# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f543f8bc-ce81-5d6f-acb1-6bccd8a432e4
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-29
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 29.03.2022 SK 2021 122
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2021-122_2022-03-29.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 21 122+123

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 29. März 2022 

Besetzung Oberrichterin Friederich Hörr (Präsidentin i.V.), 
Oberrichter Schmid, Oberrichter Horisberger
Gerichtsschreiberin Bucher

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________

Strafkläger

Gegenstand Raub (mehrfach), Nötigung, Diebstahl (Versuch), etc. sowie Wi-
derrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Kollegialgericht) vom 16. September 2020 (PEN 19 
151+153)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (Kollegialgericht in Dreierbesetzung, 
nachfolgend Vorinstanz) fällte gegen den Beschuldigten/Berufungsführer 
A.________ (nachfolgend Beschuldigter) am 16. September 2020 folgendes Urteil 
(pag. 2491 ff. sowie Berichtigung in pag. 2514 ff., Hervorhebungen im Original): 

I.

Das Strafverfahren gegen A.________

wegen Übertretungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, angeblich mehrfach begangen in der 
Zeit vom 20.07.2017 bis 15.09.2017 in R.________ (Ortschaft), S.________ (Ortschaft), T.________ 
(Ortschaft), U.________ (Ortschaft) und anderswo (Erwerb zum Konsum; Ziff. B.5. AKS)

wird aufgrund des Eintritts der Verfolgungsverjährung eingestellt,

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird freigesprochen:

1. von der Anschuldigung des Raubes, angeblich begangen am 24.09.2017 in V.________ 
(Ortschaft), gemeinsam mit D.________, soweit z.N. von F.________ und G.________ (Ziff. 
B.1.2. AKS);

2. von der Anschuldigung des Raubes, angeblich begangen am 18.01.2018 in 
T.________(Ortschaft), gemeinsam mit H.________, I.________ und 4 unbekannten weiteren 
Mittätern, z.N. J.________ und K.________, soweit einen Rucksack und ein Tupperware betref-
fend (Ziff. B.1.3. AKS);

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

III.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. des Raubes, mehrfach begangen, so:

1.1. am 24.09.2017 in R.________(Ortschaft), gemeinsam mit D.________ und E.________, 
z.N. L.________ (Versuch; Ziff. B.1.1. AKS);

1.2. am 24.09.2017 in V.________(Ortschaft), gemeinsam mit D.________, z.N. von 
C.________ (Ziff. B.1.2. AKS);

2. der Nötigung, begangen am 18.01.2018 in T.________(Ortschaft), gemeinsam mit H.________, 
I.________ und 4 unbekannten weiteren Mittätern, z.N. J.________ und K.________ (Ziff. B.1.3. 
AKS);

3. des Diebstahls (Versuch), begangen am 24.09.2017 in R.________(Ortschaft), gemeinsam mit 
N.________, D.________ und E.________, z.N. Verkaufsgeschäft O.________ (Ziff. B.2. AKS);

3

4. der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, mehrfach begangen, so:

4.1. am 23.-25.09.2017 in V.________(Ortschaft), gemeinsam mit D.________, N.________ 
und E.________ (Entwendung zum Gebrauch; Ziff. B.3.1. AKS);

4.2. am 24.09.2017 in V.________(Ortschaft), zusammen mit D.________ und N.________ 
(Missbrauch von Ausweisen und Schildern; Ziff. 3.2. AKS);

5. der Sachbeschädigung (geringfügiges Vermögensdelikt), begangen am 16.05.2018 in 
T.________(Ortschaft), z.N. Kanton W.________ (Deliktsbetrag: CHF 200.00; Ziff. B.4. AKS);

6. der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfach begangen, so:

6.1. am 18.01.2018 in T.________(Ortschaft), gemeinsam mit H.________, I.________ und 4 
unbekannten weiteren Mittätern, z.N. J.________ und K.________ durch Erwerb von 100 
Gramm Marihuana (Ziff. B.1.3. AKS);

6.2. in der Zeit vom 16.09.2017 bis 25.05.2020, namentlich am 24./25.09.2017 und am 
18.01.2018 in R.________(Ortschaft), S.________ (Ortschaft), T.________(Ortschaft), 
U.________(Ortschaft) und anderswo (Übertretung durch Erwerb zum Konsum; Ziff. B.5. 
AKS)

und in Anwendung der Art. 22 Abs. 1, 34, 47, 49 Abs. 1, 66a Abs. 1 lit. c, 139 Ziff. 1, 140 Ziff. 1, 
144 Abs. 1 i.V.m. 172ter, 181 StGB
Art. 94 Abs. 1 lit. b, 97 Abs. 1 Bst. a und g SVG
Art. 19 Abs. 1 lit. d, 19a BetmG
Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten.

Die Polizeihaft (vorläufige Festnahme) von 1 Tag wird im Umfang von 1 Tag auf die Freiheits-
strafe angerechnet.

A.________ wird in eine Einrichtung für junge Erwachsene gem. Art. 61 StGB eingewiesen.

Der Vollzug der Massnahme geht der Freiheitsstrafe voraus.

Es wird festgestellt, dass die Massnahme am 25.05.2020 vorzeitig angetreten worden ist. 

2. Zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu CHF 30.00, ausmachend total CHF 900.00.

3. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 200.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 2 Tage festgesetzt. Dies als teilweise Zusatzstrafe zum Urteil der Staatsan-
waltschaft T.________(Ortschaft) vom 19.09.2017 (________).

4. Zu einer Landesverweisung von 5 Jahren.

5. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 11'722.00 und Aus-
lagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von CHF 36'607.55, insgesamt bestimmt auf 
CHF 48'329.55 (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung auf CHF 25'161.75).

[…]

4

IV.

1. Der A.________ mit Urteil der Staatsanwaltschaft T.________(Ortschaft) vom 19.09.2017 für ei-
ne Geldstrafe von 20 Tagessätzen à CHF 30.00 gewährte bedingte Vollzug wird widerrufen. 
Die Strafe ist zu vollziehen.

2. Die Verfahrenskosten für das Widerrufsverfahren von CHF 300.00 werden A.________ aufer-
legt. 

V.

1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von 
A.________ durch Rechtsanwalt B.________ werden wie folgt bestimmt:

[…]

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 12'165.35. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Rechtsanwalt B.________ die Differenz von CHF 3'942.90 zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

VI.

1. Es wird festgestellt, dass A.________ anerkannt hat, dem Kanton W.________, einen Betrag 
von CHF 200.00 zu schulden. Die Zivilklage wird insoweit als gegenstandslos geworden abge-
schrieben.

2. In Anbetracht der unzureichenden Begründung/Bezifferung wird die Zivilklage von J.________ 
auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 Bst. b StPO).

3. In Anbetracht der unzureichenden Begründung/Bezifferung wird die Zivilklage von K.________ 
auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 2 Bst. b StPO).

4. Für den Zivilpunkt werden keine Kosten ausgeschieden.

VII.

Weiter wird verfügt:

1. A.________ geht in den Massnahmenvollzug zurück.

2. Folgende Gegenstände werden zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB):

- Pfefferspraypistole Guardian Angel 2

3. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr.________) nach Ablauf der 
Frist wird dem zuständigen Bundesamt erteilt (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG). 

4. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten 
(PCN-Nr.________) durch die auftraggebende Behörde wird nach Ablauf der Frist erteilt (Art. 17 
Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstli-
cher Daten).

5.  [Eröffnungs- und Mitteilungsformel]

5

Am 4. März 2021 berichtigte die Vorinstanz Ziff. III.4. des Urteils vom 16. Septem-
ber 2020 gestützt auf Art. 83 Abs. 1 Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) inso-
fern, als dass die Daten der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz 
(SVG; SR 741.01) hinsichtlich der Jahreszahlen (2017 anstelle 2018) korrigiert 
wurden (pag. 2514 ff.).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete Rechtsanwalt B.________ namens und im Auftrag 
des Beschuldigten fristgerecht Berufung an (pag. 2508). Die Berufungserklärung 
datiert vom 25. März 2021 und ging am 26. März 2021 form- und fristgerecht beim 
Obergericht des Kantons Bern ein (pag. 2622 ff.; pag. 2655 f.). 

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Eingabe vom 8. April 2021 mit, dass auf 
die Erklärung einer Anschlussberufung verzichtet wird und auch keine Nichteintre-
tensgründe in Bezug auf die Berufung des Beschuldigten geltend gemacht würden 
(pag. 2636). 

Der Kanton W.________ teilte seinerseits mit Eingabe vom 27. Mai 2021 mit, eben-
falls auf eine Anschlussberufung zu verzichten und auch keine Nichteintretens-
gründe in Bezug auf die Berufung des Beschuldigten gelten zu machen 
(pag. 2658).

Die anderen Parteien liessen sich nicht vernehmen. 

3. Entlassung der Straf- und Zivilkläger 1-3 aus dem oberinstanzlichen Verfah-
ren

Mit Beschluss vom 9. August 2021 stellte die Kammer fest, dass die die Straf- und 
Zivilkläger 1-3 betreffenden Punkte des erstinstanzlichen Urteils vom 16. Septem-
ber 2020 von keiner der Parteien angefochten wurde und entliess diese daher 
mangels Beschwer aus dem Verfahren (pag. 2701 f.). 

4. Vorzeitiger Massnahmenvollzug

Mit Eingabe vom 11. August 2021 erstatteten die Bewährungs- und Vollzugsdiens-
te des Kantons Bern (nachfolgend BVD) Meldung zur Entweichung des Beschuldig-
ten aus der offenen Wohngruppe des Massnahmenzentrums P.________ 
(pag. 2704 ff.). Mit Verfügung vom 12. August 2021 wurde der Beschuldigte zur 
Verhaftung ausgeschrieben (pag. 2743 f.) und die Ausschreibung, nachdem er sich 
gestellt hatte, mit Verfügung vom 18. August 2021 revoziert (pag. 2754 f.). Mit Ver-
fügung der BVD vom 22. November 2021 wurde dem Beschuldigten rückwirkend 
per 21. November 2021 der Übertritt in den offenen Vollzug im Sinne der Unter-
bringung im offenen Bereich des Massnahmenzentrums P.________ wieder ge-
währt (pag. 2809 ff.). 

5. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Mit Blick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurden von Amtes wegen ein 
Strafregisterauszug (datierend vom 3. Januar 2022, pag. 2838 f.), ein Verlaufsbe-
richt des Massnahmenzentrums P.________ (datierend vom 28. Dezember 2021, 

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pag. 2822 ff.), ein ergänzender Bericht betreffend Landesverweisung (datierend 
vom 6. Januar 2022, pag. 2842 f.) und ein aktueller Kurzverlaufsbericht des Mass-
nahmenzentrums P.________ (datierend vom 23. März 2022, pag. 2885 ff.) über 
den Beschuldigten eingeholt. Weiter erfolgte eine Edition der Akten des Migrati-
onsdienstes des Kantons AF.________ (datierend vom 6. Januar 2022; pag. 2844 
ff.). 

6. Oberinstanzliche Berufungsverhandlung und Würdigungsvorbehalte

Die oberinstanzliche Hauptverhandlung wurde auf den 11. und 12. Januar 2022 
angesetzt (pag. 2748 f.). Kurz vor Verhandlungsbeginn erreichte die Verfahrenslei-
terin die Mitteilung, dass ein Insasse einer Mehrfachzelle, in der sich auch der Be-
schuldigte befand, covidartige Krankheitssymptome entwickelt hatte. Die Verhand-
lung wurde auf den Nachmittag verschoben und mangels Vorliegens eines negati-
ven Testergebnisses sowie gestützt auf die geltenden Quarantänebestimmungen 
schliesslich abgesagt (pag. 2872 f.) und auf den 29. März 2022 angesetzt (pag. 
2861 f.). In der oberinstanzlichen Hauptverhandlung wurde der Beschuldigte 
nochmals zur Person und zur Sache befragt (pag. 2895 ff.).

Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte die Kammer gestützt auf Art. 344 
StPO einen Würdigungsvorbehalt in Bezug auf den Anklagepunkt des Raubes zum 
Nachteil des Strafklägers (Ziff. B.1.2. der Anklageschrift, Ziff. III.1.2. des erstin-
stanzlichen Urteilsdispositivs) und behielt sich vor, den angeklagten Sachverhalt 
auch unter dem Aspekt des versuchten Raubes zu würdigen (pag. 2893). Die Vor-
instanz brachte an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 10. Juli 2019 so-
wie der Fortsetzungsverhandlung vom 16. September 2020 einen Würdigungsvor-
behalt vor (pag. 2105; pag. 2434; pag. 2462), wonach der Sachverhalt gemäss Ziff. 
B.1.2. der Anklageschrift unter dem rechtlichen Aspekt der Mittäterschaft, gemein-
sam begangen mit D.________, gewürdigt werde. Dieser Vorbehalt gilt auch für 
das oberinstanzliche Verfahren. Ferner behielt sich die Vorinstanz vor, den ange-
klagten Sachverhalt (Ziff. B.1.1. der Anklageschrift) unter dem Gesichtspunkt der 
qualifizierten Begehung nach Art. 140 Ziff. 3 des Schweizerischen Strafgesetzbu-
ches (StGB; SR 311.0; Offenbarung besonderer Gefährlichkeit) zu würdigen (pag. 
2105; pag. 2434; pag. 2462). Dieser Würdigungsvorbehalt ist vorliegend allerdings 
unbeachtlich, da die Kammer an das Verschlechterungsverbot gebunden ist, wor-
unter auch die Verschärfung der Teilnahmeform zählt (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 6B_712/2012 vom 26. September 2013 E. 2.5).

7. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ stellte und begründete für den Beschuldigten an der 
oberinstanzlichen Verhandlung die folgenden Anträge (pag. 2928 f., Hervorhebun-
gen im Original):

1. Es sei festzustellen, dass die nicht angefochtenen Punkte des Urteils in Rechtskraft erwachsen 
sind.

2. Der Berufungsführer sei schuldig zu sprechen:

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a. des versuchten, einfachen Raubes, unter Zubilligung einer Notstandsituation im Sinne von 
Art. 18 Abs. 1 StGB (Notstandsexess) am 24.09.2017 in R.________(Ortschaft), gemein-
sam begangen mit D.________ und E.________, z.N. von L.________ sowie

b. der Gehilfenschaft zum einfachen Raub, begangen am 24.09.2017 in 
V.________(Ortschaft), gemeinsam mit D.________ (Täter), z.N. von C.________.

3. Der Berufungsführer sei zu verurteilen:

a. zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Polizei-
haft von einem Tag. Er sei in eine Einrichtung für junge Erwachsene gemäss Art. 61 
StGB einzuweisen, wobei der Vollzug der Massnahme einer Freiheitsstrafe vorauszuge-
hen habe und festzustellen sei, dass die Massnahme bereits am 25.05.2020 angetreten 
worden ist;

b. zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen von Fr. 30.00, ausmachend Fr. 900.00 
sowie zur Bezahlung einer Übertretungsbusse von Fr. 200.00. Die Freiheitsstrafe bei 
schuldhafter Nichtbezahlung sei auf 2 Tage festzusetzen. Dies als teilweise Zusatzstrafe 
zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft T.________ (Ortschaft) vom 19.09.2017 
(________).

c. auf eine Landesverweisung sei zu verzichten;

unter Auferlage der anteilsmässigen erstinstanzlichen und der gesamten zweitinstanzlichen Ver-
fahrenskosten an den Kanton und unter Ausrichtung einer anteilsmässigen angemessenen Ent-
schädigung für die Verteidigungsaufwendungen vor erster Instanz und gemäss noch einzurei-
chender Kostennote vor zweiter Instanz.

4. Es seien sodann die weiteren Verfügungen zu treffen, so insbesondere das durch die Vorin-
stanz festgesetzte Honorar für die amtliche Verteidigung vor erster Instanz zu bestätigen und 
das Honorar für die amtliche Verteidigung vor zweiter Instanz gemäss noch einzureichender 
Kostennote festzusetzen.

5. Schliesslich sei der gemäss Strafbefehl vom 19.09.2017 (________) durch die Staatsanwalt-
schaft T.________(Ortschaft) gewährte bedingte Strafvollzug für eine Geldstrafe von 20 Tages-
sätzen à Fr. 30.00 nicht zu widerrufen, ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

Für die Generalstaatsanwaltschaft stellte Staatsanwältin Q.________ ihrerseits fol-
gende Anträge (pag. 2925 ff., Hervorhebungen im Original):

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (Kol-
legialgericht in Dreierbesetzung) vom 16. September 2020 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich

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1. der Einstellung des Strafverfahrens wegen Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz, an-
geblich mehrfach begangen in der Zeit vom 20. Juli 2017 bis 15. September 2017 in 
R.________(Ortschaft), S.________ (Ortschaft), T.________(Ortschaft), U.________(Ortschaft) 
und anderswo; ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrens-
kosten;

2. der Freisprüche

2.1. von der Anschuldigung des Raubes, angeblich begangen am 24. September 2017 in 
V.________(Ortschaft), gemeinsam mit D.________, soweit z. N. von F.________ und 
G.________;

2.2. von der Anschuldigung des Raubes, angeblich begangen am 18. Januar 2018 in 
T.________(Ortschaft), gemeinsam mit H.________, I.________ und vier unbekannten 
weiteren Mittätern, z. N. von J.________ und K.________, soweit einen Rucksack und ein 
Tupperware betreffend;

3. der Schuldsprüche, wonach A.________ schuldig erklärt wurde

3.1. der Nötigung, begangen am 18. Januar 2018 in T.________(Ortschaft), gemeinsam mit 
H.________, I.________ und vier unbekannten weiteren Mittätern, z. N. von J.________ 
und K.________;

3.2. des Diebstahls (Versuch), begangen am 24. September 2017 in R.________(Ortschaft), 
gemeinsam mit N.________, D.________ und E.________, z. N. Verkaufsgeschäft 
O.________;

3.3. der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, mehrfach begangen 

3.3.1. am 23.-25. September 2018 in V.________(Ortschaft), gemeinsam mit N.________, 
D.________ und E.________;

3.3.2. am 24. September 2018 in V.________(Ortschaft), gemeinsam mit N.________, 
D.________;

3.4. der Sachbeschädigung (geringfügiges Vermögensdelikt), begangen am 16. Mai 2018 in 
T.________(Ortschaft), z. N. Kanton W.________);

3.5. der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, mehrfach begangen, so:

3.5.1. am 18. Januar 2018 in T.________(Ortschaft), gemeinsam mit H.________, 
I.________ und vier unbekannten weiteren Mittätern, durch Erwerb von 100 g Mari-
huana;

3.5.2. in der Zeit vom 16. September 2017 bis 25. Mai 2020, namentlich am 24./25. Sep-
tember 2017 und am 18. Januar 2018 in R.________(Ortschaft), S.________ (Orts-
chaft), T.________(Ortschaft), U.________(Ortschaft) und anderswo;

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4. der Verurteilung zu einer Übertretungsbusse von CHF 200.00 (Ersatzfreiheitsstrafe bei schuld-
hafter Nichtbezahlung 2 Tage);

5. der Einweisung in eine Einrichtung für junge Erwachsene gem. Art. 61 StGB, wobei festgestellt 
wurde, dass diese Massnahme am 25. Mai 2020 vorzeitig angetreten worden ist; sowie

6. der Einziehung der Pfefferspraypistole Guardian Angel 2 zur Vernichtung. 

II.

A.________ sei zusätzlich schuldig zu erklären:

1. des Raubes, mehrfach begangen

1.1. am 24. September 2017 in R.________(Ortschaft), gemeinsam mit D.________ und 
E.________, z. N. von L.________ (Versuch);

1.2. am 24. September 2017 in V.________(Ortschaft), gemeinsam mit D.________, z. N. von 
C.________ (Versuch).

III.

Der A.________ mit Urteil der Staatsanwaltschaft T.________(Ortschaft) vom 19. September 2017 für 
eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen à CHF 30.00 gewährte bedingte Vollzug sei zu wider-
rufen. Die Strafe sei zu vollziehen. Die Verfahrenskosten für das Widerrufsverfahren seien 
A.________ aufzuerlegen.

IV.

A.________ sei in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen und unter Einbezug der zu 
widerrufenden Strafe zusätzlich

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Polizeihaft 
von einem Tag;

2. zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu CHF 30.00;

3. zu einer Landesverweisung von 5 Jahren;

4. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene 
Gebühr gemäss Art. 21 VKD).

Im Weiteren sei zu verfügen:

1. A.________ sei im Massnahmenvollzug zu belassen.

2. Es sei die vorzeitige Zustimmung zu erteilen zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-
Nr.________) und der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der 

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gesetzlichen Frist (Art. 16 Abs. 1 Bst. e DNA-ProfilG und Art. 17 Abs. 1 Bst. e i.V.m. Art. 19 Abs. 
1 der Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdientlicher Daten).

3. Die Honorare der amtlichen Verteidiger sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

8. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochte-
nen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte hat das erstinstanzliche Ur-
teil vorliegend teilweise angefochten. Seine Berufung richtet sich gegen Ziff. III.1.1. 
(Schuldspruch wegen versuchten Raubes in Mittäterschaft), Ziff. III.1.2. (Schuld-
spruch wegen Raubes in Mittäterschaft), Ziff. III.1. (Verurteilung zu einer Freiheits-
strafe von 30 Monaten), Ziff. III.4. (Verurteilung zu einer Landesverweisung von 5 
Jahren) und Ziff. IV. (Widerruf des bedingten Vollzugs der Geldstrafe gemäss Urteil 
der Staatsanwaltschaft T.________(Ortschaft) vom 19. September 2017) des erst-
instanzlichen Urteilsdispositivs (pag. 2625 f.).

Damit sind die Ziff. I. (Einstellung des Verfahrens wegen Übertretungen gegen das 
Betäubungsmittelgesetz ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Aus-
scheidung von Verfahrenskosten), Ziff. II.1. und II.2. (Freisprüche betreffend An-
schuldigungen des Raubes ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Aus-
scheidung von Verfahrenskosten), Ziff. III.2. (Schuldspruch wegen Nötigung), 
Ziff. III.3. (Schuldspruch wegen Diebstahls [Versuch]), Ziff. III.4. (Schuldspruch we-
gen mehrfacher Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz), Ziff. III.5. 
(Schuldspruch wegen Sachbeschädigung [geringfügiges Vermögensdelikt]), 
Ziff. III.6. (Schuldspruch wegen mehrfacher Widerhandlungen gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz), Ziff. III.3. (Verurteilung zu einer Übertretungsbusse), Ziff. VI. 
(Zivilpunkt) und die Verfügung gemäss Ziff. VII.2. (Einziehung der Pfefferspraypis-
tole zur Vernichtung) des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs in Rechtskraft erwach-
sen. 

Weiter wird festgestellt, dass die Einweisung in eine Einrichtung für junge Erwach-
sene (Ziff. III.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) von den Parteien nicht an-
gefochten wurde. Für eine oberinstanzliche Überprüfung der erstinstanzlich ange-
ordneten therapeutischen Massnahme innerhalb der Schranken des Verbots der 
«reformatio in peius» (vgl. BGE 148 IV 89 E. 4.4) spricht, dass diese im objektiven 
Interesse des Betroffenen liegt. Daher befindet die Kammer ebenfalls über die an-
geordnete Einweisung in eine Einrichtung für junge Erwachsene gemäss Art. 61 
StGB.

Von der Kammer zu überprüfen sind die erstinstanzlichen Schuldsprüche wegen 
versuchten Raubes sowie Raubes je in Mittäterschaft (Ziff. III.1.1. und III.1.2. des 
erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 30 
Monaten (Ziff. III.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) und die Verurteilung zu 
einer Landesverweisung von fünf Jahren (Ziff. III.4. des erstinstanzlichen Urteils-
dispositivs). Weiter hat die Kammer über den Widerruf des mit Urteil der Staatsan-
waltschaft T.________(Ortschaft) vom 19. September 2017 gewährten bedingten 
Vollzugs zu befinden (Ziff. IV.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Neu zu 
entscheiden ist auch über die Verfahrenskosten (Ziff. III.5. und IV.2. des erstin-

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stanzlichen Urteilsdispositivs) sowie die erstinstanzliche amtliche Entschädigung 
(Ziff. V. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). Nicht der Rechtskraft zugänglich 
und somit von der Kammer ebenfalls neu zu beurteilen sind die Verfügungen be-
treffend das erstellte DNA-Profil und die erhobenen biometrischen erkennungs-
dienstlichen Daten (Ziff. VII.3. und VII.4. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs).

Die Verurteilung zu einer unbedingten Geldstrafe (Ziff. III.2. des erstinstanzlichen 
Urteilsdispositivs) ist unangefochten geblieben. In Anwendung des am 1. Januar 
2018 in Kraft getretenen, revidierten Art. 46 Abs. 1 Satz 2 StGB und der geänder-
ten bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat das Gericht im Falle eines Widerrufs 
einer bedingt ausgesprochenen Geldstrafe sowie einer unbedingten Geldstrafe ei-
ne Gesamtstrafe zu bilden (BGE 145 IV 146 E. 2.1-2.3.). Da, wie vorstehend aus-
geführt, gegen die Geldstrafe keine Berufung erhoben wurde, bleibt der anlässlich 
der oberinstanzlichen Berufungsverhandlung erstmalig vorgebrachte Antrag der 
Verteidigung, die Geldstrafe sei bedingt auszufällen (vgl. pag. 2909), unbeachtlich.

Die Kammer verfügt im Berufungsverfahren über volle Kognition (Art. 398 Abs. 3 
StPO). Mangels eigenständiger Berufung oder Anschlussberufung der General-
staatsanwaltschaft oder des Strafklägers darf das Urteil nicht zum Nachteil des Be-
schuldigten abgeändert werden und die Kammer ist an das Verschlechterungsver-
bot gebunden (Verbot der «reformatio in peius», Art. 391 Abs. 2 StPO). 

9. Rüge der Verletzung des Anklagegrundsatzes

9.1 Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung brachte anlässlich ihres oberinstanzlichen Parteivortrags namens 
des Beschuldigten vor, hinsichtlich der Ziff. B.1.2. der Anklageschrift könne kein 
Schuldspruch wegen Mittäterschaft erfolgen, da im angeklagten Sachverhalt nur 
die Gehilfenschaft umschrieben worden sei. Es gelte festzuhalten, dass die Ankla-
geschrift ein «Unterstützen» seitens des Beschuldigten umschreibe, und nicht ein 
koordiniertes Vorgehen, womit eine Verurteilung als Mittäter ebenfalls ausscheide 
(vgl. pag. 2912). Die Verteidigung rügt demnach sinngemäss eine Verletzung des 
Anklagegrundsatzes. 

9.2 Gesetzliche und theoretische Grundlagen

Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Ge-
richtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29 Abs. 2 
und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Die Anklage hat 
die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so 
präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht 
genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der 
Verteidigungsrechte der beschuldigten Person und garantiert den Anspruch auf 
rechtliches Gehör (Informationsfunktion). Entscheidend ist, dass die beschuldigte 
Person genau weiss, welcher konkreter Handlungen sie beschuldigt und wie ihr 
Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit sie sich in ihrer Verteidigung richtig vor-
bereiten kann. Solange klar ist, welcher Sachverhalt der beschuldigten Person vor-
geworfen wird, kann auch eine fehlerhafte und unpräzise Anklage nicht dazu 
führen, dass es zu keinem Schuldspruch kommen darf. Die nähere Begründung 

12

der Anklage erfolgt an Schranken; es ist Sache des Gerichts, den Sachverhalt ver-
bindlich festzustellen. Dieses ist an den in der Anklage umschriebenen Sachver-
halt, nicht aber an die darin vorgenommene rechtliche Würdigung gebunden (Art. 
350 Abs. 1 StPO; BGE 143 IV 63 E. 2.2 S. 65; Urteil des Bundesgerichts 
6B_879/2018 vom 26. April 2019 E. 1.1; je mit Hinweisen).

Bei versuchten Delikten, bei denen unter Umständen gar keine objektiven Tatbe-
standsmerkmale erfüllt sind, ist der subjektive Tatbestand – im Sinne eines Tatent-
schlusses – zentrale Grundlage für die Tatbestandsmässigkeit. Wird ein Versuch 
angeklagt, sind zudem jene tatsächlichen objektiven Elemente zu erwähnen, die 
nach den diesbezüglichen rechtlichen Kriterien einen Versuch gemäss Art. 22 
Abs. 1 StGB annehmen lassen. Die Anklageschrift hat insbesondere jene Momente 
festzuhalten, die einen örtlichen und zeitlichen Konnex zur geplanten Tat indizie-
ren, sodass das inkriminierte Verhalten als Beginn der Tatausführung im Sinne der 
Schwellentheorie qualifiziert werden kann. Sind bereits einzelne Tatbestands-
merkmale erfüllt worden, sind die entsprechenden Sachverhaltselemente darzule-
gen (HEIMGARTNER/NIGGLI, in: Basler Kommentar StPO/JStPO, 2. Aufl. 2014, N. 
35a zu Art. 325 StPO).

9.3 Würdigung durch die Kammer

Vorliegend ist hinsichtlich dieses Sachverhaltskomplexes entsprechend dem an-
lässlich der Berufungsverhandlung angebrachten Würdigungsvorbehalt auch ein 
Versuch zu prüfen (vgl. Ziff. II.12. hiernach). Der subjektive Tatbestand bildet die 
Grundlage für die Tatbestandsmässigkeit, die in der Anklageschrift umschrieben 
werden muss. Beim versuchten Raub in Mittäterschaft besteht der subjektive Tat-
bestand aus Vorsatz und Diebstahlsabsicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
6B_787/2019 vom 24. Oktober 2019 E. 1.1). Bezüglich des Vorsatzes genügt der 
vorhandene Hinweis auf den Straftatbestand, da sowohl Raub (Art. 140 i.V.m. Art. 
12 Abs. 1 StGB) als auch Mittäterschaft (Urteile des Bundesgerichts 6B_360/2016 
und 6B_361/2016 vom 1. Juni 2017 E. 4.10) und Versuch (NIGGLI/MAEDER, in: Bas-
ler Kommentar Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 1 zu Art. 22 StGB) je nur vorsätzlich 
begangen werden können. In objektiver Hinsicht wird im Anklagesachverhalt neben 
Ort, Datum und der Opfer der vorgeworfenen Tat umschrieben, wer konkret welche 
Handlungen vornahm («D.________ forderte […] C.________ unter sinngemässer 
Gewaltandrohung auf, ihm alles zu geben, […], in der Absicht, die Wertgegenstän-
de danach zu entwenden. […] tätlichen Auseinandersetzung unterstützte 
A.________ D.________, indem er den Opfern auch Schläge austeilte. […] wie-
derholte A.________ die Aufforderung von D.________, indem er den Opfern be-
fahl, alles abzulegen, was sie bei sich hätten. […]»), sowie auch die Diebstahlsab-
sicht aufgeführt. In der Anklageschrift werden demnach – wenn auch kurz – alle 
Umstände aufgeführt, die nötig sind, um beurteilen zu können, ob sich der Be-
schuldigte objektiv und subjektiv des versuchten Raubes in Mittäterschaft schuldig 
gemacht hat. 

Ob die Unterstützung des Beschuldigten, indem er auch Schläge austeilte, als Mit-
täterschaft oder Gehilfenschaft zu qualifizieren ist, ist eine Frage der rechtlichen 
Würdigung und betrifft nicht den Anklagegrundsatz. Schliesslich geht der Vorwand, 
im Anklagesachverhalt werde kein gemeinschaftliches Vorgehen umschrieben, 

13

nicht zuletzt schon deshalb fehl, weil ein «Unterstützen» seitens des Beschuldigten 
begriffslogisch nur gemeinschaftlich möglich ist. 

Nach dem Gesagten sieht die Kammer den Anklagegrundsatz nicht verletzt. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

10. Theoretische Grundlagen zur Beweiswürdigung

Auf die umfassenden und zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu den theo-
retischen Grundlagen der Beweiswürdigung sowie zur Aussageanalyse kann vorab 
vollumfänglich verwiesen werden (pag. 2534 ff., S. 10 ff. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung). 

11. Vorwurf gemäss Ziff. B.1.1. der Anklageschrift

11.1 Anklagesachverhalt

Dem Beschuldigten wird in Ziff. B.1.1. der Anklageschrift vom 18. Februar 2019 
(pag. 2100 ff.) vorgeworfen, er habe sich am 24. September 2017 in 
R.________(Ortschaft), gemeinsam mit D.________ und E.________, zum Nach-
teil von L.________, des versuchten Raubes schuldig gemacht, indem sie wie folgt 
vorgingen (pag. 2100): 

«A.________, D.________ und E.________ begaben sich, in der gemeinsamen Absicht, jemanden 
«auszunehmen», in Richtung L.________ und seiner Begleiterin. Nachdem D.________ A.________ 
vorgängig eine Pfefferspraypistole übergeben hatte, ging A.________ auf L.________ zu und spritze 
[recte: spritzte] eine Ladung Pfefferspray in dessen Gesicht, wobei dieser im Auge getroffen wurde. 
Insbesondere weil das Gesicht von L.________ in der Folge mit einer roten Flüssigkeit überströmt 
war, wodurch A.________ erschrak, liess er vom Opfer ab. E.________ verfolgte den flüchtenden 
L.________ kurz zu Fuss, liess aber dann auch von ihm ab, während D.________ bei der Begleiterin 
von L.________ blieb. L.________ erlitt eine schwere Augenverletzung mit schweren Folgekomplika-
tionen (Verlust der Linse, Oradialyse, Hornhautdekompensation), welche Operationen zur Folge hatte 
und noch haben wird (Implantation einer Intraokularlinse, ggf. Hornhauttransplantation). Es besteht 
bei L.________ ein lebenslang erhöhtes Risiko einer Netzhautablösung und von Augendruckanstie-
gen, welche potenziell zur Erblindung führen könnten.

Eventualiter wurde A.________ insofern in die Rolle des die Pfefferspraypistole einsetzenden Täters 
gebracht, als D.________ bei der Übergabe der Pfefferspraypistole an A.________ wie folgt vorging: 
D.________ forderte A.________ zum Einsatz der Pfefferspraypistole gegen das Opfer auf, was die-
ser zunächst verweigerte. Daraufhin drohte D.________ A.________ damit, die Pfefferspraypistole 
gegen ihn (A.________) einzusetzen, wenn dieser die Pfefferspraypistole nicht gegen das Opfer ein-
setze. Dadurch entstand für A.________ zwischenzeitlich eine Notstandssituation i.S. von Art. 18 Abs. 
1 StGB, wobei es ihm aber spätestens nach Behändigung der Pfefferspraypistole zumutbar gewesen 
wäre, das vorgängig durch D.________ gefährdete Gut preiszugeben.»

11.2 Erwägungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz gelangte beweiswürdigend zum Ergebnis, dass D.________, hin-
sichtlich des Vorfalles als treibende Kraft agierend, dem Beschuldigten einen ge-
wissen Druck aufgesetzt und ihn mehrfach zur Übernahme der Pfefferspraypistole 

14

bzw. zur nachfolgenden Schussabgabe aufgefordert habe. Es sei aber nicht davon 
auszugehen, dass das Bedrängen des Beschuldigten durch D.________ in einer 
Drohungssituation gemündet habe, welche es ihm vor lauter Angst unmöglich ge-
macht hätte, anders zu reagieren. Erschwerend komme hinzu, dass es in dem 
Moment, als der Beschuldigte D.________ die Pfefferspraypistole abgenommen 
habe, für Letzteren faktisch unmöglich geworden sei, dem Beschuldigten, wie er 
vorgebracht habe, mit ebendiesem Gerät ins Gesicht zu schiessen. Die Umsetzung 
einer wie auch immer gearteten Drohung mit der Pfefferspraypistole wäre demnach 
gar nicht mehr möglich gewesen. Das Gericht gelangte zum Schluss, dass keine 
notstandsbegründende Situation für den Beschuldigten vorgelegen habe und er-
achtete den eventualiter angeklagten Sachverhalt als nicht erstellt. Ergänzend zum 
angeklagten Sachverhalt würdigte die Vorinstanz den Sachverhalt in dubio pro reo 
dahingehend, als der Beschuldigte aus einer Distanz von ca. 1.5 Meter auf 
L.________ geschossen habe und sich über den Inhalt der Pfefferspraypistole 
nicht vollständig im Klaren gewesen sei (pag. 2552 f., S. 28 f. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung). 

11.3 Vorbringen der Verteidigung

Die Verteidigung brachte namens des Beschuldigten oberinstanzlich zusammenge-
fasst vor, dass bereits die Vorinstanz die Komplexität der einzelnen Zusammenwir-
kungen im vorliegenden Fall anerkenne. Die Aussagen des Beschuldigten, wonach 
er nachgefragt habe, ob es sich wirklich um eine Pfefferspraypistole gehandelt und 
zunächst nicht geglaubt habe, dass es sich nur um Pfefferspray handle, zeuge von 
einer deutlichen Verunsicherung und zeige, dass es sich beim Beschuldigten nicht 
um eine Person mit einem gefestigten Tatentschluss gehandelt habe. Der Beschul-
digte habe sich für diese Verunsicherung, die er vor dem deutlich jüngeren 
D.________ offengelegt habe, geschämt. Rechtsanwalt B.________ weist ferner 
auf die beim Beschuldigten diagnostizierte Persönlichkeitsstörung hin, in die eben 
auch passe, dass der Beschuldigte sich viel leichter auffordern respektive nötigen 
lasse und auch, dass er nicht selbst fähig und willens gewesen sei, eine harmlose 
Pfefferspraypistole einzusetzen und diese Tatsache aufgrund seines Schamgefühls 
bis fast zum Schluss für sich behalten habe. Dieser Umstand lasse einzig den 
Schluss zu, dass an den Einvernahmen zur Übergabe der Pfefferspraypistole er-
hebliche Zweifel bestünden, die zugunsten des Beschuldigten ausgelegt werden 
müssten. Diese Zweifel würden es nicht zulassen, von der in der Anklageschrift 
umschriebenen Situation, sondern in dubio von einer erheblichen Drucksituation 
entsprechend der Aussage des Beschuldigten auszugehen. Weiter sei die Annah-
me der Vorinstanz, dass es in dem Moment, in dem der Beschuldigte die Pfeffer-
spraypistole genommen habe, für D.________ faktisch unmöglich geworden sei, 
dem Beschuldigten mit dieser ins Gesicht zu schiessen, schlichtweg lebensfremd. 
Denn, hätte D.________ die Drohung ausgesprochen und der Beschuldigte nicht 
reagiert, wäre es für D.________ ein Leichtes gewesen, dem verunsicherten und 
als weichlich erscheinenden Beschuldigten die Pfefferspraypistole aus der Hand zu 
reissen und diese gegen ihn einzusetzen. Es gelte festzuhalten, dass, entgegen 
der Erwägung der Vorinstanz, die effektive Drohung seitens D.________ gegenü-
ber dem Beschuldigten beweismässig nicht widerlegt worden sei. Auch in diesem 
Punkt sei der Grundsatz in dubio pro reo zu beachten. Selbst wenn angenommen 

15

würde, dass D.________ als Gruppenchef fungiert habe, dann komme diesem 
Chef ein erhebliches Gewicht zu. Auch verbale und nonverbale Ausdrücke könnten 
derartiges Gewicht erhalten und eine Geste könne drohend sein. Es sei gerichtsno-
torisch, dass in gewissen Fällen eine Pfefferspraypistole mit nötigem Nachdruck 
und auch ohne Kommentar übergeben werden könne und der Empfänger genau 
wisse, was zu tun sei und vor allem was passiere, wenn der Aufforderung nicht ge-
folgt werde. Daraus folge, dass insgesamt eine Notstandssituation gemäss dem 
eventualiter angeklagten Sachverhalt der Anklageschrift vorgelegen habe (pag. 
2910 ff.).

11.4 Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft

Staatsanwältin Q.________ führte im oberinstanzlichen Parteivortrag zusammen-
gefasst aus, es habe keine ernsthafte Bedrohung vorgelegen, so dass von einer 
Notstandssituation ausgegangen werden könne. Selbst wenn es eine Art von Dro-
hung gegeben habe, dann erhelle aus den Aussagen des Beschuldigten, dass er 
diese nicht ansatzweise ernst genommen habe. Wie die Vorinstanz zutreffend aus-
geführt habe, sei spätestens im Zeitpunkt der Annahme der Pfefferspraypistole kein 
Notstand mehr vorgelegen. Dass der Beschuldigte derart eingeschüchtert gewesen 
sein solle, dass D.________ die Pfefferspraypistole ohne Weiteres hätte zurück-
nehmen können, leuchte nicht ein und erscheine weit hergeholt. So sei der Be-
schuldigte vor dem Schuss auf L.________ auch noch ein paar Schritte auf diesen 
zugegangen. Für den Beschuldigten habe somit die Möglichkeit bestanden wegzu-
rennen, weshalb von D.________ auch kein enormer Druck habe ausgehen kön-
nen. Die Vorinstanz habe von einem situativen Druck gesprochen, welcher nicht 
bestritten werde, aber es habe sich hierbei um nicht mehr Druck gehandelt, als dies 
auch sonst bei Gruppendruck der Fall sei (pag. 2918).

11.5 Unbestrittener Sachverhalt

Das Rahmengeschehen ist auch oberinstanzlich weitgehend unbestritten geblie-
ben. Der Beschuldigte begab sich am 24. September 2017 morgens um ca. 05:40 
Uhr gemeinsam mit D.________ und E.________ in Richtung L.________ und 
dessen Begleiterin, nachdem L.________ am Postomat Geld bezogen hatte und 
die beiden über den Z.________ (Platz) liefen. Der Beschuldigte stellte sich vor 
L.________ hin und schoss diesem mit einer Pfefferspraypistole eine Ladung Pfef-
ferspray ins Gesicht. Die hierbei erlittenen Verletzungen von L.________ sind mit-
tels entsprechender Berichte bzw. rechtsmedizinischen Gutachtens ausführlich do-
kumentiert. Als Grund für das Abfeuern des Schusses gab der Beschuldigte ge-
genüber der Polizei an, sie (Anmerkung der Kammer: D.________, E.________ 
und er) hätten ihn (Anmerkung der Kammer: L.________) «ausnehmen» wollen 
(pag. 0286, Z. 234 ff.). Erstellt ist, dass der Beschuldigte die Pfefferspraypistole aus 
einer Distanz von ca. 1.5 Metern abfeuerte. 

11.6 Bestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte bestreitet, die Pfefferspraypistole von D.________ freiwillig über-
nommen zu haben. Er bringt vielmehr vor, D.________ habe ihn unter Drohung zur 
Übernahme und zum Abfeuern der Pfefferspraypistole gezwungen. Namentlich ha-

16

be D.________ ihm die Pfefferspraypistole ins Gesicht gehalten und gesagt, sonst 
sprühe er ihm mit dem Spray ins Gesicht. 

Es stellt sich deshalb die Frage nach dem konkreten Ablauf vor dem Abfeuern der 
Pfefferspraypistole. Insbesondere ist im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdi-
gung zu prüfen, ob D.________ dem Beschuldigten ernstliche Nachteile angedroht 
hat und ob der Beschuldigte aufgrund der vorerwähnten Einwirkung auf 
L.________ zuging und diesem mit der Pfefferspraypistole in dessen Gesicht 
spritzte.

11.7 Würdigung durch die Kammer

Die Vorinstanz hat die zur Verfügung stehenden Beweismittel in ihrer schriftlichen 
Urteilsbegründung ausführlich und korrekt zusammengefasst (pag. 2537 ff., S. 13 
ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung), darauf kann verwiesen werden. Ergän-
zend ist eine Aussage des Beschuldigten anlässlich der Einvernahme vom 29. 
September 2017 zu erwähnen, auf die im Rahmen der Beweiswürdigung noch 
konkret eingegangen wird. Die Kammer berücksichtigt ferner die oberinstanzlich 
eingeholten Beweismittel (vgl. Ziff. I.5. hiervor) und wird auf diese und auf die Aus-
sagen aus dem Vorverfahren sowie den erst- und oberinstanzlichen Verfahren di-
rekt im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung näher eingehen. 

Im Rahmen der freien Schilderung anlässlich der tatnächsten Einvernahme vom 
29. September 2017 führte der Beschuldigte zunächst aus, sie seien in der fragli-
chen Nacht in X.________ (Ortschaft) an einem Fest gewesen, seien herumgelau-
fen und hätten geschaut. Als sie wieder zurück in R.________(Ortschaft) gewesen 
seien, seien sie auf den Zug nach V.________(Ortschaft) gegangen. Auf dem Weg 
zur Wohnung von Y.________ habe es eine Schlägerei gegeben. Er habe keine 
Ahnung, es sei unnötig gewesen. Nachdem sie in der Wohnung von Y.________ 
gewesen seien, seien sie nochmals rausgegangen. Dann habe D.________ ein 
Auto geklaut (pag. 0283, Z. 63 ff.), mit welchem sie nach R.________(Ortschaft) 
gefahren seien (pag. 0283, Z. 76). Auf dem Weg zurück zum Auto sei ihnen ein 
Mann mit einer Frau entgegengekommen. Die Frau habe zu ihnen gesagt, sie 
müssten jetzt an den Bankomaten gehen, da ihr der Mann noch Geld geben müs-
se. D.________ sei dann auf die Idee gekommen, dass man den Mann und die 
Frau ausnehmen könne (pag. 0286, Z. 233 ff.). Weiter gab der Beschuldigte zu 
Protokoll: «Wir [Hervorhebung durch die Kammer] versuchten etwa drei Mal den Mann zu überre-
den, damit er uns Geld gibt. Er antwortete immer, dass er ein 50er, also Gras, wolle. Er würde uns 
dann eine 50er-Note zusätzlich geben. Wir wussten, dass wir kein 50er-Gras dabei hatten. Er wollte 
uns das Geld auch nicht zeigen. Der Mann und die Frau liefen dann davon. Nachher kam wieder 
D.________ zu uns und sagte: «Komm wir [Hervorhebung durch die Kammer] nehmen ihn aus.»» 
(pag. 0286, Z. 249 ff.). Diese Aussage ist nach Ansicht der Kammer deshalb von 
Relevanz, als daraus hervorgeht, dass D.________ auf die Beteiligten als Gruppe 
zukam und sagte, sie sollten L.________ ausnehmen, und nicht – wie die Vorin-
stanz ungenau wiedergab (vgl. pag. 2540, S. 16 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung) – einzig auf den Beschuldigten zuging. Wenn der Beschuldigte angibt, 
er habe keine Möglichkeit gehabt, sich dem Geschehenen zu entziehen, so kann 
dem bereits aufgrund dieser Aussage nicht gefolgt werden, zumal D.________ alle 
Beteiligten aufforderte, L.________ auszunehmen, eine «Geldübergabe» mit Re-

17

den offensichtlich nicht funktionierte und eine diesbezügliche Steigerung durch 
Gewaltanwendung evident war. 

Hervorzuheben sind weiter die Aussagen des Beschuldigten auf konkrete Frage, 
weshalb er dem Mann ins Gesicht geschossen habe: «Wie gesagt, in diesem Moment 
habe ich nicht mehr gross nachgedacht. Ich habe einfach gehandelt. Es wurde mir erst im Nachhinein 
bewusst, was ich gemacht habe.» (pag. 0289, Z. 394 ff.). Weiter führte der Beschuldigte 
aus: «Ich ging dann eben zu diesem Mann. Ich ging alleine zu ihm. Die andere(n) kamen von hinten 
in Richtung des Mannes. Danach habe ich das gemacht, was mir D.________ gesagt hatte. Ich habe 
gegen das Gesicht des Mannes abgedrückt. Danach war ich nur noch schockiert.» (pag. 0287, Z. 
277 ff.). Wiederum auf Nachfrage, warum er gemacht habe, was D.________ ihm 
gesagt habe: «Wie gesagt, in diesem Moment habe ich abgeschaltet. Ich weiss es nicht. Keine 
Ahnung. Ich war easy drauf und er hat mir dies gesagt. Ich habe nicht gedacht und einfach gehandelt. 
Danach hatte ich gar kein Flash mehr, ich wurde plötzlich klar und sah nur noch mich selber mit die-
sem Teil in der Hand. Das war kein gutes Gefühl. Wirklich ich hatte wirklich Schuldgefühle. Ich hatte 
noch nie Schuldgefühle, wenn ich irgendeinen Scheiss gemacht habe. Ich hatte das erste Mal 
Schuldgefühle.» (pag. 0288, Z. 323 ff.). Diese Aussagen zeigen konkrete Schilderun-
gen des Geschehens auf. Gerade auch die Aussage, wonach der Beschuldigte 
nach dem Schuss mit der Pfefferspraypistole schockiert gewesen sei, wirkt selbst-
erlebt und erklärt durchaus das Ablassen von L.________. Der Beschuldigte gab 
an, als er abgedrückt habe, habe der Mann etwas Rotes im Gesicht gehabt. Er ha-
be zuerst gedacht, es handle sich um Blut (pag. 0287, Z. 283 ff.). Beweiswürdigend 
bleibt hierzu festzuhalten, dass der Beschuldigte nach Ansicht der Kammer nicht 
ab seiner eigenen Handlung, sondern vielmehr aufgrund der nicht erwarteten, roten 
Farbe im Gesicht von L.________ überrascht war. Ferner gilt zu erwähnen, dass 
der Beschuldigte - wie auch L.________ selbst angab («Ich war vermutlich schon etwas 
betrunken, aber fühlte mich gut.»; pag. 0320, Z. 310) - wusste, dass L.________ unter 
Alkoholeinfluss stand (pag. 0286, Z. 228 f.). 

Anlässlich der delegierten Einvernahme vom 2. Februar 2018 sagte der Beschul-
digte, sie hätten nichts geplant gehabt. Sie seien einfach mal in die Stadt gegangen 
und hätten geschaut, ob was laufe. Sie hätten nicht geplant, dass sie in die Stadt 
fahren würden und einfach jemanden ausnehmen und dann noch irgendwo einbre-
chen. Es habe sich einfach so ergeben (pag. 0296, Z. 118 ff.). Der Beschuldigte 
wurde zudem konkret nach dem Einsatz der Pfefferspraypistole gefragt und ant-
wortete auf die Frage, ob er aufgefordert worden sei, die Pfefferspraypistole an sich 
zu nehmen: «Ja, und auch sie zu verwenden. D.________ stand da und sagte «drück ab! drück 
ab!». Ich war überfordert und es verwirrte mich.» (pag. 0298, Z. 244 ff.), auf Wiederholung 
der Frage: «Ich stand da und D.________ hat sie mir einfach in die Hand gedrückt. Ich wusste erst 
gar nicht ob ich das tun solle oder was.» (pag. 0298, Z. 248 ff.) und auf konkrete Frage, ob 
er sich jemals geweigert habe, die Pfefferspraypistole anzunehmen: «Nein.» (pag. 
0298, Z. 252 f.). Auf Vorhalt der Aussage von E.________, wonach D.________ 
dem Beschuldigten gedroht habe, er werde auf ihn schiessen, wenn er (Anmerkung 
der Kammer: der Beschuldigte) nicht mit der Pfefferspraypistole schiessen würde 
(pag. 0367, Z. 77 f.) und er hierbei die Pfefferspraypistole direkt vor die Nase ge-
halten und direkt auf seinen Kopf gezielt habe (pag. 0367, Z. 79 f.), sagte der Be-
schuldigte: «Direkt vor Gesicht habe ich die Pistole nicht erhalten. Ich kann mich nicht daran erin-
nern. Es interessierte mich auch nicht, was D.________ da gelabert hatte. E.________ hat mir das im 

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Nachhinein auch erzählt. Wie gesagt hat D.________ mir die Pistole in die Hand gedrückt. Ich bin der 
Meinung, dass die Aussagen von E.________ nicht stimmen.» (pag. 0300, Z. 323 ff.). 

Der wiedergegebene Ablauf in Bezug auf das Kerngeschehen bleibt somit auch in 
der zweiten Einvernahme gleich. Jedoch sind Widersprüche auszumachen. So 
führte er am 29. September 2017 aus: «Er [Anmerkung der Kammer: D.________] drückte 
mir dann so ein komisches Ding, was ich noch nie vorher gesehen habe, in die Hand. Es sah aus wie 
eine Pistole. Er sagte mir ich solle es dem Mann vor das Gesicht halten und abdrücken. D.________ 
sagte mir, dass es nur Pfefferspray sei. Er, also D.________, würde dann kommen und den Mann 
«abeschla».» (pag. 0286, Z. 253 f.). Demgegenüber sagte er anlässlich der Einver-
nahme vom 2. Februar 2018, er habe die Pfefferspraypistole bereits bei der Garage 
gesehen, da dort ein erster Schuss abgegeben worden sei (pag. 0295, Z. 87; pag. 
0295, Z. 93). Dass er die Pfefferspraypistole noch nie vor dem Vorfall in 
R.________(Ortschaft) gesehen hat, ist als Schutzbehauptung zu werten; der Be-
schuldigte versuchte sich damit als ahnungslos hinsichtlich der Durchschlagskraft 
der Pfefferspraypistole und in einem vermeintlich günstigeren Licht darzustellen. 

Schliesslich decken sich die tatnäheren Schilderungen des Handlungsablaufs mit 
den Aussagen von N.________ (pag. 0255, Z. 133 ff.; pag. 0261, Z. 101 ff.; pag. 
0267, Z. 75 ff.; pag. 0278, Z. 38 ff.) und von D.________ (pag. 0341, Z. 65 ff.; pag. 
0351, Z. 39 ff.), die beide nicht von einer vorangehenden Drohung seitens 
D.________, einer Weigerung des Beschuldigten oder gar einer Ausein-
andersetzung berichteten. Insbesondere haben die Aussagen von N.________ zu-
sätzlich Gewicht, zumal dieser bei diversen, dem Beschuldigten gemäss der An-
klageschrift vorgeworfenen Delikte, neben D.________ eine zentrale Rolle spielte 
und mithin kein Motiv für eine Falschbelastung eines ihm im Tatzeitpunkt erst seit 
zwei Tagen bekannten Beschuldigten erkennbar ist. Auf Frage, was beim Vorfall 
geschah, führte N.________ aus: «Sie wollten einen ausnehmen. Sie haben den Pfeffer von 
mir genommen und sind gegangen. Sie gingen auf ihn los und einer hat mit Pfeffer geschossen.» 
(pag. 0255, Z. 133 ff.). Er habe dem AG.________, diesem Typen, den er nicht 
kenne (Anmerkung der Kammer: dem Beschuldigten), die Pfefferspraypistole ge-
geben. D.________ habe sie unbedingt gewollt, aber ihm habe er sie nicht gege-
ben (pag. 0255, Z. 141 f.). Auch wirkt die Aussage anlässlich der Hafteröffnung 
vom 26. September 2017 realitätsnah, wonach er dem Beschuldigten den Pfeffer-
spray gegeben habe, weil dieser ihn die ganze Zeit genervt habe (pag. 0261, Z. 
126). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 11. Juli 2018 fügte 
er an, er wisse nur, dass der Beschuldigte die Waffe genommen, durchgezogen 
und dem Mann ins Gesicht geschossen habe (pag. 0278, Z. 48 f.), was für ein ziel-
gerichtetes Handeln seitens des Beschuldigten spricht. Daran ändert auch der Um-
stand nicht, dass D.________ zunächst eine andere Person nannte, welche die 
Pfefferspraypistole abgeschossen haben soll (ein Junge namens «AA.________»; 
pag. 0341, Z. 80 ff.) und ausführte, N.________ habe den Pfefferspray an den Be-
schuldigten übergeben (pag. 0334, Z. 246 f.). Er relativierte in der Folge seine Aus-
sagen und gab zu, dass es seine, und nicht die Idee von N.________ gewesen sei, 
einen auszunehmen (pag. 0352, Z. 99 ff.). Diese Aussagen sind vor dem Hinter-
grund zu sehen, dass D.________ sich zunächst in einer passiveren und damit für 
ihn günstigeren Rolle darzustellen versuchte und überdies den Beschuldigten, wel-
cher im Anschluss an den Vorfall noch einige Monate bei ihm unterkam (pag. 0303, 

19

Z. 24 ff.), in Schutz nehmen wollte. So nannte er auch anlässlich der ersten polizei-
lichen Einvernahmen den Namen des Beschuldigten nicht, sondern sprach stets 
von «einem Kollegen von AL.________» (pag. 0334, Z. 247).

Erst anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 17. September 
2018, mithin knapp ein Jahr nach dem Vorfall, brachte der Beschuldige erstmals 
vor, D.________ habe von ihm verlangt, dass er L.________ mit dem Pfefferspray 
ins Gesicht sprühen solle. Er habe gesagt, nein sicher nicht, worauf D.________ 
ihm das Pfefferspray ins Gesicht gehalten und gesagt habe, sonst sprühe er ihm 
(Anmerkung der Kammer: dem Beschuldigten) mit dem Spray ins Gesicht (pag. 
0306, Z. 19 ff.). Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass im Rahmen 
derselben Einvernahme der Beschuldigte das erste Mal vorbringt, D.________ ha-
be zudem E.________ gesagt, er solle mit der Pfefferspraypistole schiessen, sich 
dieser aber geweigert habe (pag. 0307, Z. 66 ff.). Diese Aussagen des Beschuldig-
ten sind, im Gegensatz zu den tatnächsten Aussagen, auffällig karg und mangeln 
jeglicher Beschreibungen inneren Erlebens, welche in einer derartigen Situation zu 
erwarten wären. So sagte er lediglich aus, er habe dann halt die Pfefferspraypistole 
genommen und dem Mann ins Gesicht gesprüht. Er sei halt neu gewesen und alles 
(pag. 0306, Z. 21 f.). Auch ausweichend und detailarm ist die Antwort des Beschul-
digten auf die Frage, ob er sich nicht hätte weigern können, L.________ mit dem 
Pfefferspray zu verletzen: «Wenn ich jetzt im Nachhinein darüber nachdenke, schon. Aber in 
dem Moment war ich recht betrunken. Die ganze Situation war mega… Ich war mega verwirrt. Mit 
dem Alkohol und bedroht werden. Ich war geflasht von dem Ganzen. Ich konnte nichts überlegen.» 
(pag. 0308, Z. 102 f.), auf konkrete Nachfrage, weshalb er trotzdem ins Gesicht 
und nicht in die Beine gesprüht habe, wenn er den Pfefferspray gar nicht habe ein-
setzen wollen: «Ich habe nichts überlegt. Ich habe ihn einfach eingesetzt, so wie man halt einen 
Pfefferspray einsetzt und fertig. Schlussendlich hätte ich daneben zielen können. Ich habe nichts 
überlegt, einfach gemacht und fertig.» (pag. 0309, Z. 136 ff.) sowie auf Frage seiner Ver-
teidigerin, ob er es ernst genommen hatte und das Gefühl gehabt habe, dass 
D.________ auf ihn geschossen hätte: «Ja sicher. D.________ hätte sogar jemanden umge-
bracht in diesem Moment. Ich weiss ja selber wie es ist, wenn man auf Medis ist. Wenn jemand auf 
Medis ist, hat man sich selber nicht mehr unter Kontrolle.» (pag. 0311, Z. 222 ff.). Anlässlich 
der erstinstanzlichen Verhandlung gab der Beschuldigte zu Protokoll, E.________ 
habe nein gesagt und er selbst habe zuerst auch nein gesagt, aber dann habe er 
die Pfefferspraypistole einfach genommen (pag. 2445, Z. 30 ff.). Er habe nichts 
überlegt in dem Moment (pag. 2445, Z. 33). Erst auf Vorhalt, dass er die Frage, ob 
er sich geweigert habe, die Pistole anzunehmen, verneint habe, gab er an, es sei 
ihm peinlich, bedroht zu werden und nichts dagegen zu machen. Er habe das da-
mals nicht sagen wollen, dass er bedroht worden sei, da es peinlich gewesen sei 
(pag. 2446, Z. 36 f.). Anlässlich der oberinstanzlichen Einvernahme führte der Be-
schuldigte erstmals aus, er habe etwas Angst gehabt, das müsse er ehrlich sagen. 
Und das sei genau das, was ihm peinlich sei, diese Angst (pag. 2901, Z. 20 ff.).  

Insgesamt wirken die Aussagen des Beschuldigten, wonach er bedroht und unter 
diesem Einfluss zur Schussabgabe mit der Pfefferspraypistole gezwungen worden 
war, unglaubhaft, taktisch motiviert und nachgeschoben. So sind in einer derartigen 
Situation durchaus eine Reihe von Begleitemotionen zu erwarten, die tatnah ge-
schildert werden. Demgegenüber sagte der Beschuldigte zunächst nichts von einer 

20

Weigerung seinerseits und einer Drohung durch D.________, wenn er die Pfeffer-
spraypistole nicht einsetze. Auch das vom Beschuldigten behauptete durch 
D.________ angeblich Gesagte «drück ab, drück ab» ist nach Ansicht der Kammer 
nicht die behauptete Drohung. Im Gegenteil führte er auf Frage, weshalb er ge-
macht habe, was D.________ ihm gesagt habe, aus, er habe in diesem Moment 
abgeschaltet, er wisse es nicht. Er sei «easy» drauf gewesen, er habe nicht ge-
dacht und einfach gehandelt. Erst bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme 
vom 17. September 2018 sagte der Beschuldigte, es solle eine Drohung gegeben 
haben. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass diese Aussage erfolgte, nach-
dem dem Beschuldigten gegen Ende seiner Einvernahme vom 2. Februar 2018 
vorgehalten worden war, dass D.________ ihn insofern belastete, dass er (Anmer-
kung der Kammer: der Beschuldigte) die Pfefferspraypistole habe verwenden wol-
len, um den Raub zu begehen (pag. 0299, Z. 268 ff.). Auch die Aussagen von 
N.________ geben dieses Bild wieder. Schliesslich gab der Beschuldigte, wie be-
reits erwähnt, anlässlich der Berufungsverhandlung erstmals an, Angst gehabt zu 
haben. Seine Aussagen gleichen sich denn auch jener mit der für ihn günstigeren 
Variante von E.________ an, die ihm anlässlich der Einvernahme vom 2. Februar 
2018 vorgehalten worden war. Schliesslich antwortete der Beschuldigte auf Frage, 
weshalb er L.________ ins Gesicht geschossen habe, nicht derart, wie im Eventu-
alantrag der Anklageschrift umschrieben, sondern vielmehr, dass er in diesem 
Moment nicht mehr gross nachgedacht und einfach gehandelt habe und es sei ihm 
erst im Nachhinein bewusst geworden, was er gemacht habe.

In diesem Zusammenhang ist kurz auf die Aussagen von E.________ einzugehen, 
welcher, abgesehen vom Beschuldigten, als einziger Beteiligter aussagte, dass 
D.________ den Beschuldigten mit der Pfefferspraypistole bedroht gehabt habe, 
dies aber abschwächte, indem er aussagte, der Beschuldigte habe sich dann bereit 
erklärt, dies zu machen (pag. 0367, Z. 79 ff.). Die Aussagen überzeugen, wie auch 
die Vorinstanz zutreffend festhielt, jedoch nicht durch eine Vielzahl an Realitäts-
kennzeichen, sondern wirken überzeichnet und realitätsfern. Auch steht die Aussa-
ge, wonach es die Idee von N.________ gewesen sei, L.________ auszunehmen 
(pag. 0366, Z. 46 ff.) und dieser ihn (Anmerkung der Kammer: E.________) gar mit 
einem Taser bedroht und aufgefordert habe, dem flüchtenden L.________ zu fol-
gen (pag. 0367, Z. 85 ff.), in diametralem Widerspruch zu den Aussagen des Be-
schuldigten, von N.________ und schliesslich von D.________ selbst, der letztend-
lich zugab, es sei seine Idee gewesen, L.________ auszunehmen (pag. 0351, Z. 
51 ff.). Zudem steigern sich die Aussagen hinsichtlich der angeblichen Bedrohung 
des Beschuldigten mit jeder Einvernahme, was als Lügensignal zu werten ist. Viel-
mehr handelt es sich bei den Aussagen, wonach der Beschuldigte von D.________ 
bedroht worden sei, um einen Versuch, seinen Kollegen, den Beschuldigten, in ei-
nem besseren Licht darzustellen, zumal auch der Beschuldigte E.________ zu 
schützen versuchte, indem er angab, den Namen seines Kollegen, der neben 
N.________ und D.________ dabei gewesen sei, nicht nennen zu wollen (pag. 
0282, Z. 55). Mit der Vorinstanz erachtet die Kammer diese Aussagen als nicht 
glaubhaft und stellt nachfolgend nicht darauf ab (pag. 2552, S. 28 der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung). 

21

Nach Ansicht der Kammer sprechen nicht nur die Aussagen, sondern auch das ge-
samte Verhalten des Beschuldigten gegen eine Verunsicherung oder gar 
Verängstigung. Ein derart starkes Erleben - Pfefferspraypistole ins Gesicht halten - 
wird nicht verschwiegen, zumal der Beschuldigte anlässlich der polizeilichen Ein-
vernahmen sein Gesicht gegenüber D.________ nicht mehr wahren musste, son-
dern frei schildern konnte, was am fraglichen Abend passiert war. Der Beschuldigte 
vermochte seine Gefühlslage anlässlich dieser Einvernahmen denn auch klar und 
ausführlich zu erklären, indem er unter anderem angab, das erste Mal Schuldge-
fühle gehabt zu haben. Vielmehr wäre zu erwarten, dass Gefühle wie Angst oder 
Druck, die bei einer derartigen Drohung seitens D.________ nachvollziehbar 
wären, vorgetragen werden. Es wäre im Übrigen lebensfremd, dass eine verängs-
tigte Person derart zielgerichtet – Schuss aus 1.5 Metern Distanz mit ausgestreck-
tem Arm und einige Schritte auf L.________ zugehend – handeln könnte. Würde 
dies tatsächlich zutreffen, wäre das Zielen auf die Beine oder den Oberkörper des 
Opfers sowie auf den Boden oder das Wegrennen oder Wegwerfen der Pfeffer-
spraypistole naheliegender. Dies sagte der Beschuldigte sodann selbst anlässlich 
der delegierten Einvernahme vom 2. Februar 2018, wonach er, wenn er etwas 
überlegt hätte, wahrscheinlich nicht einmal gegen das Gesicht, sondern gegen das 
Bein geschossen hätte (pag. 0298, Z. 233 f.). Doch auch in dieser Aussage er-
wähnte der Beschuldigte nichts von einer Weigerung oder Drohung. Am Rande zu 
erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass die Anklageschrift im Eventualantrag 
eine zwischenzeitliche Notstandssituation umschreibt und damit die Entgegennah-
me der Pfefferspraypistole meint, nicht aber die Ausführung bzw. Benutzung die-
ser. Es musste demnach, anders als die Vorinstanz ausführt, keine aktuelle Dro-
hungssituation bestehen (vgl. pag. 2551, S. 27 der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung). 

Das Vorbringen der Verteidigung, der Beschuldigte habe die Tatsache der Drohung 
bis fast zum Schluss für sich behalten, da er sich für seine Verunsicherung vor 
D.________ geschämt habe, macht deshalb keinen Sinn, weil sich der Beschuldig-
te und D.________ erst an diesem Abend kennen lernten (pag. 0288, Z. 346; pag. 
0303, Z. 22). Überdies waren beide am Vorfall in V.________(Ortschaft) beteiligt, 
weshalb fraglich ist, warum sich der Beschuldigte beim vorliegenden Vorfall 
genötigt fühlen sollte. Dagegen spricht weiter, dass N.________, obwohl der Grup-
pe zugehörend, etwas abseits vom Geschehen stand und sich problemlos abgren-
zen konnte. Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb sich der Beschuldigte hätte 
schämen sollen, einer ihm bislang nicht bekannten Person zu sagen, er wolle den 
Pfefferspray nicht einsetzen. Anhand des Beispiels von N.________ war für ihn er-
kennbar, dass sich nicht jeder beteiligen musste. Das Verhalten des Beschuldigten 
lässt vielmehr den Schluss zu, dass er Geld wollte und dazu beitrug, um dieses er-
hältlich zu machen. Dafür spricht auch die Aussage von D.________, dass, selbst 
wenn er den Beschuldigten genötigt hätte, er ________-jährig und damit alt genug 
sei. Aber er habe es ihm nicht gesagt (pag. 0354, Z. 158 f.). Schliesslich geht auch 
der Einwand der Verteidigung, wonach die mittels psychiatrischem Gutachten beim 
Beschuldigten diagnostizierten Persönlichkeitsstörungen Einfluss gehabt hätten, 
fehl. Vielmehr sprechen die gutachterlichen Erwägungen, konkret in Bezug auf die 
Steuerungsfähigkeit, gegen die Annahme, dass sich der Beschuldigte viel leichter 

22

auffordern oder nötigen lasse. Gemäss dem Gutachter ist der Beschuldigte von 
seiner Persönlichkeit her eher durchsetzungsstark, selbstbewusst und abgren-
zungsfähig. Schliesslich kam das Gutachten unter diesem Titel zum Schluss, dass 
der Beschuldigte im Zeitpunkt der Tatbegehung in seiner Einsichtsfähigkeit nicht 
eingeschränkt und damit voll schuldfähig war (pag. 2247), worauf die Kammer ab-
stellt. Dem Einwand der Verteidigung, wonach die Annahme lebensfremd sei, dass 
es ab dem Moment der Übernahme der Pfefferspraypistole für D.________ unmög-
lich geworden sei, dem Beschuldigten ins Gesicht zu schiessen, ist folgendes ent-
gegen zu halten: Es ist nur schwer vorstellbar, wie D.________ die Pfefferspraypis-
tole wieder hätte behändigen sollen, nachdem er diese dem Beschuldigten überge-
ben hatte. Es hätte eine Überhandsituation für den Beschuldigten bedeutet, da er 
nun über den Schuss aus der Pistole und das entsprechende Ziel hätte entschei-
den können. 

Der Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach D.________ als treibende Kraft 
agierte, schliesst sich die Kammer an. Aus diesem Umstand kann jedoch nicht ge-
folgert werden, D.________ habe dem Beschuldigten wahrscheinlich einen gewis-
sen Druck aufgesetzt (pag. 2551, S. 27 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 
Vielmehr gründete das Verhalten des Beschuldigten nach Ansicht der Kammer in 
seiner Rolle innerhalb der Gruppe und er leistete einen nicht unwesentlichen Bei-
trag im gesamthaft arbeitsteiligen Vorgehen. Eine Aussage hinsichtlich einer allfäl-
ligen Drucksituation ist denn auch keinem der Beteiligten, mit Ausnahme von 
E.________, zu entnehmen. Es wird demgegenüber seitens des Beschuldigten da-
von berichtet, dass D.________ gesagt habe, wie er es machen wolle, so eine Art 
Plan (pag. 0298, Z. 209 f.). Er habe sie alle zur Tat überreden wollen und sie hätten 
es schliesslich so durchgezogen. Er (Bemerkung der Kammer: D.________) habe 
noch überlegt, ob er es zu Dritt durchziehen wolle oder nicht und irgendwann sei er 
dann der Überzeugung gewesen, dass es zu Dritt auch gehen würde und er das 
Geld unbedingt wolle (pag. 0298, Z. 211 ff.). Dass D.________ hinsichtlich Planung 
und Vorgehen die treibende Kraft war, ist mit der Rollenverteilung vereinbar und 
lässt für sich allein nicht darauf schliessen, dass er den Beschuldigten oder 
E.________ zu diesem Vorgehen gedrängt hat. Der Beschuldigte entschloss sich 
vielmehr, seinen Beitrag zu leisten. Trotz der dominanteren Rolle von D.________ 
wäre es dem Beschuldigten in Anbetracht der gesamten Umstände durchaus mög-
lich gewesen, sich zu weigern oder D.________ zu sagen, er solle selbst schies-
sen. So sagte er selbst, es habe ihn schlichtweg nicht interessiert, was D.________ 
gesagt habe (pag. 0300, Z. 323 f.). Vielmehr macht Sinn, dass eine Person mit der 
Absicht, L.________ vor einem Geldautomaten «auszunehmen», auch ohne Zö-
gern und folglich ohne bedroht zu werden, hierfür eine Pfefferspraypistole einset-
zen würde. Der Beschuldigte wollte, ebenso wie D.________, Geld beschaffen und 
nachdem der Vorfall in V.________(Ortschaft) nicht ergiebig gewesen war (vgl. Ziff. 
12. hiernach) musste das Geld anderweitig besorgt werden. Dagegen, dass er sich 
geweigert haben sollte, spricht schliesslich seine tatnächste Aussage, er habe 
selbst schon Pfefferspray abbekommen und gewusst, dass es nicht so schlimm sei. 
Die Aussage des Beschuldigten, er sei von D.________ unter Drohung zum Ein-
satz der Pfefferspraypistole genötigt worden, ist folglich als Schutzbehauptung zu 
werten. Die Kammer erachtet – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – diese 

23

Aussagen des Beschuldigten als nicht glaubhaft und den eventualiter angeklagten 
Sachverhalt als nicht erstellt. 

Der Beschuldigte wusste nach Ansicht der Kammer schliesslich um die Durch-
schlagskraft der Pistole, zumal N.________ vorgängig einen Testschuss abfeuerte, 
der Beschuldigte hierbei eine Stichflamme wahrnahm (pag. 0287, Z. 261 f.; pag. 
0295, Z. 93 f.; pag. 0254, Z. 81) und er gar dachte, es kämen vielleicht Nägel dar-
aus (pag. 0287, Z. 270 f.). N.________ hatte zudem bereits am Domizil von 
Y.________ gezeigt, wie die Pfefferspraypistole funktionierte, als auch der Be-
schuldigte anwesend gewesen war (pag. 0279, Z. 84 f.). Inwiefern er auch um des-
sen Gefährlichkeit, insbesondere unter Berücksichtigung kurzer Schussdistanzen 
wusste, kann mit Blick auf die rechtliche Würdigung jedoch offen bleiben. Schliess-
lich gilt es festzuhalten, dass unter Berücksichtigung des ausgestreckten Arms, bei 
einer Körpergrösse des Beschuldigten von 175 Zentimetern (pag. 2849), eine Di-
stanz von ungefähr 1 Meter resultiert.

11.8 Beweisergebnis der Kammer

Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen erachtet die Kammer den angeklagten 
Sachverhalt gemäss Ziff. B.1.1. der Anklageschrift als erstellt. Konkret ist erwiesen, 
dass sich der Beschuldigte am 24. September 2017 ca. um 05:40 Uhr in 
R.________(Ortschaft) mit D.________ und E.________ in der gemeinsamen Ab-
sicht, jemanden «auszunehmen», in Richtung L.________ und seiner Begleiterin 
begab. Nachdem D.________ dem Beschuldigten vorgängig eine Pfefferspraypis-
tole übergeben hatte, ging der Beschuldigte auf L.________ zu und schoss ihm ei-
ne Ladung Pfefferspray in dessen Gesicht, wobei dieser im Auge getroffen wurde. 
Insbesondere weil das Gesicht von L.________ in der Folge mit einer roten Flüs-
sigkeit überströmt war, wodurch der Beschuldigte erschrak, liess er von 
L.________ ab. E.________ verfolgte den flüchtenden L.________ kurz zu Fuss, 
liess aber dann auch von ihm ab, während D.________ bei der Begleiterin von 
L.________ blieb. L.________ erlitt eine schwere Augenverletzung mit schweren 
Folgekomplikationen (Verlust der Linse, Oradialyse, Hornhautdekompensation), 
welche Operationen zur Folge hatte und noch haben wird (Implantation einer Intra-
okularlinse, ggf. Hornhauttransplantation). Es besteht bei L.________ ein lebens-
lang erhöhtes Risiko einer Netzhautablösung und von Augendruckanstiegen, wel-
che potenziell zur Erblindung führen könnten.

Die Kammer erachtet ausserdem als erstellt, dass die Distanz zwischen dem Be-
schuldigten und L.________ beim Abfeuern der Pfefferspraypistole ca. 1.5 Meter 
betragen hatte, bzw. mit ausgestrecktem Arm ein Abstand von ca. 1 Meter resul-
tierte.

12. Vorwurf gemäss Ziff. B.1.2. der Anklageschrift

12.1 Anklagesachverhalt

Dem Beschuldigten wird, soweit vorliegend noch von Relevanz, in Ziff. B.1.2. der 
Anklageschrift vom 18. Februar 2019 (pag. 2100 ff.) vorgeworfen, sich am 
24. September 2017 in V.________(Ortschaft) des Raubes in Gehilfenschaft ge-

24

meinsam mit D.________ zum Nachteil des Strafklägers schuldig gemacht zu ha-
ben, indem er wie folgt vorging (pag. 2101):

«D.________ forderte F.________, G.________ und C.________ unter sinngemässer Gewaltandro-
hung auf, ihm alles zu geben, was sie dabei hätten, in der Absicht, die Wertgegenstände danach zu 
entwenden. Bei der nachfolgenden tätlichen Auseinandersetzung unterstützte A.________ 
D.________, indem er den Opfern auch Schläge austeilte. Zudem wiederholte A.________ die Auf-
forderung von D.________, indem er den Opfern befahl, alles abzulegen, was sie bei sich hätten. 
D.________ erbeutete CHF 8.00.»

12.2 Erwägungen der Vorinstanz

Die Vorinstanz gelangte beweiswürdigend zum Ergebnis, dass D.________ den 
Strafkläger unter sinngemässer Gewaltandrohung dazu aufgefordert hat, ihm alles 
zu geben, was er dabei hatte, dies in der Absicht, die Wertgegenstände danach zu 
entwenden. Bei der nachfolgenden Auseinandersetzung mit dem Strafkläger unter-
stützte der Beschuldigte D.________, indem er dem Strafkläger auch Schläge aus-
geteilte. D.________ erbeutete beim Vorfall CHF 8.00 (pag. 2564, S. 40 der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung).

12.3 Vorbringen der Verteidigung

Rechtsanwalt B.________ brachte namens des Beschuldigten anlässlich des obe-
rinstanzlichen Parteivortrags zusammengefasst vor, in der Anklageschrift werde ein 
Einwirken seitens des Beschuldigten auf sämtliche Opfer umschrieben, und nicht 
nur auf den Strafkläger. Der in der Anklageschrift umschriebene Sachverhalt be-
ziehe sich demnach nur auf die zweite Phase des Vorfalles und nicht auf die erste 
Phase. Hinsichtlich des angeblichen Raubes an F.________ und G.________ sei 
denn auch ein Freispruch erfolgt. Weiter umschreibe die Anklageschrift ein «Unter-
stützen» seitens des Beschuldigten und nicht ein koordiniertes Vorgehen, womit 
eine Verurteilung als Mittäter ausscheide. Die Beteiligung des Beschuldigten könne 
höchstens in Form eines Gehilfen beschrieben werden. Jedoch sei fraglich, ob dem 
Beschuldigten überhaupt eine Beteiligung am Raub vorgeworfen werden könne; 
wie den Einvernahmen zu entnehmen sei, habe der Beschuldigte keine Gewalt ge-
gen den Strafkläger ausgeübt. Es werde auf die Schlussbemerkungen des Delikts-
blatts auf pag. 1233 f. verwiesen, denen zu entnehmen sei: «Zusammenfassend kann 
einberichtet werden, dass dieses Raubdelikt hauptsächlich durch D.________, jedoch mit der Unter-
stützung von A.________ verübt wurde.». Der überwiesene Sachverhalt sei insofern unbe-
stritten, als D.________ auf den Strafkläger losgegangen sei und ihn der Beschul-
digte dabei bloss unterstützt habe. Es liege mithin eine Teilnahme im Sinne einer 
Gehilfenschaft vor. In der zweiten Phase des Vorfalles habe es sich nur um einen 
versuchten Raub gehandelt, womit es am vollendeten Delikt fehle (pag. 2912 ff.).

12.4 Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft

Staatsanwältin Q.________ verwies im oberinstanzlichen Parteivortrag vollumfäng-
lich auf die Ausführungen der Vorinstanz. Sie führte zusammengefasst aus, dass 
es primär D.________ gewesen sei, der angefangen und C.________ auf die Seite 
genommen habe. Der Beschuldigte habe jedoch gewusst, dass D.________ diesen 
um Geld angehalten gehabt habe. Wenn C.________ habe hören können, dass es 
um Geld gegangen sei, dann habe dies auch der Beschuldigte hören müssen. Als 

25

C.________ dann habe weggehen wollen, habe der Beschuldigte eingegriffen, ihn 
festgehalten und ihm eine Faust verpasst (pag. 2918).

12.5 Unbestrittener / bestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte bestreitet auch oberinstanzlich nicht, am fraglichen Vorfall um ca. 
01:00 Uhr in V.________(Ortschaft) anwesend gewesen zu sein. D.________ hat 
den Strafkläger hierbei beiseite genommen, mit ihm im AB.________weg ein Ge-
spräch geführt und der Beschuldigte blieb bei F.________ und G.________ an der 
Einmündung des AB.________wegs stehen. Der Beschuldigte selbst verlangte 
vom Strafkläger kein Geld und wiederholte die diesbezügliche Aufforderung von 
D.________ nicht. Schliesslich bestritt der Beschuldigte nicht, selbst auch Schläge 
ausgeteilt zu haben.

Bestritten und Gegenstand der nachfolgenden Beweiswürdigung sind demgegenü-
ber die weiteren Handlungen des Beschuldigten und damit zusammenhängend der 
konkrete Tatablauf. So machte der Beschuldigte geltend, er habe den Strafkläger 
einzig festgehalten, als Letzterer vor D.________ davongelaufen sei. Ansonsten 
habe er D.________ nicht geholfen. Seine Schläge seien Verteidigungsschläge 
gewesen, weil der Strafkläger ihn zuerst habe schlagen wollen. Der Beschuldigte 
streitet schliesslich ab, vor und während des Vorfalls gewusst zu haben, dass 
D.________ vom Strafkläger Geld verlangt habe.

12.6 Würdigung durch die Kammer

Die Vorinstanz hat die zur Verfügung stehenden Beweismittel zutreffend zusam-
mengefasst (pag. 2557 ff., S. 33 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung), darauf 
kann grundsätzlich verwiesen werden. Ergänzend ist die delegierte Einvernahme 
des Beschuldigten vom 29. September 2017 (pag. 281 ff.) zu erwähnen, auf die im 
Rahmen der Beweiswürdigung eingegangen wird. Die Kammer berücksichtigt fer-
ner die oberinstanzlich eingeholten Beweismittel (vgl. Ziff. I.5. hiervor) und wird auf 
diese und auf die Aussagen aus dem Vorverfahren sowie den erst- und oberin-
stanzlichen Verfahren direkt im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung 
näher eingehen. 

Die Kammer kann sich den Erwägungen der Vorinstanz, wonach die Aussagen u.a. 
des Strafklägers, von G.________ und F.________ glaubhaft sind, vollumfänglich 
anschliessen (pag. 2563, S. 39 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Die Aus-
sagen bestechen mit Detailreichtum und durch Übereinstimmungen im Rahmen- 
sowie Kerngeschehen. Sowohl F.________, G.________ und der Strafkläger wie 
auch die Auskunftspersonen beschreiben, dass ihnen am Bahnhof in 
V.________(Ortschaft) eine Gruppe von drei Personen aufgefallen sei und es an-
schliessend bei der Einmündung in den AB.________weg eine Auseinanderset-
zung zwischen zwei Personen von der Gruppe und F.________, G.________ so-
wie dem Strafkläger gegeben habe, wobei der Strafkläger angegriffen worden sei 
(pag. 1241, Z. 43 ff.; pag. 1247, Z. 30 ff.; pag. 1253, Z. 31 ff.; pag. 1258; pag. pag. 
1260; pag. 1262). Ferner stimmen die Aussagen von F.________, G.________ und 
dem Strafkläger überein und zeichnen ein in sich stimmiges, einheitliches Gesche-
hen, welches sich in der fraglichen Nacht abgespielt hat. Bei näherer Betrachtung 
des Zeitpunkts ihrer Einvernahmen (G.________: 04:19 Uhr; F.________: 04:51 

26

Uhr; Strafkläger: 03:46 Uhr) bestand keine Möglichkeit einer allfälligen Absprache. 
Auch ist kein Motiv für eine Falschbelastung des ihnen gänzlich unbekannten Be-
schuldigten erkennbar. Schliesslich sind den Aussagen keine Aggravierungsten-
denzen auszumachen und weder der Beschuldigte noch D.________ werden 
übermässig belastet. Die Kammer erachtet diese Aussagen als glaubhaft und stellt 
nachfolgend darauf ab.

Nach Ansicht der Kammer wurde der Beschuldigte im Anzeigerapport vom 
6. November 2017 gut beschrieben (Beschuldigter 2 (mit Oberlippenbart); vgl. pag. 
1236) und der Hinweis angebracht, dass G.________ und F.________ ihn wieder-
erkennen würden. Eine Verwechslung ist somit ausgeschlossen. F.________, 
G.________ und der Strafkläger schilderten übereinstimmend, die drei Personen 
hätten sich am Fahrradunterstand an Rollern, Fahrrädern und Mofas zu schaffen 
gemacht und sie «aufmüpfig» angeschaut bzw. etwas scheine sie provoziert zu 
haben. Sie seien dann zu Fuss weitergelaufen, wobei einer der drei die Örtlichkeit 
auf dem Fahrrad verlassen habe (pag. 1241, Z. 43 ff.; pag. 1247, Z. 29 ff.; pag. 
1253, Z. 23 ff.). Sie seien der Gruppe mit etwas Abstand gefolgt, bzw. diese sei an 
ihnen vorbeigelaufen und bei der Abzweigung zum AB.________weg eingebogen 
(pag. 1241, Z. 47 ff.; 1253, Z. 36 f.). Ihre Gruppe sei die AC.________strasse ent-
lang bis zur Einmündung AB.________weg gelaufen, wo es schliesslich zu einer 
Konfrontation mit zwei der drei Personen aus der Gruppe gekommen sei (pag. 
1241, Z. 49 ff.; pag. 1247, Z. 32 ff.; pag. 1253, Z. 36 ff.). Einer der Gruppe (Anmer-
kung der Kammer: D.________) habe den Strafkläger aufgefordert, mit ihm zu 
kommen, da er mit ihm habe reden wollen, wobei sich beide von der Gruppe ent-
fernt und im AB.________weg gesprochen hätten (pag. 1241, Z. 53 ff.; 1247, Z. 33 
ff.; pag. 1253, Z. 37 ff.). Der andere der beiden (Anmerkung der Kammer: der Be-
schuldigte) sei bei ihnen (Anmerkung der Kammer: G.________ und F.________) 
geblieben (pag. 1241, Z. 54 ff.; pag. 1253, Z. 47 ff.). Nachdem der Strafkläger 
zurückgekommen sei, habe derjenige mit dem Kapuzenpullover (Anmerkung der 
Kammer: der Beschuldigte) den Strafkläger zurückstossen bzw. schlagen wollen 
(pag. 1241, Z. 58 ff.; pag. 1247, Z. 38 ff.; pag. 1253, Z. 56 ff.) und anschliessend 
sei es zu einer Schlägerei gekommen. 

Der Strafkläger führte aus, derjenige, der ihn zur Seite genommen habe (Anmer-
kung der Kammer: D.________), habe ihm gesagt, er schulde ihm Geld. Er (An-
merkung der Kammer: der Strafkläger) habe ihm gesagt, dass er niemandem Geld 
schulde und habe sich von ihm entfernt. Er sei wieder in Richtung 
AC.________strasse gelaufen und habe ihm den Rücken zugekehrt. D.________ 
habe ihn beschimpft und drohte ihm, ihn «umzunocken» (pag. 1253, Z. 51 ff.). Der-
jenige im Kapuzenpulli (Anmerkung der Kammer: der Beschuldigte) habe ihn auf-
gefordert, wieder zu dessen Kollege (Anmerkung der Kammer: D.________) 
zurückzugehen. Da er dies nicht getan habe, habe ihn der Kapuzenmensch ge-
packt und geschubst. Da er sich bedroht gefühlt habe, habe er ihn mit seinem Knie 
in den Bauch getreten und weggestossen (pag. 1253, Z. 55 ff.). Dann sei der An-
führertyp (Anmerkung der Kammer: D.________) gekommen und habe ihn von hin-
ten gepackt und an den Haaren gezogen, er habe sich aber relativ locker befreien 
können (pag. 1253, Z. 58 f.). Sein Kollege AM.________ sei ihm dann zu Hilfe ge-
kommen und habe versucht zu schlichten. Sie (Anmerkung der Kammer: der Be-

27

schuldigte und D.________) hätten versucht, sie zu schlagen und mittels Fusstrit-
ten anzugreifen, sie hätten sich jedoch verteidigen können (pag. 1253, Z. 59 ff.). 
Dass der Beschuldigte und D.________ beide versuchten, Schläge auszuteilen 
bzw. ihnen dies auch gelang, wird so auch von F.________ und G.________ 
bestätigt (pag. 1241, Z. 59 ff.; pag. 1247, Z. 42). Der Strafkläger führte aus, er habe 
dann Meldung gemacht und die Polizei gerufen (pag. 1253, Z. 64 f.).

Die Aussagen des Beschuldigten, soweit seine konkreten Handlungen gegenüber 
dem Strafkläger und den Hintergrund der tätlichen Auseinandersetzung betreffend, 
fielen demgegenüber – entgegen den Erwägungen der Vorinstanz (vgl. pag. 2563, 
S. 39 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung) – in sich und insbesondere in Bezug 
auf die Aussagen der übrigen Personen widersprüchlich und nur wenig überzeu-
gend aus. In seiner tatnächsten Einvernahme am 29. September 2017 erklärte der 
Beschuldigte, sie seien am Laufen gewesen und er habe dann gehört, dass einer 
aus einer Gruppe, die dort gewesen sei, ein Messer ziehen wolle. D.________ sei 
dann komplett durchgedreht deswegen und habe den anderen zu diesem Zeitpunkt 
schon schlagen wollen, wobei N.________ ihn noch habe zurückhalten können. 
Daraufhin sei die andere Gruppe an ihnen vorbeigelaufen. D.________ und der 
Typ, der etwas wegen dem Messer gesagt habe, seien dann davongelaufen. Die 
Kollegen des anderen Typen seien nervös geworden. Er kenne D.________ nicht 
so gut. Er habe den anderen dann gesagt, sie sollen ruhig bleiben, aber sie seien 
nicht so ruhig geblieben. D.________ und der andere seien dann zurückgekommen 
und es sei zu einer Schlägerei gekommen. Plötzlich seien sie in einer Schlägerei 
gewesen. Neben ihm hätten sich zwei geschlagen, vor ihm sei einer gestanden, 
der ausgeholt habe. Es sei verwirrend gewesen. Er habe auch ausgeteilt, keine 
Frage. Aber erst, als die Schlägerei angefangen habe und er habe erst geschlagen, 
als der erste versucht habe, ihn zu schlagen (pag. 0283, Z. 88 ff.). Er glaube, es 
seien vier Personen gewesen, die gegen ihn gekommen seien. Er habe nur einen 
davon geschlagen und es sei derjenige gewesen, der ihn angegriffen habe (pag. 
0284, Z. 121 ff.). Er habe sie nicht ausnehmen wollen. Er habe sich vorgenommen 
gehabt, dass er niemanden ausnehme. Später ja sei es dann schon noch dazu ge-
kommen. Aber eigentlich habe er das nicht gewollt (pag. 0284, Z. 108 ff.). Anläss-
lich der delegierten Einvernahme vom 2. Februar 2018 führte der Beschuldigte 
erstmalig aus, D.________ und der andere Typ hätten zu streiten begonnen. Der 
andere Typ sei dann davon und genau auf ihn (Anmerkung der Kammer: den Be-
schuldigten) zugelaufen und D.________ habe ihm gesagt, er solle den Typen auf-
halten. Er habe diesen festgehalten und aus dem Nichts habe er ihm (Anmerkung 
der Kammer: dem Beschuldigten) einen Faustschlag geben wollen. Er (Anmerkung 
der Kammer: der Beschuldigte) sei ausgewichen und habe ihm eine Faust gege-
ben. Darauf seien all seine Kollegen angerannt gekommen und hätten «schlegeln» 
wollen (pag. 1280, Z. 59 ff.). Demnach weicht diese Version (Streit zwischen 
D.________ und dem Strafkläger; D.________ fordert ihn auf, den Strafkläger zu 
halten; er gibt dem Strafkläger die Faust; dessen Kollegen kommen dazu) von der 
Version der ersten Einvernahme ab (plötzliche Schlägerei; vier Personen, die auf 
ihn, den Beschuldigten, zukommen; er wehrt sich gegen einen, der ihn habe schla-
gen wollen). Zum Grund des sich Einmischens gab der Beschuldigte nicht mehr an, 
er habe erst ausgeteilt, als die Schlägerei angefangen habe (pag. 0283, Z. 97 f.), 

28

sondern, dass er sich eingeschaltet habe, da er es einfach hasse, wenn ihm je-
mand davonlaufe. D.________ habe ja gesagt, er solle ihn halten, weshalb er dies 
auch getan habe (pag. 1280, Z. 84 ff.). Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen 
Einvernahme vom 17. September 2018 gab der Beschuldigte zu Protokoll: «Plötzlich 
kam dieser Andere zu laufen, D.________ hinten nach, ich hielt den Anderen fest bis D.________ 
kam. Er wollte nicht mit ihm reden. Ich gab ihm die Faust. Er wollte nicht mit D.________ reden, es 
kamen dann noch andere Leute dazu, auch Frauen und so. Die anderen Typen mischten sich ein. 
Zwei oder drei, es könnten genau F.________, G.________ und C.________ gewesen sei.» (pag. 
1283, Z. 250 ff.). Der Beschuldigte erwähnte zu diesem Zeitpunkt somit nichts von 
einer Verteidigung oder dass er geschlagen worden sei. Erst im weiteren Verlauf 
der Einvernahme sagte der Beschuldigte wieder, er habe zuerst den jungen Mann 
festgehalten, dann seien sie angegriffen worden. Er habe sich gewehrt, er lasse 
sich nicht einfach schlagen (pag. 1284, Z. 289 f.). Anlässlich der erst- und oberin-
stanzlichen Verhandlungen führte der Beschuldigte wieder aus, er sei von einer 
Gruppe Jugendlicher angegriffen worden (pag. 2447, Z. 5 ff.; pag, 2902, Z. 15 f.), 
was den glaubhaften Aussagen von F.________ und G.________ sowie dem 
Strafkläger widerspricht, wonach sich nur AM.________ in die tätliche Auseinan-
dersetzung eingeschaltet und überdies versucht habe, die Beteiligten zu trennen. 
Auch widersprüchlich sind die Aussagen des Beschuldigten in Bezug auf den kon-
kreten Ablauf. Die Gruppe Jugendlicher soll zunächst an ihnen vorbeigelaufen 
(pag. 0283, Z. 91 f.), dann hinter ihnen hergegangen sein (pag. 1280, Z. 46), an-
lässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung sei die Gruppe vor ihnen gelaufen 
(pag. 2902, Z. 25) und sie hätten nicht auf sie gewartet (pag. 2902, Z. 28 f.). 

Der Beschuldigte stellte seine Rolle – wie auch die Vorinstanz zutreffend erwogen 
hat (vgl. pag. 2563, S. 39 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung) – als eher pas-
siv dar. Er gab in der tatnächsten Einvernahme vom 29. September 2017 an, kei-
nen Grund gehabt zu haben, diese Jugendlichen «auszunehmen» (pag. 0284, Z. 
130 f.), er habe nicht geplant, sie auszunehmen. Ob D.________ etwas geplant 
habe, könne er nicht sagen (pag. 0285, Z. 163 ff.). Er habe das Geld zu sich ge-
nommen und es bei sich gehabt, als sie bei Y.________ gewesen seien. Danach 
habe er es D.________ gegeben (pag. 0284, Z. 143 f.). Weiter sagte der Beschul-
digte an der delegierten Einvernahme vom 2. Februar 2018 auf Frage, ob er auch 
von der Beute habe kassieren wollen, aus: «Nein. Es waren Kinder. Die waren 14. 14 oder 
15. Gerade 16 geworden. Ich weiss nicht wie wir auf die Idee kamen die auszunehmen.» (pag. 
1281, Z. 98 ff.), wobei nach Durchlesens des Protokolls durch die Verteidigung die 
Anmerkung protokolliert wurde, wonach sich die Aussage «Ich weiss nicht wie wir 
[Hervorhebung durch die Kammer] auf die Idee kamen…» sich auf D.________ 
beziehen sollte (pag. 1281, Z. 105 f.). Dieser Anmerkung durch die Verteidigung ist 
entgegen zu halten, dass der Beschuldigte an der gleichen Einvernahme auf Fra-
ge, wer an diesem Raub beteiligt gewesen sei, seine Beteiligung nicht abstritt, son-
dern antwortete: «D.________ und ich.» (pag. 1279, Z. 25) und in der tatnächsten Ein-
vernahme vom 29. September 2017 gar angab: «D.________ sagte zu ihnen, dass ein Kol-
lege von ihnen ihm Geld schulden würde. Wenn sie ihm das Geld nicht geben würden, dann würden 
wir [Hervorhebung durch die Kammer] sie schlagen.. Dies sagte er zu zwei Personen aus dieser 
Gruppe, welche vor uns am Laufen waren. Der andere Typ versuchte irgendwie noch Autos anzuhal-
ten.» (pag. 0283, Z. 102 f.). Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Aussa-

29

gen des Beschuldigten voneinander abweichen und oft widersprüchlich ausfielen. 
Er versuchte gesamthaft, sich dahingehend in einem besseren Licht darzustellen, 
als er nichts von der Beschaffung von Geld gewusst haben will und sich nur phy-
sisch gewehrt habe, als er selbst angegriffen worden sei. Hinzu kommt, dass seine 
Aussagen nicht nur den weitgehend übereinstimmenden Angaben von 
F.________, G.________ und dem Strafkläger widersprechen, was grundsätzlich 
nicht einmal überraschend wäre, sondern sich auch wesentliche Widersprüche zu 
den Aussagen von D.________ ergeben (vgl. nachfolgend).

So beschreibt dieser als Auslöser des Vorfalles, dass einer ihm «frech» vorbeige-
kommen sei (pag. 0333, Z. 174 f.), was er anlässlich der delegierten Einvernahme 
vom 10. Januar 2018 (pag. 1273, Z. 73 f.) und der staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme vom 17. September 2018 bestätigte (pag. 0362, Z. 162 f.). Von einem Mes-
ser ist demgegenüber über sämtliche Einvernahmen hinweg keine Rede. 
D.________ sagte ferner aus, er sei damals voll drauf gewesen und habe Geld ge-
braucht (pag. 0333, Z. 176 ff.). Für den gemeinsamen Entschluss spricht weiter die 
tatnahe Aussage: «Wir [Hervorhebung durch die Kammer] haben gedacht, dass sie Geld dabei 
haben. Aber sie hatten einen Scheiss.» (pag. 0333, Z. 188 f.). Schliesslich nannte 
D.________ im Rahmen der ersten Einvernahme nicht den Beschuldigten, sondern 
einfach eine Drittperson, die sich an diesem Vorfall beteiligt habe (einen Kollegen 
von AL.________; pag. 0333, Z. 179; pag. 0333, Z. 199). Auf Nachfrage, wie sich 
dieser Kollege von AL.________ denn beteiligt habe, sagte er, dieser habe alle 
auseinandergenommen, also sie getrennt. Aber er habe auch Faustschläge verteilt 
(pag. 0333, Z. 194 f.). Anlässlich der delegierten Einvernahme vom 10. Januar 
2018 führte D.________ aus, der Kollege von AL.________, bzw. der Beschuldigte 
(pag. 1273, Z. 94), habe am Anfang schon mitgemacht, aber dann habe er (An-
merkung der Kammer: der Beschuldigte) gesagt, er (Anmerkung der Kammer: 
D.________) solle aufhören (pag. 1273, Z. 67 f.). Er (Anmerkung der Kammer: der 
Beschuldigte) habe sie zuerst trennen wollen und dabei Schläge eingesteckt und 
auch ausgeteilt (pag. 1274, Z. 112 f.), wobei das Trennenwollen weder vom Be-
schuldigten selbst noch von F.________, G.________ oder dem Strafkläger be-
schrieben wird. Der Beschuldigte habe einfach mitgemacht, aber er (Anmerkung 
der Kammer: D.________) habe angefangen. Alles habe sich dann automatisch 
ergeben (pag. 1277, Z. 174). Wenn sowohl D.________ wie auch der Beschuldigte 
angeben, der Beschuldigte habe sich nicht beteiligt bzw. nur im Rahmen der 
Schlägerei eingegriffen, dann sind diese Aussagen nach Ansicht der Kammer nicht 
glaubhaft, sondern vielmehr beschönigende Darstellungen und damit als Schutz-
behauptungen zu werten. Dafür spricht auch die Aussage von D.________ an der 
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 17. September 2018, dass er ganz an-
derer Meinung sei als der Beschuldigte, wonach er (Anmerkung der Kammer: der 
Beschuldigte) sich so zurückgezogen und nichts damit zu tun gehabt habe. Er fügte 
an: «Aber lassen wir es, ich bin 17 und er ist ________. Ihm droht vielleicht etwas, mir nicht mehr.» 
(pag. 1277, Z. 193 ff.). 

Der Beschuldigte kann ferner aus den Umstand, dass D.________ die treibende 
Kraft, sowohl bei der Ausführung als auch bei der Idee war, nichts zu seinen Guns-
ten ableiten. Er war am Tatvorgang aktiv beteiligt, leistete so seinen Tatbeitrag und 
verhielt sich nicht nur «abwehrend». Es hatte sich nicht um eine spontane Schläge-

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rei gehandelt, welche ihren Anfang am Bahnhof nahm. Vielmehr hatten der Be-
schuldigte und D.________ auf G.________, F.________ und den Strafkläger ge-
wartet. Schliesslich wäre es dem Beschuldigten wiederum frei gestanden, sich 
nicht zu beteiligen, wie er auch bei diesem Vorfall am Beispiel des sich vorgängig 
entfernenden N.________ erkennen konnte. Das Gutachten führte hierzu zutref-
fend aus: «Das Tathandeln war arbeitsteilig und zielgerichtet. Es geschah in Etap-
pen. Auf Umgebungsreize wurde reagiert. […] Der Expl. kann sich auch noch gut 
und detailliert an das Geschehen und den Ablauf erinnern. […] U.a. gibt er auch an, 
bei der ersten Schlägerei am Bahnhof V.________(Ortschaft) ausgewichen zu sein 
und «nicht wirklich eins kassiert» zu haben» (pag. 2247). Ferner sind die Aussagen 
des Beschuldigten in der tatnächsten Einvernahme vom 29. September 2017 be-
zeichnend. Aus diesen geht hervor, dass ihm eigentlich klar war, dass er an einem 
«Raub» beteiligt war. Dass er dies, wie er selbst sagte, eigentlich nicht wollte, ist 
vorliegend nicht relevant. So nahm er insbesondere das abgenommene Geld an 
sich und übergab dieses erst in der Wohnung von Y.________ an D.________. 

Dagegen, dass der Beschuldigte zudem nicht habe wissen wollen, dass es beim 
vorliegenden Vorfall um die Geldbeschaffung ging, spricht dessen Aussage, wo-
nach sich die Gruppe nach dem Vorfall in V.________(Ortschaft) in Richtung 
R.________(Ortschaft) aufgemacht habe, da sie Drogen beschaffen wollten, aber 
kein Geld gehabt hätten (pag. 0297, Z. 155 ff.). Da zwischen dem Vorfall in 
V.________(Ortschaft) und jenem in R.________(Ortschaft) (vgl. Ziff. 11. hiervor) 
nur wenige Stunden liegen, ist nicht davon auszugehen, dass zwischenzeitlich eine 
Änderung eingetreten war. Vielmehr ist das Vorgehen des Beschuldigten sowie von 
D.________ dahingehend erklärbar, dass die Geldproblematik bereits nach der 
Ankunft in V.________(Ortschaft) bestand und bei den Jugendlichen bzw. dem 
Strafkläger Geld erlangen werden sollte. Für die beabsichtige Geldbeschaffung 
spricht denn auch, dass sich der Beschuldigte nur wenige Stunden nach diesem 
Vorfall gemeinsam mit D.________ sowie weiteren Mittätern und Beteiligten, auf 
eine regelrechte «Deliktstour» aufmachte, wobei ein Fahrzeug entwendet sowie 
versucht wurde, in ein Geschäft einzubrechen und von L.________ Geld erhältlich 
zu machen. 

Zudem erscheint lebensfremd, dass D.________ ein derartiges Vorgehen alleine 
durchziehen würde, obwohl der Beschuldigte ebenfalls an der Einmündung in den 
AB.________weg auf die drei Jugendlichen gewartet hatte. Dass der Beschuldigte 
vielmehr miteinbezogen wurde und aktiv mitgeholfen hatte, zeigt sich auch darin, 
dass er sich bei F.________ und G.________ aufgehalten hatte und bereit war, je-
derzeit einzugreifen. Ob nun eine konkrete Absprache zwischen dem Beschuldig-
ten und D.________ stattgefunden hat, kann letztlich offen bleiben. Denn, selbst 
wenn keine entsprechende Absprache konkret stattgefunden hatte, musste dem 
Beschuldigten aufgrund der Umstände bewusst sein, dass D.________ vom Straf-
kläger Geld oder Wertgegenstände zu erlangen versuchen würde. So blieb er denn 
auch weiter bei F.________ und G.________ zurück, damit D.________ mit dem 
Strafkläger alleine in den AB.________weg gehen konnte und stimmte damit die-
sem Vorgehen konkludent zu. Wie bereits dargelegt, war die vorliegend arbeitsteili-
ge Vorgehensweise denn auch nur mittels eines koordinierten Vorgehens und ei-
nes gemeinsamen Tatentschlusses möglich. 

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Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen geht die Kammer beweiswürdigend 
von folgender Phasenaufteilung aus:

In der ersten Phase fand ein zufälliges Aufeinandertreffen am Bahnhof 
V.________(Ortschaft) zwischen den Gruppen statt. Der Beschuldigte, D.________ 
sowie N.________ befanden sich bei den Veloständern, die Gruppe Jugendlicher 
lief an ihnen vorbei. In der Folge kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung.

In der zweiten Phase gingen der Beschuldigte, D.________ und N.________ vom 
Bahnhof weg bis zur Einmündung in den AB.________weg, woraufhin sich 
N.________ auf einem Fahrrad entfernte. Der Strafkläger, F.________ und 
G.________ liefen der AC.________strasse entlang bis hin zur Einmündung 
AB.________weg, wo sie wieder auf den Beschuldigten und D.________ trafen, 
die dort gewartet hatten. D.________ forderte den Strafkläger auf, mit ihm zu re-
den. Die beiden entfernten sich. D.________ drohte dem Strafkläger verbal, wenn 
er nicht mitkomme, werde er ihn vor allen «umnocken». Der Beschuldigte blieb bei 
F.________ und G.________. Nach einer kurzen Diskussion wollte der Strafkläger 
zu seinen Kollegen zurücklaufen, weil er sich bedroht fühlte. Der Beschuldigte ging 
auf den Strafkläger zu, forderte ihn auf, erneut zu D.________ zu gehen und stiess 
ihn zurück.

In der dritten Phase kam es zu einem Kampf u.a. zwischen dem Strafkläger, dem 
Beschuldigten und D.________, bei welchem der Beschuldigte aktiv Schläge aus-
teilte. Einer der Kollegen des Strafklägers eilte ihm zu Hilfe und versuchte zu 
schlichten. Der Strafkläger konnte sich anschliessend Richtung Bahnhof entfernen 
und die Polizei verständigen.

12.7 Beweisergebnis der Kammer

Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen erachtet die Kammer den angeklagten 
Sachverhalt gemäss Ziff. B.1.2. der Anklageschrift als wie folgt erstellt:

D.________ hat am 24. September 2017 um ca. 01:00 Uhr in 
V.________(Ortschaft) den Strafkläger unter sinngemässer Gewaltandrohung dazu 
aufgefordert, ihm alles zu geben, was er dabei hatte, dies in der Absicht, die Wert-
gegenstände danach zu entwenden. Bei der nachfolgenden Auseinandersetzung 
mit dem Strafkläger hat der Beschuldigte D.________ unterstützt, indem er dem 
Strafkläger auch Schläge ausgeteilt hat. Der Strafkläger konnte sich den beiden 
entziehen, weshalb D.________ und der Beschuldigte kein Geld von ihm erbeuten 
konnten.

III. Rechtliche Würdigung

13. Grundlagen zu Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1, Art. 22 Abs. 1 aStGB, zur Mittäterschaft 
und Gehilfenschaft

Hinsichtlich der theoretischen Ausführungen zu Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 des alten 
Strafgesetzbuches ([aStGB] vgl. zur Terminologie Ziff. IV.16. hiernach) und zu Art. 
22 Abs. 1 aStGB sowie zur Mittäterschaft kann vorab auf die zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 2553 ff.; S. 29 ff. der erstinstanz-

32

lichen Urteilsbegründung; pag. 2564 f., S. 40 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung). Ergänzend und teilweise wiederholend ist auf Nachfolgendes hingewiesen:

Gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 aStGB wird des Raubes bestraft, wer mit Gewalt 
gegen eine Person oder unter Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Le-
ben oder nachdem er den Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht hat, einen 
Diebstahl begeht. Raub stellt ein aus einem Diebstahl und einer (qualifizierten) 
Nötigung zusammengesetztes Delikt dar. Zum einen wird zur Vollendung des Rau-
bes in jedem Falle die Vollendung eines Diebstahls vorausgesetzt, zum anderen 
wird dieser Diebstahl erst dadurch zum Raub, dass zum Zwecke der Begehung ei-
nes Diebstahls eine qualifizierte Nötigung begangen wird. Der Tatbestand des 
Raubes schützt primär das Vermögen, daneben aber auch die Handlungsfreiheit 
des Einzelnen, denn aus der Perspektive der Delikte gegen die Freiheit stellt Raub 
eine strafbare Nötigung mit einem besonderen Ziel dar, d.h. einen Eingriff in die 
Freiheit eines anderen zum Zwecke eines Diebstahls (NIGGLI/RIEDO, in: Basler 
Kommentar Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N. 13 f. und 43 zu Art. 140 StGB). Diebstahl 
besteht in der Wegnahme einer fremden beweglichen Sache zur Aneignung. 
Fremd ist eine Sache dann, wenn sie nicht im Alleineigentum des Täters steht. Ei-
ne Wegnahme liegt vor bei Bruch fremden und Begründung neuen, regelmässig – 
aber nicht notwendig – eigenen Gewahrsams. Gewahrsam wird definiert als 
tatsächliche Sachherrschaft nach den Regeln des sozialen Lebens. Die Aneignung 
erfolgt durch den Willen, die Sache dauernd zu enteignen und sich zumindest vor-
übergehend anzueignen, sowie durch die Betätigung dieses Aneignungswillens 
(NIGGLI/RIEDO, a.a.O., N. 42 zu Art. 140 StGB; N. 51 und 62 f. zu Art. 139 StGB). 

Der versuchte Raub beginnt mit dem unmittelbaren Ansetzen zur Nötigungshand-
lung, sofern diese von der Absicht getragen wird, einen Diebstahl zu begehen 
(NIGGLI/RIEDO, a.a.O., N. 172 zu Art. 140 StGB). Demgegenüber ist der Versuch 
noch nicht vollendet, wenn der Täter zwar ein Nötigungsmittel angewendet, den 
Diebstahl aber nicht begangen hat (TRECHSEL/CRAMERI, in: TRECHSEL/PIETH 
[Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, N. 11 
zu Art. 140 StGB).

In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, der sich insbesondere auf die Ausü-
bung der Nötigungshandlung (Gewalt, Drohung, Bewirken der Widerstandsunfähig-
keit) gegenüber dem Opfer zum Zwecke der Begehung eines Diebstahles beziehen 
muss, sowie auf alle objektiven Tatbestandsmerkmale des Diebstahls selbst. Zu-
sätzlich ist Aneignungsabsicht und die Absicht unrechtmässiger Bereicherung vor-
ausgesetzt (NIGGLI/RIEDO, a.a.O., N. 44 f. zu Art. 140 StGB). Mittäterschaft setzt 
weiter einen gemeinsamen Tatentschluss voraus, wobei dieser nicht ausdrücklich 
zu sein braucht und auch bloss konkludent bekundet werden kann. Eventualvorsatz 
genügt (Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB; BGE 126 IV 84). 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gilt als Mittäter, wer bei der Entsch-
liessung, Planung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in massgebender 
Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbeteiligter dasteht; 
dabei kommt es darauf an, ob der Tatbeitrag nach den Umständen des konkreten 
Falles und dem Tatplan für die Ausführung des Deliktes so wesentlich ist, dass sie 
«mit ihm steht oder fällt». Das blosse Wollen der Tat, der subjektive Wille allein 

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genügt zur Begründung von Mittäterschaft jedoch nicht. Der Mittäter muss vielmehr 
bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung der Tat auch tatsächlich mitwir-
ken. Daraus folgt aber nicht, dass Mittäter nur ist, wer an der eigentlichen Tataus-
führung beteiligt ist oder sie zu beeinflussen vermag. Dass der Mittäter bei der 
Fassung des gemeinsamen Tatentschlusses mitwirkt, ist ebenfalls nicht erforder-
lich; es genügt, dass er sich später den Vorsatz seiner Mittäter zu eigen macht 
(BGE 130 IV 58 E. 9.2.1). Als Gehilfe ist nach Art. 25 StGB demgegenübe