# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b3fd4e9b-ddfd-581e-8f2b-f8aa7ee18e16
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-07-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.07.2009 D-8256/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8256-2007_2009-07-13.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-8256/2007/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 3 .  J u l i  2 0 0 9

Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz), 
Richter Robert Galliker, Richter Gérard Scherrer, 
Gerichtsschreiber Jürg Hünerwadel

A._______ A._______, Kolumbien,
c/o schweizerische Vertretung in Bogotá,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; 
Verfügung des BFM vom 25. Oktober 2007 / N _______

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-8256/2007

Sachverhalt:

A.
Mit am 27. November 2006 bei der schweizerischen Vertretung in Bo-
gotá  eingegangener  Eingabe  vom 11.  November  2006  ersuchte  die 
Tante des zu diesem Zeitpunkt noch minderjährigen Beschwerdefüh-
rers,  B._______  B._______,  für  sich,  ihren  volljährigen  Sohn 
C._______ C._______ (er bestätigte sein Asylgesuch in der Folge mit 
eigenhändiger Eingabe vom 7. Februar 2007), ihren Bruder D._______ 
D._______  und  dessen  Familie  (diese  hatten  mit  Schreiben  vom 
24. Juni  2006  bereits  selber  um  Asyl  nachgesucht)  und  den 
Beschwerdeführer  –  der  sein  Asylgesuch  mit  eigenhändiger,  am 
3. Oktober  2007  bei  der  schweizerischen  Vertretung  eingegangener 
Eingabe bestätigte – um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und 
Gewährung von Asyl. Zur Begründung machte sie geltend, ihre Brüder 
E._______  E._______  und  F._______  F._______  (der  Vater  des 
Beschwerdeführers) seien ermordet worden, und sie lebten seither in 
Angst um ihr Leben.

B.
Die schweizerische Vertretung in Bogotá übermittelte die Akten in der 
Folge am 14. Dezember 2006 zuständigkeitshalber an das BFM.

C.
Aus den Asylverfahrensakten des Beschwerdeführers und seiner Tante 
sowie den vom Bundesverwaltungsgericht beigezogenen Dossiers ih-
rer  Familienangehörigen  ergeben  sich  als  Begründung  für  die 
Gesuche um Bewilligung der Einreise in die Schweiz und Gewährung 
von  Asyl  folgende  –  mit  entsprechenden  Beweismitteln  belegte  – 
Vorbringen:

Sämtliche  Familienangehörigen  seien  ursprünglich  im  Departement 
G._______ wohnhaft gewesen. Am 17. August 2003 sei der Onkel des 
Beschwerdeführers – ein Geschäftsmann – von Angehörigen der ko-
lumbianischen Armee gezielt ermordet worden, worauf die Familie bei 
der  Staatsanwaltschaft  und  weiteren  staatlichen  Stellen  sowie  bei 
mehreren  Nichtregierungsorganisationen  Anzeigen  eingereicht  habe. 
Sie hätten sich dabei  unter  anderem auf  eine Augenzeugin berufen, 
die jedoch am 24. Juli 2004 – einen Tag vor ihrer Abreise nach Bogotá, 
wo  sie  bei  der  Generalstaatsanwaltschaft  habe  aussagen  wollen  – 
ebenfalls von der Armee umgebracht worden sei. Schliesslich sei am 

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3. März  2005  auch  der  Vater  des  Beschwerdeführers  –  seines 
Zeichens  Anwalt  und  ehemaliger  Gefängnisdirektor  in  H._______ 
(Departement  G._______)  –  ermordet  worden.  In  der  Folge  habe 
namentlich  der  Onkel  des  Beschwerdeführers  wiederholt  Drohanrufe 
erhalten.

D.
Das Bundesamt liess im Verfahren des Onkels des Beschwerdeführers 
durch  die  schweizerische Vertretung  in  Bogotá  Abklärungen  vor  Ort 
vornehmen. In  ihrem Bericht  vom 7. Juni  2007  führte  die  Botschaft 
aus, ihre Abklärungen hätten ergeben, dass der Vater und der Onkel 
des Beschwerdeführers unter nicht geklärten Umständen durch Ange-
hörige der Armee zu Tode gekommen seien und diesbezüglich Anzei-
gen erhoben worden seien.

E.
Mit Verfügungen vom 6. August 2007 bewilligte das BFM dem Onkel 
des  Beschwerdeführers  und  dessen Familie  sowie  seiner  Tante und 
deren Sohn die Einreise in die Schweiz, worauf diese am 22. Februar 
2008 hierher gelangten. Mit Verfügungen vom 17. Oktober 2008 aner-
kannte das BFM diese Personen sodann als Flüchtlinge und gewährte 
ihnen Asyl.

F.
Auf Aufforderung des BFM hin gab die Tante des Beschwerdeführers 
mit an die schweizerische Vertretung in Bogotá gerichtetem Schreiben 
vom 17. September 2007 an, ihr Neffe lebe derzeit bei seiner Gross-
mutter in I._______, da er noch seine obligatorische Schulzeit absol-
viere und sich seine Mutter mit ihren zwei übrigen Kindern nach Vene-
zuela  begeben  habe.  Die  Mutter  des  Beschwerdeführers  halte  sich 
dort illegal und in prekären ökonomischen Verhältnissen auf, weshalb 
sie den Beschwerdeführer in ihre (der Tante) Obhut gegeben habe. Die 
Tante des Beschwerdeführers reichte in diesem Zusammenhang eine 
Kopie  der  Identitätskarte  der  Mutter  des  Beschwerdeführers  sowie 
eine von letzterer unterzeichnete Obhutserklärung vom 24. Juli  2006 
zu den Akten.

G.
Mit  Verfügung vom 25. Oktober 2007 verweigerte das BFM dem Be-
schwerdeführer  die Einreise in  die  Schweiz  und lehnte  sein  Asylge-
such gestützt auf Art. 52 Abs. 2  des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 

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(AsylG, SR 142.31) ab. Auf die Begründung wird, soweit entscheidwe-
sentlich, in den Erwägungen eingegangen.

H.
Mit  an die  schweizerische Vertretung in  Bogotá  gerichteter  und dort 
am 23. November  2007  eingegangener  Eingabe  vom 22. November 
2007 erhob der Beschwerdeführer gegen die Verfügung des BFM vom 
25. Oktober 2007 Beschwerde, welche in der Folge zuständigkeitshal-
ber  an  das  Bundesverwaltungsgericht  weitergeleitet  wurde  (Postein-
gang beim Bundesverwaltungsgericht: 6. Dezember 2007). Auf die Be-
gründung wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen einge-
gangen.

I.
In ihrer Vernehmlassung vom 26. Februar 2008 hielt die Vorinstanz an 
der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der 
Beschwerde.

J.
Mit an das BFM gerichteter und von diesem zuständigkeitshalber an 
das  Bundesverwaltungsgericht  weitergeleiteter  Eingabe  vom 
17. Februar  2009  teilte  der  in  der  Schweiz  lebende  Onkel  des  Be-
schwerdeführers mit, er sei in Sorge um seinen Neffen, der in Kolum-
bien kein normales Leben mehr führen könne, weil er ständig von ei-
nem Ort  zum anderen  flüchten  müsse. Die  Angst  um ihn  sei  umso 
grösser,  seit  vor  zwei  Monaten  eine  weitere  Zeugin  der  Straftaten 
gegen ihre Familie ermordet worden sei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 

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Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die Beschwerde ist nicht in einer Amtssprache des Bundes abge-
fasst. Auf die Ansetzung einer Frist zur Beschwerdeverbesserung kann 
indessen verzichtet werden, da der in Spanisch verfassten Beschwer-
deeingabe genügend klare, sinngemässe Rechtsbegehren und deren 
Begründung zu entnehmen sind und ohne weiteres darüber befunden 
werden kann.

1.3 Der  Zeitpunkt  der  Eröffnung der  angefochtenen Verfügung steht 
mangels Vorliegens einer Empfangsbestätigung nicht fest. Angesichts 
der  Tatsache,  dass  die  angefochtene  Verfügung  des  BFM  vom 
25. Oktober 2007 datiert,  ist die 30-tägige Beschwerdefrist durch die 
am 23. November 2007 bei der schweizerischen Vertretung in Bogotá 
eingegangene Beschwerdeschrift jedoch ohne weiteres eingehalten.

1.4 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1, Art. 108 Abs. 1 
AsylG und Art. 52 f. VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Die Vernehmlassung des BFM vom 26. Februar 2008 wurde dem Be-
schwerdeführer bis anhin nicht zur Kenntnis gebracht. Da, wie nach-
stehend aufgezeigt, der Beschwerde vollumfänglich stattgegeben wird, 
sieht das Bundesverwaltungsgericht aus Gründen der Prozessökono-
mie von einer diesbezüglichen vorgängigen Gewährung des rechtliche 
Gehörs ab (Art. 30 Abs. 2 Bst. c VwVG) und bringt dem Beschwerde-
führer die Vernehmlassung zusammen mit dem vorliegenden Urteil zur 
Kenntnis.

4.
In formeller Hinsicht ist festzuhalten, dass gemäss Art. 19 AsylG ein 
Asylgesuch im Ausland bei einer schweizerischen Vertretung gestellt 

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werden kann, welche es mit  einem Bericht an das Bundesamt über-
weist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische Vertretung führt  mit 
der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durch (Art. 10 
Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfra-
gen [AsylV 1, SR 142.311]). Ist dies nicht möglich, so wird die asylsu-
chende  Person  von  der  Vertretung  aufgefordert,  ihre  Asylgründe 
schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1; vgl. zur Auslegung die-
ser Bestimmung BVGE 2007/30). Im vorliegenden Fall wurde der Be-
schwerdeführer weder von der schweizerischen Vertretung in Bogotá 
zu  seinem  Asylgesuch  befragt,  noch  mittels  eines  individualisierten 
Schreibens zur weiteren Konkretisierung seiner Asylgründe aufgefor-
dert. Eine nähere Prüfung des Vorliegens eines allfälligen diesbezügli-
chen Verfahrensmangels kann indessen angesichts der Tatsache, dass 
der Beschwerdeführer mit seinen Beschwerdebegehren vollumfänglich 
durchdringt, unterbleiben.

5.
5.1 Das BFM kann  ein  im Ausland gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, 
wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft machen 
können oder ihnen die Aufnahme in einem Drittstaat zugemutet wer-
den kann (vgl. Art. 3, Art. 7 und Art. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss Art. 20 
Abs. 2 AsylG bewilligt das BFM Asylsuchenden die Einreise zur Abklä-
rung des Sachverhaltes, wenn ihnen nicht zugemutet werden kann, im 
Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land 
auszureisen.

5.2 Bei diesem Entscheid sind die Voraussetzungen zur Erteilung ei-
ner Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu umschreiben, wobei 
den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt.  Neben  der 
erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich 
die Beziehungsnähe zur  Schweiz,  die Möglichkeit  der  Schutzgewäh-
rung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen 
Staaten, die praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit zur an-
derweitigen Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- 
und Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen (vgl. Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 
[EMARK] 1997 Nr. 15, insbesondere S. 131 ff.; dieser Rechtsprechung 
hat angesichts bloss redaktioneller Änderungen bei der letzten Totalre-
vision des Asylgesetzes nach wie vor Gültigkeit). Ausschlaggebend für 
die Erteilung der Einreisebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit 
der betroffenen Personen (vgl. EMARK 1997 Nr. 15 E. 2c S. 130), mit-

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hin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 
AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort 
für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann.

6.
6.1 Das BFM führt zur Begründung seiner auf Art. 52 Abs. 2 AsylG ge-
stützten  Verfügung vom 25. Oktober  2007  im Wesentlichen  aus,  der 
Beschwerdeführer mache zwar geltend, dass mehreren Familienange-
hörigen die Einreise in die Schweiz gewährt worden seien. Es sei ihm 
indessen  zuzumuten,  in  einem  anderen  Land  um  Asylgewährung 
nachzusuchen,  namentlich in  einem der  Nachbarstaaten von Kolum-
bien. So hätten beispielsweise Brasilien,  Ecuador, Panamá und Perú 
sowohl das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der 
Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie das entsprechende Protokoll vom 
31. Januar 1967 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Zusatzproto-
koll, SR 0.142.301) ratifiziert; Venezuela wiederum habe zwar das Ab-
kommen nicht ratifiziert, wohl aber das Zusatzprotokoll. Diese Länder 
verfügten über ein eigenes, gesetzlich geregeltes Verfahren zur Aner-
kennung  von Flüchtlingen.  Im Falle  des  Beschwerdeführers  spreche 
für die praktische Möglichkeit  und die Zumutbarkeit  einer anderweiti-
gen Schutzsuche vor allem die Tatsache, dass seine Mutter und Ge-
schwister  in  Venezuela lebten und er  demnach dort  über  ein Bezie-
hungsnetz verfüge. Der Umstand, dass seine Mutter in Venezuela an-
geblich in angespannten wirtschaftlichen Verhältnissen lebe, vermöge 
die Möglichkeit  einer Aufenthaltsalternative in Venezuela nicht aufzu-
heben,  zumal  dieser  Staat  bereits  aus  geografischen,  sprachlichen 
und kulturellen Gründen  näher liege als die Schweiz. Im Übrigen be-
stünden zumindest Zweifel daran, dass seine Tante die elterliche Ob-
hut über ihn erhalten habe, lebe er doch gemäss deren Angaben vom 
17.  September  2007  nicht  bei  ihr  in  J._______,  sondern  bei  seiner 
Grossmutter in I._______.

6.2 Der  Beschwerdeführer  stellt  sich  demgegenüber  in  seiner 
Beschwerdeeingabe vom 22. November 2007 auf den Standpunkt, er 
sei von seiner Mutter in die Obhut seiner Tante gegeben worden, weil 
er  die  Hoffnung  gehabt  habe,  in  J._______  den  11.  Grad  seiner 
Schulausbildung beenden zu können. Seine Mutter halte sich im Übri-
gen in Venezuela ohne jegliche Dokumente auf.

7.

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7.1 Nach Prüfung der Akten stellt  das Bundesverwaltungsgericht zu-
nächst fest, dass sich die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung 
zum einen nicht zur Frage einer dem Beschwerdeführer in Kolumbien 
drohenden Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG äussert, weil sie ihre 
Verfügung auf Art. 52 Abs. 2 AsylG stützt, und zum anderen das Vor-
liegen von besonders nahen Beziehungen des Beschwerdeführers zur 
Schweiz implizit verneint, indem sie die von ihm geltend gemachte Tat-
sache der Erteilung von Einreisebewilligungen für seine Familienange-
hörigen als nicht genügend erachtet, um namentlich die ihm nach Auf-
fassung des BFM offenstehende Alternative der Schutzsuche in Vene-
zuela,  wo sich seine Mutter  und Geschwister  aufhalten,  zu überwie-
gen.

7.2 Aus den Asylverfahrensakten des Beschwerdeführers und seiner 
Familienangehörigen  ergeben sich  ohne weiteres  konkrete  Hinweise 
auf das Vorliegen einer flüchtlingsrechtlich relevanten Gefährdung. So 
wurde am 17. August 2003 zunächst ein Onkel des Beschwerdeführers 
von der  kolumbianischen  Armee durch einen Nackenschuss getötet; 
die offizielle Begründung dieser Tat, wonach der Onkel der Guerilla an-
gehört habe, ist angesichts der substanziierten Aussagen der Famili-
enangehörigen im Rahmen ihrer Asylverfahren und der von ihnen zu 
den  Akten  gereichten  Unterlagen  offensichtlich  nicht  haltbar.  Am 
3. März 2005 wurde sodann der Vater des Beschwerdeführers umge-
bracht, wobei bis heute nicht geklärt ist, ob dies durch Angehörige der 
Armee aufgrund der von ihm eingereichten Anzeigen bei  staatlichen 
und  nichtstaatlichen  Stellen  im  Zusammenhang  mit  der  Ermordung 
seines Bruders geschah, oder ob er allenfalls wegen von ihm aufge-
deckter Korruptionsfälle im K._______ getötet wurde. Schliesslich sind 
die  bei  der  Staatsanwaltschaft  von  J._______  laufenden 
Untersuchungen bezüglich der Ermordung des Onkels des Beschwer-
deführers nach wie vor nicht abgeschlossen; in der Zwischenzeit sind 
vielmehr bereits  zwei Augenzeuginnen der Ereignisse ermordet  wor-
den und der später in die Schweiz ausgereiste Onkel des Beschwerde-
führers  wurde  in  Kolumbien  bis  zu  seiner  Ausreise  massiv  bedroht. 
Aufgrund  der  Akten  ist  insgesamt  davon  auszugehen,  dass  die 
kolumbianische  Armee  hinter  den  Ermordungen  steht  und  eine 
strafrechtliche Untersuchung zu verhindern sucht,  indem sie Zeugen 
umbringt  und  die  Familienangehörigen  der  Opfer  unter  Druck  setzt; 
eine  innerstaatliche  Möglichkeit,  dieser  Bedrohungslage  zu 
entkommen, ist prima vista nicht ersichtlich. Das Bundesamt hat denn 
auch  den  genannten  Familienangehörigen  des  Beschwerdeführers 

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zunächst die Einreise in die Schweiz bewilligt und ihnen anschliessend 
mit  Verfügungen vom 17. Oktober 2008 erstinstanzlich Asyl  gewährt. 
Vor  diesem  Hintergrund  bestehen  auch  bezüglich  des 
Beschwerdeführers, der im Jahre 2007 als damals noch Minderjähriger 
zunächst  bei  seiner  Grossmutter  in  I._______  untergebracht  wurde 
und in der Folge bis heute mehrmals seinen Aufenthaltsort  wechseln 
musste,  konkrete  Anhaltspunkte für  die Annahme einer begründeten 
Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG,  welche 
zumindest  näherer  Abklärung  bedürfen.  Angesichts  der  gesamten 
Aktenlage ist dem Beschwerdeführer sodann ein weiterer Aufenthalt in 
seinem Heimatstaat nicht zuzumuten.

7.3 Bei dieser Sachlage stellt sich die Frage, ob dem Beschwerdefüh-
rer die Einreise in die Schweiz zur weiteren Sachverhaltsabklärung zu 
bewilligen ist, oder ob ihm zugemutet werden kann, sich in einem an-
deren Staat um Aufnahme zu bemühen, was gemäss Art. 52 Abs. 2 
AsylG zur Abweisung seines Asylgesuches führen würde.

7.3.1 Diesbezüglich verweist das Bundesamt in seiner Verfügung vom 
25. Oktober 2007 grundsätzlich zu Recht auf die Tatsache, dass meh-
rere Nachbarstaaten von Kolumbien, nämlich Brasilien, Ecuador, Pa-
namá und Perú, sowohl die FK als auch das entsprechende Zusatz-
protokoll vom 31. Januar 1967 ratifiziert haben. Diese Staaten ermögli-
chen ferner die visumsfreie Einreise und verfügen über ein eigenes, 
gesetzlich  geregeltes  Verfahren  zur  Anerkennung  von  Flüchtlingen 
(vgl. dazu EMARK 2004 Nr. 20 E. 4a S. 131). Dem Beschwerdeführer 
stünde somit an sich die Möglichkeit offen, in einem dieser Staaten um 
Schutz nachzusuchen. Aus den Akten ergeben sich indessen keinerlei 
Hinweise auf eine nähere Beziehung des Beschwerdeführers zu die-
sen Staaten; so hat er sich weder je in einem dieser Länder aufgehal-
ten, noch leben dort Verwandte von ihm. Bis auf die Tatsache der geo-
grafischen, sprachlichen und kulturellen Nähe dieser Staaten zu sei-
nem Heimatstaat könnte er demnach auf keinen Rückhalt zählen und 
wäre auf sich selber gestellt.

7.3.2 Demgegenüber leben in der Schweiz mehrere nahe Familienan-
gehörige des Beschwerdeführers als anerkannte Flüchtlinge. Zu ihnen 
steht er – ungeachtet der im heutigen Zeitpunkt zufolge seiner in der 
Zwischenzeit  erlangten  Volljährigkeit  ohnehin  nicht  mehr  relevanten 
Frage, ob ihn seine Mutter im Jahre 2007 ausdrücklich in die Obhut 
seiner Tante gegeben hat – offensichtlich in engem, nach wie vor be-

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stehendem Kontakt. Es ist somit ohne weiteres von einer besonderen 
Beziehungsnähe  des  Beschwerdeführers  zur  Schweiz  auszugehen, 
zumal diesbezüglich nicht die strengeren Voraussetzungen einer Fami-
lienvereinigung im Sinne von Art. 51 AsylG gelten (vgl. EMARK 2004 
Nr. 21 E. 4b.aa S. 139 f.). Die familiären Beziehungen in der Schweiz 
lassen sodann für den Fall einer Einreise des Beschwerdeführers auf 
seine vermutlich rasche und reibungslose Eingliederung in die hiesi-
gen Verhältnisse schliessen.

7.3.3 Enge  verwandtschaftliche  Beziehungen  verbinden  den  Be-
schwerdeführer ausserdem mit  Venezuela, wo sich seine Mutter und 
seine  Geschwister  aufhalten;  auch  in  diesen  Staat  könnte  der  Be-
schwerdeführer visumsfrei einreisen. Aufgrund der Akten ist bezüglich 
dieser Personen – im Gegensatz zu den in der Schweiz lebenden Fa-
milienangehörigen – allerdings davon auszugehen, dass sie sich dort, 
wie eine Vielzahl der insgesamt rund 200'000 in Venezuela lebenden 
kolumbianischen  Staatsangehörigen,  ohne  geregelten  Status  und  in 
dementsprechend prekären Verhältnissen befinden, was eine Einglie-
derung in die gesellschaftlichen und politischen Strukturen dieses Lan-
des zumindest erheblich behindert. Hinsichtlich der Frage der Möglich-
keit und Zumutbarkeit der Schutzsuche kommt sodann hinzu, dass Ve-
nezuela zwar das Zusatzprotokoll vom 31. Januar 1967, nicht aber die 
FK selber ratifiziert hat. Ferner verfügt Venezuela – entgegen den Aus-
führungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung – über kein 
eigenes,  gesetzlich  geregeltes  Asylverfahren  und  zudem  kam  es  in 
den vergangenen Jahren zu unkontrollierten Rückschiebungen von ko-
lumbianischen Staatsangehörigen nach Kolumbien (vgl. EMARK 2004 
Nr. 20 E. 4a S. 131), was das UNHCR dazu veranlasst hat, in der Zwi-
schenzeit ein internetbasiertes Registrierungssystem einzurichten, das 
die  in  Venezuela  lebenden  kolumbianischen  Staatsangehörigen  vor 
Abschiebung schützen soll (vgl. UNHCR, Vertriebene im eigenen Land 
– die humanitäre Krise Kolumbiens, 12. Oktober 2006, auf http:// www. 
unhcr.at/index.php?id=43&tx_ttnwes[tt_news]=521&type=1&no_cache 
=1&PHPSESSID=3122de4477986eea6001b62287edcdf9,  abgerufen 
am 3.7.2009).

7.4 Nach dem Gesagten gelangt das Bundesverwaltungsgericht unter 
Würdigung sämtlicher gemäss der in E. 5.2 zitierten Rechtsprechung 
zu berücksichtigender Aspekte zum Schluss, dass die dem Beschwer-
deführer  von der  Vorinstanz in  der Verfügung vom 25. Oktober 2007 
entgegen  gehaltenen  alternativen  Möglichkeiten  der  Schutzsuche  in 

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den  Nachbarstaaten  Kolumbiens  jedenfalls  im  heutigen  Zeitpunkt 
– nachdem mehrere nahe Familienmitglieder in der Schweiz Asyl er-
halten haben – nicht mehr angemessen erscheinen (Art. 106 AsylG). 
Die Beschwerde ist  demnach  gutzuheissen,  die  Verfügung des BFM 
vom 25. Oktober 2007 aufzuheben und das Bundesamt anzuweisen, 
dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz zur Durchführung 
des ordentlichen Asylverfahrens zu bewilligen.

8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).

8.2 Trotz  seines  Obsiegens  ist  dem Beschwerdeführer  keine  Partei-
entschädigung  auszurichten,  da  er  im  Beschwerdeverfahren  keine 
Rechtsvertretung mandatiert hat und sich aus den Akten keine Hinwei-
se darauf ergeben, dass ihm selber durch die Beschwerdeführung ver-
hältnismässig hohe Kosten im Sinne von Art. 64 Abs. 1 VwVG erwach-
sen wären.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom 25. Oktober 2007 wird aufgehoben und 
das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer die Einreise in die 
Schweiz zur Durchführung des ordentlichen Asylverfahrens zu bewilli-
gen.

3.
Es werden keine Kosten erhoben.

4.
Es wird keine Parteientschädigung entrichtet.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer, durch die schweizerische Vertretung in Bo-
gotá (per EDA-Kurier; Beilage: Kopie der Vernehmlassung des BFM 
vom 26. Februar 2008)

- die schweizerische Vertretung in Bogotá, mit der Bitte um Eröffnung 
dieses  Urteils  an  die  Beschwerdeführer  sowie  um Zustellung  der 
Empfangsbestätigung  an  das  Bundesverwaltungsgericht  ad  acta 
(per EDA-Kurier; in Kopie)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 
(per Kurier; in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Jürg Hünerwadel

Versand:

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