# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 36712f1d-cdbf-55c0-9568-29c51cccb7da
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-12-21
**Language:** de
**Title:** Der medizinische Sachverhalt wurde ungenügend abgeklärt. Da keine verlässliche Einschätzung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit vorliegt: Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2016.00798
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2016.00798.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2016.00798
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Meierhans
Urteil
vom
21. Dezember 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG
lic
.
iur
.
Y.___
, Leistungen und Services Zürich
Postfach, 8010 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1956,
gelernter Mechaniker
, zuletzt seit mehreren
Jahren arbeitslos, meldete sich am 2
6.
Mai 2015 unter Hinweis auf eine psy
chische
Beeinträchtigung, einen Diabetes mellitus Typ II sowie starke Bauch
schmerzen seit einer im
Jahr
2007 erfolgten Operation bei der Invalidenversi
cherung zum L
eistungsbezug an (
vgl.
Urk.
13/3 S. 4 f.
Ziff.
5.3-5.4,
Ziff.
6.2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte daraufhin die medizinische und erwerbliche Situation (
Urk.
13/7,
Urk.
13/9,
Urk.
13/12,
Urk.
13/15,
Urk.
13/17,
Urk.
13/19-20) ab.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
13/23,
Urk.
13/27
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
9.
Juni 2016 (
Urk.
13/31 =
Urk.
2) einen Ren
tenanspruch des Versicherten.
2.
Der Versicherte erhob am
7.
Juli
2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom
9.
Juni
2016 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es
sei ein
Invali
ditätsgrad
von 100
%
, eventuell von 74
%
,
festzustellen
und das
Leistungsbe
gehren
entsprechend gutzuheissen
.
E
ventuell sei die Sache für weitere Abklä
rungen an die Vorinstanz zurückzuweisen
(
Urk.
1 S. 1). Die IV-Stelle beantragte mit
Beschwer
deantwort
vom
8.
September
2016 (
Urk.
12) die Abweisung der Beschwerde. Am 2
4.
Oktober 2016 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Stellungnahme (
Urk.
18) ein, welche der Beschwerdegegnerin am 2
2.
November 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
19).
Gleichentags reichte der Beschwer
de
führer ein an die
Beschw
erdegegnerin versandtes Schreiben
zur Kennt
nisnahme
ein
(vgl.
Urk.
20-21
)
.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40
% arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das
Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nen
falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei
ten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4).
Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen
der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
men
hänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das
Verfahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind,
oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bun
des
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen davon aus, dass dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als Betriebsmechaniker nicht mehr zumutbar sei. I
n einer
be
hin
derungsangepassten
körperlich
leichten Tätigkeit in Wechselbelastung sei
er
hingegen seit Januar
2016 zu 100
%
arbeitsfähig.
Nach Vornahme des
Ein
kom
mens
vergleichs
und unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzuges von 10
%
resultiere ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 13
%
(S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdef
ührer auf den Standpunkt
,
die Ärzte würden ihm seit mehreren
Jahren eine nachhaltige 100%ige respektive eine mindestens 70%ige Arbeitsunfähigkeit attestieren. Der Rentenanspruch sei aus
gewiesen. Trotz des teilweise illiquiden Sachverhaltes sei keine Begutachtung vorgenommen worden (
Urk.
1 S. 7;
Urk.
18 S. 2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
3.
3.1
Dem Schreiben vom
9.
Februar
2012 (
Urk.
13/9/5-6) von
Dr.
med.
Z.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für
Endokrinologie-Diabeto
logie
, Spital
A.___
,
sind folgende Diagnosen zu entnehmen
(S. 1):
-
m
etabolisches Syndrom
-
Diabetes mellitus Typ II, Erstdiagnose (ED) September 2011
-
Dyslipidämie
-
Übergewicht
-
a
rterielle Hypertonie
-
h
ypertensive
Herzkrankheit
-
c
hronischer Nikotinkonsum
-
Status nach chronischem Alkoholkonsum bis September 2011
-
c
hronisches Ekzem der Unterschenkel beidseits
-
Differentialdiagnos
e (DD):
Prurigo
, Exsikkations-Ek
zem
D
er Beschwerdeführer
sei
im Oktober
2011 zur Einstellung
des
diagnostizierten Diabetes mellitus Typ II hospitalisiert ge
wesen
.
Am 1
7.
April
2012 habe er einen erneuten Termin bei der Diabetesberatung. Bei stabilem Verlauf werde die Be
handlung abgeschlossen (S. 2).
3.2
Am 1
0.
März 2015 informierte Prof.
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Chirurgie, Spital
C.___
,
über die erfolgte Magnetresonanztomographie (MRI) des Abdomens. Danach liege
abgesehen von unspezifischen Befunden (Nierenzysten, kleine axiale
Hiatushernie
, grössenstationäre 9 mm grosse zy
sti
sche Läsion im kaudalen Pankreaskopf) keine Pathologie
vor
. Insbesondere seien die Befunde an der
Abdominalwand
unauffällig und es bestünden keiner
lei
Passagestörungen
im Bereich des
Gastrointestinaltra
k
tes
als mögliche Folgen von Adhäsionen. Dem Beschwerdeführer könn
e
daher
keine Behandlung
mehr
angeboten werden (
Urk.
13/15/6-7 S. 1).
3.3
Der behandelnde Hausarzt
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte mit Bericht vom 1
9.
Juni 2015 (
Urk.
13/12/7-8) die fol
genden
-
gekürzt aufgeführten
-
Diagnosen (S. 1):
-
u
nklare rezidivierende heftigste beidseitige Unterbauchschmerzen
-
Adipositas
-
a
rterielle Hypertonie
-
Diabetes mellitus Typ II
-
Nikotinabusus
-
Status nach Alkoholabusus
-
Dupuytren
-K
ontraktur
Dig
. V linke Hand
Der Beschwerdeführer habe eine relativ gute Compliance. Er halte
sich
strikt an
die Diät und nehme die Medikamente ein. Die
Blutzuckereinstellung
sei sehr gut
.
Die Bauchschmerzen seien chronisch und immer wieder auftretend. Der Be
schwerdeführer habe eine
gespannte Bauchdecke und einen vorgewölbten Bauch ohne Aszites und ohne Pathologie im Innern. Sowohl
anlässlich des
Ult
raschall
s
als auch der Computertomographie hätten keine pathologischen Be
funde erhoben werden könne
n
.
Mit den erfolgten
laparoskopische
n
und endo
skopische
n
Opera
tionen
habe k
eine wesentliche Besserung der Schmerzen er
reicht werden können.
Die Schmerzen seien glaubhaft.
Die Prognose sei
schwierig, wobei die
Schmerzen wahrsc
heinlich nicht reduziert werden
könnten
. N
ach mehr
eren
chirurgischen
Untersuchungen könne keine andere
Behandlung
mehr angeboten werden.
Der Beschwerdeführer finde in der jetzigen
Arbeitssi
tuation
keine Beschäftigung
und sei entsprechend demotiviert
. Er sei seit Mo
naten zu 100
%
arbeitsunfähig.
Durch die körperlichen und psychischen Ein
schränkungen sei ihm keine Tätigkeit zumutbar.
Ihm
müsse eine ganze Rente gewährt werden (S. 1 f.).
3.4
Die Ärzte der
E.___
führten mit Bericht vom 2
7.
Oktober
2015 (
Urk.
13/17) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 1
Ziff.
1.1):
-
m
ittelgradige depressive Episode bei Eintritt, gegenwärtig noch leicht
e
de
pressive
Episode (ICD-10 F32.1), schleichend seit zirka Früh
jahr
2012
-
Probleme durch Arbeitslosigkeit seit September 2010
-
i
m
Jahr
2007 und nachfolgend
mehrere Bauchoperationen (Divertikel und Komplikationen) mit Schmerzen
. Dies könne
fachpsychiatrisch nic
ht detailliert beurteilt werden.
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie einen Diabe
tes mellitus (S. 1
Ziff.
1.1). Der Beschwerdeführer sei
vom 2
7.
April
bis
1
6.
Oktober 2015 in der
Tagesklinik behandelt worden
, wobei wöchentliche
Ein
zel
gespräche
stattgefunden hätten. Nach dem Austritt werde
er ambulant wei
ter
be
handelt
(S. 1 f.
Ziff.
1.2,
Ziff.
1.5).
I
n der bisherigen Tätigkeit als
Betriebs
mechaniker
sei er
während dieser Zeit
z
u 100
%
arbeitsunfähig gewesen
(S. 2
Ziff.
1.6). Der Beschwerdeführer sei vor allem durch die somatische Problematik beeinträchtigt.
Aktuell bestünden keine psychischen Einschränkungen.
Als geistige Einschränkung sei eine leicht beeinträchtigte Konzentration sowie ein gelegentliches Grübeln zu erwähnen.
Aus
psychi
atrischer
Sicht sei er min
des
tens teilzeitig arbeitsfähig.
A
ufgrund der raschen Verunsicherung durch die so
matischen Einschränkungen
sei er allerdings
nur reduziert belastbar.
Eine
voll
schichtige
Arbeitsfähigkeit
bestehe nicht
.
Die
Einschätzung der somatischen Be
einträchtigungen könne nicht abschliessend vorgenommen werden. Aus psy
chi
atrischer
Sicht sei
en
die bisherige sowie eine angepasste Tätigkeit initial zu zirka 30-50
%
zumutbar
; dies
mit möglicher Steigerung (S. 2 f.
Ziff.
1.4,
Ziff.
1.7).
3.5
Mit Bericht vom 1
2.
Januar
2016 (
Urk.
13/19/6-7) führte
Dr.
med.
F.___
, Fach
arzt für Chirurgie, Spital
C.___
, folgende Diagnosen auf (S. 1):
-
c
hronische abdominelle Schmerzen bei
:
-
Status nach
laparoskopischer
Rektosigmoidresektion
und
Adhäsiolyse
am
1.
Februar
2006 bei rezidivierender
Sigmadivertikulitis
(Spital
A.___
)
-
Status nach endoskopischer präperitonealer Netzplastik
(
Totalendopro
these
,
TEP
,
beidseits) am 1
3.
März 2007
-
Status nach Laparoskopie mit
Adhäsiolyse
und
Anastomosenresektion
bei funktioneller Kolonstenose proximal des
De
s
cendore
k
tostomie
am
8.
Januar 2010
-
Status nach
lap
aroskopischer
intraperitonealer
Onlaynetzplastik
bei Re
zidiv Narbenhernie am 2
0.
Juni 2013
-
S
tatus nach diagnostischer Laparo
skopie, Lösen von
Netzverankerun
gen
auf Höhe
des
Umbilicus
links und rechts am
9.
Januar 2014
-
Status nach Laparoskopie, komplexe
Adhäsiolyse
am 1
2.
November
2015
Als Nebendiagnosen nannte er eine Adipositas, eine arterielle Hypertonie, einen Diabetes mellitus Typ II, einen Nikotin- sowie
Ethy
labusus
, eine
Dupuytren
-K
ontraktur
Dig
. V
der linken Hand sowie einen Ver
d
acht auf einen Colon
irri
tabile
(S. 1).
Es sei zwei Monate
nach erneuter diagnostischer Laparoskopie und
Adhäsiolyse
ein erfreulicher Verlauf
festzuhalten.
Der Beschwerdeführer sei mit dem Operationsresultat bisher zufrieden. Der Verlauf werde zeigen, ob dies nun nachhaltig sei
. Der Fall werde abgeschlossen, wobei der Beschwerdeführer bei erneuten Beschwerde
n
wieder zugewiesen werden könne
(S. 2).
3.6
Dem
Bericht
von
Dr.
D.___
vom 1
0.
März 2016 (
Urk.
13/20/4-5)
ist zu entneh
men
, dass keine neuen Aspekte vorlägen.
E
ine
Verbesserung der
Arbeitsfähig
keit
des Beschwerdefü
hrers sei aufgrund
seines
Beruf
s, der Arbeitssituation und des polymorbiden Zustandes nicht möglich
. Der Beschwerdeführer sei zu 100
%
arbeitsunfähig und brauche eine Rente. Die Prognose sei infaust und
ver
schlech
tere sich eher
. Im Sinne der Gesamtsituation müsse ihm eine ganze Rente gewährt werden
(
S. 1 f.
).
3.7
Mit Stellungnah
me vom 2
1.
März 2016 erachtete Dipl.-Med.
G.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin sowie für Prävention und Gesund
heitswesen, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
die Angaben zur Arbeitsun
fä
hig
keit als unvollständig, wobei diese zudem erheblich voneinander abweichen würden. Es sei nachvollziehbar, dass die bisherige schwere Tätigkeit als
Be
triebs
mechaniker
aufgrund der körperlichen Einschränkungen
nicht mehr sinn
voll sei.
In
einer angepassten
körperlichen
leichten
Tätigkeit in
Wechselbelas
tung
sei der Beschwerdeführer
hingegen
vollständig arbeitsfähig
. Dies auch vor dem Hinter
grund, dass
er
motiviert sei
,
zu arbeiten
(vgl.
Urk.
13/22 S. 3 f.).
3.8
Dem Schreiben der Ärzte der
E.___
vom 2
8.
April 2016 (
Urk.
3 =
Urk.
13/26) ist zu entnehmen, dass aufgrund der somatischen und psychischen Beschwerden
derzeit
von einer 100%igen Ar
beitsunfähigkeit ausgegangen werde
.
I
n Zukunft sei von einer maximalen Arbeitsfähigkeit von 30
%
auszuge
hen, welche nicht mehr in der angestammten Tätigkeit wahrnehmbar sei.
4.
4.
1
Den vorliegenden Arztberichten
ist
in diagnostischer Hinsicht
eine
seit zirka Frühling 2012 bestehende
-
gegenwärtig
leichte -
depressive Episode
, chro
ni
sche abdominelle Schmerzen bei Status nach mehreren Operationen, ein Dia
be
tes mellitus Typ II, eine Adipositas, eine arterielle H
ypertonie,
ein Nikotin- und
Ethy
labusus
, eine
Dupuytren
-Kontraktur
Dig
. V der linken Hand sowie ein Ver
dacht auf ein Colon
irritabile
zu entnehmen (vgl.
Urk.
13/9/5-6 S. 1;
Urk.
13/
12/7-8 S. 1;
Urk.
13/15/6-7 S.
1
;
Urk.
13/17 S. 1
Ziff.
1.1;
Urk.
13/19/6-7 S. 1
;
Urk.
13/20/4-5 S. 1
Ziff.
1.2
).
Das psychische Leiden des Beschwerdeführers konnte durch
die von April bis Oktober 2015 in der
E.___
erfolgte
tagesklinische Behandlung soweit stabilisiert werden, dass die affektive S
törung mehrheitlich remittierte
und ge
genwärtig nur noch eine leichte depressive Episode
(ICD-10 F32.0)
diagnosti
ziert werden k
onnte. Deme
ntsprechend wurde
bei Austritt
auch
ein unauffälli
ger psychopathologischer Befund
erhoben
(vgl.
Urk.
13/17 S. 2
Ziff.
1.4).
D
ie Ärzte der
E.___
erachteten dabei
die psychischen Beschwerden
des Beschwerdeführers
als
hauptsächlich
vom somatischen Befund abhängig
und konn
ten
aktuell
keine psychischen Einschränkungen feststellen. Lediglich die
geistige
Konzentration wurde als leicht beeinträchtigt angesehen
, wobei auch ein gelegentliches Grübeln festgehalten wurde
(vgl.
Urk.
13/17 S. 2 f.
Ziff.
1.4,
Ziff.
1.7).
Hinsichtlich des diagnostizierten Diabetes mellitus Typ II
konnte
eine sehr gute Blutzuckereinstellung
verzeichnet
und auch das Übergewicht des Beschwerde
führers konnte dank Ernährungsumstellung stark reduziert werden
(vgl.
Urk.
13/9/5-6 S. 2;
Urk.
13/12/7-8 S. 1).
Aus somatischer Sicht steh
t
beim Be
schwerdeführer
denn auch
nicht das metabolische
Syndrom, sondern
eindeutig d
er
Unterbauchschmerz
im Vordergrund,
aufgrund de
ssen
bereits mehrere
la
pa
roskopische
und endoskopische Eingriffe erfolgten. Obwohl im Frühjahr 2015 gestützt auf die
MRI-
Befunde fes
tgehalten wurde
, dass
abgesehen von einigen unspezifischen Befunden keine Pathologie vorliege (vgl.
Urk.
13/15/6-7 S. 1; vgl. auch
Urk.
13/12/7-8 S. 1
f.
),
erfolgte im November 2015 erneut eine diag
nostische Laparoskopie und
Adhäsiolyse
.
Zwei Monate nach d
ieser
Operation
wurde
ein erfreulicher Verlauf verzeichnet
und
d
er Beschwerdeführer
zeigte sich
mit dem Operati
onsresultat zufrieden
. Dabei wurde auch
erwähnt
, dass der
wei
tere
Verlauf
nun zeigen werde, ob dies nachhaltig sei
(vgl.
Urk.
13/19/6-7 S. 1 f.
; vgl. auch
den
Operationsbericht vom 1
3.
November 2015,
Urk.
13/19/10-11).
4.2
A
us invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
sind
indessen
nicht die Diagnosen und deren Anzahl entscheidend, sondern die Auswirkungen der gesundheitli
chen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit (BGE 136 V 279 E. 3.2.1 mit Hinweis auf BGE 127 V 294; Urteil des Bundesgerichts 9C_526/20
14 vom
3.
Dezember 2
014 E. 5.1)
. Hierzu äusserten sich vorliegend lediglich der behan
delnde Hausarzt
Dr.
D.___
sowie die Ärzte der
E.___
.
I
nsbesondere
Dr.
F.___
, welcher
im November 2015
die erneute
Laparoskopie und
Adhäsiolyse
durchführte, nahm
keine entsprechende Beurteilung vor, son
dern hielt
einzig
einen erfreulichen Verlauf fest, wo
bei
der weitere Verlauf zei
gen werde, ob dies nachhaltig sei (vgl.
Urk.
13/19/6-7 S. 2). Soweit die RAD-Ärztin Dipl.-Med.
G.___
aus
einer
Schmerzfreiheit des Beschwerdeführers
ableitete, dass
der Chirurg keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr gese
hen habe (vgl.
Urk.
13/22 S. 4), lässt sich dies
dem
besagten
Bericht nicht ent
nehmen
. Im Übrigen gab der Beschwerdeführer lediglich an,
dass die Schmerzen im rechten Mittelbauch nicht mehr existent seien, er allerdings gelegentlich noch Schmerzen im linken Mittelbauch habe,
aber
deutlich weniger als präoperativ.
Gelegentlich habe er auch eine Schwellung im Bereich des
Zugangs der Laparoskopie
im rechten Mittelbauch bemerkt mit einem damit verbundenen Brennen (vgl.
Urk.
13/19/6-7 S. 1 unten).
Eine komplette
Be
schwerdefreiheit
lag demzufolge
auch
zu
diesem Zeitpunkt
nicht vor.
A
uf die
durch
Dr.
D.___
vorgenommene
Einschätzung
, wonach der Beschwer
de
führer zu 100
%
arbeitsunfähig und eine Verbesserung der Arbeits
fähigkeit aufgrund
seines
Beruf
s, der Arbeitssituation und des polymorbiden Zustand
s
nicht möglich sei (vgl.
Urk.
13/12
/7-8 S. 2
;
Urk.
13/20/4-5 S. 1),
kann
sodann
mangels Plausibilität und Nachvollziehbarkeit
nicht abgestellt werden.
So
können
seinen Bericht
en
weder eine eigene Befundaufnahme noch
die
tatsäch
lich vor
handenen Einschränkungen in einer Arbeitstätigkeit
entnommen wer
den
.
Zu
dem berücksichtigte er bei
s
einer Einschätzung auch invaliditätsfremde Faktoren wie den Beruf
des Beschwerdeführers
und die allgemeine
Arbeitssitua
tion
. Der Um
stand, dass
er
wiederholt
die Berentung des Beschwe
rdeführers for
derte (vgl.
Urk.
13/12/7-8 S. 2;
Urk.
13/20/4-5 S. 1 f.
), lässt
ferner
fraglich er
scheinen, ob die zur Objektivität der Beurteilung erforderliche Distanz gegeben ist. Für eine infauste Prognose liegen
schliesslich
entgegen
seiner Be
urteilung (vgl.
Urk.
13/20/4-5 S. 1
Ziff.
3.3
) nach Lage der Ak
ten keinerlei An
haltspunkte vor, konnte doch
gerade
kein pathologischer Befund erhoben wer
den
.
Auch die Einschätzung
der Ärzte der
E.___
stellt keine verlässliche
Be
urteilung
sgrundlage
dar
.
So erachteten sie den Beschwerdeführer aus psy
chi
atrischer Sicht initial als zu lediglich 30-50
%
arbeitsfähig, erhoben
allerdings
einen vollkommen unauffälligen psychopathologischen Befund und hielten ausdrücklich fest, dass aktuell keine psychischen Einschränkungen vorlägen (vgl.
Urk.
13/17 S. 2 f.
Ziff.
1.4,
Ziff.
1.7). Eine derart hohe Arbeitsunfähigkeit einzig aufgrund der psychischen Beschwerden ist
somit
weder plausibel noch nach
vollziehbar.
Dabei gilt es ausserdem darauf hinzuweisen, dass der diagnos
tizierten leichten depressiven Episode rechtsprechungsgemäss grundsätzlich keine invali
di
sie
rende Wirkung zukommt
(vgl. statt vieler
BGE 140 V 193
E. 3.3; Urteile des Bundesgerichtes
9C_337/2015 vom 7. April 2016 E. 4.4.1 und
9C_836/2014 vom 23. März
2015 E. 3.1).
Im Übrigen
nannten die Ärzte der
E.___
auch
psychosoziale Faktoren wie beispielsweise
finanzielle
Prob
leme durch die Arbeits
losigkeit und eine erschwerte Stellensuche
aufgrund der
somatischen Beschwer
den
(vgl.
Urk.
13/17 S. 1 f.
Ziff.
1.1,
Ziff.
1.4), welche es bei der Beurteilung der verbliebenen Arbeitsfäh
igkeit auszuklammern gilt (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteile des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni
2012 E. 3.2 und 8C_730/2008 vom 2
3.
März
2009 E. 2
).
Auch das nachfolgende Schrei
ben der Ärzte der
E.___
, wonach der Beschwerdeführer derzeit auf
grund der somatischen und psychischen
Beschwerden zu 100
%
arbeitsunfähig sei (vgl.
Urk.
3 =
Urk.
13/26), stellt keine
beweiskräftige
Entscheidungsgrund
lage
dar. Insbeson
dere lässt sich darin
infolge
fehlende
r
Befundaufnahme keine Verschlechterung
des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers erkennen, wobei die psychiatrischen Fachärzte der
E.___
überdies nebst den psychi
schen Beschwerden auch die somatischen und damit fachfrem
den Beschwerden in die Beurteilung miteinbezogen
.
Soweit
die Beschwerdegegnerin
– der
reinen Aktenbeurteilung
der
RAD
-Ärztin Dipl.-Med.
G.___
folgend
– davon ausging, dass der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit als Betriebsmechaniker nicht mehr arbeitsfähig und ihm eine behinderungsangepasste körperlich leichte Tätigkeit in Wechselbelastung hingegen vollschichtig zumutbar sei (vgl.
Urk.
2 S. 2),
liegt dieser Einschätzung
demnach
keine verlässliche medizinische Beurteilung zugrunde.
4.3
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass beim Beschwerdeführer
durchaus
Diagnosen gestellt wurden, bei welchen eine Arbeitsunfähigkeit sowie ein inva
li
disierender Gesundheitsschaden
nicht von vornherein ausgeschlossen werden können
.
Für die Beurteilung der aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht massgebenden Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit liegt indessen keine verlässliche
medizinische
Einschätzung vor, weshalb sich die vorliegende Aktenlage für die abschliessende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachve
rhalt als
unzu
länglich erweist.
Dass eine versicherungsrechtlich relevante Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bestehen könnte,
ergibt sich nicht zuletzt aus dem Hinweis auf das neu festgestellte
Vallecula
-Karzinom (vgl. Urk. 21).
D
ie angefochtene Verfügung
ist daher
aufzuheben und die Sache an die
Besch
wer
degegnerin
zurückzuweisen
, damit diese nach ergänzender Abklärung
in geeigneter Weise,
wobei auch das im Rahmen des Beschwerdeverfahrens geltend gemachte
Vallecula
-Karzinom (vgl.
Urk.
21) miteinzu
be
ziehen sein wird,
eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungsanspruch
des Be
schwer
deführers
neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen.
Entsprechend dem Aus
gang des Verfahr
ens
sind sie
der unterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuer
le
gen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Prozessentschädigung ist gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
GSVGer
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und beim ab
1.
Januar
2015 für die in einer Rechtsschutzversicherung tätigen Juristen
ge
richtsüblichen
Stundenansatz von
Fr.
185.-- ist die Prozessen
tschäd
igung vor
liegend auf
Fr.
1‘0
00.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
9.
Juni 2016 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt. Rech
nung
und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine
Prozess
ent
schä
digung
von
Fr.
1‘000
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannMeierhans