# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c8dc8ffa-4803-5b94-82a3-4955b2a2c8d4
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-03-27
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 27.03.2012 IV 2010/47
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2010-47_2012-03-27.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2010/47

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 02.06.2020

Entscheiddatum: 27.03.2012

Entscheid Versicherungsgericht, 27.03.2012
Art. 28 IVG Beurteilung des Beweiswertes eines polydisziplinären 
Gutachtens (Entscheid des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen 
vom 27. März 2012, IV 2010/47).

Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug,

a.o. Versicherungsrichter Christian Zingg; Gerichtsschreiber Matthias Burri

Entscheid vom 27. März 2012

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Alex R. Le Soldat, Stadelhoferstrasse 40, 

8001 Zürich,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Rente

Sachverhalt:

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.     

A.a   A.___ meldete sich am 14. März 2008 bei der Sozialversicherungsanstalt des 

Kantons St. Gallen (SVA) zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an. 

Neben der Ausrichtung einer Rente beantragte sie Berufsberatung und 

Arbeitsvermittlung. Die Behinderung bzw. Arbeitsunfähigkeit bestehe seit 23. Februar 

2007. Sie sei durch Unfall und Krankheit herbeigeführt worden. Die zuständige 

Unfallversicherung sei die SUVA. Nähere Angaben über die Art der gesundheitlichen 

Beeinträchtigung wurden keine gemacht. Zuletzt habe sie bei der B.___ gearbeitet (IV-

act. 1-1 ff.).

A.b   In der Folge tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen. Dabei ergab sich im 

Wesentlichen, dass die Versicherte seit 1. Dezember 2006 bei der B.___ als 

Produktionsmitarbeiterin gearbeitet hatte. Am 14. Februar 2007 kündigte die 

Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis während der Probezeit, da die Versicherte die 

erforderliche Leistung nicht erbringen konnte (IV-act. 11-3 ff.). Am 23. Februar 2007 

erlitt sie am Arbeitspatz ein Distorsionstrauma OSG rechts (IV-act. 17-1). Bis zum 1. 

September 2007 erbrachte die SUVA Leistungen aus der Unfallversicherung (IV-act. 

21-28).

A.c   Am 5. Mai 2008 ging der Bericht von Dr. med. C.___, Arzt für Allgemeine Medizin 

FMH, vom 27. April 2008 bei der IV-Stelle ein. Er nannte folgende Diagnosen mit 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: Schmerzhafte Synostose zwischen  Fibula und 

Tibia rechts; Distorsionstrauma OSG rechts bei Arbeitsunfall vom 23.02.2007; St. n. 

Abtragung der Synostose vom 17.04.2007 in Grabs; St. n. Unterschenkelfraktur rechts 

2000 mit St. n. Marknagelosteosynthese; Fussfehlstellung mit Hohl-Spreizfuss sowie 

Calcaneus varus beidseits; V. a. sensible Reizsymptomatik der peronealen Hautäste 

(Neurologisches Konsil vom 28.06.2007). Es bestünden Schmerzen im rechten 

Sprunggelenk mit Verdacht auf Sudeck. Die Versicherte sei seit 23. Februar 2007 und 

bis auf weiteres 100% arbeitsunfähig. Der Gesundheitszustand sei besserungsfähig. Es 

handle sich jedoch um einen recht komplizierten Fall. Er empfehle eine MEDAS-

Abklärung. Die Kopien der weiteren vorhandenen medizinischen Akten werde er 

nachreichen (IV-act. 17-1 ff.; 21-f ff.).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.d   Am 22. August 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die 

Voraussetzungen für Eingliederungsmassnahmen nicht erfüllt seien (IV-act. 23).

A.e   Dr. med. D.___, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, stellte im Bericht vom 

3. November 2008 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 

Depressive Episode mittleren Grades; Anpassungsstörung mit multipler Symptomatik; 

Schmerzsyndrom bei diversen orthopädischen und rheumatologischen 

Komplikationen, sich posttraumatisch entwickelnd. Aus psychiatrischer Sicht sei die 

Versicherte als Arbeiterin und Hausfrau seit September 2007 und bis auf Weiteres zu 

50-60% arbeitsunfähig. Den Gesundheitszustand erachte er als sich verschlechternd 

(IV-act. 27-1, betreffend Datum des Berichts vgl. IV-act. 45-9 f.).

A.f    Nach Sichtung der Akten empfahl der Regionale Ärztliche Dienst der IV-Stelle 

(RAD) eine polydisziplinäre Begutachtung (IV-act. 28-2). Diese wurde im März und April 

2009 von der MEDAS Zentralschweiz durchgeführt (IV-act. 34-1 ff.).

A.g   Im MEDAS-Gutachten vom 6. Juli 2009 wurde der Versicherten eine 

Arbeitsfähigkeit von 70% in diversen Tätigkeiten, welche nicht ausschliesslich stehend-

gehend verrichtet werden müssten, attestiert. Die Einschränkung von 30% basiere 

ausschliesslich auf der psychiatrischen Beurteilung (IV-act. 34-24 f.).

A.h   Mit Vorbescheid vom 16. Oktober 2009 stellte die IV-Stelle der Versicherten 

gestützt auf das MEDAS-Gutachten die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-

act. 39). Am 13. November und 8. Dezember 2009 liess die Versicherte, vertreten durch 

die Vereinigung E.___, gegen den Vorbescheid Einwand erheben (IV-act. 40; 46). Mit 

Verfügung vom 5. Januar 2010 wies die IV-Stelle einen Rentenanspruch wie 

angekündigt ab (IV-act. 49).

B.     

B.a   Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. A. Le Soldat in 

Vertretung der Versicherten eingereichte Beschwerde vom 3. Februar 2010. Die 

Beschwerdeführerin lässt unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der 

Beschwerdegegnerin die Aufhebung der Verfügung beantragen. Es sei ihr eine 

angemessene Invalidenrente, mindestens basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit von 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

60%, auszurichten (act. G 1). Die Beschwerde wird im Wesentlichen damit begründet, 

dass die Beschwerdegegnerin bei der Invaliditätsbemessung keinen Leidensabzug 

vorgenommen habe. Gemäss Beschwerdegegnerin bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 

70%. Es sei somit nur noch eine Teilzeitarbeit möglich. Hinzu komme, dass auch 

qualitative Einschränkungen bestünden. Gerechtfertigt sei daher ein Leidensabzug von 

mindestens 20%. Somit ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 41% (act. G 1, S. 6).

Sodann sei im psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS nicht auf die in verschiedenen 

Berichten geäusserte abweichende Meinung des behandelnden Psychiaters 

eingegangen worden. Dieser sei in seinen ausführlichen Berichten von einer 

Arbeitsunfähigkeit von 50 bis 60% ausgegangen. Aktuell (nach der Begutachtung 

durch die MEDAS) habe sich der Zustand noch verschlechtert. Es liege auf der Hand, 

dass ein ausgewiesener Facharzt, der seine Patientin über längere Zeit behandelt habe, 

über eine wesentlich bessere Grundlage zur Beurteilung der entsprechenden Patientin 

verfüge. Es sei somit von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 bis 60% auszugehen. 

Zusätzlich bestünden physische Einschränkungen, worunter auch das chronische 

Handekzem falle, das im MEDAS Gutachten bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit 

keinerlei Beachtung gefunden habe (act. G 1, S. 7).

B.b   Mit Beschwerdeantwort vom 26. April 2010 beantragt die Beschwerdegegenerin 

die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Es sei nicht einzusehen, wieso nicht auf das 

MEDAS-Gutachten abgestellt werden könne. Der Meinung der neutralen MEDAS-

Experten sei ein grösserer Stellenwert beizumessen als derjenigen des nicht ganz 

unbefangenen behandelnden Arztes. Zudem orientiere sich der behandelnde Arzt an 

dem hier nicht relevanten bio-psychosozialen Modell der WHO und schätze die 

Arbeitsunfähigkeit daher höher ein als der Versicherungsexperte. Sodann könne aus 

dem Gutachten nicht abgeleitet werden, dass die Beschwerdeführerin nur noch Teilzeit 

arbeiten könne. Fest stehe nur, dass sie aufgrund der Schmerzfixierung eine Leistung 

von 70% der Norm erbringen werde. Die Berücksichtigung eines Leidensabzugs sei 

daher nicht zulässig, da ansonsten die Einschränkung zweimal berücksichtigt würde. 

Bei einer Leistungsfähigkeit von 70% der Norm liege der IV-Grad unter 40%. Die ange­

fochtene Verfügung sei somit nicht zu beanstanden (act. G 4, Ziff. 2 f.).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.c   Mit Replik vom 8. Juni 2010 lässt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen 

festhalten (act. G 8). Ergänzend stellt sie mit Hinweis auf das Rechtsgutachten von 

Prof. Dr. iur. Jörg-Paul Müller und Dr. iur. Johannes Reich die Unabhängigkeit der 

medizinischen Abklärungsstellen in Frage. Im Rechtsgutachten werde die Auffassung 

vertreten, die IV-Stellen würden bei der Abklärung von Ansprüchen die Grundsätze 

eines fairen Verfahrens gemäss Art. 6 EMRK verletzen. Gerade deshalb sei vorliegend 

auf die Beurteilung des behandelnden Psychiaters und nicht auf das MEDAS-

Gutachten abzustellen (act. G 8, S. 3 f.).

B.d   Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 9. Juni 2010 auf eine weitere 

Stellungnahme (act. G 10).

Erwägungen:

1.      

1.1    Die Beschwerdeführerin beantragt in diesem Verfahren einzig Rentenleistungen. 

Die Mitteilung vom 22. August 2009 betreffend die Ablehnung von 

Eingliederungsmassnahmen wurde nicht beanstandet (IV-act. 49-1; act. G 1).

1.2    Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen 

des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung 

über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In 

materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, 

dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des 

angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den 

materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 

Erw. 1, 126 V 136 Erw. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung erging am 

5. Januar 2010 (act. G 1.2), wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem 

Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 

begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung 

betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den all­

gemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 

5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des 

Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 Erw. 1). Diese übergangsrechtliche Lage 

zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des 

Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber 

der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die 

seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.

1.3    Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die 

voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der 

durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte 

und nach zumut-barer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder 

teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen 

Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen 

Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person 

nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und 

zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen 

könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, 

das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre 

(Valideneinkommen).

1.4    Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, die ihre 

Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch 

zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern 

können (lit. a); während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40% arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b); und nach Ablauf 

dieses Jahres zu mindestens 40% invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c).

1.5    Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn 

die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn 

sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrund von mindestens 50% vor, 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 40% auf eine Viertelsrente.

1.6    Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 

Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des 

Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung 

zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte 

Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige 

Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten 

Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 Erw. 4  mit Hinweisen). Einem 

ärztlichen Bericht kommt Beweiswert zu, wenn er für die streitigen Belange umfassend 

ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden 

berücksichtigt und in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, wenn 

die Beschreibung der medizinischen Situation und Zusammenhänge einleuchtet und 

die Schlussfolgerungen des Arztes begründet sind (BGE 134 V 231 Erw. 5.1; 125 V 351 

Erw. 3a). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die Sozialversicherung 

eingeholten Gutachten ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien 

gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 Erw. 3b/bb).

2.      

2.1    Umstritten ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf eine Invalidenrente 

zu Recht abgelehnt hat. Es stellt sich zunächst die Frage, ob die medizinische 

Aktenlage die gesetzeskonforme Beurteilung des Leistungsanspruchs der 

Beschwerdeführerin zulässt.

2.2    Der Rechtsvertreter macht geltend, es könne nicht auf das Gutachten der MEDAS 

abgestellt werden. Das Abklärungsverfahren in der IV verstosse gegen Art. 6 EMRK. 

Die medizinischen Abklärungsstellen seien von den IV-Stellen wirtschaftlich abhängig. 

Sinngemäss macht er damit Befangenheit der medizinischen Abklärungsstellen 

geltend.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.3    In BGE 137 V 210 wurde die Stellung der medizinischen Abklärungsinstitute 

(MEDAS) rechtlich genauer beleuchtet. Insbesondere prüfte das Bundesgericht, ob die 

von der Bundesverfassung (Art. 29 Abs. 1 und 2, Art. 30 Abs. 1 BV) und der 

Europäischen Konvention für Menschenrechte (Art. 6 Ziff. 1 EMRK) gestellten 

Anforderungen an ein faires Verfahren eingehalten sind und kam zum Schluss, dass der 

Einsatz von MEDAS grundsätzlich verfassungs- und EMRK-konform sei. Gleichzeitig 

stellte das Bundesgericht im Zusammenhang mit Administrativgutachten der MEDAS 

jedoch auch Defizite fest, welche auf verfahrensrechtlichem Weg zu korrigieren seien 

(Erw. 2; 3). Im Verwaltungsverfahren sei in Anlehnung an Art. 93 MVG die 

einvernehmliche Gutachtenseinholung verstärkt in den Vordergrund zu stellen. Die bei 

fehlendem Konsens zu treffende Anordnung, eine Expertise einzuholen, sei in Ver­

fügungsform zu kleiden (Erw. 3.4.2.6). Dabei handle es sich um eine 

Zwischenverfügung; der nicht wieder gutzumachende Nachteil sei zumindest für das 

kantonale Verfahren zu bejahen (Erw. 3.4.2.7). Die Anordnung habe direkt in 

Verfügungsform zu erfolgen, ohne Vorbescheid und nicht (zunächst) formlos, und zwar 

jedes Mal, wenn eine Festlegung getroffen werde, welche die Verfahrensrechte der 

versicherten Person zu berühren geeignet sei (insbesondere bei späterer Nennung der 

Gutachter; Erw. 3.4.2.8). Der versicherten Person sei ein Anspruch einzuräumen, sich 

vorgängig zu den Gutachterfragen zu äussern (Erw. 3.4.2.9). Sodann zeitigen die 

verfahrensrechtlichen Korrektive auch Auswirkungen auf der Ebene der gerichtlichen 

Beurteilung streitiger Rentenansprüche. Gelangten die Gerichte bei der Würdigung 

eines Administrativgutachtens zum Schluss, weitere Abklärungen seien notwendig, 

hätten sie diese in der Regel selbst vorzunehmen (Erw. 4.2). Die Angelegenheit dürfe 

diesfalls nicht ohne Not an die Verwaltung zurückgewiesen werden (Erw. 4.4.1.1). Eine 

Rückweisung bleibe hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung 

einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet sei. Ausserdem bleibe es dem 

kantonalen Gericht unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine 

Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich 

sei (Erw. 4.4.1.3). Es bestehe demnach ein Anspruch auf ein Gerichtsgutachten, wenn 

die Abklärungsergebnisse aus dem Verwaltungsverfahren in rechtserheblichen Punkten 

nicht ausreichend beweiswertig seien (Erw. 4.4.1.5). Der Umstand alleine, dass ein 

Administrativgutachten aus Mitteln der Invalidenversicherung finanziert werde, bilde 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

indessen kein genügendes Motiv, in jedem Beschwerdefall auf der Grundlage eines 

Gerichtsgutachtens zu urteilen (Erw. 4.4.1.4).

2.4    Die vom Bundesgericht in vorstehender Erw. 2.3 erwähnten Anpassungen des 

Verfahrens wirken sich auf den vorliegend zu beurteilenden Fall insoweit aus, dass 

gegebenenfalls die Veranlassung eines Gerichtsgutachtens in Betracht zu ziehen wäre, 

sollte sich nach Prüfung der spezifischen Gegebenheiten und der erhobenen Rügen 

herausstellen, dass der relevante Sachverhalt nicht rechtsgenüglich erhoben wurde. 

Indessen bedeutet die Anwendbarkeit justiziabler Korrektive auf laufende Verfahren 

nicht, dass nach altem Verfahrensrecht eingeholte Gutachten ihren Beweiswert per se 

verlören (BGE 137 V 210 Erw. 6).

2.5    Somit ist insbesondere zu prüfen, ob das MEDAS-Gutachten vor Bundesrecht 

standhält. Die Beschwerdeführerin rügt die Befangenheit der MEDAS aufgrund der 

wirtschaftlichen Abhängigkeit von der Beschwerdegegnerin. Hinsichtlich einer 

allfälligen Befangenheit der MEDAS unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen 

Abhängigkeit hielt das Bundesgericht an seiner bisherigen Rechtsprechung fest, dass 

der regelmässige Beizug eines Gutachters oder einer Begutachtungsinstitution durch 

den Versicherungsträger, die Anzahl der beim selben Arzt in Auftrag gegebenen 

Gutachten und Berichte sowie das daraus resultierende Honorarvolumen für sich allein 

genommen nicht zum Ausstand führten (BGE 137 V 210 Erw. 1.3.3 m. H. auf SVR 2009 

UV Nr. 32 S. 111 Erw. 6, 8C_509/2008; SVR 2008 IV Nr. 22 S. 69 Erw. 2, 9C_67/2007; 

RKUV 1999 Nr. U 332 S. 193 Erw. 2a/bb, U 212/97). Ein Ausstandsbegehren könne 

sich ohnehin stets nur gegen Personen und nicht gegen Behörden richten; nur die für 

eine Behörde tätigen Personen, nicht die Behörde als solche, könnten befangen sein 

(SVR 2010 IV Nr. 2 S. 3 Erw. 2.1, 9C_500/2009; Urteil 9C_603/2010 vom 6. Oktober 

2010 Erw. 5.2). Nach dem Gesagten ist der pauschale Vorwurf der Befangenheit der 

MEDAS als Institution nicht zu hören. Die persönliche Befangenheit einer der MEDAS-

Gutachter hat die Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht. In den Akten finden sich 

auch keine Hinweise, die für eine Befangenheit der Gutachter sprechen würden. Somit 

erfüllt das Gutachten die formellen Anforderungen.

3.      

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.1    Des Weiteren ist umstritten, ob der Sachverhalt rechtsgenüglich erhoben worden 

ist, insbesondere ob das polydisziplinäre Gutachten der MEDAS inhaltlich eine 

taugliche Grundlage zur Beurteilung der der Beschwerdeführerin verbleibenden 

Arbeitsfähigkeit darstellt.

3.2    Das MEDAS-Gutachten stützt seine Beurteilung auf sämtliche Vorakten, die 

eigenen persönlichen Befragungen der Beschwerdeführerin und die eigenen 

internistischen, psychiatrischen und rheumatologischen Untersuchungen vom 31. März 

und 2. April 2009 (IV-act. 34-1 ff.).

3.3   

3.3.1           Dem Gutachten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin in Tirana, 

der Hauptstadt Albaniens, als Tochter des Parteisekretärs der damaligen 

kommunistischen Partei aufgewachsen ist. In ihrem Heimatland habe sie den 

Krankenschwesternberuf erlernt und mehrere Jahre als Arztgehilfin in einer städtischen 

Poliklinik gearbeitet (IV-act. 34-21; 34-33 f.). Ihren ursprünglich aus Mazedonien 

stammenden Ehemann habe sie im Rahmen eines Ferienaufenthalts am Meer in 

Albanien kennen gelernt. Er habe damals schon in der Schweiz gearbeitet. Sie sei 1995 

zu ihrem Ehemann in die Schweiz gezogen. Bis im November 2006 habe sie 

ausschliesslich als Hausfrau und Mutter ihrer vier Kinder gearbeitet. Ihr Ehemann habe 

im Jahr 2004 einen Unfall gehabt. Ein eigenes Einkommen habe er nicht. Nach dem 

Unfall habe zwei Jahre lang die Haftpflichtversicherung gezahlt (IV-act. 34-14). Aus 

Geldmangel habe sie die Stelle bei der B.___ angenommen (IV-act. 34-14). Sie habe 

bereits im August 2000 eine Unterschenkelfraktur rechts erlitten. Davon habe sie sich 

jedoch gut erholt (IV-acat. 34-21). Die Beschwerdeführerin geht offenbar seit dem 

Unfall vom 23. Februar 2007 an Krücken (IV-act. 34-13).

3.3.2           In der zusammenfassenden Beurteilung kamen die Gutachter zum Schluss, 

dass die Beschwerdeführerin aktuell in diversen Tätigkeiten, welche nicht 

ausschliesslich stehend-gehender Natur seien, zu 70% arbeitsfähig sei. Die 

Einschränkung von 30% basiere ausschliesslich auf der psychiatrischen Beurteilung; 

das psychische Leiden könne sich aber auch spontan bessern (ohne Psychotherapie), 

sodass die Arbeitsfähigkeit später eventuell höher angesetzt werden könne. In einer 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fabriktätigkeit, beispielsweise in der Elektronik und Montage, bestehe eine 70%-ige 

Arbeitsfähigkeit, wenn diese Tätigkeit nicht ausschliesslich stehend erfolge, sondern 

zwischendurch auch sitzend ausgeübt werden könne. Zudem seien kraftvolle 

Betätigungen des rechten Fusses (z.B. Pedalbedienung) nicht zumutbar. Im 

Pflegebereich - die Versicherte verfüge über keine aktuellen Berufskenntnisse als 

Krankenschwester mehr und müsste daher auf dem Niveau einer Pflegerin arbeiten - 

sei sie aktuell zu 50% arbeitsfähig. Auch im Pflegeberuf bestehe eine 

Steigerungsoption. Gemäss der rheumatologischen Beurteilung wäre nach einer 

aufbauenden Behandlung nach einigen Monaten eine volle Belastung (100%) möglich, 

wobei sich die Psyche weiterhin einschränkend auswirken könnte. Als Hausfrau im 

eigenen Haushalt sei die Beschwerdeführerin, ebenfalls mit Steigerungsoption, zu 70% 

arbeitsfähig. Die Beschwerdeführerin solle nochmals - und energisch - einer 

aufbauenden Behandlung unterzogen werden. Es müsse ihr vor Augen geführt werden, 

dass die weitere Benützung von Krücken absolut kontraproduktiv sei. Bei nur geringer 

gesundheitlicher Störung und der attestierten Arbeitsfähigkeit von 70% mit 

Steigerungsoption sei von einer guten Prognose auszugehen. Das Umfeld der 

Beschwerdeführerin sei aber gezeichnet durch nicht durchschaubare psychosoziale 

Faktoren, deren Einfluss nicht beurteilt werden könne (IV-act. 34-24 f.).

3.4   

3.4.1           Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bemängelt insbesondere die 

Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im psychiatrischen Teilgutachten. Es sei entgegen 

dem psychiatrischen Teilgutachten auf die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit des 

behandelnden Psychiaters von 60% abzustellen.

3.4.2           Im psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS wurde mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit eine chronische dissoziative Störung (ICD F 44) diagnostiziert. Ohne 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden Schwierigkeiten bei der kulturellen 

Eingewöhnung (ICD Z 60.3; IV-act. 34-36 f.). Die Beschwerdeführerin habe die ganzen 

Lebensbedingungen unreflektiert geschildert. Sie habe angegeben, dass alles kein 

Problem gewesen sei, dass sich alle Veränderungen auf natürliche Weise zugetragen 

hätten. Über das System im Osten und die Verhältnisse im Westen habe sie nie 

intensiver nachgedacht. Den aktuellen Alltag und auch die Unfallfolgen habe sie 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

indifferent, emotional kaum beteiligt, geschildert. Zwischendurch habe sie geweint, 

ohne dass die Trauer als echte und überzeugende Gefühlsäusserung spürbar 

geworden sei. Die Beschreibung der Fussbeschwerden seien pauschal geblieben, in 

allgemeinen Formulierungen. Es tue dauernd weh und sie könne unmöglich stehen (IV-

act. 34-36). Die diagnostische Einordnung der Problematik sei nicht leicht. Neben einer 

dissoziativen Störung würden auch eine hypochondrische Störung oder eine 

anhaltende somatoforme Schmerzstörung in Frage kommen. In der Biographie der 

Beschwerdeführerin sei auffällig, wie sie den Wechsel des ganzen soziokulturellen 

Umfelds beurteile, mit wie wenig Emotionen sie auf den Umbruch von der Rolle als 

Tochter eines angesehenen Staatsunktionärs (im Herkunftsland Albanien) zur 

Fabrikarbeiterin (in der Schweiz) reagiert habe. Es könne aber als gesichert gelten, dass 

sie über eine mindestens durchschnittliche Intelligenz verfüge und ihr unter diesen 

Voraussetzungen auch einige Anpassungsleistungen abverlangt werden könnten. Die 

Realität hier in der Schweiz, die Enttäuschung über das wirtschaftliche Scheitern, 

möglicherweise auch die Invalidität des Ehemannes und später ihre eigenen 

Beeinträchtigungen veranschaulichten den totalen Verlust eines Lebensplans, einer 

Hoffnung, einer Vision, was ohne Zweifel eine schwere seelische Belastung darstelle. 

Der für die Differentialdiagnosen notwendige seelische Konflikt sei damit ohne Zweifel 

gegeben. Das weitgehende Fehlen von Emotionen bei der Schilderung, der explizite 

Hinweis darauf, dass ihr all diese Veränderungen nichts hätten anhaben können, 

würden für eine dissoziative Störung sprechen. Patienten mit anhaltender 

somatoformer Störung oder einem Leiden aus dieser Gruppe seien sich der Konflikte 

mindestens in groben Zügen bewusst und würden diese mit starker emotionaler 

Beteiligung darlegen. Gewisse Inkohärenzen in den Angaben der Versicherten, 

streckenweise ungenaue Erinnerungen, würden nun aber schlecht zur vermuteten 

Intelligenzlage der Versicherten passen. Die Fussverletzung hätte auf der psychischen 

Ebene eine Fixierung des Schmerzes, der Belastungsfähigkeit und der selbstdefinierten 

Invalidität zur Folge gehabt. Mit dem Aufhänger des verletzten Fusses habe eine fast 

schon als maligne zu bezeichnende Regression stattgefunden (die es als 

psychiatrische Diagnose jedoch nicht gebe) die dazu geführt habe, dass sie dem 

Status als Alleinernährerin einer Grossfamilie mit sehr bescheidenem Stundenansatz 

habe entgehen können. Die Dysthymie, die dauernde Herabgestimmtheit, könne als 

direkte Folge dieser misslichen sozialen Situation in Kombination mit der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Chronifizierung der Fussbeschwerden gesehen werden. Sicher fehle es der 

Beschwerdeführerin an Lebenslust, sicher sei der Antrieb vermindert, sicher sei der 

dauernde Gebrauch von Krücken letztlich hinderlich, auch wenn er wie ein Symbol die 

Behinderung letztlich für jeden sichtbar machen lasse (IV-act. 34-37). Betreffend die 

Arbeitsfähigkeit in der bisher ausgeübten Tätigkeit bzw. einer Verweistätigkeit hielt der 

Gutachter weiter fest, die Verarbeitung der ursprünglichen Beeinträchtigung und die 

Chronifizerung der Beschwerden hätten ohne Zweifel eine psychische Dimension. Die 

dissoziative Störung sei der Beschwerdeführerin bei der Bewältigung verschiedenster 

Tätigkeiten hinderlich. Die Fixierung auf die Beschwerden schränke ihre 

Leistungsfähigkeit, ihre Vitalität, ihre Initiative ein, und sie werde auch ein Bedürfnis 

nach längeren Pausen bzw. nach Erholungszeiten daraus ableiten. Mit den erwähnten 

Einschränkungen sei noch eine Arbeitsfähigkeit von 70% anzunehmen. Die 

psychiatrischen Aspekte würden sich auf sämtliche Tätigkeiten auswirken (IV-act. 

34-38).

3.4.3           Demgegenüber nannte der behandelnde Psychiater, Dr. D.___, im Bericht 

vom 3. November 2008 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 

depressive Episode mittleren Grades; Anpassungsstörung mit multipler Symptomatik; 

chronisches Schmerzsyndrom bei diversen orthopädischen und rheumatologischen 

Komplikationen, sich posttraumatisch entwickelnd. Die Beschwerdeführerin sei seit 

September 2007 bei ihm in Behandlung und seitdem als Arbeiterin und Hausfrau zu 50 

- 60% arbeitsunfähig (IV-act. 27-1). Sie klage über Schmerzen, Zukunftsängste, 

Schlafstörungen, Bedrücktheit, Angst auf die Strasse zu gehen, die sozialen Kontakte 

seien abgebrochen worden, Müdigkeit und Erschöpftheit, kreisende Gendanken sowie 

ein Gefühl von Sinnlosigkeit.

3.4.4           Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass rechtsprechungsgemäss unter 

Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag es 

nicht angehen kann, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets 

dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die 

behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an 

solchen vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält 

es sich hingegen, wenn die behandelnden Ärzte objektiv feststellbare Gesichtspunkte 

vorbringen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben und die geeignet 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des Eidgenössischen 

Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des 

Bundesgerichts] vom 13. März 2006, I 676/05, E. 2.4 mit Hinweisen).

3.4.5           Objektiv feststellbare Gesichtspunkte, welche im psychiatrischen 

Teilgutachten unberücksichtigt geblieben wären, können dem Bericht von Dr. D.___ 

nicht entnommen werden. Der psychiatrische Gutachter hatte von diesem Bericht 

Kenntnis und kommt im Ergebnis übereinstimmend mit Dr. D.___ zum Schluss, dass 

ein psychiatrisches Beschwerdebild mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegt. 

Unbeachtlich ist dabei, dass der Gutachter von einer unterschiedlichen Diagnose 

ausgeht. Denn unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der 

Aetiologie ist die durch die erhobenen Befunde bedingte Beeinträchtigung der 

Erwerbsfähigkeit für das Vorliegen einer Invalidität massgebend (vgl. dazu Meyer, 

Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Auflage 2010, S. 19 f.). Gründe, die 

an der gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin 

Zweifel aufkommen liessen, sind dem Bericht von Dr. D.___ indessen ebenfalls nicht zu 

entnehmen. Die Schlussfolgerung des Gutachters, dass eine Gesundheitsstörung mit 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegt - die Beschwerdeführerin jedoch offenbar 

zumindest im Zeitpunkt der Begutachtung nicht in der Lage gewesen ist, diese 

vollständig zu überwinden - erscheint nachvollziehbar. Dasselbe gilt für die 

Feststellung, dass die Beschwerdeführerin grundsätzlich über die Ressourcen verfügt, 

Anpassungsleistungen zu erbringen. Unter diesen Umständen erscheint die 

gutachterliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit von 30% in sämtlichen Tätigkeiten 

nachvollziehbar, zumal die psychiatrischen Befunde keine derartige Schwere 

aufweisen, dass von einer höheren Arbeitsunfähigkeit auszugehen ist. Daran vermag 

auch der im Beschwerdeverfahren eingereichte Bericht von Dr. D.___ vom 1. Dezember 

2009 nichts zu ändern. Darin machte er eine Verschlechterung des 

Gesundheitszustands geltend, die Arbeitsunfähigkeit betrage seit Frühling 2008 mehr 

als 66.6% (IV-act. 47-1 ff.). Inwiefern diese Verschlechterung eingetreten sein soll, 

wird jedoch nicht dargelegt. Vielmehr gibt er weiterhin ein unverändertes 

psychopathologisches Bild sowie unveränderte Befunde an, mithin scheinen keine 

neuen Symptome mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgetreten zu sein. Auch die 

gleichgebliebene Medikation (vgl. IV-act 27-2 und 45-3) sowie die lediglich 

zweimonatliche Frequenz der Behandlungen lassen nicht auf eine erhebliche 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Verschlechterung der Beschwerden schliessen. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass 

keine Gründe ersichtlich sind, weshalb nicht auf das psychiatrische Teilgutachten der 

MEDAS abgestellt werden könnte.

3.5   

3.5.1           Betreffend die somatischen Beschwerden kam der Gutachter im 

rheumatologischen Teilgutachten zum Schluss, dass aus rheumatologischer Sicht 

keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden. Ohne Auswirkung 

auf die Arbeitsfähigkeit wurden folgende Diagnosen genannt (IV-act. 34-30): Nicht 

klassifizierbare Lumbosakralgie rechts; Kopfschmerzen frontal und occipital; 

chronifizierte Arthralgien und Periarthralgien nach Supinationstrauma des rechten 

Fusses (23.02.2007); St. n. Abtragung der Synostose resp. der hypertrophen 

Pseudoarthrose (17.04.2007) und nach UTN-Marknagelung (18.08.2001) und 

Marknagelentfernung (03.10.2001). Das jetzige Zustandsbild im Bereich des rechten 

Fusses ergebe, soweit klinisch beurteilbar, keine Hinweise für dystrophe 

Residualbefunde. Es zeige sich einzig ein immobilisationsbedingtes, leichtes 

oberflächliches Ödem. Die vollständige Schonung der gewichttragenden Gelenke der 

rechtsseitigen unteren Extremitäten seit dem Supinationstrauma durch Stockentlastung 

beidseits und vorwiegender Horizontallage während des Tages erkläre die fehlende 

Belastungstoleranz, welche durch die weitgehende Immobilisation und die ausgeprägte 

Selbstlimitierung der Beschwerdeführerin weiter unterhalten werde (IV-act. 34-31). Die 

früher festgestellte Diagnose einer Algodystrophie (CRPS 1 [Morbus Sudeck]) sei 

vorwiegend auf den radiologischen Befund einer fleckigen Osteoporose abgestützt 

worden. Dystrophiezeichen im engeren Sinn seien aber in der jetzt zur Verfügung 

stehenden Dokumentation nirgends aufgeführt (IV.act. 34-22; 34-31). Bereits im 

vergangenen Jahr habe eine Algodystrophie ausgeschlossen werden können. Die 

funktionellen Einschränkungen im Bereich der rechten unteren Extremität sowie die 

chronifizierten Schmerzen beurteile er als Immobilisationsfolge. Auch mittels einer 

aktualisierten konventionell-radiologischen Abklärung der Sprunggelenke zeigten sich 

weiterhin keine Hinweise für eine posttraumatische Arthroseentwicklung. Die 

Beschwerdeführerin sei in ihrer angestammten Tätigkeit als Fabrikarbeiterin zu 100% 

arbeitsfähig, sofern die Berufsausübung nicht vorwiegend stehend, sondern auch 

sitzend und ohne kraftvolle Bewegung mit dem rechten Fuss (Pedalbedienung) 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

ausgeführt werden könne. Dies gelte auch für jede andere leichte bis mittelschwere 

manuelle Tätigkeit die vorwiegend sitzend ausgeführt werde. In der früher ausgeübten 

Tätigkeit als Pflegefachfrau sei sie zur Zeit zu 50% arbeitsfähig, da diese Tätigkeit 

vorwiegend stehend und gehend ausgeführt werden müsse. Bei begleitender Physio­

therapie sei jedoch eine volle Belastung nach einigen Monaten wieder zumutbar (IV-

act. 34-31 f.).

3.5.2           Gründe, weshalb nicht auf das rheumatologische Teilgutachten abgestellt 

werden könnte, sind keine ersichtlich, mithin benennt auch die Beschwerdeführerin 

keine solchen. Sodann decken sich die Untersuchungsergebnisse des 

rheumatologischen Teilgutachtens im Wesentlichen mit jenen der Uniklinik F.___ vom 

25. Juni 2008 (IV-act. 21-36 f.). Bereits damals hatte ein MRI des Fusses einen 

unauffälligen Befund ergeben. Insbesondere konnte keine Arthrose festgestellt werden. 

Ebenso fehlten klinische oder bildgebende Hinweise für eine Algodystrophie. Die Ärzte 

der Uniklinik F.___ kamen zusammenfassend zum Schluss, bei den Beschwerden 

handle es sich um ein chronisches Schmerzsyndrom nach Distorsionstrauma und 

nachfolgender Operation, wobei die Ursache dieser Schmerzerkrankung unklar bleibe. 

Unter diesen Umständen erscheint die gutachterliche Einschätzung einer 100%-igen 

Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit plausibel.   

3.6    Das polydisziplinäre Gutachten erfüllt sämtliche rechtsprechungsgemässen 

Kriterien der Beweistauglichkeit. Es ist für die strittigen Belange umfassend, beruht auf 

allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die beklagten Beschwerden und ist in 

Kenntnis der Vorakten abgegeben worden. Auch von dem im Beschwerdeverfahren 

geltend gemachten Handekzem hatten die Gutachter Kenntnis (IV-act. 34-24). Dass 

dieses einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben sollte, erscheint nicht 

nachvollziehbar. Zudem sind die Ausführungen in der Beurteilung der medizinischen 

Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtend und beinhalten 

begründete Schlussfolgerungen. Zusammenfassend ist gestützt auf das 

polydisziplinäre Gutachten der MEDAS vom 6. Juli 2009 von einer 70%-igen 

Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit, wie im Gutachten beschrieben, 

auszugehen.

4.      

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.1    Sodann bemängelt die Beschwerdeführerin die Invaliditätsbemessung. Die Be­

schwerdegegnerin habe keinen Leidensabzug vorgenommen. Angemessen sei ein 

Leidensabzug von mindestens 20%.

4.2    Die Invaliditätsbemessung hat unbestritten nach der allgemeinen Methode des 

Einkommensvergleichs zu erfolgen. Die Beschwerdeführerin war in der Schweiz einzig 

als Hilfsarbeiterin tägig. Die Vergleichseinkommen (Validen- und Invalideneinkommen) 

sind daher auf der gleichen Grundlage zu erheben. In derartigen Fällen, wo zur 

Bestimmung des Validen- und Invalideneinkommens dieselbe Vergleichsgrösse 

herangezogen wird, kann ein sogenannter Prozentvergleich vorgenommen werden. 

Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter 

Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts I 697/05 

vom 9. März 2007 Erw. 5.4 mit Hinweis).

4.3    Mit dem Abzug vom Tabellenlohn soll der Tatsache Rechnung getragen werden, 

dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, 

Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und 

Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 

Erw. 3b/aa) und je nach Ausprägung die versicherte Person deswegen die verbliebene 

Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit 

unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 75 Erw. 5b/aa 

in fine). Der Abzug ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach 

pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen 

(BGE 126 V 75 Erw. 5b/bb-cc; Urteil 9C_721/2010 vom 15. November 2010 Erw. 4.2).

4.4    Gründe für einen Leidensabzug in der geltend gemachten Höhe von mindestens 

20% sind nicht ersichtlich. Ein gewisser sogenannter Konkurrenznachteil ist zwar nicht 

auszuschliessen. Das Alter fällt nicht relevant ins Gewicht. Insgesamt erscheint ein 

Abzug von maximal 10% gerechtfertigt. Somit ergibt sich bei einer Arbeitsfähigkeit von 

70% in einer adaptierten Tätigkeit ein Invaliditätsgrand von weniger als 40% und damit 

kein Anspruch auf eine Invalidenrente (100% - [100 x 0.7 x 0.9]).

4.5    Zu prüfen bleibt ein allfälliger Anspruch auf eine befristete Rente. Versicherte 

haben Anspruch auf eine Rente, wenn sie u.a. während eines Jahres ohne 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen 

sind (Art. 6 ATSG) und nach Ablauf des Wartejahres eine Invalidität von mindestens 

40% verbleibt (Art. 28 Abs. 1 lit. b und c IVG). Über den Verlauf der Arbeitsunfähigkeit 

hat sich im MEDAS-Gutachten einzig der psychiatrische Gutachter geäussert (vgl. IV-

act. 34-25 bzw. 34-38). Der Hausarzt attestierte seit dem Arbeitsunfall vom 23. Februar 

2007 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 17). Demgegenüber schätzten die Ärzte 

der Klinik G.___ die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus rheumatologischer 

Sicht in einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit in sitzender Position bereits im 

Austrittsbericht vom 6. August 2007 ab dem 23. Juli 2007 für zwei Wochen auf 50%, 

mit Steigerung innert vier Wochen auf 100% ein (IV-act. 21-23). Sodann ergab die 

kreisärztliche Untersuchung der SUVA vom 22. August 2007, dass bei der 

Beschwerdeführerin keine messbare Behinderung mehr vorliege und sie daher ab 1. 

September 2007 voll arbeits- und vermittlungsfähig sei (IV-act. 21; vgl. auch SUVA-act. 

43). Eine Arbeitsunfähigkeit aus rheumatologischer Sicht ab September 2007 ist somit 

aufgrund der Aktenlage - insbesondere dem Umstand, dass im MEDAS-Gutachten 

keine organische Ursache für die Beschwerden festgestellt werden konnte und diese 

vielmehr als Immobilisationsfolge ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beurteilt 

wurden - mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu verneinen. Betreffend den Verlauf 

der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht wurde im MEDAS-Gutachten 

festgehalten, dass die ganze Psychodynamik nach etwa einem halben Jahr nach dem 

Unfall schon zu einem vorläufigen Abschluss und zu einer Fixierung und 

Chronifizierung im heutigen Ausmass gekommen sei (IV-act. 34-38). Es kann daher 

davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht in 

einer adaptierten Tätigkeit ab September 2007 zu 30% arbeitsunfähig gewesen war. 

Somit fehlt es auch ein Jahr nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit jedenfalls an einer 

verbleibenden Invalidität von mindestens 40%. Ein Anspruch auf eine befristete Rente 

ist somit zu verneinen.

5.      

5.1    Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.

5.2    Nach Art. 69 Abs. 1  IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um 

die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen 

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/19

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand 

und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. 

Als unterliegende Partei hat die Beschwerdeführerin die Gerichtskosten zu bezahlen 

(vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP). Diese sind ermessensweise auf Fr. 600.-- zu veranschlagen. 

Mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist die geschuldete 

Gerichtsgebühr getilgt.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.       Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.       Die Beschwerdeführerin bezahlt die Gerichtskosten von Fr. 600.-- unter 

Anrechnung des bezahlten Kostenvorschusses in gleicher Höhe.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 27.03.2012
	Art. 28 IVG Beurteilung des Beweiswertes eines polydisziplinären Gutachtens (Entscheid des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 27. März 2012, IV 2010/47).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T11:48:08+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen