# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** af074a34-4c4e-52a5-9442-288c3fb48efc
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Praxis des Kantonsgerichts 00.00.0000 PKG 2006 10
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_001_PKG-2006-10_0000-00-00.pdf

## Full Text

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10 – Beschwerde gegen Präsidialverfügungen (Art. 237 ZPO). 
Volle, auch die Prüfung der Angemessenheit umfassende 
Kognition des Gerichtsausschusses als Beschwerdein- 
stanz (Erw. 2)

– Beweisverfügung; Inhalt (Art. 96 ZPO). Bezeichnung der 
aufgrund einer summarischen Prüfung wesentlich und 
notwendig erscheinenden Beweise, um die Streitsache an der 
Hauptverhandlung ohne weitere Beweiserhebungen und 
damit ohne Unterbrechung erledigen zu können (Erw. 3).

Aus den Erwägungen:
1. Gemäss Art. 21 Abs. 1 ZPO kann jeder vermögensrechtliche, der 

Berufung an das Kantonsgericht unterliegende Fall im Einverständnis bei- 
der Parteien mit Übergehung der ersten Instanz an das Kantonsgericht 
prorogiert werden. Für die Prozessvorbereitung, insbesondere auch für die 
Anfechtung von Beweisverfügungen des Präsidenten, gelangen im Falle der 
Prorogation die Bestimmungen des erstinstanzlichen Verfahrens zur An- 
wendung. Gegen prozessleitende und vorsorgliche Präsidialverfügungen 
kann gemäss Art. 237 Abs. 1 ZPO innert 20 Tagen beim betreffenden Ge- 
richtsausschuss Beschwerde erhoben werden. Die Beschwerde wird durch 
Beiurteil erledigt (Art. 237 Abs. 4 ZPO). Gegenstand der vorliegenden Be- 
schwerde bildet die Beweisverfügung des Kantonsgerichtspräsidenten vom
28. November  2005. Diese  stellt  eine  prozessleitende Verfügung  im Sinne
von Art. 237 Abs. 1 ZPO dar, weshalb die Beschwerde an den Kantonsge- 
richtsausschuss zulässig ist. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Be- 
schwerde ist daher einzutreten.

2. Zunächst stellt sich die Frage, welche Kognitionsbefugnis dem 
Kantonsgerichtsausschuss bei der Prüfung der angefochtenen Beweisverfü- 
gung zukommt.

Dem vorliegend anwendbaren Art. 237 ZPO ist keine Beschränkung 
der Kognition zu entnehmen. Eine solche ist ausschliesslich in Art. 235 ZPO 
vorgesehen. Von der Systematik her findet diese Bestimmung jedoch nur bei 
der Beschwerde wegen Gesetzesverletzung Anwendung. Bei der Rechtsöff- 
nungsbeschwerde gilt sie sodann gemäss ausdrücklichem Verweis (Art. 236 
Abs. 3 ZPO) ebenfalls. Ein entsprechender Verweis fehlt demgegenüber 
beim hier anwendbaren Art. 237 ZPO. Eine unterschiedliche Behandlung 
der Beschwerde wegen Gesetzesverletzung und der Rechtsöffnungsbe- 
schwerde einerseits und der Beschwerde gegen Präsidialverfügungen ande- 
rerseits rechtfertigt sich von der Art des Rechtsmittels her durchaus. 
Während mit den beiden ersten der Entscheid einer unteren Gerichts-

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behörde an eine obere weitergezogen wird, führt letztere dazu, dass die Ent- 
scheide des als Präsidenten amtenden Mitglieds des Gerichts durch die übri- 
gen Mitglieder des gleichen Spruchkörpers überprüft werden. Ist eine Ko- 
gnitionsbeschränkung leicht verständlich, wenn ein höheres Gericht den 
Entscheid einer unteren Instanz zu überprüfen hat, so fällt es schwer, einen 
stichhaltigen Grund für eine Einschränkung der Kognition zu finden, wenn 
die gleiche Instanz in anderer Besetzung für den Rechtsmittelentscheid zu- 
ständig ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. September 1991, 
5P.124/1991 publiziert in ZGRG 4/91 S. 95 ff.). Auch von der Sache her lässt 
sich eine Kognitionsbeschränkung kaum begründen, da es bei der Prozess- 
leitung und bei vorsorglichen Massnahmen in der Regel um Ermessensfra- 
gen geht und das Rechtsmittel an praktischer Bedeutung verlieren würde, 
wenn der Gerichtsausschuss nur bei Missbrauch des Ermessens und offen- 
sichtlich falscher, das heisst willkürlicher Feststellung des Sachverhalts ein- 
schreiten könnte. Insofern erscheint die Möglichkeit, eine prozessleitende 
oder vorsorgliche Verfügung auch auf Unangemessenheit überprüfen zu 
können, als zweckmässig (vgl. Nay Zivilprozessordnung und Gerichtsverfas- 
sungsgesetz des Kantons Graubünden, Chur 1986, S. 146).

Nach dem Gesagten ergibt sich, dass eine Kognitionsbeschränkung,
soweit die Rechtsmittelinstanz auf gleicher Stufe steht wie die in erster In- 
stanz entscheidende Behörde, nur angenommen werden kann, wenn sich 
hierfür im Gesetzestext oder allenfalls in den Gesetzesmaterialien eine 
genügende Grundlage finden lässt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30. 
September 1991, 5P.124/1991 publiziert in ZGRG 4/91 S. 95 ff.; Peter Guyan, 
Beweisverfahren im ordentlichen Verfahren vor Bezirksgerichtsausschuss 
und Bezirksgericht, Dissertation 2000, S. 179). Für den vorliegenden Fall be- 
deutet dies, dass der zuständige Kantonsgerichtsausschuss die Beweisverfü- 
gung des Kantonsgerichtspräsidenten mit voller Kognition, mithin auch be- 
züglich Angemessenheit zu prüfen hat.

3.a) In der Beweisverfügung entscheidet der Gerichtspräsident dar- 
über, welche Beweiserhebungen er als notwendig erachtet, um die Streitsa- 
che an der Hauptverhandlung ohne Unterbruch erledigen zu können (Art. 
95 Abs. 1 ZPO). Dabei hat er darauf zu achten, dass nur die für die Urteils- 
fällung erheblichen Beweise abgenommen werden. Er besitzt die Befugnis 
zu verfügen, dass einzelne von den Parteien beantragte Beweisaufnahmen 
nicht erfolgen. Der Anwendungsbereich des Beweismittelbeschränkungs- 
rechts erstreckt sich dabei insbesondere darauf, der Überproduktion von 
Beweismitteln, zu der sich die Parteien wegen der Eventualmaxime veran- 
lasst sehen können, entgegenzusteuern (vgl. PKG 1973 Nr.4 E. 7.bb S. 29 f.). 
Die Auswahl der Beweismittel wird gemäss den Grundsätzen der Prozess- 
leitung, Gesetzmässigkeit, Zweckmässigkeit, rasche Erledigung des Verfah- 
rens und erschöpfende Verhandlung des Streitstoffes, getroffen (Guyan,

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a.a.O. S. 96). Um jedoch entscheiden zu können, ob ein beantragtes Beweis- 
mittel für die ununterbrochene Durchführung der Hauptverhandlung von 
Bedeutung ist oder nicht, kann der materielle Aspekt dieser prozessualen 
Vorfrage nicht gänzlich ausser Acht gelassen werden. Mit anderen Worten 
hat der Gerichtspräsident summarisch – das heisst, ohne eine eingehende 
materielle Beurteilung des Falles – zu prüfen, ob die bestrittene Tatsachen- 
darstellung bereits aufgrund der bislang erhobenen Beweismittel abschlies- 
send gewürdigt werden kann, oder ob es hierzu weiterer Abklärungen, ins- 
besondere in Form der beantragten Beweise bedarf, deren Erhebung bereits 
vor der Hauptverhandlung als zweckmässig erscheint. Mit dem Erlass der 
entsprechenden Beweisverfügung regelt er diese Frage jedoch nicht ab- 
schliessend. Vielmehr hat er gemäss Art. 96 Abs. 2 ZPO bis zum Abschluss 
der Prozessvorbereitung die Möglichkeit, auf seine Beweisverfügung 
zurückzukommen. Auch die Parteien selbst können an der Hauptverhand- 
lung vor erster Instanz von Gesetzes wegen auf ihre Beweisanträge zurück- 
kommen, selbst wenn sie eine Beschwerde gegen die Beweisverfügung un- 
terlassen haben. An der Hauptverhandlung entscheidet der in der Sache 
zuständige Spruchkörper über die Zulassung dieser Beweismittel nach einer 
umfassenden Prüfung der materiellen Relevanz.

b) Im Beschwerdeverfahren wird die Beweisverfügung darauf ge-
prüft, ob der Gerichtspräsident aufgrund einer summarischen Prüfung der 
Akten zum Ergebnis gelangen durfte, dass die Hauptverhandlung gestützt 
auf seine Beweisverfügung voraussichtlich ohne Unterbrechung durchge- 
führt werden kann. Anfechtungsgründe gegen eine Beweisverfügung liegen 
damit überwiegend im Ermessensbereich. Die Rechtsmittelinstanz setzt da- 
bei ihr Ermessen an die Stelle des Ermessens des Gerichtspräsidenten 
(Guyan, a.a.O., S. 180). Im konkreten Fall gilt es demnach zu prüfen, ob der 
Entscheid des Kantonsgerichtspräsidenten, auf die Einvernahme von G. als 
Zeugen zu verzichten, im Rahmen einer summarischen Prüfung nachvoll- 
ziehbar erscheint, das heisst, ob er auf die Abnahme des beantragten Be- 
weismittels in der Prozessvorbereitung verzichten durfte. Dies ist dann zu 
bejahen, wenn die bereits vorhandenen Beweismittel voraussichtlich eine 
hinreichende Grundlage für eine sachgerechte Beurteilung des Falles abge- 
ben, so dass die Hauptverhandlung ohne weitere Beweiserhebungen und da- 
mit ohne Unterbruch durchgeführt werden kann.
ZB 05 61 Urteil vom 18. Januar 2006

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