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**Case Identifier:** ffa10d8a-b245-5683-a66a-3aef06b42190
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-28
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Strafkammer und Anklagekammer 28.03.2024 AK.2024.15-AK
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_001_AK-2024-15-AK_2024-03-28.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2026 Seite 1/14

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: AK.2024.15-AK

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Strafkammer und Anklagekammer

Publikationsdatum: 04.06.2024

Entscheiddatum: 28.03.2024

Entscheid Kantonsgericht, 28.03.2024
Art. 147 StPO (SR 312.0): Konfrontationsanspruch. Grundsätzlich ist eine 
belastende Aussage nur verwertbar, wenn die beschuldigte Person 
wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene und hinreichende 
Gelegenheit hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den 
Belastungszeugen zu stellen. Diesem Konfrontationsanspruch kommt als 
Teilgehalt des Rechts auf ein faires Verfahren grundsätzlich absoluter 
Charakter zu. Der Beschwerdeführer war nicht bereit, an einer 
Konfrontationseinvernahme teilzunehmen, weshalb seine früheren Aussagen 
nicht verwertbar sind. Bestätigung der Einstellung des Strafverfahrens.

Entscheid siehe PDF

Kanton St.Gallen 

Gerichte 

 
 

 

 
 
Anklagekammer 

 

 

 

 
 
 
 

 Entscheid vom 28. März 2024  

Besetzung  Präsident Urs Gmünder, Mitglieder Dr. Thomas Kellenberger und  
Franziska Ammann, Gerichtsschreiberin Jeannine Schweizer  

   

Geschäftsnr.   AK.2024.15-AK (JM.2022.496) 
 

   

Verfahrens-
beteiligte 

 A.___,  
 

Beschwerdeführer,  
 
vertreten von X.___ 
 

  gegen 
 

  B.___, 
 

Beschwerdegegner,  
 
vertreten von Rechtsanwalt Y.___ 
 

  und 
 

  Jugendanwaltschaft,  
 

Vorinstanz,  
 
 

Gegenstand  Einstellung 
 

 

  

 

 

 

 

 

AK.2024.15-AK 2/13 

  

Erwägungen 
 
I. 

 
A.-  Am 20. Juni 2022 erstattete Z.__ bei der Kantonspolizei St. Gallen Strafanzeige ge-

gen B.__, C.__, D.__, E.__, F.__ und G.__. Diese hätten seinen Sohn A.__ (geboren am 

[…] 2007) im Zeitraum zwischen 1. Mai und 9. Juni 2022 in der […]schule […] gemobbt. 

Die Kantonspolizei St. Gallen befragte A.__ am 25. Juni 2022. Dieser gab an, dass ihn 

fünf der Beschuldigten physisch angegriffen hätten; G.__ habe ihn nur verbal verletzt. Sie 

hätten ihn geboxt, geohrfeigt und mit einem Gürtel geschlagen. Er habe rote Flecken im 

Gesicht und Prellungen an der Brust, am Bauch und an den Rippen erlitten. Zudem sei er 

verbal angegangen und als fett, doof und dumm bezeichnet worden. In der Folge eröffne-

te die Jugendanwaltschaft ein Strafverfahren gegen die sechs Jugendlichen.  

 
B.-  Die Jugendanwaltschaft sistierte das Verfahren gegen E.__ am 22. Dezember 2023 

zufolge unbekannten Aufenthaltsorts des Beschuldigten. Gleichentags stellte sie das Ver-

fahren gegen die übrigen fünf Beschuldigten ein. Gegen die Einstellung des Verfahrens 

im Zusammenhang mit B.__ erhob der anwaltlich vertretene A.___ am 29. Dezember 

2023 Beschwerde an die Anklagekammer und stellte folgende Anträge:  

 
1. Die Einstellungsverfügung der Jugendanwaltschaft des Kantons St. Gallen vom 

20. Dezember 2023 in der Jugendstrafsache gegen B.__ sei in Bezug auf die Ein-
stellung des Strafverfahrens betreffend einfache Körperverletzung und Nötigung 
aufzuheben.  

 
2. Die Jugendanwaltschaft des Kantons St. Gallen sei anzuweisen, unverzüglich beim 

Zwangsmassnahmengericht, die Entsiegelung der am 22. August 2022 von […] 
eingereichten Unterlagen aus der schulinternen Untersuchung zu beantragen.  

 
3. Die Jugendanwaltschaft des Kantons St. Gallen sei anzuweisen, die Zeugin R.__ 

einzuvernehmen und den Beschwerdegegner sowie C.__, D.__, E.__, F.__ und 
G.__ anlässlich erneuter Einvernahmen mit den von ihnen im Rahmen der schulin-
ternen Untersuchung gemachten Aussagen und den Aussagen von R.__ zu den 
Vorfällen […] zu konfrontieren. 
 

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MWST).  

 
Die Vorinstanz reichte am 25. Januar 2024 die Akten ein und beantragte die kostenfällige 

Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdegegner liess sich am 7. Februar 2024 ver-

nehmen und ebenfalls die kostenfällige Abweisung der Beschwerde beantragen. Auf die 

Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwä-

gungen eingegangen. 

  

 

 

 

 

 

AK.2024.15-AK 3/13 

  

II. 

 

1.-  Gegen Verfügungen der Jugendanwaltschaft ist die Beschwerde zulässig (Art. 39 

Abs. 1 JStPO in Verbindung mit [i.V.m.] Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO) und die Anklagekam-

mer zur Beurteilung zuständig (Art. 39 Abs. 3 JStPO, Art. 17 EG-StPO). Die Beschwerde 

ist rechtzeitig erhoben worden (Art. 39 Abs. 1 JStPO i.V.m. Art. 396 Abs. 1 StPO). Der 

Beschwerdeführer ist zur Erhebung der Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 38 Abs. 1 JStPO 

i.V.m. Art. 382 Abs. 1 StPO). Die von Amtes wegen zu prüfenden Eintretensvorausset-

zungen sind erfüllt.  

  

2.- a)  Im Beschwerdeverfahren vor der Anklagekammer gilt grundsätzlich das Rügeprin-

zip (vgl. Art. 3 JStPO i.V.m. Art. 396 Abs. 1 und Art. 385 StPO; OBERHOLZER, Strafpro-

zessrecht, 4. Aufl. 2020, N 2062). Die angefochtene Verfügung ist im Rahmen des Be-

schwerdeantrags und unter Berücksichtigung der vom Beschwerdeführer in konkreter und 

begründeter Form dargelegten Einwände und Rügen zu überprüfen. 

 

b)  Der Beschwerdeführer ficht die Einstellung hinsichtlich der Tatbestände der einfachen 

Körperverletzung und Nötigung an. Demgegenüber nicht angefochten ist die Einstellung 

wegen Tätlichkeiten und Beschimpfungen zufolge Verjährung (vgl. act. 1, S. 2 [Antrag 1]). 

Entsprechend ist die Verfügung vom 20. Dezember 2023 in diesen Punkten in Rechtskraft 

erwachsen.  

 

3.- a)  Die Vorinstanz begründete die Einstellung des Strafverfahrens im Zusammenhang 

mit der einfachen Körperverletzung und der Nötigung damit, dass kein Tatverdacht erhär-

tet sei, welcher eine Anklage rechtfertige. Den Aussagen des Beschwerdeführers könne 

nicht konkret entnommen werden, wer, wann, wo, wie und womit auf ihn eingeschlagen, 

ihn beschimpft oder unter Gewaltandrohung zum Schweigen angehalten habe. Dasselbe 

gelte auch hinsichtlich der geltend gemachten Verletzungen. Sodann liessen auch die 

Aussagen der übrigen einvernommenen Personen und die weiteren Akten dazu keine 

konkreten Rückschlüsse zu. Hinzu komme, dass den beschuldigten Jugendlichen das 

Recht, dem Privatkläger Ergänzungsfragen zu stellen, nicht habe gewährt werden kön-

nen, weil der Beschwerdeführer die Durchführung einer Einvernahme wiederholt abge-

lehnt habe. Unter diesen Umständen sei ein Schuldspruch nicht möglich und ein dem 

Anklagegrundsatz genügender Sachverhalt habe nicht erstellt werden können. Daran 

würden auch die vom Beschwerdeführer gestellten Beweisanträge nichts ändern, da die-

se nur zu mittelbaren Indizien führen würden (act. 2/5, S. 5 ff. [Ziffn. 6 f.]).  

 

 

 

 

 

 

AK.2024.15-AK 4/13 

  

b)  Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, die Vorinstanz habe die Untersu-

chungsmaxime (Art. 6 StPO) und den Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) 

verletzt, indem sie die von ihm gestellten Beweisanträge, namentlich die Zeugeneinver-

nahme von R.__ und die erneute Stellung eines Entsiegelungsantrags, abgelehnt habe. 

Im Weiteren habe sie den Grundsatz "in dubio pro duriore" verletzt. Die Aussagen des 

Beschwerdeführers ständen im Widerspruch zu denjenigen des Beschwerdegegners. 

Aufgrund der schriftlichen Ausführungen der mit der schulinternen Untersuchung betrau-

ten und als Zeuginnen beantragten S.__ und R.__ bestünden erhebliche Zweifel an den 

Aussagen des Beschwerdegegners. Die Voraussetzungen für eine Einstellung seien des-

halb nicht gegeben (act. 1, S. 8 ff. [Ziff. 19 bis 38]). Hinzu komme, dass der Beschwerde-

führer gemäss den Akten eine rechtshilfeweise Einvernahme nicht definitiv abgelehnt ha-

be (act. 1, S. 7 [Ziff. 18]).  

 

c)  Der Beschwerdegegner macht geltend, die Verfahrenseinstellung sei zu Recht erfolgt. 

Ihm werde einzig vorgeworfen, den Beschwerdeführer geboxt zu haben; dabei handle es 

sich um Tätlichkeiten. Diese seien bereits verjährt. Hinzu komme, dass der Beschwerde-

führer sich weigere, nochmals Aussagen zu machen. Dies habe zur Folge, dass seine 

Aussagen bei der Polizei unverwertbar seien und von vornherein kein dem Anklagegrund-

satz genügender Sachverhalt erstellt werden könne. Sodann würde das Zwangsmass-

nahmengericht einen Entsiegelungsantrag höchstwahrscheinlich ablehnen, zumal mit der 

Befragung des Beschwerdeführers noch ein milderes Mittel bestünde. Ebenfalls sei eine 

Befragung von R.___ nicht zielführend, weil sie nur mitteilen könne, was der Beschwerde-

führer ihr erzählt habe (act. 13, S. 3 ff.).  

 

4.- a)  Die Jugendstaatsanwaltschaft verfügt nach Art. 3 JStPO i.V.m. Art. 319 Abs. 1 

StPO die Einstellung des Verfahrens, wenn kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage 

rechtfertigt (lit. a), kein Straftatbestand erfüllt ist (lit. b), Rechtfertigungsgründe einen Straf-

tatbestand unanwendbar machen (lit. c), Prozessvoraussetzungen definitiv nicht erfüllt 

werden können oder Prozesshindernisse aufgetreten sind (lit. d) oder nach gesetzlicher 

Vorschrift auf Strafverfolgung oder Bestrafung verzichtet werden kann (lit. e). 

 
Der Entscheid über die Einstellung eines Verfahrens richtet sich nach dem Grundsatz "in 

dubio pro duriore". Danach darf eine Einstellung durch die Staatsanwaltschaft grundsätz-

lich nur bei klarer Straflosigkeit oder offensichtlich fehlenden Prozessvoraussetzungen 

angeordnet werden. Die Untersuchungsbehörde hat sorgfältig abzuklären, ob ein Einstel-

lungsgrund vorliegt, und darf einen solchen nicht leichthin annehmen. Bei der Beurteilung 

dieser Frage verfügt die Staatsanwaltschaft über einen gewissen Spielraum. Hingegen ist, 

 

 

 

 

 

AK.2024.15-AK 5/13 

  

sofern die Erledigung mit einem Strafbefehl nicht in Frage kommt, Anklage zu erheben, 

wenn eine Verurteilung wahrscheinlicher erscheint als ein Freispruch. Ist ein Freispruch 

genauso wahrscheinlich wie eine Verurteilung, drängt sich in der Regel, insbesondere bei 

schweren Delikten, eine Anklageerhebung auf. Bei zweifelhafter Beweis- oder Rechtslage 

hat nicht die Staatsanwaltschaft über die Stichhaltigkeit des strafrechtlichen Vorwurfs zu 

entscheiden, sondern das zur materiellen Beurteilung zuständige Gericht. Der Grundsatz, 

dass im Zweifel nicht eingestellt werden darf, ist auch bei der Überprüfung von Einstellun-

gen zu beachten. Diese Regeln gelten auch im Jugendstrafverfahren (Urteil des Bundes-

gerichts [BGer] 6B_968/2021 vom 31. Januar 2022 E. 2.3.2; BGE 143 IV 241 E. 2.2.1). 

 

b) aa)  Art. 123 Ziff. 1 StGB erfasst alle Körperverletzungen, welche nicht schwer im Sinn 

von Art. 122 StGB und keine blossen Tätlichkeiten gemäss Art. 126 StGB sind (PK StGB-

GETH, 4. Aufl. 2021, Art. 123 N 2; BSK StGB-ROTH/BERKEMEIER, 4. Aufl. 2019, Art. 123 

N 3). Eine Beeinträchtigung der körperlichen Integrität stellt dann eine einfache Körperver-

letzung dar, wenn innere oder äussere Verletzungen oder Schädigungen zugefügt wer-

den, die mindestens eine gewisse Behandlung und Heilungszeit erfordern, also etwa 

Knochenbrüche, auch wenn sie unkompliziert sind und verhältnismässig rasch und prob-

lemlos ausheilen, aber auch bereits Hirnerschütterungen, Quetschungen mit Blutergüssen 

und Schürfungen, sofern sie über blosse Kratzer hinausgehen (BSK StGB-ROTH/BERKE-

MEIER, Art. 123 N 4). Geschütztes Rechtsgut ist auch die geistige Gesundheit (BSK StGB-

ROTH/BERKEMEIER, Vor Art. 122 N 15). Subjektiv ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventual-

vorsatz genügt (BSK StGB-ROTH/BERKEMEIER, Art. 123 N 35).  

 

bb)  Eine Nötigung nach Art. 181 StGB begeht, wer jemanden durch Gewalt oder Andro-

hung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit 

nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. Nötigung ist die rechtswidrige Verlet-

zung der Freiheit von Willensbildung oder -betätigung durch Gewalt, Drohung oder ähnli-

che Mittel (PK StGB-TRECHSEL/MONA, 4. Aufl. 2021, Art. 181 N 1). Von einer solchen 

Rechtswidrigkeit ist auszugehen, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn 

das Mittel zum erstrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die Ver-

knüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck rechts-

missbräuchlich oder sittenwidrig ist (BGer 6B_902/2021 vom 25. August 2022 E. 3.5.2; 

BGE 141 IV 437 E. 3.2.1; PK StGB-TRECHSEL/MONA, Art. 181 N 10). Subjektiv ist (Even-

tual-)Vorsatz erforderlich, der sich auf die Beeinflussung und das abgenötigte Verhalten 

beziehen muss (PK StGB-TRECHSEL/MONA, Art. 181 N 14). 

 

 

 

 

 

 

AK.2024.15-AK 6/13 

  

cc)  Die einfache Körperverletzung (Art. 123 StGB) und die Nötigung (Art. 181 StGB) wer-

den im Erwachsenenstrafrecht beide mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bedroht. 

Unter diesen Umständen verjährt die Strafverfolgung im Jugendstrafverfahren in drei Jah-

ren (Art. 36 Abs. 1 lit. b JStG).  

 

c) aa)  Am 20. Juni 2022 erstattete der Vater des Beschwerdeführers bei der Kantonspoli-

zei St. Gallen Strafanzeige gegen sechs Jugendliche, weil diese seinen Sohn im Zeitraum 

vom 29. Mai bis 9. Juni 2022 […] gemobbt hätten. Der Strafanzeige angehängt waren ein 

Bericht der Schule an die Eltern des Beschwerdeführers und ein "Student Rapport" 

(act. 8/A/1). In Ersterem teilt S.__, […] den Eltern des Beschwerdeführers am 11. Juni 

2022 mit, dass dieser in den letzten Wochen von anderen Schülern gemobbt worden sei. 

Diese hätten ihn mit den Händen, Kissen und Gürteln geschlagen. Zudem sei er auch 

verbal angegangen worden, was von einem Mitschüler gemeldet worden sei. Die Schule 

habe die Situation untersucht und von allen beteiligten Schülern schriftliche Erklärungen 

eingeholt. Diese hätten kooperiert und zugegeben, an verschiedenen Vorfällen entweder 

als Zuschauer oder Teilnehmer beteiligt gewesen zu sein. Einige hätten eingeräumt, ihn 

mit einem Gürtel oder der Hand geschlagen zu haben; andere hätten angedeutet, dass es 

nur ein Spiel gewesen sei und sie davon ausgegangen seien, es sei für den Beschwerde-

führer "okay" (act. 8/S/5 und S/6). Sodann schildert der Beschwerdeführer im Student 

Rapport vom 9. Juni 2022, E.__, F.__ und C.__ würden ihn seit ein paar Wochen mobben 

und mit Kissen, Gürteln und den Händen schlagen. Zudem würden sie "fat shaming" be-

treiben und ihn als dumm bezeichnen. Daran beteiligt sei auch G.__. Falls er etwas sage 

und sie suspendiert würden, habe er Angst, dass sie ihm das Leben bei ihrer Rückkehr 

noch schlimmer machen würden (act. 8/ S/4).  

 

bb)  Die Kantonspolizei St. Gallen befragte den Beschwerdeführer am 25. Juni 2022. Die-

ser gab an, dass ihn der Beschwerdegegner, C.__, D.__, E.__ und F.__ physisch ange-

griffen (act. 8/D/1, Frage 1), geboxt und mit einem Gürtel geschlagen hätten (act. 8/D/1, 

Frage 2). Übergriffe hätten in den Schlafzimmern der Beschuldigten stattgefunden, 

manchmal in seinem Zimmer und teils auch im Sozialraum (act. 8/D/1, Frage 5). Er habe 

rote Flecken und Prellungen an der Brust, dem Bauch und den Rippen erlitten (act. 8/D/1, 

Fragen 8 ff.). Auf die Frage nach den Tatbeiträgen der einzelnen Beschuldigten gab er an, 

es seien alle ausser G.__ auf ihn losgegangen. Sie hätten ihn geschlagen und geboxt, 

und zwar auch mit einem Gürtel (act. 8/D/1, Frage 14). Die Übergriffe hätten täglich statt-

gefunden und es seien nicht immer alle beteiligt gewesen (act. 8/D/1, Frage 15 f.). Ausge-

löst seien sie vorwiegend von C.__ worden; oftmals sei E.__ dabei gewesen (act. 8/D/1, 

Fragen 20 f.). Zum Beschwerdegegner gab er an, dieser habe sich wie D.__ an den 

 

 

 

 

 

AK.2024.15-AK 7/13 

  

Übergriffen beteiligt (act. 8/D/1, Frage 31). Letzterer habe ihn etwa gleich geschlagen wie 

E.__, welcher ihn hart getreten und geboxt habe (act. 8/D/1, Fragen 29 f.). Auf Nachfrage 

hin führte er zum Beschwerdegegner noch aus, dieser habe ihn nicht gekickt, sondern 

gegen seinen Oberkörper und seine Arme geboxt (act. 8/D/1, Fragen 32 ff.). Am Tag der 

Einvernahme stellten der Beschwerdeführer bzw. seine gesetzlichen Vertreter Strafantrag 

gegen die sechs Schüler (act. 8/S/8).  

 

cc)  Die Vorinstanz beauftragte am 7. Juli 2022 die Kantonspolizei mit der Befragung der 

sechs beschuldigten Jugendlichen und von S.__ (act. 8/S/2). Gleichentags verfügte sie 

beim […] die Edition sämtlicher Schriftstücke und Datenträger der schulinternen Untersu-

chung (act. 8/Z/1). Am 22. August 2022 übermittelte die Schule die Unterlagen und stellte 

ein Siegelungsgesuch (act. 8/Z/2 und Z/3). Das Kantonale Zwangsmassnahmengericht 

wies das Entsiegelungsgesuch der Vorinstanz am 7. November 2022 ab. Zur Begründung 

wurde im Wesentlichen ausgeführt, mildere Mittel als die Entsiegelung seien noch vor-

handen, wie etwa die Befragung der involvierten Personen. Sollte sich im Verlaufe des 

Verfahrens herausstellen, dass die edierten Unterlagen unentbehrlich seien, so bestehe 

die Möglichkeit, freigegebene Unterlagen erneut sicherzustellen (act. 8/ZK.2022.270-TO1 

ZRK-BRA).  

 

dd)  Die Kantonspolizei befragte im September 2022 fünf Beschuldigte. D.__ (act. 8/E/1), 

F.__ (act. 8/E/3) und C.__ (act. 8/E/4) verweigerten jeweils die Aussage. Der Beschwer-

degegner gab an, es habe keine körperlichen Angriffe gegeben; vielmehr seien es nur 

Humor und Spiel gewesen. So hätten sie etwa eine Kissenschlacht veranstaltet ohne 

Kraftanwendung (act. 8/E/2, Fragen 9 ff.). Im Weiteren gab der Beschwerdegegner mehr-

fach an, sich nicht erinnern zu können und grosse Angst zu haben (act. 8/E/2, z.B. Fra-

gen 17, 20, 22, 43). G.__ – die Einstellung seines Strafverfahrens vom 20. Dezember 

2023 wurde nicht angefochten – sagte ebenfalls aus. Er gab an, nichts gemacht zu haben 

(act. 8/E/5, Frage 7), und er könne sich nicht erinnern (act. 8/E/5, Fragen 8 ff.). Sodann 

führte er aus, es sei besser, wenn er nichts sage (act. 8/E/5, Frage 13). Er habe Angst, 

die Sachen zu beantworten oder Dinge der anderen Beschuldigten zu bestätigen 

(act. 8/E/5, Frage 24). Auch habe er Angst, dass ihm das Gleiche widerfahre (act. 8/E/5, 

Fragen 33 ff.). Schliesslich bestätigte er, dass er im Gamingroom zwei Schlägereien ge-

sehen habe. Weitere Angaben dazu wollte er nicht machen (act. 8/E/5, Fragen 20 ff.). 

Nicht befragt werden konnte der sechste Beschuldigte, E.__, weil sein aktueller Aufent-

haltsort nicht bekannt ist (act. 8/Sistierungsverfügung vom 22. Dezember 2023).  

 

 

 

 

 

 

AK.2024.15-AK 8/13 

  

Zudem befragte die Vorinstanz im Januar und Februar 2023 zwei Mitschüler des Be-

schwerdeführers. M.__ verweigerte die Aussage (act. 8/D/2) und N.__ (act. 8/D/3) gab an, 

es habe einmal eine Kissenschlacht gegeben, aber diese sei nicht gewalttägig gewesen 

(Frage 20). Auch habe er nichts Schockierendes in Bezug auf den Beschwerdeführer ge-

sehen; vielleicht ein paar Spässe, Witze und ein bisschen Anrempeln, aber nie Schläge 

(Fragen 36 ff.).  

 
Nicht einvernommen wurde S.__, weil diese von der Polizei nicht erreicht werde konnte 

und nach England weggezogen war (act. 8/S/1, S. 10). Zwischenzeitlich habe sie den 

Wohnsitz möglicherweise erneut gewechselt, und zwar nach Dubai (vgl. act. 8/RA/1/18, 

Beilage 3).  

 

d)  Der Beschwerdeführer wirft dem Beschwerdegegner vor, er habe ihn gegen den Ober-

körper und die Arme geboxt (act. 8/D/1, Fragen 32 f.). Eine einfache Körperverletzung 

liegt jedenfalls vor, wenn daraus innere oder äussere Verletzungen resultieren, welche 

eine gewisse Behandlung und Heilungszeit erfordern, wobei bereits Quetschungen mit 

Blutergüssen und Schürfungen darunterfallen können (BSK StGB-ROTH/BERKEMEIER, 

Art. 123 N 4). Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe wegen der Übergriffe rote 

Flecken und Prellungen an der Brust, dem Bauch und den Rippen erlitten (act. 8/D/1, 

Fragen 8 ff.). Prellungen können eine gewissen Heilungszeit erfordern. Sind sie das Re-

sultat von Faustschlägen, liegen deshalb nicht zwingend Tätlichkeiten vor. Sodann ist 

nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer geltend macht, die Prellungen stammten nur 

von Schlägen mit dem Gürtel durch C.__, D.__, E.__ und F.__ (vgl. act. 8/D/1/Frage 37). 

Entsprechend kann hinsichtlich des Vorwurfs der Faustschläge aufgrund der Aktenlage 

nicht zum vornherein von einer verjährten Tätlichkeit ausgegangen werden. Ebenfalls 

lässt sich eine Nötigung noch nicht ausschliessen, zumal der Beschwerdeführer diesen 

Vorwurf nicht auf eine bestimmte Person bezog, sondern angab, "sie" hätten gesagt, sie 

werden zurückkommen und ihn mehr und härter schlagen, falls er jemandem davon er-

zähle (act. 8/D/1, Frage 57). In der polizeilichen Einvernahme wurden dazu keine An-

schlussfragen gestellt.   

 
e)  Der Beschwerdegegner bestritt die Vorwürfe; insbesondere macht er geltend, es habe 

keine körperlichen Angriffe gegeben (act. 8/E/2, Fragen 9 ff.). Die weiteren befragten Per-

sonen machten keine oder keine konkreten Angaben. Damit steht im Wesentlichen Aus-

sage gegen Aussage. Entsprechend sind die belastenden Aussagen des Beschwerdefüh-

rers wesentlich für eine Anklageerhebung.  

 

 

 

 

 

 

AK.2024.15-AK 9/13 

  

aa)  Grundsätzlich ist eine belastende Aussage nur verwertbar, wenn die beschuldigte 

Person wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene und hinreichende Ge-

legenheit hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den Belastungszeugen 

zu stellen. Diesem Konfrontationsanspruch kommt als Teilgehalt des Rechts auf ein faires 

Verfahren (Art. 6 Ziffn. 1 und 3 EMRK sowie Art. 29 Abs. 2 und 32 Abs. 2 BV) grundsätz-

lich absoluter Charakter zu. Der Konfrontationsanspruch wird nicht verletzt, wenn der Be-

lastungszeuge berechtigterweise das Zeugnis verweigert oder die erneute Befragung 

nicht möglich ist, weil er trotz angemessener Nachforschungen nicht auffindbar bleibt, 

dauernd oder für lange Zeit nicht einvernommen werden kann oder in der Zwischenzeit 

verstorben ist. Die Verwertbarkeit der ursprünglichen Aussage erfordert allerdings, dass 

die beschuldigte Person zu den belastenden Erklärungen hinreichend Stellung nehmen 

konnte, diese sorgfältig geprüft wurden und ein Schuldspruch sich nicht allein darauf ab-

stützt. Ausserdem darf der Umstand, dass die beschuldigte Person ihre Rechte nicht 

(rechtzeitig) wahrnehmen konnte, nicht in der Verantwortung der Behörde liegen (BGer 

6B_1092/2022 vom 9. Januar 2023 E. 2.3.3, 6B_1219/2019 vom 24. April 2020 E. 2.1).  

 

bb)  Zwischen dem Beschwerdeführer und den Beschuldigten hat noch keine Konfrontati-

onseinvernahme stattgefunden. Bleibt dies so, wären die belastenden Aussagen nicht 

verwertbar. Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer die Teilnahme an einer (Konfrontati-

ons-)Einvernahme durch die Vorinstanz verweigert hat und nicht mehr davon ausgegan-

gen werden kann, dass eine solche noch erfolgen wird bzw. kann. Aus den Akten geht 

hervor, dass die Vorinstanz den Beschwerdeführer am 22. März 2023 zur Einvernahme 

vom 27. April 2023 vorlud (act. 8/RA/1/6). Am 25. April 2023 teilte der Beschwerdeführer 

mit, er sei aus schulischen und psychischen Gründen nicht in der Lage, an der Einver-

nahme teilzunehmen. Die Einvernahme sei abzuzitieren bzw. zu verschieben (act. 8/ 

RA/1/7). Sodann kam es gemäss einer Aktennotiz vom 6. September 2023 am 21. August 

2023 zu einem Telefonat zwischen der damaligen Rechtsvertreterin des Beschwerdefüh-

rers und dem Verfahrensleiter. Die Rechtsanwältin teilte mit, sie und ihr Mandant würden 

versuchen, mit den beschuldigten Jugendlichen und deren Vertretern eine gütliche Eini-

gung zu erzielen. Auf eine Einvernahme auf dem Rechtshilfeweg wolle der Beschwerde-

führer verzichten, weil dies wohl zu viel Zeit in Anspruch nehme. Der Verfahrensleiter teil-

te der Rechtsvertreterin mit, er werde ihren Mandanten auf den 23. September 2023 vor-

laden, falls er nichts Anderes höre (act. 8/RA/1/10). Am 5. Oktober 2023 kam es gemäss 

einer Aktennotiz zu einem weiteren Telefongespräch zwischen der damaligen Rechtsver-

treterin des Beschwerdeführers und dem Verfahrensleiter. Diese teilte mit, es habe sich in 

der Zwischenzeit nichts Grundlegendes geändert. Der Beschwerdeführer sei nicht bereit, 

neue Aussagen zu machen, und eine gütliche Einigung zwischen den Parteien stehe nicht 

 

 

 

 

 

AK.2024.15-AK 10/13 

  

in Aussicht. Daraufhin teilte der Verfahrensleiter mit, er werde ihr eine Parteimitteilung mit 

der Ankündigung, das Verfahren einzustellen, zukommen lassen (act. 8/RA/1/11).  

 

cc)  Der Beschwerdeführer hat eine Einvernahme bereits mehrfach verweigert, und zwar 

meist ohne Angabe von Gründen. Selbst wenn er Gründe angegeben hat (z.B. schulische 

und psychische Gründe), waren diese weder substantiiert noch belegt. Sodann hat er, 

nachdem seine damalige Rechtsvertreterin mitgeteilt hatte, er sei nicht bereit, neue Aus-

sagen zu machen, und der Verfahrensleiter daraufhin mündlich die Verfahrenseinstellung 

ankündigte, nicht beantragt, ihn einzuvernehmen. Auch nach der schriftlichen Parteimittei-

lung vom 3. November 2023 (vgl. act. 8/RA/1/17) beantragte er lediglich die Stellung ei-

nes Entsiegelungsgesuchs durch die Vorinstanz, die Befragung von R.__ und der Be-

schuldigten, nicht aber ihn zu befragen (act. 8/RA/1/18). Auch in der Beschwerde stellte er 

keinen Antrag, er sei einzuvernehmen bzw. mit den Beschuldigten zu konfrontieren. Er 

merkte nur an, er habe eine rechtshilfeweise Einvernahme nicht "definitiv" abgelehnt. Es 

sei offengelassen worden, ob nach der Abnahme der beantragten Beweise noch eine 

Befragung des Beschwerdeführers erfolgen solle (act. 1, S. 7). Diese Begründung ohne 

Antrag auf eine Einvernahme des Beschwerdeführers genügt nicht und widerspricht auch 

seinem bisherigen Verhalten im Strafverfahren, in welchem er keine Bereitschaft gezeigt 

hat für eine nochmalige, mithin die entscheidende Einvernahme. Hinzu kommt, dass es 

nicht am Beschwerdeführer ist zu bestimmen, wann der richtige Zeitpunkt für eine Einver-

nahme ist; dieser Entscheid liegt bei der Verfahrensleitung. Sodann ist auch nachvollzieh-

bar, dass die Vorinstanz eine vorgezogene Konfrontationseinvernahme im jetzigen Zeit-

punkt für zweckmässig erachtet, zumal es zurzeit das mildeste Mittel ist; gleichzeitig wäre 

die Konfrontationseinvernahme ein zentrales Beweismittel. Ohne sie sind die bisherigen 

Aussagen des Beschwerdeführers vor der Polizei nicht verwertbar und alle weiteren Be-

weiserhebungen nutzlos.  

 

dd)  Vor diesem Hintergrund ist nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer bereit ist, an 

einer Konfrontationseinvernahme teilzunehmen, und auf der anderen Seite ist auch nicht 

erkennbar, dass der Beschwerdegegner auf eine solche verzichten würde (vgl. act. 8/RA/ 

6/8, S. 2 und act. 13, S. 17 ff. [Ziff. 29]). Damit dürften die Aussagen des Beschwerdefüh-

rers vor der Polizei nicht verwertbar bleiben. Die übrigbleibenden Beweismittel reichen 

allein nicht für eine Anklageerhebung. Zu prüfen bleibt, ob die vom Beschwerdeführer 

beantragten Beweisabnahmen daran etwas zu ändern vermögen. 

 

f) aa)  Der Beschwerdeführer hat die Einvernahme von R.__ beantragt, welche mehr als 

fünf Jahre […] tätig und zusammen mit S.__ und T.__ mit der schulinternen Untersuchung 

 

 

 

 

 

AK.2024.15-AK 11/13 

  

beauftragt gewesen sei (vgl. act. 1, S. 8 f.). Mit der Beschwerde reichte er eine Erklärung 

von R.__ ein (act. 2/3). Daraus geht nicht hervor, dass sie an der schulinternen Untersu-

chung beteiligt war. Vielmehr schildert sie, dass sie nur zufällig vom […]lehrer Q.__ davon 

erfahren habe. Damit ist nicht ersichtlich, inwiefern eine Befragung von R.__ die Strafun-

tersuchung vorwärtsbringen könnte. Selbst wenn sie – entgegen ihrer Erklärung – an der 

schulinternen Untersuchung beteiligt gewesen wäre, wäre ihre Befragung heikel, zumal 

damit der ausführlich und nachvollziehbar begründete Entscheid des Zwangsmassnah-

menrichters vom 7. November 2022 unterlaufen würde. Namentlich hätte der Beschwer-

deführer mit seiner Weigerungshaltung bewirkt, dass ein milderes Beweismittel – seine 

Einvernahme – nicht erhoben werden kann. Hinzu kommt, dass sie gemäss eigenen An-

gaben einzig mit dem Beschwerdeführer gesprochen hat, weshalb ihre Angaben nicht auf 

eigenen Wahrnehmungen und Beobachtungen des Vorgefallenen fussen würden.  

 

bb)  Im Weiteren beantragte der Beschwerdeführer, die Vorinstanz sei anzuweisen, er-

neut einen Entsiegelungsantrag beim Zwangsmassnahmengericht einzureichen. Gemäss 

bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist es möglich, Unterlagen, die ohne Entsiegelung 

zurückgegeben worden sind, erneut sicherzustellen und entsprechend nochmals ein Ent-

siegelungsgesuch einzureichen. Dies ist allerdings nur zulässig, wenn eine Entwicklung 

des Strafverfahrens stattgefunden hat; das heisst, dass sich die rechtlichen oder tatsäch-

lichen Verhältnisse oder auch nur ihre Einschätzung durch die Untersuchungsbehörden 

seit der letzten Sicherstellung verändert haben (BGer 1B_241/2022 vom 27. Juni 2023, 

1B_8/2021 vom 16. Juni 2021 E. 2.1). Eine solche Entwicklung hat hier zwar stattgefun-

den; so wurden mittlerweile fünf Beschuldigte befragt. Nach wie vor unbekannt ist der 

Aufenthaltsort des sechsten Beschuldigten. Damit wäre ein erneutes Entsiegelungsge-

such wohl grundsätzlich zulässig. Allerdings ist äusserst ungewiss, ob ein solches ge-

nehmigt würde. Zu berücksichtigen ist insbesondere, dass noch nicht alle milderen Mittel 

ausgeschöpft wurden, so etwa eine Konfrontationseinvernahme mit dem Beschwerdefüh-

rer. Hinzu kommt im Zusammenhang mit den Aussagen der Beschuldigten in der schulin-

ternen Untersuchung, in welcher sie kaum auf ihre Rechte gemäss JStPO hingewiesen 

wurden, ein offensichtlicher Konflikt mit dem Selbstbelastungsprivileg ("nemo tenetur"-

Grundsatz [vgl. Art. 14 Ziff. 3 lit. g UNO-Pakt II, SR 0.103.02; Art. 32 BV; Art. 6 Ziff. 1 

EMRK]). Danach ist niemand gehalten, zu seiner Belastung beizutragen, und berechtigt 

zu schweigen, ohne dass ihm daraus Nachteile erwachsenen dürfen (vgl. BGer 6B_1471/ 

2021 vom 9. März 2023 E. 1.3). Ob die entsprechenden Aussagen gegenüber der Schule 

überhaupt verwertbar wären, ist deshalb höchst zweifelhaft. Die Verweigerung einer Kon-

frontationseinvernahme des Beschwerdeführers und deshalb nicht verwertbare Aussagen 

können nicht einfach durch das Einholen von Unterlagen kompensiert werden.  

 

 

 

 

 

AK.2024.15-AK 12/13 

  

cc)  Selbst wenn die beantragten Beweisabnahmen durchgeführt würden, ist nicht ersicht-

lich, wie ohne eine Konfrontationseinvernahme ein für eine Anklage genügender Sach-

verhalt erstellt werden soll ohne Verletzung der Beschuldigtenrechte. Entsprechend hat 

die Vorinstanz das Strafverfahren zu Recht eingestellt. Namentlich sind auch die Voraus-

setzungen für eine Sistierung des Verfahrens nicht erfüllt. Ein vorübergehendes Verfah-

renshindernis (Art. 314 Abs. 1 lit. a StPO) ist weder ersichtlich noch wurde ein solches 

vom Beschwerdeführer geltend gemacht. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.   

 

5.- a)  Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 

Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Dem Verfahrensausgang entspre-

chend sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens, eine Entscheidgebühr von Fr. 500.– 

(Art. 4 und Art. 15 Ziff. 23 GKV), vom Beschwerdeführer zu bezahlen, und zwar unter Ver-

rechnung der Sicherheit von Fr. 2'000.–. Auf die Zusprache einer Entschädigung hat der 

Beschwerdeführer keinen Anspruch, weil er im Beschwerdeverfahren unterliegt.  

 

b)  Der Beschwerdeführer ist zufolge Unterliegens zu verpflichten, den anwaltlich vertre-

tenen Beschwerdegegner zu entschädigen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdegegners 

hat eine Kostennote über Fr. 3'995.70 eingereicht (act. 14 und 17). Die übliche Entschädi-

gung in Beschwerdeverfahren vor der Anklagekammer mit einem rechtlich und tatsächlich 

durchschnittlichen Schwierigkeitsgrad beläuft sich praxisgemäss auf Fr. 1'500.– (Baraus-

lagen und Mehrwertsteuer inbegriffen). Um ein solches Verfahren handelt es sich hier. Die 

Vorwürfe sind klar umgrenzt und der Aktenumfang ist durchschnittlich. Vor diesem Hinter-

grund kann nicht auf die eingereichte Kostennote abgestellt werden. Entsprechend ist das 

Honorar nach richterlichem Ermessen festzulegen. Im Vergleich zu ähnlichen Fällen er-

scheint eine Entschädigung von Fr. 1'500.– (Mehrwertsteuer und Barauslagen inbegriffen) 

als angemessen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdegegners ist zu berechtigen, sich für 

diesen Betrag aus der restlichen Sicherheit bezahlt zu machen.  

  

 

 

 

 

 

AK.2024.15-AK 13/13 

  

Entscheid 

 
1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 
 
2. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 500.– (Ent-

scheidgebühr) zu bezahlen, unter Verrechnung der Sicherheit von Fr. 2'000.–. 
 
3. Der Beschwerdeführer hat den Rechtsvertreter des Beschwerdegegners mit 

Fr. 1'500.– zu entschädigen. Dafür kann sich dieser aus der Sicherheit bezahlt ma-
chen (einzufordern bei der Staatsanwaltschaft St. Gallen, Rechnungswesen, St. Georgen-
Strasse 13, 9001 St. Gallen). 

 
 

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Kantonsgericht, 28.03.2024
	Art. 147 StPO (SR 312.0): Konfrontationsanspruch. Grundsätzlich ist eine belastende Aussage nur verwertbar, wenn die beschuldigte Person wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene und hinreichende Gelegenheit hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen an den Belastungszeugen zu stellen. Diesem Konfrontationsanspruch kommt als Teilgehalt des Rechts auf ein faires Verfahren grundsätzlich absoluter Charakter zu. Der Beschwerdeführer war nicht bereit, an einer Konfrontationseinvernahme teilzunehmen, weshalb seine früheren Aussagen nicht verwertbar sind. Bestätigung der Einstellung des Strafverfahrens.

		2026-01-28T05:26:26+0100
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen