# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b88a485c-b55e-54ad-8c98-c6b6332836bc
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-11-12
**Language:** de
**Title:** Kein Unfall. Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 UVG überwiegend wahrscheinlich im Ursachenspektrum zu mehr als 50 % vorbestehend, bzw. degenerativ bedingt.
**Docket/Reference:** UV.2020.00048
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2020.00048.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2020.00048
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Ersatzrichter Sonderegger
Gerichtsschreiberin Casanova
Urteil
vom
12. November 2020
in Sachen
Stiftung Krankenkasse Wädenswil
Industriestrasse 15, 8820 Wädenswil
Beschwerdeführerin
gegen
AXA Versicherungen AG
Generaldirektion
General
Guisan
-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
X.___
Beigeladener
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1964, arbeitet
seit dem
1.
Januar 2018
im Techni
schen Unterhalt für die
Y.___
AG und ist in dieser Eigen
schaft bei der AXA Versicherungen AG (folgend: AXA) gegen Berufs- und Nicht
berufsunfälle versichert. Am 1
1.
Juli 2018 wurde der AXA angezeigt, dass dem Versicherten am 2
1.
März 2018 beim Ausräumen des Praxiszimmers der Behand
lungssessel vom Rolli gerutscht sei und er beim Versuch, diesen aufzufangen, einen stechenden Schmerz in der rechten Schulter gespürt habe (
Urk.
14/
A1).
Anlässlich der Erstbehandlung
bei
Dr.
med.
Z.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
vom 2
3.
März 2018 wurde der Versicherte ans Kantonsspital
A.___
überwiesen. Als mögliche Ursachen für die aktuellen Be
schwerden wurde Unfall
und
Krankheit angegeben (
Urk.
14/M9
; vgl.
Urk.
14/A28
).
Mit Schreiben vom 1
3.
Dezember 2018 teilte die AXA dem Versicherten mit, dass weder ein Unfallereignis noch eine unfallähnliche Körperschädigung im Sinne des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
vorliege, so dass kein Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung bestehe (
Urk.
14/A17). Mit Schreiben vom 2
7.
Juni 2019 ersuchte der Versicherte
erneut
um Leistungen (
Urk.
14/A31), woraufhin die AXA
mit Verfügung vom 1
5.
Novem
ber 2019 an der Leistungsablehnung festhielt (
Urk.
14/A34). Hiergegen erhob die Krankenkasse Wädenswil als zuständige Krankenversicherung Einsprache (
Urk.
14/A36), welche die AXA mit
Einspracheentscheid
vom 1
7.
Februar 2020 abwies (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Krankenkasse Wädenswi
l am
5.
März 2020 Beschwerde
und beantragte, es sei der angefochtene
Einspracheentscheid
aufzuheben und es seien die Kosten für die aus dem Ereignis vom 2
1.
März 2018 resultierenden Be
hand
lungen nach UVG zu übernehmen. Des Weiteren sei auf Kosten der Beschwerde
gegnerin ein medizinisches Gutachten zu erstellen (
Urk.
1
,
Urk.
7
). Mit Beschwer
deantwort vom
4.
August 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
13 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
14/A1-A44 und
Urk.
14/M1-M17). Mit Verfügung vom 1
0.
August 2020 wurde der Versicherte zum
Verfahren beigeladen (
Urk.
15). Der Versicherte liess sich innert Frist nicht vernehmen,
worüber die Parteien am
5.
Oktober 2020 in Kenntnis gesetzt wurden (
Urk.
17).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Die
Beschwerdegegnerin
legte dar
(
Urk.
2), als Unfall
gelte
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit o
der den Tod zur Folge hat
. Vorliegend sei das Kri
terium des ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht gegeben: Der Behandlungs
sessel sei vom Rolli gerutscht und beim Versuch, diesen aufzufangen, habe er einen stech
en
den Schmerz verspürt. Etwas Ungewöhnliches wie Anschlagen
, Ausrutschen oder ein Sturz habe
sich nicht ereignet. Demnach liege kein Unfall vor. Der Ver
sicherte leide des Weiteren unter einer Listendiagnose im Sinne von
Art.
6
Abs.
2
UVG
, allerdings sei diese aufgrund der medizinischen Unterlagen überwiegend degenerativ be
dingt. Eine Verschlechterung des bereits bestehenden Vorzustan
des durch das Ereignis am 2
1.
März 2018 sei nicht überwiegend wahrscheinlich.
Die Beschwerdeführerin brachte demgegenüber vor, dass entgegen den Ausfüh
rungen der Beschwerdegegnerin davon auszugehen sei, dass hier eine unfall
ähn
liche Körperschädigung teilursächlich und richtungsweisend für die B
e
schwerden des Versicherten sei
, womit die Beschwerdegegnerin Leistungen zu erbringen habe. Zumindest müsse ein neutrales Gutachten durchgeführt werden, da die Beweislast für eine krankheitsbedingte Verursachung der Beschwerden bei der Beschwerdegegnerin liege (
Urk.
1).
2.
2.1
Gemäss Art. 6 UVG
werden -
soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt -
die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krank
heiten gewährt.
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit oder den Tod zur Folge hat.
Nach der Rechtsprechung bezieht sich
das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem objektiven Massstab – den Rahmen des
im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlag
gebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelt
ein
wirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.1 und E. 4.3.1 mit Hinweis).
2.2
2.2.1
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: Knochenbrüche (
lit
. a); Verrenkungen von Ge
lenken (
lit
. b), Meniskusrisse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Bandläsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h).
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist ab
schliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schwei
zerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Auflage, Bern 1989, S. 202).
2.2.2
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Ver
mutung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vor
wiegend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallver
siche
rung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. September 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
Gemäss BGE 146 V 51 ergibt sich aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die Frage nach einem initialen
erinnerlichen
und benennbaren Ereignis - nicht zu
letzt auch aufgrund der Bedeutung eines zeitlichen Anknüpfungspunktes (Ver
sicherungsdeckung; Zuständigkeit des Unfallversicherers; Berechnung des versi
cherten Verdienstes; intertemporalrechtliche Fragestellungen) - auch nach der UVG-Revision relevant. Lässt sich dabei kein initiales Ereignis erheben oder
lediglich ein solches ganz untergeordneter respektive harmloser Art, so verein
facht dies zwangsläufig in aller Regel den Entlastungsbeweis des Unfall
ver
sicherers. Denn bei der in erster Linie von medizinischen Fachpersonen zu beur
teilenden Abgrenzungsfrage ist das gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehenden Körperschädigung zu berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind so
mit auch die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, müssen aus medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweis
kräftige ärztliche Einschätzungen - mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit - nachzuweisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwie
gend, das heisst im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf Abnüt
zung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Besteht das Ursachenspektrum einzig aus Elementen, die für Abnützung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus unweigerlich, dass der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers erbracht ist und sich weitere Abklärungen erübrigen (E. 8.6).
2.3
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versi
che
rungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versiche
rungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
3.
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich folgendermassen:
3.1
Der Versicherte wurde
nach der Erstbehandlung am 2
3.
März 2018
zur Abklärung
von Schmerzen in der rechten Schulter
von der
erstbehandelnden Ärztin
Dr.
Z.___
ans
A.___
überwiesen
(
Urk.
14/A28)
, wo er durch die Ärzte vom 1
2.
April bis zum
4.
Mai 2018 ambulant betreut wurde
(
Urk.
14/M8)
.
Die be
handelnden Ärzte konstatierten, dass der Versicherte seit Sommer 2017 unter Schmerzen in der rechten Schulter mit Ausstrahlung vorne in den Thorax und nach hinten in den Rücken sowie den Oberarm leide. Bei starken Schmerzen seien
Dig
. III-V der
rechten Hand taub. Ausserdem bestünden Schmerzen im rechten Sprunggelenk. Ein Trauma oder eine Überlastung seien nicht erinnerlich. Die Schmerzen in der Schulter und im Fuss seien konstant vorhanden und würden durch Belastung verstärkt.
Es sei nie eine Rötung oder Schwellung zu sehen ge
wesen
.
Vor allem in der Schulter sei er aufgrund der Schmerzen in de
r Bewe
gung eingeschränkt. Er habe
den Arm zwischenzeitlich nicht mehr als 90° heben
können
. Mittels Ausleitungstherapie
durch die Partnerin seien die
Schmerzen weg gewesen, jedoch
seien sie durch Belastung
wieder
ausgelöst worden
. Seit Januar 2018
bestehe ein
Tinnitus (
Pfeiffen
beidseits
)
, welcher
konstant vorhanden
sei sowie eine
Schwellung und Schmerzen in den Fingergelenken
rechts mehr
als
li
nks (PIP). Er sei von November
2017 bis
Februar 2018 stark belastet gewesen (Umbau des Hauses, Fasnacht). Als dies vorbei gewesen sei, sei ihm eine aus
geprägte
Müdigkeit mit Tagesschläfrigk
eit aufgefallen. Die Partnerin
berichte
über Schnarchen und Atemaussetzer in der Nacht.
Vor zwei Jahren seien
durch die Partnerin mittels Bioresonanzdiagnostik ein Problem mit der Leber und ein Leberegel festges
tellt worden, welche auch mittels Ausl
eitungs- un
d Phytothe
rapie behandelt wo
rde
n seien.
Auch jetzt habe sie wieder eine Diagnostik durch
geführt, wobei Leber, Lymphknoten, Dickdarm und der gesamte Ko
pf als patho
logisch beurteilt wo
rden
seien. Dem Versicherten selber sei
eine Beule im Bereich des rechten Oberbauches aufgefallen, welche die Leber sein könnte.
Er habe
selb
ständig eine umfangreiche Laborun
tersuchung veranlasst, wobei ihn
vor allem die er
höhte
Thymidinkinase
beunruhigt habe
(Tumormarker).
Am 2
4.
April 2018 wurde eine MR
Arthrographie
rechts und am 2
6.
April 2018 eine Sonographie des Abdomens durchgeführt. Die Ärzte diagnostizierten (1) einen Korbhenkelriss des
superioren
Labrums Schulter rechts, (2) eine ausgeprägte
Tagesmüdigkeit, differentialdiagnostisch obstruktives
Schlapapnoesyndrom
(OSAS)
und (3) Schmerzen im unteren Sprunggelenk unklarer Genese.
Bezüglich der Schulterbeschwerden hätten sie den Beschwerdeführer an die Orthopädie überwiesen.
3.2
Am 1
8.
Juli 2018 führte
Dr.
med.
B.___
, Fachärztin für ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, ein
arthrosko
pi
sches
Débridement
SLAP und Unterfläche SSP,
Tenodese
LBS durch. Der Ver
sicherte war vom 1
8.
bis zum 2
0.
Juli 2018 hospitalisiert. Im entsprechenden Austrittsbericht vom 2
3.
Juli 2018 (
Urk.
14/M4) diagnos
t
izierten die Ärzte (1) eine SLAP 4 Läsion mit begleitender Instabilität LBS und beginnender Intervallläsion und (2) ein
en asymptomatischen
Bigeminus
. Der intra- und postoperative Verlauf habe sich komplikationslos gestaltet. Der Versicherte sei vom 1
8.
Juli bis zum 3
1.
August 2018 vollumfänglich arbeitsunfähig.
3.3
Am
7.
September 2018 erfolgte die planmässige Wiedervorstellung des Versi
cherten sechs Wochen postoperativ. Er zeige einen
erwartungsgemäss
en Verlauf, wobei es vor zwei Tagen bei einer ungewollten Bewegung zu einer erneuten
Schmerz
exazerbation
gekommen sei. Ob hierbei die Bizeps-
Tenodese
versagt habe, könne klinisch noch nicht eingeschätzt werden, ein gewisser Spannungs
verlust des
Musculus
biceps
sei postoperativ durchaus zu erwarten. Für die Schulterfunktion werde dies allerdings in längerfristigem Verlauf auch keine
Relevanz haben. Es könne mit der Physiotherapie begonnen werden (
Urk.
14/
M10).
3.4
Am 1
5.
November 2018 nahm
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Ortho
pädische Chirurgie und beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, Stellung. Er konstatierte, dass es sich bei der SLAP-Läsion Grad IV um eine Listendiagnose gemäss
Art.
6
Abs.
2 UVG ha
ndle. Dies stelle auch den Haupt
befund des Ver
letzungsbildes dar. Aufgrund der Anamnese, der klinischen Untersuchung sowie der radiologischen Bildgebung sei die Listenverletzung mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit degenerativ bedingt. Der Versicherte gebe an, am
6.
Juli 2018 anamnestisch seit Januar ohne ersichtlichen Auslöser intermittierende Be
schwerden zu haben, vor allem belastungsabhängig an der rechten dominanten Schulter. Im Rahmen eines Bagatellereignisses beim Herunterheben eines Hand
gepäcks in einem Flugzeug sei es dann zu plötzlich einschiessenden Schmerzen und seither persistierenden Beschwerden gekommen, vor allem bei belastenden Tätigkeiten oberhalb der Horizontalen (
Urk.
14/M13).
3.5
Dr.
B.___
liess sich zuhanden der Rechtsvertreterin des Versicherten am 1
6.
Mai 2019 vernehmen. Sie führte aus, dass gemäss gängiger Literatur hin
sichtlich Entstehung und Begutachtung von SLAP-Läsionen davon auszugehen sei, dass die SLAP-Läsionen Typ I und II am ehesten degenerativer Natur seien.
Höhergradige
SLAP-Läsionen seien eher traumatischer Genese. Hier seien als Ent
stehungsmechanismen neben dem Sturz auf den ausgestreckten Arm vor allem Traktionsverletzungen bei plötzlichem Zug auf den betroffenen Arm erwähnt. Des Weiteren auch Luxationsmechanismen. Bei dem Versicherten bestehe möglicher
weise eine
acut
and
chronic
Situation bei vorbestehend leichten degenerativen Veränderungen und dann plötzlichem Zugmechanismus, welcher zur Ausbildung der genannten Verletzung geführt habe (
Urk.
14/A31).
3.6
Am 1
4.
November 2019 nahm
Dr.
C.___
erneut Stellung und hielt daran fest, dass die SLAP Typ 4 Läsion eine Listendiagnose im Sinne von
Art.
6
Abs.
2 UVG sei, diese allerdings überwiegend wahrscheinlich chronisch degenerativer Natur sei.
Im Schlussbericht des
A.___
vom
5.
Juni 2018 werde fes
t
gehalten, dass der Ver
sicherte seit Sommer 2017 Schmerzen in der rechten Schulter gehabt habe und aufgrund von Schmerzen in der Bewegung stark eingeschränkt gewesen sei.
Diese Anamnes
eerhebung anlässlich der
Hospitalisation
spreche eindeutig für seit über einem Jahr bestehende unspezifische,
atraumatische
, belastungsabhängige Schulterschmerzen, welche auch aufgrund des Alters des Versicherten überwie
gend wahrscheinlich degenerativ bedingt seien.
Im
Arthros
MRT vom 2
4.
April 2018 hätten sich zudem
weitere
degenerativ bedingte Läsionen
neben der SLAP Läsion (welche übrigens erst intraoperativ als Grad 4 klassiert worden sei) bei
Akromion
Typ 2 nach
Bigliani
im Sinne einer AC-Gelenksarthrose und eines
intraossären
Ganglion im Insertionsbereich der
Infraspinatussehne
gezeigt.
Ein eigentliches Ereignis, welches geeignet gewesen wäre, diese Verletzung akut und ohne degenerativ bedingten Vorzustand verursacht zu haben, liege nicht vor (
Urk.
14/M15).
3.7
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Rechtsmedizin, nahm am 2
0.
Novem
ber 2019 Stellung zuhanden der Beschwerde
führ
erin.
Dr.
D.___
führte aus, dass beim Versicherten intraoperativ unter anderem eine
Bizepssehnenruptur
festgestellt worden sei, also eine Listenverletzung im Sinne von
Art.
6
Abs.
2
lit
. f.
UVG. Sowohl in der Schadenmeldung vom 1
1.
Juli 2018 als auch vom Ver
si
cherten werde ein geeignetes,
sinnfäliges
Ereignis für den entstandenen Scha
den geschildert. Dieses Ereignis vom 2
1.
März 2018 werde seitens der Beschwer
de
gegnerin nicht in Abrede gestellt, auch dessen Sinnfälligkeit im Hinblick auf den Sehnenriss nicht. Die angeblich vorbestehenden degenerativen Veränderungen, welche ohne das hier nicht bestrittene sinnfällige Ereignis die Beschwerden hinreichend erklären könnten, seien somit gemäss bundesgerichtlichem Urteil 8C_22/2019 nicht von Bedeutung. Er empfehle deshalb, eine Einsprache zu machen (
Urk.
14/M16).
3.8
Am 2
8.
Januar 2020 nahm
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Chirurgie
und beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, Stellung
(
Urk.
14/A17 [richtig: M17
])
.
Dr.
E.___
bejahte das Vorliegen einer Listenverletzung im Sinne von
Art.
6
Abs.
2 UVG. Dies
e
sei allerdings vorwiegend auf Abnützung oder Erkran
kung zurückzuführen. Anlässlich der ambulanten Behandlung am
A.___
habe der Versicherte angegeben, dass er seit Sommer 2017 Schmerzen in der rechten Schulter mit Ausstrahlung in den Thorax und Oberarm habe, was der typischen Symptomatik einer Läsion im
Bizepssehnen
- und Sehnenankerbereich entspreche und
die
somit aktenkundig vor dem gemeldeten Ereignis vom 2
1.
März 2018 be
standen hätten.
Dies beweise überwiegend wahrscheinlich eine chronisch abnüt
zungsbedingte Schädigung.
Plötzliche reflektorische und gelegentlich unkoordinierte Auffangreaktionen mit dem Arm könnten zu einer Überspannung der
Bizepssehne
führen und damit zu einer Läsion derselben oder ihrer Verankerung am Limbus. Gegen eine Verur
sachung durch das Ereignis vom 2
1.
März 2018 sprächen die gleichzeitigen dege
nerativen Veränderungen der
Subscapularis
- und der
Supraspinatussehne
im Intervallbereich. Die Kombination dieser Veränderungen in unmittelbarer Nach
barschaft zum
Bizepssehnenverlauf
sei als typisches Merkmal einer krankhaft- oder abnützungsbedingten Degeneration zu werten, wozu auch die Korbhen
kel
läsion des Labrums zu zählen sei. Letztere erkläre auch durch plötzliches
Im
pin
gement
die offensichtlich seit 2017 oder spätestens seit Januar 2018 aufge
trete
nen
Schmerzschübe nach Belastung.
Eine Verschlechterung des bereits bestehenden Vorzustandes sei durch
das Ereig
nis vom 2
1.
März 2018
nicht eingetreten.
3.9
Dr.
D.___
äusserte sich am 2
6.
Februar
2020 insbesondere zur Stellung
nahme von
Dr.
E.___
vom 2
8.
Januar 2020 und führte aus, dass das Ereignis vom 2
1.
März 2018 grundsätzlich geeignet gewesen sei, die SLAP IV-Läsion aus
zu
lösen.
Soweit
Dr.
E.___
geltend mache, dass die dem Bizeps benachbarten Sehnen des
Musculus
subscapularis
des
Musculus
supraspinatussehne
im Inter
vall
bereich degenerative Erscheinungen aufweise, finde er kein Dokument im Dossier, welches diese Behauptung stützen würde. Insbesondere sei ein solcher Sachverhalt nicht im ereignisnahen MRI-Befundbericht vom 2
4.
April 2018 und nicht im Operationsbericht vom 1
9.
Juli 2018 beschrieben worden. Im Opera
tionsbericht werde lediglich von Zeichen der Instabilität der
Bizepssehne
mit dis
kretem Hinweis (
Sentinel-Sign
) auf eine Oberrandläsion des
Subscapularis
und eine diskrete intervallnahe Unterflächenpartialläsion des
Supraspinatus
hinge
wie
sen. Ein positiver Nachweis der postulierten Degenerationen fehle aber (
Urk.
3/4).
4.
4.1
Der Versicherte gab an, dass beim Ausräumen eines Praxiszimmers der Behand
lungssessel v
om Rolli gerutscht sei und er beim Versuch, diesen
aufzufangen, einen stechenden Schmerz in der Schulter verspürt habe.
Hieraus ergibt sich, dass sich kein Unfall im Rechtssinne ereignete, da eine plötzliche, nicht beabsichtigte
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors, worunter beispielsweise auch
ein Sturz fallen würde, fehlt.
Dies blieb auch
seitens der Parteien unbestritten.
4.2
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin infolge einer unfallähnlichen Kör
perschädigung leistungspflichtig ist.
4.2.1
Ausgewiesen und von Seiten der Beschwerdegegnerin anerkannt ist, dass eine Listendiagnose gemäss Art. 6 Abs. 2
lit
. f UVG vorliegt. Damit ist die Beschwer
degegnerin
grundsätzlich leistungspflichtig
(Art. 6 Abs. 2 UVG). Zu klären
bleibt,
ob sich die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid
zurecht
auf den Standpunkt stellte, die
Schulterbeschwerden
bzw. die Listenverletzung seien überwiegend wahrscheinlich
i
m Ursachenspektrum zu mehr als 50
%
krankhaft bedingt u
nd auf Abnützung zurückzuführen, womit sie nicht leistungspflichtig sei.
4.2.2
Die Beurteilung der Beschwerdegegnerin beruht auf den Beurteilungen der be
ratenden Ärzte
Dr.
E.___
und
Dr.
C.___
.
Dr.
E.___
und
Dr.
C.___
ver
fügen als Facharzt für Orthopädie und Traumatologie bzw
.
Facharzt für Chirurgie
über eine für die Beurteilung des streitigen Leidens ange
zeigte medizinische Aus
bildung.
Sie
berücksichtigten sämtliche medizinischen
Vorakten
und
Dr.
C.___
konstatierte schlüssig, dass sich
-
nebst der Anamneseerhebung, welche zusam
men mit dem Alter des Versicherten eine degenerative Genese überwiegend w
ahr
scheinlich erscheinen lasse -
im
Arthro
MRT vom 2
4.
April 2018 nebst der SLAP-Läsion weitere degenerativ bedingte Läsionen bei
Akromion
Typ 2 nach
Bigliani
im Sinne einer AC-Gelenksarthrose und eines
intraossären
Ganglions im Inser
tionsbereich der
Infraspinatussehne
gezeigt hätten (
Urk.
14/M15).
4.2.3
Vorbestehende
degenerative Veränderungen
werden
auch seitens der behandeln
den Ärztin
Dr.
B.___
bestätigt, welche vorbrachte, dass beim Ver
sicherten möglicherweise eine
acut
and
chronic
Situation bei vorbestehend leich
ten degenerativen Veränderungen und dann plötzlichem Zugmechanismus vor
liege, welche zur Ausbildung der oben genannten Verletzung geführt habe. Auch seien SLAP-Läsionen Typ IV eher traumati
scher Genese (
Urk.
14/A31, E. 3.5
). Eine Begründung anhand objektivierbarer Befunde oder der konkreten Anamnese, warum in
casu
eine trau
matische Genese vorliege, blieb sie
bis auf d
en Hinweis auf die Literatur schuldig
.
Dr.
B.___
nahm auch keine Stellung dazu, dass der Versicherte anlässlich der ambulanten Untersuchungen am
A.___
mehrfach angab, bereits seit Sommer 2017 bzw. seit Januar 2018 ohne ersicht
lichen Auslöser an belastungsabhängigen Beschwerden zu leiden (vgl. hierzu
Urk.
14/M1;
Urk.
14/M8).
4.2.4
Auch die Ausführungen von
Dr.
D.___
in der Stellungnahme vom
2
0.
November 2019
vermögen die Einschätzung von
Dr.
C.___
und
Dr.
E.___
nicht zu entkräften:
Dr.
D.___
geht davon aus, dass es zur Bejahung der Leistungspflicht bereits
ausreicht, dass ein geeignetes und sinnfälliges Ereignis vorliegt, welche die Listenverletzung verursachen kann. Entsprechend seien die angeblich vorbestehenden degenerativen Veränderungen, welche ohne das hier
nicht bestrittene sinnfällige Ereignis die Beschwerden hinreichend erklären könnten,
nicht von Bedeutung (
Urk.
14/M16). Allerdings erlaubt die bundesge
richtliche Rechtsprechung entgegen den Ausführungen von
Dr.
D.___
stets den Entlastungsbeweis durch die Unfallversicherung, dass die Listen
ver
letzung im Ursachenspektrum zu mehr als 50
%
auf Abnützung oder Erkrankung z
urückzuführen ist (vgl. E. 2.2).
In Bezug auf die Ausführungen von
Dr.
D.___
in seiner Stellungnahme vom 2
6.
Februar 2020, dass im
MRI-Befundbericht vom 2
4.
April 2018
sowie im Operationsbericht die von
Dr.
E.___
ins Feld geführten degenerativen Befunde nicht erwähnt werden,
ist
festzuhalten, dass
Dr.
E.___
umfangreiche Bilder
zur Verfügung stand
en
(
Urk.
14/M11-12) und im Bericht vom 2
4.
April 2018 über die MR-
Arthrographie
nebst dem
Akromion
Typ 2 nach
Bigliani
auch ein Korb
henkelriss des
superioren
Labrums sowie eine AC-Gelenksarthrose mit
cranialen
Osteophyten
erhoben wurde (vgl.
Urk.
14/M5).
4
.2.3
Damit vermö
g
en die Beurteilungen von
Dr.
B.___
und
Dr.
D.___
keine auch nur
geringen Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Ab
klärungen
zu wecken
(vgl. E. 2.3). Es ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die
Schulterbeschwerden im Ursachenspektrum überwiegend wahrscheinlich
zu mehr als 50
%
auf degenerative Veränderungen zurückzuführen sin
d. Bei dieser Aktenlage sind weitergehende medizinische Erhebungen nicht erforderlich (anti
zi
pierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3 mit Hinweis), da hiervon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind.
5.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
erweist sich damit als rechtens und die Beschwerde ist vollumfänglich abzuweisen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stiftung Krankenkasse Wädenswil
-
AXA Versicherungen AG
-
X.___
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstCasanova