# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cd5c9643-80d7-5bc5-b876-cf1b5e44665d
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-02-17
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2008 und 2009 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2008 und 2009
**Docket/Reference:** DB.2011.292
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/StRG_DB_2011_292_293_jt.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 DB.2011.292 + 293 
1 ST.2011.378 + 379 

Entscheid 

 17. Februar 2012 

Mitwirkend: 

Abteilungspräsident Anton Tobler, Steuerrichter Walter Balsiger, Steuerrichter Michael 
Ochsner und Gerichtsschreiberin Barbara Müller 

In Sachen 

A,   

vertreten durch RA Dr.iur. Martin Künzli,  
Künzli Kaufmann & Partner,  
Gottfried Keller-Strasse 5, 8024 Zürich,  

gegen 

Beschwerdeführer/ 
Rekurrent,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Konsum,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

betreffend 

Direkte Bundessteuer 2008 und 2009  
sowie Staats- und Gemeindesteuern 2008 und 2009 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. Der Pflichtige ist Gläubiger eines Darlehens an die B AG, welches aus dem 

Verkauf der Aktien der C AG an diese stammte und welches ab dem 1. Januar 1997 zu 

verzinsen  war  (im  Folgenden  Darlehen  I).  Aus  der  gleichen  Transaktion  bestand  zu-

dem ein weiteres Darlehen der D AG an die Käuferin (Darlehen II). Bis und mit Steuer-

jahr 2003 hat der Pflichtige die ihm zustehenden Zinsen jeweils erhalten und auch ver-

steuert. Ab 2004 bezahlte die Darlehensschuldnerin den Darlehenszins nicht mehr; der 

Pflichtige  hat  indessen  in  den  Steuerperioden  2004  und  2005  den  geschuldeten  Zins 

weiterhin deklariert und versteuert. Am 23. Juni 2006 stellte er ein Betreibungsbegeh-

ren  über  die  ausstehenden  Darlehen  samt  aufgerechneten  Darlehenszinsen.  Mit 

Schreiben  vom  8. August  2006  teilte  die  Darlehensschuldnerin  dem  Pflichtigen  mit, 

dass  sie  die  Darlehensforderung  als  nicht  bestehend  betrachte.  Am  22.  November 

2006  zedierte  die  D  AG  ihre  Forderung  an  den  Pflichtigen.  Für  die  Steuerperioden 

2006 und 2007 deklarierte der Pflichtige die Darlehenszinsen nicht mehr. Nach Durch-

führung einer Schiedsverhandlung im Dezember 2008 und Schiedsspruch vom 9. März 

2009 bezahlte die Schuldnerin schliesslich die beiden Darlehensforderungen sowie die 

Zinsen im Juli 2009.  

In  den  Steuererklärungen  2008  und  2009  teilte  der  Pflichtige  die  Darlehens-

zinsen auf die Weise auf, dass er nur die auf 2009 entfallenden Zinsen in dieser Steu-

erperiode deklarierte und alle restlichen Zinsen (für 2008 sowie die Nachzahlungen der 

Vorjahre) in der Steuerperiode 2008. Mit Eingabe vom 16. Dezember 2010 korrigierte 

er  die  Deklaration  insoweit,  als  bezüglich  des  Darlehens  I  für  2008  zusätzlich 

Fr. 21'105.- für den Zeitraum 1.1. – 31.5.2006 hinzuzuzählen, beim Darlehen II hinge-

gen Fr. 10'576.- für den Zeitraum 1.6. – 22.11.2006 abzuziehen waren (T-act. 65). Dies 

ergab folgende Aufteilung: 

Darlehenszinsen 

Darlehen I   

Darlehen II 

total 

2008  

Fr.  

135'087.-  

   46'409.-  

181'496.- 

2009 

Fr.  

22'041.- 

11'020.- 

33'061.- 

total 

Fr.  

157'128.- 

57'429.- 

214'557.-. 

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In den Einschätzungsentscheiden vom 26. Juli 2011 hielt der Steuerkommis-

sär  fest,  dass  der  steuerliche  Zufluss  der  Darlehenszinsen  vor  2009  als  unsicher 

zu bezeichnen war und dieser damit erst bei Bezahlung im Jahr 2009 erfolgt sei. Dem-

entsprechend  erfasste  er  sämtliche  Darlehenszinsen 

(nach  seiner  Rechnung 

Fr. 214'407.-) in der Steuerperiode 2009.  

B. Hiergegen liess der Pflichtige am 24. August 2011 Einsprache erheben und 

im Wesentlichen betragen, die auf 2008 und früher entfallenden Darlehenszinsen von 

(nach seiner Rechnung) Fr. 181'343.- in diesem Jahr zu berücksichtigen.  

Das  kantonale  Steueramt  wies  die  Einsprachen  am  15.  November  2011  in 

diesem Punkt ab. Dies ergab folgende Einkommenssteuerfaktoren:  

Steuerperiode 

Direkte Bundessteuer   Staats- und Gemeindesteuern  

Einkommen  

Einkommen  

2008  

steuerbares 

Fr.  

0.-  

2009  

steuerbares 

274'100.-  

satzbestimmendes 

Fr.   

0.-  

272'200.-  

273'000.-. 

C. Mit Rekurs/Beschwerde vom 16. Dezember 2011 liess der Pflichtige bean-

tragen, ihn folgendermassen einzuschätzen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen:  

Steuerperiode 

Direkte Bundessteuer  

Staats- und Gemeindesteuern  

Einkommen  

Einkommen  

Fr.  

2008  

steuerbares 

33'400.-  

satzbestimmendes 

2009  

steuerbares 

94'600.-  

satzbestimmendes 

Fr.   

32'000.-  

32'400.- 

93'300.-  

93'800.-. 

Zur Begründung machte  er geltend, dass 2008 Anzeichen bestanden hätten, 

dass  die  Erfüllung  der  Ansprüche  aus  den  Darlehen  wieder  gesichert  gewesen  sei, 

habe  sich  doch  die  Schuldnerin  auf  ein  Schiedsverfahren  eingelassen  und  habe  die 

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Schiedsverhandlung zu Tage gebracht, dass sie den Ansprüchen des Pflichtigen nichts 

entgegen halten könne. Der Zufluss sei somit 2008 erfolgt. Bei Gutheissung im Haupt-

punkt  sei  zudem  der  Betrag  der  maximal  zulässigen  gemeinnützigen  Zuwendungen 

2009 wieder anzupassen. 

Das  kantonale  Steueramt  schloss  am  12.  Januar  2012  auf  Abweisung  des 

Rechtsmittels. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen. 

Die Kammer zieht in Erwägung: 

1. a) Nach Art. 20 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die direkte Bundes-

steuer vom 14. Dezember 1990 (DBG) bzw. § 20 Abs. 1 lit. a des Steuergesetzes vom 

8.  Juni  1997  (StG)  sind  insbesondere  Zinsen aus  Guthaben als  Erträge aus  bewegli-

chem Vermögen steuerbar.  

Das steuerbare Einkommen bemisst sich bei natürlichen Personen nach den 

Einkünften in der Steuerperiode (Art. 210 Abs. 1 DBG bzw. § 50 Abs. 1 StG), wobei als 

Steuerperiode das Kalenderjahr gilt (Art. 209 Abs. 2 DBG bzw. § 49 Abs. 2 StG). Dar-

aus  ergibt  sich,  dass  Einkünfte  einer  bestimmten  Bemessungsperiode  zuzurechnen 

sind.  Das  Gesetz  regelt  jedoch  nicht,  wie  diese  Zurechnung  zu  erfolgen  hat.  Nach 

ständiger  Rechtsprechung  werden  einer  bestimmten  Steuerbemessungsperiode  alle 

steuerbaren Einkünfte zugerechnet, die dem Steuerpflichtigen in dieser Zeitspanne mit 

der Wirkung zugegangen sind, dass sie seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gestei-

gert  haben  (RB  1981  Nr.  56;  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,  Handkommentar  zum 

DBG, 2. A., 2009, Art. 210 N 22, 24 DBG und Kommentar zum harmonisierten Zürcher 

Steuergesetz, 2. A., 2006, § 50 N 23 StG, mit Rechtsprechungsnachweisen, auch zum 

Folgenden). Einkünfte fliessen dem Steuerpflichtigen grundsätzlich im Zeitpunkt zu, in 

dem  der  Rechtserwerb  vollendet  ist,  denn  dann  hat  er  einen  festen  Rechtsanspruch 

auf  das  Vermögensrecht  erworben.  Voraussetzung  des  Zuflusses  ist  somit  ein  abge-

schlossener  Rechtserwerb,  der  Forderungs-  oder  Eigentumserwerb  sein  kann,  wobei 

der  Forderungserwerb  in  der  Regel  die  Vorstufe  des  Eigentumserwerbs  darstellt.  Die 

Fälligkeit  des  Rechtsanspruchs  ist  für  die  Bestimmung  des  Zeitpunkts  des  steuerlich 

massgeblichen Zuflusses  –  von  Ausnahmen  (Kapitalzinsen,  Mietzinsen)  abgesehen  – 

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in der Regel nicht erforderlich (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 210 N 32 DBG und 

§ 50 N 27 StG).  

Der dargelegte Grundsatz der Einkommensrealisation mit dem Forderungser-

werb findet indessen dann eine Einschränkung, wenn die Erfüllung der Forderung be-

sonders unsicher ist (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 210 N 33 DBG und § 50 N 24 

StG, auch zum Folgenden). In diesen Fällen wird auf den Zeitpunkt der Erfüllung des 

Anspruchs abgestellt. Die Rechtsprechung setzt hohe Anforderungen an die Unsicher-

heit der Erfüllung (kritisch hierzu  Markus Reich, in: Kommentar zum Schweizerischen 

Steuerrecht,  2.  A.,  2008,  Art.  16  N  37  DBG;  Markus Weidmann,  Realisation  und  Zu-

rechnung des Einkommens, IFF Forum für Steuerrecht, 2003, S. 99). Ist der Schuldner 

nicht  zahlungsfähig  oder  nicht  zahlungswillig,  kann  hingegen  nicht  vom  Erwerb  eines 

festen  Anspruchs  gesprochen  werden  (Peter  Locher,  Kommentar  zum  DBG,  2001, 

Art. 16  N  21).  Bei  wiederkehrenden  Zahlungen  liegt  eine  besondere  Unsicherheit  ab 

jenem  Zeitpunkt  vor,  ab  welchem  die  Einkünfte nicht  mehr  erhältlich  zu  machen  sind 

(StE 1998 B 21.1 Nr. 6). Eine solche besondere Unsicherheit muss sich aus konkreten 

Anhaltspunkten ergeben wie fruchtloser Mahnung, ausdrücklicher Zahlungsunwilligkeit 

oder  etwa  Zahlungsproblemen  des  Schuldners,  welche  mittels  Auszügen  aus  Betrei-

bungsregistern  dokumentiert  sind  (Markus  Weidmann,  Einkommensbegriff  und  Reali-

sation, 1996, S. 213).  

b)  Unter  Berücksichtigung  dieser  Rechtsprechung  musste  hier  der  Anspruch 

auf die Darlehenszinsen als unsicher qualifiziert werden:  

aa)  Gestützt  auf  die  vorhandenen  Angaben  liegt  der  Vorzeigefall  eines  nicht 

zahlungswilligen  Schuldners  vor:  Wie  bereits  der  Pflichtige  einräumt,  sind  seit  2004 

keine  Darlehenszinsen  mehr  bezahlt  worden.  Gemäss  Sachverhaltsdarstellung  in  der 

Einsprache  sei  er  zunächst  davon  ausgegangen,  dass  die  Schuldnerin  sich  in  einem 

Liquiditätsengpass befinde (T-act. 72, S. 4); erst am 23. Juni 2006 hat er eine Betrei-

bung  eingeleitet  (T-act.  72/5).  Aus  einem  Schreiben  der  Schuldnerin  vom  8.  Au-

gust 2006  geht  hervor,  dass  sie  dagegen  Rechtsvorschlag  erhoben  hat  (T-act.  72/6). 

Als  Begründung  machte  sie  geltend,  dass  aufgrund  näher  dargelegter  Umstände  der 

Kaufpreis um Fr. 2,5 Mio. übersetzt gewesen und damit auch nicht geschuldet sei. Sie 

betrachte  sich  deshalb  aufgrund  ihrer  irrtümlichen  Wertannahme  in  Bezug  auf  das 

Kaufobjekt  von  der  Zahlungspflicht  hinsichtlich  der  in  Betreibung  gesetzten  Beträge 

entbunden.  

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Damit sind die Darlehenszinsen nicht periodisch im Zeitpunkt der Entstehung, 

sondern erst mit der Bezahlung als zugeflossen zu betrachten. Dies räumt denn auch 

der Pflichtige ein, hat er doch in den Steuerperioden 2006 und 2007 die Zinsen nicht 

mehr deklariert.  

bb) Folglich kommt ein steuerrechtlicher Zufluss vor effektiver Bezahlung nur 

dann in Betracht, wenn sich aufgrund der Umstände ergibt, dass die Forderung zu ei-

nem  früheren  Zeitpunkt  wieder  sicher  geworden  ist,  wie  zum  Beispiel  bei  Vorliegen 

eines  konkreten  Zahlungsversprechens  der  Schuldnerin.  Solche  Umstände  sind  hier 

aber nicht zu erkennen:  

Der Pflichtige stützt sich darauf, dass die Schuldnerin sich auf ein Schiedsver-

fahren eingelassen und sich an einer Vergleichslösung interessiert gezeigt habe, sowie 

darauf, dass die Schiedsverhandlung im Dezember 2008 zu Tage gebracht habe, dass 

sie den Ansprüchen des Pflichtigen nichts entgegen halten könne (R-act. 2 S. 11). Die-

se  Umstände  reichen indessen  nicht  aus,  um  die Erfüllung  wieder  als  sicher  erschei-

nen zu lassen. Dass in Bezug auf die streitigen Ansprüche ein Gericht angerufen wer-

den  musste,  zeigt  vielmehr  gerade,  dass  es  sowohl  an  der  Zahlungswilligkeit  der 

Schuldnerin  als  auch  an  der  Durchsetzbarkeit  der  Forderung  fehlte.  Daran  ändert 

nichts,  dass  sich  die  Schuldnerin  mit  einem  Schiedsverfahren  einverstanden  erklärte, 

da in dieser Situation (Rechtsvorschlag) ein gerichtliches Verfahren unvermeidbar war. 

Weiter ist ohne Belang, dass die Schiedsverhandlung im Dezember 2008 offenbar für 

den  Pflichtigen  einen  positiven  Verlauf  nahm,  da  die  Schuldnerin  sich  an  dieser  Ver-

handlung  eben  gerade  nicht  mit  der  Zahlung  einverstanden erklärte;  auf  diese Weise 

ist  jedenfalls  der  Umstand  zu  interpretieren,  dass  der  Einzelschiedsrichter  am 

9. März 2009 einen formellen Endschiedsspruch von immerhin 18 Seiten fällen musste 

(R-act. 3/8). Und selbst nach Erhalt des Schiedsspruchs war die Schuldnerin zunächst 

offenkundig  immer  noch  nicht  zur  Bezahlung  bereit  oder  fähig,  musste  der  Pflichtige 

doch am 30. Juni 2009 noch ein Konkursbegehren stellen (T-act. 65/b S. 2 oben). Erst 

unter diesem Druck wurden die Forderungen anfangs Juli 2009 bezahlt.  

c) Gestützt auf diese Umstände ergibt sich demnach, dass die Forderung vor 

der Zahlung nicht als sicher gelten konnte und der Zufluss der gesamten ausstehenden 

Darlehenszinsen erst in der Steuerperiode 2009 erfolgt ist.  

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2. a) Gehören zu den Einkünften Kapitalabfindungen für wiederkehrende Leis-

tungen,  so  wird  die  Einkommenssteuer  unter  Berücksichtigung  der  übrigen  Einkünfte 

und der zulässigen Abzüge zu dem Steuersatz berechnet, der sich ergäbe, wenn an-

stelle der einmaligen Leistung eine entsprechende jährliche Leistung ausgerichtet wor-

den wäre (Art. 37 DBG; im Wesentlichen gleich § 36 StG). Diese Bestimmungen sollen 

verhindern, dass der Steuerpflichtige, der für wiederkehrende und somit periodisch zu 

besteuernde Leistungen mit einer einmaligen Kapitalzahlung abgefunden wird, deswe-

gen  sein  gesamtes  Einkommen  mit  einem  seiner  wirtschaftlichen  Leistungsfähigkeit 

nicht entsprechenden überhöhten Steuersatz zu versteuern hätte. Da die Einkommens-

steuertarife mit ihrer progressiven Ausgestaltung auf regelmässig zufliessende Einkünf-

te zugeschnitten sind, würde eine uneingeschränkte Besteuerung der Kapitalabfindun-

gen  für  wiederkehrende  Leistungen  zu  einer  Verzerrung  führen  (Richner/Frei/Kauf-

mann/Meuter, Art. 37 N 2 DBG und § 36 N 4 StG, auch zum Folgenden).  

Kapitalabfindungen  sind  einmalige  Vermögenszugänge,  die  dazu  bestimmt 

sind,  einen  Anspruch  auf  wiederkehrende  Leistungen  zu  tilgen  (VGr,  22.  Dezem-

ber 1999, StE 2000 B 29.2 Nr. 6). Die abgegoltenen Ansprüche müssen sich auf mehr 

als  eine  Steuerperiode  erstrecken,  damit  sie  als  wiederkehrend  bezeichnet  werden 

können.  Es  können  sowohl  zukünftige  wiederkehrende  Leistungen  (Vorauszahlungen 

von künftig entgehenden Löhnen, Einmalzahlungen für Baurechtszinsen oder Kiesaus-

beutung,  Rentenauskäufe,  Vorauszahlungen  von  Mehrjahresmieten  etc.)  oder  auch 

vergangene  Leistungen  abgegolten  werden  (BGr,  5.  Oktober  2000,  ASA  70,  210  = 

StE 2001 B 29.2 Nr. 7 = StR 2001, 23). 

Einmalleistungen, mit  denen  aufgelaufene  Teilleistungen  abgegolten  werden, 

sind aber nur dann als Kapitalabfindungen einzustufen, wenn – dem Wesen der betref-

fenden Leistungen entsprechend – ordentlicherweise eine periodische Ausrichtung vor-

gesehen  gewesen  wäre,  und  dies  ohne  Zutun  des  berechtigten  Steuerpflichtigen  un-

terblieben  ist.  Diesen Grundsatz  hat  das  Bundesgericht  im  erwähnten  Entscheid vom 

5.  Oktober  2000  in  Bezug  auf  die  direkte  Bundessteuer  klar  festgehalten.  Demnach 

kann  das  etwa  der  Fall  sein  bei  Rentenleistungen  im  Bereich  der  Sozialversicherun-

gen,  bei  unbezahlt  gebliebenen  Unterhaltsbeiträgen  (Art.  125  ZGB)  oder  bei  Lohn-

nachzahlungen,  die  sich  auf  Art.  8  Abs.  3  der  Bundesverfassung  vom  18. April  1999 

stützen.  Sind  derart  geschuldete  Teilleistungen  vorenthalten  worden,  so  dass  sie  gar 

nicht  periodengerecht  versteuert  werden  konnten,  wäre  es  unbillig,  die  nachträgliche 

Kapitalabfindung zusammen mit dem übrigen Einkommen zum vollen Satz zu besteu-

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ern  und  den  berechtigten  Empfänger  dadurch  steuerrechtlich  zu  bestrafen.  Demge-

genüber  wäre  eine  Steuersatzermässigung  dort  nicht  gerechtfertigt  und  auch  nicht 

sachgerecht,  wo die  Ausrichtung  einer  Kapitalabfindung anstelle periodischer Teilleis-

tungen und der Auszahlungszeitpunkt von der Wahl der Beteiligten abhängen. Deshalb 

ist eine Anwendung von Art. 37 DBG beispielsweise ausgeschlossen bei der Realisie-

rung stiller Reserven, bei Entschädigungen für hingegebenes Kapital, bei Abgangsent-

schädigungen (vgl. hierzu Art. 17 Abs. 2 DBG) oder auch bei auf Vereinbarung beru-

henden  Lohnzahlungen  in  einem  langfristigen  Arbeitsverhältnis  (vgl.  etwa  ASA  48, 

72 ff.). Es besteht keine Veranlassung, diese vom Bundesgericht im Bereich der direk-

ten  Bundessteuer  entwickelten  Grundsätze  nicht  auch  in  Bezug  auf  die  Staats-  und 

Gemeindesteuern anzuwenden.  

b) Vorliegend wurden die während mehreren Jahren geschuldeten Darlehens-

zinsen erst im Juli 2009 beglichen (T-act. 65/b). Nachdem der Zufluss ohne Zutun des 

Pflichtigen damit erst 2009 erfolgt ist, erleidet er einen Nachteil, da er die Zinsen nun-

mehr  aufgrund  der  Steuersatzprogression  zu  einem  höheren  Satz  versteuern  müsste 

als beim ordentlichen periodischen Zufluss. Damit sind die Voraussetzungen erfüllt, um 

die  Zinszahlungen  für  die  Satzbestimmung  nach  Art.  37  DBG  bzw.  §  36  StG  umzu-

rechnen.  

c) Bezüglich der Höhe der Beträge ergeben sich in der Berechnung des Pflich-

tigen  und  des  Steuerkommissärs  geringfügige Unterschiede.  Das  Steuerrekursgericht 

stellt  im  Folgenden  auf  die  Selbstdeklaration  des  Pflichtigen  und  sein  Schreiben  vom 

16. Dezember 2010 ab (T-act. 65). Gestützt darauf ergibt sich für die Satzbestimmung 

folgende jährliche Leistung:  

Zeitraum  

Monate   Zins total 

pro Jahr 

Darlehen I    01.01.2006 – 30.06.2009 

42  

157'128.-  

Darlehen II   23.11.2006 – 30.06.2009 

31  

   57'429.-  

Total  

214'557.- 

Fr.  

Fr.  

44'894.- 

22'231.- 

67'125.- 

1 DB.2011.292 + 293 
1 ST.2011.378 + 379 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Die satzbestimmenden Einkommen gemäss den Einspracheentscheiden sind demnach 

um die Differenz von Fr. 147'432.- folgendermassen zu korrigieren:  

Direkte Bundessteuer  

Staats-/Gemeindesteuer 

gem. Einspracheentscheid  

274'103.-  

Fr.  

Korrektur  

neu  

gerundet  

- 147'432.-  

126'671.-  

126'600.-  

Fr.  

273'053.- 

- 147'432.- 

125'621.- 

125'600.-. 

d) Die vorstehende Korrektur des satzbestimmenden Einkommens tangiert im 

Übrigen die Höhe des Betrags der abzugsfähigen gemeinnützigen Zuwendungen nicht:  

Art. 33a DBG bzw. 32 lit. b StG lassen gemeinnützige Leistungen nur insoweit 

zum  Abzug  zu,  als  sie  insgesamt  20%  der  um  die  Aufwendungen  nach  Art.  26  –  33 

DBG bzw. §§ 26 – 31 StG verminderten Einkünfte nicht übersteigen. Art. 37 DBG und 

§ 36 StG stehen indessen im Zusammenhang mit der Ermittlung des Steuersatzes; die 

Bemessungsgrundlage  selbst  wird  dadurch  nicht  verändert  (Richner/Frei/Kauf-

mann/Meuter, Art. 37 N 3 DBG und § 36 N 5 StG; Ivo P. Baumgartner, in: Kommentar 

zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2. A., 2008, Art. 37 N 7 DBG). Nachdem 

die  Bemessungsgrundlage  nicht  verändert  worden  ist,  ist  keine  Neuberechnung  des 

Abzugs für gemeinnützige Zuwendungen vorzunehmen.  

3.  Gestützt  auf  diese  Erwägungen  sind  die  Beschwerde  und  der  Rekurs  in 

Bezug  auf  die  Steuerperiode  2009  teilweise  gutzuheissen,  im  Übrigen  aber  abzuwei-

sen.  Ausgangsgemäss  sind  die  Kosten  des  Verfahrens  den  Parteien  anteilsmässig 

aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG und § 151 Abs. 1 StG) und ist dem Pflichtigen eine 

wegen  des  nur  teilweisen  Obsiegens  eine  reduzierte  Parteientschädigung  zuzuspre-

chen  (Art. 144  Abs. 4  DBG  i.V.m.  Art. 64  Abs. 1 - 3  des  Bundesgesetzes  über  das 

Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 sowie § 152 StG i.V.m. § 17 Abs. 2 des 

Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997). 

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Demgemäss erkennt die Kammer: 

1.  a)  Die  Beschwerde  wird  hinsichtlich  der  Steuerperiode  2009  teilweise  gutgeheis-

sen. Der Beschwerdeführer wird für die direkte Bundessteuer wie folgt veranlagt 

(Tarif gemäss Art. 214 Abs. 1 DBG; Alleinstehendentarif): 

Steuerperiode 

2009 

steuerbar 

satzbestimmend 

Einkommen 

Fr. 

274'100.- 

126'600.-. 

b)  Die Beschwerde wird hinsichtlich der Steuerperiode 2008 abgewiesen.  

2.  a)  Der  Rekurs  wird  hinsichtlich  der  Steuerperiode  2009  teilweise  gutgeheissen. 

Der Rekurrent wird für die Staats- und Gemeindesteuern wie folgt eingeschätzt 

(Tarif gemäss § 35 Abs. 1 bzw. § 47 Abs. 1 StG; Grundtarif): 

Steuerperiode 

Einkommen 

Vermögen 

2009 

steuerbar 

satzbestimmend 

Fr. 

272'200.- 

125'600.- 

Fr. 

2'623'000.- 

2'636'000.-. 

b)  Der Rekurs hinsichtlich der Steuerperiode 2008 wird abgewiesen.  

[…] 

1 DB.2011.292 + 293 
1 ST.2011.378 + 379