# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 71762aa3-5ce7-596c-8315-7d61d7799304
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-04-01
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 01.04.2009 BG.2009.9
**Docket/Reference:** BG.2009.9
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BG-2009-9_2009-04-01

## Full Text

Örtlicher Gerichtsstand (Art. 279 Abs. 2 BStP);;Örtlicher Gerichtsstand (Art. 279 Abs. 2 BStP);;Örtlicher Gerichtsstand (Art. 279 Abs. 2 BStP);;Örtlicher Gerichtsstand (Art. 279 Abs. 2 BStP)

Entscheid vom 1. April 2009  
I. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, 
Tito Ponti und Alex Staub, 
Gerichtsschreiber Stefan Graf 

   
 
Parteien 

  
A., vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Speck, 

 
Beschwerdeführer 

 
 gegen 
   

1. KANTON APPENZELL I. RH., Staatsanwalt-
schaft des Kantons Appenzell I. Rh., 

 
2. KANTON ST. GALLEN, Staatsanwaltschaft 

des Kantons St. Gallen, 
 

Beschwerdegegner 
 
 

Gegenstand  Örtlicher Gerichtsstand (Art. 279 Abs. 2 BStP) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  BG.2009.9 und BP.2009.20 
 
 
 

 

 

- 2 - 

 

 

 
Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung, dass: 
 

- auf Grund einer Strafanzeige der Bank B. AG vom 21. Januar 2000 im Kan-
ton Appenzell I. Rh. ein Strafverfahren u. a. gegen den Beschwerdeführer 
wegen des Verdachts der Urkundenfälschung und des Betrugs hängig ist 
(act. 1.1, S. 6); 
 

- im März / April 2003 die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen gegen 
den Beschwerdeführer sowie weitere Beteiligte ein Strafverfahren wegen 
gewerbsmässigem Betrug und Urkundenfälschung eröffnete (act. 1.5); 

 
- der Vertreter des Beschwerdeführers am 12. Januar 2007 an die Staats-

anwaltschaft des Kantons Appenzell I. Rh. gelangte und dieser mitteilte, 
dass der Beschwerdeführer darauf beharre, dass ein Richter über alle ihm 
vorgeworfenen Straftaten befinde, der Kanton Appenzell I. Rh. auch für die 
Gegenstand des Strafverfahrens im Kanton St. Gallen bildenden Delikte 
zuständig sei und dieser daher die Ermittlungsunterlagen gegen ihn bei der 
zuständigen Strafverfolgungsbehörde des Kantons St. Gallen anzufordern 
habe (act. 1.8); 

 
- die Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell I. Rh. dem Beschwerdefüh-

rer am 22. März 2007 unter Hinweis auf eine erfolgte Besprechung mit der 
Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen mitteilte, dass eine Vereinigung 
der beiden Verfahren weder sinnvoll noch angezeigt sei, weshalb die jewei-
ligen Staatsanwaltschaften der beiden Kantone die beiden Verfahren wei-
terhin getrennt behandeln würden (act. 1.9); 

 
- hierauf der Vertreter des Beschwerdeführers am 27. März 2007 erneut an 

die Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell I. Rh. gelangte und diese 
ersuchte, die Strafverfahren zu vereinigen und ihm – für den Fall der Ab-
weisung dieses Begehrens – einen anfechtbaren Entscheid zuzustellen 
(act. 1.10); 

 
- in der Folge die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen am 17. Oktober 

2008 Anklage gegen den Beschwerdeführer sowie gegen weitere Beteiligte 
beim Bezirksgericht Alttoggenburg-Wil erhob (act. 1.5), wobei der Vertreter 
des Beschwerdeführers am 16. Februar 2009 die Einrede der Unzustän-
digkeit erhoben und das Gericht darauf Stellungnahmen der beiden Staats-
anwaltschaften eingeholt habe; 

 

- 3 - 

 

 

- die Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell I. Rh. am 4. März 2009 beim 
Bezirksgericht Appenzell gegen den Beschwerdeführer Anklage erhob, wo-
bei sie sich ausführlich zur Frage des Gerichtsstandes äusserte (act. 1.1, 
S. 63 ff.); 

 
- nach Rückweisung der Anklage an die Staatsanwaltschaft des Kantons 

Appenzell I. Rh. der Vertreter des Beschwerdeführers am 25. März 2009 
erneut an diese gelangte und um Mitteilung ersuchte, ob sie weiter auf dem 
Standpunkt beharre, dass im März 2007 zwischen den beteiligten Staats-
anwaltschaften mündlich eine Vereinbarung zum Gerichtsstand getroffen 
worden sei (act. 1.3); 

 
- die Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell I. Rh. dem Vertreter des Be-

schwerdeführers am 26. März 2009 beschied, dass zum Thema Gerichts-
stand keine Ergänzungen zu machen seien (act. 1.4); 
 

- der Beschwerdeführer hierauf mit Beschwerde vom 27. März 2009 an die 
I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts gelangte und beantragte, 
es sei festzustellen, dass in den Strafverfahren gegen ihn zwischen den 
Beschwerdegegnern keine interkantonale Vereinbarung betreffend der Zu-
ständigkeit abgeschlossen worden sei, eine allfällige interkantonale Verein-
barung sei aufzuheben und der Beschwerde sei die aufschiebende Wir-
kung zu erteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. 1); 

 
- gemäss Art. 279 Abs. 2 BStP i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. g SGG i.V.m. Art. 9 

Abs. 2 des Reglements vom 20. Juni 2006 für das Bundesstrafgericht 
(SR 173.710) gegen den Entscheid der kantonalen Strafverfolgungsbehör-
de über die Gerichtsbarkeit des betreffenden Kantons sowie wegen Säum-
nis beim Erlass eines solchen Entscheids bei der I. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts Beschwerde geführt werden kann; 

 
- hierbei die Art. 214 bis 219 BStP sinngemäss anwendbar sind, womit die 

Beschwerde innert fünf Tagen, nachdem der Beschwerdeführer vom Ent-
scheid Kenntnis erhalten hat, einzureichen ist (Art. 217 BStP; vgl. hierzu 
TPF 2005 139 E. 1.2); 
 

- die an die I. Beschwerdekammer gerichtete Beschwerde einen materiellen 
Antrag enthalten, d. h. den zur Verfolgung und Beurteilung der strafbaren 
Handlungen für zuständig erachteten Kanton bezeichnen muss (SCHWE-
RI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in Strafsachen, 
2. Aufl., Bern 2004, N. 630); 

 

- 4 - 

 

 

- die vom Beschwerdeführer vorliegend gestellten Anträge diesbezüglich un-
genügend sind (Feststellungsbegehren bzw. allfällige Aufhebung einer in-
terkantonalen Vereinbarung ohne Bezeichnung des für zuständig erachte-
ten Kantons), weshalb auf dessen Beschwerde nicht eingetreten werden 
kann; 

 
- die Beschwerde sich auch aus anderem Grund als unzulässig erweist, 

nachdem dem Beschwerdeführer bereits am 22. März 2007 unmissver-
ständlich mitgeteilt wurde, dass eine Vereinigung der beiden Verfahren we-
der sinnvoll noch angezeigt sei, weshalb die jeweiligen Staatsanwaltschaf-
ten der beiden Kantone die beiden Verfahren weiterhin getrennt behandeln 
würden (act. 1.9); 

 
- der Beschuldigte, der die mit der Strafsache befasste Behörde für unzu-

ständig hält, mit dem Bestreiten der Zuständigkeit nicht beliebig zuwarten 
kann, sondern das Gesuch um Übermittlung der Sache an die seines Er-
achtens zuständige Behörde einzureichen hat, sobald er die erforderlichen, 
eine Bestreitung rechtfertigenden Elemente kennt (vgl. diesbezüglich GUI-
DON/BÄNZIGER, Die aktuelle Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts zum 
interkantonalen Gerichtsstand in Strafsachen, in: Jusletter 21. Mai 2007 
[Rz 17] m.w.H.); 
 

- der Beschwerdeführer nach dem Gesagten seit dem 22. März 2007 wuss-
te, dass seinem Anliegen bezüglich Vereinigung der Verfahren nicht ent-
sprochen werde, er diesbezüglich zwar noch umgehend eine anfechtbare 
Verfügung verlangte, seither aber zuwartete und erst rund zwei Jahre da-
nach an die I. Beschwerdekammer gelangte, weshalb die Beschwerde als 
verspätet anzusehen ist; 

 
- sich nach dem Gesagten die Beschwerde als sofort unzulässig erweist, 

weswegen auf die Anordnung eines Schriftenwechsels verzichtet wird 
(Art. 219 Abs. 1 BStP e contrario); 

 
- mit dem Entscheid in der Hauptsache das Gesuch um aufschiebende Wir-

kung zufolge Gegenstandslosigkeit von der Geschäftskontrolle abzuschrei-
ben ist; 

 
- bei diesem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführer die Gerichts-

kosten zu tragen hat (Art. 245 Abs. 1 BStP i.V.m. Art. 66 Abs. 1 BGG), wo-
bei die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 500.-- festgesetzt wird (Art. 245 
Abs. 2 BStP und Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Ge-
richtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32); 

- 5 - 

 

 

und erkennt: 
 
1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten. 
 
2. Das Gesuch um aufschiebende Wirkung wird als gegenstandslos von der 

Geschäftskontrolle abgeschrieben. 
 

3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt. 
 
 

Bellinzona, 2. April 2009 
 
Im Namen der I. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Rechtsanwalt Daniel Speck 
- Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell I. Rh. 
- Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen 
 
 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.