# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e32aa4a3-b9b8-518d-911e-605d353a307a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-07-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.07.2018 E-3954/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3954-2018_2018-07-24.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3954/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 4 .  J u l i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, 

mit Zustimmung von Richter Markus König;   

Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Pakistan,   

vertreten durch Laura Rossi, Fürsprecherin, Anwältinnen-

büro, (…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 14. Juni 2018 / N (…). 

 

 

 

E-3954/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin, eine Hazara pakistanischer Staatsangehörigkeit 

aus B._______ (Provinz Ghazni, Afghanistan) mit letzten Wohnsitz in 

Quetta (Provinz Belutschistan, Pakistan), verliess ihren Heimatstaat eige-

nen Angaben zufolge am 19. August 2015. Am 17. September 2015 reiste 

sie in die Schweiz ein, wo sie am 25. September 2015 ein Asylgesuch 

stellte. Die Befragung zur Person (BzP) fand aufgrund der angespannten 

Unterbringungssituation im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

C._______ am 14. Oktober 2015 nur stark verkürzt statt. Am 21. Septem-

ber 2017 fand eine erste Anhörung statt, welche jedoch wegen Kommuni-

kationsschwierigkeiten zwischen der Beschwerdeführerin und dem Dol-

metscher abgebrochen werden musste. Am 2. November 2017 wurde die 

Beschwerdeführerin in Anwesenheit eines Frauenteams zu ihren Asylgrün-

den vertieft angehört. 

Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch im Wesentlichen da-

mit, einer ihrer Onkel väterlicherseits habe bei ihrer Geburt bestimmt, sie 

werde einen seiner Söhne heiraten (A14 F41). Als sie noch ein Kleinkind 

gewesen sei, sei die Familie von Afghanistan nach Quetta (Pakistan) ge-

zogen, wo sie die pakistanische Staatsangehörigkeit erhalten habe (A14 

F9 und 14). Von 1998 bis 2004 habe sie in Quetta eine Ausbildung am 

College (welches das gleiche Niveau wie die Universität habe) absolviert 

(A14 F17 f.). Ihre Onkel, welche in Afghanistan wohnhaft gewesen seien, 

seien gegen ihre Schulbildung gewesen (A14 F41). Ihr Bruder und ihr Vater 

hätten sie jedoch beschützt (A14 F41). Ab Ende 2001 bis März 2013 habe 

die Beschwerdeführerin in Pakistan bei der (…) gearbeitet (A14 F20). Der 

Cousin väterlicherseits, dem sie versprochen gewesen sei, habe sie oft in 

Quetta besucht (A14 F62 ff.). Er habe sich so verhalten, als ob sie bereits 

seine Ehefrau gewesen sei (A14 F65). Er habe eine sexuelle Beziehung 

gewollt und versucht, sie zu vergewaltigen (A14 F66). Sie habe sich jedoch 

zur Wehr setzen können (A14 F66 und 70). Im Dezember 2012 sei eine 

Gruppe von Beluchen zu ihr (…) gekommen und habe illegale (…)ge-

schäfte tätigen wollen (A14 F111 ff.). Sie habe die (…)managerin informiert, 

welche in der Folge mit der Polizei Kontakt aufgenommen habe (A14 

F115). Daraufhin sei sie von den (…)kunden mit dem Tod bedroht worden 

(A14 F142). Die letzte Drohung sei im Februar 2013 erfolgt (A14 F140). 

(…) (A14 F117). Ihre Brüder und ihr Vater seien alle verstorben (A14 F25, 

27 f., 51 f. und 100 ff.). Für die Gedenkzeremonie, die Chehlum-Zeremonie, 

welche 40 Tage nach dem Tod des Vaters (A14 F59) im Oktober 2013 (A14 

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Seite 3 

F31 f.) respektive 2011 (A14 F61) stattgefunden habe, habe sich die Be-

schwerdeführerin mit ihrem damals einzig noch lebenden (jüngsten) Bru-

der, ihrer Schwester und ihrer Mutter nach Ghazni (Afghanistan) begeben 

(A14 F31 ff., 49 und 56). Ihre Onkel väterlicherseits hätten ihr und ihrer 

Familie verboten nach Pakistan zurückzukehren, da sie und ihre Schwes-

tern für ihre Cousins väterlicherseits und ihre Mutter für die Onkel väterli-

cherseits als Ehefrauen bestimmt gewesen seien (A14 F49, 56 und 84 ff.). 

Es sei zu einem Streit gekommen, wobei die Familienangehörigen väterli-

cherseits sie, ihre Mutter und Geschwister geschlagen hätten (A14 F88 und 

92). Sie habe ihrem Cousin väterlicherseits erklärt, dass sie nach Pakistan 

zurückkehren müsse, um Angelegenheiten zu regeln und die Arbeitsstelle 

zu kündigen (A14 F89). Sie habe versprochen, ihren Cousin väterlicher-

seits zu heiraten, worauf dieser mit ihrer Rückkehr nach Pakistan einver-

standen gewesen sei (A14 88 f.). Dieser habe sie wiederholt gesucht, an-

gerufen (A14 F123 ff. und 149) und mit dem Tod bedroht (A14 F149). 

Schliesslich habe sie es als Schiitin, Hazara und Frau wegen der Taliban 

im Berufs- und Alltagsleben besonders schwer (A14 F166). 

Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die Akten und, soweit für 

den Entscheid wesentlich, auf die nachfolgenden Erwägungen verwiesen.  

B.  

Das SEM lehnte mit Verfügung vom 14. Juni 2018 – eröffnet am 15. Juni 

2018 – das Asylgesuch der Beschwerdeführerin vom 25. September 2015 

ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. 

Es begründete seinen Entscheid damit, die Vorbringen der Beschwerde-

führerin würden einerseits den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge-

mäss Art. 7 AsylG (SR 142.31) nicht standhalten und andererseits keine 

Asylrelevanz im Sinne von Art. 3 AsylG entfalten. Ausserdem sei der Voll-

zug zulässig, zumutbar und möglich. 

C.  

Mit Eingabe vom 6. Juli 2018 erhob die Beschwerdeführerin gegen diese 

Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, 

die Beschwerde sei gutzuheissen, die angefochtene Verfügung sei aufzu-

heben, die Beschwerdesache sei zur Vervollständigung des Sachverhalts 

und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen mit der Wei-

sung, die Beschwerdeführerin in einem Frauenteam, jedoch durch eine an-

dere Sachbearbeiterin als bis anhin, erneut anzuhören, sie sei als Flücht-

ling anzuerkennen und ihr sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Vor-

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instanz anzuweisen, aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hin-

sicht ersuchte sie um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege so-

wie die Einsetzung der Unterzeichnenden als amtliche Rechtsbeiständin.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der 

Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG). 

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Seite 5 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung 

eines Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Die Beschwerdeführerin rügt in formeller Hinsicht, es habe Mängel bei 

der Befragungsleitung in der Anhörung gegeben, weshalb das SEM seiner 

Pflicht, den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, nicht nachgekom-

men sei. Ausserdem sei es ihr durch die ständigen Unterbrechungen in der 

Anhörung verunmöglicht worden, ihrer Mitwirkungspflicht nachzukommen. 

Mithin sei ihr rechtliches Gehör verletzt worden und die Beschwerdesache 

sei an die Vorinstanz zur korrekten Sachverhaltsabklärung zurückzuwei-

sen. Wegen der von der Hilfswerksvertretung festgestellten Voreingenom-

menheit der Sachbearbeiterin bei der Anhörung, sei die Beschwerdeführe-

rin in Anwesenheit eines Frauenteams durch eine andere Sachbearbeiterin 

korrekt und vollständig anzuhören.  

Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet sein 

könnten, eine Kassation der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. 

BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und 

Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.). 

4.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel 

(Bstn. a-e). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mit-

wirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG; BVGE 

2011/28 E. 3.4)). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Ver-

fügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird 

oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn 

nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksich-

tigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Ver-

waltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, Rz. 1043). 

Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. 

Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht alle Be-

fugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren 

ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 

E. 5.1; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.). 

4.3 Den Akten lässt sich zwar eine gewisse Gereiztheit der Beteiligten bei 

der Anhörung entnehmen. In ihrem Kurzbericht erwähnt die Hilfswerksver-

tretung, dass die Atmosphäre bei der Anhörung angespannt gewesen sei 

und die Beschwerdeführerin in ihren Ausführungen vermehrt unterbrochen 

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worden sei, worauf diese irritiert reagiert habe (Ziffer 1.7 Kurzbericht 

HEKS). Die Beschwerdeführerin wurde aktenkundig während der sechs 

Stunden und 55 Minuten langen Anhörung acht Mal unterbrochen. Davon 

fanden drei aus übersetzungstechnischen Gründen – weil die Beschwer-

deführerin auf Deutsch antwortete (A14 F19), weil sie die Übersetzung 

nicht abwartete (A14 F83) und weil sie gleichzeitig wie die Dolmetscherin 

sprach (A14 F91) – statt. Weiter wurde sie unterbrochen, damit die Sach-

bearbeiterin Verständnisfragen stellen konnte (A14 F88 und 99), weil sie 

ausweichende Antworten gab (A14 F45 und 159) oder weil ihre Ausführun-

gen keine Asylrelevanz aufweisen würden (A14 F143). Die Beschwerde-

führerin hatte in einem ersten Schritt die Möglichkeit ihre Asylgründe in ei-

ner freien Erzählung ununterbrochen darzulegen (A14 F41). Mit verschie-

denen Ergänzungsfragen ergründete die Sachbearbeiterin den Sachver-

halt noch eingehender. Dass sie dabei die Beschwerdeführerin aus den 

oben genannten Gründen unterbrach, hat die Sachverhaltensfeststellung 

soweit ersichtlich nicht negativ beeinträchtigt. Mithin ergeben sich keine 

Hinweise, dass der rechtserhebliche Sachverhalt nicht genügend erstellt 

werden konnte und weitere Abklärungen der Vorinstanz nötig wären. Es ist 

kein Verfahrensmangel erkennbar. Auch wurde die Beschwerdeführerin in 

einem Frauenteam angehört. Der Antrag auf Rückweisung der Sache an 

die Vorinstanz ist demnach abzuweisen.      

5.   

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

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Seite 7 

6.  

6.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Wesentli-

chen damit, die Angaben zur Familie der Beschwerdeführerin seien un-

glaubhaft. Einerseits habe die Beschwerdeführerin widersprüchliche Aus-

sagen zur Anzahl Geschwister gemacht (in der BzP gab sie an eine 

Schwester und drei Brüder zu haben [A5 S.5], während sie in der Anhörung 

angab zwei Schwestern und vier Brüder zu haben [A14 F26 und 52 ff.]). 

Andererseits habe sie sich auch bezüglich Zeitpunkt und Todesumstände 

der Familienangehörigen widersprochen. So habe sie unter anderem die 

chronologische Abfolge der Todeszeitpunkte des Vaters und der Brüder wi-

dersprüchlich angegeben (so seien die Brüder im Jahr 2007/2008 und der 

Vater im September 2011 verstorben). Ausserdem habe die Beschwerde-

führerin erwähnt, dass die Attentate im Jahr 2012 mit ein Grund für den Tod 

des Vaters gewesen seien (A14 F98 f.), was mit der Jahresangabe zum 

Tod des Vaters unvereinbar sei. Bezüglich Todesumstände des jüngeren 

Bruders gab die Beschwerdeführerin zuerst an, er sei in der pakistanischen 

Armee ums Leben gekommen (A5 S. 5; A14 F27). Später habe sie ange-

geben, er sei bei einem Unfall verstorben; in Wirklichkeit sei er jedoch er-

mordet worden (A14 F155 ff.). Angesichts der Ungereimtheiten könnten die 

Angaben zur Familie nicht geglaubt werden. Weiter würden die Vorbringen 

zur Verfolgung durch die Familie väterlicherseits der allgemeinen Erfah-

rung und Logik des Handelns widersprechen, weshalb auch diese unglaub-

haft seien. Insbesondere sei nicht einsichtig, dass die Beschwerdeführerin 

sich nach dem Tod ihres Vaters nach Afghanistan begeben haben wolle, 

wo sie doch um die Gefahr durch ihren Cousin, welcher sie gegen ihren 

Willen habe heiraten wollen und in Afghanistan festhalten wollen, gewusst 

habe. Auch sei es wenig überzeugend und ausserdem vor dem sozio-kul-

turellen Hintergrund Afghanistans wirklichkeitsfremd, dass eine Frau be-

stimmen könne, was die nächsten Schritte in Bezug auf eine Hochzeit 

seien und sich die Männer danach richten würden. Dies umso mehr, als es 

sich bei der Familie väterlicherseits um konservative Personen gehandelt 

haben müsse (waren sie doch gemäss Ausführung der Beschwerdeführe-

rin gegen deren Schulbildung in Pakistan). Schliesslich sei es nicht logisch, 

dass die Beschwerdeführerin erst im August 2015 ausgereist sei, wenn der 

Cousin väterlicherseits sie doch nach dem Aufenthalt in Afghanistan im 

Jahr 2011 respektive 2013 in Quetta gesucht und mit dem Tod gedroht 

habe. Weiter erläutert das SEM, dass keine Kollektivverfolgung der Hazara 

bestehe, weshalb dieses Vorbringen nicht geeignet sei, die Flüchtlingsei-

genschaft der Beschwerdeführerin zu begründen. Mangels begründetem 

Anlass zur Annahme, dass sich die Verfolgung durch die Taliban mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft verwirklichen 

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werde, sei auch dieses Vorbringen asylrechtlich nicht beachtlich. Zuletzt 

vermöge das Vorbringen der Verfolgung durch Dritte (die […]kunden) keine 

Asylrelevanz zu entfalten, weil davon ausgegangen werden müsse, dass 

der pakistanische Staat der Beschwerdeführerin im Rahmen des Mögli-

chen Schutz gewährt habe. 

6.2 In ihrer Rechtsmitteleingabe hielt die Beschwerdeführerin der Verfü-

gung der Vorinstanz insbesondere entgegen, dass ihr bei der Rückkehr 

nach Pakistan kein effektiver Schutz vor der geschlechtsspezifischen Ver-

folgung (drohende Zwangsverheiratung) durch Private (Cousin väterlicher-

seits) gewährt werden könne, zu welcher sie als Frau, Hazara und Schiitin 

Zugang habe. Aus den Akten gehe hervor, dass sie objektive Gründe zur 

verzögerten Flucht ins Ausland gehabt habe. Sie habe eine Stelle bei  (…) 

in Quetta innegehabt und sich bei verschiedenen Familienangehörigen 

mütterlicherseits versteckt gehalten. Erst als der Cousin mütterlicherseits, 

der sie beherbergt habe, ihr mitgeteilt habe, dass er nicht länger bereit sei, 

sie bei sich aufzunehmen, und ihr die Flucht organisiert und finanziert 

habe, habe sie sich entschieden, Pakistan zu verlassen. Weiter machte die 

Beschwerdeführerin als Wegweisungsvollzugshindernis geltend, ihre Zu-

gehörigkeit zur Minderheit der Hazara sei gemäss BVGE 2014/32 E. 9.3 

ein starkes Indiz für eine Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Weil 

sich im vorliegenden Fall ausserdem aus ihrer persönlichen Situation ein 

zusätzliches Gefährdungsindiz ergebe, nämlich der erschwerte Zugang zur 

dringend benötigten Traumatherapie aufgrund einer posttraumatischen Be-

lastungsstörung als alleinstehende Frau und Schiitin ohne soziales Netz, 

sei der Wegweisungsvollzug als unzumutbar zu bezeichnen. 

7.  

Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch der Beschwerdeführerin zu 

Recht abgelehnt hat. Die Entgegnungen in der Beschwerdeschrift vermö-

gen zu keiner anderen Betrachtungsweise zu führen. Zur Vermeidung von 

Wiederholungen kann vorab auf die entsprechenden Erwägungen in der 

angefochtenen Verfügung verwiesen werden. 

7.1  Insgesamt hat sich die Beschwerdeführerin bezüglich ihrer familiären 

Situation mehrmals widersprochen. An dem vom SEM festgestellten Wi-

derspruch bezüglich Todesumstände des jüngeren Bruders ist indes nicht 

festzuhalten. Die Beschwerdeführerin gab in der Anhörung an, der Bruder 

sei im Militär umgebracht worden und sein Tod sei als Unfall dargestellt 

worden (A14 F155 ff.). Mithin ist kein Widerspruch erkennbar. Allerdings 

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äussert sich die Beschwerdeführerin in ihrer Rechtsmittelschrift zu keinem 

der Widersprüche konkret. Die Ungereimtheiten bleiben daher ungeklärt, 

sodass ihr die Angaben zur Familie nicht geglaubt werden können. 

7.2 Zur Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen trägt sodann die unlogische 

Verhaltensweise aller Beteiligten im Rahmen der Verfolgungssituation 

durch die Familie väterlicherseits bei. So ist nicht einsichtig, dass sich die 

Beschwerdeführerin nach dem Tod ihres Vaters freiwillig nach Afghanistan 

begeben haben will, wo sie doch wusste, dass sie ihren Cousin heiraten 

soll und sie von ihren Onkeln keine Unterstützung erwarten konnte (A14 

F76 f.). Die Begründung der Beschwerdeführerin – man habe sie mit dem 

Erbe des Vaters gelockt (A14 F50 und 56) – vermag nicht zu überzeugen, 

zumal sie auf ihr Erbe verzichtet haben will, um wieder nach Pakistan ge-

hen zu können (A14 F88 und 90). Weiter hat die Vorinstanz zu Recht fest-

gestellt, dass es vor dem sozio-kulturellen Hintergrund in Afghanistan wirk-

lichkeitsfremd erscheint, dass eine Frau – die Beschwerdeführerin – be-

stimmen könne, was die nächsten Schritte in Bezug auf eine Hochzeit sind 

und sich die Männer – Onkel und Cousins väterlicherseits – danach richten 

würden. Zudem ist unwahrscheinlich, dass die Verwandten väterlicherseits 

die Beschwerdeführerin und ihre ganze Familie zurück nach Pakistan hät-

ten zurückgehen lassen, nur damit sie ihre dortige Arbeitsstelle künden 

könne (A14 F89 und 91). Schliesslich fällt auf, dass dies bereits im Jahr 

2011 geschehen sein soll (A14 F88 ff.), sie indes erst vier Jahre später – 

im Jahr 2015 – aus Pakistan ausgereist ist (A5 S. 6). Während diesen vier 

Jahren habe der Cousin väterlicherseits die Beschwerdeführerin vergeb-

lich beim Cousin mütterlicherseits (A14 F146 f.), an ihrem ehemaligen 

Wohnort (A14 F149 und 151) und bei ihrer verheirateten Schwester (A14 

F151) gesucht. Der Beschwerdeführerin sei es gelungen, ihm immer wie-

der zu entkommen, indem sie den Wohnort mehrmals gewechselt habe 

(A14 F122). Abgesehen von einigen Telefonanrufen, in welchen der Cousin 

väterlicherseits die Beschwerdeführerin mit dem Tod bedroht haben will 

(A14 F123 ff. und 149), habe sie seit 2011 keinen Kontakt mehr zu ihm 

gehabt (A14 F131). Die Verfolgungssituation basiert sodann auf eine Ab-

folge von Ereignissen, die innert vier Jahren zu keiner asylrelevanten Ver-

folgung – auch mangels Intensität im Sinne von Art. 3 AsylG – geführt ha-

ben. Folglich ist sie bei Wahrunterstellung gesamthaft als asylirrelevant zu 

qualifizieren. 

7.3 Betreffend die geltend gemachte Kollektivverfolgung der Hazara in 

Quetta, der Verfolgung durch die Taliban und der Verfolgung durch Private 

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Seite 10 

(die […]kunden) hat sich die Beschwerdeführerin in ihrer Rechtsmittel-

schrift nicht geäussert. Da keine neuen Elemente vorgebracht werden und 

die Argumentation der Vorinstanz nicht zu beanstanden ist, kann vollum-

fänglich auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen werden. 

7.4 Zusammengefasst ergibt sich, dass keine asylrechtlich relevante Ver-

folgung in Form einer Zwangsheirat durch den Cousin, einer Kollektivver-

folgung der Hazara in Quetta, einer Verfolgung durch die Taliban oder 

durch andere Private ([…]kunden) glaubhaft gemacht werden konnte, wes-

halb die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das 

Asylgesuch abgelehnt hat. Es kann verzichtet werden, auf die übrigen Er-

wägungen der Vorinstanz sowie auf die weiteren Darlegungen auf Be-

schwerdeebene einzugehen. 

8.  

8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG).  

8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die bevorstehende Eheschliessung mit dem iranischen Staatsbürger 

Herrn D._______, welcher am 3. November 2015 ein Asylgesuch stellte 

und sich noch im Asylverfahren befindet, vermag daran nichts zu ändern. 

Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ist ein gemeinsames Fami-

lienleben nicht zwingend nur in der Schweiz möglich. Im Übrigen wird die 

Anwesenheit der Beschwerdeführerin zwecks Eheschliessung in der 

Schweiz nicht unbedingt vorausgesetzt. Die Wegweisung wurde demnach 

zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 

E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

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wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-

gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund 

nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-

reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. 

ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 

EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender 

Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

9.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-

sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Beschwer-

deführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung 

nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG veran-

kerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine 

Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung 

ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für 

Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR 

Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im 

E-3954/2018 

Seite 12 

Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarer-

weise nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug 

der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen 

Bestimmungen zulässig. 

Gesundheitliche Probleme stellen unter dem Blickwinkel von Art. 3 EMRK 

nur unter ganz aussergewöhnlichen Umständen ein völkerrechtliches 

Wegweisungsvollzugshindernis dar, nämlich dann, wenn gewichtige 

Gründe dafür sprechen, dass eine tatsächliche Gefahr (real risk) einer sol-

chen Verletzung besteht (vgl. Urteil des EGMR i.S. P. gg. Belgien vom 13. 

Dezember 2016, Beschwerde Nr. 41738/10, § 183 ff.; N. gegen Grossbri-

tannien vom 27. Mai 2008, Beschwerde Nr. 26565/05, §§ 34 und 42 ff.; 

BVGE 2009/2 E. 9.1.3; Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK 

2004] Nr. 6 E. 7). Solche Umstände sind vorliegend offensichtlich nicht ge-

geben, da aufgrund der Akten nicht von einer unheilbaren oder schwerwie-

genden Erkrankung der Beschwerdeführerin auszugehen ist. Bezüglich 

der im Arztbericht angetönten Suizidgedanken obliegt es dem SEM im 

Rahmen des Vollzugs, Massnahmen zu ergreifen, um die Umsetzung einer 

entsprechenden Suiziddrohung zu verhindern (vgl. Unzulässigkeitsent-

scheid des EGMR vom 7. Oktober 2004 i.S. D. und andere gegen Deutsch-

land, Beschwerde Nr. 33743/03, angeführt in EMARK 2005 Nr. 23 E. 5.1 

[S. 212]). 

9.4  Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

9.4.1 Die allgemeine Lage in Pakistan ist weder von Bürgerkrieg noch von 

allgemeiner Gewalt gekennzeichnet (vgl. Amnesty International, Amnesty 

International Report 2017/18 – Pakistan, Februar 2018; Human Rights 

Watch, World Report 2018 – Pakistan, Januar 2018; Urteil des BVGer  

E-2604/2018 vom 19. April 2018), so dass der Vollzug der Wegweisung 

dorthin grundsätzlich zumutbar erscheint. Gemäss BVGE 2014/32 E. 9.4 

ist die Zugehörigkeit zur ethnisch-religiösen Minderheit der schiitischen Ha-

zara als starkes Indiz für die Annahme der Unzumutbarkeit eines Wegwei-

sungsvollzugs zu werten, sodass bei Bejahung eines zusätzlichen Gefähr-

E-3954/2018 

Seite 13 

dungsindizes, welches sich aus der persönlichen Situation eines Be-

schwerdeführers ergäbe, der Vollzug der Wegweisung als unzumutbar zu 

qualifizieren wäre.  

Nachfolgend soll daher die persönliche Situation der Beschwerdeführerin 

auf zusätzliche Gefährdungsindizien überprüft werden. 

9.4.2 Die Beschwerdeführerin ist (…) Jahre alt. Mit ihrem College-Ab-

schluss und ihrer langjährigen Arbeitserfahrung (…) kann von ihr eine Wie-

dereingliederung in die Wirtschaft erwartet werden. Aufgrund der Unglaub-

haftigkeit der Angaben zur Familiensituation kann das Beziehungsnetz in 

ihrer Heimat nicht weiter überprüft werden. Es ist indes von einem sozialen 

Beziehungsnetz auszugehen (Cousin mütterlicherseits, ehemaliges Ar-

beitsumfeld). Der von ihr in der Rechtsmittelschrift geltend gemachte Kon-

taktverlust zur Mutter und den Schwestern wurde nicht weiter ausgeführt 

und ist folglich ebenfalls als unglaubhaft zu erachten. Es ist nicht davon 

auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in eine exis-

tenzielle Notlage geraten wird. Der Vollzug der Wegweisung ist diesbezüg-

lich als zumutbar zu erachten. 

In Bezug auf die neu geltend gemachten psychischen Beschwerden der 

Beschwerdeführerin gilt es festzuhalten, dass nur dann auf Unzumutbar-

keit des Wegweisungsvollzugs geschlossen werden könnte, wenn eine 

notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung 

stünde und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährdenden Be-

einträchtigung des Gesundheitszustandes führen würde. Dabei wird als 

wesentlich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erach-

tet, welche zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut 

notwendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls noch nicht vor, wenn im Hei-

mat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard ent-

sprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/2 

E. 9.3.2, mit Hinweis auf EMARK 2003 Nr. 24 E. 5a und b). 

Aus dem eingereichten Arztbericht (Ärztlicher Bericht vom 3. Juli 2018) 

geht hervor, dass die Beschwerdeführerin am 22. Juni 2018 ein Aufnahme-

gespräch im Psychiatriezentrum E._______ hatte. Es wurde ihr eine post-

traumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) mit suizidaler Krise diag-

nostiziert; gemäss dem Arztbericht seien Suizidgedanken vorhanden, von 

konkreten Suizidplänen distanziere sich die Beschwerdeführerin aller-

dings. Eine Rückführung in den Heimatstaat würde mit grosser Wahr-

scheinlichkeit zu einer psychischen Dekompensation mit hoch akuter 

E-3954/2018 

Seite 14 

Selbstgefährdung führen. Eine Traumatherapie sei aus medizinischer Per-

spektive dringend zu empfehlen. Eine solche Therapie sei in Pakistan 

kaum im nötigen Rahmen durchführbar. 

Das Bundesverwaltungsgericht gelangt aufgrund der Aktenlage und der 

medizinischen Infrastruktur im Herkunftsland der Beschwerdeführerin zum 

Schluss, dass eine allfällige psychiatrische Weiterbehandlung auch in Pa-

kistan erfolgen kann. So existieren psychiatrische Abteilungen in Pakistan 

sowohl in öffentlichen Spitälern als auch in privaten Kliniken (vgl. The Ex-

press Tribune, Mental health care: Mind matters vom 24.05.2015, 

<https://tribune.com.pk/story/889519/mental-health-care-mind-matters/>, 

abgerufen am 18.07.2018). In Quetta sind die zwei grössten öffentlichen 

Spitäler "Bolan medical Complex" und "Civil hospital" und einige private 

Kliniken auch für Hazaras zugänglich (vgl. National Commission for Human 

Rights Pakistan, Understanding the agonies of ethnic Hazaras, Februar 

2018). 

Darüber hinaus bleibt anzumerken, dass die geschilderten Krankheits-

symptome nicht nur auf verstörenden Erlebnissen der Beschwerdeführerin 

in der Heimat, sondern auch auf einer generellen Angst vor einer Ausschaf-

fung beruhen dürften. Dabei handelt es sich indessen um Phänomene, wel-

che eine Vielzahl von Asylsuchenden betreffen, die ebenfalls mit der Situ-

ation einer möglichen Rückführung in ihr Heimatland konfrontiert sind, wes-

halb ihnen unter dem Gesichtspunkt eines Wegweisungsvollzugshinder-

nisses grundsätzlich keine eigenständige Bedeutung zukommt. Angesichts 

der im ärztlichen Bericht thematisierten Gefahr einer allfälligen Suizidalität 

im Falle einer Rückführung der Beschwerdeführerin nach Pakistan kann 

zwar nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass sich nach Erhalt des Ur-

teils des Bundesverwaltungsgerichts suizidale Tendenzen erneut akzentu-

ieren. Diesen wäre mit geeigneten medikamentösen oder allenfalls auch 

psychotherapeutischen Massnahmen und/oder einer ärztlichen Rückbe-

gleitung entgegenzuwirken. Die Beschwerdeführerin ist nicht zuletzt in die-

sem Zusammenhang auf die Möglichkeit hinzuweisen, beim SEM einen 

Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe zu stellen (Art. 93 Abs. 1 Bst. d 

AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, 

SR 142.312]). Eine allfällige Behandlung im Heimatland könnte ausserdem 

positive Aspekte mit sich bringen (vertraute Umgebung, Kommunikation in 

der Muttersprache), weshalb die Erfolgschancen auch bei einer Rückkehr 

als durchaus intakt zu bezeichnen wären. Es ist somit nicht davon auszu-

gehen, dass eine Rückkehr nach Pakistan zu einer raschen und lebensge-

fährdenden Beeinträchtigung ihres Gesundheitszustandes führen würde. 

E-3954/2018 

Seite 15 

Die psychische Erkrankung der Beschwerdeführerin stellt demnach kein 

Wegweisungsvollzugshindernis dar. 

Nach dem Gesagten erweist sich die geltend gemachte gesundheitliche 

Situation der Beschwerdeführerin nicht als zusätzliches Gefährdungsindiz 

gemäss BVGE 2014/32, sodass der Vollzug der Wegweisung auch aus 

dieser Sicht zumutbar ist. 

9.5 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

Aufgrund des Gesagten erweisen sich die gestellten Beschwerdebegehren 

als aussichtslos. Die materiellen Voraussetzungen der unentgeltlichen Pro-

zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sind nicht gegeben. Das 

entsprechende Gesuch ist abzuweisen. 

Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 

110a AsylG ist mangels Erfüllens der Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 

VwVG ebenfalls abzuweisen. 

12.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-

samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

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Seite 16 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge-

wiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener 

 

 

Versand: