# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bc8cc830-e9da-52e4-a0c3-fd54a22cb89c
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-09-05
**Language:** de
**Title:** Haftung eines Verwaltungsrats; keine Exkulpationsgründe
**Docket/Reference:** AK.2015.00008
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/AK.2015.00008.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
AK.2015.00008
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiber Sonderegger
Urteil
vom
5. September 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
Y.___
Beigeladener
Sachverhalt:
1.
Die
Z.___ AG
war der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitragspflichtige Arbeitgeberin ange
schlossen und rechnete mit ihr die paritätischen und FAK-B
eiträge ab (vgl.
Urk.
13/1-3
).
Mit
Urteil vom
2
8.
November 2013 eröffnete der Konkursrichter des Bezirksgerichts
A.___
den Konkurs über die Gesellschaft
.
Das
Konkursver
fahren
wurde am
4.
März 2014
mang
els Aktiven eingestellt (
Urk.
11
).
Mit Verfügung vom 1
5.
Dezember 2014
forderte
die Ausgleichskasse
von
X.___
,
dem früheren
Präsident
en
des Verwaltungsrates der Kon
kursitin,
in solidarischer H
aftung mit
Y.___
Schaden
er
satz
für entgangene bundes- und kantonalrechtliche Sozialversicherungs
bei
träge
der
Z.___
AG in der Höhe von
Fr.
41‘161.30 (
Urk.
7/87
).
Die
dageg
en erhobene Ein
sprache (
Urk.
7/89
) hiess die Ausgleichskasse
mit Ent
scheid
vom
6.
Februar 2015
teilweise gut und reduzierte die geforderte
Scha
den
ersatz
summe
auf
Fr.
33‘957.85
(
Urk.
2).
2.
Mit Eingab
e vom
4.
März 2015 erhob
X.___
gegen den Einspr
acheentscheid vom
6.
Februar 2015
Beschwerde
(
Urk.
1).
Die
Ausgleichs
kasse
schloss in der Besch
werdeantwort vom 1
3.
April 2015
auf A
bweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8). Mit Verfügung vom
7.
März 2016 wurde
Y.___
zum Prozess
beigeladen (
Urk.
9). Dieser verzichtete auf eine Stellungnahme (vgl.
Urk.
10)
. Auf Aufforderung des Gerichts
hin
reichte die Ausgleichskasse am 1
1.
August 2016 einen Kontoauszug sowie eine Beitragsübersicht ein (
Urk.
12, 13/1-3), wo
von dem Beschwerdeführer
und dem Beigeladenen
Kenntnis
gege
ben
wurde
n
(
Urk.
14).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinter-
lassenen
versi
cherung
(AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder
grob
fahr
lässige
Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, diesen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Ge
schäfts
füh
rung oder Liquidation befassten Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften sie für den ganzen Schaden so
lida
risch (Art. 52 Abs. 2 AHVG).
1.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die da
zu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Be
stimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (
Art.
66
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung), Erwerbsersatz- (
Art.
21 Abs. 2
des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bun
desgesetzes
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolven
zentschädi
gung
)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bun
desgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25 lit. c). Gleiches gilt für die bis 3
1.
Dezember 2008 nach kantonalem Recht erhobenen FAK-Beiträge (
§
33
Abs.
2 des Gesetzes über Kinderzulagen für Arbeitnehmer in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung bzw.
§
33 des ab
1.
Januar 2008 bis 3
0.
Juni 2009 gültig gewesenen Kinderzulagengesetzes; nicht publiziertes Urteil des Bundes
gerichts 2P.251/19
96 vom 30. Juni 1997).
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
de
ter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahnge
bühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E.
3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108 V 189 E.
5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die
Arbeitge
berbeiträge
zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.2
Die Schadenersatzforderung setzt sich gemäss
dem Kontoauszug vom 1
0.
Dezem
ber 2014 und der Beitragsübersicht (
Urk.
13/2-3)
aus unbezahlt ge
bliebenen Beiträgen für die
Jahre 2012 und 2013
sowie Mahn- und
Betrei
bungsgebühren
und Verwaltungskosten zusammen. Bei den Akten liegen
ent
sprechende Rech
nung
en
(Urk.
7/37
, 7/43, 7/47, 7/54),
Mahnungen (Urk.
7/40, 7/41, 7/45, 7/48, 7/49, 7/50, 7/58, 7/59, 7/62),
Betreibung
en
(Urk.
7/46, 7/51, 7/66, 7/67, 7/69
)
und
Zahlungsbefehl
e (Urk. 7/52, 7/53, 7/64, 7/70, 7/71, 7/72, 7/73
)
, gegen welche
die Firma
jeweils
keinen Rechtsvorschlag erhob
en hatte
. Aus diesen Unter
lagen und der Beitragsübersicht
ergibt sich
ein Schadensbetrag von Fr.
41‘161.30
.
2.3
Die Beschwerdegegnerin reduzierte im angefochtenen Einspracheentscheid die vom Beschwerdeführer geforderte Schadenersatzsumme von
Fr.
41‘161.30 auf
Fr.
33‘957.8
5.
Dabei berücksichtigte sie
zutreffenderweise
, dass der Beschwer
deführer per 3
1.
Dezember 2012 aus dem Verwaltungsrat der
Z.___
AG
zurückgetreten war. Damit entfiel seine Haftung für nach diesem Zeitpunkt fällig gewordene Schadenspositionen (vgl.
Urk.
2).
2.4
Das Quantitativ der streitgegenständlichen Forderung ist nach dem Gesagten durch die Akten ausgewiesen und wird vom Beschwerdeführer auch zu Recht nicht in Zweifel gezogen. Mangels offenkundiger Anhaltspunkte für
Berech-nungsfehler
ist die Schadensberechnung der Beschwerdegegnerin zu bestätigen und von einem vorliegend relevanten
Schadensbetrag von
Fr.
33‘957.85 auszu
gehen.
3.
3.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV
)
schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei je
der Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeit
geber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene öffentlichrechtliche Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffent
lichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
3.2
Aus den Akten ist ersichtlich, dass die
Z.___
AG
den ihr als Arbeit
geberin obliegenden Zahlungsverpflichtungen
nur schleppend und
in den
Jah
ren 2012 und 2013 nicht beziehungsweise
nur unvollständig nach
ge
k
o
m
men war
. Schliesslich blieben geschuldete Sozialversicherungsbeiträge (inklusive Neben
kosten) in der Höhe von
Fr.
41‘161.30
unbezahlt, wovon vorliegend
Fr.
33‘957.85
relevant sind (vgl. E. 2.3
hievor
). Es bedarf deshalb keiner weite
ren Ausführungen, dass die
Z.___
AG
Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG verletzt hat, weshalb der von ihr verursachte Schaden grundsätzlich voll zu decken ist.
Zu prüfen bleibt,
ob und inwieweit der entstandene Schaden auf ein qualifiziert schuldhaftes Verhalten des Beschwerdeführers zurückzuführen ist.
4.
4.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder
grob
fahrlässig
Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E.
1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn beson
dere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
4.2
4.2.1
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetz
licher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Arbeitgebers zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a S. 202; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6 S. 529).
4.2.2
Nicht jedes einem Unternehmen als solchem anzulastende Ver
schulden muss auch ein solches seiner sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hin
blick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb des Unternehmens zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach ent
scheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a S. 202; ZAK 1985 S. 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5 S. 528). Gehören dem Verwaltungsrat mehrere Personen an, so ist für jede von ihnen einzeln zu prüfen, ob sie am Schaden der Ausgleichskasse ein
Verschulden trifft. Obliegt die Ge
schäftsfüh
rung einem Mitglied des Verwaltungsrats, so han
deln weitere Mitglieder schuld
haft, wenn sie die nach den Umständen gebotene Aufsicht nicht ausüben. Setzt sich der Verwaltungsrat aus nur zwei Mitgliedern zusammen, so beurteilen sich
insbesondere, wenn sie lediglich kollektiv unterschriftsberechtigt sind,
die Anforderungen an die gegenseitige Kontrolle nach einem strengen Massstab (in BGE 119 V 86 nicht publizierte E.
2c des Urteils des Bundesgerichts H 94/91 vom
4.
März 1993, nicht veröffentliche Urteile H 171/87 vom
7.
Dezember 1987 und H 25/87 vom
4.
August 1987).
5.
5.1
Der Beschwerdeführer brachte zu seiner Entlastung vor, die definitive Abrech
nung der Beiträge für das Jahr 2012 sei erst nach seinem Austritt
aus dem Verwaltungsrat
erfolgt. Zu diesem Zeitpunkt habe er keine Möglichkeit mehr gehabt, Einfluss zu nehmen. Sein Geschäftspartner,
Y.___
, habe ihm mündlich versi
chert, dass die Beiträge bezahlt würden. Er selber habe über keine Kompetenzen verfügt, um die nötigen Beitragszahlungen vorzu
neh
men. Bei seinem Rücktritt habe die
Z.___
AG über ein Grundstück, Kunden- und sonstige Guthaben, Warenlage
r und Weiteres und dadurch
insgesamt über ein Guthaben von über einer halben Million verfügt. Es wäre deshalb ein
L
eichtes gewesen, die ausstehenden Beiträge
zu begleichen. Dass dies nicht geschehen sei, sei nicht ihm an
zulasten. Er selber habe
von 2009 bis 2012
ein
en
Lohn von
Fr.
21‘000.-- bezogen. Es könne nicht sein, dass er nun für ausstehen
de Beiträge gerade stehen müsse
, die diesen Lohn überstiegen (
Urk.
1).
5.2
Vorweg ist festzuhalten, dass im vorliegenden Prozess nicht zu untersuchen ist, ob die Liquidation beziehungs
weise der Konkurs der
Z.___
AG
allenfalls hätte vermieden werden können oder ob am vorliegenden Verfahren nicht beteiligten Drittpersonen diesbezüglich irgendein Schuldvor
wurf gemacht werden könnte
. Vielmehr ist einzig z
u entscheiden, ob die
Z.___
AG
die ihr als Arbeitgeberin obliegenden Pflichten verletzt hat und ob gegebenen
falls ei
n qualifiziertes Verschulden des
Beschwerdef
ührers
zu bejahen ist.
5.3
Nach
Art.
35
Abs.
1 AHVV
haben die Arbeitgeber im laufenden Jahr periodisch
Akontobeiträge
zu entrichten. Diese werden von der Ausgleichskasse auf Grund der voraussichtlichen Lohnsumme festgesetzt. Nach
Art.
35
Abs.
2 AHVV haben die Arbeitgeber der Ausgleichskasse wesentliche Änderungen der Lohnsumme während des laufenden Jahres zu melden.
Gemäss
Rz
. 2048 der Wegleitung über den Bezug der Beiträge (WBB) in der AHV, IV und EO gilt eine Abweichung der jährlichen Lohnsumme um mindestens 10 Prozent von der ursprünglichen vo
raussichtlichen Lohnsumme als wesentlich im Sinne von
Art.
35
Abs.
2 AHVV.
Der Fehlbetrag von
Fr.
41‘161.30 ist darauf zurückzuführen, dass im Jahr 2012 die definitiven Beiträge erheblich höher ausfielen, als die geleisteten
Akonto
beiträge
. Grund hierfür war, dass wesentliche Änderungen in der Lohnsumme der Ausgleichskasse nicht gemeldet wurden. Vom Umstand, dass die Lohnzah
lungen im 2012 wesentlich höher waren als im 2011, erhielt die
Ausgleichs
kasse
erst mit der Lohndeklaration 2012 vom 2
6.
März 2013
Kenntnis
(
Urk.
7/2, 7/34). Der Beschwerdeführer erwähnt zwar richtig, dass diese Lohndeklaration erst nach seinem Austritt erfolgt war. Dies
ver
mag ihn allerdings von seiner Haftung nicht
zu entbinden. Denn die
Z.___
AG hatte im 2012
- in Missachtung ihrer Pflichten -
viel zu tiefe
Akontobeiträge
geleistet (selbst
inso
weit mussten diese
im Übrigen regelmässig gemahnt werden)
,
in Anbetracht dessen, dass
sie
deutlich
mehr Mit
arbeiter beschäftigt
und sich die Lohnsumme damit fast verdoppelt
hatte
.
Zu je
ner Zeit war der
Beschwerdeführer
Verwal
tungs
ratspräs
ident
der
Z.___
AG und stand damit in der Verant
wor
tung.
5.4
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
ist b
ei den nicht geschäftsführen
den Verwaltungsratsmitgliedern von Aktiengesellschaften, wie es beim Be
schwe
r
deführer der Fall war,
entscheidend, ob sie den ihnen obliegenden
Kon
troll
- und Aufsichtspflichten nachge
kommen sind. Nach Art. 716
a
Abs. 1 Ziff. 5
des Obligationenrechts (OR)
obliegt dem Verwal
tungs
rat die Oberaufsicht über die mit der Geschäftsführung betrauten Personen, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statuten, Regle
mente und Weisungen. Gemäss dieser Bestimmung hat das Verwaltungsratsmitglied nicht nur die Pflicht, an den Verwaltungsratssitzungen teilzu
nehmen, sondern sich perio
disch über den Ge
schäfts
gang zu informieren u
nd bei Unregelmässigkeiten einzuschreiten (Bun
desgerichtsurteil
9C_651/2012 vom 15. Mai 2013 E. 6.2 mit weiteren Hinwei
sen).
Zwar ist der nicht geschäfts
führende Ver
waltungsrat nicht ver
pflichtet, jedes e
inzelne Geschäft der mit der Geschäfts
führung und
Vertretung Beauf
trag
ten zu über
wachen, sondern darf sich auf die Überprüfung der Tätig
keit der
Geschäftsleitung und des Geschäftsganges beschränken. Dazu gehört, dass er sic
h laufend über den Ge
schäftsgang informiert, Rapporte verlangt, sie sorg
fäl
tig stu
die
rt, nötigenfalls ergänzende Aus
künfte einzieht und Irrtümer abzuklä
ren vers
ucht. Ergibt sich aus diesen Informationen der Ver
dacht falscher oder unsorg
fältiger Ausübung der delegierten Geschäftsführungs- und
Vertre
tungs
befugnisse
, ist der Verwal
tungsrat ver
pflichtet, sogleich die erforderlichen Abklärungen
und Massnahmen
zu treffen (nötigenfalls durch Beizug von Sach
ver
ständigen) und eine genaue und strenge Kon
trolle hinsicht
lich der Beobach
tung gesetzlicher Vor
schriften auszuüben (BGE 114 V 219 E.
4a;
Bundes
gerichts
urteil
9C_461/2009 vom 31. Dezember
2
010 E.
5.3, je mit weiteren Hin
weisen).
Vor diesem Hintergrund durfte der Beschwerdeführer sich nicht auf die mündli
che Zusage von
Y.___
, dem Geschäftsführer und einzigen weiteren Verwaltungsratsmitglied, verlassen, wonach die Beiträge bezahlt wür
den
(vgl. SVR
2008 AHV Nr. 5 S.
14 E.
4.2.3). Vielmehr hätte der Beschwer
deführer selbst unverzüglich die zweckdienlichen Handlungen, welche die Bei
tragszahlungen sichergestellt hätten
,
veranlassen müssen. Wäre ihm dies nicht möglich gewesen, wie er behauptet, hätte er als
Verwaltunsrats
(
präsident
) de
missionieren müssen, was er indessen erst
per Ende 2012 tat (vgl.
Bundesge
richtsurteile
9C_328/20
12 vom 11. Dezember 2012 E. 5.3 und
9C_461/2009 vom 31. Dezember 2010 E. 5.4). Auch ist der Beschwerdeführer nicht zu hören, wenn er vorbringt, bei seiner Demission seien noch genügend flüssige Mittel vorhan
den gewesen, um die Ausstände bei der Beschwerdegegnerin zu beglei
chen. Tatsache ist, dass die geschuldeten Beiträge nicht beziehungsweise nur teilweise be
zahlt
wurden und der Beschwerdeführer den ihm in diesem Zu
sammenhang obliegenden Pflichten nicht nachkam. Anzufügen ist, dass es sich
bei den vom Beschwerdeführer erwähnten Vermögenswerten primär eben gera
de
nicht um liquide Mittel handelt
e
. Dass die
Z.___
AG die Beiträge regelmässig verspätet respektive gar nicht beglich, deutet darauf hin, dass die
Gesells
chaft Liquiditätsprobleme hatte;
o
ffenbar hatte sie nicht genügend liquide
Mittel, um neben den Löhnen die
darauf unmittelbar
ex lege entst
andene
n Beitragsforderungen zu bezahlen. Indessen darf ein Unternehmen
praxisgemäss
nur so viel Lohn ausbezahlen, als
die darauf entstandenen Beitr
agsforderungen gedeckt sind (SVR
1995 AHV Nr. 70 S.
214 E.
5
; ferner etwa auch
Bundes
gerichtsurteil
9C_38/2015 vom 15. Mai 2015 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen
).
5.5
Es mag sein, dass der Beschwerdeführer für seine Tätigkeit für die
Z.___
AG insgesamt bloss ein Lohn von
Fr.
21‘000.-- erhielt (vgl.
Urk.
1). Dies tut indessen nichts zur Sac
he;
die Lohn
höhe ändert
nichts
an
den Pflichten des Beschwerdeführers als
Verwaltungsratspräsident
. Ebenso ist die Vereinbarung
zwischen
X.___
und
Y.___
, wonach
letzter
er
für die Beitrags
ausstände aufkomme
(
Urk.
3/3
), vorliegend unbeacht
lich.
Da das Gesetz die Solidarhaftung vorsieht,
kann die Ausgleichskasse auch den Beschwerdeführer ins Recht fassen.
5.6
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer die Nicht
erfüllung der Zahlungspflichten durch die
Konkursitin
gegenüber der
Beschwer
degegnerin
- während
seiner Zeit als Verwaltungsrats
(
präsident
)
- als qualifi
ziert schuldhaftes Unterlassen anzurechnen ist.
6.
6.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 Abs. 1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4). Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
6.2
Zwischen dem Beschwerdeführer vorzuwerfenden widerrechtlichen Verhal
ten und dem eingetretenen Schaden ist der Kausalzusammenhang ohne Weite
res zu bejahen. Denn es ist anzunehmen, dass ein pflichtgemässes Verhalten den Schaden verhindert hätte.
7.
Den Akten
kann
entn
om
men
werden
, dass
der Beigeladene
Y.___
seine
Schadenersatz
pflicht anerkannt hat und der
Beschwerde
geg
nerin
Abschlagszahlun
gen leistet (vgl.
Urk.
7/99,
13/3
)
. Dies ändert indessen nichts an der grundsätzli
chen Solidarhaft des Beschwerdeführers. Nach dem Dar
gelegten hat er für den eingetretenen Schaden im Umfang von
Fr.
33‘957.85 (i
n solidarischer Haftung
) Ersatz zu leisten,
dies unter Berücksichtigung
seither bereits bei der
Beschwer
degegnerin
eingegangener
entsprechender
Zahlungen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse
-
Y.___
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.
Da der Streitwert
Fr.
30'000.-- übersteigt, kann gegen diesen Entscheid innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht
werden (
Art.
82 ff.,
insbesondere
Art.
85, in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundes
gericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag
vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August
sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubSonderegger