# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 424b3ac2-5ad9-5108-a18f-26fe710e03d3
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-05-04
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 04.05.2017 VG.2017.00016 (VG.2017.522)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2017-00016_2017-05-04.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 4. Mai 2017

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2017.00016

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwalt B.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
    (Suva)

    	
    Beschwerdegegnerin

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Invalidenrente

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 Die 1963 geborene, als Angestellte bei einem
  Reinigungsunternehmen beschäftigte A.______ war bei der Schweizerischen
  Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch unfallversichert, als sie
  sich am 12. Oktober 2011 bei einem Unfall ihre linke Hand verletzte. Es wurde
  eine Läsion des triangulären fibrokartilaginären Komplexes (TFCC)
  diagnostiziert. Die Suva kam für die Behandlungsmassnahmen auf, entrichtete
  Taggelder und erteilte Kostengutsprachen für Physiotherapie, Ergotherapie und
  stationäre Massnahmen.

  
	
   

  
	
  1.2 Am 22. Januar 2015 ersuchte A.______ die IV-Stelle
  Glarus um Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung. Am 28. Januar 2015
  überwies die IV-Stelle diesen Antrag zuständigkeitshalber der Suva. Am 14.
  April 2015 schloss die Suva den Fall ab und sprach A.______ eine
  Integritätsentschädigung von 7,5 %, jedoch keine Invalidenrente und
  keine Hilflosenentschädigung zu. Dagegen erhob A.______ am 8. Mai 2015
  vorsorglich Einsprache, welche sie am 30. Juli 2015 begründete. Die Suva kam
  am 18. November 2015 auf ihre Verfügung vom 14. April 2015 zurück und
  hob diese auf, da der Fallabschluss zu früh erfolgt sei. Am 14. April 2016
  schloss die Suva den Fall ab und sprach A.______ eine
  Integritätsentschädigung in der Höhe von 7,5 %, jedoch wiederum keine
  Invalidenrente und keine Integritätsentschädigung zu. Gegen diese Verfügung
  erhob A.______ am 18. Mai 2016 Einsprache und beantragte, die Verfügung sei
  aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen weiterhin
  auszurichten. Am 16. Januar 2017 wies die Suva die Einsprache von A.______
  ab.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Am 16. Februar 2017 erhob
  A.______ Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragte, der
  Einspracheentscheid der Suva vom 16. Januar 2017 sei aufzuheben und die Suva
  zu verpflichten, ihr die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen und auszuzahlen;
  unter Entschädigungsfolgen zu Lasten der Suva.

  
	
   

  
	
  Am 17. März 2017
  beantragte die Suva die Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht ist
  gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung vom 20.
  März 1981 (UVG) i.V.m. Art. 56 ff. des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
  Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) sowie Art.
  1 des Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung vom
  3. Mai 2009 (EG UVG) zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde
  zuständig. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf
  die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die für die
  Bemessung des Invalideneinkommens ausgewählten Blätter der Dokumentation von
  Arbeitsplätzen (DAP) entsprächen nicht den medizinischen Vorgaben des
  ärztlichen Zumutbarkeitsprofils. So sehe die Beschäftigung als Hilfsarbeiterin
  Rollerei (DAP-Nr. 4212) etwa vor, dass rund zehnmal täglich Lasten von
  20 Kilogramm zu heben seien, die Funktion als Leiterplattencodiererin
  (DAP-Nr. 6113) erfordere Rotationsbewegungen des Handgelenks während
  drei bis fünf Stunden und die Tätigkeit Biegen/Abkanten (DAP-Nr. 6048)
  bedinge, dass Teile mit einem Gewicht von bis zu acht Kilogramm angehoben und
  in die Maschine gehalten würden. Auch das Tragen einer Handgelenksschiene
  ändere nichts daran, dass jene Bewegungen für sie einerseits mit Schmerzen verbunden
  seien, andererseits einen vermehrten Krafteinsatz erforderten, welchen sie
  mit ihrer beeinträchtigten Hand – als Linkshänderin handle es sich zudem um
  ihre dominante Hand – nicht aufzubringen vermöge. Die ausgewählten
  DAP-Profile seien demnach inadäquat zur ihr verbliebenen
  Resterwerbstätigkeit. Sie seien daher zur Bestimmung des Invalideneinkommens
  untauglich. Dementsprechend erscheine es angezeigt, den Invaliditätsgrad auf
  der Grundlage der Tabellenlöhne gemäss Lohnstrukturerhebung (LSE) des
  Bundesamts für Statistik zu ermitteln, unter Berücksichtigung eines
  leidensbedingten Abzugs wegen ihrer Linkshändigkeit. Insofern erwartungsgemäss
  die Erheblichkeitsgrenze von 10 % erreicht werde, sei ihr eine Invalidenrente
  zuzusprechen.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beschwerdegegnerin hält dem entgegen, die
  ausgewählten DAP-Profile Nr. 4212, 6113, 6048, 9982 und 410120
  entsprächen dem Zumutbarkeitsprofil der Beschwerdeführerin. Das Heben der
  Stoffballen (gemäss DAP-Profil Nr. 4212) könne bzw. müsse beidhändig
  erfolgen. Dies ergebe sich bereits aus der Beschreibung der körperlichen
  Anforderungen, wonach beidhändige Arbeiten bedingt notwendig seien. Somit
  ergebe sich bei Annahme einer hälftigen Aufteilung des Gewichts auf beide
  Hände nur noch eine leichte Belastung pro Hand durch das Heben. Im Übrigen
  könne sogar davon ausgegangen werden, dass mehr als die Hälfte des Gewichts
  mit der uneingeschränkten rechten Hand gehoben werden könne, wodurch für die
  linke, eingeschränkte Hand nur noch eine sehr leichte Belastung bestünde.
  Dass es sich bei der rechten Hand nicht um die dominante handle, sei unbeachtlich,
  da aus dem DAP-Blatt Nr. 4212 hervorgehe, dass keine feinmotorischen
  Arbeiten verrichtet werden müssten. Da demnach pro Hand nur sehr leichte bis
  leichte Lasten zu heben seien, liege kein vermehrter Krafteinsatz der linken
  Hand vor und die im DAP-Profil Nr. 4212 beschriebene Tätigkeit
  entspreche dem erstellten Zumutbarkeitsprofil. Bezüglich DAP-Profil
  Nr. 6113 verkenne die Beschwerdeführerin, dass im Zumutbarkeitsprofil
  bei Tragen einer Handgelenksschiene keine Einschränkungen bezüglich der
  Rotation des Handgelenks formuliert worden seien, sondern lediglich bezüglich
  Tätigkeiten, die mit Vibrations- und Stossbelastungen für das linke
  Handgelenk verbunden seien. Das DAP-Profil Nr. 6113 sei der
  Beschwerdeführerin zumutbar. Auch das DAP-Profil Nr. 6048 sei der Beschwerdeführerin
  zumutbar. Gemäss den körperlichen Anforderungen würden diese leichten
  Hebe-/Tragebewegungen manchmal, d.h. 0.5 bis 4 Stunden täglich, ausgeführt.
  Solche leichten Tätigkeiten seien der Beschwerdeführerin gemäss medizinischer
  Beurteilung zumutbar. Ein vermehrter Kraftaufwand sei nicht erforderlich,
  handle es sich doch um leichte Gegenstände und müssten solche nur manchmal
  angehoben werden. Ausserdem sei auch hier gemäss Beschreibung der körperlichen
  Anforderungen im DAP-Profil eine beidhändige Tätigkeit bedingt notwendig,
  woraus geschlossen werden könne, dass die Teile beidhändig angehoben werden
  könnten. Dadurch werde die Belastung für die linke eingeschränkte Hand durch
  Unterstützung derselben durch die rechte Hand zusätzlich verringert bzw.
  könnte die Tätigkeit vollends mit der rechten Hand erledigt werden. Da
  feinmotorische Tätigkeiten nie erforderlich seien, sei es vorliegend auch unbeachtlich,
  dass es sich bei der rechten Hand nicht um die dominante handle. Im Übrigen
  habe sie, die Beschwerdegegnerin, die DAP-Methode stets dann anzuwenden, wenn
  sie im Einzelfall die bundesgerichtlichen Vorgaben einhalten könne.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Die Beschwerdeführerin
  rügt vor Verwaltungsgericht nur noch den Einkommensvergleich. Sie macht zu
  Recht nicht mehr geltend, dass die psychischen Beschwerden unfallkausal
  seien. Dazu wäre ein natürlicher und adäquat kausaler Zusammenhang zwischen
  den geltend gemachten psychischen Beeinträchtigungen und dem Sturzereignis
  vom 12. Oktober 2011 erforderlich (BGE 129 V 177 E. 3.1). Die Beschwerdegegnerin
  ordnete in ihrem Einspracheentscheid das Unfallgeschehen zutreffend bei den
  mittelschweren Unfällen an der Grenze zu den leichten ein und verneinte unter
  umfassender Würdigung der bundesgerichtlichen Kriterien (BGE 115 V 133 E.
  6.c/aa: besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit
  des Unfalls; die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen,
  insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen
  auszulösen; ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche
  Dauerschmerzen; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
  schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der
  physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit) einen adäquaten Kausalzusammenhang
  zwischen dem Unfallereignis und den psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin.

  
	
   

  
	
  Folglich rügt die
  Beschwerdeführerin auch zu Recht nicht mehr, der Fallabschluss sei zu früh
  erfolgt. Dies hängt damit zusammen, dass die psychischen Beschwerden nicht
  unfallkausal sind und dass die Behandlung bezüglich der Hand abgeschlossen
  ist. So führte Suva-Kreisarzt Dr. med. C.______, Facharzt für Orthopädische
  Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, in seinem Bericht vom
  4. Februar 2016 nachvollziehbar aus, gemäss Bericht von Dr. med.
  D.______, Chefarzt Kantonsspital E.______, nach Konsultation vom
  21. Dezember 2015 und Rücksprache mit der Beschwerdeführerin am 15.
  Januar 2016 scheine die medizinische Behandlung nun abgeschlossen. 

  
	
   

  
	
  Sodann macht die
  Beschwerdeführerin zu Recht nicht mehr geltend, dass ihr angepasste
  Tätigkeiten vollschichtig nicht zumutbar seien. Es ist mit dem Kreisarzt
  Dr. F.______ davon auszugehen, dass ihr die angestammte Tätigkeit im
  Reinigungsdienst nicht mehr möglich ist. Mit Tragen der Handgelenksschiene
  links sind ihr hingegen leichte körperliche Tätigkeiten, die keinen
  vermehrten Krafteinsatz der linken Hand erfordern, vollschichtig zumutbar,
  wobei keine Tätigkeiten mit Vibrations- und Stossbelastung sowie
  Kälteexposition für die linke Hand möglich sind. 

  
	
   

  
	
  3.4 Die Höhe der Integritätsentschädigung wurde in der
  Einsprache nicht angefochten und ist inzwischen rechtskräftig geworden. Eine
  Hilflosenentschädigung wird zu Recht nicht mehr beantragt, da in keiner Weise
  ersichtlich ist, inwiefern die Beschwerdeführerin in den massgeblichen
  Lebensverrichtungen nach Art. 26 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 9 ATSG
  (Ankleiden, Auskleiden; Aufstehen, Absitzen, Abliegen; Essen, Körperpflege;
  Verrichtung der Notdurft; Fortbewegung im oder ausser Haus, Kontaktaufnahme;
  vgl. BGE 121 V 88 E. 3a) eingeschränkt wäre. So hatte sie selber angegeben,
  es bestünden keine Defizite bei der Führung ihres Haushalts. 

  
	
   

  
	
  Zu prüfen bleibt somit nur
  noch die Rechtmässigkeit des Einkommensvergleichs.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Gemäss Art. 16 ATSG wird für die Bestimmung des
  Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
  Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung
  und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
  bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
  Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
  wäre.

  
	
   

  
	
  4.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach
  der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation
  auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach
  Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der kumulativ
  besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass
  sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft,
  und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und
  nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst
  als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
  gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens
  keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit
  aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung entweder Tabellenlöhne
  gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen LSE oder
  die DAP-Zahlen herangezogen werden (BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Keine der
  beiden Einkommensvergleichsmethoden geniesst Vorrang (BGE 129 V 472 E. 4.2.1
  mit Hinweisen; Jean-Maurice Frésard/Margit Moser-Szeless, in Ulrich Meyer
  [Hrsg.], Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV, Soziale Sicherheit,
  3. A., Basel 2016, F. Rz. 240).

  
	
   

  
	
  4.3 Bei den DAP-Profilen handelt es sich um Auszüge aus
  einer Datenbank, welche von der Beschwerdegegnerin geführt wird. Das
  Abstellen auf DAP-Lohnangaben setzt voraus, dass sich die Ermittlung des
  Invalideneinkommens auf mindestens fünf zumutbare Arbeitsplätze stützt. Im
  Hinblick auf die geforderte Repräsentativität der DAP-Profile und der daraus
  abgeleiteten Lohnangaben hat der Unfallversicherer im Sinne einer qualitativen
  Anforderung jedoch, zusätzlich zur Auflage von mindestens fünf DAP-Blättern,
  Angaben zu machen über die Gesamtzahl der aufgrund der gegebenen Behinderung
  in Frage kommenden dokumentierten Arbeitsplätze, über den Höchst- und den
  Tiefstlohn sowie über den Durchschnittslohn der dem jeweils verwendeten
  Behinderungsprofil entsprechenden Gruppe. Damit wird auch die Überprüfung des
  Auswahlermessens hinreichend ermöglicht, und zwar in dem Sinne, dass die
  Kenntnis der dem verwendeten Behinderungsprofil entsprechenden Gesamtzahl
  behinderungsbedingt in Frage kommender Arbeitsplätze sowie des Höchst-,
  Tiefst- und Durchschnittslohnes im Bereich des Suchergebnisses eine
  zuverlässige Beurteilung der von der Beschwerdegegnerin verwendeten DAP-Löhne
  hinsichtlich ihrer Repräsentativität erlaubt. Das rechtliche Gehör ist
  dadurch zu wahren, dass die Beschwerdegegnerin die für die
  Invaliditätsbemessung im konkreten Fall herangezogenen DAP-Profile mit den erwähnten
  zusätzlichen Angaben auflegt und die versicherte Person Gelegenheit hat, sich
  hierzu zu äussern. Allfällige Einwendungen der versicherten Person bezüglich
  des Auswahlermessens und der Repräsentativität der DAP-Blätter im Einzelfall
  sind grundsätzlich im Einspracheverfahren zu erheben, damit sich die Beschwerdegegnerin
  im Einspracheentscheid damit auseinander setzen kann. Ist die Beschwerdegegnerin
  nicht in der Lage, im Einzelfall den erwähnten Anforderungen zu genügen, kann
  im Bestreitungsfall nicht auf den DAP-Lohnvergleich abgestellt werden; die
  Beschwerdegegnerin hat diesfalls im Einspracheentscheid
  die Invalidität aufgrund der LSE-Löhne zu ermitteln. Im Beschwerdeverfahren
  ist es Sache des angerufenen Gerichts, die Rechtskonformität der
  DAP-Invaliditätsbemessung zu prüfen, gegebenenfalls die Sache an den Versicherer
  zurückzuweisen oder an Stelle des DAP-Lohnvergleichs einen
  Tabellenlohnvergleich gestützt auf die LSE vorzunehmen (BGE 129 V 472 E.
  4.2.2).

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Die Beschwerdegegnerin hat gemäss ihrer Verfügung
  vom 14. April 2015 der Festsetzung des Invalideneinkommens fünf DAP-Blätter
  zugrunde gelegt. Bei den angeführten Arbeiten handelte es sich um eine Stelle
  als Hilfsarbeiterin Rollerei (DAP-Nr. 4212), eine Stelle als
  Hilfsarbeiterin in der Leiterplattencodierung (DAP-Nr. 6113), eine
  Stelle als Hilfsarbeiterin im Bereich Biegen/Abkanten (DAP-Nr. 6048),
  eine Stelle als Postcheckbüro-Angestellte in der Belegverarbeitung
  (DAP-Nr. 8839) sowie um eine Stelle als Qualitätskontrolleurin
  Verkaufsteig (DAP-Nr. 9982). Nachdem die Beschwerdeführerin dagegen
  Einsprache erhoben und die Beschwerdegegnerin ihre Verfügung aufgehoben
  hatte, legte Letztere der neuen Verfügung das DAP-Profil Nr. 410120
  (Mitarbeiterin Cut/Paste) anstelle des DAP-Profils Nr. 8839 zugrunde.

  
	
   

  
	
  5.2 Strittig und zu prüfen ist, ob die Berücksichtigung
  der DAP-Profile zu einer rechtmässigen Invaliditätsbemessung führt.

  
	
   

  
	
  5.2.1 Bei der Beschäftigung als Hilfsarbeiterin Rollerei
  (DAP-Nr. 4212) besteht die Haupttätigkeit in Überwachungsarbeiten an
  einer Maschine, stehend. Rund zehnmal täglich muss zu zweit ein ein bis zwei
  Meter langer, 40 Kilogramm schwerer Stoffballen ausgewechselt werden. Der
  Einsatz beider Hände ist nur bedingt notwendig. Die Beschwerdegegnerin führt
  zum Zumutbarkeitsprofil bezüglich der Funktion als Hilfsarbeiterin Rollerei
  (DAP-Nr. 4212) aus, die Tätigkeit erfordere den Einsatz beider Hände.
  Somit ergebe sich, bei Annahme einer hälftigen Aufteilung des Gewichts auf
  beide Hände, nur noch eine leichte Belastung pro Hand durch das Heben. 

  
	
   

  
	
  Die Handkraft links konnte
  seit dem Befundbericht vom Juli 2014 (Handkraft links 10 kp) nicht mehr
  objektiviert werden. Zwar wurden am 21. August 2014 und am 27. November
  2015 Operationen durchgeführt, welche zu einer gewissen Schmerzreduktion
  führten, jedoch nicht zu einer Besserung des Zustands. Auch wenn die Haupttätigkeit
  des DAP-Profils Nr. 4212 in Überwachungsarbeiten an einer Maschine
  besteht, muss doch zehnmal im Tag ein 40 Kilogramm schwerer Stoffballen zu
  zweit ausgewechselt werden. Es kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
  davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin dabei die Einschränkungen
  an der linken Hand mit der rechten Hand kompensieren kann.

  
	
   

  
	
  5.2.2 Die Tätigkeit als Leiterplattencodiererin
  (DAP-Nr. 6113) erfordert das Heben und Tragen von sehr leichten Lasten
  (bis 5 Kilogramm) während fünfeinhalb bis acht Stunden. In diesem
  Zusammenhang müssen Leiterplatten codiert werden, indem mit einer Spitzzange
  elektrische Drähte entfernt werden. Zudem ist das leichte feinmotorische
  Hantieren mit Gegenständen sehr oft erforderlich. Dabei muss die Hand oft
  rotiert werden. Beidhändigkeit ist dabei bedingt notwendig. Auch hier bestehen
  begründete Zweifel, ob dies aus medizinischer Sicht noch zumutbar ist, ist
  die Beweglichkeit der linken dominanten Hand der Beschwerdeführerin doch
  stark eingeschränkt.

  
	
   

  
	
  5.2.3 Dies trifft auch auf das DAP-Profil Nr. 6048
  zu, bei dem Teile bis höchstens acht Kilogramm abgekantet werden müssen.
  Gemäss Tätigkeitsbeschrieb müssen Teile in die Maschine gehalten werden und
  mit dem Fuss ausgelöst werden. Die Arbeit wird stehend ausgeführt. Auch hier
  dürfte die Beschwerdeführerin die Tätigkeit kaum lediglich mit der
  adominanten rechten Hand ausführen. Einerseits handelt es sich hier wie
  gesagt nicht um die dominante Hand und andererseits ist beim Abkantvorgang
  der zu bearbeitenden Teile doch eine gewisse Präzision (bei der Eingabe in
  die Maschine) gefordert, die nur durch den Einsatz beider Hände erzielt
  werden kann. Dies folgt aus der Überlegung, dass die abzukantenden Teile eine
  gewisse Breite aufweisen, was den Einsatz beider Hände nötig macht, weil es
  sonst zu Störungen an der Maschine kommen könnte, wenn die Teile infolge unzureichender
  Handkraft (bei Einsatz nur einer Hand) unsachgemäss eingegeben werden oder
  die Kraft der gesunden Hand nicht ausreicht, das geforderte Abkantergebnis
  sicherzustellen. Ausserdem kann unter Berücksichtigung der Arbeitsweise
  gängiger Abkantmaschinen nicht ohne Weiteres behauptet werden, diese lösten
  keine Stoss- und Vibrationseffekte beim Bedienpersonal aus. Jedenfalls ist
  aus der Arbeitsplatzbeschreibung nicht ersichtlich, wie die Arbeiten konkret
  zu erledigen sind, welche Maschinen eingesetzt werden und welche
  Rahmenbedingungen dabei herrschen. Es ist zumindest zweifelhaft, ob dabei
  nicht Drehbewegungen erforderlich sind. Die Beschwerdeführerin hatte zuvor
  beim G.______ in der Bäckerei und bei H.______ zwei Arbeitsversuche
  durchgeführt, die verdeutlichten, dass ihr Drehbewegungen und feinmotorische
  Arbeiten mit der linken Hand nicht mehr möglich sind.

  
	
   

  
	
  5.4 Insgesamt bestehen bei drei der fünf DAP-Profile
  erhebliche Zweifel, ob die Beschwerdeführerin solche Arbeit ausführen kann.
  Seit der letzten Einschätzung der Handkraft der linken Hand vom Juli 2014
  konnte diese nicht mehr handdynamometrisch objektiviert werden und es besteht
  eine Unklarheit bezüglich der Belastungsgrenze. Die Operationen führten denn
  auch nicht dazu, dass die Handkraft erhöht wurde. Die Handmanschette diente
  nur dem Schutz vor Belastungen und vor Verschlimmerung der Schmerzen. Obwohl
  die Beschwerdeführerin in ihrer Einsprache rügte, die DAP-Profile seien nicht
  anwendbar, passte die Beschwerdegegnerin diese nicht an. Da das
  Invalideneinkommen nach dem Dargelegten nicht anhand der DAP-Profile bestimmt
  werden kann, ist auf die LSE-Tabellenlöhne abzustellen.

  
	
   

  
	
  6.

  
	
  6.1 Praxisgemäss ist bei der Ermittlung des
  Invalideneinkommens gestützt auf die LSE-Löhne von der Tabelle TA1,
  Monatlicher Bruttolohn (Zentralwert) nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau
  und Geschlecht, Privater Sektor 2014, auszugehen. Laut LSE 2014 belief sich
  der Zentralwert für die mit einfachen Tätigkeiten körperlicher und
  handwerklicher Art (Kompetenzniveau 1) beschäftigten Frauen im privaten
  Sektor im Jahre 2014 auf Fr. 4'300.- monatlich. Dieser Tabellenlohn ist auf
  die für das Jahr 2015 geltende durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 41,7
  Stunden umzurechnen. Der daraus resultierende Betrag von jährlich Fr.
  53'793.- ist an die bis 2015 erfolgte Nominallohnentwicklung für Frauen von
  0,5 % anzupassen, womit als Basis von einem Invalideneinkommen von Fr.
  54'061.97 pro Jahr auszugehen ist.

  
	
   

  
	
  6.2 Die Beschwerdeführerin macht einen
  Abzug vom Tabellenlohn geltend. Nach
  der Rechtsprechung ist ein Abzug vom Tabellenlohn gerechtfertigt, wenn im
  Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ein Versicherter, der
  gesundheitsbedingt lediglich noch leichte Hilfsarbeiten ausführen kann, seine
  Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
  unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage ist.
  Zudem können weitere persönliche und berufliche Merkmale (Alter, Dauer der
  Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
  Beschäftigungsgrad) Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben (BGE 126 V 75 E. 5a,
  mit Hinweisen). Dabei ist der Abzug vom statistischen Lohn unter Berücksichtigung
  aller jeweils in Betracht fallenden Merkmale festzusetzen, letztlich aber auf
  insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen. Im konkreten Fall gilt es zunächst
  zu berücksichtigen, dass hinsichtlich der körperlichen Anforderungen (schwer,
  mittelschwer, leicht) zwischen der angestammten Tätigkeit der Beschwerdeführerin
  und der ihr nach Eintritt des Gesundheitsschadens an der linken Hand noch
  zumutbaren Tätigkeiten ein Unterschied besteht. Während die Beschwerdeführerin
  vor dem Unfall im Reinigungsgewerbe mit zum Teil mittelschweren Arbeiten
  beschäftigt war, sind ihr nun nur noch leichte, angepasste Tätigkeiten zumutbar,
  immerhin jedoch zu einem Vollpensum. Die Beschwerdeführerin kann ihre dominante
  Hand zwar nicht lediglich als Zudienhand einsetzen, ist aber beim Gebrauch
  der Hand deutlich eingeschränkt (keine Vibrations- und Stossbelastungen,
  keine Kälteexposition) und damit auf dem Arbeitsmarkt in Konkurrenz mit einer
  Mitbewerberin ohne Einschränkungen benachteiligt. Es rechtfertigt sich daher
  ein Abzug vom Tabellenlohn in der Höhe von 15 % (vgl. BGer-Urteil
  8C_1050/2009 E. 4.2). Damit
  resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 45'952.67. Stellt man dieses
  im Einkommensvergleich dem unbestrittenen Valideneinkommen von
  Fr. 62'699.- gegenüber, resultiert eine Erwerbseinbusse von
  Fr. 17'046.33, was einen gerundeten Invaliditätsgrad von 27 %
  ergibt. 

  
	
   

  
	
  Folglich hat die
  Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invalidenrente, wobei der Rentenanspruch
  gemäss Art. 19 Abs. 1 UVG mit der Einstellung der Heilkostenleistungen per
  30. April 2016 entsteht.

  
	
   

  
	
  6.3 Demgemäss ist die Beschwerde gutzuheissen. Der
  Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 16. Januar 2017 und deren
  Verfügung vom 14. April 2016 sind insofern abzuändern, als der
  Beschwerdeführerin ab dem 1. Mai 2016 eine auf einem Invaliditätsgrad von
  27 % basierende Invalidenrente zuzusprechen ist.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Die Gerichtskosten sind von
  Gesetzes wegen auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 1 UVG i.V.m.
  Art. 61 lit. a ATSG). 

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Die
  obsiegende Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Parteientschädigung.
  Diese ist ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
  Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen
  (Art. 61 lit. g ATSG) und auf Fr. 800.- (inkl. Mehrwertsteuer)
  festzusetzen.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird gutgeheissen. Der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin
    vom 16. Januar 2017 und deren Verfügung vom 14. April 2016 werden
    insofern abgeändert, als der Beschwerdeführerin ab dem 1. Mai 2016 eine auf
    eiinem Invaliditätsgrad von 27 % basierende Invalidenrente zugesprochen
    wird.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.

    
	
    3.

    	
    Die
    Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin innert 30 Tagen
    nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung von
    Fr. 800.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]