# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a3e9222a-db7c-5b8d-b040-0ce11b8cec49
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-11-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.11.2018 D-2991/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2991-2018_2018-11-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2991/2018 
wiv 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  N o v e m b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer, 

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,    

Gerichtsschreiberin Nathalie Alemayehu. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Kosovo,   

vertreten durch Eva Gammenthaler, 

Solidaritätsnetz Bern, 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (Mehrfachgesuch); 

Verfügung des SEM vom 20. April 2018 / N (…). 

 

 

 

D-2991/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte mit ihrer Familie (vgl. D-2958/2018) am 

22. Dezember 2011 in der Schweiz erstmals um Asyl nach. Mit Verfügung 

vom 14. November 2012 – eröffnet am 16. November 2012 lehnte das da-

malige Bundesamt für Migration (BFM, seit 1.1.2015 SEM) das Asylgesuch 

ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegwei-

sungsvollzug an. Auf die dagegen erhobene Beschwerde trat das Bundes-

verwaltungsgericht mit Urteil D-6549/2012 vom 20. Dezember 2012 nicht 

ein. Auf ein in der Folge eingereichtes Wiedererwägungsgesuch trat das 

BFM am 16. Januar 2013 nicht ein. Im Mai 2013 kehrte die Beschwerde-

führerin mit ihrer Familie im Rahmen des Rückkehrhilfeprogramms in ihr 

Heimatland zurück. 

B.  

Am 4. Oktober 2017 reichte die Beschwerdeführerin mit ihrer Familie ein 

zweites Asylgesuch ein. Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte sie mit 

den schriftlichen Eingaben vom 5. Oktober 2017 und 21. Februar 2018 im 

Wesentlichen geltend, nach ihrer Rückkehr in den Kosovo im Mai 2013 

habe sie zunächst mit ihrer Familie in einem Zweizimmerhaus in 

B._______ gewohnt. Dort hätten sie zusammen bis Ende des Jahres 2014 

gewohnt. Ihre Familie habe mit dem (…) Geld verdient. Als Angehörige der 

Roma-Ethnie hätten sie keine andere Arbeit gefunden. Als sie die Wohnung 

in B._______ nicht mehr hätten bezahlen können, sei die Familie nach 

C._______ zum Grossvater der Beschwerdeführerin gezogen, der in ei-

nem Container lebe. Sie habe die Schule aufgrund ihrer Ethnie nicht besu-

chen können. Des Weiteren habe ihr Vater während des Kosovokrieges in 

den Jahren 1998 und 1999 für beide Kriegsparteien Hilfeleistungen erbrin-

gen müssen. Es gebe im Kosovo zirka 20 Familien, die ihn wegen seiner 

Arbeit während des Krieges hassen würden, was sich in Todesdrohungen 

ihm gegenüber ausdrücke. Die Polizei habe nichts gegen die Drohungen 

unternommen. Wegen dieser ausweglosen Situation und der Aggressionen 

gegenüber der Familie sei diese im Jahr 2015 ohne sie (die Beschwerde-

führerin) nach Deutschland ausgereist. Nach sechs Monaten habe die Fa-

milie in den Kosovo zurückkehren müssen. Während dieser Zeit habe sie 

(die Beschwerdeführerin) mehrheitlich bei einer Schwester ihres Grossva-

ters in D._______ (C._______) gewohnt. Als die Familie in den Kosovo 

zurückgekehrt sei, hätten sie alle zusammen wieder beim Grossvater ge-

wohnt. Bisweilen seien sie auch von anderen Familienmitgliedern beher-

bergt worden.  

D-2991/2018 

Seite 3 

Im Juli 2017 sei sie (die Beschwerdeführerin) abends, als sie Abfall gesam-

melt habe, von zwei unbekannten Männern vergewaltigt worden. Zwei 

Tage nach der Tat seien die Täter zu ihr und ihrer Familie nach Hause ge-

kommen und hätten sie mit dem Tod bedroht, falls sie Anzeige erstatten 

würden. Daraufhin habe die Familie das Heimatland verlassen.  

Seit dem Übergriff könne sie nicht mehr ohne Licht schlafen, habe Albträu-

men und Angst vor Männern und leide unter psychischen Problemen. 

C.  

Die Vorinstanz behandelte das Gesuch im Rahmen der Bestimmungen 

zum Mehrfachgesuch gemäss Art. 111c AsylG und verzichtete auf eine An-

hörung. Mit einheitlicher Verfügung für die Beschwerdeführerin sowie de-

ren Familie vom 20. April 2018 – gleichentags eröffnet – stellte das SEM 

fest, die Beschwerdeführerin und ihre Familienmitglieder würden die 

Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche ab, verfügte 

die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Zugleich 

wurden ihnen die editionspflichtigen Asylakten sowie eine Kopie des Ak-

tenverzeichnisses ausgehändigt. 

D.  

Die Beschwerdeführerin focht diesen Entscheid mit separater Beschwerde 

vom 22. Mai 2018 beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie beantragte die 

Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl, 

eventualiter sei aufgrund der Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen, subeventualiter 

sei die Vorinstanz anzuweisen, sie anzuhören und den Sachverhalt voll-

ständig zu erheben. 

In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung.  

Mit der Beschwerdeschrift reichte sie ein Themenpapier der Schweizeri-

schen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 17. Oktober 2018, einen Arztbericht vom 

22. Februar 2018, einen Verlaufsbericht vom 16. Mai 2018, einen Artikel 

von Gazetaexpress.com vom 29. August 2016 mit entsprechender Über-

setzung und einen NZZ-Artikel vom 21. November 2017 sowie einen Am-

nesty International Report vom 20. Mai 2017 ein. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 21. Juni 2018 hiess das Gericht das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut.  

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Seite 4 

F.  

In ihrer Vernehmlassung vom 5. Juli 2018 hielt die Vorinstanz an ihren Er-

wägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.  

G.  

Die Beschwerdeführerin replizierte am 24. August 2018 unter Beilage einer 

Mailantwort von I. S. vom 16. Juli 2018.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

1.4 Vorliegend erweist es sich als sachlich angemessen, das Beschwerde-

verfahren der Beschwerdeführerin und dasjenige ihrer Eltern und Ge-

schwistern (D-2958/2018) koordiniert zu behandeln (gleiches Spruchgre-

mium, Entscheide zur gleichen Zeit). 

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Seite 5 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass die Vorbringen der 

Beschwerdeführerin und ihrer Familie soweit glaubhaft im Sinne von Art. 7 

AsylG den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 

AsylG nicht standhielten. 

Die erlittenen Anfeindungen wegen der Arbeit des Vaters der Beschwerde-

führerin während des Krieges und der Übergriff auf sie seien nicht asylre-

levant, da es sich um Übergriffe durch Dritte handle und von einem adä-

quaten Schutz des Heimatstaates auszugehen sei. Im Kosovo sei es in den 

vergangenen Jahren vereinzelt zu schwerwiegenden Übergriffen auf An-

gehörige der ethnischen Minderheiten, namentlich der Roma-Ethnien ge-

kommen. Es könne jedoch nicht von allgemeinen Vertreibungen ausgegan-

gen werden. Die EULEX-Mission, welche am 9. Dezember 2008 offiziell 

gestartet und formal den Vereinten Nationen unterstellt sei, umfasse Poli-

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Seite 6 

zisten, Richter, Staatsanwälte und Strafvollzugsbeamte. Die internationa-

len Sicherheitskräfte sowie die Kosovo Police seien in der Lage, die Si-

cherheit zu garantieren und die ethnischen Minderheiten im Kosovo zu 

schützen. Bei Übergriffen und Straftaten gegen Angehörige von Minderhei-

ten würden die Sicherheitskräfte regelmässig intervenieren und Ermittlun-

gen aufnehmen. Insbesondere sei davon auszugehen, dass die vorge-

brachten Übergriffe von der kosovarischen Behörden untersucht und ge-

ahndet würden. Schliesslich diene das Asylverfahren nicht dazu, erlittenes 

Unrecht wieder gutzumachen. Des Weiteren seien die Vorbringen der wirt-

schaftlichen und sozialen Schwierigkeiten im Kosovo als Angehörige der 

Roma-Ethnie ebenfalls nicht asylrelevant, da viele andere Personen, ins-

besondere solche einer ethnischen Minderheit, in gleichem Masse davon 

betroffen seien.   

4.2 Die Beschwerdeführerin entgegnete in ihrer Rechtmittelschrift im We-

sentlichen, ihr Vater sei während des Krieges von den serbischen Streit-

kräften gezwungen worden, Massengräber auszuheben, Leichen zu trans-

portieren und zu bestatten. Nach dem Einmarsch der NATO-Truppen im 

Kosovo sei er durch die Albaner aufgefordert worden, zu zeigen, wo die 

Leute begraben seien. Als seine Rolle während des Krieges auch in der 

Bevölkerung von B._______ bekannt geworden sei, seien er und seine Fa-

milie mit dem Tod bedroht worden. Er habe eine grosse Anzahl von Fein-

den in der albanisch-stämmigen Bevölkerung und nie eine Arbeit gefunden. 

Zudem habe sie wegen ihm nie die Schule besuchen können. Vor der zwei-

ten Ausreise in die Schweiz sei sie aus Rache an ihrem Vater für seine 

Taten von vier Männern verschleppt und vergewaltigt worden. Danach 

seien zehn bewaffnete Leute zu ihr und ihrer Familie nach Hause gekom-

men und hätten gedroht, die Familie müsse den Kosovo verlassen, sonst 

würde sie getötet werden. Seither sei sie (die Beschwerdeführerin) in ei-

nem schlechten psychischen Zustand. 

Die kosovarischen Behörden seien nur sehr eingeschränkt in der Lage, 

Opfer von Gewaltverbrechen zu schützten und Täter zu verhaften. Die 

Rolle der EULEX, die im Kosovo eigentlich den Rechtsstaat hätte aufbauen 

sollen, sei dabei äusserst unrühmlich. Es gebe Korruptionsaffären sowie 

gravierende Missstände bei der Führung und Kontrolle der Mission. Der 

Rechtsstaat Kosovo habe in den letzten zehn Jahren kaum Fortschritte ge-

macht. Von einem schutzfähigen und schutzwilligen Staat könne nicht die 

Rede sein. Der Vergewaltigung sei sie deshalb vollkommen schutzlos ge-

genübergestanden. Zudem habe sie als albanischsprachige Roma und 

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aufgrund der Zwangsarbeit ihres Vaters während des Kosovokrieges zahl-

reiche wirtschaftliche und soziale Nachteile. 

Zudem brachte sie neue Fluchtgründe vor, welche sie zuvor nicht habe 

geltend machen können, sie sei im Alter von 15 Jahren zwangsverheiratet 

worden. Sie habe bei ihren Schwiegereltern gelebt, wo sie eingesperrt und 

geschlagen worden sei. Nach 11 Monaten habe sie einen Suizidversuch 

unternommen. Später habe sie sich dann scheiden lassen dürfen. Eine 

Zeitlang seien ihre Eltern von der Familie des Ex-Mannes bedroht worden.  

4.3 In der Vernehmlassung beschränkte sich das SEM auf Ausführungen 

zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.  

4.4 In der Replik machte die Beschwerdeführerin geltend, die Vorinstanz 

gehe nicht auf ihre Argumentation in ihrem Asylgesuch oder der Be-

schwerde ein. Die Gründe, weshalb sie den Kosovo verlassen habe, seien 

nicht gewürdigt worden. 

5.  

5.1 In formeller Hinsicht rügte die Beschwerdeführerin mehrfach eine Ver-

letzung des rechtlichen Gehörs sowie eine Missachtung des Untersu-

chungsgrundsatzes und die unrichtige und unvollständige Sachverhalts-

feststellung. 

5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-

seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass 

eines Entscheides dar. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffe-

nen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern und 

erhebliche Beweise beizubringen, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid 

zu beeinflussen (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1, BVGE 2009/35 E. 6.4.1 mit 

Hinweisen). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, 

die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Ent-

scheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss so 

abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sach-

gerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen 

nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren 

Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen 

Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-

bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 

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Seite 8 

Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we-

gen fest. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwir-

kungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Unrichtig ist 

die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten-

widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, unvollständig ist sie, wenn nicht 

alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt 

werden (vgl. Kölz/Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-

rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).  

5.3 Die Beschwerdeführerin sieht ihren Anspruch auf rechtliches Gehör 

deshalb verletzt, weil die Vorinstanz sie weder im ersten noch im zweiten 

Asylverfahren angehört habe.  

Dazu ist zunächst festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin entgegen ih-

ren Behauptungen im ersten Asylverfahren angehört worden war, obwohl 

sie damals noch minderjährig war, und sie im Wesentlichen von ihren El-

tern vertreten wurde. Die Vorinstanz hat aber ohnehin und unabhängig von 

einer damals erfolgten Anhörung zu Recht die Bestimmungen zu Art. 111c 

AsylG angewendet. Die Beschwerdeführerin hat zusammen mit ihrer Fa-

milie ein erstes Asylverfahren durchlaufen, das am 18. Dezember 2012 

rechtkräftig abgeschlossen worden war. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie 

als Minderjährige von ihren Eltern vertreten wurde oder eigene Asylgründe 

vorgebracht hatte. Das zweite Asylgesuch vom 4. Oktober 2017 wurde in-

nerhalb der Fünfjahresfrist von Art. 111c AsylG gestellt. Bei dieser Konstel-

lation ist eine Anhörung gemäss Art. 29 AsylG grundsätzlich nicht vorgese-

hen (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.3). Ausserdem konnte die Beschwerdeführe-

rin ihre Vorbringen im schriftlichen Gesuch an das SEM ausführlich darle-

gen. Dass sie dabei kein eigenes Schreiben verfasste, sondern ihr Asylge-

such zusammen mit der Familie begründete, ändert daran nichts. Aufgrund 

der Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG war sie verpflichtet, alles Zu-

mutbare zu unternehmen, die persönlichen Asylvorbringen bei Gesuchs-

einreichung umfassend sowie substantiiert darzutun und mit entsprechen-

den Beweismitteln zu belegen. Es wäre ihr frei gestanden, dies in einem 

separaten Schreiben zu tun. Es ist damit nicht ersichtlich, weshalb sie ihre 

persönlichen Asylgründe nicht hätte vorbringen können, zumal es ihr auch 

von Anfang an möglich gewesen wäre, ein eigenes Asylgesuch zu stellen 

und damit ein unabhängiges Verfahren einzuleiten. Aufgrund der schriftli-

chen Eingabe ergaben sich sodann keine Hinweise darauf, inwiefern eine 

Anhörung zur Sachverhaltsermittlung notwendig gewesen wäre, weshalb 

die Vorinstanz zu Recht darauf verzichtete. 

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Seite 9 

5.4 Sodann rügte sie eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, da die  

Vorinstanz nicht auf ihre zentralen Beschwerdevorbringen eingegangen 

sei. Auch diese Rüge ist unbegründet, wird doch im Entscheid ausführlich 

begründet, weshalb nicht von einer asylrechtlich relevanten Gefährdungs-

situation auszugehen ist. Es ist nicht erforderlich, dass die Behörde sich in 

der Begründung mit jeder tatbestandlichen Behauptung und jedem rechtli-

chen Einwand einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen 

ausdrücklich widerlegt. Auch hat die Vorinstanz die beigebrachten Beweis-

mittel entgegengenommen und gewürdigt. Allein der Umstand, dass die 

Beschwerdeführerin zu einer anderen rechtlichen Würdigung des Sachver-

halts gelangt, kann keine Rolle spielen.  

5.5 Schliesslich konnte es das SEM auch unterlassen, weitere Abklärun-

gen bezüglich der geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden vor-

zunehmen. Der Beschwerdeführerin wäre es im Rahmen ihrer Mitwir-

kungspflicht oblegen, die vorgebrachten gesundheitlichen Probleme mit 

allfälligen Berichten zu belegen. Wenn noch keine medizinischen Berichte 

vorliegen, hat die Partei sich – angesichts der damit verbundenen Kosten-

folgen – nach Aufforderung durch das SEM darum zu bemühen, innert ei-

ner angemessenen Frist entsprechende Beweismittel zu beschaffen (vgl. 

BVGE 2009/50 E. 10.2.2). Im vorinstanzlichen Verfahren ist sie aufgefor-

dert worden, entsprechende Arztberichte einzureichen. Dieser Aufforde-

rung ist sie jedoch nicht nachgekommen. Auf Beschwerdeebene entgeg-

nete sie, ihre Hausärztin habe es versäumt, die Zeugnisse direkt an die 

Vorinstanz zu senden. Dies hat die Beschwerdeführerin jedoch selbst zu 

verantworten.  

5.6 Die Rüge der ungenügenden Sachverhaltsabklärung erweist sich dem-

nach als unbegründet. Die weiteren auf Beschwerdeebene aufgeführten 

Punkte beziehen sich sodann auf die Würdigung des Sachverhaltes und 

nicht auf eine unvollständige Feststellung des Sachverhaltes. Bei dieser 

Sachlage besteht keine Veranlassung dazu, die angefochtene Verfügung 

aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache zur Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der 

entsprechende Antrag ist daher abzuweisen. 

6.  

6.1 In materieller Hinsicht gelangt das Bundesverwaltungsgericht nach 

Durchsicht der Akten zum Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch 

der Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt hat. 

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Seite 10 

6.2 Das Flüchtlingsrecht ist subsidiär ausgestaltet. Demnach ist eine Be-

dürftigkeit nach internationalem Schutz dann anerkannt, wenn der Heimat-

staat des Betroffenen keinen Schutz bieten will oder kann (vgl. Entschei-

dungen und Mitteilungen der ehemaligen Schweizerischen Asylrekurskom-

mission [EMARK] 2006 Nr. 18 E. 10.1 S. 201). Der Schutz gilt als ausrei-

chend, wenn im Heimatstaat eine funktionierende und effiziente Schutzinf-

rastruktur zur Verfügung steht, also in erster Linie polizeiliche Aufgaben 

wahrnehmende Organe und ein Rechts- und Justizsystem, das eine effek-

tive Strafverfolgung ermöglicht; diese Struktur muss dem Betroffenen dar-

über hinaus zugänglich sein (vgl. zu dieser sogenannten Schutztheorie 

BVGE 2011/51 E. 7.1 bis 7.4 m.H.). 

Gemäss Beschluss des Bundesrates vom 6. März 2009 gilt der Kosovo als 

verfolgungssicherer Staat ("Safe Country") im Sinne von Art. 6a Abs. 2 

Bst. a AsylG. Damit besteht die gesetzliche Regelvermutung, dass asylre-

levante staatliche Verfolgung nicht stattfindet und Schutz vor nichtstaatli-

cher Verfolgung gewährleistet ist. Gemäss Rechtsprechung des Bundes-

verwaltungsgerichts gehen die zuständigen Behörden im Kosovo im Rah-

men ihrer Möglichkeiten konsequent gegen Bedrohungen und Übergriffe 

durch Privatpersonen vor. Insofern ist vom bestehenden Schutzwillen und 

von der weitgehenden Schutzfähigkeit der Sicherheitsbehörden auszuge-

hen (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-2562/2013 vom 16. Mai 

2013 E. 4.1 f. mit Hinweis auf BVGE 2011/50 E. 4.7; E-5031/2012 vom 

4. Juni 2014 E. 7.3; E-1215/2011 vom 12. August 2013 E. 4.2). 

Der Beschwerdeführerin stand es nach dem oben Gesagten offen, sich 

aufgrund des geltend gemachten Angriffs seitens Dritter an die heimatli-

chen Behörden oder die internationalen Sicherheitskräfte und Institutionen 

zu wenden und diese um Schutz zu ersuchen. Wenn auch ein gewisses 

Misstrauen der Minderheitsbevölkerung gegenüber der lokalen Polizei 

nachvollziehbar ist, hat die Beschwerdeführerin vorliegend nicht glaubhaft 

dargelegt, weshalb sie davon abgesehen hat, sich aufgrund des Übergriffs 

an die lokale Polizei oder die internationalen Institutionen zu wenden un-

diese um Schutz zu ersuchen. Die Erklärung der Beschwerdeführerin, es 

sei ihr als Angehörige der Roma-Ethnie und angesichts der Todesdrohun-

gen der Täter – die allerdings erst zwei Tage nach der Tat erfolgten – nicht 

zumutbar gewesen, die lokalen Behörden um Schutz zu ersuchen, ist nicht 

geeignet, den Schutzwillen der Sicherheitsbehörden grundsätzlich in Frage 

zu stellen. In diesem Zusammenhang ist vor allem darauf hinzuweisen, 

dass die Familie der Beschwerdeführerin sie unterstützte und eine Anzeige 

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Seite 11 

mit Hilfe der Eltern ohne weiteres zumutbar scheint. Aufgrund der Akten-

lage ist jedenfalls nicht hinreichend dargelegt, dass die zuständigen staat-

lichen Organe der Beschwerdeführerin den erforderlichen Schutz verwei-

gert hätten oder in Zukunft verweigern würden. Auch ist insgesamt von ei-

nem zumutbaren Zugang zum Schutz auszugehen. Damit gelingt es der 

Beschwerdeführerin nicht, die mit der Qualifikation als verfolgungssicheren 

Staat eintretende gesetzliche Regelvermutung umzustossen. 

6.3 Soweit die Beschwerdeführerin erstmals auf Beschwerdeebene vor-

bringt, sie sei zwangsverheiratet worden und habe seitens ihrer angehei-

rateten Familie Nachteile erlitten, bleibt festzuhalten, dass diese Nachteile 

durch Dritte als nicht asylrelevant einzustufen sind. Des Weiteren ergibt 

sich aus ihren Ausführungen, dass diese Nachteile bereits zurückliegen, 

sie in der Zwischenzeit geschieden sei und wieder mit ihrer Familie bezie-

hungsweise bei ihren Verwandten lebe.   

6.4 Ferner hat das SEM die vorgebrachten wirtschaftlichen und sozialen 

Schwierigkeiten im Kosovo als Angehörige der Roma-Ethnie zu Recht als 

nicht asylrelevant eingestuft. Ihnen mangelt es deutlich an Intensität, um 

als ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylrechts qualifiziert zu werden. 

6.5 Schliesslich vermag die Beschwerdeführerin auch aus den eingereich-

ten Beweismitteln nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. In den beiden Zei-

tungsartikeln wird sie nicht persönlich erwähnt. Es ist nicht ersichtlich und 

solches wird von ihr auch nicht dargelegt, inwiefern die Zeitungsartikel und 

die Berichte die konkreten Verfolgungsvorbringen stützen sollen. 

6.6 Zusammenfassend hat das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Be-

schwerdeführerin zu Recht verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt.  

7.  

7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

 

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Seite 12 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2  

8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 

3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter 

und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung o-

der Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand 

der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behand-

lung unterworfen werden. 

8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der 

Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-

fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-

fahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in 

den Kosovo ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-

schaffung in den Kosovo dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 

D-2991/2018 

Seite 13 

nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-

gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-

schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste 

die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder 

glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-

menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-

gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 

m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Kosovo bezie-

hungsweise die Berichte über die verbreitete Gewalt gegen Frauen lässt 

den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig er-

scheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

8.3   

8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.3.2 Das SEM erachtete den Wegweisungsvollzug in der angefochtenen 

Verfügung als zumutbar. Die Regelvermutung, dass eine Rückkehr in den 

Kosovo grundsätzlich zumutbar sei, gelte auch für Angehörige der alba-

nischsprachigen Roma. Zudem sei der Zugang zu den medizinischen und 

sozialen Strukturen in aller Regel gewährleistet. Es gebe auch keine indi-

viduellen Gründe, die gegen die Zumutbarkeit eines Wegweisungsvollzugs 

sprechen würden. Die Beschwerdeführerin und ihre Familie hätten ihren 

Lebensunterhalt mit dem (…) verdient, beim Grossvater der Beschwerde-

führerin gelebt und seien auch von anderen Familienmitgliedern beher-

bergt worden. Zudem habe ihnen ein Verwandter bei der erneuten Ausreise 

im Jahr 2017 finanziell geholfen. Deshalb könne davon ausgegangen wer-

den, dass sie im Kosovo über ein taugliches und tragfähiges Beziehungs-

netz verfüge. Hinsichtlich der geltend gemachten gesundheitlichen Prob-

leme sei kein Arztzeugnis eingereicht worden. Indessen gehe aus den 

Schilderungen nicht hervor, dass die erwähnten psychischen Probleme im 

Kosovo nicht behandelbar wären.  

8.3.3 Die Beschwerdeführerin entgegnete in der Beschwerde, eine Rück-

kehr sei aufgrund der unzureichenden Gesundheitsversorgung sowie der 

wirtschaftlichen Situation im Kosovo nicht zumutbar.  

D-2991/2018 

Seite 14 

8.3.4 Das SEM führte in seiner Vernehmlassung aus, aus dem Anhörungs-

protokoll des Vaters der Beschwerdeführerin vom 29. März 2012 (erstes 

Asylverfahren) gehe hervor, dass die Familie die letzten drei Jahre vor der 

ersten Ausreise (2011) in D._______ bei einer Tante des Vaters gelebt 

habe. Der Vater habe zuletzt als (…) und (…) gearbeitet. Aus seinen übri-

gen Schilderungen gehe zudem hervor, dass er davor in der (…) als (…) 

und (…) gearbeitet habe. Im Mai 2013 seien die Beschwerdeführerin und 

ihre Familie freiwillig in den Kosovo zurückgekehrt. Sie hätten eine Rein-

tegrationshilfe von Fr. 5‘000 erhalten. Aus der schriftlichen Eingabe vom 

21. Februar 2018 gehe hervor, dass die Familie ein Zweizimmerfamilien-

haus in B._______ gemietet habe, wo sie bis Ende des Jahres 2014 ge-

wohnt habe. Ein Teil der Reintegrationshilfe sei zudem in ein Berufsprojekt 

investiert worden. Daher sei davon auszugehen, dass die damaligen Chan-

cen auf eine längerfristige Reintegration der Familie gut geständen seien. 

Als sie kein Geld mehr gehabt hätten, seien sie nach C._______ zum 

Grossvater der Beschwerdeführerin gezogen, wo die Familie der Be-

schwerdeführerin auch nach ihrer Rückkehr aus Deutschland wieder ge-

lebt habe. Die Beschwerdeführerin selbst habe zwischenzeitlich mehrheit-

lich bei einer Schwester ihres Grossvaters in D._______ (C._______) ge-

lebt. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Minderheit der 

Roma im Kosovo und der Heirat im Alter von 13 Jahren könne nicht von 

einer durchwegs aussichtslosen Situation ausgegangen werden, die es ihr 

verunmöglichen würde, sich im Kosovo wieder zu reintegrieren. In den ver-

gangenen Jahren sei ihre Familie bereits zweimal (und sie einmal) in ihr 

Heimatland zurückgekehrt. Jedes Mal hätten sie auf die Hilfe und Unter-

stützung von ihren Verwandten (Grossvater und Schwester des Grossva-

ters) vor Ort zählen können und seien von diesen beherbergt worden. Fer-

ner sei sie und ihre Familie bei der letzten Ausreise in die Schweiz im Jahr 

2017 von einem Verwandten finanziell mit Fr. 5‘000 unterstützt worden. Da-

her sei davon auszugehen, dass sie im Kosovo über ein genügend taugli-

ches Beziehungsnetz verfüge, zumal die Verwandten sie bereits in der Ver-

gangenheit unterstützt hätten. Ferner gehe aus den Protokollen hervor, 

dass sie noch weitere Verwandte in Serbien und Montenegro habe. Aus all 

diesen Gründen erweise sich eine Rückkehr in den Kosovo als zumutbar. 

Da das Asyldossier zahlreiche Informationen zur allgemeinen, persönli-

chen und familiären Situation der Beschwerdeführerin enthalte, seien in 

diesem Fall keine weiteren Abklärungen vor Ort angezeigt gewesen. 

8.3.5 Die Beschwerdeführerin hielt in der Replik dagegen, die Vorinstanz 

habe weder im ersten noch im vorliegenden zweiten Asylverfahren Abklä-

rungen am Herkunftsort veranlasst. Dies widerspreche den Vorgaben des 

D-2991/2018 

Seite 15 

Bundesveraltungsgerichts, wonach der Vollzug der Wegweisung von alba-

nischsprachigen Roma, Ashkali und „Ägyptern“ in den Kosovo in der Regel 

zumutbar sei, sofern aufgrund einer Einzelfallabklärung feststehe, dass be-

stimmte Reintegrationskriterien – wie berufliche Ausbildung, Gesundheits-

zustand, Alter, ausreichende wirtschaftliche Lebensgrundlage und Bezie-

hungsnetz im Kosovo – erfüllt seien (vgl. BVGE 2007/10). Eine solche Ein-

zelfallabklärung habe vorliegend nicht stattgefunden. Angesichts der Ver-

gangenheit ihres Vaters, der erlittenen Nachteile und der allgemeinen Le-

bensumstände seien die Kriterien der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs – insbesondere bezüglich ausreichende wirtschaftliche Lebensgrund-

lage, berufliche Ausbildung und Gesundheitszustand – nicht erfüllt.  

8.4  

8.4.1 Die Zugehörigkeit der Beschwerdeführerin zur Volksgruppe der alba-

nischsprachigen Roma ist unbestritten. Das Bundesverwaltungsgericht 

setzt sich mit der Situation ethnischer Minderheiten im Kosovo fortlaufend 

auseinander. Gemäss geltender Rechtsprechung ist der Vollzug der Weg-

weisung von albanischsprachigen Roma, Ashkali und "Ägyptern" in den 

Kosovo in der Regel zumutbar, sofern aufgrund einer Einzelfallabklärung 

(insbesondere durch vor Ort-Untersuchungen durch das Verbindungsbüro 

im Kosovo) feststeht, dass bestimmte Reintegrationskriterien – wie berufli-

che Ausbildung, Gesundheitszustand, Alter, ausreichende wirtschaftliche 

Lebensgrundlage und Beziehungsnetz im Kosovo – erfüllt sind (vgl. BVGE 

2007/10 E. 5.3).  

8.4.2 Die Beschwerdeführerin brachte vor, dass sie im Kosovo keine 

Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten habe. Auch sei der Zugang zu medizini-

scher Versorgung nicht gewährleistet.  

Bezüglich der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin ist fest-

zuhalten, dass sie gemäss eingereichtem Arztbericht unter (…) mit(…) und 

(…) sowie (…) und (…) leide. Zudem leide sie gemäss vorliegendem Arzt-

bericht unter einer (…) ([…]) und verfüge über (…).  

Nach der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist der Wegweisungsvoll-

zug aus medizinischen Gründen unzumutbar, wenn eine notwendige Be-

handlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu 

einer raschen und lebensgefährlichen Beeinträchtigung des Gesundheits-

zustandes, zur Invalidität oder zum Tod der betroffenen Person führt. Un-

zumutbarkeit liegt jedoch nicht schon vor, wenn im Heimatstaat eine nicht 

dem schweizerischen Standard entsprechende medizinische Behandlung 

D-2991/2018 

Seite 16 

möglich ist (BVGE 2009/2 E. 9.3.2; 2011/50 E. 8.3, jeweils m.w.H.). 

Schliesslich besteht auch die Möglichkeit, bei Bedarf medizinische Rück-

kehrhilfe zu beantragen (Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 

[AsylV 2, SR 142.312]). 

Die medizinische (inklusive psychiatrische) Grundversorgung im Kosovo 

ist grundsätzlich gewährleistet. Angehörige von Minderheiten, insbeson-

dere der Roma-Gruppe, sind vom Zugang zum Gesundheitssystem nicht 

ausgeschlossen (European Commission, Brüssel, Kosovo 2016 Report, 

09.11.2016, S. 19, https://ec.eu-ropa.eu/neighbourhood-enlargement/si-

tes/near/fi les/pdf/key_documents/2016/20161109_report_kosovo.pdf). 

Das Gesundheitssystem ist auf drei Ebenen organisiert. Die grundlegende 

Primärversorgung wird von Familien-Gesundheitszentren in mehr als 30 

Städten im ganzen Kosovo durchgeführt. Die sekundäre Gesundheitsver-

sorgung wird von sechs regionalen Krankenhäusern in den wichtigsten 

Städten des Kosovo angeboten. Alle Krankenhäuser sind in Betrieb, jedoch 

ist die Kapazität der Labore und Röntgenabteilungen begrenzt. Die tertiäre 

Gesundheitsversorgung wird vom Universitätsklinikum in Priština angebo-

ten. Medikamente der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel sollten in je-

dem öffentlichen Gesundheitszentrum kostenlos zur Verfügung stehen. 

Diese sind indessen nicht immer verfügbar. Bestimmte Personengruppen 

(unter anderem: Kinder bis 15 Jahre, Schüler und Studenten sowie Perso-

nen über 65 Jahre) erhalten im Kosovo eine kostenlose Gesundheitsver-

sorgung. Darüber hinaus haben Rückkehrende in allen Situationen einen 

guten Zugang zum Gesundheitswesen und sind von Behandlungskosten 

befreit. Eine etablierte Krankenversicherung gibt es im Kosovo noch nicht. 

(vgl. International Organization for Migration [IOM], Länderinformations-

blatt Kosovo 2017, S. 4; Law No. 2004/4. Kosovo Health Law, Kapitel V., 

Artikel 22.1, 22.2. Assembly of Kosovo, Pristina, 19.02.2004, 

http://www.unmikonline.org/regulations/2004/re2004_31ale04_04.pdf; 

Law Nr. 04/L-125, Kosovo law on Health, Assembly of Kosovo, Pristina, 

13.12.2012, http://www.kuvendikoso-ves.org/common/docs/ligjet/ 

Law%20on%20Health.pdf). 

Demzufolge ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin Zugang 

zu den staatlichen medizinischen Behörden im Kosovo hat und trotz der 

genannten Mängel eine genügende medizinische Grundversorgung sicher-

gestellt ist. Den Akten sind keine stichhaltigen Anhaltspunkte für eine dro-

hende medizinische Notlage der Beschwerdeführerin im Kosovo zu ent-

nehmen. Vor diesem Hintergrund ist deshalb auch anzunehmen, dass sie 

D-2991/2018 

Seite 17 

sich bei Bedarf an die zuständigen heimatlichen Behörden wenden und um 

entsprechende Unterstützung ersuchen kann.  

8.4.3 Wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zutreffend festgehalten 

hat, kann sich die Beschwerdeführerin im Kosovo auf ein tragfähiges Be-

ziehungsnetz stützen. Es kann in diesem Zusammenhang auf die zu be-

stätigenden Ausführungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid und 

in der Vernehmlassung, worin einlässlich dargelegt wurde, dass die Be-

schwerdeführerin wiederholt auf die Hilfe und Unterstützung ihrer Ver-

wandten im Kosovo habe zählen können, verwiesen werden. Zudem kann 

die Beschwerdeführerin gemeinsam mit ihren Eltern, mit denen sie in die 

Schweiz gereist ist und deren Asylgesuch vom SEM ebenfalls negativ ent-

schieden wurde, in den Kosovo zurückkehren. Trotz fehlender Schulbil-

dung oder beruflicher Ausbildung kann davon ausgegangen werden, dass 

es der Beschwerdeführerin gelingen wird, mit Hilfe ihrer Verwandten eine 

Arbeit zu finden, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.  

8.4.4 Demzufolge hat das SEM eine genügende Einzelfallabklärung durch-

geführt. Es ist nicht erforderlich, dass es eine Abklärung vor Ort durchführt, 

wenn genügende Informationen zum Beziehungsnetz im Kosovo und zur 

individuellen wirtschaftlichen Situation vor Ort vorliegen.  

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 

zumutbar. 

8.5 Schliesslich obliegt es der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AuG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

D-2991/2018 

Seite 18 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwerde-

führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da der Antrag auf unentgelt-

liche Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 21. Juni 2018 gutge-

heissen wurde, hat die Beschwerdeführerin vorliegend keine Verfahrens-

kosten zu tragen. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-2991/2018 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Nathalie Alemayehu 

 

 

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