# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e96592e3-4a1b-5f17-b616-fde9037d6892
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-12
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 12.04.2022 VBE.2021.406
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2021-406_2022-04-12.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2021.406 / TR / ce       
Art. 36 

 

 

Urteil vom 6. April 2022 

 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin  

Oberrichterin Gössi  

Oberrichterin Schircks Denzler  

Gerichtsschreiberin Reimann          

 

 
   

Beschwerde- 

führerin  

 A._____   

vertreten durch Jana Renker, B.A. Soc.Sc. UZH, Bahnhofstrasse 15, 

Postfach, 5600 Lenzburg    

 

     
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 AXA Versicherungen AG, Generaldirektion, General Guisan-Strasse 40, 

Postfach, 8401 Winterthur   

 

     
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 30. Juli 2021) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1.      

Die 1969 geborene Beschwerdeführerin war bei der Beschwerdegegnerin 

gegen Berufsunfälle versichert, als am 26. Juni 2019 ihre rechte Hand zwi-

schen eine Betonwand und den Postpaketwagen geriet und sie sich dabei 

verletzte. Die Beschwerdegegnerin anerkannte ihre Leistungspflicht für das 

fragliche Ereignis und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilbehand-

lung und Taggelder). Nach Einholung einer Stellungnahme des beratenden 

Arztes Dr. med. B., Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie für Phy-

sikalische Medizin und Rehabilitation, stellte sie die Leistungen betreffend 

die rechte Hand mit Verfügung vom 27. März 2020 per 31. März 2020 ein; 

betreffend die Beschwerden an der linken Hand verneinte sie eine Leis-

tungspflicht. Im Einspracheverfahren legte die Beschwerdeführerin ver-

schiedene Berichte ins Recht. Nach nochmaliger Beurteilung der Akten 

durch den beratenden Arzt wies die Beschwerdegegnerin mit Einsprache-

entscheid vom 30. Juli 2021 die Einsprache ab.  

 

2. 

2.1. 

Am 14. September 2021 erhob die Beschwerdeführerin innert der durch die 

Gerichtsferien verlängerten Frist Beschwerde beim Versicherungsgericht 

des Kantons Aargau (Versicherungsgericht) und beantragte Folgendes: 

 
"1. Es seien der Einspracheentscheid vom 30. Juli 2021 respektive die 

Verfügung vom 27. März 2020 aufzuheben. 
 
2. Es seien der Beschwerdeführerin sowohl für die rechte wie auch 

linke Hand weiterhin die gesetzlichen UV-Leistungen (Taggeld und 
Heilbehandlung) zuzusprechen. 

 
3. Es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, zu einem späteren 

Zeitpunkt (med. Endzustand) den Anspruch auf UV-Rente und In-
tegritätsentschädigung zu prüfen. 

 
4. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne einer 

leidensspezifischen Begutachtung und zur Neuverfügung an die Be-
schwerdegegnerin zurückzuweisen.  

 
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwer-

degegnerin." 
 

2.2. 

Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Vernehmlassung vom 5. Novem-

ber 2021 die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit Verfügung vom 12. Januar 2022 wurde die Beschwerdegegnerin auf-

gefordert, diejenigen Akten der Eidgenössischen Invalidenversicherung 

 - 3 - 

 

 

 

(IV) einzureichen, die Dr. med. B. bei der Verfassung der Stellungnahmen 

vom 24. März 2020 und vom 4. Juni 2021 vorlagen. Am 18. Januar 2022 

gingen die einverlangten Unterlagen dem Versicherungsgericht zu.  

 

2.4. 

Mit Verfügung vom 4. März 2022 forderte die Instruktionsrichterin die Be-

schwerdeführerin auf, das in der Beschwerdebeilage 6 erwähnte, neu ver-

anlasste IV-Gutachten dem Versicherungsgericht einzureichen. Dem kam 

sie am 10. März 2022 nach. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1.      

1.1. 

Laut der Unfallmeldung UVG geriet am 26. Juni 2019 die rechte Hand der 

Beschwerdeführerin beim Schieben eines Postpaketwagens zwischen eine 

Betonwand und den Postwagen (Vernehmlassungsbeilage [VB] A1). Am 

5. Juli 2019 begab sie sich in die Notfallpraxis des Kantonsspitals C. wo 

eine Quetschung der rechten Hand diagnostiziert wurde (VB M12). Dem 

Bericht des C. vom 17. Juli 2019 ist zu entnehmen, die rechtsseitigen 

Handschmerzen seien regredient. Die Beschwerdeführerin habe seit zehn 

Tagen Schmerzen in der linken Hand. Als Hauptdiagnose wurde der Ver-

dacht auf ein CRPS beider Hände festgehalten (VB M13). Die rheumatolo-

gische Beurteilung des C. vom 7. August 2019 bestätigte die Verdachtsdi-

agnose (VB M11), die fortan in den ärztlichen Berichten aufgeführt wurde.  

 

Der beratende Arzt der Beschwerdegegnerin Dr. med. B. kam in der Stel-

lungnahme vom 24. März 2020 zum Schluss, ein CRPS an beiden Händen 

sei aufgrund der vorliegenden Akten nur möglich, nicht aber überwiegend 

wahrscheinlich (VB M19 S. 4). An dieser Beurteilung hielt er mit Stellung-

nahme vom 4. Juni 2021 fest; nach wie vor sei gemäss den modifizierten 

Budapest Kriterien (CRPS-Kriterien; gemäss Tabelle 2, Rheuma Schweiz 

03/2017, bei VB M20, Anhang) kein CRPS zu diagnostizieren (VB M20 S. 

7).  

 

1.2. 

Die Beschwerdeführerin bringt beschwerdeweise vor, bei ihr seien die 

CRPS-Kriterien erfüllt; es liege – entsprechend den fachärztlichen Berich-

ten – ein beidseitiges CRPS vor. Im Übrigen habe es die Beschwerdegeg-

nerin in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes unterlassen, zu prüfen, 

ob die beschriebenen Befunde an der linken Hand anlässlich der  

(Erst-)Konsultation im C. vom 17. Juli 2019 zu den beschriebenen Verlet-

zungen des Unfallhergangs (Verdrehen des [linken] Handgelenks durch 

den Postwagen, S. 13) passen und eine hinreichende Erklärung für die Ent-

wicklung des CRPS sein könnten.  

 - 4 - 

 

 

 

 

2. 

2.1. 

In Bezug auf die Beschwerden an der linken Hand verneinte die Beschwer-

degegnerin ihre Leistungspflicht und führte im angefochtenen Einsprache-

entscheid vom 30. Juli 2021 aus, aufgrund der Aktenlage sei mindestens 

unklar, was mit der linken Hand wirklich geschehen sei. Da das Vorliegen 

eines CRPS nicht überwiegend wahrscheinlich sei, erübrige sich die Frage 

nach dem Vorliegen eines (natürlichen) Kausalzusammenhanges betref-

fend die linke Hand (VB A62 S. 12). Die Beschwerdeführerin macht dem-

gegenüber geltend, am 26. Juni 2019 sei auch ihre linke Hand verletzt wor-

den. Sie habe (ab dem 17. Juli 2019) ohne Überlegungen versicherungs-

rechtlicher Art den Unfallhergang immer in gleicher Weise geschildert. 

Auch die Physiotherapeutin habe bestätigt, dass sie zeitnah nach dem Un-

fall über Beschwerden an beiden Handgelenken berichtet habe (Be-

schwerde S. 12 f.). 

 

2.2. 

Wie in Erwägung 1.1. ausgeführt, machte die Beschwerdeführerin anläss-

lich der Notfallkonsultation vom 5. Juli 2019 nur eine Verletzung der rechten 

Hand geltend (VB M12). Dem C.-Bericht vom 17. Juli 2019 ist zu entneh-

men, die Beschwerdeführerin habe seit 10 Tagen Schmerzen in der linken 

Hand, die damals auch eingeklemmt worden sei (VB M13). Die Rheumakli-

nik des C. ging bei der Untersuchung vom 7. August 2019 von einer beid-

seitigen unfallbedingten Quetschung aus (VB M11). Im Bericht vom 3. Ok-

tober 2019 (erste Konsultation am 19. August 2019, letzte Verlaufskontrolle 

am 13. September 2019) stellte die Hausärztin Dr. med. D., Q., die Ver-

dachtsdiagnose einer Tendovaginitis bei St. n. Quetschung der rechten 

Hand am 26. Juni 2019; es bestünden Schmerzen und funktionelle Ein-

schränkungen an der Hand rechts, Schwellung und schmerzhafte Bewe-

gung Handgelenk und Finger rechts; linksseitige Beschwerden werden 

nicht erwähnt (VB M3). In der Unfallmeldung UVG vom 28. August 2019 

wird eine rechtsseitige Verletzung ("Arm/Ellbogen/Hand/Rechts") ange-

zeigt (VB A1). Die nachfolgenden medizinischen Berichte (VB M4, 14, 15, 

18) gehen sodann von beidseitigen Quetschverletzungen aus. Dr. med. E., 

Facharzt für Chirurgie und für Handchirurgie, R., hielt in seinem Bericht 

vom 8. November 2019 hingegen ein Einklemmtrauma der rechten und ein 

Verdrehtrauma der linken Hand fest (VB M8). 

 

Telefonisch schilderte die Beschwerdeführerin am 17. Dezember 2019 ge-

genüber der Beschwerdegegnerin den Vorgang wie folgt: Sie habe einen 

grossen Postwagen mit beiden Händen festgehalten, als sie das Gleichge-

wicht verloren habe. Der Postwagen habe zu drehen angefangen. Dabei 

sei die rechte Hand zwischen einer Wand und dem Postwagen einge-

 - 5 - 

 

 

 

klemmt worden. Mit der linken Hand habe sie weiterhin den Postwagen ge-

halten. Da sich dieser immer noch gedreht habe, habe dieser die linke Hand 

mitgerissen, die sich dabei verdreht habe (Telefonnotiz, VB A27).  

 

2.3. 

Die von den Ärzten bzw. der Arbeitgeberin festgehaltenen Schilderungen 

beruhen auf den Schilderungen der Beschwerdeführerin und diese sind – 

wie soeben aufgezeigt und entgegen ihren Vorbringen in der Beschwerde 

– widersprüchlich. Auch aus den Erläuterungen der Physiotherapeutin er-

geben sich keine neuen Aspekte, denn sie berichtet nur von beidseitigen 

Schmerzen nach dem Betriebsunfall (VB A47 B1, Beschwerdebeilage 5). 

Aufgrund der Aktenlage bestehen somit widersprüchliche Angaben bezüg-

lich der Frage, ob nur die rechte oder – wie ab Oktober 2019 geltend ge-

macht – beide Hände am 26. Juni 2019 verletzt wurden sowie bezüglich 

des allfälligen Unfallmechanismus' betreffend die linke Hand (Quetschung 

oder Verdrehung).  

 

Mit Blick auf die widersprüchlichen Sachverhaltsschilderungen ist gestützt 

auf die "Aussagen der ersten Stunde", die gemäss der Rechtsprechung in 

der Regel unbefangener und zuverlässiger als spätere Darstellungen, die 

bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungs-

rechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2b 

S. 47; Urteil des Bundesgerichts 8C_735/2015 vom 22. Januar 2016 

E. 4.3.2; LOCHER/GÄCHTER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 

4. Aufl. 2014, § 70 Rz. 58), auf die erste Unfallschilderung anlässlich der 

Notfallkonsultation vom 5. Juli 2019 abzustellen. Darauf kam die Beschwer-

deführerin auch Ende August 2019 wieder zurück (vgl. E. 2.2.). Demnach 

wurde mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nur die rechte Hand anläss-

lich des Ereignisses vom 26. Juni 2019 verletzt. Selbst wenn man dem 

nicht folgen wollte, ist mit der Beschwerdegegnerin festzustellen, dass das 

Unfallgeschehen unklar ist. In Anbetracht dessen, dass das Unfallereignis 

bereits mehr als 2½ Jahre zurückliegt, sind in antizipierter Beweiswürdi-

gung (BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236; 124 V 90 E. 4b S. 94) von weiteren 

Abklärungen keine neuen anspruchsbeeinflussenden Erkenntnisse zu er-

warten. Somit erscheint die Verletzung der linken Hand am 26. Juni 2019 

nur als möglich, was dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweis-

grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181) 

nicht genügt. Die Beschwerdeführerin hat daher die Folgen der Beweislo-

sigkeit zu tragen (BGE 138 V 218 E. 6 S. 221 f. mit Hinweisen), weshalb 

die Beschwerdegegnerin eine Leistungspflicht für die Beschwerden der lin-

ken Hand der Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt hat. 

3. 

3.1. 

Im Folgenden ist zu prüfen, ob ein (unfallkausales) CRPS der rechten Hand 

vorliegt. Dabei ist auf ärztliche Berichte abzustellen, denn die Beurteilung 

 - 6 - 

 

 

 

des Gesundheitszustands ist Aufgabe des Mediziners (BGE 140 V 193 

E. 3.2 S. 195 f.). 

 

Einem ärztlichen Bericht kommt Beweiswert zu, wenn er für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die 

geklagten Beschwerden berücksichtigt und in Kenntnis der Vorakten 

(Anamnese) abgegeben worden ist, wenn die Beschreibung der medizini-

schen Situation und Zusammenhänge einleuchtet und die Schlussfolgerun-

gen des Arztes begründet sind (BGE 134 V 131 E. 5.1 S. 232).  

 

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist es dem Sozialversiche-

rungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf eine 

versicherungsinterne Beurteilung zu entscheiden. In solchen Fällen sind an 

die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stel-

len, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüs-

sigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzuneh-

men sind (BGE 135 V 465). Berichte beratender Ärzte sind denjenigen ver-

sicherungsinterner Ärzte gleichzusetzen (Urteil des Bundesgerichts 

8C_281/2018 vom 25. Juni 2018 E. 3.2.2. mit Hinweisen u.a. auf BGE 139 

V 225 E. 5.2 S. 229). 

 

3.2. 

3.2.1. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich in medizinischer Hinsicht auf ihren 

beratenden Arzt Dr. med. B.. Dieser prüfte in den Stellungnahmen vom 

24. März 2020 (VB M19) und 4. Juni 2021 (VB M20) die Akten gesamthaft 

mit Blick auf die CRPS-Kriterien. Dabei nahm er zu den einzelnen Kriterien 

Stellung und bezog sich auch auf eine IV-Begutachtung von September 

2012. Dr. med. B. erachtete ein CRPS der Hände nur für möglich, nicht 

aber für überwiegend wahrscheinlich.  

 

Dem von der IV veranlassten interdisziplinären rheumatologisch-psychiat-

rischen Gutachten der Dres. med. F., Facharzt für Allgemeine Innere Me-

dizin und für Rheumatologie, und G., Facharzt für Psychiatrie und Psycho-

therapie vom 20. September 2012 (IV-Gutachten) war unter anderem eine 

somatoforme Schmerzstörung mit deutlicher Hypochondrie (als Diagnose) 

zu entnehmen und ferner, dass die Beschwerdeführerin (u.a.) über perma-

nent wandernde Schmerzen im ganzen Körper mit diffusen Ausstrahlungen 

in die Arme, Kraftlosigkeit und Zittern am ganzen Körper berichtet habe (IV-

Gutachten S. 2, 10, 12). 

3.2.2. 

Die Beschwerdeführerin hingegen verweist auf die verschiedenen medizi-

nischen Berichte mit einer CRPS-Diagnose und auf die im Einsprachever-

fahren eingereichten medizinischen Berichte der Hausärztin Dr. med. D. 

(Stellungnahme vom 30. April 2020, VB A47/B2) und des C. (Versiche-

rungsbericht vom 11. Mai 2020, VB A47/B3).  

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3.3. 

Nachdem Dr. med. D. festhielt, sie sei als praktische Ärztin keine Spezia-

listin für CRPS und habe keine diesbezüglichen Befunde aufgenommen 

(VB A47/B2 Ziff. 3), ist auf die Stellungnahme vom 30. April 2020 nicht wei-

ter einzugehen.  

 

Wie in Erwägung 1.1. ausgeführt, wurde nach der rheumatologischen Be-

urteilung des C. vom 7. August 2019 (VB M11) fortan in den ärztlichen Be-

richten die Diagnose eines CRPS (beidseits) aufgeführt, ebenso im Versi-

cherungsbericht des C. vom 11. Mai 2020. Unter Bezugnahme auf die am 

3. März 2020 erhobenen Befunde wurde festgehalten, die CRPS-Kriterien 

seien noch am 3. März 2020 erfüllt gewesen. Es bestünden "immer noch 

deutliche Beschwerden, möglicherweise im Zusammenhang mit einer 

Schmerzchronifizierung" (VB A 47/B3). Dabei fällt auf, dass das C. keinen 

Bezug auf die IV-Akten nimmt und dass sämtliche Befunde vom 3. März 

2020, die von der Beschwerdeführerin nicht beeinflussbar waren, unauffäl-

lig waren (kein Ödem, keine Temperaturdifferenz, kein vermehrtes Schwit-

zen, Haut trocken, Farbe unauffällig, Haarwachstum symmetrisch [Nagel-

wachstum war wegen Gelnägeln nicht beurteilbar]).  

 

Die Stellungnahmen von Dr. med. B. vom 24. März 2020 (VB M19) und 

4. Juni 2021 (VB M20) wurden in Kenntnis der gesamten Vorakten erstellt. 

Er stellte die erhobenen Befunde nicht in Frage, ordnete sie aber anders 

zu, was bei einer Aktenbeurteilung zulässig ist (Urteil des Bundesgerichts 

8C_540/2007 vom 27. März 2008 E. 3.2 mit Hinweisen). Er nahm zu den 

einzelnen CRPS-Kriterien in Übereinstimmung mit der Aktenlage und unter 

Bezugnahme auf das IV-Gutachten vom 20. September 2012 in schlüssi-

ger Weise Stellung. Dass er (u.a.) den Tremor nicht unbesehen dem CRPS 

zuschrieb, ist nicht Spekulation, sondern stützt sich auf das erwähnte IV-

Gutachten. Die abweichenden Beurteilungen der behandelnden Ärzte ver-

mögen daran keinen auch nur geringen Zweifel zu erwecken. In diesem 

Zusammenhang ist insbesondere auf das von der Beschwerdegegnerin am 

10. März 2022 eingereichte (vgl. Aktenzusammenzug Ziff. 2.4.) polydiszip-

linäre IV-Gutachten der H. vom 22. Oktober 2021 hinzuweisen. Der ortho-

pädische Gutachter setzte sich explizit mit der durch den behandelnden 

Handchirurgen gestellten Diagnose eines CRPS auseinander und hielt fest, 

der Einschätzung eines CRPS an den Händen könne aufgrund der doku-

mentierten klinischen Befunde "keinesfalls gefolgt" werden bzw. die Diag-

nosestellung scheine auf einem MRI der Hände von August 2019, nicht 

aber auf klinischen "Faktoren" zu basieren (Gutachten S. 46). Der neurolo-

gische Gutachter hielt die in den Akten beschriebene Diagnose eines 

CRPS aus neurologischer Sicht im Verlauf für "schwierig nachvollziehbar" 

(Gutachten S. 54). Die Gutachter stellten sodann konsensual fest, es gebe 

(beidseits) keine sicheren Hinweise auf ein CRPS (Diagnosen ohne Ein-

fluss auf die Arbeitsfähigkeit, Gutachten S. 8 Ziff. 4.2 b 2.). Die klinischen 

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Befunde der Hände seien unauffällig (Gutachten S. 8 Ziff. 4.3). Folglich ist 

davon auszugehen, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein 

CRPS der rechten Hand vorliegt.  

 

3.4. 

Die Beschwerdeführerin zog sich am 26. Juni 2019 unbestrittenermassen 

ein Quetschtrauma der rechten Hand zu (vgl. E. 1.1.). Bereits am 17. Juli 

2019 berichtete das C. von regredienten Beschwerden der rechten Hand 

(VB M13) und anlässlich der Konsultation im C. vom 20. Januar 2020 wur-

den keine pathologischen Befunde der rechten Hand erhoben (VB M15 

S. 2). Daraus schloss Dr. med. B., dass spätestens seit der Konsultation 

vom 20. Januar 2020 kein (natürlicher) Kausalzusammenhang (BGE 129 V 

177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111 f. 

und 129 V 402 E. 4.3.1 S. 406) mehr zwischen den nach wie vor bestehen-

den Beschwerden und dem Unfallereignis gegeben sei (VB M19 S. 5). 

Diese Feststellung ist nachvollziehbar. Sie wird von der Beschwerdeführe-

rin nicht gerügt (zum Rügeprinzip: BGE 119 V 347 E. 1a S. 349 f., 110 V 

48 E. 4a S. 52 f.) und es sind keine medizinischen Akten ersichtlich, die 

dem widersprechen. Somit ist davon auszugehen, dass nach dem 

Quetschtrauma vom 26. Juni 2019 der status quo sine vel ante (SVR 2009 

UV Nr. 3 S. 9, 8C_354/2007 E. 2.2 mit Hinweisen) spätestens am 20. Ja-

nuar 2020 erreicht war. Damit erweist sich die Leistungseinstellung per 

31. März 2020 als rechtens.  

 

4. 

4.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

4.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

4.3. 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1.      

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

 - 9 - 

 

 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
 

   

Zustellung an:  

die Beschwerdeführerin (Vertreterin; 2-fach)  

die Beschwerdegegnerin 

das Bundesamt für Gesundheit 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6,  

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 - 10 - 

 

 

 

   

Aarau, 6. April 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Reimann