# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7d0d591f-8366-502e-a0bf-ebf34ffcb673
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-04-08
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Kindes- und Erwachsenenschutzgericht 08.04.2013 KES 2013 249
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_003_KES-2013-249_2013-04-08.pdf

## Full Text

KES 13 249, publiziert Mai 2013 

Entscheid des Kindes- und Erwachsenenschutzgerichts des Kantons Bern

vom 08. April 2013

Besetzung
Oberrichter Zihlmann (Referent), Fachrichterin Lutz und Fachrichterin Holenweger 
Gerichtsschreiberin i.V. Huser

Verfahrensbeteiligte
X.,
Beistand: W.
Beschwerdeführerin

Z.,
Vertrauensperson

gegen 

Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Y
Vorinstanz

Gegenstand
Fürsorgerische Unterbringung 

Beschwerde gegen den Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Y vom 
2. April 2013

Regeste:

- Art. 446 Abs. 2 Satz 3 ZGB
- Für den Entscheid, ob die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde vor der 

Anordnung einer fürsorgerischen Unterbringung ein externes Gutachten einzuholen 
hat, ist das im Spruchkörper der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde 
vorhandene Fachwissen ausschlaggebend. Bezüglich des Fachwissens bei 
psychischen Störungen wird vorausgesetzt, dass die konkret zuständige Kindes- und 
Erwachsenenschutzbehörde über das Wissen eines Arztes oder einer Ärztin mit 
Fachkenntnissen in Psychiatrie verfügt.

Redaktionelle Vorbemerkungen:

Angefochten war der Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde, die volljährige 
X., bei welcher eine psychische Störung sowie eine  Suchtproblematik vorliegt, fürsorgerisch 
in die psychiatrische Institution T. unterzubringen resp. dort zurückzubehalten. Das Kindes- 
und Erwachsenenschutzgericht hatte sich in der Folge mit der Frage auseinanderzusetzen, 
ob die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde vor der Anordnung einer fürsorgerischen 
Unterbringung ein externes Gutachten einzuholen hat. 

Auszug aus den Erwägungen:

(...) 

IV.

(…)

5. In der Literatur herrscht eine Kontroverse darüber, in welchen Fällen eine Kindes- und 
Erwachsenenschutzbehörde beim Entscheid über eine fürsorgerische Unterbringung ein 
externes Gutachten einholen muss (vgl. AUER/MARTI, in: Basler Kommentar, 
Erwachsenenschutz, Art. 360–456 ZGB, Art. 14, 14a SchlT ZGB, Basel 2012 [zit.: BSK 
Erw.Schutz-BEARBEITER], N. 19 zu Art. 446 ZGB, wo auf die Lehrmeinungen verwiesen 
wird). Art. 446 Abs. 2 Satz 3 ZGB besagt, dass die Kindes- und 
Erwachsenenschutzbehörde nötigenfalls das Gutachten einer sachverständigen Person 
anordnet. Art. 450e Abs. 3 ZGB, welcher für das Verfahren vor der gerichtlichen 
Beschwerdeinstanz gilt, schreibt demgegenüber vor, dass das Kindes- und 
Erwachsenenschutzgericht bei psychischen Störungen gestützt auf das Gutachten einer 
sachverständigen Person entscheiden muss. Der Grund für die unterschiedliche 
Regelung liegt darin, dass der Gesetzgeber davon ausgegangen ist, dass das Kindes- 
und Erwachsenenschutzgericht – anders als die Kindes- und 
Erwachsenenschutzbehörde – nicht interdisziplinär zusammengesetzt ist, sondern 
ausschliesslich aus Juristen besteht (BSK Erw.Schutz-AUER/MARTI, N. 19 zu 
Art. 446 ZGB). 
Mit einem Teil der Lehre geht das Kindes- und Erwachsenenschutzgericht davon aus, 
dass das im Spruchkörper der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde vorhandene 
Fachwissen ausschlaggebend sein soll, ob die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde 
ein externes Gutachten einzuholen hat. Einen Automatismus gibt es nicht. Verfügt die 
Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde über das nötige Fachwissen, um – was hier 
interessiert – das Vorliegen und die Auswirkungen einer psychischen Störung zu 
beurteilen, braucht sie für eine fürsorgerische Unterbringung nach Art. 426 i.V.m. 
428 ZGB kein externes Gutachten einzuholen. Das Kindes- und 
Erwachsenenschutzgericht setzt in solchen Fällen allerdings für eine Bejahung des 
erforderlichen Fachwissens bezüglich psychischen Störungen voraus, dass die konkret 
zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde über das Wissen eines Arztes oder 
einer Ärztin mit Fachkenntnissen in Psychiatrie verfügt (vgl. auch BSK Erw.Schutz-
AUER/MARTI, N. 19 zu Art. 446 ZGB). (…) 

6. Auch im konkreten Fall setzte sich der Spruchkörper der Kindes- und 
Erwachsenenschutzbehörde aus einer lic. iur. Rechtsanwältin, einer höheren 
Sachbearbeiterin und einem Fachpsychologen für Psychotherapie FSP, welcher über 
einen lic. phil. I-Abschluss sowie einen Master of Advanced Studies in Psychotherapy 
verfügt, zusammen.

7. Nach dem Gesagten verfügt ein derart zusammengesetzter Spruchkörper nicht über das 
nötige psychiatrische Fachwissen, um eine fürsorgerische Unterbringung auf 
unbestimmte Zeit ohne Gutachten anzuordnen.

(...) 

Hinweis:

Derzeit verfügen die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden des Kantons Bern - im 
Gegensatz zum Kindes- und Erwachsenenschutzgericht des Kantons Bern -  über keine 
ÄrztInnen mit Fachkenntnissen in Psychiatrie.

Der Entscheid ist rechtskräftig.