# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ed3786e4-32d8-58b4-8ee3-cd0a26404a15
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.07.2020 D-6924/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6924-2017_2020-07-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6924/2017 

law/rep 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  J u l i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Constance Leisinger, Richterin Contessina Theis, 

Gerichtsschreiber Philipp Reimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und ihr Kind 

B._______, geboren am (…), 

Staatsangehörigkeit unbekannt, 

beide vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, 

und substituiert durch MLaw Natalie Perino-Bowman, 

Advokatur Kanonengasse,  

(…), 

Beschwerdeführerinnen, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 6. November 2017 / N (…). 

 

 

 

D-6924/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin – eigenen Angaben zufolge eine somalische 

Staatsangehörige – suchte am 19. Juli 2015 in der Schweiz um Asyl nach. 

Am 19. August 2015 erhob das SEM im damaligen Empfangs- und Verfah-

renszentrum (EVZ) C._______ ihre Personalien und befragte sie zu ihrem 

Reiseweg sowie summarisch zu den Asylgründen. Die einlässlichen Anhö-

rungen zu den Asylgründen fanden am 26. Oktober 2016 (erste Anhörung), 

am 29. Juni 2017 (ergänzende Anhörung; Zweitanhörung) sowie am 

16. Oktober 2017 (Drittanhörung) statt. 

Dabei brachte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vor, sie sei soma-

lische Staatsangehörige und gehöre dem Clan R._______ an. Sie sei in 

D._______ geboren. Im Alter von fünf beziehungsweise sechs Jahren sei 

sie mit ihrer Mutter und ihren vier Geschwistern in die Umgebung des Dor-

fes E._______ (ungefähr zwei Autostunden vom Dorf entfernt) in der Pro-

vinz F._______ gezogen, wo sie bis zum Alter von 17 Jahren und an-

schliessend bis zu ihrer Ausreise im Jahr 2015 im Dorf E._______ gelebt 

habe. Sie selbst habe nie eine Schule besucht. Ihr Vater sei im Jahr 2005, 

ihre Mutter im Jahr 2011 gestorben. 

In E._______ habe sie mit 17 Jahren einen Mann, G._______, kennen- 

und liebengelernt. In der Folge sei sie von ihm schwanger geworden. Nach-

dem ihre Mutter dies bemerkt habe, sei sie zur ebenfalls in E._______ 

wohnhaften Familie von G._______ gegangen und habe dessen Mutter er-

öffnet, ihr Sohn müsse nunmehr ihre Tochter (die Beschwerdeführerin) hei-

raten. In der Folge sei es zu Unstimmigkeiten gekommen, wobei ihre Mut-

ter von Angehörigen der anderen Familie beleidigt worden sei. Daraufhin 

sei sie nachhause zurückgekehrt. Später habe sich ihre Mutter – diesmal 

in Begleitung ihrer drei Söhne – abermals zur Farm der Familie von 

G._______ begeben. In der Folge sei es zu einer tätlichen Auseinander-

setzung zwischen den beiden Familien gekommen, in deren Verlauf ihre 

drei Brüder entführt und ihre Mutter infolge erlittener Schläge und ihres ho-

hen Blutdruckes verstorben sei. Sie (die Beschwerdeführerin) und 

G._______ hätten später heimlich geheiratet und in E._______ in einer 

Hütte gelebt. Ihr Mann sei tagsüber einer unbekannten Erwerbstätigkeit 

nachgegangen und habe sie nur nachts aufgesucht und Essen mitge-

bracht. Im September 2011 habe sie Zwillinge auf die Welt gebracht. Am 

(…) habe sie die Tochter H._______ geboren. Die Wesensart ihres Mannes 

habe sich im Laufe der Zeit ihr gegenüber verändert. So habe er begonnen, 

D-6924/2017 

Seite 3 

sie einzusperren und ihr verboten, Kontakte zu anderen Menschen zu pfle-

gen. Ausserdem habe er den Wunsch geäussert, dass ihre Kinder be-

schnitten würden, womit sie nicht einverstanden gewesen sei. Deswegen 

habe sie beschlossen, E._______ gemeinsam mit ihren Kindern zu verlas-

sen. Ein Kollege ihres Mannes habe sie jedoch unterwegs angetroffen. 

Kurz darauf sei ihr Mann erschienen und habe die Kinder wieder nach-

hause mitgenommen. Sie sei ihm gefolgt, da sie die Kinder nicht habe al-

leine lassen wollen. Ungefähr einen Tag später habe ihr Mann sie bei ei-

nem Streit mit einem Holzstück am Kopf verletzt, wobei sie ohnmächtig 

geworden sei. Beim Aufwachen habe sie festgestellt, dass ihre Zwillinge 

von ihrem Mann getötet worden seien. Ihre jüngste Tochter, welche ge-

schlafen habe, sei von ihm verschont worden. Unmittelbar danach habe 

sie E._______ verlassen und sei mit H._______ nach I._______ gereist. 

Nach ein bis zwei Tagen Aufenthalt in I._______ sei sie via J._______ und 

K._______ im April 2015 nach L._______ ausgereist, wo sie H._______ in 

M._______ bei ihrer Schwester zurückgelassen habe. Anschliessend sei 

sie via den Sudan und Libyen nach Italien weitergereist und anschliessend 

am 19. Juli 2015 illegal in die Schweiz eingereist. 

B.  

Bereits am 18. Februar 2017 brachte die Beschwerdeführerin die Tochter 

B._______ zur Welt. Der Vater des Kindes ist N._______ (N …), welcher 

die Vaterschaft für das Kind am (…) anerkannt hat.  

Im Übrigen reichte die Beschwerdeführerin im Rahmen des erstinstanzli-

chen Verfahrens einen Geburtsschein und eine Zivilstandsbescheinigung 

der somalischen Vertretung in Genf vom 21. März 2017 beziehungsweise 

vom 5. Mai 2017, jeweils als Kopie, indessen keinerlei aus ihrem angebli-

chen Heimatstaat stammende Ausweispapiere zu den Akten. 

C.  

Mit Verfügung vom 6. November 2017 – eröffnet am 8. November 2017 – 

stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin und ihr Kind würden die 

Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche ab und ord-

nete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung 

an. 

 

D-6924/2017 

Seite 4 

D.  

Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 6. Dezember 2017 liess die Be-

schwerdeführerin gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsge-

richt Beschwerde erheben. Darin wird beantragt, die Verfügung der Vor-

instanz sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerde-

führerinnen festzustellen und es sei ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter 

sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht wurde 

ferner beantragt, es sei die unentgeltlichen Prozessführung zu bewilligen, 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und den Be-

schwerdeführerinnen in der Person ihres Rechtsvertreters ein unentgeltli-

cher Rechtsbeistand zu bestellen. 

Der Beschwerde beigefügt wurden namentlich ein Geburtsregisterauszug 

bezüglich des Kindes B._______ der Beschwerdeführerin, die Mitteilung 

einer Kindesanerkennung, eine vom 6. Dezember 2017 datierte und auf 

die Person der Beschwerdeführerin ausgestellte Sozialhilfebestätigung der 

(…) sowie eine Substitutionsvollmacht. 

E.  

Mit Schreiben vom 15. Dezember 2017 bestätigte das Bundesverwaltungs-

gericht den Eingang der Beschwerde. 

F.  

Am 15. Dezember 2017 ging dem Bundesverwaltungsgericht eine Eingabe 

der Rechtsvertretung vom 14. Dezember 2017 zu. Darin wird – unter Ein-

reichung der Kopie einer von der somalischen Vertretung in Genf am 1. De-

zember 2017 für die Beschwerdeführerin ausgestellten "Attestation de pas-

seport" – geltend gemacht, durch die Ausstellung dieses Dokuments werde 

die Beschwerdeführerin offiziell von der somalischen Regierung als soma-

lische Staatsangehörige anerkannt. Das Original der "Attestation de pass-

eport" befinde sich derzeit beim Zivilstandsamt O._______, wo es jederzeit 

herausverlangt werden könne. Weiter wird in der Eingabe vom 14. Dezem-

ber 2017 ausgeführt, sowohl der – als Kopie – bei den Akten befindlichen 

Kindesanerkennung als auch derjenigen des Geburtsregisterauszuges des 

Zivilstandsamts O._______ sei zu entnehmen, dass die Beschwerdeführe-

rin als Somalierin mit Geburtsort D._______ eingetragen sei. Die Originale 

der beiden Dokumente befänden sich ebenfalls beim Zivilstandsamt 

O._______. Soweit das Gericht wünsche, dass sämtliche Originaldoku-

mente durch die Rechtsvertretung beschafft und dem Gericht zugestellt 

werden, sei ihr dies mitzuteilen. 

D-6924/2017 

Seite 5 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 21. Dezember 2017 hielt der zuständige In-

struktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts fest, die Beschwerdefüh-

rerin und ihre Tochter dürften den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz 

abwarten. Im Weiteren hiess er die Gesuche um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung und um Einsetzung ihres Rechtsvertreters als 

amtlicher Rechtsbeistand gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses. Schliesslich lud er die Vorinstanz zur Einreichung einer 

Vernehmlassung bis zum 5. Januar 2018 ein. 

H.  

Das SEM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 28. Dezember 2017 

die Abweisung der Beschwerde. 

I.  

Am 4. Januar 2018 sandte das Bundesverwaltungsgericht der Beschwer-

deführerin die Vernehmlassung zu und räumte ihr die Gelegenheit ein, bis 

zum 19. Januar 2018 eine Replik einzureichen. 

J.  

Am 19. Januar 2018 reichte die Beschwerdeführerin mittels ihrer Rechts-

vertretung eine Replik ein, der eine Honorarnote selben Datums beiliegt. 

K.  

Mit Eingabe vom 13. Februar 2018 verwies die Rechtsvertretung der Be-

schwerdeführerin auf den Entscheid des UNO-Ausschusses für die Rechte 

der Kinder vom 25. Januar 2018 in Sachen I.A.M. gegen Dänemark, Com-

munication Nr. 3/2016. Dabei sei der UNO-Ausschuss in I.A.M. gegen Dä-

nemark zum Schluss gelangt, dass der Tochter der Beschwerdeführerin in 

Puntland Genitalverstümmelung drohe und Dänemark Art. 3 und 19 des 

Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes 

(nachfolgend: KRK, SR 0.107) verletzt habe. Da die Schweiz das dritte Fa-

kultativprotokoll (individuelles Beschwerdeverfahren) zum UNO-Überein-

kommen über die Rechte der Kinder am 24. April 2017 ratifiziert habe 

(Rechtskraft am 24. Juli 2017), sei der zitierte Entscheid des UNO-Aus-

schusses über die Rechte der Kinder für die Schweiz wegweisend und es 

werde evident, dass eine Wegweisung der Beschwerdeführerinnen nach 

Somalia in Verletzung von Art. 3 und 19 KRK erfolgen würde. Aufgrund der 

drohenden Genitalverstümmelung in Somalia erfülle B_______ somit die 

Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft, weshalb 

ihr und ihrer Mutter Asyl zu gewähren sei. 

D-6924/2017 

Seite 6 

L.  

Gemäss dem der Vorinstanz am 14. Februar 2019 zugekommenen und 

von dieser am 21. Februar 2019 zuständigkeitshalber an das Bundesver-

waltungsgericht weitergeleiteten Familienausweis des Zivilstandsamts 

O._______ hat die Beschwerdeführerin am (…) N._______ geheiratet. Das 

damalige BFM (Bundesamt für Migration) lehnte dessen Asylgesuch vom 

26. Mai 2005 mit Verfügung vom 5. Juli 2005 ab, ordnete indessen gleich-

zeitig die vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs an. Am 17. Juni 2010 erhielt N._______ auf Gesuch hin wegen 

Vorliegens eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls gemäss Art. 84 

Abs. 5 AuG in Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG (seit dem 1. Januar 

2019: Ausländer- und Integrationsgesetz [AIG]) eine kantonale Aufent-

haltsbewilligung B. 

M.  

Mit Zwischenverfügung vom 13. März 2020 ersuchte der Instruktionsrichter 

die Beschwerdeführerin, bei den zuständigen kantonalen Behörden ein 

Gesuch um Familiennachzug durch ihren Ehemann einreichen zu lassen 

und dem Gericht bis zum 30. März 2020 eine Kopie desselben zuzustellen 

beziehungsweise dem Gericht schriftlich mitzuteilen, aufgrund welcher 

Umstände davon abgesehen werde. Bei Ausbleiben eines entsprechenden 

ausländerrechtlichen Gesuchs um Familiennachzug werde praxisgemäss 

davon ausgegangen, die Beschwerdeführerin verzichte auf das Geltend-

machen eines allfälligen, aus dem Eheschluss resultierenden Wegwei-

sungshindernisses im Rahmen des vorliegenden Asylverfahrens. 

N.  

Mit – innert einmalig erstreckter Frist eingereichtem – Schreiben vom 

6. April 2020 teilte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit, er habe 

mit Eingabe gleichem Datums beim Migrationsamt des Kantons P._______ 

unter Hinweis auf die Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts 

vom 13. März 2020 ein zweites Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbe-

willigung für seine Mandantin gestellt, nachdem ein erstes Gesuch um Fa-

miliennachzug vom Kanton am 31. Januar 2019 mit der Begründung, der 

Ehemann der Beschwerdeführerin verfüge lediglich über eine Aufenthalts-

bewilligung B und damit über kein gefestigtes Aufenthaltsrecht, abschlägig 

beschieden worden sei. Da gegen den damaligen Entscheid des Migrati-

onsamtes des Kantons P._______ kein Rekurs erhoben worden sei, be-

stünde nun die Gefahr, dass das zweite Gesuch abgewiesen oder darauf 

gar nicht eingetreten werden könnte, da keine wiedererwägungsweise re-

levanten neuen Tatsachen vorliegen würden. Deswegen werde das Gericht 

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Seite 7 

darum ersucht, "nicht bloss die Wegweisung nicht zu verfügen, sondern die 

Vorinstanz zumindest anzuweisen, vom Wegweisungsvollzug infolge Un-

zulässigkeit abzusehen und stattdessen die vorläufige Aufnahme anzuord-

nen". 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Über Beschwerden ge-

gen Verfügungen, die gestützt auf das AsylG durch das SEM erlassen wor-

den sind, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich (mit 

Ausnahme von Verfahren betreffend Personen, gegen die ein Ausliefe-

rungsersuchen des Staates vorliegt, vor welchem sie Schutz suchen) end-

gültig (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können im Anwen-

dungsbereich des AsylG die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich 

Missbrauch und Überschreitung des Ermessens, sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländerrechts richtet 

sich die Kognition des Gerichts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

1.3 Für das vorliegende Verfahren gilt nach der am 1. März 2019 in Kraft 

getretenen Änderung des AsylG das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Über-

gangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

2.  

Die Beschwerdeführerinnen haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-

nommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und 

haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- 

und formgerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutre-

ten. 

 

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Seite 8 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine Person anerkannt, wenn sie in ihrem 

Heimatstaat oder im Land, wo sie zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Re-

ligion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe  

oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen aus-

gesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu 

werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung von 

Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen 

psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist 

Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Glaubhaft gemacht ist die Flüchtlings-

eigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vor-

bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-

dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf 

gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM begründet seine Verfügung im Wesentlichen damit, die An-

gaben der Beschwerdeführerin zu ihrem Herkunftsort seien äusserst vage 

und oberflächlich geblieben. Soweit sie sich doch auf eine Aussage festge-

legt habe, habe sie diese schlicht an die jeweiligen Fragen angepasst, was 

zu teils krassen Widersprüchen geführt habe. So habe sie beispielsweise 

einerseits als Erklärung ihrer Unkenntnis bezüglich der Nachbardörfer 

E._______ ausgeführt, dass sie sich nicht hätte draussen bewegen dürfen, 

da ihr die Mutter dies nicht erlaubt habe, um andererseits zu erklären, sie 

habe G._______ kennengelernt, weil sie an seiner Farm vorbeigelaufen 

sei, welche mindestens eine Stunde von ihrem Zuhause entfernt gelegen 

habe. In der Folge habe sie sich jeweils mit ihm an einem Ort getroffen, der 

etwa eine bis zwei Stunden Fussmarsch von ihrem Zuhause entfernt gele-

gen habe. Zudem habe sie in der ersten Anhörung gesagt, dass sie mit 

ihrer Mutter etwa zwei Stunden Autofahrt ausserhalb E._______ gelebt 

habe und in der zweiten Anhörung, dass sie sich innerhalb des Dorfes 

E._______ frei habe bewegen dürfen. In der ersten Anhörung habe sie er-

klärt, dass sie D._______ mit sechs Jahren verlassen und in der Folge 18 

Jahre lang mit ihrer Mutter in E._______ gelebt habe. In der zweiten Anhö-

rung habe sie behauptet, mit fünf Jahren nach E._______ gezogen zu sein 

und zwölf Jahre lang, also bis im Alter von 17 Jahren, dort gelebt zu haben. 

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Seite 9 

In der BzP habe sie demgegenüber ausgesagt, dass sie E._______ am 

1. April 2015, also im Alter von 21 Jahren, verlassen habe. Somit bleibe 

bereits die Zeitdauer, die sie in E._______ verbracht haben wolle, völlig 

unklar. Weiter habe sie in der ersten Anhörung gesagt, dass es in der di-

rekten Nachbarschaft der Farm ihrer Mutter etwa zehn Häuser gegeben 

habe und in der zweiten Anhörung, dass der nächste Nachbar eine Stunde 

entfernt gewohnt habe. Sie habe keinen einzigen Nachbarort von 

E._______ nennen können und auch nicht gewusst, wer das Oberhaupt 

von E._______ gewesen sei, obwohl sie gemäss eigenen Angaben mehr 

als ein Jahrzehnt in E._______ beziehungsweise dessen Umgebung ge-

lebt haben wolle. 

Aufgrund ihrer äusserst vagen und widersprüchlichen Aussagen zu ihren 

biographischen Daten dürfe eine Herkunft aus Nordsomalia oder einem 

Nachbarland angenommen werden. Da diese aber ebenso wenig gesichert 

sei wie eine Herkunft aus Somalia, blieben ihre Staatsangehörigkeit und 

ihre Herkunft offensichtlich unbekannt, zumal sie bis heute keinerlei rechts-

genügliche und fälschungssichere Identitätspapiere abgegeben habe. Da-

ran würden auch der von ihr eingereichte Geburtsschein und die Zivil-

standsbescheinigung, welche von der somalischen Vertretung in der 

Schweiz ausgestellt worden sein sollen, nichts zu ändern, da die Doku-

mente einerseits nur als Kopie vorlägen, und andererseits offensichtlich 

aufgrund ihrer eigenen Angaben und nicht aufgrund rechtsgenüglicher Pa-

piere ausgestellt worden seien. Dies zeige sich allein schon an ihrer Aus-

sage, sie hätte angeben können, ledig zu sein, obschon sie in Somalia ver-

heiratet gewesen sei. 

Allein schon deswegen sei ihre Glaubwürdigkeit zutiefst erschüttert und ih-

ren Asylvorbringen jegliche Grundlage entzogen. 

Diese Schlussfolgerung ergebe sich aber auch aus ihren widersprüchli-

chen und unsubstanziierten Aussagen zu ihren Asylgründen. So wolle sie 

sich jeweils eine Fussstunde von zuhause entfernt mit G._______ getroffen 

haben, indem sie ihrer Mutter gesagt habe, sich mit einer Freundin zu tref-

fen, obwohl ihre Mutter ihr nicht erlaubt habe, nach draussen zu gehen, da 

dies für Mädchen gefährlich gewesen sei. Zudem habe sie in der ersten 

Anhörung gesagt, jeweils nicht die ganze Nacht mit G._______ verbracht 

zu haben, um in der zweiten Anhörung zu behaupten, sie habe sich nur 

tagsüber mit diesem getroffen. Weiter habe sie in der ersten Anhörung aus-

geführt, dass sie bei der Auseinandersetzung zwischen der Familie ihres 

Mannes und ihrer eigenen Familie nicht zugegen gewesen sei, um in der 

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Seite 10 

zweiten Anhörung zu behaupten, sie habe gesehen, wie ihre Mutter aus 

dem Mund geschäumt habe und zu Boden gefallen sei, nachdem sie von 

der Mutter ihres späteren Ehemannes verletzt worden sei. In der BzP habe 

sie ausgeführt, dass G._______ ihren Zwillingen die Kehle durchgeschnit-

ten habe, in der ersten Anhörung dagegen, sie habe nicht gesehen, wie ihr 

Mann die Zwillinge getötet habe, da sie dies nicht richtig angeschaut habe. 

Auch habe sie in der ersten Anhörung erklärt, nachts nach I._______ ge-

flohen zu sein, wogegen sie in der zweiten Anhörung erzählt habe, es sei 

bei ihrer Flucht nach I._______ hell gewesen. Schliesslich sei es ihr nicht 

ansatzweise gelungen, erlebnisbasiert zu schildern, wie sie G._______ 

kennengelernt und geheiratet haben wolle, fehle ihren diesbezüglichen 

Schilderungen doch jeglicher persönliche Bezug und jegliche Tiefe. Ihre 

Asylvorbringen seien folglich unglaubhaft, weshalb deren Asylrelevanz 

nicht geprüft werden müsse. 

4.2 In der Beschwerde wird namentlich geltend gemacht, die Beschwerde-

führerin habe zusammen mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern etwa 

zwei Autostunden Fahrt ausserhalb des Dorfes E._______ gelebt, wo sie 

auf ihrer Farm Hirse und Mais angebaut hätten. Der Ort, wo sich ihre Farm 

befunden habe, habe keinen Namen gehabt. Bis zur Farm, bei welcher die 

Beschwerdeführerin sich jeweils mit G._______ getroffen habe, sei ein 

Fussmarsch von ungefähr ein bis zwei Stunden vonnöten gewesen. Die 

Farm der Familie von G._______ sei etwa drei Stunden Fussmarsch ent-

fernt gewesen. Angesichts der Tatsache, dass sich die Bevölkerungsdichte 

in der Provinz F._______ auf (…) Personen pro Quadratkilometer beziffere 

und sich gemäss Google Maps insbesondere südwestlich von I._______ 

eine riesige Fläche von Wildnis und zum Teil von Ackerfeldern befinde, 

aber ohne jegliche Ansammlung von Hütten, welche als Dorf bezeichnet 

werden könnten, seien die Aussagen der Beschwerdeführerin plausibel. 

Selbst eine gebildete Person hätte wohl Schwierigkeiten, die Umgebung, 

in welcher sie mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern gewohnt habe, an-

schaulich zu beschreiben, zumal es dort nichts als Land gebe. So habe die 

Beschwerdeführerin ihren Wohnort durch den Hinweis zu beschreiben ver-

sucht, dass sich ihre Farm ungefähr in der Mitte befunden habe und dass 

es auf der einen Seite etwa vier, auf der anderen Seite ungefähr sechs 

weitere (weit entlegene) Farmen gegeben habe. In Anbetracht der dünnen 

Besiedelung und Weitläufigkeit der Umgebung erstaune es auch nicht, 

dass sie nicht konkret habe beschreiben können, wie man von E._______ 

zu ihrer Farm gelange, finde sich doch unterwegs weder ein Haus noch ein 

irgendwie spezieller Ort. Auch trügen die Strassen keine Namen. Das Dorf 

E._______ habe sie dahingehend zu beschreiben vermocht, dass es dort 

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Seite 11 

viele Hütten gebe, die Bauern in Hütten aus Ästen lebten und die Erde 

rötlich sei. Wie den zu den Akten gereichten Fotografien von E._______ 

aus Google Maps (Beschwerdebeilage 4) zu entnehmen sei, sei die Erde 

dort tatsächlich rötlich. Im Weiteren habe sie korrekt angegeben, dass die 

nächsten Städte von E._______ aus Q._______ und I._______ seien. Der 

Umstand, dass sie keine Namen von Nachbardörfern gekannt habe, sei 

dem Umstand geschuldet, dass es in der Nähe ihres Wohnortes schlicht 

keine Nachbardörfer gegeben habe. Entgegen der Annahme der Vo-

rinstanz habe sie auch keine widersprüchlichen Angaben dazu gemacht, 

wie lange sie in E._______ gelebt habe. So habe sie übereinstimmend so-

wohl in der Erst- als auch in der Zweitanhörung erklärt, bis zum Alter von 

17 Jahren bei ihrer Mutter und anschliessend bis zu ihrer Ausreise Anfang 

April 2015 zusammen mit ihrem früheren Ehemann in E._______ gelebt zu 

haben. Ausserdem habe sie auch kongruente und ausführliche Angaben 

zu ihrer Clanfamilie, weiteren zu den R._______ gehörenden Clanfamilien, 

ihrem Stammbaum und typischen Arbeiten, welche von ihren Clanangehö-

rigen verrichtet würden, machen können. Weiter sei zu berücksichtigen, 

dass die Beschwerdeführerin sich in einem Beweisnotstand befinde, da sie 

keine Möglichkeit habe, ihre Identität mit amtlichen Beweisen (bis auf die 

Dokumente der somalischen Mission in Genf) zu untermauern. Die Folgen 

der Beweislosigkeit habe aber nicht sie zu tragen, zumal sie alles Mögliche 

und ihr Zumutbare unternommen habe, um zur Abklärung ihrer Identität 

beizutragen. Aus diesen Gründen erscheine ihre somalische Staatsange-

hörigkeit als glaubhaft. 

Hinsichtlich der Asylvorbringen wird in der Beschwerde namentlich ausge-

führt, die Beschwerdeführerin habe sich hinsichtlich der Tageszeit, in der 

sie sich mit G._______ getroffen habe, entgegen der Annahme der Vor- 

instanz nicht widersprochen. Im Weiteren liege auch kein Widerspruch be-

züglich der Frage vor, ob sie bei der Auseinandersetzung zwischen den 

Familien anwesend gewesen sei oder nicht, habe sie doch einen Teil der 

Auseinandersetzung persönlich miterlebt. Ausserdem habe sie sich auch 

hinsichtlich der Art, wie ihr früherer Ehemann die Zwillinge getötet habe, 

nicht widersprochen. Ausserdem sei es angesichts der traumatisierenden 

Geschehnisse verständlich, dass sie bei der Zweitanhörung nicht mehr ge-

nau gewusst habe, ob es nun Tag oder Nacht gewesen sei, als sie geflüch-

tet sei. Nicht zutreffend sei ferner der Vorwurf der Vorinstanz, sie hätte nicht 

erlebnisbasiert schildern können, wie sie G._______ kennengelernt habe. 

Schliesslich hielt die Rechtsvertretung im Zusammenhang mit der Ausreise 

(vgl. Beschwerde S. 10 Ziff. 3.3) fest, es sei für ihre Mandantin heute nicht 

mehr eruierbar, ob sie nach der Tötung der Zwillinge durch ihren Mann am 

D-6924/2017 

Seite 12 

29. März 2015 noch am selben Abend erwacht und geflüchtet oder ob dies 

erst am 1. April 2015 der Fall gewesen sei. 

4.3 Das SEM hält in seiner Vernehmlassung vom 28. Dezember 2017 fest, 

die Beschwerde enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweis-

mittel, welche eine Änderung seiner Verfügung rechtfertige. Ergänzend 

führt es aus, die Rechtsvertretung berufe sich in der Beschwerde mehrmals 

auf "Google Maps", um die angebliche Herkunftsregion der Beschwerde-

führerin zu beschreiben und so auf ihre somalische Staatsangehörigkeit 

hinzuweisen (vgl. Beschwerde S. 6, 7 und 8). So zeige Google Maps süd-

östlich (recte: südwestlich; vgl. Beschwerde S. 6 oben) von I._______ 

Ackerflächen, ohne jegliche Ansammlung von Hütten. Dazu sei zu sagen, 

dass es sich bei Google Maps um ausserordentlich oberflächliches, wenig 

detailliertes Kartenmaterial handle. So sei beispielsweise auf der Karte von 

"OCHA Administrative Map" (https://www.gate.sem.admin.ch/kompass/pa-

ges/retrieval/information/viewInformation.xhtml?knumber=1000411) zu se-

hen, dass die Region südöstlich von I._______ sehr wohl besiedelt sei und 

viele "Ansammlungen von Hütten" über Namen verfügen würden. 

4.4 Die Rechtsvertretung entgegnete in der Replik, die Vorinstanz verweise 

mittels Link auf eine "Administrativ Map" von OCHA. Der Link führe auf 

eine SEM-interne Website, für welche Zugriffsrechte nötig seien. Es werde 

aber davon ausgegangen, dass die Vorinstanz auf die ohnehin auch öffent-

lich zugängliche OCHA "Somalia Administrative Map" habe verweisen wol-

len, die unter dem Link "https.//reliefweb.int/map/somalia/-reference-map-

country-a0-8-may-2012" eingesehen werden könne. Ausserdem werde in 

Beilage 1 der relevante herangezoomte Ausschnitt der Karte zu den Akten 

gereicht. 

Auf der Karte sei zwar, wie die Vorinstanz richtig schreibe, zu erkennen, 

dass es südöstlich von I._______ Dörfer mit Namen gebe. Dies sei für den 

vorliegenden Fall irrelevant, da die Beschwerdeführerin ja südlich von  

E._______, das heisst südwestlich von I._______ gelebt habe, wie dies 

auch stets in der Beschwerde vorgebracht worden sei. Zwar sei festzustel-

len, dass auf der Karte generell auch südwestlich von I._______ mit Na-

men bezeichnete Orte zu finden seien. Von Relevanz sei vorliegend aber, 

dass es auch gemäss dem Ausschnitt der detaillierten OCHA-Karte rund 

um E._______ und insbesondere südlich von E._______, wo die Be-

schwerdeführerin mit ihrer Mutter gelebt habe, keine "Ansammlungen von 

Hütten mit Namen" beziehungsweise Dörfer gebe. Das nächst gelegene 

südliche Dorf heisse "S._______" und sei etwa 30 Kilometer vom Dorf 

D-6924/2017 

Seite 13 

E._______, jedoch ohne jegliche Wegverbindung, entfernt. Es sei dabei zu 

beachten, dass die Beschwerdeführerin lediglich zu Fuss unterwegs gewe-

sen sei und damit keine allzu grossen Distanzen zurückgelegt habe. Durch 

die gegenüber den Google-Maps genauere Darstellung in der OCHA-Karte 

werde aufgezeigt, dass südlich von E._______ Wildnis herrsche, womit 

klar werde, dass beispielsweise die Wegbeschreibung vom früheren Woh-

nort der Beschwerdeführerin ausserhalb und südlich von E._______ ins 

Dorf E._______ äusserst schwierig sei. 

Die Beschwerdeführerin habe zu Protokoll gegeben, dass es ungefähr 

zehn Häuser in der Nachbarschaft (zur Farm ihrer Mutter) gebe. Gleichzei-

tig habe sie auch gesagt, dass der nächste Nachbar weit entfernt gewohnt 

habe. Die Beschwerdeführerin habe gegenüber der Rechtsvertretung im 

Beisein eines Dolmetschers angegeben, die Nachbarhäuser vom eigenen 

Haus aus nicht gesehen zu haben. Es habe in der weiteren Umgebung 

ungefähr zehn Hütten und Farmen gegeben, die sie gekannt habe, wobei 

diese alle sehr entfernt voneinander gelegen hätten. Auch diese Ausfüh-

rungen der Beschwerdeführerin gegenüber der Rechtsvertretung würden 

gut zu den tatsächlichen vegetativen und demographischen Gegebenhei-

ten südlich von E._______ passen, gebe es doch dort keine Dörfer, wohl 

aber einzelne verstreute Farmen beziehungsweise Hütten. 

Hinsichtlich ihrer Beziehung zu G._______ habe die Beschwerdeführerin 

in der Bundesanhörung (erste Anhörung) ausgesagt: "Er kam nachts zu 

mir. Ich hatte viele Probleme mit ihm" (vgl. act. A25/21 S. 11 F129). In der-

selben Anhörung habe sie nochmals wiederholt, dass er jeweils nachts 

nachhause gekommen sei, ihr Probleme bereitet und sie schlecht behan-

delt habe. 

Beim persönlichen Gespräch habe die Beschwerdeführerin ihr zusätzlich 

mitgeteilt, sie habe nach der Heirat und vor allem nach der Geburt der Zwil-

linge immer im Haus bleiben müssen. Da G._______ das Essen jeweils 

spätabends nachhause gebracht habe, hätte sie auch zwecks Tätigung 

von Einkäufen das Haus nicht verlassen müssen. Oft sei ihr Mann derart 

spät nach Hause gekommen, dass sie bereits geschlafen habe. Er habe 

sie oft geweckt und Geschlechtsverkehr haben wollen. Wenn sie sich ihm 

verweigert habe, habe er gewalttätig reagiert. Sie habe sich gefügt, um die 

Situation nicht noch schlimmer zu machen. G._______ habe ihr gefallen. 

Sie habe ihn allerdings nicht gut gekannt, als sie schwanger geworden sei 

und sie dann geheiratet hätten. Sie hätte damals nie gedacht, was sie we-

gen ihm in Zukunft noch durchstehen müsse. 

D-6924/2017 

Seite 14 

Die Beschwerdeführerin habe versucht, ihren Mann davon zu überzeugen, 

dass eine Genitalverstümmelung nicht notwendig sei und deswegen oft 

Streit mit ihm gehabt. Ihre Mutter habe ihr nie erklärt, weshalb sie sie habe 

genitalverstümmeln lassen, wiewohl sie sich später Vorwürfe gemacht 

habe. G._______ habe eine Genitalverstümmelung (bei seinen Kindern) 

auch aus religiösen Gründen gewollt. Weil sie damit nicht einverstanden 

gewesen sei, habe er sie immer wieder als Ungläubige beschimpft. 

5.  

5.1 Im Asylverfahren gilt gemäss Art. 12 VwVG in Verbindung mit Art. 6 

AsylG, dass der Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen ist. Diese be-

hördliche Untersuchungspflicht wird im Asylverfahren insbesondere durch 

Art. 8 Abs. 1 Bst. a AsylG eingeschränkt, wonach Asylsuchende im Rah-

men ihrer Mitwirkungspflicht gehalten sind, ihre Identität offenzulegen. Die 

Staatsangehörigkeit fällt als Begriffselement der Identität im Sinne von 

Art. 1a Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1,  

SR 142.311) unter diese Offenlegungspflicht. Sie muss in jedem Asylver-

fahren erstellt werden. Dies ergibt sich einerseits aus der systematischen 

Stellung von Art. 8 AsylG und andererseits aus dem Zweck des Asylverfah-

rens, das der Ermittlung von Verfolgung beziehungsweise von Wegwei-

sungshindernissen mit Bezug auf einen konkreten Heimatstaat dient. Ein 

Asylverfahren kann nicht sinnvoll geführt werden, wenn die Asylsuchenden 

ihre Staatsangehörigkeit nicht offenlegen beziehungsweise durch die Ver-

heimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft wird auch die Prü-

fung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr 

effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9 und 6; Ent-

scheidungen und Mitteilungen der vormaligen Schweizerischen Asylre-

kurskommission [EMARK] 2005 Nr. 8 E. 3.1). Dabei trägt nach der Bestim-

mung von Art. 8 ZGB, die als allgemeiner Rechtsgrundsatz auch im öffent-

lichen Recht Anwendung findet, die asylsuchende Person die Beweislast 

und damit die Folgen der Beweislosigkeit. Mit Bezug auf das Beweismass 

ist von der allgemeinen Regel von Art. 7 AsylG auszugehen, das heisst, die 

behauptete Staatsangehörigkeit muss zumindest glaubhaft erscheinen 

(vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 5). 

5.2 In diesem Zusammenhang ist vorab festzuhalten, dass die Beschwer-

deführerin bezüglich ihrer angeblichen früheren Wohngegend in und um 

das Dorf E._______ auffallend vage und unsubstanziierte Angaben ge-

macht hat, welche Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie dort tatsäch-

lich, wie von ihr behauptet, rund fünfzehn Jahre gelebt haben soll. So schil-

D-6924/2017 

Seite 15 

derte sie die Gegend der Farm ihrer Mutter ausserhalb E._______ folgen-

dermassen: "In E._______ gibt es Gebäude aus Ästen. Die Leute sind Far-

mer. Wir haben in einer Hütte gelebt, wir hatten einen Raum aus Ästen, 

eine Hütte" (vgl. act. A25/21 S. 7 f. F81 i.V.m. F82). Dazu aufgefordert, das 

Dorf E._______ selbst zu beschreiben, erklärte sie: "E._______ ist ein nor-

males Land. Die Erde ist rötlich. Es gibt dort viele Hütten" (vgl. a.a.O. S. 8 

F82). Diese Schilderungen sind – ungeachtet der fehlenden schulischen 

Bildung der Beschwerdeführerin – derart allgemein und detailarm ausge-

fallen, dass sie keine auch nur annähernd verbindlichen Rückschlüsse zu-

lassen, wo die Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise tatsächlich gelebt 

hat. Die Tatsache allein, dass die Umgebung von E._______ tatsächlich 

rötliche Erde hat und ihre Familie dort Hirse und Mais angebaut habe (vgl. 

Beschwerde S. 6 unten i.V.m. Beschwerdebeilage 4), vermag daran nichts 

zu ändern. 

Im Weiteren fällt auf, dass sie kein einziges Nachbardorf von E._______ 

zu nennen wusste. Nach dem Grund hierfür gefragt, erklärte sie zunächst, 

ihre Mutter habe ihr nicht erlaubt, nach draussen zu gehen, da dies für 

Mädchen gefährlich sei (vgl. act. A33/18 S. 12 F100), um auf Vorhalt hin, 

wie sie dann G._______ kennengelernt habe, modifizierend zu erklären, 

sie hätte sich (nur) in E._______ frei bewegen dürfen (vgl. a.a.O. F101). In 

der Replik wird ergänzend ausgeführt, aus der OCHA-Somalia Administra-

tive Map gehe hervor, dass es rund um und insbesondere südlich von 

E._______ keine Dörfer gebe. Das nächst gelegene südliche Dorf heisse 

S._______ und sei 30 Kilometer vom Dorf E._______ entfernt. Die Be-

schwerdeführerin habe demgegenüber keine allzu grossen Distanzen zu-

rücklegen können, da sie lediglich zu Fuss unterwegs gewesen sei (vgl. 

a.a.O. S. 1/2). Sinngemäss wird damit geltend gemacht, die Beschwerde-

führerin habe die Nachbardörfer ihrer langjährigen Wohnumgebung nicht 

zu nennen vermocht, weil sie diese nie erwandert habe. Kenntnisse bezüg-

lich der näheren Umgebung eines langjährigen Wohnsitzes, also auch die 

Namen von Nachbardörfern, werden im Allgemeinen jedoch unabhängig 

davon erworben, ob man diese tatsächlich jemals gesehen hat oder nicht. 

So vermochte die Beschwerdeführerin beispielsweise ohne Weiteres die 

Namen von zwei grösseren Städten in der weiteren Umgebung ihres an-

geblichen langjährigen Wohnsitzes, I._______ und Q._______ zu nennen, 

ohne jemals dort gewesen zu sein (vgl. act. A25/21 S. 4 F33 bis 37). Die 

Unkenntnis der Beschwerdeführerin bezüglich der Namen einzelner Nach-

bardörfer von E._______ bildet somit ein weiteres Indiz dafür, dass sie nie 

dort gelebt hat. 

D-6924/2017 

Seite 16 

Weiter erklärte die Beschwerdeführerin in der Erstanhörung, dass es etwa 

zehn Häuser in der direkten Nachbarschaft der Farm ihrer Mutter gegeben 

habe (vgl. act. A25/21 S. 7 F76). Auf die Frage hin, wie sie jemandem be-

schreiben würde, wo sie wohne, erklärte sie, auf der einen Seite ihrer Farm 

hätten sich vier, auf der anderen Seite sechs Häuser befunden, während 

ihre Farm "in der Mitte gewesen sei" (vgl. a.a.O. F76 f.). Auch letztere Aus-

sage vermittelt bildlich den Eindruck, dass die zehn Häuser ein kompaktes 

Ensemble gebildet haben, wobei sich ihr Haus in der Mitte der Häuserge-

meinschaft befunden habe. Demgegenüber gab die Beschwerdeführerin 

bei der zweiten Anhörung an, der nächste Nachbar habe etwa eine Fuss-

stunde von ihrer Farm entfernt gelebt (vgl. act. A33/18 S. 8 F69), und in der 

Replik wird ergänzend ausgeführt, die zehn Häuser hätten sich jeweils in 

weiter Entfernung voneinander befunden und man habe von ihrer eigenen 

Farm aus kein einziges Haus erblicken können (vgl. a.a.O. S. 2 Ziff. 2.1). 

Es macht nun freilich einen Unterschied, ob sich die zehn Häuser in unmit-

telbarer Nähe oder aber kilometerweit voneinander entfernt befunden ha-

ben sollen. Auch angesichts dieses Widerspruchs gelangt das Gericht zum 

Schluss, dass die Beschwerdeführerin nicht in der fraglichen Gegend um 

E._______ gelebt haben und somit nicht aus Südsomalia stammen kann. 

Das SEM äusserte in seiner Verfügung vom 6. November 2017 die Ansicht, 

aufgrund der äusserst vagen und widersprüchlichen Aussagen der Be-

schwerdeführerin zu ihren biografischen Daten sowie zu ihrem Reiseweg 

dürfe eine Herkunft aus Nordsomalia oder einem Nachbarland angenom-

men werden (vgl. a.a.O. S. 3 unten). Auffällig sind in diesem Zusammen-

hang die Kenntnisse der Beschwerdeführerin über die Minderheit der 

R._______ (vgl. act. A10/13 S. 3 Ziff. 1.08; act. A25/21 S. 8 f. F83 ff.), die 

es nicht als ausgeschlossen erscheinen lassen, dass sie den R._______ 

angehört. Letztere leben mehrheitlich in Somaliland, also im Norden So-

malias (vgl. ...). Es bestehen somit auch aufgrund der möglichen Zugehö-

rigkeit der Beschwerdeführerin zur Minderheit der R._______ Hinweise da-

für, dass sie somalische Staatsangehörige sein könnte. Zu beachten ist 

ferner, dass die Beschwerdeführerin diverse von der somalischen Vertre-

tung in Genf für sie ausgestellte Ausweispapiere (einen Geburtsregister-

auszug, eine Zivilstandsbescheinigung sowie eine Attestation de passeport 

[Bestätigung, dass die somalischen Vertretungen im Ausland bis auf Wei-

teres angewiesen werden, keine somalischen Identitätspapiere respektive 

Reisepässe mehr auszustellen]) eingereicht hat. Wiewohl festzuhalten 

bleibt, dass es sich bei den vorgenannten Ausweispapieren nicht um 

rechtsgenügliche Identitätspapiere handelt, deutet die Tatsache, dass die 

D-6924/2017 

Seite 17 

somalische Vertretung entsprechende Dokumente zugunsten der Be-

schwerdeführerin ausgestellt hat, doch darauf hin, dass die somalische 

Vertretung in der Schweiz die Beschwerdeführerin als somalische Staats-

angehörige betrachtet. Daran ändert der Umstand nichts, dass die Identität 

der Beschwerdeführerin letztlich nicht belegt werden kann, weil in Somalia 

keine Personenregister (mehr) existieren, aufgrund welcher die somalische 

Vertretung in Genf die Angaben der Beschwerdeführerin hätte überprüfen 

können. Gleichwohl erscheint nach dem Gesagten überwiegend wahr-

scheinlich, dass die Beschwerdeführerin somalische Staatsangehörige ist. 

5.3  

5.3.1 Die inhaltliche Prüfung der Asylvorbringen der Beschwerdeführerin 

ergibt indessen, dass diese zufolge diverser Widersprüche beziehungs-

weise Ungereimtheiten unglaubhaft sind. 

5.3.2 So erklärte die Beschwerdeführerin bei der ersten Anhörung, sie sei 

bei der tätlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden Familien nicht 

dabei gewesen (vgl. act. A25/21 S. 17 F175). Demgegenüber sagte sie bei 

der zweiten Anhörung aus, sie habe gesehen, wie ihre Mutter aus dem 

Mund geschäumt habe und auf den Boden gefallen sei, nachdem sie von 

der Mutter von G._______ im Rahmen des Streits zwischen den beiden 

Familien verletzt worden sei (vgl. act. A33/18 S. 9 F73 bis 76). In der Be-

schwerde wird diesbezüglich ausgeführt, die Beschwerdeführerin sei zu 

Beginn des Streits zugegen gewesen, als ihre Mutter verletzt worden sei 

und aus dem Mund geschäumt habe. Danach (also vor dem Tod der Mut-

ter) sei sie gemeinsam mit G._______ vom Ort der Auseinandersetzung 

nach E._______ geflohen, nachdem dieser sie davor gewarnt habe, sie 

könnte von seiner Familie getötet werden. Später habe sie durch 

G._______ erfahren, dass ihre Mutter an besagtem Tag getötet worden sei 

(vgl. a.a.O. S. 12). Dieser Erklärungsversuch überzeugt indessen in keiner 

Weise, geht doch aus der Aussage der Beschwerdeführerin bei der ersten 

Anhörung klar hervor, dass sie während der ganzen Zeit der Schlägerei 

nicht anwesend gewesen sei (act. A25/21 S. 17 F175). Dieser Widerspruch 

wiegt derart schwer, dass der Streit zwischen den beiden Familien, in deren 

Verlauf die Mutter der Beschwerdeführerin getötet und ihre drei Brüder ent-

führt worden seien, als unglaubhaft zu beurteilen ist. 

5.3.3 Darüber hinaus bestehen auch Widersprüche im Zusammenhang mit 

der Aussage der Beschwerdeführerin, ihr Mann habe sie beim Streit, ob die 

gemeinsamen Kinder zwangsbeschnitten werden sollten, mit einem Schlag 

an den Kopf betäubt und anschliessend die Zwillinge getötet. 

D-6924/2017 

Seite 18 

So gab die Beschwerdeführerin bei der BzP explizit zu Protokoll, ihr Mann 

habe den Zwillingen die Kehle durchschnitten (vgl. act. A10/13 S. 8 

Ziff. 7.01). Bei der ersten Anhörung gab sie indessen an, sie habe damals 

nicht richtig hingeschaut (vgl. act. A25/21 S. 14 F145), also nicht gesehen, 

wie ihr Mann die Zwillinge getötet habe. Diese beiden Aussagen der Be-

schwerdeführerin sind nicht miteinander in Einklang zu bringen. Ihre auf 

Vorhalt hin abgegebene – gleichsam subtile – Erklärung, sie habe damals 

zwar nicht richtig hingeschaut, aber gleichzeitig ein Messer gesehen, wes-

halb sie angenommen habe, ihr Mann habe den Zwillingen die Kehle 

durchschnitten (vgl. act. A25/21 S. 17 F176), vermag nicht zu überzeugen. 

Im Weiteren erklärte die Beschwerdeführerin bei der ersten Anhörung, sie 

habe E._______ nach der Tötung der Kinder zusammen mit ihrem dritten 

Kind in der Nacht verlassen (vgl. act. A25/21 S. 13 F132), wogegen sie in 

der zweiten Anhörung behauptete, es sei hell gewesen, als sie damals die 

Hütte verlassen habe (vgl. act. A33/18 S. 10 F89). 

All diese, zentrale Begebenheiten betreffende, Widersprüche führen zur 

Schlussfolgerung, dass auch die angebliche Tötung der Zwillinge der Be-

schwerdeführerin durch ihren früheren Ehemann unglaubhaft ist. 

5.3.4 Ergänzend ist anzumerken, dass auch am Wahrheitsgehalt der Be-

hauptung der Beschwerdeführerin, sie habe bei ihrer Weiterreise vier Tage 

lang bei ihrer Schwester T._______ in M._______ gelebt, dort ihre (überle-

bende) Tochter H._______ zurückgelassen, indessen bis heute keinen 

Kontakt mit T._______ mehr herstellen können, weil sie sich damals deren 

Adresse in M._______ nicht gemerkt habe (vgl. act. A10/14 S. 7 Ziff. 5.02, 

act. A25/21 S. 3 F12 bis 21, act. A33/18 S. 3 f. F8 bis 22 und act. A39/7 

S. 2 F5 bis F10), erhebliche Zweifel bestehen. So bleibt unverständlich, 

weshalb die Beschwerdeführerin und ihre Schwester im Zeitraum ihres im-

merhin viertägigen Beisammenseins keine Kontaktdaten ausgetauscht ha-

ben sollten, um sicherzustellen, dass die Schwestern respektive Mutter und 

Tochter weiterhin eine Verbindung zueinander aufrechterhalten können. 

Dies umso mehr, als sich die Beschwerdeführerin wiederholt dahingehend 

geäussert hat, Angst um H._______ gehabt zu haben (vgl. act. A33/18 S. 4 

F20 f. und act. A39/7 S. 2 F 8 und 10). Diese Überlegungen lassen im Er-

gebnis vielmehr daran zweifeln, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich 

eine Tochter aus einer früheren Beziehung hat, die sie bei ihrer Schwester 

in M._______ zurückgelassen hat. 

D-6924/2017 

Seite 19 

5.4 Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, sie sei im Falle einer 

Rückkehr nach Somalia zufolge ihrer Zugehörigkeit zur Minderheiten-

gruppe der R._______ gefährdet beziehungsweise ihrer Tochter drohe bei 

einer Rückkehr dorthin eine Zwangsbeschneidung (vgl. Beschwerde 

S. 18), bleibt folgendes festzuhalten: Im Gegensatz zum im Urteil des Bun-

desverwaltungsgerichts E-1425/2014 vom 6. August 2014 zu beurteilen-

den Sachverhalt ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in 

ihrer Heimat immer noch über ein familiäres Beziehungsnetz und insbe-

sondere über mehrere erwachsene männliche Verwandte verfügt, da sich 

die Umstände des Verschwindens ihrer drei Brüder als unglaubhaft erwie-

sen haben. Ausserdem ist aktenkundig, dass der leibliche Vater der Be-

schwerdeführerin 2 als Teilinhaber der elterlichen Gewalt in der Schweiz 

lebt und die Beschwerdeführerin selbst die Praktiken der Genitalverstüm-

melung strikt ablehnt. Vor diesem Hintergrund bestehen keine hinreichen-

den Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführerin als Angehörige einer 

Minderheitengruppe bei einer Rückkehr nach Somalia eine geschlechts-

spezifische Verfolgung beziehungsweise ihrer Tochter B._______ eine 

Zwangsbeschneidung droht. 

5.5 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass es den Beschwerde-

führerinnen nicht gelungen ist, eine asylrechtliche Verfolgungssituation 

nachzuweisen beziehungsweise glaubhaft zu machen. Das SEM hat ihre 

Asylgesuche demnach zu Recht abgelehnt. 

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie. 

Im Übrigen finden für die Anordnung des Vollzugs der Wegweisung die Ar-

tikel 83 und 84 AIG Anwendung.  

6.2 Im Asyl- und Wegweisungsverfahren ist die Wegweisung nicht zu ver-

fügen, wenn ein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung be-

steht, wobei die kantonale Ausländerbehörde zuständig ist, über den An-

spruch konkret zu befinden (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; EMARK 2006 

Nr. 23 E. 3.2; 2001 Nr. 21 E. 9). Ist die asylsuchende Person nicht im Be-

sitze einer Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung, ist im Asyl- und 

Wegweisungsverfahren mit Blick auf die mögliche Zuständigkeit der kanto-

nalen Ausländerbehörde daher vorfrageweise zu prüfen (vgl. BVGE 

2013/37 E. 4.4.2.2; EMARK 2001 Nr. 21 E. 10), ob die asylsuchende Per-

D-6924/2017 

Seite 20 

son sich im Sinne von Art. 14 Abs. 1 AsylG auf einen grundsätzlichen An-

spruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung berufen kann. Soweit 

nicht das Gesetz oder das Freizügigkeitsabkommen einen Anspruch auf 

Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung vermittelt, kommt als Anspruchs-

grundlage Art. 8 EMRK in Betracht, wobei diesbezüglich die bundesge-

richtliche Rechtsprechung massgeblich ist (vgl. BVGE 2013/37 E. 5;  

EMARK 2001 Nr. 21 E. 8a und b sowie E. 9). Diese besagt, dass Auslän-

derinnen und Ausländern gestützt auf den in Art. 8 EMRK und Art. 3 BV 

gewährleisteten Schutz des Familienlebens ein potenzieller Anspruch auf 

Aufenthalt in der Schweiz erwächst, wenn eine intakte und tatsächlich ge-

lebte Familienbande zu nahen Verwandten (sogenannte Kernfamilie) be-

steht, die über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz verfügen. 

Letzteres ist der Fall, wenn der sich in der Schweiz aufhaltende Angehörige 

das Schweizer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligung besitzt  

oder über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt, die ihrerseits auf einem ge-

festigten Rechtsanspruch beruht. Von einem gefestigten Rechtsanspruch 

ist unter anderem auch bei einer rechtmässigen Aufenthaltsdauer von zehn 

Jahren anzunehmen, da nach Ablauf dieser Zeitdauer regelmässig davon 

auszugehen ist, dass die sozialen Bindungen in diesem Land so eng ge-

worden sind, dass es für eine Aufenthaltsbeendigung besonderer Gründe 

bedarf (vgl. BGE 144 I 266 E. 3.9). 

6.3 Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Ehemann der Beschwerdefüh-

rerin seit dem 17. Juni 2010, mithin seit bald zehn Jahren, im Besitze einer 

Aufenthaltsbewilligung B ist, und er darüber hinaus vorgängig ihrer Ertei-

lung mehr als fünf Jahre lang wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs nach Somalia in der Schweiz vorläufig aufgenommen worden war. 

Somit ist im vorliegenden Fall von einem gefestigten Aufenthaltsrecht des 

Ehemannes der Beschwerdeführerin und mithin im Sinne von Art. 14 

Abs. 1 AsylG von einem grundsätzlichen Anspruch der Beschwerdeführe-

rin auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung auszugehen. Zudem haben 

die Beschwerdeführerin und deren Tochter am 6. April 2020 mittels ihres 

Rechtsvertreters bei der zuständigen kantonalen Behörde einen (zweiten) 

Antrag auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung eingereicht, der rechts-

hängig ist. 

6.4 Nach dem Gesagten ist die Zuständigkeit für die eventuelle Anordnung 

der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs respektive für die allfällige 

Prüfung von Wegweisungsvollzugshindernissen auf das kantonale Migra-

tionsamt übergegangen. Daran vermag der in der Eingabe vom 6. August 

2020 geltend gemachte Einwand nichts zu ändern, dass der Kanton das 

D-6924/2017 

Seite 21 

zweite Gesuch allenfalls aus prozessrechtlichen Gründen abweisen oder 

darauf nicht eintreten könnte, da für die Frage des Übergangs der Zustän-

digkeit für die Prüfung der Wegweisung respektive des Wegweisungsvoll-

zugs von den Asyl- auf die ausländerrechtlichen Behörden allein entschei-

dend ist, ob ein grundsätzlicher Anspruch auf die Erteilung einer kantona-

len Aufenthaltsbewilligung besteht, was vorliegend zu bejahen ist. Da das 

ausländerrechtliche Verfahren um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung 

hängig ist, ist die in der angefochtenen Verfügung des SEM verfügte Weg-

weisung und deren Vollzug aufgrund der weggefallenen Zuständigkeit der 

Asylbehörden aufzuheben. Damit erübrigen sich weitere Ausführungen zur 

Frage der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungs-

vollzugs. 

7.  

Zusammenfassend ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung vom 

6. November 2017 betreffend deren Dispositivziffern 1 und 2 (Flüchtlings-

eigenschaft, Asyl) Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sach-

verhalt richtig sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Be-

schwerde ist daher abzuweisen, soweit in dieser beantragt wird, es sei die 

Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerinnen festzustellen und es sei 

ihnen Asyl zu gewähren. Hinsichtlich der von der Vorinstanz verfügten 

Wegweisung sowie des Wegweisungsvollzugs ist die Beschwerde – soweit 

deren Aufhebung beantragt wird – aufgrund der am (...) erfolgten Heirat mit 

ihrem Landsmann N._______, der in der Schweiz über ein gefestigtes An-

wesenheitsrecht verfügt (vgl. E. 6.2 und 6.3), sowie des aktuell rechtshän-

gigen ausländerrechtlichen Verfahrens hinsichtlich der Erteilung einer Auf-

enthaltsbewilligung B indessen gutzuheissen, und die entsprechenden Dis-

positivziffern 3 bis 5 der vorinstanzlichen Verfügung sind aufzuheben. 

8.  

8.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung 

sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63 

Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführerin ist bezüglich ih-

rer Anträge auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Gewährung 

von Asyl unterlegen. Bezüglich der Wegweisung sowie der Anordnung des 

Wegweisungsvollzugs hat sie obsiegt. Praxisgemäss ist bei dieser Sach-

lage von einem hälftigen Obsiegen auszugehen. 

8.2 Der Beschwerdeführerin wären somit die um die Hälfte reduzierten Ver-

fahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 16 Abs. 1 Bst. a 

D-6924/2017 

Seite 22 

VGG i.V.m. Art. 2, 3 und 5 des Reglements über die Kosten und Entschä-

digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 

[VGKE, SR 173.310.2]). Vorliegend wurde indes der Antrag auf unentgelt-

liche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 

21. Dezember 2017 gutgeheissen. Aufgrund der Akten ist nicht davon aus-

zugehen ist, die finanziellen Verhältnisse der Beschwerdeführerin hätten 

sich seither derart verändert, dass sie nicht mehr als prozessual bedürftig 

erwachtet werden könnte. Es sind daher keine Verfahrenskosten zu erhe-

ben. 

8.3  

8.3.1 Soweit die Beschwerdeführerin obsiegt, hat sie Anspruch auf eine 

Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten, die vom 

SEM auszurichten ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 und 4 VGKE). In 

der mit der Replik vom 19. Januar 2018 eingereichten Kostennote werden 

ein zeitlicher Aufwand der Rechtsvertretung von 15 Stunden und 5 Minuten 

zu einem Stundenansatz von Fr. 300.– sowie Auslagen in der Höhe von 

Fr. 53.90.– (Porti, Kopien, Telefon) geltend gemacht, wobei pro futuro noch 

die Entscheidzustellung und -besprechung mit einer halben Stunde veran-

schlagt werden. Der Totalaufwand inklusive Mehrwertsteuer wird auf 

Fr. 4'932.60 beziffert. Der zeitliche Aufwand als solcher erscheint ange-

messen. Für die beiden in der Honorarnote vom 19. Januar 2018 nicht ent-

haltenen Eingaben vom 13. Februar 2018 und vom 6. April 2020 ist ein 

zeitlicher Aufwand von 2 Stunden zu veranschlagen. Unter Berücksichti-

gung der für die Parteientschädigung (Fr. 300.–) einerseits und das amtli-

che Honorar andererseits (s. sogleich E. 8.3.2) sowie der zu berücksichti-

genden unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze von 8% ist die hälftige Par-

teientschädigung auf Fr. 2'781.– (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag und Ausla-

gen) festzusetzen und das SEM anzuweisen, der Beschwerdeführerin die-

sen Betrag als Parteientschädigung zu entrichten.  

8.3.2 Der Beschwerdeführerin wurde am 21. Dezember 2017 gestützt auf 

aArt. 110a Abs. 1 AsylG eine unentgeltliche Rechtsbeistandschaft bestellt. 

Die Festsetzung des amtlichen Honorars erfolgt in Anwendung der Art. 8–

11 sowie Art. 12 VGKE. Angesichts der Tatsache, dass das gesamte Be-

schwerdeverfahren mit Ausnahme der letzten kurzen Eingabe vom 6. April 

2020 ausschliesslich durch die damalige Substitutin von Rechtsanwalt Urs 

Ebnöther, MLaw Natalie Perino-Bowman, geführt wurde, ist der Stunden-

ansatz für das amtliche Honorar auf Fr. 150.– festzulegen (Art. 10 Abs. 2 

VGKE). Soweit die Beschwerdeführerin – zur Hälfte – unterliegt, ist dem-

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Seite 23 

nach der faktisch als unentgeltlicher Rechtsbeiständin fungierenden Sub-

stitutin beziehungsweise ihrem Arbeitgeber zu Lasten der Gerichtskasse 

ein Honorar im Betrage von Fr. 1'405.– (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag und 

Auslagen) zuzusprechen. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 24 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit in dieser beantragt wird, es sei 

die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerinnen festzustellen und 

es sei ihnen Asyl zu gewähren. 

2.  

Soweit die Wegweisung und den Vollzug derselben betreffend, wird die Be-

schwerde im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. Die Dispositivziffern  

3–5 der vorinstanzlichen Verfügung vom 6. November 2017 werden aufge-

hoben. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführerinnen eine Parteient-

schädigung von Fr. 2'781.– auszurichten. 

5.  

Das amtliche Honorar für die amtliche Rechtsbeistandschaft beträgt 

Fr. 1'405.– und geht zulasten der Kasse des Bundesverwaltungsgerichts. 

6.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die zu-

ständige kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Philipp Reimann