# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c89550b6-2e26-5b9d-97dc-f7e36b8b73f3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-01-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.01.2023 D-3981/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3981-2022_2023-01-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3981/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  J a n u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richterin Roswitha Petry, Richter Simon Thurnheer,    

Gerichtsschreiber Constantin Hruschka. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Elia Menghini,  

(…),  

Beschwerdeführer,   

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 11. August 2022 / N (…). 

 

 

 

D-3981/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger paschtuni-

scher Ethnie – verliess Afghanistan gemäss eigenen Angaben am 28. März 

2021 und gelangte über Russland und Deutschland am 26. Juli 2021 in die 

Schweiz, wo er gleichentags ein Asylgesuch stellte. Am 30. Juli 2021 wur-

den seine Personalien aufgenommen. Am 3. September 2021 wurde er 

eingehend zu seinen Asylgründen angehört. 

B.  

Zur Begründung seines Gesuches machte der Beschwerdeführer im We-

sentlichen das Folgende geltend: Während seiner Ausbildung – er sei In-

genieur («civil engineer») – seien die Auszubildenden durch das Provincial 

Reconstruction Team (PRT) trainiert worden. Im Jahr 2009 habe er in die-

sem Zusammenhang einen Anruf der Taliban erhalten. Er sei aufgefordert 

worden, nicht weiter für die Ausländer zu arbeiten. Als er erklärt habe, er 

erhalte nur ein Training, sei der Anruf folgenlos geblieben. Im Jahr 2010 

habe er als Bauingenieur für Projekte der Internationalen Organisation für 

Migration (IOM), die auch von der «United States Agency for International 

Development» (USAID) finanziert worden seien, gearbeitet. Ende 2010 

habe er in B._______ die Verantwortung für ein Bauprojekt – die Erstellung 

eines Gebäudes des Obergerichts – übernommen. Es seien täglich hoch-

rangige Taliban vor Gericht gebracht worden, die ihn gesehen hätten; er 

habe im Gebäude gelebt. Ungefähr in der Mitte des Projekts habe er einen 

Anruf der Taliban erhalten und sei erneut aufgefordert worden, seine Arbeit 

für die Ausländer niederzulegen. Er habe dem Anrufer entgegnet, er arbeite 

bloss für eine Hilfsorganisation. Nach dem Anruf habe er sich gefürchtet, 

da ihm gesagt worden sei, die Taliban beabsichtigten das Gericht anzugrei-

fen.  

Nach einiger Zeit sei er zu einem wichtigen Projekt (ebenfalls in 

B._______), der Polizeikommandatur, die ein- oder zweimal wöchentlich 

vom damaligen Chef der Provinzpolizei General C._______ besucht wor-

den sei, versetzt worden. Während dieser Zeit habe der Beschwerdeführer 

einen Drohbrief erhalten, in dem ihm mitgeteilt worden sei, dass er infolge 

wiederholter Weigerung, seine Arbeit für die ausländischen Behörden nie-

derzulegen, gegen die Regeln des Islamischen Emirats verstossen habe 

und getötet werde. Der Drohbrief habe eine Unterschrift und einen Stempel 

des islamischen Emirats enthalten. Etwa zwei Tage später habe er General 

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Seite 3 

C._______ getroffen, ihm von dem Drohbrief erzählt und ihm – auf entspre-

chende Aufforderung hin – den Brief als Beschwerde übergeben. 

C._______ habe ihm zur Vorsicht geraten und zur Sicherheit zwei zusätz-

liche Polizisten geschickt. Weil sein Leben in Gefahr gewesen sei, habe er 

um eine Versetzung gebeten. Anfang 2013 sei er nach D._______ ge-

schickt worden, wo er heimlich an einem Gebäude für die (…)behörde ge-

arbeitet habe. 

Ungefähr Mitte 2013 sei der Hauptsitz der IOM durch ein Selbstmordatten-

tat angegriffen worden. Aus Furcht habe er im Jahr 2014 gekündigt und sei 

nach E._______ zurückgekehrt, wo er in der Folge untätig zuhause geblie-

ben sei; einerseits habe es keine Arbeit gegeben und andererseits sei die 

Lage gefährlich gewesen. In den Jahren 2015-2019 habe er in den Verei-

nigten Arabischen Emiraten (UAE) gearbeitet. Nachdem seine Arbeit dort 

abgeschlossen gewesen und sein Visum nicht verlängert worden sei, sei 

er im Jahr 2019 nach Afghanistan zurückgekehrt. Da inzwischen viel Zeit 

vergangen sei, sei er davon ausgegangen, dass die Taliban ihn nicht mehr 

verfolgen würden. Er habe bis zu seiner Ausreise in E._______ bei einer 

Baufirma, die unter anderem an Projekten der Amerikaner am Flughafen 

mitgewirkt habe, gearbeitet.  

Am (…) 2021 sei er alleine im Auto unterwegs gewesen, als ihm ein ande-

res Fahrzeug den Weg abgeschnitten habe. Die vermummten Insassen 

seien ausgestiegen. Er sei ebenfalls ausgestiegen. Einer habe erfolglos 

versucht – wohl aufgrund technischer Probleme – auf ihn zu schiessen. 

Der Beschwerdeführer sei mehrmals auf den Kopf geschlagen worden, 

habe geblutet und sei hingefallen. Er habe versucht, ihre Masken abzuneh-

men, weil er gedacht habe, sie seien Diebe. Die Maske einer Person habe 

er entfernen können, diese aber nicht erkannt. Sie hätten versucht, ihn le-

bend mitzunehmen, seien aber gegangen als ein weiteres Fahrzeug mit 

Reisenden gekommen sei. Diese hätten ihn in ein Spital gebracht. Zwei, 

drei Stunden später habe er im Spital einen Anruf erhalten, wobei er ge-

warnt worden sei, die Namen seiner Angreifer der Polizei nicht zu melden, 

ansonsten seine Familie vernichtet werde. Weiter wurde ihm mitgeteilt, auf-

grund des Drohbriefs, den er C._______ gegeben habe, seien viele Taliban 

mehrere Jahre inhaftiert worden, weshalb der Beschwerdeführer getötet 

werde. Aufgrund dieses Ereignisses sei er ausgereist. Seine Ehefrau und 

seine beiden Kinder seien in Afghanistan; die Taliban hätten ihr Haus 

durchsucht.  

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Seite 4 

Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer neben sei-

ner Tazkira (in Kopie) unter anderem folgende Beweismittel zu den Akten: 

– Zertifikat betreffend Studium 2006-2010 der F._______ Universität (im 

Original) 

– Diplom der F._______ Universität vom Jahr 2010 (im Original) 

– Zertifikat vom Juni 2010 für einen Kurs beim Vereinigte Staaten von 

Amerika (US) Army Corps of Engineers (im Original) 

– Fotografien des Construction Engineer Trainings in E._______ vom 

März 2010 bis Juni 2010 (im Original) 

– Certificate of Appreciation der IOM vom März 2013 und vom 20. Mai 

2013 (im Original) 

– Arbeitszeugnis der IOM vom 12. Mai 2013 (im Original) 

– Arbeitsbestätigung der G._______ vom 23. Februar 2014 bezüglich Ar-

beit für die IOM vom 10. Januar 2010-31. Januar 2014 (im Original) 

– Arbeitsbestätigung der H._______ vom 9. Mai 2018 (im Original) 

– Spitalbericht des I._______ Spitals vom 31. August 2021 (in Kopie) 

C.  

Mit Verfügung vom 11. August 2022 – am 12. August 2022 eröffnet – lehnte 

das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers im Rahmen des erwei-

terten Verfahrens ab und ordnete die Wegweisung an, nahm den Be-

schwerdeführer jedoch wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

in der Schweiz vorläufig auf. 

D.  

Mit Eingabe vom 12. September 2022 erhob der Beschwerdeführer gegen 

diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-

tragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Feststellung der 

Flüchtlingseigenschaft und die Asylgewährung sowie eventualiter die 

Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur umfassenden Sachverhalts-

abklärung.  

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Seite 5 

In prozessualer Hinsicht wurde um vollumfängliche unentgeltliche Rechts-

pflege sowie um Verzicht auf Kostenvorschuss ersucht. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 15. September 2022 stellte die Instruktions-

richterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in 

der Schweiz abwarten und hiess das Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung sowie um Befreiung von der Kostenvorschuss-

pflicht gut. Der rubrizierte Rechtsvertreter wurde als amtlicher Rechtsbei-

stand eingesetzt. 

F.  

In seiner Vernehmlassung vom 30. September 2022 hielt das SEM vollum-

fänglich an seinen Erwägungen fest. 

G.  

Mit Replik vom 18. Oktober 2022 nahm der Beschwerdeführer zur Ver-

nehmlassung des SEM Stellung. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

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Seite 6 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bilden die Fragen der Flücht-

lingseigenschaft, des Asyls und der verfügten Wegweisung. Der Wegwei-

sungsvollzug ist nicht zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Beschwer-

deführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig auf-

genommen hat. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG; vgl. zur Glaubhaftmachung 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 

5.  

5.1 Das SEM hielt zur Begründung seiner Verfügung fest, die Vorbringen 

des Beschwerdeführers bezüglich des Ereignisses vom Jahr 2021 seien 

unglaubhaft, zumal sie lediglich auf seinen mündlichen Angaben beruhen 

würden. Der Fotokopie des Spitalberichts vom 31. August 2021 komme 

keine Beweiskraft zu, weil es sich nicht um ein Originaldokument handle. 

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Seite 7 

Auffallend sei, dass es zum Zeitpunkt ausgestellt worden sei, als er bereits 

in der Schweiz sein Asylgesuch eingereicht und die Vorladung zum Anhö-

rungstermin erhalten habe. Es erstaune sehr, dass er ausgerechnet zum 

Zeitpunkt, als die Lage in Afghanistan chaotisch gewesen sei, Kontakt zum 

Spital zwecks Verfassen und Übermitteln des Schreibens habe aufnehmen 

können. Damit weise dieses, sofern es sich nicht um eine Totalfälschung 

handle, einen Gefälligkeitscharakter auf, wobei es auch keine Angaben 

dazu enthalte, wie seine Kopfverletzungen entstanden seien. Seine Aus-

sagen stünden inhaltlich im Widerspruch zum Spitalbericht (Einlieferung im 

bewusstlosen Zustand). Er habe den Bewusstseinsverlust nie erwähnt – 

im Gegenteil, er habe von der Ankunft eines weiteren Fahrzeugs mit Rei-

senden erzählt. Sein Vorbringen leide an diversen inneren Widersprüchen: 

die von ihm erwähnten Personen hätten sich einerseits als unfähig erwie-

sen, ihr Vorbringen in die Tat umzusetzen, indem sie eine einzige Pistole 

mitgenommen hätten. Sie seien nicht fähig gewesen, ihn mitzunehmen, 

sondern hätten vielmehr die Flucht ergriffen, kaum sei ein Fahrzeug mit 

gewöhnlichen Reisenden aufgetaucht. Andererseits seien sie derart effi-

zient zu Werk gegangen, dass sie ihn innerhalb von zwei oder drei Stunden 

nach dem Überfall im Spital telefonisch erreicht hätten.  

Weiter seien seine Angaben, wonach er von Mitgliedern der Taliban im 

Februar 2021 belangt worden sei für ein Drohschreiben, das er spätestens 

Anfang 2013 dem im Jahr (…) ermordeten General C._______ im mehre-

ren Hundert Kilometer entfernten B._______ übergeben habe, nicht glaub-

haft, umso mehr, als dass er in den Jahren 2014-2019 landesabwesend 

gewesen sei. Vielmehr sei er nach dem Jahr 2014 nicht mehr im Fokus der 

Taliban gestanden. Weder für die Existenz dieses Drohbriefs noch für des-

sen Übergabe an C._______ habe er Beweismittel eingereicht. Dieses Vor-

bringen beruhe lediglich auf seinen mündlichen Angaben. Ebenso unglaub-

haft sei, dass C._______ aufgrund des Drohbriefs viele Taliban habe inhaf-

tieren können, zumal dieser bloss den Namen des Beschwerdeführers, ei-

nen Stempel und eine Unterschrift beinhalte. 

5.2 Der Beschwerdeführer hielt in seiner Rechtsmitteleingabe fest, die 

Flüchtlingseigenschaft müsse glaubhaft gemacht werden, kein strikter Be-

weis sei erforderlich. Selbst wenn er keine Beweismittel eingereicht hätte, 

dürfe nicht gefolgert werden, seine Vorbringen seien unglaubhaft. Die Ko-

pie des Spitalberichts vom 31. August 2021 entfalte wohl einen geringeren 

Beweiswert als ein Original, jedoch nicht keinen. Der Ausstellungszeitpunkt 

liesse sich damit erklären, dass sowohl die Vorinstanz als auch der Rechts-

vertreter den Beschwerdeführer nach allfälligen Beweismitteln gefragt und 

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Seite 8 

ihn aufgefordert hätten, diese einzureichen. Er habe über seine Brüder – 

beide seien Ärzte – das Spital kontaktiert und den Behandlungsbericht er-

halten. Informationen zur Entstehung der Kopfverletzungen würden die 

Kompetenzen der behandelnden Ärzte übersteigen. Entscheidend sei, 

dass die beschriebenen Verletzungen sich in seine Vorbringen eingliedern 

lassen würden. Dass sich der Bericht nicht zur Ursache der Verletzungen 

äussere, spreche dafür, dass es sich nicht um ein Gefälligkeitsschreiben 

handle. Betreffend den Vorhalt der Totalfälschung sei festzuhalten, dass 

weder ein Gutachten noch ein amtsinterner Analysebericht erstellt worden 

sei, weshalb das SEM keine Bedenken an der Authentizität des Beweis-

mittels vorbringen könne. Zudem sei kein Widerspruch zwischen dem Spi-

talbericht vom 31. August 2021 (Einlieferung im bewusstlosen Zustand) 

und seinen Ausführungen (Ankunft eines Fahrzeugs mit Reisenden) zu er-

kennen. Er habe den Angriff beschrieben, während der Spitalbericht sich 

auf die Ankunft im Spital beziehen würde. Ausserdem habe er nie gesagt, 

durch Schläge bewusstlos geworden zu sein. Er sei auch nicht gefragt wor-

den, ob er jemals bewusstlos geworden sei, sondern habe frei vom Überfall 

berichtet. In einer Gesamtbetrachtung würde sich der Spitalbericht vom 

31. August 2021 an seine Vorbringen anreihen.  

Weiter sei die Ladehemmung der Pistole als Realkennzeichen zu werten. 

Es scheine naheliegend, dass die Angreifer bei Ankunft eines weiteren 

Fahrzeugs und bei Problemen mit der Waffe von ihm abgelassen hätten. 

In einem konfliktgeplagten Land könnten einfache Reisende bewaffnet  

oder von Bewaffneten begleitet sein. Er hätte die telefonische Kontaktie-

rung im Spital gerne im Rahmen einer ergänzenden Anhörung ausgeführt. 

Der Angriff habe ausserhalb einer Stadt stattgefunden – das Spital 

I._______ sei am nächsten gewesen, wobei es wohl nicht schwierig gewe-

sen sei, ihn zu finden. Die Angreifer hätten nicht im Spital angerufen, son-

dern ihn auf seinem Mobiltelefon kontaktiert; seine Nummer hätten sie wohl 

bereits vor dem Angriff gekannt.  

Auch der Zeitraum zwischen dem Drohschreiben und dem Angriff im Jahr 

2021 spreche nicht gegen die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen. Er habe 

eine freundschaftliche Beziehung zu General C._______ gepflegt, der wie-

derum mit dem Oberrichter jenes Obergerichts befreundet gewesen sei, an 

dessen Bau der Beschwerdeführer gearbeitet habe – er sei nicht einer der 

zahlreichen einfachen Bauarbeiter, sondern ein Ingenieur. Daher schienen 

die Retaliationsmassnahmen gestützt auf das Drohschreiben nachvollzieh-

bar, umso mehr, als dass sein Vater eine bekannte Persönlichkeit gewesen 

sei. Auch dürfe davon ausgegangen werden, dass C._______, der gar mit 

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dem US-General J._______ Sitzung abgehalten habe, mittels zahlreicher 

Informationsquellen gegen die Taliban habe vorgehen können, wobei das 

Drohschreiben nur eine davon gewesen sei. Auch sei nachvollziehbar, 

dass im Rahmen von Einvernahmen potentielle Täter mit dem Drohschrei-

ben konfrontiert worden seien und den Namen des Beschwerdeführers ge-

sehen und den Schluss gezogen hätten, sie seien deswegen inhaftiert wor-

den. Die Kausalität der Verfolgung sei damit gegeben. Seine Familie habe 

immer in E._______ gewohnt – er sei im Jahr 2019 dorthin zurückgekehrt 

–, weshalb es einfach gewesen sei, ihn ausfindig zu machen. Zudem sei 

er nach Afghanistan zurückgekehrt, als das Afghanistan-USA-Taliban Ag-

reement verhandelt worden sei und 5000 Taliban aus den Gefängnissen 

entlassen worden seien, die sich nach Jahren der Inhaftierung hätten rä-

chen wollen. Seine Ausführungen seien in sich schlüssig, mit Beweismit-

teln untermauert, widerspruchsfrei und detailliert. 

Aufgrund des Drohbriefes sowie seiner Tätigkeit für die IOM, die afghani-

schen und die internationalen Sicherheitskräfte, werde dem Beschwerde-

führer durch die Taliban eine ihnen entgegenstehende politische Anschau-

ung zumindest vorgeworfen. Er gehöre indes auch zur Gruppe der Kolla-

borateure, die als zivile Beschäftigte der internationalen Sicherheitskräfte 

sowie der Personen, die die Regierung unterstützten oder als deren Unter-

stützer betrachtet würden, womit er mehrere Gefährdungsprofile erfülle. 

Zudem sei er von den verhafteten Taliban für deren Inhaftierung verant-

wortlich gemacht worden, wobei sie nach ihrer Entlassung einen Mord- res-

pektive Entführungsversuch mit Körperverletzung gegen ihn verübt hätten. 

Der Angriff stelle einen ernsthaften Nachteil dar und begründe die Furcht 

vor weiteren Nachteilen, womit er die Flüchtlingseigenschaft erfülle.  

5.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, es würden zu viele 

Unglaubhaftigkeitselemente vorliegen. Es möge der Fall sein, dass sich 

seine Aussagen bezüglich des auf ihn erfolgten Anschlags und des Spitals 

auf unterschiedliche Zeitpunkte beziehen würden. Unverständlich bleibe 

jedoch, dass er während der Anhörung kein Wort über seinen Bewusst-

seinsverlust verloren habe. Selbst in Afghanistan sei es nicht alltäglich, 

dass man bis zum Bewusstseinsverlust geschlagen werde. Kein Element 

hätte so gut wie dieser die Intensität und sein Leid illustrieren können, da 

er nie geltend gemacht habe, seine körperliche Integrität sei verletzt wor-

den. Das Verschweigen des schlimmsten ihm jemals zugefügten Leides 

sei als sehr starkes Indiz gegen die Glaubhaftigkeit seiner Darstellung zu 

werten.  

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Seite 10 

5.4 In seiner Replik hielt der Beschwerdeführer fest, die Vorinstanz habe 

nur ein Unglaubhaftigkeitselement (den Bewusstseinsverlust) vorgebracht. 

Die rein subjektive Wertung, wonach die Ohnmacht das schlimmste ihm 

zugefügte Leid darstelle, vermöge nicht zu überzeugen. Daraus könne 

nicht auf die Unglaubhaftigkeit der gesamten Vorbringen geschlossen wer-

den. In einer objektiven Gesamtschau und unter Berücksichtigung der ob-

jektiven Quellen sowie der eingereichten Beweismittel (bezüglich Arbeit für 

eine internationale Organisation, den Visa-Bedingungen in den UAE und 

der Angriff auf das IOM-Hauptquartier), die seine zentralen Vorbringen 

stützten, sei der Sachverhalt glaubhaft. Bei der überwiegenden Mehrheit 

der als widersprüchlich bezeichneten Ausführungen handle es sich nicht 

um Widersprüche, sondern um Zweifel an der Plausibilität der Vorbringen.  

6.  

In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben. Diese 

sind vorab zu beurteilen. 

6.1 Insofern der Beschwerdeführer geltend macht, sein Asylverfahren habe 

mit 12 Monaten zu lange gedauert, ist festzuhalten, dass ein zeitnaher Ent-

scheid wünschenswert ist, es aber keine gesetzliche Verpflichtung des 

SEM gibt, nach einer gewissen verstrichenen Zeit automatisch eine ergän-

zende Anhörung durchzuführen (vgl. Urteil des BVGer D-3750/2020 vom 

14. Juli 2022 E. 4.5). Er hat zwar drei Verfahrensstandanfragen sowie ein 

Gesuch um Priorisierung eingereicht, die Vorinstanz hat nach Androhung 

einer Rechtsverzögerungsbeschwerde den Asylentscheid jedoch gefällt. 

Angesichts des Urteilszeitpunkts ist die Dauer des Verfahrens insgesamt 

auch als angemessen zu bezeichnen. 

6.2 Die Rüge des Beschwerdeführers, das SEM habe ihn nicht mit Wider-

sprüchen konfrontiert, ist unbehelflich, da – obwohl ein Gesuchsteller mit 

Widersprüchen in seinen eigenen Aussagen möglichst zu konfrontieren ist 

(vgl. BVGE 2008/57 E. 6.2) – dies keinen eigentlichen verfahrensrechtli-

chen Anspruch im Sinne des rechtlichen Gehörs darstellt (vgl. Urteil des 

BVGer D-566/2017 vom 6. März 2017).  

7.  

7.1 Der Beschwerdeführer rügt weiter, das SEM habe seine Beweismittel 

und seine Vorbringen nicht sorgfältig und ernsthaft geprüft, womit es die 

Begründungspflicht verletzt habe.  

D-3981/2022 

Seite 11 

7.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mit-

wirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). Unrichtig 

ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und ak-

tenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewür-

digt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid 

rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. BVGE 

2016/2 E. 4.3). Die Begründungspflicht ergibt sich aus dem in Art. 29 Abs. 2 

BV normierten Anspruch auf rechtliches Gehör und ist in Art. 35 Abs. 1 

VwVG ausdrücklich geregelt. Danach obliegt es der verfügenden Behörde, 

alle erheblichen Parteivorbringen zu prüfen und zu würdigen, wobei sich 

das Ergebnis der Würdigung in der Entscheidbegründung niederzuschla-

gen hat. Nach den von Lehre und Praxis entwickelten Grundsätzen hat die 

Behörde im Rahmen der Entscheidbegründung die Überlegungen zu nen-

nen, von denen sie sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt. 

Die Begründung des Entscheids muss so abgefasst sein, dass die be-

troffene Person ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Die Be-

hörde muss sich jedoch nicht mit jeder tatbeständlichen Behauptung aus-

einandersetzen, sondern kann sich auf die für den Entscheid wesentlichen 

Gesichtspunkte beschränken (vgl. BVGE 2016/9 E. 5.1). 

7.3 Die Vorinstanz hat vorliegend das Risikoprofil des Beschwerdeführers 

zum Zeitpunkt der Ausreise nicht, beziehungsweise nur implizit, geprüft. 

Das SEM hat sich in der angefochtenen Verfügung ausschliesslich mit dem 

Ereignis vom Jahr 2021 befasst, wobei sie die Glaubhaftigkeit seines En-

gagements für eine internationale Organisation offenbar nicht bezweifelt. 

Die zahlreichen im Original eingereichten Beweismittel betreffend seine 

Tätigkeit für durch die IOM/USAID finanzierte Projekte hat das SEM in der 

angefochtenen Verfügung jedoch weder aufgelistet noch gewürdigt.  

7.4 Aber selbst wenn nicht als glaubhaft erachtet wird, dass der Beschwer-

deführer im Februar 2021 Opfer eines durch die Taliban initiierten Angriffs 

geworden ist, wäre die Frage einer begründeten Furcht vor Verfolgung im 

Zeitpunkt der Ausreise aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit für internati-

onale Organisationen zumindest zu prüfen gewesen, insbesondere ange-

sichts des damaligen Vormarsches der Taliban und der fortschreitenden 

Machtübernahme in verschiedenen Gebieten Afghanistans. Der Beschwer-

deführer hat die Verantwortung für wichtige von der USAID finanzierte 1.5 

Millionen US Dollar IOM-Projekte übernommen (vgl. Anhörung F34; IOM 

Arbeitszeugnis vom 12. Mai 2013). Seine spezifischen Bauprojekte sowie 

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Seite 12 

seine Position als leitender Ingenieur schärfen sein Profil weiter (Gerichts-

gebäude und Polizeikommandatur in B._______; vgl. IOM Arbeitszeugnis 

vom 12. Mai 2013 zur Arbeit bei der «(…)» in B._______ sowie das «(…)» 

in D._______). Auch kann sich die Ausbildung des Beschwerdeführers 

durch die PRT – die neben dem Wiederaufbau militärische Ziele verfolgten 

– auf ein bestehendes Risikoprofil auswirken (seine Weiterbildungsdiplome 

tragen Embleme des US Army Corps of Engineers die Fotografien betref-

fend Weiterbildung zeigen US Soldaten in Militäruniformen, die mit US-

Flagge und einem International Security Assistance Force [ISAF] Zeichen 

versehen sind).  

7.5 Zudem hat die Vorinstanz seine Verbindung zu General C._______ nur 

im Zusammenhang mit der Glaubhaftmachung des Ereignisses vom Feb-

ruar 2021 geprüft. Die geltend gemachte Verbindung zu C._______ – der 

Polizeichef und wichtigster Machthaber B._______ –, der sich als erfolg-

reicher Gegner der Taliban profiliert und die Unterstützung und den Res-

pekt der amerikanischen Streitkräfte genoss, bedarf jedoch gesamthaft ei-

ner Überprüfung auf ihre Asylrelevanz (vgl. The New York Times, (…); alle 

abgerufen am 08.12.2022). 

7.6 Der Beschwerdeführer führte schliesslich in der freien Rede aus, er 

habe seit seiner Rückkehr aus den UAE bis zu seiner Ausreise (2019-2021) 

bei einer Baufirma mit amerikanischen Flughafenprojekten gearbeitet 

(vgl. Anhörung F27). Es wurden ihm aber dazu keine Nachfragen gestellt. 

Da dieses Sachverhaltselement eine Furcht vor Verfolgung sowohl zu ent-

kräften als auch zu schärfen vermag, ist diesbezüglich von einem ungenü-

gend erstellten Sachverhalt auszugehen. Das SEM ist gehalten, geeignete 

weitere Abklärungen (allenfalls in Form einer schriftlichen Stellungnahme) 

zur geltend gemachten Tätigkeit vorzunehmen.  

8.  

8.1 Vor allem aber unterblieb auch jegliche Auseinandersetzung des SEM 

mit der Frage, ob eine Gefährdung des Beschwerdeführers im heutigen 

Zeitpunkt, das heisst nach der Machtübernahme der Taliban im August 

2021 besteht. Aufgrund der massgeblich veränderten politischen Situation 

kann von der Verneinung einer Verfolgungssituation im Zeitpunkt der Aus-

reise jedenfalls noch nicht auf eine fehlende Verfolgungsfurcht für die Zu-

kunft geschlossen werden (vgl. Urteil des BVGer E-4649/2021 vom 15. No-

vember 2021 E. 7.4.1-7.4.2; European Union, Agency for Asylum, Country 

of Origin Information, Afghanistan, Targeting of Individuals, 08.2022, 

<https://coi.euaa.europa.eu/administration/easo/PLib/2022_08_EUAA_ 

file:///C:/Users/U80860881/AppData/Local/Temp/juris-temp/juris-export-307241435106769329.html%23ctx6055

D-3981/2022 

Seite 13 

COI_Report_Afghanistan_Targeting_of_individuals.pdf>; beide abgerufen 

am 08.12.2022).  

8.2 Vor dem Hintergrund der aktuellen Lage hat das SEM neben der Tätig-

keit für internationale Organisationen auch eine allfällige aktuelle Gefähr-

dung aufgrund der Verbindung des Beschwerdeführers zu General 

C._______ weder gewürdigt noch begründet. Gemäss aktuellen Quellen 

sei eine solche derzeit gefährlich; es reiche im Besitz seiner Fotografie zu 

sein, um ins Visier der Taliban zu geraten (vgl. Radio Free Europe/Radio 

Liberty, (…). Eine allfällige Gefährdung im Zusammenhang mit C._______ 

wäre auch bezüglich der Freilassung von rund 5000 Taliban im Rahmen 

des Taliban-Agreements vertieft zu prüfen (vgl. Agreement for Bringing 

Peace to Afghanistan Between the Islamic Emirate of Afghanistan which is 

not recognized by the United States as a state and is known as the Taliban 

and the United States of America, 29.02.2020, <https://www.state.gov/wp-

content/uploads/2020/02/Agreement-For-Bring 

ing-Peace-to-Afghanistan-02.29.20.pdf>; BBC, Female Afghan judges 

hunted by the murderers they convicted, 28.09.2021, 

<https://www.bbc.com/news/world-asia-58709353>; alle abgerufen am 

08.12.2022).  

8.3 Nach dem Gesagten genügt die angefochtene Verfügung den Anforde-

rungen an die Begründungspflicht nicht, beziehungsweise verletzt den An-

spruch auf eine rechtsgenügliche Feststellung des Sachverhaltes. Weitere 

Ausführungen zur Würdigung der Beweismittel, insbesondere zum Beweis-

mass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. Art. 7 AsylG), erübrigen 

sich angesichts des Verfahrensausgangs.  

9.  

Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht 

in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. 

9.1 Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere 

angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein 

umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die in diesen Fällen feh-

lende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Be-

schwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus 

prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber 

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D-3981/2022 

Seite 14 

nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5). Sodann führt eine schwere Gehörsverlet-

zung praxisgemäss grundsätzlich zur Aufhebung der angefochtenen Ver-

fügung (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2). 

9.2 Die vorliegend festgestellten Mängel sind als Gehörsverletzung zu qua-

lifizieren. Eine Heilung auf Beschwerdestufe fällt vorliegend ausser Be-

tracht. Es ist nicht Aufgabe des Bundesverwaltungsgerichts – welches in 

Asylsachen die einzige Beschwerdeinstanz ist – die mangelnde Begrün-

dung der angefochtenen Verfügung nachzuliefern oder für eine vollstän-

dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Somit ist 

angezeigt, die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die 

Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese den Sachverhalt betreffend Arbeit 

an amerikanischen Flughafenprojekten abklärt und das Risikoprofil des Be-

schwerdeführers im Zeitpunkt seiner Ausreise beziehungsweise zum heu-

tigen Zeitpunkt prüft. 

9.3 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit die Auf-

hebung der angefochtenen Verfügung beantragt wird. Die Verfügung vom 

11. August 2022 ist aufzuheben und die Sache in Anwendung von Art. 61 

Abs. 1 VwVG zur Neubeurteilung ans SEM zurückzuweisen.  

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

10.2 Ausserdem ist bei diesem Ausgang des Verfahrens eine Parteient-

schädigung auszurichten (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG). In seiner Kostennote 

vom 18. Oktober 2022 hat der Rechtsvertreter insgesamt einen Aufwand 

von 12.75 Stunden (Besprechungen, Aktenstudium, Recherche und Ver-

fassen der Rechtsschriften) geltend gemacht, was der Sache angemessen 

ist. Nach dem Gesagten ist die Parteientschädigung aufgrund der Akten-

lage, der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 12 i.V.m. Art. 9-11 

VGKE [SR 173.320.2]) und des geltend gemachten Stundenansatzes 

(Fr. 200.–) auf Fr. 2'666.– festzusetzen (gerundet; inkl. Auslagen und Mehr-

wertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-3981/2022 

Seite 15 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung beantragt wird. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 11. August 2022 wird aufgehoben und die 

Sache im Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung an das SEM zurück-

gewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2'666.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Constantin Hruschka 

 

 

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