# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64b7ad52-0d2f-5d62-ae2c-91c7fe700edd
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-08-08
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 08.08.2019 200 2018 601
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2018-601_2019-08-08.pdf

## Full Text

200 18 601 IV
FUE/BRM/STA

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 8. August 2019

Verwaltungsrichter Furrer, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Loosli, Verwaltungsrichter Kölliker
Gerichtsschreiber Braune

PV-PROMEA
Ifangstrasse 8, Postfach, 8952 Schlieren
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin 1

und

C.________
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. D.________
Beschwerdegegnerin 2

betreffend Verfügung vom 29. Juni 2018

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1986 geborene C.________ (Versicherte bzw. Beschwerdegegnerin 2), 
gelernte … (Akten der IV-Stelle Bern, IVB [act. II] 6 S. 2), war vom 1. Juni 
2006 bis zum 30. September 2015 bei der A.________ AG angestellt (act. 
II 8) und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der PV-Promea be-
rufsvorsorgeversichert. Am 14. Dezember 2015 meldete sie sich unter 
Hinweis auf eine seit 2005/2006 bestehende schwere Depression bei der 
IVB (Beschwerdegegnerin 1) für Berufliche Integration/Rente an (act. II 1). 
Die IVB holte erwerbliche (act. II 8, 13, 21) und medizinische (act. II 17, 29) 
Unterlagen ein und führte am 2. Februar 2016 ein Erstgespräch mit der 
Versicherten (act. II 19). In der Folge gewährte die IVB namentlich ein Be-
lastbarkeitstraining in der E.________ vom 2. Mai bis 1. August 2016 (act. 
II 36), gefolgt von einem Aufbautraining bis 1. November 2016 (act. II 44) – 
worüber am 21. Oktober 2016 Bericht erstattet wurde (act. II 53) – sowie 
einer Grundabklärung zur Referenzerarbeitung in derselben Institution vom 
2. November 2016 bis 2. Februar 2017 (act. II 55, 64), verlängert bis am 2. 
Mai 2017 (act. II 66), sowie Beratung und Unterstützung bei der Arbeitssu-
che (act. II 79). Nach Eingang eines Verlaufsberichtes (act. II 73) empfahl 
der Regionale Ärztliche Dienst (RAD), Dr. med. F.________, Facharzt für 
Psychiatrie und Psychotherapie, zur Klärung der medizinischen Sachlage 
und der Beantwortung offener Fragen, die Versicherte psychiatrisch begut-
achten zu lassen (act. II 75). Die damit beauftragte Dr. med. G.________, 
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie (vgl. act: II 76, 82), erstattete 
ihr Gutachten am 18. Dezember 2017 (act. II 91.1-91.3). Gestützt auf diese 
Abklärungen stellte die IVB der Versicherten mit Vorbescheid vom 6. März 
2018 die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente ab 1. Mai 2017 (IV-Grad 
81%) in Aussicht (act. II 92) und forderte diese gleichentags zur Schaden-
minderung dergestalt auf, dass sie sich zwecks der aus gutachterlicher 
Sicht notwendigen Intensivierung der therapeutischen Massnahmen, allen-
falls einer teilstationären oder stationären störungsspezifischen Behand-
lung, mit den behandelnden Ärzten in Verbindung setze (act. II 93).

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Gegen diesen Vorbescheid erhob die PV-Promea, vertreten durch Rechts-
anwalt lic. iur. B.________, am 19. April 2018 Einwand mit dem Antrag, der 
Vorbescheid sei aufzuheben und es seien weitere medizinische Abklärun-
gen vorzunehmen (act. II 101). Nach Rücksprache mit dem RAD, Dr. med. 
H.________, Fachärztin für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychothe-
rapie (act. II 109), verfügte die IVB am 29. Juni 2018 entsprechend dem 
Vorbescheid (Beschwerdebeilage [act. I] 2). 

B.

Hiergegen erhob die PV-Promea, weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt 
lic. iur. B.________, am 29. August 2018 Beschwerde mit dem Antrag, die 
Verfügung vom 29. Juni 2018 sei aufzuheben die Rentenberechtigung der 
Versicherten sei zu verneinen; eventualiter sei die Sache zur ergänzenden 
Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung machte sie 
im Wesentlichen geltend, die Versicherte sei bis anhin in keiner Weise ei-
ner zumutbaren Behandlung nachgegangen, weshalb nicht von einer Er-
werbsunfähigkeit und mithin von einer Invalidität ausgegangen werden 
könne. Ferner sei der medizinische Sachverhalt nicht hinreichend abge-
klärt, sodass über den Leistungsanspruch (noch) nicht entschieden werden 
dürfe. Schliesslich sei die Invaliditätsbemessung nicht nachvollziehbar; 
selbst wenn von einem invalidisierenden Gesundheitsschaden ausgegan-
gen würde, stünde der Versicherten höchstens ein Anspruch auf eine halbe 
Invalidenrente zu.

Mit Beschwerdeantwort vom 19. September 2018 beantragte die IVB unter 
Verzicht auf eine weitere Stellungnahme die Abweisung der Beschwerde.

Die Versicherte nahm am 17. Oktober 2018 – unterstützt durch die behan-
delnde Psychologin, lic. phil. I.________ – Stellung und beantragte sinn-
gemäss die Abweisung der Beschwerde. 

In einem zweiten Schriftenwechsel, in welchem die Beschwerdegegnerin 2 
nunmehr durch Rechtsanwalt lic. iur. D.________ vertreten wurde, hielten 
die Parteien an den bisher vertretenen Standpunkten sowie den gestellten 
Anträgen fest. Die Beschwerdegegnerin 2 beantragte zudem die Durch-

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führung einer Verhandlung gemäss Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Men-
schenrechtskonvention (EMRK) und ersuchte um Gewährung der unent-
geltlichen Rechtspflege unter Beiordnung von Rechtsanwalt lic. iur. 
D.________ als amtlicher Anwalt; letzteres Gesuch wurde mit Eingabe vom 
16. April 2019 begründet. 

Mit prozessleitender Verfügung vom 17. April 2019 hiess der Instruktions-
richter das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von 
Rechtsanwalt lic. iur. D.________ als amtlicher Anwalt gut.

Erwägungen:

1.

1.1 Die angefochtene Verfügung ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Verfügun-
gen. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren 
Anträgen nicht durchgedrungen, durch die angefochtene Verfügung berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung, weshalb sie zur 
Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG; zur Beschwerdebefugnis der Organe 
der beruflichen Organe vgl. BGE 132 V 1 E. 3.3.1 S. 5, 74 E. 3.2.2 S. 78). 
Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesge-
setzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung [IVG; SR 
831.20]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form 
(Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes 
vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) 
eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

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1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 29. Juni 2018 (act. I 2). 
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine Invalidenrente.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Ar-
beitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausge-
glichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss 
teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähig-
keit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so-
wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be-
fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann 
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti-
gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 141 V 
281 E. 2.1 S. 285). Es ist dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss 
Art. 7 Abs. 2 ATSG Rechnung zu tragen, wonach im Zuge einer objektivier-
ten Betrachtungsweise von der grundsätzlichen «Validität» der versicherten 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 6

Person auszugehen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2 S. 295) und die materielle 
Beweislast für Invalidität bei ihr liegt (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110). 

2.2.1 Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die 
Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorga-
ben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 
281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt 
die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegrün-
dende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturier-
ten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 428, BGE 141 V 
281 E. 4.1 S. 296 ff.). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invali-
ditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der me-
dizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall 
anhand von Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zu-
mindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind (BGE 141 
V 281 E. 6 S. 308). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 
143 V 418, E. 7.2 S. 429).

2.2.2 Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeein-
trächtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf 
der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe 
nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte 
Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Ag-
gravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. 

Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine versicher-
te Gesundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten Ebene 
anhand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von Indikato-
ren eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter Berücksich-
tigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und 
Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreich-
baren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt im Re-
gelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standard-
indikatoren zu beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien 
«funktioneller Schweregrad» (E. 4.3 S. 298) und «Konsistenz» einteilen 
lassen (E. 4.4 S. 303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 
S. 304). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist 

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Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 7

nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festge-
stellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der 
Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) über-
wiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die 
Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete ver-
sicherte Person zu tragen (E. 6 S. 308).

2.3 Rechtsprechungsgemäss liegt es nicht allein in der Zuständigkeit 
der mit dem konkreten Einzelfall (gutachterlich) befassten Arztpersonen, 
abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) 
verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu 
einer (andauernden oder vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter 
Höhe und Ausprägung) führt. Die Frage, ob und in welchem Umfang die 
Feststellungen in einem medizinischen Gutachten anhand der 
rechtserheblichen Indikatoren auf die Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen, 
ist rechtlicher Natur und damit frei überprüfbar. Darum kann aus rechtlicher 
Sicht von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit in einer 
Expertise abgewichen werden, ohne dass sie ihren Beweiswert gänzlich 
einbüsste. Darin liegt weder eine Geringschätzung der ärztlichen 
Beurteilung noch eine gerichtliche Kompetenzanmassung, sondern es ist 
notwendige Folge des rein juristischen Charakters der 
sozialversicherungsrechtlichen Begriffe von Arbeits-/Erwerbsunfähigkeit 
und Invalidität (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 25. Juni 2018, 
8C_74/2018, E. 5.1 mit Hinweisen).

2.4 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ab-
lauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und 
c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, 
wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem IV-Grad von 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 8

mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-
Grad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente.

Für die Bestimmung des IV-Grades wird das Erwerbseinkommen, das die 
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen 
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage 
erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie 
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).

2.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99). 

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von externen Spezia-
lärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchun-
gen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörte-
rung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Be-
weiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 9

Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 
E. 3b bb S. 353; SVR 2016 IV Nr. 2 S. 5 E. 4.1).

2.6 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

3.

3.1 In medizinischer Hinsicht lässt sich den Akten im Wesentlichen Fol-
gendes entnehmen:

3.1.1 Im Bericht vom 20. Januar 2016 hielten Dr. med. J.________, 
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie lic. phil. I.________, 
Psychologin, beide Psychiatrische Dienste K.________ als Diagnosen mit 
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine emotional instabile Persönlich-
keitsstörung, Borderline Typus (ICD-10: F60.31), eine rezidivierende de-
pressive Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10: F33.1), eine Pa-
nikstörung (ICD-10: F41.0) sowie eine Zwangsstörung, vorwiegend 
Zwangshandlungen (ICD-10: F42.1), fest (act. II 17 S. 1). Aktuell bestehe 
eine starke psychische Instabilität mit depressivem Zustandsbild mit massi-
ven Schlafstörungen, Suizidalität, Gedankenkreisen, Appetitlosigkeit, 
Angst- und Panikattacken sowie selbstverletzendem Verhalten in Span-
nungszuständen (sich Kopf blutig kratzen, mit der Hand gegen Wand 
schlagen, früher auch schneiden). Zudem bestünden Kontrollzwänge (Ab-
schliessen von Türen und Fenstern), es dauere eine halbe Stunde, bis die 
Versicherte aus dem Haus könne wegen der nötigen Kontrollen. Es gebe 
keine Hinweise auf Wahn, Sinnestäuschungen oder Ichstörungen. Ange-
sichts der langjährigen, komplexen Problematik sei eine längerfristige the-
rapeutische Begleitung sowie Unterstützung bei der beruflichen Wiederein-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 10

gliederung erforderlich mit zunächst einer Phase der psychischen Stabili-
sierung und Zeit zur Neuorientierung. Die Patientin setze sich differenziert 
mit ihrer Erkrankung auseinander und sei motiviert, Bewältigungsstrategien 
im Umgang mit ihrer emotionalen Instabilität sowie mit Anspannungszu-
ständen zu lernen und längerfristig auch im Alltag anwenden zu können. Es 
wurde die Fortführung der aktuellen (psychotherapeutischen und medika-
mentösen) Therapie im engmaschigen ambulanten Setting oder bei Bedarf 
im teilstationären Bereich (z.B. Rehabilitationstagesklinik) sowie Psycho-
edukation zur Erkrankung und Erwerb weiterer Bewältigungsstrategien 
empfohlen. Die Patientin sei seit 1. September 2015 bis auf weiteres 100% 
arbeitsunfähig. Ab wann eine angepasste Tätigkeit aufgenommen werden 
könne, hänge von der Tätigkeit und dem weiteren Krankheitsverlauf ab, sei 
aktuell aber nicht abschätzbar (act. II 17 S. 2 f.). 

3.1.2 Der Hausarzt, Dr. med. L.________, Facharzt für Allgemeine Innere 
Medizin, verwies hinsichtlich der psychiatrischen Diagnostik auf die beige-
legten Berichte der K.________ (vgl. E. 3.1.1 hiervor) und nannte als Dia-
gnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit funktionelle Atemstörun-
gen und funktionelle Herzstörungen. Die allgemeine Belastbarkeit sei ver-
mindert und die Patientin leide unter einer Antriebsstörung; die Leistungs-
fähigkeit sei reduziert. Ein kleines Pensum in einer angepassten Tätigkeit – 
aufgrund der absolvierten Massagekurse allenfalls im Behandlungssektor – 
ohne Zeitdruck sei zumutbar (act. II 29). 

3.1.3 Im Verlaufsbericht vom 28. September 2016 bescheinigten Dr. med. 
J.________ und lic. phil. I.________ bei unveränderter Diagnose einen 
verbesserten Gesundheitszustand. Das selbstverletzende Verhalten sowie 
die Angst- und Panikattacken seien seltener geworden, träten aber weiter-
hin regelmässig auf. Hingegen hätten die starken Kontrollzwänge zuge-
nommen. Durch die Integrationsmassnahme in der E.________ habe die 
Versicherte eine Tagesstruktur, Ziele und eine Zukunftsperspektive. Sie 
erkenne ihre Grenzen besser, könne sich besser akzeptieren, sei aber sehr 
müde, leide unter starken Konzentrationsschwierigkeiten, sei in Belas-
tungssituationen gereizt und werde schnell aggressiv (act. II 52 S. 2). Die 
Weiterführung der aktuellen Integrationsmassnahme sei aufgrund der sich 
langsam zeigenden Fortschritte dringend indiziert. In der E.________ kön-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 11

ne sie in verschiedenen Tätigkeitsbereichen schnuppern und die Tätigkeit 
im geschützten Bereich biete die Möglichkeit, die Arbeitsfähigkeit schritt-
weise zu steigern ohne in eine neue Überforderungssituation zu geraten 
(act. II 52).

3.1.4 Der RAD-Psychiater Dr. med. F.________ führte in seiner Stellung-
nahme vom 8. November 2016 aus, er könne keine medizinischen Gründe 
erkennen, weshalb der Versicherten die bisherige Erwerbstätigkeit in der 
Logistik (bei einem anderen Arbeitgeber) nicht mehr zumutbar sein sollte. 
Hinsichtlich der Diagnose rezidivierende depressive Störung seien Zweifel 
angebracht, da Stimmungsschwankungen zur Borderline-Persönlichkeits-
störung gehörten und andererseits bislang keine genuine affektive Störung 
adäquat beschrieben oder behandelt worden sei. Ebenso scheine die Bor-
derline-Persönlichkeitsstörung aus Sicht des RAD bisher nicht klar ausge-
wiesen, seien doch die typischen interpersonellen Beziehungsdynamiken 
nicht klar beschrieben, während die biografische Anamnese und andere 
Symptome klar auf diese Diagnose hinwiesen. Aktuell scheine die Belast-
barkeit und Leistungsfähigkeit der Versicherten für eine anhaltende Er-
werbstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aufgrund der massiven Zwänge 
noch gering. Im Vordergrund sollte die Intensivierung der psychiatrisch-
psychotherapeutischen, insbesondere der medikamentösen Behandlung 
stehen und es wäre wünschenswert, wenn die Versicherte ihren Wider-
stand gegen die medikamentöse Behandlung aufgeben könnte (act. II 56 S. 
4 f.).

3.1.5 Im Verlaufsbericht vom 10. April 2017 attestierten Dr. med. 
J.________ und lic. phil. I.________ verglichen mit der letzten Beurteilung 
vom 28. September 2016 einen stationären Gesundheitszustand; nach 
gesteigertem Arbeitspensum in der E.________ (65%) sei die Versicherte 
zunehmend überfordert gewesen mit zunehmend krisenhaftem Zustands-
bild mit starker Erschöpfung und selbstverletzendem Verhalten. Nach Re-
duktion des Pensums auf 50% sei es zu einer Verbesserung und leichten 
psychischen Stabilisierung auf tiefem Niveau gekommen (act. II 73 S. 2). 
Eine volle Integration ins Erwerbsleben sei kein realistisches Ziel. Trotz 
dem Bemühen, ihr Bestes zu geben, zeige sich, dass bereits im geschütz-
ten Arbeitsbereich ein Pensum von 50% an der oberen Belastungsgrenze 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 12

liege. Es sei aber für die Patientin sehr wichtig, zu arbeiten, und eine sinn-
stiftende Tätigkeit sowie der strukturierte Tagesablauf seien für sie sehr 
hilfreich, wenn eine gewisse Belastung nicht überschritten werde. In einer 
den Anforderungen angepassten Nischenarbeitsstelle in wohlwollendem 
Umfeld sowie mit enger Begleitung wäre es ihr eventuell möglich, mit ei-
nem Pensum von 30 bis 40% einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (act. II 
73 S. 3 Ziff. 9).

3.1.6 Der RAD-Arzt Dr. med. F.________ bestätigte in seiner Stellung-
nahme vom 2. Mai 2017 auch im Lichte des aktuellen Verlaufsberichtes der 
behandelnden Psychiaterin seine Einschätzung, dass die Versicherte 
grundsätzlich weiterhin für eine Logistiktätigkeit geeignet sei. Das in diesem 
Verlaufsbericht genannte Zumutbarkeitsprofil erscheine zudem nicht ganz 
widerspruchsfrei. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die bisherige, 
als wenig störungsspezifisch orientiert erscheinende Psychotherapie zu 
keiner wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes und der 
Belastbarkeit der Versicherten geführt habe, weiterhin psychische Sym-
ptome auf der Verhaltens-, Beziehungs- und Erlebensebene beschrieben 
würden, bestünden von Seiten des RAD weiterhin erhebliche Zweifel an 
der Umsetzbarkeit jeglicher, auch nur geringer Arbeitsfähigkeit der Versi-
cherten auf dem ersten Arbeitsmarkt. Zur Klärung der medizinischen Sach-
lage und Beantwortung offener Fragen werde eine psychiatrische Begut-
achtung vorgeschlagen (act. II 75 S. 4).

3.1.7 Im Gutachten vom 18. Dezember 2017 hielt Dr. med. G.________ 
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine emotional in-
stabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10: F60.31) mit/bei 
Status nach sexueller Traumatisierung in der Kindheit, eine Zwangsstörung 
mit vorwiegend Zwangshandlungen (ICD-10: F42.1) sowie eine Agorapho-
bie (ICD-10: F40.0) fest; Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig-
keit wurden keine genannt (act. II 91.1 S. 18). In der Untersuchung hätten 
folgende Befunde objektiviert werden können: leicht niedergestimmte 
Grundstimmung, selbstverletzendes Verhalten (bestehend seit Kindheit), 
ausgeprägte Störung der Emotionswahrnehmung und -regulation, deutliche 
Schwierigkeiten in der Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen, 
reduzierte Belastbarkeit, reduzierte Fähigkeit im Umgang mit Kritik und 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 13

Konflikten, chronische Suizidalität, deutliche Ängste (vor Menschengrup-
pen, vor öffentlichen Verkehrsmitteln), dissoziatives Erleben bei Belastung, 
Antriebsminderung, Schlafstörungen und z.T. pathologisches Essverhalten 
(act. II 91.1 S. 21). Diese Beeinträchtigungen führten dazu, dass die Versi-
cherte nicht mehr in der Lage sei, in einem Rahmen mit Zeit- und Leis-
tungsvorgaben regelmässig eine Arbeitsleistung zu erbringen. Grundsätz-
lich sei die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Logistikbereich als geeignet ein-
zustufen, da dieser wenig zwischenmenschliche Kontakte beinhalte und 
geringe Anforderungen an die Sozialkompetenz stelle. Es sei davon aus-
zugehen, dass die Versicherte diese Tätigkeit in einem Rahmen völlig ohne 
Zeit- und Leistungsdruck, mit regelmässigen Arbeitszeiten und freiem Pau-
senmanagement in einem 50% Pensum durchführen könnte. Ebenso eig-
neten sich andere Tätigkeiten, die diesen Aspekten genügten. Einschrän-
kungen im Haushaltbereich bestünden nicht. Die durch die Behandler aus-
gewiesenen Arbeitsunfähigkeiten seien nachvollziehbar, namentlich 100% 
seit September 2015, seither stationär (act. II 91.1 S. 23). Bisher sei ledig-
lich eine ambulante Behandlung erfolgt; aus gutachterlicher Sicht stehe 
aktuell eine Intensivierung der therapeutischen Massnahmen im Vorder-
grund; gegebenenfalls müsse eine teilstationäre oder stationäre störungs-
spezifische Behandlung diskutiert werden mit dem Ziel, die Zwangssym-
ptomatik zu reduzieren, die Emotionsregulation zu verbessern sowie die 
Ängste zu reduzieren und die Traumatisierung zu bearbeiten. Dadurch 
könnte eine Verbesserung des Gesundheitszustandes erreicht werden; der 
Erfolg sollte in einem Jahr überprüft werden (act. II 91.1 S. 24).

3.1.8 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens stufte die RAD-Ärztin Dr. 
med. H.________ in ihrer Stellungnahmen vom 11. Juni 2018 das einge-
holte psychiatrische Gutachten als vollständig, schlüssig und nachvollzieh-
bar ein. In Ergänzung zum Gutachten konstatierte sie zu den Standardindi-
katoren, dass bei der Versicherten verschiedene komorbide psychiatrische 
Erkrankungen bestünden und die Symptome der Borderlinestörung, insbe-
sondere der Zwangsstörung, als ausgeprägt einzustufen seien, was sich 
auch in der chronischen Suizidalität sowie dem ausgeprägt selbstverlet-
zenden Verhalten widerspiegle. Ferner sei sie im Vorfeld der Begutachtung 
einer adäquaten (medikamentösen und [allenfalls] stationären) Behandlung 
gegenüber kritisch eingestellt gewesen, habe eine solche jedoch nach Auf-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 14

forderung zur Schadenminderung aufgenommen; die RAD-Ärztin empfahl, 
zur Beurteilung des Behandlungserfolges und des weiteren Procedere den 
Austrittsbericht betreffend die Behandlung in der Akuttagesklinik Langen-
thal einzuholen. Anamnese und Diagnostik sprächen eindeutig für eine 
Persönlichkeitsstörung. Aufgrund der komorbiden Erkrankung zeige die 
Versicherte Symptome eines minimal life; die Darstellung des Tagesablaufs 
verdeutliche den sozialen Rückzug, geringe soziale Kontakte und einge-
schränkte Möglichkeiten der sozialen Kontaktfähigkeit. Die Komorbidität 
führe – wie im dokumentierten Tagesablauf dargestellt – zu gleichmässigen 
Einschränkungen des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbe-
reichen; dies werde im Gutachten mit dem Instrument des Mini-ICF-APP 
nochmals objektiviert und quantifiziert. Chronische Suizidalität, deutlich 
selbstverletzendes Verhalten, die Biografie der Versicherten und die Ein-
schränkungen im Alltag liessen am Leidensdruck nicht zweifeln (act. II 109 
S. 2).

3.1.9 Im Schreiben vom 23. Juli 2018 zuhanden der IVB hielten Dr. med. 
J.________ und lic. phil I.________ fest, dass sich die Versicherte im 
Rahmen des teilstationären Aufenthaltes in der Akuttagesklinik vom 30. 
April bis 8. Juni 2018 aktiv am Therapieprogramm beteiligt habe, sich dabei 
aber überforderte und über ihre Grenzen gegangen sei, was mit einer zu-
nehmenden psychischer Destabilisierung verbunden gewesen sei. Es sei 
zu erneutem Selbstverletzungsverhalten sowie zu Hause zu einer starken 
Zunahme der Zwänge gekommen. Die Versicherte habe deshalb wieder 
von der Behandlung in der Akuttagesklinik in die ambulante Therapie ge-
wechselt. Bezüglich der im Gutachten vom 18. Dezember 2017 empfohle-
nen Intensivierung der störungsspezifischen Behandlung werde darauf hin-
gewiesen, dass seit Beginn der ambulanten Therapie kognitiv-
verhaltenstherapeutischer Ausrichtung im September 2015 bereits Vieles 
unternommen und dabei auch immer wieder störungsspezifisch gearbeitet 
worden sei. Die ambulante Therapie werde seit einiger Zeit sehr engma-
schig in wöchentlichem Rhythmus durchgeführt; die Patientin beteilige sich 
sehr zuverlässig und aktiv daran. Im Unterschied zur Gutachterin, die durch 
die Intensivierung der therapeutischen Massnahmen eine Verbesserung 
des Gesundheitszustandes erwarte, sähen sie angesichts des komplexen 
Störungsbildes mit Mehrfachdiagnosen, die gegenseitig interagierten und 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 15

jeweilige störungsspezifische Therapie erschwerten, auch die Begrenztheit 
des therapeutisch Machbaren (act. II 119).  

3.2 Das Gutachten von Dr. med. G.________ vom 18. Dezember 2017 
erfüllt die nach der geltenden höchstrichterlichen Rechtsprechung an eine 
Expertise gestellten Anforderungen (vgl. E. 2.5 hiervor), weshalb darauf 
abgestellt werden kann. Die Gutachterin stellte als Diagnosen mit Auswir-
kung auf die Arbeitsfähigkeit eine emotional instabile Persönlichkeitss-
törung vom Borderline-Typ (ICD-10: F 60.31) mit/bei Status nach sexueller 
Traumatisierung in der Kindheit, Zwangsstörung mit vorwiegend Zwangs-
handlungen (ICD-10: F42.1) und Agoraphobie (ICD-10: F40.0). Diese Dia-
gnosen wurden von der Expertin nachvollziehbar anhand der klassifikatori-
schen Vorgaben begründet und stehen überdies weitestgehend im Ein-
klang mit den Beurteilungen der behandelnden Ärzte (vgl. z.B. act. II 119 
S. 5). Aus der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung leitete die Gut-
achterin ab, dass die Beschwerdegegnerin 2 nicht mehr in der Lage sei, in 
einem Rahmen mit Zeit- und Leistungsvorgaben regelmässig eine Arbeits-
leistung zu erbringen (act. II 91.1 S. 23) bzw. attestierte für eine adaptierte 
Tätigkeit, völlig ohne Zeit- und Leistungsdruck, mit regelmässigen Arbeits-
zeiten und freiem Pausenmanagement, eine Arbeitsfähigkeit von 50% (act. 
II 91.1 S. 23 Ziff. 6.4.3). Retrospektiv erwog die Gutachterin, die durch die 
Behandlerin bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten seien nachvollziehbar, 
namentlich sei die Versicherte seit September 2015 100% arbeitsunfähig 
(act. II 91.1 S. 23 Ziff. 6.4.6). In den vermeintlich unterschiedlichen Beurtei-
lungen ist insofern kein Wiederspruch zu sehen, als die von der Gutachte-
rin an einen Arbeitsplatz, der der Versicherten zu 50% zumutbar wäre, ge-
stellten Anforderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht anzutreffen sind 
(vgl. E. 5.2 hiernach).

3.3 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, vermag die Beweiskraft des 
Gutachtens vom 18. Dezember 2017 nicht in Zweifel zu ziehen: Soweit sie 
ausführt, die Gutachterin habe sich entgegen den Vorgaben und Standards 
gemäss den Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten 
der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie 
(SGPP) nicht mit den anderslautenden Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit 
durch den RAD-Psychiater Dr. med. F.________ vom 8. November 2016 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 16

und 2. Mai 2017 auseinandergesetzt (Beschwerde pag. 17 Ziff. 2.3), geht 
sie fehl. Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin hat Dr. med. 
F.________ nämlich, indem er eine Logistikertätigkeit grundsätzlich weiter-
hin für geeignet hält, keine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit 
abgegeben. Vielmehr hat er ausdrücklich darauf hingewiesen, dass hierfür 
zusätzliche medizinische Abklärungen notwendig seien und festgehalten, 
dass „[…] der RAD ohne weitere Abklärungen derzeit weder eine absch-
liessende Aussage zum med. Sachverhalt, der Arbeitsfähigkeit, noch zu 
einem Zumutbarkeitsprofil abgeben“ könne (act. II 75 S. 4). Insofern be-
stand für die Gutachterin keine Notwendigkeit, sich eingehender mit den 
erwähnten Berichten auseinanderzusetzen.

Weiter moniert die Beschwerdeführerin, die Gutachterin habe es unterlas-
sen, die Frage nach psychosozialen und soziokulturellen Faktoren zu be-
antworten, obschon Dr. med. F.________ solche erwähnt habe und die 
Pensenreduktion im Rahmen des Aufenthalts in der E.________ auch auf 
invaliditätsfremde Konstellationen zurückzuführen sei (Beschwerde pag. 18 
Ziff. 2.3). Zur Pensenreduktion ist festzuhalten, dass diese im Bericht der 
E.________ vom 2. Februar 2017 ursächlich auf invaliditätsbezogene 
Gründe zurückgeführt wurde (act. II 64 S. 3), während der Einfluss von 
invaliditätsfremden Gründen („familiäre Konstellationen“) – ohne diese auch 
nur ansatzweise konkret zu benennen – bloss für möglich gehalten wurde. 
Ferner hat der RAD-Arzt auch andere als gesundheitsbedingte Aspekte für 
die Kündigung der letzten Arbeitsstelle bei der A.________ AG nicht aus-
geschlossen (act. II 75 S. 4). Solche Gründe hat die Gutachterin denn auch 
im Rahmen der persönlichen Anamnese wiedergegeben (z.B. „Zudem sei 
die Arbeit schlecht bezahlt gewesen“; act. II 91.1 S. 10) und dementspre-
chend auch zur Kenntnis genommen, ihnen aber offenkundig keine wesent-
liche Bedeutung beigemessen. Unter diesen Umständen bestand für die 
Gutachterin kein Anlass, allfällige Auswirkungen von invaliditätsfremden 
Faktoren bei der Beurteilung zu diskutieren bzw. auszuscheiden. 

Sodann bemängelt die Beschwerdeführerin, dass die Arbeits- und Leis-
tungsfähigkeit der Beschwerdegegnerin 2 nicht in einem strukturierten Be-
weisverfahren geprüft worden sei (Beschwerde pag. 18 Ziff. 2.4). Der Be-
schwerdeführerin ist in diesem Zusammenhang insoweit zuzustimmen, als 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 17

die Gutachterin sich nicht explizit zu den einzelnen Standardindikatoren 
geäussert hat, namentlich zur Konsistenz. Indessen hat die RAD-Ärztin Dr. 
med. H.________ die fehlenden Angaben in ihrer Stellungnahme vom 
11. Juni 2018 mit ihrem versicherungsmedizinischen Wissen ergänzt (act. II 
109), wie dies in Rz. 2082 des Kreisschreibens über das Verfahren in der 
Invalidenversicherung (KSVI) vorgesehen ist. Eine schlüssige Beurteilung 
der Arbeits- und Leistungsfähigkeit anhand der Standardindikatoren 
gemäss BGE 141 V 281 ist gestützt auf das Gutachten von Dr. med. 
G.________ vom 18. Dezember 2017 und der Stellungnahme der RAD-
Psychiaterin Dr. med. H.________ ohne weiteres möglich. Damit ist der 
medizinische Sachverhalt rechtsgenüglich erstellt; zusätzlicher Abklärun-
gen bedarf es entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (Be-
schwerde pag. 19 Ziff. 2.5) nicht (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 
229 E. 5.3 S. 236, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 
2017 ALV Nr. 6 S. 18 E. 4.2)

Zu prüfen bleibt, ob anhand des strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 
141 V 281 der Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- und Erwerbs-
fähigkeit zu erbringen ist, wobei die versicherte Person die materielle Be-
weislast zu tragen hat (BGE 143 V 409 E: 4.5.2 S. 416). Der Umstand, 
dass durch weitere bzw. intensivere Behandlung bzw. Therapien nach Ein-
schätzung der Gutachterin eine Verbesserung des Gesundheitszustandes 
zu erwarten ist, führt – entgegen der beschwerdeführerischen Auffassung – 
nicht dazu, dass über den Rentenanspruch noch nicht befunden werden 
dürfte (Beschwerde pag. 16). Die Behandelbarkeit der Erkrankung sagt 
nämlich, für sich allein betrachtet, nichts über den invalidisierenden Cha-
rakter einer psychischen Störung aus bzw. steht einer rentenbegründenden 
Invalidität nicht absolut entgegen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1 S. 412). Vorlie-
gend kommt hinzu, dass im Schreiben der behandelnden Psychiaterin vom 
23. Juli 2018 auf die Begrenztheit des therapeutisch Machbaren hingewie-
sen wurde bzw. Zweifel am Nutzen einer Intensivierung der Behandlung 
geäussert wurden (act. II 119 S. 1 f.; E. 3.1.9 hiervor).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 18

4.

4.1 Bezüglich der von der psychiatrischen Gutachterin gestellten Dia-
gnosen sind die klassifikatorischen Vorgaben (vgl. E. 2.2.1 hiervor) einge-
halten. In ihrem Gutachten zeigt sie auch keine Diskrepanzen im Sinne 
eines Ausschlussgrundes nach BGE 131 V 49 (vgl. E. 2.2.2 hiervor) auf, 
insbesondere hat sie keinen Hinweis für eine bewusste Aggravation oder 
gar eine Simulation festgestellt (act. II 91.1 S. 13 Ziff. 4.1). Nachdem die 
Prüfung der ersten Ebene somit einen invalidisierenden Gesundheitsscha-
den nicht ausschliesst, hat auf der zweiten Ebene anhand der Standardin-
dikatoren die ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des tatsächlich 
erreichbaren Leistungsvermögens zu erfolgen (vgl. E. 2.2.2 hiervor).

4.2 Zu prüfen sind zunächst die einzelnen Komplexe der Kategorie 
«funktioneller Schweregrad» (BGE 141 V 281 E. 4.3 S. 298 ff.):

4.2.1 Mit Bezug auf den Komplex Gesundheitsschädigung (BGE 141 V 
281 E. 4.3.1 S. 298 ff.) ergibt sich Folgendes: 

4.2.1.1 Beim Indikator der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde 
und Symptome gilt es unter anderem, die Schwere des 
Krankheitsgeschehens anhand aller verfügbaren Elemente aus der 
diagnoserelevanten Ätiologie und Pathogenese zu plausibilisieren (BGE 
141 V 281 E. 4.3.1.1 S. 298 f.). 

Diesbezüglich stellte Dr. med. H.________ fest, dass die Symptome der 
Borderlinestörung und insbesondere der Zwangsstörung mit 
Zwangshandlungen von drei bis vier Stunden pro Tag als ausgeprägt 
eingestuft werden könnten. Der deutliche Ausprägungsgrad der 
Persönlichkeitsstörung spiegle sich auch in der chronischen Suizidalität 
und dem ausgeprägt selbstverletzenden Verhalten wider (act. II 109 S. 2). 
Mit dieser Einschätzung korrelieren die Ergebnisse des Mini-ICF-APP (act. 
II 91.3), wonach bloss vier Bereiche als nicht beeinträchtigt bzw. fünf 
Bereiche als mindestens mittelschwer und drei als schwer beeinträchtigt 
eingestuft wurden (act. II 91.1 S. 14-15).

4.2.1.2 Sodann ist auf Verlauf und Ausgang von Therapien und 
Eingliederungsmassnahmen (und damit auf den jeweiligen Erfolg bzw. die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 19

Resistenz) als wichtige Indikatoren für den funktionellen Schweregrad 
einzugehen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 S. 299 f.).

Betreffend die Behandlung der psychischen Erkrankung legte die Gutachte-
rin dar, bisher sei lediglich eine ambulante Behandlung im wöchentlichen 
Rhythmus erfolgt und die Versicherte habe auch an einer Gruppentherapie 
mit dem Thema Emotionsregulation teilgenommen. Medikamentös nehme 
sie Cipralex 20 Tropfen pro Tag ein, habe Prazine in Reserve, desgleichen 
Temesta für Notfälle (act. II 91.1 S. 12 und 24). Aus gutachterlicher Sicht 
stehe aktuell eine Intensivierung der therapeutischen Massnahmen im Vor-
dergrund. Gegebenenfalls müsse eine teilstationäre oder stationäre 
störungsspezifische Behandlung in Betracht gezogen werden. Es sei davon 
auszugehen, dass durch eine Intensivierung der therapeutischen Mass-
nahmen eine Verbesserung des Gesundheitszustandes erreicht werden 
könne (act. II 91.1 S. 24 Ziff. 6.4.8). Die Gutachterin ging demnach davon 
aus, dass eine Behandlungsresistenz noch nicht ausgewiesen ist, was die 
IVB denn auch veranlasste, die Versicherte in dieser Hinsicht zur Scha-
denminderung aufzufordern (act. II 93). In der Folge hat diese sich vom 
30. April bis 8. Juni 2018 in der Akuttagesklinik der Psychiatrischen Dienste 
K.________ behandeln lassen. Zu relativieren ist die nach gutachterlicher 
Einschätzung noch nicht ausgewiesene Behandlungsresistenz immerhin 
insofern, als laut Ansicht der behandelnden Ärzte die gegenseitig interagie-
renden Mehrfachdiagnosen den therapeutisch grundsätzlich möglichen 
Massnahmen gewisse Grenzen setzten, worauf bereits in E. 3.3 letzter 
Absatz hiervor hingewiesen wurde .

In Bezug auf die Eingliederung ist festzustellen, dass der Versicherten bei 
den ein Jahr dauernden beruflichen Massnahmen in der E.________ Moti-
vation und Engagement attestiert (vgl. z.B. act. II 64 S. 2), eine Arbeits-
fähigkeit im ersten Arbeitsmarkt zurzeit jedoch verneint wurde (act. II 64 S. 
2). Dies spricht für eine Eingliederungsresistenz, jedenfalls solange als 
durch die therapeutischen Massnahmen keine Stabilisierung und damit 
eine Verbesserung des Gesundheitszustandes erzielt wird.

4.2.1.3 Die bisherigen Kriterien der «psychiatrischen Komorbidität» und 
«körperlichen Begleiterkrankung» wurden zu einem einheitlichen Indikator 
zusammengefasst. Relevant ist die Gesamtbetrachtung der 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 20

Wechselwirkungen und sonstigen Bezüge des psychosomatischen Leidens 
zu sämtlichen begleitenden krankheitswertigen Störungen (BGE 141 V 281 
E. 4.3.1.3 S. 301).

In dieser Hinsicht stellte die psychiatrische Expertin eine Agoraphobie 
sowie eine Zwangsstörung fest, ohne sich explizit zu den 
Wechselwirkungen zu äussern. Den Ausführungen der RAD-Ärztin Dr. 
med. H.________ kann indessen entnommen werden, dass die 
komorbiden Störungen dazu führen, dass die Versicherte Symptome eines 
minimal life zeige. Unter diesen Umständen ist von einer 
ressourcenhemmenden Wirkung der Komorbiditäten auszugehen. 

4.2.2 Betreffend den Komplex Persönlichkeit (BGE 141 V 281 E. 4.3.2 
S. 302) ist festzustellen, dass die Gutachterin eine emotional instabile 
Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ sowie eine Zwangsstörung mit 
Zwangshandlungen diagnostiziert hat, wodurch die Versicherte in den 
Bereichen Kontaktfähigkeit zu Dritten, Gruppenfähigkeit und 
Verkehrsfähigkeit (bezogen auf die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel) 
schwer, und in der Bereichen Spontanaktivitäten, 
Selbstbehauptungsfähigkeit, Durchhaltevermögen und Flexibilität 
mittelgradig sowie im Bereich Anpassung an Regeln und Routinen leicht 
beeinträchtigt sei (act. II 91.1 S. 21 Ziff. 6.3).

4.2.3 Zum Komplex Sozialer Kontext (BGE 141 V 281 E. 4.3.3 S. 303) ist 
der von der Expertin erhobenen Anamnese zu entnehmen, dass die 
Versicherte nie in den Ausgang gehe und nicht ins Kino; auch 
Schwimmbad- oder Restaurantbesuche seien nicht möglich (act. II 91.1 S. 
7). Zu ihrem Halbbruder habe sie den Kontakt vor zwei Jahren 
abgebrochen. Soziale Kontakte mit anderen Personen pflege sie nicht; 
Kontakte zu anderen Personen seien für sie anstrengend (act. II 91.1 S. 9 
und 12). Sie fühle sich in ihrer Wohnung alleine am wohlsten (act. II 91.1 S. 
9). Einzig mit den Eltern bestehe regelmässiger Kontakt; während der 
Woche nehme sie das Mittagessen mit ihnen ein, um eine regelmässige 
Ernährung sicherzustellen (act. II 91.1 S. 11-12). Ausgehend hiervon 
konstatierte Dr. med. H.________ Symptome eines minimal life bzw. die 
Darstellung des Tagesablaufs verdeutliche einen sozialen Rückzug (act. II 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 21

109 S. 2). Damit sind keine erheblichen Ressourcen aus dem sozialen 
Umfeld erkennbar. 

4.3 Beweisrechtlich entscheidend ist die Kategorie «Konsistenz». 
Darunter fallen verhaltensbezogene Kategorien (BGE 141 V 281 E. 4.4 
S. 303).

4.3.1 Zum Indikator der gleichmässigen Einschränkung des 
Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (BGE 141 V 281 
E. 4.4.1 S. 303 f.) äusserte sich die Gutachterin nicht. Ergänzend hielt Dr. 
med. H.________ fest, aus dem Tagesablauf sei erkennbar, dass eine 
solche Einschränkung vorliege, was mit dem Instrument des Mini-ICF-APP 
nochmals objektiviert und quantifiziert worden sei (act. II 109 S. 2).

4.3.2 Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen (BGE 141 V 
281 E. 4.4.2 S. 304) spricht grundsätzlich für einen nicht unerheblichen 
Leidensdruck, zumal sich die Versicherte zuletzt der sechswöchigen Be-
handlung in der Akuttagesklinik der Psychiatrischen Dienste K.________ 
unterzogen hat (act. II 119 S. 4 ff.), auch wenn die therapeutischen Mög-
lichkeiten allenfalls (vgl. aber E. 4.2.1.2 vorletzter Absatz hiervor) noch 
nicht vollständig ausgeschöpft sind.

4.4 In der Gesamtbetrachtung sind die gutachterlich postulierten funkti-
onellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten psychischen Beein-
trächtigung anhand der Standardindikatoren überwiegend wahrscheinlich 
erstellt und es ist dementsprechend auf die ärztlicherseits attestierte Ar-
beitsunfähigkeit aus rechtlicher Optik abzustellen. 

5.

5.1 Den Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns (1. Mai 2017) hat 
die IVB angesichts der Anmeldung zum Leistungsbezug vom 14. Dezem-
ber 2014 (act. II 1; Art. 29 Abs. 1 IVG), der seit September 2015 attestier-
ten Arbeitsunfähigkeit (act. II 91.1 S. 23 Ziff. 6.4.6) und unter Berücksichti-
gung der bis 2. Mai 2017 laufenden beruflichen Massnahmen mit Tag-
geldanspruch (act. II 67; Art. 29 Abs. 2 IVG) korrekt festgelegt.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 22

5.2 Die IVB ging bei der Ermittlung des Invalideneinkommens von ei-
nem möglichen Arbeitspensum von 50% sowie aufgrund der gutachterlich 
formulierten zusätzlichen Einschränkungen gemäss dem in Ziffer 6.4.3 de-
finierten Zumutbarkeitsprofil von einem deutlich reduzierten Leistungslohn 
in Höhe von Fr. 9.80 pro Stunde bzw. Fr. 10‘208.-- pro Jahr aus, wie er in 
einem geschützten Rahmen erzielbar wäre. Ein solches Vorgehen ist nicht 
zu beanstanden. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (Be-
schwerde pag. 19) existiert eine dem Zumutbarkeitsprofil entsprechende 
Tätigkeit völlig ohne Zeit- und Leistungsvorgaben und mit zusätzlichen An-
forderungen (wenig zwischenmenschliche Kontakte, geringe Anforderun-
gen an die Sozialkompetenz, regelmässige Arbeitszeiten und freies Pau-
senmanagement; vgl. act. II 91.1 S. 23) auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht, 
auch nicht als Nischenarbeitsplatz. In diesem Sinne hielten auch die Ver-
antwortlichen der E.________ eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt für 
nicht realistisch (act. II 64 S. 3). 

Für das Valideneinkommen ist die IVB, nachdem die Versicherte seit Okto-
ber 2015 nicht mehr erwerbstätig war, von der Lohnstrukturerhebung des 
Bundesamtes für Statistik (LSE) 2016, Tabelle TA 1, Totalwert, Kompe-
tenzniveau 1, Frauen ausgegangen und hat diesen Wert auf die wöchentli-
che betriebsübliche Arbeitszeit (41.7 Stunden) umgerechnet sowie auf das 
Jahr 2017 (frühest möglicher Rentenbeginn: Mai 2017; vgl. E. 5.1 hiervor) 
indexiert (Fr. 54‘790.--). Ob dies korrekt ist bzw. ob nicht vielmehr auf den 
zuletzt bei der A.________ AG erzielten Lohn (vgl. act. II 8 S. 3) abgestellt 
werden müsste, kann mit Blick auf das Ergebnis offen bleiben. Im letzteren 
Fall beliefe sich der auf das ganze Jahr 2015 hochgerechnete Lohn auf 
Fr. 55‘365.35 bzw. indexiert auf das Jahr 2017 Fr. 56‘056.75 (Fr. 55‘365.35 
: 104.1 x 105.4). Bei einem Invalideneinkommen in Höhe von Fr. 10‘208.-- 
ergäbe sich eine Erwerbseinbusse von Fr. 45‘848.75 bzw. ein – ebenfalls 
den Anspruch auf eine ganze Rente begründender – Invaliditätsgrad von 
81.79%. 

6. Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung nicht zu bean-
standen, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt. 
Bei diesem Ergebnis ist das Gesuch der Beschwerdegegnerin 2 um Durch-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 23

führung einer öffentlichen Verhandlung gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK abzu-
weisen. 

7.

7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.– bis Fr. 1’000.– festzulegen.

Vorliegend sind die Verfahrenskosten auf Fr. 800.– festzusetzen und der 
unterliegenden Beschwerdeführerin zur Bezahlung aufzuerlegen. 

7.2 Bei diesem Verfahrensausgang hat die ab dem zweiten 
Schriftenwechsel anwaltlich vertretene Beschwerdegegnerin 2 Anspruch 
auf eine Parteientschädigung (vgl. Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g 
ATSG).

Mit seiner – angemessenen – Kostennote vom 29. Mai 2019 macht 
Rechtsanwalt D.________ ein Honorar von Fr. 1‘917.50 (7.67 Stunden à 
Fr. 250.--), zuzüglich Auslagen von Fr. 76.80 und Mehrwertsteuer (7.7% 
auf Fr. 1‘994.30), insgesamt Fr. 2‘147.85, geltend. Die Beschwerdeführerin 
hat der Beschwerdegegnerin 2 dementsprechend eine Parteientschädigung 
in dieser Höhe zu bezahlen. 

 

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um Durchführung einer öffentlichen Verhandlung wird 
abgewiesen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 24

3. Der Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

4. Die Beschwerdeführerin hat der Beschwerdegegnerin 2 die 
Parteikosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 2‘147.85 (inkl. Auslagen und 
MWSt.), zu ersetzen. 

5. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt lic.iur. B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern 
- Rechtsanwalt lic.iur. D.________ z.H. der Beschwerdegegnerin 2
- Bundesamt für Sozialversicherungen 

Der Kammerpräsident: Der Gerichtsschreiber:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 8. Aug. 2019, IV/18/601, Seite 25

fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.