# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c166e1b2-1072-5684-8ffc-e322ca9ec3c7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-02-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.02.2021 D-1269/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1269-2017_2021-02-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1269/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  F e b r u a r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richterin Christa Luterbacher, Richter Yanick Felley, 

Gerichtsschreiber Daniel Widmer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. Daniel Habte, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung (Asyl) und Einreisebewilligung 

zugunsten von 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

E._______, geboren am (…), Eritrea; 

Verfügung des SEM vom 25. Januar 2017 / N (...). 

 

 

 

D-1269/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Mit Verfügung vom (...) Mai 2016 gewährte das SEM dem Beschwerdefüh-

rer in der Schweiz Asyl. 

B.  

B.a Mit Schreiben vom 27. November 2016 (Eingang beim SEM am 1. De-

zember 2016) teilte der Beschwerdeführer dem SEM mit, er habe am 7. Juli 

2016 für seine Ehefrau, B._______, geboren am (…), und seine drei Kinder 

C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), sowie 

E._______, geboren am (…), ein Gesuch um Familienzusammenführung 

eingereicht. Die erwähnten Familienangehörigen befänden sich in 

F._______ und seien dort telefonisch erreichbar. Er wäre dankbar, wenn 

sein Gesuch bald geprüft würde. 

B.b Mit Schreiben vom 22. Dezember 2016 teilte das SEM dem Beschwer-

deführer mit, sein Gesuch sei nicht eingetroffen, und ersuchte ihn, dieses 

inklusive Unterlagen erneut einzureichen. 

B.c Bezugnehmend auf das Schreiben des SEM teilte er diesem am 5. Ja-

nuar 2017 (Eingang SEM am 6. Januar 2017) per Einschreiben mit, er sei 

verunsichert, da er die Sendung persönlich am Postschalter abgegeben 

habe, und reichte eine Kopie des Gesuchs vom 7. Juli 2016 zu den Akten. 

Zudem führte er aus, dass seine Frau vom (...) Militär festgenommen wor-

den sei. Sie sei im (...) eine und im (...) zwei Wochen im Gefängnis gewe-

sen. Sie lebe in ständiger Angst, nach Eritrea deportiert zu werden. Ab-

schliessend ersuchte er um wohlwollende Prüfung des Gesuchs.  

Gemäss Kopie des Gesuchs um Familienzusammenführung vom 7. Juli 

2016 wurde zu dessen Begründung unter Angabe der Personalien der er-

wähnten Familienangehörigen für diese die Bewilligung zur Einreise in die 

Schweiz beantragt. Die Geburtsurkunden der Kinder und die Heiratsur-

kunde seien bereits beim SEM im Original hinterlegt. Die Familienangehö-

rigen befänden sich in F._______. Der Beschwerdeführer sei seit dem 

(...) Mai 2016 als Flüchtling anerkannt und im Besitz einer Aufenthaltsbe-

willigung B.  

C.  

Mit Verfügung vom 25. Januar 2017 bewilligte das SEM die Einreise in die 

Schweiz nicht und lehnte das Gesuch um Familienzusammenführung ab. 

D-1269/2017 

Seite 3 

D.  

Mit Eingabe vom 27. Februar 2017 erhob der Beschwerdeführer – han-

delnd durch seinen Rechtsvertreter – gegen diesen Entscheid beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, die Verfügung des 

SEM sei aufzuheben und der Ehefrau sowie den drei Kindern die Einreise 

in die Schweiz zwecks Familienzusammenführung zu bewilligen. In pro-

zessualer Hinsicht wurde beantragt, es sei die unentgeltliche Rechtspflege 

zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzich-

ten. 

Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung, eine Vollmacht und 

eine Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit bei.  

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 3. März 2017 wurde das Gesuch um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung unter Vorbehalt der Veränderung 

der finanziellen Lage des Beschwerdeführers gutgeheissen und auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses verzichtet. Gleichzeitig wurde das SEM 

eingeladen, bis zum 20. März 2017 eine Vernehmlassung einzureichen. 

F.  

F.a Die Vernehmlassung des SEM vom 15. März 2017 wurde dem Be-

schwerdeführer am 20. März 2017 unter Gewährung des Replikrechts zur 

Kenntnis gebracht. 

F.b Die Replik des Beschwerdeführers datiert vom 27. März 2017 

G.  

Mit Schreiben vom 11. April 2018 (Eingang beim BVGer am 16. April 2018) 

fragte der Rechtsvertreter nach dem Verfahrensstand und ersuchte um pri-

oritäre Behandlung des Verfahrens, da sein Mandant erheblich unter den 

Folgen der Perspektivlosigkeit und der Unsicherheit leide, die das lange 

Warten auf einen Entscheid mit sich bringe. Ausserdem vermisse der Be-

schwerdeführer seine Familie sehr und wünsche sich nichts mehr, als wie-

der mit dieser vereint zu sein. 

Dieses Schreiben wurde am 18. April 2018 vom damals zuständigen In-

struktionsrichter beantwortet. 

H.  

Mit nicht datiertem Schreiben (Eingang beim BVGer am 21. Januar 2019) 

teilte der Beschwerdeführer mit, dass die aktuelle Situation im G._______ 

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und besonders in der Hauptstadt F._______, wo sich seine Familie auf-

halte, unruhig sei und demnächst gefährlich werden könnte. Deshalb seien 

er und seine Familie besorgt. Aufgrund der schwierigen Lage im 

G._______ ersuche er, die Beschwerde zu prüfen. 

I.  

Aus organisatorischen Gründen innerhalb der Abteilung IV wurde das Ver-

fahren am 2. August 2019 auf Richter Jürg Marcel Tiefenthal übertragen. 

J.  

Mit Schreiben vom 2. August 2019 (Eingang beim BVGer am 8. August 

2019) wiederholte der Rechtsvertreter seine Anfrage und sein Ersuchen 

vom 11. April 2018. 

Dieses Schreiben wurde am 8. August 2019 vom Instruktionsrichter beant-

wortet. 

K.  

Mit Schreiben vom 4. September 2020 erkundigte sich der Rechtsvertreter 

nach dem Stand des Verfahrens und ersuchte um dessen prioritäre Be-

handlung. Zudem wies er in diesem Zusammenhang unter Beilage einer 

ärztlichen Stellungnahme vom 5. August 2020 darauf hin, dass der Be-

schwerdeführer suizidgefährdet sei.  

L.  

Mit Instruktionsverfügung vom 19. November 2020 wurde dem Rechtsver-

treter mitgeteilt, dass das Verfahren aus organisatorischen Gründen zur 

weiteren Behandlung auf Richterin Nina Spälti Giannakitsas übertragen 

und, unter Hinweis auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

E-273/2018 vom 22. Juli 2020 (Koordinationsurteil betreffend Familienzu-

sammenführung aus dem Ausland [Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG 

{SR 142.31}], zur Publikation vorgesehen) prioritär behandelt werde. Zu-

dem wurde dem Beschwerdeführer Frist zur Stellungnahme bezüglich des 

Kontakts mit seinen Familienangehörigen im G._______ angesetzt. 

M.  

Nach erstreckter Frist hielt der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme 

vom 17. Dezember 2020 fest, dass er den Kontakt zu seinen Familienan-

gehörigen zu keinem Zeitpunkt abgebrochen habe und insbesondere mit 

seiner Ehefrau in ständigem Kontakt stehe. Zudem habe er seine Familie 

im Jahr 2018 im G._______ besucht. Einen für das Jahr 2020 geplanten 

Familienbesuch habe er aufgrund der Corona-Krise verschieben müssen. 

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Seite 5 

Dazu reichte er eine Kopie seines Reiseausweises mit sudanesischem Ein-

reisestempel von (...) 2018, (...) Familienfotografien und Listen von (...) Te-

lekommunikationsdienstleistern betreffend Kontaktnachweise (Telefon, 

SMS, Messenger) zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 

(AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das 

bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung 

des AsylG vom 25. September 2015). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. 

Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – unter dem Titel Familienasyl – 

namentlich Ehegatten und minderjährige Kinder von Flüchtlingen ihrerseits 

als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl in der Schweiz, wenn keine 

besonderen Umstände dagegensprechen. Wurden die anspruchsberech-

tigten Personen nach Absatz 1 durch die Flucht getrennt und befinden sie 

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Seite 6 

sich im Ausland, so ist ihre Einreise auf Gesuch hin zu bewilligen (Art. 51 

Abs. 4 AsylG). Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach Art. 51 Abs. 4 

AsylG setzt eine vorbestandene Familiengemeinschaft, die Trennung der 

Familie durch die Flucht sowie die fest beabsichtigte Familienvereinigung 

in der Schweiz voraus (vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5, BVGE 2017 VI/4 E. 3.1 

und E. 4.4.2, BVGE 2012/32 E. 5).  

3.2 Die Trennung der Familiengemeinschaft muss demnach kausal mit je-

nen Umständen zusammenhängen, welche zur Flucht aus dem Heimat-

land Anlass gegeben haben. Ausnahmsweise kann auch dann von einer 

im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG relevanten Trennung ausgegangen wer-

den, wenn nicht die Flucht eines Familienmitglieds ins Ausland als solche, 

sondern andere zwingende Gründe zur Trennung der Familiengemein-

schaft geführt haben (vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5.2). 

3.3 Wer um die Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Familienasyls 

ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen zur Fa-

miliengemeinschaft, die zum Zeitpunkt der Flucht vorbestandene Familien-

gemeinschaft, die Trennung der Familie durch die Flucht sowie die fest be-

absichtigte Familienvereinigung beider Anspruchsberechtigten nachzuwei-

sen oder zumindest glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG; Botschaft des Bun-

desrates vom 4. Dezember 1995 zur Totalrevision des Asylgesetzes sowie 

zur Änderung des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der 

Ausländer, BBl 1996 II 70). 

 

4.  

4.1 Das SEM führte zur Begründung seiner Verfügung aus, die Gewährung 

einer Familienzusammenführung, das heisst die Erteilung einer Einreisbe-

willigung gestützt auf Art. 51 Abs. 4 AsylG, bedinge, dass der Flüchtling vor 

der Ausreise in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Mitglied seiner Fa-

milie, für das die Familienzusammenführung verlangt werde, gelebt habe 

und die Personen durch die Flucht getrennt worden seien. Eine Trennung 

durch Flucht setze eine Familienverbindung voraus, die bereits vor der 

Flucht bestanden haben müsse und aufgrund einer Zwangssituation abge-

brochen worden sei. Als Flucht werde in erster Linie die Ausreise aus dem 

Heimatstaat erachtet und diese sei demnach abgeschlossen, sobald die 

betreffende Person in einen Drittstaat einreise. Das Familienasyl nach 

Art. 51 Abs. 1 AsylG diene weder der Aufnahme von neuen respektive von 

zuvor noch gar nicht gelebten familiären Beziehungen, noch der Wieder-

aufnahme von zuvor abgebrochenen Beziehungen. 

 

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Seite 7 

Den Asylakten des Beschwerdeführers sei zu entnehmen, dass er Eritrea 

im (...) 2014 verlassen habe und in den G._______ gereist sei. Im (...) Mo-

nat 2015 seien seine Ehefrau und seine Kinder auch in den G._______ 

gereist, wo sie ab dem (...) Monat 2015 gemeinsam als Familie für etwa 

zwei Monate gelebt hätten. Daraus folge, dass die selbständige Weiter-

reise des Beschwerdeführers und demnach die Trennung von seiner Ehe-

frau und seinen Kindern nicht aus einer Zwangssituation, sondern aus sei-

nem freiwilligen Handeln, den G._______ verlassen zu wollen, erfolgt sei. 

Dies entspreche somit keiner Flucht. Demnach seien die Voraussetzungen 

für die Anwendung von Art. 51 Abs. 4 AsylG nicht erfüllt. 

Da der Beschwerdeführer in der Schweiz über eine Aufenthaltsbewilligung 

B verfüge, stehe es ihm hingegen offen, bei der kantonalen Migrationsbe-

hörde ein Gesuch um Familiennachzug gestützt auf das Gesetz über die 

Ausländerinnen und Ausländer vom 16. Dezember 2005 (AuG) einzu-

reichen. 

4.2 In der Beschwerde wurde dem entgegengehalten, das SEM habe das 

Gesuch um Familienzusammenführung mit der Begründung abgelehnt, 

dass die selbständige Weiterreise des Beschwerdeführers und demnach 

die Trennung von seiner Ehefrau und seinen Kindern nicht aus einer 

Zwangssituation, sondern aus seinem freiwilligen Handeln, den G._______ 

verlassen zu wollen, erfolgt sei, weshalb die Familiengemeinschaft angeb-

lich nicht durch Flucht aufgelöst worden sei. Dass die Familie nach seiner 

Flucht in den G._______ ebenfalls dorthin geflohen sei, werde nicht bestrit-

ten und gehe offensichtlich aus den Anhörungsprotokollen hervor. Nicht 

nachvollziehbar sei aber die Behauptung der Vorinstanz, dass die Flucht 

des Beschwerdeführers durch die Einreise in den G._______, bei dem es 

sich um einen unsicheren Drittstaat handle, beendet worden sei und so-

wohl seine Ausreise aus Eritrea als auch aus dem G._______ nicht aus 

einer Zwangslage erfolgt seien. Unter Hinweis auf das Urteil des Bundes-

verwaltungsgerichts E-5101/2014 vom 12. Januar 2015 würden nach 

Art. 51 Abs. 1 AsylG – unter dem Titel Familienasyl – namentlich die Ehe-

gatten und die minderjährigen Kinder von Flüchtlingen ihrerseits als Flücht-

linge anerkannt und erhielten in der Schweiz Asyl, wenn keine besonderen 

Umstände dagegen sprechen würden. In diesem Sinne bestimme Art. 51 

Abs. 4 AsylG in Verbindung mit Abs. 1 dieser Gesetzesbestimmung, dass 

jenen Personen, die einen Anspruch auf Einbezug in die Flüchtlingseigen-

schaft und die Gewährung von Asyl hätten, auf Gesuch hin die Einreise in 

die Schweiz zu bewilligen sei, wenn sie sich noch im Heimatstaat befänden 

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Seite 8 

oder erst einen Drittstaat erreicht hätten. Ihnen sei – im Sinne des Famili-

ennachzugs – die Einreise in die Schweiz zu bewilligen, jedoch nur dann, 

wenn eine Trennung durch die Fluchtumstände stattgefunden habe.  

Bei der Beurteilung, ob die Familiengemeinschaft durch die Flucht des Be-

schwerdeführers getrennt worden sei, sei entgegen der Vorinstanz auf die 

Situation in Eritrea – dem Heimatstaat des Beschwerdeführers – und nicht 

auf diejenige in einem unsicheren Drittstaat abzustellen. Vorliegend sei die 

in Eritrea bereits bestandene Familiengemeinschaft durch die dortigen 

asylrelevanten Probleme des Beschwerdeführers und seine damit einher-

gehende Flucht aus diesem Staat getrennt worden. Daran vermöge die 

Tatsache, dass sich die Familie im G._______ wieder getroffen habe, 

nichts zu ändern. Fakt sei jedenfalls, dass er und seine Familie bereits in 

Eritrea in einer Familiengemeinschaft zusammen gewesen seien, und es 

sei allein auf die Gegebenheiten in Eritrea abzustellen, nicht auf diejenigen 

im G._______ oder in irgendeinem anderen Drittland. 

4.3 Das SEM führte in seiner Vernehmlassung aus, dass die Flucht mit der 

Ausreise aus dem Heimatstaat als abgeschlossen zu betrachten sei. Dem-

nach sei die Tatbestandsvoraussetzung von Art. 51 Abs. 4 AsylG "Tren-

nung durch die Flucht" nicht gegeben, wenn der Beschwerdeführer nach 

einem Aufenthalt im G._______ alleine weitergereist sei. Diesbezüglich 

wies das SEM auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-4076/2015 

vom 6. Juli 2015 E. 3.4 hin. Er habe mit seiner Familie während circa 

zweier Monate im G._______ zusammengelebt. Daraufhin sei er freiwillig 

allein weitergereist, weil die Reise als Familie zu gefährlich gewesen sei 

und die finanziellen Mittel nicht für alle gereicht hätten. Die Trennung der 

Familiengemeinschaft sei demzufolge weder durch Flucht noch unfreiwillig 

erfolgt. Im Übrigen verwies das SEM auf seine Erwägungen in der ange-

fochtenen Verfügung, an denen es vollumfänglich festhielt. 

4.4 In seiner Replik verwies der Beschwerdeführer zwecks Vermeidung un-

nötiger Wiederholungen auf seine Ausführungen in der Beschwerdeschrift. 

Er betonte insbesondere nochmals, dass bei der Beurteilung, ob die Fami-

liengemeinschaft durch die Flucht des Beschwerdeführers getrennt worden 

sei, auf die Situation im Heimatstaat Eritrea und nicht auf diejenige in einem 

unsicheren Drittstaat abzustellen sei. 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer verfügt über den Asylstatus, weshalb seine 

Kernfamilie, um die es vorliegend geht, grundsätzlich vom Familienasyl im 

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Seite 9 

Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG profitieren kann. Dies gilt auch für die inzwi-

schen volljährig gewordene Tochter des Beschwerdeführers, da in diesem 

Zusammenhang praxisgemäss der Zeitpunkt der Gesuchstellung, das 

heisst vorliegend der 7. Juli 2016, ausschlaggebend ist. Dass der Be-

schwerdeführer mit seiner Ehefrau und seinen drei Kindern in Eritrea eine 

vorbestandene Familiengemeinschaft bildete, wird vom SEM zu Recht 

nicht bestritten. Aufgrund der Aktenlage ist davon auszugehen, dass er und 

seine Ehefrau am (...) die Ehe schlossen (vgl. act. […]) und die Familie bis 

(...) 2014, ab welchem Zeitpunkt er sich im Zusammenhang mit seinen 

Fluchtgründen in seinem Heimatstaat versteckt hielt, zusammenlebte, be-

vor er am (...) 2014 die Flucht nach H._______ antrat (vgl. a.a.O., […], act. 

[…]). Gemäss seinen Angaben verliessen seine Familienangehörigen ihren 

Heimatstaat im (...) 2015 und trafen im (...) 2015 im G._______ ein, wo die 

Familie während circa zweier Monate zusammenlebte, bevor er die Wei-

terreise über I._______ nach Europa antrat (vgl. act. […], act. […]).  

5.2 Die Ausreise des Beschwerdeführers aus Eritrea ohne seine Familie 

führte zu einer ersten Trennung der Familie durch die Flucht im herkömm-

lichen Sinne. Allerdings hat sich die Familie in der Folge vorübergehend im 

G._______ getroffen, woraufhin eine erneute Trennung erfolgte. Die Tren-

nung der Familie in einem Drittstaat stellt jedoch gemäss jüngster Recht-

sprechung eine mögliche Konstellation des Anwendungsbereichs von 

Art. 51 Abs. 4 AsylG dar. Das Erfordernis der «Trennung durch die Flucht» 

setzt einzig voraus, dass zwischen der nachzugsberechtigten Person und 

dem anspruchsberechtigten Familienmitglied im Zeitpunkt der Flucht eine 

Familiengemeinschaft bestanden haben muss, welche im Heimat- oder 

Drittstaat getrennt wurde (vgl. dazu die ausführliche Begründung im Urteil 

des BVGer E-273/2018 vom 22. Juli 2020 E. 8.4 [zur Publikation vorgese-

hen]). Der Argumentation des SEM, am Erfordernis der «Trennung durch 

die Flucht» fehle es bereits deshalb, weil die Flucht mit der Ankunft im Dritt-

staat G._______ abgeschlossen sei, kann demnach nicht gefolgt werden.  

5.3 Hingegen kann die Trennung im Drittstaat einen besonderen Umstand 

im Sinne von Art. 51 Abs. 1 i.V.m. Abs. 4 AsylG darstellen, welcher der Fa-

milienzusammenführung entgegensteht. Befindet sich die Familie in einem 

Drittstaat und erfolgt von dort zunächst die Weiterreise nur eines Familien-

mitglieds, ist zu prüfen, ob die alleinige Weiterreise des Familienmitglieds 

auf die Auflösung der Familiengemeinschaft gerichtet und damit freiwillig 

war, oder aus objektiven, aus den Fluchtumständen resultierenden Grün-

den erfolgte (vgl. a.a.O., E. 9.4). 

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Seite 10 

5.3.1 Hinsichtlich der Prüfung des Vorliegens besonderer Umstände ist 

vorweg festzuhalten, dass vorliegend die Flucht mit der Ausreise aus dem 

Heimatstaat beziehungsweise Ankunft im Drittstaat G._______ entgegen 

den Ausführungen der Vorinstanz nicht als abgeschlossen betrachtet wer-

den kann. So wurde weder vom Beschwerdeführer vorgebracht noch lässt 

die Aktenlage darauf schliessen, dass die Familienangehörigen ihr Anwe-

senheitsverhältnis in diesem Staat legalisieren konnten (vgl. Sachverhalt 

Bst. B.c). Sodann erfolgte die Trennung der Familiengemeinschaft entge-

gen der Vorinstanz nicht freiwillig. So entschied sich der Beschwerdeführer 

deshalb zur alleinigen Weiterreise, weil diese zum einen für die fünfköpfige 

Familie zu gefährlich gewesen wäre und zum anderen die finanziellen Mit-

tel für eine gemeinsame Weiterreise gefehlt hätten (vgl. act. […]). Gerade 

die Gefährlichkeit der illegalen Reise über I._______ und das Mittelmeer 

ist allgemein bekannt und es scheint für das Gericht überaus nachvollzieh-

bar, dass der Beschwerdeführer seine Frau und die drei minderjährigen 

Kinder diesen Gefahren nicht aussetzen wollte. Vorliegend kann daher 

nicht darauf geschlossen werden, dass die alleinige Weiterreise des Be-

schwerdeführers auf die generelle Aufgabe der Familiengemeinschaft ge-

richtet war. Dies wird auch durch dessen weiteres Verhalten nach der 

Flucht bestätigt. Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer 

den Kontakt zu seiner Familie nach der Trennung aufrechterhielt. So gab 

er zu Protokoll, dass es anfänglich schwierig gewesen sei, den telefoni-

schen Kontakt herzustellen (vgl. act. […]). Nachdem ihm am (...) Mai 2016 

in der Schweiz Asyl gewährt worden war, stellte er am 7. Juli 2016 zeitnah 

ein Gesuch um Familienzusammenführung mit seiner Ehefrau und den drei 

gemeinsamen Kindern. Dass die Eheleute auch heute noch in Kontakt ste-

hen und ihre Familiengemeinschaft auch räumlich wieder aufnehmen wol-

len, wird durch die Eingaben vom 11. April 2018, 21. Januar 2019, 2. Au-

gust 2019, 4. September 2020 und 17. Dezember 2020 (vgl. Sachverhalt 

Bstn. G, H, J, K und M) unterstrichen. Aufgrund der gesamten Aktenlage 

ist nicht der Schluss zu ziehen, die Eheleute hätten eine mehr als nur vo-

rübergehende Trennung der Familiengemeinschaft beabsichtigt oder diese 

gar aufgeben wollen. Schliesslich bestehen keine Hinweise auf ein miss-

bräuchliches Verhalten des Beschwerdeführers oder seiner Ehefrau. Es 

liegen somit keine „besonderen Umstände“ vor, die einer Familienzusam-

menführung entgegenstehen. 

5.4 Zusammenfassend erweist sich als glaubhaft, dass der Beschwerde-

führer vor seiner Ausreise aus Eritrea mit seiner Ehefrau und den Kindern 

eine familiäre Gemeinschaft bildete, die auf ihrer Flucht getrennt wurde und 

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Seite 11 

dass die Beziehung danach nicht abgebrochen wurde sowie ein gemein-

samer Wille besteht, die Familiengemeinschaft auch räumlich wieder auf-

zunehmen. 

6.  

Die angefochtene Verfügung ist daher in Gutheissung der Beschwerde auf-

zuheben. Das SEM ist anzuweisen, B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), und 

E._______, geboren am (…), die Einreise in die Schweiz zu bewilligen und 

sie in das dem Beschwerdeführer gewährte Asyl miteinzubeziehen. 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

7.2 Dem Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens in Anwen-

dung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm notwendi-

gerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Der Rechtsvertreter 

hat keine Kostennote eingereicht, weshalb der notwendige Vertretungsauf-

wand aufgrund der Akten festzusetzen ist (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Unter 

Berücksichtigung der massgebenden Berechnungsfaktoren (Art. 8, 9 und 

11 VGKE) ist die Parteientschädigung auf insgesamt Fr. 1'000.– (inkl. Aus-

lagen) festzusetzen. Dieser Betrag ist dem Beschwerdeführer durch das 

SEM zu entrichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 25. Januar 2017 wird aufgehoben. Das SEM wird an-

gewiesen, B._______, C._______, D._______ und E._______ die Einreise 

in die Schweiz zu bewilligen und sie in den Asylstatus des Beschwerdefüh-

rers einzubeziehen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1'000.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Daniel Widmer 

 

 

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