# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bd1de809-5dbc-54d0-b098-7cfbbad92c20
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-12-08
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 08.12.2025 WBE.2025.272
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2025-272_2025-12-08.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WBE.2025.272 / ek / we 
ZEMIS [***]; (E.2025.036)  

Art. 82 

 

Urteil vom 8. Dezember 2025 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz 

Verwaltungsrichter Clavadetscher 

Verwaltungsrichterin Stierli 

Gerichtsschreiberin William      

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____, geboren am tt.mm.jjjj, von Algerien  

vertreten durch lic. iur. Alexander Schawalder, Rechtsanwalt, 

Pfrundweg 14, 5000 Aarau    

 

gegen 

 

  Amt für Migration und Integration Kanton Aargau, Rechtsdienst, 

Bahnhofplatz 3C, 5001 Aarau    

 

 
 

   

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend Erteilung Aufenthaltsbewilligung und 

Wegweisung 

 

Entscheid des Amtes für Migration und Integration vom 26. Juni 2025 

  

 - 2 - 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten: 

 

A. 

Die aus Algerien stammende Beschwerdeführerin heiratete am 21. Dezem-

ber 2023 in der Türkei einen hier niederlassungsberechtigten türkischen 

Staatsbürger (geb. tt.mm.jjjj). Am 29. Januar 2024 stellte der damalige 

Ehemann ein Gesuch um Familiennachzug für die Beschwerdeführerin. 

Nachdem das Amt für Migration und Integration Kanton Aargau (MIKA) 

diverse Abklärungen vorgenommen hatte, bewilligte es am 9. September 

2024 den Nachzug der Beschwerdeführerin und stellte gleichentags eine 

Ermächtigung zur Visumserteilung (Einreiseerlaubnis) aus (Akten des 

Amts für Migration und Integration [MI-act.] 2, 47 ff., 144 ff., 152 ff.). In der 

Folge reiste die Beschwerdeführerin am 10. Oktober 2024 im Rahmen des 

Familiennachzugs in die Schweiz ein (MI-act. 158), nahm jedoch entgegen 

der Annahme des MIKA nie Wohnsitz bei ihrem damaligen Ehemann, son-

dern begab sich unmittelbar nach ihrer Einreise zu ihrer älteren Schwester 

und deren Ehemann nach Q._____, wo sie seither lebt (MI-act. 164 f.).  

 

Am 4. Dezember 2024 informierte der damalige Ehemann der Beschwer-

deführerin das MIKA per E-Mail darüber, dass die Eheleute getrennt seien 

und ein eheliches Zusammenleben in der Schweiz nie stattgefunden habe. 

Ursprünglich sei geplant gewesen, in der Schweiz islamisch zu heiraten, 

wozu es jedoch nicht gekommen sei (MI-act. 164 f.). 

 

In der Folge stellte das MIKA mit Schreiben vom 6. Dezember 2024 den 

Widerruf der Aufenthaltsbewilligung sowie die Wegweisung der Beschwer-

deführerin aus der Schweiz und dem Schengenraum in Aussicht und ge-

währte ihr das rechtliche Gehör (MI-act. 168 f.). Mit Eingabe vom 10. Ja-

nuar 2025 nahm die inzwischen anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin 

Stellung und beantragte die Erteilung einer befristeten Anwesenheits-

bewilligung bis zum rechtskräftigen Abschluss des in der Schweiz hängigen 

Eheschutz- und Scheidungsverfahrens, eventualiter die Erstreckung der 

Ausreisefrist bis Mitte Mai 2025 (MI-act. 171 ff.). Zur Begründung führte sie 

aus, ein eheliches Zusammenleben sei nach ihrer Einreise in die Schweiz 

nie aufgenommen worden, da ihr damaliger Ehemann dies verweigert 

habe. Daher habe sie beschlossen, die Scheidung einzureichen, und zwar 

nicht in der Türkei, sondern in der Schweiz, was ihre persönliche Anwesen-

heit vor Gericht erforderlich mache. 

 

Mit Verfügung vom 13. März 2025 widerrief das MIKA die Aufenthaltsbe-

willigung und wies die Beschwerdeführerin unter Ansetzung einer Aus-

reisefrist bis zum 31. Mai 2025 aus der Schweiz und dem Schengenraum 

weg (MI-act. 193 ff.). 

 

 - 3 - 

 

 

B. 

Gegen die Verfügung des MIKA erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe 

ihres Rechtsvertreters vom 14. April 2025 beim Rechtsdienst des MIKA 

(Vorinstanz) Einsprache (MI-act. 203 ff.), wobei sie eine veränderte Sach-

lage geltend machte, indem sie vorbrachte, einer ihrer Brüder habe nach 

Kenntnisnahme des Scheidungsverfahrens ihre sofortige Rückkehr nach 

Algerien verlangt und ihr mit dem Tod gedroht (MI-act. 206). 

 

Mit Schreiben vom 25. April 2025 ersuchte der Rechtsvertreter der Be-

schwerdeführerin die Vorinstanz, mit der Fällung des Einspracheent-

scheids bis zum 10. Mai 2025 zuzuwarten, um entscheiderhebliche Be-

weismittel organisieren zu können (MI-act. 224).  

 

Mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau vom 2. Mai 2025 wurde die Ehe der 

Beschwerdeführerin geschieden (MI-act. 260 ff.).  

 

Am 5. Mai 2025 reichte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin der 

Vorinstanz diverse Sprachnachrichten zwischen dem Schwager, der Be-

schwerdeführerin und deren Bruder ein, die die Todesdrohungen dokumen-

tieren sollten (MI-act. 227 ff.). 

 

Mit Verfügung vom 12. Mai 2025 stellte die Vorinstanz fest, dass Art. 50 

Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer 

und über die Integration vom 16. Dezember 2005 (Ausländer- und Integra-

tionsgesetz, AIG; SR 142.20) mangels einer jemals gelebten ehelichen Ge-

meinschaft nicht anwendbar sei, gewährte der Beschwerdeführerin Frist 

zur Stellungnahme und wies gleichzeitig das Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege aufgrund deren Subsidiarität zu Ansprüchen aus ehelicher 

Unterhalts- und Beistandspflicht ab (MI-act. 255 f.). 

 

In ihrer Stellungnahme vom 26. Mai 2025 erklärte die Beschwerdeführerin, 

keinen Anspruch gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG geltend zu machen. 

Im Hinblick auf das abgewiesene Gesuch um Gewährung der unentgelt-

lichen Rechtspflege verwies sie auf das zwischenzeitlich ergangene Schei-

dungsurteil vom 2. Mai 2025 und führte aus, dass der nunmehr rechtskräf-

tig geschiedene Ehemann nicht mehr zur Leistung eines Prozesskosten-

vorschusses verpflichtet werden könne (MI-act. 258 f.). 

 

Am 26. Juni 2025 erliess die Vorinstanz folgenden Einspracheentscheid 

(act. 1 ff.): 

 

1. 
Die Einsprache wird abgewiesen. 
 

 - 4 - 

 

 

2. 
Das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge-
wiesen. 
 
3. 
Es werden keine Gebühren erhoben. 
 
4.  
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

Auf die Begründung wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen 

eingegangen. 

 

C. 

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 17. Juli 2025 liess die Beschwer-

deführerin beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau (Verwaltungsge-

richt) Beschwerde erheben und folgende Anträge stellen (act. 12 ff.): 

 

1. 
Es seien die Ziff. 1, 2 und 4 des Einspracheentscheides des Amtes für 
Migration und Integration (MIKA, Rechtsdienst) vom 26. Juni 2025 aufzu-
heben und der Beschwerdeführerin sei die Aufenthaltsbewilligung zu be-
lassen, eventualiter sei ihr eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, sub-
eventuell sei beim SEM die vorläufige Aufnahme der Einsprecherin zu be-
antragen. 
 
2. 
Eventuell: Es seien die Ziff. 1, 2 und 4 des Einspracheentscheides des 
Amtes für Migration und Integration (MIKA, Rechtsdienst) vom 26. Juni 
2025 aufzuheben und die Streitsache sei zur Ergänzung des Sachver-
haltes und zum Neuentscheid im Sinne der Erwägungen an den Rechts-
dienst des MIKA zurückzuweisen. 
 
3. 
Prozessual: Es sei der Beschwerdeführerin sowohl für das Einsprache- als 
auch für des vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Pro-
zessführung (Verfahrenskosten und Parteikosten, URP) zu gewähren und 
der unterzeichnende Anwalt sei ihr als unentgeltlicher Rechtsvertreter bei-
der Verfahren beizugeben, eventualiter (betreffend das Einspracheverfah-
ren) sei die Vorinstanz anzuweisen, der Beschwerdeführerin für das Ein-
spracheverfahren die URP zu gewähren und den unterzeichnende Anwalt 
im Einspracheverfahren als unentgeltlicher Rechtsvertreter einzusetzen. 
 
4. 
Prozessual: Auf die Erhebung eines Verfahrenskostenvorschusses zu 
Lasten der Beschwerdeführerin sei zu verzichten. 
 
5. 
Prozessual: Es seien dem unterzeichnenden Rechtsvertreter bis zum 
10. August 2025 keine fristauslösenden Anordnungen zuzustellen. 
 
6. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

 

 - 5 - 

 

 

Die Begründung ergibt sich, soweit erforderlich, aus den nachstehenden 

Erwägungen. 

 

Mit Verfügung vom 29. Juli 2025 verzichtete der Instruktionsrichter des Ver-

waltungsgerichts einstweilen auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

und stellte einen Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Rechtspflege nach Eingang der Vorakten in Aussicht (act. 27 f.). 

Hierauf reichte die Vorinstanz am 31. Juli 2025 aufforderungsgemäss die 

Akten ein, hielt an ihren Erwägungen im Einspracheentscheid fest und be-

antragte die Abweisung der Beschwerde (act. 29). 

 

Das Verwaltungsgericht hat den Fall am 8. Dezember 2025 beraten und 

entschieden. 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

 

I. 

1.  

Einspracheentscheide des MIKA können innert 30 Tagen seit Zustellung 

mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden (§ 9 

Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 25. November 

2008 [EGAR; SAR 122.600]). Beschwerden sind schriftlich einzureichen 

und müssen einen Antrag sowie eine Begründung enthalten; der angefoch-

tene Entscheid ist anzugeben, allfällige Beweismittel sind zu bezeichnen 

und soweit möglich beizufügen (§ 2 Abs. 1 EGAR i.V.m. § 43 des Gesetzes 

über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Verwaltungs-

rechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200]). 

 

Die Beschwerdeführerin beantragt in der Hauptsache, es seien die Ziff. 1, 

2 und 4 des Einspracheentscheids der Vorinstanz vom 26. Juni 2025 auf-

zuheben und ihr sei die Aufenthaltsbewilligung zu "belassen". Wie die 

Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zutreffend festhält, steht entgegen 

der Verfügung des MIKA vom 13. März 2025 kein Widerruf einer Bewilli-

gung zur Diskussion, da der Beschwerdeführerin seit ihrer Einreise in die 

Schweiz zu keinem Zeitpunkt eine Aufenthaltsbewilligung erteilt worden ist. 

Im Zentrum des Verfahrens steht vielmehr – wie die Beschwerdeführerin 

selbst einzuräumen scheint (act. 14 ff.) – die Frage, ob der Beschwerde-

führerin aufgrund eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls im Sinne 

von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG eine Aufenthaltsbewilligung erteilt werden kann 

(vgl. Einspracheentscheid [EE], Erw. II/2.4 sowie II/4, act. 4 f.). Soweit die 

Beschwerde im Hauptpunkt auf das Belassen einer nie erteilten Aufent-

haltsbewilligung zielt, fehlt es folglich bereits an einem Anfechtungsobjekt, 

weshalb darauf nicht einzutreten ist. 

 

 - 6 - 

 

 

Soweit die Beschwerdeführerin eventualiter die Erteilung einer Härtefall-

bewilligung und subeventualiter ihre vorläufige Aufnahme beantragt, ist 

festzuhalten, dass das Verwaltungsgericht weder Aufenthaltsbewilligungen 

erteilen noch eine vorläufige Aufnahme beim Staatssekretariat für Migration 

(SEM) beantragen kann. Die entsprechenden Anträge sind deshalb so zu 

verstehen, dass das Verwaltungsgericht das MIKA gegebenenfalls anzu-

weisen habe, der Beschwerdeführerin eine Aufenthaltsbewilligung zu ertei-

len, dies unter Vorbehalt der Zustimmung des SEM (vgl. Art. 5 lit. d der 

Verordnung des EJPD über die dem Zustimmungsverfahren unterliegen-

den ausländerrechtlichen Bewilligungen und Vorentscheide vom 13. Au-

gust 2015 [Verordnung des EJPD über das ausländische Zustimmungsver-

fahren, ZV-EJPD; SR 142.201.1], Stand am 1. April 2025), oder beim SEM 

deren vorläufige Aufnahme zu beantragen. 

 

Im Übrigen richtet sich die vorliegende Beschwerde gegen den Einsprache-

entscheid der Vorinstanz vom 26. Juni 2025. Die Zuständigkeit des Verwal-

tungsgerichts ist somit gegeben und auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde ist daher, unter Beachtung der vorstehenden Präzisie-

rungen, einzutreten. 

 

2.  

Unter Vorbehalt abweichender bundesrechtlicher Vorschriften oder Be-

stimmungen des EGAR können mit der Beschwerde an das Verwaltungs-

gericht einzig Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung oder 

Missbrauch des Ermessens und unrichtige oder unvollständige Feststel-

lung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. Die Ermessens-

überprüfung steht dem Verwaltungsgericht jedoch grundsätzlich nicht zu 

(§ 9 Abs. 2 EGAR). Schranke der Ermessensausübung bildet das Verhält-

nismässigkeitsprinzip (vgl. BENJAMIN SCHINDLER/ANNE KNEER, in: MARTINA 

CARONI/DANIELA THURNHERR [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Aus-

länder- und Integrationsgesetz [AIG], 2. Aufl., Bern 2024, N. 6 zu Art. 96 

AIG mit Hinweisen). In diesem Zusammenhang hat das Verwaltungsgericht 

gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung insbesondere zu klären, ob 

die Vorinstanz die gemäss Art. 96 AIG relevanten Kriterien (öffentliche In-

teressen, persönliche Verhältnisse, Integration) berücksichtigt hat und ob 

diese rechtsfehlerfrei gewichtet wurden (vgl. SCHINDLER/KNEER, a. a. O., 

N. 8 zu Art. 96 AIG). Schliesslich ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung 

zu entscheiden, ob die getroffene Massnahme durch ein überwiegendes 

öffentliches Interesse gerechtfertigt erscheint (sog. Verhältnismässigkeit im 

engeren Sinn). 

 

II. 

1.  

Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin in der Schweiz nie 

eine eheliche Gemeinschaft begründet hat und ihre Ehe inzwischen rechts-

kräftig geschieden ist (EE, Erw. II/2 und 3; act. 14). Zutreffend hat die 

 - 7 - 

 

 

Vorinstanz daher erkannt, dass von vornherein kein Anspruch auf eine Auf-

enthaltsbewilligung nach Art. 43 AIG entstehen konnte. Da die in Art. 50 

Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AIG vorgesehene nacheheliche Härtefallregelung 

systematisch an das Bestehen eines solchen ursprünglichen Anspruchs 

nach Art. 42 bzw. Art. 43 AIG anknüpft, gelangt auch diese Bestimmung 

nicht zur Anwendung. Diese Rechtslage ist unbestritten und wird von der 

Beschwerdeführerin auch im Beschwerdeverfahren nicht in Abrede gestellt 

(act. 14; vgl. in Bezug auf das Einspracheverfahren MI-act. 258). 

 

Unter diesen Umständen durfte die Vorinstanz ihre Prüfung folgerichtig auf 

die Frage eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls nach Art. 30 

Abs. 1 lit. b AIG, auf die Vereinbarkeit der Verweigerung der Aufenthalts-

bewilligung mit der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und 

Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) und Art. 13 der 

Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 

1999 (BV; SR 101) sowie auf das Vorliegen allfälliger Vollzugshindernisse 

nach Art. 83 AIG beschränken. 

 

2.  

2.1.  

Die Vorinstanz hat im angefochtenen Einspracheentscheid unter Verweis 

auf die bundesverwaltungsgerichtliche Rechtsprechung (Urteil des Bun-

desverwaltungsgerichts F-7543/2015 vom 27. November 2017, Erw. 6.4) 

zutreffend erwogen, dass bei der Beurteilung eines schwerwiegenden per-

sönlichen Härtefalls im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG zwar auch Ge-

sichtspunkte wie der Gesundheitszustand einer Person sowie die Wieder-

eingliederungsmöglichkeit im Herkunftsstaat im Rahmen einer Gesamt-

schau mitzuberücksichtigen sind, der Schwerpunkt jedoch in der Regel auf 

der Integration in der Schweiz liegt (EE, Erw. II/4.2).  

 

Korrekt hat die Vorinstanz sodann festgestellt, dass sich die Beschwerde-

führerin erst seit kurzer Zeit (seit neun Monaten) in der Schweiz aufhält, 

keiner Erwerbstätigkeit nachgeht und auch die erforderlichen Deutsch-

kenntnisse nicht nachweist (EE, Erw. II/4.3). Unter diesen Umständen 

durfte sie folgerichtig eine hinreichende Integration verneinen. 

 

Die Vorinstanz hat weiter erkannt, dass die von der Beschwerdeführerin 

geltend gemachten Drohungen durch ihren Bruder ausschliesslich die 

Rückkehrsituation betreffen und damit im Rahmen der Vollzugsprüfung 

(Art. 83 AIG) zu würdigen sind. Ob dies zutrifft, oder ob die geltend ge-

machten Drohungen bereits bei der Prüfung des Vorliegens eines Härtefal-

les zu berücksichtigen sind, kann offenbleiben. So oder anders sind die 

behaupteten Drohungen nur dann zu beachten, wenn sie einerseits belegt 

und andererseits geeignet sind, einen schwerwiegenden persönlichen Här-

tefall im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG zu begründen. Wie nachfolgend 

 - 8 - 

 

 

zu zeigen sein wird, ist weder das eine noch das andere der Fall (vgl. unten 

Erw. II/2.3, am Schluss). 

 

2.2.  

Nicht zu beanstanden sind sodann die Erwägungen der Vorinstanz, 

wonach die Nichterteilung der Aufenthaltsbewilligung und die damit verbun-

dene Wegweisung der Beschwerdeführerin vor Art. 8 EMRK und Art. 13 BV 

standhalten (EE, Erw. II/5). 

 

Die Vorinstanz hat zutreffend erwogen, dass ein Eingriff in das Familienle-

ben nur dann vorliegt, wenn ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis zu 

Angehörigen mit gefestigtem Anwesenheitsrecht in der Schweiz besteht. 

Ein solches ist hier nicht ersichtlich. Ebenso durfte sie einen Eingriff in das 

konventionsrechtlich geschützte Privatleben verneinen, da sich die Be-

schwerdeführerin erst seit kurzer Zeit in der Schweiz aufhält und sich nicht 

hinreichend zu integrieren vermochte. 

 

2.3.  

Abschliessend hat die Vorinstanz in Erwägung II/7 ihres Einspracheent-

scheids zutreffend geprüft, ob dem Vollzug der Wegweisung allfällige Hin-

dernisse entgegenstehen, welche diesen als nicht möglich, nicht zulässig 

oder nicht zumutbar erscheinen lassen. Dabei hat sie korrekt dargelegt, 

dass die vorläufige Aufnahme eine Folge der Feststellung solcher Hinder-

nisse darstellt, über welche das SEM – und auf Beschwerde hin das Bun-

desverwaltungsgericht – endgültig entscheidet, dass indessen kein An-

spruch auf eine vorläufige Aufnahme besteht (EE, Erw. II/7.2 mit Hinweis 

auf BGE 137 II 305, Erw. 3.1). 

 

Vor diesem rechtlichen Hintergrund hat die Vorinstanz die von der Be-

schwerdeführerin geltend gemachte Bedrohungssituation durch ihren Bru-

der gewürdigt. Zutreffenderweise hielt sie zusammengefasst fest, dass die 

eingereichten Sprachnachrichten zeitlich nicht nachvollziehbar erscheinen 

und den Eindruck eines nachträglich konstruierten Beweismittels erwecken 

(vgl. EE, Erw. II/7.4). Selbst wenn die Drohungen als erwiesen unterstellt 

würden, hat die Vorinstanz korrekt hervorgehoben, dass eine Verfolgung 

durch Privatpersonen nur dann ein Vollzugshindernis im Sinne von Art. 83 

AIG zu begründen vermag, wenn die betroffene Person im Herkunftsstaat 

keinen effektiven Zugang zu einer funktionierenden und effizienten Schutz-

infrastruktur hat und die Inanspruchnahme solcher Mechanismen im Ein-

zelfall unzumutbar wäre. Gestützt auf die bundesverwaltungsgerichtliche 

Rechtsprechung hat sie sodann festgehalten, dass die algerischen Sicher-

heitsbehörden grundsätzlich als schutzfähig und -willig bezeichnet werden 

können.  

 

Zu Recht wirft die Vorinstanz der Beschwerdeführerin vor, dass sie weder 

dargelegt noch belegt hat, inwiefern sie oder ihr Umfeld in Algerien erfolglos 

 - 9 - 

 

 

Schutzmassnahmen bzw. rechtliche Schritte (z.B. eine Strafanzeige gegen 

den drohenden Bruder) ergriffen hätten oder weshalb entsprechende Be-

mühungen von vornherein aussichtslos gewesen wären. Ebenso durfte die 

Vorinstanz festhalten, dass der pauschale Hinweis, sie könne "nicht 

irgendwo untertauchen", die Familienbande seien eng und der Bruder 

werde sie "mit Sicherheit finden und ihr umgehend das Leben nehmen", 

nicht genügt, um Vollzugshindernisse als glaubhaft erscheinen zu lassen. 

Es ist nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführerin weder durch ihre 

Familie noch durch die staatlichen Sicherheitsbehörden vor allfälligen 

Übergriffen ihres Bruders geschützt werden könnte; die notwendigen Struk-

turen in Algerien bestehen und könnten bereits vor einer Rückkehr aktiviert 

werden. 

 

Vor diesem Hintergrund durfte die Vorinstanz folgerichtig auch das Vorlie-

gen von Vollzugshindernissen im Sinne von Art. 83 AIG verneinen und von 

einem Antrag auf vorläufige Aufnahme absehen. Gleiches gilt mit Bezug 

auf das Vorliegen eines Härtefalles. Da die Drohungen nicht erstellt sind 

und aufgrund der innerstaatlichen Schutzmechanismen auch nicht kausal 

für einen Härtefall sein können, kann aus den angeblichen Drohungen auch 

nicht auf einen Härtefall geschlossen werden.  

 

3.  

3.1.  

An dieser Beurteilung vermögen auch die in der Beschwerdeschrift erho-

benen Rügen nichts zu ändern. Die Beschwerdeführerin beschränkt sich 

im Wesentlichen darauf, ihre bereits im Einspracheverfahren vorgebrach-

ten Argumente zu wiederholen und diese punktuell zu ergänzen. Wie nach-

folgend aufzuzeigen sein wird, erweisen sich jedoch auch die im Beschwer-

deverfahren vorgebrachten Einwendungen als unbegründet.  

 

3.2.  

Die Beschwerdeführerin leitet auch im Beschwerdeverfahren aus der be-

haupteten Bedrohung durch ihren Bruder ab, eine Rückkehr sei ausge-

schlossen und deshalb ein Härtefall zu bejahen (act. 15 ff., Ziff. 3). Wie be-

reits in den Erwägungen II/2.1 und 2.3 festgehalten, kann offenbleiben, ob 

dies zutrifft. Einerseits ist die Drohung nicht belegt und andererseits sind 

aufgrund der bestehenden heimatstaatlichen Schutzmechanismen keine 

besonderen Umstände ersichtlich, die das Vorliegen eines schwerwiegen-

den Härtefalls begründen könnten (vgl. Erw. II/3.4.1 ff.). Ausschlaggebend 

bleibt die Integration bzw. Verankerung in der Schweiz, an welcher es vor-

liegend offensichtlich fehlt: Die Beschwerdeführerin lebt erst seit kurzer Zeit 

hier, ist sprachlich, wirtschaftlich und kulturell nicht verankert und verfügt 

über keinerlei ausserfamiliäre Bindungen. Ihr Einwand, eine Erwerbstätig-

keit sei ihr mangels Bewilligung verwehrt gewesen, ändert daran nichts, da 

die Integrationsprüfung eine Vielzahl von Kriterien umfasst, die hier ge-

 - 10 - 

 

 

samthaft nicht erfüllt sind. Dies scheint im Grunde auch die Beschwerde-

führerin selbst so zu sehen (vgl. act. 15, Ziff. 3.2.1). 

 

Soweit die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde sinngemäss geltend 

macht, eine auf unbestimmte Dauer angelegte Bedrohung führe zwangs-

läufig über eine vorläufige Aufnahme nach Art. 83 f. AIG zu einer späteren 

Aufenthaltsbewilligung (gemeint wohl die Härtefallbewilligung gestützt auf 

Art. 84 Abs. 5 i.V.m. Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG), verfängt auch dies nicht. Der 

Einwand ist rein theoretischer bzw. spekulativer Natur. Zum einen kann 

eine vorläufige Aufnahme aufgehoben werden, sobald die Vollzugshinder-

nisse entfallen, womit ihre Dauer naturgemäss ungewiss bleibt (vgl. Art. 84 

Abs. 2 AIG). Zum anderen dient sie einem anderen Zweck als die Härte-

fallbewilligung: Sie stellt eine Ersatzmassnahme dar, die den Vollzug der 

Wegweisung temporär aussetzt, solange dieser nicht zulässig, nicht zumut-

bar oder nicht möglich erscheint (vgl. BGE 137 II 305, Erw. 3.1; NINA 

BLUM/MARTINA CARONI/MONIKA PLOZZA, in: MARTINA CARONI/DANIELA 

THURNHERR [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Ausländer- und In-

tegrationsgesetz [AIG], 2. Aufl., Bern 2024, N. 2 zu Art. 83 AIG). Zwar sieht 

Art. 84 Abs. 5 AIG vor, dass Gesuche um Erteilung einer Aufenthaltsbewil-

ligung von vorläufig aufgenommenen Ausländerinnen und Ausländern 

nach mehr als fünfjährigem Aufenthalt in der Schweiz unter Berücksichti-

gung der Integration, der familiären Verhältnisse und der Zumutbarkeit 

einer Rückkehr in den Herkunftsstaat vertieft geprüft werden. Daraus ent-

steht jedoch weder ein Rechtsanspruch noch ein automatischer Erwerb 

einer Aufenthaltsbewilligung. Vielmehr bleibt offen und zu prüfen, ob die 

genannten Kriterien überhaupt erfüllt sein werden. Die Beschwerdeführerin 

kann jedenfalls daraus im jetzigen Zeitpunkt nichts zu ihren Gunsten ablei-

ten. 

 

3.3.  

Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, sie sei infolge der Drohungen 

ihres Bruders aus ihrer angestammten Familie in Algerien verstossen 

worden. Ihre Schwester und deren Ehemann bildeten nun ihre "verbliebene 

Kernfamilie". Daraus leitet sie ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis ab, 

dessen Nichtberücksichtigung eine Verletzung von Art. 8 EMRK und Art. 13 

BV darstellen soll.  

 

Auch dieses pauschale Vorbringen greift nicht. Abgesehen davon, dass die 

Drohung nicht belegt ist (vgl. unten Erw. II/3.4.1 ff.) und auch nicht belegt 

wurde, weshalb Schutzmechanismen in Algerien nicht greifen sollten (vgl. 

unten Erw. II/3.4.4 f.), legt die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde 

nicht dar, worin ein solches besonderes Abhängigkeitsverhältnis konkret 

bestehen soll, und sind entsprechende Anhaltspunkte auch nicht ersicht-

lich. Praxisgemäss fallen Beziehungen zwischen erwachsenen Geschwis-

tern nur ausnahmsweise in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK, nämlich 

dann, wenn besondere Umstände vorliegen – etwa eine erhebliche ge-

 - 11 - 

 

 

sundheitliche Beeinträchtigung oder die Übernahme elterlicher Be-

treuungsaufgaben (BGE 120 Ib 257, Erw. 1d; siehe auch BGE 144 II 1, 

Erw. 6.1 mit Hinweisen). Derartige Umstände sind hier weder geltend ge-

macht noch aktenkundig. Die Beschwerdeführerin ist erwachsen, gesund 

und grundsätzlich arbeitsfähig. Das blosse Zusammenleben mit Schwester 

und Schwager vermag jedenfalls noch kein besonderes Abhängigkeitsver-

hältnis im Sinne der Rechtsprechung zu begründen. Die Rüge einer Ver-

letzung von Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV erweist sich daher ebenfalls als 

unbegründet. 

 

3.4.  

3.4.1.  

Die Beschwerdeführerin rügt sodann im Wesentlichen, die Vorinstanz habe 

ihre Vorbringen zur behaupteten Bedrohungssituation unzutreffend gewür-

digt und dabei insbesondere die eingereichten Sprachnachrichten (MI-

act. 227 ff.) sowie ihre Beweisanträge (Zeugenbefragung der Schwester 

sowie des Schwagers) ungenügend berücksichtigt. Sie macht geltend, 

diese belegten eine konkrete Gefährdung im Falle ihrer Rückkehr nach 

Algerien. Überdies befinde sie sich in einem Beweisnotstand, der es ihr 

verunmögliche, weitere Nachweise beizubringen. 

 

Diese Einwände überzeugen aus den nachfolgenden Gründen nicht.  

 

3.4.2.  

Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei im Falle einer Rückkehr 

nach Algerien angesichts von Drohungen ihres Bruders in Lebensgefahr. 

Zur Untermauerung verweist sie im Wesentlichen auf Sprachnachrichten, 

die dieser am 21. bzw. 28. April 2025 an ihren Schwager gerichtet haben 

soll, sowie auf die Aussagen von Schwester und Schwager. Bereits die 

Vorinstanz hat zutreffend hervorgehoben, dass die vorgelegten Sprach-

nachrichten auffällig spät entstanden sind, obwohl die Beschwerdeführerin 

eine Bedrohungssituation seit Mitte Januar 2025 behauptet. Dieses zeit-

liche Auseinanderfallen sowie die Tatsache, dass die Sprachnachrichten 

auf Anraten des Rechtsanwalts entstanden sind, sprechen gegen ihre 

Authentizität als Nachweis einer kontinuierlichen Bedrohungssituation und 

legen vielmehr den Verdacht nachträglich für das Verfahren erzeugter Be-

weismittel nahe (vgl. EE, Erw. II/7.4). Zudem beziehen sich die Vorbringen 

allein auf ein einziges Familienmitglied, während die Haltung der übrigen 

drei Brüder sowie der Eltern auch im Beschwerdeverfahren gänzlich unklar 

bleibt. 

 

3.4.3.  

Darüber hinaus genügt die Vorlage einzelner Sprachnachrichten den An-

forderungen an eine substanziierte Glaubhaftmachung nicht. Es wäre 

Sache der Beschwerdeführerin gewesen, ihrer Mitwirkungspflicht nach 

Art. 90 AIG nachzukommen und zusätzliche, objektivierbare Belege vorzu-

 - 12 - 

 

 

legen. Hierzu wären etwa frühere Verbindungsnachweise des Mobilfunk-

anbieters, Chat-Protokolle über weitere Kommunikationskanäle, Bestä-

tigungen bzw. Nachrichten anderer Familienangehöriger oder Erklärungen 

unbeteiligter Dritter in Betracht gekommen. Dass sie dies unterlassen hat, 

lässt sich nicht mit einem behaupteten "Beweisnotstand" rechtfertigen. 

Auch in familiären Konflikten kann erwartet werden, dass zumindest mini-

male überprüfbare Nachweise erbracht werden, die über nachträglich pro-

duzierte Sprachnachrichten hinausgehen.  

 

3.4.4.  

Soweit die Beschwerdeführerin auch im Beschwerdeverfahren die Befra-

gung von Schwester und Schwager als Zeugen offeriert, ist festzuhalten, 

dass es dem Verwaltungsgericht freisteht, im Rahmen einer antizipierten 

Beweiswürdigung auf die Abnahme weiterer Beweise zu verzichten, wenn 

dies zur Abklärung des Sachverhalts nicht notwendig erscheint (vgl. 

BGE 136 I 229, Erw. 5.3; BGE 134 I 140, Erw. 5.3; Aargauische Gerichts- 

und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2008, S. 312, Erw. 3.1, und 2004, 

S. 154, Erw. 1a, je mit Hinweisen).  

 

Die objektiv beweisbelastete und im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht sub-

jektiv beweisführungspflichtige Beschwerdeführerin hat die behauptete Be-

drohungslage durch ihren Bruder nicht annähernd substanziiert dargelegt. 

Bereits aktenkundig sind die von ihr eingereichten Sprachnachrichten, die 

ihrem Bruder zugeschrieben werden und an den Schwager gerichtet sein 

sollen. Die beantragte Zeugenbefragung würde sich damit auf Personen 

beschränken, die in diese Beweismittel bereits involviert sind. Dass sich die 

Sachlage aufgrund des offerierten Beweises anders präsentieren würde, 

als sie aus den Akten bereits hervorgeht und den vorliegenden Erwägun-

gen zu Grunde liegt, und demzufolge zu einem anderen Entscheid führen 

würde, ist nicht ersichtlich (siehe insbesondere nachfolgend Erw. II/3.4.4). 

Vielmehr ist lediglich eine Wiederholung und Bekräftigung bereits gemach-

ter Behauptungen zu erwarten, ohne dass damit ein zusätzlicher Beweis-

wert geschaffen würde. 

 

Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass bereits die 

Vorinstanz auf die Abnahme dieser Beweise verzichtet hat. Auch im Be-

schwerdeverfahren besteht kein Anlass, auf die offerierten Zeugenbe-

fragungen zurückzukommen, weshalb auf deren Abnahme verzichtet wird.  

 

3.4.5.  

Selbst wenn man zugunsten der Beschwerdeführerin unterstellte, dass 

Drohungen seitens des Bruders effektiv bestehen, würde daraus noch kein 

Vollzugshindernis im Sinne von Art. 83 AIG resultieren. Nach gefestigter 

Praxis sind Drohungen von Privatpersonen nur dann erheblich, wenn im 

Herkunftsstaat kein wirksamer staatlicher Schutz erlangt werden kann 

(siehe bereits EE, Erw. II/7.5). Die Beschwerdeführerin legt auch im Be-

 - 13 - 

 

 

schwerdeverfahren nicht substanziiert dar, dass sie je staatlichen Schutz 

angerufen hätte, noch dass ein solcher von vornherein aussichtslos gewe-

sen wäre. Ihr pauschaler Einwand, eine Strafanzeige gegen den Bruder 

würde die familiäre Verstossung "erheblich akzentuieren", vermag nicht zu 

überzeugen. Drohungen der geltend gemachten Intensität – namentlich ein 

angekündigter Ehrenmord – gebieten es vielmehr, die vorhandenen staat-

lichen Schutzmechanismen zumindest in Anspruch zu nehmen. Die blosse 

Behauptung, eine Anzeige würde die Situation verschärfen, ersetzt die 

Ausschöpfung solcher Möglichkeiten nicht. Vielmehr hätte erst die Erstat-

tung einer Anzeige ermöglicht, die Schutzbereitschaft der Behörden 

konkret zu überprüfen und gegebenenfalls in Zweifel zu ziehen. Dass die 

Beschwerdeführerin dies weiterhin unterlässt, ist zu ihren Lasten zu werten. 

 

3.4.6.  

Schliesslich bleibt auch der Hinweis, ihr Bruder könne sie "überall finden", 

unsubstanziiert und unbelegt. Weder ist ersichtlich, dass dieser über be-

sondere Einflussmöglichkeiten verfügt, noch weshalb der Beschwerdefüh-

rerin eine räumliche Distanzierung – etwa durch Wohnsitznahme in einer 

algerischen Grossstadt – nicht zumutbar wäre. Wie das Bundesverwal-

tungsgericht betont, kann von keinem Staat eine faktische Garantie abso-

luter Sicherheit verlangt werden (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

E-6354/2019 vom 20. Dezember 2019, Erw. 8.4.1). Entscheidend ist in 

Übereinstimmung mit der Vorinstanz einzig, dass in Algerien ein grundsätz-

lich wirksames Schutzsystem besteht, auf dessen Inanspruchnahme die 

Beschwerdeführerin verwiesen werden kann.  

 

3.5.  

Nach dem Gesagten erweisen sich auch die im Beschwerdeverfahren vor-

gebrachten Rügen der Beschwerdeführerin als offensichtlich unbegründet.  

 

4.  

Zusammenfassend steht fest, dass die Nichterteilung einer Aufenthaltsbe-

willigung und die Wegweisung der Beschwerdeführerin gemäss nationalem 

Recht nicht zu beanstanden sind und vor Art. 8 EMRK standhalten. Nach-

dem auch dem Vollzug der Wegweisung keine Hindernisse entgegen-

stehen, ist der Entscheid der Vorinstanz nicht zu beanstanden und die Be-

schwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 

 

5.  

5.1.  

Mit Beschwerdeantrag Ziffer 3 ersucht die Beschwerdeführerin sodann um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung für das 

Einspracheverfahren.  

 

Vorab ist festzuhalten, dass im Einspracheverfahren gemäss § 8 Abs. 1 

EGAR weder Gebühren erhoben noch Parteientschädigungen zuge-

 - 14 - 

 

 

sprochen werden. Zu prüfen bleibt somit einzig, ob der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin im Einspracheverfahren als unentgeltlicher Rechtsbei-

stand hätte eingesetzt werden müssen.  

 

5.2.  

Den Verfahrensbeteiligten kann die Bezahlung von Kosten erlassen 

werden, wenn ihnen die nötigen Mittel fehlen und ihr Begehren nicht offen-

bar aussichtslos ist. In Fällen, in denen die Schwere einer Massnahme es 

als gerechtfertigt erscheinen lässt, kann auch ein unentgeltlicher Rechts-

vertreter bestellt werden (§ 34 Abs. 1 und 2 VRPG). 

 

Für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und die Bestellung 

eines unentgeltlichen Rechtsvertreters ist nach kantonalem Recht wie nach 

Art. 29 Abs. 3 BV vorausgesetzt, dass das Verfahren bzw. die gestellten 

Begehren nicht aussichtslos sind. Gemäss Rechtsprechung des Bundes-

gerichts sind Prozessbegehren als aussichtslos anzusehen, bei denen die 

Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und 

die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt 

ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Ver-

lustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind 

als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel ver-

fügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen 

würde (BGE 122 I 271; Aargauische Gerichts- und Verwaltungsentscheide 

[AGVE] 1989, S. 282 f.). 

 

5.3.  

Die Vorinstanz wies das entsprechende Gesuch trotz ausgewiesener Be-

dürftigkeit mit der Begründung ab, die Einsprache sei offensichtlich aus-

sichtslos gewesen. Diese Einschätzung ist nicht zu beanstanden. Bereits 

die Verfügung des MIKA vom 13. März 2025 hielt in Erwägung II/2.4 aus-

drücklich fest, dass eine ausländische Person bei der Geltendmachung 

ehelicher Gewalt oder einer Gefährdung der Wiedereingliederung einer 

weitreichenden Mitwirkungspflicht unterliegt und allgemeine Hinweise nicht 

genügen (vgl. Erw. II/2.4, MI-act. 195).  

 

Im Einspracheentscheid wurde sodann zu Recht hervorgehoben, dass die 

Beschwerdeführerin als einzigen neuen Einwand eine Bedrohungslage 

durch ihren Bruder geltend machte. Dabei stützte sie sich lediglich auf 

nachträglich auf Anraten ihres Anwaltes produzierte Sprachnachrichten 

sowie pauschale Behauptungen, ohne konkrete, objektivierbare Nach-

weise oder erfolglose Schutzbemühungen in Algerien darzulegen. Ebenso 

blieb unerklärt, weshalb ihr eine Rückkehr nach Algerien nicht nur in das 

familiäre Umfeld, sondern auch in eine andere Stadt unzumutbar sein 

sollte. 

 

 - 15 - 

 

 

Unter diesen Umständen musste für die anwaltlich vertretene Beschwerde-

führerin erkennbar sein, dass ihre Einsprache keine ernsthaften Erfolgs-

aussichten bot. Im Ergebnis ist es daher nicht zu beanstanden, dass die 

Vorinstanz das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das Ein-

spracheverfahren wegen Aussichtslosigkeit abwies. Die Beschwerde ist 

auch in diesem Punkt abzuweisen. 

 

III.  

1.  

Im Beschwerdeverfahren werden die Verfahrenskosten nach Massgabe 

des Unterliegens und Obsiegens auf die Parteien verlegt (§ 31 Abs. 2 

VRPG). Nachdem die Beschwerdeführerin unterliegt, gehen die Kosten des 

verwaltungsgerichtlichen Verfahrens zu ihren Lasten. Eine Parteientschä-

digung fällt ausser Betracht (§ 32 Abs. 2 VRPG). 

 

2.  

Bezüglich des vor Verwaltungsgericht gestellten Gesuchs um Gewährung 

der unentgeltlichen Rechtspflege ist Folgendes festzuhalten: Die 

Vorinstanz hat in ihrem Einspracheentscheid die massgebliche Recht-

sprechung korrekt wiedergegeben und angewandt sowie alle relevanten 

Gesichtspunkte sorgfältig geprüft und eingehend gewürdigt.  

 

In ihrer Beschwerde setzt sich die Beschwerdeführerin mit dem Ein-

spracheentscheid nicht substanziiert auseinander und bringt auch nichts 

vor, was gegen die Beurteilung der Vorinstanz sprechen würde. Sie wie-

derholt im Wesentlichen ihre bereits im Einspracheverfahren erhobenen 

Behauptungen einer Bedrohung durch ihren Bruder, ohne hierfür objekti-

vierbare Belege nachzureichen. Auf die zutreffende Feststellung der 

Vorinstanz, dass selbst eine nachgewiesene Drohung in Form eines 

Ehrenmords nach der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung für 

sich allein weder einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall nach 

Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG noch – angesichts der grundsätzlich bestehenden 

Schutzmechanismen in Algerien – ein Vollzugshindernis im Sinne von 

Art. 83 AIG zu begründen vermöchte, geht sie nicht näher ein. Stattdessen 

bleibt es auch im Beschwerdeverfahren bei pauschalen Hinweisen auf 

einen angeblichen Beweisnotstand sowie dem Antrag auf Einvernahmen 

von Schwester und Schwager.  

 

Für die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin musste unter diesen Um-

ständen erkennbar sein, dass ihre Beschwerde keine ernsthaften Erfolgs-

aussichten bot.  

 

Damit ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im 

Beschwerdeverfahren und die Beiordnung eines unentgeltlichen Rechts-

vertreters wegen offensichtlicher Aussichtslosigkeit abzulehnen. 

 

 - 16 - 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

 

2. 

Das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege im Be-

schwerdeverfahren wird abgelehnt. 

 

3. 

Die verwaltungsgerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer Ge-

richtsgebühr von Fr. 1'500.00, sind von der Beschwerdeführerin zu bezah-

len. 

 

4. 

Es werden keine Parteikosten ersetzt. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

die Beschwerdeführerin (Vertreter) 

die Vorinstanz (mit Rückschein) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 
 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung 

 

Migrationsrechtliche Entscheide können wegen Verletzung von Bundes-

recht, Völkerrecht, kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie inter-

kantonalem Recht innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in 

öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden, soweit nicht eine 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 lit. c des Bundesgesetzes vom 17. Juni 

2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) 

vorliegt. Die Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit 7. Tag nach Ostern, 

vom 15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit 

2. Januar. Das Bundesgericht tritt auf Beschwerden nicht ein, wenn weder 

das Bundesrecht noch das Völkerrecht einen Anspruch auf die in Frage 

stehende Bewilligung einräumt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_694/2008 vom 25. September 2008). 

 

In allen anderen Fällen können migrationsrechtliche Entscheide wegen 

Verletzung von verfassungsmässigen Rechten innert 30 Tagen seit Zustel-

lung mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde beim Schweize-

rischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden. 

 - 17 - 

 

 

 

Die unterzeichnete Beschwerde muss das Begehren, wie der Entscheid zu 

ändern sei, sowie in gedrängter Form die Begründung, inwiefern der ange-

fochtene Akt Recht verletzt, mit Angabe der Beweismittel enthalten. Der 

angefochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind 

beizulegen (Art. 82 ff. BGG bzw. Art. 113 ff. BGG). 

 

 
 

   

Aarau, 8. Dezember 2025 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Vorsitz: Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

Busslinger William