# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bb5cf06c-4e2e-508c-9bec-6ead4a7fe0a5
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-10-29
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 29.10.2021 200 2021 487
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-487_2021-10-29.pdf

## Full Text

200 21 487 ALV
LOU/BOC/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 29. Oktober 2021

Verwaltungsrichter Loosli
Gerichtsschreiberin Bossert

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt B.________
Beschwerdeführerin

gegen

Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern
Rechtsdienst, Lagerhausweg 10, 3018 Bern
Beschwerdegegner

Betreffend Einspracheentscheid vom 28. Mai 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Okt. 2021, ALV/21/487, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1991 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) meldete sich am 18. Juni bzw. 4. Dezember 2018 zur Arbeits-
vermittlung an und stellte am 9. Juli 2018 einen Antrag auf 
Arbeitslosenentschädigung ab dem 1. Juli 2018 (Akten der Arbeitslosen-
kasse Biel [act. IIa] 139 f., 156 f., 199 - 202). Mit Verfügung vom 27. März 
2019 (Akten der RAV-Region Seeland-Berner Jura [act. IIb] 247 - 249) 
wurde die Versicherte wegen erstmalig ungenügenden Arbeitsbemühungen 
während der Arbeitslosigkeit ab dem 1. Januar 2019 für drei Tage in der 
Anspruchsberechtigung eingestellt. Eine weitere Einstellung in der An-
spruchsberechtigung ab dem 1. November 2019 für fünf Tage erfolgte we-
gen erstmals fehlenden respektive zu spät eingereichten 
Arbeitsbemühungen während der Arbeitslosigkeit mit Verfügung vom 12. 
Dezember 2019 (act. IIb 131 - 133). 

Am 6. November 2020 stempelte das Regional Arbeitsvermittlungszentrum 
(RAV) Biel das vom 30. Oktober 2020 datierte Nachweisformular der per-
sönlichen Arbeitsbemühungen der Kontrollperiode Oktober 2020 sowie 
weitere beigelegte Unterlagen mit dem Stempel "Réception"; das Nach-
weisformular wurde zusätzlich am gleichen Tag mit dem Stempel "Scan-
Center" versehen (act. IIb 48 - 55). Mit Schreiben vom 17. November 2020 
(act. IIb 47) gab das RAV Biel der Versicherten Gelegenheit, bis zum 
27. November 2020 zu den verspätet eingereichten Arbeitsbemühungen für 
die Kontrollperiode Oktober 2020 Stellung zu nehmen bzw. objektive Ver-
hinderungsgründe zu benennen und allenfalls zu belegen. Die Versicherte 
liess sich innert Frist nicht vernehmen. In der Folge stellte das RAV Biel die 
Versicherte mit Verfügung vom 30. Dezember 2020 (act. IIb 41 f.) wegen 
zweitmals fehlenden respektive zu spät eingereichten Arbeitsbemühungen 
während der Arbeitslosigkeit ab dem 1. November 2020 für neun Tage in 
der Anspruchsberechtigung ein, wogegen die Versicherte am 13. Januar 
2021 Einsprache erhob (act. II 39). Nachdem das Amt für Arbeitslosenver-
sicherung des Kantons Bern (nachfolgend: AVA bzw. Beschwerdegegner) 
per E-Mail beim RAV Biel Abklärungen vorgenommen (Akten des Rechts-

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dienstes des AVA [act. II] 10 f.), der Versicherten diesbezüglich mit Schrei-
ben vom 5. Mai 2021 (act. IIb 35) das rechtliche Gehör gewährt und diese 
davon mit Schreiben vom 13. Mai 2021 (act. IIb 33) Gebrauch gemacht 
hatte, wies das AVA die erhobene Einsprache mit Einspracheentscheid 
vom 28. Mai 2021 (act. IIb 28 - 31) ab. 

B.

Dagegen erhob die Versicherte am 24. Juni 2021 (Postaufgabe: 28. Juni 
2021) Beschwerde. Sie beantragt sinngemäss die Aufhebung des ange-
fochtenen Entscheides bzw. die Annullation der neun Einstelltage.

Der Beschwerdegegner beantragt mit Beschwerdeantwort vom 29. Juli 
2021 die Abweisung der Beschwerde. 

Mit prozessleitender Verfügung vom 6. August 2021 ersuchte der Instrukti-
onsrichter den Beschwerdegegner, sämtliche zu den postal zugesendeten 
Nachweisen gehörigen (und gestempelten) Couverts einzureichen und zur 
Frage Stellung zu nehmen, weshalb es trotz zahlreichen jeweils nach dem 
5. des Monats gestempelten Nachweisen der Arbeitsbemühungen bei 
zweimaligen Sanktionen geblieben sei. Weiter erging die Aufforderung an 
den Beschwerdegegner, zu den in der erwähnten prozessleitenden Verfü-
gung aufgezeigten Widersprüchen hinsichtlich der Angaben betreffend das 
Stempeln der beim RAV in verschiedenen Arten (per Post, durch Einwurf in 
den RAV-Briefkasten oder mittels Abgabe am Empfang des RAV) einge-
reichten Arbeitsbemühungsnachweisen Stellung zu nehmen. Gleichzeitig 
wurde der Beschwerdegegner darauf hingewiesen, dass es ihm offen ste-
he, den angefochtenen Einspracheentscheid in Wiedererwägung zu zie-
hen.

Mit Stellungnahme vom 17. August 2021 hielt der Beschwerdegegner am 
ursprünglich gestellten Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. 

Die Beschwerdeführerin, neu vertreten durch Rechtsanwalt B.________, 
bestätigte mit Stellungnahme vom 23. September 2021 die gestellten An-
träge und beantragte zusätzlich, es sei ihr für ihre Aufwendungen (Anwalts-

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kosten) eine Entschädigung zu Lasten der Beschwerdeführerin (richtig: des 
Beschwerdegegners) evtl. des Kantons Bern auszurichten. Diese Eingabe 
wurde dem Beschwerdegegner mit prozessleitender Verfügung vom 24. 
September 2021 zugestellt.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. 
Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 100 Abs. 3 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 1982 über die 
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung 
[AVIG; SR 837.0] i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung vom 31. August 
1983 über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolven-
zentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Da auch die Bestimmungen über Frist 
(Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 
des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechts-
pflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde ein-
zutreten.

1.2 Angefochten ist der Einspracheentscheid vom 28. Mai 2021 (act. IIb 
28 - 31). Streitig und zu prüfen ist die Einstellung in der Anspruchsberechti-
gung ab dem 1. November 2020 für neun Tage.

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1.3 Bei streitigen neun Einstelltagen und einem versicherten Verdienst 
von Fr. 4'753.-- bzw. einem Taggeld von Fr. 175.25 (vgl. act. IIa 6) liegt der 
Streitwert unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in 
die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Nach Art. 17 Abs. 1 AVIG müssen Versicherte, die Versicherungs-
leistungen beanspruchen wollen, mit Unterstützung des zuständigen Ar-
beitsamtes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu 
vermeiden oder zu verkürzen. Insbesondere sind sie verpflichtet, Arbeit zu 
suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen Berufs. Sie müssen 
ihre Bemühungen nachweisen können.

2.2 Die versicherte Person muss sich gezielt um Arbeit bemühen, in der 
Regel in Form einer ordentlichen Bewerbung (Art. 26 Abs. 1 AVIV). Sie 
muss den Nachweis der Arbeitsbemühungen für jede Kontrollperiode 
spätestens am fünften Tag des folgenden Monats oder am ersten auf die-
sen Tag folgenden Werktag einreichen. Die Arbeitsbemühungen werden 
nicht mehr berücksichtigt, wenn sie die Frist verstreichen lässt und keinen 
entschuldbaren Grund geltend macht (Art. 26 Abs. 2 AVIV). Die zuständige 
Amtsstelle überprüft die Arbeitsbemühungen der versicherten Person mo-
natlich (Art. 26 Abs. 3 AVIV).

2.3 Gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG ist die versicherte Person in der 
Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie sich persönlich nicht genü-
gend um zumutbare Arbeit bemüht.

Mit der Verknüpfung von Schadenminderungspflicht und Sanktion will das 
AVIG Arbeitslose zur Stellensuche anspornen und eine missbräuchliche 
Beanspruchung der Arbeitslosenversicherung verhindern. Die Einstellung 
in der Anspruchsberechtigung unterliegt ausschliesslich den spezifischen 

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Bestimmungen der Arbeitslosenversicherung (nicht Art. 43 Abs. 3 ATSG). 
Daraus folgt, dass vorbehältlich eines entschuldbaren Grundes eine Ein-
stellung in der Anspruchsberechtigung ausgesprochen werden kann, wenn 
die Nachweise der Arbeitsbemühungen nicht innert der Frist des Art. 26 
Abs. 2 AVIV eingereicht werden, ohne dass eine zusätzliche Frist gewährt 
werden müsste. Unerheblich ist, dass die Nachweise später erbracht wer-
den, zum Beispiel in einem Einspracheverfahren (BGE 139 V 164).

2.4 Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – 
das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn 
sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat 
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes 
vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu 
fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhaltes genügt die-
sen Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachver-
haltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen 
als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 144 V 427 E. 3.2 S. 429).

2.5 Trotz der Möglichkeit, dass bei jeder Behörde Dokumente verloren 
gehen können, hielt die Rechtsprechung fast ausnahmslos daran fest, dass 
versicherte Personen die Konsequenzen der Beweislosigkeit sowohl für die 
Einreichung von Nachweisen der Arbeitssuche als auch für das Datum der 
Einreichung zu tragen haben. Die Tatsache, dass die Vorbringen betreffend 
die Einreichung der Nachweise für die Arbeitssuche (bzw. deren Datum) 
plausibel erscheinen, genügt für den Nachweis der tatsächlichen Einrei-
chung (bzw. dessen Datum) nicht. Notwendig ist ein auf gesicherte Ele-
mente gestützter Beweis (BGE 145 V 90 E. 3.2 S. 92).

3.

3.1 Wegen zu spät eingereichten Arbeitsbemühungen für die Kontroll-
periode Oktober 2019 wurde die Beschwerdeführerin erstmals mit Verfü-
gung vom 12. Dezember 2019 für fünf Tage rechtskräftig in der 
Anspruchsberechtigung eingestellt (act. IIb 131 - 133). Streitig ist vorlie-
gend allein, ob die Arbeitsbemühungen für die Kontrollperiode Oktober 
2020 rechtzeitig, d.h. bis spätestens am 5. November 2020 (vgl. Art. 26 

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Abs. 2 AVIV; vgl. E. 2.2 hiervor) beim RAV eingelangt sind. Auf dem fragli-
chen Formular (act. IIb 48 f.) sind zwei Eingangsstempel, je lautend auf den 
6. November 2020 (einen Freitag), ersichtlich, einmal mit dem Zusatz "Ré-
ception" und einmal mit dem Zusatz "Scan-Center". Die Beschwerdeführe-
rin macht beschwerdeweise geltend, sie habe die Arbeitsbemühungen nicht 
an der Rezeption abgegeben, sondern wie alle anderen Male ohne Um-
schlag in der festgelegten Zeit (vor dem 5. des Monats) in den Briefkasten 
des RAV geworfen. 

3.2 Zur Verwendung der beiden Stempel mit dem Zusatz "Réception" 
und "Scan-Center" wurden von Seiten der Verwaltung die folgenden Anga-
ben gemacht:

Die ... des RAV Biel führte in der E-Mail vom 4. Mai 2021 aus (Akten des 
Rechtsdienstes des Beschwerdegegners [act. II] 10), es sei offensichtlich 
ein Fehler aufgetreten, denn es könne auf demselben Dokument nicht zwei 
Stempel geben. Der Stempel "Scan-Center" sei klar ein menschlicher Feh-
ler, er sollte nicht auf dem Dokument erscheinen oder in diesem Fall mit 
den Initialen der für den Fehler verantwortlichen Person durchgestrichen 
werden. Die von den Klienten im Briefkasten des RAV deponierten Doku-
mente müssten mit dem Stempel "Réception" versehen sein. Es sei also 
nur dieser Stempel zu berücksichtigen. Der Fehler sei nur auf dem ersten 
Dokument gewesen, die folgenden Dokumente seien korrekt abgestempelt 
worden. Früh am Morgen bei der ersten Leerung vor dem Scannen werde 
der Stempel des Vortages verwendet, aber im Laufe des Tages (da der 
Briefkasten mehrmals geleert werde), werde das Datum des aktuellen Ta-
ges angebracht. Die Arbeitsbemühungen und die dazugehörigen Unterla-
gen seien also am Freitag, 6. November 2020 in den Briefkasten des RAV 
gelegt worden. Der Stempel "Scan-Center" werde nur für Postsendungen 
verwendet. In diesem Fall würden die Briefumschläge fotokopiert und ge-
scannt, um das Versanddatum (Poststempel) genau erkennen zu können. 

Im angefochtenen Entscheid führte der Beschwerdegegner aus (act. IIb 29 
f.), im vorliegenden Fall sei der Nachweis mit dem Stempel vom 6. Novem-
ber 2020 versehen. Dabei seien zwei Stempel verwendet worden: "Récep-
tion" und "Scan-Center". Gemäss Angaben des RAV Biel handle es sich 
beim Stempel "Scan-Center" um einen Fehler, da dieser ausschliesslich für 

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Postsendungen verwendet werde, wobei der Briefumschlag jeweils eben-
falls eingescannt werde. In den Unterlagen befinde sich kein Briefumschlag 
und die Beschwerdeführerin mache auch nicht geltend, die Bemühungen 
per Post verschickt zu haben. Es sei daher davon auszugehen, dass die 
Beschwerdeführerin die Arbeitsbemühungen entweder selbst in den Brief-
kasten des RAV Biel eingeworfen oder am Empfang abgegeben habe. Für 
die Sanktion sei massgebend, wann die Arbeitsbemühungen dem RAV 
übergeben worden seien. Seien die Arbeitsbemühungen persönlich am 
Empfang abgegeben worden, – was die Beschwerdeführerin allerdings 
bestreite –, so müsste dies gemäss Stempel am 6. November 2020 ge-
schehen sein. Seien die Arbeitsbemühungen – so wie die Beschwerdefüh-
rerin behaupte – in den Briefkasten des RAV eingeworfen worden, so 
müsse dies ebenfalls am 6. November 2020 nach der ersten Leerung ge-
schehen sein. Denn gemäss Auskunft des RAV würden die Dokumente nur 
dann mit dem Stempel vom Vortag versehen, wenn sie bei der ersten Lee-
rung am Morgen im Briefkasten lägen. Ansonsten werde der Stempel des 
gleichen Tages verwendet.

In der Beschwerdeantwort, S. 2 f., hielt der Beschwerdegegner fest, die 
Beschwerdeführerin stelle sich abermals auf den Standpunkt, die Arbeits-
bemühungen rechtzeitig in den Briefkasten geworfen und nicht am Emp-
fang abgegeben zu haben. Dabei scheine ihr nicht bewusst zu sein, dass 
der Stempel "Réception" nicht nur für Abgaben am Empfang, sondern auch 
für Einwürfe in den Briefkasten verwendet werde.

In der Stellungnahme vom 17. August 2021 hielt der Beschwerdegegner 
unter Bezugnahme auf eine E-Mail der ... des RAV Biel vom 9. August 
2021 (im Gerichtsdossier) fest, Eingaben, welche bei der ersten Leerung 
des Briefkastens vorgefunden würden, erhielten den Stempel "Scan-
Center" mit dem Datum vom gleichen Tag, da die Personalberatenden 
wüssten, dass das Datum des Stempels "Scan-Center" bedeute, dass das 
Dokument am Vortag zugestellt worden sei. Würden im Verlauf des Tages 
bei erneuten Leerungen weitere Arbeitsbemühungen vorgefunden, würden 
diese hingegen mit dem Stempel "Réception" und dem aktuellen Datum 
versehen. Briefumschläge von persönlich eingeworfenen Arbeitsbemühun-
gen würden – sofern überhaupt vorhanden – nicht eingescannt, da diese 

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keinen Poststempel trügen. Diese Angaben bestätige die Personalberaterin 
sinngemäss mit E-Mail vom 16. August 2021 (im Gerichtsdossier). 

3.3 Die vor der Kontrollperiode Oktober 2020 eingereichten Arbeits-
bemühungen wurden wie folgt abgestempelt:

act. 
IIb

Monat Datum

Unterschrift

Datum/Tag Ein-
gang (Stempel)

Abgabestelle 
(Stempel)

Bemerkungen

277 f.

2019

Januar 31.01.2019 05.02.2019 DI Scan-Center

257 f. Februar 27.02.2019 04.03.2019 MO Scan-Center

238 f. März 27.03.2019 27.03.2019 MI Réception Zwei Nachweisblätter

236 f. März 31.01.2019 05.04.2019 FR Empfang für März 2019

228 f. April 29.04.2019 06.05.2019 MO Réception

212 f. Mai 31.05.2019 06.06.2019 DO Scan-Center

186 f. Juni 29.06.2019 08.07.2019 MO Scan-Center

172 f. Juli 30.07.2019 06.08.2019 DI Scan-Center

164 f. August 02.09.2019 06.09.2019 FR Scan-Center

150 f. September 28.09.2019 07.10.2019 MO Scan-Center

143 f. Oktober 30.10.2019 07.11.2019 DO Scan-Center Verspätet > 1. Sanktion

134 f. November 25.11.2019 06.12.2019 FR Scan-Center

124 f. Dezember 30.12.2019 06.01.2020 MO Scan-Center

113 ff.

2020

Januar 30.01.2020

05.02.2020 MI

06.02.2020 DO

ALK

Réception

Irrtümlich an ALK ein-

gereicht

99 f. Februar 28.02.2020 06.03.2020 FR Scan-Center

97 f. März 31.03.2020 - Kein Eingangsstempel

93 f. April 04.05.2020 05.05.2020 DI Scan-Center

85 f. Mai 02.06.2020 08.06.2020 MO Scan-Center

81 f. Juni 30.06.2020 06.07.2020 MO Scan-Center

76/80 Juli 30.07.2020 - Scan-Center Kein Eingangsstempel

68 f. August 28.08.2020 07.09.2020 MO Scan-Center

58 f. September 28.09.2020 06.10.2020 DI Scan-Center

48 f. Oktober 30.10.2020 06.11.2020 FR

06.11.2020 FR

Réception

Scan-Center

Zwei Eingangsstemel

3.4 Nach eingeholter Stellungnahme des Beschwerdegegners vom 
17. August 2021 ist davon auszugehen, dass am Vortag in den RAV-

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Briefkasten eingeworfene Arbeitsbemühungen mit "Scan-Center" gestem-
pelt werden mit dem Datum der Leerung, d.h. also mit dem Datum einen 
Tag nach dem Einwurf, weil die Personalberatenden wüssten, dass dieser 
Stempel bedeutet, dass das Dokument am Vortag zugestellt worden sei 
(vgl. auch act. I 6 f.). Diese Darstellung deckt sich mit den früheren, nach 
den Angaben der Beschwerdeführerin jeweils in den Briefkasten des RAV 
eingeworfenen Arbeitsbemühungen, welche beinahe ausschliesslich mit 
"Scan-Center" gestempelt sind. Für den fraglichen Monat Oktober 2020 ist 
demnach grundsätzlich von einer rechtzeitigen Abgabe der Arbeits-
bemühungen am Vortag, also am 5. November 2020, auszugehen. Daran 
ändert nichts, dass der "Scan-Center"-Stempel vom 6. November 2020 
nicht ganz oben rechts auf dem Formular in der freien Fläche angebracht 
wurde, wie dies grundsätzlich bei den früheren Arbeitsbemühungsformula-
ren der Fall ist (vgl. als Ausnahme act. IIb 228), sondern darunter in den 
beschrifteten Bereich hinein. Denn das belegt gerade, dass diese "Scan-
Center"-Stempelung überwiegend wahrscheinlich (vgl. E. 2.4 hiervor) erst 
nachträglich erfolgte, nachdem der "Réception"-Stempel – wie die Erst-
stempelung bei den früheren Arbeitsbemühungen – oben rechts in die freie 
Fläche angebracht worden war, was auf dessen Erststempelung hinweist, 
zumal auch die beigelegten Bewerbungen allesamt mit "Réception" ge-
stempelt sind (act. IIb 50 - 55). In Würdigung der gesamten Sachlage ist 
überwiegend wahrscheinlich (vgl. E. 2.4 hiervor) erstellt, dass der "Scan-
Center"-Stempel vom 6. November 2020 im Sinne einer Korrektur 
nachträglich angebracht worden ist. Diesem Schluss stehen die teils wider-
sprüchlichen und mehrmals angepassten Angaben des Beschwerdegeg-
ners (vgl. E. 3.2 hiervor) hinsichtlich des betriebsorganisatorischen 
Verfahrens zur Stempelung und Terminierung der Eingänge der Arbeits-
bemühungen nicht entgegen, zumal auch daraus nicht ersichtlich wird, 
weshalb ausgerechnet die Stempelung vom 6. November 2020 in den be-
schrifteten Bereich hinein erfolgt ist, weshalb anzunehmen ist, dass dies 
nur deshalb gemacht wurde, weil der freie Bereich bereits mit dem "Récep-
tion"-Stempel bedruckt war und dieser nachträglich korrigiert wurde. Dem-
nach ist davon auszugehen, dass das Formular für die Arbeitsbemühungen 
für die Kontrollperiode Oktober 2020 am 5. November 2020 in den Brief-
kasten des RAV eingeworfen wurde (und zunächst falsch mit "Réception" 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Okt. 2021, ALV/21/487, Seite 11

und mittels nachträglichem "Scan-Center"-Stempel im Sinne einer Korrek-
tur nachgestempelt wurde). 

Demnach gelangten die Arbeitsbemühungen für die Kontrollperiode Okto-
ber 2020 rechtzeitig zum RAV und ist die verfügte Einstellung in der An-
spruchsberechtigung im Umfang von neun Tagen nicht rechtmässig. 
Folglich ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 28. Mai 2021 in 
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben. 

4.

4.1 In Anwendung von Art. 1 Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG 
(Umkehrschluss; vgl. auch BBl 2018 1639) sind keine Verfahrenskosten zu 
erheben.

4.2 Die obsiegende Beschwerde führende Person hat Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festge-
setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit-
sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g 
ATSG).

Rechtsanwalt B.________ macht mit Kostennote vom 29. September 2021 
ein Honorar von Fr. 1'777.50 bzw. einen Aufwand von 6 Stunden und 35 
Minuten (6.5833 h x Fr. 270.--) zuzüglich Auslagen von Fr. 26.90 und 
Mehrwertsteuer von Fr. 138.95 (7.7 % von Fr. 1'804.40), total Fr. 1'943.35 
geltend, was nicht zu beanstanden ist. Die Parteienschädigung für dieses 
Verfahren wird demnach auf Fr. 1'943.35 (inklusive Auslagen und MWST) 
festgesetzt; diesen Betrag hat der Beschwerdegegner der Beschwerdefüh-
rerin zu ersetzen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Okt. 2021, ALV/21/487, Seite 12

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid des AVA 
vom 28. Mai 2021 aufgehoben.

2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. Der Beschwerdegegner hat der Beschwerdeführerin die Parteikosten, 
gerichtlich bestimmt auf Fr. 1'943.35 (inkl. Auslagen und MWST), zu er-
setzen.

4. Zu eröffnen (R):
- Rechtsanwalt B.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- Amt für Arbeitslosenversicherung des Kantons Bern, Rechtsdienst 
- Staatssekretariat für Wirtschaft – SECO

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 29. Okt. 2021, ALV/21/487, Seite 13

Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.