# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 35f00350-9d72-5c04-bdca-05259da3313b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-06-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.06.2023 E-3570/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3570-2021_2023-06-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3570/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  J u n i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti, Richterin Déborah D'Aveni,    

Gerichtsschreiber Stefan Trottmann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Joana Mösch,  

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren (…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 8. Juli 2021 / N (…). 

 

 

 

E-3570/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 23. Februar 2021 in der Schweiz um 

Asyl nach und wurde am 26. März 2021 im Rahmen der Erstbefragung 

UMA (nachfolgend: EB UMA) befragt (vgl. Akten der Vorinstanz 1089039-

[nachfolgend: SEM-act.] 1/2 und 20/13). 

A.b Die österreichischen Behörden lehnten am 11. Mai 2021, die bulgari-

schen Behörden am 12. Mai 2021 die Wiederaufnahmegesuche der Vor-

instanz ab (vgl. SEM-act. 51/2 und 53/1). Am 25. Mai 2021 lehnten die ös-

terreichischen Behörden auch die diesbezügliche Remonstration der Vor-

instanz ab (vgl. SEM-act. 60/1). Die Vorinstanz beendete am 26. Mai 2021 

das Dublin-Verfahren (vgl. SEM-act. 61/1). 

A.c Am 29. Juni 2021 wurde der Beschwerdeführer im Rahmen der Befra-

gung nach Art. 26 Abs. 3 AsylG (SR 142.31) / Anhörung nach Art. 29 AsylG 

(nachfolgend: Anhörung) zu seinem gesundheitlichen Zustand, zu seinen 

persönlichen Verhältnissen und zu seinen Asylgründen befragt (vgl. SEM-

act. 68/18).  

Anlässlich der Anhörung und der EB UMA führte er in Bezug auf seine 

Asylgründe aus, er sei afghanischer Staatsangehöriger (…) Ethnie und 

habe bis zu seiner Ausreise bei seiner Familie im Dorf B._______ im Dis-

trikt C._______ in der Provinz Kabul gelebt. Seine Mutter und seine Ge-

schwister lebten heute gemäss seinen Angaben bei seinem Onkel in der 

Ortschaft D._______ im Distrikt C._______. Er habe die Schule nur fünf 

Jahre besucht, danach habe er zwei Jahre im familieneigenen Gemüsela-

den auf dem Bazar von C._______ gearbeitet. Die Schule habe er nicht 

abschliessen können, weil die Taliban ihn vor Jahren aus dieser herausge-

holt hätten, um ihn in eine Madrassa zu schicken. Sein Vater habe dies 

jedoch nicht zugelassen und ihn zu sich in den Laden geholt. Vor seiner 

Ausreise habe sein Vater Drohanrufe seitens der Taliban erhalten. Er habe 

Lebensmittel an die Polizei verkauft, was der von ihm eingereichte Vertrag 

belege. Die Taliban hätten ihm deshalb nahegelegt, entweder den Laden 

zu schliessen oder ihn an diese zu übergeben. Eines Abends sei sein Vater 

schliesslich auf dem Nachhauseweg von den Taliban erschossen worden. 

Cousins väterlicherseits hätten ihm, dem Beschwerdeführer, schliesslich 

den Laden weggenommen. Diese würden ebenfalls den Taliban angehören 

beziehungsweise mit diesen zusammenarbeiten. Zudem sei er persönlich 

seitens der Taliban telefonisch mit dem Tod bedroht worden. Als er einige 

Tage nach dem Tod seines Vaters und den Todesdrohungen durch die 

E-3570/2021 

Seite 3 

Taliban zu seinem Laden zurückgekehrt sei, sei dieser bereits in Beschlag 

der Cousins gewesen und man habe ihm gesagt, er werde getötet, kehre 

er noch einmal zum Laden zurück. Weiter sei er geschlagen worden, wo-

rauf andere Ladenbesitzer herbeigeeilt seien und ihn befreit hätten. Als er 

seiner Mutter vom Vorfall berichtet habe, habe diese ihn aus Afghanistan 

fortgeschickt. Gemeinsam seien sie zunächst zu seinem Onkel nach 

D._______ gegangen, von wo aus er laut seinen Angaben weiter Richtung 

Kabul und schliesslich über Pakistan in den Iran reiste. Seine Familie lebe 

nach wie vor beim Onkel. Nachdem er und seine Familie B._______ ver-

lassen hätten, seien auch sein Haus und das dazugehörige Grundstück 

beschlagnahmt worden.  

A.d Betreffend seine Asylgründe reichte der Beschwerdeführer im vor- 

instanzlichen Verfahren ein Foto eines Dokumentes ein (vgl. Beweismit-

tel 6). Die Vorinstanz liess das Dokument amtsintern übersetzen (vgl. SEM-

act. 70/1).  

A.e Der Entscheidentwurf wurde dem Beschwerdeführer am 6. Juli 2021 

zugestellt. Dieser gab gleichentags seine diesbezügliche Stellungnahme 

zu den Akten (vgl. SEM-act. 72/13 f.).  

B.  

Mit Verfügung vom 8. Juli 2021 (gleichentags eröffnet) stellte das SEM fest, 

der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein 

Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Voll-

zug der Wegweisung schob es wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer 

vorläufigen Aufnahme auf, wobei es den zuständigen Kanton mit deren 

Umsetzung beauftragte. Zudem stellte es fest, der Beschwerdeführer gelte 

als volljährig und lehnte seinen Antrag auf ein zweites Altersgutachten so-

wie auf Einsicht in weiterführende medizinische Befunde ab (vgl. SEM-act. 

75/14 ff.).  

C.  

C.a Mit Eingabe vom 9. August 2021 reichte der Beschwerdeführer durch 

seine Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein 

und beantragt, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben, 

er sei als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Das 

im ZEMIS registrierte Geburtsdatum vom (…) sei zu berichtigen und auf 

den (…) anzupassen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung zur 

rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen. In prozessualer Hinsicht ersucht er um Gewährung der 

E-3570/2021 

Seite 4 

unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses.  

C.b Die Instruktionsrichterin lud die Vorinstanz mit Zwischenverfügung 

vom 19. August 2021 zur Vernehmlassung ein, verzichtete einstweilen auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses und hielt fest, dass über das Ge-

such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und die weiteren 

Rechtsbegehren zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde.  

C.c Eine Vernehmlassung erfolgte durch das SEM mit Eingabe vom 27.Au-

gust 2021 unter Hinweis auf seine dem Beschwerdeführer zugesandte Ver-

fügung vom 24. August 2021, worin das Gesuch um Berichtigung der Per-

sonendaten abgelehnt wurde und die den Beschwerdeführer betreffenden 

Personendaten im Zentralen Migrationsinformationssystem ZEMIS wie bis-

her lauten würden:  

A._______, ZEMIS-Nr. (…), geb. (…), Afghanistan. 

C.d Mit Eingabe vom 21. September 2021 reichte der Beschwerdeführer 

hiergegen Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Im Rahmen 

eines darauf folgenden Schriftenwechsels hob die Vorinstanz ihre Verfü-

gung vom 24. August 2021 mit neuer Verfügung vom 8. April 2022 wieder-

erwägungsweise auf, lehnte das Gesuch um Berichtigung der Personen-

daten ab, stellte fest, dass die den Gesuchsteller betreffenden Personen-

daten wie bisher lauten würden (A._______, ZEMIS-Nr. […], geb. […], Af-

ghanistan) und entzog einer Beschwerde gegen diese Verfügung die auf-

schiebende Wirkung. Das bundesverwaltungsgerichtliche Verfahren wurde 

mit Abschreibungsentscheid E-4210/2021 vom 12. April 2022 beendet.  

C.e Mit Eingabe vom 9. Mai 2022 reichte der Beschwerdeführer durch 

seine Rechtsvertretung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein 

und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz vom 8. April 2022 sei voll-

umfänglich aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, sein im ZEMIS ge-

führtes Geburtsdatum auf den (…) zu berichtigen. Des Weiteren sei die 

Vorinstanz anzuweisen, die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wie-

derherzustellen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben 

und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In 

diesem Fall sei die Vorinstanz auch anzuweisen, das Geburtsdatum auf 

den (…) anzupassen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung ei-

nes Kostenvorschusses.  

E-3570/2021 

Seite 5 

C.f Mit Urteil des BVGer E-2104/2022 vom 30. Januar 2023 wurde die Be-

schwerde im Eventualbegehren gutgeheissen, die Verfügung vom 8. April 

2022 aufgehoben und die Sache zur vollständigen Sachverhaltsfeststel-

lung und Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zu-

rückgewiesen.  

C.g Mit Verfügung vom 10. Februar 2023 stellte die Vorinstanz fest, dass 

das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im ZEMIS, wie von ihm bean-

tragt, auf den (…) geändert worden sei. Diese Verfügung erwuchs unange-

fochten in Rechtskraft (vgl. SEM-act. 110/3).  

D.  

Am 3. Mai 2023 stellte das Gericht eine Kopie der Vernehmlassung vom 

27. August 2021 dem Beschwerdeführer zur Kenntnisnahme zu.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist, unter Vorbehalt nachfolgender Erwägung, einzutreten. 

E-3570/2021 

Seite 6 

2.  

Das Geburtsdatum des Beschwerdeführers wurde durch die Vorinstanz mit 

Verfügung vom 10. Februar 2023 im ZEMIS rechtskräftig und antragsge-

mäss auf den (…) angepasst (vgl. Bst. C.g supra), weshalb das Rechtsbe-

gehren 2 nicht (mehr) Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist.  

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

4.  

4.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu 

prüfen sind, da sie unter Umständen geeignet sein könnten, eine Kassation 

der erstinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2).  

4.2 In der Beschwerde wird unter Ziffer 15 auf Seite 8 f. ausgeführt, der 

Beschwerdeführer leide unter einer durch Fachpersonen bestätigten psy-

chischen Labilität (Verdacht auf […]). Diesem Umstand sei weder bei der 

Frageart der Sachbearbeiterin noch bei der Begründung in der hier ange-

fochtenen Verfügung Rechnung getragen worden.  

4.3 Der Beschwerdeführer macht somit sinngemäss eine Verletzung des 

Untersuchungsgrundsatzes und des rechtlichen Gehörs, namentlich der 

Begründungspflicht, geltend. 

4.4  

4.4.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–h aufge-

listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).  

4.4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderer-

seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass 

eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-

greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er-

lass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise 

beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisan-

trägen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise ent-

weder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, 

wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch 

auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, 

E-3570/2021 

Seite 7 

die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren 

Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1; 

BVGE 2009/35 E. 6.4.1).  

4.5 Im Arztbericht der (…) vom 17. Mai 2021 wird als Diagnose (…) fest-

gehalten (vgl. SEM-act. 59/4). Die EB UMA fand am 26. März 2021, die 

Anhörung am 29. Juni 2021 statt, weshalb davon auszugehen ist, dass die 

(…) zu diesen Zeitpunkten vorgelegen haben dürfte. Diesbezüglich ist fest-

zuhalten, dass psychische Beeinträchtigungen nicht per se und unabhän-

gig von deren Schweregrad gegen die Befragungsfähigkeit der anzuhören-

den Person sprechen (vgl. Urteil des BVGer E-3410/2017 vom 22. März 

2019 E. 9.1.3). Anlässlich der EB UMA führte der Beschwerdeführer zu sei-

nem Gesundheitszustand zwar aus, er habe starke psychische Probleme 

sowie Albträume und könne nachts nicht einschlafen. Seine linke Seite, 

das linke Bein und die linke Hand begännen zu zittern (vgl. SEM-act. 20/13 

Ziffer 8.02). Anlässlich der Anhörung führte er aber auch aus, es gehe ihm 

gut und er sehe sich im Stande, daran teilzunehmen (vgl. SEM-act. 68/18 

F17 f.). Den Anhörungsprotokollen lässt sich auch in keiner Weise entneh-

men, eine Konversation oder Interaktion mit dem Beschwerdeführer habe 

sich in besonderer Weise als schwierig gestaltet. Insbesondere kann auf-

grund der Anhörungsprotokolle nicht festgestellt werden, dass er beim Ver-

balisieren seiner Gedanken Mühe gehabt hätte oder der Befragung nicht 

hätte folgen können beziehungsweise die ihm gestellten Fragen nicht ver-

standen hätte. Des Weiteren geht aus der Beschwerde nicht substantiiert 

hervor, wie sich eine befragungsrelevante psychische Beeinträchtigung 

konkret – insbesondere auf welche Vorbringen – ausgewirkt haben soll. Im 

Ergebnis vermag er nicht überzeugend darzulegen, dass im Befragungs-

zeitpunkt eine psychische Beeinträchtigung in einem Ausmass vorlag, wel-

che es ihm verunmöglicht hätte, sich sachgerecht zu seiner Verfolgungssi-

tuation zu äussern.  

4.6 Nach dem Gesagten erweisen sich die erhobenen Rügen als nicht be-

gründet. Folglich besteht keine Veranlassung, den angefochtenen Ent-

scheid aus formellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurück-

zuweisen. Das entsprechende Eventualbegehren ist abzuweisen.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

E-3570/2021 

Seite 8 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.3 Die Glaubhaftigkeit von Aussagen asylsuchender Personen kann im 

Rahmen eines inhaltsorientierten Ansatzes aufgrund sogenannter Real-

kennzeichen beurteilt werden. Die Realkennzeichen ermöglichen eine Dif-

ferenzierung zwischen erlebnisbasierten und erfundenen respektive ver-

fälschten Aussagen. Je mehr Realkennzeichen eine Aussage enthält, 

desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Aussage auf eigenem 

Erleben beruht. Dabei sind immer die Fähigkeiten der aussagenden Per-

son und die Komplexität des vorgebrachten Geschehens zu berücksichti-

gen. Zu den Realkennzeichen gehören insbesondere die logische Konsis-

tenz, die ungeordnete, aber inhaltlich letztlich stimmige Darstellung, der 

quantitative Detailreichtum, raumzeitliche Verknüpfungen, die Wiedergabe 

von Gesprächen, ausgefallene Einzelheiten, spontane Verbesserungen 

der eigenen Aussagen, das Eingeständnis von Erinnerungslücken sowie 

die Schilderung von Interaktionen, Komplikationen, Nebensächlichkeiten, 

unverstandenen Handlungselementen und eigenen psychischen Vorgän-

gen (vgl. Urteil des BVGer E-1832/2017 vom 3. Dezember 2019, E.3.3, 

m.H. auf: ANGELA BIRCK, Traumatisierte Flüchtlinge, Wie glaubhaft sind ihre 

Aussagen?, Heidelberg 2002, S. 82 ff. und S. 139 ff.; REVITAL 

LUDEWIG/DAPHNA TAVOR/SONJA BAUMER, Wie können aussagepsychologi-

sche Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und Anwälten helfen?, in: AJP 

11/2011, S. 1423 ff.; vgl. auch BGE 129 I 49 E. 5 sowie BVGE 2015/3 

E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1 und 2012/5 E. 2.2, m.w.H.). 

6.  

6.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung hinsichtlich der 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers unter anderem aus, der Be-

schwerdeführer habe die persönlichen Drohungen gegen ihn durch die 

E-3570/2021 

Seite 9 

Taliban lediglich oberflächlich zu schildern vermocht. Ferner mute die Schil-

derung seiner Mutter, die Cousins des Vaters des Beschwerdeführers wür-

den noch diese Nacht kommen und den Beschwerdeführer töten, konstru-

iert an. Auch die Vorbringen betreffend die Beschlagnahmung von Haus 

und Land seien nicht nachvollziehbar und würden keinen Erlebnisbezug 

aufzeigen. Zudem erstaune, dass der Beschwerdeführer zwar stets ange-

geben habe, zu wissen, wer von wem und mit welchen Worten bedroht 

worden sei, darüberhinausgehende Interaktionsschilderungen seien aber 

ausgeblieben. Gestützt auf diese Schilderungen erschliesse sich dem SEM 

nicht, vor welchem Hintergrund seine Familie mit dem Beschwerdeführer 

gemeinsam das Elternhaus letztlich verlassen habe. Ferner wirkten die An-

gaben hinsichtlich der Drohungen an seinen Vater und seiner eigenen Be-

drohungslage pauschal und liessen keinen persönlichen Bezug zum Be-

schwerdeführer erkennen, der über die angeblich allgemeine Situation sei-

ner Familie hinausgehe. Auch die Ausführungen zu den Taliban, insbeson-

dere wie der Beschwerdeführer deren Präsenz erlebt habe, seien vage, 

ausweichend und nicht nachvollziehbar ausgefallen. Der Beschwerdefüh-

rer habe nicht glaubhaft machen können, aus den geltend gemachten 

Gründen aus Afghanistan ausgereist zu sein.  

6.2 Hinsichtlich der Flüchtlingseigenschaft entgegnet der Beschwerdefüh-

rer in seiner Beschwerde, seine Angaben fielen in den zentralen Punkten 

kongruent aus und gäben ein zusammenhängendes Gesamtbild des Er-

lebten wieder. So habe er bezüglich der Bedrohungssituation in der Heimat 

substantiierte und plausible Angaben machen können. Zudem seien bei 

beiden Befragungen Realkennzeichen vorhanden. Insgesamt sei es ihm 

gelungen, die drohenden ernsthaften Nachteile im Sinne des Gesetzes 

glaubhaft darzulegen.  

7.  

7.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, dass die Vorinstanz die Vorbringen des Beschwerdeführers zu 

Recht als unglaubhaft qualifiziert hat. Zur Vermeidung von Wiederholungen 

kann auf die angefochtene Verfügung verwiesen werden.  

7.2 So ist beispielsweise nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdefüh-

rer auf die Frage, weshalb er nicht bei seinem Onkel geblieben sei, aus-

führte, er habe seine Mutter, seinen Onkel und seine Geschwister nicht in 

Gefahr bringen wollen (vgl. SEM-act. 68/18 F110). Seinen Ausführungen 

zufolge müssten die genannten Personen aufgrund seiner Ausreise erst 

recht in Gefahr gebracht worden sein, da seine Abwesenheit bei seinen 

E-3570/2021 

Seite 10 

Verfolgern wohl Fragen zu seinem Verbleib aufwerfen würde und davon 

auszugehen wäre, die genannten Angehörigen würden danach befragt 

werden.  

Ebenso wenig überzeugen die Ausführungen betreffend die angebliche Be-

schlagnahmung des Elternhauses und eines seinen Eltern gehörenden 

Stückes Land. Diesbezüglich führte der Beschwerdeführer aus, die Cous-

ins seines Vaters hätten das Land und das Haus der Familie beschlag-

nahmt, weshalb sie weggegangen seien (vgl. SEM-act. 68/18 F65 ff.). Im 

Widerspruch dazu führte er jedoch aus, «Für meine Ausreise wollten wir 

das Haus vermieten oder verkaufen. Als mein Onkel ms dorthin ging, hat-

ten sie ihm gedroht, wenn er noch einmal kommen sollte, werden sie ihn 

töten. Das Haus und das Land sei ihres.» (vgl. SEM-act. 68/18 F67). Es 

erstaunt, dass der Beschwerdeführer einerseits zwar die Beschlagnah-

mung des Grundstückes als Ausreisegrund aufführt, andererseits aber zu-

erst das Grundstück verkaufen wollte, um Geld für seine Ausreise erhältlich 

machen zu können.  

Am augenfälligsten ist allerdings der Widerspruch zum Zeitpunkt der gel-

tend gemachten Drohungen. Im vom Beschwerdeführer eingereichten, un-

datierten Dokument, welches das SEM amtsintern übersetzen liess (vgl. 

SEM-act. 70/1), bittet er die Polizeibehörde des Distrikts C._______ um 

Schutz, da er sich unsicher fühle: «Ich besuche die Schule und unterwegs 

zur Schule sowie auf dem Nachhauseweg war ich immer in Gefahr und 

fühlte mich unsicher, deshalb bitte ich Sie mir und meiner Familie Schutz 

zu gewähren.» Somit ist davon auszugehen, der Beschwerdeführer habe 

dieses Bittschreiben noch während seiner Schulzeit an die Polizei gerich-

tet. Anlässlich der Anhörung führte er diesbezüglich aus, er habe von den 

Drohungen etwa ein bis eineinhalb Monate vor dem Tod seines Vaters er-

fahren (vgl. SEM-act. 68/18 F73), welcher etwa zehn Tage vor seiner Aus-

reise gestorben sei (vgl. SEM-act. 68/18 F30). Da aber zwischen seinem 

Schulabbruch und seiner Ausreise zwei Jahre – und nicht ein bis zwei Mo-

nate – vergangen seien (vgl. SEM-act. 20/13 Ziffer 1.17.04), sind die An-

gaben auf dem besagten Schreiben an die Polizeibehörde nicht mit seinen 

Angaben betreffend den Zeitpunkt der Bedrohung vereinbar. Seine Ausfüh-

rungen widersprechen sich somit in einem zentralen Punkt. 

Der Beschwerdeführer konnte ferner zwar genau angeben, wieviel seine 

Reise gekostet habe (Euro 10'000.–; vgl. SEM-act. 68/18 F38), wie seine 

Ausreise finanziert worden sei (vgl. SEM-act. 68/18 F39), oder dass sein 

Vater Anrufe (von unbekannten Nummern) bekommen habe und er gefragt 

E-3570/2021 

Seite 11 

worden sei, weshalb er Waren an die Polizei verkaufe (vgl. SEM-act. 68/18 

F50). In Anbetracht solch detaillierter Ausführungen erscheint aber nicht 

nachvollziehbar, dass er nicht weiss, ob sein Vater sich betreffend die an-

geblichen Drohungen an die Polizei gewandt habe oder nicht (vgl. SEM-

act. 68/18 F95). Es wäre zu erwarten gewesen, dass er seinem Vater zu 

diesen wichtigen und hinsichtlich seiner zentralen Fluchtvorbringen rele-

vanten Informationen Fragen gestellt hätte und er diesbezüglich ebenso 

detailreich hätte vortragen können.  

Auch wenn einige Vorbringen des Beschwerdeführers anlässlich der EB 

UMA respektive der Anhörung, wie in der Beschwerde richtig vorgebracht 

wird, zwar durchaus mit Realkennzeichen versehen sind, ist aber auch 

festzustellen, dass er insbesondere auf Nachfrage hin häufig vage und un-

substantiiert geantwortet hat. Dies erstaunt insbesondere hinsichtlich zent-

raler Punkte seiner Vorbringen, wie des geltend gemachten Drohanrufs, 

des Umgangs mit seiner Angst, des Schutzwillens beziehungsweise der 

Schutzfähigkeit der Behörden, des Verhältnisses seines Vaters zu den Be-

hörden oder desjenigen der Dorfbewohner zu den Taliban (vgl. beispielhaft 

SEM-act. 68/18 F77, F79, F80, F91).  

7.3 Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist festzustellen, dass die Vorbrin-

gen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit ge-

mäss Art. 7 AsylG nicht standhalten. Das SEM hat seine Flüchtlingseigen-

schaft zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG).  

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).  

9.  

Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung vom 8. Juli 2021 die 

vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeordnet. 

Demnach erübrigen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zu-

mutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.  

E-3570/2021 

Seite 12 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen.  

11.  

11.1 Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen. 

Der Antrag auf Befreiung von der Kostenvorschusspflicht erweist sich somit 

als gegenstandslos. 

11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch um un-

entgeltliche Prozessführung ist gutzuheissen, da von der Prozessbedürf-

tigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist und die Rechtsbegehren 

sich zum Gesuchszeitpunkt nicht als aussichtslos darstellten. Es sind keine 

Verfahrenskosten zu erheben (Art. 65 Abs. 1 VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3570/2021 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Gabriela Freihofer Stefan Trottmann 

 

 

Versand: