# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e7c4a437-9212-5bbf-b845-97d31520d601
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2008-10-29
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 29.10.2008 VB 2008 5
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_VB-2008-5_2008-10-29.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 29. Oktober 2008 Schriftlich mitgeteilt am:
VB 08 5 (nicht/mündlich eröffnet)

Urteil
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Rehli und Hubert 
Aktuar Crameri

——————

In der verwaltungsrechtlichen Berufung

des X., Berufungskläger,

gegen

die Verfügung des Departements für Justiz, Sicherheit und Gesundheit Graubünden 
vom 10. September 2008, mitgeteilt am 12. September 2008, in Sachen gegen den 
Berufungskläger,

betreffend vorsorglicher Entzug des Führerausweises,

hat sich ergeben:

2

A. Mit Verfügung vom 18. August 2008 entzog das Strassenverkehrsamt 
des Kantons Graubünden X. in Anwendung von Art. 16 ff. SVG und 30 VZV den 
Führerausweis für sämtliche Kategorien, Unterkategorien und Spezialkategorien 
von Motorfahrzeugen vorsorglich, mit Wirkung ab 29. Juni 2008, bis zur Abklärung 
seiner Fahreignung. Hierzu verpflichtete es ihn, sich durch den Psychiatrischen 
Dienst Graubünden, Klinik Beverin, Cazis, spezialärztlich untersuchen zu lassen. 
Der Endentscheid werde getroffen, sobald er sich der verlangten Abklärung unter-
zogen habe und der entsprechende Befund vorliegen werde.

A.a Zur Begründung führte das Strassenverkehrsamt aus, X. habe am 29. 
Juni 2008 um ca. 04.20 Uhr mit seinem Personenwagen, Kennzeichen GR A., mit 
einer Blutalkoholkonzentration (Mittelwert) von 2.00 g%o auf der A4 vor der Ausfahrt 
B. mit einem Fahrbahn-Trennelement einer Baustelle kollidiert, wobei Sachschaden 
entstanden sei. Ihm sei der Führerausweis bereits einmal, nämlich am 10. Januar 
2000, wegen Fahren in angetrunkenem Zustand für die Dauer von drei Monaten 
entzogen worden; damals habe sich die Blutalkoholkonzentration (Minimalwert) auf 
1.29 g%o belaufen. Der Führerausweis werde einer Person auf unbestimmte Zeit 
entzogen, wenn sie an einer Sucht leide, welche die Fahreignung ausschliesse. Auf-
grund des neuen Vorfalls und des Berichts des Bewährungsdienstes des Amtes für 
Justizvollzug Graubünden vom 15. August 2008 bestünden ernsthafte Bedenken an 
der Fahreignung X.. Zur Abklärung der Frage einer allfälligen Alkoholabhängigkeit 
habe er sich der verlangten Eignungsuntersuchung zu unterziehen. 

A.b Gemäss seinen eigenen Aussagen hatte X. gegenüber der Kantons-
polizei Zürich wiederholt bestätigt, dass er seinen Personenwagen gelenkt hatte. 
Dabei schilderte er detailliert den Unfallhergang und was sich nachher ereignet 
hatte. Insbesondere sagte er auf entsprechende Frage aus, dass er kein Alkohol-
problem habe. Er sei schon Alkoholiker, könne aber damit umgehen. Er gehe viel-
leicht ein bis zweimal in den Ausgang und trinke dann viel Alkohol. Die Richtigkeit 
seiner Aussagen hatte er unterschriftlich bestätigt. In der Vernehmlassung an das 
Strassenverkehrsamt bestritt er dann nachträglich, das Fahrzeug selbst gelenkt zu 
haben. Dies könne ihm nicht 100 %ig nachgewiesen werden. Auch gegenüber der 
Sozialarbeiterin bezeichnete er sich selber als Alkoholiker. Andererseits will er aber 
nicht alkoholabhängig sein. Er brauche den Alkohol nicht, er kenne längere Absti-
nenzphasen.

B. Die von X. gegen den angeordneten vorsorglichen Führerausweisent-
zug erhobene Beschwerde wies das Departement für Justiz, Sicherheit und Ge-
sundheit Graubünden mit Verfügung vom 10. September 2008 ab.

3

Als Rechtsgrundlage führte es jedoch nicht Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG (eine 
Sucht, welche die Fahreignung ausschliesst) an, worauf sich das Strassenverkehrs-
amt in der von ihm vor Erlass der angefochtenen Verfügung geführten Korrespon-
denz stützte, sondern Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG, wonach der Lern- oder Führeraus-
weis einer Person auf unbestimmte Zeit entzogen wird, wenn ihre körperliche oder 
geistige Leistungsfähigkeit nicht oder nicht mehr ausreicht, um ein Motorfahrzeug 
sicher zu führen. Entsprechend nannte es auch vorgängig Art. 14 Abs. 2 lit. b SVG 
(die nicht ausreichende körperliche und geistige Leistungsfähigkeit) und nicht lit. c 
(die Sucht). Dies obwohl das Departement in seinen weiteren Erwägungen der Ver-
fügung festhält: "Eine abschliessende Beurteilung der Frage, ob beim Beschwerde-
führer eine die Fahrfähigkeit beeinträchtigende Alkoholproblematik besteht oder 
nicht, wird nach Vorliegen eines entsprechenden ärztlichen Berichts möglich sein".

C. Gegen diese Verfügung erhob X. mit Eingabe vom 21. September 
2008, der Post am 26. September 2008 aufgegeben, Berufung ans Kantonsgericht 
von Graubünden mit dem sinngemässen Begehren, sie aufzuheben.

Das kantonale Departement beantragte die Abweisung der Berufung.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. Gegen Entscheide des Departements für Justiz, Sicherheit und Ge-
sundheit über Administrativmassnahmen im Strassenverkehr kann der Betroffene 
beim Kantonsgericht Berufung einlegen, wenn nach übergeordnetem Recht eine 
letztinstanzliche Beurteilung durch ein kantonales Gericht erforderlich ist (Art. 141 
Abs. 3 StPO, Art. 19 Abs. 2 der Ausführungsverordnung zum Bundesgesetz über 
den Strassenverkehr, GAV zum SVG, BR 870.100). Die Berufung ist innert 20 Ta-
gen seit der schriftlichen Eröffnung des Entscheides, unter Beilage des angefoch-
tenen Entscheides, einzureichen. Sie ist zu begründen und hat darzutun, welche 
Mängel des vorinstanzlichen Entscheides oder Verfahrens gerügt werden (Art. 142 
Abs. 1 StPO). Diesen Anforderungen vermag die am 26. September 2008 einge-
reichte Berufung zu genügen. Auf sie ist daher einzutreten.

2.

2.1 Gemäss Art. 14 Abs. 2 lit. c SVG darf der Führerausweis nicht erteilt 
werden, wenn der Bewerber an einer die Fahreignung ausschliessenden Sucht lei-
det. Wird nachträglich festgestellt, dass die gesetzlichen Voraussetzungen zur Er-
teilung nicht oder nicht mehr bestehen, ist der Führerausweis nach Art. 16d SVG zu 

4

entziehen. Ein solcher Sicherungsentzug dient der Sicherung des Verkehrs vor un-
geeigneten Fahrzeugführern. Er wird verfügt, unter anderem, wenn ein Fahrzeug-
lenker an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst. In solchen Fällen 
wird der Ausweis gemäss Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG auf unbestimmte Zeit entzogen. 

Bis zur Abklärung solcher Ausschlussgründe kann der Führerausweis 
gemäss Art. 30 VZV sofort vorsorglich entzogen werden, wenn ernsthafte Bedenken 
an der Fahreignung bestehen. Diese Regelung trägt der besonderen Interessenlage 
Rechnung, welche bei der Zulassung von Fahrzeugführern zum Strassenverkehr zu 
berücksichtigen ist. Angesichts des grossen Gefährdungspotentials, welches dem 
Führen eines Motorfahrzeuges zu eigen ist, erlauben dabei schon Anhaltspunkte, 
die den Fahrzeugführer als besonderes Risiko für die anderen Verkehrsteilnehmer 
erscheinen und ernsthafte Zweifeln an seiner Fahreignung aufkommen lassen, den 
vorsorglichen Ausweisentzug. Entsprechend darf dann auf fehlende Fahreignung 
geschlossen werden, wenn das Verhalten des Fahrzeuglenkers insgesamt konkrete 
Hinweise für eine Alkoholsucht ergibt. Der strikte Beweis für eine derartige Sucht 
beziehungsweise für die die Fahreignung ausschliessenden Umstände ist dabei 
nicht erforderlich. Wäre dieser erbracht, müsste nämlich unmittelbar der Siche-
rungsentzug verfügt werden. Können die notwendigen Abklärungen nicht rasch und 
abschliessend getroffen werden, soll der Ausweis schon vor dem Sachentscheid 
selber entzogen werden können. Eine umfassende Auseinandersetzung mit sämtli-
chen Gesichtspunkten, die für oder gegen einen Sicherungsentzug sprechen, 
braucht erst im anschliessenden Hauptverfahren zu erfolgen (Urteil des Bundesge-
richtes 6A.106/2001 vom 26. November 2001 E. 3.b).

2.2 In der Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 18. August 2008 
werden als Rechtsgrundlage des vorsorglichen Führerausweisentzugs Art. 16 ff. 
SVG und 30 VZV angeführt. Es wird also nicht explizit auf Art. 16d Abs. 1 lit. b 
verwiesen. Den Erwägungen dazu ist aber zu entnehmen, dass mit dem einzuho-
lenden Gutachten abgeklärt werden soll, ob eine Alkoholabhängigkeit oder ein ver-
kehrsrelevanter Alkoholmissbrauch vorliegt (act. 4 S. 2). Im Weiteren war bei den 
Fragen, die von der Sozialarbeiterin zu klären waren, von einem Verdacht auf eine 
Alkoholabhängigkeit im Sinne von Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG bzw. von einer allfälligen 
Neigung zu übermässigen Alkoholkonsum und einer Alkoholproblematik die Rede 
(act. 7 Frage 2, act. 5 Frage 2). Schliesslich hielt das Strassenverkehrsamt in der 
Vernehmlassung an das kantonale Departement fest, dass vor Erlass der definitiven 
Entzugsverfügung der Beschwerdeführer sich einer spezialärztlichen Begutachtung 
zur Abklärung einer allfälligen Trunksucht zu unterziehen habe (act. 2 S. 2).

5

Im konkreten Falle geht es offensichtlich um die Frage, ob X. an einer die 
Fahreignung ausschliessenden (Alkohol-)Sucht leidet. Weshalb die Vorinstanz da-
her und in Abweichung des Strassenverkehrsamtes Art. 14 Abs. 2 lit. b und Art. 16d 
Abs. 1 lit. a SVG als Rechtsgrundlage für den vorsorglichen Führerausweisentzug 
anführt, ist nicht nachvollziehbar. Ihre in Abweichung zu der von der Entzugs-
behörde vertretene Auffassung wird denn auch mit keinem Wort begründet. Steht 
die Alkoholsucht zur Diskussion, so sind Rechtsgrundlage für den vorsorglichen 
Entzug des Führerausweises (Sicherungsentzug) Art. 14 Abs. 2 lit. c und Art. 16d 
Abs. 1 lit. b SVG sowie Art. 30 VZV.

2.3 Die Grundsatzfrage, ob bezüglich der Alkoholsucht des Berufungsklä-
gers hinreichende Anhaltspunkte vorliegen, so dass sich ein medizinisches Gutach-
ten rechtfertigt, ist vorliegend klar zu bejahen, und zwar aufgrund des Umstandes, 
dass er bereits zweimal in alkoholisiertem Zustand fuhr, das erste Mal vor acht Jah-
ren und das zweite Mal dieses Jahr, diesmal mit einem sehr hohen Blutalkoholwert. 
Soweit der Berufungskläger im Administrativ- und im Gerichtsverfahren nun bestrei-
tet, seinen Personenwagen selbst gelenkt zu haben, erscheint dies höchst unglaub-
würdig. Insofern ist der Vorinstanz beizupflichten. Abgesehen davon vermöchte dies 
am Ergebnis selbst dann nichts zu ändern, wenn der diesbezüglichen Bestreitung 
gefolgt würde. Für den vorsorglichen Führerausweisentzug mit der Verpflichtung zur 
Begutachtung ist es nämlich nicht massgebend, ob der Berufungskläger das Fahr-
zeug lenkte oder nicht, falls andere Umstände vorliegen, welche die Abklärung einer 
allfälligen Alkoholsucht mit Blick auf die Fahreignung als angezeigt erscheinen las-
sen. Solche Umstände sind hier gegeben. Sie liegen allerdings nicht darin, dass der 
Berufungskläger eine hohe Blutalkoholkonzentration aufwies, wie dies die Be-
schwerdeinstanz anführt (E. 3 S. 4 unten/5). Wird nämlich entsprechend seiner 
nachträglichen Behauptung davon ausgegangen, dass er das Auto nicht lenkte, so 
kann die erstmalige Alkoholisierung auch nicht entscheidend sein, zumal sie acht 
Jahre zurückliegt. Wesentlicher erscheint viel mehr, dass er sich selbst als Alkoho-
liker bezeichnete, auch wenn er dies dann im gleichen Atemzug wiederum massiv 
abschwächte und nun im Berufungsverfahren bestreitet (act. 9, Einvernahme, S. 3 
unten; act. 5 S. 1).

2.4 Zu Recht bringt der Berufungskläger vor, der Sicherungsentzug des 
Führerausweises greife tief in die Privatsphäre des Bürgers ein. Zum Schutze der 
allgemeinen Verkehrssicherheit ist dies aber unumgänglich. Nach der Rechtsspre-
chung ist eine genaue Abklärung der persönlichen Verhältnisse und insbesondere 
der Trinkgewohnheiten des Betroffenen in jedem Fall und von Amtes wegen vorzu-
nehmen. Das Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen, nament-

6

lich die Frage, ob ein medizinisches Gutachten eingeholt werden soll, richtet sich 
nach dem Umständen des Einzelfalles und liegt im pflichtgemässen Ermessen der 
Entzugsbehörde (Urteil des Bundesgerichtes 6A.106/2001 vom 26. November 2001 
E. 3.a). 

Dieses pflichtgemässe Ermessen hat die Vorinstanz bzw. das Strassenver-
kehrsamt nicht verletzt.

2.5 Kann der Führerausweis bis zur Abklärung von Ausschlussgründen 
sofort vorsorglich entzogen werden (Art. 30 VZV), so braucht auch nicht das Ergeb-
nis eines laufenden Strafverfahrens abgewartet zu werden. Hier geht die öffentliche 
Sicherheit vor (Urteil des Bundesgerichtes 6A.106/2001 vom 26. November 2001 
E. 3.b). Hinzu kommt, dass für einen Sicherungsentzug und damit auch für den vor-
gängigen sofortigen vorsorglichen Entzug gar keine Verkehrsregelverletzung vor-
ausgesetzt wird (BGE 107 Ib 395 E. 2.a S. 398).

Die Einwände, die der Berufungskläger gegenüber dem Staatsanwalt vorzu-
bringen gedenkt, sind daher im vorliegenden Administrativverfahren nicht von Be-
lang.

2.6 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist es somit nicht zu bean-
standen, dass das Strassenverkehrsamt dem Beschwerdeführer den Führeraus-
weis vorsorglich entzogen hat, bis durch ein fachärztliches Gutachten geklärt ist, ob 
er aus verkehrsmedizinischer Sicht zum Lenken eines Fahrzeuges in der Lage ist 
oder nicht. Die Vorinstanz hat demnach dessen Verfügung, wenn auch unter Hin-
weis auf andere und hier nicht massgebende Rechtsgrundlagen, jedenfalls im Er-
gebnis zu Recht geschützt.

Die Berufung ist demzufolge unbegründet und daher abzuweisen.

2.7 Bei diesem Verfahrensausgang gehen die Kosten des Berufungsver-
fahrens zu Lasten des Berufungsklägers (Art. 160 Abs. 1 StPO).

7

Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Berufung wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 800.-- gehen zu Lasten des Be-
rufungsklägers.

3. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 82 des Bundesgerichtsgeset-
zes (BGG) Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das 
Schweizerische Bundesgericht geführt werden. Diese ist dem Bundesgericht 
schriftlich, innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der 
Entscheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzu-
reichen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Vor-
aussetzungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 82 ff. 
und 90 ff. BGG.

4. Mitteilung an:

__________

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Vizepräsident Der Aktuar