# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 07ef2d16-a8bd-5f47-824f-aad50f2e4705
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-03-27
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 27.03.2013 SB120280
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB120280_2013-03-27.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr. SB120280-O/U/jv 
 
Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. P. Marti, Präsident, lic. iur. Ch. Prinz und  

Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Brenn sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. S. Hürlimann Winterhalter 

 
Urteil vom 27. März 2013 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt Dr. iur. U. Weder,  

 

Anklägerin und I. Berufungsklägerin 

sowie 
 
1. A._____,  
2. B._____,  
Privatkläger und II. Berufungskläger 

1, 2  vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ 

 

gegen 
 
C._____,  
Beschuldigter und III. Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____  

 

betreffend Mord etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster vom 10. Februar 2012  
(DG110022) 

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom  

25. Juli 2011 (HD 114) sowie die Ergänzung vom 23. Dezember 2011 (HD 133),  

die Eventualanklage vom 6. Februar 2012 (HD 168) und die Änderung und  

Ergänzung der Anklageschrift vom 5. März 2013 (Urk. 325) sind diesem Urteil 

beigeheftet. 

Urteil und Beschluss der Vorinstanz: 
(Urk. 231 S. 108 ff.) 

"Es wird beschlossen: 

1. Auf den Anklagepunkt gemäss Ziffer 1.4 der Ergänzung der Anklage vom 

23. Dezember 2011 (Waffendelikt verbotenes Schiessen mit Feuerwaffen, 

Position 19) wird nicht eingetreten und das Verfahren diesbezüglich  

eingestellt.  

2. (Mitteilung)  

3. (Rechtsmittel) 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte ist schuldig 

− der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB;  

− der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB; 

− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von 

Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. a, c und d 

WG und Art. 7 Abs. 1 WG sowie Art. 12 Abs. 1 lit. d der 

Waffenverordnung und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im 

Sinne von Art. 34 Abs. 1 lit. b WG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 3 lit. c 

WG.  

-   3   - 

2. Der Beschuldigte ist hinsichtlich der ihm unter den Positionen 3, 4, 5, 6, 12, 

13, 14 und 17 gemäss Ziffer 1.4 der Ergänzung der Anklageschrift vom 

23. Dezember 2011 betreffend Widerhandlungen gegen das Waffengesetz 

nicht schuldig und wird freigesprochen.  

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und 

6 Monaten, wovon bis und mit heute 1070 Tage durch Haft erstanden sind.  

4. Es wird eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 

StGB (Behandlung psychischer Störungen) angeordnet.  

5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.  

6. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

11. März 2009 (HD 85/1) beschlagnahmte Audi D, A4 Avant, blau, Fahr-

gestell-Nr. … …, Kontrollschild "ZH …" wird nach Eintritt der Rechtskraft 

dieses Entscheids D._____ (Halter) von der Staatsanwaltschaft IV auf erstes 

Verlangen heraus gegeben.  

 Sollte innerhalb von 60 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft dieses  

Entscheids die Herausgabe nicht verlangt werden, so bleibt der Gegenstand 

der Staatsanwaltschaft IV zur gutscheinenden Verwendung überlassen.  

7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

19. März 2009 (HD 85/4) beschlagnahmten Gegenstände  

- 1 Baseballschläger "Rawlings", Mod. Big Sticks;  

- 1 Baseballschläger "KU", Mod. Foxbat;  

- 1 Baseballschläger "Rawlings", Mod. Sammy Sosa;  

werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids 

von der Bezirksgerichtskasse Uster auf erstes Verlangen heraus gegeben. 

 Sollte innerhalb von 60 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft dieses 

Entscheids die Herausgabe nicht verlangt werden, so bleiben die 

Gegenstände der Bezirksgerichtskasse Uster zur gutscheinenden 

Verwendung überlassen.  

-   4   - 

8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

6. Januar 2012 (HD 141/1/1) beschlagnahmten Gegenstände  

 - 1 Gartenschnappmesser mit sichelförmiger Klinge, einhändig bedienbar; 

Klinkenlänge 8 cm, geöffnete Gesamtlänge 20 cm;  

 - 1 Machete, Marke "Gavii", Modell L-05mittelamerikanisch, mit 

Klingenspitze über Rückenlinie gebogen, Kunststoffgriff, schwarz, 

Klingenlänge 36 cm, in verzierter Lederscheide;  

werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids 

von der Bezirksgerichtskasse Uster auf erstes Verlangen heraus gegeben. 

 Sollte innerhalb von 60 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft dieses 

Entscheids die Herausgabe nicht verlangt werden, so bleiben die 

Gegenstände der Bezirksgerichtskasse Uster zur gutscheinenden 

Verwendung überlassen.  

9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

6. Januar 2012 (HD 141/1/1) beschlagnahmten 2 Gewehrpatronen werden 

nach Eintritt der Rechtskraft definitiv eingezogen und von der Bezirks-

gerichtskasse Uster der Kantonspolizei Zürich zur Vernichtung überlassen.  

Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

6. Januar 2012 (HD 141/1/2) beschlagnahmte Adressbüchlein des 

Beschuldigten, blau, wird diesem nach Eintritt der Rechtskraft dieses 

Entscheids von der Bezirksgerichtskasse Uster auf erstes Verlangen heraus 

gegeben. 

 Sollte innerhalb von 60 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft dieses  

Entscheids die Herausgabe nicht verlangt werden, so bleiben das 

Adressbüchlein der Bezirksgerichtskasse Uster zur gutscheinenden 

Verwendung überlassen.  

10. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

27. Juli 2011 (HD 85/10) beschlagnahmten Gegenstände  

 - 1 Ledergürtel, weiss, mit Schnalle;  

 - 1 Herrenhose, Bluejeans, Marke Levi Strauss 501;  

-   5   - 

 - 1 Mobiltelefon, Marke Nokia, Typ 8800 Sirocco, IMEI …, inkl. SIM Karte;  

 - 1 Mobiltelefon, Marke Nokia, Typ 6210 Navigator;  

 - 1 Sweat-Shirt, Marke Christian Audigier, Grösse M, dunkelgrün, mit  

aufgedrucktem Revolver und Handgranate;  

 - 1 Festplatte (Maxtor 80 GB, Datensicherung KAPO ZH: …);  

 - 1 Mobiltelefon, Marke Nokia, IMEI …;  

 - 1 Notebook, Marke Fujitsu-Siemens, Typ Amilo Pa 2548, inkl. Ladekabel;  

werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids 

von der Bezirksgerichtskasse Uster auf erstes Verlangen heraus gegeben. 

 Sollte innerhalb von 60 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft dieses 

Entscheids die Herausgabe nicht verlangt werden, so bleiben die 

Gegenstände der Bezirksgerichtskasse Uster zur gutscheinenden 

Verwendung überlassen.  

 Die Patrone (HD 87/8) wird nach Eintritt der Rechtskraft definitiv eingezogen 

und von der Bezirksgerichtskasse Uster der Kantonspolizei Zürich zur  

Vernichtung überlassen.  

11. Die mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

7. April 2009 (HD 85/5) beziehungsweise vom 29. Mai 2009 (HD 85/7)  

beschlagnahmten Gegenstände  

 - 1 Pistole, Marke Smith & Wesson, Longrifle CTG 22, Modell 422, Serien 

Nr. …, inkl. Magazin und 60 Schuss Randfeuerpatronen Longrifle 22;  

 - diverse Hülsen und Patronen gemäss Verfügung; 

 werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids definitiv eingezogen 

und von der Bezirksgerichtskasse Uster der Kantonspolizei Zürich zur  

gutscheinenden Verwendung überlassen.  

12. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

7. April 2009 (HD 85/5) beschlagnahmte Herrenkopfbedeckung – 

Sturmmaske – wird nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids E._____ 

auf erstes Verlangen heraus gegeben.  

-   6   - 

 Sollte innerhalb von 60 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft dieses 

Entscheids die Herausgabe nicht verlangt werden, so bleibt der Gegenstand 

der Bezirksgerichtskasse Uster zur gutscheinenden Verwendung 

überlassen.  

13. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

25. Juli 2011 (HD 85/8) beschlagnahmte Mobiltelefon, Marke Samsung, Typ 

SGH-X820, inkl. Ladekabel wird nach Eintritt der Rechtskraft dieses  

Entscheids F._____ auf erstes Verlangen heraus gegeben.  

 Sollte innerhalb von 60 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft dieses 

Entscheids die Herausgabe nicht verlangt werden, so bleibt der Gegenstand 

der Bezirksgerichtskasse Uster zur gutscheinenden Verwendung 

überlassen.  

14. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

26. Juli 2011 (HD 85/9) beschlagnahmten Gegenstände  

 - 1 Tagebuch "Kitty",  

 - 1 Tagebuch "Pferde",  

 - 1 Tagebuch "weiss/pink",  

 - 1 Mobiltelefon Nokia, IMEI …, inkl. Ladekabel,  

 - 1 Agenda "Playboy",  

 - 1 Festplatte (Maxtor 20 GB, Datensicherung KAPO ZH: …)  

 werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids den Privatklägern 1 

und 2 auf erstes Verlangen heraus gegeben.  

 Sollte innerhalb von 60 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft dieses 

Entscheids die Herausgabe nicht verlangt werden, so bleibt der Gegenstand 

der Bezirksgerichtskasse Uster zur gutscheinenden Verwendung 

überlassen.  

15. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

17. März 2009 (HD 85/3) beschlagnahmten Müllsäcke (inkl. Inhalt) werden 

nach Eintritt der Rechtskraft der Staatsanwaltschaft IV zur Vernichtung  

überlassen.  

-   7   - 

16. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzbegehren der 

Privatkläger vollumfänglich anerkannt hat. Er wird verpflichtet, dem 

Privatkläger 1 (A._____) Fr. 18'558.85 nebst 5 % Zins seit 7. März 2009 und 

der Privatklägerin 2 (B._____) Fr. 2'720.15 nebst Zins zu 5 % seit 7. März 

2009 zu bezahlen. 

17. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern 1 und 2 (A._____ und 

B._____) je Fr. 45'000.– nebst 5 % Zins seit 7. März 2009 als Genugtuung 

zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.  

18. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf 

Fr. 9'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 54'211.55  Untersuchungskosten Vorverfahren 

 

 

 

Fr. 5'906.40  Kosten Kantonspolizei 

 

 

 

Fr. 20'000.–  Gebühr Strafuntersuchung 

Fr. 5'762.75  Kosten der amtlichen Verteidigung (weitere Kosten   
   noch ausstehend) 

19. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden 

einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine  

Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Über die Höhe der Kosten der 

amtlichen Verteidigung wird separat entschieden.  

20. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern 1 und 2 für das  

gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von insgesamt Fr. 70'000.– 

(inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.  

21. (Mitteilung) 

22. (Rechtsmittel)" 

 

-   8   - 

Berufungsanträge: 

a) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 312 S. 19) 

1. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklageschrift der STA IV vom 25. Juli 

2011 des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB (Anklageziffer 1.1) und der 

Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB (Anklageziffer 1.2) 

schuldig zu sprechen; 

2. Er sei mit 20 Jahren Freiheitsstrafe zu bestrafen, unter Anrechnung der 

erstandenen Untersuchungs- und Sicherheitshaft von insgesamt 1457 

Tagen (8.3.2009 - 4.3.2013); 

3. Eventualiter sei der Beschuldigte statt des Mordes der vorsätzlichen Tötung 

im Sinne von Art. 111 StGB schuldig zu sprechen und diesfalls mit 17 

Jahren Freiheitsstrafe, unter Anrechnung der erstandenen Untersuchungs- 

und Sicherheitshaft, zu bestrafen; 

4. Im Übrigen sei im Sinne des angefochtenen Urteils des Bezirksgerichts  

Uster vom 10. Februar 2012 zu entscheiden, namentlich sei eine ambulante 

Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 StGB, vollziehbar  

während dem Strafvollzug, anzuordnen; 

5. Die eingetretene Rechtskraft einzelner Urteilspunkte des Bezirksgerichts  

Uster vom 20. Februar 2012 wurde bereits mit separatem Beschluss der 

I. Strafkammer OGZ vom 13. August 2012 festgestellt, namentlich auch 

hinsichtlich zahlreicher Vergehen und Übertretungen des Waffengesetzes; 

eine diesbezügliche Feststellung im heutigen Berufungsentscheid erübrigt 

sich daher (Niklaus Schmid, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2009, 

Art. 402 N 2 und Art. 408 N 2). 

b) Der Privatklägerschaft AB._____: 

(Urk. 313 S. 1 f.) 

-   9   - 

1. Es sei Ziffer 1 Abs. 1 des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 10. Februar 

2012 (Geschäfts-Nr. DG110022) aufzuheben und der Beschuldigte 

bezüglich Anklageziffer 1.1 (Hauptdossier) des Mordes schuldig zu 

sprechen. Eventualiter sei Ziffer 1 Abs. 1 des Urteils des Bezirksgerichts 

Uster vom 10. Februar 2012 (Geschäfts-Nr. DG110022) zu bestätigen. 

2. Es sei Ziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 10. Februar 2012 

(Geschäfts-Nr. DG110022) aufzuheben und das Strafmass entsprechend zu 

erhöhen. 

3. Es sei Ziffer 17 des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 10. Februar 2012 

(Geschäfts-Nr. DG110022) aufzuheben und der Beschuldigte zu 

verpflichten, den Privatklägern 1 und 2 je CHF 60'000.00 nebst Zins zu 5 % 

seit 7. März 2009 als Genugtuung zu bezahlen. 

4. Es sei Ziffer 20 des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 10. Februar 2012 

(Geschäfts-Nr. DG110022) aufzuheben und die Entschädigungsfolgen im 

Rahmen des obergerichtlichen Verfahrens neu zu beurteilen. 

5. Es seien die Kosten des Strafverfahrens sowie des Berufungsverfahrens, 

einschliesslich der Kosten der Geschädigtenvertretung, vollumfänglich dem 

Beschuldigten aufzuerlegen. 

c) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 316 S. 1 f.) 

1. In Aufhebung von Disp.-Ziff. al. 1 und 2 sei der Beschuldigte schuldig zu 

sprechen der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB; vom Vorwurf 

der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB sei er 

freizusprechen; 

2. in Aufhebung von Disp.-Ziff. 3 des angefochtenen Urteils sei der 

Beschuldigte zu bestrafen mit einer 42 Monate nicht übersteigenden 

Freiheitsstrafe,  

-   10   - 

unter Anrechnung der bis zum Urteil der zweiten Instanz erstandenen 

Untersuchungs- und Sicherheitshaft; 

3. von der Anordnung einer Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB sei 

abzusehen; eventualiter, im Falle einer Bestätigung des vorinstanzlichen 

Urteils bezüglich Disp.-Ziff. 1 al. 1 und/oder 2 sei eine ambulante 

Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB anzuordnen; 

4. in Aufhebung und Abänderung von Disp.-Ziff. 17 sei der Beschuldigte  

gemäss seiner Anerkennung zu verpflichten, den Geschädigten 1 und 2  

je Fr. 40'000.00, nebst 5 % Zins seit 7. März 2009, als Genugtuung zu  

bezahlen, im Mehrbetrag sei das Begehren abzuweisen; 

5. in Aufhebung von Disp.-Ziff. 19 seien die Kosten der Untersuchung dem  

Beschuldigten nur teilweise aufzuerlegen und dem Beschuldigten eine  

Entschädigung für seine erbetene Verteidigung in Höhe von Fr. 30'000.--  

zuzusprechen; 

6. in Aufhebung und Abänderung von Disp.-Ziff. 20 sei der Beschuldigte  

zu verpflichten, den Privatklägern 1 und 2 für das gesamte Verfahren  

eine Prozessentschädigung von insgesamt Fr. 30'000.-- (inkl. MwSt.) zu  

bezahlen. 

 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang und Prozessuales 

1. Prozessgeschichte 

1.1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil des 

Bezirksgerichts Uster vom 10. Februar 2012 wurde der Beschuldigte C._____ der 

vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB, der Gefährdung des Lebens im 

Sinne von Art. 129 StGB sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen das 

Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 

-   11   - 

Abs. 1 lit. a, c und d WG und Art. 7 Abs. 1 WG sowie Art. 12 Abs. 1 lit. d der 

Waffenverordnung und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von 

Art. 34 Abs. 1 lit. b WG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 3 lit. c WG schuldig 

gesprochen. Vom Vorwurf der Widerhandlungen gegen das Waffengesetz 

gemäss den Positionen 3, 4, 5, 6, 12, 13, 14 und 17 gemäss Ziffer 1.4 der 

Ergänzung der Anklageschrift vom 23. Dezember 2011 wurde er hingegen 

freigesprochen. Der Beschuldigte wurde mit 13 ½ Jahren Freiheitsstrafe bestraft. 

Zudem ordnete die Vorinstanz eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im 

Sinne von Art. 63 StGB (Behandlung psychischer Störungen) an und entschied 

über eine Vielzahl von Einziehungen sowie über die Schadenersatz- und 

Genugtuungsbegehren der  

Privatkläger. Mit Beschluss vom selben Datum stellte sie zudem das Verfahren 

betreffend Anklageziffer 1.4, Position 19, ein. Mit Beschluss der Vorinstanz vom 

16. Dezember 2011 wurde bereits auf Ziffer 1.3. der Anklageschrift nicht 

eingetreten bzw. das Verfahren diesbezüglich eingestellt (HD 128). Gegen das 

mündlich eröffnete und im Dispositiv übergebene Urteil meldeten die 

Anklagebehörde mit Schreiben vom 14. Februar 2012 (Urk. 191), die Privatkläger 

1 und 2 mit Schreiben vom 16. Februar 2012 (Urk. 194) sowie die Verteidigung 

des Beschuldigten mit Schreiben vom 17. Februar 2012 (Urk. 195) rechtzeitig 

Berufung an. Nach Zustellung des begründeten Urteils am 8. Juni 2012 (Urk. 225 

und Urk. 226) reichten die Anklagebehörde mit Schreiben vom 21. Juni 2012 (Urk. 

233), die Privatkläger 1 und 2 mit Schreiben vom 26. Juni 2012 (Urk. 237) und 

schliesslich die Verteidigung des Beschuldigten mit Eingabe vom 28. Juni 2012 

(Urk. 239) allesamt  

fristgerecht ihre Berufungserklärungen ein.  

1.2. Nach Eingang der Akten am Obergericht wurde den Parteien mit 

Präsidialverfügung vom 3. Juli 2012 Frist angesetzt, um zu erklären, ob 

Anschlussberufung erhoben werde respektive um einen Nichteintretensantrag zu 

stellen. Des Weiteren wurde die Kontrolle der ein- und ausgehenden Post des 

Beschuldigten der Anklagebehörde übertragen. Schliesslich wurden die 

Anklagebehörde sowie die Verteidigung aufgefordert, sich zur Frage der 

Verlängerung der Sicherheitshaft zu äussern (Urk. 241). Nachdem sich sowohl 

-   12   - 

die Anklagebehörde (Urk. 246) wie auch die Verteidigung (Urk. 256) 

entsprechend äusserten, wurde die Sicherheitshaft mit Präsidialverfügung vom 6. 

August 2012 bis zum 6. Februar 2013  

verlängert (Urk. 259). Mit Beschluss der hiesigen Kammer vom 13. August 2012 

wurde sodann festgestellt, dass sowohl das Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 

10. Februar 2012 in den unangefochtenen Punkten sowie der gleichentags  

ergangene Vorabbeschluss betreffend Nichteintreten in Rechtskraft erwachsen 

seien (Urk. 261). Mittels Präsidialverfügung vom 23. Januar 2013 wurde der  

Anklagebehörde und der Verteidigung neuerlich Frist angesetzt, um sich zur 

Frage der Verlängerung der Sicherheitshaft zu äussern (Urk. 300). Die 

betreffende Vernehmlassung der Anklagebehörde (Urk. 302) sowie der Verzicht 

auf Stellungnahme der Verteidigung (Urk. 304) gingen fristgerecht bei Gericht ein. 

Die Sicherheitshaft wurde in der Folge mit Präsidialverfügung vom 30. Januar 

2013 bis zum 30. April 2013 verlängert (Urk. 306). Beweisanträge wurden allseits 

keine gestellt und auch Anschlussberufungen wurden nicht erhoben.  

1.3. Nachdem bereits mit Beschluss der hiesigen Kammer vom 13. August 

2012 der Eintritt der Rechtskraft betreffend die im Berufungsverfahren 

unangefochtenen Punkte des vorinstanzlichen Urteils respektive Beschlusses 

festgestellt wurde (Urk. 261), erübrigen sich an dieser Stelle Weiterungen hierzu. 

Der Übersichtlich- und Vollständigkeit halber ist jedoch der Beschluss vom 13. 

August 2012 vor dem nachfolgenden Erkenntnis unter Ziff. VII. pro memoria 

nochmals aufzuführen. 

1.4. Angefochten sind im vorliegenden Verfahren damit noch die folgenden 

Punkte: 

− Schuldspruch wegen vorsätzlicher Tötung (Disp.-Ziff.1 al. 1) 
− Schuldspruch wegen Gefährdung des Lebens (Disp.-Ziff. 1 al. 2) 
− Sanktion (Disp.-Ziff. 3) 
− evtl. Massnahme (Disp.-Ziff. 4) 
− Genugtuungsregelung (Disp.-Ziff. 17) 
− Kostenauflage (Disp.-Ziff. 19) 
− Prozessentschädigung (Disp.-Ziff. 20) 

-   13   - 

Auf diese Punkte ist im Nachfolgenden einzeln einzugehen. 

1.5. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird weitestgehend die Systematik des 

vorinstanzlichen Entscheides übernommen. Soweit in der Folge zwecks 

Vermeidung von unnötigen Wiederholungen auf tatsächliche oder rechtliche 

Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies jeweils in Anwendung 

von Art. 82 Abs. 4 StPO. 

1.6. Am 4. März 2013 fand die Berufungsverhandlung statt, anlässlich welcher 

die Befragung des Beschuldigten erfolgte, das Beweisverfahren durchgeführt und 

die Parteivorträge gehalten wurden (Prot. II S. 23 ff.). Sodann wurde die 

Staatsanwaltschaft mit Beschluss vom 4. März 2013 um Ergänzung der 

Anklageschrift betreffend die Mordelemente ersucht (Prot. II S. 46). Nach Eingang 

der ergänzten und geänderten Anklageschrift vom 5. März 2013 wurde zur 

Fortsetzung  

der Berufungsverhandlung auf Mittwoch, 27. März 2013, 08.00 Uhr, vorgeladen 

(Urk. 323). Anlässlich der Fortsetzung der Berufungsverhandlung konnten die 

Parteien zur geänderten Anklageschrift, welche ihnen vorgängig bereits zugestellt 

worden war, Stellung nehmen (Prot. II. S. 48 ff.). 

1.7. Die vorinstanzlichen Erwägungen zur Prozessgeschichte sind vollständig, 

darauf kann ohne Weiteres verwiesen werden (Urk. 231 S. 7). 

1.8. Die Anklageschrift in der heutigen Form genügt den gesetzlichen 

Anforderungen (Art. 9 StPO, Art. 29 Abs. 2 BV). Eine Verletzung des 

Anklageprinzips und damit der Rechte des Beschuldigten ist nicht ersichtlich.  

2. Prozessuales 

2.1. Verwertbarkeit der ersten Einvernahmen des Beschuldigten 

2.1.1. Die Vorinstanz erwog hierzu zusammengefasst, der Beschuldigte sei 

gemäss Wahrnehmungsbericht von Hptm G._____ am 8. März 2009 morgens 

„vor und nach“ 03.00 Uhr zur Sache befragt worden. Aus diesem Bericht sei nicht 

ersichtlich, ob er auf seine Verteidigungsrechte hingewiesen worden sei. Dem 

Wahrnehmungsbericht könne auf Seite 2 entnommen werden, dass Hptm 

-   14   - 

G._____ nach einem Unterbruch der Befragung mitgeteilt worden sei, dass der 

IRM-Arzt von einem aufgesetzten Schuss ausgehe. Spätestens zu diesem 

Zeitpunkt sei offenkundig gewesen, dass der Beschuldigte als Verdächtiger nicht 

habe ausgeschlossen werden können. Von diesem Moment an hätte der  

Beschuldigte zwingend auf seine Rechte hingewiesen werden müssen. Da dies 

nicht der Fall gewesen sei, seien diese ersten Aussagen – und zwar jene vor und 

nach dem Unterbruch – des Beschuldigten als unverwertbar zu betrachten. 

Entsprechendes gelte auch für die Aussagen, welche der Beschuldigte gegenüber 

Gfr H._____ gemacht habe. Auch von diesem sei er nicht über seine  

Verteidigungsrechte orientiert worden. Die erste formelle Einvernahme sei am 

8. März 2009 um 06.40 Uhr erfolgt, wobei es sich um eine delegierte 

Einvernahme gehandelt habe. Zu Beginn dieser Einvernahme sei der 

Beschuldigte nicht  

darauf hingewiesen worden, dass er das Recht habe, jederzeit einen Verteidiger 

beizuziehen. Aufgrund dieses Versäumnisses sei auch diese Einvernahme nicht 

verwertbar. Schliesslich sei auch der erste Teil der Hafteinvernahme vom  

gleichen Tag als nicht verwertbar zu betrachten. Nachdem dem Beschuldigten ein 

Tötungsdelikt vorgeworfen worden sei, habe klarerweise ein Fall notwendiger 

Verteidigung i.S.v. § 11 Abs. 2 StPO/ZH vorgelegen. Für diese Verteidigung sei 

aber erst während der Einvernahme gesorgt worden, so dass die zuvor 

gemachten Aussagen (bis S. 3 Mitte von Urk. 41/2) nicht verwertbar seien. Dem 

Einwand der Anklägerin, dass gemäss alter StPO kein Recht auf einen Anwalt der 

ersten Stunde bestanden habe, sei zuzustimmen. Erfolge jedoch eine einlässlich 

Befragung zur Sache wie anlässlich der fraglichen Hafteinvernahme, sei 

spätestens dann für die notwendige Verteidigung zu sorgen.  

2.1.2. Die Anklagebehörde beanstandet im Rahmen ihrer Berufungserklärung 

vom 21. Juni 2012 die vorgenannten prozessualen Erwägungen der Vorinstanz 

und stellt sich auf den Standpunkt, die betreffenden Einvernahmen seien 

entgegen der Auffassung der Vorderrichter sehr wohl verwertbar (Urk. 233 S. 2). 

Zur Begründung führte sie anlässlich der Berufungsverhandlung vom 4. März 

2013 aus, entgegen der Ansicht der Vorinstanz sei die erste protokollarische 

Einvernahme des Beschuldigten durch die Polizei vom 8. März 2009, Beginn 

-   15   - 

06.40 Uhr, verwertbar, auch wenn zu Beginn keine Rechtsbelehrung bezüglich 

dem Beizug einer Verteidigung erfolgt sei. Die Gültigkeit dieser Einvernahme 

richte sich nach dem früheren kantonale Strafprozessrecht. Im Gegensatz zum 

nun gültigen Prozessrecht habe es damals keine absolute Unverwertbarkeit bei 

unterbliebener "miranda warning" gegeben. Vielmehr habe eine unterbliebene 

Rechtsbelehrung eine Verletzung einer Gültigkeitsvorschrift dargestellt, welche 

analog dem Art. 141 Abs. 2 StPO dazu geführt habe, dass das Beweismittel 

gleichwohl habe verwertet werden dürfen, wenn die Verwertung zur Aufklärung 

einer schweren Straftat unerlässlich gewesen sei. Weiter seien entgegen der 

Ansicht der Vorinstanz auch die beiden ersten Seiten der Hafteinvernahme vom 

8. März 2009, Beginn 16.21 Uhr, sehr wohl verwertbar. Die Bestellung einer 

amtlichen Verteidigung habe nach § 11 und § 13 StPO/ZH erst nach der ersten 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme erfolgen müssen. Wenn eine Person trotz 

Hinweis auf ihre Verteidigungsrechte Aussagen gemacht habe, so seien diese 

verwertbar. Selbst wenn man jedoch davon ausgehen würde, dass die fraglichen 

Einvernahmen allesamt nicht verwertbar seien, könne die Verlogenheit des 

Beschuldigten mit seinen zahlreichen Tatversionen auch sonst erstellt werden. Er 

habe in der Einvernahme vom 8. März 2009 in Anwesenheit seines Verteidigers 

angegeben, dass er am  

gleichen Tag nunmehr bereits die dritte Tatversion zu Protokoll gegeben habe. 

Zudem habe auch der Oberarzt Dr. I._____ als Zeuge ausgesagt, der 

Beschuldigte habe ihm erzählt, er und †J._____ seien von einem maskierten 

Mann überfallen und mit einer Schusswaffe bedroht worden, worauf "ein Schuss 

losgegangen…. und die Patientin getroffen worden sei" (Urk. 312 S. 3 ff.) 

2.1.3. Die Verteidigung dagegen stellte sich auf den Standpunkt, die 

erstinstanzlichen Erwägungen zur Frage der Verwertbarkeit der ersten 

Einvernahmen des Beschuldigten seien in allen Teilen zutreffend. Sie führte 

hierzu anlässlich der  

Berufungsverhandlung aus, es sei festzuhalten, dass sämtliche Aussagen des 

Beschuldigten mit Bezug auf eine angebliche Dritttäterschaft unverwertbar seien. 

Unverwertbar heisse, dass sie schlichtweg nicht zu beachten seien, soweit sie 

den Beschuldigten belasten würden. Entsprechend dürften sie auch nicht im  

-   16   - 

Zusammenhang mit der Frage der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten verwendet 

werden. Auf keine Fall dürften diese unverwertbaren Aussagen des Beschuldigten 

nach dem Motto "wer einmal lügt, dem glaubt man nicht" herangezogen werden 

(Urk. 316 S. 7 ff.). 

2.1.4. Der Vertreter der Privatklägerschaft setzte sich nicht im einzelnen mit der 

Frage der Verwertbarkeit der fraglichen Einvernahmen auseinander. Er führte  

jedoch in diesem Zusammenhang aus, der Einwand der Verteidigung, wonach die 

unwahren Tatversionen des Beschuldigten nicht berücksichtigt werden dürften, 

gehe fehl. Der Beschuldigte selbst habe diese offenkundigen Falschaussagen 

nämlich auch in Anwesenheit seines Pikettverteidigers gemacht. Damit sei klar, 

dass im Hinblick auf die Frage der Glaubwürdigkeit selbstverständlich auch  

die verschiedenen, nachweislich falschen Tatversionen berücksichtigt werden  

könnten und müssten (Urk. 313 S. 6).  

2.1.5. Bei den hier interessierenden Einvernahmen handelt es sich um jene,  

welche unmittelbar nach dem Ableben von †J._____ in den frühen 

Morgenstunden des 8. März 2009 erfolgten sowie um den ersten Teil der 

Hafteinvernahme vom 8. März 2009 (Urk. 41/1 und 41/2). Art. 448 Abs. 2 StPO 

sieht vor, dass Verfahrenshandlungen, die vor Inkrafttreten der eidgenössischen 

Strafprozessordnung angeordnet und durchgeführt wurden, ihre Gültigkeit 

behalten, sofern sie unter dem massgeblichen Prozessrecht gültig erhoben 

wurden. Damit ist die  

Frage der Verwertbarkeit der ersten Einvernahmen des Beschuldigten im Lichte 

der im Jahre 2009 gültigen zürcherischen Strafprozessordnung zu prüfen, was die 

Vorinstanz richtig erkannte.  

2.1.6. Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass der Beschuldigte gemäss 

§ 11 StPO/ZH zu Beginn seiner ersten Einvernahme darauf hingewiesen werden 

musste, dass er jederzeit einen Verteidiger bestellen könne, dass er das Recht 

habe, die Aussage zu verweigern und dass seine Aussagen – sofern er welche zu 

machen bereit war – als Beweismittel verwendet würden. Was den Zeitpunkt der 

Belehrung angeht, so hatte diese nach der Justizreform im Jahre 2003 bereits 

durch die Polizei zu erfolgen, sofern diese die erste Einvernahme durchführte 

-   17   - 

(Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl., 2004, N. 618; Donatsch/Schmid, Kommentar 

zur Strafprozessordnung des Kantons Zürich, Zürich 2007, N 7 zu § 11).  

2.1.7. Hinsichtlich der Verwertbarkeit der Wahrnehmungsberichte von Hptm. 

G._____ vom 8. März 2009 (Urk. 43/1) ist zunächst zu vermerken, dass der 

Beschuldigte "vor und nach 03.00" Uhr als Auskunftsperson zum Tathergang 

zwecks Gewinnung von Fahndungshinweisen befragt wurde. Die aus dieser  

Befragung gewonnen Erkenntnisse fasste der Brandtour Offizier G._____  

hernach "aus dem Gedächtnis" zusammen und beendete den 

"Wahrnehmungsbericht" um 07.08 Uhr. Abgesehen davon, dass aus dem Bericht 

nicht hervorgeht, ob und wann dem Beschuldigten die sogenannte "miranda-

warning" vorgehalten wurde, kann er auch deshalb nicht zum Nachteil des 

Beschuldigten verwendet werden, weil er diesem weder vorgehalten noch zur 

Unterschrift unterbreitet wurde. Es ist daher im Ergebnis nicht zu beanstanden, 

wenn die Vorinstanz zum Schluss kommt, der Wahrnehmungsbericht von Hptm. 

G._____ vom 8. März 2009 sei unverwertbar. Gleiches gilt, wie die Vorinstanz 

korrekt festhielt, für den Bericht des Polizeibeamten H._____, welcher den 

Beschuldigten als Erster summarisch zum Vorfall befragte (Urk. 65/1). Auch 

dieser Wahrnehmungsbericht ist mit der nämlichen Begründung als Beweismittel 

nicht verwertbar. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass § 138 StPO/ZH für 

sogenannte Amtsberichte eine Sonderregelung vorsah. Danach genügte es, bei 

Feststellungen, welche von Beamten gemacht und protokolliert wurden, das 

entsprechende Protokoll oder allgemein einen den Amtsvorgang schildernden 

Bericht aktenkundig zu machen. Dieses Dokument trat dann an die Stelle der 

Zeugeneinvernahme. Das in § 138 StPO/ZH formulierte Prinzip war jedoch 

bezüglich wesentlicher, bestrittener Umstände mit dem Grundsatz der freien 

richterlichen Beweiswürdigung nicht zu vereinbaren, was bedeutete, dass die 

betreffenden Beamten ungeachtet des § 138 StPO/ZH als Zeugen zu befragen 

waren (Schmid, Strafprozessrecht, a.a.O., N 658). Wohl wurde im vorliegenden 

Fall Hptm. G._____ im Verlauf der Untersuchung als Zeuge zu seinen 

Wahrnehmungen einvernommen. Die betreffenden Aussagen des Zeugen 

basieren jedoch allesamt auf den Wahrnehmungen, welche dieser im Gespräch 

mit dem Beschuldigten und unter Missachtung der zwingend notwendigen 

-   18   - 

Rechtsbelehrung in Erfahrung brachte. Damit stellt sich die Frage nach der 

Fernwirkung von Beweisverwertungsverboten. Dabei geht es um das Problem, ob 

das durch einen ungültigen und damit unverwertbaren Beweis mittelbar 

beschaffte Beweismittel beachtet werden darf, ob sich mithin das 

Beweisverwertungsverbot auch auf Ermittlungsergebnisse erstreckt, die nur dank 

der Missachtung des Beweisverbots gewonnen werden konnten. Diese Frage war 

insbesondere unter der Geltung der kantonalen Strafprozessordnungen 

umstritten. Die Frage, ob die mittelbar erhältlich gemachten weiteren Beweise 

verwertbar sind, war gesetzlich nicht geregelt, und die Materialien äusserten sich 

dazu ebenfalls nicht sehr deutlich. Nach Auffassung von Schmid (a.a.O., N 769b) 

sprach zwar vieles für eine generelle Unverwertbarkeit, doch wäre eine solche 

aus verschiedenen Gründen letztlich nicht haltbar gewesen. Das massgebliche 

Argument, welches für die Verwertbarkeit sprach, war das Prinzip der materiellen 

Wahrheit. Danach sollte unter allen Umständen verhindert werden, dass es 

aufgrund einer Fernwirkung des Beweisverwertungsverbotes zu kaum zu 

rechtfertigenden Freisprüchen offensichtlich Schuldiger kommen konnte. Im 

vorliegenden Fall ist die Frage der Fernwirkung des Beweisverwertungsverbotes 

höchstens von akademischem Interesse, hat doch der Beschuldigte selbst 

verschiedentlich und sowohl im Beisein des damaligen Pikettanwaltes, als auch in 

Gegenwart seines heutigen Verteidigers zu Protokoll gegeben, dass er 

verschiedene unwahre Angaben über das Tatgeschehen gemacht hatte. Zudem 

hat der Vertreter der Anklagebehörde zu Recht darauf hingewiesen, dass 

Oberarzt Dr. I._____ als Zeuge zu Protokoll gab, der Beschuldigte habe ihm 

erzählt, er und †J._____ seien von einem maskierten Mann überfallen und mit 

einer Schusswaffe bedroht worden, worauf "ein Schuss losgegangen…. und die 

Patientin getroffen worden sei". Unter diesen Umständen ist zur Genüge 

dargetan, dass der Beschuldigte verschiede Lügengeschichten  

auftischte, um sich seiner Verantwortung zu entziehen. Auf die Verwertung des 

Wahrnehmungsberichts und der Aussage des Zeugen G._____ kann daher ohne 

Weiteres verzichtet werden.  

2.1.8. Am 8. März 2009 um 06.40 Uhr wurde der Beschuldigte in der Folge 

erstmals formell durch die Polizei zur Sache einvernommen. Das betreffende 

-   19   - 

Protokoll befindet sich als Urk. 41/1 bei den Akten. Dem Beschuldigten wurde 

eröffnet, dass er formell als Angeschuldigter schriftlich zur Sache befragt werde. 

Weiter wurde der Beschuldigte darauf hingewiesen, dass er die Aussage 

verweigern könne und dass allfällige Aussagen als Beweismittel verwendet 

werden könnten. Schliesslich wurde der Beschuldigte darauf hingewiesen, dass 

er das Recht habe, nächste Angehörige bzw. die diplomatische Vertretung seines 

Landes benachrichtigen zu lassen. Darauf, dass er jederzeit einen Verteidiger 

bestellen könne, wurde der Beschuldigte gemäss Protokoll nicht hingewiesen 

(Urk. 41/1 S. 1). Nach dem zuvor Gesagten, wäre dieser Hinweis jedoch gestützt 

auf § 11 StPO unabdingbar gewesen, dies umso mehr, als zweifellos ein Fall 

notwendiger  

Verteidigung vorlag (§ 11 Abs. 2 Ziff. 3 und 4 StPO/ZH). Das Unterbleiben des 

entsprechenden Hinweises hat die Unverwertbarkeit der Einvernahme zur Folge, 

was die Vorinstanz mit zutreffender Begründung erkannte. Wie bereits zuvor  

ausgeführt, ist auch an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass es für die 

Beurteilung der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten vollkommen belanglos ist, ob 

nun seine Aussagen in der fraglichen polizeilichen Einvernahme verwertbar sind 

oder nicht, hat er selbst doch im späteren Verlauf der Untersuchung 

verschiedentlich und in verwertbarer Art und Weise darauf hingewiesen, dass 

seine ersten Tatversionen unwahr und damit frei erfunden waren.  

2.1.9. Schliesslich stellt sich die Frage, wie es sich mit der Verwertbarkeit der 

Hafteinvernahme vom 8. März 2009 verhält (Urk. 41/2). Aus nicht ohne Weiteres 

nachvollziehbarem Grund wurde dem Beschuldigten durch den untersuchenden 

Staatsanwalt zunächst eröffnet, es werde gegen ihn eine Strafuntersuchung  

wegen Körperverletzung eröffnet (vgl. Urk. 41/2 S. 1 "Protokollnotiz"). Weiter  

wurde der Beschuldigte korrekterweise auf den Inhalt von § 11 Abs. 1 StPO/ZH 

aufmerksam gemacht. Dem Beschuldigten wurde in der Folge entgegen des  

einleitenden Hinweises keine Körperverletzung angelastet, sondern ihm wurde 

mitgeteilt, er werde verdächtigt, die Tötung von †J._____ herbeigeführt zu haben. 

Rund eine halbe Stunde nach Beginn der Einvernahme wurde diese um 17.05 

Uhr durch den untersuchenden Staatsanwalt unterbrochen und es wurde dem 

Beschuldigten ein Pikettanwalt bestellt. Nachdem RA Z._____ als Pikettanwalt auf 

-   20   - 

der Staatsanwaltschaft eintraf, wurde die Einvernahme um 19.45 Uhr fortgesetzt, 

wobei es dem Verteidiger nicht erlaubt wurde, vorgängig mit dem  

Beschuldigten ein Gespräch zu führen (Urk. 41/2 S. 3). Weil der untersuchende 

Staatsanwalt dem Beschuldigten bereits zu Beginn der fraglichen Einvernahme 

vorhielt, er werde verdächtigt, †J._____ mit einem Schuss in den Kopf getötet zu 

haben, musste ihm klar sein, dass damit unzweifelhaft ein Fall notwendiger 

Verteidigung nach § 11 Abs. 2 Ziff. 3 und 4 StPO/ZH vorlag. Nach § 11 Abs. 1 

StPO/ZH war der Beschuldigte im Falle notwendiger Verteidigung unverzüglich  

zu veranlassen, Stellung zu nehmen, ob er selber einen Verteidiger mandatieren 

oder sich einen amtlichen Verteidiger bestellen lassen wolle. Dass der 

Beschuldigte zu Beginn der Einvernahme zu einer entsprechenden 

Stellungnahme aufgefordert worden wäre, lässt sich dem 

Hafteinvernahmeprotokoll nicht entnehmen. Der betreffende Hinweis und die 

Aufforderung zur Stellungnahme erfolgten nach durchgeführter Hafteinvernahme 

(Urk. 41/2 S. 16). Unter dem Regime der zürcherischen Strafprozessordnung 

herrschte die Auffassung, dass in Anlehnung  

an § 17 Abs. 2 Satz 2 StPO/ZH eine erste untersuchungsrichterliche Einvernahme 

– d.h. auch eine sog. Hafteinvernahme – des Beschuldigten grundsätzlich noch 

vor Beiziehung bzw. Bestellung des Verteidigers erfolgen durfte, wobei der  

Beschuldigte aber im Sinne von § 11 Abs. 1 StPO/ZH über seine Rechte belehrt 

werden musste (Donatsch/Schmid, a.a.O., N 1 zu § 13). Nachdem der 

Beschuldigte also zu Beginn der Einvernahme korrekt auf seine Rechte – 

insbesondere auch auf sein Aussageverweigerungsrecht – aufmerksam gemacht 

wurde und dennoch Aussagen machte, ist nach dem Gesagten nicht einzusehen, 

weshalb der erste Teil der Hafteinvernahme nicht verwertbar sein soll. Entgegen 

der Ansicht der Vorinstanz war eine staatsanwaltschaftliche Hafteinvernahme 

nach der zürcherischen Strafprozessordnung auch ohne Beisein der amtlichen 

Verteidigung verwertbar. In einer Vielzahl von Fällen kristallisiert sich nämlich erst 

anlässlich dieser Einvernahme ein konkreter Vorwurf heraus. Mit der 

Staatsanwaltschaft ist darauf hinzuweisen, dass es unter dem Regime der 

zürcherischen StPO den Anwalt der ersten Stunde nicht gab (vgl. dazu Entscheid 

des Bundesgerichts 1P.102/2006 vom 26.6.2006, E.2.1. mit Hinweisen). Damit 

-   21   - 

kann festgehalten  

werden, dass die Hafteinvernahme vom 8. März 2009 (Urk. 41/2) vollumfänglich 

als Beweismittel Verwendung finden kann. 

2.2. Aussageverweigerung des Beschuldigten 

Die Erwägungen der Vorinstanz unter diesem Titel sind allseits unangefochten 

und inhaltlich zutreffend; darauf kann vollumfänglich verwiesen werden. Inwiefern 

der Umstand, dass der Beschuldigte seine Mitwirkung bei der Erhebung von 

Beweisen, die ihn nach seinen Aussagen entlasten würden, als Indiz gegen ihn 

verwendet werden kann,  wird nachfolgend unter Ziff. II. A. 7.2.4.2. e) darzutun 

sein. 

2.3. Durchsuchung des Spitalabfalls 

Die Verteidigung stellte im Berufungsverfahren die Rechtmässigkeit der Durch-

suchung des Spitalabfalls unter prozessualen Aspekten in Frage. Darauf wird 

ausführlich weiter hinten einzugehen sein (vgl. Ziff. II. A. 6.2.). 

2.4. Schliesslich ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende 

Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und  

jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_170/2011 vom 10. November 2011 E. 1.2.). Die 

Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte 

beschränken. 

 

II. Materielles 

A. Mord 

1. Anklagevorwurf 

Die Vorinstanz hat den ursprünglichen Anklagevorwurf richtig zusammengefasst. 

Auf die betreffenden Ausführungen unter Ziff. II. 1 kann verwiesen werden 

(Urk. 231 S. 12). 

-   22   - 

2. Zusammengefasste Stellungnahme des Beschuldigten 

Ebenso zutreffend hat die Vorinstanz dargetan, dass der Beschuldigte den 

äusseren Anklagesachverhalt vollumfänglich als zutreffend anerkannte, während 

der  

innere Anklagesachverhalt von diesem konsequent und vehement in Abrede 

gestellt wurde. Auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid ist zu 

verweisen. 

3. Zwischenfazit 

Unter dem Titel Zwischenfazit fasst die Vorinstanz die ihrer Meinung nach zur 

Erstellung des umstrittenen inneren Anklagesachverhaltes vorhandenen 

Beweismittel zusammen. Sie hält fest, dass hinsichtlich der Frage, ob der 

Beschuldigte wusste, dass die Tatwaffe geladen war, lediglich seine eigenen 

Aussagen sowie jene seines Bruders aufschlussreich sein könnten. Hinzu kämen 

selbstverständlich die Erkenntnisse der Sachverständigen K._____ und L._____. 

Auf die Aussagen von Gefängnisinsassen könne hingegen nicht abgestellt 

werden, da sie für die Erstellung des inneren Anklagesachverhaltes nicht hilfreich 

seien. Die Anklagebehörde liess diverse Mit-Zelleninsassen des Beschuldigten 

durch die Polizei als Auskunftspersonen befragen (Urk. 59/1-4). M._____ und 

N._____ wurden hernach auch formell als Zeugen zur ihren Wahrnehmungen im  

Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt an †J._____ einvernommen (Urk. 59/14-

15). Zudem wurden die polizeilichen Sachbearbeiter O._____ (Urk. 59/13) und 

P._____ (Urk. 59/21) als Zeugen einvernommen. Den erwähnten 

Zeugeneinvernahmen – die im Übrigen ohne Weiteres vollumfänglich als 

Beweismittel verwertbar sind – können keine Angaben zur hier interessierenden 

Frage entnommen werden. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz könnte wohl 

grundsätzlich auf diese Aussagen abgestellt werden, allerdings beinhalten sie 

keinerlei relevante Informationen, weshalb sie an dieser Stelle nichts zur 

Sachverhaltserstellung beitragen können. Hingegen wurde durch die 

Anklagebehörde eine Vielzahl von Freunden und Bekannten aus dem Umfeld des 

Beschuldigten und von †J._____ sowie Personen aus der Partyszene und 

schliesslich die Eltern der Verstorbenen als Zeugen einvernommen. Soweit 

-   23   - 

diesen Zeugeneinvernahmen sachverhaltsrelevante Informationen entnommen 

werden können, die auf eigenen Wahrnehmungen gründen und nicht vom 

Hörensagen herstammen, sind sie zur Erstellung des umstrittenen, inneren 

Anklagesachverhaltes – wenngleich auch grösstenteils nur als Indizien – 

heranzuziehen. Dabei geht es namentlich um folgende Aussagen, die durch die 

Vorinstanz unberücksichtigt geblieben sind: 

− Polizeiliche Einvernahme von Q1._____ (Urk. 63/4) 
− Polizeiliche Einvernahme von Q2._____ (Urk. 61/1) 
− Polizeiliche Einvernahme von D._____ (Urk. 62/3) 
− Polizeiliche Einvernahme von Q3._____ (Urk. 62/1) 
− Polizeiliche Einvernahme von Q4._____ (Urk. 62/2) 
− Zeugeneinvernahme von Q5._____ (Urk. 46/5) 
− Zeugeneinvernahme von Q6._____ (Urk. 46/6) 
− Zeugeneinvernahme von Q7._____ (Urk. 46/8) 
− Zeugeneinvernahme von Q8._____ (Urk. 47/5) 
− Zeugeneinvernahme von Q9._____ (Urk 47/7) 
− Zeugeneinvernahme von Q10._____ (Urk. 48/1) 
− Zeugeneinvernahme von Q11_____ (Urk. 57/1) 
− Zeugeneinvernahme von Q12._____ (Urk. 50/5) 
− Zeugeneinvernahme von Q13._____ (Urk. 50/9) 
− Zeugeneinvernahme von Q14._____ (Urk. 53/1) 

Schliesslich wurden auch die Eltern von †J._____, nämlich B._____ (Urk. 52/1 

und 52/6) und A._____ (Urk. 52/5) als Zeugen einvernommen. Auch deren 

Aussagen sind soweit tunlich zur Erstellung des inneren Anklagesachverhaltes 

heranzuziehen. 

4. Beweiswürdigung im Allgemeinen 

Die Vorinstanz hat sich zu den theoretischen Grundlagen der richterlichen  

Beweiswürdigung geäussert und das Notwendige hierzu dargetan. Darauf wird 

verwiesen. In Ergänzung dazu ist auf Folgendes hinzuweisen: Liegen hinsichtlich 

eines bestimmten Beweisthemas keine direkten Beweise vor, so ist nach der 

Rechtsprechung des Bundesgerichts auch ein indirekter Beweis zulässig. Beim 

-   24   - 

Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen, die nicht unmittelbar 

rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu beweisende, unmittelbar 

rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl von Indizien, die für sich 

alleine nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat 

hinweisen und einzeln betrachtet die Möglichkeit des Andersseins offen lassen, 

können einen Anfangsverdacht verstärken und in ihrer Gesamtheit ein Bild 

erzeugen, das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel bestehen lässt, dass sich 

der Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteil 6B_1047/ 2010 vom 28. Februar 2011 

E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). Geht es wie vorliegend darum, sogenannt innere 

Tatsachen zu beweisen, welche bei fehlendem Geständnis einem direkten 

Beweis regelmässig nicht zugänglich sind, so gilt folgendes: Aufgrund einer 

eingehenden Würdigung des äusseren Verhaltens des Täters sowie allenfalls 

weiterer Umstände muss in diesen Fällen auf die subjektiven Vorstellungen des 

Täters geschlossen werden (BGE 119 IV 242 ff. und 248, vgl. auch Urteil 

AC050005 des Kassationsgerichts des Kantons Zürich vom 5.10.2005, Erw. in 

Ziff. 8). Der Strafrichter darf indes nicht auf Schuld des Beschuldigten erkennen, 

bloss weil dieser sich dazu entschliesst, keine Aussagen zu machen. Wenn die 

belastenden Beweise jedoch nach einer Erklärung rufen, die der Beschuldigte 

geben müsste, dies aber nicht tut, darf nach Massgabe des gesunden 

Menschenverstands der Schluss gezogen werden, es gebe keine mögliche 

Erklärung und der Beschuldigte sei schuldig  

(Pra 90 (2001) Nr. 110 S. 643 unter Hinweis auf den Fall Murry c. Vereinigtes  

Königreich). 

5. Aussagenwürdigung 

5.1. Der Beschuldigte 

5.1.1. Die Vorinstanz hat sich zur allgemeinen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten 

geäussert. Im Ergebnis kann den vorinstanzlichen Einschätzungen zugestimmt 

werden. Weitere Erörterungen zur Frage der Glaubwürdigkeit erübrigen sich  

jedoch, da der allgemeinen Glaubwürdigkeit der Aussagenden nach neueren  

Erkenntnissen ohnehin kaum mehr Bedeutung zukommt. Weitaus wichtiger für die 

-   25   - 

Wahrheitsfindung ist die Frage der Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen.  

Darauf wird nachfolgend im Detail noch einzugehen sein. 

5.1.2. Soweit im angefochtenen Entscheid detaillierte Ausführungen zu den  

ersten, vom Beschuldigten zu Protokoll gegebenen Tatvarianten (angebliche  

Verfolgung durch Kurden usw.) gemacht werden, so sind diese Erwägungen in  

allen Teilen richtig zusammengefasst und wiedergegeben. Dass es sich bei den 

betreffenden Angaben des Beschuldigten um reine Lügengeschichten handelte, 

ist allseits anerkannt. Insofern sind diese Aussagen für die Sachverhaltsermittlung 

an sich auch nicht – zumindest nicht direkt – von Relevanz. Immerhin aber, und 

darauf hat die Vorinstanz zurecht hingewiesen, lassen sich aus dem betreffenden 

Aussageverhalten des Beschuldigten interessante Rückschlüsse ziehen. In der 

Tat fällt nämlich auf, dass die eingestandenermassen frei erfundenen Lügen-

geschichten des Beschuldigten erstaunlich detailreich und über weite Strecken 

lebensnah geschildert wurden. Gerade derartige Schilderungen werden in der 

Aussagepsychologie gerne als Indizien für die Authentizität der Angaben 

gewertet, nicht so beim Beschuldigten. Insofern sind seine Aussagen 

diesbezüglich  

einer besonders kritischen Würdigung zu unterziehen. 

5.1.3. Die Vorinstanz fasst die massgeblichen Aussagen des Beschuldigten im 

Zusammenhang mit dem eigentlichen Tathergang und der verwendeten 

Faustfeuerwaffe sehr gründlich und umfassend zusammen. Sie kommt in der 

Folge zum Schluss, das Aussageverhalten des Beschuldigten sei nicht 

verlässlich. So habe er die Geschichte mit den Kurden erschreckend echt 

geschildert, was  

beweise, dass er es ausgezeichnet verstehe, unwahre Gegebenheiten detailreich 

und farbig zu beschreiben. Nachdem die Beweislage für ihn erdrückend geworden 

sei, habe er schliesslich die Unfallversion vorgebracht, welche er auch noch vor 

Schranken, verbunden mit seiner Aussageverweigerung in Bezug auf den  

Verbleib der Tatwaffe, vehement verfochten habe. Auch betreffend diese letzte 

Tatvariante blieben jedoch verschiedene Widersprüche und Ungereimtheiten, für 

welche der Beschuldigte keine plausiblen Erklärungen habe vorbringen können. 

-   26   - 

Insbesondere seine Aussagen zum Waffenkauf und zur Verwendung der Waffe 

im Vorfeld hätten sich als unglaubhaft erwiesen. Die Aussagen des Beschuldigten 

müssten aufgrund seines gesamten Aussageverhaltens als äusserst unglaubhaft 

taxiert werden. Hingegen könne dort, wo er sich selber belaste oder wo seine 

Aussagen mit glaubhaften Aussagen Dritter übereinstimmten, ohne Weiteres auf 

diese abgestellt werden. 

5.1.3.1. Zur Frage der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten führte die 

Anklagebehörde anlässlich der Berufungsverhandlung aus, das Aussageverhalten 

des Beschuldigten bringe eine Verlogenheit sondergleichen zum Ausdruck. Der 

Beschuldigte habe im Verlauf der Untersuchung eine Vielzahl von verschiedenen 

Tatversionen vorgebracht. Durch dieses Aussageverhalten sei seine 

Glaubhaftigkeit in Bezug auf die von ihm nach mehreren Einvernahmen zum 

besten gegebenen Unfallversionen ganz massiv beeinträchtigt. Er habe so viele 

verschiedene, widersprüchliche, brandschwarz, ideenreich und blumig daher 

gelogene Tatversionen zu Protokoll gegeben, dass ihm nicht mehr geglaubt 

werden könne (Urk. 312 S. 6 f.). 

5.1.3.2. Die Verteidigung dagegen stellte sich zusammengefasst und sinngemäss 

auf den Standpunkt, es sei zutreffend, dass der Beschuldigte zunächst unwahre 

Angaben über den Tathergang gemacht habe. Die betreffenden Aussagen seien 

aber nicht verwertbar und dürften nicht zu seinem Nachteil verwendet werden. Es 

gehe nicht an, dass man dem Beschuldigten jede Glaubwürdigkeit und -haftigkeit 

abspreche, nur weil er einmal gelogen habe. Die Tat, welche der Beschuldigte 

zugegeben habe, sei schrecklich und unverzeihlich genug. Sie sei 

verschuldensmässig kaum zu überbieten. Es sei durchaus nachvollziehbar, dass 

der Beschuldigte anfänglich versucht habe, seine Verantwortung zu leugnen. 

Danach habe er die schwer auf ihm lastende Tat gestanden und sich damit selbst 

schwer belastet, was für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen sprechen müsse.  

5.1.3.3. Wenn die Vorinstanz zum Schluss kommt, das Aussageverhalten des 

Beschuldigten erweise sich insgesamt als äusserst unglaubhaft, so ist ihr  

vollumfänglich zuzustimmen. Wer, wie der Beschuldigte, den ermittelnden Stellen 

unmittelbar nach dem Vorgefallenen eine praktisch "pfannenfertige" und derart 

-   27   - 

abenteuerliche Lügengeschichte zu präsentieren im Stande ist und stets betont, 

dies sei nun wirklich die Wahrheit und hernach während des gesamten Unter-

suchungsverfahrens seine Aussagen immer wieder den neuesten Ermittlungs-

ergebnissen anpasst, der kann sich nicht mehr auf die generelle Glaubhaftigkeit 

seiner Aussagen berufen. Die Vorinstanz hat hierzu mit zutreffenden Erwägungen 

das Notwendige ausgeführt, darauf kann vollumfänglich verwiesen werden.  

5.1.3.4. Auch die Aussagen des Beschuldigten anlässlich der 

Berufungsverhandlung vom 4. März 2013 ändern nichts an dieser Einschätzung. 

Beispielsweise konnte er nicht einmal mehr klar sagen, ob er ein oder zwei Mal 

den Abzug der Waffe gezogen hatte (Urk. 311 S. 20). Weiter deponierte er einmal 

mehr anders lautende Aussagen in Bezug auf den Verbleib der Waffe. So führte 

er aus, die Waffe sei noch im Auto gewesen, als er mit †J._____ beim Spital …  

angekommen sei (Urk. 311 S. 31). Der Beschuldigte sagt also nicht einmal im 

Kerngeschehen konstant und widerspruchsfrei aus. Der Vorinstanz ist ohne  

weiteres zuzustimmen, wenn sie die Aussagen des Beschuldigten als unglaubhaft 

bezeichnet.  

5.2. Der Bruder des Beschuldigten F._____ 

5.2.1. Die vorinstanzlichen Einschätzungen im Hinblick auf die generelle 

Glaubwürdigkeit von F._____ sind zutreffend und können übernommen werden 

(Urk. 231 S. 24). Wie bereits zuvor unter Ziff. 5.1.1. ausgeführt, ist jedoch die  

Frage der Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen von viel entscheidenderer  

Bedeutung. Insofern erübrigen sich Weiterungen unter diesem Titel. 

5.2.2. Zur Frage der allgemeinen Glaubhaftigkeit der Aussagen von F._____ 

führte die Vorinstanz zusammengefasst aus, dieser sei nicht bereit gewesen, die 

ganze Wahrheit zu sagen. Dies zeige sich beispielsweise darin, dass er anlässlich 

der Hafteinvernahme zu Protokoll gegeben habe, er sei davon ausgegangen, 

dass sein Bruder mit irgendjemandem Probleme gehabt habe und diejenige 

Person wohl †J._____ erschossen habe. Auf die Frage, wie er denn darauf 

komme, habe er die Aussage verweigert. Aufgrund der glaubhaften 

Zeugenaussage von Dr. I._____ gehe hervor, dass F._____ zugegen gewesen 

-   28   - 

sei, als der Beschuldigte diesem gesagt habe, er und †J._____ seien auf dem 

Parkplatz überfallen worden. Weil F._____ damals anwesend gewesen sei, habe 

er die Geschichte seines Bruders zwingend hören müssen. Dessen ungeachtet 

habe er aber immer behauptet, sein Bruder habe ihm nicht gesagt, was passiert 

sei, was offenkundig gelogen sei. Dass er auf entsprechenden Vorhalt der Aus-

sage von Dr. I._____ die Aussage verweigert habe, komplettiere dieses Bild. 

F._____ habe zwar weitgehend konstant ausgesagt, dessen ungeachtet seien 

seine Aussagen aber aufgrund seiner Beziehung zum Beschuldigten mit 

äusserster Vorsicht zu geniessen (Urk. 231 S. 26 f.). 

5.2.3. Mit der Vorinstanz ist zunächst festzuhalten, dass die Aussagen von 

F._____ insgesamt betrachtet konstant und relativ widerspruchsfrei sind. Dies 

würde an sich für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen sprechen. Allerdings 

beinhalten seine Aussagen auch offenkundige Unzulänglichkeiten. So gab 

F._____ gegenüber der Polizei zu Protokoll, er sei mit dem Beschuldigten 

zusammen "nicht einmal zwei Sekunden auf dem Parkplatz" vis-à-vis der 

Kläranlage in … gestanden. In dieser Zeit will er gleichzeitig zuerst seinen Bruder 

mit dem Handy angerufen haben, dann soll er aus seinem Fahrzeug gestiegen 

und zur Beifahrertüre des Autos des Beschuldigten gegangen sein. Dort 

angekommen soll er die Autotüre geöffnet und die im Sterben liegende †J._____ 

gesehen haben. Dann soll er seinem Bruder gesagt haben, sie müssten sofort ins 

Spital … fahren. Dass all dies in nur zwei Sekunden passiert sein soll, ist schlicht 

undenkbar. Ähnlich verhält es sich mit der durch F._____ zu Protokoll gegebenen 

Fahrtzeit vom Parkplatz in … ins Spital …. Nach seinen Angaben soll die Fahrt 

nicht einmal eine Minute gedauert haben (Urk. 42/4 S. 8 ff.). Diese Zeitangaben 

sind unrealistisch. Die Strecke vom Parkplatz in … zum Spital … beträgt auf dem 

kürzesten befahrbaren Weg gemäss Routenberechnung auf www.search.ch 3.3 

km. Damit hätten die beiden Brüder die kurvenreiche, praktisch ausschliesslich 

durch bewohntes Gebiet führende und mit unzähligen Kreiseln, Kreuzungen und 

einem Bahnübergang versehene Strecke mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit 

von rund 200 km/h befahren müssen, was vollkommen unrealistisch ist. Weiter 

schilderte F._____ konstant, er sei auf dem Parkplatz in … an die Beifahrertüre 

des von seinem Bruder gelenkten Audis herangetreten und habe diese geöffnet. 

-   29   - 

In diesem Moment sei die Innenbeleuchtung im Auto angegangen und er habe 

†J._____ voller Blut im Auto sitzen sehen. Die Verletzte sei im Auto nicht bewegt 

worden, sie sei regungslos dagesessen. Sein Bruder sei nicht in der Lage 

gewesen, ihm zu sagen, was passiert sei. Er habe auf entsprechende Frage 

immer nur gesagt: "Ich weiss nöd, ich weiss nöd, ich weiss nöd". Andernorts gab 

er an, der Beschuldigte habe seine Fragen nicht beantwortet und nur geweint und 

geweint (Urk. 42/2 S. 6; Urk. 42/3 S. 8; Urk. 42/5 S. 3; HD 42/6 S. 6). Anlässlich 

seiner polizeilichen Befragung vom 10. März 2009 gab F._____ dann gegenüber 

der Polizei zu Protokoll, er habe die Verletzung von †J._____ gesehen. Es habe 

sich dabei um eine Schusswunde am Hals gehandelt. Er habe "den Einschlag 

gesehen. Mit einem Messer hätte die Wunde anders ausgesehen". Auf die Frage, 

wann er die Wunde zum ersten Mal gesehen habe, gab F._____ dann an, er habe 

sie im Spital gesehen. Jetzt komme ihm in den Sinn, dass, soviel er wisse, die 

Ärztin etwas von einer Schiesswunde gesagt habe (Urk. 42/4 S. 10 f.). Dass 

F._____ die Wunde tatsächlich im Spital gesehen hat, erscheint praktisch 

ausgeschlossen. Unbestrittenermassen wurde †J._____ unmittelbar nach der 

Ankunft vor dem Spital in den Schockraum verbracht. Dort hatten weder der 

Beschuldigte noch F._____ Zutritt. Ebenso unwahrscheinlich ist aufgrund der 

Schilderungen, dass F._____ die Schussverletzung am Hals von †J._____ im 

Auto des Beschuldigten festgestellt hatte. Er selbst gibt an, auf der Beifahrertüre 

an das Auto herangetreten zu sein und die dortige Türe geöffnet zu haben. 

†J._____ wurde nicht bewegt. Wie hätte also F._____ die linksseitige 

Einschusswunde von seiner Position aus sehen können? Zudem blutete die 

Wunde derart stark, dass nur schon aufgrund des austretenden Blutes praktisch 

ausgeschlossen ist, dass ein medizinischer Laie unter diesen Umständen eine 

Stich- von einer Schusswunde unterscheiden konnte. Dennoch behauptete 

F._____ "den Einschlag gesehen" zu haben und zwar so, dass er ausschliessen 

konnte, dass die Wunde von einer Stichverletzung herrührte. Entweder lügt 

F._____ und er hat die Schussverletzung entgegen seinen Ausführungen nicht so 

genau gesehen, wie er dies zu Protokoll gegeben hat, sondern hat lediglich 

aufgrund der Angaben der Ärztin auf eine Schussverletzung geschlossen, oder er 

hat sehr wohl mit dem Beschuldigten über den Tathergang und die Verwendung 

-   30   - 

einer Schusswaffe gesprochen. Merkwürdig ist in diesem Zusammenhang auch 

die Reaktion von F._____ auf die Frage, ob er im Auto des Beschuldigten eine 

Schusswaffe gesehen habe. Er beantwortete die Frage wie folgt: "Nein, wieso hat 

man eine gefunden?" (Urk. 42/2 S. 6). Wenn F._____ mit seinem Bruder nicht 

über den Vorfall reden konnte und er keine Ahnung hatte, was tatsächlich passiert 

war, gleichzeitig aber behauptet, dass er klar eine Schussverletzung gesehen und 

als solche erkannt habe, wieso also sollte er sich bei dieser Ausgangslage 

darüber erstaunt zeigen, wenn man eine Waffe gefunden hätte? Weiter ergäbe es 

keinen Sinn, dass F._____ im Spital heftig auf den Beschuldigten einreden, wie 

die Zeugin Q._____ ausführte (Urk. 44/9 S. 2 ff.), und sich von ihm distanzieren 

würde, wenn er nichts über den Tathergang gewusst hätte. Ein weiterer 

Widerspruch ist sodann darin zu erblicken, dass F._____ einerseits ausführt, der 

Beschuldigte sei am Telefon nervös gewesen und habe nur geweint, andererseits 

erklärte er, er habe auf dem Parkplatz vermutet, der Beschuldigte wolle ihm eine 

"Fickshow" zeigen. Wenn der Beschuldigte am Telefon so aufgewühlt war und 

geweint hatte, wie F._____ schilderte, dann ist es höchst unglaubwürdig, dass 

dieser auf dem Parkplatz eine Show erwartete. Unter all diesen Gesichtspunkten 

ist nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanz in Bezug auf die Glaubhaftigkeit 

der Aussagen von F._____ zur Vorsicht mahnt. 

 

 

5.3. Die Zeugin Q15._____ 

5.3.1. Was die Erwägungen zur Glaubwürdigkeit der Zeugin angeht, so kann ohne 

Weiteres auf die Erwägungen der Vorinstanz sowie auf das zuvor unter den 

Ziff. 5.1.1. und 5.2.1. Gesagte verwiesen werden. 

5.3.2. Hinsichtlich der Zeugin Q15._____ hielt die Vorinstanz fest, diese habe in 

sämtlichen Einvernahmen konstante Aussagen zu Protokoll gegeben. Sie habe 

sich nicht widersprochen und auch auf Ergänzungsfragen stets plausible 

Antworten geliefert. Soweit sich die Staatsanwaltschaft auf den Standpunkt stelle, 

-   31   - 

die Zeugin sei durch den Beschuldigten und/oder dessen Umfeld unter Druck 

gesetzt worden, überzeuge dies nicht. Es sei zwar zutreffend, dass die Zeugin 

angegeben habe, ein wenig Angst vor dem Beschuldigten zu haben. Dennoch 

habe sie ihn doch als "Arschloch" und "Scheisswixer" bezeichnet. Es sei nicht 

anzunehmen, dass sie ihn in der beschriebenen Weise bezeichnet respektive 

beschimpft hätte, wenn sie grosse Angst vor dem Beschuldigten gehabt hätte. 

Schliesslich habe sie dem Beschuldigten auch inhaltlich widersprochen, was 

ebenfalls nicht dafür spreche, dass sie aus Angst unglaubhafte Aussagen 

gemacht habe. Ihre Aussagen seien vielmehr als glaubhaft zu bezeichnen und 

daher zur Sachverhaltserstellung heranzuziehen (Urk. 231 S. 29). 

5.3.3. Den vorinstanzlichen Erwägungen kann weitgehend zugestimmt werden. 

Insbesondere ist die Feststellung zutreffend, dass die Zeugin Q15._____ 

betreffend das eigentlich hier interessierende Kerngeschehen (Telefonat mit dem 

Beschuldigten unmittelbar vor der Tötung †J._____s) konstante, glaubhafte und 

plausible Aussagen machte. Dennoch darf nicht ausser Acht gelassen werden, 

dass die Zeugin Q15._____ nicht davor zurück schreckte, entweder als Zeugin 

oder dann als durch die Polizei befragte Auskunftsperson offensichtlich unwahre  

Angaben zu machen. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf folgendes: 

Als Zeugin einvernommen wurde sie durch den untersuchenden Staatsanwalt  

gefragt, seit wann sie mit dem Beschuldigten eine intime Beziehung geführt habe. 

Die Zeugin antwortete auf diese Frage, sie seien seit Beginn der Beziehung intim  

gewesen. Kurz zuvor gab sie zu Protokoll, sie sei 14 Jahre alt gewesen, als sie 

mit dem Beschuldigten zusammen gekommen sei (Urk. 47/12 S. 4). Nachdem in 

der Untersuchung der Verdacht aufkam, Q15._____ sei vom Beschuldigten 

geschwängert worden, veranlasste die Staatsanwaltschaft eine neuerliche 

polizeiliche Befragung. Gegenstand dieser Befragung sollte ihre angebliche 

Schwangerschaft durch den Beschuldigten sein. Anlässlich dieser Befragung 

wurde  

Q15._____ erneut gefragt, ob sie mit dem Beschuldigten ein intimes 

Liebesverhältnis gehabt habe, was sie nun – notabene – dezidiert verneinte. Auf 

die Frage, ob sie mit ihm Geschlechtsverkehr gehabt habe, lachte sie zunächst, 

um danach doppelt zu verneinen, mit dem Beschuldigten intim geworden zu sein 

-   32   - 

(Urk. 47/14 S. 3). Diese Aussage von Q15._____ steht in diametralem 

Widerspruch zu  

ihrer zuvor gemachten Zeugenaussage. Es ist offenkundig, dass sie das eine  

oder andere Mal gelogen hat. Was nun der Grund für diese Lüge war, muss an 

dieser Stelle offen bleiben. Denkbar ist einerseits, dass sie den Beschuldigten 

nicht dem Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind aussetzen wollte. 

Dafür spricht, dass sie die darauffolgende Frage mit der Gegenfrage 

beantwortete: "Wollen Sie, dass er pädophil gewesen ist?" (Urk. 47/14 S. 3). 

Denkbar ist aber auch, dass sie aus Angst vor ihrem Vater log. Immerhin hatte 

sowohl sie selbst als auch ihre Mutter offenbar panische Angst davor, dass ihr 

Vater, R._____, von der Beziehung seiner Tochter zum Beschuldigten und der 

angeblichen Schwangerschaft erfuhr. Die Mutter führte jedenfalls gegenüber dem 

Sachbearbeiter S._____ am Telefon aus, ihr Ex-Mann würde darüber ausrasten 

und sie und ihre Tochter totschlagen (Urk. 47/16). Ähnlich äusserte sich zuvor 

übrigens auch Q15._____ in der polizeilichen Befragung. Dort gab sie nämlich an, 

ihr Vater hätte sie umgebracht, wenn sie schwanger gewesen wäre. Wenn sie mit 

14 Jahren schwanger nach Hause gekommen wäre, dann wäre sie unter der Erde 

(Urk. 47/14 S. 4). Dass Q15._____ aus Angst vor dem Beschuldigten log, 

erscheint hingegen eher unwahrscheinlich. Einerseits hat sie in den 

verschiedenen Einvernahmen nicht davor zurückgeschreckt, diesen mit markigen 

Kraftausdrücken zu betiteln – letztmals in der polizeilichen Einvernahme vom 28. 

Juni 2010, wo sie zu Protokoll gab, der Beschuldigte sei ein "Wixer" der "im Knast 

verrecken" solle (Urk. 47/14 S. 5) – andererseits widersprach sie ihm auch. 

Schliesslich ist auch darauf hinzuweisen, dass Q15._____ die Vorfälle anlässlich 

ihrer Zeugeneinvernahme vom 20. September 2009 offenkundig anders 

einschätzte als der Staatsanwalt. Während dieser noch davon ausging, der 

Beschuldigte habe sie zu beeinflussen versucht, indem er ihr zugezwinkert und 

mit dem Finger auf eine Waffe gedeutet habe, welche auf seinem Shirt abgebildet 

gewesen sei, konnte (oder wollte) sich die Zeugin nicht an etwas Derartiges 

erinnern. Es sei zwar wahr, dass sie Blickkontakt gehabt hätten und er auch 

gelacht habe, obwohl ja jemand gestorben sei. Sie schwöre aber bei ihrer Mutter, 

dass er keine Zeichen Richtung der Waffe auf dem Ärmel gemacht habe. Das 

-   33   - 

müsste ihr aufgefallen sein und sie würde auch nicht zögern, dies zuzugeben, 

wenn es sich denn so verhalten hätte. Aus der Einvernahme sei sie weggelaufen, 

weil der Beschuldigte unerwarteterweise mit ihr im selben Raum gewesen sei. 

Zudem habe er immer so blöd zu ihr rüber gelacht. Es habe sie aufgeregt, dass er 

so blöd gelacht habe, obwohl ja jemand gestorben sei. Irgendwann habe sie das 

nicht mehr ausgehalten. Er habe sie so genervt, dass sie aufgestanden und 

gegangen sei (Urk. 47/14 S. 7).  

5.3.4. Insgesamt kann daher zusammengefasst werden, dass die Aussagen von 

Q15._____, soweit es um das fragliche Telefonat vom 7. März 2009 um 23.38 Uhr 

geht, als glaubhaft bezeichnet werden können. Dort, wo es um die Beziehung 

zwischen ihr und dem Beschuldigten geht, ist hingegen aufgrund ihres 

ambivalenten Verhältnisses zum Beschuldigten und des Umstandes, dass sie 

zumindest teilweise unwahre Angaben machte, Vorsicht geboten.  

5.4. Die Auskunftsperson Q1._____ 

5.4.1. Der ehemalige Arbeitgeber des Beschuldigten Q1._____ wurde als 

Auskunftsperson polizeilich befragt. Er sagte zusammengefasst aus, der 

Beschuldigte habe eine zweijährige Lehre als Detailhandelsangestellter bei ihm 

absolviert. Als er die Abschlussprüfung nicht bestanden habe, habe er ihm die 

Chance gegeben, noch ein Jahr zu bleiben, um die Prüfung nachzuholen. Nach 

bestandener Abschlussprüfung sei der Beschuldigte als normaler Arbeiter 

geblieben. Im Januar 2008 habe er gekündigt. Er habe ihn angefragt, ob er noch 

ein wenig länger bleiben könne, da sie Ausfälle hätten. Der Beschuldigte habe 

zuerst zugesagt zu bleiben, sein Versprechen dann aber gebrochen. Der 

Beschuldigte sei der Kundschaft gegenüber recht anständig gewesen. Es habe 

nie Reklamationen oder Probleme gegeben. Er habe flink und schnell gearbeitet 

und sich unauffällig verhalten. Er sei nur etwas lernfaul gewesen, wie er von der 

Berufsschule erfahren habe. Der Beschuldigte habe von der Berufsschule eine 

schriftliche Ermahnung erhalten, da er einem Schüler aus einer anderen Klasse 

einen Fusstritt gegen den Kopf verpasst hatte. Die Pflichterfüllung, Pünktlichkeit 

und Zuverlässigkeit des Beschuldigten seien wirklich gut gewesen. Er sei auch 

nie krank gewesen oder habe dies vorgetäuscht. Er habe mit dem Beschuldigten 

-   34   - 

nie über Waffen gesprochen. Der Beschuldigte sei für sein Machogehabe bekannt 

gewesen. Er habe sich immer Respekt verschaffen wollen. Dies habe er aber nur 

in der Freizeit gemacht, während der Arbeit sei davon nichts zu spüren gewesen 

(Urk. 63/4). 

5.4.2. Q1._____ könnte als ehemaliger Arbeitgeber des Beschuldigten geneigt 

sein, nur die guten Eigenschaften des Beschuldigten zu betonen. Er tut dies aber 

nicht, sondern legt die positiven und negativen Fakten gleichermassen offen. Es 

besteht daher kein Zweifel daran, dass er glaubwürdig und seine Aussagen 

glaubhaft sind.  

5.5. Die Auskunftsperson Q2._____ 

5.5.1. Q2._____, der Kampfsporttrainer des Beschuldigten, wurde als  

Auskunftsperson polizeilich befragt. Er führte im Wesentlichen aus, er kenne den 

Beschuldigten vom Training her. Anfangs sei dieser etwas provokativ aufgetreten, 

womit er Probleme gehabt habe. Nach zwei Monaten habe er den Beschuldigten 

aber wie einen anderen Menschen wahrgenommen und sie seien auch Freunde 

geworden. Der Beschuldigte habe ein bis zwei Mal pro Woche bei ihm trainiert. Er 

habe ihn in Zukunft als seinen Assistenten gesehen. Er habe viele gute 

Gespräche mit dem Beschuldigten geführt und das Gefühl gehabt, sie beide 

hätten die gleichen Wertvorstellungen. Er könne sich nicht vorstellen, dass der 

Beschuldigte bewusst jemanden umbringe. Er könne sich vorstellen, dass er mit 

einer Waffe prahle und es zu einem Unfall gekommen sei. Der Beschuldigte habe 

mit Krav Maga bei ihm begonnen und dann zum Kickboxen gewechselt. Er habe 

gedacht, dass es für das Selbstvertrauen des Beschuldigten und sein 

Machogehabe gut gewesen wäre, wenn er Wettkämpfe bestritten hätte. Soweit 

sei es aber nicht gekommen. Anfangs habe keiner im Club den Beschuldigten 

gern gehabt, nach zwei Monaten habe sich dies aber geändert und der 

Beschuldigte sei gut integriert und ein sehr angenehmer Trainingspartner 

gewesen. Der Beschuldigte habe gewusst, dass er nicht mehr trainieren könne, 

wenn er eine Waffe auf sich getragen hätte. Er habe nie eine Waffe beim 

Beschuldigten gesehen. Er würde den Beschuldigten als zuverlässig, offen, 

herzlich und hilfsbereit beschreiben. Vielleicht habe er etwas zu viel 

-   35   - 

Machogehabe und sei etwas zu cool. Der Beschuldigte sei im Training 

umgänglich sowie kritik- und konfliktfähig gewesen. Er könne sich vorstellen, dass 

er wegen seines Machogehabes mehrere Freundinnen gehabt habe, dies seien 

vermutlich aber keine "echten" Freundschaften gewesen. Zum Motiv des  

Beschuldigten erklärte er, er habe als erstes gedacht "Der Dubel hatte eine Waffe 

dabei und es hat sich ein Schuss gelöst" (Urk. 61/1). 

5.5.2. Es besteht kein Grund, an der Glaubwürdigkeit von Q2._____ und an der 

Glaubhaftigkeit seiner Aussagen zu zweifeln. Zwar strich er insbesondere die 

guten Eigenschaften des Beschuldigten hervor und bezeichnete den 

Beschuldigten und sich als Freunde, verschwieg aber nicht, dass dieser ein 

Machogehabe an den Tag legte und Kontakt mit Waffen zu haben schien. Die 

Aussagen von Q2._____ als Auskunftsperson sind durchwegs glaubhaft.  

5.6. Die Auskunftsperson D._____ 

5.6.1. Auch der Vater des Beschuldigten, D._____, wurde polizeilich 

einvernommen. Aufgrund seiner nahen verwandtschaftlichen Beziehung zum 

Beschuldigten ist in Bezug auf seine allgemeine Glaubwürdigkeit eine gewisse 

Zurückhaltung angebracht. Dies gilt nachfolgend auch für die Mutter und die 

Schwester des Beschuldigten.  

5.6.2. Bei seiner Befragung gab der Vater des Beschuldigten zu Protokoll, seine 

Beziehung zum Beschuldigten sei gut, er habe nie Probleme mit ihm gehabt. Der 

Beschuldigte sei nicht nach alten Traditionen erzogen worden. Der Beschuldigte 

sei ein sensibler und anständiger Junge. Wenn er einmal Blödsinn gemacht habe, 

habe er ihn damit bestraft, dass er am Wochenende nicht mit seinem Auto habe 

fahren dürfen. Geschlagen habe er den Beschuldigten nicht, höchstens auf die 

Finger geklopft. Dem Beschuldigten seien Autos sehr wichtig gewesen und er  

habe auch viel trainiert oder Autospiele auf der Playstation gespielt. Er selbst  

habe †J._____ nicht gekannt. Er glaube nicht, dass der Beschuldigte mehrere 

Freundinnen auf einmal gehabt habe. Der Beschuldigte habe einen sehr  

guten Charakter, er sei geduldig, ruhig, anständig und nicht aggressiv. Er habe 

nichts gehört oder gesehen, was beim Beschuldigten oder dessen Bruder auf den 

-   36   - 

Besitz einer Waffe hindeuten würde. Er könne sich nicht erklären, was vorgefallen 

sei. Er wisse nur, dass der Beschuldigte nicht in der Lage wäre, jemanden mit 

Absicht umzubringen (Urk. 62/3). 

5.6.3. Das Aussageverhalten des Vaters des Beschuldigten zeichnet sich vor  

allem dadurch aus, dass er nur Positives über den Beschuldigten berichtet. Es ist 

allerdings davon auszugehen, dass der Vater nicht über alles Bescheid wusste, 

was der Beschuldigte tat. So verneinte er zum Beispiel die Frage, ob der  

Beschuldigte gleichzeitig mehrere Freundinnen gehabt habe. Dies war aber 

nachweislich der Fall. Auch ist es schwer vollstellbar, dass der Vater nichts vom 

Waffenbesitz des Beschuldigten gewusst haben soll, wenn dies sogar im Dorf  

bekannt gewesen sei und der Beschuldigte auch eine Waffe im Auto mitführte, 

welches auch durch den Vater gefahren wurde. Grundsätzlich sind die Aussagen 

des Vaters zur Person des Beschuldigten aber als glaubhaft einzustufen, zur  

Sache vermag er nichts Relevantes beizutragen.  

5.7. Die Auskunftsperson Q3._____ 

5.7.1. In der polizeilichen Einvernahme führte die Mutter des Beschuldigten, 

Q3._____, aus, die Erziehung des Beschuldigten sei nicht problematisch 

gewesen, er sei immer sehr ruhig und anständig gewesen. Er sei nach 

kosovarischen Grundsätzen erzogen worden. Bei Fehlverhalten seien die Kinder 

mit Ausgeh- oder Fernsehverbot belegt worden. Als sie klein gewesen seien,  

seien sie auch geschlagen worden. Sie habe seine Freundin nicht gekannt, er  

habe ihr nur anvertraut, dass er seine Freundin sehr liebe. Ob der Beschuldigte 

mehrere Freundinnen auf einmal gehabt habe, wisse sie nicht, er habe nie ein 

Mädchen mit nach Hause gebracht. Sie könne auch nicht beurteilen, was er für 

ein Verhältnis zu Frauen gehabt habe, da sie ihn nie zusammen mit Frauen 

gesehen habe. Den Beschuldigten würde sie als anständigen, gepflegten jungen 

Mann charakterisieren, der nie Probleme bereitet habe und sich gerne modisch 

angezogen habe. Zuhause sei er mehrheitlich in seinem Zimmer geblieben und 

habe Playstation gespielt. Eine Waffe habe sie zuhause nie gesehen (Urk. 62/1). 

-   37   - 

5.7.2. Auch die Mutter des Beschuldigten weiss nur Positives über diesen zu  

berichten, was nicht weiter erstaunt. Auffallend ist, dass sie oftmals antwortet, sie 

wisse etwas nicht oder könne nichts dazu sagen. Es scheint, als kenne sie den 

Beschuldigten nur oberflächlich und wisse nichts über sein Freizeit- oder 

Sozialverhalten. Ihre Wahrnehmungen zeichnen wohl mehrheitlich ein Bild davon,  

wie sich der Beschuldigte innerhalb der Familie verhalten hat und nicht, wie er  

ausserhalb zu sein pflegte. Ihre Aussagen zur Person des Beschuldigten können 

zwar grundsätzlich als glaubhaft bezeichnet werden, sind aber wenig 

aufschlussreich.  

5.8. Die Auskunftsperson Q4._____ 

5.8.1. Q4._____, die Schwester des Beschuldigten, führte in der polizeilichen 

Einvernahme aus, der Beschuldigte sei ein ruhiges Kind gewesen. Sie seien offen 

erzogen worden, hätten aber ihre Grenzen gekannt. Als sie noch klein gewesen 

seien, hätten sie vielleicht einmal als Strafe eins auf die Finger bekommen, aber 

ihr Vater sei nicht der Typ, der schlage. Der Beschuldigte sei sehr höflich und  

anständig gewesen, dies habe auch sein Chef gesagt. In seinem Zimmer sei alles 

ordentlich gewesen. In seiner Freizeit sei er entweder mit dem Auto in der  

Garage, zuhause am Fernsehen oder Playstation-Spielen gewesen. Natürlich sei 

er auch mit seinen Kollegen nach draussen gegangen. Er habe viele Kollegen 

gehabt. Weiter hätten ihm Markenkleider gefallen und er habe Kickboxen trainiert. 

Seine Freundin habe sie nicht gekannt, sie habe nur schon ein Foto von ihr 

gesehen oder ihr von weitem zugewinkt. Sie glaube nicht, dass der Beschuldigte 

Zeit für mehrere Freundinnen auf einmal gehabt hätte. Er sei nicht der Typ dazu. 

Wenn er allein gewesen sei, sei er immer sehr anständig gewesen, sie wisse aber 

nicht, wie er in der Gruppe gewesen sei. Der Beschuldigte habe einen guten  

Charakter, er sei nicht eifersüchtig, modisch, humorvoll und habe gerne gekocht. 

Er sei sehr fröhlich gewesen, nicht aggressiv. Sie habe nie wirklich grossen Streit 

mit ihm gehabt. Es stimme nicht, dass der Beschuldigte über Waffen verfügt  

habe. Über die Tat denke und fühle sie, dass ihr Bruder so etwas nie absichtlich 

getan hätte, die Wahrheit werde ans Licht kommen (Urk. 62/2). 

-   38   - 

5.8.2. Wie auch die Aussagen der Mutter und des Vaters des Beschuldigten 

zeichnet auch die Aussage der Schwester des Beschuldigten ein durchwegs 

positives Bild des Beschuldigten. Auffallend ist auch hier, dass gewisse Aussagen 

der Schwester durch das Ermittlungsergebnis oder Aussagen des Beschuldigten 

selbst widerlegt werden konnten, beispielsweise verfügte der Beschuldigte über 

Waffen oder hatte mehrere Freundinnen gleichzeitig. Im Grossen und Ganzen 

decken sich aber die Aussagen der Familienangehörigen des Beschuldigten, 

wenn sie diesen als ruhigen Typen beschreiben, der gerne Playstation spielt oder 

sich mit Autos beschäftigt. Auch die Schwester scheint aber wenig über das  

Verhalten des Beschuldigten ausserhalb der Familie sagen zu können. Ihre  

Aussagen sind daher, wie diejenigen der Mutter, grundsätzlich als glaubhaft zu 

bezeichnen, aber wenig hilfreich, um sich ein neutrales Bild des Beschuldigten zu 

machen.  

Die Aussagen der Familienmitglieder – und soweit es nicht das Machogehabe des 

Beschuldigten betrifft – sowie des ehemaligen Arbeitgebers und Trainers fügen 

sich durchaus ins Bild ein, welches im psychiatrischen Gutachten vom 

Beschuldigten gezeichnet wurde. Diese Personen beschreiben vorab die positive 

Seiten des Beschuldigten, welche sich mit "dem einen Gesicht" des 

Beschuldigten  

decken. Über "das andere Gesicht" konnten oder wollten sie sich nicht äussern. 

5.9. Der Zeuge Q5._____ 

5.9.1. Q5._____ wurde im Rahmen der Untersuchung als Zeuge unter Hinweis 

auf die Wahrheitspflicht im Sinne von Art. 307 StGB einvernommen. Was seine 

allgemeine Glaubwürdigkeit anbelangt, so ist darauf hinzuweisen, dass er mit 

dem Beschuldigten aufgewachsen und mit ihm zur Schule gegangen ist. Der 

Zeuge bezeichnet den Beschuldigten als einen sehr guten Freund, für den er  

die Hände ins Feuer legen würde (Urk. 46/5 S. 13). Seine und die Familie des  

Beschuldigten würden sich kennen. †J._____ hingegen kenne er nicht, er habe 

sie "ca. einmal gesehen". Allein schon aufgrund der offenkundig engen 

freundschaftlichen Bande zwischen ihm, dem Beschuldigten und den beiden  

-   39   - 

Familien, ist in Bezug auf die Glaubwürdigkeit von Q5._____ eine gewisse  

Zurückhaltung geboten.  

5.9.2. Q5._____ wurde zunächst durch die Polizei als Auskunftsperson befragt. 

Anlässlich jener Befragung gab er zu Protokoll, er habe beim Beschuldigten kurz 

vor dem Tötungsdelikt an †J._____ einmal eine Waffe gesehen. Vor dem 

Solarium in … habe der Beschuldigten eine Waffe in seinem Hosenbund  

gehabt und sie ihnen (den anwesenden Kollegen) gezeigt. Er habe dabei aber die 

Waffe nicht auf sie gerichtet. Weiter gab er an, der Beschuldigte habe Q6._____ 

(gemeint ist Q6._____) an einem Abend im Frühling/Sommer 2008, evtl. auch um 

die Chilbi-Zeit im Oktober 2008, eine Waffe kurz an die Stirn gehalten und gesagt 

"und, hast du Angst? Hast du Angst?". Es habe sich dabei um dieselbe Waffe  

gehandelt, die er ihnen auch beim Solarium gezeigt habe. Dieser Vorfall habe 

sich neben der Kirche und dem Ortsmuseum in … bei den "Bänklis" abgespielt. 

Vermutlich habe er die Waffe von seinem Bruder genommen, um damit 

anzugeben, er wisse es aber nicht (Urk. 46/4 S. 5 ff.). Anlässlich seiner 

Zeugeneinvernahme durch den Staatsanwalt vom 9. Juni 2009 gab er zunächst 

an, er habe den Beschuldigten im Sommer 2008 nie im Besitz einer Waffe 

gesehen. Weiter gab er an, er habe bei der Polizei falsche Aussagen gemacht. Er 

habe sich das in der Zwischenzeit noch einmal überlegt und sei zum Schluss 

gekommen, dass er beim Vorfall, wo der Beschuldigte Q6._____ eine Waffe an 

die Stirn gehalten habe, gar nicht dabei gewesen sei. Von jenem Vorfall wisse er 

nur, weil Q6._____ ihm davon berichtet habe. Danach verstrickte sich der Zeuge 

in verschiedene  

Widersprüche, geriet vermehrt ins Stocken und gab an, bei seiner polizeilichen 

Einvernahme keinen klaren Kopf gehabt zu haben. Hinsichtlich des Vorfalls beim 

Solarium bestätigte er hingegen, dass der Beschuldigte eine Waffe 

"herausgezogen" und sie ihnen gezeigt habe. Weiter sei dort nichts passiert (Urk. 

46/9 S. 5 ff.).  

5.9.3. Das Aussageverhalten des Zeugen Q5._____ ist von offenkundigen  

Widersprüchen und dem klaren Bestreben geprägt, möglichst keine Aussagen 

zum Nachteil des Beschuldigten zu machen. Dabei fällt auf, dass der Zeuge 

-   40   - 

anlässlich der polizeilichen Einvernahme, welche lediglich rund drei Monate vor 

der Zeugeneinvernahme stattfand, in Bezug auf die beiden Vorfälle beim 

"Solarium" und bei den "Bänklis" eine lebhafte Erinnerung hatte und detaillierte, 

lebensnahe Schilderungen zu Protokoll gab, wie der Beschuldigte mit den Waffen 

hantierte und was er dabei sagte. Anlässlich seiner Zeugeneinvernahme wollte er 

dann den  

Beschuldigten im Sommer 2008 nie mit einer Handfeuerwaffe gesehen haben.  

Im Gegensatz zu seinen Aussagen in der polizeilichen Befragung sind seine  

Aussagen als Zeuge alles andere als glaubhaft. Sie sind von chronologischen und 

inhaltlichen Widersprüchen geprägt und vieles deutet darauf hin, dass der Zeuge 

– aus welchem Grund auch immer – unwahre Angaben zu Protokoll gab.  

5.10. Der Zeuge Q6._____  

5.10.1. Q6._____ gab an, der Beschuldigte sei früher einmal ein guter Freund von 

ihm gewesen, heute seien sie nur noch Freunde (Urk. 46/6 S. 1). An anderer 

Stelle führte er aus, er sei der beste Freund des Beschuldigten gewesen 

(Urk. 46/6 S. 23). Er habe einmal mit dem Beschuldigten eine 

Auseinandersetzung gehabt. Der Beschuldigte habe sich damals gegenüber einer 

gemeinsamen Freundin, die nach dem Ausgang betrunken gewesen sei, wie "ein 

Arschloch" verhalten. Wegen dieses Vorfalls habe er von ca. November 2008 bis 

ca. ein bis zwei Wochen vor der Tat keinen Kontakt mehr mit dem Beschuldigten 

gehabt. Er kenne auch die Familie des Beschuldigten, habe zu ihr aber bloss 

einen oberflächlichen Kontakt. Q6._____ wurde als Zeuge unter Hinweis auf die 

Wahrheitspflicht im Sinne von Art. 307 StGB einvernommen. Anhaltspunkte, 

welche generell gegen die Glaubwürdigkeit des Zeugen Q6._____ sprechen 

würden, sind nicht vorhanden. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass ihn eine 

langjährige Freundschaft mit dem Beschuldigten verbindet.  

5.10.2. Der Zeuge Q6._____ schildert als Zeuge, wie der Beschuldigte im 

Sommer 2008 eine Schusswaffe hervorgenommen habe. Er habe die Waffe dann 

hin und her geschwenkt und sie schliesslich auf ihn gerichtet. Dann habe er die 

Waffe wieder versorgt. Nachdem der Zeuge anlässlich seiner polizeilichen 

Einvernahme noch angab, beim fraglichen Vorfall seien seine Kollegen T._____, 

-   41   - 

U._____, V._____ und W._____ ebenfalls anwesend gewesen (Urk. 46/3 S. 2), 

gab er als Zeuge zu Protokoll, dies nicht mehr sagen zu können. Weiter führte der 

Zeuge anlässlich seiner polizeilichen Befragung wörtlich aus: "C._____ war immer 

so krass, wie er halt so 'umegschnorret' hatte und eine 'uf Makker' gemacht hatte. 

Ab und zu hatte C._____ – genauer gesagt zweimal passierte das – so komische 

Ideen. Dann nahm er die Waffe hervor und machte sich, indem er sie 

herumzeigte, wichtig". Er selber – so der Zeuge – sei immer gegen Waffen 

gewesen und er habe auch zum Beschuldigten gesagt: "Chum nimm die Knarre 

weg…". Der Beschuldigte habe dann gesagt: "He, was häsch gseit". Als er dies 

gesagt habe, habe er die Waffe so in der Hand gehalten, dass der Lauf auf den 

Kopf des Zeugen gerichtet gewesen sei. Danach habe der Beschuldigte die Waffe 

versorgt (Urk. 46/3 S. 2). Als Zeuge einvernommen führte Q6._____ dann aus, 

der Beschuldigte habe "nur" aus einer Distanz von zwei bis drei Metern auf ihn 

gezielt. Er habe die Waffe nicht an seinen Kopf gehalten (Urk. 46/6 S. 7). Auf 

Vorhalt seiner eigenen Aussagen bei der Polizei gab der Zeuge an, seine zuvor 

gemachten Aussagen seien zutreffend. Er sei sich aber nicht mehr sicher, ob der 

Beschuldigte die Waffe auf seinen Kopf oder seine Brust gerichtet gehabt habe. 

Beim zweiten Vorfall habe der Beschuldigte eine Schusswaffe hervorgenommen 

und mit dieser hantiert. Er wisse aber nicht mehr genau, ob diese gegen 

Personen gerichtet worden sei, oder ob der Beschuldigte auch nur damit 

rumgefuchtelt habe (Urk. 46/6 S. 14). Ob es sich bei den beschriebenen Waffen 

um echte, schusstaugliche Waffen gehandelt habe, könne er nicht sagen (Urk. 

46/6 S. 21).  

5.10.3. Auch beim Zeugen Q6._____ lässt sich nicht von der Hand weisen, dass 

insbesondere sein Aussageverhalten in der Zeugeneinvernahme vom 10. Juni 

2009 vom Bemühen geprägt ist, zuvor bei der Polizei gemachte Angaben zu 

Gunsten des Beschuldigten abzuschwächen, ohne offenkundig die Unwahrheit 

sagen zu müssen. 

5.11. Der Zeuge Q7._____  

5.11.1. Der Beschuldigte ist ein Bekannter des Zeugen Q7._____. Die beiden  

kennen sich schon von klein auf aus der "Badi", vermehrter Kontakt zwischen 

-   42   - 

ihnen hat sich aber offenbar erst während der Lehrzeit ergeben, wo man sich im 

Migros-Restaurant getroffen hat. Mit †J._____ war der Zeuge nach eigenen 

Angaben über das Internetportal … respektive über den Messenger …  

bekannt. Persönlich getroffen habe er sie jedoch nie. Q7._____ wurde  

als Zeuge unter Hinweis auf die Wahrheitspflicht im Sinne von Art. 307 StGB  

einvernommen. Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, aufgrund derer die 

generelle Glaubwürdigkeit des Zeugen in Frage gestellt werden müsste.  

5.11.2. Der Zeuge Q7._____ führte zusammengefasst aus, er habe †J._____ 

übers Internet kennengelernt und dann eine Zeit lang mit ihr geschrieben. Der 

Kontakt sei dann aber relativ rasch abgeflacht, weil man keine Gesprächsthemen 

mehr gehabt habe und weil er erfahren habe, dass sie mit dem Beschuldigten 

zusammen sei. Den Beschuldigten selbst habe er schon im Besitz von Waffen 

gesehen. Er habe ein silberfarbenes Butterfly-Messer gehabt, mit dem er ihn ca. 

zwei drei Mal habe herumlaufen sehen. Er sei nie vom Beschuldigten  

bedroht worden. Der Beschuldigte habe einfach zum Spass mit dem Messer 

rumgefuchtelt. Er habe sich stark damit gefühlt. Wenn man die ganzen vier Jahre 

betrachte, dann könne es schon sein, dass der Beschuldigte das Messer 

insgesamt zehn Mal hervorgenommen habe. Der Zeuge führte weiter aus, er 

habe nie gesehen, wie der Beschuldigte jemanden mit einem Messer bedroht 

habe. Der Beschuldigte sei wirklich kein böser Mensch. Er sei nicht, wie andere, 

auf Probleme ausgerichtet. Bei der Arbeit habe er sich immer korrekt verhalten 

und nie Passanten, oder ältere Herren "dumm angefickt". Er habe einmal beim 

Beschuldigten im Handschuhfach des Autos eine Handfeuerwaffe gesehen. Es 

habe sich dabei um eine kleine, ca. 10 - 15 cm grosse Waffe gehandelt. Die 

Waffe sei dunkelfarbig gewesen und schräg im Handschuhfach gelegen. 

Anlässlich der polizeilichen  

Befragung vom 7. Oktober 2009 gab Q7._____ auf Vorhalt diverser Fotografien 

an, die Waffe auf Abbildung 4 (FN 1906 schwarz) sehe der Waffe ähnlich, die er 

im Handschuhfach des Beschuldigten gesehen habe (Urk. 46/7 S. 9). Diese 

Angaben bestätigte der Zeuge gegenüber dem Staatsanwalt (Urk. 46/8 S. 10). 

Um was für eine Waffenmarke es sich handelte, konnte der Zeuge hingegen nicht 

sagen. Ebenso wenig konnte der Zeuge Angaben darüber machen, ob die Waffe 

-   43   - 

im Handschuhfach geladen war. Dass der Beschuldigte schon einmal mit einer 

Faustfeuerwaffe vor anderen herumgefuchtelt habe, habe er zwar nie gesehen. 

Im Dorf habe man das aber schon gehört. Auf die Frage, wie er den 

Beschuldigten charakterisieren würde, führte der Zeuge schliesslich aus, C._____ 

sei, so wie er sich ihm gegenüber verhalten habe, eigentlich ein guter Mensch. 

Andere Leute hätten vor ihm Respekt gehabt. Dies wegen dem Messer und 

seinen Kampfkünsten (Urk. 46/8 S. 13).  

5.11.3. Die Schilderungen des Zeugen Q7._____ sind insgesamt glaubhaft. Sie 

sind im Kern konstant und aufgrund des Aussageverhaltens des Zeugen wird 

deutlich, dass er um eine differenzierte und möglichst objektive Schilderung  

bemüht war.  

5.12. Die Zeugin Q8._____ 

5.12.1. Q8._____ wurde am 7. Juli 2009 unter Hinweis auf die Wahrheitspflicht im 

Sinne von Art. 307 StGB als Zeugin zur Sache einvernommen, nachdem sie 

zuvor bereits polizeilich als Auskunftsperson befragt worden war (Urk. 47/3).  

Q8._____ gab an, mit dem Beschuldigten seit ca. Oktober 2008 eine intime 

Beziehung gehabt zu haben. Als sie erfahren habe, dass er neben ihr noch 

weitere Freundinnen gehabt habe, sei sie am Anfang schon sehr enttäuscht 

gewesen. Die ganze Beziehung habe aber nicht ihrer Vorstellung entsprochen. 

Sie sei aber nicht wütend auf ihn, egal was er gemacht habe. Sie habe ihn 

trotzdem gern.  

Insgesamt ergeben sich aus den Akten keine Hinweise, welche darauf hindeuten 

würden, dass die Zeugin Q8._____ generell als unglaubwürdig zu taxieren wäre. 

Es darf zwar nicht ausser Acht gelassen werden, dass sie durch das  

Verhalten des Beschuldigten sehr enttäuscht wurde, dennoch scheint sie ihm dies 

mehr oder weniger verziehen zu haben, was insbesondere auch im Umstand zum 

Ausdruck kam, dass sie ihm eine Geburtstagskarte mit herzlichen Glückwünschen 

in die Untersuchungshaft zukommen liess (Urk. 47/5 S. 6).  

5.12.2. Die Zeugin Q8._____ führte zusammengefasst aus, sie sei am Abend des 

7. März 2009 mit einem Kollegen namens AC._____ in ... gewesen und sie hätten 

-   44   - 

dort etwas zusammen getrunken. Um 20.30 Uhr habe sie der Beschuldigte 

angerufen und ihr gesagt, er gehe am Sonntag an den Autosalon nach Genf. Sie 

könnten sich am Sonntagabend treffen. Später dann sei sie mit ihrer Schwester 

und deren Freund von 22.00 Uhr bis 01.00 Uhr in den Ausgang gegangen. Dem 

Beschuldigten habe es überhaupt nicht gepasst, dass sie mit einem Kollegen 

zusammen gewesen sei. Am Telefon habe er ihr gesagt: "Wehe er langt dich 

irgendwie a…oder so". Das habe sie ein bisschen übertrieben gefunden. Es habe 

sie "angeschissen", dem Beschuldigten alles zu erzählen, was sie mache und mit 

wem sie zusammen sei respektive mit wem sie sich treffen würde. Eine 

Äusserung, wie jene wegen AC._____, habe der Beschuldigte sonst nie gemacht. 

Er sei dabei auch nicht wütend gewesen, sondern normal. Der Beschuldigte habe 

ihr nie verboten, in den Ausgang zu gehen oder sich mit anderen Männern zu 

verabreden. Sie hätte sich das übrigens auch nicht verbieten lassen. Sie könne 

sich nicht vorstellen, dass viel passiert wäre, wenn AC._____ sie an jenem Abend 

angefasst und der Beschuldigte davon erfahren hätte. Vor dem Beschuldigten 

habe sie nie Angst gehabt und sie sei auch nie dabei gewesen, als er 

Schlägereien gehabt habe. Ebenso wenig sei sie jemals dabei gewesen, als der 

Beschuldigte jemanden mit einer Schusswaffe bedroht habe. Q6._____ habe ihr 

aber erzählt, dass ihm der Beschuldigte einmal aus Spass unter Kollegen eine 

Pistole an den Kopf gehalten habe. Sie selber habe beim Beschuldigten auch 

schon Schusswaffen gesehen. Sie habe insgesamt vielleicht zweimal – Ende 

2008 / Anfang 2009 – gesehen, dass der Beschuldigte unter dem Autositz eine 

Schusswaffe aufbewahrt habe. Wie die Waffe genau ausgesehen habe, könne sie 

nicht sagen. Sie habe sie jeweils nicht sehen wollen und zum Beschuldigten 

gesagt, er solle sie wegtun, was dieser dann auch getan habe. Sie habe das mit 

den Waffen schon seltsam gefunden, aber ihm hätten halt Waffen gefallen, so wie 

anderen vielleicht etwa Autos. Sie habe vor dem Beschuldigten nie Angst gehabt 

und auch nie befürchtet, dass er ihr etwas antun könnte. Sie habe Vertrauen zu 

ihm gehabt. Von wem der Beschuldigte die Waffe gehabt habe, wisse sie nicht. 

Sie vermute, sein Bruder habe sie ihm gegeben. Die Zeugin gab schliesslich auf 

Ergänzungsfragen des Verteidigers zu Protokoll, sie habe sich anlässlich der 

polizeilichen Einvernahme unter Druck gesetzt gefühlt. Man habe ihr auch zum 

-   45   - 

Vorwurf gemacht, dass sie sich nicht freiwillig bei der Polizei gemeldet habe. Die 

Einvernahme bei der Polizei sei so lange gegangen, dass sie am Schluss nur 

noch alles unterschrieben habe, damit sie endlich wieder habe gehen können. Sie 

habe auch den Eindruck  

gehabt, dass die Polizei von ihr Aussagen in eine bestimmte Richtung erwartet 

habe (Urk. 47/5 S. 17 f.).  

5.12.3. Die Aussagen der Zeugin Q8._____ sind lebensnah, weitestgehend frei 

von Widersprüchen und neutral geschildert. Anzeichen dafür, dass sie unwahre  

Angaben gemacht hätte, bestehen keine. Ihre Schilderungen dürfen insgesamt 

als glaubhaft angesehen werden.  

5.13. Die Zeugin Q9._____ 

5.13.1. Q9._____ wurde unter Hinweis auf die Wahrheitspflicht gemäss Art. 307 

StGB am 15. September 2009 als Zeugin zur Sache einvernommen.  

Dabei führte sie aus, sie habe mit dem Beschuldigen bis zu dessen Verhaftung 

eine intime Beziehung geführt, wobei sie dreimal auseinander gegangen und 

dann wieder zusammengekommen seien. Heute liebe sie ihn aber nicht mehr und 

könne sich auch nicht vorstellen, wieder mit ihm zusammen zu kommen. Die 

Verstorbene †J._____ habe sie überhaupt nicht gekannt. In Ermangelung 

anderweitiger Hinweise ist die Zeugin Q9._____ grundsätzlich als glaubwürdig 

einzustufen, wobei nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie gegenüber dem 

Beschuldigten gewisse negative Gefühle hegen könnte, weil dieser sie hinter-

gangen und betrogen hatte.  

5.13.2. Die Beziehung zwischen der Zeugin und dem Beschuldigten spielte sich 

sozusagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ab. So führte Q9._____ aus, sie 

hätten sich in den 1 ½ Jahren, in denen sie mit dem Beschuldigten zusammen 

gewesen sei, immer nur in ihrer Wohnung getroffen. Dort hätten sie ihre Ruhe  

gehabt. Der Beschuldigte habe auch nie bei ihr übernachtet, sondern sei immer 

nach Hause gegangen. Mit Dritten habe man sich nie getroffen. Es sei 

vorgekommen, dass der Beschuldigte ihr Mobiltelefon durchgeschaut habe. Sie, 

ihrerseits, habe sein Telefon nie kontrolliert. Der Beschuldigte habe sie nie 

-   46   - 

wirklich kontrolliert. Er habe ihr auch nie verboten, mit anderen Männern in den 

Ausgang zu gehen. Es habe zwischen ihnen ab und zu Streit gegeben und dabei 

seien sie beide auch laut geworden. Der Beschuldigte sei aber ganz und gar nie 

aggressiv geworden. Sie habe nie erlebt, dass der Beschuldigte sie mit einem 

Messer bedroht habe und sie habe auch nie ein Messer bei ihm gesehen. Der 

Beschuldigte habe ihr vollstes Vertrauen gehabt. Sie habe nicht gewusst, dass 

der Beschuldigte eine Schusswaffe besessen habe und sie habe auch nie eine 

Waffe bei ihm gesehen (Urk. 47/7).  

5.13.3. Q9._____ sagte als Zeugin glaubhaft aus. 

5.14. Die Zeugin Q10._____ 

5.14.1. Q10._____ wurde am 17. März 2011 durch die Staatsanwaltschaft als 

Zeugin zur Sache einvernommen und auf ihre Wahrheitspflicht gemäss Art. 307 

StGB hingewiesen. Gemäss ihren Angaben führte sie mit dem Beschuldigten eine 

rund 10-monatige Liebesbeziehung. Die Zeugin Q10._____ führte weiter aus, sie 

habe auch das eine oder andere Mal mit F._____ zu tun gehabt. Die Zeugin gab 

weiter an, sie habe F._____ im April oder Mai 2010 zufällig in … auf der Strasse 

getroffen. Sie hätten sich kurz unterhalten, wobei sie sich nach dem  

Beschuldigten erkundigt habe. F._____ habe sie dann gefragt, ob sie schon zu 

einer Aussage angehalten worden sei, was sie verneint habe. Sie habe sich 

damals überlegt, ob sie freiwillig zur Polizei gehen solle. Sie habe es dann nicht 

gemacht, weil sie Angst davor gehabt habe, dass sie mit F._____ Probleme 

bekommen könnte, falls sie gegen den Beschuldigten belastende Aussagen 

machen würde. F._____ habe ihr dann gesagt, es sei besser für sie, wenn sie 

nichts aussage. Er wisse, wer Aussagen mache und wer nicht. Er bekomme eine 

Liste der Personen, welche Aussagen machen würden. Er wisse, wer schon bei 

der Polizei gewesen sei und gegen den Beschuldigten ausgesagt habe. Er würde 

nachprüfen, ob sie auch dabei sei. Falls nein, würde sie eine Belohnung erhalten. 

Die Zeugin erkundigte sich danach beim Staatsanwalt, wer alles von ihren 

Aussagen Kenntnis erhalte. Nachdem ihr eröffnet wurde, der Beschuldigte würde 

ihre Aussagen sehen und hören (via Videoübertragung) und zudem würden die 

Aussagen zu Protokoll genommen, sagte die Zeugin, dass sie Angst davor habe, 

-   47   - 

weitere Aussagen zu machen. Die Zeugin Q10._____ ist grundsätzlich als 

glaubwürdige Zeugin einzustufen, wobei darauf hinzuweisen ist, dass sie durch 

die gelten gemachten Angstgefühle versucht sein könnte, ihre Aussagen so zu 

Protokoll zu geben, dass sie ihr möglichst wenig schaden. Zudem kann auch nicht 

per se ausgeschlossen werden, dass die Zeugin gegenüber dem Beschuldigten 

gewisse Ressentiments hegte, weil sie im Nachhinein erfuhr, dass dieser sie mit 

mehreren Frauen betrogen hatte.  

5.14.2. Inhaltlich führte die Zeugin zusammengefasst aus, der Beschuldigte habe 

ihr einmal ein Messer an den Hals gehalten. Dieser Vorfall habe sich ereignet, 

bevor sie mit ihm eine Beziehung eingegangen sei. Der Beschuldigte, den sie von 

der Schule her gekannt habe, sei ihr die ganze Zeit lang nachgelaufen. Er habe 

sie dann mit ihrem Freund auf der Strasse gesehen und sei vollkommen 

ausgerastet. Er habe eine Eifersuchtsszene abgezogen, obwohl er gar nicht mit 

ihr zusammen gewesen sei. Der Beschuldigte habe ihren damaligen Freund mit 

einem Messer angreifen wollen, sie habe sich aber dann dazwischen gestellt. Der 

Vorfall habe sich vermutlich im Jahre 2006 ereignet. Welche Jahreszeit es 

gewesen sei, könne sie nicht mehr sagen, sicher sei es aber nicht im Winter 

gewesen. Sie sei mit ihrem Freund Q11._____ vom unteren Schulhaus in … zum 

oberen Schulhaus gegangen, als sie ungefähr vor dem Coiffeur … auf den 

Beschuldigten getroffen seien. Dieser sei aus Eifersucht aggressiv und mit 

geöffnetem Messer auf Q11._____ zugegangen. Sie sei dann dazwischen 

gegangen, weil sie eine Schlägerei habe verhindern wollen und weil sie davon 

ausgegangen sei, dass  

einer Frau in einer solchen Situation eher weniger passiere als einem Mann. Der 

Beschuldigte habe ihr dann das Messer an den Hals gehalten. Vermutlich, weil er 

"hässig" geworden sei, da sie dazwischen gegangen sei. Er sei einfach ausser 

Kontrolle geraten. Die Situation sei für sie ernsthaft gewesen, aber sie habe 

gespürt, dass er ihr nichts antun würde. Sie könne nicht mehr sagen, um was für 

ein Messer es sich gehandelt habe. Es sei aber eher ein kleineres Messer 

gewesen. Die Klingenlänge schätze sie auf ca. 10 cm bis 12 cm. Der 

Beschuldigte sei direkt vor ihr gestanden und habe ihr das Messer an die "Gurgel" 

gehalten. Ob sie das Messer gespürt habe oder nicht, könne sie heute nicht mehr 

-   48   - 

sagen. Jedenfalls sei es sehr nahe an ihrem Hals gewesen. Verletzt habe er sie 

aber nicht mit dem Messer. Ein Kollege des Beschuldigten namens U._____ sei 

dann dazwischen gegangen und habe geschlichtet. Zu weiteren Vorfällen mit 

Messern sei es nicht gekommen. Sie habe auch nie gesehen, dass der 

Beschuldigte andere Menschen mit einem Messer bedroht habe. Hingegen sei er 

immer recht gewalttätig  

gewesen. In der Oberstufe hätten alle Angst und Respekt vor ihm gehabt. In den 

Sommerferien 2007 sei es zudem zu einem Vorfall mit einer Waffe gekommen. 

Die Eltern des Beschuldigten seien damals in den Ferien gewesen und der 

Beschuldigte sei alleine in der elterlichen Wohnung in … gewesen. Damals habe 

sie bei ihm gewohnt. Als sie bei ihm gewesen sei,