# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d05fe979-e4ef-5920-90c2-650b73f3b143
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-01-27
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 27.01.2012 SB110466
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110466_2012-01-27.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB110466-O/U/cs 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Burger, Vorsitzender, Oberrichterin Dr. Janssen 

und Ersatzoberrichter lic. iur. Muheim sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. Laufer 

 

 

Urteil vom 27. Januar 2012 

 

in Sachen 

 
A._____,  

Beschuldigte und Berufungsklägerin 

 

verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ 

 

gegen 

 
Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte 

 
betreffend fahrlässige Körperverletzung etc. 

 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, 

vom 30. März 2011 (GG100092) 

 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 27. Dezem-

ber 2010 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 14).  

Verfügung der Vorinstanz: 

Folgende Beweisanträge werden abgelehnt: 

− Einholung eines gerichtlichen Unfallgutachtens 

− Durchführung eines Augenscheins an der Unfallstelle. 

Urteil der Vorinstanz:  

1. Die Beschuldigte ist schuldig  

− der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB 

− der fahrlässigen einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinne von 

Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 15 Abs. 3 VRV. 

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu 

Fr. 50.– sowie mit einer Busse von Fr. 400.–. 

3. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle 

eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen. 

4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen. 

5. Der Privatkläger, B._____, wird mit seinem Genugtuungs- und Schadener-

satzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'500.–. Über die weiteren Kos-

ten wird die Gerichtskasse Rechnung stellen. 

7. Die Kosten werden der Beschuldigten auferlegt. 

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Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung der Beschuldigten: 

 (Urk. 65 S. 1) 

1. Die Beschuldigte sei freizusprechen. 

2. Dies unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskas-

se bzw. des Geschädigten. 

Prozessuale Anträge: 

1. Es sei ein Unfallgutachten zu erstellen. 

2. Es sei ein Augenschein durchzuführen. 

b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland: 

(Urk. 54, schriftlich) 

 Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils. 

 

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Das Gericht erwägt: 

I. Prozessgeschichte 

1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Bülach vom 30. März 2011 wurde die Beschuldig-

te der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB sowie der 

fahrlässigen einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG 

in Verbindung mit Art. 15 Abs. 3 VRV schuldig gesprochen und mit einer Geldstra-

fe von 10 Tagessätzen zu Fr. 50.– sowie mit einer Busse von Fr. 400.– bestraft. 

Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre 

festgesetzt (Urk. 49 S. 27).  

2. Gegen dieses Urteil, das am 30. März 2011 mündlich eröffnet und im Dispositiv 

übergeben wurde (Prot. I S. 7), liess die Beschuldigte mit Eingabe vom 8. April 

2011 fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 38). Das begründete Urteil wurde von 

der Verteidigung am 6. Juni 2011 entgegengenommen (Urk. 43). Mit Eingabe vom 

27. Juni 2011 reichte die Beschuldigte, ebenfalls innert Frist, ihre Berufungserklä-

rung ein (Urk. 51). Überdies beantragte die Verteidigung der Beschuldigten in 

prozessualer Hinsicht die Einholung eines gerichtlichen Unfallgutachtens, die 

Durchführung eines Augenscheins an der Kollisionsstelle sowie die erneute Ein-

vernahme der Beschuldigten (Urk. 51 S. 5 ff.). Diese Beweisanträge wurden vor-

ab mit Präsidialverfügung vom 17. Januar 2012 einstweilen abgewiesen (Urk. 62). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung liess die Beschuldigte diese Anträge erneut 

stellen (Urk. 65 S. 1)  

3. Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland beantragte mit Eingabe vom 

19. Juli 2011 die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und verzichtete auf das 

Stellen von Beweisanträgen (Urk. 54).  

 

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II. Prozessuales 

1. Am 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Strafprozessordnung in Kraft getre-

ten. Da der angefochtene Entscheid nach diesem Zeitpunkt gefällt wurde, gilt für 

das vorliegende Berufungsverfahren neues Recht (Art. 454 Abs. 1 StPO). Verfah-

renshandlungen, die vor dem Inkrafttreten der neuen Strafprozessordnung ange-

ordnet oder durchgeführt wurden, behalten ihre Gültigkeit (Art. 448 Abs. 2 StPO). 

2. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschie-

bende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im Umfang 

der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht erfassten 

Punkte in Rechtskraft erwachsen (Schmid, StPO Praxiskommentar, Zürich/St. 

Gallen 2009, Art. 402 N 1). Die Beschuldigte hat Dispositivziffer 5 (Zivilansprüche) 

nicht angefochten. Dieser von der Berufung der Beschuldigten nicht umfasste 

Punkt des erstinstanzlichen Urteils ist somit in Rechtskraft erwachsen, was mittels 

Beschluss festzustellen ist. 

3.1. Was die von der Beschuldigten gestellten Beweisanträge angeht, ist nicht er-

sichtlich, inwiefern das verlangte gerichtliche Unfallgutachten (Urk. 51 S. 5; Urk. 

65 S. 1) zur weiteren Klärung des Sachverhaltes beitragen könnte. Die Frage, ob 

der Privatkläger auf der Strasse oder auf dem Trottoir herannahte und von wel-

cher Seite er angefahren kam, lässt sich anhand der Zeugenaussagen erstellen. 

Die Geschwindigkeit, mit welcher der Privatkläger auf seinen Inline-Skates unter-

wegs war, lässt sich auch mittels eines Unfallgutachtens im Nachhinein nicht ge-

nau festlegen. Folglich lässt sich auch der Bremsweg nachträglich nicht genau 

berechnen. Dasselbe gilt für die Geschwindigkeit, mit der die Beschuldigte auf 

das Trottoir fuhr. Überdies ist nicht ersichtlich, inwiefern sich aus der Linienfüh-

rung der Strasse präzise Erkenntnisse über die Geschwindigkeit und den Fahrstil 

des Privatklägers gewinnen lassen würden. Dieser Beweisantrag ist daher abzu-

weisen. 

3.2. Aus der bei den Akten liegenden Fotodokumentation der Kantonspolizei Zü-

rich (Urk. 4) sind die örtlichen Verhältnisse gut ersichtlich. Anhand dieser Doku-

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mentation kann sich das Gericht ein hinreichendes Bild der örtlichen Gegebenhei-

ten machen. Da somit vom von der Verteidigung beantragten Augenschein (Urk. 

51 S. 7; Urk. 65 S. 1) keine neuen entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten 

sind, ist auch auf diesen Beweisantrag der Beschuldigten nicht näher einzugehen. 

3.3. Die von der Verteidigung ebenfalls beantragte erneute Einvernahme der Be-

schuldigten zur Sache wurde anlässlich der mündlichen Berufungsverhandlung 

vorgenommen (Urk. 64 S. 3 ff.), weshalb sich weitere Ausführungen zu diesem 

Antrag erübrigen. 

4. Die Anklagebehörde und die Vorinstanz würdigten das Verhalten der Beschul-

digten unter anderem als fahrlässige Körperverletzung im Sinne von Art. 125 

Abs. 1 StGB. Dieses Delikt wird nur auf Antrag verfolgt. Der Privatkläger stellte 

am 5. August 2010 und somit innerhalb der dreimonatigen Frist gemäss Art. 31 

StGB einen entsprechenden Strafantrag (Urk. 3), weshalb die entsprechende Vo-

raussetzung erfüllt ist.  

5.1. Die Verteidigung rügt sinngemäss eine Verletzung des Anklageprinzips. Es 

fehle der Hinweis, worin die Fahrlässigkeit der Beschuldigten bestehe; der Vor-

wurf der Anklagebehörde an die Beschuldigte sei damit letztlich nicht überprüfbar 

(Urk. 33 S. 6). 

5.2. Nach dem Anklageprinzip muss die Anklage so abgefasst sein, dass sie die 

Grundlage für die gerichtliche Beurteilung darstellen kann. Die Anklageschrift 

dient einerseits der Bestimmung des Prozessgegenstandes (Umgrenzungsfunkti-

on) und vermittelt andererseits der beschuldigten Person die für die Durchführung 

des Verfahrens und die Verteidigung notwendigen Informationen (Informations-

funktion). Sie dient insofern dem Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldig-

ten Person (Landshut, in Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur 

Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 324 

N 1 mit Hinweisen). Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklage 

möglichst kurz aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit 

Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Bei Fahr-

lässigkeitsdelikten kommt der Anzeige der Elemente, die nach Auffassung der 

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Anklagebehörde auf eine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit schliessen lassen, ent-

scheidende Bedeutung zu. Es sind daher insbesondere die objektiven und subjek-

tiven Umstände anzuführen, die das inkriminierte Verhalten als unvorsichtige 

Pflichtwidrigkeit erscheinen lassen. Dabei sind etwaige Bestimmungen anzuge-

ben, aus denen sich das normgemässe Alternativverhalten ergibt, und ist darzu-

stellen, wie der Beschuldigte dieser Vorschrift zuwider gehandelt hat. Fehlt es an 

diesbezüglichen Bestimmungen, muss aus der Anklageschrift zumindest implizit 

hervorgehen, wie sich der Beschuldigte hätte sorgfaltsgemäss verhalten sollen. 

Bei fahrlässigen Erfolgsdelikten muss die Anklageschrift überdies aufzeigen, in-

wieweit der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs für den Beschuldigten vo-

raussehbar war und dieser hätte vermieden werden können, wobei diesbezüglich 

die Angabe der entsprechenden tatsächlichen Umstände genügt (BSK StPO-

Heimgartner/Niggli, Art. 325 N 35).  

5.3. In der Anklageschrift wird der Beschuldigten vorgeworfen, die Kollision mit 

dem Privatkläger verursacht zu haben, weil sie ihre pflichtgemässe Vorsicht ge-

mäss Art. 15 Abs. 3 SVG (recte: VRV) nicht habe walten lassen und den Privat-

kläger übersehen habe. Dass der Privatkläger bei dieser Kollision gestürzt sei und 

sich Verletzungen (Fraktur linkes Schulterblatt) zugezogen habe, sei für sie vo-

raussehbar gewesen und hätte durch sie vermieden werden können, wenn sie 

sich pflichtgemäss vorsichtig verhalten hätte (Urk. 14 S. 2).  

5.4. Diese Umschreibung genügt den oben dargelegten Anforderungen. Zwar 

wurde versehentlich auf Art. 15 Abs. 3 SVG anstatt auf Art. 15 Abs. 3 VRV ver-

wiesen. Es kann jedoch ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass die 

rechtskundige Verteidigung der Beschuldigten dies bemerkt hat und sie dadurch 

bei ihrer Tätigkeit nicht behindert wurde. Gemäss Art. 15 Abs. 3 VRV hat, wer aus 

Fabrik-, Hof- oder Garageausfahrten, aus Feldwegen, Radwegen, Parkplätzen, 

Tankstellen und dergleichen oder über ein Trottoir auf eine Haupt- oder Neben-

strasse fährt, den Benützern dieser Strassen den Vortritt zu gewähren, wobei der 

Fahrzeugführer, wenn die Stelle unübersichtlich ist, anhalten und wenn nötig eine 

Hilfsperson beiziehen muss, die das Fahrmanöver überwacht. Aus dieser Be-

stimmung ergibt sich somit das normgemässe Alternativverhalten, womit hinrei-

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chend dargetan ist, wie sich die Beschuldigte aus Sicht der Anklagebehörde 

pflichtgemäss hätte verhalten müssen. Zentral ist in der Anklageschrift ferner die 

Verwendung des Verbs „übersehen“. Dieses ist im vorliegenden Zusammenhang, 

insbesondere durch den Bezug zur "pflichtgemässen Vorsicht", dahingehend zu 

verstehen, dass die Beschuldigte den herannahenden Privatkläger nicht wahr-

nahm, obwohl sie ihn bei pflichtgemässer Vorsicht hätte wahrnehmen müssen. 

Ferner geht aus der Anklageschrift hervor, dass die Verletzung des Privatklägers 

nach Ansicht der Anklagebehörde von der Beschuldigten hätte vermieden werden 

können, wenn sie im dargelegten Sinne gehandelt hätte. Mit der in der Anklage-

schrift enthaltenen Umschreibung ist das der Beschuldigten vorgeworfene Verhal-

ten resp. die ihr vorgeworfene Unterlassung hinreichend bestimmt, um sich wirk-

sam verteidigen zu können. Die Vorbringen der Verteidigung lassen denn auch 

nicht erkennen, dass die Verteidigungsrechte in irgendeiner Weise tangiert wor-

den wären. 

 

III. Sachverhalt 

1.1. Der Beschuldigten wird – leicht zusammengefasst – vorgeworfen, sie habe, 

als sie am tt.mm.2010 als Lenkerin des Personenwagens "Ford Fiesta" ZH ... in 

der Absicht, nach rechts in die C._____strasse in Richtung D._____ einzubiegen, 

aus einem Firmenparkplatz an der C._____strasse .. in E._____ herausgefahren 

sei, nicht die pflichtgemässe Vorsicht gemäss Art. 15 Abs. 3 VRV walten lassen, 

weshalb sie den auf dem Trottoir in Richtung F._____ auf Inline-Skates heranna-

henden Geschädigten übersehen habe und es zur Kollision mit diesem gekom-

men sei, wodurch dieser sich eine Fraktur des linken Schulterblattes zugezogen 

habe, was für die Beschuldigte vorhersehbar gewesen wäre und durch sie hätte 

vermieden werden können, wenn sie sich pflichtgemäss vorsichtig verhalten hätte 

(Urk. 14 S. 2).  

1.2. Die Beschuldigte bestreitet nicht, ihr Fahrzeug "Ford Fiesta" ZH ... am 

tt.mm.2010 um ca. 17.55 Uhr von einem Firmenparkplatz an der C._____strasse 

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.. in E._____ herkommend gelenkt und beabsichtigt zu haben, nach rechts in die 

C._____strasse in Richtung D._____ einzubiegen. Ebenso wenig widerspricht sie 

der Darstellung der Anklage, dass sie ihr Fahrzeug im Bereich des Trottoirs 

stoppte und es beim Wiederanfahren zur Kollision mit dem Privatkläger kam, der 

mit seinen Inline-Skates unterwegs war. Dass sie den Privatkläger nicht heranna-

hen sah, ist ebenfalls unbestritten. Nicht in Abrede stellt sie ferner, dass der Pri-

vatkläger bei dieser Kollision stürzte und eine Fraktur des linken Schulterblattes 

erlitt (Urk. 5/4 S. 2 ff.; Urk. 32 S. 2 ff.; Urk. 33 S. 3 ff.; Urk. 64 S. 3 ff.; Urk. 65 S. 2 

ff.).  

1.3. Die Verteidigung stellt indessen in Frage, dass der Privatkläger auf dem Trot-

toir unterwegs war und dass er in Richtung F._____ fuhr, d.h. dass er von der 

Blickrichtung der Beschuldigten aus betrachtet von rechts kam. Ferner bestreitet 

sie, dass die Beschuldigte die pflichtgemässe Vorsicht gemäss Art. 15 Abs. 3 

VRV nicht habe walten lassen und den Privatkläger deshalb übersehen habe. In 

Abrede stellt sie schliesslich, dass die Kollision und deren Folgen für die Beschul-

digte voraussehbar gewesen wären und hätten vermieden werden können, wenn 

sie sich pflichtgemäss vorsichtig verhalten hätte (Urk. 33 S. 3 ff.; Urk. 65 S. 3 ff.). 

Im Kernpunkt argumentiert die Verteidigung damit, dass vieles dafür spreche, 

dass der Privatkläger mit übersetzter Geschwindigkeit und/oder mangelnder Auf-

merksamkeit gefahren sei und damit den Unfall selber verursacht und verschuldet 

habe (Urk. 33 S. 5; Urk. 65 S. 3 ff.). 

2.1. Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfenen Taten, ist der Sachverhalt 

aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente 

nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der aus Art. 8 

und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime "in 

dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten, 

dass der wegen einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (Urteile 

des Bundesgerichts 1P_587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2., und 1P_437/ 

2004 vom 1. Dezember 2004, E. 4.2.; Pra 2002 S. 4 ff. Nr. 2 und S. 957 f. Nr. 180; 

BGE 127 I 40, 120 Ia 31. E. 2b). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, 

dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten un-

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günstigen Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung 

Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteile des Bun-

desgerichtes 6B_795/2008 vom 27. November 2008, E. 2.4., und 6B_438/2007 

vom 26. Februar 2008, E. 2.1.). Die Überzeugung des Richters muss auf einem 

verstandesgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen 

Beobachter nachvollziehbar sein (Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches 

Strafprozessrecht, 6. A., Basel 2006, § 54 Rz 11 ff.). Wenn erhebliche oder nicht 

zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so abgespielt hat, 

wie er eingeklagt ist, ist der Beschuldigte nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" 

freizusprechen (Bernard Corboz, "in dubio pro reo", in ZBJV 1993, N 419 ff.). So-

weit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der Nachweis der Tat mit Indizien zu 

führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren "Mosaik", zu würdigen 

ist (vgl. dazu auch Pra 2004 Nr. 51 S. 256, Ziff. 1.4.; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 ff., 

Ziff. 3.4.). 

2.2. Aufgabe des Richters ist es demzufolge, seinem Gewissen verpflichtet, in ob-

jektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem 

bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen 

Richtigkeit zu überwinden vermag (§ 284 StPO/ZH; ZR 72 Nr. 80; Max Guldener, 

Beweiswürdigung und Beweislast, S. 7; Pra 2004 Nr. 51 S. 256 Ziff. 1.4.; BGE 

124 IV 88, 120 1A 31 E. 2c). Es liegt in der Natur der Sache, dass mit menschli-

chen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Beweisführung erreicht 

werden kann; daher muss es genügen, dass das Beweisergebnis über jeden ver-

nünftigen Zweifel erhaben ist (vgl. Kassationsgerichtsentscheid vom 26. Juni 

2003, Nr. 2002/387S, E. 2.2.1. mit Hinweisen). Bloss abstrakte oder theoretische 

Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche immer möglich sind 

(Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 12, Urteile des Bundesgerichtes 

6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4., und 1 P_587/2003 vom 29. Januar 

2004, E. 7.2.). Es genügt also, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld ausge-

schlossen werden können. Hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser Wahr-

scheinlichkeit beruhen. 

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2.3. Wie bereits angesprochen können auch indirekte, mittelbare Beweise, soge-

nannte Anzeichen oder Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsamen 

Schluss erlauben. Indizien sind Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere, 

unmittelbar erhebliche Tatsache zulassen. Beim Indizienbeweis wird somit vermu-

tet, dass eine nicht bewiesene Tatsache gegeben ist, weil sich diese Schlussfol-

gerung aus bewiesenen Tatsachen (Indizien) nach der Lebenserfahrung auf-

drängt. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig (Hauser/Schweri/ 

Hartmann, a.a.O., § 59 N 14). Da ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahr-

scheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrach-

tet, die Möglichkeit des Andersseins offen, enthält daher auch den Zweifel (Hans 

Walder, Der Indizienbeweis im Strafprozess, ZStrR 108/1991, S. 309; Derselbe, 

Die Beweisführung in Strafsachen, insbesondere der Indizienbeweis, Zürich 

1974/75, S. 49). Es ist jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der verschiedenen 

Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrschein-

lichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern 

Zweifel offen lassen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter 

zu schliessen (Entscheide des Bundesgerichtes 6B_365/2009 vom 12. November 

2009, E. 1.4., 6B_332/2009 vom 4. August 2009, E. 2.3. mit Hinweisen, und 

6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4.; Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., 

§ 59 N 15). 

2.4. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind diese 

frei zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten und 

den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung überzeu-

gend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt, 

verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgten. Bei der Würdigung 

von Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaub-

würdigkeit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist vielmehr die 

Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese sind einer 

kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das Vorhandensein von soge-

nannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist (vgl. Rolf Bender, Die 

häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, in SJZ 81 [1985] 

S. 53 ff.; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, Glaubwürdig-

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keits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 3. Auflage, München 2007, N 310 ff. 

und N 350 ff.). Die wichtigsten Realitätskriterien sind dabei die "innere Geschlos-

senheit" und "Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehensablaufs", "kon-

krete und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses" sowie die "Schilderung des 

Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten 

ist, der den Vorfall selber miterlebt hat", "Kenntlichmachung der psychischen Si-

tuation von Täter und Zeuge bzw. unter Mittätern", "Selbstbelastung oder unvor-

teilhafte Darstellung der eigenen Rolle", "Entlastungsbemerkungen zugunsten des 

Beschuldigten" und "Konstanz der Aussage bei verschiedenen Befragungen, wo-

bei sich aber sowohl Formulierungen als auch die Angaben über Nebenumstände 

verändern können" (Robert Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozessrecht mit 

Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 316). Andererseits sind 

auch allfällige Phantasiesignale zu berücksichtigen. Als Indizien für falsche Aus-

sagen gelten "Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussa-

gen", "Zurücknahme oder erhebliche Abschwächungen in den ursprünglichen An-

schuldigungen", "Übersteigerungen in den Beschuldigungen im Verlaufe von 

mehreren Einvernahmen", "unklare, verschwommene oder ausweichende Antwor-

ten" sowie "gleichförmig, eingeübt und stereotyp wirkende Aussagen". Als gene-

relle Phantasiesignale nennen Bender/Nack/Treuer die "Schwarz-Weiss-Malerei", 

die "Verarmung der Aussage", das "Flucht- und Begründungssignal" und die "be-

hauptete Akzeptanz gegenüber bezweifelbaren Rechtsverkürzungen", wobei wei-

ter festgehalten wird, den "Phantasiebegabten" falle es ganz allgemein leichter, 

von eigenen Aussagen und Aktivitäten zu berichten, als die Antworten und Reak-

tionen der Gegenseite zu erfinden. Wenn das eine oder andere Phantasiesignal 

auftritt, braucht die Aussage nicht verworfen zu werden. Es ist dann aber eine 

ausreichende Zahl von erstklassigen Realitätskriterien zu fordern. Bei häufigem 

Auftreten von Phantasiesignalen sollten an die Zahl und Qualität der Realitätskri-

terien strenge Anforderungen gestellt werden, damit eine Aussage als zuverlässig 

eingestuft werden kann (Bender/Nack/Treuer, a.a.O., N 429 ff.). 

2.5. Damit kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Aussagenden nach neue-

ren Erkenntnissen kaum mehr Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahr-

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heitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkre-

ten Aussagen.  

2.6. Angesichts der Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, d.h. der 

verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbe-

standselemente nachzuweisen (vgl. dazu Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 4. 

Auflage, Zürich 2004, N 599) und nicht der Beschuldigte seine Unschuld (BGE 

127 I 40 und Urteile des Bundesgerichtes 1P_437/2004 vom 1. Dezember 2004, 

E. 4.3., sowie 6S_154/2004 vom 30. November 2005, E. 4.). 

2.7. Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet als Beweislastregel keine Anwen-

dung, wenn der Beschuldigte eine ihn entlastende Behauptung aufstellt, ohne 

dass er diese in einem Mindestmass glaubhaft machen kann. Es tritt nämlich in-

soweit eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene Schutz-

behauptung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis wider-

legt werden muss. Ein solcher Beweis ist nur dann zu verlangen, wenn gewisse 

Anhaltspunkte wie konkrete Indizien oder eine natürliche Vermutung für die Rich-

tigkeit der Behauptung sprechen bzw. diese zumindest als zweifelhaft erscheinen 

lassen, oder wenn der Beschuldigte sie sonstwie glaubhaft macht (vgl. Kassati-

onsgerichtsentscheid vom 2. November 2004, Nr. AC040082, E. 3.5, Stefan 

Trechsel, SJZ 1981 S. 320). 

3.1. Die vorhandenen Beweismittel wurden von der Vorinstanz korrekt und voll-

ständig aufgezählt, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk. 49 S. 5; Art. 82 

Abs. 4 StPO). Die Aussagen der verschiedenen Beteiligten, die im Rapport der 

Kantonspolizei Zürich vom 9. September 2010 (Urk. 1) festgehalten sind, sind, 

wie nachfolgend – soweit relevant – aufzuzeigen sein wird, nur bedingt verwert-

bar. Der Verwertbarkeit der übrigen Beweismittel steht nichts entgegen. 

3.2. Die Aussagen der Beschuldigten, des Privatklägers sowie der Zeugen wur-

den von der Vorinstanz im Wesentlichen korrekt wiedergegeben und analysiert 

(Urk. 49 S. 8 ff.), weshalb dies grundsätzlich nicht zu wiederholen ist (Art. 82 Abs. 

4 StPO). Soweit Korrekturen oder Ergänzungen notwendig sind, sind diese im 

Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung vorzunehmen. 

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3.3. Was die generelle Glaubwürdigkeit der befragten Personen angeht, ist fest-

zuhalten, dass der einzige, der weder ein direktes noch ein indirektes Interesse 

am Ausgang des Verfahrens hat, der Zeuge G._____ ist. Er ist gemäss seinen 

glaubhaften Angaben mit keiner der beteiligten Personen bekannt (Urk. 5/2 S. 1) 

und einzig deshalb involviert, weil er zufällig Augenzeuge der Kollision wurde. 

Hinsichtlich der generellen Glaubwürdigkeit der Beschuldigten ist darauf hinzu-

weisen, dass diese als direkt vom vorliegenden Strafverfahren Betroffene ein Inte-

resse daran haben dürfte, die Geschehnisse in einem für sie günstigen Licht dar-

zustellen, weshalb ihre Aussagen mit einer gewissen Vorsicht zu würdigen sind. 

Das gleiche gilt für den Privatkläger, der bei der Kollision verletzt wurde und – 

wenn auch unbeziffert – Zivilansprüche geltend macht (Urk. 6/1). Die Zeugin 

H._____ war Beifahrerin der Beschuldigten, ist eine Arbeitskollegin von ihr und 

zudem mit ihr befreundet (Urk. 5/3 S. 1), weshalb auch ihre Aussagen mit einer 

gewissen Vorsicht zu würdigen sind. Es liegen aber keine Anhaltspunkte vor, die 

von vornherein gegen die generelle Glaubwürdigkeit der genannten Personen 

sprechen würden. Wie bereits dargelegt wurde ist zudem ohnehin nicht in erster 

Linie die prozessuale Stellung der Befragten massgebend. Für die Wahrheitsfin-

dung weitaus bedeutender ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen. 

3.4. Dazu, ob der Privatkläger auf dem Trottoir oder auf der Strasse und in welche 

Richtung er fuhr, konnten weder die Beschuldigte noch ihre Beifahrerin sichere 

Angaben machen (Urk. 5/3 S. 2 ff.; Urk. 5/4 S. 2; Urk. 32 S. 2 ff.; Urk. 64 S. 4 ff.). 

Dass die Beschuldigte anlässlich ihrer polizeilichen Befragung am Unfallort an-

gab, sie glaube, der Privatkläger sei von rechts gekommen (Urk. 1 S. 5), kann 

nicht zu ihren Lasten verwertet werden, da sie diese Aussage anlässlich der 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 14. Dezember 2010 nicht bestätigte 

(Urk. 5/4 S. 4). Die Aussage der Zeugin H._____, so wie sie sich erinnern möge, 

sei der Privatkläger auf der Strasse gefahren (Urk. 5/3 S. 3), ist entgegen der An-

sicht der Verteidigung (Urk. 33 S. 3) nicht zu Gunsten der Beschuldigten verwert-

bar. Aus den weiteren in diesem Zusammenhang getätigten Aussagen der Zeugin 

H._____ lässt sich nämlich, wie auch die Vorinstanz dargelegt hat (Urk. 49 S. 10 

ff.), ableiten, dass sie dies lediglich aus dem Umstand schloss, dass sie den Pri-

vatkläger nach der Kollision auf der Strasse liegen sah. Die Zeugin H._____ gab 

-   15   - 

denn auch an, den Privatkläger vor der Kollision nicht gesehen zu haben (Urk. 5/3 

S. 3). 

Der Privatkläger sagte aus, er sei auf dem Trottoir gefahren und von der Blickrich-

tung der Beschuldigten aus von der rechten Seite gekommen (Urk. 5/1 S. 3). Der 

Zeuge G._____ bestätigte dies (Urk. 5/2 S. 2 ff.). Die Vorinstanz stufte diese Aus-

sagen zu Recht als glaubhaft ein; auf ihre diesbezüglichen Ausführungen kann 

verwiesen werden (Urk. 49 S. 12 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Daran ändert nichts, 

dass die Vorinstanz die Position des Zeugen G._____ in ihrem Urteil widersprüch-

lich – resp. unpräzise – angab, wie von der Verteidigung moniert wurde (Urk. 51 

S. 6). Der Zeuge G._____ sass im Zeitpunkt des Vorfalls in einem Gartenrestau-

rant auf der gegenüberliegenden Strassenseite, wobei er sich vis-à-vis vom Kolli-

sionsort befand, und beobachtete, wie "etwas kam" (gemeint: der Privatkläger auf 

seinen Inline-Skates herannahte) (Urk. 2; Urk. 5/2 S. 2). Er sah somit den Privat-

kläger von seinem Blickwinkel aus beschrieben von links – und insofern seitlich – 

herannahen, während er auf die Kollision selber einen frontalen Blick hatte. Dass, 

wie aus der Fotodokumentation ersichtlich ist, das Fahrzeug der Beschuldigten 

auf der rechten Seite der Motorhaube eine Beule aufwies (Urk. 4 S. 1 und 7), 

weist ebenfalls darauf hin, dass der Privatkläger von der Blickrichtung der Be-

schuldigten aus gesehen von rechts gefahren kam, denn wenn der Privatkläger 

von links herangefahren wäre, wäre zu erwarten gewesen, dass die Motorhaube 

auf der linken Seite verbeult gewesen wäre. Die Vorinstanz hat ferner zu Recht 

auf die Aussage der Beschuldigten, dass die Sicht nach links gut gewesen sei 

(Urk. 32 S. 5), hingewiesen (Urk. 49 S. 13). Wäre der Privatkläger vom Blickwin-

kel der Beschuldigten aus gesehen von links herangenaht, hätte sie diesen daher 

ohne Sichtbehinderung erblicken können resp. erblickt. Sie gab aber an, von links 

sei niemand gekommen (Urk. 32 S. 5). Darüber hinaus handelt es sich bei der 

C._____strasse um eine Einbahnstrasse (Urk. 1 S. 4; Urk. 2 S. 1). Es ist daher 

ohnehin wenig wahrscheinlich, dass der Beschuldigte, von der Perspektive der 

Beschuldigten aus betrachtet, von links auf der Fahrbahn herannahte, denn in 

diesem Fall hätte er sich wie ein „Geisterfahrer“ gegen die Verkehrsrichtung fort-

bewegt und eine Frontalkollision mit korrekt fahrenden Verkehrsteilnehmern ris-

kiert, nachdem die Strasse gemäss den glaubhaften Aussagen des ortskundigen 

-   16   - 

Zeugen G._____ stark befahren ist (Urk. 5/2 S. 2 und 4). Die Verteidigung brachte 

denn auch keinerlei Anhaltspunkte dafür vor, dass der Privatkläger sich derart 

verhalten hätte. Aufgrund der vorliegenden Beweismittel kann kein Zweifel daran 

bestehen, dass der Privatkläger vom Blickwinkel der Beschuldigten aus gesehen 

von rechts auf dem Trottoir herannahte und die Kollision sich demzufolge auf dem 

Trottoir ereignete. 

3.5. Im Zusammenhang mit ihrer Argumentation, es spreche vieles dafür, dass 

der Privatkläger mit übersetzter Geschwindigkeit und/oder mangelnder Aufmerk-

samkeit gefahren sei und damit den Unfall selber verursacht und verschuldet ha-

be (Urk. 33 S. 5; Urk. 65 S. 3 ff.), stellt die Verteidigung die Geschwindigkeit, mit 

der der Privatkläger fuhr, zur Diskussion. Diesbezüglich liegen unterschiedliche 

Zeugenaussagen vor. Der Privatkläger ging anlässlich seiner Zeugeneinvernah-

me vom 14. Dezember 2010 davon aus, er sei mit ca. 10 km/h gefahren (Urk. 5/1 

S. 3), während der Zeuge G._____ angab, der Privatkläger sei relativ schnell un-

terwegs gewesen, er schätze mit ca. 25 km/h (Urk. 5/2 S. 3). Die Verteidigung 

macht gestützt auf den von ihr angeführten Artikel "In-Line Skater im Strassenver-

kehr" (Daniel Vogel, in: Schweizer Versicherung 7/8 vom 15. Juli 1998; 

www.schweizerversicherung.ch) geltend, ein guter Skater sei mit 19 km/h und ein 

sehr guter Skater mit 22 km/h unterwegs (Urk. 33 S. 4). Aufgrund der Angaben 

des Privatklägers muss davon ausgegangen werden, dass er ein sehr guter Inli-

ne-Skater ist, denn gemäss seinen Aussagen übte er diese Sportart im Unfallzeit-

punkt bereits seit 10 bis 12 Jahren aus, wobei er gemäss seinen Angaben jeweils 

am … und überdies an Wettbewerben teilnahm (Urk. 5/1 S. 2). Anlässlich seiner 

Zeugeneinvernahme vom 14. Dezember 2010 gab er denn auch an, keine Knie- 

oder Ellenbogenschoner getragen zu haben, da dies nur Anfänger machen wür-

den (Urk. 5/1 S. 2). Demnach liegt auf der Hand, dass die eigene Schätzung des 

Privatklägers deutlich zu tief war. Die Vorinstanz ist zu Recht davon ausgegan-

gen, dass sich die Geschwindigkeit des Privatklägers nicht genau einschätzen 

und mittels eines unfallanalytischen Gutachtens nachträglich nicht mehr feststel-

len lässt. Ferner ist der Vorinstanz darin zu folgen, dass die Strecke, auf der sich 

der Privatkläger befand, leicht abschüssig ist, was für eine höhere Geschwindig-

keit spricht. Auf die entsprechenden Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil kann 

-   17   - 

verwiesen werden (Urk. 49 S. 14; Art. 82 Abs. 4 StPO). Umgekehrt kann unter 

Berücksichtigung der Informationen im von der Verteidigung angeführten Artikel 

nicht von einer absoluten Spitzengeschwindigkeit von bis zu 30 km/h ausgegan-

gen werden, da dafür die Rahmenbedingungen offensichtlich nicht gegeben wa-

ren. So war das vom Privatkläger befahrene Trottoir relativ schmal und befindet 

sich dieses ungeschützt unmittelbar neben einer verkehrsreichen Strasse (Urk. 4). 

Zudem macht das Trottoir genau im fraglichen Abschnitt eine leichte S-Kurve 

(Urk. 2). Für das vorliegende Verfahren ist zu Gunsten der Beschuldigten von der 

höchstmöglichen Geschwindigkeit auszugehen, die für die fragliche Strecke unter 

Berücksichtigung der sehr guten Fahrkenntnisse des Privatklägers denkbar ist. 

Diese liegt gestützt auf die Informationen im von der Verteidigung angeführten Ar-

tikel bei 22 km/h, weshalb im Folgenden von dieser Geschwindigkeit auszugehen 

ist. 

Die Beschuldigte liess nicht in Abrede stellen, dass der Privatkläger ihr Fahrzeug 

weniger als 3 Meter vor der Kollision entdeckte (so der Privatkläger in Urk. 5/1 

S. 3; zur Position der Beschuldigten vgl. Urk. 33 S. 4). Dass der Privatkläger das 

Fahrzeug der Beschuldigten erst im letzten Moment wahrnehmen konnte, ist aber 

auch aufgrund der überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz, auf die verwiesen 

werden kann (Urk. 49 S. 15; Art. 82 Abs. 4 StPO), erstellt. War der Privatkläger 

mit einer Geschwindigkeit von 22 km/h unterwegs, reichte die Reaktionszeit – wie 

von ihm geltend gemacht (Urk. 5/1 S. 3) und auch von der Vorinstanz dargelegt 

(Urk. 49 S. 16) – nicht aus, um seinerseits eine Kollision zu vermeiden. Dafür hät-

te es selbst bei einer sehr kurzen Reaktionszeit von 0,7 Sekunden, wie sie etwa 

bei Automobilisten, die sich bereits in Bremsbereitschaft befinden, erwartet wird 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_493/2011 vom 12. Dezember 2011 mit weite-

ren Hinweisen), nur gereicht, wenn seine Geschwindigkeit deutlich weniger als 

16 km/h betragen hätte. Davon aber kann gestützt auf die Aussagen des Zeugen 

G._____, wie auch die Beschuldigte selber darlegen liess (siehe vorherigen Ab-

satz), nicht ausgegangen werden. Davon abgesehen ist ohnehin kaum vorstell-

bar, dass der Privatkläger, hätte er die Gefahr rechtzeitig erkannt, nicht versucht 

hätte zu bremsen oder auszuweichen, dürfte ihm doch, als er das Fahrzeug der 

Beschuldigten sah resp. bemerkte, dass dieses nicht anhielt, sofort bewusst ge-

-   18   - 

wesen sein, dass er sich in einer unmittelbaren Gefahr für seine Gesundheit oder 

gar für sein Leben befand. Dass das Fahrzeug der Beschuldigten sich, nachdem 

sie zunächst auf dem Trottoir angehalten hatte, vorwärts bewegte – die Anklage-

behörde umschreibt dies mit "Wiederanfahren" –, ist aufgrund der eigenen Aus-

sagen der Beschuldigten, die angab, mit ihrem Fahrzeug „reingefahren“ zu sein, 

bevor es „knallte“ (Urk. 32 S. 6) resp. ihr Fahrzeug sei nach der Kollision mit der 

vorderen Stossstange bzw. mit dem Vorderrad auf der Strasse gewesen (Urk. 32 

S. 4 und S. 6 sowie Korrektur auf S. 7; Urk. 64 S. 4), obwohl sie ausführte, nach 

der Kollision sofort angehalten zu haben (Urk. 5/4 S. 3; Urk. 32 S. 6), erstellt. Dies 

ergibt sich auch daraus, dass die Beschuldigte nach der Kollision gemäss eige-

nen Aussagen ca. 1,5 Meter zurückfuhr (Urk. 5/4 S. 4), was durch die Aussagen 

der Zeugin H._____ (Urk. 5/3 S. 2) und des Zeugen G._____ (Urk. 5/2 S. 2) sowie 

durch die Fotodokumentation (Urk. 4), die gemäss den Aussagen der Beschuldig-

ten sowie des Zeugen G._____ die Endposition des Fahrzeugs nach diesem Zu-

rückfahren wiedergibt (Urk. 5/2 S. 2; Urk. 5/4 S. 4; Urk. 64 S. 4 ff.), jedenfalls im 

Grundsatz bestätigt wird. Soweit die Verteidigung diesbezüglich etwas anderes 

geltend machen will (Urk. 33 S. 3; Urk. 51 S. 6; Urk. 65 S. 2 ff.), ist dies nicht zu 

hören. 

3.6. Ob die Beschuldigte die pflichtgemässe Vorsicht gemäss Art. 15 Abs. 3 VRV 

nicht walten liess und ob der Umstand, dass der Privatkläger bei der Kollision 

stürzte und sich Verletzungen (eine Fraktur des linken Schulterblattes) zuzog, für 

die Beschuldigte voraussehbar war und durch sie hätte vermieden werden kön-

nen, wenn sie sich pflichtgemäss vorsichtig verhalten hätte, ist nachfolgend im 

Rahmen der rechtlichen Würdigung zu prüfen. Im Übrigen ist der eingeklagte 

Sachverhalt aufgrund der obigen Erwägungen erstellt. 

 

-   19   - 

IV. Rechtliche Würdigung 

1.1. Der Beschuldigten wird zunächst vorgeworfen, Art. 15 Abs. 3 VRV verletzt zu 

haben, indem sie beim Einbiegen in die C._____strasse nicht die pflichtgemässe 

Vorsicht habe walten lassen (Urk. 14 S. 2).  

1.2. Gemäss Art. 15 Abs. 3 VRV hat, wer aus Fabrik-, Hof- oder Garageausfahr-

ten, aus Feldwegen, Radwegen, Parkplätzen, Tankstellen und dergleichen oder 

über ein Trottoir auf eine Haupt- oder Nebenstrasse fährt, den Benützern dieser 

Strassen den Vortritt zu gewähren, wobei der Fahrzeugführer, wenn die Stelle 

unübersichtlich ist, anhalten und wenn nötig eine Hilfsperson beiziehen muss, die 

das Fahrmanöver überwacht. Dem Vortrittsbelasteten obliegt es mithin, die nach 

den Umständen und den Sichtverhältnissen gebotenen Massnahmen zu treffen, 

um eine Beeinträchtigung oder Gefährdung herannahender Vortrittsberechtigter 

zu verhindern (Entscheid des Bundesgerichtes 6S.252/2006 vom 17. August 

2006, E. 2.1 mit weiteren Hinweisen). Ist die Sicht für einen Wartepflichtigen bei 

einer Einmündung durch Mauern oder Hecken so beschränkt, dass der Fahrzeug-

führer zwangsläufig mit dem Vorderteil seines Wagens in die vortrittsberechtigte 

Verkehrsfläche gelangt, bevor er von seinem Fahrersitz aus Einblick in diese er-

hält, so darf er sich gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zwar so vorsich-

tig hineintasten, dass ihn ein Vortrittsberechtigter rechtzeitig genug sehen könnte, 

um entweder selbst auszuweichen oder den Wartepflichtigen durch ein Signal zu 

warnen. Der Wartepflichtige muss aber, wenn er sich im Sinne der bundesgericht-

lichen Rechtsprechung in die vortrittsberechtigte Verkehrsfläche hineintastet, nö-

tigenfalls augenblicklich anhalten können (BGE 105 IV 339 E. 3). Dies ist nur 

dann möglich, wenn der Vortrittsbelastete sein Fahrzeug mit minimalster Ge-

schwindigkeit fortbewegt. 

1.3. Bei Inline-Skates handelt es sich um fahrzeugähnliche Geräte (Art. 1 Abs. 10 

VRV). Solche dürfen als Verkehrsmittel auf Trottoirs verwendet werden, wobei die 

für Fussgänger anwendbaren Verkehrsregeln gelten (Art. 50 Abs. 1 lit. a i.V.m. 

Art. 50a Abs. 1 VRV). Die Vorinstanz ist zu Recht davon ausgegangen, dass ge-

-   20   - 

mäss Art. 1 Abs. 1 VRV i.V.m. Art. 1 Abs. 4 VRV das Trottoir unter den Oberbe-

griff der Strasse fällt (Urk. 49 S. 17).  

1.4. Nicht zu beanstanden ist ferner die Feststellung der Vorinstanz, dass die Be-

schuldigte, die aus einer Hofausfahrt bzw. von einem Parkplatz aus über ein Trot-

toir in die C._____strasse einbiegen wollte, gegenüber dem Privatkläger nach 

Art. 15 Abs. 3 VRV (i.V.m. Art. 36 Abs. 4 SVG) vortrittsbelastet war (Urk. 49 

S. 17). Aufgrund des erstellten Sachverhalts hielt die Beschuldigte ihr Fahrzeug 

im Bereich des Trottoirs an und kam es nach dem Wiederanfahren zur Kollision 

mit dem Privatkläger (Urk. 14 S. 2). Der Beschuldigten war die Sicht nach rechts, 

wie sich aus der bei den Akten liegenden Fotodokumentation (Urk. 4, insb. S. 6 

unten) ergibt, zwar nicht vollständig verwehrt, aber diese war durch die vor der …-

Garage parkierten Fahrzeuge in erheblichem Masse eingeschränkt. Die Beschul-

digte hatte, wie sie auch selber einräumte (Urk. 5/4 S. 4; Urk. 32 S. 2 ff.; Urk. 64 

S. 3), keine freie Sicht, bevor die Front ihres Fahrzeugs in die vortrittsberechtigte 

Verkehrsfläche, zu der nach dem Gesagten auch das Trottoir gehört, hineinragte. 

Diesen schlechten Sichtverhältnissen hätte die Beschuldigte mehr Rechnung tra-

gen müssen, zumal sie aussagte, man erwarte an dieser Stelle als Autofahrer 

Fussgänger oder Fahrradfahrer von rechts (Urk. 32 S. 3; Urk. 64 S. 5) und die 

Geschwindigkeiten von Radfahrern mit denjenigen von Inline-Skatern ohne Weite-

res vergleichbar sind. Sie wäre unter den gegebenen Umständen verpflichtet ge-

wesen, sich entweder achtsam mit minimalster Geschwindigkeit in die vortrittsbe-

rechtigte Verkehrsfläche hineinzutasten, so dass der herannahende Privatkläger 

noch hätte reagieren können resp. sie augenblicklich hätte anhalten können, oder 

aber das Einbiegemanöver von einer Drittperson, beispielsweise von ihrer Beifah-

rerin, überwachen zu lassen. Sie tat indessen weder das eine noch das andere. 

Insbesondere kann ausgeschlossen werden, dass sie sich in der umschriebenen 

Weise, nötigenfalls Zentimeter um Zentimeter, in die vortrittsberechtigte Verkehrs-

fläche hineintastete, denn sonst wäre ihr Fahrzeug nach der Kollision nicht erst 

zum Stehen gekommen, als es sich mit dem vorderen Drittel bereits auf der Fahr-

bahn befand, obwohl die Beschuldigte es gemäss ihren Angaben sofort anhielt 

(Urk. 5/4 S. 3; Urk. 32 S. 4 ff.). Auch nachdem die Beschuldigte ihr Fahrzeug ge-

mäss ihren eigenen Angaben (Urk. 5/4 S. 4; Urk. 32 S. 4 ff.), die durch diejenigen 

-   21   - 

der Zeugin H._____ (Urk. 5/3 S. 2 ff.) sowie des Zeugen G._____ (Urk. 5/2 S. 2 

und S. 4) dem Grundsatz nach bestätigt werden, um ca. 1,5 Meter zurückgefah-

ren hatte und so eine Blockierung des Verkehrs auf der Fahrbahn vermied, stand 

dieses noch am Trottoirrand, d.h. an der Grenze zwischen Trottoir und Fahrbahn 

(Urk. 4, insb. S. 3, S. 5 oben und S. 6 unten). Anlässlich der Berufungsverhand-

lung gab die Beschuldigte an, ihr Fahrzeug habe sich nach der Kollision mit dem 

vorderen linken Vorderrad lediglich ca. einen halben Meter auf der Strasse befun-

den (Urk. 64 S. 4), womit sie ihre früheren Angaben zum Standort ihres Fahr-

zeugs nach dem Unfall relativierte. Diese Aussage erscheint jedoch unglaubwür-

dig. Es ist in diesem Zusammenhang erneut darauf hinzuweisen, dass die Be-

schuldigte ihr Fahrzeug nach der Kollision gemäss eigenen Angaben um ca. 1,5 

Meter zurückfuhr. Hätte sich das Fahrzeug der Beschuldigten nach der Kollision 

folglich tatsächlich nur einen halben Meter mit dem vorderen Rad auf der Strasse 

befunden, wäre es nach der von der Beschuldigten angegebenen Rückwärtsfahrt 

nicht noch am Trottoirrand gestanden (vgl. Urk. 4). Der Umstand, dass die Be-

schuldigte ihr Fahrzeug nach der Kollision notgedrungen zurücksetzen musste 

(Urk. 1 S. 6 ff.; Urk. 5/4 S. 4; Urk. 65 S. 2), deutet ebenfalls darauf hin, dass sich 

dieses ein rechtes Stück in der Strasse befand, da die Unfallstelle ansonsten von 

den übrigen Verkehrsteilnehmern hätte umfahren werden können. Die Beschul-

digte muss sich folglich vorwerfen lassen, nicht alle ihr zur Verfügung stehenden 

Massnahmen getroffen zu haben, um ohne Gefährdung von Vortrittsberechtigten 

in die C._____strasse einzubiegen. 

1.5. Wie bereits dargelegt argumentiert die Verteidigung, es spreche vieles dafür, 

dass der Privatkläger mit übersetzter Geschwindigkeit und/oder mangelnder Auf-

merksamkeit gefahren sei und damit den Unfall selber verursacht und verschuldet 

habe (Urk. 33 S. 5; Urk. 65 S. 5) resp. dass er selber jegliche Sorgfalt habe ver-

missen lassen, indem er mit übersetzter Geschwindigkeit genaht sei und die er-

forderliche Aufmerksamkeit und Bremsbereitschaft rundweg habe vermissen las-

sen (Urk. 33 S. 6). Dieses Argument, das sich auf Art. 26 Abs. 1 SVG stützt, hat 

die Vorinstanz nach ausführlicher und überzeugender Auseinandersetzung damit 

verworfen. Auf die diesbezüglichen Erwägungen kann verwiesen werden (Urk. 49 

S. 18 ff; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zwar kann sich, wie auch die Vorinstanz ausgeführt 

-   22   - 

hat (Urk. 49 S. 18 ff.), grundsätzlich auch der Wartepflichtige auf das Vertrauens-

prinzip berufen. Wer sich selbst korrekt verhält, darf mangels konkreter Anzeichen 

für das Gegenteil darauf vertrauen, dass auch die übrigen Strassenbenützer die 

Verkehrsregeln einhalten (vgl. BGE 98 IV 279 E. 1.d; BGE 97 IV 242 E. 1, BGE 

103 IV 294 E. 3). Allerdings gibt es im Strafrecht keine Schuldkompensation. Die 

Verletzung von Verkehrsregeln durch den Privatkläger vermöchte die Beschuldig-

te als Vortrittsbelastete nur zu entlasten, wenn ihre eigene Fahrweise einwandfrei 

gewesen wäre und das Verhalten des Privatklägers als Vortrittsberechtigten aus-

serhalb der normalen Erfahrung gelegen hätte, so dass vernünftigerweise nicht 

damit hätte gerechnet werden müssen (BGE 106 IV 58 E. 1). Wie dargelegt ist für 

das vorliegende Verfahren davon auszugehen, dass der Privatkläger mit einer 

Geschwindigkeit von 22 km/h fuhr. Wie ebenfalls bereits ausgeführt musste die 

Beschuldigte an der fraglichen Stelle gemäss ihren eigenen Aussagen mit von 

rechts herannahenden Radfahrern, die mit einer vergleichbaren Geschwindigkeit 

wie sehr gute Inline-Skater unterwegs sind, rechnen. Um eine Geschwindigkeit, 

mit der die Beschuldigte vernünftigerweise nicht hätte rechnen müssen, handelte 

es sich somit nicht.  

1.6. Weiter brachte die Verteidigung vor, der Privatkläger habe eingestanden, das 

Fahrzeug der Beschuldigten gesehen zu haben. Folglich habe er auch die Mög-

lichkeit gehabt, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Wer sehe, dass ihm ein Vor-

trittsberechtigter den Vortritt nicht lassen wolle oder könne, dürfe diesen nicht er-

zwingen. Vielmehr müsse er gemäss Art. 26 Abs. 2 SVG alles Zumutbare vorkeh-

ren, um einen Zusammenstoss zu verhindern (Urk. 33 S. 3 und S. 5; Urk. 65 S. 4 

ff.).  

Erstellt ist, dass der Privatkläger das Fahrzeug der Beschuldigten und den Um-

stand, dass sie verkehrsregelwidrig weiterfuhr, anstatt anzuhalten, erst erkannte, 

als dieser weniger als drei Meter vom Fahrzeug der Beschuldigten entfernt war 

und für ihn auch dann, wenn eine minimale Reaktionszeit, wie sie bei Autofahrern, 

die sich bereits in Bremsbereitschaft befinden, erwartet wird, zugrunde gelegt 

wird, keine Möglichkeit mehr bestand, die Kollision zu vermeiden. Angesichts die-

ser Umstände kann dem Privatkläger nicht vorgeworfen werden, er habe den Vor-

-   23   - 

tritt erzwingen wollen. Ein anderes Verhalten wäre ihm nur möglich gewesen, 

wenn das Manöver der Beschuldigten für ihn auf grössere Sichtdistanz erkennbar 

gewesen wäre (vgl. Hans Giger, Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz, 

7. Auflage, Zürich 2008, Art. 26 N 15). Dass der Privatkläger offenbar – fälschli-

cherweise – der Meinung war, er könne sich in einer derartigen Situation ohnehin 

auf sein Vortrittsrecht berufen (Urk. 5/1 S. 4 ff.), wirkt sich mithin im vorliegenden 

Fall, wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten wurde (Urk. 49 S. 16), nicht 

aus, denn es wäre ihm gar keine Zeit geblieben, um sich gesetzeskonform im 

Sinne von Art. 26 Abs. 2 SVG zu verhalten. Wie bereits dargelegt, wäre andern-

falls ohnehin davon auszugehen, dass der Privatkläger reagiert hätte und zur 

Vermeidung einer Kollision nötigenfalls auch auf die Strasse ausgewichen wäre – 

gemäss den Aussagen der Beschuldigten war diese zu diesem Zeitpunkt frei 

(Urk. 5/4 S. 2 ff.; Urk. 32 S. 2 ff.; Urk. 64 S. 3). Dass es der Privatkläger als deut-

lich schwächerer Verkehrsteilnehmer auf eine Kollision hätte ankommen lassen, 

um seinen Vortritt durchzusetzen, wie die Verteidigung geltend macht (Urk. 65 

S. 5), kann schlechterdings nicht angenommen werden. Abgesehen davon ist 

auch hier auf den Grundsatz zu verweisen, dass es im Strafrecht keine Schuld-

kompensation gibt. 

1.7. Die Beschuldigte hat mit ihrem Verhalten resp. ihrer Unterlassung folglich den 

Tatbestand von Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 15 Abs. 3 VRV erfüllt. 

2.1. Ferner wird der Beschuldigten vorgeworfen, den Tatbestand der fahrlässigen 

Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB erfüllt zu haben. Die Vertei-

digung bringt diesbezüglich vor, dieser Tatbestand sei nicht erfüllt (Urk. 51 S. 4). 

2.2. Der Privatkläger erlitt aufgrund der Kollision einen Bruch des linken Schulter-

blattes. Bleibende Schäden sind gemäss den bei den Akten liegenden ärztlichen 

Befunden nicht zu erwarten (Urk. 6/6 ; Urk. 6/8). Bei einem Knochenbruch handelt 

es sich ohne Weiteres um eine Verletzung, die von Art. 125 Abs. 1 StGB erfasst 

wird, denn sie hatte, anders als bei einer blossen Tätlichkeit, eine – wenn auch 

gemäss der Einschätzung der behandelnden Ärzte vorübergehende – Schädi-

gung des Körpers zur Folge; es handelt sich um einen typischen Fall einer einfa-

chen Körperverletzung (vgl. Art. 126 Abs. 1 StGB; BSK StGB II-Roth/Berkemeier, 

-   24   - 

Vor Art. 122 N 15 und Art. 123 N 4). Die Beschuldigte hat fahrlässig gehandelt, 

indem sie beim Einbiegen in die C._____strasse nicht alle notwendigen, ihr zu-

mutbaren Vorsichtsmassnahmen ergriff, was unmittelbar zum Zusammenstoss 

mit dem Privatkläger und zur fraglichen Fraktur führte. Ferner war für die Be-

schuldigte vorhersehbar, dass ihr Handeln resp. ihre Unterlassung zu einer derar-

tigen Verletzung anderer Verkehrsteilnehmer führen konnte. 

2.3. Die Beschuldigte hat mit ihrem Verhalten resp. mit ihrer Unterlassung dem-

nach auch den Tatbestand von Art. 125 Abs. 1 StGB erfüllt. 

3. Die Vorinstanz ist zu Recht davon ausgegangen, dass mit der nach Art. 125 

Abs. 1 StGB auszufällenden Strafe in einem Fall wie dem vorliegenden, in dem 

nur die verletzte Person konkret gefährdet wurde, auch das in der Gefährdung der 

Verkehrssicherheit liegende Verschulden abgegolten wird, da die pflichtwidrige 

Unvorsichtigkeit, welche die Fahrlässigkeit beim Verletzungsdelikt gemäss 

Art. 125 Abs. 1 StGB ausmacht, gerade darin liegt, dass sich der Täter der Verlet-

zung von Verkehrsregeln und damit der Verkehrsgefährdung schuldig gemacht 

hat. Würde daneben zusätzlich Art. 90 SVG angewendet, würde der Täter für das 

gleiche Verschulden zweimal bestraft. Die Vorinstanz hat dies indessen fälschli-

cherweise bei der Strafzumessung anstatt bei der rechtlichen Würdigung berück-

sichtigt (Urk. 49 S. 22). In einem Fall wie dem vorliegenden ist einzig wegen fahr-

lässiger Körperverletzung zu verurteilen; das SVG-Delikt wird durch den Verlet-

zungstatbestand konsumiert (BSK-Strafrecht II-Roth/Keshelava, Art. 125 N 7; 

BGE 91 IV 30 und 211; BGE 94 IV 81). 

4. Somit hat sich die Beschuldigte einzig der fahrlässigen Körperverletzung im 

Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. 

 

-   25   - 

V. Sanktion 

1. Strafrahmen 

1.1. Der Strafrahmen reicht bei der fahrlässigen Körperverletzung von einem Ta-

gessatz Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe (Art. 125 Abs. 1 StGB). Zu-

zustimmen ist der Vorinstanz darin, dass es sich im vorliegenden Fall aufgrund 

der von ihr dargelegten sog. "Schnittstellenproblematik" (vgl. BSK StGB I-

Schneider/Garré, Art. 42 N 94) sowie aus spezialpräventiver Sicht als angemes-

sen erweist, die Geldstrafe mit einer Busse zu verbinden, da die Geldstrafe – wie 

noch zu zeigen sein wird – bedingt auszusprechen sein wird (Art. 42 Abs. 4 StGB; 

dazu nachfolgend unter VI.). 

1.2. Strafmilderungsgründe sind nicht ersichtlich.  

 

2. Strafzumessung 

2.1. Strafzumessungsregeln 

Die Strafe ist nach dem Verschulden des Täters zu bemessen, wobei das Vorle-

ben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Le-

ben des Täters zu berücksichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden 

wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechts-

guts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des 

Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren 

Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden 

(Art. 47 Abs. 2 StGB).  

Der Begriff des Verschuldens muss sich auf den gesamten Unrechts- und 

Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen der 

Tat- und der Täterkomponente. Bei der Tatkomponente sind das Ausmass des 

verschuldeten Erfolgs, die Art und Weise der Herbeiführung des Erfolgs, die Wil-

lensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, und dessen Beweggründe zu be-

-   26   - 

achten. Sodann sind für das Verschulden auch das "Mass an Entscheidungsfrei-

heit" beim Täter sowie die sogenannte Intensität des deliktischen Willens bedeut-

sam. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse 

sowie das Verhalten nach der Tat oder im Strafverfahren, allenfalls Reue und 

Einsicht sowie die Strafempfindlichkeit (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, 

Schweizerisches Strafgesetzbuch, 17. Auflage, Zürich 2006, S. 117 mit weiteren 

Hinweisen; vgl. auch Schwarzenegger/Hug/Jositsch, a.a.O., S. 90; BSK StGB I-

Wiprächtiger, Art. 47 N 65). Je leichter es für den Täter gewesen wäre, die Norm 

zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung gegen sie (Urteile des 

Bundesgerichts 6S.43/2001 vom 19. Juni 2001 E. 2. und 6S.333/2004 vom 

23. Dezember 2004 E. 1.1.; BGE 122 IV 2141 und Pra 2001 S. 832 lit. a; Straten-

werth, Schweizerisches Strafrecht AT II, 2. Auflage, Bern 2006, § 6 N 13). Das 

Gericht hat in seinem Urteil die Überlegungen, die es bei der Bemessung der 

Strafe angestellt hat, in den Grundzügen darzustellen. Dabei muss es in der Re-

gel die wesentlichen schuldrelevanten Tat- und Täterkomponenten so erörtern, 

dass festgestellt werden kann, ob alle rechtlich massgeblichen Gesichtspunkte 

Berücksichtigung fanden und wie sie gewichtet wurden. Insgesamt müssen seine 

Erwägungen die ausgefällte Strafe rechtfertigen, d.h. das Strafmass muss als 

plausibel erscheinen (BGE 127 IV 101 E. 2.; Urteil des Bundesgerichts 6S.83/ 

2006 vom 5. Februar 2007, E. 3.1.; Art. 50 StGB). 

 

2.2. Tatkomponente 

2.2.1. Objektive Tatschwere 

Die Beschuldigte verursachte durch die Verkehrsregelverletzung eine Fraktur des 

linken Schulterblattes des Privatklägers. Dieser war vom 4. August bis zum 

29. Oktober 2010 zu 100% arbeitsunfähig. Vom 29. Oktober bis zum 

26. November 2010 wurde ihm vom …spital … eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit 

für Arbeiten mittlerer bis starker körperlicher Belastung attestiert (Urk. 6/6). Ge-

mäss ärztlichem Befund seines Hausarztes vom 16. Dezember 2010 rechnete 

dieser mit einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit des Privatklägers in seinem Beruf 

als Koch bis Ende Januar 2011 (Urk. 6/8). Es handelte sich somit keineswegs um 

-   27   - 

eine harmlose Verletzung. Angesichts der gesamten Bandbreite möglicher Verlet-

zungen muss das objektive Verschulden der Beschuldigten zumindest als nicht 

mehr leicht bezeichnet werden. 

 

2.2.2. Subjektive Tatschwere 

Zum subjektiven Verschulden ist auszuführen, dass die von der Beschuldigten ge-

troffenen Vorsichtsmassnahmen offenkundig ungenügend waren, was der orts-

kundigen Beschuldigten bewusst sein musste. Es ist kein Grund ersichtlich, der 

ihr unsorgfältiges resp. zu wenig achtsames Vorgehen beim Einbiegen nachvoll-

ziehbar erscheinen liesse. Es ist der Vorinstanz jedoch darin zu folgen, dass die 

Beschuldigte nicht jede Sorgfalt hat vermissen lassen. In subjektiver Hinsicht ist 

daher von einem leichten Tatverschulden auszugehen. 

 

2.3. Täterkomponente 

2.3.1. Persönliche Verhältnisse und Vorleben 

Die Beschuldigte wurde im Jahr 1973 in I._____ [Land in Europa] geboren, wo sie 

die Hauptschule und den polytechnischen Lehrgang besuchte sowie in der Folge 

eine Kfz- Mechanikerlehre machte. Im Jahr 2007 kam die Beschuldigte in die 

Schweiz. Sie arbeitet bei der J._____ AG und verdient monatlich Fr. 4'010.–. Die 

Beschuldigte hat keine Kinder und lebt in einer Wohngemeinschaft (Urk. 9/8 S. 2; 

Urk. 32 S. 1 ff; Urk. 64 S. 1 ff.).  

Aus den persönlichen Verhältnissen und dem Vorleben lassen sich weder Straf-

erhöhungs- noch Strafminderungsgründe ableiten. 

 

2.3.2. Vorstrafen 

Die Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf (Urk. 9/1) und ist auch im Massnah-

menregister ADMAS nicht verzeichnet (Urk. 9/4), weshalb dieses Kriterium keinen 

Einfluss auf die Strafzumessung hat.  

 

-   28   - 

2.3.3. Nachtatverhalten 

Dass die Beschuldigte den Sachverhalt teilweise anerkannte, kann leicht zu ihren 

Gunsten berücksichtigt werden. 

 

2.4. Würdigung 

Die von der Vorinstanz ausgesprochene Geldstrafe von 10 Tagessätzen erweist 

sich unter Berücksichtigung aller relevanten Kriterien als angemessen, weshalb 

sie zu bestätigen ist. Dabei ist bereits berücksichtigt, dass die Geldstrafe in An-

wendung von Art. 42 Abs. 4 StGB mit einer Busse nach Art. 106 Abs. 1 StGB zu 

verbinden ist – wie noch zu zeigen sein wird (dazu nachfolgend unter 4.). 

 

3. Höhe des Tagessatzes 

Die Höhe des Tagessatzes ist auf Fr. 50.– zu belassen. Zwar haben sich die fi-

nanziellen Verhältnisse der Beschuldigten seit der vorinstanzlichen Hauptver-

handlung etwas verbessert (Urk. 49 S. 25; Urk. 55, 56/1-4; Urk. 64 S. 2). Einer 

Erhöhung des Tagessatzes steht aber im vorliegenden Fall ohnehin das Ver-

schlechterungsverbot entgegen, weshalb dieser Frage nicht weiter nachzugehen 

ist. 

 

4. Verbindungsstrafe 

Wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen zum Vollzug ergibt, ist die Geld-

strafe bedingt auszusprechen. Es erscheint deshalb sachgerecht, zusätzlich eine 

Verbindungsbusse im Sinne von Art. 42 Abs. 4 StGB auszufällen. Diesbezüglich 

kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 49 

S. 23 ff.). Bei der Festsetzung der Verbindungsbusse gilt es zu berücksichtigen, 

dass das Hauptgewicht auf der bedingten Geldstrafe zu liegen hat, während der 

unbedingten Busse nur untergeordnete Bedeutung zukommen darf. Dies ergibt 

sich aus der systematischen Einordnung von Art. 42 Abs. 4 StGB, welche die un-

bedingte Geldstrafe als bloss akzessorische Strafe ausweist (BGE 135 IV 188 

-   29   - 

E. 3.3). Dieser Aspekt wurde durch die Vorinstanz zu wenig berücksichtigt, zumal 

die ausgefällte Busse annähernd dem Gesamtbetrag der Geldstrafe entspricht, 

was vor dem Hintergrund der bundesgerichtlichen Praxis zu hoch ist. Grundsätz-

lich darf sich der Anteil der Verbindungsstrafe an der gesamten Strafe maximal 

auf einen Fünftel belaufen (BGE 135 IV 188 E. 3.4.4). In Beachtung dieser Krite-

rien erscheint eine Busse von Fr. 100.– als angemessen.  

 

5. Fazit 

Die Beschuldigte ist somit mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 50.– 

sowie mit einer Busse von Fr. 100.– zu bestrafen. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den 

Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse ist praxisgemäss auf einen Tag 

festzusetzen. 

 

VI. Vollzug 

Was den Vollzug der Geldstrafe anbelangt, kann nur schon aufgrund des Ver-

schlechterungsverbots nicht vom vorinstanzlichen Entscheid abgewichen werden. 

Der Beschuldigten ist daher der bedingte Vollzug der Geldstrafe zu gewähren und 

die Probezeit auf das gesetzlich vorgesehene Minimum von zwei Jahren festzu-

setzen (Art. 44 Abs. 1 StGB).  

 

VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Ausgangsgemäss ist das vorinstanzliche Kostendispositiv zu bestätigen 

(Art. 426 Abs. 1 StPO). 

2. Im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ihres 

Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte unterliegt 

mit ihren Berufungsanträgen vollumfänglich. Durch die Herabsetzung der Busse 

wird der angefochtene Entscheid zudem nur unwesentlich abgeändert, weshalb 

-   30   - 

der Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens vollumfänglich aufzuerle-

gen sind (Art. 428 Abs. 2 StPO). Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Be-

schuldigte keinen Anspruch auf eine Prozessentschädigung. 

 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Bülach, Einzelge-

richt, vom 30. März 2011 bezüglich Dispositivziffer 5 (Zivilansprüche) in 

Rechtskraft erwachsen ist. 

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte A._____ ist der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne 

von Art. 125 Abs. 1 StGB schuldig.  

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu 

Fr. 50.– sowie mit einer Busse von Fr. 100.–.  

3. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft 

nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 1 Tag. 

4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre 

festgesetzt. 

5. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Dispositivziffern 6 und 7) wird bestä-

tigt. 

6. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'000.–. 

7. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden der Beschuldigten auferlegt. 

-   31   - 

8. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten 
− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland  

− den Vertreter des Privatklägers B._____ im Doppel für sich und 
zuhanden des Privatklägers 

(Eine begründete Urteilsausfertigung - und nur hinsichtlich ihrer eigenen 
Anträge (Art. 84 Abs. 4 StPO) - wird den Privatklägern nur zugestellt, sofern 
sie dies innert 10 Tagen nach Erhalt des Dispositivs verlangen.) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten 

− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland  

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 

− die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A  
− das Migrationsamt des Kantons Zürich  

− das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Abteilung 
Administrativmassnahmen, 8090 Zürich (PIN-Nr. …). 

9. Rechtsmittel: 

 Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

-   32   - 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 27. Januar 2012 
 
 

Der Vorsitzende: 
 
 
 

Oberrichter lic. iur. Burger 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

lic. iur. Laufer 
 
 
 
 
 
 

 

	Urteil vom 27. Januar 2012
	 Anklage:
	Verfügung der Vorinstanz:
	Folgende Beweisanträge werden abgelehnt:
	 Einholung eines gerichtlichen Unfallgutachtens
	 Durchführung eines Augenscheins an der Unfallstelle.

	Urteil der Vorinstanz:
	1. Die Beschuldigte ist schuldig
	 der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB
	 der fahrlässigen einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 15 Abs. 3 VRV.

	2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 50.– sowie mit einer Busse von Fr. 400.–.
	3. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen.
	4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
	5. Der Privatkläger, B._____, wird mit seinem Genugtuungs- und Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
	6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'500.–. Über die weiteren Kosten wird die Gerichtskasse Rechnung stellen.
	7. Die Kosten werden der Beschuldigten auferlegt.
	Berufungsanträge:
	1. Die Beschuldigte sei freizusprechen.
	2. Dies unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskasse bzw. des Geschädigten.
	Prozessuale Anträge:
	1. Es sei ein Unfallgutachten zu erstellen.
	2. Es sei ein Augenschein durchzuführen.
	Das Gericht erwägt:
	I. Prozessgeschichte
	II. Prozessuales
	III. Sachverhalt
	IV. Rechtliche Würdigung
	V. Sanktion
	Die von der Vorinstanz ausgesprochene Geldstrafe von 10 Tagessätzen erweist sich unter Berücksichtigung aller relevanten Kriterien als angemessen, weshalb sie zu bestätigen ist. Dabei ist bereits berücksichtigt, dass die Geldstrafe in Anwendung von Ar...
	Wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen zum Vollzug ergibt, ist die Geldstrafe bedingt auszusprechen. Es erscheint deshalb sachgerecht, zusätzlich eine Verbindungsbusse im Sinne von Art. 42 Abs. 4 StGB auszufällen. Diesbezüglich kann auf die zutreff...
	VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
	Es wird beschlossen:
	Es wird erkannt:
	1. Die Beschuldigte A._____ ist der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB schuldig.
	2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 50.– sowie mit einer Busse von Fr. 100.–.
	3. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 1 Tag.
	4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
	5. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Dispositivziffern 6 und 7) wird bestätigt.
	6. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'000.–.
	7. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden der Beschuldigten auferlegt.
	8.  Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
	 den Vertreter des Privatklägers B._____ im Doppel für sich und zuhanden des Privatklägers
	(Eine begründete Urteilsausfertigung - und nur hinsichtlich ihrer eigenen Anträge (Art. 84 Abs. 4 StPO) - wird den Privatklägern nur zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach Erhalt des Dispositivs verlangen.)
	 die Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
	 die Vorinstanz
	 die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A
	 das Migrationsamt des Kantons Zürich
	 das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich, Abteilung Administrativmassnahmen, 8090 Zürich (PIN-Nr. …).

	9. Rechtsmittel:
	Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.