# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 000409fe-2d59-587b-ab35-d9f216d06ee8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-07-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.07.2019 D-3285/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3285-2019_2019-07-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3285/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m   1 8 .  J u l i  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), 

Richter Gérard Scherrer, 

Richter Simon Thurnheer, 

Gerichtsschreiber Fabian Füllemann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Katharina Bachmann, Rechtsschutz für 

Asylsuchende - Bundesasylzentrum Region Bern, 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug; verkürzte Beschwerdefrist); 

Verfügung des SEM vom 17. Juni 2019 / N (…). 

 

 

 

D-3285/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am 8. Mai 2019 gemeinsam mit ihren El-

tern in der Schweiz um Asyl nach.  

B.  

Am 10. Mai 2019 fand die Personalienaufnahme (PA) statt. Am 24. Mai 

2019 und am 5. Juni 2019 wurde die Beschwerdeführerin vom SEM zu ih-

ren Asylgründen angehört. 

Die Beschwerdeführerin brachte zur Begründung ihres Asylgesuches im 

Wesentlichen vor, sie gehöre der Ethnie der Hazara an und stamme aus 

Kabul, sei jedoch (…) geboren und habe dort etwa bis zu ihrem 13. Alters-

jahr gelebt. (…) sei sie in der Primarschule im Rahmen des Religionsun-

terrichts zum ersten Mal mit dem Christentum in Berührung gekommen, als 

sie den Film "[…]" der heiligen Maria gesehen habe. Seither habe sie eine 

innere Wandlung hin zum Christentum gemacht. Sie und ihre Familie seien 

im Jahr (…) oder (…) nach Afghanistan zurückgekehrt. Sie hätten nieman-

dem von ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben erzählt, um kein Ri-

siko einzugehen. Anfang des Jahres (…), etwa (…) nach der Ausreise ihrer 

Schwestern, sei sie mit ihren Eltern nach B._______ gereist. Sie seien dort 

zum christlichen Glauben konvertiert und hätten sich von einem Geistli-

chen, dessen Adresse ihr Vater von einem Bekannten erhalten habe, tau-

fen lassen. Der Geistliche habe ihrem Vater Schriften und Tonträger gege-

ben, mit der Anweisung, diese in Afghanistan zu verteilen. Nach etwa drei 

Monaten seien sie wieder nach Afghanistan zurückgekehrt und hätten da-

mit begonnen, das religiöse Material zu verteilen. Die (…) hätten von die-

sen Missionierungstätigkeiten erfahren; eines Tages habe ihr Vermieter sie 

informiert, dass ein (…) nach dem (…) über die Existenz einer christlichen 

Familie – womit sie gemeint gewesen seien – gesprochen und deren Fest-

nahme und Bestrafung gefordert habe. Noch in derselben Nacht hätten sie 

und ihre Eltern die Wohnung und kurze Zeit später – das sei gegen (…) 

gewesen – Afghanistan verlassen. Sie seien auch aufgrund ihrer Ethnie 

diskriminiert worden und gefährdet gewesen. Überdies habe ein (…) sie 

und ihre Familie mit dem Tod bedroht, da sich ihre jüngere Schwester 

(C._______) einer Heirat mit ihm widersetzt habe und aus Afghanistan ge-

flohen sei. 

Als Beweismittel reichte die Beschwerdeführerin unter anderem Kopien ih-

res Reisepasses sowie ihres Taufscheins zu den Akten.  

D-3285/2019 

Seite 3 

C.  

Am 12. Juni 2019 unterbreitete das SEM der Beschwerdeführerin einen 

Entscheidentwurf zur Stellungnahme.  

D.   

Die Beschwerdeführerin teilte dem SEM mit Stellungnahme vom 13. Juni 

2019 mit, dass sie mit dem Entscheidentwurf nicht einverstanden sei. 

E.  

Mit Verfügung vom 17. Juni 2019 – gleichentags eröffnet – stellte das SEM 

fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte 

ihr Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, schob 

den Vollzug jedoch wegen Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen 

Aufnahme auf. 

F.  

Die Beschwerdeführerin erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe vom 

26. Juni 2019 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie bean-

tragte, es seien die Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung 

aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr Asyl zu 

gewähren, eventuell sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihr 

die vorläufige Aufnahme zu gewähren, subeventuell sei die Sache zur Neu-

beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht er-

suchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung samt Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um koordinierte Be-

handlung mit dem Beschwerdeverfahren ihrer Eltern. 

G.  

Die vorinstanzlichen Akten trafen am 28. Juni 2019 (teilweise) beim Bun-

desverwaltungsgericht ein. 

H.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte der Beschwerdeführerin den 

Eingang der Beschwerde am 1. Juli 2019. 

I.  

Am 9. Juli 2019 gingen weitere vorinstanzliche Akten beim Bundesverwal-

tungsgericht ein (Art. 109 Abs. 1 AsylG). 

J.  

Die Asylgesuche der beiden Schwestern der Beschwerdeführerin, 

C._______ (N […]) und D._______ (mit Ehemann und Kindern; N […]), 

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Seite 4 

vom (…) waren vom SEM mit Entscheiden vom (…) beziehungsweise vom 

(…) abgewiesen worden. Sie erwuchsen unangefochten in Rechtskraft.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 

Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, so-

weit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde-

führung legitimiert. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde 

ist einzutreten (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie 

Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Vorliegend erweist es sich als sachlich angemessen, das Beschwerdever-

fahren der Beschwerdeführerin und dasjenige ihrer Eltern (D-3296/2019 

[N {…}]) bezüglich Spruchgremium und in zeitlicher Hinsicht koordiniert zu 

behandeln.  

5.  

Das SEM machte dem Bundesverwaltungsgericht gewisse vorinstanzliche 

Akten erst am 9. Juli 2019 auf entsprechende Nachfrage hin zugänglich 

(vgl. Sachverhalt Bst. G und J; so insbesondere das Protokoll der 2. Anhö-

rung vom 5. Juni 2019 (SEM act.[…]-22 [folgend: 2. Anhörung]). Das SEM 

ist in diesem Zusammenhang an seine Aktenführungs- und Paginierungs-

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Seite 5 

pflicht zu erinnern, welcher gerade mit der durch Inkrafttreten der Teilrevi-

sion des AsylG vom 1. März 2019 (AS 2016 3101) eingeführten elektroni-

schen Aktenführung eine zentrale Bedeutung zukommt. Eine Verletzung 

formellen Rechts liegt hier jedoch nicht vor, zumal aus der Rechtsmittel-

schrift hervorgeht, dass der Beschwerdeführerin die entsprechenden Akten 

offensichtlich ediert worden sind (vgl. Rechtsmittelschrift S. 6 [oben]). 

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

6.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise 

aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-

schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl. 

Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flücht-

lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 

AsylG zum Ausschluss des Asyls (Art. 2 AsylG), unabhängig davon, ob sie 

missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen 

werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder 

glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. 

BVGE 2009/29 E. 5.1 und E. 7.1; BVGE 2009/28 m.w.H.). 

6.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und 

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Seite 6 

folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen). 

7.  

7.1 Das SEM kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die 

vorgebrachte Gefährdung durch Weitergabe christlichen Gedankengutes 

halte den Anforderungen an die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG 

nicht stand. Ob der Glaubenswechsel glaubhaft gemacht worden sei, 

könne dagegen offengelassen werden, zumal er nicht asylrelevant sei. Das 

Bekenntnis zum Christentum alleine vermöge gemäss Rechtsprechung 

keine Verfolgungssituation im Sinne einer Kollektivverfolgung zu begrün-

den. Aufgrund des zuvor Gesagten sei nicht davon auszugehen, dass der 

neue Glaube auf die vorgebrachte Weise nach aussen hin exportiert und 

die Beschwerdeführerin einer Verfolgung ausgesetzt worden sei. Es wür-

den keine Anzeichen bestehen, dass die verborgene Ausübung der Reli-

gion zu einem inneren Zwiespalt oder gar zu einem unerträglichen psychi-

schen Druck geführt habe. Vielmehr sei es der Beschwerdeführerin bereits 

vor dem Glaubensübertritt möglich gewesen, auf Moscheebesuche zu ver-

zichten oder den Ramadan zu umgehen, ohne dass sie dadurch bei ihrer 

Umgebung Misstrauen oder Argwohn hervorgerufen habe. Weiter seien die 

Hazara in Afghanistan keiner Kollektivverfolgung ausgesetzt. Schlussend-

lich entbehre eine Reflexverfolgung einer glaubhaften Grundlage, zumal 

das Asylvorbringen der jüngeren Schwester – Flucht vor einer Zwangshei-

rat mit einem Kommandanten – in deren ordentlichen Asylverfahren als 

nicht glaubhaft beurteilt worden sei. 

In Bezug auf die Stellungnahme zum Entscheidentwurf sei anzumerken, 

dass es sich bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung um eine Gesamt-

beurteilung aller Elemente handle, welche für oder gegen den Gesuchstel-

ler sprächen. Eine Sachverhaltsdarstellung sei nur glaubhaft, wenn die po-

sitiven Elemente überwiegen würden. Dass die Beschwerdeführerin ent-

täuscht sei und ihre Aussagen Realkennzeichen enthalten würden, ver-

möge nicht zu überzeugen. 

7.2 Die Beschwerdeführerin entgegnet in der Rechtsmittelschrift, ihre Vor-

bringen seien glaubhaft und asylrelevant. Ihre Ausführungen seien frei von 

Widersprüchen, detailliert, lebensnah und ausführlich ausgefallen. Die 

Dichte der Realkennzeichen sei bemerkenswert. Ihre Abkehr vom Islam 

und die Konversion habe sie konstant, detailliert, widerspruchsfrei und ge-

spickt mit zahlreichen Realkennzeichen geschildert. Auch die Fragen zum 

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Christentum habe sie korrekt und mit Eigenbezug beantworten können so-

wie eindrücklich die langjährige Manifestierung der Abkehr vom Islam ge-

schildert. Auch wenn ihr Vater als Oberhaupt der Familie tatsächlich die 

endgültigen Entscheidungen getroffen habe, habe sie nicht einfach blind 

seine Befehle ausgeführt und kein inneres Motiv zur Missionierung gehabt. 

Dies sei durch ihre ausführlichen und Realkennzeichen enthaltenden Aus-

sagen belegt. Nicht nachvollziehbar sei, dass das SEM Art und Weise der 

Missionierung als widersprüchlich erachte. Bei der Missionierung müsse 

man vage und ausweichend sein, um keinen Verdacht auf sich zu lenken. 

Ein etwaiger Erfolg der Missionierungstätigkeiten sei nicht relevant. Ihr Ver-

mieter habe seine Zweifel am Islam nicht öffentlich geäussert, weshalb es 

nachvollziehbar sei, dass sie sich nicht um ihn gesorgt habe. Sie sei der 

Frage, wie ihre Schwestern auf die Konversion reagiert hätten, nicht aus-

gewichen. Für sie sei es nie eine Option gewesen, ihre neue Religion im 

Versteckten auszuleben. Konversion und Missionierung seien – spätes-

tens nach dem Aufruf des (…) – breitflächig öffentlich bekannt geworden, 

weshalb sie gefährdet sei. 

8.  

8.1 Die Beschwerdeführerin rügt in der Rechtsmitteleingabe, die Vorin- 

stanz habe sie zu Unrecht nicht als Flüchtling anerkannt. Aufgrund ihrer 

Konversion zum Christentum im Jahr (…), der Missionierungstätigkeit in 

Afghanistan und dem Aufruf des (…) zur Festnahme und Bestrafung einer 

christlichen Familie habe sie begründete Furcht vor einer Verfolgung. 

8.2 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt 

vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, letztere hätte sich – 

aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlich-

keit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger 

Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk-

lichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be-

drohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage 

Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen 

würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten 

Betrachtungsweise zu erfolgen, und sie ist andererseits durch das von der 

betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in 

vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungs-

massnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere 

(subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 m.w.H.). 

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Seite 8 

8.3 Der Islam ist die offizielle Staatsreligion Afghanistans. Gemäss der af-

ghanischen Verfassung können Gläubige anderer Religionen ihren Glau-

ben innerhalb der gesetzlichen Grenzen frei ausüben (vgl. Urteil des 

BVGer D-4952/2014 vom 23. August 2017 E. 7.5 ff. [als Referenzurteil pu-

bliziert]). Den Grundsätzen und Regeln des Islams darf keine andere Reli-

gion zuwiderlaufen. Apostasie gilt unter dem afghanischen Strafgesetz-

buch zwar nicht als eigener Straftatbestand, fällt aber nach afghanischer 

Rechtsauffassung unter die nicht weiter definierten ‚ungeheuerlichen Straf-

taten‘, welche nach der Hanafi-Rechtslehre bestraft werden. Gemäss die-

ser Rechtslehre werden Frauen lebenslang respektive bis zum Widerruf 

der Konversion in Haft genommen, während Männer enthauptet werden. 

Wird keine Todesstrafe verhängt, sind auch die daneben vorgesehenen 

strafrechtlichen sowie gesellschaftlichen Konsequenzen äusserst hart. Die 

Äusserung von nicht-religiösen Überzeugungen werden verfolgt oder 

schlicht durch soziale Zwänge verunmöglicht, wobei die soziale Kontrolle 

und der soziale Druck in Afghanistan gross sind. Personen deren Apostasie 

öffentlich bekannt wird, haben objektiv begründete Furcht vor Nachteilen 

im Sinne von Art. 3 AsylG. Es ist dabei zu prüfen, inwieweit von einer Per-

son vernünftigerweise erwartet werden kann, die drohende Verfolgung 

durch das eigene (diskrete) Verhalten abzuwenden oder ob solches für sie 

zu einem unerträglichen psychischen Druck führt (vgl. Urteil des BVGer 

D-4952/2014 vom 23. August 2017 [als Referenzurteil publiziert] 7.5.2 ff.). 

8.4 Das Gericht erachtet die dargelegte Missionierungstätigkeit – ungeach-

tet der Frage nach der Glaubhaftigkeit des dargelegten Glaubenswechsels 

(vgl. dazu E. 8.6) – in Übereinstimmung mit dem SEM als nicht glaubhaft. 

Zu ernsthaften Zweifeln Anlass gibt namentlich der Umstand, dass aus den 

Aussagen der Beschwerdeführerin kein persönlich gefärbtes, inneres Mo-

tiv für die angebliche Missionierung erkennbar ist. Diesbezüglich auffallend 

ist die in beiden Anhörungen mehrfach erwähnte – und in der Schweiz an-

haltende – grosse Furcht der Beschwerdeführerin wie auch ihrer Eltern vor 

einem Bekanntwerden des dargelegten Glaubenswechsels (vgl. SEM act. 

[…]-13 [folgend: 1. Anhörung]: F 60, F 74, F 77, F 83, F 100, F 101, F 106, 

F 109, F 110, F 111, F 132; 2. Anhörung: F 18, F 19, F 20). Vor diesem Hin-

tergrund wäre zu erwarten, dass der dennoch gefällte Entschluss zur Mis-

sionierung als zentraler Teil der Lebensgeschichte der Beschwerdeführerin 

einen bedeutend grösseren Raum in ihren Aussagen einnimmt. Nach wie 

vor ist jedoch unklar, weshalb die Beschwerdeführerin nach der christlichen 

Taufe plötzlich das Risiko der Missionierung auf sich genommen haben will, 

nachdem sie den eigenen Beteuerungen nach zuvor auf Verschwiegenheit 

und Geheimhaltung bedacht gewesen ist. Der Verweis auf die Rolle des 

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Vaters als Familienoberhaupt beziehungsweise dessen Entscheidungsbe-

fugnis vermag dem nichts entgegen zu setzen. So ist insbesondere nicht 

plausibel, dass der Vater ohne Miteinbezug der Beschwerdeführerin und 

über sie hinweg den Entscheid zur Missionierung getroffen haben soll. Ge-

rade nachdem angeblich die Beschwerdeführerin die Triebkraft innerhalb 

der Familie zur Erkundung des Christentums gewesen war und sie sich 

intensiv mit ihren Eltern darüber ausgetauscht hatte, wäre zumindest eine 

intensive Diskussion über die Frage des Missionierens innerhalb der Fami-

lie zu erwarten gewesen. 

Zwar ist der Beschwerdeführerin insofern zuzustimmen, als es für die 

Glaubhaftmachung der Missionierungstätigkeit nicht auf deren Ergebnisse 

ankommt. Dennoch vermag ihr Vorbringen, zum Selbstschutz müsse Mis-

sionierung naturgemäss vage und ausweichend erfolgen, nicht zu über-

zeugen. So ist insbesondere nicht plausibel, dass sie sich zunächst angeb-

lich von einem Mädchen versprechen liess, die Existenz des Buches unter 

allen Fällen geheim zu halten, um am nächsten Tag dann so zu tun, als sei 

ihr das Buch nicht wichtig (vgl: 1. Anhörung: F 132). 

Auch der Einwand der Beschwerdeführerin, es sei nachvollziehbar, dass 

sie sich nicht um den Vermieter gesorgt habe, weil dieser seine Unzufrie-

denheit mit dem Islam nicht öffentlich geäussert habe, vermag nicht zu 

überzeugen. So brachte sie nämlich vor, der Vermieter sei ein Freund ihres 

Vaters (vgl. 2. Anhörung: F 37). Dass sie angeblich Kenntnis von dessen 

kritischer Einstellung zum Islam hat, lässt ebenfalls auf eine engere Bezie-

hung der Familie zum Vermieter schliessen. Wie vom SEM zutreffend aus-

geführt, erscheint es deshalb überhaupt nicht plausibel, dass sie eine Ge-

fährdung des Vermieters auch nicht im Ansatz bedachte, zumal der Vermu-

tung Dritter, dass er die Familie der Beschwerdeführerin über den Aufruf 

des (…) informiert haben könnte, nach dem fluchtartigen Verschwinden der 

Beschwerdeführerin und ihrer Familie naheliegend erscheint. Dies umso 

mehr, als die Familie erst etwas mehr als ein Jahr in der Ortschaft wohnhaft 

war und sie dort offensichtlich keine anderweitigen tieferen Bekanntschaf-

ten pflegte. 

Sodann vermag die Beschwerdeführerin auch insofern nicht zu überzeu-

gen, als sie darlegt, aus ihren Aussagen gehe weder hervor, wann genau 

ihre Schwestern von der Konversion erfahren hätten, noch dass sie der 

Frage nach deren diesbezüglicher Meinung ausgewichen sei. Das SEM 

hat zu Recht festgestellt, dass ihr Aussageverhalten unstimmig erscheint. 

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Die Ursprünge der Abwendung vom Islam liegen ihren Angaben nach be-

reits in der Primarschulzeit und es ist daher bei Wahrunterstellung davon 

auszugehen, dass ihre Schwestern davon mitbekommen hätten, zumal re-

ligiöse Fragen innerhalb der Familie offensichtlich besprochen wurden (vgl. 

1. Anhörung: F 60, F 74). Vor diesem Hintergrund wäre zu erwarten gewe-

sen, dass die für die Beschwerdeführerin wichtige Konversion in den – 

wenn auch kurzen – Telefongesprächen Erwähnung gefunden hätte und 

sie über deren Reaktion hätte Auskunft geben können. 

Das Gericht erachtet die dargelegte Missionierungstätigkeit der Beschwer-

deführerin aufgrund des Gesagten als unglaubhaft. Es kam im zeitlich ko-

ordinierten Beschwerdeverfahren der Eltern der Beschwerdeführerin eben-

falls zum Schluss, deren Missionierungstätigkeit sei als unglaubhaft zu er-

achten (vgl. Urteil des BVGer D-3296/2019 vom 18. Juli 2019). 

8.5 Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, der (…) habe zur Festnahme 

und Bestrafung einer christlichen Familie aufgerufen, gelingt es ihr nicht, 

eine begründete Furcht vor Verfolgung darzutun. Mit Blick auf das zuvor 

Gesagte fehlt es – unbesehen der weitestgehend unsubstanziierten Aus-

sagen und grundsätzlicher Zweifel am Vorbringen überhaupt – an einem 

Zusammenhang zwischen dem Aufruf des (…) und der Beschwerdeführe-

rin und ihrer Familie. 

8.6 Es ist auch nicht davon auszugehen, dass der dargelegte Glaubens-

übertritt beziehungsweise die Apostasie eine asylrelevante Furcht vor Ver-

folgung im Sinne der Rechtsprechung zu begründen vermag. Weder ver-

mochte die Beschwerdeführerin ihre Missionierungstätigkeit glaubhaft dar-

zulegen, noch sind den Akten Hinweise auf ein anderweitiges Bekanntwer-

den des Glaubenswechsels zu entnehmen. Weiter liegen keine Anzeichen 

dafür vor, dass das Ausleben der neuen Religion im Verborgenen zu einem 

unerträglichen psychischen Druck geführt hat. So war es der Beschwerde-

führerin gemäss eigenen Angaben möglich, auf Moscheebesuche zu ver-

zichten oder teilweise den Ramadan zu umgehen, ohne dadurch bei ihrer 

Umgebung Misstrauen oder Argwohn hervorzurufen. Auch bereitete ihr das 

Tragen des Hijab den Angaben nach keine Probleme, und bezeichnender-

weise trug sie ein solches auch noch bei der Einreichung ihres Asylgesuchs 

(vgl. SEM act. […]-1; 1. Anhörung: F 110). 

Im Übrigen teilt das Gericht die Auffassung der Vorinstanz, dass zumindest 

stellenweise gewisse Zweifel am dargelegten Glaubenswechsel ange-

bracht sind. Zwar verfügt die Beschwerdeführerin zweifellos über gewisse 

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Kenntnisse des christlichen Glaubens und vermochte die Fragen zum 

Christentum korrekt zu beantworten (vgl. 1. Anhörung: F 105). Indessen ist 

festzustellen, dass die gezeigten Kenntnisse ohne Weiteres gezielt ange-

eignet worden sein können. Sie wirken denn – namentlich auch vor dem 

Hintergrund, dass die Beschwerdeführerin über eine (…)jährige Schulbil-

dung (…) verfügt – zu weiten Teilen stereotyp und unoriginell und deuten 

insgesamt nicht auf eine tiefere persönliche Beschäftigung mit dem christ-

lichen Glauben hin. So erstaunt es vor dem Hintergrund, dass die Be-

schwerdeführerin vorbrachte, Mitglied der protestantischen Kirche zu sein 

(vgl. 1. Anhörung: F 97), dass sie – angesprochen auf die verschiedenen 

Evangelien – die Anzahl der Teilbücher der Bibel nicht nur nach protestan-

tischer, sondern auch nach katholischer Sichtweise nannte (vgl. 2. Anhö-

rung: F. 60 f.). Viel eher als die Benennung von Unterschieden wäre eine 

inhaltliche Äusserung zur Bibel, wie beispielsweise persönliche Bezüge zu 

gewissen Textpassagen zu erwarten gewesen, zumal es ihr gemäss eige-

nen Angaben keine Rolle spielt, ob sie nun dem katholischen, protestanti-

schen oder orthodoxen Glauben angehört (vgl. 1. Anhörung: F 98). 

Schliesslich erstaunt bei der dargelegtermassen tiefen christlichen Grund-

haltung auch, dass die Beschwerdeführerin vorbringt, es sei für sie kein 

Problem gewesen, den Hijab zwecks Geheimhaltung ihres Glaubens auch 

nach der Taufe in B._______ zu tragen (vgl. 1. Anhörung: F 110). Schluss-

endlich kann jedoch die Frage nach der tatsächlichen inneren Überzeu-

gung der Beschwerdeführerin mit Blick auf das vorstehend Ausgeführte 

(vgl. E. 8.3 f.) offengelassen werden.  

8.7 Schliesslich vermögen auch allfällige nach der Ausreise aus Afghanis-

tan im Zusammenhang mit dem christlichen Glauben vorgenommene 

Handlungen keine asylrelevante Furcht vor einer Verfolgung zu begründen. 

Es ist nicht davon auszugehen, dass anderen afghanischen Staatsange-

hörigen die religiösen Handlungen, wie beispielsweise die Besichtigung ei-

ner Kirche, offensichtlich bekannt geworden sind. Es ist der Beschwerde-

führerin dementsprechend auch zumutbar, ihre Konversion auch in Zukunft 

geheim zu halten, ohne dass dies für sie einen unerträglichen psychischen 

Druck bedeuten würde. Etwas anderes vermag sie auch nicht aus ihren 

Rechtsmittelvorbringen abzuleiten.  

8.8 Zusammenfassend konnte die Beschwerdeführerin weder das Vorlie-

gen von Vorfluchtgründen noch von subjektiven Nachfluchtgründen nach-

weisen oder zumindest glaubhaft machen. Die Vorinstanz hat deshalb die 

Flüchtlingseigenschaft zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 

Das Eventualbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und 

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Seite 12 

die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, ist abzu-

weisen. 

9.  

9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 

(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.2 Präzisierend ist festzuhalten, dass sich aus den vorstehenden Erwä-

gungen nicht der Schluss ergibt, die Beschwerdeführerin sei angesichts 

der heutigen Lage in Afghanistan dort nicht gefährdet. Das SEM hat dieser 

generellen Gefährdung Rechnung getragen und die Beschwerdeführerin 

gestützt auf Art. 83 Abs. 1 und 4 AIG (SR 142.20) wegen Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen. 

10.  

10.1 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfü-

gung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüg-

lich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.2 Das mit der Beschwerde gestellten Begehren um Verzicht auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses ist mit dem vorliegenden Direktent-

scheid gegenstandslos geworden. 

11.  

Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf Antrag 

hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren 

nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Dabei verfügt eine Per-

son dann nicht über die erforderlichen Mittel, wenn sie ohne Beeinträchti-

gung des notwendigen Lebensunterhaltes die Prozesskosten nicht zu be-

streiten vermag. Eine Beschwerde gilt ferner dann als aussichtslos, wenn 

die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren 

und deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. BGE 125 

II 265 E. 4b S. 275). 

D-3285/2019 

Seite 13 

Aufgrund der bis Anfang (…) andauernden Unterbringung der Beschwer-

deführerin in einem Bundesasylzentrum und dem damit verbundenen Ar-

beitsverbot (Art. 43 AsylG) ist von ihrer Bedürftigkeit auszugehen. Nach-

dem überdies die Rechtsbegehren im Rahmen einer summarischen Akten-

prüfung nicht als aussichtslos zu beurteilen waren, ist das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung gutzuheissen. Demnach sind 

ihr keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

(Dispositiv nächste Seite)   

D-3285/2019 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Fabian Füllemann 

 

 

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