# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f2011af3-bede-5301-8900-34d346de7a32
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-06-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.06.2010 E-4175/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4175-2010_2010-06-14.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-4175/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 4 .  J u n i  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Stöckli, 
mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;
Gerichtsschreiberin Esther Karpathakis.

A._______, Nigeria,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 25. Mai 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-4175/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  am  28.  Juni 
2006 sein Heimatland verliess und und am 18. Juni 2008 in Italien ein-
traf, wo er ein Asylgesuch stellte, 

dass er am 15. März 2010 in die Schweiz gelangte und gleichentags 
um Asyl nachsuchte,

dass das  BFM mit Verfügung vom 25. Mai 2010 – dem Beschwerde-
führer zu einem nicht aktenkundig gemachten Zeitpunkt durch das Mi-
grationsamt des Kantons (...) eröffnet – auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht eintrat, seine Wegweisung nach Italien verfügte, 
ihn aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Be-
schwerdefrist  zu  verlassen,  den  Kanton  Zürich  Wegweisungsvollzug 
verpflichtete,  feststellte,  eine  allfällige  Beschwerde  gegen  die  Verfü-
gung habe keine aufschiebende Wirkung, und dem Beschwerdeführer 
die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte,

dass der Beschwerdeführer mit an das BFM gerichteter Eingabe vom 
3. Juni 2010 – am 9. Juni 2010 per Telefax zuständigkeitshalber an das 
Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet  – Beschwerde einreichte und 
beantragte, die Verfügung des BFM sei aufzuheben, die Flüchtlingsei-
genschaft anzuerkennen, Asyl zu gewähren, die Unzulässigkeit, Unzu-
mutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen, 
die vorläufige Aufnahme anzuordnen und eventualiter die aufschieben-
de Wirkung wieder herzustellen,

dass das BFM trotz der am 3. Juni 2010 erfolgten Kenntnisnahme vom 
Beschwerdeeingang seine Akten erst am 10. Juni 2010 ans Bundes-
verwaltungsgericht übermittelte, wo sie tagsdarauf eintrafen (Art. 109 
Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]),

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesge-
setzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
[VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m. 
Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, 

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SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), 

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde – 
unter Vorbehalt nachfolgender Erwägungen – einzutreten ist (Art. 108 
Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 VwVG), 

dass  in  der  Beschwerde  zwar  eventualiter  die  Wiederherstellung 
(recte: Gewährung) der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde be-
antragt  wurde,  dazu aber  keinerlei  Begründung geliefert  wurde,  und 
seitens des Gerichts jedenfalls kein Anlass für eine superprovisorische 
Aussetzung der Wegweisungsvollzugs erkannt werden konnte,

dass die Verfügung als Anfechtungsgegenstand in der Bundesverwal-
tungsrechtspflege  den  äusseren  Rahmen  bildet,  innerhalb  welchem 
die Parteien der Rechtsmittelinstanz ein Rechtsverhältnis zur Beurtei -
lung unterbreiten können,

dass der  durch  die  Parteibegehren definierte  Streitgegenstand nicht 
über  den  Anfechtungsgegenstand  hinaus  reichen  darf,  Gegenstand 
des  Beschwerdeverfahrens  somit  grundsätzlich  nur  sein  kann,  was 
Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger 
Gesetzesauslegung hätte sein sollen (vgl.  ANDRÉ MOSER,  in: Auer/Mül-
ler/Schindler  (Hrsg.),  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Ver-
waltungsverfahren  (VwVG),  Zürich  2008,  Rz. 3 zu  Art. 52,  CHRISTOPH 
AUER,  Streitgegenstand  und  Rügeprinzip  im  Spannungsfeld  der  ver-
waltungsrechtlichen Prozessmaximen, Bern 1997, S. 63;  ALFRED KÖLZ/ 
ISABELLE HÄNER, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des 
Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, S. 149),

dass  die  angefochtene Verfügung keine Regelung betreffend Flücht-
lingseigenschaft und Gewährung von Asyl enthält,

dass mit den Begehren, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen 
und  Asyl  zu  gewähren,  der  Streitgegenstand  in  unzulässiger  Weise 
über  den  in  der  angefochtenen  Verfügung  geregelten  Anfechtungs-

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gegenstand hinaus erweitert wird (vgl. AUER, a.a.O., S. 63; BGE 110 V 
51 E. 3c), weshalb auf dieses Begehren nicht einzutreten ist, 

dass im vorliegenden Beschwerdeverfahren mithin einzig zu prüfen ist, 
ob  das BFM gestützt  auf  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG auf  das  Asyl-
gesuch des Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetreten ist,

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive 
einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und 
es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a 
Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass die  Beschwerdeschrift  in  englischer  Sprache  abgefasst  ist,  auf 
Nachbesserung  (Übersetzung  in  eine  schweizerische  Amtssprache) 
aus  prozessökonomischen  Gründen  aber  verzichtet  wird,  zumal  die 
Begründung verständlich ist,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass das BFM aufgrund eines EURODAC-Treffers in Italien vom 18. Juni 
2008 (act. 4/1)  und dem Umstand, dass Italien auf das Übernahme-
gesuch des BFM vom 12. April 2010 bis zum Ablauf der Frist nicht ge-
antwortet hat, gestützt auf Art. 20 Abs. 1 Bst. c der Verordnung [EG] Nr. 
343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der Krite-
rien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die 
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat 
gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin-II-VO), Italien zu Recht als 
für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig erachtet hat,

dass Italien unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der 
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und des Übereinkommens vom 
10. Dezember  1984 gegen Folter  und andere grausame,  unmensch-

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liche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist 
und keine konkreten Hinweise dafür bestehen, Italien würde sich nicht 
an die daraus resultierenden Verpflichtungen halten,

dass der Beschwerdeführer das Bundesverwaltungsgericht darum bittet, 
seinen Fall gründlich anzuschauen und ihm mehr Zeit einzuräumen um 
zu prüfen, in welches Land er gehen oder ob er ins Heimatland zurück-
kehren solle, zumal er nicht wisse, wohin er gehen könne, 

dass  der  Beschwerdeführer  mit  diesen  Äusserungen  keine  Gründe 
vorbringt, weshalb keine Rücküberstellung nach Italien erfolgen soll,

dass  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  einen  Selbsteintritt  gemäss 
Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO nahelegen würden,

dass das BFM demnach zu Recht in Anwendung von  Art. 34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung aus der  Schweiz zur  Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  vor-
liegend der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt  hat  und auch 
kein Anspruch auf  Erteilung einer solchen besteht,  weshalb die ver-
fügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen 
steht und demnach vom BFM zu Recht angeordnet wurde,

dass  im  Rahmen  des  Dublin-Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren in  den für  die Prüfung des Asylgesuches zu-
ständigen Staat  handelt,  systembedingt  kein Raum bleibt  für  Ersatz-
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Auslände-
rinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass eine entsprechende Prüfung, soweit notwendig, vielmehr bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,

dass  in  diesem Sinne  das  BFM den  Vollzug  der  Wegweisung  nach 
Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt  

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oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, soweit auf diese einzutreten ist, 

dass  das sinngemäss Eventualgesuch um Gewährung der  aufschie-
benden  Wirkung  der  Beschwerde  mit  dem Entscheid  in  der  Haupt-
sache gegenstandslos wird,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.– 
(Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]) dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf sie eingetreten wird und 
sie nicht gegenstandslos geworden ist.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM und  die  zu-
ständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Stöckli Esther Karpathakis

Versand: 

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