# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eae1a219-03b4-5751-a8d6-6afb04b6f928
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-10-15
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 15.10.2021 SB210073
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB210073_2021-10-15.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB210073-O/U/cs 
 

Mitwirkend: Oberrichterin lic. iur. Bertschi, Präsidentin, Oberrichter lic. iur. Stiefel 

und Ersatzoberrichterin lic. iur. Laufer sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Höchli 

 

Urteil vom 15. Oktober 2021 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

verteidigt durch Rechtsanwalt MLaw X._____,  

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat,  
Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 

sowie 

 

B._____,  
Privatklägerin 

 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____,  

betreffend Schändung   
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 
25. November 2020 (DG200153) 

- 2 - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 22. Juli 2020 ist 

diesem Urteil beigeheftet (Urk. 17). 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der Schändung im Sinne von Art. 191 

StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 22 Monaten Freiheitsstrafe. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt.  

4. Dem Beschuldigten wird in Anwendung von Art. 67 Abs. 4 StGB lebensläng-

lich jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit verbo-

ten, die einen regelmässigen Kontakt zu volljährigen, besonders schutzbe-

dürftigen Personen umfasst, sowie jede berufliche oder jede organisierte 

ausserberufliche Tätigkeit im Gesundheitsbereich mit direktem Patienten-

kontakt. 

5. Von der Anordnung einer obligatorischen Landesverweisung im Sinne von 

Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB wird abgesehen. 

6. Von der Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils wird 

abgesehen. 

7. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus 

dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. 

Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches 

wird die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

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8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 1'500.– zuzüglich 

5 % Zins ab 1. Oktober 2019 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag 

wird das Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

9. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 

30. März 2020 beschlagnahmten Dokumente/Gegenstände (act. 11) werden 

als Beweismittel bei den Akten belassen: 

− Kopie des Patientendossiers der Privatklägerin des Ärztezentrums  
C._____; 

− Kopie des Personaldossiers des Beschuldigten des Ärztezentrums  
C._____. 

10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 5'400.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 2'400.–   Gebühr Strafuntersuchung 
Fr. 525.–   Zeugenentschädigung 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Prozessentschä-

digung im Betrag von Fr. 4'904.45 (inkl. Mwst und Barauslagen) zu bezah-

len. 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 62 S. 2) 

1. Ziff. 1 - 3 des angefochtenen Urteils seien aufzuheben. Der Beschul-

digte sei von allen Anklagepunkten freizusprechen. 

2. Ziff. 4 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben. Von einem Berufs-

verbot sei abzusehen. 

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3. Ziff. 7 - 8 des angefochtenen Urteils seien aufzuheben. Die Anträge der 

Privatklägerin seien abzuweisen. 

4. Ziff. 9 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben. Das Personaldossier 

sei dem Beschuldigten zurückzugeben. 

5. Ziff. 10 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben. Die Entscheidge-

bühren seien auf die Staatskasse zu nehmen und der Beschuldigte sei 

im Umfang von Fr. 18'055.05 für das vorinstanzliche Verfahren zu ent-

schädigen. 

6. Ziff. 11 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben. Die Kosten der Un-

tersuchung und des Verfahrens vor Vorinstanz seien auf die Staats-

kasse zu nehmen. 

7. Ziff. 12 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben. Die Anträge der Pri-

vatklägerin seien abzuweisen. 

8. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zu Lasten 

des Staates respektive zu Lasten der Privatklägerin. 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:  

(Urk. 52, Prot. II S. 45) 

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft: 

(Urk. 63 S. 1) 

1. Die Berufung des Beschuldigten sei unter Kosten- und Entschädi-

gungsfolgen abzuweisen und das vorinstanzliche Urteil sei vollumfäng-

lich zu bestätigen. 

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2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin für das Beru-

fungsverfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 4'949.– inklusive 

Spesen und 7,7 % Mehrwertsteuer zu bezahlen. 

 

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Erwägungen: 

I. Verfahrensgang und Prozessuales 

1. Verfahrensgang 

In Bezug auf den Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zur Ver-

meidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im angefochte-

nen Entscheid verwiesen werden (Urk. 46 S. 4 f.). Mit Urteil des Bezirksgerichts 

Zürich, 2. Abteilung, vom 25. November 2020 wurde der Beschuldigte im Sinne 

des eingangs wiedergegebenen Urteilsdispositivs schuldig gesprochen und be-

straft (Urk. 46 S. 54). Gegen das gleichentags mündlich eröffnete Urteil liess der 

Beschuldigte mit Eingabe vom 1. Dezember 2020 fristgerecht Berufung anmelden 

(Urk. 40). Das begründete Urteil wurde der Verteidigung am 3. Februar 2021 zu-

gestellt (Urk. 45/2). Mit Eingabe vom 23. Februar 2021 reichte diese innert der 

zwanzigtägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO die Berufungserklärung ein 

(Urk. 48). Anschlussberufungen wurden keine erhoben (Urk. 52; Urk. 53). Mit Ein-

gabe vom 17. März 2021 beantragte die Privatklägerin, dass dem urteilenden Ge-

richt eine Person gleichen Geschlechts angehört und sie im Falle einer Befragung 

von einer Person gleichen Geschlechts einvernommen wird (Urk. 53). Am 1. April 

2021 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 15. Oktober 2021 vorgeladen 

(Urk. 55). Die Privatklägerin wurde als Auskunftsperson zur Berufungsverhand-

lung vorgeladen. 

2. Umfang der Berufung 

Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen die Dispositivziffern 1-4 sowie 

7-12 des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 48 S. 2). Anschlussberufungen wurden 

keine erhoben. Da der Beschuldigte mit seiner Berufung einen Freispruch bean-

tragt, gilt das vorinstanzliche Urteil als vollumfänglich angefochten und es er-

wächst damit keine Dispositivziffer in Rechtskraft. 

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II. Sachverhalt 

1. Ausgangslage 

1.1. Die Vorinstanz hat die Anklagevorwürfe korrekt wiedergegeben, worauf 

verwiesen werden kann (Urk. 46 S. 6). Der Beschuldigte machte im Vorverfahren 

keine Aussagen zur Sache (Urk. 2/1 S. 1 ff.; Urk. 2/2 S. 2 ff.). Vor Vorinstanz 

nahm er zu einzelnen Fragen Stellung und machte im Übrigen von seinem Aus-

sageverweigerungsrecht Gebrauch (Urk. 32 S. 8 ff.). Im Rahmen der Berufungs-

verhandlung nahm er erstmals ausführlich zum anklagegegenständlichen Sach-

verhalt Stellung (Prot. II S. 23 ff.). Die Angaben des Beschuldigten zur Sache ent-

sprechen dabei im Wesentlichen jenen Vorbringen, welche in diesem Verfahren 

zuvor durch die Verteidigung vertreten worden waren. So bestreitet der Beschul-

digte nicht, dass er die Privatklägerin im Rahmen der Konsultation vom 1. Oktober 

2019 anal bzw. rektal und vaginal untersucht hat. Er macht jedoch geltend, dass 

die Untersuchungen medizinisch begründet gewesen seien und die Privatklägerin 

zudem vorgängig umfassend über alle Untersuchungen aufgeklärt worden sei 

(Urk. 48 S. 6 ff.; Prot. II S. 23 ff.). 

1.2. Die relevanten Beweismittel wurden von der Vorinstanz korrekt aufgezählt, 

weshalb auf ihre Ausführungen verwiesen werden kann (Urk. 46 S. 7 f.). Als Be-

weismittel liegen zudem die Einvernahmen des Beschuldigten vor Vorinstanz 

(Urk. 32) und im Berufungsverfahren (Prot. II S. 23 ff.) vor. Weiter wurde die Pri-

vatklägerin im Berufungsverfahren als Auskunftsperson einvernommen (Prot. II 

S. 11 ff.). Der Verwertbarkeit der erwähnten Beweismittel steht nichts entgegen. 

1.3. Die Anforderungen an einen rechtsgenügenden Schuldbeweis und die all-

gemeinen Grundsätze der Beweiswürdigung wurden von der Vorinstanz bereits 

dargelegt (Urk. 46 S. 8 f.). Auf die entsprechenden Ausführungen kann verwiesen 

werden. 

1.4. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass der Anklagesachverhalt erstellt sei. 

Dies mit der Einschränkung, dass vom vaginalen Eindringen mit einem Finger 

auszugehen sei. Weiter nahm die Vorinstanz – in dubio pro reo – an, dass die 

vom Beschuldigten vorgenommene digital-rektale Untersuchung noch medizinisch 

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indiziert gewesen sei (Urk. 46 S. 23 ff.). Im Rahmen ihrer Beweiswürdigung hat 

sich die Vorinstanz zunächst mit den objektiven Beweismitteln, dem Patienten-

dossier der Privatklägerin beim Ärztezentrum C._____ (Urk. 7) und dem Perso-

naldossier des Beschuldigten beim Ärztezentrum C._____ (Urk. 8), auseinander-

gesetzt (Urk. 46 S. 9 ff.). In der Folge wurden die Aussagen der Privatklägerin 

(Urk. 3/1-2) sowie diejenigen der befragten Zeugen (Urk. 4/1-2; Urk. 5 und 

Urk. 6/1) einer Würdigung unterzogen (Urk. 46 S. 15 ff.). Mit der Ausnahme, dass 

zunächst die nun im Berufungsverfahren getätigten Aussagen des Beschuldigten 

zur Sache zu würdigen sind, wird nachfolgend zur Prüfung der Sachverhaltser-

stellung dem vorinstanzlichen Aufbau gefolgt, zumal dies auch dem Vorgehen der 

Verteidigung in der Berufungserklärung entspricht (Urk. 48 S. 5 ff.). 

2. Aussagen des Beschuldigten 

2.1. Während er bei früheren Einvernahmen jeweils von seinem Aussagever-

weigerungsrecht Gebrauch gemacht hatte, nahm der Beschuldigte anlässlich der 

Berufungsverhandlung erstmals die Gelegenheit wahr, die Ereignisse rund um die 

Konsultation der Privatklägerin vom 1. Oktober 2019 aus seiner Sicht zu schil-

dern. Dabei räumte der Beschuldigte zunächst ein, die Privatklägerin im Rahmen 

jener Konsultation anal und vaginal untersucht zu haben (Prot. II S. 24). Er mach-

te jedoch geltend, dass sowohl für den analen als auch für den vaginalen Unter-

such eine medizinische Indikation bestanden habe und die Privatklägerin entspre-

chend dieser Indikationen vorgängig umfassend über die Untersuche aufgeklärt 

worden sei (Prot. II S. 24 ff.). Konkret wies er darauf hin, dass er im Patienten-

dossier der Privatklägerin gesehen habe, dass sie im Juli 2019 mehrfache rektale 

und vaginale Blutungen gehabt habe und sie sich überdies in den zwei Wochen 

vor der Konsultation bei ihm mehrfach wegen rechtsseitiger Unterbauchschmer-

zen in ärztliche Behandlung begeben habe (Prot. II S. 24 und 29 f.). Zwar seien 

bei der Privatklägerin aus diesem Grund unter anderem mehrmals Ultraschallun-

tersuchungen durchgeführt worden, eine Ursache für die Beschwerden sei jedoch 

nicht gefunden worden (Prot. II S. 24 f. und 29). In diesem Zusammenhang merk-

te er auch an, dass bei den durchgeführten Ultraschalluntersuchungen mehrmals 

mehrere Organe nicht hätten gesehen werden können (Prot. II S. 24 und 29). 

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Weiter gab er an, dass er der Privatklägerin erklärt habe, dass hinter jeder Blu-

tung auch eine bösartige Erkrankung stecken könne und er die Blutung und die 

Unterbauchbeschwerden daher abklären würde (Prot. II S. 25). Überdies gab er 

an, dass er auch nichts habe verpassen wollen, das sich in den auf die Konsulta-

tion folgenden Tagen zu einem medizinischen Notfall hätte entwickeln können, 

zumal er ansonsten in der Verantwortung gestanden wäre. Aus diesem Grund 

habe er eine Blinddarmentzündung sowie eine Eileiterschwangerschaft aus-

schliessen wollen (Prot. II S. 25, 29 und 31). Diesbezüglich betonte er mehrmals, 

dass er aufgrund der digital-rektalen Untersuchung eine Blinddarmentzündung 

und mit der digital-vaginalen Untersuchung eine Eileiterschwangerschaft habe 

ausschliessen können (Prot. II S. 26 und 33). Bei seinen Schilderungen wies er 

sodann stets darauf hin, dass er die Privatklägerin einerseits im Rahmen des 

Vorgesprächs über die bevorstehenden Untersuche und deren Indikationen auf-

geklärt habe und er ihr zusätzlich vor jedem einzelnen Untersuch noch einmal die 

bevorstehenden Untersuchungshandlungen angekündigt habe (Prot. II S. 25 ff.). 

Insbesondere erklärte der Beschuldigte, dass er der Privatklägerin angekündigt 

habe, dass er sie sowohl rektal als auch vaginal innerlich und äusserlich untersu-

chen werde (Prot. II S. 26 f. und 37). Auch habe er ihr gesagt, dass der digital-

rektale Untersuch etwas unangenehm werden könne und sie nicht erschrecken 

solle (Prot. II S. 26 f.). Die Frage, weshalb der vaginale Untersuch keinen Eingang 

in die Krankenakte der Privatklägerin gefunden habe, beantwortete der Beschul-

digte damit, dass er während der Dokumentation durch das von der Privatklägerin 

und ihrem damaligen Freund gewünschte Gespräch unterbrochen worden sei. Im 

Anschluss an das Gespräch, im Rahmen dessen er vom Freund der Privatkläge-

rin auch sehr aggressiv angeschrien worden sei, habe er dann seine Tasche ge-

packt und sei gegangen. Dabei habe er vergessen, die Dokumentation nochmals 

durchzugehen und auf Vollständigkeit zu überprüfen (Prot. II S. 27). Weiter wurde 

dem Beschuldigten vorgehalten, dass Dr. med. D._____ als Zeuge ausgesagt ha-

be, er habe ihm gegenüber eingestanden, einen sexuellen Übergriff gemacht zu 

haben. Darauf erwiderte der Beschuldigte, dass er Entsprechendes nie gesagt 

habe und es sich dabei lediglich um eine Interpretation von Dr. med. D._____ 

handle. Er habe diesem gegenüber lediglich erklärt, dass es ihm leid tue, dass die 

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Privatklägerin die Untersuchung so negativ empfunden habe. Auf die Frage, wes-

halb Dr. med. D._____ seine diesbezügliche Aussage so drastisch und missinter-

pretiert hätte darstellen sollen, gab der Beschuldigte an, dass dieser sich und die 

Praxis habe schützen wollen (Prot. II S. 27 f.). Schliesslich erklärte er auf entspre-

chenden Vorhalt, dass er die Kündigung mit dem Vermerk "sexueller Übergriff" 

nur deshalb unterschrieben habe, weil er diese zwischen zwei Patientenuntersu-

chungen vorgelegt erhalten habe und er unter extrem grossem Druck gestanden 

sei (Prot. II S. 35). 

2.2. Die vom Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung getätigten 

Aussagen fielen sehr ausführlich aus. Der Beschuldigte legte im Einzelnen und 

äusserst detailliert dar, welche Untersuchungsschritte damals vorgenommen wur-

den und welche Befunde er erhob (vgl. insb. Prot. II S. 35 ff.). Die Staatsanwalt-

schaft wies zu Recht darauf hin, dass der Beschuldigte die Konsultation vom 

1. Oktober 2019 so präzis erläuterte, als habe er ein Gedankenprotokoll vor sich 

(Prot. II S. 45). Erinnerungslücken oder Unsicherheiten bestanden keine, obwohl 

die Geschehnisse schon über zwei Jahre zurückliegen. Dies erstaunt und lässt 

sich nur teilweise damit erklären, dass die Konsultation der Privatklägerin dem 

Beschuldigten infolge der darauffolgenden Ereignisse besonders in Erinnerung 

geblieben sein dürfte. In jedem Fall vermittelten die Aussagen des Beschuldigten 

nicht den Eindruck, als würde er die damaligen Geschehnisse frei und spontan 

aus seiner Erinnerung schildern. Der Beschuldigte legte an der Berufungsver-

handlung teilweise auch ein ausweichendes Aussageverhalten an den Tag. Zu 

verweisen ist auf seine Antwort auf die Frage, ob er damals auch eine Blutprobe 

gemacht habe, um die Entzündungswerte der Privatklägerin zu überprüfen 

(Prot. II S. 32). In Reaktion auf diese Frage machte der Beschuldigte allgemeine 

Ausführungen zu den Vor- und Nachteilen eines Beizugs von Blutwerten. Die ei-

gentliche Frage, ob er bei der Privatklägerin Blut entnommen habe oder nicht, 

liess er unbeantwortet (Prot. II S. 31 f.). 

2.3. Der Beschuldigte macht geltend, dass sowohl für den rektalen als auch für 

den vaginalen Untersuch eine medizinische Indikation bestanden habe. Aufgrund 

der damaligen Symptome, insbesondere der vaginalen und analen Blutungen, 

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habe er eine schwerwiegende Erkrankung ausschliessen wollen. Die vom Be-

schuldigten erwähnten gesundheitlichen Beschwerden der Privatklägerin finden – 

in der von ihm geschilderten dramatischen Form – keine Entsprechung in der 

Krankengeschichte der Privatklägerin. Anale und vaginale Blutungen werden in 

einem Eintrag vom 20. Juli 2019 erwähnt (Urk. 7/6 S. 5). Dass es regelmässig zu 

Beschwerden in diesem Bereich gekommen wäre, lässt sich den Akten indes 

nicht entnehmen. Dies gilt insbesondere für den Zeitpunkt der Konsultation vom 

1. Oktober 2019, was in den Schilderungen des Beschuldigten unerwähnt blieb. 

Die Privatklägerin litt zu diesem Zeitpunkt auch nicht an Bauchschmerzen (vgl. 

dazu Ziff. II.3.1. und II.5.5.). Im Verlaufsbericht ist denn auch ausdrücklich von 

Bauchschmerzen "ab und zu" die Rede (Urk. 7/6 S. 1). Die Privatklägerin befand 

sich aufgrund ihrer gesundheitlichen Beschwerden bereits in ärztlicher Behand-

lung und unter ärztlicher Kontrolle. Für die Folgewoche war eine gynäkologische 

Untersuchung geplant. Sie suchte das Ärztezentrum C._____ an diesem Tag auf, 

weil sie an Erkältungssymptomen litt und ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis benötig-

te. In ihren Aussagen finden sich keinerlei Hinweise auf akute gesundheitliche 

Probleme (vgl. dazu auch Prot. II S. 11 f.). Wie erwähnt, brachte der Beschuldigte 

anlässlich der Berufungsverhandlung vor, er habe damals keine bösartige Erkran-

kung bzw. nichts verpassen wollen, was in den nächsten Tagen plötzlich hätte 

auftreten können, d.h. keine Blinddarmentzündung oder Eileiterschwangerschaft 

(Prot. II S. 24 f., 29, 33). Weshalb das Risiko einer Eileiterschwangerschaft trotz 

fehlender Bauchschmerzen und des Umstands, dass die Privatklägerin mit der 

Pille verhütete und zum Zeitpunkt der Konsultation ihre Periode hatte (vgl. dazu 

Ziff. II.5.5), vom Beschuldigten als derart hoch eingestuft wurde, dass unverzüg-

lich eine vaginale Untersuchung erfolgen musste und nicht bis zum gynäkologi-

schen Termin in der Folgewoche zugewartet werden konnte, ergibt sich nicht aus 

seinen Aussagen. Im Verlaufsbericht finden sich zudem keinerlei Hinweise darauf, 

dass solche Erkrankungen anlässlich der Konsultation vom 1. Oktober 2019 

Thema gewesen oder irgendwelche Abklärungen in diesem Bereich erfolgt wären. 

Gerade vor dem Hintergrund, dass sich der Beschuldigte seinen Angaben zufolge 

mit dem Ausschluss dieser Diagnosen absichern wollte, um nicht in der Verant-

wortung zu stehen (vgl. dazu Prot. II S. 25, 29 und 33), falls sich diese Erkran-

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kungen bei der Privatklägerin im Nachgang zur Konsultation zu einem medizini-

schen Notfall entwickelt hätten, wäre eine entsprechende Dokumentation zu er-

warten gewesen. Die Frage, ob damals auch eine Blutprobe gemacht wurde, um 

die Entzündungswerte zu prüfen, wurde vom Beschuldigten wie erwähnt nicht be-

antwortet. Auch aufgrund dieses ausweichenden Aussageverhaltens in Bezug auf 

eine Untersuchungshandlung, deren Vornahme im Rahmen einer umfassenden 

medizinischen Abklärung zu erwarten gewesen wäre, kann nicht ausgeschlossen 

werden, dass es sich bei der Erklärung des Beschuldigten, es habe sich aufgrund 

der Vorgeschichte der Privatklägerin eine ganzkörperliche Untersuchung aufge-

drängt, lediglich um einen Versuch handelte, insbesondere die vaginale Untersu-

chung der Privatklägerin nachträglich zu rechtfertigen. 

2.4. Die Angaben des Beschuldigten zu seinem Verhalten nach der in Frage 

stehenden Konsultation weisen Ungereimtheiten auf. Seine Erklärung dafür, dass 

der vaginale Untersuch der Privatklägerin keinen Eingang in deren Patientenakte 

gefunden hat, vermag nicht zu überzeugen. Spätestens nach dem Gespräch mit 

der Privatklägerin und ihrem damaligen Freund im Anschluss an die Konsultation 

der Privatklägerin hätte dem Beschuldigten bewusst sein müssen, dass insbe-

sondere hinsichtlich des vaginalen Untersuchs Erklärungsbedarf bestand. Auch 

wenn er – wie er dies geltend machte (Prot. II S. 27) – bei der Dokumentation je-

ner Konsultation durch das Gespräch mit der Privatklägerin und ihrem damaligen 

Freund unterbrochen worden wäre, wäre daher umso mehr zu erwarten gewesen, 

dass er nach dem Gespräch darum bemüht gewesen wäre, die bereits begonne-

ne Dokumentation um den aus seiner Sicht medizinisch indizierten vaginalen Un-

tersuch zu ergänzen. Dass er vergessen hat, den Bericht zu vervollständigen, er-

scheint insbesondere auch in Anbetracht dessen, dass er selber davon berichtete, 

dass der Freund der Privatklägerin in jenem Gespräch sehr emotional gewesen 

und er von diesem aggressiv angeschrien worden sei (Prot. II S. 27), nicht nach-

vollziehbar. Auch sein Vorbringen, dass er die Kündigung mit dem Vermerk "se-

xueller Übergriff an einer Patientin" lediglich deshalb unterzeichnet haben soll, 

weil ihm diese zwischen zwei Patientenuntersuchungen unterbreitet worden und 

er sich der Konsequenzen nicht bewusst gewesen sei (Prot. II S. 35), vermag 

nicht zu überzeugen. Vielmehr wäre zu erwarten gewesen, dass er sich gegen 

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diesen Vermerk zur Wehr gesetzt hätte, wenn er der Überzeugung gewesen wä-

re, dass ihm mit damit Unrecht getan worden wäre, zumal er zu jenem Zeitpunkt 

bereits Kenntnis davon hatte, dass die Privatklägerin wegen dieses Vorfalls Straf-

anzeige gegen ihn eingereicht hatte (Urk. 8/37; Urk. 8/39). 

2.5. Angesichts dieser Ungereimtheiten in den Aussagen des Beschuldigten 

bestehen Zweifel an seiner Darstellung, wonach sämtliche von ihm vorgenomme-

nen Untersuchungshandlungen medizinisch indiziert gewesen seien. Wie sich 

nachfolgend zeigen wird, lassen sich seine diesbezüglichen Angaben auch nicht 

mit den übrigen Beweismitteln in Einklang bringen. Die Darstellung des Beschul-

digten steht zunächst in Widerspruch zu derjenigen der Privatklägerin, welche 

stets ausgesagt hat, vom Beschuldigten über die von ihm vorgenommenen Unter-

suche nicht näher aufgeklärt worden zu sein. Gleich wie im Verlaufsbericht finden 

sich in ihren Aussagen zudem keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass eine Eileiter-

schwangerschaft oder Blinddarmentzündung anlässlich der Konsultation vom Be-

schuldigten thematisiert worden wäre. Für die Privatklägerin blieb bis zum 

Schluss unverständlich, aus welchem Grund der vaginale Untersuch erfolgte 

(Ziff. II.5.6). Wäre die Möglichkeit einer Eileiterschwangerschaft oder einer Blind-

darmentzündung vom Beschuldigten thematisiert worden, hätte die Privatklägerin 

dies wohl nachvollziehen können und sich im Nachhinein auch noch daran erin-

nert. Der Darstellung des Beschuldigten, wonach alle von ihm vorgenommenen 

Untersuche medizinisch indiziert waren und alles korrekt ablief, steht schliesslich 

auch der Umstand entgegen, dass er den vaginalen Untersuch im internen Ver-

hältnis selbst als sexuellen Übergriff bezeichnet hat (Ziff. II.4.). Dafür, dass Dr. 

med. D._____ den Beschuldigten in diesem Punkt missverstanden oder bewusst 

falsche Angaben zu seinem Nachteil gemacht haben könnte, bestehen keinerlei 

Hinweise (Ziff. II.7.). 

3. Patientendossier der Privatklägerin 

3.1. Die Staatsanwaltschaft zog das Patientendossier der Privatklägerin beim 

Ärztezentrum C._____ bei (Urk. 7/2). Von Bedeutung ist dabei insbesondere der 

Verlaufseintrag über die Konsultation vom 1. Oktober 2019, welche Gegenstand 

der Anklage bildet (Urk. 7/6). Die Vorinstanz hat den Verlaufseintrag wortwörtlich 

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ins Urteil aufgenommen (Urk. 46 S. 9 f.). Darauf kann verwiesen werden. Der Titel 

des Verlaufseintrags lässt mit der Vorinstanz (Urk. 46 S. 10) darauf schliessen, 

dass die Privatklägerin das Ärztezentrum C._____ am 1. Oktober 2019 aufsuchte, 

weil sie eine Erkältung hatte und ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis benötigte. 

Bauchschmerzen, Probleme mit der Verdauung oder Beschwerden im Vaginal- 

oder Analbereich werden nicht erwähnt. Mit der Verteidigung (Urk. 48 S. 5 f.) be-

deutet dies nicht, dass die damalige Konsultation nicht auch noch weitere ge-

sundheitliche Probleme umfasste, was indes unbestritten ist (vgl. dazu auch die 

Vorinstanz, Urk. 46 S. 11). Dass im Titel des Verlaufseintrags keine solchen Be-

schwerden erwähnt werden, deutet aber mit der Vorinstanz darauf hin, dass diese 

nicht Grund für die ärztliche Konsultation am fraglichen Tag bildeten. Der Einwand 

der Verteidigung, der Titel werde zu Beginn der Konsultation aufgrund der Tele-

fonnotiz der MPA erstellt und habe bezüglich des tatsächlichen Inhalts der Kon-

sultation nur beschränkte Aussagekraft (Urk. 48 S. 5), ist in diesem Zusammen-

hang deshalb ohne Bedeutung. Wie sich nachfolgend bei der Würdigung der Aus-

sagen der Privatklägerin ergibt, besteht in diesem Punkt auch Übereinstimmung 

mit ihrer Darstellung. Die Privatklägerin gab stets an, dass sie an diesem Tag ein 

Arztzeugnis gebraucht habe, weil sie Schnupfen und Halsschmerzen gehabt habe 

(Urk. 3/1 S. 2; Urk. 3/2 S. 4 und 7; Prot. II S. 11). Aus den weiteren Angaben im 

Verlaufseintrag ergibt sich kein anderes Bild. Der Verteidigung ist zwar beizu-

pflichten, dass anlässlich der ärztlichen Konsultation auch Bauchschmerzen so-

wie Verdauungsprobleme thematisiert wurden (Urk. 48 S. 5 f.). Im Verlaufsbericht 

wird diesbezüglich jedoch vermerkt, dass wegen der Bauchschmerzen in der Fol-

gewoche ein Termin bei der Gynäkologie geplant und die Verdauung im aktuellen 

Zeitpunkt "wieder normal" war (Urk. 7/6). Auch dies stimmt mit den Angaben der 

Privatklägerin überein (Urk. 3/1 S. 2; Urk. 3/2 S. 4 und 7; Prot. II S. 11 f.). Nach-

dem die Privatklägerin das Ärztezentrum am 1. Oktober 2019 wegen Erkältungs-

symptomen aufsuchte und sich aus dem Verlaufseintrag keine Hinweise dafür er-

geben, dass akute Bauchschmerzen oder Verdauungsprobleme bestanden, er-

staunt es, dass der Beschuldigte damals eine rektale Untersuchung durchführte. 

Im Verlaufseintrag wird zudem festgehalten, dass diese nach ausführlicher vorhe-

riger Aufklärung erfolgte (Urk. 7/6). Dass dieser Hinweis explizit aufgenommen 

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und zusätzlich auf die Ausführlichkeit der Aufklärung hingewiesen wurde, er-

scheint eher ungewöhnlich, zumal eine vorgängige umfassende Aufklärung der 

Patientin selbstverständlich sein sollte. Was die Aufklärung der Privatklägerin be-

treffend den rektalen Untersuch betrifft, machte der Beschuldigte anlässlich der 

Berufungsverhandlung geltend, dass er der Privatklägerin vorgängig erklärt habe, 

dass der rektale Untersuch zunächst äusserlich und danach auch innerlich erfol-

gen werde. Ausserdem gab er an, dass er sie darauf hingewiesen habe, dass 

dieser Untersuch unangenehm sein könne, aber nicht wehtun werde (Prot. II 

S. 26 f.). Den Aussagen der Privatklägerin im Vorverfahren sowie anlässlich der 

Berufungsverhandlung lässt sich demgegenüber lediglich entnehmen, dass die 

Untersuchung vorgängig angekündigt worden sei. Hinweise auf eine ausführliche 

Aufklärung und insbesondere darauf, dass er ihr gegenüber erklärt hätte, dass die 

Untersuchung unangenehm sein könnte, ergeben sich aus ihren Angaben nicht 

(Urk. 3/1 S. 2; Urk. 3/2 S. 4 und 9; Prot. II S. 12 f.). 

3.2. Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass im Verlaufseintrag vom 

1. Oktober 2019 keine vaginale Untersuchung dokumentiert ist (Urk. 46 S. 11). 

Daran ändert entgegen der Verteidigung (Urk. 48 S. 6 f.) nichts, dass von einem 

gynäkologischen Prozess die Rede ist, zumal daraus nicht auf die Durchführung 

einer Vaginaluntersuchung geschlossen werden kann. Dass gewisse Zweifel an 

der Glaubhaftigkeit des Vorbringens des Beschuldigten bestehen, wonach diese 

Untersuchung versehentlich unerwähnt geblieben sei, wurde bereits erwogen 

(Ziff. II.2.4.). Dass er die Vaginaluntersuchung versehentlich nicht im Verlaufsein-

trag erwähnte, ist zwar theoretisch möglich, würde aber ein grobes Versäumnis 

darstellen. Dies gilt umso mehr als der Beschuldigte geltend macht, dass diese 

Untersuchung auch im Anamnesegespräch thematisiert wurde (Urk. 48 S. 21). 

Die Vorinstanz hat im Weiteren zu Recht darauf hingewiesen, dass der vom Be-

schuldigten über die Konsultation vom 1. Oktober 2019 verfasste Verlaufseintrag 

– auch im Vergleich mit den übrigen Einträgen im Patientendossier der Privatklä-

gerin – äusserst detailliert ist und der Beschuldigte als sorgfältiger Mitarbeiter be-

kannt war (Urk. 46 S. 11 f.). Mit der Vorinstanz erscheint es deshalb wenig wahr-

scheinlich, dass der Beschuldigte die vaginale Untersuchung aus Versehen nicht 

im Verlaufseintrag erwähnte. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass eine 

- 16 - 

Untersuchung im Intimbereich heikel ist und in Anbetracht der im Verlaufseintrag 

erwähnten Symptome der Privatklägerin sowie des Umstands, dass für die Fol-

gewoche eine gynäkologische Untersuchung geplant war, zumindest erklärungs-

bedürftig erscheint. Wie bereits erwähnt, verwies der Beschuldigte im Verlaufsein-

trag in Bezug auf die digital-rektale Untersuchung explizit auf die vorgängige Auf-

klärung. Dass der Beschuldigte die Vaginaluntersuchung später gegenüber sei-

nen Vorgesetzten eingestand, ändert nichts an dieser Feststellung, zumal dies 

erst erfolgte, als sich der Beschuldigte mit entsprechenden Vorwürfen der Privat-

klägerin konfrontiert sah. 

4. Personaldossier des Beschuldigten 

4.1. Im Vorverfahren wurde das Personaldossier des Beschuldigten beim Ärz-

tezentrum C._____ beigezogen (Urk. 8/1). Die Vorinstanz hat die nach der Kon-

sultation vom 1. Oktober 2019 erfolgten Einträge im Personaldossier korrekt wie-

dergegeben (Urk. 46 S. 12 ff.). Darauf kann verwiesen werden. Von Bedeutung ist 

insbesondere das E-Mail von Dr. med. D._____, damals leitender Arzt im Ärzte-

zentrum C._____, an E._____, Gesamtleiterin Ärztezentrum  

C._____, vom 4. Oktober 2019 (Urk. 8/34). Darin stuft Dr. med. D.____ die Kon-

sultation vom 1. Oktober 2019 bis und mit Rektaluntersuchung als medizinisch 

soweit korrekt und nachvollziehbar ein, auch wenn die Untersuchung als übertrie-

ben bezeichnet werden könne, da die Privatklägerin nur wegen einer Erkältung 

beim Beschuldigten gewesen sei. Weiter führt er aus, dass es nach der Rektalun-

tersuchung zu einem Übergriff gekommen sei. Der Beschuldigte habe die Vagina 

digital untersucht und dabei auch die Klitoris berührt. Den Ausführungen im E-Mail 

zufolge hat der Beschuldigte diese Untersuchung im Gespräch mit Dr. med. 

D._____ selbst als medizinisch nicht indiziert bezeichnet. Es sei ein Übergriff, für 

den sich der Beschuldigte enorm schäme. Er habe das Vertrauen der Patientin in 

diesem Moment missbraucht. Der Beschuldigte begrüsse eine offene Form der 

Kommunikation, auch der Patientin gegenüber, mit klarem Schuldbekenntnis. Der 

Beschuldigte bestreitet, dass er sich in diesem Sinne geäussert hat (Urk. 48 S. 9; 

Prot. II S. 27 f.). Wie bereits dargelegt, macht er geltend, dass Dr. med. D._____ 

seine Aussage, wonach er sich dafür entschuldigt habe, dass die Patientin den 

- 17 - 

Untersuch als so negativ empfunden habe, falsch verstanden habe (Ziff. II.2.1.). 

Wie erwähnt, gibt Dr. med. D._____ in seinem E-Mail vom 4. Oktober 2019 an, 

dass der Beschuldigte selbst die Vaginaluntersuchung als medizinisch nicht indi-

ziert und als Vertrauensmissbrauch eingestuft hat (Urk. 8/34). In einem E-Mail 

vom 8. Oktober 2019 führt er erneut aus, der Beschuldigte habe sein Fehlverhal-

ten geschildert und selbst als Übergriff bezeichnet. Er nehme alle Schuld auf sich 

(Urk. 8/35). Angesichts dieser klaren Feststellungen, welche in der Folge auch 

Eingang in die Verwarnung vom 8. Oktober 2019 (Urk. 8/36) fanden, kann ausge-

schlossen werden, dass Dr. med. D._____ den Beschuldigten in diesem Punkt 

missverstanden hat. Dagegen sprechen auch die anlässlich der Zeugeneinver-

nahme vom 10. März 2020 gemachten Aussagen. Dr. med. D._____ gab damals 

an, er sei zunächst noch davon ausgegangen, dass es sich um eine medizinische 

Untersuchung gehandelt habe. Entsprechend sei er sehr überrascht gewesen, als 

der Beschuldigte ihm am Telefon von sich aus gesagt habe, dass es sich um ei-

nen sexuellen Übergriff gehandelt habe und er die ganze Schuld auf sich nehme 

(Urk. 6/1 S. 3 f.). Der Beschuldigte habe immer wieder gesagt, "er schäme, schä-

me, schäme sich" (Urk. 6/1 S. 7). Wie sich nachfolgend bei der Würdigung der 

Aussagen von Dr. med. D._____ ergibt, bestehen keine Anhaltspunkte dafür, 

dass dieser bewusst falsche Angaben zu Lasten des Beschuldigten gemacht hat 

(Ziff. II.7). Die Verteidigung wies im Zusammenhang mit dem geltend gemachten 

Missverständnis überdies darauf hin, dass es sich im Laufe des Strafverfahrens 

etwa ergeben habe, dass die von E._____ in einem E-Mail vom 22. September 

2019 erwähnten Vorwürfe betreffend Übergriffe des Beschuldigten gegenüber ei-

ner anderen Patientin nicht zutreffend gewesen seien (Urk. 48 S. 10 f.; Urk. 62 

S. 7; Prot. II S. 49). Entgegen der Auffassung der Verteidigung lässt sich aber 

auch aus diesem Umstand nicht ableiten, dass Dr. med. D._____ die Äusserun-

gen des Beschuldigten missverstanden haben könnte. So basierten die Angaben 

von E._____ im Unterschied zu den Angaben von Dr. med. D._____ nicht auf ei-

nem Gespräch mit dem Beschuldigten persönlich, sondern lediglich auf dem von 

einer Patientin geäusserten Verdacht (Urk. 8/34; Urk. 8/35; Urk. 8/42; Urk. 6/1 

S. 3 f.). 

- 18 - 

4.2. Der Beschuldigte macht weiter geltend, der Leitung des Ärztezentrums sei 

es in erster Linie darum gegangen, die Praxis vor Problemen zu bewahren. Dazu 

sei es aus Sicht von Dr. med. D._____ nötig gewesen, sich gegenüber der Privat-

klägerin reuig zu zeigen (Urk. 48 S. 10; Prot. II S. 28, 52). Wäre es Dr. med. 

D._____ darum gegangen, das Ärztezentrum vor Problemen zu bewahren, hätte 

er wohl kaum eine sachgerechte, medizinisch indizierte Untersuchung von sich 

aus und ohne Grund als missbräuchlichen Übergriff bezeichnet. Das Gespräch 

zwischen Dr. med. D._____ und dem Beschuldigten (sowie das darüber verfasste 

E-Mail) erfolgten zudem vor dem Telefonat von Dr. med. D._____ mit der Privat-

klägerin (vgl. dazu auch Urk. 6/1 S. 5 f.; Urk. 8/34 f.). Es war zu diesem Zeitpunkt 

noch nicht klar, ob die Privatklägerin Strafanzeige einreichen wird. Diese erfolgte 

am Folgetag und war dem Ärztezentrum erst einige Tage später bekannt (Urk. 1 

S. 2; Urk. 6/1 S. 8; Urk. 7/12). Gegen die von der Verteidigung aufgestellte Hypo-

these spricht auch die Darstellung des Zeugen D._____. Seinen Aussagen zufol-

ge war es der Beschuldigte, der im internen Verhältnis als erster von einem Über-

griff sprach. Offenbar hatte der Beschuldigte das Bedürfnis, sich bei der Privatklä-

gerin zu entschuldigen. Im E-Mail vom 4. Oktober 2019 wird dazu wie erwähnt 

ausgeführt, der Beschuldigte habe eine offene Form der Kommunikation, auch 

gegenüber der Privatklägerin, mit klarem Schuldbekenntnis begrüsst (Urk. 8/34). 

Mit der Vorinstanz (Urk. 46 S. 13) ist die am 8. Oktober 2019 gegenüber dem Be-

schuldigten ausgesprochene Verwarnung (Urk. 8/36) als Indiz dafür zu werten, 

dass er gegenüber Dr. med. D._____ ein Fehlverhalten eingeräumt hat. Entgegen 

der Vorinstanz ist darin jedoch nur von einem Fehlverhalten anlässlich der Kon-

sultation vom 1. Oktober 2019 die Rede, für welches der Beschuldigte die Schuld 

übernommen habe. Handlungen im Vaginalbereich werden nicht explizit erwähnt. 

Dass der Beschuldigte die Verwarnung unterzeichnet und in der Folge – soweit 

aus den Akten ersichtlich – nichts dagegen unternommen hat, kann zudem nicht 

zu seinen Lasten gewertet werden, zumal dieses Verhalten verschiedene Gründe 

gehabt haben kann (vgl. dazu auch die Verteidigung, Urk. 48 S. 8 f.). Die Unter-

zeichnung bedeutet mangels anderer Anhaltspunkte nur, dass der Beschuldigte 

die Verwarnung verstanden hat und die ergriffenen Massnahmen befolgen wird. 

- 19 - 

4.3. Im Ergebnis deuten die im Personaldossier enthaltenen Unterlagen im 

Nachgang zum Vorfall mit der Vorinstanz (Urk. 46 S. 15) darauf hin, dass der Be-

schuldigte im internen Verhältnis ein Fehlverhalten anlässlich der Konsultation der 

Privatklägerin eingestanden und die Verantwortung dafür übernommen hat. Das 

Fehlverhalten bestand dem E-Mail vom 4. Oktober 2019 zufolge in der digitalen 

Untersuchung der Vagina sowie Berühren der Klitoris, was vom Beschuldigten 

selbst als medizinisch nicht indiziert bezeichnet wurde. Die Vorinstanz hat weiter 

zutreffend erwogen, aus dem Personaldossier ergebe sich, dass die Leitung des 

Ärztezentrums diesen Vorfall ganz offensichtlich – gerade auch aus medizinischer 

Sicht – als bedeutungsvoll und grenzüberschreitend gewertet habe. Sie sei be-

müht gewesen, den Vorfall nicht etwa zu vertuschen und die Klinik vor Konse-

quenzen zu schützen, sondern im Gegenteil der Privatklägerin gegenüber offen 

und ehrlich zu kommunizieren. Festzuhalten sei zudem, dass die rektale Untersu-

chung – gestützt auf die Erklärungen des Beschuldigten – noch als vertretbar, 

wenn wohl auch übertrieben erachtet worden sei (Urk. 46 S. 15). 

5. Aussagen der Privatklägerin 

5.1. Die Aussagen der Privatklägerin wurden von der Vorinstanz zutreffend 

wiedergegeben (Urk. 46 S. 15 ff.). Darauf kann verwiesen werden. Der Vorinstanz 

ist darin zu folgen, dass kein Motiv ersichtlich ist, weshalb die Privatklägerin den 

Beschuldigten fälschlicherweise belasten sollte (Urk. 46 S. 16). Die Anzeige der 

Privatklägerin bei der Polizei erfolgte erst, nachdem ihr vom Ärztezentrum mitge-

teilt worden war, dass der Beschuldigte eingestanden habe, sich bei der Konsulta-

tion fehlverhalten zu haben (Urk. 3/1 S. 3 und 7 f.; Urk. 3/2 S. 5 und 16). Die An-

gaben der Privatklägerin zu den Vorkommnissen vor der Anzeigeerstattung stim-

men mit den Einträgen im Personaldossier des Beschuldigten überein. Daraus 

ergibt sich, dass Dr. med. D._____ die Privatklägerin am 4. Oktober 2019 anrief 

und sie darüber informierte, dass der Beschuldigte ein Fehlverhalten eingestan-

den habe (Urk. 8/35), was von Dr. med. D._____ anlässlich der Zeugeneinver-

nahme vom 10. März 2020 bestätigt wurde (Urk. 6/1 S. 6). Da sich die Privatklä-

gerin erst nach der Mitteilung des Ärztezentrums dazu entschloss, zur Polizei zu 

gehen, kann der Hypothese der Verteidigung, das Ärztezentrum bzw. Dr. med. 

- 20 - 

D._____ habe sich wegen der Strafanzeige gegenüber der Privatklägerin reuig 

zeigen wollen (Urk. 48 S. 10), nicht gefolgt werden. Die Argumentation der Vertei-

digung erweist sich zudem als widersprüchlich, da gleichzeitig geltend gemacht 

wird, das Telefonat von Dr. med. D._____ habe bei der Privatklägerin die Motiva-

tion geweckt, den Beschuldigten zu belasten (Urk. 48 S. 12). Insofern ist unklar, 

wer nach der Auffassung der Verteidigung bei wem die Motivation geweckt haben 

soll, das Verhalten des Beschuldigten als Übergriff zu qualifizieren. Zu berück-

sichtigen ist zudem, dass die Privatklägerin bereits vor dem Telefonat des Ärzte-

zentrums das Gefühl hatte, dass die Konsultation des Beschuldigten nicht ord-

nungsgemäss durchgeführt worden war (vgl. dazu Ziff. II.5.5.). 

5.2. Die Privatklägerin wurde im Rahmen der Berufungsverhandlung als Aus-

kunftsperson befragt. Dabei schilderte sie die in Frage stehenden Ereignisse in 

Übereinstimmung mit ihren bisherigen Aussagen (Prot. II S. 11 ff.). Zu einzelnen 

Punkten machte sie präzisere Angaben, was darauf zurückzuführen ist, dass in 

der Berufungsverhandlung betreffend einzelner Sachverhaltselemente konkret 

nachgefragt wurde (vgl. Prot. II S. 17 f.). Widersprüche oder Ungereimtheiten las-

sen sich in ihren Aussagen nicht erkennen. Die Verteidigung brachte in Bezug auf 

die Angaben der Privatklägerin an der Berufungsverhandlung vor, sie habe die 

ärztliche Konsultation, welche gemäss ihren Angaben im Vorverfahren unter an-

derem ein Vorgespräch von rund 30 Minuten Dauer beinhaltet habe, anlässlich 

der Berufungsverhandlung in nur 30 Sekunden zusammengefasst (Prot. II S. 39 

und 43). Soweit damit die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen in Frage gestellt wird, ist 

festzuhalten, dass die Privatklägerin bei ihrer Befragung anlässlich der Beru-

fungsverhandlung gebeten wurde, zu schildern, was sich ereignet hatte, nachdem 

sie sich auf der Untersuchungsliege hingelegt habe (Prot. II S. 11). Bei der noch-

maligen Einvernahme im Sinne von Art. 343 Abs. 3 StPO steht das Aussagever-

halten im Vordergrund. Allein der Inhalt der Aussage einer Person (was sie sagt), 

lässt eine erneute Beweisabnahme nicht notwendig erscheinen. Massgebend ist, 

ob das Urteil in entscheidender Weise von deren Aussageverhalten (wie sie es 

sagt) abhängt (BGE 140 IV 196 E. 4.4.2; Urteile des Bundesgerichts 

6B_249/2021 vom 13. September 2021 E. 1.1.2; 6B_735/2020 vom 18. August 

2021 E. 2.2.3; 6B_1087/2019 vom 17. Februar 2021 E. 1.2.2; je mit Hinweisen). 

- 21 - 

Dass die einvernommene Person in der Befragung vor Gericht nochmals im Detail 

zu allen Punkten Stellung nimmt, ist daher nicht notwendig. Erforderlich ist viel-

mehr, dass sich das Gericht einen persönlichen Eindruck von der einvernomme-

nen Person und ihrem Aussageverhalten verschaffen kann. Die Staatsanwalt-

schaft hat sodann zu Recht darauf hingewiesen, dass der Privatklägerin im Plä-

doyer der Verteidigung Aussagen untergeschoben wurden, welche sie so nicht 

gemacht hatte (Prot. II S. 45 f.). Die Privatklägerin sagte nie aus, dass sie dem 

Beschuldigten gesagt habe, sie habe Blut im Stuhl festgestellt (Urk. 62 S. 4). Ge-

mäss ihren Aussagen anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 

10. März 2020 gab sie auf seine Frage, ob sie Hämorrhoiden und Blutungen ha-

be, vielmehr an, dass sie dies früher gehabt habe, jetzt nicht mehr (Urk. 3/2 S. 4; 

vgl. auch Prot. II S. 11 f.). Von akuten Bauchschmerzen (vgl. dazu Urk. 62 S. 3) 

war ebenfalls nie die Rede. Gegenteils bestanden damals keine derartigen Be-

schwerden. Wie sich nachfolgend ergibt, sprechen ihre Aussagen auch gegen die 

Darstellung des Beschuldigten, wonach er ihr damals Schritt für Schritt erklärt hät-

te, welcher Untersuch aus welchen Gründen durchgeführt werde (Urk. 62 S. 5). 

5.3. Der Vorinstanz ist weiter darin zu folgen, dass bei den Aussagen der Pri-

vatklägerin keine Tendenz zu bemerken ist, den Beschuldigten übermässig zu be-

lasten (Urk. 46 S. 15 f.). Die Privatklägerin gab an, dass der Beschuldigte seinen 

Finger "kurz" auf die Klitoris gelegt habe (Urk. 3/2 S. 5). Er sei "wirklich nur kurz 

drauf" gewesen, nicht lange (Urk. 3/2 S. 13; vgl. auch S. 18). Die Privatklägerin 

war auch sichtlich um eine wahrheitsgetreue Wiedergabe des Vorgefallenen be-

müht. Unsicherheiten legte sie offen. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann 

diesbezüglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden 

(Urk. 46 S. 16). Aus ihren Aussagen geht auch hervor, welche Umstände sie ge-

sehen hat und bei welchen es sich um Annahmen von ihr handelt. So gab die Pri-

vatklägerin etwa an, sie habe nicht gesehen, ob der Beschuldigte seinen Hand-

schuh nach dem digital-rektalen Untersuch ausgezogen habe. Sie habe aber ein 

Geräusch gehört, als ob er seinen Handschuh ausgezogen habe (Urk. 3/1 S. 2 f.; 

Urk. 3/2 S. 11 f. und 18; Prot. II S. 13). Nach dem vaginalen Untersuch habe sie 

kein Geräusch wie beim Abziehen von Handschuhen gehört (Urk. 3/1 S. 3). Die 

Privatklägerin gab weiter an, dass der Beschuldigte nach dem Vaginaluntersuch 

- 22 - 

seine Hände gewaschen habe. Dabei habe sie feststellen können, dass er keine 

Handschuhe getragen habe (Urk. 3/1 S. 3; Urk. 3/2 S. 5, 12 und 14). Weiter führte 

sie aus, dass es sich beim Vaginaluntersuch anders bzw. nicht so angefühlt habe, 

als hätte der Beschuldigte Handschuhe getragen (Urk. 3/2 S. 18 f.). In Anbetracht 

dieser Aussagen ist auf die Behauptung der Verteidigung, der Beschuldigte habe 

damals zwei Paar Handschuhe übereinander getragen (Urk. 48 S. 15; Urk. 62 

S. 5), nicht weiter einzugehen. Nachdem die Privatklägerin im Verfahren stets zu-

rückhaltend aussagte und den Beschuldigten nicht übermässig belastete, ist mit 

der Vorinstanz (Urk. 46 S. 19) auf ihre Darstellung, wonach der Beschuldigte bei 

der vaginalen Untersuchung keine Handschuhe getragen habe, abzustellen. Dies 

gilt auch für ihre Aussage, wonach der Beschuldigte bei der rektalen und vagina-

len Untersuchung mit dem ganzen Finger hineingegangen sei (Urk. 3/1 S. 5; 

Urk. 3/2 S. 12). Für die rechtliche Würdigung ist dies ohnehin nicht von Bedeu-

tung. Demgegenüber ist mit der Vorinstanz zu Gunsten des Beschuldigten davon 

auszugehen, dass er bei beiden Untersuchungen mit einem Finger eingedrungen 

ist, zumal sich die Privatklägerin in diesem Punkt nicht sicher war (vgl. dazu 

Urk. 46 S. 19). 

5.4. In der Anklage wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er sei der Privatkläge-

rin, nachdem er die Vagina abgetastet und mindestens einen Finger vaginal ein-

geführt habe, mit einem Finger über die Schamlippen gestrichen und habe einen 

Finger auf ihre Klitoris gelegt (Urk. 17 S. 3). Die Aussagen der Privatklägerin zu 

Beginn der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 10. März 2020 deuten auf 

diesen zeitlichen Ablauf hin (Urk. 3/2 S. 4 f.). Die Privatklägerin erwähnt an dieser 

Stelle der Einvernahme indes nur die vom Beschuldigten vorgenommenen Hand-

lungen, ohne sie – zumindest eindeutig – in eine zeitliche Reihenfolge zu stellen 

(vgl. auch Urk. 3/1 S. 2). Dazu befragt konnte die Privatklägerin nicht mehr mit Si-

cherheit sagen, ob der Beschuldigte ihre Schamlippen berührt hat, bevor oder 

nachdem er mit dem Finger in sie eingedrungen war. Sie gab indes an, sie glau-

be, dass es davor gewesen sei (Urk. 3/2 S. 13). Dafür spricht auch ihre Schilde-

rung, wonach der Beschuldigte seinen Finger aus der Vagina herausgezogen, ih-

ren Intimbereich abgewischt und ihr gesagt habe, dass nichts sei und sie sich 

wieder anziehen könne. Danach habe er seine Hände gewaschen (Urk. 3/1 S. 3; 

- 23 - 

Urk. 3/2 S. 14; vgl. auch S. 9 und 12). Dies deutet darauf hin, dass nach dem va-

ginalen Eindringen mit dem Finger keine weiteren Handlungen mehr vorgenom-

men wurden. Bei der Staatsanwaltschaft gab die Privatklägerin zudem mehrfach 

an, dass der Beschuldigte zuerst die Vagina aussenrum abgetastet und dann hin-

eingegangen sei (Urk. 3/2 S. 9 und 11). Vor diesem Hintergrund kann der vor-

instanzlichen Schlussfolgerung, wonach der Beschuldigte der Privatklägerin direkt 

nach der rektalen Untersuchung einen Finger vaginal eingeführt habe (Urk. 46 

S. 19), nicht gefolgt werden. Zumindest kann dies nicht zu Lasten des Beschuldig-

ten angenommen werden (vgl. dazu die Verteidigung, Urk. 48 S. 13 ff.). 

5.5. Gemäss Darstellung der Privatklägerin, welche wie erwähnt mit dem Ver-

laufsbericht übereinstimmt, suchte sie das Ärztezentrum wegen Erkältungssymp-

tomen bzw. eines Arbeitsunfähigkeitszeugnisses auf. Sie ging deshalb von einer 

kurzen Konsultation aus. Insofern war für sie auch unproblematisch, dass ihre 

Hausärztin keinen Termin hatte und sie vom Beschuldigten behandelt wurde 

(Urk. 3/1 S. 2; Urk. 3/2 S. 4 f.; Prot. II S. 11). Die Privatklägerin schilderte den Ab-

lauf der Konsultation vom 1. Oktober 2019, einschliesslich ihrer damaligen Ge-

danken und Gefühle, anschaulich und lebensnah (vgl. dazu auch die Vorinstanz, 

Urk. 46 S. 15 f.). Aus ihren Aussagen ergeben sich entgegen der Verteidigung 

(Urk. 48 S. 11; Urk. 62 S. 6) keine Anhaltspunkte dafür, dass die subjektive 

Schwelle des Eingriffs in die Intimsphäre bei ihr extrem tief wäre. Entgegen der 

Ansicht der Verteidigung trifft es auch nicht zu, dass sie sämtliche Untersu-

chungshandlungen des Beschuldigten (ab dem Untersuch mit dem Stethoskop) 

als Übergriff qualifizierte (Urk. 48 S. 12; Urk. 62 S. 6). Die Privatklägerin schilderte 

in ihren Einvernahmen frei von sich aus, wie die Konsultation ablief und wie sie 

sich dabei fühlte, ohne dass sie das Vorgefallene wertete oder gar als Übergriff 

qualifizierte. In der polizeilichen Befragung vom 5. Oktober 2019 führte sie etwa 

aus, sie habe es beim Untersuch mit dem Stethoskop "schon etwas merkwürdig" 

gefunden, dass der Beschuldigte damit in ihren BH reingegangen sei. Bisher habe 

kein Arzt so untersucht (Urk. 3/1 S. 2). In Bezug auf die anale bzw. rektale Unter-

suchung sei sie "ein bisschen unsicher" gewesen, da sie diese nicht einmal von 

ihrer eigenen Hausärztin gekannt habe (Urk. 3/1 S. 2). Sie habe sich dabei ko-

misch, sehr unwohl gefühlt (Urk. 3/1 S. 4; Urk. 3/2 S. 9 ff.). Weiter gab die Privat-

- 24 - 

klägerin an, die vaginale Untersuchung "sehr komisch" gefunden zu haben. Sie 

habe sich sehr unwohl gefühlt, zumal sie zu diesem Zeitpunkt ihre Periode gehabt 

habe (Urk. 3/1 S. 2 f., 5 und 8; Urk. 3/2 S. 13; Prot. II S. 13 und 18). Dass die Pri-

vatklägerin die im Rahmen der Konsultation vorgenommenen Untersuchungs-

handlungen nicht nachvollziehen konnte, erstaunt vor dem Hintergrund, dass die-

se keinen Zusammenhang mit dem Grund für die Konsultation und ihren aktuellen 

Beschwerden zu haben schienen, nicht. Daraus kann nicht auf eine besondere 

Überempfindlichkeit geschlossen werden. Weiter ist es verständlich, dass sie die 

im Anal- und Vaginalbereich durchgeführten Untersuchungen als unangenehm 

empfand, handelt es sich dabei doch um sehr intime Körperregionen. Insofern ist 

auch verständlich, dass die Privatklägerin in Bezug auf die digital-rektale Untersu-

chung ausführte, sie habe diese "einfach so wäh" gefunden und nur gewartet, bis 

der Beschuldigte endlich seine Finger herausnehme (Urk. 3/1 S. 4). Dennoch hat 

die Privatklägerin bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 10. März 

2020 klar ausgesagt, dass diese Untersuchung "noch ok" gewesen sei. (Erst) in 

der Folge habe sie es nicht mehr verstanden (Urk. 3/2 S. 4 und 10; vgl. auch Urk. 

3/1 S. 2). Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 48 S. 12) hat die Vo-

rinstanz daher zu Recht darauf hingewiesen, dass die Privatklägerin selbst die 

Zäsur von der medizinisch noch indizierten, zumindest vertretbaren Untersuchung 

zum übergriffigen, medizinisch nicht mehr gerechtfertigten Verhalten erlebte, als 

der Beschuldigte zur vaginalen Untersuchung ansetzte (Urk. 46 S. 16). Dies 

stimmt mit dem anlässlich des internen Gesprächs vom 4. Oktober 2019 erfolgten 

Eingeständnis des Beschuldigten überein, soweit diesbezüglich auf die Darstel-

lung des Zeugen D._____ abgestellt wird. Die Beurteilung der Privatklägerin er-

scheint auch in Anbetracht des von ihr geschilderten Ablaufs der Vaginaluntersu-

chung verständlich. Demzufolge hat der Beschuldigte ihr nicht nur einen Finger 

vaginal eingeführt, sondern ihr auch über die Schamlippen gestrichen und einen 

Finger auf ihre Klitoris gelegt. Die Privatklägerin sprach in den Einvernahmen 

konstant von einem "Streicheln" der Schamlippen und der Klitoris (Urk. 3/1 S. 2 

und 5 f.; Urk. 3/2 S. 12 f.; Prot. II S. 13).  

5.6. Wie erwähnt, hielt der Beschuldigte im Verlaufsbericht vom 1. Oktober 

2019 fest, dass die Privatklägerin vor dem digital-rektalen Untersuch ausführlich 

- 25 - 

aufgeklärt worden sei (Urk. 7/6). Den Aussagen der Privatklägerin lässt sich ent-

nehmen, dass der digital-rektale Untersuch vom Beschuldigten vorgängig ange-

kündigt wurde. Die Privatklägerin führte aus, der Beschuldigte habe angegeben, 

dass er noch wegen ihrer Bauchbeschwerden schauen wolle. Weiter habe er ihr 

gesagt, dass er sie auf Hämorrhoiden untersuchen wolle (Urk. 3/1 S. 2; Urk. 3/2 

S. 4 und 9 f.). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme war sich die 

Privatklägerin nicht sicher, ob der Beschuldigte sie auch darüber informierte, dass 

er einen Finger anal einführen wird (Urk. 3/2 S. 9). Bei ihrer Befragung an der Be-

rufungsverhandlung gab sie an, sie glaube, er habe dies getan (Prot. II S. 12 f.). 

Aus den Schilderungen der Privatklägerin ergeben sich demgegenüber keine An-

haltspunkte dafür, dass die im Verlaufsbericht erwähnte ausführliche Aufklärung 

tatsächlich stattgefunden hat. Auch während des Untersuchs erfolgten gemäss ih-

ren Aussagen keine näheren Erläuterungen. Der Beschuldigte habe ihr einfach 

gesagt, dass nichts sei. Mehr nicht (vgl. Urk. 3/2 S. 11; vgl. auch Prot. II S. 12 f.). 

Wie bereits dargelegt, ist kein Motiv ersichtlich, weshalb die Privatklägerin den 

Beschuldigten zu Unrecht belasten und eine erfolgte Aufklärung verschweigen 

sollte. Dies gilt umso mehr als sie ausdrücklich angab, dass die digital-rektale Un-

tersuchung "noch ok" gewesen sei (Ziff. II.5.5). Die Vaginaluntersuchung ist im 

Verlaufsbericht unerwähnt geblieben. Daraus ergeben sich deshalb auch keine 

Hinweise auf den Umfang der Aufklärung. Gemäss Darstellung der Privatklägerin 

gab der Beschuldigte vor dieser Untersuchung lediglich an, er werde auch "hier" 

noch eine Untersuchung machen bzw. er wolle "noch da unten schauen" (Urk. 3/1 

S. 2 und 5; Urk. 3/2 S. 4 und 11 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung konnte 

sich die Privatklägerin nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern. Es sei für 

sie aber klar gewesen, dass der Beschuldigte eine vaginale Untersuchung ge-

meint habe (Prot. II S. 15). Vor diesem Hintergrund kann der Verteidigung inso-

weit beigepflichtet werden, als die Privatklägerin vom Beschuldigten darüber in 

Kenntnis gesetzt wurde, dass eine Untersuchung im Vaginalbereich erfolgen wer-

de. Davon geht im Übrigen auch die Anklage aus (Urk. 17 S. 3, Ziffer 3). Folgt 

man der Darstellung der Privatklägerin, wurde ihr vom Beschuldigten nicht darge-

legt, weshalb die vaginale Untersuchung durchgeführt wurde. Aus ihren Aussagen 

im Vorverfahren ergibt sich denn auch deutlich, dass für sie bis zum Schluss un-

- 26 - 

verständlich blieb, aus welchem Grund er sie anlässlich der Konsultation vom 

1. Oktober 2019 auch in dieser Körperregion untersuchte (Urk. 3/1 S. 2 f. und 5; 

Urk. 3/2 S. 13). Wäre die Möglichkeit einer Eileiterschwangerschaft im Raum ge-

standen, wäre dies der Privatklägerin sicherlich in Erinnerung geblieben. Entge-

gen den Vorbringen der Verteidigung (Urk. 48 S. 13 ff.) verneinte die Privatkläge-

rin anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme, dass sie für den Vagi-

naluntersuch eine Positionsänderung vornehmen musste (Urk. 3/2 S. 12). Sie sei 

immer noch auf ihrer linken Körperseite gelegen (Urk. 3/1 S. 5). Gleich äusserte 

sie sich bei ihrer Einvernahme anlässlich der Berufungsverhandlung (Prot. II 

S. 14). Anlässlich der Berufungsverhandlung verneinte die Privatklägerin die Fra-

ge, ob der Beschuldigte beim Vaginaluntersuch etwas genaueres gefragt oder 

gesagt habe. Daran könne sie sich nicht erinnern. Er habe lediglich kurz erwähnt, 

dass er noch vaginal nachschauen werde. Gefragt habe er nicht. Vielmehr habe 

er einfach gesagt, dass er es mache und dann habe er es gemacht. Während des 

Untersuchs habe er gesagt, dass alles gut sei, sonst nichts. Die Frauenärztin 

schaue bei diesem Untersuch normalerweise mit so einem Ding hinein. Der Be-

schuldigte habe einfach die Finger genommen. Er habe ihr nicht gesagt, was zum 

Untersuch gehöre (Prot. II S. 13 ff.). Entsprechende Angaben machte sie auch im 

Vorverfahren (Urk. 3/1 S. 1 und 5; Urk. 3/2 S. 4, 11 ff.). Die Aussagen der Privat-

klägerin widersprechen damit auch in Bezug auf die Vaginaluntersuchung der 

vom Beschuldigten geltend gemachten umfassenden Aufklärung bzw. der be-

haupteten Ankündigung einer äusserlichen und innerlichen Untersuchung. Ge-

mäss ihrer Darstellung wurden ihr weder der Grund für die Untersuchung noch die 

einzelnen Untersuchungsschritte angekündigt, weshalb sie keine Vorstellung da-

von hatte, welche Handlungen der Beschuldigte konkret vornehmen wird. Auch 

hier ist nicht ersichtlich, weshalb die Privatklägerin eine vorgängige Aufklärung 

des Beschuldigten hätte verschweigen sollen. Wäre die Privatklägerin vom Be-

schuldigten ausreichend aufgeklärt worden, wäre sie nach der Konsultation bei 

ihm auch kaum derart geschockt und aufgelöst gewesen (Urk. 3/2 S. 5 und 14; 

Prot. II S. 17; vgl. dazu auch Urk. 4/1 S. 2 f. und 6; Urk. 4/2 S. 3, 5). 

- 27 - 

6. Aussagen des Zeugen F._____ 

Bei Dr. med. F._____ handelt es sich um den stellvertretenden leitenden Arzt im 

Ärztezentrum C._____ (Urk. 5 S. 2). Er wurde kurz nach der Konsultation von ei-

ner medizinischen Praxisassistentin zu einem Gespräch zwischen dem Beschul-

digten, der Privatklägerin und deren damaligen Freund gerufen. Dies da sich der 

leitende Arzt zu diesem Zeitpunkt nicht im Ärztezentrum befand (Urk. 5 S. 3). Die 

Vorinstanz hat zutreffend darauf hingewiesen, dass der Zeuge F._____ nur das 

zu Protokoll geben konnte, was die beiden Konfliktparteien an diesem Gespräch 

geäussert haben. Er habe einfach die unterschiedlichen Positionen entgegenge-

nommen und sich als Mediator verstanden (Urk. 46 S. 21). Im Ergebnis kam die 

Vorinstanz zum Schluss, dass die Aussagen des Zeugen F._____ jene der Pri-

vatklägerin stützen würden. Auch aus seinen Aussagen erhelle, dass sowohl die 

rektale, aber auch die in der Krankengeschichte nicht aufgeführte vaginale "Un-

tersuchung" stattgefunden habe (Urk. 46 S. 21). Diesbezüglich ist indes darauf 

hinzuweisen, dass der Beschuldigte die vaginale Untersuchung an sich nicht be-

stritten hat. Insofern stimmen die Aussagen des Zeugen F._____ auch mit seiner 

Darstellung überein (vgl. dazu auch die Verteidigung, Urk. 48 S. 16). Auffällig ist 

indes, dass der Beschuldigte gemäss den Aussagen von Dr. med. F._____ ihm 

gegenüber lediglich von einer "äusserlichen" Untersuchung der Vulva sprach 

(Urk. 5 S. 3). In seinem E-Mail vom 1. Oktober 2019 erwähnt der Zeuge wiederum 

nur die Vornahme einer "äusserlichen" Untersuchung der Vulva. Eine innere Un-

tersuchung der Vagina wird nicht erwähnt (Urk. 8/32), was darauf hindeutet, dass 

der Beschuldigte eine solche zunächst verschwieg. Die Vorinstanz hielt weiter 

fest, gemäss den Aussagen des Zeugen F._____ habe der Beschuldigte erzählt, 

es sei in der Anamnese unter anderem um Abdominalschmerzen sowie Blutun-

gen ab ano / ab vaginal gegangen. Hier falle auf, dass der Beschuldigte in seinem 

Verlaufseintrag über die eigenen Untersuchungen weder Analblutungen ("kein 

Blut am Fingerling"; "sonst keine Blutungsquelle im Dammbereich sichtbar"; 

Urk. 7/6) noch vaginale Blutungen erwähnt habe. Es wirke, als ob der Beschuldig-

te gegenüber dem Zeugen F._____ einen medizinisch vertretbaren Grund für die 

vaginale Untersuchung habe anführen müssen (Urk. 46 S. 21). Dem kann nicht 

gefolgt werden. Der Zeuge F._____ erwähnte die Blutungen ausschliesslich im 

- 28 - 

Zusammenhang mit der Anamnese bzw. Krankheitsgeschichte der Privatklägerin 

(Urk. 5 S. 3; vgl. dazu auch das E-Mail von Dr. med. F._____ vom 1. Oktober 

2019, Urk. 8/32). Insofern besteht entgegen der Vorinstanz kein Zusammenhang 

mit dem Ergebnis der vom Beschuldigten durchgeführten Untersuchungen. Ent-

gegen der vom Beschuldigten gegenüber dem Zeugen F._____ vorgebrachten 

Darstellung ergeben sich aus den Aussagen der Privatklägerin jedoch keine Hin-

weise darauf, dass vaginale Blutungen im Rahmen der Konsultation vom 

1. Oktober 2019 thematisiert worden wären. Dies sowie der Umstand, dass der 

Beschuldigte die innere vaginale Untersuchung nicht erwähnte, spricht dafür, 

dass er die Konsultation gegenüber Dr. med. F._____ anders als tatsächlich ge-

schehen darstellte. Soweit der Beschuldigte geltend macht, dass Dr. med. 

F._____ die Untersuchung als korrekt eingestuft habe (Prot. II S. 30, 42 und 50; 

Urk. 62 S. 7), ist darauf deshalb nicht weiter einzugehen. 

7. Aussagen des Zeugen D._____ 

Bei Dr. med. D._____ handelt es sich um den damaligen leitenden Arzt im Ärzte-

zentrum C._____ (Urk. 6/1 S. 2). Er befand sich zum Zeitpunkt des anklagerele-

vanten Vorfalls nicht im Ärztezentrum, weshalb Dr. med. F._____ an seiner Stelle 

am Gespräch mit der Privatklägern und ihrem Freund teilnahm. Dr. med. F._____ 

setzte den Zeugen D._____ mit E-Mail vom 1. Oktober 2019 über die Vorkomm-

nisse in Kenntnis (Urk. 6/1 S. 3 und 5; vgl. auch Urk. 5 S. 9 f.; Urk. 8/32). Gemäss 

den Angaben von Dr. med. D._____ fand am 4. Oktober 2019 ein telefonisches 

Gespräch mit dem Beschuldigten statt. Anlässlich dieses Telefonats habe der Be-

schuldigte von sich aus gesagt, dass es sich um einen sexuellen Übergriff gehan-

delt habe und er die ganze Schuld auf sich nehme. Der Beschuldigte habe sich 

dahingehend geäussert, dass er alles eingestehe und sich schäme. Er habe ge-

sagt, dass sie [die Privatklägerin] im Recht sei und er alles auf sich nehme 

(Urk. 6/1 S. 3 f.). Weiter habe der Beschuldigte gesagt, dass er die Vagina digital 

untersucht und anschliessend die Klitoris berührt habe und dies nicht medizinisch 

indiziert gewesen sei. Er habe sich extrem geschämt, auch gegenüber der Patien-

tin. Er habe immer wieder gesagt, er schäme, schäme, schäme sich. Es tue ihm 

sehr Leid und er bedauere es (Urk. 6/1 S. 6 f.). Mit der Vorinstanz (Urk. 46 S. 22) 

- 29 - 

ist kein Motiv ersichtlich, weshalb der Zeuge D._____ fälschlicherweise hätte an-

geben sollen, dass der Beschuldigte ihm gegenüber einen sexuellen Übergriff 

eingestanden hat. Dr. med. D._____ gab denn auch an, den Beschuldigten als 

Arbeitskollegen sehr zu schätzen (Urk. 6/1 S. 5). Gegen die Behauptung der Ver-

teidigung, dass die von der Privatklägerin eingereichte Strafanzeige das Verhalten 

von Dr. med. D._____ beeinflusst hat, spricht der zeitliche Ablauf, wie bereits dar-

gelegt wurde (Ziff. II.4.2. und 5.1.). Anlässlich der Einvernahme vom 10. März 

2020 gab der Zeuge D._____ zudem an, für die weiteren Schritte sei massgebend 

gewesen, dass der Beschuldigte ihm gegenüber ein Fehlverhalten eingestanden 

habe (Urk. 6/1 S. 4; vgl. dazu auch Ziff. II.4.2.). Soweit er wisse, sei die zwischen-

zeitlich erfolgte Strafanzeige der Privatklägerin indes Auslöser für die Kündigung 

des Beschuldigten gewesen (Urk. 6/1 S. 8). Dieser zeitliche Ablauf stimmt mit den 

Einträgen im Personaldossier des Beschuldigten überein (Urk. 8/32 ff.). Dass Dr. 

med. D._____ den Beschuldigten beim Telefonat vom 4. Oktober 2019 missver-

standen hat, kann ausgeschlossen werden, zumal sich der Beschuldigte damals 

entgegen seinen Erwartungen verhielt. So gab der Zeuge an, er sei sehr über-

rascht gewesen, dass der Beschuldigte einen sexuellen Übergriff eingestanden 

habe. Zwar habe er schon seine Fragen gehabt, da es keine medizinische Unter-

suchung gewesen sei, die man bei einer Patientin mit Erkältung durchführe. Bis 

zum Zeitpunkt des Telefonats habe er aber gedacht, dass es sich um eine medi-

zinische Untersuchung gehandelt habe (Urk. 6/1 S. 3 f.). Diese Aussagen zeigen 

auch auf, dass Dr. med. D._____ nicht mit einer vorgefassten Meinung hinsicht-

lich der Unangemessenheit der vom Beschuldigten durchgeführten Untersuchung 

an das Gespräch heranging. Gemäss Darstellung des Zeugen D._____ erklärte 

der Beschuldigte ihm gegenüber, dass der sexuelle Übergriff nach der rektalen 

Untersuchung erfolgt sei. Die digitale Untersuchung der Vagina sowie die Berüh-

rung der Klitoris seien medizinisch nicht indiziert gewesen (Urk. 6/1 S. 4 und 7; 

vgl. auch Urk. 8/34). Dies stimmt mit der Einschätzung der Privatklägerin überein. 

Diese gab anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme ausdrücklich an, 

dass sie die anale bzw. rektale Untersuchung "noch ok" gefunden habe. Die vagi-

nale Untersuchung habe sie aber nicht mehr verstanden (Urk. 3/2 S. 4 und 10). 

Dafür, dass sie sich bei ihrer Einschätzung von den Angaben von Dr. med. 

- 30 - 

D._____ beeinflussen liess, bestehen wie erwähnt keine Anhaltspunkte 

(Ziff. II.5.1. und 5.5.). 

8. Aussagen des Zeugen G._____ 

Beim Zeugen G._____ handelt es sich um den damaligen Freund der Privatkläge-

rin (Urk. 4/1 S. 2; Urk. 4/2 S. 2). Wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, 

konnte er über den Vorfall selbst nur berichten, was ihm die Privatklägerin nach 

der Konsultation mitgeteilt hatte (Urk. 46 S. 23). G._____ nahm zudem am Ge-

spräch der Privatklägerin mit dem Beschuldigten und Dr. med. F._____ im Ärzte-

zentrum teil. Der Vorinstanz ist darin zu folgen, dass sich die Aussagen des Zeu-

gen im Kern mit dem decken, was die Privatklägerin im Strafverfahren ausgesagt 

hat. Weiter hat sie korrekt festgehalten, dass die Privatklägerin auch gegenüber 

ihrem damaligen Freund erst den "Untersuch" ihrer Vagina als Übergriff erachtete, 

während sie den vorangegangenen Untersuch offenbar noch laienhaft-

medizinisch nachvollziehen konnte (Urk. 46 S. 23). Gemäss den Aussagen von 

G._____ gab die Privatklägerin ihm gegenüber an, dass sie "aber nicht verstehe", 

warum der Beschuldige seine Finger auch vaginal eingeführt habe (Urk. 4/1 S. 6). 

Der Zeuge G._____ hat zudem detailliert geschildert, wie aufgewühlt und emotio-

nal die Privatklägerin nach der Konsultation beim Beschuldigten war (Urk. 4/1 S. 2 

f. und 6; Urk. 4/2 S. 3, 5), was zeigt, wie stark sie durch die Vorkommnisse belas-

tet war. Auch in diesem Punkt stimmen seine Aussagen im Übrigen mit der Dar-

stellung der Privatklägerin überein. 

9. Fazit 

Während die Darstellung des Beschuldigten nicht zu überzeugen vermag, erwei-

sen sich die Aussagen der Privatklägerin als glaubhaft, zumal diese durch die 

weiteren Beweismittel, insbesondere den Verlaufseintrag über die Konsultation 

vom 1. Oktober 2019 sowie die Angaben von Dr. med. D._____, gestützt werden. 

Für die Erstellung des Sachverhalts ist daher auf die Aussagen der Privatklägerin 

abzustellen. Der rechtlichen Würdigung ist daher folgender Sachverhalt zugrunde 

zu legen: Die Privatklägerin begab sich am 1. Oktober 2019 ins Ärztezentrum 

C._____, weil sie Schnupfen, Husten und Halsschmerzen hatte und ein Arbeits-

- 31 - 

unfähigkeitszeugnis benötigte. Anlässlich der Konsultation untersuchte der Be-

schuldigte zunächst ihren Oberkörper und führte dann eine anale bzw. rektale 

sowie eine vaginale Untersuchung durch. Vor der analen Untersuchung sagte er 

der Privatklägerin, dass er sie wegen ihrer Bauchschmerzen bzw. auf Hämorrhoi-

den untersuchen müsse. Dabei fragte er sie, ob sie an Verstopfung leide, was 

verneint wurde. Weiter erkundigte sich der Beschuldigte, ob sie Hämorrhoiden 

und Blutungen habe, was ebenfalls verneint wurde. Für die Rektaluntersuchung 

legte sich die Privatklägerin seitlich (linke Seite) auf die Untersuchungsliege. Auf 

Anweisung des Beschuldigten zog sie ihre Hosen bis zu den Oberschenkeln her-

unter. Der Beschuldigte sass hinter der Privatklägerin. Er drang mit einem Finger 

anal in sie ein und tastete sie ab. Dabei fragte er die Privatklägerin, ob sie 

Schmerzen habe. Weiter untersuchte er den Bereich rund um den Analeingang. 

Dabei verwendete er Gleitgel und trug Handschuhe. Die Privatklägerin fühlte sich 

bei der analen und digital-rektalen Untersuchung unwohl, stufte sie aber als noch 

sachgerecht ein, da im Gespräch mit dem Beschuldigten auch Bauchschmerzen 

bzw. Verdauungsprobleme thematisiert worden waren. Im Zeitpunkt der Konsulta-

tion bestanden indes keine solchen Beschwerden. In der Folge teilte der Beschul-

digte der Privatklägerin mit, dass er sie noch "vaginal" bzw. "hier" oder "da unten" 

untersuchen werde. Weitere Erklärungen erfolgten nicht. Insbesondere wurde die 

Privatklägerin nicht darüber informiert, welche Handlungen der Beschuldigte kon-

kret vornehmen wird. Die Untersuchung im Vaginalbereich fand in unveränderter 

Position statt. Die Privatklägerin lag immer noch auf der linken Körperseite und 

drehte dem Beschuldigten den Rücken zu. Die Untersuchung fand von hinten 

statt. Gemäss den Angaben der Privatklägerin anlässlich der staatsanwaltschaftli-

chen Einvernahme tastete der Beschuldigte sie zunächst aussen ab, wobei er 

über ihre Schamlippen strich und ihr kurz einen Finger auf die Klitoris legte. Da-

nach drang er mit einem Finger in die Vagina ein und tastete sie innerlich ab. Da-

bei trug der Beschuldigte keine Handschuhe. Gestützt auf die glaubhaften Aussa-

gen des Zeugen D._____ ist schliesslich erstellt, dass der Beschuldigte anlässlich 

ihres Telefonats vom 4. Oktober 2019 eingestand, sich nach der digital-rektalen 

Untersuchung gegenüber der Privatklägerin übergriffig verhalten zu haben. 

- 32 - 

III. Rechtliche Würdigung 

1. Ausgangslage 

1.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklage vorgeworfen, die Privatklägerin aus 

sexuellen Motiven anal und vaginal untersucht zu haben (Urk. 17 S. 3). Die Vor-

instanz ging zu Gunsten des Beschuldigten davon aus, dass die Handlungen bis 

und mit digital-rektaler Untersuchung medizinisch begründet gewesen seien und 

keinen Sexualbezug aufgewiesen hätten (Urk. 46 S. 23 f. und 29). Demgegenüber 

kam sie zum Schluss, dass die Handlungen im Vaginalbereich aus sexuellen Mo-

tiven erfolgt seien (Urk. 46 S. 24 f. und 30). Diese Handlungen wurden als Schän-

dung im Sinne von Art. 191 StGB qualifiziert (Urk. 46 S. 33). 

1.2. Gemäss Art. 191 StGB macht sich der Schändung schuldig, wer eine ur-

teilsunfähige oder eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zu-

standes zum Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen 

Handlung missbraucht. Nach konstanter Rechtsprechung gilt als widerstandsun-

fähig, wer nicht in der Lage ist, sich gegen ungewollte sexuelle Kontakte zu weh-

ren. Dabei genügt, dass das Opfer vorübergehend zum Widerstand unfähig ist. 

Die Gründe dafür können dauernder oder vorübergehender, chronischer oder si-

tuationsbedingter Natur sein. Die Widerstandsfähigkeit muss ganz aufgehoben 

und nicht nur in irgendeinem Grad beeinträchtigt oder eingeschränkt sein (BGE 

133 IV 49 E. 7.2; BGE 119 IV 230 E. 3a). Widerstandsunfähigkeit kann sich auch 

aus der Körperposition des Opfers ergeben. Bei einer solchen situationsbedingten 

Widerstandsunfähigkeit realisiert das Opfer die ungewollte Handlung aufgrund 

seiner körperlichen Lage erst, wenn diese bereits geschieht. Dies ist etwa der 

Fall, wenn das Opfer in Bauchlage auf einem Behandlungstisch liegt und deshalb 

keinen Einblick in die Handlungen des Täters nehmen kann. In einer solchen Si-

tuation ist das Opfer nicht in der Lage, den drohenden sexuellen Angriff zu erken-

nen und einen entgegenstehenden Willen zu bilden bzw. zu betätigen. Die Vo-

rinstanz hat die diesbezügliche bundesgerichtliche Rechtsprechung zutreffend 

dargelegt. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 46 S. 28 f.; vgl. dazu auch BSK 

Strafrecht-MAIER, 4. Aufl. 2019, N 7 f. zu Art. 191; SCHEIDEGGER, Das Sexualstraf-

recht der Schweiz – Grundlagen und Reformbedarf, 2018, S. 224 und 235 ff.). 

- 33 - 

Demgegenüber begründet der Irrtum über die medizinische Indikation einer Hand-

lung nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung für sich alleine keine Wider-

standsunfähigkeit, da diese voraussetzt, dass das Opfer körperlich nicht in der 

Lage ist, sich gegen den sexuellen Übergriff des Täters zur Wehr zu setzen. Nicht 

unter den Tatbestand der Schändung fallen deshalb Übergriffe, welche das Opfer 

duldet, weil es irrtümlich annimmt, dass sie zu einer medizinischen Behandlung 

gehören. Solche Konstellationen sind unter den Tatbestand der sexuellen Belästi-

gung im Sinne von Art. 198 StGB zu subsumieren. In der Lehre wird teilweise die 

Ansicht vertreten, dass je nach den Umständen auch der Tatbestand der Ausnüt-

zung der Notlage im Sinne von Art. 193 StGB zur Anwendung kommen kann (vgl. 

dazu SCHEIDEGGER, a.a.O., S. 244 ff.; Bericht der Kommission für Rechtsfragen 

des Ständerats vom 28. Januar 2021, Strafrahmenharmonisierung und Anpas-

sung des Nebenstrafrechts an das neue Sanktionenrecht, Vorlage 3: Bundesge-

setz über die Revision des Sexualstrafrechts [Vorentwurf], S. 28 f.; je mit Hinwei-

sen). Der Tatbestand der Schändung setzt in subjektiver Hinsicht Vorsatz voraus, 

wobei Eventualvorsatz genügt (Urteil des Bundesgerichts 6B_464/2019 und 

6B_543/2019 vom 17. Januar 2020 E. 3.1.2 mit Hinweisen). 

2. Handlungen bis und mit digital-rektaler Untersuchung 

Gemäss erstelltem Sachverhalt suchte die Privatklägerin das Ärztezentrum auf, 

weil sie Erkältungssymptome aufwies (Schnupfen, Husten, Halsschmerzen) und 

deswegen ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis benötigte. Wie die Vorinstanz zutreffend 

festhielt, fungierte der Beschuldigte damals als Stellvertreter der Hausärztin der 

Privatklägerin und war aufgrund von wiederkehrenden Bauchbeschwerden für die 

Folgewoche eine gynäkologische Untersuchung geplant (Urk. 46 S. 24). Es stellt 

sich deshalb die Frage, inwiefern die vom Beschuldigten durchgeführte Untersu-

chung im Anal- bzw. Rektalbereich medizinisch notwendig war. Die Vorinstanz 

verwies diesbezüglich zu Recht auf die Aussagen des Zeugen F._____, wonach 

die Untersuchung auf Bereiche ausgeweitet worden sei, welche nichts mit der 

primären Ursprungskonsultation zu tun hatten (Urk. 46 S. 24). In seinem E-Mail 

vom 4. Oktober 2019 schrieb der Zeuge D._____, der vom Beschuldigten durch-

geführte Rektaluntersuch könne unter dem Gesichtspunkt, dass die Privatklägerin 

- 34 - 

nur wegen einer Erkältung bei ihm gewesen sei, als übertrieben bezeichnet wer-

den. Er hielt jedoch gleichzeitig fest, aus der Erfahrung im Ärztezentrum würden 

es die Patienten sehr schätzen, wenn auch die anderen Krankheiten und Be-

schwerden kurz angesprochen und allenfalls auch körperlich untersucht würden 

(Urk. 8/34). Zu verweisen ist auch auf die Aussagen des Zeugen F._____, wo-

nach es im konkreten Fall um Differentialdiagnosen gegangen sei, da Blutungen 

und Abdominalschmerzen Thema gewesen seien (Urk. 5 S. 8). Aus der Kranken-

geschichte der Privatklägerin ergibt sich, dass sie in der Zeit vor der Konsultation 

vom 1. Oktober 2019 wegen Bauchbeschwerden im Ärztezentrum C._____ in Be-

handlung war. In den Verlaufseinträgen werden auch Blutungen im Analbereich 

sowie Verdauungsprobleme (Verstopfung) erwähnt (Urk. 7/6; vgl. auch Urk. 3/2 

S. 6). Gemäss den Aussagen der Privatklägerin wurde anlässlich der Konsultation 

vom 1. Oktober 2019 auch auf ihre Bauchbeschwerden eingegangen. Ebenfalls 

thematisiert wurden ihre Verdauungsprobleme. Der Privatklägerin wurde erläutert, 

dass aus diesem Grund sowie wegen allfälliger Hämorrhoiden eine Untersuchung 

vorgenommen werden müsse (Urk. 3/1 S. 2 und 4; Urk. 3/2 S. 4, 7, 9). Die Privat-

klägerin empfand die Untersuchung als sehr unangenehm, stufte sie aber als 

"noch ok" ein. Gegenüber der Polizei gab sie etwa an, aufgrund ihrer früheren 

Beschwerden, die im Vorgespräch thematisiert worden seien, habe sie die Unter-

suchung toleriert und sich nichts dabei gedacht (Urk. 3/1 S. 2). Anders als bei der 

Vaginaluntersuchung legte der Beschuldigte die digital-rektale Untersuchung und 

seine Befunde im Verlaufsbericht offen (Urk. 7/6). In seinem internen Gespräch 

mit dem Zeugen D._____ gab er zudem an, der Übergriff habe sich nach der Rek-

taluntersuchung ereignet. Vor diesem Hintergrund bestehen zwar gewisse Zweifel 

an der medizinischen Indikation der Untersuchung im Anal- und Rektalbereich, 

zumal die Privatklägerin am Tag der Konsultation weder an Bauchschmerzen 

noch an Verdauungsproblemen litt. Angesichts ihrer Krankheitsgeschichte sowie 

der Umstände der Untersuchung kann jedoch nicht zu Lasten des Beschuldigten 

angenommen werden, dass er die Privatklägerin aus sexuellen Motiven in dieser 

Körperregion untersuchte, wie ihm in der Anklage vorgeworfen wird. 

- 35 - 

3. Handlungen im Vaginalbereich 

3.1. Wie bereits dargelegt, vermag die Darstellung des Beschuldigten, wonach 

für die Vaginaluntersuchung eine medizinische Indikation bestand, nicht zu über-

zeugen, zumal sie im Widerspruch zu übrigen Beweismitteln steht. Gemäss er-

stelltem Sachverhalt hat der Beschuldigte gegenüber Dr. med. D._____ zudem 

eingeräumt, dass die Vaginaluntersuchung nicht medizinisch indiziert gewesen ist 

und es sich um einen sexuellen Übergriff gehandelt hat. Damit ist mit der Vo-

rinstanz erstellt, dass es für die Untersuchung im Vaginalbereich keine medizini-

sche Indikation gab. Bei den vom Beschuldigten im Rahmen dieser Untersuchung 

vorgenommenen Handlungen (Berühren der Schamlippen und der Klitoris, Einfüh-

ren eines Fingers in die Vagina) handelt es sich vor diesem Hintergrund um sexu-

elle Handlungen im Sinne von Art. 191 StGB (vgl. dazu SCHEIDEGGER, a.a.O., 

S. 142 mit Hinweisen). Entgegen der Vorinstanz (Urk. 46 S. 25) ist für die Qualifi-

kation als sexuelle Handlung nicht erforderlich, dass die Berührungen aus sexuel-

len Motiven erfolgten (WEDER, in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder [Hrsg.], 

Kommentar zum StGB, 20. Aufl. 2018, N 5 und 30 zu Art. 187; BSK-Strafrecht-

MAIER, a.a.O., N 35 zu vor Art. 187; MAIER, Umschreibung von sexuellen Verhal-

tensweisen im Strafrecht, Konkretisierung strafrechtlich relevanten Verhaltens aus 

juristischer und sexualwissenschaftlicher Sicht, AJP 1999, 1397). 

3.2. Widerstandsunfähigkeit im Sinne von Art. 191 StGB kann sich wie erwähnt 

daraus ergeben, dass das Opfer aufgrund seiner besonderen Körperlage die 

Handlungen des Täters nicht erkennen kann. Dies ist etwa der Fall, wenn es bei 

einer ärztlichen Untersuchung auf dem Bauch auf einem Behandlungstisch liegt. 

Das Bundesgericht hat sodann die Widerstandsunfähigkeit von Patientinnen be-

jaht, die auf einem gynäkologischen Untersuchungsstuhl lagen. Diesbezüglich 

wurde ausgeführt, die Willensbetätigung der Frauen sei beeinträchtigt gewesen, 

weil sie wegen ihrer Lage auf dem Untersuchungsstuhl nicht hätten sehen kön-

nen, was mit ihnen geschehe. In der Tat hänge eine willensmässige Reaktion von 

einer vorgängig durch die Sinne vermittelten äusseren Wahrnehmung ab. Falle 

aber in casu das Sehen weg, so verbleibe den Frauen als anderweitige Wahr-

nehmung nur das körperliche Empfinden im Bereich des Geschlechtsteils. Das 

- 36 - 

aber bedeute nichts anderes, als dass sie erst hätten reagieren können, als der 

Täter bereits im Begriff gewesen sei, sie zu missbrauchen (BGE 103 IV 165). Dies 

gilt auch in der vorliegenden Konstellation. Die Privatklägerin war nicht in der La-

ge, den sexuellen Übergriff des Beschuldigten zu erkennen und sich dagegen zur 

Wehr zu setzen. Als der Beschuldigte sie an der Vulva berührte, lag sie aufgrund 

der vorangehenden Rektaluntersuchung seitlich auf der Untersuchungsliege, wo-

bei ihre Hosen und Unterhosen bis zu den Knien heruntergezogen waren. Ihre 

Knie waren angezogen und die Beine leicht gespreizt. Die Untersuchung fand von 

hinten statt. Aufgrund der Seitenlage und des Umstands, dass sie dem Beschul-

digten den Rücken zudrehte, war das Sichtfeld der Privatklägerin eingeschränkt. 

Sie konnte nicht erkennen, welche Handlungen der Beschuldigte in ihrem Vagi-

nalbereich vornimmt. Die Berührungen an der Vulva nahm sie deshalb erst wahr, 

als sie bereits erfolgten. In ihrer Position mit den bis zu den Knien heruntergezo-

genen Hosen war sie zudem in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Die Pri-

vatklägerin hat sich dem Beschuldigten anvertraut und in eine ausgelieferte Situa-

tion begeben. Dies im berechtigten Vertrauen auf eine fachgerechte ärztliche Be-

handlung. Die Privatklägerin musste nicht damit rechnen, dass der Beschuldigte 

übergriffig werden könnte. Sie durfte erwarten, dass sie von ihm nur dort berührt 

wird, wo es medizinisch begründet ist, und ihre Verletzlichkeit nicht ausgenutzt 

wird (vgl. dazu auch Urteile des Bundesgerichts 6B_1004/2017 vom 22. Januar 

2018 E. 2.4 und 6B_436/2010 vom 6. Dezember 2010 E. 5.3). Die Vorinstanz 

(Urk. 46 S. 30) hat daher zu Recht auf eine situationsbedingte Widerstandsunfä-

higkeit der Privatklägerin geschlossen. Diese befand sich aufgrund der damaligen 

Körperlage, welche ihr Sichtfeld und ihre Bewegungsfreiheit einschränkte, sowie 

des Umstands, dass sie anlässlich der ärztlichen Behandlung nicht mit einem se-

xuellen Übergriff rechnete bzw. rechnen musste, in einer Situation des Ausgelie-

fert-seins. 

3.3. Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 48 S. 19 ff.) ist nicht ersicht-

lich, weshalb die Privatklägerin nicht mehr widerstandsunfähig gewesen sein soll, 

als der Beschuldigte mit einem Finger vaginal in sie eindrang. Die Handlungen 

des Beschuldigten erfolgten unmittelbar nacheinander ohne zeitlichen Unterbruch. 

Die Privatklägerin lag noch immer mit heruntergezogenen Hosen seitlich auf der 

- 37 - 

Untersuchungsliege. Da sie dem Beschuldigten den Rücken zudrehte, konnte sie 

nicht erkennen, was mit ihr geschah. In dieser Position sowie im Vertrauen da-

rauf, dass die Untersuchung ihre sexuelle Integrität nicht verletzt, war sie dem 

Beschuldigten nach wie vor ausgeliefert. Dass der Beschuldigte sie zuvor im Be-

reich der Vulva berührt hatte, vermag daran nichts zu ändern. Wie bereits darge-

legt, kann ein Patient auf eine fachgerechte ärztliche Behandlung vertrauen und 

muss nicht mit sexuellen Übergriffen rechnen. Dass sich ein Arzt oder Therapeut 

bereits an einem Opfer vergriffen hat, stellt keinen «Freipass» für weitere Über-

griffe dar (vgl. dazu SCHEIDEGGER, a.a.O., S. 236). Die Aussagen der Privatkläge-

rin zeigen auf, dass sie bei der Konsultation stark verunsichert war, da sie nicht 

einschätzen konnte, ob das Abtasten ihrer Vulva noch medizinisch begründet war 

oder der Beschuldigte damit bereits Grenzen überschritten hatte. Dies ist vor dem 

Hintergrund, dass sie in der damaligen Situation nicht mit einem sexuellen Über-

griff rechnen musste, nachvollziehbar. Die Vorinstanz wies diesbezüglich zutref-

fend darauf hin, dass die Privatklägerin nicht auf jede denkbare weitere Handlung 

gefasst sein und gewissermassen wachsam auf einen Übergriff lauern musste, 

sondern aufgrund der besonderen Natur des Verhältnisses zwischen Patientin 

und Arzt dem Beschuldigten Vertrauen in die medizinische Angebrachtheit der 

Untersuchung entgegenbringen durfte (Urk. 46 S. 32). Dies gilt umso mehr als die 

Handlungen des Beschuldigten im Rahmen einer körperlichen Untersuchung er-

folgten, bei welcher der Übergang zwischen medizinisch nötiger Handlung und 

übergriffigem Verhalten für einen Laien nicht sofort erkennbar ist. Es liegt eine 

andere Situation vor als bei einer Massage oder physiotherapeutischen Behand-

lung. Der Vorinstanz ist deshalb darin zu folgen, dass die Privatklägerin damals 

nicht in der Lage war, sich gegen den sexuellen Übergriff des Beschuldigten zur 

Wehr zu setzen. Dies während der kurzen Zeit, die für die Vornahme der Hand-

lungen notwendig war. Dass sich die Privatklägerin nach erfolgtem Übergriff nicht 

unverzüglich wehrte und die Konsultation abbrach (vgl. dazu die Verteidigung, 

Urk. 48 S. 15 f.), ist für die Frage der Widerstandsunfähigkeit nicht von Bedeutung 

und vermag den Beschuldigten nicht zu entlasten. Dazu mögen auch das grund-

sätzliche Vertrauen in die Angemessenheit der ärztlichen Behandlung sowie der 

Umstand, dass sie vom Übergriff überrumpelt wurde, beigetragen haben. 

- 38 - 

3.4. Der hier zu beurteilende Sachverhalt erweist sich insofern als speziell, als 

der Beschuldigte vor den sexuellen Handlungen gegenüber der Privatklägerin er-

wähnte, er wolle "vaginal" oder "hier" noch eine Untersuchung machen bzw. er 

wolle "noch da unten schauen", ob alles in Ordnung sei (vgl. dazu Ziff. II.9.). Mit 

der Vorinstanz (Urk. 46 S. 25 und 30 f.) ändert dies jedoch nichts daran, dass die 

Privatklägerin in keiner Weise auf den sexuellen Übergriff gefasst sein konnte. Die 

Privatklägerin hatte sich wegen Erkältungssymptomen in ärztliche Behandlung 

begeben. Im Zeitpunkt der Konsultation beim Beschuldigten wies sie keinerlei Be-

schwerden im Vaginalbereich auf. Solche waren im Rahmen der Konsultation 

auch nicht Thema. Die Privatklägerin hatte den Beschuldigten zudem darüber in-

formiert, dass schon in der Folgewoche eine gynäkologische Untersuchung statt-

finden würde. Unter diesen Umständen war nicht mit einer Untersuchung im In-

timbereich zu rechnen. Dies gilt umso mehr, als es sich beim Beschuldigten nicht 

um einen Gynäkologen handelte. Gemäss erstelltem Sachverhalt wurde die Pri-

vatklägerin vom Beschuldigten weder über den Ablauf noch den Umfang der va-

ginalen Untersuchung informiert. Insbesondere wurde sie nicht darüber in Kennt-

nis gesetzt, welche Handlungen der Beschuldigte konkret vornehmen wird. Im 

Rahmen der Untersuchung berührte der Beschuldigte die Privatklägerin an den 

Schamlippen, legte ihr einen Finger auf die Klitoris und führte einen Finger vaginal 

ein. Dabei handelt es sich um Berührungen im intimsten Bereich, bei denen eine 

vorgängige präzise Ankündigung erwartet werden darf. Dies gilt umso mehr als 

ein medizinischer Bezug insbesondere bei den Handlungen im Bereich der Vulva 

(Streicheln der Schamlippen und Berühren der Klitoris) nicht evident ist. Vor die-

sem Hintergrund kann der sehr allgemein gehaltene Hinweis des Beschuldigten, 

er müsse die Privatklägerin noch "da unten" untersuchen, entgegen der Verteidi-

gung (Urk. 48 S. 19 ff.) nicht als vorgängige Ankündigung der nachfolgend vorge-

nommenen Handlungen qualifiziert werden. Er ändert nichts daran, dass die Pri-

vatklägerin auf den nachfolgend erfolgten sexuellen Übergriff in keiner Weise ge-

fasst war, zumal sie aufgrund der körperlichen Lage nicht erkennen konnte, was 

der Beschuldigte genau tat. Die Vorinstanz ist deshalb zu Recht von der Wider-

standsunfähigkeit der Privatklägerin ausgegangen. 

- 39 - 

3.5. Der Beschuldigte nahm die sexuellen Handlungen anlässlich einer ärztli-

chen Behandlung vor. Dass die Privatklägerin in einer solchen Situation nicht mit 

sexuellen Handlungen rechnete und nicht damit einverstanden war, ist offensicht-

lich und war zweifellos auch dem Beschuldigten bewusst. Die Privatklägerin hatte 

sich auf Anweisung des Beschuldigten in die Seitenlage mit dem Rücken zu ihm 

begeben. Dass sie in dieser Position nicht in der Lage war, den sexuellen Über-

griff zu erkennen und sich dagegen zur Wehr zu setzen, war für ihn ohne Weite-

res erkennbar. Ebenso muss dem Beschuldigten bewusst gewesen sein, dass die 

Privatklägerin der ärztlichen Behandlung Vertrauen entgegenbringen durfte und 

als medizinische Laiin nicht einschätzen konnte, inwieweit seine Handlungen 

noch medizinisch indiziert sind und zur Behandlung gehören. Der Beschuldigte 

hat die Widerstandsunfähigkeit der Privatklägerin erkannt und die Situation be-

wusst ausgenutzt. Nachdem der Beschuldigte die Vaginaluntersuchung gegen-

über Dr. med. D._____ selbst als medizinisch nicht indiziert bezeichnet hat, fehlt 

es entgegen der Verteidigung (Urk. 48 S. 20; Urk. 62 S. 8) bereits an den tatsäch-

lichen Grundlagen für die Annahme eines Irrtums. Der Tatbestand der Schändung 

im Sinne von Art. 191 StGB ist damit auch in subjektiver Hinsicht erfüllt. 

IV. Sanktion 

1. Ausgangslage 

Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer bedingten Freiheitsstrafe 

von 22 Monaten, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren (Urk. 46 S. 54). 

Die Verteidigung erachtet diese Strafe als übersetzt. Angemessen erscheine eine 

bedingte Geldstrafe von maximal 180 Tagessätzen (Urk. 48 S. 22; Urk. 62 S. 9). 

Soweit sie zur Begründung der als angemessen erachteten Strafe auf in anderen 

Verfahren ausgesprochene Strafen verweist (Urk. 48 S. 21 f.; Urk. 62 S. 9), ist be-

reits an dieser Stelle festzuhalten, dass das Sachgericht auf dem Gebiet der 

Strafzumessung über einen Ermessensspielraum verfügt. Vergleiche mit anderen 

Urteilen sind vor dem Hintergrund des Grundsatzes der Individualisierung und des 

weiten Ermessens des Sachgerichts nur beschränkt möglich. Soweit die Strafe 

innerhalb des gesetzlichen Strafrahmens, gestützt auf alle wesentlichen Ge-

- 40 - 

sichtspunkte und im Rahmen des richterlichen Ermessens festgesetzt wurde, sind 

Unterschiede in der Strafzumessungspraxis innerhalb dieser Grenzen als Aus-

druck unseres Rechtssystems hinzunehmen (Urteil des Bundesgerichts 

6B_81/2021 vom 10. Mai 2021 E. 4.2 mit Hinweisen). Die Strafzumessung beruht 

auf einer Beurteilung aller massgeblichen Umstände des Einzelfalls. Die im Ver-

gleich zu anderen Fällen aufgrund weiter Ermessensspielräume resultierende 

Ungleichheit in der Zumessung der Strafe erlaubt für sich allein nicht, auf einen 

Missbrauch des sachrichterlichen Ermessens zu schliessen (BSK Strafrecht-

WIPRÄCHTIGER/KELLER, a.a.O., N 212 zu Art. 47 mit Hinweisen). 

2. Strafrahmen und Strafzumessungsregeln 

Im vorinstanzlichen Urteil finden sich bereits zutreffende Ausführungen zu den 

Grundsätzen der Strafzumessung (Urk. 46 S. 33 ff.). Diese brauchen an dieser 

Stelle nicht wiederholt zu werden. Schändung wird mit Freiheitsstrafe bis zu zehn 

Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 191 StGB). Mit der Vorinstanz (Urk. 46 S. 35) 

sind keine ausserordentlichen Umstände gegeben, die ein Verlassen des or-

dentlichen Strafrahmens als angezeigt erscheinen liessen. 

3. Tatkomponente 

3.1. Die Vorinstanz hat im Rahmen der objektiven Tatschwere zutreffend darauf 

hingewiesen, dass im Vergleich zu möglichen Tatvarianten der Schändung so-

wohl schwerwiegendere als auch weniger schwerwiegendere Verhaltensweisen 

denkbar sind (Urk. 46 S. 35). Die vaginale Penetration mit dem Finger weist eine 

vergleichsweise hohe sexuelle Intensität auf. Solche sexuellen Handlungen gelten 

gemäss der Praxis und Lehre als beischlafsähnliche Handlungen (vgl. dazu Bot-

schaft zur Harmonisierung der Strafrahmen und zur Anpassung des Nebenstraf-

rechts an das geänderte Sanktionenrecht vom 25. April 2018, BBl 2018 2827, 

S. 2875 mit Hinweis auf BSK-MAIER, a.a.O., N 49 f. zu Art. 189). Demgegenüber 

erscheinen die Berührungen an den Schamlippen und der Klitoris zumindest ver-

gleichsweise als weniger gravierend, wobei sie aber klar nicht mehr im Bagatell-

bereich liegen. Mit der Vorinstanz wirkt sich erschwerend aus, dass die sexuellen 

Übergriffe im Rahmen einer ärztlichen Behandlung erfolgten. Der Beschuldigte 

- 41 - 

befand sich aufgrund seiner Stellung als behandelnder Arzt und seines Wissens-

vorsprungs in einer überlegenen Position. Die Privatklägerin hatte sich auf seine 

Anweisung und im Vertrauen darauf, dass die Untersuchung korrekt ablaufen und 

ihre Intimsphäre nicht verletzen wird, in eine verletzliche Situation begeben. Die-

ses Vertrauen nutzte der Beschuldigte zu seinem Vorteil aus. Damit beschädigte 

er auch das grundsätzliche Vertrauen der Privatklägerin in eine fachgerechte ärzt-

liche Behandlung (vgl. dazu Urk. 3/2 S. 19; Urk. 28). Von Bedeutung ist in diesem 

Zusammenhang auch, dass die Privatklägerin im Zeitpunkt des sexuellen Über-

griffs erst 18 Jahre alt und damit noch sehr jung war. Verschuldensmindernd wirkt 

sich aus, dass das Tatgeschehen kurz dauerte. Die Privatklägerin sprach in Be-

zug auf das Eindringen mit dem Finger von ein, zwei Minuten, vielleicht auch kür-

zer (Urk. 3/2 S. 12). Bei der Klitoris sei der Beschuldigte lediglich "kurz drauf" ge-

wesen (Urk. 3/2 S. 13). Die Verteidigung wies sodann zutreffend darauf hin, dass 

die Privatklägerin nur vorübergehend widerstandsunfähig war (Urk. 48 S. 21). Die 

Handlungen des Beschuldigten erscheinen vor diesem Hintergrund weniger 

schwerwiegend, als wenn die Privatklägerin narkotisiert oder gefesselt gewesen 

wäre. Mit der Vorinstanz (Urk. 46 S. 36) ist sodann zu seinen Gunsten davon 

auszugehen, dass die Tat spontan erfolgte und nicht von langer Hand geplant 

war. Das objektive Tatverschulden ist angesichts der kurzen Deliktsdauer insge-

samt als noch leicht zu bezeichnen. 

3.2. Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz. Andere als egoistische Be-

weggründe sind nicht ersichtlich. Verschuldensmindernde Faktoren liegen nicht 

vor. Die subjektive Tatschwere führt damit nicht zu einer milderen Beurteilung. 

Insgesamt bleibt es daher bei einem noch leichten Tatverschulden. In Anbetracht 

der Tatkomponente erweist sich eine Einsatzstrafe von 15 Monaten Freiheitsstra-

fe als angemessen. 

4. Täterkomponente 

4.1. In Bezug auf die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann vorab 

auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 46 S. 36 f.) verwiesen 

werden. Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aus, dass 

ihm im Nachgang zum erstinstanzlichen Urteil seitens der Gesundheitsdirektion 

- 42 - 

des Kantons Zürich die Bewilligung entzogen worden sei, um weiter selbständig in 

seiner Praxis arbeiten zu können. Er habe daher einen Nachfolger für die Praxis 

gesucht und sich selber eine Auszeit genommen. Derzeit lebe er vom Einkommen 

seiner Ehefrau, mit welcher er nach wie vor in ungetrennter Ehe zusammenlebe, 

und von Ersparnissen. Ausserdem erziele er dank seiner Eigentumswohnung in 

H._____ noch immer Mieteinnahmen von rund EUR 1'000.– pro Monat (Prot. II 

S. 19 ff.). 

Aus der Biographie und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten lassen 

sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten. 

4.2. Die Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten (Urk. 47) ist strafzumessungs-

neutral zu behandeln. 

4.3. Der Beschuldigte machte bis zur Berufungsverhandlung grundsätzlich von 

seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Zwar räumte er im Rahmen der 

Berufungsverhandlung ein, die Privatklägerin auch vaginal untersucht zu haben. 

Er machte jedoch geltend, dass diesem Untersuch eine medizinische Indikation 

zugrunde gelegen habe und er der Privatklägerin nach ausführlicher Besprechung 

auch angekündigt worden sei (Prot. II. S. 23 ff.). Damit liegt hinsichtlich des 

Nachtatverhaltens kein vollumfängliches Geständnis oder kooperatives Verhalten 

bei der Aufklärung der Tat vor, welches die Strafverfolgung nennenswert erleich-

terte und strafmindernd zu berücksichtigen wäre. Das Nachtatverhalten ist daher 

mit der Vorinstanz (Urk. 46 S. 37) als neutral zu gewichten. 

5. Fazit 

Nach dem Gesagten wirkt sich die Täterkomponente strafzumessungsneutral aus. 

Der Beschuldigte ist deshalb mit einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten zu bestra-

fen.  

- 43 - 

6. Vollzug 

Die Vorinstanz hat den Vollzug der Freiheitsstrafe bedingt aufgeschoben und die 

Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt (Urk. 46 S. 54). Dies erscheint angemessen 

und ist auch in Beachtung des Verschlechterungsverbots zu bestätigen. 

V. Tätigkeitsverbot 

1. Ausgangslage 

Die Vorinstanz hat ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot gegen den Beschuldigten 

ausgesprochen (Urk. 46 S. 55). Der Beschuldigte lässt im Berufungsverfahren 

beantragen, es sei von einem Tätigkeitsverbot abzusehen (Urk. 48 S. 2). Dies 

wird – anders noch vor Vorinstanz (Urk. 34 S. 22) – allein damit begründet, dass 

kein tatbestandsmässiges Verhalten vorliege (Urk. 48 S. 24; Urk. 62 S. 10). 

2. Würdigung 

2.1. Die aktuellen Bestimmungen zum Tätigkeitsverbot wurden in Umsetzung 

von Art. 123c BV erlassen und per 1. Januar 2019 in Kraft gesetzt (AS 2018 3803; 

BBl 2016 6115). Die Anordnung eines lebenslänglichen Tätigkeitsverbots setzt 

gemäss Art. 67 Abs. 4 StGB voraus, dass der Täter wegen einer der in den Buch-

staben a und b aufgezählten Straftaten zu einer Strafe verurteilt oder deswegen 

gegen ihn eine Massnahme angeordnet worden ist. Bei der Anlasstat ist keine 

Mindeststrafe vorgeschrieben. Das konkrete Verschulden ist daher grundsätzlich 

nicht massgebend. Weiter wird keine negative Prognose vorausgesetzt. Sind die 

genannten Voraussetzungen erfüllt, muss das Gericht das lebenslängliche Tätig-

keitsverbot in jedem Fall anordnen (Botschaft zur Änderung des Strafgesetzbuchs 

und des Militärstrafgesetzes vom 3. Juni 2016, BBl 2016 6115, S. 6159). Davon 

kann lediglich ausnahmsweise in besonders leichten Fällen abgesehen werden. 

Handelt es sich beim Anlassdelikt um eine Schändung, so muss das Gericht je-

doch ungeachtet der Umstände des Einzelfalles zwingend ein lebenslängliches 

Tätigkeitsverbot anordnen (Art. 67 Abs. 4bis StGB). Bei diesem Delikt geht das 

Gesetz von der unwiderlegbaren Vermutung aus, dass es keine besonders leich-

- 44 - 

ten Fälle gibt (Botschaft zur Änderung des Strafgesetzbuchs und des Militärstraf-

gesetzes vom 3. Juni 2016, a.a.O., S. 6163). 

2.2. Der Beschuldigte wird wegen Schändung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. 

Die Privatklägerin war damals bereits volljährig. Im Zeitpunkt des sexuellen Über-

griffs war sie widerstandsunfähig. Eine besondere Schutzbedürftigkeit im Sinne 

von Art. 67a Abs. 6 StGB lag nicht vor. Damit sind die Voraussetzungen von 

Art. 67 Abs. 4 lit. a Ziff. 2 StGB erfüllt. Wie bereits dargelegt, ist ein besonders 

leichter Fall im Sinne von Art. 67 Abs. 4bis StGB beim Straftatbestand der Schän-

dung von Gesetzes wegen ausgeschlossen. Es ist daher zwingend ein lebens-

längliches Tätigkeitsverbot anzuordnen. 

VI. Landesverweisung 

Die Vorinstanz hat von der Anordnung einer Landesverweisung im Sinne von 

Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB abgesehen. Bereits aufgrund des zur Anwendung ge-

langenden Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StGB hat es 

bei diesem Entscheid zu bleiben. 

VII. DNA-Profil 

Auch von der Abnahme einer DNA-Probe beim Beschuldigten zur Erstellung ei-

nes DNA-Profils im Sinne von Art. 5 lit. a und lit. b des DNA-Profil-Gesetzes ist 

entsprechend dem vorinstanzlichen Urteil abzusehen, zumal ein anderer Ent-

scheid dem Verbot der reformatio in peius widersprechen würde. 

VIII. Entscheid über beschlagnahmte Gegenstände 

Gemäss vorinstanzlichem Urteil sind die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft 

Zürich-Limmat vom 30. März 2020 beschlagnahmten Dokumente (Kopien des Pa-

tientendossiers der Privatklägerin und des Personaldossiers des Beschuldigten) 

als Beweismittel bei den Akten zu belassen (Urk. 46 S. 55). Die Verteidigung be-

antragt im Berufungsverfahren, es sei dem Beschuldigten das Personaldossier 

zurückzugeben (Urk. 48 S. 2; Urk. 62 S. 2). Dies da der Beschuldigte weder wi-

- 45 - 

derrechtlich noch tatbestandsmässig gehandelt habe (Urk. 48 S. 26; Urk. 62 

S. 10). Der vorinstanzliche Schuldspruch wegen Schändung wird im Berufungs-

verfahren bestätigt. Das Patientendossier der Privatklägerin und das Personal-

dossier des Beschuldigten wurden beim Ärztezentrum C._____ ediert (Urk. 7/2; 

Urk. 8/1). Es handelt sich dabei allesamt um Kopien, die als Beweismittel bei den 

Akten zu belassen sind. 

IX. Zivilansprüche 

1. Ausgangslage 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten dem Grundsatze nach verpflichtet, der Pri-

vatklägerin Schadenersatz aus dem eingeklagten Ereignis zu bezahlen. Weiter 

hat sie den Beschuldigten verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 1'500.– zuzüglich 

5 % Zins ab 1. Oktober 2019 als Genugtuung zu bezahlen (Urk. 46 S. 55). Die 

Privatklägerin beantragt im Berufungsverfahren die Bestätigung des vorinstanzli-

chen Urteils (Urk. 63 S. 1). Der Beschuldigte stellt angesichts des beantragten 

Freispruchs den Antrag, die Zivilansprüche der Privatklägerin seien abzuweisen 

(Urk. 48 S. 2; Urk. 62 S. 2). Hinsichtlich der Voraussetzungen für die Geltendma-

chung von Schadenersatz- und Genugtuungsansprüchen kann auf die zutreffen-

den Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 46 S. 49). 

2. Schadenersatz 

Nachdem der vorinstanzliche Schuldspruch wegen Schändung zu bestätigen ist, 

kann hinsichtlich der grundsätzlichen Verpflichtung des Beschuldigten zur Leis-

tung von Schadenersatz auf die zutreffenden Erwägungen im vorinstanzlichen Ur-

teil verwiesen werden (Urk. 46 S. 50). Im