# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 61491842-73b7-5bee-a067-a82a189e950f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.03.2010 A-4615/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-4615-2009_2010-03-16.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-4615/2009
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 6 .  M ä r z  2 0 1 0

Richter Lorenz Kneubühler (Vorsitz), 
Richter Beat Forster, Richterin Marianne Ryter Sauvant, 
Gerichtsschreiber Johannes Streif.

X._______,
vertreten durch Fürsprech Y._______
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Datenschutz (Berichtigung des Einreisedatums im 
ZEMIS).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-4615/2009

Sachverhalt:

A.
X._______, serbischer Staatsbürger, reiste am 2. August 1993 in die 
Schweiz ein und stellte  am 3. August  1993 ein Asylgesuch. Mit  Ent-
scheid der Asylrekurskommission vom 21. Februar 1994 wurde dieses 
rechtskräftig abgewiesen. Am 16. Februar 1995 meldete die kantonale 
Wegweisungsbehörde  X._______ als  verschwunden. Nachdem er im 
Mai 1998 im Kanton Waadt von der Polizei  aufgegriffen worden war, 
stellte  er  am  28. Oktober  1998  ein  zweites  Asylgesuch.  Bevor  das 
Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF)  das  zweite  Gesuch  am  27. März 
2000 ebenfalls rechtskräftig abwies, wurde X._______ am 16. Novem-
ber 1999 vom Tribunal du district de Vevey wegen Widerhandlung ge-
gen das Bundesgesetz vom 26. März 1931 über Aufenthalt  und Nie-
derlassung  der  Ausländer  (heute  Bundesgesetz  vom  16. Dezember 
2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG]), begangen durch 
illegalen Aufenthalt  in  der  Schweiz von Februar  1994 bis  Mai  1998, 
rechtskräftig verurteilt. In Würdigung des gesundheitlichen Zustandes 
ordnete  das  BFF mit  Verfügung vom 24. August  2001  die  vorläufige 
Aufnahme  X._______ in der Schweiz an, der daraufhin einen F-Aus-
weis erhielt,  worin als Einreisedatum der 3. August  1993 angegeben 
wurde. Anlässlich der Erneuerung dieses Ausweises per 27. April 2007 
wurde das eingetragene Einreisedatum auf den 28. Oktober 1998 ge-
ändert. 

B.
Am 5. Mai 2009 stellte X._______ beim BFM ein Begehren um Berich-
tigung des Einreisedatums im Zentralen Migrationsinformationssystem 
(ZEMIS).  Er  machte  geltend,  sich  seit  1993  ununterbrochen  in  der 
Schweiz aufgehalten zu haben, weshalb das Einreisedatum wieder mit 
3. August 1993 anzugeben sei.

C.
Mit  Verfügung vom 12. Juni  2009 hielt  das  Bundesamt  für  Migration 
(BFM) am geänderten Einreisedatum fest und lehnte das Gesuch von 
X._______ um Berichtigung des Einreisedatums im ZEMIS ab. Es be-
gründete seinen Entscheid hauptsächlich damit, dass das zweite Da-
tum die offizielle Wiederaufnahme des Kontaktes zu den Migrationsbe-
hörden darstelle und bei einem über drei Jahre dauernden unbekann-
ten Aufenthalt nicht mehr von einem lückenlosen Aufenthalt ausgegan-
gen werden könne.

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D.
Gegen  diese  Verfügung  reichte  X._______ (Beschwerdeführer)  am 
17. Juli 2009 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Er ver-
langt die Aufhebung der Verfügung und die Festlegung seines Einrei-
sedatums mit dem 3. August 1993. Er ersucht überdies um unentgeltli-
che  Rechtspflege  mit  unentgeltlicher  Rechtsverbeiständung  für  das 
Beschwerdeverfahren.

E.
Mit Verfügung vom 19. August 2009 wurde dem Beschwerdeführer die 
unentgeltliche Prozessführung gewährt und Fürsprech Y._______ als 
amtlicher Vertreter  beigeordnet. Gleichzeitig  forderte das Bundesver-
waltungsgericht  das  BFM  (Vorinstanz)  auf,  bis  zum  11.  September 
2009 eine Stellungnahme einzureichen. In seiner verspäteten Eingabe 
vom 24. September 2009 teilt die Vorinstanz mit, dass die Beschwer-
deschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthal-
te und verweist vollumfänglich auf die Ausführungen in der angefoch-
tenen Verfügung.

F.
Auf  weitere  Eingaben  und  Begründungen  wird,  soweit  für  den  Ent-
scheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni  2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Da 
hier  keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt,  mit  dem BFM eine 
Vorinstanz im Sinne von Art. 33 Bst. d VGG verfügt hat und die erlas-
sene  Verfügung  ein  zulässiges  Anfechtungsobjekt  darstellt,  ist  das 
Bundesverwaltungsgericht  zur  Beurteilung  der  vorliegenden  Be-
schwerde zuständig. Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor 
dem Bundesverwaltungsgericht  nach  dem VwVG, soweit  dieses  Ge-
setz nichts anderes bestimmt.

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2.
Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor der 
Vorinstanz am Verfahren teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teil-
nahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung besonders be-
rührt  ist  und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder 
Änderung hat. Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren 
mit  seinen Anträgen nicht  durchgedrungen. Er  ist  überdies  materiell 
beschwert,  da  der  vorgebrachte  Berichtigungsanspruch  die  Bearbei-
tung von Daten über  ihn  selbst  betrifft.  Hierin  ist  ein  Eingriff  in  das 
Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung zu sehen, der vorlie-
gend ein aktuelles rechtliches Interesse, sich gegen ungerechtfertigte 
Eingriffe zur Wehr zu setzen, ohne weiteres zu begründen vermag (vgl. 
JAN BANGERT,  in:  Maurer-Lambrou/Vogt  [Hrsg.],  Datenschutzgesetz, 
Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2006, Rz. 33 zu Art. 25 DSG). Auf 
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzu-
treten.

3.
Nach Art. 19 Abs. 1 der Verordnung über das Zentrale Migrationsinfor-
mationssystem vom 12. April 2006  (ZEMIS-Verordnung,  SR 142.513) 
richten sich die Rechte der Betroffenen, insbesondere das Auskunfts-, 
Berichtigungs-  und  Löschungsrecht,  nach  dem  Bundesgesetz  über 
den Datenschutz vom 19. Juni 1992 (DSG, SR 235.1) und nach dem 
VwVG. Im  vorliegenden  Fall  sind  zwei  frühere  Asylverfahren  bereits 
abgeschlossen worden und es geht nun einzig um die Frage der Da-
tenberichtigung im Zentralen Migrationssystem (ZEMIS). Diese ist  in 
materieller Hinsicht auf der Basis der Bestimmungen des DSG zu be-
antworten (vgl. dazu auch den Entscheid des Bundesverwaltungsge-
richts A-4202/2007 vom 30. November 2007 E. 4.2).

4.
Personendaten sind gestützt auf  Art. 3 Bst. a DSG alle Angaben, die 
sich auf  eine bestimmte Person beziehen. Wer Personendaten bear-
beitet,  muss  sich  gemäss  Art. 5  Abs. 1 DSG  über  deren  Richtigkeit 
vergewissern. Werden Personendaten von Bundesorganen bearbeitet, 
kann die betroffene Person insbesondere die Berichtigung unrichtiger 
Personendaten verlangen (Art. 5 i.V.m. Art. 25 Abs. 3 Bst. a DSG). Auf 
die Berichtigung besteht in einem solchen Fall ein absoluter und un-
eingeschränkter  Anspruch  (vgl.  BANGERT,  a.a.O.,  Rz. 48  zu 
Art. 25 DSG). Bestreitet die betroffene Person die Richtigkeit der bear-
beiteten Daten, so hat die Bundesbehörde diese grundsätzlich zu be-

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weisen. Der betroffenen Person obliegt dagegen der Beweis der Un-
richtigkeit der Daten bzw. der Richtigkeit der von ihr verlangten Berich-
tigung (Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts A-5737/2007 vom 3. 
März 2008 E. 4 mit Hinweisen; YVONNE JÖHRI in: David Rosenthal / Yvon-
ne Jöhri,  Handkommentar zum Datenschutzgesetz, Zürich 2008, Art. 
25 N. 26; abweichend zur Beweislast BANGERT, a.a.O., Rz. 52 zu Art. 25 
DSG). Aufgrund der Offizialmaxime im Verwaltungsrecht muss zudem 
ein Bundesorgan,  welches mit  einem datenschutzrechtlichen Begeh-
ren  konfrontiert  ist,  den  Sachverhalt  von  Amtes  wegen  abklären 
(Art. 12 VwVG; JÖHRI, a.a.O., Art. 25 N. 21). 

4.1
Der datenschutzrechtliche Berichtigungsanspruch unterliegt den allge-
meinen Regeln des schweizerischen Rechts zu Beweislast- und mass. 
Auch die spezialgesetzlichen Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 
20. Juni 2003  über  das  Informationssystem  für  den  Ausländer-  und 
Asylbereich (BGIAA, SR 142.51) sowie die Ausführungsbestimmungen 
der ZEMIS-Verordnung kennen keine abweichenden Regeln.

Im ordentlichen Verwaltungsverfahren hat  die Behörde unter  Berück-
sichtigung der Gesamtheit  der ihr zur Verfügung stehenden Erkennt-
nisse einen Sachverhalt zu werten. Das VwVG sieht dabei keine star-
ren Beweisregeln vor und setzt auch keine unumstössliche Gewissheit 
voraus. Massgeblich ist einzig die Überzeugung der Behörde vom Vor-
handensein einer Tatsache. Genügend ist ein so hoher Grad an Wahr-
scheinlichkeit,  dass keine vernünftigen Zweifel  bleiben (ANDRÉ MOSER/ 
MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem Bundesver-
waltungsgericht,  Basel  2008,  Rz. 3.141;  PATRICK L. KRAUSKOPF /  KATRIN 
EMMENEGGER in:  Bernard  Waldmann /  Philippe  Weissenberger  [Hrsg.], 
Praxiskommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 
Zürich 2009, Art. 12 N. 214). 

Kann der Beweis nicht erbracht werden, trägt die Folgen der Beweislo-
sigkeit  im  Bereich  der  Eingriffsverwaltung  grundsätzlich  die  Verwal-
tung,  in  Bezug auf  das Vorliegen anspruchsbegründender Umstände 
der Anspruchsberechtigte (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O., Rz. 3.149 
ff.; KRAUSKOPF/EMMENEGGER, a.a.O., Art. 12 Rz. 207 ff.).

4.2 Im vorliegenden Fall  muss die Vorinstanz nachweisen,  dass das 
von ihr seit dem 27. April 2007 im ZEMIS verwendete Einreisedatum, 
lautend auf den 28. Oktober 1998, das korrekte Datum darstellt. Dem 

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Beschwerdeführer wiederum obliegt es zu beweisen, dass dieser Ein-
trag nicht der Wahrheit entspricht bzw. die von ihm verlangte Korrektur, 
nämlich  die  Erfassung  des  Einreisedatums mit  dem 3. August 1993, 
richtig ist.

4.3 Der Beschwerdeführer bringt vor, die Schweiz seit seiner Einreise 
am 3. August 1993 nie verlassen zu haben. Die Richtigkeit der bean-
tragten Änderung im ZEMIS sei durch Bestätigungsschreiben nachge-
wiesen, aus denen hervorgehe, dass er im Zeitraum von Februar 1994 
bis Mai 1998 in der Schweiz Schwarzarbeit geleistet habe. Dabei han-
delt  es sich um insgesamt elf  Schriftstücke, mit  denen Personen mit 
Wohnsitz in der Gemeinde Bex bestätigten, dass der Beschwerdefüh-
rer auf ihren Grundstücken gegen Entgelt  Gartenarbeiten ausgeführt 
habe. Diese  Arbeitsnachweise  wurden  mehrheitlich  im Juni  und  Juli 
1998 verfasst und decken mit zwei Ausnahmen jeweils ausdrücklich ei-
ne rückwirkende Zeitspanne von zwei bis fünf  zusammenhängenden 
Jahren ab. Aus mehreren Schreiben geht zudem hervor, dass es sich 
bei den ausgeführten Arbeiten um sich wiederholende, saisonale Tä-
tigkeiten  gehandelt  habe. Die  Vorinstanz  wendet  dagegen  ein,  dass 
nach einer Zeitspanne von dreieinhalb Jahren unkontrollierten Aufent-
halts nicht mehr von einem lückenlosen Aufenthalt ausgegangen wer-
den könne. Selbst wenn genau datierte Arbeitsbestätigungen vorliegen 
würden,  sei  damit  nicht  erstellt,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der 
fraglichen Zeit  niemals die Schweizer Grenze überquert habe. Daher 
habe die Vorinstanz,  nachdem das erste Asylverfahren mittels  eines 
Codes  für  eine  "unkontrollierte  Abreise"  abgeschlossen  worden  sei, 
die  Wiederaufnahme  des  Kontaktes  zu  den  Migrationsbehörden  an-
lässlich der Eröffnung des zweiten Asylverfahrens zum Anlass genom-
men, im ZEMIS ein neues Einreisedatum zu erfassen. Eine Wiederauf-
nahme  des  Aufenthalts  werde  praxisgemäss  nur  erfasst,  wenn  der 
Ausländer  während einer  Dauer  von wenigen Monaten unbekannten 
Aufenthalts  gewesen sei  und glaubhaft  darlegen  könne,  dass  er  die 
Schweiz während dieser Zeit nie verlassen habe.

4.4 Der Beschwerdeführer verweist sodann auf das Urteil des Tribunal 
du district de Vevey vom 16. November 1999, welches in seinen Erwä-
gungen festhielt, der Beschwerdeführer hätte die Schweiz nach Abwei-
sung seines Asylgesuchs am 15. Februar 1994 verlassen müssen, je-
doch habe er diesem Entscheid keine Folge geleistet und sich seither 
in der Schweiz aufgehalten. Als Zeuge wurde eine Person angehört, 
die  den  Beschwerdeführer  in  besagtem  Zeitraum  widerrechtlich  be-

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schäftigte. Gestützt  hierauf  verurteilte  das  Gericht  den  Beschwerde-
führer wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz  vom 26. März 
1931 über den Aufenthalt  und die Niederlassung der Ausländer. Der 
Beschwerdeführer  bringt  hierzu insbesondere vor, dass das Urteil  in 
einer kontradiktorischen Verhandlung ergangen sei und die Behörden 
und Gerichte bei  der Beurteilung der vorliegenden Frage nicht  ohne 
weiteres  davon  abweichen  dürften.  Er  führt  im  Weiteren  aus, 
angesichts  der  Anklage  kein  Interesse  an  einem  willentlich  falsch 
vorgetragenen Geständnis gehabt zu haben. Daher sei erwiesen, dass 
er die Schweiz nach seiner Einreise 1993 nie verlassen habe. Die Vor-
instanz äusserte sich hierzu nicht.

4.5 Der  Beschwerdeführer  wurde  sodann  im  Mai  1998  am Bahnhof 
der Gemeinde Blonay polizeilich angehalten. Dieser Umstand besagt 
nur, aber immerhin, dass sich der Beschwerdeführer bereits rund zwei 
Monate vor dem von der Vorinstanz angenommenen Einreisedatum in 
der Schweiz befand. 

4.6 Angesichts dieser Beweislage fragt sich, ob die Richtigkeit der be-
antragten Änderung als hinreichend erwiesen gelten kann bzw. wer die 
Folgen einer allfälligen Beweislosigkeit zu tragen hat. 

Hinsichtlich  der  Bindung  der  Verwaltungsbehörden  an  Sachverhalts-
feststellungen und Entscheide von Strafbehörden hat das Bundesge-
richt festgehalten, dass im Interesse der Rechtssicherheit und Rechts-
einheit nicht leichthin von den Feststellungen in einem Strafurteil abzu-
weichen sei. Von ihnen dürfe sich eine Verwaltungsbehörde nur dann 
distanzieren,  wenn sie Tatsachen feststelle  und ihrem Entscheid  zu-
grunde lege, die dem Strafrichter unbekannt gewesen seien oder die 
er nicht beachtet habe oder wenn sie zusätzliche Beweise erhebe, de-
ren Würdigung zu einem anderen Entscheid führten oder wenn die Be-
weiswürdigung  durch  den  Strafrichter  den  feststehenden  Tatsachen 
klar widerspreche. Die Verwaltungsbehörde habe demgegenüber ins-
besondere  dann  auf  die  Tatsachen  im  Strafurteil  abzustellen,  wenn 
dieses  in  einem ordentlichen  Verfahren  mit  öffentlicher  Verhandlung 
unter Anhörung der Parteien und Einvernahme von Zeugen ergangen 
sei, es sei denn, es bestünden klare Anhaltspunkte für die Unrichtig-
keit dieser Tatsachenfeststellungen (vgl. BGE 119 Ib 158 E. 2c und 3c). 
Verglichen mit dem Urteil des Tribunal du district de Vevey vom 16. No-
vember 1999 werden im vorliegenden Verfahren weder Tatsachen be-
rücksichtigt,  von  denen  das  Strafgericht  keine  Kenntnis  hatte  noch 

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werden zusätzliche Beweise erhoben, deren Würdigung ein dem Straf-
urteil widersprechendes Ergebnis ergeben. Das fragliche Strafurteil er-
ging  überdies  in  einem  ordentlichen  Verfahren  unter  Anhörung  von 
Parteien  und  Zeugen. Somit  besteht  grundsätzlich  kein  Anlass,  von 
den Sachverhaltsfeststellungen  im Strafurteil  des  Tribunal  du  district 
de Vevey vom 16. November 1998 abzuweichen.

Auch  die  vom  Beschwerdeführer  im  vorliegenden  Verfahren  einge-
reichten Beweismittel lassen die von ihm behauptete Auffassung eines 
früheren Einreisedatums wahrscheinlicher erscheinen als die von der 
Vorinstanz pauschal vorgetragene Unwahrscheinlichkeit einer dauern-
den, jedoch unkontrollierten Anwesenheit. Aufgrund der aktenkundigen 
Arbeitgeberbestätigungen ist davon auszugehen, dass der Beschwer-
deführer  in  der  Zeit  von 1993 bis  1998 in  Bex wiederholt  saisonale 
Gartenarbeiten erledigt hat. Die Aussteller dieser Bestätigungsschrei-
ben  dürften  sich  durch  die  Beschäftigung  des  Beschwerdeführers 
strafbar gemacht haben, was blosse Gefälligkeitsbescheinigungen oh-
ne  realen  Hintergrund  unwahrscheinlich  erscheinen  lässt.  Es  liegen 
sodann keine Hinweise auf Grenzübertritte oder polizeiliche Anhaltun-
gen des Beschwerdeführers  im Ausland  vor. Zwar  ist  mit  der  Vorin-
stanz  festzuhalten,  dass  die  angebotenen  Beweismittel  zeitliche 
Lücken  aufweisen  und  eine  ununterbrochene  Anwesenheit  des  Be-
schwerdeführers  in  der  Schweiz  nicht  zu  belegen  vermögen. Insge-
samt erscheint dennoch ein dauernder Aufenthalt des Beschwerdefüh-
rers in der Schweiz als wahrscheinlicher; keines der beiden möglichen 
Einreisedaten des Beschwerdeführers kann aber als soweit bewiesen 
gelten, dass keine vernünftigen Zweifel mehr bestehen. 

4.7 Art. 5 Abs. 1 DSG  stellt  hohe  Anforderungen  an  die  objektive 
Richtigkeit  von Personendaten. Unrichtige oder unvollständige Daten 
sind daher zu vernichten, wenn ihre Berichtigung nicht möglich ist. Das 
Einreisedatum des 3. August 1993 wurde zwar vorstehend (vgl. E. 4.6) 
als wahrscheinlicher erachtet, doch konnten nicht sämtliche daran be-
stehenden,  vernünftigen  Zweifel  ausgeräumt  werden.  Entsprechend 
dürfte  an  sich  selbst  ein  korrigiertes  Einreisedatum  mangels  Nach-
weisbarkeit nicht weiter bearbeitet, sondern müsste vielmehr gelöscht 
werden. Im Hinblick auf  die Erfüllung wichtiger öffentlicher Aufgaben 
müssen jedoch gewisse Personendaten, zu denen bei einem Auslän-
der auch dessen Einreisedatum zählt,  in den Migrationsdatenbanken 
notwendigerweise bearbeitet werden. In solchen Fällen überwiegt das 
öffentliche Interesse an der Bearbeitung möglicherweise unzutreffen-

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der Daten sowohl das öffentliche als auch das private Interesse an de-
ren Richtigkeit. Art. 25 Abs. 2 DSG enthält hierzu eine Spezialbestim-
mung: Kann weder die Richtigkeit noch die Unrichtigkeit der Personen-
daten bewiesen werden, hat das zuständige Bundesorgan einen ent-
sprechenden Vermerk anzubringen. 

4.8 Angesichts des datenschutzrechtlichen Erfordernisses der objekti-
ven Richtigkeit und der Notwendigkeit, auch unsichere Daten bearbei-
ten zu können, kommt dem Bestreitungsvermerk ausgleichende Funk-
tion zu. Ein Betroffener soll jedermann, der mit den Daten in Kontakt 
kommt, darauf hinweisen können, dass Behörden die Daten bearbei-
ten, obwohl die Frage nach der objektiven Richtigkeit nicht geklärt ist 
(vgl. IVO SCHWEGLER, Datenschutz im Polizeiwesen von Bund und Kanto-
nen, Diss., Bern 2001, S. 104 f.; zum breiten Anwendungsbereich des 
Bestreitungsvermerks URS MAURER, Datenschutzrechtliche Individualan-
sprüche,  in:  Datenschutz  im  europäischen  Umfeld,  Zürich  1995, 
S. 78.), bzw. sich, wie vorliegend, der vollständigen Klärung entzieht. 
Diese Möglichkeit ist umgekehrt auch den Behörden einzuräumen. Der 
Bestreitungsvermerk  ist  sodann  gemäss  konstanter  Rechtsprechung 
des Bundesverwaltungsgerichts von Amtes wegen unabhängig davon 
vorzunehmen,  ob ein entsprechender  Antrag vorliegt  (vgl. Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-2168/2009 vom 21. Januar 2010 E. 5.4 
mit  Hinweisen).  Nicht  wesentlich  ist,  ob  der  Bestreitungsvermerk  an 
den ursprünglichen Daten oder an den auf Gesuch hin korrigierten Da-
ten  angebracht  wird  (Entscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A-4202/2007 vom 30. November 2007 E. 5.1.2; Entscheid der Eidge-
nössischen  Datenschutzkommission  vom 7. April  2003,  veröffentlicht 
in VPB 67.73 E. 4c und d; vgl. auch BANGERT, a.a.O., Rz. 56 zu Art. 25 
DSG).

4.9 Das Bundesverwaltungsgericht hat seine bisherige Praxis kürzlich 
wie folgt zusammengefasst (Urteil  A-2168/2009 vom 21. Januar 2010 
E. 5.4):  Wird  der  Beweis  der  Richtigkeit  der  verlangten  Berichtigung 
nicht erbracht und bestehen keine Zweifel an der Richtigkeit der einge-
tragenen Daten, bleibt weder Raum für eine Berichtigung (Urteile A-
7368/2006 vom 10. Juli 2007 E. 2.2.3 und A-1507/2009 vom 15. Okto-
ber 2009 E. 4.3) noch für die Anbringung eines Bestreitungsvermerks 
(Urteil A-1001/2008 vom 1. September 2008 E. 6.5). Erweist sich hin-
gegen die bestehende Eintragung eindeutig als falsch und die vorge-
schlagene Korrektur als richtig oder zumindest mit einiger Wahrschein-
lichkeit als richtig, so wird das Bundesorgan angewiesen, die Daten in 

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der Sammlung zu berichtigen (Urteile A-5795/2007 vom 2. September 
2008 E. 6 und A-6559/2008 vom 8. Juni 2009 E. 5.5), womit sich die 
Frage  des  Bestreitungsvermerks  ebenfalls  nicht  stellt  (Urteil  A-
6559/2008 E. 5.2). Lässt sich hingegen weder die Richtigkeit des Ein-
trages noch jene der verlangten Änderung nachweisen, so veranlasst 
das  Gericht  einen  entsprechenden  Bestreitungsvermerk  im  System 
(Urteile  A-4202/2007  vom  30.  November  2007  E.  5.1.2  und  A-
3999/2007  vom  11.  April  2008  E.  5).  Spricht  dabei  mehr  für  die 
Richtigkeit  der  beantragten  Änderung,  so  ordnet  das  Gericht  ge-
gebenenfalls  aus  Gründen  der  Praktikabilität  an,  dass  die  Daten  im 
System  vorerst  berichtigt  werden  und  die  korrigierten  Einträge  an-
schliessend mit  einem Bestreitungsvermerk  zu  versehen sind  (Urteil 
A-5737/2007 vom 3. März 2008 E. 5). Die Auffassung, wonach die von 
einem Gesuchsteller behauptete Version an Stelle der ursprünglichen 
Daten  zu  setzen  ist,  wenn  mehr  für  die  Richtigkeit  Ersterer  spricht, 
findet ihre Stütze überdies in der Lehre (vgl. BANGERT, a.a.O., Rz. 55 zu 
Art. 25 DSG) und im erwähnten Eingriffscharakter der Datenbearbei-
tung (vgl. E.2).

4.10 Vorliegend  bestehen  Zweifel  an  dem  im  ZEMIS  seit  dem 
27. April 2007  eingetragenen  Einreisedatum des  Beschwerdeführers. 
Ob es  falsch ist,  ist  indes  nicht  erstellt.  Umgekehrt  vermochte  zwar 
auch der  Beschwerdeführer die Richtigkeit  des von ihm beantragten 
Einreisedatums  nicht  nachzuweisen,  doch  erscheint  dieses  wahr-
scheinlicher als  das derzeit  im ZEMIS verwendete Datum. Praxisge-
mäss ist daher die Vorinstanz anzuweisen, im ZEMIS als Einreiseda-
tum des Beschwerdeführers antragsgemäss den 3. August 1993 ein-
zutragen und dieses Einreisedatum zusätzlich mit  einem Vermerk zu 
versehen, wonach es bestritten wird.

5.
Das Bundesverwaltungsgericht  auferlegt  die  Verfahrenskosten in  der 
Regel  der  unterliegenden  Partei  (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die  unterlie-
gende Vorinstanz  trägt  als  Bundesbehörde jedoch keine Verfahrens-
kosten  (Art. 63 Abs. 2 VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  mit  seinem 
Antrag auf Berichtigung im Ergebnis durchgedrungen und der Bestrei-
tungsvermerk  ist  von Amtes wegen  vorzunehmen. Der  Beschwerde-
führer gilt demnach als obsiegend. Schon aus diesem Grund sind ihm 
keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen,  weshalb  er  das  ihm gewährte 
Recht auf unentgeltliche Rechtspflege nicht zu beanspruchen braucht. 

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6.
Dem obsiegenden Beschwerdeführer  steht  eine  Parteientschädigung 
für  ihm  erwachsene  und  verhältnismässig  hohe  Kosten  zu 
(Art. 64 Abs. 1 VwVG  und  Art. 7 ff.  des  Reglements  vom 
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Sein  Rechtsvertreter 
hat  in  diesem  Zusammenhang  eine  Kostennote  in  Höhe  von 
Fr. 1'442.40  (inkl.  Mehrwertsteuer)  eingereicht.  Die  Parteientschädi-
gung  wird  in  dieser  Höhe  festgesetzt  und  ist  im  Sinne  von 
Art. 64 Abs. 2 VwVG der  Vorinstanz  aufzuerlegen. Die  Frage der  un-
entgeltlichen Prozessführung stellt  sich angesichts seines Obsiegens 
nicht.

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, die Verfügung der Vorinstanz vom 
12. Juni 2009 wird  aufgehoben und  die  Vorinstanz  wird  angewiesen, 
im  ZEMIS  als  Einreisedatum  des  Beschwerdeführers  den 
3. August 1993 einzutragen.

2.
Beim Eintrag im ZEMIS ist  ein Vermerk anzubringen, wonach dieses 
Datum bestritten sei.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4.
Dem  Beschwerdeführer  wird  eine  Parteientschädigung  von 
Fr. 1'442.40  zugesprochen  und  der  Vorinstanz  zur  Bezahlung  nach 
Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auferlegt.

Seite 11

A-4615/2009

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. N 269 329 Scp; Einschreiben)
- das Generalsekretariat des EJPD (Gerichtsurkunde)
- den Eidgenössischen Datenschutz-  und Öffentlichkeitsbeauftragen 

EDÖB (z.K., B-Post)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Lorenz Kneubühler Johannes Streif

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten geführt  werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begeh-
ren,  deren Begründung mit  Angabe der  Beweismittel  und die Unter-
schrift zu enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel 
sind, soweit sie die beschwerdeführende Partei in Händen hat, beizu-
legen (vgl. Art. 42 BGG).

Versand: 

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