# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3f657d83-2ad7-51f7-9dd8-f65f2fa86216
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-07-05
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 05.07.2018 S 2014 139
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2014-139_2018-07-05.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN

DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN

TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 14 139

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Audétat
Richter von Salis, Racioppi

Aktuarin ad hoc Christen

URTEIL

vom 5. Juli 2018

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Marianne Sonder,

Beschwerdeführer

gegen 

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden,

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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1. A._____ wuchs in X._____ auf und war als Jugendlicher im Skirennsport 

aktiv. Dabei zog er sich im Alter von sechzehn Jahren eine Rückenverlet-

zung zu. In der Folge litt er über Jahre unter Rückenbeschwerden von 

wechselnder Intensität. Im März 1994 und im April 1995 unterzog er sich 

operativen Eingriffen, welche indessen nicht zu einer nachhaltigen Besse-

rung führten. Die Militärversicherung übernahm die Heilungskosten, rich-

tete Taggelder aus und sprach A._____ im April 1998 eine Integritätsscha-

denrente bei einem Integritätsschaden von 7.5 % und im Juni 1998 eine 

Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 10 % zu.

2. Mit Gesuch vom 6. Oktober 1995 beantragte A._____ im Zusammenhang 

mit seinen Rückenbeschwerden Leistungen der Invalidenversicherung. Mit 

Verfügung vom 15. Oktober 1999 wurde ihm eine befristete ganze Invali-

denrente für den Zeitraum von Januar bis November 1996 zugesprochen.

3. A._____ machte eine Lehre als Elektrozeichner und bildete sich danach 

berufsbegleitend zum Energietechniker und zum Wirtschaftsingenieur fort. 

Nach einem Auslandaufenthalt in den USA und in Kanada gründete er 1997 

zusammen mit seiner Schwester die Firma B._____ GmbH, welche ameri-

kanische Snowboards und weitere Sportartikel vertrieb. Nach der Liquida-

tion der B._____ GmbH arbeitete A._____ 2002 und 2003 für die C._____ 

AG im Bereich Organisation und Kommunikation von Sportevents. 2004 

gründete er zusammen mit Partnern die D._____ AG und arbeitete fortan 

als deren Geschäftsführer im Sportartikelhandel und im Projektmanage-

ment für Breiten- und Spitzensport. Die Geschäftsstelle war in Y._____, wo 

A._____ zusammen mit seiner Partnerin und der 2006 geborenen Tochter 

lebte.

4. Im Herbst 2010 erkrankte A._____. Sein Hausarzt diagnostizierte eine 

chronische Entzündung des Rachens und der Nasennebenhöhlen sowie 

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einen Tubenmittelohrkatarrh mit asthmoider Bronchitis. Die in der Folge zu-

nehmenden Thoraxbeschwerden wurden an der Universitätsklinik Zürich 

und durch einen Pneumologen abgeklärt. Eine organische Ursache konnte 

nicht festgestellt werden. A._____ versuchte, seinen beruflichen Aufgaben 

weiterhin nachzukommen, stellte dann aber im Frühjahr 2011 seine Ar-

beitstätigkeit ein. Vom 19. Juli 2011 bis zum 12. August 2011 hielt er sich 

in einer Fachklinik für Burnout auf. In der Folge wollte er weitere somatische 

Abklärungen vornehmen lassen, was aber von verschiedenen Kliniken ge-

stützt auf die früheren Abklärungsergebnisse verweigert wurde. Im Herbst 

2011 zog er zu seinen Eltern nach X._____. Dort verschlechterte sich sein 

Zustand, so dass er am 19. September 2011 im Rahmen einer fürsorgeri-

schen Freiheitsentziehung wegen Selbstgefährdung in eine psychiatrische 

Klinik zugewiesen wurde, wo er während rund zwei Monaten stationär be-

handelt wurde. Vom 12. bis zum 27. Januar 2012 war A._____ zum zweiten 

Mal in der psychiatrischen Klinik hospitalisiert, und vom 1. März bis zum 1. 

Juni 2012 erfolgte wegen einer Exazerbation der Depression mit psychoti-

schen Symptomen eine dritte Hospitalisation. Nach dem Austritt aus der 

psychiatrischen Klinik fand eine ambulante Nachbetreuung durch den 

Psychiatrischen Dienst Graubünden (PDGR) statt.

5. Vom 11. bis zum 15. November 2013 wurde A._____ im Kantonsspital 

Graubünden abgeklärt, wobei wiederum keine somatische Ursache für die 

geklagten Beschwerden gefunden wurde. Im Rahmen eines vom Kantons-

spital Graubünden in Auftrag gegebenen Konsiliums vom 9. Dezember 

2013 bestätigte Dr. med. E._____ die bis anhin gestellte Diagnose der 

schweren anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und nannte als Dif-

ferentialdiagnose eine coenästhopathische Schizophrenie. Die Arbeitsun-

fähigkeit gab Dr. med. E._____ mit 100 % an, unabhängig davon, welche 

der beiden Diagnosen zutreffe.

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6. Am 12. Oktober 2011 beantragte A._____ Leistungen der Invalidenversi-

cherung. Mit Mitteilung vom 10. Juli 2013 hielt die IV-Stelle des Kantons 

Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) fest, ein Anspruch auf Integrations-

massnahmen bestehe zurzeit nicht, es werde nun die Rentenfrage geklärt. 

Zu diesem Zeitpunkt lebte A._____ noch immer bei seinen Eltern in 

X._____, während seine Lebenspartnerin und die Tochter ins Ausland ge-

zogen waren. Per Ende Februar 2013 war er aus der D._____ AG ausge-

schieden und ab August 2013 bezog er Sozialhilfe von der Gemeinde 

X._____.

7. Die IV-Stelle beauftragte med. pract. F._____ mit der Erstellung eines 

psychiatrischen Gutachtens. Mit Schreiben vom 15. Juni 2014 teilte diese 

der IV-Stelle mit, sie habe den Auftrag nicht ausführen können, sie habe 

die Untersuchung von A._____ nach zirka 40 Minuten wegen mangelnder 

Kooperation abbrechen müssen. Mit Schreiben vom 25. Februar 2014 

nahm med. pract. F._____ Stellung zu diversen Arztberichten, welche ihr 

die IV-Stelle unterbreitet hatte. Sie kam dabei zum Schluss, dass die Ar-

beitsfähigkeit von A._____ nicht aufgrund der vorliegenden Berichte beur-

teilt werden könne und dass dazu eine reguläre psychiatrische Beurteilung 

zu veranlassen sei. 

8. Mit Vorbescheid vom 3. März 2014 teilte die IV-Stelle A._____ mit, sie be-

absichtige, sein Leistungsbegehren abzuweisen, da ihm aus medizinischer 

Sicht die Ausübung der angestammten Tätigkeit vor Ablauf des Wartejah-

res wieder zu 100 % zumutbar gewesen sei. Mit Einwand vom 1. April 2014 

legte A._____ die Krankheitsgeschichte ausführlich aus seiner Perspektive 

dar und machte damit sinngemäss geltend, er sei seit dem Frühjahr 2011 

bis zum aktuellen Zeitpunkt durchgehend zu 100 % arbeitsunfähig gewe-

sen. Die IV-Stelle gab daraufhin ein psychiatrisches Gutachten bei Dr. med. 

G._____ in Auftrag. Dieser kam in seinem Gutachten vom 20. August 2014 

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zum Schluss, der Explorand leide unter einer rezidivierenden depressiven 

Störung, gegenwärtig remittiert, und einer hypochondrischen Störung. 

Diese Störungen schränkten indessen die Arbeitsfähigkeit nicht ein. Ge-

stützt auf diese Beurteilung hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom 29. August 

2014 an ihrem Vorbescheid fest und lehnte das Leistungsbegehren ab.

9. Gegen diese Verfügung erhob A._____ am 1. Oktober 2014 Beschwerde 

an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Er beantragte, die 

angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente basie-

rend auf einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit zuzusprechen, eventualiter sei 

die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen. In formeller Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege. Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, sein 

Anspruch auf rechtliches Gehör sei verletzt worden, weil die IV-Stelle ihm 

das Gutachten von Dr. med. G._____ nicht zur Kenntnis gebracht habe. Es 

könne nicht auf dieses Gutachten abgestellt werden, die Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit durch Dr. med. G._____ stehe im Widerspruch zur Ein-

schätzung aller anderen Ärzte, und Dr. med. G._____ begründe seine ab-

weichende Ansicht nicht überzeugend. Der Beschwerdeführer reichte ei-

nen Bericht vom 25. September 2014 ein, in welchem seine behandelnde 

Psychiaterin Dr. med. H._____ von den PDGR eine generalisierte Angst-

störung und eine dissoziative Bewegungs- und Empfindungsstörung dia-

gnostizierte und eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestierte. 

10. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 23. Oktober 2014 

die Abweisung der Beschwerde. Sie gestand zu, dass das Gutachten von 

Dr. med. G._____ dem Beschwerdeführer nicht zur Stellungnahme zuge-

sandt worden sei. Diese Verletzung des rechtlichen Gehörs sei aber als 

geheilt zu betrachten. Die medizinische Situation sei genügend abgeklärt, 

Dr. med. I._____ vom RAD habe in seinem Abschlussbericht in Kenntnis 

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aller ärztlichen Unterlagen festgehalten, es hätten keine somatischen Be-

funde erhoben werden können und das Gutachten von Dr. med. G._____ 

sei in sich widerspruchsfrei, schlüssig und plausibel nachvollziehbar. 

11. Der Beschwerdeführer vertiefte mit Replik vom 26. November 2014 seinen 

Standpunkt und reichte eine Stellungnahme vom 25. November 2014 ein, 

in welcher Dr. med. H._____ ihre zuvor geäusserte Sichtweise nach Ein-

sichtnahme in die vollständigen medizinischen Akten präzisierte und er-

gänzte. Der Beschwerdeführer machte dazu geltend, die Stellungnahme 

von Dr. med. H._____ ergebe ein ausreichend klares Bild über seinen Ge-

sundheitsschaden und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Er 

sei bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig, so dass eine ganze Rente 

zuzusprechen sei.

12. In ihrer Duplik vom 11. Dezember 2014 machte die IV-Stelle geltend, die 

Stellungnahme von Dr. med. H._____ sei nicht überzeugend. Ihre Ein-

schätzung der Arbeitsfähigkeit lasse den geforderten objektiven Massstab 

völlig ausser Acht. Als behandelnde Psychiaterin orientiere sie sich an den 

tatsächlichen, also auch IV-fremden Gegebenheiten einschliesslich der 

Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers, während Dr. med. G._____ 

als extern beigezogener Gutachter darauf spezialisiert sei, die IV-rechtliche 

Arbeitsfähigkeit objektiv zu beurteilen. 

13. Anlässlich der Urteilsberatung vom 6. Oktober 2015 kam das Verwaltungs-

gericht zum Schluss, dass eine abschliessende Beurteilung der Angele-

genheit gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten nicht möglich 

und dass deshalb ein Gerichtsgutachten einzuholen sei. Mit Schreiben vom 

6. November 2015 teilte der vormalige Instruktionsrichter den Parteien mit, 

als Gerichtsgutachter sei Dr. med. E._____ vorgesehen. Mit Schreiben vom 

12. November 2015 beantragte die IV-Stelle, das Gerichtsgutachten sei 

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nicht bei Dr. med. E._____ einzuholen, dieser habe den Beschwerdeführer 

bereits im Rahmen eines Konsiliums untersucht. Mit prozessleitender Ver-

fügung vom 10. Dezember 2015 hielt der vormalige Instruktionsrichter an 

Dr. med. E._____ als Gerichtsgutachter fest. Gegen diese Verfügung erhob 

die IV-Stelle am 15. Dezember 2015 Prozessbeschwerde. Daraufhin hob 

der vormalige Instruktionsrichter mit Verfügung vom 18. Dezember 2015 

die angefochtene prozessleitende Verfügung auf und schlug den Parteien 

mit Schreiben vom 28. Dezember 2015 Dr. med. K._____ als Gerichtsgut-

achter vor. Mit Schreiben vom 30. Dezember 2015 erklärte sich die IV-

Stelle einverstanden und machte Anregungen im Zusammenhang mit dem 

Fragenkatalog. Mit Schreiben vom 13. Januar 2016 erklärte sich auch der 

Beschwerdeführer einverstanden, beantragte aber, dass zusätzlich zur 

psychiatrischen Begutachtung eine stationäre Abklärung der körperlichen 

Leistungsfähigkeit anzuordnen sei. Mit Stellungnahme vom 20. Januar 

2016 sprach sich die IV-Stelle gegen die Abklärung der körperlichen Leis-

tungsfähigkeit aus. Mit Schreiben vom 8. April 2016 gab der vormalige In-

struktionsrichter das Gutachten bei Dr. med. K._____ in Auftrag, und mit 

Schreiben vom 9. Juni 2016 stimmte er einer sportphysiologischen Testung 

zu, welche daraufhin am 28. Juli 2016 stattfand.

14. Dr. med. K._____ diagnostizierte in seinem Gutachten vom 20. Januar 

2017 eine histrionische Persönlichkeitsstörung und eine dissoziative Sen-

sibilitäts- und Empfindungsstörung. Die Arbeitsunfähigkeit legte er auf 

100 % seit Juni 2011 fest.

15. Mit Schreiben vom 13. März 2017 kritisierte die IV-Stelle das Gerichtsgut-

achten gestützt auf die Stellungnahme von Dr. med. L._____ vom Regio-

nalen Ärztlichen Dienst RAD vom 16. Februar 2017.

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16. Mit Stellungnahme vom 5. Oktober 2017 äusserte sich Dr. med. K._____ 

zu den Einwänden.

Auf die weiteren Ausführungen in der angefochtenen Verfügung und in den 

Rechtsschriften sowie auf die im Recht liegenden Beweismittel wird, soweit 

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. 

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist die Verfü-

gung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 29. August 2014. Das 

Verwaltungsgericht ist aufgrund von Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgeset-

zes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und Art. 58 Abs. 1 

des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-

rechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49 Abs. 2 lit. a des Geset-

zes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) zur Beurteilung 

der Beschwerde sachlich und örtlich zuständig. Als formeller und materiel-

ler Verfügungsadressat ist der Beschwerdeführer von der angefochtenen 

Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an 

deren gerichtlicher Überprüfung (Art. 59 ATSG). Überdies wurde die Be-

schwerde frist- und formgerecht beim Verwaltungsgericht eingereicht (Art. 

60 und Art. 61 lit. b ATSG). Demzufolge ist auf die Beschwerde einzutreten.

2. In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung seines An-

spruchs auf rechtliches Gehör. Er macht geltend, das Administrativgutach-

ten von Dr. med. G._____ vom 20. August 2014 (IV-act. 84) sei ihm nicht 

zur Kenntnis gebracht worden, und es sei ihm keine Gelegenheit geboten 

worden, sich dazu zu äussern. Die IV-Stelle bestätigt dies, ist aber der An-

sicht, die Verletzung des rechtlichen Gehörs sei geheilt.

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2.1. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich zunächst aus den sozial-

versicherungsrechtlichen Spezialbestimmungen (Art. 42, 44, 46 und 47 

ATSG) und wird darüber hinaus durch Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung 

der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) gewährleistet. Das 

rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es 

ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Ent-

scheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu 

gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines sol-

chen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, 

Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört 

zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwir-

ken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses ge-

eignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches 

Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei 

einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam 

zur Geltung bringen kann (BGE 143 V 71 E.4.1). Vorliegend stützte sich 

die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung in wesentlichen Punkten auf 

das Gutachten von Dr. med. G._____ vom 20. August 2014. Dass dieses 

Gutachten dem Beschwerdeführer nicht vor dem Erlass der Verfügung zur 

Stellungnahme unterbreitet worden war, stellt klarerweise eine Verletzung 

seines Gehörsanspruchs dar.

2.2. Eine Verletzung des Gehörsanspruchs führt grundsätzlich ungeachtet der 

Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung des 

angefochtenen Entscheids (BGE 137 I 195 E.2.2, 132 V 387 E.5.1). Nach 

der Rechtsprechung kann aber eine nicht besonders schwerwiegende Ver-

letzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn 

die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelin-

stanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei 

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überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus - im Sinne 

einer Heilung des Mangels - selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung 

des Anspruchs auf rechtliches Gehör von einer Rückweisung der Sache an 

die Vorinstanz abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem 

formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen 

würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffe-

nen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu verein-

baren wären (BGE 137 I 195 E.2.3.2). Vorliegend sind die Voraussetzun-

gen für eine Heilung erfüllt. Das mit der Streitsache befasste Verwaltungs-

gericht des Kantons Graubünden hat volle Kognition (Art. 61 lit. c. und d 

ATSG, Art. 11 und 21 VRG), und der Beschwerdeführer konnte im vorlie-

genden Beschwerdeverfahren umfassend zum Gutachten von Dr. med. 

G._____ Stellung nehmen. Zudem wurde ein Gerichtsgutachten eingeholt, 

welches das Gutachten von Dr. med. G._____ – wie nachstehend gezeigt 

wird – in seiner Bedeutung stark relativiert. Eine Aufhebung der angefoch-

tenen Verfügung wäre unter diesen Umständen ein prozessualer Leerlauf.

3. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle dem Beschwerdeführer zu Recht 

keine Rente zugesprochen hat. Im Zentrum steht die Frage nach der Ar-

beitsfähigkeit in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit. Die streitigen Tat-

fragen sind dabei nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweis-

grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu klären (BGE 129 V 177 

E.3.1). Massgebend ist der Sachverhalt, der sich bis zum Erlass der ange-

fochtenen Verfügung am 29. August 2014 verwirklicht hat (BGE 129 V 1 

E.1.2).

4. Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer im Sinne des Gesetzes invalid 

ist. Als Invalidität gilt bei erwerbstätigen Versicherten die durch einen kör-

perlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden verursachte, 

voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit, 

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welche die Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann 

(Art. 8 Abs. 1 ATSG; Art. 4 Abs. 1 IVG). Der rentenbegründende Invali-

ditätsgrad ist aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 16 

ATSG). Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person 

nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be-

handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut-

bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invali-

deneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie 

erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkom-

men). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, 

dass Validen- und Invalideneinkommen ziffernmässig möglichst genau er-

mittelt und einander gegenüber gestellt werden, worauf sich aus der Ein-

kommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Bei einem Invali-

ditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, 

bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei 

einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und 

bei einem Invaliditätsgrad von 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 

IVG).

5. Im vorliegenden Fall legte die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung 

das Valideneinkommen für das Vergleichsjahr 2013 auf Fr. 120‘000.-- fest. 

Dies wird vom Beschwerdeführer nicht beanstandet. Das Invalideneinkom-

men wurde von der IV-Stelle ebenfalls auf Fr. 120‘000.-- festgelegt. Der 

Beschwerdeführer ist demgegenüber der Ansicht, das Invalideneinkom-

men liege bei Fr. 0.--.

5.1. Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist die Frage entscheidend, 

welche Arbeitsleistungen der versicherten Person in welchem Umfang 

noch zugemutet werden können, beziehungsweise wie gross die Arbeits-

fähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit ist. Für die Beantwortung 

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dieser Frage ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Un-

terlagen angewiesen, die medizinische und gegebenenfalls auch andere 

Fachleute zur Verfügung stellen (BGE 125 V 256 E.4). Aufgabe der medi-

zinischen Fachleute ist es, den Gesundheitszustand der versicherten Per-

son zu beurteilen und Stellung zu nehmen zu der Frage, in welchem Um-

fang und bezüglich welcher Tätigkeiten diese arbeitsunfähig ist (BGE 132 

V 93 E.4, BGE 125 V 261 E.4). Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit 

können sich die IV-Stellen und die Sozialversicherungsgerichte auf den Re-

gionalen Ärztlichen Dienst (RAD, Art. 59 Abs. 2bis IVG), auf die Berichte der 

behandelnden Ärztinnen und Ärzte oder auf externe medizinische Sachver-

ständige stützen (Art. 59 Abs. 3 IVG). 

5.2. Arztberichte unterliegen wie sämtliche Beweismittel in sozialversicherungs-

rechtlichen Verfahren der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Der 

Beweiswert der ärztlichen Stellungnahmen hängt deshalb nach der Recht-

sprechung davon ab, ob sie für die streitigen Belange umfassend sind, auf 

allseitigen Untersuchungen beruhen, die geklagten Beschwerden berück-

sichtigen, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wurden, in der 

Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Si-

tuation einleuchten und in den daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu 

überzeugen vermögen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ärztlicher 

Stellungnahmen ist folglich grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweis-

mittels noch dessen Bezeichnung als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 

231 E.5.1). Dennoch hat es das Bundesgericht mit dem Grundsatz der 

freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte 

Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweis-

würdigung aufzustellen.

Bei Gerichtsgutachten ist nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe 

von der Einschätzung des medizinischen Experten abzuweichen, dessen 

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Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu 

stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein 

Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise wider-

sprüchlich ist. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt 

sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten 

dem Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgut-

achtens in Frage zu stellen (BGE 142 V 269 E.6.2.3.2, 135 V 465 E.4.4, 

125 V 351 E.3b/aa). Damit kommt den Gerichtsgutachten grundsätzlich 

höherer Beweiswert zu als allen übrigen ärztlichen Beurteilungen (BGE 143 

V 269 E.6.2.3.2).

Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von 

versicherungsexternen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Be-

obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht 

erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen 

gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, 

solange nicht konkrete Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen (BGE 

137 V 210 E.1.3.4, 125 V 353 E.3b/bb).

Bei Berichten von behandelnden Ärzten darf und soll der Richter der Erfah-

rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre 

auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ih-

rer Patienten aussagen. Der Bericht eines behandelnden Arztes hat somit 

nicht den gleichen Rang wie ein Gerichtsgutachten oder ein von der IV-

Stelle nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes Gutachten. 

Ein solcher Bericht verpflichtet indessen -wie jede substantiiert vorgetra-

gene Einwendung gegen ein solches Gutachten - den Richter zu prüfen, 

ob der Bericht des behandelnden Arztes die Auffassungen und Schlussfol-

gerungen des förmlich bestellten Gutachters derart zu erschüttern vermag, 

dass davon abzuweichen ist (BGE 135 V 465 E.4.5, 125 V 361 E.3c).

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Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt 

schliesslich Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvoll-

ziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien 

gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der be-

fragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, 

lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schlies-

sen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in 

die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen las-

sen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten 

im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gut-

achters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 

E.3b/ee).

5.3. Bei einer psychiatrischen Exploration ist nach der Rechtsprechung zudem 

zu beachten, dass diese von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei 

erfolgen kann. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater praktisch im-

mer einen Spielraum für verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpre-

tationen, was zulässig und zu respektieren ist, sofern der Experte lege artis 

vorgegangen ist. Daher kann es nicht angehen, eine medizinische Admi-

nistrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und zum 

Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu 

unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusser-

ten abweichenden Auffassungen festhalten (Urteil des Bundesgerichts 

9C_4/2015 vom 5. Mai 2015 E.3.2).

5.4. Bei der Würdigung von psychiatrischen Gutachten ist auf die „Qualitätslei-

tlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten“ der Schweizerischen 

Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie SGPP abzustellen (im Fol-

genden: SGPP-Qualitätsleitlinien [Version vom 16. Juni 2016]; abrufbar un-

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ter www.psychiatrie.ch). Diese Leitlinien vereinheitlichen seit ihrer Publika-

tion im Februar 2012 die psychiatrische Begutachtung zuhanden der Inva-

lidenversicherung und anderen Sozialversicherern. Sie verstehen sich als 

Empfehlungen, von welchen die Gutachter nur im begründeten Einzelfall 

abweichen sollten. Dem Rechtsanwender dienen sie als Orientierung zur 

Beurteilung der Qualität von psychiatrischen Gutachten (BGE 143 V 418 

E.7.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_207/2015 vom 5. Juni 2015 E.4.2; MA-

RELLI, Das psychiatrische Gutachten, in: RIEMER-KAFKA (Hrsg.), Psyche und 

Gesundheit, Zürich 2014, S. 83).

6. In BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zu den 

Voraussetzungen, unter denen anhaltende somatoforme Schmerzstörun-

gen und vergleichbare psychosomatische Leiden eine rentenbegründende 

Invalidität zu bewirken vermögen, grundlegend überdacht und teilweise 

geändert (BGE 142 V 106 E.3.1). Zuvor begründeten psychosomatische 

Beschwerdebilder, mithin pathogenetisch-ätiologisch unklare syndromale 

Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage als solche 

noch keine Invalidität, sondern es galt die Vermutung, dass psychosomati-

sche Beschwerdebilder respektive deren Folgen mit einer zumutbaren Wil-

lensanstrengung überwindbar seien. Die Unzumutbarkeit der willentlichen 

Schmerzüberwindung und des Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess war 

nur in Ausnahmefällen anzunehmen, wenn verschiedene Voraussetzun-

gen, die sogenannten Foerster-Kriterien, erfüllt waren (BGE 130 V 352 

E.2.2.3). Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht nun anstelle des bis 

dahin geltenden Regel/Ausnahme-Modells einen strukturierten, normati-

ven Prüfraster eingeführt. Demnach liegt Erwerbsunfähigkeit im Sinne von 

Art. 7 Abs. 2 ATSG nur vor, wenn mittels objektivierbarer Indikatoren nach-

gewiesen werden kann, dass einer versicherten Person keine Arbeitsleis-

tung mehr zugemutet werden kann. Die nach wie vor nötige objektivierte 

Beurteilungsgrundlage liefern die medizinischen Sachverständigen, wel-

- 16 -

che das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen der betroffenen Per-

son anhand eines Kataloges von Indikatoren – unter Berücksichtigung leis-

tungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensati-

onspotentialen respektive Ressourcen andererseits – ergebnisoffen zu be-

urteilen haben (BGE 141 V 281 E.3.6). Mit BGE 143 V 418 weitete das 

Bundesgericht den Anwendungsbereich dieses Indikatorenkatalogs auf 

sämtliche psychische Erkrankungen aus (BGE 143 V 418 E.6 und 7). Der 

Indikatorenkatalog sieht für den Regelfall folgendermassen aus:
1. Kategorie "Funktioneller Schweregrad"
1.1. Komplex: Gesundheitsschädigung

1.1.1. Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
1.1.2. Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz
1.1.3. Komorbiditäten

1.2. Komplex: Persönlichkeit 
Persönlichkeitsdiagnostik (Persönlichkeitsstruktur, Persönlichkeitsentwicklung und   
-störungen, persönliche Ressourcen)

1.3. Komplex: Sozialer Kontext
1.3.1. Abgrenzung psychosozialer und soziokultureller Faktoren 

2. Kategorie "Konsistenz"
2.1. Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Le-

bensbereichen
2.2. Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck

7. Im vorliegenden Fall steht fest, dass die gesundheitlichen Probleme des 

Beschwerdeführers nicht auf eine somatische, sondern auf eine psychi-

sche Ursache zurückzuführen sind. Der Beschwerdeführer wurde mehr-

mals eingehend spezialärztlich untersucht, ohne dass sich ein organisches 

Korrelat für die geklagten Symptome gefunden hätte. Aktenkundig sind 

diesbezüglich folgende Arztberichte:

Bericht von Dr. med. M._____, Facharzt FMH für Pneumologie, vom 24. Oktober 2011

Der Patient beklage sich seit einigen Monaten über diffuse Thoraxbeschwerden links. Aus-

gedehnte Abklärungen inklusive einer CT-Thorax, einer Bronchioskopie und einer lungen-

funktionellen Untersuchung seien unauffällig gewesen. Es liege eine Somatisierungs-

störung vor, als Differentialdiagnose komme eine hypochondrische Störung in Frage (IV-

act. 9 S. 2).

Bericht des Kantonsspitals Graubünden vom 31. Januar 2013

- 17 -

In der körperlichen Untersuchung habe sich der Patient weitgehend unauffällig gezeigt 

(Labor, Thorax-CT, Schmerzkonsilium, rheumatologisches Konsilium). Die invalidisieren-

den Thoraxschmerzen seien am ehesten im Rahmen einer Somatisierungsstörung zu er-

klären (IV-act. 67 S. 1).

Bericht des Kantonsspitals Graubünden vom 15. November 2013

Bei Eintritt habe der Patient über starke Schmerzen im Bereich der Brust mit Ausstrahlung 

in den Rücken, den Hals und beide Arme geklagt. Eine Lungenfunktionsprüfung habe for-

mal eine leichte Obstruktion gezeigt, ein MRI des Hirnparenchyms und ein neurologisches 

Konsil seien unauffällig gewesen. Nach wie vor seien die Thoraxschmerzen am ehesten 

im Rahmen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung zu erklären (IV-act. 67 S. 

3).

Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 26. Juni 2014

Der Patient habe den Eindruck, dass seine Lunge nicht mehr richtig innerviert sei, dass er 

zwischen Bauchnabel und Oberkiefer von innen her radioaktiv strahle und dass all seine 

inneren Organe sich verätzt anfühlten. Es könne nach ausführlicher Diagnostik kein ob-

jektivierbarer klinisch-neurologischer Befund und insgesamt keine somatisch-neurologi-

sche Erkrankung als Erklärung für die Beschwerden gefunden werden (IV-act. 82 S. 6 ff.)

Bericht von Dr. med. N._____, Facharzt FMH für Physikalische Medizin und Rehabilitation, 

vom 2. August 2016

Die spiroergometrische Belastungstestung vom 28. Juli 2016 habe eine gute, überdurch-

schnittliche Leistungsfähigkeit aufgezeigt. Es hätten sich weder in der Spiroergometrie 

noch in der EKG-Aufzeichnung und Laktatmessung Hinweise für eine Pathologie ergeben. 

Allerdings sei die Beurteilbarkeit wegen des ständigen Hustenreizes etwas eingeschränkt 

(Anhang des Gerichtsgutachtens).

8.1. Zum psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers standen 

dem Gericht zum Zeitpunkt seiner Urteilsberatung vom 6. Oktober 2015 

folgende Einschätzungen zur Verfügung:

Bericht der Burnoutklinik vom 17. Oktober 2011

Es liege eine mittelgradige depressive Episode im Rahmen einer chronischen beruflichen 

Belastungssituation mit Burnout-Syndrom, ein chronisches Schmerzsyndrom thorakal be-

tont, eine unspezifische Somatisierungsstörung und eine neurasthenische Symptomatik 

vor (IV-act. 18 S. 20 ff.).

Austrittsbericht der psychiatrischen Klinik vom 10. Januar 2012 (1. Hospitalisation)

- 18 -

Der Patient habe sich vom 19. September 2011 bis zum 25. November 2011 in stationärer 

Behandlung befunden. Inhaltlich vordergründig sei die Angst gewesen, an Lungenkrebs 

erkrankt und nicht richtig untersucht worden zu sein. Es lägen eine anhaltende somato-

forme Schmerzstörung, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere 

Episode mit psychotischen Symptomen, und eine Neurasthenie vor (IV-act. 65 S. 6 ff.).

Austrittsbericht der psychiatrischen Klinik vom 27. Februar 2012 (2. Hospitalisation) 

Der Patient habe sich vom 12. bis am 27. Januar 2012 erneut in stationärer Behandlung 

befunden. Es lägen eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine rezidivie-

rende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, vor. Die Arbeitsfähigkeit 

nach dem Klinikaustritt liege bei 50 % (IV-act. 65 S. 12 ff.).

Austrittsbericht der psychiatrischen Klinik vom 30. Juni 2012 (3. Hospitalisation)

Der Patient habe sich vom 1. März 2012 bis zum 1. Juni 2012 erneut in stationärer Be-

handlung befunden. Es lägen eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und eine 

rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Sym-

ptomen, vor. Es sei eine weitere ambulante Behandlung geplant (IV-act. 65 S. 18).

- 19 -

Bericht der behandelnden Ärztin Dr. med. O._____, Fachärztin FMH für Psychiatrie und 

Psychotherapie, vom 19. Juli 2012

Es liege eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Epi-

sode mit psychotischen Symptomen, vor. Die Belastbarkeit des Patienten sei psychisch 

und körperlich massiv reduziert, so dass er aktuell arbeitsunfähig sei. Bei Weiterführung 

der intensiven ambulanten und teilstationären Therapie sei zu erwarten, dass im Laufe der 

nächsten 6 bis 12 Monate eine Arbeitsfähigkeit bis zu 50 % erreicht werden könne (IV-act. 

30).

Bericht von Dr. med. E._____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 11. 

Dezember 2013 (Psychiatrisches Konsilium)

Er halte die Zuweisungsdiagnose einer schweren anhaltenden (somatoformen) Schmerz-

störung als die wahrscheinlichere, die coenästhopathische (coenästhetische) Schizophre-

nie als eine wichtige Differentialdiagnose. Angesichts des Verlaufs sei, unabhängig davon 

welche der beiden Diagnosen zutreffe, davon auszugehen, dass seit geraumer Zeit aus-

serhalb eines therapeutischen Rahmens eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Mit ei-

ner Spontanremission sei nicht zu rechnen, doch könne es durchaus zu Phasen der vor-

übergehenden Besserung kommen (IV-act. 67 S. 6 ff.).

Bericht von med. pract. F._____, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 

15. Januar 2014 (Abgebrochene Begutachtung)

Die Untersuchung habe wegen mangelnder Kooperation und fehlender Auskunftsbereit-

schaft des Exploranden abgebrochen werden müssen. Es könnten deshalb nur Verdachts-

diagnosen gestellt werden: V.a. hypochondrische Störung (Differentialdiagnose: undiffe-

renzierte Somatisierungsstörung), akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstischen 

und querulatorischen Anteilen, V.a. narzisstische Persönlichkeitsstörung, anamnestisch 

rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig vollständig remittiert (IV-act. 64 S. 1 ff.).

Stellungnahme von med. pract. F._____ vom 25. Februar 2014

Dr. med. E._____ sei „aus Zeitgründen“ nicht auf die Kindheit und Adoleszenz eingegan-

gen. Dies wäre aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht wesentlich gewesen, um die Per-

sönlichkeitsentwicklung zu eruieren und damit Rückschlüsse auf allfällige persönlich-

keitsstrukturelle Besonderheiten vorzunehmen. Letztere wirkten sich auf eine allfällige 

psychische oder psychosomatische Krankheit aus, sie könnten das Krankheitsbild überla-

gern und verzerren. Vor dem Hintergrund des beschriebenen Psychostatus lasse sich die 

diagnostische Beurteilung beziehungsweise die differentialdiagnostische Überlegung von 

Dr. med. E._____ nicht nachvollziehen. Die für eine Schizophrenie erforderlichen Sym-

ptome seien beim Exploranden nicht explizit beschrieben worden (IV-act. 69).

- 20 -

Gutachten von Dr. med. G._____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 

20. August 2014

Es lägen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert, und eine Hypo-

chondrische Störung vor. Bei der Untersuchung habe es keine Hinweise auf starke 

Schmerzen oder Atemnot gegeben. Es bestehe eine starke Aggravation. Die Arbeitsfähig-

keit sei weder in der bisherigen noch in einer adaptierten Tätigkeit eingeschränkt. Zuvor 

sei die Arbeitsfähigkeit infolge der depressiven Episoden phasenweise vorübergehend 

eingeschränkt gewesen (IV-act. 84).

Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. med. I._____, Facharzt FMH für Physikalische Medi-

zin und Rehabilitation, für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin, vom 28. Au-

gust 2014

Das Gutachten von Dr. med. G._____ sei in sich widerspruchsfrei, die getroffenen Beur-

teilungen seien in sich schlüssig und die medizinischen Schlussfolgerungen seien plausi-

bel nachvollziehbar (IV-act. 85 S. 13).

Bericht der behandelnden Ärztin Dr. med. H._____, Fachärztin FMH für Psychiatrie und 

Psychotherapie, vom 25. September 2014

Es liege eine generalisierte Angststörung vor mit Zeichen einer vegetativen Übererregbar-

keit mit Benommenheit, Tachypnoe, Wärmegefühlen, motorischer Spannung, Sorge über 

eine schwere Erkrankung, Nervosität und Stimmungsschwankungen. Zudem leide der Be-

schwerdeführer unter einer dissoziativen Bewegungs- und Empfindungsstörung, als deren 

Auslöser sie die mögliche Verdachtsdiagnose Lungenkrebs im Oktober 2010 sehe. Die 

kognitive Leistungsfähigkeit, die Aufmerksamkeit und die Ausdauer seien deutlich einge-

schränkt, so dass der Beschwerdeführer seit Februar 2011 einer regelmässigen Tätigkeit 

nicht nachgehen könne, egal welcher Art (Beilagen des Beschwerdeführers [Bf-act.] 9).

Bericht von Dr. med. H._____ vom 25. November 2014

Sie habe erst für diese Stellungnahme Einblick in alle relevanten Vorakten erhalten. Sie 

könne Dr. med. G._____ darin folgen, dass eine hypochondrische Störung vorliege. Zu-

sammen mit der generalisierten Angststörung habe diese zu einer andauernden Persön-

lichkeitsveränderung nach psychischer Krankheit geführt. Die rezidivierende depressive 

Störung sei gegenwärtig remittiert. Die andauernde Persönlichkeitsveränderung führe zu 

einer sozialen und beruflichen Beeinträchtigung, die Erkenntnisfähigkeit, die Wertungs-

fähigkeit und die Fähigkeit zur Willensbildung seien beeinträchtigt. Sie gehe davon aus, 

dass durch die kombinierte Therapie mittels Medikamenten und Psychotherapie die kör-

perliche und kognitive Leistungsfähigkeit und damit die Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt 

- 21 -

werden könnten. Die Behandlungszeit werde aber mehrere Monate respektive Jahre um-

fassen (Bf-act. 13).

8.2. Die in der vorangehenden Erwägung zitierten ärztlichen Beurteilungen di-

vergieren stark, sowohl bezüglich der Diagnosen als auch bezüglich der 

Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Während Dr. med. G._____ in seinem 

Gutachten vom 20. August 2014 (IV-act. 84) von einer uneingeschränkten 

Arbeitsfähigkeit ausging, erachteten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte 

sowie der Konsiliararzt Dr. med. E._____ den Beschwerdeführer für 

vollständig arbeitsunfähig. Dr. med. G._____ setzte sich zwar mit den ab-

weichenden Diagnosen der anderen Ärzte auseinander, erklärte aber nicht 

überzeugend, weshalb er die Arbeitsfähigkeit diametral anders einschätzte 

(IV-act. 84 S. 81 ff.). Eine solche Erklärung wäre angesichts der Aktenlage 

notwendig gewesen. Auch Dr. med. I._____ vom RAD ging in seiner Ab-

schlussbeurteilung vom 28. August 2014 (IV-act. 85 S. 13) nicht auf die 

Diskrepanzen ein. Entgegen der Ansicht der IV-Stelle konnte deshalb nicht 

auf das Gutachten von Dr. med. G._____ abgestellt werden. Entgegen der 

Ansicht des Beschwerdeführers konnte aber auch nicht auf die Beurteilung 

von Dr. med. H._____ abgestellt werden, da Berichte von behandelnden 

Ärzten nach der Rechtsprechung nicht den gleichen Rang haben wie von 

den IV-Stellen eingeholte Gutachten versicherungsexterner Fachärzte (vgl. 

vorne E.5.2). 

9. Weil die vorhandenen ärztlichen Unterlagen keine zuverlässige Beurteilung 

der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubten, wurde ein Gerichts-

gutachten eingeholt (BGE 137 V 210 E.4.4.1.5). Dabei kam Dr. med. 

K._____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in seinem 

psychiatrischen Gerichtsgutachten vom 20. Januar 2017 zum Schluss, der 

Beschwerdeführer leide unter einer histrionischen Persönlichkeitsstörung 

(ICD-10 F60.4) sowie unter dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungs-

störungen (ICD-10 F44.6), und seit Juni 2011 liege eine vollständige Ar-

- 22 -

beitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Geschäftsmann in 

der Sportartikelbranche und auch in anderen alternativen Tätigkeiten vor 

(Gerichtsgutachten [GGA] S. 228 und S. 237). Auf diese Beurteilung kann 

– aus den nachfolgend dargelegten Gründen - abgestellt werden.

9.1. Dr. med. K._____ ist als Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, 

als Mitglied der Schweizerischen Akademie für psychosomatische und psy-

chosoziale Medizin SAPPM sowie als zertifizierter medizinischer Gutachter 

SIM für die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwer-

deführers qualifiziert. Sein Gutachten hat als Gerichtsgutachten nach der 

Rechtsprechung grundsätzlich grossen Beweiswert. Davon abzuweichen 

wäre nur, wenn zwingende Gründe vorlägen, mithin wenn die Gerichtsex-

pertise in sich widersprüchlich wäre, oder wenn triftige Meinungsäusserun-

gen anderer Fachexperten das Gerichtsgutachten in Frage stellen würden 

(BGE 142 V 269 E.6.2.3.2, vgl. vorne E.5.2). Wie nachstehend im Detail 

aufgezeigt wird, gibt es vorliegend keine solchen zwingenden Gründe für 

ein Abweichen von der Gerichtsexpertise.

9.2. Dr. med. K._____ gestaltete den Aktenauszug in drei Teilen. In einem ers-

ten Teil listete er sämtliche relevanten Akten unter Angabe des Datums, 

des Autors und des Auftraggebers auf (GGA S. 6 - 18). In einem zweiten 

Teil verfasste er eine „Anamnese im Spiegel der Akten“, wo er in einem 

Fliesstext die Biografie des Beschwerdeführers anhand der Akten nach-

zeichnete und die früheren Befunde und Diagnosen zitierte (GGA S. 19 – 

56). In einem dritten Teil schliesslich zitierte er unter dem Titel „Strittige 

Voruntersuchungen“ die Berichte der Dres. med. E._____, F._____, 

G._____ und H._____ (GGA S. 57 – 110). Dieser Aktenauszug ist nicht zu 

beanstanden. Dr. med. K._____ ging auf alle wesentlichen Vorakten ein 

und stellte deren Inhalt vollständig, unverfälscht und objektiv dar. Darüber 

hinaus belegt das Aufzeigen der biografischen Zusammenhänge, dass Dr. 

- 23 -

med. K._____ die Vorakten nicht nur mechanisch zur Kenntnis genommen, 

sondern dass er sich intensiv mit der Vorgeschichte auseinander gesetzt 

hat.

Die SGPP-Qualitätsleitlinien (vgl. vorne E.5.4) empfehlen einen einteiligen 

Aktenauszug, in welchem sämtliche relevanten Aktenstücke in chronologi-

scher Reihenfolge unter Angabe von Autor, Datum, Auftraggeber respek-

tive Adressat sowie relevanten Diagnosen und Befunden aufzulisten sind 

(S. 8 Ziff. 2). Dieser Empfehlung genügt der Aktenauszug im Gerichtsgut-

achten. In den drei Kapiteln „Quellenverzeichnis“, „Anamnese im Spiegel 

der Akten“ und „Strittige Voruntersuchungen“ sind alle geforderten Ele-

mente enthalten, und im Kapitel „Anamnese im Spiegel der Akten“ wird 

durch regelmässige Verweise ausreichend transparent gemacht, auf wel-

che Vorakten sich die jeweiligen Ausführungen beziehen. 

Die IV-Stelle kritisiert gestützt auf die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. 

med. L._____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 16. 

Februar 2017, es fehle ein objektiver Aktenauszug. Dr. med. K._____ habe 

in seiner „Anamnese im Spiegel der Akten“ regelmässig Kommentare ein-

gefügt, in welchen bereits „ein roter Faden“ erkennbar sei, als wenn diese 

Kommentare am Ende, nach erfolgter Meinungsbildung und Beurteilung 

eingefügt worden wären. Diese Zusammenfügung eines frühen Prozess-

schrittes - Aufarbeitung der Chronologie - und eines späten Prozessschrit-

tes direkt untereinander irritiere (RAD-Stellungnahme S. 1). Diese Kritik ist 

nicht stichhaltig. Nach den SGPP-Qualitätsleitlinien können im Rahmen 

des Aktenauszugs Hinweise des Gutachters vorgenommen werden, so-

lange sie entsprechend gekennzeichnet sind (S. 8 Ziff. 2). Dr. med. 

K._____ hat seine Kommentare meistens mit dem Titel „KOMMENTAR“ 

versehen und durch eine Rahmenlinie vom übrigen Text abgehoben (GGA 

S. 19 – 57). Selten kommentierte er auch im Fliesstext, stellte aber auch 

- 24 -

diesfalls immer den Titel „Kommentar“ voran (z.B. GGA S. 48). Dadurch 

kann der Leser Fakten und Kommentare problemlos auseinanderhalten. 

9.3. Die IV-Stelle kritisiert, Dr. med. K._____ habe nach der Ansicht des RAD-

Arztes Dr. med. L._____ bei der Darstellung der früheren Rückenproble-

matik des Beschwerdeführers unzutreffende organmedizinische Aus-

führungen gemacht. Er habe übersehen, dass durch einen freien Band-

scheiben-Sequester im Spinalkanal eine seitenwechselnde Symptomatik 

bei einem Bandscheibenvorfall möglich sei (RAD-Stellungnahme S. 1). In 

seiner Stellungnahme vom 5. Oktober 2017 hielt Dr. med. K._____ entge-

gen, er habe in seiner Rolle als psychiatrischer Gutachter nicht die Aufgabe 

gehabt, eine neurologische Differentialdiagnose in Betracht zu ziehen. Er 

habe sich korrekterweise auf die neurologischen Berichte der Dres. med. 

P._____ und Q._____ gestützt, welche einen Bandscheiben-Sequester 

verneint hätten (Stellungnahme Gerichtsgutachter S. 38 ff.). Diese Er-

klärung leuchtet ein und vermag die Kritik von Dr. med. L._____ zu entkräf-

ten. 

9.4. Dr. med. K._____ erstattete sein Gutachten aufgrund eingehender Beob-

achtungen und Untersuchungen. Er führte am 19. Mai 2016 und am 22. 

November 2016 gutachterliche Interviews mit dem Beschwerdeführer 

durch (GGA S. 144 ff. und S. 168 ff.) und erhob dabei durch eine differen-

zierte Verhaltensbeobachtung einen detaillierten, den Vorgaben der Ar-

beitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie 

AMDP folgenden Befund (GGA S. 175 ff.). Er interviewte auch die Schwes-

ter des Beschwerdeführers (GGA S. 154 ff.) sowie seine damalige Partne-

rin und seine Mutter (GGA S. 158 ff.). Weiter stützte er sich auf drei Texte, 

die der Beschwerdeführer selber verfasst hatte (Einwand vom 1. April 2014 

an die IV-Stelle mit dem Titel „Gesundheit verloren – Firma verloren – Woh-

nung verloren – Familie verloren – Freunde verloren“ [GGA S. 111 ff.], Ta-

- 25 -

gebuchnotizen mit dem Titel „Mein Leben“ mit Einträgen von Juni und De-

zember 2014 [GGA S. 128 ff.], E-Mail vom 1. Januar 2017 über die aktuel-

len Lebensumstände [GGA S. 171 ff.]). Dr. med. K._____ stand zudem ein 

Bericht vom 3. Januar 2017 zur Verfügung, in welchem Dr. med. H._____ 

über die ambulante psychotherapeutische Behandlung informierte (GGA S. 

174). Damit verfügte Dr. med. K._____ über ausreichende Grundlagen für 

die Diagnosestellung und die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Be-

schwerdeführers. Die IV-Stelle erhebt denn auch diesbezüglich keine Ein-

wände.

9.5. Nach der Rechtsprechung haben sich psychiatrische Gutachter bei der Dia-

gnosestellung auf ein anerkanntes Klassifikationssystem zu stützen, mithin 

auf die ICD-10, das von der Weltgesundheitsorganisation WHO herausge-

gebene internationale Klassifikationssystem für Krankheiten, oder auf das 

DSM, das von der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft heraus-

gegebene diagnostische und statistische Manual psychischer Störungen 

(BGE 139 V 547 E.7.2, 137 V 295 E.5.3.2). Ein ergänzendes Abstellen auf 

die OPD, die operationalisierte psychodynamische Diagnostik, ist nach der 

Rechtsprechung möglich aber nicht zwingend (Urteil des Bundesgerichts 

8C_105/2014 vom 4. Juli 2014 E.3.3.3). Dr. med. K._____ stützte sich bei 

der merkmalbasierten Diagnostik auf die ICD-10 und für die psychodyna-

mischen Zusammenhänge ergänzend auf die OPD (GGA S. 181). Dieses 

Vorgehen ist somit korrekt.

9.6. Dr. med. K._____ diagnostizierte eine histrionische Persönlichkeitsstörung 

und dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen. Damit ordnete 

er die vom Beschwerdeführer gezeigten Symptome und Auffälligkeiten er-

neut anders ein als die früher involvierten Ärzte, was den Eindruck ver-

stärkt, dass das Beschwerdebild des Beschwerdeführers diagnostisch 

schwer fassbar ist (vgl. vorne E.8). Auf die Diagnosen von Dr. med. 

- 26 -

K._____ kann aber trotz deren Abweichung von den früheren Diagnosen 

abgestellt werden. Denn nach der Rechtsprechung eröffnet eine psychia-

trische Exploration dem begutachtenden Psychiater praktisch immer einen 

Spielraum für verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen, 

was zulässig und zu respektieren ist, sofern der Experte lege artis vorge-

gangen ist (vgl. vorne E.5.3). Letzteres ist vorliegend der Fall. Dr. med. 

K._____ leitete die Diagnosen in ausführlicher Auseinandersetzung mit den 

Kriterien der ICD-10 und der OPD her und setzte sich eingehend mit den 

abweichenden Diagnosen der übrigen Ärzte auseinander (GGA S. 181 – 

228). Dr. med. L._____ führte in seiner RAD-Stellungnahme vom 16. Feb-

ruar 2017 dazu denn auch aus, die Auseinandersetzung mit Differentialdia-

gnosen und diagnostischen Zuordnungen in bisherigen Berichten und Gut-

achten sei mehrheitlich umfangreich und nachvollziehbar erfolgt, und das 

Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung und einer Störung aus dem „soma-

toformen/-psychosomatischen/-funktionellen Bereich“ sei plausibel (RAD-

Stellungnahme S. 3 und 4).

9.7. Die IV-Stelle kritisiert, es bestehe gemäss Dr. med. L._____ ein Wider-

spruch zwischen der Tatsache, dass der Beschwerdeführer eine Zeit lang 

eine sehr erfolgreiche und engagierte berufliche Tätigkeit und gleichzeitig 

eine adäquate Teilhabe am Familienleben habe bewerkstelligen können, 

und der Tatsache, dass Persönlichkeitsstörungen anhaltenden Charakter 

hätten und in der Regel in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter 

aufträten (RAD-Stellungnahme S. 3). Dieser Kritikpunkt ist zu relativieren. 

Er steht im Widerspruch dazu, dass Dr. med. L._____ das Vorliegen einer 

Persönlichkeitsstörung - wie in der vorstehenden Erwägung erwähnt - als 

plausibel bezeichnete. Dennoch sei erwähnt, dass Dr. med. K._____ die-

sen Kritikpunkt in seiner Stellungnahme vom 5. Oktober 2017 weitgehend 

zu entkräften vermochte. Er erklärte, klinische Erfahrung und neuere For-

schungsergebnisse lehrten, dass Persönlichkeitsstörungen entgegen der 

- 27 -

Umschreibung in der aktuellen ICD-10 keinen andauernden Charakter hät-

ten und der Ausprägungsgrad beziehungsweise die Dysfunktionalität der 

Merkmale wechseln könne. In kritischen Lebenssituationen könnten Per-

sönlichkeitsstörungen demaskiert werden und es komme zu Symptomak-

zentuierungen beziehungsweise Dekompensationen, welche indessen 

nicht dauerhaft sein müssten. Dr. med. K._____ stützte sich dabei auf die 

Literatur und auf persönliche Nachfragen bei Spezialisten für Persönlich-

keitsstörungen (Stellungnahme Gerichtsgutachter S. 4 ff.).

9.8. Es hat sich gezeigt, dass auf die von Dr. med. K._____ gestellten Diagno-

sen abgestellt werden kann. Zu kritisieren ist indessen, dass Dr. med. 

K._____ die Diagnosen auf eine Art und Weise herleitete, die für psychia-

trische Laien nur äusserst schwer nachvollziehbar ist (GGA S. 181 – 228). 

In einem umfangreichen Kapitel diskutierte er auf über 40 eng bedruckten 

Seiten die Kriterien der in Frage kommenden Diagnosen gemäss der ICD-

10 und der OPD. Dabei blieb er über weite Teile theoretisch und nahm nur 

wenig Bezug auf den konkreten Fall. Zudem erscheinen seine theoreti-

schen Ausführungen recht weitschweifig, die Relevanz für den konkreten 

Fall erschliesst sich dem psychiatrischen Laien teilweise nur schwer. In sei-

ner Stellungnahme vom 5. Oktober 2017 führte Dr. med. K._____ dazu aus, 

die Veranschaulichung habe im Gerichtsgutachten fraglos stattgefunden, 

beginnend mit der ausführlichen Anamnese und danach der detailreichen, 

protokollarischen Darlegung der Aussagen des Beschwerdeführers und 

seiner Angehörigen. Die Kenntnis dieses reichen fallbezogenen Materials 

müsse bei der Lektüre der Beurteilung vorausgesetzt werden (Stellung-

nahme Gerichtsgutachter S. 47). Darin kann Dr. med. K._____ nicht gefolgt 

werden. Als Gutachter in einem invalidenversicherungsrechtlichen Be-

schwerdeverfahren hatte er die Aufgabe, die theoretischen Ausführungen 

auf das Nötigste zu beschränken, und die sich stellenden Fragen in einer 

Art und Weise zu klären, die für die Richterinnen und Richter möglichst 

- 28 -

einfach und unkompliziert nachvollziehbar ist. Angesichts der Fülle der 

Quellen und der Komplexität des Falles hätte er nicht erwarten dürfen, dass 

die Richterinnen und Richter die Bezüge ohne weiteres selber herstellen 

können. Vielmehr hätte er die theoretischen Ausführungen immer in einen 

direkten Bezug zu den jeweiligen Aspekten des konkreten Falles stellen 

müssen. 

9.9. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit leitete Dr. med. K._____ mit zutreffen-

den theoretischen Erklärungen ein (GGA S. 229 ff.). Darauf untersuchte er 

differenziert, inwieweit die Symptome der diagnostizierten psychischen 

Krankheiten sich beim Beschwerdeführer als Störungen der Fähigkeiten 

äusserten (GGA S. 235 ff.). Dabei erwähnte er insbesondere das Unver-

mögen, zwischenmenschlichen Umgang den Verhältnissen anzupassen, 

Eigenlogik und Missachtung von interpersonell verbindlichen Realitäten, 

ungenügende Unterscheidung zwischen Phantasie und Realität, einge-

schränkte Kontaktfähigkeit, eingeschränkte Aufmerksamkeit und Konzen-

tration, Erinnerungsverfälschungen und grenzüberschreitendes Kontakt-

verhalten. Dr. med. K._____ analysierte sodann die Fähigkeitsstörungen 

mithilfe des Mini-ICF-Rating, einem Instrument zur Fremdbeurteilung von 

Aktivitäts- und Partizipationsstörungen bei psychischen Erkrankungen in 

Anlehnung an die internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Be-

hinderung und Gesundheit (ICF) der WHO. Dabei kam er zum Schluss, 

dass in 11 von 12 Dimensionen psychischen Funktionierens Einschränkun-

gen festzustellen seien, nämlich bei der Fähigkeit zur Anpassung an Re-

geln und Routinen, der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Auf-

gaben, der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, der fachlichen Kompe-

tenz, der Durchhaltefähigkeit, der Selbstbehauptungsfähigkeit, der Kon-

taktfähigkeit zu Dritten, der Gruppenfähigkeit, der Fähigkeit zu familiären 

beziehungsweise intimen Beziehungen, der Fähigkeit zu ausserberuflichen 

Aktivitäten sowie der Fähigkeit zur Selbstversorgung. Erklärend führte er 

- 29 -

dazu aus, die Symptomatik begründe in solch hohem Masse Fähigkeitss-

törungen, weil es sich um Denk-, Erlebens- und Verhaltensweisen handle, 

die als Interaktionsmuster in Erscheinung träten und somit den Kontakt 

massgeblich behinderten (GGA S. 236). In einem weiteren Schritt befasste 

sich Dr. med. K._____ mit den Ressourcen. Dabei kam er zum Schluss, 

das mässig bis gering integrierte, phasenweise sogar als desintegriert ein-

zustufende Strukturniveau des Beschwerdeführers erkläre einen eklatan-

ten Mangel an Ressourcen. Die strukturelle Störung der Persönlichkeit be-

gründe Zwangläufigkeiten des Handelns. Der Beschwerdeführer habe ein 

brüchiges Selbstbild und sei in Rollen verfangen, er agiere getrieben von 

Angst und könne deshalb nicht selbstbestimmt handeln. Damit fehle ihm 

die Kraft des eigenen Willens, um aus einem Leistungsvermögen zu schöp-

fen und eine Leistung verlässlich abzurufen. Der Beschwerdeführer weise 

in hohem Masse unbewusstes und nicht kontrollierbares Fehlverhalten auf, 

welches in einem gewöhnlichen Arbeitsumfeld nicht sozialverträglich sei. 

Mit dieser einleuchtenden und nachvollziehbaren Begründung schätzte Dr. 

med. K._____ den Beschwerdeführer in der bisherigen und in adaptierten 

Tätigkeiten seit Juni 2011 als vollständig arbeitsunfähig ein (GGA S. 237). 

Seine Einschätzung deckt sich mit den Einschätzungen der behandelnden 

Ärzte, insbesondere mit derjenigen von Dr. med. H._____ (Bf-act. 9 und 

13), sowie mit derjenigen des konsiliarischen Gutachters Dr. med. E._____ 

(IV-act. 67 S. 11). Anders wurde die Arbeitsfähigkeit zuvor nur vom Admi-

nistrativgutachter Dr. med. G._____ eingeschätzt, wie bereits erwähnt aber 

ohne überzeugende und nachvollziehbare Begründung (vgl. vorne E.8).

9.10. Die IV-Stelle kritisiert gestützt auf die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. 

med. L._____ vom 16. Februar 2017 die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit 

durch Dr. med. K._____ in verschiedenen Punkten. Wie nachstehend ge-

zeigt wird, ist diese Kritik nicht stichhaltig.

- 30 -

9.10.1. Nach der Rechtsprechung ist die Arbeitsfähigkeit anhand des Indikatoren-

katalogs ergebnisoffen zu beurteilen (BGE 141 V 281 E.3.6). Die IV-Stelle 

ist der Ansicht, diese Ergebnisoffenheit sei beim Gerichtsgutachten nicht 

gegeben, es steuere gemäss Dr. med. L._____ sozusagen „in eine Rich-

tung“, was sich ab Anfang in den „Kommentaren“ abbilde (RAD-Stellung-

nahme S.3). Dr. med. K._____ wies den Vorwurf der Voreingenommenheit 

in seiner Stellungnahme vom 5. Oktober 2017 entschieden zurück. Er 

machte geltend, gerade weil die Ergebnisse lange offen gewesen seien, 

habe er mit grossem Aufwand um Ergebnisse gerungen. Man erkenne die-

ses Ringen am Detaillierungsgrad und an der ungewöhnlichen Textlänge. 

Der enorme gutachterliche Aufwand widerspiegle einen langen und lange 

Zeit ergebnisoffen geführten Prozess der Erkenntnis. Der immense Auf-

wand für die Explorationen des Beschwerdeführers und seiner Angehöri-

gen lasse darauf schliessen, dass immer wieder Fragen aufgetaucht seien, 

die nach zusätzlichen Antworten verlangt hätten. Ein ergebnisfixiertes Gut-

achten wäre dagegen rasch und kurz erledigt gewesen (Stellungnahme 

Gerichtsgutachter S. 53 ff.). Dem kann gefolgt werden. Aus dem Inhalt der 

Kommentare wird denn auch deutlich, dass sie nicht ergebnisfixiert bereits 

während des Aktenstudiums eingefügt wurden, sondern dass sie auf dem 

abgeschlossenen Meinungsbildungsprozess basieren und eine erklärende, 

einordnende Funktion haben. Dass dieser umfangreich kommentierte Ak-

tenauszug zwar ungewöhnlich aber nicht unzulässig ist, wurde bereits ge-

klärt (vgl. vorne E.9.2). 

9.10.2. Die IV-Stelle bemängelt, Dr. med. K._____ habe sich nicht mit der Möglich-

keit einer Teilarbeitsfähigkeit auseinander gesetzt. Gegen eine volle Ar-

beitsunfähigkeit spreche gemäss Dr. med. L._____ zum Beispiel, dass der 

Beschwerdeführer seine Tochter betreuen und mit ihr Ski fahren könne 

(RAD-Stellungnahme S. 3 f.). Dr. med. K._____ entgegnete, er sei auch als 

Rehabilitationspsychiater tätig und habe sich durchaus darüber Gedanken 

- 31 -

gemacht, ob und unter welchen Umständen der Beschwerdeführer einem 

Arbeitsumfeld zugemutet werden könnte. Teilarbeitsfähigkeit sei aber nur 

dann möglich, wenn sich die Folgen von Beeinträchtigungen eingrenzen 

liessen. Dies sei vorliegend nicht der Fall. Hier würden bei jeder Arbeits-

tätigkeit die Grenzen des ärztlich zumutbaren überschritten, für den Be-

schwerdeführer selber und für diejenigen, die mit ihm als Kunden, Mitarbei-

ter oder Vorgesetzte zu tun hätten. Bei einer qualitativ dermassen ausge-

prägten Leistungsminderung in Form einer Sozialunverträglichkeit könnten 

eingrenzende Einsatzmuster des Arbeitens wie kürzere Arbeitszeiten mit 

und ohne reduzierte Leistung nicht ohne Schaden für alle Beteiligten ange-

wendet werden. Dass die Funktionsstörungen mit Auswirkung auf die Be-

ziehungsgestaltung die Grenzen des Zumutbaren auch für die Angehörigen 

immer wieder überschritten hätten, gehe deutlich aus der Befragung der 

Angehörigen hervor (Stellungnahme Gerichtsgutachter S. 14 ff.). Auch ge-

genüber der Tochter sei das Beziehungsverhalten gestört. Dass der Be-

schwerdeführer sie ab und zu betreue oder etwas mit ihr unternehme, be-

deute nicht, dass er die Vaterrolle über längere Zeit und auf eine angemes-

sene Weise erfüllen könne (Stellungnahme Gerichtsgutachter S. 24 ff.). 

Weiter führte Dr. med. K._____ aus, mit dem Hinweis aufs Skifahren fokus-

siere Dr. med. L._____ auf eine körperliche Aktivität, welche angesichts der 

histrionischen Persönlichkeitsstörung für die Arbeitsfähigkeit des Be-

schwerdeführers nicht relevant sei (Stellungnahme Gerichtsgutachter S. 

36). Damit vermag Dr. med. K._____ einleuchtend zu erklären, dass ent-

gegen der Ansicht der IV-Stelle ein vollständig invalidisierender psychi-

scher Gesundheitsschaden vorliegt.

9.10.3. Die IV-Stelle macht geltend, dass gemäss der Ansicht von Dr. med. 

L._____ keine genügende Konsistenzprüfung vorliege (RAD-Stellung-

nahme S. 4). Dem kann nicht gefolgt werden. Dr. med. K._____ entgegnete 

in seiner Stellungnahme zu Recht, im Gutachten auf Seite 232 unter der 

- 32 -

Überschrift „Konstanz, Konsistenz, Ressourcen“ könne keine fallbezogene 

Konsistenzprüfung erwartet werden. Er habe an dieser Stelle im Rahmen 

des Abschnitts „Leitlinien für die Beurteilung von Arbeitsfähigkeit“ lediglich 

auf die Wichtigkeit der Konsistenzprüfung hingewiesen. Die fallbezogene 

Konsistenzprüfung beziehungsweise Diskrepanzanalyse durchziehe das 

Gutachten wie ein roter Faden und konzentriere sich im Kapitel „Gibt es 

(auch) ein psychopathologisch nicht begründbares Nicht-Wollen?“ (Stel-

lungnahme Gerichtsgutachter S. 29 ff.). In der Tat untersuchte Dr. med. 

K._____ in diesem Kapitel die Plausibilität der Symptomatik und der damit 

einhergehenden Funktionsstörungen sowie das Vorliegen von Selbstlimi-

tierung, Aggravation oder Simulation. Dabei kam er in nachvollziehbarer 

Weise zum Schluss, es lägen kein psychopathologisch nicht begründbares 

Vermeidungsverhalten und keine symptommodulierenden Darstellungsfor-

men vor (GGA S. 238). 

9.10.4. Die vom Bundesgericht in BGE 141 V 281 im Rahmen der Kategorie "Kon-

sistenz" aufgeführten Indikatoren „Gleichmässige Einschränkung des Akti-

vitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen“ und „Behandlungs- 

und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck“ lassen 

sich gestützt auf das Gerichtsgutachten und die ergänzende Stellung-

nahme hinreichend beurteilen. So beschrieb Dr. med. K._____, dass der 

Beschwerdeführer ein sehr zurückgezogenes Leben führe und ausser zu 

seinen engsten Angehörigen kaum Kontakte pflege, dass er bei der Bewäl-

tigung der alltäglichen Aufgaben intensive Unterstützung brauche und dass 

er die Tochter nur phasenweise betreuen und im Haushalt nur einzelne Auf-

gaben übernehmen könne. In seiner Stellungnahme führte Dr. med. 

K._____ aus, das hochgradig krankheitswertige Beziehungsverhalten im 

Rang der Sozialunverträglichkeit komme in transsituativer Konsistenz über 

alles Berufliche und Private hinweg zum Tragen (Stellungnahme Gerichts-

gutachter S. 28 ff.). Mit dem von Dr. med. K._____ beschriebenen, konstant 

- 33 -

tiefen Aktivitätsniveau stehen die sportlichen Aktivitäten des Beschwerde-

führers nicht in Widerspruch. Der Beschwerdeführer wählte nämlich durch-

wegs Sportarten, welche er allein ausüben konnte (Biken, Schwimmen, 

Skifahren), so dass sich dabei die histrionische Störung ihrer Natur ent-

sprechend kaum einschränkend auswirkte. Dass behandlungsanamnes-

tisch ein Leidensdruck besteht, lässt sich sodann daran erkennen, dass der 

Beschwerdeführer seit dem Herbst 2010 immer wieder ärztliche Hilfe be-

anspruchte. Nebst verschiedenen somatischen Abklärungen (vgl. vorne 

E.7) wurde er stationär in der Clinica Holistica Engiadina und dreimal in 

einer psychiatrischen Klinik behandelt und war ansonsten immer in ambu-

lanter psychiatrischer Behandlung, zuletzt seit Juni 2014 bei Dr. med. 

H._____. Dass dabei die Therapieadhärenz eher schwankend und insge-

samt reduziert war, ist gemäss Dr. med. K._____ und Dr. med. L._____ 

krankheitsbedingt (RAD-Stellungnahme S. 2). Es kann somit festgehalten 

werden, dass das Gutachten von Dr. med. K._____ eine rechtsgenügliche 

Konsistenzprüfung enthält, und dass Dr. med. K._____ vor dem Hinter-

grund der Konsistenz-Indikatoren gemäss BGE 141 V 281 zu Recht nicht 

von wesentlichen Diskrepanzen ausging.

9.11. Im Kapitel „Anliegen, Fragen, Querverweise“ zitierte Dr. med. K._____ den 

Fragenkatalog des Verwaltungsgerichtes und gab dazu an, auf welchen 

Seiten des Gutachtens die Antworten auf diese Fragen zu finden sind (GGA 

S. 243 f.). Auch die Ergänzungsfragen der IV-Stelle beantwortete er auf 

diese Weise (GGA S. 244 ff.). Diese Ergänzungsfragen hatte die IV-Stelle 

mit Schreiben vom 30. Dezember 2015 eingereicht. Sie entsprechen dem 

Fragenkatalog, den das Bundesamt für Sozialversicherungen gestützt auf 

BGE 141 V 281 erarbeitet und für die IV-Stellen für verbindlich erklärt hatte 

(IV-Rundschreiben Nr. 339 vom 9. September 2015). Eine Überprüfung der 

Verweise zeigt, dass Dr. med. K._____ alle Fragen eingehend behandelte. 

- 34 -

Damit steht fest, dass das Gerichtsgutachten alle gemäss BGE 141 V 281 

relevanten Fragen beantwortet.

10. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass dem Gerichtsgutach-

ten von Dr. med. K._____ vom 20. Januar 2017 in den wesentlichen Punk-

ten volle Beweiskraft beigemessen werden kann und dass die von der IV-

Stelle erhobenen Rügen nicht zutreffen oder nur unwesentliche Punkte be-

treffen. Das Gutachten von Dr. med. K._____ erfüllt sowohl die mit BGE 

141 V 281 definierten versicherungsmedizinischen Massstäbe wie auch die 

allgemeinen rechtlichen Beweisanforderungen (BGE 134 V 231 E. 5.1). Es 

ist deshalb gestützt auf das Gerichtsgutachten von einer 100%igen Arbeits-

unfähigkeit auszugehen. Eine davon losgelöste juristische Parallelüberprü-

fung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens soll nach der 

Rechtsprechung nicht stattfinden (Urteil des Bundesgerichts 9C_307/2017 

vom 11. Januar 2018 E.5.1.2).

11. Bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit liegt das hypothetische Invalidenein-

kommen des Beschwerdeführers bei Fr. 0.--, sein Invaliditätsgrad demnach 

bei 100 %, so dass er Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat (Art. 28 

Abs. 2 IVG, Art. 16 ATGS).

12. Geklärt wird nun die Frage, ab welchem Zeitpunkt der Beschwerdeführer 

Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat.

12.1. Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG  entsteht der Rentenanspruch frühestens nach 

Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsan-

spruchs. Vorliegend datiert das Gesuch des Beschwerdeführers vom 12. 

Oktober 2011 (IV-act. 2), so dass der Rentenanspruch frühestens am 12. 

April 2012 entstehen konnte.

- 35 -

12.2. Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG beginnt der Rentenanspruch zudem erst, 

nachdem der Versicherte während eines Jahres ohne wesentlichen Unter-

bruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist. Der 

Beschwerdeführer macht geltend, diese Voraussetzung erfülle er seit De-

zember 2010. Worauf er sich dabei konkret stützt, gibt er indessen nicht an 

(Beschwerde S. 7), und in den Akten finden sich keine Arztberichte, welche 

bereits im Dezember 2010 eine anhaltende, über 40%ige Arbeitsunfähig-

keit attestieren würden. Auf diesen Zeitpunkt kann somit nicht abgestellt 

werden. In seiner Anmeldung bei der IV-Stelle gab der Beschwerdeführer 

an, er sei seit dem 10. Februar 2011 vollständig arbeitsunfähig (IV-act. 2 S. 

3). Er stützte sich dabei auf Dr. med. R._____, seinen damaligen Hausarzt 

in Y._____, welcher in seinem Bericht vom 29. März 2011 angab, der Be-

schwerdeführer sei seit dem 10. Februar 2011 zu 100 % arbeitsunfähig, die 

vollständige Arbeitsaufnahme erwarte er fürs Frühjahr 2011 (IV-act. 4 S. 2). 

Gemäss den Akten konnte der Beschwerdeführer daraufhin seine Tätigkeit 

als Geschäftsführer nur teilweise wieder aufnehmen. Den Ärzten des Uni-

versitätsspitals Zürich teilte er mit, er habe im April und im Mai 2011 zu 50 

% gearbeitet (IV-act. 18 S. 12) und auch gegenüber anderen Ärzten er-

wähnte er teilzeitliche berufliche Aktivitäten im Frühjahr 2011 (vgl. bspw. 

Gutachten Dr. med. G._____, IV-act. 84 S. 56 f.). Diese teilzeitliche Arbeits-

tätigkeit im April und im Mai 2011 stellt gemäss Art. 29ter der Verordnung 

über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201), wonach ein wesentli-

cher Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit vorliegt, wenn die versicherte Per-

son an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig ist, so-

mit keinen wesentlichen Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit dar. Die seit 

dem 10. Februar 2011 laufende Wartefrist wurde mit anderen Worten durch 

die teilzeitliche Arbeitstätigkeit im April und im Mai 2011 nicht unterbrochen. 

Für die Zeit ab dem 1. Juni 2011 ist sodann in den Akten keine Arbeitstätig-

keit mehr dokumentiert, und ab diesem Zeitpunkt wurde dem Beschwerde-

führer vom Gerichtsgutachter Dr. med. K._____ eine vollständige Arbeits-

- 36 -

unfähigkeit attestiert (GGA S. 237). Die einjährige Wartefrist gemäss Art. 

28 Abs. 1 lit. b IVG begann somit am 10. Februar 2011 und endete am 10. 

Februar 2012 (vgl. auch die angefochtene Verfügung vom 29. August 

2014).

12.3. Bei einem Ablauf der Frist gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG am 12. April 2012 

und einem Ablauf der Wartefrist gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG am 10. 

Februar 2012 ist der Beginn des Rentenanspruchs auf den 1. April 2012 

festzulegen.

13. Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG wird die Rente von Amtes wegen oder auf 

Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufge-

hoben, wenn sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich än-

dert. Vorliegend haben sich der Gutachter Dr. med. K._____ und der RAD-

Arzt Dr. med. L._____ zu der Frage geäussert, ob und in welchem Rahmen 

mit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit und damit einer Verringerung 

des Invaliditätsgrades zu rechnen ist. Im Gerichtsgutachten führte Dr. med. 

K._____ aus, die Fortführung einer psychiatrisch-psychotherapeutischen 

Behandlung sei zur Sicherung der Lebensqualität des Beschwerdeführers 

zweckmässig. Ein wesentlicher Einfluss auf die Arbeitsunfähigkeit sei auf 

absehbare Zeit allerdings nicht zu erwarten. An Eingliederungsmassnah-

men könne sich der Beschwerdeführer störungsbedingt nicht erfolgver-

sprechend beteiligen, sie seien ihm medizinisch nicht zumutbar. Die Pro-

gnose sei ungünstig (GGA S. 239 ff.). Dr. med. L._____ kritisierte diese 

Sichtweise, worauf Dr. med. K._____ seine Position in seiner Stellung-

nahme vom 5. Oktober 2017 relativierte. Es sei sehr schwer aber nicht 

gänzlich unmöglich, therapeutisch auf den Verlauf einer Persönlichkeitss-

törung Einfluss zu nehmen. Und es könne darauf gehofft werden, dass die 

Persönlichkeitsstörung zu einem nicht absehbaren Zeitpunkt rekompen-

siere. Es sei deshalb nicht ausgeschlossen, dass sich die gesundheitlichen 

- 37 -

Verhältnisse verbesserten. Er sei einverstanden mit dem Vorschlag von Dr. 

med. L._____, nach drei Jahren eine Rentenrevision durchzuführen (RAD-

Stellungnahme S. 4, Stellungnahme Gerichtsgutachter S. 8 und S. 18 ff.). 

Dr. med. L._____ und Dr. med. K._____ gaben ihre Einschätzung im Jahr 

2017 ab und regten somit eine Revision im Jahr 2020 an. Diese Anregung 

erscheint sinnvoll, die IV-Stelle ist deshalb gehalten, die dem Beschwerde-

führer zugesprochene Rente im Jahr 2020 von Amtes wegen revisions-

weise zu überprüfen.

14. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen und die angefochtene Verfügung 

vom 29. August 2014 ist aufzuheben. Der Beschwerdeführer hat ab dem 1. 

April 2012 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente basierend auf einer 

100%igen Arbeitsunfähigkeit. Diesen Rentenanspruch hat die IV-Stelle im 

Jahr 2020 einer amtlichen Revision zu unterziehen.

15. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkei-

ten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem 

kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach 

dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 

Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Vorliegend werden die Kosten auf 

Fr. 1000.-- festgesetzt. Sie sind angesichts des Verfahrensausganges der 

unterliegenden IV-Stelle aufzuerlegen.

16. Zu klären bleibt die Frage der Kosten für das Gerichtsgutachten und für die 

Stellungnahme des Gerichtsgutachters.

16.1. Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG übernimmt der Versicherungsträger die Kosten 

der Abklärung des Sachverhalts durch einen unabhängigen Sachverstän-

digen, wenn er die Massnahmen angeordnet hat oder wenn diese für die 

Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren. Dazu zählen nach der 

- 38 -

Rechtsprechung auch Gerichtsgutachten, die das Gericht einholen musste, 

weil die Abklärungen des Versicherers nicht ausreichend für die sachge-

rechte Beurteilung waren (BGE 140 V 70 E.6.1, 139 V 496 E.4.4, 137 V 

210 E.4.4.2). Voraussetzung für die Auferlegung der Kosten an die Verwal-

tung ist, dass ein Zusammenhang besteht zwischen dem Untersuchungs-

mangel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexper-

tise anzuordnen. Dies trifft namentlich zu bei einem manifesten Wider-

spruch zwischen den verschiedenen ärztlichen Beurteilungen, ohne dass 

die Verwaltung diesen durch objektiv begründete Argumente entkräftet hat, 

oder wenn zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte 

unbeantwortet geblieben sind oder auf eine Expertise abgestellt wurde, 

welche den Anforderungen an den Beweiswert ärztlicher Gutachten nicht 

genügt. Hat hingegen die Verwaltung den Untersuchungsgrundsatz nach 

Art. 43 Abs. 1 ATSG respektiert und ihre Auffassung auf objektive konver-

gente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rechtsgenüglichen Exper-

tise gestützt, ist die Überbindung der Kosten des Gerichtsgutachtens nicht 

gerechtfertigt (BGE 140 V 70 E.6.1). Die Kosten für eine Gerichtsexpertise 

stellen nicht Gerichtskosten im Sinne von Art. 69 Abs. 1bis IVG dar und un-

terliegen deshalb nicht der dort statuierten Beschränkung auf Fr. 1‘000.-- 

(Urteil des Bundesgerichts 9C_803/2013 vom 13. Februar 2014 E.4.1).

Im vorliegenden Fall war die Einholung eines Gerichtsgutachtens unerläss-

lich, weil die IV-Stelle die angefochtene Verfügung auf der Basis einer un-

genügenden medizinischen Beweislage erlassen hat. Sie hat auf das Gut-

achten von Dr. med. G._____ vom 20. August 2014 abgestellt, welches in 

der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit von den übrigen ärztlichen Einschät-

zungen diametral abwich, ohne dafür eine hinreichende und nachvollzieh-

bare Erklärung anzuführen, und sie hat die divergierenden ärztlichen Auf-

fassungen nicht durch objektiv begründete Argumente aufgelöst (vgl. vorne 

E.8). Auch wenn das erkennende Gericht seinerseits ebenfalls dem Unter-

- 39 -

suchungsgrundsatz unterliegt, kann es bei dieser Sachlage nicht angehen, 

die kantonale Gerichtskasse mit Kosten zu belasten, die durch eine man-

gelhafte Abklärung seitens der IV-Stelle verursacht wurden. Die Kosten für 

das Gerichtsgutachten sind deshalb von der IV-Stelle zu tragen.

16.2. Für das psychiatrische Gerichtsgutachten vom 20. Januar 2017 stellte Dr. 

med. K._____ entsprechend dem vereinbarten Kostendach Fr. 5‘000.-- in 

Rechnung (Schreiben vom 14. November 2017). Die IV-Stelle beanstandet 

dies nicht. Sie hat die Kosten in vollem Umfang zu übernehmen.

Dr. med. K._____ machte geltend, der Aufwand für das Gutachten sei we-

gen dessen ausserordentlichem Schwierigkeitsgrad immens gewesen. 

Dieser extrem hohe Arbeitsaufwand sei mit Fr. 5‘000.-- bei weitem nicht 

abgedeckt (Schreiben vom 14. November 2017). Eine Erhöhung des Ho-

norars verlangt Dr. med. K._____ damit aber zu Recht nicht. Er stimmte 

dem Kostendach von Fr. 5‘000.-- nach Einsichtnahme in die Akten zu, und 

bemühte sich auch nicht um eine Anhebung des Kostendachs, als sich der 

Mehraufwand abzeichnete. 

16.3. Für seine Stellungnahme vom 5. Oktober 2017 stellte der Gerichtsgutach-

ter den Betrag von Fr. 11‘343.05 in Rechnung, ausgehend von 32 verre-

chenbaren Stunden und einem Stundenansatz von Fr. 354.50 gemäss 

TARMED-Position 00.2410 (Schreiben vom 14. November 2017). Diese 

Kosten hat die IV-Stelle – aus den nachfolgend dargelegten Gründen – je-

doch nur im Betrag von Fr. 3‘000.-- zu übernehmen.

16.3.1. Der von Dr. med. K._____ verrechnete Stundenansatz von Fr. 354.50 

gemäss TARMED-Position 00.2410 ist nicht zu beanstanden. Diese Posi-

tion entspricht Gutachten der Kategorie D, das heisst Gutachten mit über-

durchschnittlichem Schwierigkeitsgrad (www.tarmed-browser.ch/de/lei-

stungen/00.2410-gutachten-der-kategorie-d; zuletzt besucht am 8. Juni 

- 40 -

2018). Die Voraussetzungen für die Anwendung dieses Tarifes sind vorlie-

gend gegeben, handelt es sich doch um eine komplexe Aktenlage mit zahl-

reichen Vorbefunden und schwieriger Würdigung von Vorgutachten. Das 

Abstellen auf den TARMED Tarif war zwischen dem Gerichtsgutachter und 

dem Gericht vereinbart worden; mit Schreiben vom 17. Mai 2017 hatte der 

vormalige Instruktionsrichter für den Aufwand im Zusammenhang mit der 

Stellungnahme eine Entschädigung zum TARMED Tarif zugesagt. Die An-

wendung des TARMED Tarifes der Kategorie D ist sodann nach der Recht-

sprechung zulässig, sind doch die kantonalen Versicherungsgerichte für 

Gerichtsgutachten im Bereich der Invalidenversicherung nicht an den Tarif 

gebunden, welchen das BSV für Administrativgutachten gestützt auf Art. 

72bis Abs. 1 IVV ausgehandelt hat (BGE 143 V 269 E.7.2).

16.3.2. Die von Dr. med. K._____ für seine Stellungnahme vom 5. Oktober 2017 

verrechnete Arbeitszeit von 32 Stunden kann – aus den nachfolgend dar-

gelegten Gründen - nicht in vollem Umfang entschädigt werden. 

Gerichtsgutachten werden nach der Rechtsprechung in der Regel auf ver-

traglicher Grundlage vergeben, wobei grundsätzlich von einem öffentlich-

rechtlichen Verhältnis auszugehen ist (BGE 143 V 269 E.7.3). Der Inhalt 

des Vertragsverhältnisses zwischen Gericht und Gerichtsgutachter ist im 

Kanton Graubünden nur in geringem Umfang durch gesetzliche Regeln 

vorgegeben. Art. 3 der Verordnung über die Gebühren und Barauslagen 

des Verwaltungsgerichts (BR 370.110) verlangt, dass bei der Festsetzung 

von Expertenhonoraren Umfang und Schwierigkeit der Arbeit zu berück-

sichtigen sind. Weitere öffentlich-rechtliche Regeln finden sich nicht. Für 

die Frage nach dem Inhalt des Vertrags zwischen Gericht und Gutachter 

ist deshalb auf das privatrechtliche Vertragsrecht abzustellen (Art. 1 ff. Ob-

ligationenrecht [OR, SR 220], Art. 394 ff. OR; BGE 122 I 328 E.4e). Der 

Inhalt des Gutachtervertrages bestimmt sich somit - wie derjenige jedes 

Vertrags - nach dem übereinstimmenden wirklichen Willen der Parteien 

- 41 -

(Art. 18 Abs. 1 OR). Wenn der übereinstimmende wirkliche Wille der Par-

teien unbewiesen bleibt, ist deren mutmasslicher Wille zu ermitteln, indem 

ihre Erklärungen aufgrund des Vertrauensprinzips so auszulegen sind, wie 

sie nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang sowie den gesamten Umstän-

den verstanden werden durften und mussten (BGE 141 V 127 E.3.1).  Da-

bei ist vom Wortlaut der Erklärungen auszugehen, welche jedoch nicht iso-

liert, sondern aus ihrem konkreten Sinngefüge heraus zu beurteilen sind. 

Demnach ist der vom Erklärenden verfolgte Regelungszweck, wie ihn der 

Erklärungsempfänger in guten Treuen verstehen durfte und musste, mass-

gebend (BGE 138 III 659 E.4.2.1). 

Vorliegend gibt es zwischen dem Gericht und Dr. med. K._____ keine ex-

plizite Absprache zur Frage des Zeitaufwands für die Stellungnahme. In 

seinem Schreiben vom 17. Mai 2017 führte der vormalige Instruktionsrich-

ter folgendes aus: „Wir bitten Sie hiermit höflich, zur vorgebrachten Kritik 

an Ihrem Gutachten Stellung zu nehmen, wobei Sie sich insbesondere an 

den vom Beschwerdeführer gestellten Fragen orientieren sowie allenfalls 

ergänzend aus Ihrer Sicht Ausführungen machen wollen. Für diesen zu-

sätzlichen Aufwand ist der Gutachter selbstverständlich zu entschädigen 

(…)“. Diese Aussage musste Dr. med. K._____ nach dem Vertrauensprin-

zip in dem Sinne verstehen, dass er den Aufwand für die Stellungnahme 

nach dem mutmasslichen Willen des Gerichtes relativ klein zu halten hatte. 

Er hätte erkennen müssen, dass die Entschädigung für die Stellungnahme 

in einem angemessenen Verhältnis zur Entschädigung der Hauptleistung 

stehen sollte. Keinesfalls durfte er angesichts der Umstände nach Treu und 

Glauben annehmen, dass das Gericht beabsichtigte, eine so aufwendige 

Stellungnahme einzuholen, dass dafür Kosten entstehen, die mehr als dop-

pelt so hoch liegen wie die Kosten für das Gerichtsgutachten selbst. Der 

objektive Sinn des Erklärungsverhaltens des vormaligen Instruktionsrich-

ters kann deshalb darauf festgelegt werden, dass für die Stellungnahme 

ein Zeitaufwand von rund 8.5 Stunden autorisiert und damit ein Honorar 

- 42 -

von Fr. 3‘000.--, mithin 60% des Honorars der Hauptleistung, zugesagt 

wurde. In diesem Umfang hat die IV-Stelle die Kosten für die Stellung-

nahme zu übernehmen.

16.3.3. Die IV-Stelle ist der Ansicht, dass die Stellungnahme von Dr. med. K._____ 

wegen klaren Mängeln des Gerichtsgutachtens notwendig gewesen sei, 

und dass deshalb eine Entschädigung für die Stellungnahme nicht ange-

zeigt sei (Schreiben der IV-Stelle vom 19. Mai 2017). Dem kann, wie nach-

stehend gezeigt wird, nicht gefolgt werden.

Qualitätsmerkmale bei einem medizinischen Gutachten sind gemäss TAR-

MED die Vollständigkeit der Anamnese, Befunderhebung und Dokumenta-

tion, präzise Diagnosen, schlüssige und nachvollziehbare Beurteilung nach 

überzeugender Diskussion der Differentialdiagnosen und Zusammen-

hangsfragen sowie vollständige, präzise und sachgemäss begründete Be-

antwortung aller gestellten Fragen (www.tarmed-browser.ch /de/kapi-

tel/00.07-arztliche-gutachten; zuletzt besucht am 14. Juni 2018). Das Ge-

richtsgutachten vermag diese Qualitätskriterien weitgehend zu erfüllen, 

Anamnese und Befund sind vollständig erhoben und dokumentiert, die Dia-

gnose ist präzise, und die zentrale Frage der Arbeitsfähigkeit ist schlüssig 

und nachvollziehbar beurteilt. Eine offensichtliche Schlechterfüllung des 

Gutachterauftrags im Sinne von Art. 97 Abs. 1 OR liegt nicht vor, so dass 

es nicht angezeigt ist, für die Stellungnahme gänzlich auf eine Entschädi-

gung zu verzichten. Dies wäre auch deshalb nicht angebracht, weil sich 

gezeigt hat, dass die Kritik des RAD-Arztes Dr. med. L._____ in verschie-

denen Punkten nicht stichhaltig war und vom Gerichtsgutachter in seiner 

Stellungnahme entkräftet werden konnte (vgl. vorne E.9.2, 9.3, 9.7, 9.10).

In Frage käme allenfalls eine Reduktion der Entschädigung, weil das Ge-

richtsgutachten für psychiatrische Laien stellenweise nur schwer verständ-

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lich war, so dass in gewissen Punkten die Stellungnahme nötig war, um 

eine genügende Nachvollziehbarkeit herzustellen (vgl. vorne E.9.8). Als 

Beispiel hierfür sei erwähnt, dass Dr. med. K._____ im Gutachten nicht er-

klärte, wie der Beschwerdeführer bis zum Alter von 42 Jahren ein – nach 

äusseren Aspekten – erfolgreiches Leben führen konnte (Abschluss an-

spruchsvoller Aus- und Weiterbildungen, Gründung und Leitung der 

D._____ AG, Gründung einer Familie), obwohl Persönlichkeitsstörungen 

gemäss der ICD-10 meist in der Kindheit oder in der Adoleszenz in Erschei-

nung treten und während des Erwachsenenalters weiterbestehen (Info zu 

ICD-10 F60.-). Erst in seiner Stellungnahme erklärte Dr. med. K._____, 

dass Persönlichkeitsstörungen entgegen der Angabe in der ICD-10 keinen 

andauernden Charakter hätten, sondern dass der Ausprägungsgrad der 

Merkmale wechseln könne, so dass Persönlichkeitsstörungen manchmal 

erst im Erwachsenenalter in kritischen Lebensphasen demaskiert würden 

(Stellungnahme Gerichtsgutachter S. 4 f.). Diese Erklärung wäre bereits im 

Gutachten nötig gewesen, geht es doch immerhin um eine Relativierung 

eines Kriteriums, welches in der aktuellen Version der ICD-10 für Persön-

lichkeitsstörungen angegeben wird. Die Frage, ob die stellenweise man-

gelnde Nachvollziehbarkeit zu einer Kürzung der Entschädigung führen 

soll, kann aber offen gelassen werden, ginge diese Kürzung doch ohnehin 

nicht so weit, dass die Entschädigung geringer ausfallen würde als der Be-

trag von Fr. 3‘000.--, welcher sich aus vertragsrechtlichen Gründen erge-

ben hat.

17. Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Per-son 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungs-

gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeu-

tung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. 

Vorliegend hat die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers mit Schreiben 

vom 19. Dezember 2014 und vom 8. November 2019 Honorarnoten im Um-

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fang von Fr. 6‘070.90 und Fr. 7'045.20 eingereicht. Diese Beträge basieren 

auf einem Arbeitsaufwand von total 48.16 Stunden und einem Stundenan-

satz von Fr. 250.--. Der geltend gemachte Arbeitsaufwand erscheint dem 

Gericht angesichts der Komplexität des vorliegenden Falles und der gros-

sen Aktenmenge als angemessen. Hingegen kann nicht von einem Stun-

denansatz von Fr. 250.-- ausgegangen werden. Dieser Ansatz entspricht 

zwar Art. 3 Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der 

Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV; BR 

310.250), wonach ein Stundenansatz zwischen Fr. 210.-- und Fr. 270.-- als 

üblich gilt. Da die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers jedoch keine 

Honorarvereinbarung eingereicht hat (Art. 4 Abs. 1 HV), ist vorliegend 

gemäss der Praxis des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden von 

einem mittleren Stundenansatz von Fr. 240.-- auszugehen. Folglich ergibt 

sich eine aussergerichtliche Entschädigung von Fr. 12‘857.55 (= 48.16 x 

Fr. 240.-- plus 3 % Barauslagen [= Fr. 346.75] und 8 % Mehrwertsteuer [= 

Fr. 952.40]). In diesem Umfang hat die IV-Stelle den Beschwerdeführer 

aussergerichtlich zu entschädigen.

18. Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege ist 

angesichts dieses Verfahrensausgangs gegenstandslos geworden.

Demnach erkennt das Gericht:

1.1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die angefochtene Verfügung vom 

29. August 2014 wird aufgehoben.

1.2. Es wird festgestellt, dass A._____ mit Wirkung ab dem 1. April 2012 An-

spruch auf eine ganze Invalidenrente hat. 

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1.3. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden hat den Rentenanspruch im Jahr 

2020 einer amtlichen Revision zu unterziehen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.-- gehen zulasten der IV-Stelle des Kan-

tons Graubünden und sind innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entschei-

des an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3.1. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden hat die Kosten für das Gerichtsgut-

achten im Betrag von Fr. 5‘000.-- zu übernehmen. 

3.2. Die Kosten für die Stellungnahme des Gerichtsgutachters werden auf 

Fr.°3‘000.-- festgelegt und der IV-Stelle des Kantons Graubünden auferlegt.

4. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden entschädigt A._____ aussergericht-

lich mit Fr. 12‘857.55 (inkl. MWST).

5. [Rechtsmittelbelehrung]

6. [Mitteilungen]