# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8ea8fd67-7135-5693-b9ad-85ceb96e865b
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-05-07
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsbehörden Bau- und Verkehrsdirektion 07.05.2010 110 2009 119
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_BVD/BE_VB_001_110-2009-119_2010-05-07.pdf

## Full Text

ENTSCHEID
DER

BAU-, VERKEHRS- UND ENERGIEDIREKTION

RA Nr. 110/2009/119 Bern, 7. Mai 2010

in der Beschwerdesache zwischen

Frau A.________
Beschwerdeführerin 1

Herrn B.________
Beschwerdeführer 2

alle vertreten durch Herrn Fürsprecher C.________

und

Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli, Schloss 1, Postfach 276, 
3800 Interlaken

Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Lauterbrunnen, Gemeindeverwaltung, Haus 
Adler, 3822 Lauterbrunnen

betreffend die Verfügung des Regierungsstatthalters von Interlaken vom 1. September 
2009 (bbew 89/2009; Personalhaus Hotel E.________, Attikageschoss)

I. Sachverhalt

1. Die Beschwerdeführer reichten am 30. Oktober 2008 bei der Gemeinde 

Lauterbrunnen für die Aufstockung des Wohnhauses (Personalhaus) auf Parzelle 

Lauterbrunnen Grundbuchblatt-Nr. D.________ ein Baugesuch ein. Das Wohnhaus ist mit 

dem Hotel E.________ auf Parzelle Lauterbrunnen Grundbuchblatt-Nr. F.________ über 

Eck zusammengebaut. Das Hotel ist im Bauinventar als schützenswertes Objekt 

eingetragen; das Wohnhaus aus den 1980er Jahren ist nicht inventarisiert. 

2

2. Das Bauvorhaben betrifft die Kernzone von Wengen. Nach Art. 38 i.V.m. Art. 60 des 

Gemeindebaureglements (GBR) der Gemeinde Lauterbrunnen vom 2. April 1998 sind in 

der Kernzone maximal drei Geschosse sowie eine Gebäudelänge von 30 Metern zulässig. 

Art. 25 Abs. 2 GBR schreibt für Hauptgebäude im ganzen Gemeindegebiet geneigte 

Dächer vor. Projektiert ist, auf dem Wohnhaus ein zusätzliches Vollgeschoss mit 

Flachdach zu erstellen. Das Bauvorhaben wurde mit dem Hinweis auf die benötigte 

Ausnahme von Art. 25 GBR (Dachgestaltung) publiziert; Einsprachen gingen keine ein. Die 

Denkmalpflege des Kantons Bern stimmte dem Vorhaben mit Bericht vom 19. Januar 2009 

zu. Der Gemeinderat von Lauterbrunnen beschloss am 9. Februar 2009, die benötigten 

Ausnahmen vom GBR nicht zu gewähren, da keine besonderen Verhältnisse ersichtlich 

und öffentliche Interessen durch die Aufstockung betroffen seien. 

3.  Nach einer Anpassung der geschätzten Baukosten für das Vorhaben von 800'000.-- 

Franken auf 1.5 Millionen Franken wechselte die Zuständigkeit für die Beurteilung des 

Gesuchs zum Regierungsstatthalteramt von Interlaken. Dieses erteilte am 1. September 

2009 den Bauabschlag mit der Begründung, besondere Verhältnisse, die eine Ausnahme 

von den kommunalen Vorschriften zu Dachgestaltung und maximaler Geschosszahl 

rechtfertigen könnten, lägen nicht vor. 

4. Die Beschwerdeführer reichten am 25. September 2009 Beschwerde bei der Bau-, 

Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen, die 

Baubewilligung sei zu erteilen. Sie machen insbesondere geltend, eine Ausnahme von der 

vorgeschriebenen Dachgestaltung rechtfertige sich, weil ein Flachdach aus 

denkmalpflegerischer Sicht an dieser Stelle die einzig mögliche Lösung sei. 

5. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den 

Schriftenwechsel durch, edierte die Vorakten und holte eine ergänzende Stellungnahme 

der kantonalen Denkmalpflege ein. Diese bestätigte mit Schreiben vom 14. Dezember 

2009, an diesem Standort komme nur ein Flachdach in Frage und ein Satteldach sei 

1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und 
Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).

3

ausgeschlossen; eine Ausnahme von der vorgeschriebenen Dachform und Geschosszahl 

rechtfertige sich daher aus ihrer Sicht. Die anschliessende vertiefte Prüfung der Unterlagen 

durch das Rechtsamt zeigte, dass der bestehende Gebäudekomplex von Hotel und 

angebautem Wohnhaus die maximal zulässige Gebäudelänge von 30 Metern 

überschreitet. Die Beteiligten erhielten Gelegenheit, sich zu diesem Punkt zu äussern und 

anschliessend Schlussbemerkungen zum Verfahren einzureichen. 

6. Auf die Rechtsschriften und den Fachbericht wird, soweit für den Entscheid 

wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen

1.  Sachurteilsvoraussetzungen

Nach Art. 11 Abs. 1 KoG2 kann ein Gesamtentscheid unabhängig von den geltend 

gemachten Einwänden einzig mit dem für das Leitverfahren massgeblichen Rechtsmittel 

angefochten werden. Leitverfahren war im vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren 

(Art. 5 KoG). Bauentscheide können nach Art. 40 Abs. 1 BauG innert 30 Tagen mit 

Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der 

Beschwerde zuständig. Die Beschwerdeführer sind als abgewiesene Baugesuchsteller 

durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert und somit befugt, dagegen Beschwerde 

zu führen. Auf ihre Beschwerde, die form- und fristgerecht eingereicht wurde, wird 

eingetreten.

2. Besitzstandsgarantie

a) Die beiden über Eck zusammengebauten Volumen von Hotel und Wohnhaus 

überschreiten die in der Kernzone zulässige Gebäudelänge von 30 Metern um rund 19 

2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1).

4

Meter. Mit der Baubewilligung vom 21. Juli 1976 für das Wohnhaus wurde unter anderem 

auch eine Ausnahme von der maximal zulässigen Gebäudelänge bewilligt. 

b) Die Beschwerdeführer argumentieren, der bestehende Gebäudekomplex werde 

durch das Bauprojekt nicht verlängert, daher seien die baurechtlichen Bestimmungen 

betreffend maximale Gebäudelänge gar nicht betroffen. Bisher bewilligte Bauten seien in 

ihrem Bestand geschützt und stellten keine Rechtswidrigkeit dar. Infolgedessen könne ein 

Umbau oder eine Erweiterung des Bauvolumens nach Art. 3 BauG erfolgen. Die Gemeinde 

stellt sich dagegen auf den Standpunkt, die Aufstockung verstärke die Rechtswidrigkeit der 

Baute; das Bauvorhaben könne nicht im Rahmen der Besitzstandsgarantie bewilligt 

werden. 

c) Die Eigentumsgarantie und das Verbot der Rückwirkung von Gesetzen gebieten, 

rechtmässig erstellte Bauten und Anlagen in ihrem Bestand zu schützen. Der bernische 

Gesetzgeber hat diesem Prinzip mit dem Erlass von Art. 3 des Baugesetzes vom 9. Juni 

1985 (BauG)3 Rechnung getragen. Gemäss Art. 3 BauG werden aufgrund bisherigen 

Rechts bewilligte oder bewilligungsfreie Bauten und Anlagen in ihrem Bestand durch neue 

Vorschriften und Pläne nicht berührt (Art. 3 Abs. 1 BauG). Sie dürfen unterhalten, 

zeitgemäss erneuert und – soweit dadurch ihre Rechtswidrigkeit nicht verstärkt wird – auch 

umgebaut oder erweitert werden (Art. 3 Abs. 2 BauG). Mit der Befugnis, bestehende 

Anlagen umzubauen und zeitgemäss zu erneuern, will das Gesetz die sinnvolle 

Weiterverwendung vorhandener Bausubstanz fördern.4 Das GBR enthält keine 

weitergehenden Bestimmungen zum Besitzstand. 

Nach dem Wortlaut von Art. 3 Abs. 1 BauG bezieht sich die Besitzstandsgarantie nur auf 

Fälle, in denen eine Baute aufgrund geänderter Vorschriften rechtswidrig geworden ist. 

Eigentümer einer bewilligten, jedoch in Widerspruch zu öffentlichrechtlichen Vorschriften 

stehenden Baute können sich aber nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts5 

auch dann auf die Besitzstandsgarantie berufen, wenn die Rechtslage nicht geändert hat. 

Somit ist in Bezug auf die überschrittene Gebäudelänge zu prüfen, ob das Vorhaben im 

Rahmen von Art. 3 BauG bewilligt werden kann. 

3 BSG 721.0
4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007, Art. 3 
N. 1.
5 Entscheid des Verwaltungsgerichts vom 13. Januar 2009 (VGE 23385/23388), E. 5.1; BVR 1997 S. 223. 

5

Der Begriff „zeitgemäss erneuern“ in Art. 3 Abs. 2 BauG drückt aus, dass Renovationen 

auch Anpassungen an moderne Komfortansprüche beinhalten können (z.B. verbesserte 

sanitäre oder technische Einrichtungen oder Isolation).6 Als „Erweiterung“ gilt die 

Vergrösserung des bestehenden Bauvolumens: An- oder Aufbauten sowie das Ersetzen 

eines Flachdachs durch ein Walmdach fallen zum Beispiel unter diesen Begriff, ebenso die 

Unterkellerung und der Einbau von Untergeschossen.7 Unter „Umbau“ ist beispielsweise 

die innere Umgestaltung durch das Verschieben von Wänden, das Herausbrechen neuer 

Tür- und Fensteröffnungen usw. zu verstehen; bautechnisch oder äusserlich kann dies das 

Bauwerk erheblich verändern.8 Nicht mehr unter die Besitzstandsgarantie fallen dagegen 

„neubauähnliche Umgestaltungen“: Als solche gelten durchgreifende, meist mit 

wesentlichen Umbauten verbundene Veränderungen innerhalb der Gebäudehülle; dabei 

werden wesentliche Eingriffe in die Substanz und in die Grundstruktur der Baute 

vorgenommen.9 

d) Die Beschwerdeführer wollen ein zusätzliches Wohngeschoss erstellen. Dies geht 

über den blossen Unterhalt oder eine zeitgemässe Erneuerung hinaus. Es stellt sich 

demnach die Frage, ob das Bauvorhaben bloss eine Erweiterung im Sinne von Art. 3 Abs. 

2 BauG darstellt oder aber eine – nicht mehr unter die Besitzstandsgarantie fallende – 

neubauähnliche Umgestaltung. Das bestehende Gebäude soll um ein Geschoss erhöht 

werden; die Dachform bleibt gleich. Der Grundriss des Gebäudes bleibt im Wesentlichen 

gleich, einzig an der Nordseite soll ein neues Treppenhaus angebaut werden. Damit kann 

die Aufstockung zwar noch als Erweiterung im Rahmen von Art. 3 Abs. 2 BauG betrachtet 

werden. Durch die Besitzstandsgarantie gedeckt ist eine solche Erweiterung aber nur 

dann, wenn die Rechtswidrigkeit der Baute dadurch nicht verstärkt wird. Die 

Rechtswidrigkeit wird verstärkt, wenn das öffentliche oder nachbarliche Interesse, das 

durch die nicht eingehaltene Norm geschützt werden soll, durch den Umbau oder die 

Erweiterung noch stärker beeinträchtigt würde als bisher. Nicht entscheidend ist, ob die 

massgebende Vorschrift zusätzlich verletzt würde, denn dafür braucht es ohnehin eine 

Ausnahmebewilligung. Eine Verstärkung der Rechtwidrigkeit in einem bestimmten Punkt 

6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 3 N. 3.
7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O.
8 Richard Trachsel „Besitzstandsgarantie“ in KPG-Bulletin 4/1987 S. 38; Christophe Cueni, „Die 
Besitzstandsgarantie für baurechtswidrig gewordene Bauten und Anlagen in der Bauzone“ in KPG-Bulletin 
2007 S. 114, S. 127, mit Hinweisen.
9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O.

6

(z.B. zu Lasten des Nachbarn) kann nicht ohne weiteres durch die Verbesserung in einem 

andern Punkt (z.B. der Ästhetik) kompensiert werden.10 

Anders als die Beschwerdeführer argumentieren, betrifft das geplante zusätzliche 

Geschoss auch die Gebäudelänge: Die negativen Auswirkungen (z.B. Schattenwurf, 

städtebauliche „Riegelwirkung“) des überlangen Baukörpers würden durch die Aufstockung 

verstärkt. Das Vorhaben betrifft daher den Schutzbereich der kommunalen Vorschrift zur 

maximalen Gebäudelänge. Mit der Aufstockung würde die Abweichung vom normalerweise 

Erlaubten noch grösser, was sinngemäss bedeutet, dass die Rechtswidrigkeit nach Art. 3 

Abs. 2 BauG verstärkt würde.11 Daher ist das Bauvorhaben nicht mehr durch die 

Besitzstandsgarantie von Art. 3 BauG gedeckt. Das kommunale Recht sieht keine 

erweiterte Besitzstandsgarantie vor. Eine Bewilligung der Aufstockung im Rahmen der 

Besitzstandgarantie ist daher ausgeschlossen. Nachfolgend ist zu prüfen, ob für das 

Vorhaben allenfalls eine Ausnahme von der maximalen Gebäudelänge bewilligt werden 

kann. 

3. Ausnahmegesuch

a) Die Beschwerdeführer haben im Baubewilligungsverfahren Ausnahmegesuche für 

die Überschreitung der maximalen Geschosszahl sowie für eine von den Vorschriften von 

Art. 25 GBR abweichende Dachform eingereicht. In diesem Beschwerdeverfahren 

beantragen sie mit Eingabe vom 15. März 2010 zusätzlich eine Ausnahme von der 

maximal zulässigen Gebäudelänge, falls das Vorhaben nicht unter die 

Besitzstandsgarantie fallen sollte. Daher ist zu prüfen, ob eine Ausnahmebewilligung für 

die Gebäudelänge erteilt werden kann. 

b) Die Beschwerdeführer bringen vor, das Bedürfnis nach einer Ausnahmebewilligung 

sei notwendige Folge der 1976 erteilten Ausnahmebewilligung: Das Wohnhaus könne gar 

nicht aufgestockt werden, ohne die zulässige Gebäudelänge zu überschreiten. Bereits in 

10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 3 N. 3.
11 vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., sowie Urteil des Verwaltungsgerichts vom 13. Januar 2009 (VGE 
23385/23388), E. 5.3. 

7

der Bewilligung von 1976 sei festgestellt worden, dass öffentliche oder nachbarliche 

Interessen durch die Überlänge nicht betroffen seien. Ausserdem verbessere die geplante 

Aufstockung das Erscheinungsbild des Gebäudekomplexes und diene damit sowohl den 

öffentlichen als auch den privaten Interessen. Die Gemeinde ist der Ansicht, keine der 

beantragten Ausnahmen sei durch besondere Verhältnisse im Sinn von Art. 26 BauG 

gerechtfertigt. 

c) Nach Art. 26 BauG können Ausnahmen von einzelnen Bauvorschriften gewährt 

werden, wenn besondere Verhältnisse es rechtfertigen und keine öffentlichen Interessen 

beeinträchtigt werden. Ausnahmen dürfen überdies keine wesentlichen nachbarlichen 

Interessen verletzen, es sei denn, die Beeinträchtigung könne durch Entschädigung 

vollwertig ausgeglichen werden. Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein. 

Eine Ausnahmebewilligung soll die gesetzliche Regelung, die im Interesse der 

Rechtssicherheit sowie der Rechtsgleichheit die tatsächlichen Verhältnisse generalisierend 

erfasst, einzelfallgerecht verfeinern. Ausnahmegründe beziehen sich deshalb auf den 

Zweck, den Umfang oder die Gestaltung eines Bauvorhabens, wenn diese in den 

geltenden Vorschriften nicht genügend berücksichtigt sind. Sie müssen mit den 

Besonderheiten des Baugrundstücks oder des Bauvorhabens zusammenhängen. Unter 

Umständen können aber auch Besonderheiten, die sich aus den subjektiven Verhältnissen 

der bauwilligen Personen ergeben, eine Ausnahme begründen. Rein finanzielle Interessen, 

der Wunsch nach einer Ideallösung oder intensives Ausnützungsstreben rechtfertigen aber 

keine Ausnahmebewilligung. Es geht vielmehr darum, ausgesprochene Unbilligkeiten und 

Unzweckmässigkeiten zu vermeiden, die die strikte Anwendung der Vorschrift für die 

Bauwilligen zur Folge hätte. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass der Ausnahmegrund 

keine absolute Grösse ist. Ob ein Sachverhalt als Ausnahmegrund genügen kann, hängt 

von drei Komponenten ab: vom Interesse des Bauherrn an der Ausnahme, von der 

Bedeutung der Vorschrift, von der abgewichen werden soll, und von Art und Mass der 

verlangten Abweichung.12

d) Besondere Verhältnisse, die ein Überschreiten der maximalen Gebäudelänge 

rechtfertigen könnten, sind vorliegend nicht ersichtlich. Dass im Jahr 1976 eine 

Ausnahmebewilligung von der Gebäudelänge gewährt wurde, spielt für die heutige 

Beurteilung keine Rolle: Für die geplante Aufstockung muss erneut überprüft werden, ob 

12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 26/27 N. 4.

8

besondere Verhältnisse im Sinn von Art. 26 BauG die zusätzliche Abweichung vom 

normalerweise Erlaubten rechtfertigen. Die Beschwerdeführer bringen einzig vor, dass für 

die Aufstockung zwingend eine Ausnahme von den Vorschriften zur Gebäudelänge nötig 

sei, weil sonst das Vorhaben nicht verwirklicht werden könne. Dies genügt aber nicht als 

Ausnahmegrund. Dass das bestehende Gebäude die zulässige Länge bereits überschreitet 

und nur mit verschiedenen Ausnahmebewilligungen erstellt werden konnte, stellt für sich 

allein keine objektive Besonderheit dar, die eine Ausnahme rechtfertigen könnte. Sonst 

könnten Bauten, die bereits früher Ausnahmen benötigten, ohne Weiteres zusätzliche 

Ausnahmen beanspruchen. Andere Gründe, wie z.B. betriebliche Notwendigkeiten, die 

eine Aufstockung des Wohnhauses nötig machen, bringen die Beschwerdeführer dagegen 

keine vor. Allein der Wunsch nach einer optimalen Nutzung oder einer Ideallösung genügt 

nach der Rechtsprechung als Ausnahmegrund nicht13. Hinzu kommt, dass die Abweichung 

vom Zulässigen nicht gering ist: Immerhin beträgt die Überlänge rund 19 Meter. 

Da besondere Verhältnisse, die das Überschreiten der maximal zulässigen Gebäudelänge 

durch die Aufstockung rechtfertigten könnten, nicht ersichtlich sind, kann die benötigte 

Ausnahme nicht bewilligt werden. Es erübrigt sich deshalb zu prüfen, ob zudem öffentliche 

oder allenfalls nachbarliche Interessen der beantragten Ausnahme entgegenstehen. 

4. Gleichbehandlung im Unrecht

a) Schliesslich berufen sich die Beschwerdeführer auf den Anspruch auf 

Gleichbehandlung im Unrecht. Sie bringen vor, dass die Gewährung einer Ausnahme von 

der maximalen Gebäudelänge bei Anbauten an bestehende Hotelliegenschaften der 

gängigen Praxis im östlichen Berner Oberland entspreche. Sie verweisen auf eine 

Baubewilligung des Hotels G.________ in Grindelwald.

b) Nach dem Gleichbehandlungsgrundsatz von Art. 8 Abs. 1 BV14 und Art. 10 Abs. 1 

KV15 ist Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nach Massgabe 

seiner Ungleichheit ungleich zu behandeln. „Das Gleichheitsprinzip verbietet einerseits 

unterschiedliche Regelungen, denen keine rechtlich erheblichen Unterscheidungen zu 

13 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 26/27 N. 5a.
14 Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV; SR 101).
15 Verfassung vom 6. Juni 1993 des Kantons Bern (KV; BSG 101.1).

9

Grunde liegen, und untersagt andererseits die rechtliche Gleichbehandlung von Fällen, die 

sich in tatsächlicher Hinsicht wesentlich unterscheiden. Ein Anspruch auf 

Gleichbehandlung im Unrecht besteht grundsätzlich nicht. Eine Ausnahme von diesem 

Grundsatz bedingt das Vorliegen vergleichbarer Fälle, eine eigentliche gesetzwidrige 

Praxis sowie den Willen der Behörde, an dieser Praxis festzuhalten. Selbst bei Vorliegen 

einer gesetzwidrigen Praxis hat der Anspruch, ebenfalls gesetzwidrig behandelt zu werden, 

zurückzutreten, wenn überwiegende öffentliche oder private Interessen im Einzelfall eine 

gesetzeskonforme Entscheidung verlangen. Bei solchen Interessenkonflikten hat eine 

Abwägung im Einzelfall zu erfolgen“.16

c) Die Beschwerdeführer verweisen einzig auf einen Fall aus Grindelwald. Fälle aus der 

Gemeinde Lauterbrunnen, die bei der maximalen Länge von Hotelbauten auf eine 

gesetzeswidrige Praxis der Gemeinde deuten würden, legen sie keine vor. Auch hat sich 

die Gemeinde in ihrer Stellungnahme vom 26. März 2010 dagegen ausgesprochen, eine 

Ausnahme zu gewähren. Somit kann von einer bestehenden gesetzeswidrigen Praxis, an 

der die zuständige Behörde festhalten will, nicht die Rede sein. Die Überschreitung der 

Gebäudelänge durch das Vorhaben kann daher auch unter dem Titel der 

Gleichbehandlung im Unrecht nicht bewilligt werden. 

5. Zusammenfassung 

a) Die geplante Aufstockung kann wegen der maximal zulässigen Gebäudelänge nach 

Art. 60 GBR nicht bewilligt werden: Da das zusätzliche Geschoss die Rechtswidrigkeit im 

Sinn von Art. 3 Abs. 2 BauG verstärken würde, ist die Aufstockung nicht mehr durch die 

Besitzstandsgarantie gedeckt. Eine Ausnahmebewilligung nach Art. 26 BauG kann für die 

Überschreitung der maximalen Gebäudelänge nicht gewährt werden, weil besondere 

Verhältnisse nicht ersichtlich sind. Auch unter dem Titel der Gleichbehandlung im Unrecht 

kann die benötigte Ausnahme nicht bewilligt werden, da keine gesetzeswidrige Praxis der 

Gemeinde besteht. 

b) Bei diesem Ergebnis erübrigt sich zu prüfen, ob die für das Vorhaben zusätzlich 

benötigten Ausnahmen von der vorgeschriebenen Dachgestaltung und von der maximal 

16 Urteil des Verwaltungsgerichts vom 22. Oktober 2008 (VGE 100.2008.23318/23319) E. 4.2 mit Hinweisen.

10

zulässigen Geschosszahl gewährt werden könnten. Es kann offenbleiben, ob die von der 

kantonalen Denkmalpflege dargelegten Argumente für ein Flachdach als „besondere 

Verhältnisse“ im Sinn von Art. 26 BauG zu würdigen sind. Der im Beschwerdeverfahren 

eingeholte, ergänzende Fachbericht der kantonalen Denkmalpflege erweist sich insofern 

als unnötig, was bei der Festlegung der Verfahrenskosten zu berücksichtigen ist. 

6. Kosten

Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführer. Sie haben die 

Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG17). Diese werden bestimmt auf eine 

Pauschalgebühr von 1'400.-- Franken (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 

Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1 GebV18). Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 4 

VRPG). 

III. Entscheid

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. Der Gesamtbauentscheid (Bauabschlag) des 

Regierungsstatthalters von Interlaken vom 1. September 2009 wird bestätigt.

2. Die Verfahrenskosten werden auf 1'400.-- Franken bestimmt und den 

Beschwerdeführern zur Bezahlung auferlegt. Die Beschwerdeführer haften 

solidarisch für den gesamten Betrag. Eine separate Zahlungseinladung folgt, sobald 

dieser Entscheid in Rechtskraft erwachsen ist.

3. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

17 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
18 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; 
BSG 154.21)

11

IV. Eröffnung

- Herrn Fürsprecher C.________, mit Gerichtsurkunde

- Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli, A-Post

- Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Lauterbrunnen, Gemeindeverwaltung, mit 

Gerichtsurkunde

- Denkmalpflege des Kantons Bern, zur Kenntnis

BAU-, VERKEHRS- UND 

ENERGIEDIREKTION

Die Direktorin

B. Egger-Jenzer, Regierungsrätin