# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4ac46c9d-72b5-5735-87de-1ee62b039d67
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.12.2011 E-1165/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1165-2009_2011-12-22.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­1165/2009

U r t e i l   v om   2 2 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz),
Richterin Nina Spälti Giannakitsas, 
Richterin Gabriela Freihofer,
Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler.

Parteien A._______, geboren am (…), 
B._______, geboren am (…),
C._______, geboren am (…),
D._______, geboren am (…),
Eritrea, 
vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan, (…), 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung sowie 
Familienzusammenführung;
Verfügung des BFM vom 16. Januar 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Mit  Verfügung  vom  11.  April  2008  stellte  das  BFM  fest,  A._______  ­ 
Ehemann beziehungsweise Vater der Beschwerdeführenden ­ erfülle die 
Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 
1998 (AsylG, SR 142.31), weil er seine Heimat Eritrea im Juli 2007 illegal 
und  im  militärdienstpflichtigen  Alter  verlassen  hatte.  Das  BFM  lehnte 
indessen das Asylgesuch vom 5. Januar 2007 gestützt auf Art. 7 AsylG 
mangels Glaubhaftigkeit der weiteren Vorbringen ab. Gleichzeitig ordnete 
es  wegen  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  die  vorläufige 
Aufnahme  von  A._______  als  Flüchtling  an.  Diese  Verfügung  erwuchs 
unangefochten in Rechtskraft. 

B. 
Mit Eingabe vom 27. Mai 2008 reichte A._______ beim BFM ein Gesuch 
um Bewilligung des Nachzugs seiner Ehefrau und seines Sohnes ein.

C. 
Mit Antwortschreiben vom 10. Juli 2008 teilte das BFM A._______ mit, es 
habe das Gesuch um Einbezug seiner Familie in die vorläufige Aufnahme 
an die zuständige kantonale Behörde, welche gemäss Art. 24 Abs. 1 der 
Verordnung  vom  11. August  1999  über  den  Vollzug  der  Weg­  und 
Ausweisung von ausländischen Personen (VVWA, SR 142.281) und Art. 
74  Abs.  1  der  Verordnung  vom  24. Oktober  2007  über  Zulassung, 
Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201)  zuständig  sei, 
weitergeleitet.

D. 
Mit Schreiben vom 31. Juli 2008 teilte die kantonale Behörde mit, gemäss 
Art.  85  Abs.  7  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die 
Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) könnten Ehegatten und 
minderjährige  Kinder  frühestens  drei  Jahre  nach  Anordnung  der 
vorläufigen Aufnahme unter bestimmten Voraussetzungen nachgezogen 
und  in  die  vorläufige  Aufnahme  einbezogen  werden.  Da  die  vorläufige 
Aufnahme von Herrn A._______ erst am 11. April 2008 erfolgt sei, erfülle 
dieser die Anforderungen an den Familiennachzug zum jetzigen Zeitpunkt 
nicht. Die kantonale Behörde sei deshalb nicht bereit,  das Gesuch dem 
BFM zu unterbreiten.

E. 
Am  8.  Oktober  2008  ersuchte  die  Beschwerdeführerin  in  ihrem Namen 

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und  demjenigen  ihres  gemeinsamen  Sohnes  C._______  auf  der 
Schweizer Botschaft in Khartoum um Asyl und Bewilligung der Einreise in 
die Schweiz. Die Beschwerdeführerin  reichte gleichzeitig ein  in Englisch 
verfasstes Schreiben an die Botschaft, datiert vom 7. Oktober 2008, ein. 
Diesem Schreiben  ist als Begründung  ihres Asylgesuches Folgendes zu 
entnehmen: Wegen  der  Flucht  ihres Ehemannes  aus Eritrea  sei  sie  für 
vier  Monate  inhaftiert  worden.  Gegen  Bezahlung  von  50'000  Nakfa, 
welche  ihre  Verwandten  und  die  Familie  ihres  Ehemannes  für  sie 
aufgebracht  hätten,  sei  sie  daher  freigekommen.  Auch  danach  sei  sie 
jedoch  noch  mehrmals  mitgenommen  worden.  Sie  habe  sich  dann 
entschlossen,  in  den Sudan  zu  fliehen.  Aufgrund  der  Probleme,  die  sie 
dort nun habe, wollten sie und ihr Kind ihrem Ehemann beziehungsweise 
Vater  in der Schweiz  folgen. Der Befragung durch die Botschaft  vom 8. 
Oktober  2008  (siehe  Formular  "Application  for  Asylum  /  for  an  Entry 
Visa")  sind  sodann  folgende  Angaben  zu  entnehmen:  Nach  der  Flucht 
ihres  Ehemannes  aus  Eritrea  habe  man  sie  politischer  Aktivitäten 
beschuldigt.  Sie  habe  jedoch  nie  etwas  mit  Politik  zu  tun  gehabt.  Man 
habe sie dann zusammen mit ihrem Sohn inhaftiert. Sie sei täglich befragt 
worden,  unter  anderem  hätten  sie  von  ihr  wissen  wollen,  wo  sich  ihr 
Ehemann befinde. Sie  habe  angegeben,  dessen Aufenthaltsort  nicht  zu 
kennen. Sie habe  in der Tat nicht gewusst, wohin dieser gegangen sei. 
Nachdem sie durch eine Kautionsleistung freigekommen sei, habe sie im 
März 2007 ihren Herkunftsort verlassen. Im November 2007 sei sie in den 
Sudan eingereist. Zuerst hätten sie  in Kassala  in einem Flüchtlingslager 
gelebt.  Nach  Erhalt  der  Flüchtlingskarte  seien  sie  nach  Khartoum 
gegangen.  Dort  hielten  sie  sich  nun  beim  Freund  ihres  Mannes  auf. 
Während  zweier  Jahre  habe  sie  keinen  Kontakt  zu  ihrem  Ehemann 
gehabt.  Im  Februar  2008  habe  ihr  Ehemann  sie  im  Sudan  angerufen. 
Durch einen dort wohnhaften Freund hätten sie in Kontakt treten können. 
Zur Untermauerung ihrer Angaben reichte sie ein Geburtszertifikat, einen 
Militärausweis und eine Registrierungskarte des UNHCR zu den Akten.

F. 
Mit  Schreiben  des  BFM  vom  19.  November  2008  wurde  die 
Beschwerdeführerin  aufgefordert,  zu  ihrem  Asylgesuch  ergänzende 
Angaben zu machen. Sie habe insbesondere anzugeben, weshalb ihr ein 
weiterer Aufenthalt  im Sudan nicht mehr zumutbar sei. Zudem habe sie 
darzulegen, wo und mit wem sie vor und nach der Heirat in Eritrea gelebt 
habe, wo sie sich zwischen März und November 2007 aufgehalten habe, 
wie  sie  ihren  Lebensunterhalt  bestritten  habe,  weshalb  ihr  Ehemann 
Eritrea im August 2006 verlassen habe, was genau die Behörden ihr nach 

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dem Weggang des Ehemannes vorgeworfen hätten, wann die Behörden 
erstmals  vorbeigekommen  seien,  was  diese  gewollt  hätten,  wann  sie 
inhaftiert  worden  sei,  wer  sie  inhaftiert  habe,  wer  während  welchen 
Zeitraums  täglich  vorbeigekommen  sei  und  wie  und  wann  genau  sie 
freigekommen  sei.  Dem  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  wurde  eine 
Kopie  dieser  Verfügung  zugestellt.  Für  die  Beantwortung  der  Fragen 
wurde  der  Beschwerdeführerin  eine  Frist  bis  am  19.  Dezember  2008 
gesetzt. 

G. 
Mit  auf  der  Schweizer  Botschaft  in  Khartoum  durchgeführter  Befragung 
vom  7.  Dezember  2008  nahm  die  Beschwerdeführerin  zum 
Fragenkatalog des BFM und den Lebensumständen  im Sudan wie  folgt 
Stellung: Sie lebe ohne Arbeit im Sudan. Für sich und ihren Sohn könne 
sie  nur  durch  die  Unterstützung  ihres  Ehemannes  aus  der  Schweiz 
aufkommen.  Als  Christin  fühle  sie  sich  in  der  Umgebung  von Moslems 
nicht wohl. Sie stamme aus dem Süden Eritreas, aus einem Ort namens 
E._______. Sie habe auch nach der Heirat noch mit ihrem Ehemann dort 
gelebt. Zuletzt, ab März 2007 bis November 2007, habe sie an einem Ort 
namens F._______ gewohnt. Dort habe sie in einem (…) gearbeitet. Ihre 
Ehemann  sei  im August  2006  von  zwei  Soldaten  abgeholt  worden.  Sie 
habe damals nicht mit ihm reden können und auch später nicht mehr. Die 
Soldaten hätten  ihr auch keinen Grund  für die Mitnahme genannt. Nach 
seinem Weggang,  erstmals  im  November  2006,  sei  sie  wiederholt  von 
einem  Vertreter  der  regionalen  Behörden  befragt  worden.  Zum 
Aufenthaltsort  ihres Ehemannes habe sie aber nichts sagen können. Sie 
sei dann vom 6. November 2006 bis  im Februar 2007  inhaftiert worden. 
Im Februar 2008 habe sie von der Schwester des Ehemannes erfahren, 
dass dieser die Schweiz erreicht habe. 

H. 
Mit  Verfügung  vom  16.  Januar  2009  verweigerte  das  BFM  der 
Beschwerdeführerin  und  ihrem  Sohn  die  Einreise  in  die  Schweiz  und 
lehnte die Asylgesuche ab. Die Verfügung wurde der Beschwerdeführerin 
durch  die  Schweizerische  Botschaft  in  Khartoum  am  19.  Februar  2009 
eröffnet. A._______ wurde eine Kopie des Entscheides zugestellt. Auf die 
Begründung  des  Entscheids  wird  in  den  nachfolgenden  Erwägungen 
eingegangen.

I. 
Mit  Eingabe  ihres  Rechtsvertreters  vom  23.  Februar  2009  liess  die 

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Beschwerdeführerin  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht 
erheben  und  beantragen,  es  sei  die  Verfügung  der  Vorinstanz 
aufzuheben  und  ihr  sowie  ihrem  Sohn  sei  die  Einreise  in  die  Schweiz 
zwecks  Durchführung  des  Asylverfahrens  und  Asylgewährung  zu 
bewilligen.  Eventualiter  sei  die  Unzumutbarkeit  oder  Unzulässigkeit  des 
Vollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In 
verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  der  Rechtsvertreter  um 
unentgeltliche Prozessführung  und  um Verzicht  auf  die Erhebung  eines 
Kostenvorschusses.  Zudem  sei  der  Beschwerdeführerin  in  der  Person 
des  Unterzeichnenden  ein  unentgeltlicher  Rechtsbeistand  zu  stellen. 
Weiter  sei  Einsicht  in  die Vorakten  zu  gewähren. Der Eingabe  lag  eine 
Kopie eines Ausweises des UNHCR bei.

J. 
Mit Instruktionsverfügung vom 2. März 2009 hiess die Instruktionsrichterin 
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne 
von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über 
das Verwaltungsverfahren  (VwVG, SR 172.021)  gut  und  verzichtete  auf 
die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Demgegenüber  wies  sie  das 
Gesuch um Beiordnung eines Rechtsbeistandes gemäss Art.  65 Abs.  2 
VwVG  ab.  Die  Beschwerdeführerin  wurde  aufgefordert,  den 
fremdsprachigen Ausweis  übersetzen  zu  lassen.  Schliesslich wurde  der 
Beschwerdeführerin die begehrte Akteneinsicht gewährt und es wurde ihr 
Frist für eine allfällige Beschwerdeergänzung eingeräumt. 

K. 
Mit Eingabe vom 11. März 2009 reichte der Rechtsvertreter die geforderte 
Übersetzung der Ausweiskopie samt einer Farbkopie zu den Akten. Der 
Rechtsvertreter machte geltend, aus dem Ausweis gehe hervor, dass sich 
die Beschwerdeführenden bloss als Asylsuchende im Sudan aufhielten.

L. 
Mit  Instruktionsverfügung  vom 6. April  2009 wurde  dem Rechtsvertreter 
unter anderem mitgeteilt, dass das Gericht entgegen seiner Behauptung 
vom Flüchtlingsstatus der Beschwerdeführenden im Sudan ausgehe und 
diesbezüglich  keine  weiteren  Abklärungen  im  Sudan  notwendig  seien. 
Dem Rechtsvertreter wurde Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt.

M. 
Mit Eingabe vom 30. April 2009 reichte der Rechtsvertreter das Original 
des  Flüchtlingsausweises  zu  den  Akten.  Er  machte  dazu  geltend,  es 

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handle  sich  dabei  entgegen  der  eingereichten  Übersetzung  nicht  um 
einen  von  der  UNO  ausgestellten,  sondern  um  einen  von  einem 
sudanesischen  Flüchtlingskommissar  herausgegebenen  Ausweis.  Die 
eingereichte  Übersetzung  sei  auch  noch  in  weiteren  Punkten  falsch, 
weshalb  er  (der  Rechtsvertreter)  nun  selbst  eine  Übersetzung 
vorgenommen habe. Dem sudanesischen Flüchtlingsausweis könne nicht 
entnommen  werden,  ob  der  Inhaber  ein  Asylbewerber  oder  ein 
anerkannter  Flüchtling  sei.  Bei  seinen  Mandanten  handle  es  sich  aber 
klarerweise  um  Asylbewerber.  Dem  eingereichten  Ausweis  sei  sodann 
eine massiv eingeschränkte Bewegungsfreiheit  zu entnehmen. Auch sei 
der  Beschwerdeführerin  eine  Arbeitsaufnahme  nicht  gestattet.  Die 
Beschwerdeführerin  habe  grosse  Angst,  nach  Eritrea  ausgewiesen  zu 
werden. Das UNHCR habe dem Rechtsvertreter bestätigt, dass es immer 
wieder  zu  Ausweisungen  komme. Die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Kind 
befänden  sich  im  Sudan  in  einer  existenziellen  Notlage  und  sie  seien 
vollständig  von  humanitärer  Hilfe  und  den  Überweisungen  ihres 
Ehemannes beziehungsweise Vaters abhängig.

N. 
Das  Bundesverwaltungsgericht  lud  das  BFM mit  Schreiben  vom  4. Mai 
2009 zur Vernehmlassung ein.

O. 
In seiner Vernehmlassung vom 6. Mai 2009 hielt das BFM vollumfänglich 
an den Erwägungen in der angefochtenen Verfügung fest und beantragte 
die  Abweisung  der  Beschwerde.  Die  vorinstanzliche  Stellungnahme 
wurde dem Vertreter der Beschwerdeführenden zur Kenntnis gebracht.

P. 
Mit  Eingabe  vom  20.  Oktober  2009  ersuchte  der  Rechtsvertreter  unter 
Hinweis auf die erneute Schwangerschaft der Beschwerdeführerin (nach 
einem Besuch des Ehemannes im Sudan) um prioritäre Behandlung der 
Beschwerde.

Q. 
Am (…) gebar die Beschwerdeführerin im Sudan die Tochter D._______.

R. 
Mit  Eingabe  vom  31.  August  2010  reichte  der  Rechtsvertreter  den 
Taufschein  der  Tochter  ein.  Gleichzeitig  verwies  er  auf  ein  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts,  in  welchem  der  Aufenthalt  einer 

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alleinstehenden  Frau  ohne  Beziehungsnetz  im  Sudan  als  unzumutbar 
bezeichnet  worden  sei  (Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­
4548/2009 vom 18. Februar 2010). 

S. 
Am 20. September  2010  teilte  der Rechtsvertreter  telefonisch mit,  dass 
die  Situation  für  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  Kinder  im  Sudan 
unerträglich geworden sei. Er ersuchte erneut um prioritäre Behandlung 
der Beschwerde.

T. 
Am  22.  Oktober  2010  überwies  die  Instruktionsrichterin  das 
Beschwerdedossier  angesichts  der  Beschwerdeergänzungen  dem  BFM 
nochmals zur Vernehmlassung.

U. 
In  der  Vernehmlassung  vom  5.  November  2010  beantragte  das  BFM 
erneut  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Ergänzend  hielt  es  fest,  die 
sudanesischen  Behörden  würden  zwar  tatsächlich  teilweise 
Asylsuchende  sowie  Flüchtlinge  nach  Eritrea  deportieren.  Diese 
Rückführungen  erfolgten  jedoch  nicht  flächendeckend.  Vorliegend 
bestünden keine konkreten Hinweise auf eine drohende Deportation der 
Beschwerdeführerin und ihrer Kinder, weshalb es diesen zuzumuten sei, 
weiterhin dort zu leben und den dort gewährten Schutz als Flüchtlinge zu 
beanspruchen.  Das  BFM  verwies  sodann  auf  seine  bisherigen 
Erwägungen, an denen es vollumfänglich festhalte.

V. 
Mit  Eingabe  vom  25.  November  2010  nahm  der  Rechtsvertreter  zur 
Vernehmlassung  Stellung.  Er  teilte  unter  anderem  mit,  dass  die 
Beschwerdeführerin  im  Sudan  wegen  illegalen  Aufenthalts  verhaftet 
worden  sei,  als  sie  sich  ausserhalb  des  Flüchtlingslagers  Shegerab 
aufgehalten habe. Die Situation sei für sie und ihre beiden kleinen Kinder 
in  einem  Land  ohne  Beziehungsnetz  nicht  zumutbar.  Aufgrund  der 
zahlreichen  Berichte  fürchte  sie  sich  zudem  vor  einer  Rückschiebung 
nach Eritrea.

W. 
Mit  Eingabe  vom  13.  Januar  2011  teilte  der  Ehemann  der 
Beschwerdeführerin  mit,  dass  sich  seine  Frau  und  die  Kinder 
zwischenzeitlich nach Äthiopien begeben hätten, nachdem sie  im Sudan 

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von  den  sudanesischen  Sicherheitskräften  bedroht  worden  seien.  Auch 
aufgrund  ihres  christlichen Glaubens habe  seine Ehefrau  im Sudan  viel 
erleiden  müssen.  Christen  seien  nicht  nur  unbeliebt,  sie  würden  gar 
heimlich verfolgt und diskriminiert. Er sei seit zwei Jahren in der Schweiz 
arbeitstätig und erhoffe sich, dass seine Familie bald einreisen könne.

X. 
Mit  Schreiben  vom  14.  Januar  2011  verwies  der  Rechtsvertreter 
nochmals  auf  den  Umstand  der  zwischenzeitlich  erfolgten  Flucht  der 
Beschwerdeführerin und ihrer Kinder aus dem Sudan nach Äthiopien. Er 
machte  geltend,  auch  dort  seien  die  Lebens­  und  Daseinsbedingungen 
seiner  Mandantin  als  alleinstehende  Mutter  ohne  familiäres  Netz 
erheblich in Frage gestellt. Der Rechtsvertreter ersuchte erneut um einen 
baldigen Entscheid.

Y. 
Am 3. März 2011 ersuchte der Rechtsvertreter das Gericht nochmals um 
beförderliche Behandlung der Beschwerde. Weiter machte er geltend, der 
Ehemann  der  Beschwerdeführerin  habe  sich  aufgrund  der  langen 
Trennung  von  seiner  Frau  und  seinen  Kindern  in  psychiatrische 
Behandlung begeben müssen. Das Gericht stellte dem Beschwerdeführer 
in  Aussicht,  dass  voraussichtlich  in  den  nächsten  Monaten  über  die 
Beschwerde  befunden  werden  könne,  dass  die  Eingabe  jedoch  nach 
allfälligem  Ablauf  der  Dreijahresfrist  nochmals  dem  BFM  zur 
Stellungnahme  hinsichtlich  der  Gewährung  des  Familiennachzugs 
zugestellt werde.

Z. 
Mit Eingabe vom 15. März 2011 reichte der Rechtsvertreter eine weitere 
Beschwerdeergänzung  zu  den  Akten.  Als  wesentlichen  Grund  für  die 
Weiterreise der Frau und Kinder nach Äthiopien nannte er den Umstand, 
dass das jüngste Kind der Beschwerdeführerin im Sudan erkrankt sei und 
die  Familie  dort  keinerlei  Unterstützung  gefunden  habe.  In  der 
Zwischenzeit  hätten  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  Kinder  das 
Flüchtlingslager  Adi  Harush  erreicht  und  sie  und  ihre  Kinder  seien  in 
Äthiopien  als  Flüchtlinge  anerkannt  worden.  Zur  Untermauerung  dieser 
Vorbringen  reichte  der  Rechtsvertreter  eine  Bestätigung  des  Harush 
Refugee Camp sowie eine Kopie der UNHCR­Registrationskarte zu den 
Akten.  Der  Rechtsvertreter  wies  erneut  darauf  hin,  dass  die 
Lebensbedingungen  für  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  Kinder  in 
Äthiopien äusserst hart seien und ihnen ein weiterer Aufenthalt dort nicht 

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zugemutet werden könne. Der Beschwerdeergänzung lag ein Bericht der 
Women's  Refugee  Commission  vom  September/Oktober  2008 mit  dem 
Titel  "Working Women at Risk: The Links Between Making a Living and 
Sexual Violence for Refugees in Ethiopia" bei. Auf den weiteren Inhalt der 
Eingabe wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden 
Erwägungen eingegangen.

AA. 
Mit Telefonat vom 12. Mai 2011 erkundigte sich der Rechtsvertreter beim 
Bundesverwaltungsgericht erneut nach dem Verfahrensstand und einem 
allfälligen  weiteren  Vernehmlassungsverfahren  angesichts  der 
verstrichenen Dreijahresfrist. Dem Rechtsvertreter wurde die nochmalige 
Überstellung  seiner  Beschwerde  ans  BFM  in  Aussicht  gestellt.  Im 
Anschluss an das Telefonat ersuchte das Gericht den Rechtsvertreter per 
E­Mail  unter  anderem  um  Einreichung  des  Miet­  und  Arbeitsvertrages 
seines Mandanten.

BB. 
Mit  Eingaben  vom  17.  und  19.  Mai  2011  (per  Fax)  reichte  der 
Rechtsvertreter  zwei  Arbeitsbewilligungen,  den  aktuellen  Mietvertrag 
sowie  weitere  die  Arbeitstätigkeit  des  Beschwerdeführers  betreffende 
Dokumente zu den Akten.

CC. 
Mit  Schreiben  vom  25.  Mai  2011  wurde  das  Beschwerdedossier 
angesichts  der  diversen Veränderungen  seit  der  letzten Möglichkeit  zur 
Stellungnahme (Ablaufs der Dreijahresfrist seit der vorläufigen Aufnahme 
des Ehemannes, Weiterreise der Beschwerdeführenden nach Äthiopien, 
Geburt  eines  weiteren  Kindes)  ein  letztes  Mal  dem  BFM  zur 
Vernehmlassung überwiesen.

DD. 
Mit  Vernehmlassung  vom  8.  Juni  2011  nahm  das  BFM  zur 
Beschwerdeergänzung wie  folgt  Stellung:  Die  Beschwerdeführerin  habe 
geltend  gemacht,  dass  sie  und  ihre  Kinder  zwischenzeitlich  nach 
Äthiopien hätten  flüchten müssen und  ihnen der dortige Aufenthalt nicht 
länger zugemutet werden könne. Dazu sei vorab festzuhalten, dass sich 
die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Ehemann  bezüglich  des  Grundes  des 
Wegzugs  nach  Äthiopien  widersprochen  hätten  (Bedrohung  durch 
Sicherheitskräfte  beziehungsweise  Krankheit  eines  Kindes).  Zur 
behaupteten  Unzumutbarkeit  des  Aufenthaltes  im  Sudan 

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beziehungsweise  in  Äthiopien  führte  das  BFM  aus,  die  Lage  in  den 
beiden  Ländern  werde  sowohl  vom  BFM  als  auch  vom 
Bundesverwaltungsgericht  als  zumutbar  erachtet.  Es  sei  der 
Beschwerdeführerin  somit  zuzumuten,  entweder  wieder  in  den  Sudan 
zurückzukehren und dort um Schutz nachzusuchen oder  in Äthiopien zu 
verbleiben.  Hinsichtlich  der  Situation  für  eritreische  Flüchtlinge  in 
Äthiopien  verwies  das  BFM  auf  seine  Praxis  sowie  auf  ein  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts,  in  welchem  die  dortige  Lage  als  zumutbar 
bezeichnet worden sei. Diese Einschätzung gelte auch für alleinstehende 
Frauen mit  Kindern.  Aus  den Akten  gingen  keine  besonderen Hinweise 
dafür  hervor,  dass  die  Beschwerdeführerin  und  die  Kinder  in  einer 
besonderen  Situation  wären,  welche  eine  Abweichung  von  dieser 
Einschätzung nötig machen würde. Hinsichtlich der Anwendung des Art. 
85  Abs.  7  AuG  (Familiennachzug)  hielt  das  BFM  fest,  es  fehle  ein 
entsprechender  Bericht  des  Kantons.  Da  der  Ehemann  der 
Beschwerdeführerin jedoch gemäss eigenen Angaben fast vollumfänglich 
fürsorgeabhängig  sei  und  nicht  für  seine  Familie  aufkommen  könne, 
seien  die  Voraussetzungen  für  die  Anwendung  dieser  Bestimmung 
eindeutig nicht gegeben. Schliesslich verwies das BFM auf seine früheren 
Erwägungen, an welchen es vollumfänglich festhalte.

EE. 
Mit  Schreiben  vom  1.  Juli  2011  ersuchte  die  Instruktionsrichterin  die 
kantonale Behörde um Stellungnahme hinsichtlich der Voraussetzungen 
von  Art.  85  Abs.  7  AuG  zur  Gewährung  des  Familiennachzugs  für 
vorläufig  aufgenommene  Flüchtlinge.  Nach  vorgängiger  telefonischer 
Absprache  wurden  der  kantonalen  Behörde  die  massgeblichen  Akten 
(Arbeitsvertrag, Mietvertrag, Asylentscheid) überstellt.

FF. 
Mit Antwortschreiben vom 9. August 2011 teilte die zuständige kantonale 
Behörde  mit,  dass  sie  nicht  bereit  sei,  dem  Gesuch  um 
Familienzusammenführung  zuzustimmen  und  dieses  dem  BFM  zu 
unterbreiten, da die vierköpfige Familie nur über eine Eineinhalb­Zimmer­
Wohnung verfügen würde, was der Grösse der Familie nicht angemessen 
wäre. Die Voraussetzungen  von Art.  85 Abs.  7 AuG  seien  somit  schon 
aus  diesem  Grund  nicht  erfüllt.  Es  erübrigten  sich  deshalb  weitere 
Abklärungen bezüglich der Sozialhilfe.

GG. 
Mit  Instruktionsverfügung  vom  16.  August  2011  brachte  die 

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Instruktionsrichterin  dem Rechtsvertreter  die  Vernehmlassung  des  BFM 
vom 9. Juni 2011 sowie das Schreiben des Migrationsamtes des Kantons 
Bern vom 9. August 2011 zur Kenntnis und räumte  ihm Gelegenheit zur 
Stellungnahme ein.

HH. 
Mit  Schreiben  vom  30.  August  2011  nahm  der  Rechtsvertreter  zur 
Vernehmlassung Stellung. Er wies insbesondere darauf hin, dass sich der 
Ehemann  der  Beschwerdeführenden  im  Falle  der  Einreise  der  Familie 
umgehend um eine bedarfsgerechte Wohnung kümmern würde, zumal er 
ein durchschnittliches Einkommen erziele und auch seine Ehefrau in der 
Schweiz nach Einbezug in die vorläufige Aufnahme mithelfen könnte, das 
Einkommen  zu  steigern.  Weiter  machte  der  Rechtsvertreter  geltend, 
A._______  verfüge  als  anerkannter  Flüchtling  über  ein  gefestigtes 
Anwesenheitsrecht  und  damit  über  einen  Rechtsanspruch  auf 
Familiennachzug,  unabhängig  vom  Ermessen  der  Behörden.  Das 
Bundesgericht  habe  in  einem  ähnlichen  Fall  (BGE  122  II  1)  eine 
Verletzung  von  Art.  8  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum 
Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101) 
festgestellt. Sodann widersprach der Rechtsvertreter der Auffassung des 
BFM, dass es der Ehefrau und den Kindern zumutbar sei, wieder  in ein 
Flüchtlingslager  im  Sudan  zurückzukehren.  Er  verwies  auf  seine 
bisherigen  diesbezüglichen  Stellungnahmen  sowie  eine 
Lageeinschätzung der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 3. Mai 
2011. Weiter hielt er an der Unzumutbarkeit sowohl des Lageraufenthalts 
der  Beschwerdeführenden  in  Äthiopien  als  auch  des  Aufenthaltes 
ausserhalb des Lagers  fest. Der Eingabe  lag eine Lohnabrechnung des 
Beschwerdeführers vom Juli 2011 bei.

II. 
Am 28. November 2011  reichte der Rechtsvertreter eine Stellungnahme 
der  Caritas  zu  den  Akten,  in  welcher  diese  dem  Ehemann  der 
Beschwerdeführerin  eine  fortgeschrittene  Integration  attestiert.  Dem 
Schreiben  ist unter anderem zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer 
beim  bisherigen  Arbeitgeber  für  das  nächste  Jahr  eine  Festanstellung 
habe erlangen können. Sodann wird im Schreiben festgestellt, dass sich 
die  lange Verfahrensdauer und die damit verbundene Trennung von der 
Familie  negativ  auf  die  Gesundheit  ausgewirkt  habe  und  es  aus 
sozialarbeiterischer  Sicht  zu  begrüssen  wäre,  wenn  die  Beschwerde 
baldmöglichst positiv entschieden würde.

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Seite 12

JJ. 
Mit  Fax­Eingabe  vom  13.  Dezember  2011  reichte  der  Rechtsvertreter 
eine Kostennote zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1.    Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  somit  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. c 
Ziff. 1 und Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
[BGG,  SR 173.110]).  Eine  solche  Ausnahmekonstellation  ist  vorliegend 
nicht gegeben.

1.2.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 48 
Abs. 1  VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
(Art. 108  Abs. 1  AsylG;  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 52 
VwVG) ist – unter nachfolgender Einschränkung – einzutreten. 

Nicht  einzutreten  ist  auf  das  Rechtsbegehren,  eventualiter  sei  die 
Unzulässigkeit  oder  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
festzustellen  und  eine  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführenden 
anzuordnen.  Nachdem  in  der  angefochtenen  Verfügung  zwar  die 
Abweisung des Asylgesuchs, nicht aber eine Wegweisung verfügt wurde, 
können  Fragen  der  Wegweisung  und  des  Wegweisungsvollzugs  auch 
nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens bilden.

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Seite 13

2. 
Die am (…) geborene Tochter wird in das Verfahren miteinbezogen.

3. 
Mit Beschwerde  können die Verletzung  von Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

4. 
Einer  Person,  welche  im  Ausland  ein  Asylgesuch  gestellt  hat,  ist  die 
Einreise in die Schweiz zu bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr für 
Leib,  Leben  oder  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG 
glaubhaft gemacht wird (Art. 20 Abs. 3 AsylG) ­ das heisst im Hinblick auf 
die Anerkennung als Flüchtling und die Asylgewährung ­ oder aber, wenn 
für  die  Dauer  der  näheren  Abklärung  des  Sachverhalts  ein  weiterer 
Aufenthalt im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in einen 
Drittstaat nicht zumutbar erscheint (Art. 20 Abs. 2 AsylG). Asyl und damit 
gleichzeitig  die  Einreise  in  die  Schweiz  ist  dann  zu  verweigern,  wenn 
keine Hinweise auf eine aktuelle Gefährdung  im Sinne von Art. 3 AsylG 
vorliegen oder ihr zuzumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu 
bemühen (Art. 52 Abs. 2 AsylG).

5. 

5.1.  In den schriftlichen Eingaben vom 7. und 8. Oktober 2008 sowie  in 
der  Anhörung  vom  7.  Dezember  2008  machte  die  Beschwerdeführerin 
folgende Ausreisegründe geltend:  Ihr Ehemann sei  im August 2006 von 
zwei Soldaten abgeholt worden. Die Soldaten hätten ihr keinen Grund für 
die Mitnahme  genannt. Nach  seiner Mitnahme  ­  erstmals  im November 
2006 ­ sei sie von einem Vertreter der regionalen Behörden befragt und 
politischer Aktivitäten beschuldigt worden, obwohl sie nie etwas mit Politik 
zu tun gehabt habe. Sie sei dann vom 6. November 2006 bis im Februar 
2007 zusammen mit ihrem Sohn inhaftiert worden. Sie sei täglich befragt 
worden,  unter  anderem  habe  man  von  ihr  wissen  wollen,  wo  sich  ihr 
Ehemann befinde. Sie habe angegeben, nicht zu wissen, wo dieser sei, 
was auch der Wahrheit entsprochen habe. Gegen Bezahlung von 50'000 
Nakfa, welche ihre Verwandten und die Familie ihres Ehemannes für sie 
aufgebracht  hätten,  sei  sie  freigekommen.  Trotzdem  sei  sie  danach 
weiterhin mitgenommen worden. Sie habe sich in der Folge entschlossen, 
in  den  Sudan  zu  fliehen.  Im März  2007  habe  sie  ihren Herkunftsort  im 
Süden  Eritreas  verlassen  und  sei  in  einen  Ort  namens  F._______ 

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gegangen.  Dort  habe  sie  in  einem  (…)  arbeiten  können.  Im  November 
2007 sei sie in den Sudan gelangt. 

5.2.  Das  BFM  begründete  seine  negative  Verfügung  vom  16.  Januar 
2009  damit,  dass  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  nach  Art.  20 
AsylG  i.V. m. Art.  3 AsylG sowie Art.  52 Abs. 2 AsylG grundsätzlich an 
restriktive  Voraussetzungen  geknüpft  sei  und  den  Asylbehörden  ein 
weiter Ermessenspielraum zukomme. So seien neben der erforderlichen 
Gefährdung namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen 
Staaten,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen 
Staat,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  einer 
anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­ 
und  Assimilierungsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen.  Da  sich  die 
Beschwerdeführerin  und  ihr minderjähriger  Sohn  bereits  seit  November 
2007  als  anerkannte  Flüchtlinge  im  Sudan  befänden  und  über 
entsprechende  sudanesische  Flüchtlingsausweise  verfügten,  ihnen  die 
sudanesischen  Behörden  somit  Schutz  und  Aufenthalt  gewährten, 
benötigten sie keinen zusätzlichen subsidiären Schutz durch die Schweiz. 
Die  sudanesischen  Behörden  sorgten  überdies  für  die  Sicherung  der 
Existenz.  Zudem  sei  der  Ehemann  beziehungsweise  Vater  der 
Beschwerdeführenden  in  der  Lage,  der  Familie  gelegentlich  einen 
finanziellen Beitrag  zukommen  zu  lassen.  Insgesamt  lägen  daher  keine 
Anhaltspunkte  für  die Annahme vor,  ein weiterer Verbleib  im Sudan  sei 
unmöglich und unzumutbar. Das BFM wies zudem auch das Gesuch um 
Familiennachzug  ab  und  begründete  diesen  Entscheid  damit,  dass  der 
Ehemann  beziehungsweise  Vater  der  Beschwerdeführenden  noch  nicht 
während drei Jahren als Flüchtling aufgenommen sei und daher eine der 
Voraussetzungen von Art 85 Abs. 7 AuG nicht erfüllt sei. 

5.3. Auf Vernehmlassungsstufe  führte das BFM zum Umstand, dass die 
Beschwerdeführerin  und  ihre  beiden  Kinder  sich  zwischenzeitlich  in  ein 
Flüchtlingslager  in  Äthiopien  begeben  hätten,  Folgendes  aus:  Es  seien 
keine  konkreten  Ereignisse  ersichtlich,  welche  eine  Ausreise  aus  dem 
Sudan erforderlich gemacht hätten. Die von der Beschwerdeführerin und 
ihrem  Ehemann  genannten  Ausreisegründe  seien  widersprüchlich.  Die 
Lage  im  Sudan  werde  sowohl  vom  BFM  als  auch  vom 
Bundesverwaltungsgericht  als  zumutbar  erachtet.  Gleiches  gelte  für 
Äthiopien.  Das  BFM  halte  die  dortige  Situation  auch  für  alleinstehende 
eritreische Frauen mit Kindern für zumutbar. Aus den Akten würden keine 
konkreten Hinweise dafür hervorgehen, dass die Beschwerdeführerin und 

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ihre Kinder in einer besonderen Situation wären, welche eine Abweichung 
von dieser Einschätzung nötig machen würde (vgl. oben, Bst. DD).

Auf  Beschwerde­  und  Replikebene  hielt  der  Rechtsvertreter  an  der 
Unzumutbarkeit  des Verbleibs  der Beschwerdeführerin  und  ihrer  beiden 
Kinder  in einem Flüchtlingslager  im Sudan wie auch in einem solchen in 
Äthiopien fest. 

6. 

6.1.  Für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  gelten  restriktive 
Voraussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum 
zukommt.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 3 
AsylG sind mit Blick auf den Ausschlussgrund von Art. 52 Abs. 2 AsylG 
namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die 
Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die 
praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  einer  anderweitigen 
Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und 
Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  BVGE  E­
8127/2008  vom  12. Mai  2011  E. 3.3,  Entscheidungen  und  Mitteilungen 
der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 19  E. 4 
S. 174  ff., EMARK 2004 Nr. 21 E. 2 S. 136  f., EMARK 2004 Nr. 20 E. 3 
S. 130 f., EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f S. 131 f.).

6.2. Das  BFM  hat  im  angefochtenen  Entscheid  zur  geltend  gemachten 
Gefährdungssituation  der  Beschwerdeführerin  in  Eritrea  keine  Stellung 
genommen,  sondern  ausschliesslich  mit  der  zwischenzeitlich  erfolgten 
Schutzgewährung  durch  den  Sudan  und  später  durch  Äthiopien 
argumentiert.  Angesichts  der  gegenteiligen  Einschätzung  der 
Zumutbarkeit  des  weiteren  Verbleibs  in  Äthiopien  (mehr  dazu 
nachstehend)  ist  die  Frage  der  Gefährdungssituation  der 
Beschwerdeführerin  in  ihrem  Heimatland  dennoch  aufzugreifen.  Die 
Beschwerdeführerin  hat  ihre  Ausreise  aus  Eritrea  in  ihrer  schriftlichen 
Eingabe und den Anhörungen in Khartoum weitgehend übereinstimmend 
damit begründet, dass sie seit der Ausreise  ihres Ehemannes  im Herbst 
2006  von  den  Behörden  immer  wieder  nach  dessen  Aufenthaltsort 
gefragt,  dann  im  November/Dezember  2006  im  Gefängnis  G._______ 
inhaftiert und im Februar 2007 gegen Kaution von 50'000 Nakfas, die von 
ihrer  Familie  und  derjenigen  ihres  Ehemannes  geleistet  worden  sei, 
freigelassen worden sei. Sie sei auch nach der Entlassung immer wieder 
mitgenommen  und  befragt worden  und  habe  sich  deshalb  zur  Ausreise 

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entschlossen.  Das  Gericht  hat  keinen  Anlass,  diese  übereinstimmend 
geschilderten  und  mit  der  Vorgehensweise  der  eritreischen  Behörden 
durchaus  zu  vereinbarenden  Vorbringen  anzuzweifeln.  Dass  der 
Ehemann  seine  Desertion  gegenüber  dem  BFM  nicht  glaubhaft  zu 
machen  vermochte,  vermag  diese  Einschätzung  nicht  umzustossen. 
Angesichts  der  notorisch  harten  Vorgehensweise  der  eritreischen 
Behörden  bei  illegaler  Ausreise  reicht  bereits  der  Verdacht  auf  eine 
illegale  Ausreise  eines  Familienangehörigen  aus,  um  im  angegeben 
Ausmass Opfer von Massnahmen der eritreischen Behörden zu werden.

Eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG i.V.m. Art. 20 AsylG ist nach 
dem Gesagten zu bejahen. 

7.  

7.1. Gemäss Art. 52 Abs. 2 AsylG kann einer Person, die sich im Ausland 
befindet,  das  Asyl  verweigert  werden,  wenn  es  ihr  zugemutet  werden 
kann,  sich  in  einem  andern  Staat  um  Aufnahme  zu  bemühen.  Diese 
Bestimmung trifft keine Unterscheidung zwischen Asylgesuchen aus dem 
Herkunftsland  der  asylsuchenden  Person  und  solchen,  die  aus  einem 
Drittstaat  gestellt  werden. Hält  sich  die Person,  die  ein Asylgesuch  aus 
dem Ausland gestellt hat, in einem Drittstaat auf, ist zwar im Sinne einer 
Vermutung  davon  auszugehen,  die  betreffende  Person  habe  in  diesem 
Drittstaat  bereits  Schutz  vor  Verfolgung  gefunden  oder  könne  ihn  dort 
erlangen, weshalb  auch  anzunehmen  ist,  es  sei  ihr  zuzumuten,  dort  zu 
verbleiben beziehungsweise sich dort um Aufnahme zu bemühen. Diese 
Vermutung kann sich  jedoch sowohl  in Bezug auf die Schutzgewährung 
durch den Drittstaat (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 5.1 S. 176 f.) wie auch 
in  Bezug  auf  die  Zumutbarkeit  der  Inanspruchnahme  des  Schutzes  im 
Drittstaat  als  unzutreffend  erweisen.  Es  ist  deshalb  zu  prüfen,  ob  die 
asylsuchende  Person  im Drittstaat  Schutz  vor  Verfolgung  gefunden  hat 
oder  erlangen  kann,  und  –  falls  dies  zu  bejahen  ist  –  ob  der 
asylsuchenden  Person  die  Inanspruchnahme  des  Schutzes  des 
Drittstaates  und  somit  der  Verbleib  in  diesem  Staat  objektiv  zugemutet 
werden  kann.  Bei  dieser  Abwägung  bildet  die  besondere 
Beziehungsnähe  der  asylsuchenden  Person  zur  Schweiz  ein  zentrales, 
wenn  auch  nicht  das  einzige  Kriterium  (vgl.  BVGE  E­8127/2008  vom 
12. Mai 2011 E. 5.1, EMARK 2004 Nr. 21 E. 4b.aa S. 139 f.).

7.2. Das  Kriterium  der  besonderen  Beziehungsnähe  umfasst  sicherlich 
die Kernfamilie, ist aber hinsichtlich des Verwandtschaftsgrades nicht auf 

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den  eng  gefassten  Personenkreis  des  Familienasyls  gemäss  Art.  51 
AsylG beschränkt. Ferner ist nicht ausgeschlossen, dass gegebenenfalls 
auch aus anderen Gründen als aufgrund einer Verwandtschaft eine enge 
Beziehung zum angefragten Staat anzunehmen sein könnte (vgl. EMARK 
2004  Nr. 21,  E. 4.b.aa  S. 140).  Zu  berücksichtigen  sind  zudem  die 
Beziehungsnähe  zum  Drittstaat  (oder  zu  anderen  Staaten)  sowie  die 
voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  der 
Schweiz  beziehungsweise  im Drittstaat  (oder  in  anderen Staaten).  Eine 
fehlende  besondere  Beziehungsnähe  der  asylsuchenden  Person  zur 
Schweiz wäre  für  sich  allein  für  die  Ablehnung  des  Asylgesuches  nicht 
ausschlaggebend (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2f. S. 131 f.). Hält sich die 
asylsuchende  Person  in  einem  Drittstaat  auf,  ist  die  Einreise  in  die 
Schweiz  beispielsweise  zu  bewilligen,  wenn  der  Drittstaat  keine 
hinreichende Gewähr  für  ein  ordentliches  Asylverfahren  bietet  und  eine 
Abschiebung  in  den  Heimatstaat  nicht  ausgeschlossen  erscheint,  auch 
wenn  eine  Beziehungsnähe  der  asylsuchenden  Person  zur  Schweiz 
fehlen würde (vgl. EMARK 2005 Nr. 19 E. 4.3 S. 174 f.). Umgekehrt führt 
der  Umstand,  dass  eine  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  namentlich 
aufgrund  von  hier  ansässigen  nahen  Familienangehörigen  gegeben  ist, 
nicht  zur  Erteilung  einer  Einreisebewilligung,  wenn  aufgrund  einer 
Abwägung  mit  anderen  Kriterien  der  Verbleib  im  Drittstaat  objektiv  als 
zumutbar  zu  erachten  ist  (vgl.  etwa  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  D­7225/2010  vom  14. Februar  2011  E. 6, 
insbes.  6.6,  D­4758/2010  vom  30. August  2010  E. 4.1.4,  D­2047/2010 
vom 29. April 2010 insbes. S. 9 f.).

7.3.  Im  Hinblick  auf  die  Prüfung  der  Anwendbarkeit  des 
Asylausschlussgrundes von Art. 52 Abs. 2 AsylG hält das BFM in Ziffer 2 
seiner Verfügung  unter Hinweis  auf  die Rechtsprechung  unter  anderem 
fest,  die  Kriterien,  welche  die  Zufluchtnahme  in  einem  Drittstaat  als 
zumutbar erscheinen  liessen, seien mit einer allfälligen Beziehungsnähe 
zur Schweiz abzuwägen. Die dieser Feststellung folgende Argumentation 
des  BFM  beschränkt  sich  jedoch  auf  die  Aussage,  es  lägen  keine 
konkreten  Angaben  oder  Beweismittel  vor,  aus  denen  ersichtlich  wäre, 
dass der Familie im Zufluchtsstaat ein weiterer Verbleib unzumutbar oder 
unmöglich  sei. Die Familie  stehe nämlich  sowohl  unter  dem Schutz der 
Behörden  vor  Ort  als  auch  demjenigen  des  UNHCR  und  bedürfe  des 
zusätzlichen  subsidiären  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  der  Schweiz 
nicht. Die Behörden  sorgten  sodann  für  ihre Existenzsicherung. Auf  die 
bei  der  Botschaft  im  Sudan  gemachten  Aussagen  der 
Beschwerdeführerin  bezugnehmend  führte  das  BFM  sodann  aus, 

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offenbar  sei  auch  der  Ehemann  in  der  Lage,  der  Familie  gelegentlich 
einen  finanziellen  Beitrag  zukommen  zu  lassen.  Die  Einreise  in  die 
Schweiz sei somit auch unter diesem Gesichtspunkt nicht notwendig. Das 
BFM  unterliess  es  in  der  angefochtenen  Verfügung  und  den 
nachfolgenden Vernehmlassungen  jedoch, die einleitend angeführte und 
von  den  Beschwerdeführenden  geltend  gemachte  Beziehungsnähe  zur 
Schweiz zu prüfen. 

7.4.  Die  vorinstanzliche  Argumentation  vermag  des  Weiteren  auch 
hinsichtlich  der  angeführten  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts, 
welche  die  Auffassung  des  BFM  bezüglich  der  Zumutbarkeit  des 
Aufenthalts  in den gewählten Erst­Zufluchtsländern angeblich zu stützen 
vermöchten, nicht zu überzeugen. Betreffend die in der Vernehmlassung 
vom 8. Juni 2011 angeführten Urteile ist nämlich Folgendes festzuhalten: 
Drei  der  vier  angeführten  Urteile  (D­2047/2010  vom  29.  April  2010,  D­
7225/2010 vom 14. Februar 2011 und D­3916/2010 vom 12. Mai 2011) 
betreffen die Frage der Zumutbarkeit des Verbleibs im Sudan. Nachdem 
sich die Beschwerdeführenden seit etwa einem Jahr nicht mehr im Sudan 
aufhalten, sind die sich zum Aufenthalt  im Sudan äussernden Urteile  für 
das vorliegende Verfahren von vornherein nicht mehr massgebend. Nur 
eines  der  vom  BFM  angeführten  Urteile  betrifft  die  Situation  von 
Flüchtlingen  in  Äthiopien  (E­145/2010  vom  11.  Februar  2010),  wobei 
auch dieser Fall  nicht mit dem vorliegenden vergleichbar  ist,  da es sich 
weder  um  eritreische  Staatsangehörige  handelte  noch  eine 
Familienzusammenführung  in  der  Schweiz  zur  Diskussion  stand  (der 
Ehemann/Vater war nämlich bereits verstorben). Dem Urteil  ist überdies 
auch  keine  generelle  Aussage  zur  Zumutbarkeit  eines  Aufenthaltes  in 
äthiopischen Flüchtlingslagern zu entnehmen. 

7.5.  In  der  Praxis  erachtet  das  Bundesverwaltungsgericht  jedenfalls  in 
Fällen,  in  welchen  Frauen  sich  –  mit  oder  ohne  Kinder  –  in  einem 
Drittstaat  (meist  in  einem  Flüchtlingslager)  ohne  erwachsene  nahe 
Familienangehörige  oder  weitere  volljährige  Verwandte  aufhalten, 
weswegen  sie  nicht  nur  in  ökonomischer  Hinsicht,  sondern  auch  unter 
dem  Aspekt  der  persönlichen  Sicherheit  unter  prekären  Bedingungen 
leben,  den  weiteren  Verbleib  im  Aufenthaltsstaat  in  der  Regel  als 
unzumutbar. Das Gericht weist das BFM in solchen Fällen jeweils an, die 
Einreisebewilligung zu erteilen, wenn diese ­  in der Regel  in Gestalt des 
Ehemannes, welcher als Flüchtling anerkannt  ist  ­  über eine besondere 
Beziehungsnähe  zur  Schweiz  verfügen  und  zu  keinem  anderen  Staat 
stärkere  Bezugspunkte  bestehen  als  zur  Schweiz  (vgl.  Urteile  des 

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Bundesverwaltungsgerichts E­2018/2011 vom 14. September 2011 E. 8, 
E­4757/2009  vom  8. Juli  2011  E. 8.6,  E­4469/2009  vom  1. März  2011 
E. 5,  D­7804/2007  vom  27. Oktober  2010  E. 7,  E­2247/2009  vom 
9. August 2010 E. 7, D­4548/2009 vom 18. Februar 2010 E. 6).

7.6. Die Beschwerdeführenden sind nach eigenen Angaben (vgl. Eingabe 
vom  15. März  2011)  in  Äthiopien  ­  vermutungsweise  vom UNHCR  und 
von  der  äthiopischen  "Administration  for Refugee  and Returnee Affairs" 
(ARRA)  ­  als  Flüchtlinge  anerkannt  worden.  Sie  leben  in  Äthiopien  seit 
Anfang  Jahr  im Flüchtlingslager Adi Harush. Als  anerkannte Flüchtlinge 
dürften  sie  weitgehend  Schutz  vor  einer  Abschiebung  nach  Eritrea 
geniessen.  Angesichts  der  grossen  Zahl  der  in  Äthiopien  lebenden 
eritreischen  Asylsuchenden  und  Flüchtlinge  (gemäss  Schätzungen  des 
UNHCR  sind  es  per  Ende  Dezember  2011  über  61'000;  vgl.  UNHCR­
Ethiopie,  Profil  d'opérations  2011)  lässt  sich  keine  generelle  Gefahr 
ableiten,  dass  diesen  grundsätzlich  eine  Rückschiebung  nach  Eritrea 
droht.  Konkrete  Hinweise  auf  eine  drohende  Deportation  nach  Eritrea 
liegen im vorliegenden Fall denn auch keine vor. 

7.7.  Auf  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden,  die 
Lebensbedingungen für eine alleinstehende Mutter mit zwei Kindern ohne 
Beziehungsnetz vor Ort seien überaus hart, alleinstehende Frauen seien 
verschiedenster  Form  von  Gewalt  ausgesetzt  und  sie  müssten  oft 
unzumutbare Kompromisse  eingehen,  um  für  den Unterhalt  der  Familie 
aufzukommen, ging das BFM in der angefochtenen Verfügung nicht ein. 
Das Bundesamt begnügte sich vielmehr damit, unter Hinweis auf die ­ wie 
dargestellt  ­  zum  Vergleich  nicht  geeignete  Rechtsprechung  des 
Bundesverwaltungsgerichts  festzuhalten,  der  Aufenthalt  in  äthiopischen 
Flüchtlingslagern  sei  für  eritreische  Flüchtlinge  grundsätzlich  zumutbar. 
Somit sei den Beschwerdeführenden zuzumuten, vorderhand in Äthiopien 
zu bleiben. Eine subsidiäre Schutzgewährung durch die Schweiz sei nicht 
nötig.  Das  Bundesamt  nahm  somit  weder  eine  Einschätzung  der 
individuellen Situation der Beschwerdeführerin und  ihrer Kinder  in  ihrem 
derzeitigen  Aufenthaltsstaat  Äthiopien  vor,  noch  prüfte  es  die  von  den 
Beschwerdeführenden geltend gemachte besondere Beziehungsnähe zur 
Schweiz. 

7.8. Wie  dargelegt,  ist  bei  Asylgesuchen  aus  einem Drittstaat  in  jedem 
Einzelfall  stets  eine  Abwägung  zwischen  der  Zumutbarkeit  der 
Zufluchtnahme in diesem oder einem allfälligen anderen Land (vorliegend 
die  Schweiz)  vorzunehmen,  wobei  die  Beziehungsnähe  zum  jeweiligen 

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Land  ein  gewichtiges  Kriterium  bildet.  Indem  das  BFM  bei  der  Prüfung 
der  Zumutbarkeit  im  Sinne  von  Art. 52  Abs. 2  AsylG  die  besondere 
Beziehungsnähe  der  Beschwerdeführerin  und  ihrer  Kinder  zur  Schweiz 
nicht  berücksichtigt,  sondern  im  Ergebnis  allein  auf  die 
Verfolgungssicherheit  und  die  genügende  materielle  Versorgung  von 
eritreischen  Flüchtlingen  in  Äthiopien  verwiesen  hat,  hat  es  im 
vorliegenden  Fall  das  ihm  zustehende  Ermessen  unterschritten  und 
gleichzeitig die Begründungspflicht verletzt. Gestützt auf die mit Blick auf 
die  Zumutbarkeitsfrage  spruchreife  Aktenlage  ist  das  vorliegende 
Verfahren  indes  reformatorisch  zu  entscheiden,  zumal  den 
Beschwerdeführenden dadurch kein Rechtsnachteil erwächst. 

7.9. Die  (…)­jährige Beschwerdeführerin und  ihre beiden  (…)­ und  (…)­
jährigen Kinder halten sich gemäss von der Vorinstanz nicht bestrittenen 
Angaben ohne nahe Familienangehörige oder weitere Verwandte alleine 
in dem  im Jahre 2010 aufgrund des anhaltenden Flüchtlingsstroms neu 
eröffneten  Flüchtlingslager  Adi  Harush  auf.  Über  ein  Beziehungsnetz 
ausserhalb des Lagers  ist nichts aktenkundig. Bei der alleinerziehenden 
Beschwerdeführerin  und  ihren  kleinen Kindern  handelt  es  sich  um  eine 
besonders  verletzliche  Personengruppe.  Der  Umstand,  dass  das  Lager 
vorwiegend  von  eritreischen  männlichen  Refraktären  und 
Dienstverweigerern  aufgesucht  wird,  wobei  monatlich  um  die  Tausend 
neue Flüchtlinge hinzukommen (vgl. UNHCR, Young Eritreans in Ethiopia 
face  future  in  limbo,  21.  Juli  2011),  führt  dazu,  dass  aufgrund  dieser 
Konstellationen  die  Gefahr  der  sexuellen  Ausbeutung  für  die 
Beschwerdeführerin  stetig  zunimmt.  Daneben  dürfte  die  extrem 
wachsende  Zahl  an  Flüchtlingen  auch  geeignet  sein,  zu  Problemen  im 
Zusammenhang mit der Ernährung und der Gesundheit zu führen. Nicht 
ohne  Grund  erklärte  das  UNHCR  zu  den  Zielen  des  Jahres  2011  den 
verbesserten Schutz der Kinder  in der Lagern, Präventionsmassnahmen 
der  Empfangszentren  hinsichtlich  sexueller  Gewalt  oder  die 
Verbesserung  der  gesundheitlichen  Versorgung  der  Flüchtlinge  (vgl. 
UNHCR­Ethiopie, Profil d'opérations 2011). 

Mit  Äthiopien  verbindet  die  Beschwerdeführenden  sodann  keine 
besondere  kulturelle  oder  sprachliche Nähe;  den  einzigen  Bezugspunkt 
zu  diesem  Staat  bildet  demnach  ihr  diesjähriger  Aufenthalt  in  einem 
dortigen Flüchtlingslager. Eine  sprachliche oder  kulturelle Nähe existiert 
zwar  auch  zur  Schweiz  nicht,  doch  lebt  hier  der  Ehemann  respektive 
Vater  der  Beschwerdeführenden  seit  Januar  2007  als  Flüchtling. 
Angesichts  des  mehrjährigen  hiesigen  Aufenthalts  des  Ehemannes 

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beziehungsweise Vaters  verfügen die Beschwerdeführenden über einen 
engen  Bezug  zur  Schweiz.  Die  Eingliederungsmöglichkeiten  in  der 
Schweiz  sind  ausserdem  insbesondere  für  die  zwei­  und  sechsjährigen 
Kinder,  aber  auch  für  die  Mutter,  sicherlich  nicht  geringer  als  in  einem 
äthiopischen  Flüchtlingslager.  Vor  diesem  Hintergrund  erweist  sich  der 
Verbleib der Beschwerdeführenden in Äthiopien entgegen der Auffassung 
der  Vorinstanz  als  unzumutbar  im  Sinne  von  Art. 20  Abs. 2  AsylG. 
Aufgrund  der  Akten  kann  schliesslich  auch  nicht  davon  ausgegangen 
werden, die Beschwerdeführenden verfügten über eine Beziehungsnähe 
zu  anderen  Staaten  und/oder  über  die  Möglichkeit,  in  einem  anderen 
Staat  um  Schutz  zu  ersuchen.  Der  von  ihnen  benötigte  Schutz  vor 
Verfolgung ist im Lichte der Gesamtumstände des Falles daher durch die 
Schweiz zu gewähren. 

8. 
Da  die  Beschwerdeführenden  die  Voraussetzungen  für  die  Bewilligung 
der  Einreise  nach Art. 20  Abs. 2  und  3 AsylG  erfüllen,  erübrigt  sich  die 
Prüfung  der  Frage,  ob  ihnen  allenfalls  die  Einreise  nach  den 
Voraussetzungen  für  den  Familiennachzug  gemäss  Art. 85  Abs. 7  AuG 
zu bewilligen wäre. Diese Frage wäre erst dann zu beantworten, wenn ­ 
anders  als  im  vorliegenden  Fall  ­  feststünde,  dass  die  asylsuchende 
Person,  deren  Partner  in  der  Schweiz  vorläufig  aufgenommen  ist,  im 
Sinne von Art. 3 AsylG nicht gefährdet wäre beziehungsweise, wenn  ihr 
zugemutet werden  könnte,  in  einem Drittstaat  Zuflucht  zu  nehmen  (vgl. 
BVGE 2007/19; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E­4757/2008 vom 
8. Juli 2008 E. 9).  

9. 
Aufgrund  vorstehender  Erwägungen  ist  die  Beschwerde  gutzuheissen, 
soweit darauf einzutreten ist, und die Verfügung des BFM vom 16. Januar 
2009 aufzuheben. Das BFM ist anzuweisen, der Beschwerdeführerin und 
ihren  Kindern  die  Einreise  in  die  Schweiz  zu  bewilligen,  ihnen  die 
erforderlichen Einreisepapiere  auszustellen  und  nach  ihrer  Einreise  das 
Asylverfahren fortzusetzen. 

10. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  den  Beschwerdeführenden 
keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 

Angesichts ihres Obsiegens ist den Beschwerdeführenden in Anwendung 
von Art.  64 VwVG und Art.  7 Abs.  1  des Reglements  vom 21.  Februar 

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2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für 
die  ihnen  notwendigerweise  erwachsenen  Parteikosten  zuzusprechen. 
Der Rechtsvertreter  hat  am 13. Dezember 2011 eine Kostennote  in der 
Höhe von Fr. 4'345.30 eingereicht, ausweisend einen Aufwand von 19,85 
Stunden à Fr. 200.­ sowie Auslagen in der Höhe von Fr. 62.50. Während 
die ausgewiesenen Auslagen angemessen erscheinen, muss der geltend 
gemachte  zeitliche  Aufwand  angesichts  der  Praxis  des  Gerichts  in 
anderen,  in  ihrer  Komplexität,  ihrer  Dauer  und  ihrem  Umfang 
vergleichbaren  Verfahren  als  nicht  vollumfänglich  angemessen 
bezeichnet werden und ist auf insgesamt 16 Stunden (wovon 10 Stunden 
bis  Ende  2010  und  6  Stunden  ab  2011)  zu  reduzieren.  Der 
Stundenansatz  in  der  Höhe  von  Fr.  200.­  erweist  sich  sodann  als 
tarifkonform. Den Beschwerdeführenden  ist demnach gestützt auf Art. 7 
VGKE eine Parteientschädigung  in der Höhe von Fr. 3'515.40  (inklusive 
Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entrichten. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird.

2. 
Die Verfügung des BFM vom 16. Januar 2009 wird aufgehoben.

3. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  und  ihren  Kindern 
die  Einreise  in  die  Schweiz  zu  bewilligen,  ihnen  die  erforderlichen 
Einreisepapiere  auszustellen  und  nach  ihrer  Einreise  das Asylverfahren 
fortzusetzen. 

4. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

5. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  eine 
Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr.  3'515.40  (inklusive  Auslagen 
und Mehrwertsteuer) zu entrichten.

6. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Christa Luterbacher Gabriela Oeler

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