# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0baf85c0-37d4-5d74-aa80-adf9dfe038a3
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-03
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 03.05.2022 S 2022 33
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2022-33_2022-05-03.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 22 33

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Pedretti

RichterIn von Salis und Audétat

Aktuarin Parolini

URTEIL

vom 3. Mai 2022

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. iur. Hardy Landolt,

Beschwerdeführer

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden,

IV-Stelle, 

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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I. Sachverhalt:

1. Der B._____ geborene Schweizer Bürger A._____ besuchte die Primar-, 

Sekundar-, Kantons- und Handelsmittelschule in Chur, bevor er eine 

Bank- und Finanzausbildung bei der C._____ mit Diplom abschloss. 

Danach war er in verschiedenen Funktionen für die C._____ tätig und 

bildete sich zum diplomierten Betriebswirtschafter HF an der ibW Höhere 

Fachschule Südostschweiz weiter. Ab dem 1. März 2015 arbeitete er für 

die D._____ des Kantons Graubünden als E._____ in einem 100%-

Pensum. A._____ ist verheiratet und Vater zweier Töchter (geboren 

F._____ und G._____).

2. Nach mehreren Erkrankungen, der Diagnose einer mittelschweren bis 

schweren obstruktiven Schlafapnoe sowie zahlreichen bildgebenden und 

klinischen Untersuchungen wies Dr. med. H._____ in ihren Berichten vom 

4. März 2019 und vom 1. Juli 2019 anlässlich der Chronic Fatigue-

Sprechstunde des Kantonsspitals Graubünden einen (hochgradigen) 

Verdacht auf eine myalgische Enzephalomyelitis (ME) bzw. ein Chronic 

Fatigue Syndrom (CFS) aus. Sie befand, dass die kanadischen 

Konsensus-Kriterien für ein CFS bei namentlich deutlicher Erschöpfung, 

fehlender Erholung durch Schlaf, deutlichen Arthralgien von wanderndem 

Charakter sowie deutlicher Verschlechterung der Symptomatik bei zu viel 

körperlicher und kognitiver Belastung erfüllt seien. Sie schrieb A._____ ab 

dem 13. März 2019 zu 100 % und ab dem 1. Juli 2019 zu 80 % 

arbeitsunfähig. Die Diagnose eines CFS wurde später von ihrem 

Nachfolger, Dr. med. I._____, genauso wie von der behandelnden 

Psychiaterin, Dr. med. J._____, bestätigt.

3. Im Oktober 2019 meldete sich A._____ unter Hinweis auf eine ME bzw. 

ein CFS bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend IV-

Stelle) zum Leistungsbezug an. Diese tätigte erwerbliche und 

medizinische Abklärungen. Nach dem Evaluationsgespräch betreffend 

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Eingliederung teilte die IV-Stelle A._____ am 14. Januar 2020 mit, dass 

die Eingliederungsmassnahmen abgeschlossen würden, da er sich zurzeit 

gesundheitlich nicht in der Lage fühle, im wesentlichen Umfang einer 

Erwerbstätigkeit nachzugehen. Aktuell würde er bei seinem Arbeitgeber 

zu 20 % arbeiten; eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei in den nächsten 

zwei bis drei Monaten nicht zu erwarten.

4. In der Folge liess die IV-Stelle A._____ polydisziplinär in den 

Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, Pneumologie, Rheumatologie 

sowie Psychiatrie und Psychotherapie begutachten, wobei der Auftrag der 

MEDAS Zürich GmbH zugeteilt wurde (nachfolgend MEDAS-Gutachten). 

Zudem wurde eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) 

in Auftrag gegeben, von der jedoch abgesehen wurde, nachdem A._____ 

dagegen Einsprache erhoben hatte mit der Bitte, wegen des aufgrund der 

körperlichen Belastungen zu befürchtenden Zusammenbruchs mit 

folgender Verschlechterung des Zustands darauf zu verzichten. 

Ausserdem fand am 10. Februar 2021 eine neuropsychologische 

Abklärung bei Dr. phil. K._____ statt, die im Vergleich zu vor dem Eintritt 

des Gesundheitsschadens verminderte allgemeine neurokognitive 

Fähigkeiten ergab.

5. In dem am 18. Juni 2021 erstatteten MEDAS-Gutachten stellten die 

Expertinnen und Experten ein Fatigue-Syndrom mit Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit fest. Die Gutachterinnen und Gutachter erachteten 

A._____ in seiner angestammten Tätigkeit als E._____ im Homeoffice seit 

der Anmeldung bei der IV-Stelle zu 60 % arbeitsfähig. In einer 

leidensangepassten, einfachen Homeoffice-Tätigkeit wiesen sie eine 

Arbeitsfähigkeit von 100 % aus, wobei diese seit der Begutachtung im 

März 2021 bestehe.

6. Nach Einholung der Abschlussbeurteilung von RAD-Arzt Dr. med. L._____ 

vom 1. Juli 2021 stellte die IV-Stelle A._____ mit Vorbescheid vom 27. Juli 

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2021 eine rückwirkend befristete Invalidenrente in Aussicht. Dazu führte 

sie unter anderem aus, aufgrund des ausführlichen MEDAS-Gutachtens 

werde davon ausgegangen, dass die angestammte Tätigkeit als E._____ 

nicht mehr vollumfänglich zumutbar sei. Dies insbesondere deshalb, weil 

diese Tätigkeit hohe Anforderungen an die Kommunikations- und 

Durchhaltefähigkeit, das Verantwortungsbewusstsein sowie an eine 

unbeeinträchtigte Konzentrationsfähigkeit stelle. Die Gutachter gingen 

davon aus, dass seit der Anmeldung im Oktober 2019 eine Einschränkung 

von 40 % vorliege. In angepassten Tätigkeiten attestierten sie jedoch eine 

volle Leistungsfähigkeit ganztags. Die diesbezüglichen Abklärungen 

hätten ergeben, dass hierzu insbesondere einfache, repetitive Tätigkeiten 

ohne Zeitdruck (z.B. das Schreiben von Berichten ab Diktaphone) oder 

Arbeiten mit einfachen Abläufen gehörten. Die IV-Stelle errechnete 

sodann anhand des Einkommensvergleichs bei einer 60%igen 

Arbeitsfähigkeit ab Ablauf der Wartezeit bis März 2021 einen 

Invaliditätsgrad von 40 % bzw. bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ab 

März (recte: April) 2021 einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad 

von 24.37 %.

7. Dagegen liess A._____ am 30. August 2021 vorsorglich und am 

28. September 2021 einen begründeten Einwand erheben, wobei er 

Berichte der Dres. med. I._____ und J._____ vom 2. und 13. September 

2021 einreichte. Mit Verfügung vom 24. Februar 2022 entschied die IV-

Stelle wie vorbeschieden: Sie sprach A._____ ab dem 1. April 2020 bis 

zum 30. Juni 2021 eine Viertelsrente zu und verneinte für die Zeit ab dem 

1. Juli 2021 einen Rentenanspruch. 

8. Gegen diese Verfügung liess A._____ (nachfolgend Beschwerdeführer) 

am 22. März 2022 beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden 

Beschwerde erheben. Er beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 

24. Februar 2022 sowie, mit Wirkung ab dem 15. Oktober 2019 (unter 

Berücksichtigung allfälliger Wartefristen), die Zusprechung einer ganzen 

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Invalidenrente. Eventuell sei die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen 

an die IV-Stelle zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung. In 

materieller Hinsicht kritisierte er insbesondere das MEDAS-Gutachten 

sowohl in Bezug auf die Beurteilung der medizinischen Situation als auch 

hinsichtlich der funktionellen Folgeabschätzung. Zudem bestritt er die ihm 

vorgeworfene Verletzung der Mitwirkungspflicht bei den medizinischen 

Abklärungen sowie die im Gutachten angenommene Selbstlimitierung. 

Weiter wies er darauf hin, dass die bisherigen Versuche, das 

Arbeitspensum zu steigern, am Umstand gescheitert seien, dass jeweils 

eine Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetreten sei. Es sei 

daher von vornherein unzulässig, ihm im Rahmen der 

Invaliditätsbemessung ein höheres als das tatsächlich erzielte 

Erwerbseinkommen in der 20%igen Homeoffice-Tätigkeit für den 

bisherigen Arbeitgeber anzurechnen. Selbst bei einer Heranziehung eines 

hypothetischen Erwerbseinkommens wäre es nicht gerechtfertigt, auf den 

Tabellenlohn im Kompetenzniveau 2 abzustellen. Dieser entspreche nicht 

dem durchschnittlichen, in einer einfachen Homeoffice-Tätigkeit 

erzielbaren Lohn. Zudem machte der Beschwerdeführer geltend, er sei 

hinsichtlich einer allfälligen Verwertung der Restarbeitsfähigkeit auf dem 

konkreten Arbeitsmarkt nachhaltig eingeschränkt. Ein realistischer 

Arbeitgeber würde ihn ablehnen bzw. mit Gewissheit nicht in gleicher 

Weise entlöhnen, wie einen gesunden Arbeitnehmer. Folglich hätte ihm 

ein angemessener Leidensabzug gewährt und eine ganze Invalidenrente 

zugesprochen werden müssen.

9. Die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer 

Vernehmlassung vom 31. März 2022 auf Abweisung der Beschwerde und 

verzichtete unter Hinweis auf die in der angefochtenen Verfügung 

enthaltene Begründung auf eine Stellungnahme.

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Auf die Begründung in der angefochtenen Verfügung sowie auf die weite-

ren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften wird, soweit ent-

scheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche-

rung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt 

vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. Vorliegend 

stellt die angefochtene Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden 

vom 24. Februar 2022 (Akten des Beschwerdeführers [Bf-act.] 2, Akten 

der IV-Stelle [IV-act.] 96) ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfah-

ren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sach-

liche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des 

Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-

rechts (ATSG; SR 830.1) zusammen mit Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes 

über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als Adressat der 

strittigen Verfügung ist der Beschwerdeführer von dieser berührt und weist 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf 

(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und form-

gerecht (Art. 60 und Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit ein-

zutreten. 

2. Streitgegenstand bildet die Frage des Rentenanspruchs des 

Beschwerdeführers, der angesichts der Anmeldung im Oktober 2019 

gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens ab dem 1. April 2020 (d.h. sechs 

Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs) entsteht, sofern 

bis dahin das Wartejahr erfüllt ist (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG), was vorliegend 

unbestrittenermassen zutrifft (vgl. IV-act. 101 S. 24, Case Report). Uneins 

sind sich die Parteien hinsichtlich des Invalideneinkommens und dabei 

hinsichtlich der (Rest-)Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in einer 

leidensangepassten Tätigkeit, der Ausschöpfung und Verwertbarkeit der 

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(Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt, der 

Anwendung des Kompetenzniveaus 2 zur Bemessung des 

Invalideneinkommens sowie der Vornahme eines Leidensabzugs. 

3. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem 

1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG) 

und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in 

Kraft sind (Weiterentwicklung der IV). Da der Rentenanspruch vorliegend 

noch unter der Geltung des alten Rechts entstanden ist, finden die bis zum 

31. Dezember 2021 gültigen Bestimmungen des IVG und der IVV 

Anwendung (vgl. Übergangsbestimmungen des IVG zur Änderung vom 

19. Juli 2020 und Kreisschreiben über Invalidität und Rente in der 

Invalidenversicherung [KSIR], Stand 1. Juli 2022, Rz. 9101). 

4. Im Nachfolgenden ist die Frage des Rentenanspruchs zu prüfen, wobei 

der Sachverhalt bis zum 24. Februar 2022 (Erlass der angefochtenen 

Verfügung) massgeblich ist.

4.1. Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG gilt als Invalidität die voraussichtlich bleibende 

oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Ein 

Anspruch auf eine Rente ist gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG gegeben, wenn 

eine versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Ein-

gliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern 

kann (lit. a), während mindestens eines Jahres ohne wesentlichen Unter-

bruch durchschnittlich mindestens 40 % im bisherigen Beruf oder Aufga-

benbereich eingeschränkt gewesen ist (lit. b) und nach Ablauf dieses Jah-

res zu mindestens 40 % invalid ist (lit. c). Sind diese Voraussetzungen er-

füllt, so steht der versicherten Person bei einem Invaliditätsgrad von min-

destens 40 % eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindes-

tens 50 % eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 

60 % eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 

70 % eine ganze Rente zu (aArt. 28 Abs. 2 IVG).

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4.2. Gemäss Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG wird für die Bestimmung 

des Invaliditätsgrades (bei erwerbstätigen Versicherten) das Erwerbsein-

kommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede-

rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung ge-

setzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in-

valid geworden wäre (Valideneinkommen) (allgemeine Methode des Ein-

kommensvergleichs; vgl. BGE 144 I 21 E.2.1, BGE 142 V 290 E.4, 

BGE 130 V 343 E.3.4.2).

4.3. Um beurteilen zu können, in welchem Umfang und bezüglich welcher 

Tätigkeiten einem Versicherten noch eine Erwerbstätigkeit zugemutet wer-

den kann, sind die Verwaltung und das im Beschwerdefall angerufene Ge-

richt auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls andere 

Fachleute zur Verfügung stellen (BGE 132 V 93 E.4). Dabei können sich 

die IV-Stellen und im Streitfall die Sozialversicherungsgerichte auf die Re-

gionalen Ärztlichen Dienste (RAD; aArt. 59 Abs. 2bis Satz 1 IVG), auf die 

Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte oder auf externe medizi-

nische Sachverständige abstützen (aArt. 59 Abs. 3 IVG). Das Bundes-

recht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind. 

Vielmehr gilt für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbe-

schwerdeverfahren der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (BGE 143 

V 124 E.2.2.2, BGE 134 V 231 E.5.1, BGE 125 V 351 E.3). Danach haben 

Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, 

d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 

pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, 

dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stam-

men, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügba-

ren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsan-

spruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden 

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medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte 

Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die 

eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (vgl. zum Gan-

zen BGE 143 V 124 E.2.2.2 und BGE 125 V 351 E.3a). 

4.4. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob 

der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-

suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in 

Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-

lung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation 

einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind 

(BGE 134 V 231 E.5.1, BGE 125 V 351 E.3a). Ausschlaggebend für den 

Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels 

noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stel-

lungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 143 V 124 E.2.2.2, BGE 125 

V 351 E.3a). Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der 

freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte 

Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweis-

würdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E.3b). Den im Rahmen des Ver-

waltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten, 

die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie 

nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der 

Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdi-

gung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien ge-

gen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E.1.3.4, 

BGE 125 V 351 E.3b/bb). In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und 

Hausärzten darf und soll das Gericht auch der Erfahrungstatsache Rech-

nung tragen, dass Hausärztinnen und Hausärzte mitunter im Hinblick auf 

ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Guns-

ten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E.4.5, BGE 125 V 351 E.3a 

und 3b). Sodann kommt auch den Berichten und Gutachten versiche-

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rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig 

erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind 

und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (vgl. BGE 139 V 

225 E.5.2, BGE 135 V 465 E.4.4, BGE 125 V 351 E.3b/ee; Urteile des 

Bundesgerichts 8C_246/2020 vom 10. September 2020 E.2.3 und 

8C_161/2012 vom 5. Juni 2012 E.3.2). 

4.5. Die Feststellung einer invalidisierenden Gesundheitsbeeinträchtigung er-

folgt bei somatoformen Schmerzstörungen (BGE 141 V 281) wie auch bei 

sämtlichen psychischen Störungen (BGE 143 V 409 und 418) nach Vor-

liegen einer ärztlichen Diagnosestellung anhand eines strukturierten Be-

weisverfahrens anhand der sogenannten Standardindikatoren. Mit 

BGE 145 V 215 hat das Bundesgericht diese Rechtsprechung auf 

fachärztlich diagnostizierte primäre Abhängigkeitssyndrome ausgedehnt, 

mit Urteil 9C_106/2019 vom 6. August 2019 auch auf das Chronic Fatigue 

Syndrom, sofern die Fatigue und weitere Symptome nicht auf einen 

somatischen Gesundheitsschaden (ZNS-Erkrankung [Anm. Gericht = 

entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems]) 

zurückzuführen sind (E.2.3.3; mit Hinweis auf SVR 2018 IV Nr. 31 S. 99, 

Urteil des Bundesgerichts 8C_350/2017 vom 30. November 2017 E.5.3 

und BGE 139 V 346 E.2 und E.3.4). Im strukturierten Beweisverfahren ist 

der Nachweis des funktionellen Schweregrades und der Konsistenz der 

Gesundheitsschädigung unter Verwendung sogenannter Indikatoren zu 

erbringen (Kreisschreiben über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Inva-

lidenversicherung [KSIH], Stand 1. Januar 2021, Rz. 1006). Die Kategorie 

"funktioneller Schweregrad" umfasst den Komplex "Gesundheitsschädi-

gung" (mit den Indikatoren "Ausprägung der diagnoserelevanten Be-

funde", "Behandlungserfolg oder -resistenz", "Eingliederungserfolg oder -

resistenz" und "Komorbiditäten"), den Komplex "Persönlichkeit" (Persön-

lichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen) und den Komplex "Sozialer 

Kontext". Die Kategorie "Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens) 

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umfasst die Komplexe "Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenni-

veaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen" und "Behandlungs- und 

eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck" (BGE 141 V 

281 E.4.1.3; KSHI, Rz. 1006).

Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten 

Beweisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht 

geeignet ist (BGE 145 V 215 E.7, BGE 143 V 418 E.7.1; vgl. dazu auch 

Urteile des Bundesgerichts 9C_38/2022 vom 24. Mai 2022 E.4.6, 

9C_587/2021 vom 31. Januar 2022 E.4.1 und 9C_197/2018 vom 5. Juni 

2018 E.7). Die Frage der Notwendigkeit in diesem Sinne beurteilt sich 

nach dem konkreten Beweisbedarf. Ein strukturiertes Beweisverfahren 

bleibt etwa dann entbehrlich, wenn für eine – länger dauernde (Art. 28 

Abs. 1 lit. b IVG) – Arbeitsunfähigkeit nach bestehender Aktenlage keine 

Hinweise bestehen oder eine solche im Rahmen beweiswertiger fachärzt-

licher Berichte in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all-

fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifika-

tion oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden 

kann (BGE 145 V 215 E.7, BGE 143 V 409 E.4.5.3).

4.6. Von einer lege artis erfolgten medizinischen Schätzung kann nur aus trif-

tigen Gründen abgewichen werden. Solche liegen vor, wenn die medizi-

nisch-psychiatrische Annahme einer Arbeitsunfähigkeit letztlich, im Ergeb-

nis, unter dem entscheidenden Gesichtswinkel von Konsistenz und mate-

rieller Beweislast der versicherten, rentenansprechenden Person zu wenig 

gesichert ist und insofern nicht überzeugt. Dabei ist in Erinnerung zu rufen 

und es gilt als Leitschnur, dass die ärztliche Beurteilung – von der Natur 

der Sache her unausweichlich – Ermessenszüge aufweist, die auch den 

Rechtsanwender begrenzen. Demnach besteht einerseits das rechtspre-

chungsgemässe Verbot unzulässiger juristischer Parallelprüfung im Ver-

gleich zur Arbeitsunfähigkeitsfestlegung durch die Gutachter. Andererseits 

umschreibt BGE 141 V 281 die Befugnis, im Rahmen der (freien) Überprü-

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2022&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=143+V+418+Verh%E4ltnism%E4ssigkeit+&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F143-V-409%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page409

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fung durch den Rechtsanwender von der ärztlichen Folgenabschätzung 

abzuweichen bzw. ihr im Hinblick auf Art. 8 ATSG nicht zu folgen. Diese 

beiden Argumentationslinien sind wie folgt abzugrenzen: In allen Fällen ist 

durch den Versicherungsträger und im Beschwerdefall durch das Gericht 

zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähig-

keitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Be-

weisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist 

erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum voraus-

gehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, 

Anamnese, Befunden, Diagnosen usw.), d.h. sie haben im Einzelnen Be-

zug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizi-

nisch-psychiatrischen Ergebnisse fachgerechter klinischer Prüfung und 

Exploration. Ärztlicherseits ist also substanziiert darzulegen, aus welchen 

medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funkti-

onelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitati-

ver, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen (BGE 148 

V 49 E.6.2.1 mit Hinweis auf BGE 143 V 418 E.6). Am Beispiel rezidivier-

ender depressiver Entwicklungen leichten bis mittleren Grades veran-

schaulicht, wie sie in der IV-rechtlichen Invaliditätsprüfung sehr oft im Vor-

dergrund stehen, bedeutet dies: Es genügt nicht, dass der medizinisch-

psychiatrische Sachverständige vom diagnostizierten depressiven Ge-

schehen direkt auf eine Arbeitsunfähigkeit, welchen Grades auch immer, 

schliesst. Vielmehr hat er darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen 

der von ihm erhobenen Befunde (Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Antriebs-

schwäche, Müdigkeit, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, 

verminderte Anpassungsfähigkeit usw.) die beruflich-erwerbliche Arbeits-

fähigkeit eingeschränkt ist, und zwar – zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- 

und Kontrollzwecken – unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, fa-

miliären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person. Kom-

men die Experten dieser Aufgabe unter Berücksichtigung der durch 

BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird die 

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medizinisch-psychiatrische Folgenabschätzung auch aus der juristischen 

Sicht des Rechtsanwenders – Durchführungsstelle oder Gericht – Bestand 

haben. Andernfalls liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen 

davon gebietet (vgl. zum Ganzen: BGE 148 V 49 E.6.2.1, BGE 145 V 361 

E.4.3, BGE 144 V 50 E.4.3 und E.6.1).

5. Vorliegend ist zunächst zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht 

auf das MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2021 (IV-act. 71) abgestellt hat 

oder ob konkrete Indizien gegen dessen Zuverlässigkeit sprechen bzw. 

dieses von den übrigen medizinischen Akten derart in Zweifel gezogen 

wird, dass von der darin ausgewiesenen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit 

abzuweichen wäre (vgl. dazu Erwägung 4.4 und 4.6). 

5.1. Während die Beschwerdegegnerin das Gutachten im Ergebnis für schlüs-

sig, nachvollziehbar und widerspruchsfrei erachtet (vgl. angefochtene Ver-

fügung vom 24. Februar 2020, S. 4, [Bf-act. 2, IV-act. 96]), spricht der 

Beschwerdeführer diesem den Beweiswert ab. Er kritisiert dabei neben 

der ungenügenden Erfahrung der Expertinnen und Experten hinsichtlich 

des Krankheitsbilds ME/CFS und der fehlenden Auseinandersetzung mit 

der Beurteilung durch die Fachspezialisten, insbesondere mit jener von 

Dr. med. I._____, die darin ausgewiesene Arbeitsfähigkeit von 60 % in der 

bisherigen und von 100 % in einer adaptierten, einfachen Tätigkeit.

5.2. Die MEDAS-Expertinnen und Experten diagnostizierten in der 

Konsensbeurteilung des Gutachtens vom 18. Juni 2021 ein Fatigue-

Syndrom (ICD-10 G93.3) mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (IV-

act. 71 S. 138). Als ohne Einfluss darauf wiesen sie ein 

Mastzellenaktivierungssyndrom (MCAS; Anm. Gericht = krankhafte 

Anreicherung von daueraktiven Mastzellen, d.h. Zellen des 

Immunsystems), eine Steatose hepatis (Anm. Gericht = Fettleber) sowie 

eine diffuse, ausgedehnte Schmerzproblematik vorwiegend der 

myofascialen Weichteile ohne organisches Korrelat unklarer Ursache mit 

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verminderter körperlicher Belastungsfähigkeit, chronischer Müdigkeit und 

chronischen Konzentrationsstörungen bei temporomandibulärer (Anm. 

Gericht = das Kiefergelenk betreffend) Dys- und Parafunktion mit 

cervicocephalen Kopfschmerzen, DD Migräne mit Aura, aus. Dazu führten 

sie in internistischer Hinsicht namentlich aus (IV-act. 71 S. 131 f.), 

bezüglich des CFS berichte der Beschwerdeführer über die für die 

Diagnose definierten Symptome, jedoch könnten diese im Rahmen des 

Gutachtens aufgrund der Nichtmitwirkung nicht objektiviert werden 

(Verweigerung der Spiroergometrie sowie Absage der EFL). Die 

internistische Diagnostik sei durch den Beschwerdeführer selbst 

verunmöglicht worden. Es liege eine massive bzw. entscheidende 

Verletzung der Mitwirkungspflicht vor. Somit könnten die erwähnten 

Symptome in keiner Weise nachgewiesen werden, sondern basierten 

allein auf den Schilderungen des Beschwerdeführers, was folglich nicht 

als Krankheit mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit überwiegend 

wahrscheinlich bestätigt werden könne. Aus pneumologischer Sicht 

könnten keine pathologischen Diagnosen gestellt werden (IV-act. 71 

S. 133). In rheumatologischer Hinsicht wurde ausgeführt (IV-act. 71 

S. 133 ff.), die Ursache der subjektiv im Vordergrund stehenden Rücken- 

und Gelenkschmerzen samt der damit verbundenen Leistungsintoleranz 

und chronischen Müdigkeit seien bis heute trotz ausgedehnten 

Abklärungen im Dunkeln geblieben. Ein entzündliches oder auch 

autoimmunes Leiden sei weitgehend, aber nicht ganz vollständig 

ausgeschlossen. Dagegen sei die neuste Diagnose einer 

Mastzellüberaktivierung weitgehend gesichert, habe aber keinen klaren 

Bezug zur Schmerzproblematik und der diesbezüglichen eingeschränkten 

Leistungsfähigkeit. Der Beschwerdeführer beschreibe sein 

Beschwerdebild sehr präzise, kohärent und ohne Widersprüche, so dass 

sein Leiden glaubwürdig erscheine. Es erfülle die kanadischen Kriterien 

zur Diagnose eines CFS vollständig, wobei zu bemerken sei, dass die 

Diagnose eine rein deskriptive sei, über die Pathogenese kein gesichertes 

- 15 -

Wissen bestehe und entsprechend auch keine messtechnisch fassbaren 

Kriterien existierten. Aus rein rheumatologischer Sicht seien anlässlich der 

Untersuchung keine Befunde mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

festgestellt worden. Diese seien allesamt myofascialer Natur. Das 

gesamte komplexe Beschwerdebild müsse als leicht eingestuft werden. 

Die körperlich eingeschränkte Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers 

im Alltag, die als hochgradig geschildert werde, entspreche nicht den 

objektiven Befunden und die von ihm postulierten Einschränkungen in der 

angestammten Tätigkeit im Homeoffice könnten selbst bei myofascialen 

Beschwerden nicht nachvollzogen werden. 

Zu dem aus psychiatrischer Sicht diagnostizierten Fatigue-Syndrom wurde 

in der Konsensbeurteilung schliesslich ausgeführt, im Zweifelsfall 

existierten beim Beschwerdeführer verschiedene Beschwerden, die nicht 

psychischer Natur seien (IV-act. 71 S. 135 ff.). Sein Psychostatus sei ohne 

relevante psychopathologische Befunde, abgesehen von seinen 

Schlafstörungen. Solche Schlafstörungen träten bei Menschen mit einem 

chronischen Schmerzsyndrom, zu dem das CFS gehöre, gewöhnlich auf. 

Das Ausmass der Schlafstörungen werde im Tagesablauf kompensiert, so 

dass keine zusätzliche Diagnose gestellt werde. Das CFS könne als 

höchstens mittelschwer beschrieben werden.

5.3. Mit Blick auf die allgemeinen Beweisanforderungen (BGE 134 V 231 

E.5.1, BGE 125 V 351 E.3a, BGE 122 V 157 E.1c mit Hinweisen, vgl. auch 

Erwägung 4.4 und 4.6 hiervor; vgl. auch BGE 144 V 50 E.4.3 betreffend 

die ärztliche Arbeitsfähigkeitseinschätzung im strukturierten 

Beweisverfahren gemäss BGE 141 V 281 für die Prüfung der funktionellen 

Auswirkungen einer psychischen Erkrankung) ist festzustellen, dass das 

MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2021 in Kenntnis der Vorakten und der 

Anamnese verfasst wurde (vgl. IV-act. 71 S. 3 ff., S. 16 ff., S. 114 ff.) und 

dass es die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden und deren 

Entwicklung aufführt (IV-act. 71 S. 126 ff., S. 42 f., S. 57 f., S. 68 ff., 

- 16 -

S. 85 f.). Ferner basiert das MEDAS-Gutachten auf eigenen klinischen 

Untersuchungen und Befunderhebungen (IV-act. 71 S. 46 ff., S. 60 f., 

S. 73 ff., S. 92 ff.). Die Gutachterinnen und Gutachter nahmen zu den 

streitigen Belangen Stellung, indem sie die festgestellten Diagnosen 

auswiesen und eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit abgaben (IV-

act. 71 S. 138 ff.). Die gutachterlichen Ausführungen zur Beurteilung der 

medizinischen Situation und die gezogenen Schlussfolgerungen zum 

Gesundheitszustand sind aber nicht in allen Teilen nachvollziehbar. 

Insbesondere kann entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin 

der Beurteilung der fallführenden Internistin, Dr. med. M._____, nicht 

gefolgt werden, wenn sie dem Beschwerdeführer – wie oben dargelegt – 

vorwirft, dass die Kriterien für die Diagnose eines CFS nicht hätten 

objektiviert werden können, weil er gewisse Abklärungen – insbesondere 

EFL und Spiroergometrie – verweigert habe (IV-act. 71 S. 50 f.). Wenn sie 

dies als massive bzw. entscheidende Verletzung der Mitwirkungspflicht 

und als kapitale Inkonsistenz einstufte und daraus folgerte, das CFS sei 

überwiegend wahrscheinlich keine Krankheit mit Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit, da die Symptome in keiner Weise hätten nachgewiesen 

werden können, sondern nur auf den Schilderungen des 

Beschwerdeführers beruhten (IV-act. 71 S. 50 und S. 52), verkennt sie 

nicht nur die entsprechenden diagnoserelevanten Befunderhebungen in 

den aktenkundigen fachärztlichen Berichten (vgl. IV-act. 17 S. 3 f., IV-

act. 20 S. 2, IV-act. 21, IV-act. 33 S. 4, IV-act. 33 S. 8, IV-act.62 S. 49, IV-

act. 62 S. 57), sondern setzt sich auch in Widerspruch zu ihrer 

psychiatrischen Co-Gutachterin und ihrem rheumatologischen Co-

Gutachter, welche die Kriterien für die Diagnose eines CFS als erfüllt 

erachten und diesem funktionelle Auswirkungen zuschreiben (IV-act. 71 

S. 77 und S. 98 ff.). Die Co-Gutachter zweifelten denn auch nicht an der 

Glaubwürdigkeit der Angaben und Schilderungen des Beschwerdeführers. 

Vielmehr attestierten sie ihm, ehrlich Auskunft zu geben und das 

Beschwerdebild sehr präzise, kohärent und plausibel zu beschreiben, so 

- 17 -

dass sein Leiden glaubwürdig erscheine, was sich auch aus den 

Vorberichten bei praktisch allen Ärztinnen und Ärzten, die ihn jemals 

betreut hätten, ergebe (IV-act. 71 S. 77, S. 80 und S. 100). Auch ergaben 

sich anlässlich der Begutachtung keine Hinweise auf Aggravation oder 

Simulation (IV-act. 71 S. 143 f. sowie S. 80 und S. 100) und bereits bei der 

neuropsychologischen Abklärung durch Dr. med. K._____ konnten in den 

durchgeführten Symptomvalidierungstests weder Hinweise auf eine 

Antwortverzerrung noch leistungseinschränkende Verhaltensweisen 

festgestellt werden (Bericht zur neuropsychologischen Beurteilung vom 

15. Februar 2021 [IV-act. 57 S. 16 f.]). Die mitunter auf die Aktenlage 

abgestützte Beurteilung der psychiatrischen Expertin und des 

rheumatologischen Experten mit einer Bestätigung der Diagnose eines 

CFS mit funktionellen Auswirkungen fand letztlich denn auch Einzug in das 

interdisziplinäre Gesamtgutachten (Konsensbeurteilung) (IV-act. 71 

S. 138 ff.). 

Zudem leuchtet nicht ein, weshalb die vorgenannten Abklärungsverfahren 

für die Diagnose eines CFS überhaupt relevant sein könnten. So führte 

Dr. med. M._____ in ihrem internistischen Teilgutachten gestützt auf die 

Diagnosekriterien des Institute of Medicine (IOM) aus dem Jahr 2015 

selbst an, dass die Patienten zur Diagnosestellung eines CFS an 

folgenden drei Symptomen leiden müssten (IV-act. 71 S. 49): 

1. Erhebliche Beeinträchtigung der Fähigkeiten, beruflichen, schulischen 

und sozialen Tätigkeiten nachzugehen (im Vergleich zurzeit vor der 

Erkrankung), die länger als sechs Monate anhält und von 

Erschöpfungszuständen begleitet wird, die sehr stark ausgeprägt und 

neuartig sind oder plötzlich auftreten. Die Erschöpfung ist nicht auf 

eine starke Anstrengung zurückzuführen und verbessert sich nicht 

durch Ausruhen.

2. Der Ermüdungszustand verschlechtert sich nach Belastung.

3. Es besteht ein nicht erholsamer Schlaf.

- 18 -

Zusätzlich muss mindestens eines der beiden folgenden 

Beschwerdebilder vorliegen:

- Kognitive Beeinträchtigung und/oder

- Orthostatische Intoleranz

Angesichts dieser Diagnosekriterien ist nicht nachvollziehbar, inwiefern 

eine Spiroergometrie, bei der Herz-Kreislauf-Parameter (EKG, 

Herzfrequenz, Blutdruck) sowie Atemvolumina (Spirometrie), 

Gasaustausch (Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe) und häufig 

arterielle Blutgase während dosierter körperlicher Belastung (Ergometrie) 

gemessen werden (vgl. 

https://www.pschyrembel.de/Spiroergometrie/K075M/doc, zuletzt besucht 

am 2. Mai 2022), zur Diagnostik eines CFS beitragen kann. Dem 

pneumologischen MEDAS-Teilgutachten ist denn auch zu entnehmen, 

dass die Spiroergometrie der Abklärung von pulmonalen bzw. 

respiratorischen Einschränkungen unter Belastung gedient hätte, mit 

denen allerdings bereits aufgrund der normalen Lungenfunktionsmessung 

nicht zu rechnen gewesen sei (IV-act. 71 S. 62 f.). Insoweit wäre die 

Durchführung einer Spiroergometrie weder zwingend notwendig gewesen 

noch hätte sie sich angesichts der einschneidenden Konsequenzen für 

den Beschwerdeführer, der ausweislich der Akten bereits auf kleine 

Belastungen mit Erschöpfung und verlängerter Erholungszeit sowie einer 

Exazerbation der Schmerzen und Schlafstörungen reagiert (vgl. [Verlaufs-

]Berichte von Dr. med. J._____ vom 5. November 2019 [IV-act. 17 S. 4 f.] 

und vom 2. September 2021 [IV-act. 86]; vgl. ferner Bericht von Dr. med. 

H._____ vom 4. März 2019 [IV-act. 62 S. 51]), als verhältnismässig 

erwiesen. Angesichts der auch von der psychiatrischen Teilgutachterin, 

Dr. med. N._____, geteilten Ansicht, dass die Erholungszeiten erhöht sind, 

so dass es für den Beschwerdeführer eine gute Strategie sei, immer unter 

einer gewissen Grenze der Aktivierung zu bleiben (IV-act. 71 S. 101), 

- 19 -

erscheint es denn auch plausibel, dass der Beschwerdeführer darum 

gebeten hat, auf die Durchführung einer EFL zu verzichten (vgl. als 

Einsprache bezeichnetes Schreiben vom 12. Februar 2021 [IV-act. 55 S. 1 

f.]). Denn in einem solchen ergonomischen EFL-Assessment wird anhand 

von Arbeitssimulationstests (wie Heben und Tragen, Arbeit über Kopfhöhe 

oder Leitersteigen) das arbeitsbezogene Leistungsvermögen generell und 

mit Blick auf die angestammte berufliche Tätigkeit konkret beurteilt, wobei 

auch relevante Aussagen zum Leistungsverhalten und zur Konsistenz der 

versicherten Person gemacht werden (Urteil des Bundesgerichts 

9C_168/2018 vom 8. Mai 2018 E.4.2.2). Entsprechend verzichtete der 

RAD-Arzt auf diese Abklärung unter Vorbehalt, dass ein oder mehrere 

Gutachterinnen und Gutachter für ihre Stellungnahmen zum 

Gutachtensauftrag auf eine EFL angewiesen sein sollten (Bf-act. 5, IV-

act. 60). Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer in angestammter 

Tätigkeit als E._____ eine körperlich leichte, sitzende Tätigkeit am 

Computer ausübt (vgl. Fragebogen für Arbeitgebende vom 30. Oktober 

2019 [IV-act. 13]) und aus gutachterlicher Sicht aufgrund des CFS als 

leidensangepasste Tätigkeiten nur noch einfachere Arbeiten im 

Homeoffice für zumutbar erachtet wurden (IV-act. 71 S. 145), weshalb 

nicht einleuchtet, warum zur Evaluation der arbeitsbezogenen 

Leistungsfähigkeit notwendigerweise physische Belastungstests 

vorgenommen werden müssten. Rechtsprechungsgemäss ist die EFL – 

neben den medizinischen Befunden und Diagnosen – geeignet für eine 

valide Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und Zumutbarkeit bei Erkrankungen 

des Bewegungsapparates; damit wird die Fähigkeit eines Individuums 

gemessen, manuelle Tätigkeiten zu verrichten, und der Zeitraum 

geschätzt, während dessen die Klientin oder der Klient diese im Verlaufe 

eines ganzen Tages auszuüben imstande ist (Urteil des Bundesgerichts 

8C_606/2012 vom 3. Dezember 2012 E.3.4). Ein EFL-Testverfahren ist 

folglich nicht in jedem Fall durchzuführen, sondern allenfalls in Betracht zu 

ziehen, wenn sich die beteiligten Fachärzte ausser Stande sehen, eine 

- 20 -

zuverlässige Einschätzung des leistungsmässig Machbaren 

vorzunehmen, und deshalb eine konkrete leistungsorientierte berufliche 

Abklärung als zweckmässigste Massnahme ausdrücklich empfehlen 

(Urteil des Bundesgerichts 9C_768/2011 vom 8. Februar 2012 E.2.4; vgl. 

auch IV-act. 71 S. 3). Dies ist vorliegend nicht geschehen (vgl. IV-act. 71 

S. 79). 

Soweit die internistische MEDAS-Teilgutachterin dem Beschwerdeführer 

schliesslich vorhält, stationäre Rehabilitationsmassnahmen abgelehnt zu 

haben (vgl. IV-act. 71 S. 52), übersieht sie, dass es die medizinische und 

therapeutische Empfehlung der behandelnden Psychiaterin Dr. med. 

J._____ war, mangels Erfolgsaussichten keinen Klinikaufenthalt 

durchzuführen (vgl. Nachricht des Personalamts Graubünden vom 

4. Dezember 2020 [IV-act. 34]; vgl. ferner Schreiben zur Auftragserteilung 

betreffend neuropsychologische Abklärung vom 4. Februar 2021 [IV-

act. 43]). Insofern ist dem Beschwerdeführer darin beizupflichten, dass 

ihm von gutachterlicher Seite zu Unrecht eine Verletzung der 

Mitwirkungspflicht vorgeworfen wurde (vgl. zu deren Voraussetzungen 

KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 43 

Rz. 18 ff., Rz. 91 f., Rz 96 ff.; Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons 

Graubünden [VGU] S 19 80 vom 27. Oktober 2020 E.4). Soweit gestützt 

darauf in der Konsistenzprüfung von einer stark reduzierten 

Anstrengungsbereitschaft, einer massiven Malcompliance oder 

Selbstlimitierung ausgegangen wird (vgl. hierzu zusammenfassend IV-

act. 71 S. 143 f.), vermögen die Konsensbeurteilung und die einzelnen 

Teilgutachten nicht zu überzeugen. Diesem Umstand ist denn auch bei der 

Beurteilung der gutachterlichen Folgenabschätzung der festgestellten 

Gesundheitsschäden Rechnung zu tragen.

5.4. Zu den funktionellen Auswirkungen der Befunde hielten die MEDAS-

Expertinnen und Experten fest, dass auf dem internistischen, 

pneumologischen und rheumatologischen Gebiet mangels Diagnose mit 

- 21 -

Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit keine Einschränkungen bestünden. 

In psychiatrischer Hinsicht führten sie gestützt auf die anhand der Mini-

ICF-APP evaluierte Leistungsfähigkeit aus, gesamthaft könne der 

Beschwerdeführer seine angestammte Tätigkeit nur zu einem reduzierten 

Pensum ausüben. Er solle ohne Zeitdruck und nach einem jeden Tag 

selbst geschaffenen Plan funktionieren, da die Einbussen durch das CFS 

unvorhersehbar seien. Trotz der wesentlichen Hindernisse und einer 

leichten kognitiven Verschlechterung seit Ausbruch der Erkrankung sei die 

bis anhin attestierte Arbeitsunfähigkeit (recte: Arbeitsfähigkeit) in 

reduziertem Pensum (aktuell 20 %) gemäss den im Gutachten geprüften 

Einschränkungen eindeutig zu tief. Eine Einschränkung (der 

Arbeitsfähigkeit) von 40 % sei vielmehr plausibel. Das Homeoffice-Regime 

komme dem Beschwerdeführer entgegen und sei weiter zu empfehlen (IV-

act. 71 S. 141 f.). Nach Diskussion von Belastungsfaktoren und 

Ressourcen sowie einer Konsistenzprüfung kamen die Gutachterinnen 

und Gutachter zum Schluss, der Beschwerdeführer sei in seiner 

angestammten Tätigkeit als E._____ im Homeoffice seit der Anmeldung 

bei der IV-Stelle zu 60 % arbeitsfähig. In einer leidensangepassten, 

einfachen Homeoffice-Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %, 

wobei diese seit der Begutachtung im März 2021 gelte (IV-act. 71 S. 145).

Auch diese medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeits-Einschätzung 

vermag nicht zu überzeugen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen 

gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der 

Arztperson denn auch keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu 

(BGE 140 V 193 E.3.1; vgl. Erwägung 4.6 hiervor). Vielmehr nimmt die 

Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. sie gibt eine Schätzung 

ab, die sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet. 

Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die 

juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person 

noch zugemutet werden können (so die mit BGE 105 V 156 E.1 in fine 

- 22 -

begründete und in zahllosen Urteilen bestätigte Rechtsprechung, vgl. z.B. 

BGE 140 V 193 E.3.2, BGE 132 V 93 E.4). Nötigenfalls sind, in Ergänzung 

der medizinischen Unterlagen, für die Ermittlung des erwerblich nutzbaren 

Leistungsvermögens die Fachpersonen der beruflichen Integration und 

Berufsberatung einzubeziehen (seit BGE 107 V 17 E.2b geltende 

Rechtsprechung, vgl. BGE 140 V 193 E.3.2 und Urteil des Bundesgerichts 

8C_545/2012 vom 25. Januar 2013 E.3.2.1, nicht publiziert in: BGE 139 V 

28).

Die psychiatrische Teilgutachterin Dr. med. N._____ diagnostizierte ein 

Fatigue-Syndrom (ICD-10 G93.3) mit Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit. Auf dieses Beschwerdebild ist, sofern – wie vorliegend – 

die Fatigue nicht im Rahmen eines somatischen Gesundheitsschadens 

(ZNS-Erkrankung) zu sehen ist, die Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 

218 anwendbar (vgl. Erwägung 4.5 hiervor). Damit ist die Frage, ob das 

CFS zu einer Arbeitsunfähigkeit führt, die rechtlich bedeutsam ist, in 

Nachachtung von Art. 7 Abs. 2 ATSG grundsätzlich auf der Grundlage 

eines strukturierten Beweisverfahrens zu beurteilen (vgl. Erwägung 4.5 

oben). Dass ein solches entbehrlich gewesen wäre, ist nicht ersichtlich, 

wies doch selbst Dr. med. N._____ gestützt auf das CFS eine länger 

dauernde Arbeitsunfähigkeit in angestammter Tätigkeit bzw. zumindest 

funktionelle Auswirkungen in qualitativer Hinsicht aus. Insofern durfte sie 

sich im Wesentlichen nicht damit begnügen, die dem Beschwerdeführer 

noch verbliebene Leistungsfähigkeit anhand des Mini-ICF-APP Ratings zu 

beurteilen (vgl. IV-act. 71 S. 102 ff.). Abgesehen davon, dass dieses 

ohnehin nicht auf die Erfassung von CFS-bedingten 

Funktionseinschränkungen zugeschnitten ist, kann die Mini-ICF-APP 

rechtsprechungsgemäss bloss eine Ergänzung darstellen und sind die 

funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten 

gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand von 

Standardindikatoren zu prüfen (vgl. BGE 148 V 49 E.6.3; Urteile des 

- 23 -

Bundesgerichts 8C_664/2019 vom 8. April 2020 E.4.3.1 und 9C_157/2019 

vom 28. Oktober 2019 E.4.3). Daran hat sich Dr. med. N._____ – wie 

nachfolgend aufzuzeigen sein wird – nur unvollständig gehalten.

5.5. Zwar hat die psychiatrische MEDAS-Teilgutachterin in Übereinstimmung 

mit den behandelnden Fachärztinnen und -ärzten ein CFS diagnostiziert 

und dieses den Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit 

zugewiesen (IV-act. 71 S. 98). Mit dem Indikator "Ausprägung der 

diagnoserelevanten Befunde" des Komplexes "Gesundheitsschädigung" 

in der Kategorie "Funktioneller Schweregrad" setzte sie sich insoweit 

auseinander, als sie dem Beschwerdeführer attestierte, ehrlich zu seinem 

psychischen Befinden Auskunft gegeben zu haben, wobei sie mangels 

Diskrepanz zwischen den subjektiven Angaben und objektiven Befunden 

eine Aggravationstendenz verneinte (IV-act. 71 S. 100; vgl. 

gleichermassen Konsensbeurteilung [IV-act. 71 S. 143 f.], wonach keine 

Hinweise auf Aggravation 

oder Simulation hätten eruiert werden können). Mit Blick auf den 

Schweregrad des CFS hielt sie indes pauschal fest, dieser sei als 

höchstens mittelschwer bzw. aktuell als mittelgradig zu bezeichnen (IV-

act. 71 S. 100), ohne dies nachvollziehbar herzuleiten oder z.B. anhand 

der Skala der Schweregrade nach David S. Bell (vgl. 

https://www.pschyrembel.de/Chronic%20Fatigue-Syndrom/K0772/doc, 

zuletzt besucht am 2. Mai 2022) zu plausibilisieren. Vielmehr beliess sie 

es bei der Bemerkung, es scheine, als würde sich der Verlauf insgesamt 

stabilisieren mit Milderung bzw. besserer Ertragbarkeit der 

Gesamtsymptomatik und der Belastbarkeit (IV-act. 71 S. 100). Eine 

eigentliche auf die konkreten Erscheinungsformen des CFS gerichtete 

Befunderhebung lässt sich dem psychiatrischen Teilgutachten indes nicht 

entnehmen (vgl. IV-act. 71 S. 93 f.). 

Im Rahmen der versicherungsmedizinischen Beurteilung führt Dr. med. 

N._____ zwar aus, dass der 35-jährige Beschwerdeführer seit ca. F._____ 

- 24 -

an den Folgen eines CFS leide. Dies manifestiere sich mit schneller 

Erschöpfung, Schlafstörungen, vermehrten Infekten, sich wandelnden 

Schmerzen wie Arthralgien, Verstimmungen usw. Auslöser seien 

physische aber auch emotionale Belastungen, auch von geringer 

Relevanz. Die Erholungszeiten seien erhöht (IV-act. 71 S. 101). Diesen 

Symptomen spricht sie aber sogleich insoweit deren Relevanz ab, als sie 

festhält, der Zustand persistiere leider grösstenteils wegen Schonung 

sowie Vermeidung von Anstrengung und Stress, was die Prognose 

erschwere. Psychopathologisch würden diese Symptome die 

angestammte Tätigkeit grundsätzlich nicht sehr beeinträchtigen, obwohl 

leichte kognitive Einschränkungen durchaus vorhanden seien und im 

neuropsychologischen Gutachten vom 15. Februar 2021 auch bestätigt 

würden (IV-act. 71 S. 101). Damit widerspricht sie indes nicht nur den 

aktenkundigen, von den behandelnden Fachpersonen übereinstimmend 

vertretenen Beurteilungen (vgl. Erwägung 5.5.1 hernach), sondern auch 

sich selbst. Denn in ihrer weiteren Beurteilung führt sie wiederum aus, der 

Beschwerdeführer leide seit einigen Jahren am ehesten an den Folgen 

eines CFS. Bei diesem Syndrom seien Erschöpfung nach jeglichen 

Belastungen, seien sie körperlicher oder emotionaler Natur, erhöht. 

Unerwartete, minimale Belastungen könnten Symptome der Erschöpfung, 

Krämpfe oder Schmerzen auslösen, auch nicht in unmittelbarem 

Zusammenhang mit den Triggern. Die Erholungszeiten seien erhöht, so 

dass es für den Beschwerdeführer eine gute Strategie sei, immer unter 

einer gewissen Grenze der Aktivierung zu bleiben. So habe er gelernt, eine 

gewisse Stabilität zu erlangen, die es ihm seit Sommer 2019 bis heute 

erlaubt habe, zu 20 % seinen Beruf im Homeoffice auszuüben. Die 

längerfristige Prognose in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sei, trotz 

zahlreichen durchgeführten Therapien, eher ungünstig. Im Arztbericht der 

behandelnden Psychiaterin Dr. med. J._____ vom 5. November 2019 

werde als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit das CFS 

angegeben. Dem könne zugestimmt werden. Arbeitsversuche und 

- 25 -

Eingliederungsmassnahmen seien wegen des Auftretens von CFS-

Symptomen gescheitert. Aus psychiatrischer Sicht sei das Risiko für das 

Auftreten depressiver Episoden im Rahmen des CFS erhöht, deswegen 

mache es Sinn, dass der Beschwerdeführer regelmässig weiter die 

Psychotherapie besuche (IV-act. 71 S. 101).

5.5.1. Diese Ausführungen zu den Funktionseinschränkungen des 

diagnostizierten CFS stimmen mit jenen der behandelnden Fachpersonen 

überein. Nachdem bereits ein mittelschweres bis schweres Schlafapnoe-

Syndrom festgestellt (IV-act. 62 S. 39 f.) und verschiedene bildgebende, 

laborchemische und klinische Untersuchungen durchgeführt worden 

waren, die in den Diagnosen einer Tendomyopathie der Kau- und 

Nackenmuskulatur sowie rezidivierender Arthralgien und eines 

chronischen Panvertebralsyndroms unklarer Ätiologie mündeten (IV-

act. 62 S. 44 ff.), erachtete Dr. med. H._____, Fachärztin für Allgemeine 

Innere Medizin, in ihrem Bericht vom 4. März 2019 zur Sprechstunde für 

CFS am Kantonsspital Graubünden (KSGR) erstmals die kanadischen 

Konsensus-Kriterien für ein CFS beim Beschwerdeführer als erfüllt. Dabei 

stellte sie folgende Symptome fest: deutliche Erschöpfung, fehlende 

Erholung durch Schlaf, deutliche Verschlechterung der Symptomatik bei 

zu viel körperlicher und kognitiver Belastung, deutliches Ausmass an 

Arthralgien von wanderndem Charakter, Muskelzuckungen und -krämpfe, 

verstärkte Kälte- und Wärmeintoleranz, rezidivierende Halsschmerzen 

und geschwollene Lymphknoten im Bereich des Halses sowie chronische 

Übelkeit mit Verschlechterung nach Nahrungsaufnahme. In 

anamnestischer Hinsicht ist dem Bericht ferner zu entnehmen, dass der 

Beschwerdeführer seit 2015 vermehrt Mühe habe, am Morgen 

aufzustehen, wofür er eine Stunde brauche, wobei die Müdigkeit noch bis 

zu zwei Stunden anhalte. Er sei aber auch tagsüber nie erholt. Der 

Beschwerdeführer habe auch seine sozialen und sportlichen Aktivitäten 

deutlich abgebaut. Aufgrund der Müdigkeit müsse er jeweils am 

- 26 -

Wochenende praktisch nur im Bett liegen. Ohne diese Erholung am 

Wochenende könne er die Arbeit unter der Woche nicht leisten. 

Gleichzeitig leide der Beschwerdeführer neben einem Schlafapnoe-

Syndrom an rezidivierenden Arthralgien an verschiedenen Lokalisationen 

(linkes Handgelenk, rechtes OSG und im Bereich der Fingergelenke) und 

an Rückenschmerzen. Dr. med. H._____ merkte zum CFS ausserdem an, 

bei Chronic Fatigue-Patienten sei es wichtig, dass sie nicht über ihre 

Leistungsgrenze hinausgingen und lernten, ihre Grenzen zu erkennen, 

denn durch deren Übertretung verschlechtere sich ihr Zustand zunehmend 

(IV-act. 62 S. 49 ff.). 

Auch die behandelnde Psychiaterin Dr. med. J._____ bestätigte in ihrem 

Bericht vom 17. Juni 2019, dass beim Beschwerdeführer eine 

ausgeprägte chronische Erschöpfung im Sinne eines CFS vorliege, das 

durch die vorhandenen Schlafstörungen bei einem schweren 

Schlafapnoe-Syndrom verstärkt werde. Sie verordnete daher eine 

Behandlung mit Ritalin, um beim Beschwerdeführer eine verbesserte 

Wachheit im Laufe des Tages zu erreichen. Eine behandlungsbedürftige 

Depression schloss sie aus (IV-act. 62 S. 56). Mit Bericht vom 

5. November 2019 führte sie ferner aus, aufgrund des CFS sei die 

Erschöpfung nach körperlichen, aber auch geistigen oder emotionalen 

Belastungen erhöht. Bereits minimale Belastungen könnten eine 

Erschöpfung auslösen. Die Erschöpfung könne sofort oder verzögert nach 

Stunden oder Tagen auftreten. Die Zeit, die zur Erholung benötigt werde, 

sei verlängert. Vorliegend sei in prognostischer Hinsicht ungünstig, dass 

trotz der bisher durchgeführten Therapien (kognitive Verhaltenstherapie, 

Ergotherapie, medikamentöse Behandlung mit Ritalin), an denen der 

Beschwerdeführer zuverlässig und motiviert teilnehme und auf die er 

grundsätzlich gut anspreche, bereits ein Arbeitspensum von 20 % zu einer 

zunehmenden Erschöpfung geführt habe. Zu den bestehenden 

Funktionseinschränkungen hielt Dr. med. J._____ erneut fest, dass beim 

- 27 -

Beschwerdeführer bereits kleine Belastungen zu rascher Erschöpfung und 

verlängerter Erholungszeit führten, in deren Rahmen auch die Schmerzen 

und Schlafstörungen zunähmen (IV-act. 17 S. 4 f.). Gleichermassen führte 

Dr. med. J._____ in ihrem Bericht vom 2. September 2021 aus, an 

Symptomen bestünden vor allem eine neuroimmune Entkräftung nach 

Belastung, die sogenannte "post-exertional neuroimmune exhaustion", 

abgekürzt PENE. Während einer solchen erlebe der Patient einen 

Zusammenbruch mit Verschlechterung aller anderen Symptome und ziehe 

sich zurück (IV-act. 86). Zudem wies Dr. med. I._____ in seinen Berichten 

vom 17. November 2020 eine neurokognitive Ermüdung, 

Muskelschmerzen, eine Energielosigkeit und massive myalgische 

Schmerzen im Bereich paravertebral/thorakal sowie in den Armen als 

funktionelle Leistungseinschränkungen aus (IV-act. 33 S. 4 und S. 9). 

Überdies ist dem MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2021 in 

anamnestischer Hinsicht zu entnehmen, dass die Beschwerden 

insbesondere abends, in der Nacht und am Morgen stark ausgeprägt 

seien, wobei der Beschwerdeführer Mühe beim Aufstehen bekunde (IV-

act. 71 S. 44). Auch beim Schlafen habe er aufgrund der Schmerzen und 

Krämpfe Mühe (IV-act. 91 S. 71). Ca. eine halbe Stunde vor dem 

Aufstehen bringe ihm seine Frau das Ritalin ans Bett, das er zum 

Aufstehen benötige (IV-act. 71 S. 44 f.). Zudem verlasse er das Haus 

praktisch nie (IV-act. 71 S. 45). Des Weiteren schloss Dr. med. H._____ 

in ihrem Bericht vom 1. Juli 2019 einen Zusammenhang mit dem CFS bei 

den anlässlich einer Verschlechterung des Gesundheitszustands 

aufgetretenen Beschwerden, wie geschwollene Augen, Nasenlaufen, 

Schwellungsgefühle in den Händen und Füssen sowie einer erneuten 

Rötung am Unterschenkel nicht aus (allenfalls auch stärkere Reaktion auf 

Allergien). Sie berichtete zudem, dass eine Wiederaufnahme der Arbeit im 

Juli im Umfang von 20 % geplant war (IV-act. 62 S. 57 f.), nachdem der 

Beschwerdeführer ab dem 13. März 2019 zu 100 % krankgeschrieben war 

(IV-act. 62 S. 51 und IV-act. 6 S. 2 ff.). Nach dem Wiedereinstieg traten 

- 28 -

beim Beschwerdeführer zunächst eine grössere Müdigkeit und vermehrte 

Schmerzen ein; die Situation stabilisierte sich aber sodann, weshalb keine 

Änderung der Arbeitsfähigkeit vorgenommen wurde (vgl. Bericht von 

Dr. med. H._____ vom 17. September 2019 [IV-act. 21 S. 1 f.]). Das 

Pensum von 20 % sei jedoch nur knapp geschafft worden, wobei sich der 

Beschwerdeführer am Wochenende habe erholen müssen und praktisch 

nur noch im Bett gewesen sei (vgl. Zwischenanamnese im Bericht von 

Dr. med. H._____ vom 11. November 2019 [IV-act. 21 S. 4]). Auch 

Dr. med. J._____ berichtete mit Verlaufsbericht vom 5. November 2019, 

dass der Beschwerdeführer nach dem beruflichen Wiedereinstieg wieder 

an vermehrten Beschwerden litt, insbesondere an einer Zunahme der 

Erschöpfung und Schmerzen (IV-act. 17 S. 3). Mit Bericht vom 

2. September 2021 führte sie zudem aus, der Beschwerdeführer sei in 

seiner Arbeitsfähigkeit stark eingeschränkt. Die 20%ige Arbeitsfähigkeits-

Attestierung beruhe vor allem auf der Beobachtung des Verlaufs und der 

Tatsache, dass ein höheres Pensum beim Beschwerdeführer mehr 

Symptome hervorrufe. Seine aktuelle Tätigkeit sei ideal leidensadaptiert, 

da er überwiegend im Homeoffice arbeiten und seine Arbeitszeit sowie 

Aufgaben seinen gesundheitlichen Einschränkungen anpassen könne. 

Seine Leistungsfähigkeit sei dabei nicht konstant. Verschiedene 

Belastungen – unter anderem auch geistiger oder emotionaler Natur – 

könnten eine PENE hervorrufen, wobei diese nicht vorhersehbar sei (IV-

act. 86). Schliesslich hielt auch Dr. med. I._____ in seinem Bericht vom 

13. September 2021 fest, der Beschwerdeführer habe alles daran gesetzt, 

seinen jetzigen Zustand zu stabilisieren, und es gelinge ihm mit einem 

ausserordentlichen Engagement seinerseits, seine angestammte Tätigkeit 

zu 20 % im Homeoffice durchzuführen. Aus medizinischer Sicht sei der 

Beschwerdeführer genau zu diesem Arbeitspensum befähigt; mehr liege 

nicht drin, ansonsten das ganze System kollabiere (IV-act. 84). 

- 29 -

5.5.2. Aus diesen Ausführungen ergibt sich insgesamt, dass der 

Beschwerdeführer auch in Ruhe an wesentlichen Symptomen, wie 

namentlich Energielosigkeit, chronische Müdigkeit, Schwierigkeiten beim 

Aufstehen, Schmerzen am Bewegungsapparat und Arthralgien, 

Muskelverkrampfungen, Hautreaktionen und weiteren 

(allergieassoziierten) Symptomen leidet. Diese Symptomatik verstärkt sich 

bereits bei kleinen Belastungen körperlicher, geistiger oder emotionaler 

Natur, die zu rascher Erschöpfung und verlängerter Erholungszeit führen 

und in deren Rahmen auch die Schmerzen und Schlafstörungen 

zunehmen. Geht der Beschwerdeführer über seine Leistungsgrenze 

hinaus, erleidet er einen Zusammenbruch und wird bettlägerig. Aufgrund 

seiner Beschwerden ist er überwiegend an das Haus gebunden und 

verlässt dieses praktisch nie. Der Beschwerdeführer ist daher unfähig, 

anstrengende Tätigkeiten auszuüben. Leichte Arbeiten, wie namentlich 

solche im Homeoffice vornehmlich am Computer oder Telefon, sind zwar 

möglich, jedoch nur in stark reduziertem Umfang, wobei Ruhepausen 

benötigt werden. Insgesamt ist daher von einer bedeutenden Ausprägung 

der diagnoserelevanten Befunde auszugehen.

Angesichts dieser konkreten Erscheinungsformen des CFS, die mit 

erheblichen Funktionseinschränkungen einhergehen, ist nicht 

nachvollziehbar, wenn die psychiatrische MEDAS-Teilgutachterin Dr. 

med. N._____ trotz der auch von ihr übereinstimmend beschriebenen 

Symptome festhält, diese würden psychopathologisch die angestammte 

berufliche Tätigkeit nicht sehr beeinträchtigen (IV-act. 71 S. 101). Dies gilt 

umso mehr, wenn die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen 

Verfügung die bisherige Tätigkeit des Beschwerdeführers als E._____ 

infolge des damit einhergehenden Zeitdrucks, der teils stressigen 

Arbeitssituation sowie der verlangten Fähigkeiten (hohe 

Kommunikationsfähigkeit, Durchhaltefähigkeit, 

Verantwortungsbewusstsein und unbeeinträchtigte 

- 30 -

Konzentrationsfähigkeit) als psychisch mittelschwer beschreibt (IV-act. 90 

S. 5). Aufgrund der Aufgabenkomplexität erfordert diese Tätigkeit ein 

hohes Ausmass an Aufmerksamkeit, eine ausgeprägte 

Gedächtnisfähigkeit und ein ausgedehntes Durchhalte- und 

Auffassungsvermögen (vgl. neuropsychologischer Abklärungsbericht von 

Dr. phil. K._____ vom 15. Februar 2021 [IV-act. 57 S. 24]). Dabei liegt auf 

der Hand, dass sich die vorgenannten CFS-bedingten 

Funktionseinschränkungen stark leistungsmindernd auswirken. So 

erkannte denn auch die psychiatrische MEDAS-Teilgutachterin an, dass 

sich der Beschwerdeführer wegen des CFS nicht an (fremdbestimmte) 

Routinen anpassen könne (IV-act. 71 S. 102). Weshalb sie sodann aber 

die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit als uneingeschränkt betrachtet, 

leuchtet nicht ein, wenn sie dem Beschwerdeführer neben der fehlenden 

Anpassungsfähigkeit an (fremdbestimmte) Routinen selbst zubilligt, er 

müsse ohne Zeitdruck nach einem jeden Tag selbst geschaffenen Plan 

funktionieren, da die Einbussen durch das CFS unvorhersehbar seien (IV-

act. 71 S. 105). Vor allem aber vermag nicht zu überzeugen, wenn 

Dr. med. N._____ die Widerstands- und Durchhaltefähigkeit, d.h. die 

Fähigkeit, hinreichend ausdauernd und während der üblicherweise 

erwarteten Zeit an einer Tätigkeit zu bleiben und ein durchgehendes 

Leistungsniveau aufrechtzuerhalten, bei den hohen Anforderungen in der 

angestammten Tätigkeit als E._____ bloss als mässig bis mittelgradig 

eingeschränkt erachtet (IV-act. 71 S. 104). Dabei verkennt sie, dass sie 

selbst in Übereinstimmung mit den behandelnden Fachpersonen 

zugesteht, beim Beschwerdeführer trete nach jeglichen Belastungen, ob 

körperlicher, emotionaler oder intellektueller Art, eine erhöhte Erschöpfung 

ein, wobei bereits minimale Belastungen die Symptome auslösen bzw. 

verstärken könnten und mit erhöhten Erholungszeiten einhergingen. Es 

sei daher für den Beschwerdeführer eine gute Strategie, immer unter einer 

gewissen Grenze der Aktivierung zu bleiben. So habe er gelernt, eine 

gewisse Stabilität zu erlangen, die es ihm seit Sommer 2019 bis heute 

- 31 -

erlaubt habe, zu 20 % seinen Beruf im Homeoffice auszuüben. Die 

längerfristige Prognose in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sei, trotz 

zahlreichen durchgeführten Therapien, eher ungünstig. Arbeitsversuche 

und Eingliederungsmassnahmen seien wegen des Auftretens von CFS-

Symptomen gescheitert (vgl. IV-act. 71 S. 101).

5.5.3. Diese erheblichen krankheitsbedingten Funktionseinschränkungen wirken 

sich aber auch auf eine adaptierte Tätigkeit aus, welche die 

Beschwerdegegnerin als physisch und psychisch leicht beschreibt (IV-

act. 90 S. 5). Wie bereits dem Vorbescheid vom 27. Juli 2021 entnommen 

werden kann, erachtet sie insbesondere einfache repetitive Tätigkeiten 

ohne Zeitdruck, wie z.B. das Schreiben von Berichten ab Diktaphone, 

sowie mit einfachen Arbeitsabläufen als leidensangepasst (IV-act. 73 

S. 2). Wie das angeführte Beispiel indes zeigt, handelt es sich dabei 

durchaus auch um intellektuell fordernde und ermüdende Tätigkeiten: Das 

Schreiben von Berichten ab Diktaphone über einen ganzen Arbeitstag 

erfordert namentlich ein hohes Mass an Konzentration, Ausdauer, 

Auffassungsvermögen, verbaler Merkfähigkeit, geteilter Aufmerksamkeit 

und kognitiver Flexibilität. Abgesehen davon, dass Dr. phil. K._____ in 

seinem Bericht vom 15. Februar 2021 zur neuropsychologischen 

Abklärung gerade in diesen Bereichen beim Beschwerdeführer 

Schwächen festgestellt hat, die sich einschränkend auf die neurokognitive 

Funktionstüchtigkeit auswirken (vgl. IV-act. 57 S. 12 und S. 24), wirken 

sich auch die vorgenannten CFS-spezifischen Erscheinungsformen 

leistungsmindernd aus: Auch wenn das intellektuelle Anforderungsniveau 

in Verweisungstätigkeiten leicht tiefer sein sollte als in der angestammten, 

dem Leiden des Beschwerdeführers bereits weitgehend angepassten 

Tätigkeit (vgl. dazu IV-act. 21 S. 2 und IV-act. 86, sowie Erwägung 5.13 

hernach), fällt dabei nach wie vor besonders ins Gewicht, dass der 

Beschwerdeführer bereits in Ruhe energielos, chronisch müde und 

erschöpft ist sowie Schwierigkeiten beim Aufstehen, Schmerzen am 

- 32 -

Bewegungsapparat und Arthralgien, Muskelverkrampfungen sowie 

weitere Symptome hat, die sich bereits bei kleinen Belastungen auch 

intellektueller Natur stark verschlechtern und zu rascher Erschöpfung 

sowie einer Exazerbation der Schmerzen und Schlafstörungen mit 

verlängerter Erholungszeit führen. Insofern erweist sich die im MEDAS-

Gutachten ausgewiesene 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten, 

einfachen Homeoffice-Arbeit (vgl. IV-act.  71 S. 107 und S. 145) als nicht 

nachvollziehbar, fehlt darin doch auch eine eigentliche 

Auseinandersetzung mit den funktionellen Auswirkungen der 

festgestellten Einschränkungen mit Blick auf eine Verweistätigkeit. Dass 

Dr. phil. K._____ in seinem Abklärungsbericht vom 15. Februar 2021 aus 

rein neuropsychologischer Sicht keine Verminderung der 

Leistungsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit feststellen konnte 

(IV-act. 57 S. 26), vermag daran nichts zu ändern. Denn zum einen geht 

aus dem Bericht hervor, dass die neuropsychologische Untersuchung am 

10. Februar 2021 nach dreieinhalb Stunden abgebrochen werden musste, 

da die eingetretene Müdigkeit eine kognitive Leistungserbringung 

verhinderte, wobei Dr. phil. K._____ beim Beschwerdeführer eine 

schwankende Bewegungsweise feststellen konnte (IV-act. 57 S. 8 und 

S. 16). Zum anderen merkte Dr. phil. K._____ zur raschen Ermüdbarkeit 

selbst an, dass deren Auswirkungen auf die tatsächliche 

Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum durch entsprechende 

Untersuchungen und Plausibilisierungen in verschiedenen Kontexten 

festgestellt werden könnten, wobei dies in der durch ihn durchgeführten 

Evaluierung der neurokognitiven Funktionstüchtigkeit ausdrücklich nicht 

einbezogen worden sei (IV-act. 57 S. 16). Eine solche 

Auseinandersetzung erfolgte in der psychiatrischen MEDAS-

Begutachtung indes nicht.

5.6. Ferner äusserte sich die psychiatrische MEDAS-Teilgutachterin auch zu 

den weiteren Beweisthemen – wenn überhaupt – nur oberflächlich. Zum 

- 33 -

Indikator "Behandlungserfolg oder -resistenz" bemerkte sie zwar, dass der 

Beschwerdeführer seit der Diagnose im Jahr 2019 etliche Therapien 

vorgenommen habe, um seinen Zustand zu bessern, wobei er einige 

Coping-Strategien erlernt habe. Dies relativierte sie aber sogleich 

insoweit, als der Zustand grösstenteils wegen Schonung und Vermeidung 

von Anstrengung und Stress persistiere, was die Prognose erschwere (IV-

act. 71 S. 101). Damit verkennt sie, dass bereits RAD-Arzt Dr. med. 

L._____ in seiner Beurteilung vom 1. Dezember 2020 von einer 

ungünstigen Prognose hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit ausging, weil trotz 

der bisher durchgeführten Therapien (kognitive Verhaltenstherapie, 

Ergotherapie, medikamentöse Behandlung mit Ritalin, LDN-Therapie), an 

denen der Beschwerdeführer zuverlässig und motiviert teilgenommen 

habe, keine durchschlagende Verbesserung der Arbeits- und 

Leistungsfähigkeit habe erreicht werden können (IV-act. 101 S. 18). Dies 

stimmt mit dem Bericht von Dr. med. J._____ vom 5. November 2019 

überein, in dem diese ebenfalls eine ungünstige Prognose stellte, weil trotz 

der der bisher durchgeführten Therapien (kognitive Verhaltenstherapie, 

Ergotherapie, medikamentöse Behandlung mit Ritalin), an denen der 

Beschwerdeführer zuverlässig und motiviert teilnehme und auf die er 

grundsätzlich gut anspreche, bereits ein Arbeitspensum von 20 % zu einer 

zunehmenden Erschöpfung geführt habe (IV-act. 17 S. 4). Zudem wurden 

nachweislich weitere Therapieformen erprobt (Methylphendiat bzw. 

Ritalin, Mefenacid und CBG/CBD [vgl. Evaluationsgespräch Eingliederung 

vom 5. November 2019 {IV-act. 19/2}, Berichte von Dr. med. H._____ vom 

17. September 2019 und 11. November 2019 {IV-act. 21/1 und 2, IV-

act. 20/2 und 3}, Bericht von Dr. med. J._____ vom 5. November 2019 {IV-

act. 17/3}] sowie Chiropraktik und Physiotherapie [vgl. Bericht von 

Dr. med. I._____ vom 17. November 2020 {IV-act. 33/9}]). Schliesslich 

bestätigte auch Dr. med. I._____ in seinem Bericht vom 13. September 

2021, dass der Beschwerdeführer alle möglichen Therapieverfahren nach 

dem Wissen der heutigen Grundkenntnisse des CFS erhalten habe und 

- 34 -

medizinisch aktuell keine Verbesserung der Symptomatik absehbar sei 

(IV-act. 84). Insoweit ist vorliegend von einer Behandlungsresistenz 

auszugehen.

5.7. Mit Blick auf den Indikator "Eingliederungserfolg oder -resistenz" lässt sich 

dem psychiatrischen MEDAS-Teilgutachten einzig entnehmen, dass 

Arbeitsversuche und Eingliederungsmassnahmen wegen des Auftretens 

von CFS-Symptomen gescheitert seien (IV-act. 71 S. 101). Dass dies 

letztlich in die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eingeflossen 

ist, liegt nicht nahe, mangelt es doch an einer diesbezüglichen 

Auseinandersetzung im Rahmen der Evaluation der verbliebenen 

Leistungsfähigkeit (vgl. Mini-ICF-APP Rating [IV-act. 71 S. 102 ff.]). Dabei 

wäre jedoch zu würdigen gewesen, dass sich nach der Wiederaufnahme 

der beruflichen Tätigkeit im Juli 2019 in einem Pensum von 20 % die 

Situation des Beschwerdeführers stabilisierte, nachdem bei ihm zunächst 

eine grössere Müdigkeit und vermehrte Schmerzen aufgetreten waren 

(vgl. Bericht von Dr. med. H._____ vom 17. September 2019 [IV-act. 21 

S. 1 f.]). Dem Bericht von Dr. med. H._____ vom 11. November 2019 ist 

in anamenstischer Hinsicht ferner zu entnehmen, dass das Pensum von 

20 % nur knapp geschafft worden sei, wobei sich der Beschwerdeführer 

am Wochenende habe erholen müssen und praktisch nur noch im Bett 

gewesen sei (IV-act. 21 S. 4). Auch Dr. med. J._____ berichtete mit 

Verlaufsbericht vom 5. November 2019, dass der Beschwerdeführer nach 

dem beruflichen Wiedereinstieg wieder an vermehrten Beschwerden litt, 

insbesondere an einer Zunahme der Erschöpfung und Schmerzen (IV-

act. 17 S. 3). Insofern ging sie von einer ungünstigen Prognose aus, weil 

beim Beschwerdeführer trotz der bisher durchgeführten Therapien bereits 

ein Arbeitspensum von 20 % zu einer zunehmenden Erschöpfung geführt 

habe (IV-act. 17 S. 4). Mit Bericht vom 2. September 2021 führte sie 

zudem aus, der Beschwerdeführer sei in seiner Arbeitsfähigkeit stark 

eingeschränkt. Die 20%ige Arbeitsfähigkeits-Attestierung beruhe vor 

- 35 -

allem auf der Beobachtung des Verlaufs und der Tatsache, dass ein 

höheres Pensum beim Beschwerdeführer mehr Symptome hervorrufe. 

Seine aktuelle Tätigkeit sei ideal leidensadaptiert, da er überwiegend im 

Homeoffice arbeiten und seine Arbeitszeit sowie Aufgaben seinen 

gesundheitlichen Einschränkungen anpassen könne. Seine 

Leistungsfähigkeit sei dabei nicht konstant (IV-act. 86). Schliesslich hielt 

auch Dr. med. I._____ in seinem Bericht vom 13. September 2021 fest, 

der Beschwerdeführer habe alles daran gesetzt, seinen jetzigen Zustand 

zu stabilisieren, und es gelinge ihm mit ausserordentlichem Engagement, 

seine angestammte Tätigkeit zu 20 % im Homeoffice durchzuführen. Aus 

medizinischer Sicht sei der Beschwerdeführer genau zu diesem 

Arbeitspensum befähigt; mehr liege nicht drin, ansonsten das ganze 

System kollabiere (IV-act. 84). 

Im gleichen Sinn führte der Arbeitgeber des Beschwerdeführers im 

Fragebogen vom 30. Oktober 2019 aus, dessen Leistungsfähigkeit sei 

sehr gering und liege bei ca. 20 %. Die täglichen Anforderungen und 

Belastungen als E._____ seien hoch. Aufgrund des CFS werde befürchtet, 

dass der Beschwerdeführer diesen Anforderungen leider nicht mehr 

gewachsen sei. Aufgrund der Komplexität der Aufgaben stellte der 

Arbeitgeber letztlich die Frage, ob die heutige Arbeitsfähigkeit von 20 % 

den Beschwerdeführer überfordere (IV-act. 13 S. 4). In ähnlicher Weise ist 

dem Eintrag im Verlaufsprotokoll Eingliederung vom 10. Dezember 2019 

zu entnehmen, aus dem Gespräch des RAD-Arztes Dr. med. L._____ mit 

dem Beschwerdeführer sei zu schliessen, dass die Arbeitsfähigkeit zurzeit 

nicht ausgebaut werden könne (IV-act. 22 S. 3; vgl. auch Mitteilung 

betreffend Abschluss der Eingliederungsmassnahmen vom 14. Januar 

2020 [IV-act. 24]). Aus einer weiteren Nachricht des Arbeitgebers vom 

11. Dezember 2020 geht hervor, dass die Leistungsfähigkeit des 

Beschwerdeführers gemäss dessen Vorgesetzten bei 20 % liege. Der 

Beschwerdeführer habe Tage bzw. Wochen, während denen er diese 

- 36 -

Leistung erbringe. Es gebe jedoch auch Tage bzw. Wochen, während 

denen die Leistungen nicht den 20 % entsprächen. Der Vorgesetzte des 

Beschwerdeführers sei im wöchentlichen Austausch mit ihm und könne 

die tägliche Arbeitsleistung sehr gut beurteilen. Aufgrund dieser Situation 

beurteile der Vorgesetzte eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit als nicht 

realistisch (IV-act. 35).

Damit im Einklang hielten die behandelnden Fachpersonen 

übereinstimmend fest, dass der Beschwerdeführer sowohl in der 

bisherigen Tätigkeit als E._____ als auch in einer leidensadaptierten 

Verweistätigkeit zu 20 % arbeitsfähig sei. In prognostischer Hinsicht 

gingen sie von einem Arbeitspensum zwischen 20 % und 40 % aus (vgl. 

Bericht von Dr. med. J._____ vom 5. November 2019 [IV-act. 17 S. 7] und 

Berichte von Dr. med. I._____ vom 17. November 2020 [IV-act. 33 S. 2 ff.] 

und vom 13. September 2021 [IV-act. 84]). Auch der RAD-Arzt Dr. med. 

L._____ attestierte dem Beschwerdeführer noch vor der Einholung des 

polydisziplinären MEDAS-Gutachten eine Arbeitsfähigkeit von 30 % in 

adaptierter Tätigkeit (vgl Abschlussbericht vom 14. Dezember 2020 [IV-

act. 101 S. 20]). In allgemeiner Weise ist dabei zu berücksichtigen, dass 

von einer hohen Arbeitsmotivation auszugehen ist, gab der 

Beschwerdeführer anlässlich des Evaluationsgesprächs betreffend 

Eingliederung vom 5. November 2019 doch an, er möchte unbedingt 

arbeitstätig bleiben, soweit es in seinen Möglichkeiten liege (IV-act. 19 

S. 5; vgl. ferner Bericht von Dr. med. H._____ vom 17. September 2019 

[IV-act. 21 S. 2]). Gleichermassen attestierte auch die psychiatrische 

MEDAS-Teilgutachterin dem Beschwerdeführer, eine gute Motivation zu 

haben, die Arbeitsfähigkeit zu erhöhen (IV-act. 71 S. 106). Insofern 

erweisen sich die Ergebnisse der berufspraktischen Eingliederung, bei der 

keine Steigerung des in Homeoffice-Arbeit ausgeübten Arbeitspensums 

von 20 % erreicht werden konnte, für die Beurteilung der 

Restarbeitsfähigkeit als bedeutsam (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

- 37 -

8C_329/2021 vom 27. Oktober 2021 E.6.2.1 [zur Aussagekraft einer 

beruflichen Abklärung für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit]).

5.8. Zum ebenfalls zum Komplex "Gesundheitsschädigung" gehörenden 

Indikator "Komorbiditäten" äusserte sich Dr. med. N._____ gar nicht, 

obwohl den zahlreichen aktenkundigen somatischen 

Gesundheitsschäden nicht von vornherein eine ressourcenhemmende 

Wirkung abgesprochen werden kann (vgl. BGE 143 V 418 E.8.1). So 

wurde beim Beschwerdeführer namentlich nach rezidivierenden 

Halsschmerzen und Bronchitiden (IV-act. 62 S. 7 ff., IV-act. 17 S. 2) und 

einer Tonsillektomie (IV-act. 62 S. 6) mit Bericht vom 21. November 

F._____ eine aktivierte Chondrocalzinose am linken Handgelenk mit 

Beugedefizit festgestellt (Anm. Gericht = Pseudogicht; IV-act. 62 S. 12). 

Hinzu traten die Diagnosen einer Steatose unklarer Ursache (Anm. 

Gericht = Fettleber) sowie eine symptomatische Cholezystolithiasis (Anm. 

Bericht = Gallensteine), wobei am 16. Februar 2015 eine laparoskopische 

Cholezystektomie durchgeführt wurde (IV-act. 62 S. 17). Die in der Folge 

veranlasste Leberbiopsie ergab den eindrücklichen Befund einer 

vorwiegend makrovesikulären Steatose (ca. 50 %) sowie einer diskreten 

perivenulären und sinusoidalen septenbildenden Fibrose (IV-act. 62 

S. 21). Mit Bericht vom 20. April 2015 wies Dr. med. Werth eine Steatose 

hepatis im Rahmen einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung 

(NAFLD) aus (IV-act. 62 S. 22 f.). Dr. med. Harder stellte in seinem Bericht 

vom 14. September G._____ neben einer Xerostomie und Xerophthalmie 

namentlich rezidivierende Arthralgien im Bereich der OSG und der 

Handgelenke sowie eine chronische Müdigkeit fest (IV-act. 62 S. 26 f.). 

Wie dem Bericht von Dr. med. O._____ vom 5. November 2018 

entnommen werden kann, wurde sodann im Juli 2018 eine mittelschwere 

bis schwere Rückenlage-assoziierte obstruktive Schlafapnoe 

diagnostiziert bei persistierender Tagesschläfrigkeit und CPAP-

Maskenintoleranz (IV-act. 62 S. 39), weshalb das Tragen einer 

- 38 -

nächtlichen Orthese in die Wege geleitet wurde (vgl. Bericht von Dr. med. 

O._____ vom 29. März 2019 [IV-act. 62 S. 52 f.]). Hinzu kamen eine 

Tendomyopathie der Kau- und Nackenmuskulatur beidseits bei Verdacht 

auf eine inaktive Kiefergelenksarthrose rechts, rezidivierende Arthralgien 

(OSG, Hand- und Fingergelenke), ein chronisches Panvertebralsyndrom 

unklarer Ätiologie, rezidivierende enorale Aphten und eine Sicca-

Symptomatik sowie rezidivierende Kribbelparästhesien, 

Abdominalschmerzen (intermittierend Hämatochezie) und papulöse 

Hautveränderungen (vgl. Berichte der Dres. med. Kohout und Ettlin vom 

18. Dezember 2018 [IV-act. 62 S. 44 f.] und von Dr. med. Wick vom 

12. Februar 2019 [IV-act. 62 S. 46 ff.]). Mit Bericht vom 8. Oktober 2019 

stellte Dr. med. Harder sodann eine spontane Urtikaria (Anm. Gericht = 

Nesselsucht = Hautkrankheit mit starkem Juckreiz) und angioödem-

Episoden bei möglicher atopischer Disposition fest (IV-act. 62 S. 59). 

Dazu wurde im MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2021 ein 

Mastzellenaktivierungssyndrom ausgewiesen und zur diagnostizierten 

Steatosis hepatis angemerkt, diese könne allenfalls assoziiert sein mit 

chronischer Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, einem chronischen 

Schmerzsyndrom sowie einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom, was 

alles beim Beschwerdeführer vorliege (IV-act. 71 S. 50 f.). Zudem 

ordneten die Expertinnen und Experten die festgestellte diffuse, 

ausgedehnte Schmerzproblematik vorwiegend der myofascialen 

Weichteile ohne organisches Korrelat unklarer Ursache den Diagnosen 

ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu, was indes bereits insoweit 

nicht schlüssig erscheint, als sie selbst ausweisen, dass damit eine 

verminderte körperliche Belastungsfähigkeit, chronische Müdigkeit und 

chronische Konzentrationsschwierigkeiten verbunden sind (vgl. IV-act. 71 

S. 138 und IV-act. 71 S. 75 ff.). Ebenfalls nicht zu überzeugen vermag die 

in der Konsensbeurteilung enthaltene Beurteilung aus pneumologischer 

Sicht, wonach das diagnostizierte Schlafapnoe-Syndrom mit dem Tragen 

der Kieferprotrusionsschiene kompensiert sei (IV-act. 71 S. 133). Dies 

- 39 -

widerspricht den anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers 

anlässlich der pneumologischen Begutachtung, gab dieser dort doch an, 

die Maskentherapie nicht toleriert und auch die Kieferprotrusionsschiene 

aufgrund von Kieferschmerzen nur selten zu benutzen (IV-act. 71 S. 57). 

Insofern sprach der rheumatologische Teilgutachter zu Recht von einem 

schweren, therapieresistenten Schlafapnoe-Syndrom (IV-act. 71 S. 76). 

Dies deckt sich denn auch mit dem Bericht von Dr. med. H._____ vom 

17. September 2019, wonach die Spange zur Behandlung des 

Schlafapnoe-Syndroms die Symptomatik mit der Müdigkeit verstärke und 

der Beschwerdeführer vermehrt Schmerzen am Kiefer habe (IV-act. 21 

S. 2; vgl. ferner Evaluationsgespräch Eingliederung vom 5. November 

2019 [IV-act. 19 S. 1]). Dazu wies Dr. phil. K._____ in seinem 

neuropsychologischen Abklärungsbericht vom 15. Februar 2021 darauf 

hin, dass eine unbehandelte Schlafapnoe gemäss aktueller Literatur und 

seiner langjährigen klinischen Erfahrung eine nicht zu unterschätzende 

Wirkung auf die Schlafqualität, die neurokognitive Funktionstüchtigkeit und 

die Müdigkeit habe (IV-act. 57 S. 27). Insofern liegen verschiedene 

somatische Gesundheitsschäden vor, die insgesamt eine 

ressourcenhemmende Wirkung zu entfalten vermögen.

5.9. Zum Komplex "Persönlichkeit" ist dem psychiatrischen MEDAS-

Teilgutachten zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer geschäftig sei 

(nach individualpsychologischem Ansatz von P._____). Er wäre 

vermutlich ein Arbeitstier geworden, wenn er nicht erkrankt wäre (IV-

act. 71 S. 93). Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass der 

Beschwerdeführer anlässlich der Exploration angab, er sei nicht 

depressiv, sondern werde schubartig dünnhäutig und verstimmt, wobei er 

nicht wolle, dass die Depressivität sein Leben beeinträchtige (IV-act. 71 

S. 100).

5.10. Mit Blick auf den Komplex "Sozialer Kontext" lässt sich dem 

psychiatrischen MEDAS-Teilgutachten in Übereinstimmung mit den 

- 40 -

Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der Begutachtung 

entnehmen, dass dieser einen guten Kontakt zu seiner Familie pflege und 

sich von seinem Umfeld gut getragen sowie verstanden fühle (IV-act. 71 

S. 105; vgl. ferner Verlaufsbericht der Hausärztin Dr. med. Q._____ vom 

24. Oktober 2019 [IV-act. 15 S. 4]). 

5.11. Hinsichtlich des auch mit Blick auf den Indikator "Gleichmässige 

Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren 

Lebensbereichen" der Kategorie "Konsistenz" massgebenden Kriteriums 

des sozialen Rückzugs oder der sozialen Aktivität vor Eintritt der 

Gesundheitsschädigung finden sich keine Hinweise im psychiatrischen 

Teilgutachten. Insoweit wird verkannt, dass bereits aus dem Bericht von 

Dr. med. H._____ vom 4. März 2019 hervorgeht, dass der 

Beschwerdeführer aufgrund der Erkrankung seine sozialen und 

sportlichen Aktivitäten abgebaut habe. Früher habe er Leichtathletik 

ausgeübt und sei viel geschwommen (IV-act. 62 S. 50). Dies deckt sich 

mit den anamnestischen Angaben anlässlich der internistischen MEDAS-

Begutachtung, wonach der Beschwerdeführer früher im Leichtathletik- und 

Schwimmclub gewesen sei, nun aber auf Sport verzichte, da ihm dies 

mehr schade als nütze (IV-act. 71 S. 45; vgl. ferner IV-act. 71 S. 60, 

Evaluationsgespräch Eingliederung vom 5. November 2019 [IV-act. 19 

S. 4] und Bericht vom 15. Februar 2021 [IV-act. 57 S. 5]). Daraus geht 

ferner hervor, dass der Beschwerdeführer seine Töchter nicht den ganzen 

Tag betreue (diese würden an drei Tagen die Woche bei den Grosseltern 

sein), sondern nur stundenweise Zeit mit ihnen verbringe (IV-act. 71 S. 44; 

vgl. ferner IV-act. 71 S. 72). In diesem Sinne hielt auch Dr. med. I._____ 

in seinem Bericht vom 17. November 2020 fest, dass der 

Beschwerdeführer sich ca. eine Stunde mit den Töchtern beschäftigen 

könne, mehr jedoch nicht drin liege, ansonsten die Schmerzen massiv 

zunähmen und sich eine Energielosigkeit einstelle (IV-act. 33 S. 2; so 

auch Bericht von Dr. med. J._____ vom 5. November 2019 [IV-act. 17 

- 41 -

S. 7]; vgl. ferner IV-act. 71 S. 89 und Evaluationsgespräch Eingliederung 

vom 5. November 2019 [IV-act. 19 S. 3]). Dem neuropsychologischen 

Abklärungsbericht vom 15. Februar 2021 ist zur Anamnese zudem zu 

entnehmen, dass der Beschwerdeführer kein Kino und keine Konzerte 

oder Sportveranstaltungen besuche. Seit 2018 verbringe seine Familie 

alleine Urlaub, da die jeweilige Anreise zum Urlaubsort zu viel Kraft koste 

und er sich nicht genügend von den Reisestrapazen erholen könne (IV-

act. 57 S. 5). Ferner ist der internistischen und rheumatologischen 

Anamneseerhebung anlässlich der MEDAS-Begutachtung zu entnehmen, 

dass die Frau des Beschwerdeführers zu Hause den Haushalt führe und 

er manchmal beim Staubsaugen, beim Aus- und Einräumen des 

Geschirrspülers oder bei anderen leichten Tätigkeiten, wie den Tisch 

decken, helfe, wobei mehr aktuell nicht drin liege (IV-act. 71 S. 44). 

Sodann benutze er keine öffentlichen Verkehrsmittel und fahre seit ca. 

zwei Jahren kein Auto mehr (IV-act. 71 S. 45). Dies wertete die 

psychiatrische Teilgutachterin bloss als leichte Einschränkung, obwohl sie 

ebenfalls anmerkte, dass der Beschwerdeführer nur bedingt in der Lage 

sei, Auto zu fahren und die Benutzung des ÖV vermeide, weil er dabei 

erschöpfe (IV-act. 71 S. 105). Soweit Dr. med. N._____ ferner zwar 

zugesteht, dass der Beschwerdeführer im Bereich Proaktivität und 

Spontanaktivitäten stark eingeschränkt sei, relativiert sie dies jedoch 

sogleich insoweit, als er diesbezüglich in der angestammten Tätigkeit nur 

mittelgradig beeinträchtigt sei (IV-act. 71 S. 103), obschon der berufliche 

Kontext dabei gerade ausgeklammert gehört. Ferner bleibt durch sie 

ungewürdigt, dass der Beschwerdeführer – wie auch aus den anderen 

Teilgutachten hervorgeht – das Haus praktisch nie verlasse (IV-act. 71 

S. 45) und nie einkaufen oder mit seiner Familie ausser Haus gehe (IV-

act. 71 S. 72). Er habe all seine Hobbies aufgegeben (IV-act. 71 S. 72 und 

S. 91). Der rheumatologische MEDAS-Teilgutachter beurteilte die 

Angaben des Beschwerdeführers anlässlich der Exploration als klar, 

präzise, in sich logisch, kohärent und glaubhaft (IV-act. 71 S. 73). Insofern 

- 42 -

sind auch in den ausserberuflichen Lebensbereichen neben einem 

ausgeprägten sozialen Rückzug erhebliche Einschränkungen 

festzustellen, die früher nicht bestanden und mit jenen im erwerblichen 

Bereich vergleichbar sind.

5.12. Schliesslich weist Dr. med. N._____ hinsichtlich des Indikators 

"Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener 

Leidensdruck" zwar aus, dass die Therapiemotivation gegeben ist und der 

Beschwerdeführer seine Psychiaterin regelmässig besuche (IV-act. 71 

S. 93), was aufgrund des Risikos für das Auftreten depressiver Episoden 

im Rahmen des CFS sinnvoll sei (IV-act. 71 S. 101). Zudem attestiert sie 

ihm trotz etwas reduzierter Ressourcenlage eine gute Motivation, den 

Gesundheitszustand zu verbessern und die Arbeitsfähigkeit zu erhöhen 

(IV-act. 71 S. 106). Abweichend davon führt sie sodann jedoch aus, es 

bestehe eine Diskrepanz zwischen der Selbstlimitierung und den 

objektiven Befunden, wobei die massive Malcompliance hinsichtlich der 

Diagnostik des CFS bei den Co-Gutachtern die Glaubwürdigkeit der 

subjektiven Selbstlimitierung noch weiter in Frage stelle (IV-act. 71 

S. 102). Abgesehen davon, dass die psychiatrische Teilgutachterin in ihrer 

Untersuchung ohnehin keine CFS-spezifischen Befunde erhoben hat (vgl. 

IV-act. 71 S. 92 ff.), womit diesbezüglich auch keine Inkonsistenzen 

festgestellt werden können, widerspricht sie sich denn auch selbst. So hält 

sie in der versicherungsmedizinischen Beurteilung in Übereinstimmung 

mit den behandelnden Fachpersonen aufgrund der beim 

Beschwerdeführer eintretenden Erschöpfung nach jeglichen Belastungen 

mit erhöhter Erholungszeit dafür, es sei für ihn eine gute Strategie, immer 

unter einer gewissen Grenze der Aktivierung zu bleiben. Er habe gelernt, 

eine gewisse Stabilität zu erlangen, die es ihm seit Sommer 2019 bis heute 

erlaubt habe, zu 20 % seinen Beruf im Homeoffice auszuüben. 

Arbeitsversuche und Eingliederungsmassnahmen seien wegen des 

Auftretens von CFS-Symptomen gescheitert (IV-act. 71 S. 101). Insofern 

- 43 -

kann nicht von einer Diskrepanz zwischen der subjektiven 

Selbstlimitierung und den objektiven Befunden gesprochen werden. 

Vielmehr gebieten die Symptome des CFS nicht über die Leistungsgrenze 

hinauszugehen. Soweit Dr. med. N._____ ferner auf die in den anderen 

Teilgutachten festgestellte Malcompliance bzw. Verletzung der 

Mitwirkungspflicht hinweist, vermag dies ebenfalls nicht zu überzeugen, 

wobei hierfür auf das bereits Ausgeführte verwiesen werden kann (vgl. 

Erwägung 5.3 hiervor).

Zudem ist zu berücksichtigen, dass bereits Dr. med. L._____ in seiner 

RAD-Beurteilung vom 1. Dezember 2020 von einer ungünstigen Prognose 

hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit ausging, weil trotz der bisher 

durchgeführten Therapien (kognitive Verhaltenstherapie, Ergotherapie, 

medikamentöse Behandlung mit Ritalin, LDN-Therapie), an denen der 

Beschwerdeführer zuverlässig und motiviert teilgenommen habe, keine 

durchschlagende Verbesserung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit habe 

erreicht werden können (IV-act. 101 S. 18). Gleichermassen führte zuvor 

Dr. med. J._____ in ihrem Bericht vom 5. November 2019 aus, vorliegend 

sei in prognostischer Hinsicht ungünstig, dass trotz der bisher 

durchgeführten Therapien (kognitive Verhaltenstherapie, Ergotherapie, 

medikamentöse Behandlung mit Ritalin), an denen der Beschwerdeführer 

zuverlässig und motiviert teilnehme und auf die er grundsätzlich gut 

anspreche, bereits ein Arbeitspensum von 20 % zu einer zunehmenden 

Erschöpfung geführt habe (IV-act. 17 S. 4). RAD-Arzt Dr. med. L._____ 

merkte zu seinem Gespräch mit dem Beschwerdeführer am 10. Dezember 

2019 ferner an, dass dieser sich bezüglich seines Hinweises auf eine 

weitere Therapiemethode (orthomolekulare Medizin) sehr dankbar gezeigt 

und angegeben habe, sich weiter damit zu beschäftigen sowie sich nach 

entsprechenden Therapeuten zu erkundigen (IV-act. 101 S. 16). Zudem 

bestätigte letztlich auch Dr. med. I._____ in seinem Bericht vom 

13. September 2021, dass der Beschwerdeführer alle möglichen 

- 44 -

Therapieverfahren nach dem Wissen der heutigen Grundkenntnisse des 

CFS erhalten habe (IV-act. 84). Aufgrund der Inanspruchnahme aller 

therapeutischen Optionen ist somit von einem hohen Leidensdruck 

auszugehen. 

5.13. Insgesamt ergibt sich somit, dass insbesondere mangels vollständiger, 

schlüssiger und widerspruchsfreier Beachtung der normativen Vorgaben 

nicht auf das MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2021 abgestellt werden 

kann. Vielmehr vermögen die Vorbringen des Beschwerdeführers und die 

übrige medizinische Aktenlage dessen Beweiswert zu schmälern. Daher 

hat die Beschwerdegegerin zu Unrecht die darin ausgewiesene 60%ige 

Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als E._____ ab Anmeldung 

zum Leistungsbezug bzw. die 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer 

angepassten Tätigkeit ab Begutachtungszeitpunkt als massgeblich 

betrachtet. Wie die obige Abhandlung der massgeblichen Beweisthemen 

anhand der Indikatoren im Rahmen einer umfassenden 

Betrachtungsweise nachweist, stimmen die gutachterlichen Darlegungen 

nicht bzw. nur unvollständig mit den normativen Vorgaben überein, so 

dass sich eine davon losgelöste funktionelle Folgenabschätzung 

aufdrängt (vgl. BGE 145 V 361 E.4.1.1; Urteil des Bundesgerichts 

9C_293/2021 vom 23. Dezember 2021 E.2.3). Dabei bestehen in 

Gesamtwürdigung der hier massgeblichen Beweisthemen neben 

gewissen Gegebenheiten, die als Ressourcen des Beschwerdeführers zu 

werten sind (insbesondere familiäres Umfeld und Persönlichkeit), im 

vorliegenden Fall deutlich überwiegend Faktoren, die auf eine erhebliche 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit hinweisen. Aus funktioneller Sicht 

besonders ins Gewicht fallen dabei die konkreten Erscheinungsformen 

des CFS mit gesundheitsbedingten Einschränkungen wie auch in Ruhe 

bestehender Energielosigkeit, chronischer Müdigkeit, morgendlichen 

Schwierigkeiten aufzustehen, Schmerzen am Bewegungsapparat und 

Arthralgien, Muskelverkrampfungen sowie weiteren Symptomen, die sich 

- 45 -

bereits bei kleinen Belastungen, seien sie körperlicher, intellektueller oder 

emotionaler Art, stark verschlechtern und zu rascher Erschöpfung sowie 

zu einer Exazerbation der Schmerzen und Schlafstörungen mit 

verlängerter Erholungszeit führen. Geht der Beschwerdeführer mit 

anderen Worten über seine Leistungsgrenze hinaus, erleidet er einen 

Zusammenbruch und wird bettlägerig. Dieser Gesundheitsschaden 

erweist sich als therapierefraktär, wobei dem Beschwerdeführer 

anzurechnen ist, dass er an den verschiedenen Therapieformen 

zuverlässig und motiviert teilgenommen und alle möglichen lege artis 

Therapieverfahren in Anspruch genommen hat, was auf einen erheblichen 

Leidensdruck hinweist. Die CFS-bedingten Einschränkungen äussern sich 

darüber hinaus in allen Lebensbereichen gleichmässig, wobei ein 

ausgeprägter sozialer Rückzug festzustellen ist. Mit Blick auf die 

Folgeabschätzung relevant sind zudem die vorliegend bestehenden, 

ressourcenhemmenden Komorbiditäten und der Umstand, dass eine 

Steigerung des in Homeoffice-Arbeit ausgeübten Arbeitspensums von 

20 % in der angestammten Tätigkeit gesundheitsbedingt nicht möglich 

war. In Berücksichtigung der Angaben des Beschwerdeführers, wonach er 

meistens ca. zwei Stunden täglich arbeitet (vgl. neuropsychologischer 

Abklärungsbericht vom 15. Februar 2021 [IV-act. 57 S. 7] und MEDAS-

Gutachten vom 18. Juni 2021 [IV-act. 71 S. 45, S. 59 und S. 91]), was 

angesichts der betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 43 Stunden 

(vgl. dazu Fragebogen für Arbeitgebende vom 30. Oktober 2019 [IV-

act. 13 S. 2]) einem Pensum von etwas über 20 % (5 Tage à ca. 2 Stunden 

= 10 Stunden = 23.25 %) entspricht, und angesichts des Umstands, dass 

er manchmal bei gutem Wohlbefinden noch einen kurzen zweiten Block 

arbeiten kann (vgl. MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2021 [IV-act. 71 S. 45 

und S. 59], ist von einer Arbeitsfähigkeit von 20-30 % (43 Stunden x 30 % 

= 12.9 Stunden : 5 Tage = 2.58 Stunden) in der angestammten Tätigkeit 

auszugehen. Diese orientiert sich denn auch in etwa am Mittelwert, der 

von den behandelnden Fachpersonen in prognostischer Hinsicht 

- 46 -

ausgewiesen wurde (vgl. Bericht von Dr. med. J._____ vom 5. November 

2019 [IV-act. 17 S. 7] und Berichte von Dr. med. I._____ vom 

17. November 2020 [IV-act. 33 S. 2 ff.] und vom 13. September 2021 [IV-

act. 84]). In Berücksichtigung des Umstands, dass die angestammte 

Tätigkeit beim bisherigen Arbeitgeber bereits weitgehend dem Leiden des 

Beschwerdeführers angepasst wurde (vgl. Fragebogen für Arbeitgebende 

vom 30. Oktober 2019 [IV-act. 13 S. 3], Evaluationsgespräch 

Eingliederung vom 21. November 2019 [IV-act. 19 S. 4]), zeitigten die 

konkreten Erscheinungsformen des CFS zusammen mit den weiteren 

vorgenannten Faktoren auch in einer anderen angepassten Tätigkeit mit 

einem leicht niedrigeren Anforderungsniveau wesentliche 

Funktionseinschränkungen, weshalb angesichts dessen, dass bereits 

kleine Belastungen zu einer raschen Erschöpfung und 

Schmerzexazerbation mit verlängerter Erholungszeit führen, die 

Leistungsgrenze auch in einer Verweistätigkeit, die es dem 

Beschwerdeführer erlaubt, dauerhaft einer Arbeitstätigkeit nachzugehen, 

ohne dabei zu dekompensieren, bei 30 % zu verorten ist. Da im 

Krankheitsverlauf keine wesentlichen Änderungen des 

Gesundheitszustands auszumachen sind, ist davon auszugehen, dass 

diese seit dem Wiedereinstieg in die berufliche Tätigkeit im Juli 2019 

besteht, jedenfalls spätestens ab dem Zeitpunkt des frühestmöglichen 

Rentenbeginns ab dem 1. April 2020.

6. Damit ist nachfolgend der Invaliditätsgrad nach der allgemeinen Methode 

des Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. Erwägung 4.2 hiervor). 

6.1. Dabei resultiert, selbst wenn – wie die Beschwerdegegnerin geltend macht 

und vom Beschwerdeführer bestritten wird – von einem gestützt auf die 

LSE-Tabelle im Kompetenzniveau 2 bemessenen Invalideneinkommen 

ausgegangen wird (vgl. hierzu IV-act. 74 [Invaliditätsbemessung]), was bei 

einer Arbeitsfähigkeit von 30 % einen Betrag von CHF 21'824.00 ergibt 

(LSE 2018 TA 1, Totalwert aller Wirtschaftszweige, Männer, umgerechnet 

- 47 -

auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden, 

aufindexiert, ohne Leidensabzug = CHF 5'649.-- x 12 : 40 x 41.7 x 

1.009117 x 1.01 x 1.01 x 0.3, in Gegenüberstellung zum unbestritten 

gebliebenen und aktenkundigen Valideneinkommen von CHF 96'200.-- 

(vgl. IV-act. 72) ein Invaliditätsgrad von 77.31 %, der dem 

Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente verleiht. 

6.2. Die Beschwerde erweist sich somit als begründet und ist in Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung vom 24. Februar 2022 gutzuheissen. Dem 

Beschwerdeführer steht für den Zeitraum ab dem 1. April 2020 eine ganze 

Invalidenrente zu. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt es sich, auf die 

weiteren Vorbringen und Anträge (namentlich Einholung eines 

Gerichtsgutachtens, Eventualbegehren auf Rückweisung im Sinne der 

Erwägungen usw.) des Beschwerdeführers einzugehen.

7. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG (beide in Kraft seit 

dem 1. Januar 2021; vgl. auch Art. 82a ATSG) ist das 

Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der 

Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und 

unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.-- 

festgelegt. Im vorliegenden Fall werden die Kosten in Berücksichtigung 

des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.-- festgelegt. Infolge 

des Ausgangs des Beschwerdeverfahrens sind diese der 

Beschwerdegegnerin zu überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).

8. Der Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf 

Ersatz der Parteikosten zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die 

Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert 

nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des 

Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig 

durch die Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird 

- 48 -

die Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Ingress ATSG 

nach dem kantonalen Recht bestimmt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

9C_714/2018 vom 18. Dezember 2018 [in BGE 144 V 381 nicht 

publizierte] E.9.2, 9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.6.1 und 

9C_688/2009 vom 19. November 2009 E.3.1.1 f.). Gemäss Art. 78 VRG 

i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der 

Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV; 

BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach Ermessen des Gerichts 

festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der Honorarnote geltend 

gemachten (und als angemessen zu betrachtenden) Aufwand sowie 

(üblichen) Stundenansatz ausgeht. Der Rechtsvertreter des 

Beschwerdeführers machte in seiner Eingabe vom 4. April 2022 

insgesamt einen Aufwand von 3.8333 Stunden zuzüglich Auslagen in der 

Höhe von CHF 14.-- und MWST geltend, wobei er darauf verzichtete, eine 

eigentliche Honorarnote zu erstellen. Da vorliegend keine 

Honorarvereinbarung im Recht liegt, ist der Stundenansatz praxisgemäss 

auf CHF 240.-- festzulegen (vgl. statt vieler Urteil des Verwaltungsgerichts 

des Kantons Graubünden R 17 86 vom 17. April 2018 E.5.2). Insgesamt 

ist somit eine Entschädigung von CHF 1'005.90 (3.8333 Stunden à 

CHF 240.-- [CHF 920.--] zzgl. geltend gemachte Auslagen [CHF 14.-- 

pauschal] und 7.7 % MWST [CHF 71.90]) angemessen. In diesem Umfang 

hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer aussergerichtlich zu 

entschädigen.

9. Bei diesem Verfahrensausgang wird das Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege und Verbeiständung gegenstandslos.

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Verfügung vom 

24. Februar 2022 aufgehoben und dem Beschwerdeführer für den Zeit-

raum ab dem 1. April 2020 eine ganze Invalidenrente zugesprochen. 

- 49 -

2. Die Kosten von CHF 700.-- gehen zulasten der IV-Stelle.

3. Die IV-Stelle hat A._____ mit CHF 1'005.90 aussergerichtlich zu 

entschädigen.

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]