# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6bbe9958-2c28-5780-a749-2b4f9b13e71c
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2005-05-23
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Zollrekurskommission 23.05.2005 JAAC 69.121
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_016_JAAC-69-121--_2005-05-23.pdf

## Full Text

JAAC 69.121

Auszug aus dem Entscheid ZRK 2004-043 der
Eidgenössischen Zollrekurskommission vom 23. Mai

2005 in Sachen X. Ltd

Notification d’une décision à l’étranger. Domicile de notification. Bonne
foi. Comportement contradictoire de l’autorité. Délai de recours.

Art. 20 al. 1, art. 36 let. b, art. 38 PA. Art. 9, art. 29 al. 1 Cst. Art. 34
DPA.

- La notification directe d’une décision à une partie qui est à l’étranger
est contraire au droit (consid. 2c.aa, 4b.bb). La constitution par les
parties à l’étranger d’un domicile suisse de notification est aussi
autorisée dans la procédure soumise à la PA. Faute de base légale,
cependant, la personne à l’étranger ne peut pas être tenue de désigner
un domicile de notification en Suisse (consid. 2c.dd, 4a).

- Dans certaines situations, l’obligation de l’autorité d’attirer d’office
l’attention du privé sur les vices de procédure qu’il a commis ou qu’il
s’apprête à commettre peut se déduire tant du principe de la confiance
que de l’interdiction du formalisme excessif (consid. 3c, 4b.aa).

- Interdiction d’un comportement contradictoire. L’administration des
douanes a eu un comportement contradictoire, en envoyant de manière
continue, malgré la constitution d’un domicile suisse de notification,
de la correspondance directement à la recourante à l’étranger et
en notifiant seulement la décision dont il est question en l’espèce au
domicile de notification. La recourante pouvait ainsi de bonne foi
estimer que le délai de recours ne commençait à courir que dès la
communication de ladite décision à l’étranger (consid. 3b, 4b.bb).

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Eröffnung einer Verfügung im Ausland. Zustelldomizil. Treu und
Glauben. Widersprüchliches Verhalten der Behörde. Beschwerdefrist.

Art. 20 Abs. 1, Art. 36 Bst. b, Art. 38 VwVG. Art. 9, Art. 29 Abs. 1 BV. Art.
34 VStrR.

- Die direkte Zustellung einer Verfügung an eine Partei im Ausland ist
rechtswidrig (E. 2c.aa, 4b.bb). Die Bestellung eines schweizerischen
Zustellungsdomizils bei Parteien im Ausland ist auch im dem VwVG
unterstehenden Verfahren zulässig. Die ausländische Person darf
jedoch mangels gesetzlicher Grundlage nicht dazu verpflichtet werden,
ein Zustelldomizil in der Schweiz zu benennen (E. 2c.dd, 4a).

- Sowohl aus dem Vertrauensprinzip als auch aus dem Verbot
des überspitzten Formalismus kann in gewissen Situationen eine
Verpflichtung der Behörde abgeleitet werden, den Privaten von Amtes
wegen auf Verfahrensfehler hinzuweisen, die er begangen hat, oder die
er im Begriff ist zu begehen (E. 3c, 4b.aa).

- Verbot widersprüchlichen Verhaltens. Die Zollverwaltung hat
sich widersprüchlich verhalten, indem sie trotz Bestellung eines
schweizerischen Zustelldomizils weiterhin Korrespondenz direkt an die
Beschwerdeführerin ins Ausland gesandt hat und erst die vorliegend
in Frage stehende Verfügung am Zustelldomizil eröffnet hat. Die
Beschwerdeführerin durfte deswegen nach Treu und Glauben davon
ausgehen, dass erst ab Mitteilung der besagten Verfügung an sie im
Ausland die Beschwerdefrist zu laufen begann (E. 3b, 4b.bb).

Notifica di una decisione all’estero. Domicilio di notifica. Buona fede.
Comportamento contradditorio dell’autorità. Termine di ricorso.

Art. 20 cpv. 1, art. 36 lett. b, art. 38 PA. Art. 9, art. 29 cpv. 1 Cost. Art. 34
DPA.

- La notifica diretta di una decisione ad una parte all’estero è illegale
(consid. 2c.aa, 4b.bb). La designazione di un domicilio di notifica in
Svizzera per parti all’estero è ammissibile anche nella procedura
regolata dalla PA. Tuttavia, a causa dell’assenza di una base legale, la
persona straniera non può essere obbligata ad indicare un domicilio di
notifica in Svizzera (consid. 2c.dd, 4a).

- Sia sulla base del principio della buona fede che su quello del divieto
del formalismo eccessivo, in determinate situazioni può esservi un
obbligo dell’autorità di informare d’ufficio il privato in merito ad errori
procedurali che egli ha commesso o che sta commettendo (consid. 3c,
4b.aa).

- Divieto di comportamento contradditorio. L’Amministrazione delle
dogane si è comportata in modo contradditorio poiché ha continuato
ad inviare la corrispondenza direttamente alla ricorrente all’estero,
malgrado l’indicazione di un domicilio di notifica in Svizzera. Inoltre,
l’autorità ha notificato al domicilio indicato solo la decisione in
questione nella fattispecie. La ricorrente poteva quindi in buona

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fede ritenere che il termine ricorsuale iniziava a decorrere solo a
partire dalla comunicazione della decisione che le è stata intimata
direttamente all’estero (consid. 3b, 4b.bb).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. Die X. Ltd. ist eine ausländische Gesellschaft mit Sitz in B. (Ausland).
Am 1. September 2000 leitete die Zollkreisdirektion Schaffhausen bei der
Firma D. GmbH eine Untersuchung ein, wobei unter anderem 5,5 Gramm
M-Protein beschlagnahmt wurden. Die Zollkreisdirektion kam zum Schluss,
dass die X. Ltd. mit der D. einen Vertrag über die Lagerung des M-Proteins
abgeschlossen habe und stellte fest, dass für die Einfuhr dieses Produkts kein
Verzollungsnachweis erbracht werden konnte. Sie verfügte am 12. Februar
2003 der X. Ltd. gegenüber den Nachbezug der Mehrwertsteuer auf der
Einfuhr im Betrag von Fr. x.-.

B. Gegen diese Nachbezugsverfügung erhob die X. Ltd. mit Schreiben
vom 21. März 2003 (eingelangt am 24. März 2003) Beschwerde bei der
Oberzolldirektion (OZD) und begehrte unter anderem sinngemäss, die
Verfügung vom 12. Februar 2003 sei aufzuheben und das M-Protein
zurückzugeben.

C.Mit Entscheid vom 6. Februar 2004 trat die OZD auf die Beschwerde
nicht ein, weil die Beschwerdefrist nicht eingehalten worden sei. Die
Zollkreisdirektion habe die X. Ltd. mit Schreiben vom 25. März 2002 auf Art.
34 des Bundesgesetzes vom 22. März 1974 über das Verwaltungsstrafrecht
(VStrR, SR 313.0) und die Bedeutung des Rechtsinstituts des Zustelldomizils
hingewiesen. Auf dem beigelegten Fragebogen sei vermerkt gewesen,
dass automatisch die Zolldienstliche Versandzentrale (im Folgenden
Versandzentrale) in Zürich als Zustelldomizil gelte, wenn auf diesem Formular
nicht ein anderes Zustelldomizil bezeichnet werde. Die X. Ltd. habe das
Formular ausgefüllt, diese Rubrik zum Zustelldomizil aber nicht abgeändert,
womit sie das von den Zollbehörden vorgeschlagene Zustelldomizil akzeptiert
habe. Die Nachbezugsverfügung vom 12. Februar 2003 sei der Versandzentrale
am 14. Februar 2003 zugestellt worden. Diese habe die Verfügung gleichentags
der X. Ltd. übermittelt und in ihrem Schreiben die X. Ltd. nochmals über den
Lauf der Beschwerdefrist belehrt. Die Frist für die Beschwerde an die OZD von
30 Tagen sei mit der vom 21. März 2003 datierten und am 24. März 2003 bei
der OZD eingelangten Beschwerde nicht eingehalten.

D. Gegen diesen Entscheid lässt die X. Ltd. (im Folgenden Beschwerdeführerin)
mit Eingabe vom 10. März 2004 Beschwerde führen bei der Eidgenössischen
Zollrekurskommission (ZRK). Unter anderem machte die Beschwerdeführerin
geltend, sie sei darin nicht darauf hingewiesen worden, dass eine Zustellung
an die Versandzentrale eine Rechtsmittelfrist auslöse. Mit Schreiben vom
7. Januar 2003 habe die Zollkreisdirektion der Beschwerdeführerin das
rechtliche Gehör gewährt. Dieses Schreiben wurde, obwohl es auch eine Frist
auslöste, auf dem Postweg, mittels eingeschriebenem Brief und Rückschein,
zugestellt. Die Beschwerdeführerin habe deswegen darauf vertrauen
dürfen, dass sämtliche Korrespondenz auf dieselbe Art und Weise zugestellt
würde, und dass für die Fristauslösung sämtlicher Fristen dieselbe Regelung

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gelte, nämlich Fristenlauf ab Empfang durch die Beschwerdeführerin. Die
Beschwerdeführerin habe die Nachbezugsverfügung am 24. Februar 2003
erhalten, die Beschwerde vom 21. März 2003, eingegangen bei der OZD am 24.
März 2003, sei damit rechtzeitig eingereicht worden und auf die Beschwerde
sei einzutreten.

E.Mit Vernehmlassung vom 9. Dezember 2004 beantragt die OZD die
kostenfällige Abweisung der Beschwerde.

Aus den Erwägungen:

1. (...)

2.a. Die nach Tagen berechnete, mitteilungsbedürftige Frist beginnt an dem
auf ihre Mitteilung an die Partei folgenden Tag zu laufen (Art. 20 Abs. 1 des
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren
[VwVG, SR 172.021]). Fällt der letzte Tag einer Frist auf einen Samstag, einen
Sonntag oder einen amWohnsitz oder Sitz der Partei oder ihres Vertreters
vom kantonalen Recht anerkannten Feiertag, so endigt die Frist am nächsten
Werktag (Art. 20 Abs. 3 VwVG). Die Frist für eine schriftliche Eingabe ist
gewahrt, wenn diese am letzten Tag der Frist der Behörde eingereicht oder
zu deren Handen der schweizerischen Post oder einer schweizerischen
diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben wird (Art. 21
Abs. 1 VwVG). Die Aufgabe bei einer ausländischen Poststelle genügt hingegen
nicht (vgl. Entscheid der Eidgenössischen Personalrekurskommission [PRK]
vom 7. November 2001 i.S. B. [PRK 2001-012], E. 3).

b. Ein Urteil erlangt erst mit der offiziellen Mitteilung an die Parteien
rechtliche Existenz. Solange es nicht mitgeteilt wurde, existiert es nicht.
Seine Unwirksamkeit muss von Amtes wegen beachtet werden (BGE 122 I
98 ff. E. 3). Ohne Eröffnung hat der Berührte keine Kenntnis vom Inhalt der
Verfügung, kann er sich nicht zur Wehr setzen und keine Rechtsmittel nutzen.
Die Eröffnung ist deshalb unabdingbar. Massgebend für die ordnungsgemässe
Eröffnung einer Verfügung ist das Datum der Zustellung an den Adressaten
(vgl. Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission [SRK] vom 27.
Juni 2002 i.S. T. AG [SRK 2002-043] E. 2c; siehe auch Entscheid der SRK vom 20.
Februar 1996, veröffentlicht in VPB 61.66 E. 3). Entscheidend für den Beginn
von Fristen, die durch die Zustellung einer Gerichtsurkunde ausgelöst werden,
ist der Zeitpunkt des Eintreffens im Machtbereich des Adressaten (BGE 122 III
320 E. 4b). Irrelevant ist der Zeitpunkt, wo der Empfänger persönlich von der
Verfügung Kenntnis nimmt (Entscheid der PRK vom 7. November 2001, a.a.O.,
E. 2a). Gemäss Art. 34 Abs. 1 VwVG eröffnet die Behörde Verfügungen den
Parteien schriftlich. Der Beweis der Eröffnung, insbesondere der Zustellung
einer Verfügung und deren Zeitpunkt obliegt der Behörde (BGE 101 Ia 9; Alfred
Kölz /Isabelle Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des
Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 123, Rz. 341 mit Hinweisen). Aus mangelhafter
Eröffnung einer Verfügung darf den Parteien kein Nachteil erwachsen
(Art. 38 VwVG). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist nicht jede
mangelhafte Eröffnung schlechthin nichtig mit der Konsequenz, dass die
Rechtsmittelfrist nicht zu laufen beginnen könnte. Es ist vielmehr nach
den konkreten Umständen des Einzelfalles zu prüfen, ob die betroffene
Partei durch den Eröffnungsmangel tatsächlich irregeführt und dadurch
benachteiligt worden ist. Richtschnur für die Beurteilung dieser Frage ist

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_122%20I%2098
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_122%20I%2098
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003563.pdf?ID=150003563
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_122%20III%20320
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_122%20III%20320
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_101%20Ia%209

der auch in diesem prozessualen Bereich geltende Grundsatz von Treu und
Glauben (BGE 122 I 99 E. 3a/aa, BGE 111 V 150 E. 4c; Entscheid der PRK vom 9.
November 2000, veröffentlicht in VPB 65.43 E. 2c/dd).

c.aa. Die Eröffnung von Verfügungen ins Ausland unterliegt besonderen
Regeln. Die Eröffnung einer amtlichen Verfügung oder eines gerichtlichen
Entscheids stellt einen hoheitlichen Akt dar, dessen Ausführung grundsätzlich
ausschliesslich den territorial zuständigen, d. h. inländischen Behörden
zusteht (BGE 124 V 50 E. 3a, BGE 105 Ia 311 E. 3b, BGE 103 III 4 E. 2). Deshalb
hat die Zustellung einer Verfügung ins Ausland auf diplomatischem oder
konsularischemWeg zu erfolgen (BGE 103 III 4 E. 2). Von dieser Regel kann
nur abgewichen werden, wenn ein Staatsvertrag dies ausdrücklich vorsieht
(Jean-François Poudret, Commentaire de la loi fédérale d’organisation
judiciaire, Band I, Bern 1990, S. 170 f., N 6.5 ad Art. 29). Die direkte postalische
Zustellung eines amtlichen Schriftstücks ins Ausland ist ein Hoheitsakt auf
fremdem Staatsgebiet, der nicht ohne Zustimmung des fremden Staates
vorgenommen werden darf (BGE 105 Ia 311 E. 3b in initio, BGE 103 III 4 E.
2b). Eine Zustellung ohne Zustimmung des fremden Staates ist rechtswidrig,
da sie das grundlegende völkerrechtliche Prinzip der Souveränität der
Staaten verletzt (René A. Rhinow/Beat Krähenmann, Schweizerische
Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel 1990, Rz. 84 I k mit
weiteren Hinweisen; vgl. Lothar Frank, Die Zustellung im Ausland, in: Die
Sozialgerichtsbarkeit 35/1988 S. 142 ff.). Die Zustellung durch normale
Postsendung kommt häufig vor, bleibt aber rechtswidrig (Pierre Moor, Droit
administratif, Band I, 2. Aufl., Bern 1994, S. 163). Die Zustellung amtlicher
Schriftstücke mit normaler Post ins Ausland stellt eine Verletzung der
Gebietshoheit des Territorialstaates dar. Davon ausgenommen sind blosse
Mitteilungen ohne rechtsgestaltende Wirkung (Gutachten der Direktion
für Völkerrecht vom 10. April 2000, veröffentlicht in VPB 66.128 Ziff. 1
und 4). Das Bundesgericht hat gerichtliche Akten als nichtig erklärt, die
von schweizerischen Behörden in Verletzung von (staatsvertraglichem)
Völkerrecht durch die Post an Parteien mit Domizil im Ausland gesandt
wurden (BGE 105 Ia 311 E. 3b mit Hinweisen; zum Ganzen: Entscheide der ZRK
vom 22. März 2002, veröffentlicht in VPB 66.94 E. 2a/b, und vom 16. März 2005
i.S. S. [CRD 2005-009]; Entscheid der PRK vom 7. November 2001, a.a.O., E. 2a,
b).

bb. Nach den Bestimmungen von Art. 36 Bst. b VwVG kann die Behörde ihre
Verfügungen gegenüber einer Partei, die sich im Ausland aufhält und keinen
erreichbaren Vertreter hat, durch Veröffentlichung in einem amtlichen Blatt
eröffnen, wenn die Zustellung an den Aufenthaltsort unmöglich ist. Wenn
Art. 36 Bst. b VwVG die Publikation von der Unmöglichkeit einer postalischen
Zustellung abhängig macht, so sind nicht nur tatsächliche, sondern auch
rechtliche Unmöglichkeiten gemeint. Die Zustellung hat deshalb auch als
unmöglich zu gelten, wenn sie völkerrechtlich unzulässig ist (BGE 119 Ib 431 E.
2b).

cc. Art. 34 Abs. 2 VStrR regelt für den Bereich des Verwaltungsstrafrechts
unter dem Titel «Zustellungsdomizil» das folgende: Hat der landesabwesende
Beschuldigte in einem Staate, dessen Rechtshilfe nicht in Anspruch genommen
werden kann, ein bekanntes Domizil, so ist ihm, wenn nicht besondere Gründe
entgegenstehen, die Eröffnung des Strafverfahrens durch eingeschriebenen
Brief bekannt zu geben und gleichzeitig mitzuteilen, dass er, sofern er im

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_111%20V%20150
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005186.pdf?ID=150005186
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_124%20V%2050
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_105%20Ia%20311
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_103%20III%204
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_103%20III%204
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_105%20Ia%20311
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_103%20III%204
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005465.pdf?ID=150005465
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_105%20Ia%20311
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005741.pdf?ID=150005741
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_119%20Ib%20431

Verfahren Parteirechte ausüben will, in der Schweiz ein Zustellungsdomizil
zu verzeigen habe. Wird dieser Einladung innert 30 Tagen nicht entsprochen,
so ist das Verfahren in gleicher Weise durchzuführen wie gegen einen
Beschuldigten mit unbekanntem Aufenthalt.

dd. Das VwVG sieht das Institut des Zustelldomizils nicht explizit vor. Nur
im Zusammenhang mit der amtlichen Publikation wird in Art. 36 Bst. a und
b VwVG - für den Fall des unbekannten Aufenthalts oder des Aufenthalts im
Ausland - die Zustellung an den «erreichbaren Vertreter» vorbehalten, womit
immerhin die Möglichkeit des Zustelldomizils bei einem Vertreter unterstellt
wird. Die Bestellung eines Zustelldomizils durch eine Partei ist zweifellos
auch im dem VwVG unterstehenden Verfahren zulässig. Wesentlich ist, dass
eine ausländische Person in einem solchen Verwaltungsverfahren nicht dazu
verpflichtet werden kann, ein Zustelldomizil in der Schweiz zu benennen.
Selbst wenn keine gesetzliche Grundlage für eine Verpflichtung zur Nennung
eines Zustelldomizils besteht, ist es der Behörde jedoch nicht verwehrt, der
ausländischen Partei zu empfehlen, ein solches Prozessdomizil in der Schweiz
zu errichten (vgl. Gutachten der Direktion für Völkerrecht vom 10. April 2000,
veröffentlicht in VPB 66.128 Ziff. 2).

Wurde ein Zustelldomizil oder eine Zustelladresse gewählt, erfolgt die
Eröffnung eines Entscheides durch Zustellung an diese Zustelladresse.
Mit der Bekanntgabe einer Zustelladresse bekundet der Betroffene
sein Einverständnis, dass ihm die Korrespondenzen in der gegebenen
Angelegenheit bis zumWiderruf an jenen Ort zugestellt werden (Entscheid
der SRK vom 4. Mai 1999, veröffentlicht in VPB 64.45 E. 2c; vgl. auch Jürg
Stadelwieser, Die Eröffnung von Verfügungen, St. Gallen 1994, S. 179).

3.a. Der nunmehr in Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) verankerte und früher
aus Art. 4 der bis zum 31. Dezember 1999 in Kraft befindlichen (alten)
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 29. Mai
1874 (aBV)[1] abgeleitete Schutz von Treu und Glauben bedeutet, dass der
Bürger Anspruch darauf hat, in seinem berechtigten Vertrauen in behördliche
Zusicherungen oder in anderes, bestimmte Erwartungen begründendes
Verhalten der Behörden geschützt zu werden (BGE 129 I 170 E. 4.1; BGE 126
II 387 E. 3a, mit Hinweisen). Gemäss Rechtsprechung und Lehre müssen -
neben der Vertrauensgrundlage - verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein,
damit behördliches Verhalten den Schutz des Grundsatzes von Treu und
Glauben geniesst (vgl. BGE 122 II 123 E. 3b/cc; BGE 121 II 479 E. 2c; BGE 118
Ia 254 E. 4b; BGE 117 Ia 287 E. 2b; BGE 114 Ia 213 E. 3a; Ulrich Häfelin/Georg
Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Zürich 2002, Rz. 669 ff.). Der
Vertrauensschutz bewirkt Bindung der Behörde an die Vertrauensgrundlage,
so werden Auskünfte und Zusagen damit trotz ihrer Unrichtigkeit verbindlich
(Häfelin/Müller, a.a.O., Rz. 697 ff.)

b. Teilgehalt des Grundsatzes von Treu und Glauben ist insbesondere das
Verbot widersprüchlichen Verhaltens der staatlichen Behörden, welchen
untersagt ist, sich zu früherem Verhalten, das schutzwürdiges Vertrauen
begründet hat, in Widerspruch zu setzen. Widersprüchliches Verhalten
verstösst gegen das rechtsstaatliche Prinzip von Treu und Glauben gemäss Art.
5 Abs. 3 BV. Wenn die Privaten auf das ursprüngliche Verhalten der Behörden
vertraut haben, stellt widersprüchliches Verhalten zudem eine Verletzung des

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150005465.pdf?ID=150005465
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150004751.pdf?ID=150004751
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_129%20I%20170
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_126%20II%20387
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_126%20II%20387
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_122%20II%20123
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_121%20II%20479
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_118%20Ia%20254
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_118%20Ia%20254
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_117%20Ia%20287
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_114%20Ia%20213

Vertrauensschutzprinzips als Grundrecht (Art. 9 BV) dar (Häfelin/Müller, a.a.O.,
Rz. 623, 708 mit Hinweisen; Beatrice Weber-Dürler, Neuere Entwicklungen
des Vertrauensschutzes, Schweizerisches Zentralblatt für Staats- und
Verwaltungsrecht [ZBl] 2002 S. 282 f.; Beatrice Weber-Dürler, Vertrauensschutz
im öffentlichen Recht, Basel 1983, S. 16 f.). Widersprüchliches Verhalten
im Sinne des Vertrauensschutzes kann nur bei Vorliegen bestimmter
Voraussetzungen bejaht werden. Nach Rechtsprechung der SRK gelten in
Bezug auf das widersprüchliche Verhalten der Verwaltung die Bedingungen,
mutatis mutandis, welche für Zusicherungen und Auskünfte entwickelt
wurden. Entsprechend müssten die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:
(1) Es muss ein klar widersprüchliches Verhalten bestehen. (2) Dieses muss
grundsätzlich von derselben Behörde ausgehen und im Zusammenhang mit
einer konkreten und auf eine bestimmte Person bezogene (individuelle)
Angelegenheit stehen. (3) Die betreffende Amtsstelle muss grundsätzlich
zuständig gewesen sein. (4) Das widersprüchliche Verhalten muss geeignet
gewesen sein, beim Privaten Vertrauen zu begründen und der Bürger konnte
und musste den widersprüchlichen Charakter des Verhaltens nicht auf Anhieb
erkennen. (5) Das Verhalten der Behörde hat den Betroffenen seinerseits
zu einer bestimmten Haltung, einem Verhalten oder einer Unterlassung
veranlasst, die ihm zum Nachteil gereichte. (6) Die Rechtslage darf sich seit
dem widersprüchlichen Verhalten nicht verändert haben. Zudem dürfe dem
privaten Interesse am Vertrauensschutz kein überwiegendes öffentliches
Interesse gegenüberstehen (Entscheid der SRK vom 26. September 1995,
veröffentlicht in VPB 60.81 E. 3a/bb).

c. Das aus Art. 29 Abs. 1 BV fliessende Verbot des überspitzten Formalismus
ist eine besondere Form der Rechtsverweigerung und liegt vor, wenn für
ein Verfahren rigorose Formvorschriften aufgestellt werden, ohne dass die
Strenge sachlich gerechtfertigt wäre, wenn die Behörde formelle Vorschriften
mit übertriebener Schärfe handhabt oder an Rechtsschriften überspannte
Anforderungen stellt und dem Bürger den Rechtsweg in unzulässiger Weise
versperrt (BGE 127 I 34 E. 2a/bb; BGE 115 Ia 17 E. 3b; BGE 114 Ia 40 E. 3 je
mit Hinweisen; Häfelin/Müller, a.a.O., Rz. 1661). Nicht jede prozessuale
Formstrenge steht mit diesem Grundsatz imWiderspruch, sondern nur jene,
die durch kein schutzwürdiges Interesse mehr gerechtfertigt ist und zum
blossen Selbstzweck wird. Prozessuale Formen sind unerlässlich, um die
ordnungsgemässe Abwicklung des Verfahrens sowie die Durchsetzung des
materiellen Rechts zu gewährleisten (s. etwa BGE 118 V 311 E. 4; BGE 114 Ia
34 E. 3). Soweit das Verbot des überspitzten Formalismus das Verhalten der
Behörde gegenüber dem Privaten betrifft, verfolgt es dasselbe Ziel wie das
Vertrauensprinzip im Sinne von Art. 9 BV. Die Rechtsprechung hat sowohl aus
dem Vertrauensprinzip als auch aus dem Verbot des überspitzten Formalismus
die Verpflichtung der Behörde abgeleitet, in gewissen Situationen den Privaten
von Amtes wegen auf Verfahrensfehler hinzuweisen, die er begangen hat,
oder die er im Begriff ist zu begehen. Dies unter der Voraussetzung, dass der
Fehler leicht zu erkennen ist und rechtzeitig behoben werden kann. So soll
die Verwaltungsbehörde nach Möglichkeit vermeiden, dass formelle Fehler,

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003203.pdf?ID=150003203
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_127%20I%2034
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_115%20Ia%2017
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_114%20Ia%2040
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_118%20V%20311
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_114%20Ia%2034
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_114%20Ia%2034

die zu verhindern gewesen wären, wenn die Behörde den Privaten auf sie
aufmerksam gemacht hätte, zu einem Nichteintretensentscheid führen (BGE
125 I 170 E. 3a, BGE 124 II 270 E. 4a).

4. Im vorliegenden Fall hat die Zollkreisdirektion der Beschwerdeführerin
mit dem Schreiben vom 25. März 2002 bzw. der E-Mail vom 20. Juni 2002
(Zustellung per E-Mail an den Präsidenten der Beschwerdeführerin G.,
nachdem das erste Schreiben retourniert worden war; ...) mitgeteilt, dass
gemäss Art. 34 VStrR die beschuldigte Person, die nicht in der Schweiz
wohne, innert 30 Tagen nach Empfang dieses Schreibens ein schweizerisches
Zustelldomizil bezeichnen könne. Beim Fehlen eines schweizerischen
Zustelldomizils nehme das Abwesenheitsverfahren Platz und der allfällige
Strafbescheid werde im Schweizerischen Bundesblatt publiziert. Es empfehle
sich deswegen, ein schweizerisches Zustelldomizil zu bezeichnen. Sollte
dies der Beschwerdeführerin nicht möglich sein, biete sich die Möglichkeit,
als solches die Zolldienstliche Versandzentrale in Zürich zu wählen. Dem
Schreiben bzw. der E-Mail vom 20. Juni 2002 war der Fragebogen betreffend
«illegale Einfuhr des Produktes M-Protein» angehängt, unter anderem mit
der Rubrik «Zustelldomizil in der Schweiz». Dieser Fragebogen wurde
von G. ausgefüllt und der OZD eingereicht (...). Schliesslich verfügte die
Zollkreisdirektion am 12. Februar 2003 den Steuernachbezug und stellte
diese Verfügung am 14. Februar 2003 der Zolldienstlichen Versandzentrale zu,
welche gleichentags zur Übermittlung an die Beschwerdeführerin schritt (...).

Die OZD stellt sich auf den Standpunkt, dass der Beschwerdeführerin
bei der Zolldienstlichen Versandzentrale in rechtsgenügender Weise
ein Zustelldomizil bestellt worden sei. Die Beschwerdeführerin sei mit
Schreiben der Zollkreisdirektion vom 25. März 2002 auf die Bedeutung
des Rechtsinstituts des Zustelldomizils hingewiesen worden und diese
habe durch das Ausfüllen des dem Schreiben beiliegenden Fragebogens die
Versandzentrale als Zustelldomizil gewählt. Im Schreiben der Versandzentrale
vom 14. Februar 2003 sei die Beschwerdeführerin nochmals über die
Bedeutung des Zustelldomizils belehrt und darauf hingewiesen worden, dass
für die Beschwerdefrist der Zeitpunkt des Eintreffens der anzufechtenden
Verfügung am Zustelldomizil massgebend sei. Somit sei für den Lauf der
Beschwerdefrist die Zustellung an die Zolldienstliche Versandzentrale
massgeblich gewesen und die am 24. März 2003 eingegangene Beschwerde an
die OZD (vom 21. März 2003) verspätet erfolgt.

a. Nachdem die Beschwerdeführerin ihren Sitz im Ausland hat, wäre die
direkte Zustellung der Verfügung vom 12. Februar 2003 an ihre Adresse im
ausländischen B. rechtswidrig gewesen (oben E. 2c/aa). Die Zollkreisdirektion
war somit gezwungen, einen anderen, zulässigen Weg der Zustellung zu
wählen, weswegen sie die Beschwerdeführerin im Schreiben vom 25. März
bzw. 20. Juni 2002 aufgefordert hat, ein Zustelldomizil zu benennen. Bei der
Erläuterung dieses Vorgehens hat sie sich aber fälschlicherweise auf Art.
34 VStrR abgestützt (ebenso die Zolldienstliche Versandzentrale in ihrem
Schreiben vom 14. Februar 2003). Nachdem die Nachbezugsverfügung vom
12. Februar 2003 kein Strafverfahren betraf, war Art. 34 VStrR eindeutig
nicht anwendbar (...). Die Bestellung des Zustelldomizils hatte folglich nach
den Regeln des VwVG zu geschehen. Die Möglichkeit der Eröffnung über ein
Zustellungsdomizil ist, obwohl im VwVG nicht explizit erwähnt, ein zulässiges
Mittel, um die Zustellung an ausländische Beschwerdeführer sicherzustellen

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_125%20I%20170
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_125%20I%20170
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_124%20II%20270

(oben E. 2c/dd). Das Vorgehen der Zollverwaltung, die Beschwerdeführerin zur
Bezeichnung eines Zustelldomizils aufzufordern, war somit prinzipiell zulässig.
Grundsätzlich gilt, dass bei rechtmässiger Bestellung eines Zustelldomizils die
Eröffnung eines Entscheides durch Zustellung an dieses Domizil zu erfolgen
hat (oben E. 2c/dd) und diese Eröffnung am Zustelldomizil wiederum den Lauf
der Rechtsmittelfrist auslöst (oben E. 2a, b).

b. Vorliegend ist das Vorgehen der Zollbehörden im Zusammenhang mit
der Bestellung des Zustelldomizils und der Eröffnung der Verfügung vom 12.
Februar 2003 insgesamt einer näheren Prüfung zu unterziehen.

aa. Die Beschwerdeführerin rügt unter anderem, dass sie nie darauf
hingewiesen worden sei, dass eine Zustellung an die Versandzentrale
eine Rechtsmittelfrist auslöse. Im Schreiben vom 25. März 2002 bzw. der
E-Mail vom 20. Juni 2002 hat die Zollkreisdirektion tatsächlich bloss auf
die Möglichkeit der Wahl eines Zustelldomizils aufmerksam gemacht und
sich dabei unzutreffenderweise auf Art. 34 VStrR abgestützt. Es erfolgte
keine nähere Information über die Rechtsfolgen im Falle der Wahl eines
Zustelldomizils (z. B. hinsichtlich Lauf der Rechtsmittelfrist), ebenso wenig
wurde darauf hingewiesen, dass mangels Wahl eines eigenen Domizils die
Versandzentrale als solches gelten werde. Dies ergab sich erst aus dem
beigelegten Fragebogen, in welchem bei der Rubrik «Zustelldomizil in
der Schweiz» unter den zum Ausfüllen vorgesehenen Zeilen in Klammer
angemerkt war: «Wenn keine Angaben: Zolldienstliche Versandzentrale,
Zürich». Im von G. ausgefüllten und auch unterschriebenen Formular (...)
wurden die zur Wahl eines Zustelldomizils vorgesehenen Linien nicht
ausgefüllt, die übrigen Fragen aber allesamt beantwortet. Ein eigenes
Zustelldomizil hat die Beschwerdeführerin somit nicht gewählt. Die Ansicht
der Zollbehörden, wonach aus der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin
die entsprechende Frage im Formular nicht beantwortet, das Formular
im übrigen aber ausgefüllt und unterschrieben hat, geschlossen werden
könne, sie habe damit die Zolldienstliche Versandzentrale als Zustelldomizil
gewählt, ist als zumindest fragwürdig anzusehen. Eine klarere Information
der Beschwerdeführerin zu den Konsequenzen, wenn in diesem Fragenbogen
kein eigenes Domizil angegeben wird, wäre angebracht gewesen, entweder
im Begleitschreiben zum Formular oder im Formular selbst (sinnvoll wäre
gewesen, das Formular so zu gestalten, dass das vorgeschlagene Zustelldomizil
explizit, z. B. über Ankreuzen, gewählt werden muss, vgl. auch oben E. 2c/dd).
Aus dem Vertrauensprinzip und dem Verbot des überspitzten Formalismus
können sich nämlich unter Umständen Pflichten der Verwaltung ergeben,
den Privaten aufzuklären, namentlich über durch diesen begangene oder
auch erst drohende Verfahrensfehler (oben E. 3c). Bei der vorliegenden
Sachlage wäre es insgesamt auch angezeigt gewesen, die Beschwerdeführerin
über das Institut des Zustelldomizils vorgängig klarer (und mit Hinweis
auf die zutreffenden Bestimmungen, soeben E. 4a) zu informieren und ihr
überdies mitzuteilen, welche rechtlichen Auswirkungen die Bestellung
eines Zustelldomizils hinsichtlich Eröffnung der Verfügung und Lauf der

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Rechtsmittelfrist zeitigt; die rechtlichen Konsequenzen der Wahl eines
Zustelldomizils konnten der Beschwerdeführerin mangels expliziter
gesetzlicher Grundlage nämlich nicht ohne weiteres bekannt sein.

bb. Zu diesem problematischen Vorgehen der Zollkreisdirektion kommt ihr
darauf folgendes uneinheitliches Verhalten bezüglich der Zustellung von
Korrespondenzen an die Beschwerdeführerin hinzu.

Noch nach dem Schreiben der Zollkreisdirektion vom 25. März bzw. 20. Juni
2002 und der Rücksendung des besagten Fragebogens durch den Präsidenten
der Beschwerdeführerin, also nach der von der Zollverwaltung geltend
gemachten «Bestellung» des Zustelldomizils, hat diese ein Schreiben vom
7. Januar 2003 nicht an das Zustelldomizil, sondern direkt an die Adresse
des Präsidenten der Beschwerdeführerin, G. in B. (Ausland), zugestellt. In
diesem Schreiben wurde das rechtliche Gehör gewährt und Frist zur allfälligen
Stellungnahme gesetzt (...). Einerseits war diese Zustellung direkt ins Ausland
nach dem Gesagten rechtswidrig, handelte es sich doch nicht bloss um
eine Mitteilung ohne rechtsgestaltende Wirkung, welche allenfalls ohne
formelle Zustellung ins Ausland hätte gesendet werden dürfen (oben E. 2c/aa;
Gutachten der Direktion für Völkerrecht vom 10. April 2000, a.a.O., Ziff. 4).
Andererseits hat sich die Zollkreisdirektion mit dieser direkten Zustellung an
die ausländische Adresse der Beschwerdeführerin bzw. dessen Präsidenten
widersprüchlich verhalten bezogen auf das - ihrer Ansicht nach - eben erst
bestellte Zustelldomizil und das Schreiben vom 25. März bzw. 20. Juni 2002.
Erst mit Erlass der fraglichen Nachbezugsverfügung vom 12. Februar 2003
hat sich die Zollkreisdirektion dann schliesslich des Zustelldomizils bei der
Versandzentrale bedient. Sie setzte sich dabei wiederum in Widerspruch zu
der direkten Zustellung des Schreibens vom 7. Januar 2003 nach B.

Die oben (E. 3b) aufgezählten Voraussetzungen gemäss der Rechtsprechung
der SRK für die Annahme eines widersprüchlichen Behördenverhaltens
im Sinne einer Verletzung des Vertrauenschutzes sind erfüllt; bezüglich
Bedingungen 1, 2, 3, 5 und 6 erübrigen sich weitere Ausführungen.
Desgleichen ist Bedingung 4 als gegeben zu betrachten; die Zustellung des
Schreibens vom 7. Januar 2003 an das Domizil der Beschwerdeführerin
bzw. von G. hat bei der Beschwerdeführerin schutzwürdiges Vertrauen
begründet. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, sie habe aufgrund dieses
Schreibens vom 7. Januar 2003 darauf vertraut, dass sämtliche Korrespondenz,
auch Entscheide, auf dieselbe Art und Weise zugestellt würde und dass für
die Fristauslösung sämtlicher der Beschwerdeführerin auferlegten Fristen
dieselbe Regelung, nämlich Fristenlauf ab Empfang der Schreiben durch die
Beschwerdeführerin gelte, ist durchaus nachvollziehbar, dies namentlich im
Gesamtzusammenhang mit der Tatsache, dass schon vorgängig die Aufklärung
zum Zustelldomizil und dessen Bestellung auf unbefriedigende Weise
vorgenommen worden ist (soeben E. 4b/aa). An dieser durch die Behörden
begründeten Vertrauensgrundlage vermögen auch die nachträglichen
Erläuterungen im Begleitschreiben der Zolldienstliche Versandzentrale (...)
nichts zu ändern. Die Versandzentrale schrieb das Folgende: «... haben Sie uns
als schweizerisches Zustelldomizil im Sinne von Art. 34 VStrR bezeichnet.
(...) Wir haben die Sendung am 13. [14.] Februar 2003 erhalten. Für die
Berechnung der vorgesehenen Frist ist dieses Datum massgebend. (...)» Diese
Information kann nicht als genügende Aufklärung der Beschwerdeführerin
angesehen werden, welche das vorhergehende irreführende Vorgehen

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der Zollkreisdirektion wettzumachen vermöchte. Zudem ist es bedenklich,
dass diese Belehrung über den Beginn der Rechtsmittelfrist nicht durch die
verfügende Zollbehörde, sondern durch die Versandzentrale vorgenommen
wurde.

Zusammenfassend ist das Vorgehen der Zollbehörden als widersprüchlich
anzusehen und die Beschwerdeführerin wurde dadurch betreffend Ort
der Eröffnung und Lauf der Beschwerdefrist irregeführt und mithin
benachteiligt (vgl. ähnliche Prüfung der konkreten Umstände im Hinblick
auf den Vertrauensschutz bei mangelhafter Eröffnung einer Verfügung bzw.
Rechtsmittelbelehrung: E. 2b und zitierte Entscheide). Dem Vertrauensschutz
der Beschwerdeführerin steht im Übrigen kein überwiegendes öffentliches
Interesse entgegen (oben E. 3b). Es ergibt sich, dass das Vorgehen der
Zollbehörden insgesamt dazu geführt hat, dass der Beschwerdeführerin die
Zustellung der Verfügung vom 12. Februar 2003 bei der Versandzentrale nicht
als rechtsgültige Eröffnung an sie (mit Beginn des Laufs der Rechtsmittelfrist)
entgegengehalten werden darf. Die Beschwerdeführerin durfte nach Treu
und Glauben davon ausgehen, dass die Beschwerdefrist ab Mitteilung der
besagten Verfügung vom 12. Februar 2003 an die Beschwerdeführerin
(Zustellung an ihrer Adresse in B. am 24. Februar 2003) lief; die Frist von 30
Tagen wurde mit dem Eingang der Beschwerde bei der OZD am 24. März 2003
somit eingehalten. Die OZD hat auf die Beschwerde - vorbehältlich anderer
fehlender Eintretensvoraussetzungen - einzutreten und die an sie gerichtete
Beschwerde vom 21. März 2003 in materieller Hinsicht zu behandeln.

(...)

[1] Zu lesen auf der Internetseite des Bundesamtes für Justiz unterhttp://www.
ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.
Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf

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http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf
http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf
http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 69.121 - Auszug aus dem Entscheid ZRK 2004-043 der Eidgenössischen

Zollrekurskommission vom 23. Mai 2005 in Sachen X. Ltd

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2005
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Band 69
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	Auszug aus dem Entscheid ZRK 2004-043 der Eidgenössischen Zollrekurskommission vom 23. Mai 2005 in Sachen X. Ltd