# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 15787c77-ecaf-540c-9841-3da9d298417a
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2000-05-09
**Language:** de
**Title:** Bundesgericht Eidgenössisches Versicherungsgericht 09.05.2000 I 482/99
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BGer/CH_BGer_016_I-482-99_2000-05-09.html

## Full Text

[AZA] 

I 482/99 Hm 

 

    
  I. Kammer 
  
 

 

Präsident Lustenberger, Bundesrichter Schön, Bundesrichte- 

rin Widmer, Bundesrichter Meyer und Ferrari; Gerichts- 

schreiber Maillard 

 

    
  Urteil vom 9. Mai 2000 
  
 

 

in Sachen 

 

IV-Stelle Zug, Baarerstrasse 11, Zug, Beschwerdeführerin, 

 

gegen 

 

A.________, 1958, Beschwerdegegner, vertreten durch Rechts- 

anwalt H.________, 

und 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Zug, Zug 

 

    A.- Der 1958 geborene A.________ kam 1990 als Saison- 

nier in die Schweiz und arbeitete ab dem 2. Juli 1990 als 

Kranführer bei der Firma X________. Am 23. Mai 1991 erlitt 

er bei einem Arbeitsunfall eine Patella-Mehrfragmentefrak- 

tur links, welche operativ angegangen werden musste. Seit- 

dem übt er keine Tätigkeit mehr aus. Am 15. Juni 1992 mel- 

dete sich A.________ u.a. wegen der Knieverletzung links 

und Rückenbeschwerden bei der Invalidenversicherung zum 

Leistungsbezug an. Die Verwaltung holte nebst einer Aus- 

kunft der ehemaligen Arbeitgeberin vom 24. August 1992 

einen Arztbericht des Dr. R.________ vom 26. Februar 1993 

ein und zog die Akten aus dem Verfahren mit der Schweize- 

rischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) bei, wobei aus 

letzteren ersichtlich ist, dass der Versicherte im Verlaufe 

des Jahres 1992 die Aufenthaltsbewilligung B (Jahresaufent- 

halter) erhalten hat. Zudem veranlasste sie eine polydiszi- 

plinäre Untersuchung bei der Medizinischen Abklärungsstelle 

(MEDAS; Gutachten vom 15. Oktober 1993). Gestützt darauf 

sprach die IV-Stelle Zug dem Versicherten mit Verfügung vom 

11. April 1994 für die Zeit vom 1. Mai 1992 bis 31. Oktober 

1993 aufgrund eines Invaliditätsgrades von 100 % eine ganze 

Invalidenrente und ab 1. November 1993 auf der Basis einer 

Erwerbseinbusse von 55 % eine halbe Invalidenrente zu. 

    Am 24. Oktober 1996 leitete die IV-Stelle eine Über- 

prüfung des Rentenanspruchs ein, in deren Folge der Haus- 

arzt Dr. C.________ am 13. Dezember 1996 Bericht erstattete 

und A.________ anfangs Dezember 1997 erneut bei der MEDAS 

begutachtet wurde (Expertise vom 26. Januar 1998). Mit Ver- 

fügung vom 8. Juni 1998 bestätigte die IV-Stelle bei einer 

Erwerbseinbusse von 62 % die Ausrichtung einer halben Inva- 

lidenrente. 

 

    B.- In Gutheissung der dagegen eingereichten Beschwer- 

de erkannte das Verwaltungsgericht des Kantons Zug dem Ver- 

sicherten auf der Grundlage eines Invaliditätsgrades von 

70 % eine ganze Invalidenrente ab 1. Januar 1998 zu (Ent- 

scheid vom 11. Juni 1999). 

 

    C.- Die IV-Stelle führt Verwaltungsgerichtsbeschwerde 

mit dem Begehren, der kantonale Entscheid sei aufzuheben. 

    A.________ lässt beantragen, die Verwaltungsgericht- 

sbeschwerde sei abzuweisen; eventuell sei die Sache zur 

beruflichen Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen. 

Ferner wird um unentgeltliche Verbeiständung ersucht. Das 

kantonale Gericht schliesst auf Abweisung der Verwaltungs- 

gerichtsbeschwerde. Das Bundesamt für Sozialversicherung 

lässt sich nicht vernehmen. 

 

    
  Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 
  
 

 

    1.- a) Nach Art. 28 Abs. 1 IVG hat der Versicherte 

Anspruch auf eine ganze Rente, wenn er mindestens zu 

66 2/3 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zu 50 % 

oder auf eine Viertelsrente, wenn er mindestens zu 40 % 

invalid ist; in Härtefällen hat der Versicherte nach 

Art. 28 Abs. 1bis IVG bereits bei einem Invaliditätsgrad 

von mindestens 40 % Anspruch auf eine halbe Rente. 

    Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditäts- 

grad auf Grund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. 

Dazu wird das Erwerbseinkommen, das der Versicherte nach 

Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihm zumutbare Tätigkeit 

bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in 

Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das er erzielen 

könnte, wenn er nicht invalid geworden wäre (Art. 28 Abs. 2 

IVG). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise 

zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkom- 

men ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander 

gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommens- 

differenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit 

die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau 

ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Ein- 

zelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonne- 

nen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen (allgemeine 

Methode des Einkommensvergleichs; BGE 104 V 136 Erw. 2a 

und b). 

 

    b) Ändert sich der Grad der Invalidität eines Renten- 

bezügers in einer für den Anspruch erheblichen Weise, so 

ist gemäss Art. 41 IVG die Rente für die Zukunft entspre- 

chend zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben. Anlass zur 

Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat- 

sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invalidi- 

tätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Ob 

eine solche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch 

Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ur- 

sprünglichen Rentenverfügung bestanden hat, mit demjenigen 

zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung (BGE 109 V 265 

Erw. 4a, 106 V 87 Erw. 1a, 105 V 30; siehe auch BGE 112 V 

372 Erw. 2b und 390 Erw. 1b). 

    Nach der Rechtsprechung ist die Invalidenrente nicht 

nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheits- 

zustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die 

erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen 

Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 113 V 

275 Erw. 1a mit Hinweisen; siehe auch BGE 112 V 372 Erw. 2b 

und 390 Erw. 1b). 

 

    2.- a) Die gesundheitlichen Verhältnisse, wie sie im 

Zeitpunkt des Erlasses der Rentenverfügung vom 11. April 

1994 bestanden haben, sind mit jenen zur Zeit der streiti- 

gen Revisionsverfügung vom 8. Juni 1998 zu vergleichen. 

 

    b) Im Gutachten der MEDAS vom 15. Oktober 1993 wurden 

- mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit - in 

der Hauptsache ein chronischer Schmerzzustand des linken 

Knies und ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit Piri- 

formissyndrom links (rheumatologisches Konsilium) sowie 

eine posttraumatische Anpassungsstörung mit Fehlverarbei- 

tung des Unfalltraumas (psychiatrisches Konsilium) diagnos- 

tiziert. Gleichzeitig wurde die Arbeitsunfähigkeit in der 

angestammten Tätigkeit als Kranführer auf 100 % und als 

Bauarbeiter oder in jeder anderen körperlich leichten bis 

mittelschweren, wechselbelastenden Beschäftigung auf 50 % 

geschätzt. Das zweite MEDAS-Gutachten vom 26. Januar 1998 

ergab neu - mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren 

Arbeitsfähigkeit - eine Periarthropathia genus rechts late- 

ral bei Status nach Entfernung eines Meniskusganglions 

lateral und Teilmeniskektomie im Jahre 1995. Zudem waren 

seit der MEDAS-Begutachtung im Jahre 1993 neu bewegungs- 

abhängige Schulterschmerzen rechts aufgetreten, wobei es 

sich klinisch um eine Periarthropathia humeroscapularis 

rechts handelt. Im Übrigen hatte sich der Gesundheits- 

zustand nicht erheblich verändert. Dementsprechend wurde 

die Arbeitsunfähigkeit als Kranführer und Bauhandlanger auf 

100 % und für eine körperlich leichte, wechselbelastende, 

vermehrt sitzende Arbeit ohne wiederholte Tätigkeiten über 

dem Kopfniveau auf 50 % beziffert. 

    Aus diesen Ausführungen erhellt, dass sich der Gesund- 

heitszustand in der hier massgebenden Vergleichsperiode in 

dem Sinne verändert hat, dass der Grad der Arbeitsunfähig- 

keit wohl gleich geblieben ist. Dagegen ist in den funktio- 

nellen Auswirkungen des Gesundheitsschadens insofern eine 

Änderung eingetreten, als dem Beschwerdegegner nurmehr eine 

leichte, wechselbelastende, vermehrt sitzende Arbeit ohne 

wiederholte Tätigkeiten über dem Kopfniveau zumutbar ist. 

 

    3.- Zu prüfen ist, ob in der für die Beurteilung des 

vorliegenden Falles massgebenden Zeitspanne von April 1994 

bis Juni 1998 auf Grund der zusätzlich attestierten Ein- 

schränkungen in erwerblicher Hinsicht eine rentenrelevante 

Änderung eingetreten ist. 

 

    a) Es ist unbestritten, dass das vom Versicherten ohne 

Invalidität erzielbare Einkommen (Valideneinkommen) im 

Jahre 1992 Fr. 56'376.- betrug, dies bei 45 Wochenstunden. 

Angepasst an die Nominallohnentwicklung im Baugewerbe (vgl. 

Die Volkswirtschaft, 1996 Heft 12, Anhang S. 13, Tabelle B 

4.4, und 1999 Heft 12, Anhang S. 28, Tabelle B10.2) ergibt 

sich im Jahre 1998 ein Valideneinkommen von Fr. 60'727.55. 

Das Umrechnen auf 40 Wochenstunden, wie es das kantonale 

Gericht vorgenommen hat, geht nicht an. Denn als Validen- 

einkommen ist grundsätzlich das gesamte Erwerbseinkommen zu 

berücksichtigen (vgl. ZAK 1980 S. 592 Erw. 3a; RKUV 1989 

Nr. U 69 S. 181 Erw. 2c), was hier umso mehr Gültigkeit 

hat, als die in der Firma X________ geleisteten 45 

Wochenstunden die normale Arbeitszeit bilden. 

 

    b) aa) Für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschä- 

digung zumutbarerweise noch realisierbaren Einkommens 

(Invalideneinkommen) ist primär von der beruflich-erwerb- 

lichen Situation auszugehen, in welcher der Versicherte 

konkret steht. Übt er nach Eintritt der Invalidität eine 

Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders sta- 

bile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, 

dass er die ihm verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer 

Weise voll ausschöpft, sowie das Einkommen aus der Arbeits- 

leistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint, 

gilt grundsätzlich der von ihm tatsächlich erzielte Ver- 

dienst als Invalidenlohn (BGE 117 V 18 Eerw. 2c/aa; RKUV 

1991 Nr. U 130 S. 272 Erw. 4a, je mit Hinweisen; nicht 

publizierte Erw. 6b des in AHI 1998 S. 179 auszugsweise 

veröffentlichten Urteils W. vom 31. Oktober 1997, I 

207/97). 

 

    bb) Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbsein- 

kommen gegeben, namentlich weil der Versicherte nach Ein- 

tritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine 

ihm an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen 

hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne bei- 

gezogen werden (ZAK 1991 S. 321 Erw. 3c, 1989 S. 458 

Erw. 3b; Omlin, Die Invalidität in der obligatorischen 

Unfallversicherung, Diss. Freiburg 1995, S. 215). 

    Wie in BGE 124 V 322 Erw. 3b/aa dargelegt, stellte das 

Eidgenössische Versicherungsgericht zu diesem Zweck jeweils 

auf die Oktoberlohnerhebung des Bundesamtes für Industrie, 

Gewerbe und Arbeit (seit 1. Januar 1998: Bundesamt für 

Wirtschaft und Arbeit, seit 1. Juli 1999: Staatssekretariat 

für Wirtschaft) ab. Diese Publikation ist indessen letzt- 

mals für 1993 herausgegeben und im Jahre 1994 von der vom 

Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen 

Lohnstrukturerhebung (LSE) abgelöst worden, welche im Zwei- 

jahresrhythmus erscheint. Für den Verwendungszweck des Ein- 

kommensvergleichs ist dabei auf die im Anhang enthaltene 

Statistik der Lohnsätze, d.h. der standardisierten Brutto- 

löhne (Tabellengruppe A) abzustellen, wobei jeweils vom so 

genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der 

Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berück- 

sichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wo- 

chenstunden zu Grunde liegt, welcher Wert etwas tiefer ist 

als die betriebsübliche durchschnittliche Arbeitszeit seit 

1993 von wöchentlich 41,9 Stunden (Die Volkswirtschaft, 

1999 Heft 12, Anhang S. 27, Tabelle B9.2). 

    Dazu kommt, dass die Tabellenlöhne Berufe mit unter- 

schiedlichem Anforderungsniveau beinhalten, wobei der Lohn 

mit steigendem Anforderungsniveau deutlich zunimmt: Das 

erste - und oberste - Anforderungsniveau umfasst höchst 

anspruchsvolle und schwierigste Arbeiten. Das zweite bein- 

haltet die Verrichtung selbstständiger und qualifizierter 

Arbeiten. Beim dritten Anforderungsniveau sind Berufs- und 

Fachkenntnisse vorausgesetzt und unter das vierte - und 

niedrigste - Anforderungsniveau fallen einfache und repe- 

titive Tätigkeiten (LSE 1994 S. 25 f.). 

 

    4.- Die Vorinstanz nahm vom Tabellenlohn (Fr. 4294.- 

gemäss LSE 1996 S. 17, Anforderungsniveau 4, Männer) vorab 

einen leidensbedingten Abzug von 25 % vor. Damit wollte sie 

dem Umstand Rechnung tragen, dass der Beschwerdegegner 

wegen seiner physischen Einschränkungen (vermehrt sitzend 

zu verrichtende Arbeit, keine wiederholte Tätigkeit über 

Kopfniveau) das durchschnittliche Lohnniveau nicht 

erreiche. Zusätzlich gewährte sie unter dem Titel der 

Teilzeitarbeit einen weiteren Abzug von 5 %, weil 

Teilzeitbeschäftigte überproportional weniger verdienen 

würden als Vollzeitangestellte. Weitere 10 % liess sie 

schliesslich zum Abzug zu, da Jahresaufenthalter wie der 

Versicherte unterdurchschnittlich entlöhnt würden. 

    Die IV-Stelle wendet sich gegen die Annahme eines im 

Vergleich zum statistischen Tabellenlohn um mehr als einen 

Viertel verminderten Invalideneinkommens und sieht keinen 

Anlass für Abzüge aus Gründen des Beschäftigungsgrades 

(Teilzeit) und der Aufenthaltskategorie (Jahresaufenthal- 

ter). 

 

    5.- a) aa) Das Eidgenössische Versicherungsgericht 

anerkannte zuerst, dass Versicherte, die in ihrer letzten 

Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten und nach 

Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbei- 

ten nur beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das ent- 

sprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsar- 

beiter nicht erreichen, weshalb es den Tabellenlohn um 25 % 

herabsetzte (nicht publizierte Erw. 4b des Urteils BGE 114 

V 310). 

 

    bb) In der Folge stellte es fest, dass sich die gegen- 

über Durchschnittswerten zu erwartende Reduktion des Lohn- 

ansatzes bei gesundheitlich beeinträchtigten Versicherten, 

die - im Rahmen leichter Hilfsarbeitertätigkeiten - nicht 

mehr voll leistungsfähig sind, unabhängig von der früher 

ausgeübten Tätigkeit grundsätzlich gleich präsentiert 

(nicht veröffentlichtes Urteil O. vom 27. März 1996, 

I 38/96; vgl. statt vieler auch BGE 124 V 323 Erw. 3b/bb; 

AHI 1999 S. 180 Erw. 3b). Damit entwickelte sich der ur- 

sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug zu 

einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, welcher 

sowohl bei Versicherten, die vollzeitig eine ihrem Leiden 

angepasste Arbeit ausüben, als auch bei bloss teilzeitig 

einsetzbaren Versicherten erfolgt (AHI 1999 S. 181 ERw. 3b; 

RKUV 1999 Nr. U 343 S. 414 Erw. 4b/cc, je mit Hinweis auf 

ZAK 1989 S. 458 Erw. 3b). Gleichzeitig betonte das 

Eidgenössische Versicherungsgericht, dass der Abzug von 

25 % nicht generell und in jedem Fall zur Anwendung komme. 

Im Gegenteil sei anhand der gesamten Umstände des konkreten 

Einzelfalles zu prüfen, ob und in welchem Ausmass das 

hypothetische Einkommen als Invalider gekürzt werden müsse. 

Dabei sei auch ein Abzug von weniger als 25 % denkbar (AHI 

1999 S. 181 Erw. 3b, 1998 S. 177 Erw. 3a; RKUV 1999 Nr. U 

343 S. 414 Erw. 4b/cc, 1998 Nr. U 304 S. 373 Erw. 3). 

 

    cc) Sodann trug die Rechtsprechung dem Umstand Rech- 

nung, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale 

einer versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebs- 

zugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie 

Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben kön- 

nen. Denn die in den LSE erstmals vorgenommene Quantifizie- 

rung dieser Merkmale zeigt auf, dass die Höhe des Lohnes 

auch durch sie mitbestimmt wird (BGE 124 V 323 Erw. 3b/aa). 

    So hat das Eidgenössische Versicherungsgericht bei- 

spielsweise in dem in AHI 1999 S. 237 veröffentlichten 

Urteil Z. vom 28. Juli 1999, I 377/98, einen Abzug wegen 

des fortgeschrittenen Alters des Versicherten - im Zeit- 

punkt des Verfügungserlasses 53-jährig - verneint, da mit 

zunehmendem Alter die Lohnzuwachskurve zwar flacher verlau- 

fe, der Faktor Alter sich aber nicht lohnsenkend auswirke 

(AHI 1999 S. 242 Erw. 4c). Dagegen hielt es im in AHI 1999 

S. 177 publizierten Urteil N. vom 24. März 1999 (I 593/98) 

fest, dass eine versicherte Person nach dem gesundheitlich 

bedingten Verlust der bisherigen Stelle in einer angepass- 

ten Tätigkeit insofern keinen allgemeinen Durchschnittslohn 

erhalten könne, als dass der ihr offen stehende Arbeits- 

markt lediglich derjenige für Personen sei, welche in einem 

Betrieb neu anfangen (AHI 1999 S. 181 Erw. 3b). Zugleich 

wies es aber darauf hin, dass die Bedeutung der Dienstjahre 

im privaten Sektor abnehme, je niedriger das 

Anforderungsprofil sei (AHI 1999 S. 181 Erw. 3b und 243 

Erw. 4c). Ausserdem beachtete es, dass nicht immer 

sämtliche Ausländer weniger Einkommen erzielen als der 

Totalwert aller Schweizer und Ausländer; vielmehr können 

sich je nach Aufenthaltskategorie und Anforderungsniveau 

weit gehende Unterschiede ergeben, insbesondere bei 

Inhabern einer Niederlassungsbewilligung der Kategorie C, 

bei welchen der Durchschnittslohn für einfache und 

repetitive Tätigkeiten darüber liegen kann (nicht 

veröffentlichte Urteile B. vom 30. August 1999, I 193/99, 

P. vom 30. März 1999, I 140/97, B. vom 19. März 1999, 

U 214/98, und N. vom 6. Oktober 1998, I 39/98). Schliess- 

lich wurde berücksichtigt, dass Teilzeitangestellte nicht 

zwingend weniger als Vollzeittätige verdienen, zum Beispiel 

in Beschäftigungsbereichen, in denen Teilzeitarbeit Nischen 

auszufüllen vermag, die arbeitgeberseits stark nachgefragt 

und dementsprechend entlöhnt werden (nicht veröffentlichte 

Urteile S. vom 28. September 1999, I 18/99, und R. vom 

5. Juli 1999, U 314/98). 

 

    b) aa) Die vom Eidgenössischen Versicherungsgericht 

herausgebildete Rechtsprechung, den mit Blick auf die Be- 

hinderung gewährten Abzug nicht schematisch, sondern in 

Berücksichtigung der gesamten Umstände des Einzelfalles 

vorzunehmen, hat den Zweck, ausgehend von statistischen 

Werten ein Invalideneinkommen zu ermitteln, welches der im 

Einzelfall zumutbaren erwerblichen Verwertung der noch mög- 

lichen Verrichtungen im Rahmen der (Rest-) Arbeitsfähigkeit 

am besten entspricht. Dieser Gesichtspunkt verdient auch 

hinsichtlich der übrigen in Betracht fallenden einkommens- 

beeinflussenden Merkmale, des Lebensalters, der Anzahl 

Dienstjahre, der Nationalität/Aufenthaltskategorie und des 

Beschäftigungsgrades (vgl. Erw. 5a/cc), den Vorzug. Ein 

Abzug soll auch diesbezüglich nicht automatisch, sondern 

dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür be- 

stehen, dass der Versicherte wegen eines oder mehrerer die- 

ser Merkmale seine gesundheitlich bedingte (Rest-) Arbeits- 

fähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unter- 

durchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. 

 

    bb) Es rechtfertigt sich aber nicht, für jedes zur 

Anwendung gelangende Merkmal separat quantifizierte Abzüge 

vorzunehmen und diese zusammenzuzählen, da damit Wechsel- 

wirkungen ausgeblendet werden. So bestimmt sich beispiels- 

weise der Anfangslohn in einer neuen Firma in der Regel 

nicht isoliert nach der Anzahl Dienstjahre, sondern u.a. 

auch auf Grund der mitgebrachten Berufserfahrungen. Ganz 

allgemein ist der Einfluss aller Merkmale auf das Invali- 

deneinkommen (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienst- 

jahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäf- 

tigungsgrad) unter Würdigung der Umstände im Einzelfall 

nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen (vgl. 

AHI 1999 S. 181 Erw. 3b und S. 243 Erw. 4c, 1998 S. 292 

Erw. 3b; nicht veröffentlichtes Urteil T. vom 28. April 

1999, I 446/98). 

 

    cc) Letztlich ist der Abzug vom statistischen Lohn 

unter Berücksichtigung aller jeweils in Betracht fallenden 

Merkmale auf insgesamt höchstens 25 % zu begrenzen. 

 

    dd) In diesem Zusammenhang ist der Verwaltung und - im 

Beschwerdefall - dem Richter das verfassungsrechtliche 

Gebot der Begründungspflicht (Art. 8 Abs. 1 BV) in Erinne- 

rung zu rufen. Nach der Rechtsprechung zu Art. 4 Abs. 1 aBV 

soll diese verhindern, dass sich die Behörde von unsachli- 

chen Motiven leiten lässt, und dem Betroffenen ermöglichen, 

die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies 

ist nur möglich, wenn sowohl er wie auch die Rechtsmittel- 

instanz sich über die Tragweite des Entscheides ein Bild 

machen können. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die 

Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat 

leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt. 

Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich 

mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen 

Einwand auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf 

die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschrän- 

ken (BGE 124 V 181 Erw. 1a mit Hinweisen). 

    Bezüglich der hier interessierenden Thematik hat die 

Verwaltung kurz zu begründen, warum sie einen Abzug vom 

Tabellenlohn gewährt, insbesondere welche Merkmale sie bei 

ihrer gesamthaften Schätzung berücksichtigt. 

 

    6.- Das kantonale Gericht hat einen Abzug von insge- 

samt 40 % zugelassen. Wie ausgeführt, stellt der gesamthaft 

vorzunehmende Abzug eine Schätzung dar. Bei deren Überprü- 

fung kann es nicht darum gehen, dass die kontrollierende 

richterliche Behörde ihr Ermessen an die Stelle der Vor- 

instanz setzt. Bei der Unangemessenheit (Art. 132 lit. a 

OG) geht es um die Frage, ob der zu überprüfende Entscheid, 

den die Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im Ein- 

klang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkre- 

ten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise anders 

hätte ausfallen sollen. Allerdings darf das Sozialversiche- 

rungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an 

die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich 

somit auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine 

abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen 

lassen (BGE 123 V 152 Erw. 2 mit Hinweisen). 

    Diese Voraussetzung ist hier erfüllt, übersteigt doch 

der vom kantonalen Gericht gemachte Abzug von 40 % bereits 

erheblich den maximal zulässigen Abzug von 25 %. Überdies 

liegt er, wie noch zu zeigen sein wird, beträchtlich über 

dem vom Gericht nachfolgend als angemessen bezeichneten 

Abzug. 

 

    7.-a) Die Vorinstanz ist ohne nähere Begründung davon 

ausgegangen, dass der Beschwerdegegner nach Eintritt des 

Gesundheitsschadens nurmehr eine Tätigkeit mit Anforde- 

rungsniveau 4 ausüben kann. Man kann sich fragen, ob ange- 

sichts seiner schulischen und beruflichen Ausbildung (Mit- 

telschule, Verkehrstechniker) und unter Berücksichtigung 

der physischen Einschränkungen nicht eine Beschäftigung mit 

Anforderungsniveau 3 angenommen werden könnte. Da es sich 

jedoch um einen Grenzfall handelt, kann dem kantonalen 

Gericht hierin gefolgt werden. 

    Gemäss Tabelle A 1 der LSE 1996 belief sich der Zent- 

ralwert für die mit einfachen und repetitiven Aufgaben 

(Anforderungsniveau 4) beschäftigten Männer im privaten 

Sektor (bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden) 

im Jahre 1996 auf monatlich Fr. 4294.-. Auf der Basis von 

41,9 Wochenstunden und in Berücksichtigung des Nominallohn- 

indexes für Männer von 1996 bis 1998 (Die Volkswirtschaft, 

1999 Heft 12, Anhang S. 28, Tabelle B10.3) ergibt sich im 

Jahre 1998 ein Gehalt von monatlich Fr. 4550.10 oder 

Fr. 54'601.20 für das ganze Jahr (Fr. 4550.10 x 12). Da der 

Versicherte nur zu 50 % arbeitsfähig ist (vgl. Erw. 2b), 

ist dieser Betrag hier zu halbieren, was Fr. 27'300.60 aus- 

macht. 

 

    b) Nach dem Gesagten hängt die Frage, ob und in wel- 

chem Ausmass der statistische Lohn von Fr. 27'300.60 zu 

korrigieren ist, von den gesamten persönlichen und beruf- 

lichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab. Der Be- 

schwerdegegner kann gemäss MEDAS-Gutachten vom 26. Januar 

1998 nur für leichte, wechselbelastende, vermehrt sitzend 

zu verrichtende Arbeiten ohne wiederholte Tätigkeiten über 

dem Kopfniveau eingesetzt werden, so dass er auf dem 

Arbeitsmarkt in Konkurrenz mit einem Mitbewerber ohne 

physische Einschränkungen benachteiligt ist, was sich auf 

das Lohnniveau auswirkt. Kaum ins Gewicht fällt hier das 

streitige Merkmal des Beschäftigungsgrades, zumal 

Teilzeitarbeit "hauptsächlich eine weibliche 

Beschäftigungsform" bildet (LSE 1996 S. 14; vgl. auch 1994 

S. 30) und somit vor allem die Verdienstmöglichkeiten von 

Frauen durch eine Teilzeitarbeit reduziert werden. Dafür, 

dass der Versicherte wegen seiner ausländischen 

Nationalität und dem Status als Jahresaufenthalter auf dem 

Arbeitsmarkt eine Lohneinbusse hinnehmen müsste, sind keine 

Anhaltspunkte ersichtlich, entsprach doch sein Einkommen 

vor Eintritt der Invalidität durchaus branchenüblichen 

Ansätzen, die auch für Schweizer Geltung hatten (vgl. RKUV 

1993 Nr. U 168 S. 104 Erw. 5b; ZAK 1989 S. 458 Erw. 3b). Im 

vorliegenden Fall trägt eine Herabsetzung um insgesamt 15 % 

diesen Tatsachen angemessen Rechnung. 

 

    c) Bei einem Abzug von 15 % resultiert ein Invaliden- 

einkommen von Fr. 23'205.50 (Fr. 27'300.60 x 0,85) und - im 

Vergleich mit dem Valideneinkommen von Fr. 60'727.55 (Erw. 

3a) - demzufolge ein Invaliditätsgrad von rund 62 %. Damit 

besteht nach wie vor Anspruch auf eine halbe Invali- 

denrente. 

 

    8.- Auf den Eventualantrag des Beschwerdegegners, die 

Sache sei zur beruflichen Abklärung an die IV-Stelle zu- 

rückzuweisen, ist nicht einzutreten. Da er selber den vor- 

instanzlichen Entscheid vom 11. Juni 1999 nicht mit Verwal- 

tungsgerichtsbeschwerde angefochten hat, kann er in der 

Vernehmlassung keine selbständigen Begehren im Sinne eines 

Antrages mehr stellen, die über den durch die Verwaltungs- 

gerichtsbeschwerde der IV-Stelle bestimmten Streitgegen- 

stand (BGE 122 V 244 Erw. 2a, 117 V 295 Erw. 2a, 112 V 99 

Erw. 1a, 110 V 51 Erw. 3c mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 

V 36 Erw. 2a) hinausgehen, zumal die Voraussetzungen für 

eine Verfahrensausdehnung (vgl. BGE 122 V 36 Erw. 2a mit 

Hinweisen) eindeutig nicht gegeben sind. Denn das verwal- 

tungsgerichtliche Beschwerdeverfahren kennt - von hier 

nicht bestehenden spezialgesetzlichen Ausnahmen abgesehen - 

das Institut der Anschlussbeschwerde nicht (BGE 124 V 155 

Erw. 1 mit Hinweis). 

 

    9.- Das Verfahren ist kostenlos (Art. 134 OG). Die 

seitens des Versicherten beantragte unentgeltliche Verbei- 

ständung kann gewährt werden (Art. 152 in Verbindung mit 

Art. 135 OG), da die Bedürftigkeit aktenkundig ist und die 

Vertretung geboten war (BGE 124 V 309 Erw. 6; AHI 1999 

S. 85 Erw. 3). Es wird indessen ausdrücklich auf Art. 152 

Abs. 3 OG aufmerksam gemacht, wonach die begünstigte Partei 

der Gerichtskasse Ersatz zu leisten haben wird, wenn sie 

später dazu im Stande ist. 

 

    
  Demnach erkennt das Eidg. Versicherungsgericht: 
  
 

 

    
  I. In Gutheissung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird
  
 

    der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug 

    vom 11. Juni 1999 aufgehoben. 

 

    
  II. Auf den Antrag des Beschwerdegegners betreffend beruf-
  
 

    liche Abklärungen wird nicht eingetreten. 

 

    
  III. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
  
 

 

    
  IV. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung
  
 

    wird Rechtsanwalt H.________ für das Verfahren vor dem 

    Eidgenössischen Versicherungsgericht aus der Gerichts- 

    kasse eine Entschädigung (einschliesslich Mehrwert- 

    steuer) von Fr. 2000.- ausgerichtet. 

 

    
  V. Das Verwaltungsgericht des Kantons Zug wird über eine
  
 

    Neuverteilung der Parteikosten für das kantonale Ver- 

    fahren entsprechend dem Ausgang des letztinstanzlichen 

    Prozesses zu befinden haben. 

 

    
  VI. Dieses Urteil wird den Parteien, dem Verwaltungsge-
  
 

    richt des Kantons Zug, der Ausgleichskasse des Schwei- 

    zerischen Baumeisterverbandes und dem Bundesamt für 

    Sozialversicherung zugestellt. 

 

 

Luzern, 9. Mai 2000 

Im Namen des 

Eidgenössischen Versicherungsgerichts 

Der Präsident der I. Kammer: 

 

Der Gerichtsschreiber: