# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 47ea52ed-b0af-5d62-b5ee-6ac6bef0a3c9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.10.2011 D-859/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-859-2010_2011-10-10.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­859/2010 
D­860/2010

U r t e i l   v om   1 0 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richter François Badoud, Richter Hans Schürch,
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

Parteien 1. X._______, 
geboren am _______, 
Beschwerdeführerin, (D­859/2010)
und
2. Y._______,
geboren am _______, 
Beschwerdeführer, (D­860/2010)
Sri Lanka,  
vertreten durch Fürsprecher Daniel Weber,
_______, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügungen des BFM 
vom 6. Januar 2010 / _______ und _______.

D­859/2010, D­860/2010

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Eigenen  Angaben  zufolge  verliessen  die  Beschwerdeführenden  ihren 
Heimatstaat  am 16. Februar  2008 und gelangten über  _______ am 14. 
Juli 2008  in die Schweiz, wo sie am gleichen Tag Asylgesuche stellten. 
Dazu wurden sie am 24. Juli 2008 summarisch befragt. Am 13. Juli 2009 
führte das BFM Anhörungen durch. 

I.

B. 
Die  Beschwerdeführerin  legte  dar,  einer  gemischtethnischen  Familie 
anzugehören (Vater: Singhalese; Mutter: Tamilin). Sie sei wie ihre Mutter 
Mitglied  der Pfingstgemeinde.  Ihr Vater  habe die Familie  verlassen. Sie 
stamme aus _______ und habe  immer dort gelebt. Vor dem 14. Januar 
2008  habe  sie  keinerlei  Probleme  gehabt.  Am  besagten  Datum  hätten 
vier  ihnen unbekannte Personen – möglicherweise Mitglieder der Eelam 
People's Democratic Party  (EPDP)  –  zuhause  vorgesprochen und nach 
ihrem  zu  diesem  Zeitpunkt  abwesenden  Bruder  gefragt.  Dieser  habe 
gemäss  Aussagen  der  Unbekannten  von  einem  Freund  Waffen 
respektive ein Paket mit Zündstoff erhalten. Die Unbekannten hätten sich 
nach dem Verbleiben des Pakets erkundigt. Ihre Mutter habe erklärt, dass 
es kein solches Paket gebe. Die Unbekannten hätten  ihr nicht geglaubt, 
sie  umgestossen  und  seien  zwecks Suche  ins Haus  eingedrungen.  Sie 
hätten indes kein entsprechendes Paket gefunden. Sie hätten die Familie 
der  Unterstützung  der  Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE) 
beschuldigt und ihr Wiederkommen am Abend angekündigt. Für den Fall 
der erneuten Abwesenheit des Bruders hätten sie mit der Ermordung der 
gesamten Familie gedroht. Der Bruder habe sich im genannten Zeitpunkt 
arbeitshalber bei einem Onkel beziehungsweise Bekannten aufgehalten. 
Die Mutter respektive sie selber habe einen Nachbarn aufgefordert, sich 
dorthin zu begeben, damit ihr Sohn respektive Bruder gewarnt sei und ein 
Versteck finde. Gegen 14 Uhr sei der Bekannte bei ihnen erschienen und 
habe mitgeteilt,  dass  ihr Sohn  respektive Bruder  in  einem Versteck  sei. 
Am  Abend  desselben  Tages  hätten  zwei  der  vier  Unbekannten  erneut 
vorgesprochen  und  sich  nach  dem  Versteck  ihres  Bruders  erkundigt. 
Einer  der  beiden  habe  sie  unsittlich  angefasst.  Ihre  Mutter  sei 
eingeschritten  und  habe  den  beiden  die  Auslieferung  ihres  Sohnes 
versprochen.  Tags  darauf  sei  die  Mutter  zum  Dorfvorsteher  gegangen, 
um  das  Vorgefallene  zu  melden.  Nachmittags  seien  die  Unbekannten 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 3

wieder  im  Haus  erschienen  und  hätten  sie  beschuldigt,  die  LTTE  zu 
unterstützen. Ihre Mutter habe dies wütend abgestritten. Dabei sei sie mit 
einer Waffe bedroht worden. Es sei zu einem Handgemenge gekommen. 
Die  Unbekannten  hätten  ihre  Mutter  unter  Drohungen  erneut  zur 
Auslieferung des Sohnes aufgefordert. In der Nacht vom 16. auf den 17. 
Januar 2008 hätten die Unbekannten ein viertes Mal vorgesprochen. Sie 
hätten an die Türe getreten, um Einlass zu erhalten. Ihre Mutter habe sie 
(die  Beschwerdeführerin)  aufgefordert,  ihre  Zimmertüre  zu  schliessen, 
und den Eindringlingen geöffnet. Diese hätten das ganze Haus nach dem 
Bruder  durchsucht.  Sie  sei  unter  Drohungen  aufgefordert  worden,  ihre 
Zimmertüre zu öffnen. Aus Angst um das Schicksal ihrer Mutter habe sie 
die  Tür  entriegelt.  Einer  der  Unbekannten  habe  sie  daraufhin 
vergewaltigt.  Noch  in  derselben  Nacht  hätten  sie  sich  zu  besagtem 
Bekannten begeben. Diesem habe sie alles erzählt. Aus Furcht, sie beide 
könnten  auch  bei  ihm  ausfindig  gemacht  werden,  habe  er  sie  in  der 
gleichen Nacht zum Aufenthaltsort ihres Bruders respektive Sohnes nach 
_______  gebracht.  Dort  habe  sie  ihre  Schwangerschaft  realisiert  und 
abgetrieben. Ferner habe sie vom Bekannten erfahren, dass der Freund 
ihres Bruders getötet worden sei. Aus den geschilderten Gründen seien 
sie und ihr Bruder ausser Landes geflohen. 

C. 
Für die im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel wird auf 
die  Akten  verwiesen  (vgl.  die  Auflistung  auf  dem  BFM­
Beweismittelumschlag A 1).

D. 
Mit  Verfügung  vom  6.  Januar  2010  –  eröffnet  am  13.  Januar  2010 – 
stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführerin  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig 
verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  den 
Wegweisungsvollzug. Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid mit der 
fehlenden  Glaubhaftigkeit  der  angeblichen  Vorkommnisse  vom  Januar 
2008.  Die  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  Anhörung 
müssten  in  mehreren  Punkten  als  widersprüchlich  im  Vergleich  zu 
denjenigen  im  Rahmen  der  Summarbefragung  qualifiziert  werden.  So 
habe  sie  bei  der  Summarbefragung  von  einem  Paket  mit  Waffen 
gesprochen, welches die Unbekannten  im Besitz  ihres Bruders vermutet 
hätten.  Laut  Anhörung  soll  es  sich  dabei  aber  um  Zündstoff  und  eine 
Batterie  gehandelt  haben.  Im  Weiteren  sei  ihre  Mutter  gemäss 
Summarbefragung  bei  der  ersten  Vorsprache  durch  die  Unbekannten 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 4

umgestossen worden – ein angebliches Vorkommnis, welches sie bei der 
Anhörung  nicht  mehr  erwähnt  habe.  Auch  die  Aussagen  betreffend 
Warnung  ihres  Bruders  seien  ungereimt  ausgefallen.  Derweil  bei  der 
Summarbefragung  ihre  Mutter  als  diejenige  Person,  welche  einen 
Nachbarn mit  der Warnung  beauftragt  habe,  erwähnt  worden  sei,  wäre 
gemäss Anhörungsprotokoll sie selber zum Nachbarn gegangen. An die 
bei  der  Erstbefragung  vorgebrachten  unsittlichen  Annäherungsversuche 
bei  der  Vorsprache  der Unbekannten  vom Abend  des  14.  Januar  2008 
habe  sie  sich  anlässlich  der  Anhörung  auf  Nachfragen  hin  nicht  mehr 
erinnern können. Auch die Bedrohung ihrer Mutter mit einer Waffe bei der 
dritten  Vorsprache  der  Unbekannten  habe  sie  bei  der  Anhörung  nicht 
mehr geltend gemacht. Nach der angeblichen Vergewaltigung sei sie laut 
Summarbefragung  zu  ihrer  Mutter  gegangen  und  habe  mit  ihr 
gesprochen.  Gemäss  ihren  Angaben  bei  der  Anhörung  sei  ihre  Mutter 
damals  indes  bewusstlos  gewesen.  Demzufolge  sei  die  angebliche 
Bedrohung  durch  Unbekannte  nicht  glaubhaft,  zumal  auch  ihr  Bruder 
diese  Vorfälle  im  Rahmen  seines  Asylverfahrens  widersprüchlich 
dargelegt  habe.  Die  eingereichten  Beweismittel  rechtfertigten  keine 
andere  Einschätzung.  Dem  Schreiben  eines  Mitglieds  der 
Gemeindebehörde von _______ vom 15. Januar 2008 sei zu entnehmen, 
dass die bewaffneten Unbekannten das zweite Mal am 15. Januar 2008 
vorbeigekommen  sein  sollen.  In  der  Erstbefragung  habe  die 
Beschwerdeführerin  indes  angegeben,  die  zweite  Vorsprache  sei  am 
Abend  des  14.  Januar  2008  gewesen.  Ferner  sei  im  Schreiben  von 
Waffen die Rede, derweil die Beschwerdeführerin bei der Anhörung von 
Batterien  mit  Zündstoff  gesprochen  habe.  Ausserdem  beschreibe  das 
Mitglied der Gemeindebehörde einen Vorfall, über welchen er  in diesem 
Zeitpunkt noch gar nicht  informiert gewesen sein könne. Das Dokument 
sei  demnach  als  ein  im  Nachhinein  in  Auftrag  gegebenes 
Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert  zu erachten. Dasselbe gelte  für 
die eingereichten Briefe der Mutter. Da die Vorsprachen der Unbekannten 
nicht  glaubhaft  seien,  könne  auch  nicht  zutreffen,  dass  die 
Beschwerdeführerin  dabei  eine Vergewaltigung  erlitten  habe. Dies  auch 
deshalb, weil sie den angeblichen sexuellen Übergriff wenig differenziert, 
detailliert,  überzeugend  und  verbunden  mit  einprägsamen  Einzelheiten 
geschilderte  habe.  Es  fehlten  die  für  die  Glaubhaftigkeit  erforderlichen 
Realkennzeichen.  Den  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Sri  Lanka 
erachtete  das  BFM  für  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Ein  Vollzug  in 
_______ – dem Herkunftsgebiet der Beschwerdeführerin – sei aufgrund 
der dortigen Situation zwar nicht zumutbar. Sie verfüge aber  in anderen 
Landesgebieten – beispielsweise  im Grossraum Colombo/im Süden und 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 5

Westen  des  Landes  –  über  eine  innerstaatliche  Aufenthaltsalternative. 
Sie  sei  eine  ethnische  Singhalesin,  welche  mehrere  Jahre  die  Schule 
besucht  habe und sowohl  singhalesisch wie auch  tamilisch  spreche.  Im 
_______  hielten  sich  Verwandte  auf.  Zudem  werde  sie  zusammen  mit 
ihrem Bruder die Heimreise antreten können. Den Geschwistern dürfte es 
so  möglich  sein,  in  den  genannten  Gebieten  eine  wirtschaftliche 
Lebensgrundlage zu schaffen. 

E. 
Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 11. Februar 2010 beantragte die 
Beschwerdeführerin  beim Bundesverwaltungsgericht  die Aufhebung  des 
vorinstanzlichen Entscheids, die Rückweisung der Sache an das BFM zur 
Neubeurteilung verbunden mit einer erneuten Anhörung, eventualiter die 
Asylgewährung,  subeventualiter  die  Feststellung  der Unzulässigkeit  und 
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs verbunden mit der vorläufigen 
Aufnahme  in der Schweiz, die Vereinigung des vorliegenden Verfahrens 
mit demjenigen ihres Bruders und die unentgeltliche Prozessführung (Art. 
65 Abs. 1 und 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 
1968  [VwVG,  SR  172.021])  samt  Entbindung  von  der  Vorschusspflicht. 
Zur Begründung der Begehren machte sie geltend, sie sei anlässlich der 
Summarbefragung  angewiesen  worden,  sich  kurz  zu  fassen.  Der 
Befragungsstil  der  Anhörung  sei  überaus  hart  und  nicht  immer 
sachgemäss  gewesen.  Zudem  habe  sie  nach  der  termingerechten 
Ankunft bei der Vorinstanz mehrere Stunden unverpflegt auf den Beginn 
der  Anhörung  warten  müssen.  Ausserdem  sei  sie  nach  ihrem 
viermonatigen  Spitalaufenthalt  noch  gesundheitlich  angeschlagen 
gewesen. Bei  der  vier Stunden und zehn Minuten dauernden Anhörung 
sei  lediglich eine Kurzpause eingeschaltet worden. Wesentliche Fragen, 
welche  sich  nach  Lektüre  des  Empfangsstellenprotokolls  aufgedrängt 
hätten,  seien  nicht  gestellt  worden.  Die  Dolmetscherin  habe  nicht  alle 
Detailaussagen  übersetzt.  Auch  Nachfragen  seien  unterblieben.  Die 
Beschwerdeführerin  sei  im  Dezember  2008  wegen  einer  depressiven 
Entwicklung  ins  Spital  eingewiesen  worden.  Aus  dem  beiliegenden 
Arztbericht  vom  25.  Januar  2010  gehe  hervor,  dass  sie  gemäss 
behandelndem  Arzt  die  Vergewaltigung  "in  absolut  glaubhafter  Art  und 
Weise  bezeugt"  habe.  Sie  habe  begründetet  Furcht  vor  ernsthaften 
Nachteilen  durch  Drittpersonen  und  sei  auf  staatlichen  Schutz 
angewiesen.  Die  Vorinstanz  verkenne  im  Rahmen  der  Prüfung  der 
Glaubhaftigkeit  den  beschränkten  Beweiswert  der  Aussagen  anlässlich 
der  Summarbefragung.  Zudem  sei  der  der  Beschwerdeführerin 
angelastete  Widerspruch  (Paket  mit  Waffen  beziehungsweise 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 6

Batterie/Zündstoff)  offensichtlich  keiner,  da  sie  übereinstimmend  von 
einem Paket  gesprochen  habe. Der  genaue  Inhalt  sei  ihr  nicht  bekannt 
gewesen, da sie das Paket nie gesehen habe; entsprechend habe sie nur 
die  diesbezüglichen  Aussagen  der  unbekannten  Eindringlinge 
wiedergegeben.  Auch  in  der  Anhörung  habe  sie  die  von  ihrer  Mutter 
erlittenen  Schläge  erwähnt.  Die  unsittlichen  Berührungen  habe  sie 
ebenfalls  thematisiert.  Die  nicht  deckungsgleichen  Aussagen  betreffend 
diejenige  Person,  welche  den  Nachbarn  aufgesucht  habe,  seien 
möglicherweise  auf  einen  Übersetzungsfehler  zurückzuführen.  Richtig 
sei,  dass  ihre Mutter und nicht  sie den Nachbarn aufgesucht habe. Der 
weitere  angebliche  Widerspruch  zum  Sachverhalt  nach  der 
Vergewaltigung  (Mutter  ohne  Bewusstsein  beziehungsweise  über 
Schmerzen klagend) bestehe wiederum nicht; sie habe bei der Anhörung 
die  Klage  der  Mutter  nach  deren  Aufwachen  nicht  mehr  erwähnt.  Das 
Fehlen  dieses  Details  sei  nicht  wesentlich.  Im  Übrigen  sei  zu 
berücksichtigen,  dass  sie  traumatisiert  sei  und Erinnerungslücken habe. 
Die  angeblichen  Widersprüche  in  den  Aussagen  des  Bruders  seien 
ebenfalls  nicht  geeignet,  die  Unglaubhaftigkeit  ihrer  Vorbringen  zu 
belegen,  da  in  dessen  Beschwerdeverfahren  die  angebliche 
Unglaubhaftigkeit  wiederlegt  werde.  Die  Vorinstanz  verkenne  im 
Weiteren,  dass  das  eingereichte  Schreiben  des  Dorfvorstehers  ein 
taugliches  Beweismittel  sei.  Es  sei  erst  nach  dem  letzten  Besuch  der 
Mutter  der Beschwerdeführerin  – einer Analphabetin  –  verfasst worden. 
Die  Mutter  habe  entsprechend  darauf  vertrauen  müssen,  dass  der 
Dorfvorsteher  auch  das  schreibe,  was  ihm  gesagt  worden  sei.  Im 
Weiteren  habe  die  Beschwerdeführerin  die  erlittene  Vergewaltigung 
entgegen  der  nicht  nachvollziehbaren  Argumentation  des  BFM  sehr 
eindrücklich geschildert. Bei der Anhörung seien dazu keine Nachfragen 
erfolgt.  Nach  dem  Gesagten  habe  sie  die  asylrelevante  Verfolgung 
glaubhaft  gemacht.  Sie  werde  entweder  vom  Staat  oder  durch 
Drittpersonen gezielt verfolgt, wobei im Falle von Drittpersonen staatlicher 
Schutz fehle. Entsprechend würde ein allfälliger Vollzug der Wegweisung 
gegen  die  relevanten  gesetzlichen  Bestimmungen  verstossen.  Die 
Vorinstanz  verletze  bei  der  Begründung  der  Zumutbarkeit  des  Vollzugs 
überdies die Begründungspflicht. 

F. 
Der  Eingabe  lagen  ein  Arztbericht  vom  25.  Januar  2010  sowie  eine 
Bestätigung  für  die  Bedürftigkeit  der  Beschwerdeführerin  bei. 
Medizinische  Unterlagen  betreffend  einen  einige  Zeit  zurückliegenden 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 7

Spitalaufenthalt  und  weitere  Beweismittel  aus  dem  Ausland  wurden  in 
Aussicht gestellt.

II.

G. 
Der  Beschwerdeführer  bestätigte  anlässlich  der  Befragungen  die 
Angaben  seiner  Schwester  bezüglich  ihrer  Religion  und  Herkunft.  Als 
Fluchtgrund gab er an, ein mittlerweile verstorbener Freund von ihm habe 
angeblich die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) unterstützt. Am 14. 
Januar 2008 hätten unbekannte Personen während seiner Abwesenheit 
ihn erstmals zuhause gesucht. Sie hätten behauptet, er habe von diesem 
Freund  ein  Paket  mit  Waffen  respektive  Zündstoff  erhalten.  Die 
Unbekannten hätten sich nach dem Verbleiben des Pakets erkundigt und 
seien  zwecks  Suche  ins  Haus  eingedrungen.  Sie  hätten  indes  kein 
entsprechendes  Paket  gefunden.  Sie  hätten  die  Familie  der 
Unterstützung der LTTE verdächtigt und ihr Wiederkommen angekündigt. 
Er sei von dieser Suche durch einen Nachbarn, welcher ihn am Arbeitsort 
aufgesucht  habe,  informiert  worden.  Durch  Vermittlung  seines 
Arbeitgebers – eines Onkels respektive eines Bekannten seiner Mutter – 
sei  ein  Versteck  für  ihn  gefunden  worden.  Am  Nachmittag  respektive 
Abend  desselben  Tages  hätten  die  Unbekannten  wiederum  zuhause 
nach  ihm  gesucht  und  massive  Drohungen  ausgestossen.  Er  sei  in 
seinem Versteck  geblieben,  wo man  ihn  über  erneute  Vorsprachen  der 
Unbekannten  informiert  habe.  Bei  einer  solchen  Vorsprache  sei  seine 
Schwester vergewaltigt worden.  In der Folge seien seine Mutter und die 
Schwester  aus  der  Wohnung  zu  ihm  geflüchtet.  Am  20.  Januar  2008 
habe  er  vom  Tod  seines  Freundes  erfahren.  Aus  den  geschilderten 
Gründen  seien  er  und  seine  Schwester  wenig  später  ausser  Landes 
geflohen. 

Als  Beweismittel  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Todesanzeige – 
gemäss  seinen  Aussagen  den  erwähnten  Freund  betreffend  –  zu  den 
Akten.

H. 
Mit  Verfügung  vom  6.  Januar  2010  –  eröffnet  am  13.  Januar  2010 – 
stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig 
verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  den 
Wegweisungsvollzug. Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid mit der 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 8

fehlenden  Glaubhaftigkeit  der  angeblichen  Vorkommnisse  vom  Januar 
2008.  Die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  anlässlich  der  Anhörung 
müssten  in  mehreren  Punkten  als  widersprüchlich  im  Vergleich  zu 
denjenigen  im  Rahmen  der  Summarbefragung  qualifiziert  werden.  So 
habe  er  bei  der  Summarbefragung  von  einem  Paket  mit  Waffen 
gesprochen, welches die Unbekannten in seinem Besitz vermutet hätten. 
Laut Anhörung soll es sich dabei aber um Zündstoff (Kabel und Batterien) 
gehandelt haben.  Im Weiteren sei  laut Anhörung seine Mutter durch die 
Unbekannten mit dem Tode bedroht worden. In der Empfangsstelle habe 
er demgegenüber geltend gemacht, die Drohung sei gegen seine Person 
ergangen.  Bei  der  Erstbefragung  habe  er  ferner  dargelegt,  sein  Onkel 
respektive  Arbeitgeber  habe  sich  am  14.  Januar  2008  zu  seinem 
Elternhaus  begeben.  Im  Verlaufe  der  Anhörung  habe  er  auf  Nachfrage 
indes nicht mehr gewusst, wohin sich dieser begeben habe. Ausserdem 
habe  er  nicht  übereinstimmende Angaben  zur  Person,  durch welche  er 
über die Suche informiert worden sei, gemacht (Mutter beziehungsweise 
Onkel).  Im Verlaufe der Anhörung sei er  zudem nicht mehr  in der Lage 
gewesen anzugeben, wie viele Personen am Abend des 14. Januar 2008 
nach  ihm  gesucht  hätten  (gemäss  Erstbefragung  vier  Personen).  Im 
Weiteren  habe  er  bei  der  Summarbefragung  die  LTTE­Unterstützung 
seines  verstorbenen  Freundes  nicht  erwähnt.  Die  so  entstehenden 
Zweifel an seinen Vorbringen würden durch den Umstand, wonach auch 
seine  Schwester  ungereimte  Angaben  zu  den  Vorfällen  gemacht  habe, 
bestätigt.  Die  eingereichte  Todesanzeige  in  Kopie  vermöge  seine 
Kernvorbringen nicht zu belegen. Den Vollzug der Wegweisung nach Sri 
Lanka  erachtete  das  BFM  für  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Ein 
Vollzug in _______ – dem Herkunftsgebiet des Beschwerdeführers – sei 
aufgrund der dortigen Situation zwar nicht  zumutbar. Er  verfüge aber  in 
anderen  Landesgebieten  –  beispielsweise  im  Grossraum  Colombo/im 
Süden  und  Westen  des  Landes  –  über  eine  innerstaatliche 
Aufenthaltsalternative. Er sei ein ethnischer Singhalese, welcher mehrere 
Jahre  die  Schule  besucht  habe  und  sowohl  singhalesisch  wie  auch 
tamilisch  spreche.  In  _______  lebe  eine  Tante.  Er  sei  jung,  den  Akten 
zufolge gesund, ledig und verfüge über Arbeitserfahrung. Es sollte ihm so 
möglich  sein,  in  den  genannten  Gebieten  eine  wirtschaftliche 
Lebensgrundlage zu schaffen.

I. 
Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertretung  vom  11.  Februar  2010  beantragte 
der  Beschwerdeführer   beim  Bundesverwaltungsgericht  die  Aufhebung 
des  vorinstanzlichen  Entscheids,  die  Rückweisung  der  Sache  an  das 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 9

BFM  zur  Neubeurteilung  verbunden  eventualiter  mit  einer  erneuten 
Anhörung,  eventualiter  die  Asylgewährung,  subeventualiter  die 
Feststellung  der  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  verbunden  mit  der  vorläufigen  Aufnahme  in  der 
Schweiz,  die  Vereinigung  des  vorliegenden  Verfahrens  mit  demjenigen 
seiner Schwester und die unentgeltliche Prozessführung  (Art. 65 Abs. 1 
und  2  des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968 
[VwVG,  SR  172.021])  samt  Entbindung  von  der  Vorschusspflicht.  Zur 
Begründung  der  Begehren  machte  er  geltend,  die  Übersetzerin  habe 
seine  Aussagen  anlässlich  der  Anhörung  nur  verkürzt  wiedergegeben. 
Ferner  sei  zu  berücksichtigen,  dass  er  keinen  Kontakt  zu  den  ihn 
suchenden  Personen  gehabt  und  nur  via  Drittpersonen  davon  erfahren 
habe.  Er  sei  aber  in  der  Lage  gewesen,  exakte  und  differenzierte 
Angaben  zu  machen.  Er  habe  begründetet  Furch  vor  ernsthaften 
Nachteilen  durch Drittpersonen  und  könne  nicht mit  staatlichem Schutz 
rechnen.  Es  liege  eine  asylrelevante  Verfolgung  vor.  Die  Vorinstanz 
verkenne bei  der Glaubhaftigkeitsprüfung den beschränkten Beweiswert 
der  Aussagen  anlässlich  der  Summarbefragung.  Zudem  sei  der  ihm 
angelastete  Widerspruch  (Paket  mit  Waffen  beziehungsweise 
Batterie/Zündstoff)  keiner,  da  es  offensichtlich  um  ein  Paket  mit 
entsprechendem  Inhalt  gegangen  sei.  Entgegen  der  vorinstanzlichen 
Sichtweise habe er auch die  Drohungen gegen seine Mutter ansatzweise 
erwähnt.  Auch  betreffend  Aufenthaltsorte  des  Onkels  vom  14.  Januar 
2008 bestünden keine relevanten Ungereimtheiten in den Protokollen. Im 
Weiteren  habe  er  sowohl  von  diesem  wie  auch  der  Mutter  von  der 
zweiten  Suche  nach  ihm  erfahren.  Ein Widerspruch  sei  auch  hier  nicht 
auszumachen. Dass er bei der Anhörung nicht mehr gewusst habe, wie 
viele  Personen  bei  der  zweiten  Suche  nach  ihm  vorgesprochen  hätten, 
sei aufgrund des Zeitablaufs nachvollziehbar und könne ohnehin nicht als 
entscheidwesentliche  Ungereimtheit  qualifiziert  werden.  Nachvollziehbar 
sei ferner, dass er die (angebliche) Unterstützung der LTTE durch seinen 
Freund  bei  der  Kurzbefragung  noch  nicht  thematisiert  habe.  Die 
Vorinstanz  verkenne  im  Weiteren,  dass  die  eingereichte  Todesanzeige 
ein taugliches Beweismittel für gewisse Aspekte der Vorbringen sei. Nach 
dem Gesagten habe er eine asylrelevante Verfolgung glaubhaft gemacht. 
Er werde entweder  vom Staat  oder durch Drittpersonen gezielt  verfolgt, 
wobei  im Falle von Drittpersonen staatlicher Schutz  fehle. Entsprechend 
würde  ein  allfälliger  Vollzug  der  Wegweisung  gegen  die  relevanten 
gesetzlichen Bestimmungen verstossen. Die Vorinstanz  verletze bei  der 
Begründung der Zumutbarkeit überdies die Begründungspflicht. 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 10

J. 
Der  Eingabe  lag  eine  Bestätigung  für  die  Bedürftigkeit  des 
Beschwerdeführers bei. Weitere Beweismittel  für die Vorbringen wurden 
in Aussicht gestellt.

III.

K. 
Mit  Zwischenverfügungen  vom  18.  Februar  2010  verzichtete  das 
Bundesverwaltungsgericht auf die Erhebung von Kostenvorschüssen und 
hiess die Gesuche im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut. Die Gesuche 
im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  2  VwVG  wurden  abgewiesen.  Eine 
Koordination der Verfahren der Beschwerdeführenden wurde in Aussicht 
gestellt.  Betreffend  Nachreichung  von  Beweismitteln  wurde  auf  Art.  32 
Abs. 2 VwVG verwiesen.

L. 
Mit  Vernehmlassungen  vom  23.  Februar  2010  beantragte  das  BFM  die 
Abweisung  der  Beschwerden.  Im  Verfahren  der  Beschwerdeführerin 
wurde  dazu  ausgeführt,  die  Bundesanhörung  sei  korrekt  erfolgt.  Die 
Beschwerdeführerin  habe  am  Schluss  angegeben,  ihre  Gründe 
vollumfänglich  dargelegt  zu  haben.  Entsprechend  sei  der 
rechtserhebliche  Sachverhalt  nach  der  Anhörung  hinreichend  erstellt 
gewesen.  Dass  sie  bei  der  Anhörung  in  gesundheitlicher  Hinsicht 
benachteiligt  gewesen  sei,  könne  den  Akten  nicht  entnommen  werden. 
Der Antrag der Beschwerdeführerin auf eine erneute Befragung sei mithin 
abzuweisen.  Aus  den  Protokollen  der  Beschwerdeführerin  und  ihres 
Bruders  hätten  sich  zahlreiche  Argumente  für  die  Unglaubhaftigkeit 
ergeben. Die Beschwerdevorbringen rechtfertigten keine Neubeurteilung. 
Der Auslöser  für die gemäss dem eingereichten Arztbericht  bestehende 
posttraumatische  Belastungsstörung  (PTBS)  –  die  erlittene 
Vergewaltigung – sei nach dem Gesagten nicht glaubhaft. Daran ändere 
die vom Arzt vertretene gegenteilige Meinung nichts, da sie sich auf die 
Anamnese  und  mithin  eine  blosse  Hypothese  stütze.  Schliesslich 
rechtfertige  der  Gesundheitszustand  der  Beschwerdeführerin  keine 
vorläufige Aufnahme, da sie sich auch vor Ort behandeln lassen könne.

M. 
Mit Eingaben vom 13. März 2010  legten die Beschwerdeführenden dar, 
sie verzichteten aus Kostengründen und im Lichte der Qualität der Arbeit 
der  Vorinstanz  auf  die  Einreichung  einer  Replik. Weiter  stellten  sie  die 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 11

Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen den zuständigen Mitarbeiter 
der Vorinstanz in Aussicht. Als Beweismittel wurden ärztliche Unterlagen 
betreffend  den  Spitalaufenthalt  der  Beschwerdeführerin  eingereicht  und 
weitere medizinische  Akten  in  Aussicht  gestellt.  Einem  entsprechenden 
Gesuch um Fristerstreckung wurde am 15. März 2010 stattgegeben.

N. 
Mit Eingabe vom 26. März 2010 gaben die Beschwerdeführenden einen 
ärztlichen Bericht vom 17. März 2010 die Beschwerdeführerin betreffend 
samt  Beilagen  (Zusammenfassung  der  Krankengeschichte;  Arztbericht 
vom  26. März  2009;  Sammelbefund;  Endbefund)  zu  den  Akten.  Ferner 
übermittelte  sie  als  weitere  Beweismittel  einen  Brief  des  Onkels 
respektive  Bekannten  aus  ihrem  Heimatland  vom   4.  März  2010  samt 
Übersetzung,  die  Kopie  eines  Todesscheins  (Freund  des  Bruders),  ein 
weiteres Schreiben aus dem Heimatland (datiert vom   6. März 2010)  im 
Zusammenhang  mit  der  Schwangerschaft  der  Beschwerdeführerin  und 
Abtreibung sowie einen Internetartikel.

O. 
Am 27. Mai 2010 reichten die Beschwerdeführenden einen Arztbericht für 
die Beschwerdeführerin  vom 3. Mai  2010  ein  und mit  Eingabe  vom 12. 
Juni 2010 gaben sie das Original des Todesscheins und des Schreibens 
vom  6.  März  2010  zu  den  Akten.  Ausserdem  wurden  Kostennoten 
eingereicht. 

P. 
Auf  dessen  Ersuchen  übermittelte  das  Bundesverwaltungsgericht  dem 
Rechtsvertreter  am  15.  Juni  2011  eine  Kopie  der  Geburtsurkunde  der 
Beschwerdeführerin samt Übersetzung.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 12

eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3. Aufgrund des engen persönlichen und sachlichen Zusammenhanges 
und  entsprechend  ihrem  Antrag  werden  die  Verfahren  der  beiden 
Beschwerdeführenden gemeinsam beurteilt.

1.4.  Die  Beschwerden  wurden  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die 
Beschwerdeführenden  haben  an  den  jeweiligen  Verfahren  vor  der 
Vorinstanz  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtenen  Verfügungen 
besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren 
Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung 
der Beschwerden  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 
Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerden ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen  (Art.  7  Abs.  1  AsylG). 
Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich 
schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 13

erschöpfen  oder  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung 
widersprechen und sie dürfen nicht widersprüchlich sein oder der inneren 
Logik  entbehren.  Darüber  hinaus  muss  die  asylsuchende  Person 
persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall 
ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel 
abstützt  (Art. 7  Abs. 3  AsylG),  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder 
bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen 
auswechselt  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am 
Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung 
bedeutet  –  im  Gegensatz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes 
Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel 
an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits 
als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von  ihrer Wahrheit nicht völlig 
überzeugt  ist,  sie  aber  überwiegend  für  wahr  hält,  obwohl  nicht  alle 
Zweifel  beseitigt  sind.  Für  die  Glaubhaftmachung  reicht  es 
demgegenüber  nicht  aus, wenn  der  Inhalt  der Vorbringen  zwar möglich 
ist,  aber  in  Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und 
überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte 
Sachverhaltsdarstellung  sprechen.  Entscheidend  ist  im  Sinne  einer 
Gesamtwürdigung,  ob  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der 
Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder  nicht;  dabei  ist  auf 
eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  die  von  der  vormaligen 
Beschwerdeinstanz  begründete Rechtsprechung  in Entscheidungen und 
Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2005 
Nr.  21  E.  6.1  S.  190  f.  mit  weiteren  Hinweisen,  welche  vom 
Bundesverwaltungsgericht weitergeführt wird).

4. 
4.1.  Die  Vorinstanz  hat  die  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  der 
Beschwerdeführenden  verneint.  Diese  Sichtweise,  welche  sich 
insbesondere  auch  auf  vom  BFM  festgestellte  Unstimmigkeiten  von 
Aussagen  bei  der  Anhörung  im  Vergleich  zu  denjenigen  bei  der 
Summarbefragung  stützt,  überzeugt  angesichts  der  mangelhaften 
Begründung jedoch nicht.

4.2.  Praxisgemäss  kommt  den  Aussagen  anlässlich  der 
Summarbefragung von Asylsuchenden nur ein beschränkter Beweiswert 
zu.  Im  Verfahren  der  Beschwerdeführerin  fallen  sodann  bezüglich  des 
Protokolls der Summarbefragung  (Akte A 2/10) gewisse Mängel auf. So 
ist  auf  S.  5  folgender  Satz  zu  lesen:  "Als  wir  in  _______  waren,  hat 
_______,  dass man  den  Freund meines  Bruders  getötet  hat".  Auf  S.  6 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 14

wurde festgehalten: "Sie haben den Tod meines Bruders getötet". Es  ist 
zwar  nicht  ausgeschlossen,  dass  im  Rahmen  einer  wörtlichen 
Protokollierung  samt  Rückübersetzung  nicht  vollständige  oder  vom 
Sinngehalt  nicht  ganz  einfach  zu  entschlüsselnde  Passagen  nicht 
korrigiert werden, weil sich die betroffene Person tatsächlich so äusserte. 
Es  bestehen  indes  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  die 
Beschwerdeführerin,  welche  bei  der  Erstbefragung  grundsätzlich  (auch 
chronologisch)  nachvollziehbare  Angaben  machte,  namentlich  eine 
derartige Aussage zum Tod eines Freundes ihres Bruders tatsächlich zu 
Protokoll  gegeben  haben  sollte.  Vielmehr  entsteht  der  Eindruck,  dass 
gewisse Protokollierungen kaum der tatsächlichen Aussage entsprechen 
dürften,  was  offensichtlich  auch  bei  der  Rückübersetzung  niemandem 
aufgefallen  war.  Der  Umstand,  wonach  die  Beschwerdeführerin 
unterschriftlich die durchgeführte Rückübersetzung bestätigte, sagt mithin 
noch  nichts  Schlüssiges  über  deren  Qualität  und  Genauigkeit  aus. 
Auffallend  ist  in  diesem  Zusammenhang  ferner,  dass  die 
Beschwerdeführerin  gemäss  Protokollierung  angegeben  haben  soll,  Sri 
Lanka am 16. Februar 2007 verlassen zu haben und am 14. Juli 2007 in 
die  Schweiz  eingereist  zu  sein.  Betreffend  Asylgesuchstellung  wurde 
indes  (und  offenbar  zutreffend)  der  14.  Juli  2008  vermerkt.  Auch  in 
diesem Zusammenhang erschiene wiederum nicht ausgeschlossen, dass 
die  Beschwerdeführerin  bei  der  Rückübersetzung  keine  Korrektur 
verlangte, da sie tatsächlich bereits genau ein Jahr früher ihr Heimatland 
verliess  (und  dies  auch  so  angab).  Dies  würde  bedeuten,  dass  sie  die 
vorgebrachten Übergriffe  im  genannten  Zeitpunkt  gar  nicht  erlebt  hätte, 
was als Argument für die Unglaubhaftigkeit offensichtlich wäre. Das BFM 
erwähnt  diese Unstimmigkeiten  in  der  angefochtenen Verfügung  jedoch 
in  keiner  Weise.  Dies  bestätigt  erneut  den  Eindruck,  dass  die 
Summarbefragung,  welche  trotz  der  sehr  ausführlichen  spontanen 
Schilderungen der Beschwerdeführerin lediglich 1 Stunde und 15 Minuten 
gedauert haben soll, nicht dem zu erwartenden Standard entspricht und 
besagte  Daten  –  auch  aus  der  Sicht  des  BFM  –  nicht  als  von  der 
Beschwerdeführerin  tatsächlich  angegebene  festgehalten  wurden. 
Demzufolge  ist  bei  allenfalls  abweichenden  Aussagen  in  der 
Summarbefragung  im  Vergleich  zu  denjenigen  anlässlich  der  Anhörung 
bei  der  Prüfung  der  Glaubhaftigkeit  vorliegend  besondere  Vorsicht 
geboten.  Dies  umso  mehr,  als  die  Anhörung  erst  ein  Jahr  nach  der 
Summarbefragung  stattfand  und  gewisse  Ungereimtheiten  in  den 
Aussagen durchaus auch auf den Zeitablauf verbunden mit entstandenen 
Erinnerungslücken zurückgeführt werden können. 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 15

4.3.  Bei  einer  Durchsicht  der  beiden  Protokolle  im  Verfahren  der 
Beschwerdeführerin  fällt weiter auf, dass die Beschwerdeführerin  jeweils 
übereinstimmend  angab,  vom  14.  bis  zum   16.  Januar  2008  hätten 
viermal Unbekannte wegen ihres Bruders zuhause vorgesprochen. Diese 
Vorsprachen  vermochte  sie  bei  beiden  Befragungen  auch  in 
tageszeitlicher Hinsicht  ohne  relevante Abweichungen  einzuordnen. Die 
Erlebnisse  im  Zusammenhang  mit  den  Eindringlingen  und  ihre  damit 
verbundenen  Empfindungen  legte  die  Beschwerdeführerin  weitgehend 
nachvollziehbar, detailliert und wiederholt mit Realkennzeichen versehen 
dar. Die vom BFM aufgelisteten Differenzen der Anhörungsaussagen  im 
Vergleich  zu  denjenigen  bei  der  Summarbefragung  können  dabei  nicht 
als  diametrale  Abweichungen  in  Kernvorbringen  qualifiziert  werden.  So 
erwähnte  die  Beschwerdeführerin  bei  beiden  Befragungen,  die 
Unbekannten hätten nach einem Paket  ihres Bruders gefragt  (A 2/10 S. 
4;  A  10/24  Antwort  117).  Der  von  der  Vorinstanz  an  erster  Stelle 
behauptete  Widerspruch  (Summarbefragung:  Paket  mit  Waffen; 
Anhörung: Zündstoff und eine Batterie)  ist schon  insofern keiner, als ein 
Paket  mit  einer  Batterie  und  Zündstoff  offensichtlich  auch  als  Waffe 
qualifiziert werden kann. Dass die Beschwerdeführerin bei der Anhörung 
nicht mehr erwähnte, ihre Mutter sei bei der ersten Vorsprache gestossen 
worden, erscheint  in  keiner Weise als  zentrales Vorbringen. Abgesehen 
davon sprach sie durchaus von Schlägen, die  ihre Mutter erlitt  (A 10/24 
Antwort  143).  Die  unsittlichen  Berührungen  erwähnte  sie  sowohl  in  der 
Empfangsstelle  wie  auch  bei  der  Anhörung,  wobei  sie  diese  bei  der 
Anhörung  möglicherweise  weniger  gravierend  schilderte  (A  10/24 
Antworten  133  und  141  f.).  Den  Vorfall  bei  der  dritten  Vorsprache,  bei 
welcher die Mutter mit einer Waffe konkret bedroht worden sei,  legte sie 
bei der Anhörung in dieser Form zwar nicht dar, gab aber betreffend die 
erste Vorsprache an,  ihre Mutter sei mit einer Waffe bedroht worden  (A 
10/24  Antwort  120).  Auch  diese  Abweichung  betrifft  offensichtlich  keine 
Kernaussage  der  Beschwerdeführerin.  Abgesehen  davon  fand  die 
Anhörung,  auf  welche  sie  gemäss  Beschwerdevorbringen  während 
Stunden mit gesundheitlichen Problemen und unverpflegt warten musste 
(vgl.  dazu  auch  die  Anmerkungen  der  Hilfswerkvertretung  auf  dem 
Beiblatt  des  Protokolls),  wie  erwähnt  erst  ein  Jahr  nach  der 
Summarbefragung  statt.  In  nachvollziehbarer  Weise  legte  sie  auf 
entsprechende  Fragen  wiederholt  dar,  sich  nicht  mehr  an  alle 
Einzelheiten  erinnern  zu  können,  zumal  für  sie  die  beim  vierten  Vorfall 
erlittene Vergewaltigung  im Vordergrund stehe  (A 10/24 Antworten 138, 
143,  164,  253  und  insbesondere  149).  Die  Schilderung  der 
Vergewaltigung als solche brachte sie jeweils zum Weinen (A 2/10 S. 5; A 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 16

10/24 Antwort 192). Entgegen der vorinstanzlichen Sichtweise sind auch 
diese Schilderungen detailliert und weisen gewisse Realkennzeichen auf. 
An  der  gemäss  den  ärztlichen  Unterlagen  diagnostizierten 
posttraumatischen  Belastungsstörung  der  Beschwerdeführerin  ist  im 
Übrigen nicht zu zweifeln, wobei aber über deren Ursache ein Arztbericht 
in der Regel keine schlüssigen Hinweise zu geben vermag, wie auch das 
BFM  in  der  Vernehmlassung  zutreffend  festhält.  Der  Eindruck  der 
behandelnden  Ärzte,  welche  gemäss  ihren  Berichten  vom  25.  Januar 
2010  sowie  17.  März  2010  offensichtlich  von  der  Glaubhaftigkeit  der 
Vergewaltigung ausgehen, kann aber zumindest als weiteres Indiz für die 
Glaubhaftigkeit gewisser Vorbringen gewertet werden. Dies trifft auch auf 
eine  vom  Bruder  der  Beschwerdeführerin  bereits  bei  der 
Summarbefragung  gemachte  Aussage  zu  (vgl.  dessen  Akte  A  1/20: 
"Zusatzbemerkungen" auf S. 7 unten). Schliesslich ist nicht von der Hand 
zu weisen, dass die Beschwerdeführerin diejenige Person, welche einen 
Nachbarn  zwecks Warnung  ihres  Bruders  kontaktiert  habe  (ihre  Mutter 
respektive  sie  selber),  nicht  einheitlich  bezeichnete  und  im  Schreiben 
eines Mitglieds der Gemeindebehörde von _______ vom 15. Januar 2008 
gewisse  Ungereimtheiten  bestehen,  die  allerdings  auch  auf  einem 
Missverständnis  beruhen  könnten.  Allein  besagte  Formulierungen  im 
Schreiben  wie  auch  die  vorstehend  genannten  Abweichungen  bei  der 
Angabe  der  Person,  welche  den  Nachbarn  kontaktiert  habe,  sind 
jedenfalls  nicht  geeignet,  die  Unglaubhaftigkeit  der  insgesamt 
substanziierten  und  weitgehend  widerspruchsfreien  Schilderungen  zu 
begründen.  Dies  jedenfalls  nicht  ohne  die  Umstände,  die  für  eine 
Glaubhaftigkeit  sprechen  gehörig  zu  gewichten. Die Erwägungen  in  der 
Vernehmlassung,  wonach  sich  in  Anbetracht  des  vollständig  erstellten 
Sachverhalts  keine  weitere  Anhörung  aufgedrängt  habe,  vermögen  in 
diesem  Sinne  nicht  zu  überzeugen.  Die  weitere  Feststellung  der 
Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung,  auch  der  Bruder  der 
Beschwerdeführerin  habe  sich  widersprüchlich  zu  den  Vorfällen 
geäussert,  ist  gemäss  den  nachfolgenden  Erwägungen  schon  insofern 
nicht zu bestätigen, als solche Widersprüche in der vom BFM monierten 
Form  gar  nicht  bestehen.  Sollte  die  Vorinstanz  mit  diesem  Argument 
überdies zum Ausdruck gebracht haben wollen, die Schilderungen  ihres 
Bruders wichen von ihren eigenen ab, wäre sie gehalten gewesen, sie mit 
einzelnen  (angeblichen)  Unglaubhaftigkeitselementen  in  den 
Darlegungen  ihres  Bruders  als  einer  Drittperson  zu  konfrontieren  (vgl. 
EMARK 2004 Nr. 38 E. 6. 1; EMARK 1994 Nr. 14).

D­859/2010, D­860/2010

Seite 17

4.4. Bei  einer  Durchsicht  der  beiden  Protokolle  des  Beschwerdeführers 
fällt ebenfalls auf, dass er  jeweils übereinstimmend angab, Mitte Januar 
2008 hätten innerhalb weniger Tage wiederholt Unbekannte seinetwegen 
zuhause  vorgesprochen.  Diese  Vorbringen  stimmen  grundsätzlich  mit 
denjenigen  seiner  Schwester  überein.  Die  vom  BFM  aufgelisteten 
Differenzen der Anhörungsaussagen  im Vergleich zu denjenigen bei der 
Summarbefragung  können  dabei  nicht  als  diametrale  Abweichungen  in 
Kernvorbringen  qualifiziert  werden.  Dies  umso  weniger,  als  der 
Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben bei den erfolgten Suchen nie 
zuhause  war  und  von  diesen  respektive  den  Forderungen  und 
Verhaltensweisen  der  Suchenden  sowie  der  Betroffenen  lediglich  durch 
die  Angehörigen  in  Kenntnis  gesetzt  wurde. Der  von  der  Vorinstanz  an 
erster  Stelle  behauptete  Widerspruch  (Summarbefragung:  Paket  mit 
Waffen;  Anhörung:  Zündstoff  [Kabel  und  Batterien])  ist  schon  insofern 
keiner,  als  auch  Letzteres  offensichtlich  als  Waffe  qualifiziert  werden 
kann.  Die  weitere  vorinstanzlichen  Vorhaltung  (Bundesanhörung: 
Drohung  gegen  die  Mutter;  Summarbefragung:  Drohung  gegen  die 
Person  des  Beschwerdeführers)  erscheint  als  überspitzte  Interpretation 
der  jeweiligen  Protokollstellen,  erwähnte  der  Beschwerdeführer  doch 
auch  bei  der  Erstbefragung,  die  Eindringlinge  hätten  Drohungen 
ausgestossen.  Dass  er  diese  bei  der  Summarbefragung  in  der  Folge 
insbesondere  auf  seine  Person  bezog  und  die  Mutter  nicht  auch  noch 
explizit  als  davon  Betroffene  schilderte,  lässt  sich  mit  dem  erwähnten 
Summarcharakter  durchaus  erklären  (A  1/10  S.  5;  A  9/23  Antwort  85). 
Dass  er  bei  der  Anhörung  die  genauen  Aufenthaltsorte  des  Onkels 
respektive  Arbeitgebers  vom  14.  Januar  2008  nicht  mehr  zu  nennen 
wusste, erscheint wiederum als  in keiner Weise zentral. Es  ist daran zu 
erinnern,  dass  die  Anhörung  erst  ein  Jahr  nach  der  Summarbefragung 
erfolgte und gewisse Erinnerungslücken durchaus realistisch sein dürften. 
Auch  der  Umstand,  wonach  er  diejenige  Person,  welche  ihn  über  die 
zweite  Suche  informiert  habe,  nicht  übereinstimmend  nannte  (Mutter 
beziehungsweise Onkel),  fällt  offensichtlich  ebenso wenig  entscheidend 
ins Gewicht wie  die  Tatsache,  dass  er  die Anzahl  der Eindringlinge  bei 
der zweiten Vorsprache anlässlich der Anhörung nicht mehr wusste und 
die  Zugehörigkeit  seines  verstorbenen  Freundes  zur  LTTE  bei  der 
Summarbefragung  nicht  ausdrücklich  erwähnte.  Seine 
Erklärungsversuche  für  die  Ungereimtheiten  in  gemäss  Sichtweise  des 
BFM entscheidenden Bereichen vermögen vor diesem Hintergrund mithin 
zumindest ansatzweise zu überzeugen (A 9/23 Antworten 204 ff.), zumal 
es sich  ja objektiv gesehen nicht um diametrale Abweichungen handelt. 
In nachvollziehbarer Weise legte er überdies dar, sich nicht mehr an alle 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 18

Einzelheiten erinnern zu können. Die weitere Feststellung der Vorinstanz 
in  der  angefochtenen  Verfügung,  auch  die  Schwester  des 
Beschwerdeführers  habe  sich  widersprüchlich  zu  den  Vorfällen 
geäussert,  ist  gemäss  den  vorstehenden  Erwägungen  nicht  zu 
bestätigen, da solche Widersprüche in der vom BFM monierten Form gar 
nicht bestehen. Sollte die Vorinstanz mit diesem Argument überdies zum 
Ausdruck  gebracht  haben  wollen,  die  Schilderungen  seiner  Schwester 
wichen  von  seinen  eigenen  ab,  wäre  sie  gehalten  gewesen,  ihn  mit 
einzelnen  (angeblichen)  Unglaubhaftigkeitselementen  in  den 
Darlegungen seiner Schwester als einer Drittperson zu konfrontieren (vgl. 
Entscheide und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 
[EMARK] 2004 Nr. 38 E. 6. 1; EMARK 1994 Nr. 14).

5. 
5.1.  Im Verwaltungsverfahren und  im spezifischen Asylverfahren gilt der 
Untersuchungsgrundsatz,  das  heisst  die  Behörde  stellt  den 
rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V.m. 
Art.              12 VwVG; vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Die Bestimmung 
von Art.     13 VwVG beschränkt  den Untersuchungsgrundsatz  und  hält 
fest,  dass  die  Parteien  verpflichtet  sind,  an  der  Feststellung  des 
Sachverhalts mitzuwirken. Eine  im Vergleich  zum Verwaltungsverfahren 
verstärkte Mitwirkungspflicht ist in Art. 8 AsylG vorgesehen und detailliert 
umschrieben.  Dahinter  steckt  der  Grundgedanke,  dass  die  zuständige 
Behörde  den  Sachverhalt  nicht  selber  ermitteln  muss,  wenn  ein 
Asylsuchender die erforderliche Mitwirkung verweigert.

Für das erstinstanzliche Asylverfahren bedeutet dies, dass das BFM zur 
richtigen  und  vollständigen  Ermittlung  und  Feststellung  des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  verpflichtet  ist  und  auch  nach  allen 
Elementen  zu  forschen  hat,  die  zugunsten  der  asylsuchenden  Person 
sprechen. Sofern es zur Feststellung des Sachverhalts notwendig ist und 
die  gesetzlichen  Mitwirkungspflichten  durch  die  asylsuchende  Person 
nicht verletzt worden sind, ist das Bundesamt gesetzlich verpflichtet, über 
die  Befragung  hinaus  weitere  Abklärungen  vorzunehmen  (vgl.  Art.  41 
Abs.  1  AsylG).  Nach  Lehre  und  Praxis  besteht  eine  Notwendigkeit  für 
weitere Abklärungen  insbesondere dann, wenn aufgrund der Vorbringen 
der  asylsuchenden  Person  und  der  von  ihr  eingereichten  oder 
angebotenen  Beweismittel  Zweifel  und  Unsicherheiten  am  Sachverhalt 
weiterbestehen,  die  voraussichtlich  mit  Ermittlungen  von  Amtes  wegen 
beseitigt  werden  können  (vgl.  EMARK  1995  Nr.  23  E.  5a  mit  weiteren 
Hinweisen). 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 19

5.2. Weiter verlangt der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 
der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April 1999  [BV, SR 101], Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) unter 
anderem, dass die  verfügende Behörde die Vorbringen des Betroffenen 
tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung 
berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der  Entscheidbegründung 
niederschlagen  muss  (vgl.  Art. 35  Abs.  1  VwVG).  Ferner  soll  die 
Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid 
gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich 
sowohl  der  Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die 
Tragweite  des  Entscheides  ein  Bild  machen  können,  wobei  sich  die 
verfügende  Behörde  allerdings  nicht  ausdrücklich  mit  jeder 
tatbeständlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand 
auseinandersetzen  muss,  sondern  sich  auf  die  wesentlichen 
Gesichtspunkte  beschränken  kann.  Die  Begründungsdichte  richtet  sich 
dabei nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfahrensumständen und 
den Interessen des Betroffenen (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674 f. mit 
weiteren Hinweisen).

6. 
Im vorliegenden Fall  ist die Vorinstanz  ihren Pflichten, die sich aus dem 
Untersuchungsgrundsatz  sowie  aus  dem  Anspruch  der 
Beschwerdeführenden  auf  rechtliches Gehör  ergeben,  nicht  hinreichend 
nachgekommen. Dass sie nach Elementen geforscht hätte, die zugunsten 
der  asylsuchenden  Personen  sprechen,  ist  den  Entscheiden  in  keiner 
Weise  zu  entnehmen.  Die  Begründungen  für  die  angebliche 
Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  überzeugt  nach  dem  Gesagten  nicht. 
Sie stützen sich zur Hauptsache auf nach Ansicht des BFM abweichende 
Aussagen  anlässlich  der  beiden  Befragungen.  Dass  diese  in  der 
erwogenen Form gar nicht bestehen beziehungsweise nicht wesentlicher 
Natur  sind  und  das  Protokoll  der  Summarbefragung  der 
Beschwerdeführerin  überdies  gewisse  Fragen  aufwirft,  ist  offensichtlich. 
Gestützt  auf  die  bestehende  Aktenlage  war  die  angebliche 
Unglaubhaftigkeit  der  Kernvorbringen  mithin  nicht  mit  den  vom  BFM 
verwendeten  Argumenten  zu  begründen.  Ob  bereits  von  der 
grundsätzlichen Glaubhaftigkeit  der  Fluchtgründe  auszugehen  war  oder 
ist,  kann  insofern  offenbleiben,  als  ein  reformatorischer  Entscheid 
unterbleibt (vgl. nachfolgend E. 7.3.). Die Vorinstanz wäre mithin gehalten 
gewesen,  weitere  Untersuchungsmassnahmen  im  Sinne  einer 
ergänzenden  Anhörung  oder  Abklärungen  vor  Ort  zu  treffen  und  bei 
Festhalten  an  ihrer  Einschätzung  eine  andere,  rechtsgenügliche 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 20

Begründung  für  die  aus  ihrer  Sicht  bestehende  Unglaubhaftigkeit  der 
Fluchtgründe zu formulieren.

7. 
7.1. Das Bundesverwaltungsgericht kommt demnach zum Schluss, dass 
insbesondere  eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  vorliegt.  Im 
Rahmen der vom BFM erwogenen Unglaubhaftigkeit der Kernvorbringen 
wurde  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  ungenügend  erstellt  respektive 
falsch gewürdigt. 

7.2.  Eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  führt  grundsätzlich  –  das 
heisst  ungeachtet  der  materiellen  Auswirkungen  –  zur  Aufhebung  des 
daraufhin  ergangenen Entscheides. Die Heilung einer Gehörsverletzung 
aus  prozessökonomischen  Gründen  auf  Beschwerdeebene  ist  jedoch 
möglich,  sofern  das  Versäumte  nachgeholt  wird,  der  Beschwerdeführer 
dazu Stellung nehmen kann und der Beschwerdeinstanz im streitigen Fall 
die  freie  Überprüfungsbefugnis  in  Bezug  auf  Tatbestand  und 
Rechtsanwendung  zukommt,  sowie  die  festgestellte  Verletzung  nicht 
schwerwiegender  Natur  ist  und  die  fehlende  Entscheidreife  durch  die 
Beschwerdeinstanz  mit  vertretbarem  Aufwand  hergestellt  werden  kann 
(vgl. BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f. mit weiteren Hinweisen).

7.3. Ein  reformatorischer Entscheid  respektive eine Heilung  im Rahmen 
des Beschwerdeverfahrens erscheint vorliegend nicht angebracht, zumal 
es  nicht  Sinn  und  Zweck  des  Beschwerdeverfahrens  ist,  von  der 
Vorinstanz  begangene  Gehörsverletzungen  zu  heilen  und  damit 
verbunden  allenfalls  Verfahrenshandlungen  nachzuholen.  Zudem würde 
bei  einem  reformatorischen  Entscheid  den  Beschwerdeführenden  eine 
Instanz verloren gehen, was vorliegend auch gegen ein reformatorisches 
Urteil  im  Rahmen  einer  Motivsubstitution  spricht.  Überdies  wurde  der 
offenbar prekären gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin bei 
der  Prüfung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  erst  in  der 
Vernehmlassung Rechnung getragen, was unter Umständen zu weiteren 
Abklärungen  im Sinne  eines Beweisverfahrens  (auch)  im Vollzugspunkt 
führen wird. 

7.4.  Die  Beschwerden  sind  entsprechend  insoweit  gutzuheissen,  als 
damit  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügungen  beantragt  wird. 
Die  angefochtenen  Verfügungen  vom  6.  Januar  2010  sind  aufzuheben 
und die Sache zwecks allfälliger weiterer Abklärung des Sachverhalts im 

D­859/2010, D­860/2010

Seite 21

Sinne der Erwägungen und  insbesondere zum neuen Entscheid an das 
BFM zurückzuweisen (Art. 61 Abs. 1 in fine VwVG).

8.  
8.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG).

8.2.  Der  ganz  oder  teilweise  obsiegenden  Partei  ist  eine 
Parteientschädigung  für  die  ihr  notwendigerweise  erwachsenen 
Parteikosten  zuzusprechen  (Art.  64  Abs.  1  VwVG  sowie  Art.  7  des 
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Der 
Rechtsvertreter  hat  für  die  beiden  Verfahren  je  eine  Kostennote  in  der 
Höhe  von  Fr.  3'196.20  und  in  der  Höhe  von  Fr.  2'333.­­  zu  den  Akten 
gereicht.  Diese  Beträge  erscheinen  insofern  als  zu  hoch,  als  sich  die 
beiden  Verfahren  in  massgeblicher  Hinsicht  überlappen.  In  Anbetracht 
der  Parallelität  der  Verfahren  ist  entsprechend  eine  Kürzung 
vorzunehmen.  Demnach  ist  die  Parteientschädigung  unter 
Berücksichtigung aller massgeblicher Faktoren auf insgesamt Fr. 3'500.­­ 
(inkl. Auslagen und MWST) festzusetzen (vgl. Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG 
i.V.m. Art. 8 und 14 Abs. 2 VGKE). 

(Dispositiv nächste Seite)

D­859/2010, D­860/2010

Seite 22

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2. 
Die Verfügungen des BFM vom 6. Januar 2010 werden aufgehoben und 
die  Sache  zur  Durchführung  der  allfällig  notwendigen 
Sachverhaltsabklärungen  im  Sinne  der  Erwägungen  sowie  neuer 
Entscheidfindung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Die Vorinstanz wird angewiesen, eine Parteientschädigung im Betrag von 
Fr. 3'500.­­  (inkl. Auslagen und MWSt) an die Beschwerdeführenden zu 
entrichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

Versand: