# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9cd586a2-87d1-5d36-808a-f644a2a68023
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-09-27
**Language:** de
**Title:** Zürich Kassationsgericht 27.09.2004 AC040050
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_KSG_001_AC040050_2004-09-27.pdf

## Full Text

Kassationsgericht des Kantons Zürich

Kass.-Nr. AC040050/U/cap

Mitwirkende: die Kassationsrichter Herbert Heeb, Vizepräsident, Andreas Do-

natsch, die Kassationsrichterin Sylvia Frei, der Kassationsrichter

Paul Baumgartner und die Kassationsrichterin Yvona Griesser

sowie der Sekretär Jürg-Christian Hürlimann

Sitzungsbeschluss vom 27. September 2004

in Sachen

Q.,

...,

Angeklagter, Appellant und Beschwerdeführer
verteidigt durch Rechtsanwalt ...

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich,
8001 Zürich,

Anklägerin, Appellatin und Beschwerdegegnerin
vertreten durch Staatsanwältin Dr. iur. Ursula Frauenfelder Nohl

betreffend Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über Aufenthalt und
Niederlassung der Ausländer

Nichtigkeitsbeschwerde gegen ein Urteil der I. Strafkammer des Ober-
gerichts des Kantons Zürich vom 11. März 2004 (SB030592/U/eh)

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Das Gericht hat in Erwägung gezogen:

 I.

1. Die Anklage wirft dem Beschwerdeführer vor, in der Zeit von ca. 10. Mai 2001

bis zum 27. Juli 2001 der slowakischen Staatsangehörigen Z. in seiner Wohnung

Logis gewährt und diese unter anderem mit Reinigungsarbeiten und Kinderbe-

treuungsaufgaben betraut zu haben, obwohl sie nicht im Besitz einer hierfür erfor-

derlichen fremdenpolizeilichen Arbeitsbewilligung gewesen sei. Für diese Tätig-

keiten habe der Beschwerdeführer Z. mit Fr. 800.-- pro Monat entschädigt (ER

act. 18).

Dieser Vorwurf stützt sich auf die Aussagen von Z., welche am 27. Juli 2001 bei

der Ausreise aus der Schweiz am Strassenzollamt Diepoldsau SG im Linienbus

kontrolliert und angehalten wurde. Der Beschwerdeführer bestreitet den Vorwurf.

Mit Verfügung vom 30. Oktober 2003 trat der Einzelrichter in Strafsachen am Be-

zirksgericht Zürich auf die Anklage betreffend die Übertretung von Art. 23 Abs. 4

ANAG (vorsätzliche Beschäftigung eines Ausländers, der nicht berechtigt ist, in

der Schweiz zu arbeiten) nicht ein. Mit Urteil desselben Tages sprach der Einzel-

richter den Beschwerdeführer der Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 al. 5

ANAG (Erleichtern des rechtswidrigen Verweilens im Lande) schuldig und be-

strafte ihn mit 21 Tagen Gefängnis unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs

(ER act. 23 = OG act. 27). Gegen dieses Urteil erhob der Beschwerdeführer Be-

rufung an das Obergericht (ER act. 25).

Das Obergericht (I. Strafkammer) sprach den Beschwerdeführer mit Urteil vom

11. März 2004 wiederum der Widerhandlung gegen Art. 23 Abs. 1 al. 5 ANAG

(Erleichtern des rechtswidrigen Verweilens im Lande) schuldig und bestrafte ihn

mit einer Busse von Fr. 5'000.-- unter Gewährung der Löschung der Busse im

Strafregister, wenn sich der Beschwerdeführer während einer Probezeit von ei-

nem Jahr bewährt (OG act. 35 = KG act. 2). Gegen dieses Urteil richtet sich die

vorliegende kantonale Nichtigkeitsbeschwerde.

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2. Mit seiner Nichtigkeitsbeschwerde beantragt der Beschwerdeführer, es sei das

obergerichtliche Urteil vom 11. März 2004 aufzuheben und die Sache zur Neube-

urteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, unter entsprechender Kosten- und

Entschädigungsregelung (KG act. 1). Die Staatsanwaltschaft und das Obergericht

verzichten auf eine Vernehmlassung zur Beschwerde (KG act. 9 und 10).

 II.

1a) Z. wurde zweimal befragt. Die erste Befragung erfolgte beim Zollamt Die-

poldsau am 28. Juli 2001 ab 01.20 Uhr, also nach ihrer Anhaltung an der Landes-

grenze, durch die Polizei (ER act. 3/4). Sodann wurde Z. am 31. Juli 2002 rechts-

hilfeweise durch die Bezirksprokuratur Kosice II als Zeugin einvernommen (ER

act. 11/7).

Mit Eingabe vom 25. August 2003 beantragte der Verteidiger, es seien der Zeugin

zwei Zusatzfragen zu stellen (ER act. 16/6):

„1. Wie lautet der Vorname der Ehefrau von Q.?“

und

 „2. Sie führten aus, in der Wohnung der Familie Q. an der  _____stras-

se 30 logiert zu haben. In welchem Zimmer der Wohnung genau lo-

gierten Sie angeblich?“

Der Bezirksanwalt hielt in einer Aktennotiz vom 29. August 2003 fest, die erste

Frage sei der Zeugin bereits gestellt und von dieser beantwortet worden. Im übri-

gen trügen beide Zusatzfragen nichts zur weiteren Klärung des rechtlich relevan-

ten Sachverhalts bei, weshalb er darauf verzichte, die Zeugin ein weiteres Mal

rechtshilfeweise einvernehmen zu lassen (ER act. 15).

b) Der Einzelrichter hielt ebenfalls dafür, dass die beantragten Zusatzfragen irre-

levant seien. Zur ersten Frage sei zu bemerken, dass diese bereits anlässlich der

Zeugenbefragung vom 31. Juli 2002 gestellt worden sei. Es handle sich dabei

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nicht um eine Ergänzungsfrage, sondern um die Wiederholung einer Frage, die

die Zeugin nicht habe beantworten können. Daher habe darauf verzichtet werden

dürfen, sie ihr über ein Jahr später nochmals zu stellen. Auch die zweite vom Be-

schwerdeführer eingereichte Frage hätte nichts zur weiteren Klärung des Sach-

verhalts beitragen können, egal wie die Antwort gelautet hätte. Für den Ausgang

des Verfahrens wäre sie offenkundig von keinerlei Bedeutung gewesen, seien

doch der Zeugin bereits eine Vielzahl von Fragen zur Person des Beschwerdefüh-

rers, zu seiner Familie und insbesondere auch zu seiner Wohnung (Lage, Grösse,

Raumaufteilung, etc.) gestellt worden. Mithin sei die Ergänzungsfrage des Be-

schwerdeführers im gesamten Kontext völlig ungeeignet, das Bild über die Kennt-

nisse der Zeugin und über ihre Wissenslücken zu ergänzen und ihre ihn bela-

stenden Aussagen in Zweifel zu ziehen. Etwas anderes werde seitens des Be-

schwerdeführers - durchaus zu Recht - in diesem Zusammenhang nicht behaup-

tet. Es wäre geradezu unsinnig und stossend, im konkreten Fall ein absolutes

Verbot der Beweisantizipierung anzunehmen. Daher habe die Bezirksanwalt-

schaft zu Recht darauf verzichtet, den Abschluss der Untersuchung herauszu-

schieben und Z. ein zweites Mal rechtshilfeweise einvernehmen zu lassen. Ihre

Zeugenaussage sei somit verwertbar; eine Ergänzung der Untersuchung dränge

sich nicht auf (OG act. 27 S. 5).

c) Das Obergericht verweist auf die soeben wiedergegebenen Erwägungen des

Einzelrichters. Es hält die beiden beantragten Zusatzfragen ebenfalls für nicht

rechts- und entscheiderheblich. Die erste Frage sei von der Zeugin bereits beant-

wortet worden („Die Ehefrau des Angeklagten hatte einen jüdischen Namen. Im

Moment kann ich mich an den Namen nicht erinnern“; ER act. 11/7 S. 4). Eine

Wiederholung dieser Frage würde wohl nur zu einer gleichen Antwort führen.

Daraus aber - wie es die Verteidigung tue - ein starkes Indiz dafür ableiten zu

wollen, dass die Schilderungen der Zeugin in ihrer Gesamtheit nicht stimmen

könnten, sei offensichtlich haltlos und entbehre jeglicher Grundlage. Sollte sich

die Zeugin indessen in ihrer zweiten Einvernahme wider Erwarten an den Namen

der Ehefrau des Beschwerdeführers erinnern können oder einen falschen Vorna-

men nennen, sei nicht nachvollziehbar, was daraus zu Gunsten des Beschwer-

deführers abgeleitet werden könnte.

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Gleich verhalte es sich mit der zweiten Frage. Es könne angenommen werden,

dass die Zeugin ein Zimmer im zweiten Stockwerk benennen würde, befänden

sich doch im ersten Stock das Wohnzimmer, die Küche und eine Toilette (ER act

11/7 S. 4 und ER act. 12 S. 4). Wiederum sei aber nicht nachvollziehbar und wer-

de vom Beschwerdeführer auch nicht ausgeführt, welche Schlüsse sich aus der

entsprechenden Antwort der Zeugin zu seinen Gunsten ergeben könnten. Viel-

mehr bliebe nach wie vor die Frage im Raum stehen, ob sich diese in der Zeit von

ca. 10. Mai 2001 bis 27. Juli 2001 überhaupt in der Wohnung des Beschwerde-

führers aufgehalten habe, was dieser ja vehement bestreite. Der Verteidigung sei

zwar insofern beizupflichten, als dass man sich im Rahmen einer konkreten anti-

zipierten Beweiswürdigung grundsätzlich alle hypothetisch denkbaren Antworten

der Zeugin auf die anerbotenen Zusatzfragen vergegenwärtigen müsse. Selbst im

unwahrscheinlichen Fall, dass die Zeugin kein Zimmer im zweiten Stockwerk be-

nennen würde, könnte daraus vorliegend nichts zu Gunsten des Beschwerdefüh-

rers abgeleitet werden. Auch wenn sie einen Raum im ersten Stockwerk angeben

würde, stünde dies einer temporären Gewährung von Logis durch den Beschwer-

deführer keineswegs entgegen, zumal nicht ausgeschlossen sei, dass der Zeugin

in einem der unteren Räume eine Schlafstätte zugewiesen worden sei. Ebenso

wenig wäre die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen dadurch in Frage gestellt, dass sie

überhaupt nicht in der Lage wäre, ein Zimmer zu benennen. Wie aufgrund den

nachfolgenden Erwägungen zum Sachverhalt zu zeigen sein werde, beruhe das

vorliegende Beweisergebnis auf einer Fülle an sonstigen Details, welche die Zeu-

gin als Beleg für ihren Aufenthalt in der Wohnung des Beschwerdeführers habe

aufzuzählen können. Auch diese hypothetische Antwort würde somit nichts zur

Klärung des rechtserheblichen Sachverhalts beitragen.

Hinzu komme, so das Obergericht weiter, dass das Gericht keineswegs ver-

pflichtet sei, sich mit völlig undenkbaren und ausgesprochen fragwürdigen Hypo-

thesen auseinanderzusetzen. Für die von der Verteidigung aufgestellte Vermu-

tung, wonach die Zeugin zusammengebrochen wäre, falls sie mit der zweiten Zu-

satzfrage konfrontiert gewesen wäre, und diese trotz ihrer Einfachheit nicht hätte

beantworten können (OG act. 30 S. 3 f.), bestehe nicht der geringste Anhalts-

punkt. Ein derart unterstelltes, in Wirklichkeit kaum zu erwartendes und daher

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abwegiges Aussageverhalten dürfe daher zulässigerweise auch im Rahmen der

antizipierten Beweiswürdigung unberücksichtigt bleiben. Auch die weitere, bereits

erörterte Hypothese, wonach die Zeugin nicht hätte sagen können, in welchem

Zimmer genau sie logiert hätte, obwohl sie während längerer Zeit in der Wohnung

des Beschwerdeführers gewohnt haben wolle, erscheine von vornherein als un-

wahrscheinlich. Nicht zuletzt stünde eine solche Antwort denn auch in Wider-

spruch zur These des Beschwerdeführers, wonach die Zeugin ihre Angaben unter

dem Druck der zollbehördlichen Befragung gemacht haben solle, um sich selber

vom allfälligen Vorwurf der Prostitution zu entlasten oder um unbekannte Drittper-

sonen zu decken. Doch gerade unter Zugrundelegung dieses fragwürdigen Sze-

narios wäre von der Zeugin zu erwarten gewesen, dass sie ein (beliebiges) Zim-

mer benennen würde, um ihre Aussagen glaubhafter erscheinen zu lassen (KG

act. 2 S. 6 - 8 Erw. II/2.5).

2. a) Das Obergericht hält in Erwägung II/2.4 fest, der Beschwerdeführer habe ei-

nen absoluten Anspruch, wenigstens einmal Fragen an die Zeugin zu stellen. Die-

sem Anspruch habe der Untersuchungsrichter dadurch entsprochen, dass er dem

Beschwerdeführer das Einvernahmeprotokoll vorgelegt und ihn  zum Stellen von

Ergänzungsfragen aufgefordert habe. Sei dem absoluten Anspruch  des Be-

schwerdeführers entsprochen worden, müsse es zulässig sein, die gestellten Er-

gänzungsfragen in einem zweiten Schritt auf ihre Relevanz hin zu überprüfen und

sie bei deren Verneinung dem Zeugen nicht vorzulegen, wie dies der Untersu-

chungsrichter und der Einzelrichter getan hätten. Wenn das Bundesgericht schon

festgehalten habe, dass das Recht, Entlastungszeugen zu laden und zu befragen,

von relativer Natur sei und insoweit Fragen vom Richter nur zugelassen werden

müssten, wenn sie rechts- und entscheiderheblich seien (vgl. BGE 129 I 154;

BGE 125 I 135), müsse es auch zulässig sein, Fragen an einen Belastungszeu-

gen, die der Entlastung eines Angeklagten dienen sollten, nicht zuzulassen, wenn

sie nicht relevant seien. Dies lasse sich auch § 14 Abs. 1 StPO entnehmen, wel-

cher festhalte, dass der Angeklagte bzw. der Verteidiger solche Fragen an die

Zeugen stellen könne, welche zur Aufklärung der Sache dienen könnten (KG act.

2 S. 6).

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Der Beschwerdeführer hält dafür, das Bundesgericht habe an der vom Oberge-

richt zitierten Stelle mit Nachdruck den absoluten Charakter des Rechts, an Bela-

stungszeugen Fragen zu stellen, festgestellt, dies im Gegensatz zur relativen

Natur des Rechts, die Ladung von Entlastungszeugen zu verlangen und an diese

Fragen zu stellen (BGE 129 I 154, 2. Absatz, 1. und 2. Satz). Weiter führe das

Bundesgericht in jenem Entscheid aus: „Im vorliegenden Fall hat das Obergericht

den grundsätzlich absoluten Charakter des Anspruchs, Fragen an den Bela-

stungszeugen zu stellen bzw. stellen zu lassen, verkannt. Es hat die Beantwor-

tung der vorgeschlagenen Fragen im Ergebnis mittels antizipierter Beweiswürdi-

gung für nicht notwendig erklärt. Dieses Vorgehen hält jedoch bei einem Bela-

stungszeugen nicht stand, wenn dessen Aussagen als das einzige Beweismittel

die Grundlage des Urteils bilden“ (BGE 129 I 157 E. 4.3). Das Obergericht habe,

so der Beschwerdeführer, die relative Natur des Rechts, die Befragung von Entla-

stungszeugen zu verlangen, mit dem absoluten Charakter des Rechts, an Bela-

stungszeugen Fragen zu stellen, verwechselt (KG act. 1 S. 5 f. Ziff. 11).

Das Bundesgericht spricht an der vom Beschwerdeführer im Wortlaut zitierten

Stelle vom „grundsätzlich“ absoluten Charakter des Anspruchs, Fragen an den

Belastungszeugen zu stellen. Mit dem Ausdruck „grundsätzlich“ deutet es an,

dass auch der Anspruch, Fragen an Belastungszeugen zu stellen, nicht unbe-

grenzt und völlig unabhängig von der Zweckmässigkeit und Relevanz solcher

Fragen gilt. Im gleich nachfolgenden Satz, den der Beschwerdeführer nicht zitiert,

hält das Bundesgericht fest, durch die ausführliche Würdigung der Aussagen des

Opferzeugen mit Blick auf einige der gestellten Fragen sei das (Aargauer) Ober-

gericht implizit davon ausgegangen, dass die Ergänzungsfragen jedenfalls nur

teilweise völlig irrelevant seien. Es hätte sie aus diesem Grund nicht einfach ge-

samthaft für unzulässig erklären dürfen (BGE 129 I 157 E. 4.3). Im vorliegenden

Fall haben jedoch der Bezirksanwalt, der Einzelrichter und das Obergericht die

beantragten Zusatzfragen nicht nur teilweise, sondern vollständig für irrelevant

gehalten. Die zitierte bundesgerichtliche Rechtsprechung steht somit einem Ab-

sehen von einer nochmaligen Einvernahme der Zeugin zwecks Stellung der vom

Beschwerdeführer beantragten Fragen nicht entgegen.

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b) Der Beschwerdeführer bringt vor, bei der Nichtgewährung des Rechts, an den

einzigen Belastungszeugen Zusatzfragen zu stellen, handle es sich gemäss Leh-

re um einen absoluten Nichtigkeitsgrund, der zur Aufhebung des Entscheids füh-

ren müsse. Folglich müsse nicht einzeln dargelegt werden, inwiefern sich der

Mangel zum Nachteil des Beschwerdeführer ausgewirkt habe. (KG act. 1 S. 6 f.

Ziff. 13).

Wie bereits ausgeführt, ergibt sich aus dem grundsätzlich absoluten Charakter

des Rechts eines Angeklagten, dem Belastungszeugen Fragen zu stellen, nicht,

dass der Untersuchungsbeamte oder Richter diese Fragen unbesehen zuzulas-

sen habe. Das Recht, Fragen zu stellen, bezieht sich auf Fragen, „welche zur

Aufklärung der Sache dienen können“ (§ 14 Abs. 1 StPO, letzter Halbsatz).

c) Das Obergericht habe mit nicht nachvollziehbarer Begründung ausgeführt, so

der Beschwerdeführer, es sei nicht nachvollziehbar, was zu Gunsten des Be-

schwerdeführer abgeleitet werden könnte, wenn die Zeugin in einer zweiten Be-

fragung allenfalls einen falschen Namen der Ehefrau des Beschwerdeführers

nennen würde. Entgegen dem Obergericht wäre dies aber ein klares Indiz dafür,

dass die Zeugin nicht die Wahrheit sage. Es wäre schlichtweg nicht erklärbar,

wenn sie - obwohl sie angeblich während längerer Zeit mit der Ehefrau gearbeitet

haben wolle - auf einmal einen falschen Namen nennen würde (KG act. 1 S. 6

Ziff. 14, erster Absatz).

Der Einzelrichter hielt zum Umstand, dass sich die Zeugin Z. nicht mehr an den

Vornamen der Ehefrau des Beschwerdeführers zu erinnern vermochte, obwohl

sie laut ihrer eigenen Aussage hauptsächlich mit dieser kommuniziert haben wol-

le, fest, es sei durchaus denkbar, dass Z. während ihres rund zweieinhalb Monate

dauernden Aufenthalts bei der Familie Q. die Ehefrau des Beschwerdeführers

nicht mit dem Vornamen angesprochen  habe. Zudem sei auf die lange Zeitspan-

ne zwischen Aufenthalt und Zeugeneinvernahme hinzuweisen. Immerhin habe die

Zeugin noch gewusst, dass die Ehefrau einen jüdischen Vornamen trage (OG act.

27 S. 8 f.). Das Obergericht verweist im Sinne von § 161 GVG ausdrücklich auf

diese Erwägungen der Begründung des einzelrichterlichen Urteils (KG act. 2 S. 6

Erw. III/2.5). Aus Art. 6 EMRK und aus § 14 StPO ergibt sich kein Anspruch des

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Beschwerdeführers, die Frage nach dem Vornamen seiner Ehefrau ein zweites

Mal zu stellen, da diese Frage bereits durch die Untersuchungsbehörde gestellt

worden ist. Ein solcher Anspruch besteht auch nicht zur Bewirkung eines allfälli-

gen Widerspruchs. Die Vorinstanzen hatten die vorliegenden Aussagen der Zeu-

gin zu würdigen. Die entsprechende Erwägung im einzelrichterlichen Urteil, wel-

che vom Obergericht durch Verweisung übernommen wurde, ist nachvollziehbar

und damit nicht willkürlich.

d) Als ebenfalls unverständlich rügt der Beschwerdeführer die obergerichtliche

Erwägung betreffend der zweiten nicht zugelassenen Frage, wonach angenom-

men werden könne, dass die Zeugin ein Zimmer im zweiten Stockwerk benennen

würde, befänden sich doch im ersten Stock das Wohnzimmer, die Küche und eine

Toilette. Der Beschwerdeführer hält dafür, dies sei ein Paradebeispiel für eine an-

tizipierte Beweiswürdigung und für einen unzulässigen Umkehrschluss. Das Ge-

richt gehe offensichtlich davon aus, dass Z. ohnehin die Wahrheit sage und

schliesse daraus, dass sie demzufolge eben ein  Zimmer im zweiten Stock be-

nennen würde, weil sich die Schlafzimmer effektiv im zweiten Stock befänden.

Dem Beschwerdeführer gehe es aber nicht darum, sich den genauen Logisort von

Z. erklären zu lassen, weil er seine eigene Wohnung nicht kenne. Er habe viel-

mehr gehofft, die Zeugin, welche nie in seiner Wohnung gewohnt habe, allenfalls

in ihrer Falschaussage zu überführen. Die Zeugin werde schlicht und einfach

deshalb ihr Zimmer nicht benennen können, weil sie nie dort gewohnt habe.

Ebenfalls nicht nachvollziehbar sei die Feststellung des Obergerichts, dass die

Glaubhaftigkeit der Zeugin auch dann nicht in Frage gestellt werden könnte, wenn

sie überhaupt nicht in der Lage gewesen wäre, zu beschreiben, in welchem Zim-

mer sie über Monate gewohnt haben wolle (KG act. 1 S. 6 f. Ziff. 14, 2. und 3. Ab-

satz).

Anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 31. Juli 2002 beschrieb Z. die zweistök-

kige Wohnung des Beschwerdeführers, so unter anderem dass sich das Wohn-

zimmer und die Küche im ersten Stock und die Schlafzimmer im zweiten Stock

befänden (ER act. 11/7 S. 4 unten). Diese Beschreibung deckt sich weitgehend

mit derjenigen des Beschwerdeführers anlässlich dessen Einvernahme vom 16.

Juni 2003 durch den Bezirksanwalt (ER act. 12 S. 4). Die Zeugin weiss also, wo-

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her auch immer, wie die Wohnung des Beschwerdeführers eingerichtet ist, insbe-

sondere dass sich die Schlafzimmer im zweiten Stockwerk finden. Wenn das

Obergericht vermutet, dass die Zeugin bei einer nochmaligen Einvernahme aus-

sagen würde, sie habe im zweiten Stockwerk geschlafen, so ist dies nahe liegend.

Das Obergericht setzt sich im angefochtenen Urteil jedoch auch mit den Möglich-

keiten auseinander, dass die Zeugin auf entsprechende Frage hin ein Zimmer im

ersten Stockwerk benennen würde oder dass sie nicht in der Lage wäre, ein sol-

ches Zimmer zu benennen. Es hält dafür, zum einen sei nicht ausgeschlossen,

dass der Beschwerdeführerin für die temporäre Gewährung von Logis in einem

der unteren Räume eine Schlafstätte zugewiesen worden sei. Zum andern beruhe

das vorliegende Beweisergebnis auf einer Fülle von sonstigen Details, welche die

Zeugin als Beleg für ihren Aufenthalt in der Wohnung des Beschwerdeführers ha-

be aufzählen können (KG act. 2 S. 7 unten). Mit den entsprechenden Erwägun-

gen des Obergerichts zum Sachverhalt (KG act. 2 S. 9 - 19, Erw. III/A 1 - 18) setzt

sich der Beschwerdeführer nicht auseinander und zeigt damit auch nicht auf, dass

eine nochmalige Zeugeneinvernahme von Z. geeignet wäre, die obergerichtliche

Beweiswürdigung zu erschüttern. Der Beschwerdeführer zeigt  weiter nicht auf,

weshalb eine allfällige Erinnerungslücke in dem Sinne, als die Zeugin nicht genau

umschreiben könnte, in welchem Zimmer seiner Wohnung sie übernachtet habe,

ihre den Beschwerdeführer belastenden Aussagen als unglaubhaft erscheinen

lassen könnten. Da es hier nicht um Ergänzungsfragen geht, die direkt die für den

Schuldspruch wesentlichen Tatumstände betreffen, sondern da es sich erklärter-

massen um Zusatzfragen handelt, die ausschliesslich die Glaubhaftigkeit bzw.

Glaubwürdigkeit der Zeugen betreffen, hätte aber der Beschwerdeführer die Re-

levanz der Fragen darzutun.

3. Unter den gegebenen Umständen ist die Annahme des Obergerichts, die bei-

den beantragten Zusatzfragen seien für die Aufklärung der Sache irrelevant, nicht

zu beanstanden und ebenso wenig ist zu beanstanden, dass das Obergericht, wie

zuvor der Bezirksanwalt und der Einzelrichter, von einer nochmaligen rechtshilfe-

weisen Einvernahme der Zeugin Z., abgesehen hat. Die Nichtigkeitsbeschwerde

ist unbegründet und abzuweisen.

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 III.

Ausgangsgemäss sind die Kosten des Kassationsverfahrens dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (§ 396a StPO).

Das Gericht beschliesst:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Gerichtsgebühr für das Kassationsverfahren wird festgesetzt auf:

Fr. 1'500.-- ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 241.--   Schreibgebühren,

Fr. 133.--   Zustellgebühren und Porti.

3. Die Kosten des Kassationsverfahrens werden dem Beschwerdeführer auf-

erlegt

4. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, die I. Strafkammer des Obergerichts

des Kantons Zürich und den Einzelrichter in Strafsachen des Bezirkes Zü-

rich, je gegen Empfangsschein.

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KASSATIONSGERICHT DES KANTONS ZÜRICH
Der juristische Sekretär: