# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 95413f6e-5009-5d10-9d1a-e2b503df2b73
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-06-10
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 10.06.2011 BB.2011.58
**Docket/Reference:** BB.2011.58
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BB-2011-58_2011-06-10

## Full Text

Ausstand betreffend die Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).;;Ausstand betreffend die Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).;;Ausstand betreffend die Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).;;Ausstand betreffend die Bundesanwaltschaft (Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO).

Beschluss vom 10. Juni 2011  
I. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Tito Ponti, Vorsitz, 
Emanuel Hochstrasser und Joséphine Contu 
Gerichtsschreiber Stefan Graf  

   
 
Parteien 

  
A., 

 
Gesuchsteller 

 
 gegen 
   

B., Staatsanwalt des Bundes, 
 

Gesuchsgegner 
 
 

Gegenstand  Ausstand betreffend die Bundesanwaltschaft 
(Art. 59 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 56 StPO) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  BB.2011.58 
 
 
 

 

 

- 2 - 

 

 

 
Die I. Beschwerdekammer hält fest, dass: 
 

- die Bundesanwaltschaft gegen A. und Mitbeschuldigte eine Untersuchung 
führt wegen des Verdachts des gewerbsmässigen Betrugs (Art. 146 Abs. 2 
StGB) sowie weiterer Delikte; 

 
- der Staatsanwalt des Bundes B. am 5. Mai 2011 den Mitbeschuldigten C. 

zu einer Einvernahme vorlud (act. 2.1; in Kopie zugestellt u. a. an den Ver-
teidiger von A.); 

 
- A. anlässlich der am 27. Mai 2011 durchgeführten Einvernahme eine vor-

gängig vorbereitete, schriftliche Eingabe mit drei Anträgen zu den Akten 
reichte, wobei er u. a. die Absetzung von B. als Leiter der Einvernahme be-
antragt, da dieser im vorliegenden Strafverfahren (vor dem Inkrafttreten der 
StPO am 1. Januar 2011) bereits als Untersuchungsrichter tätig gewesen 
sei (act. 1; act. 2.2, S. 2); 

 
- B. am 31. Mai 2011 diese Eingabe zusammen mit seiner Stellungnahme 

zur Beurteilung des Ausstandsbegehrens der I. Beschwerdekammer des 
Bundesstrafgerichts übermittelte (act. 2); 

 
- A. die Stellungnahme von B. am 3. Juni 2011 zur Kenntnis gebracht wurde 

(act. 3), worauf dieser seinerseits am 5. Juni 2011 der I. Beschwerde-
kammer unaufgefordert eine weitere Stellungnahme zugehen liess (act. 4). 
 
 
 
Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: 
 

- eine Partei, die den Ausstand einer in einer Strafbehörde tätigen Person 
verlangen will, der Verfahrensleitung ohne Verzug ein entsprechendes Ge-
such zu stellen hat, sobald sie vom Ausstandsgrund Kenntnis hat, wobei 
die den Ausstand begründenden Tatsachen glaubhaft zu machen sind 
(Art. 58 Abs. 1 StPO); 

 
- die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts ohne weiteres Beweis-

verfahren und endgültig entscheidet, wenn ein Ausstandsgrund nach 
Art. 56 lit. a oder f StPO geltend gemacht wird oder sich eine in einer Straf-
behörde tätige Person einem Ausstandsgesuch einer Partei widersetzt, das 
sich auf Art. 56 lit. b – e StPO abstützt und die Bundesanwaltschaft betrof-
fen ist (Art. 59 Abs. 1 lit. b StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG und Art. 19 

- 3 - 

 

 

Abs. 1 des Organisationsreglements vom 31. August 2010 für das Bundes-
strafgericht [Organisationsreglement BStGer, BStGerOR; 
SR 173.713.161]); 

 
- die Partei das Gesuch ohne Verzug (Art. 58 Abs. 1 StPO) stellen muss, so-

bald sie vom Ausstandsgrund bzw. den Umständen, welche die Besorgnis 
der Befangenheit begründen, Kenntnis erlangt hat und diese sinnvoll darzu-
tun bzw. glaubhaft zu machen vermag; 

 
- der Ausstand mithin so früh wie möglich, d.h. in den nächsten Tagen nach 

Kenntnisnahme, zu verlangen ist (BOOG, Basler Kommentar, Basel 2011, 
Art. 58 StPO N. 5, mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 
1B_277/2008 vom 13. November 2008, E. 2.3); 

 
- seinen Ablehnungsanspruch verwirkt, wer eine Gerichtsperson nicht unver-

züglich ablehnt, sobald er vom Ablehnungsgrund Kenntnis erlangt 
(BGE 136 I 207 E. 3.4 S. 211; 134 I 20 E. 4.3.1 S. 21; 132 II 485 E. 4.3 
S. 496; vgl. zuletzt auch die Urteile des Bundesgerichts 1B_203/2011 vom 
18. Mai 2011, E. 2.1, und 1B_101/2011 vom 4. Mai 2011, E. 3, sowie die 
Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BB.2011.47 vom 31. Mai 2011 und 
BB.2011.23 vom 14. März 2011, E. 1.2; BOOG, a.a.O., Art. 58 StPO N. 7 
sowie zum Ganzen auch VERNIORY, Commentaire romand, Bâle 2011, n°5 
ad art. 58 CPP); 

 
- der Gesuchsteller von der Vorladung offensichtlich Kenntnis erhielt, obwohl 

deren Zustellung an die nach seiner Meinung falsche Adresse erfolgte 
(act. 4, S. 1); 

 
- der Gesuchsteller vorliegend sein Ausstandsgesuch gegen den Gesuchs-

gegner erst anlässlich der von diesem geleiteten Einvernahme selbst und 
somit über drei Wochen nach Kenntnisnahme des Umstandes, dass die 
Einvernahme durch den Gesuchsgegner geleitet würde, eingereicht hat; 

 
- der Gesuchsteller somit auf Grund der oben zitierten Rechtsprechung of-

fensichtlich zu spät gehandelt hat, weshalb auf das Ausstandsgesuch nicht 
einzutreten ist; 

 
- bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten vom Gesuchsteller zu tra-

gen sind (Art. 59 Abs. 4 StPO); 
 

- die Kosten dieses Verfahrens auf Fr. 500.-- festgesetzt werden (Art. 73 
StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 2 des Reglements des Bundesstrafgerichts 

- 4 - 

 

 

vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in 
Bundesstrafverfahren, BStKR; SR 173.713.162); 
 

- 5 - 

 

 

und erkennt: 
 
1. Auf das Gesuch wird nicht eingetreten. 
 
2. Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden dem Gesuchsteller auferlegt. 

 
 

Bellinzona, 10. Juni 2011 
 
Im Namen der I. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- A. 
- B. 
 
 
 
 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Beschluss ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.