# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7d5df353-5222-508a-a1a7-f6e5e7204b8f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.11.2022 E-3274/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3274-2022_2022-11-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3274/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), 

Richterin Barbara Balmelli, Richter Lorenz Noli,    

Gerichtsschreiberin Mara Urbani. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Nathalie Kux, (…) 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug; beschleunigtes Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 7. Juli 2022 / N (…). 

 

 

 

E-3274/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger paschtuni-

scher Ethnie, suchte am (…) Mai 2022 in der Schweiz um Asyl nach. An-

lässlich der Erstbefragung UMA (unbegleitete minderjährige Asylsu-

chende) vom 2. Juni 2022 und der Anhörung vom 28. Juni 2022 machte er 

im Wesentlichen Folgendes geltend: 

Er sei in B._______ in der Provinz Nangarhar geboren und aufgewachsen, 

wo er bis zu seiner Ausreise gelebt habe. Sein Vater sei (…) eines Gerichts 

gewesen. Während ein bis zwei Jahren sei dieser von den Taliban bedroht 

und dazu gedrängt worden, seine Arbeit niederzulegen. Dies habe er ver-

weigert. Vor sechs Jahren hätten dann die Taliban das Haus der Familie 

gestürmt und den Vater getötet. Auch sein Bruder sei beim Gericht – als 

(…) – tätig gewesen und regelmässig von den Taliban bedroht worden. Ge-

genüber seinem Bruder hätten sie auch ihn (den Beschwerdeführer) be-

treffende Drohungen ausgesprochen. Ungefähr ein bis zwei Jahre nach 

dem Tod seines Vaters habe ein Talib auf dem Schulweg auf ihn gewartet 

und ihm ein Bonbon angeboten. Im Wissen, dass die Taliban die Familie 

im Visier habe, habe er sofort die Flucht ergriffen. Rund sechs bis acht 

Monate nach diesem Vorfall habe derselbe Talib vor der Schule auf ihn 

gewartet. Als er diesen erkannt habe, habe er einen anderen Eingang ge-

wählt. In der Schule habe er vom Ereignis erzählt. Sein Schulkollege habe 

ihn nach Hause begleitet und auf diese Weise habe er den Taliban entkom-

men können. Eines Tages habe er mit den Jungen aus der Nachbarschaft 

vor seinem Haus gespielt. Plötzlich habe ihm jemand etwas von hinten vor 

den Mund gehalten, so dass er bewusstlos geworden sei. Er habe nur noch 

die Schreie seiner Freunde gehört und sei erst zu Hause wieder aufge-

wacht. Dort habe er erfahren, dass der Vater eines Freundes zur Hilfe geeilt 

sei, woraufhin der unbekannte Angreifer die Flucht ergriffen habe. Nach 

dem Sturz der Regierung habe sein Onkel beschlossen, dass er (der Be-

schwerdeführer) aus Sicherheitsgründen das Land verlassen müsse. Auch 

seine Familie habe sofort das Haus verlassen und sich zum Onkel bege-

ben.  

Als Identitätsnachweis beziehungsweise Beweismittel legte der Beschwer-

deführer seine Tazkira, seinen Impfausweis sowie Arbeitsunterlagen sei-

nes Vaters und seines Bruders (jeweils in Kopie) ins Recht. 

 

E-3274/2022 

Seite 3 

B.  

Mit Verfügung vom 7. Juli 2022 – gleichentags eröffnet – verneinte die Vor-

instanz die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein 

Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig 

ordnete sie wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs seine vor-

läufige Aufnahme an. 

C.  

Gegen den Entscheid der Vorinstanz erhob der Beschwerdeführer durch 

seine zugewiesene Rechtsvertretung am 28. Juli 2022 Beschwerde beim 

Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der vorinstanzli-

chen Verfügung in den Ziffern 1 bis 3. Er sei als Flüchtling anzuerkennen 

und ihm sei Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Verfügung zur rechts-

genüglichen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen.  

In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 12. August 2022 setzte die Instruktionsrichte-

rin der Vorinstanz Frist zur Einreichung einer Vernehmlassung. Gleichzeitig 

verzichtete sie auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und verschob 

den Entscheid über die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege auf 

einen späteren Zeitpunkt.  

E.  

Mit Vernehmlassung vom 23. August 2022 hielt das SEM mit ergänzenden 

Ausführungen vollumfänglich an seiner Verfügung fest. 

F.  

Am 26. August 2022 wurde dem Beschwerdeführer Gelegenheit zur Replik 

gewährt. Mit Eingabe vom 7. September 2022 reichte er eine Replik ein.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

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Seite 4 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – end-

gültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der Verordnung vom 1. April 2020 über Mass-

nahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-

19-Verordnung Asyl, SR 142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 

VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffenen 

Person auch auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver-

folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Re-

flexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet 

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Seite 5 

befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung vgl. BVGE 2007/19 

E. 3.3 m.w.H.). Die erlittene Verfolgung beziehungsweise die begründete 

Furcht vor zukünftiger (Reflex-)Verfolgung muss ferner sachlich und zeit-

lich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und 

grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein.  

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Den Asylentscheid begründet die Vorinstanz mit der fehlenden Asylre-

levanz der Vorbringen des Beschwerdeführers. Sein Vater und sein Bruder 

seien gemäss den eingereichten Unterlagen Mitarbeitende (…) des Ge-

richts gewesen und als solche nicht derart exponiert wie andere Regie-

rungsmitarbeitende. Er selbst habe keine eigene oppositionelle Funktion 

beziehungsweise kein oppositionelles Profil und auch keine entsprechen-

den Handlungen vorzuweisen. Die ersten zwei von ihm beschriebenen Be-

gegnungen mit den Taliban seien nicht genügend intensiv im Sinne des 

Asylgesetzes gewesen. Der geltend gemachte Angriff auf dem Spielplatz 

weise keinen Zusammenhang mit seinen Vorbringen auf, zumal der Täter 

unbekannt sei. Ein nachvollziehbarer Zusammenhang zwischen den be-

sagten Begegnungen und den Problemen seines Vaters und seines Bru-

ders liege nicht vor. Deshalb sei seine subjektive Furcht vor zukünftigen 

asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen nicht objektiv begründet. 

Angesichts der fehlenden flüchtlingsrechtlichen Relevanz seiner Vorbrin-

gen müsse keine umfassende Prüfung der Glaubhaftigkeit vorgenommen 

werden. Diesbezüglich bestehe jedoch ein ausdrücklicher Vorbehalt. Der 

Beschwerdeführer habe nämlich in der Stellungnahme zum Entscheident-

wurf zum ersten Mal vorgebracht, dass er in den Drohungen gegenüber 

seinem Bruder auch erwähnt worden sei. Ebenfalls habe er erst dort er-

wähnt, dass sein Vater in einer Abteilung des Gerichts tätig gewesen sei, 

welche die Bestrafung von Mitgliedern der Taliban sowie des sogenannten 

Islamischen Staats (IS) behandle.  

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Seite 6 

4.2 Dem entgegnet der Beschwerdeführer in der Beschwerdeschrift, die 

Vorinstanz habe verschiedene seiner Aussagen nicht (richtig) berücksich-

tigt und fälschlicherweise als nachgeschoben bezeichnet. Seine Aussagen 

seien aus dem Zusammenhang gerissen und folglich unrichtig gewürdigt 

worden. Damit habe sie das rechtliche Gehör und den Untersuchungs-

grundsatz verletzt. Er habe sowohl erwähnt, dass die Drohungen gegen-

über seinem Bruder auch ihn betroffen hätten, als auch, dass sein Vater in 

der Abteilung gearbeitet habe, welche für die Bestrafung der Taliban zu-

ständig gewesen sei. Auch den Zusammenhang zwischen den Drohungen 

gegenüber seinem Bruder und seinen Asylvorbringen habe er schon in der 

Anhörung dargelegt. Dort habe er ausgesagt, dass die Taliban mit dem 

Vorgehen gegen ihn die Moral seines Bruders hätten schwächen wollen. 

Er sei aufgrund der Tätigkeit seines Vaters und seines Bruders einer Re-

flexverfolgung durch die Taliban ausgesetzt gewesen. Sein Vater sei näm-

lich – nachdem er während (…) Jahren für das Gericht gearbeitet habe – 

von den Taliban getötet worden. Sein Bruder habe sich trotz der Drohungen 

stets geweigert, seine Tätigkeit niederzulegen. Die afghanischen Behörden 

hätten diesem einen Waffenschein ausgestellt und ihn immer wieder ver-

setzt, was darauf hinweise, dass sie von einer akuten Gefahrensituation 

ausgegangen seien. Es könne davon ausgegangen werden, dass die Tali-

ban ihm (dem Beschwerdeführer) Nachteile zugefügt hätten, wenn sie sei-

nen Aufenthaltsort vor der Ausreise – beim Onkel mütterlicherseits – ge-

kannt hätten. Seine subjektive Furcht sei somit als objektiv begründet zu 

betrachten.  

4.3 In der Vernehmlassung räumt die Vorinstanz ein, dass in der vor-

instanzlichen Verfügung gewisse Vorbringen des Beschwerdeführers zu 

Unrecht als nachgeschoben qualifiziert worden seien. Die entsprechenden 

Aussagen seien bereits in der Anhörung gemacht worden. Diese Feststel-

lung ändere jedoch nichts an der Schlussfolgerung in der angefochtenen 

Verfügung, da sich diese auf die fehlende Asylrelevanz seiner Vorbringen 

stütze. Seine Erlebnisse vor der Ausreise erfüllten die Anforderungen an 

die Intensität nicht und seien deshalb nicht als ernsthafte Nachteile im 

Sinne des Asylgesetzes zu betrachten. Sie gehe weiterhin davon aus, dass 

zu wenig konkrete Hinweise dafür bestünden, dass es sich bei den drei 

Begegnungen um Taliban gehandelt habe. Sein Vater und Bruder seien 

lediglich in (…) des Gerichts tätig gewesen. Aufgrund der Tätigkeiten sei-

ner Familienmitglieder sei nicht grundsätzlich von einer reflexartigen Ver-

folgung auszugehen. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Erleb-

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Seite 7 

nisse enthielten keine Hinweise auf einen Zusammenhang zu den Tätig-

keiten seines Vaters oder seines Bruders, womit sie den Anforderungen an 

Art. 3 AsylG nicht genügten.  

4.4 Der Beschwerdeführer repliziert darauf, die Vorinstanz habe sich nicht 

zum Vorwurf der Verletzung des rechtlichen Gehörs geäussert, weshalb 

diesbezüglich auf die Beschwerde verwiesen werde. Beim Begriff «(…)» 

handle es sich um einen weit gefassten Begriff. Auch sein Bruder, welcher 

(…) gewesen sei, falle unter diese Bezeichnung. Die in Afghanistan ver-

wendete Terminologie könne nicht ohne Weiteres mit der hiesigen Termi-

nologie gleichgesetzt werden. Die Vorinstanz verwende den Begriff pau-

schal, ohne ihn auszulegen. Zudem würden seine Aussagen zu den Ar-

beitstätigkeiten des Vaters und Bruders weder berücksichtigt noch gewür-

digt. Von ihm – einem Minderjährigen – könne nicht erwartet werden, dass 

er im Detail berichten könne, welche Funktion seine Familienmitglieder 

beim Gericht innegehabt hätten. Sein Vater habe sowohl für das (…) als 

auch für die (…) gearbeitet. In seiner Funktion beim (…), wo er während 

rund (…) Jahren tätig gewesen sei, habe er die Taliban für ihre Taten zur 

Rechenschaft ziehen müssen. Aufgrund dieser exponierten Position erfülle 

der Vater die Voraussetzungen, um als Person mit einem erhöhten Risi-

koprofil zu gelten. Er sei durch die Taliban getötet worden. Damit sei aber 

das Interesse an der Familie nicht weggefallen. Sein Bruder habe nämlich 

auch nach dem Tod des Vaters Drohanrufe erhalten, in welchen sie beide 

direkt bedroht worden seien. Sein Bruder habe deshalb mehrmals den Ar-

beitsort wechseln müssen und lebe seit dem Sturz der Regierung ver-

steckt. Er selbst sei drei Mal von den Taliban angegriffen worden. Es sei 

nicht nachvollziehbar, wie die Vorinstanz zum Schluss komme, dass es 

sich bei den Angreifern wahrscheinlich nicht um Taliban gehandelt habe. 

Seine Aussagen, dass sein Bruder vor den Ereignissen explizite Drohun-

gen erhalten habe, würden von der Vorinstanz ignoriert. Die Einschätzung 

der Vorinstanz bezüglich fehlender Verbindung werde nicht weiter darge-

legt und begründet.  

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer rügt in der Beschwerdeschrift eine Verletzung 

des rechtlichen Gehörs und des Untersuchungsgrundsatzes. Diese formel-

len Rügen sind vorab zu behandeln. 

5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

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wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer 

Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Unrichtig ist die Sach-

verhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger 

Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt worden 

sind (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-

rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).  

5.3 Indem die Vorinstanz in der Verfügung zu Unrecht festhielt, die Vorbrin-

gen betreffend die (gegenüber dem Bruder ausgesprochenen, aber auch 

den Beschwerdeführer miteinbeziehenden) Drohungen und die Tätigkeit 

des Vaters seien erstmals in der Stellungnahme geäussert worden, hat sie 

ihrem Entscheid einen aktenwidrigen Sachverhalt zugrunde gelegt. Dies 

wurde in der Beschwerde zu Recht gerügt. 

In der Vernehmlassung vom 23. August 2022 räumt das SEM sein Verse-

hen ein und führt aus, dass die besagten Vorbringen bereits in der Anhö-

rung genannt wurden, dies aber an der mangelnden Asylrelevanz nichts zu 

ändern vermöge. Die geschilderten Erlebnisse des Beschwerdeführers 

seien nicht als ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes zu betrach-

ten. 

Nachdem sich der Beschwerdeführer in der Replik zur Vernehmlassung 

der Vorinstanz äussern konnte, es sich vorliegend um eine Sachverhalts-

frage handelt, welche das Gericht uneingeschränkt prüfen kann, und die 

festgestellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist, kann der geltend 

gemachte Verfahrensmangel als geheilt erachtet werden (vgl. BGE 142 II 

218 E. 2.8.1, BVGE 2014/22 E. 5.3 m.w.H.). Für eine Rückweisung der 

Sache besteht damit keine Veranlassung. Die Aktenlage erlaubt es dem-

nach ohne Weiteres, die Vorbringen des Beschwerdeführers abschlies-

send zu beurteilen. Die Verfahrenspflichtverletzung wird indessen im Kos-

tenpunkt zu berücksichtigen sein. 

6.  

6.1 Die Vorinstanz ist zur zutreffenden Einschätzung gelangt, dass die Vor-

bringen des Beschwerdeführers keine Asylrelevanz entfalten. Mit den 

nachfolgenden Ergänzungen kann daher auf die Ausführungen der 

Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Diese sind 

nicht zu beanstanden. 

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Seite 9 

6.2  

6.2.1 Es trifft zwar zu, dass gewisse Personen, insbesondere solche, die 

den vormaligen afghanischen Behörden angehörten oder für sie oder aus-

ländische Akteure arbeiteten, ein erhöhtes Risiko haben, in den Fokus der 

Taliban zu geraten. Das ändert aber nichts daran, dass eine Kollektivver-

folgung weder für Angehörige der vor der Machtergreifung der Taliban herr-

schenden afghanischen Behörden noch für deren Familienangehörige an-

zunehmen ist. Nach wie vor ist im Einzelfall zu prüfen, ob die asylsuchende 

Person die Elemente der Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG 

erfüllt und entsprechend begründete Furcht vor Verfolgung hat, wobei der 

Zugehörigkeit zu einer sogenannten Risikogruppe nicht weniger – aber 

auch nicht mehr – Bedeutung zukommt, als dass bei der Prüfung des Ein-

zelfalles diesem Umstand besonderes Augenmerk zu schenken ist (vgl. Ur-

teil des BVGer E-2565/2022 vom 15. Juni 2022 E. 8.2 m.w.H.). Dies hat 

das SEM in Berücksichtigung sämtlicher wesentlicher Aspekte im Fall des 

Beschwerdeführers getan und zu Recht und mit der zutreffenden Begrün-

dung erkannt, dass es vorab an der hinreichend hohen Wahrscheinlichkeit 

fehlt – bei der hypothetischen heutigen Rückkehr des Beschwerdeführers 

nach Afghanistan – in naher Zukunft drohende ernsthafter Nachteile aus 

einem flüchtlingsrechtlich relevanten Grund zu erleiden. 

Die ersten zwei Begegnungen mit den angeblichen Taliban hat die Vor-

instanz zu Recht als nicht asylrelevant eingeschätzt, da diese Nachteile die 

flüchtlingsrechtlich relevante Intensität nicht erreichten. Der Beschwerde-

führer hält in seiner Beschwerdeschrift dieser Einschätzung nichts Stich-

haltiges entgegen. Die geltend gemachten Begegnungen sind auch nicht 

als Hinweise für eine objektiv begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung 

anzusehen. Hätten die Taliban dem Beschwerdeführer tatsächlich etwas 

antun wollen, um damit Druck auf seinen Bruder auszuüben, wäre davon 

auszugehen, dass ihm als damals zehn- beziehungsweise elfjährigen Jun-

gen nicht so einfach und wiederholt die Flucht vor ihnen gelungen wäre. 

Sodann bleibt die Identität der besagten Person unklar. Der Beschwerde-

führer hat zu Protokoll gebracht, lediglich aufgrund des Aussehens der Per-

son sowie der zuvor gegenüber dem Bruder ausgesprochenen Drohungen 

zu vermuten, dass es sich dabei um einen Talib gehandelt habe (vgl. SEM-

Akten […] [nachfolgend: A18/11] F38 ff.). Ausser dem Hinweis auf den Tur-

ban, die langen Haare und den langen Bart liegen aber nicht genügend 

Anhaltspunkte vor, die den Schluss nahelegen würden, dass es sich bei 

der besagten Person tatsächlich um einen Talib gehandelt hat. Dass der 

Bruder im Vorfeld – drei bis vier Monate vor dem ersten Vorfall – bedroht 

worden war, vermag auch keine solche Vermutung zu stützen (vgl. a.a.O. 

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Seite 10 

F45). Der Beschwerdeführer vermag somit seine subjektiven Befürchtun-

gen, im Heimatstaat im Fall einer Rückkehr von den Taliban gezielt verfolgt 

zu werden, nicht substanziell zu konkretisieren. Dasselbe gilt für das Vor-

bringen betreffend den Angriff auf dem Spielplatz. Diesen konnte der Be-

schwerdeführer nicht substanziieren und es bestehen keinerlei Hinweise 

dafür, dass es sich beim Angreifer um einen Talib gehandelt hat. Trotz der 

geltend gemachten Bewusstlosigkeit bei diesem Vorfall wäre es angesichts 

des Umstandes, dass es sich um das fluchtauslösende Ereignis gehandelt 

haben soll, zu erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer bei den da-

mals Anwesenden mehr Details zum besagten Vorfall in Erfahrung hätte 

bringen wollen und diese entsprechend hätte schildern können.  

Gegen das Vorliegen einer Reflexverfolgung des Beschwerdeführers 

spricht auch der Umstand, dass seine sechs Schwestern nach wie vor in 

Afghanistan leben und gemäss seinen Aussagen keine Probleme mit den 

Taliban hatten (vgl. A18/11 F75). 

6.2.2 Nach dem Gesagten liegen auch unter Berücksichtigung der aktuel-

len Situation in Afghanistan keine genügend konkreten Hinweise dafür vor, 

dass dem Beschwerdeführer bei einer allfälligen Rückkehr in den Heimat-

staat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine Reflexverfolgung aufgrund 

der früheren Tätigkeit seines Vaters sowie seines Bruders als Gerichtsmit-

arbeiter drohen würde. Bei dieser Sachlage kann offenbleiben, welche 

Funktionen diese beim Gericht innehatten. Der Beschwerdeführer selbst 

weist in seiner Person kein Risikoprofil auf. 

6.3 Soweit der Beschwerdeführer auf die allgemeine Lage in Afghanistan, 

die Machtübernahme durch die Taliban im August 2021 und die damit ver-

bundene Verschlechterung der Sicherheitslage verweist, ist festzustellen, 

dass diese Nachteile keine gezielten, individuellen Verfolgungshandlungen 

darstellen und daher grundsätzlich nicht asylrelevant sind; der allgemeinen 

Gefährdungssituation wurde bereits mit der Anordnung der vorläufigen Auf-

nahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rechnung ge-

tragen. 

6.4 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht, was 

geeignet wäre, seine Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Die Vorinstanz 

hat daher sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.  

 

 

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Seite 11 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

Aufgrund der vorläufigen Aufnahme des Beschwerdeführers erübrigen sich 

praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglich-

keit des Wegweisungsvollzugs. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und nach erfolgter Heilung auf Beschwerde-

ebene den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie vollständig feststellt 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Er beantragte in-

des die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Art. 65 Abs. 1 

VwVG). Dieses Gesuch ist gutzuheissen, da die Beschwerde nicht von 

vornherein aussichtslos war und von seiner prozessualen Bedürftigkeit 

auszugehen ist. Es sind daher keine Verfahrenskosten zu erheben. 

10.2 Praxisgemäss ist eine anteilsmässige Parteientschädigung zuzuspre-

chen, wenn, wie vorliegend, eine Verfahrensverletzung auf Beschwerde-

ebene geheilt wird. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungs-

faktoren (Art. 9–13 VGKE) ist die vom SEM an dem Beschwerdeführer aus-

zurichtende Parteientschädigung auf Fr. 200.– festzusetzen. 

 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen.  

3.  

Dem Beschwerdeführer werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 200.– 

auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Roswitha Petry Mara Urbani 

 

 

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