# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3fb8371b-cdfd-521d-b510-6c60ac7257e5
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-08-13
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 13.08.2025 SBK.2025.119
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2025-119_2025-08-13.pdf

## Full Text

Obergericht 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

 

SBK.2025.119  
(STA.2025.1425)  

Art. 239 

 

 

Entscheid vom 13. August 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichter Richli, Präsident  

Oberrichterin Massari  

Oberrichterin Merkofer  

Gerichtsschreiberin Groebli Arioli 

 

 
   

Beschwerde-

führer 1 

 A._____, […], 

[…] 

 

Beschwerde-

führerin 2 

 B._____, […], 

[…]  

 

  
    

Beschwerde-

gegnerin  

 Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau,  

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

 

Beschuldigte   C._____,  

[…]  

 

 
   

Anfechtungs-

gegenstand 

 Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

vom 15. April 2025 

 

in der Strafsache gegen C._____ 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Am 27. Januar 2025 erstatteten A._____ und B._____ bei der Staatsan-

waltschaft Muri-Bremgarten Strafanzeige gegen C._____ vom Kantonalen 

Steueramt (nachfolgend Beschuldigte) wegen "Amtsmissbrauchs, konkret 

in Form von ungerechtfertigter Schädigung und unzulässiger Nötigung 

durch diverse Forderungen". Sie machten geltend, die Beschuldigte habe 

im Auftrag der örtlichen Steuerbehörde am 14. Februar 2024 eine Überprü-

fung der selbständigen Erwerbstätigkeiten von ihnen durchgeführt und da-

raufhin Buchungen, welche durch das örtliche Steueramt akzeptiert worden 

seien, nicht mehr akzeptiert und die Zustellung von weiteren Dokumenten 

gefordert. Sie seien zudem nur ungenügend angehört worden. Stattdessen 

seien die Forderungen des Kantonalen Steueramts wiederholt und schluss-

endlich je ein Strafbefehl wegen Verletzung von Verfahrenspflichten gegen 

sie erlassen worden. Dagegen hätten sie Einsprache erhoben. Auch sei 

ihnen eine Veranlagung zugestellt worden, die nicht der Realität entspre-

che. Die ganze Angelegenheit sei aktuell vor dem Spezialverwaltungsge-

richt hängig. Zusammenfassend stelle das Verhalten der Beschuldigten 

eine systematische Ausnutzung von Machtbefugnissen dar, weshalb sie 

sich der Nötigung und der "ungerechtfertigten Schädigung" gemäss 

Art. 312 StGB strafbar gemacht habe. 

 

1.2. 

Am 20. Februar 2025 übernahm die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau 

zuständigkeitshalber das Verfahren. 

 

2. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verfügte am 15. April 2025 die 

Nichtanhandnahme der Strafsache gegen die Beschuldigte wegen Amts-

missbrauchs "in Form von ungerechtfertigter Schädigung und unzulässiger 

Nötigung durch diverse Forderungen", was von der Oberstaatsanwaltschaft 

des Kantons Aargau am 22. April 2025 genehmigt wurde. 

 

3. 

3.1. 

Gegen diese ihnen am 29. April 2025 zugestellte Nichtanhandnahmeverfü-

gung reichten A._____ und B._____ am 6. Mai 2025 (Postaufgabe) Be-

schwerde ein mit den Anträgen auf Aufhebung der Nichtanhandnahmever-

fügung vom 15. April 2025 sowie der Eröffnung eines Strafverfahrens mit 

Durchführung der nötigen Ermittlungen gegen die Beschuldigte. 

 

3.2. 

Am 23. Mai 2025 leisteten die Beschwerdeführer die mit Verfügung vom 

14. Mai 2025 von der Verfahrensleiterin der Beschwerdekammer in 

 - 3 - 

 

 

Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau für allfällige Kosten ein-

geforderte Sicherheit von Fr. 1'000.00. 

 

3.3. 

Mit Beschwerdeantwort vom 6. Juni 2025 beantragte die Staatsanwalt-

schaft Lenzburg-Aarau die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. 

 

3.4. 

Die Beschuldigte beantragte mit Eingabe vom 10. Juni 2025 die Abweisung 

der Beschwerde unter Verweis auf die Nichtanhandnahmeverfügung. 

 

 
   

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Nichtanhandnahmeverfügungen der Staatsanwaltschaft sind gemäss 

Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 und Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO mit 

Beschwerde anfechtbar. Nachdem vorliegend keine Beschwerdeaus-

schlussgründe gemäss Art. 394 StPO bestehen, ist die Beschwerde zuläs-

sig. 

 

1.2. 

Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder 

Änderung eines Entscheids hat, kann ein Rechtsmittel ergreifen (vgl. 

Art. 382 Abs. 1 StPO). Partei ist u.a. die Privatklägerschaft (Art. 104 Abs. 1 

lit. b StPO), wobei als Privatklägerschaft die geschädigte Person gilt, die 

ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin     

oder -kläger zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Der Strafantrag ist dieser 

Erklärung gleichgestellt (Art. 118 Abs. 2 StPO). Die Erklärung ist gegenüber 

einer Strafverfolgungsbehörde spätestens bis zum Abschluss des Vorver-

fahrens abzugeben (Art. 118 Abs. 3 StPO). Hat die geschädigte Person von 

sich aus keine Erklärung abgegeben, so weist sie die Staatsanwaltschaft 

nach Eröffnung des Vorverfahrens auf diese Möglichkeit hin (Art. 118 

Abs. 4 StPO). Als geschädigt gilt die Person, die durch die Straftat in ihren 

Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). 

 

Geschädigte, die sich nicht als Privatkläger konstituiert haben, können ei-

ne Nichtanhandnahme- oder Einstellungsverfügung mangels Parteistellung 

grundsätzlich nicht anfechten. Diese Einschränkung gilt dann nicht, wenn 

die geschädigte Person noch keine Gelegenheit hatte, sich zur Frage der 

Konstituierung zu äussern, so etwa wenn eine Nichtanhandnahme oder 

Einstellung ergeht, ohne dass die Strafverfolgungsbehörde die geschädigte 

Person zuvor auf ihr Konstituierungsrecht aufmerksam gemacht hat. Die 

Hinweispflicht nach Art. 118 Abs. 4 StPO trifft die Staatsanwaltschaft. Ent-

sprechend kommt sie regelmässig erst mit Eröffnung der Untersuchung 

 - 4 - 

 

 

nach Art. 309 StPO zum Tragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_158/2021 vom 2. Mai 2022 E. 1 m.w.H; VIKTOR LIEBER, in: Kommentar 

zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 14 zu 

Art. 118 StPO). 

 

Den Akten ist nicht zu entnehmen, dass die Beschwerdeführer bislang auf 

die Möglichkeit einer Konstituierung als Privatkläger hingewiesen worden 

sind, womit sie zur Beschwerde zuzulassen sind. Im Übrigen kann die Er-

hebung der Beschwerde nur dahingehend verstanden werden, dass sich 

die Beschwerdeführer i.S.v. Art. 118 Abs. 1 StPO am Strafverfahren betei-

ligen wollen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_33/2019 vom 22. Mai 2019 

E. 3; vgl. LIEBER, a.a.O., N. 8 zu Art. 118 StPO). Die Beschwerdeführer sind 

damit legitimiert, die Nichtanhandnahmeverfügung anzufechten. 

 

1.3. 

Die weiteren Eintretensvoraussetzungen sind erfüllt und geben zu keinen 

Bemerkungen Anlass. Auf die frist- und formgerechte Beschwerde (vgl. 

Art. 396 Abs. 1 i.V.m. Art. 385 Abs. 1 StPO) ist daher einzutreten. 

 

2. 

Die Staatsanwaltschaft eröffnet insbesondere dann eine Untersuchung, 

wenn sich aus den Informationen und Berichten der Polizei, aus der Straf-

anzeige oder aus ihren eigenen Feststellungen ein hinreichender Tatver-

dacht ergibt (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). Ein hinreichender Tatverdacht 

setzt voraus, dass die erforderlichen Hinweise auf eine strafbare Handlung 

konkreter Natur sind. Konkret ist der Tatverdacht dann, wenn eine gewisse 

Wahrscheinlichkeit für eine strafrechtliche Verurteilung des Beschuldigten 

spricht. Die Gesamtheit der tatsächlichen Hinweise muss die plausible 

Prognose zulassen, dass der Beschuldigte mit einiger Wahrscheinlichkeit 

verurteilt werden wird. Diese Prognose geht über die allgemeine theoreti-

sche Möglichkeit hinaus. Ein blosser Anfangsverdacht, d.h. eine geringe 

Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung aufgrund vager tatsächlicher An-

haltspunkte, genügt nicht (NATHAN LANDSHUT/THOMAS BOSSHARD, in: Kom-

mentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, N. 25 f. 

zu Art. 309 StPO). 

 

Gemäss Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO verfügt die Staatsanwaltschaft hingegen 

die Nichtanhandnahme der Untersuchung, sobald aufgrund der Strafan-

zeige oder des Polizeirapports feststeht, dass die fraglichen Straftatbe-

stände oder die Prozessvoraussetzungen eindeutig nicht erfüllt sind. Ein 

Nichtanhandnahmeentscheid hat zu ergehen, wenn die Staatsanwaltschaft 

allein aufgrund der Ermittlungsergebnisse oder der Strafanzeige die Unter-

suchung nicht eröffnet, da die Führung eines Verfahrens geradezu aus-

sichtslos erscheint. Das Prinzip von "in dubio pro duriore" schreibt vor, dass 

eine Nichtanhandnahme von der Staatsanwaltschaft nur ausgesprochen 

werden darf, wenn es klar erscheint, dass der Sachverhalt nicht strafbar ist 

 - 5 - 

 

 

oder nicht bestraft werden kann (ANDRÉ VOGELSANG, in: Basler Kommen-

tar, Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N.  6 und 8 zu 

Art. 310 StPO). Die Strafbehörde prüft dies von Amtes wegen (vgl. Art. 6 

Abs. 1 StPO). Es muss sich allein aus den Akten ersichtlich um sachver-

haltsmässig und rechtlich klare Fälle handeln. Es muss mit anderen Worten 

sicher sein, dass der Sachverhalt unter keinen Straftatbestand fällt, was 

etwa bei rein zivilrechtlichen Streitigkeiten der Fall ist. Obschon das Gesetz 

dies nicht ausdrücklich erwähnt, kann eine Nichtanhandnahme auch ver-

fügt werden, wenn zwar ein Straftatbestand erfüllt ist, aber offenkundig ein 

Rechtfertigungsgrund besteht (Urteil des Bundesgerichts 6B_1242/2014 

vom 15. Oktober 2015 E. 2.3; LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N. 5a zu 

Art. 310 StPO). Im Zweifelsfall ist eine Untersuchung zu eröffnen 

(BGE 137 IV 285 E. 2.3). 

 

3. 

3.1. 

3.1.1. 

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hält zur Begründung der ange-

fochtenen Verfügung fest, dass aus den Unterlagen nicht hervorgehe, in-

wiefern die Beschuldigte ihre Amtsgewalt missbraucht haben und unrecht-

mässig Machtbefugnisse zum Nachteil der Beschwerdeführer angewendet 

haben soll. Viel eher liessen die Unterlagen darauf schliessen, dass die 

Beschuldigte nach rechtsstaatlichen Grundsätzen und in Einklang mit dem 

kantonalen Steuergesetz vorgegangen sei. So habe sie nicht rechtsmiss-

bräuchlich gehandelt, indem sie den Beschwerdeführern am 30. Juni 2024 

keine weitere Fristerstreckung gewährt habe. Den Akten sei sodann mit-

nichten zu entnehmen, dass die Beschuldigte die Anfragen der Beschwer-

deführer unbeachtet gelassen habe und diese keine Gelegenheit gehabt 

hätten, ihre Standpunkte einzubringen. Viel eher sei es den Beschwerde-

führern nicht gelungen, die Beschuldigte davon zu überzeugen, bereits ge-

nügend Dokumente für eine Steuerveranlagung offengelegt zu haben. Wie 

sich die Sache diesbezüglich darstelle, sei für das Strafverfahren unbeacht-

lich und werde durch die zuständigen Instanzen in den steuerrechtlichen 

Verfahren zu prüfen sein. Dies, zumal keine Hinweise für schikanöses Ver-

halten der Beschuldigten, beispielsweise durch Einfordern von offensicht-

lich sachfremden Unterlagen, vorlägen. Zusammengefasst bestünden kei-

nerlei Anhaltspunkte, dass die Beschuldigte im Umgang mit den Beschwer-

deführern die Machtbefugnisse, welche ihr ihr Amt verliehen habe, unrecht-

mässig angewendet habe. Angesichts dieses Umstands könne auf die Prü-

fung der weiteren Tatbestandselemente von Art. 312 StGB verzichtet wer-

den. Aus der Anzeige vom 27. Januar 2025 lasse sich auch kein anderwei-

tiges strafrechtlich relevantes Fehlverhalten der Beschuldigten ableiten. 

 

3.1.2. 

Mit Beschwerde machen die Beschwerdeführer geltend, dass sie die Ein-

schätzung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau für nicht 

 - 6 - 

 

 

nachvollziehbar und rechtlich unhaltbar hielten. Sie seien weder ordnungs-

gemäss angehört noch über die massgeblichen Änderungen informiert wor-

den. Das Verhalten der Beschuldigten wirke willkürlich und schikanös, 

nachdem ihnen zuerst mitgeteilt worden sei, es handle sich lediglich um 

eine kleine Korrektur und danach Dokumente eingefordert worden seien, 

welche die Beschuldigte bereits beim Besuchstermin habe einsehen kön-

nen. Die Angelegenheit sei noch nicht abschliessend beurteilt. Eine straf-

rechtliche Vorwegnahme durch Nichtanhandnahme erscheine sachlich 

nicht gerechtfertigt. Schliesslich beschränke sich die Begründung der 

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau auf formale Aspekte, ohne das Ge-

samtbild und das für sie belastende Verhalten im Detail zu prüfen. 

 

3.1.3. 

In ihren Stellungnahmen verweisen sowohl die Staatsanwaltschaft Lenz-

burg-Aarau als auch die Beschuldigte auf die Ausführungen in der ange-

fochtenen Nichtanhandnahmeverfügung. 

 

3.2. 

3.2.1. 

Mitglieder einer Behörde oder Beamte, die ihre Amtsgewalt missbrauchen, 

um sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen 

oder einem andern einen Nachteil zuzufügen, werden mit Freiheitsstrafe 

bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 312 StGB).  

 

Amtsmissbrauch ist der zweckentfremdete Einsatz staatlicher Macht 

(BGE 149 IV 128 E. 1.3.1 m.w.H.). Der Tatbestand ist einschränkend da-

hingehend auszulegen, dass nur derjenige die Amtsgewalt missbraucht, 

der die Machtbefugnisse, die ihm sein Amt verleiht, unrechtmässig anwen-

det, d.h. kraft seines Amtes verfügt oder Zwang ausübt, wo es nicht ge-

schehen dürfte (BGE 127 IV 209 E. 1 m.w.H.). Allerdings liegt ein Amts-

missbrauch nicht in jeder diesbezüglichen Verfügung, bei der sich im Nach-

hinein (etwa im Rahmen eines Rechtsmittelverfahrens) herausstellt, dass 

die gesetzlichen Voraussetzungen nicht vorgelegen haben. 

 

Der subjektive Tatbestand verlangt vorsätzliches Verhalten, zumindest 

Eventualvorsatz. Beim Täter bedarf es zum einen der Kenntnis, dass die 

Amtsgewalt missbräuchlich eingesetzt wird. Daran fehlt es etwa, wenn der 

Amtsträger im Glauben handelt, er übe seine Machtbefugnisse pflichtge-

mäss aus. Zum anderen muss er in der Absicht handeln, sich oder einem 

Dritten einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen oder in der Absicht, 

einem andern einen Nachteil zuzufügen (STEFAN HEIMGARTNER, in: Basler 

Kommentar, Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N. 8 und N. 22 zu Art. 312 StGB; 

BGE 149 IV 128 E. 1.3.1 m.w.H.). 

 

 - 7 - 

 

 

3.2.2. 

Wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder 

durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, 

zu unterlassen oder zu dulden, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 

oder Geldstrafe bestraft (Art. 181 StGB).  

 

Die Anwendung des Nötigungsmittels muss den Betroffenen in seiner 

Handlungsfreiheit beeinträchtigen. Das Zwangsmittel der "anderen Be-

schränkung der Handlungsfreiheit" muss, um tatbestandsmässig zu sein, 

das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung in ähnlicher Weise 

eindeutig überschreiten, wie es für die im Gesetz ausdrücklich genannten 

Zwangsmittel der Gewalt und der Androhung ernstlicher Nachteile gilt. Es 

muss ihnen mithin eine den gesetzlich genannten Mitteln vergleichbare 

Zwangswirkung zukommen (BGE 141 IV 437 E. 3.2.1). Die weite Um-

schreibung des Nötigungstatbestandes (in Form der Tatbestandsvariante 

der "anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit") hat zudem zur Folge, 

dass nicht jedes tatbestandsmässige Verhalten bei Fehlen von Rechtferti-

gungsgründen auch rechtswidrig ist. Vielmehr bedarf die Rechtswidrigkeit 

bei Art. 181 StGB einer zusätzlichen, besonderen Begründung. Eine Nöti-

gung ist nur unrechtmässig, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist 

oder wenn das Mittel zum angestrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis 

steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel 

und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist 

(BGE 129 IV 6 E. 2.2 und 3.4). 

 

3.3. 

3.3.1. 

Ob die Beschwerdeführer zu Recht zur Aktenergänzung der Buchprüfung 

der Steuerjahre 2020, 2021 und 2022 aufgefordert wurden, wird im steuer-

rechtlichen Verfahren zu klären sein (nach Darstellung der Beschwerdefüh-

rer haben sie am 27. Januar 2025 Rekurs gegen die Einsprache-Ent-

scheide der Steuerkommission [...] vom 18. November 2024 erhoben; vgl. 

Beilage zur Strafanzeige vom 27. Januar 2025). Im steuerrechtlichen Ver-

fahren ist nicht über strafrechtliche Tatbestände zu befinden (Urteil des 

Bundesgerichts 9C_650/2024 vom 24. Januar 2025 E. 5.2) und umgekehrt 

im strafrechtlichen Verfahren nicht über steuerrechtliche Tatbestände. Ent-

gegen der Auffassung der Beschwerdeführer erfolgt durch die Nichtan-

handnahme bzw. deren Überprüfung keine strafrechtliche Vorwegnahme in 

Bezug auf das beim Spezialverwaltungsgericht hängige steuerrechtliche 

Verfahren.  

 

3.3.2. 

Es ist zu prüfen, ob sich aufgrund der Akten ein Verdacht auf Amtsmiss-

brauch durch die Beschuldigte im Sinne von Art. 312 StGB begründen 

lässt. 

 

 - 8 - 

 

 

Ein zweckentfremdeter Einsatz staatlicher Macht durch die Beschuldigte 

könnte von vornherein nur dann vorliegen, wenn sie nicht nach rechtsstaat-

lichen Grundsätzen und in Einklang mit dem kantonalen Steuergesetz vor-

gegangen wäre bzw. wenn konkret eine Mitwirkungspflicht der Beschwer-

deführer in Bezug auf die fraglichen Unterlagen verneint würde. Dies ist 

indessen gestützt auf die Verfahrenspflichten der Steuerpflichtigen nach 

§ 180 ff. StG/AG nicht der Fall (vgl. zum kaskadenartigen Einfordern der 

Steuererklärung für die harmonisierten Staats- und Gemeindesteuern Urteil 

des Bundesgerichts 9C_131/2025 vom 4. April 2025 E. 3.2.1 und 3.2.2 mit 

Verweis auf die Mitwirkungspflichten gemäss Art. 42 Abs. 1 StHG). 

 

Soweit die Beschwerdeführer vorbringen, sie seien weder ordnungsge-

mäss angehört noch über die massgeblichen Änderungen informiert wor-

den, kann ihnen nicht gefolgt werden. Den Akten ist zu entnehmen, dass 

die Beschwerdeführer mehrere Gelegenheiten wahrgenommen haben für 

Stellungnahmen, die Darlegung ihrer Sichtweise und das Einreichen von 

Unterlagen (E-Mails vom 13. Februar 2024, 13. März 2024 und 

30. Juni 2024 betreffend die verlangten Akten; Beilagen zur Strafanzeige 

vom 27. Januar 2025) und die Beschuldigte darauf auch reagiert hat (vgl. 

E-Mails vom 13. Februar 2025 sowie die 1. Mahnung vom 9. April 2024; 

Beilage zur Strafanzeige vom 27. Januar 2025). Die Beschwerdeführer ver-

kennen, dass der Steuerpflichtige zwar nachfragen darf, auf Verlangen der 

Veranlagungsbehörde aber insbesondere mündlich oder schriftlich Aus-

kunft erteilen, Geschäftsbücher, Belege und weitere Bescheinigungen so-

wie Urkunden über den Geschäftsverkehr vorlegen muss (vgl. § 182 

Abs. 2 StG/AG). Schliesslich wurden sie als Steuerpflichtige in den Mah-

nungen auf die drohenden Rechtsnachteile (Möglichkeit der Veranlagung 

nach pflichtgemässem Ermessen bzw. die Bestrafung wegen Verletzung 

von Verfahrenspflichten) hingewiesen (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 

9C_131/2025 vom 4. April 2025 E. 3.2.3). Die Schilderungen der Be-

schwerdeführer beruhen einzig auf ihrem Verständnis der Verfahrenspflich-

ten von Steuerpflichtigen, was aber nicht massgebend ist. Objektiv betrach-

tet liegen keinerlei Hinweise für schikanöses Verhalten der Beschuldigten 

durch Einfordern von offensichtlich sachfremden Unterlagen vor.  

 

Zusammengefasst bestehen keinerlei Anhaltspunkte, dass die Beschul-

digte im Umgang mit den Beschwerdeführern die Machtbefugnisse, welche 

ihr ihr Amt verleiht, unrechtmässig angewendet hat. Der Tatbestand des 

Amtsmissbrauchs ist damit offensichtlich nicht erfüllt. 

 

3.3.3. 

Nachdem der Beschuldigten kein zweckentfremdeter Einsatz staatlicher 

Macht (E. 3.2.1 und E. 3.3.2) vorzuwerfen ist, ist auch der Tatbestand der 

Nötigung, sofern dieser überhaupt unabhängig von einem Amtsmissbrauch 

beanzeigt wurde, mangels Rechtswidrigkeit offensichtlich nicht erfüllt.  

 

 - 9 - 

 

 

3.4. 

Zusammenfassend ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

4. 

Ausgangsgemäss sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens den Be-

schwerdeführern unter solidarischer Haftung aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 

i.V.m. Art. 418 Abs. 2 StPO; THOMAS DOMEISEN, in: Basler Kommentar, 

Schweizerische Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 6 zu Art. 418 StPO). 

Die Beschwerdeführer haben keinen Anspruch auf Entschädigung. 

 

Der Beschuldigten ist im Beschwerdeverfahren kein entschädigungspflich-

tiger Aufwand entstanden. 

  

 
   

Die Beschwerdekammer entscheidet: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsge-

bühr von Fr. 1'000.00 und den Auslagen von Fr. 76.00, zusammen 

Fr. 1'076.00, werden den Beschwerdeführern unter solidarischer Haftung 

auferlegt und mit der von ihnen geleisteten Sicherheit von Fr. 1'000.00 ver-

rechnet, so dass sie der Obergerichtskasse noch Fr. 76.00 zu bezahlen 

haben. 

 

 
   

Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-

lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-

schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde 

kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn 

diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-

sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-

den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde 

(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

 - 10 - 

 

 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde- 

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 13. August 2025 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Beschwerdekammer in Strafsachen 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Richli Groebli Arioli