# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c2582137-9384-5103-8c5e-f966bddbf0cd
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-10-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.10.2008 E-6635/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6635-2008_2008-10-27.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-6635/2008/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 7 .  O k t o b e r  2 0 0 8

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi;
Gerichtsschreiber Peter Jaggi.

X._______, Indien,
_______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 15. Oktober 2008 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Gegenstand

Parteien

E-6635/2008

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  Indien  am 
28. November 2007 auf  dem Luftweg verliess und am 29. November 
2007 illegal in die Schweiz gelangte, wo er am gleichen Tag um Asyl 
nachsuchte,

dass  am  10. Dezember  2007  die  summarische  Befragung  im 
A._______ und am 13. Mai 2008 die Direktanhörung zu den Asylgrün-
den durch das BFM erfolgte,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  15. Oktober  2008  -  eröffnet  am 
20. Oktober  2008  -  in  Anwendung  von Art.  34  Abs. 1  i.V.m. Art.  6a 
Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) 
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat und die Weg-
weisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug anordnete,

dass der Beschwerdeführer mit Rechtsmitteleingabe vom 21. Oktober 
2008 (Poststempel) sinngemäss die Aufhebung dieser Verfügung und 
die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur materiellen Prüfung 
des Asylgesuchs beantragt,

dass er in prozessualer Hinsicht um Verzicht auf die Erhebung eines 
Kostenvorschusses,  um  Erlass  der  Verfahrenskosten  und  darum  er-
sucht, es sei vor der Urteilsfällung das Resultat der geplanten medizi-
nischen Untersuchung zum geltend gemachten Gedächtnisverlust ab-
zuwarten,

dass er zur Stützung seiner Vorbringen Kopien eines bereits im erst-
instanzlichen Verfahren zu den Akten gereichten Arztzeugnisses vom 
(...) betreffend Gedächtnisstörungen und einer Einladung zu einer auf 
den(...) angesetzten Untersuchung einreichte,

und erwägt,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 
über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  ent-
scheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-34 des Verwaltungsgerichtsge-

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setzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass über offensichtlich begründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungswei-
se  einer  zweiten  Richterin  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG) 
und es sich vorliegend,  wie  nachfolgend aufgezeigt,  um eine solche 
handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  be-
gründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde,

dass im Asylverfahren der Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen 
festzustellen ist (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) und diese behördli-
che Untersuchungspflicht  durch die  den  Asylsuchenden gestützt  auf 
Art.  8  AsylG auferlegte  Mitwirkungspflicht  eingeschränkt  wird,  wobei 
sie  insbesondere  bei  der  Anhörung  vollständig  anzugeben  haben, 
weshalb sie um Asyl nachsuchen (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. c AsylG),

dass die Asylsuchenden auch einen Anspruch auf Mitwirkung haben, 
was sich unmittelbar aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 
Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft 
vom 18. April 1999 [BV, SR 101]; Art. 29 ff. VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) 
ergibt,

dass eine Konkretisierung des Anspruchs auf rechtliches Gehör unter 
anderem die Pflicht der Behörde bildet, die ihr angebotenen Beweis-
mittel  abzunehmen,  wenn  diese  zur  Abklärung  des  Sachverhaltes 

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tauglich  erscheinen  (Art.  33  VwVG;  vgl.  dazu  BGE  124 I 241  E. 2, 
BGE 117 Ia 262  E. 4b;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
D-7621/2006 vom 27. Juli 2007 E. 10.1 S. 8 und E. 11.1.3 S. 10),

dass vorliegend der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung zu sei-
nen Asylgründen vom 13. Mai 2008 unter anderem ein Arztzeugnis von 
B._______ vom  (...) betreffend  Gedächtnisstörungen  und  ein 
Schreiben dieses Arztes  vom  (...) an einen Berufskollegen  bezüglich 
Durchführung eines (...) beim Patienten zum (...) einreichte,

dass der Beschwerdeführer auf entsprechende Fragen antwortete, er 
sei  am  (...)  von  jemandem  mit  der  Faust  ins  Gesicht  geschlagen 
worden und hingefallen,

dass  er  sich  dabei  einen  Gesichtsknochen  gebrochen  und  seither 
Schmerzen in der linken Gesichtshälfte und im Kopf habe,

dass  er  seit  diesem  Vorfall  sehr  vergesslich  sei  (Akten  Vorinstanz 
A24/7 S. 2),

dass sich weder  aus der  angefochtenen Verfügung vom 15. Oktober 
2008  noch  aus  den  weiteren  Akten  Hinweise  dafür  ergeben,  die 
Vorinstanz habe sich mit den am 13. Mai 2008 eingereichten Beweis-
mitteln auseinandergesetzt und diesen für den Ausgang des erstins-
tanzlichen  Asylverfahrens  relevanten  Sachverhalt  (geltend  gemachte 
Gedächtnisstörungen) abgeklärt respektive festgestellt,

dass das BFM somit durch die nicht rechtsgenügliche Abklärung des 
Gesundheitszustandes  des  Beschwerdeführers  und  insbesondere 
durch die unterlassene Abnahme der zur Stützung seines Vorbringens, 
er  leide  an  Gedächtnisstörungen,  eingereichten  Beweismittel  das 
rechtliche Gehör und damit Bundesrecht verletzt hat,

dass  zwar  eine  Missachtung  von  Verfahrensvorschriften  durch  das 
BFM aufgrund der umfassenden Kognition des Bundesverwaltungsge-
richts  (vgl. Art. 106 AsylG)  in  bestimmten Schranken geheilt  werden 
kann,

dass indessen vorliegend das BFM den Anspruch des Beschwerdefüh-
rers  auf  rechtliches  Gehör  in  schwerwiegender  Weise  verletzt  hat, 
weshalb eine Heilung nicht in Betracht  kommt und die angefochtene 
Verfügung zu kassieren ist,

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dass die Beschwerde demnach im Sinne der Erwägungen gutzuheis-
sen,  die  angefochtene Verfügung vom 15. Oktober  2008 aufzuheben 
und die Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts (medi-
zinische  Abklärungen)  und  zur  anschliessenden  Neubeurteilung  an 
das BFM zurückzuweisen ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen sind (Art. 63 Abs. 3 VwVG), womit das Gesuch um Erlass 
der Verfahrenskosten gegenstandslos wird,

dass aufgrund der Akten nicht davon auszugehen ist, dem nicht vertre-
tenen Beschwerdeführer seien verhältnismässig hohe Kosten entstan-
den,  weshalb  keine  Parteientschädigung  zuzusprechen  ist  (Art. 7 
Abs. 4  des  Reglements  vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen.

2.
Die Verfügung vom 15. Oktober 2008 wird aufgehoben und die Sache 
zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts (medizinische Abklä-
rungen) und zur anschliessenden Neubeurteilung an das BFM zurück-
gewiesen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N_______ (per Kurier; in Kopie)
- C._______ (in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Peter Jaggi

Versand: 

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