# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 89c1bedc-f02d-5a08-9804-a7f92e88ea0a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-08-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.08.2023 E-3961/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3961-2023_2023-08-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 
 

 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3961/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  A u g u s t  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Markus König, 

mit Zustimmung von Richter David R. Wenger; 

Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…),  

Türkei,  

vertreten durch lic. iur. Fethiye Yalcin,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung (Asyl)  

zugunsten des Kindes B._______,  

geboren am (…), Türkei;  

Verfügung des SEM vom 13. Juni 2023 / N (…). 

 

 

 

E-3961/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

I. 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer stellte am 8. März 2021 in der Schweiz ein Asyl-

gesuch, das er anlässlich seiner Anhörungen vom 27. April und 14. Mai 

2021 mit politischen Strafverfahren begründete, die in der Türkei gegen ihn 

eingeleitet worden seien. 

A.b Am 19. März 2021 ersuchte das Zivilstandsamt C._______ um Ein-

sicht in die Asylakten des Beschwerdeführers und begründete dies mit 

"Ehe-vorbereitung / Trauung in der Schweiz mit D._______". 

A.c Auf Fragen nach seinen persönlichen Lebensumständen hin gab der 

Beschwerdeführer unter anderem zu Protokoll, er stamme aus der  

Provinz Adiyaman und habe sich von 2011 bis 2016 mit seiner damaligen 

Ehefrau in E._______ aufgehalten. Nach der Scheidung in E._______ sei 

er alleine in seine türkische Heimatregion zurückgekehrt. Er sei dann eine 

neue Liebesbeziehung mit einer Frau namens F._______ eingegangen, 

und im Januar 2016 sei die gemeinsame Tochter B._______ auf die Welt 

gekommen. 

A.d Am (…) August 2020 habe er sein Heimatland wegen drohender Ver-

folgung definitiv verlassen und sei in die Schweiz gereist, wo er am 2. Sep-

tember 2020 angekommen sei. Bis zur Einreichung seines Asylgesuchs 

habe er sich während rund sechs Monaten illegal bei seiner neuen Partne-

rin in G._______, D._______ ([…]) aufgehalten, die er seit zweieinhalb 

Jahren kenne und die er heiraten wolle.  

A.e Mit Verfügung vom 10. Juni 2021 anerkannte das SEM den Beschwer-

deführer als Flüchtling und gewährte ihm in der Schweiz Asyl. 

II. 

B.  

Mit Eingabe vom 29. April 2022 liess der Beschwerdeführer beim SEM ein 

Gesuch um Familiennachzug und Erteilung von Einreisebewilligungen zu-

gunsten von F._______ und der Tochter B._______ stellen. Er liess 

E-3961/2023 

Seite 3 

ausführen, die frühere Beziehung zu F._______ sei zwar vor seiner Aus-

reise abgebrochen worden und "nur aufgrund der gemeinsamen Tochter 

als Eltern intakt". Seine Folgebeziehung zu D._______, die in der Schweiz 

über eine Niederlassungsbewilligung verfüge, sei indessen zwischenzeit-

lich wieder beendet worden. Ab September 2021 habe sich die Beziehung 

zu F._______ wieder intensiviert. Ihr Verhältnis sei "mit der Zeit wieder zu 

einer emotionalen Bindung umgewandelt" worden und sie seien nunmehr 

fast täglich über Soziale Medien in Kontakt. 

C.  

C.a Mit Verfügung vom 19. August 2022 lehnte das SEM das Familien-

nachzugsgesuch ab und verweigerte die Einreise von F._______ und 

B._______.  

C.b Zur Begründung wurde einerseits festgestellt, dass die Beziehung des 

Beschwerdeführers zu F._______ bereits vor seiner Ausreise im Herbst 

2020 abgebrochen worden sei. Es fehle mit Bezug auf F._______ am zwin-

genden Erfordernis einer Trennung der Beziehung durch die Flucht des 

Beschwerdeführers. Zudem habe er in der Zwischenzeit eine neue Bezie-

hung mit D._______ geführt, wobei bereits Ehevorbereitungen in der 

Schweiz eingeleitet worden seien. Die beabsichtigte Wiederaufnahme der 

zuvor beendeten Beziehung falle nicht in den Schutzbereich des asylrecht-

lichen Familiennachzugs. 

C.c Eine alleinige Einreise der Tochter würde angesichts ihres jungen Al-

ters und des Umstands, dass die Mutter die Hauptbezugsperson sei, dem 

Kindeswohl widersprechen. Auf weitere sachverhaltliche Abklärungen der 

Vater-Kind-Beziehung könne daher verzichtet werden. 

III. 

D.  

Am 20. September 2022 liess der Beschwerdeführer beim SEM ein  

"Wiedererwägungsgesuch um Einreisebewilligung zwecks Familienverei-

nigung" einreichen. Er stimmte dem SEM zu, dass seine Beziehung zu 

F._______ nicht durch seine Flucht aus der Türkei beendet worden sei. 

F._______ verzichte deshalb in der (beigelegten) Erklärung ausdrücklich 

auf die asylrechtliche Familienvereinigung mit ihm. Seine Beziehung zur 

Tochter sei hingegen durch seine Flucht aus der Türkei beendet worden. 

Das asylrechtliche Familiennachzugsgesuch werde deshalb auf die 

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Seite 4 

Tochter beschränkt. F._______ würde diese auf der Reise in die Schweiz 

begleiten und sei sich bewusst, nach der Einreise den ausländerrechtli-

chen Bestimmungen der Schweiz zu unterstehen. Es sei nicht der Zweck 

des Wiedererwägungsgesuchs, diese Bestimmungen zu umgehen. 

E.  

Das SEM liess die neue Gesuchseingabe am 27. September 2022 dem 

Bundesverwaltungsgericht zur Prüfung zugehen, ob es sich dabei um eine 

Beschwerde gegen seine Verfügung vom 19. August 2022 handle. Dies 

wurde vom zuständigen Instruktionsrichter verneint, der die Eingabe am 

10. Oktober 2022 an das SEM rücküberwies. 

F.  

F.a Das SEM nahm das neue Gesuch vom 20. September 2022 einerseits 

als Gesuch von F._______ um Wiedererwägung des ablehnenden Ent-

scheids betreffend Einreisebewilligung zwecks Familienasyl entgegen und 

wies dieses mit Verfügung vom 19. Oktober 2022 ab. 

F.b Andererseits wurde der Beschwerdeführer in der gleichen Verfügung 

mit Bezug auf das wiedererwägungsweise erneuerte Gesuch um Familien-

zusammenführung für die Tochter B._______ aufgefordert, dem SEM eine 

von der Kindsmutter unterzeichnete Einwilligungserklärung betreffend die 

Einreise der gemeinsamen Tochter in die Schweiz zukommen zu lassen. 

Das SEM wies ihn zudem darauf hin, dass ihm der Nachweis für das  

Vorliegen einer tatsächlich gelebten beziehungsweise im Rahmen des 

Möglichen gepflegten schützenswerten Beziehung zu B._______  

obliege; der Beschwerdeführer wurde aufgefordert, innert Frist einen  

Fragekatalog des SEM zu beantworten und entsprechende Beweismittel 

zu den Akten zu reichen.  

F.c Nachdem der Beschwerdeführer diese Frist ungenutzt verstreichen 

liess, schrieb das SEM das wiedererwägungsweise erneuerte Gesuch um 

Familienzusammenführung für die Tochter B._______ mit Verfügung vom 

6. Dezember 2022 als gegenstandslos geworden ab. 

F.d Am 12. Januar 2023 (Datum der Postaufgabe) liess der Beschwerde-

führer beantragen, das Familiennachzugverfahren für B._______ sei wie-

deraufzunehmen und es sei ihr eine Einreisebewilligung zwecks Familien-

asyl zu erteilen. Aufgrund von "Krankheit und Fuss-Operation […] und Fe-

rienabwesenheiten" habe die in der SEM-Verfügung vom 19. Oktober 2022 

gesetzte Frist leider nicht eingehalten werden können. Mit der Eingabe 

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Seite 5 

wurden Antworten zum Fragekatalog des SEM eingereicht. Am 3. Februar 

2023 wurde eine von der Kindsmutter unterzeichnete Einwilligungserklä-

rung betreffend Reise der Tochter in die Schweiz nachgereicht. 

F.e Am 7. und 23. Februar 2023 liess der Beschwerdeführer unter Hinweis 

auf die heftigen Erdbeben in Ostanatolien vom 6. Februar 2023, die das 

Wohngebäude seiner Angehörigen beschädigt habe, um Beschleunigung 

des Verfahrens ersuchen. Mit den Eingaben wurden Fotografien aus dem 

Erdbebengebiet und ein Bericht der Psychiaterin des Beschwerdeführers 

zu den Akten gereicht. 

G.  

Am 21. März 2023 liess das SEM F._______ auf der Schweizer Vertretung 

in H._______ befragen und über die Konsequenzen des Familiennachzugs 

ihrer Tochter gemäss Asylgesetz informieren.  

H.  

H.a Am 14. April 2023 gewährte das SEM dem Beschwerdeführer das 

rechtliche Gehör zur voraussichtlichen Ablehnung des Familiennachzugs- 

gesuchs, weil gemäss Rechtsprechung der den Familiennachzug beantra-

gende Elternteil über die elterliche Sorge verfügen müsse, was bei ihm 

nicht der Fall sei.  

H.b Der Beschwerdeführer reichte am 24. April 2023 seine Stellungnahme 

zu den Akten. 

I.  

Mit Verfügung vom 13. Juni 2023 – eröffnet am 15. Juni 2023 – bewilligte 

die Vorinstanz die Einreise von B._______ in die Schweiz nicht und lehnte 

das Gesuch um Familienasyl ab.  

J.  

Mit Eingabe vom 17. Juli 2023 erhob der Beschwerdeführer gegen diese 

Verfügung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte die 

Aufhebung der Verfügung des SEM sowie die Bewilligung des Gesuchs um 

Familienzusammenführung für B._______. In prozessualer Hinsicht wurde 

die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsverbeistän-

dung und die Befreiung von der (…) beantragt. 

K.  

Am 18. Juli 2023 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang 

der Beschwerde. 

E-3961/2023 

Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert; das Gleiche gilt mit Be-

zug auf das Kind B._______, um dessen Nachzug und Einreisebewilligung 

im vorliegend zu beurteilenden Verfahren nachgesucht wird (Art. 105 und 

Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.4 Die Kindsmutter, F._______, war hingegen im vorinstanzlichen Verfah-

ren, das zur Verfügung des SEM vom 13. Juni 2023 führte, nicht Partei. Die 

Rechtsbegehren der Beschwerde betreffen sie deshalb richtigerweise 

nicht. Soweit F._______ im Rubrum der Beschwerde als "Beschwerdefüh-

rerin 2" bezeichnet wird, beruht dies erklärtermassen nun darauf, dass sie 

als alleinige Sorgeberechtigte ihres minderjährigen Kindes – im Rubrum 

als "Beschwerdeführerin 3" bezeichnet – agiere (vgl. Beschwerde S. 8). 

1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.   

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Ehegatten und minderjährige Kinder von asylberechtigten Flüchtlingen 

werden gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG ihrerseits als Flüchtlinge anerkannt 

und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Umstände dagegensprechen. 

E-3961/2023 

Seite 7 

Wurden die anspruchsberechtigten Personen nach Art. 51 Abs. 1 AsylG 

durch die Flucht getrennt und befinden sie sich im Ausland, so ist ihre Ein-

reise auf Gesuch hin zu bewilligen (Art. 51 Abs. 4 AsylG).  

3.2 Die Erteilung einer Einreisebewilligung setzt eine vorbestandene Fami-

liengemeinschaft, die Trennung der Familie durch die Flucht sowie die fest 

beabsichtigte Familienvereinigung in der Schweiz voraus. Zweck von 

Art. 51 Abs. 4 AsylG ist einzig die Wiedervereinigung von im Zeitpunkt der 

Flucht aus dem Heimatstaat vorbestandener Familiengemeinschaften und 

nicht die Aufnahme neuer respektive vor der Flucht noch nicht gelebter  

familiärer Beziehungen (vgl. BVGE 2018 VI/6 E. 5, 2017 VI/4 E. 3.1 und 

E. 4.4.2, 2012/32 E. 5). 

3.3 Dem Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft und das Asyl entgegenste-

hende besondere Umstände können gemäss der Rechtsprechung bei-

spielsweise vorliegen, wenn das Familienmitglied Bürger eines anderen 

Staates als der Flüchtling ist und die Familie in diesem Staat nicht gefähr-

det ist, wenn der Flüchtling seinen Status derivativ erworben hat oder wenn 

das Familienleben während einer längeren Zeit nicht gelebt wurde und er-

kennbar ist, dass die Familienmitglieder nicht den Willen haben, als Familie 

zusammenzuleben (vgl. BVGE 2012/35 E. 5.1 m.w.H.). 

3.4 Wer um die Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Familienasyl 

ersucht, hat namentlich die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehöri-

gen zur Familiengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht vorbestandene 

Familiengemeinschaft, die Familientrennung durch die Flucht sowie die 

fest beabsichtigte Familienvereinigung aller Anspruchsberechtigten nach-

zuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen (vgl. etwa das Urteil des 

BVGer D-3046/2023 vom 16. August 2023 E. 3.2). 

4.  

4.1 In seiner Verfügung führt das SEM aus, in der vorliegenden Familien-

konstellation setze die Bewilligung nach der Gerichtspraxis einen rechts-

genüglichen Nachweis voraus, dass der Beschwerdeführer mit Bezug auf 

das Kind B._______ über das alleinige oder zumindest ein gemeinsames 

Sorge- und Obhutsrecht verfüge und – im Fall des geteilten Sorgerechts – 

die Mutter damit einverstanden sei, dass ihre Tochter künftig bei ihm in der 

Schweiz lebe. Den Akten sei zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer 

nicht über das Sorgerecht über B._______ verfüge  

(gemäss übereinstimmender Darstellung, weil er nie mit F._______ verhei-

ratet gewesen sei). Nachdem sich im Ramen des rechtlichen Gehörs keine 

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Seite 8 

Anhaltspunkte dafür gegeben habe, dass der Beschwerdeführer sich um 

das (alleinige) Sorgerecht kümmern werde, sei das Gesuch um Familien-

nachzug für B._______ abzulehnen und dem Kind die Einreise in die 

Schweiz nicht zu bewilligen. Bei diesem Verfahrensausgang erübrigten 

sich weitere Instruktionsmassnahmen beispielsweise betreffend die Fami-

lien- und Abstammungsverhältnisse (die gegebenenfalls mittels DNA- 

Analyse zu erbringen wären) oder betreffend allfällige weitere Vorbehalte 

gegen eine Einreise. Es stehe dem Beschwerdeführer frei, sich um das 

alleinige Sorgerecht zu kümmern und danach ein neues Familiennach-

zugsgesuch einzureichen oder bei den dafür zuständigen kantonalen Mig-

rationsbehörden ein Gesuch um ausländerrechtlichen Familiennachzug 

gestützt auf Art. 44 AIG (SR 142.20) einzureichen. 

4.2  

4.2.1 In der Beschwerde weist der Beschwerdeführer vorab darauf hin, 

dass im erstinstanzlichen Verfahren – unter anderem mit 29 Fotografien – 

belegt worden sei, dass eine Familiengemeinschaft zwischen Vater und 

Tochter im Zeitpunkt seiner Ausreise bestanden habe; wie diese Beziehung 

nach der Flucht des Vaters gepflegt worden sei, sei mit den eingereichten 

Videochats dargelegt worden. Die finanziellen Bedürfnisse des Kindes, und 

teilweise diejenigen seiner Mutter, würden zu Lasten des Beschwerdefüh-

rers durch dessen Eltern bestritten. Der Beschwerdeführer habe sein Kind 

nach der Geburt sofort anerkannt. Sie seien "eine Familie ohne offizielle 

Trauung" gewesen (vgl. Beschwerde S. 7). 

4.2.2 In rechtlicher Hinsicht wird in erster Linie die Notwendigkeit des allei-

nigen Sorgerechts als Voraussetzung für die Bewilligung des Familien-

nachzugs bestritten. Der zitierte Bundesgerichtsentscheid sei vorliegend 

nicht einschlägig und lasse im Übrigen erklärtermassen Ausnahmen zu.  

In der Türkei dürfe das Sorgerecht nur in der Ehe gemeinsam ausgeübt 

werden und es gebe für unverheiratete Eltern keine Möglichkeit, die ge-

meinsame Sorge zu erlangen. Der Beschwerdeführer könne die Kindsmut-

ter als anerkannter Flüchtling nicht in der Türkei heiraten; die Ehe könne 

demnach nur in der Schweiz geschlossen werden. Er werde für F._______ 

ein Gesuch um Einreisebewilligung zwecks Heirat bei den kantonalen Mig-

rationsbehörden einreichen. Die rechtliche Argumentation des SEM sei 

falsch und willkürlich. 

4.2.3 Schliesslich wird – mit teilweise wenig sachlichen Formulierungen 

(vgl. Beschwerde S. 9 f.) – moniert, dass die Beweisanforderungen des 

SEM hinsichtlich des Kindesverhältnisses übertrieben seien. Soweit die 

E-3961/2023 

Seite 9 

Vorinstanz Vorbehalte betreffend die Familien- und Abstammungsverhält-

nisse (und weitere gegen die Einreise sprechende Gründe) anbringe, sei 

dies völlig unverständlich: Wenn das SEM einen Verdacht betreffend das 

Vater-Kind-Verhältnis gehabt hätte, wäre der Beschwerdeführer bereits zu 

Beginn des Verfahrens zu einem DNA-Test aufgefordert worden; falls ein 

solcher Verdacht sich erst später ergeben hätte, wäre dazu das rechtliche 

Gehör zu gewähren gewesen. 

5.  

5.1 Nach Prüfung der Akten stellt das Bundesverwaltungsgericht in Über-

einstimmung mit dem SEM fest, dass die Voraussetzungen für die asyl-

rechtliche Familienzusammenführung gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG 

zum heutigen Zeitpunkt nicht erfüllt sind. Die Ausführungen in der Be-

schwerdeschrift sind nicht geeignet, ein von der angefochtenen Verfügung 

abweichendes Ergebnis herbeizuführen. 

5.2 Gemäss Lehre und Praxis muss der nachziehende Elternteil aus fami-

lienrechtlichen Gründen über das Sorge- beziehungsweise Obhutsrecht 

über das nachzuziehende minderjährige Kind verfügen; ist der nach- 

ziehende Gesuchsteller nicht alleiniger Inhaber der elterlichen Sorge, ist 

seitens der mitinhabenden Person zudem eine Einwilligungserklärung ein-

zuholen, die belegt, dass diese mit dem Nachzug einverstanden ist. Dies 

wird unter anderem mit der Überlegung begründet, dass ein minderjähriges 

Kind der sorgeberechtigten Person nicht gegen deren Willen entzogen 

werden können soll (vgl. Art. 220 StGB sowie die internationalen Verpflich-

tungen der Schweiz auf Basis des Übereinkommens über die zivilrechtli-

chen Aspekte internationaler Kindsentführung vom 25. Oktober 1980, 

SR 0.211. 230.02). Diese im Ausländerrecht entwickelte Praxis (vgl. BGE 

137 I 284 E. 2.3.1, 136 II 78 E. 4.8; Urteil des BVGer F-2860/2018 vom 

5. Dezember 2019 E. 6.1) ist ohne Weiteres auf asylrechtliche Familien-

nachzüge zu übertragen (vgl etwa auch das Urteil des BVGer E-638/2013 

vom 16. Juli 2013 S. 8). 

5.3 Der Beschwerdeführer ist nicht Inhaber der elterlichen Sorge über das 

Kind B._______, weshalb eine Familienvereinigung gestützt auf Art. 51 

Abs. 1 (und 4) AsylG nicht möglich ist. 

  

E-3961/2023 

Seite 10 

6.  

6.1 Dass das SEM – nicht erst in der vorliegend angefochtenen Verfügung, 

sondern bereits im rechtskräftigen Entscheid vom 19. August 2022 (vgl. 

dort S. 2) – einen Vorbehalt betreffend den Nachweis des Vater-Kind- 

Verhältnisses anbrachte, dürfte den folgenden Hintergrund haben: 

6.2 Der Beschwerdeführer hatte in seinem Asylverfahren zu Protokoll ge-

geben, er habe von "2011 bis 2016" in E._______ gelebt und sei "[i]m 2016 

[…] in die Türkei zurückgegangen" (vgl. Protokoll der Anhörung vom 

27. April 2021 F9). Auf Nachfrage, ob er im Jahr 2016 ohne seine damalige 

Ehefrau in die Türkei zurückgekehrt sei, gab er an, er sei nach der Schei-

dung damals alleine in die Türkei zurückgekehrt (vgl. a.a.O. ad F15). Auf 

die Frage, wo sich seine Tochter aufhalte, gab er Folgendes zu Protokoll: 

"Mit Ihrer Mutter zusammen. Das heisst, nachdem ich von E._______ zu-

rückgekehrt bin, war ich mit einer anderen Frau zusammen. Sie ist von der 

Frau, die ich in der Türkei kennengelernt habe" (vgl. a.a.O. ad F38; auf die 

Folgefrage hin nannte er den Namen der Kindsmutter: "F._______"). 

6.3  

6.3.1 Wenn der Beschwerdeführer im Jahr 2016 in die Türkei zurück- 

gekehrt sein und er mit F._______ erst nach dieser Rückkehr eine  

Liebesbeziehung aufgenommen haben will, drängen sich in der Tat Zweifel 

an der biologischen Vaterschaft des Beschwerdeführers auf: Die Zeugung 

des am (…) geborenen Kinds B._______ muss zwischen (…) und (…) er-

folgt sein, zu einem Zeitpunkt also, in dem der Beschwerdeführer sich ge-

mäss seiner Schilderung noch in E._______ aufhielt und die Beziehung zur 

Kindsmutter noch nicht aufgenommen hatte.  

6.3.2 Es mag überraschen, dass die Vorinstanz diese auffälligen Umstände 

in den bisherigen Verfahren nicht angesprochen hat. Dies dürfte vermutlich 

damit zu tun haben, dass das SEM den Beschwerdeführer nicht mit der 

Vorlage einer aufwändigen DNA-Analyse belasten wollte, während sein 

Familiennachzugsgesuch gewisse formale Voraussetzungen offensichtlich 

nicht erfüllte. 

6.4 Bei Durchsicht der Akten fällt im Übrigen auch auf, dass die wiederholte 

Behauptung des Beschwerdeführers, er habe die Vaterschaft für dieses 

Kind sofort nach der Geburt anerkannt, in keiner der Eingaben seiner 

Rechtsvertreterin in irgendeiner Weise belegt worden ist. Für ein recht- 

liches Vater-Kind-Verhältnis wurden bisher keine amtlichen Beweismittel 

vorgelegt, beispielsweise eine Anerkennungsurkunde oder ein Eintrag im 

staatlichen Geburts- oder Personenstandsregister des Kindes.  

E-3961/2023 

Seite 11 

6.5 Diese Punkte hätten bei der heutigen Aktenlage der Gutheissung des 

Familiennachzugsgesuchs ebenfalls entgegengestanden.  

6.6 Ausserdem hätte sich erneut die (vom SEM in der Verfügung vom 

19. August 2022 verneinte) Frage aufgedrängt, ob die Umsiedlung der 

Tochter zum Vater in die Schweiz – namentlich im Fall einer Trennung des 

Kinds von der Mutter – mit dem Kindswohl vereinbar wäre (vgl. hierzu BGE 

136 II 78 E. 4.8 m.w.H.). 

6.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass das SEM das erneuerte  

Gesuch um Familiennachzug und Erteilung einer Bewilligung der Einreise 

in die Schweiz für B._______ zu Recht abgelehnt hat. 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung und Rechtsverbeiständung sind wegen der Aussichtslosigkeit der 

Beschwerdebegehren abzuweisen (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Der Antrag auf 

Befreiung von der Kostenvorschusspflicht wird mit dem vorliegenden Ent-

scheid in der Sache gegenstandslos. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3961/2023 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 

Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Eveline Chastonay 

 

 

Versand: