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**Case Identifier:** 6f389ae9-7b92-5629-bc43-cb4a80d477a5
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-22
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 22.11.2022 SST.2021.232
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2021-232_2022-11-22.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

 

SST.2021.232 
(ST.2021.20; StA.2019.3925) 

 

 

Urteil vom 22. November 2022 
 
 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Fedier  

Oberrichter Holliger  

Gerichtsschreiberin P. Gloor        

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg, 

Riburgerstrasse 4, 4310 Rheinfelden  

 

    
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am [tt.mm.] 1972, von Kriechenwil, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt René Müller,  

[…]    

 

 

 
 

Gegenstand  Ungetreue Geschäftsbesorgung; Strafzumessung; Kosten- und  

Entschädigungsfolgen 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Am 22. März 2021 erliess die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg 

folgenden Strafbefehl gegen den Beschuldigten: 

 

Sachverhalt 1: 
 
Ungetreue Geschäftsbesorgung 
Art. 158 Ziff. 2 StGB 
 
Der Beschuldigte hat vorsätzlich, d.h. mit Wissen und Willen, in der Absicht, sich oder einen 
anderen unrechtmässig zu bereichern, die ihm durch Rechtsgeschäfts eingeräumte Er-
mächtigung, jemanden zu vertreten, missbraucht und dadurch den Vertretenen am Vermö-
gen geschädigt.  
 
Der Beschuldigte arbeitete vom 1. Dezember 2017 bis zum 31. Juli 2019 als Sachbearbei-
ter / Projektleiter Heizung als Arbeitnehmer für die K. AG mit Sitz in U. In dieser Funktion 
war er zuständig für den Einkauf und insofern berechtigt, im Namen der K. AG Waren bei 
Lieferanten zu bestellen. Bis Mitte 2018 war es dem Beschuldigten ebenfalls möglich, Wa-
ren im Namen der K. AG zu vergünstigten Konditionen für den Eigenbedarf zu bestellen. 
Per April 2018 wurde diese Kompetenz jedoch mündlich eingeschränkt, indem ab diesem 
Zeitpunkt nur noch Bestellungen zum Eigenbedarf mit vorgängiger Einwilligung von B. ge-
stattet waren.  
 
Der Beschuldigte bestellt am 11. Januar 2019 bei der F. AG wissentlich und willentlich zu 
vergünstigten Konditionen auf Kosten der K. AG eine Wärmepumpe im Wert von 
CHF 9'559.36 (inkl. MWST). Über die hierfür notwendige Erlaubnis von B. verfügte der Be-
schuldigte nicht, was dieser wusste. Die bestellte Wärmepumpe liess der Beschuldigte in 
der Folge an seinem Wohnort in [PLZ] S., [Strasse und Hausnummer], liefern, wo er diese 
installierte. Gegenüber der F. AG bestand der Beschuldigte darauf, dass die Wärmepumpe 
nicht separat in Rechnung gestellt wird, sondern innerhalb einer Gesamtrechnung eines 
Auftrages der K. AG in V. abgerechnet wird.  
 
Die Rechnung der F. AG vom 16. Januar 2019, mit welchen die vom Beschuldigten am 
11. Januar 2019 bestellte Wärmepumpe nebst anderen, das Objekt in V. betreffenden Wa-
ren in Rechnung gestellt wurden, erhielt der Beschuldigte zur Kontrolle. Auf der Rechnung 
vermerkte er als Bemerkung handschriftlich "[Strasse] Wärmeerzeuger V. 4.2.19". Die 
Rechnung übergab er folglich an seinen Vorgesetzten B. Die vierte Seite der Rechnung, 
auf welcher die Wärmepumpe mit separater Position aufgeführt war, entfernte der Beschul-
digte vorab. Dadurch, dass der Beschuldigte einerseits die Abrechnung der Wärmepumpe 
durch die F. AG über das Objekt in V. verlangte und gleichzeitig die Rechnungsseite, auf 
welcher die für private Zwecke bestellte Wärmepumpe ersichtlich gewesen wäre, gegen-
über B. unterdrückte, ging dieser fälschlicherweise davon aus, es handle sich um eine von 
der K. AG zu bezahlende Rechnung und liess via die Buchhaltung den gesamten Betrag 
zur Zahlung anweisen.  
 
In der Folge orientierte der Beschuldigte die K. AG nicht über diese Bestellung und zahlte 
den von ihm geschuldeten Betrag weder ganz noch in Teilzahlungen zurück. Auch nach 
Beendigung des Arbeitsverhältnisses informierte der Beschuldigte die K. AG nicht über den 
ausstehenden Betrag. Die K. AG bemerkte den obigen Sachverhalt mehr zufällig im Sep-
tember 2019. Der Beschuldigte bezahlte den offenen Betrag nach vorgängiger Betreibung 
durch die K. AG vollumfänglich zurück.  
 

 - 3 - 

 

 

 

Ort:    [PLZ] U., [Strasse und Hausnummer] 
Zeit:   Freitag, 11. Januar 2019 
Strafklägerin: K. AG, [Strasse und Hausnummer], [PLZ] U. 
 
Sachverhalt 2: 
 
Nicht vollständiges Anhalten bei Stop-Signalen 
Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 36 Abs. 1 SSV, Art. 75 Abs. 1 SSV 
 
Der Beschuldigte hat vorsätzlich, d. h. mit Wissen und Willen, beim Signal "Stop" nicht 
vollständig angehalten.  
 
Der Beschuldigte fuhr am Samstag, 9. November 2019, 15.33 Uhr, als Lenker des Liefer-
wagens G., [Nummernschild], in [PLZ] W., [Strasse]. Dabei überfuhr er an der Kreuzung 
zur [Strasse] wissentlich und willentlich das dortige Stopp-Signal ohne vollständig anzuhal-
ten.  
 
Fahrzeug:   Lieferwagen G., [Nummernschild] 
Ort:    [PLZ] W., [Strasse] 
Zeit:   Samstag, 9. November 2019, 15.33 Uhr 
 
Sachverhalt 3: 
 
Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ausserorts 
Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 2 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. b und 
Abs. 3 VRV, Art. 22 SSV, Art. 100 Ziff. 1 Satz 1 SVG 
 
Der Fahrzeugführer hat fahrlässig, d. h. aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit, die örtlich zu-
lässige Höchstgeschwindigkeit missachtet.  
 
Am Freitag, 24. Januar 2020, 08.47 Uhr, wurde durch den Fahrzeuglenker die folgende 
Übertretung begangen: 
 
Gemessene Geschwindigkeit:  88 km/h 
Zulässige Geschwindigkeit:  80 km/h 
Sicherheitsmarge:   5 km/h 
Geschwindigkeitsüberschreitung: 3 km/h 
 
Fahrzeug: Lieferwagen G., [Nummernschild] 
Ort: [PLZ] X., [Strasse], Fahrtrichtung Y. 
Zeit: Freitag, 24. Januar 2020, 08.47 Uhr 
 
Der Beschuldigte ist Halter des gemessenen Fahrzeuges. Auf den ihm zugestellten Über-
tretungsvorhalt sowie auf die Nachfrist hat er nicht reagiert. Somit wird das ordentliche und 
gebührenpflichtige Strafverfahren durchgeführt. Der fehlbare Fahrzeuglenker konnte mit 
verhältnismässigem Aufwand nicht festgestellt werden. Ist nicht bekannt, wer die Übertre-
tung begangen hat, so ist gemäss Art. 7 des Ordnungsbussengesetzes (OBG) die Busse 
dem im Fahrzeugausweis eingetragenen Fahrzeughalter aufzuerlegen.  
 
Sachverhalt 4: 
 
Beschimpfung 
Art. 177 StGB 
Der Beschuldigte hat vorsätzlich, d. h. mit Wissen und Willen, jemand in anderer Weise als 
durch Worte in seiner Ehre angegriffen.  
 
 

 - 4 - 

 

 

 

Tätlichkeiten 
Art. 126 Abs. 1 StGB 
 
Der Beschuldigte hat vorsätzlich, d. h. mit Wissen und Willen, gegen jemanden Tätlichkei-
ten verübt, die keine Schädigung des Körpers oder der Gesundheit zur Folge hatte.  
 
Geringfügige Sachbeschädigung 
Art. 144 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 StGB 
 
Der Beschuldigte hat vorsätzlich, d. h. mit Wissen und Willen, eine Sache von geringem 
Vermögenswert, an der ein fremdes Eigentumsrecht besteht, beschädigt.  
 
Der Beschuldigte fuhr am Montag, 17. August 2020, ca. 17.15 Uhr, als Lenker des Liefer-
wagen H., [Nummernschild], in S., vom Gemeindehaus herkommend auf der [Strasse] in 
Richtung Primarschulhaus. Dabei stellte er fest, dass auf dem Spielplatz des Kindergartens 
mehrere Jugendliche im Begriffe waren, zwei dunkelhäutige Jugendliche zusammenzu-
schlagen. Entsprechend hielt er mit seinem Fahrzeug an und wies die Jugendlichen zu-
recht. C. äusserte in der Folge zum Beschuldigten sinngemäss, dass ihn das nichts angehe 
und er sich entfernen solle. Der Beschuldigte entstieg anschliessend seinem Fahrzeug und 
begab sich zu C. hin. In der Folge stiess der Beschuldigte C. mit seinen Händen wissentlich 
und willentlich mindestens zweimal vor sich her. Ebenso packte der Beschuldigte C. am 
Kragen von dessen Jacke und drückte ihn gegen seinen Lieferwagen, wodurch an der Ja-
cke von C. geringfügiger Sachschaden entstand, was der Beschuldigte als mögliche Folge 
seines Handelns im mindesten in Kauf nahm. Anschliessend liess der Beschuldigte von C. 
ab und äusserte beim Weglaufen wissentlich und willentlich an diesen addressiert: "tutti 
bastardi".  
 
Ort:   [PLZ] S., Spielplatz Kindergarten 
Zeit:  Montag, 17. August 2020, ca. 17.15 Uhr 
 
Dieses Verhalten ist strafbar gemäss: 
 
den oben aufgeführten Gesetzesartikeln sowie Art. 34 StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 
StGB, Art. 103 StGB, Art. 104 StGB und Art. 106 StGB  
 
Der Beschuldigte wird verurteilt zu: 
 
1. Einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je CHF 80.00 (unbedingt), entspricht 

CHF 14'400.00. Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an Stelle der Geldstrafe eine Frei-
heitsstrafe, wobei ein Tagessatz einem Tag Freiheitsstrafe entspricht.  

 
2. Einer Busse von  CHF 400.00. 
 Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe 

von 4 Tagen.  
 
3. Den Kosten 
  

- Strafbefehlsgebühr CHF  1'400.00 
- Polizeikosten CHF 68.00 
abzgl. Depositum CHF 100.00 
(wird der Reihe nach an die Busse/Geldstrafe und danach an die Kosten angerechnet) 

Rechnungsbetrag CHF 16'168.00 
 
Über Auslagen, die nach Erlass des vorliegenden Strafbefehls eingehen, wird separat ver-
fügt.  
 
 

 - 5 - 

 

 

 

4. 
4.1. Das Honorar des amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. René Müller, [Strasse, PLZ 

und Ort], wird auf CHF 3'755.60 (inkl. MWST) festgesetzt.  
 
4.2. Die Kasse der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg wird angewiesen, dem 

amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. René Müller, [Strasse, PLZ und Ort], die ge-
mäss Ziff. 4.1. festgesetzte Entschädigung nach Rechtskraft des vorliegenden Strafbe-
fehls auszubezahlen.  

 
4.3. Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die gemäss Ziff. 4.1. festgesetzte 

Entschädigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 
(Art. 135 Abs. 4 StPO).  

 
5. Das Urteil wird im Strafregister eingetragen.  
 
Erläuterung zur Entschädigung der amtlichen Verteidigung 
[…] 

 

1.2. 

Aufgrund der Einsprache des Beschuldigten vom 23. März 2021 überwies 

die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg den Strafbefehl mit Verfü-

gung vom 30. März 2021 an das Bezirksgericht Laufenburg.  

 

2. 

Am 10. Juni 2021 führte der Präsident des Bezirksgerichts Laufenburg die 

Hauptverhandlung mit Befragung der Beschuldigten durch. Gleichentags 

erliess er folgendes Urteil: 

 

Der Gerichtspräsident verfügt: 
 
Das Verfahren wird eingestellt in Bezug auf die Anklage  
 

- der Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB 
- der Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB 
- der geringfügigen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB  

i.V.m. Art. 172ter StGB 
 
Der Gerichtspräsident erkennt: 
 
1. 
Der Beschuldigte wird freigesprochen von der Anklage 

- der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 2 StGB 
 
2. 
Der Beschuldigte ist schuldig 

- des nichtvollständigen Anhaltens bei Stop-Signalen gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG, 
Art. 36 Abs. 1 SSV, Art. 75 Abs. 1 SSV i.V.m. Art. 90 Abs. 1 SVG 

- der fahrlässigen Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ausserorts ge-
mäss Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 2 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. b und Abs. 3 VRV, 
Art. 22 SSV und Art. 100 Ziff. 1 Satz 1 SVG i.V.m. Art. 90 Abs. 1 SVG 

 
 
 
 
 

 - 6 - 

 

 

 

3. 
3.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 2 erwähnten Bestimmungen sowie gestützt 
auf Art. 106 Abs. 3 StGB i.V.m. Art. 47 StGB und Art. 49 Abs. 1 StGB zu einer Busse von 
Fr. 100.00 verurteilt.  
 
3.2. 
Die Busse von Fr. 100.00 wird mit dem Depositum von Fr. 100.00 verrechnet.  
 
4. 
4.1. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
 
a) der Gebühr von  Fr.  2'000.00 
b) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr.  6'423.20 
c) den Kosten für die unentgeltl. Verbeiständung von Fr. 0.00 
d) den Kosten für Übersetzungen von Fr. 0.00 
e) den Kosten für Gutachten von Fr. 0.00 
f) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von Fr. 68.00 
g) den Spesen von Fr. 198.00 
h) andere Auslagen Fr. 0.00 
i) der Anklagegebühr Fr.  1'400.00 
Total Fr.  10'089.20 
 
4.2. 
Dem Beschuldigten werden die Gebühr sowie die Kosten gemäss lit. a, f, g und i im Ge-
samtbetrag von Fr. 3'666.00 zu einem Sechstel mit Fr. 611.00 auferlegt. Im Übrigen gehen 
die Verfahrenskosten zu Lasten der Staatskasse.  
 
5. 
Dem Verteidiger des Beschuldigten, Dr. iur. René Müller, Fürsprecher, [Strasse, PLZ und 
Ort], wird eine Entschädigung von Fr. 6'423.20 (inkl. Fr. 459.20 MwSt) zu Lasten der Staats-
kasse zugesprochen.  
 
6.  
Die Zivil- und Strafkläger 1 und 2 haben ihre Parteikosten selber zu tragen.  

 

3. 

3.1. 

Gegen das ihr am 16. Juni 2021 im Dispositiv zugestellte Urteil vom 

10. Juni 2021 meldete die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg am 

22. Juni 2021 Berufung an. Das begründete Urteil wurde dem Beschuldig-

ten am 8. September 2021 und der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Lau-

fenburg 9. September 2021 zugestellt. 

 

3.2. 

Mit Eingabe vom 28. September 2021 erklärte die Staatsanwaltschaft 

Rheinfelden-Laufenburg fristgerecht die Berufung und stellte folgende An-

träge: 

 

1. 
Das Urteil wird teilweise angefochten (Art. 399 Abs. 3 lit. a StPO).  
 
 

 - 7 - 

 

 

 

2. 
Gestützt auf die teilweise Anfechtung des Urteils gemäss Art. 399 Abs. 4 StPO beschränkt 
sich die Berufung auf folgende Punkte:  
 

- den Schuldpunkt in Bezug auf den Freispruch bezüglich des Vorwurfs der unge-
treuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 2 StGB 

- die Bemessung der Strafe (Art. 399 Abs. 4 lit. b StPO) 
- die Kosten-, Entschädigungs- und Genugtuungsfolgen (Art. 399 Abs. 4 lit. f StPO) 

 
3. 
Es werden gemäss Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO folgende Abänderungen verlangt: 
 

1.  
Das Urteil des Bezirksgerichts Laufenburg, Präsidium des Strafgerichts, vom 10. Juni 
2021 (ST.2021.20) sei aufzuheben und wie folgt neu zu fassen: 
 
 1. 
 Der Beschuldigte ist schuldig 

- der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 2 StGB 
- des nichtvollständigen Anhaltens bei Stop-Signalen gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG, 

Art. 36 Abs. 1 SSV, Art. 75 Abs. 1 SSV i.V.m. Art. 90 Abs. 1 SVG 
- der fahrlässigen Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit gemäss Art. 27 

Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 2 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. b und Abs. 3 VRV, Art. 22 SSV 
und Art. 100 Ziff. 1 SVG i.V.m. Art. 90 Abs. 1 SVG 

 
2. 
2.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der unter Ziffer 1 genannten Bestimmung sowie 
gestützt auf Art. 34 StGB und Art. 47 StGB verurteilt zu einer unbedingten Geldstrafe 
von 180 Tagessätzen zu je CHF 80.00. 
 
2.2. 
Das Depositum von CHF 100.00 wird an die Geldstrafe gemäss Ziff. 2.1. angerechnet.  
 
3. 
Die Beschuldigte wird in Anwendung der unter Ziffer 1 genannten Bestimmung sowie 
von Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 103 StGB, Art. 104 StGB und Art. 106 StGB 
verurteilt zu einer Busse von CHF 100.00, Ersatzfreiheitsstrafe 2 Tage.  
 
4. 
4.1. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus 
 
a) der Gebühr von  CHF  2'000.00 
b) den Kosten für die amtliche Verteidigung von CHF  6'423.20 
c) den Kosten für die unentgeltl. Verbeiständung von CHF 0.00 
d) den Kosten für die Übersetzung von CHF 0.00 
e) den Kosten für Gutachten von CHF 0.00 
f) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von CHF 68.00 
g) den Spesen von CHF 198.00 
h) andere Auslagen CHF 0.00 
i) der Anklagegebühr CHF 1'400.00 
Total CHF 10'089.20 
 
4.2. 
Dem Beschuldigten werden die Gebühr sowie die Kosten gemäss lit. a, f, g und i im 
Gesamtbetrag von CHF 3'666.00 auferlegt.  

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5. 
5.1. 
Dem Verteidiger des Beschuldigten, Dr. iur. René Müller, Fürsprecher, [Strasse, PLZ 
und Ort], wird eine Entschädigung von Fr. 6'423.20 (inkl. Fr.  459.20 MwSt) zu Lasten 
der Staatskasse zugesprochen. 
 
5.2. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Kanton Aargau die Entschädigung gemäss 
Ziff. 5.1. zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.  
 

2. 
Unter Kostenfolgen zu Lasten des Beschuldigten.  

 

3.3. 

Mit Verfügung vom 4. Oktober 2021 wurden die K. AG und C. aufgefordert, 

dem Obergericht innert 20 Tagen mitzuteilen, ob sie im Berufungsverfahren 

als Partei teilnehmen wollen. Bei Säumnis werde Verzicht angenommen. 

Des Weiteren wurde das mündliche Berufungsverfahren angeordnet.  

 

Die K. AG und C. liessen sich innert Frist nicht vernehmen. 

 

3.4. 

Am 21. Oktober 2021 begründete die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Lau-

fenburg ihre Berufung. Sie hielt vollumfänglich an ihren bereits gestellten 

Anträgen fest.  

 

3.5. 

Mit Berufungsantwort vom 22. November 2021 beantragte der Beschul-

digte die Abweisung der Berufung, unter Kosten- und Entschädigungsfol-

gen zu Lasten der Staatskasse.  

 

3.6. 

Die Berufungsverhandlung fand am 22. November 2022 statt. Es wurden 

der Beschuldigte sowie der Zeuge B. befragt.  

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung der Staatsanwaltschaft richtet sich gegen den vorinstanzli-

chen Freispruch vom Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung ge-

mäss Art. 158 Ziff. 2 StGB und damit einhergehend gegen die Strafzumes-

sung, die Kostenverlegung (Verteilschlüssel) sowie die Befreiung des Be-

schuldigten von der Rückzahlung der Kosten der amtlichen Verteidigung. 

Im Übrigen ist das Urteil in Rechtskraft erwachsen und nicht mehr zu über-

prüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO).  

 

 - 9 - 

 

 

 

2. 

2.1. 

Gemäss Anklage soll sich der Beschuldigte der ungetreuen Geschäftsbe-

sorgung gemäss Art. 158 Ziff. 2 StGB schuldig gemacht haben, weil er im 

Namen und auf Kosten seiner (ehemaligen) Arbeitgeberin, der K. AG, eine 

Wärmepumpe bestellt habe, ohne die Bestellung vorgängig durch die Ge-

schäftsleitung autorisieren zu lassen.  

 

2.2. 

Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten vom Vorwurf der ungetreuen Ge-

schäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 2 StGB frei. Sie ging davon aus, 

der Beschuldigte sei im Januar 2019 ermächtigt gewesen, eine Wärme-

pumpe für den Eigenbedarf zu bestellen. Ihm sei erst ab Mai 2019 unter-

sagt worden, Privatbestellungen im Namen der K. AG zu tätigen. Zudem 

habe er den Geschäftsführer der K. AG, B., im Dezember 2018 darüber 

informiert, dass er eine Wärmepumpe für den Eigenbedarf bestellen wolle. 

Er habe diese Wärmepumpe – mittels Lohnabzügen – ratenweise auch be-

zahlen wollen. Nachdem ihm die K. AG die Rechnung für die Wärmepumpe 

zugestellt habe, habe er der Firma gegenüber sofort signalisiert, dass er 

die Rechnung bezahlen werde, womit es ihm an Bereicherungsabsicht ge-

fehlt habe (vorinstanzliches Urteil E. 2.8.2).   

 

2.3. 

Die Staatsanwaltschaft macht berufungsweise geltend, dass dem Beschul-

digten bereits Mitte des Jahres 2018 mitgeteilt worden sei, dass er private 

Bestellungen im Namen der K. AG vorgängig mit der Geschäftsleitung ab-

sprechen müsse. Trotzdem habe er im Januar 2019 eigenmächtig eine 

Wärmepumpe für den Eigenbedarf bestellt und durch die Firma bezahlen 

lassen, ohne Absicht, den Kaufpreis zurückzubezahlen. Die Wärmepumpe 

habe der Beschuldigte gegenüber B. weder vor noch nach der Bestellung 

und auch während des Kündigungsprozesses nicht erwähnt. Nach der Kün-

digung im Mai 2019 habe er keine Absicht gezeigt, die Wärmepumpe be-

zahlen zu wollen. Auch in der Aufstellung seiner Schulden gegenüber der 

K. AG vom Juni 2019 seien die Kosten für die Wärmepumpe nicht aufge-

führt gewesen. Dies zeige, dass er die Bestellung habe verheimlichen wol-

len. Deshalb habe er der F. AG den Vorschlag gemacht, nur eine anstatt 

zwei separate Rechnungen zu erstellen und nach Erhalt der Rechnung vom 

19. Januar 2019 habe er die relevante Seite 4 entfernt. Anlässlich der Be-

rufungsverhandlung verwies die Staatsanwaltschaft auf ihre bereits ge-

machten Ausführungen (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 21).  

 

2.4. 

In seiner Berufungsantwort macht der Beschuldigte geltend, dass er im 

Zeitpunkt der Bestellung der Wärmepumpe, am 11. Januar 2019, noch er-

mächtigt gewesen sei, Bestellungen für den Eigenbedarf ohne Rückspra-

che mit der Geschäftsleitung zu tätigen. Es gebe keinen Nachweis, dass 

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ihm bereits Mitte des Jahres 2018 untersagt worden sei, keine Bestellun-

gen für den Eigenbedarf ohne Rücksprache zu tätigen. Dies sei auch im 

Hinblick darauf, dass er erst am 1. Dezember 2017 bei der K. AG angefan-

gen habe, nicht nachvollziehbar. Ihm sei zudem bewusst gewesen, dass 

sämtliche Rechnungen durch den Vorgesetzten überprüft würden. Es sei 

auch nirgends belegt, dass die Seite 4 der Rechnung der F. AG vom 16. Ja-

nuar 2019 entfernt worden sei. Anlässlich der Berufungsverhandlung 

machte der Beschuldigte zusätzlich geltend, dass Herr D. von der F. AG 

ihm bestätigt habe, dass er (Herr D.) die Bestellung der Wärmepumpe mit 

B. abgesprochen habe und dass beides direkt über die Firma bezahlt 

werde. Ausserdem habe er keine Ermächtigung übertreten oder miss-

braucht, die ihm eingeräumt worden wäre. Auch sei offen, gegen welche 

Treuepflicht er verstossen haben solle. Es fehle an einem behördlichen 

Auftrag oder Rechtsgeschäft zum selbständigen Einkauf für private Ge-

schäfte (Plädoyer vom 22. November 2022 Ziff. 3 S. 5). Die weiteren von 

B. zum Nachteil des Beschuldigten erhobenen Vorwürfe seien aus der Luft 

gegriffen (Plädoyer vom 22. November 2022 Ziff. 4 S. 6).  

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten (Untersuchungsakten 

[UA] act. 19 ff.; Verfahrensakten Vorinstanz [VA] act. 223 ff.), von B. (ehe-

maliger Präsident des Verwaltungsrates der K. AG, UA act. 29 ff. und UA 

act. 37 ff.) und E. (damals Assistentin der Administration bei der K. AG, 

heute Geschäftsführerin, UA act. 59 ff.) umfassend und korrekt zusammen-

gefasst, weshalb darauf verwiesen werden kann (vorinstanzliches Urteil E. 

2.5.1.). Mit heutigem Datum wurden der Beschuldigte und der Zeuge B. 

befragt.  

 

Des Weiteren liegen dem Obergericht der Arbeitsvertrag zwischen dem Be-

schuldigten und der K. AG vom 2. November 2017 (UA act. 76 ff.), die 

Rechnung der F. AG vom 16. Januar 2019 (UA act. 43 f. [Seiten 1 und 2) 

und darauffolgend act. 67 bis 70 [Seiten 5 bis 8] und UA act. 75 [mit zusätz-

lichen handschriftlichen Notizen] und nochmals ab Seite 3 der Rechnung 

in UA act. 45 [auf UA act. 82 folgend, nicht chronologisch geordnet] mit der 

vorne fehlenden Seite 4), E-Mails von D. von der F. AG (UA act. 71 f.), die 

Rechnung der K. AG vom 16. September 2019 (UA act. 73), ein Schreiben 

des Beschuldigten vom 2. Oktober 2019 (UA act. 74) sowie die Aktennotiz 

vom 22. Mai 2019 (UA act. 54) vor.   

 

3.2. 

3.2.1. 

Der Beschuldigte hat vom 1. Dezember 2017 bis zum 31. Juli 2019 als 

Sachbearbeiter / Projektleiter Heizung für die K. AG mit Sitz in U. gearbeitet 

(Arbeitsvertrag vom 2. November 2017 UA act. 76 ff.; Einvernahme mit dem 

Beschuldigten vom 4. November 2019 UA act. 21 Frage 10). Am 11. Januar 

 - 11 - 

 

 

 

2019 hat er bei der Firma F. AG eine Wärmepumpe für den Eigenbedarf 

bestellt, welche er in der von ihm bewohnten Liegenschaft in S. einbaute 

(Rechnung vom 16. Januar 2019 UA act. 43; Einvernahme mit dem Be-

schuldigten vom 4. November 2019 in UA act. 22 Fragen 17 und 23). Diese 

Bestellung liess der Beschuldigte über das Projekt "[Strasse und Hausnum-

mer] in V." laufen. Die Wärmepumpe wurde im Rahmen des erwähnten 

Projektes abgerechnet und am 17. April 2019 von der K. AG bezahlt (Rech-

nung vom 16. Januar 2019 UA act. 51, Vermerk "überwiesen 17. April 

2019). Der Beschuldigte hat die Bestellung der Wärmepumpe für den Ei-

genbedarf anlässlich des Kündigungsgesprächs gegenüber seinem dama-

ligen Vorgesetzten B. nicht erwähnt (Einvernahme mit dem Beschuldigten 

vom 4. November 2019 UA act. 24 Frage 38). Im September 2019, einige 

Zeit nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses, hat der Beschuldigte die 

Rechnung für die Wärmepumpe in Höhe von Fr. 9'559.32 beglichen (Rech-

nung der K. AG vom 16. September 2019 UA act. 73; Schreiben des Be-

schuldigten vom 2. Oktober 2019 UA act. 74; Einvernahme mit B. vom 

23. Juni 2019 UA act. 40 Frage 25).  

 

Erstellt ist des Weiteren, dass dem Beschuldigten seitens von B. am 22. 

Mai 2019 per sofort untersagt wurde, private Materialbezüge über das Ge-

schäft bzw. die Telefonkarte zu tätigen. Der Beschuldigte hat unterschrift-

lich bestätigt, über diese Vorgaben in Kenntnis gesetzt worden zu sein (Ak-

tennotiz UA act. 54).  

 

3.2.2. 

Umstritten ist, ob B. dem Beschuldigten anlässlich eines Gesprächs, an 

welchem auch seine Frau anwesend gewesen sein soll, bereits ungefähr 

Mitte 2018 untersagt hat, private Bestellungen ohne Autorisierung durch 

die Geschäftsleitung zu tätigen (Einvernahme mit B. vom 23. Juni 2019 UA 

act. 39 Fragen 19 ff.). Die Vorinstanz ging in dubio pro reo davon aus, dass 

nicht nachweisbar sei, dass es diese mündliche Mitteilung seitens von B. 

von Mitte 2018 tatsächlich gegeben habe (vorinstanzliches Urteil E. 2.7.3.).  

 

Des Weiteren ist umstritten, ob der Beschuldigte B. über die Bestellung der 

Wärmepumpe in Kenntnis gesetzt hat. Die Vorinstanz ging wiederum in du-

bio pro reo von der Sachverhaltsdarstellung des Beschuldigten und mithin 

davon aus, dass B. über die Bestellung der Wärmepumpe informiert wor-

den ist (vorinstanzliches Urteil E. 2.7.4.).  

 

Ebenfalls umstritten ist, ob der Beschuldigte die Seite 4 der Rechnung der 

F. AG vom 16. Januar 2019, worauf die von ihm bestellte Wärmepumpe in 

einer separaten Position aufgeführt ist, vor der Retournierung an B. entfernt 

hat. Gemäss der Vorinstanz sei nicht nachweisbar, dass der Beschuldigte 

die Seite 4 der Rechnung entfernt habe (vorinstanzliches Urteil E. 2.7.5.).   

 

 - 12 - 

 

 

 

3.3. 

3.3.1. 

Der Beschuldigte macht geltend, dass B. mit der Bestellung der Wärme-

pumpe einverstanden gewesen sei. Er habe ihn im Dezember 2018 dar-

über informiert (Einvernahme mit dem Beschuldigten vom 4. November 

2019 UA act. 24 Frage 34). Die Kosten für die Wärmepumpe hätten ihm in 

zwei oder drei Raten (Version Einvernahme bei der Kantonspolizei) bzw. in 

Raten à Fr. 100.00 pro Monat (Version Befragung vor der Vorinstanz) vom 

Lohn abgezogen werden sollen (Einvernahme mit dem Beschuldigten vom 

4. November 2019 UA act. 22 Frage 18 und UA act. 24 Fragen 35 f.; VA 

act. 235).  

 

3.3.2. 

Davon, dass der Beschuldigte die Bestellung der Wärmepumpe gegenüber 

B. nie, auch nicht im Rahmen des Kündigungsprozesses, erwähnt hat (Ein-

vernahme mit dem Beschuldigten vom 4. November 2019 UA act. 24 Frage 

38, Protokoll der Berufungsverhandlung S. 6 und 8), ist aus folgenden 

Gründen auszugehen: Bei einer Bestellung in der Grössenordnung von 

Fr. 9'559.35 war zu erwarten, dass der Beschuldigte die Bestellung zeitnah 

erwähnt und sich mit B. über die Rückzahlungsmodalitäten abspricht. In 

diesem Fall hätte die K. AG die Rückzahlungsmodalitäten mit Sicherheit 

schriftlich festgehalten, wie dies auch bei den übrigen Ausständen des Be-

schuldigten gemacht wurde (vgl. UA act. 28). Der Beschuldigte gibt – im 

Nachhinein – selber zu, dass er in der Pflicht gewesen wäre, die Bestellung 

der Wärmepumpe im Rahmen des Kündigungsprozesses zu erwähnen. 

Dass dies bei ihm untergegangen sei (Einvernahme mit dem Beschuldigten 

vom 4. November 2019 UA act. 24 Frage 38), ist nicht glaubhaft. Eine Be-

stellung in geringer Höhe könnte allenfalls untergehen, nicht aber eine Wär-

mepumpe, die rund Fr. 10'000.00 kostet. Der Beschuldigte wollte die Be-

stellung der Wärmepumpe offensichtlich vor B. verheimlichen. B. hatte bis 

im September 2019 keine Kenntnis von der Bestellung der Wärmepumpe 

bzw. er hat von der Bestellung erst erfahren, nachdem der Beschuldigte 

bereits nicht mehr bei der K. AG gearbeitet hat (Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 7).  

 

Auch im "Schuldenkonto A." vom 25. Juni 2019 (UA act. 28) ist die Wärme-

pumpe, im Gegensatz zu anderen privaten Bestellungen des Beschuldig-

ten (AC., AD., AS.), nicht aufgeführt. Die Kosten für die Wärmepumpe wä-

ren von der K. AG, sofern sie davon Kenntnis gehabt hätte, in das Schul-

denkonto aufgenommen worden. Der Beschuldigte hatte die Bestellung 

vom 11. Januar 2019 nie erwähnt. Dass er dies auch anlässlich der Been-

digung des Arbeitsverhältnisses (am 31. Juli 2019) unterliess, unterstreicht, 

dass er die Bestellung gar nie angeben wollte und auch nicht angegeben 

hat.  

 

 - 13 - 

 

 

 

Dafür, dass der Beschuldigte die Bestellung der Wärmepumpe gegenüber 

der K. AG verheimlichen wollte, spricht auch, dass private Materialbezüge 

in anderen Fällen jeweils auf separaten Rechnungen ausgewiesen und 

dem Beschuldigten vom Lohn abgezogen worden sind (Einvernahme mit 

B. vom 6. November 2019 UA act. 31 f. Fragen 16 f.; UA act. 33 Frage 27; 

Einvernahme mit B. vom 23. Juni 2020 UA act. 39 f. Fragen 16 und 18 bis 

21). Der Beschuldigte musste bei Bestellungen für den Eigenbedarf stets 

eine separate Rechnung verlangen (Einvernahme mit B. vom 6. November 

2019 UA act. 32 Frage 17; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 6). Dies 

macht aus buchhalterischer Sicht Sinn. D. von der F. AG hat zunächst ge-

trennte Offerten für das Projekt V. und die Wärmepumpe erstellt. Der Be-

schuldigte hat ihn explizit um eine Gesamtrechnung gebeten (Polizeirap-

port vom 7. November 2019 Seite 3 UA act. 15; E-Mails von D. UA act. 71 

f.), was nur Sinn macht und nur so erklärt werden kann, dass der Beschul-

digte die Bestellung der Wärmepumpe zu seinen Gunsten verheimlichen 

wollte. Dass die Wärmepumpe bestellt worden ist, hat die K. AG erst im 

September 2019 bzw. nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit dem 

Beschuldigten (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7), durch Zufall, er-

fahren. Hätte sie früher von dieser Bestellung Kenntnis gehabt, würde eine 

entsprechende Rechnung oder zumindest ein Eintrag im Schuldenkonto 

existieren.  

 

Das Argument des Beschuldigten, dass er bessere Konditionen hatte, 

wenn er mehr bestellt hat (Einvernahme mit dem Beschuldigten vom 4. No-

vember 2019 UA act. 22 Frage 16; Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 16), ist nachvollziehbar. Dies bedeutet aber nicht, dass alle bestellten 

Waren jeweils in einer Gesamtrechnung aufgeführt werden mussten, um 

den Rabatt zu erhalten. Gemäss D. von der F. AG war es im Übrigen eben 

gerade möglich, zwei separate Rechnungen zu erstellen (Polizeirapport 

vom 7. November 2019 Seite 3 UA act. 15).  

 

3.4. 

3.4.1. 

Der Beschuldigte und B. sind sich einig, dass der Beschuldigte in seiner 

Funktion als Sachbearbeiter / Projektleiter Heizung für Warenbestellungen, 

Preisverhandlungen und die Vereinbarung von Lieferterminen für bestellte 

Waren verantwortlich war (Einvernahme mit dem Beschuldigten vom 4. No-

vember 2019 UA act. 21 Fragen 12 und 14; Einvernahmen mit B. vom 

6. November 2019 UA act. 31 Fragen 11 und 14 und vom 23. Juni 2020 UA 

act. 39 Frage 15). Er bestreitet, dass ihm bereits Mitte 2018 mitgeteilt 

wurde, dass er keine Eigenbedarfsbestellungen mehr vornehmen darf (Ein-

vernahme mit dem Beschuldigten vom 4. November 2019 UA act. 22 Frage 

18; VA act. 229 f.). Dass er ab dem 22. Mai 2019 keine Materialbestellun-

gen zum Eigenbedarf mehr tätigen durfte, ist erstellt (Aktennotiz in UA act. 

54).  

 

 - 14 - 

 

 

 

3.4.2. 

B. sagte aus, dass private Materialbestellungen durch Mitarbeiter der K. AG 

nur für den persönlichen Bedarf erlaubt waren und nicht für Arbeitsleistun-

gen in der Freizeit verwendet werden durften. Die Geschäftsleitung der K. 

AG hat geduldet, dass ihre Angestellten für Kollegen etwas repariert haben, 

wobei Reparaturen zu Freundschaftspreisen gemeint waren. Eine Konkur-

renzierung der Firma war nicht erlaubt. Zudem musste die Rechnung für 

das bestellte Material umgehend beglichen werden (Einvernahme mit B. 

vom 23. Juni 2020 UA act. 39 Fragen 16 bis 20). Beim Beschuldigten war 

die K. AG nach Aussage von B. zunächst lockerer, bis sie gemerkt hätten, 

dass er nicht ganz "sauber" sei. Aus dem Kontext ergibt sich, dass sich 

"lockerer" auf private Arbeitsleistungen für Kollegen bezog und die K. AG 

zunächst geduldet hat, dass der Beschuldigte auch grössere Arbeiten ne-

benher verrichtet, zumal B. darüber informiert war, dass der Beschuldigte 

neben seiner Anstellung bei der K. AG ein eigenes Geschäft (VA act. 231) 

bzw. ein Nebenlager (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 8) führt und 

bei seinem Haus Umbauarbeiten vornahm (Protokoll der Berufungsver-

handlung S. 9). Nach einem Vorfall im Jahr 2018 sei mit dem Beschuldigten 

vereinbart worden, dass er keine Schwarzarbeit mehr ausführe (Einver-

nahme mit B. vom 23. Juni 2020 UA act. 39 Fragen 17 bis 20).  

 

Mitte 2018 gab es demnach eine mündliche Verwarnung gegenüber dem 

Beschuldigten. Dabei wurde dem Beschuldigten unter anderem Schwarz-

arbeit untersagt und damit auch private Materialbestellungen. Die bisheri-

gen privaten Bestellungen des Beschuldigten endeten denn auch just Mitte 

2018 (UA act. 28; vgl. "Schuldenkonto A." vom 25. Juni 2019 in UA act. 28, 

Bestellungen AC. vom 31. Januar und 5. März 2018 à Fr. 123.90 und 

Fr. 267.80 sowie Bestellungen AD. vom 27. März 2018 à Fr. 900.00 und 

AS. vom 12. Juni 2018 à Fr. 285.40; Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 16 und sinngemäss S. 5). Dass im Schuldenkonto des Beschuldigten ab 

Mai 2018 keine Privatbestellungen mehr aufgeführt waren (UA act. 28) be-

legt, dass ihm solche ab diesem Zeitpunkt verboten worden waren. 

 

3.4.3. 

Im Übrigen ist aber unerheblich, ob dem Beschuldigten bereits Mitte des 

Jahres 2018 seitens von B. mitgeteilt worden ist, dass er keine privaten 

Materialbestellungen ohne vorgängige Autorisierung mehr tätigen dürfe  

oder ob dies erst im Mai 2019 erfolgt ist. Anerkannt ist nämlich auch vom 

Beschuldigten, dass er private Bestellungen immer bei B. melden musste 

(vorgängig oder nachträglich, vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 

15). Die Wärmepumpe hat er, wie oben dargelegt, gegenüber B. nie er-

wähnt (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 6 und 9 und E. 3.3. S. 12 f. 

hiervor).  

 

 - 15 - 

 

 

 

3.5. 

3.5.1. 

In den Akten liegen mindestens zwei verschiedene Versionen der Rech-

nung der F. AG vom 16. Januar 2019. Eine Version der Rechnung umfasst 

acht, die andere Version zusätzlich den Einzahlungsschein und damit neun 

Seiten (Einvernahme mit B. vom 23. Juni 2020 UA act. 41 Frage 34). Bei 

der Version in UA act. 51 ist nur die Seite 1 vorhanden. Da diese Version 

keinen kleingedruckten Vermerk "Kopie" bzw. keinen Kopiestempel ent-

hielt, handelt es sich vermutlich um die Originalrechnung. Zudem sind ein 

Eingangsstempel – vermutlich von der K. AG – mit dem Datum 23. Januar 

2019 und der Vermerk "Kontrolle der Rech. A." enthalten. Gemäss B. 

stammt dieser Vermerk vom Beschuldigten (Einvernahme mit B. vom 

23. Juni 2020 UA act. 41 Frage 34). Die Version in UA act. 43 umfasst acht 

Seiten, ist mit "Kopie" bezeichnet und enthält einen Kopiestempel. Ausser-

dem unterscheiden sich die Schriften des auf beiden Versionen angebrach-

ten Vermerks "[Strasse] V. Wärmeerzeuger".  

 

3.5.2. 

Betreffend den Ablauf der Rechnungskontrollen sind sich der Beschuldigte 

und B. einig, dass eingehende Rechnungen durch B. vorkontrolliert wur-

den, bevor sie zur Kontrolle an die zuständigen Sachbearbeiter / Projektlei-

ter gingen. Danach wurden sie B. retourniert. Dieser überflog die Rechnun-

gen nochmals stichprobenartig. Danach gingen die Rechnungen in die 

Buchhaltung (Einvernahme mit dem Beschuldigten vom 4. November 2019 

UA act. 21 Frage 15; Einvernahme mit B. vom 6. November 2019 UA act. 

31 Fragen 15 und 22; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 4 und 14). B. 

sagte zudem aus, dass eingehende Rechnungen vorab durch die Buchhal-

tung kopiert würden, bevor sie zur ersten Durchsicht zu ihm kämen (Ein-

vernahme mit B. vom 23. Juni 2020 UA act. 40 Frage 28). 

 

3.5.3. 

Die Aussagen von B., dass die Seite 4 der Rechnung der F. AG vor der 

Retournierung an ihn entfernt worden ist, sind glaubhaft. Die Version mit 

neun Seiten, d. h. diejenige mit dem Einzahlungsschein, wurde in einem 

ersten Schritt in Zirkulation gegeben. Die Version mit acht Seiten, ohne Ein-

zahlungsschein, ist bei der Buchhaltung geblieben (Einvernahme mit B. 

vom 23. Juni 2020 UA act. 41 Frage 34). Der Beschuldigte hat die neun-

seitige Version der Rechnung bekommen. Er konnte die Seite 4 (auf wel-

cher die Wärmepumpe vermerkt war) der Rechnung vor der Retournierung 

an B. entfernen. In der achtseitigen Version, die bei der Buchhaltung ver-

blieben ist, war die relevante Seite 4 noch enthalten. Es ist somit davon 

auszugehen, dass der Beschuldigte diejenigen Seiten mit den Angaben 

über die Wärmepumpe aus der Gesamtrechnung entfernt hat, um die Be-

stellung vor B. bzw. der Buchhaltung zu verheimlichen. Es ist kein Grund 

 - 16 - 

 

 

 

ersichtlich, weshalb B. das Fehlen der Seite 4 erfunden haben sollte. Viel-

mehr war es unteranderem gerade dieser Umstand, der ihn stutzig ge-

macht hatte (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7).  

 

3.5.4. 

Das Vorbringen des Beschuldigten, es passe zum Gesamtbild der K. AG, 

dass die Seite 4 gefehlt habe, die Firma schulde ihm noch Geld (Einver-

nahme mit dem Beschuldigten vom 4. November 2019 UA act. 23 Fragen 

29 bis 31), erscheint abstrus. Vielmehr ist auf die glaubhaften Aussagen 

des vor Obergericht als Zeugen einvernommenen B. abzustellen, wonach 

bei der Originalrechnung die relevante Seite 4 fehlte, worauf die Wärme-

pumpe erwähnt war (Rechnung vom 16. Januar 2019 S. 4 in UA act. 46; 

Protokoll der Berufungsverhandlung S. 7).   

 

3.6. 

3.6.1. 

Insgesamt erachtet es das Obergericht entgegen der Vorinstanz vor allem 

aufgrund der Tatsache, dass der Beschuldigte die Bestellung der Wärme-

pumpe nie, auch nicht im Rahmen des Kündigungsprozesses, erwähnt hat, 

aber auch gestützt auf die glaubhaften Aussagen von B. (vgl. E. 3.3 und 

3.5.3 hiervor) als erstellt, dass er die Bestellung vor der K. AG nie deklarie-

ren wollte und entsprechend verheimlichet hat.  

 

Das Vorbringen des Beschuldigten, dass er die Wärmepumpe habe bezah-

len wollen, ist nicht glaubhaft. Er hat die Bestellung vom 11. Januar 2019 

gegenüber der K. AG nie erwähnt, was gegen einen Zahlungswillen spricht. 

Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit der K. AG per 31. Juli 2019 

musste der Beschuldigte betrieben werden (Einvernahme mit B. vom 

23. Juni 2020 UA act. 40 Frage 25; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 

7). Erst dann reagierte er und versprach, den offenen Betrag bis zum 

26. Oktober 2019 zu bezahlen (UA act. 74). Die Rechnung war auch am 

4. November 2019 noch nicht bezahlt. Der Beschuldigte hat Rechtsvor-

schlag gemacht, weil die K. AG am 19. September 2019 eine Gutschrift von 

der F. AG bekommen habe, die vorab abgezogen werden solle (Einver-

nahme mit dem Beschuldigten vom 4. November 2019 UA act. 24 f. Frage 

42). Von der Gutschrift erhielt der Beschuldigte aber frühestens im Septem-

ber 2019 Kenntnis.  

 

3.6.2. 

Auszugehen ist demnach von folgendem Sachverhalt: Der vom 1. Dezem-

ber 2017 bis zum 31. Juli 2019 für die K. AG tätige Beschuldigte war infolge 

seiner Funktion für den Einkauf von Waren für die K. AG zuständig. Neben 

Bestellungen für die K. AG war es ihm zudem anfänglich erlaubt, Waren für 

den privaten Bedarf zu bestellen. Private Bestellungen musste er aber im-

mer melden (vor- oder nachher). Ab Mitte 2018 waren ihm infolge einer 

Abmahnung private Warenbestellungen verboten respektive nur noch nach 

 - 17 - 

 

 

 

vorgängiger Einwilligung durch B. erlaubt. Am 11. Januar 2019 bestellte der 

Beschuldigte, ohne seinen Vorgesetzten zu informieren bzw. mit ihm Rück-

sprache zu nehmen, eine Wärmepumpe im Wert von rund Fr. 10'000.00 

bei der F. AG. Weder vor noch nach der Bestellung orientierte der Beschul-

digte die K. AG über die Bestellung der Wärmepumpe, auch nicht im Rah-

men des Kündigungsprozesses. Die K. AG erfuhr durch Zufall von dieser 

Bestellung und eine Rückzahlung erfolgte erst infolge einer von der K. AG 

eingeleiteten Betreibung (vgl. Strafbefehl vom 22. März 2021 und Beru-

fungsbegründung Ziff. 2.2.7).  

 

4. 

4.1. 

Wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung im Sinn des Missbrauchstatbe-

standes macht sich strafbar, wer in der Absicht, sich oder einen anderen 

unrechtmässig zu bereichern, die ihm durch das Gesetz, einen behördli-

chen Auftrag oder ein Rechtsgeschäft eingeräumte Ermächtigung, jeman-

den zu vertreten, missbraucht und dadurch den Vertretenen am Vermögen 

schädigt (Art. 158 Ziff. 2 StGB).  

 

Täter kann sein, wer durch Gesetz, behördlichen Auftrag oder Rechtsge-

schäft befugt ist, einen anderen zu vertreten. Der Täter des Missbrauchstat-

bestandes muss nicht zwingend über wesentliche Vermögensbestandteile 

verfügen dürfen. Der Missbrauchstatbestand will den Vertretenen hinsicht-

lich Situationen schützen, in welchen die Vertretungsmacht (Aussenver-

hältnis) und die Vertretungsbefugnis (Innenverhältnis) auseinanderfallen. 

Massgebliche Handlungssituation ist mithin, dass der Vertreter nach aus-

sen mehr kann als er darf. Der Umfang der Ermächtigung beurteilt sich 

grundsätzlich nach dem ihr zugrundeliegenden Rechtsgeschäft (Art. 33 

Abs. 2 OR), doch gilt anderes, sofern die Ermächtigung vom Vollmachtge-

ber einem Dritten mitgeteilt wird (Art. 33 Abs. 3 OR), in welchem Falle sich 

der Umfang nach Massgabe der erfolgten Mitteilung beurteilt. Keine An-

wendung findet der Tatbestand auf das Handeln ohne Ermächtigung, denn 

hier kann den Täter keine Treuepflicht treffen.  

 

Der Inhalt der Treuepflicht wird von Art. 158 nicht umschrieben, sondern 

ergibt sich aus dem Grundgeschäft und ist entsprechend jeweils für den 

konkreten Fall zu bestimmen. Massgebliche Basis zur Bestimmung der 

Pflichten des Geschäftsführers sind dabei insbesondere gesetzliche und 

vertragliche Bestimmungen, aber auch Statuten.  

 

Der Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung erfordert als Verlet-

zungsdelikt einen Vermögensschaden. Ob ein solcher vorliegt, beurteilt 

sich nach denselben Massstäben wie beim Tatbestand des Betruges. Ein 

Vermögensschaden liegt vor, wenn das Vermögen des Täuschungsopfers 

nach Vornahme der irrtumsbedingten Vermögensverfügung in seinem Ge-

samtwert – durch Verringerung der Aktiven oder Vermehrung der Passiven 

https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=m5pw64s7obpwc4tul4ztg
https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=m5pw64s7obpwc4tul4ztg
https://app.legalis.ch/legalis/document-view.seam?documentId=m5pw64s7obpwc4tul4ztg

 - 18 - 

 

 

 

– tatsächlich vermindert ist, wobei ein vorübergehender Schaden genügt 

(zum Ganzen MARCEL ALEXANDER NIGGLI in: Niggli/ Wiprächtiger [Hrsg.], 

Basler Kommentar Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N 57, 60, 143 f., 146 f. und 168 

zu Art. 158 StGB; BGE 142 IV 346 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 

6B_936/2019 vom 20. Mai 2020 E. 2.3, je mit Hinweisen).  

 

4.2. 

Der Beschuldigte war im Zeitraum vom 1. Dezember 2017 bis zum 31. Juli 

2019 und damit auch im Januar 2019 als Sachbearbeiter / Projektleiter Hei-

zung bei der K. AG mit Sitz in U. angestellt (Arbeitsvertrag vom 2. Novem-

ber 2017 UA act. 76). Die Anforderungen und Erwartungen an ihn und mit-

hin auch seine Befugnisse sind gemäss Ziff. 14 des Arbeitsvertrages vom 

2. November 2017 in einem Stellenbeschrieb festgehalten worden. Dieser 

Stellenbeschrieb liegt den Akten nicht bei. Der Beschuldigte und B. sind 

sich aber einig, dass der Beschuldigte für die Akquirierung von Kunden, 

Ausfertigung von Offerten, Materialbestellungen, Planung von Heizungsan-

lagen und ähnliches zuständig war (Einvernahme mit dem Beschuldigten 

vom 4. November 2019 UA act. 21 Fragen 12 und 14; Einvernahme mit B. 

vom 6. November 2019 UA act. 31 Fragen 12 und 14; Protokoll der Beru-

fungsverhandlung S. 3 f. und 14). Der Beschuldigte war damit gegenüber 

den Vertragspartnern der K. AG insbesondere für die Bestellung von Wa-

ren, für selbständige Preisverhandlung sowie für die Vereinbarung von Lie-

ferterminen von Bestellungen für die K. AG verantwortlich. Firmenintern 

war dem Beschuldigten bekannt, dass er Warenbestellungen für den Ei-

genbedarf der Geschäftsleitung der K. AG melden musste. Indem er am 

11. Januar 2019 bei der F. AG eine Wärmepumpe für den Eigenbedarf be-

stellte, ohne B. oder jemand anderen von der Geschäftsleitung der K. AG 

zu informieren, missbrauchte er seine nach aussen bestehende Vertre-

tungsbefugnis für diese private Bestellung, zumal er für Warenbestellungen 

eine umfassende Ermächtigung innehatte. Der Beschuldigte war von An-

fang an verpflichtet, private Warenbestellungen zu melden, seit ungefähr 

Mitte 2018 war er zudem verpflichtet, hinsichtlich privater Warenbestellun-

gen B. um Erlaubnis zu fragen.  

 

4.3. 

Die Wärmepumpe inklusive Zubehör im Gesamtwert von Fr. 8'875.91 (vgl. 

Rechnung der F. AG vom 16. Januar 2019 Seiten 4 bis 8 UA act. 45 bis 50 

[Positionsnetto]) bzw. zuzüglich Mehrwertsteuer von Fr. 9'559.35 (vgl. 

Rechnung der K. AG vom 16. September 2019 UA act. 73) wurde von der 

K. AG im Rahmen der Gesamtrechnung für das Projekt [Strasse] V. bezahlt 

(vgl. Vermerk "Überwiesen 17. April 2019" auf der Rechnung der F. AG 

vom 16. Januar 2019 Seite 1 UA act. 51). Erst nachdem er von der K. AG 

betrieben wurde, hat der Beschuldigte die Rechnung für die Wärmepumpe 

im Herbst Jahr 2019 beglichen (vgl. VA act. 238). Die K. AG war damit über 

einen Zeitraum von rund einem halben Jahr in ihrem Vermögen geschädigt 

(Verminderung der Aktiven).  

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 - 19 - 

 

 

 

Insgesamt erfüllte der Beschuldigte in objektiver Hinsicht den Tatbestand 

der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 2 StGB.  

 

4.4. 

4.4.1. 

Subjektiv ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt (Art. 12 

Abs. 2 StGB). Der Vorsatz muss sich insbesondere auf den Missbrauch 

bzw. die Überschreitung der Ermächtigung beziehen, auf die rechtlich bin-

dende Wirkung des eigenen Vertretungshandelns, die Verletzung der wohl-

verstandenen Interessen des Vertretenen und den daraus resultierenden 

Vermögensschaden auf Seiten des Vertretenen.  

 

Zudem verlangt Art. 158 Ziff. 2 StGB die Absicht unrechtmässiger Berei-

cherung. Analog zum Treubruchtatbestand meint auch hier Bereicherungs-

absicht das eigentliche Handlungsziel (also dolus directus ersten Grades) 

und nicht eine Vorsatzform, weshalb Eventualabsicht auf unrechtmässige 

Bereicherung nicht genügt (a. A. die wohl h. L. allerdings üblicherweise 

ohne Begründung). Ersatzbereitschaft kann Bereicherungsabsicht aus-

schliessen (zum subjektiven Tatbestand MARCEL ALEXANDER NIGGLI, 

a.a.O., N 171 f. zu Art. 158 StGB). 

 

4.4.2. 

Der Beschuldigte wusste, dass er ab Mitte 2018 nur nach vorgängiger Au-

torisierung durch die Geschäftsleitung zu privaten Materialbestellungen er-

mächtigt war (vgl. dazu E. 3.4.2 hiervor); eine entsprechende Mitteilungs-

pflicht galt im Übrigen unabhängig von einem explizit ausgesprochenen 

Verbot (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 4). Indem der Beschuldigte 

im Januar 2019 ohne Rücksprache mit B. oder jemand anderem von der 

Geschäftsleitung der K. AG im Rahmen des Projektes [Strasse] V. eine 

Wärmepumpe bei der F. AG bestellt hat (und auch nach der Bestellung 

niemanden darüber informierte), missbrauchte er die ihm erteilte Ermächti-

gung zur Bestellung von Waren für Projekte der K. AG. Der Beschuldigte 

hat weder vor noch nach der Bestellung und auch nach Beendigung des 

Arbeitsverhältnisses die Wärmepumpe gegenüber der K. AG erwähnt, ob-

wohl die Firma die Wärmepumpe bezahlt hat, was der Beschuldigte 

wusste. Er wollte, dass nicht er, sondern die K. AG die Wärmepumpe im 

Rahmen des Projektes [Strasse] V. bezahlte, womit er die Absicht hatte, 

sich – auf Kosten der K. AG – unrechtmässig zu bereichern.  

 

4.4.3. 

Der Beschuldigte hat somit vorsätzlich sowie in unrechtmässiger Bereiche-

rungsabsicht gehandelt und damit auch den subjektiven Tatbestand der 

ungetreuen Geschäftsbesorgung erfüllt. 

 

 - 20 - 

 

 

 

4.5. 

Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind keine ersichtlich. Die 

Berufung der Staatsanwaltschaft erweist sich betreffend die ungetreue Ge-

schäftsbesorgung im Schuldpunkt als begründet. Der Beschuldigte hat sich 

durch die Bestellung der Wärmepumpe ohne Autorisierung durch die Ge-

schäftsleitung der K. AG am 11. Januar 2019 der ungetreuen Geschäfts-

besorgung nach Art. 158 Ziff. 2 StGB schuldig gemacht. 

 

5. 

Die Schuldsprüche wegen den SVG Delikten (einfache Verkehrsregelver-

letzungen durch nicht vollständiges Anhalten bei einem Stopp-Signal und 

fahrlässige Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ausserorts) 

sind nicht angefochten worden und damit in Rechtskraft erwachsen.  

 

Dasselbe gilt für die als Prozessurteil ergangene Verfahrenseinstellung ge-

mäss Art. 329 Abs. 4 StPO i.V.m. Art. 320 StPO betreffend die Tatbestände 

der Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 1 StGB), der Beschimpfung (Art. 177 StGB) 

und der geringfügigen Sachbeschädigung (Art. 144 Abs. 1 StGB i.V.m. 

Art. 172ter StGB).  

 

6. 

6.1. 

Der Missbrauchstatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss 

Art. 158 Ziff. 2 StGB ist mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geld-

strafe bedroht.  

 

Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 

Fr. 80.00, unbedingt sowie die Anrechnung des Depositums in Höhe von 

Fr. 100.00 an die Geldstrafe. Für die Busse von Fr. 100.00 für die Verkehrs-

delikte sei eine Ersatzfreiheitsstrafe von zwei Tagen festzulegen.  

 

Der Beschuldigte äussert sich für den Fall eines Schuldspruchs nicht zur 

Strafzumessung.  

 

6.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 127 IV 101 E. 2.b; BGE 145 IV 1; BGE 

142 IV 265 E. 2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_460/2010 

vom 4. Februar 2011 E. 3.3.4). Darauf kann verwiesen werden.   

 

6.3. 

Der Beschuldigte ist vorbestraft, hinsichtlich der ungetreuen Geschäftsbe-

sorgung jedoch nicht einschlägig (UA act. 1). Er lebt in stabilen persönli-

chen Verhältnissen (Einvernahme mit dem Beschuldigten vom 6. Septem-

ber 2020 UA act. 9 Fragen 3 ff.; Protokoll der Berufungsverhandlung S. 10 

 - 21 - 

 

 

 

f.). Seine finanzielle Situation war im Zeitpunkt der erstinstanzlichen Haupt-

verhandlung angespannt (VA act. 232; Einvernahme mit dem Beschuldig-

ten vom 6. September 2020 UA act. 9 f. Fragen 8 ff.). Der Beschuldigte war 

jedoch optimistisch, dass seine Firma in rund zwei Jahren besser laufen 

werde (VA act. 232). Zwischenzeitlich ist er wieder fest angestellt und er-

zielt ein regelmässiges Einkommen (Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 11). Insgesamt sind keine Gründe ersichtlich, weshalb sich eine Geld-

strafe präventiv nicht als zweckmässig erweisen sollte. Somit ist eine Geld-

strafe auszusprechen.  

 

6.4. 

6.4.1. 

Das Gericht bemisst die Strafe innerhalb des gesetzlichen Strafrahmens 

nach dem Verschulden. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönli-

chen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters 

(Art. 47 Abs. 1 StGB). Ausgangspunkt für die Bestimmung des Verschul-

dens ist die Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen 

Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). 

 

6.4.2. 

Der Beschuldigte hat eine Wärmepumpe im Wert von Fr. 9'559.35 (UA act. 

73) für den Eigebedarf bestellt. Er war verpflichtet, Bestellungen – in jegli-

cher Höhe – für den privaten Gebrauch bei der Geschäftsleitung absegnen 

zu lassen. Der Beschuldigte hat diese Vorschrift zum Nachteil der K. AG 

umgangen. Erst nachdem er betrieben worden ist, hat er die offene Rech-

nung beglichen. Bei der Wärmepumpe handelte es sich um eine grössere 

private Bestellung. Im Hinblick auf den Vertrauensmissbrauch gegenüber 

der K. AG und den Wert der Wärmepumpe ist sein Verschulden insgesamt 

als mittelschwer einzustufen.  

 

In Bezug auf die Täterkomponente ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 

eine nicht einschlägige Vorstrafe aus dem Jahr 2014 hat, was sich leicht 

straferhöhend auswirkt. Weitere relevante strafmindernde oder straferhö-

hende Faktoren sind nicht ersichtlich. Die Strafempfindlichkeit des Beschul-

digten erscheint durchschnittlich, zumal vorliegend nur eine Geldstrafe und 

nicht eine Freiheitsstrafe auszusprechen ist.  

 

Die von der Staatsanwaltschaft beantragte Geldstrafe von 180 Tagessät-

zen erscheint im Hinblick auf das mittelschwere Verschulden des Beschul-

digten als angemessen.  

 

6.5. 

Massgebende Kriterien für die Bestimmung der Tagessatzhöhe sind das 

Einkommen, das Vermögen und der Lebensaufwand des Beschuldigten, 

mögliche Unterstützungspflichten und die persönlichen Verhältnisse sowie 

das Existenzminimum (BGE 142 IV 315 E. 5 = Pra 2018 Nr. 52, Bestätigung 

 - 22 - 

 

 

 

der bisherigen Rechtsprechung). Ausgangspunkt ist das Nettoeinkommen, 

das der Täter im Zeitpunkt des Urteils durchschnittlich erzielt bzw. alle geld-

werten Leistungen, die ihm zufliessen (BGE 134 IV 60 E. 6.1; Urteil des 

Bundesgerichts 6B_744/2020 vom 26. Oktober 2020 E. 2.2.2.).  

 

Der Beschuldigte ist als Angestellter bei der AH. in QR. tätig. Er arbeitet in 

einem 50 % Pensum. Im Umfang von 50 % wird ihm von der AI. – infolge 

eines Unfalls im Jahr 2011 – eine Entschädigung ausgerichtet. Netto ver-

dient der Beschuldigte pro Monat Fr. 4'641.60 (vgl. Lohnabrechnung Au-

gust 2022 in den Berufungsakten). Er erhält einen 13. Monatslohn (Proto-

koll der Berufungsverhandlung S. 11). Seine Ehefrau arbeitet in einem klei-

nen Pensum bei der AJ. und erzielt ein Einkommen von Fr. 900.00 bis 

Fr. 1'900.00 (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 11). Die beiden Söhne 

sind volljährig (UA act. 3), leben noch zu Hause, sind wirtschaftlich aber 

selbständig (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 11). Insgesamt er-

scheint, unter Berücksichtigung eines Pauschalabzuges für die Kranken-

kasse und die Steuern von 20 %, eines Abzuges für die vom Beschuldigten 

unterstützte, in einem kleinen Pensum arbeitende Ehefrau von 10 % sowie 

eines Abzuges infolge der hohen Anzahl Tagessätze von weiteren 15 % 

ausgehend von einem monatlichen Nettoeinkommen des Beschuldigten 

von Fr. 4'900.00 (inkl. 13. Monatslohn) ein Tagessatz von Fr. 100.00 als 

angemessen.  

 

6.6. 

6.6.1. 

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn 

eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der 

Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 

StGB). Wurde der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu einer 

bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten 

verurteilt, so ist der Aufschub nur zulässig, wenn besonders günstige Um-

stände vorliegen (Art. 42 Abs. 2 StGB).  

 

Die Staatsanwaltschaft stellt dem Beschuldigten im Hinblick auf seine Vor-

strafe keine günstige Prognose aus, weshalb die Geldstrafe unbedingt aus-

zusprechen sei.  

 

6.6.2. 

Im Hinblick auf die Vorstrafe aus dem Jahr 2014 ist dem Beschuldigten an 

sich keine gute Legalprognose auszustellen. Seine ansonsten stabile Le-

benssituation kann ihn aber knapp vor dem unbedingten Vollzug bewahren. 

Der Beschuldigte ist mittlerweile wieder als Angestellter tätig. Anlässlich der 

Berufungsverhandlung teilte der Beschuldigte mit, dass über ihn der Kon-

kurs eröffnet worden sei und er zudem Privatkonkurs angemeldet habe 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 11). Die Festanstellung und der 

 - 23 - 

 

 

 

über ihn bereits eröffnete Konkurs (vgl. Entscheid des Präsidiums des Zi-

vilgerichts Laufenburg vom 17. Januar 2022 im Verfahren [Verfahrensnum-

mer]) bzw. der im Zeitpunkt der Urteilsfällung angemeldete Privatkonkurs 

(vgl. Verfügung des Präsidiums des Zivilgerichts Laufenburg vom 27. Ok-

tober 2022 betreffend Kostenvorschuss im Verfahren [Verfahrensnummer]; 

Konkurseröffnung erfolgte per [Datum und Uhrzeit]) zeigen, dass der Be-

schuldigte notwendige Veränderungen erkannt und in die Wege geleitet 

hat. Für eine positive Prognose spricht auch, dass der Beschuldigte in in-

takten familiären Verhältnissen lebt und seit einiger Zeit keinen Alkohol 

mehr trinkt. Um die Abstinenz zu erreichen, hat er sich Unterstützung ge-

holt, was ebenfalls vom Willen für positive Veränderungen zeugt (Protokoll 

der Berufungsverhandlung S.12 f.). Im Hinblick auf diese Umstände ist zu 

erwarten, dass er sich künftig wohlverhält und die Grundlagen für seine 

Existenz, welche er sich insbesondere durch seine Anstellung erarbeitet 

hat, nicht leichtfertig aufs Spiel setzt. Die Geldstrafe ist demnach bedingt 

auszusprechen (Art. 42 Abs. 2 StGB). Damit der Beschuldigte aber länger-

fristig Stabilität erreicht und sich des Ernstes der Situation bewusst bleibt, 

ist die Probezeit auf 5 Jahre festzulegen (Art. 44 Abs. 1 StGB).   

 

6.7. 

Um dem Verschulden des Beschuldigten gerecht zu werden sowie um ne-

ben der bedingten Geldstrafe eine Warnwirkung zu erzielen, ist zusätzlich 

zur bedingten Geldstrafe eine Verbindungsbusse auszusprechen (Art. 42 

Abs. 4 StGB). Unter Berücksichtigung ihrer untergeordneten Bedeutung, 

der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse und des Verschuldens des 

Beschuldigten sowie des Umstands, dass das Bundesgericht die Ober-

grenze der Verbindungsstrafe auf 20 % der schuldangemessenen gesam-

ten Strafe festgelegt hat (BGE 135 IV 188 E. 3.4.4; vgl. auch Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1232/2013 vom 31. Januar 2014 E. 5), erscheint eine 

Verbindungsbusse von Fr. 900.00 als den Umständen angemessen.  

 

6.8. 

Die von der Vorinstanz auf Fr. 100.00 festgelegte Busse für die Verkehrs-

regelverletzungen gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG 

und Art. 32 Abs. 2 SVG (nicht vollständiges Anhalten bei einem Stopp-Sig-

nal und fahrlässige Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit 

ausserorts) ist nicht angefochten und zu bestätigen.  

 

Die Staatsanwaltschaft beantragt, dass das vom Beschuldigten geleistete 

Depositum in Höhe von Fr. 100.00 auf die Geldstrafe und nicht auf die 

Busse anzurechnen sei. Da die Geldstrafe bedingt ausgesprochen wird, ist 

das Depositum in Höhe von Fr. 100.00 an die Verbindungsbusse anzurech-

nen (vgl. Art. 263 Abs. 1 lit. b StPO).  

 

 - 24 - 

 

 

 

6.9. 

Die Gesamtstrafe ist damit auf 180 Tagessätze Geldstrafe à Fr. 100.00 und 

eine Verbindungsbusse von Fr. 900.00 sowie eine Übertretungsbusse von 

Fr. 100.00 festzulegen.  

 

Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem Nichtbezahlen der Busse (Ver-

bindungs- und Übertretungsbusse) von Fr. 900.00 (bereits abgezogen das 

Depositum in Höhe von Fr. 100.00) ist ausgehend vom als Umrechnungs-

schlüssel zu verwendenden Tagessatz von Fr. 100.00 (BGE 134 IV 60 E. 

7.3.3) auf 9 Tage festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 StGB). 

 

7. 

7.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens bzw. Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Berufung 

der Staatsanwaltschaft wird, abgesehen vom Antrag auf eine unbedingte 

Geldstrafe, gutgeheissen. Dementsprechend hat der Beschuldigte die 

obergerichtlichen Verfahrenskosten zu ¾ zu tragen. Im Umfang von ¼ ge-

hen die Kosten zu Lasten der Staatskasse.  

 

7.2. 

Der amtliche Verteidiger ist aus der Staatskasse zu entschädigen (Art. 436 

Abs. 1 i.V.m. Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Gemäss § 9 Abs. 1 des Dekrets 

über die Entschädigung der Anwälte (Anwaltstarif [AnwT], SAR 291.150) 

bemisst sich die Entschädigung in Strafsachen nach dem angemessenen 

Zeitaufwand des Anwaltes. Der Stundenansatz für einen amtlichen Vertei-

diger beträgt in der Regel Fr. 200.00. In einfachen Fällen kann er bis auf 

Fr. 180.00 reduziert werden. Auslagen und Mehrwertsteuer werden sepa-

rat entschädigt (§ 9 Abs. 3bis AnwT). 

 

Zum notwendigen Zeitaufwand gehören namentlich die erforderlichen Ein-

gaben und die Vorbereitung von Plädoyers (VIKTOR LIEBER, in: DO-

NATSCH/HANSJAKOB/LIEBER, Kommentar zur Schweizerischen Strafpro-

zessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 4 zu Art. 135 StPO). Hinsichtlich der Ange-

messenheit des Aufwands zu berücksichtigen sind die Natur und die Wich-

tigkeit der Sache, die besonderen Schwierigkeiten, die sich im tatsächli-

chen und rechtlichen Bereich stellen können, die Zeit, welche der Verteidi-

ger ihr widmete und die Qualität seiner Arbeit, die Zahl der Sitzungen, der 

Verhandlungen und der Instanzen, an welchen er teilnahm, das erreichte 

Resultat sowie die Verantwortung, die er übernahm (BGE 117 Ia 22 E. 3a). 

 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten macht mit Kostennote vom 

22. November 2022 eine Entschädigung von 13.75 Stunden à Fr. 250.00, 

zuzüglich Mehrwertsteuer und Auslagen, d. h. insgesamt Fr. 3'869.80 gel-

 - 25 - 

 

 

 

tend. Die Vorinstanz hat die vom amtlichen Verteidiger für das erstinstanz-

liche Verfahren geltend gemachten 22.75 Stunden (ohne Hauptverhand-

lung) vollumfänglich gutgeheissen (vgl. Kostennote in VA act. 250).  

 

Im Hinblick auf die von der Vorinstanz bereits zugesprochenen Stunden für 

die Bearbeitung des Verfahrens erscheint der vom amtlichen Verteidiger 

geltend gemachte Aufwand von 13.75 Stunden als angemessen. Darin ent-

halten ist ein Aufwand von vier Stunden für die Berufungsverhandlung, der 

im Hinblick auf die rund 2.5 Stunden dauernde Verhandlung sowie die Hin- 

und Rückfahrt inklusive einer Nachbesprechung auch in etwa angefallen 

ist. Bei einem anwendbaren Stundenansatz von Fr. 200.00 ist das Honorar 

damit auf Fr. 2'750.00 festzusetzen. Unter Hinzurechnung der geltend ge-

machten effektiv angefallenen Auslagen von Fr. 77.80 (inklusive Reisespe-

sen; entsprechen in etwa den praxisgemässen Auslagen von 3 %) sowie 

7.7 % Mehrwertsteuer (Fr. 217.75) ergibt sich ein Honorar von gerundet 

Fr. 3'045.55.  

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten im Umfang von ¾ zurückzu-

fordern, sobald es seine Verhältnisse zulassen.  

 

8. 

8.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO).  

 

Da der Beschuldigte entgegen der Vorinstanz wegen ungetreuer Ge-

schäftsbesorgung schuldig zu sprechen ist, sind ihm die Kosten des erstin-

stanzlichen Verfahrens von insgesamt Fr. 3'666.00 (Gerichtsgebühr 

Fr. 2'000.00, Kosten anderer Behörden Fr. 68.00, Spesen Fr. 198.00, An-

klagegebühr Fr. 1'400.00) gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO vollumfänglich auf-

zuerlegen.  

 

8.2. 

Die – in ihrer Höhe nicht angefochtene – dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten ausgerichtete Entschädigung für das erstinstanzliche Ver-

fahren von Fr. 6'423.20 (inkl. Fr. 459.20 MwSt.) ist vom Beschuldigten zu-

rückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen 

(Art. 135 Abs. 4 StPO).  

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. (in Rechtskraft erwachsen) 

Das Verfahren wird eingestellt in Bezug auf die Anklage 

- der Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB 

 - 26 - 

 

 

 

- der Beschimpfung gemäss Art. 177 Abs. 1 StGB 

- der geringfügigen Sachbeschädigung gemäss Art. 144 Abs. 1 StGB 

i.V.m. Art. 172ter StGB 

 

2. (teilweise in Rechtskraft erwachsen) 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 2 StGB 

- der Verletzung der Verkehrsregeln durch nicht vollständiges Anhalten 

bei Stopp-Signalen gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 

SVG, Art. 36 Abs. 1 SSV und Art. 75 Abs. 1 SSV 

- der Verletzung der Verkehrsregeln durch Überschreiten der zulässigen 

Höchstgeschwindigkeit ausserorts gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. 

Art. 100 Ziff. 1 Satz 1 SVG, Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 2 SVG, 

Art. 4a Abs. 1 lit. b und Abs. 3 VRV und Art. 22 SSV 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird gestützt auf die in Ziff. 2 erwähnten Bestimmungen 

sowie in Anwendung von Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1, 2 und 4 StGB, Art. 44 

StGB, Art. 47 StGB, Art. 49 Abs. 1 StGB, Art. 106 StGB und Art. 102 Abs. 1 

SVG zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 100.00, Pro-

bezeit 5 Jahre und zu einer Busse von Fr. 1'000.00 (Verbindungsbusse 

Fr. 900.00; Übertretungsbusse Fr. 100.00) verurteilt.  

 

Die Verbindungsbusse reduziert sich nach Verrechnung mit dem Deposi-

tum in Höhe von Fr. 100.00 auf Fr. 800.00. Die Gesamtbusse beträgt damit 

Fr. 900.00.  

 

3.2. 

Der Beschuldigte wird gemäss Art. 106 Abs. 2 StGB für den Fall schuldhaf-

ter Nichtbezahlung der nach Abzug des Depositums verbleibenden Ge-

samtbusse von Fr. 900.00 zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von 9 Tagen ver-

urteilt. 

 

4. 

4.1. 

Der Beschuldigte hat die erstinstanzlichen Verfahrenskosten in Höhe von 

Fr.  3'666.00 (inkl. Anklagegebühr von Fr. 1'400.00) zu tragen.  

 

4.2. (in Rechtskraft erwachsen) 

Die Gerichtskasse Laufenburg wird angewiesen, dem amtlichen Verteidi-

ger des Beschuldigten dessen Honorar in richterlich genehmigter Höhe von 

Fr. 6'423.20 (inkl. Auslagen und MwSt.) zu entrichten.  

 

 - 27 - 

 

 

 

4.3. 

Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die 

amtliche Verteidigung für das erstinstanzliche Verfahren zurückzubezah-

len, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 

lit. a i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO).  

 

5. 

5.1. 

Die Kosten für das Berufungsverfahren, bestehend aus einer Gerichtsge-

bühr von Fr. 2‘000.00 und den Auslagen von Fr. 293.00, zusammen 

Fr. 2'293.00, werden im Umfang von ¾ dem Beschuldigten und im Umfang 

von ¼ der Staatskasse auferlegt.  

 

5.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten, Dr. iur. René Müller, Fürsprecher, für das Berufungsverfah-

ren eine richterlich auf Fr. 3'045.55 (inkl. Auslagen und MwSt.) festgesetzte 

Entschädigung auszurichten.  

 

5.3. 

Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die 

amtliche Verteidigung für das Berufungsverfahren im Umfang von ¾ zu-

rückzubezahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 lit. a i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO 

 

6. (in Rechtskraft erwachsen) 

Die (vormaligen) Zivil- und Strafkläger 1 und 2 haben ihre Parteikosten sel-

ber zu tragen.  

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der voll-

ständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das Schweize-

rische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und 

Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

 - 28 - 

 

 

 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerd-

elegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 22. November 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Plüss P. Gloor