# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 79f9ac88-aa2c-5900-9709-1751465060ff
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-15
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 15.12.2022 SK 2021 562
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2021-562_2022-12-15.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 21 562

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 15. Dezember 2022 

Besetzung Oberrichter Horisberger (Präsident i.V.), 
Obergerichtssuppleantin Schär, Oberrichter Schmid,  
Gerichtsschreiber Stähli

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

E.________, p.A. Fürsprecherin C.________, 
a.v.d. Fürsprecherin C.________

Straf- und Zivilklägerin

und

Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion des Kantons 
Bern (GSI), Abteilung Opferhilfe, Rathausgasse 1, Postfach, 
3000 Bern 8

Zivilklägerin

Gegenstand sexuelle Nötigung, Schändung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Einzelgericht) vom 8. September 2021 (PEN 20 671)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Bern-Mittelland (Einzelgericht; nachfolgend Vorinstanz) fällte 
betreffend A.________ (nachfolgend Beschuldigter) am 8. September 2021 folgen-
des Urteil (pag. 557 ff.):

I. 

Das Strafverfahren gegen A.________

1. wegen Tätlichkeiten, angeblich mehrfach begangen am 08.05.2018 in D.________, z.N. von 
E.________, 

2. wegen Tätlichkeit, angeblich begangen am 23.06.2018 in D.________, z.N. von E.________, 

3. wegen Tätlichkeiten, angeblich mehrfach begangen am 24.06.2018 in D.________, z.N. von 
E.________, 

wird infolge Verjährung eingestellt,

unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten (1/6), sich zusammensetzend aus Ge-
bühren von CHF 2’050.00 und Auslagen von CHF 453.70, insgesamt bestimmt auf CHF 2'503.70, an 
den Kanton Bern.

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 133.35. Die reduzier-
ten Verfahrenskosten betragen damit CHF 2'370.35.

Die Entschädigung für die Verteidigungskosten wird in Ziffer IV. hiernach bestimmt. 

II.

A.________ wird freigesprochen:

1. von der Anschuldigung der sexuellen Nötigung, angeblich begangen 

1.1 um den 17.06.2018 in D.________ z.N. von E.________,

1.2 um den 20.06.2018 in D.________ z.N. von E.________,

1.3 um den 05.07.2018 in D.________, z.N. von E.________,

2. von der Anschuldigung der Drohung, angeblich begangen am 23.06.2018 in D.________, z.N. 
von E.________,

unter Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten (1/2), sich zusammensetzend aus Ge-
bühren von CHF 6'150.00 und Auslagen von CHF 1'361.20, insgesamt bestimmt auf CHF 7'511.20, 
an den Kanton Bern.

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 400.00. Die reduzier-
ten Verfahrenskosten betragen damit CHF 7'111.20.

Die Entschädigung für die Verteidigungskosten wird in Ziffer IV. hiernach bestimmt. 

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III. 

A.________ wird schuldig erklärt:

der sexuellen Nötigung, begangen am 22.05.2018 in D.________ z.N. von E.________,

und in Anwendung der Art. 40, 42, 44, 47, 189 Abs. 1 StGB, Art. 426 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.

2. Zu den auf den Schuldspruch entfallenden Verfahrenskosten (1/3), sich zusammensetzend aus 
Gebühren von CHF 4'100.00 und Auslagen von CHF 907.40, insgesamt bestimmt auf 
CHF 5'007.40.

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 266.65. Die reduzier-
ten Verfahrenskosten betragen damit CHF 4'740.75.

[Kostentabelle]

IV. 

1. Die amtliche Entschädigung für die amtliche Verteidigung von A.________ durch Rechtsanwalt 
B.________ wird wie folgt bestimmt:

[Honorartabelle]

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 10'330.60. 

A.________ hat dem Kanton Bern 1/3 der ausgerichteten amtlichen Entschädigung für Rechts-
anwalt B.________, ausmachend CHF 3'443.55 zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftli-
chen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

A.________ hat dem Kanton Bern 1/3 der ausgerichteten amtlichen Entschädigung für Rechts-
anwalt F.________, ausmachend CHF 4'555.65 zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftli-
chen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

2. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung von 
E.________ durch Fürsprecherin C.________ werden wie folgt bestimmt (unterliegen):

[Honorartabelle]
Der Kanton Bern entschädigt Fürsprecherin C.________ für die unentgeltliche Rechtsvertretung 
von E.________ mit CHF 12'607.85. 

3. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die unentgeltliche Rechtsvertretung von 
E.________ durch Fürsprecherin C.________ werden wie folgt bestimmt (obsiegen):

[Honorartabelle]

Der Kanton Bern entschädigt Fürsprecherin C.________ für die unentgeltliche Rechtsvertretung 
von E.________ mit CHF 6'302.85. 

Der Kanton Bern kann von A.________ die Erstattung der amtlichen Entschädigung für die un-
entgeltliche Rechtsvertretung von E.________ verlangen, wenn er sich in günstigen wirtschaftli-
chen Verhältnissen befindet (Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO). 

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A.________ wird verpflichtet, E.________ zuhanden von Fürsprecherin C.________ als Diffe-
renz zwischen der amtlichen Entschädigung für die unentgeltliche Rechtspflege und dem vollen 
Honorar CHF 1'464.75 zu bezahlen (Art. 433 Abs. 1 StPO). 

V. 

A.________ wird in Anwendung von Art. 41 und 49 OR sowie Art. 126 und 432 ff. StPO weiter verur-
teilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 3'306.00 Schadenersatz zuzüglich 5 % seit dem 27.11.2018 an die 
Privatklägerin Gesundheits- Sozial- und Integrationsdirektion des Kantons Bern;

2. Zur Bezahlung von CHF 4'423.30 Schadenersatz zuzüglich 5 % seit dem 19.03.2019 an die 
Privatklägerin Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion des Kantons Bern;

3. Zur Bezahlung von CHF 6'000.00 Genugtuung zuzüglich 5 % seit dem 22.05.2018 an die Pri-
vatklägerin E.________.

VI. 

Betreffend Zivilpunkt wird in Anwendung von Art. 41 und 49 OR sowie Art. 126 und 432 ff. StPO er-
kannt:

1. Die Forderung der Privatklägerin E.________ wird soweit weitergehend abgewiesen.

2. Für die Beurteilung der Zivilklage werden keine Kosten ausgeschieden. 

VII.

Weiter wird verfügt:

Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst wird die Zustimmung zur Löschung der erhobenen 
biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist erteilt (Art. 17 Abs. 1 
lit. e i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Da-
ten).

VIII.

1. Das Widerrufsverfahren gegen A.________ wird eingestellt.

2. Die Verfahrenskosten für das Widerrufsverfahren von CHF 150.00 werden dem Kanton Bern 
auferlegt.

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, nach wie vor amtlich verteidigt 
durch Rechtsanwalt B.________, mit Eingabe vom 13. September 2021 fristge-
recht Berufung an (pag. 565). Die ebenso fristgerechte Berufungserklärung datiert 
vom 13. Dezember 2021 (pag. 647 ff.). Die Berufung ist beschränkt und bezieht 
sich auf den Schuldspruch wegen sexueller Nötigung (Ziff. III. des erstinstanzlichen 
Urteils), die Strafzumessung, den Zivilpunkt sowie die Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen. 

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte mit Eingabe vom 23. Dezember 2021 mit, 
dass sie keine Gründe für ein Nichteintreten geltend mache, und erklärte An-
schlussberufung betreffend die Freisprüche von den Anschuldigungen der sexuel-

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len Nötigung (Ziff. II.1.1-1.3 des erstinstanzlichen Urteils), die Strafzumessung so-
wie die Kostenfolgen (pag. 666 ff.). 

E.________ (vormals AA.________; nachfolgend Straf- und Zivilklägerin), nach wie 
vor amtlich verteidigt durch Fürsprecherin C.________, machte bezüglich der Beru-
fung des Beschuldigten keine Gründe für ein Nichteintreten geltend und erklärte 
keine Anschlussberufung (pag. 669). Betreffend die Anschlussberufung der Gene-
ralstaatsanwaltschaft wurde ebenfalls kein Nichteintreten beantragt (pag. 676). 

Der Beschuldigte machte keine Gründe für ein Nichteintreten auf die Anschlussbe-
rufung der Generalstaatsanwaltschaft geltend (pag. 678). 

Vom Kanton Bern, handelnd durch die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirek-
tion (GSI), Abteilung Opferhilfe (nachfolgend Zivilklägerin) ging betreffend Berufung 
und Anschlussberufung innert Frist keine Stellungnahme ein. 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Hauptverhandlung wurde von Amtes wegen 
über den Beschuldigten ein aktueller Strafregisterauszug (datierend vom 24. No-
vember 2022; pag. 722 ff.) sowie ein Leumundsbericht samt Erhebungsformular 
wirtschaftliche Verhältnisse (datierend vom 22. November 2022; pag. 702 ff.) und 
ein aktueller Betreibungsregisterauszug (datierend vom 8. Dezember 2022; 
pag. 713 ff.) eingeholt. 

Rechtsanwalt B.________ beantragte anlässlich der oberinstanzlichen Hauptver-
handlung, es sei behördlich abzuklären, auf wessen Name die von der Straf- und 
Zivilklägerin zu Protokoll gegebene Rufnummer (G.________ (Tel.-Nr.)) registriert 
sei. Die Straf- und Zivilklägerin habe angegeben, dass diese Rufnummer von der 
angeblichen Affäre des Beschuldigten verwendet worden sei (pag. 36, Z. 180). Es 
sei zur Würdigung ihrer Aussagenehrlichkeit von Bedeutung, ob ihre Mutmassun-
gen auf Tatsachen basieren würden oder nicht (pag. 745). 

Der Beweisantrag wurde abgewiesen. In der Begründung wurde angeführt, ob die 
Angaben der Straf- und Zivilklägerin in diesem isolierten Punkt der Wahrheit ent-
sprechen, ist für die Würdigung der vorliegenden Vorwürfe nicht entscheidend 
(pag. 746). Es kann angefügt werden, dass die Registrierung einer Telefonnummer 
keine weiteren Informationen über die angebliche Affäre beinhalten würde und in 
der Zwischenzeit geändert worden sein könnte. Die beantragte Beweiserhebung 
hätte insofern höchstens marginalen Beweiswert hinsichtlich der von Rechtsanwalt 
B.________ geltend gemachten Tatsache.  

Weiter wurden die Straf- und Zivilklägerin sowie der Beschuldigte an der oberin-
stanzlichen Hauptverhandlung einvernommen (pag. 723 ff.; pag. 733 ff.). Bei der 
Befragung des Beschuldigten wurde von Fürsprecherin C.________ ein anonymes, 
undatiertes Schreiben, das an die Straf- und Zivilklägerin gerichtet und an ihre Ver-
treterin adressiert ist, verwendet (pag. 761 f.). Dieses wurde zu den Akten erkannt, 
an der Verhandlung von der beigezogenen Übersetzerin zusammengefasst über-
setzt, die Übersetzung aufgezeichnet und die Audiodatei ebenfalls zu den Akten 
genommen (pag. 744 f.; pag. 763). 

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4. Würdigungsvorbehalt

Anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung wurde auf Antrag der General-
staatsanwaltschaft und in Anwendung von Art. 344 StPO ein Würdigungsvorbehalt 
betreffend Ziff. I.1.2. der Anklageschrift (nachfolgend AKS) hinsichtlich Art. 191 
StGB (Schändung) angebracht (pag. 720 f.). 

5. Anträge der Parteien

5.1 Verteidigung

Die Verteidigung beantragte namens des Beschuldigten in oberer Instanz Folgen-
des (pag. 764 f.):

1. Die Verurteilung des Berufungsklägers wegen sexueller Nötigung (Dispositiv Ziffer III), angeblich 
begangen am 22.05.2018 sei vollumfänglich aufzuheben und der Beschuldigte freizusprechen. 

2. Die erstinstanzliche Kostenauferlegung gemäss Ziffer III / 2 sei aufzuheben und die gesamten 
Verfahrenskosten der Staatskasse aufzuerlegen. 

3. Die gemäss Ziffer IV / 1 des Urteilsdispositivs dem Beschuldigten auferlegte Rückzahlungspflicht 
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO sei aufzuheben und die Kosten der amtlichen Verteidigung seien 
vollumfänglich endgültig auf die Staatskasse zu nehmen. 

4. Die gemäss Ziffer IV / 3 des Urteilsdispositivs dem Beschuldigten auferlegte Rückzahlungspflicht 
gemäss Art. 138 Abs. 2 i.V.m. Art. 426 Abs. 4 StPO in Bezug auf die Entschädigung der Rechts-
vertretung der Privatklägerin 1 sei aufzuheben und die Kosten der amtlichen Entschädigung für 
die Rechtsvertretung der Privatklägerin 1 seien vollumfänglich endgültig auf die Staatskasse zu 
nehmen. 

5. Die gemäss Ziffer IV / 3 des Urteilsdispositivs dem Beschuldigten auferlegte Entschädigungs-
pflicht gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO in Höhe von CHF 1'464.75 (Differenz volles Honorar) sei 
aufzuheben. 

6. Ziffer V / 1-3 des Urteilsdispositivs seien vollumfänglich aufzuheben und dem Beschuldigten 
auferlegte Schadenersatzpflicht gegenüber der Privatklägerin 2 (CHF 3'306.00 und 4'423.30) 
sowie die Genugtuungszahlung gegenüber der Privatklägerin 1 (CHF 6'000.00) seien abzuwei-
sen. 

7. Dem Berufungskläger sei eine Genugtuung in Höhe von CHF 2'000.00 auszurichten. 

8. Die eingereichte Honorarnote der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren sei zu ge-
nehmigen. 

9. Die Verfahrenskosten für das Berufungsverfahren (inklusive Kosten der amtlichen Verteidigung) 
seien endgültig auf die Staatskasse zu nehmen.

10 Die Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft vom 23. Dezember 2021 sei vollumfäng-
lich abzuweisen.  

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5.2 Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte folgende Anträge (pag. 769 f.): 

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Einzelge-
richt) vom 8. September 2021 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich

1. der Einstellung wegen mehrfachen Tätlichkeiten infolge Verjährung unter Auferlegung der an-
teilsmässigen Verfahrenskosten (1/6) an Kanton Bern und unter Ausrichtung einer anteilsmässi-
gen Entschädigung (Ziff. I.1-3 erstinstanzliches Urteilsdispositiv);

2. des Freispruchs von der Anschuldigung der Drohung (Ziff. II.2 erstinstanzliches Urteilsdisposi-
tiv);

3. der Einstellung des Widerrufsverfahrens (Ziff. VIII.1+2 erstinstanzliches Urteilsdispositiv).

II.

A.________ sei schuldig zu erklären wegen

1. sexueller Nötigung, mehrfach begangen

1.1 am 22.05.2018 in D.________ z.N. von E.________,

1.2 am 17.06.2018 in D.________ z.N. von E.________,

1.3 am 20.06.2018 in D.________ z.N. von E.________,

1.4 am 05.07.2018 in D.________ z.N. von E.________. 

III.

A.________ sei in Anwendung von Art. 40, 42, 44, 47, 49 Abs. 1, 189 Abs. 1 StGB; Art. 426 ff. StPO

zu verurteilen

1. zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten, unter Gewährung des bedingten Vollzugs bei einer 
Probezeit von 2 Jahren;

2. zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu CHF 100.00, ausmachend total CHF 18'000.00, 
wobei der Vollzug der Geldstrafe mit einer Probezeit von 2 Jahren aufzuschieben sei;

3. zur Bezahlung von 5/6 der erstinstanzlichen Verfahrenskosten sowie der gesamten oberin-
stanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene Gebühr gemäss Art. 21 VKD).

IV.

Im Weiteren sei zu verfügen:

1. Die Honorare des amtlichen Verteidigers sowie der amtlichen Vertreterin der Privatklägerin seien 
gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO). 

2. Dem für die Führung von AFIS zuständigen Dienst sei die Zustimmung zur Löschung der erho-
benen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten nach Ablauf der gesetzlichen Frist zu ertei-
len (Art. 17 Abs. 1 lit. e i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer er-
kennungsdienstlicher Daten). 

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5.3 Privatklägerschaft

Fürsprecherin C.________ beantragte namens der Straf- und Zivilklägerin was folgt 
(pag. 771): 

1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 8.9.2021 in 
Rechtskraft erwachsen ist betreffend

1.1. Einstellung wegen Tätlichkeiten, angeblich mehrfach begangen unter Auferlegung der 
anteilsmässigen Verfahrenskosten an den Kanton Bern und unter Ausrichtung einer an-
teilsmässigen Entschädigung;

1.2 Freispruch wegen Drohung, angeblich begangen am 23. Juni 2018

2. Herr A.________ sei wie in erster Instanz schuldig zu erklären der sexuellen Nötigung, began-
gen am 22. Mai 2018 in D.________ zN der Privatklägerin

3. Herr A.________ sei zusätzlich schuldig zu erklären der sexuellen Nötigung, mehrfach began-
gen am 17.6.2018, 20.6.2018 und 5.7.2018 in D.________ zN der Privatklägerin. 

4. Herr A.________ sei zu verurteilen

4.1 zu einer gerichtlich zu bestimmenden Sanktion;

4.2 zur Bezahlung einer Genugtuung an die Privatklägerin von CHF 6'000.00 zuzüglich Zins 
zu 5% seit dem 22. Mai 2018;

4.3 zu den auf die Schuldsprüche entfallenden Verfahrenskosten des erstinstanzlichen Ver-
fahrens sowie zu den gesamten oberinstanzlichen Verfahrenskosten. 

4.4 zum Ersatz der Parteikosten der Privatklägerin im erst- und oberinstanzlichen Verfahren 
gemäss den Kostennoten vom 7.9.2021 und 14.12.2022. 

5. Für den Fall der Nichteinbringlichkeit der Parteientschädigung vom Beschuldigten sei das amtli-
che Honorar der Anwältin der Privatklägerin gemäss Kostennoten vom 7.9.2021 und 14.12.2022 
festzusetzen. 

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Seitens der Verteidigung wird der Schuldspruch wegen sexueller Nötigung, began-
gen am 22. Mai 2018, mit entsprechenden Folgen betreffend Strafe, Verfahrens-
kosten, Rückzahlungspflicht, Genugtuungs- und Schadenersatzforderungen ange-
fochten (Ziff. III.-VI. des erstinstanzlichen Urteils). Die Generalstaatsanwaltschaft 
ficht hingegen auch die Freisprüche von den Anschuldigungen der mehrfachen se-
xuellen Nötigung, begangen um den 17. Juni 2018, um den 20. Juni 2018 und um 
den 5. Juli 2018, sowie die Kostenfolge und die Strafzumessung an (Ziff. II-IV. des 
erstinstanzlichen Urteils).

Die Kammer hat somit sämtliche Vorwürfe gemäss Ziff. I.1. AKS (pag. 412) bzw. 
die entsprechenden Frei- und Schuldsprüche der Vorinstanz wegen sexueller Nöti-
gung zu überprüfen. Ferner sind die Strafzumessung, die erstinstanzliche Kosten-
verlegung, die Festlegung der amtlichen Entschädigungen von Rechtsanwalt 
B.________ und Fürsprecherin C.________, einschliesslich der entsprechenden 
Rück- und Nachzahlungspflichten des Beschuldigten sowie der Zivilpunkt zu über-
prüfen. Die amtliche Entschädigung des vormaligen Verteidigers des Beschuldig-
ten, Rechtsanwalt F.________, wurde demgegenüber bereits mit Verfügung der 
Vorinstanz vom 15. Februar 2021 rechtskräftig festgesetzt (pag. 470 ff.). Diesbe-

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züglich ist in oberer Instanz einzig über die Rück- und Nachzahlungspflicht des Be-
schuldigten zu befinden. Nicht der Rechtskraft zugänglich ist die Verfügung der 
Vorinstanz betreffend Zustimmung zur Löschung der vom Beschuldigten erhobe-
nen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten. 

Somit ist das erstinstanzliche Urteil insoweit in Rechtskraft erwachsen, als das 
Strafverfahren gegen den Beschuldigten wegen mehrfacher Tätlichkeiten unter 
Auferlegung der anteilsmässigen Verfahrenskosten an den Kanton Bern eingestellt 
wurde (Ziff. I. des erstinstanzlichen Urteils), der Beschuldigte von der Anschuldi-
gung der Drohung zum Nachteil der Straf- und Zivilklägerin freigesprochen wurde 
(Ziff. II.2. des erstinstanzlichen Urteils) und das Widerrufsverfahren unter Kosten-
auflage an den Kanton Bern eingestellt wurde (Ziff. VIII. des erstinstanzlichen Ur-
teils). 

Zufolge Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft gilt das Verschlechte-
rungsverbot hinsichtlich der Freisprüche von der Anschuldigung der mehrfachen 
sexuellen Nötigung sowie der Strafzumessung und der Kostenfolge, einschliesslich 
der Rück- und Nachzahlungspflicht des Beschuldigten hinsichtlich der amtlichen 
Entschädigungen, nicht (Art. 391 Abs. 2 Schweizerische Strafprozessordnung 
[StPO; SR 312.0] e contrario). 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

7. Rechtliche Grundlagen zur Beweiswürdigung sowie zur Aussagenanalyse

In diesem Punkt wird vorab auf die korrekten Ausführungen der Vorinstanz verwie-
sen (Ziff. III.A. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 592 ff.), wobei Folgendes 
ergänzt bzw. hervorgehoben werden kann: 

Steht Aussage gegen Aussage, bedeutet dies nicht zwingend, dass die beschuldig-
te Person in Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo freizusprechen ist. 
Vielmehr hat das Gericht die Darstellung der Verfahrensbeteiligten auf ihren inne-
ren Gehalt und ihre Überzeugungskraft hin zu werten (BGE 137 IV 122 E. 3.3; 
WOHLERS, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar StPO, 3. Auflage, 
Art. 10 N 12 und N 25 f.). Wenn die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu überprüfen 
ist, ist nach Massgabe der modernen Aussagepsychologie weniger die allgemeine 
Glaubwürdigkeit oder Wahrhaftigkeit der jeweiligen Aussageperson an sich, als 
vielmehr die spezielle Glaubhaftigkeit ihrer im Einzelfall zu überprüfenden, konkre-
ten Aussage von Bedeutung (BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor 
Gericht. Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 4. Auflage, Mün-
chen 2014, N 219 ff.). Diese wird durch methodische Analyse ihres Inhalts darauf 
überprüft, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem 
tatsächlichen Erleben der aussagenden Person entspringen. Damit eine Aussage 
als zuverlässig gewürdigt werden kann, ist sie insbesondere auf das Vorhanden-
sein von Realitätskriterien (Konstanz der Aussage im zentralen Handlungsablauf, 
die Strukturgleichheit, die logische Konsistenz, Homogenität und Folgerichtigkeit 
der Aussagen, deren Anschaulichkeit und Wirklichkeitsnähe, die Freiheit von Wi-
dersprüchen, die Detailgenauigkeit der Angaben, deren qualitativer Detailreichtum) 

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und umgekehrt auf das Fehlen von Phantasiesignalen (insbesondere Verlegenheit 
oder Übertreibungen) zu überprüfen. Entscheidend ist, ob die aussagende Person 
unter Berücksichtigung der Umstände, ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit und 
der Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen Erlebnishintergrund machen 
könnte. Methodisch wird die Prüfung in der Weise vorgenommen, dass das im 
Rahmen eines hypothesengeleiteten Vorgehens durch Inhaltsanalyse (aussage-
immanente Qualitätsmerkmale, Realkennzeichen) und Bewertung der Entste-
hungsgeschichte der Aussage sowie des Aussageverhaltens insgesamt gewonne-
ne Ergebnis auf Fehlerquellen überprüft und die persönliche Kompetenz der aus-
sagenden Person analysiert wird. Dabei wird zunächst davon ausgegangen, dass 
die Aussage gerade nicht realitätsbegründet ist, und erst wenn sich diese Annahme 
(Nullhypothese) aufgrund der festgestellten Realitätskriterien nicht mehr halten 
lässt, wird geschlossen, dass die Aussage einem wirklichen Erleben entspricht und 
wahr ist (vgl. BGE 133 I 33 E. 4.3; 129 I 49 E. 5; 128 I 81 E. 2; Urteil des Bundes-
gerichts 6B_793/2010 vom 14. April 2011 E. 1.3.1; je mit Hinweisen). 

8. Vorwürfe gemäss Anklageschrift

In Ziff. I.1. AKS wird dem Beschuldigten sexuelle Nötigung vorgeworfen, mehrfach 
begangen, indem er im Zeitraum vom 8. Mai 2018 bis 6. August 2018, in 
D.________, H.____-weg, seine damalige Ehefrau E.________ unter Anwendung 
von Gewalt gegen ihren Willen zu beischlafähnlichen und anderen sexuellen Hand-
lungen zwang. 

[…] Namentlich indem er

1.1. um den 22. Mai 2018, um ca. 01:55 Uhr das gemeinsame Schlafzimmer betrat und gegen ihren 
ausdrücklichen Willen verlangte, dass sie seinen Penis küssen solle. Als sie sich weigerte dies 
zu tun, packte er sie an den Haaren und drückte dann ihren Kopf nach unten zu seinem Glied. 
Nach der oralen Befriedigung zwang der A.________ E.________, sein Sperma «zu trinken». 
Sie hatte ihm ausdrücklich gesagt, dass sie das ekelt und nicht tun will. 

A.________ wusste aufgrund dieser Ausführungen, das seine Ehefrau diese sexuellen Hand-
lungen ganz klar nicht wollte und sich dagegen zur Wehr setzte. Zur Befriedigung seiner Lust 
setzte er sich mit Körperkraft über den Willen seiner Ehefrau hinweg. Dies im Wissen, dass er 
ihr körperlich überlegen war und sie aufgrund der sozialen Umstände von ihm abhängig war und 
sie sich entsprechend nicht ausreichend zur Wehr setzen kann. 

1.2. um den 17.06.2018, um ca. 20:00 Uhr von seiner Arbeit nach Hause kam. Kurze Zeit später hat-
ten sie auf dem Sofa im dunklen Wohnzimmer einvernehmlichen Geschlechtsverkehr. Mitten im 
Akt stand er auf und holte Obst aus dem Kühlschrank. Ohne das Wissen und Einverständnis von 
E.________ führte er eine Aubergine vaginal in sie ein. Er nutzte damit den Überraschungseffekt 
und die damit verbundene Schockstarre aus, in welche E.________ fiel. Er wiederholte den Vor-
gang mit einer Gurke und führte diese ebenfalls vaginal in sie ein. Sie schrie und sagte, er soll 
aufhören, es würde ihr wehtun. Daraufhin zog A.________ die Gurke aus ihr heraus. Er befahl 
ihr, dass sie sich vor ihm hinknien soll, denn er wolle mit seinem Penis in sie eindringen. Dies tat 
er jedoch nicht und drang stattdessen mit der Gurke in ihren After ein. Sie sagte erneut, dass sie 
das nicht wolle und er aufhören soll, weil sie Schmerzen dabei empfinde. Sie zog die Gurke aus 
sich heraus und verliess das Wohnzimmer.

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Um den 20.06.2018, um ca. 01:55 Uhr, hatten die Beiden einvernehmlichen Geschlechtsver-
kehr. Während des Aktes führte A.________ ohne Einverständnis E.________ eine Aubergine 
vaginal ein, weshalb E.________ Schmerzen erlitt. 

Um den 05.07.2018 hatten sie erneut einvernehmlichen Beischlaf. Während dem Akt holte 
A.________ erneut eine Aubergine. Sie wehrte sich verbal und durch Abwehrbewegungen mit 
den Händen. Gegen ihren ausdrücklichen Willen kam es zum dritten Mal in der Folge zu einer 
vaginalen Penetration mit einer Aubergine. 

A.________ wusste seit dem ersten Ereignis, dass eine Ehefrau diese sexuellen Handlungen 
ganz klar nicht wollte und sich dagegen zur Wehr setzte. Zur Befriedigung seiner Lust setzte er 
sich über den Willen seiner Ehefrau hinweg, im Wissen, dass er ihr körperlich überlegen war und 
sie aufgrund der sozialen Umstände von ihm abhängig war und sie sich entsprechend nicht aus-
reichend zur Wehr setzen kann. 

9. Bestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte bestreitet alle vier Vorfälle gemäss der Anklageschrift. Er habe 
seine Frau nie zum Oralverkehr oder zum Trinken des Samenergusses gezwungen 
und ihr nie Auberginen oder Gurken eingeführt. 

10. Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz folgerte zusammengefasst, dass sich den vorhandenen objektiven 
Beweismitteln nichts Wesentliches zum bestrittenen Sachverhalt entnehmen lasse. 
Betreffend das Schreiben des Migrationsdienstes vom 3. August 2018 (pag. 186) 
könne ausgeschlossen werden, dass die Straf- und Zivilklägerin die vorliegenden 
Vorwürfe zur Begründung eines ausländerrechtlichen Härtefalls erfunden habe. Die 
Arbeitszeiterfassung des Beschuldigten (pag. 332 ff.) entlaste diesen nicht. Seine 
Eingaben vom 25. Juni 2018 und vom 17. September 2019 an den Migrations-
dienst würden lediglich aufzeigen, dass das Verhältnis zwischen den Parteien be-
reits kurze Zeit nach der zivilen Hochzeit zerrüttet gewesen sei. Wesentlichen Auf-
schluss könnten somit einzig die Aussagen der Parteien geben. 

Die Aussagen des Beschuldigten seien durchwegs unglaubhaft und würden die 
Vorwürfe nicht entkräften. Die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin zum Vorwurf 
gemäss Ziff. I.1.1. AKS würden geringfügige Widersprüche, aber auch zahlreiche 
Realkennzeichen beinhalten und seien im Wesentlichen konstant geblieben. Dieser 
Vorwurf lasse sich gestützt auf ihre Aussagen erstellen. Zum ersten Vorfall gemäss 
Ziff. I.1.2. AKS seien erhebliche Widersprüche betreffend die Örtlichkeiten, die 
Handlungsabläufe sowie die Folgen erkennbar. Zu den übrigen Vorfällen gemäss 
Ziff. I.1.2. AKS habe die Straf- und Zivilklägerin nur einmal detaillierte Aussagen 
gemacht. Diese Sachverhalte seien somit nicht erstellt (zum Ganzen Ziff. III.C.4. 
des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 612 ff.).

12

11. Vorbringen der Parteien

11.1 Seitens der Verteidigung

Die Verteidigung macht oberinstanzlich geltend, dass erhebliche Zweifel an der 
Aussagenehrlichkeit der Straf- und Zivilklägerin bestünden. Ihre Angaben seien in 
vielen Bereichen nicht gestützt, sondern gar widerlegt worden. Dies habe auch die 
Vorinstanz erkannt und entsprechende Freisprüche ausgefällt. Bis zu ihrem Eintritt 
in das Frauenhaus habe sie nie Vorkommnisse wie die angeklagten erwähnt. Zahl-
reiche ihrer Schilderungen seien nicht miteinander zu vereinbaren. So sei es etwa 
nicht nachvollziehbar, weshalb sie sich zuweilen auf Geschlechtsverkehr mit dem 
Beschuldigten gefreut habe, wenn sie angeblich zuvor sexuell genötigt worden sei. 
Die Vorinstanz habe zutreffend gefolgert, dass sich zu viele Widersprüche zu den 
Vorwürfen gemäss Ziff. I.1.2. AKS finden würden, als dass ihre Aussagen als Be-
weis ausreichen würden. Es sei um vier isolierte Vorfälle gegangen, sodass kon-
stante Aussagen erwartet werden dürften. Auch zum erstinstanzlichen Schuld-
spruch würden sich jedoch Widersprüche finden. So habe die Straf- und Zivilkläge-
rin vor der Staatsanwaltschaft ausgesagt, sie habe freiwillig Oralverkehr mit dem 
Beschuldigten gehabt, was dem erstellten Sachverhalt der Vorinstanz zuwiderlaufe. 

Der Beschuldigte wiederum habe stringent und konstant ausgesagt. Etwas Ande-
res als pauschales Bestreiten, wie die Vorinstanz es ihm angelastet habe, sei ihm 
gar nicht möglich gewesen. Die angebliche Kargheit und Detailarmut seiner Aussa-
gen lasse sich mit kulturell bedingter Scham erklären. Insgesamt sei somit auf sei-
ne Aussagen abzustellen. Die Vermutung, wonach die Vorwürfe im Hinblick auf ei-
ne ausländerrechtliche Härtefallbewilligung erfunden worden seien, liege aufgrund 
der äusseren Ereignisse nahe. Gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten seien 
somit alle Vorwürfe widerlegt (zum Ganzen pag. 746 ff. und pag. 756 f.). 

11.2 Seitens der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft bringt vor, ein mögliches Motiv der Straf- und Zivil-
klägerin für eine Falschbelastung sei nicht ersichtlich. Demgegenüber sei anhand 
der Akten klar, dass die Ehe zwischen den Parteien schnell zerrüttet gewesen sei 
und der Beschuldigte die Straf- und Zivilklägerin habe loswerden wollen. Es sei zu 
vermuten, dass er sie durch sein Verhalten habe zum Gehen bewegen wollen. Die 
Straf- und Zivilklägerin habe zu allen Vorwürfen im Kern gleichbleibend ausgesagt. 
Ihre Aussage gegenüber der Staatsanwaltschaft, wonach es zu einvernehmlichem 
Oralverkehr mit dem Beschuldigten gekommen sei, werde aus dem Kontext geris-
sen. Die von der Vorinstanz angegebenen Widersprüche zu den weiteren Vorwür-
fen seien nicht ausschlaggebend, insbesondere im Hinblick auf die Verfahrensdau-
er. Die aus ihrer Sicht wesentlichen Punkte habe sie detailliert, schlüssig und kon-
stant wiedergegeben. Ihre Aussagen seien mit Interaktionen sowie Komplikationen 
verknüpft und die an der oberinstanzlichen Einvernahme gezeigten Gefühlsregun-
gen seien eindrücklich. Entscheidend sei weiter, dass sie den Beschuldigten nicht 
übermässig belastet habe. Die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin seien somit 
glaubhaft und die zur Anklage gebrachten Vorwürfe damit erstellt (zum Ganzen 
pag. 750 ff. und pag. 758).  

13

11.3 Seitens der Privatklägerschaft

Fürsprecherin C.________ verwies auf die Ausführungen der Generalstaatsanwalt-
schaft und führte ergänzend an, die Straf- und Zivilklägerin sei wirtschaftlich, sozial 
und emotional völlig vom Beschuldigten abhängig gewesen. Ein Komplott im Hin-
blick auf einen ausländerrechtlichen Härtefall könne aufgrund ihrer Sprachkennt-
nisse ausgeschlossen werden. Die Straf- und Zivilklägerin sei über einen mehrjäh-
rigen Zeitraum sehr oft befragt worden. Gewisse Widersprüche seien nachvollzieh-
bar. Jedoch sei es kaum vorstellbar, dass die von ihr erhobenen, spezifischen Vor-
würfe erfunden worden seien. Die Vorfälle habe sie nicht gleichförmig geschildert, 
sondern mit individuellen Gedanken, Interaktionen und Gefühlen verknüpft. Auf die 
Aussagen der Straf- und Zivilklägerin könne abgestellt werden (pag. 755 ff. und 
pag. 758).  

12. Vorbemerkungen zur Beweiswürdigung 

Die Vorinstanz hat die vorhandenen objektiven Beweismittel zutreffend zusam-
mengefasst. Es wird vorab darauf verwiesen (Ziff. III.C.3.1.-C.3.15. des erstinstanz-
lichen Urteilsmotivs; pag. 597 ff.). Auch für die Zusammenfassung der subjektiven 
Beweismittel wird auf die Ausführungen der Vorinstanz (Ziff. III.C.3.21.-C.3.23. des 
erstinstanzlichen Urteils; pag. 610 ff.) sowie die Protokolle der oberinstanzlichen 
Einvernahmen verwiesen (pag. 723 ff.; pag. 733 ff.). Es wird darauf verzichtet, je-
des verfügbare Beweismittel einzeln zu würdigen und stattdessen – mit Ausnahme 
der Würdigung der verfügbaren Aussagen – auf die Beweiswürdigung der Vorin-
stanz verwiesen (Ziff. III.C.4.1.-C.4.15. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; 
pag. 612 ff.). Abweichungen und Ergänzungen zu den einzelnen Beweismitteln 
werden in der nachfolgenden Würdigung direkt eingebaut. 

Zu untersuchen sind die vorerwähnten vier Vorfälle gemäss der Anklageschrift, 
wofür in erster Linie die Aussagen der Parteien entscheidend sind. Dennoch er-
scheint es im Hinblick auf die folgende Aussagenanalyse zentral, die Dynamik und 
die Chronologie der Beziehung im Blick zu behalten. Anders als die Vorinstanz 
geht die Kammer davon aus, dass diese Umstände Rückschlüsse für die Aussa-
genanalyse zulassen. Die sozialen Umstände der Straf- und Zivilklägerin sowie die 
daraus resultierende limitierte Widerstandsfähigkeit sind überdies Gegenstand des 
Anklagesachverhalts. Ihre Beziehung hat insoweit durchaus Bedeutung für die Be-
weiswürdigung. Aus diesem Grund erscheint die von der Vorinstanz gewählte Vor-
gehensweise, jeden Vorwurf bei der Beweiswürdigung isoliert zu betrachten, nicht 
sachgerecht (vgl. Ziff. III.C.1. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 595). Hinge-
gen ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass nicht jeder «Nebenschauplatz» des vor-
liegenden Verfahrens zu untersuchen ist. 

Nachfolgend wird zunächst die Beziehung zwischen dem Beschuldigten und der 
Straf- und Zivilklägerin beleuchtet, wobei nicht auf jeden einzelnen Streitpunkt ein-
gegangen wird (E. 13 unten). Anschliessend wird das Aussageverhalten der beiden 
Parteien im Hinblick auf die Vorwürfe untersucht (E. 14.1 f. unten) und eine ge-
samthafte Beweiswürdigung vorgenommen (E. 14.3 unten). 

14

13. Die Beziehung des Beschuldigten und der Straf- und Zivilklägerin

13.1 Eckdaten

Wann sich der Beschuldigte und die Straf- und Zivilklägerin genau via Facebook 
kennengelernt haben, lässt sich nicht abschliessend beantworten. Gemäss den 
(detaillierteren) Angaben der Straf- und Zivilklägerin muss dies schon vor Ende 
2016 stattgefunden haben. Die Eckdaten der Beziehung lauten sodann wie folgt: 

24.07.2016: Erstes persönliches Aufeinandertreffen nach dem Kennenlernen via Facebook 
(gemäss der Straf- und Zivilklägerin [pag. 34, Z. 65]; der Beschuldigte nannte 
kein konkretes Datum [pag. 111, Z. 97 f.]);

26.09.2016: Verlobung im Tempel in M.________ (Land) (gemäss der Straf- und Zivilkläge-
rin [pag. 34, Z. 66 f.]; der Beschuldigte erwähnte die Verlobung nicht);

09.02.2017: traditionelle Heirat in M.________(Land) (pag. 34, Z. 65; übereinstimmend 
pag. 111, Z. 101);

09.04.2018: Einreise der Straf- und Zivilklägerin in die Schweiz, Zusammenleben mit dem 
Beschuldigten sowie dem Sohn und der Mutter des Beschuldigten in 
D.________ (pag. 111, Z. 106);

14.04.2018: Die Mutter des Beschuldigten geht zurück nach Norwegen (pag. 135, Z. 168);

Ca. 22.05.2018: Vorfall gemäss Ziff. I.1.1. AKS (bestritten);

11.06.2018: Zivile Hochzeit in Bern (pag. 35, Z. 121; übereinstimmend pag. 110, Z. 68);

Ca. 17.06.2018: 1. Vorfall gemäss Ziff. I.1.2. AKS (bestritten);

Ca. 20.06.2018: 2. Vorfall gemäss Ziff. I.1.2. AKS (bestritten);

25.06.2018: Schreiben des Beschuldigten an den Migrationsdienst des Kantons Bern, in-
dem er um den Stopp der Ausweisausstellung für die Straf- und Zivilklägerin 
bittet, weil er sich kein weiteres Leben mit ihr vorstellen könne und sich schei-
den lassen wolle (pag. 183);

Ca. 05.07.2018: 3. Vorfall gemäss Ziff. I.1.2. AKS (bestritten);

09.07.2018: Die Straf- und Zivilklägerin meldet sich auf der Polizeiwache D.________ we-
gen Familienproblemen (pag. 4; pag. 13);

19.07.2018: Der Beschuldigte reist mit seinem Sohn bis am 04.08.2018 nach 
M.________(Land) (pag. 44, Z. 591);

07.08.2018: Die Straf- und Zivilklägerin zieht aus der gemeinsamen Wohnung in 
D.________ aus und wohnt vorübergehend bei einer Freundin (pag. 38, 
Z. 274; pag. 113, Z. 209);

14.08.2018: Eintritt ins Frauenhaus Biel (pag. 38, Z. 275); 

18.09.2018: Eingang der Meldung bei der Polizei (pag. 4);

11.10.2018: Erste Einvernahme der Straf- und Zivilklägerin (pag. 32);

01.11.2018: Erste Einvernahme des Beschuldigten (pag. 108);

15

13.2 Aussagen der Parteien unter Einbezug der objektiven Beweismittel

Die Aussagen der Parteien zu ihrer Beziehung widersprechen sich diametral, las-
sen sich aber anhand der weiteren Beweismittel verifizieren. So lässt sich insbe-
sondere die Darstellung des Beschuldigten nicht mit den objektiven Beweismitteln 
in Einklang bringen. Er behauptete an seiner Erstbefragung vom 1. November 
2018, an der er erstmals mit den Vorwürfen der Straf- und Zivilklägerin konfrontiert 
wurde, er wisse nicht, weshalb die Straf- und Zivilklägerin seine Wohnung verlas-
sen und sich von ihm getrennt habe (pag. 113, Z. 208 ff.). Er habe die Trennung 
nicht gewollt (pag. 113, Z. 219 ff.). M.___(Land)-innen würden häufig solche Unter-
stellungen verwenden, um das Haus verlassen zu können (pag. 110, Z. 83 ff.). 
Streit habe es während der Beziehung nicht gegeben, sondern lediglich Meinungs-
verschiedenheiten (pag. 114, Z. 263 ff.; vgl. demgegenüber pag. 123 f., Z. 731 ff.). 

Anhand eines Schreibens des Beschuldigten an den Migrationsdienst vom 25. Juni 
2018 ist demgegenüber klar, dass die Beziehung zwischen den beiden weit vor 
dem vorliegenden Verfahren zerrüttet war (pag. 183). In diesem Schreiben rund 
2 Wochen nach der zivilen Hochzeit hatte der Beschuldigte die Behörden aufgefor-
dert, der Straf- und Zivilklägerin keine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, weil er 
sich von ihr scheiden lassen wolle. Gegenüber der Gemeinde D.________ hatte 
der Beschuldigte gleichermassen erklärt, dass die Straf- und Zivilklägerin ihn für ei-
ne Aufenthaltsbewilligung ausgenutzt habe und er sie schon zwei Monate nach ih-
rer Einreise nicht mehr haben wolle (pag. 5). Mitte September 2018 hatte er sich 
sodann bei der Polizei in D.________ erkundigt, wie er vorgehen müsse, wenn er 
sich von seiner Frau trennen und sie zurück nach M.________(Land) schicken wol-
le (pag. 14). Es liegt angesichts dieser Aktenstücke auf der Hand, dass der Be-
schuldigte – entgegen seinen Beteuerungen noch vor der Kammer (pag. 739 ff., 
Z. 42 ff.; vgl. demgegenüber pag. 742, Z. 1 ff.) – mit der Beziehung zur Straf- und 
Zivilklägerin nicht zufrieden war und diese eigentlich beenden bzw. sie zum Auszug 
bewegen wollte. Entgegen der Verteidigung betraf dies offensichtlich nicht lediglich 
äussere Umstände, wie beispielsweise die finanziellen Verhältnisse (vgl. pag. 748). 
Diese hätten kaum zum Scheidungswillen rund 2 Wochen nach der zivilen Hochzeit 
geführt.  

Die Tendenz des Beschuldigten, die Verantwortung für die Beziehungsprobleme 
und die Trennung der Straf- und Zivilklägerin zuzuschieben, spricht für sich und 
reiht sich nahtlos in eine ganze Reihe weiterer Anschuldigungen gegen sie ein. 
Dem Beschuldigten zufolge habe die Straf- und Zivilklägerin ihn bedroht und 
genötigt (pag. 114, Z. 264 ff.), unter falschem Namen eine Schmierenkampagne 
gegen ihn geführt (pag. 118, Z. 463 ff.) sei ohne Führerschein Auto gefahren 
(pag. 115, Z. 311 f.; demgegenüber Z. 326 ff.) und habe ihn sowie seinen Sohn in 
Lebensgefahr gebracht (pag. 115, Z. 309 ff.). Überdies habe sie ihn ausgenutzt, um 
in die Schweiz einreisen zu dürfen (pag. 114, Z. 243) und an Geld zu kommen 
(pag. 112 f., Z. 186 ff.), wie sie es schon mit vielen Männern getan habe (pag. 116, 
Z. 339 ff.). Fragen zu Vorwürfen der Straf- und Zivilklägerin drehte er auffallend ins 
Gegenteil und wich der Fragestellung aus (vgl. beispielhaft pag. 118, Z. 437 ff.; 
pag. 118, Z. 458 f.; pag. 116, Z. 382 ff.). Einzelne dieser Vorwürfe sind zwar in obe-
rer Instanz nicht verfahrensgegenständlich. Die Reaktionen des Beschuldigten auf 

16

die vorgehaltenen Aussagen der Straf- und Zivilklägerin sind dennoch bezeichnend 
für sein überaus gegenangriffiges und ausweichendes Aussageverhalten. 

Die Straf- und Zivilklägerin beschrieb den Beschuldigten demgegenüber als kon-
trollierend, mithin gewalttätig (z.B. pag. 36, Z. 200 ff.) und machte ausführliche 
Aussagen zur angeblichen Affäre des Beschuldigten, die er dem Vernehmen nach 
gehabt habe (vgl. pag. 36, Z. 161 ff.). Ihr Verhalten deckt sich derweil mit ihren An-
gaben über das kontrollierende Verhalten des Beschuldigten. Sie meldete sich am 
9. Juli 2018 erstmals bei der Polizeiwache in D.________, konnte sich kaum mit 
den Polizeibeamten verständigen und wollte nach 5 Minuten wieder nach Hause, 
weil der Beschuldigte nicht von ihrer polizeilichen Vorsprache erfahren sollte 
(pag. 13 f.). In den folgenden Wochen wiederholte sich diese Szene. Es spricht für 
sich, dass die Straf- und Zivilklägerin, die sich in einem fremden Land befand, kei-
ne Amtssprache beherrscht und sich kaum verständigen konnte, mit solcher Ve-
hemenz Hilfe suchte. Sie hatte zudem offenbar ihre Gründe, den Beschuldigten 
über die Vorsprachen bei der Polizei im Dunkeln zu lassen. Entgegen der Verteidi-
gung ist überdies nicht von Belang, dass die Straf- und Zivilklägerin zu diesem 
Zeitpunkt die oberinstanzlich zu untersuchenden Vorwürfe noch nicht erwähnte 
(vgl. pag. 748). Es erscheint lebensfremd, dass sie während fünfminütigen Vor-
sprachen bei beliebigen, ihr unbekannten Polizeibeamten ihr Sexualleben mit dem 
Beschuldigten ausführlich darlegen würde. Zudem kann nicht davon ausgegangen 
werden, dass die Straf- und Zivilklägerin über das nötige Fremdsprachvokabular 
zur Beschreibung des Vorgefallenen verfügt hätte. Die Schilderungen der Straf- 
und Zivilklägerin über die Beziehung stehen sodann im Einklang mit den objektiven 
Beweismitteln. Ihr zufolge habe der Beschuldigte ihr um den 23. Juni 2018 gesagt, 
sie solle den gemeinsamen Haushalt verlassen, nachdem sie sich geweigert hatte, 
Geschlechtsverkehr mit ihm zu haben (pag. 40, Z. 384 und Z. 396 f.; dazu einge-
hender E. 14.2 unten). Dies deckt sich zeitlich mit dem Schreiben des Beschuldig-
ten an den Migrationsdienst vom 25. Juni 2018, wonach er sich von der Straf- und 
Zivilklägerin scheiden lassen wolle (pag. 183). 

Die Schilderungen der Straf- und Zivilklägerin zur angeblichen Affäre sind, entge-
gen der Verteidigung, derweil nicht entscheidend für die Würdigung der Glaubhaf-
tigkeit ihrer Aussagen. Ob der Beschuldigte tatsächlich eine Affäre führte oder die 
Straf- und Zivilklägerin nur einen dahingehenden Verdacht hatte, ist nicht relevant 
und daher nicht weiter zu untersuchen. Der Verteidigung kann überdies nicht ge-
folgt werden, soweit sie es als unstimmig und widersprüchlich bezeichnet, dass die 
Straf- und Zivilklägerin den Beschuldigten trotz dem (bestrittenen) ersten Vorfall um 
den 22. Mai 2018 zivil geheiratet habe. Die Straf- und Zivilklägerin gab konstant an, 
für sie sei die religiöse Heirat in M.________(Land) entscheidend gewesen; die zi-
vile Hochzeit in der Schweiz habe lediglich der Absicherung ihres Aufenthalts ge-
dient und keine emotionale Bedeutung gehabt (pag. 72, Z. 946 ff.). Sie erhob eben-
falls diverse Anschuldigungen gegen den Beschuldigten, die jedoch in oberer In-
stanz nicht verfahrensgegenständlich sind bzw. gar nicht erst zur Anklage gebracht 
wurden, sodass darauf nicht weiter einzugehen ist. Ersichtlich und entscheidend ist 
jedenfalls, dass – wenn es auch gerichtsnotorisch kein typisches Opferverhalten 
gibt – das von der Polizei dokumentierte Verhalten der Straf- und Zivilklägerin mit 
ihrer Beschreibung des Beschuldigten und ihrer Beziehung korrespondiert. Die ak-

17

tenkundige Eingabe des Beschuldigten an den Migrationsdienst (pag. 183) passt 
darüber hinaus ebenso zur von der Straf- und Zivilklägerin geschilderten Bezie-
hungsdynamik, wie die Tatsache, dass der Beschuldigte einige Tage vor ihrer ers-
ten polizeilichen Vorsprache die Polizei informierte, dass sie wegen Ferienabwe-
senheit alleine zuhause sei (pag. 14; vgl. dazu seine widersprüchlichen Erklärun-
gen vor der Kammer, pag. 741 f., Z. 25 ff.; pag. 744, Z. 23 ff.). Insofern erscheinen 
ihre Aussagen stimmig und glaubhaft. 

Die Zeugenaussagen der Exfrau des Beschuldigten, I.________, sind nicht geeig-
net, an diesen Feststellungen etwas zu ändern. Es ist offensichtlich, dass sie den 
Beschuldigten nicht belasten wollte – wohl wegen der gemeinsamen Kinder und 
der familiären Verbindungen im gemeinsamen Herkunftsland (pag. 28, Z. 263 f.) als 
Berührungspunkte. So behauptete sie beispielsweise, dass der Beschuldigte in ih-
rer 15-jährigen Beziehung nie tätlich gegen sie geworden sei (pag. 28, Z. 241), wo-
hingegen der Beschuldigte aussagte, seine Exfrau habe derartige Vorwürfe gegen 
ihn erhoben (pag. 117, Z. 418 f.). Vorgänge in der ersten Beziehung des Beschul-
digten ermöglichen zudem keinen direkten Rückschluss auf die Beziehung mit der 
Straf- und Zivilklägerin. Mit seiner ersten Ehefrau war der Beschuldigte deutlich 
länger zusammen und aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Die Beziehungsdy-
namik dürfte schon aus diesem Grund anders gewesen sein. Die Zeugenaussagen 
der Exfrau des Beschuldigten haben aus diesen Gründen in diesem Punkt keinen 
Beweiswert. 

Im vorliegenden Verfahren ist, wie gesagt, nicht auf die zahlreichen Konflikte in der 
Beziehung zwischen dem Beschuldigten und der Straf- und Zivilklägerin einzuge-
hen. Entscheidend ist lediglich, dass ihre Beziehung während des Zusammenle-
bens erheblich getrübt war und sich der Beschuldigte bereits 2 Wochen nach der 
zivilen Hochzeit von der Straf- und Zivilklägerin scheiden lassen bzw. sie «nach 
M.________(Land) zurücksenden» wollte (pag. 14). Anders kann sein Schreiben 
an den Migrationsdienst vom 25. Juni 2018 (pag. 183) sowie die Meldungen bei der 
Gemeinde und der Polizeiwache D.________ nicht verstanden werden. Schlüssig 
erklären konnte er diese Vorgänge vor der Kammer jedenfalls nicht (vgl. pag. 742, 
Z. 29 ff.; pag. 743, Z. 30 ff.). Die Diskrepanz zu seiner Darstellung der Beziehung 
offenbart ein unstimmiges, gegenangriffiges und letztlich unglaubhaftes Aussage-
verhalten. 

Verallgemeinernd lässt sich zur Beziehung sagen, dass die Straf- und Zivilklägerin, 
wie in der Anklageschrift umschrieben, aufgrund der sozialen Umstände vom Be-
schuldigten abhängig war. Sie befand sich in einem fremden Land, dessen Amts-
sprachen sie nicht beherrscht, und verfügte über kein nennenswertes soziales 
Netz. Da die Straf- und Zivilklägerin darüber hinaus kaum eigene finanzielle Mittel 
hatte und weitestgehend ortsunkundig war, gab es ein signifikantes Machtgefälle in 
der Beziehung. Kommt hinzu, dass ihr Anwesenheitsstatus in der Schweiz von der 
Ehe mit dem Beschuldigten abhing, was ihm klar war (pag. 111, Z. 112 ff.). Auf-
grund dieser Umstände konnte sich die Straf- und Zivilklägerin nicht ausreichend 
gegen den Beschuldigten zur Wehr setzen bzw. sich dessen Willen entziehen. 
Dem Beschuldigten war diese Abhängigkeit bewusst (pag. 112, Z. 167 f.) und er 
räumte ein, dass es im gemeinsamen Kulturkreis der beiden Parteien einer Ehefrau 

18

nicht ohne weiteres möglich ist, den gemeinsamen Haushalt zu verlassen 
(pag. 110, Z. 83 ff.) bzw. dies gesellschaftliche Ächtung nach sich ziehen kann. Ob 
die Straf- und Zivilklägerin überdies vom Beschuldigten in der gemeinsamen Fami-
lienwohnung «eingesperrt» worden war, ist nicht relevant. Sie hatte aufgrund der 
Umstände kaum Möglichkeiten, woanders hin zu gehen (pag. 92, Z. 213 f.; sinn-
gemäss auch der Beschuldigte, pag. 112, Z. 160 f. und Z. 167 ff.). Das mehrmalige 
Vorsprechen bei der Polizei und dem Sozialdienst der Gemeinde D.________ trotz 
der Sprachbarriere und der (nach Auffassung der Kammer glaubhaften) Furcht vor 
dem Beschuldigten bezeugt ihre schwierige Situation. 

14. Zu den Vorwürfen gemäss Ziff. I.1. AKS

14.1 Aussagen des Beschuldigten

Es wird auf die zutreffende Zusammenfassung der Vorinstanz der Aussagen des 
Beschuldigten (Ziff. III.C.3.21.-C.3.23. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; 
pag. 610 ff.) sowie auf das Protokoll der oberinstanzlichen Einvernahme 
(pag. 733 ff.) verwiesen. Zu den konkreten Vorwürfen legte der Beschuldigte das-
selbe gegenangriffige und ausweichende Aussageverhalten an den Tag wie zur 
Beziehung allgemein.  

Schon in seinen allerersten Aussagen, bevor ihm die Vorwürfe der Straf- und Zivil-
klägerin überhaupt vorgehalten worden waren, betonte er, dass hier die Probleme 
der Frau in den Vordergrund gestellt würden, so etwas auch Männern passiere 
(pag. 110, Z. 45 f.) und M.___(Land)-innen häufig Vorwürfe erfinden würden, um 
den Haushalt verlassen zu können (pag. 110, Z. 83 ff.). Von seiner ursprünglichen 
Behauptung, in Wahrheit liege Vergewaltigung und sexuelle Nötigung zu seinem 
Nachteil vor (pag. 116, Z. 382 ff.), war in der Folge nie wieder die Rede (vgl. 
pag. 119, Z. 526 f.; ebenso pag. 737, Z. 35). Stattdessen dramatisierte der Be-
schuldigte vor der Vorinstanz die Belastung des Strafverfahrens auf ihn (pag. 532, 
Z. 15 ff.) und behauptete vor der Kammer erstmals, dass er seinen Nebenerwerb, 
den er seit 21 Jahren innehat, in erster Linie ausübe, um sich davon abzulenken 
(pag. 742, Z. 21 ff.), was völlig unglaubhaft ist. 

Fragen zu seinem Sexualleben mit der Straf- und Zivilklägerin wich der Beschuldig-
te konstant aus und betonte stattdessen unablässig, dass Geschlechtsverkehr kei-
ne grosse Bedeutung für ihn aufweise, er deutlich weniger Erfahrungen damit habe 
als die Straf- und Zivilklägerin (pag. 120, Z. 548 f.; pag. 736, Z. 35 f.) und sein 
strenger Arbeitsalltag ihm weder genügend Zeit noch Energie dafür lasse 
(pag. 120, Z. 548 f.; pag. 736, Z. 29 ff.). Die Straf- und Zivilklägerin hingegen habe 
mehrmals täglich Sex gewollt und ihn zu diesem Zweck zuweilen sogar um 
04:00 Uhr morgens geweckt (pag. 120, Z. 555 ff.). Insgesamt sei es während der 
gesamten Beziehung aber nur etwa 6 Mal zu Geschlechtsverkehr gekommen 
(pag. 137, Z. 255; pag. 736, Z. 20). Seine Darstellung der Straf- und Zivilklägerin 
als – pointiert ausgedrückt – geradezu sexbesessene Ehefrau, die ihn frühmorgens 
geweckt, beim Höhepunkt physisch verletzt, zum Alkoholtrinken animiert und sei-
nen Sohn «in eine falsche Richtung» gelenkt habe (vgl. hierzu auch pag. 736, 
Z. 39 ff.), wohingegen er sexuell unerfahren, vielbeschäftigt und immer müde ge-
wesen sei (pag. 120, Z. 553 ff.), mutet geradezu absurd und völlig lebensfremd an. 

19

Der Beschuldigte beschränkte sich, anders als von der Verteidigung angeführt, ge-
rade nicht auf pauschales Bestreiten der Vorwürfe, sondern wendete diese – in-
konsequent und geradezu willkürlich – ins Gegenteil (beispielhaft pag. 116, 
Z. 382 ff.). Allfällige kulturell bedingte Scham seinerseits hat keinen Einfluss auf die 
Beweiswürdigung; sein ausweichendes Aussageverhalten hielt ihn nicht davon ab, 
relativ offen über das angebliche Sexualverhalten der Straf- und Zivilklägerin zu be-
richten (beispielhaft pag. 120, Z. 578 ff.). 

Die detaillierten Schilderungen über das angebliche Verhalten der Straf- und Zivil-
klägerin beim Geschlechtsverkehr offenbaren sodann ein sehr selektives Erinne-
rungsvermögen des Beschuldigten. Er behauptete, er könne nicht beschreiben, wie 
die Sexualkontakte abgelaufen seien und was die Straf- und Zivilklägerin dabei 
gemacht habe (pag. 137, Z. 240 ff.). Der Geschlechtsverkehr sei normal und gar 
nicht nennenswert gewesen (pag. 736, Z. 8 f.). Stellenweise konnte er das Verhal-
ten der Straf- und Zivilklägerin demgegenüber sehr präzise angeben. So habe sie 
ihn beispielsweise beim Höhepunkt jeweils mit ihren Fingernägeln verletzt und ins 
Ohrläppchen gebissen habe (pag. 120, Z. 553 ff.). Bei einer Gelegenheit habe sie 
ihm ihre Geschlechtsteile präsentiert und von ihm Oralverkehr verlangt (pag. 120, 
Z. 578 ff.). Ob die Straf- und Zivilklägerin ihn wiederum oral befriedigt habe, konnte 
er nicht beantworten; er sei in erotischer Stimmung gewesen und wisse nicht, was 
sie alles gemacht habe (pag. 121, Z. 600 ff.; pag. 137, Z. 240 ff.). Bei Verlesen des 
Protokolls der Zweitbefragung ergänzte er hingegen, sie habe das nicht gemacht 
und bestätigte dies vor der Kammer (pag. 137, Z. 250 f.; pag. 737, Z. 2). Dass es 
sich bei seinen ursprünglichen Angaben um einen Übersetzungsfehler handeln 
könne (pag. 737, Z. 23 f.), ist eine Schutzbehauptung. Der Beschuldigte lebt bereits 
seit rund 30 Jahren in der Schweiz und versteht zumindest rudimentär Deutsch 
(pag. 109, Z. 6 ff.). Das detaillierte Beschreiben einzelner Sexualkontakte während 
einer längeren Paarbeziehung kann gerichtsnotorisch mitunter schwierig sein. Ein 
derart selektives Erinnerungsvermögen bei insgesamt angeblich nur gerade sechs 
Sexualkontakten ist hingegen nicht nachvollziehbar. Wie die Vorinstanz zutreffend 
festhielt (pag. 621 f.), sind seine Aussagen durchwegs unglaubhaft. 

Dass das Protokoll der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 4. Juli 2019 oh-
ne Übersetzung (aber in Anwesenheit der amtlichen Verteidigung) gegenverlesen 
wurde (pag. 144, Z. 528 ff.), hat in diesem Zusammenhang keinen Einfluss. Einer-
seits war der Beschuldigte trotzdem imstande, Korrekturen anzubringen (pag. 137, 
Z. 273). Andererseits ist sein unglaubhaftes Aussageverhalten auch aus der Erst-
befragung sowie der oberinstanzlichen Einvernahme deutlich ersichtlich. 

20

14.2 Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Die Vorinstanz hat die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin zutreffend zusammen-
gefasst und es wird auf ihre Ausführungen (Ziff. III.C.3.17.-C.3.20 des erstinstanzli-
chen Urteilsmotivs; pag. 603 ff.) sowie das Protokoll der oberinstanzlichen Einver-
nahme verwiesen (pag. 723 ff.). 

14.2.1 Zu den Erstaussagen der Straf- und Zivilklägerin sowie der behaupteten Falsch-
aussage

Die Erstaussagen der Straf- und Zivilklägerin vom 11. Oktober 2018 zeichnen sich 
durch eine Fülle an Realkennzeichen und einem Mangel an Aggravationstenden-
zen aus. Sie berichtete fast ausschliesslich in freier Erzählung (pag. 34 ff.) und be-
schrieb zunächst ausführlich die Entstehung der Beziehung, ihren Umzug in die 
Schweiz sowie das Zusammenleben mit dem Beschuldigten. Erst auf der sechsten 
Seite des Einvernahmeprotokolls merkte sie nahezu beiläufig an, dass der Be-
schuldigte sie zum Trinken seines Samenergusses gezwungen habe und ging da-
nach auf die Folgen des Vorfalls ein (pag. 37, Z. 237 ff.). Auf den Vorfall angespro-
chen erklärte sie von sich aus und ungefragt, dass der Geschlechtsverkehr bis da-
hin immer einvernehmlich gewesen sei (pag. 38, Z. 280 f.), wie auch der darauffol-
gende Geschlechtsverkehr (pag. 39, Z. 324 ff.). Ihre Schilderung des Vorfalls ver-
knüpfte sie mit Wahrnehmungen über Gerüche (pag. 38, Z. 288), ihre Gefühlslage 
(pag. 38, Z. 302 ff.) sowie Interaktionen (pag. 39, Z. 308 ff.). 

Auch ihre Aussagen zu den weiteren Vorwürfen sind schlüssig, lebensnah und mit 
Interaktionen verknüpft (pag. 39, Z. 333 f.). Die Straf- und Zivilklägerin stellte auch 
hier von sich aus klar, dass der Geschlechtsverkehr (beim Vorfall um den 17. Juni 
2018) grundsätzlich einvernehmlich gewesen sei (pag. 39, Z. 336 f.) bzw. sie sich 
(beim Vorfall um den 20. Juni 2018) sogar gefreut habe, dass der Beschuldigte 
wieder einmal Geschlechtsverkehr mit ihr gewollt habe (pag. 40, Z. 364 f.). Beson-
ders realistisch erscheint das perspektivengetreue Beschreiben des Vorgangs an-
hand ihrer Wahrnehmungen; sie habe wegen der Dunkelheit nicht gesehen, was 
der Beschuldigte in den Händen gehalten habe, und aufgrund der Temperatur der 
eingeführten Aubergine realisiert, was passiert sei (pag. 39, Z. 341). Sie passivierte 
ihre Rolle in dem Geschehen nicht, sondern gab an, dass sie den Beschuldigten 
angeschrien und gescholten habe (pag. 39, Z. 349 f.; pag. 40, Z. 356 f.). Eindrück-
lich sind ferner ihre Schilderungen zu ihrer Gefühlslage. Beim Vorfall um den 
20. Juni 2018 habe sie sich, wie erwähnt, zunächst gefreut, dass der Beschuldigte 
wieder einmal Geschlechtsverkehr mit ihr haben wolle. Nachdem sie bemerkt habe, 
dass er sie erneut «verarscht» habe, habe sie ihm gesagt, dass sie ihn doch ei-
gentlich gerne habe und von nun an keinen Sex mehr mit ihm wolle (pag. 40, 
Z. 374 ff.). Der dritte Vorfall um den 5. Juli 2018 sei sodann gegen ihren Willen er-
folgt (pag. 41, Z. 451 ff.). Insoweit ist auch die Aussage der Straf- und Zivilklägerin, 
wonach die beiden nach dem Vorfall um den 20. Juni 2016 keinen Sex mehr «mit-
einander» gehabt hätten, schlüssig und nicht widersprüchlich (pag. 40, Z. 381 f.; 
vgl. ebenso pag. 40, Z. 388 ff.). 

Gleich wie der Vorinstanz erscheinen der Kammer die Erstaussagen der Straf- und 
Zivilklägerin durchwegs detailliert, stimmig und lebensnah (vgl. pag. 619 ff.). Zahl-

21

reiche Schilderungen über ihre eigene Wahrnehmung und ihre Gefühlslage bele-
gen deren realen Erlebnishintergrund. Eine bewusste Falschaussage kann hinge-
gen ausgeschlossen werden. Die Vorwürfe sind äusserst spezifisch und originell. 
Es erscheint absolut lebensfremd, dass (bei der hypothetischen Annahme, die 
Straf- und Zivilklägerin habe den Beschuldigten wahrheitswidrig anschuldigen wol-
len) derartige Vorwürfe erfunden und in Akte von einvernehmlichem Geschlechts-
verkehr eingebettet würden. Die Schilderung der Straf- und Zivilklägerin beinhaltet 
überdies komplexe Orts- und Stellungswechsel (beispielhaft vgl. pag. 40, 
Z. 366 ff.), was das konstante Vortragen der Vorwürfe erschwerte. Hätte die Straf- 
und Zivilklägerin den Beschuldigten tatsächlich wahrheitswidrig anschuldigen wol-
len, hätte sie mit allergrösster Wahrscheinlichkeit ein singuläres Erlebnis geschil-
dert. Es wäre in diesem Fall ferner zu erwarten, dass sie direkt und zielgerichtet auf 
die Vorwürfe zu sprechen gekommen wäre. In ihren Erstaussagen fokussierte sie 
sich jedoch nicht auf die hier zu behandelnden Vorwürfe, sondern erzählte frei, was 
ihr alles wiederfahren sei. Die Art der Vorwürfe und ihr Aussageverhalten stehen 
der Hypothese einer falschen Anschuldigung klar entgegen. 

Dies wird bestärkt durch den persönlichen Eindruck vor der Kammer. Ihre wellenar-
tig auftretenden Gefühlsregungen beim erneuten Thematisieren der Vorwürfe rund 
4 ½ Jahre später wirkten sehr authentisch (vgl. pag. 725, Z. 24 f., Z. 33 und 
Z. 45 ff.; pag. 727, Z. 18; pag. 728, Z. 29). Es bedürfte eines grossen schauspiele-
rischen Könnens und erheblicher krimineller Energie, dies vorzugaukeln. Dies 
deckt sich zugleich mit dem Bericht von Solidarité Femmes vom 18. September 
2018, der erstellt wurde, als die Straf- und Zivilklägerin im Frauenhaus war 
(pag. 196 f.). Die dort vermerkten starken körperlichen Reaktionen wie Schwitzen 
und Zittern beim Besprechen der Vorwürfe, die auf den Beobachtungen der Ver-
fasserin und nicht auf Angaben der Straf- und Zivilklägerin beruhen, passen zum 
Eindruck an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung. Einzelne ihrer Aussagen an 
der oberinstanzlichen Einvernahme, so beispielsweise zum räumlichen Aufbau der 
früheren gemeinsamen Familienwohnung, erweckten ausserdem den Eindruck, 
dass die Straf- und Zivilklägerin (trotz Übersetzung) über eine eher limitierte Aus-
drucksfähigkeit verfügt und es ihr schwerfällt, sich in jemanden hinein zu versetzen, 
der den Aufbau der Wohnung nicht kennt (pag. 726 f.), und dies leicht nachvoll-
ziehbar zu schildern. Es ist aus Sicht der Kammer ausgeschlossen, dass sie die in-
tellektuellen Fähigkeiten für eine ausgeklügelte Falschaussage – noch dazu von 
der vorliegenden Qualität – hätte. Mehrfach äusserte sich die Straf- und Zivilkläge-
rin zudem positiv über den Beschuldigten (beispielhaft pag. 38, Z. 304 f.; pag. 40, 
Z. 375; pag. 43, Z. 549 f.). Sie wollte ausdrücklich nicht, dass er mit einer Freiheits-
strafe sanktioniert werde, da sie sich um seinen Sohn sorge (pag. 45, Z. 625 f.).  

Ein nachvollziehbares Motiv für eine Falschbelastung ist ebenso wenig ersichtlich. 
Der vom Beschuldigten gemutmasste Beweggrund, M.___(Land)-innen würden 
häufig solche Vorwürfe erfinden, um aus dem gemeinsamen Haushalt ausziehen 
zu können (pag. 110, Z. 83 ff.), verfängt offensichtlich nicht. Im Zeitpunkt ihrer 
Erstaussagen wohnte die Straf- und Zivilklägerin seit mehreren Monaten nicht mehr 
mit dem Beschuldigten zusammen. Auch seine Behauptung, sie wolle durch die 
Vorwürfe ihre Aufenthaltsberechtigung in der Schweiz sichern (pag. 738, Z. 8 ff.), 
überzeugt aus mehreren Gründen nicht. Die Straf- und Zivilklägerin meldete sich 

22

deutlich vor dem Schreiben des Migrationsdienstes vom 3. August 2018 
(pag. 186 f.), indem ihr mitgeteilt wurde, dass ihre Aufenthaltsberechtigung fraglich 
ist, bei der Polizeiwache D.________. Auch den Kontakt zur Exfrau des Beschul-
digten, um dessen Verhalten in erster Ehe zu besprechen, suchte sie bereits im 
Juni 2018 und somit weit vor dem besagten Schreiben (pag. 26, Z. 182 ff.). Es ist 
ausserdem nicht davon auszugehen, dass die Straf- und Zivilklägerin den auslän-
derrechtlichen Ausnahmetatbestand gemäss Art. 50 Abs. 2 AIG bei Auflösung der 
Familiengemeinschaft gekannt hat. Diese Möglichkeit wurde im Schreiben des Mi-
grationsdienstes vom 3. August 2018 nicht erwähnt. Aufgrund ihrer limitierten 
Sprachkenntnisse erscheint dies äusserst unwahrscheinlich. Zudem gab die Straf- 
und Zivilklägerin gleich zu Beginn ihrer Erstbefragung an, dass es ihr auch darum 
gehe, in der Schweiz bleiben zu können (pag. 33, Z. 37 f.). Aufgrund dessen geht 
die Kammer von einem Zufall aus, dass die Straf- und Zivilklägerin wenige Tage 
nach Erhalt des Schreibens des Migrationsdiensts vom 3. August 2018 den ge-
meinsamen Haushalt verliess. Allenfalls dürfte die Tatsache, dass sich der Be-
schuldigte entgegen seiner Behauptung (pag. 42, Z. 461) nach wie vor um ihre 
Ausweisung aus der Schweiz bemühte, ihr vergegenwärtigt haben, dass es keine 
gemeinsame Zukunft geben würde. 

Ein Zusammenhang zwischen den erhobenen Vorwürfen und allfälliger Rechtsbe-
ratung im Frauenhaus, wie von der Verteidigung gemutmasst wurde (vgl. 
pag. 747), ist sodann klar und deutlich zu verneinen. Einerseits lässt sich diese Un-
terstellung nicht mit dem authentisch wirkenden Aussageverhalten der Straf- und 
Zivilklägerin vereinbaren. Andererseits darf als gerichtsnotorisch gelten, dass für 
Opfer von Sexualdelikten zahlreiche Umstände den Zeitpunkt einer Strafanzeige 
beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts 6B_257/2020, 6B_298/2020 vom 24. Juni 
2021 E. 5.4.1.). 

14.2.2 Zu den weiteren Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Entgegen der Vorinstanz und der Verteidigung ziehen die weiteren Aussagen der 
Straf- und Zivilklägerin an der polizeilichen Zweitbefragung sowie der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme die Glaubhaftigkeit ihrer Erstaussagen aus den nachfol-
genden Gründen nicht in Zweifel. 

Zur zweiten Einvernahme der Straf- und Zivilklägerin vom 11. März 2019 ist vorab 
anzumerken, dass diese praktisch ohne Pause von 09:07 Uhr bis 17:15 Uhr dauer-
te. Erst auf S. 15 des Einvernahmeprotokolls wird auf die hier zu behandelnden 
Vorwürfe eingegangen (pag. 65, Z. 624 ff.). Ihre Aussagen legen nahe, dass ihr die 
lange, beinahe pausenlose Befragung bis dahin zugesetzt haben dürfte. Verglichen 
mit ihren Erstaussagen (pag. 34 ff.) und ihren Aussagen zu Beginn der zweiten Be-
fragung (pag. 54 ff.) machte sie an dieser Stelle kaum noch Aussagen in freier Er-
zählung (einzig pag. 67, Z. 699 ff. und pag. 69 f., Z. 804 ff.). Sie merkte zudem 
schon zu Beginn der Befragung an, dass sie möglicherweise die Daten der Vorfälle 
durcheinander gebracht habe (pag. 53, Z. 56 f.). Auch zu den Vorwürfen erklärte 
sie, sie sei etwas verwirrt und könne nicht mehr angeben, ob sich ein bestimmter 
Vorfall im Wohn- oder im Schlafzimmer ereignet habe (pag. 70, Z. 845 f.). Es ist 
augenscheinlich, dass ihre Angaben an der Zweitbefragung aufgrund der langen 
Dauer sowie dem zwischenzeitlichen Zeitablauf von geringerer Qualität sind als die 

23

Erstaussagen. Dasselbe gilt grundsätzlich auch für die staatsanwaltschaftliche (drit-
te) Einvernahme vom 12. Dezember 2019, mithin rund 1 ½ Jahre nach dem letzten 
Vorfall. Zu diesem Zeitpunkt befand sie sich offenkundig in keiner guten psychi-
schen Verfassung (pag. 88, Z. 76 und Z. 57 ff.) und nahm Medikamente wegen 
Schlafproblemen ein (pag. 88, Z. 64 ff.).  

Den Ablauf des Vorfalls um den 22. Mai 2018 schilderte die Straf- und Zivilklägerin 
dennoch konstant, gleichbleibend und ohne wesentliche Widersprüche (pag. 67, 
Z. 706 ff.). Sie erwähnte bei beiden Befragungen dieselben Details, beispielsweise 
ihre Geruchswahrnehmungen (pag. 68, Z. 755; pag. 96, Z. 366 ff.) sowie den nach-
folgenden, einvernehmlichen Geschlechtsverkehr (pag. 68, Z. 739 f.; pag. 101, 
Z. 546 ff.). An der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme sagte sie, scheinbar in 
Abweichung zu ihren früheren Aussagen, sie «habe den Penis freiwillig geküsst» 
(pag. 96, Z. 382), was auf den ersten Blick suggeriert, sie sei nicht mit Gewalt zum 
Oralverkehr genötigt worden. Es kann der Verteidigung indessen nicht gefolgt wer-
den, dass dieser vermeintliche Widerspruch ihre Darstellung generell in Zweifel 
zieht (vgl. pag. 748). Unmittelbar vor und nach dieser Aussage gab die Straf- und 
Zivilklägerin klar an, dass der Beschuldigte sie durch Festhalten am Kopf zum Trin-
ken seines Samenergusses gezwungen habe (pag. 96, Z. 382 und Z. 386). Von 
Freiwilligkeit kann keine Rede sein. Wie mittels Ergänzungsfrage der Verteidigung 
an der oberinstanzlichen Einvernahme geklärt werden konnte, war damit gemeint, 
dass es zu anderen Anlässen auch ohne Zwang zu Oralverkehr gekommen sei, sie 
an diesem Tag jedoch keinen Oralverkehr haben wollte (pag. 731, Z. 10 ff.; ent-
sprechend pag. 97, Z. 409 f.). Die Aussage an der staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme ist somit nicht geeignet, ihre Schilderung generell in Zweifel zu ziehen. Im 
Übrigen schilderte sie erneut lebensnah ihre Geruchswahrnehmungen sowie ihre 
Beweggründe, weshalb sie an diesem Tag keinen Oralverkehr mit ihm gewollt habe 
(pag. 96, Z. 365 ff.). Betreffend das Vorbringen der Verteidigung, wonach es le-
bensfremd und unglaubhaft sei, dass die Straf- und Zivilklägerin nach dem erzwun-
genen Oralverkehr mit «herkömmlichem» Geschlechtsverkehr einverstanden ge-
wesen sei (vgl. pag. 748), wird integral auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwä-
gungen verwiesen (pag. 618 f.). Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass gerade 
Derartiges bei einer bewussten Falschaussage sicherlich nicht erwähnt würde und 
darauf hindeutet, dass sie nicht zielgerichtet aussagte. 

Was die übrigen Vorwürfe betreffend das Einführen verschiedener Gemüse angeht, 
sind durchaus kleinere Widersprüche festzustellen. Entgegen der Vorinstanz kann 
aber nicht erwartet werden, die Straf- und Zivilklägerin müsste sich bei einem rea-
len Erlebnishintergrund daran erinnern können, bei welchem Vorfall welche Gemü-
sesorten in welcher Reihenfolge eingeführt wurden (vgl. auch pag. 98, Z. 458 ff.). 
Aus ihrer Perspektive dürfte lediglich wesentlich gewesen sein, dass es nicht im-
mer dieselbe Art von Gemüse, sondern eben Gemüse und nicht wie erwartet der 
Penis ihres Ehemanns war. Hierzu machte sie wiederum konstante Angaben 
(pag. 65, Z. 627; pag. 66, Z. 636 f.; pag. 97, Z. 419 f.). 

Den Handlungsablauf des Vorfalls vom 17. Juni 2018 schilderte sie ebenfalls kon-
stant und mit denselben Details wie in der ersten Einvernahme. So sei der Be-
schuldigte während des einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs in die Küche ge-

24

gangen, habe Wasser geholt und während des Küssens ein Gemüse vaginal ein-
geführt; sie habe ihn gefragt, weshalb es so kalt sei und er habe gesagt, wegen 
des Wassers (pag. 69 f., Z. 808 ff.; pag. 97, Z. 416 ff. sowie pag. 98, Z. 440 f.). In-
soweit sind keine relevanten Widersprüche erkennbar. Die marginale Abweichung 
betreffend den Ort ist nicht entscheidend. Der Handlungsablauf beinhaltete mehre-
re Stellungswechsel und ist vergleichsweise kompliziert (vgl. pag. 39, Z. 330 ff.). 
Sie räumte anlässlich ihrer Zweitbefragung selbst ein, dass sie nicht mehr sicher 
sei, wo sich das zweite Einführen an diesem Abend ereignet habe (pag. 70, 
Z. 845 f.), was bei der Anzahl ähnlich gelagerter Vorfälle sowie dem Zeitablauf kei-
nesfalls überrascht. Auch zu den Schmerzen aufgrund des Vorfalls sind keine ent-
scheidenden Widersprüche erkennbar (pag. 40, Z. 360; pag. 71, Z. 891 ff.). 

Zu den weiteren Vorfällen wurde die Straf- und Zivilklägerin an der zweiten sowie 
an der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme nicht eingehend befragt (vgl. pag. 72, 
Z. 907 ff.; pag. 101, Z. 574 f.). Sie bestätigte nur pauschal, dass es zwei weitere 
ähnlich oder gleichgelagerte Fälle gegeben habe. Entgegen der Vorinstanz kann 
ihr nicht angelastet werden, dass sie nach fortgeschrittener Befragungsdauer auf 
die eher geschlossene Fragestellung nicht noch einmal beide Abläufe in freier Er-
zählung schilderte. 

An der oberinstanzlichen Einvernahme rund 4 ½ Jahre nach dem letzten Vorfall 
bestätigte die Straf- und Zivilklägerin ihre bisherigen Aussagen und insbesondere, 
dass es insgesamt zu 3 «Gemüse-Vorfällen» gekommen sei (pag. 728, Z. 5 ff.). 
Beim Vorfall vom 17. Juni 2018 fokussierte sie sich erneut auf ihre Wahrnehmun-
gen (pag. 727, Z. 20 ff.) und erklärte schlüssig, dass sie wegen des knarrenden 
Betts und des angrenzenden Zimmers des Sohnes des Beschuldigten meist im 
Wohnzimmer Geschlechtsverkehr gehabt hätten (pag. 726, Z. 17 ff. und Z. 33 ff.). 
Ihre Aussage, das Einführen von Gemüse habe sich «gut angefühlt» (pag. 727, 
Z. 30 f.), mag auf den ersten Blick erstaunen, steht aber im Einklang mit ihren bis-
herigen Aussagen. Schon an der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme sagte sie 
aus, sie sei nach wie vor erregt gewesen, als der Beschuldigte das Gemüse holen 
gegangen sei, und habe erwartet, er würde ihr seinen Penis einführen (pag. 98, 
Z. 435 f. und Z. 439 ff.). Ihre Aussage vor der Kammer ist somit nicht widersprüch-
lich, sondern zeigt – einmal mehr –, dass sie nicht zielgerichtet aussagte. Die übri-
gen Vorwürfe konnte sie zeitlich stimmig einordnen (pag. 728, Z. 15 ff.). Genaueres 
konnte sie dazu nicht mehr sagen. Bei welchen Vorfällen eine vaginale und anale 
Penetration erfolgt sei, konnte sie nicht angeben; sie vermutete aber, dass es nur 
bei einem Vorfall zu analer Penetration gekommen sei (pag. 729, Z. 27 und Z. 31).  

Aus den Einvernahmeprotokollen und der oberinstanzlichen Einvernahme ist zu-
sammenfassend ersichtlich, dass sich die Befragungen der Straf- und Zivilklägerin 
vergleichsweise schwierig gestalteten. Wie die Kammer selbst feststellen konnte, 
verursachte das Thematisieren der Vorwürfe bei ihr eine grosse Belastung. Es ist, 
wie Fürsprecherin C.________ mehrmals anmerkte, aus Opferschutzaspekten 
grundsätzlich zu vermeiden, ein Opfer durch zahlreiche, lange Befragungen zu 
zermürben (vgl. pag. 729, Z. 14 ff.; pag. 80, Z. 1295). Indes kann bei strittigem 
Sachverhalt in oberer Instanz mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung 
nicht auf eine erneute Befragung beider Parteien verzichtet werden (Urteil des 

25

Bundesgerichts 6B_1349/2020 vom 17. März 2021 E. 3.3). Es ist jedenfalls mit 
dem Opferschutz nicht zu vereinbaren, bei der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 
einerseits auf Fragen zu den Vorwürfen zu verzichten und die Parteien um Zurück-
haltung bei den Ergänzungsfragen zu bitten (pag. 527, Z. 25 ff.), andererseits je-
doch Freisprüche auszufällen, da es an einer «konstanten Schilderung des Vor-
falls» fehle und die geringfügigen Widersprüche nicht durch ergänzende Fragen 
ausgeräumt wurden (vgl. III.C.4.17 f. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; 
pag. 619 ff.). 

Wie eingangs erwähnt (E. 7 oben), sind Aussagen grundsätzlich vor dem Hinter-
grund der Ausdrucks- und Wiedergabefähigkeit der aussagenden Person sowie un-
ter Einbezug ihrer Entstehungsgeschichte zu würdigen. Der persönliche Eindruck 
an der oberinstanzlichen Einvernahme zeigte auf, dass es der Straf- und Zivilkläge-
rin vergleichsweise schwerfällt, Wissen zu vermitteln und Vorgänge zu erklären. Es 
erforderte teils mehrmaliges Nachfragen, um ihre Aussagen zu verdeutlichen (vgl. 
beispielhaft pag. 726 f., Z. 17 ff.; pag. 728, Z. 3 ff.; pag. 728 f., Z. 26 ff.). Unter an-
derem aus diesem Grund wurde sie – verglichen mit anderen Untersuchungen be-
treffend Sexualdelikte – oft und lange befragt. Die vorliegend zu behandelnden De-
likte wurden ausserdem jeweils erst nach fortgeschrittener Befragungsdauer the-
matisiert (ab S. 15 des zweiten, 35-seitigen Einvernahmeprotokolls [pag. 65]; ab 
S. 11 des staatsanwaltschaftlichen, 22-seitigen Einvernahmeprotokolls [pag. 95]), 
was aus Sicht der Kammer trotz dem zu Anfang breiteren Untersuchungsgegen-
stand (pag. 1 f.) im Hinblick auf den Opferschutz kaum nachvollziehbar ist. Die 
Aussagequalität legt nahe, dass sich an der zweiten und der staatsanwaltschaftli-
chen Befragung bis dahin eine gewisse Ermattung eingestellt haben dürfte. So sag-
te sie im Gegensatz zu ihrer Erstbefragung zu diesen Zeitpunkten jeweils nicht 
mehr in freier Erzählung aus, sondern antwortete zunehmend einsilbig, wobei auch 
die Fragen kaum mehr offen formuliert wurden (vgl. pag. 72, Z. 907 f.; pag. 101, 
Z. 573). Verbunden mit dem Zeitablauf zwischen den Befragungen sowie der Tat-
sache, dass sich die drei Vorwürfe gemäss Ziff. I.1.2. AKS inhaltlich stark ähneln 
und aus ihrer Sicht nur geringfügige Unterschiede aufweisen, kann von der Straf- 
und Zivilklägerin keine schablonenhafte Repetition ihrer Erstaussagen erwartet 
werden. 

Hinzu kommen natürliche, nachvollziehbare Verdrängungstendenzen der Straf- und 
Zivilklägerin in Bezug auf die Vorwürfe gemäss Ziff. I.1.2. AKS (vgl. pag. 99, 
Z. 470 ff. und Z. 480; pag. 728, Z. 31 ff.). Im Gegensatz zu oralem, vaginalem und 
analem Eindringen mit dem Penis, worüber sie relativ frei Auskunft gab (vgl. z.B. 
pag. 100, Z. 503, Z. 520 und Z. 524 ff.), hatte sie mit zunehmender Dauer des Ver-
fahrens sichtlich Mühe, sich mit den «Gemüse-Vorfällen» auseinanderzusetzen 
(vgl. z.B. pag. 730, Z. 17 ff.). Dies bestätigt der Therapieverlaufsbericht des hôpital 
du jura bernois vom 17. November 2020, indem festgehalten wird, dass die Straf- 
und Zivilklägerin von Schuld- und Ekelgefühlen berichtet, die im Zusammenhang 
mit dem Erlebten stehen könnten (pag. 437). Dass im Rahmen der Therapie auf-
grund der Sprachbarriere bis dahin noch keine Tataufarbeitung stattgefunden hatte 
und die Straf- und Zivilklägerin nur bei der Erstbefragung eingehend zu den 
«Gemüse-Vorfällen» um den 20. Juni 2018 und um den 5. Juli 2018 befragt wurde, 
dürfte die Verdrängungstendenzen noch verstärkt und das Erinnerungsvermögen 

26

verschlechtert haben. In Anbetracht ihrer sehr detaillierten, ausführlichen und 
stimmigen Erstaussagen sind die geringfügigen Widersprüche in ihren weiteren 
Aussagen nicht als Lügensignale zu werten, sondern auf den Zeitablauf, die 
Gleichartigkeit der Handlungsabläufe sowie die natürlichen Verdrängungsmecha-
nismen zurückzuführen. Die Generalstaatsanwaltschaft wies zudem im oberin-
stanzlichen Parteivortrag zu Recht daraufhin, dass Konstanz der Aussagen nicht 
das einzige oder gar das ausschlaggebende Realkennzeichen ist (vgl. pag. 753). 
Das Kerngeschehen sowie die aus ihrer Sicht wesentlichen Details, so insbesonde-
re die Anzahl der «Gemüse-Vorfälle» (pag. 72, Z. 907 f.; pag. 101, Z. 573; 
pag. 728, Z. 5 ff.), schilderte die Straf- und Zivilklägerin nach der Erstbefragung 
gleichbleibend, soweit sie überhaupt konkret dazu befragt wurde. 

14.3 Konkrete Beweiswürdigung

Zusammenfassend weisen die Erstaussagen der Straf- und Zivilklägerin zahlreiche 
Realkennzeichen auf und sind glaubhaft. Nachvollziehbare Anhaltspunkte für eine 
Falschbelastung sind genauso wenig ersichtlich wie ein Motiv dazu. In den aus ih-
rer Sicht wesentlichen Punkten blieben ihre Aussagen konstant. Der Verteidigung 
kann nicht gefolgt werden, dass die geltend gemachten Widersprüche Lügensigna-
le seien, soweit sie überhaupt bestehen. Der vonseiten der Verteidigung offenbar 
verlangte Grad an Konstanz kann angesichts des Zeitablaufs, der Umstände der 
Befragungen, der Gleichartigkeit der Vorwürfe gemäss Ziff. I.1.2. AKS und nicht zu-
letzt aufgrund der psychischen Verfassung der Straf- und Zivilklägerin nicht erwar-
tet werden. Überdies geht es nicht an, der Straf- und Zivilklägerin geringfügige Wi-
dersprüche vorzuwerfen, während der Beschuldigte nichts ausser offensichtlichen 
Schutzbehauptungen und unbegründeten Gegenangriffen äusserte. Er war als be-
schuldigte Person durchaus nicht zur wahrheitsgemässen Aussage verpflichtet. Es 
wäre aber ein Leichtes gewesen, das Sexualleben mit der Straf- und Zivilklägerin 
glaubhaft zu schildern, wenn die Vorwürfe nicht der Realität entsprächen. Die von 
der Straf- und Zivilklägerin geäusserten Vorwürfe können überdies ihrer Natur nach 
nicht auf fehlerhafte Wahrnehmung oder Einbildung zurückgeführt werden. Es ist 
im Übrigen nochmals festzuhalten, dass bei Erfinden der Vorwürfe einfacher zu er-
zählende Delikte gegen die sexuelle Integrität geschildert werden dürften und kaum 
erwähnt würde, man habe sich auf Geschlechtsverkehr gefreut. Gerade die 
«Gemüse-Vorfälle» gemäss Ziff. I.1.2. AKS zu erfinden und dabei nicht eine, son-
dern zwei unterschiedliche Gemüsesorten ins Spiel zu bringen, mutet geradezu 
absurd an. Es kann nach dem Gesagten keine andere Hypothese Bestand haben, 
als dass ihre Aussagen auf einem realen Erlebnishintergrund basieren.

Die Aussagen der Exfrau des Beschuldigten, I.________, haben in Bezug auf die 
strittigen Beweisthemen keinen Beweiswert. Dass es während ihrer Ehe mit dem 
Beschuldigten nicht zu Vergleichbarem gekommen sei (pag. 28, Z. 241 ff.), steht 
den Vorwürfen der Straf- und Zivilklägerin nicht im Mindesten entgegen. Wie auf-
zuzeigen sein wird, sind die Vorwürfe gemäss Ziff. I.1.2. AKS nicht zwingend auf 
besondere sexuelle Neigungen des Beschuldigten zurückzuführen, die sich 
gemäss der Verteidigung schon in der früheren Beziehung hätten bemerkbar ma-
chen müssen. Überdies dürfte es, wie bereits erläutert, erhebliche Unterschiede 
zwischen den beiden Beziehungen gegeben haben. Wie die Vorinstanz zutreffend 

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erkannt hat, widerlegen auch die Arbeitszeiterfassungen des Beschuldigten die 
Vorwürfe nicht (Ziff. III.C.4.6. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 614), zumal 
gestützt auf die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin in der Anklageschrift keine 
genauen Tatzeitpunkte angegeben wurden («um den …»). Dasselbe gilt für das 
rechtsmedizinische Gutachten zur körperlichen und gynäkologischen Untersuchung 
des Instituts für Rechtsmedizin (IRM) vom 21. Januar 2019 (pag. 176 ff.); die Un-
tersuchung fand am 21. August 2018, mithin über einen Monat nach dem letzten 
Vorfall statt und durch deren Ergebnisse konnten stattgehabten freiwilligen oder un-
freiwilligen Geschlechtsverkehr weder ausschliessen noch bestätigen (pag. 178; 
ebenso pag. 153 und pag. 157). 

Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass das Schreiben des Hausarztes des 
Beschuldigten vom 14. Oktober 2019, wonach «aus hausärztlicher Sicht […] zu 
keinem Zeitpunkt Hinweise auf die erhobenen Vorwürfe» bestanden hätten, keinen 
Beweiswert hat (pag. 222). Der Hausarzt des Beschuldigten war offenkundig nicht 
über sämtliche Vorwürfe im Bild und dürfte sich bei dieser Einschätzung lediglich 
auf die Angaben seines Patienten abgestützt haben. Gemäss Abklärungen der 
Kantonspolizei wurde Dr. J.________ gemäss dessen Angabe nur ein einziges Mal 
von der Straf- und Zivilklägerin in Begleitung des Beschuldigten wegen Juckreiz im 
Bereich der Augen konsultiert (pag. 7; pag. 168 ff.). Es erscheint bei diesem Hin-
tergrund geradezu anmassend, Auskunft über Vorfälle in der Beziehung geben zu 
wollen. Überdies ist nicht ersichtlich, welche Hinweise die vorliegend zu untersu-
chenden Vorwürfe beim Beschuldigten überhaupt hätten hinterlassen sollen. 

Im Ergebnis sind die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin in Bezug auf die oberin-
stanzlich strittigen Vorwürfe glaubhaft und werden teilweise durch die Wahrneh-
mungen der Polizei sowie der Kammer gestützt. Die Aussagen des Beschuldigten 
sind demgegenüber unglaubhaft. Die übrigen Beweismittel stehen den Angaben 
der Straf- und Zivilklägerin in keiner Weise entgegen. Somit bestehen keine rele-
vanten Zweifel an ihrer Darstellung, sodass der in-dubio-Grundsatz nicht zur An-
wendung gelangt. Nach dem Gesagten stellt die Kammer auf die Aussagen der 
Straf- und Zivilklägerin ab. Nicht gefolgt werden kann der Auffassung der Vorin-
stanz, die Vorwürfe um den 20. Juni 2018 und um den 5. Juli 2018 seien nicht er-
stellt, weil die Straf- und Zivilklägerin diese nur anlässlich ihrer Erstbefragung ge-
schildert habe. Es gibt keine starren Vorgaben, wie oft eine Schilderung wiederholt 
werden muss, damit sie als Beweismittel tauglich ist. Das Gericht würdigt die ver-
fügbaren Beweise frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen 
Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Soweit nicht anders festgehalten, wird aus den 
mehrfach dargelegten Gründen grundsätzlich davon ausgegangen, dass ihre 
Erstaussagen am genauesten sind. Was sich daraus ergibt, wird nachfolgend ein-
zeln gewürdigt.

14.3.1 Zum Vorfall um den 22. Mai 2018 

Auf die von der Verteidigung eingebrachte Kritik an der vorinstanzlichen Beweis-
würdigung wurde bereits eingegangen. Die einmalige Aussage vor der Staatsan-
waltschaft, wonach sie den Penis des Beschuldigten «freiwillig geküsst» habe 
(pag. 96, Z. 382), ist nicht geeignet, den Vorwurf zu entkräften. Im Kontext ihrer ge-
samten Aussagen ist evident, dass sie bei diesem Vorfall mit Gewalt zum Oralver-

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kehr gezwungen worden ist, wie sie es unmittelbar vor und nach der fraglichen 
Aussage beschrieben hat (vgl. auch ihre Aussagen an der oberinstanzlichen Ein-
vernahme, pag. 731, Z. 10 ff.). Die Kammer schliesst sich in diesem Punkt der vor-
instanzlichen Beweiswürdigung vollumfänglich an, auf die verwiesen wird 
(pag. 622 f.). Ergänzend ist anzumerken, dass der vielfach verwendete Ausdruck 
«den Penis Küssen» einen Euphemismus darstellt oder allenfalls in der Mutter-
sprache der Straf- und Zivilklägerin umgangssprachlich verwendet wird; gemeint ist 
eindeutig orale Befriedigung des Penis (vgl. dazu auch die Aussagen der Straf- und 
Zivilklägerin, pag. 96, Z. 361 f.). Der Sachverhalt gemäss der Anklageschrift, wie 
nachfolgend umschrieben (E. 15 unten), ist anhand der glaubhaften Aussagen der 
Straf- und Zivilklägerin erstellt. 

14.3.2 Zum Vorfall um den 17. Juni 2018

Die Kammer stellt auch hierzu auf die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin ab. Ihre 
perspektivengetreue und wahrnehmungsbasierte Schilderung ist äusserst glaub-
haft. Die Straf- und Zivilklägerin schilderte überdies stimmig, dass sie vor dem Ge-
schlechtsverkehr das Licht gelöscht hatten und sie daher nicht sehen konnte, dass 
der Beschuldigte beim Gang in die Küche während des einvernehmlichen Ge-
schlechtsverkehrs eine M.___(Land)-ische Aubergine behändigt hatte, als er zu ihr 
zurückkam (pag. 39, Z. 334 f.; pag. 69, Z. 809; pag. 97, Z. 417). Er küsste die auf 
dem Rücken liegende (pag. 70, Z. 827) und nach wie vor erregte (pag. 98, 
Z. 439 ff.) Straf- und Zivilklägerin heftig auf den Mund und führte ihr die 
M.___(Land)-ische Aubergine vaginal ein. Sie hatte erwartet, dass er mit dem Pe-
nis in sie eindringen würde, nahm stattdessen ein Kältegefühl wahr und bemerkte 
daher erst später, was genau passiert war. Ihre Aussage gegenüber der Kammer, 
wonach sich dies «gut angefühlt» habe, steht dem nicht entgegen (pag. 727, 
Z. 22). Der Beschuldigte machte sich bei seinem Vorgehen zunutze, dass die Straf- 
und Zivilklägerin ihn unbekleidet und in Erwartung von weiterem Geschlechtsver-
kehr gewähren liess und wegen der Dunkelheit und des heftigen Küssens nicht se-
hen konnte, was er tat. Die Tatsache, dass sich der Beschuldigte nicht bei der 
Straf- und Zivilklägerin erkundigte, ob sie mit dem vaginalen Einführen einer Au-
bergine einverstanden sei, sich stattdessen den Überraschungseffekt und die Dun-
kelheit zunutze machte, sowie dass er auf ihre Nachfrage, weshalb es so kalt sei, 
log (pag. 39, Z. 341 f.), zeigt auf, dass er selbst nicht von ihrem Einverständnis 
ausging. 

Die Straf- und Zivilklägerin wehrte sich zu dieser Zeit noch nicht gegen die uner-
wünschten Handlungen des Beschuldigten und fragte ihn nur, weshalb es so kalt 
sei. Sie bemerkte erst wenig später, was er ihr eingeführt hatte (pag. 727, Z. 29 f.). 
Es ist angesichts ihrer Schilderung indessen klar, dass die Straf- und Zivilklägerin 
perplex und von der Situation überfordert war. Zu berücksichtigen ist insbesondere, 
dass sie aus Rücksicht auf den Sohn des Beschuldigten, der in seinem Zimmer 
schlief, nicht aufschreien oder laut werden durfte (pag. 727, Z. 22 f.), und somit 
nicht wusste, wie sie darauf reagieren sollte. Eine eigentliche Schockstarre, wie in 
der Anklageschrift umschrieben, ist hingegen nicht erstellt. Nach den weiteren Vor-
fällen am gleichen Abend konnte sich die Straf- und Zivilklägerin nämlich gegen 
den Beschuldigten zur Wehr setzen.

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Der Beschuldigte zog die M.___(Land)-ische Aubergine heraus und sagte der 
Straf- und Zivilklägerin, er habe sehen wollen, «wie gross ihr Loch sei» (pag. 39, 
Z. 344 ff.). Anhand ihrer ausbleibenden Reaktion – sowie ihrer allgemeinen sozia-
len Abhängigkeit, die ihm bekannt war (pag. 112, Z. 166 ff. und Z. 173) – konnte 
der Beschuldigte erkennen, dass sie sich nicht gegen seine Avancen wehren wür-
de und forderte sie zum Warten auf. Er begab sich erneut zur Küche und besorgte 
aus dem Kühlschrank eine Gurke, um auch diese der Straf- und Zivilklägerin vagi-
nal einzuführen. Auch in diesem Punkt erscheint die originelle, von der Straf- und 
Zivilklägerin beschriebene Interaktion, wonach der Beschuldigte habe sehen wol-
len, «wie gross ihr Loch sei», stimmig. Handelsübliche Gurken sind nämliche grös-
ser als M.___(Land)-ische Auberginen (vgl. hierzu auch die Beschreibung der 
Straf- und Zivilklägerin, pag. 730, Z. 4 ff.). Dass die Straf- und Zivilklägerin die Rei-
henfolge der verwendeten Gemüsesorten nach der Erstbefragung durcheinander 
brachte (vgl. z.B. pag. 98, Z. 455), hat keine Bedeutung. Aus ihrer Perspektive 
stellte dies eine absolute Nebensächlichkeit dar. 

Der Beschuldigte konnte die Gurke der Straf- und Zivilklägerin teilweise und 
zunächst ungehindert vaginal einführen (pag. 39, Z. 348 ff.). Die Straf- und Zivilklä-
gerin schrie auf, und sagte, dass es ihr wehtue, er sie nicht «plagen» und damit 
aufhören soll. Daraufhin befahl der Beschuldigte der Straf- und Zivilklägerin, sich 
auf allen vieren vor ihm hinzuknien, weil er mit seinem Penis in sie eindringen wol-
le. Stattdessen versuchte er ihr die Gurke anal einzuführen, was nur teilweise ge-
lang. Die Straf- und Zivilklägerin bemerkte dies, schrie auf, zog die Gurke weg, be-
schimpfte den Beschuldigten und verliess das Zimmer. Angesichts ihrer Reaktion 
auf das vorausgegangene vaginale Einführen der Gurke und ihrer Aussage, er sol-
le aufhören (pag. 39, Z. 349), ist evident, dass sie sich dem Befehl des Beschuldig-
ten nicht freiwillig fügte, sondern sich ihm aufgrund der sozialen Umstände nicht 
widersetzen konnte bzw. nach den Erfahrungen um den 22. Mai 2018 auf resolute 
Weigerung gar Gewaltanwendungen seinerseits befürchten musste. Sie verspürte 
in der Folge Schmerzen im Vaginal- und im Analbereich. 

Der Beschuldigte bezweckte in diesem Fall, anders als in der Anklageschrift ausge-
führt, wohl nicht in erster Linie die Befriedigung seiner Lust. Vielmehr handelte er in 
der Absicht, die Straf- und Zivilklägerin durch die sexuellen Handlungen zu quälen 
und zu demütigen, um sie zum Auszug aus dem gemeinsamen Haushalt zu bewe-
gen, wie diese angab (pag. 42, Z. 470). Anhand der Aussagen des Beschuldigten 
ist klar, dass es im gemeinsamen Kulturkreis der beiden nicht ohne weiteres mög-
lich ist, den ehelichen Familienhaushalt zu verlassen (pag. 110, Z. 83 ff.), bzw. es 
für den Ehegatten, der die Ehegemeinschaft auflöst, gesellschaftliche Ächtung 
nach sich ziehen kann. Wie sich aus den (späteren) Eingaben des Beschuldigten 
an den Migrationsdienst sowie seinen Kontakten mit der Polizeiwache in 
D.________ und der Gemeinde ergibt, wollte er die Ehe mit der Straf- und Zivilklä-
gerin nicht weiterführen (vgl. z.B. pag. 183). Es liegt somit auf der Hand, dass die 
Aussage der Straf- und Zivilklägerin zutreffen. Dazu passt, dass der Beschuldigte – 
anders als beim Vorfall um den 22. Mai 2018, bei dem er die Gewaltanwendung bis 
zur Ejakulation und zur Befriedigung seiner Lust aufrechterhielt – nach dem analen 
Einführen der Gurke und dem Schimpfen der Straf- und Zivilklägerin von ihr ab-
liess. Er hatte aus seiner Sicht sein Ziel bereits erreicht. 

30

14.3.3 Zum Vorfall um den 20. Juni 2018

Zu diesem Vorfall kann grundsätzlich auf die Erstaussagen der Straf- und Zivilklä-
gerin verwiesen werden (pag. 40, Z. 362 ff.). Aufgrund ihrer Reaktion beim Vorfall 
um den 17. Juni 2018 war dem Beschuldigten erwiesenermassen klar, dass sie 
nicht mit dem Einführen von Gegenständen jedweder Art, geschweige denn Gemü-
sen, einverstanden war. Während des einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs führ-
te der Beschuldigte der Straf- und Zivilklägerin unbemerkt eine M.___(Land)-ische 
Aubergine vaginal ein. Er wusste, dass sie die vaginale Penetration mit seinem Pe-
nis erwartete, aufgrund der Dunkelheit nicht sehen konnte, was er tat, und sich 
deshalb nicht gegen das Einführen würde wehren können. Die Straf- und Zivilklä-
gerin riss die Aubergine heraus, sobald sie bemerkt hatte, dass der Beschuldigte 
nicht mit seinem Penis eingedrungen war, sondern ihr erneut eine Aubergine ein-
geführt hatte, weinte und beschimpfte den Beschuldigten. Wie bereits erwähnt er-
scheint der Kammer besonders die Gefühlslage der Straf- und Zivilklägerin sowie 
die beschriebene Interaktion stimmig. Anfangs freute sie sich, dass der Beschuldig-
te wieder einmal Geschlechtsverkehr mit ihr gewollt habe. Nachdem sie merkte, 
dass er sie wieder «verarscht» habe, sagte sie ihm, dass sie ihn eigentlich gern 
möge, fortan aber keinen Sex mehr mit ihm wolle (pag. 40, Z. 374 ff.). Ebenso 
stimmig erscheint, dass sie nach dem Vorfall um den 17. Juni 2018 ihre Wahrneh-
mungen schneller einordnen und sich gegen die unerwünschte sexuelle Handlung 
wehren konnte, sobald sie diese bemerkte. Der Sachverhalt gemäss Anklageschrift 
ist erstellt. 

14.3.4 Zum Vorfall um den 5. Juli 2018

Auch hierzu wird grundsätzlich auf die Erstaussagen der Straf- und Zivilklägerin 
verwiesen (pag. 41, Z. 451 ff.). Besonders eindrücklich ist, wie bereits erwähnt, die 
von der Straf- und Zivilklägerin stimmig beschriebene Wandlung ihrer Gefühlslage 
gegenüber dem Beschuldigten. Hatte sie sich vor dem Vorfall um den 20. Juni 
2018 noch über Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten gefreut, kündigte sie 
ihm daraufhin an, dass sie nun keinen Sex mehr mit ihm wollte. Betreffend den 
Vorfall um den 5. Juli 2018 sagte sie sodann, sie habe grundsätzlich nicht mitma-
chen wollen und sei durch Androhungen unter Druck gesetzt worden (pag. 41, 
Z. 451 ff.). Für die Kammer ist evident, dass sie nur aufgrund einer Androhung des 
Beschuldigten verbunden mit ihrer sozialen Abhängigkeit zu Geschlechtsverkehr 
bereit war (pag. 41, Z. 452 ff.) und ihre Aussage, der Geschlechtsverkehr sei «im 
Einverständnis» gewesen sich nur darauf bezieht, dass keine körperliche Gewalt 
angewandt wurde. Da der Anklagesachverhalt jedoch von zunächst einvernehmli-
chem Geschlechtsverkehr ausgeht (pag. 407), erübrigen sich weitere Ausführun-
gen hierzu. 

Beim Geschlechtsverkehr holte der Beschuldigte erneut eine M.___(Land)-ische 
Aubergine und führte diese der Straf- und Zivilklägerin vaginal ein. Bei diesem letz-
ten Vorfall hatte sie gesehen, was er vorhatte, gab ihm verbal zu verstehen, dass 
sie dies nicht will (was ihm nach den vorherigen Vorfällen ohnehin klar gewesen 
sein musste), und wehrte sich mit den Händen. Es gelang dem Beschuldigten 
trotzdem, ihr die M.___(Land)-ische Aubergine vaginal einzuführen. Er handelte in 

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der Absicht, die Straf- und Zivilklägerin durch diese sexuelle Handlung zu demüti-
gen und zu quälen, um sie zum Auszug zu bewegen. 

15. Beweisergebnis und erstellte Sachverhalte

Der Beschuldigte betrat um den 22. Mai 2018 um ca. 01:55 Uhr das gemeinsame 
Schlafzimmer und verlangte von der Straf- und Zivilklägerin, dass sie ihn oral be-
friedigen solle. Die Straf- und Zivilklägerin weigerte sich. Der Beschuldigte packte 
sie an den Haaren, drückte ihren Kopf nach unten zu seinem Glied und fixierte sie 
dort, wodurch er sie zum Oralverkehr zwang. Diese Einwirkung hielt er bis zum 
Samenerguss aufrecht. Er zwang sie, diesen zu schlucken, obwohl sie ihm aus-
drücklich sagte, dass sie dies ekle und sie es nicht tun wolle. 

Der Beschuldigte wusste aufgrund der Äusserungen der Straf- und Zivilklägerin 
sowie ihrer körperlichen Gegenwehr, dass sie mit diesen sexuellen Handlungen 
nicht einverstanden war. Er setzte sich mittels Körperkraft über ihren Willen hinweg 
und wusste, dass sie sich aufgrund ihrer unterschiedlichen körperlichen Konstituti-
onen und der Tatsache, dass sie wegen der sozialen Umstände von ihm abhängig 
war, nicht ausreichend zur Wehr setzen würde bzw. auf Widerstand weitgehend 
verzichtet. 

Um den 17. Juni 2018 hatte der Beschuldigte im abgedunkelten Wohnzimmer ein-
vernehmlichen Geschlechtsverkehr mit der Straf- und Zivilklägerin. Mitten im Akt 
stand er auf und holte eine M.___(Land)-ische Aubergine aus dem Kühlschrank. Er 
begab sich zur auf dem Rücken liegenden, nach wie vor erregten Straf- und Zivil-
klägerin, küsste diese heftig auf den Mund und führte ihr unbemerkt und überra-
schend die Aubergine vaginal ein, wobei für ihn klar sein musste, dass sie nicht 
damit einverstanden war. Die Straf- und Zivilklägerin bemerkte anhand eines Käl-
tegefühls, dass der Beschuldigte nicht mit dem Penis in sie eingedrungen war, 
sondern ihr eine M.___(Land)-ische Aubergine eingeführt hatte. Wie der Beschul-
digte anhand ihrer ausbleibenden Reaktion erkannte, war sie perplex und mit der 
Situation überfordert. Er wusste, dass sie sich in diesem Zustand nicht wehren 
würde, befahl ihr zu Warten, holte eine Gurke aus dem Kühlschrank und führte 
auch diese der Straf- und Zivilklägerin vaginal ein. Daraufhin schrie die Straf- und 
Zivilklägerin auf, und sagte, dass es ihr wehtue, er sie nicht «plagen» und damit 
aufhören soll. Daraufhin befahl der Beschuldigte der Straf- und Zivilklägerin, sich 
auf allen vieren vor ihm hinzuknien, weil er mit seinem Penis in sie eindringen wol-
le. Nachdem sie dies getan hatte, versuchte er ihr stattdessen die Gurke anal ein-
zuführen, was nur teilweise gelang. Die Straf- und Zivilklägerin bemerkte dies, 
schrie auf, zog die Gurke weg, beschimpfte den Beschuldigten und verliess das 
Zimmer. Sie verspürte in der Folge Schmerzen im Vaginal- und im Analbereich. 

Der Beschuldigte wusste bei alledem, dass die Straf- und Zivilklägerin nicht mit 
dem vaginalen oder analen Einführen von Gegenständen jedweder Art einverstan-
den war. Er wusste (vor dem vaginalen Einführen der M.___(Land)-ischen Auber-
gine), dass die Straf- und Zivilklägerin die vaginale Penetration mit seinem Glied 
erwartete und daher keinen Widerstand leisten würde. Er erkannte (vor dem vagi-
nalen Einführen der Gurke), dass sie keinen Widerstand leisten konnte, weil sie 
perplex und mit der Situation überfordert war und ihn deshalb gewähren liess, ob-

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wohl sie nicht damit einverstanden war. Er wusste (vor dem analen Einführen der 
Gurke), dass sie keine sexuellen Handlungen mehr an sich vornehmen lassen woll-
te und sich seinem resoluten Befehl aufgrund ihrer sozialen Abhängigkeit von ihm 
sowie den gemachten Erfahrungen nach dem ersten Vorfall um den 22. Mai 2018 
in Befürchtung eines erneuten sexuellen Übergriffs nicht widersetzen konnte. Er 
handelte in der Absicht, die Straf- und Zivilklägerin zum Verlassen des gemeinsa-
men Haushalts zu bewegen. 

Um den 20. Juni 2018 hatte der Beschuldigte sich vor dem einvernehmlichen Ge-
schlechtsverkehr erneut eine M.___(Land)-ische Aubergine besorgt. Während dem 
Geschlechtsverkehr führte er diese der Straf- und Zivilklägerin unbemerkt vaginal 
ein. Er machte sich dabei zunutze, dass die Straf- und Zivilklägerin aufgrund der 
Dunkelheit nicht sehen konnte, was er machte, und sie sich in Erwartung der Pene-
tration mit seinem Glied nicht dagegen zur Wehr setzen würde bzw. das Einführen 
bereits vollzogen war, als sie realisierte, was er tat. Der Beschuldigte wusste nach 
dem Vorfall um den 17. Juni 2018, dass die Straf- und Zivilklägerin mit dieser se-
xuellen Handlung nicht einverstanden ist und sie sich im Sinne des Ausgeführten 
nicht wehren würde bzw. könnte. Er handelte in der Absicht, die Straf- und Zivilklä-
gerin zum Verlassen des gemeinsamen Haushalts zu bewegen. 

Um den 5. Juli 2018 verlangte der Beschuldigte Geschlechtsverkehr von der Straf- 
und Zivilklägerin und drohte ihr auf ihre Weigerung an, dass sie nicht mehr bei ihm 
leben könne, wenn sie nicht mitmachte. Die Straf- und Zivilklägerin liess den Ge-
schlechtsverkehr nach den gemachten Erfahrungen aus Angst vor einem weiteren 
sexuellen Übergriff sowie aufgrund ihrer sozialen Abhängigkeit über sich ergehen. 
Während des Geschlechtsverkehrs besorgte der Beschuldigte erneut eine 
M.___(Land)-ische Aubergine und wollte diese der Straf- und Zivilklägerin vaginale 
einführen. Sie teilte ihm unmissverständlich mit, dass sie mit dem Einführen der 
Aubergine nicht einverstanden ist und setzte sich mit den Händen zur Wehr. Nach-
dem der Beschuldigte ihr gedroht hatte, er werde ansonsten zu seiner Freundin 
gehen, gab sie ihren Widerstand auf und der Beschuldigte führte ihr die 
M.___(Land)-ische Aubergine vaginal ein. 

Der Beschuldigte wusste aufgrund ihrer Widerworte, dass die Straf- und Zivilkläge-
rin keinen Geschlechtsverkehr mehr mit ihm wollte und mit dem erneuten vaginalen 
Einführen einer M.___(Land)-ischen Aubergine nicht einverstanden war. Er wusste, 
dass die Androhung, er gehe ansonsten zu seiner Freundin, verbunden mit der an-
fänglichen Androhung, die Straf- und Zivilklägerin könne bei einer Weigerung nicht 
mehr bei ihm leben, sie aufgrund ihrer sozialen Abhängigkeit vom Beschuldigten 
sowie den Erfahrungen bei vergangenen sexuellen Übergriffen dazu bringen wür-
de, ihren Widerstand aufzugeben. Er handelte in der Absicht, sie zum Auszug aus 
dem gemeinsamen Haushalt zu bewegen. 

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III. Rechtliche Würdigung

16. Rechtliche Grundlagen

16.1 Sexuelle Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB)

Nach Art. 189 Abs. 1 StGB wird bestraft, wer eine Person zur Duldung einer bei-
schlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung nötigt, namentlich indem 
er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen Druck setzt oder zum Wi-
derstand unfähig macht. 

Sexuelle Handlungen i.S.v. Art. 189 StGB sind u.a. orale und anale Penetrationen, 
Einführung von Gegenständen in Vagina oder Anus, Reiben des Geschlechtsteils 
des Täters an den Genitalien oder an der (weiblichen) Brust des Opfers, Berühren 
des nackten männlichen oder weiblichen Geschlechtsteils, Berührung der nackten 
Brust einer Frau (auch unter dem Büstenhalter oder unter den Kleidern), das länge-
re oder intensive Betasten des weiblichen oder männlichen Geschlechtsteils über 
der Kleidung oder Zungenküsse (MAIER, in: Basler Kommentar StGB/JStG, 4. Aufl. 
2019 [nachfolgend zitiert als BSK StGB-Verfasser], N 11 zu Art. 187). 

Gewalt liegt dann vor, wenn auf das Opfer mit chemisch oder physikalisch fassba-
ren Mitteln eingewirkt oder physisch in seine Re