# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0d553f71-4045-5c2a-a080-548fde9402d7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-04-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.04.2021 E-6827/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6827-2019_2021-04-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6827/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  A p r i l  2 0 2 1   

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler, Richterin Barbara Balmelli,    

Gerichtsschreiberin Susanne Bolz. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

gemäss eigenen Angaben Volksrepublik China,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 26. November 2019 / N (…). 

 

 

 

E-6827/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat seinen Angaben zu-

folge Mitte Juni 2012 und reiste über Nepal, wo er sich nach seiner Flucht 

während ungefähr einem Jahr aufgehalten haben will, und ihm unbekannte 

Länder am 12. Juni 2013 in die Schweiz ein. Gleichentags stellte er im 

damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ ein Asyl-

gesuch. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 20. Juni 2013 trug 

der Beschwerdeführer im Wesentlichen Folgendes vor: 

Er sei chinesischer Staatsangehöriger tibetischer Ethnie aus C._______, 

Bezirk D._______, Präfektur E._______, Tibet, wo er von seinem neunten 

Lebensjahr an bis zu seiner Flucht zusammen mit seiner verwitweten Mut-

ter und seinem jüngsten Bruder gelebt und in der Landwirtschaft gearbeitet 

sowie Teppiche gewoben habe. Bis zu seinem neunten Lebensjahr habe 

er in F._______, ebenfalls im Gebiet E._______, gelebt. Die Schule habe 

er nie besucht. Anlässlich der Selbstverbrennungen zweier Tibeter in 

Lhasa Ende Mai 2012 habe er zusammen mit einem Freund Anfang Juni 

2012 an einer Demonstration von ungefähr zwanzig Personen in 

C._______ teilgenommen. Dabei hätten er und sein Freund Fotografien 

der beiden Opfer und Plakate getragen, auf denen gestanden sei, dass die 

Selbstverbrenner vom gleichen Volk wie sie seien und die Tibeter im Leid 

und im Glück zusammenhielten. Kurze Zeit darauf habe seine Mutter er-

fahren, dass bei einer der Militäranlagen in C._______ Bilder dieser De-

monstration aufgehängt worden seien, auf denen er – der Beschwerdefüh-

rer – abgebildet sei. In der Folge habe er sich für fünf bis sechs Nächte bei 

einem Nachbarn versteckt. Drei Tage nach der Demonstration sei sein 

Freund von den chinesischen Behörden gefasst worden und habe diesen 

seinen Namen verraten. Daraufhin sei er von den chinesischen Behörden 

zwei oder drei Mal bei sich zu Hause gesucht worden, weshalb seine Mut-

ter schliesslich entschieden habe, dass er aus Tibet ausreisen müsse. Vor 

der Demonstration Anfang Juni 2012 habe er des Öfteren an kleineren 

Kundgebungen teilgenommen, habe deswegen aber nie Probleme gehabt. 

B.  

Gestützt auf ein (gut 50-minütiges) Telefongespräch, das mit dem Be-

schwerdeführer am 15. August 2013 geführt worden war, erstellte eine 

sachverständige Person im Auftrag der Fachstelle «Lingua» der Vorinstanz 

am 24. Juli 2014 ein schriftliches Gutachten betreffend die landeskundlich-

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Seite 3 

kulturellen Kenntnisse und die linguistischen Fähigkeiten des Beschwerde-

führers (sogenannte «Lingua-Analyse»). Aus diesem Gutachten geht her-

vor, dass der Beschwerdeführer nach Einschätzung der sachverständigen 

Person eindeutig nicht – wie von ihm behauptet – in C._______, Bezirk 

D._______, Präfektur E._______, Tibet, sondern vielmehr in einer exiltibe-

tischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksrepublik China sozialisiert 

wurde. 

Mit Schreiben vom 3. Juli 2015 legte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer 

die Ergebnisse der Lingua-Analyse sowie den Werdegang und die Qualifi-

kation der mit der Analyse betrauten Fachperson offen und gewährte ihm 

dazu das rechtliche Gehör, von welchem der Beschwerdeführer mit Ein-

gabe vom 8. Juli 2015 Gebrauch machte.   

C.  

Mit Verfügung vom 28. Juli 2015 lehnte das SEM das Asylgesuch des Be-

schwerdeführers ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz so-

wie den Vollzug an, wobei sie den Vollzug in die Volksrepublik China aus-

schloss. 

Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, dem Be-

schwerdeführer sei es nicht gelungen, seine Hauptsozialisierung in der 

Volksrepublik China und damit seine Asylgründe glaubhaft zu machen. 

Vielmehr sei namentlich aufgrund des Resultats der Lingua-Analyse davon 

auszugehen, dass er vor seiner Ankunft in der Schweiz in der exiltibeti-

schen Diaspora gelebt habe und die Asylbehörden über seine tatsächliche 

Herkunft täusche, zumal er auch keine Identitätspapiere vorgelegt habe. 

Damit sei auch seinen Asylvorbringen, welche sich vollumfänglich auf eine 

Verfolgungssituation in der Volksrepublik China abstützten, jegliche Grund-

lage entzogen; seine Vorbringen seien im Übrigen in verschiedenen Punk-

ten widersprüchlich und nicht plausibel. 

Nachdem der Beschwerdeführer die Asylbehörden über den Ort seiner So-

zialisation und damit über seine Identität getäuscht habe, könne gestützt 

auf Art. 36 Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf eine eingehende Anhörung 

zu den Asylgründen verzichtet werden. 

Praxisgemäss sei von einer unbekannten Staatsangehörigkeit des Be-

schwerdeführers auszugehen. Angesichts der vorliegenden Mitwirkungs-

pflichtverletzung seitens des Beschwerdeführers sei es nicht Aufgabe der 

Vorinstanz, zu prüfen, ob im tatsächlichen Heimatstaat flüchtlings- oder 

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Seite 4 

wegweisungsbeachtliche Gründe bestünden. Folglich sei der Wegwei-

sungsvollzug zulässig, zumutbar und möglich, solange der Vollzug in die 

Volksrepublik China ausgeschlossen sei.  

D.  

Eine gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde hiess das Bundesver-

waltungsgericht mit Urteil E-5177/2015 vom 12. Mai 2016 gut. 

Das Gericht hielt fest, auf eine Anhörung zu den Asylgründen könne ge-

stützt auf Art. 36 Abs. 1 Bst. a AsylG verzichtet werden, wenn die asylsu-

chende Person über ihre Identität täusche und dies aufgrund der erken-

nungsdienstlichen Behandlung oder anderer Beweismittel feststehe; der 

Begriff der Identität – über die getäuscht wird – werde in Art. 1a Bst. a der 

Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) definiert. 

Die dortige Aufzählung der Begriffsmerkmale der Identität sei abschlies-

send und umfasse namentlich weder den Herkunftsort noch den Ort der 

Sozialisation; eine Lingua-Analyse andererseits gebe Auskunft über den 

Ort der Sozialisation, nicht aber über den Geburtsort oder die Staatsange-

hörigkeit. Nachdem ein grosser Teil der Tibeter in der Diaspora auch wei-

terhin die chinesische Staatsangehörigkeit besässen, stehe eine Täu-

schung über die Staatsangehörigkeit und damit über die Identität nicht fest, 

selbst wenn über den Ort der Sozialisation getäuscht worden sei. Das SEM 

habe daher zu Unrecht auf eine Anhörung gemäss Art. 29 AsylG verzichtet 

und damit den Untersuchungsgrundsatz und das rechtliche Gehör verletzt. 

Das Gericht hob die Verfügung vom 28. Juli 2015 auf und wies die Sache 

zur Fortsetzung des vorinstanzlichen Verfahrens, namentlich zur Durchfüh-

rung einer Anhörung und zum neuen Entscheid an das SEM zurück. 

Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens hatte der Beschwerdeführer zwei 

Beweismittel zu den Akten gereicht. Es handelt sich um eine Bestätigung 

des «The Tibet Bureau» in Genf vom 6. August 2015, wonach er Tibeter 

und Mitglied der tibetischen Gemeinschaft in der Schweiz sei, sowie um 

eine Bestätigung des (…)-Vereins in Nepal vom 18. August 2015, wonach 

er aus der Ortschaft C._______ stamme und der Neffe des inzwischen ver-

storbenen Hauptvorsitzenden des Vereins (…) sei, bei dem er ein Jahr lang 

gewohnt habe. 

E.  

Am 26. September 2016 hörte das SEM den Beschwerdeführer zu seinen 

Asylgründen an. 

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Seite 5 

Er führte erneut aus, er sei im Alter von ungefähr neun Jahren, nach dem 

Tod seines Vaters, zusammen mit der Mutter und seinen Geschwistern von 

F._______, E._______, zur Grossmutter und zum Onkel G._______ und 

dessen Familie in C._______ (D._______ / E._______) umgezogen; dort 

habe er bis zur Ausreise aus der Heimat im Juni 2012 gelebt. Nach seiner 

Teilnahme an der Kundgebung nach zwei Selbstverbrennungen – wobei er 

damals die Plakate beziehungsweise Spruchbänder beschriftet habe – sei 

er behördlich gesucht worden und habe deshalb flüchten müssen. Er habe 

illegal nach Nepal gelangen können und habe in der Folge ein Jahr lang 

bei seinem Onkel H._______ in Kathmandu gelebt, bevor er mit dessen 

Hilfe weitergereist und in die Schweiz gelangt sei. H._______ sei in der 

Zwischenzeit verstorben. 

Anlässlich der Anhörung reichte der Beschwerdeführer Briefe seiner Cou-

sine und seiner Mutter samt einem Zustellcouvert aus Nepal sowie Foto-

grafien von Verwandten zu den Akten. 

F.  

Mit Verfügung vom 26. November 2019, eröffnet am 28. November 2019, 

lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers wiederum ab und 

ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvoll-

zug an; ein Vollzug in die Volksrepublik China wurde explizit ausgeschlos-

sen. 

Auf die Begründung wird in den Erwägungen Bezug genommen. 

G.  

Mit Beschwerde vom 23. Dezember 2019 beantragte der Beschwerdefüh-

rer, die Verfügung des SEM sei aufzuheben und die Sache sei neu zu be-

urteilen. Es sei seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl 

zu gewähren; eventualiter sei das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe 

festzuzustellen und er sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen; subeven-

tualiter sei die Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvoll-

zugs festzustellen und eine vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu 

verzichten und die unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 

Abs. 1 VwVG zu gewähren. 

Auf die Begründung der Beschwerde wird in den Erwägungen Bezug ge-

nommen. 

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Seite 6 

Mit der Beschwerdeeingabe reichte der Beschwerdeführer neben Famili-

enfotos einen Brief seiner Schwester und eine Spendenbestätigung eines 

tibetischen Klosters zu den Akten. 

H.  

Mit Verfügung vom 27. Dezember 2019 hielt die Instruktionsrichterin fest, 

der Beschwerdeführer könne den Entscheid in der Schweiz abwarten. 

I.  

Das Gericht liess die beiden eingereichten Beweismittel von Amtes wegen 

übersetzen. 

Mit Instruktionsverfügung vom 21. Januar 2020 hiess die Instruktionsrich-

terin das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut, verzichtete auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses, stellte dem Beschwerdeführer Kopien 

der Übersetzungen der Beweismittel zu und räumte ihm Gelegenheit zur 

Stellungnahme ein. Der Beschwerdeführer verzichtete darauf, diese wahr-

zunehmen. 

J.  

Mit Vernehmlassung vom 20. Februar 2020 schloss das SEM auf Abwei-

sung der Beschwerde und hielt namentlich fest, die im Beschwerdeverfah-

ren eingereichten Beweismittel hätten in einem beliebigen Kontext entstan-

den sein können und vermöchten insbesondere nicht zu belegen, dass der 

Beschwerdeführer seine Hauptsozialisierung in China erlebt habe; die 

stichhaltigen Argumente und Schlussfolgerungen des Lingua-Gutachtens 

könnten mit diesen Unterlagen nicht widerlegt werden. 

K.  

Mit Replik vom 6. März 2020 hielt der Beschwerdeführer an seinen Vor-

bringen fest und reichte ein weiteres Beweismittel ein; es handelt sich um 

ein undatiertes Schreiben der Tibetan TOEPA Welfare Association in Dha-

ramsala/Indien, in welchem bestätigt wird, der Beschwerdeführer stamme 

ursprünglich aus Tibet und verstehe fliessend den I._______- und den 

D._______-Dialekt. 

L.  

Mit einer weiteren Eingabe vom 9. März 2020 wurde kommentarlos ein 

weiteres Beweismittel – ein Schreiben vom 24. August 2015 (sic) der TO-

PEA Welfare Association Switzerland, J._______, eingereicht; darin bestä-

tigen die Präsidentin und der Vizepräsident der Association, dass sie so-

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Seite 7 

wohl das Schreiben des Tibet Office Genf (vgl. hierzu oben Bst. D; Anmer-

kung des Gerichts) als auch das «beiliegende Dokument der Toepa Associ-

ation aus Nepal ([…])» (ein solches Dokument lag der Eingabe nicht bei; 

vgl. wohl oben Bst. D, Anmerkung des Gerichts) als authentisch und als 

unmissverständliche Bestätigung für die Herkunft des Beschwerdeführers 

aus D._______ K._______ erachten würden. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, so auch vorliegend, endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

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Seite 8 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz gelangte in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, 

der Beschwerdeführer habe seine angebliche Sozialisation in D._______ 

nicht glaubhaft machen können; gemäss den Schlussfolgerungen der 

sachverständigen Person im Lingua-Gutachten habe die Sozialisation des 

Beschwerdeführers eindeutig in einer exiltibetischen Gemeinschaft aus-

serhalb der Volksrepublik China und eindeutig nicht in D._______ / 

E._______ stattgefunden. Der Beschwerdeführer habe den vorgehaltenen 

Ergebnissen des Gutachtens keine überzeugenden Argumente entgegen-

setzen können, auch die eingereichten Beweismittel vermöchten eine So-

zialisierung in Tibet / China nicht zu belegen. Seine Asylgründe habe er 

ferner angesichts von Widersprüchen und unplausiblen Darstellungen 

nicht glaubhaft dargelegt. Er habe seine Flüchtlingseigenschaft nicht 

glaubhaft gemacht; es seien auch keine Nachfluchtgründe zu bejahen, da 

vielmehr mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen sei, 

dass er vor seiner Einreise in die Schweiz in der tibetischen Diaspora ge-

lebt habe. Das Asylgesuch sei abzuweisen; der Wegweisungsvollzug sei 

als zulässig, zumutbar und möglich zu erachten, nachdem die Verletzung 

der Mitwirkungspflicht durch den Beschwerdeführer der behördlichen Un-

tersuchungspflicht ihre vernünftigen Grenzen setze. Ein Wegweisungsvoll-

zug in die Volksrepublik China bleibe allerdings ausgeschlossen. 

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Seite 9 

4.2 Der Beschwerdeführer bestreitet im Beschwerdeverfahren die Erkennt-

nisse des Lingua-Gutachtens. Er habe im Rahmen des Lingua-Gesprächs 

ausreichendes geografisches Wissen ebenso wie genügende länderspezi-

fisch-kulturelle Kenntnisse darlegen können. Auch über die Landwirtschaft 

habe er genügend Auskunft geben können und beispielsweise korrekt ge-

schildert, wie Gerste angepflanzt werde; dass er die Handelspreise der 

landwirtschaftlichen Produkte nicht habe nennen können, liege daran, dass 

sein Onkel und dessen ältester Sohn sich um den Handel gekümmert hät-

ten.  

Der Beschwerdeführer führte in der Beschwerde weitere ergänzende An-

gaben an (etwa zur Herkunft der Namen der Ortschaften D._______ und 

L._______, bei welchen Schilderungen er im Lingua-Gespräch unterbro-

chen worden sei, oder zu tibetischen Speisen). Bezüglich seinen Dialekt 

weist er darauf hin, dass er sich nach der Flucht ein Jahr lang in Nepal 

aufgehalten habe und inzwischen schon seit mehreren Jahren in der 

Schweiz lebe, was sich in seiner Sprache niedergeschlagen habe; ferner 

habe er im Interview nicht seinen Dialekt, sondern Hochtibetisch gespro-

chen. 

Ferner nimmt er Stellung zu den vom SEM angesprochenen Unglaubhaf-

tigkeitselementen in seinen Asylschilderungen und hält fest, seine Aussa-

gen seien vielmehr glaubhaft, und es sei ihm Asyl zu gewähren. Jedenfalls 

stamme er aus Tibet / China und besitze die chinesische Staatsangehörig-

keit; wegen seiner Ausreise aus China und seinem seitherigen Aufenthalt 

in der Schweiz müsste er heute im Heimatland Verfolgung im Sinne von 

subjektiven Nachfluchtgründen befürchten. 

5.  

Nach Durchsicht der Akten bestätigt das Gericht die Erwägungen der Vor-

instanz. Im Einzelnen ist Folgendes festzuhalten: 

5.1 Vorab ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer keine Identitätspa-

piere eingereicht hat. Seinen Angaben gemäss habe er eine Identitätskarte 

besessen, die zu Hause sei (vgl. A6 S. 5); ferner müsste auch ein Famili-

enbüchlein vorhanden sein. Der Beschwerdeführer machte geltend, es sei 

ihm nicht möglich, Identitätspapiere einzureichen, da er keine Möglichkeit 

habe, mit seiner Mutter Kontakt aufzunehmen (vgl. A29 F77). Dies über-

zeugt indessen nicht, hat der Beschwerdeführer doch im Lauf des Verfah-

rens vielmehr einen Brief sowohl seiner Mutter wie auch seiner Cousine 

und seiner Schwester eingereicht. 

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Seite 10 

5.2 Das SEM hält in seiner Verfügung fest, dass gemäss dem Lingua-Gut-

achten das Wissen des Beschwerdeführers im Bereich der landeskundlich-

kulturellen Kenntnisse als nicht hinreichend bezeichnet werden muss. Er 

habe zwar gute Kenntnisse im geografischen Bereich gezeigt, dennoch 

seien auch hier einige Angaben, zum Beispiel die falsche Lokalisierung von 

L._______ und M._______, für eine angeblich aus der Gegend stam-

mende Person abwegig; ebenso falle die falsche administrative Einord-

nung des eigenen Wohnorts auf. Der Beschwerdeführer kenne keine chi-

nesischen Gerichte und keine Telekommunikationsfirmen. Obwohl er jah-

relang in der Landwirtschaft gearbeitet haben wolle, könne er keine Anga-

ben zu den Handelspreisen landwirtschaftlicher Produkte machen; seine 

Erklärung, er sei im Betrieb des Onkels Tagelöhner gewesen, erkläre die-

ses mangelnde Wissen nicht zureichend. 

Diese Erwägungen und die entsprechenden Darstellungen im Lingua-Gut-

achten überzeugen. Soweit in der Beschwerde weitere geografische Ein-

zelheiten aufgeführt werden (vgl. Beschwerde S. 4 f.), handelt es sich um 

nachträgliche Präzisierungen, diese vermögen die Herkunft des Beschwer-

deführers nicht zu belegen. Der Beschwerdeführer macht geltend, soweit 

ihm Fehler vorgeworfen würden, habe die Interviewpartnerin dies falsch 

verstanden; ferner sei er im Lingua-Gespräch unterbrochen worden, als er 

die historischen Hintergründe der Namen zweier Ortschaften habe darle-

gen wollen (vgl. Beschwerde S. 5). Auch dieser Einwand ist unbehelflich; 

die jetzt skizzierten Namenshintergründe hatten im Lingua-Gutachten kei-

nerlei Relevanz. Was die mangelnden Kenntnisse des Beschwerdeführers 

über das Schulwesen betrifft, erachtet es das Gericht insbesondere als be-

deutsam, dass der Beschwerdeführer zwar seinen Angaben gemäss selber 

die Schule nicht besucht habe, dass aber seine Geschwister in D._______ 

zur Schule gegangen seien; es durften daher durchaus gewisse Kennt-

nisse vorausgesetzt werden. 

Ferner wiederholt der Beschwerdeführer, dass er über Handelspreise der 

landwirtschaftlichen Produkte nichts wisse, da der Onkel den Handel be-

sorgt habe (vgl. Beschwerde S. 7); diese Erklärung hat das SEM, unter 

Hinweis auf die traditionell enge Zusammenarbeit in familiären Landwirt-

schaftsverbänden in Tibet, zu Recht als nicht überzeugend gewertet. Es 

geht aus den Aussagen des Beschwerdeführers denn auch nicht hervor, 

dass sein Onkel ihn wie einen Taglöhner behandelt hätte; vielmehr habe 

dieser ihn wie einen Sohn behandelt und ihm beispielsweise das Lesen 

und Schreiben beigebracht (vgl. A 29 F17, 19, 20). 

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Seite 11 

5.3 Zur Sprechweise des Beschwerdeführers hielt das SEM fest, diese 

weise gemäss dem Lingua-Gutachten keinerlei Hinweise weder für den Di-

alekt des Kreises D._______ noch des ganzen Gebiets E._______ auf und 

entspreche auch nicht dem Dialekt des Kreises F._______. Vielmehr ent-

spreche der Dialekt des Beschwerdeführers einer Variante der exiltibeti-

schen  

Koine; er verwende Ausdrücke, die zwar in der exiltibetischen Gemein-

schaft, nicht aber in Tibet gebräuchlich seien. Seine Chinesisch-Kennt-

nisse seien ausserdem zu gering im Vergleich zu den Kenntnissen, über 

die eine in D._______ / E._______ sozialisierte und dort ansässig gewe-

sene Person verfügen dürfte; den Einwand des Beschwerdeführers, er 

habe im Lingua-Interview Hochtibetisch gesprochen, weist das SEM als 

unbehelflich zurück. 

Auch diesen Erwägungen der Vorinstanz schliesst sich das Gericht an. In 

der Beschwerde weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass er sich nun 

schon seit Jahren im Exil befinde und seither mit Tibetern aus vielen unter-

schiedlichen Regionen Kontakt gehabt habe, was sich auch auf seine 

Sprache ausgewirkt habe; er habe es sich in seinen Jahren im Exil ange-

wöhnt, den Lhasa-Dialekt zu sprechen (vgl. Beschwerde S. 6). Diese Er-

klärung überzeugt nicht; das Lingua-Gespräch wurde im August 2013 ge-

führt und die Tatsache, dass der Beschwerdeführer seinen eigenen Anga-

ben gemäss zuvor ein Jahr lang in Nepal gelebt habe, bevor er in die 

Schweiz gekommen sei, wurde im Gutachten explizit berücksichtigt; die 

sachverständige Person legt im Gutachten nachvollziehbar dar, dass der 

Aufenthalt in Nepal gewisse fremde Einflüsse erklären könnte; dass sich 

aber innert nur eines Jahres die Sprache des Beschwerdeführers derart 

stark einem exiltibetischen Idiom angeglichen und dieses den heimatlichen 

Dialekt verdrängt hätte, überzeugt nicht. 

Angesichts der Biografie des Beschwerdeführers, der zwar die ersten neun 

Lebensjahre in F._______ gelebt, seit dem neunten Lebensjahr aber in 

D._______ gelebt habe, im Familienverband einer aus D._______ stam-

menden Familie, wäre zu erwarten gewesen, dass seine Sprache vorwie-

gend dem Dialekt von D._______ hätte entsprechen sollen. Demgegen-

über zeigte die Sprechweise des Beschwerdeführers zahlreiche und auf-

fällige Gemeinsamkeiten mit der exiltibetischen Koine beziehungsweise 

mit dem Lhasa-Dialekt (welcher der exiltibetischen Koine zugrunde liegt). 

E-6827/2019 

Seite 12 

5.4 Auch das Gericht erachtet das Lingua-Gutachten als überzeugend. Ge-

mäss dem Werdegang der sachverständigen Person, der dem Beschwer-

deführer offengelegt wurde, ist deren Qualifikation nicht zu beanstanden. 

Die vorliegend zu beurteilende Analyse ist schlüssig, nachvollziehbar und 

ausgewogen begründet. Was die Sprechweise des Beschwerdeführers be-

trifft, legte die sachverständige Person ausführlich und mit konkreten Bei-

spielen von vom Beschwerdeführer im Interviewgespräch verwendeten Be-

griffen dar, dass seine Sprechweise nicht oder kaum vom E._______-Dia-

lekt und überwiegend durch den Dialekt von Lhasa respektive durch die 

exiltibetische Koine geprägt ist. Die sachverständige Person gelangte zu 

der klaren Schlussfolgerung, dass die Sozialisierung des Beschwerdefüh-

rers eindeutig nicht in D._______ / E._______, sondern eindeutig in einer 

exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksrepublik China stattge-

funden habe. Das Gericht schliesst sich den Einschätzungen des SEM an, 

dass der Beschwerdeführer nicht glaubhaft gemacht hat, er habe bis zur 

Ausreise im Juni 2012 – bevor er noch ein Jahr in Nepal verbracht habe, 

um dann in die Schweiz zukommen – in D._______ / E._______ gelebt. 

5.5 Das SEM hat zu Recht auch die entsprechend vorgelegten Beweisun-

terlagen zum Beleg einer angeblich in D._______ / E._______ erfolgten 

Sozialisierung als insgesamt nicht überzeugend gewürdigt; diesbezüglich 

schliesst sich das Gericht den vorinstanzlichen Erwägungen ebenfalls an. 

Auch die zusätzlich im Verlauf des Beschwerdeverfahrens eingereichten 

Beweisunterlagen vermögen einen angeblichen Wohnsitz des Beschwer-

deführers in China bis zum Jahr 2012 nicht zu belegen.  

Was die Bestätigung des «The Tibet Bureau» in Genf vom 6. August 2015 

betrifft, die im abgeschlossenen Beschwerdeverfahren E-5177/2015 ein-

gereicht wurde, geht aus dieser lediglich hervor, dass der Beschwerdefüh-

rer Tibeter und Mitglied der tibetischen Gemeinschaft in der Schweiz sei; 

Rückschlüsse auf seine Herkunft aus China ergeben sich daraus nicht. Aus 

den eingereichten diversen Familienfotos gehen ferner keine Hinweise da-

rauf hervor, wo die Aufnahmen gemacht wurden; der Beschwerdeführer ist 

gemäss eigenen Angaben auf den Aufnahmen im Übrigen gar nicht abge-

bildet (vgl. A29 F22 ff.). 

Sodann lassen einige Beweisunterlagen Rückschlüsse auf eine Beziehung 

des Beschwerdeführers zu Nepal zu: Er reichte eine Bestätigung eines in 

Kathmandu ansässigen Vereins ([…]-Verein) vom 18. August 2015 ein, wo-

nach er aus der Ortschaft N._______ C._______ stamme und der Neffe 

des Hauptvorsitzenden des Vereins, H._______, sei. Dieser sei inzwischen 

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verstorben; der Beschwerdeführer habe bei diesem Onkel ein Jahr lang 

gewohnt. Von diesem Onkel und seinem Aufenthalt in Kathmandu war im 

Asylverfahren die Rede (vgl. A6 S. 5, 6; A29 F6 ff., 64); das Vereinsschrei-

ben vermag aber nicht zu belegen, dass der Beschwerdeführer bis ins Jahr 

2012 in China gelebt habe. Der Beschwerdeführer sprach in der Anhörung 

vom Tod seines Onkels (vgl. A29 F9); dass der Onkel in Kathmandu ver-

storben sei, soll auch aus dem Brief der Mutter des Beschwerdeführers 

hervorgehen (vgl. A29 F6 f.). Dieser Brief und der Brief der in Nepal leben-

den Cousine (vgl. A29 F4) wurde dem Beschwerdeführer in einem Zustell-

couvert aus Nepal zugestellt (vgl. SEM-Akten A 31 Beweismittel 2, 3 und 

4). 

Im Beschwerdeverfahren reichte der Beschwerdeführer ferner einen Brief 

seiner Schwester ein, dem zu entnehmen ist, man mache sich um ihn Sor-

gen und bitte darum, dass er Unterstützung finde, da er keine Verwandten 

oder Freunde in seiner Nähe habe (vgl. Beilage 2 zur Beschwerde, BVGer 

act 1; Übersetzung BVGer act 3). Ebenfalls im Beschwerdeverfahren 

wurde die Bestätigung einer im Namen des Beschwerdeführers erfolgten 

Spende an ein Kloster eingereicht (vgl. Beilage 3 zur Beschwerde, BVGer 

act 1; Übersetzung BVGer act 3); diese datiert allerdings aus dem Jahr 

2019 und entfaltet somit zur Frage, bis wann der Beschwerdeführer in 

China gelebt habe, keine Beweiskraft. 

Schliesslich wurde mit der Replik vom 6. März 2020 (BVGer act 8) ein 

Schreiben in Kopie mit Bezug zur tibetischen Diaspora nicht in Nepal, son-

dern in Indien eingereicht (Schreiben der Tibetan TOEPA Welfare Associa-

tion Dharamsala Indien; undatiert und ohne Unterschrift). Der Verfasser 

bestätigt die Herkunft des Beschwerdeführers und dessen angebliche 

Sprachkenntnisse, ohne dass nachvollziehbar wäre, woher diese Informa-

tionen stammen, nachdem der Beschwerdeführer bis anhin nie irgendwel-

che Kontakte zur tibetischen Diaspora in Dharamsala geltend gemacht hat. 

Das Schreiben ist als Gefälligkeitsaussage ohne Beweiswert zu werten. 

Kein Beweiswert betreffend die Frage, wo der Beschwerdeführer bis ins 

Jahr 2012 gelebt habe, kommt schliesslich einem kommentarlos einge-

reichten weiteren Schreiben der TOPEA Welfare Association Switzerland, 

J._______, zu (angeblich datierend vom 24. August 2015; dem Gericht ein-

gereicht am 9. März 2020, vgl. BVGer act 9). Dieses Schreiben nimmt Be-

zug auf die Bestätigung des Tibet Office Genf sowie auf die Bestätigung 

von (…) in Nepal und drückt die Überzeugung aus, es handle sich dabei 

um authentische Schreiben. 

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Seite 14 

6.  

Das Gericht erachtet auch die Erwägungen des SEM als zutreffend, dass 

der Beschwerdeführer seine angeblich in China erlebten Asylgründe nicht 

glaubhaft gemacht hat. Auch diesbezüglich werden in der Beschwerde 

keine überzeugenden Erklärungen der Ungereimtheiten vorgetragen. 

6.1 Der Beschwerdeführer machte ein einzelnes, leicht überschaubares 

Geschehen geltend, das ihn zur Ausreise veranlasst habe. Er habe an-

fangs Juni 2012 an einer Kundgebung in C._______ teilgenommen, bei der 

ungefähr 20 Demonstranten durch ein Protestplakat und durch Flugblatt-

verteilen auf die zuvor stattgefundene Selbstverbrennung von zwei Perso-

nen in Lhasa aufmerksam gemacht hätten. Die Kundgebung sei heimlich 

fotografiert worden; sein Freund sei verhaftet worden und habe den Namen 

des Beschwerdeführers – der angeblich das Protestplakat geschrieben 

habe – preisgegeben. Deshalb sei er nachher zu Hause gesucht worden; 

er habe sich bei einem Nachbarn versteckt, um wenige Tage später aus-

zureisen. 

6.2 Das SEM wies zutreffend auf Widersprüche in den Darstellungen hin. 

So soll etwa die Kundgebung einerseits abends, kurz vor der Dämmerung 

(vgl. A6 F 7.02), andererseits mittags, ab circa ein Uhr für zwei bis drei 

Stunden (vgl. A 29 F41, 52) stattgefunden haben.  Widersprüchlich schil-

derte der Beschwerdeführer auch den Namen des Freundes, der ihn an-

geblich verraten habe; ungereimt waren ferner seine Angaben, wie die Po-

lizei ihn angeblich zu Hause gesucht habe. 

Dass in der tibetischen Sprache der selbe Ausdruck angeblich sowohl für 

«abends» als auch für «nachmittags» stehe (vgl. Beschwerde S. 7), er-

scheint zweifelhaft; dass es angeblich nicht zutreffe, dass der Beschwer-

deführer, die Person, die ihn verraten habe, widersprüchlich bezeichnet 

habe (vgl. Beschwerde S. 7), ist aktenwidrig (vgl. vielmehr die Aussagen, 

es habe sich um seinen Freund O._______ gehandelt, vgl. A6 F 7.02, S. 

8, beziehungsweise um seinen Freund P._______, vgl. A29 F 51, 75, und 

die Aussage in der BzP beruhe darauf, dass er da erst seit wenigen Tagen 

in der Schweiz gewesen sei und aus Nervosität «einfach das gesagt 

[habe], was [er] gedacht habe»; vgl. A29 F75). 

Ferner hielt das SEM es für unplausibel, dass der Beschwerdeführer sich 

angeblich für einige Tage bei einem Nachbarn versteckt habe, und dieser 

ausgerechnet eine Person gewesen sei, die früher in Beamtendiensten der 

chinesischen Behörden gestanden habe. Gerade dieser Nachbar wäre für 

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behördliche Ermittlungen im Dorf als eine der ersten Anlaufstellen in Frage 

gekommen. Der Beschwerdeführer habe seine Motivation nicht nachvoll-

ziehbar aufzeigen können; seine Aussagen seien lapidar geblieben und 

hätten sich auf pauschale und stereotype Gründe für eine angebliche 

Kundgebungsteilnahme beschränkt; angesichts des hohen Risikos und der 

möglichen Sanktionen bei einer derartigen Aktion, was allen Tibetern in 

China bekannt sei, könnten diese Aussagen nicht überzeugen. 

Diese Erwägungen sind zu bestätigen. Soweit in der Beschwerde erneut 

lediglich erklärt wird, Motivation für die Demonstrationsteilnahme sei die 

starke Emotion gewesen, die durch die Selbstverbrennungen ausgelöst 

worden sei (vgl. Beschwerde S. 7), und der Beschwerdeführer habe sei-

nem seit Jahren aufgestauten Ärger und der Machtlosigkeit Luft verschaf-

fen wollen (vgl. Beschwerde S. 8), erhalten diese Angaben dadurch nicht 

mehr Substanz. Vielmehr zeigen seine Aussagen in der Anhörung eine Na-

ivität, die für einen – damals – (…)Jährigen, der sich seinen Angaben ge-

mäss seit langem mit der Lektüre der tibetischen Geschichte beschäftigt 

habe (vgl. A29 F46), nicht glaubhaft sind. So soll der Beschwerdeführer 

gedacht haben, das Parolenschreiben könne ja nicht so schlimm sein (vgl. 

A29 F35); sie seien ja so viele gewesen, dass er darauf vertraut habe, man 

werde das nicht herausfinden, zumal er ja nicht der Anführer gewesen sei; 

er habe gedacht, das Problem werde sich innert weniger Tage von selber 

lösen (vgl. A29 F51). 

7.  

7.1 Nach dem Gesagten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon 

auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor seiner Ankunft in der Schweiz 

nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exil-tibetischen Diaspora 

gelebt hat. Namhafte exil-tibetische Gemeinschaften gibt es – nebst der 

Schweiz und Nordamerika – lediglich in Indien und Nepal. Es ist somit im 

Sinne einer Vermutung anzunehmen, dass der Beschwerdeführer in Indien 

oder Nepal aufgewachsen ist, respektive dort gelebt hat. Folglich wäre 

grundsätzlich zu prüfen, ob er über die chinesische Staatsangehörigkeit 

verfügt, was eine Prüfung der Drittstaatenregelung im Sinne von Art. 31a 

Abs. 1 AsylG mit sich bringen würde, oder ob er die indische oder nepale-

sische Staatsangehörigkeit erworben hat, was zur Folge hätte, dass das 

Vorliegen einer asylrelevanten Gefährdung hinsichtlich eines dieser Staa-

ten zu prüfen wäre. Das Gericht ist indes wie das SEM der Auffassung, 

dass der Beschwerdeführer seine Mitwirkungspflicht in nicht entschuldba-

rer Weise verletzt hat und dadurch den Behörden nähere Abklärungen – 

die Abklärungspflicht der Asylbehörden findet, wie bereits festgehalten, ihre 

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Grenze bei der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person – sowie eine 

Rückschaffung in seinen tatsächlichen Heimatstaat verunmöglicht. Der Be-

schwerdeführer hat die Folgen dieses Verhaltens zu tragen (vgl. BVGE 

2014/12 E. 5.10). 

7.2 Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass zwar davon auszu-

gehen ist, dass der Beschwerdeführer tibetischer Ethnie ist. Jedoch ent-

behren seine geltend gemachten Vorbringen hinsichtlich des Ortes seiner 

hauptsächlichen Sozialisation und seine Asylvorbringen insgesamt der 

Glaubhaftigkeit. Folglich ist es ihm nicht gelungen, für den Zeitpunkt seiner 

Ausreise eine asylrechtlich relevante Verfolgung, die er in seiner Heimat 

vor seiner Ausreise erlitten hat oder in begründeter Weise zukünftig be-

fürchten müsste, aufzuzeigen oder glaubhaft zu machen. Der Beschwer-

deführer vermag weder die Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt seiner Aus-

reise noch subjektive Nachfluchtgründe nachzuweisen oder zumindest 

glaubhaft zu machen. Das SEM hat somit zu Recht seine Flüchtlingseigen-

schaft verneint und sein Asylgesuch abgelehnt. 

8.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das Asylge-

such ablehnt oder darauf nicht eintritt. Der Beschwerdeführer verfügt we-

der über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen 

Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu 

Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, 

je m.w.H.).  

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

9.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll-

zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, die Untersuchungspflicht fin-

det aber, wie bereits vorstehend ausgeführt, ihre Grenzen an der Mitwir-

kungspflicht des Beschwerdeführers. Es ist nicht Sache der Behörden, bei 

fehlenden Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in 

hypothetischen Herkunftsländern zu forschen. Der Beschwerdeführer hat 

die Folgen seiner fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als seitens der 

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Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts ge-

gen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort, da er keine konkre-

ten, glaubhaften Hinweise geliefert hat, die gegen eine entsprechende 

Rückkehr sprechen würden.  

9.3 In Übereinstimmung mit der Dispositivziffer 5 der angefochtenen Ver-

fügung ist im Übrigen darauf hinzuweisen, dass für alle Exil-Tibeterinnen 

und -Tibeter ein Vollzug der Wegweisung nach China im Sinne von Art. 45 

Abs. 1 Bst. d AsylG ausgeschlossen wird, da ihnen dort gegebenenfalls 

Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen Sinn beziehungsweise eine men-

schenunwürdige Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht (BVGE 

2014/12 E. 5.11).  

9.4 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich die für eine Rückkehr allenfalls 

benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist.  

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüg-

lich überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuwei-

sen. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch mit 

Instruktionsverfügung vom 21. Januar 2020 das Gesuch um unentgeltliche 

Prozessführung gutgeheissen worden ist und der Beschwerdeführer ge-

mäss Aktenlage auch heute weiterhin bedürftig ist, sind keine Verfahrens-

kosten zu erheben. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Susanne Bolz 

 

 

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