# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b4c96ca2-deb1-5cdc-a102-4e9c3d6ab7aa
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-05
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 05.06.2024 VBE.2023.355
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-355_2024-06-05.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

VBE.2023.355 / / gm 
Art. 80 

 

 

Urteil vom 5. Juni 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Gössi  

Oberrichter Roth  

Gerichtsschreiber Güntert          

 

 
   

Beschwerdefüh-

rer  

 A._____  

vertreten durch lic. iur. Patrick Lerch, Rechtsanwalt, Badenerstrasse 21, 

Postfach, 8021 Zürich 1    

 

 
   

Beschwerdegeg-

nerin  

 Suva, Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1, Postfach, 6002 Luzern   

vertreten durch Dr. iur. Sabine Baumann Wey, Rechtsanwältin, Zent-

ralstrasse 44, 6003 Luzern    

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 17. Juli 2023; Schaden-Nr. 27.43072.17.3) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1991 geborene Beschwerdeführer war bei der Beschwerdegegnerin 

gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 28. November 2017 

von einer Leiter stürzte und sich dabei mit einem Fensterreinigungsmesser 

Schnittwunden an der linken Hand zuzog. Die Beschwerdegegnerin aner-

kannte ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mit dem fraglichen Ereignis 

und richtete die entsprechenden Versicherungsleistungen in Form von Tag-

geld und Heilbehandlung aus. Die Beschwerdegegnerin traf in der Folge 

medizinische Abklärungen, holte in diesem Rahmen kreisärztliche Stel-

lungnahmen ein und liess den Beschwerdeführer kreisärztlich untersuchen. 

Mit Schreiben vom 17. Mai 2022 stellte die Beschwerdegegnerin die Heil-

behandlungsleistungen und die Taggeldleistungen per 31. Mai 2022 ein. 

Mit Verfügung vom 4. Juli 2022 sprach sie dem Beschwerdeführer infolge 

der unfallbedingten Beschwerden ab dem 1. Juni 2022 eine Invalidenrente 

basierend auf einem Invaliditätsgrad von 20 % und eine Integritätsentschä-

digung bei einer Integritätseinbusse von 50 % zu. Mit Schreiben vom 

12. Juli 2022 teilte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit, 

dass ihm weiterhin Heilbehandlungsleistungen in Form von Physiotherapie 

und Medikation gewährt werden. Die gegen den Rentenentscheid erho-

bene Einsprache hiess die Beschwerdegegnerin mit Einspracheentscheid 

vom 17. Juli 2023 teilweise gut und sprach dem Beschwerdeführer ab dem 

1. Juni 2022 eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von 

29 % zu.  

 

2. 

2.1. 

Gegen den Einspracheentscheid vom 17. Juli 2023 erhob der Beschwer-

deführer mit Eingabe vom 28. August 2023 fristgerecht Beschwerde und 

stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

" 1. Die Verfügung vom 4. Juli 2022 sowie der Einspracheentscheid vom 
17. Juli 2023 der Beschwerdegegnerin seien – soweit die Rente betref-
fend – aufzuheben. 

 
2. Dem Beschwerdeführer sei eine Invalidenrente basierend auf einem In-

validitäts- resp. Erwerbsunfähigkeitsgrad von mindestens 70 % zuzu-
sprechen. 

 
3.  Eventualiter sei die Resterwerbsfähigkeit mittels eines vom Gericht an-

zuordnenden unabhängigen Gutachtens festzustellen und über die 
Rente neu zu entscheiden. 

 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt. zu Lasten der 
Beschwerdegegnerin" 

 

 

 - 3 - 

 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 3. Oktober 2023 beantragte die Beschwerdegeg-

nerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit Replik vom 20. Oktober 2023 bzw. Duplik vom 13. November 2023 hiel-

ten die Parteien an ihren Anträgen fest.  

 

2.4. 

Mit Beschluss vom 27. März 2024 wurde den Parteien die Rückweisung 

der Sache an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung und an-

schliessenden neuerlichen Entscheidung in Aussicht gestellt und ihnen Ge-

legenheit zur Stellungnahme sowie dem Beschwerdeführer zusätzlich zum 

allfälligen Rückzug der Beschwerde gegeben. Mit Eingabe vom 22. April 

2024 teilte der Beschwerdeführer mit, dass er auf einen Rückzug der Be-

schwerde verzichte. Zudem ersuchte er um Übernahme der medizinischen 

Abklärungskosten. Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht vernehmen. 

 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur 

Rechtsverhältnisse zu überprüfen und zu beurteilen, zu welchen die zu-

ständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich in Form einer Verfü-

gung Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den be-

schwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Innerhalb des 

Anfechtungsgegenstandes bilden die von der Beschwerde führenden Per-

son gestellten Anträge den Streitgegenstand. Ist im Sozialversicherungs-

verfahren ein Einspracheverfahren vorgesehen, wird das Verwaltungsver-

fahren erst durch den Einspracheentscheid abgeschlossen, welcher die ur-

sprüngliche Verfügung ersetzt (BGE 132 V 368 E. 6.1) und alleiniger An-

fechtungsgegenstand des erstinstanzlichen Beschwerdeverfahrens ist (Ur-

teil des Bundesgerichts 8C_281/2022 vom 24. Oktober 2022 E. 4.1). 

 

1.2. 

Der Beschwerdeführer beantragt mit Eingabe vom 22. April 2024, die Kos-

ten für die Beurteilungen von Dr. med. B._____, Fachärztin für Chirurgie, 

seien der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Die Stellungnahmen von 

Dr. med. B._____ wurden nicht im Beschwerdeverfahren, sondern im Rah-

men des Verwaltungsverfahrens eingereicht (Vernehmlassungsbeilage 

[VB] 344; 645). Im vorliegenden Beschwerdeverfahren wurden keine zu-

sätzlichen medizinischen Unterlagen eingereicht. Auch die vom Beschwer-

deführer eingereichte Kostenübersicht von Dr. med. B._____ vom 22. April 

 - 4 - 

 

 

2024 betrifft den Zeitraum vom 20. November 2019 bis zum 18. Juli 2022 

vor Erlass des Einspracheentscheids vom 17. Juli 2023. Die im Verwal-

tungsverfahren entstandenen Kosten können vor Versicherungsgericht 

nicht als Parteikosten im Sinne von Art. 61 lit. g ATSG geltend gemacht 

werden. Da im angefochtenen Einspracheentscheid nicht darüber ent-

schieden wurde, bilden diese Kosten nicht Streitgegenstand des vorliegen-

den Beschwerdeverfahrens. Entsprechend ist auf den Antrag des Be-

schwerdeführers nicht einzutreten. 

 

2. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin mit Einspracheent-

scheid vom 17. Juli 2023 zu Recht dem Beschwerdeführer eine Invaliden-

rente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von (lediglich) 29 % ab dem 

1. Juni 2022 zugesprochen hat (VB 652). 

 

3. 

In ihrem Einspracheentscheid vom 17. Juli 2023 (VB 652) stützte sich die 

Beschwerdegegnerin im Wesentlichen auf die Aktenbeurteilung von Kreis-

arzt Dr. med. C._____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma-

tologie des Bewegungsapparates, vom 14. April 2022 (VB 574), den Bericht 

der Dres. med. D._____, Praktischer Arzt sowie Facharzt für Physikalische 

Medizin und Rehabilitation, und E._____, Rehaklinik F._____, vom 18. Ja-

nuar 2022 (VB 551) sowie den Bericht von Dr. med. D._____ vom 11. April 

2022 (VB 571). 

 

3.1. 

Im Austrittsbericht der Rehaklinik F._____ vom 18. Januar 2022, in der sich 

der Beschwerdeführer vom 15. Bis zum 24. Dezember 2021 stationär auf-

hielt, stellten Dres. med. D._____ und E._____ folgende Hauptdiagnose 

(VB 551 S. 2. f.):  

"Syndrome douloureux régional complexe (SDRC) type II du membre su-
périeur gauche séquellaire." 
 

Zudem wurden die folgenden Nebendiagnosen gestellt:  

" 28.11.2017: chute d'une échelle avec plaie complexe de la paume de la 
main gauche […] 

- Douleurs de la jambe droite pluri-factorielles  
- Probable névrome proximal du nerf sural (Cf. US du 23.12.2021)  
- Majoration de symptômes pour raisons psychologiques (Cf. consilium 

psychiatrique du 15.12.2021) 
- Lombalgies communes". 

 

Die Ärzte stellten weiter fest, dass die definitiven funktionellen Einschrän-

kungen alle Tätigkeiten beträfen, die das Tragen selbst leichter Lasten er-

forderten, ebenso Tätigkeiten, die den Gebrauch der linken oberen Extre-

mität oder längeres Gehen erforderten. Die Prognose für die Wiedereinglie-

derung in die frühere Tätigkeit sei ungünstig im Zusammenhang mit der 

 - 5 - 

 

 

Schädigung der linken oberen Extremität (VB 551 S. 7). Weiter führten die 

Ärzte aus, die Prognose für eine Wiedereingliederung in eine angepasste 

Tätigkeit unter Beachtung der oben genannten funktionellen Einschränkun-

gen sei ungünstig, aufgrund nach dem Unfall fortbestehender medizini-

scher Faktoren und kontextuellen Faktoren bei einem Patienten, der auf 

Wiedergutmachung warte und mit den Versicherungen in Konflikt stehe 

(VB 551 S. 7). 

 

3.2. 

Die Beschwerdegegnerin forderte Dr. med. D._____ am 1. Februar 2022 

auf, darzulegen, welche angepassten Tätigkeiten in welchem Umfang dem 

Beschwerdeführer aufgrund der unfallbedingten funktionellen Einschrän-

kungen möglich seien (VB 565). Dr. med. D._____ hielt in seinem Schrei-

ben vom 11. April 2022 diesbezüglich fest, im Zusammenhang mit der or-

ganischen Beeinträchtigung und unter Berücksichtigung der angenomme-

nen Funktionseinschränkungen könne davon ausgegangen werden, dass 

der Beschwerdeführer in Verbindung mit der Beeinträchtigung der linken 

oberen Extremität und des rechten Beins eine leichte sitzende Tätigkeit 

(maximale Last 5-10 kg) monomanuell mit der rechten Hand ausüben 

könne, unter der Voraussetzung, dass ein Positionswechsel zwischen Sit-

zen und Stehen möglich sei. Was das vorstellbare Rendement betreffe, sei 

aufgrund der Beeinträchtigung der linken oberen Extremität und des rech-

ten Beins eine Reduktion von 20 %, aufgrund der Schmerzen, die Pausen 

erfordern könnten, vorstellbar (VB 571). 

 

3.3. 

Dr. med. C._____ hielt in seiner Aktenbeurteilung vom 14. April 2022 fest, 

aufgrund der komplexen Situation sei der Beschwerdeführer in der Rehakli-

nik Q._____ vom 15. Dezember bis 24. Dezember 2023 behandelt worden. 

Das im Schreiben von Dr. med. D._____ vom 11. April 2022 festgelegte 

Belastbarkeitsprofil auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt könne er vollum-

fänglich unterstützen. Die somatischen Beschwerden des Beschwerdefüh-

rers auf orthopädisch-traumatologischem Fachgebiet würden durch das 

Belastbarkeitsprofil von Dr. med. D._____ vollumfänglich berücksichtigt 

(VB 574 S. 7).  

 

4. 

4.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

 - 6 - 

 

 

4.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im 

Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebe-

nen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und 

Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind 

ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f. 

und 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

4.3. 

Beweistauglich kann auch eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im 

Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen 

Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen. Dies ist ins-

besondere der Fall, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-

licher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anam-

nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sach-

verständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen 

ein lückenloses Bild machen können (Urteile des Bundesge-

richts 8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom  

22. Dezember 2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 

 

5. 

5.1. 

Der Beschwerdeführer bringt mit Verweis auf die von ihm eingeholte Stel-

lungnahme von Dres. med. B._____ und H._____, Facharzt für Nerven-

krankheiten (Neurologie) vom 18. Juli 2022 im Wesentlichen vor, seine 

Leistungsfähigkeit betrage maximal noch 50 % und es lägen in der vorlie-

gend entscheidwesentlichen Frage der Restarbeits- bzw. -erwerbsfähigkeit 

gegensätzliche fachärztliche Einschätzungen vor, weshalb die Verwaltung 

gehalten gewesen wäre, ein externes Gutachten zu veranlassen (Be-

schwerde S. 9). Zudem sei die Rehaklinik F._____ in Q._____ nicht in der 

Lage gewesen, die gebotene EFL durchzuführen, weshalb das Abklärungs-

ergebnis nicht zu überzeugen vermöge (Beschwerde S. 8; 10).  

 

5.2. 

In ihrem Bericht vom 29. Juni 2020 führte Dr. med. B._____, Fachärztin für 

Chirurgie, aus, der Beschwerdeführer sei nicht mehr arbeitsfähig in einer 

bimanuellen Tätigkeit. In einer angepassten Tätigkeit als Einhänder werde 

aufgrund der nachvollziehbar bestehenden und therapieresistenten 

Schmerzproblematik keine Arbeitsfähigkeit über 50 % erreicht. Es bestehe 

eine vermehrte Pausenbedürftigkeit auch in einer einhändigen Tätigkeit. 

Die Beschwerden würden im Verlauf des Tages zunehmen. Es würden im 

Verlauf des Tages stets mehr und längere Pausen benötigt, so dass die 

 - 7 - 

 

 

Leistungsfähigkeit auch in einer adaptierten Tätigkeit bei ganztägiger An-

wesenheit nicht über 50 % zu steigern sei (VB 344 S. 4).  

 

5.3. 

Dres. med. B._____ und H._____, hielten in ihrem Bericht vom 18. Juli 

2022 fest, das Leistungsprofil der Rehaklinik F._____ sei nicht fundiert, 

oberflächlich pauschal gehalten und nicht argumentativ begründet. Die Ein-

schätzungen zur Leistungsfähigkeit würden zwar den vermehrten Pausen-

bedarf des Beschwerdeführers infolge seiner Schmerzen berücksichtigen, 

dies aber nur schätzungsweise und pauschal. Es würden grundsätzliche 

Stellungnahmen nach wie viel Tätigkeiten wie lange und wie oft Pausen 

benötigt würden fehlen. Die aus der Verletzung resultierende Verlangsa-

mung durch die Einhändigkeit fände gar keine Berücksichtigung. Selbst 

wenn man in Betracht ziehe, dass der Beschwerdeführer seine dominante 

rechte Hand voll einsetzen könne, so sei bei jedweder Tätigkeit davon aus-

zugehen, dass das Rendement gegenüber einer Situation, in welcher die 

verletzte Hand wenigstens als Zudienhand zur Verfügung stehe, vermindert 

sei. Auch hätten Dr. med. D._____ resp. Dr. med. C._____ die Gehbehin-

derung des Beschwerdeführers in der Beurteilung von dessen Leistungsfä-

higkeit nicht voll berücksichtigt. Zwar sei eine leichte, vorwiegend sitzende, 

aber wechselbelastende Tätigkeit als zumutbar angesehen worden, das 

verlangsamte Gehtempo infolge des unfallbedingten Schmerzhinkens aber 

nicht als Leistungsmindert gewertet (VB 645 S. 3). Es könne an der Auffas-

sung vom 29. Juni 2020 festgehalten werden, wonach der Beschwerdefüh-

rer in einer vollen Präsenzzeit auch in angepasster Tätigkeit eine effektive 

Leistungsfähigkeit von lediglich maximal 50 % aufweise (VB 645 S. 4).  

 

5.4. 

Aus den vorliegenden Arztberichten geht hervor, dass beim Beschwerde-

führer unfallbedingte Funktionseinschränkungen an der linken Hand und 

am rechten Bein bestehen. In der Beurteilung der Auswirkungen dieser Ein-

schränkungen auf die Arbeitsfähigkeit weichen die Ärzte voneinander ab. 

So gingen Dr. med. B._____ in ihrer Beurteilung vom 29. Juni 2020 sowie 

Dres. med. B._____ und H._____ in ihrer Beurteilung vom 18. Juli 2022 

davon aus, der Beschwerdeführer weise in einer vollen Präsenzzeit auch 

in einer angepassten Tätigkeit eine effektive Leistungsfähigkeit von ledig-

lich maximal 50 % auf (VB 344; 645). Dr. med. D._____ ging in seiner Be-

urteilung vom 11. April 2022 dagegen von einer Reduktion im Rendement 

von 20 % aus (VB 571). Kreisarzt Dr. med. C._____ folgte in seiner Beur-

teilung vom 14. April 2023 dieser Einschätzung und erachtete die somati-

schen Beschwerden des Beschwerdeführers auf orthopädisch-traumatolo-

gischem Fachgebiet durch das Belastbarkeitsprofil von Dr. med. D._____ 

als vollumfänglich berücksichtigt (VB 574). Eine Auseinandersetzung mit 

der abweichenden fachärztlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der 

Dres. med. B._____ und I._____ fand in der Beurteilung von Dr. med. 

C._____ nicht statt. Insbesondere wird nicht dargelegt, weshalb der 

 - 8 - 

 

 

Beurteilung von Dr. med. D._____ zu folgen sei und nicht derjenigen der 

Dres. med. B._____ und H._____. Die Beurteilung von Dr. med. C._____ 

erweist sich in diesem Punkt als nicht ausreichend nachvollziehbar begrün-

det.  

 

Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass Dr. med. C._____ bereits in sei-

ner Beurteilung vom 29. Juli 2020 die Durchführung einer EFL empfahl 

(VB 347). Auch in der Folge erachtete Dr. med. C._____ mehrfach die 

Durchführung einer EFL als nötig (VB 374; 403 S. 8; 407; 418). Zudem geht 

sowohl aus der E-Mail der damaligen Vertreterin des Beschwerdeführers 

an die Beschwerdegegnerin vom 5. Januar 2021 (VB 422) als auch aus 

dem Schreiben von Dr. med. C._____ an das Universitätsspital J._____ 

vom 8. Januar 2021 (VB 424) klar hervor, dass sowohl der Kreisarzt wie 

auch der Beschwerdeführer selbst davon ausgingen, es werde eine EFL in 

der Rehaklinik F._____ durchgeführt. Eine solche fand jedoch weder im 

Rahmen des stationären Aufenthalts in der Rehaklinik F._____ noch an-

derweitig statt. Weshalb nun entgegen der früheren Empfehlung von Dr. 

med. C._____ auf eine EFL verzichtet werden kann und stattdessen auf 

das Belastbarkeitsprofil der Rehaklinik F._____ abzustellen ist, wird vom 

Kreisarzt in seiner Beurteilung vom  

14. April 2023 ebenfalls nicht begründet. Nach dem Dargelegten bestehen 

zumindest geringe Zweifel an der Beurteilung von Dr. med. C._____, wes-

halb diese keine taugliche Grundlage für die Beurteilung des Rentenan-

spruchs darstellt. 

 

5.5. 

Auch die Arztberichte der Rehaklinik F._____, Dres. med D._____ und 

E._____ bilden keine hinreichende Beurteilungsgrundlage, da sie sich nicht 

mit den abweichenden Angaben zur Arbeitsfähigkeit durch Dr. med. 

B._____ (VB 344; 368) bzw. Dres. med. B._____ und H._____ (VB 645) 

auseinandersetzen. Entgegen dem Beschwerdeführer kann sein Leis-

tungsanspruch jedoch auch nicht gestützt auf die Beurteilung von Dr. med. 

B._____ bzw. Dres. med. B._____ und H._____ beurteilt werden (vgl. Be-

schwerde S. 8 f.). Diese gaben in ihrer Beurteilung vom 18. Juli 2022 ledig-

lich eine obere Grenze ("maximal 50 %") der Leistungsfähigkeit in ange-

passter Tätigkeit ab, ohne eine genaue Arbeitsfähigkeit in angepasster Tä-

tigkeit zu nennen. Auch gaben Dres. med. B._____ und H._____ auf die 

Frage nach der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit keine Beurteilung 

ab, sondern führten aus, es müsse ein korrektes berufliches Assessment 

gefordert werden (VB 645 S. 4).  

 

6. 

Nach dem Dargelegten erweist sich der anspruchsrelevante medizinische 

Sachverhalt im Lichte der Untersuchungsmaxime (Art. 43 Abs. 1 und 

Art. 61 lit. c ATSG) als nicht rechtsgenüglich erstellt. Hinsichtlich des An-

trags des Beschwerdeführers zur Einholung eines unabhängigen 

 - 9 - 

 

 

Gutachtens ist festzuhalten, dass die Beschwerdeinstanz in der Regel ein 

Gerichtsgutachten nur dann einholt, wenn sie im Rahmen der Beweiswür-

digung zum Schluss kommt, ein bereits erhobener medizinischer Sachver-

halt müsse (insgesamt oder in wesentlichen Teilen) noch gutachtlich ge-

klärt werden oder eine Administrativexpertise sei in einem rechtserhebli-

chen Punkt nicht beweiskräftig. Eine Rückweisung an die Beschwerdegeg-

nerin bleibt hingegen möglich, wenn es darum geht, zu einer bisher voll-

ständig ungeklärten Frage ein Gutachten einzuholen (BGE 139 V 99 E. 1.1 

S. 100; 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f.). Vorliegend erweist sich der medizi-

nische Sachverhalt als unzureichend abgeklärt, so dass eine Rückweisung 

der Sache an die Beschwerdegegnerin zur umfassenden ergänzenden Ab-

klärung mit anschliessender Neuverfügung über das Rentenbegehren des 

Beschwerdeführers als angezeigt erscheint. Damit ist die Beschwerde in 

dem Sinne gutzuheissen, soweit darauf eingetreten wird, als der angefoch-

tene Einspracheentscheid vom 17. Juli 2023 (VB 651) aufzuheben und die  

Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur Neuver-

fügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. 

 

7. 

7.1. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

7.2. 

7.2.1. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der rich-

terlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die Rück-

weisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzender Ab-

klärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 215 

E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen).  

 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten wird, 

wird der Einspracheentscheid vom 17. Juli 2023 aufgehoben und die Sache 

zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und Neuverfügung an 

die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer die Par-

teikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 2'500.00 zu bezahlen. 

 - 10 - 

 

 

 

 

 
 

   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 5. Juni 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Kathriner Güntert