# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2a26927d-a587-5cf2-8161-74f56235a914
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2001-03-13
**Language:** de
**Title:** Anforderungen an Gebäude und Räume. Belichtung von Wohn- und Schlafräumen. Fenster von Untergeschossraum, welches in Lichtschacht führt.
**Docket/Reference:** BRKE II Nr. 0052/2001
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_II_52_2001_22.pdf

## Full Text

BRKE II Nr. 52/2001 vom 13. März 2001 in BEZ 2001 Nr. 30

Streitig ist die Nutzung des im Untergeschoss projektierten "Mädchenzimmers". Der 
Rekurrent bringt hierzu vor, die Vorinstanz behaupte zu Unrecht, die Fenster des Zim-
mers lägen unter dem Erdreich.

6. a) Gemäss § 302 Abs. 2 PBG sind Wohn- und Schlafräume mit Fenstern zu ver-
sehen, die über dem Erdreich liegen, ins Freie führen und in ausreichendem Masse ge-
öffnet werden können; die Fensterfläche hat wenigstens einen Zehntel der Bodenfläche 
zu betragen.

Diese Regelung soll sicher stellen, dass nur solche Räume zu Wohn- und Schlaf-
zwecken  genutzt  werden  können,  die  die  Erfordernisse  der  Wohnhygiene  einwandfrei 
erfüllen. Gerade bei Neubauten spielen die wohnhygienischen Regelungen von §§ 299 
ff. PBG eine entscheidende Rolle. Einen Aspekt der Wohnhygiene bildet die genügende 
Belichtung.  Mit  den  beiden  in  § 302 Abs. 2 PBG statuierten Erfordernissen hinsichtlich 
der Dimensionierung und der Situierung/ Ausgestaltung von Fenstern wird der in Abs. 1 
der  Bestimmung  verwendete  allgemeine  Begriff  der  "genügenden  Belichtung"  konkreti-
siert. Zum einen hat die Fensterfläche 10% der Bodenfläche zu betragen (massgebend
ist das äussere Lichtmass). Zum anderen müssen die Fenster geöffnet werden können, 
ins Freie führen und über dem Erdreich liegen. Das Gesetz stellt somit die Vermutung 
auf, dass Räume, deren Fenster das nötige Mass aufweisen und über dem Erdreich lie-
gen,  in  der  Regel  genügend  belichtet  werden.  Vorausgesetzt  wird  also,  dass  der  Luft-
raum  horizontal  (und  in  einem  gewissen  Umfang  auch  seitlich)  vor  den  Fenstern  nicht 
verstellt ist und das natürliche Licht ungehindert einfallen kann.

Die  Vorschriften  über  die  Befensterung  von  Räumen  sind  sodann  im  Zusammen-
hang mit den Abstandsvorschriften zu sehen, die - unter anderem - ähnliche Ziele ver-
folgen. Auch die Normen über die Grenz- und Gebäudeabstände bezwecken die Schaf-
fung von einwandfreien wohnhygienischen Verhältnissen, insbesondere die Gewährleis-
tung  einer  genügenden  Belichtung  von  Wohn- und  Schlafräumen.  Gemäss  § 271  PBG 
hat  der  Abstand  zwischen  Gebäuden,  die  Grenzabstände  einhalten  müssen,  ohne 
Rücksicht auf Grundstückgrenzen der Summe der beidseitig nötigen Grenzabstände zu 
entsprechen. Der kantonale Mindestgrenzabstand beträgt gemäss § 270 Abs. 1 PBG 3.5 
m, was einen Mindestgebäudeabstand von 7 m ergibt (§ 271 PBG). Durch nachbarliche 
Vereinbarung  kann  jedoch  unter  Vorbehalt  einwandfreier  wohnhygienischer  und  feuer-
polizeilicher Verhältnisse ein Näherbaurecht begründet werden (§ 270 Abs. 3 PBG). Bis 
zu  welchem  Abstand  die  Wohnhygiene  noch  gewährleistet  ist  und  ein  gegen  ein  nahe 
stehendes  Gebäude  orientierter,  befensterter  Raum  genügend  belichtet  ist,  kann  nicht

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ohne weiteres abstrakt bestimmt werden. Die Vorschrift impliziert indessen, dass in ge-
wissen engen baulichen Situationen selbst die Belichtung von Räumen durch über dem 
Erdreich liegende Fenster ungenügend sein kann.

Nach dem Gesagten ergibt sich ohne weiteres, dass Wohn- und Schlafräume, de-
ren Fenster unter dem Erdreich liegen, nicht ausreichend belichtet sind und den wohn-
hygienischen Anforderungen in keinem Fall gerecht werden.

b) Vorliegend beträgt die Fensterfläche genau einen Zehntel der Bodenfläche des 
Spiel-/Mädchenzimmers. Aus dem Plan Fassaden/Bassin ist ersichtlich, dass die Ober-
kante  des  Schwimmbades  auf  die  Kote  493.39  m.ü.M  zu  liegen  kommt.  Nach  diesem 
Plan  überragt  diese  Kante  den  oberen  Abschluss  der  Fenster.  Der  Rand  der  Bassin-
wand liegt 2.34 m vom Fenster des streitbetroffenen Zimmers entfernt. Am oberen Rand 
des Bassins schliesst auf der Seite zur Ostfassade des Gebäudes ein ca. 70 cm breiter 
Weg an. Östlich des Fensters verläuft die 1.50 m lange Stützmauer für den Boden der 
Pergola. Ca. 50 cm westlich des Fensters schliesst die Aussenwand der Einstellhalle mit 
deren Fortsetzung für den sich auf der Einstellhalle befindlichen Sitzplatz an. Die beiden 
Mauern überragen die Oberkante des Fensters um mehr als 1 m. Diese drei Wände be-
wirken,  dass das  Fenster  in  einen  eigentlichen  Schacht  mündet,  der  klar  im  Erdreich 
liegt. Obwohl der Schacht eine Fläche von 3.00 m x 2.34 m beschlägt, wird die Belich-
tung  des  Raumes  klar  eingeschränkt,  was  durch  § 302  Abs.  2  PBG  gerade  verhindert 
werden soll. Daran ändert der Umstand nichts, dass die Betonmauer auf der westlichen 
Seite des Fensters im Bereich des Sitzplatzes durch ein Geländer ersetzt werden soll. 
Zwar  würde  daraus  eine  minimale  Verbesserung  der  Belichtungssituation  resultieren; 
jedoch bliebe das Zimmer immer noch ungenügend belichtet. Zu beachten ist im Weite-
ren,  dass  das  Fenster  genau  die  nach  § 302  Abs.  2  PBG  vorgeschriebene  Mindestflä-
che aufweist und auch in einem über dem Erdreich liegenden Raum die diesbezüglichen 
wohnhygienischen Erfordernisse nur knapp erfüllt würden; im konkreten Falle vermöchte 
allerdings auch eine deutliche Vergrösserung des Fenster nichts zu ändern.

Die  Vorinstanz  hat  damit  zur  Recht  die  Umnutzung  des  "Spielzimmers"  in  einen 

Wohn- und Schlafraum ("Mädchenzimmer") verweigert.

Ebenfalls  untersagt  wurde  die  Nutzung  des  Zimmers  als  Arbeitsraum.  Gemäss 
§ 302 Abs. 3 PBG genügen für andere als Wohn- und Schlafzwecken dienende Räume 
künstliche  Belichtung  und  Belüftung,  wenn  besondere  örtliche  Verhältnisse  oder  die 
Zweckbestimmung der Räume es rechtfertigen und durch geeignete technische Ausrüs-
tungen einwandfreie Verhältnisse geschaffen werden. Das Spiel-/Mädchenzimmer erfüllt 
vorliegend die Anforderungen an einen Arbeitsraum und kann ohne weiteres als solcher 
genutzt werden. Der angefochtene Beschluss ist dahingehend zu berichtigen. 

Dass  das  Zimmer  nicht  missbräuchlich  genutzt  wird,  hat  die  Vorinstanz  durch  ge-

zielte Nachkontrollen zu überprüfen.