# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 55555267-0868-59c4-9af5-bccfe6e031dc
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-02-23
**Language:** de
**Title:** Überentschädigungsberechnung nach Zusprache einer UV-(Teil-)Rente für Grundfall und Zusammentreffen erneuter Taggeldleistungen der UV aufgrund von Rückfall mit Rente der IV; Ermittlung des mutmasslich entgangenen Verdienstes Rückforderung rechtens; Abweisung.
**Docket/Reference:** UV.2013.00126
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2013.00126.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2013.00126
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiberin Fischer
Urteil
vom
23. Februar 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Kaspar Gehring
Anwaltskanzlei
Kieser
Senn Partner
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1972 geborene
X.___
war vom
1. April 2001
bis
31. Oktober
2008
bei der
Y.___
angestellt und damit bei der Schweizerischen
Unfallversiche
rungsanstalt
(SUVA) versichert
(Urk. 10/1, Urk. 10/14
7
)
. Am 13. Januar 2002 glitt er auf
vereistem Boden
aus und verletzte sich dabei am linken Fuss (Urk. 10/1). Die SUVA
erbrachte
im Zusammenhang mit diesem Unfall Taggel
der und kam für die Heilbehandlungskosten auf.
Am
28. Juni 2006
verfügte
sie eine Entschädigung für eine Integritätseinbusse von 20
%
(Urk. 10/95)
und am 9. Februar 2007
-
mit Wirkung ab 1. J
anuar
2007
-
eine auf einem
Invaliditäts
grad
von 25 % beruhende Rente (Urk. 10/115).
Mit Verfügung vom 19. September 2007 (Urk. 10/122) teilte sie dem Versicherten – unter Hinweis darauf, dass es infolge des Zusammentreffens von
Taggeldzahlungen der Unfallversicherung und Geldleistungen der Eidgenössischen Invalidenversiche
rung (IV) betreffend die Zeit vom 13. Januar 2002 bis 30. November 2005 zu einer Überentschädigung in Höhe von Fr. 4‘556.20 gekommen sei
(vgl. auch Urk. 10/124)
-
mit, dass
sie diesen Betrag mit der Nachzahlung der IV verrech
nen werde.
1.2
Aufgrund eines
Rückfall
s
zum Unfall vom 13. Januar 2002 richtete die SUVA
dem Versicherten, der nach der
Rentenzusprache
weiterhin (nun teilzeitlich und in anderer Funktion) bei der
Y.___
angestellt war
(vgl. Urk. 10/197 S. 4)
,
ab dem 1.
August 2008 erneut
Taggeld
-
und Heilbehandlungsleistungen
aus (vgl.
Urk. 10/171,
Urk. 10/173
, Urk. 10/183
)
.
Mit Verfügung vom 11. Januar 2011 (Urk. 10/237) schloss sie den Rückfall
im Rahmen der 25%igen Invalidenrente
ab
, wobei sie die
Taggelder per 31. Januar 2011 und die
Heilbehandlungsleis
tungen
auf erstgenanntes Datum
hin
ein
stellte.
Nachdem die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
die ihre nach dem Unfall gewährte Rente
per
30. November 2005 befristet hatte (Urk. 10/131),
dem Versicherten
am 16. Oktober 2012 rückwirkend a
b 1. August 20
08
abermals
eine
R
ente zuge
sprochen hatte (vgl. Verfügung vom 16
. Oktober 2012
,
Urk. 10/254
)
,
nahm die
SUVA
eine Überentschädigungsberechnung vor
(Urk. 10/257 S. 12 f.)
;
sie
ver
fügte
am 2. November 2012 die Verrechnung für die Zeit vom 1. August 2008 bis 31. Ja
nuar 2011 zu viel ausgerichteten
Taggelder im Betrag von Fr. 29‘937.15 mit der Nachzahlung der IV (Urk. 10/257). Die von
X.___
am 4. Dezember 2012 gegen diesen Entscheid erhobene Einsprache (Urk. 10/258 S. 4 ff.) wies sie am
11. April 2013 ab (Urk. 2).
2.
Gegen diesen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) liess
X.___
am 14. April 2013 mit folgenden Anträgen Beschwerde erheben (Urk. 1 S. 2):
„Der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und die
Be
schwerdegegnerin
sei zu verpflichten, die gesetzlich geschuldeten
Leis
tungen auszurichten, insb. keine, evtl. eine Rückforderung von
weniger als Fr. 29‘937.
15
vor
zunehmen;
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der
Beschwerdegeg
nerin
(inkl. 8 % MWST).
“
Die SUVA
stellte mit Beschwerdeantwort vom 20. September 2013 nachste
hende Anträge (Urk. 9 S. 2):
„1.
Es seien beim Beschwerdeführer die detaillierten Abrechnungen bezüg
lich Anwaltskosten zu edieren und gestützt darauf die für die Überentschädigungsberechnung zu berücksichtigenden Mehrkosten im Sinne von Art. 69 Abs. 2 ATSG zu berechnen.
2.
Im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen und der Einsprache-Ent
scheid vom 11. April 2013, womit die Verfügung der Suva vom 2. November 2012 geschützt wurde, sei zu bestätigen.“
Replicando
(Urk. 13) und
duplicando
(Urk. 18) hielten die Parteien
zur Haupt
sache
an ihren Anträgen fest; letzteres wurde dem Beschwerdeführer am 20. Februar 2014 zur Kenntnis gebracht (Urk. 19).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
68
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversi
cherungsrechts
(
ATSG
)
werden Taggelder unter Vorbehalt der
Überentschädi
gung
kumulativ zu Renten anderer Sozialversicherungen gewährt. Nach
Art.
69 ATSG darf das Zusammentreffen von Leistungen verschiedener Sozialversiche
rungen nicht zu einer Überentschädigung der berechtigten Person führen. Bei der Berechnung der Überentschädigung werden nur Leistungen gleicher Art und
Zweckbestimmung berücksichtigt, die der anspruchsberechtigten Person auf
grund
des schädigenden Ereignisses gewährt werden (
Abs.
1). Eine
Überent
schädigung
liegt in dem Masse vor, als die gesetzlichen
Sozialversicherungs
leistungen
den wegen des Versicherungsfalls mutmasslich entgangenen Ver
dienst zuzüglich der durch den Versicherungsfall verursachten Mehrkosten und allfälliger
Ein
kom
menseinbussen
von Angehörigen übersteigen (
Abs.
2). Die Leistungen wer
den um den Betrag der Überentschädigung gekürzt. Von einer Kürzung ausge
schlossen sind die Renten der AHV und der IV sowie alle Hilflo
sen- und
Integ
ritätsentschädigungen
. Bei Kapitalleistungen wird der Rent
enwert berück
sichtigt (
Abs.
3).
Unter die Mehrkosten
im Sinne von Art. 69 Abs. 2
ATSG
sind grundsätzlich auch die dem Versicherten entstandenen Anwaltskosten zu subsumieren
; dies indes nur, soweit sie
durch den Versicherungsfall entstanden sind
,
mithin
zur Erlangung der für die Überentschädigungsberechnung massgebenden Sozial
versicherungsleistungen
notwendig waren,
nicht durch eine
Parteientschädi
gung
abgegolten worden
sind und nicht von einer
Rechtsschutzversicherung
übernommen werden (vgl. BGE
1
39 V 108 E. 6 mit Hinweis)
.
1.2
Rechtsprechungsgemäss
sind diejenigen Sozialversicherungsleistungen in die Berechnung der Überentschädigung einzubeziehen, die dasselbe Ereignis betref
fen (Prinzip der ereignisbezogenen Koordination). Beim Zusammentreffen von Taggeldern der Unfallversicherung mit Rentenleistungen der Invalidenversi
cherung hat praxisgemäss eine Abrechnung über die gesamte Bezugsperiode, beginnend ab der Entstehung des Anspruchs auf Taggelder der Unfallversiche
rung, zu erfolgen (
BGE 139 V 519 E. 3
in
fine
mit Hinweisen
).
1.3
Taggelder und Renten werden gemäss
Art.
15
des Bundesgesetzes über die Unfall
versicherung (
UVG
)
nach dem versicherten Verdienst bemessen (
Abs.
1). Als versicherter Verdienst gilt für die Bemessung der Taggelder der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn, für die Bemessung der Renten der innerhalb eines Jahres vor dem Unfall bezogene Lohn (
Abs.
2). Als versicherter Verdienst gilt im Regelfall der nach dem Bundesgesetz über die AHV massgebende Lohn (
Art.
22
Abs.
2
der Verordnung über die Unfallversicherung [
UVV
]
).
Bei
Rückfällen und Spätfolgen sowie bei der vom Versicherer angeordneten Wie
deraufnahme der ärztlichen Behandlung hat der Rentenbezüger auch An
spruch auf die Pflegeleistungen und Kostenvergütungen. Erleidet er während die
ser Zeit eine Verdiensteinbusse, so erhält er ein Taggeld, das nach dem letz
ten vor der neuen Heilbehandlung erzielten Verdienst bemessen wird (Art. 21 Abs. 3 UVG).
Bei Rückfällen ist der unmittelbar zuvor bezogene Lohn, mindestens aber ein Tagesverdienst von 10 Prozent des Höchstbetrages des versicherten Tagesver
dienstes massgebend, ausgenommen bei
Rentnern der Sozialversicherung (Art. 23 Abs. 8 UVV).
Der Verweis auf die „
Rentner der Sozialversicherung" bezieht sich
dabei
auf den minimalen Ansatz von 10
% und nicht auf die Grundaussage, dass bei Rückfällen der unmittelbar zuvor bezogene Lohn die
Basis für die Berechnung des versicherten Verdienstes bildet.
Vielmehr ist bei
Rentnern der Lohn vor dem Rückfall massgebend
(vgl.
hiezu
Urteil des damali
gen Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 357/04 vom 22. September 2005 E. 1.5 mit Hinweisen
; ferner Urteil 8C_127/2012 vom 3
0.
August 2012 E. 3
i.f
.
)
.
1.4
Mutmasslich entgangen ist derjenige Verdienst, den die versicherte Person ohne das schädigende Ereignis wahrscheinlich erzielt hätte (
Art.
51
Abs.
3 UVV). Massgebend für die Bestimmung des hypothetischen Einkommens ist der Zeit
punkt, in welchem sich die Kürzungsfrage stellt (Urteil
des Bundesgerichts
8C_138/2013 vom 22.
Oktober 2013 E. 6.2, nicht publ
iziert
in: BGE 139 V 519).
1.5
Hat der Versicherte Anspruch sowohl auf eine Rente der Unfallversicherung als auch auf eine Rente der IV oder der AHV, so wird ihm von der Unfallversiche
rung eine Komplementärrente gewährt; diese entspricht in Abweichung
zu
Art. 69 ATSG der Differenz zwischen 90 % des versicherten Verdienstes und der Rente der IV oder der
Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(
AHV
)
, höchstens aber dem für Voll- und Teilinvalidität vorgesehenen Betrag. Die
Komplemen
tärrente
wird beim erstmaligen Zusammentreffen der erwähnten Renten festge
setzt und lediglich späteren Änderungen der für Familienangehörige bestimm
ten Teile der Rente der IV oder der AHV angepasst (
vgl.
Art. 20 Abs. 2 UVG).
1.
6
Gemäss Art. 25 Abs. 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurück
zuerstatten.
2.
2.1
Die SUVA begründete
die Rückforderung damit, dass
bei einem Rückfall
für die Überentschädigungsberechnung
auf den aufgrund des Rückfalls
und nicht
auf den infolge
des (abgeschlossenen) Grundfalls mutmasslich
entgangenen Ver
dienst abzustellen sei
. Auch für die Taggeldberechnung sei
nicht der ursprüngli
che, sondern
der
nebst der
25%igen
Rente noch erzielte Verdienst massgebend
.
Mit dieser
Rente, die nach der Komplementärrentenregel gemäss Art. 20 Abs. 2 UVG nicht in die Überentschädigungsberechnung gemäss Art. 69 ATSG
mitein
zubeziehen
sei
, sei
die
durch den Unfall vom
13. Januar 2002 bedingte
Erwerbs
einbusse
bereits
abgegolten
(Urk. 2 S. 2, Urk. 9 S. 3
f.
, Urk. 18 S. 2
)
.
F
ür die
relevante
Zeit
spanne
vom 1. August 2008 bis 31. Januar 20
11 ergebe sich demnach
eine
Überentschädigung
– und damit auch ein
Rückerstattungsan
spruch
– in Höhe von
Fr. 29‘937.15
(Urk. 2 S. 2 f.,
Urk. 9 S. 3
f.
, Urk. 18 S. 2
)
.
Die
nach der neuen höchstgerichtlichen Rechtsprechung unter den Begriff der Mehrkosten im Sinne von Art. 69 Abs. 2 ATSG
fallenden
Anwaltskosten könn
ten in der Überentschädigungsberechnung nur berücksichtigt werden, soweit
und sofern
sie
im Zusammenhang mit
dem
Verfahren betreffend
Überentschädi
gung
stünden,
dem Versicherten erwiesenermassen in Rechnung gestellt und von diesem
auch
bezahlt worden seien.
Die für den entsprechenden Nachweis erforderliche detaillierte Rechnung habe der Beschwerdeführer indes nicht ein
gereicht (Urk. 9 S. 4 f.
, Urk. 18 S. 2 f.
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
Über
ent
schä
digungsgrenze
bilde nicht der
infolge des Unfalls verminderte Verdienst
, sondern der
ohne Unfallfolgen mutmasslich entgangene Verdienst (Urk. 1 S. 3 ff.
, Urk. 13 S. 2 ff.
). Träfen Taggelder der Unfallversicherung und Renten der IV zusammen, so seien bei der Überentschädigungsberechnung nach Art. 69 ATSG die Grundsätze der Globalrechnung, der Kongruenz und
(
mit Bezug auf die Überentschädigungsgrenze
)
des mutmasslich entgangenen Verdienstes zu beachten. Dieser sei entsprechend der Verfügung der IV-Stelle vom 16. Oktober 201
2
(Urk. 3) auf mindestens Fr. 80‘495.20 anzusetzen und für die Folgejahre der Nominallohnentwicklung anzupassen.
Sofern Art. 69 ATSG nicht anwend
bar sei, gelte der Grundsatz der Kumulation nach Art. 68 ATSG
(Urk. 1 S. 6)
.
Die Überentschädigungsberechnung sei schliesslich auch deshalb unrichtig, weil
die SUVA die Anwaltskosten in der Höhe von Fr. 12‘043.50 nicht in die
Überent
schädigungsberechnung
miteinbezogen
habe
(Urk.
1 S. 6 f.).
Eine detaillierte
Hono
rarnote
könne nicht eingereicht werden, weil der Fall noch nicht abge
schlossen
und die Gesamtkosten
daher noch nicht
beziffer
bar
seien
(Urk. 13 S. 5 f.
).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer bezog
, wie bereits dargelegt,
nach dem Unfall vom 13. Januar 2002
bis zur per 1. Januar 2007 erfolgten
Zusprache
der
auf einem Invaliditätsgrad von 25 % beruhende
n
Rente
Taggelder der SUVA (Urk. 10/115)
. Hinsichtlich der
mit Verfügungen vom 21. November 2007 von der IV-Stelle zugesprochenen befristeten Invalidenrente (
halbe Rente vom 1. Januar bis 31. Dezember 2003 [Urk. 10/125], g
anze Rente vom 1. Januar bis 31. Juli 2004 [Urk. 10/130], halbe Rente vom 1. August 2004 bis 30. April 2005 [Urk. 10/129] und
Viertelsrente
vom 1. Mai bis 30. November 2005 [Urk. 10/131]) nahm die SUVA bereits
eine Überentschädigungsberechnung vor (Urk
.
10/124). Die ge
stützt darauf mit
Verfügung vom 19. September 2007 (Urk. 10/122)
erfolgte Rückforderung ist in der Folge unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Strittig und zu prüfen ist vorliegend demnach – ausschliesslich – die Rechtmässigkeit der am
2. November 2012
verfügten
(Urk. 10/257)
und mit
Einspracheentscheid
vom 11. April 2013
(Urk. 2)
bestätigten
Rückforderung für die Zeit vom
1. August 2008 bis 31. Januar 2011 zu viel ausgerichteter Taggelder im Betrag von Fr. 29‘937.15.
3.2
3.2.1
Nach Lage der Akten erbrachte
die SUVA im Zusammenhang mit dem
im Som
mer 2008 erlittenen
Rückfall vom 1. August 2008 bis 31. Januar 2011 – zu
sätz
lich z
ur am 9. Februar 2007 per 1. Januar
2007 verfügten 25%igen Rente (Urk. 10/115)
-
Taggeld
leistungen (Urk.
10/171,
U
rk
.
10/173, Urk. 10/237).
Fest steht zudem, dass die IV-Stelle
– aufgrund der der SUVA als Rückfall gemelde
ten gesundheitlichen Beschwerden –
für die Zeit ab
1. August 2008 erneut Ren
ten
zahlungen
ausrichtet (Urk. 10/254)
, und zwar zunächst eine ganze und ab
1.
August 2010 eine
Dreiviertelsrente
.
3.2.2
Betreffend den vom Beschwerdeführer am 13. Januar 2002 erlittenen
Sturz
schloss die SUVA den Fall – unter
Zusprache
der 25%igen Rente – mit (unan
gefochten in Rechtskraft erwachsener) Verfügung vom 9. Februar 2007 (Urk. 10/115) per 31.
Dezember 2006
ab. Der erneute Anspruch auf Taggelder ab 1. August 2008
wurde nicht durch den Unfall
an sich, sondern durch den im Sommer 2008
eingetretenen
Rückfall
ausgelöst
.
An
gesichts des Zusammenfal
lens der von ihr
für den Rückfall
erbrachten
Tag
gel
der mit – aufgrund der
im Rahmen des Rückfalls aufgetretenen gesundheitli
chen Einschränkungen
ge
währten - R
entenleistungen der IV während der Dauer des Rückfalls nahm die Beschwerdegegnerin zu Recht
gestützt auf Art. 69 ATSG
eine
Überentschädi
gungsberechnung
vor
(vgl. E. 1.1)
.
Dass sie die
Überentschä
digung
nicht durch Gegenüberstellung stets gleicher Zeitabschnitte
bestimmte
, sondern
eine
globale Abrechnung über die gesamte Bezugsperiode vom 1. August 2008 bis 31. Januar 2011 vor
nahm, entspricht der einschlägigen Pra
xis
(vgl. E. 1.2).
3.2.3
Die Beschwerdegegnerin zog als mutmasslich entgangenen Verdienst im Sinne von
Art.
69
Abs.
2 ATSG den vor dem Rückfall erzielten Verdienst von
Fr.
55'575.-- (im Jahr 2008, teuerungsbereinigt in den Folgejahren) heran (
Urk.
10/257/12,
Urk.
2 S. 3, Urk.9 S. 4). Dieses Einkommen liegt wegen der in Folge des Unfallereignisses vom 1
3.
Januar 2002 eingetretenen Erwerbsun
fähigkeit von 25
%
tiefer als das Einkommen vor dem Unfall, das die
Beschwer
degegnerin
anlässlich der Überentschädigungsberechnung vom 19. September 2007 (
Urk.
10/122) auf
Fr.
73'450.-- (im Jahr 2002) bezifferte (
Urk.
10/124/1).
Der Beschwerdeführer brachte diesbezüglich vor, als mutmasslich entgangener Verdienst sei jener ohne Unfallfolgen heranzuziehen (
Urk.
l
Ziff.
9); in Anleh
nung an die Rentenverfügung der Invalidenversicherung und das dort ange
nom
mene
Valideneinkommen
(vgl.
Urk.
3) sei der Verdienst im Jahr 2010 auf
Fr.
80'495.20 anzusetzen (
Urk.
1
Ziff.
10,
Urk.
13 S. 2 f.).
3.2.4
Dem Beschwerdeführer ist beizupflichten, dass
Art.
23
Abs.
8 UVV den zur Be
rechnung des Taggeldes bei Rentenbezug massgebenden versicherten Verdienst regelt, aber nichts sagt zur Frage des mutmasslich entgangenen Verdienstes (vgl. E. 1.4
hievor
). Rechtlich entspricht der mutmasslich entgangene Verdienst nicht oder höchstens zufällig dem versicherten Verdienst oder dem bei Eintritt der Invalidität tatsächlich erzielten Einkommen (Urteil des Bundesgerichts 8C_138/2013 vom 2
2.
Oktober 2013 E. 6.2, nicht publiziert in BGE 139 V 519). Das Bundesgericht hat dazu unter Hinweis auf den Wortlaut von
Art.
69
Abs.
1 ATSG erwogen, dass das versicherte Ereignis ausschlaggebend sei, das zur
Über
entschädigung
führt. Damit werde die ereignisbezogene Kongruenz statuiert. Daraus sei zu schliessen, dass der faktische Verdienst vor dem Unfallereignis die Basis für die Bestimmung der Überentschädigung zu bilden hat. In diesem Sinne sei auch
Art.
51
Abs.
3 Satz 1 UVV zu verstehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_512/2012 vom
7.
Juni 2013 E. 5.3.2). Im dort strittigen Fall mit zwei ver
schiedenen Unfallereignissen führte das Bundesgericht mit Blick auf die
ereig
nis
bezogene
Kongruenz aus, dass nur Verdienstausfälle zu berücksichtigen sind, die durch das zweite Unfallereignis entstanden sind. Nicht abzustellen sei, auf was die versicherte Person
zumutbarerweise
bei voller Gesundheit an Einkom
men erzielen würde, sondern auf dasjenige Einkommen, das sie ohne das in Frage stehende Ereignis tatsächlich verdient habe. Massgebend sei somit auch der gesundheitliche Zustand unmittelbar vor dem Unfall. Für eine
Vorschädi
gung
habe der Unfallversicherer nicht aufzukommen (vgl.
Art.
28
Abs.
3 UVV; Urteil des Bundesgerichts 8C_512/2012 E. 6.1).
Anders als im dargelegten Bundesgerichtsurteil 8C_512/2012 sind vorliegend nicht die Folgen von zwei eigentlichen Unfallereignissen zu beurteilen. Hier löste unstreitig und
ausgewiesenermassen
ein Rückfall zum Unfall im Jahr 2002 die Taggeldleistungen ab
1.
August 2008 aus. Ebenso fusst die
Wiederausrich
tung
von Rentenleistungen der Invalidenversicherung in einer Verschlechterung des anlässlich des Unfalles vom 1
3.
Januar 2002 zugezogenen Leidens (
Urk.
3 S.
3 unten).
Der Rückfall schliesst sich schon begrifflich an ein stattgehabtes Unfallereignis an (
Rumo-Jungo
, Hölzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
4.
Auflage, S. 78 unten) und stellt nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts kei
nen neuen Unfall im Rechtssinne dar (BGE 135 V 333 E. 4.5, 118 V 293 E. 2c). Im Rückfall vom
1.
August 2008 kann daher von vornherein kein Unfallereignis erblickt werden; vielmehr hat der Unfall im Jahr 2002 als versichertes Ereignis
zu gelten, das zur Überentschädigung führt. Daher ist in Bezug auf den mut
mass
lich entgangenen Verdienst von jenem Einkommen auszugehen,
das
der Beschwerdeführer vor dem Ereignis im Jahr 2002 erzielt hat; dieses ist sodann auf den Zeitpunkt aufzurechnen, in dem sich die Kürzungsfrage stellt (E. 1.4
hievor
).
Da sich die Beschwerdegegnerin zum solcherart ermittelten mutmasslich ent
gangenen Verdienst und der dementsprechend resultierenden
Überentschädi
gung
im Verfahren nicht geäussert hat, rechtfertigt es sich, die Sache zur neuen Überentschädigungsberechnung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2.5
Im Weiteren ist mit den Parteien festzuhalten, dass die Anwaltskosten, soweit sie denn als Mehrkosten im Sinne von
Art.
69
Abs.
2 ATSG zu qualifizieren sind (vgl. E. 1.1 in
fine
), in die Überentschädigungsberechnung miteinzubeziehen sind. Der Beschwerdeführer hat es (auch in diesem Verfahren) unterlassen, die entsprechenden - ihm effektiv in Rechnung gestellten und von ihm tatsächlich bezahlten - Kosten zu belegen. Entgegen seinem entsprechenden Vorbringen findet der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im Zusammen
hang mit der Geltendmachung von - ohne Weiteres nachweisbaren -
Anwalts
honorarzahlungen
keine Anwendung (
Urk.
1 S. 6); auf die von ihm behaupteten Aufwendungen im Betrag von
Fr.
12'043.50 (
Urk.
1 S. 7) kann daher nicht ohne Weiteres abgestellt werden, zumal lediglich die notwendigen Aufwendungen anrechenbar sind, nicht jedoch Anwaltskosten, die ausserhalb des üblicherweise zu erwartenden Vorgehens entstanden sind. Zudem ist im Rahmen der Anwalts
kosten die für das vorliegende Verfahren ausgangsgemäss zuzusprechende
Par
teientschädigung
zu berücksichtigen (BGE 139 V 114 E. 6).
Die Beschwerdegegnerin wird die nach Massgabe dieser bundesgerichtlichen Recht
sprechung anrechenbaren Mehrkosten zu ermitteln haben. Zu
Handen
des Beschwerdeführers bleibt festzuhalten, dass er diesbezüglich
mitwirkungspflich
tig
ist.
3.3
Demnach ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die Sache an die SUVA zurückzuweisen, damit sie die Überentschädigung im Sinne der Erwä
gungen neu berechne und hernach erneut über ihre Rückforderung verfüge.
4.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das
Sozialversicherungs
gericht
(
GSVGer
) zu verpflichten, dem anwaltlich ver
tretenen Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung zu entrichten, wobei ein
Betrag von Fr.
2
‘
3
00
.-- als angemessen erscheint.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gutgeheissen, dass der angefochtene
Einsprache
entscheid
vom 11. April 2013 aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit diese
die
Überentschädigung
neu berechne
und hernach über die Rückforderung neu verfüge.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
2‘300
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Kaspar Gehring
-
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubFischer