# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64fe80d9-0fd7-50ea-a0bb-0fc77ca56e0d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-11-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.11.2018 D-439/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-439-2018_2018-11-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-439/2018 

law/gnb 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  N o v e m b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richter Simon Thurnheer, Richter Daniele Cattaneo, 

Gerichtsschreiberin Barbara Gysel Nüesch. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. Daniel Habte,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 21. Dezember 2017 / N (…). 

 

 

 

D-439/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin, eine eritreische Staatsangehörige mit letztem 

Wohnsitz in B._______, Zoba C._______, verliess Eritrea eigenen Anga-

ben zufolge am (…) 2015. Am 7. September 2015 sei sie in die Schweiz 

gelangt, wo sie gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 14. September 2015 

wurde sie zu ihrer Person, zum Reiseweg sowie summarisch zu den Ge-

suchsgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 7. August 2017 

und am 6. November 2017 wurde sie eingehend zu den Asylgründen an-

gehört. 

Dabei machte sie im Wesentlichen geltend, sie habe die Schule bis zur 

(…) Klasse im Dorf besucht. Weil sie (…) habe werden wollen, habe sie 

anschliessend während zwei Jahren und einigen Monaten bei (…) in 

D._______ und E._______ gelebt und daneben die Schule besucht. Im 

Jahr 2014 sei sie für die Schulferien nach Hause zurückgekehrt. Dort habe 

sie mehrmals die Kirche besucht und sei dabei von Soldaten beobachtet 

worden. Die Soldaten seien in der Folge oft zu ihnen nach Hause gekom-

men, weil einer der Vorgesetzten sie habe heiraten wollen. Ihre Eltern seien 

mit dieser Heirat nicht einverstanden gewesen, worauf sie von den Solda-

ten unter Druck gesetzt worden seien. Die Soldaten hätten eines Tages 

den Vater respektive sie (die Beschwerdeführerin) abholen wollen, wobei 

ersterer gestolpert und hingefallen sei. Er sei in der Folge gestorben, wo-

rauf die Mutter erkrankt sei. Sie (die Beschwerdeführerin) habe deshalb 

nicht zur Schule zurückkehren können. Nach dem Tod des Vaters hätten 

die Soldaten die Mutter unter Druck gesetzt. Sowohl die Mutter als auch 

sie selber seien bedroht worden. Der Vorgesetzte habe ihr (der Beschwer-

deführerin) gesagt, dass er sie umbringen werde, wenn sie ihn nicht hei-

rate. Schliesslich sei die Mutter im (…) 2014 mitgenommen worden. Sie 

(die Beschwerdeführerin) sei darauf zu ihrem Onkel geflohen und wenig 

später ausgereist. Bis heute wisse sie nichts über den Verbleib der Mutter. 

Im Falle einer Rückkehr würde sie auch inhaftiert werden.  

Die Beschwerdeführerin reichte als Beweismittel ihren Taufschein, die 

Identitätskarten ihrer Eltern und die Wohnsitzbescheinigung ihres Vaters in 

Kopie ein. 

B.  

Die im Auftrag des SEM am Spital F._______ durchgeführte radiologische 

Untersuchung vom (…) 2015 ergab ein Skelettalter der Beschwerdeführe-

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Seite 3 

rin von (…) Jahren, wobei darauf hingewiesen wurde, dass bei Asylbewer-

bern ohne dokumentiertes Alter die Altersbestimmung nach Greulich und 

Pyle nur eine grobe Schätzung des biologischen Alters ergebe. Am von der 

Beschwerdeführerin angegebenen Geburtsdatum wurde vom SEM in der 

Folge festgehalten. 

C.  

Mit Verfügung vom 21. Dezember 2017 – eröffnet am 23. Dezember 2017 

– stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus 

der Schweiz sowie deren Vollzug. 

D.  

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 18. Januar 2018 (Postaufgabe: 

19. Januar 2018) erhob die Beschwerdeführerin beim Bundesverwaltungs-

gericht gegen diesen Entscheid Beschwerde und beantragte, es sei der 

angefochtene Entscheid aufzuheben, es sei ihr Asyl zu gewähren und ihre 

Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen. Eventualiter sei die Unzulässig-

keit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Vollzugs der Wegweisung 

festzustellen. In prozessualer Hinsicht wurde beantragt, es sei ihr die un-

entgeltliche Prozessführung zu bewilligen und auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses zu verzichten. 

Der Beschwerde lagen unter anderem folgende Beweismittel bei: zwei Fo-

tos, ein Ausdruck vom 12. Juni 2015 von der Webseite des (damaligen) 

Bundesamtes für Migration (BFM) zum Thema „Asylsuchende aus Eritrea“, 

der Amnesty Report 2017, Eritrea, ein Bericht von DiePresse.com zu: 

„Hunderte Tote bei Kämpfen zwischen Äthiopien und Eritrea“ vom 16. Juni 

2016, ein Referenzschreiben des (…), G._______, vom (…) 2017, eine 

Schnupperbestätigung des (…), H._______, vom (…) 2017 sowie eine Für-

sorgebestätigung vom 11. Januar 2018. 

E.  

Am 25. Januar 2018 wurde der Beschwerdeführerin der Eingang der Be-

schwerde bestätigt. 

F.  

Mit Verfügung vom 2. Februar 2018 stellte der Instruktionsrichter fest, die 

Beschwerdeführerin könne den Ausgang des Asylverfahrens in der 

Schweiz abwarten und hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung unter Vorbehalt einer nachträglichen Veränderung 

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der finanziellen Verhältnisse gut. Gleichzeitig wurde der Vorinstanz Gele-

genheit zur Vernehmlassung eingeräumt.  

G.  

Das SEM liess sich mit Eingabe vom 15. Februar 2018 zur Beschwerde 

vernehmen. 

H.  

Am 20. Februar 2018 wurde der Beschwerdeführerin die Vernehmlassung 

des SEM zur Kenntnis gebracht. 

I.  

Mit Eingabe vom 12. April 2018 reichte die Beschwerdeführerin ein weite-

res Foto, welches sie während des (…) zeige, sowie zwei Quittungen in-

klusive deutscher Übersetzung und Zustellcouvert eine Busse betreffend, 

welche ihre Mutter wegen ihrer illegalen Landesflucht habe bezahlen müs-

sen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde 

ist einzutreten. 

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Seite 5 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG und im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führt in seiner Verfügung aus, die Vorbringen der Beschwer-

deführerin würden verschiedene Widersprüche enthalten. So habe die Be-

schwerdeführerin anlässlich der BzP angegeben, ihr Vater sei gestorben, 

jedoch mit keinem Wort erwähnt, dass sein Tod einen Zusammenhang mit 

ihren Vorbringen gehabt habe. In der ersten Anhörung habe sie angege-

ben, den Unfall des Vaters zu Hause persönlich erlebt zu haben. Es sei 

nicht nachvollziehbar, weshalb sie in der BzP den Unfall nicht ebenfalls 

habe erwähnen können, zumal sie in der Lage gewesen sei anzugeben, 

dass der Chef des Militärs zu ihrer Mutter gegangen sei und diese belästigt 

habe. Zudem habe sie in der ergänzenden Anhörung nochmals andere An-

gaben gemacht, indem sie zu Protokoll gegeben habe, dass die Soldaten 

eines Tages gekommen seien, um sie abzuholen, sie jedoch habe fliehen 

können und der Unfall mit ihrem Vater passiert sei. Weiter habe sie in der 

ersten Anhörung behauptet, die Soldaten hätten, als sie ihre Mutter mitge-

nommen hätten, dieser die Hände gefesselt. In der ergänzenden Anhörung 

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hingegen habe sie angegeben, der Mutter seien die Augen verbunden wor-

den. Sodann habe sie in der BzP ausgesagt, dass sie am (…) 2015 zu 

Fuss nach I._______ gegangen sei, wo sie bei ihren Grosseltern übernach-

tet habe. Danach habe sie ihr Onkel an die äthiopische Grenze gebracht. 

In der ersten Anhörung hingegen habe sie behauptet, sie sei nach 

I._______ zu ihrem Onkel gegangen und von dort aus mit dem Sohn ihrer 

Tante ausgereist. Schliesslich habe sie in der ersten Anhörung angegeben, 

dass alle, die im Dorf in ihrer Umgebung gelebt hätten, den (…) Glauben 

gehabt hätten und sie die einzigen (…) gewesen seien. In der ergänzenden 

Anhörung habe sie dagegen behauptet, die meisten Dorfbewohner seien 

(…) Glaubens gewesen. Des Weiteren müsse die geschilderte Vorgehens-

weise der eritreischen Soldaten, insbesondere des Vorgesetzten, der sie 

zur Frau habe nehmen wollen, als realitätsfremd angesehen werden. Es 

leuchte nicht ein, warum die Soldaten ihre Eltern und nicht sie belangt hät-

ten, dies umso mehr, als sie teilweise zu Hause anwesend gewesen sei. 

Sie habe keine überzeugende Antwort zu geben vermocht, weshalb die 

Soldaten ihre Mutter und nicht sie mitgenommen hätten. Ferner sei nicht 

nachvollziehbar, warum sie sich dieser Situation nicht habe entziehen kön-

nen, indem sie in (…) zurückgekehrt wäre. Sodann habe sie über den (…) 

und das Leben (…) nur spärliche und undifferenzierte Angaben machen 

können. Auch zum (…) seien die Angaben gleich undifferenziert und un-

substantiiert ausgefallen. Insgesamt sei davon auszugehen, dass sich die 

Beschwerdeführerin auf konstruierte oder zumindest teilweise konstruierte 

Asylvorbingen stütze und das Geschilderte nicht im geltend gemachten 

Umfang und Kontext erlebt haben könne. Schliesslich sei nicht mit über-

wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich eritreische 

Staatsangehörige aufgrund einer illegalen Ausreise mit asylrelevanten 

Sanktionen ihres Heimatstaates konfrontiert sehen würden. Andere An-

knüpfungspunkte, welche die Beschwerdeführerin in den Augen des eritre-

ischen Regimes als missliebige Person erscheinen lassen könnten, seien 

ebenfalls nicht ersichtlich.  

4.2 In der Beschwerde wird im Wesentlichen vorgebracht, die Vorinstanz 

habe in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes keine Abwägung der 

für und gegen die Beschwerdeführerin sprechenden Sachverhaltsele-

mente vorgenommen, sondern habe im Gegenteil auf unwesentliche Ne-

benpunkte abstellend nur die angeblich gegen sie sprechenden Elemente 

erwähnt. Die von ihr geschilderten Glaubwürdigkeitselemente seien unzu-

lässigerweise nicht gewürdigt worden. Sie habe in den Befragungen auf 

alle gestellten Fragen in einer Genauigkeit und Ausführlichkeit geantwortet, 

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die dem, was sie erlebt habe, entspreche. Ein Mensch, der Entsprechen-

des nicht erlebt habe, wäre nicht in der Lage, den Sachverhalt so darzule-

gen, wie es die Beschwerdeführerin getan habe. Bei der Erstbefragung 

handle es sich um eine summarische Befragung, bei welcher ein Asylbe-

werber nicht die Möglichkeit habe, den Sachverhalt ausführlich darzulegen. 

Ausserdem sei nicht der Tod des Vaters fluchtauslösend gewesen, sondern 

der ständige Druck und die Bedrohungen durch die Soldaten sowie die 

drohende Zwangsheirat. Sie habe auch nicht behauptet, dass der Vater 

von den Soldaten getötet worden sei. Es sei generell auffallend, dass sie 

bei der Sachverhaltsdarstellung nicht überzeichnet habe, was für ihre 

Glaubwürdigkeit spreche. Es sei tatsachenwidrig und werde bestritten, 

dass sie in der ergänzenden Anhörung nochmals andere Angaben ge-

macht habe, zumal sie auch dort angegeben habe, dass der Vater verun-

fallt sei. Sodann habe sie in allen Befragungen deckungsgleich den Her-

gang der Verhaftung der Mutter beschrieben. Allein der Umstand, dass sie 

vergessen habe, bei der Anhörung die Verhüllung der Augen zu erwähnen, 

mache ihre diesbezüglichen Angaben in ihrer Gesamtheit nicht unglaub-

würdig. Auch bezüglich des Reisewegs müsse es sich offensichtlich um ein 

Missverständnis handeln, zumal die Grosseltern vor langer Zeit gestorben 

seien. Sie habe sodann nie angegeben, alle in ihrem Dorf hätten den (…) 

Glauben. Vielmehr habe sie gemeint, dass ihr Heimatdorf (…) sei, jedoch 

von Dörfern umgeben sei, welche mehrheitlich (…) ausgerichtet seien. Des 

Weiteren liege in Eritrea die Entscheidungsgewalt darüber, welchen Mann 

eine Frau heirate, immer noch bei den Eltern. Insofern sei keineswegs re-

alitätsfremd, dass die Soldaten vor allem Druck auf die Eltern ausgeübt 

hätten, um eine Zwangsheirat durchzusetzen. Bereits ihre Schwester sei 

Opfer einer Zwangsheirat geworden, und das gleiche Schicksal habe ihr 

gedroht. Es komme nicht von ungefähr, dass sie bei der Schilderung des 

Sachverhalts immer wieder in Tränen ausgebrochen sei. Die Vorinstanz 

unterschätze die Macht des eritreischen Militärs völlig, wenn sie davon aus-

gehe, sie [die Beschwerdeführerin] hätte sich der Zwangsheirat-Situation 

entziehen können, indem sie in (…) zurückgekehrt wäre. Sie habe sodann 

entgegen der Behauptung der Vorinstanz sehr wohl die (…) besucht, um 

(…), und (…) gelebt. Der psychische Druck aufgrund des Erlittenen wirke 

bis heute nach. Wegen der Landesflucht und weil sie im Ausland ein Asyl-

gesuch gestellt habe, was in Eritrea als Landesverrat beurteilt werde, drohe 

ihr bei einer Rückkehr eine verbotene Strafe und Behandlung gemäss 

Art. 3 AsylG.  

4.3 In seiner Vernehmlassung hielt die Vorinstanz an ihren Erwägungen 

fest und führte ergänzend aus, das Foto, welches die Beschwerdeführerin 

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mit anderen Frauen und einer (…) zeige, vermöge keinen Beweis dafür zu 

erbringen, dass sie (…) besucht habe. Auch das Foto des Grabes könne 

nicht als Beweismittel für die im Zusammenhang mit dem Tod des Vaters 

geltend gemachten Vorbringen angesehen werden, zumal der Vater aus 

anderen Gründen verstorben sein könne. 

5.  

Die Rüge, das SEM habe in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes 

keine Abwägung der für und gegen die Beschwerdeführerin sprechenden 

Sachverhaltselemente vorgenommen, sondern habe im Gegenteil auf un-

wesentliche Nebenpunkte abstellend nur die angeblich gegen sie spre-

chenden Elemente erwähnt, geht fehl. Das SEM hat in der angefochtenen 

Verfügung ausführlich dargelegt, warum es die Asylvorbringen der Be-

schwerdeführerin als unglaubhaft erachtet. Das Vorgehen des SEM, glaub-

hafte Aussagen im Entscheid nicht ausdrücklich zu erwähnen, respektive 

sich nicht mit allen Aussagen einzeln auseinanderzusetzen, ist nicht zu be-

anstanden. Auch eine sachgerechte Anfechtung war ohne weiteres mög-

lich. Soweit die Beschwerdeführerin die Glaubhaftigkeitsprüfung betreffend 

zu einem anderen Schluss gelangt, liegt darin keine Verletzung der Unter-

suchungspflicht (oder der Begründungspflicht). Vielmehr betrifft dies eine 

Frage der rechtlichen Würdigung des Sachverhaltes, auf welche im Rah-

men der materiellen Prüfung näher einzugehen ist. Die in der Beschwerde 

erhobene formelle Rüge ist deshalb als unbegründet zu erachten. 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und 

folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 

6.2 Die Vorinstanz hat die Vorbringen der Beschwerdeführerin in der ange-

fochtenen Verfügung im Grundsatz mit ausführlicher und überzeugender 

Begründung als unglaubhaft qualifiziert. Diesbezüglich kann vorab auf die 

zutreffende Argumentation in der angefochtenen Verfügung verwiesen 

werden. In Ergänzung und Präzisierung dazu ist Folgendes festzustellen: 

6.3 Dem SEM ist grundsätzlich darin beizupflichten, dass die Beschwerde-

führerin fundiertes Wissen im Zusammenhang mit der (…) vermissen liess. 

Dass sie – wie in der Beschwerde vorgebracht – möglicherweise keine gute 

(…) gewesen sei, vermag angesichts des Umstandes, dass die Beschwer-

deführerin während der ergänzenden Anhörung mehrmals noch vor der 

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Übersetzung auf Deutsch antwortete und auch im eingereichten Referenz-

schreiben ihr Wissensdurst und Engagement gelobt werden, nicht zu über-

zeugen. Sodann wurde in der Beschwerde die Nachreichung eines Bestä-

tigungsschreibens der (…) in Aussicht gestellt, welches bis zum Urteilsda-

tum beim Gericht nicht einging. Dennoch erscheint aufgrund der einge-

reichten Fotos nicht ausgeschlossen, dass sie tatsächlich wie vorgebracht 

in der Ausbildung zur (…) stand. Ergänzend ist festzuhalten, dass die Aus-

sagen der Beschwerdeführerin durchaus dahingehend interpretiert werden 

können, dass ihr Heimatdorf (…) sei, jedoch von Dörfern umgeben sei, die 

mehrheitlich (…) ausgerichtet seien. 

6.4 Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung sind die Aus-

sagen der Beschwerdeführerin die Verfolgung durch die Soldaten betref-

fend überwiegend detailarm und substanzlos ausgefallen. Zudem enthal-

ten ihre Angaben Ungereimtheiten, welche darauf schliessen lassen, dass 

sich die Beschwerdeführerin auf zumindest teilweise konstruierte Asylvor-

bringen stützt. Zwar wird zu Recht darauf hingewiesen, dass sie bei der 

Schilderung des Todes des Vaters nicht überzeichnete, indem sie nicht 

etwa behauptete, der Vater sei von den Soldaten getötet worden. Trotzdem 

erstaunt, dass sie den Tod des Vaters in der BzP zwar erwähnte, jedoch im 

Zusammenhang mit ihren Gesuchsgründen nur die Bedrängung der Mutter 

vorbrachte. In der ersten Anhörung indessen brachte sie ihren Vater und 

dessen Tod sehr früh in Verbindung mit ihren Gesuchsgründen (vgl. Akten 

SEM A21/19 S. 4 A26) und betonte auch in der freien Erzählung, der Vater 

sei von den Soldaten gequält worden und wegen dieser Sache gestorben. 

Später hätten die Soldaten angefangen, die Mutter zu belästigen (vgl. Ak-

ten SEM A21/19 S. 6 A60 f.). Vor diesem Hintergrund wäre zu erwarten 

gewesen, dass die Beschwerdeführerin den Vater auch in der BzP – trotz 

deren Kürze – im Zusammenhang mit ihren Gesuchsgründen erwähnt 

hätte. Auch wenn dem Protokoll der BzP angesichts des summarischen 

Charakters nur ein beschränkter Beweiswert zukommt, dürfen Widersprü-

che für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit dann herangezogen werden, 

wenn klare Aussagen bei der BzP in wesentlichen Punkten der Asylbegrün-

dung von den späteren Aussagen in der Anhörung diametral abweichen, 

oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche später als 

zentrale Asylgründe genannt werden, nicht bereits in der BzP zumindest 

ansatzweise erwähnt werden (vgl. statt vieler: Urteil des BVGer  

D-100/2014 vom 20. April 2016 E. 4.2.2). 

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Seite 10 

6.5 Sodann ist den Protokollen ein erheblicher Widerspruch im Zusam-

menhang mit dem Unfall des Vaters zu entnehmen. Zwar erscheint durch-

aus möglich, dass die Beschwerdeführerin den Unfall noch vor ihrer Flucht 

miterlebt haben mag. Hingegen äusserte sich die Beschwerdeführerin zur 

Absicht der Soldaten, als sich der Unfall des Vaters ereignet habe, unter-

schiedlich. In der ersten Anhörung erklärte sie, dass die Vorgesetzten ge-

kommen seien, um den Vater mitzunehmen (vgl. Akten SEM A21/19 A26 f. 

und A88). In der ergänzenden Anhörung sprach sie jedoch davon, dass die 

Soldaten sie selber hätten abholen wollen (vgl. Akten SEM A23/18 A60 und 

A121). Darüber hinaus wird durch letztere Aussage die Unglaubhaftigkeit 

des Verfolgungsvorbringens an sich verdeutlicht. Hätten die Soldaten die 

Beschwerdeführerin – noch zu Lebzeiten des Vaters und vor der angebli-

chen Verhaftung der Mutter – abholen wollen, erscheint nicht nachvollzieh-

bar, wie es ihr möglich gewesen sein soll, bis zu ihrer Ausreise am (…) 

2015 über einen Zeitraum von mehreren Monaten im Dorf zu leben, ohne 

von den Soldaten, welche „jeden Abend“ respektive „immer wieder“ ge-

kommen seien (vgl. Akten SEM A23/18 S. 9 A79 f.), mitgenommen zu wer-

den. Der Einwand in der Beschwerde, die Entscheidungsgewalt darüber, 

ob und wen eine Frau heirate, liege bei den Eltern, weshalb nicht realitäts-

fremd sei, dass die Soldaten vor allem Druck auf die Eltern ausgeübt hät-

ten, um eine Zwangsheirat durchzusetzen, ist deshalb unbehilflich. 

Schliesslich wäre zu erwarten gewesen, dass die Beschwerdeführerin un-

ter allen Umständen versucht hätte, sich der Situation zu entziehen. Selbst 

wenn sie allenfalls früher oder später in (…) gefunden worden wäre, er-

schiene – trotz der Erkrankung der Mutter – ein Rückzug dorthin viel nahe-

liegender als das passive Ausharren in der Nähe der verfolgenden Solda-

ten. 

6.6 Auch im Zusammenhang mit der Verhaftung der Mutter werden die 

diesbezüglichen Vorbehalte die Glaubhaftigkeit betreffend in der Be-

schwerde nicht aufgelöst. Zwar ist denkbar, dass der Mutter sowohl die 

Augen verbunden als auch die Hände gefesselt wurden. Dennoch lässt der 

Umstand, dass die Beschwerdeführerin die Art des Abführens jeweils un-

terschiedlich beschrieb, Zweifel aufkommen, zumal davon auszugehen ist, 

dass das Miterleben der Verhaftung der eigenen Mutter ein besonders ein-

schneidendes und prägendes Ereignis gewesen sein müsste. 

6.7 Hinsichtlich der Ausreise ist festzuhalten, dass, selbst wenn die Proto-

kollierung der Grosseltern als Missverständnis zu qualifizieren wäre, der 

Widerspruch bleibt, dass die Beschwerdeführerin in der BzP angab, sie sei 

von ihrem Onkel an die äthiopische Grenze gebracht worden (vgl. Akten 

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Seite 11 

SEM A8/11 Ziff. 5.02), währendem sie in den Anhörungen vorbrachte, sie 

sei von I._______ aus mit ihrem Cousin aufgebrochen (vgl. Akten SEM 

A21/19 S. 14 A148 f.; A23/18 S. 11 A105 ff.). Zudem sprach sie in der BzP 

davon, sie habe eine Nacht in I._______ verbracht, bevor sie ausgereist 

sei (vgl. Akten SEM A8/11 Ziff. 5.02), in der ersten Anhörung erklärte sie 

dagegen, sie sei dort zwei oder drei Tage geblieben (vgl. Akten SEM 

A21/19 S. 15 A154).  

6.8 Nach dem Gesagten können der Beschwerdeführerin die geltend ge-

machten Vorfluchtgründe trotz der teilweise aufgelösten Widersprüche 

nicht geglaubt werden. 

6.9  

6.9.1 In Bezug auf die geltend gemachte illegale Ausreise aus Eritrea lässt 

sich festhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Erit-

rea-Praxis aktualisiert hat. Im Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als 

Referenzurteil publiziert) hat es unter Bezugnahme auf die konsultierten 

Quellen festgestellt, dass die bisherige Praxis, wonach eine illegale Aus-

reise per se zur Flüchtlingseigenschaft führe, nicht mehr aufrechterhalten 

werden könne. Aus der im Urteil vorgenommenen Analyse ergebe sich, 

dass zahlreiche Personen, welche illegal aus Eritrea ausgereist seien, re-

lativ problemlos in ihre Heimat hätten zurückkehren können. Daher sei 

nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass einer 

Person einzig aufgrund ihrer illegalen Ausreise aus Eritrea eine asylrele-

vante Verfolgung drohe. Eine geltend gemachte Furcht vor ernsthaften 

Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG erscheine allein aufgrund einer ille-

galen Ausreise nicht mehr als objektiv begründet. Nicht asylrelevant sei 

auch die Möglichkeit, dass jemand nach der Rückkehr in den National-

dienst eingezogen werde, da es sich dabei nicht um eine Massnahme 

handle, die aus asylrechtlich relevanten Motiven erfolge; ob eine drohende 

Einziehung in den Nationaldienst unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK 

und Art. 4 EMRK relevant sein könnte, betreffe die Frage der Zulässigkeit 

beziehungsweise Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Ein erhebli-

ches Risiko einer Bestrafung bei einer Rückkehr gestützt auf asylrelevante 

Motive sei nur dann anzunehmen, wenn neben der illegalen Ausreise wei-

tere Faktoren zu bejahen seien, welche die asylsuchende Person in den 

Augen der eritreischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen 

würden (vgl. a.a.O. E. 5.1). 

D-439/2018 

Seite 12 

6.9.2 In Anbetracht der geänderten Rechtsprechung kann die Frage nach 

der Glaubhaftigkeit der illegalen Ausreise der Beschwerdeführerin vorlie-

gend offen gelassen werden, da in ihrem Fall zusätzliche Faktoren, welche 

ihr Profil schärfen könnten, zu verneinen sind. Unter Verweis auf die voran-

gegangenen Ausführungen ist nicht davon auszugehen, dass die Be-

schwerdeführerin von Soldaten verfolgt wurde und ihr eine Zwangsheirat 

drohte. Sie verliess Eritrea eigenen Angaben zufolge als Minderjährige und 

machte keinerlei Kontakt mit den eritreischen Behörden betreffend einen 

allfälligen Einzug in den Nationaldienst geltend. Aufgrund der Aktenlage 

bestehen auch keine Hinweise dafür, dass die eritreischen Behörden über-

haupt Kenntnis vom Asylgesuch der Beschwerdeführerin haben. Selbst 

wenn die Mutter der Beschwerdeführerin Bussgelder in der Höhe von ins-

gesamt 5000 Nafka wegen der illegalen Landesflucht bezahlt haben sollte, 

würde dies vor dem Hintergrund des oben erwähnten Referenzurteils 

nichts daran ändern, dass sich die Furcht vor einer zukünftigen flüchtlings-

rechtlich relevanten Verfolgung wegen illegaler Ausreise als unbegründet 

erweist. 

6.10 Zusammenfassend ergibt sich, dass die geltend gemachten Asyl-

gründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung 

im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise eine entsprechende Verfol-

gungsfurcht glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flücht-

lingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]).  

D-439/2018 

Seite 13 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2014/26 E. 7.7.4 und 2011/24 E. 10.2).  

8.2  

8.2.1 Das SEM hält in der angefochtenen Verfügung in Bezug auf den 

Wegweisungsvollzug fest, es würden sich aus den Akten keine Anhalts-

punkte dafür ergeben, dass der Beschwerdeführerin im Falle einer Rück-

kehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch 

Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe. Auch gelinge es der 

Beschwerdeführerin nicht, ein tatsächliches und unmittelbares Risiko einer 

drohenden Verletzung von Art. 4 EMRK glaubhaft zu machen. So habe sie 

keine Vorbringen im Zusammenhang mit einer Einberufung oder Rekrutie-

rung in den eritreischen Nationaldienst geltend gemacht. Zudem würden 

sich ihre Asylvorbringen als unglaubhaft erweisen, weshalb davon auszu-

gehen sei, dass sie aus anderen als den geltend gemachten Gründen Erit-

rea verlassen haben müsse. Diesbezüglich seien viele Möglichkeiten offen, 

auf die nicht eingegangen werden müsse. Sodann herrsche in Eritrea 

heute weder Krieg noch Bürgerkrieg noch eine Situation der allgemeinen 

Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. Aus den Akten würden sich auch 

keine individuellen Gründe ergeben, welche ihre Rückkehr als unzumutbar 

erscheinen lassen könnten. Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung 

technisch möglich und praktisch durchführbar. 

8.2.2 In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, die Wahr-

scheinlichkeit, dass die Beschwerdeführerin bei ihrer Rückkehr in Haft ge-

nommen und in eine militärische Haftanstalt überwiesen werde, wo ihr Fol-

ter und unmenschliche Haftbedingungen beziehungsweise eine Zwangs-

heirat drohen würden, sei sehr gross. Die Einschätzung der Vorinstanz be-

züglich der Rückkehrgefährdung und Zumutbarkeit der Wegweisung wür-

den das Rechtsgleichheitsgebot verletzen und stünden im krassen Wider-

spruch zur eigenen Lagebeurteilung beziehungsweise Praxis und zu jüngst 

ergangenen Entscheiden sowie zu jeglichen aktuellen Lageberichten über 

Eritrea von anerkannten Menschenrechtsorganisationen. Sodann befinde 

sich Eritrea mit Äthiopien nach wie vor in einem kriegsähnlichen Zustand. 

Die Beschwerdeführerin verfüge weder über einen Schulabschluss noch 

habe sie eine Ausbildung absolviert. Bei einer allfälligen Wegweisung 

müsste sie – wie vor ihrer Flucht – ein Leben in bitterer Armut fristen. Sie 

habe auch kein soziales Umfeld, welches sie wirtschaftlich auffangen 

D-439/2018 

Seite 14 

könnte. Bereits als sie noch in Eritrea gelebt habe, habe sie die Schule 

abbrechen müssen, um für ihre jüngeren Geschwister zu sorgen. Anderer-

seits lebe sie in der Schweiz bereits bestens integriert.  

8.3  

8.3.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). 

8.3.2 Keine Person darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-

zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  

Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur Perso-

nen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Nachdem die Beschwer-

deführerin die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG – und damit 

auch jene nach Art. 1A Abs. 2 FK – nicht erfüllt, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich viel-

mehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestim-

mungen (Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem-

ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied-

rigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105], Art. 3 und 4 EMRK).  

8.3.3 Im als Referenzurteil publizierten Urteil D-2311/2016 vom 17. August 

2017 beschäftigte sich das Bundesverwaltungsgericht ausführlich mit der 

Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea. Angesichts 

des konkreten Sachverhalts – es war davon auszugehen, dass die Be-

schwerdeführerin in jenem Verfahren bereits vor ihrer Ausreise aus Eritrea 

aus dem Nationaldienst entlassen worden war und deshalb bei einer Rück-

kehr nicht mehr eingezogen werden würde – bejahte es die Zulässigkeit 

des Wegweisungsvollzugs (vgl. a.a.O. E. 11-14). Offen blieb die Frage der 

Zulässigkeit (und Zumutbarkeit) des Wegweisungsvollzugs für den Fall, 

dass von einer zukünftigen Einziehung der wegzuweisenden Person in den 

Nationaldienst auszugehen wäre. 

D-439/2018 

Seite 15 

8.3.4 Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch nicht mit einer 

drohenden Einberufung in den eritreischen Nationaldienst. Aufgrund des 

Alters der Beschwerdeführerin – bei ihrer Ausreise aus Eritrea und im heu-

tigen Zeitpunkt – muss jedoch davon ausgegangen werden, dass sie bei 

einer Rückkehr nach Eritrea in den Nationaldienst eingezogen werden 

könnte, weshalb die Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs auch unter 

diesem Gesichtspunkt zu prüfen ist. 

8.3.5 Im Urteil E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 (als Referenzurteil publi-

ziert) befasste sich das Bundesverwaltungsgericht mit den noch offenen 

Fragen der Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bei 

drohender künftiger Einziehung der wegzuweisenden Person in den eritre-

ischen Nationaldienst. Das Gericht kam nach eingehender Quellenanalyse 

zum Ergebnis, dass die drohende Einziehung in den eritreischen National-

dienst nicht zur Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs gemäss 

Art. 83 Abs. 3 AuG führt (vgl. a.a.O. E. 6.1.7). Beim eritreischen National-

dienst handle es sich weder um Sklaverei noch um Leibeigenschaft im 

Sinne von Art. 4 Abs. 1 EMRK. Die Bedingungen im eritreischen National-

dienst seien zwar als Zwangsarbeit im Sinne von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu 

qualifizieren, aber für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegweisungs-

vollzugs genüge dies nicht; erforderlich wäre vielmehr, dass durch die Ein-

ziehung das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung von Art. 4 Abs. 2 

EMRK bestünde, der eritreische Nationaldienst mithin Art. 4 Abs. 2 EMRK 

seines essenziellen Inhalts berauben würde. Dies sei zu verneinen. Es sei 

nicht davon auszugehen, es bestehe generell das ernsthafte Risiko einer 

krassen Verletzung des Verbots der Zwangs- und Pflichtarbeit während des 

Nationaldienstes. Weiter bestünden keine hinreichenden Belege dafür, 

dass Misshandlungen und sexuelle Übergriffe im eritreischen National-

dienst derart flächendeckend seien, dass jede Nationaldienstleistende und 

jeder Nationaldienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, 

selbst solche Übergriffe zu erleiden. Ein ernsthaftes Risiko einer un-

menschlichen Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK bestehe im Falle ei-

ner Einziehung in den eritreischen Nationaldienst nicht (vgl. a.a.O. E. 4-6). 

Zu beachten sei, dass die Erwägungen lediglich die Situation von freiwilli-

gen Rückkehrerinnen und Rückkehrern betreffen würden, zumal die eritre-

ischen Behörden keine Zwangsrückführungen aus der Schweiz akzeptie-

ren würden, und sich an diesem Umstand bis zum allfälligen Abschluss 

eines Rückführungsabkommens zwischen der Schweiz und Eritrea auch 

nichts ändern dürfte. Insofern könne offen bleiben, wie sich die Situation 

für Personen gestalten würde, die unter Zwang nach Eritrea zurückgeführt 

würden und bei denen davon auszugehen sei, dass sie keine Möglichkeit 

D-439/2018 

Seite 16 

gehabt hätten, ihr Verhältnis zum eritreischen Staat zu regeln (vgl. a.a.O. 

E. 6.1.7). 

8.3.6 Aufgrund des Gesagten führt selbst eine möglicherweise drohende 

Einziehung der Beschwerdeführerin in den eritreischen Nationaldienst im 

Falle einer freiwilligen Rückkehr nach Eritrea nicht zur Unzulässigkeit des 

Wegweisungsvollzugs (Art. 83 Abs. 3 AuG). Im Übrigen hält sie sich seit 

mehr als drei Jahren im Ausland auf und würde, sofern sie ihre Situation 

mit Eritrea regelt, die Voraussetzungen für den Erhalt des „Diaspora-Sta-

tus“ erfüllen.  

8.3.7 Soweit die Beschwerdeführerin (sinngemäss) geltend macht, ihr 

drohe aufgrund der illegal erfolgten Ausreise bei einer Rückkehr nach Erit-

rea unmenschliche Behandlung, ist auf das bereits erwähnte Referenzur-

teil des Bundesverwaltungsgerichts D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 zu 

verweisen (vgl. oben E. 6.9.1). Eine geltend gemachte Furcht vor ernsthaf-

ten Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG erscheine allein aufgrund einer 

illegalen Ausreise nicht mehr als objektiv begründet (vgl. a.a.O. E. 5.1).  

Dieselben Gründe lassen darauf schliessen, dass der Beschwerdeführerin 

bei einer (freiwilligen) Rückkehr nach Eritrea kein ernsthaftes Risiko einer 

Inhaftierung aufgrund der illegalen Ausreise droht. Damit ist das ernsthafte 

Risiko einer unmenschlichen Behandlung auch diesbezüglich zu vernei-

nen.  

8.3.8 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung der 

Beschwerdeführerin nicht als unzulässig, und es stellt entgegen der in der 

Beschwerde vertretenen Auffassung keine Verletzung des Gebots der 

Rechtsgleichheit dar, wenn das SEM den Vollzug der Wegweisung der Be-

schwerdeführerin als zulässig qualifiziert hat. 

8.4  

8.4.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.4.2 Im bereits erwähnten Urteil E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 befasste 

sich das Bundesverwaltungsgericht auch mit der Frage der Zumutbarkeit 

D-439/2018 

Seite 17 

des Wegweisungsvollzugs bei voraussichtlicher Einziehung der wegzuwei-

senden Person in den eritreischen Nationaldienst bei einer Rückkehr in ihr 

Heimatland. Es kam zum Schluss, dass die drohende Einziehung in den 

Nationaldienst nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führt. 

Dienstleistende würden nicht allein aufgrund der allgemeinen Verhältnisse 

im Nationaldienst in eine existenzielle Notlage geraten. Auch bestehe kein 

Grund zur Annahme, sie seien überwiegend wahrscheinlich dem ernsthaf-

ten Risiko ausgesetzt, Misshandlungen oder sexuelle Übergriffe zu erlei-

den (vgl. a.a.O. E. 6.2.3-6.2.5).  

Eine allenfalls drohende Einziehung der Beschwerdeführerin in den Natio-

naldienst bei einer (freiwilligen) Rückkehr nach Eritrea führt damit nicht zur 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. 

8.4.3 Im Referenzurteil D-2311/2016 vom 17. August 2017 kam das Bun-

desverwaltungsgericht bei der Prüfung der Zumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs zum Schluss, angesichts der dokumentierten Verbesserun-

gen in der Nahrungsmittel- und Wasserversorgung, im Bildungswesen so-

wie im Gesundheitssystem Eritreas könne die bisherige Praxis, dass eine 

Rückkehr nur bei begünstigenden individuellen Umständen zumutbar sei 

(vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-

kommission [EMARK] 2005 Nr. 12), nicht mehr aufrechterhalten werden. 

Angesichts der schwierigen allgemeinen – und insbesondere wirtschaftli-

chen – Lage des Landes müsse bei Vorliegen besonderer Umstände aber 

nach wie vor von einer Existenzbedrohung ausgegangen werden. Die 

Frage der Zumutbarkeit bleibe daher im Einzelfall zu prüfen (a.a.O. 

E. 17.2). Angesichts der dargelegten Praxisänderung stellt es entgegen 

der in der Beschwerde vertretenen Auffassung keine Verletzung des Ge-

bots der Rechtsgleichheit dar, wenn das SEM den Vollzug der Wegweisung 

der Beschwerdeführerin als zumutbar qualifiziert hat. Vorliegend kann nicht 

auf die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aufgrund in der Person 

der Beschwerdeführerin liegenden Gründen geschlossen werden. Es ist 

erfreulich, dass sie sich offenbar bereits gut integriert hat und eine Vorlehre 

in einem (…) absolviert hat mit guten Chancen, eine Lehre zu beginnen. 

Zu berücksichtigten ist vorliegend jedoch, dass es sich bei der Beschwer-

deführerin um eine (…)-jährige, gesunde, ledige und kinderlose Frau han-

delt. Sie besuchte die Schule bis zur (…) Klasse und verfügt damit über 

eine solide Schulbildung. Die in der Schweiz gesammelten Arbeitserfah-

rungen werden es ihr in ihrer Heimat erleichtern, eine Existenz aufzubauen. 

In B._______ leben gemäss Angaben der Beschwerdeführerin eine verhei-

ratete Schwester sowie zwei jüngere Geschwister; die Geschwister der 

D-439/2018 

Seite 18 

Mutter würden in I._______ leben. Sodann lebe eine Halbschwester in den 

USA, welche für die Finanzierung der Ausreise der Beschwerdeführerin 

gesorgt habe. Eine weitere Halbschwester sowie (…) Cousins leben in der 

Schweiz. Ferner ist aufgrund der unglaubhaften Verfolgungsvorbringen 

zweifelhaft, ob die Mutter tatsächlich inhaftiert ist. Übereinstimmend mit 

dem SEM ist festzuhalten, dass der Vater nach Angaben der Beschwerde-

führerin Bauer war und vor seinem Tod Personen einstellte, welche für ihn 

das Land bewirtschafteten. Auch hätten sie (…) Ochsen und (…) Ziegen 

gehabt. Insgesamt sind den Akten keine besonderen individuellen Um-

stände zu entnehmen, aufgrund derer bei einer Rückkehr nach Eritrea von 

einer existenziellen Bedrohung der Beschwerdeführerin ausgegangen wer-

den müsste. Es ist deshalb nicht ersichtlich, weshalb sie nicht in der Lage 

sein soll, sich – allenfalls mit der Unterstützung der Familie – eine Existenz 

aufzubauen. 

8.4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung der 

Beschwerdeführerin auch nicht als unzumutbar.  

8.5 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass eine zwangsweise Rückfüh-

rung nach Eritrea derzeit generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der frei-

willigen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmög-

lichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AuG entge-

gen. Es obliegt daher der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständigen 

Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-

dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist demnach als möglich zu 

bezeichnen (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG).  

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG) und – 

soweit diesbezüglich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist 

abzuweisen. 

  

D-439/2018 

Seite 19 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der Beschwerde ge-

stellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wurde 

jedoch mit Instruktionsverfügung vom 2. Februar 2018 gutgeheissen, wes-

halb keine Verfahrenskosten aufzuerlegen sind. 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-439/2018 

Seite 20 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführerin, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

Walter Lang Barbara Gysel Nüesch 

 

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