# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8a3ca7ff-3f9d-581a-938b-d32272b3b477
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-09-14
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 14.09.2010 SK2 2010 40
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_SK2-2010-40_2010-09-14.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 14. September 2010 Schriftlich mitgeteilt am:
SK2 10 40

Entscheid
II. Strafkammer

Vorsitz Bochsler
RichterInnen Hubert und Schlenker
Redaktion Aktuarin ad hoc Peng

In der strafrechtlichen Beschwerde

des X., Beschwerdeführer,

gegen

die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 5. Juli 2010, 
mitgeteilt am 6. Juli 2010, in Sachen des Y., Beschwerdegegner,

betreffend Veruntreuung,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. Am 18. Mai 2009 schlossen X. (Verkäufer) und Y. (Käufer) einen Miet-Kauf-
vertrag für einen Occasions-Wohnwagen ab. Der Inhalt dieses Vertrages lautet wie 
folgt:

„Der Kauf kommt unter folgenden Bedingungen zustande:

- die Zahlung erfolgt monatlich in 19 Raten à 515.- Franken (= 9785.-);
1. Rate: Juni 2009, letzte Rate: Dezember 2010

- bis zur letzten Zahlung bleibt der Wohnwagen im rechtlichen Besitz von 
X. und darf vom Käufer nicht weiterverkauft werden

- der Wohnwagen ist in einem sehr guten Zustand (keine Schäden, fahr-
bar) übergeben worden, aus diesem Grund bestehen keine Garantiean-
sprüche seitens des Käufers

- kann der Käufer seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkom-
men, wird der Wohnwagen abgeholt und die bereits geleisteten Zahlun-
gen werden für die Instandsetzung des Wohnwagens verwendet

- der Käufer ist verpflichtet X. über den Standort des Wohnwagens auf 
dem Laufenden zu halten und ihn zu versichern

Mit der Unterschrift bestätigen beide Parteien die Bedingungen anzuerken-
nen und einzuhalten.“

Y. tauschte den Wohnwagen am 16. Juli 2009 bei der Firma A. in B. gegen einen 
anderen Wohnwagen ein. Am 19. Juli 2009 erfuhr X. zufälligerweise vom Tausch-
geschäft, weil er „seinen“ Wohnwagen in C. sah und in der Folge entsprechende 
Abklärungen tätigte. Allerdings unternahm er erst etwas in der Sache, als er am 10. 
September 2009 die bisher letzte von lediglich vier Ratenzahlungen à Fr. 500.- er-
hielt. X. reichte am 29. Januar 2010 bei der Kantonspolizei Schwyz eine Strafan-
zeige wegen Veruntreuung gegen Y. ein. Er wurde am selben Tag von der Kantons-
polizei Schwyz zum Vorfall befragt (vgl. act. 3.10). Y. verweigerte im Beisein seines 
Anwaltes jegliche Aussage, als er am 11. Februar 2010 von der Kantonspolizei So-
lothurn einvernommen wurde (vgl. act. 3.12).

B. Nach der Strafanzeige von X. ersuchte Untersuchungsrichter lic. iur. P. Fluri 
des Bezirksamts March mit Schreiben vom 11. März 2010 die Staatsanwaltschaft 
Graubünden unter Hinweis auf Art. 340 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbu-
ches (StGB; SR 311.0) sowie den Tatort in B. (Ort des Eintauschs des Wohnanhän-
gers) um Übernahme des Verfahrens (act. 1.2). In seinem Antwortschreiben vom 
15. März 2010 vertrat Untersuchungsrichter lic. iur. Claudio Riedi die Auffassung, 
ein Eigentumsvorbehalt an der übertragenen Sache sei, soweit ersichtlich, nicht er-
folgt. Deshalb dürfte Y. das Eigentum am Wohnwagen erworben haben. Eine Ver-
untreuung falle damit mangels „Fremdheit“ von vornherein ausser Betracht. Der 

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Sachverhalt wäre wohl unter dem Titel des Betrugs zu prüfen, wozu im Kanton 
Graubünden jedoch keine Ausführungshandlungen gesetzt worden seien. Er 
komme daher zum Schluss, dass die Staatsanwaltschaft Graubünden das Verfah-
ren nicht übernehmen könne (act. 1.3).

Mit Schreiben vom 18. März 2010 legte Untersuchungsrichter lic. iur. P. Fluri des 
Bezirksamts March mit eingehender Begründung seine gegenteilige Auffassung 
dar. Dabei thematisierte er insbesondere die sich bei Miet-Kaufverträgen stellende 
Rechtsfrage betreffend Eigentumsübertragung und zitierte die herrschende Lehre 
dazu (vgl. act. 1.4). Daraufhin übernahm die Staatsanwaltschaft Graubünden den 
Fall und erliess am 21. April 2010 die Eröffnungsverfügung.

C. Ausser dem Beizug eines Strafregisterauszuges (act. 2.1) und der Steuer-
faktoren (act. 2.2) wurden seitens des Untersuchungsrichteramtes Chur keine wei-
teren Untersuchungshandlungen getätigt. Mit Verfügung vom 5. Juli 2010 wurde die 
Strafuntersuchung gegen Y. wegen Veruntreuung eingestellt (act. 1.6). Das Unter-
suchungsrichteramt Chur begründete dies damit, dass eine Veruntreuung im Sinne 
von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB begehe, wer sich eine ihm anvertraute fremde be-
wegliche Sache aneigne, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu berei-
chern. Die Fremdheit der Sache beurteile sich dabei streng nach zivilrechtlichen 
Kriterien. Damit seien zunächst die zivilrechtlichen Eigentumsverhältnisse am frag-
lichen Anhänger abzuklären. Gemäss Art. 715 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilge-
setzbuches (ZGB; SR 210) wäre X. nur dann Eigentümer des Wohnwagens geblie-
ben, wenn er diesen unter einen Eigentumsvorbehalt gestellt hätte. Da kein Eigen-
tumsvorbehalt im öffentlichen Register am Wohnort von Y. eingetragen worden sei, 
sei das Eigentum am Wohnwagen mit Abschluss des Kaufvertrages und Übergabe 
der beweglichen Sache rechtsgültig auf den Erwerber übergegangen.

D. X. legte am 15. Juli 2010 (Poststempel) gegen die Einstellungsverfügung in 
Sachen des Y. Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden ein.

E. Mit Verfügung vom 20. Juli 2010 wurde der Staatsanwaltschaft Graubünden 
und Y. Gelegenheit gegeben, sich zur Beschwerde zu äussern. Die Staatsanwalt-
schaft Graubünden verzichtete mit Schreiben vom 21. Juli 2010 auf eine Stellung-
nahme. Y. liess sich ebenfalls nicht vernehmen. Die für ihn bestimmte Sendung kam 
von der Post mit dem Vermerk „nicht abgeholt“ zurück.

Auf die Beschwerdebegründung und die weiteren Ausführungen im angefochtenen 
Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegan-
gen.

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II. Erwägungen

1. Gemäss Art. 139 Abs. 1 der Strafprozessordnung des Kantons Graubünden 
(StPO; BR 350.000) ist zur Beschwerdeführung legitimiert, wer durch den angefoch-
tenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an seiner Aufhebung 
geltend machen kann. Als in diesem Sinne beschwert gilt insbesondere der durch 
die mutmassliche Straftat unmittelbar Geschädigte (Willy Padrutt, Kommentar zur 
Strafprozessordnung des Kantons Graubünden [StPO], 2. Aufl., B. 1996, S. 353 f. 
mit Hinweisen). Dies trifft bei X. zu, weil er aufgrund der verdächtigten Veruntreuung 
sein Eigentum am Wohnwagen verloren hat. Auf seine im Übrigen form- und frist-
gerecht eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten.

2. Nach Art. 138 StPO kann gegen genehmigte Einstellungsverfügungen des 
Untersuchungsrichters beim Kantonsgericht Beschwerde wegen Rechtswidrigkeit 
oder Unangemessenheit geführt werden. Eine Einstellungsverfügung ist angemes-
sen und hält der umschriebenen Kontrolle stand, wenn aufgrund des Untersu-
chungsergebnisses nicht genügend Anhaltspunkte für das Vorliegen einer straf- und 
verfolgbaren Handlung vorliegen und somit bei gerichtlicher Beurteilung ein Frei-
spruch erwartet werden müsste, und wenn keine neuen Beweismittel ersichtlich 
sind, die das Beweisergebnis beeinflussen könnten. Aufzuheben ist demgegenüber 
eine Einstellungsverfügung, wenn in objektiver und subjektiver Hinsicht Anhalts-
punkte vorliegen, die einen Schuldspruch als wahrscheinlich erscheinen lassen 
oder wenn die Möglichkeit einer sinnvollen Untersuchungsergänzung nicht ausge-
schöpft wurde und damit kein entscheidungsreifes Beweisergebnis vorliegt (PKG 
1997 Nr. 36 E. 5 S. 147; 1975 Nr. 58 E. 1 S. 160 f.; Padrutt, a.a.O., S. 164 und 347).

3. Die Staatsanwaltschaft Graubünden ging in ihrer Einstellungsverfügung ohne 
irgendeine Begründung davon aus, dass die Parteien einen Kaufvertrag abge-
schlossen hätten. Daraus folgerte sie, dass das Eigentum am Wohnwagen mangels 
Eigentumsvorbehalt auf Y. übergegangen sei und eine Veruntreuung daher ausser 
Betracht falle (act. 1.6 E. 2 f.).

Hierbei befasste sich die Staatsanwaltschaft Graubünden überhaupt nicht mit den 
sich stellenden Rechtsfragen. Insbesondere nahm sie keine Auslegung des Vertra-
ges vor und versuchte nicht, den Willen der Parteien zu ermitteln. Dies erstaunt in 
Anbetracht der Umstände, dass der Vertrag den Titel „Miet-Kaufvertrag“ aufweist 
und der Kauf nur unter bestimmten (Suspensiv-)Bedingungen als zustande gekom-
men erklärt wird. So wird beispielsweise im Vertrag erwähnt, dass der Wohnwagen 
bis zur letzten (Raten-)Zahlung im rechtlichen Besitz von X. bleibt und vom Käufer 

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nicht weiterverkauft werden darf (act. 3.3). Auf diese Klausel wies der Beschwerde-
führer auch in der polizeilichen Einvernahme vom 29. Januar 2010 hin (vgl. act. 
3.10). Ausserdem thematisierte Untersuchungsrichter lic. iur. P. Fluri des Bezirks-
amts March im Zusammenhang mit der Frage nach der Zuständigkeit zur Untersu-
chung dieses Falles die sich stellenden Rechtsfragen und verwies dabei auf die 
neuere Literatur. Er kam zum Schluss, dass wenn nicht eine vollendete Veruntreu-
ung vorliegen würde, so wäre jedenfalls eine versuchte Veruntreuung zu prüfen (act. 
1.4).

4. Ob die Sache fremd ist, richtet sich ausschliesslich nach Zivilrecht. Dieses 
bestimmt, ob das Eigentum an der Sache an den Täter übergegangen ist. Bei 
Übertragung einer Sache unter gültigem Eigentumsvorbehalt geht das Eigentum 
nicht über. Der Eigentumsvorbehalt muss, um wirksam zu sein, beim Betreibungs-
amt nach Art. 715 Abs. 1 ZGB eingetragen werden. Bleibt die Sache nach dem 
Willen der Parteien für denjenigen, der daran Gewahrsam erhält, fremd, so er-
scheint die Sache als taugliches Objekt nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (so etwa 
bei Miete, Leihe, Hinterlegung etc.). Im Gegensatz dazu geht beim Kreditkauf (Ab-
zahlungsvertrag) das Eigentum grundsätzlich auf den Käufer über, so dass eine 
Veruntreuung als ausgeschlossen erscheint (vgl. zum Ganzen Marcel Alexander 
Niggli/Christof Riedo, Basler Kommentar, Strafrecht II, 2. Aufl., Basel 2007, Art. 138 
N. 12 ff.; Günter Stratenwerth/Guido Jenny, Schweizerisches Strafrecht, Besonde-
rer Teil I: Straftaten gegen Individualinteressen, 6. Aufl., Bern 2003, § 13 N. 51).

Schwieriger gestaltet sich die Rechtslage, wenn nicht ein reiner Miet- oder Kaufver-
trag, sondern ein gemischtes Vertragsverhältnis wie im hier zu beurteilenden Fall 
vorliegt. Gemäss Literatur und Judikatur ist dann in erster Linie der wirkliche Willen 
der Vertragsparteien zu ermitteln, was durch Auslegung des Vertrages zu gesche-
hen hat (vgl. beispielsweise BGE 106 IV 254 ff. = Pra. 70 (1981) Nr. 20; BGE 86 IV 
160 E. 4.b S. 166 f.; ZR 68 (1969) Nr. 36 S. 90; Hans Schultz, Die Rechtsprechung 
des Bundesgerichtes in Strafsachen im Jahre 1960, ZBJV 98 (1962) S. 110; Ivo 
Schwander, Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch II, 3. Aufl., Basel 2007, Art. 714 N. 
5; SJZ 56 (1960) S. 318).

5.a) Die Staatsanwaltschaft Graubünden hat in ihrer Einstellungsverfügung vom 
5. Juli 2010 weder eine Auslegung des Vertrages im vorerwähnten Sinne vorge-
nommen, noch sich mit der einschlägigen Literatur und Rechtsprechung zu Miet-
Kaufverträgen befasst. Mit ihrer apodiktischen Behauptung, es liege ein Kaufvertrag 
vor und mangels eingetragenem Eigentumsvorbehalt sei das Eigentum auf Y. über-
gegangen, weshalb eine Veruntreuung nicht in Frage komme, genügt die Einstel-

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lungsverfügung den an sie gestellten Begründungsanforderungen nicht. Deshalb ist 
verständlich, dass X. die Einstellungsverfügung nicht nachvollziehen kann.

b) Im Entscheid PKG 2008 Nr. 12 hat das Kantonsgerichts von Graubünden 
festgehalten, dass es nicht Sache der Beschwerdekammer sei, die fehlende bzw. 
nicht alle rechtserheblichen Tat- und Rechtsfragen umfassende Begründung zu er-
setzen, wenn sich die Einstellungsverfügung nicht mit allen rechtserheblichen Fra-
gen befasse. Vielmehr sei die unzureichend begründete Einstellungsverfügung auf-
zuheben und die Sache an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen. Genauso ist 
auch im vorliegenden Fall zu verfahren. Eine (erneute) Einstellung des Verfahrens 
kommt dabei nur in Frage, wenn sich die Rechtslage derart klar darstellt, dass bei 
richterlicher Beurteilung eine Verurteilung unwahrscheinlich ist und somit ein Frei-
spruch erwartet werden müsste (vgl. vorn E. 2).

6. Wird ein Rechtsmittel gutgeheissen, so entscheidet das Gericht über die Kos-
tenverteilung zwischen dem Obsiegendem, dem Staat, der ersten Instanz und dem 
Unterliegenden (Art. 160 Abs. 3 StPO). Vorliegend hat die unterliegende Partei 
keine Vernehmlassung eingereicht und insbesondere auch keinen Antrag gestellt. 
Es rechtfertigt sich daher nicht, ihr die Verfahrenskosten zu überbinden. Stattdessen 
erscheint es angezeigt, dem Kanton Graubünden die Kosten des Beschwerdever-
fahrens in der Höhe von Fr. 800.- aufzuerlegen. Auf die Zusprechung einer ausser-
amtlichen Entschädigung kann verzichtet werden, da der Beschwerdeführer nicht 
anwaltlich vertreten und zudem die Beschwerde nicht mit einem nennenswerten 
Aufwand verbunden war.

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III. Demnach wird erkannt

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Einstellungsverfügung 
aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen an die Staatsanwalt-
schaft Graubünden zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 800.- gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden.

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG; SR 173.110) Beschwerde in Strafsachen an das Schweizerische 
Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Bundesgericht schriftlich, innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen 
Ausfertigung der Entscheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebe-
nen Weise einzureichen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, 
die weiteren Voraussetzungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die 
Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. BGG.

4. Mitteilung an: