# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8d57f5f7-d837-5b45-88f7-1c72c8682ca9
**Source:** Wettbewerbskommission ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-12-19
**Language:** de
**Title:** Zerspanungswerkzeuge: Schlussbericht vom 19. Dezember 2023
**Docket/Reference:** Zerspanungswerkzeuge%20Schlussbericht%20vom%2019
**URL:** https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2024/zerspanungswerkzeuge_schlussbericht_vom_19_dezember_2023.pdf.download.pdf/Zerspanungswerkzeuge%20Schlussbericht%20vom%2019.%20Dezember%202023.pdf

## Full Text

Wettbewerbskommission WEKO 
Commission de la concurrence COMCO 
Commissione della concorrenza COMCO 
Competition Commission COMCO 

Schlussbericht des Sekretariats der WEKO 
vom 19. Dezember 2023 

in Sachen Vorabklärung gemäss Art. 26 KG betreffend 

22-0513: Zerspanungswerkzeuge 

wegen allenfalls unzulässiger Wettbewerbsabreden gemäss Art. 5 KG 

[Publikationsversion] 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Inhaltsverzeichnis 

A 

Verfahren .................................................................................................................... 4 

A.1  Gegenstand der Vorabklärung ..................................................................................... 4 
A.2  Adressatinnen der Vorabklärung .................................................................................. 4 
[A] ........................................................................................................................... 4 
A.2.1 
[…] .......................................................................................................................... 5 
A.2.2 
[…] .......................................................................................................................... 5 
A.2.3 
[…] .......................................................................................................................... 5 
A.2.4 
A.2.5 
[…] .......................................................................................................................... 6 
[…] .......................................................................................................................... 6 
A.2.6 
A.3  Verfahrensgeschichte .................................................................................................. 6 

B 

Sachverhalt ................................................................................................................ 7 

B.1  Vertrieb von Zerspanungsprodukten und -lösungen in der Schweiz ............................. 7 
B.2  Das Verhalten der Vorabklärungsadressatinnen ........................................................ 10 
Einleitung .............................................................................................................. 10 
B.2.1 
Verhalten im Zusammenhang mit dem Ausbau des indirekten Vertriebs von [A] 
B.2.2 
mittels Akquirierung von [Handelspartnerinnen] .................................................... 10 
B.2.3  Möglicher Austausch von Informationen im Rahmen des [Online-Shops] .............. 13 
B.3  Auswirkungen ............................................................................................................ 14 
B.4  Zwischenergebnis zum Sachverhalt ........................................................................... 15 

C 

Erwägungen ............................................................................................................. 16 

C.1  Geltungsbereich ......................................................................................................... 16 
C.2  Keine vorbehaltenen Vorschriften .............................................................................. 17 
C.3  Verhaltensweisen im Zusammenhang mit den [Handelspartnerinnen]-Akquirierungen 

(Einführung bzw. Stärkung des Dualvertriebs) ........................................................... 17 
C.3.1 
Allgemeines........................................................................................................... 17 
C.3.2  Wettbewerbsabrede .............................................................................................. 18 
C.3.2.1  Unternehmen gleicher oder verschiedener Marktstufen ........................................ 18 
C.3.2.2  Verhaltenskoordination: bewusstes und gewolltes Zusammenwirken .................... 19 
C.3.2.3  Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung ................................ 21 
C.3.3 
Zwischenfazit ........................................................................................................ 24 
C.4  Laufende Zusammenarbeit im Rahmen des dualen Vertriebs .................................... 24 
C.4.1  Wettbewerbsabrede .............................................................................................. 24 
C.4.1.1  Unternehmen gleicher oder verschiedener Marktstufen ........................................ 24 
C.4.1.2  Verhaltenskoordination: bewusstes und gewolltes Zusammenwirken .................... 24 
C.4.1.3  Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung ................................ 25 
C.4.1.3.1.  Laufender Austausch und gemeinsame Verwendung der […]-Bruttopreisliste .. 25 
C.4.1.3.2.  Laufende Übermittlung von Informationen zu Kundinnen, bezogenen Produkten 

und Mengen .......................................................................................................... 26 
Zwischenfazit ........................................................................................................ 28 

C.4.2 

D 

Ergebnis ................................................................................................................... 28 

2 

 
 
 
 
 
 
E 

F 

Kosten ...................................................................................................................... 28 

Schlussfolgerungen ................................................................................................ 29 

3 

 
 
 
 
 
 
  
A 

Verfahren 

A.1  Gegenstand der Vorabklärung 

1.  Gegenstand der Vorabklärung bildet die Frage, ob Anhaltspunkte bestehen für vertikale 
oder horizontale Preisabreden nach Art. 5 Abs. 4 KG1 oder Art. 5 Abs. 3 Bst. a KG, für hori-
zontale Kunden- oder Gebietsaufteilungsabreden gemäss Art. 5 Abs. 3 Bst. c KG und für ver-
tikale  Gebietsschutzabreden  gemäss  Art. 5  Abs. 4  KG  zwischen  verschiedenen  Schweizer 
Handelsunternehmen für Werkzeuge zur Metallverarbeitung sowie für einen unzulässigen In-
formationsaustausch nach Art. 5 Abs. 1 KG zwischen diesen Unternehmen. 

2. 
Zu klären ist namentlich, ob die [A] AG (nachfolgend: [A]), anderen Händlerinnen von 
sog. Zerspanungsprodukten (insbesondere von Zerspanungswerkzeugen; siehe zum Begriff 
der Zerspanungswerkzeuge unten Rz 5) ihre Verkaufspreise und Umsätze, welche sie mit be-
stimmten Kundinnen und Kunden erzielt hatte, bekannt gab sowie ob [A] und die in die mögli-
chen Wettbewerbsbeschränkungen involvierten Händlerinnen die Einhaltung bestimmter Min-
dest-  oder  Festpreise  abgesprochen  und  Kundinnen  und  Kunden  untereinander  aufgeteilt 
haben (vgl. auch unten Rz 12). 

A.2 

Adressatinnen der Vorabklärung 

3. 
Die  Vorabklärung richtet  sich  gegen  [A] (siehe  dazu  Rz 4 ff.) sowie  fünf Händlerinnen 
von  Zerspanungsprodukten  (insbesondere  von  Zerspanungswerkzeugen;  siehe  zum  Begriff 
der Zerspanungswerkzeuge unten Rz 5), namentlich die […]. 

A.2.1 

[A] 

[A] hat ihren Sitz in […] und bezweckt gemäss Handelsregister den Handel mit Werk-
4. 
zeugen aller Art […].2 Sie ist eine Tochtergesellschaft der […] mit Sitz [im Ausland],3 die wie-
derum zum […]-Konzern gehört.4  

Die Muttergesellschaft der [A], die […], ist schwerpunktmässig im Bereich der Herstel-
5. 
lung von Zerspanungswerkzeugen tätig. Darunter sind Werkzeuge zu verstehen, mit welchen 
Metallstücken bestimmte Formen gegeben werden können, indem von diesen Stücken über-
schüssiges Material auf mechanischem Weg in Form von Spänen abgetrennt wird (spanabhe-
bende Verfahren z. B. mittels Bohrer, Fräsen, Feilen etc.).5 Solche Produkte werden von der 
gesamten  metallverarbeitenden  Industrie  benötigt,  insbesondere  von  Unternehmen  aus  der 
Medizintechnikbranche, der Luft- und Raumfahrtbranche, der Automobilindustrie, der Energie-
branche, der Maschinenbauindustrie sowie der Uhrenindustrie (siehe auch unten Rz 18). Die 
[…] verfügt über Produktionsstandorte für solche Werkzeuge in […].6 Zusätzlich bietet […] ih-
ren Kundinnen Software und Beratungsdienstleistungen betreffend die Metallverarbeitung mit 
[…]-Zerspanungswerkzeugen an. Die […].7  

1  Bundesgesetz über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen vom 6.10.1995 (Kartellge-

setz, KG; SR 251). 

2  Vgl. Handelsregister […]. 
3  Vgl. Act. 28 f. 
4  Vgl. Jahresbericht […]. 
5  Vgl. etwa <www.industrie-schweiz.ch/html/zerspanen.html> (19.12.2023). 
6 
7 

[…]. 
[…]. 

4 

 
 
 
 
 
 
 
[A]  fungiert  innerhalb  der  […]-Gruppe  als  Generalimporteurin  und  Händlerin  von  […]-
6. 
Produkten und Anbieterin von Zerspanungslösungen (Software und Beratung) mit Zuständig-
keit für die Schweiz […]. Als Handels- und Dienstleistungsunternehmen der […]-Gruppe bietet 
sie […]-Produkte und damit zusammenhängende Dienstleistungen und Produkte (Erstellung 
und  Lieferung  von  Software  sowie  Beratung  und  Hilfestellung  beim  Produktionsprozess) an 
[…].8 Kundinnen von […] sind einerseits Unternehmen, welche Metall mittels Zerspanung be-
arbeiten (vgl. Rz 5, 18), und andererseits Händlerinnen von Zerspanungsprodukten, welche 
[A] teilweise als ihre sog. […] bezeichnet (vgl. unten Rz 7 ff., 20, 24 ff.). Der Umsatz von [A] 
mit Zerspanungsprodukten betrug im Jahr 2021 rund […] Mio. CHF.9 

A.2.2 

[…] 

[…] mit Sitz in […] ist eine [Handelspartnerin] von [A]. Sie bezweckt gemäss Handelsre-
7. 
gister den Handel mit Waren aller Art, insbesondere mit Werkzeugmaschinen und Werkzeu-
gen […].10 […] nahm ihre Geschäftstätigkeit […] auf und ist seitdem als Anbieterin von Zer-
spanungsprodukten 
[…]  sowie  damit 
(insbesondere  Zerspanungswerkzeugen)  von 
zusammenhängenden  Beratungsdienstleistungen  tätig.11  Ihr  Umsatz  betrug  in  der  ersten 
Hälfte des Jahres 2022 ca. […] Mio. CHF, wobei sie […] mit dem Vertrieb von […]-Produkten 
erzielte.12 

A.2.3 

[…] 

8. 
[…] mit Sitz in […] ist ebenfalls eine [Handelspartnerin] von [A]. Sie bezweckt gemäss 
Handelsregister u. a. den Kauf und Verkauf sowie die Lagerung von Schneidwerkzeugen für 
die metallverarbeitende Industrie.13 […] ist seit […] im Handelsregister eingetragen und seit-
dem als Handels- und Beratungsunternehmen im Bereich Zerspanung tätig.14 Zum Sortiment 
von […] gehören Zerspanungsprodukte bzw. -Werkzeuge verschiedener Hersteller (z. B. von 
[…]), darunter auch Zerspanungsprodukte von der […].15 Gemäss […] betrug ihr Umsatz im 
Jahr 2021 zwischen etwa […] Mio. CHF und […] Mio. CHF, wobei sie ca. […] Mio. CHF Um-
satz mit dem Vertrieb von […]-Produkten erzielte.16 

A.2.4 

[…] 

9. 
[…] mit Sitz in […], ebenfalls [Handelspartnerin] von [A], ist seit dem […] im Handelsre-
gister eingetragen17 und gehört seit dem Jahr […] zu 100 % der […].18 Sie bezweckt den Han-
del  mit  Werkzeugen,  Maschinenzubehör  und  Maschinen19  und  betreibt  seit  […]  einen  Ver-
[…],  wo  die  Kundschaft  Präzisionswerkzeug  und  Maschinen  sowie 
kaufsladen 

in 

8  Vgl. Act. 28 f. 
9  Vgl. Act. 28 f. 
10  Handelsregister […]. 
11  Vgl. Act. 30 f.; […]. 
12  Vgl. Act. 30 f. 
13  Handelsregister […]. 
14  […]. 
15  Vgl. Act. 24 f.; […]. 
16  Vgl. Act. 24 f. 
17  Handelsregister […]. 
18  Vgl. […]; Act. 32 f. 
19  Vgl. Nachweis in Fn 17. 

5 

 
 
 
 
 
 
 
Maschinenzubehör beziehen kann.20 Zum Sortiment von […] gehören Werkzeuge verschiede-
ner Hersteller, darunter auch Zerspanungswerkzeuge von […].21 Gemäss einem Vertreter von 
[…]  erzielte  […]  in  den  letzten  Jahren  einen  Jahresumsatz  zwischen  […] Mio. CHF  und 
[…] Mio. CHF,  wobei  der  pro  Jahr  mit  […]-Produkten  erzielte  Umsatz  bei  höchstens  etwa 
CHF […] lag.22 

A.2.5 

[…] 

[…] mit Sitz in […], ebenfalls [Handelspartnerin] von [A], ist seit dem […] im Handelsre-
10. 
gister  eingetragen  und  bezweckt  […]  [den  Verkauf]  von  Werkzeugen,  Messgeräten,  Werk-
zeugmaschinen […].23 Zum Sortiment von […] gehören Zerspanungsprodukte verschiedener 
Hersteller,  darunter  auch  Zerspanungswerkzeuge  von  […].24  Gemäss  dem  Inhaber  von  […] 
erzielte  […]  im  Jahr  2021  einen  Gesamtumsatz  von  etwa  […] Mio. CHF,  wobei  davon  fast 
CHF […] auf den Verkauf von […]-Produkten entfielen.25 

A.2.6 

[…] 

11. 
[…] mit Sitz in […], ebenfalls [Handelspartnerin] von [A], bezweckt gemäss Handelsre-
gister den Import, An- und Verkauf von […] Werkzeugen und Zubehör sowie das Erbringen 
von Dienstleistungen […].26 Sie nahm ihre Geschäftstätigkeit im […] auf und ist seitdem als 
Anbieterin von Zerspanungsprodukten bzw. -Werkzeugen sowie damit zusammenhängenden 
Dienstleistungen (z. B. Hilfestellung und Beratung beim Produktionsprozess) tätig.27 Gemäss 
Angaben des Inhabers von […] betrug der Umsatz der […] im Jahr 2021 ca. […] Mio. CHF, 
wovon etwa […] Mio. CHF auf den Verkauf von […]-Produkten entfielen.28 

A.3 

Verfahrensgeschichte 

12.  Anfang des Jahres 2022 erhielt das Sekretariat der Wettbewerbskommission (nachfol-
gend: Sekretariat) Hinweise29, wonach [A] den Händlerinnen […], […], […], […] und […] ihre 
Verkaufspreise und Umsätze, welche sie mit bestimmten Kundinnen und Kunden erzielt hatte, 
bekannt gegeben habe und die genannten Unternehmen die Einhaltung bestimmter Mindest- 
oder Festpreise abgesprochen und Kundinnen und Kunden untereinander aufgeteilt hätten. 

13.  Das Sekretariat eröffnete daher am 30. Mai 2022 die vorliegende Vorabklärung und gab 
den genannten Unternehmen die Möglichkeit, eine schriftliche Stellungnahme einzureichen.30  

20  Vgl. […]. 
21  Vgl. […]; Act. 32 f. 
22  Vgl. Act. 32 f. 
23  Handelsregister […]. 
24  […]; Act. 34, 38. 
25  Vgl. Act. 34, 38. 
26  Handelsregister […]. 
27  Vgl. Act. 26 f.; […]. 
28  Vgl. Act. 26 f. 
29  Vgl. dazu die Dokumente im […]. 
30  Act. 2–7. 

6 

 
 
 
 
 
 
 
Im Juni 2022 führte das Sekretariat mit sämtlichen Adressatinnen der Vorabklärung Ein-
14. 
vernahmen durch,31 woraufhin diese auf die Einreichung von schriftlichen Stellungnahmen ver-
zichteten. Einzig […] ergänzte ihre Aussage per E-Mail.32  

15.  Aus den Einvernahmen ergaben sich weitere Fragen zum Sachverhalt, welche das Sek-
retariat bei [A] mittels Auskunftsbegehren vom 13. Juli 2022 abklärte. Mit ihren Antworten vom 
19. August 2022 nahm [A] Stellung zu diesem Auskunftsbegehren.33 

16.  Aus den vorgenannten Ermittlungen ergaben sich keine Anhaltspunkte, dass die Vorab-
klärungsadressatinnen gegen das Kartellrecht verstossen haben könnten. Das Sekretariat ent-
schied daher am 19. Dezember 2023, die Vorabklärung einzustellen. Dies begründet sich wie 
folgt. 

B 

Sachverhalt 

17.  Aus den Einvernahmen sowie den dem Sekretariat vorliegenden Dokumenten ergeben 
sich  die  nachfolgend  aufgeführten  Erkenntnisse  zum  Sachverhalt.  Diese  gliedern  sich  wie 
folgt: Zunächst ist auf den Vertrieb von Zerspanungsprodukten und -lösungen in der Schweiz 
einzugehen  (siehe  dazu  Rz 18 ff.).  Anschliessend  werden  das  hier massgebliche  Verhalten 
der  Adressatinnen  der  Vorabklärung  sowie  dessen  Auswirkungen  beschrieben  (siehe  dazu 
Rz 23 ff., 39 ff.). 

B.1 

Vertrieb von Zerspanungsprodukten und -lösungen in der 
Schweiz 

18. 
In der Schweiz gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, welche Metall mittels Zerspanung 
bearbeiten, d. h. Metallstücken durch mechanisches Abtrennen von überschüssigem Material 
bestimmte Formen geben.34 Dies sind insbesondere Unternehmen aus der Autozuliefererin-
dustrie, der Luft- und Raumfahrtindustrie, der Maschinenbauindustrie, der Medizintechnikbran-
che,  der  Energie-  und  Umwelttechnikindustrie,  der  Werkzeugbauindustrie  und  der  Uhrenin-
dustrie.  Nach  Angaben  von  Vorabklärungsadressatinnen  gebe  es  in  der  Schweiz  grob 
geschätzt etwa […]–[…] Unternehmen, welche Zerspanungswerkzeuge und damit zusammen-
hängende Produkte und Dienstleistungen (z. B. Erstellung und Lieferung von Maschinensteu-
erungssoftware sowie Beratung und Hilfestellung beim Produktionsprozess; nachfolgend zu-
sammen: Zerspanungsprodukte und -lösungen) benötigen.35 Nach Schätzung von [A] würden 
diese Unternehmen Zerspanungsprodukte (insbesondere Werkzeuge) und -lösungen im Wert 
von insgesamt etwa […]–[…] Mio. CHF pro Jahr nachfragen.36 

19.  Anbieterinnen von eigenen Zerspanungsprodukten und -lösungen sind neben […] (vgl. 
oben Rz 5) die […] zum […]-Konzern gehörenden Unternehmen […]37 sowie u. a. […],38 […],39 

31  Vgl. Act. 24–34, 38. 
32  Act. 35 f. 
33  Act. 41. 
34  Vgl. zum Begriff der Zerspanung etwa <www.industrie-schweiz.ch/html/zerspanen.html> 

(19.12.2023). 

35  Vgl. Act. 28 f., 34, 38. 
36  Act. 28 f. [Gemäss öffentlich zugänglichen Quellen habe] der Gesamtumsatz mit [Zerspanungs-
werkzeugen] in der Schweiz im Jahr 2014 bei etwa 230 Mio. CHF und im Jahr 2015 bei ca. 200 
Mio. CHF gelegen […]; vgl. […]. 

37  Vgl. die Übersicht unter […]. 
38  […]. 
39  […]. 

7 

 
 
 
 
 
 
 
[…],40 […],41 […],42 […],43 […]44 und […]45. Diese Anbieterinnen verkaufen ihre Zerspanungs-
produkte und -lösungen teilweise selbst bzw. über eine konzerneigene Vertriebsgesellschaft 
an Schweizer Kundinnen (direkter Vertrieb) und/oder über autonome Händlerinnen (indirekter 
Vertrieb;  vgl.  dazu  auch  Abbildung  1  nach  Rz 20).  Soweit  einzelne  Anbieterinnen  Zer-
spanungsprodukte und -lösungen sowohl direkt als auch indirekt vertreiben, wird dies nachfol-
gend als «dualer Vertrieb» bezeichnet. 

20.  Zu  den  Anbieterinnen,  welche  Zerspanungsprodukte  und  -lösungen  in  der  Schweiz 
(auch) direkt vertreiben, zählen neben der […] bzw. [A] (vgl. dazu oben Rz 4 ff. sowie unten 
Rz 21) etwa […]46 und […]47 sowie […]48 und […].49 Der indirekte Vertrieb läuft über Händlerin-
nen wie z. B. die […],50 […],51 die […],52 die […],53 die […]54 sowie die Vorabklärungsadressa-
tinnen (exkl. [A]; vgl. oben Rz 3 ff.). Diese Händlerinnen bieten neben Zerspanungsprodukten 
teilweise auch damit zusammenhängende Dienstleistungen an (insbesondere Beratung und 
Hilfestellung beim Produktionsprozess; vgl. auch Rz 7 ff.). Der Vertrieb von Zerspanungspro-
dukten und -lösungen in der Schweiz kann vereinfacht folgendermassen schematisch darge-
stellt werden: 

40  […]. 
41  […]. 
42  […]. 
43  […]. 
44  […]. 
45  […]. 
46  […]. 
47  […]. 
48  […]. 
49  […]. 
50  […]. 
51  […]. 
52  […]. 
53  […]. 
54  […]. 

8 

 
 
 
 
 
 
 
Abbildung 1: Darstellung Vertrieb von Zerspanungsprodukten und -lösungen 

21. 
[A] verfügt nach Angaben der Vorabklärungsadressatinnen über ein breites Sortiment an 
Zerspanungsprodukten (rund […] Artikel).55 Sie vertreibt diese Produkte direkt und seit ca. […] 
auch zunehmend indirekt über [Handelspartnerinnen] (vgl. oben Rz 6, 19 und unten Rz 24 ff.) 
sowie darüber hinaus über […] Händlerinnen56 (dualer Vertrieb). […] [A] im direkten Vertrieb 
(im Jahr 2021: […] % des Umsatzes in Höhe von […] Mio. CHF).57 

22.  Setzt man den Gesamtumsatz von [A] im Jahr 2021 ins Verhältnis zum von [A] geschätz-
ten  Gesamtvolumen  der  Nachfrage  nach  Zerspanungsprodukten  und  -lösungen  in  der 
Schweiz ([…]–[…] Mio. CHF;  vgl. Rz 18), so ergibt sich für [A] ein Anteil zwischen [0–10] % 
und [0–10] %. Für die übrigen Adressatinnen der Vorabklärung lag dieser Anteil jeweils bei [0–
10] %.58 

55  Vgl. auch […]. 
56  Nach Angaben von [A] erzielte sie mit den […] Händlerinnen pro Jahr einen Umsatz von durch-
schnittlich je ca. CHF […], d. h. einen Gesamtumsatz in Höhe von etwa […] Mio.; vgl. Act. 28 f. 

57  Vgl. Act. 28 f. 
58  Ein Anteil von [0–10] % am Gesamtvolumen von geschätzt […]–[…] Mio. CHF würde einen Umsatz 
mit Zerspanungsprodukten und -lösungen in Höhe von mindestens […] Mio. CHF voraussetzen. 
Einen solchen Umsatz erzielte weder […] noch […], […], […] oder […] (vgl. Rz 7 ff.). 

9 

 
 
 
 
 
 
 
 
B.2 

Das Verhalten der Vorabklärungsadressatinnen 

B.2.1  Einleitung 

23.  Nachfolgend wird das für die kartellrechtliche Beurteilung massgebende mutmassliche 
Verhalten der Vorabklärungsadressatinnen geschildert. Einzugehen ist dabei zunächst auf ihr 
Verhalten im Zusammenhang mit dem Ausbau des indirekten Vertriebs von [A] seit […] (siehe 
dazu Rz 24 ff.). Anschliessend wird der mögliche Informationsaustausch im Rahmen der ge-
meinsamen Nutzung des Online-Shops des […]-Konzerns und der Möglichkeit des Direktver-
sandes durch [Händlerinnen] und ihre Kundinnen beschrieben (siehe dazu unten Rz 34 ff.). 

B.2.2  Verhalten im Zusammenhang mit dem Ausbau des indirekten Vertriebs von 

[A] mittels Akquirierung von [Handelspartnerinnen] 

24. 
[A] vertrieb Zerspanungsprodukte und -lösungen früher hauptsächlich direkt an Endab-
nehmerinnen. Im Jahr […] begann [A], den indirekten Vertriebskanal auszubauen, indem sie 
nach und nach unabhängige Händlerinnen zu sog. […] machte, über welche sie in grösserem 
Umfang […]-Produkte absetzen wollte bzw. absetzte. Neben den Vorabklärungsadressatinnen 
[…], […], […], […] und […] wurden so die folgenden Unternehmen zu [Handelspartnerinnen] 
von [A]:59 […],60 […],61 […]62 und […]63. Die Stärkung des indirekten Vertriebs über die Akqui-
rierung von [Händlerinnen] geschah mit dem Ziel, den […].64 

25. 
Im Rahmen der Akquirierung von […], […], […], […] und […] als [Handelspartnerinnen] 
bot [A] diesen jeweils einen für sie ausgewählten (und auf sie zugeschnittenen) Kundenkreis 
bestehend  aus  bisherigen  [A]-Direktkundinnen  an.  Dazu  hatten  Ausserdienstmitarbeitende 
von [A] im Vorfeld aus ihren jeweiligen Zuständigkeitsgebieten eher kleinere Kundinnen aus-
gewählt, welche sie den [Handelspartnerinnen] überlassen wollten. So wollte sich [A] auf die 
Direktbetreuung grösserer Kunden konzentrieren, […]. Die Betreuung von Kundinnen, welche 
Zerspanungsprodukte und -lösungen für den Eigengebrauch benötigen, erfordern oftmals eine 
Betreuung vor Ort, d. h. an der Produktionsstätte der Kundin, um besser produktionsprozess-
bezogene Angebote machen zu können. Dementsprechend ist es für Anbieterinnen von Zer-
spanungsprodukten  und  -lösungen  betriebswirtschaftlich  am  effizientesten,  wenn  mit  einer 
«Aussendiensttour» einer Person pro Tag möglichst viele Kundinnen angefahren werden kön-
nen. Dies ist umso eher möglich, je näher die Produktionsstätten der Kundinnen beieinander 
sowie beim Standort der [Handelspartnerin] liegen.65 Deshalb gruppierte [A] die ausgewählten 
Kundinnen sodann nach bestimmten Gebieten bzw. je nach Entfernung der Produktionsstätte 
der Kundinnen vom Standort einer designierten [Handelspartnerin]. 

26. 
Im  Rahmen  der  bilateralen  Kontakte  zwischen  [A]  und  jeweils  einer  der  designierten 
[Handelspartnerinnen] thematisierten die beteiligten Personen insbesondere auch die bisheri-
gen Umsätze, welche [A] mit den zu überlassenden Kundinnen erzielt hatte, sowie das Um-
satzpotenzial. So sollte die designierte [Handelspartnerin] eine Vorstellung vom Geschäftspo-
tenzial haben.66 Dazu gab [A] der designierten [Handelspartnerin] je zu überlassender Kundin 

59  […]; Act. 28 f. 
60  […]. 
61  […]. 
62  […]. 
63  […]. 
64  Act. 28 f. 
65  Vgl. Act. 24–34, 38. 
66  Act. 26–34, 38. 

10 

 
 
 
 
 
 
 
konkrete Umsatzzahlen bekannt. Wie diese Bekanntgabe erfolgte, illustriert der nachfolgend 
abgebildete Auszug aus der Excel-Datei «Kopie von […]»67: 

[…] 

Abbildung 2: Auszug aus Excel-Datei «Kopie von […]» (Zeile 1–19 von 68 Zeilen) 

27.  Gemäss den Ermittlungen enthält die vorgenannten Excel-Liste in der Spalte «C» den 
Namen bisheriger Kundinnen von [A], während in den Spalten «D»–«G» die Höhe des Umsat-
zes, welchen [A] mit der in derselben Zeile genannten Kundin erzielte (in den Jahren […] in 
CHF), und in der Spalte «H» das von [A] geschätzte jährliche «Umsatzpotenzial» mit der be-
treffenden Kundin angegeben sind.68 

[…], […], […], […] und […] erklärten sich sodann nach einer entsprechenden Kontakt-
28. 
aufnahme durch [A] jeweils dazu bereit, als [Handelspartnerin] von [A] zu fungieren und die 
angebotenen Kundinnen zu betreuen. […], […], […] und […] schlossen im Rahmen dessen 
mit [A] einen «Vertragshändlervertrag»69 ab.70 Dieser Vertrag räumt der [Handelspartnerin] […] 
kein «Alleinvertriebsrecht» bzw. keine «anderweitige Ausschliesslichkeitsbindung» ein und be-
rechtigt die [Handelspartnerin] zum Vertrieb sämtlicher […]-Produkte in der gesamten Schweiz 
sowie im Europäischen Wirtschaftsraum (nachfolgend: EWR) (Ziff. 1 und 3 des Vertrags). Eine 
Klausel, wonach die [Handelspartnerin] nur bestimmte Kundinnen in der Schweiz oder im EWR 
beliefern dürfe oder Anfragen bestimmter Kundinnen aus der Schweiz oder dem EWR igno-
rieren müsse, enthält der Vertragshändlervertrag nicht. Derartiges folgt auch nicht indirekt aus 
anderen Klauseln des Vertrags. Nach Ziff. 11.1 des Vertrags ist der Vertragshändler in seiner 
Preissetzung frei. 

29.  Nachdem sich […], […], […], […] und […] jeweils dazu bereit erklärt hatten,  als [Han-
delspartnerin] von [A] zu fungieren und bestimmte ehemalige Kundinnen von [A] zu betreuen, 
informierte [A] die betroffenen Kundinnen darüber, dass diese künftig von einer [Handelspart-
nerin] betreut werden sollen. Dies geschah insbesondere mit einem Informationsschreiben.71 
Teilweise  kontaktierten  [Handelspartnerinnen]  betroffene  Kundinnen  auch  selbst  (bisweilen 
zusammen mit [A]), um sich ihnen vorzustellen. Soweit Kundinnen nicht damit einverstanden 
waren, dass sie künftig anstelle von [A] von einer [Handelspartnerin] betreut würden, nahm [A] 
diese Kundin nach Darstellung von Vorabklärungsadressatinnen wieder zurück.72 

30.  Die Vorabklärungsadressatinnen hatten im Rahmen der bilateralen Kontakte festgelegt, 
dass die [Handelspartnerinnen] betreffend die ihnen jeweils definitiv überlassenen Kundinnen 
Informationen dazu erhalten sollten, (i.) welche […]-Zerspanungswerkzeuge die zu überlas-
senden Kundinnen bislang bei [A] bezogen hatten und (ii.) welche Verkaufspreise [A] diesen 
Kundinnen je Artikel bislang verrechnet  hatte. Ziel dieser einmaligen Informationsübermitte-
lung  war  es,  sicherzustellen,  dass  die  [Handelspartnerinnen]  den  Kundinnen  keine  höheren 
Preise verrechnen würden als es zuvor [A] getan hatte.73 Die entsprechende Informationsüber-

67  Vgl. dazu die Dokumente im […]. 
68  Vgl. etwa Act. 28 f. 
69  Der Vertragshändlervertrag liegt dem Sekretariat vor; vgl. Act. 28. […]. 
70  Act. 24–31; 34 f. 
71  Der Entwurf eines solchen Informationsschreibens aus dem Jahr 2017 liegt dem Sekretariat vor 

[…]. 

72  Vgl. etwa Act. 28 f. 
73  Act. 24–34, 38. 

11 

 
 
 
 
 
 
 
mittelung erfolgte sodann einmalig an die [Handelspartnerinnen] mittels Excel-Listen. Zur Il-
lustration dieser Informationsübermittlung sind nachfolgend Auszüge aus den Excel-Listen mit 
den Namen […].74 

[…] 

Abbildung 3: Auszug aus Excel-Datei «[…]» (Zeile 1–16 von 9791 Zeilen) 

[…] 

Abbildung 4: Auszug aus Excel-Datei «[…]» (Zeilen 1–16 von 758 Zeilen) 

[…] 

Abbildung 5: Auszug aus Excel-Datei «[…]» (Zeilen 1–16 von 9177 Zeilen) 

31.  Gemäss  den  Ermittlungen  enthalten  die  vorgenannten  Excel-Listen  in  der  Spalte  «B» 
den Namen von bisherigen Kundinnen von [A], die Spalte «D» die Bezeichnung des Produkts, 
welche die in derselben Zeile genannte Kundin bisher bei [A] bezogen hat, und die Spalte «E» 
den Rabatt, welchen [A] beim Verkauf des Produkts der betreffenden Zeile an die in derselben 
Zeile genannte Kundin auf die […]-Bruttopreisliste gewährte.75 Gemäss Vorabklärungsadres-
satinnen ist die jährlich herausgegebene […]-Bruttopreisliste allen Marktteilnehmerinnen, ins-
besondere den Händlerinnen und den metallverarbeitenden Betrieben, bekannt.76 Die indivi-
duelle  Preissetzung  durch  die  Verkäuferinnen  erfolgt(e)  in  Bezug  auf  […]-Produkte 
üblicherweise durch die Gewährung von Rabatten.77 Diese lagen gemäss den vorliegenden 
Beweismitteln  im  Einzelfall  bei  bis  zu  95 %  des  Bruttopreises  gemäss  Bruttopreisliste.78  Zu 
betonen ist in diesem Zusammenhang auch, dass die effektiven Verkaufspreise produkt- sowie 
kundenspezifisch waren und sind. Das heisst der üblicherweise gewährte Rabatt auf den Brut-
topreis gemäss Preisleiste fällt pro Kundin je nach Produkt bzw. Produktkategorie unterschied-
lich  hoch  aus  und  verschiedene  Kundinnen  erhalten  auf  dasselbe  Produkt  unterschiedliche 
Rabatte. Es herrscht mithin trotz der gemeinsamen Bruttopreisliste kein einheitliches Preisni-
veau. 

32.  Klarzustellen ist an dieser Stelle zudem, dass die fünf Händlerinnen die Informationen 
zu bezogenen […]-Produkten sowie zu den bisherigen Verkaufspreisen jeweils betreffend un-
terschiedliche Kundinnen erhielten. […] erhielt z. B. solche Informationen betreffend rund […] 
Kundinnen mit einer Produktionsstätte im Gebiet von […], d. h. in der Innerschweiz, während 
[…], welche ihren Sitz […] hat, derartige Informationen mutmasslich betreffend rund […] Kun-
dinnen mit Produktionsstätten in der Nord- und Westschweiz erhielt. Soweit ersichtlich, erhielt 
keine der fünf Händlerinnen Informationen zu Kundinnen, zu welchen jeweils eine andere der 
vier Händlerinnen eine Information erhielt. Mit anderen Worten erhielt also jede der fünf Händ-
lerinnen die vorgenannten Informationen «exklusiv» zu einer spezifischen Kundengruppe. Ins-
besondere hat keine [Handelspartnerin] Informationen zu den effektiven Verkaufspreisen für 
solche Kundinnen erhalten, welche [A] jeweils anderen [Handelspartnerinnen] überliess. 

33.  Wie erläutert, erfolgte die Übermittlung der Information zu bezogenen […]-Produkten so-
wie zu den bisherigen Verkaufspreisen und Umsätzen von [A] einmalig und gemäss den Er-
mittlungen  mit  dem  Ziel,  den  designierten  [Handelspartnerinnen]  eine  Vorstellung  vom  Ge-
schäftspotenzial zu geben und sicherzustellen, dass die [Handelspartnerinnen] den Kundinnen 

74  Vgl. dazu die Dokumente im Dossier 24-0172. 
75  Vgl. etwa Act. 34, 38. 
76  Vgl. etwa Act. 26–34, 38. 
77  Act. 26–34, 38. 
78  Vgl. dazu die Dokumente im Dossier 24-0172. 

12 

 
 
 
 
 
 
 
keine höheren Verkaufspreise bzw. tieferen Rabatte verrechnen würden als zuvor [A].79 Der 
Verdacht, der Informationsaustausch zwischen [A] und den fünf Händlerinnen habe dazu ge-
dient, das Absinken der Preise zu verhindern, d. h. Mindest- oder Festpreise festzulegen, und 
Kundinnen untereinander definitiv aufzuteilen (vgl. oben Rz 2, 12), erhärtete sich nicht. Insbe-
sondere ergaben sich aus den Ermittlungen keine Anhaltspunkte für ein «Gentlemen’s Agree-
ment» dergestalt, dass die von [A] mitgeteilten Rabatte auf die Bruttopreise nicht erhöht wer-
den und sich die Unternehmen nicht gegenseitig Kundinnen streitig machen sollten. Es stellte 
sich vielmehr heraus, dass die Vorabklärungsadressatinnen in der Preissetzung frei sein soll-
ten und es Kundinnen freistehen sollte, die Anbieterin von […]-Werkzeugen zu wechseln (vgl. 
dazu auch unten Rz 43). 

B.2.3  Möglicher Austausch von Informationen im Rahmen des [Online-Shops] 

34.  Die  Nachfragerinnen  nach  Zerspanungsprodukten  (d. h.  insbesondere  von  Zer-
spanungswerkzeugen) und -lösungen bestellen Zerspanungsprodukte über Online-Shops von 
Anbieterinnen, daneben aber insbesondere auch per E-Mail, telefonisch oder direkt bei Aus-
sendienstmitarbeitenden anlässlich von deren Besuchen bei den Kundinnen.80 

35.  Von den Vorabklärungsadressatinnen betrieben im hier interessierenden Zeitraum seit 
[…] einzig […] bzw. [A] sowie […] einen eigenen Online-Shop.81 [A] generierte im Jahr 2021 
rund […] %82 ihres Umsatzes, d. h. ca. […] Mio. CHF, über ihren Online-Shop […].83 Soweit 
die Vorabklärungsadressatinnen keinen eigenen Online-Shop haben, können deren Kundin-
nen […]-Produkte entweder (i.) direkt bei den besagten [Handelspartnerinnen] bestellen (ins-
besondere  per  E-Mail,  telefonisch  oder  Aussendienstmitarbeitende;  vgl.  dazu  Rz 36),  oder 
aber (ii.) über einen eigenen Account im [Online-Shop] Bestellungen tätigen (vgl. dazu Rz 37). 
Die Durchführung und Abwicklung der Bestellung sowie die Rechnungsstellung erfolgen in den 
beiden vorgenannten Fällen folgendermassen. 

36.  Soweit Kundinnen […]-Produkte direkt bei […], […], […] und […] bestellen (Variante (i.)), 
bestellen die [Handelspartnerinnen] das gewünschte Produkt auf eigenen Namen über ihren 
[Handelspartnerinnen]-Account im [Online-Shop]. Die Lieferung erfolgt dann entweder ab dem 
Zentrallager der […] [im Ausland] an die bestellende [Handelspartnerin], welche das Produkt 
an  die  Kundin  weitergibt,  oder  aber  –  was  gemäss  den  Vorabklärungsadressatinnen  gross-
mehrheitlich der Fall ist – vom Zentrallager [im Ausland] direkt an diejenige Kundin, für welche 
die [Handelspartnerin] das gewünschte […]-Produkt bestellt hat.84 So können die gewünschten 
Produkte bei rechtzeitiger Bestellung am Vortrag innerhalb von […] bei der Kundin sein.85 Nach 
Lieferung stellt sodann die […] bzw. [A] der [Handelspartnerin] Rechnung für die bestellten und 
gelieferten Produkte gemäss den in diesem Verhältnis geltenden Preisen und die [Handels-
partnerin] ihrer Kundin gemäss den zwischen ihnen geltenden Preisen.86 

37.  Teilweise haben Kundinnen der [Handelspartnerinnen] einen eigenen Account im [On-
line-Shop], über den sie selbst Bestellungen tätigen können (Variante (ii.)). Für diese Kundin-

79  Act. 24–34, 38. 
80  Act. 24–34, 38. 
81  Vgl. die Angaben der Vorabklärungsadressatinnen in Act. 24–34, 38 sowie: […]. 
82  Eigene Berechnung des Sekretariats. Vgl. Act. 28 f., 41 sowie oben Rz 6. 
83  Vgl. Act. 28 f., 41 sowie oben Rz 6. 
84  Act. 24–34, 38. 
85  Act. 24–34, 38. 
86  Act. 24–34, 38. 

13 

 
 
 
 
 
 
 
nen ist im [Online-Shop] bzw. im elektronischen System der […] hinterlegt, welches Unterneh-
men ihre sie «betreuende» [Handelspartnerin] ist.87 Gemäss [A] gab es – […] – eine solche 
Hinterlegung einer betreuenden [Handelspartnerin] im […]-System bei […] von insgesamt […] 
bestellenden Schweizer Kundinnen mit einem [Online-Shop]-Account.88 Tätigt eine Kundin, für 
die eine [Handelspartnerin] als betreuende Vertriebspartnerin hinterlegt ist, eine Bestellung im 
[Online-Shop], so erfolgt die Lieferung wiederum entweder an die [Handelspartnerin] oder aber 
– was gemäss den Vorabklärungsadressatinnen grossmehrheitlich der Fall ist – direkt an die 
Kundin (vgl. Rz 36). Obwohl in dieser Variante die Kundinnen über den [Online-Shop] Bestel-
lungen tätigt, erfolgt die Rechnungsstellung gegenüber der Kundin gleichwohl durch die «be-
treuende» [Handelspartnerin]. 

38.  Die in den Rz 35–37 beschriebenen Möglichkeiten der Kundinnen von [Handelspartne-
rinnen], […]-Produkte zu beziehen, haben zur Folge, dass für den […]-Konzern bzw. [A] der 
Kundenkreis von [Handelspartnerinnen] in der Schweiz, ihr Absatzgebiet sowie die von diesen 
Kundinnen  bestellten  Produkte  und  Mengen  ersichtlich  sind,  sofern  eine Direktlieferung  der 
[…]-Produkte  ab  dem  […]  Zentrallager  erfolgt  (vgl.  Rz 36 f.)  oder  zumindest  für  Kundinnen 
eine  bestimmte  [Handelspartnerin]  als  betreuende  Vertriebspartnerin  hinterlegt  ist  (vgl. 
Rz 37).89  Informationen  über  Preise  werden  hingegen  über  den  [Online-Shop]  nicht  ausge-
tauscht, da sowohl in Variante (i.) als auch in Variante (ii.) die Preissetzung und Rechnungs-
stellung gegenüber den Kundinnen durch die [Handelspartnerin] erfolgt und die in diesem Ver-
hältnis  geltenden  Preise  gemäss  den  Vorabklärungsadressatinnen  nicht  im  [Online-Shop] 
hinterlegt sind.90 

B.3 

Auswirkungen 

39. 
Im Rahmen einer Vorabklärung können keine umfassenden Abklärungen zu den Aus-
wirkungen einer bestimmten Verhaltensweise gemacht werden. Folgendes kann in Bezug auf 
die Auswirkungen der vorgängig beschriebenen Verhaltensweisen festgehalten werden: 

40.  Die  Ermittlungen  haben  Anhaltspunkte  ergeben,  dass  […],  […],  […],  […]  und  […]  die 
ihnen mitgeteilten Informationen betreffende ehemalige Kundinnen von [A] verwendeten, um 
diejenigen Kundinnen, zu welchen sie jeweils «exklusiv» Informationen erhielten, zu akquirie-
ren und um gewährleisten zu können, dass sie den betreffenden Kundinnen keine höheren 
Verkaufspreise bzw. tieferen Rabatte verrechnen würden als zuvor [A] (vgl. dazu Rz 30 ff.).91 

41.  Die  Ermittlungen  haben  ferner  Anhaltspunkte  ergeben,  dass  die  Verkaufspreise  der 
[Handelspartnerinnen] nach der Übernahme der ehemaligen Kundinnen von [A] im Wesentli-
chen mit den mitgeteilten Verkaufspreisen der [A] diesen Kundinnen gegenüber identisch wa-
ren,  also  weder  nach  oben  noch  nach  unten  von  den  ehemaligen  Verkaufspreisen  von  [A] 
gegenüber  den  betroffenen  Kundinnen  abwichen.92  Auch  ergibt  sich  aus  den  Angaben  der 
Vorabklärungsadressatinnen,  dass  betroffene  Kundinnen  in  der  Regel  damit  einverstanden 
waren, neu von [Handelspartnerinnen] betreut zu werden, und Kundinnen von [Handelspart-
nerinnen] später höchstens vereinzelt zu einer anderen Lieferantin von […]-Zerspanungspro-
dukten gewechselt sein könnten.93 Es bestehen mithin Anhaltspunkte für eine gewisse Stabi-
lität der Verkaufspreise und der Kundenkreise der [Handelspartnerinnen] nach der Übernahme 

87  Vgl. insbesondere Act. 28 f., 41. 
88  Act. 41. 
89  Dies führt [A] selbst aus; vgl. Act. 41, S. 6. 
90  Vgl. insbesondere Act. 41, S. 6. 
91  Act. 24–34, 38. 
92  Act. 24–34, 38. 
93  Act. 24–34, 38. 

14 

 
 
 
 
 
 
 
der ehemaligen Kundinnen von [A] und der entsprechenden Informationsübermittlung. Zu be-
tonen ist in diesem Zusammenhang, dass die effektiven Verkaufspreise produkt- sowie kun-
denspezifisch  waren  und  sind,  d. h.  trotz  der  gemeinsamen  Verwendung  derselben  Brutto-
preisliste für […]-Produkte keine einheitlichen Stückpreise vorlagen und vorliegen (vgl. oben 
Rz 31 f.). 

42.  Wahrscheinlich ist, dass die allfällige Stabilität der Verkaufspreise und der Kundenkreise 
im Zeitverlauf (vgl. Rz 41) auf natürlichen Distanzschutz, welcher wiederum aus dem Verhal-
ten  bzw.  den  Interessen  der  Kundinnen  resultiert,  zurückzuführen  ist.  Denn  wie  ausgeführt, 
bedarf es im Bereich der Lieferung von Zerspanungsprodukten und -lösungen oftmals einer 
Betreuung der Kundinnen vor Ort, d. h. an der Produktionsstätte der Kundinnen (siehe oben 
Rz 25). Diese können [Handelspartnerinnen] mit Standort in der Nähe der Produktionsstätte 
der  Kundinnen  besser  und  kostengünstiger  durchführen  als  [Handelspartnerinnen],  deren 
Standort weiter entfernt ist.94 Kommt hinzu, dass die persönliche Kundenbeziehung und die 
Qualität der Beratung nach Angaben der Vorabklärungsadressatinnen wichtige Faktoren für 
den Bestand und die Fortsetzung der Geschäftsbeziehung sind, der Preis der Zerspanungs-
produkte selbst hingegen weniger.95 Die Kosten für die Zerspanungsprodukte sind zudem im 
Verhältnis zu den übrigen Kosten der Kundinnen (z. B. Kosten für Fachpersonal, für Forschung 
und Entwicklung, für Maschinen, für Material) eher klein, weshalb die Preissensibilität im Be-
reich der Zerspanungsprodukte nicht übermässig gross ist.96 

43.  Abschliessend sei darauf hingewiesen, dass die Vorabklärungsadressatinnen im Rah-
men der Vorabklärung zusicherten, dass sie in der Preissetzung frei seien und Kundinnen frei 
entscheiden könnten, bei wem sie Zerspanungsprodukte und -lösungen beziehen möchten.97 

B.4 

Zwischenergebnis zum Sachverhalt 

44. 
Im Jahr […] begann [A], ihren indirekten Vertriebskanal auszubauen, indem sie nach und 
nach unabhängige Händlerinnen zu [Handelspartnerinnen] machte, über welche sie in grös-
serem Umfang […]-Produkte absetzen wollte bzw. absetzte. Zu [Handelspartnerinnen] wurden 
so u. a. die Vorabklärungsadressatinnen […], […], […], […] und […]. 

45.  Für die Akquirierung von […], […], […], […] und […] als [Handelspartnerinnen] hatte [A] 
bestimmte  ihrer  bisherigen  Kundinnen  zu  verschiedenen  Kundenkreisen zusammengestellt. 
Jeder dieser fünf Händlerinnen bot [A] anlässlich von bilateralen Kontakten einen bestimmten 
Kundenkreis an, wobei die fünf Händlerinnen zu «ihren» Kundenkreisen jeweils Informationen 
über  die  Umsätze  erhielt,  welche  [A]  bislang  mit  den  enthaltenen  Kundinnen  erzielt  hatte. 
Diese Informationsübermittlung erfolgte einmalig und mit dem Ziel, der jeweiligen [Handels-
partnerin] eine Vorstellung vom Potenzial des Geschäfts mit diesen Kundinnen zu geben. 

In  der  Folge  erklärten  sich  […],  […],  […],  […]  und  […]  gegenüber  [A]  dazu  bereit,  als 
46. 
[Handelspartnerin] von [A] zu fungieren und künftig die ihnen zugewiesenen, ehemaligen Kun-
dinnen von [A] zu betreuen. [A] legte mit den fünf vorgenannten Händlerinnen jeweils einzeln 
fest,  dass  sie  zu  den  ihnen  jeweils  definitiv  überlassenen  Kundinnen  Informationen  zu  den 
bislang bezogenen Produkten und den durch [A] verrechneten Verkaufspreisen erhalten soll-
ten. Die entsprechende Informationsübermittelung erfolgte einmalig an die [Handelspartnerin-
nen] mittels Excel-Listen. Damit sollte gewährleistet werden, dass die [Handelspartnerinnen] 

94  Vgl. Act. 24–34, 38. 
95  Vgl. Act. 24–34, 38. 
96  Vgl. Act. 24–34, 38; vgl. auch […]. 
97  Vgl. Act. 24–34, 38. 

15 

 
 
 
 
 
 
 
den ihnen überlassenen Kundinnen keine höhere Preise verrechnen würden als zuvor von [A] 
verrechnet. 

47.  Der ursprüngliche Verdacht, der vorgenannte Informationsaustausch zwischen [A] und 
den fünf Händlerinnen habe dazu gedient, das Absinken der Preise zu verhindern, d. h. Min-
dest-  oder  Festpreise  festzulegen,  und  Kundinnen  untereinander  aufzuteilen,  erhärtete  sich 
nicht.  Es  stellte  sich  vielmehr  heraus,  dass  die Vorabklärungsadressatinnen  von  Anfang  an 
davon ausgingen, dass sie in der Preissetzung frei sein sollten und es Kundinnen freistehen 
sollte, die Anbieterin von […]-Werkzeugen zu wechseln. 

48.  Die Ermittlungen haben ferner ergeben, dass die Nutzung des Direktversands sowie des 
Online-Shops  der  […],  durch  [Handelspartnerinnen]  und  Kundinnen  von  [Handelspartnerin-
nen] zur Folge hat, dass für den […]-Konzern bzw. [A] der Kundenkreis von [Handelspartne-
rinnen] in der Schweiz, ihr Absatzgebiet sowie die von diesen Kundinnen bestellten Produkte 
und Mengen ersichtlich sind. Für einen Austausch von preisbezogenen Informationen im Rah-
men des [Online-Shops] bestehen keine Anhaltspunkte. 

Im  Rahmen  einer  Vorabklärung  können  die  Auswirkungen  der  beschriebenen  Verhal-
49. 
tensweisen nicht umfassend abgeklärt werden. Festgehalten werden kann aber insbesondere, 
dass Anhaltspunkte bestehen, dass die Verkaufspreise und Kundenkreise der [Handelspart-
nerinnen] nach der Übernahme der ehemaligen Kundinnen von [A] recht stabil blieben. Es ist 
wahrscheinlich,  dass  diese  allfällige  Stabilität  der  Verkaufspreise  und  der  Kundenkreise  auf 
natürlichen Distanzschutz bzw. das Verhalten und die Interessen der Kundinnen zurückzufüh-
ren ist. Zu betonen ist in diesem Zusammenhang, dass die effektiven Verkaufspreise produkt- 
sowie kundenspezifisch waren und sind, d. h. trotz der gemeinsamen Verwendung derselben 
Bruttopreisliste  für  […]-Produkte  wegen  der  üblichen  individuellen  Rabattsetzung  keine  ein-
heitlichen Stückpreise vorliegen. 

C 

Erwägungen 

50.  Zu prüfen ist, ob mit Blick auf den vorstehenden Sachverhalt Anhaltspunkte für unzuläs-
sige Wettbewerbsbeschränkungen im Sinne des Kartellrechts bestehen. Nicht zu prüfen ist im 
Rahmen  der  Vorabklärung,  ob  tatsächlich  unzulässige  Wettbewerbsbeschränkungen  vorlie-
gen (vgl. Art. 26 f. KG). 

51.  Nachfolgend  werden  zwei  Sachverhaltskomplexe  separat  geprüft:  Zum einen  sind  die 
bilateralen Kontakte zwischen [A] sowie […], […], […], […] und […] zum Zwecke der Akquirie-
rung  der  Unternehmen als  [Handelspartnerinnen]  sowie  der  entsprechende  einmalige  Infor-
mationsaustausch (vgl. dazu oben Rz 24 ff., 44–47) kartellrechtlich zu würdigen (vgl. dazu un-
ten  Rz 57 ff.).  Zum  anderen  ist  auf  die  laufende  Kooperation  zwischen  [A]  und  den 
[Handelspartnerinnen] einzugehen, d. h. auf die gemeinsame Verwendung der Bruttopreisliste 
für […]-Produkte  durch die  Vorabklärungsadressatinnen (vgl.  dazu  oben Rz 31 f.  und  unten 
Rz 83 ff.)  sowie  auf  den  laufenden  Informationsaustausch,  welcher  durch  die  gemeinsame 
Nutzung des Direktversands und des [Online-Shops] ermöglicht wird (vgl. dazu oben Rz 34 ff., 
48 und unten Rz 83 ff.). Vorab ist insgesamt zu prüfen, ob der Geltungsbereich des KG eröff-
net  ist  (siehe  dazu  Rz 52 ff.)  und  vorbehaltene  Vorschriften  eine  Anwendung  des  KG  aus-
schliessen (siehe dazu Rz 56). 

C.1  Geltungsbereich  

52.  Das KG gilt für Unternehmen des privaten und öffentlichen Rechts, die Kartell- oder an-
dere Wettbewerbsabreden treffen, Marktmacht ausüben oder sich an Unternehmenszusam-
menschlüssen beteiligen (Art. 2 KG). 

16 

 
 
 
 
 
 
53.  Als Unternehmen gelten sämtliche Nachfrager oder Anbieter von Gütern und Dienstleis-
tungen im Wirtschaftsprozess, unabhängig von ihrer Rechts- oder Organisationsform (Art. 2 
Abs. 1bis KG).98 Die vorliegende Vorabklärung richtet sich gegen [A], […], […], […], […] und 
[…] (vgl. oben Rz 3 ff.). Diese sind, sofern sie in einen Konzern eingebunden sind, insbeson-
dere zusammen mit ihren Muttergesellschaften als Unternehmen i. S. v. Art. 2 Abs. 1bis KG zu 
qualifizieren,  da  sie  als  Anbieter  und  Nachfrager  von  Gütern  und  Dienstleistungen  im  Wirt-
schaftsprozess auftreten (vgl. oben Rz 4 ff.). Das Kartellgesetz ist mithin in persönlicher Hin-
sicht anwendbar. 

54.  Vorliegend  ist  zu  prüfen,  ob  Anhaltspunkte  für  unzulässige  Wettbewerbsabreden  ge-
mäss Art. 5 KG vorliegen (vgl. oben Rz 1 f., 12). Dies wird im Rahmen der materiellen Beur-
teilung  noch  im  Einzelnen  zu  prüfen  sein  (vgl.  dazu  unten  Rz 57 ff.,  83 ff.).  Es  wird  auf  die 
dortigen  Ausführungen  verwiesen  und  an  dieser Stelle  auf  deren  Wiedergabe  verzichtet. In 
sachlicher Hinsicht ist das Kartellgesetz folglich anwendbar. 

55.  Schliesslich  fallen  die  vorliegend  zu  beurteilenden  Handlungen  und  Verhaltensweisen 
auch in den örtlichen und zeitlichen Geltungsbereich des Kartellgesetzes. 

C.2 

Keine vorbehaltenen Vorschriften 

56.  Dem Kartellgesetz sind Vorschriften vorbehalten, die auf einem Markt für bestimmte Wa-
ren oder Leistungen Wettbewerb nicht zulassen, insbesondere Vorschriften, die eine staatliche 
Markt-  oder  Preisordnung  begründen,  und  solche,  die  einzelne  Unternehmen  zur  Erfüllung 
öffentlicher Aufgaben mit besonderen Rechten ausstatten (Art. 3 Abs. 1 KG). Ebenfalls nicht 
unter das Gesetz fallen Wettbewerbswirkungen, die sich ausschliesslich aus der Gesetzge-
bung über das geistige Eigentum ergeben. Hingegen unterliegen Einfuhrbeschränkungen, die 
sich auf Rechte des geistigen Eigentums stützen, der Beurteilung nach diesem Gesetz (Art. 3 
Abs. 2 KG). Vorliegend ist die Anwendung des Kartellgesetzes nicht durch vorbehaltene Vor-
schriften i. S. v. Art. 3 KG ausgeschlossen. 

C.3 

Verhaltensweisen im Zusammenhang mit den 
[Handelspartnerinnen]-Akquirierungen (Einführung bzw. Stärkung 
des Dualvertriebs) 

57.  Nachfolgend werden die bilateralen Kontakte zwischen [A] sowie […], […], […], […] und 
[…] zum Zwecke der Akquirierung der fünf Händlerinnen als [Handelspartnerinnen] (Einfüh-
rung  bzw.  Stärkung  des  Dualvertriebs)  und  der  entsprechende  einmalige  Informationsaus-
tausch (vgl. dazu oben Rz 24 ff., 44–47) kartellrechtlich gewürdigt. 

C.3.1  Allgemeines 

58.  Art. 4 Abs. 1 KG definiert, was im KG unter einer Wettbewerbsabrede zu verstehen ist. 
Erfüllt eine Kooperation nicht sämtliche Tatbestandsmerkmale dieser Definition, hat es damit 
sein  Bewenden;  die  Kooperation  ist  kartellrechtlich  unter  dem  Blickwinkel  des  Abredetatbe-
stands zulässig. Ist eine Kooperation hingegen als Abrede i. S. v. Art. 4 Abs. 1 KG zu qualifi-
zieren,  bestimmt  sich  deren  (Un-)Zulässigkeit  alsdann  nach  Art. 5  KG.  Den  Grundsatz  hält 

98  Vgl. dazu BVGer, B-2977/2007 vom 27.4.2010 E. 4.1, Publigroupe; vgl. auch RETO 

HEIZMANN/MICHAEL MAYER, in: DIKE-Kommentar, Kartellgesetz, Zäch/Arnet/Baldi/Kiener/Schal-
ler/Schraner/Spühler (Hrsg.), 2018 (zit. DIKE KG-AUTOR/IN), Art. 2 N 7 m. w. H.; VINCENT 
MARTENET/PIERRE-ALAIN KILLIAS, in: Commentaire Romand, Droit de la concurrence, Martenet/Bo-
vet/Tercier (Hrsg.), 2. Aufl. 2013 (zit. CR Concurrence-AUTOR/IN), Art. 2 LCart N 21 f. 

17 

 
 
 
 
 
 
 
Art. 5 Abs. 1 KG fest: Eine Wettbewerbsabrede ist unzulässig, wenn sie entweder a) den wirk-
samen Wettbewerb erheblich beeinträchtigt und nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effi-
zienz gerechtfertigt ist oder wenn sie b) den wirksamen Wettbewerb beseitigt. Bei bestimmten 
Abredegegenständen vermutet das Gesetz in Art. 5 Abs. 3 und 4 KG, dass der wirksame Wett-
bewerb beseitigt wird, wobei diese Vermutung widerlegbar ist. Mit den rechtfertigenden Effizi-
enzgründen, die bei Wettbewerbsabreden, die den wirksamen Wettbewerb erheblich beein-
trächtigen, näher zu prüfen sind, befasst sich Art. 5 Abs. 2 KG. 

C.3.2  Wettbewerbsabrede 

59.  Als Wettbewerbsabreden gelten rechtlich erzwingbare oder nicht erzwingbare Vereinba-
rungen  sowie  aufeinander  abgestimmte  Verhaltensweisen  von  Unternehmen  gleicher  oder 
verschiedener  Marktstufen,  die  eine  Wettbewerbsbeschränkung  bezwecken  oder  bewirken 
(Art. 4 Abs. 1 KG). 

60.  Eine  Wettbewerbsabrede  i. S. v.  Art. 4  Abs. 1  KG  definiert  sich  daher  durch  folgende 
Tatbestandselemente: a) mindestens zwei Unternehmen auf gleicher Marktstufe oder auf ver-
schiedenen Marktstufen (siehe Rz 61 ff.), b) eine Verhaltenskoordination im Sinne eines be-
wussten und gewollten Zusammenwirkens (als Oberbegriff, der die Vereinbarung und die auf-
einander  abgestimmten  Verhaltensweisen  umfasst;  siehe  Rz 67 ff.)  und  c)  das  Bezwecken 
oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung (siehe Rz 73 ff.).99 

C.3.2.1  Unternehmen gleicher oder verschiedener Marktstufen 

61.  Eine Wettbewerbsabrede setzt voraus, dass zwei oder mehr wirtschaftlich selbständige 
Unternehmen  zusammenwirken.  Vereinbarungen  und  abgestimmte  Verhaltensweisen  zwi-
schen Gesellschaften, die demselben Unternehmen i. S. v. Art. 2 KG angehören, werden nicht 
erfasst.100 

62.  Vorliegend geht es um das Zusammenwirken von [A] sowie […], […], […], […] und […] 
anlässlich von bilateralen Kontakten. Diese Vorabklärungsadressatinnen sind je als Unterneh-
men i. S. v. Art. 2 Abs. 1bis KG zu qualifizieren (vgl. vorne Rz 53). 

63.  Art. 4 Abs. 1 KG stellt klar, dass es für das Vorliegen einer Wettbewerbsabrede nicht von 
Bedeutung  ist,  auf  welcher  Marktstufe  die  mutmasslich  zusammenwirkenden  Unternehmen 
tätig sind («…Unternehmen gleicher oder verschiedener Marktstufen…»). Diese können viel-
mehr in horizontalen, vertikalen oder auch konglomeraten bzw. diagonalen Verhältnissen zu-
einanderstehen.101 Entscheidrelevant würde die Frage des konkreten Verhältnisses der Abre-
deteilnehmerinnen  erst  für  die  materielle  Beurteilung  der  Wettbewerbsabrede  nach  Art. 5 
KG.102 Art. 5 KG wird jedoch nachfolgend nicht zu prüfen sein, da keine Wettbewerbsabreden 

99  Vgl. BGE 147 II 72 E. 3.1, Hors-Liste-Medikamente II; BGer, 2C_43/2020 vom 21.12.2021 E. 7.2 
(nicht publiziert in BGE 148 II 25), Dargaud; BGE 148 II 321 E. 6.2, Flammarion, jeweils unter Hin-
weis auf BGE 144 II 246 E. 6.4, Altimum. 

100 BGE 139 I 107 E. 10.4.1, Publigroupe; BVGer, B-581/2012 vom 16.9.2016 E. 4.1.3 m. w. H., Ni-

kon; vgl. dazu etwa auch ROGER ZÄCH/RETO HEIZMANN, Schweizerisches Kartellrecht, 3. Aufl. 2023, 
Rz 300 ff.; MANI REINERT, in: Basler Kommentar, Kartellgesetz, Amstutz/Reinert (Hrsg.), 2. Aufl. 
2021 (zit. BSK KG-AUTOR/IN), Art. 4 Abs. 1 N 358 m. w. H.; CR Concurrence-
AMSTUTZ/CARRON/REINERT (Fn 98), Art. 4 I LCart N 15. 

101 Vgl. etwa RPW 2012/1, 102 f. Rz 156, Vertrieb von Tickets im Hallenstadion Zürich; RPW 2021/1, 
217 f. Rz 53 f., Optische Netzwerke; vgl. dazu auch DIKE KG-BANGERTER/ZIRLICK (Fn 98), Art. 4 
Abs. 1 N 80 ff. 

102 DIKE KG-BANGERTER/ZIRLICK (Fn 98), Art. 4 Abs. 1 N 82. 

18 

 
 
 
 
 
 
 
im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG vorliegen (vgl. Rz 73 ff., 80 f., 82). Gleichwohl kann an dieser 
Stelle Folgendes ausgeführt werden. 

64. 
Im Falle der Akquirierung der [Handelspartnerinnen] wirkte jede der fünf Händlerinnen je 
einzeln mit [A] zusammen (siehe oben Rz 24 ff., 44–47): [A] trat gegenüber den fünf Händle-
rinnen  jeweils  als  Generalimporteurin  bzw.  Lieferantin  von  […]-Zerspanungsprodukten  auf, 
welche die fünf Händlerinnen weiterverkaufen sollten. Insoweit sind die zusammenwirkenden 
Unternehmen  auf  verschiedenen  Marktstufen  tätig,  was  für  ein  vertikales  Zusammenwirken 
bzw. vertikale Abreden spricht. [A] ist indes wie die [Handelspartnerinnen] auch auf Händler-
stufe tätig, da sie Zerspanungsprodukte und -lösungen auch direkt vertrieb bzw. vertreibt (Du-
alvertrieb; vgl. oben Rz 6, 21). Dies spricht auch für eine horizontale Komponente.  

65.  Für  Konstellationen  des dualen  Vertriebs  ist  die Vertikalbekanntmachung  der  Wettbe-
werbskommission  (VertBek)103  zu  berücksichtigen.104  Nach  Art. 10  Abs. 2  VertBek  gilt  die 
Vert-Bek nicht für vertikale Wettbewerbsabreden zwischen Wettbewerberinnen. Die Regelun-
gen der VertBek kommen jedoch ausnahmsweise zur Anwendung bei vertikalen Wettbewerbs-
abreden zwischen Wettbewerberinnen, wenn die Wettbewerberinnen nicht gegenseitige verti-
kale Wettbewerbsabreden treffen und – wie hier die [A] – eine Anbieterin auf der vorgelagerten 
Stufe als Herstellerin, Importeurin oder Grosshändlerin und zugleich auf der nachgelagerten 
Stufe als Importeurin, Grosshändlerin oder Einzelhändlerin von Waren tätig ist, während die 
Abnehmerin eine auf der nachgelagerten Stufe tätige Importeurin, Grosshändlerin oder Ein-
zelhändlerin, jedoch keine Wettbewerberin auf der vorgelagerten Stufe ist, auf der sie die Ver-
tragswaren bezieht (Art. 10 Abs. 2 Bst. a VertBek). In Bezug auf einen Informationsaustausch 
in einer solchen Konstellation kommt die Ausnahme nur zur Anwendung, wenn der Informati-
onsaustausch zwischen der Anbieterin und den Abnehmerinnen direkt die Umsetzung der ver-
tikalen Wettbewerbsabrede betrifft und zur Verbesserung der Produktion oder des Vertriebs 
der Vertragswaren erforderlich ist (Art. 10 Abs. 3 VertBek e contrario). Art. 10 Abs. 5 VertBek 
stellt zudem klar, dass die Anwendung der VertBek auf Konstellationen des dualen Vertriebs 
nicht ausschliesst, den Sachverhalt ganz oder teilweise als horizontale Wettbewerbsabrede 
gemäss  Art. 5  Abs. 3  KG  oder Missbrauch  einer  marktbeherrschenden  Stellung  nach  Art. 7 
KG zu qualifizieren. 

66.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Zusammenwirken von [A] und den übrigen 
Vorabklärungsadressatinnen  vertikalen  und  horizontalen  Charakter  hat.  Bei  den  beteiligten 
Unternehmen handelt es sich mithin um Unternehmen gleicher oder verschiedener Marktstu-
fen. 

C.3.2.2  Verhaltenskoordination: bewusstes und gewolltes Zusammenwirken 

67.  Abreden in Form von Vereinbarungen wie auch aufeinander abgestimmter Verhaltens-
weisen  sind  die  Mittel  der  Verhaltenskoordination.105  Eine  Verhaltensweise  stellt  dann  eine 
Abrede nach Art. 4 Abs. 1 KG dar, wenn es sich um ein bewusstes und gewolltes Zusammen-
wirken der betreffenden Unternehmen handelt.106 Die Verhaltenskoordination lässt somit die 
praktische Zusammenarbeit an die Stelle des mit Risiken verbundenen Wettbewerbs treten.107  

103 Bekanntmachung der WEKO vom 12.12.2022 über die wettbewerbsrechtliche Behandlung vertika-

ler Abreden (Vertikalbekanntmachung, VertBek). 

104 Vgl. auch RPW 2020/2, 632 Rz 55 f., AdBlue. 
105 Dazu und zum Folgenden: BGE 147 II 72 E. 3.2, Hors-Liste-Medikamente II; BGE 129 II 18 E. 6.3, 

Buchpreisbindung. 

106 Botschaft KG 1994, BBl 1995 I 468, 545 Ziff. 224.1; BGE 144 II 246 E. 6.4.1, Altimum; BGE 

129 II 18 E. 6.3, Buchpreisbindung. 

107 BGE 147 II 72 E. 3.2, Hors-Liste-Medikamente II; BGE 129 II 18 E. 6.3, Buchpreisbindung. 

19 

 
 
 
 
 
 
 
68.  Eine formelle vertragliche Grundlage des bewussten und gewollten Zusammenwirkens 
ist nicht notwendig, vielmehr sind abgestimmte Verhaltensweisen bis hin zu verbindlichen Ver-
einbarungen einschlägig, wobei sich Vereinbarungen von den aufeinander abgestimmten Ver-
haltensweisen  durch  den  vorhandenen  resp.  nicht  vorhandenen  Bindungswillen  unterschei-
den.108  Die 
tatsächliche  Form  des  Zusammenwirkens  und  die 
Durchsetzungsmöglichkeit sind unerheblich.109 Entscheidend ist allein, dass zwei oder meh-
rere wirtschaftlich voneinander unabhängige Unternehmen kooperieren und so bewusst und 
gewollt auf die individuelle Festlegung der eigenen Wettbewerbsposition verzichten.110 

rechtliche  oder 

69.  Unter das bewusste und gewollte Zusammenwirken fallen nach dem Gesagten «Verein-
barungen». Für das Vorliegen einer Vereinbarung ist erforderlich, dass ein Konsens zwischen 
den beteiligten Unternehmen über die Art und Weise der Zusammenarbeit der Unternehmen 
vorliegt. Mit  Blick auf das Obligationenrecht kommt ein solcher Konsens durch übereinstim-
mende  gegenseitige  Willenserklärungen  der  Parteien  zustande  (Art. 1  Abs. 1  OR111).112  Die 
entsprechenden Erklärungen können entweder ausdrücklich (schriftlich oder mündlich), durch 
konkludentes Verhalten (Art. 1 Abs. 2 OR) oder stillschweigend (Art. 6 OR) erfolgen.113 Eine 
Vereinbarung nach Art. 4 Abs. 1 KG geht aber über den obligationenrechtlichen Vertrag auf 
austauschvertraglicher und gesellschaftsvertraglicher Basis hinaus, da auch rechtlich nicht er-
zwingbare Vereinbarungen vom Begriff erfasst sind (sog. Gentlemen's Agreements oder Früh-
stückskartelle): Entscheidend ist lediglich der Wille, sich zu binden.114 Ob ausdrückliche oder 
konkludente Willenserklärungen von Unternehmen vorliegen und ob diese zu einem tatsächli-
chen  Konsens  (auch:  natürlichen  Konsens)  der  Unternehmen  geführt  haben,  ist  eine  Tat-
frage.115 

70.  Vorliegend einigten sich […], […], […], […] und […] je einzeln mit [A] darüber, dass sie 
als [Handelspartnerin] von [A] fungieren und künftig bestimmte ehemalige Kundinnen von [A], 
zu  welchen  sie  detaillierte  Umsatzinformationen  erhalten  hatten,  betreuen  wollen  (vgl. 
Rz 28 ff.,  46).  Dabei  gingen  die  beteiligten  Unternehmen  davon  aus,  dass  die  designierten 
[Handelspartnerinnen] Informationen zu den bislang bezogenen Produkten und den Verkaufs-
preisen zu den jeweiligen Kundinnen, welche [A] ihnen überlassen wollte, erhalten sollten (vgl. 
insbesondere Rz 30, 46). Ziel dieser bilateralen Informationsübermittlungen war gemäss den 
Ermittlungen sicherzustellen, dass die jeweilige [Handelspartnerin] den Kundinnen keine hö-
heren Verkaufspreise bzw. tieferen Rabatte verrechnen würde als zuvor [A] (vgl. Rz 30, 46). 
Insoweit liegt in den bilateralen Verhältnissen zwischen [A] und den fünf Händlerinnen jeweils 
ein Konsens über die Art und Weise der Zusammenarbeit von [A] und den fünf Händlerinnen 
vor, d. h. eine Vereinbarung i. S. v. Art. 4 Abs. 1 KG. Anhaltspunkte für eine horizontale Zu-
sammenarbeit zwischen den fünf Händlerinnen ergaben die Ermittlungen hingegen nicht (vgl. 
auch unten Rz 72). 

108 BGE 147 II 72 E. 3.3, Hors-Liste-Medikamente II. 
109 BVGer, B-506/2010 vom 19.12.2013 E. 3.2.2, Gaba; BVGer, B-463/2010 vom 19.12.2013 E. 3.2.4, 

Gebro; BSK KG-REINERT (Fn 100), Art. 4 Abs. 1 N 48 m. w. H. 

110 BVGer, B-8404/2010 vom 23.9.2014 E. 5.1.2 f., Baubeschläge/SFS unimarket; vgl. auch BGE 147 

II E. 3.2, Hors-Liste-Medikamente II; BSK KG-REINERT (Fn 100), Art. 4 Abs. 1 N 46 m. w. H. 
111 Bundesgesetz vom 30.3.1911 betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches 

(Fünfter Teil: Obligationenrecht) (Obligationenrecht, OR; SR 220). 

112 BGE 147 II 72 E. 3.3, Hors-Liste-Medikamente II; BGE 144 II 246 E. 6.4.1, Altimum. 
113 BGE 147 II 72 E. 3.3, Hors-Liste-Medikamente II. 
114 BGE 147 II 72 E. 3.3, Hors-Liste-Medikamente II. 
115 Statt anderer BGer, 4A_659/2017 vom 18.5.2018 E. 4.1 m. w. H. Dies gilt auch im Kartellrecht, wie 
etwa BGE 144 II 246 E. 6.5, Altimum, zeigt, ohne dies allerdings ausdrücklich zu sagen. Vgl. auch 
BVGer, B-552/2015 vom 14.11.2017 E. 4.4, Türprodukte; BGer, 5A_127/2013 vom 1.7.2013 E. 4.1; 
BGE 116 II 695 E. 2; BSK KG-REINERT (Fn 100), Art. 4 Abs. 1 N 52 m. w. H. 

20 

 
 
 
 
 
 
 
71.  Die einzelnen vertikalen Informationsaustausche zwischen [A] und jeweils einer [Han-
delspartnerin] über ehemalige Kundinnen von [A], die von [A] mit diesen erzielten Umsätzen, 
die bislang bezogenen […]-Produkte sowie die Verkaufspreise (vgl. Rz 45 f., 24 ff.) sind vor 
diesem Hintergrund nicht isoliert zu beurteilen, sondern als «Vorbereitungsakte» bzw. «Um-
setzungsakte»  der  vorliegenden  bilateralen  Vereinbarungen  über  die  Übernahme  von  be-
stimmten bisherigen Kundinnen von [A] zu qualifizieren.116 Hinzuweisen ist darauf, dass diese 
bilateralen  Informationsaustausche  für  sich  betrachtet  jedenfalls  den  Tatbestand  der  abge-
stimmten Verhaltensweise117 erfüllen, da die beteiligten Unternehmen in den bilateralen Ver-
hältnissen jeweils interne Informationen von [A] austauschten und die [Handelspartnerinnen] 
die mitgeteilten Informationen jeweils für ihre Tätigkeit als Handelsunternehmen verwendeten 
(vgl. insbesondere Rz 40). 

72.  Mit Blick auf den Vorabklärungsgegenstand (siehe dazu Rz 1 f., 12 f.) ist an dieser Stelle 
festzuhalten,  dass  die  Ermittlungen  keine  Anhaltspunkte  für  eine  Vereinbarung  oder  abge-
stimmte Verhaltensweise betreffend die Festlegung von Mindest- oder Festpreisen und/oder 
zur  definitiven  Zuteilung von  Kundinnen  ergeben  haben  (vgl.  Rz 33,  47).  Insoweit  liegt  also 
kein bewusstes und gewolltes Verhalten der Vorabklärungsadressatinnen vor, weshalb inso-
fern schon deshalb das Vorliegen von Wettbewerbsabreden i. S. v. Art. 4 Abs. 1 KG ausge-
schlossen ist. 

C.3.2.3  Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung 

73.  Neben einem bewussten und gewollten Zusammenwirken muss die Abrede nach Art. 4 
Abs. 1 KG «eine Wettbewerbsbeschränkung bezwecken oder bewirken».  

74.  Eine «Wettbewerbsbeschränkung» liegt vor, wenn es bei einem Vergleich der Wettbe-
werbssituation  mit  Abrede  und  der  hypothetischen  Wettbewerbssituation  ohne  Abrede  «ein 
Minus gibt»; wenn also durch eine Verhaltenskoordination «die Handlungsfreiheit der Wettbe-
werbsteilnehmer  hinsichtlich  einzelner  Wettbewerbsparameter  (im  Wesentlichen:  Preis, 
Menge, Qualität,  Service,  Beratung,  Werbung, Geschäftskonditionen, Marketing,  Forschung 
und Entwicklung) so eingeschränkt wird, dass dadurch die zentralen Funktionen des Wettbe-
werbs vermindert bzw. eingeschränkt werden».118 Die Vereinbarung oder abgestimmte Ver-
haltensweise muss sich mithin auf einen Wettbewerbsparameter beziehen.119 Wie das Bun-
desgericht ausführt, ist das Beschränken nach Art. 4 Abs. 1 KG «wettbewerbsrechtlich noch 
neutral»120.  Ob  die  Wettbewerbsbeschränkung  zulässig  oder  unzulässig  ist,  ist  Gegenstand 
der Prüfung nach Art. 5 KG.121 

75.  Art. 4 Abs. 1 KG setzt die Tatbestandsmerkmale «bezwecken» resp. «bewirken» – wie 
bereits das Wort «oder» im Gesetzestext zeigt – alternativ voraus, nicht kumulativ.122 Aufgrund 

116 Ähnlich BVGer, B-141/2012 vom 12.12.2022 E. 4.4.3., ASCOPA. 
117 Siehe dazu insbesondere BGE 147 II 72 E. 3.4, Hors-Liste-Medikamente II. 
118 BGE 147 II 72 E. 3.5, Hors-Liste-Medikamente II; BVGer, B-3618/2013 vom 24.11.2016 E. 303, 

Vertrieb von Tickets im Hallenstadion Zürich; BVGer, B-3332/2012 vom 13.11.2015 E. 2.2.3, BMW; 
BVGer, B-506/2010 vom 19.12.2013 E. 3.2.3, Gaba; BVGer, B-463/2010 vom 19.12.2013 E. 3.2.6, 
Gebro. 

119 Statt vieler: RPW 2020/1, 202 Rz 834, KTB-Werke; RPW 2018/4, 790 Rz 370, Hoch- und Tiefbau-

leistungen Engadin III; RPW 2018/2, 240 Rz 32, Gym80. 

120 BGE 147 II 72 E. 3.5, Hors-Liste-Medikamente II. 
121 BGE 147 II 72 E. 3.5, Hors-Liste-Medikamente II. 
122 BGE 147 II 72 E. 3.6, Hors-Liste-Medikamente II; vgl. u. a. auch BVGer, B-3618/2013 vom 
24.11.2016 E. 303, Vertrieb von Tickets im Hallenstadion Zürich; BVGer, B-3332/2012 vom 
13.11.2015 E. 2.2.3, BMW. 

21 

 
 
 
 
 
 
 
der  Alternativität  von  Bezwecken  und  Bewirken sind  tatsächliche  Auswirkungen  der  Abrede 
nicht notwendig; es genügt, wenn sie eine solche Beschränkung bezwecken.123 

76.  Eine Vereinbarung oder abgestimmte Verhaltensweise bezweckt eine Wettbewerbsbe-
schränkung, wenn die Beteiligten «die Ausschaltung oder Beeinträchtigung eines oder meh-
rerer Wettbewerbsparameter zum Programm erhoben haben», oder mit anderen Worten der 
Verhaltenskoordination der wettbewerbsbeschränkende Zweck innewohnt.124 Um dieses Po-
tenzial zu beurteilen, sind eine Reihe von Faktoren relevant: so namentlich der Inhalt der Ko-
operation, die mit ihr verfolgten Ziele, der wirtschaftliche und rechtliche Kontext und in dessen 
Rahmen die Art der betroffenen Waren und Dienstleistungen sowie die Funktionsweise und 
die Struktur der betreffenden Märkte.125 Eine subjektive Absicht der an der Abrede Beteiligten 
oder tatsächliche Auswirkungen sind nicht notwendig. Es genügt, wenn der Abredeinhalt ob-
jektiv geeignet ist, eine Wettbewerbsbeschränkung i. S. v. Rz 74 durch Ausschaltung oder Be-
grenzung  eines  Wettbewerbsparameters  zu  verursachen.126  Eine  Vereinbarung  oder  abge-
stimmte  Verhaltensweise  bewirkt  eine  Wettbewerbsbeschränkung,  wenn  sie  tatsächlich  zu 
einer  Wettbewerbsbeschränkung  i. S. v.  Rz 74  führt,127  ihre  Anwendung  also  für  eine  Aus-
schaltung oder Begrenzung eines oder mehrerer Wettbewerbsparameter ursächlich ist.128 

77.  Vorliegend bestanden zwischen [A] und den Händlerinnen jeweils bilaterale Vereinba-
rungen über die künftige Betreuung bestimmter bisheriger [A]-Kundinnen durch die jeweilige 
Händlerin, über den Informationsaustausch zu Umsatzzahlen, bislang bezogene Produkte und 
die  bisherigen  Verkaufspreise  von  [A]  sowie  über  die  Nichtüberschreitung  des  bisherigen 
Preisniveaus (vgl. oben Rz 70). Damit beschränkten sich [A] und die fünf Händlerinnen in den 
bilateralen Verhältnissen jeweils in ihrer Freiheit, ihre Kundinnen autonom auszuwählen129 und 
ihre Preise gänzlich selbständig festzulegen, mithin in Wettbewerbsparametern. Zudem han-
delt es sich bei den in den bilateralen Verhältnissen ausgetauschten Informationen um sen-
sible Informationen mit Geschäftsgeheimnischarakter (Umsatz, bezogene Produkte, Verkaufs-
preise),  welche  direkt  oder  indirekt  den  Preis  als  zentralen  Wettbewerbsparameter 
beschlagen.130 

78.  Mit der Einschränkung der Handlungsfreiheit durch die Vereinbarung bezüglich relevan-
ter  Wettbewerbsparameter  geht  in  der  Regel  eine  mögliche  Beschränkung  des  wirksamen 
Wettbewerbs einher.131 Damit ist eine solche Vereinbarung grundsätzlich zumindest objektiv 
geeignet, eine Wettbewerbsbeschränkung zu verursachen; ob sie unzulässig ist, ist im Rah-
men von Art. 5 KG zu prüfen.132 Gemäss Praxis, Rechtsprechung und Lehre kann indes aus-
nahmsweise das Vorliegen einer bezweckten oder bewirkten Wettbewerbsbeschränkung auch 
im Falle der Beschränkung der Handlungsfreiheit bezüglich Wettbewerbsparameter verneint 

123 BGE 147 II 72 E. 3.6, Hors-Liste-Medikamente II; BGE 144 II 246 E. 6.4.2, Altimum. 
124 BGE 147 II 72 E. 3.6, Hors-Liste-Medikamente II. 
125 Vgl. auch EuGH, ECLI:EU:C:2023:529, Rz 32, 35 m. w. Hw., Super Bock; Leitlinien vom 27.4.2004 

zur Anwendung von Artikel 81 Absatz 3 EG-Vertrag, ABl. C 101, S. 97 ff., Rz 22. 

126 BGE 147 II 72 E. 3.6, Hors-Liste-Medikamente II; BVGer, B-506/2010 vom 19.12.2013 E. 3.2.3, 

Gaba; BVGer, B-463/2010 vom 19.12.2013 E. 3.2.6, Gebro. 

127 Vgl. etwa RPW 2020/4a, 1813 Rz 408, Bauleistungen Graubünden. 
128 BGE 147 II 72 E. 3.6, Hors-Liste-Medikamente II; so u. a. auch: BVGer, B-3618/2013 vom 

24.11.2016 E. 303, Vertrieb von Tickets im Hallenstadion Zürich. 

129 Vgl. dazu RPW 2020/2, 629 f. Rz 37 ff., AdBlue. 
130 Vgl. BVGer, B-141/2012 vom 12.12.2022, E. 4.5.4, E. 4.6.4 f., ASCOPA. 
131 Vgl. RPW 2021/1, 116 f. Rz 163–165 m. w. N., Dauer-ARGE Graubünden. 
132 BGE 147 II 72 E. 3.5, Hors-Liste-Medikamente II. 

22 

 
 
 
 
 
 
 
werden, wenn die Vereinbarung oder abgestimmte Verhaltensweise offensichtlich keine nega-
tiven Auswirkungen auf den Wettbewerb haben kann oder sogar prokompetitiv wirkt.133 

79.  Dies gilt insbesondere bei einem Informationsaustausch. Ein Informationsaustausch zwi-
schen Unternehmen kann wettbewerbsbeschränkend, aber auch wettbewerbsfördernd sein,134 
weshalb die Beurteilung eines Informationsaustausches stets eine Einzelfallbetrachtung erfor-
dert.135  Der  Austausch  von  Informationen  ist  umso  unproblematischer,  je  seltener  der  Aus-
tausch  stattfindet,  je  weniger  aktuell  die  ausgetauschten  Informationen  sind,  je  grösser  der 
Aggregierungsgrad ist und je bekannter die ausgetauschten Daten ohnehin in der Öffentlich-
keit oder zumindest im Markt sind (keine vertraulichen Daten).136 

80.  Vorliegend ging es den Unternehmen bei der jeweiligen bilateralen Zusammenarbeit da-
rum, die Betreuung der bisherigen [A]-Kundinnen im angepassten Vertriebssystem zu gewähr-
leisten und sicherzustellen, dass diesen keine höheren Preise verrechnet werden würden als 
zuvor von [A] (vgl. Rz 30, 46, 70). Die Kundinnen, welche den [Handelspartnerinnen] überlas-
sen wurden, waren dabei in der Regel mit der Änderung ihrer Lieferantin einverstanden; falls 
nicht, nahm [A] die betreffende Kundin zurück (vgl. Rz 29). Die Zusammenarbeit lag vorliegend 
also im Interesse der Kundschaft und führte dazu, dass sich die Anzahl Anbieterinnen von […]-
Produkten schweizweit erhöhte. Der entsprechende einmalige Informationsaustausch erfasste 
dabei zwar vertrauliche, nicht-aggregierte und zum damaligen Zeitpunkt teilweise auch aktu-
elle Daten. Allerdings war der Informationsaustausch nur einmalig und die beteiligten Unter-
nehmen gingen davon aus, nach der Übernahme der ehemaligen Kundinnen von [A] in der 
Preissetzung  und  der  Auswahl  ihrer  Kundinnen  frei  zu  sein  (vgl.  Rz 33,  43).  Der  Umstand, 
dass  die  individuellen,  kunden-  und  produktspezifischen  Verkaufspreise  sowie  die  Kunden-
kreise im Zeitverlauf gleichwohl recht stabil blieben, dürfte dabei auf den natürlichen Distanz-
schutz bzw. die Bedeutung des Wettbewerbsparameters «Beratung» sowie die Interessen der 
Kundschaft zurückzuführen sein (vgl. Rz 42). Zudem verfügen die Vorabklärungsadressatin-
nen über keine bedeutende Marktstellung. Gemessen am schweizerischen Gesamtvolumen 
im Bereich Zerspanungsprodukte ([…]–[…] Mio. CHF pro Jahr137; vgl. Rz 18) liegt der gemein-
same Umsatzanteil der Vorabklärungsadressatinnen für das Jahr 2021 bei rund [0–10] %.138 
Nachfragerinnen nach Zerspanungsprodukten und -lösungen stand und steht dabei nicht nur 
eine Vielzahl alternativer Anbieterinnen von Zerspanungsprodukten anderer Marken zur Ver-
fügung (vgl. dazu Rz 20), sondern sie konnten und können […]-Produkte auch aus alternativen 
Quellen beziehen (vgl. Rz 21). 

81.  Mit Blick auf diese Umstände ist daher anzunehmen, dass die bilateralen Vereinbarun-
gen zwischen [A] und je einer der fünf Händlerinnen über die Begründung der Vertriebsver-
hältnisse und den entsprechenden einmaligen vertikalen Informationsaustausch keine negati-
ven Auswirkungen auf den Wettbewerb haben konnten oder sogar prokompetitiv wirkten, weil 

133 Vgl. BVGer, B-141/2012 vom 12.12.2022, E. 4.7, ASCOPA; RPW 2021/1, 117 Rz 165, Dauer-

ARGE Graubünden; DIKE KG-BANGERTER/ZIRLICK (Fn 98), Art. 4 Abs. 1 N 129 m. w. N. 

134 Vgl. DIKE KG-ZIRLICK/BANGERTER (Fn 98), Art. 4 N 150 m. w. N. 
135 Vgl. dazu etwa RPW 2007/1, 143 f. Rz 34 ff., Praxis der schweizerischen Wettbewerbsbehörden im 

Versicherungsbereich; RPW 2011/4, 517 ff., Benchmarking Hypothekarzinsenmargen; RPW 
2011/4, 583 ff. Rz 381 ff., ASCOPA; RPW 2016/4, 916 ff., Zulässigkeit des Konzepts der Datener-
hebung und -verteilung der cemsuisse; RPW 2020/4a, 1828 ff. Rz 517 ff., Bauleistungen Graubün-
den; RPW 2021/3, 620 f. Rz 15 ff., Zurverfügungstellung von Daten über die Neuzulassung und die 
Standorte von Fahrzeugen durch das ASTRA. 

136 Vgl. dazu insbesondere BVGer, B-141/2012 vom 12.12.2022 E. 6.4 m. w. N., ASCOPA. 
137 Gemäss Schätzung von [A], vgl. Act. 28 f. Vgl. auch Fn 36. 
138 Berechnung des Sekretariats anhand der Umsatzangaben der Vorabklärungsadressatinnen (vgl. 

dazu Rz 4 ff.; s. a. Rz 22). 

23 

 
 
 
 
 
 
 
sich hierdurch die Zahl der Anbieterinnen von […]-Produkten schweizweit erhöhte. Damit be-
stehen  keine  Anhaltspunkte,  dass  die  bilateralen  Vereinbarungen  über  die  Begründung  der 
Vertriebsverhältnisse und den entsprechenden einmaligen Informationsaustausch eine Wett-
bewerbsbeschränkung bezweckten oder bewirkten. 

C.3.3  Zwischenfazit 

82. 
Im Hinblick auf die bilateralen Vereinbarungen zwischen [A] und je einer der fünf Händ-
lerinnen über die Begründung der Vertriebsverhältnisse und den entsprechenden einmaligen 
vertikalen Informationsaustausch liegen folglich keine Anhaltspunkte für eine Wettbewerbsab-
rede im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG vor. Die bilateralen Vereinbarungen sind mithin zulässig. 

C.4 

Laufende Zusammenarbeit im Rahmen des dualen Vertriebs 

83.  Nachfolgend wird die laufende Kooperation zwischen [A] und den [Handelspartnerinnen] 
[…],  […],  […],  […]  und  […]  beurteilt.  Einzugehen  ist  auf  die  gemeinsame  Verwendung  der 
Bruttopreisliste  für  […]-Produkte  durch  die  Vorabklärungsadressatinnen  (vgl.  dazu  oben 
Rz 31 f.) sowie auf den laufenden Informationsaustausch, welcher durch die Nutzung des Di-
rektversands und des [Online-Shops] ermöglicht wird (vgl. dazu oben Rz 34 ff., 48). 

C.4.1  Wettbewerbsabrede 

84.  Als Wettbewerbsabreden gelten rechtlich erzwingbare oder nicht erzwingbare Vereinba-
rungen  sowie  aufeinander  abgestimmte  Verhaltensweisen  von  Unternehmen  gleicher  oder 
verschiedener  Marktstufen,  die  eine  Wettbewerbsbeschränkung  bezwecken  oder  bewirken 
(Art. 4 Abs. 1 KG). Zu prüfen ist wiederum, ob a) mindestens zwei Unternehmen auf gleicher 
Marktstufe oder auf verschiedenen Marktstufen zusammenwirken (siehe dazu Rz 85), b) eine 
Verhaltenskoordination im Sinne eines bewussten und gewollten Zusammenwirkens vorliegt 
(siehe dazu Rz 86 f.) und c) eine Wettbewerbsbeschränkung bezweckt oder bewirkt ist (siehe 
dazu Rz 88 ff.). 

C.4.1.1  Unternehmen gleicher oder verschiedener Marktstufen 

85.  Auch im Falle der laufenden, gemeinsamen Verwendung der […]-Bruttopreisliste sowie 
der  Nutzung  des  Direktversands  und  des  [Online-Shops]  liegt  ein  Zusammenwirken  von 
Unternehmen gleicher oder verschiedener Marktstufen vor (vgl. oben Rz 61 ff.). Entscheidre-
levant würde die Frage des konkreten Verhältnisses der Abredeteilnehmerinnen erst für die 
materielle Beurteilung der Wettbewerbsabrede nach Art. 5 KG.139 Art. 5 KG wird jedoch nach-
folgend  nicht  zu  prüfen sein,  da  keine  Wettbewerbsabreden  im  Sinne  von  Art. 4  Abs. 1  KG 
vorliegen (vgl. Rz 88 ff., 96). 

C.4.1.2  Verhaltenskoordination: bewusstes und gewolltes Zusammenwirken 

86. 
Im Rahmen ihrer laufenden Kooperation verwenden [A] und […], […], […], […] und […] 
die ca. jährlich angepasste […]-Bruttopreisliste für die Kalkulierung ihrer kunden- und produkt-
spezifischen Verkaufspreise mittels Rabattsetzung (vgl. oben Rz 31 f.) und nutzen den Direkt-
versand sowie den [Online-Shop] (vgl. oben Rz 34 ff). Durch Letzteres erfährt der […]-Konzern 
bzw. 
laufend,  welche  Unternehmen  aktuelle  Kundinnen  der 
[Handelspartnerinnen] sind und in welcher Menge diese Unternehmen welche […]-Produkte 
beziehen (vgl. oben Rz 34 ff., 48). Aufgrund dieser Verhaltensweisen bestehen Anhaltspunkte, 

in  der  Regel 

[A] 

139 DIKE KG-BANGERTER/ZIRLICK (Fn 98), Art. 4 Abs. 1 N 82. 

24 

 
 
 
 
 
 
 
dass in den bilateralen Verhältnissen zwischen [A] und jeweils einer der fünf Händlerinnen ein 
Konsens  bestand  und  besteht  über  die  Verwendung  der 
[…]-Bruttopreisliste  als 
Kalkulationsgrundlage für die Rabattsetzung sowie die Nutzung des Direktversands und des 
[Online-Shops]  sowie  den  entsprechenden 
Informationsfluss.  Es  bestehen  damit 
Anhaltspunkte für bilaterale Vereinbarungen oder zumindest abgestimmte Verhaltensweisen 
i. S. v. Art. 4 Abs. 1 KG (vgl. dazu oben Rz 67 ff.). 

87.  Es  liegt  damit  ein  bewusstes  und  gewolltes  Zusammenwirken  vor  in  Bezug  auf  den 
laufenden Austausch und die Verwendung der […]-Bruttopreisliste als Kalkulationsgrundlage 
für  die  Berechnung  der  Verkaufspreise  sowie  die  laufende  Übermittlung  von  Informationen 
über  die  Identität  von  aktuellen  Kundinnen  der  [Handelspartnerinnen]  und  die  von  diesen 
bezogenen Produkte und Mengen. 

C.4.1.3  Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung 

88.  Nachfolgend wird zunächst geprüft, ob Anhaltspunkte bestehen, dass die laufenden bi-
lateralen  Austausche  der  […]-Bruttopreisliste  und  ihre  Verwendung  eine  Wettbewerbsbe-
schränkung bezwecken oder bewirken (vgl. Rz 89 ff.). Anschliessend ist darauf einzugehen, 
ob  infolge  der  laufenden  Übermittlung  von  Informationen  über  die  Identität  von  aktuellen 
Kundinnen der [Handelspartnerinnen] sowie die von diesen bezogenen Produkte und Mengen 
Anhaltspunkte  für  eine  bezweckte  oder  bewirkte  Wettbewerbsbeschränkung  bestehen  (vgl. 
Rz 93 ff.). 

C.4.1.3.1.  Laufender Austausch und gemeinsame Verwendung der […]-

Bruttopreisliste 

89.  Wie  erläutert,  liegt  eine  bezweckte  Wettbewerbsbeschränkung  im  Sinne  von  Art. 4 
Abs. 1 KG vor, wenn das bewusste und gewollte Zusammenwirken konkret ein wettbewerbs-
beschränkendes Potential hat bzw. objektiv geeignet ist, eine Wettbewerbsbeschränkung i. S. 
einer Beschränkung von Wettbewerbsparametern herbeizuführen (vgl. oben Rz 76). Eine Ver-
einbarung oder abgestimmte Verhaltensweise bewirkt eine Wettbewerbsbeschränkung, wenn 
sie tatsächlich zu einer Wettbewerbsbeschränkung führt, ihre Anwendung also für eine Aus-
schaltung oder Begrenzung eines oder mehrerer Wettbewerbsparameter ursächlich ist.140 Ge-
mäss Praxis, Rechtsprechung und Lehre kann ausnahmsweise das Vorliegen einer bezweck-
ten  oder  bewirkten  Wettbewerbsbeschränkung  auch  im  Falle  der  Beschränkung  der 
Handlungsfreiheit bezüglich Wettbewerbsparameter verneint werden, wenn die Vereinbarung 
oder abgestimmte Verhaltensweise offensichtlich keine negativen Auswirkungen auf den Wett-
bewerb haben kann oder sogar prokompetitiv wirkt (vgl. oben Rz 78 f.).141 

90.  Der  Austausch  von  Bruttopreislisten  und  die  gemeinsame  Verwendung solcher  Listen 
kann die Gefahr von abgestimmten Verkaufspreisen begründen, weil die beteiligten Unterneh-
men bei der Preiskalkulation unter Berücksichtigung von Rabatten eine einheitliche Basis ver-
wenden.142 Vereinbarungen oder abgestimmte Verhaltensweisen mit Bezug zu Bruttopreisen 
können sogar als Preisabreden im Sinne von Art. 5 Abs. 3 Bst. a KG qualifiziert werden, etwa 
wenn Konkurrentinnen ihre jeweiligen Bruttopreise bzw. Bruttopreiserhöhungen mit dem Ziel 

140 BGE 147 II 72 E. 3.6, Hors-Liste-Medikamente II; so u. a. auch: BVGer, B-3618/2013 vom 

24.11.2016 E. 303, Vertrieb von Tickets im Hallenstadion Zürich. 

141 Vgl. BVGer, B-141/2012 vom 12.12.2022, E. 4.7, ASCOPA; RPW 2021/1, 117 Rz 165, Dauer-

ARGE Graubünden; DIKE KG-BANGERTER/ZIRLICK (Fn 98), Art. 4 Abs. 1 N 129 m. w. N. 

142 Vgl. dazu auch BVGer, B-141/2012 vom 12.12.2022 E. 6.4.2.4.23, ASCOPA. 

25 

 
 
 
 
 
 
 
der Einhaltung eines bestimmten Preisniveaus aufeinander abstimmen.143 Das bedeutet indes 
nicht, dass jeder Austausch und jede Verwendung einer Bruttopreisliste eine Wettbewerbsbe-
schränkung bewirkt oder bezweckt. Massgebend ist stets eine Einzelfallbetrachtung. 

91.  Vorliegend geht es nicht um eine Abstimmung von Bruttopreislisten zwischen horizonta-
len Wettbewerberinnen (z. B. Herstellerinnen), sondern um bilaterale Austausche einer Brut-
topreisliste  in  vertikalen  Verhältnissen.  Sowohl  die  beteiligten  Unternehmen  als  auch  deren 
Kundinnen gingen und gehen dabei davon aus, dass die Händlerinnen in der Preisbildung frei 
sind  und  die  tatsächliche  Preisfestsetzung mittels  produkt-  und  kundenspezifischer  Rabatte 
erfolgen soll und erfolgt(e) (vgl. Rz 33, 43). Der Umstand, dass die individuellen, kunden- und 
produktspezifischen  Verkaufspreise  gleichwohl  recht  stabil  blieben,  dürfte  dabei  auf  natürli-
chen Distanzschutz bzw. die Bedeutung des Wettbewerbsparameters «Beratung» sowie die 
Interessen der Kundschaft zurückzuführen sein (vgl. Rz 42). Schon dies spricht dafür, dass 
der Austausch der […]-Bruttopreisliste und ihre Verwendung keine Wettbewerbsbeschränkung 
bewirkt oder bezweckt. Kommt hinzu, dass es – wie die Vorabklärungsadressatinnen vorbrin-
gen  –  plausibel  ist,  dass  die  […]-Bruttopreisliste  für  die  Händlerinnen  den  Aufwand  bei  der 
Preissetzung für die verkauften Artikel des […] Zerspanungsprodukte umfassenden […]-Sor-
timents (vgl. dazu Rz 21) senkt und damit zu tieferen Kosten führt.144 Darüber hinaus ist auch 
an dieser Stelle zu berücksichtigen, dass die Vorabklärungsadressatinnen keine bedeutende 
Markstellung haben, da der gemeinsame Umsatzanteil der Vorabklärungsadressatinnen rund 
[0–10] % des insgesamt pro Jahr mit dem Verkauf von Zerspanungsprodukten erzielten Um-
satzes  beträgt  (vgl.  oben  Rz 18,  22,  80).145  Nachfragerinnen  nach  Zerspanungsprodukten 
und -lösungen standen und stehen dabei nicht nur eine Vielzahl alternativer Anbieterinnen von 
Zerspanungsprodukten anderer Marken zur Verfügung (vgl. dazu Rz 20), sondern sie konnten 
und können […]-Produkte auch aus alternativen Quellen beziehen (vgl. Rz 21). 

92.  Mit Blick auf die genannten Umstände ist daher anzunehmen, dass die bilateralen Ver-
einbarungen zwischen [A] und je einer der fünf Händlerinnen über den laufenden Austausch 
der […]-Bruttopreisliste und ihre Verwendung keine negativen Auswirkungen auf den Wettbe-
werb haben konnten oder sogar prokompetitiv wirkten, weil dies den Aufwand der Händlerin-
nen bei der Preiskalkulation senkte. Damit bestehen keine Anhaltspunkte, dass die bilateralen 
Vereinbarungen über den laufenden Austausch der […]-Bruttopreisliste und ihre Verwendung 
eine Wettbewerbsbeschränkung bezweckten oder bewirkten. 

C.4.1.3.2.  Laufende Übermittlung von Informationen zu Kundinnen, bezogenen 

Produkten und Mengen 

93. 
In Bezug auf die bilateralen Vereinbarungen oder abgestimmten Verhaltensweisen zwi-
schen [A] und je eine der fünf Händlerinnen über den laufenden Informationsaustausch betref-
fend  die  Kundenkreise  der  [Handelspartnerinnen]  und  die  von  ihren  Kundinnen  bezogenen 
Produkte  und Mengen  sind  vor  allem  informationsaustauschspezifische  Aspekte zu  berück-
sichtigen. Der Austausch von Informationen ist generell umso problematischer, je häufiger der 
Austausch stattfindet, je aktueller die ausgetauschten Informationen sind, je geringer der Ag-
gregierungsgrad  ist  und  je  vertraulicher  die  ausgetauschten  Daten  sind.146  Zu  beachten  ist 
auch,  dass  ein  Informationsaustausch  nicht  als  bezweckte  oder  bewirkte  Wettbewerbsbe-
schränkung  i. S. v.  Art. 4  Abs. 1  KG  angesehen  werden  kann,  wenn  er  offensichtlich  keine 

143 Vgl. dazu RPW 2012/3, 640 f. Rz 245 ff., 642 Rz 258, Komponenten für Heiz-, Kühl- und Sanitär-

anlagen; RPW 2019/3b, 956 ff. Rz 2292 ff., Badezimmer. 

144 Vgl. dazu die Angaben der Vorabklärungsadressatinnen in Act. 24–34, 38. 
145 Berechnung des Sekretariats anhand der Umsatzangaben von [A] (vgl. dazu Rz 6; s. a. Rz 22). 
146 Vgl. dazu insbesondere BVGer, B-141/2012 vom 12.12.2022 E. 6.4 m. w. N., ASCOPA. 

26 

 
 
 
 
 
 
 
negativen  Auswirkungen  auf  den  Wettbewerb  hat  oder  sogar  prokompetitiv  wirkt  (vgl.  oben 
Rz 78 f.).147 

94.  Vorliegend erfährt der […]-Konzern bzw. [A] in der Regel laufend, welche Unternehmen 
aktuelle Kundinnen der [Handelspartnerinnen] sind und in welcher Menge diese Unternehmen 
welche […]-Produkte beziehen (vgl. oben Rz 34 ff., 48). Aus den übermittelten Informationen 
ergeben sich für den […]-Konzern bzw. [A] also laufend und aktuell direkte Erkenntnisse über 
von Konkurrentinnen verkaufte Produkte und Mengen sowie über Kundenkreise und Absatz-
gebiete von Konkurrentinnen. Ein solcher Austausch von Informationen kann die Gefahr der 
Beeinträchtigung des Inter- und Intrabrandwettbewerbs sowie von Kunden- und Gebietsauf-
teilungen begründen.148 Indes ist vorliegend zu berücksichtigen, dass die Ermittlungen keine 
Anhaltspunkte ergaben, dass [A] diese Informationen tatsächlich nutzt(e), um sich einen Wett-
bewerbsvorteil  zu  verschaffen,  etwa  indem  das  Unternehmen  infolge  der  Erlangung  dieser 
Informationen Kundinnen von [Handelspartnerinnen] abgeworben hätte. Auch bestehen keine 
Anhaltspunkte  für  tatsächliche  Kunden-  und  Gebietsaufteilungen  zwischen  den  Vorabklä-
rungsadressatinnen (vgl. Rz 33, 47). Der Umstand, dass die Kundenkreise gleichwohl recht 
stabil  blieben,  dürfte  dabei  auf  natürlichen  Distanzschutz  bzw.  die  Bedeutung  des  Wettbe-
werbsparameters «Beratung» sowie die Interessen der Kundschaft zurückzuführen sein (vgl. 
Rz 42).  Schon  dies  spricht  dafür,  dass  der  laufende  Austausch  dieser  Informationen  keine 
Wettbewerbsbeschränkung bewirkt oder bezweckt. Kommt hinzu, dass es – wie [A] vorbringt 
– plausibel ist, dass der Austausch der Informationen zwischen der das Zentrallager betrei-
benden […]-Gesellschaft und den [Handelspartnerinnen] bzw. deren Kundinnen notwendig ist, 
um den zeit- und aufwandsparenden Direktversand zu ermöglichen (vgl. auch Rz 36).149 Dar-
über hinaus sind auch an dieser Stelle die Marktstellung der Vorabklärungsadressatinnen (vgl. 
oben Rz 18, 22, 80, 91) sowie die zahlreichen alternativen Bezugsmöglichkeiten der Nachfra-
gerinnen nach Zerspanungsprodukten und -lösungen zu berücksichtigen (vgl. Rz 20 f., 80, 91). 

95.  Mit Blick auf die genannten Umstände ist daher anzunehmen, dass die bilateralen Ver-
einbarungen oder abgestimmten Verhaltensweisen zwischen [A] und je einer der fünf Händle-
rinnen betreffend den laufenden Informationsaustausch über die Kundenkreise der [Handels-
partnerinnen] und die von ihren Kundinnen bezogenen Produkte und Mengen keine negativen 
Auswirkungen auf den Wettbewerb haben konnten oder sogar prokompetitiv wirkten, weil sie 
der Ermöglichung des Direktversands dienten. Damit bestehen keine Anhaltspunkte, dass die 
bilateralen Vereinbarungen oder abgestimmten Verhaltensweisen über den laufenden Infor-
mationsaustausch betreffend die Kundenkreise der [Handelspartnerinnen] und die von ihren 
Kundinnen  bezogenen  Produkte  und  Mengen  eine  Wettbewerbsbeschränkung  bezweckten 
oder bewirkten. 

147 Vgl. BVGer, B-141/2012 vom 12.12.2022, E. 4.7, ASCOPA; RPW 2021/1, 117 Rz 165, Dauer-

ARGE Graubünden; DIKE KG-BANGERTER/ZIRLICK (Fn 98), Art. 4 Abs. 1 N 129 m. w. N. 

148 Vgl dazu etwa RPW 2019/2, 283 VI., AMAG Vertriebsnetz sowie auch Rn 99 f. Vertikal-Leitlinien 

(Mitteilung der Kommission, Leitlinien für vertikale Beschränkungen, ABl. C 248 vom 30.6.2022, 1; 
nachfolgend: Vertikal-Leitlinien). Nach Rn 100 Bst. b Vertikal-Leitlinien dürfen im dualen Vertrieb in 
der Regel keine Informationen über identifizierbare Endverbraucherinnen und -verbraucher ausge-
tauscht werden. 

149 Vgl. dazu die Angaben von [A] in Act. 28 f., 41. Hätten die Vorabklärungsadressatinnen eine be-

deutsamere Markstellung, so wäre allenfalls zu prüfen, ob beim […]-Konzern Massnahmen zu er-
greifen wären, um zu verhindern, dass innerhalb des […]-Konzerns […] [A] […] Kenntnis erlangt 
von der Identität der Kundinnen der [Handelspartnerinnen] und den von diesen bezogenen Produk-
ten und Mengen. Vgl. dazu auch Rn 99 ff. Vertikal-Leitlinien. Gemäss Art. 103 Vertikal-Leitlinien 
sollte sichergestellt werden, dass denjenigen Personen, welche beim Unternehmen, das ein duales 
Vertriebssystem betreibt, für die Direktvertriebstätigkeit verantwortlich sind, keine Informationen 
zugänglich sind, die das Unternehmen durch seine Lieferantentätigkeit auf der vorgelagerten 
Marktstufe erhalten hat. 

27 

 
 
 
 
 
 
 
C.4.2  Zwischenfazit 

96. 
Im  Hinblick  auf  die  bilateralen  Vereinbarungen  oder  abgestimmten  Verhaltensweisen 
zwischen [A] und je einer der fünf Händlerinnen über den laufenden Austausch der […]-Brut-
topreisliste und ihre Verwendung sowie betreffend den laufenden Informationsaustausch über 
die  Kundenkreise  der  [Handelspartnerinnen]  und  die  von  ihren  Kundinnen  bezogenen  Pro-
dukte und Mengen liegen folglich keine Anhaltspunkte für Wettbewerbsabreden im Sinne von 
Art. 4 Abs. 1 KG vor. Diese bilateralen Vereinbarungen oder abgestimmten Verhaltensweisen 
sind mithin zulässig. 

D 

Ergebnis 

97.  Die Ermittlungen im Rahmen der Vorabklärung ergaben mithin keine Anhaltspunkte für 
Wettbewerbsabreden  im Sinne  von  Art. 4  Abs. 1  KG.  Das  geprüfte  Verhalten  der  Vorabklä-
rungsadressatinnen ist damit zulässig. 

E 

Kosten  

98.  Gemäss Art. 3 Abs. 2 Bst. b GebV-KG150 haben Beteiligte des geprüften, mutmasslichen 
Wettbewerbsverstosses keine Gebühren zu bezahlen, wenn die Vorabklärung keine Anhalts-
punkte für eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung ergibt. Vorliegend haben die Ermitt-
lungen  keine  Anhaltspunkte  für  unzulässige  Wettbewerbsbeschränkungen  ergeben  (vgl. 
Rz 57–82, 83–96, 97). Den Vorabklärungsadressatinnen sind damit keine Gebühren aufzuer-
legen. Die Kosten des Verfahrens gehen damit zu Lasten der Bundeskasse. 

150 Verordnung vom 25.2.1998 über die Gebühren zum Kartellgesetz (Gebührenverordnung KG, 

GebV-KG; SR 251.2). 

28 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
F 

Schlussfolgerungen 

Das Sekretariat der Wettbewerbskommission, gestützt auf den bekannten Sachverhalt und die 
vorangehenden Erwägungen, 

1. 
stellt fest, dass keine Anhaltspunkte für Wettbewerbsabreden im Sinne von Art. 4 Abs. 1 
KG bestehen und das geprüfte Zusammenwirken von [A] sowie […], […], […], […] und […] 
zulässig ist; 

beschliesst demzufolge, die Vorabklärung einzustellen und auf eine Untersuchungser-

2. 
öffnung zu verzichten; 

3. 

4. 

stellt fest, dass die Kosten des Verfahrens zu Lasten der Bundeskasse gehen; 

beschliesst, diesen Schlussbericht zu publizieren. 

29