# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c06a5e19-e7d5-53ce-80c7-2be851444d5f
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-05-30
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 30.05.2024 SST.2023.138
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-138_2024-05-30.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2023.138 
(ST.2022.108, OSTA.2023.317) 

 

 

Urteil vom 30. Mai 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident 

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin L. Stierli 

 

 
   

Anklägerin   Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, 

Frey-Herosé-Strasse 20, 5001 Aarau  

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1966, von Nordmazedonien, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Christoph Waller,  

[…] 

 

 

 
 

Gegenstand  Versuchte schwere Körperverletzung, Drohung, Raufhandel 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten erhob am 27. Oktober 2022 

Anklage gegen den Beschuldigten wegen Drohung, Raufhandels und 

mehrfacher versuchter schwerer Körperverletzung. 

 

2. 

Der Präsident des Bezirksgerichts Bremgarten sprach den Beschuldigten 

mit Urteil vom 26. Januar 2023 im Sinne der Anklage schuldig und 

verurteilte ihn zu einer bedingten Freiheitsstrafe von einem Jahr und einer 

bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 80.00, Probezeit je zwei 

Jahre, sowie einer Verbindungsbusse von Fr. 3'600.00, ersatzweise 

45 Tage Freiheitsstrafe. Gleichzeitig verwies er den Beschuldigten für die 

Dauer von 7 Jahren des Landes unter Ausschreibung im Schengener 

Informationssystem (SIS).  

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 19. Juni 2023 beantragte der Beschuldigte 

einen vollumfänglichen Freispruch von Schuld und Strafe. Entsprechend 

sei auch die Landesverweisung aufzuheben. 

 

3.2. 

Am 17. Juli 2023 reichte der Beschuldigte vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein. 

 

3.3. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 8. August 2023 beantragte die 

Staatsanwaltschaft die Abweisung der Berufung. 

 

4. 

Per 21. Dezember 2023 hat die Oberstaatsanwaltschaft das Verfahren von 

der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten übernommen. 

 

5. 

Die Berufungsverhandlung mit Befragung des Beschuldigten, B._____, 

C._____ als Auskunftspersonen und D._____ als Zeugin sowie E._____ 

und F._____ als Zeugen fand am 30. Mai 2024 statt. 

 

  

 - 3 - 

 

 

   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der Beschuldigte beantragt mit Berufung einen vollständigen Freispruch 

von Schuld und Strafe. Damit ist das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich 

angefochten und zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

 

2. 

2.1. 

Gemäss Anklage sei es am 18. Januar 2020 in der «G._____ Bar» in 

R._____ zwischen 00.30 Uhr bis ca. 00.58 Uhr zu einer 

Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und E._____ sowie 

B._____, C._____, H._____ und D._____ gekommen. E._____, welche 

D._____ bereits zuvor auf Instagram angeschrieben und angerufen habe, 

habe an besagtem Abend mit ihr vor der Toilette sprechen wollen, wobei 

sie dies jedoch nicht gewollt habe. Beim zweiten Abpassen vor der Toilette 

habe E._____ D._____ am Arm festgehalten und ihr gesagt, dass er mit ihr 

eine Sache zu klären habe. Diese habe ihm jedoch gesagt, dass es nichts 

zu klären gebe und habe, zurück an ihrem Tisch, u.a. B._____ und C._____ 

darum gebeten, E._____ zu sagen, dass sie kein Interesse an ihm habe, 

worauf sich letztere zwei zur Toilette begeben hätten, um mit E._____ zu 

sprechen. Im Verlauf dieses Gesprächs habe E._____ (separates 

Verfahren) C._____ an dessen Pulloverkragen gepackt. B._____ habe 

E._____ weggezogen und der später hinzugekommene H._____ 

(separates Verfahren) sei zwischen die beiden gestanden und habe sie 

getrennt. Danach habe sich jeder wieder an seinen Tisch gesetzt. 

 

Im Anschluss habe sich E._____ gemeinsam mit dem Beschuldigten an 

den Tisch von B._____ und C._____ begeben und diese aufgefordert, nach 

draussen zu kommen, um es wie Männer zu klären. Auf Nachfrage des 

Beschuldigten bei B._____, was zuvor auf der Toilette passiert sei, erklärt 

dieser, dass E._____ mit D._____ gesprochen habe, diese aber kein 

Interesse an diesem hätte. Darauf habe der Beschuldigte gegenüber 

B._____ und C._____ geäussert, dass, wenn nochmals so etwas passieren 

würde oder das Ganze grösser werde, er zu Hause eine Pistole holen und 

alle erschiessen werde, worauf die beiden anderen in Angst versetzt 

worden seien (Anklageziffer 1; Drohung). 

 

Danach seien der Beschuldigte und E._____ nach draussen gegangen und 

hätten durch Klopfen an die Fensterscheibe die anderen aufgefordert, nach 

draussen zu kommen. D._____ sei als erste raus gegangen, um E._____ 

zu erklären, dass er kein Drama machen solle, sei jedoch von diesem 

weggestossen worden. B._____ (separates Verfahren) habe das gesehen 

und die Bar verlassen, worauf E._____ auf B._____ losgegangen sei. In 

der Folge sei es zu einer Schlägerei vor der «G._____ Bar» gekommen, an 

welcher sich E._____, B._____, C._____ (separates Verfahren) und der 

 - 4 - 

 

 

Beschuldigten beteiligt hätten, indem sie wechselseitig aufeinander mit den 

Fäusten und unter Einsatz von Gegenständen (u.a. Baustellenschilder/-

abschrankungen, Flaschen) eingeschlagen und Fusstritte verteilt hätten. 

Sämtliche Beteiligte hätten dabei Verletzungen erlitten (Anklageziffer 2; 

Raufhandel). 

 

Während der geschilderten Auseinandersetzung habe der Beschuldigte 

B._____ mit einer Glasflasche seitlich gegen den Kopf geschlagen, worauf 

diese zerbrochen sei. Dabei erlitt dieser an der linken Schläfe einen 

Kratzer, eine Beule an der linken Stirnseite beim Haaransatz und eine 

tiefere ca. 7 cm lange Schnittverletzung an der linken Schulter. Weiter habe 

er eine Stange mit einem Baustellenschild mit Schwung von oben herab 

gegen den Kopf von C._____ geschlagen, welcher schützend seinen Arm 

über den Kopf gehalten habe und so den Schlag habe abwehren können. 

Er habe dabei Schmerzen resp. eine Schwellung am Unterarm erlitten 

(Anklageziffer 3; mehrfache versuchte schwere Körperverletzung).  

 

2.2. 

Die Vorinstanz folgte u.a. den Aussagen von B._____ und C._____ sowie 

D._____ und sah den Sachverhalt wie in der Anklage beschrieben als 

erwiesen an (vorinstanzliches Urteil, E. III/3.3, 5.5 und 7.5). Der 

Beschuldigte bringt mit Berufung im Wesentlichen vor, dass entgegen den 

Aussagen der «mazedonischen Gruppe» (die ehemaligen Privatkläger 

B._____ und C._____ sowie H._____ und D._____) er selbst nur habe 

schlichten wollen, keine Drohung ausgesprochen habe und vor der 

«G._____ Bar» von hinten niedergeschlagen worden sei, für einige Zeit das 

Bewusstsein verloren und nach dessen Wiedererlangen den fraglichen Ort 

verlassen habe. Damit lägen zwei sich widersprechende Aussagen vor, 

wobei die Ausführungen der Privatkläger nicht glaubhafter seien. Es 

spreche eher viel dafür, dass die Aussagen der «mazedonischen Gruppe» 

abgesprochen worden seien. 

 

3. 

3.1. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer 

möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass 

bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den 

Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst 

anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen 

Beweise ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als 

 - 5 - 

 

 

Ganzem relevante Zweifel bestehen (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 

345 E. 2.2.3). 

 

3.2. 

In tatsächlicher Hinsicht ist grundsätzlich unbestritten, dass es in besagter 

Nacht vor der «G._____ Bar» zwischen dem Beschuldigten und E._____ 

einerseits und einer Gruppe um B._____ und C._____ (vom Beschuldigten 

als «mazedonische Gruppe» bezeichnet) andererseits zu einer 

Auseinandersetzung gekommen ist, wobei strittig ist, ob der Beschuldigte 

tätlich geworden ist. 

 

Der Mitbeschuldigte E._____ wurde mit rechtskräftigem Urteil vom 

26. Januar 2023 vom Präsidenten des Bezirksgerichts Bremgarten wegen 

Raufhandels schuldig gesprochen, da er sich gemäss Strafbefehl, welcher 

als Anklage galt, in jener Nacht vor der «G._____ Bar» mit dem 

Beschuldigten, B._____ und C._____ eine Schlägerei geliefert habe, 

welche bei jedem Beteiligten zu Verletzungen geführt habe (act. 251 f. und 

295 ff.). Ebenso wurden B._____ und C._____ je mit Strafbefehlen vom 

19. Mai 2022 (act. 326 ff. und 334 ff.) wegen Raufhandels verurteilt. 

 

Erstellt ist sodann, dass sich der Beschuldigte in der Nacht vom 18. Januar 

2020 selbständig auf den Notfall des Spitals Q._____ begeben hat. 

Gemäss dem Notfallbericht habe der Beschuldigte über einen Schlag 

gegen seinen Hinterkopf berichtet, wobei er zu Boden gegangen sei. Auf 

dem Boden liegend habe er noch weitere Schläge gegen den Kopf und 

Körper bekommen. Für wenige Minuten sei er bewusstlos gewesen. Nun 

klage er über Schwindel und Kopfschmerzen. Zudem habe er eine 

Rissquetschwunde von 4 cm Länge frontal vorne am Kopf bis zur 

Nasenwurzel, welche mit drei Stichen genäht worden war (act. 81 ff.). 

 

Am nächsten Morgen erschien der Beschuldigte am Polizeischalter in 

R._____, um Anzeige zu erstatten und schilderte dabei, dass er und 

E._____ von mehreren Männern angegriffen worden seien (act. 99 ff.). 

 

3.3. 

Bestritten und vorliegend zu überprüfen ist einerseits, ob der Beschuldigte 

in der «G._____ Bar» gegenüber B._____ und C._____ eine Drohung 

ausgesprochen hat und andererseits, ob der Beschuldigte im Rahmen des 

Raufhandels vor der «G._____ Bar» nur geschlichtet hat oder selber tätlich 

wurde. 

 

3.4. 

3.4.1. 

Wer jemanden durch schwere Drohung in Schrecken oder Angst versetzt, 

begeht eine Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB. Erforderlich ist ein 

Verhalten, das geeignet ist, die geschädigte Person in Schrecken oder 

 - 6 - 

 

 

Angst zu versetzen. Dabei ist grundsätzlich ein objektiver Massstab 

anzulegen, wobei in der Regel auf das Empfinden eines vernünftigen 

Menschen mit einigermassen normaler psychischer Belastbarkeit 

abzustellen ist. Zudem ist erforderlich, dass die betroffene Person durch 

das Verhalten des Täters tatsächlich in Schrecken oder Angst versetzt wird. 

Tritt dieser tatbestandsmässige Erfolg nicht ein, kommt nur eine 

Verurteilung wegen versuchter Drohung in Betracht. Der subjektive 

Tatbestand verlangt das Bewusstsein, dass die ausgesprochene Drohung 

geeignet ist, den Bedrohten mindestens möglicherweise in Angst und 

Schrecken zu versetzen sowie den Willen bzw. die Inkaufnahme dazu. Es 

ist jedoch kein Wille erforderlich, die Drohung in die Tat umzusetzen (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_196/2018 vom 19. September 2018 

E. 1.1.2). 

 

3.4.2. 

Für das Obergericht ist in Bezug auf die Drohung gestützt auf die 

schlüssigen und glaubhaften Aussagen von B._____ und C._____ erstellt, 

dass der Beschuldigte gegenüber diesen zweien geäussert hat, zuhause 

eine Pistole zu holen und alle zu erschiessen.  

 

Vor den Toiletten in der «G._____ Bar» kam es an jenem Abend zu einer 

Auseinandersetzung zwischen B._____, C._____ und H._____ sowie 

E._____, wobei offenbleiben kann, was dort genau geschehen ist. 

Tatsache ist, dass E._____ daraufhin dem Beschuldigten offenbar seine 

Version der Geschehnisse erzählt hat (act. 101, 108 und 211), was den 

Beschuldigten veranlasst hat, die «mazedonische Gruppe» aufzusuchen. 

B._____ und C._____ haben die Begegnung mit dem Beschuldigten 

grundsätzlich übereinstimmend wiedergegeben. Beide haben beim freien 

Erzählen zum Geschehen in der «G._____ Bar» ausgeführt, dass der 

Beschuldigte an ihren Tisch getreten sei und ihnen gedroht habe, eine 

Pistole zu Hause zu holen und sie alle zu erschiessen (act. 140 und 158; 

Protokoll Berufungsverhandlung). Es sind keine Gründe ersichtlich, 

weshalb B._____ und C._____ den Beschuldigten, welchen sie zuvor gar 

nicht kannten (act. 101, 147 und 168), fälschlicherweise belasten sollten, 

zumal sie bei ihren Einvernahmen auf die Straffolgen einer falschen 

Anschuldigung hingewiesen worden waren. Demgegenüber ist das 

Aussageverhalten des Beschuldigten inkonsistent und er passte seine 

Aussagen im Laufe des Verfahrens an. Während er in der ersten 

Einvernahme noch erklärte, einfach gesagt zu haben, es ist nicht gut, 

solche Sachen zu machen, sie seien hier hergekommen, um etwas zu 

trinken (act. 211), mutet seine Erklärung vor Vorinstanz, dass er gesagt 

habe, man sei nicht hier, um Pistolen zu nehmen und sich umzubringen, 

sondern um zu arbeiten (act. 279), konstruiert an. Selbst wenn ihm E._____ 

seine Version des Vorfalls vor der Toilette geschildert hätte und der 

Beschuldigte demnach davon ausgegangen wäre, dass die 

«mazedonische Gruppe» E._____ angegriffen hätte, so erschliesst sich 

 - 7 - 

 

 

nicht, weshalb er in einem, gemäss seinen Aussagen, klärenden und 

schlichtenden Gespräch eine Pistole erwähnen sollte – ohne aber damit zu 

drohen –, denn selbst E._____ hat nicht geltend gemacht, dass eine solche 

zuvor involviert oder ein Thema gewesen sei. Die Erklärung des 

Beschuldigten vor Vorinstanz vermittelt den Eindruck, dass er den 

Wortwechsel in der «G._____ Bar» als ein simples Missverständnis 

darstellen möchte, was jedoch unglaubhaft und unwahrscheinlich 

erscheint, zumal sich die beteiligten Personen offenbar gut und klar auf 

Serbisch resp. Mazedonisch (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 11, 15 

und 22) verständigen konnten, wobei Mazedonisch gemäss dem 

Beschuldigten vergleichbar mit Serbisch sei. 

 

Die Tatsache, dass der Beschuldigte im Nachgang zur Auseinander-

setzung in und vor der «G._____ Bar» die Polizei aufgesucht und Anzeige 

erstattet hat, B._____ und C._____ jedoch nicht, spricht ebenso wenig 

gegen die Darstellung von B._____ und C._____. C._____ hat 

diesbezüglich ausgeführt, dass er gedacht habe, dass niemand den Vorfall 

gemeldet habe und für ihn die Angelegenheit damit einfach erledigt 

gewesen sei (act. 166). Dies erscheint nachvollziehbar, wenn man 

bedenkt, dass er sich selbst ebenfalls in irgendeiner Form an der 

Schlägerei beteiligt hat, wofür er schliesslich auch mit Strafbefehl vom 

19. Mai 2022 (act. 326 ff.) verurteilt worden ist. Dass der Beschuldigte 

demgegenüber die Polizei informiert hat, mag durchaus damit 

zusammenhängen, dass er in der Nacht den Notfall im Spital Q._____ 

aufgesucht hat und dabei geschildert hat, wie er Opfer einer Attacke 

geworden sei und diese Rolle in der Folge auch aufrecht erhalten wollte.  

 

3.4.3. 

Mit der Äusserung, dass er zu Hause eine Pistole holen gehe und alle 

erschiessen werde, hat der Beschuldigte B._____ und C._____ zweifellos 

die Zufügung schwerer oder gar tödlicher Verletzungen angedroht. 

B._____ und C._____, welche den Beschuldigten nicht kannten und 

entsprechend auch nicht einschätzen konnten, wie ernst es ihm mit der 

Drohung war, nahmen diese aufgrund des bestimmten Auftretens des 

Beschuldigten nicht auf die leichte Schulter und gaben an, in ihrem 

Sicherheitsgefühl nachhaltig beeinträchtigt worden zu sein (act. 145 und 

149; act. 170 f.; Protokoll Berufungsverhandlung, S. 10 f.; 12 und 16), 

womit der objektive Tatbestand erfüllt ist. Der Beschuldigte hat zweifellos 

im Bewusstsein gehandelt, dass die ausgesprochene Drohung B._____ 

und C._____ mindestens möglicherweise einzuschüchtern vermag. Er hat 

somit mindestens in Kauf genommen, dass diese in Angst oder Schrecken 

versetzt werden. Unbeachtlich ist dabei der Umstand, dass der 

Beschuldigte über keine Waffe verfügt haben will (vgl. Berufungserklärung, 

S. 16). Der Tatbestand ist selbst dann erfüllt, wenn der Täter das 

angedrohte Übel gar nicht vollziehen will. 

 

 - 8 - 

 

 

3.4.4. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte wegen Drohung schuldig zu 

sprechen, womit sich die Berufung in diesem Punkt als unbegründet 

erweist. 

 

3.5. 

3.5.1. 

Nach Art. 122 StGB [in der im Tatzeitpunkt geltenden Fassung] macht sich 

der schweren Körperverletzung schuldig, wer u.a. vorsätzlich einen 

Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1) oder wer vorsätzlich das 

Gesicht eines Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2).  

 

Strafbar ist auch der Versuch (Art. 22 StGB). Ein Versuch liegt vor, wenn 

der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Ver-

gehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder der 

zur Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder nicht eintreten 

kann. Beim Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektiven Tatbestands-

merkmale und manifestiert seine Tatentschlossenheit, ohne dass alle 

objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 140 IV 150 E. 3.4). 

 

Wer einen Menschen in anderer Weise als im Sinne der schweren 

Körperverletzung vorsätzlich an Körper oder Gesundheit schädigt, wird auf 

Antrag, bestraft (Art. 123 Ziff. 1 StGB). Von Amtes wegen wird der Täter 

verfolgt, wenn er u.a. eine Waffe oder einen gefährlichen Gegenstand 

gebraucht (Art. 123 Ziff. 2 StGB). 

 

3.5.2. 

Für das Obergericht ist erstellt, dass der Beschuldigte B._____ im Rahmen 

einer tätlichen Auseinandersetzung vor der «G._____ Bar» eine CocaCola-

Flasche seitlich an den Kopf geschlagen hat, welche in der Folge 

zerbrochen ist und C._____ mit einem an einer Latte befestigten 

Baustellenschild schlagen wollte, dieser den Schlag jedoch mit dem Arm 

abwenden konnte. Dies ergibt sich zweifellos aus den widerspruchsfreien 

und schlüssigen Aussagen der Mitglieder der «mazedonische Gruppe». 

Die Anwesenden schilderten realitätsnah und in sich schlüssig die Szene, 

als der Beschuldigte B._____ eine CocaCola-Flasche auf den Kopf 

geschlagen haben soll. B._____ selber sagte aus, dass er den Schlag nur 

gefühlt habe, aber danach die Flasche am Boden gesehen und in der 

Wunde auf der Stirn einen Glassplitter gehabt habe (act. 140 und 143). 

D._____ merkte an, dass sie den Schlag mit der Flasche nicht selber 

beobachtet habe, dies aber akustisch wahrgenommen habe, indem sie 

einen Knall gehört habe (act. 179; Protokoll Berufungsverhandlung, S. 3). 

Auch H._____ erklärte, den Moment mit der Glasflasche nicht beobachtet 

zu haben (act. 129), was im Rahmen seiner übrigen Schilderung jedoch 

passend ist, da er erklärte, E._____ und B._____ voneinander zu trennen 

versucht zu haben und B._____ hinter ihm gestanden sei. Als er sich dann 

 - 9 - 

 

 

umgedreht habe, habe dieser am Kopf geblutet (act. 127). Genau diese 

örtliche Situation beschreibt auch C._____: H._____ sei zwischen E._____ 

und B._____ gestanden, als der Beschuldigte B._____ mit einer CocaCola-

Flasche seitlich auf den Kopf geschlagen habe, welche in der Folge am 

Kopf zerbrochen sei (act. 162 und 194). Die Beschreibungen dieser aus 

verschiedenen Sichtwinkeln und mit verschiedenen Sinnen 

wahrgenommene und widerspruchsfrei wiedergegebene Szene weisen 

klar auf selbst Wahrgenommenes und Erlebtes hin. Ebenso verhält es sich 

mit dem Angriff des Beschuldigten auf C._____ mit dem Baustellenschild. 

H._____ beschrieb bereits in seiner ersten Einvernahme vom 11. Februar 

2020 das Baustellenschild, mit welchem der Beschuldigte auf C._____ 

losgegangen sein soll, sehr genau. Er beschrieb dieses als an zwei 

Metallstangen und einer Baustellenlatte befestigt (act. 127), was wiederum 

mit dem von der Polizei am Tatort fotografierten Baustellenschild 

übereinstimmt (vgl. act. 69 f.). Der Schlag mit dem Baustellenschild wird 

sodann von sämtlichen Beteiligten, ausser dem Beschuldigten selbst und 

E._____, bestätigt, wobei übereinstimmend beschrieben wurde, wie 

C._____ den Schlag mit dem Arm habe abwehren können (act. 127, 140, 

162 und 175). Der Geschäftsführer der «G._____ Bar», J._____, bestätigte 

sodann immerhin, dass das Baustellenschild irgendwie während der 

Auseinandersetzung involviert worden sei, da ihm jemand gesagt habe, 

jemand habe mit dem Baustellenschild zugeschlagen. Dieses sei auch auf 

dem Boden gelegen und er habe es wieder aufgestellt (act. 119). Die 

einzige Unstimmigkeit dabei besteht in der Beschreibung, wie der 

Beschuldigte das Baustellenschild genau gehalten und geschlagen haben 

soll. H._____ führte aus, dass der Beschuldigte das Schild seitlich wie 

einen Baseballschläger gehalten und ausgeholt habe (act. 257). C._____ 

selbst erklärte, der Beschuldigte habe das Schild über seinen Kopf 

hochgehalten und von oben her gegen seinen Kopf ausgeholt. C._____ 

beschrieb jedoch auch das Baustellenschild als an einer Metallstange 

befestigt (act. 194). Da das Baustellenschild nachweislich an einer Latte 

befestigt war, sind die abweichenden Schilderungen von C._____ wohl der 

inzwischen verstrichenen Zeit geschuldet, da er diese Angaben erst in 

seiner delegierten Einvernahme vom 8. Juli 2020 tätigte, vermögen jedoch 

in einer Gesamtbetrachtung die übrigen widerspruchsfreien Aussagen 

nicht in Zweifel zu ziehen. 

 

Nicht ersichtlich ist sodann ein Motiv, weshalb B._____, C._____, H._____ 

und D._____ den Beschuldigten grundlos bezichtigten sollten, B._____ mit 

einer CocaCola-Flasche und C._____ mit einem Baustellenschild 

angegriffen zu haben und sämtliche diesbezügliche Aussagen gelogen 

sein sollten. Konkrete Hinweise dafür, dass die Aussagen wahrheitswidrig 

abgesprochen worden sein könnten, liegen nicht vor. Im Gegenteil 

erscheint eine Absprache unter Berücksichtigung des Umstands, dass 

H._____, B._____, C._____ und D._____ teilweise zu sehr 

unterschiedlichen Zeitpunkten befragt worden sind (H._____ am 

 - 10 - 

 

 

11. Februar und 29. Juli 2020; B._____ am 11. Februar 2020; C._____ am 

24. Februar und 8. Juli 2020; D._____ am 5. März 2020; K._____ am 

21. August 2020), in Anbetracht der gemachten Aussagen als sehr 

unwahrscheinlich. 

 

Die Aussagen des Beschuldigten zum Ereignis vor der «G._____ Bar», 

dass er lediglich versucht habe, mit seinen Armen zwei Personen zurück-

zuhalten, dann jedoch von hinten niedergeschlagen worden und nach 

Wiedererlangung des Bewusstseins zu seinem Auto gegangen zu sein 

(act. 101 und 214; act. 277 f.), sind hingegen als Schutzbehauptungen zu 

werten und vermögen die glaubhaften und schlüssigen Ausführungen von 

B._____, C._____, H._____ und D._____ nicht in Zweifel zu ziehen. 

 

3.5.3. 

3.5.3.1. 

Betreffend den Schlag mit der CocaCola-Flasche ergibt sich sodann 

Folgendes: Zwar sind Schläge mit gefährlichen Gegenständen 

(beispielsweise Glasflaschen) gegen den Klopf eines Menschen 

grundsätzlich geeignet, schwere Körperverletzungen oder sogar den Tod 

des Opfers herbeizuführen, wobei dieses Risiko umso grösser ist, wenn 

das Opfer ohne Reaktions- oder Abwehrmöglichkeiten am Boden liegt 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_526/2020 vom 24. Juni 2021 E. 1.2.2). Es 

ist jedoch nicht generell davon auszugehen, dass Schläge gegen den Kopf 

regelmässig zu schweren und bleibenden Schäden oder lebens-

gefährlichen Verletzungen führen, es sind stets die konkreten Tatumstände 

zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 6B_161/2016 vom 

12. Oktober 2016 E. 1.4.1 f.). Vorliegend hat der Beschuldigte B._____ die 

CocaCola-Flasche von hinten seitlich an den Kopf geschlagen, wobei diese 

in der Folge zerbrochen ist. B._____ erlitt durch den eigentlichen Schlag 

lediglich eine Beule und leichte Schürfungen an der Stirn sowie eine 

Schnittverletzung an der Schulter (act. 76 und 142 f.). Obwohl der 

Beschuldigte den Schlag offenbar so heftig ausgeführt hat, dass die 

Flasche zersprungen ist, spricht das leichte Verletzungsbild gegen die 

Annahme, dass dadurch schwerste Verletzungen nahe gelegen haben. 

Auch wenn B._____ den Schlag nicht rechtzeitig hat kommen sehen und 

ihn deshalb nicht hat abwehren können, so wurde er schliesslich doch nur 

seitlich von hinten getroffen. Eine besonders von zerberstenden 

Glasflaschen ausgehende Gefahr für schwere und bleibende Schnitt- und 

Stichverletzungen am Gesicht war damit ebenfalls nicht sehr 

wahrscheinlich. Die tatsächlich erlittene Schnittverletzung erlitt B._____ 

dann auch nicht im Gesicht oder in dessen Nähe, sondern an der Schulter 

(vgl. Foto act. 76). Somit ist in Würdigung der konkreten Tathandlung nicht 

von einer (versuchten) schweren Körperverletzung auszugehen, zumal 

sich nicht erstellen lässt, dass der Beschuldigte beim Schlag mit der 

CocaCola-Flasche alles daran gesetzt hätte, B._____ schwer zu verletzen 

oder er dies zumindest in Kauf genommen hätte. Tatsächlich ist es denn 

 - 11 - 

 

 

auch nur bei diesem einen Schlag geblieben und hat der Beschuldigte nicht 

etwa versucht, B._____ mit der zerborstenen Glasflasche weiter zu 

verletzen. Zweifellos erfüllen die von B._____ erlittenen Verletzungen 

jedoch den Tatbestand der einfachen Körperverletzung. Sodann bediente 

sich der Beschuldigte eines gefährlichen Gegenstands im Sinne von 

Art. 123 Ziff. 2 StGB, indem er eine Glasflasche als Schlaginstrument 

gegen den Kopf von B._____ benutzt hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_617/2019 vom 14. November 2019 E. 1.3.2). In subjektiver Hinsicht ist 

als erstellt zu erachten, dass der Beschuldigte mit seinem Schlag mit einer 

Glasflasche gegen den Kopf von B._____ mindestens Verletzungen, 

welche über Tätlichkeiten hinausgehen, in Kauf genommen hat. 

 

3.5.3.2. 

Betreffend den Schlag mit dem Baustellenschild kann grundsätzlich auf das 

soeben Ausgeführte verwiesen werden. Der Angriff erfolgte nicht von 

vorne, ansonsten C._____ nicht hätte durch Dritte gewarnt werden müssen 

(vgl. act. 144, 161, 191, 257). Entsprechend wäre auch der Schlag, wenn 

er nicht von C._____ mittels seines Armes abgewehrt worden wäre, sehr 

wahrscheinlich nicht von vorne ins Gesicht erfolgt, sondern es wäre zu 

einem Schlag gegen den (seitlichen) Hinterkopf gekommen, was gemäss 

bundesrechtlicher Rechtsprechung alleine noch nicht für die Annahme 

einer schweren Körperverletzung ausreicht. C._____ konnte den Schlag 

zwar abwehren, erlitt dennoch Verletzungen, welche über Tätlichkeiten 

hinausgehen (Schmerzen im Arm, welche mehrere Tage andauerten, 

act. 193). Ebenso ist das Baustellenschild in seiner Verwendung als 

Schlaginstrument gegen den Kopf des Opfers zweifellos als gefährlicher 

Gegenstand zu qualifizieren, da insbesondere von dessen Kanten eine 

erhöhte Gefahr für Verletzungen ausgeht. In subjektiver Hinsicht bestehen 

sodann keine Zweifel, dass der Beschuldigte durch seinen ausgeführten 

Schlag mit dem Baustellenschild mindestens einfache Körperverletzungen 

in Kauf genommen hat. 

 

3.5.4. 

Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte der mehrfachen qualifizierten 

einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 2 StGB schuldig 

gemacht. Die Berufung des Beschuldigten erweist sich somit insofern als 

begründet, als kein Schuldspruch wegen versuchter schwerer 

Körperverletzung, sondern wegen qualifizierter einfacher Körperverletzung 

ergeht. Da es sich nur um eine andere strafrechtliche Qualifikation des 

angeklagten Sachverhalts handelt, erfolgt hinsichtlich des Vorwurfs der 

versuchten schweren Körperverletzung kein Freispruch (BGE 142 IV 378 

E. 1.3). 

 

 - 12 - 

 

 

3.6. 

3.6.1. 

Gemäss Art. 133 StGB wird bestraft, wer sich an einem Raufhandel 

beteiligt, der den Tod oder die Körperverletzung eines Menschen zur Folge 

hat (Abs. 1). Ein Raufhandel ist nach der Rechtsprechung eine wechsel-

seitige tätliche Auseinandersetzung von mindestens drei Personen. 

Strafbar ist, wer sich beteiligt, d.h. wer aktiv in einer Weise am Raufhandel 

teilnimmt, die geeignet ist, die Auseinandersetzung zu fördern bzw. deren 

Intensität zu steigern (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2). Wer ausschliesslich abwehrt 

oder die Streitenden scheidet, ist nicht strafbar (Art. 133 Abs. 2 StGB). In 

subjektiver Hinsicht ist Vorsatz verlangt, wobei Eventualvorsatz genügt. 

Der Vorsatz muss sich nur auf die objektiven Tatbestandsmerkmale 

beziehen, nicht aber auf die Todes- oder Körperverletzungsfolge (BGE 141 

IV 454 E. 2.3.2; BGE 139 IV 168 E. 1.1.1). Der Täter muss insbesondere 

erkennen und mindestens in Kauf nehmen, dass sich mehr als zwei 

Personen an der tätlichen Auseinandersetzung beteiligen (BGE 137 IV 1 

E. 4.2.2; BGE 106 IV 246 E. 3b). 

 

3.6.2. 

Nachdem der Beschuldigte wegen mehrfacher qualifizierter einfacher 

Körperverletzung schuldig gesprochen wird, weil er im Rahmen der 

Auseinandersetzung mit B._____, C._____ und E._____ (welche je wegen 

Raufhandels rechtskräftig verurteilt worden sind) vor der «G._____ Bar» 

B._____ eine CocaCola-Flasche über den Kopf geschlagen hat und 

C._____ mit einem Baustellenschild einen Schlag versetzt hat, ist ohne 

Weiteres auch der Tatbestand des Raufhandels erfüllt. Die von B._____ 

und C._____ erlittenen Verletzungen gehen klar über Tätlichkeiten hinaus, 

womit die objektive Strafbarkeitsbedingung der Verletzungsfolgen erfüllt ist. 

Seine Ausführungen, dass er nur habe schlichten wollen, erweisen sich 

aufgrund der erstellten Schläge mit der Glasflasche und dem 

Baustellenschild als widerlegte Schutzbehauptungen. Sodann ergibt sich 

in subjektiver Hinsicht zweifelsfrei, dass er sich wissentlich und willentlich 

an der tätlichen Auseinandersetzung, welche zwischen mindestens vier 

Personen stattgefunden hat, beteiligt hat. 

 

Zwischen dem Raufhandel und den Körperverletzungsdelikten besteht 

echte Konkurrenz, da bei Ersterem nicht nur die verletzte Person, sondern 

alle Beteiligte und auch Dritte zumindest abstrakt gefährdet werden (Urteil 

des Bundesgerichts 6B_555/2018 vom 11. September 2018 E. 2.2.1). 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Berufung des Beschuldigten in 

diesem Punkt als unbegründet und er ist wegen Raufhandels schuldig zu 

sprechen. 

 

 - 13 - 

 

 

4. 

4.1. 

Der Beschuldigte hat sich der Drohung gemäss Art. 180 StGB, des 

Raufhandels gemäss Art. 133 StGB sowie der mehrfachen qualifizierten 

einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 2 StGB schuldig 

gemacht, wofür er angemessen zu bestrafen ist. 

 

4.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.). Darauf kann 

verwiesen werden.  

 

4.3. 

Bei der Wahl der Sanktionsart sind, nebst dem Verschulden, unter 

Beachtung des Prinzips der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die 

Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den 

Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu 

berücksichtigen (BGE 147 IV 241 E. 3; BGE 134 IV 97 E. 4.2; BGE 

134 IV 82 E. 4.1).  

 

Für sämtliche vom Beschuldigten erfüllten Tatbestände kommen 

wahlweise eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren 

in Frage. Betreffend den Raufhandel und die Drohung hat die Vorinstanz 

aufgrund des Verschuldens und mit Blick auf die Zweckmässigkeit der 

Sanktion, ihre Auswirkungen auf den nicht vorbestraften Beschuldigten und 

sein soziales Umfeld sowie ihrer präventiven Effizienz eine Geldstrafe als 

angemessen erachtet. Aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 

Abs. 2 StPO) ist darauf im Rahmen des Berufungsverfahrens nicht mehr 

zurückzukommen und entsprechend für den Raufhandel und die Drohung 

eine Geldstrafe auszusprechen. Für die mehrfache qualifizierte 

Körperverletzung kommt jedoch aufgrund des Verschuldens (siehe dazu 

sogleich) ausschliesslich eine Freiheitsstrafe in Frage. 

 

4.4. 

4.4.1. 

Die Einsatzstrafe ist für die qualifizierte einfache Körperverletzung durch 

den Schlag mit der Glasflasche festzusetzen. Dazu ergibt sich Folgendes: 

 

Ausgangspunkt für die Strafzumessung bildet die Verletzung oder 

Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB), Der 

Tatbestand der einfachen Körperverletzung schützt sowohl die körperliche 

Integrität als auch die psychische Gesundheit (BGE 134 IV 189 E. 1.4). 

 

Gemäss dem erstellten Sachverhalt hat der Beschuldigte im Rahmen eines 

Raufhandels B._____ ohne Vorwarnung von hinten so heftig mit einer 

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 - 14 - 

 

 

gläsernen CocaCola-Flasche seitlich gegen den Kopf geschlagen, dass 

diese zerborsten ist. B._____ hat dabei oberflächliche Schürfungen und 

eine Beule an der linken Stirn und eine ca. 7 cm Schnittwunde an der 

Schulter erlitten. B._____ brauchte keine notfallmässige Verarztung und 

seine Verletzungen sind in kurzer Zeit folgenlos abgeheilt. Die erlittenen 

Verletzungen von B._____ sind nicht als besonders schwer zu bezeichnen, 

liegen aber auch nicht mehr im Bagatellbereich. Im Rahmen der vom 

Tatbestand der einfachen Körperverletzung erfassten Verletzungen ist von 

einem mittelschweren Taterfolg auszugehen.  

 

Bei der Art und Weise der Tatausführung bzw. der Verwerflichkeit des 

Handelns ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte eine Glasflasche 

und damit einen gefährlichen Gegenstand verwendet hat. Die qualifizierte 

einfache Körperverletzung sieht im Vergleich zum Grundtatbestand keinen 

höheren Strafrahmen vor, weshalb die Verwendung der Glasflasche als 

gefährlicher Gegenstand innerhalb des ordentlichen Strafrahmens als 

verschuldenserhöhender Faktor zu berücksichtigen ist. Durch den Einsatz 

der Glasflasche wurde B._____ einem erheblichen Verletzungsrisiko 

ausgesetzt. Der Beschuldigte hat ihm von hinten einen so heftigen Schlag 

gegen den Kopf verpasst, dass die Flasche zerbrochen ist und B._____ er 

in der Folge eine Schnittverletzung an der Schulter erlitten hat. Mithin ist 

die Vorgehensweise des Beschuldigten deutlich über die blosse 

Tatbestandserfüllung hinausgegangen und liegt nahe an der Grenze zu 

einer (versuchten) schweren Körperverletzung, was sich entsprechend 

verschuldenserhöhend auswirkt. 

 

Es bestand seitens des Beschuldigten keinerlei Anlass, sich der Flasche 

als Schlagwerkzeug zu bedienen und damit B._____ für diesen unerwartet 

von hinten gegen den Kopf zu schlagen. Zwar hatte er sich mitten in einer 

tätlichen Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen befunden. Er 

wurde innerhalb dieses Raufhandels aber weder unmittelbar angegriffen, 

noch stand er einer Überzahl oder einem deutlich überlegenen Gegner 

gegenüber. Mithin verfügte er hinsichtlich des von hinten gegen B._____ 

ausgeführten Schlags mit einer CocaCola-Flasche aus Glas über ein sehr 

grosses Mass an Entscheidungsfreiheit. Je leichter es aber für ihn gewesen 

wäre, die körperliche Unversehrtheit von B._____ zu respektieren, desto 

schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit sein Verschulden 

(vgl. BGE 127 IV 101 E. 2a; BGE 117 IV 112 E. 1, Urteil des 

Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E 3.4.3). 

 

Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände ist das Verschulden als 

mittelschwer bis schwer zu bezeichnen und es erweist sich hierfür unter 

Berücksichtigung des Strafrahmens von bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe 

und dem breiten Spektrum der vom Tatbestand der qualifizierten einfachen 

Körperverletzung erfassten Handlungsweisen eine Freiheitsstrafe von zwei 

Jahren als angemessen. 

 - 15 - 

 

 

 

4.4.2. 

An sich wäre die bis anhin ermittelte Freiheitsstrafe aufgrund der zweiten 

qualifizierten einfachen Körperverletzung mit dem Baustellenschild 

angemessen zu erhöhen. Dies kann jedoch unterbleiben, da bereits für die 

erste qualifizierte einfache Körperverletzung mit der Glasflasche – sowie in 

Anbetracht der sich neutral auswirkenden Täterkomponenten (vgl. 

vorinstanzliches Urteil, E. IV/3.2.4) – eine deutlich höhere als die von der 

Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe von einem Jahr auszusprechen 

wäre, was aufgrund des Verschlechterungsverbots jedoch nicht möglich ist 

(Art. 391 Abs. 2 StPO; vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 

18. Januar 2023 E. 3.4.3, demzufolge nicht zu beanstanden ist, dass die 

weiteren Delikte nicht mehr im Einzelnen asperiert werden, wenn eine 

Strafe aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht zu Lasten der 

beschuldigten Person abgeändert werden darf). Nach dem Gesagten bleibt 

es bei der von der Vorinstanz ausgesprochenen Freiheitsstrafe von einem 

Jahr zuzüglich einer Verbindungsbusse (siehe dazu unten) als in ihrer 

Gesamtheit angemessenen Sanktion. 

 

4.5. 

4.5.1. 

Die Einsatzstrafe hinsichtlich der Straftaten, für welche die Vorinstanz bei 

isolierter Betrachtung eine Geldstrafe ausgesprochen hat (Raufhandel 

gemäss Art. 133 StGB und Drohung gemäss Art. 180 StGB), ist für die 

Drohung – bei gleichem abstraktem Strafrahmen wie der Raufhandel – als 

konkret schwerste Straftat festzusetzen. Dazu ergibt sich Folgendes: 

 

Wer jemanden in Schrecken oder Angst versetzt, wird mit Freiheitsstrafe 

bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Der Tatbestand der Drohung 

schützt den inneren Frieden sowie das Gefühl von Sicherheit (BGE 141 IV 

1 E. 3.2.2). Der Beschuldigte hat B._____ und C._____ angedroht, 

zuhause eine Pistole zu holen und sie zu erschiessen. Es handelt sich 

dabei um eine gegen das Leben und somit das höchste Rechtsgut 

überhaupt gerichtete Drohung. Diese hat die Betroffenen in ihrem 

Sicherheitsgefühl erheblich und nicht bloss ganz kurzfristig eingeschränkt. 

Sie haben die Drohung ernst genommen und sie ging auch nicht spurlos 

an ihnen vorbei. Relativierend dazu ist jedoch zu berücksichtigen, dass die 

durch die Drohung verursachte Angst nicht eine solche Intensität erreichte, 

dass B._____ und C._____ deshalb die Polizei verständigt hätten.  

 

Die Art und Weise des Tatvorgehens ist nicht über die blosse Erfüllung des 

Tatbestands hinausgegangen, was sich neutral auswirkt. Der Auslöser der 

Drohung war eine zuvor erfolgte Auseinandersetzung zwischen E._____ 

einerseits und B._____ und C._____ anderseits, wobei sich der 

Beschuldigte wohl als Beschützer von E._____ aufspielen wollte. Der 

 - 16 - 

 

 

Beschuldigte verfügte demnach über ein grosses Mass an 

Entscheidungsfreiheit, was sich verschuldenserhöhend auswirkt.  

 

Insgesamt ist innerhalb des ordentlichen Strafrahmens von Freiheitsstrafe 

bis zu drei Jahren oder Geldstrafe und unter Berücksichtigung der vom 

Tatbestand der Drohung erfassten Handlungsweisen von einem gerade 

noch leichten bis mittelschweren Verschulden und einer dafür 

angemessenen (bedingten) Einsatzstrafe von 180 Tagessätzen, zuzüglich 

einer Verbindungsbusse (siehe dazu unten) als in ihrer Gesamtheit 

schuldangemessene Sanktion auszugehen.  

 

4.5.2. 

Diese Einsatzstrafe wäre nunmehr in Anwendung des Asperationsprinzips 

für den Raufhandel angemessen zu erhöhen. Dies ist aber 

ausgeschlossen, da das Gericht an das Höchstmass jeder Strafart 

gebunden und Sanktionsobergrenze von 180 Tagessätzen Geldstrafe 

bereits erreicht ist (Art. 34 Abs. 1 StGB). Das Gericht kann eine Geldstrafe 

mithin nicht in eine Freiheitsstrafe umwandeln, weil die Geldstrafe bei 

mehreren Delikten als dem Verschulden nicht mehr angemessen mild 

erscheint (BGE 144 IV 313 = Pra 2019 Nr. 58). Dass dies bei mehrfach 

begangener leichter Kriminalität zu unbilligen Ergebnissen führen kann, ist 

nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts hinzunehmen (so 

ausdrücklich BGE 144 IV 217 E. 3.6). 

 

4.5.3. 

Die Höhe des Tagessatzes ist gemäss Art. 34 Abs. 2 StGB nach den 

persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt 

des Urteils zu bemessen, insbesondere nach dem Einkommen und 

Vermögen, dem Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungs-

pflichten sowie dem Existenzminimum. Das Bundesgericht hat die Kriterien 

für die Bemessung der Geldstrafe dargelegt (BGE 142 IV 315 E. 5; BGE 

134 IV 60 E. 5 f.; BGE 135 IV 180 E. 1.4). Darauf kann verwiesen werden.  

 

Gemäss eigenen Angaben anlässlich der Berufungsverhandlung führt der 

Beschuldigte nach wie vor seine GmbH im Bauwesen und zahlt sich einen 

Lohn von monatlich rund Fr. 5'000.00 aus (Protokoll Berufungs-

verhandlung, S. 26 f.). Der Beschuldigte ist verheiratet und hat drei 

volljährige Kinder aus erster Ehe, welche in Mazedonien leben (act. 6). 

Entsprechend ist nicht von veränderten finanziellen Verhältnisse 

gegenüber dem vorinstanzlichen Verfahren auszugehen und es bleibt beim 

Tagessatz von Fr. 80.00. Die Geldstrafe beläuft sich damit auf 

Fr. 14'400.00 (180 x Fr. 80.00). 

 

4.6. 

Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten den bedingten Strafvollzug gewährt 

und die Probezeit auf das gesetzliche Minimum von zwei Jahren festgelegt, 

 - 17 - 

 

 

womit es aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StGB) 

sein Bewenden hat. 

 

4.7. 

Eine bedingt ausgesprochene Freiheits- und Geldstrafe kann mit einer 

Busse verbunden werden (Art. 42 Abs. 4 StGB). Vorliegend ist die 

Verbindung der bedingt ausgesprochenen Freiheits- und Geldstrafe mit 

einer Busse angezeigt, um dem Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der 

Sanktion und die Konsequenzen seines Handelns deutlich vor Augen zu 

führen. 

 

Infolge des Verschlechterungsverbots kann die vorinstanzlich festgesetzte 

Verbindungsbusse in der Höhe von Fr. 3'600.00 – auch wenn sich diese in 

Anbetracht dessen, dass die Verbindungsbusse sowohl zur bedingten 

Freiheits- als auch Geldstrafe auszusprechen ist, als sehr mild erweist – 

nicht erhöht werden, weshalb es damit sein Bewenden hat. 

 

Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem Nichtbezahlen der Busse ist, 

ausgehend vom als Umrechnungsschlüssel zu verwendenden Tagessatz 

von Fr. 80.00 (BGE 134 IV 60 E. 7.3.3 S. 77), auf 45 Tage Freiheitsstrafe 

festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 und 3 StGB). 

 

5. 

5.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für die Dauer von sieben Jahren des 

Landes verwiesen. Mit Berufung beantragt der Beschuldigte ein Absehen 

von der Landesverweisung und macht eine grosse persönliche Härte 

geltend (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 31). 

 

Der Beschuldigte wird vorliegend nicht mehr wegen mehrfacher versuchter 

schwerer Körperverletzung, sondern wegen mehrfacher qualifizierter 

einfacher Körperverletzung verurteilt. Insofern liegt kein Katalogtatbestand 

vor, welche die obligatorische Landesverweisung nach Art. 66a StGB nach 

sich ziehen würde. Gemäss Art. 66abis StGB kann das Gericht einen 

Ausländer für 3 bis 15 Jahre des Landes verweisen, wenn er wegen eines 

Verbrechens oder Vergehens, das nicht von Art. 66a StGB erfasst wird, zu 

einer Strafe verurteilt oder gegen ihn eine Massnahme nach Art. 59-61 oder 

64 StGB angeordnet wird (nicht obligatorische Landesverweisung). 

 

Die nicht obligatorische Landesverweisung hat unter Berücksichtigung des 

Verhältnismässigkeitsprinzips (Art. 5 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 2 und 3 BV) 

zu erfolgen. Das Gericht hat die öffentlichen Interessen an der 

Landesverweisung mit den privaten Interessen des Ausländers am 

Verbleib in der Schweiz abzuwägen. Die erforderliche Interessenabwägung 

entspricht den Anforderungen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK an einen Eingriff in 

das Privat- und Familienleben. Bei der Verhältnismässigkeitsprüfung sind 

 - 18 - 

 

 

namentlich die Natur und Schwere der Straftat, die Rückfallgefahr, die seit 

der Tatbegehung verstrichene Zeit und das bisherige Verhalten der 

betroffenen Person, die Dauer des bisherigen Aufenthalts in der Schweiz 

und die Intensität ihrer sozialen, kulturellen und familiären Bindungen 

sowohl im Gastgeberland als auch im Heimatland zu berücksichtigen. Die 

Anordnung der nicht obligatorischen Landesverweisung nach Art. 66abis 

StGB setzt nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung keine Mindest-

strafhöhe voraus, zu der die beschuldigte Person verurteilt wurde (statt 

vieler: Urteil des Bundesgerichts 7B_799/2023 vom 30. Januar 2024 E. 2.2 

mit Hinweisen). Bei der Prüfung der Landesverweisung sind auch vor dem 

Inkrafttreten der strafrechtlichen Landesverweisung begangene Straftaten 

zu berücksichtigen (BGE 144 IV 332 E. 3; Urteil des Bundesgerichts 

6B_423/2019 vom 17. März 2020 E. 2.1.2). 

 

5.2. 

5.2.1. 

Der Beschuldigte hat sich der mehrfachen qualifizierten einfachen 

Körperverletzung, der Drohung und des Raufhandels schuldig gemacht. 

Dabei hat er ein hohes Mass an Gewaltbereitschaft gezeigt und sich über 

das hochstehende Rechtsgut der körperlichen Integrität mehrerer 

Personen hinweggesetzt. Für die mehrfache qualifizierte einfache 

Körperverletzung wird er denn auch zu einer (bedingten) Freiheitsstrafe 

von einem Jahr verurteilt, wobei darauf hinzuweisen ist, dass das 

Obergericht ohne Geltung des Verschlechterungsverbots eine höhere 

Freiheitsstrafe von mehr als zwei Jahren ausgefällt hätte (siehe dazu 

oben). Bei den Vergehen des Beschuldigten, darunter nebst den 

qualifizierten einfachen Körperverletzungen auch eine Todesdrohung, 

handelte es sich mitnichten um Bagatellen. Vielmehr weist das Verhalten 

des Beschuldigten auf eine grosse Gleichgültigkeit gegenüber der 

Schweizerischen Rechtsordnung und fremden Rechtgüter hin. Auch wenn 

ihm die Vorinstanz den bedingten Strafvollzug gewährt hat, worauf 

aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht zurückzukommen war, 

bestehen aufgrund seiner Bereitschaft, aus nichtigem Anlass eine 

Todesdrohung auszusprechen und gleich mehrere Körperverletzungs-

delikte zu begehen, erhebliche Bedenken an seiner Legalprognose. 

Insgesamt ist von einem hohen öffentlichen Interesse an der Landes-

verweisung auszugehen. 

 

5.2.2. 

Der Beschuldigte ist Staatsangehöriger von Nordmazedonien. Er ist erst im 

Jahre 2013 und somit mit 47 Jahren in die Schweiz gekommen (MIKA-

Akten, act. 85). Dies als Folge seiner Hochzeit mit I._____, einer 

italienischen Staatsangehörigen mit Wohnsitz in der Schweiz (MIKA-Akten, 

act. 38 ff.). Zuvor lebte er – nebst in seinem Heimatland – auch in Bosnien, 

Deutschland, Slowenien und Italien (Protokoll Berufungsverhandlung, 

S. 25). Seine drei Kinder aus erster Ehe, zu denen er eine gute Beziehung 

 - 19 - 

 

 

pflegt, leben allesamt in Nordmazedonien (act. 6; Protokoll Berufungs-

verhandlung, S. 26). In der Schweiz verfügt der Beschuldigte neben seiner 

Ehefrau, die ihn zwar an die Berufungsverhandlung begleitet hat, von der 

er jedoch immer wieder getrennt gelebt hat (Protokoll Berufungs-

verhandlung, S. 25; vgl. MIKA-Akten, act. 74 und 96), und einer Schwester 

(act. 5), über keine weiteren Verwandten oder Freunde (act. 11). Er 

engagiert sich weder in einem Verein (Protokoll Berufungsverhandlung, 

S. 28) noch zeigt sich anhand anderer Freizeitbeschäftigungen eine 

besondere soziale Integration in der Schweiz. Als Hobby bezeichnet er 

lediglich die Zubereitung von Börek (Protokoll Berufungsverhandlung, 

S. 28). Trotz seiner langjährigen Anwesenheit in der Deutschschweiz 

spricht der Beschuldigte nur schlecht Deutsch, hingegen kann er sich auf 

Albanisch und Serbisch (vgl. Protokoll Berufungsverhandlung, S. 22) 

problemlos verständigen. Neben der missglückten sozialen Integration ist 

auch von keiner beruflichen Integration in der Schweiz auszugehen. Der 

Beschuldigte verfügt über keine Ausbildung und musste in der Schweiz 

mehrfach von der Sozialhilfe unterstützt werden (MIKA-Akten). Inzwischen 

habe er sich selbständig gemacht und seine Firma, mit welcher er im 

Bauwesen tätig sei, laufe gut, wobei dem Beschuldigten weder der 

Jahresabschluss noch die Erfolgsrechnung seiner Firma bekannt zu sein 

scheinen (Protokoll Berufungsverhandlung, S. 27 f.). In Nordmazedonien 

scheint eine Integration vollends möglich, zumal er sich dort ohne 

Einschränkungen verständigen kann und seine drei Kinder dort leben. Auch 

in beruflicher Hinsicht erscheint nicht ausgeschlossen, dass er auch in 

Nordmazedonien einer selbständigen Tätigkeit nachgehen könnte, zumal 

er damit offenbar erfolgreich ist. Zwar bedeutet die Landesverweisung für 

den Beschuldigten unbestrittenermassen eine gewisse Härte. Diese 

können jedoch nicht als gewichtig bezeichnet werden. Von einer 

Verwurzelung oder nahen Beziehung zur Schweiz kann vorliegend, ausser 

seiner (eher instabilen) Ehe mit einer in der Schweiz wohnhaften 

italienischen Staatsbürgerin, nicht die Rede sein, entsprechend gering fällt 

sein Interesse am Verbleib in der Schweiz aus. 

 

Ein schwerer persönlicher Härtefall liegt unter diesen Umständen zweifellos 

nicht vor. Sodann überwiegt das öffentliche Interesse an einer Wegweisung 

das persönliche Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib in der 

Schweiz bei weitem, zumal es seiner Ehefrau, deren Kinder aus erster Ehe 

ebenfalls volljährig sind (MIKA-Akten, act. 20), offensteht, ihm – sofern die 

Ehe überhaupt noch Bestand hat – in seine Heimat zu folgen oder den 

Kontakt zu ihm mittels moderner Kommunikationsmittel oder Besuchen 

aufrecht zu erhalten. Die Anordnung der fakultativen Landesverweisung 

erscheint in einer Gesamtbetrachtung sowohl unter dem Blickwinkel von 

Art. 66abis StGB als auch unter demjenigen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK – sofern 

überhaupt tangiert – als verhältnismässig und rechtskonform und ist 

deshalb anzuordnen. 

 

 - 20 - 

 

 

5.2.3. 

Die Vorinstanz hat die Landesverweisung für die Dauer von 7 Jahren 

angeordnet. Diese Dauer erscheint in Anbetracht des hohen öffentlichen 

Interesses an einer Wegweisung und einem vergleichsweise geringen 

privaten Interesse an einem Verbleib in der Schweiz (siehe dazu oben) als 

angemessen und kann unter keinem Titel herabgesetzt werden. 

 

5.3. 

Der Beschuldigte wird vorliegend zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr 

verurteilt, wobei das Obergericht eine höhere Strafe verhängt hätte. 

Sodann wird eine fakultative Landesverweisung angeordnet. Entsprechend 

ist davon auszugehen, dass er eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit 

und Ordnung im Sinne von Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-Verordnung darstellt. 

Gründe, welche eine Ausschreibung im SIS als unverhältnismässig 

erscheinen lassen würden, sind keine ersichtlich (vgl. BGE 146 IV 172 

E. 3.2). Somit ist die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener 

Informationssystem (SIS) anzuordnen. 

 

6. 

6.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge 

gutgeheissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1145/2022 vom 

13. Oktober 2023 E. 3.2.1). 

 

Der Beschuldigte erwirkt mit seiner Berufung, dass er anstatt der 

versuchten schweren Körperverletzung der qualifizierten einfachen 

Körperverletzung schuldig gesprochen wird. Dies hat jedoch keinen 

Einfluss auf das Strafmass und die Landesverweisung. Im Übrigen ist seine 

Berufung denn auch abzuweisen. Mithin wird das vorinstanzliche Urteil nur 

unwesentlich abgeändert, weshalb es sich rechtfertigt, dem Beschuldigten 

die auf Fr. 4'000.00 (§ 18 Abs. 1 VKD) festzusetzenden obergerichtlichen 

Verfahrenskosten vollumfänglich aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 2 lit. b StPO). 

 

6.2. 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für das obergerichtliche 

Verfahren gestützt auf seine Kostennote mit insgesamt Fr. 5'848.00 aus 

der Staatskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 

und Abs. 3bis AnwT).  

 

Ausgangsgemäss ist diese Entschädigung vom Beschuldigten 

zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

 - 21 - 

 

 

6.3. 

Die vorinstanzliche Kostenverlegung erweist sich als zutreffend und bedarf 

keiner Korrektur. Der Beschuldigte wird verurteilt und hat deshalb die 

Verfahrenskosten zu tragen (Art. 428 Abs. 3 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). 

 

6.4. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 9'112.05 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr 

zurückzukommen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 

28. Januar 2019).  

 

Ausgangsgemäss ist diese Entschädigung vom Beschuldigten 

zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

7. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 

1 StPO, Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte ist schuldig  

- der mehrfachen qualifizierten einfachen Körperverletzung gemäss 

Art. 123 Ziff. 2 StGB; 

- des Raufhandels gemäss Art. 133 StGB; 

- der Drohung gemäss Art. 180 StGB. 

 

2. 

Der Beschuldigte wird gemäss den in Ziff. 1 genannten Gesetzes-

bestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, 

Art. 40 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 und 4 StGB, Art. 44 StGB und 

Art. 106 StGB 

 

zu einer bedingten Freiheitsstrafe von einem Jahr, Probezeit 2 Jahre, 

 

einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 80.00, d.h. 

Fr. 14'400.00, Probezeit je 2 Jahre, und 

 

einer Verbindungsbusse von Fr. 3'600.00, ersatzweise 45 Tage Freiheits-

strafe, 

 

verurteilt.  

 - 22 - 

 

 

 

3. 

Der Beschuldigte wird gemäss Art. 66abis StGB für die Dauer von 7 Jahren 

des Landes verwiesen. 

 

Die Landesverweisung wird im Schengener Informationssystem (SIS) 

ausgeschrieben. 

 

4. 

4.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden 

vollumfänglich dem Beschuldigten auferlegt. 

 

4.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten für das obergerichtliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 5'848.00 auszurichten.  

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

5. 

5.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 1'852.00 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 1'100.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

5.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 9'112.05 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zurückgefordert, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht zu 

bezahlen bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der 

Probezeit aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere 

 - 23 - 

 

 

Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 

Abs. 1 StGB). 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 30. Mai 2024 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Six     L. Stierli