# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 23b52689-2528-51bb-a713-3f1d6eb448b0
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-07
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 07.03.2024 VG.2021.00023 (VG.2024.1336)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2021-00023_2024-03-07.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 7. März 2024

  
	
   

  
	
   

  
	
  II. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  Besetzung:
  Gerichtspräsident MLaw Colin Braun, Verwaltungsrichterin Olivia
  Lattmann, Verwaltungsrichter Fritz Jnglin und Gerichtsschreiberin MLaw Paula
  Brändli

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2021.00023

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch lic.
    iur. Bettina Umhang, Rechtsanwältin

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    ÖKK Kranken- und Unfallversicherungen AG

    	
    Beschwerdegegnerin 1

    
	
     

    	
     

    

  

  
	
  	
    vertreten durch Dr.
    iur. Martin Schmid, Rechtsanwalt

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  UVG-Leistungen

  
	
   

  
	
   

  
	
  vereinigt mit

   

   

  
	
  VG.2022.00002

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Prof.
    Dr. Hardy Landolt, Rechtsanwalt

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    IV-Stelle Glarus

    	
    Beschwerdegegnerin 2

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Hilfsmittel

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung:

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  1.1 A.______, geboren am […], arbeitete als
  Assistenzärztin im Spital B.______ und war in dieser Eigenschaft bei der ÖKK
  Kranken- und Unfallversicherungen AG (nachfolgend: ÖKK
  bzw. Beschwerdegegnerin 1) gegen die Folgen von Berufs- und
  Nichtberufsunfällen versichert. Am 17. Dezember 2010 erlitt sie einen
  Unfall, bei welchem sie auf der Strasse ausrutschte. In der Folge kam es zu
  mindestens einem weiteren Unfall, wobei die ÖKK die Kosten der
  Heilbehandlungen übernahm und A.______ Taggelder zusprach.

  
	
   

  
	
  1.2 Die ÖKK stellte die Taggeldleistungen von A.______
  am 30. August 2016 per 30. November 2016 ein und teilte ihr
  gleichzeitig mit, dass die Heilungskosten weiterhin übernommen würden.
  Nachdem Letztere dagegen Einsprache erhoben hatte, holte die ÖKK bei der
  Academy of Swiss Insurance Medicine (asim) ein polydisziplinäres Gutachten
  ein, welches am 31. Dezember 2018 (nachfolgend: asim-Gutachten)
  erstattet wurde. In der Folge hiess die ÖKK die Einsprache am 10. Januar
  2020 teilweise gut. Eine von A.______ am 6. Februar 2020 dagegen erhobene
  Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht am 11. Juni 2020 ebenfalls teilweise
  gut, soweit es die Sache nicht als durch Vergleich erledigt abschrieb
  (Verfahren VG.2020.00013).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 A.______ beantragte bei der IV-Stelle Glarus am
  1. November 2017 sodann die Kostenübernahme für ein
  Elektrozuggerät für ihren Rollstuhl (Swiss-Trac Typ SWT-1S). Darüber hinaus
  ersuchte sie ihre obligatorische Krankenpflegeversicherung, die Krankenversicherung AG
  (nachfolgend: SWICA), am 6. September 2018, dass sie die
  diesbezüglichen Kosten als Vorleistung zur obligatorischen Unfallversicherung
  übernehme. Sowohl die SWICA als auch die IV-Stelle wiesen die bei ihnen
  gestellten Leistungsbegehren in der Folge ab. Die von A.______ gegen die
  Verfügung der IV-Stelle vom 24. Januar 2019 eingereichte Beschwerde wies
  das Verwaltungsgericht am 13. Juni 2019 ab, soweit es darauf eintrat
  (Verfahren VG.2019.00021). Gleichentags wies es die gegen die Verfügung der
  SWICA vom 17. März 2019 erhobene Beschwerde ab, soweit es darauf eintrat
  (Verfahren VG.2019.00029). Gegen die beiden Urteile des Verwaltungsgerichts
  vom 13. Juni 2019 erhob A.______ Beschwerden in öffentlich-rechtlichen
  Angelegenheiten beim Bundesgericht. Letzteres wies die IV-Stelle am
  11. Mai 2020 an, eine Vorleistungspflicht zur obligatorischen
  Unfallversicherung für den Swiss-Trac Typ SWT-1S zu prüfen. Im Übrigen
  wies es die Beschwerden ab (BGer-Urteil 9C_529/2019 und 9C_530/2019 vom
  11. Mai 2020).

  
	
   

  
	
  2.2 In Umsetzung der bundesgerichtlichen Vorgaben
  teilte die IV-Stelle A.______ am 2. Juli
  2020 mit, dass sie die Kosten für den Swiss-Trac Typ SWT-1S vorläufig übernehme. In der Folge überwies
  sie die Sache zuständigkeitshalber an die ÖKK, welche ihrerseits eine
  Kostengutsprache für das anbegehrte Zuggerät am 3. Dezember 2020 abwies
  und die von A.______ dagegen erhobene Einsprache am 17. Februar 2021
  abschlägig beantwortete. Hiergegen gelangte
  A.______ mit Beschwerde vom 18. März 2021 ans Verwaltungsgericht und
  beantragte dessen Aufhebung (Verfahren VG.2021.00023). Die ÖKK sei zu
  verpflichten, die Kosten für eine Rollstuhlversorgung sowie für einen
  Swiss-Trac SWT-1S zu übernehmen. Eventualiter sei die Sache zur ergänzenden
  medizinischen Abklärung an die ÖKK zurückzuweisen. Sodann sei ihr für das
  Einspracheverfahren eine Parteientschädigung zuzusprechen; unter Kosten- und
  Entschädigungsfolgen zu Lasten der ÖKK. Die ÖKK schloss am 4. Mai 2021
  auf Abweisung der Beschwerde; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu
  Lasten von A.______. Am 12. Juli 2021 reichte die ÖKK mehrere Akten
  ein, woraufhin A.______ am 12. November 2021 Stellung nahm. Am 5. Januar
  2022 hielt die ÖKK an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest.

  
	
   

  
	
  2.3 Zur Klärung des
  invalidenversicherungsrechtlichen Leistungsanspruchs von A.______ gab die
  IV-Stelle bei der Ärztlichen Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) ein
  polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, welches am 9. Mai 2021 erstattet
  wurde (nachfolgend: ABI-Gutachten). Nachdem
  die IV-Stelle die definitive Kostengutsprache für die anbegehrte
  Hilfsmittelversorgung am 2. Dezember 2021 abgelehnt hatte, gelangte A.______ mit Beschwerde vom
  16. Januar 2022 abermals ans Verwaltungsgericht und beantragte die
  Aufhebung dieser Verfügung (Verfahren VG.2022.00002). Eventualiter sei
  die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen an die IV-Stelle zurückzuweisen;
  unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der IV-Stelle. In
  prozessualer Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen
  Prozessführung sowie der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Darüber hinaus
  beantragte sie eine Vereinigung mit dem beim Verwaltungsgericht ebenfalls
  anhängigen unfallversicherungsrechtlichen Verfahren (VG.2021.00023). Die IV-Stelle schloss am 16. Februar 2022
  auf Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Am 11. Juli 2022 vereinigte das Verwaltungsgericht
  die bei ihm anhängigen Verfahren VG.2021.00023 sowie VG.2022.00002 und führte
  am 8. September 2022 eine Referentenaudienz durch, wobei die
  Einholung eines Obergutachtens in Aussicht gestellt wurde. Gleichentags wurde
  den Parteien Frist angesetzt, um zum geplanten Fragekatalog Stellung zu
  nehmen. In der Folge reichte die ÖKK am
  14. September 2022 eine Ergänzungsfrage ein. Am 19. September
  2022 äusserte sich die IV-Stelle dahingehend, dass sie weder ein
  Gerichtsgutachten noch eine Ausweitung des Fragekatalogs für notwendig
  erachte. A.______ nahm am 19. September 2022 sowie am 21. September
  2022 Stellung und reichte mehrere Ergänzungsfragen ein. Am 29. September
  2022 legte sie überdies ein Schreiben der IV-Stelle vom 26. September
  2022 ins Recht und beantragte sinngemäss, die IV-Stelle für deren Verhalten
  bzw. deren Aussagen während der Referentenaudienz mit einer Ordnungsbusse
  zu belegen. Schliesslich reichte sie am 6. Oktober 2022 die
  vollständigen sowie nach Datum assortierten medizinischen Akten ein und
  ersuchte das Gericht, den geplanten Gutachtenspersonen weitere Dokumente für
  die Begutachtung vorzulegen.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  Am
  21. Oktober 2022 gab das Verwaltungsgericht bei der MEDAS Zürich GmbH
  (nachfolgend: MEDAS) ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag, welches am
  24. Oktober 2023 erstattet wurde (nachfolgend: Obergutachten
  bzw. Gerichtsgutachten). In der Folge anerkannte die ÖKK am
  17. Januar 2024 ihre Leistungspflicht für die Rollstuhlversorgung und
  das Zuggerät; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. A.______ beantragte am
  17. bzw. 18. Januar 2024 die Gutheissung der Beschwerden. Die IV-Stelle
  hielt am 18. Januar 2024 an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest.
  Überdies ersuchte sie um eine Kürzung der Gutachtenskosten der MEDAS um
  Fr. 24'000.- sowie um Durchführung eines weiteren Schriftenwechsels.

  
	
   

  
	
  II.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 1 Abs. 1 des
  Bundesgesetzes über die Unfallversicherung vom 20. März 1981 (UVG) i.V.m.
  Art. 56 ff. des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
  Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) i.V.m. Art. 1
  des Einführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die Unfallversicherung vom
  3. Mai 2009 (EG UVG) und Art. 69 Abs. 1 lit. a des
  Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni 1959 (IVG)
  zur Behandlung der vorliegenden Beschwerden zuständig. Da auch die übrigen
  Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerden einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Dem Antrag der Beschwerdeführerin auf eine mündliche Verhandlung
  wurde mit der durchgeführten Referentenaudienz hinreichend Genüge getan. Dies
  gilt umso mehr, als dass dieser Antrag im Nachgang derselben nicht erneuert
  wurde.

  
	
   

  
	
  1.3 Die Beschwerdegegnerin 2 beantragte einen
  weiteren Schriftenwechsel sowie Rückfragen an die MEDAS-Gutachter betreffend
  die Kosten des Obergutachtens. Letztere können indessen direkt durch das
  Verwaltungsgericht beurteilt werden (vgl. untenstehende E. III/3),
  weshalb nicht zuletzt mit Blick auf die bereits sehr lange Verfahrensdauer
  auf weitere (allenfalls kostenpflichtige) Abklärungen zu verzichten ist. Da
  sich die Parteien überdies bereits mehrfach (unter anderem im Rahmen der
  Referentenaudienz) Stellung nehmen konnten, ist schliesslich auf einen
  weiteren Schriftenwechsel zu verzichten. Überdies ist darauf hinzuweisen,
  dass der Beschwerdegegnerin 2 nach Abschluss des Schriftenwechsels eine
  weitere Eingabe ohne Weiteres möglich gewesen wäre, worauf sie denn auch
  hingewiesen wurde.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt
  gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG voraus, dass zwischen dem Unfallereignis
  und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht.
  Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände,
  ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder
  nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten
  gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung
  des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die
  alleinige und unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist. Es genügt,
  dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die
  körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt
  hat, der Unfall mit anderen Worten nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass
  auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem
  schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
  Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im
  Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach
  dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
  Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines
  Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs nicht
  (BGE 129 V 177 E. 3.1, 117 V 359 E. 4a, je
  mit Hinweisen). Entscheidend ist dabei die Würdigung der in den Akten
  liegenden medizinischen Berichte, wobei das
  Gericht bei der Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht ohne
  zwingenden Grund von der Einschätzung der medizinischen Experten abweicht
  (BGE 118 V 286 E. 1b).

  
	
   

  
	
  2.2 Die Leistungspflicht der Unfallversicherung setzt im
  Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfall und der dadurch verursachten
  Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit ein adäquater Kausalzusammenhang
  besteht. Ein Ereignis hat dann als adäquate Ursache eines Erfolgs zu gelten,
  wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen
  Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des
  eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das
  Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 117 V 359
  E. 5a, mit Hinweisen). Die Adäquanz spielt im Bereich organisch objektiv
  ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate
  weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt. Als objektivierbar gelten
  Untersuchungsergebnisse, die reproduzierbar und von der Person des
  Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Von organisch
  objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen kann erst dann gesprochen werden, wenn
  die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt
  werden (BGE 138 V 248 E. 5.1, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  2.3

  
	
  2.3.1
  Der Anspruch auf ein bestimmtes
  Hilfsmittel gegenüber der Unfallversicherung besteht, soweit es durch Unfall
  oder Berufskrankheit bedingte körperliche Schädigungen oder Funktionsausfälle
  ausgleicht (Art. 11 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 der Verordnung über die Abgabe von
  Hilfsmitteln durch die Unfallversicherung vom 18. Oktober 1984 [HVUV]). Entsprechend hat eine gehunfähige versicherte
  Person Anspruch auf ein Zuggerät für den Rollstuhl, wenn sie, nebst den
  allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen für Leistungen der Unfallversicherung
  gemäss Art. 6 UVG, infolge von Lähmungen oder anderen Gebrechen der
  oberen Extremitäten einen gewöhnlichen Fahrstuhl nicht bedienen und sich nur
  dank elektromotorischem Antrieb selbständig fortbewegen kann (Ziff. 9.02
  Anhang HVUV; Martina Filippo,
  in Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Basler
  Kommentar zum Unfallversicherungsgesetz, 2020, Art. 11 N. 4).

  
	
   

  
	
  2.3.2 Der
  Bundesrat erstellt die Liste der Hilfsmittel. Der Anspruch erstreckt sich auf
  die notwendigen und dem Gesundheitsschaden angepassten Hilfsmittel in
  einfacher und zweckmässiger Ausführung, das erforderliche Zubehör und die
  Anpassungen, die wegen des Gesundheitsschadens nötig sind. Ausstattungen und
  Anzahl der Hilfsmittel müssen den Anforderungen des privaten sowie des
  beruflichen Lebens entsprechen (Art. 1 Abs. 2 HVUV). Die Kriterien
  der Einfachheit und Zweckmässigkeit, die das Verhältnismässigkeitsprinzip
  konkretisieren, setzen zum einen voraus, dass die fragliche Leistung geeignet
  ist, den gesetzlichen Zweck zu erreichen, und dass diese dazu notwendig und
  erforderlich erscheint. Zum anderen verlangen sie, dass zwischen den Kosten
  des Hilfsmittels und seinem Nutzen ein vernünftiges Verhältnis besteht, wobei
  sämtliche tatsächlichen und rechtlichen Umstände des Einzelfalles zu
  berücksichtigen sind (BGE 141 V 30 E. 3.2.1; BGer-Urteil
  8C_279/2014 vom 10. Juli 2015 E. 7.1, mit Hinweisen; Martina
  Filippo, in Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.],
  Basler Kommentar, Unfallversicherungsgesetz, 2020, Art. 11 N. 4).

  
	
   

  
	
  2.4 In
  invalidenversicherungsrechtlicher Hinsicht besteht Anspruch auf ein
  Hilfsmittel in einfacher, zweckmässiger und wirtschaftlicher Ausführung.
  Durch eine andere Ausführung bedingte zusätzliche Kosten hat der Versicherte
  selbst zu tragen (Art. 2 Abs. 3 HVI). Entsprechend hat eine
  gehunfähige versicherte Person Anspruch auf ein Zuggerät für den Rollstuhl,
  wenn sie infolge von Lähmungen oder anderen Gebrechen der oberen Extremitäten
  einen gewöhnlichen Fahrstuhl nicht bedienen und sich nur dank
  elektromotorischem Antrieb selbständig fortbewegen kann (Ziff. 9.02
  Anhang HVI).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  Nach dem für das gesamte
  Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren geltenden Grundsatz
  der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
  Sozialversicherungsrichter die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
  Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
  Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel,
  unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu
  entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung
  des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander
  widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne
  das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf
  die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich
  des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach entscheidend, ob der Bericht
  für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
  beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
  (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
  und Situation der versicherten Person einleuchtet und ob die
  Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
  grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
  eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
  Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a). Dennoch hat es die
  Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar
  erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten
  Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. Hinsichtlich
  Gerichtsgutachten gilt, dass das Gericht nicht ohne zwingende Gründe von der
  Einschätzung der medizinischen Expertinnen und Experten abzuweichen hat,
  zumal es deren Aufgabe ist, ihre Kenntnisse in den Dienst der Gerichtsbarkeit
  zu stellen (BGE 143 V 269 E. 6.2.3.2, 135 V 465
  E. 4.4, 122 V 157 E. 1c, je mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Das Verwaltungsgericht zog mit Zwischenentscheid vom
  21. Oktober 2022 bereits in Betracht, dass der medizinische Sachverhalt nicht hinreichend
  erstellt sei. Insbesondere könnten Fragen im Zusammenhang mit den
  vorliegenden Diagnosen sowie deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit, der
  Unfallkausalität, der Behandlungsbedürftigkeit bzw. dem Endzustand sowie der
  Rollstuhlangewiesenheit anhand der im Recht liegenden Akten, insbesondere
  gestützt auf die Gutachten der asim und der ABI, nicht mit überwiegender
  Wahrscheinlichkeit beantwortet werden. Es sei zur Beantwortung dieser Fragen
  ein polydisziplinäres Gutachten erforderlich, womit die MEDAS zu beauftragen
  sei. Letztere erstattete das Gutachten am 24. Oktober 2023, nachdem der
  Zwischenentscheid des Verwaltungsgerichts über die Einholung eines
  Obergutachtens in Rechtskraft erwachsen war.

  
	
   

  
	
  4.2 Dr. med. C.______, Facharzt FMH für
  Rheumatologie und Innere Medizin, hielt im Obergutachten aus
  rheumatologischer Sicht fest, aufgrund erheblicher und unfallbedingter
  sekundärer manifester trikompartimentäre Gonarthrose und Arthrofibrose rechts
  liege eine klare Indikation für einen Rollstuhl ausser Haus vor. Zusätzlich
  bestehe eine Impingementsymptomatik der linken Schulter mit bildgebend
  nachgewiesener transmuraler Rotatorenmanschettenruptur sowie eingeengtem
  Subakromialraum infolge Humeruskopfhochstand und zusätzlicher akromialer
  Spornbildung und Begleitbursitis sowie Akromioklavikulargelenksarthrose und
  eine Epikondylopathie, weshalb eine Antriebshilfe für den Rollstuhl benötigt
  werde. Der Stockgebrauch und die Rollstuhlbedürftigkeit würden mit dem
  Knieunfall zusammenhängen und die chronischen Schulter- und
  Ellbogenbeschwerden seien sekundäre Folgen bzw. Spätfolgen des Unfalls
  im Jahr 2010. Ohne den repetitiven täglichen Stockgebrauch und
  Rollstuhltransfer wäre die vorliegende Schulter- und Ellbogensymptomatik
  überwiegend wahrscheinlich nicht in diesem Ausmass vorhanden (Obergutachten
  S. 113 f.). Dr. med. D.______, Facharzt FMH für
  Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, gelangte im
  orthopädischen Teilgutachten zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin für Gehstrecken
  ab 50 Metern auf einen Rollstuhl angewiesen sei. Aufgrund
  Schulterbeschwerden in Form einer eingeschränkten Belastbarkeit des linken
  Schultergelenks bei bildgebend dokumentierter Ruptur der Rotatorenmanschette
  benötige die Beschwerdeführerin ein elektromotorisches Zuggerät
  (Obergutachten S. 151).

  
	
   

  
	
  4.3 Von der Einschätzung
  der MEDAS ist nach dem oben Dargelegten (vgl. E. II/3) nicht ohne
  zwingende Gründe abzuweichen. Solche sind vorliegend nicht ersichtlich. Die
  Gutachter legen ausführlich und nachvollziehbar dar, dass die
  Beschwerdeführerin auf einen Rollstuhl und ein elektromotorisches Zuggerät
  angewiesen ist und die zu Grunde liegenden Diagnosen mit überwiegender
  Wahrscheinlichkeit unfallbedingt sind. Sie setzten sich mit den davon
  abweichenden Meinungen auseinander und beantworteten die vom
  Verwaltungsgericht gestellten Fragen schlüssig. Die Parteien bringen gegen
  das Gutachten in Bezug auf die Hilfsmittelthematik nichts Anderes vor, wobei
  die Beschwerdegegnerin 1 denn auch ausdrücklich ihre diesbezügliche Leistungspflicht
  anerkennt. Im Ergebnis sind damit keine Indizien ersichtlich, welche in Bezug
  auf die Hilfsmittelthematik ein Abweichen vom Gutachten der MEDAS
  rechtfertigen würden.

  
	
   

  
	
  4.4 Im Ergebnis hat die
  Beschwerdeführerin Anspruch auf die beantragten Hilfsmittel, wobei aufgrund
  der im Obergutachten erstellten Unfallkausalität die
  Beschwerdegegnerin 1 hierfür leistungspflichtig ist. Die Beschwerde
  gegenüber der Beschwerdegegnerin 1 ist dementsprechend gutzuheissen. Der
  Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin 1 vom 17. Februar 2021
  ist aufzuheben und Letztere ist anzuweisen, die Kosten der Beschwerdeführerin
  für die beantragten Hilfsmittel zu übernehmen. Da die
  Beschwerdegegnerin 1 leistungspflichtig ist, erübrigt sich die
  Beurteilung der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin 2. Daraus folgt,
  dass die gegen sie gerichtete Beschwerde abzuweisen ist.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  1.1
  Die Gerichtskosten im Verfahren
  VG.2021.00023 sind von Gesetzes wegen auf die Staatskasse zu nehmen
  (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m.
  Art. 61 lit. fbis ATSG e contrario).

  
	
   

  
	
  1.2

  
	
  1.2.1 Die
  Beschwerdeführerin beantragt eine Parteientschädigung für das
  Einspracheverfahren bei der Beschwerdegegnerin 1. Hierbei ist zunächst
  darauf hinzuweisen, dass im Einspracheverfahren in der Regel keine
  Parteientschädigungen ausgerichtet werden (Art. 52 Abs. 3 ATSG). Davon ist
  abzuweichen, wenn die Beschwerde führende Partei im Falle des Unterliegens
  die unentgeltliche Rechtsverbeiständung hätte beanspruchen können (BGE 140 V
  116 E. 3.3; BGer-Urteil 9C_877/2017 vom 28. Mai 2018
  E. 8.1.1), oder aber wenn eine sachkundige Rechtsvertretung im
  Einspracheverfahren erforderlich war, wobei an die Notwendigkeit einer
  anwaltlichen Vertretung hohe Anforderungen zu stellen sind (BGer-Urteil
  9C_485/2016 vom 21. März 2017 E. 4, 9C_740/2016 vom 31. Januar
  2017 E. 3.1).

  
	
   

  
	
  1.2.2 Vorliegend ist
  vom Grundsatz gemäss Art. 52 Abs. 3 ATSG abzuweichen. Die
  Voraussetzungen von Art. 37 Abs. 4 ATSG erscheinen im vorliegenden
  Fall erfüllt (vgl. BGE 132 V 200 E. 4.1, mit
  Hinweisen). Einerseits hat die Beschwerdeführerin als bedürftig zu gelten,
  andererseits kann ihr Rechtsmittel wegen des Obsiegens nicht als aussichtslos
  bezeichnet werden (vgl. auch untenstehende E. III/2 sowie VGer-Urteil
  VG.2019.00021 vom 19. Juni 2021 E. III/1.2). Darüber hinaus erweist
  sich das Verfahren als überdurchschnittlich komplex, was sich insbesondere in
  der Notwendigkeit zur Einholung eines Gerichtsgutachtens zeigt.
  Dementsprechend hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
  Parteientschädigung für das Einspracheverfahren, welche pauschal auf
  Fr. 2'000.- (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und
  ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin 1 aufzuerlegen ist.

  
	
   

  
	
  1.3

  
	
  1.3.1 Da die Beschwerdeführerin im Verfahren
  VG.2021.00023 als obsiegend zu gelten hat, hat sie sodann auch hierfür
  Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin 1
  (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG). Deren
  Höhe wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den
  Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache sowie der Schwierigkeit des
  Prozesses bemessen. Bei der Bemessung der Parteientschädigung ist dem
  Einzelfall gerecht zu werden. Der (tatsächliche und notwendige) zeitliche
  Aufwand der Rechtsvertretung wird zwar nicht ausdrücklich als Bemessungskriterium
  aufgeführt, ist aber ebenfalls mitzuberücksichtigen, soweit er, was
  regelmässig der Fall ist, von der Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt
  wird. Im Übrigen ist die Bemessung der Parteientschädigung für das
  erstinstanzliche Beschwerdeverfahren in Sozialversicherungsangelegenheiten
  dem kantonalen Recht überlassen (Art. 61 Ingress ATSG; BGer-Urteil
  9C_787/2014 vom 7. Juli 2015 E. 4; vgl. zum Ganzen VGer-Urteil
  VG.2019.00766 vom 14. März 2019 E. III/2.1).

  
	
   

  
	
  1.3.2
  Nach welchen Kriterien die
  Parteientschädigung zuzusprechen ist, regelt das anwendbare kantonale
  Verwaltungsprozessrecht nicht. In der Regel dürfte es naheliegen, sinngemäss
  die Regeln über die Bemessung der Spruchgebühren heranzuziehen. Gemäss
  § 7 Abs. 2 der Verordnung über amtliche Kosten im Verwaltungsverfahren
  und in der Verwaltungsrechtspflege vom 24. Juni 1987 (KoV) bemessen sich
  diese nach dem Arbeits- und Zeitaufwand der entscheidenden Behörde (für die
  Parteientschädigung ist der Arbeits- und Zeitaufwand des Rechtsvertreters
  massgebend), der Bedeutung und Schwierigkeit der Sache sowie nach den für die
  Parteien auf dem Spiel stehenden Vermögens- oder sonstigen Interessen an der
  Angelegenheit. Dies entspricht den Vorgaben von Art. 61 lit. g ATSG (vgl. zum
  Ganzen VGer-Urteil VG.2019.00766 vom 14. März 2019 E. III/2.1, mit
  Hinweisen).

  
	
   

  
	
  1.3.3 Reicht
  eine Rechtsvertreterin eine Honorarnote ein, folgt aus dem Anspruch auf
  rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV, dass die Behörde
  verpflichtet ist, zu begründen, weshalb sie die Höhe der zugesprochenen
  Parteientschädigung als angemessen erachtet. Mit anderen Worten darf sie sich
  in einem derartigen Fall nicht damit begnügen, ohne nähere Begründung eine
  "angemessene Parteientschädigung" zuzusprechen. Im Gegensatz zur
  Bemessung der Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistands müssen aber
  weder der Zeitaufwand noch der Stundenansatz genau beziffert werden, sondern
  es genügt, wenn die Parteientschädigung unter Berücksichtigung der
  dargelegten Kriterien in pflichtgemässer Ermessensausübung festgesetzt wird (vgl. zum Ganzen VGer-Urteil VG.2019.00766 vom
  14. März 2019 E. III/2.1, mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  1.3.4
  Die Vertreterin der
  Beschwerdeführerin reichte eine Honorarnote über Fr. 32'624.90 ein,
  welche sich trotz des aufwändigen und komplexen Verfahrens als zu hoch
  angesetzt präsentiert. Dies einerseits aufgrund der Tatsache, dass die
  aufgeführten Aufwendungen nicht nur das Verfahren VG.2021.00023, sondern auch
  das Verfahren VG.2022.00035 betreffen, was insbesondere auf die Kosten für
  die Korrespondenz mit dem Verwaltungsgericht betreffend Obergutachten, die
  Referentenaudienz und die Gutachtensprüfung zutrifft. Der geltend gemachte
  Aufwand von 98 Stunden ist entsprechend zu kürzen bzw. ein Anteil davon
  entfällt auf das Verfahren VG.2022.00035. Andererseits ergeben sich aus der
  eingereichten Honorarnote diverse Aufwendungen, welche mangels weiterer
  Belege nicht nachvollziehbar erscheinen und dementsprechend nicht zu vergüten
  sind, was beispielsweise auf Telefonate und Korrespondenz mit nicht genannten
  Personen (X, R, S) zutrifft. Schliesslich gilt zu berücksichtigen, dass die
  Beschwerdeführerin bereits im Einspracheverfahren durch dieselbe Person
  vertreten wurde, wofür bereits eine Entschädigung von Fr. 2'000.-
  zugesprochen wurde. Im Übrigen gilt im Kanton Glarus praxisgemäss ein
  Stundenansatz in der Höhe von Fr. 240.- und nicht wie von der
  Beschwerdeführerin beantragt Fr. 300.- (VGer-Urteil VG.2017.00010 vom
  7. Februar 2019 E. III/2.2), was sich ebenfalls reduzierend
  auswirkt. Im Ergebnis und mit Blick auf das soeben Dargelegte ist die
  Beschwerdegegnerin 1 zu verpflichten, der Beschwerdeführerin für das
  Verfahren VG.2021.00023 eine angemessene Parteientschädigung in der Höhe von
  Fr. 8'000.- (inkl. Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Betreffend das invalidenversicherungsrechtliche
  Verfahren (VG.2022.00002) hat die Partei, welche im Beschwerdeverfahren
  unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen (Art. 134 Abs. 1
  lit. c VRG i.V.m. Art. 69 Abs. 1bis IVG). Da die
  Beschwerdeführerin in diesem Verfahren als unterliegend zu gelten hat, sind
  die Gerichtskosten von pauschal Fr. 600.- somit ihr aufzuerlegen. Auf
  deren Erhebung ist indessen zufolge Gewährung der unentgeltlichen
  Prozessführung einstweilen zu verzichten (vgl. nachfolgende
  E. III/2.2). Ausgangsgemäss ist ihr schliesslich keine
  Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m.
  Art. 61 lit. g ATSG e contrario).

  
	
   

  
	
  2.2

  
	
  2.2.1 Die Beschwerdeführerin beantragte im
  invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren (VG.2022.00002) die Gewährung der
  unentgeltlichen Prozessführung. Gemäss Art. 139 Abs. 1 des
  Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG) befreit die Behörde eine Partei, der die Mittel
  fehlen, um neben dem Lebensunterhalt für sich und ihre Familie die
  Verfahrenskosten aufzubringen, auf Gesuch hin ganz oder teilweise von der
  Kosten- und Vorschusspflicht, sofern das Verfahren nicht aussichtslos ist.
  Unter denselben Voraussetzungen weist sie der Partei auf Gesuch hin oder von
  Amtes wegen einen Anwalt als Rechtsbeistand zu, sofern ein solcher für die
  gehörige Interessenwahrung erforderlich ist (Art. 139 Abs. 2 VRG).
  Der Nachweis der Bedürftigkeit obliegt nach Art. 139 Abs. 3 VRG der
  gesuchstellenden Partei.

  
	
   

  
	
  2.2.2 Die Mittellosigkeit der Beschwerdeführerin
  erscheint aufgrund der Aktenlage als gegeben (vgl. auch VGer-Urteil
  VG.2019.00021 vom 13. Juni 2019 E. III/1.2). Zudem kann das
  vorliegende Verfahren nicht als aussichtslos bezeichnet werden, zumal für die
  Klärung des Leistungsanspruchs die Einholung eines Obergutachtens notwendig
  war. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ist deshalb gutzuheissen. Da
  die Beschwerdeführerin auf eine rechtliche Vertretung angewiesen war, ist
  auch das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung gutzuheissen und ihr
  ist in der Person von Rechtsanwalt Prof. Dr. Hardy
  Landolt ein unentgeltlicher
  Rechtsbeistand zu bestellen. Dieser ist mit Fr. 4'000.- (inkl. Auslagen
  und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

  
	
   

  
	
  2.2.3 Die Beschwerdeführerin ist darauf hinzuweisen, dass
  eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt worden ist, für
  den Fall, dass sie später in günstige wirtschaftliche Verhältnisse gelangt,
  zur Nachzahlung der Verfahrenskosten verpflichtet werden kann
  (Art. 139a VRG).

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Gemäss Art. 45 Abs. 1 ATSG übernimmt der
  Versicherungsträger die Kosten der Abklärung, soweit er die Massnahmen
  angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeordnet, so übernimmt er deren
  Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs
  unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen
  bilden. Diese Bestimmung bezüglich Übernahme von Abklärungskosten gilt nicht
  nur im Verwaltungsverfahren. Vielmehr bildet Art. 45 Abs. 1 ATSG
  auch eine genügende gesetzliche Grundlage dafür, dem Versicherungsträger die
  Kosten eines Gerichtsgutachtens aufzuerlegen (BGE 143 V 269
  E. 6.2.1). Dies gilt jedenfalls dann, wenn ein manifester Widerspruch
  zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten ärztlichen Auffassungen
  besteht, ohne dass die Verwaltung diesen durch objektiv begründete Argumente
  entkräftet hat, oder wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen
  Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise
  abgestellt hat, welche die Anforderungen an eine medizinische
  Beurteilungsgrundlage nicht erfüllt (BGE 140 V 70 E. 6.1;
  BGer-Urteil 8C_64/2019 vom 27. November 2019 E. 8.1).

  
	
   

  
	
  3.2 Das Gutachten der MEDAS wurde unter anderem deshalb
  notwendig, weil die Beschwerdegegnerinnen die Hilfsmittelangewiesenheit sowie
  die Unfallkausalität ungenügend abgeklärt hatten (vgl. Verfügung des
  Verwaltungsgerichts VG.2021.00023 und VG.2022.00002 vom 21. Oktober 2022
  E. 2.3.1). Den Parteien wurde mit dem Zwischenentscheid über die
  Einholung eines Obergutachtens und anhand der darin festgelegten Fragen an
  die MEDAS unmissverständlich aufgezeigt, dass ein Gerichtsgutachten zur
  Klärung aller vier anhängigen Verfahren (VG.2021.00023 und VG.2022.00002,
  VG.2022.00035, VG.2022.00044) notwendig ist und voraussichtlich hierauf
  abgestellt werden wird. Da der Zwischenentscheid unangefochten in Rechtskraft
  erwachsen ist, sind die Einwände der Beschwerdegegnerin 2 betreffend die
  Erfüllung ihrer Abklärungspflicht nicht mehr zu hören. Die Erkenntnisse aus
  dem Gerichtsgutachten führen denn auch zur Gutheissung der Beschwerde im
  Verfahren VG.2021.00023. Überdies wird selbst von den MEDAS-Gutachtern
  nachvollziehbar und schlüssig dargelegt, dass den im Recht liegenden
  Gutachten der ABI und der asim nicht gefolgt werden könne, was die
  ungenügende Abklärung der Beschwerdegegnerinnen zusätzlich untermauert.
  Daraus folgt, dass die Kosten für das Gutachten der MEDAS auf die vier
  Verfahren (VG.2021.00023 und VG.2022.00002, VG.2022.00035, VG.2022.00044)
  aufzuteilen, und aufgrund der bereits festgestellten ungenügenden Abklärungen
  hälftig auf die Beschwerdegegnerinnen aufzuteilen sind.

  
	
   

  
	
  3.3 Die Beschwerdegegnerin 2 macht geltend, die Kosten
  des Gerichtsgutachtens seien überhöht. Sie beantragt die Streichung einzelner
  Posten, wobei sie sich an den vom Bundesamt für Sozialversicherung (BSV)
  hierzu festgelegten Tarifen orientiert. Hierzu ist zunächst festzuhalten,
  dass in der Konstellation eines durch ein kantonales Versicherungsgericht
  angeordneten Gutachtens keine Bindung an ebendiese Tarife besteht
  (BGE 143 V 269 E. 7.2). Sie können zwar als Richtschnur
  dienen. Dies jedoch lediglich, sofern sie eine dem Fall angepasste Lösung
  zulassen (BGE 143 V 269 E. 7.3). Mit Blick auf die
  vorliegend langwierigen und juristisch sowie medizinisch äusserst komplexen
  Verfahren, den durch die Gerichtsgutachter durchgeführten ausgiebigen
  Abklärungen, welche das umfangreiche Gutachten widerspiegelt, sind die von
  der MEDAS geltend gemachten Posten sowie die ausgewiesenen Kosten in der Höhe
  von insgesamt Fr. 71'050.10 sachlich vertretbar (BGE 143 V 269
  E. 7.3). Dementsprechend sind die Beschwerdegegnerinnen zu verpflichten,
  dem Verwaltungsgericht für die vorliegenden Verfahren je Fr. 17'762.50
  zu bezahlen, wobei die restlichen Kosten in den beiden übrigen Verfahren
  (VG.2022.00035, VG.2022.00044) aufzuerlegen sind.

  
	
  Demgemäss beschliesst
  die Kammer:

  
	
  1.

  	
  Die
  Gesuche der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen
  Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung im Verfahren
  VG.2022.00002 werden gutgeheissen. Ihr wird in der Person von Rechtsanwalt Prof. Dr. Hardy Landolt ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt.

  	 

	
  2.

  	
  Der Rechtsbeistand wird zu Lasten
  der Gerichtskasse mit Fr. 4'000.- (inkl. Auslagen und
  Mehrwertsteuer) entschädigt.

  	 

	
  3.

  	
  Die Nachzahlungspflicht gemäss
  Art. 139a VRG bleibt vorbehalten.

  	 

	
  4.

  	
  Die Gerichtskasse
  wird beauftragt, spätestens im März 2029 zu prüfen, ob die
  Voraussetzungen für die Nachzahlung erfüllt sind.

  	 

	
   

  	
  und erkennt
  sodann:

  	 

	
  1.

  	
  Die
  Beschwerde im Verfahren VG.2021.00023 wird gutgeheissen. Der
  Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin 1 vom 17. Februar 2021
  wird aufgehoben und die Beschwerdegegnerin 1 wird verpflichtet, die
  Kosten für die beantragten Hilfsmittel zu übernehmen.

  	 

	
  2.

  	
  Die
  Beschwerde im Verfahren VG.2022.00002 wird abgewiesen.

  	 

	
  3.

  	
  Die
  Gerichtskosten im Verfahren VG.2021.00023 werden auf die Staatskasse
  genommen.

  	 

	
  4.

  	
  Die
  Gerichtskosten im Verfahren VG.2022.00002 in der Höhe von Fr. 600.-
  werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Auf deren Erhebung wird infolge
  Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen verzichtet.

  	 

	
  5.

  	
  Die
  Beschwerdegegnerin 1 wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin innert
  30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung für
  das Einspracheverfahren in der Höhe von Fr. 2'000.- (inkl.
  Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

  	 

	
  6.

  	
  Die
  Beschwerdegegnerin 1 wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin innert
  30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids eine Parteientschädigung für
  das verwaltungsgerichtliche Verfahren in der Höhe von Fr. 8'000.- (inkl. Mehrwertsteuer)
  zu bezahlen.

  	 

	
  7.

  	
  Die
  Beschwerdegegnerinnen werden verpflichtet, dem Verwaltungsgericht innert
  30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids die anteilsmässigen Kosten
  für das Gerichtsgutachten in der Höhe von je Fr. 17'762.50 zu bezahlen.

  	 

	
  8.

  	
  Schriftliche
  Eröffnung und Mitteilung an:

  	 

	
   

  	
  […]