses zwischen dem Beschuldigten und seinem Vater erwähnt werden (vgl. hierzu 
nachfolgend Ziff. IV.14.2. Landesverweisung). 

Die Vorinstanz erachtete einen Zuschlag von 25% aufgrund der mehrfachen Delin-
quenz des Beschuldigten während hängigen Verfahrens für angezeigt, u.a. mit fol-
gender Argumentation (pag. 1477):

Von einem Beschuldigten kann erwartet werden, dass er sich – nachdem er von einer Anzeige 
Kenntnis erhalten hat und weiss, dass gegen ihn ein Verfahren läuft – absolut rechtskonform verhält. 
Dies umso mehr, je massiver ihm die Ermittlungen erscheinen müssen und je gravierender die ent-
sprechenden Tatvorwürfe sind. Anlässlich der Hauptverhandlung und auf Frage, was es brauche, 
damit er sich rechtskonform und deliktsfrei verhalten könne, gab er an, am Anfang sei es so gewesen, 

22

dass er sich gedacht habe, er gehe ins Gefängnis und komme wieder raus. Er habe gedacht, er sei 
noch jung und ihm könne nicht viel passieren (pag. 1163, Z. 33 ff.). Anhand dieser Aussagen lässt 
sich bereits die erschreckende Gleichgültigkeit des Beschuldigten gegenüber staatlichen Zwangs-
massnahmen erkennen. Er wurde insgesamt fünf Mal angehalten bzw. verhaftet, wobei er zwei Mal 
einen Tag, einmal 31 Tage und einmal 41 in Haft verbrachte. Trotz der mehrfachen Verhaftungen de-
linquierte der Beschuldigte in Kenntnis des hängigen Strafverfahrens weiter. Dies zeigt eine ausge-
prägte Einsichtslosigkeit. Ihm mussten die Folgen strafbaren Handelns bekannt sein, wurde er doch 
von Anfang an anwaltlich vertreten. Er musste sich auch der Ernsthaftigkeit des Verfahrens und der 
drohenden Konsequenzen bewusst gewesen sein. Dass er sich ungeachtet dessen erneut strafbar 
machte, weist auf eine zusätzliche Unbelehrbarkeit hin, was deutlich straferhöhend ins Gewicht fällt. 
Seit dem 21. Oktober 2020 befindet sich der Beschuldigte ununterbrochen in Haft, weshalb seither 
keine neuen Straftaten verzeichnet worden sind.

Es ist richtig, dass der Beschuldigte in Kenntnis hängiger Strafuntersuchungen trotz 
Anhaltung und Haft insbesondere im Sommer 2020 einschlägig weiter delinquiert 
hat und die Delinquenz erst durch die dauerhafte Inhaftierung des Beschuldigten 
gestoppt werden konnte. Dies zeigt für den damaligen Zeitpunkt eine ausgeprägte 
Einsichtslosigkeit. Dieser mehrfachen Delinquenz während hängigem Verfahren ist 
massgeblich Rechnung zu tragen. Es ist der Verteidigung zu entgegnen, dass es 
dabei keinen entscheidenden Unterschied macht, ob die Fortsetzung der Delin-
quenz nach rechtskräftigem Urteil erfolgte oder nicht (so sinngemäss ihre Aus-
führungen pag. 1820). Abgesehen davon gab es vorliegend auch noch ein warnen-
des schriftliches Urteil (edierter Strafbefehl vom 15. April 2020, pag. 1802 f.). Die 
Kammer erachtet einen Zuschlag von 6.5 Monaten für die mehrfache Delinquenz 
während hängigem Verfahren als angemessen.

Die Vorinstanz konstatiert zwar eine gewisse Geständigkeit und nachträgliche Ein-
sicht des Beschuldigten. Auf der anderen Seite seien die Geständnisse spät und 
mindestens teilweise prozesstaktisch erfolgt und der Beschuldigte habe versucht, 
seine Taten zu beschönigen und verharmlosen (pag. 1476). Hierfür sei kein Abzug 
vorzunehmen. Neutral wirke sich auch das korrekte Verhalten während der Unter-
suchung aus, ebenso der Führungsbericht mit Hinweis auf einwandfreies Verhal-
ten, beides sei zu erwarten bzw. wirke sich neutral aus (pag. 1476, 1477).

Die Kammer ist der Auffassung, dass Geständigkeit, Einsicht, korrektes Verhalten 
in der Untersuchung selber und die ausserordentlich positiven Führungsberichte 
der Justizvollzugsanstalt (20. Dezember 2021 und 3. Januar 2023), welche doch 
eine über das normale Mass hinaus gehende gute Führung attestieren, im Verbund 
darauf hinweisen, dass zwischenzeitlich eine positive Persönlichkeitsentwicklung 
stattgefunden hat (so auch Verfügung Verlängerung Sicherheitshaft vom 9. Sep-
tember 2022, S. 7/pag. 47 Akten SK AJ.________). Dem ist insgesamt mit einer 
Reduktion von 2 Monaten Rechnung zu tragen. Anzumerken ist noch, dass die 
tätige Reue – die inzwischen erledigte Abzahlung im Fall AD.________ – an sich 
ausserhalb des vorliegenden Verfahrens steht (siehe pag. 1330).

Eine besondere Strafempfindlichkeit ist nicht ersichtlich.

Unter Berücksichtigung aller Faktoren resultiert aus den Täterkomponenten unter 
dem Strich ein Zuschlag von 4.5 Monaten. 

23

10.5 Ergebnis

Insgesamt ist somit von einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten auszugehen. 

Die bereits ausgestandene Polizei-, Untersuchungs-, Sicherheitshaft sowie der 
(zeitweilige) vorzeitige Strafvollzug ist nach Art. 51 StGB vollumfänglich – bis zur 
Berufungsverhandlung im Umfang von insgesamt 888 Tagen – an die Freiheitsstra-
fe anzurechnen.

10.6 Strafvollzug

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Mona-
ten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht 
notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder 
Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB). Bei einer Freiheitsstrafe von mindes-
tens einem Jahr und höchstens drei Jahren kann das Gericht den Vollzug nur teil-
weise aufschieben, wenn dies notwendig ist, um dem Verschulden des Täters 
genügend Rechnung zu tragen (Art. 43 Abs. 1 StGB). Der unbedingt vollziehbare 
Teil darf die Hälfte der Strafe nicht übersteigen (Art. 43 Abs. 2 StGB). Sowohl der 
aufgeschobene als auch der zu vollziehende Teil müssen mindestens sechs Mona-
te betragen (Art. 43 Abs. 3 Satz 1 StGB). Das Verhältnis der Strafteile ist so festzu-
setzen, dass darin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung des Täters einer-
seits und dessen Einzeltatschuld anderseits hinreichend zum Ausdruck kommen 
(BGE 134 IV 1 E. 5.6).

Mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten, d.h. zwei Jahren und sechs Monaten, 
überschreitet der Beschuldigte die Schwelle des zweijährigen Strafrahmens, für 
welchen der vollständige Vollzugsaufschub die Regel ist (Art. 42 Abs. 1 StGB). Da 
die konkrete Strafe aber noch unter drei Jahren liegt, ist zu prüfen, ob der Vollzug 
mindestens teilweise aufgeschoben werden kann (Art. 43 StGB). Im Bereich der 
Freiheitsstrafen von zwei bis drei Jahren, wo keine Überschneidung mit der beding-
ten Strafe besteht, liegt der eigentliche Hauptanwendungsbereich der teilbedingten 
Strafe. Bei der teilbedingten Strafe kommt gewissermassen die volkstümliche Vor-
stellung von der «heilsamen Ohrfeige» zur Anwendung (StGB Praxiskommentar- 
TRECHSEL/PIETH, 2021, N 5 zu Art. 43). Wenn und soweit die Legalprognose des 
Täters nicht schlecht ausfällt, verlangt die Bestimmung, dass zumindest ein Teil der 
Strafe auf Bewährung ausgesetzt wird. Umgekehrt gilt, dass bei einer Schlechtpro-
gnose auch ein bloss teilweiser Aufschub der Strafe nicht gerechtfertigt ist. Denn 
wo keinerlei Aussicht besteht, der Täter werde sich in irgendeiner Weise durch den 
gewährten (teilweisen) Strafaufschub positiv beeinflussen lassen, muss die Strafe 
in voller Länge vollzogen werden (BGE 134 IV 1 E. 5.3.1). 

Wenn die Verteidigung darauf hinweist, dass bei bedingtem Strafvollzug die gute 
Prognose bei Vorstrafenlosigkeit fast die Regel bildet, dann stimmt das für 
Art. 42 StGB. Aber schon in der Formulierung von Art. 43 StGB ist enthalten, dass 
der Massstab insbesondere im Bereich von Freiheitsstrafen von 2 bis 3 Jahren an-
gesichts des darin ersichtlichen höheren Verschuldens ein etwas strengerer ist. 
Hintergrund des teilbedingten Vollzuges ist, dass durch den Teilaufschub der Täter 
in irgendeiner Weise positiv beeinflusst wird. Ist dies nicht der Fall, ist die Strafe in 

24

voller Länge zu vollziehen (StGB Praxiskommentar-TRECHSEL/PIETH, N 2 zu 
Art. 43).

Die Vorinstanz hat von einer Schlechtprognose auf Grund der mehrfachen und 
massiven erneuten Delinquenz während laufender Untersuchung gesprochen 
(pag. 1482) und damit den teilbedingten Vollzug der Freiheitsstrafe verneint. Dem 
ist nach Ansicht der Kammer im Ergebnis zuzustimmen. Tatsächlich muss auf 
Grund der mehrfachen und massiven erneuten Delinquenz während laufender Un-
tersuchung festgehalten werden, dass der Beschuldigte diverse Chancen, sich in 
Freiheit zu bewähren, nicht ergriffen hat. Zu vermeiden ist der Denkfehler, dass die 
gute Führung im Vollzug bzw. in Haft die Schlechtprognose rückwirkend aufheben 
könnte, zumal es dabei nicht um eine Bewährung in Freiheit geht, sondern um ein 
korrektes Verhalten im besonderen Gewaltverhältnis, welches an sich erwartet 
werden kann. Im Gesamtbild der Täterpersönlichkeit ist zwar die gute Führung des 
Beschuldigten ein positiver Aspekt, der aber insbesondere die frühere massive Un-
einsichtigkeit in Form von Delinquenz trotz laufender Untersuchung nicht aufwiegt. 
Soweit ersichtlich fehlt beim Beschuldigten aktuell noch ein wirklich dauerhaftes 
soziales Netz ausserhalb der Haft und die Fähigkeit, sein Leben eigenständig, ins-
besondere finanziell, zu fristen. Im Fall des Beschuldigten wirkt von daher der Voll-
zug positiv bzw. positiver auf ihn ein, als ein Vollzugsaufschub. Ein teilbedingter 
Vollzug kann somit nicht angeordnet werden, die Strafe ist unbedingt auszuspre-
chen.

11. Geldstrafe

Beschimpfung und Hinderung einer Amtshandlung sind wie eingangs erwähnt reine 
Geldstrafen-Tatbestände. Deshalb ist beim Vorfall vom 18. Juli 2020 z.N. von Poli-
zist O.________ wie auch beim Vorfall vom 10. Oktober 2020 auf dem P.________ 
Bern analog dem Vorgehen bei der Freiheitsstrafe die angemessene Gesamtgelds-
trafe zu eruieren.

Von den beiden Tatbeständen weist die Beschimpfung die höhere maximal mögli-
che Geldstrafe auf (bis zu 90 Tagessätzen; bei Hinderung einer Amtshandlung le-
diglich bis 30 Tagessätze) und gilt als das schwerere Delikt. 

Die Beschimpfung bildet somit Ausgangspunkt für die Einsatzstrafe. Im Vergleich 
zum Referenzsachverhalt VBRS (mit Empfehlung von 10 Tagessätzen) ist der Vor-
fall angesichts der Vielzahl massiver, direktvorsätzlicher Beschimpfungen 
grundsätzlich etwas schwerwiegender. Auf der anderen Seite ist auch hier von ei-
ner knapp leicht verminderten Schuldfähigkeit auszugehen, weshalb im Ergebnis 
für die Beschimpfung gestützt auf die Tatkomponente ein Geldstrafenbetrag von 
15 Tagessätzen als angemessen erscheint. 

Zu asperieren ist der Vorfall mit Hinderung einer Amtshandlung, der auch nach Auf-
fassung der Kammer ungefähr dem Referenzsachverhalt VBRS entspricht und 
dementsprechend mit 10 Tagessätzen bzw. asperierend mit gerundet 7 Tagessät-
zen (Asperationsfaktor 2/3) zu berücksichtigen ist.

Bei den insgesamt 22 Tagessätzen ist sodann auf Grund der Täterkomponenten 
(negativ: Delinquenz während Verfahren; positiv: Geständnis, Einsicht etc.) letztlich 

25

noch ein Zuschlag zu machen, der mit 5 Tagessätzen angemessen erscheint. Es 
ist somit auf eine Geldstrafe von 27 Tagessätzen zu erkennen.

Die Ausführungen der Vorinstanz zur Höhe des Tagessatzes (CHF 30.00) sind 
sinngemäss immer noch zutreffend (pag. 1479):

Der Beschuldigte befindet sich im Zeitpunkt des Urteils im vorzeitigen Strafvollzug, wobei er dort in 
der Schreinerei arbeitete. Trotz seiner schwierigen finanziellen Verhältnisse, ist es dem Beschuldigten 
gemäss eigenen Angaben anlässlich der Hauptverhandlung möglich, monatliche Beiträge zur Schul-
dentilgung zu leisten. Die Tagessatzhöhe wird deshalb auf CHF 30.00 festgesetzt, was im Übrigen 
auch mit dem beantragten Tagessatz der Verteidigung übereinstimmt. 

Bei der Geldstrafe ist ebenfalls von einer Schlechtprognose auszugehen, wobei auf 
die Argumentation bei der Freiheitsstrafe verwiesen werden kann (vgl. Ziff. 10.6. 
hiervor). Die Geldstrafe von 27 Tagessätzen à CHF 30.00 ist somit unbedingt aus-
zusprechen.

12. Busse

Auch bei den Übertretungen bzw. den Bussentatbeständen ist analog dem Vorge-
hen bei der Freiheitsstrafe wie auch der Geldstrafe zu verfahren.

Zur Beurteilung stehen aus dem Bereich des StGB Tätlichkeiten sowie geringfügi-
ger Diebstahl/Sachbeschädigung, ferner Konsumwiderhandlungen aus dem BetmG 
sowie Widerhandlungen gegen das PBG und gegen das KStrG. 

Für die Einsatzstrafe kommen sämtliche bundesrechtlichen Übertretungen in Fra-
ge, da sie abstrakt die Möglichkeit einer Busse bis CHF 10'000.00 (Art. 106 
Abs. 1 StGB) vorsehen. Bei den Widerhandlungen gegen das KStrG ist die gesetz-
liche Obergrenze der Busse bei CHF 1'000.00, weshalb diese nicht die Einsatzstra-
fe bilden können. Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass vom konkreten Verschul-
den her die Tätlichkeiten z.N. von S.________ am schwersten wiegen, weshalb 
diese Ausgangspunkt für die Einsatzstrafe bilden.

Bei den Tätlichkeiten ist der Vorinstanz weiter beizupflichten, dass im Vergleich 
zum VBRS-Referenzsachverhalt (der von einer Ohrfeige nach einem verbalen 
Streit in einer Bar ausgeht) ein objektiv etwas schwerer Vorfall vorlag, direktvor-
sätzlich begangen und ohne begründeten Anlass, so dass eine Busse von 
CHF 400.00 angemessen erscheint.

Bei den Massendelikten des Drogenkonsums sowie des Fahrens ohne gültigen 
Fahrausweis orientierte sich die Vorinstanz ebenfalls zu Recht stark an den VBRS-
Richtlinien für die Beurteilung der Tatkomponente: CHF 300.00 für mehrfachen 
Konsum von weichen wie auch harten Drogen und CHF 200.00 für die beiden 
PBG-Widerhandlungen liegen im zulässigen Ermessensbereich. Asperiert wird 
auch durch die obere Instanz mit 2/3, ausmachend CHF 200.00 (BetmG) bzw. 
CHF 130.00 (PBG).

Dass bei den Widerhandlungen gegen das KStrG (Nachtruhestörung und Verwei-
gerung der Namensangabe) durch die Vorinstanz ebenfalls auf die VBRS-Werte 
abgestellt wird, ist nicht zu beanstanden. Eine Busse von je CHF 150.00 scheint für 

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die beiden Vorfälle angemessen, diese sind mit je CHF 100.00, also total 
CHF 200.00, zu asperieren.

Schliesslich erscheint die Einordnung der Schwere des geringfügigen Pouletdieb-
stahls bzw. der geringfügigen Sachbeschädigung an der Tasche von M.________ 
anhand des Deliktsbetrages/des Sachschadens durch die Vorinstanz ebenfalls 
nachvollziehbar und ist somit zu bestätigen. Für den Pouletdiebstahl ist eine Busse 
von CHF 100.00 angemessen, asperierend zu berücksichtigen mit CHF 70.00. Für 
die geringfügige Sachbeschädigung erscheint eine Busse von CHF 150.00 als an-
gemessen, davon werden CHF 100.00 asperiert.

Die Einsatzstrafe von CHF 400.00 ist damit gesamthaft um CHF 700.00 zu er-
höhen, was auf Grund der Tatkomponentenprüfung einer asperierten Gesamtbusse 
von CHF 1'100.00 entspricht.

Für die Täterkomponenten rechtfertigt sich ein Zuschlag von CHF 200.00 (Delin-
quenz während Strafverfahren abzüglich täterseitig entlastende Momente, vgl. Ziff. 
10.4. hiervor). Damit resultiert in Übereinstimmung mit der Vorinstanz eine Bus-
senhöhe von CHF 1'300.00 (bzw. 13 Tage Ersatzfreiheitsstrafe).

Am 15. April 2020 ist ein rechtskräftiger Strafbefehl ergangen, mit welchem der Be-
schuldigte wegen mehrfach begangenen Diebstahls mit geringfügigem Vermö-
genswert u.a. zu einer Busse von CHF 300.00 verurteilt wurde. Dabei handelt es 
sich um eine gleichartige Strafe zu den obigen Übertretungsdelikten. Dieser rechts-
kräftige Strafbefehl wurde erstinstanzlich bei der Bemessung der Busse noch nicht 
berücksichtigt. Der Beschuldigte hat die in diesem Verfahren zu beurteilenden 
Übertretungen teils vor und teils nach dem Strafbefehl vom 15. April 2020 began-
gen. Es liegt somit ein Fall von teilweiser retrospektiver Konkurrenz vor (Art. 49 
Abs. 2 StGB). Die Anwendung der präzisierten bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung bei der teilweisen retrospektiven Konkurrenz (BGE 145 IV 1) führt jedoch 
vorliegend im Ergebnis nicht zu einer Verminderung der Gesamtbusse, abgesehen 
davon, dass die angenommenen Beträge eher an der unteren Grenze der mögli-
chen Bussenbeträge liegen. Es bleibt bei einer Busse von CHF 1'300.00, welche 
jedoch methodisch als teilweise Zusatzstrafe zum Urteil vom 15. April 2020 auszu-
sprechen ist.

IV. Landesverweisung  

13. Theoretische Grundlagen

Gemäss Art. 66a Abs. 1 Bst. c und d StGB verweist das Gericht einen Ausländer, 
der wegen Raub (Art. 140 StGB) oder Diebstahl in Verbindung mit Hausfriedens-
bruch (Art. 139 i.V.m. 186 StGB) verurteilt wird, unabhängig von der Höhe der 
Strafe für 5-15 Jahre aus der Schweiz. 

Die obligatorische Landesverweisung wegen einer Katalogtat im Sinne von Art. 66a 
Abs. 1 StGB greift grundsätzlich unabhängig von der konkreten Tatschwere 
(BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; BGE 144 IV 332 E. 3.1.3). Sie muss entsprechend den 
allgemeinen Regeln des StGB zudem grundsätzlich bei sämtlichen Täterschafts- 
und Teilnahmeformen sowie unabhängig davon ausgesprochen werden, ob es 

27

beim Versuch geblieben ist und ob die Strafe bedingt, unbedingt oder teilbedingt 
ausfällt (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; BGE 144 IV 168 E. 1.4.1). 

Von der Anordnung der Landesverweisung kann nur ausnahmsweise unter den 
kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1.) einen schweren 
persönlichen Härtefall bewirken würde und (2.) die öffentlichen Interessen an der 
Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am Verbleib 
in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der besonderen Situation von 
Ausländern Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen 
sind (Art. 66a Abs. 2 StGB; sog. Härtefallklausel). Die Härtefallklausel von Art. 66a 
Abs. 2 StGB dient der Umsetzung des Verhältnismässigkeitsprinzips (Art. 5 Abs. 2 
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]; 
BGE 146 IV 105 E. 3.4.2; 144 IV 332 E. 3.1.2 und E. 3.3.1). Sie ist restriktiv 
anzuwenden (BGE 146 IV 105 E. 3.4.2; 144 IV 332 E. 3.3.1 mit Hinweis). Nach der 
bundesgerichtlichen Rechtsprechung lässt sich zur kriteriengeleiteten Prüfung des 
Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB der Kriterienkatalog der Bestimmung 
über den «schwerwiegenden persönlichen Härtefall» in Art. 31 Abs. 1 der 
Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit 
(VZAE; SR 142.201) heranziehen. Zu berücksichtigen sind namentlich der Grad 
der (persönlichen und wirtschaftlichen) Integration, einschliesslich familiäre 
Bindungen des Ausländers in der Schweiz bzw. in der Heimat, die 
Aufenthaltsdauer, der Gesundheitszustand und die Resozialisierungschancen. 
Ebenso ist der Rückfallgefahr und wiederholter Delinquenz Rechnung zu tragen. 
Das Gericht darf auch vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB begangene 
Straftaten berücksichtigen (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 144 IV 332 E. 3.3.2; Urteil 
des Bundesgerichts 6B_45/2020 vom 14. März 2022 E. 3.3.2 mit Hinweisen).  

Jede Landesverweisung bedeutet eine persönliche Härte für den Betroffenen. Das 
Gesetz verlangt jedoch nicht nur eine Härte, sondern eine aussergewöhnliche Här-
te, d.h. eine Situation, die auch angesichts der sonst schon schweren Lage noch 
als besonders hart ins Auge springt (einen «Ausnahmefall», Urteil des Bundesge-
richts 6B_627/2018 vom 22. März 2019 E. 1.3.3). Das bedeutet namentlich, dass 
soziale und wirtschaftliche Nachteile einer Rückkehr in das Herkunftsland un-
berücksichtigt bleiben müssen, soweit sie bei Landesverweisungen typischerweise 
vorkommen, d.h. eine grosse Zahl von Betroffenen in vergleichbarer Weise treffen 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1474/2019 vom 23. März 2020 E. 1.4).

Im Rahmen der Härtefallprüfung nach Art. 66a Abs. 2 StGB spielt der Grad der In-
tegration eine entscheidende Rolle. Wie das Bundesgericht bereits mehrfach fest-
gehalten hat, kann bei einer Härtefallprüfung allerdings nicht schematisch ab einer 
gewissen Aufenthaltsdauer eine Verwurzelung in der Schweiz angenommen wer-
den. Spielt sich das gesellschaftliche Leben einer ausländischen Person primär mit 
Angehörigen des eigenen Landes ab, spricht dies eher gegen die Annahme einer 
hinreichenden Integration (Urteile des Bundesgerichts 6B_690/2019 vom 4. De-
zember 2019 E. 3.4.4, zur Publikation vorgesehen; 6B_689/2019 vom 25. Oktober 
2019 E. 1.7.2 mit Hinweisen). Im Gegensatz zum Migrationsrecht sieht Art. 66a 
Abs. 2 StGB denn auch keine Altersgrenze vor, die bei einem vorgängigen Zuzug 
einer ausländischen Person in die Schweiz einen Härtefall vermuten liesse. Die 

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28

Anwendung von starren Altersvorgaben sowie die automatische Annahme eines 
Härtefalls ab einer bestimmten Anwesenheitsdauer findet somit keine Stütze im 
Gesetz (Urteil des Bundesgerichts 6B_690/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 3.4.4, 
zur Publikation vorgesehen). Die Härtefallprüfung ist vielmehr in jedem Fall anhand 
der gängigen Integrationskriterien vorzunehmen (BGE 144 IV 332 E. 3.3.2 S. 340 
f.). Der besonderen Situation von in der Schweiz geborenen oder aufgewachsenen 
ausländischen Personen wird dabei Rechnung getragen, indem eine längere Auf-
enthaltsdauer, zusammen mit einer guten Integration – beispielsweise aufgrund ei-
nes Schulbesuchs in der Schweiz – in aller Regel als Indiz für das Vorliegen von 
genügend starken privaten Interessen und damit für die Bejahung eines Härtefalls 
zu werten ist. 

Nach der gesetzlichen Systematik ist die obligatorische Landesverweisung anzu-
ordnen, wenn die Katalogtaten einen Schweregrad erreichen, sodass die Landes-
verweisung zur Wahrung der inneren Sicherheit notwendig erscheint. Diese Beur-
teilung lässt sich strafrechtlich nur in der Weise vornehmen, dass massgebend auf 
das objektive und subjektive Tatverschulden, die sich darin manifestierende Ge-
fährlichkeit des Täters für die öffentliche Sicherheit und auf die Legalprognose ab-
gestellt wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_603/2021, 6B_701/2021 vom 18. Mai 
2022 E. 6.6 und 6B_1388/2019 vom 30. November 2020 E. 2.1.3 mit Hinweisen).  

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bedarf es bei einer Verurteilung zu 
einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren oder mehr ("Zweijahresregel") ausserordentli-
cher Umstände, damit das private Interesse des Betroffenen an einem Verbleib in 
der Schweiz das öffentliche Interesse an einer Ausweisung überwiegt (Urteil des 
Bundesgerichts 6B_861/2019 vom 23. April 2020 E. 3.7.4.).

Art. 66d StGB regelt den Vollzug der obligatorischen Landesverweisung. Mögliche 
Vollzugshindernisse im Sinne dieser Bestimmung sind unter 
Verhältnismässigkeitsgesichtspunkten bereits bei der strafgerichtlichen Anordnung 
der Landesverweisung zu berücksichtigen, soweit die Verhältnisse stabil und die 
rechtliche Durchführbarkeit der Landesverweisung definitiv bestimmbar sind 
(Urteile des Bundesgerichts 6B_1368/2020 vom 30. Mai 2022 E. 4.3; 6B_45/2020 
vom 14. März 2022 E. 3.3.3; 6B_105/2021 vom 29. November 2021 E. 3.4.2; 
6B_1077/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.5.6). Es ist dem Non-refoulement-Gebot 
(Art. 25 Abs. 2 BV, Art. 5 Abs. 1 des Asylgesetzes [AsylG; SR 142.31]) und 
anderen völkerrechtlich zwingenden Bestimmungen auf der Ebene des Vollzugs 
Rechnung zu tragen (vgl. Art. 66d Abs. 1 StGB; Urteile des Bundesgerichts 
6B_1368/2020 vom 30. Mai 2022 E. 4.3; 6B_45/2020 vom 14. März 2022 
E. 3.3.3; 6B_747/2019 vom 24. Juni 2020 E. 2.1.2). Liegt ein definitives 
Vollzugshindernis vor, so hat der Sachrichter auf die Anordnung der 
Landesverweisung zu verzichten (BGE 147 IV 453 E. 1.4.5; 145 IV 455 E. 9.4; 
Urteil des Bundesgerichts 6B_1368/2020 vom 30. Mai 2022 E. 4.3). Im Übrigen 
sind die Vollzugsbehörden zur Prüfung allfälliger Vollzugshindernisse, welche zum 
Zeitpunkt des Sachurteils noch nicht feststehen, zuständig (Urteile des 
Bundesgerichts 6B_45/2020 vom 14. März 2022 E. 3.3.3; 6B_551/2021 vom 
17. September 2021 E. 3.3.3; 6B_747/2019 vom 24. Juni 2020 E. 2.1.2; 
6B_1024/2019 vom 29. Januar 2020 E. 1.3.5; je mit Hinweisen). 

https://www.swisslex.ch/doc/aol/2eb1c517-0e15-4aac-9541-9af21b2699b0/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2f996c7a-c8ed-4b07-abbc-866d3c07337d/citeddoc/2d697105-3ca8-4f81-9a87-67df818394df/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2f996c7a-c8ed-4b07-abbc-866d3c07337d/citeddoc/2d697105-3ca8-4f81-9a87-67df818394df/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/45c218d7-c521-47b8-8f42-65cd0ee2b4f7/citeddoc/073e6384-38d3-40bb-9cbc-f4c94df62102/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/b3c651ea-a391-4b03-bc22-f55616f68031/citeddoc/5c71976e-a35f-4505-8864-ecc39e183d9d/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/lawdoc/e8f08574-029f-4d59-8938-1a2257fed308/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/2eb1c517-0e15-4aac-9541-9af21b2699b0/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2f996c7a-c8ed-4b07-abbc-866d3c07337d/citeddoc/61473797-9792-4c64-8813-4c8fc01fce41/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2f996c7a-c8ed-4b07-abbc-866d3c07337d/citeddoc/61473797-9792-4c64-8813-4c8fc01fce41/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/82678a25-84bc-467c-a816-1beedecd00d6/citeddoc/ea5b1aff-976c-429a-b1be-b526f8848d86/source/document-link
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_1368%2F2020+&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F147-IV-453%3Ade&number_of_ranks=0#page453
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_1368%2F2020+&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F145-IV-455%3Ade&number_of_ranks=0#page455

29

Der Vollzug der obligatorischen Landesverweisung kann gemäss Art. 66d Abs. 1 
Bst. a erster Teilsatz StGB aufgeschoben werden, wenn der Betroffene ein von der 
Schweiz anerkannter Flüchtling ist und durch die Landesverweisung sein Leben 
oder seine Freiheit wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu 
einer bestimmten sozialen Gruppe oder seiner politischen Anschauungen gefährdet 
wäre; davon ausgenommen ist der Flüchtling, der sich gemäss Art. 5 Abs. 2 AsylG 
nicht auf das Rückschiebungsverbot berufen kann (Art. 66d Abs. 1 Bst. a zweiter 
Teilsatz StGB). Gemäss Art. 66d Abs. 1 Bst. b StGB kann der Vollzug auch 
aufgeschoben werden, wenn andere zwingende Bestimmungen des Völkerrechts 
entgegenstehen (Urteil des Bundesgerichts 6B_45/2020 vom 14. März 2022 
E. 3.3.4). Das (flüchtlingsrechtliche) Non-refoulement-Gebot i.S.v. Art. 66d Abs. 1 
Bst. a StGB stellt ein relatives Vollzugshindernis dar, welches an die 
Flüchtlingseigenschaft des Betroffenen anknüpft. Die Ausnahme vom Non-
refoulement-Gebot i.S.v. Art. 66d Abs. 1 Bst. a zweiter Teilsatz StGB ist restriktiv 
anzuwenden. Voraussetzung ist, dass vom Täter für die Allgemeinheit des 
Zufluchtsstaates eine schwerwiegende Gefährdung ausgeht. Das 
(menschenrechtliche) Non-refoulement-Gebot i.S.v. Art. 66d Abs. 1 Bst. b StGB gilt 
absolut, und verhindert unabhängig eines ausländerrechtlichen Status, der 
begangenen Straftaten oder des Gefährdungspotentials des Betroffenen eine 
Ausschaffung (Urteil des Bundesgerichts 6B_45/2020 vom 14. März 2022 E. 3.3.4 
mit Hinweisen).

Bei anerkannten Flüchtlingen ist die Landesverweisung nur unter den 
Voraussetzungen des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 
(FIüchtlingskonvention [FK; SR 0.142.30]) zulässig. Nach Art. 32 Ziff. 1 FK darf ein 
Flüchtling, der sich rechtmässig in der Schweiz aufhält, nur aus Gründen der 
Staatssicherheit oder der öffentlichen Ordnung ausgewiesen werden. Nach der 
ausländerrechtlichen Praxis setzt die Aus- oder Wegweisung eines Flüchtlings eine 
schwerwiegende Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung voraus (vgl. 
Art. 5 Abs. 2 AsylG und Art. 33 Ziff. 2 FK). Diese Voraussetzung ist im Rahmen der 
Interessenabwägung nach Art. 66a Abs. 2 StGB umzusetzen. Es handelt sich um 
eine Mindestanforderung an das dort zu veranschlagende öffentliche Interesse an 
der Landesverweisung. Dieses kann sich nur in der umschriebenen Form gegen 
private Interessen des anerkannten Flüchtlings am Verbleib in der Schweiz 
durchsetzen. Zudem dürfen Flüchtlinge nicht in einen Staat ausgeschafft werden, in 
dem sie verfolgt werden oder in dem ihnen Folter oder eine andere Art grausamer 
und unmenschlicher Behandlung oder Bestrafung droht (Non-refoulement-Gebot; 
Art. 25 Abs. 2 und 3 BV, Art. 33 Ziff. 1 FK; Urteil des Bundesgerichts 6B_368/2020 
vom 24. November 2021 E. 3.4.2 mit Hinweisen). 

14. Subsumption

14.1 Katalogtat nach Art. 66a Abs. 1 StGB

Der Beschuldigte ist eritreischer Staatsangehöriger und ist im Besitz der Niederlas-
sungsbewilligung (Ausweis C) für von der Schweiz anerkannte Flüchtlinge (gültig 
bis am 18. November 2022, pag. 1082). Er wurde in zwei Fällen des Raubes 
(Art. 140 StGB) und in einem Fall des Diebstahls in Verbindung mit Hausfriedens-

30

bruch (Art. 139 i.V.m. Art. 186 StGB) schuldig gesprochen. Es liegen somit mehre-
re Anlasstaten vor (Art. 66a Abs. 1 Bst. c und d StGB), welche grundsätzlich eine 
obligatorische Landesverweisung nach sich ziehen.

Zunächst ist im Rahmen einer Härtefallprüfung (Ziff. 14.2 nachfolgend) sowie an-
schliessender Interessenabwägung (Ziff. 14.3 nachfolgend) zu prüfen, ob beim Be-
schuldigten ausnahmsweise auf die Landesverweisung zu verzichten ist.

14.2 Härtefallprüfung 

14.2.1 Anwesenheitsdauer und persönliche und wirtschaftliche Integration 

Der Beschuldigte kam am AI.________ in AN.________ zur Welt und reiste im 
Jahr 2007 im Alter von rund 6,5 Jahren zusammen mit seinen Eltern und damals 
zwei Geschwistern in die Schweiz ein. Der Beschuldigte lebt nun seit rund 16 Jah-
ren in der Schweiz, wobei er davon bereits seit über zwei Jahren in Haft ist (zur 
Nichtanrechnung der Untersuchungs-, Sicherheitshaft etc. auf die Anwesenheits-
dauer vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_1102/2020 vom 20.05.2021 E. 3.3; 
6B_1123/2020 vom 02.03.2021 E. 3.3.4).

Der Beschuldigte hat in der Schweiz die obligatorischen Schulen besucht und seine 
prägenden Jugendjahre verbracht. Nach Abschluss der obligatorischen Schule im 
Juli 2017 ist es ihm während mehreren Jahren nicht gelungen, eine Berufsausbil-
dung in Angriff zu nehmen bzw. erfolgreich abzuschliessen. Er absolvierte eine 
Vorlehre als Fachmann Gesundheit (FaGe) sowie ein Praktikum in AH.________, 
wobei er Letzteres schlussendlich abgebrochen hat. Gemäss eigenen Angaben 
hätte er im Sommer 2019 eine Lehre als FaGe beginnen können. Da er allerdings 
von Zuhause rausgeworfen worden sei, hätten seine Eltern den Lehrvertrag nicht 
unterzeichnet (pag. 345). Im Sommer 2020 begann der Beschuldigte eine Schrei-
nerlehre (pag. 843), wobei er die Lehre wegen der Verhaftung im Oktober 2020 
abbrechen musste. Der Beschuldigte hat zwar vorübergehend gearbeitet, aller-
dings war er auch arbeitslos und zeitweise von der Sozialhilfe abhängig 
(pag. 1086). Gemäss Verlaufsbericht der Justizvollzugsanstalt AO.________ vom 
20. Dezember 2021 ist hinsichtlich der Ausbildung eine positive Entwicklung aus-
zumachen. Seit anfangs August 2021 besucht der Beschuldigte das Bildungsange-
bot im Strafvollzug. Er habe den Willen bekundet, eine Berufsausbildung im Be-
reich der Schreinerei zu absolvieren (pag. 1131). Gestützt auf den aktuellen Ver-
laufsbericht der Justizvollzugsanstalt AO.________ vom 3. Januar 2023 sei seine 
Motivation und sein Lerneifer unverändert hoch. Der Beschuldigte nutze das Bil-
dungsangebot, wo er nebst dem Allgemeinunterricht nun auch noch den Englisch-
kurs belegt habe. Er habe weiterhin Interesse daran, eine Berufsbildung bzw. eine 
Schreinerlehre zu absolvieren, was jedoch in der Justizvollzugsanstalt 
AO.________ nicht möglich sei. Zur Zeit arbeitet der Beschuldigte in der Justizvoll-
zugsanstalt in der internen Schreinerei, wo er sehr gute Rückmeldungen erhält 
(pag. 1785 ff.).

Dem Beschuldigten ist es bisher noch nicht gelungen, finanziell auf eigenen Beinen 
zu stehen, wobei zu berücksichtigen gilt, dass der Beschuldigte erst 21 Jahre alt ist 
und davon etwas mehr als die letzten zwei Jahre im Strafvollzug verbracht hat. Der 
Beschuldigte hatte gemäss Betreibungsregisterauszug vom 6. Oktober 2021 

31

(pag. 1085 f.) noch Schulden in der Höhe von CHF 8'000.00. Ein Teil dieser Forde-
rungen konnte bereits abbezahlt werden (vgl. Mail vom Sozialdienst der Justizvoll-
zugsanstalt AO.________, pag. 1830 f.). Gemäss Führungsbericht der Justizvoll-
zugsanstalt AO.________ vom 3. Januar 2023 (pag. 1787) wurde auch die Re-
gressforderung der Unfallversicherung eines seiner Opfer inzwischen vollständig 
zurückbezahlt (vom Sperrkonto 1). Beim Obergericht habe er zudem Antrag auf 
Rückzahlung in Raten für eine Forderung über CHF 1'000.00 beantragt und einen 
Vorschuss von CHF 200.00 geleistet. Der Beschuldigte habe allerdings etwas 
Mühe, sein Arbeitsentgelt gleichmässig über den gesamten Monat zu verteilen, 
worauf es im letzten Drittel des Monats zu Engpässen komme, Rückstellungen auf 
seinem Freikonto könne er keine machen. Der Beschuldigte führte hierzu an der 
Berufungsverhandlung aus, er arbeite momentan zusammen mit dem Sozialdienst 
daran, wie er das Geld am besten einteilen und wofür er es ausgeben könne, er sei 
es am Üben (pag. 1817). Der Beschuldigte spricht Schweizer- bzw. Berndeutsch 
und kennt die hiesigen Gepflogenheiten. Er verfügt wie gesagt über eine Nieder-
lassungsbewilligung C, was als Indiz für eine gelungene Integration zu werten ist.

Sein Freundeskreis setzt sich gemäss seinen Angaben und den aus den Akten 
gewonnenen Erkenntnissen aus Personen verschiedener Nationalitäten zusammen 
(pag. 1132, 1158). Zur Zeit fokussiert er sich wieder auf die Freunde seiner Schul-
zeit. Mit den Freunden aus der Deliktszeit will er nichts mehr zu tun haben 
(pag. 1817).

Die persönliche Integration des Beschuldigten ist in Übereinstimmung mit der Vor-
instanz als normal zu bezeichnen. Die beruflich-finanzielle Integration ist dem Be-
schuldigten nach Gesagtem noch nicht gelungen, jedoch auf Grund seines jungen 
Alters zu relativieren. Die Motivation und Bereitschaft, eine Berufsbildung zu absol-
vieren und seine finanzielle Situation zu stabilisieren, ist – wie bereits ausgeführt – 
hoch.

14.2.2 Familienverhältnisse 

Der Beschuldigte verfügt über keine eigene Kernfamilie. Er ist ledig, lebt auch nicht 
in einer stabilen Partnerschaft und hat auch keine Kinder (pag. 1156).

Die Eltern des Beschuldigten und seine Geschwister leben in der Schweiz 
(pag. 1156). Der Beschuldigte hat inzwischen drei Geschwister (eigentlich wären 
es vier, aber ein Bruder ist im 2018 verstorben, pag. 344). Zu seinem Vater habe 
der Beschuldigte in der Vergangenheit keinen intensiven Kontakt gepflegt. Früher 
hätten sie sich nicht verstanden, sie hätten nicht zusammen reden können. Er habe 
den Eindruck gehabt, er könne es seinem Vater nie recht machen. Inzwischen hät-
ten sie dies klären können, ihr Verhältnis sei jetzt gut (pag. 1158, 1816). Mit seiner 
Mutter und Schwester habe er gemäss eigenen Angaben gute Kontakte (pag. 721). 
Vor seiner Verhaftung lebte er in einer Wohngemeinschaft mit einer weiteren Per-
son, er wohnte bereits nicht mehr bei seinen Eltern, von seinem Vater wurde er 
hinausgeworfen (pag. 344). Der Beschuldigte gab auch in den Gesprächen in der 
Justizvollzugsanstalt an, in der Vergangenheit den Ansprüchen seines Vaters nie 
gewachsen gewesen zu sein, was zu gegenseitigen Auseinandersetzungen und 
letztendlich zu seinem Auszug aus der elterlichen Wohnung geführt habe. Seit der 

32

Beschuldigte in Haft ist, kam es jedoch zu Aussprachen mit seinem Vater und 
letztendlich zu einer Normalisierung der gegenseitigen Beziehung, gemäss aktuel-
lem Verlaufsbericht der Justizvollzugsanstalt sei dieser Punkt auch im Rahmen der 
Tataufarbeitung und Wiedergutmachung ein bedeutender protektiver Faktor 
(pag. 1786). Auch der Vater hat an der Berufungsverhandlung mehrmals beteuert, 
dass er sich um seinen Sohn kümmern und ihn unterstützen wolle, wenn er aus 
dem Vollzug entlassen werde (pag. 1809). Es kann insgesamt festgehalten wer-
den, dass sich das Verhältnis zu seinem Vater verbessert und zur positiven Ent-
wicklung des Beschuldigten beigetragen hat. Der Beschuldigte hat eine Familie  
(Eltern und Geschwister), welche bereit ist, ihn zu begleiten und zu unterstützen, 
wenn er aus der Haft entlassen wird.

14.2.3 Gesundheitszustand des Beschuldigten

Gemäss Vollzugsverlaufsberichten sowie seinen eigenen Angaben, befindet sich 
der Beschuldigte in guter gesundheitlicher und psychischer Verfassung (pag. 1155, 
1131, 1786). 

14.2.4 Verhalten nach Tatbegehung, Rückfallgefahr, Persönlichkeitsentwicklung

Der Beschuldigte liess sich weder von den beiden Anhaltungen am 28. September 
2019 und am 14. April 2020 noch von der mehrfachen Anordnung von Untersu-
chungshaft (19. Oktober 2019 bis 18. November 2019 [31 Tage] sowie 18. Juli 
2020 bis 27. August 2020 [41 Tage]) von der Begehung weiterer Straftaten abhal-
ten. Nach Entlassung aus der ersten Untersuchungshaft von 31 Tagen beging der 
Beschuldigte seinen zweiten Raub am 18. Juli 2020. Nach der zweiten Untersu-
chungshaft im Umfang von 41 Tagen wurde der Beschuldigte am 22. September 
2020 erneut gewalttätig (pag. 106 ff.). Der Beschuldigte befindet sich inzwischen 
schon seit über 29 Monaten in H