# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** faeda60a-0bde-53f8-8f9c-1dc0e54b45ad
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.09.2011 D-5996/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5996-2010_2011-09-29.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­5996/2010/wif

U r t e i l   v om   2 9 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Hans Schürch (Vorsitz),
Richter Robert Galliker, Richterin Nina Spälti Giannakitsas;
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

Parteien A._______, geboren am (…),
Angola,  
B._______, geboren am (…),
Italien,  
beide vertreten durch lic. iur. Ruth Dönni, Rechtsanwältin, 
(…), 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Vollzug der Wegweisung 
(Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); 
Verfügung des BFM vom 29. Juli 2010 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Die  Beschwerdeführerin  verliess  Angola  eigenen  Angaben  gemäss  am 
5. November 2000 und gelangte am 8. November 2000  in die Schweiz, 
wo  sie  gleichentags  um  Asyl  nachsuchte.  Mit  Verfügung  vom 
5. November 2002  lehnte das BFM  ihr Asylgesuch ab, und verfügte die 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug.  Eine  gegen  diese 
Verfügung gerichtete Beschwerde vom 3. Dezember 2002 wurde von der 
damaligen Schweizerischen Asylrekurskommission  (ARK) mit Urteil  vom 
6.  Januar  2004  abgewiesen.  Ein  gegen  dieses Urteil  am  5. März  2004 
gestelltes Revisionsgesuch wurde von der ARK mit Urteil  vom 29. März 
2004 abgewiesen.

B. 
B.a.  Mit  Eingabe  an  das  BFM  vom  8.  August  2008  liess  die 
Beschwerdeführerin durch ihre Rechtsvertreterin ein Gesuch um teilweise 
Wiedererwägung  der  Verfügung  vom  5.  November  2002  stellen.  Die 
Ziffern 3 bis 5 dieser Verfügung seien aufzuheben, da die Unzulässigkeit 
und  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  seien. 
Begründet  wurde  das  Gesuch  damit,  dass  die  Beschwerdeführerin  von 
einem italienischen Staatsangehörigen geschwängert worden sei. Es sei 
ihr  nicht  zumutbar,  als  alleinstehende  Mutter  mit  einem  Neugeborenen 
nach  Angola  zurückzukehren,  da  sie  damit  zu  einer  Risikogruppe 
gehören werde. Sie habe in Angola kein Beziehungsnetz mehr. 

B.b.  Die  Beschwerdeführerin  brachte  am  8.  Februar  2009  ihren  Sohn 
B._______ zur Welt.

B.c. Die Gesuchstellerin liess dem BFM am 26. Mai 2010 mitteilen, dass 
ihr  Sohn  am  7.  April  2009  von  einem  italienischen  Staatsangehörigen 
anerkannt  worden  sei.  Dem  Sohn  sei  ein  italienischer  Pass  ausgestellt 
worden. Die Beschwerdeführerin und der Vater ihres Sohnes hätten sich 
getrennt  und  der  Vater  besuche  seinen  Sohn  etwa  einmal  monatlich, 
wenn er  in der Schweiz weile. Da er  kein Einkommen erziele, habe die 
Vormundschaftsbehörde  C._______  davon  abgesehen,  einen 
Unterhaltsvertrag abzuschliessen.

B.d. Das  BFM  forderte  die  Beschwerdeführerin  mit  Zwischenverfügung 
vom  14.  Juni  2010  auf,  Angaben  zum  Kindsvater  zu  machen.  Zudem 
seien  allfällige  Gründe  dafür  mitzuteilen,  weshalb  sie  sich  nicht  nach 
Italien  begeben  könne. Da  ihr  Sohn  italienischer Staatsangehöriger  sei, 

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verfüge  sie  gestützt  auf  Art.  8  der  Konvention  vom  4. November  1950 
zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK, 
SR 0.101) in Italien ebenfalls über ein Aufenthaltsrecht.

B.e. Am 18.  Juni  2010  liess  die  Beschwerdeführerin mitteilen,  dass  sie 
seit einem Monat nichts mehr vom Kindsvater gehört habe. Dieser habe 
Italien möglicherweise verlassen. Es sei höchst  fraglich, ob  ihr  in  Italien 
eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  würde.  Der  Vater  sei  nicht  daran 
interessiert, seinen Sohn mehr als einmal  im Monat zu sehen. Sie habe 
keinerlei Beziehungen  zu  Italien,  spreche  kein  Italienisch  und wäre dort 
auf  sich  allein  gestellt.  Als  alleinerziehende  Mutter  sei  sie  auf  ein  gut 
funktionierendes soziales Netz angewiesen, über das sie in der Schweiz 
verfüge. 

B.f. Das  BFM  teilte  der  Beschwerdeführerin  am  30.  Juni  2010 mit,  der 
Kindsvater  verfüge  in  der  Schweiz  seit  April  2010  über  eine 
Kurzaufenthaltsbewilligung.  Er  sei  hier  wohnhaft  und  gehe  einer 
Arbeitstätigkeit nach. Es sei davon auszugehen, dass sie Kontakt zu ihm 
habe.  Die  Beschwerdeführerin  wurde  aufgefordert,  Unterlagen  über  die 
Kindsanerkennung einzureichen.

B.g. Mit Eingabe vom 8. Juli 2010 liess die Beschwerdeführerin mitteilen, 
sie habe nicht gewusst, dass sich der Kindsvater wieder  in der Schweiz 
aufhalte.  Sie  hätten  seit  gut  zwei  Monaten  nichts  von  ihm  gehört.  Der 
Eingabe  lag  ein  Schreiben  der  Jugend­  und  Familienberatung  Kanton 
D._______  vom  18.  September  2009  bei.  Am  15.  Juli  2010  liess  die 
Beschwerdeführerin  dem  BFM  eine  Kopie  einer  "Mitteilung  einer 
Kindesanerkennung nach der Geburt" vom 7. April 2009 zukommen.

C. 
Mit  Verfügung  vom  29.  Juli  2010  wies  das  BFM  das  von  der 
Beschwerdeführerin  gestellte  Wiedererwägungsgesuch  vom  8.  August 
2008  ab.  Es  stellte  fest,  dass  die  Verfügung  vom  5.  November  2002 
rechtskräftig und vollstreckbar  sei. Die Beschwerdeführerin und  ihr Kind 
wurden nach  Italien weggewiesen. Es wurde eine Gebühr von Fr. 600.– 
erhoben  und  festgestellt,  dass  einer  allfälligen  Beschwerde  keine 
aufschiebende Wirkung zukomme. 

D. 
Die Beschwerdeführerin liess durch ihre Rechtsvertreterin mit Eingabe an 
das Bundesverwaltungsgericht vom 24. August 2010 die Aufhebung der 

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angefochtenen  Verfügung  beantragen.  Es  sei  festzustellen,  dass  der 
Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  und  ihres  Sohnes 
unzumutbar  sei  und  sie  seien  vorläufig  aufzunehmen.  Der  Beschwerde 
sei aufschiebende Wirkung zu gewähren, indem die zuständige Behörde 
anzuweisen  sei,  den  Vollzug  bis  zum  rechtskräftigen  Abschluss  des 
Wiedererwägungsverfahrens auszusetzen. Es sei  ihr die vollumfängliche 
unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren  und  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses zu verzichten.

E. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  27.  August  2010  setzte  der 
Instruktionsrichter den Wegweisungsvollzug aus. Er hielt  fest, dass über 
das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss 
Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu einem späteren Zeitpunkt 
befunden  werde.  Auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  wurde 
verzichtet  und  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wurde abgewiesen. Die Akten 
wurden zur Vernehmlassung an das BFM übermittelt. 

F. 
Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 10. September 2010 
die Abweisung der Beschwerde.

G. 
Die Beschwerdeführerin  liess am 15. September 2010 eine Bestätigung 
ihrer Fürsorgeabhängigkeit vom 13. September 2010 einreichen.

H. 
Mit  Schreiben  vom  23.  September  2010  liess  die  Beschwerdeführerin 
mitteilen,  sie  verzichte  auf  eine  weitergehende  Stellungnahme  zur 
Vernehmlassung der Vorinstanz und  verweise auf  die Beschwerde  vom 
24. August 2010.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 

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Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 37 VGG 
i.V.m.  Art. 48  Abs. 1  sowie  Art. 52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist 
einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Die  Wiedererwägung  im  Verwaltungsverfahren  ist  ein  gesetzlich  nicht 
geregelter  Rechtsbehelf,  auf  dessen  Behandlung  durch  die  verfügende 
Behörde  grundsätzlich  kein  Anspruch  besteht.  Gemäss  herrschender 
Lehre  und  ständiger Praxis  des Bundesgerichts wird  jedoch aus Art. 29 
der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April  1999  (BV,  SR  101)  unter  bestimmten  Voraussetzungen  ein 
verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung abgeleitet (vgl. BGE 
127  I  133  E.  6  mit  weiteren  Hinweisen).  Danach  hat  die  zuständige 
Behörde eine selbst getroffene Verfügung in Wiedererwägung zu ziehen, 
wenn sich der rechtserhebliche Sachverhalt seit Eintritt der Rechtskraft – 
am  Tag  nach  Ablauf  der  nicht  genutzten  Rechtsmittelfrist  oder  durch 
bestätigendes  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen 
Rechtsmittelinstanz – in wesentlicher Weise verändert hat und mithin eine 
Anpassung der (fehlerfreien) Verfügung erforderlich ist, ohne dass deren 
Gegenstand  neu  beurteilt  wird.  Sodann  können  auch  Revisionsgründe 
einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen, sofern sie sich auf eine 

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rechtskräftige  Verfügung  beziehen,  die  entweder  unangefochten  blieb 
oder deswegen niemals einer materiellen Prüfung unterzogen wurde, weil 
das angehobene Beschwerdeverfahren mit einem formellen Prozessurteil 
endete.  Ein  derartiges,  auch  als  qualifiziertes  Wiedererwägungsgesuch 
bezeichnetes  Rechtsmittel  ist  grundsätzlich  nach  den  Regeln  des 
Revisionsverfahrens zu behandeln. Gar nicht erst einzutreten  ist auf ein 
Wiedererwägungsgesuch  dann,  wenn  zu  dessen  Begründung  lediglich 
unsubstanziierte  Behauptungen  aufgestellt  werden  und  aus  der 
Rechtsschrift  die  tatsächlichen  Anhaltspunkte,  die  auf  das  Vorliegen 
eines  Wiedererwägungsgrundes  hindeuten  sollen,  nicht  ersichtlich  sind 
(zum Ganzen vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 25  E.  4.2.  S.  227  f.,  EMARK 
2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f. mit weiteren Hinweisen, EMARK 2001 Nr. 20 
E. 3c.dd S. 156).

4. 
4.1. Nachdem  die  Vorinstanz  den  Anspruch  der  Beschwerdeführenden 
auf  Behandlung  des Wiedererwägungsgesuchs  nicht  in  Abrede  gestellt 
hat  und  auf  das  Wiedererwägungsgesuch  eingetreten  ist,  hat  das 
Bundesverwaltungsgericht  zu  prüfen,  ob  die  Vorinstanz  das Gesuch  zu 
Recht abgewiesen hat.

4.2.  Im  Folgenden  ist  somit  zu  prüfen,  ob  die  seit  dem  Abschluss  des 
ordentlichen  Verfahrens  mit  dem  Urteil  der  ARK  vom  6. Januar  2004 
geltend gemachte nachträglich veränderte Sachlage eine Anpassung der 
ursprünglichen Verfügung vom 5. November 2002 erfordert.

5. 
5.1. Das BFM begründete seinen Entscheid damit, dass die Einwände im 
Schreiben vom 8. Juli 2010, wonach kein Kontakt mehr zum Kindsvater 
bestehe, zu bezweifeln seien. Noch im Schreiben vom 26. Mai 2010 habe 
sie  festgehalten, dieser sehe seinen Sohn einmal monatlich, wenn er  in 
der  Schweiz  weile.  Aufgrund  der  Tatsache,  dass  der  Kindsvater  einer 
Arbeitstätigkeit nachgehe, sei er in der Lage, die Beschwerdeführerin und 
das Kind finanziell zu unterstützen. Im Weiteren könne es auch den in der 
Schweiz  weilenden  Familienangehörigen  der  Beschwerdeführerin 
zugemutet werden, diese zu unterstützen.

5.2.  In  der Beschwerde wird  vorab  auf  die Stellungnahme  an  das BFM 
vom  18.  Juni  2010  verwiesen  und  geltend  gemacht,  der  Umstand, 
wonach  der  Kindsvater  wieder  in  der  Schweiz  lebe  und  einer 

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Erwerbstätigkeit  nachgehe,  bedeute  nicht,  dass  er  dies  der 
Beschwerdeführerin mitteilen müsse. Er habe sogar ein Interesse, dies zu 
verschweigen,  da  er  seinem  Sohn  gegenüber  grundsätzlich 
unterhaltspflichtig  wäre.  Sie  habe  der  Vorinstanz  zu  keinem  Zeitpunkt 
Informationen vorenthalten. In der Zwischenzeit habe sich der Kindsvater 
bei  ihr gemeldet. Er arbeite zu 50 %, sodass nicht klar sei, ob er  in der 
Lage  sei,  Unterhaltsbeiträge  zu  bezahlen.  Er  habe  noch  drei  weitere 
Kinder,  womit  auch  vor  diesem Hintergrund  keine  hohen  Zahlungen  zu 
erwarten  seien.  Man  wisse  auch  nicht,  wie  lange  er  in  der  Schweiz 
bleiben  werde.  Der  Kindsvater  habe  ihr  gegenüber  keine  finanziellen 
Verpflichtungen, zumal sie nie verheiratet gewesen seien und das Gesetz 
keinerlei Unterstützung  für  sie  vorsehe. Vater  und Sohn  sähen  sich nur 
unregelmässig und Ersterer habe bis anhin kein grosses Interesse an ihm 
gezeigt. Unabhängig davon könne es  ihr  nicht  zugemutet werden,  nach 
Italien  zu gehen,  sofern  ihr überhaupt eine Aufenthaltsbewilligung erteilt 
würde. Bezüglich der Aufenthaltsberechtigung dürften sich auch dadurch 
Probleme  ergeben,  dass  der  Kindsvater  sich  derzeit  nicht  in  Italien 
aufhalte. 

6. 
6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

6.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

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7. 
7.1. Die rechtswesentliche Sachlage hat sich vorliegend nach Abschluss 
des ordentlichen Asylverfahrens  in verschiedener Hinsicht geändert. Die 
ARK  erachtete  den  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin 
nach  Angola  im  Urteil  vom  6.  Januar  2004  insbesondere  deshalb  als 
zumutbar,  weil  ihr  nicht  geglaubt  wurde,  dass  sie  dort  auf  sich  allein 
gestellt wäre. Eigenen Angaben gemäss habe sie vom 27. Juni 2000 bis 
zu ihrer Ausreise bei einem Herrn E._______ gewohnt. Ausserdem werde 
die Beschwerde  ihrer Cousine, F._______, mit der sie zusammen  in die 
Schweiz  gereist  sei,  ebenso  abgewiesen. Es  sei  ihr  zuzumuten,  sich  in 
ihrer  Heimat  eine  neue  Existenzgrundlage  aufzubauen.  Bei  der 
Beschwerdeführerin  handelt  es  sich  seit  der  Geburt  ihres  Sohnes 
B._______ nicht mehr um eine alleinstehende Person, sondern um eine 
alleinerziehende Mutter. Die  im Urteil der ARK erwähnte, alleinstehende 
Cousine wurde vom BFM mit Verfügung vom 29. Juli 2010 in der Schweiz 
vorläufig aufgenommen, weil eine Rückkehr nach Angola nicht mehr als 
zumutbar erachtet wurde. Die Beschwerdeführerin und  ihr Sohn wurden 
vom BFM allein deshalb nicht vorläufig aufgenommen, weil  ihr Sohn die 
italienische  Staatsangehörigkeit  besitzt.  Das  BFM  vertrat  in  der 
angefochtenen  Verfügung  somit  zu  Recht  nicht  die  Ansicht,  den 
Beschwerdeführenden sei es zumutbar, nach Angola zurückzukehren.

7.2.  Unbesehen  der  Frage,  ob  der  Beschwerdeführerin  von  den 
italienischen  Behörden  gestützt  auf  die  italienische  Staatsangehörigkeit 
ihres  minderjährigen  Sohnes  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  würde, 
erachtet das Bundesverwaltungsgericht ihre Wegweisung nach Italien als 
nicht zumutbar. Der Vater ihres Sohnes hält sich gemäss dem Zentralen 
Migrationssystem (ZEMIS; besucht am 19. September 2011) immer noch 
in der (West­)Schweiz auf. Die Beschwerdeführerin und ihr Sohn leben im 
Kanton  D._______,  womit  nicht  von  einem  gemeinsamen  Haushalt 
auszugehen  ist.  Aufgrund  dieser  Ausgangslage  ist  zu  bezweifeln,  dass 
sie  und  ihr  Sohn  von  allfällig  in  Italien  lebenden  Verwandten  des 
Kindsvaters  in  den  Familienkreis  aufgenommen  würden.  Die 
Beschwerdeführerin, die sich seit November 2000 ununterbrochen in der 
Schweiz  aufhält,  verfügt  somit  in  Italien  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  über  keinerlei  Beziehungsnetz,  das  ihr  bei  einer 
Integration  behilflich  sein  könnte.  In  der Schweiz  hingegen, wo  sie  sich 
aufgrund  ihres  langjährigen  Aufenthalts  vermutungsweise  gut  eingelebt 
hat  –  den  Akten  sind  keinerlei  Anhaltspunkte  für  die  gegenteilige 

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Annahme  zu  entnehmen  –  verfügt  sie  über  ein  familiäres 
Beziehungsnetz,  das  ihr  im  Alltagsleben  einer  alleinerziehenden Mutter 
eine  Stütze  zu  bieten  vermag.  Sollte  der  Kindsvater  in  der  Schweiz 
weiterhin  einer  Erwerbstätigkeit  nachgehen,  wäre  es  ihr  zusammen mit 
der  zuständigen  Behörde  zudem  möglich,  diesen  für  den  (finanziellen) 
Unterhalt des gemeinsamen Sohnes verpflichten zu  lassen. Schliesslich 
spricht auch der zu beachtende Aspekt des Kindswohls für den Verbleib 
der  Beschwerdeführerin  und  ihres  Sohnes  in  der  Schweiz.  Wie 
vorstehend ausgeführt, bestehen keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die 
Beschwerdeführerin  und  ihr  Sohn  in  Italien  willkommen  geheissen 
würden.  Die  soziale  Lage  der  Beschwerdeführerin  und  die  psychische 
Belastung,  der  sie  bei  einer  ungewollten  Wohnsitznahme  in  Italien 
ausgesetzt  würden,  würde  sich  zweifellos  auf  das  Wohlbefinden  ihres 
Sohnes  negativ  auswirken.  In  der  Schweiz  verfügt  auch  er mit  der  hier 
lebenden  Verwandtschaft  seiner  Mutter  über  ein  Beziehungsnetz,  das 
ihm bei seiner persönlichen Entwicklung zugutekommen wird.

7.3. In Berücksichtigung der geschilderten Umstände kommt das Gericht 
zum Schluss,  dass  eine wiedererwägungsrechtlich  relevante  veränderte 
Sachlage  gegeben  ist  und  der Wegweisungsvollzug  aufgrund  deren  als 
unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren ist.

7.4.  Gründe  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  7  AuG,  die  einer  vorläufigen 
Aufnahme entgegenstehen könnten, sind den Akten keine zu entnehmen.

8. 
Die  Beschwerde  ist  nach  dem  Gesagten  gutzuheissen.  Die  Verfügung 
des  Bundesamtes  vom  29.  Juli  2011  ist  aufzuheben  und  dieses 
anzuweisen,  in  teilweiser  Wiedererwägung  der  Verfügung  vom  5. 
November 2002 den Aufenthalt der Beschwerdeführenden in der Schweiz 
nach den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln.

9. 
9.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 
(Art. 63 Abs. 1  und  2 VwVG), weshalb  das Gesuch  um Gewährung der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG 
gegenstandslos wird.

9.2. 
Sodann  ist  den  vertretenen  Beschwerdeführenden  angesichts  ihres 
Obsiegens  in  Anwendung  von  Art.  64  VwVG  und  Art.  7  Abs.  1  des 

D­5996/2010

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Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  eine 
Entschädigung  für  die  ihnen  notwendigerweise  erwachsenen 
Parteikosten  zuzusprechen.  Seitens  der  Rechtsvertretung  wurde  keine 
Kostennote  eingereicht.  Auf  die  Nachforderung  einer  solchen  kann 
indessen  verzichtet  werden,  da  vorliegend  der  Aufwand  für  das 
Beschwerdeverfahren zuverlässig abgeschätzt werden kann (Art. 14 Abs. 
2  in  fine  VGKE).  Das  BFM  ist  unter  Anwendung  der  genannten 
Bestimmungen  und  unter  Berücksichtigung  der  massgeblichen 
Bemessungsfaktoren  (vgl.  Art.  8  ff.  VGKE)  anzuweisen  ist,  den 
Beschwerdeführenden  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von 
pauschal Fr. 1'000.– auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

D­5996/2010

Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2. 
Die Verfügung des BFM vom 29. Juli 2010 wird aufgehoben und dieses 
wird  angewiesen,  die  Beschwerdeführenden  –  in  teilweiser 
Wiedererwägung  seiner  Verfügung  vom  5.  November  2002  –  vorläufig 
aufzunehmen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren 
vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  in  Höhe 
von Fr. 1'000.– (inkl. Auslagen und MwSt) zu entrichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Hans Schürch Christoph Basler

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