# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 75c23a50-a291-594d-b686-d18e8e1b3af4
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-12
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 12.06.2024 SB230497
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230497_2024-06-12.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230497-O/U/nk

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichter lic. iur. Hoffmann 

und Oberrichter Dr. iur. Rauber sowie Gerichtsschreiberin MLaw 

Gitz

Urteil vom 12. Juni 2024

in Sachen

A._____,
Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 
Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend qualifizierten Raub  

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 6. Abteilung, vom 
4. Juli 2023 (DG230031)

-   2   -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft l des Kantons Zürich vom 28. Februar 

2023 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 20/6).

Urteil der Vorinstanz:

1. Der Beschuldigte ist schuldig des qualifizierten Raubs im Sinne von Art. 140 

Ziff. 4 StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und 

mit heute 31 Tage durch Haft erstanden sind.

3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

4. Es wird eine (zunächst vollzugsbegleitende) ambulante Behandlung im 

Sinne von Art. 63 StGB (Behandlung psychischer Störungen) angeordnet. 

5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 7 Jahre des Landes 

verwiesen. 

6. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-

tem wird angeordnet.

7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 6. Okto-

ber 2021 beschlagnahmte Barschaft in Höhe von Fr. 500.– wird dem Privat-

kläger B._____ nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlan-

gen herausgegeben. Verlangt der Privatkläger B._____ die Barschaft nicht 

innert 60 Tagen ab Rechtskraft des Urteils heraus, so fällt diese dem Staat 

zu.

8. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

vom 9. Februar 2023 beschlagnahmten Gegenstände werden dem Beschul-

digten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen her-

ausgegeben:

 1 Badehose, rot (A015'255'182),

-   3   -

 1 Paar, Sportschuhe weiss, "Nike Airmax" (A015'255'193),

 1 Cap, schwarz (A015'255'206),

 1 T-Shirt, schwarz (A015'255'217),

 1 Kleiderbügel, blau, aus Kunststoff (mit blutverdächtigen Anhaftungen, 
Hemastix positiv) (A015'258'716).

Verlangt der Beschuldigte die Gegenstände nicht innert 60 Tagen ab 

Rechtskraft des Urteils heraus, werden sie der zuständigen Lagerbehörde 

zur gutscheinenden Verwendung überlassen.

9. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 9. Fe-

bruar 2023 beschlagnahmte Prada Portemonnaie mit Cornercard ohne Na-

men (A015'529'836) wird eingezogen und der zuständigen Lagerbehörde 

zur gutscheinenden Verwendung überlassen. 

10. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich 

vom 9. Februar 2023 beschlagnahmten Gegenstände werden dem Privatklä-

ger B._____ nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen 

herausgegeben:

 1 Jacke, schwarz (A015'255'024),

 aus Jacke, Innentasche (A015'255'024): Visitenkarte von C._____, 
Kopie Pass B._____, 3 Marlboro Zigarettenpäckli, diverse Mega'sly 
Kondome, 1 Eros Bodyglide (A015'255'046),

 T-Shirt, grau (A015'255'079),

 Jeans, blau (A015'255'080),

 1 Paar Sportschuhe, schwarz, R-Systems (A015'255'091).

Verlangt der Privatkläger B._____ die Gegenstände nicht innert 60 Tagen ab 

Rechtskraft des Urteils heraus, werden sie der zuständigen Lagerbehörde 

zur gutscheinenden Verwendung überlassen.

11. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids werden folgende sicherge-

stellte Spuren und Spurenträger eingezogen und vernichtet: 

 Tatort-Fotografie (A015'246'067),

 Daktyloskopische Spur - Folie (A015'246'078),

-   4   -

 IMR-Fotografie (A015'254'941),

 IRM-Fotografie (A015'255'126),

 Mikrospuren-Klebbandasservat (A015'258'192),

 Tatort-Fotografie (A015'258'670),

 Mikrospuren-Klebbandasservat (A015'258'692),

 Foto (A015'590'962).

12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Fr. 8'000.00 

als Genugtuung zu bezahlen. 

13. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 6'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 5'000.00   Gebühr für das Vorverfahren;

Fr. 28'637.75   Auslagen (Gutachten);

Fr. 2'800.00   Auslagen Polizei;

Fr. 360.00   Entschädigung Zeuge;

Fr. 23'772.75   amtliche Verteidigung;

Fr. 11'690.75   unentgeltliche Rechtsvertretung des Privatklägers.

Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.

14. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem 

Beschuldigten auferlegt. 

15. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung 

der Privatklägerschaft werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-

ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

-   5   -

Berufungsanträge:

a) Der amtlichen Verteidigung:

(Urk. 63 S. 2 f.)

1. Es sei in Abänderung von Disp.-Ziff. 1 der Beschuldigte schuldig zu 

sprechen der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 

StGB;

2. Es sei in Abänderung von Disp.-Ziff. 2 der Beschuldigte zu bestrafen 

mit einer 4 Monate nicht übersteigenden Freiheitsstrafe, unter Anrech-

nung von 31 Tagen erstandener Haft;

3. Es sei in Abänderung von Disp.-Ziff. 3 der Vollzug der Freiheitsstrafe 

aufzuschieben, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren und 

verbunden mit einer Weisung, die bei der AMEOS-Klinik, Frau Dr. 

D._____, bis anhin durchgeführte Therapie fortzusetzen;

Eventualiter sei eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB 

anzuordnen;

4. Im letzteren Fall sei in Abänderung von Disp.-Ziff. 4 der Vollzug der 

Freiheitsstrafe zugunsten der Massnahme aufzuschieben;

5. Es sei in Abänderung von Disp.-Ziff. 5 von einer Landesverweisung ab-

zusehen;

6. Es sei in Abänderung von Disp.-Ziff. 6 von der Ausschreibung der Lan-

desverweisung im Schengener Informationssystem abzusehen;

7. Es sei in Abänderung von Disp.-Ziff. 12 der Beschuldigte zu verpflich-

ten, dem Privatkläger Fr. 500.– als Genugtuung zu bezahlen.

8. Es seien in Abänderung von Disp.-Ziff. 14 dem Beschuldigten die Kos-

ten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens zur Hälfte auf-

zuerlegen, ihm der grundsätzlich auf ihn entfallende Anteil jedoch ge-

-   6   -

stützt auf Art. 425 StPO zu erlassen, mindestens aber die Kosten der 

psychiatrischen Begutachtung;

9. Es sei in Abänderung von Disp.-Ziff. 15 die Nachforderung gemäss 

Art. 135 Abs. 4 StPO auf den dem Beschuldigten gemäss vorstehend 

Ziff. 8 aufzuerlegenden Teil der Kosten zu beschränken;

10. Es seien die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich diejeni-

gen der amtlichen Verteidigung, auf die Staatskasse zu nehmen.

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft l des Kantons Zürich: 

(Urk. 66, schriftlich)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

c) Des Vertreters des Privatklägers:

(Urk. 75 S. 1)

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 6. Abteilung, vom 4. Juli 2023 sei 

vollumfänglich – d.h. bezüglich Schuldspruch (qualifizierter Raub, 

Art. 140 StGB), Sanktionen, Zivilpunkt, Nebenpunkten – zu bestätigen.

2. Die vorinstanzliche URB sei zu bestätigen.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.

-   7   -

Erwägungen:

I. Verfahrensgang und Umfang der Berufung

1. Hinsichtlich des Verfahrensgangs bis zur erstinstanzlichen Urteilseröffnung 

kann auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 61 E. I S. 4). Mit 

Eingabe vom 11. Juli 2023 liess der Beschuldigte fristwahrend Berufung anmel-

den (Urk. 53). Nach Erhalt der begründeten Fassung des vorinstanzlichen Urteils 

erstattete der Beschuldigte rechtzeitig seine Berufungserklärung (Urk. 63). Mit 

Verfügung vom 25. Oktober 2023 wurde dem Privatkläger und der Staatsanwalt-

schaft je eine Frist von 20 Tagen angesetzt, um Anschlussberufung oder Nichtein-

treten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 64). Am 7. November 2023 verzich-

tete die Staatsanwaltschaft auf Anschlussberufung und beantragte Bestätigung 

des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 66). Mit Eingabe vom 14. November 2023 ver-

zichtete auch der Privatkläger auf Anschlussberufung (Urk. 67). Anschliessend 

wurden die Parteien zur heutigen Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 69). Er-

schienen sind der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers sowie 

der Vertreter des Privatklägers (Prot. II S. 3).

2.1. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung 

(Art. 402 StPO) und hemmt damit die Rechtskraft des angefochtenen Entscheides 

entsprechend.

2.2. Nicht angefochten wurde das vorinstanzliche Urteil betreffend Regelung 

der Beschlagnahmungen sowie der Vernichtung von Spuren und Spurenträgern 

(Dispositivziffern 7 bis 11). Ebenso wenig wurde die erstinstanzliche Kostenfest-

setzung angefochten (Dispositivziffer 13). Insofern ist das vorinstanzliche Urteil in 

Rechtskraft erwachsen, was mit Beschluss festzuhalten ist.

3. Da einzig der Beschuldigte gegen das erstinstanzliche Urteil Berufung er-

klärt hat und keine Anschlussberufung erhoben wurde, kommt das Verschlechte-

rungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO zur Anwendung.

-   8   -

II. Anklagegrundsatz

1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten in rechtlicher Hinsicht 

mehrfache versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie räuberische Erpressung im Sinne von 

Art. 156 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 3 StGB sowie Art. 140 Ziff. 3 StGB vor 

(Urk. 20/6 S. 5). Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten dagegen des qualifi-

zierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB schuldig (Urk. 61 Dispositivzif-

fer 1).

2. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, ist das Gericht nicht an die rechtliche 

Qualifikation des eingeklagten Geschehens durch die Staatsanwaltschaft gebun-

den, wobei das rechtliche Gehör zu wahren ist (Art. 344 StPO und Art. 350 Abs. 1 

StPO). Das Gericht hat jedoch zu prüfen, ob der Sachverhalt (inkl. innerer Sach-

verhalt) in der Anklage für den beabsichtigten Schuldspruch ausreichend um-

schrieben ist.

3. Ein Schuldspruch gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB erfordert u.a. eine Lebens-

gefahr des Opfers oder dessen grausame Behandlung. Diejenigen Elemente, wel-

che die Vorinstanz als grausam im Sinne des Gesetzes betrachtet, sind in der An-

klage ohne Weiteres umschrieben, sind es doch gerade die in der Anklage ge-

nannten Umstände, die die Vorinstanz zu ihrer rechtlichen Qualifikation führten. 

Zudem ist auch umschrieben, dass das Vorgehen des Beschuldigten zu Verlet-

zungen hätte führen können, die den Privatkläger in Lebensgefahr hätten bringen 

können, was der Beschuldigte zumindest in Kauf genommen habe (Urk. 20/6 

S. 5). Unter dem Aspekt des Anklageprinzips ist mithin nichts gegen die vorin-

stanzliche Qualifikation einzuwenden.

III. Sachverhalt

1. Allgemeines

1.1. Mit Bezug auf die allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdigung kann auf 

die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 61 E. III.2. S. 5-7), wo-

-   9   -

bei explizit darauf hinzuweisen ist, dass es für einen Schuldspruch nicht genügt, 

wenn der Anklagesachverhalt bloss plausibel ist.

1.2. Bezüglich Aussagewürdigung kann ergänzend ausgeführt werden, dass 

insgesamt die Antwort auf die Frage entscheidend ist, ob die einvernommene 

Person ihre Aussagen vernünftigerweise so hätte deponieren können, wenn sie 

das Berichtete nicht erlebt hätte. Das Vorhandensein von Realitätskriterien be-

deutet noch nicht, dass eine Aussage wahr ist. Vielmehr muss eine Kompetenz-

analyse ergeben, dass eine Person nicht in der Lage wäre, den dargelegten 

Sachverhalt zu erfinden (vgl. BENDER/HÄCKER/SCHWARZ, Tatsachenfeststellung 

vor Gericht, 5. Aufl., S. 78 Rz 332-334).

1.3. Schliesslich fehlt der Beweiswürdigung ohne Kenntnis und Reflexion mögli-

cher Motive (zur Lüge) ein wesentlicher Baustein. Je wahrscheinlicher es er-

scheint, dass die Aussageperson zu einer Lüge motiviert sein könnte, desto ein-

deutiger müssten die Ergebnisse der Beweisaufnahme und der Aussageanalyse 

sein, damit man sich trotzdem von der Wahrheit der Angaben überzeugt zeigen 

kann (vgl. BENDER/HÄCKER/SCHWARZ, a.a.O., S. 70-72 Rz 292 und 298 und S. 132 

Rz 550 f.).

2. Motivlagen

2.1. Der Beschuldigte hat unabhängig von seiner Schuld oder Unschuld offen-

kundig ein Interesse daran, dass das vorliegende Verfahren für ihn möglichst 

günstig endet. Dagegen hat der Privatkläger offenkundig ein Interesse an einem 

verurteilenden Erkenntnis, zumal er nicht vernachlässigbare Zivilforderungen stellt 

(Urk. 15/5 und Urk. 42). Zudem muss zwischen dem Beschuldigten und dem Pri-

vatkläger eine – wie auch immer geartete – Beziehung bestehen, welche offen-

kundig auch konfliktbelastet ist, worauf diverse Motive für unzutreffende Aussa-

gen gründen können. Allerdings fällt ins Gewicht, dass es nicht der Privatkläger 

war, der das Verfahren in Gang gesetzt hatte, sondern ein unbeteiligter Dritter 

ohne erkennbare Interessen am vorliegenden Verfahren (Urk. 1/1 S. 3).

-   10   -

2.2. Die Zeugin E._____ könnte vor dem Beschuldigten Angst gehabt haben. 

Zudem war sie mit dem Beschuldigten bekannt (vgl. hierzu die Erwägungen der 

Vorinstanz: Urk. 61 E. III.6.2. S. 19 f.).

2.3. Bei den anderen Zeugen hält die Vorinstanz zutreffend fest, dass kein Mo-

tiv zu Falschaussagen ersichtlich ist (Urk. 61 E. III.6.4. S. 21, III.6.6.1. S. 24, 

III.6.8.2. S. 26, III.6.9.5. S. 28). Beim Zeugen F._____ ist anzumerken, dass er 

sich nach dem Vorfall und vor seiner Einvernahme mit dem Privatkläger über das 

Geschehene unterhalten hat (Urk. 61 E. III.6.10.4. S. 29).

3. Aussagen der einzelnen Personen

3.1. Vorab kann ohne Weiteres auf die vorinstanzlichen detaillierten Zusam-

menfassungen der Aussagen der in der Untersuchung einvernommenen Perso-

nen verwiesen werden (Urk. 61 E. III.5.-7. S. 10-35). Diese sowie deren Würdi-

gung der Vorinstanz müssen vorliegend nicht wiederholt werden (Art. 82 Abs. 4 

StPO). Ergänzend ist auszuführen, was folgt, wobei der Vorinstanz nicht in allen 

Punkten zuzustimmen ist:

3.2. Es kann dahin gestellt bleiben, ob die Aussagen des Beschuldigten kom-

plett als wirr und in dem Ausmass widersprüchlich anzusehen sind, wie dies die 

Vorinstanz erwägt (Urk. 61 E. III.7.5. S. 32). Auf den ersten Blick wirken die Aus-

sagen durchaus authentisch, weisen Details auf und sind in einen Kontext einge-

bettet. Bei näherer Betrachtung allerdings ist der Vorinstanz zu folgen. Hinsicht-

lich des eigentlichen Kerngeschehens, welches nach Darstellung des Beschuldig-

ten in der Entfernung des Privatklägers aus seinem Zimmer in Notwehr bestanden 

habe, enthalten seine Aussagen kaum konkrete Angaben (Urk. 2/5 S. 7). Ein zeit-

licher Ablauf lässt sich daraus nicht rekonstruieren.

Seine Sachverhaltsdarstellung, wonach der Privatkläger – ohne einen Schlüssel 

zu haben – in seinem Bett aufgetaucht sei, ist nicht plausibel und wird vom Be-

schuldigten auch nicht erklärt (Urk. 2/3 F/A 10 S. 4). Zurecht führt die Vorinstanz 

aus, es sei angesichts des Verletzungsbildes des Privatklägers auch nicht stim-

mig, wenn der Beschuldigte behaupte, der Privatkläger sei neben ihm aufgewacht 

-   11   -

und er – der Beschuldigte – habe gefragt, ob sich der Privatkläger nach einem 

Sturz in der Sauna verletzt habe (wobei eine derart spezifische Frage bereits ei-

genartig wäre), worauf der Privatkläger gesagt habe, es gehe ihm gut, man 

müsse keine Ambulanz rufen, wobei auch eine derart spezifische Antwort bzw. 

das spontane Erwähnen einer Ambulanz sehr unplausibel ist, wenn es ihm tat-

sächlich gut gegangen wäre. Zu erwähnen ist in diesem Kontext mit der Vor-

instanz auch, dass das Verletzungsbild des Privatklägers mit der ohnehin aben-

teuerlichen Erklärung des Beschuldigten über die Ursache seiner Verletzungen 

nicht in Einklang zu bringen ist (Urk. 61 E. III.7.5.4. S. 33). Zwar hält das Gutach-

ten zur körperlichen Untersuchung des Privatklägers vom 27. August 2021 fest, 

dass einzelne Verletzungen an exponierten Körperstellen (z.B. Hautabschürfung 

am Rücken über dem linken Schulterblatt) womöglich im Rahmen eines Sturzge-

schehens mit Anprall auf eine raue Oberfläche zustande gekommen sein könnten 

(vgl. insb. Urk. 6/7 S. 8 f.). Das Gesamtbild der Verletzungen lässt sich jedoch mit 

einem oder auch zwei Stürzen nicht vereinbaren. Ausserdem hält das Gutachten 

fest, dass die regellose Verteilung der Verletzungen über den Körper des Privat-

klägers, die uneinheitliche Wundmorphologie und die wechselnde Verletzungs-

schwere der einzelnen Läsionen aus rechtsmedizinischer Sicht auf eine Fremd-

beibringung hinweise (Urk. 6/7 S. 9). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zu, den Privatkläger 

körperlich verletzt zu haben. Der Privatkläger habe sich gegen seinen Willen in 

seinem Zimmer aufgehalten und da habe er die Nerven verloren. Er habe ihm 

aber keine Gegenstände angeworfen oder mit dem Stuhl auf ihn eingeschlagen, 

sondern ihn mit der Hand am Kopf verletzt (Prot. II S. 18 f.). Er habe dem Privat-

kläger zwei Ohrfeigen gegeben, weil er sein Geld und den Hausschlüssel habe 

zurückhaben wollen. Da er "verladen" gewesen sei, könne er sich nicht mehr erin-

nern, ob es zur körperlichen Auseinandersetzung gekommen sei, bevor der Pri-

vatkläger das Geld am Postomat abgehoben habe. Der Privatkläger habe die 

Fr. 500.– aber von sich aus bezogen, ihm diese gegeben und eine Quittung ver-

langt. Er habe dem Privatkläger jedoch keine Quittung ausgestellt, da er Fr. 900.– 

und nicht Fr. 500.– verlangt habe. Er glaube, in diesem "verladenen und unzu-

rechnungsfähigen Zustand" habe er das Geld unter dem Teppich versteckt 

-   12   -

(Prot. II S. 20 f., 24 f.). Im Rahmen der Ergänzungsfragen führte der Beschuldigte 

im Widerspruch dazu aus, er habe das Geld vom Privatkläger entgegengenom-

men, ihm aber keine Quittung gegeben. Der Privatkläger habe ihm das Geld da-

her wieder weggenommen, habe ihm aber den Wohnungsschlüssel nicht zurück-

geben wollen und er – der Beschuldigte – habe zugeschlagen (Prot. II S. 23 f.). Im 

Gegensatz zum Beginn der Befragung sprach der Beschuldigte von ein bis zwei 

Ohrfeigen sowie einem Faustschlag gegen den Kopf (Prot. II S. 24). Auf die zahl-

reichen Widersprüche in seinen Aussagen angesprochen führte der Beschuldigte 

aus, er habe seine Medikamente betreffend ADHS seit einem halben Jahr nicht 

mehr eingenommen (Prot. II S. 25).

Insgesamt sind die Aussagen des Beschuldigten zurückhaltend bei der Gesamt-

würdigung zu berücksichtigen.

3.3. Die Aussagen des Privatklägers sind nicht als glaubhafter anzusehen als 

diejenigen des Beschuldigten, soweit sie nicht mit den objektiven Beweismitteln 

übereinstimmen (Urk. 61 E. III.5.5. S. 13 f.). Mit Bezug auf Hinweise auf mögliche 

Unstimmigkeiten in den Aussagen des Privatklägers kann zunächst auf die Erwä-

gungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 61 E. III.5.5. S. 14-17). Insbeson-

dere sind zeitliche Unsicherheiten häufig nicht geeignet, den übrigen Gehalt der 

Aussagen unglaubhaft erscheinen zu lassen. Allerdings ergeben sich diverse wei-

tere, von der Vorinstanz unerwähnte Unstimmigkeiten, was auch der fragwürdigen 

zeitlichen Einordnung des Geschehens ein gewisses Gewicht verleiht:

Zunächst wirft schon die erste freie Schilderung des Geschehens hinsichtlich der 

Plausibilität gewisse Fragen auf. So sei er – der Privatkläger – bereits nach einem 

kurzen Wortwechsel und nachdem er sich bereit erklärte, bei der Bank Geld abzu-

heben, sofort mit Schlägen eingedeckt worden. Er habe die Zimmertür nicht öff-

nen können, da sie der Beschuldigte mit Büchern verbarrikadiert habe (Urk. 3/1 

F/A 12 S. 2 f.). Das wirft die Frage auf, weshalb er überhaupt zur Tür hätte gelan-

gen können, nachdem er die Situation so beschrieb, als sei er mehr oder weniger 

sofort total handlungsunfähig gewesen. Vielmehr stellt sich aber die Frage, wann 

der Beschuldigte die Tür mit Büchern verbarrikadiert haben soll, wenn er nur Se-

kunden vor dem Angriff auf den Privatkläger durch eben diese Tür gekommen 

-   13   -

sein muss und das Blockieren einer Tür mit Büchern wohl mühsam und zeitauf-

wendig sein dürfte. Wenig nachvollziehbar und nachgeschoben wirkt die Aus-

sage, der Beschuldigte habe alle Bücher gegen die Zimmertür geworfen und sie 

so verbarrikadiert (Urk. 3/1 F/A 18 S. 3 f.). Wenn sich der Beschuldigte diese 

Mühe gemacht hätte (was zu seinem angeblich sehr impulsiven Handeln nicht 

passen würde), so würde sich weiter die Frage stellen, was denn der Privatkläger 

in dieser Zeit getan hat. Hierzu liegen kaum Aussagen vor. Auf entsprechende 

Rückfrage gab der Privatkläger nur zu Protokoll, den grössten Teil der Zeit sei er 

nur da gelegen und sei geschlagen worden. Ein Gespräch habe es nicht gege-

ben, nur kurze Sachen, also Beschimpfungen (Urk. 3/1 F/A 19 f. S. 4). Im Gegen-

satz dazu schilderte der Privatkläger in seiner staatsanwaltschaftlichen Einver-

nahme ein relativ ausführliches Gespräch über die Arbeit des Beschuldigten und 

darüber, dass er – der Privatkläger – ihm ein Halbtaxabo finanzieren würde und 

man sofort zum Bahnhof gehen könne. Einerseits ist diese Schilderung deutlich 

anders als diejenige, die er bei der Polizei deponiert hatte, anderseits ist nicht 

nachvollziehbar, dass der Beschuldigte bei so einem Gespräch plötzlich "während 

er sprach" anfangen würde, auf seinen Gesprächspartner, der ihm gerade ein 

Hilfsangebot gemacht hatte, einzuschlagen (Urk. 3/2 F/A 9 f. S. 3 f.). Wieder spä-

ter gab er zu Protokoll, das Gespräch über den Swisspass habe sich früher zuge-

tragen (Urk. 3/2 F/A 24-32 S. 7 f.).

Ferner fällt auf, dass das vom Privatkläger behauptete Behändigen und Werfen 

eines Kühlschranks (auch wenn er klein ist) mühsam und umständlich sein dürfte. 

Dasselbe gilt für die ständigen Wechsel der Schlag- und Wurfgegenstände 

(Schuhe, Kühlschrank, Stuhl). Was in diesen Pausen geschah, ist nicht bekannt. 

So wäre zu erwarten, dass der Privatkläger versucht hätte, den Beschuldigten von 

seinem Ansinnen abzubringen, sei es physisch, sei es in einem Gesprächsver-

such. Offenbar gab es auch keine Versuche, Hilfe zu holen. Weiter schilderte der 

Privatkläger kurz und bündig: "Nach unendlich langer Zeit, er hat mich brutal ge-

schlagen, konnte ich nach unten." Dass man noch einige Zeit hätte aufwenden 

müssen, um Bücher vor der Tür beiseite zu räumen, erwähnte er zunächst nicht, 

obwohl es sich dabei nicht um eine nebensächliche kurze Tätigkeit gehandelt ha-

ben kann. Später führte er aus, der Beschuldigte sei von den vielen Schlägen 

-   14   -

wohl müde geworden. Das habe er – der Privatkläger – genutzt, um die Zimmer-

tür zu öffnen. Dabei habe er noch einige Bücher wegräumen müssen (Urk. 3/1 

F/A 29 S. 5). Weshalb der Beschuldigte – wenn auch müde geworden – dabei 

einfach wort- und tatenlos zugesehen haben soll, erschliesst sich nicht. Der Pri-

vatkläger deponierte denn auch nicht, der Beschuldigte habe ihn gehen lassen, 

damit er – der Privatkläger – das verlangte Geld würde holen können. Vielmehr 

scheint es eine (wenn auch wenig plausibel) Gelegenheit zur Flucht gewesen zu 

sein. Dann ist aber umso unverständlicher, dass der Privatkläger nicht floh. Dass 

er sich ausserhalb des Zimmers keine Hilfe geholt habe, weil er unter Schock ge-

standen habe (Urk. 3/1 F/A 36 S. 5), überzeugt nicht; dies umso mehr, als er sel-

ber zu Protokoll gab, er habe sich überlegt, nach St. Gallen zu gehen (Urk. 3/1 

F/A 29 S. 5), was belegen würde, dass er durchaus in der Lage gewesen sein 

müsste, sich rational Gedanken über das weitere Vorgehen zu machen. Des Wei-

teren wirkt die Begründung, weshalb er nicht nach St. Gallen gefahren sei, nicht 

nachvollziehbar. Er habe das Ganze nicht weiter eskalieren lassen wollen 

(Urk. 3/1 F/A 29 S. 5), obwohl einerseits die Eskalation durch die Alarmierung der 

Polizei auch sehr schnell unterbunden werden konnte und anderseits nicht er-

kennbar ist, wie die Situation hätte eskalieren sollen, wenn sich der Beschuldigte 

in Zürich und der Privatkläger in St. Gallen befunden hätte. Eine weitere Demolie-

rung des Zimmers wäre kaum mehr möglich gewesen, wobei es sich ohnehin um 

das Zimmer des Beschuldigten handelte.

Sodann war der Privatkläger, nachdem er über sehr lange Zeit "brutalst" verprü-

gelt worden sei, nach seiner Darstellung ohne Weiteres in der Lage, sich nach 

draussen zu begeben und Geld abzuheben. Nach dem beschriebenen Gewaltex-

zess wäre eher zu erwarten gewesen, dass er einfach liegen geblieben oder tot 

gewesen wäre. Zudem sind die bei ihm festgestellten Verletzungen nicht ansatz-

weise mit seinen Schilderungen kompatibel. Gemäss Gutachten zur körperlichen 

Untersuchung des Privatklägers vom 27. August 2021 zeigte sein Rumpf (Thorax 

und Abdomen) keine Prellmarken und keine Hämatome (Urk. 6/7 S. 2). Die vor-
handenen grösseren Verletzungen betrafen den Kopf und den linken Oberarm. 

Ansonsten fanden sich kleinflächige, teils blutende Hautabschürfungen an ande-

ren Körperstellen. Kleinere Blutergüsse waren an der rechten Unterarmbeuge-

-   15   -

seite und am rechten Handgelenk sowie an der rechten Oberschenkelstreckseite 

zu finden (Urk. 6/7 F/A 18 S. 8 f.). Gemäss seinen Aussagen bei der Polizei sei er 

(nota bene nur unter anderem) drei- bis viermal von einem Kühlschrank getroffen 

worden, welcher auf ihn geworfen worden sei und ihn somit mit einer Wucht ge-

troffen haben müsste, die einem Vielfachen seines Gewichtes entsprechen 

würde. Gemäss Spurenbericht wog der Kühlschrank 29.5 kg (Urk. 10/1 S. 9). Bei 

der Staatsanwaltschaft steigerte er den Vorwurf wie folgt: "[…] als ich zu Boden 

gefallen war, nahm er den Kühlschrank und warf ihn auf mich. Und als der Kühl-

schrank auf meinem Brustkorb lag, nahm er ihn hoch und warf ihn mit voller 

Wucht 4 oder 5 Mal auf mich. […] Auf den Brustkasten […]" (Urk. 3/2 F/A 51 f. 

S. 11). Abgesehen davon, dass der Kühlschrank beim Eintreffen der Polizei noch 

am Stromnetz angeschlossen war (Urk. 10/1 S. 9), was bereits gegen ein mehr-

maliges Werfen auf den Privatkläger spricht, wären viel massivere, wenn nicht 

mehr oder weniger automatisch und sofort tödliche Verletzungen zu erwarten ge-

wesen. Wäre die Schilderung wahr, hätte der Brustkorb des Privatklägers regel-

recht zertrümmert sein müssen. Es gab jedoch nicht einmal Prellmarken oder Hä-

matome. Der wiedergegebene Befund ist auch schwer mit der Aussage zu verein-

baren, wonach überall am Körper Faustschläge und Fusstritte auf den Privatklä-

ger eingeprasselt seien bzw. er in den Unter- und Oberkörper getreten worden sei 

(Urk. 3/2 F/A 10 S. 4 und Urk. 6/7 F/A 18 S. 8 f.). Bei der Staatsanwaltschaft be-

richtete der Privatkläger, der Beschuldigte habe ihn mit einem Beistelltisch so 

stark geschlagen, dass dieser total zerbrochen und eines der Tischbeine verbo-

gen gewesen sei (Urk. 3/2 F/A 10 S. 4). Der Privatkläger zeigt somit bereits dies-

bezüglich eine ganz erhebliche Aggravationstendenz, was durch die Zeitangaben 

zum Übergriff des Beschuldigten unterstrichen wird. Die Tendenz, den Beschul-

digten schlecht aussehen zu lassen, wird auch dadurch verdeutlicht, dass der Pri-

vatkläger bei der Staatsanwaltschaft neu und bezogen auf die geschilderte Situa-

tion lebensfremd angab, der Beschuldigte sei die ganze Zeit ruhig gewesen und 

habe wie ein Primarlehrer oder wie beim "Wort zum Sonntag" geredet. Im Gegen-

satz dazu hatte er bei der Polizei noch gesagt, es sei kaum gesprochen worden, 

es seien nur Beschimpfungen gefallen, wobei er bei der Staatsanwaltschaft bestä-

tigte, beschimpft worden zu sein. Das ist einerseits kaum mit einer ruhigen Art wie 

-   16   -

beim "Wort zum Sonntag" zu vereinbaren, anderseits führte er selber aus, der Be-

schuldigte habe sofort nach dem Betreten des Zimmers angefangen zu schreien. 

Auffällig ist sodann, dass sich der Privatkläger an keine einzige der angeblichen 

Beschimpfungen erinnern können will (Urk. 3/1 F/A 19 f. S. 4 und Urk. 3/2 F/A 10 

S. 4 f., F/A 40 S. 9 und F/A 60-62 S. 12).

Wenig nachvollziehbar ist – wie bereits erwähnt – das Verhalten des Privatklägers 

nach dem ersten Gewaltexzess. Als er im öffentlichen Raum war, um Geld abzu-

heben, war er offenbar einige Zeit nicht in Begleitung des Beschuldigten an einem 

ihm bestens bekannten, belebten Ort. Es ist völlig unverständlich, weshalb er sich 

spätestens dann keine Hilfe holte oder die Polizei und/oder Sanität alarmierte. 

Stattdessen kehrte er freiwillig mit Geld zum Beschuldigten zurück und dachte 

noch daran, von ihm eine Quittung zu verlangen, nur um sich ihm durch die Rück-

kehr in sein Zimmer wieder komplett auszuliefern, obwohl der Beschuldigte be-

reits draussen Anstalten gemacht habe, das Geld gewaltsam an sich zu nehmen. 

Dies sei draussen bei der Bar gewesen. Offenbar habe es dann ein Gerangel ge-

geben und irgendwie sei man dann im Treppenhaus gelandet (Urk. 3/1 F/A 37 f. 

S. 6). Dass irgendwer in oder um die Bar auf die wohl recht eindrückliche Situa-

tion reagiert hätte, berichtete der Privatkläger nicht. Dagegen führte er bei der 

Staatsanwaltschaft aus, der Beschuldigte sei bei der Bar "seelenruhig" gewesen. 

Von einem Gerangel gab er nichts mehr zu Protokoll. Insofern sind die Aussagen 

des Privatklägers in einem nicht unwesentlichen Punkt widersprüchlich. Nicht 

nachvollziehbar ist sodann, wenn der Privatkläger bei der Staatsanwaltschaft an-

gab, der Beschuldigte habe auf eine entsprechende Aufforderung gesagt, es gebe 

keine Quittung, nur um in derselben Antwort zu deponieren, er – der angeblich to-

tal eingeschüchterte Privatkläger – habe gesagt, man gehe nun zurück in das 

Zimmer, um die Quittung auszustellen. Auf dem Weg zum Lift sei er wieder ge-

schlagen worden (Urk. 3/2 F/A 13 S. 5). Weshalb er dann in den Lift steigt mit der 

Aussicht, weiter mit "irrsinniger Wucht" geschlagen zu werden, erschliesst sich 

ebenfalls nicht. Eher hilflos wirkt die Erklärung des Privatklägers, er sei – nach-

dem er im Korridor geschlagen worden sei – deshalb in den Lift gestiegen, weil er 

gedacht habe, die Gewaltorgie höre dann auf (Urk. 3/2 F/A 71 S. 13). Diese Aus-

sage entbehrt jeglicher Logik. Wenn sich der Beschuldigte selbst im offen zugäng-

-   17   -

lichen Flur nicht scheute, auf den Privatkläger einzuschlagen, so würde das doch 

erst recht im geschützteren Rahmen eines Liftes gelten.

Geradezu unmöglich ist, dass der Beschuldigte (im 5. Stock angekommen), nach-

dem der Privatkläger mit dem Lift wieder nach unten gefahren sei, plötzlich wieder 

da gewesen sein soll. Das würde bedeuten, dass der Beschuldigte zumindest 

gleich schnell wie der Lift vom 5. Stock ins Parterre gelangt wäre (Urk. 3/2 F/A 17 

und 19 S. 6). Wäre er – der Beschuldigte – doch etwas später aufgetaucht, ist 

nicht erklärlich, weshalb der Privatkläger sich nicht bereits entfernt hätte. Seine 

angebliche Bewusstlosigkeit trat nach seinen Angaben erst später ein und erst als 

Folge weiterer Schläge (Urk. 3/2 F/A 18-20 S. 6 f. und F/A 81-84 S. 14). Insofern 

ist überdies nicht nachvollziehbar, wenn der Privatkläger geltend macht, vielleicht 

habe auch der Beschuldigte den Lift nach unten genommen (Urk. 3/2 F/A 79 

S. 14), geht doch aus der Fotodokumentation hervor, dass es dort nur einen Lift 

hat (Urk. 1/3 S. 3).

Weiter ist die aufbrausende Reaktion des Privatklägers auf kritische Rückfragen 

der Verteidigung auffällig (Urk. 3/2 F/A 130 ff. S. 20 f.).

Insgesamt sind auch die Aussagen des Privatklägers bei der Gesamtwürdigung 

zurückhaltend zu berücksichtigen.

3.4. Die Aussagen der Zeugin E._____ wirken gesamthaft authentisch. Sie 

sagte detailliert, nicht offenkundig parteiisch, zurückhaltend und nachvollziehbar 

aus. Hinsichtlich der Würdigung ihrer Aussagen als grundsätzlich glaubhaft kann 

auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 61 E. III.6.2.2. 

S. 20). Auch wenn ihre Aussagen hinsichtlich gewissen Einzelheiten Unsicherhei-

ten aufweisen, bestätigte sie, dass der Beschuldigte den Privatkläger gegen 

19.30 Uhr im Treppenhaus verprügelte (Urk. 4/1 F/A 16 S. 3), aber auch, dass 

sich der Beschuldigte beschwert habe, der Privatkläger habe sein Zimmer ver-

wüstet (Urk. 4/1 F/A 12 S. 2 und Urk. 4/5 F/A 11 S. 3). Sie bestätigte ferner, dass 

der Privatkläger zu ihr gesagt habe, er habe dem Beschuldigten Fr. 500.– gege-

ben und dafür keine Quittung erhalten (Urk. 4/1 F/A 22 S. 4 und Urk. 4/5 F/A 15 

S. 5). Der Privatkläger habe ein blutüberströmtes Gesicht gehabt und müsse be-

-   18   -

reits zuvor geschlagen worden sein (Urk. 4/1 F/A 16 S. 3 und F/A 39 S. 6; Urk. 4/5 

F/A 26 S. 6 f.). Sie bestätigte sodann mehrfach, dass der Beschuldigte den Privat-

kläger ins Gesicht, mithin gegen den Kopf getreten habe (insb. Urk. 4/1 F/A 16 

S. 3, F/A 21 S. 4 und F/A 26 S. 5). Bei der Staatsanwaltschaft relativierte sie die-

sen einen Punkt bzw. war sich nicht mehr sicher, ob der Beschuldigte den Privat-

kläger getreten oder mit der Faust geschlagen habe (Urk. 4/5 F/A 14 S. 4 f. und 

F/A 31 S. 7) und korrigierte die Passage in der polizeilichen Einvernahme mit dem 

"Auf-die-Seite-Schleudern" (Urk. 4/5 F/A 41-44 S. 8 f.), blieb ansonsten aber im 

Wesentlichen bei ihren Aussagen.

Die Zeugin führte weiter aus, dass der Privatkläger Geld bzw. eine 100-Franken-

Note in der Hand gehabt habe (Urk. 4/1 F/A 16 S. 3 und F/A 21 S. 4; Urk. 4/5 

F/A 59 S. 12).

3.5. Auch die Aussagen des Zeugen G._____ wirken grundsätzlich verlässlich 

und decken sich in den wesentlichen Punkten mit den weiteren Aussagen. Im 

Hauseingang habe ein junger Mann einem älteren Mann Faustschläge verpasst 

(Urk. 4/2 F/A 6 S. 2; vgl. zum Ganzen auch Urk. 4/8 F/A 9 S. 3 und F/A 23 ff. S. 5 

f.). Zudem habe der ältere Mann Verletzungen gehabt, die er sich bereits zuvor 

zugezogen haben müsse (Urk. 4/2 F/A 10 S. 2 f.). Der Beschuldigte habe in die 

Nierenregion getreten und mit der Faust ins Gesicht geschlagen (Urk. 4/2 F/A 13-

15 S. 3; Urk. 4/8 F/A 15 S. 4 und F/A 59 S. 9).

Der Zeuge bestätigte, dass der Privatkläger Geld in der Hand gehabt habe 

(Urk. 4/2 F/A 6 S. 2 und F/A 20 S. 4; Urk. 4/8 F/A 19-21 S. 5). Dagegen bestätigte 

er nicht, dass der Privatkläger im Wellnessclub gewesen und dort gestürzt sei 

(Urk. 4/8 F/A 45 S. 7, F/A 48-52 S. 8).

Weiter gab der Zeuge G._____ zu Protokoll, den Beschuldigten an jenem Tag im 

Wellnessclub gesehen zu haben, machte dazu aber keine Uhrzeitangaben. Er 

selber sei ab 11.00 Uhr zwei bis drei Stunden lang dort gewesen (Urk. 4/8 F/A 40-

43 S. 7 und F/A 55 S. 8).

-   19   -

3.6.1. Der Zeuge H._____ konnte zum eigentlichen Tathergang nichts aussagen, 

gab aber konstant zu Protokoll, der Beschuldigte habe sich vom Mittag/Nachmit-

tag bis 19.00 Uhr bzw. bis nach 18.00 Uhr in der Bar aufgehalten (Urk. 4/3 F/A 4 

S. 2; Urk. 4/7 F/A 9 S. 2 f.).

3.6.2. Übereinstimmend mit den Aussagen des Zeugen H._____ berichtete auch 

der Zeuge I._____ bei der Polizei, dass der Beschuldigte nach dem Mittag in die 

Bar gekommen und nach 18.00 Uhr wieder gegangen sei (Urk. 4/4 F/A 4 S. 2). 

Bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme waren seine diesbezüglichen Aus-

sagen mit erheblichen Unsicherheiten behaftet (Urk. 4/10 F/A 8-12 S. 2 f. und 

F/A 20-24 S. 4). Allerdings stehen sie im Resultat nicht im Widerspruch zu den 

Aussagen bei der Polizei.

3.6.3. Die Aussagen der Zeugen H._____ und I._____ bieten wenig Gehalt, der 

einer Aussageanalyse unterzogen werden könnte. Immerhin sind sie in sich und 

im Lichte der jeweils anderen Aussagen konsistent und weisen durchaus auch 

übereinstimmende Details auf (z.B. bezüglich des Bierkonsums und der Zah-

lungsschwierigkeiten des Beschuldigten). Die Erinnerungsunsicherheiten des 

Zeugen I._____ in seiner zweiten Einvernahme kann auf die geraume Zeit zwi-

schen dem Ereignis und seiner Befragung zurückgeführt werden und spricht da-

gegen, dass er eine auswendig gelernte oder mit dem Zeugen H._____ abgespro-

chene Geschichte erzählte. Das gilt auch für kleinere Abweichungen zwischen 

den unterschiedlichen Aussagen. Zudem ist, wie erwähnt, kein Motiv ersichtlich, 

weshalb H._____ und/oder I._____ falsche Angaben machen sollten. Insofern 

sind ihre Aussagen grundsätzlich als prima vista glaubhaft in die gesamthafte Be-

weiswürdigung einzubeziehen, was die Frage betrifft, wann sich der Beschuldigte 

am besagten Tag in der Bar aufgehalten hat.

3.7. Der Zeuge J._____ sagte zunächst aus, dass er selber nur gesehen habe, 

dass der Privatkläger das Haus mit einem blutenden Auge verlassen habe und 

ca. fünf Minuten später mit Geld in der Hand zurückgekehrt sei. Anschliessend sei 

er im Haus verschwunden. Die Serviertochter habe ihn dann zu Hilfe gerufen. Der 

Privatkläger sei mit blutüberströmtem Gesicht im Hauseingang gelegen (Urk. 4/9 

F/A 10 S. 2 f. und F/A 14 f. S. 3 f.). Die Schlägerei beobachtete der Zeuge 

-   20   -

J._____ jedoch nicht. Er machte auch keine Aussagen dazu, ob bzw. wie lange 

der Beschuldigte vor dem Ereignis im Treppenhaus der Bar gewesen sei.

3.8. Die Aussagen des Zeugen F._____ bestätigen einzig, dass es eine tätliche 

Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger gegeben 

hat und dass Letzterer am Boden war (Urk. 4/11 F/A 12 und 18 S. 3). Im Übrigen 

sind seine Schilderungen sehr vage und zeitlich sehr gerafft. Damit können sie in 

die Beweiswürdigung weitgehend nicht einfliessen.

4. Objektive Erkenntnisse

4.1. Wie die Vorinstanz richtig erwog, ist belegt, dass der Privatkläger am 

25. Juli 2021 um 19.30 Uhr Fr. 500.– in 100er Noten abgehoben hat (Urk. 12/4). 

Ferner wurden am 3. August 2021 durch eine Putzfrau unter dem Teppich der all-

gemein zugänglichen Küche im 5. Stock der K._____-strasse … – das heisst im 

selben Stock wie die Wohnung des Beschuldigten – fünf Noten à Fr. 100.– gefun-

den (Urk. 11/6). Weder die Finderin noch der Vermieter, der die Meldung an die 

Staatsanwaltschaft gemacht hatte, wurden als Zeugen einvernommen.

Die Vorinstanz schliesst, es müsse sich bei den aufgefundenen Fr. 500.– um die-

jenigen handeln, die der Privatkläger dem Beschuldigten ausgehändigt habe, da 

es sich um exakt dieselbe Stückelung handle und das Geld nahe des Zimmers 

des Beschuldigten gefunden worden sei. So habe der Beschuldigte auch Gele-

genheit gehabt, das Geld dort zu verstecken (Urk. 61 E. III.8.1.3. S. 35). Dabei 

handelt es sich jedoch bloss um eine Mutmassung, die keinesfalls zwingend ist. 

Zum einen ist eine Stückelung in 100-Franken-Noten durchaus üblich und damit 

wohl auch nicht selten. Zum andern ist nicht ersichtlich, weshalb der Beschuldigte 

das Geld über eine Woche lang an einem allgemein zugänglichen Ort verstecken 

sollte, zumal er es dringend zur Schuldentilgung gebraucht haben soll. Letztlich ist 

das aber auch nicht entscheidend, da einerseits das Geldabheben durch den Pri-

vatkläger unbestritten ist und die "Geldübergabe" gestützt auf die zahlreichen 

übereinstimmenden Aussagen als erstellt betrachtet werden kann.

-   21   -

4.2. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, sind die beim Beschuldigten festge-

stellten Verletzungen an der rechten Hand sowie das geltend gemachte "komi-

sche Gefühl" beider Hände mit dem aktiven Ausführen von Faustschlägen zu ver-

einbaren bzw. kann auf solche hinweisen (Urk. 61 E. III.8.2.3. S. 37).

4.3. Hinsichtlich der Verletzungen des Privatklägers ist an das bereits Erwo-

gene zu erinnern. Gemäss Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Privat-

klägers vom 27. August 2021 zeigte sein Rumpf (Thorax und Abdomen) keine 

Prellmarken und keine Hämatome (Urk. 6/7 S. 2). Die vorhandenen grösseren 

Verletzungen betrafen den Kopf und den linken Oberarm. Ansonsten fanden sich 

kleinflächige, teils blutende Hautabschürfungen an anderen Körperstellen. Klei-

nere Blutergüsse waren an der rechten Unterarmbeugeseite und am rechten 

Handgelenk sowie an der rechten Oberschenkelstreckseite zu finden (Urk. 6/7 

F/A 18 S. 8 f.).

Das Gutachten hält weiter fest, dass sich das Gesamtbild der Verletzungen nicht 

mit einem oder auch zwei Stürzen vereinbaren lasse. Ausserdem hält das Gut-

achten fest, dass es Hinweise auf eine Fremdbeibringung gebe (Urk. 6/7 S. 9).

4.4. Abschliessend ist auf die weiteren Spuren einzugehen. Grundsätzlich ist 

mit der Vorinstanz festzuhalten (Urk. 61 E. III.8.4. S. 39 f.), dass auf dem vor dem 

Zimmer befindlichen Holzstuhl ca. in der Mitte des linken vorderen Stuhlbeines 

Fingerabdrücke des Beschuldigten gesichert wurden (Urk. 10/1 S. 2 und 9). Wei-

ter wurden an den vier Stuhlbeinen, jeweils im unteren Drittel, zwei verschiedene 

DNA-Spuren (DNA-Mischprofil) sichergestellt, welche zum Beschuldigten und 

zum Privatkläger passen könnten (Urk. 10/10 S. 2). Und schliesslich konnten Blut-

spuren an der Schranktür links im Zimmer des Beschuldigten gesichert werden, 

welche zu einer männlichen Person passen. Der Vergleich dieses DNA-Profils mit 

dem DNA-Profil des Privatklägers zeigt in den 16 typisierten und vergleichbaren 

DNA-Systemen vollkommene Übereinstimmung. Somit kann der Privatkläger als 

Spurengeber nicht ausgeschlossen werden (Urk. 10/10 S. 3).

-   22   -

5. Gesamtwürdigung

5.1. Vorab ist erneut auf den Grundsatz der Unschuldsvermutung als Beweis-

würdigungsregel hinzuweisen. Ergeben sich in einer Beweiskette Lücken, können 

sie nur dann durch Annahmen zulasten des Beschuldigten geschlossen werden, 

wenn nach menschlichem Ermessen keine andere Sachverhaltsvariante in Frage 

kommt. Ist der Gehalt eines Beweises auslegungsbedürftig, so darf nicht bzw. 

nicht ohne triftige Gründe eine für den Beschuldigten ungünstige Auslegung ge-

wählt werden.

5.2. Die Vorinstanz hält zutreffend fest, dass objektiv feststeht, dass um 

19.30 Uhr vom in der Nähe gelegenen Postomaten Fr. 500.– abgehoben wurden 

und die Polizei um ca. 19.35 Uhr alarmiert wurde (Urk. 61 E. III.9.1.1. S. 40 mit 

Hinweis auf Urk. 1/1 S. 3 und Urk. 12/4). Fest stehen auch die zuvor erwähnten 

Verletzungen des Beschuldigten und insbesondere des Privatklägers.

5.3. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz und des Vertreters des Privatklägers 

kann anhand der vorliegenden Aussagen das Tatgeschehen jedoch nicht ab 

ca. 16.45 Uhr rekonstruiert werden. Dieser Tatbeginn könnte nur gestützt auf die 

Aussagen des Privatklägers angenommen werden. Allerdings sind seine Aussa-

gen wenig plausibel, stark aggravierend und wirken insgesamt nicht zuverlässig. 

Ferner sind selbst überwiegend glaubhafte Aussagen bei Zeitangaben oft insofern 

unzutreffend, als für negativ empfundene Ereignisse nicht selten mitunter deutlich 

zu lange Zeiträume angegeben werden (allerdings handelt es sich dabei in der 

Regel um Sekunden und Minuten, nicht um Stunden). Hinzu kommt, dass die ein-

zigen Zeugen, die sich dazu glaubhaft äusserten (die Zeugen H._____ und 

I._____), klar aussagten, dass sich der Beschuldigte ab ca. Mittag bzw. ab frühem 

Nachmittag bis sicher nach 18.00 Uhr, evtl. bis 19.00 Uhr, in der Bar aufgehalten 

habe. Es ist zwar zutreffend und auch relevant, dass der Privatkläger bereits ver-

letzt gewesen sein muss, als er sich auf den Weg zum Postomat machte (Urk. 61 

E. III.9.1.2. S. 40 f.). Das schliesst aber nicht aus, dass er sich diese Verletzungen 

deutlich nach 16.45 Uhr zugezogen hatte.

-   23   -

5.4. Wenn die Vorinstanz erwägt, die Verletzungen des Privatklägers seien 

nicht auf selbstverursachte Stürze zurückzuführen (Urk. 61 E. III.9.1.4. S. 41), so 

ist ihr darin im Ergebnis zwar zuzustimmen, jedoch nicht, weil sich die Version 

des Beschuldigten nicht erstellen liesse. Es ist nicht Sache des Beschuldigten, 

eine ihn entlastende Sachverhaltsvariante zu beweisen. Es ist Sache des Staates, 

den Anklagesachverhalt zu beweisen. Entscheidend ist vorliegend, dass das Ge-

samtbild der Verletzungen nicht zu Stürzen passt.

5.5. Setzt man alle Beweismittel – auch die Aussagen Unbeteiligter – zusam-

men, ergibt sich das folgende Bild: Der Privatkläger ging bereits am Kopf verletzt 

Geld abheben. Er kehrte zurück und wurde vom Beschuldigten im Treppenhaus 

zusammengeschlagen. Dabei ist erstellt, dass der Beschuldigte ihn mit der Faust 

gegen den Kopf schlug und mit dem Fuss gegen den Rumpf trat (wobei keine 

nennenswerten Verletzungen des Rumpfes resultierten). Tritte gegen den Kopf 

lassen sich nicht mit hinreichender Sicherheit erstellen. Aus den Aussagen des 

Privatklägers und v.a. denjenigen Dritter dazu, was der Privatkläger vor Ort ge-

sagt habe, ist zu schliessen, dass er das Geld auf Geheiss des Beschuldigten ab-

gehoben hatte, mit dem er offenkundig einen erheblichen Konflikt haben musste, 

bei dem es (u.a.) um Geld ging. Da der Privatkläger bereits verletzt zum Postoma-

ten ging und weil keine andere vernünftige Erklärung für die vorbestehende Ver-

letzung ersichtlich ist, muss der Beschuldigte den Privatkläger bereits davor (al-

lenfalls nur kurz davor) heftig ins Gesicht geschlagen haben. 

Diesbezüglich stellt sich die Frage, wo und wie die Verletzungen entstanden sind, 

die der Privatkläger aufwies, als er das Geld holen ging. Nachdem beide Kontra-

henten (wenn auch insgesamt wenig überzeugend) aussagten, es sei im Zimmer 

des Beschuldigten passiert, und v.a. nachdem der Privatkläger bereits verletzt 

das Haus, in dem sich das Zimmer des Beschuldigten befindet, verliess, um Geld 

zu holen, muss davon ausgegangen werden, dass dort der erste Teil der Ausein-

andersetzung stattfand. Allerdings lässt sich nicht im Detail erstellen, was sich im 

Zimmer des Beschuldigten zutrug. Die festgestellte Blutspur unterstreicht, dass 

die erste Schlägerei dort stattfand, gibt aber zum Hergang keine weiteren Infor-

mationen. Das gemäss Fotodokumentation erstellte Chaos im Zimmer des Be-

-   24   -

schuldigten lässt nicht primär auf eine Schlägerei schliessen (Urk. 1/3 S. 4-6). 

Eine solche kann zwar als Ursache für das Chaos nicht ausgeschlossen werden. 

Ebenso wenig kann jedoch ausgeschlossen werden, dass der Privatkläger bereits 

vor dem Vorfall für das Chaos verantwortlich sein könnte. Ferner kann angesichts 

dieses Durcheinanders durchaus als plausibel angesehen werden, dass der Be-

schuldigte z.B. einen Stuhl an dessen Beinen behändigen musste, was keinesfalls 

bedeutet, dass er ihn auch gegen den Privatkläger geschlagen haben muss. Fest 

steht nur, dass der Beschuldigte den Privatkläger blutig geschlagen haben muss 

und selber nicht verletzt wurde. Glaubhafte Beweise, die den Sachverhalt weiter 

klären würden, liegen hierzu nicht vor.

Wie bereits angeklungen, kann die Dauer des Tathergangs auf dem Zimmer nicht 

rekonstruiert werden. Zugunsten des Beschuldigten muss daher davon ausgegan-

gen werden, dass es sich um wenige Minuten handelte (die dem Privatkläger na-

turgemäss als viel länger erschienen sein mögen). Etwas anderes wäre denn 

auch mit dem Verletzungsbild nicht zu vereinbaren.

Aufgrund der Aussagen des Privatklägers und des Beschuldigten, die in diesem 

Punkt vergleichbar (un-)glaubhaft sind, bleibt das Motiv teilweise im Dunkeln. Aus 

dem Gesamtkontext ist anzunehmen, dass der Beschuldigte aufgrund seiner Fas-

sungslosigkeit bzw. seines Entsetzens über den Zustand seines Zimmers han-

delte. Was die Geldforderung des Beschuldigten angeht, so ist aufgrund der 

glaubhaften Aussagen der Zeugin E._____ (Urk. 4/5 F/A 10 S.3) am nahelie-

gendsten, dass es um ein Entgelt dafür ging, dass der Privatkläger im Zimmer des 

Beschuldigten wohnen durfte. Jedenfalls ist sehr wahrscheinlich (und muss zu-

gunsten des Beschuldigten angenommen werden), dass der Beschuldigte zumin-

dest subjektiv überzeugt war, auf das vom Privatkläger verlangte Geld einen An-

spruch zu haben. 

Ferner muss aufgrund der Tatsache, dass der Privatkläger Fr. 500.– abgehoben 

hatte und dieses Geld anschliessend nicht mehr auf sich trug bzw. sich entspre-

chend gegenüber den Zeugen vor Ort so geäussert hatte, davon ausgegangen 

werden, dass es der Beschuldigte behändigt hatte. Dabei kann offen bleiben, ob 

-   25   -

die später vorgefundenen Fr. 500.– vom Beschuldigten stammen und zuvor dem 

Privatkläger weggenommen wurden. 

IV. Rechtliche Würdigung

1. Die Vorinstanz äussert sich ausführlich zu den Tatbeständen des Raubes 

und der räuberischen Erpressung (Urk. 61 E. IV.2.1. S. 49). Der Tatbestand des 

Raubes bedingt das Begehen eines Diebstahls (Art. 140 Ziff. 1 StGB) und damit 

die Absicht der unrechtmässigen Bereicherung (Art. 139 Ziff. 1 StGB). Auch die 

Erpressung erfordert die Absicht unrechtmässiger Bereicherung (Art. 156 Ziff. 1 

StGB). Geht man mit der amtlichen Verteidigung (Urk. 72 S. 28) zugunsten des 

Beschuldigten und mangels entgegenstehender Beweise davon aus, dass er 

überzeugt war, einen Anspruch auf das vom Privatkläger verlangte Geld zu ha-

ben, so liegt keine Absicht unrechtmässiger Bereicherung vor und beide Tatbe-

stände fallen von vornherein ausser Betracht.

2.1. Hinsichtlich des Zufügens der Verletzungen steht ausser Zweifel, dass 

diese die Intensität einer einfachen Körperverletzung erreichen. Das wird auch 

von der Verteidigung nicht in Abrede gestellt (Urk. 72 S. 28 f.; Prot. II S. 28). Zu 

prüfen ist indes, ob eine versuchte (oder gar vollendete) schwere Körperverlet-

zung vorliegt.

2.2. Eine schwere Körperverletzung setzt voraus, dass das Opfer lebensgefähr-

lich verletzt wird, oder der Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Opfers 

verstümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar gemacht wird, oder 

dass das Opfer bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank gemacht 

wird, oder dass das Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt wird 

(Art. 122 StGB).

Ebenso stellt es im Sinne einer Generalklausel eine schwere Körperverletzung 

dar, wenn eine andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen 

oder geistigen Gesundheit des Opfers verursacht wird (Art. 122 StGB). Mit dieser 

Generalklausel sollen Fälle erfasst werden, welche den anderen zuvor aufgezähl-

ten Beeinträchtigungen hinsichtlich ihrer Qualität und ihrer Auswirkungen ähnlich 

-   26   -

sind. Zu berücksichtigen sind unter dieser Generalklausel insb. eine lange Dauer 

des Spitalaufenthalts und der (vollen oder teilweisen) Arbeitsunfähigkeit, weiter 

der Grad und die Dauer der Invalidität sowie nicht zuletzt auch die erlittenen 

Schmerzen. So kann, wenn zwar nicht direkt eine bleibende Arbeitsunfähigkeit 

oder eine irreversible gesundheitliche Beeinträchtigung vorliegt, dann auf schwere 

Körperverletzung erkannt werden, wenn der Grad der Beeinträchtigung doch er-

heblich ist, die wenigstens teilweise Heilung lange Zeit dauerte und überdies 

grosse Schmerzen verursachte. Insbesondere kann eine Kombination verschiede-

ner Beeinträchtigungen, die für sich allein noch nicht als schwere Körperverlet-

zung gelten könnten, diese Qualifikation in der gesamtheitlichen Würdigung recht-

fertigen (BSK StGB-ROTH/BERKEMEIER, Basler Kommentar, Strafgesetzbuch, 

4. Aufl. 2019, Art. 122 N 20 f.).

2.3. Beim Privatkläger lag keine Lebensgefahr vor (Urk. 6/7 S. 10). Bei den be-

reits mehrfach erwähnten Verletzungen handelt es sich generell um eine über-

schaubare Anzahl Blutergüsse, Hautabschürfungen, eine Gehirnerschütterung so-

wie eine Knochenspaltbildung im Bereich des rechten Nasenbeins. Keine dieser 

Verletzungen musste eigens behandelt werden oder hinterliess bleibende Schä-

den. Die Beeinträchtigungen erreichten auch nicht das Ausmass derart schwerer 

Verletzungen. Der Privatkläger konnte gleichentags wieder aus dem Spital entlas-

sen werden (Urk. 6/3 S. 2 f. und Urk. 6/7 S. 10).

2.4. Eine entsprechende Gefährdung ist ebenso wenig belegt, da keine Tritte 

gegen den Kopf des Privatklägers erstellt sind. Nicht erstellt ist auch, dass der Be-

schuldigte den Privatkläger mit einem Gegenstand wie einem Kühlschrank oder 

Stuhl geschlagen habe. Schliesslich ist die Anzahl und Intensität der Faust-

schläge gegen den Kopf nicht bekannt.

2.5. Darüber hinaus lässt sich auch kein Wille des Beschuldigten im Hinblick 

auf die Zuführung schwerer Verletzungen und somit kein (Eventual-)Vorsatz hin-

sichtlich einer schweren Körperverletzung erstellen. Folgerichtig kann auch nicht 

auf eine versuchte schwere Körperverletzung erkannt werden.

-   27   -

2.6. Immerhin ist erstellt, dass der Beschuldigte den Privatkläger bei zwei Gele-

genheiten geschlagen haben muss – einmal in seinem Zimmer und einige Zeit 

später im Treppenhaus. Auch wenn zwischen diesen beiden Handlungen nur ei-

nige Minuten liegen sollten, handelt es sich um zwei klar unterschiedene Handlun-

gen mit zwei unterschiedlichen Motiven. Die erste Handlung erfolgte als unmittel-

bare Reaktion auf die Verwüstung seines Zimmers. Die zweite Handlung konnte 

nicht mehr diesem Zweck dienen, da der erste Schock über den Zustand des Zim-

mers bereits überwunden war; mutmasslich hängt die zweite körperliche Ausein-

andersetzung mit der vom Privatkläger verlangten und vom Beschuldigten verwei-

gerten Quittierung zusammen. Der Beschuldigte fasste den Verletzungsvorsatz 

somit zweimal mit zwei verschiedenen Intensionen. Es kann somit nicht mehr die 

Rede davon sein, dass es sich um eine – wenn auch etwas lang gezogene – Ta-

teinheit handelt. Vielmehr ist von einer mehrfachen Tatbegehung auszugehen. 

2.7. Der Beschuldigte ist damit schuldig der mehrfachen einfachen Körperver-

letzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB. 

3.1. Zu prüfen ist schliesslich, ob der Tatbestand der Nötigung erfüllt ist. Wegen 

Nötigung nach Art. 181 StGB wird bestraft, wer jemanden u.a. durch Gewalt nö-

tigt, etwas zu tun. 

3.2. Nachdem der Privatkläger auf die Geldforderung des Beschuldigten erwi-

derte, er müsse zuerst zur Bank und könne ihm maximal Fr. 500.– geben 

(Urk. 3/1 F/A 12 S. 2) und sich somit vor der körperlichen Auseinandersetzung 

und ohne Gewalteinwirkung mit der Zahlung von Fr. 500.– einverstanden erklärte, 

liegt keine Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB vor. 

V. Strafzumessung und Vollzug

1. Strafrahmen

1.1. Die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz zum Strafrahmen sind zu-

treffend und müssen nicht wiederholt werden. Als Strafschärfungsgründe zu nen-

nen sind die Tatmehrheit und teilweise mehrfache Tatbegehung. Strafmildernd zu 

-   28   -

berücksichtigen ist die mittelgradig eingeschränkte Schuldfähigkeit des Beschul-

digten (Urk. 13/18 S. 60 und S. 67). Allerdings sind die Strafschärfungs- und 

Strafmilderungsgründe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens als Straferhö-

hungs- bzw. Strafminderungsgründe zu gewichten. Der ordentliche Strafrahmen 

ist nur ausnahmsweise zu verlassen (vgl. Urk. 61 E. V.1.1. und V.1.3. f. S. 55 f.).

1.2. Einfache Körperverletzung wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 

oder Geldstrafe bestraft (Art. 123 Ziff. 1 StGB). Da keine besonderen Umstände 

vorliegen, die eine Erweiterung des Strafrahmens notwendig erscheinen liessen, 

bleibt es somit bei einem Strafrahmen von 3 bis 180 Tagessätzen Geldstrafe 

(Art. 34 Abs. 1 StGB) oder 3 Tage bis 3 Jahre Freiheitsstrafe (Art. 40 Abs. 1 

StGB).

1.3. Sodann muss die Strafart für sämtliche Straftaten bestimmt werden, um be-

stimmen zu können, inwiefern eine Gesamtstrafe unter Anwendung des Asperati-

onsprinzips zu bilden ist (Art. 49 Abs. 1 StGB).

Das Verschulden wiegt innerhalb der Bandbreite dessen, was noch als einfache 

Körperverletzung gemäss Art. 123 StGB gilt, in beiden Fällen zu schwer, als dass 

noch eine Geldstrafe (deren Maximum wie erwähnt bei 180 Tagessätzen liegt) 

ausgesprochen werden könnte. Somit ist für beide Körperverletzungen eine Ge-

samtfreiheitsstrafe auszusprechen.

2. Bemessung der Einsatzstrafe

2.1. Auch bezüglich der Strafzumessung innerhalb des Strafrahmens kann auf 

die vorinstanzlichen Erwägungen zu den allgemeinen Regeln verwiesen werden 

(Urk. 61 E. V.2.1.).

2.2. Als von der schwersten einzelnen Straftat ist von der zweiten Körperverlet-

zung auszugehen. Von der Heftigkeit her dürfte sie mit der ersten Körperverlet-

zung vergleichbar sein. Bei Letzterer ist jedoch in die Waagschale zu werfen, 

dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass es sich um eine unmittelbare Re-

aktion auf die Verwüstung des eigenen Zimmers handelte. Dieses Element entfällt 

bei der zweiten körperlichen Auseinandersetzung weitgehend.

-   29   -

2.3. Die objektive Tatschwere bewegt sich innerhalb dessen, was als einfache 

Körperverletzung zu werten ist, insgesamt im mittleren Bereich. Die Schläge müs-

sen eine gewisse Heftigkeit erreicht haben, die nicht zu unterschätzen ist, zumal 

der Beschuldigte auf das bereits verletzte Gesicht des wehrlos am Boden liegen-

den Privatklägers einschlug. Das dürfte auch auf die Psyche des Privatklägers 

eine entsprechende Wirkung gehabt haben. Geht man davon aus, dass der Pri-

vatkläger nach der ersten Körperverletzung noch in der Lage war, zum Postomat 

zu gehen, Geld abzuheben und wieder zurückzukehren, so muss die bei ihm dia-

gnostizierte Gehirnerschütterung bzw. das leichte Schädel-Hirn-Trauma (Urk. 6/3) 

bei der zweiten Attacke entstanden sein. Eine Behandlung (ausser mit Schmerz-

mitteln), geschweige denn eine nennenswerte Hospitalisierung war nicht notwen-

dig und die körperlichen Folgen waren nicht allzu gravierend. Allerdings lagen sie 

nicht an der Grenze zur Tätlichkeit. Vielmehr lag aufgrund des – wenn auch leich-

ten – Schädel-Hirn-Traumas eine schwerwiegendere Verletzung näher, wenn sie 

auch nicht eingetreten war.

2.4. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere kann kein halbwegs nachvollzieh-

bares Motiv erkannt werden. Es handelte sich um einen sinnlosen, offenkundig di-

rektvorsätzlichen Gewaltexzess, wobei dem Beschuldigten bewusst war, dass der 

Privatkläger bereits verletzt war. Auch wenn ihm nicht unterstellt werden kann, er 

habe durch seine Schläge eine gravierendere Verletzung des Privatklägers in 

Kauf genommen, so musste ihm doch bewusst gewesen sein, dass Schläge ge-

gen den Kopf nicht harmlos sind.

2.5. Insgesamt ist die Einsatzstrafe bei 15 Monaten Freiheitsstrafe festzuset-
zen.

3. Asperation

3.1. Bezogen auf die erste Körperverletzung ist in objektiver Hinsicht festzuhal-

ten, dass diese von der Intensität der Gewalt her mit der zweiten Körperverlet-

zung vergleichbar ist, jedoch leicht weniger schwer wiegt, da der Privatkläger zu-

nächst noch nicht verletzt war und davon ausgegangen werden muss, dass dar-

aus noch kein Schädel-Hirn-Trauma resultierte. 

-   30   -

3.2. In subjektiver Hinsicht muss davon ausgegangen werden, dass der Be-

schuldigte aus einer gewissen Bestürzung über den Zustand seines Zimmers her-

aus handelte. Doch auch in diesem Fall handelte er direktvorsätzlich. Damit ist die 

Einsatzstrafe ohne Asperation auf 13 Monate festzulegen.

3.3. Bezüglich Asperation ist zu berücksichtigen, dass die beiden Körperverlet-

zungen gleichartige Taten sind und in einem engen Zusammenhang stehen. Den-

noch handelt es sich um zwei Taten mit unterscheidbarer Motivation. Die Einsatz-

strafe von 15 Monaten ist daher um neun Monate auf 24 Monate zu erhöhen.

4. Verminderte Schuldfähigkeit

Da die verminderte Schuldfähigkeit des Beschuldigten sämtliche Delikte betrifft, 

ist sie für alle gemeinsam in Betracht zu ziehen. Diesbezüglich weist die Vorin-

stanz zurecht auf die Praxis des Bundesgerichts hin, wonach eine mittelgradige 

Schuldunfähigkeit nicht einfach mathematisch eine Strafreduktion auf die Hälfte 

bedeuten muss (Urk. 61 E. V.3.4.1. S. 59 mit Hinweis auf BGE 136 IV 55 E. 5.3). 

Das Gericht kann von einer linearen Kürzung in einem gewissen Mass abwei-

chen, um konkreten Tatumständen gerecht zu werden. Angesichts des engen Zu-

sammenhangs der beiden Körperverletzungen und der unterschiedlichen Motiva-

tion ist die Einsatzstrafe auf 14 Monate zu reduzieren.

5. Täterkomponente

5.1. Mit Bezug auf die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann auf 

die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden: 

Der Beschuldigte kam im Jahre 1994 von Serbien in die Schweiz. Was seine 

Kindheit und Jugend betrifft, sind keine besonderen Schwierigkeiten ersichtlich. Er 

erzählte von einem erfüllten und glücklichen Familienleben. Er habe bis zu sei-

nem 19. Lebensjahr bei seinen Eltern gelebt. In der Schweiz habe er die 3. bis 

6. Primarklasse besucht, danach drei Jahre Sekundarschule, bis er mit dem Gym-

nasium im Kanton Schwyz anfing. Einen Matura-Abschluss habe er jedoch nicht. 

Stattdessen ging er in die Gastronomie und machte im Nachhinein eine Ausbil-

dung als Pflegehelfer SRK. Die Matura habe er in Serbien abgeschlossen, bevor 

-   31   -

er 2010 wieder zurück in die Schweiz kam. Danach sei er von 2011 bis 2013 zu-

rück nach Serbien, um Germanistik zu studieren, habe das Studium jedoch nach 

fünf Semestern, trotz guten Leistungen, abgebrochen. Er ist nicht verheiratet und 

hat auch keine Kinder (Urk. 61 E. V.4.1.1. S. 61). Anlässlich der heutigen Beru-

fungsverhandlung ergänzte der Beschuldigte, er arbeite in einem 100%-Pensum 

als Fensterlackierer und beabsichtige eine FH-Ausbildung in der Pflege zu absol-

vieren (Prot. II S. 10, 14).

5.2. Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (Urk. 71).

5.3 Der Beschuldigte bestreitet heute zwar nicht mehr, die vom Privatkläger er-

littenen Verletzungen verursacht zu haben, als Geständnis hinsichtlich der ihm 

vorgeworfenen Handlungen kann dies jedoch nicht gewertet werden. Auch sonst 

legte er kein Verhalten an den Tag, das für die Strafzumessung relevant wäre.

5.4 Aus dem Werdegang, den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten 

und dessen Nachtatverhalten lassen sich keine strafzumessungsrelevanten Fak-

toren ableiten. Damit bleibt es bei einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Daran 
sind mit der Vorinstanz 31 Tage erstandene Haft anzurechnen.

6. Vollzug

6.1. Beim nicht vorbestraften Beschuldigten ist in Anwendung von Art. 42 

Abs. 1 und 2 StGB eine gute Prognose grundsätzlich zu vermuten. Die Vermu-

tung kann indes umgestossen werden, wenn konkrete Anhaltspunkte dagegen 

vorliegen.

6.2. Gemäss psychiatrischem Gutachten von Dr. med. L._____ vom 8. Oktober 

2022 liegt beim Beschuldigten eine erhebliche Persönlichkeitsstörung vor. Mit Be-

zug auf die Legalprognose hält das Gutachten jedoch fest, dass zu berücksichti-

gen sei, dass die aus psychiatrischer Sicht an sich ungünstige Ausgangslage 

schon seit Jahren bestehe und es dennoch erst jetzt zu einem Gewaltdelikt ge-

kommen sei. Es zeige sich, dass beim Beschuldigten zwar eine kombinierte Per-

sönlichkeitsstörung vorliege, er jedoch wenig delinquenznahe Persönlichkeitsan-

teile aufweise. So sei es auch im Anschluss an die Delikte zu keinen weiteren 

-   32   -

Strafuntersuchungen gekommen. Ferner nehme der Beschuldigte die ihm verord-

neten Medikamente. Es liege ein nur moderat erhöhtes Rückfallrisiko für neuerli-

che Gewaltdelikte vor. Moderat bedeute, dass langfristig eine Rückfallfreiheit 

wahrscheinlicher ist, als eine Rückfälligkeit (Urk. 13/18 S. 62 f.). Dies wird da-

durch unterstrichen, dass der Beschuldigte vor unwesentlich weniger als drei Jah-

ren aus der Haft entlassen wurde (Urk. 18/18), ohne dass er wieder strafrechtlich 

in Erscheinung getreten wäre. Zwar wurde gegen den Beschuldigten ein Strafver-

fahren wegen Gefährdung des Lebens geführt (Urk. 71), dieses wurde indes ein-

gestellt (Prot. II S. 15). Sodann ist nicht ersichtlich, weshalb die bereits erstan-

dene Haft sowie das vorliegende Verfahren und die erstinstanzlich ausgespro-

chene Strafe keinerlei Eindruck auf ihn gemacht haben sollten. Dem Beschuldig-

ten kann somit trotz deliktsrelevanter psychiatrischer Diagnose eine gute Pro-

gnose gestellt werden, zumindest solange er seine Therapie, welche er aktuell bei 

Dr. D._____ absolviert, fortführt, und weder Alkohol noch Drogen konsumiert 

(Urk. 13/18 S. 65). Hierzu erklärte sich der Beschuldigte bereit (Prot. II S. 16 f.). 

Den verbleibenden Bedenken, die sich auf die Persönlichkeitsstörung des Be-

schuldigten stützen, könnte durch eine verlängerte Probezeit von drei Jahren 

Rechnung getragen werden.

6.3. Für die Dauer der Probezeit kann das Gericht Weisungen erteilen (Art. 44 

Abs. 2 StGB). Die Weisungen sollen mithelfen, die Bewährungschancen während 

der Probezeit zu verbessern. Eine Weisung kann z.B. die ärztliche oder psycholo-

gische Betreuung betreffen (BSK StGB-SCHNEIDER/GARRÉ, a.a.O., Art. 44 N 26). 

Vorliegend ist der Beschuldigte bereits in ärztlicher Betreuung, welche – wie so-

eben ausgeführt – seine Legalprognose zweifellos verbessert, zumal er bereit ist, 

seine Drogen- und Alkoholabstinenz einzuhalten (Urk. 13/18; Prot. II S. 16). Bei 

Gewährung des bedingten Vollzuges wäre ihm daher für die Dauer der Probezeit 

die Weisung zu erteilen, die Behandlung bei Dr. D._____ nach deren Massgabe 

weiterzuführen und während dieser Zeit alkohol- und drogenabstinent zu leben 

und dies regelmässig nach Massgabe von Dr. D._____ aktenkundig zu machen. 

Zunächst ist indes nachstehend auf die Möglichkeit einer therapeutischen Mass-

nahme einzugehen.

-   33   -

VI. Massnahme

1.1. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine ambulante Massnahme nach Art. 63 

StGB, wobei diese in der Fortsetzung der bereits laufenden Therapie durch die 

AMEOS Klinik, durch Dr. med. D._____, bestehen solle. Mithin sei auch die Frei-

heitsstrafe zu Gunsten der Massnahme aufzuschieben, da der strafvollzugsbe-

gleitende Massnahmevollzug unter anderem mit einer geringeren Motivation des 

Beschuldigten verbunden wäre (Urk. 41 S. 1 und 3 f.).

1.2. Die Verteidigung beantragt dagegen, dass dem Beschuldigten unter Auf-

schub des Vollzugs der Freiheitsstrafe eine Weisung zu erteilen sei, sich weiterhin 

der Therapie bei Dr. med. D._____ zu unterziehen. Eventualiter sei eine formelle 

Massnahme nach Art. 63 StGB, unter Aufschub des Strafvollzugs anzuordnen 

(Urk. 43 S. 1 und 27 f.; Urk. 63 S. 2 f.; Urk. 72 S. 31 ff.). 

1.3. Die Vorinstanz ordnete eine (zunächst) vollzugsbegleitende ambulante Be-

handlung im Sinne von Art. 63 StGB (Behandlung psychischer Störungen) an 

(Urk. 61 Dispositivziffer 4).

2.1. Vorab kann darauf hingewiesen werden, dass eine stationäre Massnahme 

aufgrund des Verschlechterungsverbotes und des vorliegenden psychiatrischen 

Gutachtens von Dr. med. L._____ (Urk. 13/18 S. 69) nicht zur Diskussion steht. 

Zu prüfen ist, ob eine ambulante Massnahme anzuordnen ist.

2.2. Ist der Täter psychisch schwer gestört, ist er von Suchtstoffen oder in an-

derer Weise abhängig, so kann das Gericht anordnen, dass er nicht stationär, 

sondern ambulant behandelt wird. Voraussetzung dafür ist, dass der Täter eine 

mit Strafe bedrohte Tat verübt, die mit seinem Zustand in Zusammenhang steht, 

und dass zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zustand 

des Täters in Zusammenhang stehender Taten begegnen (Art. 63 Abs. 1 StGB).

Die Anordnung einer Massnahme setzt voraus, dass der mit ihr verbundene Ein-

griff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit 

und Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig ist (Art. 56 Abs. 2 

StGB). Ist eine interne Behandlung zwar möglich, führt aber auch die weniger ein-

-   34   -

schneidende ambulante Behandlung in Freiheit zum Ziel, verdient gestützt auf 

den Grundsatz der Verhältnismässigkeit die ambulante Massnahme den Vorzug 

(BSK StGB-HEER, a.a.O., Art. 63 N 4).

2.3. Gerade mit Blick auf das Verhältnismässigkeitsprinzip und da bei der An-

ordnung einer Massnahme deren Vollzug nicht in der Hand des Gerichtes liegt 

und damit die Fortsetzung der Therapie bei Dr. med. D._____ nicht gewährleistet 

wäre, stellt sich die Frage, ob statt einer ambulanten Massnahme nicht auch – wie 

von der Verteidigung beantragt – der bedingte Vollzug unter Erteilung einer Wei-

sung nach Art. 44 Abs. 2 StGB vorgesehen werden könnte, dies umso mehr, als 

eine eigentliche Negativprognose nicht gestellt werden kann.

Vorab ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zu Unrecht erwägt, der bedingte Voll-

zug sei dann ausgeschlossen, wenn eine Massnahme angeordnet werde (Urk. 61 

E. VII. S. 65). Die Anordnung einer Massnahme ist nicht der Grund für die An-

nahme einer Schlechtprognose. Vielmehr ist umgekehrt eine Schlechtprognose 

relevant für die Anordnung einer Massnahme. Insofern ist es methodisch fragwür-

dig, wenn die Vorinstanz zunächst eine Massnahme und erst dann den bedingten 

Vollzug prüft, statt umgekehrt vorzugehen und erst bei Verneinung einer guten 

Prognose (allenfalls unter Einbezug einer Weisung) eine Massnahme zu prüfen, 

was im Einklang mit der von der Vorinstanz zitierten Praxis ist, dass eine Mass-

nahme den bedingten (oder teilbedingten) Vollzug einer Strafe ausschliesst. Eine 

solche Betrachtungsweise erscheint logisch und gerade mit Blick auf den Grund-

satz der Verhältnismässigkeit angezeigt (vgl. dazu BSK StGB-HEER, a.a.O. Art. 63 

N 90). Immerhin wäre die Vorinstanz dennoch zum richtigen Resultat gelangt, 

wenn sie die Massnahmebedürftigkeit des Beschuldigten im Hinblick auf einen 

möglichen Rückfall geprüft hätte und sich nicht mit der Feststellung einer potenti-

ellen Fremdgefährdung begnügt hätte (Urk. 61 E. VI.1.4. S. 63), ohne die kon-

krete Rückfallgefahr zu reflektieren.

2.4. Gemäss Gutachten liegt beim Beschuldigten – wie erwähnt – eine erhebli-

che Persönlichkeitsstörung vor, welche im Zusammenhang mit den eingeklagten 

Handlungen steht und diesbezüglich dazu geführt hat, dass er diese im Zustand 

einer mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit beging. Die Störung liege weiter 

-   35   -

vor, sei jedoch behandelbar, was die Legalprognose verbessere und wozu der 

Beschuldigte motiviert sei (Urk. 13/18 S. 66-68.). Grundsätzlich kann unter Ver-

weis auf die vorinstanzlichen Erwägungen davon ausgegangen werden, dass die 

Voraussetzungen für die Anordnung einer ambulanten Massnahme gegeben sind 

(Urk. 61 E. 1.4. und 1.5. S. 63) mit Ausnahme der Frage nach der Legalprognose 

für den Fall, dass keine Massnahme angeordnet werden würde.

2.5. Mit Bezug auf die Prognose kann auf das bereits Ausgeführte verwiesen 

werden. Dem Gutachten ist zu entnehmen, dass eine moderat erhöhte Rückfall-

gefahr für neuerliche Gewaltdelikte besteht. Moderat bedeutet, dass das langfris-

tige Risiko gegenüber jenem der durchschnittlichen Normalbevölkerung erhöht ist. 

Dennoch ist gemäss Gutachten eine Rückfallfreiheit wahrscheinlicher als ein 

Rückfall (Urk. 13/18 S. 63 und 67). Das Rückfallrisiko ist somit nur moderat über 

dem allgemeinen Risiko anzusiedeln, welches regelmässig keine Behandlung er-

fordert. In diesem Kontext ist darauf hinzuweisen, dass die Problematik des Be-

schuldigten zumindest ansatzweise bereits seit seiner Kindheit und Jugend be-

steht (Urk. 13/18 S. 66), er jedoch zum Tatzeitpunk 35 Jahre alt war, ohne zuvor 

und seither strafrechtlich aufgefallen zu sein (Urk. 19/3, vgl. Urk. 13/18 S. 62).

Ferner verweist der Gutachter darauf, dass für eine konkrete Durchführung einer 

Behandlung auf Dr. D._____ verwiesen werden könne (Urk. 13/18 S. 69). Positiv 

wirke sich aus, dass der Beschuldigte ein hohes Vertrauensverhältnis zu 

Dr. D._____ (der behandelnden Psychiaterin) aufweise, was beim hier vorliegen-

den Störungs- und Risikoprofil von entscheidender Bedeutung sei. Versuche, den 

Beschuldigten in eine andere, enger strukturierte Therapie einzubinden, würden 

mit grosser Wahrscheinlichkeit zu weiteren Komplikationen und letztlich Therapie-

abbrüchen führen. Insgesamt erscheine es somit ausreichend und von notwendi-

ger Erfolgsversprechung, die bestehende ambulante Therapie in der Klinik 

AMEOS, derzeit bei Frau Dr. D._____, im Rahmen einer ambulanten Massnahme 

nach Art. 63 StGB fortzuführen (Urk. 13/18 S. 65). Zwar nimmt der Gutachter bei 

dieser Einschätzung ausdrücklich Bezug auf die Anordnung einer ambulanten 

Massnahme. Das dürfte indes dem Setting der Fragestellung geschuldet sein, in 

welcher ein bedingter Strafvollzug unter Weisungen nicht vorgesehen ist. Fraglos 

-   36   -

geht aus dem Gutachten hervor, dass die bereits bestehende Therapie bei 

Dr. D._____ in einem ambulanten Setting fortgeführt werden soll und prognos-

tisch positiv zu bewerten ist. Wie bereits erläutert, kann somit geschlossen wer-

den, dass dem Beschuldigten bei Fortführung der Behandlung eine gute Pro-

gnose gestellt werden kann. Gleichzeitig steht fest, dass bei Anordnung einer 

Massnahme durch das Gericht die Art der Durchführung beim Justizvollzug läge. 

Wiewohl wahrscheinlich ist, dass auch dieser den gutachterlichen Empfehlungen 

folgen würde, so ist dies doch nicht sichergestellt. 

Insgesamt ist zu schliessen, dass dem Beschuldigten im Hinblick auf einen be-

dingten Strafvollzug eine gute Prognose gestellt werden kann, sofern ihm die Wei-

sung erteilt wird, die bereits bestehende Therapie bei Dr. D._____ weiterzuführen 

und, dem Gutachten weiter folgend, eine Drogen- und Alkoholabstinenz einzuhal-

ten (Urk. 13/18 S. 65). Da sich der Beschuldigte hierzu bereit erklärte (Prot. II 

S. 13 und 16 f.) und ihm eine gute Prognose gestellt werden kann, besteht keine 

Behandlungsbedürftigkeit, welche Voraussetzung für die Anordnung einer Mass-

nahme wäre.

VII. Landesverweisung

1. Der Beschuldigte ist der mehrfachen Körperverletzung schuldig zu spre-

chen, weshalb keine Katalogtat für eine obligatorische Landesverweisung nach 

Art. 66a Abs. 1 StGB vorliegt. Möglich wäre jedoch eine sogenannte fakultative 

Landesverweisung gemäss Art. 66abis StGB.

2. Bei der fakultativen Landesverweisung, die bei einer Verurteilung zu einer 

Strafe wegen jedem Verbrechen oder Vergehen angeordnet werden kann, steht 

die Prüfung der Verhältnismässigkeit im Vordergrund. Bei der Prüfung der Ver-

hältnismässigkeit sind in jedem Fall die konkreten Umstände des Einzelfalls zu 

beachten. Insbesondere sind den öffentlichen Interessen die privaten Interessen 

der betroffenen Person und ihrer Familie gegenüberzustellen. Dabei sind insb. – 

immer im Lichte der Schwere der begangenen Tat – der Grad der Integration der 

Person, die Dauer des Aufenthalts in der Schweiz sowie die Wirkung der Mass-

-   37   -

nahme auf die Familie der betroffenen Person zu beachten (BSK StGB-ZUR-

BRÜGG/HRUSCHKA, a.a.O., Art. 66abis N 3 und 8). Ein besonderes Interesse an ei-

ner Landesverweisung kann bei mehrfach verurteilten unbelehrbaren Wiederho-

lungstätern bestehen (BSK StGB-ZURBRÜGG/HRUSCHKA, a.a.O., Art. 66abis N 12).

3. Zu den relevanten persönlichen Umständen des Beschuldigten kann auf 

die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 61 E. VIII.4.3. f. S. 69): 

Der Beschuldigte ist serbischer Staatsangehöriger und ist im Alter von acht Jah-

ren zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester in die Schweiz eingereist. 

Er lebt den überwiegenden Teil seines Lebens in der Schweiz und hat hier die 

Schulen besucht. Allerdings gelang es ihm nie richtig, sich in den Arbeitsmarkt 

und sozial zu integrieren. Eine eigene Familie, auf die im Rahmen der Verhältnis-

mässigkeitsprüfung Rücksicht zu nehmen wäre, hat der Beschuldigte nicht, wobei 

er jedoch anlässlich der Berufungsverhandlung ausführte, dieses Jahr seinen 

langjährigen Lebenspartner zu heiraten (Prot. II S. 17). 

4. Immerhin ist auch zu berücksichtigen, dass vorliegend ein anderer Mass-

stab als bei einer obligatorischen Landesverweisung anzulegen ist. Dabei ist ins 

Feld zu führen, dass der Beschuldigte erstmalig strafrechtlich in Erscheinung ge-

treten ist und seit seiner Entlassung aus der Haft keine weiteren Verurteilungen 

aktenkundig sind. Ihm kann somit noch eine gute Legalprognose gestellt werden. 

Allerdings ist der Beschuldigte darauf hinzuweisen, dass angesichts der vorlie-

gend gezeigten Gewaltbereitschaft bei erneuter Delinquenz eine fakultative Lan-

desverweisung in Betracht zu ziehen ist. Insofern erscheint der Beschuldigte im 

jetzigen Zeitpunkt nicht als prominente Gefahr für die öffentliche Ordnung, soweit 

dies Art. 66abis StGB erfordern würde. Somit ist von der Anordnung einer Landes-

verweisung abzusehen.

VIII. Zivilansprüche

1. Hinsichtlich der Parteistandpunkte und der theoretischen Grundsätze kann 

auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 61 E. X.1. und 2. 

S. 74-76).

-   38   -

2. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass der Beschuldigte widerrechtlich 

und schuldhaft in die psychische und physische Integrität des Privatklägers ein-

griff und ihn dadurch in seiner Persönlichkeit in einer Schwere verletzte, die eine 

Genugtuungsleistung rechtfertigt. Indes ist von einem weit weniger gravierenden 

Vorfall als dies die Vorinstanz – dem Privatkläger folgend – angenommen hat und 

von einer kürzeren Einwirkungsdauer auszugehen. Der Privatkläger erlitt ein 

leichtes Schädel-Hirn-Trauma, eine Thoraxkontusion, eine Zahnlockerung (bei 

schlechtem Zahnstatus und wohl ohne Kausalzusammenhang mit dem Trauma), 

einen Bluterguss und eine Schwellung um die linke Augenhöhle sowie Hautab-

schürfungen, musste jedoch abgesehen von der Behandlung in der Notaufnahme 

nicht hospitalisiert werden. Angesichts des Verletzungsbildes ist der Beschuldigte 

zu verpflichten, dem Privatkläger Fr. 2'500.– zuzüglich 5 % Zins seit 25. Juli 2021 

als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren auf 

den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1. Ausgangsgemäss und da der Beschuldigte die Untersuchung und das vor-

instanzliche Verfahren durch seine Delinquenz verursacht hat, sind ihm die ent-

sprechenden Kosten in Bestätigung von Dispositivziffer 14 des angefochtenen Ur-

teils aufzuerlegen. Ebenso ist in Bestätigung von Dispositivziffer 15 des vorin-

stanzlichen Entscheids ein Nachforderungsvorbehalt für die Kosten der amtlichen 

Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers anzubringen.

2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von 

Art. 424 Abs. 1 StPO i. V. m. § 16 Abs. 1 sowie § 14 Abs. 1 GebV OG unter Be-

rücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeitauf-

wands des Gerichts für dieses Verfahren auf Fr. 4'000.– festzusetzen.

3. Im Berufungsverfahren dringt der Beschuldigte mit seinen Anträgen weitge-

hend durch. Er unterliegt einzig in Bezug auf die Höhe der auszusprechenden 

Freiheitsstrafe und der Zivilforderung des Privatklägers sowie hinsichtlich der Kos-

tenauflage. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der 

-   39   -

amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers, sind 

somit zu zwei Fünfteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu drei Fünfteln auf 

die Gerichtskasse zu nehmen.

4. Das von der amtlichen Verteidigung geltend gemachte Honorar für das 

zweitinstanzliche Verfahren erscheint angemessen und gibt zu keinen weiteren 

Ausführungen Anlass. Hinzu kommt die Dauer der Berufungsverhandlung und 

eine Stunde für den Weg und die Nachbesprechung. Die amtliche Verteidigung ist 

somit für ihre Aufwendungen mit Fr. 13'000.– (inkl. MwSt.) zu entschädigen (vgl. 

Urk. 74). Die unentgeltliche Vertretung des Privatklägers reichte keine Honorar-

note ein. In Anbetracht der Komplexität und Schwierigkeit des Falles ist sie ge-

stützt auf § 17 und § 13 AnwGebV pauschal mit Fr. 6'000.– (inkl. MwSt.) zu ent-

schädigen. Diese Kosten sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die 

Rückzahlungspflicht im Umfang von zwei Fünfteln ist gemäss Art. 135 Abs. 4 

StPO vorzubehalten.

Es wird beschlossen:

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 6. Abteilung, 

vom 4. Juli 2023 bezüglich der Dispositivziffern 7 bis 11 (Beschlagnahmun-

gen und Vernichtung von Spuren und Spurenträgern) sowie Dispositivziffer 

13 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen ist.

2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig der mehrfachen einfachen Körperver-

letzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB.

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 14 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 

31 Tage durch Haft erstanden sind.

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

3 Jahre festgesetzt.

-   40   -

4. Dem Beschuldigten wird für die Dauer der Probezeit von drei Jahren die 

Weisung erteilt, die Behandlung bei Dr. D._____ nach Massgabe der Thera-

peutin weiterzuführen. Ebenso wird dem Beschuldigten für die Dauer der 

Probezeit die Weisung erteilt, während dieser Zeit alkohol- und drogenabsti-

nent zu leben und dies regelmässig nach Massgabe von Dr. D._____ akten-

kundig zu machen.

5. Von der Anordnung einer Landesverweisung wird abgesehen.

6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._____ Fr. 2'500.– zu-

züglich 5 % Zins seit 25. Juli 2021 als Genugtuung zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen. 

7. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 14 und 15) wird bestätigt.

8. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

Fr. 13'000.–   amtliche Verteidigung (inkl. MwSt.)

Fr. 6'000.–   unentgeltliche Vertretung des Privatklägers (inkl. MwSt.)

9. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der 

amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung des 

Privatklägers, werden zu zwei Fünfteln dem Beschuldigten auferlegt und zu 

drei Fünfteln auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen 

Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers werden 

einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht 

bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von zwei Fünfteln vorbehal-

ten.

10. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

-   41   -

 den Vertreter des Privatklägers im Doppel für sich und zuhanden des 
Privatklägers 

(Eine begründete Urteilsausfertigung gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO wird 
dem Privatkläger nur zugestellt, sofern er dies innert 10 Tagen nach 
Erhalt des Dispositivs verlangt.)

sowie in vollständiger Ausfertigung an

 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

 die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 
 den Vertreter des Privatklägers im Doppel für sich und zuhanden des 

Privatklägers (sofern verlangt)

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an

 die Vorinstanz
 den Justizvollzug und Wiedereingliederung, Bewährungs- und 

Vollzugsdienste, 
 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A
 die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 

des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung 
des DNA-Profils 

 das Migrationsamt des Kantons Zürich
 die Zentrale Inkassostelle der Gerichte.

11. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-
chen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

-   42   -

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 12. Juni 2024

Der Präsident:

Oberrichter lic. iur. Spiess

Die Gerichtsschreiberin:

MLaw Gitz