# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bbf37bf9-ddd8-5de1-970d-e0c7d90813de
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.07.2009 D-4072/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4072-2009_2009-07-07.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4072/2009
law/joc
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  7 .  J u l i  2 0 0 9  

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;
Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg.

A._______, geboren (...), 
alias B._______, geboren (...),
Äthiopien,
vertreten durch lic. iur. Benedikt Schneider-Koch, 
Rechtsanwalt, (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003  Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 8. Juni 2009 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4072/2009

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer - eigenen Angaben zufolge ein ethnischer 
Oromo mit letztem Wohnsitz in C._______ - am 29. März 2004 in die 
Schweiz einreiste und am gleichen Tag erstmals um Asyl nachsuchte, 
wobei  er  zur  Begründung  seines  Gesuchs  im  Wesentlichen  geltend 
machte,  wegen  verbotener  politischer  Tätigkeiten  für  die  ONEG 
(Oromo Netsa awchi Gimbar;  Amharisch für Oromo Liberation Front 
[OLF]) sei sein Vater im August 2003 festgenommen und er daraufhin 
ebenfalls gesucht worden, weshalb er sich am 2. Oktober 2003 nach 
D._______ begeben und sich dort bis zum 28. März 2004 aufgehalten 
habe, 

dass  das  damalige  Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF;  heute:  BFM)  - 
nachdem  dessen  Abklärungen  ergeben  hatten,  dass  sich  der  Be-
schwerdeführer  vom 15. Juli  2003 bis  zum 15. März 2004 unter  der 
Identität B._______, geboren am (...), in Deutschland aufgehalten und 
dort  erfolglos  um  Asyl  nachgesucht  hatte  -  mit  Verfügung  vom  2. 
September 2004 auf das Asylgesuch in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 
Bst. f  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG,  SR 142.31)  nicht 
eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz verfügte und deren Vollzug 
anordnete, 

dass das Bundesverwaltungsgericht die dagegen erhobene Beschwer-
de mit Urteil D-3823/2006 vom 28. April 2008 im Wesentlichen mit der 
Begründung, die durch das BFF vorgenommene Anwendung des am 
1. April 2004 in Kraft getretenen Art. 32 Abs. 2 Bst. f AsylG sei auf vor 
dem 1. April 2004 eingereichte Asylgesuche ausgeschlossen, guthiess 
und die Sache zur Neubeurteilung an das BFF zurückwies, soweit es 
auf diese eintrat,

dass das BFM in der Folge das Asylverfahren wieder aufnahm und mit 
Verfügung vom 17. Oktober 2008 das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers vom 29. März 2004 - zufolge Unglaubhaftigkeit und mangels Asyl-
relevanz der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Gefährdungs-
situation  -  ablehnte,  die  Wegweisung  aus der  Schweiz  verfügte  und 
deren Vollzug anordnete, 

dass die dagegen am 12. November 2008 erhobene Beschwerde, in 
der sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen darauf berief, die ein-
gangs  erwähnten  Ereignisse  hätten  sich  im  Jahre  2002  abgespielt, 

Seite 2

D-4072/2009

und er habe somit bereits im Jahre 2002 und nicht im Jahre 2003 sein 
Heimatland  verlassen,  vom  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil 
D-7185/2008  vom  10.  Dezember  2008  abgewiesen  und  der  Be-
schwerdeführer daraufhin mit Verfügung des BFM vom 15. Dezember 
2008  aufgefordert  wurde,  die  Schweiz  bis  zum 12.  Januar  2009  zu 
verlassen, 

dass der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe vom 14. Januar  2009 beim 
BFM um „Wiedererwägung“ der Verfügung vom 17. Oktober 2008 er-
suchte, wobei er insbesondere geltend machte, während seiner Anwe-
senheit in der Schweiz habe er sich als aktives Mitglied in der regiona-
len  Organisation  der  KSOS (KINIJIT  Support  Organisation  Schweiz) 
engagiert,  um die demokratischen Bemühungen der Mutter-/Schwes-
terpartei im Heimatland zu stärken; dies gehe auch aus beigelegtem 
Schreiben von E._______ vom 22. Dezember 2008 hervor, 

dass  der  Beschwerdeführer  seiner  Eingabe  vom  14.  Januar  2009 
ausserdem  zwei  Internet-Artikel  die  äthiopische  Oppositionsführerin 
K._______ betreffend, einen Internet-Bericht zur allgemeinen Situation 
in Äthiopien, eine Kopie eines Auszuges aus dem Internet betreffend 
eines  Beschlusses  der  äthiopischen  Regierung  sowie  zwei  Fotos, 
beilegte, 

dass das BFM die als Wiedererwägungsgesuch bezeichnete Eingabe 
vom 14. Januar 2009 als zweites Asylgesuch entgegennahm und den 
Beschwerdeführer am 2. Juni 2009 zu seinen Asylgründen anhörte, 

dass der Beschwerdeführer dabei  hauptsächlich angab, er  habe seit 
der  Gründung  der  Partei  „Kinijit“  (amharisches  Kürzel  für:  CUD 
[Coalition for Unity and Democracy]) respektive von Mitte 2006 an zir-
ka  drei  oder  vier  Mal  an  deren  Demonstrationen  in  F._______  und 
einmal  in  H._______  sowie  insgesamt  an  zirka  vier  Sitzungen  in 
I._______ teilgenommen, 

dass nach der Spaltung der „Kinijit“ auch Demonstrationen durch die 
„Genbot 7“ organisiert worden seien und er an allen Demonstrationen 
gegen die  äthiopische Regierung teilnehme und alle  Parteien  unter-
stütze,  die  für  Äthiopien  kämpfen  würden,  darunter  auch  jene  von 
K._______,

dass er auf den Fotos zusammen mit dem (...) zu sehen sei, 

Seite 3

D-4072/2009

dass er bei einer Rückkehr wegen seiner politischen Aktivitäten in der 
Schweiz  und  seiner  auf  verschiedenen  Websites  verbreiteten  Fotos 
Probleme mit der Regierung bekommen würde,

dass das BFM mit Verfügung vom 8. Juni 2009 - eröffnet am 9. Juni 
2009 -  feststellte,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die Flüchtlingseigen-
schaft nicht und - unter Auferlegung von Verfahrenskosten - sein Asyl-
gesuch  vom  15.  Januar  2009  ablehnte,  die  Wegweisung  aus  der 
Schweiz verfügte und deren Vollzug anordnete, 

dass  der  Beschwerdeführer  diese  Verfügung  mit  Beschwerde  vom 
24. Juni  2009  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfechten  und  dabei 
beantragen liess, die angefochtenen Verfügung sei aufzuheben, es sei 
ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen, eventualiter sei die Un-
zulässigkeit und Unzumutbarkeit des Vollzuges der Wegweisung fest-
zustellen,

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht zudem beantragen liess, es 
sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme der Vollzug der Wegwei-
sung bis zum rechtskräftigen Entscheid unverzüglich auszusetzen und 
das kantonale  Amt für  Migration sei  anzuweisen,  von jeglichen Voll-
zugshandlungen, insbesondere von einer Ausschaffung, abzusehen,

dass er  ferner  um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege und 
Rechtsverbeiständung ersuchen und beantragen liess, es sei ihm die 
Erlaubnis zur Erwerbstätigkeit zu erteilen,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  auf 
dem Gebiet  des  Asyls  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31-34 
des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-

Seite 4

D-4072/2009

ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit  auf die frist-  und formgerecht eingereichte Beschwerde - 
mit  nachfolgender  Einschränkung  -  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs.  1 
AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 52 Abs. 1 VwVG),

dass das Bundesverwaltungsgericht als Rechtsmittelinstanz zur Beur-
teilung von Gesuchen um Erteilung einer Arbeitsbewilligung von Asyl-
suchenden nicht zuständig ist, sondern dies im Kompetenzbereich der 
zuständigen kantonalen Behörde liegt (vgl. Art. 43 AsylG), 

dass deshalb auf die Beschwerde, soweit der Beschwerdeführer darin 
beantragt,  es  sei  ihm die  Erlaubnis  zur  Erwerbstätigkeit  zu  erteilen, 
nicht einzutreten ist, 

dass Asylsuchende sich gemäss Art. 42 AsylG bis zum Abschluss des 
Verfahrens in der Schweiz aufhalten können,

dass der Beschwerdeführer mithin berechtigt ist, sich in der Schweiz 
aufzuhalten, weshalb auf den Antrag, es sei im Sinne einer vorsorgli-
chen Massnahme der Vollzug der Wegweisung bis zum rechtskräftigen 
Entscheid unverzüglich auszusetzen und das kantonale Amt für Migra-
tion sei anzuweisen, von jeglichen Vollzugshandlungen, insbesondere 
von einer Ausschaffung, abzusehen, mangels Rechtsschutzinteresses 
nicht einzutreten ist,

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend,  wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

Seite 5

D-4072/2009

dass  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl  gewährt  (Art. 2 
Abs. 1  AsylG),  wobei  als  Flüchtling  eine  ausländische  Person  aner-
kannt wird, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie 
zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörig-
keit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen 
Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden  (Art. 3  Abs. 1 
AsylG),

dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaub-
haft gemacht werden muss (Art. 7 Abs. 1 AsylG),

dass die Flüchtlingseigenschaft  glaubhaft  gemacht ist,  wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält (Art. 7 Abs. 2 AsylG), wobei Vorbringen insbesondere dann 
unglaubhaft sind, wenn sie in wesentlichen Punkten zu wenig begrün-
det oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen 
oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abge-
stützt werden (Art. 7 Abs. 3 AsylG),

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  D-7185/2008  vom 
10. Dezember 2008 die vorinstanzliche Feststellung in der Verfügung 
vom 17. Oktober 2008, der Beschwerdeführer habe im Rahmen seines 
ersten  Asylgesuches  keine  politisch  motivierte  Verfolgung  glaubhaft 
machen oder nachweisen können, bestätigte, wobei insbesondere da-
rauf  hingewiesen wurde,  dass sich die vom BFM genannten Jahres-
zahlen entgegen des entsprechenden Einwandes des Beschwerdefüh-
rers als korrekt erwiesen hätten (Seite 7), 

dass sich vor diesem Hintergrund das im Gesuch vom 14. Januar 2009 
- erneut - geltend gemachte Vorbringen, die Unstimmigkeiten im Ent-
scheid des BFM vom 17. Oktober 2008 und im Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts D-7185/2008 vom 10. Dezember 2008 seien auf ei-
nen  „Datensalat“  zurückzuführen,  als  blosse  Entscheidkritik  erweist, 
auf die nicht näher einzugehen ist, zumal in der Beschwerde vom 24. 
Juni 2009 die diesbezüglichen Feststellungen der Vorinstanz und des 
Bundesverwaltungsgerichts nicht mehr - explizit - bestritten werden, 

dass deshalb - in Übereinstimmung mit dem BFM - nicht davon auszu-
gehen ist, der Beschwerdeführer sei bereits vor dem Verlassen seines 
Heimatlandes  als  politischer  Aktivist  oder  regimefeindliche  Person 
beim äthiopischen Regime registriert gewesen, 

Seite 6

D-4072/2009

dass der  Beschwerdeführer demnach im Zeitpunkt  der Ausreise aus 
Äthiopien  keinen ernsthaften  Nachteilen  im Sinne  von Art.  3  Abs. 2 
AsylG ausgesetzt war oder solche zu befürchten hatte, 

dass sich - in Bestätigung der vorinstanzlichen Ausführungen - aus der 
vom  Beschwerdeführer  angeführten  Zugehörigkeit  zur  Ethnie  der 
Oromo respektive der aktuellen Situation in Äthiopien ebenfalls keine 
unmittelbare  drohende  flüchtlingsrechtlich  relevante  Gefährdung  im 
Sinne von Art. 3 AsylG ableiten lässt,

dass eine asylsuchende Person, die sich darauf beruft, durch ihr Ver-
halten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat - ins-
besondere durch politische Exilaktivitäten - sei eine Gefährdungssitua-
tion  erst  geschaffen  worden,  und  damit  das  Vorliegen  subjektiver 
Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG) geltend macht, begründeten Anlass 
zur Furcht  vor künftiger Verfolgung hat,  wenn der Heimat- oder Her-
kunftsstaat  mit  erheblicher Wahrscheinlichkeit  von den Aktivitäten im 
Ausland erfahren hat und sie deshalb bei einer Rückkehr in flüchtlings-
rechtlich relevanter Weise verfolgt würde (vgl. Entscheidungen und Mit-
teilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 
Nr. 1 E. 6.1 S. 10, 2000 Nr. 16 E. 5a S. 141 f.; UNHCR, Handbuch über 
Verfahren  und  Kriterien  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft, 
Genf 1979, Rz. 80).

dass gemäss Erkenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts (vgl. statt 
vieler  Urteil  D-4943/2006  vom  8.  Juli  2008)  davon  auszugehen  ist, 
dass die äthiopischen Sicherheitsbehörden die Aktivitäten der jeweili-
gen Exilgemeinschaften in einem gewissen Ausmass überwachen und 
mittels elektronischer Datenbanken registrieren, 

dass  dieser  Umstand  für  sich  allein  genommen indessen  nicht  aus-
reicht, um eine begründete Verfolgungsfurcht glaubhaft zu machen,

dass  vielmehr  hinreichend  konkrete  Anhaltspunkte  - nicht  bloss 
abstrakte oder rein theoretische Möglichkeiten - vorliegen müssen, die 
darauf hinweisen, dass eine bestimmte Person tatsächlich das Interes-
se der äthiopischen Behörden auf sich gezogen hat respektive als re-
gimefeindliches Element namentlich identifiziert und registriert wurde, 
da die tatsächliche Erkennbarkeit der behaupteten exilpolitischen Tä-
tigkeit, die Individualisierbarkeit der Person sowie deren konkrete exil-
politische Tätigkeiten von Bedeutung sind, 

Seite 7

D-4072/2009

dass in diesem Zusammenhang festzuhalten ist, dass bei behaupteten 
subjektiven Nachfluchtgründen in der Regel ein strikter Beweis mög-
lich  und  deshalb  auch  erforderlich  ist  (vgl. WALTER STÖCKLI in 
UEBERSAX/RUDIN/HUGI YAR/GEISER, Ausländerrecht,  2.  Aufl.,  Basel  2009, 
§ 11 Asyl, S. 568 Rz. 11.148). 

dass  - wie dargelegt  - nicht davon auszugehen ist,  der Beschwerde-
führer habe bereits vor dem Verlassen seines Heimatlandes ein politi-
sches  Profil  aufgewiesen  und  sei  als  regimefeindliche  Person  beim 
äthiopischen Regime registriert gewesen und überwacht worden, 

dass  daraus  zwar  nicht  zwingend  auf  ein  fehlendes  Interesse  des 
äthiopischen Staates an der exilpolitischen Aktivität des Beschwerde-
führers geschlossen werden kann, jedoch dies als erster Hinweis für 
die Unwahrscheinlichkeit des staatlichen Interesses an dessen Aktivi-
täten im Exil gewertet werden kann,

dass das BFM im Weiteren in der angefochtenen Verfügung zu Recht 
ausführt, aus erwähntem Rundschreiben des äthiopischen Aussenmi-
nisteriums vom 31. Juli 2006 (vgl. B1 S. 18) könne geschlossen wer-
den,  dass die äthiopischen Behörden nur dann ein Interesse an der 
Identifizierung einer Person haben, wenn deren Aktivitäten als konkre-
te Bedrohung für das politische System wahrgenommen werden, der 
Beschwerdeführer indes nicht zur Zielgruppe des "harten Kerns" von 
aktiven oppositionellen Äthiopiern im Ausland gehöre, für die sich die 
äthiopischen Behörden interessierten, 

dass aufgrund der blossen Teilnahme an Kundgebungen verschiede-
ner oppositioneller Gruppierungen gegen die äthiopische Regierung in 
der Schweiz nämlich nicht zu folgern ist, der Beschwerdeführer habe 
sich bei diesen Anlässen besonders und über das Mass der anderen 
Kundgebungsteilnehmer hinaus exponiert  oder eine Führungsposition 
inne gehabt, zumal die diesbezüglichen auf Beschwerdeebene einge-
reichten Fotografien (vgl. Beilage 10 der Beschwerde) den Beschwer-
deführer  als  einfachen  Demonstrationsteilnehmer  erkennen  lassen, 
der unter anderem - wie andere Teilnehmende auch - ein Plakat fest-
hält, 

dass auch die weiteren bei der Vorinstanz und auf Beschwerdeebene 
eingereichten Fotos, auf welchen der Beschwerdeführer anlässlich ei-
ner Sitzung in Zürich unter anderem mit M._______ (vgl. B9 S. 4 und 
S. 21) sowie mit N._______ (vgl. Beilage 9 zur Beschwerde) und damit 

Seite 8

D-4072/2009

mit führenden äthiopischen Oppositionspolitikern abgebildet ist, keinen 
Beleg  für  eine  höherrangige  Position  oder  ein  besonderes 
exilpolitisches Profil des Beschwerdeführers darstellen, 

dass  sich  zwar  auf  der  offiziellen  Internetseite  der  „Ginbot  7“ 
(www.ginbot7.org) - sowie auf zahlreichen weiteren Internetseiten - In-
terviews  und  Abbildungen  von  M._______  und  N._______  finden, 
hingegen  der  Name  des  Beschwerdeführers  oder  dessen  Foto  auf 
genannter Website nicht zu eruieren ist, 

dass deshalb die Behauptung des Beschwerdeführers anlässlich der 
Anhörung vom 2. Juni 2009, Fotos von ihm seien auf verschiedenen 
Websites verbreitet worden (vgl. B9 S. 5), nicht nachvollziehbar ist, zu-
mal der Beschwerdeführer bezeichnenderweise denn auch keine der 
Seiten im Internet, auf denen er zu sehen sei, namentlich benennt, 

dass im Schreiben vom 22. Dezember 2008 von E._______(vgl. B1 S. 
19)  nebst  der  Teilnahme  an  Demonstrationen  und  öffentlichen 
Sitzungen als weitere Tätigkeiten des Beschwerdeführers das Verfas-
sen  von Artikeln  und  Flugblättern  sowie  Publikationen  genannt  wer-
den, 

dass indessen darin ebenfalls noch kein besonderes Engagement, mit 
dem der Beschwerdeführer tatsächlich das Interesse der äthiopischen 
Behörden auf sich gezogen hätte, erblickt werden kann, 

dass in erwähntem Schreiben zudem nicht konkretisiert wird, um wel-
che Artikel,  Flugblätter  und Publikationen es  sich  dabei  handelt  und 
der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung durch das BFM diese 
Tätigkeiten nicht  erwähnte,  sondern einzig angab, an Sitzungen und 
Demonstrationen teilgenommen zu haben (vgl. B9 S. 3 ff.), 

dass mithin an diesen politischen Aktivitäten erhebliche Zweifel zu he-
gen sind, zumal der Beschwerdeführer weder bei der Vorinstanz noch 
auf Beschwerdeebene von ihm verfasste Artikel, Flugblätter oder Pub-
likationen zitiert, sondern lediglich Internet-Artikel einreicht, die im We-
sentlichen  von  Repressionen  gegen  Oppositionspolitiker  in  hoch-
rangigen Funktionen, die mitunter durch die äthiopische Regierung als 
Terroristen erachtet wurden, handeln (vgl. B1 S. 11 ff.), 

dass die  Aussage des Beschwerdeführers,  er  sei  seit  der Gründung 
der „Kinjiit“ respektive seit Mitte des Jahres 2006 für diese Partei aktiv 

Seite 9

D-4072/2009

(vgl.  B9  S.  3)  vor  dem  Hintergrund,  dass  gemäss  Kenntnissen  des 
Bundesverwaltungsgerichts die Gründung der CUD bereits Ende 2004 
stattfand, nicht glaubhaft erscheint, 

dass aufgrund des Gesagten nicht von einer führenden oder exponier-
ten Position des Beschwerdeführers bei der „SKOS“ oder der „Genbot 
7“  ausgegangen  werden  kann  und  auch  nicht  anzunehmen  ist,  die 
äthiopischen Behörden hätten von der Teilnahme des Beschwerdefüh-
rers an regimekritischen Demonstrationen und Sitzungen Kenntnis er-
langt und ihn namentlich identifiziert und registriert,

dass auch sonst nichts auf eine erfolgte Identifizierung des Beschwer-
deführers durch den äthiopischen Geheimdienst hinweist,

dass ungeachtet dessen eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung 
im  Falle  seiner  Rückkehr  nach  Äthiopien  selbst  bei  Bekanntwerden 
seiner Teilnahme an Demonstrationen und Sitzungen unwahrscheinlich 
ist,  da  er  allein  damit  nicht  als  besonders engagierter  exilpolitischer 
Aktivist erscheint und von den äthiopischen Behörden kaum als staats-
gefährdende Person wahrgenommen werden dürfte,

dass eine begründete Furcht des Beschwerdeführers vor asylrelevan-
ter Verfolgung wegen exilpolitischer Tätigkeiten daher nicht anzuneh-
men ist, 

dass es dem Beschwerdeführer somit nicht gelingt, die Flüchtlingsei-
genschaft  nachzuweisen oder  zumindest  glaubhaft  zu machen,  wes-
halb das Bundesamt das Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat,

dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge 
hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbe-
willigung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen besteht (vgl. EMARK 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegwei-
sung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und dem-
nach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzli-
chen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern re-
gelt, wenn der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar 
oder nicht möglich ist  (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-

Seite 10

D-4072/2009

desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]), 

dass der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist, wenn völkerrechtli-
che  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin 
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]),

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser 
massgeblichen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig 
ist, da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich 
erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, wes-
halb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen 
Non-Refoulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet 
und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung 
im  Sinne  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum 
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) 
ersichtlich sind, die ihm in Äthiopien droht,

dass in Äthiopien zurzeit keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht, 
weshalb  in  konstanter  Praxis  von  der  generellen  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs nach Äthiopien ausgegangen wird (vgl. Urteile 
des Bundesverwaltungsgerichts D-5060/2007 vom 30. November 2007 
sowie  D-3894/2006  vom  25. September  2008,  D-3518/2008  vom 
3. Dezember 2008, D-5356/2006 vom 8. Juni 2009; EMARK 1998 Nr. 
22), 

dass es zwar seit  der Unterzeichnung des Friedensabkommens zwi-
schen Äthiopien und Eritrea am 12. Dezember 2000 zu sporadischem 
Wiederaufflackern  des  Grenzkonfliktes  kam;  immerhin  aber  sowohl 
Äthiopien als auch Eritrea den Schiedsspruch der hierfür eingesetzten 
internationalen Kommission, welcher am 13. April  2002 ergangen ist, 
grundsätzlich zu akzeptieren scheinen, und ein erneuter offener Aus-
bruch des Konflikts bis heute erfolgreich verhindert werden konnte, 

Seite 11

D-4072/2009

dass somit aufgrund der allgemeinen Lage in Äthiopien nicht von einer 
konkreten Gefährdung des Beschwerdeführers im Falle der Rückkehr 
ausgegangen werden kann,

dass ebenso wenig darauf hindeutet, der Beschwerdeführer geriete in 
der  Heimat  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer  oder 
gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation,

dass der - soweit bekannt, gesunde - Beschwerdeführer in seiner Hei-
mat als Küchengehilfe tätig war und auch hierzulande im Gastgewerbe 
Berufserfahrung sammeln konnte,

dass sich seine Angaben zum Schicksal seiner Eltern - wie vom  Bun-
desverwaltungsgericht im Urteil D-7185/2008 vom 10. Dezember 2008 
(Seite  9)  festgehalten  -  als  unglaubhaft  erwiesen  haben  und  keine 
plausiblen Hinweise darauf bestehen, er verfüge in C._______, wo er 
von seiner Geburt bis zur Ausreise gelebt hat, nicht über Ansprechper-
sonen, an die er sich in der ersten Phase nach der Rückkehr im Be-
darfsfall wenden könnte,

dass deshalb davon auszugehen ist, der Beschwerdeführer bringe alle 
Voraussetzungen mit, um in seiner Heimat wieder Fuss zu fassen und 
aus eigenen Kräften ein Auskommen zu finden,

dass angesichts dessen der Vollzug der Wegweisung des Beschwer-
deführers nicht als unzumutbar zu bezeichnen ist,

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach 
Äthiopien auch  möglich  ist,  da  keine  praktischen  Hindernisse 
erkennbar sind, die einer Rückkehr entgegenstehen könnten, und es 
dem  Beschwerdeführer  obliegt,  bei  der  Beschaffung  gültiger 
Reisepapiere mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG),

dass  soweit  in  der  Beschwerde  der  fünfjährige  Aufenthalt  des  Be-
schwerdeführers in der Schweiz, dessen Reputation als Arbeiter sowie 
dessen fliessende mündliche Deutschkenntnisse erwähnt werden - wie 
vom  Bundesverwaltungsgericht  im  Urteil  D-7185/2008  vom  10. De-
zember  2008 (Seite 10)  bereits  ausgeführt  -  darauf  hinzuweisen ist, 
dass die vormals für die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme wegen 
schwerwiegender  persönlicher  Notlage  -  und  damit  unter  anderem 
auch für die Gewichtung der Integration in der Schweiz - massgeben-
den Bestimmungen von Art. 44 Abs. 3-5 AsylG (in der Fassung vom 

Seite 12

D-4072/2009

26.  Juni  1998)  und  Art.  14a  Abs.  4bis des  Bundesgesetzes  vom 
26. März  1931  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer 
(ANAG, BS 1 121) auf den 1. Januar 2007 aufgehoben worden sind,

dass es seither an einer gesetzlichen Grundlage fehlt, welche es er-
möglichen würde,  der fortgeschrittenen Integration einer asylsuchen-
den Person durch Anordnung der vorläufigen Aufnahme im Sinne von 
Art. 83 Abs. 1 AuG Rechnung zu tragen,

dass somit die Voraussetzungen für die vorläufige Aufnahme des Be-
schwerdeführers in der Schweiz nicht erfüllt sind,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, soweit auf diese einzutreten ist,

dass  die  Gesuche  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege 
und Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG - unge-
achtet der Frage der bis dato nicht belegten prozessualen Bedürftigkeit 
des Beschwerdeführers -  zufolge Aussichtslosigkeit der gestellten Be-
schwerdebegehren abzuweisen sind,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 
VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 13

D-4072/2009

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird.

2.
Die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und 
Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  (Einschreiben;  Beila-
gen: Einzahlungsschein,  angefochtene Verfügung im Original,  Mit-
gliederausweis der „Ginbot 7“ sowie sieben Fotos)

- das  BFM,  Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N_______ 
(per Kurier; in Kopie)

- (...)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg

Versand: 

Seite 14