# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9b9e1555-ea0b-563d-ab95-e398a1f3e922
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-10-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.10.2020 E-3491/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3491-2019_2020-10-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3491/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  O k t o b e r  2 0 2 0   

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz),  

Richter Walter Lang, Richterin Barbara Balmelli, 

Gerichtsschreiberin Susanne Bolz 

 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka,  

vertreten durch lic. iur. Monika Böckle,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 12. Juni 2019 / N (…). 

 

 

 

E-3491/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der minderjährige Beschwerdeführer, ein aus dem Distrikt Jaffna stam-

mender Tamile, verliess Sri Lanka seinen Angaben gemäss am 5. Oktober 

2018. Am 14. November 2018 reiste er in die Schweiz ein und stellte am 

selben Tag ein Asylgesuch. Er wurde am 26. November 2018 im Emp-

fangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ zur Person und summa-

risch zu seinen Fluchtgründen befragt. 

Seinen Angaben gemäss sei er am (…) geboren (er reichte dem SEM spä-

ter einen Geburtsregisterauszug zu den Akten); bei Einreichung des Asyl-

gesuchs war er demnach [minderjährig]. Das SEM wies den Beschwerde-

führer für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton C._______ zu und 

teilte den zuständigen kantonalen Behörden mit, es handle sich bei ihm um 

einen unbegleiteten Minderjährigen. Mit Beschluss vom 9. Januar 2019 er-

richtete die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde D._______ für den 

Beschwerdeführer eine Beistandschaft gemäss Art. 306 Abs. 2 ZGB und 

ernannte eine Beiständin. 

Am 14. Mai 2019 fand, in Anwesenheit der Beiständin, die Anhörung des 

Beschwerdeführers zu seinen Asylgründen statt. 

A.b Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, er sei im Dorf 

F._______, Distrikt Jaffna geboren und habe dort bis zur Ausreise zusam-

men mit seinen Eltern und einer älteren Schwester und einem jüngeren 

Bruder gelebt. Die Schule habe er kurz vor der Ausreise im zehnten Schul-

jahr abgebrochen.  

Er sei von einer Gruppe namens Vaal Veddu Group («Schwertergruppe») 

bedroht worden. Es handle sich um Kriminelle; sie seien maskiert und mit 

Motorrädern, bewaffnet mit Messern, unterwegs. Im September 2018 (res-

pektive im August 2018) habe er beobachtet, wie fünf bis sechs (respektive 

vier bis fünf) Männer dieser Gruppierung in der Nähe des G._______-Tem-

pels einen Mann erstochen hätten. Er sei weggerannt, drei der Männer hät-

ten ihn bis zu ihm nach Hause verfolgt. Sie hätten mit seiner Mutter ge-

sprochen und seien auch später circa fünf- bis sechsmal wiedergekom-

men. Sie hätten ihn bedroht, dass er seine Beobachtung niemandem sa-

gen und sich nicht an den Dorfvorsteher oder die Polizei wenden dürfe; 

auch seinen Vater hätten sie wiederholt bedroht. Wegen der Drohungen 

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Seite 3 

hätten er und seine Familie sich nicht an die Polizei gewandt. Sein Vater 

und sein Onkel hätten beschlossen, dass er Sri Lanka verlassen solle.  

Der Vater habe ihn am 18. September 2018 mit dem Tuktuk zum Onkel 

nach H._______ gebracht; der Onkel habe ihn nach Colombo begleitet. 

Dort hätten sie einige Zeit in der Wohnung einer Tante gelebt, und der On-

kel habe für ihn einen Pass ausstellen lassen. Schliesslich sei er mit Hilfe 

einer Schlepperin legal, mit seinem eigenen Pass, vom Flughafen Colombo 

ausgereist; ab Singapur sei er mit einem gefälschten Pass weitergereist; 

den Pass habe er der Schlepperin abgeben müssen. 

Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka müsse er befürchten, von der Vaal 

Veddu Group umgebracht zu werden. Er sei mit seiner Familie von der 

Schweiz aus in Kontakt; seine Verfolger würden seine Familie weiterhin 

mindestens einmal wöchentlich aufsuchen. 

Wer das Opfer jenes Vorfalls, den er beobachtet habe, gewesen sei, wisse 

er nicht; über den Vorfall sei auch nie in einer Zeitung berichtet worden. In 

der Schweiz lebe noch eine Tante von ihm.  

B.  

Mit Verfügung vom 12. Juni 2019 – der Beiständin am 13. Juni 2019 eröff-

net – verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-

rers, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz sowie den Vollzug an. Auf die Begründung der Verfügung wird in 

den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. 

C.  

Der Beschwerdeführer focht die Verfügung des SEM mit Beschwerde vom 

8. Juli 2019 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragt deren Aufhe-

bung, die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung. 

Eventuell sei die Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des 

Wegweisungsvollzugs festzustellen und eine vorläufige Aufnahme anzu-

ordnen. Es sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Eventuell sei 

die aufschiebende Wirkung wiederherzustellen. 

Auf die Begründung der Beschwerde wird in den Erwägungen eingegan-

gen. 

D.  

Mit Instruktionsverfügung vom 12. Juli 2019 hielt die Instruktionsrichterin 

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fest, der Beschwerdeführer könne den Entscheid in der Schweiz abwarten, 

und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

E.  

Mit Instruktionsverfügung vom 19. Juli 2019 hiess die Instruktionsrichterin 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt-

liche Rechtsverbeiständung gut; sie forderte den Beschwerdeführer auf, 

dem Gericht bis zum 3. August 2019 einen Rechtsvertreter oder eine 

Rechtsvertreterin zu nennen, der oder die als amtlicher Beistand eingesetzt 

werden solle, und eine entsprechende Vollmacht einzureichen, ansonsten 

das Gericht von Amtes wegen dem Beschwerdeführer eine Rechtsvertre-

tung bestimmen werde. 

F.  

Am 9. August 2019 legitimierte sich eine Rechtsvertreterin unter Vorlage 

einer Vollmacht, und ersuchte, trotz verspäteter Eingabe, um die Einset-

zung als amtliche Rechtsvertretung. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 13. August setzte die Instruktionsrichterin die 

Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers 

ein und gewährte eine Frist zur Geltendmachung weiterer Vorbringen. 

H.  

Am 28. August 2019 reichte die Rechtsvertreterin eine ergänzende Ein-

gabe zu den Akten. Sie führte betreffend die Glaubhaftigkeit der Vorbringen 

aus, es sei ihr im Beratungsgespräch aufgefallen, dass der Beschwerde-

führer im mündlichen Ausdruck eher schwach sei, auch habe der Dolmet-

scher die Zielsprache nicht eindeutig beherrscht. Betreffend den Vorhalt 

der Unplausibilität der Vorbringen erklärte sie, das Verhalten der Vaal Vettu 

Group sei allenfalls nicht rational zu begründen, es sei daher nachvollzieh-

bar, dass die Eltern des Beschwerdeführers aus Angst als einzige Möglich-

keit dessen Flucht nach Europa gesehen hätten. Der Beschwerdeführer 

habe entgegen der Behauptung der Vorinstanz das Geschehen mit ausrei-

chender Substanz, namentlich mit Realkennzeichen, geschildert, seine 

Ausführungen seien auch altersgerecht plausibel und schlüssig. Der sri-

lankische Staat sei weder schutzwillig noch -fähig. Falls das Asylgesuch 

abgelehnt werde, sei der Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen, da der 

Vollzug seiner Wegweisung unzumutbar sei. Die Familienverhältnisse 

seien prekär, die Vorinstanz treffe die Pflicht zu spezifischen Abklärungen, 

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Seite 5 

um eine Verletzung des Kindeswohls zu vermeiden. Bisher habe sich die 

Vorinstanz diesbezüglich nur auf Annahmen abgestützt. 

I.  

Am 3. September 2019 lud die Instruktionsrichterin die Vorinstanz zur Ver-

nehmlassung ein. 

J.  

In seiner Stellungnahme vom 17. September 2019 beantragte das SEM die 

Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer verfüge in Sri Lanka 

als auch im Ausland über ein grosses familiäres Beziehungsnetz; für die in 

der Beschwerde angeführten «desolaten» Lebensumstände gebe es keine 

Anhaltspunkte, von einer fehlenden Existenzgrundlage könne nicht ausge-

gangen werden. Die Rückreise des Beschwerdeführers werde der Kanton 

in Zusammenarbeit mit der Schweizer Vertretung in Colombo organisieren, 

so dass sichergestellt sei, dass der minderjährige Beschwerdeführer sei-

nen Familienangehörigen übergeben werden könne. 

K.  

Am 2. Oktober 2019 entgegnete der Beschwerdeführer in der Replik, dass 

seine Eltern immerhin so verzweifelt gewesen seien, ihn ausser Landes zu 

schicken. Dies spreche auch für die Armut und Mittellosigkeit seiner Fami-

lie. 

L.  

Am 24. April 2020 informierte die zuständige Kindes- und Erwachsenen-

schutzbehörde das SEM, dass eine neue Beiständin für den Beschwerde-

führer zuständig sei.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel, so auch vorliegend, endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

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Seite 6 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG, Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.4 Der Beschwerdeführer ist knapp (…)-jährig und damit unmündig. Seine 

Prozessfähigkeit ist vorab als Sachurteilsvoraussetzung von Amtes wegen 

zu prüfen (vgl. zu den nachfolgenden Ausführungen Urteile des BVGer  

D-770/2014 vom 17. Juni 2014 E. 2.1, D-5595/2014 vom 23. März 2015  

E. 1.3). 

Als verfahrensrechtliches Korrelat der Handlungsfähigkeit ist die 

Prozessfähigkeit nach den einschlägigen zivilrechtlichen Vorschriften zu 

beurteilen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 

Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 3 E. 2b). Sie setzt demnach 

Urteilsfähigkeit, Mündigkeit und das Fehlen von die Handlungsfähigkeit 

einschränkenden Massnahmen des Erwachsenenschutzes voraus 

(Art. 13, 17 und 19d ZGB). Urteilsfähig ist jeder, dem es nicht wegen seines 

Kindesalters oder infolge anderer Umstände an der Fähigkeit mangelt, 

vernunftgemäss zu handeln (Art. 16 ZGB). Urteilsfähige Unmündige 

können sich zwar grundsätzlich nur mit der Zustimmung ihrer gesetzlichen 

Vertreter durch ihre Handlungen verpflichten (Art. 19 Abs. 1 ZGB); ohne 

diese Zustimmung vermögen sie nur Rechte auszuüben, welche ihnen um 

ihrer Persönlichkeit willen zustehen (Art. 19c ZGB). Nach Lehre und Praxis 

gelten sowohl die Einreichung eines Asylgesuchs als auch die Ergreifung 

von in diesem Kontext stehenden Rechtsmitteln als solche «höchst-

persönliche» Rechte (vgl. BVGE 2011/39 E. 4.3.2). 

Den Akten sind keine Anhaltspunkte zu entnehmen, die zu Zweifeln an der 

Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers in Bezug auf das Einreichen des 

Asylgesuches, das Vortragen seiner Asylvorbringen oder auf die Erhebung 

der Beschwerde Anlass geben würden. Die Befragungsprotokolle vermit-

teln durchwegs den Eindruck, der Beschwerdeführer sei sich über den Ge-

halt der an ihn gerichteten Fragen im Klaren gewesen, habe sachbezogen 

geantwortet und sich bei der Darlegung der Asylgründe sowie seiner per-

sönlichen Verhältnisse jederzeit von vernünftigen Überlegungen leiten las-

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sen. Es ist somit von der Urteilsfähigkeit und damit von der Prozessfähig-

keit des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung aus-

zugehen. 

1.5 Ferner ist die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht worden. 

Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist unter Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung einzutreten. 

Nicht einzutreten ist auf den Eventualantrag betreffend Wiederherstellung 

der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde. Aufschiebende Wirkung 

kommt der Beschwerde von Gesetzes wegen zu (Art. 55 Abs. 1 VwVG) 

und sie ist von der Vorinstanz auch nicht im Sinne von Art. 55 Abs. 2 VwVG 

entzogen worden. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Im Asylverfahren gelten besondere Verfahrensgarantien für unbegleitete 

minderjährige Asylsuchende (vgl. Art. 17 AsylG, Art. 7 der Asylverordnung 

1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]; vgl. Entscheide des BVGer 

E-7447/2015 vom 5. November 2018 E. 5.3, D-7700/2015 vom 22. August 

2016 E. 6.2, je m.w.H.).  

Diese Garantien sind im vorliegenden Verfahren eingehalten worden. Die 

zuständigen kantonalen Behörden haben für den Beschwerdeführer eine 

Beiständin ernannt; diese war bei der Anhörung zu den Asylgründen anwe-

send. Die Anhörung vom 14. Mai 2019 wurde, soweit aus den Akten er-

sichtlich, in einer altersgerechten Weise durchgeführt; dem Beschwerde-

führer wurden alle anwesenden Personen vorgestellt und deren Funktion 

wurde ihm erläutert. Die SEM-Sachbearbeiterin stellte die Fragen in einer 

dem Alter des Beschwerdeführers angepassten Weise. Aus dem Protokoll 

geht nicht hervor, dass in irgendeiner Form eine angespannte, überfor-

dernde oder unangenehme Atmosphäre geherrscht hätte; weder die Bei-

ständin noch die bei der Befragung anwesende Hilfswerkvertreterin haben 

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denn auch entsprechende Bemerkungen angebracht. Auch in der Be-

schwerde werden keine Vorbehalte gegen die korrekte Durchführung des 

vorinstanzlichen Verfahrens angebracht. 

Schliesslich wurde die angefochtene Verfügung korrekt der Beiständin des 

Beschwerdeführers eröffnet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

 

5.  

5.1 Das SEM würdigte die Asylvorbringen des Beschwerdeführers als nicht 

glaubhaft gemacht. Es scheine realitätsfremd, dass jene Männer, deren Tat 

der Beschwerdeführer beobachtet habe, sich regelmässig bei ihm zu 

Hause gemeldet hätten, um ihn und seine Eltern zu bedrohen. Mit einem 

derartigen Verhalten hätten sich die Täter vielmehr immer wieder neu zu 

erkennen gegeben und sich identifizierbar gemacht; auch sei nicht nach-

vollziehbar, wieso die Drohungen derart oft hätten wiederholt werden sol-

len, nachdem sich die Familie nie an die Polizei gewandt habe. Dies wie-

derum erscheine ebenfalls nicht plausibel; dass man, anstatt sich an die 

Behörden zu wenden, sofort die Ausreise des Beschwerdeführers be-

schlossen habe, sei nicht nachvollziehbar, umso mehr, als dem Beschwer-

deführer innerhalb des Landes, etwa in H._______ oder in Colombo, Auf-

enthaltsalternativen bei Verwandten zur Verfügung gestanden wären. Die 

Schilderungen des Beschwerdeführers seien knapp und eher oberflächlich 

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ausgefallen und würden keine persönliche Färbung aufweisen; auch in Be-

rücksichtigung seines jungen Alters hätten substantiiertere Aussagen zu 

den zentralen Erlebnissen erwartet werden können. 

 

Die geltend gemachten Vorbringen seien ferner, wenn sie geglaubt wür-

den, nicht asylrelevant. Der Beschwerdeführer mache Behelligungen und 

Bedrohungen durch private Drittpersonen geltend, welche durch die hei-

matlichen Behörden geahndet und bestraft würden. Den Behörden könne 

kein Mangel an Schutzwille oder Schutzfähigkeit vorgeworfen werden, 

nachdem der Beschwerdeführer und seine Eltern sich gar nicht an die Be-

hörden gewendet hätten. Es handle sich ausserdem um regional be-

schränkte Verfolgungsmassnahmen, denen der Beschwerdeführer sich 

durch Wegzug in einen anderen Teil des Heimatlandes hätte entziehen 

können. 

Ferner sei auch nicht eine begründete Frucht vor zukünftiger Verfolgung zu 

bejahen. Der Beschwerdeführer erfülle keine Risikofaktoren im Sinne des 

Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts betreffend eine allfällige 

Gefährdung von aus der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehrenden tamili-

schen Asylsuchenden (Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016). Die 

Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie und die relativ kurze Landesabwesen-

heit (seit September 2018) würden nicht ausreichen, um drohende Verfol-

gungsmassnahmen bei einer Rückkehr, die über eine routinemässige Hin-

tergrund-Befragung bei der Einreise am Flughafen hinausgehen würden, 

zu bejahen. Angesichts des jugendlichen Alters und der legalen Ausreise 

aus Sri Lanka sei in keiner Art und Weise davon auszugehen, es könnten 

bei der Rückkehr Schwierigkeiten mit den sri-lankischen Behörden drohen. 

5.2 Der Beschwerdeführer bringt in der Beschwerde vor, die geltend ge-

machte Bedrohungslage sei in keiner Weise weltfremd. Kriminelle Banden 

wie jene, deren Tat er beobachtet habe, würden in Sri Lanka grosse Frei-

räume geniessen, seien mächtig und müssten sich nicht verstecken. Es 

handle sich um Trinker und Gesetzlose, die die Bevölkerung drangsalieren 

würden und sich nicht vernünftig verhielten. Es sei durchaus glaubhaft, 

dass seine Familie sich aus Angst nicht an die Behörden habe wenden 

können. Was die Einschätzung betreffe, er habe seine Vorbringen nur ober-

flächlich erzählen können, treffe dies nicht zu; vielmehr habe der Dolmet-

scher offenbar die deutsche Sprache nicht gut genug beherrscht, was sich 

etwa bei der Verwechslung von «Schlepper» und «Schlepperin» (A15 

F131), bei der Verwechslung der Begriffe «Schwert» und «Messer» oder 

bei der Verwendung des Begriffs «schneiden» (z.B. in A15 F66, 69; für 

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Seite 10 

«Verletzungen mit dem Messer zufügen») zeige. Die Schilderungen des 

Beschwerdeführers seien vielmehr erlebnisbasiert und würden viele Real-

kennzeichen enthalten. Der sri-lankische Staat könne gegen diese Bande 

keinen Schutz gewähren und sei weder fähig noch gewillt, sich für tamili-

sche Schutzbedürftige einzusetzen. Der Beschwerdeführer habe auch 

nicht an einen anderen Ort umziehen können, da ihm dafür die wirtschaft-

liche Grundlage gefehlt hätte.  

6.  

6.1 Das Gericht bestätigt die Einschätzung der Vorinstanz, dass der Be-

schwerdeführer nicht aufgezeigt hat, er habe vor seiner Ausreise aus Sri 

Lanka ernsthafte Nachteile im Sinn von Art. 3 AsylG erlebt oder befürchten 

müssen. Es ist auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu verwei-

sen, um Wiederholungen zu vermeiden. Insbesondere stützt das Gericht 

die Erwägungen, dass die Vorbringen, ungeachtet der Frage ihrer Glaub-

haftigkeit, sich auf eine Bedrohungslage seitens privater Drittpersonen be-

ziehen und nicht asylrelevant sind. Der Einschätzung, dem sri-lankischen 

Staat fehle es generell an Schutzwille und Schutzfähigkeit für die tamilische 

Bevölkerung, schliesst sich das Gericht nicht an. Angesichts der Aussagen 

des Beschwerdeführers, dass seine Grosseltern und etliche Onkel und 

Tanten in H._______ leben (A6 S. 5, A15 F30 ff.) und dass eine Tante in 

Colombo eine Wohnung besitzt (A15 F 109), hat das SEM zu Recht auch 

das Bestehen einer zumutbaren innerstaatlichen Fluchtalternative bejaht. 

Zutreffend ist die Vorinstanz auch davon ausgegangen, beim Beschwerde-

führer würden keine Risikofaktoren vorliegen, die auf eine zukünftige Ver-

folgung nach der Rückkehr aus der Schweiz schliessen lassen würden. 

Neben den in der angefochtenen Verfügung bereits genannten Überlegun-

gen ist insbesondere festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seinen An-

gaben zufolge bisher mit den Behörden nie in irgendeiner Weise Probleme 

gehabt und sich nie politisch engagiert hat (A6 S. 8); auch von politischen 

Aktivitäten seiner Angehörigen oder von eigenen exilpolitischen Aktivitäten 

in der Schweiz ist nie die Rede gewesen. 

6.2 An dieser Einschätzung ändern auch die jüngsten politischen Entwick-

lungen im Heimatstaat Sri Lanka nichts, dies betrifft insbesondere den Aus-

gang der Präsidentschaftswahlen im November 2019 und den darauf fol-

genden Regierungswechsel. Am 16. November 2019 wurde Gotabaya 

Rajapaksa zum neuen Präsidenten Sri Lankas gewählt. Gotabaya Rajapa-

ksa war unter seinem älteren Bruder Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 

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Seite 11 

2015 Präsident war, Verteidigungsminister und wurde in diesem Zusam-

menhang zahlreicher Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten 

sowie Aktivistinnen und Aktivisten angeklagt. Zudem wird er von Beobach-

tern für Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen im Zusam-

menhang mit dem Ende des Bürgerkrieges 2009 verantwortlich gemacht 

(vgl. Hannah Ellis-Petersen, The Guardian, Gotabaya Rajapaksa elected 

president of Sri Lanka, 17. November 2020, https://www.theguar-

dian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-

premadas-count-continues und Human Rights Watch: World Report 2020 

- Sri Lanka, 14.1.2020, https://www.hrw.org/world-report/2020/country-

chapters/sri-lanka , beide abgerufen am 06.07.2020). Kurz nach der Wahl 

ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda zum Premierminister 

und berief auch einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa, in die Regie-

rung. Die drei Brüder kontrollieren in der neuen Regierung zahlreiche Mi-

nisterien und Departemente (vgl. Hannah Ellis-Petersen, The Guardian, Sri 

Lanka's president Rajapaksa cements family power as brothers join cabi-

net, 22. November 2019, www.theguardian.com/world/2019/-nov/22/sri-

lankas-president-rajapaksa-cements-family-power-as-brothers-join-cabi-

net , abgerufen am 23.09.2020). Beobachter sowie ethnische und religiöse 

Minderheiten befürchten aufgrund dieser Macht der Familie Rajapaksa ver-

stärkte Repression und die vermehrte Überwachung von Menschenrechts-

aktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und Journalisten, Oppositio-

nellen und regierungskritischen Personen (vgl. Schweizerische Flücht-

lingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste bei Minderheiten, 

21.11.2019, www.fluechtlingshilfe.ch/publikationen/im-fokus/sri-lanka-reg-

ierungswechsel-weckt-aengste-bei-minderheiten, abgerufen am 

23.09.2020).  

Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka 

bewusst und beobachtet die Entwicklungen laufend. Zwar ist beim derzei-

tigen Kenntnisstand eine Akzentuierung der Gefährdungslage für Perso-

nen mit gewissen Risikofaktoren möglich (vgl. z.B. Human Rights Watch, 

Sri Lanka: Families of «Disappeared» Threatened, 16.02.2020, 

www.hrw.org-/news/2020/02/16/sri-lanka-families-disappeared-threaten-

ed, abgerufen am 23.09.2020). Vorliegend besteht jedoch kein persönli-

cher Bezug des Beschwerdeführers zur Präsidentschaftswahl vom 16. No-

vember 2019 respektive zu deren Folgen. Dafür, dass seit dem Macht-

wechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen oder Rückkehrer tamili-

scher Ethnie aus der Schweiz generell, das heisst ohne weitere individuelle 

Gefährdungskomponente, einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären, gibt 

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Seite 12 

es derzeit keine Anzeichen. Deshalb ändern diese Umstände nichts an der 

Risikoeinschätzung betreffend den Beschwerdeführer.  

7.  

Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Be-

schwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch zu Recht abge-

lehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

E-3491/2019 

Seite 13 

9.2.1 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu 

Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-

gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

Nachdem der Beschwerdeführer, wie oben ausgeführt, die Flüchtlingsei-

genschaft nicht erfüllt und nicht aufgezeigt hat, er müsse im Heimatland in 

begründeter Weise eine zukünftige Verfolgung befürchten, findet der 

Grundsatz des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement keine Anwendung. 

Es bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer 

Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss ständiger Praxis müsste der Beschwerde-

führer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaubhaft ma-

chen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche 

Behandlung drohen würde; dies ist ihm nach dem oben Gesagten nicht 

gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt 

den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen.  

9.2.2 Als zutreffend erweisen sich im Übrigen auch die Ausführungen der  

Vorinstanz betreffend die Verpflichtungen aus dem Übereinkommen vom 

20. November 1989 über die Rechte des Kindes (nachfolgend: KRK, 

SR 0.107). Die Bestimmungen der KRK sind nicht self-executing. Es ist 

nach Aktenlage nicht ersichtlich, dass das SEM durch sein auf die nationa-

len Bestimmungen abgestütztes Vorgehen die völkerrechtlichen Verpflich-

tungen der Schweiz zum Schutz von Kindern, insbesondere in Hinblick auf 

den Erhalt der familiären Beziehungen, im Fall des Beschwerdeführers ver-

letzt haben sollte. Der Vollzug der Wegweisung ist auch unter diesen Vor-

zeichen zulässig. Der Minderjährigkeit ist im Rahmen der Prüfung der Zu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung zu tragen.    

9.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne 

der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

9.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

E-3491/2019 

Seite 14 

9.5 Der Beschwerdeführer machte in der Beschwerde geltend, er sei in sei-

nem Heimatland durch Bandenmitglieder ständig bedroht, deshalb seien 

die Zustände desolat. Zudem sei er schon einige Zeit in der Schweiz und 

habe gut Deutsch gelernt, er wolle hier weiter zur Schule gehen. In der 

Eingabe vom 28. August 2019 wird vorgetragen, der Vollzug sei unzumut-

bar, da seine Familienangehörigen bereits in der Heimat als Flüchtlinge 

gelten müssten, zudem sei das Geld, welches für seine Ausreise aufge-

wendet worden sei, nicht mehr vorhanden, so dass die Lebensumstände 

der Familie prekär seien. 

9.6 Diese Vorbringen vermögen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs nicht zu erschüttern.  

9.6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat zuletzt im länderspezifischen Re-

ferenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 zur Frage der Zumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs abgewiesener Asylsuchender aus Sri Lanka insbe-

sondere tamilischer Ethnie eine Lageanalyse vorgenommen (vgl. E. 13.2-

13.4). Hinsichtlich der Nordprovinz, insbesondere Jaffna, woher der Be-

schwerdeführer stammt, wurde dabei zusammenfassend festgestellt, dass 

der Wegweisungsvollzug dorthin zumutbar ist, sofern das Vorliegen der in-

dividuellen Zumutbarkeitskriterien – insbesondere die Existenz eines trag-

fähigen familiären oder anderweitigen sozialen Beziehungsnetzes sowie 

Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation – bejaht 

werden kann (vgl. E. 13.3). 

9.6.2 Der Beschwerdeführer kann im Fall der Rückkehr auf ein tragfähiges 

familiäres Netz zurückgreifen. Er selbst hatte in der Anhörung angegeben, 

die Eltern und Geschwister lebten in Sri Lanka. Der Vater fahre Tuktuk, am 

Morgen verteile er Zeitungen, später mache er Fahrten und ansonsten ar-

beite er in der Landwirtschaft (vgl. A15 F24-26), er bewirtschafte die ihm 

gehörenden Reisfelder; die Familie wohne im Haus eines Onkels (vgl. A6 

F2.01). Der Familie gehe es finanziell «etwas schlechter» als anderen, 

aber bei Bedarf schicktedie Onkel aus Deutschland Geld, Geschwister des 

Vaters seien auch in der Schweiz (vgl. A15 F27 ff.). Zudem lebten weitere 

Verwandte in H._______ und Umgebung. Zwar brachte er vor, das Dorf 

der Eltern sei bombardiert worden und die Familie sei deshalb nach 

F._______ umgezogen, jedoch habe er daran keine Erinnerung mehr (vgl. 

A15 F45-48). Aus diesen Angaben kann geschlossen werden, dass die 

Familie des Beschwerdeführers – obwohl sie ihren ursprünglichen Wohnort 

aufgeben musste – in geordneten Verhältnissen lebt. Zwar ist sie nicht be-

sonders wohlhabend, jedoch ging der Beschwerdeführer zur Schule und 

http://links.weblaw.ch/BVGer-E-1866/2015

E-3491/2019 

Seite 15 

die Familie hatte ihr Auskommen. Zudem wurde sie durch die Verwandt-

schaft in Europa unterstützt. Da sich die Bedrohung des Beschwerdefüh-

rers durch die kriminelle Bande nicht als glaubhaft erwiesen hat, muss 

seine Rückkehr nach Sri Lanka als zumutbar gelten, da er dort zu seiner 

Familie zurückkehren, die Schule beenden und eine Ausbildung absolvie-

ren kann.   

9.7 Der Beschwerdeführer machte des Weiteren geltend, der Vollzug der 

Wegweisung würde sein Kindeswohl verletzen. 

9.7.1 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass sich die geltend ge-

machte Verletzung des Kindeswohls nicht als begründet erweist. Es trifft 

zu, dass im Rahmen der Prüfung der Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG das Kindeswohl zu beachten ist, was 

einer völkerrechtskonformen Auslegung dieser Bestimmung entspricht 

(vgl. BVGE 2015/30 E. 7.2). Zutreffend ist auch, dass die Verwurzelung von 

Kindern in der Schweiz eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs entfalten kann, indem eine starke Assi-

milierung in der Schweiz eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge ha-

ben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als unzumutbar 

erscheinen lässt (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.6; 2009/28 E. 9.3.2).  

9.7.2 Im vorliegenden Fall sind diese Befürchtungen jedoch nicht begrün-

det. Der Beschwerdeführer ist inzwischen (…)-jährig und hält sich seit 

knapp zwei Jahren in der Schweiz auf. Zwar erklärte er, er lerne gut 

Deutsch und besuche in der Schweiz die Schule, andererseits gab er in 

der Anhörung auch an, seine Eltern und seine Familie sehr zu vermissen 

(vgl. A6 F8.02, A15 F113, 115); gemäss seinen Angaben steht er auch im 

Kontakt mit der Familie (vgl. A15 F14,15). Es ist davon auszugehen, dass 

der Beschwerdeführer sich im Fall der Rückkehr in der gewohnten Umge-

bung und im familiären Umfeld mit den Eltern und Geschwistern wieder 

zurechtfinden und an sein früheres Leben anknüpfen kann. Von einer der-

art fortgeschrittenen starken Verwurzelung, als dass eine Rückkehr nach 

Sri Lanka als unzumutbar gelten müsste, geht das Gericht bei dieser Aus-

gangslage nicht aus.  

9.8 Der Beschwerdeführer bringt des Weiteren vor, das SEM habe nicht 

genügende Abklärungen getroffen, um sicherzustellen, dass er im Fall der 

Rückkehr im Heimatstaat von einem Familienmitglied abgeholt werden 

würde.  

http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/30
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/51

E-3491/2019 

Seite 16 

9.8.1 Auch dieser Einwand erweist sich als nicht stichhaltig. Richtig ist, 

dass das SEM nach gefestigter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts 

beim Entscheid über den Vollzug der Wegweisung unbegleiteter Minder-

jähriger (Asylsuchender) von Amtes wegen verpflichtet ist, spezifische Ab-

klärungen der persönlichen Situation unter dem Blickwinkel des Kindes-

wohls vorzunehmen, widrigenfalls der Sachverhalt nicht als korrekt und 

vollständig festgestellt gilt im Hinblick auf den Entscheid über die Durch-

führbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.3, mit Ver-

weis auf EMARK 2006 Nr. 24 E. 6 und 1998 Nr. 13 E. 5.e). Ferner hat die 

zuständige Behörde gemäss Art. 69 Abs. 4 AIG bei einer Ausschaffung von 

unbegleiteten minderjährigen Personen sicherzustellen, dass diese im 

Rückkehrstaat einem Familienmitglied, einem Vormund oder einer Aufnah-

meeinrichtung übergeben werden, welche den Schutz des Kindes gewähr-

leisten. 

9.8.2 Vorliegend ist das SEM seiner oben skizzierten Abklärungspflicht ge-

nügend nachgekommen. Der Beschwerdeführer wird nach Sri Lanka zu 

seiner Familie zurückkehren können. Aus seinen Aussagen in den Anhö-

rungen ergeben sich keine Anhaltspunkte, weshalb seine Eltern ihn nicht 

auch in Empfang nehmen sollten, sofern er aufgrund einer behördlichen 

Anordnung der Schweizer Migrationsbehörden nach Sri Lanka zurückkeh-

ren muss. Eine besonders erhöhte Abklärungspflicht (wie sie beispiels-

weise dem Sachverhalt in BVGE 2015/30 zugrunde lag) ist im vorliegenden 

Fall nicht erkennbar. Die Eltern des Beschwerdeführers sind am Leben, die 

Familie hat ein Auskommen und der Beschwerdeführer findet ein tragfähi-

ges familiäres Netz vor (vgl. E. 9.6.2). Der Hinweis des SEM, dass der Be-

schwerdeführer bei seiner Rückkehr zu den Eltern von seinen in der 

Schweiz ansässigen Tanten unterstützt werden könnte, ist daher keine – 

wie behauptet – pauschale Behauptung, vielmehr geht auch das Bundes-

verwaltungsgericht davon aus, dass die Familie die Rückkehr des Be-

schwerdeführers gleichermassen unterstützen wird, wie sie bereits die 

Ausreise ihres Sohnes zu organisieren vermochte. Dass das SEM seinen 

Abklärungspflichten in Hinblick auf das Kindeswohl nur ungenügend nach-

gekommen sei, greift bei dieser Ausgangslage nicht. 

9.9 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 

zumutbar. 

9.10 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates mit Hilfe seiner Beiständin die für eine 

Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 

http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/24

E-3491/2019 

Seite 17 

AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Weg-

weisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.11 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-

rauf einzutreten ist. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Verfügung vom 

19. Juli 2019 wurde jedoch die unentgeltliche Prozessführung gewährt. Da 

nicht von einer Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse des minder-

jährigen Beschwerdeführers auszugehen ist, sind keine Verfahrenskosten 

zu erheben. 

11.2 Mit Zwischenverfügung vom 19. Juli 2019 wurde die Rechtsvertreterin 

als amtliche Vertreterin des Beschwerdeführers eingesetzt. Das Bundes-

verwaltungsgericht hat ihr ein amtliches Honorar auszurichten (vgl. 

aArt. 110a Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 9–14 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Rechtsbeiständin hat eine Kostennote 

eingereicht (vgl. Beschwerdeakten Ziff. 10). Der darin geltend gemachte 

Zeitaufwand von insgesamt fünf Stunden erscheint angesichts der im vor-

liegenden Fall gegebenen Rechtsfragen und im Vergleich mit ähnlich gela-

gerten Fällen grundsätzlich angemessen. Unter Berücksichtigung der   

massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE), insbesondere der 

Entschädigungspraxis in Vergleichsfällen und der Ausbildung der Rechts-

vertreterin, ist der Parteientschädigung ein Stundenansatz von Fr. 150.– 

zugrunde zu legen. Der Rechtsvertreterin ist damit ein Honorar von total 

Fr. 850.– (inklusive Auslagen) zulasten der Gerichtskasse zuzusprechen. 

Sie wird aufgefordert, dem Gericht eine Zahladresse mitzuteilen.   

  

E-3491/2019 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Der Rechtsvertreterin ist zulasten der Gerichtskasse ein Honorar von total 

Fr. 850.– zuzusprechen.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, seine Beiständin, das SEM 

und die kantonale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Susanne Bolz 

 

 

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