# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5d62c6b3-185d-51e4-8758-392edd494d9c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.11.2010 E-7280/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-7280-2010_2010-11-17.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-7280/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 7 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 
Richterin Regula Schenker Senn, 
Richterin Muriel Beck Kadima, 
Gerichtsschreiberin Contessina Theis.

A_______, eigenen Angaben zufolge geboren (...) 1993,
Afghanistan,
vertreten durch lic. iur. Stefan Hery, (...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
9. September 2010 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-7280/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge sein Heimatland 
am 28. Mai 2010 verliess und am 5. Juli 2010 in die Schweiz gelangte, 
wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte,

dass am 7. Juli 2010 beim Beschwerdeführer eine Handknochenana-
lyse  durchgeführt  und  im  entsprechenden  Bericht  ein  Knochenalter 
von 18 Jahren festgehalten wurde (A6/1),

dass das BFM den Beschwerdeführer am 20. Juli  2010 im Centro di 
Registrazione e di Procedura di Chiasso (CRP) summarisch befragte 
(A1/16),

dass  er  dabei  geltend  machte,  er  sei  Schiite  tadjikischer  Ethnie, 
stamme aus dem Distrikt B_______ in der Provinz Herat, sei am (....) 
(... 1993) geboren und sei siebzehneinhalb Jahre alt,

dass er Probleme bekommen habe, da sein Vater für [NGO] gearbeitet 
habe, weshalb er bereits 15-jährig, kurz nach dem Tode seines Vaters 
am 4. April  2008,  die  Schule  habe  verlassen  müssen  und  in  einem 
[Geschäft] gearbeitet habe, 

dass seine Familie nach dem Tode seines Vaters Land verkauft habe 
und er mit diesem Geld Teilhaber im [Geschäft] geworden und für die 
Familie verantwortlich gewesen sei,

dass seine Mutter und seine Schwester Bekanntschaft mit einer Frau 
gemacht hätten und diese kurz darauf seine Schwester als Ehefrau für 
ihren  Bruder  C_______,  einen  Sunniten,  welcher  bei  der 
Kriminalpolizei arbeite und bereits verheiratet sei, vorgesehen habe,

dass  C_______  kurze  Zeit  darauf  beim  Beschwerdeführer  zuhause 
vorgesprochen und seine Einwilligung zur Heirat mit seiner Schwester 
verlangt habe,

dass er, da seine Schwester bereits ihrem Cousin versprochen gewe-
sen und C_______ Sunnite und bereits verheiratet gewesen sei, abge-
lehnt habe,

dass er am nächsten Tag auf dem Weg zur Arbeit von C_______ und 
seinen Leuten verschleppt  und mittels Gewalt  dazu gezwungen wor-

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den sei, ein Dokument zu unterschreiben, mit welchem er in die Heirat  
seiner Schwester mit C_______ eingewilligt habe,

dass er  nach seiner  Freilassung nach Hause gegangen sei  und mit 
seiner Mutter und seiner Schwester beschlossen habe zu fliehen,

dass sie daraufhin zusammen nach D_______ im Iran geflohen seien, 
von wo aus er weiter in die Schweiz gereist sei,

dass dem Beschwerdeführer anlässlich der Befragung im CRP auch 
das rechtliche Gehör zum Ergebnis der Handknochenanalyse gewährt 
und ihm dargelegt  wurde,  dass  das BFM aufgrund seiner  Aussagen 
davon ausgehe, er sei volljährig, und ihm keine Vertrauensperson zu-
weise,

dass  der  Beschwerdeführer  an  seiner  Minderjährigkeit  festhielt  und 
ausführte, dass er die von ihm zuvor erwähnten Dokumente (nament-
lich  eine  Identitätskarte),  welche  seine  Minderjährigkeit  beweisen 
würden, aus dem Iran werde kommen lassen,

dass  der  Beschwerdeführer  am  26.  Juli  2010  seine  Identitätskarte, 
einen  Schulausweis  sowie  eine  Mitgliederkarte  der  Arbeitergewerk-
schaft einreichte (A12/1),

dass  das  BFM  am  3.  August  2010  eine  Anhörung  durchführte 
(A13/12), bei der eine Hilfswerkvertreterin, aber keine Vertrauensper-
son anwesend war,

dass das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit Verfügung 
vom 9. September 2010 (zugestellt  am 10. September 2010) abwies 
und die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie 
den Wegweisungsvollzug anordnete,

dass die Vorinstanz zur Begründung anführte, der Beschwerdeführer 
trage  nach  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 22 die Beweislast für seine 
Minderjährigkeit und müsse diese zumindest glaubhaft machen,

dass er jedoch nicht in der Lage gewesen sei, die behauptete Minder -
jährigkeit  glaubhaft  zu  machen,  da  er  bei  seiner  Ankunft  in  der 
Schweiz angegeben habe, er sie am (...) geboren, was dem (...) 1993 
entspreche,

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dass er demgegenüber in der Befragung zur Person am 20. Juli 2010 
angegeben habe, er sei siebzehneinhalb Jahre alt, was nicht seinem 
angegebenen Geburtsdatum entsprechen könne,

dass er nicht in der Lage gewesen sei anzugeben, wann er die Schule 
begonnen  und  wann  er  sie  abgeschlossen  habe,  und  zudem keine 
präzisen Angaben zu den Geburtsdaten seiner  Eltern  habe machen 
können,

dass seine ausführlichen und in sich schlüssigen Darlegungen im Zu-
sammenhang  mit  seinen  Asylgründen  ebenfalls  darauf  schliessen 
liessen, dass er volljährig sei,

dass er durch seine Aussagen demnach seine behauptete Minderjäh-
rigkeit nicht habe glaubhaft machen können,

dass die Handknochenanalyse vom 7. Juli 2010 ein Alter von mindes-
tens 18 Jahren ergeben habe, was ein weiterer Hinweis auf seine Voll-
jährigkeit sei,

dass  die  vom  Beschwerdeführer  nachgereichte  afghanische  Identi-
tätskarte nur einen äusserst geringen Beweiswert  besitze, da solche 
Dokumente  in  Afghanistan  ohne  weiteres  unrechtmässig  erworben 
werden könnten,

dass  selbst  bei  Echtheit  des  Dokumentes  keine  definitiven  Rück-
schlüsse auf das Alter des Beschwerdeführers möglich seien, da auf 
der  Identitätskarte  lediglich  angeführt  werde,  dass  er  im  Jahr  1384 
(was den Jahren 2005 oder 2006 entspreche) zwölf Jahre alt gewesen 
sei,

dass deshalb von der Volljährigkeit  des Beschwerdeführers auszuge-
hen sei, weshalb ihm keine Vertrauensperson für die weitere Anhörung 
zugeteilt worden sei,

dass die Vorinstanz zur Begründung im Asylpunkt sodann festhielt, die 
Ausführungen  des  Beschwerdeführers  seien  unsubstanziiert  und  wi-
dersprüchlich, weshalb sie insgesamt nicht geglaubt werden könnten,

dass das BFM weiter darlegte, dass der Beschwerdeführer im Rahmen 
der Prüfung des Wegweisungsvollzugs die Folgen der Beweislosigkeit 

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zu tragen habe und sich  nicht  auf  seine angebliche Minderjährigkeit 
berufen könne,

dass  sich  die  allgemeine  Sicherheitslage  in  Afghanistan  zwar  ver-
schlechtert habe und angespannt bleibe,

dass  der  Beschwerdeführer  jedoch  geltend  mache,  aus  der  Provinz 
Herat,  wo nicht von einer permanent instabilen Situation gesprochen 
werden müsse, zu stammen und dort ein hinreichendes soziales Netz 
bestehen dürfte,

dass der Beschwerdeführer die vorinstanzliche Verfügung mit Eingabe 
seines Rechtsvertreters vom 8. Oktober 2010 (Datum des Poststem-
pels)  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfechten  und  die  Aufhebung 
des  vorinstanzlichen  Entscheids,  die  Feststellung  der  Unzulässigkeit 
und Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung und die Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme in der Schweiz sowie die Rückweisung der 
angefochtenen Verfügung in den Dispositivpunkten 1 und 2 an die Vor-
instanz zu korrekten Ermittlung des Sachverhaltes sowie in prozessua-
ler  Hinsicht  die  unentgeltliche  Prozessführung  samt  Entbindung  von 
der Vorschusspflicht (Art. 65 Abs. 1  des Verwaltungsverfahrensgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) beantragen liess, 

dass  er  zur  Begründung  geltend  machte,  die  Anhörung  vom 3. Au-
gust 2010  sei  zu  Unrecht  ohne  Beisein  einer  Vertrauensperson 
durchgeführt worden,

dass  bei  Knochenaltersanalysen  gemäss  Rechtsprechung  des  Bun-
desverwaltungsgerichts  beziehungsweise  der  ARK  Standardabwei-
chungen von bis  zu  drei  Jahren  zwischen  dem wirklichen Alter  und 
dem Knochenalter zu berücksichtigen seien,

dass die radiologische Analyse des Beschwerdeführers jedoch ledig-
lich eine Abweichung von sechs Monaten ergeben habe, weshalb  aus 
dem Ergebnis nicht auf die Volljährigkeit  des Beschwerdeführers ge-
schlossen werden könne,

dass die vom Beschwerdeführer eingereichte Identitätskarte sein an-
gegebenes Alter bestätige und das BFM, obwohl gemäss einem Urteil 
des Bundesverwaltungsgerichts vom 11. Juni 2010 eine Tazkara ohne 
eingehende  Prüfung  nicht  als  Fälschung  deklariert  werden  dürfe, 
diese als  Fälschung deklariere,  indem es ohne weitere Abklärungen 

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zum  Schluss  komme,  dass  der  Identitätsausweis  keinen  definitiven 
Rückschluss auf das Alter des Beschwerdeführers liefere,

dass die von der Vorinstanz angeführte Ungereimtheit zu den Aussa-
gen des Beschwerdeführer hinsichtlich seines Geburtsdatums  ange-
sichts dessen, dass es sich lediglich um eine Zeitdifferenz von zwei 
Monaten handle, nicht als Widerspruch gewertet und als Grund für die 
Unglaubhaftigkeit seiner Minderjährigkeit dienen könnten,

dass weiter die Unreife in seinem Erzählstil wie auch die Erscheinung 
des Beschwerdeführers nicht auf seine Volljährigkeit schliessen lasse,

dass  demnach  das  BFM  zu  Unrecht  von  der  Volljährigkeit  des  Be-
schwerdeführers  ausgegangen  sei  und  die  Anhörung  vom  3. Au-
gust 2010  ohne  Anwesenheit  einer  Vertrauensperson  durchgeführt 
habe,

dass  deshalb  die  Schlussfolgerungen  des  BFM,  die  Vorbingen  des 
Beschwerdeführers seien unglaubhaft und hielten den Anforderungen 
an  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31) 
nicht  stand,  so  dass  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden  müsse, 
nicht rechtmässig seien, weshalb die Sache bezüglich der Dispositiv -
punkte 1 und 2 der angefochtenen Verfügung zur korrekten Ermittlung 
des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen seien,

dass  auf  die  weiteren  Beschwerdevorbringen,  soweit  erforderlich,  in 
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird,

dass  die  Instruktionsrichterin  mit  Zwischenverfügung  vom  18. Okto-
ber 2010 auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtete und 
das Gesuch gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG guthiess, 

dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 20. Oktober 2010 
seine Kostennote zu den Akten reichte,

dass die  Vorinstanz in  ihrer  Vernehmlassung vom 27. Oktober  2010 
ohne weitere  Ausführungen an ihrer  Verfügung festhielt  und die  Ab-
weisung der Beschwerde beantragte,

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und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 31 - 33 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das 
Bundesverwaltungsgericht [VGG, SR 173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [BGG, SR 
173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders  berührt  ist  und ein schutzwürdiges Interesse an deren Auf-
hebung beziehungsweise Änderung hat, 

dass er daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 
AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass auf seine frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 37 VGG i.V.m. Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art.  106  Abs. 1 
AsylG), 

dass  vorab  zu  prüfen  ist,  ob  die  Vorinstanz  im  angefochtenen  Ent-
scheid zu Recht von der Volljährigkeit  des Beschwerdeführers bezie-
hungsweise von der nicht glaubhaft  gemachten Minderjährigkeit aus-
ging,

dass im Ergebnis der Handknochenanalyse von einem angegebenen 
Alter des Beschwerdeführers von 17 Jahren und sechs Monaten aus-
gegangen,  ein  Knochenalter  von  18  Jahren  diagnostiziert  und  der 
Name  des  die  Analyse  durchführenden  Arztes  angegeben  wurde 
(A6/1),

dass weiter keinerlei Angaben im Analyseergebnis enthalten sind,

dass  namentlich  keine  Angaben  zur  angewandten  Analysemethode 
beziehungsweise zur  Interpretation  der  festgestellten  Ergebnisse,  zu 
den  zu  berücksichtigenden  Standardabweichungen  und  ähnlichem 
gemacht werden, sondern einzig festgehalten wird, das Knochenalter 
betrage „maggiore 18 anni“  und weiche signifikant  vom behaupteten 

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Alter ab („l'età ossea si differenzia significativamente dall'età dichiara-
ta“; vgl. A6/1),

dass die Analyse demnach den gemäss nach wie vor geltender Praxis 
an solche "Gutachten" zur Altersbestimmung gestellten formalen und 
inhaltlichen  Anforderungen  keineswegs  zu  genügen  vermag  (vgl. 
EMARK 2004 Nr. 31 E. 7),

dass die durchgeführte Handknochenanalyse unter diesen Vorausset-
zungen offensichtlich ein blosses und zudem schwaches Indiz für die 
Volljährigkeit des Beschwerdeführers darstellt, 

dass  gemäss der  weiterhin  zu  beachtende Praxis  der  ARK entspre-
chende  Ergebnisse  einer  radiologischen  Knochenaltersbestimmung 
keine sicheren Schlüsse auf  die Voll-  oder  Minderjährigkeit  zulassen 
und generell nur einen beschränkten Aussagewert haben (vgl. EMARK 
2000 Nr. 19 E. 7a, EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.2 S. 210 f.)

dass namentlich eine Standardabweichung zwischen dem Knochenal-
ter und dem tatsächlichen Alter von zweieinhalb bis drei Jahren noch 
als innerhalb des Normalbereichs liegend gelten muss und eine Kno-
chenaltersanalyse in Fällen, wo das vom Betreffenden behauptete Al-
ter  im  Vergleich  zum  festgestellten  Knochenalter  innerhalb  dieser 
Standardabweichung liegt,  keine Rückschlüsse zulässt,  die Angaben 
des  Betreffenden  beruhten  auf  Täuschung  (vgl.  Grundsatzurteil 
EMARK 2000 Nr. 19),

dass  angesichts  des  geringen  Beweiswerts  einer  solchen  Handkno-
chenanalyse  bei  der  vorfrageweisen  Prüfung  des  Alters  einer  ihre 
Minderjährigkeit behauptenden asylsuchenden Person der Würdigung 
ihrer eigenen Angaben zum Alter selbst und zur allfällig unterbliebenen 
Abgabe  von  Identitätspapieren  in  aller  Regel  entscheidende  Bedeu-
tung zukommt,

dass die Vorinstanz der  Analyse aufgrund ihrer  rudimentären Abfas-
sung  und  ihrer  inhaltlichen  Aussage,  wonach  die  Abweichung  von 
Knochenalter und angegebenem Alter lediglich sechs Monate betrage 
(was  ohne  weiteres  in  den  Rahmen  der  möglichen  Standardabwei-
chung  fällt),  demnach  zu  Recht  lediglich  den  Wert  eines  Hinweises 
zukommen liess und weitere Argumente zur Begründung der Annahme 
der Volljährigkeit des Beschwerdeführers anführte,

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dass jedoch die angeführten Argumente nicht zu überzeugen vermö-
gen,

dass, wie in der Beschwerde zu Recht angeführt,  der von der Vorin-
stanz angeführte Widerspruch zwischen dem vom Beschwerdeführer 
genannten  Geburtsdatum  (...  1993)  und  seiner  allgemeinen  Al-
tersangabe (siebzehneinhalb Jahre) lediglich zwei Monate beträgt und 
deshalb unwesentlich ist,

dass  der  Beschwerdeführer  sein  Geburtsdatum (mit  Ausnahme  des 
Anhangs  des  Personalienblattes  [A2/3],  welches  vom  Securitas-An-
gestellten  ausgefüllt  wurde  [A1,  S.  2]),  bei  sämtlichen  Befragungen 
übereinstimmend angab,

dass im Übrigen der Beschwerdeführer anlässlich seiner Befragung im 
CRP  auf  seine  Identitätskarte,  welche  er  vor  circa  fünf  Jahren  als 
Zwölfjähriger  in  B_______ ausgestellt  bekommen habe, verwies und 
deren Nachsendung in Aussicht stellte (A1, S. 5 f.),

dass die am 26. Juli  2010 eingereichten Dokumente nach der CRP- 
Anhörung  vom 20.  Juli  2010  in  S_______/Iran  aufgegeben  wurden, 
was  einen  Hinweis  auf  die  Glaubhaftigkeit  des  Beschwerdeführers 
darstellt, da seine diesbezüglichen Angaben, welche er vor Eintreffen 
der Dokumente gemacht hat,  mit  den Angaben auf den Dokumenten 
übereinstimmen,

dass auch seine Angaben, der Identitätsausweis sei bei seiner Familie 
in D_______ geblieben (vgl. A1 S. 5), bestätigt worden sind,

dass denn auch aus den eingereichten Dokumenten eine Minderjäh-
rigkeit des Beschwerdeführers hervorgeht, welche nicht ohne weitere 
und eingehende Überprüfung der Dokumente von der Hand zu weisen 
ist,

dass insbesondere das Identitätspapier, welches keine offensichtlichen 
Fälschungsmerkmale aufweist,  sein angegebenes Alter belegen wür-
de,  da,  wie von der Vorinstanz vermerkt  und übersetzt,  darin aufge-
führt  wird,  dass  der  Beschwerdeführer  1384 (2005/2006)  zwölfjährig 
gewesen sei, 

dass es sich dabei zweifellos um ein weiteres Indiz für seine Minder-
jährigkeit handelt und die pauschale Behauptung des BFM, dem Iden-

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titätsausweis komme kein hinreichender Beweiswert zu, keine seriöse 
Auseinandersetzung mit dem Beweismittel darstellt,

dass auch die Angaben im Gewerkschaftsausweis die Aussagen des 
Beschwerdeführers bezüglich seiner Tätigkeit im [Geschäft] (A1, S. 7) 
bestätigen,  da  dieser  (gemäss  Übersetzung  der  Vorinstanz)  1386 
(2007/2008) ausgestellt wurde,

dass sich die Vorinstanz zudem in ihrer eigenen Argumentation massiv 
widerspricht,  wenn  sie  einerseits  ausführt,  die  Vorbringen  des  Be-
schwerdeführers zu seinen Asylgründen seien derart  ausführlich und 
in  sich  schlüssig,  dass  daraus  auf  seine  Volljährigkeit  geschlossen 
werden könne, andrerseits  aber  bei  der  Wertung der  Asylvorbringen 
die selben Aussagen als unsubstanziiert betrachtet,

dass  nach  dem  Gesagten  weder  das  Aussageverhalten  des  Be-
schwerdeführers  noch  seine  Angaben  zum  Alter  noch  seine  einge-
reichten  Dokumente  gegen  die  geltend  gemachte  Minderjährigkeit 
sprechen, 

dass in Würdigung der Aktenlage die Anhaltspunkte für die Minderjäh-
rigkeit des Beschwerdeführers vielmehr überwiegen, 

dass ihm im Sinne der besonderen Verfahrensbestimmungen für Min-
derjährige vor der Anhörung zu den Asylgründen eine rechtskundige 
Vertrauensperson hätte bestellt werden müssen,

dass dies unterblieben ist und demnach ein Verfahrensfehler vorliegt, 
weshalb die Anhörung des Beschwerdeführers im Rahmen der Sach-
verhaltsermittlung als rechtsungenüglich qualifiziert werden muss, 

dass eine Verletzung des rechtlichen Gehörs zu bejahen ist, 

dass  Anhörungen  von  minderjährigen  Asylsuchenden  ohne  Vertrau-
ensperson  im  Allgemeinen  zur  Kassation  des  vorinstanzlichen  Ent-
scheides führen (vgl. EMARK 1998 Nr. 13),

dass sich vorliegend keine Gründe ergeben, von der beizubehaltenden 
Praxis der ARK abzuweichen, 

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dass das BFM demnach Bundesrecht  verletzt  hat,  indem es zu Un-
recht  von der Volljährigkeit  des Beschwerdeführers ausging und ihm 
für die einlässliche Anhörung keine Vertrauensperson beiordnete,

dass die Beschwerde somit gutzuheissen, die angefochtene Verfügung 
des BFM vom 9. September 2010 aufzuheben und die Sache zur kor-
rekten Fortsetzung des Verfahrens und zur Neubeurteilung an die Vor-
instanz zurückzuweisen ist, 

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Kosten aufzuerlegen 
sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG),

dass obsiegende Parteien Anspruch auf eine Parteientschädigung für 
die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  Kosten  haben  (Art.  64  Abs.  1 
VwVG; Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 
Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE, SR 173.320.2]),

dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in seiner Kostennote 
vom 20. Oktober 2010 einen Aufwand von 7 Stunden à Fr. 180.-- sowie 
Porti,  Auslagen und Dolmetscherkosten von insgesamt Fr. 170.- aus-
weist,

dass  dieser  Aufwand angemessen  erscheint,  weshalb  die  Parteient-
schädigung zu Lasten des BFM insgesamt auf  Fr. 1430.-  festgesetzt 
wird (Art. 14 VGKE).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Das  Verfahren  wird  aufgehoben  und  zur  korrekten  Fortsetzung  des 
Verfahrens und zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die 
Vorinstanz zurückgewiesen.

3.
Das BFM hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 
1430.-- auszurichten.

4.
Dieses Urteil geht an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, das 
BFM und die kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Christa Luterbacher Contessina Theis

Versand:

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