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**Case Identifier:** e38f93ac-e46a-539c-bd72-a118bf01863f
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-02-21
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 21.02.2024 BV.2023.21
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BV-2023-21_2024-02-21.pdf

## Full Text

Beschluss vom 21. Februar 2024 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Patrick Robert-Nicoud und Felix Ulrich,  

Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja  

   
 

Parteien 

  

A., vertreten durch Rechtsanwältin Laura Jetzer 

Gesuchsteller 

 

 gegen 

   

EIDGENÖSSISCHES FINANZDEPARTEMENT,  

Generalsekretariat EFD, 

Gesuchsgegner 

 

Gegenstand  Folgen der Verletzung von Ausstandsvorschriften  

(Art. 60 StPO analog) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BV.2023.21 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Am 4. April 2019 erstattete die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) 

beim Eidgenössischen Finanzdepartement (nachfolgend «EFD») gegen die 

Verantwortlichen der Bank B. sowie allfällige weitere involvierte Personen 

Strafanzeige wegen Widerhandlung gegen Art. 37 i.V.m. Art. 9 des Bundes-

gesetzes vom 10. Oktober 1997 über die Bekämpfung der Geldwäscherei 

und der Terrorismusfinanzierung (Geldwäschereigesetz, GwG; SR 955.0). 

Es bestand der Verdacht, dass im Zusammenhang mit den Kontobeziehun-

gen der Bank B. zu C. eine Verdachtsmeldung an die Meldestelle für Geld-

wäscherei (MROS) nach Art. 9 GwG pflichtwidrig unterlassen worden war 

(BV.2022.48, Verfahrensakten, pag. 010 1 ff.). Gestützt darauf eröffnete das 

EFD am 12. September 2019 das Verwaltungsstrafverfahren Nr. 442.3-143 

wegen des Verdachts auf Verletzung der Meldepflicht gemäss Art. 37 GwG 

gegen Unbekannt (BV.2022.49, Verfahrensakten, pag. 040 1). Am 5. Sep-

tember 2022 wurde die Untersuchung auf A. und D. ausgedehnt 

(BV.2022.48, Verfahrensakten, pag. 040 1).  

 

 

B. Die verwaltungsstrafrechtliche Untersuchung Nr. 442.3-143 wurde zunächst 

von E. und nach ihrer Beförderung zur Gruppenleiterin per 1. Septem-

ber 2021 von der Untersuchungsleiterin F. geführt (BV.2022.48, act. 1.1, 

S. 3).  

 

 

C. Im Schlussprotokoll vom 7. September 2022 gelangte F. zum Ergebnis, dass 

D. und A. sich der Verletzung der Meldepflicht gemäss Art. 37 Abs. 1 i.V.m. 

Art.  9 Abs. 1 GwG schuldig gemacht hätten, begangen vom 10. Juni 2013 

bis zum 31. Dezember 2015 bzw. bis zum 1. Juli 2016 (BV.2022.48, Verfah-

rensakten, pag. 081 9 ff.). 

 

 

D. In der Folge sprach E. mit Strafbescheid vom 20. Oktober 2022 A. der Ver-

letzung der Meldepflicht gemäss Art. 37 Abs. 1 i.V.m. Art. 9 Abs. 1 GwG 

schuldig, begangen in der Zeit vom 10. Juni 2013 bis zum 1. Juli 2016, und 

verurteilte ihn zu einer Busse von Fr. 30'000.-- (BV.2022.48, Verfahrensak-

ten, pag. 091 1 ff.). 

 

 

E. Mit Schreiben vom 24. Oktober 2022 verlangte A. beim Leiter Rechtsdienst 

den Ausstand von E. (BV.2022.48, Verfahrensakten, pag. 091 19 ff.). Der 

Leiter Rechtsdienst wies das Ausstandsgesuch mit Entscheid vom 

- 3 - 

 

 

2. Dezember 2022 ab (BV.2022.48, act. 1.1). Dagegen erhob A. mit Eingabe 

vom 8. Dezember 2022 bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafge-

richts Beschwerde (BV.2022.48, act. 1). 

 

 

F. Am 16. Dezember 2022 erging die Strafverfügung gegen A., und am 13. Ja-

nuar 2023 wurde bei der Strafkammer des Bundesstrafgerichts (nachfolgend 

«Strafkammer») gegen A. Anklage erhoben (vgl. Art. 71 VStrR; BV.2022.48, 

act. 11).  

 

 

G. Mit Beschluss BV.2022.48 vom 31. März 2023 hob die Beschwerdekammer 

den abweisenden Ausstandsentscheid des Leiter Rechtsdienstes vom 2. De-

zember 2022 auf und erkannte, dass E. im Verwaltungsstrafverfahren 

Nr. 442.3-143 gegen A. in den Ausstand zu treten habe. Insofern hiess die 

Beschwerdekammer die Beschwerde von A. vom 8. Dezember 2022 gut. Auf 

das Begehren von A. um Anweisung des EFD, sämtliche Verfahrenshand-

lungen, an denen E. mitgewirkt hat, insbesondere der Erlass des Strafbe-

scheids vom 20. Oktober 2022 aufzuheben und zu wiederholen, trat die Be-

schwerdekammer nicht ein.  

 

 

H. Mit Schreiben vom 6. April 2023 gelangte A. an die Strafkammer mit folgen-

den Anträgen (act. 1, S. 1 f.): 

 

 «1. Sämtliche Verfahrenshandlungen, an denen E. direkt oder indirekt mit-

gewirkt hat, seien aufzuheben und zu wiederholen, insbesondere 

  a. die Auskunfts- und Editionsverfügung vom 15. März 2022, 

  b. die Auskunfts- und Editionsverfügung vom 9. Juni 2022, 

  c. die Aufnahme des Schlussprotokolls vom 7. September 2022,  

  d. die Verfügung vom 17. Oktober 2022, 

  e. der Erlass des Strafbescheids vom 20. Oktober 2022, 

  f. der Erlass der Strafverfügung vom 16. Dezember 2022, 

  g. die Überweisung an die Bundesanwaltschaft vom 4. Januar 2023, so-

wie 

  h. die Überweisung ans Bundesstrafgericht vom 11. Januar 2023. 

 

  2. Sämtliche vom Ausstandsgrund kontaminierten Akten seien aus den 

Verfahrensakten zu entfernen, bis zum rechtskräftigen Abschluss des 

Verfahrens unter separatem Verschluss zu halten und danach zu ver-

nichten, insbesondere 

  a. die unter Ziff. 1 hiervor aufgelisteten, 

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  b. die von der Bank B. gestützt auf die Auskunfts- und Editionsverfügun-

gen vom 15. März 2022 und 9. Juni 2022 übermittelten Informationen 

und Unterlagen, das heisst die Schreiben der Bank B. vom 17. Mai 

2022 und vom 25. August 2022, je samt Beilagen, sowie 

  c. jegliche internen Entwürfe, E-Mails, Anträge und/oder Notizen von E.  

  3. Die Anklage sei an die Bundesanwaltschaft zurück zu weisen und das 

vorliegende gerichtliche Verfahren abzuschreiben. 

  4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt. zulasten der 

Staatskasse». 

 

 

I. In seiner Stellungnahme vom 21. April 2023 beantragte der Leiter Rechts-

dienst, das Gesuch um Aufhebung und Wiederholung von Amtshandlungen 

sei von Amtes wegen umgehend an die Beschwerdekammer weiterzuleiten 

(act. 2, S. 6). An die Adresse der Beschwerdekammer, eventualiter Straf-

kammer, richtete der Leiter Rechtsdienst ferner den Antrag, es sei die Auf-

hebung und Wiederholung der Strafverfügung vom 16. Dezember 2022 be-

förderlich anzuordnen und das Gesuch vom 6. April 2023 im Übrigen abzu-

weisen, soweit darauf einzutreten sei (act. 2, S. 7). 

 

 

J. Mit Schreiben vom 25. April 2023 leitete die Strafkammer das Gesuch von 

A. vom 6. April 2023 um Aufhebung und Wiederholung von Amtshandlungen 

zuständigkeitshalber an die Beschwerdekammer weiter. Mit Bezug auf «die 

übrigen Parteianträge, Rückweisungs- und Einstellungsantrag», erachtete 

sich die Strafkammer als zuständig (act. 3).  

  

 

K. Die Beschwerdekammer forderte in der Folge A. mit Schreiben vom 26. Ap-

ril 2023 auf, bis zum 8. Mai 2023 eine Gesuchsreplik einzureichen (act. 4). 

Diese ging innert erstreckter Frist am 31. Mai 2023 beim Gericht ein. Dabei 

stellte A. den Antrag, das vorliegende Verfahren zuständigkeitshalber an die 

Strafkammer zurückzuüberweisen (act. 10, S. 9). 

 

 

L. Vor dem Hintergrund der Bestreitung der Zuständigkeit der Beschwerdekam-

mer durch A., forderte diese die Strafkammer mit Schreiben vom 

31. Mai 2023 auf, sich zur sachlichen Zuständigkeit zu äussern. Dem EFD 

wurde Gelegenheit eingeräumt, zur Gesuchsreplik zu duplizieren (act. 11). 

 

 

- 5 - 

 

 

M. Die Strafkammer und das EFD verzichteten auf Stellungnahme bzw. Duplik, 

was A. am 7. Juni 2023 zur Kenntnis gebracht wurde (act. 12-13).   

 

 

N. Mit Schreiben vom 4. Juli 2023 liess A. der Beschwerdekammer eine Kopie 

seiner Eingabe vom selben Tag an die Strafkammer zukommen, mit welcher 

er um Einstellung des Verwaltungsstrafverfahrens ersuchte (act. 16, 16.1). 

 

 Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1 Gemäss Art. 50 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Eidgenössische Fi-

nanzmarktaufsicht (Finanzmarktaufsichtsgesetz, FINMAG; SR 956.1) richtet 

sich das Verfahren bei Verdacht von Widerhandlungen gegen das FINMAG 

oder die Finanzmarktgesetze – worunter auch das Geldwäschereigesetz fällt 

(Art. 1 Abs. 1 lit. f FINMAG) – nach den Bestimmungen des Bundesgesetzes 

vom 22. März 1974 über das Verwaltungsstrafrecht (VStrR; SR 313.0), so-

weit das FINMAG oder die Finanzmarktgesetze nichts anderes bestimmen. 

Verfolgende und urteilende Behörde ist das EFD (Art. 50 Abs. 1 zweiter Satz 

FINMAG).  

 

1.2 Die Bestimmungen der StPO sind insoweit ergänzend oder sinngemäss an-

wendbar, als das VStrR dies ausdrücklich festlegt (vgl. Art. 22, Art. 30 

Abs. 2-3, Art. 31 Abs. 2, Art. 41 Abs. 2, Art. 43 Abs. 2, Art. 58 Abs. 3, Art. 60 

Abs. 2, Art. 80 Abs. 1, Art. 82, Art. 89 und Art. 97 Abs. 1 VStrR). Soweit das 

VStrR einzelne Fragen nicht abschliessend regelt, sind die Bestimmungen 

der StPO grundsätzlich analog anwendbar (BGE 139 IV 246 E. 1.2, E. 3.2; 

Urteile des Bundesgerichts 1B_210/2017 vom 23. Oktober 2017 E. 1.1; 

1B_91/2016 vom 4. August 2016 E. 4.1; zum Ganzen Urteil des Bundesge-

richts 1B_433/2017 vom 21. März 2018 E. 1.1).  

 

 

2. 

2.1 Vor der materiellen Befassung hat jede Behörde in jedem Stadium des Ver-

fahrens ihre Zuständigkeit von Amtes wegen zu prüfen. Daher ist zunächst 

zu prüfen, ob die Beschwerdekammer im vorliegenden Verfahren sachlich 

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zuständig ist, um über das Gesuch betreffend Aufhebung und Wiederholung 

von Amtshandlungen gestützt auf Art. 60 Abs. 1 StPO zu befinden. 

 

2.2  

2.2.1 Die Beschwerdekammer hatte mit Beschluss BV.2022.49 vom 

31. März 2023 gestützt auf Art. 29 Abs. 1 lit. c VStrR die Befangenheit von 

E. bejaht. Das VStrR äussert sich nicht zu den Folgen der Gutheissung eines 

Ausstandsgesuchs, weshalb Art. 60 StPO analog zur Anwendung kommt 

(Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BV.2022.49 vom 31. März 2023 E. 6; 

BV.2014.36 vom 21. Oktober 2014 E. 2.3; KONOPATSCH/EHMANN, Basler 

Kommentar, 2020, N. 113 zu Art. 29 VStrR).  

 

2.2.2 Art. 60 Abs. 1 StPO sieht vor, dass Verfahrenshandlungen, an denen eine 

zum Ausstand verpflichtete Person mitgewirkt hat, aufzuheben und zu wie-

derholen sind, sofern dies eine Partei innert 5 Tagen verlangt, nachdem sie 

vom Entscheid über den Ausstand Kenntnis erhalten hat. Seit dem 1. Ja-

nuar 2024 entspricht nun auch der französische Gesetzestext von Art. 60 

Abs. 1 StPO der deutschen und italienischen Fassung, wonach eine Partei 

die Aufhebung und Wiederholung der Amtshandlungen spätestens fünf Tage 

nach Kenntnis vom Entscheid über den Ausstand verlangen muss («…cinq 

jours après qu’elle a eu connaissance de la décision de récusation» anstelle 

der früheren Fassung «… cinq jours après qu’elle a eu connaissance du mo-

tif de la récusation»). Während mit der Zuständigkeitsordnung von Art. 59 

Abs. 1 StPO sichergestellt werden soll, dass Befangenheitsfragen von einer 

institutionell möglichst unabhängigen Behörde beurteilt werden (vgl. BGE 

148 IV 17 E. 2.3), schweigt sich das Gesetz darüber aus, welche Behörde 

über die Folgen der Verletzung von Ausstandsvorschriften im Sinne von 

Art. 60 Abs. 1 StPO zu entscheiden hat.  

 

2.2.3 Der Einzelrichter im Verfahren SK.2023.5 hat das bei ihm eingereichte Ge-

such um Aufhebung und Wiederholung von Amtshandlungen vom 6. Ap-

ril 2023 der Beschwerdekammer unter Hinweis auf das Urteil des Bundes-

gerichts 1B_246/2017 vom 6. Oktober 2017 zuständigkeitshalber weiterge-

leitet (act. 3). Dem genannten Urteil des Bundesgerichts lag ein Entscheid 

der Beschwerdekammer für Strafsachen des Obergerichts des Kantons 

Genf vom 29. Mai 2017 zugrunde, mit welchem diese die Aufhebung und 

Wiederholung von Verfahrenshandlungen eines Staatsanwaltes anordnete, 

dessen Befangenheit die Beschwerdekammer mit Entscheid vom 10. Feb-

ruar 2017 festgestellt hatte. Die Beschwerdekammer erachtete es im kon-

kreten Fall als unangemessen, dass nach Anklageerhebung das erstinstanz-

liche Gericht, nachdem es die Akten gerade erst erhalten habe, darüber ent-

scheiden müsse, welche Verfahrenshandlungen aufzuheben und welche 

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Akten zu entfernen seien. Daher müsse die Beschwerdekammer, die das 

Ausstandsgesuch gegen den Staatsanwalt gutgeheissen habe, auch über 

dessen Folgen entscheiden. Das Bundesgericht führte im genannten Urteil 

aus, von der beschwerdeführenden Partei sei die Zuständigkeit der Be-

schwerdekammer über den Antrag auf Aufhebung von Verfahrenshandlun-

gen zu entscheiden, zu Recht nicht in Frage gestellt worden. Wenn sich der 

Fall noch im Stadium der Untersuchung befinde, habe der neue Staatsan-

walt, der mit dem Verfahren betraut sei, als Verfahrensleiter den Entscheid 

über die Aufhebung und Wiederholung von Verfahrenshandlungen zu tref-

fen. Dieser Entscheid unterliege der Beschwerde nach Art. 393 ff. StPO. 

Nach Anklageerhebung liege die Verfahrensleitung nicht mehr bei der 

Staatsanwaltschaft, sondern beim Präsidium des Strafgerichts. Es sei jedoch 

kohärent, dass in diesem Fall die Behörde, welche über das Ausstandsge-

such entschieden habe (i.c. die Beschwerdeinstanz), sich auch zu den Fol-

gen der Gutheissung eines solchen Gesuchs äussere. Dies habe entweder 

direkt im Ausstandsentscheid oder durch einen späteren Antrag zu gesche-

hen. Die Beschwerdeinstanz kenne nämlich den Fall in diesem Punkt bereits 

und sei auch am besten in der Lage, den Wortlaut ihres eigenen Ausstands-

entscheides gegebenenfalls so zu interpretieren, dass alle Konsequenzen 

daraus gezogen würden. Es sei nicht angemessen, wenn das Strafgericht, 

das die Akten noch nicht kenne, über das Schicksal der Handlungen des 

abgelehnten Staatsanwaltes entscheiden müsse und so allenfalls dazu ver-

anlasst wäre, seine eigene Anrufung aufzuheben (Urteil des Bundesgerichts 

1B_246/2017 vom 6. Oktober 2017 E. 2).  

 

2.2.4 Das Bundesgericht hat im zitierten Urteil die Zuständigkeit der Beschwerde-

kammer um über die Aufhebung und Wiederholung von Verfahrenshandlun-

gen im Sinne von Art. 60 Abs. 1 StPO zu entscheiden, hauptsächlich aus 

prozessökonomischen Gründen bejaht. Wie nachfolgend zu zeigen sein 

wird, hat das Bundesgericht dabei jedoch prozessuale Grundsätze ausser 

Acht gelassen, weshalb sein Entscheid insofern nicht in Einklang mit andern 

publizierten Entscheiden des Bundesgerichts steht. 

 

Für die Beantwortung der Frage, welche Behörde über die Folgen eines gut-

geheissenen Ausstandsgesuches entscheidet, ist zunächst festzuhalten, 

dass es sich beim Ausstandsverfahren um ein vom restlichen Strafverfahren 

separates Zwischenverfahren handelt (BGE 148 IV 17 E. 2.3, unter Hinweis 

auf den Entscheid des Obergerichts des Kantons Thurgau SW.2017.91 vom 

25. Januar 2018, in: RBOG 2018 Nr. 15). Das Ausstandsverfahren und das 

Verfahren betreffend die Folgen des Ausstands sind sodann von Gesetzes 

wegen nicht einheitlich, sondern zweigeteilt (Entscheid des Obergerichts des 

Kantons Thurgau SW.2017.91 vom 25. Januar 2018 E. 3.bb; so im Ergebnis 

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auch die Verfügung der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2019.28 

vom 15. Juli 2019 E. 2). Der Wortlaut von Art. 60 Abs. 1 StPO schliesst daher 

aus, dass im Ausstandsentscheid direkt auch über dessen Folgen entschie-

den wird (vgl. Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BV.2022.49 vom 

31. März 2023 E. 6; BB.2020.296 vom 30. April 2021 E. 9.2; BB.2020.92, 

BB.2020.93 vom 14. Januar 2021 E. 3.2.2; BB.2018.197 vom 17. Juni 2019 

E. 6).  

 

Die Aufhebung und Wiederholung von Amtshandlungen, die in Verletzung 

von Ausstandsvorschriften erfolgt sind, beschlägt sodann in erster Linie die 

Frage nach der Gültigkeit der in der Strafuntersuchung erhobenen Beweise 

und hat somit direkt Auswirkungen auf die Beweislage (Beschluss des Bun-

desstrafgerichts BB.2020.92, BB.2020.93 vom 14. Januar 2021 E. 3.2.2). 

Unter Verletzung von Ausstandsvorschriften erhobene Beweise gelten als 

unrechtmässig erlangt und dürfen daher nicht verwertet werden (KELLER, 

Zürcher Kommentar, 3. Aufl. 2020, N. 5 zu Art. 60 StPO). Aufzeichnungen 

über unverwertbare Beweise werden aus den Strafakten entfernt, bis zum 

rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens unter separatem Verschluss ge-

halten und danach vernichtet (Art. 141 Abs. 5 StPO). Das Bundesgericht 

hielt in BGE 143 IV 475 fest, die Frage der Verwertbarkeit von Beweismitteln 

sei grundsätzlich dem Sachrichter (Art. 339 Abs. 2 lit. b StPO) bzw. der den 

Endentscheid fällenden Strafbehörde zu unterbreiten. Dabei könne vom 

Sachrichter erwartet werden, dass er in der Lage sei, die unzulässigen Be-

weise von den zulässigen zu unterscheiden und sich bei der Würdigung aus-

schliesslich auf Letztere zu stützen. Mithin obliege der definitive Entscheid 

über gesetzliche Beweisverwertungsverbote (Art. 140 f. StPO) nach der Pra-

xis des Bundesgerichts grundsätzlich der zuständigen Verfahrensleitung 

bzw. dem erkennenden Sachrichter im Rahmen des Endentscheides (E. 2.7; 

BGE 141 IV 284 E. 2.2; 141 IV 289 E. 1.2; 139 IV 128 E. 1.6 f.; Urteile des 

Bundesgerichts 6B_187/2020 vom 21. Oktober 2020 E. 3.2.2; 6B_534/2019 

vom 21. Februar 2019 E. 3.3.1; 1B_179/2012 vom 13. April 2012 E. 2.4). 

Dies schliesst gemäss Bundesgericht allerdings nicht aus, dass die Be-

schwerdeinstanz im Vorverfahren über die Verwertbarkeit von Beweismitteln 

befindet, so nämlich im Zusammenhang mit bei ihr erhobenen Beschwerden 

gegen ablehnende Entscheide der Staatsanwaltschaft über Aktenentfer-

nungsgesuche (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Dies gelte zumindest in Fällen, 

in welchen sich die Unverwertbarkeit von Aktenstücken eindeutig feststellen 

lasse. In weniger klaren Fällen, insbesondere dort, wo eine Prüfung bzw. 

Interessensabwägung im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO vorzunehmen sei, 

könne es sich als geboten erweisen, diese dem erkennenden Sachrichter 

vorzuenthalten (BGE 143 IV 475 E. 2.7). Die Beschwerdeinstanz muss sich 

mit anderen Worten u.U. dann mit der Beweisverwertbarkeit 

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auseinandersetzen und gegebenenfalls Beweismittel aus den Akten entfer-

nen, wenn im Untersuchungsverfahren die Staatsanwaltschaft den Antrag 

eines Verfahrensbeteiligten auf Entfernung von Aufzeichnungen von unver-

wertbaren Beweisen aus den Akten abgelehnt hat oder untätig bleibt und der 

Betroffene dagegen Beschwerde erhoben hat.  

 

2.2.5 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist jedoch nicht eine Beschwerde 

gegen einen ablehnenden Aktenentfernungsentscheid der Untersuchungs-

behörden. Auch befindet sich das Strafverfahren nicht mehr im Untersu-

chungsstadium, sondern vor dem erstinstanzlichen Gericht. Würde die Be-

schwerdekammer nun entsprechend dem Urteil des Bundesgerichts 

1B_246/2017 vom 6. Oktober 2017 über die Aufhebung und Wiederholung 

von Amtshandlungen im Sinne von Art. 60 Abs. 1 StPO und damit über die 

Zulässigkeit bzw. Verwertbarkeit von Erhebungen im Untersuchungsverfah-

ren entscheiden, griffe sie nicht nur dem Sachrichter vor (vgl. supra E. 2.2.4), 

sie würde sich zudem eine Kompetenz anmassen, die ihr von Gesetzes we-

gen in diesem Umfang nicht zukommt. Mit dieser Problematik hat sich das 

Bundesgericht im Urteil 1B_246/2017 vom 6. Oktober 2017 nicht auseinan-

dergesetzt. Ob die Beschwerdekammer, welche über den Ausstand ent-

schieden hat, tatsächlich besser als der Sachrichter in der Lage sein soll, 

über die Folgen des Ausstandes zu befinden, ist fraglich, zumal sich in bei-

den Verfahren andere Fragen stellen. Hinzu kommt, dass der Sachrichter 

mit der Anklageerhebung über sämtliche Verfahrensakten verfügt. Er ist da-

mit ohne Weiteres in der Lage, die Prüfung der Verwertbarkeit der Beweis-

mittel vorzunehmen. Offenbar entsprach es in der Vergangenheit denn auch 

der Praxis der Strafkammer, in Strafverfahren über die Folgen der von der 

Beschwerdekammer festgestellten Verletzung von Austandsvorschriften zu 

befinden (vgl. Verfügung der Strafkammer SK.2019.28 vom 15. Juli 2019 

E. 2 ff.). Schliesslich überzeugt das Argument nicht, wonach der Entscheid 

im Sinne von Art. 60 Abs. 1 StPO deshalb der Beschwerdekammer obliege, 

weil das zuständige Gericht seine eigene Anrufung beenden würde, würde 

es über die Aufhebung der Verfahrenshandlungen des in den Ausstand ver-

setzen Staatsanwaltes befinden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

1B_246/2017 vom 6. Oktober 2017 E. 2). Der Sachrichter ist ohnehin ver-

pflichtet, zu prüfen, ob die Anklageschrift und die Akten ordnungsgemäss 

erstellt sind, die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind oder Verfahrenshinder-

nisse bestehen (Art. 329 StPO). Kann ein Urteil zurzeit nicht ergehen, sistiert 

das Gericht das Verfahren und weist die Anklage gegebenenfalls zur Ergän-

zung an die Staatsanwaltschaft zurück. Kann ein Urteil definitiv nicht erge-

hen, stellt das Gericht das Verfahren ein (Art. 329 Abs. 2 und 3 StPO).  

 

- 10 - 

 

 

2.2.6 Zusammenfassend erweist sich das Urteil 1B_246/2017 vom 6. Okto-

ber 2017 für die Beurteilung der Frage, ob die Beschwerdekammer zur Be-

handlung von Gesuchen im Sinne von Art. 60 Abs. 1 StPO zuständig ist, als 

nicht einschlägig.  

 

2.3 Aus dem Gesagten folgt, dass vorliegend für die Beschwerdekammer keine 

rechtliche Grundlage besteht, um über das Gesuch um Aufhebung und Wie-

derholung von Amtshandlungen im Sinne von Art. 60 Abs. 1 StPO zu ent-

scheiden. Daher ist auf das Gesuch mangels sachlicher Zuständigkeit nicht 

einzutreten. Gestützt auf Art. 91 Abs. 4 StPO ist das Gesuch zuständigkeits-

halber an die Strafkammer des Bundesstrafgerichts weiterzuleiten. 

 

 

3. Es werden keine Kosten erhoben.  

 

 

- 11 - 

 

 

Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Auf das Gesuch wird nicht eingetreten. 

 

2. Die Sache wird zuständigkeitshalber an die Strafkammer des Bundesstraf-

gerichts überwiesen. 

 

3. Es werden keine Kosten erhoben.  

 

 

Bellinzona, 21. Februar 2024 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwältin Laura Jetzer  

- Eidgenössisches Finanzdepartement, Generalsekretariat EFD, 

- Bundesstrafgericht, Strafkammer (SK.2023.5; brevi manu; unter Beilage von 

act. 1) 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.