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**Case Identifier:** a0013b53-947c-562b-9115-ae7433bb88af
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-12-23
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 23.12.2021 200 2021 724
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-724_2021-12-23.pdf

## Full Text

200 21 724 IV
SCP/BOC/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 23. Dezember 2021

Verwaltungsrichter Schütz, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Loosli, Verwaltungsrichter Schwegler
Gerichtsschreiberin Bossert

A.________
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. B.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 20. September 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1959 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) meldete sich im Mai 2004 erstmals bei der Invalidenversiche-
rung zum Leistungsbezug an (Akten der IV-Stelle Bern [nachfolgend: IVB 
bzw. Beschwerdegegnerin; act. II] 2). Die IVB liess die Versicherte interdis-
ziplinär durch Dr. med. C.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medi-
zin und Rheumatologie, und Dr. med. D.________, Facharzt für Psychiatrie 
und Psychotherapie, begutachten (Expertisen vom 16. und 27. April 2005 
[act. II 20 und 21]). Mit Verfügung vom 16. Mai 2005 (act. II 22) verneinte 
die IVB bei einem Invaliditätsgrad von 15 % den Anspruch auf eine Rente. 
Auf die dagegen erhobene Einsprache trat die IVB mit Einspracheentscheid 
vom 9. Dezember 2005 nicht ein, was mit Urteil des Verwaltungsgerichts 
des Kantons Bern vom 24. Februar 2006, IV 66286, bestätigt wurde (act. II 
24 - 36). Dieser Entscheid blieb unangefochten.

Auf eine im April 2006 erfolgte Neuanmeldung (act. II 37) trat die IVB mit 
Verfügung vom 18. Mai 2006 (act. II 41) nicht ein, was sie mit Einspra-
cheentscheid vom 8. April 2008 (act. II 48) bestätigte. Auch dieser Ent-
scheid blieb unangefochten.

B.

Im Februar 2019 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine neu 
zur Schmerzkrankheit hinzugetretene Herzerkrankung erneut bei der Inva-
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (act. II 54). Nach Vornahme er-
werblicher und medizinischer Abklärungen und Einholung einer Stellung-
nahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; act. II 59, 61 - 66) stellte 
die IVB mit Vorbescheid vom 17. April 2019 (act. II 67) bei einem Invali-
ditätsgrad von 15 % die Verneinung des Rentenanspruchs in Aussicht. 
Nachdem die Versicherte dagegen Einwand erhob und die IVB eine Stel-
lungnahme des RAD eingeholt hatte (act. II 70 - 74), liess die IVB die Ver-
sicherte durch die Gutachterstelle E.________ (MEDAS) polydisziplinär in 

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den Disziplinen Psychiatrie, Rheumatologie, Neurologie und Kardiologie 
begutachten (Expertise vom 31. Dezember 2019 inklusive Teilgutachten 
[act. II 89.1 - 89.7]). Daraufhin forderte die IVB die Versicherte mit Schrei-
ben vom 8. April 2020 (act. II 97) unter Hinweis auf die Folgen im Unterlas-
sungsfall dahingehend zur Mitwirkung auf, als sie sich umgehend in 
fachspezifische kardiologische Behandlung zu begeben und die nötigen 
medizinischen Abklärungen inklusive allfällig angezeigter Therapie vorzu-
nehmen habe.

Nach Eingang diverser medizinischer Unterlagen und der Einholung von 
Stellungnahmen des RAD (act. II 100 f., 106, 108 f., 113, 117) stellte die 
IVB mit Vorbescheid vom 30. November 2020 (act. II 120) bei einem Invali-
ditätsgrad von 0 % die Ablehnung eines Rentenanspruchs in Aussicht. 
Nachdem die Versicherte dagegen Einwände erhob und die IVB eine Stel-
lungnahme des RAD einverlangt hatte (act. II 123, 125, 128 f.), holte die 
IVB bei den MEDAS-Gutachtern eine ergänzende Stellungnahme ein (act. 
II 130), welche am 3. Juni 2021 erstattet wurde (act. II 135). 

Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren und Einholung weiterer Stel-
lungnahmen des RAD (act. II 142 - 148) verneinte die IVB mit Verfügung 
vom 20. September 2021 (act. II 150) bei einem Invaliditätsgrad von 0 % 
den Anspruch auf eine Rente. 

C.

Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. 
B.________, am 21. Oktober 2021, ergänzt mit nachgeschobener Eingabe 
vom 24. Oktober 2021, Beschwerde. Sie beantragt, unter Aufhebung der 
angefochtenen Verfügung sei ihr eine ganze Rente zuzusprechen. 

Mit Beschwerdeantwort vom 22. November 2021 beantragt die Beschwer-
degegnerin die Abweisung der Beschwerde. Gleichzeitig reichte sie eine 
Verfügung der Ausgleichskasse des Kantons Bern vom 9. April 2021 ein, 
gemäss welcher die Beschwerdeführerin seit dem 1. Mai 2021 eine ordent-
liche Altersrente von monatlich Fr. 984.-- bezieht (act. II 152). 

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Der Instruktionsrichter stellte der Beschwerdeführerin mit prozessleitender 
Verfügung vom 25. November 2021 die Beschwerdeantwort (inklusive Pro-
tokoll per 22. November 2021 und Rentenverfügung der AHV vom 9. April 
2021) in einem Doppel zu und verfügte, dass kein weiteres Beweisverfah-
ren durchgeführt werde.

Mit unaufgeforderter Replik vom 29. November 2021 hielt die Beschwerde-
führerin insbesondere fest, es bestehe rückwirkend Anspruch auf eine be-
fristete Rente und bei dieser Sachlage bestehe auch ein Anspruch auf 
vorgängige Eingliederungsmassnahmen, da die Beschwerdeführerin in 
fortgeschrittenem Alter stehe.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

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1.2 Angefochten ist die Verfügung vom 20. September 2021 (act. II 
150). Umstritten ist der Anspruch auf Rentenleistungen für die Zeit von Au-
gust 2019 (frühestmöglicher Rentenbeginn bei Anmeldung im Februar 2019 
[act. II 54]; vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG und E. 5.4 hiernach) bis Ende April 2021, 
d.h. 21 Monate à Fr. 984.-- (AHV-Rente ab Mai 2021 [act. II 152]; vgl. Art. 
30 IVG), womit ein Streitwert von Fr. 20'664.-- resultiert. Folglich fällt die 
Beurteilung der Beschwerde in die Zuständigkeit einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 i.V.m. Art. 57 Abs. 1 
GSOG).

1.3 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur 
Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem 
ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder 
bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbs-
unfähigkeit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.2 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können 
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7 
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so-
wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be-
fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann 
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti-

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gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 
215 E. 5.1 S. 221).

2.3 Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die 
Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorga-
ben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 
281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt 
die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegrün-
dende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturier-
ten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 
4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 
E. 7.2 S. 429).

Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeeinträchti-
gung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf der 
ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe nach 
BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte Ge-
sundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggrava-
tion oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Liegt auch unter dem 
Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine versicherte Gesundheitsschädi-
gung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten Ebene anhand eines normati-
ven Prüfungsrasters mit einem Katalog von Indikatoren eine ergebnisoffene 
symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichtigung leistungshindern-
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen 
(Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens 
(BGE 141 V 281 E. 2.2 und 2.2.1 S. 287, E. 3.6 S. 294).

2.4 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätz-
lich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 
mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach 
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b 
und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze 
Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine 
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invali-

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ditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine 
Viertelsrente.

Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf 
von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach 
Art. 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung 
des 18. Altersjahres folgt (Abs. 1). 

2.5

2.5.1 Wird ein Gesuch um Revision eingereicht, so ist darin glaubhaft zu 
machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheb-
lichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 2 der Verordnung vom 17. Januar 
1961 über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Wurde eine Rente 
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird eine neue 
Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzung nach Abs. 2 erfüllt ist (Art. 
87 Abs. 3 IVV, vgl. auch BGE 130 V 343 E. 3.5.3 S. 351). 

2.5.2 Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung oder das Revisionsge-
such ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewis-
sern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung 
des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist. Stellt sie fest, dass 
der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine 
Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls 
hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, 
um nunmehr eine rentenbegründende (bzw. anspruchsrelevant höhere) 
Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall 
obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 
198 E. 3a S. 198; SVR 2008 IV Nr. 35 S. 117 E. 2.1).

2.5.3 Ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invali-
ditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich im Neuan-
meldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG 
– durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt der letzten mate-
riellen Beurteilung und rechtskräftigen Ablehnung bestanden hat, mit 
demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 133 V 108 E. 5.3 
S. 112; 130 V 71 E. 3.2.3 S. 77; AHI 1999 S. 84 E. 1b). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 8

2.5.4 Liegt eine erhebliche Änderung des Sachverhalts vor, ist der Ren-
tenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig, d.h. unter 
Berücksichtigung des gesamten für die Leistungsberechtigung ausschlag-
gebenden Tatsachenspektrums neu und ohne Bindung an frühere Invali-
ditätsschätzungen zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11, 117 V 198 E. 4b S. 
200; SVR 2019 IV Nr. 39 S. 124 E. 5).

3.

3.1 Da die Verwaltung auf die Neuanmeldung vom Februar 2019 (act. II 
54) eingetreten ist, ist die Eintretensfrage nicht richterlich zu prüfen (BGE 
109 V 108 E. 2b S. 114). Vorliegend ist zu prüfen, ob seit der letzten 
rechtskräftigen Leistungsverweigerung gemäss Verfügung vom 16. Mai 
2005 (act. II 22) bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung 
vom 20. September 2021 (act. II 150) eine wesentliche Änderung in den 
tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die geeignet ist, den Leistungs-
anspruch zu beeinflussen (vgl. E. 2.5.3 hiervor).

Die Verfügung vom 16. Mai 2005 (act. II 22) basierte in medizinischer Hin-
sicht auf der rheumatologisch-psychiatrischen Begutachtung durch die 
Dres. med. F.________ und G.________ (Expertisen vom 16. und 27. April 
2005 [act. II 20 und 21]). Dort wurden aus interdisziplinärer Sicht die fol-
genden Diagnosen aufgeführt (act. II 20/7): 

1. Beginnende Somatisierungsstörung
 Panalgie, Beschwerden betont an der oberen Körperhälfte mit Neigung zur 

Generalisierung
2. Generalisierte Hyperlaxität im Sinne des Hypermobilitäts-Syndroms

 Cervicalbetontes cervico- und thorakospondylogenes Syndrom
 Langbogige thorakal rechts- und lumbal linkskonvexe Skoliose (maximal 

12°)
 Gonalgien

3. Adipositas mit Body Mass Index von 31.5
4. Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung
5. Invalider Ehemann

Mit der seit 2015 vermuteten und im Jahr 2017 bestätigten koronaren 
Herzerkrankung (vgl. act. II 89.7/4) hat sich mit Blick auf die vorstehend 

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Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 9

aufgeführten Diagnosen eine wesentliche Veränderung im Gesundheitszu-
stand ergeben, womit der Rentenanspruch frei zu prüfen ist (vgl. E. 2.5.4 
hiervor).

3.2 Den Akten ist in medizinischer Hinsicht – soweit entscheidwesent-
lich – das Folgende zu entnehmen:

3.2.1 Dr. med. H.________, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, 
gab im Bericht vom 27. Juni 2019 (act. II 72/4) an, die Beschwerdeführerin 
sei nicht 100 % als … erwerbsfähig. Sie leide unter einer mittelschweren 
koronaren Kardiopathie, die zur Zeit immer wieder symptomatisch sei (Tho-
raxschmerzen, Anstrengungsdyspnoe und Blutdruckentgleisungen), sowie 
unter massiven muskulo-skelettären Schmerzen der Halswirbelsäule auf-
grund ausgeprägter degenerativer Veränderungen mit neurokompressiven 
Anteilen. Eine Tätigkeit, die wie es bei … üblich sei, besonders die Hals-
wirbelsäule belaste, sei für die Beschwerdeführerin nicht geeignet. Eine 
polydisziplinäre Begutachtung und ein Arbeitsintegrationsversuch seien 
unabdingbar.

3.2.2 In der Konsensbeurteilung des polydisziplinären MEDAS-
Gutachtens vom 31. Dezember 2019 wurden unter der Fallführung von Dr. 
med. I.________, Fachärztin für Prävention und Gesundheitswesen FMH, 
unter Einbezug der Disziplinen Psychiatrie, Rheumatologie, Neurologie und 
Kardiologie (act. II 89.1 - 89.7) die folgenden Diagnosen mit Auswirkung 
auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten (act. II 89.1/7):

1. Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-
10: F45.41)

2. Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10: F41.2)
3. Chronisches myotendinotisches Zervikothorakalsyndrom (ICD-10: M54.2, 

M54.6) mit/bei
 radiomorphologisch keinen gravierenden degenerativen Läsionen der 

Halswirbelsäule im MRT der HWS vom 27. August 2003 sowie in Rönt-
genbilder der HWS vom 15. März 2019

 klinisch keine Hinweise auf Progression relevanter degenerativer Verände-
rungen, keine Hinweise auf zervikale Myelopathie, keine Hinweise auf 
segmentale Dysfunktion der gesamten Wirbelsäule

 im Vordergrund klinisch myotendinotische Verspannung der paravertebra-
len Muskulatur in zervikalen und thorakalen Bereichen inklusive der Mus-

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culi trapezii beidseits bei sonst normal erhaltener, schmerzfreier Beweg-
lichkeit der gesamten Wirbelsäule

 im Vergleich zum letzten Gutachten vom 16. Mai 2005 keine klinischen 
Hinweise auf Progression degenerativer Veränderungen

Als Diagnosen mit möglicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden 
die Folgenden angegeben (act. II 89.1/7): 

Koronare 2-Gefäss-Erkrankung
 12/2015: neu sporadisches, belastungsabhängiges retrosternales/links-

thorakales Engegefühl mit teils Ausstrahlung in den Hals und begleitender 
Dyspnoe

 12/2015 TTE: normale systolische Globalfunktion bei fraglicher leichter Hypo-
kinesie inferior-basal

 NSTEMI am 7. Juni 2017
 7. Juni 2017 Koronarangiographie (Spital M.________): Funktioneller Ver-

schluss des 1. Diagonalastes (klein): PTCA/1xDES; kontrakollateralisierter 
chronischer Verschluss der RCA, normale LV-Funktion

 8. Februar 2018 Dobutamin-Stressechokardiographie (Dr. med. J.________, 
Praxis K.________): keine Hinweise für eine grössere, prognostisch relevante, 
belastungsabhängige Myokardischämie

 cvRF: arterielle Hypertonie, Dyslipidämie, Adipositas
 aktuell: TTE: LVEF 63 %; Spiroergometrie: klinisch positiv, ansonsten aber bei 

fehlender Ausbelastung nicht diagnostisch

Die Gutachter führten zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit aus 
(act. II 89.1/10), im Unterschied zur Vorbegutachtung werde die ange-
stammte Tätigkeit in einer … als eine körperlich schwere Tätigkeit klassifi-
ziert (andere Beurteilung des Anforderungsprofils), für die aus 
rheumatologischer Sicht keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe. Zur Arbeits-
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit wurde festgehalten (act. II 89.1/10), 
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erfolge unter dem Vorbehalt, dass aus 
kardiologischer Sicht in den weiteren Abklärungen eine belastungsabhän-
gige Myokard-lschämie ausgeschlossen werden könne. In diesem Fall wi-
derspiegle das nachfolgende Profil und die Arbeitsfähigkeit die 
konsensuale Beurteilung der involvierten Gutachter. Sollte sich hingegen 
herausstellen, dass eine belastungsinduzierte Angina pectoris schon bei 
den in der aktuell durchgeführten Spirometrie geringen Belastungen auftre-
te, wäre die Arbeitsfähigkeit bis zur kausalen Behandlung (ggf. erneute 
Stenteinlage) nicht gegeben. Zum Belastungsprofil bzw. zu den qualitativen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 11

Limitierungen gaben die Gutachter an (act. II 89.1/10), rheumatologisch 
gälten als geeignetes Belastungsprofil jegliche körperlich leichte Tätigkeiten 
ohne die Notwendigkeit, Lasten über 10 kg zu heben, zu tragen oder zu 
stossen. ldealerweise sollte die Möglichkeit gegeben sein, die Körperhal-
tung zu verändern im Stehen, Sitzen und Gehen, mit Arbeit auf Tischebe-
ne, ohne Überkopfarbeiten. Psychiatrisch sollte genügend Zeit für Pausen 
gegeben sein und das Team sollte rücksichtsvoll und eher klein sein. Kun-
denkontakt sei nicht sinnvoll. Für eine optimal adaptierte Tätigkeit bestehe 
aktuell bis zum Ausschluss einer belastungsabhängigen Myokardischämie 
keine Arbeitsfähigkeit. Sofern bei der Beschwerdeführerin eine belastungs-
abhängige Myokardischämie ausgeschlossen werden könne, bestehe eine 
Arbeitsfähigkeit von 80 %. Die (zeitliche) Einschränkung erfolge dann 
primär aufgrund der psychiatrischen Beurteilung. Zur Würdigung des Ver-
laufs der Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest (act. II 89.1/10), psych-
iatrisch sei ein Bericht, ein psychiatrisches Gutachten, aus dem Jahr 2005 
vorliegend, ansonsten keinerlei weitere Berichte. Insofern lasse sich psych-
iatrisch zum Verlauf in dieser Zeit kaum etwas sagen. Es sei plausibel da-
von auszugehen, dass die aktuell attestierte Arbeitsfähigkeit seit zirka 
Neuantrag für IV-Leistungen im 02/2018 (richtig: 2019) bestehe. Aus soma-
tischer Sicht ergebe sich retrospektiv (kardiale Abklärung ausgenommen, 
siehe oben) bis zum Zeitpunkt der Neuanmeldung 02/2018 (richtig: 2019) 
keine nachvollziehbare Einschränkung.

3.2.3 Dr. med. J.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und 
Kardiologie, führte im Bericht vom 27. April 2020 (act. II 100/1 - 4) die fol-
genden (Haupt-)Diagnosen auf:

 Koronare 2-Gefässerkrankung
 Kardiovaskuläre Risikofaktoren: arterielle Hypertonie, Adipositas Klasse I (BMI 

31 kg/m2), leichte Hypercholesterinämie (04/2020: LDL 3.1 mmol/l)

Trotz klinisch positiver (Angina pectoris) Spiroergometrie 10/2019 (Spital 
L.________) sei im Gesamtkontext eine grössere, das heisst prognostisch 
relevante Myokardischämie unwahrscheinlich (aktuell bei den täglichen 8 - 
10-stündigen [richtig: km langen] Spaziergängen wie auch in der heutigen 
Ergometrie keine Angina pectoris bei auch elektrisch negativem Belas-
tungstest, negative Dobutamin-Stressechokardiografie 02/2018). Nichts-

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destotrotz sei in dieser unklaren Situation eine alternative, weiterführende, 
nichtinvasive Ischämiediagnostik angezeigt, insbesondere auch zur 
Klärung der IV-Situation. Diagnostisch werde eine Herzszintigrafie im Spital 
M.________ (Herz-MRI sei wegen Klaustrophobie nicht möglich), eine Po-
lysomnografie/pneumologische Kontrolle und allenfalls eine ergänzende 
24h-Blutdruckmessung vorgeschlagen. Therapeutisch werde Vorderhand 
unverändert die konservative Behandlung des chronischen RCA-Ver-
schlusses vorgeschlagen. Ein Revaskularisationsversuch wäre nur im Falle 
eines Nachweises einer grösseren, das heisst prognostisch relevanten 
Myokardischämie gerechtfertigt. Unter Voraussetzung des Ausschlusses 
einer grösseren, das heisst prognostisch relevanten Myokardischämie, und 
einer adäquaten medikamentös-konservativen Behandlung eines allfälligen 
kleineren Ischämieareals bestünden von kardialer Seite keine Einschrän-
kungen der Arbeitsfähigkeit.

3.2.4 Dr. med. N.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und 
Pneumologie, hielt im Bericht vom 7. Juni 2020 (act. II 106) die folgenden 
Diagnosen fest: 

1. Schweres Obstruktives Schlafapnoesyndrom AHI 35/h
 Risikofaktoren: Adipositas; Rückenschläferin

2. Arterielle Hypertonie
3. St.n. Myokardinfarkt (keine zusätzlichen Informationen vorhanden)

Es bestehe ein schweres obstruktives und Rückenlage-dominantes 
Schlafapnoesyndrom. Eine CPAP-Therapie sei formal indiziert. Es sei, da 
sie sich eine Maskentherapie kaum vorstellen könne, auch über die Alter-
nativen gesprochen worden. Eine Gewichtsreduktion könnte allenfalls das 
Problem auch lösen oder zumindest in einen Bereich führen, wo die alter-
nativen Methoden in Frage kämen. 

3.2.5 Im Zusammenhang mit einer Kurzhospitalisation im Spital 
M.________ am 17. Juli 2020 wurden im Bericht vom gleichen Tag die fol-
genden Diagnosen aufgeführt (act. II 113/2 f.):

Koronare Herzerkankung (ED 2017)
 2017 NSTEMI Koronarangiographie: funktioneller Verschluss des 1. Diagonal-

astes (klein): PTCA/1xDES, kontrakollateralisierter chronischer Verschluss der 
RCA, normale LV-Funktion (LVEF 65 %)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 13

 10/2019 Spiroergometrie: klinisch positiv
 13. Mai 2020 Myokard-SPECT in Ruhe und unter Belastung: Radiopharma-

konminderbelegung unter Belastung im Apex mit Ausdehnung nach antero-
/septoapikal (ca.10 % des LV Myokards). Sonst homogene Radiopharmakon-
speicherung des linksventrikulären Myokards. LVEF 55 % in Ruhe bzw. 62 % 
post Stress. Keine regionale Wandbewegungsstörung.

Aktuell
 17. Juli 2020 Koronarangiographie: signifikante Stenose des mittleren RIVA: 

PCl/1xDES/PTCA; signifikante Stenose des DA.1: PCI/1xDES/PTCA; CTO der 
RCA, kollateralisiert von links; LVEF: 70 % bei LV-Hypertrophie 

Der Eintritt zur Koronarangiographie (vgl. Bericht des Spitals M.________ 
vom 17. Juli 2020 [act. II 113/4 - 6]) erfolge nach Vorstellung auf der Not-
fallstation am 13. Juli 2020 aufgrund von Thoraxschmerzen (vgl. Bericht 
des Spitals M.________ vom 13. Juli 2020 [act. II 113/7 - 10]). In der Myo-
kardszintigraphie habe sich ein Nachweis einer prognostisch relevanten 
Myokardischämie im RIVA-Gebiet gezeigt (vgl. Bericht des Spitals 
M.________ vom 13. Mai 2020 [act. II 101/3 f.]). Die Beschwerdeführerin 
klage in den letzten Tagen vermehrt über thorakale Schmerzen, sowohl in 
Ruhe als auch bei Belastung, sowie eine stabile Anstrengungsdyspnoe 
NYHA II. Es habe sich ein komplikationsloser postinterventioneller Verlauf 
gezeigt. Die Punktionsstellen femoral und radial rechts seien bei Austritt 
indolent, ohne relevantes Hämatom gewesen und es habe kein neues 
Strömungsgeräusch auskultiert werden können. Das postinterventionelle 
EKG sei unverändert zum Vorbefund gewesen und die kardialen Biomarker 
hätten keinen relevanten Anstieg gezeigt. Die Patientin habe gleichentags 
beschwerdefrei nach Hause entlassen werden können.

3.2.6 Der RAD-Arzt Dr. med. O.________, Facharzt für Allgemeine Innere 
Medizin, hielt in der Stellungnahme vom 5. November 2020 (act. II 117) 
fest, nach der am 17. Juli 2020 durchgeführten Koronarangiographie mit 
erfolgreichen Interventionen bei signifikanten Stenosen im Bereich des RI-
VA und des ersten Diagonalastes und einer nachgewiesenen normalen 
links-ventrikulären Funktion (LVEF 70 %) könne aus Sicht des RAD somit 
der Einschätzung im Rahmen der kardiologischen Begutachtung vom 
23. September 2019 gefolgt werden, dass aus kardiologischer Sicht keine 
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in angepassten Verweistätigkeiten be-
stehe. Dabei sei die der Beschwerdeführerin im Rahmen der kardialen Be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 14

schwerden und der entsprechenden Interventionen attestierte Arbeitsun-
fähigkeit zu berücksichtigen. Aus Sicht des RAD sei jedoch darauf hinzu-
weisen, dass gemäss der kardiologischen Verlaufskontrolle vom 27. April 
2020 bei der Beschwerdeführerin bei ihren täglichen Spaziergängen von 8 - 
10 km jeweils keine Angina pectoris aufgetreten sei bei chronischer Belas-
tungsdyspnoe NYHA I (-II). Dies belege aus Sicht des RAD die Tatsache, 
dass die Beschwerdeführerin seit der zitierten kardiologischen Begutach-
tung vom 23. September 2019 gut in der Lage gewesen sei, das darin aus 
pathologischer Sicht formulierte, angepasste Leistungsprofil ohne Ein-
schränkungen und ohne zusätzliche Leistungsminderung gut umzusetzen 
trotz der anlässlich der Myokardszintigraphie vom 13. Mai 2020 nachge-
wiesenen Ischämie im Bereich des Herzapex, zumal die in der Folge emp-
fohlene Koronarangiographie von der Beschwerdeführerin zuerst abgelehnt 
worden sei. Somit sei aus Sicht des RAD im zitierten angepassten Leis-
tungsprofil lediglich eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit vom 13. - 27. Juli 
2020 gerechtfertigt. Bezüglich des schweren obstruktiven Schlafapnoesyn-
droms, welches im Juli 2020 diagnostiziert worden sei, liessen sich aus 
Sicht des RAD keine Einschränkungen auf das anlässlich der polydiszi-
plinären Begutachtung im September/Oktober 2019 formulierte angepasste 
Leistungsprofil ableiten, da sich die Beschwerdeführerin nicht mehr in 
pneumologischer Behandlung befinde und die ihr vorgeschlagene CPAP-
Therapie offenbar nicht durchführen möchte, obwohl diese Therapie ihr aus 
medizinischer Sicht zumutbar wäre. Es könne am Zumutbarkeitsprofil für 
die angepasste Tätigkeit aus dem polydisziplinäre Gutachten vom Septem-
ber/Oktober 2019 festgehalten werden. Allerdings sei dabei die der Be-
schwerdeführerin aus kardialer Sicht aufgrund der am 13. Juli 2020 neu 
aufgetretenen Angina pectoris und der in der Folge am 17. Juli 2020 
durchgeführten Koronarangiographie attestierte 100 %ige Arbeitsunfähig-
keit vom 13. - 27. Juli 2020 zu berücksichtigen.

3.2.7 In der ergänzenden Stellungnahme vom 3. Juni 2021 (act. II 135) 
führten die MEDAS-Gutachter aus, im Dezember 2015 sei bei der Be-
schwerdeführerin bei neuen, typischen, belastungsabhängigen und lauf-
bandergometrisch reproduzierbaren Beschwerden der Verdacht auf eine 
koronare Herzkrankheit geäussert worden. Diesbezüglich fachärztlich emp-
fohlene weiterführende Untersuchungen seien von der Beschwerdeführerin 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 15

zu diesem Zeitpunkt abgelehnt worden. Sie habe vorerst den geplanten 
Weihnachtsurlaub im … verbringen wollen. Beschwerden träten nur unter 
grösseren körperlichen Belastungen auf, Hinweis auf eine instabile Situati-
on bestünden keine (Arztbericht Dr. med. J.________ vom 17. Dezember 
2015 [act. II 64/8 - 10]). Zwischen 2015 und 2017 lägen keinerlei medizini-
sche Berichte vor. Im Juni 2017 sei ein NSTEMI diagnostiziert worden und 
in der daraufhin durchgeführten Koronarangiografie habe sich eine korona-
re 2-Gefässerkrankung ergeben, die entsprechend versorgt worden sei 
mittels Stent. Folgend habe sich die Beschwerdeführerin kardial beschwer-
defrei gezeigt. Der behandelnde Kardiologe Dr. med. J.________ habe im 
11/2017 einen erfreulichen Verlauf mit Beschwerdefreiheit im Rahmen der 
alltäglichen Belastungen attestiert (act. II 64/4 - 7). Bei postinterventioneller 
Beschwerdefreiheit sei maximal drei Monate nach Ereignis (NSTEMI) von 
einer vollen Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten auszugehen, d.h. 
hier ab September 2017. Folgend hätten sich kardiologisch in einer Do-
butamin-Stress-Echokardiographie im 02/2018 keine Hinweise für eine 
grössere, prognostisch relevante, belastungsabhängige Myokardischämie 
im RCA-Versorgungsgebiet gezeigt (act. II 64/1 - 3). Weitere kardiologische 
Berichte fehlten. Ab dem Zeitpunkt des Gutachtens 10/2019 (Untersu-
chungszeitpunkt) bestehe kardiologisch eine volle Arbeitsunfähigkeit. Aber 
wann es, bei anzunehmender schleichender Verschlechterung des Ge-
sundheitszustandes, zu einer relevanten Einschränkung der Arbeitsfähig-
keit gekommen sei, lasse sich retrospektiv kardiologisch (bei fehlenden 
fachärztlichen Unterlagen) nicht mit abschliessender Sicherheit festlegen; 
wenn man jedoch den hausärztlichen Bericht vom 27. Juni 2019 berück-
sichtige, wäre eine Arbeitsunfähigkeit ab diesem (Bericht-)Zeitpunkt anzu-
nehmen. Nach dem kardialen Ereignis am 7. Juni 2017 habe vorüber-
gehend eine volle Arbeitsfähigkeit (wohl: Arbeitsunfähigkeit) bis zirka 
September 2017 bestanden. Ab September 2017 habe aus kardiologischer 
Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten bestanden. Ab 
spätestens dem Gutachtenszeitpunkt, allenfalls bereits 06/2019 sei eine 
volle Arbeitsunfähigkeit zu attestieren bis zur Durchführung weiterführender 
kardiologischer Untersuchungen. Psychiatrisch werde eine 20 %ige Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit seit zirka dem Neuantrag für IV Leistungen 
im 02/2018 (richtig: 2019) zuerkannt. Dem Einwand der Rechtsanwältin sei 
zu entnehmen, dass zwischenzeitlich ein Herzeingriff erfolgt sei mit Nach-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 16

weis einer lschämie. Demnach habe sich der gutachterlich formulierte Ver-
dacht bestätigt. Entsprechend wäre die Arbeitsfähigkeit nach erfolgtem 
Eingriff durch die Behandler oder allenfalls mittels kardiologischer Verlaufs-
beurteilung festzulegen.

4.

4.1

4.1.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2018 IV 
Nr. 27 S. 87 E. 4.2.1). 

4.1.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

4.1.3 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 17

Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

4.2 Das interdisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 31. Dezember 2019 
(act. II 89.1 - 89.7) erfüllt die höchstrichterlichen Anforderungen an ein voll 
beweiskräftiges Gutachten (vgl. E. 4.1.2 hiervor), da es – beruhend auf 
allseitigen Untersuchungen und unter Berücksichtigung der geklagten Be-
schwerden – die streitigen Punkte umfassend abhandelt und in Kenntnis 
der Vorakten abgegeben wurde. Weiter leuchtet es in der medizinischen 
Beurteilung ein und die darin gezogenen Schlussfolgerungen werden ein-
gehend begründet. Das Belastungsprofil, wonach der Beschwerdeführerin 
jegliche körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Heben und 
Tragen von Lasten von mehr als 10 kg vollschichtig zumutbar sind (act. II 
89.5/15, 89.1/10), steht unter dem Vorbehalt der im Begutachtungszeit-
punkt noch ausstehenden kardiologischen Abklärungs- und gegebenenfalls 
Behandlungsmassnahmen. Aus rheumatologisch-neurologischer Sicht 
berücksichtigt es sowohl die altersbedingten, geringen Befunde an der Wir-
belsäule als auch die langjährige muskuläre Dekonditionierung mit Insuffi-
zienz der paravertebralen Muskulatur mit Bildung von myotendinotischen 
Verspannungen im Bereich der Schultergürtelmuskulatur sowie der para-
vertebralen Muskulatur im zervikalen und thorakalen Bereich (act. II 
89.1/9). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (Beschwerde 
S. 1) liegt nicht ein seit Jahrzehnten bestehendes Wirbelsäulenleiden vor, 
sondern vielmehr eine muskuläre Dekonditonierung zufolge der seit Jahr-
zehnten unverändert bestehenden subjektiven Krankheits- und Behinde-
rungsüberzeugung (act. II 13/3, 20/11, 89.4/11, 89.1/12).

In kardiologischer Hinsicht wurde der von der MEDAS – bei subjektiver 
angina pectoris (act. II 89.7/4 f.) – geäusserte Verdacht einer belastungs-
abhängigen Myokardischämie in der nachfolgenden Abklärung nicht 
bestätigt. Mit der am 17. Juli 2020 erfolgten Koronarangiographie und An-
gioplastie mit komplikationslosem postinterventionellem Verlauf (act. II 
113/2 - 6) ist die anlässlich der Begutachtung noch vorhandene Unsicher-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 18

heit so oder anders weggefallen und das im interdisziplinären Gutachten 
umschriebene Zumutbarkeitsprofil hat vollumfänglich Gültigkeit, wie der 
RAD-Arzt Dr. med. O.________ am 5. November 2020 (act. II 117/ 5 f.) 
zutreffend festhält. Auf die Anordnung einer, wie von der MEDAS vorge-
schlagenen (act. II 135/4), Verlaufsbegutachtung durfte die Beschwerde-
gegnerin im Rahmen der antizipierten Beweiswürdigung (BGE 144 V 361 
E. 6.5 S. 368, 124 V 90 E. 4b S. 94, 122 V 157 E. 1d S. 162; SVR 2019 IV 
Nr. 50 S. 163 E. 4) mit Fug verzichten, bestand doch nach der erfolgreich 
durchgeführten kardiologischen Intervention mit Implantation von zwei 
Stents (act. II 113/4 ff.) diesbezüglich kein weiterer Abklärungsbedarf, wo-
mit davon ausgegangen werden kann, mit den invasiven Behandlungs-
massnahmen vom 17. Juli 2020 sei die Sauerstoffversorgung des 
Herzmuskels nachhaltig wiederher- und sichergestellt worden und der kar-
diologischen Beurteilung (act. II 89.7/5) komme nach Wegfall des Vorbehal-
tes volle Beweiskraft zu. Dass die Arbeitsunfähigkeitsangaben der 
behandelnden Ärztin Dr. med. H.________ (vgl. insbesondere den Bericht 
vom 27. Juni 2019 [act. II 72/4]) auf den subjektiven Angaben der Be-
schwerdeführerin beruhen und sich mit den objektiven Befunden nicht 
nachvollziehen lassen, wurde insbesondere im rheumatologischen Teilgut-
achten einlässlich nachgewiesen (act. II 89.5/13). 

Sodann lässt sich, anders als dies die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe 
vom 29. November 2021 geltend macht, mit der instabilen angina pectoris 
kein Anspruch auf eine befristete Rente begründen. Die Indikation zur inva-
siven Koronardignostik ist nach den massgebenden Leitlinien zurückhal-
tend zu stellen (ACHENBACH/NABER/LEVENSON/BÖNING/SCHÄCHINGER, 
Indikation zur invasiven Koronardiagnostik und Revaskularisation, Positi-
onspapier/Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und 
Kreislaufforschung e.V., in: Der Kardiologe 2017, 11:272-284). Dass eine 
solche Indikation laut dem behandelnden Herzspezialisten Dr. med. 
J.________ nicht zu stellen war bzw. er zu diesem Zeitpunkt eine prognos-
tisch relevante Myokardischämie für unwahrscheinlich hielt, hat er im Be-
richt vom 27. April 2020 (act. II 100/1 - 4) nachvollziehbar begründet, 
weshalb bis zu den Abklärungen im Spital M.________ am 13. Mai 2020 
(act. II 101/3 f.) eine Arbeitsunfähigkeit weder attestiert wurde noch ausge-
wiesen ist. Selbst bei dieser Untersuchung ergab das Belastungs-EKG kei-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 19

nen Nachweis Ischämie-typischer ST-Streckenveränderungen und das 
Myokard-SPECT ergab keine regionale Wandbewegungsstörung. Einziger 
Befund war denn auch, dass zirka 10 % des linksventrikulären Myokards 
von der Durchblutungsstörung betroffen sind, was das Mindestmass zur 
Annahme einer prognostisch relevanten Ischämie darstellt (act. II 101/3 f., 
108/3 f.; ACHENBACH/NABER/LEVENSON/BÖNING/SCHÄCHINGER, a.a.O., 
S. 275). Folglich ist mit Bezug auf eine leichte Tätigkeit im Sinne des gut-
achterlichen Zumutbarkeitsprofils vor der Notfallkonsultation am 13. Juli 
2020 (act. II 113/7 ff.) eine Arbeitsunfähigkeit nicht überwiegend wahr-
scheinlich ausgewiesen bzw. bei erfolgreicher Behandlung am 17. Juli 
2020 eine vorübergehende Verschlechterung von mehr als drei Monaten 
(vgl. Art. 88a Abs. 2 IVV) nicht erstellt. Mit anderen Worten erweist sich die 
von den MEDAS-Gutachtern ab dem Begutachtungszeitpunkt (letzte Unter-
suchung im Oktober 2019 [act. II 89.1/2]) nachträglich und durchgehend 
attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit als beweismässig nicht erstellt, 
beruht doch diese Beurteilung in Anbetracht des Umstandes, dass den 
Gutachtern die fachärztlichen Berichte nicht zur Verfügung standen, welche 
nach der Begutachtung erstellt wurden (act. II 135/2), einzig auf dem Hin-
weis im Bericht des RAD vom 26. Januar 2021 (act. II/129), dass im Juli 
2020 eine Koronarangiographie und Angioplastie erfolgt sei.

Ob die der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht attestierte Ar-
beitsunfähigkeit von 20 % in einer leidensangepassten Tätigkeit (act. II 
89.1/10, 89.4/12) aus sozialversicherungsrechtlicher Sicht zu berücksichti-
gen ist, was die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf diverse Indikatoren 
(vgl. E. 2.3 hiervor) mit nachvollziehbarer Begründung verneint hat (vgl. act. 
II 150; Beschwerdeantwort S. 3 f. Ziff. 17), kann aufgrund des Umstandes, 
dass die Beschwerdeführerin mit dem Vorbezug der AHV-Rente (vgl. act. II 
152) ihre Erwerbstätigkeit aufgegeben hat, letztlich offenbleiben, da bei 
einem Invaliditätsgrad von maximal 20 % (vgl. E. 5.5.3 hiernach) so oder 
anders kein rentenrelevanter Invaliditätsgrad resultiert. 

Schliesslich ist festzuhalten, dass die nach dem 1. Mai 2021 verfassten 
medizinischen Berichte (act. II 139, 141/2, 143, 146/3, 148) – mit Ausnah-
me der ergänzenden Stellungnahme der MEDAS-Gutachter vom 3. Juni 
2021 (act. II 135; vgl. dazu jedoch die Ausführungen hiervor) – hier nicht 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 20

mehr von Relevanz sind bzw. ausserhalb des vorliegenden Beurteilungs-
zeitraumes liegen, da der per 1. Mai 2021 erfolgte Vorbezug der AHV-
Rente (act. II 152) in diesem Zeitpunkt zum Erlöschen eines allfälligen Ren-
tenanspruchs der Invalidenversicherung führen würde (Art. 30 IVG), womit 
sich diesbezügliche weitere Ausführungen erübrigen.

5.

Es bleibt der Einkommensvergleich vorzunehmen.

5.1 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 
(Art. 16 ATSG).

5.2 Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfol-
gen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig 
möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf 
sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. 
Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermit-
telt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten 
Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte mitein-
ander zu vergleichen (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; 
BGE 128 V 29 E. 1 S. 30, 104 V 135 E. 2b S. 136; SVR 2019 BVG Nr. 16 
S. 64 E. 4.4.2).

5.3

5.3.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 21

passten Verdienst angeknüpft (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 E. 
4.1 S. 325; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1).

5.3.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte 
Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine 
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können 
nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für 
Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen 
werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 2019 IV Nr. 28 S. 88 E. 5.1.3).

Es gilt zu berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, 
die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich 
zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern 
lohnmässig benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurch-
schnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Diesem Umstand ist mit ei-
nem Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (BGE 134 V 322 E. 5.2 
S. 327, 129 V 472 E. 4.2.3 S. 481). Die Frage, ob und in welchem Ausmass 
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, hängt von sämtlichen persönlichen und 
beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (leidensbedingte Ein-
schränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Be-
schäftigungsgrad). Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das Invalidenein-
kommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, 
wobei der Abzug auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen ist (BGE 
135 V 297 E. 5.2 S. 301, 134 V 322 E. 5.2 S. 327; SVR 2018 IV Nr. 46 S. 
148 E. 3.3). Zu beachten ist, dass allfällige bereits in der Beurteilung der 
medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkun-
gen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs ein-
fliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts 
führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 S. 20).

5.4 Mit Blick auf die im Februar 2019 erfolgte Neuanmeldung (act. II 54) 
fällt der frühestmöglich Rentenbeginn auf Anfang August 2019 (Art. 29 Abs. 
1 IVG), sofern in diesem Zeitpunkt das Wartejahr abgelaufen war (Art. 28 
Abs. 1 lit. b IVG). Mit Blick auf die Ausführungen der MEDAS-Gutachter in 
der Stellungnahme vom 3. Juni 2021 (act. II 135), wonach sich – bei anzu-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 22

nehmender schleichender Verschlechterung des Gesundheitszustandes – 
retrospektiv nicht mit abschliessender Sicherheit feststellen lasse, wann es 
kardiologisch (bei fehlenden fachärztlichen Unterlagen) zu einer relevanten 
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gekommen sei, wobei unter Berücksich-
tigung des (nicht beweiskräftigen) hausärztlichen Berichtes vom 27. Juni 
2019 (act. II 72/4) eine Arbeitsunfähigkeit ab diesem Berichtszeitpunkt an-
zunehmen sei, bleibt unklar, ob das Wartejahr Anfang August 2019 
tatsächlich abgelaufen war. Diese Frage kann aber letztlich offen bleiben, 
da selbst bei deren Bejahung ein Rentenanspruch zu verneinen ist, wie die 
nachfolgenden Ausführungen zeigen.

5.5

5.5.1 Beim Valideneinkommen hat die Beschwerdegegnerin auf den To-
talwert der LSE abgestellt und das Valideneinkommen auf Fr. 55'222.-- 
festgesetzt (act. II 150/2). Dies wirkt sich zugunsten der Beschwerdeführe-
rin aus, würde doch aufgrund des bei der P.________ AG im Jahr 2001 
erzielten höchsten Jahreseinkommens von Fr. 43'752.-- (act. II 59) per 
2019 ein Valideneinkommen von Fr. 54'863.-- resultieren (Tabelle 
T1.2.93_I, Nominallohnindex, Frauen, 1993 - 2001 und 2002 - 2010, Ab-
schnitt D, Verarbeitendes Gewerbe, Industrie, Index Jahr 2001: 112.5 
Punkte, Index Jahr 2010: 130.5 Punkte / Fr. 43'752.-- : 112.5 x 130.5 = Fr. 
50'752.32; Tabelle T1.2.10, Nominallohnindex, Frauen 2011 - 2020, Wirt-
schaftszweig C, Verarbeitendes Gewerbe/Herstellung von Waren, Index 
Jahr 2010: 100 Punkte, Index Jahr 2019: 108.1 Punkte / Fr. 50'752.32 : 100 
x 108.1 = Fr. 54'863.25). 

5.5.2 Da die Beschwerdeführerin nach Eintritt des Gesundheitsschadens 
keine ihr an sich zumutbare Tätigkeit aufgenommen hat, hat die Beschwer-
degegnerin das Invalideneinkommen zutreffenderweise auch gestützt auf 
die LSE festgelegt (vgl. E. 5.3.2 hiervor) und zwar auf der gleichen Basis 
wie das Valideneinkommen (vgl. act. II 150/2), womit das Invalidenein-
kommen ebenfalls Fr. 55'222.-- beträgt. Das medizinisch-theoretische Zu-
mutbarkeitsprofil berücksichtigt alle altersbedingt-körperlichen und 
psychischen Einschränkungen, weshalb kein zusätzlicher Abzug (vgl. 
E. 5.3.2 hiervor) vom LSE-Lohn zu gewähren ist. Obwohl die Beschwerde-
führerin im Zeitpunkt der ersten Leistungsprüfung im Jahr 2005 als zu 85 % 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 23

Arbeits- und Leistungsfähig galt (vgl. act. II 20 - 22), hat sie aufgrund ihrer 
Behinderungsüberzeugung und damit aus IV-fremden Gründen auf eine 
berufliche Wiedereingliederung verzichtet, weshalb sie sich nun nach mehr 
als 15-jähriger Untätigkeit (vgl. act. II 89.3/4) nicht auf ihr Alter berufen 
kann (vgl. Beschwerde S. 1 f.; Stellungnahme vom 29. November 2021 
S. 2). Wie die Beschwerdegegnerin im Übrigen zutreffend darauf hinweist 
(Beschwerdeantwort S. 4 Ziff. 19), liegt hier weder eine Rentenaufhebung 
noch eine erstmalige befristete Rentenzusprache vor (vgl. BGE 145 V 209 
E. 5.4 S. 214; Entscheid des Bundesgerichts vom 19. Mai 2020, 
8C_80/2020, E. 2.3.3), weshalb vorliegend keine beruflichen Eingliede-
rungsmassnahmen geschuldet sind und sich solche mit Blick auf die per 1. 
Mai 2021 erfolgte Frühpensionierung auch nicht mehr als notwendig bzw. 
möglich erweisen.

5.5.3 Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom selben Ta-
bellenlohn zu berechnen – so wie vorliegend (vgl. E. 5.5.1 und 5.5.2 hier-
vor) –, entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter 
Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn (SVR 2018 UV Nr. 29 S. 
103 E. 5.2). Selbst wenn die aus psychiatrischer Sicht attestierte Arbeitsun-
fähigkeit von 20 % zu berücksichtigen wäre, ergäbe dies nach dem Darge-
legten einen nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 20 %. Die 
Beschwerde ist folglich abzuweisen.

6.

6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Bezah-
lung auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG) und dem geleisteten Kostenvor-
schuss in gleicher Höhe entnommen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23. Dez. 2021, IV/21/724, Seite 24

6.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine 
Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehr-
schluss]); auch die obsiegende Beschwerdegegnerin hat als öffentlich-
rechtliche Anstalt des Kantons Bern nicht Anspruch auf Ersatz ihrer 
Parteikosten (Art. 104 Abs. 3 VRPG).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwältin Dr. iur. B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern (samt Eingabe der Beschwerdeführerin vom 29. No-

vember 2021)
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.