# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 807418a7-7dc1-5fe5-8c6e-8a6a832dcbf1
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-12-07
**Language:** de
**Title:** Kantonaler Gestaltungsplan Kiesabbaugebiet Täschen/Schalchen in Wildberg. Aufhebung des Gestaltungsplans.
**Docket/Reference:** BRGE III Nr. 0168/2017
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_iii_nr._0168-2017_vom_7._dezember_2017.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 

3. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE III Nr. 

R3.2017.00028 
0168/2017 

Entscheid vom 7. Dezember 2017 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Felix Müller, Ersatzrichterin Gabriele Kisker, Baurichter 
Martin Farner, Gerichtsschreiber Roland Blaser     

in Sachen 

Rekurrentinnen 

1.  Pro Natura - Schweizerischer Bund für Naturschutz,  

Dornacherstrasse 192, Postfach, 4018 Basel  
vertreten durch Pro Natura Zürich, Wiedingstrasse 78, 8045 Zürich  

2.  Pro Natura Zürich, Wiedingstrasse 78, 8045 Zürich  

gegen 

Rekursgegnerin 

1.  Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 

8090 Zürich  

Mitbeteiligter 

2.  Gemeinderat Wildberg, Luegetenstrasse 3, 8489 Wildberg  

betreffend 

Verfügung  der  Baudirektion  Kanton  Zürich  vom  27. Januar 2017;  Festset-
zung  Kantonaler  Gestaltungsplan  Kiesabbaugebiet  Täschen  (Schalchen) 
mit Umweltverträglichkeitsprüfung, Wildberg 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A.  

Mit  Verfügung  Nr. 0095/17  vom  27. Januar 2017  setzte  die  Baudirektion 

Kanton Zürich den kantonalen Gestaltungsplan "Kiesabbaugebiet Täschen 

(Schalchen)",  Gemeinde  Wildberg,  fest.  Die  Publikation  im  Amtsblatt  des 

Kantons Zürich erfolgte am 3. Februar 2017. 

B. 

Dagegen  rekurrierten  Pro  Natura  –  Schweizerischer  Bund  für  Naturschutz 

sowie Pro Natura Zürich mit gemeinsamer Eingabe vom 6. März 2017 bin-

nen gesetzlicher Frist beim Baurekursgericht des Kantons Zürich und bean-

tragten  die  Aufhebung  der  Festsetzungsverfügung  bzw.  des  Gestaltungs-

plans unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Baudirektion. 

C.  

Mit Verfügung vom  8. März 2017 wurde der Eingang des Rekurses vorge-

merkt,  diesem  die  aufschiebende Wirkung  zuerkannt  sowie  das  Vernehm-

lassungsverfahren eröffnet. 

D.  

In  ihrer  Rekursantwort  vom  6. April  2017  beantragte  die  Baudirektion  die 

Abweisung  des  Rekurses.  Der  als  Mitbeteiligter  in  das  Verfahren  aufge-

nommene Gemeinderat Wildberg liess sich nicht vernehmen. 

E.  

Die  Replik  der Rekurrentinnen datiert vom 10. Mai 2017. Von der Rekurs-

gegnerschaft gingen keine Dupliken ein.  

R3.2017.00028 

Seite 2 

 
 
 
 
F. 

Auf  die  Ausführungen  der  Parteien  wird,  soweit  entscheidrelevant,  in  den 

nachstehenden Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1.  

Pro Natura ‒ Schweizerischer Bund für Naturschutz sowie Pro Natura Zü-

rich  sind  aufgrund  des  Verbandsbeschwerderechts  ohne  weiteres  rechts-

mittellegitimiert  (u.a.  BRGE III  Nr. 0033/2015  vom  11. März 2015,  E. 1.1.; 

www.baurekursgericht-zh.ch).  Da  auch  die  übrigen  Prozessvoraussetzun-

gen erfüllt sind, ist auf ihren Rekurs einzutreten.  

2.  

Die Baudirektion Kanton Zürich will mit dem strittigen Gestaltungsplan den 

Kiesabbau  im  Gebiet  Täschen  im  Ortsteil  Schalchen  der  Gemeinde  Wild-

berg  regeln,  weil  das  benachbarte  Abbaugebiet  Looren  weitgehend  er-

schöpft  ist.  Dafür  ist  einerseits  ein  entsprechender  Richtplaneintrag  sowie 

andererseits  ein  kantonaler  Gestaltungsplan  notwendig  (§ 44a  des  Pla-

nungs-  und  Baugesetzes  [PBG];  Christoph  Fritzsche/Peter  Bösch/Thomas 

Wipf,  Zürcher  Planungs-  und  Baurecht,  5. Auflage,  Zürich 2011,  Bd. 1, 

S. 147).  

Der  kantonale  Richtplan  bezeichnet  das  Gebiet  Nr. 18  Schoren/Looren, 

wozu auch die streitbetroffene Abbauperimeterfläche in Täschen/Schalchen 

gehört,  als  Materialgewinnungsgebiet  (act. 10.3.1  und  10.3.2).  Die  vorge-
sehene Kiesgewinnung im Umfang von rund 0,65 Mio. m3 erfordert zudem 
eine  Umweltverträglichkeitsprüfung  (UVP;  Ziffer 80.3  Anhang  Einführungs-

verordnung  über  die  Umweltverträglichkeitsprüfung  [EV  UVP]).  Diese  wur-

de  vor  der  Festsetzung  des  Gestaltungsplans  durchgeführt  und  ist  Inhalt 

des Umweltverträglichkeitsberichts (UVB) vom 31. März 2016 (act. 10.2.6). 

R3.2017.00028 

Seite 3 

 
 
Die Kiesgewinnung soll durch die Kies AG Bauma erfolgen (in den Gestal-

tungsplanvorschriften als Betreiberin bezeichnet).  

3.  

Die Rekurrentinnen rügen, durch den vorgesehenen Kiesabbau werde das 

überkommunal 

inventarisierte  Landschaftsschutzobjekt  Nr. 103  "Rund-

höcker Schöntal" erheblich beeinträchtigt bzw. teilweise für immer zerstört. 

In diesem Zusammenhang monieren sie vorab eine mangelhafte Schutzab-

klärung.  Aus  der  Tatsache,  dass  die  Baudirektion  in  der  angefochtenen 

Verfügung  eine  kurze  Interessenabwägung  vorgenommen  habe,  sei  im-

merhin  zu  schliessen,  dass  jenes  grundsätzlich  als  schutzwürdig  erachtet 

werde.  Aufgrund  der  Aktenlage  sei  anzunehmen,  dass  bei  der  Ausarbei-

tung des Gestaltungsplans das Vorhandensein eines Landschaftsschutzob-

jekts schlicht übersehen worden sei. So fehle beispielsweise eine entspre-

chende Erwähnung in der UVP.  

Die Baudirektion hat zu letzterem in ihrer Replik vom 3. April 2017 nicht ex-

plizit  Stellung  genommen.  Hingegen  hat  sie  festgehalten,  die  mit  dem  In-

ventar  definierten  spezifischen  Schutzziele  würden  durch  den  geplanten 

Kiesabbau  nicht  geschmälert,  da  es  sich  bei  diesem  nicht  um  einen  das 

Objekt in schwerwiegender Art beeinträchtigenden Eingriff handle. Auch die 

mit der Rekultivierung vorgesehenen Terrainveränderungen seien nicht all-

zu gravierend. Die Kuppen des Rundhöckers Schöntal liessen sich nachher 

noch ohne weiteres erkennen. Es gehe hier allenfalls um eine geringfügige 

Verletzung der Schutzziele. Die für diesen Fall nötige Interessenabwägung 

zwischen  Eingriffs-  und  Schutzinteressen  spreche  für  den  im  öffentlichen 

Interesse liegenden Kiesabbau. 

4.1. 

Das mit dem Gestaltungsplan festgesetzte Kiesabbaugebiet  liegt unbestrit-

tenermassen teilweise  innerhalb  des  überkommunal inventarisierten  Land-

schaftsschutzobjekts Nr. 103 "Rundhöcker Schöntal" und ist Bestandteil ei-

nes  vom  Regierungsrat  des  Kantons  Zürich  mit  RRB  Nr. 126  vom  20. Ja-

nuar 1980 festgesetzten Inventars mit zahlreichen Objekten verschiedener 
Kategorien.  

R3.2017.00028 

Seite 4 

 
 
 
 
Der Inventareintrag Nr. 103 lautet wie folgt (act. 4.2 und 10.6.2): 

Rundhöcker-Schöntal 
An  der  Strasse  Schalchen-Wila  erhebt  sich  ein  typisch  ausgeformter 
Rundhöcker. 

Ziel: Erhaltung des geologisch bedeutsamen Rundhöckers. 

Massnahmen: Keine beeinträchtigenden Geländeveränderungen 

Der teilweise bewaldete Rundhöcker (729 m.ü.M.) liegt unmittelbar nördlich 

des Weilers Schöntal (Inventarfläche mit grüner Farbgebung auf dem nach-

folgenden Plan).  Die blau markierte  Fläche betrifft das  ebenfalls  überkom-

munal inventarisierte Feuchtbiotop Schnäggenwald. Die kleinere grüne Flä-

che  links  oben  auf  dem  Plan  gehört  zum  überkommunalen  Inventarobjekt 

Rissmoräne  Luegeten-Tössegg  und  ist  hier  ebenfalls  nicht  Streitgegen-

stand.  

Der östliche Teil des Inventarobjekts entlang der Hinderitzbergstrasse liegt 

unbestrittenermassen  deutlich  im  Kiesabbaubereich,  was  die  nachfolgend 

abgebildeten  Phasenpläne  1  und  3  des  Gestaltungsplans  ohne  weiteres 

zeigen. 

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Seite 5 

 
 
 
Abbau: Phasenplan 1 

Abbau: Phasenplan 3 

Unter der Bezeichnung Wild5 ist das streitbetroffene Gebiet zudem im kan-

tonalen geologisch-geomorphologischen Inventar verzeichnet (vgl. die ent-

sprechende Karte im GIS-Browser des Kantons Zürich). 

4.2. 

Gemäss  § 203  Abs. 2  PBG  erstellen  die  zuständigen  Behörden  Inventare 

potentieller  Natur-  und  Heimatschutzobjekte.  Diese  sind  ausschliesslich 

behördenverbindlich  und  verpflichten  die  betroffenen  Grundeigentümer 

nicht direkt. Die Aufnahme von Objekten in kommunale und überkommuna-
le Inventare ist folglich keine Schutzmassnahme im Sinne von § 205 PBG, 

sondern lediglich eine Zusammenstellung von an sich schutzfähigen Objek-

ten  (Fritzsche/Bösch/Wipf,  S. 211).  Die  überkommunalen  Inventare  der 

Landschaftsschutzobjekte  werden  von  der  Baudirektion  festgesetzt  (§ 4 

Abs. 1 der Natur- und Heimatschutzverordnung; NHV). 

Gefährdet ein Bauvorhaben ein inventarisiertes Objekt, so hat die zuständi-

ge  Behörde  (hier also  die  Baudirektion) vorab  einen  förmlichen  und  daher 

auch anfechtbaren Schutzentscheid zu treffen, d.h. entweder im Sinne von 
§ 205  PBG  Schutzmassnahmen  anzuordnen  oder  ganz  oder  teilweise  da-

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rauf  zu  verzichten.  Nur  wenn  eine  Gefährdung  eines  inventarisierten  Ob-

jekts durch ein Bauvorhaben von vornherein ausgeschlossen werden kann, 

besteht für die Behörde keine Veranlassung, über die Schutzwürdigkeit und 

den Schutzumfang des Inventarobjekts zu befinden.  

Die Gefährdung eines Objektes ist dann anzunehmen, wenn die geplanten 

baulichen  Massnahmen  Teile  des  Objektes  betreffen,  die  erhaltenswert 

sein  könnten  und/oder  Gegenstand  von  Regelungen  in  einer  Verordnung 

oder Schutzverfügung oder einem Schutzvertrag sein könnten. Im Zweifels-

fall ist stets ein förmlicher Schutzentscheid zu fällen. Nur klare Fälle recht-

fertigen  einen Verzicht  darauf. Entscheide, mit  denen  Schutzmassnahmen 

angeordnet  werden  oder  aber  auf  solche  verzichtet  wird,  sind  nach  den 

Regeln  von  § 6  Abs. 1  lit. a  PBG  zu  publizieren  (BRKE I  Nrn. 0270  und 

0271/2010 in BEZ 2011 Nr. 28, E. 7.2.1).  

4.3. 

Der  Inventareintrag  Nr. 103  verbietet  beeinträchtigende  Geländeverände-

rungen im Bereich des geologisch bedeutsamen und glazial entstandenen 

Rundhöckers  Schöntal.  Damit  geht  es  hier  nicht  nur  um  das  äussere  Er-

scheinungsbild  (Geomorphologie)  dieser  Landschaftsstruktur,  sondern  ge-

wissermassen auch um ihr Innenleben, also um ihren geologischen Aufbau. 

Dieser besteht im Bereich des Inventarobjekts im Wesentlichen aus Molas-

sefels  sowie  darüber gelagerten  Kies-  und  Sedimentschichten,  welche  als 

randglaziale  Ablagerungen  teilweise  Moränen  geschaffen  haben  (u.a. 

act. 10.2.9,  S. 2).  Durch  den  Abbau  würde  dieser  geologische  Aufbau  im 

östlichen  Teil  des  Inventargebiets  unwiederbringlich  zerstört  und  könnte 

auch bei der geplanten Rekultivierung des betroffenen Areals nicht wieder-

hergestellt werden.  

Zudem  sieht  der  Gestaltungsplan  beim  Geländeaufbau  nach  Ende  des  

Kiesabbaus Aufschüttungen über das bestehende Terrain und daher visuell 

in Erscheinung tretende Geländeveränderungen vor, massgeblich auch im 

Bereich des Inventarobjekts. Mit diesen Mehrauffüllungen sollen Reserven 

für die Deponie von Aushubmaterial geschaffen werden (act. 9, S. 3).  

Eine  Gefährdung  des  Rundhöckers  Schöntal  im  dargelegten  Sinne  durch 

den strittigen Gestaltungsplan ist somit evident. 

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4.4. 

Somit  hätte  vor  der  Festsetzung  des  Gestaltungsplans,  da  hier  erwiese-

nermassen  die  Zielsetzungen  des  Inventars  auch  keinen  Niederschlag  in 

einer Massnahme des Planungsrechts gefunden haben (§ 205 Abs. 1 lit. a 

PBG),  ein  Schutzentscheid  der  Baudirektion  ergehen  sollen.  Ein  solcher 

hätte sich mit der Schutzwürdigkeit des Rundhöckers und  – falls diese be-

jaht  worden  wäre –  mit  dem  Schutzumfang  sowie  der Form  der Massnah-

men (§ 205 Abs. 1 lit. b bis d PBG) befassen müssen. Nur damit könnte im 

Übrigen  eine  seriöse  und  rechtsgenügende  Interessenabwägung  vorge-

nommen  werden.  Bei  einer  Nichtunterschutzstellung  würde  diese  ohnehin 

entfallen. 

5.  

Zusammenfassend ist die angefochtene Verfügung betreffend die Festset-

zung  des  Gestaltungsplans  "Kiesabbaugebiet  Täschen  (Schalchen)"  in 

Gutheissung des Rekurses aufzuheben und die Streitsache ist zur Schutz-

abklärung im Sinne der Erwägungen an die Baudirektion Kanton Zürich zu-

rückzuweisen. 

[….] 

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