# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 760721f3-caba-5365-8d8b-585ea1571fec
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-02-29
**Language:** de
**Title:** Keine verwertbare Restarbeitsfähigkeit; die Versicherte war bei der Erstattung des polydisziplinären Gutachtens bereits über 63 Jahre alt, BGE 138 V 457
**Docket/Reference:** IV.2015.00842
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2015.00842.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2015.00842
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Gohl Zschokke
Urteil
vom
29. Februar 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Kurt Pfau
Stadthausstrasse 12, Postfach 2197, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1951,
war
während rund 14 Jahren
bei
der
Y.___
AG, einer Holzfabrik, und
von 1984 bis Januar 2000
bei der
Z.___
AG, einem Reinigungsinstitut
,
angestellt
.
Anschliessend
war sie
selbständig
erwerbstätig
.
Zusammen
mit ihrer
Tochter
gründete sie
die
Firma A.___
und führte mit
einem Pensum von 100
%
Reinigungsarbeiten in Privathaushalten
aus
(
vgl. Urk.
6
/11, 6/20 und
6/36/2 f.).
Am 1. Dezember 2010 meldete sich
die Versicherte
bei der Sozialversicherungs
-
an
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an, da sie am
9.
November 2007
als Beifahrerin
bei einer
Auffahrkollision
ein
Schleuder
-
trauma erlitten
habe und
seither arbeitsunfähig
sei (
vgl.
Urk.
6/14
und 6/29
). Die IV-Stelle
zog die Akten der Schweizerischen
Unfallversicherungsan
stalt
(Suva) bei
(
Urk.
6/21)
und
traf
weitere
erwerbliche
(
Urk.
6/20, 6/23
und
6/34)
und medizinische
(vgl.
Urk.
6/29
6/30
und
6/31)
Abklärungen.
Mit Verfü
gung vom 2
8.
März 2012 sprach sie der Versicherten
, ausgehend von einer 50%igen Arb
eits
fähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten und einem Invaliditätsgrad von 50
%
(vgl.
Urk.
6/44),
ab dem
1.
Juni 2011 eine halbe Invalidenrente zu (
Urk.
6/
52
). Dagegen liess die Versicherte
Beschwerde erheben (vgl. 6/56). Das
Sozial
-
versicherungsgericht
hiess die Beschwerde mit Urteil IV.2012.00515 vom 3
1.
Oktober 2013 in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung auf
hob, soweit sie den Anspruch auf eine die halbe Ren
t
e übersteigende Invali
denrente verneinte, und die Sache zur weiteren Abklärung
und
neue
n
Entschei
dung an die IV-Stelle zurückwies (
Urk.
6/61).
Die IV-Stelle nahm darauf
diverse
medizinische Unterlagen zu den Akten (vgl.
Urk.
6/62, 6/66, 6/68 und 6/69) und gab ein polydisziplinäres Gutachten betreffend die Fachbereiche Innere Medizin, Kardiologie, Psychiatrie
,
Neurologie und Orthopädie in Auftrag, das am 2
1.
Oktober 2014 von der MEDAS
erstattet wurde
(
Urk.
6/84)
.
Mit Vorbescheid vom 1
1.
Dezember 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Aufhebung der Invalidenrente in Aussicht (
Urk.
6/87).
Da
gegen liess die Versicherte
Einwand erheben (vgl.
Urk.
6/90 und 6/91). Die IV-Stelle hielt darauf mit Verfügung vom 2
5.
Juni 2015 fest, dass die Versicherte
weiterhin Anspruch auf die bisherige
halbe
Invalidenrente habe (
Urk.
2 = 6/94).
2.
Gegen die Verfügung vom
25
.
Juni
201
5
liess die Versicherte
, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Pfau,
mit Eingabe vom
24
.
August 2015
(Urk. 1) Beschwerde erheben mit dem Antrag, die ange
fochtene Verfügung sei aufzuheben un
d der Beschwerdeführerin sei eine ganze Invalidenrente zuzusprechen
, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
(zuzüglich Mehrwertsteuer)
zulasten der Gegenpartei (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle
beantragte
am
25
.
September 2015, es
sei
der Beschwerdeführerin eine
reformatio
in
peius
anzudrohen
, da kein Rentenan
spruch mehr bestehe
(Urk.
5
).
Am
20.
Januar 2016
fand die
von Rechtsanwalt
Dr.
Pfau
beantragte öffentliche Verhandlung statt
(vgl.
Urk.
1 S. 2 und Prot.
S. 2)
, anlässlich welcher
dieser mündlich seine Replik erstattete
und zwei
Arztbe
richte
einreichte
(vgl.
Urk.
12 und
13/1-2;
Prot. S. 2)
.
Davon wurde der Gegen
partei
, welche wie angekündigt auf die ihr freigestellte Teilnahme an der Haupt
verhandlung verzichtet hatte (vgl.
Urk.
5, 8 und 11; Prot. S. 2
),
mit Schrei
ben vom
2
0.
Januar 2016
Kenntnis gegeben (U
rk.
14
).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
erzielbare Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln, wobei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und
Verdienstaussich
ten
keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind (Urteil des Bun
desge
richts 9C_734/2013 vom 13.
März 2014 E. 2.1 mit Hinweis auf SVR 2008 IV Nr. 62 S. 203, 9C_830/2007 E. 5.1).
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt ab von den Umständen, die mit Blick auf die Anforderungen der Verweisungstätigkeiten massgebend sind (Urteil
des Bundesgerichts 9C_954/2012 vom 10. Mai 2013 E. 2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 107 V 17 E. 2c).
Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in
diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (Urteil des Bundesgerichts 9C_734/2013 vom 13. März 2014 E. 2.1 mit Hinweisen).
Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt auch davon ab, welcher Zeit
raum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht. Die im gesamten Bereich des Sozialversicherungsrechts geltende Schadenminderungspflicht und die daraus abgeleitete Selbsteingliederungslast gebieten grundsätzlich, die Frage nach der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit möglichst früh zu beantworten. Gemäss BGE 138 V 457 E. 3.4 steht die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit fest, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (Urteil des Bundesgerichts 9C_734/2013 vom 13. März 2014 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vertrat
die Beschwerdegegnerin die Auffas
sung, es lägen keine somatischen Diagnosen vor, welche die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin längerfristig einschränkten.
Der
psychisch
e
Gesund
heitszustand
der Beschwerdeführerin
habe sich kontinuierlich verbessert. Seit September 2014 sei sie aus medizinischer Sicht wieder zu 70
%
arbeitsfähig
. Die rechtliche Prüfung der psychiatrischen Diagnosen ergebe, dass keine die Krite
rien einer unüberwindbaren Störung erfülle. Aus Sicht des Rechtsanwenders sei daher von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Der Invaliditätsgrad betrage somit 0
%
und vermöge keinen Rentenanspruch mehr zu begründen. Es sei jedoch davon auszugehen, dass die rein versicherungsmedizinisch-theore
tisch bestehende Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt wegen des fortgeschrittenen Alters der Beschwerdeführerin nicht mehr nachgefragt werde und ihr deren Verwertung gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zugemutet werden könne. Sie habe folglich weiterhin Anspruch auf die bisherige (halbe) Invalidenrente (
Urk.
2).
Zur Begründung ihres Antrags auf Androhung einer
reformatio
in
peius
führte die Beschwerdegegnerin am 2
5.
September 2015 im Wesentlichen aus, dass
sich
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
seit September 2014 inso
fern
ge
bessert
habe
, als ihr wieder eine angepasste Tätigkeit zu 100
%
zumutbar sei. Auf
das
Gutachten
der MEDAS
könne inso
weit
nicht abgestellt werden, als es eine 30%
ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit aus
psychi
atrischer Sicht
berücksichtige.
D
ie Herleitung und Einordnung der psychiatri
schen Diagnosen
erscheine
nicht schlüssig.
Dementsprechend sei ein
Einkommensvergleich vor
zunehmen, aus dem ein
Invali
ditätsgrad von 28
%
resultiere
, der keinen Rentenanspruch mehr zu begründen vermöge.
Spätestens seit dem Gutachten des
Institut B.___
vom
5.
Februar 2010, mithin im Alter von 58 Jahren habe die Beschwerdeführerin gewusst, dass sie in einer angepassten Tätigkeit noch Arbeiten verrichten könnte. Ihr behand
elnder Psychiater habe
in seinem Bericht vom 2
2.
Juni 2011
eine 50%
ige Arbeitsfähigkeit bereits ab dem
1.
August 2009 festgehalten. Der erste Vorbescheid sei ergangen, als die Beschwerdeführerin 60 Jahre alt gewesen sei.
Die Beschwerdeführerin habe ihren eigenen Angaben zufolge bis zu ihrem Unfall im
Jahr
2007 uneingeschränkt gearbeitet, obwohl sie
sich
bis dahin bereits drei lumbale
n
Rückenoperationen
habe unterziehen müssen
. Der ortho
pädische Gutachter habe denn auch festgehalten, dass bereits aufgrund dieser Rückenoperationen eine etwas verminderte Belastungsfähigkeit bestanden habe. Aus somatischer Sicht habe sich seither nichts Wesentliches an diesem
Ressour
cenprofil
geändert.
Für die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit spreche die Tätigkeit in der eige
nen Reinigungsfirma. Eine gewisse Anpassung, zum Beispiel im Sinne der Zuteilung von
geeigneten Objekten, habe ohne W
eiteres bereits seit 2004 vor
genommen werden können. Weshalb dies in einem zumindest vo
rübergehenden 50%
igen Pensum auch nach dem Unfall nicht geschehen sei, könne nicht nach
vollzogen werden. Es sei deshalb nicht auf eine mangelnde Verwertbarkeit auf
grund fortgeschrittenen Alters zu schliessen
(vgl.
Urk.
5)
.
2.2
Demgegenüber lässt die Beschwerdeführerin den Standpunkt vertreten,
gestützt auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung sei von einem Invaliditätsgrad
von 100
%
auszug
ehen,
da die
allenfalls
bestehende Resterwerbs
fähigkeit
wirt
schaftlich
nicht
mehr
verwertet werden könne (
Urk.
1
und 12
).
3.
3.1
Das Sozialversicherungsgericht hat die Sache mit Urteil IV.2012.00515 vom 31. Oktober 2013 an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, weil es er
gänzende Abklärungen der somatischen Situation und des allfälligen Zusammenwirkens der psychischen und physischen Beschwerden
als erforderlich erachtete
(Urk.
6/61/4).
Die
medizinische
Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit stand
somit
gemäss der insoweit verbindlichen gerichtlichen Feststellung noch
nicht fest,
weil
die damals vorhandenen medizinischen Unterlagen – darunter auch das von der Beschwerdegegnerin angeführte Gutachten des Schweizerischen Instituts
für Versicherungsmedizin vom 5.
Februar 2010 (vgl.
Urk.
6/29/16 ff.) – diesbe
züglich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung
nicht erlaubten (
Urk.
6/61;
vgl. BGE
138 V 457 E. 3.4)
.
3.2
Erst
das
in Nachachtung des sozialversicherungsgerichtlichen Urteils in Auftrag gegebene
Gutachten
der MEDAS
vom 2
1.
Oktober 2014 (
Urk.
6/84)
nimmt
wie gefordert
zum Zusammenwirken der geklagten physischen und psychischen Beschwerden
umfassend
Stellung.
Darin wurden die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten (
Urk.
6/84/28):
1.
Angst und Depression gemischt (ICD-10: F41.2)
2.
Koronare Herzerkrankung (ICD-10: I25.1)
-
hochgradige Hauptstammstenose (ED
6.9.2013) mit
koronarangio
–g
raphi
sch Hauptstamm
ostial
hochgradig (90-99
%
)
stenosiert
, Riva
stenosefrei
, RCX
stenosefrei
, RCA diffus verändert, keine fokalen hochgradigen Stenosen, LVEF 82
%
-
Status nach AKB 2-fach O
ff
-P
ump mit LIMA auf RIVA und RIMA auf RCX in situ (
fecit
Dr.
med.
C.___
, USZ am 13.9.2013)
-
TTE 15.9.2014: normale globale und regionale Funktion des linken Ventrikels, mässig einschränkte RV-Funktion postoperativ, keine PAHT, keine relevanten
Klappenvitien
-
kardiovaskuläre Risikofaktoren
-
Status nach
Nikotinabusus
(ca. 25
py
) bis 2013
-
metabolisches Syndrom (vgl.
Dg
. 5.2.2)
3.
LWS-Syndrom (ICD-10: M54.5) bei Status nach dorsaler Dekompression und
transpedikulärer
Spond
ylodese
LWK4/5 beidseits am 14.
1.2004, nach Schraubenentfernung LWK4 und
LWK
5 links wegen Wurzelreizung L5 links am 7.4.2004 und nach dorsaler Dekompression LWK3/4 und LWK4/5 links, Metallentfernung und
Respondylodese
LWK4/5 sowie TLIF
von links mit Spongiosa-Anlagerung vom rechten Beckenkamm am
4.
7.
2005 (ICD-10: Z98.1/Z98.8/Z47.0)
-
Schmerzexazerbation
nach Sturz mit anamnestisch rein
kontusionel
len
Verletzungen Mitte August 2014 (T91.8)
4.
Sonographischer
Nachweis einer
Supraspinatussehnen
-Ruptur an der linken Schulter (ICD-10: M75.1)
-
Aktuell diesbezüglich wenig konklusiver klinischer Befund bei nicht optimaler Kooperation der Explorandin
.
Aus polydisziplinärer Sicht
könne
für sämtliche körperlich regelmässig mittel
schwer oder schwer belastenden Tätigkeiten
keine Arbeitsfähigkeit attestiert werden
. Für körperlich leichte, adaptierte Tätigkeiten bestehe eine Arbeits- respektive Leistungsfähigkeit von 70
%
(
Urk.
6/84/30)
.
Zum Belastungsprofil wurde ausgeführt, dass
das
Treppensteigen oder
das
Tra
gen von kleinen Lasten bis maximal 10 kg für kurze Strecken möglich sei. Zu vermeiden seien länger dauernde Zwangshaltungen des Rumpfes, repetitive Bewegungen der Arme oberhalb der Horizontalen
und r
ückenbelastende Tätig
keiten (Urk. 6/84/30).
Es sei schwierig, aufgrund der vorli
egenden Unterlagen die Arbeits
fähigkeit zu einem früheren Zeitpunkt retrospektiv mit Sicherheit zu beurteilen.
Die erwähnte
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
gelte daher
ab dem Zeitpunkt der Untersuchung im September 2014
(
Urk.
6/84/31)
.
Nach der Herzoperation im September 2013 habe die Arbeitsfähigkeit während sechs Monaten 0
%
betragen
(
Urk.
6/84/31)
.
Zusammenfassend könne über die Zeit gemittelt ab Januar 2009 eine
30%
ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestätigt werden, was mit Sicherheit ab Juli 2014 bestätigt werden könne, unterbrochen von der 0%igen Arbeitsfähigkeit vom September 2013 bis April 2014
(
Urk.
6/84/31)
.
4.
4.1
Geht man
im Einklang mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (vgl.
Urk.
6/86/3, 6/86/6 und 6/93/4)
davon aus, dass
das Gutachten
der MEDAS
vom 2
1.
Oktober 2014
sämtliche von der Rechtsprechung stat
u
ierten Anforderungen an ein medizi
ni
sches Gutachten (vgl. BGE 134 V 231 E. 5a und 125 V 351 E. 3a) erfüllt
, so dass darauf abgestellt werden kann,
ist damit auch
das Vorliegen
eines
genügend abgeklärte
n
Sachverhalt
es
anzunehmen
. Es ist folglich
von einer
zumutbaren Restarbeitsfähigkeit für
körperlich leichte
adaptierte Tätig
keiten von 70
%
auszugehen
.
Für die Rentenberechtigung ab dem 1. Juni 2011,
die aufgrund des Urteils IV.2012.00515 vom 3
1.
Oktober 2013 nach wie vor offen ist,
ist
unter diesen Umständen
zu prüfen, ob
die die festgestellte
Restar
beitsfähigkeit
am
21.
Oktober 2014
wirtschaftlich verwertbar war
(vgl. BGE 138 V 457 E. 3.4)
. Dabei ist zu berücksichtigen, dass
bis zur Erreichung des ordentli
chen AHV-Rentenalters im September 2015
lediglich rund zehn Monate
für die Aufnahme und Ausübung einer beruflichen
(Teilzeit-)
Tätigkeit
zur Verfügung standen
.
Die Beschwerdeführerin
hatte nie eine berufliche Ausbildung absol
viert
.
Sämtliche
administrativen Angelegenheiten und die Betriebsführung der
Firma A.___
überliess sie
– unter anderem aus sprachlichen Gründen – stets
ihrer Tochter und deren Ehemann
, während
sie selbst
ausschliesslich Reinigungsarbeiten verrichtete (
Urk.
6/36/3).
Solche sind ihr – wenn überhaupt – aufgrund der gutachterlichen Einschätzung nur noch
sehr
eingeschränkt zumutbar, da sie länger dauernde Zwangshaltungen des Rumpfes, repetitive Bewegungen der Arme oberhalb der Horizontalen und rückenbelastende Tätigkeiten zu vermei
den hat (Urk. 6/84/30).
Es erscheint deshalb nicht als überwiegend wahrschein
lich, dass sie auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
eine
behinderungsange
passte
Tätigkeit in der Reinigungsbranche finden wird.
Die
Tochter
und der Schwiegersohn
der Beschwerdeführerin
, welche die
Firma A.___
seit September 2011 alleine betreiben (vgl.
Urk.
6/36/2),
sind
jedenfalls
nicht ver
pflichtet, ihr einen
behinderungsangepassten Arbeitsplatz
zur Verfügung zu stellen.
Altersbedingt ist
von einer geringen Anpassungsfähigkeit
der Beschwer
deführerin
an eine neue Tätigkeit und Branche auszugehen.
Dabei fällt ins Gewicht, dass die Beschwerdeführerin seit mehreren Jahren keinerlei
erwerbli
che
Tätigkeit mehr ausgeübt hat
(vgl. Urk.
6/20/4).
Es sind auch
weder beson
dere
Begabungen
noch
Fertigkeiten ersichtlich,
welche
ihr einen beruflichen Wiedereinstieg erleichtern könnten.
Aus dem Gesagten folgt, dass die gut
achterlich festgestellte Restarbeitsfähigkeit wirtschaftlich nicht mehr verwertbar ist und damit eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vorliegt, die einen Anspruch auf eine ganze Rente begründet (vgl. BGE 138 V 457 E. 3.1).
4.2
Zu keinem anderem Ergebnis würde man gelangen, wenn man die von der Beschwerde
gegnerin
vertretene Auffassung teilen würde, dass auf das Gutach
ten
der MEDAS
vom 2
1.
Oktober 2014 nicht vollumfänglich abgestellt werden kann
, weil das psychiatrische Teilgutachten nicht überzeugt
(vgl. Urk.
5)
. Der massgebliche medizinische Sachverhalt bedürfte
unter diesen Umständen
einer weiteren Abklärung.
Da die Beschwerdeführerin bereits seit dem
1.
Oktober 2015 eine Altersrente bezieht (
Urk.
6/96), wäre die im Rahmen der weiteren Ab
klärungen allenfalls noch festzustellende Restarbeitsfähigkeit ohnehin nicht mehr verwertbar.
4.3
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführerin
ab Juni 2011 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen ist. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
5
.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- festzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Überdies hat die obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf den Ersatz der
Partei
kosten
(§ 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
). Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierig
keit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine
Prozessentschädi
gung von Fr. 2‘2
00.-- als an
gemes
sen.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird
die Verfügung
der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 2
5
.
Juni
201
5
aufgehoben und es wird festgestellt, dass d
i
e Beschwerdeführer
in
ab dem
1.
Juni 2011
Anspruch auf eine ganze Invali
denrente hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
-
schä
digung
von
Fr.
2‘200
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Dr.
Kurt Pfau
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigGohl Zschokke