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**Case Identifier:** 533bc3ac-9ceb-5ac6-a257-083fc7e9df5d
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-16
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 16.12.2022 VBE.2022.284
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-284_2022-12-16.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2022.284 / fk / BR 
Art. 132 

 

 

Urteil vom 16. Dezember 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin  

Oberrichterin Gössi  

Oberrichter Roth  

Gerichtsschreiberin Käslin          

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____    

 

     
   

Beschwerde-

gegnerin  

 Suva, Rechtsabteilung, Fluhmattstrasse 1, Postfach, 6002 Luzern   

vertreten durch Dr. iur. Beat Frischkopf, Rechtsanwalt, Bahnhofstrasse 24, 

Postfach, 6210 Sursee    

 

     
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend UVG 

(Einspracheentscheid vom 22. Juli 2022) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Der 1948 geborene Beschwerdeführer war aufgrund seines Anstellungs-

verhältnisses obligatorisch bei der Beschwerdegegnerin gegen die Folgen 

von Unfällen versichert. Am 7. März 2019 erlitt er innerhalb von etwa zwei 

Stunden zwei Verkehrsunfälle (Kollisionen), wobei er sich ein Cervikalsyn-

drom, eine posttraumatische Hochtonschwerhörigkeit mit Tinnitus beidseits 

sowie zwei HWS-Distorsionen zuzog. In der Folge erbrachte die Beschwer-

degegnerin die gesetzlichen Leistungen (Heilbehandlungskosten und Tag-

gelder). Mit Verfügung vom 10. November 2020 verneinte die Beschwer-

degegnerin eine weitere Leistungspflicht mangels Vorliegens eines adä-

quaten Kausalzusammenhangs zwischen den noch geklagten, organisch 

nicht hinreichend nachgewiesenen Beschwerden und den Unfallereignis-

sen und stellte die Leistungen per 15. November 2020 ein. Die dagegen 

erhobene Einsprache wies sie mit Einspracheentscheid vom 14. Ja-

nuar 2021 ab. Dieser Einspracheentscheid erwuchs unangefochten in 

Rechtskraft. 

 

1.2. 

Mit Gesuch vom 2. Dezember 2021 stellte der Beschwerdeführer gestützt 

auf ein zwischenzeitlich durch das Bezirksgericht Bremgarten in Auftrag 

gegebenes polydisziplinäres Gutachten vom 3. September 2021 ein "Wie-

dererwägungsgesuch zum Einspracheentscheid mit Datum vom 14. Ja-

nuar 2021". Mit Verfügung vom 27. Januar 2022 trat die Beschwerdegeg-

nerin auf das Wiedererwägungsgesuch nicht ein und führte aus, die Vo-

raussetzungen für eine prozessuale Revision seien nicht gegeben. Die da-

gegen erhobene Einsprache wies die Beschwerdegegnerin mit Ein-

spracheentscheid vom 22. Juli 2022 ab, soweit sie darauf eintrat. 

 

2. 

2.1. 

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 15. August 2022 

fristgerecht Beschwerde und beantragte sinngemäss die Ausrichtung der 

gesetzlichen Leistungen über den 15. November 2020 hinaus. 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 5. September 2022 beantragte die Beschwerde-

gegnerin die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. 

 

  

 - 3 - 

 

 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Die Beschwerdegegnerin trat auf das Gesuch des Beschwerdeführers um 

Wiedererwägung des Einspracheentscheides vom 14. Januar 2021 nicht 

ein und führte aus, die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision 

seien nicht erfüllt (Vernehmlassungsbeilage [VB] 332). 

 

1.2. 

Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, das vom Bezirksgericht Brem-

garten angeordnete polydisziplinäre Gutachten der MEDAS Zentral-

schweiz, Interdisziplinäre medizinische Gutachterstelle, vom 3. Septem-

ber 2021 (MEDAS-Gutachten; VB 327) sei nicht ausreichend berücksichtigt 

worden, obschon diesem zu entnehmen sei, dass unfallkausale körperliche 

Schäden und Beeinträchtigungen vorliegen würden. 

 

1.3. 

Strittig und zu prüfen ist somit, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf 

das Wiedererwägungsgesuch nicht eintrat und die Voraussetzungen für 

eine prozessuale Revision gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG als nicht erfüllt er-

achtete. 

 

2. 

Gegen ein Nichteintreten auf ein Wiedererwägungsgesuch besteht keine 

Anfechtungsmöglichkeit. Die Wiedererwägung liegt im pflichtgemässen Er-

messen der Verwaltung; die Verwaltung kann dazu vom Gericht nicht ver-

halten werden (Art. 53 Abs. 2 ATSG als "Kann-Vorschrift"; vgl. zum Gan-

zen BGE 133 V 50 E. 4.1.3 und E. 4.2 S. 54 ff. und 119 V 475 E. 1b/cc 

S. 479). Soweit der Beschwerdeführer sinngemäss die Überprüfung des 

Nichteintretens auf das Wiedererwägungsgesuch beantragt, ist auf die Be-

schwerde daher nicht einzutreten. Zu prüfen bleibt damit einzig, ob die Be-

schwerdegegnerin die prozessuale Revision des Einspracheentscheids 

vom 14. Januar 2021 (VB 323) zu Recht ablehnte. 

 

3. 

3.1. 

Gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen 

und Einspracheentscheide in Revision gezogen werden, wenn die versi-

cherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche 

neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung 

zuvor nicht möglich war (vgl. anstatt vieler: BGE 135 V 201 E. 5.1 S. 204 

und 127 V 466 E. 2c S. 469; MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bun-

desgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invali-

denversicherung [IVG], 3. Aufl. 2014, N. 71 zu Art. 30-31 IVG).  

 - 4 - 

 

 

 

3.2. 

Als "neu" gelten Tatsachen, welche sich zwar vor Erlass der formell rechts-

kräftigen Verfügung oder des Einspracheentscheids verwirklicht haben, je-

doch trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren (BGE 143 V 105 

E. 2.3 S. 107 f.; Urteil des Bundesgerichts U 22/07 vom 6. September 2007 

E. 4.1 mit Hinweisen). Nicht neu ist eine Tatsache dann, wenn das im Re-

visionsverfahren vorgebrachte Element lediglich eine neue Würdigung ei-

ner bereits bekannten Tatsache in sich schliesst (vgl. UELI KIESER, ATSG-

Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 26 zu Art. 53 ATSG mit Hinweis auf BGE 127 

V 353 E. 5b S. 358). Die neuen Tatsachen müssen zudem "erheblich" sein. 

Eine neue Tatsache ist jedenfalls nur dann im Sinne von Art. 53 Abs. 1 

ATSG erheblich, wenn sie die tatsächliche Grundlage der Verfügung oder 

des Einspracheentscheids so zu ändern vermag, dass bei zutreffender 

rechtlicher Würdigung ein anderer Entscheid resultiert (vgl. Urteile des Bun-

desgerichts U 68/06 vom 4. Januar 2007 E. 2.2 sowie 8C_720/2009 vom 

15. Februar 2010 E. 5.1; vgl. auch MEYER/REICHMUTH, a.a.O., N. 72 zu 

Art. 30-31 sowie UELI KIESER, a.a.O., N. 25 zu Art. 53 ATSG). 

 

3.3. 

Neue Beweismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begrün-

denden neuen erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu 

dienen, die zwar bekannt gewesen, aber unbewiesen geblieben sind. Sol-

len bereits vorgebrachte Tatsachen mit neuen Mitteln bewiesen werden, ist 

darzutun, dass die Beweismittel im früheren Verfahren nicht beizubringen 

gewesen waren. Ausschlaggebend ist, dass das Beweismittel nicht bloss 

der Sachverhaltswürdigung, sondern der Sachverhaltsfeststellung dient. 

Es genügt daher nicht, dass ein neues Gutachten den Sachverhalt anders 

wertet; vielmehr bedarf es neuer Elemente tatsächlicher Natur, welche die 

Entscheidungsgrundlagen als objektiv mangelhaft erscheinen lassen 

(BGE 127 V 353 E. 5b S. 358 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 

U 22/07 vom 6. September 2007 E. 4.1). Auch ist ein Revisionsgrund nicht 

schon gegeben, wenn bereits bekannte Tatsachen möglicherweise unrich-

tig gewürdigt wurden. Notwendig ist vielmehr, dass die unrichtige Würdi-

gung erfolgte, weil für den Entscheid wesentliche Tatsachen nicht bekannt 

waren oder unbewiesen blieben (BGE 127 V 353 E. 5b S. 358; Urteil des 

Bundesgerichts U 68/06 vom 4. Januar 2007 E. 2.2 mit Hinweis). Das Be-

weismittel muss sich auf eine Tatsache beziehen, welche Grundlage des 

gegebenenfalls zu revidierenden Entscheides bildete. In Bezug auf das 

Auffinden neuer Beweismittel hat der Gesetzgeber bewusst auf das Krite-

rium der "Erheblichkeit" verzichtet. Dieses Kriterium ist demnach nicht im 

Rahmen der Eintretensprüfung, sondern bei der materiellen Entscheidung 

zu berücksichtigen (UELI KIESER, a.a.O., N. 31 zu Art. 53 ATSG). Auch die 

auf einem neuen Beweismittel basierende Revisionstatsache muss jedoch 

bei zutreffender rechtlicher Würdigung bereits aus sich selber heraus zu 

einer anderen Entscheidung führen (Urteil des Bundesge-

richts 8C_720/2009 vom 15. Februar 2010 E. 5.2 mit Hinweisen).  

 - 5 - 

 

 

 

3.4. 

Bei der prozessualen Revision nach Art. 53 Abs. 1 ATSG sind zwei mate-

rielle Prüfungsschritte zu unterscheiden: Zunächst stellt sich die Frage, ob 

ein Revisionsgrund vorliegt, der die Rechtskraftwirkung des ursprünglichen 

Entscheids beseitigt. Wenn nein, scheidet eine prozessuale Revision aus; 

wenn ja, ist anschliessend eine neue materielle Anspruchsprüfung durch-

zuführen (THOMAS FLÜCKIGER, in: Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des 

Sozialversicherungsrechts, 2020, N. 20 zu Art. 53 ATSG). Ein negatives 

Ergebnis der "Vorprüfung" bewirkt keinen Nichteintretensentscheid, son-

dern führt zur Abweisung des Revisionsgesuchs (THOMAS FLÜCKIGER, 

a.a.O., N. 40 zu Art. 53 ATSG). 

 

4. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich im rechtskräftigen Einspracheent-

scheid vom 14. Januar 2021 (VB 323) im Wesentlichen auf folgende medi-

zinische Berichte: 

 

4.1. 

Dr. med. B., Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte im 

Bericht vom 4. April 2019 ein Cervikalsyndrom, eine posttraumatische 

Hochtonschwerhörigkeit mit Tinnitus beidseits und einen Verdacht auf Be-

teiligung des vestibulären Schenkels bei Status nach zwei HWS-Distorsio-

nen bei Verkehrsunfällen am 7. März 2019 (VB 33). 

 

4.2. 

Die Kreisärztin Dr. med. C., Fachärztin für Oto-Rhino-Laryngologie, hielt in 

ihrer Beurteilung vom 17. März 2020 fest, beim Beschwerdeführer bestehe 

ein subjektiver Tinnitus bei altersgemässem unauffälligem Hörschwellen-

verlauf und somit ohne pathomorphologischem Systembefund. Da sich bei 

den Unfallereignissen die Airbags nicht ausgelöst hätten, könne nicht von 

einem akustischen Trauma ausgegangen werden. Aufgrund des unmittel-

bar nach dem Unfallereignis auftretenden Tinnitus sei aus rein ORL-ärztli-

cher Sicht die natürliche Kausalität zwar gegeben, letztlich entscheidend 

sei jedoch die adäquate Kausalität (VB 232 S. 1). 

 

4.3. 

In seiner Aktenbeurteilung vom 27. August 2020 führte Kreisarzt Dr. med. 

D., Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe-

gungsapparates, aus, auf dem rein orthopädisch-traumatologischen Fach-

gebiet seien keine unfallkausalen strukturellen Läsionen im Bereich der 

Halswirbelsäule durch die beiden Unfälle vom 7. März 2019 entstanden, 

wie MRI-bildgebend mit Datum vom 19. September 2019 (vgl. VB 139) be-

legt sei. Auch könne eine richtunggebende Verschlimmerung von deutlich 

degenerativen Vorerkrankungen der HWS bildgebend mittels MRI vom 19. 

September 2019 (vgl. VB 139) ausgeschlossen werden (VB 296 S. 13). Die 

aktuell berichteten Beschwerden im Nacken- und Schultergürtelbereich 

 - 6 - 

 

 

 

seien nach fast 18 Monaten nach den beiden Ereignissen im Sinne von 

myofascialen Beschwerden überwiegend wahrscheinlich nicht mehr unfall-

kausaler Natur, sondern mit überwiegender Wahrscheinlichkeit den deutli-

chen vorbestehenden Degenerationen der HWS geschuldet (VB 296 

S. 14). 

 

4.4. 

Nach Prüfung der Adäquanz nach der Schleudertrauma-Praxis verneinte 

die Beschwerdegegnerin einen adäquaten Kausalzusammenhang zwi-

schen den organisch nicht nachweisbaren Beschwerden und den Unfaller-

eignissen vom 7. März 2019 (vgl. VB 323). 

 

5. 

5.1. 

Gemäss dem MEDAS-Gutachten vom 3. September 2021 (VB 327) dia-

gnostizierte Dr. med. E., Facharzt für Oto-Rhino-Laryngologie, mit Einfluss 

auf die Arbeitsfähigkeit einen dekompensierten Tinnitus beidseits, diffuse 

Schwindelbeschwerden nach Verkehrsunfällen am 7. März 2019 und diffe-

rentialdiagnostisch eine Contusio labyrinthi sowie ohne Einfluss auf die Ar-

beitsfähigkeit eine hochtonbetonte leicht- bis mittelgradige sensorineurale 

Schwerhörigkeit beidseits (VB 325 S. 39). Dr. E. führte zum Kausalzusam-

menhang aus, der Tinnitus sei wenige Stunden nach den beiden Unfällen 

aufgetreten, die erste fachärztliche Beurteilung sei drei Wochen nach dem 

Unfall durch Dr. F. (vgl. VB 32) erfolgt (VB 325 S. 40). Im Hörtest seien eine 

Senke bei 6 kHz sowie klinisch ein Spontannystagmus nach rechts doku-

mentiert. Der Spontannystagmus weise auf eine akute Funktionsstörung 

des Gleichgewichtsorgans hin, weshalb von einer Contusio labyrinthi (trau-

matische Innenohrerschütterung) als Unfallfolge ausgegangen werden 

müsse, in diesem Zusammenhang sei auch der Tinnitus zu erklären. Somit 

seien die das Fachgebiet der HNO betreffenden noch bestehenden Beein-

trächtigungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die Unfälle zu-

rückzuführen (VB 325 S. 40). 

 

5.2. 

Die Beschwerdegegnerin hielt mit Blick auf die biomechanische Kurzbeur-

teilung vom 5. August 2019 (vgl. VB 109) fest, es stelle sich die Frage, ob 

bei den Unfällen vom 7. März 2019 eine wie von Dr. med. E. als Unfallfolge 

beschriebene Contusio labyrinthi (traumatische Innenohrerschütterung) 

eingetreten sei (VB 332 S. 8). Ein Kopfanprall sei bei beiden Kollisionen 

nicht geltend gemacht worden (VB 332 S. 9). Das Teilgutachten von 

Dr. med. E. beinhalte lediglich eine neue Würdigung bereits bekannter Tat-

sachen. Neue Elemente tatsächlicher Natur, welche die ärztliche Beurtei-

lung von Kreisärztin Dr. med. C. vom 17. März 2020 als objektiv mangelhaft 

erscheinen liessen, seien nicht anzunehmen (VB 332 S. 9). Zusammenge-

fasst würden das MEDAS-Gutachten vom 3. September 2021 und auch 

 - 7 - 

 

 

 

das Teilgutachten von Dr. med. E. vom 18. Juni 2021 keine neuen Beweis-

mittel darstellen, welche eine prozessuale Revision gemäss Art. 53 Abs. 1 

ATSG rechtfertigen würden (VB 332 S. 9). 

 

6. 

6.1. 

Dem Untersuchungsbefund des otorhinolaryngologischen Teilgutachtens 

vom 18. Juni 2021 ist zu entnehmen, dass zur Feststellung des Tinnitus 

eine Tonaudiometrie durchgeführt wurde (VB 325 S. 39). Gestützt darauf 

diagnostizierte der otorhinolaryngologische Gutachter einen dekompen-

sierten Tinnitus beidseits, differentialdiagnostisch eine Contusio labyrinthi, 

sowie eine hochbetonte leicht- bis mittelgradige sensorineurale Schwerhö-

rigkeit beidseits (VB 325 S. 39). Ferner führte er aus, beim Beschwerde-

führer bestehe seit den zwei Verkehrsunfällen ein hochfrequenter subjektiv 

stark störender Pfeiftinnitus. Dieser verursache Schlafprobleme, sodass 

eine dekompensierte Situation im Sinne eines Tinnitus Grad lll-IV vorliege, 

was einem schwergradigen Tinnitus entspreche. Der Tinnitus selbst stelle 

ein subjektives Phänomen dar, welches messtechnisch nicht objektiviert 

werden könne. Im Rahmen der ersten HNO-ärztlichen Kontrolle nach den 

Unfällen habe ein Spontannystagmus nachgewiesen werden können, dies 

entspreche einem objektiven Zeichen einer posttraumatischen Funktions-

störung des Gleichgewichtsorganes (Contusio labyrinthi), welches sich im 

Innenohr befinde. Somit sei eine gleichzeitige traumatische Schädigung der 

Hörschnecke sehr wahrscheinlich, sodass beim Beschwerdeführer ein 

posttraumatischer Tinnitus postuliert werden müsse (VB 327 S. 36). 

 

6.2. 

Den Akten, die als Entscheidgrundlage für den Einspracheentscheid vom 

14. Januar 2021 (vgl. VB 323) dienten, ist in otorhinolaryngologischer Hin-

sicht zu entnehmen, dass die Diagnose Tinnitus gestützt auf die Befunde 

von Reintonaudiogrammen, mithin subjektiven Verfahren (vgl. Pschyrem-

bel, Klinisches Wörterbuch, 267. Auflage, Berlin/Boston 2017, S. 183), ge-

stellt wurde (vgl. VB 13; 75 S. 5; 110 S. 3). Nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung zählen Reintonaudiogramme nicht zur Erbringung des ob-

jektiven Nachweises eines Tinnitus (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 8C_779/2013 vom 30. Dezember 2013 E. 4.1; vgl. zum Ganzen 

BGE 138 V 248 E. 5.9 S. 256 ff.). Ein bildgebender oder apparativer Nach-

weis, welcher ein Absehen von der besonderen Adäquanzprüfung gestat-

ten würde, ist damit durch das neu eingebrachte MEDAS-Gutachten vom 

3. September 2021 nicht erbracht, zumal organisch objektiv ausgewiesene 

Unfallfolgen erst vorliegen, wenn die erhobenen Befunde mit apparati-

ven/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden (BGE 134 V 109 E. 9 

S. 122, 117 V 359 E. 5d/aa S. 363; Urteil des Bundesgerichts 8C_806/2007 

vom 7. August 2008 E. 8.2 mit weiteren Hinweisen). Dies gilt rechtspre-

chungsgemäss auch bei einem Tinnitus (BGE 138 V 248). 

 

 - 8 - 

 

 

 

Anzumerken ist ferner, dass der Schweregrad eines (subjektiven) Tinnitus 

nicht mittels objektiver Messungen, sondern ausschliesslich aufgrund der 

Angaben der betroffenen Person und deren subjektiv empfundenen Beein-

trächtigung festgelegt wird. Rechtsprechungsgemäss kann der so be-

stimmbare Schweregrad keine verlässlichen Rückschlüsse auf eine orga-

nische Unfallfolge als Ursache des Tinnitus bieten (BGE 138 V 248 E. 5.9.2 

S. 257). Hinsichtlich der differentialdiagnostisch aufgeführten Contusio la-

byrinthi (vgl. VB 325 S. 39) ist darauf hinzuweisen, dass es an einem pro-

zessual revisionsrechtlich verlangten Erfordernis fehlt, soweit sich das 

Neue im Wesentlichen in (differenzial-)diagnostischen Überlegungen er-

schöpft, also – wie vorliegend – auf der Ebene der medizinischen Beurtei-

lung anzusiedeln ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_955/2012 vom 13. Feb-

ruar 2013 E. 3.3.1). Damit kann nicht die Rede davon sein, dass das neu 

eingereichte MEDAS-Gutachten einen Fehler in der früheren Beweisgrund-

lage eindeutig aufzeigen würde (BGE 144 V 245 E. 5.4 S. 249 f. und 

E. 5.5.5 S. 252 f.). Die Beschwerdegegnerin hat demzufolge zu Recht aus-

geführt, dass keine neuen Elemente tatsächlicher Natur vorliegen, welche 

die Entscheidungsgrundlagen des Einspracheentscheids vom 14. Ja-

nuar 2021 als objektiv mangelhaft erscheinen lassen. Nach dem Dargeleg-

ten ist festzuhalten, dass aus dem MEDAS-Gutachten vom 3. Septem-

ber 2021 keine erheblichen neuen Tatsachen hervorgehen und solche 

durch den Beschwerdeführer auch nicht aufgezeigt werden. 

 

7. 

Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin demnach zu Recht die 

Voraussetzungen für eine prozessuale Revision gemäss Art. 53 Abs. 1 

ATSG als nicht erfüllt erachtet und das entsprechende Gesuch des Be-

schwerdeführers abgewiesen. Die gegen den Einspracheentscheid vom 

14. Januar 2021 erhobene Beschwerde ist folglich abzuweisen. 

 

8. 

Soweit der Beschwerdeführer rügt, die Beschwerdegegnerin habe die Kos-

ten einer Rehamassnahme im Jahr 2019 abgelehnt, kann ihm nicht gefolgt 

werden. Vielmehr geht aus den Akten hervor, dass die Beschwerdegegne-

rin eine Kostengutsprache für den in einem Einzelzimmer gewünschten 

Rehaaufenthalt gewährte, der Beschwerdeführer diesen indes kurzfristig 

ablehnte (VB 194; 259; 290). Auf weitere Ausführungen hierzu kann folglich 

verzichtet werden. Dies umso mehr, als der Einspracheentscheid vom 

14. Januar 2021 ohnehin bereits unangefochten in Rechtskraft erwachsen 

ist. 

9. 

9.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf ein-

zutreten ist. 

 

 - 9 - 

 

 

 

9.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

9.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61  

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als So-

zialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) keine Parteient-

schädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer    

die Beschwerdegegnerin  (Vertreter; 2-fach)   

das Bundesamt für Gesundheit 

 

  

 - 10 - 

 

 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 16. Dezember 2022 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Käslin