# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5159758b-e2c7-504a-b6b7-c51e035aa725
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.10.2011 C-3779/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-3779-2009_2011-10-26.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung III
C­3779/2009 / C­3780/2009

U r t e i l   v om   2 6 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Richter Andreas Trommer (Vorsitz),
Richter Jean­Daniel Dubey,
Richter Antonio Imoberdorf,
Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann.

Parteien A._______, 
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Visum zu Besuchszwecken.

C­3779/2009 / C­3780/2009

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Sachverhalt:

A. 
Die  1946  geborene  tunesische  Staatsangehörige  B._______  (im 
Folgenden:  Gesuchstellerin)  und  ihr  1933  geborener  Ehemann 
C._______ (im Folgenden: Gesuchsteller) beantragten am 17. März 2009 
bei  der  Schweizerischen  Botschaft  in  Tunis  ein  Visum  für  einen  15­
tägigen  Besuchsaufenthalt  bei  ihrem  Sohn  A._______  (im  Folgenden: 
Gastgeber bzw. Beschwerdeführer) in X._______ (BE).

B. 
Bereits  zuvor,  am  18.  Februar  2009,  war  der  Gastgeber  mit  einem 
Einladungsschreiben  an  die  Schweizer  Vertretung  gelangt.  Diesem  ist 
unter  anderem  zu  entnehmen,  dass  der Gastgeber  Tunesien  1992  aus 
politischen  Gründen  verlassen  hat  und  in  der  Schweiz  als  anerkannter 
Flüchtling lebt. Seither habe er seinen Vater nicht mehr gesehen, und mit 
seiner  Mutter  habe  er  lediglich  einmal  im  Jahre  2003  während  zweier 
Wochen  in  der Schweiz  zusammen  sein  können,  als  diese  sich  hier  zu 
Besuch aufgehalten habe.

C. 
Die Schweizer Vertretung weigerte sich, die beantragten Visa  in eigener 
Kompetenz  zu  erteilen  und  leitete  die  Gesuche  zur  Prüfung  und  zum 
Entscheid an die Vorinstanz weiter. Dabei vertrat sie in einer kurzen Notiz 
die  Auffassung,  dass  das  von  den  Beteiligten  erklärte  Motiv  nicht  den 
hauptsächlichen  Grund  für  die  angestrebte  Einreise  darstelle,  dieser 
vielmehr in der Absicht auf einen dauerhaften Verbleib in der Schweiz zu 
sehen sei.

D. 
Der  Migrationsdienst  des  Kantons  Bern  liess  über  die  Wohngemeinde 
ergänzende  Fragen  an  den  Gastgeber  richten  und  leitete  dessen 
schriftliche Antworten an die Vorinstanz weiter.

E. 
Mit  einer  Verfügung  vom  6.  Mai  2009  lehnte  es  die  Vorinstanz  ab,  die 
beantragten  Besuchsvisa  zu  erteilen.  Dies  im  Wesentlichen  mit  der 
Begründung,  die  anstandslose  und  fristgerechte  Wiederausreise  der 
Gesuchsteller  nach  einem  Besuchsaufenthalt  könne  nicht  als  gesichert 
betrachtet  werden.  Diese  stammten  aus  einer  Region,  aus  welcher  als 
Folge  der  dort  insbesondere  in  wirtschaftlicher  Hinsicht  herrschenden 
Verhältnisse ein anhaltend starker Zuwanderungsdruck  festzustellen sei. 

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Bei  den  Gesuchstellern  selbst  seien  weder  berufliche  Verpflichtungen 
noch  familiäre oder gesellschaftliche Verantwortlichkeiten erkennbar, die 
das anzunehmende Risiko  für ein nicht  rechtskonformes Verhalten nach 
einer  Einreise  relativieren  könnten.  Es  bestehe  auch  kein Anlass,  (trotz 
Fehlens  von  Einreisevoraussetzungen)  aus  besonderen,  beispielsweise 
humanitären Gründen ein Visum mit  räumlich beschränkter Gültigkeit zu 
erteilen. Dem Gastgeber sei es unbenommen, seine Gäste im Ausland zu 
treffen.

F. 
Mit  einer  Rechtsmitteleingabe  vom  5.  Juni  2009  (erfasst  in  zwei 
Verfahren)  beantragt  der  Gastgeber  beim  Bundesverwaltungsgericht 
implizit,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei  aufzuheben,  und  die 
gewünschten  Besuchsvisa  seien  zu  erteilen.  Zur  Begründung  bringt  er 
sinngemäss vor, die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, dass seine 
Eltern die Schweiz nach einem Besuchsaufenthalt nicht  fristgerecht und 
anstandslos wieder  verlassen würden. Seine Mutter habe sich  im Jahre 
2003 bereits einmal hier zu Besuch aufgehalten und sei pünktlich wieder 
in  ihre  Heimat  zurückgekehrt.  Zwar  hätten  seine  Eltern  aufgrund  ihres 
Alters  (sein  Vater  sei  76  Jahre  alt  und  seit  1986  pensioniert)  keine 
beruflichen Verpflichtungen mehr. Sie hätten aber durchaus familiäre und 
gesellschaftliche  Verantwortlichkeiten.  Sie  lebten  zusammen  mit  zwei 
Söhnen und einer Schwiegertochter an der gleichen Adresse. Im gleichen 
Dorf  wohnten  zudem  noch  zwei  Töchter  mit  ihren  Familien.  Er  (der 
Beschwerdeführer)  garantiere  auch  weiterhin  für  die  fristgerechte  und 
anstandslose  Wiederausreise  seiner  Gäste  nach  einem 
Besuchsaufenthalt.  Schliesslich  gelte  es  zu  bedenken,  dass  ein 
Zusammenkommen  mit  seinen  Eltern  in  der  Schweiz  kostengünstiger 
wäre,  als wenn er  sich  zu  diesem Zweck mit  seiner Familie  (insgesamt 
sechs Personen) ins Ausland begeben müsste.

G. 
Die  Vorinstanz  schliesst  in  einer  Vernehmlassung  vom  5.  August  2009 
auf Abweisung der Beschwerden.

H. 
Der Beschwerdeführer verzichtete in der Folge auf die Einreichung einer 
Replik.

I. 
Mit  Zwischenverfügung  vom 28.  Juli  2011 wurde  der Beschwerdeführer 

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vom  Bundesverwaltungsgericht  förmlich  dazu  eingeladen,  allfällige 
Veränderungen  im  entscheidswesentlichen  Sachverhalt  bekannt  zu 
geben. Auch davon machte der Beschwerdeführer nicht Gebrauch.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
Aufgrund  des  engen  persönlichen  und  sachlichen  Zusammenhangs 
rechtfertigt  es  sich,  die  bis  anhin  getrennt  geführten  Verfahren 
C­3779/2009  (die  Gesuchstellerin  betreffend)  und  C­3780/2009  (den 
Gesuchsteller betreffend) zu vereinigen.

2. 
2.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  unter 
Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 
20. Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021),  welche  von  einer  in  Art.  33 
VGG  aufgeführten  Behörde  erlassen  wurden.  Darunter  fallen  u.a. 
Verfügungen des BFM, mit denen die Erteilung eines Schengen­Visums 
zu  Besuchszwecken  verweigert  wird.  In  dieser Materie  entscheidet  das 
Bundesverwaltungsgericht  endgültig  (Art.  83  Bst. c  Ziff.  1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

2.2.  Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt, 
richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht nach dem 
VwVG (Art. 37 VGG).

2.3.  Der  Beschwerdeführer  ist  gemäss  Art.  48  Abs.  1  VwVG  zur 
Beschwerde  berechtigt.  Auf  die  im  Übrigen  frist­  und  formgerecht 
eingereichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 50 und 52 VwVG).

3. 
Mit  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  kann  die  Verletzung 
von  Bundesrecht  einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des 
Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale 
Behörde  als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit 
gerügt werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im 
Beschwerdeverfahren  das  Bundesrecht  von  Amtes  wegen  an.  Es  ist 
gemäss  Art.  62  Abs.  4  VwVG  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht 

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gebunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend 
gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist 
grundsätzlich  die  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (BVGE 
2011/1 E. 2).

4. 
Der  angefochtenen  Verfügung  liegen  die  Gesuche  eines  tunesischen 
Ehepaares um Erteilung von Visa  für einen 15­tägigen Aufenthalt  in der 
Schweiz  zugrunde.  Da  sich  die  Gesuchsteller  nicht  auf  die  EU/EFTA­
Personenfreizügigkeitsabkommen berufen  können und die  beabsichtigte 
Aufenthaltsdauer  drei  Monate  nicht  überschreitet,  fällt  die  vorliegende 
Streitsache  in den persönlichen und sachlichen Anwendungsbereich der 
Schengen­Assoziierungsabkommen,  mit  denen  die  Schweiz  den 
Schengen­Besitzstand  und  die  dazugehörigen  gemeinschaftsrechtlichen 
Rechtsakte  übernommen  hat.  Das  Ausländergesetz  vom  16. Dezember 
2005 (AuG, SR 142.20) und seine Ausführungsverordnung gelangen nur 
soweit zur Anwendung, als die Schengen­Assoziierungsabkommen keine 
abweichenden Bestimmungen enthalten (Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 5 AuG).

5. 
Die Voraussetzungen für die Erteilung eines Visums präsentieren sich im 
Anwendungsbereich der erwähnten Rechtsgrundlagen wie folgt:

5.1.  Das  schweizerische  Ausländerrecht  kennt  weder  ein  allgemeines 
Recht  auf  Einreise  noch  gewährt  es  einen  besonderen  Anspruch  auf 
Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist daher – wie andere Staaten auch 
– grundsätzlich  nicht  gehalten,  Ausländerinnen  und  Ausländern  die 
Einreise  zu  gestatten.  Vorbehältlich  völkerrechtlicher  Verpflichtungen 
handelt es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Botschaft zum 
Bundesgesetz  über  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8. März  2002, 
BBl 2002 3774; BGE 135 II 1 E. 1.1 mit Hinweisen). Das Schengen­Recht 
schränkt  die  nationalstaatlichen  Befugnisse  insoweit  ein,  als  es 
einheitliche  Voraussetzungen  für  Einreise  und  Visum  aufstellt  und  die 
Mitgliedstaaten  verpflichtet,  die Einreise bzw. das Visum zu verweigern, 
wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Einen Anspruch auf Einreise 
bzw. Visum vermittelt auch das Schengen­Recht nicht (a.M. PHILIPP EGLI / 
TOBIAS  D.  MEYER,  in:  Martina  Caroni  /  Thomas  Gächter  /  Daniela 
Thurnherr [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die 
Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art. 5 N. 3 f.).

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5.2.  Angehörige  von  Drittstaaten  dürfen  über  die  Aussengrenzen  des 
Schengen­Raums  für  einen  Aufenthalt  von  höchstens  drei  Monaten  je 
Sechsmonatszeitraums  einreisen,  wenn  sie  im  Besitz  gültiger 
Reisedokumente  sind,  die  zum  Grenzübertritt  berechtigen.  Ferner 
benötigen  sie  ein  Visum,  falls  ein  solches  nach  Massgabe  der 
Verordnung  (EG)  Nr.  539/2001  des  Rates  vom  15.  März  2001  zur 
Aufstellung  der  Liste  der  Drittländer,  deren  Staatsangehörige  beim 
Überschreiten der Aussengrenzen  im Besitz eines Visums sein müssen, 
sowie  der  Liste  der  Drittländer,  deren  Staatsangehörige  von  dieser 
Visumpflicht  befreit  sind,  erforderlich  ist.  Kein  Visum  benötigen 
Drittstaatsangehörige,  die  Inhaber  eines  gültigen  Aufenthaltstitels  sind 
oder über ein gültiges Visum  für den  längerfristigen Aufenthalt  verfügen 
(vgl.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  AuG,  Art. 2  Abs. 1  der  Verordnung  vom 
22. Oktober  2008  über  die  Einreise  und  die  Visumerteilung  [VEV,  SR 
142.204]  i.V.m.  Art. 5  Abs. 1  Bst. a  und  b  der  Verordnung  (EG)  Nr. 
562/2006  des  Europäischen  Parlaments  und  des  Rates  vom  15. März 
2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten der Grenzen 
durch Personen [nachfolgend: Schengener Grenzkodex, SGK, ABl. L 105 
vom 13.04.2006, S. 1­32], Art. 4 VEV).

5.3.  Im  Weiteren  müssen  Drittstaatsangehörige  den  Zweck  und  die 
Umstände  ihres  beabsichtigten  Aufenthalts  belegen  und  hierfür  über 
ausreichende  finanzielle Mittel verfügen  (Art. 5 Abs. 1 Bst. b AuG, Art. 2 
Abs. 1 VEV, Art. 5 Abs. 1 Bst. c und Abs. 3 SGK sowie Art. 14 Abs. 1 Bst. 
a–c  der  Verordnung  [EG]  Nr. 810/2009  des  Europäischen  Parlaments 
und des Rates vom 13. Juli 2009 über einen Visakodex der Gemeinschaft 
[nachfolgend:  Visakodex]).  Namentlich  haben  sie  in  diesem 
Zusammenhang  zu  belegen,  dass  sie  den  Schengen­Raum  vor  Ablauf 
des  bewilligungsfreien  Aufenthaltes  verlassen,  bzw.  ausreichende 
Gewähr  für  eine  fristgerechte Wiederausreise  zu  bieten  (Art.  14  Abs.  1 
Bst. d und Art. 21 Abs. 1 Visakodex sowie Art. 5 Abs. 2 AuG; vgl. dazu 
PHILIPP  EGLI  /  TOBIAS D. MEYER,  a.a.O.  Art.  5  N. 33).  Weiterhin  dürfen 
Drittstaatsangehörige nicht  im Schengener  Informationssystem (SIS) zur 
Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und  keine  Gefahr  für  die 
öffentliche  Ordnung,  die  innere  Sicherheit,  die  öffentliche  Gesundheit 
oder  die  internationalen  Beziehungen  eines  Mitgliedstaats  darstellen 
(Art. 5 Abs. 1 Bst. c AuG, Art. 5 Abs. 1 Bst. d und e SGK).

5.4. Eine Gefahr  für die öffentliche Ordnung  im Sinne von Art. 5 Abs. 1 
Bst.  e SGK  ist  auch  dann  anzunehmen, wenn  die  drittstaatsangehörige 
Person  nicht  bereit  ist,  das  Hoheitsgebiet  des  Schengen­Raums 

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fristgerecht  wieder  zu  verlassen  (vgl.  dazu  PHILIPP  EGLI  /  TOBIAS  D. 
MEYER,  a.a.O.,  Art.  5  N. 33;  ferner  Urteil  des  deutschen 
Bundesverwaltungsgerichts 1 C. 1.10 vom 11. Januar 2011 Rz. 29). Die 
Behörden haben daher zu prüfen und drittstaatsangehörige Personen zu 
belegen, dass die Gefahr einer  rechtswidrigen Einwanderung oder einer 
nicht fristgerechten Ausreise nicht besteht (Art. 14 Abs. 1 Bst. d und Art. 
21 Abs. 1 Visakodex). Die Gewähr der gesicherten Wiederausreise, wie 
sie Art. 5 Abs. 2 AuG verlangt, wenn nur ein vorübergehender Aufenthalt 
vorgesehen  ist,  steht  mit  dieser  Regelung  im  Einklang  (vgl.  BVGE 
2009/27  E.  5  mit  Hervorhebung  des  Zusammenhangs  zum 
Einreiseerfordernis  des  belegten  Aufenthaltszwecks  nach  Art.  5  Abs.  1 
Bst. c SGK).

5.5.  Sind  die  vorerwähnten  Einreisevoraussetzungen  (Visum 
ausgenommen) nicht erfüllt, darf ein  für den gesamten Schengen­Raum 
geltendes  "einheitliches  Visum"  (Art.  2  Ziff.  3  Visakodex)  nicht  erteilt 
werden (Art. 12 VEV, Art. 32 SGK). Hält es  jedoch ein Mitgliedstaat aus 
humanitären  Gründen,  aus  Gründen  des  nationalen  Interesses  oder 
aufgrund  internationaler  Verpflichtungen  für  erforderlich,  so  ist  er 
berechtigt,  der  drittstaatsangehörigen  Person,  welche  die  ordentlichen 
Einreisevoraussetzungen  nicht  erfüllt,  ausnahmsweise  ein  "Visum  mit 
räumlich  beschränkter  Gültigkeit"  zu  erteilen  (Art.  2  Ziff.  4  Visakodex). 
Dieses  Visum  ist  grundsätzlich  nur  für  das  Hoheitsgebiet  des 
ausstellenden  Staates  gültig  (Art.  32  i.V.m.  Art.  25  Abs.  1  Bst.  a 
Visakodex;  unter  denselben  Voraussetzungen  kann  einer 
drittstaatsangehörigen  Person  die  Einreise  an  den  Aussengrenzen 
gestattet werden, vgl. Art. 5 Abs. 4 Bst. c SGK).

6. 
6.1. Die Gesuchsteller  unterliegen  als  tunesische  Staatsangehörige  der 
Visumspflicht  (Anhang  I  zur  Verordnung  (EG)  Nr. 539/2001  des  Rates 
vom 15. März 2001). Bei der Prüfung der Einreisevoraussetzungen nach 
Art.  5  Abs.  1  SGK  steht  die  Frage  der  gesicherten Wiederausreise  im 
Vordergrund,  welche  die  Vorinstanz  aufgrund  der  allgemeinen  Lage  im 
Heimatland  sowie  der  persönlichen  Verhältnisse  der  Gesuchsteller 
anzweifelt.  Dazu  lassen  sich  in  der  Regel  keine  gesicherten 
Feststellungen, sondern lediglich Prognosen treffen. Dabei sind sämtliche 
Umstände des konkreten Einzelfalles zu würdigen.

6.2.  Anhaltspunkte  zur  Beurteilung  der  Gewähr  für  eine  fristgerechte 
Wiederausreise  können  sich  aus  der  allgemeinen  Situation  im 

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Herkunftsland  der  Besucherin  oder  des  Besuchers  ergeben. 
Einreisegesuche  von  Bürgerinnen  und  Bürgern  aus  Staaten  bzw. 
Regionen  mit  politisch  oder  wirtschaftlich  vergleichsweise  ungünstigen 
Verhältnissen  können  darauf  hindeuten,  dass  die  persönliche 
Interessenlage  in  solchen  Fällen  nicht  mit  dem  Ziel  und  Zweck  einer 
zeitlich befristeten Einreisebewilligung in Einklang steht.

6.3. Der schon  im Zeitpunkt der Gesuchstellung  für  viele Tunesier nicht 
sonderlich hohe Lebensstandart hat sich seit dem Sturz des tunesischen 
Präsidenten  Ben  Ali  am  14.  Januar  2011  und  der  damit 
einhergegangenen  Verhängung  des  Ausnahmezustandes  noch 
verschlechtert.  Insbesondere  der  Tourismussektor  ist  um  beinahe  50% 
eingebrochen,  und  angesichts  der  politischen  Instabilität  zögern 
ausländische Firmen mit  Investitionen  (Quellen:  Länderbericht  Tunesien 
vom  2.  September  2011  der  Konrad­Adenauer­Stiftung:  "Tunesien  vor 
den Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung",  im Internet unter: 
www.kas.de/tunesien,  und  Zeitungsbericht  der  Neuen  Züricher  Zeitung 
vom  27.  Juli  2011:  "Noch  längst  keine  Rückkehr  zur  Normalität  in 
Tunesien",  im  Internet  unter 
www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/ausnahmezustand_in_tunesi­
en_auf_unbestimmte_zeit_verlängert_1.11652952.html). Die anhaltenden 
sozialen und politischen Unruhen  in Tunesien spiegeln sich auch  in den 
schweizerischen Asylstatistiken des BFM wider,  in denen Personen aus 
Tunesien  in den ersten zwei Quartalen dieses Jahres mit 251  (+76,.8% 
gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres) bzw. 791 Gesuchen die 
dritt­  bzw.  zweitgrösste  Gruppe  von  Asylsuchenden  stellten  (vgl. 
kommentierte Asylstatistiken des BFM 1. und 2. Quartal 2011; im Internet 
unter: www.bfm.admin.ch > Themen > Statistiken).

6.4.  Bei  der  Risikoanalyse  sind  allerdings  nicht  nur  die  erwähnten 
allgemeinen  Umstände,  sondern  auch  sämtliche  Gesichtspunkte  des 
konkreten Einzelfalles zu berücksichtigen. Obliegt einer gesuchstellenden 
Person  im  Heimatland  beispielsweise  eine  besondere  berufliche, 
gesellschaftliche  oder  familiäre  Verantwortung,  kann  dieser  Umstand 
durchaus  die  Prognose  für  eine  anstandslose  Wiederausreise 
begünstigen.  Umgekehrt  muss  bei  Personen,  die  in  ihrer  Heimat  keine 
besonderen Verpflichtungen haben, das Risiko für ein ausländerrechtlich 
nicht  regelkonformes  Verhalten  (nach  bewilligter  Einreise  zu  einem 
Besuchsaufenthalt) hoch eingeschätzt werden.

7. 

http://www.kas.de/tunesien
http://www.bfm.admin.ch

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7.1.    Bei  den Gesuchstellern  handelt  es  sich  um  ein  Ehepaar,  welches 
ihren  Sohn  in  der  Schweiz  besuchen  möchte.  Der  Gesuchsteller  ist 
mittlerweile 78, die Gesuchstellerin 65 Jahre alt. Über  ihre persönlichen 
Verhältnisse,  beispielsweise  ihren  Gesundheitszustand,  ist  nichts 
Näheres bekannt.  Immerhin kann den Akten zu  ihrem  familiären Umfeld 
entnommen werden, dass sie mit zwei Söhnen in familiärer Gemeinschaft 
oder  zumindest  an  der  gleichen  Adresse  wie  diese  leben.  Im  gleichen 
Dorf  wohnen  zudem  zwei  verheiratete  Töchter  mit  deren  Familien.  Ein 
weiterer  Sohn  –  der  Beschwerdeführer  –  lebt  mit  seiner  Familie  in  der 
Schweiz.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  zwar  von  familiären  Bindungen 
innerhalb  des  angestammten  Lebensumfeldes  auszugehen.  Darüber 
hinausgehende  Verpflichtungen,  die  von  einer  allfälligen  Emigration 
abzuhalten vermöchten, sind aber keine erkennbar. 

7.2. Die  Gesuchsteller  gehen  –  wohl  nicht  zuletzt  altersbedingt  –  auch 
keiner  Erwerbstätigkeit  mehr  nach.  Gemäss  einer  eingereichten 
Bestätigung  (Stand  März  2009)  bezieht  der  Gesuchsteller  eine 
monatliche  Rente  in  der  Höhe  von  258 360  tunesischen  Dinar,  was 
umgerechnet  rund  Fr. 162.55  entspricht.  Damit  und  allenfalls  noch  mit 
Hilfe ihrer Kinder dürfte die wirtschaftliche Existenz der Gesuchsteller vor 
Ort zwar gesichert sein. Darauf, dass sie sich finanziell in vergleichsweise 
vorteilhaften Verhältnissen  befinden würden,  kann  aber  gestützt  auf  die 
bekannten Umstände nicht geschlossen werden. 

7.3.  Nach  dem  bisher  Gesagten  können  die  Gesuchsteller  aus  der 
räumlichen Nähe  zu Kindern  und Grosskindern  vor Ort  und  ihrem Alter 
eine  gewisse  Verwurzelung  in  der  angestammten  Umgebung  ableiten. 
Auf  der  anderen  Seite  haben  sie  ebenfalls  einen  starken  Bezug  zur 
Schweiz, da hier der Beschwerdeführer mit Ehefrau und vier Kindern lebt. 
In  Konstellationen  wie  der  vorliegenden,  in  denen  nahe  Angehörige 
sowohl  in  einem  wie  im  andern  Land  wohnen,  können  (nebst  der 
Möglichkeiten  zur  Pflege  verwandtschaftlicher  Kontakte) 
erfahrungsgemäss auch andere Umstände ausschlaggebend sein, wenn 
es  um  den  Entscheid  für  oder  gegen  eine  Emigration  geht.  Von 
entscheidender Bedeutung können  in solchen Fällen auch Faktoren wie 
etwa die soziale Sicherheit oder die Qualität der Gesundheitsversorgung 
sein.  Angesichts  des  fortgeschrittenen  Alters  der  Gesuchsteller – 
insbesondere  des Gesuchstellers  –  kann nicht  ausgeschlossen werden, 
dass  sie  –  einmal  hier  –  versucht  sein  könnten,  den  Lebensabend 
zusammen mit ihrem in der Schweiz lebenden Sohn und dessen Familie 
zu verbringen.

C­3779/2009 / C­3780/2009

Seite 10

7.4. 
Vor dem allgemeinen und persönlichen Hintergrund durfte die Vorinstanz 
demnach  davon  ausgehen,  dass  keine  hinreichende  Gewähr  für  eine 
fristgerechte  und  anstandslose  Wiederausreise  der  Gesuchsteller  nach 
einem  Besuchsaufenthalt  besteht.  An  dieser  Beurteilung  vermögen  die 
Zusicherungen  des  Beschwerdeführers  nichts  zu  ändern.  Mit  rechtlich 
verbindlicher  Wirkung  kann  dieser  in  seiner  Eigenschaft  als  Gastgeber 
zwar  für  gewisse  finanzielle  Risiken  im  Zusammenhang  mit  dem 
Besuchsaufenthalt,  aus  nahe  liegenden  Gründen  aber  nicht  für  ein 
bestimmtes  Verhalten  seiner  Gäste  garantieren  (vgl.  in  diesem 
Zusammenhang  BVGE  2009/27  E.9).  Schliesslich  kann  auch  nicht 
entscheidend  sein,  dass  die  Gesuchstellerin  bereits  einmal  hier  zu 
Besuch war. Dieser Besuch liegt mittlerweile schon fast 10 Jahre zurück 
– die  Beteiligten  waren  demnach  noch  entsprechend  jünger  –  und  der 
Ehemann  blieb  damals  in  der  Heimat  zurück,  womit  doch  wesentlich 
andere Rahmenbedingungen geherrscht haben dürften. 

7.5. Gründe  für die Ausstellung eines Visums mit  räumlich beschränkter 
Gültigkeit  (vgl.  E.  5.5)  wurden  vom  Beschwerdeführer  nicht  geltend 
gemacht  und  sind  auch  nicht  ersichtlich.  Der  Beschwerdeführer 
behauptet insbesondere nicht, dass eine Realisierung familiärer Kontakte 
ausserhalb  der  Schweiz  nicht  möglich  wäre.  Die  von  ihm  in  diesem 
Zusammenhang  geäusserten  wirtschaftlichen  Überlegungen  können  für 
sich allein nicht entscheidend sein.

8. 
Aus  vorstehenden Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene Verfügung 
im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden  ist. Die Beschwerden 
sind daher abzuweisen.

9. 
Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  wird  der  unterliegende 
Beschwerdeführer  kostenpflichtig  (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art.  1, 2 und 3 
Bst.  b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]).

Dispositiv S. 11

C­3779/2009 / C­3780/2009

Seite 11

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  beiden  Beschwerdeverfahren  unter  den  Referenzen  C­3779/2009 
und C­3780/2009 werden vereinigt.

2. 
Die Beschwerden werden abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  800.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Sie  sind  mit  den  gesamthaft  in  gleicher  Höhe  geleisteten 
Kostenvorschüssen gedeckt.

4. 
Dieses Urteil geht an:

– den Beschwerdeführer (Einschreiben; 2 Expl.)
– die Vorinstanz (Beilagen: Akten ZEMIS […])

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Andreas Trommer Denise Kaufmann

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