# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8a1045a5-153a-5ba1-9a0e-cd844a93b740
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.12.2010 D-6446/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6446-2010_2010-12-07.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6446/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  D e z e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Daniele Cattaneo, 
mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach, 
Gerichtsschreiber Carlo Monti.

A._______, 
B._______, 
C._______, 
D._______, 
E._______, Kolumbien, 
Beschwerdeführende,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 15. Juli 2010 / N [...].

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6446/2010

Sachverhalt:

A.
Mit an die schweizerische Vertretung in F._______ gerichteter Eingabe 
vom 23. Oktober 2008 ersuchte die Beschwerdeführerin – kolumbiani -
sche  Staatsangehörige  aus  G._______  im  Departement  H._______ 
(aktueller Wohnsitz in F._______) – für sich, ihren Ehemann und die 
Kinder  um  Gewährung  von  Asyl  in  der  Schweiz.  Zur  Begründung 
machte sie im Wesentlichen geltend, ihr Bruder  sei von der Guerilla-
gruppierung "frente 44" der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias 
de Colombia) mit dem Tod bedroht worden und habe deshalb seinen 
Wohnort in der Gemeinde I._______ der Provinz J._______ verlassen 
und sei zu ihr nach F._______ gezogen. Im Jahre 2001 sei ihr Bruder 
jedoch trotzdem von der FARC entführt  und umgebracht worden. Die 
Beschwerdeführerin  habe  daraufhin  Anzeige  erstattet  und  ihren 
Wohnort  zusammen  mit  ihrer  Familie  in  Richtung  G._______  ver-
lassen, wo sie fortan bei ihrem zweiten Bruder gelebt habe. In jenem 
Ort  habe  jedoch  die  Guerillagruppierung  "frente  21" der  FARC ihre 
Töchter  zwangsrekrutieren  wollen  und  sie  sei  aufgefordert  worden, 
das Dorf zu verlassen. Im Juli 2002 sei auch ihr anderer Bruder von 
der  FARC umgebracht  worden,  weshalb  die  Beschwerdeführerin  zu-
sammen mit ihrer Familie G._______ verlassen habe und wieder nach 
F._______ zurückgekehrt sei. Die FARC habe sie aber auch an ihrem 
neuen Aufenthaltsort aufgespürt, wiederum ihre Töchter zu rekrutieren 
versucht  und mehrmals Todesdrohungen per  Telefon gegen sie aus-
gesprochen.  In  der  Folge  habe  sie  mehrere  Anzeigen  bei  den  Be-
hörden  eingereicht,  und  das  kolumbianische  Innenministerium  prüfe 
derzeit  ihr  Risikoprofil.  Zusammen  mit  ihrem  Asylgesuch  haben  die 
Beschwerdeführenden  diverse  Dokumente  als  Beweismittel  zu  den 
Akten gereicht.

B.
Mit Schreiben vom 25. November 2008 setzte die Schweizer Botschaft 
den Beschwerdeführenden eine 30-tägige Frist zur Beantwortung von 
acht  Fragen.  Das  auf  den  23.  Dezember  2008  datierte  Antwort-
schreiben  der  Beschwerdeführenden  samt  diversen  Beilagen  traf 
gleichentags bei der Schweizer Botschaft ein.

C.
Die schweizerische Vertretung in F._______ übermittelte die Akten am 
31. Juli  2009 zuständigkeitshalber an das BFM; sie führte dabei aus, 

Seite 2

D-6446/2010

dass eine persönliche Befragung der Beschwerdeführenden aus Ka-
pazitätsgründen nicht möglich sei.

D.
Mit  Zwischenverfügung  vom 21. April  2010  –  von der  Botschaft  am 
7. Mai  2010 an die  Beschwerdeführenden weitergeleitet  –  teilte  das 
BFM  den  Beschwerdeführenden  mit,  es  erachte  den  entscheid-
relevanten  Sachverhalt  aufgrund  der  schriftlichen  Begründung  des 
Asylgesuches und der eingereichten ausführlichen Dokumentation als 
erstellt, weshalb eine Anhörung auf der Botschaft nicht notwendig er -
scheine. Im Weiteren erwäge das Bundesamt – unter Berücksichtigung 
der Akten,  der zu beachtenden Aspekte und des ihm zukommenden 
weiten  Ermessensspielraumes  –  das  Asylgesuch  der  Beschwerde-
führenden abzuweisen und ihnen die Einreise in die Schweiz zu ver-
weigern. Insbesondere erachte es die Möglichkeit einer anderweitigen 
Schutzsuche als  gegeben. Das BFM gab den Beschwerdeführenden 
Gelegenheit,  sich  innert  30 Tagen ab  Erhalt  der  Zwischenverfügung 
dazu zu äussern.

E.
Mit an die schweizerische Vertretung in F._______ gerichteter Eingabe 
vom 28. Mai 2010, welche zuständigkeitshalber an das BFM weiter ge-
leitet wurde (Eingang beim BFM am 25. Juni 2010), machten die Be-
schwerdeführenden von dem ihnen gewährten rechtlichen Gehör Ge-
brauch.

F.
Mit Verfügung vom 15. Juli 2010 – eröffnet am 29. Juli 2010 – wies das 
BFM das Asylgesuch der  Beschwerdeführenden ab und verweigerte 
ihnen  die  Einreise  in  die  Schweiz. Zur  Begründung führte  das Bun-
desamt zunächst in formeller Hinsicht aus, dass in den vorliegenden 
Fällen die Voraussetzungen für ein Absehen von einer Anhörung der 
Beschwerdeführenden gegeben seien. In materieller Hinsicht hielt das 
BFM  im  Wesentlichen  dafür,  eine  landesweite  Gefährdung  der  Be-
schwerdeführenden durch die FARC sei aus den Akten nicht ersicht -
lich. Da es sich bei den Beschwerdeführenden nicht um landesweit be-
kannte  Personen  handle,  sei  davon  auszugehen,  dass  ihnen  inner-
staatliche Fluchtalternativen offenstünden, sie sich mithin in einer an-
deren Region Kolumbiens niederlassen könnten. Es sei von der grund-
sätzlichen Schutzfähigkeit des kolumbianischen Staates auszugehen, 
wobei es in der Natur der Sache liege, dass es letztlich faktisch kei-

Seite 3

D-6446/2010

nem Staat gelinge, die absolute Sicherheit aller seiner Bürger jederzeit 
und überall  zu garantieren. Ferner sei es den Beschwerdeführenden 
möglich und zumutbar, gegebenenfalls in einem anderen Land als der 
Schweiz um Schutz nachzusuchen, beispielsweise in einem der Nach-
barstaaten  Kolumbiens,  welche  sowohl  das  Abkommen  vom 
28. Juli 1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK, 
SR 0.142.30)  als  auch  das  entsprechende  Zusatzprotokoll  vom 
31. Juli 1967  ratifiziert  hätten;  besonders  nahe  Beziehungen  zur 
Schweiz hätten die Beschwerdeführenden in ihren Asylgesuchen nicht 
geltend gemacht.

G.
Mit  Eingabe vom 26. August  2010 an die  Schweizer  Botschaft  (Ein-
gang bei  der  Schweizer  Botschaft  am 27. August  2010),  welche mit 
Schreiben  vom  31.  August  2010  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
weitergeleitet  wurde,  beantragten  die  Beschwerdeführenden  sinn-
gemäss, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihnen die 
Einreise  in  die  Schweiz  zu  bewilligen  beziehungsweise  Asyl  zu  ge-
währen. Auf die Begründung und die eingereichten Beweismittel wird, 
soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet im Bereich 
des  Asyls  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

Seite 4

D-6446/2010

1.3 Amtssprachen des Bundes sind das Deutsche, Französische und 
Italienische (vgl. Art. 70 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizeri -
schen Eidgenossenschaft  vom 18. April  1999 [BV, SR 101]). Die Be-
schwerde ist nicht in einer Amtssprache abgefasst. Auf die Ansetzung 
einer Frist zur Beschwerdeverbesserung kann indessen verzichtet wer-
den, da der in Spanisch verfassten Beschwerdeeingabe genügend kla-
re,  sinngemässe  Rechtsbegehren  und  deren  Begründung  zu  ent-
nehmen sind und ohne Weiteres darüber befunden werden kann.

1.4 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  –  mit  Ausnahme  des  genannten 
sprachlichen  Mangels  –  formgerecht  eingereicht  (Art. 108  Abs. 1 
AsylG,  Art. 6  AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG). Die Beschwerdeführenden 
sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 
einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in  einzelrichter-
licher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  be-
ziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art.  111  Bst.  e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durch-
führung eines Schriftenwechsels verzichtet.

4.
4.1 In  formeller  Hinsicht  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  gemäss 
Art. 19  AsylG ein  Asylgesuch  im Ausland bei  einer  schweizerischen 
Vertretung gestellt werden kann, welche es mit einem Bericht an das 
Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Ver-
tretung  führt  mit  der  asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine  Be-
fragung  durch (Art.  10  Abs. 1  der  Asylverordnung 1  vom 11. August 
1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311]).  Ist  dies  nicht 

Seite 5

D-6446/2010

möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  von  der  Vertretung  auf -
gefordert,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten  (Art.  10  Abs.  2 
AsylV 1). Das Bundesverwaltungsgericht hat in Auslegung dieser Be-
stimmungen in  BVGE 2007/30 erkannt,  dass  sich  die  Unmöglichkeit 
einer  Befragung  aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen 
Gründen bei der jeweiligen Vertretung, aus faktischen Hindernissen im 
betreffenden Land oder aus bei der asylsuchenden Person liegenden 
persönlichen Gründen ergeben kann (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.2 und 5.3). 
Da  die  Anhörung  der  Sachverhaltserstellung  sowie  der  Gewährung 
des rechtlichen Gehörs dient  (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.5),  ist  die asyl-
suchende Person bei gegebener Unmöglichkeit einer Anhörung unter 
Hinweis  auf  ihre  Mitwirkungspflicht  in  einem  individualisierten 
Schreiben  mittels  konkreter  Fragen  aufzufordern,  ihre  Asylgründe 
schriftlich festzuhalten; ein standardisiertes Schreiben vermag diesen 
Anforderungen  damit  in  aller  Regel  nicht  zu  genügen  (vgl.  BVGE 
a.a.O. E. 5.4). Allerdings kann sich eine Befragung beziehungsweise 
eine schriftliche Sachverhaltsabklärung erübrigen, wenn der Sachver-
halt bereits aufgrund des eingereichten Asylgesuchs als entscheidreif 
erstellt erscheint; der asylsuchenden Person ist aber dies falls immer-
hin im Sinne des rechtlichen Gehörs die Gelegenheit zu geben, sich 
zu einem abzusehenden negativen Entscheid zumindest schriftlich zu 
äussern (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.7). Schliesslich ist das Bundesamt in 
jedem Fall  gehalten,  das  Absehen  von  einer  Befragung  in  der  Ver-
fügung über das Asylgesuch zu begründen (vgl. BVGE a.a.O. E. 5.6 
sowie 5.7).

4.2 Im  vorliegenden  Fall  wurden  die  Beschwerdeführenden  von  der 
schweizerischen  Vertretung  in  F._______  zu  ihrem Asylgesuch  vom 
23. Oktober 2008 nicht befragt, da die Botschaft dazu gemäss Über-
weisungsschreiben  vom  31.  Juli  2009  aus  gerichtsnotorischen  und 
mithin nachvollziehbaren Kapazitätsgründen nicht in der Lage war; den 
Beschwerdeführenden  wurde  indessen  mit  Zwischenverfügung  des 
BFM vom 21. April 2010 Gelegenheit zur weiteren Konkretisierung ih -
rer  Asylgründe  sowie  das  rechtliche  Gehör  im  Hinblick  auf  die  vom 
Bundesamt in Erwägung gezogene Abweisung des Asylgesuches ge-
währt; die Beschwerdeführenden haben mit Eingabe vom 28. Mai 2010 
von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Aufgrund der einlässlichen 
Ausführungen  der  Beschwerdeführenden  in  ihrem schriftlichen  Asyl-
gesuch und den weiteren Eingaben sowie der zahlreichen von ihnen 
eingereichten Beweismittel erscheint sodann der entscheidwesentliche 
Sachverhalt – wie das BFM in der angefochtenen Verfügung zu Recht 

Seite 6

D-6446/2010

ausführt – als genüglich abgeklärt. Schliesslich hat das BFM in seiner 
Zwischenverfügung vom 21. April 2010 sowie der angefochtenen Ver-
fügung vom 15. Juli 2010 das Absehen von persönlichen Anhörungen 
einlässlich begründet. Bei dieser Sachlage ist festzuhalten, dass das 
BFM den verfahrensrechtlichen Anforderungen Genüge getan hat.

5.
5.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 
Abs. 2 AsylG bewilligt  das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Ab-
klärung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, 
im  Wohnsitz-  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben  oder  in  ein  anderes 
Land auszureisen.

5.2 Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung ei-
ner Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei 
den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt.  Neben  der 
erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich 
die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutz-
gewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu 
anderen Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbar-
keit  zur  anderweitigen Schutzsuche sowie die  voraussichtlichen Ein-
gliederungs-  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen 
(vgl.  die  weiterhin  zutreffende  Praxis  gemäss  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
1997  Nr.  15,  insbesondere  S.  131  ff.,  welche  angesichts  bloss 
redaktioneller  Änderungen  bei  der  letzten  Totalrevision  des  Asyl-
gesetzes  nach  wie  vor  Gültigkeit  hat).  Ausschlaggebend  für  die  Er-
teilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei  die  Schutzbedürftigkeit  der 
betroffenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin 
die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG 
glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die 
Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann.

6.
6.1 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
zunächst zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat,  
die  Beschwerdeführenden  hätten  in  ihrem Gesuch  keine  besonders 
nahen  Beziehungen  zur  Schweiz  geltend  gemacht.  Im  Weiteren  hat 

Seite 7

D-6446/2010

das  Bundesamt  zu  Recht  erwogen,  dass  es  den  Beschwerde-
führenden zuzumuten sei, in einem anderen Land um Asylgewährung 
nachzusuchen (vgl. Art. 52 Abs. 2 AsylG). So sind beispielsweise die 
Nachbarstaaten  Brasilien,  Ecuador,  Panama  und  Peru  Vertrags-
parteien  sowohl  der  FK  als  auch  des  betreffenden  Zusatzprotokolls 
vom 31. Januar 1967; Venezuela wiederum hat zwar das Abkommen 
selbst nicht ratifiziert, wohl aber das Protokoll. Diese Länder verfügen 
mit  Ausnahme  Venezuelas  über  ein  eigenes,  gesetzlich  geregeltes 
Verfahren zur  Anerkennung von Flüchtlingen. Zudem halten sie  sich 
gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  grund-
sätzlich  an  das Gebot  des Non-Refoulements  von Art.  33  FK,  auch 
wenn  als  Einschränkung  festgestellt  werden  muss,  dass  es  in  den 
Grenzgebieten – insbesondere denjenigen zu Panama und Venezuela 
– in den letzten Jahren zu unkontrollierten Rückschiebungen durch die 
Grenzbehörden gekommen ist. Für die praktische Möglichkeit und die 
Zumutbarkeit der anderweitigen Schutzsuche spricht im Weiteren die 
Möglichkeit  der  visumsfreien  Einreise  nach  Brasilien,  Ecuador  und 
Peru  sowie  der  Umstand,  dass  jährlich  mehrere  tausend 
kolumbianische Staatsangehörige in den Nachbarländern – namentlich 
in Ecuador – um Asyl nachsuchen und dort  zu einem beträchtlichen 
Teil auch tatsächlich als Flüchtlinge anerkannt werden. Insgesamt er-
geben  sich  demnach  keine  Anhaltspunkte,  die  darauf  schliessen 
liessen,  es  sei  den  Beschwerdeführenden  praktisch  unmöglich  oder 
objektiv unzumutbar, sich in einen anderen Staat, insbesondere einen 
der  Nachbarstaaten  Kolumbiens,  zu  begeben  (vgl.  EMARK  2004 
Nr. 20; 1997 Nr. 15 E. 2f  S. 132). Dies gilt  umso mehr, als  aus den 
Akten ersichtlich ist, dass es sich bei den Beschwerdeführenden nicht  
um landesweit  bekannte Persönlichkeiten handelt,  die aufgrund ihrer 
besonders exponierten Stellung auch bei einer Flucht ins nahe Aus-
land allenfalls befürchten müssten, weiterhin verfolgt zu werden.

6.2 Bei dieser Sachlage kann letztlich offen bleiben, ob sich die Be-
schwerdeführenden den geltend gemachten Bedrohungen seitens der 
FARC allenfalls  durch eine innerstaatliche Wohnsitzverlegung dauer-
haft entziehen könnten.

6.3 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzuhalten, dass die 
Beschwerdeführenden aufgrund der Akten über keine konkrete Bezie-
hungsnähe zur Schweiz verfügen, hingegen die Möglichkeit der ander-
weitigen  Schutzsuche  haben. Unter  diesen  Umständen  hat  die  Vor-

Seite 8

D-6446/2010

instanz  den  Beschwerdeführenden  zu  Recht  die  Erteilung  der  Ein-
reisebewilligung verweigert und die Asylgesuche abgewiesen.

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten an sich den Be-
schwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG);  aus  ver-
waltungsökonomischen  Gründen  wird  indessen  in  Anwendung  von 
Art. 6 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, 
SR 173.320.2) auf das Erheben von Verfahrenskosten verzichtet.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 9

D-6446/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil geht an:

- die  Beschwerdeführenden  durch  Vermittlung  der  schweizerischen 
Vertretung in F._______ (per EDA-Kurier)

- die schweizerische Vertretung in F._______ ([...]), mit der Bitte um 
Eröffnung  des  Urteils  an  die  Beschwerdeführenden  und  um 
Zustellung  der  beiliegenden  Empfangsbestätigung  an  das 
Bundesverwaltungsgericht (per EDA-Kurier)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N [...]  (per 
Kurier; in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Daniele Cattaneo Carlo Monti

Versand:

Seite 10