# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 570cda6d-bafd-56de-93a4-cdf64b4b1c38
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-12-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.12.2021 D-5075/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5075-2021_2021-12-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5075/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  D e z e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

mit Zustimmung von Richterin Déborah D'Aveni;   

Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller Leibundgut. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Joana Mösch, 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 21. Oktober 2021 / N (…). 

 

 

 

D-5075/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin, eine unbegleitete Minderjährige, suchte am 

6. August 2021 im Bundesasylzentrum (BAZ) Region (…) um Asyl nach. 

Am 16. August 2021 beauftragte sie die Mitarbeitenden des HEKS Rechts-

schutzes Bundesasylzentren (…) mit der Rechtsvertretung im Asylverfah-

ren. Am 27. August 2021 erfolgte die Erstbefragung, und am 12. Oktober 

2021 hörte das SEM die Beschwerdeführerin ausführlich zu ihren Asylgrün-

den an.  

A.b Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte die Beschwerdeführerin im 

Wesentlichen geltend, sie stamme aus B._______ (Provinz Balkh), wo sie 

mit ihren Eltern und Geschwistern gelebt habe. Nach Abschluss der dritten 

Klasse habe ihr Vater sie nicht mehr zur Schule gehen lassen. Kurz darauf 

seien sie ins Dorf C._______ bei D._______ gezogen. Sie hätten dort im 

Haus der zweiten Ehefrau ihres Vaters gelebt. Ihr Vater sei Dorfvertreter 

von D._______ gewesen. Einige Monate nach dem Umzug ins Dorf habe 

er Probleme mit den Taliban bekommen. Er habe sich oft mit ihnen gestrit-

ten und sei eines Tages verletzt nach Hause gekommen. Daher seien sie 

– ohne die zweite Familie ihres Vaters – nach E._______ gezogen, wo sie 

fünf oder sechs Monate lang gelebt hätten. Eines Tages habe sie gehört, 

wie sich ihr Vater am Telefon mit jemandem gestritten habe; Näheres wisse 

sie nicht. Nach diesem Streit habe ihr Vater erklärt, sie müssten Afghanis-

tan verlassen. Kurz darauf seien sie – ungefähr im Jahr (…) – aus dem 

Heimatland ausgereist und via den Iran in die Türkei nach Griechenland 

gelangt, wo sie im Jahr (…) Asylgesuche gestellt hätten. Die Reise sei be-

schwerlich und gefährlich gewesen. In Griechenland hätten sich ihre Eltern 

gestritten und in der Folge scheiden lassen. Ihre Mutter habe daraufhin 

einen anderen Mann kennengelernt. Als dieser begonnen habe, sie (Be-

schwerdeführerin) sexuell zu belästigen, habe sich die Mutter von ihm ge-

trennt. Die Belästigungen hätten jedoch angedauert, ausserdem habe er 

versucht, die Mutter zu erpressen. Ihre Mutter habe ihn deswegen mehr-

mals bei der Polizei angezeigt, was aber nicht viel genützt habe. Sie habe 

sich wegen dieses Mannes in Griechenland nicht sicher gefühlt, weshalb 

sie ohne ihre Angehörigen ausgereist und in die Schweiz gekommen sei. 

Ihre Mutter und Geschwister seien nach wie vor in Griechenland; wo sich 

ihr Vater zurzeit aufhalte, wisse sie nicht. Die Beschwerdeführerin fügte an, 

sie hätten in Griechenland erfahren, dass ihr Halbbruder in Afghanistan 

entführt und ihr Onkel mütterlicherseits, welcher zusammen mit ihrem Vater 

eine (…) geführt habe, umgebracht worden sei. Sie befürchte daher, dass 

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Seite 3 

auch sie im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan in Gefahr wäre. Aus-

serdem sei die Lage in Afghanistan allgemein schlecht, insbesondere für 

Mädchen. Ihren Gesundheitszustand betreffend gab die Beschwerdefüh-

rerin zu Protokoll, sie leide an Angstzuständen und Schlafstörungen.  

A.c Die Beschwerdeführerin reichte im Verlauf des vorinstanzlichen Ver-

fahrens Unterlagen zum Asylverfahren in Griechenland, eine polizeiliche 

Anzeige, eine Bestätigung betreffend die psychiatrische Behandlung ihrer 

Mutter in Griechenland, ein Scheidungsdokument betreffend ihre Eltern so-

wie einen griechischen Ausweis der Mutter (alles Kopien bzw. Fotos) zu 

den Akten.  

B.  

Die Vorinstanz unterbreitete der Beschwerdeführerin am 19. Oktober 2021 

einen ablehnenden Entscheidentwurf zur Stellungnahme. Die Beschwer-

deführerin äusserte sich dazu mit Schreiben vom 20. Oktober 2021. 

C.  

Mit Verfügung vom 21. Oktober 2021 – gleichentags eröffnet – verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte das 

Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig 

ordnete es infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläu-

fige Aufnahme an.  

D.  

Die Beschwerdeführerin focht diesen Entscheid mit Beschwerde vom 

22. November 2021 beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie beantragte, 

die Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung seien aufzuhe-

ben, und es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu ge-

währen. Eventuell sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses. 

Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung sowie die Vollmacht 

vom 16. August 2021 (beides in Kopie) bei.  

E.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 23. November 2021 den Ein-

gang der Beschwerde. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Gericht glei-

chentags in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG). 

D-5075/2021 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 

in der Regel – und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden ge-

gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 

VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde-

führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht 

eingereichte Beschwerde (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 der 

Verordnung vom 1. April 2020 über Massnahmen im Asylbereich im Zu-

sammenhang mit dem Coronavirus [COVID-19-Verordnung Asyl, 

SR 142.318] sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5).  

3.  

3.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-

cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-

weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie 

nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-

teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

Die Beschwerdeführerin beantragt eventualiter, die angefochtene Verfü-

gung sei zu kassieren, weil das SEM seine Verfügung zu knapp respektive 

die Verneinung der Asylrelevanz gar nicht begründet habe, was eine Ver-

letzung der Begründungspflicht und damit des Anspruchs auf rechtliches 

Gehör darstelle (vgl. (vgl. Ziff. 2 der Beschwerdeanträge sowie S. 13 der 

Beschwerdebegründung). Ausserdem kritisiert sie die Sachverhaltsfest-

stellung durch die Vorinstanz. Diese formellen Rügen sind vorab zu behan-

deln. 

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Seite 5 

4.1 Die Erwägungen des SEM zur Frage der Asylrelevanz der geltend ge-

machten Fluchtgründe erstrecken sich über drei Seiten der angefochtenen 

Verfügung. Die Vorinstanz hat dabei ausführlich und in nachvollziehbarer 

Weise dargelegt, weshalb die geltend gemachten Asylgründe nicht geeig-

net seien, eine asylrelevante (Reflex-)Verfolgung respektive eine entspre-

chende Verfolgungsfurcht zu begründen. Dabei hat sich das SEM insbe-

sondere auf S. 4 (sinngemäss) sowie S. 6 der angefochtenen Verfügung 

zur Frage der Reflexverfolgung beziehungsweise der Gefahr einer solchen 

geäussert und diese verneint. Im Übrigen war es der Beschwerdeführerin 

offensichtlich problemlos möglich, den Entscheid sachgerecht anzufech-

ten. Die Rüge, das SEM habe die ihm obliegende Prüfungs- und Begrün-

dungspflicht respektive den Gehörsanspruch verletzt (vgl. Art. 29 Abs. 2 

BV, Art. 29 VwVG, Art. 35 Abs. 1 VwVG), erweist sich daher als unbegrün-

det. 

4.2 In der Beschwerde wird ferner gerügt, das SEM habe bei der Sachver-

haltsermittlung der Minderjährigkeit der Beschwerdeführerin zu wenig Be-

achtung geschenkt, weshalb zu bezweifeln sei, dass der Sachverhalt kor-

rekt festgestellt worden sei. Diesbezüglich ist Folgendes festzustellen: Die 

Beschwerdeführerin hatte bereits in der Erstbefragung Gelegenheit, ihre 

Asylgründe darzulegen, und wurde in der anschliessenden Anhörung aus-

führlich zu ihren Fluchtgründen befragt. Sie wurde sowohl bei der Erstbe-

fragung als auch bei der Anhörung von ihrer Rechtsvertreterin/Vertrauens-

person begleitet. Die Befragerin des SEM berücksichtigte das jugendliche 

Alter der Beschwerdeführerin insofern, als sie im Rahmen der Erhebung 

der Asylgründe überdurchschnittlich oft nach weiteren Details fragte und 

sich am Ende der Anhörung vergewisserte, ob die Beschwerdeführerin al-

les habe erzählen können (vgl. A30 F18, F19, F22 ff., F64). Dem Anhö-

rungsprotokoll können keine Hinweise darauf entnommen werden, dass 

die – immerhin schon (…) Jahre alte – Beschwerdeführerin der Anhörung 

nicht folgen konnte oder mit der Situation überfordert war. Es ist daher da-

von auszugehen, dass ihre rudimentären Aussagen betreffend die geltend 

gemachte Verfolgung von Angehörigen im Heimatland nicht einer nicht al-

tersgerechten Befragung oder einer Traumatisierung durch die Erlebnisse 

in Griechenland geschuldet sind, sondern vielmehr dem Umstand, dass sie 

über die die Verfolgung tatsächlich nichts Näheres weiss. Es wäre bei die-

ser Sachlage kaum zielführend gewesen, der Beschwerdeführerin «mehr 

Zeit» für ihre Aussagen einzuräumen (vgl. dazu die entsprechende Bemer-

kung in Ziff. II.11 der Beschwerdebegründung). Das SEM ist vielmehr zu 

Recht von einem ausreichend erstellten Sachverhalt ausgegangen, zumal 

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auch auf Beschwerdeebene keine weiteren Details zur Verfolgung im Hei-

matland vorgebracht werden. Somit kann keine Verletzung des Untersu-

chungsgrundsatzes (vgl. Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG) festgestellt wer-

den. 

4.3 Nach dem Gesagten ist der Kassationsantrag abzuweisen. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi-

schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

6.  

6.1 Das SEM führte zur Begründung seines ablehnenden Asylentscheids 

im Wesentlichen aus, es bestünden keine konkreten Anhaltspunkte dafür, 

dass die Beschwerdeführerin persönlich im Fokus derjenigen Personen 

gestanden habe, mit welchen ihr Vater Probleme gehabt habe. Sie sei im 

Heimatland keinen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt gewesen, und die 

Furcht, in absehbarer Zukunft solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, 

sei aufgrund der Aktenlage als unbegründet zu erachten. Soweit die Be-

schwerdeführerin auf die Folgen der Machtübernahme durch die Taliban 

und die schlechte Sicherheitslage in Afghanistan verweise, sei festzuhal-

ten, dass diese Nachteile keine asylbeachtliche Verfolgung darstellen wür-

den. Zwar sei die aktuelle Lage in Afghanistan unübersichtlich und die Ent-

wicklung unvorhersehbar; jedoch fehlten hinreichende Hinweise darauf, 

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Seite 7 

dass die Beschwerdeführerin einer von den Taliban grundsätzlich (kollek-

tiv) verfolgten Personengruppe angehöre. Es sei daher nicht davon auszu-

gehen, dass sie bei einer Rückkehr nach Afghanistan aus flüchtlingsrecht-

lich relevanten Gründen verfolgt würde. Die geltend gemachten Behelli-

gungen in Griechenland durch den Ex-Freund ihrer Mutter seien nicht asyl-

relevant, da aufgrund der Aktenlage nicht anzunehmen sei, dass die Be-

schwerdeführerin deswegen auch in Afghanistan Nachteile zu befürchten 

hätte. Insgesamt liege – auch unter Berücksichtigung der Stellungnahme 

zum Entscheidentwurf – keine begründete Furcht vor einer Verfolgung res-

pektive Reflexverfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG vor. Demnach sei die 

Flüchtlingseigenschaft zu verneinen und das Asylgesuch abzulehnen. 

6.2 In der Beschwerde wird (in materieller Hinsicht) im Wesentlichen vor-

gebracht, es könne von der Beschwerdeführerin nicht erwartet werden, 

dass sie als Kind und Mädchen über die Probleme des Vaters Bescheid 

wisse. Ferner bestehe durchaus die Gefahr einer Reflexverfolgung, da der 

Mord am Onkel sowie die Entführung des Halbbruders in einem direkten 

Zusammenhang zur Tätigkeit ihres Vaters stünden. Ausserdem gehöre die 

Beschwerdeführerin einer besonders gefährdeten Personengruppe an, da 

die Familie westlich orientiert gelebt habe und aufgrund der Tätigkeit des 

Vaters als Dorfvertreter besonders exponiert gewesen sei. Die gesamte 

Familie sei daher im Fokus der Täterschaft – möglicherweise der Taliban – 

gestanden und weise ein erhöhtes Risikoprofil auf. Sodann wird in der Be-

schwerde auf die Erlebnisse der Beschwerdeführerin in Griechenland und 

die damit verbundene Traumatisierung hingewiesen und kritisiert, diese 

seien in der angefochtenen Verfügung nicht thematisiert worden. Zudem 

wird vorgebracht, es lägen «zwingende Gründe» im Sinne der Rechtspre-

chung des Bundesverwaltungsgerichts vor, weshalb trotz hypothetischen 

Fehlens einer zukünftigen Verfolgung die Flüchtlingseigenschaft zu beja-

hen sei.  

7.  

7.1 Asylsuchende, welche über eine Staatsangehörigkeit verfügen (d.h. 

nicht staatenlos sind), können nur als Flüchtlinge anerkannt werden, wenn 

sie in ihrem Heimatstaat verfolgt werden. Verfolgungsmassnahmen, die 

eine asylsuchende Person ausserhalb des Staates, dessen Staatsangehö-

rigkeit sie besitzt, erlitten oder zu befürchten hat, sind dagegen für die Be-

urteilung ihrer Flüchtlingseigenschaft unwesentlich (vgl. Art. 3 Abs. 1 AsylG 

i.V.m. Art. 1A Abs. 2 FK; UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien 

zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Neuauflage 2019, Rz. 90; 

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WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, S. 34 f.). Da die Beschwer-

deführerin laut eigener Aussage afghanische Staatsangehörige ist, sind 

ihre Asylvorbringen demnach ausschliesslich unter dem Blickwinkel einer 

allfälligen asylrechtlichen Verfolgung in Afghanistan zu prüfen. Aufgrund 

der Aktenlage ist nicht davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin 

im Zusammenhang mit den in Griechenland erlebten Übergriffen durch den 

Ex-Freund ihrer Mutter in Afghanistan mit asylbeachtlichen Nachteilen 

rechnen müsste. Die Vorbringen betreffend ihre Erlebnisse in Griechenland 

sind daher nicht asylrelevant. Daher ist auch der in der Beschwerde in Aus-

sicht gestellte und mit den Missbrauchserlebnissen in Griechenland in Zu-

sammenhang stehende Arztbericht nicht abzuarten.  

7.2 Aufgrund der Aktenlage ist im Weiteren davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführerin persönlich vor ihrer Ausreise aus Afghanistan keinen 

ernsthaften Nachteilen ausgesetzt war. Bereits aus diesem Grund kann der 

in der Beschwerde geäusserten Auffassung, es lägen «zwingende 

Gründe» vor, aufgrund derer eine erlittene Vorverfolgung auch nach Weg-

fall einer zukünftig drohenden Verfolgungsgefahr weiterhin als asylrelevant 

zu erachten wäre (vgl. dazu BVGE 2007/31 E. 5.4), nicht gefolgt werden.  

7.3 Die in Bezug auf Afghanistan geschilderten Verfolgungshandlungen 

richteten sich lediglich gegen den Vater der Beschwerdeführerin sowie – 

nach ihrer Ausreise – gegen ihren Halbbruder und einen Onkel. Aus der 

geltend gemachten Verfolgung ihrer (männlichen) Verwandten kann indes-

sen keineswegs geschlossen werden, dass auch die Beschwerdeführerin 

bei einem weiteren Verbleib in Afghanistan respektive im Falle ihrer Rück-

kehr dorthin asylbeachtlichen Nachteilen – im Sinne einer Reflexverfolgung 

– ausgesetzt (worden) wäre. Wie sie selber darlegte, bestand primär für 

ihre Brüder die Gefahr einer Verfolgung (vgl. A30 F69). Im Übrigen können 

den Akten keine konkreten Hinweise darauf entnommen werden, dass die 

– nicht näher substanziierte – Verfolgung des Vaters, die Entführung des 

Halbbruders und die Tötung des Onkels aus asylbeachtlichen Motiven oder 

infolge einer besonderen Exponiertheit (vgl. zu den entsprechenden Krite-

rien beispielsweise das Urteil des BVGer E-3520/2014 vom 3. November 

2015, E. 7.3, m.w.H.) erfolgten. Aufgrund der Aussagen der Beschwerde-

führerin (vgl. namentlich ihre Hinweise auf die guten finanziellen Verhält-

nisse der Familie; A30 F31 f. und F66) ist vielmehr davon auszugehen, 

dass die Täter primär aus kriminellen Motiven und in der Absicht, sich un-

rechtmässig zu bereichern, gehandelt haben. Die geäusserte Furcht vor 

zukünftiger asylbeachtlicher (Reflex-)Verfolgung erscheint nach dem Ge-

sagten als objektiv unbegründet.  

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Seite 9 

7.4 Soweit die Beschwerdeführerin auf die allgemeine Lage in Afghanistan, 

die Machtübernahme durch die Taliban und die damit verbundene Ver-

schlechterung der Sicherheitslage und der Lebenssituation für Frauen und 

Mädchen verweist, ist festzustellen, dass diese Nachteile keine gezielten, 

individuellen Verfolgungshandlungen darstellen und daher grundsätzlich 

nicht asylrelevant sind; der allgemeinen Gefährdungssituation wurde be-

reits mit der Anordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs Rechnung getragen. Ferner bestehen im vorlie-

genden Fall auch keine hinreichenden Anhaltspunkte für die Annahme ei-

ner Kollektivverfolgung (vgl. zu den diesbezüglichen Anforderungen 

BVGE 2013/12 E. 6 sowie BVGE 2013/11 E. 5.3.2). 

7.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass keine konkreten Hinweise 

dafür vorliegen, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Ausreise 

einer asylbeachtlichen Verfolgung oder einer entsprechenden Verfolgungs-

gefahr ausgesetzt war oder im Falle ihrer Rückkehr nach Afghanistan 

ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu gewärtigen hätte. 

Demnach hat die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint 

und das Asylgesuch abgelehnt.  

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an (Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführerin verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 

(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

Da die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 21. Oktober 2021 infolge Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme der Be-

schwerdeführerin angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss weitere 

Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegwei-

sungsvollzugs.  

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

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Seite 10 

und vollständig feststellt (Art.106 Abs.1 AsylG). Die Beschwerde ist daher 

abzuweisen. 

11.  

11.1 Das Beschwerdeverfahren ist mit dem vorliegenden, direkten Ent-

scheid in der Hauptsache abgeschlossen, weshalb der Antrag, es sei von 

der Erhebung eines Kostenvorschusses abzusehen, gegenstandslos ge-

worden ist. 

11.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist 

ungeachtet der geltend gemachten prozessualen Bedürftigkeit abzuwei-

sen, da sich die Beschwerdebegehren entsprechend den vorstehenden Er-

wägungen von Vornherein als aussichtslos erwiesen haben. 

11.3 Demzufolge sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 750.– der 

Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reg-

lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Anna Dürmüller Leibundgut 

 

 

Versand: