# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aeab1e81-8e12-5c93-a2cc-81d6c4c7482f
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-03-18
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 18.03.2015 SK.2015.4
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_SK-2015-4_2015-03-18.pdf

## Full Text

Urteil vom 18. März 2015 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Peter Popp, Vorsitz, 

Walter Wüthrich und Emanuel Hochstrasser, 

Gerichtsschreiber Hanspeter Lukács  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Staatsan-

walt des Bundes Peter Lehmann, 

und 

 

als Privatklägerschaft: 

1. B., vertreten durch Rechtsanwältin Pia Gössi,  

 

2. Pensionskasse C.,  

 
gegen  

  

A., z. Zt. im Regionalgefängnis Bern, amtlich verteidigt 

durch Rechtsanwalt Stefan Meichssner 

Gegenstand 

 

Versuchter Mord, eventuell versuchte vorsätzliche  

Tötung, subeventuell versuchte vorsätzliche schwere 

Körperverletzung und vollendete vorsätzliche schwere 

Körperverletzung, Gefährdung durch Sprengstoffe und 

giftige Gase in verbrecherischer Absicht, Sachbeschä-

digung 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t  

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer: SK.2015.4 

- 2 - 

Anträge der Bundesanwaltschaft: (cl. 9 pag. 9.925.1–2) 

1. A. sei  

- des versuchten Mordes im Sinne von Art. 112 StGB in Verbindung mit Art. 22 

StGB, 

- der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht 

im Sinne von Art. 224 StGB und 

- der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 StGB 

schuldig zu sprechen. 

 

2. A. sei zu einer Freiheitsstrafe von 11 Jahren, unter Anrechnung der ausgestandenen 

Untersuchungs- und Sicherheitshaft, zu verurteilen. 

 

3. Für den Vollzug des vorliegenden Urteils sei der Kanton Aargau als zuständig zu 

erklären. 

 

4. Die sichergestellten Gegenstände gemäss Ziff. 4 der Anklageschrift seien A. auszu-

händigen. 

 

5. Rechtsanwalt Stefan Meichssner sei für die amtliche Verteidigung von A. in gericht-

lich zu bestimmender Höhe aus der Kasse der Eidgenossenschaft zu entschädigen. 

 

 Rechtsanwältin Pia Gössi sei für die amtliche Vertretung des Opfers in gerichtlich 

zu bestimmender Höhe aus der Kasse der Eidgenossenschaft zu entschädigen. 

 

 A. hat die Entschädigung für die amtliche Verteidigung sowie der Vertreterin der 

Privatklägerschaft an die Eidgenossenschaft zurückzuzahlen, sobald er dazu in der 

Lage ist. 

 

6. Die Kosten des Verfahrens in der Höhe von insgesamt Fr. 21'555.40 zuzüglich 

Fr. 8'000.-- Gebühren sowie zusätzlich der durch das Gericht festzulegenden Kos-

ten für das Hauptverfahren seien A. vollständig aufzuerlegen. 

 

7. A. sei zu verpflichten, dem Opfer eine Genugtuung in gerichtlich zu bestimmender 

Höhe zu entrichten. 

 

8. Die Zivilforderung der Pensionskasse C. sei gutzuheissen und A. sei zu verpflichten, 

den Schaden in der Höhe von Fr. 3'488.50 zu ersetzen. 

- 3 - 

Anträge des Opfers (Privatklägerin 1): (cl. 9 pag. 9.925.26) 

1. Es sei der Beschuldigte im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und angemes-

sen zu bestrafen. 

 

2. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin einen Schadenersatz von 

Fr. 75.-- zuzüglich Zins von 5% seit dem 3. April 2014 zu bezahlen. 

 

3. Es sei der Beschuldigte für inskünftig aus und im Zusammenhang mit den verurteil-

ten Strafen anfallenden Kosten dem Grundsatz nach bei einer Haftungsquote von 

100% für haftpflichtig zu erklären. 

 

4. Es sei der Beschuldigte zur Zahlung einer Genugtuung an die Privatklägerin in der 

Höhe von Fr. 40'000.-- zuzüglich Zins von 5% seit dem 3. April 2014 zu verpflichten. 

 

5. Es seien dem Beschuldigten die gesamten Verfahrenskosten inklusive den Kosten 

der unentgeltlichen Rechtsvertreterin gemäss der richterlich genehmigten Honorar-

note (inkl. MWST) aufzuerlegen. 

 

6. Eventualiter seien die gesamten Verfahrenskosten inklusive den Kosten der unent-

geltlichen Rechtsvertreterin gemäss der richterlich genehmigten Honorarnote (inkl. 

MWST) auf die Staatskasse zu nehmen ohne Festsetzung einer Rückerstattungs-

pflicht für die Privatklägerin. 

 

 

Anträge der Privatklägerin 2: (sinngemäss; cl. 5 pag. 15.2.3) 

A. sei zu verpflichten, der Pensionskasse C. Schadenersatz in der Höhe von Fr. 3'488.50 

zu bezahlen. 

  

- 4 - 

Anträge der Verteidigung: (cl. 9 pag. 9.925.84–85) 

Hauptanträge: 

 

1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 

 

2. Der Beschuldigte sei umgehend aus der Sicherheitshaft zu entlassen. 

 

3. Die beschlagnahmten Gegenstände seien dem Beschuldigten nach Rechtskraft des 

Urteils herauszugeben. 

 

4. Dem Beschuldigten sei eine Entschädigung von mindestens Fr. 50'626.-- für die er-

littene wirtschaftliche Einbusse zuzusprechen. 

 

5. Dem Beschuldigten seien mindestens Fr. 51'900.-- als Genugtuung für die ausge-

standene Untersuchungshaft zuzusprechen. 

 

6.  Die Privatklagen seien abzuweisen. 

 

7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 

 

Eventualanträge: 

 

1. Der Beschuldigte sei der versuchten schweren Körperverletzung, der Gefährdung 

durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht und der Sachbe-

schädigung schuldig zu sprechen. 

 

2. Der Beschuldigte sei zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, bedingt vollziehbar 

während einer Probezeit von drei Jahren, unter Anrechnung der ausgestandenen 

Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft, zu verurteilen.  

 

3. Die beschlagnahmten Gegenstände seien dem Beschuldigten nach Rechtskraft des 

Urteils herauszugeben. 

 

4. Die Privatklage der Pensionskasse C. sei im Umfang von Fr. 3'230.05 gutzuheissen. 

 

5. Die Privatklage von B. sei abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen. 

 

6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge. 

  

- 5 - 

Sachverhalt: 

A. Am 3. April 2014 um ca. 06.30 Uhr kam mitten auf der Z.-Strasse in Y. eine Hand-

granate des Typs M75 zur Explosion. B., welche um diese Zeit etwa auf der Höhe 

des Explosionsorts auf dem Gehsteig ging, wurde mutmasslich von Stahlkugeln der 

Granate an der linken Hand und am Unterleib verletzt. Als Tatverdächtiger wurde 

ihr Ehemann, A., ermittelt. Er wurde am 6. April 2014 beim Grenzübergang Chiasso, 

von Italien herkommend, festgenommen und befindet sich seither in Untersu-

chungs- bzw. Sicherheitshaft.  

B. Die Bundesanwaltschaft eröffnete am 10. April 2014 ein Strafverfahren gegen A. 

wegen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecherischer Absicht 

(Art. 224 StGB); hinsichtlich des Tatbestands der versuchten vorsätzlichen Tötung 

(Art. 111 StGB) vereinigte sie es in der Hand der Bundesbehörden. Am 9. Septem-

ber 2014 dehnte sie das Verfahren auf den Tatbestand des versuchten Mords 

(Art. 112 StGB) aus (cl. 1 pag. 1.0.1 ff.) und am 10. Dezember 2014, nach Eingang 

einer Privatklage, auf den Tatbestand der Sachbeschädigung (Art. 144 StGB) und 

vereinigte dieses in der Hand der Bundesbehörden (cl. 1 pag. 1.0.5 f.).  

C. B. stellte am 4. April 2014 Strafantrag für alle in Betracht kommenden Antragsdelikte 

(cl. 5 pag. 15.1.4 f.). Mit Eingabe vom 24. April 2014 liess sie sich durch Pia Gössi 

anwaltlich vertreten und erklären, sich als Privatklägerin am Strafverfahren zu betei-

ligen und sich die Geltendmachung von Zivilansprüchen vorzubehalten (cl. 5 

pag. 15.1.14 f.). Auf Gesuch vom 14. Mai 2014 (cl. 5 pag. 15.1.20 f.) gewährte ihr 

die Bundesanwaltschaft die unentgeltliche Rechtspflege mit Wirkung ab 16. April 

2014 und setzte Rechtsanwältin Pia Gössi als amtliche Vertreterin ein (cl. 5 

pag. 15.1.37 f.). In der Hauptverhandlung bezifferte die Rechtsvertreterin die Zivil-

klage und begründete sie (cl. 9 pag. 9.920.5, 9.925.26 ff.). 

D. Die Pensionskasse C. konstituierte sich mit Eingabe vom 8. Mai 2014 als Straf- und 

Zivilklägerin und bezifferte ihre Zivilansprüche gegen A. mit Fr. 3'488.50 (cl. 5 

pag. 15.2.1 ff.). Zur Begründung führte sie eine Beschädigung von drei Fenstern an 

der ihr gehörenden Liegenschaft X.-Strasse 1 in Y. durch die Explosion einer Hand-

granate am 3. April 2014 gemäss Polizeibericht an. Auf eine Teilnahme an der 

Hauptverhandlung verzichtete sie (cl. 9 pag. 9.562.1). 

E. Die Bundesanwaltschaft erhob am 15. Januar 2015 beim Bundesstrafgericht gegen 

A. Anklage wegen Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbrecheri-

scher Absicht (Art. 224 StGB), versuchten Mordes (Art. 112 StGB i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB), eventuell versuchter vorsätzlicher Tötung (Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB), sowie Sachbeschädigung (Art. 144 StGB; cl. 9 pag. 9.100.1). Auf 

- 6 - 

Einladung des Vorsitzenden, eine Ausdehnung der Eventualanklage auf andere De-

likte gegen Leib und Leben zu prüfen (cl. 9 pag. 9.300.3), reichte die Bundesanwalt-

schaft am 24. Februar 2015 eine ergänzte Anklageschrift ein, mit welcher sie ihre 

Anklage zusätzlich auf "eventuell versuchte vorsätzliche schwere Körperverletzung 

(Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 StGB) sowie vollendete vorsätzliche schwere Körper-

verletzung (Art. 122 Abs. 2 StGB)" ausdehnte (cl. 9 pag. 9.110.1). 

F. Der Vorsitzende der Strafkammer nahm in Vorbereitung der Hauptverhandlung di-

verse Beweisergänzungen vor (cl. 9 pag. 9.220.1–9.295.2). Die Hauptverhandlung 

vor Bundesstrafgericht fand am 16. und 17. März 2015 in Anwesenheit der Parteien 

(ausgenommen die Pensionskasse C.) am Sitz des Gerichts statt. Das Urteil der 

Strafkammer wurde am 20. März 2015 mündlich eröffnet und begründet.  

Die Strafkammer erwägt: 

1. Prozessuales 

Der Tatbestand der Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in verbreche-

rischer Absicht (Art. 224 StGB) unterliegt der Bundesgerichtsbarkeit (Art. 23 Abs. 1 

lit. d StPO), nicht aber die Tatbestände von Mord (Art. 112 StGB), vorsätzlicher Tö-

tung (Art. 111 StGB), schwerer Körperverletzung (Art. 122 StGB) und Sachbeschä-

digung (Art. 144 StGB). Bei derartiger gemischter Zuständigkeit kann die Bundes-

anwaltschaft die Verfahren in der Hand der Bundesbehörden vereinigen (Art. 26 

Abs. 2 StPO), wie es tatsächlich geschehen ist (Sachverhalt Bst. B).  

2. Versuchter Mord, eventuell versuchte vorsätzliche Tötung 

2.1 Rechtliches 

2.1.1 Gemäss Art. 112 StGB macht sich des Mordes schuldig, wer einen Menschen vor-

sätzlich tötet (Art. 111 StGB) und dabei besonders skrupellos handelt, indem na-

mentlich sein Beweggrund, der Zweck der Tat oder die Art der Ausführung beson-

ders verwerflich ist. Mord liegt damit vor, wenn der Täter unter Umständen oder mit 

einer Überlegung tötet, die seine besonders verwerfliche Gesinnung oder seine Ge-

fährlichkeit offenbaren (BGE 101 IV 279 E. 1). "Das Gesetz will den skrupellosen, 

gemütskalten, krass und primitiv egoistischen Täter erfassen, der ohne soziale Re-

gungen ist und sich daher zur Verfolgung seiner eigenen Interessen rücksichtslos 

über das Leben anderer Menschen hinwegsetzt" (Urteil des Bundesgerichts 

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6S.163/1998 vom 23. November 1999, Pra 2000 Nr. 73 E. 2c). Zu den für die Beur-

teilung der Verwerflichkeit oder Gefährlichkeit erheblichen Umständen zählen nach 

der Rechtsprechung nicht bloss die Tatumstände im eigentlichen Sinne, sondern 

ebenso Gegebenheiten und Verhaltensweisen vor und nach der Tat, soweit sie Auf-

schluss geben können über die Persönlichkeit des Täters, dessen Einstellung sowie 

über die in ihm zur Zeit der Tat ablaufenden psychischen Vorgänge (BGE 127 IV 10 

E. I 1a). Ob eine besondere Skrupellosigkeit vorliegt, ist also im Sinne einer Ge-

samtwürdigung aller äusseren und inneren Umstände des konkreten Falles zu wer-

ten (BGE 118 IV 122 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts 6B_21/2010 vom 4. März 

2011 E.6.3). Im Rahmen dieser Gesamtwürdigung kann auch die Kaltblütigkeit bzw. 

die Gefühlskälte ein Indiz für fehlende Skrupel darstellen (SCHWARZENEGGER, Bas-

ler Kommentar, 3. Aufl., Basel 2013, Art. 112 StGB N. 17). Unter den Beweggründen 

sprechen Habgier oder eine Tötung aus einer nicht nachvollziehbaren Rache für 

Mord. Das verwerfliche wirtschaftliche Motiv ist nicht nur bei Raub in Betracht zu 

nehmen (BGE 115 IV 187 E. 2), sondern auch dann, wenn es dem Täter darum 

geht, sich wirtschaftlich zu entlasten, gerade etwa von Unterhaltsbeiträgen an die 

getrennt lebende Gattin (Urteil des Bundesgerichts 6B_535/2008 vom 11. Septem-

ber 2008, E. 4.4). Weiter wurde vom Bundesgericht als Mord qualifiziert die Tötung 

eines Dritten, um seinen Ehegatten dadurch zu "bestrafen" (BGE 106 IV 342 E. 4c). 

Auf Mord kann auch geschlossen werden, wenn zur Tötung ein besonders gefährli-

ches Mittel verwendet wird, wie gerade Sprengstoff (implizit in BGE 120 IV 10).  

Für die Erfüllung des subjektiven Tatbestands genügt Eventualvorsatz. Der Vorsatz 

muss neben der Tötungshandlung auch die objektive Seite der die besondere Skru-

pellosigkeit bzw. Verwerflichkeit ausmachenden Umstände umfassen, insbeson-

dere hinsichtlich der Art der Ausführung, beispielsweise das Wissen um die Unkon-

trollierbarkeit des gewählten Tötungsmittels (Gefährdung anderer Menschen). Da-

bei ist aber nicht notwendig, dass der Täter sie selber ebenfalls als besonders ver-

werflich einschätzt. Massgebend ist das Bewusstsein im Moment der Tatausführung 

(SCHWARZENEGGER, a.a.O., Art. 112 StGB N. 27). 

2.1.2 a) Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Verge-

hens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende oder tritt der zur Vollen-

dung der Tat gehörende Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintreten, so kann 

das Gericht die Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). Diese Bestimmung erfasst den 

altrechtlichen unvollendeten Versuch (Art. 21 Abs. 1 aStGB), den vollendeten Ver-

such (Art. 22 Abs. 1 aStGB) und den untauglichen Versuch (Art. 23 Abs. 1 aStGB). 

Im Interesse der klaren Erfassung des Rücktritts bzw. der tätigen Reue und des 

Unrechtsgehalts der Tat sind diese Unterscheidungen weiterhin zu beachten. Die 

Erwähnung der Versuchsart im Urteilsdispositiv erübrigt sich (TRECHSEL/GETH, 

http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2010&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F87-IV-113%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page113

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Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 

2013 [nachfolgend: Praxiskommentar Strafgesetzbuch], Art. 22 StGB N. 1).  

Verkennt der Täter aus grobem Unverstand, dass die Tat nach der Art des Gegen-

standes oder des Mittels, an oder mit dem er sie ausführen will, überhaupt nicht zur 

Vollendung gelangen kann, so bleibt er straflos (Art. 22 Abs. 2 StGB). Diese Art. 23 

Abs. 2 aStGB entsprechende, neurechtlich nicht mehr strafbare Versuchsform liegt 

vor, wenn die Untauglichkeit des Vorgehens des Täters von jedem normal denken-

den Menschen ohne weiteres erkannt werden kann, der Täter seine Verhaltens-

weise nur aus besonders exquisiter Dummheit für tauglich hielt oder der Versuch 

lächerlich erscheint (TRECHSEL/GETH, a.a.O., Art. 22 StGB N. 22 m.w.H.).  

Massgebliches Kriterium für die Tauglichkeit des Versuchs ist die Gefährlichkeit; die 

Abgrenzung zum untauglichen (ungefährlichen) Versuch ist oft schwer (TRECH-

SEL/GETH, a.a.O., Art. 22 StGB N. 16 f., 21). Beim Urteil über die Gefährlichkeit des 

vom Täter verwendeten Mittels muss ex post entschieden werden, ob die Art des 

Vorgehens überhaupt geeignet war, den Tatbestand zu verwirklichen, den es ge-

rade nicht verwirklicht hat. Das bedeutet, dass von den Besonderheiten des Einzel-

falles abstrahiert werden muss (STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Allge-

meiner Teil I: Die Straftat, 4. Aufl., Bern 2011, S. 348). Da der Täter nur bei grobem 

Unverstand straflos bleibt, ist die praktische Bedeutung der Abgrenzung gering 

(STRATENWERTH, a.a.O., S. 350; TRECHSEL/GETH, a.a.O., Art. 22 StGB N. 16 f., 21). 

b) Führt der Täter aus eigenem Antrieb die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende oder 

trägt er dazu bei, die Vollendung der Tat zu verhindern, so kann das Gericht die 

Strafe mildern oder von einer Bestrafung absehen (Art. 23 Abs. 1 StGB). Ein solcher 

Rücktritt setzt voraus, dass der Täter seinen Entschluss zur Begehung des Delikts 

und damit dessen weitere Ausführung endgültig aufgibt. Dies wiederum erfordert, 

dass er von Handlungen Abstand nimmt, die gemäss seinem Tatplan zur Erreichung 

des Erfolgs noch erforderlich sind. Deshalb muss er die Tat für noch vollendbar hal-

ten (vgl. NIGGLI/MAEDER, Basler Kommentar, 3. Aufl., Basel 2013, Art. 23 StGB N. 7; 

TRECHSEL/GETH, a.a.O., Art. 23 StGB N. 3). „Aus eigenem Antrieb“ tritt nur derjenige 

zurück, der aus inneren Motiven, unabhängig von äusseren Gegebenheiten seinen 

Plan nicht mehr weiter verfolgt. Dabei kommt es auf die sittliche Qualität der Beweg-

gründe, aus denen der Täter zurücktritt, prinzipiell nicht an (BGE 118 IV 366 E. 3a).  

2.1.3 Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren ge-

wonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Das Gebot will sicherstellen, dass 

der Richter nicht verpflichtet ist, etwas als erwiesen zu erachten, wenn es dies nach 

seiner Überzeugung nicht ist, oder umgekehrt etwas als nicht erwiesen anzusehen, 

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worüber für ihn kein Zweifel besteht (HOFER, Basler Kommentar, 2. Aufl., Ba-

sel 2014, Art. 10 StPO N. 58). Überzeugt zeigen darf sich das Gericht nur, wenn es 

jeden vernünftigen Zweifel ausschliessen kann. Die Überzeugung muss durch ge-

wissenhaft festgestellte Tatsachen und logische Schlussfolgerungen begründet 

werden; dadurch wird die Herleitung des Beweisergebnisses objektiv nachvollzieh-

bar (HOFER, a.a.O., Art. 10 StPO N. 61). Täterschaft als wichtigstes Sachverhalts-

element wird bei der Beweiswürdigung nicht mit quasi naturwissenschaftlichen Mit-

teln festgestellt, sondern durch Bewertung der erhobenen Beweise normativ zuge-

schrieben (HOFER, a.a.O., Art. 10 StPO N. 62). Bestehen unüberwindliche Zweifel 

an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht 

das Gericht von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus (Art. 10 

Abs. 3 StPO). Nach dem allgemein anerkannten, sinngemäss in Art. 10 Abs. 3 StPO 

festgehaltenen Grundsatz in dubio pro reo werden erhebliche und unüberwindliche 

Zweifel zugunsten des Beschuldigten gewertet. Freilich kann dabei nicht verlangt 

werden, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch sicher und unter allen Aspek-

ten unwiderlegbar feststeht. Bloss abstrakte und theoretische Zweifel dürfen nicht 

massgebend sein, weil solche immer möglich sind. Eine theoretische, entfernte 

Möglichkeit, dass der Sachverhalt anders sein könnte, rechtfertigt keinen Freispruch 

(HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Zürich 

2005, S. 247; SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl., 

Zürich/St. Gallen 2013, N. 227, 233). Der richterlichen Beweiswürdigung sind na-

mentlich dort Grenzen gesetzt, wo dem Urteil – zumeist durch entsprechende Gut-

achten ins Verfahren eingebrachte – wissenschaftliche Erkenntnisse zugrunde zu 

legen sind. Für ein Abweichen vom Gutachten müssen stichhaltige Gründe vorlie-

gen (SCHMID, a.a.O., N. 232, 951; HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, a.a.O., S. 246).  

2.2 Die Anklageschrift vom 15. Januar 2015 und die geänderte Fassung vom 24. Feb-

ruar 2015 erheben im Anklagepunkt 1.1 den Vorwurf, A. (nachfolgend: Beschuldig-

ter) habe am 3. April 2014 um ca. 06.30 Uhr in Y. durch den Einsatz einer Handgra-

nate einen versuchten Mord, eventuell eine versuchte vorsätzliche Tötung, an seiner 

(damaligen) Ehefrau, B., verübt. Gemäss Anklage wurde B. von zwei durch die 

Handgranate freigesetzten Kugeln getroffen worden und am Mittelfinger der linken 

Hand sowie am Unterleib verletzt.  

Der Beschuldigte bestreitet seit Anbeginn die ihm vorgeworfene Täterschaft.  

2.3 Täterschaft 

2.3.1 Dass am 3. April 2014, etwa um 06.30 Uhr, auf der Z.-Strasse in Y. ein Sprengkörper 

– eine Handgranate des Typs M75, welche von der früheren jugoslawischen Armee 

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verwendet wurde – detonierte, ist durch die polizeiliche Spurensicherung nachge-

wiesen: Zwar fand diese erst am folgenden Tag statt, aber es liessen sich der Si-

cherungsbügel der Handgranate, Kunststofffragmente und Metallkugeln sicherstel-

len, und der Fahrbahnbelag wies in der Mitte, 20 Meter westlich der Einmündung 

der W.-Strasse, eine Beschädigung auf, die auf die Explosion zurückzuführen ist. 

An Fenstern des Hauses X.-Strasse 1 fanden sich Beschädigungen der Scheibe, 

die auf den Einschlag eines kleinen Objektes hinwiesen (cl. 3 pag. 10.1.40 ff.). Der 

Wissenschaftliche Forschungsdienst von Bund und Stadtpolizei Zürich (nachfol-

gend: WFD) identifizierte den Sprengkörper als Handgranate M75 mit ca. 350 g Ge-

wicht, bestehend aus einem Kunststoffmantel, worin Stahlkugeln von 2,5–3 mm 

Durchmesser um ca. 35–40 g plastischen Sprengstoff auf der Basis von Nitropenta 

(PETN) angeordnet sind und beim Einsatz der Handgranate als Splitter wirken. Die 

Zündverzögerung wird mit 3–4 Sekunden angegeben. Der WFD vermochte in der 

Fahrbahnprobe und den sichergestellten Metallkugeln Nitropenta nachzuweisen (cl. 

3 pag 10.1.72 ff.). Aus diesen Feststellungen ergibt sich zweifelsfrei, dass eine 

Handgranate M75 an der in der Anklageschrift genannten Örtlichkeit zur Detonation 

gebracht wurde und dabei die in ihr enthaltenen Metallkugeln wie auch Teile des 

Kunststoffmantels in die Umgebung geschleudert wurden. 

2.3.2 a) A. wurde am 6. April 2014 um 01.10 Uhr festgenommen, als er mit seinem Per-

sonenwagen bei der Grenzstelle Chiasso in die Schweiz einreiste (cl. 1 pag. 6.1.6 

ff.). Er behauptete gegenüber der Tessiner Polizei anlässlich der Festnahme, er sei 

am 2. April 2014 um etwa 18 Uhr von seinem Domizil zu einwöchigen Ferien nach 

Bosnien aufgebrochen. Er sei mit seinem Wagen gegen 21.30 Uhr bei Chiasso aus-

gereist und am 3. April 2014 gegen 7 Uhr in Bosnien angekommen; dort habe er 

sich in seinem Haus in V. aufgehalten. Am 5. April 2014 gegen 14 Uhr habe ihn 

seine in U. wohnhafte Schwester, D., angerufen und davon benachrichtigt, dass ihn 

die Polizei zu Hause gesucht habe. Er habe sich daraufhin telefonisch bei der aar-

gauischen Polizei gemeldet und sei von ihr auf den Folgetag auf 10 Uhr einbestellt 

worden. Er habe sich gegen 15 Uhr in Bosnien mit seinem Auto auf den Weg in die 

Schweiz gemacht (cl. 4 pag. 13.1.3). Er bestätigte diese Aussagen am 7. April 2014 

in der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft (cl. 4 pag. 13.1.7–8 [mit kleinen 

Differenzen zu den Zeitangaben]). Nachdem die aargauische Staatsanwaltschaft im 

Haftprüfungsverfahren den fotografischen Beweis dafür erbracht hatte, dass der 

Wagen des Beschuldigten am 3. April 2014 um 12.07 Uhr die Schweiz bei Chiasso 

verlassen hatte (cl. 1 pag. 6.1.24, cl. 4 pag. 13.1.28), nahm der Beschuldigte von 

seinem früheren Alibi Abstand und erklärte in der Einvernahme durch die Bundes-

anwaltschaft vom 22. April 2014, er habe am 3. April 2014 um 06.30 Uhr in seiner 

Wohnung in T. geschlafen und sei zwischen 09.00 und 09.30 Uhr in Richtung Bos-

nien abgefahren. Von dort sei er am Samstag wieder abgereist und um 00.30 Uhr 

in Chiasso festgenommen worden (cl. 4 pag. 13.1.21–22). Am 15. Mai 2014 erklärte 

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der Beschuldigte in der delegierten Einvernahme durch die Bundeskriminalpolizei 

zuerst, er habe sich am 3. April 2014 zur Zeit des Vorfalls "zuhause, in Bosnien" 

befunden. Danach habe ihn seine Schwester angerufen und gesagt, er solle die 

(Aargauer) Polizei anrufen, was er gemacht habe; die Telefonnummer der Polizei 

habe er von der Schwester erhalten. Die Polizei habe ihm gesagt, er müsse sich am 

Sonntag um 10 Uhr beim Polizeiposten in Y. melden. In der Folge sagte der Be-

schuldigte: "Ich war am 3. April in Bosnien, morgens um ca. 09:00 Uhr. Man braucht 

ca. drei Stunden nach Chiasso. Wann ich in Bosnien angekommen bin, weiss ich 

nicht mehr genau, ca. abends um 10:00 Uhr." Auf Nachfrage, wann er wirklich in der 

Schweiz nach Bosnien abgefahren sei, erklärte er, dass er in T. am 3. April 2014 um 

09.00 oder 09.30 Uhr abgefahren und in Bosnien um ca. 22.00 Uhr angekommen 

sei. Der Beschuldigte fügte bei, er sei am 2. April 2014 in einem Club in S. gewesen, 

und nannte zwei Personen, die ihn dort gesehen hätten – der Chef des Clubs und 

ein anderer Gast. Letzteren habe er nach Hause, nach ZZ., gefahren. Danach sei 

er am 3. April 2014 ca. um 00.30 Uhr bei sich zu Hause in T. angekommen. Dann 

habe er bis 07.00 Uhr geschlafen. Vor der Abfahrt in Richtung Bosnien habe er Kaf-

fee getrunken und Hausarbeiten erledigt (cl. 4 pag. 13.1.36–37).  

In der Hauptverhandlung erklärte der Beschuldigte, er habe am 3. April 2014 – zur 

Zeit der Explosion der Handgranate – geschlafen, sei ca. um 7 Uhr aufgestanden, 

habe seine Sachen gepackt und sei zwischen 9.00 und 9.30 Uhr nach Bosnien ab-

gefahren. Da er vom Arzt beim letzten Besuch für weitere sieben Tage krankge-

schrieben worden sei, habe er sich entschlossen, nach Bosnien zu fahren. Das sei 

am Donnerstag oder Freitag gewesen. Er habe niemandem von seiner Absicht Be-

scheid gesagt. Nach drei Tagen habe ihn seine Schwester angerufen und gesagt, 

dass die Polizei ihn suche; sie habe ihm die Nummer der Polizei per SMS mitgeteilt. 

Er habe deshalb die Polizei angerufen; diese habe ihm gesagt, er müsse dringend 

in die Schweiz kommen. Er habe geantwortet, dass er in Bosnien in den Ferien sei. 

Am Sonntag hätte er um 10 Uhr bei der Polizei in Aarau sein müssen. Diesen Anruf 

habe er am Freitag gemacht, etwa um 20 Uhr. Es sei zu spät gewesen, um loszu-

fahren. Am Samstag habe er seine Sachen gepackt und sei zwischen 14.30 und 

14.45 Uhr in die Schweiz zurückgefahren. In Chiasso sei er festgenommen worden 

(EV-Protokoll Fragen 53, 55, 56, 58). Wie im Vorverfahren (cl. 4 pag. 13.1.21 Z. 44) 

erklärte er, dass er nicht wisse, warum er zuerst gelogen und gesagt habe, dass er 

schon am 2. April am Abend nach Bosnien abgefahren sei (EV-Protokoll Frage 57). 

b) Die Aargauer Polizei stellte ab dem nahe dem Explosionsort aufgefundenen Si-

cherungsbügel der Handgranate Spuren zwecks Erstellung eines DNA-Profils sicher 

(cl. 3 pag. 10.1.51). Dieses Spurenmaterial hat das aargauische Institut für Rechts-

medizin am 14. April 2014 analysiert und mit dem in der Datenbank vorhandenen 

DNA-Profil des Beschuldigten – abgenommen am 7. April 2014 (cl. 9 pag. 9.291.6, 

- 12 - 

9.291.44) – verglichen; es hat dabei Übereinstimmung für die zwei ab der einen 

Bügelkante und der Bügelfläche gewonnenen Spuren festgestellt (cl. 3 

pag. 10.1.53–54). Dem Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich (IRM Zürich) 

wurde zwecks Erstellung eines DNA-Gutachtens der Sicherungsbügel am 17. Sep-

tember 2014 zur Verfügung gestellt, ausserdem das besagte DNA-Profil des Be-

schuldigten aus der Datenbank (cl. 4 pag. 11.0.34 f., 11.0.60 f.). Die Gutachterin 

entnahm dem Sicherungsbügel drei Stichproben und wertete sie DNA-analytisch 

aus. Für zwei Proben – gewonnen ab gesamter Grifffläche Vorderseite bzw. ab Be-

reich oberhalb Grifffläche inklusive Seitenflächen – bestätigte sie in ihrem Gutachten 

vom 9. Oktober 2014 eine vollständige Übereinstimmung in den 16 vergleichbaren 

Systemen mit dem DNA-Profil des Beschuldigten. Es wurden schwache zusätzliche 

Merkmale festgestellt, was nach Ansicht der Gutachterin damit erklärt werden kann, 

dass vor der Expertise der WFD das sichergestellte Material untersucht habe – näm-

lich in technischer Hinsicht (vgl. E. 2.3.1). Da sich keine Blut- oder Speichelrück-

stände nachweisen liessen und Sekrete anderer Art umständehalber ausgeschlos-

sen werden könnten, schliesst das Gutachten, dass die untersuchten Spuren bei 

der Bedienung der Handgranate auf den Bügel gelangt seien und dass sie von der 

Haut des Beschuldigten stammten, also nicht von einem Kleidungsstück auf den 

Bügel übertragen worden seien. Die dritte Stichprobe – gewonnen ab der Rückseite 

der Grifffläche – enthielt nicht genügend DNA, um ein auswertbares DNA-Profil zu 

erstellen (cl. 4 pag. 11.0.60–67). Die Gutachterin gab auf Nachfrage hin an, dass 

das auf dem Sicherungsbügel vorhandene DNA-Profil nur einmal unter rund 1022 mit 

dem Beschuldigten nicht verwandten Personen existiere (cl. 9 pag. 9.292.3 f.). 

c) B. – wohnhaft an der Z.-Strasse 2 in Y. – sagte im Vorverfahren aus, sie begebe 

sich fast jeden Morgen zur Familie ihres Sohnes, welche neben dem Bahnhof Y. 

wohne. Sie betreue dort während der Abwesenheit der Eltern ihre drei Grosskinder. 

An diesem Tage hätte ihr die Schwiegertochter noch beim Ausfüllen eines Formu-

lars für eine Rentenleistung helfen sollen; sie sei deshalb früher von Zuhause auf-

gebrochen. Um ca. 06.45 Uhr habe sie, auf dem linksseitigen Trottoir der Z.-Strasse 

gehend, in der Strassenmitte, genau auf ihrer Höhe, eine Explosion wahrgenom-

men, als Blitz und Knall. Etwas habe sie an ihrem Finger getroffen. Ein Fahrradfah-

rer sei vorbeigekommen und habe sie gefragt, ob sie Hilfe brauche, was sie verneint 

habe. Sie sei weiter gegangen und in das Auto ihrer Schwiegertochter, E., gestie-

gen, die ihr entgegen gefahren sei, um sie abzuholen. Nachdem ihre Grosskinder in 

die Schule gegangen seien, habe sie den Polizeiposten aufgesucht, der jedoch ge-

schlossen gewesen sei. Sie habe sich dann über die Notfallnummer bei der Polizei 

gemeldet, die sie zu ihrer Wohnung beordert hätte; dieses Gespräch erfolgte um 

07.27 Uhr und wurde aufgezeichnet (cl. 3 pag. 10.1.7 f.; cl. 9 pag. 9.270.2). Als sie 

dort angekommen sei, habe ein Polizist gewartet. Sie habe ihm geschildert, was 

vorgefallen sei. Der Knall sei seitlich gewesen, genau wisse sie es nicht; sie glaube, 

- 13 - 

seitlich von vorne. Später am Tag habe sie ihren Bruder, F., aufgesucht, und sie 

hätten eine Verletzung an ihrem Bauch entdeckt. Begleitet von ihrem Bruder und 

dessen Sohn G. sei sie etwa um 18 Uhr ins Kantonsspital Aarau gefahren (cl. 4 

pag. 12.1.3 ff. [Einvernahme durch die Kantonspolizei Aargau vom 7. April 2014], 

pag. 12.1.18 ff. [delegierte Einvernahme durch die Bundeskriminalpolizei vom 

16. Mai 2014]).  

B. sagte gegenüber der Aargauer Polizei ausserdem aus, der Beschuldigte habe in 

Bosnien eine Handgranate und eine Pistole besessen. Sie habe nach dem Knall 

ihren Blick zur Strasse hin gerichtet und gerufen: "A., was machst du mit mir?"; denn 

sie habe damit gerechnet, dass ihr Mann aus dem Gebüsch treten und auf sie 

schiessen werde. Gesehen habe sie allerdings niemanden. Jedoch habe sie ihn ei-

nige Tage zuvor beim Gebüsch und beim Elektrokasten gesehen, von wo her der 

Knallkörper geworfen worden sei. Sie erklärte sich überzeugt, dass er es gewesen 

sei; denn er habe sie los haben wollen, um ihr nach der Scheidung nichts mehr 

bezahlen zu müssen. "Wer sonst sollte es gewesen sein. Ich habe mit niemandem 

anderen ein Problem", resümierte sie (cl. 4 pag. 12.1.3 ff.). Am 16. Mai 2014 bestä-

tigte sie gegenüber der Bundeskriminalpolizei diese Aussagen und fügte bei, ihr 

Mann habe gewusst, dass sie morgens zu den Kindern ihres Sohnes gehe. Er habe 

genau gewusst, wann sie dort entlang gehe (cl. 4 pag. 12.1.17 ff., insbesondere 

12.1.21). Auch anlässlich der Tatrekonstruktion gab sie an, sie wisse ganz genau, 

dass ihr Mann es gewesen sei. Er sei an vier aufeinander folgenden Tagen auf der 

Strasse dort hin- und hergefahren; er habe sie fast täglich observiert (cl. 4 

pag. 12.1.34 [Einvernahme durch die Bundesanwaltschaft vom 21. August 2014]).  

In der Hauptverhandlung bestätigte B. als Auskunftsperson im Wesentlichen ihre im 

Vorverfahren gemachten Aussagen (EV-Protokoll Fragen 28–31). Sie gab an, der 

Knall sei seitlich von ihr gewesen, so von der Seite her (EV-Protokoll Frage 35). In 

einer Skizze zeichnete sie den Ort des Knalls in der Strassenmitte ein, leicht nach 

vorn versetzt im Vergleich zu ihrem Standort (cl. 9 pag. 9.930.29). Sie erklärte, ihr 

Mann habe sich neben der Strasse versteckt, bei einem Wald und einem Schulhaus; 

sie habe ihn daher nicht sehen können. Es sei nicht mehr dunkel gewesen (EV-

Protokoll Fragen 28, 30, 31). Zum Polizeibericht vom 8. April 2014, in welchem der 

Polizeibeamte festhielt, B. habe angegeben, ihren Ehemann auf der Höhe des 

Schulhauses auf der gegenüberliegenden (Strassen-)Seite gesehen zu haben (cl. 3 

pag. 10.1.9), erklärte sie, dass es stimme, was der Polizist geschrieben habe. Sie 

ergänzte, sie habe der Polizei gesagt, es sei zu 100% ihr Mann gewesen. Sie habe 

ihn an den zwei Tagen zuvor vom Fenster ihrer Wohnung aus jeweils am Morgen 

um die gleiche Zeit an dieser Stelle gesehen; am dritten Tag sei der Vorfall mit der 

Bombe gewesen. Er habe sich dann versteckt. Er habe ganz genau gewusst, wo sie 

durchgehe und um welche Zeit (EV-Protokoll Frage 32).  

- 14 - 

d) Die in Y. wohnhafte E. erklärte als Zeugin, sie sei am 3. April 2014 wie üblich ihrer 

Schwiegermutter B. mit dem Auto entgegen gefahren, um sie auf dem Weg zu ihr 

abzuholen und zur Wohnung der Familie von E. zu fahren. Sie sei immer recht knapp 

bei Zeit; weil sie um 07.30 Uhr ihre Arbeit in YY. beginnen müsse, treffe sie ihre 

Schwiegermutter jeweils zwischen 06.50 und 07.00 Uhr. So sei es auch an jenem 

Tag gewesen; sie habe sie bei der Bushaltestelle beim ersten Kreisel an der Z.-

Strasse einsteigen lassen. Bei der Annäherung habe sie beobachtet, dass die 

Schwiegermutter sich ständig umgedreht und an einer Hand gerieben hätte. Als sie 

zusammen auf der Z.-Strasse weiter gefahren seien, um auf der Höhe der XX.-

Strasse zu wenden, habe die Schwiegermutter sie auf ein "grosses Loch im Beton" 

hingewiesen (cl. 4 pag. 12.3.5–6). 

e) F. sagte als Zeuge aus, er habe am 3. April 2014 am Morgen seinen Sohn G. zur 

Arbeit gefahren. Nach Hause zurückgekommen – er wohnt an der Z.-Strasse 3 in Y. 

– habe er bei der Garage seine Schwester B. und drei Polizisten angetroffen. Auf 

seine Frage habe sie gesagt, A. habe "ein Explosiv" in ihre Richtung geworfen, und 

sie habe ihm seinen (recte: ihren) "verletzten Finger" gezeigt. Um ca. 17 bis 18 Uhr 

sei B. in seine Wohnung gekommen und habe ihm über die polizeiliche Befragung 

berichtet. Auf Drängen von ihm, seiner Frau und seinem Sohn habe sie ihren Unter-

leib angeschaut und eine Wunde entdeckt, deren Blutspur er bereits am Morgen an 

ihren Kleidern bemerkt habe. Er und sein Sohn hätten sie dann in das Spital gefah-

ren. Dort sei ihr in der Nacht in einer Notfalloperation ein Splitter entfernt worden. 

Um 01.00 Uhr sei die Polizei wieder gekommen, um in Erfahrung zu bringen, "wo 

das passiert" sei; er hätte sie dann zu der Stelle geführt und ihr Gebüsch und Strom-

kasten gezeigt, von welchem nach Schilderungen der Schwester das "Explosions-

material" gekommen sei. Auf ihrem Telefon habe er mit seinem Sohn die SMS, auf 

welchen A. gedroht habe, entdeckt gehabt und sie der Polizei gezeigt (cl. 4 

pag. 12.6.6–7).  

f) Die Aussagen des als Zeuge einvernommenen G. decken sich im Wesentlichen 

mit denjenigen seines Vaters F. (cl. 4 pag. 12.5.7 ff.). 

g) H. gab als Zeuge zu Protokoll, dass er auf seiner Velofahrt am frühen Morgen 

des 3. April 2014 durch die Z.-Strasse weder einen Knall gehört noch jemanden 

gesehen, ausser die ihm nicht bekannte B. Da diese gestresst gewirkt habe, habe 

er angehalten. Sie habe ihm gesagt, ihr Mann habe einen Sprengsatz gezündet, ob 

er davon wisse, was er verneinte (cl. 4 pag. 12.4.7).  

h) Die an der Z.-Strasse wohnhaften Eheleute I. und J. – Letzterer soll laut Angabe 

von B. gegenüber der Polizei den ganzen Vorfall beobachtet haben (cl. 4 

- 15 - 

pag. 10.1.10) – gaben dem ermittelnden Polizeibeamten am 4. April 2014 überein-

stimmend an, sie hätten am 3. April 2014 um 06.30 Uhr in ihrem Haus einen sehr 

lauten Knall gehört. Sie hätten danach aus dem Schlafzimmerfenster geschaut und 

auf der Strasse eine Frau und einen Fahrradfahrer gesehen, welche beide mit den 

Händen in Richtung des Gebüsches in der Nähe des Stromverteilerkastens gezeigt 

hätten; etwas Verdächtiges sei ihnen nicht aufgefallen, weshalb sie im Haus geblie-

ben seien. Den Vorfall hätten sie nicht beobachtet (cl. 4 pag. 10.1.22 f.). J. gab wei-

ter an, dass er später am Tag, um ca. 09.30 Uhr, von der Frau, die er vom Fenster 

aus gesehen habe, vor seinem Haus auf der Strasse angesprochen worden sei, 

worauf er die Polizei benachrichtigt habe (cl. 3 pag. 10.2.4, 10.2.84). Eine förmliche 

Einvernahme der Eheleute I. und J. unterblieb.  

i) Die Bundeskriminalpolizei hielt im Schlussbericht fest, der Vorfall sei entgegen 

vorgängigen Aussagen durch niemanden direkt beobachtet worden (cl. 3 

pag. 10.2.72). 

j) Die polizeiliche Auswertung der Randdaten des Mobiltelefons des Beschuldigten 

mit der Nr. 4 ergab, dass dieser Anschluss am 3. April 2014 dreimal zwischen 00.13 

und 00.19 Uhr und viermal zwischen 07.42 und 08.41 Uhr über eine Antenne an der 

WW.-Strasse in VV. eingeloggt war. Für die Zwischenzeit steht der Standort des 

Telefons nicht fest; möglicherweise war es ausgeschaltet. Die technische Untersu-

chung erlaubt die Feststellung, dass jedenfalls der Wohnort des Beschuldigten im 

Bereich des Signalsektors liegt; hingegen war vom Tatort aus die besagte Antenne 

nicht erreichbar (cl. 3 pag. 10.2.21–23). Diese Auswertung erbringt Beweis weder 

für die Anwesenheit noch die Abwesenheit des Beschuldigten im Tatzeitpunkt – in 

Bezug sowohl auf den Tatort wie seine Wohnung.  

k) Die Auswertung des im beschlagnahmten Fahrzeug des Beschuldigten sicherge-

stellten Navigationsgeräts ergab mehrere Standorte in der näheren Umgebung des 

Tatorts, insbesondere auch auf der Z.-Strasse in Y. (cl. 3 pag. 10.2.51–53); mangels 

Zeitregistrierung (Zeitstempel) konnte indes nicht festgestellt werden, wann sich das 

Gerät an diesen Standpunkten befunden hatte (cl. 3 pag. 10.2.25, 10.2.50). Die Da-

ten erbringen somit keinen Beweis für die Anwesenheit des Beschuldigten in der 

Umgebung des Tatorts zur bekannten Tatzeit.  

2.3.3 Dass die fragliche Handgranate auf der Z.-Strasse in Y. am Morgen des 3. April 

2014 durch den Beschuldigten gezündet worden ist, ist durch den DNA-Nachweis 

anhand des am Tatort vorgefundenen Sicherungsbügels mit an Sicherheit grenzen-

der Wahrscheinlichkeit erwiesen. Die Vorbringen des Beschuldigten vermögen die-

sen wissenschaftlich fundierten Nachweis seiner Täterschaft nicht in einen erhebli-

chen, unüberwindlichen Zweifel zu ziehen, wie im Folgenden aufzuzeigen ist. 

- 16 - 

a) Die Verteidigung bringt vor, dass zwischen dem Vorfall und dem Auffinden des 

Sicherungsbügels der Handgranate M75 mehr als 26 Stunden verstrichen seien, 

obwohl dieser gut sichtbar bei der Einmündung der W.-Strasse gelegen habe. Die 

Z.-Strasse sei eine stark frequentierte Hauptstrasse mit Fahr- und Fussgängerver-

kehr; in unmittelbarer Nähe zum Tatort befinde sich ein Schulhaus. Irgendeine Dritt-

person hätte den Tatort vor der Spurensicherung bearbeitet haben können; dieser 

sei nicht gesichert gewesen. Nicht nur das Opfer, sondern auch dessen Bruder F. 

und der Neffe G. seien vor der polizeilichen Spurensicherung am Tatort gewesen. 

Es stehe nicht fest, dass der Sicherungsbügel zur detonierten Handgranate gehöre. 

Gemäss Anklage würden Granaten des Typs M75, wie sie in der jugoslawischen 

Armee und noch heute in sämtlichen nachfolgenden Armeen auf dem Balkan ein-

gesetzt würden, in sehr grosser Zahl für weniger als 10 Euro auf Schwarzmärkten 

angeboten. Somit könnte irgendjemand nachträglich einen manipulierten Siche-

rungsbügel am Tatort hingelegt haben. Der Beschuldigte sei laut den eingeholten 

Gutachten zwar Spurgeber; dass er am 3. April 2014 tatsächlich die Tatwaffe in der 

Hand gehalten und geworfen habe, sei damit nicht erwiesen. Auf den Sicherungs-

bügel könnten DNA-Spuren des Beschuldigten – etwa durch das Opfer selbst oder 

dessen Bruder F. – mittels persönlicher Gegenstände des Beschuldigten übertragen 

worden sein (Plädoyer S. 5–6, 13–15). 

aa) Es liegen keinerlei Anhaltspunkte vor, die dafür sprechen, dass der Sicherungs-

bügel der Handgranate vor der polizeilichen Sicherstellung ausgetauscht worden 

sein könnte und der vorgefundene nicht von der explodierten Handgranate stammt. 

Dass ein Austauschen aufgrund des Zeitablaufs und der relativ leichten Beschaf-

fungsmöglichkeit von Handgranaten des verwendeten Typs rein theoretisch möglich 

war, genügt nicht, um Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten zu erwecken.  

bb) Auch beim Argument der Spurenmanipulation handelt es sich um ein rein theo-

retisches Verdachtsmoment. Der Beschuldigte und B. besitzen in Bosnien-Herze-

gowina gemeinsam ein Haus, in welchem jede Partei über eine eigene Wohnung 

verfügt, wobei B. auch zu den Räumlichkeiten des Beschuldigten Zugang hat; der 

Beschuldigte pflegte dort dauernd persönliche Gegenstände, wie Kleider, aufzube-

wahren, wie er in der Hauptverhandlung zu Protokoll gab (EV-Protokoll Beschuldig-

ter, Fragen 35, 83; EV-Protokoll Sicherheitshaft, Frage 5). Dass das Opfer, dessen 

Bruder oder ein Einbrecher persönliche Gegenstände des Beschuldigten, nament-

lich Kleidungsstücke, behändigt und damit eine Spurenübertragung auf den polizei-

lich sichergestellten Sicherungsbügel vorgenommen haben könnten, ist eine blosse 

Mutmassung, welche sich nicht auf konkrete Indizien stützt. Die vom Verteidiger 

diesbezüglich angeführten Indizien, dass B. Zugang zum gemeinsamen Haus hatte 

und sich dort sowohl im Dezember 2013 als auch bei der gerichtlichen Anhörung 

vom 27. Februar 2014 gleichzeitig mit dem Beschuldigten aufgehalten habe, wobei 

- 17 - 

sie Zugang zu dessen persönlichen Gegenständen gehabt habe (vgl. EV-Protokoll 

Beschuldigter, Fragen 35, 69), dass ihr Bruder F. sich häufig in V. aufhalte (vgl. EV-

Protokoll Beschuldigter, Frage 77), eine Handgranate M75 hätte beschaffen, ins 

Haus seiner Schwester gehen und dort eine DNA-Spur des Beschuldigten fabrizie-

ren können und dass gemäss Rapport und Anzeige der Polizei in V. an die Staats-

anwaltschaft V. im Haus des Beschuldigten eine unbekannte Täterschaft im Dezem-

ber 2013 eingebrochen und dabei mehrere Gegenstände gestohlen habe (cl. 5 pag. 

18.3.91 f., 18.3.97 f.), bilden blosse Basis für einen theoretisch möglichen anderen 

Handlungsablauf. Sie vermögen keine vernünftigen Zweifel an der Täterschaft des 

Beschuldigten hervorzurufen. 

b) Die Verteidigung zieht den Beweiswert der DNA-Gutachten in Zweifel. 

aa) Sie bringt vor, im US-amerikanischen Strafprozess gegen O.J. Simpson habe 

der Gutachter eine Fehlerquote von 0,5% zugegeben. Die Fehlerquote besage, 

dass eine DNA-Spur fälschlicherweise positiv gewertet werde. Es gehe bei der Feh-

lerquote nicht um die Wahrscheinlichkeit des Vergleichs, sondern um die möglichen 

Fehler bei der Erfassung oder Analyse. Eine Fehlerquote von 0,5% führe, auf die 

Gesamtbevölkerung des Kantons Aargau bezogen, zu 3'180 möglichen Tätern, ob-

wohl nur ein Mensch die DNA-Spur gegeben haben könne (Plädoyer S. 11–12). 

Wie vorne erwogen (E. 2.3.2b), wurde der DNA-Nachweis durch zwei voneinander 

unabhängige Untersuchungen erbracht. Dabei wurde nicht zweimal das gleiche 

Spurenmaterial ausgewertet, sondern jeweils separat – aber vom gleichen Objekt – 

entnommene Spuren. Die angewandte Analysemethode wird von der Verteidigung 

nicht in Frage gestellt (Plädoyer S. 11). Fehler bei der DNA-Analyse selbst können 

somit mit praktischer Sicherheit ausgeschlossen werden. Es bestehen keine Anzei-

chen dafür, dass es bei der Entnahme und Aufbewahrung des DNA-Profils des Be-

schuldigten, welches Basis für den DNA-Vergleich mit den ab dem Sicherungsbügel 

gewonnenen Spuren bildete, zu Fehlern gekommen sein könnte. Auch bestehen 

keine Anzeichen dafür, dass die untersuchten DNA-Spuren nicht vom Sicherungs-

bügel, sondern von irgendeinem anderen Objekt stammen könnten. Rein theore-

tisch mögliche Fehler bei der Erfassung oder Analyse der DNA-Spuren reichen in-

des nicht aus, um unüberwindliche Zweifel am Beweisergebnis zu erwecken. 

bb) Die Verteidigung bringt vor, das Gutachten des IRM Zürich äussere sich hin-

sichtlich der Wahrscheinlichkeit, dass zwei Personen einer bestimmten Menschen-

menge das gleiche DNA-Profil aufwiesen, nur zu nichtverwandten Personen. Wie 

es sich bei verwandten Personen verhalte, sage es nicht. Laut Aussage von B. soll 

auch der Bruder des Beschuldigten, K., Morddrohungen gegen sie ausgesprochen 

- 18 - 

haben. Die DNA-Wahrscheinlichkeit sei im Vergleich mit dem Bruder des Beschul-

digten jedoch nicht bekannt (Plädoyer S. 11).  

B. gab in der Einvernahme durch die Bundesanwaltschaft vom 21. August 2014 – 

nachdem sie bis anhin ihren Ehemann als einzig möglichen Tatverdächtigen be-

zeichnet hatte – an, K., der Bruder des Beschuldigten, habe L., dem Ehemann ihrer 

Schwester, gesagt, er solle sie (B.) liquidieren lassen und auch gefragt, wie viel Geld 

bezahlt werden müsse. Dies habe ihr L. erzählt, nachdem sie sich (letztmals) vom 

Beschuldigten getrennt habe. Wann das Gespräch zwischen L. und K. stattgefun-

den habe, wisse sie nicht mehr. Sie sei jedoch nicht direkt von K. bedroht worden, 

sondern habe dies von L. erfahren (cl. 4 pag. 12.1.35 f.).  

Eine solche Behauptung begründet keinen für die Eröffnung eines Strafverfahrens 

hinreichenden Tatverdacht (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). Somit bestand keine Veran-

lassung, beim Bruder des Beschuldigten ein DNA-Profil zu erstellen, um es mit dem 

sichergestellten Spurenmaterial vergleichen zu können (Art. 255 Abs. 1 lit. a StPO). 

Dass die Voraussetzungen für eine Massenuntersuchung gemäss Art. 256 StPO 

vorgelegen hätten, behauptet auch die Verteidigung nicht. Im Übrigen ist darauf hin-

zuweisen, dass zwar DNA-Tests auch verwendet werden, um die Verwandtschaft 

zweier Menschen zu belegen; gesucht wird also eine positive Wahrscheinlichkeit 

der Verwandtschaft. Vorliegend geht es um die Frage, ob die Spur auf dem Siche-

rungsbügel dem Beschuldigten zuzuordnen ist. Begründete Zweifel könnten also 

erst entstehen, wenn ein Vergleich des DNA-Profils auf dem Sicherungsbügel mit 

dem DNA-Profil eines Verwandten zu einer signifikanten Wahrscheinlichkeit einer 

Zurechnung führte. Dies ist nicht möglich, solange keine Verdachtsmomente gegen 

Verwandte vorliegen oder Verwandte sich als Nichtbeschuldigte nicht freiwillig einer 

körperlichen Untersuchung unterziehen (vgl. SCHMID, Schweizerische Strafprozess-

ordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, Art. 251 StPO N. 10). 

c) Der Umstand, dass anlässlich der Hausdurchsuchungen in der Mietwohnung des 

Beschuldigten in T. (cl. 2 pag. 8.1.1 ff., 8.1.14 ff.) und in seiner Liegenschaft in V., 

Bosnien (cl. 5 pag. 18.3.1 ff., 18.3.12, 18.3.22 ff.), keine auf die angeklagte Tat hin-

weisende Gegenstände, namentlich keine Waffen, gefunden wurden, entlastet den 

Beschuldigten nicht (vgl. Plädoyer S. 9 f.). Für die Verübung der Tat war eine einzige 

Waffe – die tatsächlich explodierte Handgranate – erforderlich. 

d) Der Umstand, dass die Auswertung der Telekommunikationsdaten ergab, dass 

der Anschluss des Beschuldigten mit der Nr. 4 am 3. April 2014 dreimal zwischen 

00.13 und 00.19 Uhr und viermal zwischen 07.42 und 08.41 Uhr über eine Antenne 

an der WW.-Strasse in VV. eingeloggt war (E. 2.3.2j), vermag den Beschuldigten 

nicht zu entlasten (Plädoyer S. 8). Aufgrund der örtlichen Nähe seines Wohnorts 

- 19 - 

zum Tatort war es dem Beschuldigten ohne weiteres möglich, sich in der fraglichen 

Zeit an den Tatort und wieder nach Hause zu begeben.  

e) Der Umstand, dass die Auswertung des Navigationsgeräts des Beschuldigten 

keinen Hinweis auf dessen Aufenthalt am Tatort zur Tatzeit ergab (Plädoyer S. 8 f.), 

vermag ihn nicht zu entlasten. Der Beschuldigte räumte im Übrigen ein, dass er – 

ausser am 3. April 2014 – die Z.-Strasse in Y. während seiner Arbeitsunfähigkeit im 

ersten Quartal 2014 oft befahren hatte (EV-Protokoll Frage 65). 

f) Die Verteidigung bringt vor, die Aussagen des Opfers seien unter verschiedenen 

Aspekten, namentlich auch aufgrund des Verhaltens nach der Tat, unglaubwürdig. 

Für B. habe die Täterschaft des Beschuldigten von Anfang an festgestanden, ob-

wohl sie diesen beim Vorfall vom 3. April 2014 nicht – jedoch mehrmals in den Tagen 

zuvor an gleicher Stelle – gesehen haben will. Es erstaune, dass sie den Beschul-

digten wiederholt zu "1000%" bzw. zu 100% als den Täter bezeichne, ihn aber aus-

gerechnet zur Tatzeit nicht gesehen habe (Plädoyer S. 18). Total unglaubwürdig sei, 

dass sie die laut ballistischem Gutachten mit bis zu 650m/s Geschwindigkeit weg-

geschleuderten Teilchen der Handgranate habe durch die Luft fliegen sehen (Plä-

doyer S. 21). Erstaunlich sei, dass sie zwar einen Knall gehört und Licht gesehen, 

aber keine Druckwelle gespürt und trotz des hohen Knalldruckpegels keine zumin-

dest vorübergehenden Gehörsschäden erlitten habe (Plädoyer S. 7 f.). Sie habe 

zwar eine kleine Verletzung am Finger wahrgenommen, die Verletzung an ihrem 

Bauch mit Blut aber erst ca. um 18.00 Uhr entdeckt (Plädoyer S. 4, 19 f.). Fraglich 

seien ihre Mutmassungen zum Standort des Handgranatenwerfers, weil dieser beim 

Wäldchen keine genügende Deckung gehabt hätte (Plädoyer S. 20 f.).  

Wohl hat B. zu einer Täterschaft des Beschuldigten widersprüchliche Angaben ge-

macht und Wahrnehmung mit innerer Überzeugung vermischt (vgl. E. 2.3.2c). Sie 

vermag zudem Ereignisse auf der Zeitachse nicht richtig einzuordnen. Es ist indes 

notorisch, dass eine Person, welche von einem heftigen Ereignis mehr oder weniger 

direkt betroffen ist, den mentalen Fokus darauf richtet, was die Erinnerung an die 

Begleitumstände schmälert. Als Auskunftsperson erscheint B. deswegen nicht als 

generell unglaubwürdig. Die Verlässlichkeit des DNA-Gutachtens wird durch die teil-

weise widersprüchlichen Aussagen des Opfers zudem in keiner Weise erschüttert. 

Die Tatsache, dass am 3. April 2014 auf der Z.-Strasse in Y. eine Handgranate ex-

plodierte (vorne E. 2.3.1), wird im Übrigen auch von der Verteidigung nicht in Frage 

gestellt. 

g) Die Verteidigung macht eine Inszenierung der Explosion der Handgranate durch 

das Opfer selbst, allenfalls unter Mitwirkung seines Bruders F., geltend. Nach der 

Explosion habe sich B. zuerst zur Schwiegertochter begeben, die Grosskinder zur 

- 20 - 

Schule geschickt und sei erst danach zur Polizei gegangen. Sie habe gemäss ihrem 

Notruf der Polizei den Tatort zeigen wollen und sich freiwillig kurze Zeit später zum 

Tatort zurückbegeben, was bei einer Person, die Angst habe, eher selten sei (Plä-

doyer S. 18 f.). B. wolle die Bauchverletzung erst um ca. 18 Uhr bemerkt haben; 

danach sei weitere Zeit verstrichen, bis sie sich um 20.15 Uhr in die Notaufnahme 

des Kantonsspitals Aarau begeben habe – 13,5 Stunden nach der mutmasslichen 

Tat. Die Verletzung hätte ihr früher, etwa bei einem Toilettenbesuch, auffallen müs-

sen, zumal ihre Kleider ein durchgehendes Loch aufgewiesen hätten. B. habe vor 

dem Gang ins Spital – welcher erst die polizeiliche Spurensuche ausgelöst habe 

(Plädoyer S. 5) – zuerst mit ihrem Bruder noch "Kriegsrat" abhalten müssen, um 

sicher zu sein, dass ihr Ehemann als Hauptverdächtiger erscheine (Plädoyer 

S. 19 f.). Die Handtasche, die sie am 3. April 2014 dabei gehabt habe, habe sie in 

der Waschmaschine gewaschen, möglicherweise um Spuren zu verwischen – sie 

könne die Handgranate darin selber zum Tatort getragen haben (Plädoyer S. 20). 

B. könne sich mit einer selbst verursachten Explosion am Ehemann – dem sie die 

Schuld für den Widerruf ihrer IV-Rente zutrage – gerächt haben wollen, da dieser 

zwangsläufig als Tatverdächtiger erscheine, und gleichzeitig – durch die erlittenen 

Verletzungen – einen neuen Grund für die erneute Zusprechung einer IV-Rente ge-

schaffen haben (Plädoyer S. 21–25). Das Verhalten ihres Bruders sei nicht minder 

suspekt. F. wolle seinen Sohn um 07.10 Uhr zur Arbeit in UU. gefahren haben; er 

könne also schon zur Tatzeit um ca. 06.30 Uhr in der Nähe des Tatorts gewesen 

sein. Er sei zusammen mit dem Opfer um ca. 11.10 Uhr am Tatort erschienen, also 

lange, bevor der Sicherungsbügel mit der DNA sichergestellt worden sei. Er habe 

schon am Morgen eine Verletzung am Bauch des Opfers festgestellt, obwohl dieses 

selber nichts bemerkt haben will, und kenne die Einzelheiten der Tat so gut wie das 

Opfer selbst, ohne angeblich dabei gewesen zu sein. Wenige Tage zuvor sei er in 

Bosnien gewesen, hätte eine oder gar mehrere Handgranaten erwerben und mit 

Kleidern des Beschuldigten aus dessen Haus eine DNA-Spur fabrizieren können 

(Plädoyer S. 27 f.).  

Diese Vorbringen, welche eine Inszenierung der Tat als möglich erscheinen lassen 

sollen, begründen keine stichhaltigen Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten. 

Sie bilden bloss eine theoretische Konstruktion, die auf einer beliebigen Interpreta-

tion von Indizien beruht. Hinsichtlich einer DNA-Spurenmanipulation sowie des 

möglichen Erwerbs einer Handgranate kann auf das Gesagte verwiesen werden 

(E. 2.3.3a/bb). Zu ergänzen ist, dass B. – hätte sie mit dem Waschen ihrer Handta-

sche Spuren verwischen wollen – den Waschvorgang anlässlich der Einvernahme 

vom 21. August 2014, zu der sie die fragliche Handtasche mitbrachte, kaum von 

sich aus erwähnt oder aber die Tasche bereits früher entsorgt hätte (cl. 4 pag. 

12.1.33). Die an Kleidungsstücken – Hose und Unterwäsche – im Bereich des Un-

terleibs fotografisch dokumentierten Blutspuren sind minim (cl. 3 pag. 10.1.76 f.). Es 

- 21 - 

ist daher naheliegend, dass B. gegenüber der Polizei diese Blutspuren der Verlet-

zung am Finger zuschrieb (cl. 3 pag. 10.1.2; cl. 4 pag. 12.1.5). Auch dass ihr das 

kleine Loch an den Kleidungsstücken im Bereich der Blutspuren (cl. 3 pag. 10.1.74) 

nicht auffiel, ist nachvollziehbar, zumal sie nur wahrnahm, dass ein Gegenstand an 

den Mittelfinger der linken Hand geprallt sei (cl. 3 pag. 10.1.2). Der auf das Eindrin-

gen einer Stahlkugel in den Unterleib zurückzuführende Substanzdefekt der Haut 

ist 0,3 bis 0,5 cm gross (cl. 4 pag. 11.0.2). Der Umstand, dass B. diese äusserlich 

kleine Bauchverletzung erst am Abend bemerkt hatte, als sie von ihrem Bruder auf-

gefordert worden war, wegen dem Blut auf der Hose nachzusehen, ist wohl darauf 

zurückzuführen, dass sie keine Schmerzen verspürte (vgl. cl. 4 pag. 12.1.5, 12.6.7). 

Die Bauchverletzung selbst wurde von F. nicht früher festgestellt, sondern "an der 

Jeanshose eine Verletzung […] und eine Blutspur" (cl. 4 pag. 12.6.6). Dass B. mit 

ihrem Bruder – welcher im Nachbarhaus wohnt – den Tatort aufgesucht haben soll, 

steht nicht fest. Gemäss Rapport rückte die Polizei am 3. April 2014 um ca. 11.10 

Uhr an die Z.-Strasse 2, den Wohnort des Opfers, aus, wo dieses mit dem Bruder 

erschien und ergänzend befragt wurde (cl. 3 pag. 10.1.10). Aus dem Umstand, dass 

B. der Polizei nach dem Notruf den Tatort zeigen wollte (cl. 9 pag. 9.270.3, cl. 4 

pag. 12.1.20 Z. 5 f.), kann nichts zu Gunsten des Beschuldigten abgeleitet werden. 

Die von der Verteidigung angeführten Indizien stützen deren These einer kontrol-

lierten Selbstverletzung des Opfers mit einer Handgranate auf offener Strasse nicht. 

Es kommt hinzu, dass – anders als etwa beim Gebrauch einer Schusswaffe zwecks 

Selbstverletzung – für eine Person, welche eine Handgranate zur Detonation bringt, 

nicht steuerbar ist, welche Teile des Körpers getroffen werden (cl. 4 pag. 11.0.3).  

h) Die Verteidigung bringt vor, das Opfer habe gemäss medizinischer Untersuchung 

im Kantonsspital am Abend des 3. April 2014 weitere Hautunterblutungen aufgewie-

sen, die nicht von der Handgranatenexplosion stammten, sondern ihm einige Tage 

vor der Tat mit einem stumpfen Gegenstand zugefügt worden sein müssten. Deren 

Urheberschaft sei unbekannt; der Beschuldigte könne es nicht gewesen sein, da er 

in dieser Zeit keinen direkten Kontakt mit dem Opfer gehabt habe (Plädoyer S. 25).  

Die angeführten Hautunterblutungen sind durch einen medizinischen Bericht erstellt 

und können nicht auf die Explosion der Handgranate zurückgeführt werden (cl. 3 

pag. 11.0.3). Eine allfällige Fremdurheberschaft dieser Verletzungen mit der Explo-

sion der Handgranate in Verbindung zu bringen, entspringt indes blosser Theorie. 

2.4 Objektiver Tatbestand 

2.4.1 a) B. wurde am 3. April 2014 eine Metallkugel mit einem Durchmesser von 2–3 mm 

(cl. 3 pag. 10.1.63, 10.1.73) operativ aus dem Unterleib entfernt. Das Objekt drang 

- 22 - 

72 mm tief in die Weichteile ihres Körpers ein, jedoch ohne das Bauchfell zu durch-

stossen (cl. 4 pag. 11.0.43). Ausserdem wurde ein kleiner, oberflächlicher Defekt 

am Nagel des linken Mittelfingers festgestellt. Die Körperschäden wurden fotogra-

fisch dokumentiert. Gemäss Untersuchungsbericht des Kantonsspitals Aarau vom 

14. April 2014 waren die Verletzungen frisch und konnten naheliegenderweise mit 

der Explosion einer Handgranate erklärt werden (cl. 4 pag. 11.0.1 ff.).  

b) Die Aussagen des Opfers (E. 2.3.2c) und der ärztliche Bericht beweisen, dass B. 

von zwei Kugeln der Handgranate, die am Morgen des 3. April 2014 auf der Z.-

Strasse in Y. ungefähr auf der Höhe der Einmündung der W.-Strasse detonierte, 

getroffen und verletzt wurde. Dieses Ergebnis wird durch eine im Vorverfahren bei 

DDr. Beat Kneubuehl eingeholte Expertise bestätigt, welche das Gefährlichkeitspo-

tential einer explodierenden Handgranate M75 analysiert. Bauartbedingt ist der 

Streubereich nicht in allen Sektoren um den Detonationspunkt herum identisch und 

werden die Kugeln nicht alle gleichermassen beschleunigt. Das Gesamtbild – sche-

matisch dargestellt als Halbkreis um die Handgranate (Abbildung 8) – zeigt jedoch, 

dass mit Ausnahme eines kleinen Sektors – in welchem das Opfer nicht mehr als 

2 m vom Detonationspunkt hätte entfernt sein können – auf eine Entfernung von 

fünf bis zehn Metern Kugeln mit einer Energie geschleudert werden, welche eine 

Verletzung, wie sie B. erlitten hat, hervorrufen können (cl. 4 pag. 11.0.36 ff., beson-

ders 11.0.47–48). Aufgrund der Splitterdichte und der tatsächlichen Trefferquote 

von zwei Splittern schloss der Gutachter praktisch aus, dass das Opfer näher als 2 

m oder mehr als 8 m vom Detonationspunkt entfernt war (cl. 4 pag. 11.0.52). Die Z.-

Strasse ist an der fraglichen Stelle 7,45 m breit, das angrenzende südliche Trottoir, 

auf dem B. in westlicher Richtung ging, 2 m (cl. 3 pag. 10.1.47; cl. 9 pag.9.291.42). 

Die Detonationsstelle konnte im Teerbelag in Form einer Malmzone ermittelt werden 

und liegt unmittelbar neben (südlich) der Mittelleitlinie (cl. 3 pag. 10.1.37, 10.1.43 f.). 

Befand sich das Opfer, wie es anfänglich zu Protokoll gab (cl. 4 pag. 12.1.4 i.V.m. 

12.1.12, ebenso pag. 12.1.19 i.V.m. 12.1.25), auf gleicher Höhe, so betrug seine 

Distanz ab Trottoirmitte rund 4,7 m; ging es mittig auf der rechten (strassenseitigen) 

Trottoirhälfte, betrug die Distanz rund 4,2 m, ging es mittig auf der linken Trottoir-

hälfte, rund 5,2 m. B. gab später auch zu Protokoll, der Knall sei "seitlich von vorne" 

gekommen (cl. 4 pag. 12.1.20) bzw. "so von der Seite her" bzw. gemäss einer Skizze 

leicht von vorne (EV-Protokoll Frage 35). Nimmt man an, der Detonationspunkt sei 

(höchstens) gleich weit nach vorne versetzt gewesen wie das Opfer von der Mittel-

linie der Strasse entfernt war – er also in einem 45°-Winkel statt in einem 90°-Winkel 

zur Gehrichtung gelegen hätte –, so betrug nach dem Satz des Pythagoras bei einer 

mittleren Entfernung des Opfers zur Mittelleitlinie von 4,7 m die Distanz zum Deto-

nationspunkt maximal rund 6,7 m; bei seitlichen Entfernungen von 4,2 m bzw. 5,2 

m ergeben sich Distanzen von rund 6 m bzw. 7,4 m. Auch wenn mithin die Hand-

granate nicht seitlich, sondern leicht nach vorne versetzt explodiert wäre, befand 

- 23 - 

sich B. jedenfalls im Risikobereich einer Verletzung. Die Feststellungen des Exper-

ten bestätigen ausserdem die Aussage des Opfers, dass die Explosion wenige Me-

ter von ihm entfernt gewesen sei (vgl. cl. 4 pag. 12.1.20). 

2.4.2 Die konkrete Frage, ob der effektive Einsatz der Handgranate zum Tod des Opfers 

hätte führen können, wurde dem Experten nicht unterbreitet (cl. 4 pag. 11.0.27–28). 

Sein Gutachten spricht sich nur allgemein über die Wirkungen der Explosion einer 

Handgranate des Typs M75 aus. Der Experte benutzte als Grundlage die Resultate 

aus einer vom deutschen Militär im Jahre 1993 durchgeführten Versuchsreihe (cl. 9 

pag. 9.293.3 ff.). Am 30. September 2014 beantwortete er schriftlich die ihm zur 

Wirkung gestellten Fragen (cl. 4 pag. 11.0.27–28) im Wesentlichen wie folgt: 

a) Die Detonationswelle, also der durch die Explosion erzeugte steile Druckanstieg, 

bleibt für Menschen ab einer Entfernung von 7,5 m vom Detonationspunkt unschäd-

lich. Bei kleineren Distanzen ist (ohne Gehörsschutz) mit Gehörsschäden zu rech-

nen, die zunächst noch reversibel sind, mit zunehmendem Knalldruckpegel jedoch 

bleibend (Ohrgeräusche, Frequenzeinbrüche). Die Schadensgrenze für das Trom-

melfell wird nicht erreicht (cl. 4 pag. 11.0.46–47, 11.0.50–51, 11.0.59). 

b) Der Explosivstoff der Handgranate M75 ist durch einen Mantel mit knapp 2'900 

Kugeln mit einem Durchmesser von 2 bis 3 mm umgeben (cl. 9 pag. 9.293.13). Wie 

viele Kugeln auf eine Fläche von 1 m2 respektive auf das Profil eines stehenden 

Menschen auftreffen, hängt von der Entfernung und der Abgangsrichtung – ab einer 

liegend explodierenden Granate – ab. Die entsprechenden Splitterdichten sind im 

Gutachten tabellarisch für diese beiden Variablen aufgelistet, in Tabelle A4 pro m2, 

in Tabelle A5 pro Profil (Frontfläche 0,7 m2) (cl. 4 pag. 11.0.46, 11.0.51, 11.0.57 f.).  

c) Die Aufprallenergie der Kugeln lässt sich aus der Anfangsgeschwindigkeit mithilfe 

eines "Aussenballistik-Programms" errechnen. Sie ist im Gutachten in Abhängigkeit 

von Entfernung und Abgangsrichtung tabellarisch aufgelistet (Tabelle A2). Anhand 

der Splitterenergiedichte (Energie pro Aufprallfläche), deren Werte mit den gleichen 

Parametern (Entfernung/Richtung) in Tabelle A3 aufgelistet sind, wird die Penetra-

tionsfähigkeit des Projektils beurteilt (cl. 4 pag. 11.0.44–45, 11.0.51, 11.0.55–56). 

d) Ausgehend von der auf Basis der Eindringtiefe ermittelten Querschnittsbelastung 

(Verhältnis von Masse zu Querschnittsfläche in Bewegungsrichtung) beim Auftref-

fen der Kugel auf den Körper des Opfers errechnete der Gutachter die Aufprallener-

gie, unter Berücksichtigung des Energieverlusts beim Durchschlagen der Kleidung. 

In Relation zur Abgangsgeschwindigkeit ermittelte er die mögliche Position des Op-

fers, d.h. segmentabhängige Distanzbereiche, in denen die für die Erzeugung der 

- 24 - 

Verletzung möglichen Energien erreicht werden. Der mögliche Bereich ist in Abhän-

gigkeit von Entfernung und Abgangsrichtung schematisch dargestellt (Abbildung 8). 

Daraus erhellt, dass die Distanz des Opfers zum Detonationspunkt bei mittlerer Ab-

gangsgeschwindigkeit bis 5 m, bei höherer bis maximaler Abgangsgeschwindigkeit 

bis 10 m betragen konnte (cl. 4 pag. 11.0.47–48; E. 2.4.1b). Die Frage, ob die Ver-

letzungen des Opfers mit der (konkreten) Detonation der Handgranate in Zusam-

menhang gebracht werden könnten, wird vom Gutachter bejaht (cl. 4 pag. 11.0.52). 

Der Experte hat am 21. Oktober 2014 sein Gutachten schriftlich korrigiert, wegen 

falscher Programmierung der Berechnung der Splitterdichte. Diesen Fehler um-

schreibt er wie folgt: "Die Splitterzahl der einzelnen Sektoren [des Abgangswinkels] 

wurde zur Bestimmung der Dichte nicht auf die betreffende Sektorfläche bezogen, 

sondern auf die ganze die HG umgebende Fläche. Dadurch entstanden in den ein-

zelnen Sektoren zu geringe Splitterdichten". Der Experte reichte zur Splitterdichte 

neue Tabellen A4 und A5 ein (cl. 4 pag. 11.0.72–73) und erweiterte seine Antwort 

durch Folgerungen aus dem aktualisierten Datenmaterial dahingehend, dass die 

sektorielle Splitterdichte ausschliessen lasse, dass der Zünder oder der Granaten-

boden im Moment der Detonation gegen das Opfer gerichtet gewesen seien, weil 

dieses sonst von Splittern in grösserer Zahl hätte getroffen werden müssen. Das 

Auftreffen von einem bis zwei Splittern sei über alle übrigen Winkelbereiche in Frage 

gekommen. Die aus der Verletzung des Opfers berechneten Distanzen und die be-

obachtete Splitterdichte stünden somit in keinem Widerspruch (cl. 4 pag. 11.0.70). 

2.4.3 Der Experte wurde, wie erwähnt, nicht angefragt, mit welcher Wahrscheinlichkeit die 

Explosion der Handgranate M75 das Leben eines Menschen dort, wo sich B. in je-

nem Moment befand, zu beenden vermochte. Namentlich bezieht sich Frage 5 nur 

auf die Aufprallenergie eines Kugelsplitters in verschiedenen Distanzen.  

In dem vom Experten publizierten Beitrag "Wundballistik der Geschosse und Split-

ter" (KNEUBUEHL [Hrsg.], Wundballistik, 3. Aufl., Heidelberg 2008) äussert dieser 

sich zu verschiedenen Grenzwerten militärischer Wirksamkeit. Danach ist der Effekt, 

einen Soldaten ausser Gefecht zu setzen, je nach Land und Zeit bei Energien zwi-

schen 40 und 240 J bejaht worden; diese Werte haben die Splitter der Tatwaffe in 

keinem Winkelbereich und in keiner Distanz erreicht (Tabelle A2; cl. 4 pag. 10.0.55) 

– allerdings kann eine Zivilperson auf der Strasse kaum mit einem Soldaten in Ge-

fechtsmontur verglichen werden. Gegen diese Werte wendet der Autor nicht nur die 

grosse Spannweite, sondern zusätzlich ein, dass der Effekt auch von der psychi-

schen und physischen Verfassung sowie vom Bereich abhängt, wo der Splitter auf-

trifft (a.a.O., S. 188–190). Der Autor empfiehlt deshalb als Kriterium der Wirksamkeit 

die Wahrscheinlichkeit der Aussergefechtsetzung, welche nur für eine grosse An-

zahl von Soldaten bestimmt werden könne und die durch drei Faktoren bestimmt 

- 25 - 

werde: die Energie, die Trefferwahrscheinlichkeit eines einzelnen Körperteils und 

die Ausfallswahrscheinlichkeit bei Einschlag in diesen. In diesem Zusammenhang 

müsse anhand praktischer Versuche die Länge und Ausdehnung des Schusskanals 

ermittelt und vom Mediziner festgestellt werden, welche (physiologischen) Folgen 

sich daraus ergäben (a.a.O., S. 190–192). In diesem Kontext stellt der Autor ein in 

Deutschland entwickeltes Programm "VeMo-S" vor, das aufgrund realer Fälle aus 

der Kriegschirurgie und der Rechtsmedizin entwickelt worden sei (a.a.O., S. 168 f.). 

Dieses Programm scheint sich jedoch nur für die Beurteilung eines konkreten Ein-

zeltreffers zu eignen, nicht für die Wirksamkeit einer Waffe mit grossem Streube-

reich. Damit ist fraglich, ob der Experte sein Gutachten erweitern, d.h. die Todes-

wahrscheinlichkeit auf mathematisch-physikalischer Grundlage errechnen könnte. 

Da Versuche an Menschen nicht durchführbar sind, könnten die möglichen Verlet-

zungs- und Todesfolgen auch nicht mittels konkreter Feldversuche eruiert werden. 

2.4.4 Bei der Würdigung der Verlässlichkeit des Gutachtens ist zu berücksichtigen, dass 

bei den militärischen Sprengversuchen zur Ermittlung der Splittercharakteristik von 

Handgranaten des Typs M75, deren Daten der Experte für seine Berechnungen be-

nutzte, die Splitterverteilung in einem sog. Sprenggarten untersucht wurde. Dieser 

ist aus 1,5 mm dicken Stahlblechwänden von 2 Metern Höhe gebaut, welche in vier 

Sektoren zu 90° in den Entfernungen 3, 5, 7 und 9 Metern (viertel-)kreisförmig auf-

gestellt wurden (cl. 9 pag. 9.293.15 f., 9.293.21 f.). Zwischen dem Sprengpunkt und 

den Wänden sind Splitterfänge angeordnet, die verhindern, dass Bodenpraller die 

Wände treffen und durchschlagen. Die Sprengkörperauflage ist so konstruiert, dass 

sie die Splitterbildung und -verteilung nicht beeinflusst (cl. 9 pag. 9.293.41). Im Zent-

rum des Sprenggartens wurde die Granate in 1 m Höhe platziert und künstlich ge-

zündet, wobei in der Längsrichtung stets der Boden auf 0° und der Zünder auf 180° 

ausgerichtet waren. Für eine statistisch gesicherte Aussage waren 5 x 2 Sprengun-

gen nötig. Nach jeder Serie von fünf Detonationen – die erste den Sektor 0°–90°, 

die zweite den Sektor 90°–180° abdeckend – wurden in senkrechten Sektoren der 

Stahlblechwände von jeweils 10° im Bereich 0°–180° die Durchschläge sowie die 

Stecksplitter gezählt, je bezogen auf die vier Distanzen. Zur Errechnung der Split-

terdichten wurden nur die Splitterdurchschläge verwendet (cl. 9 pag. 9.293.26–27). 

Die militärische Versuchsanordnung unterscheidet sich von der konkreten Situation 

im Wesentlichen dadurch, dass die Handgranate beim Versuch ruhend auf neutraler 

Auflage in 1 Meter Höhe, also in der vertikalen Mitte der Stahlblechwände, explo-

dierte (ermittelt wird die wirksame statische Splitterverteilung), in der konkreten Si-

tuation aber auf dem Strassenbelag, möglicherweise noch in Bewegung befindlich. 

Der Experte wies diesbezüglich darauf hin, dass genauere Angaben zur Splitter-

dichte und -verteilung umfangreichere Versuche erfordern würden, da die Ergeb-

- 26 - 

nisse der militärischen Versuche unter dem Gesichtspunkt der (militärischen) Wirk-

samkeit ermittelt worden sind, die vorliegenden Fragen jedoch die Gefährlichkeit 

betreffen würden. Die Versuchskonzepte dieser zwei Sichtweisen seien in mehreren 

Punkten recht unterschiedlich (cl. 4 pag. 11.0.43). Er hielt fest, dass zur Beantwor-

tung der ihm unterbreiteten Fragen die Daten der militärischen Versuchsreihe 

WTD 91 noch hätten bearbeitet werden müssen. Sodann könnten nebst den "wirk-

samen" Splittern auch die ausgezählten Einschläge bei der Geschwindigkeitsmes-

sung (wo die Splitter auf Messplatten aufprallten) verwendet werden, und die Split-

terdichte könne auch geometrisch geschätzt werden (cl. 4 pag. 11.0.41, 11.0.43). 

Die im militärischen Versuch bei der Ermittlung der Splitterdichte nicht mitgezählten 

"nicht-wirksamen" Splitter – also jene Splitter, die die 1,5 mm starke Stahlblechwand 

nicht durchschlagen hätten – könnten durchaus sehr gefährlich sein. In Berücksich-

tigung dieser Treffer ergebe sich ein durchaus zuverlässiges Bild der räumlichen 

Dichte aller Splitter in Relation zur Abgangsrichtung. Dies sei in Abbildung 7 darge-

stellt; die entsprechenden Werte seien in Tabelle A4 aufgeführt bzw. auf die Front-

fläche eines Menschen bezogen in Tabelle A5 (cl. 4 pag. 11.0.46 – die berichtigten 

Werte sind im Korrigendum zum Gutachten vom 21. Oktober 2014 wiedergegeben 

[cl. 4 pag. 11.0.71–73]). Der Umstand, dass im Gutachten nur die Werte für die 

Frontfläche eines stehenden Menschen, angegeben mit 0,7 m2, berechnet sind, 

schmälert seine Aussagekraft nicht. Diese Werte ergeben sich rechnerisch aus der 

Multiplikation der Werte pro m2 (Tabelle A4) mit dem Faktor 0,7 (cl. 4 pag. 11.0.46). 

Bei einer angenommenen Fläche von 0,35 m2 für das seitliche Profil eines stehen-

den Menschen sind mithin die Werte von Tabelle A5 einfach zu halbieren. Weiter 

bemerkte der Experte, dass bei einer Explosion der Handgranate auf einer festen 

Unterlage ein geringer Teil der nach unten beschleunigten Splitter an der Unterlage 

abpralle (im Grenzwinkel um 10°). Dadurch werde die Splitterdichte geringfügig ver-

grössert, allerdings mit Splittern geringerer Energie (cl. 4 pag. 11.0.46). In der Ver-

suchsanordnung wurden die Bodenpraller demgegenüber absorbiert. Damit steht 

fest, dass der Experte den konkreten Verhältnissen bei der Erstellung des Gutach-

tens Rechnung getragen hat und seine Berechnungen entsprechend vornahm.  

2.4.5 Ausgehend von der Eindringtiefe der Granatenkugel von 72 mm in den Unterleib 

des Opfers und den Aussagen des Gutachtens zur Splitterverteilung und -dichte ist 

festzustellen, dass in der konkreten Situation eine zum Tod führende Verletzung des 

Opfers ohne weiteres möglich gewesen wäre, beispielsweise durch ein Auftreffen 

der Kugel auf die Aorta im Hals- oder Unterleibsbereich und Verbluten des Opfers. 

Wie aus dem typischen Einschusskanal eines Kugelsplitters in ballistischer Seife 

ersichtlich ist, reisst die Kugel ab dem Eindringen zunächst einen breiten, mehrfa-

chen Kugeldurchmesser messenden Kanal auf, der sich bis zum Endpunkt der Ku-

gel hin verengt (Gutachten Abbildung 2; cl. 4 pag. 11.0.42). Ein Aufreissen der an 

den erwähnten Körperstellen nicht besonders tief liegenden Aorta kann zu einem 

- 27 - 

raschen und grossen Blutverlust mit Todesfolge führen – dies ist als allgemein be-

kannte Tatsache nicht beweisbedürftig (Art. 139 Abs. 2 StPO). Auch eine Verletzung 

innerer Organe im Unterleib mit Blutungen in der Bauchhöhle ist ebenso als mögli-

che Folge anzusehen; dass die Granatenkugel das Bauchfell nicht durchdrang, mag 

darauf zurückzuführen sein, dass der Einschuss aufgrund des Standorts des Opfers 

eher seitlich und nicht vertikal erfolgte. Da das Opfer keine Schmerzen verspürte 

und die Verletzung erst mehr als zehn Stunden nach der Granatenexplosion ent-

deckte, kann in einer solchen Situation der Tod durch inneres Verbluten eintreten.  

Diese Schlussfolgerung wird durch weitere Feststellungen im Gutachten gestützt:  

Der Experte berechnete die Auftreffenergie des Splitters auf die Haut mit 6,7–9,2 J. 

Aufgrund des bekannten Energieverlusts von Projektilen beim Durchschuss von fes-

tem Stoff habe die Auftreffenergie vor dem Durchdringen der Jeanshose 8,4–11,0 J 

betragen; der Energieverlust in Strumpf- und Unterhose könne vernachlässigt wer-

den (cl. 4 pag. 11.0.47). Ein Energieverlust von 1,7–1,8 J entspricht in einer Entfer-

nung von 4–8 m einer Veränderung der Distanz um etwa 1–2 m (Tabelle A2, cl. 4 

pag. 11.0.55). Mit anderen Worten hatte vor dem Durchdringen der Hose die Auf-

treffenergie einen Wert, welcher – je nach konkreter Entfernung – einem 1–2 m nä-

heren Standort des Opfers entsprechen würde. Ein Auftreffen auf nicht oder nur 

leicht bedeckte Haut hätte zu einem umso tieferen Eindringen der Granatenkugel 

geführt, da die Eindringtiefe in Relation zur Auftreffenergie steht (cl. 4 pag. 11.0.47). 

Demnach hätten umso schwerwiegendere Verletzungsfolgen eintreten können. 

Auf die Lage der Handgranate im Zeitpunkt der Detonation hat der Werfende kaum 

Einfluss. Daher ist es ohne weiteres möglich, dass der Boden oder der Zünder ge-

gen das Opfer gerichtet gewesen wäre und dieses von einer höheren Anzahl Splitter 

getroffen worden wäre, mit entsprechend höherer Verletzungswahrscheinlichkeit. 

Der Experte gab diese Werte im möglichen Distanzbereich (Abbildung 8) für den 

Einflussbereich des Handgranatenbodens mit mindestens 4 Splittern pro Personen-

fläche, im Bereich des Zünders mit mindestens 11 Splittern an (cl. 4 pag. 11.0.70). 

Diese Angaben beziehen sich gemäss Tabelle A5 auf eine Entfernung von 9 m (Bo-

den) bzw. 10 m (Zünder), also jene Distanzen, in denen die für die Erzeugung der 

tatsächlichen Verletzung möglichen Energien noch erreicht werden (Abbildung 8). 

Geht man von einer Distanz zum Detonationspunkt von 4–8 m aus (E. 2.4.1b), so 

ergeben sich für die Frontfläche eines Menschen im Einflussbereich des Handgra-

natenbodens rund 5 bis 20 und im Einflussbereich des Zünders 18 bis 73 Treffer. 

Das seitliche Profil des Opfers wiese immerhin noch etwa halb so viele Treffer auf; 

bei seitlich leicht nach vorne versetzter Explosion lägen die Werte dazwischen. Die 

Verletzungs- bzw. Tötungswahrscheinlichkeit ist für diese Bereiche also weit höher. 

- 28 - 

Berücksichtigt man zudem, dass der Beschuldigte auf den genauen Detonations-

punkt keinen Einfluss hatte, da die Handgranate – auch aufgrund ihrer elliptischen 

Form und gerippten Oberfläche (cl. 3 pag. 10.1.75) – nach dem Aufprallen auf den 

Strassenboden bis zur Explosion ohne weiteres näher zum Opfer hin hätte rollen 

können, ergibt sich ein entsprechend höheres Gefährdungspotenzial – und zwar 

nicht nur auf den Einflussbereich des Bodens und des Zünders bezogen. Die Fest-

stellungen des Experten zur Gefährlichkeitsgrenze von schweren Splittern der 

Handgranate M75 in Bezug auf das Eindringen in unbedeckte Haut, was bei maxi-

maler Geschwindigkeit bis rund 85 m, bei hoher mittlerer Geschwindigkeit bis 80 m 

Entfernung möglich ist, und die irreversible Schädigung von Augen, wo der Grenz-

wert bei maximaler bzw. hoher mittlerer Geschwindigkeit 135 m bzw. 130 m beträgt 

(cl. 4 pag. 11.0.49), veranschaulichen die vorstehenden Ausführungen zusätzlich. 

Nach dem Gesagten steht fest, dass der Tötungserfolg objektiv eintreten konnte. 

Dass dessen Wahrscheinlichkeit aufgrund der Tatumstände und der Tatwaffe nicht 

mit mathematischer Genauigkeit bestimmt oder annähernd geschätzt werden kann, 

ändert an diesem Ergebnis nichts. Im Übrigen ist allgemein bekannt, dass eine de-

fensive Splitterhandgranate auch zum Töten des Feindes eingesetzt werden kann. 

2.5 Subjektiver Tatbestand 

2.5.1 Die Todesfolge ist nicht eingetreten, weshalb zu prüfen ist, ob der Beschuldigte den 

Vorsatz der Tötung hatte und deshalb wegen eines Versuchs strafbar ist; bejahen-

denfalls stellt sich die Frage der besonderen Merkmale des Mordtatbestandes. Die 

Anklageschrift führt nicht näher aus, worauf sich der Vorwurf eines Tötungsvorsat-

zes stützt, sondern beschränkt sich auf die Feststellung, der Beschuldigte habe mit 

Wissen und Willen gehandelt, insbesondere um die "potentiell tödliche Wirkung der 

Handgranate" gewusst. Für eine Bestrafung wegen vorsätzlicher Tötung muss aber 

auch das voluntative Element erwiesen sein, unterscheidet sich doch gerade darin 

der Eventualvorsatz von der bewussten Fahrlässigkeit (Art. 12 Abs. 2 und 3 StGB). 

Da der Beschuldigte seine Täterschaft insgesamt bestreitet, kann sich ein Vorsatz 

nur aus dem äusseren Handlungsablauf, aus seinem Handlungsantrieb oder aus 

allfälligen Äusserungen ergeben, die er vor dem Tatgeschehen formuliert hat. Das 

Gericht muss auf diese Art ergründen, welche subjektiven Einschätzungen bei dem 

in der Tatsituation befindlichen Beschuldigten höchstwahrscheinlich wirksam waren.  

2.5.2 a) Eine Handgranate des verwendeten Typs kann nur zur Explosion gebracht wer-

den (vgl. cl. 4 pag. 11.0.49–50), indem der Splint, welcher den Bügel auf Position 

hält, an seinem Ring erfasst und herausgezogen wird; damit ist der Bügel beweglich 

und wird nur noch durch die Hand in Position gehalten. Sobald die Granate von der 

Hand losgelassen wird, wird der Bügel weggedrückt. Dadurch wird der Schlagstift 

- 29 - 

freigegeben, welcher den Brandsatz entzündet. Dieser löst nach einer kleinen Ver-

zögerung – welche für einen erfolgreichen Wurf benötigt wird – die Detonation aus. 

Der Splint wird am einen Ende durch einen Ring und am andern Ende durch umge-

bogene zwei Flügel in Ruheposition gehalten und kann nur durch kräftigen Zug am 

Ring entfernt werden (cl. 3 pag. 10.1.75; cl. 4 11.0.49–50). Eine versehentliche Ma-

nipulation ist also ausgeschlossen. Somit wurde die Explosion absichtlich ausgelöst. 

b) Nach Aussage von B. hat ihr Mann, solange sie zusammen lebten, ersichtlich nie 

"Waffen oder Bomben" besessen; so etwas hätten "sie" nicht gehabt. Wohl aber soll 

ihr Mann in Bosnien über eine Handgranate und eine Pistole verfügt haben; solches 

dort zu bekommen, sei kein Problem. Sie habe selber in Bosnien auch eine Bewilli-

gung für eine Pistole gehabt (cl. 4 pag. 12.1.6 f.). Der Beschuldigte erklärte, er habe 

am Krieg (in Bosnien) nicht teilgenommen; er sei damals in Slowenien gewesen und 

habe nie ein militärisches Aufgebot während des Kriegs erhalten. Er habe keine 

Freunde oder Angehörige, die im Krieg gewesen seien. Eine Waffe oder Handgra-

nate habe er nie verwendet; er wisse nicht, wie man mit einer solchen umgehe. Er 

habe eine Handgranate auch nicht in seinen Händen gehalten (cl. 4 pag. 13.1.9, 

13.1.21, 13.1.37, 13.1.51; EV-Protokoll Fragen 6, 7). Der Beschuldigte räumte ein, 

dass er 1977 in Jugoslawien in der Armee Dienst geleistet habe, und zwar in der 

Infanterie. Eine Ausbildung mit Sprengstoffen habe er nicht gehabt (cl. 4 

pag. 13.1.20–21). In Bezug auf die erwähnte Pistole gab er an, dass sich seit dem 

Tod des Schwiegervaters dessen Pistole im Haus in V. befunden habe. Er selber 

besitze keine Waffen (EV-Protokoll Frage 75). Bei der Trennung im Sommer 2012 

habe seine Frau die Pistole zu sich in die Wohnung im ersten Stock genommen 

(cl. 4 pag. 13.1.23 f.). Diese Darstellung wird durch die Polizeiakten des Distrikts V. 

bestätigt; die Pistole wurde mitsamt Magazin und Patronen im Juli 2013 beschlag-

nahmt und gegen B. ein Verfahren wegen vorschriftswidriger Aufbewahrung der 

Waffe beantragt (cl. 5 pag. 18.3.103, …108 f., …111, …113 f.). 

c) Ausgehend davon kann als erwiesen gelten, dass der Beschuldigte als ehemali-

ger Infanterist zumindest ein Alltagswissen von der Wirksamkeit einer Handgranate 

hat. Zu diesem Wissen gehört die Kenntnis der Wirkungscharakteristik: Luft-/Schall-

druck und Splitterbildung, beides nicht gerichtet, sondern im gesamten Umfeld wirk-

sam. Dazu gehört auch die Kenntnis, dass mit einer Handgranate nicht nur der Geg-

ner ausser Gefecht gesetzt, sondern ihm – je nach konkretem Einsatz der Waffe – 

schwerste bzw. zum Tod führende Verletzungen zugefügt werden können; über die 

genaue Wirkungsweise der Handgranate muss sich der Täter nicht im Klaren sein.  

d) Wo sich der Beschuldigte befand, als er die Granate entsicherte und warf, steht 

nicht mit Sicherheit fest: Bei der Spurensicherung wurde der Sicherungsbügel, aber 

nicht der Sicherungsstift gefunden. Das ist gut erklärbar, weil dieser, nachdem er 

- 30 - 

abgezogen wurde, an einem Finger hängt, während der Sicherungsbügel, sobald 

die Granate geworfen wird, abfällt. Dadurch wird der Zündmechanismus ausgelöst 

und dem Werfenden bleiben noch 3–4 Sekunden Zeit, um sich in Sicherheit zu brin-

gen (cl. 4 pag. 11.0.49 f.). Der Beschuldigte kann sich beim Wurf indes nicht genau 

dort befunden haben, wo die Polizei den Sicherungsbügel fand, denn der Bügel löst 

sich – bei korrekter Handhabung, mit dem Sicherungsbügel in der Handinnenfläche 

der Wurfhand (cl. 4 pag. 11.0.50) – erst von der Granate, nachdem diese die Wurf-

hand verlassen hat, und fliegt somit selbst ein Stück weit in die gleiche Richtung, 

bevor er am Boden ankommt. Die nachträgliche polizeiliche Aufzeichnung der räum-

lichen Beziehungen (cl. 9 pag. 9.291.42) macht es hoch wahrscheinlich, dass der 

Beschuldigte am Anfang des Abgangs zur Fussgängerunterführung stand, als er die 

Granate in südwestliche Richtung warf, weil in dieser auf 5 Meter Distanz der Bügel 

zu liegen kam und auf 20 Meter die Granate explodierte. Dies erklärt auch, weshalb 

das Opfer ihn nicht sah, als es sich auf dem Trottoir der Z.-Strasse dem Detonati-

onspunkt näherte (cl. 4 pag. 12.1.3). Das Risiko, durch die Handgranate selbst ver-

letzt oder gar getötet zu werden, ist angesichts der räumlichen Verhältnisse deshalb 

klein und beschränkt sich im Wesentlichen auf Handhabungsfehler. Aufgrund der 

örtlichen Verhältnisse, insbesondere der zugleich Schutz und Fluchtweg gewähren-

den Unterführung, und des Umstands, dass der Beschuldigte vom Opfer nicht ge-

sehen worden war, muss von einem solchen Handlungsablauf indessen auch aus-

gegangen werden, falls die Lage des Sicherungsbügels bis zum Auffinden durch die 

Polizei noch von Strassenbenützern verändert worden sein sollte.  

Zieht man vom hoch wahrscheinlichen Standort des Beschuldigten im Zeitpunkt des 

Wurfs der Handgranate – mithin vom Referenzpunkt der Vermessung gemäss Situ-

ationsplan (cl. 9 pag. 9.291.42) – eine gerade Linie zum Detonationspunkt, so zeigt 

sich, dass die Abweichung vom Opfer – befand sich dieses auf gleicher Höhe zum 

Detonationspunkt – in einem sehr spitzen Winkel liegt, die Wurfrichtung als solche 

also sehr zielgenau erscheint. Dieser Winkel weitet sich ein wenig, wenn die Position 

des Opfers im Vergleich zum Detonationspunkt leicht zurückversetzt war. Ange-

sichts der Distanz von 20 m zwischen Referenzpunkt (Wurfstandort) und Detonati-

onspunkt kann festgehalten werden, dass die Handgranate mit einer geringen Ab-

weichung zum Opfer geworfen worden ist. Da aufgrund der Zeitverzögerung der 

Zündung der genaue Detonationspunkt vom Werfenden nicht bestimmbar ist, dieser 

auf gleicher Höhe oder leicht nach vorne versetzt zum Opfer lag und sich das Opfer 

vom Beschuldigten fort bewegte, muss umso mehr von einer entsprechend grossen 

Zielgenauigkeit gesprochen werden – auch dann, wenn die Handgranate nach dem 

Aufprallen auf dem Boden in ihrer Richtung noch leicht abgelenkt worden sein sollte. 

- 31 - 

e) Aus diesem Handlungsablauf sowie der Unerfahrenheit des Beschuldigten im 

Umgang mit Handgranaten ist zu schliessen, dass der Wille des Beschuldigten da-

rauf gerichtet war, die Handgranate möglichst nahe beim Opfer zum Explodieren zu 

bringen und dadurch einen möglichst grossen Personenschaden zu verursachen. 

Angesichts des dem Beschuldigten anzurechnenden Allgemeinwissens um die Ein-

satzmöglichkeit und die Wirkungscharakteristik einer Handgranate ist Eventualvor-

satz zu bejahen – der Beschuldigte kann mit seinem Handeln nichts anderes als den 

Tod des Opfers zumindest in Kauf genommen haben. Hätte er es bloss verletzen 

wollen, hätte er die Handgranate nicht auf offener Strasse zur Explosion gebracht. 

Es kann ausgeschlossen werden, dass der Beschuldigte die Handgranate allenfalls 

weiter entfernt zur Explosion hätte bringen und das Opfer höchstens verletzen wol-

len – aufgrund der ihm im Detail nicht bekannten Wirkungsweise und des Umstands, 

dass er den genauen Detonationspunkt beim Werfen nicht bestimmen konnte, 

musste er selbst bei einer grösseren gewollten Distanz in Kauf genommen haben, 

eine tödliche Verletzung zu verursachen. Gar lebensfremd wäre es, anzunehmen, 

der Beschuldigte hätte das Opfer bloss erschrecken wollen; zu diesem Zweck hätte 

er auch eine gewöhnliche Knallpetarde einsetzen können. Wer eine Handgranate 

verwendet, will nicht bloss erschrecken. Indizien, welche am derart ermittelten Wil-

len des Beschuldigten begründete Zweifel aufkommen liessen, sind nicht ersichtlich. 

f) Nach dem Gesagten ist Eventualvorsatz hinsichtlich der Tötung zu bejahen. 

2.5.3 Aufgrund der Tatausführung ist zu schliessen, dass der Beschuldigte mit dem Wer-

fen der Handgranate in Richtung seiner Ehefrau alles getan hat, damit nach seiner 

Vorstellung deren Tod eintreten konnte. Das zeigt sich auch darin, dass er nur Stun-

den nach der Tat nach Bosnien abreiste. Somit liegt ein vollendeter Versuch vor.  

2.6 Qualifikation als Mord 

2.6.1 Die Bundesanwaltschaft sieht das qualifizierende Element der besonderen Skrupel-

losigkeit darin begründet, dass der Beschuldigte sich der richterlich angeordneten 

Unterhaltszahlungen an seine Ehefrau habe entledigen wollen, er bei der angestreb-

ten Scheidung keine Unterhaltszahlungen an sie leisten müsse, nicht die Hälfte sei-

nes stattlichen Eigenheims in Bosnien mit ihr teilen müsse, eine Witwerrente bean-

spruchen und sich so materiell besser stellen könne, und er ohne störenden Einfluss 

seiner Ehefrau seine Liebesbeziehung zu einer Frau namens M. leben könne.  

2.6.2 a) Auf Gesuch der Ehefrau wurden die Parteien mit Urteil des Gerichtspräsidiums 

Aarau vom 21. November 2008 zum Getrenntleben berechtigt und der Beschuldigte 

zu monatlichen Unterhaltszahlungen von Fr. 1'000.-- an seine Ehefrau verpflichtet 

(cl. 7 pag. B18.1.1.2 f.). Das Zusammenleben wurde gemäss Angabe von B. nach 

- 32 - 

acht Monaten wieder aufgenommen, weil sie nicht allein leben wollte (cl. 4 

pag. 12.1.6; cl. 7 pag. B18.1.1.23). Der Beschuldigte bezahlte ihr damals keine Un-

terhaltsbeiträge (cl. 7 pag. B.18.1.1.10, B18.1.1.23, B18.1.1.200). Seit Sommer 

2012 leben die Eheleute A. und B. wiederum getrennt (cl. 4 pag. 12.1.6, 13.1.23), 

wobei die Ehefrau zunächst bei ihrem Sohn wohnte und der Beschuldigte in der 

Wohnung blieb (cl 7 pag. B18.1.1.14 f.). Mit Entscheid des Bezirksgerichtspräsidi-

ums Aarau vom 18. Februar 2013 wurde der Beschuldigte verpflichtet, die eheliche 

Wohnung bis 1. April 2013 zu verlassen und seiner Ehefrau ab 1. März 2013 einen 

monatlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 1'870.--, ab 1. April 2013 von Fr. 2'400.-- und 

ab 1. September 2013 von Fr. 1'620.-- zu bezahlen (cl. 7 pag. B18.1.1.24). Dieser 

Entscheid wurde am 22. Januar 2014 insoweit abgeändert, als der monatliche Un-

terhaltsbeitrag vom 11. November 2013 bis 31. Dezember 2013 auf Fr. 2'400.-- und 

ab Januar 2014, solange die Arbeitsunfähigkeit des Beschuldigten andauere, auf 

Fr. 1'500.-- festgesetzt wurde; der Unterhaltsbeitrag erhöht sich wieder auf 

Fr. 2'400.--, sobald der Beschuldigte wieder zu 100% arbeitsfähig ist. Die Arbeitge-

berin des Beschuldigten wurde angewiesen, diese Unterhaltsbeiträge direkt an die 

Ehefrau zu überweisen. Der Beschuldigte wurde zudem zu einer Zahlung an seine 

Ehefrau von Fr. 1'050.-- für die Miete April 2013 verpflichtet (cl. 7 pag. B18.1.1.5). 

Der Beschuldigte sagte aus, er habe monatlich Fr. 1'000.-- – das, was pfändbar 

gewesen sei – an das Betreibungsamt bezahlt; er habe nicht mehr leisten können 

und nie Fr. 2'400.-- bezahlt. Seit dem Gerichtsurteil überweise sein Arbeitgeber 

Fr. 1'500.-- an seine Ehefrau (cl. 4 pag. 13.1.12 f.). Da die Arbeitsunfähigkeit gemäss 

seiner Aussage bis 4. oder 5. April 2014 dauerte (cl. 4 pag. 13.1.26; EV-Protokoll 

Frage 23), war seither wieder der volle Unterhaltsbeitrag von Fr. 2'400.-- geschuldet.  

Art. 176 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB hat nicht die Regelung des nachehelichen Unterhalts 

zum Gegenstand. Vielmehr geht es darum, dass die Folgen des einverständlichen 

oder richterlich bewilligten Getrenntlebens während der andauernden Ehe gericht-

lich geregelt werden sollen. Diese Rechtsbelehrung konnte der Beschuldigte dem 

Eheschutzentscheid vom 18. Februar 2013 entnehmen (cl. 7 pag. B18.1.1.16). In 

Bosnien-Herzegowina reichte der Beschuldigte am 30. Juli 2013 eine Scheidungs-

klage ein. In der Folge wurde seine Ehe mit Urteil des Grundgerichts des Distrikts 

V. vom 27. November 2014 geschieden; prozessuale Einreden der Beklagten waren 

zuvor rechtskräftig verworfen worden (cl. 5 pag. 16.1.58). Nach Aussage der Par-

teien wurde gegen dieses Urteil von keiner Seite ein Rechtsmittel ergriffen (EV-Pro-

tokoll Beschuldigter, Fragen 16, 32, 34; EV-Protokoll B., Frage 60). Die Nebenfolgen 

der Scheidung sind noch nicht geregelt; laut Aussage von B. hat noch die Teilung 

des Vermögens zu erfolgen (EV-Protokoll Frage 60). Der Beschuldigte gab an, dass 

es bei einer gemeinsamen Anhörung vor Gericht im Februar 2014 darum gegangen 

sei, das eheliche Gut zu trennen (cl. 4 pag. 13.1.21).  

- 33 - 

Damit steht fest, dass im Zeitpunkt der Tat der Beschuldigte seit vierzehn Monaten 

ehelichen Unterhaltsbeitrag leisten musste und diese Pflicht, nachdem der Beschul-

digte Ende Juli 2013 die Scheidungsklage eingereicht hatte (cl. 5 pag. 16.1.58), mit 

der zu erwartenden Scheidung enden wird. Ob der Beschuldigte nach bosnisch-

herzegowinischem Eherecht nachehelichen Unterhalt bezahlen muss, wurde nicht 

ermittelt. Dieser Nachweis ist indes entbehrlich, weil B. ausgesagt hat, dass noch 

die Teilung des Vermögens zu erfolgen habe. Dass sie im Scheidungsverfahren 

nachehelichen Unterhalt verlangt hätte und über dieses Begehren bisher nicht ent-

schieden worden sei, machte sie nicht namhaft. Mithin ist davon auszugehen, dass 

der Beschuldigte keinen nachehelichen Unterhalt wird bezahlen müssen. Bei dieser 

Sachlage kann die bloss vorübergehende, nicht sehr einschneidende Unterhalts-

pflicht gemäss Eheschutzentscheid objektiv nicht als Tatmotiv erscheinen. Dass all-

fälliger nachehelicher Unterhalt Tatmotiv war, kann ebenso verneint werden, da ein 

solcher Unterhaltsanspruch weder nachgewiesen noch beansprucht worden ist. Zu-

dem bestehen keine anderen Indizien, welche diesen Standpunkt stützen. 

b) In der Nähe von V. (Bosnien-Herzegowina) sind der Beschuldigte und B. je hälftig 

Eigentümer einer Liegenschaft, welche unbelastet ist. Jede Partei bewohnt im zwei-

geschossigen Familienhaus eine eigene Wohnung. Im Weitern besitzt das Ehepaar 

auf der gleichen Parzelle je hälftig eine Garage mit einer Wohnung im ersten Stock. 

Diese Eigentumsverhältnisse sind in Registern eingetragen (cl. 4 pag. 13.1.48, 

13.1.54; EV-Protokoll B., Fragen 11, 14, 15). Der Verkehrswert der Liegenschaft ist 

nicht bekannt; der Beschuldigte gab an, 2001 oder 2002 für DEM 48'000.-- die Bau-

parzelle, auf der ein baufälliges Haus gestanden habe, erworben und ein neues 

Wohnhaus und dann eine Garage errichtet zu haben (cl. 4 pag. 13.1.50). Die Lie-

genschaft wurde im Rahmen der rechtshilfeweise durchgeführten Hausdurchsu-

chung fotografisch dokumentiert (cl. 5 pag. 18.3.31–76).  

Die Auflösung der Ehe – erfolge dies durch Scheidung oder Tod eines Ehegatten – 

zieht nach schweizerischem Recht die güterrechtliche Auseinandersetzung nach 

sich, es sei denn, es sei zuvor der Güterstand der Gütertrennung eingetreten oder 

vereinbart worden. Im Falle der Scheidung wird beim ordentlichen Güterstand und 

bei jenem der Gütergemeinschaft die Auflösung des Güterstandes auf den Tag der 

Einreichung des Begehrens zurückbezogen (Art. 204 Abs. 2, 236 Abs. 2 ZGB). Vor-

liegend haben die Parteien in Bosnien-Herzegowina geheiratet; dort wurde auch die 

Scheidung ausgesprochen und wollen die Parteien deren Nebenfolgen regeln. Es 

kann daher davon ausgegangen werden, dass dies nach dem Heimatrecht erfolgt. 

Ausländische Entscheidungen über güterrechtliche Verhältnisse werden in der 

Schweiz u.a. anerkannt, wenn sie Grundstücke betreffen und am Ort der gelegenen 

Sache ergangen sind oder dort anerkannt werden (Art. 58 Abs. 1 lit. d IPRG). Das 

Ehegüterrecht von Bosnien-Herzegowina wurde nicht nachgewiesen; ebenso wenig 

- 34 - 

ist bekannt, ob die Parteien einen Ehevertrag abgeschlossen haben. Indessen kann 

aufgrund der Aussagen des Beschuldigten und von B. davon ausgegangen werden, 

dass im Rahmen der güterrechtlichen Auseinandersetzung jeder Ehegatte An-

spruch auf die Hälfte der Liegenschaft in V. bzw. auf deren Wert hat; andere Ver-

mögenswerte der Ehegatten existieren offensichtlich nicht. Demnach ist auszu-

schliessen, dass der Beschuldigte beim Tod der Ehefrau Alleineigentümer der Lie-

genschaft werden würde; deren Güterrechtsanspruch fiele in ihren Nachlass.  

Bei letztem Wohnsitz eines Erblassers in der Schweiz sind die schweizerischen Ge-

richte und Behörden für das Verfahren über den Nachlass zuständig, es sei denn, 

für im Ausland gelegene Grundstücke sehe der betreffende Staat die ausschliessli-

che Zuständigkeit vor (Art. 86 IPRG). Ob Bosnien-Herzegowina dies vorsieht, ist 

nicht bekannt. Läge schweizerische Zuständigkeit auch in Bezug auf das ausländi-

sche Grundstück vor, wäre schweizerisches Recht anwendbar, ausser der Erblas-

ser hätte durch letztwillige Verfügung oder Erbvertrag den Nachlass einem seiner 

Heimatrechte – vorliegend mithin jenem von Bosnien-Herzegowina – unterstellt 

(Art. 90 IPRG). Das auf den Nachlass anwendbare Recht bestimmt u.a., was zum 

Nachlass gehört und wer in welchem Umfang daran berechtigt ist (Art. 92 Abs. 1 

IPRG). Ob B. über ihren Nachlass von Todes wegen verfügt und eine Rechtswahl 

getroffen hat, ist nicht bekannt. Da der Beschuldigte die Scheidung verlangte, 

musste er damit rechnen, dass seine Ehefrau für den Fall ihres Ablebens vor der 

Scheidung vorgesorgt und ihn auf den Pflichtteil gesetzt oder gar enterbt hat (vgl. 

Art. 477 ZGB). Nach der Scheidung besteht kein gesetzlicher Erbanspruch (Art. 120 

Abs. 2 ZGB). Nach schweizerischem Recht sind die nächsten Erben eines Erblas-

sers seine Nachkommen (Art. 457 Abs. 1 ZGB). Der überlebende Ehegatte erhält, 

wenn er mit Nachkommen zu teilen hat, die Hälfte der Erbschaft (Art. 462 Ziff. 1 

ZGB). Sein Pflichtteil beträgt die Hälfte (Art. 471 Ziff. 3 ZGB). Da B. einen Sohn hat, 

würde der Beschuldigte nach schweizerischem Recht nicht Alleinerbe. Bei Reduk-

tion auf den Pflichtteil hätte er einen Viertel des Nachlasses seiner Ehefrau geerbt. 

Da diese zur Hälfte Miteigentümerin ist, hätte er durch Erbfolge bloss einen Achtel 

des Werts des ganzen Grundstücks zusätzlich erhalten. Diese Sachlage macht bei 

objektiver Betrachtung Erbfolge als Tatmotiv unwahrscheinlich. Zudem hat auch B. 

nicht dies als Tatmotiv vermutet, sondern dass ihr Gatte ihr keinen Unterhalt bezah-

len wolle (cl. 4 pag. 12.1.4, 12.1.6). 

c) Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente haben Witwen oder Witwer, sofern 

sie im Zeitpunkt der Verwitwung Kinder haben (Art. 23 Abs. 1 AHVG). Kindern von 

Witwen oder Witwern sind gleichgestellt: a. Kinder des verstorbenen Ehegatten, die 

im Zeitpunkt der Verwitwung mit der Witwe oder dem Witwer im gemeinsamen 

Haushalt leben und von ihr oder ihm als Pflegekinder im Sinne von Art. 25 Abs. 3 

aufgenommen werden; b. Pflegekinder im Sinne von Art. 25 Abs. 3, die im Zeitpunkt 

- 35 - 

der Verwitwung mit der Witwe oder dem Witwer im gemeinsamen Haushalt leben 

und von ihr oder ihm adoptiert werden (Art. 23 Abs. 2 AHVG). Der Anspruch auf die 

Witwerrente erlischt spätestens, wenn das letzte Kind des Witwers das 18. Altersjahr 

vollendet hat (Art. 24 Abs. 2 AHVG). Der Beschuldigte hat ein 23jähriges Kind (EV-

Protokoll Frage 13), seine Ehefrau einen 39jährigen Sohn (vgl. cl. 4 pag. 12.1.8); 

gemeinsame Kinder gibt es nicht. Der Beschuldigte hätte also beim Tod seiner Ehe-

frau keinen Anspruch auf Witwerrente. Damit entfällt ein diesbezügliches Tatmotiv. 

d) Der Beschuldigte und B., welche schon länger in der Schweiz lebte, heirateten 

1998 in V.; im gleichen Jahr zog der Beschuldigte zu seiner Ehefrau in die Schweiz 

und lebte bis 2012 mit ihr zusammen. Er sagte aus, dass es immer Probleme gege-

ben habe. Vor der Heirat sei abgemacht gewesen, dass beide Ehegatten in der 

Schweiz arbeiten würden; seine Ehefrau habe aber mit Arbeiten aufgehört, als er in 

die Schweiz gekommen sei, und versucht, eine Rente zu erhalten. Seine Frau habe 

ihn provoziert und dauernd Streit gesucht. Sie habe ihm wiederholt vorgeworfen, 

dass er in Bosnien, wäre er dort geblieben, wenig zum Leben gehabt hätte (EV-

Protokoll Fragen 9, 11, 12, 14). Der Beschuldigte erklärte im Vorverfahren, dass er 

seit zwei Jahren getrennt von seiner Ehefrau lebe und nicht im Streit mit ihr liege 

(cl. 4 pag. 13.1.21). Er erklärte, dass er seine Ehefrau weder hasse noch liebe; er 

habe keine Gefühle für sie (cl. 5 pag. 17.1.2). Vor Gericht gab er zu Protokoll, dass 

er seine Ehefrau letztmals beim gerichtlichen Augenschein im Haus in V. am 

27. Februar 2014 gesehen habe. Es habe bei dieser Begegnung keinen Streit ge-

geben und er sei von seiner Frau nicht geärgert worden (EV-Protokoll Fragen 35, 

37, 69). Seitdem habe er sie nicht mehr getroffen und keinen telefonischen Kontakt 

mit ihr gehabt. Er habe sie in Y. auf der Z.-Strasse und beim Einkaufen gesehen, da 

er selber diese Durchgangsstrasse benütze, um zum Einkaufen, zur Arbeit oder zum 

Arzt zu fahren (EV-Protokoll Fragen 65, 67, 68). Er habe nie mit seiner Frau gestrit-

ten, sie verbal angegriffen oder in einem Zimmer eingesperrt (EV-Protokoll Fragen 

40–42). B. gab vor Gericht zu Protokoll, dass es nicht nur im Haus in V. (siehe un-

ten), sondern auch in der Schweiz Probleme gegeben habe. Der Beschuldigte habe 

sie während der Ehe geschlagen; er habe ihr beim 1