# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 857dbba0-b4d8-585b-9a2e-a13492053d08
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-17
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 17.02.2022 200 2021 132
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-132_2022-02-17.pdf

## Full Text

200 21 132 IV
MAK/SHE/LAB

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 17. Februar 2022

Verwaltungsrichterin Mauerhofer, Kammerpräsidentin
Verwaltungsrichter Kölliker, Verwaltungsrichterin Wiedmer
Gerichtsschreiber Schnyder

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________
Beschwerdeführer

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 15. Januar 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2022, IV/21/132, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Der 2001 geborene A.________ (nachfolgend Versicherter bzw. 
Beschwerdeführer) wurde im September 2006 von seinen Eltern unter Hin-
weis auf eine seit der Geburt bestehende intellektuelle Retardierung bei der 
IV-Stelle Bern (nachfolgend IVB oder Beschwerdegegnerin) zum Leistungs-
bezug für Versicherte vor dem 20. Altersjahr angemeldet (Akten der IVB, 
Antwortbeilage [AB] 1). Nach erfolgten Abklärungen gewährte die IVB 
heilpädagogische Früherziehung (vgl. Mitteilung vom 20. November 2006 
[AB 7]) sowie eine erstmalige berufliche Ausbildung (Praktiker Pra ..., 
Fachrichtung ... und ..., nach INSOS [Nationaler Branchenverband der 
Institutionen für Menschen mit Behinderung]; vorgesehen vom 1. August 
2018 bis 31. Juli 2020; vgl. Mitteilung vom 16. Juli 2018 [AB 20]). Aus 
gesundheitlichen Gründen musste die Ausbildung abgebrochen werden. An 
deren Stelle konnte der Versicherte die Ausbildung als Praktiker Pra ..., 
Fachrichtung ..., ebenfalls nach INSOS, aufnehmen (vorgesehen vom 7. 
Januar 2019 bis 31. Juli 2020; IV-Protokoll per 17. März 2021, Eintrag vom 
7. Februar 2019 [in den Gerichtsakten]; vgl. auch Mitteilung der IVB vom 
12. Februar 2019 [AB 25]). 

Im Juli 2019 (AB 27) erfolgte bei der IVB mit Hinweis auf eine Behinderung 
im autistischen Spektrum, eine Entwicklungsstörung sowie eine im Herbst 
2018 diagnostizierte Epilepsie die Leistungsanmeldung für Erwachsene. 
Nachdem der Versicherte die vorerwähnte Ausbildung abgeschlossen 
hatte, veranlasste die IVB eine Arbeitsmarktliche-Medizinische Abklärung 
(AMA; vom 10. August bis zum 4. September 2020; vgl. Mitteilung vom 30. 
Juni 2020 [AB 39] sowie Abklärungsbericht AMA vom 10. September 2020 
[AB 41/2] inkl. medizinischer Beurteilung [AB 41/8] sowie 
neuropsychologischem Abklärungsbericht vom 20. August 2020 [AB 
41/21]). Am 14. September 2020 trat der Versicherte beim ehemaligen 
Ausbildungsbetrieb eine unbefristete Stelle als Praktiker PrA ..., 
Fachrichtung ..., an (AB 43/2). Mit Mitteilung vom 2. Oktober 2020 (AB 45) 
verneinte die IVB einen Anspruch auf weitere berufliche Massnahmen. 
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (AB 44, 48) sprach sie dem 

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Versicherten mit Verfügung vom 15. Januar 2021 (AB 51/2) bei einem 
Invaliditätsgrad von 53% ab dem 1. September 2020 eine halbe 
Invalidenrente zu. Weiter entschied die IVB, dass in den Monaten, in denen 
Rente und Taggeld zusammenfallen, für jeden Eingliederungstag ein 
Dreissigstel der monatlichen Renten zurückgefordert bzw. verrechnet wird. 
Hierzu erliess sie ebenfalls am 15. Januar 2021 (AB 52) eine Verfügung, in 
welcher sie den Taggeldansatz ab 1. September 2020 neu festsetzte.

B.

Mit Eingabe vom 11. Februar 2021 erhob der Versicherte, vertreten durch 
Rechtsanwalt B.________, dagegen Beschwerde mit folgenden 
Rechtsbegehren:

1. Der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers ist auf mindestens 60% 
anzusetzen.

2. Die Verfügungen vom 15. Januar 2021 betreffend IV-Taggeld und 
Rückerstattung des IV-Taggeldes sind aufzuheben.

– unter Kosten- und Entschädigungsfolge –

Die Beschwerdegegnerin schliesst mit Beschwerdeantwort vom 17. März 
2021 auf Abweisung der Beschwerde.

Von der Möglichkeit, Schlussbemerkungen einzureichen (vgl. 
prozessleitende Verfügungen vom 23. März und 12. Mai 2021), machten 
die Parteien mit Eingaben vom 10. Mai resp. 4. Juni 2021 Gebrauch. Sie 
halten darin an den gestellten Rechtsbegehren fest.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Ver-

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waltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Ok-
tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Der Beschwerdeführer ist im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb er 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist ge-
geben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die 
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen über 
Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungs-
rechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwer-
de einzutreten.

1.2 Anfechtungsgegenstand bilden die Verfügungen vom 15. Januar 
2021 (AB 51/2, 52). 

Einerseits ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers streitig und zu 
prüfen. Ihm wurde bei einem Invaliditätsgrad von 53% ab dem 1. Septem-
ber 2020 eine halbe Rente zugesprochen. Anstelle der halben Invaliden-
rente verlangt der Beschwerdeführer die Zusprache mindestens einer Drei-
viertelsrente. Auch wenn lediglich einzelne Elemente der Rentenfestset-
zung beanstandet werden, bedeutet dies nicht, dass die unbestrittenen 
Teilaspekte in Rechtskraft erwachsen und demzufolge der richterlichen 
Überprüfung entzogen sind (BGE 125 V 413 E. 2d S. 417). Folglich ist vor-
liegend nicht bloss der Anspruch auf eine höhere als die zugesprochene 
halbe Rente, sondern der Rentenanspruch als Ganzes zu prüfen.

Andererseits ist streitig und zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu 
Recht das ab dem 1. September 2020 bezogene Taggeld um einen Dreis-
sigstel des monatlichen Rentenbetrags kürzte bzw. den Kürzungsbetrag mit 
den nachzuzahlenden Rentenbetreffnissen verrechnete.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

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1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Am 1. Januar 2022 ist die Änderung vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV; BBl 2020 5535 ff.) in Kraft getreten. Weil in zeit-
licher Hinsicht – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelun-
gen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich sind, die bei der 
Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tat-
bestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 
4.3.1 S. 213) und die angefochtene Rentenverfügung vor dem Inkrafttreten 
der IVG-Änderung vom 19. Juni 2020 datiert, ist der Rentenanspruch nach 
den bis 31. Dezember 2021 geltenden Normen (fortan aArt.) zu prüfen.

2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauern-
de ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs-
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder 
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung 
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs-
möglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits-
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur Arbeits-
unfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbereich, 
sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Erwerbs-
möglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem ausgegliche-
nen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder bloss teilweise 
Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbsunfähigkeit (BGE 
130 V 343 E. 3.2.1 S. 346).

2.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherten Anspruch auf eine 
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wie-
der herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a) und die zusätzlich 
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min-
destens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf 

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dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. b und c). 
Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, 
wenn die versicherte Person mindestens 70%, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad 
von mindestens 50% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem 
Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein solcher auf eine Viertelsrente.

2.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3).

2.5 Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbsein-
kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungs-
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Ar-
beitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkom-
men, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 
ATSG).

2.5.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nöti-
genfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepass-
ten Verdienst angeknüpft. Die Ermittlung des Valideneinkommens hat so 
konkret wie möglich zu erfolgen (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 322 
E. 4.1 S. 325; SVR 2021 UV Nr. 26 S. 125 E. 6.1).

Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden 
beruflichen Kenntnisse erwerben, so entspricht das Erwerbseinkommen, 

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das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, den folgenden nach Alter abge-
stuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der 
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (BFS): Vor 
Vollendung des 21. Altersjahres 70%, vor Vollendung des 25. Altersjahres 
80%, vor Vollendung des 30. Altersjahres 90% und nach Vollendung des 
30. Altersjahres 100% (aArt. 26 Abs. 1 der Verordnung vom 17. Januar 
1961 über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).

Geburts- und Frühinvalide im Sinne von aArt. 26 Abs. 1 IVV sind Versicher-
te, die seit ihrer Geburt oder Kindheit an einem Gesundheitsschaden leiden 
und deshalb keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben konnten. 
Darunter fallen all jene Personen, die wegen ihrer Invalidität überhaupt kei-
ne Berufsausbildung absolvieren können. Ebenso dazu gehören indes Ver-
sicherte, die zwar eine Berufsausbildung abschliessen, zu deren Beginn je-
doch bereits invalid waren und die absolvierte Ausbildung wegen ihrer Inva-
lidität auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht in gleicher Weise "um-
münzen" können wie nichtbehinderte Personen mit derselben (ordentli-
chen) Ausbildung. Steht dagegen fest, dass nicht invaliditätsbedingte Grün-
de, sondern z.B. solche familiärer oder wirtschaftlicher Art den Erwerb 
genügender beruflicher Kenntnisse verunmöglichten, liegt keine Geburts- 
oder Frühinvalidität vor (SVR 2019 IV Nr. 82 S. 273 E. 1.2).

2.5.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296).

Übt die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit 
aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben 
sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in 
zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen 
aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt 
grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 143 
V 295 E. 2.2 S. 296; SVR 2021 IV Nr. 51 S. 168 E. 3.2).

Hat die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine 
oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge-
nommen, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den 

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vom BFS herausgegebenen LSE herangezogen werden (BGE 143 V 295 
E. 2.2 S. 297; SVR 2021 Nr. 51 S. 168 E. 3.2).

Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise erzielba-
re Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu er-
mitteln. Dieser theoretische und abstrakte Begriff dient dazu, den Leis-
tungsbereich der Invalidenversicherung von jenem der Arbeitslosenversi-
cherung abzugrenzen. Ein ausgeglichener Arbeitsmarkt ist gekennzeichnet 
durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach 
Arbeitskräften und weist einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf und 
zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen 
Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Er um-
fasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsan-
gebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von 
Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Dabei ist nicht von realitätsfrem-
den Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren verlangt 
werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjekti-
ven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind. An die Konkretisierung 
von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind jedoch rechtspre-
chungsgemäss keine übermässigen Anforderungen zu stellen (BGE 138 V 
457 E. 3.1 S. 459; SVR 2019 IV Nr. 21 S. 66 E. 4.2). Nach diesen Ge-
sichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die Mög-
lichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten und ob sie ein ren-
tenausschliessendes Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (BGE 110 
V 273 E. 4b S. 276; ZAK 1991 S. 320 E. 3b).

Daraus folgt, dass für die Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen 
ist, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen 
vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene 
Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Ar-
beitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (SVR 2016 
IV Nr. 2 S. 6 E. 4.4).

Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist anzunehmen, wenn die zu-
mutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der 
ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter 
nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitge-

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bers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von 
vornherein als ausgeschlossen erscheint (SVR 2021 IV Nr. 25 S. 78 E. 
6.1).

3.

3.1 Aus medizinischer Sicht ergibt sich im Wesentlichen das Folgende:

3.1.1 Dr. med. C.________, Facharzt für Neurologie, ... Spital 
D.________, nannte im Bericht vom 13. Februar 2020 (AB 34) als 
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Epilepsie mit 
unklarem Beginn und nicht-motorischen Symptomen bei eingeschränktem 
Bewusstsein (S. 2 Ziff. 3). Aktuell sei der Versicherte anfallsfrei (Ziff. 4). 
Ihm seien keine Arbeiten in Höhe und mit rotierenden Maschinen zumutbar 
(S. 4 Ziff. 13). 

3.1.2 Im neuropsychologischen Abklärungsbericht der Fachpsychologen 
lic. phil. E.________ und lic. phil. F.________ vom 20. August 2020 (AB 
41/21) wurde folgende Diagnose gestellt (S. 29):

Ausgeprägte kognitive Minderleistungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, Lernen 
und Gedächtnis, Exekutivfunktionen, Sprache und Rechnen mit/bei:

- Leichter Intelligenzminderung mit Intelligenzquotient (IQ) 67 (ICD-10 F70.0)
- Unqualifizierbare Epilepsie nach mindestens drei dokumentierten Anfällen mit 

unklarem Beginn und nicht-motorischen Symptomen bei pathologischem EEG 
(gemäss neurologischem Bericht vom November 2018)

- Medikation mit Levetiracetam 2 x 1500 mg
Es gebe aktuell keine Hinweise auf Einflüsse durch eine manifeste 
psychische Störung (wie bspw. eine schwere Depression), wenn auch 
gewisse psychische Probleme bestünden (insbesondere der reduzierte 
Antrieb; 
S. 28). Aufgrund der kognitiven und intellektuellen Fähigkeiten sei eine 3- 
oder 4-jährige berufliche Grundausbildung mit eidg. Fähigkeitszeugnis 
(EFZ) wie auch eine 2-jährige berufliche Grundausbildung mit eidg. 
Berufsattest (EBA) unrealistisch, was auch für die Vergangenheit gelte. Die 
Praktikerausbildung sei den Fähigkeiten am angemessensten gewesen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2022, IV/21/132, Seite 10

Bei einem angepassten Arbeitsplatz müsste aufgrund der Defizite auf das 
Folgende geachtet werden: Der Versicherte benötige deutlich verlängerte 
Einarbeitungszeiten und Aufgaben, die er seriell (eine nach dem anderen 
und nicht parallel) in seinem eigenen Tempo abarbeiten könne. Dabei sollte 
er eng begleitet werden. Neue Aufträge sollten mit ihm zusammen 
erarbeitet werden. Es sei wichtig, dass ihm Aufträge oder neue 
Informationen mehrmals „häppchenweise“ vermittelt würden. Am besten 
könne er etwas lernen, wenn man es ihm direkt vorzeige. Unterstützend 
könnten Checklisten oder Anleitungen von einfachen Abläufen in einfachen 
Stichworten oder besser noch in Bildern sein. Die Anforderungen an die 
rechnerischen Fähigkeiten sowie an das Lesen und die Rechtschreibung 
sollten minimal sein. Der Versicherte sollte keine Verantwortung tragen 
müssen und keine Entscheidungskompetenzen haben. Ein wohlwollendes 
Umfeld, das ihm insbesondere Zeit lasse, sich auf Neues einzustellen, sei 
äusserst wichtig. 

Es sei davon auszugehen, dass die objektiven Einschränkungen in einem 
weniger strukturierten Setting als der Untersuchungssituation noch 
deutlicher ausfallen würden. Inwiefern es im Verlauf des Tages resp. nach 
einem mehr als 3 Stunden und 35 Minuten dauernden Pensum zu einem 
Leistungseinbruch komme, könne anhand der aktuellen Untersuchung nicht 
beurteilt werden (S. 29). 

3.1.3 Dr. med. G.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, 
diagnostizierte im Abklärungsbericht AMA vom 10. September 2020 (AB 
41/2) eine leichte Intelligenzminderung (ICD-10 F70.0) sowie eine 
unklassifizierbare Epilepsie mit unklarem Beginn und nicht-motorischen 
Symptomen. Bei der aktuellen Untersuchung habe sich der Versicherte 
zugewandt und motiviert gezeigt, es sei aber auch ein intellektuelles Defizit 
aufgefallen. Während der vierwöchigen Abklärungsphase seien einerseits 
eine ausgeprägte Zuverlässigkeit und Motivation beobachtet worden. Der 
Versicherte habe genau und qualitätsbewusst gearbeitet. Andererseits 
hätten deutliche Einschränkungen der Auffassungs- und 
Umsetzungsfähigkeit imponiert, die Konzentration sei schwankend 
gewesen und der Versicherte habe eine enge Führung mit 
Qualitätskontrollen benötigt. Insgesamt habe er eine Leistung von 40% bei 

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jedoch recht guter Qualität erbringen können. Die neuropsychologische 
Abklärung habe eine intellektuelle Einschränkung im Sinne einer 
Intelligenzminderung mit einem IQ von 67 und entsprechende kognitive 
Auffälligkeiten objektiviert, die die beobachteten Leistungsdefizite erklären 
könnten. Hinweise auf eine Autismus-Störung hätten nicht erhoben werden 
können. Die beobachtete Leistungseinschränkung um 60% bei vollem 
Arbeitspensum (100%) sei medizinisch begründbar durch die 
beschriebenen Diagnosen. Die verbliebene Leistung sei qualitativ recht gut 
verwertbar. 

Das medizinische Zumutbarkeitsprofil beinhalte ein wohlwollendes Umfeld, 
verlängerte Einarbeitungszeiten, möglichst wenig Druck, klar strukturierte 
serielle Aufgaben und eine enge Supervision. Aufgrund der Epilepsie 
sollten keine Arbeiten an gefährlichen Maschinen oder in der Höhe 
erfolgen. Die Prognose sei soweit stabil, in einer zugewandten Umgebung 
und mit viel Routine könnte durchaus auch eine höhere Leistung erbracht 
werden. Eine Überforderung des Versicherten sollte jedoch möglichst 
vermieden werden, um die Entwicklung komorbider psychischer Störungen 
wie einer Depression zu verhindern (S. 9). 

3.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, un-
abhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander wi-
dersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, oh-
ne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, 
warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt 
(BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situati-
on einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2022, IV/21/132, Seite 12

nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen In-
halt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352).

3.3 Aufgrund der Akten erstellt und von den Parteien zu Recht 
unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer in einer leidensgepassten 
Tätigkeit (wohlwollendes Umfeld, verlängerte Einarbeitungszeiten, 
möglichst wenig Druck, klar strukturierte serielle Aufgaben und eine enge 
Supervision, ohne Arbeiten an gefährlichen Maschinen oder in der Höhe) in 
einem Vollzeitpensum zu 40% arbeits- und leistungsfähig ist. 

4. 

Zur Ermittlung der erwerblichen Auswirkungen der Einschränkungen des 
Beschwerdeführers hat die Beschwerdegegnerin einen 
Einkommensvergleich vorgenommen.

4.1 Zur Bestimmung des Valideneinkommens hat die 
Beschwerdegegnerin zu Recht auf das lohnstatistische Einkommen für 
Frühinvalide (vgl. aArt. 26 Abs. 1 IVV) abgestellt, da der Beschwerdeführer 
mit seiner Ausbildung zum Praktiker Pra ... nach INSOS keine 
zureichenden beruflichen Kenntnisse im Sinne von aArt. 26 Abs. 1 IVV 
erwerben konnte (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 8. 
September 2021, 8C_236/2021, E. 3 ff.). Im Jahr 2020 betrug das 
massgebende Valideneinkommen zur Invaliditätsbemessung aufgrund von 
Art. 26 Abs. 1 IVV für Versicherte vor Vollendung des 21. Altersjahres Fr. 
58‘450.-- (vgl. IV-Rundschreiben Nr. 393 vom 15. November 2019, gültig 
bis zum 16.November 2020 [vgl. IV-Rundschreiben Nr. 403 vom 17. 
November 2020]).

4.2 Was das Invalideneinkommen betrifft, macht der Beschwerdeführer 
geltend, seine Restarbeitsfähigkeit sei im ersten Arbeitsmarkt nicht 
verwertbar. Demgegenüber hält die Beschwerdegegnerin die 
Verwertbarkeit für gegeben (Beschwerdeantwort S. 2 Ziff. 3). Anlässlich der 
Verfügung ging sie ausserdem davon aus, der Beschwerdeführer sei 

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aktuell ohne Anstellung. Richtigerweise hätte sie jedoch berücksichtigen 
müssen, dass der Beschwerdeführer seit September 2020 über eine 
Festanstellung verfügt (AB 43/2), zumal ihr die Eltern des 
Beschwerdeführers am 14. September 2020 den Arbeitsvertrag per E-Mail 
zusandten (AB 43), woraufhin die Beschwerdegegnerin am 2. Oktober 
2020 die berufliche Eingliederung mit der Begründung abschloss, der 
Beschwerdeführer erhalte im ehemaligen Ausbildungsbetrieb eine 
Festanstellung mit Leistungslohn (AB 45). 

Dennoch hat die Beschwerdegegnerin für die Berechnung des 
Invalideneinkommens Tabellenlöhne gemäss den vom BFS herausgege-
benen LSE herangezogen, diese an die betriebsübliche wöchentliche 
Arbeitszeit und – auf das Jahr 2019 hin – der Nominallohnentwicklung 
angepasst. Unter Berücksichtigung einer eingeschränkten 
Leistungsfähigkeit hat sie ein Invalideneinkommen von Fr. 27'334.-- ermit-
telt. Dieses Vorgehen wäre gerechtfertigt, wenn sich zeigen würde, dass 
der Beschwerdeführer seine Arbeitsfähigkeit im Rahmen seiner aktuellen 
Tätigkeit nicht optimal verwertet. Nachfolgend ist diese Frage zu prüfen.

4.3 Zur Beurteilung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit im 
ersten Arbeitsmarkt hat die Beschwerdegegnerin eine AMA veranlasst (vgl. 
Bericht vom 10. September 2020 [AB 41/2]). Hingegen hat sie beim 
Ausbildungsbetrieb, der H.________ AG, weder einen Austrittsbericht 
eingeholt noch anderweitige Dokumente, die den Abschluss der 
Praktischen Ausbildung und die dabei erworbenen Fertigkeiten belegen, 
wie etwa den Individuellen Kompetenznachweis (IKN). Ebenso wenig hat 
sie von der H.________ AG in deren aktuellen Eigenschaft als 
Arbeitgeberin einen Bericht erstellen lassen. Die Aktenlage erlaubt 
dennoch eine Beurteilung der Frage nach der Verwertbarkeit, wie 
nachfolgend aufzuzeigen ist. 

4.3.1 Gemäss dem AMA-Bericht vom 10. September 2020 (AB 41/2) 
zeigte sich der Versicherte gegenüber den verschiedenen Arbeiten 
interessiert. Sein Auffassungs- und Umsetzungsvermögen habe sich bei 
einfachen und komplexen Arbeiten als verzögert gezeigt. Der Versicherte 
sei durchgehend auf eine deutlich verlängerte Einarbeitungszeit mit 
wiederholten Instruktionen angewiesen gewesen. Es sei für ihn wichtig 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2022, IV/21/132, Seite 14

gewesen, dass ihm die Arbeiten Schritt für Schritt erklärt worden seien. 
Habe er mehrere Arbeitsschritte gleichzeitig erklärt erhalten, habe er 
vergessen, einen Teil davon umzusetzen. Vorteilhaft für ihn sei es 
gewesen, dass ihm die einzelnen Arbeitsschritte und die benötigten 
Materialien und Werkzeuge gezeigt und nicht nur erklärt worden seien, da 
er mündliche Instruktionen nur ungenügend umgesetzt habe. Das 
Instruktionsverständnis habe sich als reduziert vorhanden gezeigt. Die 
Lernfähigkeit sei vorhanden gewesen. Sei er mehrere Tage bei 
gleichbleibender Arbeit eingeteilt gewesen, habe er diese ohne eine 
erneute Instruktion durch die Vorgesetzten umsetzen können.

Grobmotorische Arbeiten seien dem Beschwerdeführer leichter gefallen als 
feinmotorisch anspruchsvolle. Er habe einen guten und sorgfältigen 
Umgang mit den verschiedenen Maschinen und Werkzeugen gezeigt. 
Seine Arbeitsweise wurde als bemüht und nach der entsprechenden 
Einarbeitungszeit auch genau und qualitätsbewusst beurteilt. Da der 
Versicherte bei Fragen oder Unklarheiten nicht auf die Vorgesetzten 
zugegangen sei, sei es wichtig gewesen, regelmässige Qualitätskontrollen 
durchzuführen. Das Arbeitstempo sei stark verlangsamt gewesen. Die 
Konzentrationsfähigkeit habe sich als schwankend gezeigt, eine 
Ablenkbarkeit sei aber nur vereinzelt ersichtlich gewesen. Er habe eher 
abwesend gewirkt. 

Aufgrund seiner Ausbildung zum Praktiker PrA ... sei er für ...arbeiten 
eingeteilt worden. Er habe Kenntnisse im Umgang mit dem ... gezeigt, und 
die Handhabung sei ihm gut gelungen. Auch hier sei seine Arbeitsweise 
bemüht gewesen, sein Arbeitstempo stark verlangsamt, und er sei auf enge 
Begleitung angewiesen gewesen, damit er die Qualität habe erfüllen 
können. Die verwertbare Leistung habe zwischen 39% und 71% gelegen, 
bei den verschiedenen ...-, ...-, ...- und ...arbeiten bei 40%. Der Versicherte 
habe die Qualitätsanforderungen ausschliesslich bei ihm vertrauten, 
einfach strukturierten Tätigkeiten und nur mit zusätzlichem 
Betreuungsaufwand durch die Vorgesetzten für die verlängerte 
Einarbeitungszeit und für Qualitätskontrollen erfüllen können (S. 6). 

Sein Verhalten sei freundlich und korrekt gewesen. Am Arbeitsplatz habe 
er sich kaum mit anderen Mitarbeitenden unterhalten. Während der 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2022, IV/21/132, Seite 15

Arbeitsinstruktion und auch während der Arbeit habe er mehrfach 
abwesend, verträumt und nicht bei der Sache gewirkt. Teilweise habe er 
einen Arbeitsschritt erledigt und anstatt weiterzumachen oder beim 
Vorgesetzten Hilfe anzufordern, habe er am Arbeitsplatz gewartet und mit 
leerem Blick aus dem Fenster geschaut. Da er sich ansonsten arbeitswillig 
und motiviert gezeigt habe, könne dieses auffällig abwesend wirkende 
Verhalten nicht mit fehlender Motivation erklärt werden (S. 7). Am 
Geeignetsten für den Versicherten sei eine Arbeit entsprechend seiner 
Ausbildung als Praktiker PrA ..., Fachrichtung ..., nach INSOS. Er sei auf 
einen Nischen- oder geschützten Arbeitsplatz mit wohlwollendem Umfeld 
angewiesen, bei welchem das medizinische Zumutbarkeitsprofil 
berücksichtigt werden könne (S. 9). 

4.3.2 Mit Blick auf eine allfällige Weiterbeschäftigung nach Abschluss der 
Ausbildung hatte der Ausbildungsbetrieb, die H.________ AG, in einer E-
Mail vom 12. Mai 2020 (AB 35) erklärt, der Betreuungsaufwand für den 
Beschwerdeführer sei immer noch sehr hoch. Selbstständige Arbeiten 
unter Anleitung des ... wie zum Beispiel die ... oder Reinigungsarbeiten 
würden dem Beschwerdeführer auch nach mehrmaligen Ausführungen und 
Erklärungen zu Beginn der Arbeiten schwerfallen. Da die ... aus 
Personalmangel ein „volles Programm“ hätten, werde es schwierig, ihre 
Wochenziele zu erreichen, wenn sie einen zusätzlichen Aufwand für die 
Betreuung hätten. Aus diesen Gründen würde die Arbeitgeberin trotz seiner 
Pünktlichkeit und seinem Durchhaltewillen den Beschwerdeführer nach 
seiner Ausbildung leider nicht mehr beschäftigen. Am 9. September 2020 
kam es dennoch zu einer Anstellung bei der H.________ AG. 

4.3.3 In der – vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eingeholten – 
Stellungnahme vom 2. Februar 2021 (Akten des Beschwerdeführers, 
Beschwerdebeilage [BB] 5) führte die aktuelle Arbeitgeberin aus, der 
Versicherte sei in ihrer Firma als Praktiker ... angestellt. Er werde seit 
Beginn seiner Praktiker-Ausbildung bei allen Arbeiten sehr nahe begleitet, 
jeder Arbeitsschritt werde von ihren ... erklärt und vorgezeigt. Aus ihrer 
Sicht sei es zum heutigen Zeitpunkt nicht möglich, dass der Versicherte 
selbstständig ...arbeiten ausführe. Er werde gelegentlich zum Unterhalten 
des ... eingesetzt. Diese leichten Arbeiten wie das Reinigen von ... oder der 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2022, IV/21/132, Seite 16

... führe der Versicherte seinen Möglichkeiten entsprechend 
zufriedenstellend aus. Auch hier sei eine Begleitung notwendig. Der 
Zeitbedarf für die Erledigung der Arbeiten sei doppelt so hoch wie bei 
einem Lehrling des ersten Lehrjahres. Hilfreich seien wiederkehrende 
Arbeiten, die dem Versicherten eine gewisse Routine und Sicherheit geben 
würden. Zurzeit werde er in den ihm vertrauten Arbeiten eingesetzt, d.h. 
vorwiegend in der .... Dabei würden Arbeiten wie ..., ..., ... und 
Reinigungsarbeiten von ... erledigt. Trotz bereits erworbener Routine sei 
eine strenge Begleitung auch hier unabdingbar. Falls die Selbstständigkeit 
und Leistungsfähigkeit des Versicherten über die Jahre steige, werde die 
Höhe der Entschädigung angepasst. Zurzeit sei er jedoch unter den 
Anforderungen eines Lernenden im ersten Lehrjahr. 

4.3.4 Die Beurteilung der aktuellen Arbeitgeberin deckt sich mit jener der 
Fachpersonen im AMA-Bericht. Vonseiten der neuropsychologischen 
Fachleute ist erstellt, dass beim Beschwerdeführer in fast allen 
Funktionsbereichen deutliche kognitive Defizite bestehen (AB 41/9, 41/26 
f.) und er über eine geringe Auffassungsgabe verfügt (AB 41/9, 41/28 f.). 
Was die Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit betrifft, erachten die 
Fachpersonen einen Nischen- oder geschützten Arbeitsplatz mit einem 
wohlwollenden Umfeld erforderlich, bei welchem das medizinische 
Zumutbarkeitsprofil (u.a. verlängerte Einarbeitungszeit, möglichst wenig 
Druck, klar strukturierte, serielle Aufgaben und enge Supervision) 
berücksichtigt werden kann (AB 41/9). Die aktuelle Arbeitgeberin geht mit 
den Fachleuten der AMA auch darin einig, dass der Beschwerdeführer die 
Qualitätsanforderungen nur bei ihm vertrauten, einfach strukturierten 
Tätigkeiten erfüllen kann und überdies nur mit erheblichem zusätzlichen 
Aufwand durch die Vorgesetzten für die verlängerte Einarbeitungszeit und 
für Qualitätskontrollen (AB 41/9). 

Was die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf dem ersten 
Arbeitsmarkt angeht, scheinen die Fachleute von einem Grenzfall 
auszugehen, zumal sie einen Nischenarbeitsplatz oder einen geschützten 
Arbeitsplatz empfehlen (AB 41/9 Ziff. 7). Ob der Arbeitsplatz bei der 
H.________ AG ein Nischenarbeitsplatz ist, bei dem der Beschwerdeführer 
einen Leistungslohn bezieht, oder ob es sich um einen geschützten Ar-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2022, IV/21/132, Seite 17

beitsplatz handelt, kann vorliegend offenbleiben. Gestützt auf die Angaben 
der Arbeitgeberin (BB 5) ist erstellt, dass der Monatslohn von Fr. 550.-- 
einen Leistungslohn darstellt. Es ist davon auszugehen, dass der 
Beschwerdeführer damit seine Restarbeitsfähigkeit bestmöglich verwertet 
und dass dies nur dank dem überdurchschnittlichen sozialen 
Entgegenkommen der Arbeitgeberin möglich ist, die ihn beschäftigt, 
obschon er hinsichtlich Selbstständigkeit und Leistungsfähigkeit nicht 
einmal den Anforderungen eines Lernenden im ersten Lehrjahr genügt.

Unter diesen Umständen erscheint der von der Beschwerdegegnerin ge-
stützt auf die LSE und allein unter Berücksichtigung der Leistungsminde-
rung von 60% unter Ausserachtlassung der zahlreichen weiteren Ein-
schränkungen gemäss Zumutbarkeitsprofil angenommene Lohn von Fr. 
27'334.-- als unrealistisch und ein Abstellen auf statistische 
Durchschnittswerte anstelle des effektiv erzielten Lohns kommt daher nicht 
in Frage; dies auch mit Blick darauf, dass stabile Verhältnisse vorliegen. 
Die Arbeitgeberin kennt den Beschwerdeführer bereits seit der dort 
absolvierten Praktischen Ausbildung und ihrem Schreiben vom 2. Februar 
2021 (BB 5) zufolge wird sie ihn auch weiterhin beschäftigen. Nach dem 
Ausgeführten könnte der Beschwerdeführer andernorts seine 
Restarbeitsfähigkeit nicht besser verwerten. Er ist somit optimal 
eingegliedert. Das Invalideneinkommen ist daher anhand des tatsächlich 
erzielten Verdienstes zu ermitteln. Infolgedessen beläuft sich das 
Invalideneinkommen auf Fr. 6‘600.-- (12 x 
Fr. 550.--). 

4.4  Bis zum 31. Juli 2020 stand der Beschwerdeführer in beruflicher 
Ausbildung und erhielt ein Taggeld (AB 25, 31). Im Anschluss erhielt er ein 
Wartezeittaggeld (AB 39) und vom 10. August bis zum 4. September 2020 
lief die AMA-Abklärung (ebenfalls mit Taggeldanspruch; AB 39 f.). Da er 
somit bis zum 4. September 2020 Taggelder nach Art. 22 IVG bezog, konn-
te der Rentenanspruch frühestens ab dem 5. September 2020 entstehen 
(vgl. Art. 29 Abs. 2 IVG). Die Rente wird vom Beginn des Monats an aus-
bezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Art. 29 Abs. 3 IVG).

Aus der Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen resultiert für das 
Jahr 2020 ein Invaliditätsgrad von gerundet 89% ([Fr. 58‘450.-- - Fr. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2022, IV/21/132, Seite 18

6‘600.--] / Fr. 58‘450.-- x 100), was einen Anspruch auf eine ganze Invali-
denrente begründet. Der Beschwerdeführer hat demnach ab dem 1. Sep-
tember 2020 Anspruch auf eine ganze Rente. 

Aufgrund des Dargelegten ist in Gutheissung der Beschwerde die ange-
fochtene Verfügung vom 15. Januar 2021 (AB 51) soweit die Rentenfrage 
betreffend aufzuheben und dem Beschwerdeführer ab dem 1. September 
2020 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Soweit das ab 1. Septem-
ber 2020 gekürzte Taggeld betreffend sind die beiden Verfügungen vom 
15. Januar 2021 (AB 51/2, 52) aufzuheben und ist die Sache an die Be-
schwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie eine allfällige Kürzung des 
Taggeldes neu berechne und alsdann abermals darüber verfüge. 

5.

5.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4). Der geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 800.-- ist dem Beschwerdeführer nach Eintritt der Rechts-
kraft des Urteils zurückzuerstatten.

5.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG).

Entsprechend der angemessenen Kostennote von Rechtsanwalt 
B.________ vom 21. Juni 2021 ist die Parteientschädigung auf Fr. 3'783.95 
festzusetzen (Aufwand von 11.75 Stunden à Fr. 280.-- zuzüglich Auslagen 
von Fr. 223.40 sowie Mehrwertsteuer von Fr. 270.55). Diesen Betrag hat 
die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer zu ersetzen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2022, IV/21/132, Seite 19

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Soweit den Rentenanspruch betreffend, wird in Gutheissung der 
Beschwerde die angefochtene Verfügung der IV-Stelle Bern vom 15. 
Januar 2021 aufgehoben und dem Beschwerdeführer ab dem 1. Sep-
tember 2020 eine ganze Invalidenrente zugesprochen.

2. Soweit die Kürzung des Taggeldes ab 1. September 2020 betreffend, 
werden die Verfügungen der IV-Stelle Bern vom 15. Januar 2021 auf-
gehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen 
zum weiteren Vorgehen im Sinne der Erwägungen.

3. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt. Der vom Beschwerdeführer geleistete Kos-
tenvorschuss von Fr. 800.-- wird ihm nach Rechtskraft des Urteils 
zurückerstattet.

4. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 3'783.95 (inkl. Auslagen und MWST), zu 
ersetzen.

5. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt B.________ z.H. des Beschwerdeführers
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Die Kammerpräsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17. Feb. 2022, IV/21/132, Seite 20

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen 
Begründung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde 
in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.