# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 41062177-75eb-51ef-b34d-b99b49868e71
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-12-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.12.2023 E-4274/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4274-2020_2023-12-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4274/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  D e z e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richter Simon Thurnheer,  

Richterin Roswitha Petry,    

Gerichtsschreiberin Janine Sert. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien,   

vertreten durch lic. iur. Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt,  

Advokatur Kanonengasse, (…),  

Beschwerdeführerin,  

  

  
Gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 29. Juli 2020 / N (…). 

 

 

 

E-4274/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die kurdische Beschwerdeführerin verliess den Heimatstaat gemäss ihren 

Angaben am 19. August 2018, gelangte am 6. Dezember 2018 in die 

Schweiz und stellte am 11. Dezember 2018 ein Asylgesuch. Am 18. De-

zember 2018 wurde die Befragung zur Person (BzP) durchgeführt und am 

9. August 2019 wurde sie ausführlich zu ihren Asylgründen angehört. 

Zur Begründung ihres Asylgesuchs machte sie im Wesentlichen Folgendes 

geltend: 

Sie stamme aus B._______, Provinz Al-Hasaka und sei im Alter von sechs 

Jahren mit ihrer Familie nach C._______ ins Quartier D._______ gezogen, 

wo sie bis zu ihrer Ausreise gelebt habe. Etwa ab dem Jahr 2012 habe sie 

an Demonstrationen gegen die syrische Regierung teilgenommen. Seit 

dem Ausbruch der Unruhen habe sie für die Kurdisch-Demokratische Par-

tei (PDK-S) im (…) gearbeitet. Dafür habe sie im Auftrag der Partei wieder-

holt an Kursen im Nordirak teilgenommen, wo sie gelernt habe, wie (…). 

Das (…) habe sie jeweils (…) weitergeleitet. Zudem habe sie im Internet 

oder für eine kurdische Zeitung Artikel verfasst und an Parteisitzungen teil-

genommen. Sie habe auch für die (…) respektive den (…) gearbeitet.  

In den Büroräumlichkeiten der PDK-S hätten Razzien und Beschlagnah-

mungen stattgefunden. Sie sei beschattet worden und habe eine Vielzahl 

an Massnahmen zu ihrer Sicherheit ergreifen müssen, um einer Verhaftung 

zu entgehen. Die syrischen Behörden hätten zudem ihre Facebook-Konten 

gehackt und gesperrt. Schliesslich sei sie Mitte August 2018 von Mitglie-

dern der Kurdischen Arbeiterpartei (Partiya Karkeren Kurdistane; PKK) res-

pektive der Partei der Demokratischen Union (Partiya Yekitiya Demokrat; 

PYD) im Auftrag der syrischen Behörden für (…) Tage inhaftiert worden. 

Am (…) Tag habe man sie mit der Drohung entlassen, sie zu vergewaltigen 

oder zu töten, wenn sie C._______ nicht bis spätestens am (…) August 

2018 verlassen habe oder mit ihnen zusammenarbeite. Nach ihrer Entlas-

sung habe sie umgehend ihre Ausreise organisiert. 

Nach ihrer Ausreise hätten Behördenvertreter bei ihrer Mutter ihre Identi-

tätskarte eingezogen. Ihre Schwester sei zudem einmal auf dem Schulweg 

von Angehörigen der PYD angesprochen worden; ihre Freunde hätten eine 

Mitnahme verhindern können. 

E-4274/2020 

Seite 3 

Im Oktober 2018 habe sie in Griechenland ihren Verlobten E._______ (N 

[…]) kennengelernt, mit welchem sie seit ihrer Einreise in die Schweiz ei-

nen gemeinsamen Haushalt teile. 

Die Beschwerdeführerin reichte die folgenden Dokumente – in Kopie – zu 

den Akten: ihre Identitätskarte, ein Schreiben der PDK-S, eine Mitgliedsbe-

stätigung des kurdischen (…), ein Unterstützungsschreiben der Präsiden-

tin des (…), Bilder der Gründungsfeier des (…) und einen Ausweis für die 

Reise nach Europa.  

B.  

Mit Verfügung vom 29. Juli 2020 verneinte das SEM – mangels Glaubhaf-

tigkeit – die originäre Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, be-

zog sie in die Flüchtlingseigenschaft ihres Partners ein und lehnte das Asyl-

gesuch ab. Zufolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs ordnete es 

die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin in der Schweiz an. 

C.  

Mit Eingabe des Rechtsvertreters an das Bundesverwaltungsgericht vom 

24. August 2020 reichte die Beschwerdeführerin gegen den Asylentscheid 

Beschwerde ein. Sie beantragte die Aufhebung der Dispositivziffern 1 und 

3 der angefochtenen Verfügung, die Feststellung ihrer Flüchtlingseigen-

schaft gemäss Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG und die Gewährung von Asyl. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses, um Einsetzung des unterzeichnenden Rechtsvertreters 

als unentgeltlichen Rechtsbeistand und um Gewährung einer Frist zur Be-

schwerdeergänzung ab Akteneinsicht. 

Sie reichte unter anderem zwei Medienberichte sowie einen Bericht zur 

allgemeinen Lage in Nordsyrien zu den Akten. 

D.  

Mit Verfügung vom 2. September 2020 forderte die Instruktionsrichterin die 

Beschwerdeführerin auf, innert Frist eine Beschwerdeergänzung nachzu-

reichen, nachdem die beim SEM beantragte Akteneinsicht gewährt worden 

war. 

E.  

Mit Eingabe vom 15. September 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine 

Beschwerdeergänzung zu den Akten. 

E-4274/2020 

Seite 4 

F.  

Mit Verfügung vom 17. September 2020 hiess die Instruktionsrichterin das 

Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und ver-

zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig hiess sie 

das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gut und setzte Rechtsan-

walt Bernhard Jüsi als amtlichen Rechtsbeistand ein. Ferner lud sie die 

Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung innert Frist ein.  

G.  

In ihrer Vernehmlassung vom 1. Oktober 2020 führte die Vorinstanz aus, 

weshalb sie vollumfänglich an ihren Erwägungen in der angefochtenen 

Verfügung festhalte. 

H.  

Mit Replik vom 21. Oktober 2020 nahm die Beschwerdeführerin zur Ver-

nehmlassung der Vorinstanz Stellung. Zudem reichte sie Auszüge aus dem 

Facebook-Profil ihres Partners zu den Akten.  

I.  

Mit Verfügung vom 27. September 2021 bezog das SEM die Tochter 

F._______, geboren am (…), und mit Verfügung vom 25. Oktober 2022 die 

Tochter G._______, geboren am (…), in die Flüchtlingseigenschaft von 

E._______ ein.  

J.  

Mit Eingabe vom 30. November 2023 reichte die Beschwerdeführerin wei-

tere – nicht übersetzte – Dokumente in Kopie zum Beleg ihrer politischen 

Aktivitäten zu den Akten. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende 

E-4274/2020 

Seite 5 

Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 

BGG). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt 

nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 2 

AsylG; Art. 48 Abs. 1, Art. 50 sowie Art. 52 VwVG).  

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fra-

gen nach der originären Flüchtlingseigenschaft und des Asyls. Die Weg-

weisung und der Wegweisungsvollzug sind nicht zu prüfen, zumal die Be-

schwerdeführerin diese in ihrer Beschwerde ausdrücklich ausklammert 

(vgl. S. 1 ihrer Beschwerdeschrift). 

3.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

3.3 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-

nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver-

folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der 

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Seite 6 

Reflexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet 

befürchten muss (zum Begriff der Reflexverfolgung: BVGE 2007/19 E. 3.3 

S. 225, unter Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-

rischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3h; vgl. ausserdem 

EMARK 1994 Nr. 17). 

3.4 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-

machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt 

dabei ständiger Praxis (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.). 

4.  

4.1 In der angefochtenen Verfügung führte das SEM im Wesentlichen aus, 

die Vorbringen der Beschwerdeführerin würden den Anforderungen an die 

Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AyslG nicht zu genügen vermögen. Trotz ih-

res mutmasslich jahrelangen profilierten politischen Engagements gegen 

die syrische Regierung sei sie bis zur mutmasslichen Verhaftung im August 

2018 nie Opfer von gezielt gegen sie gerichteten behördlichen Massnah-

men geworden. Aus ihren Schilderungen würden sich keine konkreten Hin-

weise dafür ergeben, dass die syrischen Behörden sie aufgrund ihrer poli-

tischen Aktivität verfolgt hätten. Auch sei aus ihren Aussagen nicht ersicht-

lich, dass Mitglieder ihrer Kernfamilie politisch aktiv oder Ziel von gezielten 

behördlichen Nachstellungen in asylbeachtlichem Ausmass gewesen 

seien. Angesichts ihres mutmasslich jahrelangen öffentlichen Engage-

ments wäre davon auszugehen gewesen, dass die syrische Regierung sie 

bereits zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt ins Visier genommen hätte. 

Aufgrund des von ihr gezeichneten Bildes ihrer politischen Aktivitäten und 

des ausgebliebenen behördlichen Interessens komme der Verdacht auf, 

dass sie ihre Vorbringen überzeichnet und gesteigert vorgebracht habe.   

Sie sei persönlich nie in Verbindung mit den syrischen Behörden gestan-

den, obwohl sie diese als ihre Verfolger ausmache. Weshalb die syrischen 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/19
http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/5
http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/17

E-4274/2020 

Seite 7 

Behörden ihrer (trotz Razzien, Durchsuchungen der Büroräumlichkeiten, 

Konfiszierung der Computer und Beobachtungen) nicht selber hätten hab-

haft werden können, sondern die PKK – respektive die PYD als ideologi-

scher Gegner der PDK-S – mit ihrer Verfolgung beauftragt hätten, habe sie 

nicht schlüssig begründen können. Es sei auch offengeblieben, welches 

Interesse die PYD überhaupt daran gehabt haben sollte, sie – eine Kritike-

rin der syrischen Regierung – festzunehmen.  

Sie habe sodann nicht nachvollziehbar herzuleiten vermocht, aus welchen 

Gründen sie ausgerechnet im August 2018 verhaftet worden sei. Da sie 

und ihre Familie in C._______ im Sicherheitsviertel D._______ wohnhaft 

gewesen seien, habe sie sich mehrheitlich im von den syrischen Behörden 

kontrollierten Stadtteil bewegt. Ihre Erklärung, wonach sie ihre Tätigkeiten 

stets im Geheimen ausgeführt und das Quartier vor allem nachts verlassen 

habe, vermöge trotz der aufgezählten Massnahmen zur Geheimhaltung ih-

res Tuns wenig zu greifen.  

Es erschliesse sich auch nicht, weshalb die Behörden sie in einem Brief 

(den sie in der Anhörung nicht mehr erwähnt habe) hätten vorwarnen sol-

len, anstatt sie direkt festzunehmen. Angesichts der Aktenlage sei nicht da-

von auszugehen, dass sie persönlich den syrischen Behörden als regime-

kritische Person bekannt gewesen sei. Ihren Aussagen würden sich keine 

Anhaltspunkte dafür entnehmen lassen, dass sie bei den Demonstrationen 

von den Behörden identifiziert worden sei oder dass diese über ihre Par-

teiaktivität Bescheid gewusst hätten. Sie habe selber ausgeführt, dass ihr 

politisches Engagement vor allem der PYD aufgefallen sei. Aufgrund ihres 

Wohnsitzes in einem von den syrischen Behörden kontrollierten Teil von 

C._______ könne zumindest davon ausgegangen werden, dass die syri-

schen Behörden in der Lage gewesen wären, sie als Demonstrationsteil-

nehmerin zu identifizieren respektive ihrer zu einem wesentlich früheren 

Zeitpunkt habhaft zu werden. 

Gegenteiliges habe sie auch nicht durch die Darlegungen zu ihrem Enga-

gement in den sozialen Medien darzubringen vermocht. Insbesondere 

habe sie sich widersprüchlich zur Anzahl gehackter und gesperrter  

Facebook-Konten geäussert. Auf Nachfrage habe sie angegeben, die Kon-

ten seien nicht auf ihren eigenen Namen ausgestellt gewesen. Sie habe 

indes auf ihren Facebook-Seiten zahlreiche regimekritische Beiträge ver-

öffentlicht. Solche Aktivitäten seien bei einer Vielzahl von Asylsuchenden 

festzustellen. Der Umstand, dass sie Sympathisantin der PDK-S sei, ver-

möge zu keinem anderen Schluss zu führen, da sie über kein bedeutendes 

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Seite 8 

politisches Profil verfüge. Ihr politisches Engagement übersteige die 

Schwelle der massentypischen Erscheinungsformen exilpolitischer Pro-

teste syrischer Staatsangehöriger nicht. Es sei nicht ersichtlich, weshalb 

die syrische Regierung – hätte sie tatsächlich ein gesteigertes Interesse an 

der Beschwerdeführerin gehabt – sie trotz ihres vermehrten Engagements 

hätte unbehelligt lassen sollen. Es sei davon auszugehen, dass die syri-

schen Behörden, hätten diese ihre Aktivitäten als ausreichend relevant er-

achtet, sie bereits zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt festgenommen 

hätten, zumal die Behörden an ihrem Wohnort ständig Zugriff auf sie ge-

habt hätten. Insgesamt würden sich die Verfolgungsvorbringen überwie-

gend als subjektive Befürchtungen, Vermutungen und Hörensagen Dritter 

erweisen. 

Zum Hergang der Ereignisse und zu den Umständen der Haft habe die 

Beschwerdeführerin zwar einige deckungsgleiche Angaben machen kön-

nen; in Kernpunkten (insbesondere zur Konfrontation mit Männern) sei es 

indes zu signifikanten Differenzen in ihren Ausführungen gekommen. Da 

es sich bei der Festnahme um ein prägendes Ereignis und das fluchtaus-

lösende Moment gehandelt habe, könne davon ausgegangen werden, 

dass von dieser in konsistenter Weise berichtet werden könne. Ferner er-

staune, dass sie angegeben habe, sie sei zu den Ausreisen in den Nordirak 

befragt worden. Mit ihrer Antwort, wonach sie dort den Onkel väterlicher-

seits besucht habe, hätten sich die Befrager zufriedengegeben. Da man 

sie aussagegemäss als Parteimitglied der PDK-S identifiziert und von ihren 

politischen Tätigkeiten Bescheid gewusst habe, hätte es nahegelegen, sie 

zu allfälligen Parteiaufgaben respektive Verbindungen im Nordirak zu be-

fragen. Dass sie trotz des geltend gemachten Profils und der wiederholten 

Ausreisen in den Nordirak weder intensiv befragt noch diesbezüglich unter 

Druck gesetzt worden sei, lasse weitere Zweifel am geltend gemachten 

Profil und der vorgebrachten Haft aufkommen.  

Der Vollständigkeit halber sei darauf verwiesen, dass die Familie aufgrund 

der regierungskritischen Äusserungen des Onkels väterlicherseits in 

H._______ das Haus in D._______ verloren habe. Ein politisches Profil 

dieses Onkels, das eine derartige behördliche Nachstellung begründen 

würde, habe sie indes nicht durch entsprechende Beweismittel zu belegen 

vermocht. Ferner habe sie auf Nachfrage erklärt, es sei zu keinen weiteren 

asylbeachtlichen Massnahmen gegen die Familie gekommen. Ihre diesbe-

züglichen Vorbringen seien demnach mit erheblichen Vorbehalten belastet.  

E-4274/2020 

Seite 9 

4.2 Mit Beschwerde hält die Beschwerdeführerin dem im Wesentlichen ent-

gegen, sie erfülle die Flüchtlingseigenschaft originär aufgrund von Vor- und 

Nachfluchtgründen. Dem syrischen Regime habe sie sich solange entzie-

hen können, bis die PYD einen Pakt mit der Regierung eingegangen sei. 

Die Einschätzung der Vorinstanz (wonach nicht plausibel sei, dass sie so 

lange unbehelligt geblieben sei) zeige einen Mangel an Kenntnissen der 

Zusammenhänge in Syrien und insbesondere der Verfolgungslage mit Be-

zug auf die Rolle der PYD in der fraglichen Zeit in C._______ bei der Ver-

folgung von Aktivisten der PDK-S. Soweit der Staat auf sie habe zugreifen 

können, habe er dies auch getan (beispielsweise durch Hacken und Sper-

ren der Facebook-Konten). Als "Statthalterin" Assads in Kurdistan habe die 

PYD jede Gegnerschaft wie die der PDK-S mit brutalen Menschenrechts-

verletzungen verfolgt und unterdrückt. Dass sich aus den Akten keine Hin-

weise darauf ergeben würden, dass die syrischen Behörden die Beschwer-

deführerin hätten verfolgen wollen, stehe im Widerspruch zur Praxis des 

SEM. So sei ihrem Partner die originäre Flüchtlingseigenschaft gewährt 

worden wegen seiner Aktivitäten für die PDK-S nach seiner Ausreise. Auch 

dieser habe massgebliche Medienarbeit für die Partei als Grund dar- und 

belegt. Dass nun solche Aktivitäten im Land selber während des Bürger-

kriegs nicht zu einem Verfolgungsinteresse des syrischen Staates geführt 

haben sollen, sei nicht nachvollziehbar. Zudem habe das SEM den frauen-

spezifischen Fluchtgründen bisher nicht Rechnung getragen. Es wider-

spreche sich sodann selber, wenn es einerseits darüber staune, dass es 

nicht zu Verfolgungshandlungen gekommen sei, andererseits aber doch 

die Razzien, Hausdurchsuchungen der Büroräume der Organisation und 

Beschlagnahme von Computern sowie eine schriftliche Abmahnung er-

wähne. Die Beweggründe und Ermittlungen der Behörde und die Wege, 

die die Informationen zur PYD genommen hätten, die zu ihrer Festnahme 

geführt hätten, könnten ihr nicht bekannt sein. Die Vorinstanz schliesse zu 

Unrecht und nicht nachvollziehbar begründet darauf, dass kein behördli-

ches Verfolgungsinteresse an der Beschwerdeführerin bestanden habe, 

zumal deren herausragende politischen Tätigkeiten, die sie sehr stark ex-

poniert hätten, nicht in Frage gestellt worden seien.  

Da die Beschwerdeführerin hier mit einem anerkannten Flüchtling zusam-

menlebe, der in der Schweiz exilpolitisch aktiv gewesen sei in einer Zeit, 

die das Regime als die Vorbereitung der späteren Umsturzbewegung in 

Syrien ansehe, sei davon auszugehen, dass sie bei einer Rückführung mit 

Sicherheit befragt würde und ihre eigenen Aktivitäten ans Licht kommen 

würden. Daraus ergebe sich eine Reflexverfolgungsgefahr.  

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Seite 10 

Entgegen der Einschätzung der Vorinstanz würden die glaubhaften Aussa-

gen der Beschwerdeführerin allfällige Unstimmigkeiten überwiegen. Der 

einzige Hinweis auf ein in der Anhörung nicht mehr erwähntes Dokument 

vermöge nicht die Glaubhaftmachung in Frage zu stellen. Es habe ohne 

Zweifel bei der Ausreise bereits ein grosses, klar politisch motiviertes Ver-

folgungsinteresse des Regimes bestanden.  

4.3 In ihrer Beschwerdeergänzung führt die Beschwerdeführerin weiter 

aus, sie habe bereits bei der BzP sehr glaubhafte, spontane Aussagen ge-

macht. Der Brief oder vielmehr Zettel, den die PYD bei einer Hausdurch-

suchung und der Beschlagnahme des dritten Laptops zuhause deponiert 

habe, sei eine Warnung gewesen. Dieser Brief sei eine Warnung gewesen. 

Darauf habe gestanden, dass sie wüssten, dass sie Demonstrationen 

filme. Es handle sich also nicht um eine formelle Vorladung oder Ähnliches 

und im Rahmen der vielen Behelligungen durch die PYD um ein Detail.  

Einen Monat vor ihrer Ausreise sei das Haus der Familie von der Regierung 

beschlagnahmt worden wegen der (…) Aktivitäten ihres Onkels I._______ 

und dessen Ehefrau J._______ in H._______ und ihr Vater als Agent be-

zichtigt worden. Die PYD habe geleugnet, für den Tod ihres Vaters nach 

ihrer Ausreise verantwortlich zu sein. Die Regierung habe dank der Zusam-

menarbeit mit der PYD die Kontrolle über und den Zugriff auf deren Feinde 

gehabt, auch wenn die Familie im damals von der Regierung direkt kon-

trollierten Teil Qamischlis gelebt habe. Dass das SEM bei der Würdigung 

der Vorbringen die Zusammenarbeit zwischen der PYD und dem Regime 

verkenne, müsse als voreingenommen und willkürlich bezeichnet werden 

und stelle eine Gehörsverletzung dar.  

Die von der PYD am meisten gefürchtete (…), die die Beschwerdeführerin 

(…), sei die Auflösung einer Kundgebung gegen das Regime gewesen, als 

dieses gewaltsam eingeschritten sei. Die Beschwerdeführerin sei damals 

angeschossen worden und habe die Narbe anlässlich der Anhörung ge-

zeigt. Auch dass sie zu den allerersten Frauen gehört habe, die an Kund-

gebungen teilgenommen hätten, habe die Vorinstanz unterschlagen. Damit 

hebe sie sich aus der Masse der Kurdinnen heraus und sei gefährdet. Die 

(…), die sie beim (…) in C._______ zeigen würden, habe sie erst nach ihrer 

Ausreise ins Internet gestellt. Diese Nachfluchtaktivität führe für sich allein 

zur originären Flüchtlingseigenschaft.  

Vor dem Hintergrund einer wahrscheinlichen Traumatisierung – wie sie 

auch die Hilfswerksvertretung auf ihrem Vermerkblatt aufgeführt habe – 

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Seite 11 

könnten ihre Aussagen und die politische Bedrohung nicht ohne erstelltes 

Gutachten als unglaubhaft eingestuft werden. Etwas anderes würde der 

Sachverhaltsabklärungspflicht widersprechen. Ohne Gutachten dürfte 

auch die Beschwerde nicht abgewiesen werden. 

Die Akten würden insgesamt das Bild einer herausragend gefährdeten 

Kurdin aus Syrien ergeben, die Augenzeugin von Übergriffen der PYD ge-

worden sei, diese (…) verbreitet habe und damit vom Staat und der PYD 

massiver Verfolgung und Gefahr künftiger Verfolgung aus politischen Mo-

tiven ausgesetzt (gewesen) sei. Dass sie in der Schweiz nicht sofort nach 

ihrer Ankunft aktiv gewesen sei, liege auch daran, dass die Gefährdung 

ihrer Angehörigen fortbestehe.  

4.4 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz im Wesentlichen fest, aus 

den Schilderungen der Beschwerdeführerin zu ihrer Lebensführung in Qa-

mischli und den dortigen Machtverhältnissen ergäben sich Differenzen zu 

dem in der Beschwerdeschrift gezeichneten Lagebild. Sie bezeichne sel-

ber die Kontrolle der syrischen Regierung in C._______ im Jahr 2018 als 

gross. Ihr alltägliches Leben habe sich zudem hauptsächlich im sogenann-

ten Sicherheitsviertel abgespielt, das unter der Kontrolle der syrischen Re-

gierung gestanden habe. Obwohl sie sich ab 2012 für sechs Jahre in an-

geblich exponierter Weise politisch betätigt habe, sei die einzige Mass-

nahme der syrischen Behörden das Sperren ihrer Facebook-Konten gewe-

sen. Allfällige weitere Massnahmen der syrischen Behörden seien ausge-

blieben. Es sei der syrischen Regierung jedoch gelungen, Kenntnis von 

den (…) Tätigkeiten des Onkels in H._______ zu erlangen und danach das 

Haus ihrer Familie zu konfiszieren.  

In der Beschwerdeschrift werde der Zeitpunkt der gezielten Festnahme der 

Beschwerdeführerin im August 2018 damit erklärt, dass die PYD sie als 

politische Gegnerin habe beseitigen wollen. Hingegen habe sie in der An-

hörung die Möglichkeit einer Festnahme durch die syrische Regierung wei-

terhin nicht gänzlich ausgeschlossen. Dass es der syrischen Regierung ab 

2012 bis im August 2018 trotz des angeblich gesteigerten Interesses an ihr 

nicht möglich gewesen sei, ihrer habhaft zu werden, mute unter den ge-

nannten Lebensumständen realitätsfern an.  

Abgesehen von der Flüchtlingseigenschaft ihres Partners, vermöge die Be-

schwerdeführerin sodann keinen reflexiven Verfolgungskonnex hinrei-

chend darzutun und zu spezifizieren. Die Akten würden keinerlei Hinweis 

auf einen Exilaktivismus ihres Partners seit dessen 

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Seite 12 

Flüchtlingsanerkennung im Jahr (…) ergeben. Ein solcher werde von ihr 

auch nicht näher konkretisiert und ein zeitlich oder sachlich kausaler refle-

xiver Zusammenhang mit ihr könne nicht eruiert werden. Aus den Akten 

würden sich ferner keine konkreten Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die 

syrischen Behörden überhaupt Kenntnis besagter Verbindung zwischen ihr 

und ihrem Partner haben sollten. Das Paar habe sich erst nach der Aus-

reise aus dem Heimatland kennengelernt und sei nicht verheiratet. Insge-

samt vermöge die Verbindung zu E._______ keine flüchtlingsrechtliche 

Relevanz zu entfalten.  

4.5 In ihrer Replik ergänzt die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz gehe auf 

zahlreiche Argumente der Glaubhaftmachung gar nicht ein und verweigere 

eine Gesamtbetrachtung aller Risikofaktoren. Das Handeln willkürlich ver-

folgender Unrechtsstaaten sei eben willkürlich und erfolge nicht immer 

nachvollziehbar, woraus nicht auf fehlende Glaubhaftigkeit begründeter 

Furcht vor Nachteilen geschlossen werden dürfe. Die Frage, ob eine so wie 

die Beschwerdeführerin aktive Person früher oder später von den syri-

schen Machthabern verhaftet worden wäre, sei nicht geeignet, die plau-

sible Furcht vor Verfolgung angesichts der erlittenen Festnahme durch die 

mit der Regierung zusammenarbeitenden PYD zu widerlegen. Es komme 

letztlich nicht darauf an, wer von beiden in der Stadt die Kontrolle ausüben-

den Kräften die Beschwerdeführerin schneller oder effektiver verfolge. Tat-

sache sei, dass sie begründete Furcht vor Verfolgung gehabt und bereits 

schwere Verfolgung erlitten habe. Das Motiv sei klar asylrechtlich relevant 

gewesen und es habe keine sichere Alternative in Syrien bestanden. 

Dass sie mit dem politisch sehr stark exponierten Kindsvater zusammen-

lebe, sei in der syrischen Exilgemeinde in der Schweiz bekannt. Es sei da-

her auch sehr wahrscheinlich, dass sie verfolgt würde, um an den Ehe-

mann (recte: den Verlobten) heranzukommen, der just in einer Zeit sehr 

aktiv gewesen sei, die letztlich zum Aufstand und zum Krieg geführt habe. 

Auch die Mutmassung des SEM, ihr Partner sei nicht mehr politisch aktiv, 

sei nicht korrekt. Er sei weiterhin (…), sowie auf Facebook, seit er in der 

Schweiz sei, ununterbrochen für diese Partei aktiv. Die Freundschaftsliste 

umfasse über 4000 Leute, darunter sehr viele Exponenten des syrischen 

Widerstands aus aller Welt. Die Vorinstanz verkenne auch, dass die Bezie-

hung nicht zuletzt aus gemeinsamen politischen Überzeugungen entstan-

den sei.  

5.  

E-4274/2020 

Seite 13 

5.1 Nach Prüfung der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht zum 

Schluss, wie nachfolgend aufgezeigt wird, dass die Vorinstanz im Ergebnis 

zu Recht die (originäre) Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin 

verneint und folglich deren Asylgesuch abgelehnt hat.  

5.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist nicht an die Begründung der 

Vorinstanz gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG); es kann die Beschwerde 

auch aus anderen Überlegungen als jenen der Vorinstanz abweisen 

(sog. Motivsubstitution; vgl. MADELEINE CAMPRUBI, in: AUER/MÜLLER/ 

SCHINDLER [Hrsg.], Kommentar zum VwVG, 2. Aufl., 2019, N 16 zu 

Art. 62 VwVG; ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwal-

tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, 

S. 398). 

5.3 Gemäss ihren Aussagen hat sich die Beschwerdeführerin als Mitglied 

der PDK-S und der (…) in C._______ engagiert und sich als solches expo-

niert. Seit 2012 hat sie angeblich immer wieder an Kundgebungen gegen 

die syrische Regierung teilgenommen und dabei von ihr erstellte (…) wei-

tergeleitet. Entgegen der auf Beschwerdeebene vertretenen Auffassung 

zeugen diese Darlegungen nicht von herausragenden Tätigkeiten für die 

PDK-S; insbesondere lässt sich allein daraus, dass sie bei Demonstratio-

nen gefilmt hat, als die PYD die Kundgebung gewaltsam aufgelöst hat, 

nicht der Schluss ziehen, sie sei deswegen besonders in den Fokus der 

syrischen Sicherheitsbehörden geraten. Zwar gab sie anlässlich der BzP 

und der Anhörung als Grund ihrer angeblichen Festnahme an, dass sie 

eine gewaltsam durch die PYD aufgelöste Demonstration (…)  habe, sowie 

dass ihre Reisen in den Nordirak einen Verdacht auf sie gelenkt hätten (vgl. 

SEM-Akten A7 S. 5 und A17 F111). Wie auch das SEM zu Recht feststellte, 

ist aber ihren Ausführungen betreffend den Inhalt der Befragungen wäh-

rend der angeblichen Haft nicht zu entnehmen, dass sich die PYD über-

wiegend für ihre (politischen) Tätigkeiten interessiert hätte (vgl. SEM-Akte 

A17 F125 und F134 f.). Bereits anlässlich der BzP antwortete sie auf Nach-

frage hin nur vage, dass die PYD ihr vorgeworfen habe, eine Verräterin zu 

sein, weil sie gegen sie arbeite (vgl. SEM-Akte A7 S. 9). Eine mögliche 

Kooperation des syrischen Regimes und der PYD, je nach deren jeweiligen 

Interessenslage, wird vorliegend nicht bestritten. Gemäss dem offiziellen 

Organ der PDK-S sei die PYD vonseiten der syrischen Regierung mit der 

Verwaltung der kurdischen Gebiete betraut worden, weshalb auch die kur-

dischen Proteste gegen das Regime durch die PYD unterdrückt werden 

sollten (vgl. Baschar, Abdulhakim,  المشكلة جذور   عن والبحث.. العمال  حزب  [Arbeiter-

partei [PKK]… und die Suche nach den Ursachen des Problems], in: 

E-4274/2020 

Seite 14 

Partiya Demokrata Kurdistan – Sûriya (PDK-S), كوردستان [Kurdistan], 693, 

01.12.2022, https://www.pdk-s.com/app/files/arebic-693.pdf, abgerufen 

am 5.12.2023). Entgegen der Behauptungen der Beschwerdeführerin ist 

aus ihren Aussagen nicht ersichtlich, dass sie im Auftrag der Regierung 

verhaftet worden sein soll. Vielmehr liegt die Vermutung nahe, dass sie 

allenfalls im Rahmen des vorgenannten Auftrags festgenommen wurde, 

womit die PYD womöglich zumindest über einen Teil ihrer Tätigkeiten (bei-

spielsweise ihrer Demonstrationsteilnahme) Kenntnis hatte. Die angebli-

che Inhaftierung allein deutet allerdings noch nicht darauf hin, dass die 

PYD von ihren politischen Tätigkeiten und Mitgliedschaften gewusst hat, 

zumal sie selber angab, sie habe ihre Aktivitäten nicht unter ihrem eigenen 

Namen ausgeführt (vgl. SEM-Akte A17 F145). Dass sie – bei Wahrunter-

stellung – nach nur (…) Tagen Haft wieder entlassen wurde, deutet eben-

falls nicht darauf hin, dass ihr Profil von der PYD als besonders exponiert 

eingestuft wurde. Abgesehen davon, dass ihr Ausweis bei ihrer Mutter ein-

gezogen worden sei, ist offenbar seit ihrer Ausreise nichts weiter vorgefal-

len, was zu einer anderen Einschätzung führen könnte (vgl. SEM-Akte F65 

und F183 f.). Es sind den Akten daher keine Hinweise darauf zu entneh-

men, dass zum Zeitpunkt ihrer Ausreise ein Interesse von Seiten der syri-

schen Regierung an ihrer Person bestand oder künftig wegen Vorflucht-

gründen bestanden hätte. Selbst wenn die Beschwerdeführerin für die 

PDK-S und den (…) als einfaches Mitglied gewisse Aktivitäten ausgeübt 

haben sollte, ist es ihr insgesamt nicht gelungen überzeugend darzulegen, 

dass dieses angebliche Engagement den Behörden überhaupt zur Kennt-

nis gelangt ist. Daran ändern auch die mit Eingabe vom 30. November 

2023 eingereichten Beweismittel nichts.  

Soweit die Beschwerdeführerin diese auch von der Vorinstanz vertretene 

Ansicht nicht teilt, ist festzuhalten, dass es sich dabei weder um eine vor-

eingenommene oder willkürliche Würdigung ihrer Vorbringen noch um eine 

Verletzung ihres rechtlichen Gehörs handelt, sondern um eine unterschied-

liche materielle Würdigung der Sache. Es besteht folglich keine Veranlas-

sung, die Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben (vgl. Beschwer-

deergänzung S. 4), wobei eine Rückweisung auch nicht beantragt wurde. 

Angesichts der vorstehenden Erwägungen konnte und kann in antizipierter 

Beweiswürdigung darauf verzichtet werden, ein detailliertes Gutachten 

über ihren Gesundheitszustand einzuholen, zumal die anwaltlich vertre-

tene Beschwerdeführerin seit der Replik, in welcher die Hoffnung auf eine 

baldige Therapie zum Ausdruck gebracht wurde, trotz ihrer Mitwirkungs-

pflicht (Art. 8 AsylG) keine ärztlichen Berichte zu den Akten gereicht hat.  

E-4274/2020 

Seite 15 

5.4 Die Beschwerdeführerin macht auf Beschwerdeebene sodann Be-

fürchtungen einer (künftigen) Reflexverfolgung geltend. Ihr Verlobter 

E._______ sei in der Schweiz exilpolitisch aktiv (gewesen), weswegen ihm 

die Flüchtlingseigenschaft anerkannt worden sei. Sie hat jedoch nie gel-

tend gemacht, sie sei wegen ihres Partners ihrerseits in Schwierigkeiten 

geraten oder imminent in Gefahr. Ihre Furcht vor Reflexverfolgung ist dem-

nach als hypothetisch einzustufen. Die mit Replik eingereichten Facebook-

Auszüge stammen von einem Profil, welches nicht auf den offiziellen Na-

men ihres Verlobten lautet, womit von den Beiträgen auf diesem Profil nicht 

sofort auf ihn geschweige denn auf die Beschwerdeführerin geschlossen 

werden kann. Vor diesem Hintergrund geht das Gericht davon aus, dass 

E._______ derzeit zumindest nicht zusätzlich exponiert ist. Weiter ist nicht 

ersichtlich, dass das syrische Regime von ihrer Beziehung zu E._______ 

erfahren hat. Damit lassen sich vorliegend keine Hinweise für eine mögli-

che Reflexverfolgung entnehmen. 

5.5 Des Weiteren liegen auch keine aktuellen konkreten Hinweise darauf 

vor, dass sich die Beschwerdeführerin im Exil regierungskritisch exponiert 

oder das syrische Regime bei ihrer Familie deswegen an ihrer Person In-

teresse gezeigt hätte.  

5.6 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es der Beschwerdeführerin 

nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Verfolgungs-

gefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat ihr Asyl-

gesuch demzufolge zu Recht abgelehnt. Die Frage der Glaubhaftigkeit ih-

rer Vorbringen (insbesondere des geltend gemachten Exponierungsgrads 

ihres politischen Profils sowie der geltend gemachten Festnahme durch die 

PYD und der anschliessenden […]tägigen Haft) kann bei dieser Sachlage 

offenbleiben. 

6.  

Nachdem das SEM mit Verfügung vom 29. Juli 2020 die Unzulässigkeit 

des Wegweisungsvollzugs festgestellt und die vorläufige Aufnahme der 

Beschwerdeführerin angeordnet hat, erübrigen sich praxisgemäss weitere 

Ausführungen zur Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvoll-

zugs (vgl. BVGE 2011/7 E. 8, 2009/51 E. 5.4). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

E-4274/2020 

Seite 16 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) . Die Beschwerde ist so-

mit abzuweisen. 

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihr mit Zwischenverfü-

gung vom 17. September 2020 die unentgeltliche Prozessführung gemäss 

Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, und keine massgebliche Veränderung 

der finanziellen Verhältnisse ersichtlich ist, hat sie vorliegend keine Verfah-

renskosten zu tragen. 

8.2 Ebenfalls mit Zwischenverfügung vom 17. September 2020 wurde das 

Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gutgeheissen. Entsprechend 

ist der amtliche Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin für seinen Auf-

wand unbesehen des Ausgangs des Verfahrens zu entschädigen, soweit 

dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Kostennote 

vom 27. August 2020 machte der amtliche Rechtsbeistand einen zeitlichen 

Aufwand von 4.65 Stunden à Fr. 300.– und Auslagen in der Höhe von Fr. 

30.10 geltend. Unter Berücksichtigung der weiteren bis zur Urteilsfällung 

getätigten Verfahrenseingaben ist insgesamt von einem zeitlichen Aufwand 

von 9 Stunden auszugehen, wobei dieser – gemäss Zwischenverfügung 

vom 17. September 2020 – à Fr. 220.– pro Stunde zu entschädigen ist. 

Insgesamt ergibt dies eine amtliche Entschädigung in der Höhe von 

Fr. 2’165.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag), die dem 

Rechtsvertreter vom Bundesverwaltungsgericht zu entrichten ist. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

E-4274/2020 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde ist abzuweisen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand, Rechtsanwalt Bernhard Jüsi, wird zulas-

ten der Gerichtskasse ein Honorar von Fr. 2’165.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Janine Sert 

 

 

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