# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a828804c-23c4-5f7e-a204-718602147ae0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-11-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.11.2018 D-6288/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6288-2017_2018-11-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6288/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  N o v e m b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richter Jürg Marcel Tiefenthal (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger, Richter Simon Thurnheer,    

Gerichtsschreiber Linus Sonderegger. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch MLaw Katarina Socha,  

(Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 10. Oktober 2017 / N (…) 

 

 

 

D-6288/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin gelangte gemäss eigenen Angaben am 7. August 

2015 in die Schweiz und suchte am Tag darauf um Asyl nach. 

B.  

Sie wurde am 14. August 2015 zu ihrer Person und zum Reiseweg befragt 

(Befragung zur Person [BzP]). Eine eingehende Anhörung zu den Gründen 

der Flucht fand am 7. September 2017 statt.  

Die Beschwerdeführerin begründete ihr Gesuch im Wesentlichen damit, 

dass die Behörden ihr vorgeworfen hätten, ihre Cousine bei der illegalen 

Ausreise unterstützt zu haben, weshalb sie inhaftiert und misshandelt wor-

den sei. 

C.  

Mit Verfügung vom 10. Oktober 2017 (Eröffnung am 11. Oktober 2017) 

stellte das SEM fest, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigen-

schaft nicht erfülle, lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung 

aus der Schweiz sowie den Vollzug an. 

D.  

Diese Verfügung focht die Beschwerdeführerin mit Eingabe ihrer Rechts-

vertreterin vom 7. November 2017 beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie 

beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückwei-

sung der Sache an die Vorinstanz zur vollständigen Sachverhaltsabklärung 

und erneuten Entscheidung. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft 

festzustellen und der Beschwerdeführerin Asyl zu gewähren. Subeventua-

liter sei die Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit des Weg-

weisungsvollzugs festzustellen und eine vorläufige Aufnahme anzuordnen.  

In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 1 

VwVG in Verbindung mit Art. 110a AsylG (SR 142.31) ersucht. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 10. November 2017 hiess das Bundesverwal-

tungsgericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung und amtlichen Rechtsverbeiständung gut, ordnete die rubrizierte 

Rechtsvertreterin als amtliche Vertreterin bei und lud die Vorinstanz zur 

Vernehmlassung ein. 

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Seite 3 

F.  

Mit Vernehmlassung vom 22. November 2017 äusserte sich das SEM zur 

Beschwerde, worauf die Beschwerdeführerin am 22. Dezember 2017 repli-

zierte. 

G.  

Am 10. Juli 2018 reichte die Beschwerdeführerin Fotos von zwei Demonst-

rationsteilnahmen ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

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Seite 4 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch damit, dass sie 

eritreische Staatsbürgerin sei und in B._______ aufgewachsen sei. Sie 

habe die Schule in der (…) Klasse abgebrochen. Im Jahre (…) habe sie 

geheiratet, habe sich aber (…) scheiden lassen und zusammen mit ihren 

Kindern und dem Kind ihrer verstorbenen Schwester in einem eigenen 

Haus gelebt. Im (…) 2014 hätten die Behörden sie zwecks Befragung nach 

C._______ mitgenommen. Ihr sei vorgeworfen worden, ihre Cousine bei 

sich beherbergt zu haben, bevor diese versucht habe, illegal auszureisen. 

Es treffe zwar zu, dass ihre Cousine bei ihr gewesen sei. Von deren Aus-

reiseplänen habe sie aber nichts gewusst, was sie den Behörden auch so 

gesagt habe. Sie sei zwei Tage befragt und geschlagen worden. Anschlies-

send sei sie nach D._______ gebracht worden, wo man sie erneut verhört 

habe, wobei sie wiederum beteuert habe, von den Ausreiseplänen nichts 

gewusst zu haben. Da die Behörden mit ihren Aussagen nicht zufrieden 

gewesen seien, sei sie fünf Monate inhaftiert worden. Während dieser Zeit 

habe sie ständig ihrem Vorgesetzten dienen müssen und sei von diesem 

vergewaltigt worden. Schliesslich habe sie sich zur Flucht entschlossen. 

Am (…) 2014 sei sie zusammen mit einer Freundin, als sie zum Kochen 

beordert worden seien, aus der Haft geflüchtet. Sie habe eine Woche bei 

ihrer Tante gelebt und sei dann zu ihrer Schwester gegangen, bei welcher 

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sie sich bis zur Ausreise versteckt habe. Später habe sie erfahren, dass sie 

eine Woche nach ihrer Flucht aus der Haft zu Hause von den Behörden 

gesucht worden sei. 

4.2 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass die Festnahme trotz 

mehrfachen Nachfragens sehr oberflächlich geschildert worden sei. Zur 

Frage, wer bei der Verhaftung alles anwesend gewesen sei, habe sie un-

terschiedliche Angaben gemacht. Zudem habe sie nicht realitätsnah darle-

gen können, wie ihre Kinder reagiert hätten, als sie mitgenommen worden 

sei. Die Aussagen zu ihrem fünfmonatigen Aufenthalt in D._______ seien 

sehr allgemein ausgefallen. Nach ihrem persönlichen Befinden befragt, 

habe sie ausweichend geantwortet und lediglich oberflächlich erzählt, was 

die Insassen generell hätten machen müssen. Die Schilderung, wie sie den 

ersten Tag in Haft persönlich erlebt habe, sei pauschal ausgefallen. Ebenso 

oberflächlich seien ihre Beschreibungen zum Haftort und den Mitinsassin-

nen gewesen. Auch nach einem Vorfall gefragt, welcher ihr besonders in 

Erinnerung geblieben sei, habe sie allgemein auf die Befragung verwiesen, 

ohne in der Lage zu sein, sich auf einen spezifischen Vorfall zu beschrän-

ken und diesen detailliert zu beschreiben. Erst nach der freien Erzählung 

habe sie ausgesagt, sie sei vergewaltigt worden. Auf die Frage, wieso sie 

dies erst so spät erwähne, habe sie erwidert, sie habe gewartet, bis man 

sie darauf ansprechen würde. Diese Begründung überzeuge in Anbetracht 

der Schwere des Übergriffs und der zahlreichen Möglichkeiten, davon zu 

erzählen, nicht. 

Die Aussagen zur Flucht aus der Haft seien trotz mehrmaliger Nachfrage 

karg ausgefallen. Sie habe lediglich erwähnt, von der Küche aus wegge-

laufen und zu ihrer Tante gegangen zu sein. Sie habe nicht einleuchtend 

darlegen können, wieso die Wächter sie unbewacht gelassen hätten und 

wie sie unbemerkt das Gefängnisgelände habe verlassen können. Sie 

habe angegeben, sie habe problemlos von D._______ mit dem Bus nach 

C._______ fahren können, weil in ihrer Identitätskarte vermerkt gewesen 

sei, dass sie Hausfrau sei. Es sei nicht plausibel, dass sie ihre Identitäts-

karte trotz zweitägiger Befragung und fünfmonatiger Inhaftierung auf sich 

habe tragen können. 

Zum Ausreisezeitpunkt habe sie ausgesagt, am (…) 2014 aus dem Ge-

fängnis geflohen zu sein und am (…) 2014 Eritrea verlassen zu haben, 

während sie an anderer Stelle angemerkt habe, einen Monat nach der 

Flucht aus dem Gefängnis ausgereist zu sein. Ferner habe sie zu Beginn 

der Anhörung zu Protokoll gegeben, am (…) 2014 zu Hause gewesen zu 

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sein. Später habe sie dann aber ausgeführt, nach der Flucht aus dem Ge-

fängnis nicht mehr zu Hause gewesen zu sein. Diese Widersprüchlichkei-

ten habe sie auf Vorhalt nicht auflösen können.  

Die Vorfluchtgründe seien somit nicht glaubhaft, weshalb das Asylgesuch 

abzulehnen sei. Die ebenfalls angerufene illegale Ausreise führe gemäss 

aktueller Rechtsprechung für sich allein nicht zur Flüchtlingseigenschaft. 

Es würden keine Anknüpfungspunkte vorliegen, welche zusammen mit der 

illegalen Ausreise eine Gefährdung begründen könnten.  

4.3 In der Beschwerdeschrift wurde diesen Ausführungen entgegnet, aus 

dem Anhörungsprotokoll ergebe sich, dass die befragende Person keine 

neutrale Haltung eingenommen habe. Eine befragende Person müsse ob-

jektiv und unparteiisch, zuvorkommend sowie offen sein und ein Vertrau-

ensklima schaffen, damit sich die befragte Person verstanden fühle. In der 

Anhörung sei wohl kein Minimum an Vertrautheit und Ernsthaftigkeit an der 

Beschwerdeführerin und ihren frauenspezifischen Fluchtgründen geschaf-

fen worden. Denn nach Durchsicht des Protokolls falle auf, dass die befra-

gende Person auffällig viele Aussagen subjektiv als merkwürdig empfun-

den und dadurch eine klare und bestimmte Haltung demonstriert habe. Sie 

habe die Aussagen der Beschwerdeführerin mehrmals als karg und ober-

flächlich kritisiert, ohne konstruktiv zu erklären, was sie konkret verlange. 

Eine Anhörung bezwecke nicht, allein Unglaubhaftigkeitsmomente aufzu-

decken, sondern vielmehr den Hinweisen auf die Wahrheit nachzugehen. 

Die Anhörung sollte ferner möglichst zeitnah zur Flucht erfolgen. Vorlie-

gend sei diese jedoch erst über zwei Jahre und neun Monate später erfolgt. 

Gemäss Art. 29 Abs. 1 Bst. b AsylG sollte die Anhörung in der Regel inner-

halb von 20 Tagen nach der Zuweisung an den Kanton stattfinden. Der 

Umstand des langen Zeitraums zwischen Ausreise und Anhörung hätte zu-

mindest in der Glaubhaftigkeitsprüfung berücksichtigt werden sollen. Das 

SEM sei der vorgebrachten Vergewaltigung nicht nachgegangen, sondern 

habe die Beschwerdeführerin mehrmals unterbrochen, als sie vom Vorfall 

habe erzählen wollen. Zusammenfassend sei daher festzustellen, dass 

das SEM den Sachverhalt unzureichend ermittelt habe, weshalb die Verfü-

gung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen sei, 

welche die Beschwerdeführerin durch eine neutrale Befragerin in einem 

Frauenteam anzuhören habe. 

Die Glaubhaftigkeitsprüfung des SEM sei mangelhaft. Es sei nicht legitim, 

die Vergewaltigung als nachgeschoben zu qualifizieren, da diesbezüglich 

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keine vertieften Abklärungen gemacht worden seien und bei frauenspezifi-

schen Fluchtgründen im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung grosse 

Sorgfalt geboten sei. Eine Vergewaltigung lasse sich nicht bloss deshalb 

für unglaubhaft qualifizieren, weil sie nicht von Anfang an vorgebracht wor-

den sei. Dies ergebe sich bereits aus den psychologischen Erkenntnissen 

zum Verhalten von Opfern sexueller Gewalt. 

Bei objektiver Betrachtung und in Würdigung der kulturellen Herkunft sei 

festzustellen, dass die Beschwerdeführerin frei, fliessend und eindrücklich 

lebhaft erzählt habe. Die Antworten seien nicht kurz und oberflächlich aus-

gefallen, sondern eher lang und würden spontane Umschreibungen sowie 

Erklärungen beinhalten. Dies spreche für die Glaubhaftigkeit. Der Vorwurf 

des SEM, die Beschwerdeführerin habe betreffend die Festnahme auf 

Nachfrage lediglich ihre Aussagen wiederholt, entspreche nicht der Akten-

lage, zumal die Beschwerdeführerin stets weitere Details vom Geschehen 

erwähnt habe.  

Die Schilderung der fünfmonatigen Inhaftierung sei ebenfalls mit Realkenn-

zeichen versehen. Unhaltbar sei die Argumentation des SEM, sie sei nicht 

in der Lage gewesen, einen ihr besonders in Erinnerung gebliebenen Vor-

fall zu schildern. Denn als sie den sexuellen Missbrauch habe schildern 

wollen, sei sie mehrmals unterbrochen worden.  

Das SEM halte die Flucht für nicht plausibel, verkenne dabei aber, dass 

das Plausibilitätsargument gemäss Rechtsprechung nur zurückhaltend an-

gewendet werden dürfe.  

Die Vorfluchtgründe seien daher glaubhaft und es sei damit zu rechnen, 

dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr weiteren asylrelevanten 

Verfolgungshandlungen ausgesetzt wäre. 

4.4 In der Vernehmlassung erwiderte das SEM zum Vorwurf der mangel-

haften Befragung, dass der Ton der befragenden Person stets freundlich 

gewesen sei und die Beschwerdeführerin lediglich auf unstimmige, unsub-

stanziierte und unplausible Aussagen ihrerseits aufmerksam gemacht wor-

den sei, um dadurch ihrem Anspruch auf rechtliches Gehör gerecht zu wer-

den. Denn nur so habe sie die Möglichkeit gehabt, sich dazu zu äussern 

und sich verständlicher und detaillierter auszudrücken. Zudem werde da-

rauf hingewiesen, dass die Hilfswerkvertretung diesbezüglich keine Anmer-

kungen gemacht habe. 

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4.5 In der Replik wendete die Beschwerdeführerin ein, das SEM habe sich 

in der Vernehmlassung einzig zur Befragungstechnik geäussert, nicht aber 

zu den weiteren Rügen. Insbesondere sei weiterhin unklar, mit welcher Be-

gründung die vorgebrachte Vergewaltigung nicht genügend erfragt und 

dennoch als unglaubhaft qualifiziert worden sei. Wie bereits in der Be-

schwerde betont, seien frauenspezifische Fluchtgründe mit grösster Sorg-

falt und Sensibilität zu behandeln. Eine Studie hebe hervor, dass solchen 

Fluchtgründen regelmässig nicht hinreichend Rechnung getragen werde. 

Die Studie mahne davor, dass die Unglaubhaftigkeit häufig mit dem Argu-

ment des unlogischen oder unplausiblen Verhaltens der Frau begründet 

würde. 

4.6 Mit Eingabe vom 10. Juli 2018 reichte die Beschwerdeführerin zwei Fo-

tos von Demonstrationsteilnahmen ein und führte aus, dass sie dadurch 

ihre negative Haltung gegenüber dem eritreischen Staat manifestiert habe.  

5.   

5.1 Die formellen Rügen einer mangelhaften Sachverhaltsermittlung res-

pektive Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und einer Verletzung 

des Anspruchs auf rechtliches Gehör sind unbegründet.  

5.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen 

des Asylverfahrens (vgl. Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat 

die Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung 

des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Sie muss die für das Ver-

fahren notwendigen Sachverhaltsunterlagen beschaffen und die rechtlich 

relevanten Umstände abklären sowie ordnungsgemäss darüber Beweis 

führen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt, er findet sein 

Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchenden (vgl. Art. 13 VwVG 

und Art. 8 Abs. 1 AsylG). 

Das SEM hat der Beschwerdeführerin im Rahmen der Anhörung hinrei-

chend Raum geboten, ihre Asylgründe vorzutragen, wodurch die sachver-

haltlichen Grundlagen für die Beurteilung des Asylgesuchs erstellt wurden. 

Es ist jedoch anzumerken, dass der Einwand, der Beschwerdeführerin sei 

nur ungenügend Möglichkeit geboten worden, über die Vergewaltigung zu 

berichten, durchaus berechtigt ist. Da sich im vorliegenden Fall jedoch die 

Glaubhaftigkeitsprüfung auch ohne ergänzende Äusserungen der Be-

schwerdeführerin zu diesen Vorkommnissen sachgerecht durchführen 

lässt, ist der Sachverhalt für genügend erstellt zu erachten und keine Ver-

letzung des Untersuchungsgrundsatzes zu monieren. 

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5.3 Der Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV und 

Art. 30 Abs. 1 VwVG verlangt, dass die Behörde die Vorbringen einer Asyl-

gesuchstellerin tatsächlich hört, sorgfältig prüft und in ihrer Entscheidfin-

dung berücksichtigt (vgl. etwa BVGE 2008/57 E. 3.2 m.w.H.). Daraus folgt, 

dass die Modalitäten der Anhörung der Gesuchstellerin ermöglichen, ihre 

Asylgründe darzulegen.  

Dem Anhörungsprotokoll ist nicht zu entnehmen, dass die konkrete Befra-

gungstechnik oder die Atmosphäre der Anhörung dies verunmöglicht hätte. 

Vielmehr war die Beschwerdeführerin in der Lage, sich sowohl spontan zu 

äussern als auch auf Nachfragen zu antworten. Anhaltspunkte, dass die 

Beschwerdeführerin etwa aufgrund der Befragungstechnik und einer dar-

aus resultierenden Einschüchterung oder Irritation nicht in der Lage gewe-

sen wäre, ihre Gründe darzulegen, bestehen nicht. Auch der Umstand, 

dass die Anhörung erst über zwei Jahre nach der Ausreise stattgefunden 

hat, stellt keine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar, wobei anzumerken 

bleibt, dass diesem Umstand im Rahmen der Glaubhaftigkeitsprüfung 

Rechnung zu tragen ist. 

6.   

6.1 In materieller Hinsicht erweist sich die Beschwerde betreffend die Asyl-

gewährung für unbegründet, zumal die diesbezüglichen Vorbringen der Be-

schwerdeführerin nicht glaubhaft sind.  

6.2 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-

gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt 

durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen. Ent-

scheidend ist, ob die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachverhaltsdar-

stellung der Gesuchstellerin sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf 

eine objektivierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung 

für die Glaubhaftmachung eines Verfolgungsschicksals ist eine die eigenen 

Erlebnisse betreffende, substanziierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie 

und konkrete Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheits-

gemässe Schilderung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekenn-

zeichnet durch Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere 

Übereinstimmung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen ins-

besondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nach-

geschobenen Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht 

es um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüg-

lich des wesentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der 

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Angaben, persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen die Ge-

suchstellerin sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn 

die positiven Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es 

demnach nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber 

in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um-

stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. 

BVGE 2012/5 E. 2.2). 

6.3 Im Rahmen der freien Erzählung (vgl. act. A16 F50) schilderte die Be-

schwerdeführerin ihr Kernvorbringen, wonach sie unter dem Vorwurf, ihre 

Cousine bei der illegalen Ausreise unterstützt zu haben, inhaftiert worden 

sei, relativ ausführlich und gab als Realkennzeichen etwa Dialoge wieder 

oder beschrieb die Gegenüberstellung mit ihrer Cousine. Hinsichtlich des 

Zeitpunkts der Verhaftung gestand sie ein, dass sie sich nicht an das ge-

naue Datum erinnern könne, verknüpfte den Vorfall aber mit dem Umstand, 

dass an diesem Tag Elterntag gewesen sei, weshalb sich die Inhaftierung 

am Monatsende habe ereignen müssen (vgl. act. A16 F67). Diese Einbet-

tung der Geschehnisse in den Tagesablauf ist als Realkennzeichen zu wer-

ten. Die Schilderungen enthalten ferner nebensächliche Details, indem die 

Beschwerdeführerin im Rahmen einer konkreten Antwort spontan er-

gänzte, dass ihr Dorf auf einem Hügel liege und einer der Soldaten auf 

einer offenen Fläche gewartet habe (vgl. act. A16 F71) oder dass sie auf 

der Fahrt von C._______ nach D._______ regelmässig angehalten und 

Soldaten mitgenommen hätten und die Häftlinge Probleme beim Ausstei-

gen gehabt hätten, da sie mit Tüchern zusammengebunden gewesen 

seien (vgl. act. A16 F84).  

Der Vorwurf des SEM, sie habe unterschiedliche Angaben dazu gemacht, 

wer bei der Verhaftung alles anwesend gewesen sei, erweist sich auf den 

ersten Blick zwar als berechtigt. Bei genauerer Lektüre der entsprechen-

den Protokollstelle ergibt sich jedoch, dass die Beschwerdeführerin schil-

derte, wann und aus welchen Gründen während des Vorgangs der Verhaf-

tung neue Personen dazu gekommen seien (vgl. act. A16 F67 und F72 

[Beschwerdeführerin, älteste Tochter und Sohn der Schwester treten vor 

die Tür und werden angesprochen]; A16 F73 und F75 [jüngste Tochter und 

Eltern kommen hinzu, da älteste Tochter geschrien hat]), woraus sich ein 

differenziertes Bild der Festnahme ergibt.  

6.4 Entgegen der Ansicht des SEM sind die Ausführungen zur Haft in 

D._______ nicht durchwegs allgemein und pauschal ausgefallen, zumal 

auch gewisse Details zu Protokoll gegeben wurden, wie etwa zur Zelle 

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Seite 11 

(vgl. act. A16 F89 und F90), zur Misshandlung anlässlich einer Befragung 

(vgl. act. A16 F94), zum Erscheinungsbild eines Befragers (vgl. act. A16 

F104 bis F108) oder zum Vorfall, als eine kranke Mitinsassin geschrien 

habe (vgl. act. A16 F131), und sie erwähnte beispielsweise spontan den 

Unterbau des Büros, in welchem sie verhört worden sei (vgl. act. A16 

F109). In Übereinstimmung mit dem SEM ist hinsichtlich der Haft allerdings 

zu bemerken, dass die Beschreibung der Mithäftlinge eher knapp, wenn 

auch nicht völlig substanzlos, ausgefallen ist (vgl. act. A16 F112 bis F117). 

Demgegenüber erweist sich der Vorwurf des SEM, die Vergewaltigung sei 

nachgeschoben, da sie nicht zu Beginn der Befragung erwähnt worden sei, 

als verkürzt, zumal es einem bekannten Phänomen entspricht, dass sich 

gewisse Personen äusserst schwer tun, über einen mit Scham- und 

Schuldgefühlen besetzten Sachverhalt zu berichten. Einem solchen Vor-

bringen darf die Glaubhaftigkeit daher nicht einzig mit der Begründung ab-

gesprochen werden, dass sie bisher nicht thematisiert worden ist (vgl. Ent-

scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 

[EMARK] 2002 Nr. 13 E. 5b). Bezüglich der Vergewaltigung erweist sich 

die Anhörung als sehr dünn, da der Beschwerdeführerin kaum Raum ge-

boten worden ist, darüber zu berichten. Ins Auge springt jedoch die als Re-

alkennzeichen zu bewertende spontane Äusserung, dass sie sich gefürch-

tet habe, ihr Peiniger könnte krank sein (vgl. act. A16 F92).  

6.5 Demgegenüber ist die Schilderung der Flucht aus der Haft eher knapp 

ausgefallen. Auch hier wurden zwar wiederum nebensächliche, jedoch 

markante Details zu Protokoll gegeben, wie etwa der Umstand, dass sie 

und ihre Fluchtgefährtin versucht hätten, in einer staatlichen Garage unter-

zutauchen (vgl. act. A16 F121) oder wie die Beschwerdeführerin vor einem 

Krankenhaus in Panik geraten und hingefallen sei (vgl. act. A16 F126). Ins-

gesamt vermitteln die Schilderungen aber kein Bild eines persönlichen Er-

lebnisses. Die Zweifel an den Schilderungen der Flucht werden durch den 

Umstand verstärkt, dass es für nicht plausibel zu erachten ist, dass sie ihre 

Identitätskarte trotz monatelanger Inhaftierung habe auf sich tragen kön-

nen (vgl. act. A16 F158 bis F165). Ebenfalls nur schwer nachvollziehbar 

ist, wie sie und ihre Fluchtgefährtin so einfach aus der Küche hätten ent-

kommen können. Eine weitere Unstimmigkeit ergibt sich aus den wider-

sprüchlichen Angaben dazu, ob sie nach der Flucht aus der Haft und ihrer 

Ausreise zu Hause gewesen sei. Ihre Erklärung, sie habe die Frage, wann 

sie zuletzt zu Hause gewesen sei, so verstanden, dass sie gefragt worden 

sei, wann sie zuletzt in ihrem Heimatland gewesen sei (vgl. act. A16 F65 

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Seite 12 

f.), überzeugt nicht. Demgegenüber ist der vom SEM angesprochene Wi-

derspruch zum Ausreisezeitpunkt – insbesondere in Anbetracht der verstri-

chenen Zeit zwischen Flucht und Befragung – als marginal zu bezeichnen.  

6.6 Eine Gesamtwürdigung der soeben angesprochenen Elemente führt zu 

einem differenzierten Fazit: Es ist für glaubhaft zu erachten, dass die Be-

schwerdeführerin unter dem Vorwurf, ihre Cousine bei Versuch der illega-

len Ausreise unterstützt zu haben, festgenommen, inhaftiert und misshan-

delt worden ist. Demgegenüber ist die Schilderung der Flucht aus der Haft 

für unglaubhaft zu erachten, weshalb davon auszugehen ist, dass sie re-

gulär aus der Haft entlassen worden ist.  

6.7 Es ist somit nicht davon auszugehen, dass sie von den Behörden auf-

grund einer Flucht aus dem Gefängnis gesucht wurde, weshalb nicht da-

von auszugehen ist, dass sie im Zeitraum zwischen Haftentlassung und 

Ausreise einer asylrelevanten Verfolgungsgefahr ausgesetzt gewesen war. 

Es liegen somit keine asylrelevanten Vorfluchtgründe vor. Das SEM hat 

folglich zu Recht das Asylgesuch der Beschwerdeführerin abgelehnt und 

die Wegweisung angeordnet (Art. 44 AsylG). 

7.   

7.1 Als nächstes ist die Frage zu klären, ob der Beschwerdeführerin auf-

grund der illegalen Ausreise eine Verfolgung droht. Wer sich darauf beruft, 

dass durch sein Verhalten nach der Ausreise aus dem Heimat- oder Her-

kunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen des Landes – eine Gefähr-

dungssituation erst geschaffen worden ist, macht sogenannte subjektive 

Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend.  

7.2 Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum 

Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht 

missbräuchlich gesetzt wurden. Daher werden Personen, welche subjek-

tive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können, als 

Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). 

7.3 Gemäss aktueller Praxis des Bundesverwaltungsgerichts reicht eine il-

legale Ausreise allein zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht aus. 

Vielmehr ist eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungsgefahr nur dann 

anzunehmen, wenn zusätzliche Anknüpfungspunkte vorliegen, welche zu 

einer Schärfung des Profils führen (vgl. Referenzurteil des Bundesverwal-

tungsgerichts D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 E. 4.1 und 5.1 f.).  

D-6288/2017 

Seite 13 

7.4 Das SEM verneint das Vorliegen zusätzlicher Anknüpfungspunkte, da 

die Vorfluchtgründe nicht glaubhaft seien. 

7.5 Die angefochtene Verfügung erweist sich in diesem Punkt als unzutref-

fend. Aufgrund der stimmigen und hinreichend substanziierten Aussagen 

der Beschwerdeführerin zu ihrer illegalen Ausreise, ist diese für glaubhaft 

zu erachten. Wie in Erwägung 6.6 ausgeführt, ist es ebenfalls glaubhaft, 

dass die Beschwerdeführerin unter dem Vorwurf, ihre Cousine beim Ver-

such der illegalen Ausreise unterstützt zu haben, inhaftiert worden ist. Es 

ist anzunehmen, dass diese bereits erfolgte (und abgeschlossene) Verfol-

gung der Beschwerdeführerin durch die illegale Ausreise eine Aktualisie-

rung erfährt, weshalb darin ein zusätzlicher Anknüpfungspunkt zu erken-

nen ist, welcher zusammen mit der illegalen Ausreise der Beschwerdefüh-

rerin zur Bejahung einer aktuellen Verfolgungsgefahr und folglich auch zur 

Bejahung der Flüchtlingseigenschaft zu führen hat. Die – wohl zu vernei-

nende – Frage, ob die niederschwellige exilpolitische Aktivität der Be-

schwerdeführerin ebenfalls einen hinreichenden zusätzlichen Anknüp-

fungspunkt darstellt, kann offenbleiben.  

8.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde betreffend die Flüchtlingseigen-

schaft und den Wegweisungsvollzug gutzuheissen, die Dispositivziffern 1, 

4 und 5 der angefochtenen Verfügung des SEM vom 10. Oktober 2017 sind 

aufzuheben und die Beschwerdeführerin als Flüchtling zu anerkennen. 

Das SEM ist anzuweisen, sie vorläufig aufzunehmen (Art. 83 Abs. 8 AuG 

[SR 142.20]). Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. 

9.  

9.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung 

sind grundsätzlich nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen auf-

zuerlegen beziehungsweise zuzusprechen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Be-

schwerdeführerin ist bezüglich ihrer Anträge auf Feststellung der Asylge-

währung und der Aufhebung der Wegweisung unterlegen. Bezüglich der 

Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Anordnung des Wegwei-

sungsvollzugs hat sie obsiegt. Praxisgemäss bedeutet dies ein hälftiges 

Obsiegen, weshalb die Verfahrenskosten grundsätzlich zur Hälfte der Be-

schwerdeführerin aufzuerlegen wären (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem in 

der Zwischenverfügung vom 10. November 2017 das Gesuch um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG 

gutgeheissen wurde, ist von einer teilweisen Kostenauflage abzusehen. 

D-6288/2017 

Seite 14 

9.2 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine um die Hälfte reduzierte 

Entschädigung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zu-

zusprechen. Der mit Eingabe vom 22. Dezember 2017 geltend gemachte 

Zeitaufwand von 10 Stunden und 50 Minuten ist als angemessen zu be-

zeichnen und aufgrund der Replik vom 10. Juli 2018 auf insgesamt 11.5 

Stunden zu erhöhen. Der Stundenansatz wird vom Gericht auf Fr. 150.– 

festgesetzt, woraus eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 863.– 

(½ von 1‘725) resultiert. 

9.3 Nachdem die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeistän-

din beigeordnet worden ist (vgl. Art. 110a Abs. 1 AsylG), ist ihr für ihren 

Aufwand betreffend den abzuweisenden Teil der Beschwerde ein amtliches 

Honorar zu entrichten, soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 

i.V.m. Art. 8 Abs. 2 VGKE). Das Gericht geht praxisgemäss bei nicht-an-

waltlichen Vertreterinnen und Vertreter von einem Stundenansatz von 

Fr. 100.– bis Fr. 150.– aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE), wobei 

nur der notwendige Aufwand zu entschädigen ist (vgl. Art. 8 Abs. 2 VGKE). 

Der Rechtsvertreterin ist folglich – analog zur Berechnung der Parteient-

schädigung – zulasten der Gerichtskasse ein um die Hälfte reduziertes 

amtliches Honorar in Höhe von Fr. 863.– zu entrichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-6288/2017 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird betreffend die Flüchtlingseigenschaft und den Weg-

weisungsvollzug (Dispositivziffern 1, 4 und 5 der angefochtenen Verfü-

gung) gutgeheissen. Im Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.  

2.  

Die Beschwerdeführerin wird als Flüchtling anerkannt. Das SEM wird an-

gewiesen, sie vorläufig aufzunehmen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 863.– 

auszurichten. 

5.  

Der rubrizierten Rechtsvertreterin wird für ihren Aufwand als amtliche 

Rechtsbeiständin ein Honorar von Fr. 863.– zulasten der Gerichtskasse 

ausgerichtet 

6.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Jürg Marcel Tiefenthal Linus Sonderegger 

 

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