# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2886d57c-435c-5c11-b920-9f08cb860c01
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-10-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.10.2017 E-5677/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5677-2017_2017-10-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5677/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  O k t o b e r  2 0 1 7  

Besetzung 
 Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, 

mit Zustimmung von Richter Hans Schürch;   

Gerichtsschreiberin Denise Eschler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,  

(…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 25. September 2017 / N (…). 

 

 

 

E-5677/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, eigenen Angaben zufolge afghanischer Staatsan-

gehöriger, ersuchte am 22. Mai 2015 beim Empfangs- und Verfahrensze-

ntrum (EVZ) Altstätten um Asyl, wobei er vortrug, minderjährig zu sein. Die 

am (…) 2015 durchgeführte ärztliche Handknochenanalyse ergab ein 

wahrscheinliches Alter von 19 Jahren oder mehr, deren Resultat dem Be-

schwerdeführer anlässlich der Befragung zur Person (BzP) am 29. Mai 

2015 zum rechtlichen Gehör vorgelegt wurde. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, 

dass das Geburtsdatum im Zentralen Migrationsinformationssystem 

(ZEMIS) mit Datum vom 1. Januar 1997 erfasst werde. Dazu merkte er an, 

er habe sich in Griechenland (wo er durchgereist sei) volljährig gemacht, 

um nicht in ein spezielles Camp zu kommen. Anlässlich der BzP und der 

vertieften Anhörung am 1. Juli 2015 brachte er zu seiner Herkunft vor, in 

einem unbekannten Dorf im afghanischen Distrikt B._______ in der Pro-

vinz Ghazni geboren zu sein, seinen Heimatstaat im Alter von drei bis vier 

Jahren zusammen mit seiner Mutter und einer Schwester verlassen und 

fortan ohne Aufenthaltsstatus in C._______ in Pakistan gelebt zu haben. 

Im Jahr 2013 habe er Pakistan verlassen und sei in den Iran gereist, weil 

er einem Bombenanschlag, einem Selbstmordattentat sowie einem Verge-

waltigungsversuch nur knapp habe entgehen können. Während seines 

zirka zweijährigen Aufenthalts in Teheran habe er so lange illegal in einer 

(…) gearbeitet, bis er genügend Geld für die Weiterreise angespart gehabt 

habe. Im April 2015 habe er den Iran in Richtung Türkei verlassen und sei 

über verschiedene Staaten schliesslich in die Schweiz gelangt.  

Der Beschwerdeführer reichte keinerlei Beweismittel zum Nachweis seiner 

Identität zu den Akten. 

Dem SEM wurde ein Arztbericht des Kantonsspitals D._______ vom 

15. Januar 2016 eine Hospitalisation wegen Verdachts auf Tuberkulose be-

treffend eingereicht. 

B.  

Mit Verfügung vom 25. September 2017, eröffnet am 26. September 2017, 

stellte die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingsei-

genschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus 

der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. 

C.  

Mit Formulareingabe vom 5. Oktober 2017 reichte der Beschwerdeführer 

E-5677/2017 

Seite 3 

beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, die Ver-

fügung des SEM sei aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft an-

zuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. Weiter sei festzustellen, dass der 

Vollzug der Wegweisung unzulässig, unzumutbar und unmöglich sei und 

es sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hin-

sicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 

um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie – ohne kon-

krete Benennung – die Einsetzung eines amtlichen Rechtsbeistands. 

Eventualiter sei die aufschiebende Wirkung wieder herzustellen. 

Als Nachweis seiner Bedürftigkeit legte er mit der Beschwerde eine (unda-

tierte) Unterstützungsbestätigung der Wohngemeinde ins Recht. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 

Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung 

legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist – unter Vorbehalt nachfolgender Erwägungen – einzutreten 

(Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Zusammenhang mit dem 

Wegweisungsvollzug kann zudem die Unangemessenheit gerügt werden 

(Art. 37 VGG i.V.m. Art. 49 VwVG; vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im 

Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weiterungen und mit summarischer 

Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

2.3 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-

rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 

E-5677/2017 

Seite 4 

3.  

Der Beschwerde kommt von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu, 

welche die Vorinstanz vorliegend nicht entzogen hat. Der entsprechende 

Eventualantrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ist 

nicht einzutreten. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-

richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ei-

nem publizierten Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Da-

rauf kann hier verwiesen werden (BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3). 

4.3 Asylsuchende sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts 

mitzuwirken. Sie müssen insbesondere ihre Identität offenlegen sowie Rei-

sepapiere und Identitätsausweise abgeben (Art. 8 AsylG und Art. 2a Asyl-

verordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Der Untersu-

chungsgrundsatz findet unter anderem seine Grenze an der Mitwirkungs-

pflicht (Art. 8 AsylG, vgl. BVGE 2014/12 E. 6 S. 213 f.). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Asylentscheid mit der 

Unglaubhaftigkeit der Angaben hinsichtlich des Geburtsdatums des Be-

schwerdeführers (am 1. Januar […] respektive […] beziehungsweise am 

Tag des Nowruz, am 21. März), des Zeitpunkts und seines Alters bei der 

E-5677/2017 

Seite 5 

Ausreise aus Pakistan (im Sommer beziehungsweise Ende (…); er sei 

15 Jahre alt gewesen respektive zu Beginn seines 16. Altersjahres ausge-

reist), der fehlenden Kenntnisse zu seinem Heimatstaat und des verwandt-

schaftlichen Beziehungsnetzes in Afghanistan sowie der vorgebrachten 

Asylgründe (der Vergewaltigungsversuch sei anlässlich der Zweitbefra-

gung nicht mehr erwähnt worden). Die mehrfach widersprüchlichen Schil-

derungen zu seinen tatsächlichen Lebensumständen, zur konkreten Her-

kunft aus Afghanistan und zum dortigen Beziehungsnetz liessen den Ein-

druck entstehen, der Beschwerdeführer verheimliche beziehungsweise 

verschleiere diese. Eine längere Aufenthaltsdauer in Pakistan und im Iran 

sei aufgrund der Sprachkenntnisse nicht auszuschliessen, stelle indessen 

keinen hinreichenden Beweis dafür dar, der Beschwerdeführer sei nach 

seiner Ausreise im Kindesalter nicht mehr nach Afghanistan zurückgekehrt 

oder verfüge dort über kein Beziehungsnetz mehr. Schliesslich würden die 

Asylvorbringen – selbst wenn sich diese als glaubhaft erweisen würden – 

auch den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaften gemäss Art. 

3 AsylG nicht standhalten, zumal der Beschwerdeführer weder konkrete 

noch befürchtete Verfolgung durch seinen Heimatstaat Afghanistan geltend 

gemacht habe.  

5.2 In seiner Rechtsmitteleingabe bringt der Beschwerdeführer vor, seine 

Mutter und seine Schwestern seien am (…) 2017 zwecks Dokumentenbe-

schaffung (Tazkara) nach Afghanistan gereist, doch habe er seither keinen 

Kontakt mehr zu diesen. Sollte sich seine Mutter melden oder ihm ein Do-

kument zustellen, werde dieses dem Gericht unverzüglich weitergeleitet. 

Es entspreche der Wahrheit, dass er seine genaue Herkunft in Afghanistan 

nicht kenne, da seine Mutter nie darüber gesprochen habe. Hingegen seien 

seine Sprachkenntnisse in Dari und Urdu ein Beweis dafür, aus Afghanis-

tan zu stammen, beziehungsweise fast das ganze Leben in Pakistan gelebt 

zu haben. Aufgrund dessen, dass er nie eine Tazkara besessen habe, nur 

aus Erzählungen seiner Mutter wisse, wie alt er sei, oder dass das Alter in 

seinem Leben nie eine Rolle gespielt habe, habe er sich anlässlich der 

beiden Interviews widersprüchlich ausgedrückt. Hingegen bedeute der 

Umstand, dass er die Halbschwester seiner Mutter [welche in Afghanistan 

lebe] Tante nenne nicht, dass er Kontakt mit ihr habe. Es liege auch kein 

Widerspruch vor, wenn seine Mutter zwar von ihren Schwestern erzähle, 

aber nie über Afghanistan gesprochen habe. Widersprüchlich seien seine 

Angaben einzig bezüglich seiner Ausreise aus Pakistan ausgefallen. Eine 

Wegweisung nach Afghanistan sei wegen des fehlenden familiären Netzes 

nicht zumutbar. 

E-5677/2017 

Seite 6 

6.  

6.1 Das SEM hat hinreichend begründet, weshalb die Verfolgungsvorbrin-

gen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit von 

Art. 7 AsylG nicht genügen. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann da-

her auf den vorinstanzlichen Entscheid, welcher die vielzähligen Unge-

reimtheiten und Widersprüche rechtsgenügend erörtert, verwiesen werden 

(vgl. Ziff. 2 ff. der angefochtenen Verfügung).  

6.2 Die Vorinstanz hat sodann zutreffend erkannt, dass, selbst wenn die 

Ausreisegründe aus Pakistan (Bombenanschlag, Selbstmordattentat und 

Vergewaltigungsversuch) glaubhaft erscheinen würden, diese asylrechtlich 

nicht relevant sind und es darüber hinaus der ursprünglichen Ausreise aus 

Afghanistan mangels geltend gemachter Verfolgung gänzlich an Asylrele-

vanz mangelt. Der Beschwerdeführer hält dieser Argumentation in seiner 

Rechtsmitteleingabe nichts entgegen. 

6.3 Ebenfalls nicht zu beanstanden ist die vom SEM festgestellte – auf Be-

schwerdeebene unbestritten gebliebene – Unglaubhaftigkeit der geltend 

gemachten Minderjährigkeit, welche im Übrigen durch das Ergebnis des 

Altersgutachtens vom (…) 2015 bestätigt wurde. 

6.4 Soweit der Beschwerdeführer die Übersetzung im Zusammenhang mit 

seinen widersprüchlichen Aussagen zum Datum seiner Ausreise aus Pa-

kistan beanstandet (anlässlich der BzP gab er an, im Sommer (…) ausge-

reist zu sein [SEM-Akten, A6 S. 7], später hingegen Ende (…), wobei er 

damals, Erzählungen der Mutter zufolge, 15 oder Anfang 16 gewesen sein 

will [SEM-Akten, A13 F127 f.]), läuft diese Rüge ins Leere, zumal er wäh-

rend der Anhörung zweimal ausdrücklich danach gefragt wurde, wie gut er 

die Dolmetscherin verstehe und er jeweils mit „sehr gut“ antwortete (SEM-

Akten, A13 F1/F95). Schliesslich bestätigte er nach der Rückübersetzung 

unterschriftlich die Richtigkeit seiner Aussagen, weshalb er sich die festge-

stellten Widersprüche entgegenhalten lassen muss. Gleiches gilt für sei-

nen Einwand, anlässlich beider Interviews psychisch angeschlagen und 

sehr müde gewesen zu sein und deshalb gewisse Fragen etwas unter-

schiedlich beantwortet zu haben. Dem Anhörungsprotokoll zufolge war die 

Müdigkeit zwar aufgefallen (SEM-Akten, A13 F95 ff.), ein Hinweis auf psy-

chische Probleme sind diesen demgegenüber nicht zu entnehmen. Auch 

ist davon auszugehen, dass trotz Müdigkeit ein Unterscheid zwischen 

Sommer und Ende Jahr gemacht werden kann. 

E-5677/2017 

Seite 7 

6.5 Nach dem Gesagten wurde die Flüchtlingseigenschaft dem Beschwer-

deführer zu Recht nicht zuerkannt und das Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. 

Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen 

(vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht ange-

ordnet. 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlingseigen-

schaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 

Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 

Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwendbar. 

Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen 

verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; 

Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-

dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 

Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der 

Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung nach Afghanistan dort 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK 

verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine 

E-5677/2017 

Seite 8 

Menschenrechtssituation in Afghanistan lässt den Wegweisungsvollzug 

zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen 

8.3  Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-

länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund 

von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-

scher Notlage konkret gefährdet sind.  

8.3.1 Betreffend die allgemeine Lage in Afghanistan ist auf das als Refe-

renzurteil publizierte Urteil D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 zu verwei-

sen. Nach eingehender Lageanalyse stellte das Bundesverwaltungsgericht 

darin fest, dass sich seit dem letzten Länderurteil des Bundesverwaltungs-

gerichts im Jahr 2011 (vgl. BVGE 2011/7) eine deutliche Verschlechterung 

der Sicherheitslage über alle Regionen hinweg ergibt und derart schwierige 

humanitäre Bedingungen in weiten Teilen Afghanistans bestehen, dass die 

Situation als existenzbedrohend im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifi-

zieren sei, weshalb der Wegweisungsvollzug nach wie vor als unzumutbar 

zu beurteilen sei. Von dieser allgemeinen Feststellung könne die Haupt-

stadt Kabul betreffend abgewichen werden, falls besonders begünstigende 

Faktoren vorliegen (Urteil D-5800/2016, E.8.4.1). Die Rückkehr nach Herat 

(BVGE 2011/38) und Mazar-i-Sharif (BVGE 2011/49) kann zumutbar sein, 

wenn begünstigende Umstände gegeben sind (soziales Netz, gesicherte 

Existenz, Wohnraum, Gesundheit). 

8.3.2 Was die individuelle Situation des Beschwerdeführers anbelangt, gab 

dieser anlässlich der BzP und der Anhörung übereinstimmend an, aus dem 

Distrikt B._______ in der Provinz Ghazni zu stammen, indes mehr oder 

weniger zeitlebens in Pakistan gelebt zu haben. Er gab hingegen weder 

Reisepapiere noch Identitätsausweise ab, welche sein Alter oder seine 

Herkunft belegen würden. Nicht einzusehen ist im Besonderen, weshalb er 

sich erst im Juli 2017 um die Beschaffung von Identitätsdokumenten be-

mühte, obschon er bereits anlässlich der BzP ausdrücklich auf seine Mit-

wirkungspflicht hingewiesen wurde (SEM-Akten, A6 S. 2), er sich demnach 

der Wichtigkeit der Identitätsfeststellung bewusst sein musste und hierzu 

mehr als zwei Jahre Zeit gehabt hätte. Vor diesem Hintergrund ist davon 

auszugehen, dass der Beschwerdeführer seine genaue Herkunft, allenfalls 

gar seine wahre Identität,  zu verschleiern versucht und deshalb während 

des gesamten Verfahrens keine Identitätsdokumente einreichte. Für diese 

Annahme sprechen auch seine Aussagen „Ich habe keine Identitätspapiere 

und kann auch keine beschaffen“ (A3 S. 7); „Woher soll ich ein Dokument 

herzaubern?“ (A13 F9) oder die dürftige Schilderung, seine Mutter habe 

E-5677/2017 

Seite 9 

nichts für die Legalisierung des Aufenthaltsstatus in Pakistan unternehmen 

können, weil sie Analphabetin sei (A13 F124 f). Zum ursprünglichen Her-

kunftsort in Afghanistan werden sodann auch auf Beschwerdeebene kei-

nerlei Angaben gemacht, so dass auf die Verfügung des SEM verwiesen 

werden kann, welches zu Recht festgestellt hat, der Beschwerdeführer 

habe keine glaubhaften Angaben zu seiner persönlichen und familiären Si-

tuation in Afghanistan, mithin zu seiner geltend gemachten Herkunft ma-

chen können. Es ist der Vorinstanz darin beizupflichten, dass es nicht Sa-

che der Behörden ist, bei fehlenden Hinweisen seitens des Beschwerde-

führers nach allfälligen Wegweisungsvollzugshindernissen zu forschen, 

falls dieser seiner Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen sei. Aufgrund 

dieser mangelhaften Angaben ist es dem Gericht ebenfalls nicht möglich, 

sich zu allfälligen Wegweisungsvollzugshindernissen zu äussern. Der Be-

schwerdeführer hat demnach die Folgen seiner fehlenden Mitwirkung 

selbst zu tragen (dazu statt vieler BVGE 2014/12 E. 6), weshalb der Weg-

weisungsvollzug nach Afghanistan als zumutbar zu erachten ist. 

Trotzdem ist zu bemerken, dass ihm sein Beziehungsnetz in Afghanistan 

betreffend zwar beizupflichten ist, dass die Tatsache alleine, die Halb-

schwester der Mutter als „Tante“ zu bezeichnen, nicht per se für die Exis-

tenz eines solchen spricht. Wie die Vorinstanz aber zutreffend festgestellt 

hat, sprechen diverse weitere Aussagen gegen die Glaubhaftigkeit, dort 

über keine familiären Beziehungen zu verfügen. So beispielsweise die Um-

stände, wie er vom Tod seines Vaters, der zu diesem Zeitpunkt in Afgha-

nistan gelebt haben soll, erfahren haben will (der Beschwerdeführer selbst 

sei im Iran gewesen, als ihn seine Mutter deswegen angerufen habe, wobei 

diese vom Hörensagen Kenntnis darüber erlangt habe [A13 F140 ff.]) oder 

das Wissen über den Tod des Grossvaters (A13 F31). Für das Bestehen 

von familiären Beziehungen sprechen namentlich auch die allgemein sehr 

guten Kenntnisse über seine Verwandten in Afghanistan, obschon er zu 

diesen seit seiner Ausreise im Kleinkindalter keinen Kontakt mehr gehabt 

haben will (A13 F22 ff.]). Augenfällig ist ferner, dass der Beschwerdeführer 

bei vielen Fragen im Zusammenhang mit dem Herkunftsort und mit Bezie-

hungen fehlende Erinnerungen (A13 F27/F38/F51/F54/F58 f.) oder Kon-

taktabbrüche geltend machte (A13 F33 ff).  

Es bleibt hinzufügen, dass der Beschwerdeführer zwar nicht über eine so-

lide Schulbildung verfügt, hingegen sowohl in Pakistan als auch im Iran 

Berufserfahrung sammeln konnte und über Sprachkenntnisse in Dari, Urdu 

sowie Englisch verfügt (A13 F71 ff./F67/F90 ff.), so dass davon auszuge-

E-5677/2017 

Seite 10 

hen ist, er könne sich bei einer Rückkehr nach Afghanistan rasch integrie-

ren und eine existenzsichernde Arbeit finden. Schliesslich steht ihm offen, 

anstelle der Rückkehr in seinen Heimatstaat nach Pakistan zurückzukeh-

ren, wo offenbar noch seine Mutter und Schwester leben und er jahrelang 

gelebt hat, weshalb er dort wohl über ein soziales Netz verfügen sollte, das 

ihm bei einer dortigen Reintegration behilflich sein kann.  

Der ins Recht gelegte Arztbericht ist ebenfalls nicht geeignet, am Beweis-

ergebnis etwas zu ändern. 

8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Nach dem Gesagten haben die Beschwerdebegehren als aussichts-

los zu gelten, womit eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen 

zur Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) 

und der unentgeltlichen Verbeiständung (Art. 110a Abs. 1 AsylG) nicht er-

füllt ist. Die Gesuche um Gewährung unentgeltlicher Prozessführung und 

amtlicher Rechtsverbeiständung sind abzuweisen. 

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen und auf insgesamt Fr. 750.–  festzusetzen (Art. 1–3 

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-

gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Das Ge-

such um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegen-

dem Urteil gegenstandslos geworden. 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-5677/2017 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung unentgeltlicher Prozessführung und amtli-

cher Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

Muriel Beck Kadima Denise Eschler 

 

 

Versand: