# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b1adf30d-c05b-5d62-afcf-13134e8a82c3
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1997-05-07
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Steuerrekurskommission 07.05.1997 JAAC 62.45
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_015_JAAC-62-45--_1997-05-07.pdf

## Full Text

JAAC 62.45

Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission
vom 7. Mai 1997

Taxe sur la valeur ajoutée. Admissibilité d’une décision en constatation
de l’Administration fédérale des contributions (AFC). Livraison en
franchise d’impôt à une compagnie aérienne.

Une décision en constatation n’est admissible qu’à la condition que le
demandeur fasse valoir un intérêt digne de protection - protégé par
le droit public fédéral -, qu’il ait un intérêt juridique ou de fait à la
constatation immédiate de son droit qui ne s’oppose pas à des intérêts
publics ou privés prépondérants et que cet intérêt digne de protection ne
puisse être préservé par une décision formatrice (ou par une décision en
prestation) (consid. 2a-c).

Un entrepreneur ne peut pas être obligé, en vertu du droit public, de
transférer la TVA. Le législateur ne peut ni prescrire ni interdire le
transfert de la TVA; la relation entre le bénéficiaire d’une prestation et
celui qui la lui fournit est soumise au droit privé, raison pour laquelle
l’AFC n’a, de manière générale, aucune compétence de décision en ce
domaine (consid. 3 et 5b/aa).

En matière de TVA, le bénéficiaire de la prestation n’est pas légitimé à
demander à l’AFC une décision en constatation sur la question de savoir
s’il est en droit d’obtenir des prestations en franchise d’impôt. La seule
possibilité dont dispose l’administration est de rendre une décision à
l’encontre du fournisseur de la prestation (consid. 5b/cc).

Même s’il apparaît souhaitable, pour des raisons de sécurité du droit,
que l’AFC puisse établir de manière générale, dans une décision, qu’une
société de transport aérien donnée peut recevoir des livraisons en
franchise d’impôt, le fait qu’il n’existe aucune base légale pour ce faire
s’y oppose; une telle décision nécessiterait une base légale spéciale et
expresse (consid. 5d).

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Mehrwertsteuer. Zulässigkeit einer Feststellungsverfügung durch die
Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV). Steuerfreie Lieferung an eine
Fluggesellschaft.

Ein Anspruch auf Erlass einer Feststellungsverfügung kann nur bejaht
werden, wenn der Gesuchsteller ein schutzwürdiges Interesse - gestützt
auf öffentliches Recht des Bundes - nachweist, ein rechtliches oder
tatsächliches Interesse an der sofortigen Feststellung seines Rechts
hat, dem keine erheblichen öffentlichen oder privaten Interessen
entgegenstehen, und wenn dieses schutzwürdige Interesse nicht durch
eine rechtsgestaltende Verfügung (bzw. eine Leistungsverfügung)
gewahrt werden kann (E. 2a-c).

Der Unternehmer kann nicht kraft öffentlichen Rechts verpflichtet
werden, die Mehrwertsteuer zu überwälzen. Der Gesetzgeber kann die
Überwälzung der Mehrwertsteuer weder vorschreiben noch verbieten;
das Verhältnis zwischen Leistungsempfänger und Leistungserbringer
ist vom Privatrecht beherrscht, weshalb der ESTV in diesem Bereich
ganz generell keine Verfügungskompetenz zukommt (E. 3 und 5b/aa).

Im Mehrwertsteuerrecht ist die Leistungsempfängerin nicht legitimiert,
bei der ESTV eine Feststellungsverfügung betreffend die Frage, ob sie
zum steuerfreien Leistungsbezug berechtigt ist, zu verlangen. Es besteht
einzig die Möglichkeit, diesbezüglich einen Entscheid gegenüber dem
Leistungserbringer zu treffen (E. 5b/cc).

Auch wenn es aus Gründen der Rechtssicherheit als wünschbar
erscheint, dass die ESTV in allgemeiner Weise mit einer Verfügung
feststellen kann, dass eine konkrete Luftfahrtgesellschaft
mehrwertsteuerfrei beliefert werden kann, so scheitert dies daran,
dass keine Rechtsgrundlage für eine solche besteht; sie bedürfte einer
ausdrücklichen spezialgesetzlichen Grundlage (E. 5d).

Imposta sul valore aggiunto. Ammissibilità di una decisione
d’accertamento dell’Amministrazione federale delle contribuzioni
(AFC). Fornitura esente da imposta a una compagnia aerea.

Una decisione d’accertamento è ammissibile soltanto se il richiedente
fa valere un interesse degno di protezione - sulla base del diritto
pubblico federale -, ha un interesse giuridico o di fatto all’accertamento
immediato del suo diritto, che non sia opposto a interessi pubblici
o privati preponderanti, e tale interesse, degno di protezione, non
può essere tutelato da una decisione costitutiva di diritto (o da una
decisione di prestazione; consid. 2a-c).

L’impresario non può essere obbligato, in virtù del diritto pubblico,
a trasferire l’IVA. Il legislatore non può né prescrivere né vietare il
trasferimento dell’IVA; il rapporto tra il beneficiario di una prestazione
e colui che la fornisce soggiace al diritto privato: per tale ragione, l’AFC
non ha, in generale, alcuna competenza decisionale in questo settore
(consid. 3 e 5b/aa).

2

In materia di IVA, il beneficiario della prestazione non è legittimato a
chiedere all’AFC una decisione d’accertamento sulla questione se abbia
il diritto di ottenere prestazioni esenti da imposta. L’unica possibilità
consiste nel pronunciare una decisione nei confronti del fornitore della
prestazione (consid. 5b/cc).

Anche se per motivi di certezza del diritto appare auspicabile che
l’AFC possa stabilire in una decisione che una determinata società di
trasporti aerei può ricevere forniture esenti da imposta, non esiste una
base legale per agire in tal modo; una siffatta decisione richiederebbe
una base legale esplicita (consid. 5d).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. Die X SA führte bis zum 26. Oktober 1995 gewerbsmässige Flüge im
Nichtlinienverkehr (Charterflüge) durch. Aufgrund dieser Tätigkeit wurde sie
durch die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) mit Wirkung ab 1. Januar
1995 in das Register der Mehrwertsteuerpflichtigen eingetragen.

B.Mit Schreiben vom 23. März 1995 teilte die X SA der ESTV mit, im
Rahmen eines Briefwechsels hätten die (in der Schweiz domizilierten)
Flughafendirektionen A und B ihr gegenüber - gestützt auf eine entsprechende
Mitteilung der ESTV - die Ansicht geäussert, Charterfluggesellschaften seien
nicht gemäss Art. 15 Abs. 2 Bst. h der Verordnung über die Mehrwertsteuer
vom 22. Juni 1994 (MWSTV, SR 641.201) von der Steuer befreit. Im Interesse
einer Klärung der Rechtslage ersuche sie diesbezüglich um Erlass einer
Feststellungsverfügung.

C.Mit Entscheid vom 28. April 1995 stellte die ESTV fest, die X SA erfülle
die Voraussetzungen für einen steuerfreien Bezug von Lieferungen
und Dienstleistungen nach Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV nicht. Zur
Begründung führte sie im wesentlichen aus, ein schutzwürdiges Interesse
der Gesuchstellerin an der verbindlichen Feststellung des Bestandes bzw.
Nichtbestandes des Rechts auf steuerfreien Leistungsbezug nach Art. 15
Abs. 2 Bst. h MWSTV sei zu bejahen, zumal sich die zur Diskussion stehende
Frage nicht nur auf einen abgeschlossenen Zeitraum beziehe, sondern auch
künftige Sachverhalte berühre. Weil indessen die Vercharterung eines
Flugzeuges eine Lieferung im Sinne von Art. 5 Abs. 2 Bst. b MWSTV darstelle
und die Beistellung der vercharterten/vermieteten Luftfahrzeuge durch die
Gesuchstellerin, mithin deren umsatzsteuerrechtlich relevante Tätigkeit,
ausschliesslich im Inland stattfinde, sei diese nicht eine hauptsächlich im
entgeltlichen internationalen Verkehr tätige Luftfahrtgesellschaft. Die
Voraussetzungen der vorgängigen Steuerbefreiung nach Art. 15 Abs. 2 Bst. h
MWSTV seien somit in ihrem Fall nicht erfüllt.

D.Mit Schreiben vom 26. Mai 1995 erhob die X SA Einsprache gegen
diesen Entscheid. Sie hielt dafür, die Qualifizierung der Vercharterung
eines Flugzeuges als Miete und somit als Lieferung eines Gegenstandes
sei unzutreffend. Die Vercharterung eines Luftfahrzeugs sei vielmehr als
Beförderungsleistung und somit als Dienstleistung zu qualifizieren, welche im
übrigen nach Art. 15 Abs. 2 Bst. g MWSTV von der Steuer befreit sei.

3

Mit Einspracheentscheid vom 11. Dezember 1995 wies die ESTV die Einsprache
ab und bestätigte ihren Entscheid vom 28. April 1995. Zur Begründung hielt
sie insbesondere fest, soweit die X SA mit ihrer Eingabe geltend machen
wolle, die von ihr erzielten Umsätze aus der Vercharterung seien gestützt auf
Art. 15 Abs. 2 Bst. g MWSTV von der Steuer zu befreien, sei auf das Begehren
nicht einzutreten. Hingegen sei die X SA mit ihren Ausführungen insofern
zu hören, als sie geltend mache, sie führe Beförderungen aus und es sei ihr
deshalb der Status einer Luftfahrtgesellschaft gemäss Art. 15 Abs. 2 Bst. h
MWSTV zuzuerkennen. Die zur Diskussion stehenden Charterverträge
seien indessen nicht als Beförderungsverträge zu qualifizieren, sondern als
Verträge sui generis, bei denen die Flugzeuge dem Charterer zum Gebrauch
oder zur Nutzung im Sinne von Art. 5 Abs. 2 Bst. b MWSTV überlassen und
somit im Sinne des Mehrwertsteuerrechts geliefert würden. Die Beistellung
der vercharterten Luftfahrzeuge und damit die umsatzsteuerrechtlich
relevante Tätigkeit erfolge in casu regelmässig im Inland. Auch betreibe die
Einsprecherin keinen konzessionspflichtigen Linienverkehr im Sinne des
schweizerischen Luftfahrtrechts. Es handle sich bei ihr daher auch nicht um
eine Luftfahrtgesellschaft, die im entgeltlichen internationalen Verkehr tätig
sei und sie erfülle mithin die Voraussetzungen für einen steuerfreien Bezug
von Lieferungen und Dienstleistungen nach Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV nicht.

E.Mit Eingabe vom 29. Januar 1996 führt die X SA gegen
diesen Einspracheentscheid Beschwerde an die Eidgenössische
Steuerrekurskommission. Sie beantragt, die Feststellungsverfügung
vom 28. April 1995 der ESTV sei aufzuheben und es sei ihr der Status als
Luftfahrtgesellschaft gemäss Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV zuzuerkennen. Sie
hält dafür, als Erbringerin von Beförderungsleistungen im internationalen
Nichtlinienverkehr sei sie zum steuerfreien Bezug von Lieferungen und
Dienstleistungen gemäss Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV befugt.

In ihrer Vernehmlassung vom 24. Mai 1996 beantragt die ESTV, auf die
Beschwerde sei nicht einzutreten; eventualiter sei diese abzuweisen. Gemäss
einem Schreiben des Bundesamtes für Zivilluftfahrt vom 3. November
1995 habe die Beschwerdeführerin diesem Amt am 26. Oktober 1995
mitgeteilt, dass sie ihren gewerbsmässigen Flugbetrieb einstelle. Die
allgemeine Betriebsbewilligung der Beschwerdeführerin für die Ausführung
gewerbsmässiger Flüge im Nichtlinienverkehr sei per 31. Oktober
bzw. 1. November 1995 dahingefallen. Unter diesen Umständen habe
sie kein Interesse mehr an der Feststellung, dass ihr der Status einer
Luftfahrtgesellschaft im Sinne von Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV zukomme,
sei doch nur noch ein abgeschlossener Zeitraum in mehrwertsteuerrechtlicher
Hinsicht zu beurteilen. Entsprechend sei die Beschwerdeführerin auf das
Steuerveranlagungsverfahren zu verweisen. Das Eventualbegehren begründet
die ESTV im wesentlichen mit denselben Argumenten, welche sie bereits
ihrem Einspracheentscheid zugrundegelegt hat.

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Mit Eingabe vom 14. Oktober 1996 reichte die ESTV bei der Eidgenössischen
Steuerrekurskommission den von ihr an diesem Tag gegenüber der X SA
aufgrund der Ergänzungsabrechnung vom 13. September 1996 - betreffend die
Steuerperioden 1. bis 4. Quartal 1995 - erlassenen Leistungsentscheid ein.

Aus den Erwägungen:

1.a. Die Eidgenössische Steuerrekurskommission beurteilt als
Beschwerdeinstanz Einspracheentscheide der ESTV (Art. 71a Abs. 1 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968
[VwVG], SR 172.021, in Verbindung mit Art. 53 MWSTV). Das Verfahren vor
der Eidgenössischen Steuerrekurskommission bestimmt sich gemäss Art. 71a
Abs. 2 VwVG nach diesem Gesetz.

b. (...)

2.a. Nach Art. 51 Abs. 1 Bst. f MWSTV trifft die ESTV von Amtes wegen
oder auf Verlangen des Steuerpflichtigen einen Entscheid, wenn für einen
bestimmten Fall vorsorglich die amtliche Feststellung der Steuerpflicht,
der Steuerschuld, des Anspruchs auf Vorsteuerabzug usw. beantragt wird
oder als geboten erscheint. Gemäss Art. 25 Abs. 2 VwVG ist dem Begehren
um eine Feststellungsverfügung zu entsprechen, wenn der Gesuchsteller
ein schutzwürdiges Interesse nachweist. Laut bundesgerichtlicher
Rechtsprechung ist der Anspruch auf Erlass einer Feststellungsverfügung
gegeben, wenn der Gesuchsteller ein rechtliches oder tatsächliches Interesse
an der sofortigen Feststellung seines Rechts hat, dem keine erheblichen
öffentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen, und wenn dieses
schutzwürdige Interesse nicht durch eine rechtsgestaltende Verfügung
(bzw. eine Leistungsverfügung) gewahrt werden kann (BGE 119 V 13
E. 2a, 114 V 203; René A. Rhinow / Beat Krähenmann, Schweizerische
Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel und Frankfurt am Main
1990, S. 109 f. Nr. 36). Der Begriff des schutzwürdigen Interesses gemäss
Art. 25 Abs. 2 VwVG ist dabei nach dem Grundsatz der Einheit des Prozesses
in gleichem Sinne auszulegen wie bei der Anwendung der Vorschriften
über die Beschwerdelegitimation gemäss Art. 48 Bst. a VwVG und Art. 103
Bst. a des Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege
vom 16. Dezember 1943 (OG, SR 173.110; BGE 114 V 202 E. 2c mit weiteren
Hinweisen). Da das Verwaltungsverfahrensrecht des Bundes nur Verfügungen
des materiellen Verwaltungsrechts als Anfechtungsobjekte vorsieht (vgl.
insbesondere Art. 1 Abs. 1 und 5 VwVG), kann ein zur Beschwerdeerhebung
legitimierendes Rechtsschutzinteresse von vornherein nur angenommen
werden, wenn eine solche Verfügung des materiellen Verwaltungsrechts, das
heisst eine verbindliche, durchsetzbare und nicht ohne weiteres umstössliche,
für die Beteiligten bindende und auch für Drittinteressierte massgebende
Regelung eines konkreten Rechtsverhältnisses (vgl. Fritz Gygi, Über die
anfechtbare Verfügung, in: Berner Festgabe zum Schweizerischen Juristentag
1979, Bern/Stuttgart 1979 [im folgenden: anfechtbare Verfügung], S. 520) in
Frage steht. Insbesondere darf nicht umgekehrt überall dann und dort eine
anfechtbare Verfügung angenommen werden, wo ein Rechtsschutzinteresse
an der Anfechtung einer Verwaltungshandlung oder -äusserung anerkannt
werden könnte (Gygi, anfechtbare Verfügung, S. 521). Diese Grundsätze gelten

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_114_V_202&resolve=1

sinngemäss auch für den Anspruch auf Erlass einer Feststellungsverfügung.
Ein solcher Anspruch kann mithin nur bejaht werden, wenn der Entscheid
über das Gesuch dazu führt, dass ein konkretes und individuelles
Rechtsverhältnis zwischen mindestens zwei beteiligten Rechtssubjekten
verbindlich geregelt wird, und zwar gestützt auf öffentliches Recht des
Bundes (vgl. Art. 5 Abs. 1 VwVG; Gygi, anfechtbare Verfügung, S. 520). Auch
die Feststellungsverfügung kann mithin immer nur eine Verfügung im
Sinne von Art. 5 VwVG sein (vgl. auch Art. 25 Abs. 1 VwVG). Dies bedeutet
im weiteren, dass die festzustellende Rechtsfrage nicht rein theoretischer
Natur sein darf, sondern einen Zusammenhang mit zu beurteilenden
tatsächlichen Gegebenheiten aufweisen muss. Die Feststellungsverfügung
kann im weiteren auch nicht dazu benutzt werden, Normen abstrakt,
unabhängig von einer konkreten Anwendung, zu prüfen (Alfred Kölz /
Isabelle Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des
Bundes, Zürich 1993, S. 68 Rz. 91 mit Hinweisen). Zusammenfassend kann
somit festgehalten werden, dass Gegenstand einer Feststellungsverfügung
einzig eine Anwendung von Verwaltungsrecht im Einzelfall, auf einen
konkreten Tatbestand und gegenüber einer bestimmten Person sein kann,
das heisst eine konkrete Berechtigung oder Verpflichtung, die sich aus
einem bestimmten Sachverhalt für einen bestimmten Bürger aufgrund der
einschlägigen Verwaltungsrechtssätze ergibt (Urs Gueng, Zur Tragweite des
Feststellungsanspruchs gemäss Art. 25 VwVG, Schweizerische Juristen-Zeitung
[SJZ] 1971, S. 371). Dabei kann es sich immer nur um einen Ausschnitt aus dem
individuell-konkreten Rechtsstatus des Petenten handeln (Peter Saladin, Das
Verwaltungsverfahrensrecht des Bundes, Basel/Stuttgart 1979, S. 96 f.).

Eine Feststellungsverfügung kann allerdings nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts auch die verwaltungsrechtlichen Folgen erst in Aussicht
genommener Tatbestände zum Gegenstand haben (BGE 121 II 479 E. 2d,
108 Ib 546 E. 3; Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 42 S. 341
E. 6b, 62 S. 567 E. 2 mit Hinweisen). Diesfalls muss das zu beurteilende
Rechtsverhältnis als hinreichend konkretisiert gelten, wenn der Sachverhalt,
dessen Verwirklichung geplant ist, genügend bestimmt ist. Falls es sich
dabei um Vorgänge handelt, welche sich voraussichtlich immer wieder in
gleichartiger Weise wiederholen, müssen zumindest deren typischen und
wesentlichen Merkmale feststehen.

b. Der Erlass einer Feststellungsverfügung fällt grundsätzlich nur in
Betracht, wenn der Gesuchsteller im konkreten Falle seine Interessen
nicht ebensogut mit dem Begehren um Erlass einer Leistungs- oder
Gestaltungsverfügung wahren kann (BGE 108 Ib 546 E. 3 mit Hinweis). Da
sich der Leistungsentscheid gerade im Steuerrecht regelmässig nur auf
einen begrenzten, abgeschlossenen Zeitraum beziehen kann, ist im übrigen
auch dann ein Feststellungsentscheid zu erlassen, wenn in bezug auf ein
andauerndes Rechtsverhältnis in präjudizieller Weise ebenso künftige
Leistungen zu beurteilen sind. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn
grundlegende Rechtsfragen vorweg gelöst werden können und damit auf
die Einleitung eines unter Umständen aufwendigen Verfahrens verzichtet
werden kann (Kölz/Häner, a. a. O., S. 68 f. Rz. 92).

c. Adressat einer Verfügung im materiellen Sinn ist, wer aus dem durch
die Verfügung zu regelnden (öffentlichrechtlichen) Rechtsverhältnis
berechtigt oder verpflichtet werden soll. Er ist - zusammen mit dem

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_108_Ib_546&resolve=1

Urheber der Verfügung - Hauptpartei des Verfahrens (vgl. Fritz Gygi,
Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983 [im folgenden:
Bundesverwaltungsrechtspflege], S. 148). Nach Lehre und Rechtsprechung
setzt allerdings der Anspruch auf Erlass einer Verfügung nicht voraus, dass
die anspruchstellende Person auch materielle Verfügungsadressatin ist
(BGE 98 Ib 53 ff.; Saladin, a. a. O., S. 97; Gygi, anfechtbare Verfügung, S. 520).
Im Verwaltungsprozess können grundsätzlich auch nicht im geregelten
Rechtsverhältnis stehende Dritte am Verfahren beteiligt sein (vgl. Art. 6 VwVG).
Ihnen ist die Verfügung ebenfalls zu eröffnen (Art. 34 ff. VwVG), weshalb sie
denn auch als Verfügungsadressaten im formellen Sinn bezeichnet werden.
Auch ihnen steht das allgemeine Beschwerderecht (Art. 48 Bst. a VwVG;
Art. 103 Bst. a OG) gegen die Verfügung zu. Als formeller Verfügungsadressat
bzw. Drittbeschwerdeführer kommt indessen nur in Frage, wer ein eigenes,
unmittelbares und ausreichend intensives - rechtliches oder auch tatsächliches
(vgl. BGE 98 Ib 58 f. für die Leistungs- und Gestaltungsverfügung sowie
BGE 114 V 203 für die Feststellungsverfügung) - Interesse am Erlass der
Verfügung (bzw. an dem durch diese geregelten Gegenstand) oder an der
Beschwerdeführung hat, soll doch insbesondere verhindert werden, dass sich
das Drittbeschwerderecht zur Popularbeschwerde ausweitet (vgl. zum Ganzen
Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, S. 148 f.).

3. Nach Art. 15 Abs. 2 Bst. g und h MWSTV sind die folgenden Leistungen - mit
Anspruch auf Vorsteuerabzug - von der Steuer befreit:

«(...)

g. Beförderungen im Luftverkehr, bei denen nur der Ankunfts- oder der
Abflugsort im Inland liegt;

h. Lieferungen, Umbauten, Instandsetzungen, Wartungen, Vercharterungen und
Vermietungen von Luftfahrzeugen, die von Luftfahrtgesellschaften verwendet
werden, die hauptsächlich im entgeltlichen internationalen Verkehr tätig sind;
Lieferungen, Vermietungen, Instandsetzungen und Wartungen der in diese
Luftfahrzeuge eingebauten Gegenstände oder der Gegenstände für ihren Betrieb;
Lieferungen von Gegenständen zur Versorgung dieser Luftfahrzeuge sowie
Dienstleistungen, die für den unmittelbaren Bedarf dieser Luftfahrzeuge und
ihrer Ladungen bestimmt sind;»

Die Leistungen im Sinne von Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV, welche der
Abwicklung des Luftverkehrs dienen, sind auch dann von der Steuer befreit,
wenn die betreffenden Gegenstände in der Folge nicht exportiert werden
bzw. wenn die Dienstleistungen im Inland genutzt werden, sofern sie nur
einer Gesellschaft erbracht werden, welche hauptsächlich im entgeltlichen
internationalen Verkehr tätig ist. Die Vermeidung einer Steuerkumulation in
solchen Fällen erfolgt somit hier ausnahmsweise nicht durch Erhebung der
Steuer mit anschliessendem Vorsteuerabzug durch den (unternehmerisch
tätigen) Leistungsbezüger (Anrechnungsmethode), sondern - ähnlich
wie früher bei der Warenumsatzsteuer - durch steuerfreien Durchlauf
(Befreiungsmethode).

Den Entscheid, ob eine Leistung im Einzelfall steuerbefreit ist oder
nicht, hat in erster Linie der Leistungserbringer zu treffen. Er ist als
Steuerpflichtiger grundsätzlich selber und allein für die vollständige und
richtige Versteuerung seiner steuerbaren Umsätze und für die korrekte

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_114_V_203&resolve=1

Ermittlung der abziehbaren Vorsteuer verantwortlich (Kommentar
des Eidgenössischen Finanzdepartements zur Verordnung über die
Mehrwertsteuer vom 22. Juni 1994, S. 38).

4.a. Ausgangspunkt des vorliegenden Verfahrens bildete das Schreiben
der Beschwerdeführerin an die ESTV vom 23. März 1995, worin sie die
Verwaltung um Erlass einer Feststellungsverfügung betreffend die Frage,
ob sie zum steuerfreien Leistungsbezug im Sinne von Art. 15 Abs. 2 Bst. h
MWSTV befugt sei, ersuchte. Diesem Begehren entsprach die ESTV mit
ihrem Feststellungsentscheid vom 28. April 1995. Ziff. 1 des Dispositivs
dieses Entscheides lautet wie folgt: «Es wird festgestellt, dass die X SA
die Voraussetzungen für einen steuerfreien Bezug von Lieferungen und
Dienstleistungen nach Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV nicht erfüllt». In Ziff. 1
der Erwägungen ihres Einspracheentscheides vom 11. Dezember 1995
führte die ESTV sodann aus, soweit die Beschwerdeführerin in ihrer
gegen den Entscheid vom 28. April 1995 gerichteten Einsprache vom
26. Mai 1995 geltend machen wolle, die von ihr erzielten Umsätze aus der
Vercharterung von Luftfahrzeugen seien nach Art. 15 Abs. 2 Bst. g MWSTV
von der Steuer befreit, sei auf das Begehren nicht einzutreten, denn eine
Feststellungsverfügung sei nur in bezug auf die Frage, ob Art. 15 Abs. 2 Bst. h
MWSTV auf die Beschwerdeführerin Anwendung finde, verlangt worden;
einem Grundsatz der allgemeinen Prozessrechtslehre zufolge dürfe der
Streitgegenstand im Laufe des Rechtsmittelzuges weder erweitert noch
qualitativ verändert werden. Gegenstand des Einspracheverfahrens bildete
somit ebenfalls bloss die Frage, ob die Beschwerdeführerin zum steuerfreien
Leistungsbezug im Sinne von Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV berechtigt sei. Mit
der vollumfänglichen Abweisung der Einsprache und der ausdrücklichen
Bestätigung des Entscheides vom 28. April 1995 wurde die Feststellung,
dies sei nicht der Fall - und nur diese - auch zum Inhalt des Dispositivs des
Einspracheentscheides erhoben. Auch in der Beschwerde vom 29. Januar
1996 wird sodann bloss beantragt, der Status der Beschwerdeführerin als
Luftfahrtgesellschaft gemäss Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV sei zu bestätigen, was
in dem Sinne zu verstehen ist, dass die Beschwerdeführerin die Feststellung
anstrebt, sie sei zum steuerfreien Leistungsbezug gemäss Art. 15 Abs. 2 Bst. h
MWSTV berechtigt. In dieser Form ist das Feststellungsbegehren wiederum
identisch mit dem bereits im Gesuch vom 23. März 1995 gestellten, welches
denn auch allein durch die ESTV beurteilt worden ist.

b. Die ESTV vertritt die Auffassung, auf das Beschwerdebegehren
könne nicht eingetreten werden, weil die Beschwerdeführerin mangels
Betriebsbewilligung kein aktuelles Interesse mehr an der Feststellung habe,
dass ihr der Status einer Luftfahrtgesellschaft zukomme. Wenn wie hier ein
abgeschlossener Zeitraum zu beurteilen sei, könnten ausschliesslich Leistungs-
und Gestaltungsverfügungen erlassen werden. Die ESTV hat denn auch in der
Zwischenzeit, mit Entscheid vom 14. Oktober 1996, die Beschwerdeführerin
verpflichtet, ihr für die Steuerperioden 1. bis 4. Quartal 1995 den Betrag von
Fr. 14 190 391.- zuzüglich Verzugszins zu bezahlen. Zur Begründung dieses
Entscheides hat sie angeführt, das Verchartern von Flugzeugen im Inland gelte
als steuerbare Lieferung, wobei die Befreiungsvorschriften von Art. 15 Abs. 2
Bst. g und h MWSTV nicht zur Anwendung gelangten. Der steuerpflichtige
Charterer, welcher die Flugzeuge für steuerbare Umsätze verwende, könne
jedoch den Vorsteuerabzug geltend machen. Dieser Entscheid betrifft

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offensichtlich durchwegs Leistungen, welche die Beschwerdeführerin
erbracht hat (Vercharterungen von Flugzeugen und gewisse Nebenleistungen)
und welche nach Auffassung der ESTV nicht von der Steuer befreit sind,
weil es sich weder um Beförderungen im Luftverkehr, bei denen nur der
Ankunfts- oder der Abflugsort im Inland liegt, noch um Vercharterungen
von Luftfahrzeugen oder andere Leistungen an eine hauptsächlich im
entgeltlichen internationalen Verkehr tätige Luftfahrtgesellschaft handle.
Die ESTV hat insoweit zu Recht einen Leistungsentscheid getroffen. Die
Beschwerdeführerin hätte zweifellos kein schützenswertes Interesse (mehr),
dass zu der Frage, ob die betreffenden von ihr erbrachten Leistungen von
der Steuer befreit sind oder nicht, in Form eines Feststellungsentscheides
Stellung genommen würde, soll doch jedenfalls dann, wenn lediglich ein
vergangener, abgeschlossener Zeitraum in bestimmter Hinsicht zu beurteilen
ist, nach Möglichkeit eine Gestaltungs- oder Leistungsverfügung und nicht eine
Feststellungsverfügung getroffen werden (BGE 114 V 203 E. 2c, 108 Ib 546 E. 3;
Kölz/Häner, a. a. O., S. 68 f. Rz. 92; Gueng, a. a. O., S. 373 f.).

c. Im vorliegenden Verfahren geht es indessen nicht um die Frage
der Steuerbarkeit der von der Beschwerdeführerin selber erbrachten
Leistungen, sondern darum, ob die Beschwerdeführerin zum steuerfreien
Leistungsbezug berechtigt sei oder nicht. Diese Frage gehört - soweit aus
den Akten ersichtlich - nicht zum Streitgegenstand des mit Entscheid vom
14. Oktober 1996 eingeleiteten zweiten Verfahrens zwischen der ESTV und
der Beschwerdeführerin. Daher kann auch nicht gesagt werden, mit dem
Erlass des zweiten Entscheides sei das Interesse der Beschwerdeführerin an
der Beurteilung ihres Feststellungsbegehrens ohne weiteres dahingefallen.
Die ESTV geht zwar offenbar davon aus, eine Chartergesellschaft erbringe
keine Beförderungsleistungen im grenzüberschreitenden Luftverkehr
und könne daher eo ipso auch nicht als hauptsächlich im internationalen
Verkehr tätige Fluggesellschaft gelten. Die Voraussetzungen der beiden
Steuerbefreiungstatbestände sind jedoch nach dem Verordnungswortlaut
keineswegs deckungsgleich, hängt doch die Befreiung im einen Falle davon ab,
ob eine «Beförderung im grenzüberschreitenden Luftverkehr» vorliegt (Art. 15
Abs. 2 Bst. g MWSTV) und im andern Falle davon, ob die Leistung von einer
«hauptsächlich im internationalen Verkehr tätigen Fluggesellschaft» erbracht
wird (Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV). Daher kann der Beschwerdeführerin ein
Interesse daran, dass auch über die Frage des steuerfreien Leistungsbezuges
gemäss Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV entschieden wird, jedenfalls nicht bereits
deshalb abgesprochen werden, weil die ESTV den Leistungsentscheid vom
14. Oktober 1996 getroffen hat.

5.a. Es stellt sich weiter die Frage, ob das Feststellungsinteresse der
Beschwerdeführerin infolge der Einstellung ihrer Tätigkeit im Bereich des
gewerbsmässigen Flugverkehrs weggefallen ist, wie die ESTV dies annimmt.
Dieser Punkt kann indessen offengelassen werden, wenn sich herausstellen
sollte, dass die ESTV zu Unrecht auf das Gesuch der Beschwerdeführerin vom
23. März 1995 um Erlass einer Feststellungsverfügung eingetreten ist. Diese
Frage ist daher im Rahmen der von Amtes wegen vorzunehmenden Prüfung
der Sachurteilsvoraussetzungen (Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, S. 73;
Kölz/Häner, a. a. O., S. 111 f. Rz. 184) vorab zu untersuchen.

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_114_V_203&resolve=1

b.aa. Für die richtige Versteuerung seiner Umsätze ist wie bereits
gesagt grundsätzlich der steuerpflichtige Leistungserbringer selber
verantwortlich (vgl. E. 3 hiervor). Der ESTV obliegt bloss die Kontrolle der
Steuerabrechnungen und -ablieferungen seitens der Steuerpflichtigen
(Art. 50 MWSTV). Während bei der Warenumsatzsteuer der Bezug von
Wiederverkaufswaren und Werkstoffen durch Grossisten gegen Abgabe einer
Verwendungserklärung (sogenannte Grossistenerklärung) steuerfrei erfolgen
konnte (Art. 14 Abs. 1 Bst. a und Abs. 2 bis 6 des Bundesratsbeschlusses
über die Warenumsatzsteuer vom 29. Juli 1941 [WUStB], SR 641.20 alte
Fassung, BS 6 173 ff.) und je nach Verwendung der Ware durch den
Abnehmer unterschiedliche Steuersätze zur Anwendung gelangten (6,2% für
Detaillieferungen und 9,3% für Engroslieferungen; vgl. Art. 19 in Verbindung
mit Art. 15 Abs. 3 WUStB), hat bei der Mehrwertsteuer die Art der Verwendung
der Leistung durch den Bezüger ebensowenig einen Einfluss auf Bestand und
Umfang der Steuerpflicht beim Leistungserbringer wie irgendwelche andern
Faktoren auf Seiten des Leistungsempfängers. Dieser Grundsatz wird zwar in
Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV durchbrochen, indem die in dieser Bestimmung
vorgesehene Steuerbefreiung (unter anderem) von bestimmten Eigenschaften
des Bezügers («Luftfahrtgesellschaften ..., die hauptsächlich im entgeltlichen
internationalen Verkehr tätig sind») abhängig gemacht wird (vgl. E. 3 hiervor).
Im Gegensatz zumWarenumsatzsteuerrecht bleibt jedoch die Verantwortung
für die korrekte Versteuerung der entsprechenden Umsätze vollumfänglich
beim Leistungserbringer (vgl. aber immerhin Art. 14 Abs. 5 WUStB). Einzig
dieser kann denn auch seitens der ESTV gegebenenfalls ins Recht gefasst
werden, soweit die korrekte steuerliche Erfassung dieser Umsätze in Frage
steht.

bb. Im übrigen wurde auch schon unter dem Recht der Warenumsatzsteuer
angenommen, dass der liefernde Grossist nicht verpflichtet sei, die
Grossistenerklärung seines Abnehmers zu berücksichtigen; ob er dies tun
wolle, sei eine reine Frage des privaten Rechts (Dieter Metzger, Handbuch
der Warenumsatzsteuer, Muri/Bern 1983/92, S. 219 Rz. 498). Dasselbe gilt
nun abermutatis mutandis zweifellos auch bei der Mehrwertsteuer. Zwar
soll diese als allgemeine Konsumsteuer nicht den Unternehmer, sondern
eben den privaten Endkonsumenten belasten. Dementsprechend gehört auch
das Prinzip der Steuerüberwälzung zu den systemtragenden Grundsätzen
der Steuer (Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom
11. Juli 1996 in Sachen T. AG gegen ESTV, SRK 23/1995, E. 5a, 7b und 8, erwähnt
in MWST-Journal 2/1996, S. 94; vgl. Jean-Marc Rivier, L’interprétation des
règles de droit qui régissent la Taxe à la Valeur ajoutée, ASA 63, S. 356 f.).
Dies bedeutet nun aber nicht, dass der Unternehmer kraft öffentlichen
Rechts verpflichtet werden könnte, die Steuer zu überwälzen, das heisst
den Preis für seine Leistungen anders anzusetzen, je nachdem, ob diese der
Steuer unterliegen oder nicht. Letztlich bezahlt der Abnehmer den Preis, der
sich aus Angebot und Nachfrage bildet. Der Gesetzgeber kann deshalb die
Überwälzung der Umsatzsteuer wirksam weder vorschreiben noch verbieten
(Metzger, a. a. O., S. 423 Rz. 1084). Aus diesem Grunde kann die ESTV auch
nicht auf die Preisgestaltung im Verhältnis zwischen Leistungserbringer und
Leistungsempfänger Einfluss nehmen. So wäre es ihr insbesondere auch
verwehrt, einen Steuerpflichtigen mittels Verfügung zu verpflichten, bei
Leistungen, welche unter die Steuerbefreiung gemäss Art. 15 Abs. 2 Bst. h
MWSTV fallen, einen tieferen Bruttopreis zu verlangen. Weil das Verhältnis

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zwischen Leistendem und Leistungsbezüger ausschliesslich privatrechtlicher
Natur ist, was denn auch in Art. 28 Abs. 6 MWSTV dadurch zum Ausdruck
gebracht wird, dass für Streitigkeiten über die Steuerüberwälzung
ausschliesslich die Zivilgerichte als zuständig erklärt werden, kommt der
ESTV in diesem Bereich ganz generell keine Verfügungskompetenz zu. Dies
ergibt sich im übrigen auch bereits aus Art. 5 Abs. 1 VwVG, gelten doch
nach dieser Bestimmung nur Anordnungen der Behörden im Einzelfall, die
sich auf öffentliches Recht des Bundes stützen und bestimmte verbindliche
Anordnungen treffen, als Verfügungen.

cc. Anders verhält es sich diesbezüglich bei der Verrechnungssteuer, wo
die Überwälzung zwingend vorgeschrieben ist und wo zwischen dem
Verrechnungssteuerpflichtigen und dem Empfänger der steuerbaren Leistung
(= Rückgriffsschuldner) ein öffentlichrechtliches Schuldverhältnis begründet
wird (Art. 14 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Verrechnungssteuer vom
13. Oktober 1965 [VStG], SR 642.21;Walter Robert Pfund, Die Eidgenössische
Verrechnungssteuer, I. Teil, Basel 1971, S. 392 N. 1.3 zu Art. 14 VStG; vgl.
auch Art. 46 Abs. 1 VStG). Entsprechend wird denn auch der Empfänger
einer der Verrechnungssteuer unterliegenden Leistung als legitimiert
erachtet, den Erlass eines Entscheides über die Regresspflicht sowie über
die diese begründende Steuerpflicht zu verlangen bzw. gegen einen solchen
Entscheid Beschwerde zu führen. Auch wenn ein solcher Entscheid gegenüber
dem Steuerpflichtigen getroffen wird, gilt der Regresspflichtige als befugt,
selbständig Einsprache und Beschwerde zu erheben (Pfund, a. a. O., S. 401 ff.
N. 4.2 und 4.3 zu Art. 14 Abs. 1 VStG). Diese Rechtsprechung lässt sich indessen
nicht auf die Umsatzsteuer übertragen, weil eben die Überwälzung dort
nicht kraft öffentlichen Rechts vorgeschrieben ist, sondern vollumfänglich
der privatrechtlichen Vereinbarung anheimgestellt wird. Mangels
öffentlichrechtlicher Überwälzungspflicht und mangels entsprechender
Verfügungsbefugnis der Verwaltung hat der Leistungsbezüger von vornherein
gar nicht die Möglichkeit, die Durchführung eines Verwaltungsverfahrens
zu dieser Frage zu verlangen. Weil er zudem als Leistungsempfänger nur
indirekt, über eine ausschliesslich privatrechtlich geregelte Beziehung, von
den Folgen der Steuerpflicht des Leistungserbringers betroffen ist, kann ihm
auch nicht die Legitimation zuerkannt werden, einen Entscheid darüber
zu verlangen, ob eine an ihn erbrachte Leistung beim Erbringer derselben
der Mehrwertsteuer unterliegt oder nicht bzw. einen entsprechenden
Entscheid (als Verfügungsadressat im formellen Sinne; vgl. E. 2c hiervor)
(mit-)anzufechten. Er fehlt ihm insoweit ein eigenes, unmittelbares und
ausreichend intensives Interesse am Erlass einer Verfügung bzw. an der
Beschwerdeführung, wobei dies nicht nur für eine entsprechende Leistungs-,
sondern auch für eine Feststellungsverfügung gilt.

c. Im Falle der in Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV umschriebenen Leistungen
an Luftfahrtgesellschaften, die hauptsächlich im internationalen Verkehr
tätig sind, liegt zwar insofern eine besondere Situation vor, als die
Steuerfreiheit dieser Leistungen von persönlichen Merkmalen des
Leistungsbezügers abhängig gemacht wird. Es liesse sich daher die Auffassung
vertreten, die Mehrwertsteuerverordnung räume den in Frage stehenden
Luftfahrtgesellschaften gewissermassen ein auf dem öffentlichen Recht
beruhendes subjektives Recht auf steuerfreien Leistungsbezug ein. Dies würde
jedoch nichts daran ändern, dass auch die Luftfahrtgesellschaft im Sinne

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von Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV ihren Anspruch auf steuerfreie Belieferung
bzw. Versorgung mit Dienstleistungen gegenüber dem Leistungserbringer
geltend machen und durchsetzen müsste und dass dieser kraft öffentlichen
Rechts nicht verpflichtet werden könnte, den ihm aufgrund der Steuerfreiheit
der entsprechenden Leistungen zukommenden Vorteil dem Bezüger
weiterzugeben. Das Verhältnis zwischen Leistendem und Leistungsempfänger
bliebe nach wie vor vom Privatrecht beherrscht. Somit kann die ESTV auch
im Anwendungsbereich der Steuerbefreiung gemäss Art. 15 Abs. 2 Bst. h
MWSTV keine Verfügungen erlassen, welche dieses Verhältnis beschlagen,
denn insoweit kann sie eben nicht ein Rechtsverhältnis in verbindlicher und
erzwingbarer Weise regeln. Sie kann bloss im Einzelfall eine Anordnung
darüber treffen, ob für bestimmte (oder allenfalls bestimmbare) Leistungen
eines konkreten Leistungserbringers an eine Luftfahrtgesellschaft die
Mehrwertsteuer zu entrichten ist oder nicht. Eine derartige Verfügung kann
sich indessen ausschliesslich gegen den Leistungserbringer richten, denn nur
diesem gegenüber kann die ESTV allfällige Steueransprüche geltend machen
(Ist der Bezüger selber mehrwertsteuerpflichtig, so kann ihm gegenüber
allenfalls eine Verfügung betreffend die Zulässigkeit des Vorsteuerabzugs
im Zusammenhang mit der bezogenen Leistung getroffen werden. Allenfalls
kann insoweit vorfrageweise über die Steuerbefreiung nach Art. 15 Abs. 2
Bst. h MWSTV entschieden werden). Auch hier kann dem Leistungsbezüger
mangels eines eigenen, unmittelbaren und ausreichend intensiven Interesses
nicht das Recht eingeräumt werden, als Verfügungsadressat im formellen Sinn
den Erlass einer solchen Verfügung gegenüber dem Leistenden zu bewirken
oder eine entsprechende Verfügung anzufechten. In diese Richtung geht denn
auch BGE 121 II 480 E. 2d in fine, wo das Bundesgericht bezweifelt, ob ein nicht
Steuerpflichtiger einen Feststellungsentscheid verlangen könnte, die Frage
allerdings letztlich offenlässt.

d. Man kann sich schliesslich fragen, ob es nicht möglich wäre, eine
besondere Verfügung in dem Sinne zu treffen, dass in allgemeiner und für
alle Leistungserbringer gültiger Weise festgestellt würde, dass eine konkrete
Luftfahrtgesellschaft steuerfrei beliefert werden darf. Die Leistenden wären
diesfalls zwar weiterhin nicht aus öffentlichem Recht verpflichtet, den aus der
Befreiung resultierenden Steuervorteil weiterzugeben. Die ESTV könnte ihnen
hingegen im Einzelfall nicht mehr entgegenhalten, die Leistungsbezügerin sei
nicht eine Luftfahrtgesellschaft im Sinne von Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV. Eine
ähnliche Regelung besteht etwa in Deutschland (vgl. § 4 Nr. 2 und 8 Abs. 2 des
deutschen Umsatzsteuergesetzes [UStG-D]), wird doch dort eine offizielle und
publizierte Liste der zum steuerfreien Bezug befugten Luftfahrtunternehmen
geführt. Bis zur Aufnahme in diese Liste wird dem Unternehmer durch das
zuständige Finanzamt ein entsprechender schriftlicher Bescheid erteilt, wovon
dieser andern Unternehmern Kopien übersenden und sie auf diese Weise über
seine Berechtigung zum steuerfreien Bezug unterrichten kann (Handbuch
zur Umsatzsteuer 1995, München 1996, Rz. 32 und 33 zu § 8 UStG-D). Eine
solche Lösung mag aus Gründen der Rechtssicherheit als wünschenswert
erscheinen; sie läge nicht zuletzt auch im Interesse der verschiedenen
Leistungserbringer, denn so könnten diese das Risiko vermeiden, einer
Luftfahrtgesellschaft allenfalls zu Unrecht Leistungen steuerfrei zu erbringen
und dann nachträglich mit entsprechenden Steuernachforderungen
konfrontiert zu werden. Sie muss indessen daran scheitern, dass eine
Rechtsgrundlage für eine solche Verfügung nicht besteht. Da es um die für

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_121_II_480&resolve=1

eine unbestimmte Zahl von Adressaten verbindliche Regelung eines konkreten
Einzelfalls ginge, hätte man es mit einer Allgemeinverfügung zu tun. Eine
solche ist indessen im Verwaltungsverfahrensrecht des Bundes nicht in
allgemeiner Weise vorgesehen. Sie bedürfte mithin einer ausdrücklichen
spezialgesetzlichen Grundlage, zumal zusätzlich eine ganze Reihe von
Sonderfragen (Form der Eröffnung; evtl. Einrichtung eines besonderen
Registers; Gültigkeitsdauer der Verfügung und eventuelle Verlängerung
derselben; Modalitäten des Widerrufs usw.) geregelt werden müsste. Eine
solche Grundlage besteht nun aber in der Mehrwertsteuerverordnung
unbestrittenermassen nicht.

e. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
nicht legitimiert ist, eine Feststellungsverfügung betreffend die Frage, ob
sie zum steuerfreien Leistungsbezug im Sinne von Art. 15 Abs. 2 Bst. h
MWSTV berechtigt ist, zu verlangen. Unter dem geltenden Recht besteht
einzig die Möglichkeit, diesbezüglich einen Entscheid gegenüber dem
Leistungserbringer selber zu treffen. Weigert sich die Luftfahrtgesellschaft,
diesem den geforderten Steuerbetrag zu bezahlen, so muss der Zivilrichter
angerufen werden, welcher dann gegebenenfalls vorfrageweise über die
Steuerbarkeit der in Frage stehenden Leistung zu entscheiden hat bzw.
das Verfahren bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Steuerentscheides
gegenüber dem Leistungserbringer aussetzen wird.

Dementsprechend ist die ESTV zu Unrecht auf das Gesuch der
Beschwerdeführerin vom 23. März 1995 um Erlass eines Entscheides
eingetreten. Weder ihr Entscheid vom 28. April 1995 noch ihr
Einspracheentscheid vom 11. Dezember 1995 stellen Verfügungen im Sinne
von Art. 5 VwVG dar, weil sie nicht ein öffentlichrechtliches Rechtsverhältnis
in verbindlicher und erzwingbarer Weise regeln. Dementsprechend kann
auch auf die Beschwerde vom 29. Januar 1996 nicht eingetreten werden
(vgl. BGE 102 V 148 ff.). Die Bedenken der Beschwerdeführerin, wonach der
Entscheid bzw. Einspracheentscheid der ESTV eine präjudizielle Wirkung
haben könnte, falls auf die Beschwerde nicht eingetreten wird, erweisen
sich unter diesen Umständen als unbegründet. Weil die als Entscheid
bzw. Einspracheentscheid bezeichneten Schriftstücke der ESTV kein
Rechtsverhältnis verbindlich regeln und damit gar keine Verfügungen im
Sinne von Art. 5 VwVG darstellen, können sie selbstverständlich auch keinerlei
Rechtswirkungen entfalten. Im Rahmen des mit Leistungsentscheid vom
14. Oktober 1996 eingeleiteten Veranlagungsverfahrens wird die ESTV im
übrigen auch die der Beschwerdeführerin zustehenden Vorsteuerabzüge
zu ermitteln haben. In diesem Zusammenhang wird sich dann allenfalls die
Frage stellen, ob die der Beschwerdeführerin erbrachten Leistungen seitens
der Erbringer zu Recht versteuert worden sind, so dass die Steuerbefreiung
gemäss Art. 15 Abs. 2 Bst. h MWSTV wenigstens in dieser indirekten Weise zum
Gegenstand des Verfahrens gemacht werden kann.

Wenn die Beschwerdeführerin von Anfang an nicht legitimiert war, den
Erlass einer Feststellungsverfügung zu verlangen, stellt sich die Frage eines
nachträglichen Wegfalls der Beschwerdelegitimation von vornherein nicht
mehr.

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_102_V_148&resolve=1

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 62.45 - Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 7. Mai 1997

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1998
Année

Anno

Band 62
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	Entscheid der Eidgenössischen Steuerrekurskommission vom 7. Mai 1997
	Zusammenfassung des Sachverhalts:
	Aus den Erwägungen: