# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ea2ede65-3f43-565d-83a4-411768e335c4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.09.2011 E-2598/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2598-2009_2011-09-29.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­2598/2009

U r t e i l   v om   2 9 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz),
Richter Thomas Wespi,
Richter Kurt Gysi,
Gerichtsschreiber Peter Jaggi.

Parteien A._______, geboren (…), Äthiopien,
vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 18. März 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die Beschwerdeführerin verliess Äthiopien eigenen Angaben zufolge am 
(…) und gelangte  über  den Sudan,  Libyen und  Italien  am 3. November 
2008  in  die  Schweiz;  gleichentags  suchte  sie  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  um Asyl  nach.  Am  25.  November 
2008  wurde  die  Beschwerdeführerin  im  EVZ  summarisch  befragt  und 
gleichenorts am 15. Dezember 2008 zu ihren Asylgründen angehört.

Zur Begründung ihres Asylgesuchs führte die Beschwerdeführerin an, sie 
sei äthiopische Staatsangehörige, gehöre zur Ethnie der C._______ und 
stamme aus D._______, wo sie geboren und aufgewachsen sei. Am (…) 
hätten Polizisten ihren Ehemann wegen seiner Aktivitäten als Mitglied der 
E._______  (…) zu Hause  festgenommen und an einen  ihr unbekannten 
Ort  verbracht.  Seither  habe  sie  nichts  mehr  von  ihrem  Mann  gehört. 
Ungefähr (…) später sei auch sie zu Hause von Polizisten verhaftet und 
auf  einen  Polizeiposten  verbracht  worden,  wo  sie  geschlagen  und 
beschuldigt worden sei, die Menschen gegen die Regierung aufzuhetzen. 
Nach  (…)  Tagen  Haft  sei  sie  gegen  Leistung  einer  Bürgschaft 
freigelassen worden. Nach ihrer Freilassung habe sie sich aus Angst vor 
weiteren  behördlichen  Nachstellungen  für  knapp  (…)  Jahre  bei  ihrem 
Arbeitgeber  aufgehalten.  (…)  2008  sei  sie  nach  Hause  zurückgekehrt. 
Am (…) seien zivilgekleidete Polizisten vorstellig geworden und hätten ihr 
gegen  Unterschrift  einen  Brief  überbracht,  gemäss  welchem  sie  sich 
innerhalb  von  drei  Tagen  für  eine  Befragung  auf  dem  örtlichen 
Polizeiposten  hätte  melden  sollen.  Sie  habe  dieser  Vorladung  jedoch 
keine Folge geleistet und sei zu ihrer Tante gegangen, bei der sie sich bis 
zu  ihrer  Ausreise  aufgehalten  habe.  Auf  entsprechende  Fragen 
antwortete  die  Beschwerdeführerin,  sie  sei  Sympathisantin  der 
E._______ gewesen (Akten BFM A1/10 S. 6), die Ziele der Partei und die 
Funktion ihres Ehemannes innerhalb der Organisation kenne sie deshalb 
nicht  so  genau,  weil  sie  nur  Sympathisantin  gewesen  sei  (A11/14  S.  4 
und 5).

Für  den  Inhalt  der  weiteren  Aussagen  und  für  die  im  erstinstanzlichen 
Verfahren  eingereichten  respektive  eingezogenen  Dokumente  (Kopie 
einer Identitätskarte, 2 Kopien eines Büchleins [Bibel]) wird auf die Akten 
und,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  auf  die  nachfolgenden 
Erwägungen verwiesen.

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B. 
Mit Verfügung vom 18. März 2009 – eröffnet am 24. März 2009 – stellte 
das BFM  fest,  die Beschwerdeführerin  erfülle  die Flüchtlingseigenschaft 
nicht,  lehnte  ihr Asylgesuch vom 3. November 2008 ab und ordnete die 
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.

Das  Bundesamt  führte  zur  Begründung  an,  die  Vorbringen  der 
Beschwerdeführerin  vermöchten  den  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftigkeit  nicht  zu  genügen,  weshalb  deren  Asylrelevanz  nicht  zu 
prüfen  und  das  Asylgesuch  abzulehnen  sei.  Insbesondere  könne  auch 
von  einer  Sympathisantin  der  E._______  erwartet  werden,  dass  sie 
genauer  über  die  Partei  Bescheid  wisse,  zumal  ihr  Ehemann  eine 
wichtige  Rolle  bei  dieser  Organisation  innegehabt,  an 
Parteiversammlungen  teilgenommen  und  bei  öffentlichen 
Veranstaltungen über die politischen Ziele  referiert habe. Hinzu komme, 
dass  die  Beschwerdeführerin  nicht  in  der  Lage  gewesen  sei,  die 
Verhaftung  ihres Ehemannes auf eine anschauliche Weise zu schildern. 
So  habe  sie  lediglich  ausgesagt,  die  Polizisten  hätten  um  (…)  Uhr 
morgens an die Türe geklopft und nach ihrem Mann gefragt. Danach sei 
er festgenommen und sie selber bedroht worden. Gleich verhalte es sich 
mit  ihren  Aussagen  zur  (…)  Tage  später  erfolgten  eigenen  Verhaftung. 
Die  Angaben  der  Beschwerdeführerin  seien  stereotyp  und  enthielten 
keine  Details  oder  persönliche  Färbungen,  welche  auf  tatsächlich 
Erlebtes  schliessen  liessen.  Erfahrungsgemäss  könnten  betroffene 
Personen  solch  einschneidende  Ereignisse  sehr  detailliert  und 
anschaulich schildern.

Des Weiteren  sei  auch  die  Aussage  der  Beschwerdeführerin,  sie  habe 
sich  nach  ihrer  Freilassung  (…)  Jahre  bei  ihrem  Arbeitgeber  versteckt, 
bevor  sie  (…)  2008  nach  Hause  zurückgekehrt  sei,  wo  sie  kurze  Zeit 
später eine polizeiliche Vorladung erhalten habe, unglaubhaft. Zum einen 
wirke  es  konstruiert,  dass  sie  von  den  Behörden  während  (…)  Jahren 
nicht  gesucht  worden  sei,  diese  sie  aber  kurz  nach  ihrer  Rückkehr 
aufgesucht  hätten.  Zum  anderen  sei  nicht  nachvollziehbar,  dass  die 
Polizisten  der  Beschwerdeführerin  eine  Vorladung  überreicht  hätten, 
gemäss welcher sie sich innerhalb von drei Tagen auf dem Polizeiposten 
zu melden habe, anstatt sie gleich auf den Posten mitzunehmen.

Zum  Vorbringen,  sie  habe  vergeblich  versucht,  ihren  Ehemann  nach 
seiner  Verhaftung  ausfindig  zu machen,  sei  festzuhalten,  dass  viele  im 
Rahmen  der  Massenverhaftungen  nach  den  Wahlen  vom  Mai  2005 

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festgenommene  Personen  nach  kurzer  Zeit  ohne  Auflagen  freigelassen 
worden  seien.  Die  Anführer  der  Opposition  seien  zwar  zu  langen 
Haftstrafen verurteilt, aber im Gefolge einer Amnestie im Juli 2007 wieder 
freigelassen  worden.  Vor  diesem  Hintergrund  erscheine 
unwahrscheinlich, dass sich der Ehemann der Beschwerdeführerin nach 
wie vor in Haft befinde.

Nicht miteinander  zu vereinbaren seien des Weiteren die Aussagen der 
Beschwerdeführerin  bei  der  Kurzbefragung,  sie  sei  am  (…)  respektive 
(…)  Tage  nach  der  Verhaftung  ihres  Mannes  vom  (…)  festgenommen 
worden.

Die  Folge  der  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  sei  in  der  Regel  die 
Wegweisung aus der Schweiz, und deren Vollzug sei vorliegend zulässig, 
zumutbar und möglich.

C. 
Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  23.  April  2009  beantragte  die 
Beschwerdeführerin  durch  ihren  Rechtsvertreter  in  materieller  Hinsicht 
die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und unter Feststellung der 
Flüchtlingseigenschaft  die  Gewährung  von  Asyl,  eventualiter  unter 
Feststellung der Unzulässigkeit  oder zumindest der Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme.  In 
prozessualer  Hinsicht  beantragte  sie  unter  Verzicht  auf  die  Erhebung 
eines  Kostenvorschusses  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  samt  anwaltlicher  Verbeiständung.  Zur  Stützung  ihrer 
Vorbringen  reichte  sie  eine  Sozialhilfebestätigung  vom  1.  April  2009  zu 
den Akten.

Im  Zusammenhang  mit  ihren  neu  geltend  gemachten  exilpolitischen 
Tätigkeiten  in  der  Schweiz  stellte  die  Beschwerdeführerin  eine 
Bestätigung der F._______ und Fotos von Kundgebungen in Aussicht.

Für die Begründung der Rechtsbegehren wird, soweit  für den Entscheid 
wesentlich, auf die nachfolgenden Erwägungen verwiesen.

D. 
Mit Zwischenverfügung vom 4. Mai 2009 teilte der Instruktionsrichter der 
Beschwerdeführerin  mit,  sie  dürfe  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der 
Schweiz  abwarten,  und  er  forderte  sie  unter  der  Androhung  eines 
Aktenentscheides  im  Unterlassungsfall  auf,  die  in  Aussicht  gestellten 
sowie allfällige weitere Dokumente  im Original mit den dazugehörenden 

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Zustellumschlägen  samt  Übersetzungen  in  eine  Amtssprache  des 
Bundes  innert  sieben  Tagen  ab  Erhalt  dieser  Verfügung  einzureichen. 
Gleichzeitig  hiess  er  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  gut, 
verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  wies  das 
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung ab.

E. 
Mit  Eingabe  vom  12. Mai  2009  liess  die  Beschwerdeführerin  die  in  der 
Beschwerde  in Aussicht  gestellten Dokumente  (Kopie einer Bestätigung 
der F._______ vom 10. Mai 2009, 3 Fotos betreffend Kundgebung vom 
(…) 2009  in G._______, 1 Foto betreffend Versammlung der F._______ 
vom (…) in H._______) einreichen.

F. 
Das BFM  beantragte  in  seiner  Vernehmlassung  vom  11.  Juni  2009  die 
Abweisung der Beschwerde.

In  ihrer Replik vom 29. Juni 2009 hielt die Beschwerdeführerin an  ihren 
Rechtsbegehren  fest  und  beantragte  unter  Zuerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft die Gewährung von Asyl.

Auf die Begründungen wird, soweit  für den Entscheid wesentlich,  in den 
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 

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Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 
ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 

3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

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4. 

4.1.  Nach  einlässlicher  Prüfung  der  Akten  gelangt  das 
Bundesverwaltungsgericht  vorliegend  zum  Schluss,  dass  das  BFM  im 
Ergebnis zu Recht die Aussagen der Beschwerdeführerin zu den geltend 
gemachten  Ereignissen  vor  ihrer  Ausreise  aus  Äthiopien  als  den 
Anforderungen  von  Art.  7  AsylG  an  die  Glaubhaftigkeit  nicht 
entsprechend qualifiziert hat.

4.2. Die  Vorbringen  auf  Beschwerdeebene  sind mangels  Stichhaltigkeit 
insgesamt  nicht  geeignet,  eine Änderung  der  angefochtenen Verfügung 
zu bewirken.

Zwar wird in der Beschwerde zu Recht darauf hingewiesen, dass der von 
der Vorinstanz  aufgezeigte  vermeintliche Widerspruch  in  den Aussagen 
der  Beschwerdeführerin  zum  Datum  ihrer  Festnahme  offensichtlich  auf 
einen  Umrechnungsfehler  vom  äthiopischen  in  den  gregorianischen 
Kalender zurückzuführen  ist, der  (…) entspricht  in der Tat dem (…) und 
nicht – wie fälschlicherweise protokolliert – dem (…).

Aber der Einwand, die Beschwerdeführerin habe deshalb nicht viel über 
die  Tätigkeit  ihres  Ehemannes  innerhalb  der  E._______  gewusst,  weil 
deren Führungsmitglieder ihre Mitgliedschaft und insbesondere auch ihre 
Funktion  wegen  der  konsequenten  Verfolgung  durch  die  Behörden  und 
des weitläufigen Netzwerkes von Spitzeln und Kollaborateuren auch vor 
nahen Familienmitgliedern geheim hielten, vermag nicht zu überzeugen. 
Diesbezüglich  kann  nämlich  ausgeschlossen  werden,  dass  sich  nahe 
Angehörige  von Führungsmitgliedern  für  eine Spitzeltätigkeit  oder  sonst 
eine Kollaboration mit den äthiopischen Behörden missbrauchen liessen. 
Des  Weiteren  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Beschwerdeführerin  als 
Ehefrau  eines  Führungsmitglieds  angesichts  der  damit  verbundenen 
Gefahr mit Sicherheit mehr über die Tätigkeit ihres Ehemannes innerhalb 
der Organisation gewusst hätte.

Das  Vorbringen,  die  Beschwerdeführerin  habe  anlässlich  der  Anhörung 
immerhin  die  Eckpfeiler  des  Programms  der  E._______  beschreiben 
können, habe sie doch zuvor auf entsprechende Fragen geantwortet, sie 
sei nicht Mitglied, sondern nur Sympathisantin der Partei, sie wisse nicht 
im Detail,  was  genau  die  Ziele  der  Partei  seien,  erweist  sich  als wenig 
stichhaltig  (A11/14  S.  4).  Von  der  Ehefrau  eines  Führungsmitglieds  der 

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E._______  kann  erwartet  werden,  dass  sie  imstande  ist,  präzisere 
Angaben zu den Zielen dieser Organisation zu machen.

Des Weiteren ist mit der Vorinstanz festzustellen, dass die Schilderungen 
der  Beschwerdeführerin  zu  den  Festnahmen  in  der  Tat  stereotyp 
ausgefallen  sind  und  keine  Details  enthalten,  die  auf  persönliche 
Erlebnisse  schliessen  liessen.  Der  diesbezügliche  Erklärungsversuch  in 
der  Rechtsmitteleingabe,  die  Beschwerdeführerin  sei  bei  den 
Festnahmen  erst  (…)  Jahre  alt  gewesen  und  habe  angesichts  der 
schmerzhaften  Erlebnisse  auf  eine  ausführlichere  Offenlegung  dieser 
Vorfälle  verzichtet,  überzeugt  nicht,  zumal  tatsächlich  betroffene 
Personen  imstande  sind,  ihre  Erlebnisse  detailliert  und  aus  einer 
persönlichen Sichtweise zu schildern.

Auch  die  Entgegnung,  die  Beschwerdeführerin  habe  sich  nach  ihrer 
(…)tägigen  Inhaftierung  nicht  mehr  an  die  äthiopischen  Behörden 
wenden  können,  um  sich  nach  dem  Verbleib  ihres  Ehemannes  zu 
erkundigen,  verfängt  nicht,  da  es  ihr  ohne  weiteres  möglich  und  auch 
zumutbar gewesen wäre, diesen nach seiner allfälligen Freilassung über 
ihre  in  Äthiopien  lebenden  Verwandten  zu  kontaktieren.  Angesichts  der 
zutreffenden  Ausführungen  des  Bundesamtes  in  der  angefochtenen 
Verfügung,  worauf  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  verwiesen 
werden  kann,  erscheint  wenig  glaubhaft,  dass  der  Ehemann  der 
Beschwerdeführerin auch nach der Amnestie vom Juli 2007 unbekannten 
Aufenthaltes ist.

Die  weiteren  Vorbringen  in  der  Beschwerde,  es  könne  sein,  dass  die 
Polizei  von  Spitzeln  oder  Kollaborateuren  über  die  Rückkehr  der 
Beschwerdeführerin  informiert  worden  sei,  zudem  sei  es  in  Äthiopien 
üblich,  dass  verdächtige  Personen  zwecks  Abklärungen  auf  den 
Polizeiposten  vorgeladen  würden,  erweisen  sich  nicht  zuletzt  aufgrund 
der  Amnestie  vom  (…)  als  nicht  stichhaltig.  Zudem  ist  angesichts  der 
Tatsache,  dass  viele  Personen  nach  den  Massenverhaftungen  im 
Anschluss an die Wahlen vom Mai 2005 nach kurzer Zeit bedingungslos 
freigelassen  wurden,  in  keiner  Weise  nachvollziehbar,  dass  die 
Beschwerdeführerin als blosse Sympathisantin der E._______ noch über 
(…)  Jahre  nach  ihrer  Freilassung  gegen  Bürgschaft  behördlich  gesucht 
worden sein soll.

Sollte  die  Beschwerdeführerin  jedoch  tatsächlich  noch  gesucht  worden 
sein, erweist sich das Vorbringen, Polizisten hätten ihr am (…) einen Brief 

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respektive eine Vorladung überbracht, wonach sie sich innert drei Tagen 
auf  dem  örtlichen  Polizeiposten  hätte  melden  müssen,  als  gänzlich 
realitätsfremd,  da  die Behörden  ihr mit  Sicherheit  nicht  die Gelegenheit 
eingeräumt  hätten,  auf  diese Weise  erneut  die  Flucht  zu  ergreifen.  Die 
Beschwerdeführerin  hat  es  denn  auch  bezeichnenderweise  entgegen 
ihrer Zusicherung anlässlich der Kurzbefragung (A1/10 S. 6) unterlassen, 
den  in  Aussicht  gestellten  Brief  respektive  die  Vorladung  einzureichen, 
obwohl es ihr ohne weiteres zumutbar und auch möglich gewesen wäre, 
wenigstens  ihre  erfolglos  gebliebenen  Bemühungen  zur  Beschaffung 
dieses  Dokumentes  offenzulegen.  Nicht  nachvollziehbar  erscheint 
schliesslich,  dass  die  äthiopischen  Behörden  die  Beschwerdeführerin 
nicht gleichzeitig mit  ihrem Ehemann, sondern erst  rund  (…) Tage nach 
dessen Verhaftung festgenommen haben sollen.

5. 

5.1. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 
aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsland  eine  Gefährdungssituation  erst 
geschaffen  worden  ist, macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (Art. 
54  AsylG).  Subjektive  Nachfluchtgründe  begründen  zwar  die 
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 
54  AsylG  zum  Ausschluss  des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie 
missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Das  vom 
Gesetzgeber  vorgesehene  Konzept,  wonach  das  Vorliegen  von 
subjektiven  Nachfluchtgründen  die  Gewährung  von  Asyl  ausschliesst, 
verbietet  das  Addieren  solcher  Gründe  mit  Nachfluchtgründen,  welche 
vor  der Ausreise aus dem Heimat­  oder Herkunftsstaat  entstanden  sind 
und die für sich allein nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft und 
zur  Asylgewährung  ausreichen  (vgl. BVGE  2009/28  E.  7.1  S.  352  und 
BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376, mit weiteren Hinweisen).

5.2.  Zunächst  ist  festzuhalten,  dass  von  der  Vorinstanz  nicht  bestritten 
wird,  dass  sich  die  Beschwerdeführerin  in  der  Schweiz  exilpolitisch 
betätigt  hat.  Exilpolitische Aktivitäten  können  jedoch  nur  dann  im Sinne 
von  subjektiven  Nachfluchtgründen  zur  Flüchtlingseigenschaft  führen, 
wenn  zumindest  glaubhaft  gemacht  wird,  dass  im  Falle  einer  Rückkehr 
infolge  der  Exilaktivität  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  mit 
politischer Verfolgung zu rechnen wäre. Nachfolgend ist daher zu prüfen, 
ob diese Voraussetzung im Fall der Beschwerdeführerin erfüllt ist.

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5.3. Unter welchen Voraussetzungen ein exilpolitisches Engagement eine 
beachtliche  Verfolgungsgefahr  auslöst,  insbesondere,  ob  schon  die 
blosse Mitgliedschaft in einer exilpolitischen Organisation dazu ausreicht, 
wird in Judikatur und Literatur unterschiedlich eingeschätzt. In der Tat ist 
es  aufgrund  der  Unberechenbarkeit  der  willkürlich  handelnden 
äthiopischen  Behörden  schwierig,  für  die  Beurteilung  der 
Verfolgungswahrscheinlichkeit  eine  Differenzierung  nach  dem  Gewicht 
des  Engagements  vorzunehmen,  zumal  Rückkehrende  nicht 
systematisch erfasst werden.

Gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  (vgl.  etwa 
Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­8151/2010  vom  25.  August 
2011,  E­8044/2008  vom  19.  Juli  2011,  D­5036/2009  vom  11.  Oktober 
2010  und  E­4290/2008  vom  3.  September  2010)  ist  zwar  davon 
auszugehen,  dass  die  äthiopischen  Sicherheitsbehörden  die  Aktivitäten 
der  Exilgemeinschaften  im  Rahmen  ihrer  (beschränkten)  Möglichkeiten 
überwachen  und  mittels  elektronischer  Datenbanken  registrieren.  Unter 
diesen  Umständen  ist  es  wahrscheinlich,  dass  im  Ausland  agierende 
Personen, welche erkennbar  in der F._______  respektive  in anderen  im 
Ausland  tätigen  oppositionellen Organisationen  aktiv waren  oder mit  ihr 
sympathisierten, individuell identifiziert werden könnten und im Falle einer 
Zwangsrückschaffung  vom  äthiopischen  Sicherheitsdienst  bereits  am 
Flughafen  erkannt  würden.  Demnach  dürfte  davon  auszugehen  sein, 
dass  die  äthiopischen  Sicherheitsorgane  eine  zwangsweise  aus  dem 
Ausland  zurückgeführte  Person,  die  Anhänger  oder  Mitglied  einer 
regimekritischen  Organisation  war  oder  noch  ist,  nach  wie  vor  als  zu 
verfolgenden Gegner der Regierung ansehen würden, solange von dieser 
Person vor  ihrer Ausreise aus dem jeweiligen Gastland kein eindeutiges 
Bekenntnis zur verfassungsmässigen Ordnung Äthiopiens und eine klare 
Abkehr  von  den  bisherigen  Aktivitäten  dieser  regimekritischen 
Organisationen  vorliegt.  Angesichts  der  beschränkten  Ressourcen  des 
äthiopischen  Nachrichtendienstes  stellt  sich  die  Frage  nach  der 
Wahrscheinlichkeit  und  dem  Ausmass  einer  allfälligen  Überwachung  in 
der Schweiz, welche indessen in casu offenbleiben kann. Von Bedeutung 
ist  vorliegend  dagegen  die  tatsächliche  Erkennbarkeit  der  behaupteten 
exilpolitischen Tätigkeit, die Individualisierbarkeit der Beschwerdeführerin 
und deren konkrete exilpolitische Tätigkeit  (vgl.  im Sinne von Beispielen 
die  vorgenannten  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts).  Die 
äthiopischen  Behörden  haben  nur  dann  ein  Interesse  an  der 
Identifizierung  einer  Person,  wenn  deren  Aktivitäten  als  konkrete 
Bedrohung für das politische System wahrgenommen werden.

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5.4.  Diesbezüglich  ist  vorab  festzustellen,  dass  es  der 
Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine  politisch  motivierte 
asylrelevante  Verfolgung  im  Heimatland  darzutun,  weshalb  auch  nicht 
davon auszugehen ist, dass sie vor ihrer Ausreise aus Äthiopien im Visier 
der  heimatlichen  Behörden  stand  oder  gar  als  Regimegegnerin  oder 
politische Aktivistin registriert war.

5.5. Aus den Akten  (Bestätigungsschreiben  vom 10. Mai  2009,  4 Fotos 
von  Kundgebungen)  geht  hervor,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  der 
Schweiz aktives Mitglied der F._______  ist und an zwei Kundgebungen 
gegen  das  Regime  in  Äthiopien  teilgenommen  hat.  Dennoch  ist  ein 
exponierter exilpolitischer Einsatz, der sie ins Zentrum des Interesses des 
äthiopischen Nachrichtendienstes rücken könnte, zu verneinen. In diesem 
Zusammenhang  ist  festzuhalten,  dass  bei  behaupteten  subjektiven 
Nachfluchtgründen  in der Regel ein strikter Beweis möglich und deshalb 
auch  erforderlich  ist  (vgl  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in: 
UEBERSAX/RUDIN/HUGI/YAR/GEISER [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 
2009, Rz. 11.148). Das BFM führt denn auch  in seiner Vernehmlassung 
vom 11. Juni 2009 zu Recht aus, die äthiopischen Behörden hätten nur 
dann  ein  Interesse  an  der  Identifizierung  einer  Person,  wenn  deren 
Aktivitäten  als  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System 
wahrgenommen würden. Für die Annahme, die Beschwerdeführerin habe 
sich  in  dieser  besonderen  Art  und  Weise  betätigt,  bestünden  keine 
Anhaltspunkte. Sie gehöre mit Sicherheit nicht zur Zielgruppe des "harten 
Kerns" von aktiven oppositionellen Äthiopiern im Ausland, für die sich die 
äthiopischen  Behörden  interessierten.  Dieser  Beurteilung  schliesst  sich 
das Bundesverwaltungsgericht an.

Vorliegend  ist  zudem  darauf  zu  schliessen,  dass  sich  die  bisherigen 
exilpolitischen  Aktivitäten  der  Beschwerdeführerin  lediglich  in  wenig 
exponierten Tätigkeiten erschöpft haben (Teilnahme an Veranstaltungen 
der  F._______).  Die  Beschwerdeführerin  ist  gemäss  dem 
Bestätigungsschreiben  vom  10.  Mai  2009  einfaches  Mitglied  der 
F._______ und betätigt sich nicht in einer hohen und in der Öffentlichkeit 
exponierten  Kaderstelle,  weshalb  die  äthiopischen  Behörden  auch  aus 
diesem  Grunde  in  deren  Person  keine  ernsthafte  und  in  ihrem 
Wirkungsgrad  gefährliche  Regimegegnerin  sehen  dürften.  Vor  diesem 
Hintergrund  lässt  die  Beteiligung  der  Beschwerdeführerin  an 
exilpolitischen  Aktivitäten  –  Teilnahme  an  Demonstrationen  seit  Januar 
2009,  an  öffentlichen  Kundgebungen  und  an  einem  Seminar  –  von 
vornherein  nicht  das  Gefährdungspotenzial  ersehen,  welches  die 

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Beschwerdeführerin  daraus  zu  ziehen  versucht.  Entgegen  der 
Behauptung  in der Beschwerde und  in der Replik vom 29. Juni 2009  ist 
demnach  nicht  davon  auszugehen,  dass  sie  bei  einer  Rückkehr  in  ihr 
Heimatland eine asylrechtlich relevante Gefährdung zu befürchten hat.

5.6.  Es  dürfte  den  äthiopischen  Behörden  im  Übrigen  schon  längst 
aufgefallen  sein,  dass  die  exilpolitische  Betätigung  vieler  äthiopischer 
Asylsuchender nach der Ablehnung ihrer Asylgesuche regelmässig stark 
zunimmt  respektive  intensiver  wird  oder  überhaupt  erst  ab  diesem 
Zeitpunkt  einsetzt,  was  das  geltend  gemachte  politische  Engagement 
auch  in  deren  Augen  als  zweifelhaft  erscheinen  lässt.  Im  vorliegenden 
Verfahren  fehlen  jegliche  Hinweise  darauf,  dass  gegen  die 
Beschwerdeführerin  aufgrund der  vorgebrachten Aktivitäten  in Äthiopien 
behördliche  Massnahmen  eingeleitet  worden  sein  könnten,  wobei  in 
diesem Zusammenhang unter Hinweis auf die in Art. 8 AsylG verankerte 
Mitwirkungspflicht  festzuhalten  ist,  dass  es  nicht  Sache  der 
schweizerischen Asylbehörden sein kann, jede auch nur ansatzweise und 
abstrakt  mögliche  Gefährdungssituation  im  Heimatland  der 
Beschwerdeführerin abklären zu müssen. 

5.7. Aufgrund  der  vorstehenden Erwägungen  erübrigt  sich  eine Ausein­
andersetzung  mit  den  anderen  Ausführungen  auf  Beschwerdeebene 
(unter  anderem  Verweise  in  der  Beschwerde  auf  das  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts D­5060/2007 vom 30. November 2007 und in 
der Replik auf ein Gutachten von Günter Schröder vom 7. Oktober 2007), 
weil diese nicht geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen. 
Der  Beschwerdeführerin  ist  es  nicht  gelungen,  aus  ihren  exilpolitischen 
Aktivitäten  in  der  Schweiz  subjektive  Nachfluchtgründe  im  Sinne  von 
Art. 54  AsylG  abzuleiten,  welche  zur  Zuerkennung  ihrer 
Flüchtlingseigenschaft führen könnten.

6. 
Zusammenfassend  folgt,  dass  die  Beschwerdeführerin  keine  Gründe 
nach Art. 3  respektive nach Art. 54 AsylG nachgewiesen oder glaubhaft 
gemacht hat, weshalb die Vorinstanz ihr Asylgesuch zu Recht abgelehnt 
hat.

7. 

7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 

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ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2. Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9).

8. 

8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen 
(vgl. WALTER STÖCKLI, a.a.0., Rz. 11.148).

8.2. 

8.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 

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(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

8.2.2.  Da  es  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen  ist,  eine 
flüchtlingsrechtlich  erhebliche Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft 
zu  machen,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des 
flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im vorliegenden Verfahren keine 
Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführerin  nach 
Äthiopien ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung  nach  Äthiopien  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  3  FoK  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihr  im Falle  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. 
Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren 
Hinweisen).  Aufgrund  der  Akten  sowie  der  vorstehenden  Erwägungen 
betreffend die Frage der Flüchtlingseigenschaft  ist  indessen nicht davon 
auszugehen,  dass  ihr  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Äthiopien  eine 
derartige  Gefahr  droht.  Die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in 
Äthiopien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als 
unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

8.3. 

8.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

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8.3.2. Die schweizerischen Asylbehörden gehen in konstanter Praxis von 
einer  grundsätzlichen  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  nach 
Äthiopien aus  (vgl. bereits EMARK 1998 Nr. 22). Der zweieinhalb Jahre 
dauernde Grenzkrieg zwischen Äthiopien und Eritrea wurde im Juni 2000 
mit einem von der Organisation für die Einheit Afrikas (OAU) vermittelten 
Waffenstillstand und einem von beiden Staaten am 12. Dezember 2000 
unterzeichneten Friedensabkommen beendet. Trotz des Abzugs der UN­
Friedenstruppen aus Eritrea  im März 2008 und aus Äthiopien  im August 
2008  ist  im  heutigen  Zeitpunkt  nicht  von  einem  offenen  Konflikt  im 
Grenzgebiet  zwischen  diesen  beiden  Staaten  auszugehen  (zur 
Entwicklung  der  Lage  in  Äthiopien  siehe:  PETER  K.  MEYER,  SFH, 
Äthiopien, Update: Aktuelle Entwicklungen bis Juni 2009, Bern, 11. Juni 
2009, S. 6  ff.; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E­1724/2007 vom 
5. Mai 2011 und                E­5432/2006 vom 13. Januar 2011).

8.3.3. 

8.3.3.1 Hinsichtlich der sozioökonomischen Situation von alleinstehenden 
Frauen  in  Äthiopien  kann  vorab  auf  das  zur  Publikation  vorgesehene 
Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  (BVGE  E­2097/2008  vom  7.  Juli 
2011 E. 8.5 f.) verwiesen werden.

8.3.3.2  Vor  dem  Hintergrund  der  dort  umschriebenen  Faktoren  sind 
vorliegend  aufgrund  der  persönlichen  Situation  der  Beschwerdeführerin 
keine  Gründe  ersichtlich,  die  gegen  die  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs sprechen.

Die  Beschwerdeführerin  ist  eigenen  Angaben  zufolge  in  D._______ 
geboren  und  aufgewachsen.  Sie  hat  bis  zur  (…).  Klasse  die  Schule 
besucht  und  ist  danach  verschiedenen  Erwerbstätigkeiten  als  (…),  als 
(…)  und  als  (…)  bei  Europäern  nachgegangen  (A1/10,  S.  1  und  3). 
Zudem  verfügt  sie  mit  ihren  in  Äthiopien  lebenden  Angehörigen  (ihre 
Mutter und zwei Halbbrüder, ihre Tante, bei der sie eine Zeit lang gelebt 
hat,  und  ihre  Cousine,  die  ihr  die  Reise  nach  Europa mitfinanziert  hat) 
über ein verwandtschaftliches Beziehungsnetz (A1/10 S. 4 und 7), das ihr 
beim  Wiederaufbau  einer  neuen  Existenz  behilflich  sein  kann.  In 
Übereinstimmung mit den Ausführungen des BFM  in der angefochtenen 
Verfügung  ist  zudem  mangels  Glaubhaftigkeit  der  diesbezüglichen 

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Aussagen  der  Beschwerdeführerin  davon  auszugehen,  dass  sich  ihr 
Ehemann nach wie vor in Äthiopien in Freiheit befindet.

Die  Rückkehrhilfe  der  Schweiz  wird  der  Beschwerdeführerin  im 
Bedarfsfall  den Wiedereinstieg  in  ihre  Heimat  ebenfalls  erleichtern  (Art. 
74 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999  [AsylV 2, SR 142.312]). 
Blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierigkeiten,  von  denen  die 
ansässige Bevölkerung  im Allgemeinen betroffen  ist, genügen nicht, um 
eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  darzustellen  (vgl. 
EMARK  2005  Nr. 24  E.  10.1  S.  215;  BVGE  2008/34  E.11.2.2,  BVGE 
2010/41 E. 8.3.6). 

Zusammenfassend geht das Bundesverwaltungsgericht somit davon aus, 
dass es der Beschwerdeführerin  trotz der  schwierigen Lebensumstände 
für alleinstehende Frauen angesichts der persönlichen Voraussetzungen 
gelingen  dürfte,  sich  wirtschaftlich  und  sozial  in  ihrem  Heimatland  zu 
reintegrieren.

8.3.4.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung 
auch als zumutbar.

8.4.  Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG 
und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 
AuG).

8.5. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 – 4 AuG).

9. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

10. 
Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  der 
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das Gesuch 

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um  unentgeltliche  Rechtspflege  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  mit 
Zwischenverfügung  vom  4.  Mai  2009  gutgeheissen  wurde,  ist  die 
Beschwerdeführerin  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  zu 
befreien.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Beschwerdeführerin  wird  zufolge  Gutheissung  des  Gesuchs  um 
unentgeltliche  Rechtspflege  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten 
befreit.

3. 
Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und das Amt für 
Migration des Kantons I._______.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Peter Jaggi

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