# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 03082eff-0086-56cc-b874-31bbb8ef81f1
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-03-03
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 03.03.2025 SB240125
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB240125_2025-03-03.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240125-O/U/cwo

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, Oberrichterin lic. iur. S. Fuchs 

und Ersatzoberrichterin Dr. iur. C. Schoder sowie Gerichtsschreibe-

rin MLaw N. Hunziker

Urteil vom 3. März 2025

in Sachen

1. A._____, 
2. B._____, 
Beschuldigte und I. Berufungskläger

1 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____, 

2 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X2._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich, 
Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin

sowie

C._____ AG, 
Verfahrensbeteiligte und II. Berufungsklägerin

betreffend qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Meilen, Abteilung, 
vom 19. Dezember 2023 (DG220017)

-   2   -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 1. Dezember 

2022 (Urk. 11) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 145 S. 135 ff.)

"Es wird erkannt:

1. Der Beschuldigte 1 ist schuldig

 der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 
Abs. 1 und Abs. 3 StGB sowie der Gehilfenschaft dazu (Art. 25 StGB),

 der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung gemäss Art. 164 
Ziff. 1 StGB sowie der Gehilfenschaft dazu (Art. 25 StGB),

 der Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB.

2. Der Beschuldigte 2 ist schuldig

 der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 
Abs. 1 und Abs. 3 StGB sowie

 der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung gemäss Art. 164 
Ziff. 1 StGB.

3. Der Beschuldigte 2 wird freigesprochen vom Vorwurf der Geldwäscherei gemäss 

Art. 305bis Ziff. 1 StGB.

4. Der Beschuldigte 1 wird bestraft mit 2 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe.

5. Der Beschuldigte 2 wird bestraft mit 2 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe.

6. Der Vollzug der Freiheitsstrafe des Beschuldigten 1 wird im Umfang von 1 Jahr 

und 3 Monaten aufgeschoben. Im Übrigen (1 Jahr und 3 Monate) wird die 

Freiheitsstrafe vollzogen. Die Probezeit wird auf 2 Jahre festgesetzt.

7. Der Vollzug der Freiheitsstrafe des Beschuldigten 2 wird im Umfang von 1 Jahr 

und 3 Monaten aufgeschoben. Im Übrigen (1 Jahr und 3 Monate) wird die 

Freiheitsstrafe vollzogen. Die Probezeit wird auf 2 Jahre festgesetzt.

-   3   -

8. Die Privatklägerin D1._____ GmbH (D2._____ LLP) wird mit ihrem Schadener-

satzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

9. Der Beschuldigte 1 wird verpflichtet, dem Kanton Zürich als Ersatz für nicht mehr 

vorhandenen, widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil CHF 3'207'730.– 

(USD 3'693'281.97, umgerechnet per 19. Dezember 2023 zum Kurs von 1 USD = 

CHF 0.86853) zu bezahlen. Die folgenden Guthaben auf Konten der E._____ 

[Bank] werden vollumfänglich eingezogen und an die Ersatzforderung des Be-

schuldigten 1 angerechnet:

 Konto Nr. 1 lautend auf F1._____ AG in Liq.,
 Konto Nr. 2 lautend auf F1._____ AG in Liq., Kontokorrent FRW Firmen; um-

gerechnet in Schweizer Franken per 19. Dezember 2023 (Kurs: 1 EUR = 
CHF 0.94810),

 Konto Nr. 3 lautend auf F2._____ AG in Liq.,
 Konto Nr. 4 lautend auf F2._____ AG in Liq., Kontokorrent FRW Firmen; um-

gerechnet in Schweizer Franken per 19. Dezember 2023 (Kurs: 1 EUR = 
CHF 0.94810).

10. Der Beschuldigte 2 wird verpflichtet, dem Kanton Zürich als Ersatz für nicht mehr 

vorhandenen, widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil CHF 86'853.– 

(USD 100'000.–, umgerechnet per 19. Dezember 2023 zum Kurs von 1 USD = 

CHF 0.86853) zu bezahlen.

Das Guthaben der G._____ Ltd. auf dem Konto Nr. 5 bei der H._____ AG [Bank] 

wird im Umfang von USD 100'000.– (entsprechend CHF 86'853.–) eingezogen und 

an die Ersatzforderung des Beschuldigten 2 angerechnet.

11. Die C._____ AG wird verpflichtet, dem Kanton Zürich als Ersatz für nicht mehr vor-

handenen, widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil CHF 25'222'159.– 

(USD 29'040021.70, umgerechnet per 19. Dezember 2023 zum Kurs von 1 USD = 

CHF 0.86853) zu bezahlen. Die folgenden Guthaben werden vollumfänglich einge-

zogen und an die Ersatzforderung der C._____ AG angerechnet:

 Konto Nr. 6 der I._____ AG [Bank] lautend auf C._____ AG,
 Konto Nr. 7 der H._____ AG lautend auf C._____ AG; umgerechnet in 

Schweizer Franken per 19. Dezember 2023 (Kurs: 1 USD = CHF 0.86853).

12. Im Übrigen werden die in diesem Verfahren angeordneten Kontosperren 

(inklusive der Sperre des Schrankfachs Nr. 8 bei der I._____ AG) aufgehoben.

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13. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

CHF 40'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

CHF 30'000.–   Gebühr Anklagebehörde

CHF 7'457.30   Dolmetschkosten Vorverfahren

CHF 675.–   Übersetzungskosten Hauptverfahren

CHF 2'100.–   offene Kosten Entsiegelungs- und Beschwerdeverfahren

CHF 27'485.40   amtliche Verteidigung des Beschuldigten 1;  CHF 2'709.40 wurden akonto im Vorverfahren bezahlt 

CHF 89'424.73   amtliche Verteidigung des Beschuldigten 2,  CHF 43'642.73 wurden akonto im Vorverfahren bezahlt 

Die Kosten, ausgenommen derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem 

Beschuldigten 1 im Umfang von CHF 39'516.15 und dem Beschuldigten 2 im Um-

fang von CHF 40'716.15 auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden 

auf die Staatskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss 

Art. 135 Abs. 4 StPO.

14. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten 1 wird entschädigt mit CHF 24'776.– 

(Resthonorarforderung, inkl. Barauslagen und MWST).

15. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten 2 wird entschädigt mit CHF 45'782.– 

(Resthonorarforderung, inkl. Barauslagen und MWST).

16. Dem Beschuldigten 2 wird keine Entschädigung zugesprochen.

17. Der Privatklägerin wird keine Entschädigung zugesprochen.

18. J._____ wird pauschal mit CHF 2'000.– (inkl. Barauslagen und MWST) aus der 

Staatskasse entschädigt.

19. (Mitteilungen)

20. (Rechtsmittel)"

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Berufungsanträge:
(Prot. II S. 6 f.)

a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten 1:

(Urk. 146; Prot. II S. 12 und 30)

Der Beschuldigte 1 sei vollumfänglich freizusprechen, unter Übernahme 

sämtlicher Kosten durch die Staatskasse.

Demnach seien die folgenden Ziffern des Dispositivs des angefochtenen 

Urteils aufzuheben bzw. gemäss dem beantragten vollumfänglichen 

Freispruch abzuändern: Dispositivziffern 1, 4, 6, 9, 13.

Bezüglich Dispositivziffern 13 und 14 sei die von der Vorinstanz vorgenom-

mene Kürzung des Honorars um 540 Minuten aufzuheben und der Honorar-

anspruch somit um CHF 1'980.– zuzüglich entsprechender Mehrwertsteuer 

zu erhöhen.

b) Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 156; Urk. 191 S. 1 f.)

1. Dispositiv Ziffer 4 des Urteils des Bezirksgerichts Meilen vom 19. Dezember 

2023 sei wie folgt abzuändern: "Der Beschuldigte A._____ wird bestraft mit 

36 Monaten Freiheitsstrafe".

2. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 19. Dezember 2023 

zu bestätigen und die Berufung des Berufungsklägers sei abzuweisen.

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Erwägungen:

I. Prozessgeschichte

1. Mit Urteil vom 19. Dezember 2023 (Urk. 145) sprach das Bezirksgericht 

Meilen A._____ der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung und der 

Gehilfenschaft dazu, der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung 

und der Gehilfenschaft dazu sowie der Urkundenfälschung für schuldig. 

B._____ sprach das Bezirksgericht der qualifizierten ungetreuen Geschäfts-

besorgung und der Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung für 

schuldig und sprach ihn vom Vorwurf der Geldwäscherei frei. Das Gericht 

bestrafte die Beschuldigten je mit einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und 

6 Monaten, schob den Vollzug der Freiheitsstrafe unter Ansetzung einer Pro-

bezeit von 2 Jahren zur Hälfte auf und ordnete im Übrigen den unbedingten 

Vollzug der Freiheitsstrafe an. Weiter verwies das Gericht die als Privatklä-

gerin beteiligte D1._____ GmbH (fortan D1._____) mit ihrer Schadenersatz-

forderung auf den Zivilweg und belegte die Beschuldigten sowie die C._____ 

AG (fortan C._____) je mit einer Ersatzforderung für einen nicht mehr vor-

handenen, widerrechtlich erlangten Vermögensvorteil.

2. Die Beschuldigten A._____ und B._____ sowie die als Verfahrensbeteiligte 

auftretende C._____ meldeten je Berufung gegen das bezirksgerichtliche 

Urteil an und reichten beim Obergericht des Kantons Zürich je eine 

Berufungserklärung ein (Urk. 146-148).

3. Mit Präsidialverfügung vom 25. März 2024 wurden die Beschuldigten 

A._____ und B._____, die D1._____ als Privatklägerin, die Staatsanwalt-

schaft III des Kantons Zürich und die am Verfahren beteiligte C._____ einge-

laden, zu erklären, ob hinsichtlich der Berufung einer Gegenpartei An-

schlussberufung erhoben werde oder auf die Berufung einer Gegenpartei 

nicht einzutreten sei (Urk. 152). Diese Verfügung wurde der Rechtsvertre-

tung der D1._____ durch Publikation im kantonalen Amtsblatt mitgeteilt (vgl. 

Urk. 154).

-   7   -

4. Die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich erhob Anschlussberufung 

(Urk. 156). Der Beschuldigte B._____ und die am Verfahren beteiligte 

C._____ verzichteten auf eine Anschlussberufung (Urk. 155 und Urk 158). 

Der Beschuldigte A._____ und die D1._____ liessen sich zur Möglichkeit ei-

ner Anschlussberufung nicht vernehmen.

5. J._____ beantragte mit Eingabe von 13. Mai 2024 die Ausstellung einer Teil-

rechtskraftbescheinigung betreffend Dispositivziffer 12 des vorinstanzlichen 

Urteils (Urk. 160). Der Beschuldigte B._____ stellte mit Eingabe vom 7. Mai 

2024 an die Vorinstanz den gleichen Antrag (Urk. 165). Die übrigen Parteien 

erhoben keine Einwände gegen die Feststellung der Teilrechtskraft in diesem 

Punkt. Die Kammer erachtete es als gerechtfertigt, die Rechtskraft nicht nur 

betreffend die Dispositivziffer 12, sondern hinsichtlich aller nicht angefochte-

ner Dispositivziffern festzustellen. Mit Beschluss vom 12. Juni 2024 

(Urk. 170) stellte die Kammer die Rechtskraft folgender Dispositivziffern fest: 

3 (Freispruch des Beschuldigten B._____ betr. Geldwäscherei), 8 (Verweis 

des Schadenersatzbegehrens der Privatklägerin auf den Zivilweg), 12 (Auf-

hebung der Kontosperren), 15 (Entschädigung von Rechtsanwalt X2._____), 

17 (keine Entschädigung für die D1._____ als Privatklägerin), 18 (Entschädi-

gung von J._____).

6. Die mit Eingaben vom 5. Februar 2025 bzw. 24. Februar 2025 gestellten 

Gesuche um Zusicherung von freiem Geleit der Beschuldigten A._____ und 

B._____ (Urk. 178, 181 und 185) wurden je abgelehnt (Urk. 182, 183 und 

186). Was den in Deutschland wohnhaften Beschuldigten A._____ betrifft, so 

ist dieser Schweizer Staatsbürger und im Verurteilungsfall kann er zwecks 

Vollzugs der gegen ihn verhängten Sanktion gestützt auf das EU-Überein-

kommen vom 21. März 1983 über die Überstellung verurteilter Personen in 

die Schweiz überstellt werden (Prot. II S. 7 f.). Der Sinn von Art. 204 StPO 

liegt nicht darin, eine betroffene Person vor dem Strafvollzug zu bewahren, 

sondern um zu Aussagen zu gelangen, ohne Auslieferungsvorschriften zu 

verletzen bzw. zu umgehen. Gründe für die Zusicherung von freiem Geleit 

sind nicht ersichtlich.

-   8   -

7. Mit Eingabe vom 26. Februar 2025 zog der Beschuldigte B._____ seine 

Berufung gegen das bezirksgerichtliche Urteil zurück (Urk. 187), wovon 

Vormerk zu nehmen ist. Folglich ist auch die Anschlussberufung der Staats-

anwaltschaft in Bezug auf den Beschuldigten B._____ dahingefallen.

8. Die Berufungsverhandlung fand heute in Anwesenheit des amtlichen Vertei-

digers des Beschuldigten A._____ und der Staatsanwaltschaft statt (Prot. II 

S. 6). Der Beschuldigte A._____ ist unentschuldigt nicht erschienen, liess 

sich aber durch seinen amtlichen Verteidiger vertreten (Art. 407 Abs. 1 lit. a 

StPO). Zwei vom amtlichen Verteidiger des Beschuldigten A._____ als Be-

weismittel offerierte Urkunden wurden zu den Akten genommen (Urk. 190/1-

2). Weitere Beweisanträge wurden nicht gestellt (Prot. II S. 8-10). Vorfragen, 

über welche unmittelbar zu entscheiden gewesen wäre, wurden keine aufge-

worfen (a.a.O. S. 8).

9. Seitens der Verfahrensbeteiligten C._____ ist unentschuldigt niemand zur 

Berufungsverhandlung erschienen (Prot. II S. 6), weshalb ihre Berufung als 

zurückgezogen gilt (Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO), wovon Vormerk zu nehmen 

ist.

II. Prozessuales

1. Anwendbares Prozessrecht

Am 1. Januar 2024 traten die revidierten Bestimmungen der StPO in Kraft 

(AS 2023 468; BBl 2019 6697). Nach Art. 453 Abs. 1 StPO werden Rechts-

mittel gegen Entscheide, die vor Inkrafttreten der neuen Regelungen gefällt 

wurden, nach altem Recht beurteilt. Folglich ist für das vorliegende Rechts-

mittelverfahren das vor der Revision geltende Prozessrecht massgebend.

2. Berufungsumfang

Wie dargelegt stellte die Kammer mit Beschluss vom 12. Juni 2024 (Urk. 170) 

die Rechtskraft der Dispositivziffern 3, 8, 12, 15, 17 und 18 des angefochte-

nen Urteils fest.

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Der Beschuldigte A._____ focht die Dispositivziffern 1, 4, 6, 9 und 13 (soweit 

es die Kostenauflage betrifft) an (Urk. 146). Die Staatsanwaltschaft focht ih-

rerseits mit ihrer Anschlussberufung das Strafmass und damit die Dispositiv-

ziffern 4 und 6 an (Urk. 156; Urk. 191). Das Berufungsverfahren erstreckt sich 

auf die angefochtenen und demnach noch nicht rechtskräftigen Dispositiv-

ziffern.

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten A._____, Rechtsanwalt lic. iur. 

X1._____, focht mittels Berufung die Dispositivziffer 14 an (Urk. 146). Der 

bezirksgerichtliche Entscheid wurde gefällt, als die alte Fassung von Art. 135 

StPO in Kraft war, weshalb er gegen die Dispositivziffer 14 das Rechtsmittel 

der Beschwerde hätte ergreifen müssen (Art. 453 Abs. 1 StPO in Verbindung 

mit Art. 135 Abs. 3 lit. a aStPO). Entsprechend ist auf seine Berufung nicht 

einzutreten und die Dispositivziffer 14 ist in Rechtskraft erwachsen, was mit-

tels Beschluss festzustellen ist.

Infolge des Berufungsrückzugs des Beschuldigten B._____ sind die Disposi-

tivziffern 2, 5, 7, 10 und 18 in Rechtskraft erwachsen, was mittels Beschluss 

festzustellen ist.

Infolge des Berufungsrückzugs der am Verfahren beteiligten C._____ ist 

schliesslich auch die Dispositivziffer 11 in Rechtskraft erwachsen, was eben-

falls mittels Beschluss festzustellen ist.

3. Kognition / Verschlechterungsverbot

3.1 Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil grundsätzlich nur 

in angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Vorbehalten bleibt die 

Überprüfung nicht angefochtener Punkte zugunsten der beschuldigten Per-

son zwecks Verhinderung gesetzwidriger oder unbilliger Entscheide (Art. 404 

Abs. 2 StPO). In den angefochtenen Punkten überprüft das Berufungsgericht 

das erstinstanzliche Urteil umfassend (Art. 404 Abs. 1 in Verbindung mit 

Art. 398 Abs. 2 StPO). Mit Berufung können Rechtsverletzungen (einsch-

liesslich Ermessensüberschreitung und -missbrauch, Rechtsverweigerung, 

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Rechtsverzögerung), unvollständige oder unrichtige Sachverhaltsfeststellun-

gen sowie Unangemessenheit gerügt werden (Art. 398 Abs. 3 StPO).

3.2 Das Verschlechterungsverbot verbietet es, das angefochtene Urteil zum 

Nachteil der beschuldigten Person abzuändern, wenn das Rechtsmittel nur 

zu deren Gunsten ergriffen worden ist (Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO). Ein zu 

Lasten der beschuldigten Person ergriffenes Rechtsmittel hebt das Ver-

schlechterungsverbot im Umfang der gestellten Anträge auf (BGE 148 IV 89 

E. 4.3; 147 IV 167 E. 1.5.2).

3.3 Vorliegend hat die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung erhoben. Das 

angefochtene Urteil kann folglich im Umfang der Anträge in der Anschluss-

berufung nicht nur zu Gunsten, sondern auch zu Ungunsten des Beschuldig-

ten A._____ abgeändert werden. In den angefochtenen Punkten ist das Ge-

richt nicht an die Anträge der Parteien gebunden (Art. 391 Abs. 1 lit. b StPO). 

In den nicht von der Staatsanwaltschaft angefochtenen Punkten gilt jedoch 

das Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO). Vorbehalten bleibt eine 

strengere Bestrafung aufgrund von Tatsachen, die dem erstinstanzlichen 

Gericht nicht bekannt sein konnten (Art. 391 Abs. 2 Satz 2 StPO).

4. Rügepflicht / Begründungsdichte

4.1 Die Partei, die bei der ersten Instanz Berufung angemeldet hat, reicht dem 

Berufungsgericht zunächst eine Berufungserklärung mit den Anträgen nach 

Massgabe von Art. 399 Abs. 3 StPO ein. Die eigentliche Begründung der 

Berufung erfolgt danach im mündlichen oder schriftlichen Berufungsverfah-

ren (vgl. Art. 405 und Art. 406 Abs. 3 StPO). In der Berufungsbegründung hat 

der Berufungskläger gemäss Art. 385 Abs. 1 StPO genau anzugeben, 

welche Punkte des Entscheids er anficht (lit. a), welche Gründe einen ande-

ren Entscheid nahelegen (lit. b) und welche Beweismittel er anruft (lit. c). Dies 

impliziert eine Auseinandersetzung mit dem Entscheid und dessen Motiva-

tion (BGE 143 IV 40 E. 3.4.1; vgl. auch BGer, Urteil 6B_1093/2022 vom 

2.8.23 E. 1.4). Der Berufungskläger hat aufzuzeigen, inwiefern die 

Vorinstanz die Beweise falsch gewürdigt, den Sachverhalt unrichtig fest-

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gestellt oder das Recht falsch angewendet hat. Pauschale Kritik am ange-

fochtenen Urteil bleibt unbeachtlich.

4.2 Das Berufungsgericht hat die Einwände des Berufungsklägers zu hören, zu 

prüfen und bei der Entscheidfindung zu berücksichtigen. Jedoch ist nicht 

erforderlich, dass sich das Gericht mit allen Parteistandpunkten einlässlich 

auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. 

Vielmehr kann es sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte 

beschränken (vgl. BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 141 IV 249 E. 1.3.1; 141 III 28 

E. 3.2.4).

5. Zuständigkeit der Vorinstanz

5.1 Das den Beschuldigten vorgeworfene Verhalten hat Bezüge zu den Kanto-

nen Zürich, Zug und Schwyz Die involvierten Staatsanwaltschaften einigten 

sich nach Durchführung eines Meinungsaustausches im Jahr 2014 darauf, 

dass die Strafuntersuchung von den Zürcher Strafverfolgungsbehörden 

geführt werden sollte (STA act. 10101001 ff.). Dieser gestützt auf Art. 38 

Abs. 1 StPO gefällte Gerichtsstandentscheid blieb unangefochten.

Die deutschen Strafverfolgungsbehörden lehnten ein im Jahr 2018 gestelltes 

Gesuch der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich um Übernahme der 

Strafverfolgung in Ermangelung eines in Deutschland liegenden Tatorts ab 

(STA act. 10401024).

5.2 Die Staatsanwaltschaft III führte die Strafuntersuchung und erhob zunächst 

beim Bezirksgericht Zürich Anklage. Dieses trat mit Beschluss vom 20. Juli 

2022 auf die Anklage nicht ein, da in der vorliegenden Fallkonstellation auf 

den Wohnsitz der Beschuldigten im Deliktszeitraum abzustellen sei, welcher 

im Bezirk Meilen gelegen habe (STA act. 10501062). Dieser Beschluss blieb 

ebenfalls unangefochten.

5.3 Die Vorinstanz bejahte ihre Zuständigkeit mit der Begründung, dass die auf 

qualifizierte Wirtschaftsdelikte spezialisierte Staatsanwaltschaft III für das 

gesamte Kantonsgebiet zuständig sei und der Schwerpunkt der deliktischen 

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Tätigkeit der Beschuldigten ausserhalb des Kantons Zürich gelegen habe. 

Deshalb erschiene es nicht sachgerecht, für die Anklageerhebung auf den 

Ort der ersten Ermittlungshandlungen (Zürich) abzustellen. Massgebend 

müsse der Wohnsitz der Beschuldigten im Bezirk Meilen sein (Urk. 145 

S. 13). Der Beschuldigte A._____ brachte gegen die Zuständigkeit der 

Vorinstanz weder im Haupt- noch im Berufungsverfahren Einwände vor. Das 

angefochtene Urteil wäre denn auch nicht zu beanstanden. Wie bereits das 

Bezirksgericht Zürich festhielt, ist der Deliktsort ungewiss (vgl. STA 

act. 10501062). Kann der Ort einer oder mehrerer Straftaten nicht ermittelt 

werden, sind für die Verfolgung und Beurteilung die Behörden des Ortes 

zuständig, an dem die beschuldigte Person ihren Wohnsitz oder ihren 

gewöhnlichen Aufenthalt hat (Art. 32 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte 

A._____ wohnte im Deliktszeitraum in K._____, welche Ortschaft im Bezirk 

Meilen liegt. Das Bezirksgericht Meilen (Vorinstanz) war zur Beurteilung der 

dem Beschuldigten A._____ vorgeworfenen Straftaten somit zuständig.

6. Anwendbares materielles Strafrecht

6.1 Der Deliktszeitraum begann am 26. Juli 2011 und dauerte bis am 20. Januar 

2012. Seither wurden die vorliegend massgebenden Gesetze teilweise revi-

diert.

6.2 Im materiellen Strafrecht herrscht der Grundsatz des günstigeren Rechts 

(lex mitior). Ist ein Verbrechen oder Vergehen zu beurteilen, das vor dem 

Inkrafttreten einer Änderung des Strafgesetzbuches begangen wurde, 

kommen die zur Tatzeit geltenden Bestimmungen zur Anwendung, sofern die 

revidierten Bestimmungen für den Täter nicht günstiger sind (Art. 2 Abs. 1 

und 2 StGB). Beim Vergleich der Schwere der Strafnormen ist nach der 

konkreten Methode eine umfassende Beurteilung des Sachverhalts nach 

altem und neuem Recht vorzunehmen. Es kommt darauf an, nach welchem 

der beiden Rechte der Täter für die gerade zu beurteilende Tat besser 

wegkommt (STEFAN TRECHSEL/HANS VEST, Praxiskommentar zum Straf-

gesetzbuch, 4. Aufl. 2021, Art. 2 N. 11).

-   13   -

6.3 Am 1. Juli 2023 trat das Bundesgesetz über die Harmonisierung der Straf-

rahmen (Strafrahmenharmonisierung, AS 2023 259; BBl 2018 2827) in Kraft. 

Mit dieser Gesetzesrevision erfuhr der vorliegend zur Diskussion stehende 

Tatbestand der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 

Ziff. 1 Abs. 3 StGB) eine Änderung. Die Strafbestimmung in ihrer revidierten 

Fassung statuiert keine Mindestfreiheitsstrafe mehr, wenngleich nach der 

Gerichtspraxis bereits unter altem Recht kein Strafminimum bestand und an-

stelle einer Freiheitsstrafe eine Geldstrafe ausgesprochen werden konnte 

(vgl. MARCEL ALEXANDER NIGGLI, in: Basler Kommentar zum Strafrecht I, 

4. Aufl. 2019, Art. 158 N. 8). Nach der revidierten Bestimmung kann als 

Sanktion nicht nur eine Freiheitsstrafe, sondern – explizit – auch eine Gelds-

trafe ausgesprochen werden, die im Vergleich zur Freiheitsstrafe als milder 

gilt (vgl. BGE 144 IV 313 E. 1.1.1; 138 IV 120 E. 5.2). Damit ist die revidierte 

Fassung von Art. 158 StGB zwar abstrakt milder, im konkreten Fall erweist 

sie sich allerdings nicht als günstiger (vgl. E. V/4.2.3), weshalb die Strafbe-

stimmung in der im Deliktsraum geltenden Fassung anzuwenden ist.

Die weiteren hier relevanten Straftatbestände des Insolvenzstrafrechts 

(Art. 164, eventuell Art. 163 StGB) wurden von der Strafrahmenharmonisie-

rung nicht tangiert. Es kommen die zur Tatzeit geltenden, nach wie vor in 

Kraft stehenden Bestimmungen zur Anwendung (Art. 2 Abs. 1 StGB). Die Be-

stimmungen von Art. 171 Abs. 2 aStGB und Art. 171bis aStGB, wonach unter 

gewissen Voraussetzungen von der Bestrafung des Täters abgesehen wer-

den kann, wurden im Zuge der Strafrahmenharmonisierung aufgehoben. Die 

gesetzlichen Voraussetzungen (gerichtlicher Nachlassvertrag, Widerruf des 

Konkurses) sind im vorliegenden Fall nicht gegeben. Die Anwendung der ge-

nannten Bestimmungen steht somit ausser Diskussion.

Der ebenfalls zur Anwendung kommende Tatbestand der Urkundenfäl-

schung nach Art. 251 StGB wurde im Zuge der Strafrahmenharmonisierung 

mit der Streichung dessen Ziff. 2 verschärft. Während Urkundenfälschung 

gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet 

wird, sieht die nicht mehr geltende Ziff. 2 vor, dass in besonders leichten 

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Fällen auf Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe erkannt werden 

kann. Die revidierte Fassung von Art. 251 StGB erweist sich nicht als milder, 

weshalb die Strafbestimmung in der im Deliktsraum geltenden Fassung 

anzuwenden ist.

6.4 Mit der Revision des Aktienrechts (AS 2020 4005; 2022 109; BBl 2017 399), 

die am 1. Januar 2023 in Kraft trat, wurden die Sorgfalts- und Treupflichten 

der Verwaltungsratsmitglieder verschärft. Neu trifft die Verwaltungsratsmit-

glieder bei Interessenkonflikten eine Informationspflicht (Art. 717a OR). 

Diese Bestimmung führt auch zur Verschärfung des Tatbestands der unge-

treuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 StGB), indem der strafbewehrte 

Pflichtenkatalog der Verwaltungsratsmitglieder erweitert wird. Dem Grund-

satz des günstigeren Rechts entsprechend gelangt Art. 717a OR vorliegend 

nicht zur Anwendung, da diese Vorschrift im Deliktszeitraum noch nicht exis-

tierte.

Die Vorinstanz hielt zutreffend fest, dass die weiteren Teilrevisionen des 

Obligationenrechts, namentlich auf dem Gebiet des Rechnungslegungs-

rechts, die Beurteilung der vorliegenden Strafsache nicht beeinflussen 

(Urk. 145 S. 16). Massgebend sind die im Deliktszeitraum geltenden Bestim-

mungen.

6.5 Am 1. Januar 2018 trat das revidierte Sanktionenrecht in Kraft (AS 2016 

1249; BBl 2012 4721). Die Vorinstanz verwies auf die vom Bundesgericht 

aufgestellten Grundsätze, die bei der Ermittlung des für den Täter günstige-

ren Rechts beachtet werden müssen. Soweit erforderlich, ist darauf im 

Rahmen der Strafzumessung einzugehen.

6.6 Art. 66a und Art. 66abis StGB über die Landesverweisung von kriminellen 

Ausländern traten am 1. Oktober 2016 in Kraft (AS 2016 2329; BBl 2013 

5975). Aufgrund des strafrechtlichen Rückwirkungsverbots (Art. 2 Abs. 1 

StGB) sind die Bestimmungen über die Landesverweisung intertemporal-

rechtlich nur anwendbar, wenn das auslösende Delikt nach dem 1. Oktober 

-   15   -

2016 begangen wurde. Das Rückwirkungsverbot gilt grundsätzlich auch für 

Massnahmen (BGE 146 IV 311 E. 3.2.2).

Der Beschuldigte A._____ wurde 2014 eingebürgert (vgl. Urk. 145 S. 106). 

Eine Landesverweisung fällt aus diesem Grund ausser Betracht.

6. Verjährung

Im vorliegenden Berufungsverfahren sind die Tatbestände der qualifizierten 

ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB), der Gläubi-

gerschädigung durch Vermögensverminderung (Art. 164 StGB), eventuell 

des betrügerischen Konkurses (Art. 163 StGB) sowie der Urkundenfälschung 

(Art. 251 Ziff. 1 StGB) zu prüfen. Diese Straftaten werden mit Freiheitsstrafe 

bis zu fünf Jahren geahndet. Es handelt sich um Verbrechenstatbestände 

(vgl. Art. 10 Abs. 2 StGB). Die Verfolgungsverjährung tritt nach Ablauf von 

15 Jahren ein (Art. 97 Abs. 1 lit. b StGB). Ist vor Ablauf der Verjährungsfrist 

ein erstinstanzliches Urteil ergangen, so tritt die Verjährung nicht mehr ein 

(Art. 97 Abs. 3 StGB). Der Deliktszeitraum lag zwischen Juli 2011 und Januar 

2012. Die Verfolgungsverjährung der mutmasslich begangenen Straftaten ist 

aufgrund des bezirksgerichtlichen Urteils nicht eingetreten.

7. Privatklägerschaft

Der Beschuldigte A._____ machte im vorliegenden Berufungsverfahren 

geltend, mangels Teilnahme und Interesse am Verfahren habe die D1._____ 

auf ihre Privatklägerstellung verzichtet (Prot. II S. 8). Die geschädigte Person 

kann jederzeit schriftlich oder mündlich zu Protokoll erklären, sie verzichte 

auf die ihr zustehenden Rechte als Privatklägerschaft (Art. 120 Abs. 1 StPO). 

Ein Verzicht bzw. Rückzug kann jedoch nicht aus dem Umstand abgeleitet 

werden, dass auf die aktive Teilnahme am Strafverfahren verzichtet wird 

(GORAN MAZZUCCHELLI / MARIO POSTIZZI, in: Basler Kommentar zur Strafpro-

zessordnung, 3. Aufl. 2023, Art. 120 N. 4). Ein entsprechender formgültiger 

Verzicht der D1._____ auf ihre Rechte als Privatklägerin liegt nicht vor, wes-

halb ihr weiterhin die Privatklägerstellung zukommt.

-   16   -

8. Anklageprinzip

8.1 Der Beschuldigte A._____ rügte im vorliegenden Berufungsverfahren erst-

mals eine Verletzung des Anklageprinzips betreffend den Anklagepunkt 1 

(Prot. II S. 11 f., 27, 33 und 35).

8.2 Eine Straftat kann nur gerichtlich beurteilt werden, wenn die Staatsanwalt-

schaft gegen eine bestimmte Person wegen eine genau umschriebenen 

Sachverhalts beim zuständigen Gericht Anklage erhoben hat (Art. 9 Abs. 1 

StPO). Die Anklageschrift bezeichnet möglichst kurz, aber genau die der 

beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, 

Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung und die nach Auffassung der 

Staatsanwaltschaft erfüllten Straftatbestände unter Angabe der anwend-

baren Gesetzesbestimmungen (Art. 325 Abs. 1 lit. f und g StPO).

Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand 

des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und 325 StPO; Art. 29 

Abs. 2 sowie Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). 

Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in 

ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objekti-

ver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt 

das Anklageprinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten 

Person und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunk-

tion). Solange klar ist, welcher Sachverhalt der beschuldigten Person vorge-

worfen wird, kann auch eine fehlerhafte und unpräzise Anklage nicht dazu 

führen, dass es zu keinem Schuldspruch kommen darf. Die nähere Begrün-

dung der Anklage erfolgt an Schranken; es ist Sache des Gerichts, den 

Sachverhalt verbindlich festzustellen. Dieses ist an den in der Anklage um-

schriebenen Sachverhalt, nicht aber an die darin vorgenommene rechtliche 

Würdigung gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO) (BGE 149 IV 128 E. 1.2., mit 

weiteren Hinweisen). Eine Verletzung des Anklageprinzips liegt nur vor, 

wenn die beschuldigte Person nicht (vor dem Hauptverfahren) in genügender 

Weise über den ihr vorgeworfenen Sachverhalt informiert wurde. In tatbe-

standlicher Hinsicht relevante Anklageelemente können sich unter Umstän-

-   17   -

den auch implizit aus der in der Anklage dargestellten Sachlage ergeben 

(STEFAN HEIMGARTNER / MARCEL ALEXANDER NIGGLI, in: Basler Kommentar zur 

Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2023, Art. 120 N. 4).Art. 325 N 37).

8.3 Der Beschuldigte A._____ wusste aufgrund der Anklageschrift genau, was 

ihm konkret vorgeworfen wird. Dies zeigt sich nicht zuletzt daran, dass er sich 

im erstinstanzlichen Hauptverfahren wie auch im Berufungsverfahren detail-

liert gegen die Vorwürfe verteidigen konnte (Urk. 114; Prot. II S. 9 ff.) und 

zudem eine umfangreiche persönliche Stellungnahme einreichte (Urk. 180). 

Die Verteidigungsrechte des Beschuldigten wurden in keiner Weise einge-

schränkt. Die Anklageschrift ist im Gesamtkontext zu verstehen. Sie um-

schreibt hinreichend konkret, durch welche Handlungen die Beschuldigte die 

ihm vorgeworfenen Straftaten erfüllt haben soll. So geht daraus insbeson-

dere hervor, dass der Beschuldigte A._____ an der Ausarbeitung der 

Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 2011 massgeblich beteiligt gewesen 

und den Beschuldigten B._____ bei dessen Vorhaben beraten und unter-

stützt habe, wobei er namentlich an der Zusatzvereinbarung vom 20. Januar 

2012 mitgewirkt habe. In Bezug auf die dem Beschuldigten A._____ vorge-

worfene Pflichtverletzung als Liquidator der L._____ geht aus der Anklage-

schrift hinreichend konkret hervor, dass ihm vorgeworfen wird, dass er nichts 

unternahm, um das an die C._____ überwiesene Geld zurückzuholen, mithin 

eine Forderung aus ungerechtfertigter Bereicherung zu stellen. Welches die 

konkreten Pflichten des Beschuldigten als Liquidator waren, ist hingegen Teil 

der rechtlichen Würdigung (vgl. E. IV/2.6).

Die fragliche Anklageschrift genügt den gesetzlichen Anforderungen, weder 

verletzt sie den Anklagegrundsatz noch das rechtliche Gehör des Beschul-

digten A._____ und es ist für die materielle Beurteilung auf sie abzustellen. 

-   18   -

9. Verwertbarkeit von Beweismitteln

9.1 Betreffend den Beschuldigten B._____

9.1.1 Der Beschuldigte B._____ liess im bezirksgerichtlichen Verfahren geltend 

machen, seine polizeilichen Einvernahmen vom 4. September 2013 und vom 

21. Januar 2016 seien nicht verwertbar, da er nicht verteidigt gewesen sei, 

obschon ein Fall notwendiger Verteidigung vorgelegen habe (Urk. 107). Der 

Beschuldigte A._____ machte diesbezüglich nichts geltend.

9.1.2 Am 29. April 2013 ging seitens der D1._____ unter anderem gegen den Be-

schuldigten B._____ eine Strafanzeige ein (STA act. 20101001 ff.). In der 

Folge erteilte die Staatsanwaltschaft der Polizei gestützt auf Art. 309 Abs. 2 

StPO den Auftrag zu ergänzenden Ermittlungen, da sie der Ansicht war, dass 

aus der Strafanzeige der D1._____ kein hinreichender Anfangsverdacht her-

vorgehe (STA act. 30101001 ff.). Das Bestehen eines hinreichenden Tatver-

dachts ist Voraussetzung zur Eröffnung einer Strafuntersuchung (vgl. 

Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). Diese Voraussetzung war nach Ansicht der 

Staatsanwaltschaft im damaligen Zeitpunkt nicht erfüllt.

9.1.3 Gemäss der dannzumal geltenden Fassung von Art. 131 Abs. 2 StPO ist in 

Fällen, in denen eine beschuldigte Person notwendig vertreten sein muss 

(vgl. Art. 130 lit. a-e aStPO), die Verteidigung nach der ersten Einvernahme 

durch die Staatsanwaltschaft, jedenfalls aber vor Eröffnung der Strafunter-

suchung sicherzustellen. Nach der Rechtsprechung ist diese altrechtliche 

Bestimmung so zu verstehen, dass die notwendige Verteidigung erst nach 

Abschluss der polizeilichen Vorermittlungen einsetzt, selbst wenn diese 

Straftaten betreffen, für die grundsätzlich ein notwendiger Verteidiger bestellt 

werden muss (BGer, Urteile 6B_322/2021 vom 2.3.22 E. 1.3; 6B_998/2019 

vom 20.11.20 E. 2.2; 6B_990/2017 vom 18.4.18 E. 2.3.3). Das polizeiliche 

Vorermittlungsverfahren gilt als abgeschlossen, wenn die Strafuntersuchung 

formell eröffnet wird bzw. eröffnet werden sollte. Dies ist der Zeitpunkt, in 

dem die Staatsanwaltschaft erste Untersuchungshandlungen selber vor-

-   19   -

nimmt (BGE 141 IV 20 E. 1.1.4; BGer, Urteile 6B_563/2021 vom 22.12.22 

E. 2.3.2; 6B_990/2017 vom 18.4.18 E. 2.3.2).

Eine unter Verletzung von Art. 131 Abs. 2 aStPO durchgeführte Einver-

nahme ist, wenn die Verteidigung erkennbar notwendig gewesen wäre, nur 

verwertbar, wenn die beschuldigte Person auf deren Wiederholung verzichtet 

(Art. 131 Abs. 3 aStPO).

9.1.4 Dem Beschuldigten B._____ wurde in der Strafanzeige ungetreue 

Geschäftsbesorgung vorgeworfen. Diese Straftat wird mit bis zu drei Jahren 

Freiheitsstrafe, in qualifizierten Fällen mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe 

geahndet. Es musste daher damit gerechnet werden, dass der Beschuldigte 

B._____ dereinst mit einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr bestraft 

wird. Somit war erkennbar, dass ein Fall notwendiger Verteidigung vorlag 

(Art. 130 lit. b aStPO).

Die erste Einvernahme des Beschuldigten B._____ erfolgte am 4. September 

2013 im Rahmen der polizeilichen Vorermittlung (STA act. 30201001 ff.). Die 

Vorinstanz erachtete diese Einvernahme zu Recht als verwertbar. Dabei 

kann offen bleiben, ob angesichts des Interessenkonflikts – der Beschuldigte 

A._____ wirkte in dieser Einvernahme als Rechtsbeistand des Beschuldigten 

B._____ – letzterer rechtsgenügend verteidigt gewesen wäre, wenn eine Ver-

teidigung bereits in diesem Zeitpunkt hätte sichergestellt sein müssen.

Das polizeiliche Vorermittlungsverfahren fand mit dem Vorermittlungsbericht 

vom 12. November 2013 seinen Abschluss. Ab diesem Zeitpunkt übernahm 

die Staatsanwaltschaft die Untersuchung und war mit ihrem Tätigwerden die 

notwendige Verteidigung des Beschuldigten B._____ sicherzustellen, wenn-

gleich die formelle Eröffnung der Strafuntersuchung erst am 10. November 

2014 erfolgte (vgl. STA act. 10201001). Folgerichtig qualifizierte die Vor-

instanz die delegierte polizeiliche Einvernahme vom 21. Januar 2016 als 

unverwertbar, da der Beschuldigte in diesem Verfahrenszeitpunkt nicht 

verteidigt war, obschon er es hätte sein müssen (vgl. Urk. 145 S. 30-31; 

STA act. 50101003 ff.). Der Beschuldigte B._____ verweigerte an der 

-   20   -

besagten Einvernahme fast durchgehend die Aussagen. Hätte er Aussagen 

getätigt, könnte darauf nicht, jedenfalls nicht zu seinen Ungunsten abgestellt 

werden.

9.2 Betreffend den Beschuldigten A._____

9.2.1 Der Beschuldigte A._____ rügte eine Verletzung seiner Verfahrensrechte. Er 

liess geltend machen, er sei zu Beginn der Untersuchung unter Verletzung 

von Art. 158 StPO nicht auf seine Rechte hingewiesen worden, es sei ihm 

unter Verletzung von Art. 131 aStPO nicht rechtzeitig ein Verteidiger bestellt 

worden und er habe unter Verletzung von Art. 147 StPO nicht an allen 

Beweiserhebungen teilnehmen können. Konsequenz davon sei, dass die 

folgenden Beweismittel nicht zu seinen Lasten verwendet werden dürften: 

alle Befragungen des Beschuldigten A._____ mit Ausnahme der Befragung 

vom 10. November 2016 und der Konfrontationseinvernahme vom 

18. September 2018; alle Befragungen des Beschuldigten B._____ mit Aus-

nahme der Einvernahme vom 18. September 2018 und der gleichentags er-

folgten Konfrontationseinvernahme; die Zeugenaussagen von M._____, 

N._____ und O._____ (Urk. 114 S. 2-5; Prot. II S. 24 f. und 31 ff.). Im vor-

liegenden Berufungsverfahren liess der Beschuldigte A._____ zudem gel-

tend machen, sämtliche von ihm oder den anderen Parteien eingereichten 

Unterlagen sowie das Schreiben von Dr. P._____ vom 20. Juni 2016 an die 

Staatsanwaltschaft (STA-act. 60401012) dürften ebenfalls nicht zu seinen 

Lasten verwendet werden (Prot. II S. 24 und 32).

9.2.2 Die am 29. April 2013 eingegangene Strafanzeige der D1._____ richtete sich 

auch gegen den Beschuldigten A._____ mit der Begründung, dass er das 

Verhalten von B._____ möglicherweise gedeckt habe (STA 

act. 20101001 ff.). Die Strafuntersuchung gegen A._____ wurde indessen 

erst am 3. August 2016 formell eröffnet (STA act. 10201002). Massgeblich 

ist wie gesagt nicht die formelle Eröffnungsverfügung, sondern der Zeitpunkt, 

in dem die Untersuchung zu eröffnen gewesen wäre (materielle Eröffnung 

der Strafuntersuchung). Ab diesem Zeitpunkt standen dem Beschuldigten die 

von ihm als verletzt gerügten Verfahrensrechte zu. Laut Vorinstanz sei der 

-   21   -

Zeitpunkt der materiellen Eröffnung der Strafuntersuchung im Fall des Be-

schuldigten A._____ unklar. Jedoch könne dieser Punkt offen bleiben, da die 

vom Beschuldigten A._____ bezeichneten Einvernahmen zur Erstellung des 

ihn betreffenden Anklagesachverhalts nicht erforderlich seien (Urk. 145 

S. 31-32). 

Wie sich aus den folgenden Erwägungen zur Sachverhaltserstellung ergibt, 

trifft diese Feststellung der Vorinstanz zu. Auch das vom Beschuldigten 

A._____ angeführte Schreiben von Dr. P._____ ist zur Erstellung des ihn be-

treffenden Anklagesachverhalts nicht erforderlich. Es erübrigen sich Weite-

rungen.

9.2.3 Laut Vorinstanz spreche nichts gegen die Verwertbarkeit der editierten 

Unterlagen, der beigezogenen Verfahrensakten des Bezirksgerichts Meilen, 

des Kantonsgerichts Zug und des Konkursamtes Zug sowie der weiteren 

durch die Beschuldigten selbst eingereichten Unterlagen (Urk. 145 S. 32). 

Diese Feststellung der Vorinstanz trifft ebenfalls zu. Es kann ergänzungslos 

auf die zutreffende Begründung der Vorinstanz verwiesen werden.

III. Sachverhaltserstellung

1. Ausgangslage

Die Anklageschrift (Urk. 11) ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil betrifft 

ungetreue Geschäftsführung und betrügerischen Konkurs zum Nachteil der 

L._____ AG (Anklagepunkt 1), der zweite Teil Geldwäscherei (Anklage-

punkt 2) und der dritte Teil Urkundenfälschung durch Manipulation der Buch-

haltung (Anklagepunkt 3). Der Vorwurf der Geldwäscherei stand nur gegen 

den Beschuldigten B._____ im Raum. Dieser wurde in diesem Anklagepunkt 

freigesprochen. Das angefochtene Urteil ist somit nur bezüglich der Erstel-

lung der strittigen Teile der Anklagesachverhalte 1 und 3 zu prüfen. Der amt-

liche Verteidiger des Beschuldigten A._____ sprach im vorliegenden Beru-

fungsverfahren vom "Anklagevorwurf 3", meinte aber die dem Beschuldigten 

A._____ vorgeworfenen Verletzungen seiner Pflichten als Liquidator der 

-   22   -

L._____ (Prot. II S. 27 f. und 35), was den ersten Teil der Anklage (Anklage-

punkt 1) betrifft.

2. Vorgeschichte / Unbestrittener Sachverhalt

Die C._____ mit Sitz in Q._____ wurde 2001 gegründet. Das Unternehmen 

ist im internationalen Rohstoff- und Chemikalienhandel tätig. Bis ins Jahr 

2008 wirkten R._____ und N._____ als Organe der C._____. Danach über-

nahmen die Beschuldigten B._____ und A._____ diese Funktion. Letzterer 

schied per 11. April 2011 aus dem Verwaltungsrat aus. Der Beschuldigte 

B._____ war ab dem 26. Juli 2011 Verwaltungsrat mit Einzelzeichnungsbe-

rechtigung und danach Verwaltungsratspräsident mit Kollektivunterschrift zu 

zweien. Im Sommer/Herbst 2011 leitete er die C._____, zeichnete für das 

Rechnungswesen verantwortlich und verfügte auch über Einzelzeichnungs-

berechtigung bezüglich der Bankkonten der C._____. Der Beschuldigte 

A._____ war für die C._____ derweil als Rechtsvertreter tätig und beriet den 

Beschuldigten B._____ bei seiner Tätigkeit als Verwaltungsrat.

Die L._____ AG (L._____), dereinst mit Sitz in S._____ wurde 2008 von 

R._____ und N._____ gegründet. Sie betrieb Handel und erbrachte Dienst-

leistungen in der Chemie-, Gas- und Ölbranche. Als Verwaltungsrat fungier-

ten anfänglich R._____ und N._____. Ab dem 26. Juli 2011 wurde der Ver-

waltungsrat ausgewechselt. Der Beschuldigte B._____ wurde zum einzigen 

Verwaltungsrat der L._____ mit Einzelzeichnungsberechtigung ernannt und 

war gleichzeitig als deren Geschäftsführer tätig. Er leitete die Unternehmung, 

veranlasste sämtliche Zahlungen und verfügte über Einzelzeichnungsbe-

rechtigung bei den Banken der L._____ (STA act. 30201004 Frage/ Ant-

wort 23 ff.). Der Beschuldigte A._____ wirkte ab dem 21. November 2011 als 

Liquidator der L._____ mit Einzelzeichnungsbefugnis. Diese fiel im Oktober 

2014 in Konkurs und wurde 2017 nach Abschluss des Konkursverfahrens 

gelöscht (STA act. 41501020-1 ff.).

Bei der D1._____ mit Sitz in T._____ [Land in Zentralasien] handelt es sich 

um ein Landwirtschaftsunternehmen. 2008 verkaufte sie der L._____ 

-   23   -

404'000 Tonnen Weizen zum Preis von USD 141'120'000. Die L._____ ver-

kaufte den Weizen danach an die … [des Landes T._____] Gesellschaft 

U._____ zum Preis von USD 164 Mio. (vgl. STA act. 40201103 ff.).

Im Juli 2008 reichte die C._____ bei der Staatsanwaltschaft Zug mehrere 

Strafanzeigen gegen N._____ und R._____ ein. Die C._____ beschuldigte 

N._____ und R._____ der ungetreuen Geschäftsbesorgung, indem sie ein 

Konkurrenzunternehmen, mithin die L._____, gegründet und fortan über die 

L._____ statt über die C._____ Geschäfte, u.a. den erwähnten Weizenhan-

del mit der D1._____, abgewickelt hätten, wodurch der C._____ Gewinn ent-

gangen und somit ein Schaden entstanden sei. In der Folge sperrte die 

Staatsanwaltschaft Zug die Konten der L._____ bei der V._____ [Bank] und 

bei der W._____ [Bank], Filiale Zürich. Neben der Strafuntersuchung in Zug 

waren zwischen der C._____ und der L._____ und ihren Organen auch zwei 

zivilrechtliche Verfahren am Bezirksgericht Meilen (Geschäfts-Nrn. 

CG090043 und CG090055) hängig. Teil der Verfahren war eine Schadener-

satzforderung der C._____ gegen die L._____ aus unerlaubter Konkurrenz-

tätigkeit im Betrag von rund CHF 57 Mio. (vgl. STA act. 40701001 ff. und 

act. 40702001 ff.).

Am 26. Juli 2011 schlossen die C._____, vertreten durch den Beschuldigten 

B._____, die L._____ vertreten durch N._____ , der Beschuldigte B._____ 

persönlich, N._____ persönlich, R._____, AA._____ (Mehrheitsaktionär der 

C._____) und AB._____ (Treuhänderin von AA._____) eine Vergleichsver-

einbarung mit dem deklarierten Zweck der Beilegung aller Zivil- und Strafver-

fahren. Die Parteien vereinbarten den Verkauf sämtlicher Aktien der L._____ 

zu einem symbolischen Preis von CHF 1.-- an AA._____, die Absetzung von 

N._____ als Verwaltungsrat der L._____ und die Bestellung des Beschuldig-

ten B._____ als neuen Verwaltungsrat der L._____. Sodann listeten sie die 

noch zu begleichenden Verbindlichkeiten der L._____ auf und hielten fest, 

dass sie mit dem Vollzug der Vergleichsvereinbarung per Saldo aller Ansprü-

che auseinandergesetzt seien und von der Verfolgung ihrer Ansprüche ab-

sehen würden (STA act. 10017236-105 ff., 30201020 ff.). Die hängigen Zivil-

-   24   -

verfahren am Bezirksgericht Meilen wurden daraufhin zurückgezogen und 

als durch Vergleich erledigt abgeschrieben (STA act. 40701528 ff., 

40702553 ff.). Mit Verfügung vom 9. August 2011 hob die Staatsanwaltschaft 

Zug die im Strafverfahren gegen N._____ verhängten Kontosperren und die 

Grundbuchsperre auf (STA act. 10017236-138, 10017236-150). N._____ 

wurde mit Urteil des Strafgerichts Zug vom 25. Juni 2013 im abgekürzten 

Verfahren schuldig gesprochen (STA act. 30101009 ff.).

Ebenfalls am 26. Juli 2011, dem Datum der Vergleichsvereinbarung, schlos-

sen die C._____ und die L._____ ‒ beide nunmehr vertreten durch den Be-

schuldigten B._____ ‒ eine zweite Vereinbarung. Darin wurde festgehalten, 

dass sich die Saldoklausel der Vergleichsvereinbarung nicht auf die im Ver-

fahren vor dem Bezirksgericht Meilen geltend gemachten Schadenersatzan-

sprüche der C._____ gegen die L._____ beziehe (STA act. 30201040).

Am 10. August 2011 stellte der Beschuldigte B._____ der L._____ im Namen 

der C._____ Rechnung über den Betrag von USD 35'833'339.66. Als 

Zahlungsgrund gab er "Erste Abschlagzahlung auf Schadenersatzforderung 

von CHF 57'773'551.00" an und verwies auf das einstige Zivilverfahren am 

Bezirksgericht Meilen (STA act. 30201039). Als Verwaltungsrat der L._____ 

erteilte er anschliessend der V._____ und der W._____ den Auftrag, die noch 

vorhandenen Guthaben der L._____ auf ein Konto der C._____ bei der Bank 

H._____ zu überweisen (STA act. 40501020, 40601500).

Am tt. November 2011 wurde beschlossen, die L._____ aufzulösen. Der 

Beschuldigte A._____ wurde am 21. November 2011 zum Liquidator bestellt 

(STA act. 41501021 f.). Am 20. Oktober 2014 wurde über die aufgelöste 

Gesellschaft der Konkurs eröffnet. Mangels Aktiven wurde der Konkurs am 

4. Februar 2015 eingestellt. Am 30. Juni 2015 wurde der Konkurs erneut 

eröffnet und am tt.mm.2017 wurde die L._____ im Handelsregister gelöscht 

(STA act. 41501020-1 ff.).

Am 20. Januar 2012 schlossen die C._____, vertreten durch den Beschul-

digten B._____ und den Buchhalter der C._____, O._____, und die L._____, 

-   25   -

vertreten durch den Beschuldigten A._____, eine zweite Zusatzvereinbarung 

(STA act. 30201041 ff.). Darin wurde wiederum auf das einstige Zivilverfah-

ren vor dem Bezirksgericht Meilen, den Schadenersatzanspruch der C._____ 

und die Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 2011 Bezug genommen und 

festgehalten, dass der Vergleich den Zweck verfolgt habe, das noch vorhan-

dene Vermögen der L._____ so weit als möglich auf die C._____ zu übertra-

gen, deshalb am 10. August 2011 über den Betrag von USD 35'833'339.66 

Rechnung gestellt und diese Rechnung beglichen worden sei.

3. Vorwurf 1

3.1 Anklageschrift

Die Staatsanwaltschaft warf dem Beschuldigten B._____ in der Anklage-

schrift (Urk. 11) vor, in seiner Funktion als Verwaltungsrat und Geschäftsfüh-

rer der L._____ die ihm obliegenden Sorgfalts- und Treuepflichten sowie die 

Pflicht zur Vermögensfürsorge verletzt und den Konkurs der L._____ herbei-

geführt zu haben. Die beim Bezirksgericht Meilen eingeklagte Schadener-

satzforderung der C._____ sei in der Liste der von der L._____ zu beglei-

chenden Verbindlichkeiten gemäss der Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 

2011 nicht aufgeführt gewesen. Mit der Saldoklausel hätten die Parteien auf 

die Geltendmachung aller nicht aufgelisteter Forderungen verzichtet. Die 

Schadenersatzforderung der C._____ sei folglich, wenn sie überhaupt je be-

standen habe, durch Verzicht untergegangen. Mit der am 10. August 2011 

erfolgten Rechnungsstellung habe der Beschuldigte B._____ offene Schul-

den der L._____ gegenüber der C._____ vorgetäuscht und durch die 

Zahlungsanweisung an die Banken die gesamten Aktiven der L._____ an die 

C._____ transferieren lassen. Dies habe zur Überschuldung und zur Zah-

lungsunfähigkeit und schliesslich zum Konkurs der L._____ geführt. Dem Be-

schuldigten A._____ warf die Staatsanwaltschaft vor, als Anwalt der C._____ 

den Beschuldigten B._____ beraten und in seinem Vorgehen bestärkt zu ha-

ben, obschon er den Inhalt der Vergleichsvereinbarung bestens gekannt 

habe (Urk. 11 S. 13-16).

-   26   -

Sodann warf die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten A._____ eine Ver-

letzung seiner Pflichten als Liquidator der L._____ vor. Der Beschuldigte 

A._____ habe nichts unternommen, um die rechtswidrige Überweisung der 

Aktiven der L._____ an die C._____ rückgängig zu machen. Im Gegenteil 

habe er eine weitere, auf den 20. Januar 2012 datierte Zusatzvereinbarung 

verfasst, um Schulden der L._____ gegen die C._____ vorzutäuschen oder 

die vorgetäuschten Schulden glaubhaft erscheinen zu lassen. Dem Beschul-

digten B._____ warf die Staatsanwaltschaft vor, den Beschuldigten A._____ 

dabei unterstützt und bestärkt zu haben (Urk. 11 S. 16-17).

Laut Anklageschrift hätten die Beschuldigten B._____ und A._____ wissent-

lich und willentlich und in Bereicherungsabsicht gehandelt, indem sie dafür 

gesorgt hätten, dass das Vermögen der L._____ zunächst an die C._____ 

und von dort in das Privatvermögen des Beschuldigten B._____ resp. in das 

Vermögen der Gesellschaften des Beschuldigten A._____ gegangen sei. Die 

Beschuldigten hätten auch gewusst oder zumindest in Kauf genommen, dass 

die D1._____ als Gläubigerin der L._____ zu Schaden komme, da letztere 

über keine Mittel mehr verfügt habe, um die offene Verbindlichkeit zu beglei-

chen (Urk. 11 S. 17).

Der L._____ sei ein Schaden in der Höhe des an die C._____ überwiesenen 

Betrags von USD 35'833'339.66 entstanden. Der D1._____ als Gläubigerin 

der L._____ sei durch denselben Vorgang ein Schaden im Umfang von 

USD 31'407'201.70 zzgl. Zins entstanden (Urk. 11 S. 17).

3.2 Standpunkt des Beschuldigten A._____

3.2.1 Der Beschuldigte A._____ stellte sich im erstinstanzlichen Hauptverfahren im 

Wesentlichen auf den Standpunkt, die Parteien der Vergleichsvereinbarung 

vom 26. Juli 2011 seien tatsächlich übereingekommen, dass das freigege-

bene Geld an die C._____ gehe und die D1._____ keine Forderung gegen 

die L._____ habe. In der schriftlichen Umsetzung des Parteiwillens sei von 

diesem tatsächlichen Konsens allerdings teilweise abgewichen worden. In 

der schriftlichen Vergleichsvereinbarung hätten die Parteien die Anerken-

-   27   -

nung der Forderung der D1._____ aus dem Weizenhandelsgeschäft mit der 

L._____ und den Verzicht der Schadenersatzforderung der C._____ simu-

liert. Die Schadenersatzforderung der C._____ habe aber nach wie vor Be-

stand gehabt. Dies habe der Beschuldigte B._____ jedenfalls in guten 

Treuen annehmen dürfen (Urk. 114 S. 7-10). Die Staatsanwaltschaft Zug sei 

ebenfalls davon ausgegangen, dass das Geld auf den gesperrten Konten der 

L._____ an die C._____ gehe, da die Aushändigung des Deliktsguts an die 

Geschädigte der Einziehung vorgehe (Urk. 114 S. 14).

In der Zusatzvereinbarung vom 20. Januar 2012 sei lediglich bestätigt 

worden, was abgemacht gewesen sei. Er, A._____, sei jedenfalls überzeugt 

gewesen, rechtens gehandelt zu haben. Gegen den Vorwurf, nichts unter-

nommen zu haben, um das überwiesene Geld der L._____ zurückzuholen, 

sei einzuwenden, dass der Prozess gegen die C._____ aussichtslos gewe-

sen wäre und zudem ein happiger Prozesskostenvorschuss hätte geleistet 

werden müssen, was nicht im Interesse der L._____ gelegen hätte. Auch in 

diesem Punkt sei er, A._____, überzeugt gewesen, rechtens zu handeln 

(Urk. 114 S. 17).

Ausserdem sei auffallend, dass die D1._____ erst in dem Zeitpunkt gegen 

ihn, A._____, und B._____ aktiv geworden sei, als N._____ im sicheren Rah-

men des abgekürzten Verfahrens ein Geständnis habe ablegen und sich eine 

milde Strafe habe sichern können. Dies lasse sich nur damit erklären, dass 

die D1._____ mit N._____ und R._____ unter einer Decke gesteckt habe 

(Urk. 114 S. 14 f.).

3.2.2 An der Berufungsverhandlung wiederholte der Beschuldigte A._____ seine 

vor erster Instanz vorgetragenen Argumente. Ergänzend führte er aus, die 

Vorinstanz habe die Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 2011 fälschlicher-

weise nach zivilrechtlichen anstatt nach strafrechtlichen Grundsätzen ausge-

legt und eine Teilsimulation zu Unrecht ausgeschlossen. Zudem habe er, 

A._____, nicht geraten, die Gelder von der L._____ an die C._____ zu über-

weisen. Er habe zur Liquidation der L._____ und Bezahlung der Schadener-

satzforderung der C._____ im Rahmen der Liquidation geraten. Aufgrund 

-   28   -

des Mandatsverhältnisses zwischen ihm, A._____, als Anwalt, und dem Be-

schuldigten B._____ habe er dies bislang nicht ausführen können. Inzwi-

schen sei der Beschuldigte B._____ aber rechtskräftig verurteilt (Prot. II S. 9 

ff.).

3.3 Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt im Anklagepunkt 1 als erstellt. Sie 

interpretierte die Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 2011 in dem Sinne, 

dass die darin enthaltene Saldoklausel auch die vor dem Bezirksgericht 

Meilen eingeklagte Schadenersatzforderung der C._____ gegen die L._____ 

umfasst habe. Diese Forderung sei nicht explizit vorbehalten worden und 

deshalb durch Verzicht untergegangen. Zudem sei aktenkundig, dass die 

Parteien der Vergleichsvereinbarung vom Bestehen der Forderung der 

D1._____ aus dem Weizenhandelsgeschäft mit der L._____ ausgegangen 

seien und diese Forderung auch stets Thema der Vergleichsgespräche ge-

wesen sei.

Die Beschuldigten B._____ und A._____ hätten sich mit ihrem in der Ankla-

geschrift umschriebenen Vorgehen unter Verletzung ihrer gesetzlichen und 

vertraglichen Pflichten als Organe bewusst und gewollt über die Vergleichs-

vereinbarung vom 26. Juli 2011 ‒ insbesondere über deren Saldoklausel ‒ 

hinweggesetzt. Die Überweisung der Gelder der L._____ an die C._____ 

nach Aufhebung der Kontosperren sei rechtsgrundlos erfolgt. Den Beschul-

digten B._____ und A._____ sei bewusst gewesen, dass die L._____ mit 

dem Abfluss ihrer liquiden Mittel überschuldet und zahlungsunfähig werde.

Die Vorinstanz stützte das Beweisergebnis auf die Aussagen der Beschul-

digten, den Wortlaut der Vergleichsvereinbarung, deren Entstehungs-

geschichte, die Korrespondenz des Beschuldigten A._____ mit den involvier-

ten Parteivertretern und der fallführenden Staatsanwältin der Staatsanwalt-

schaft Zug, das Urteil des Strafgerichts des Kantons Zug betreffend N._____ 

vom 25. Juni 2013 sowie die weiteren Umstände (Urk. 145 S. 38-44).

-   29   -

3.4 Beweiswürdigung

Die Begründung der Vorinstanz ist überzeugend. Darauf kann vollumfänglich 

verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Bei den folgenden Erwägungen 

handelt es sich lediglich um Rekapitulationen und Ergänzungen.

3.4.1 Zunächst ist festzuhalten, dass sich entgegen der Darstellung des Beschul-

digten A._____ die Gültigkeit von privatrechtlichen Verträgen nach den pri-

vatrechtlichen Vorschriften beurteilt.

3.4.2 In der Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 2011 (STA act. 10017236-105 ff., 

30201020 ff.) wurden unter dem Titel "Vorbemerkungen" zunächst die 

laufenden Zivilverfahren aufgeführt, namentlich das am Bezirksgericht 

Meilen hängige Zivilverfahren der L._____ und N._____ gegen die C._____ 

(Geschäfts-Nr. CG090055) und den Beschuldigten B._____ sowie das an 

demselben Gericht hängige Zivilverfahren zwischen der C._____ und 

R._____ (Geschäfts-Nr. CG090043). Dann wurden die von der C._____ ge-

gen N._____ und R._____ initiierten Strafverfahren im Kanton Zug und die 

verhängte Sperre der Konten der L._____ bei der V._____ und der W._____ 

sowie die Grundbuchsperre auf dem Grundstück der Eheleute N._____ er-

wähnt. Unter dem Titel "Suspensivbedingung" wurde die Wirksamkeit der 

Vergleichsvereinbarung vom Eintritt der Rechtskraft der Aufhebung der 

Konto- und Grundbuchsperren abhängig gemacht.

Unter dem Titel "Vereinbarung" wurde der materielle Inhalt der Vergleichs-

vereinbarung festgehalten. Im vorliegenden Zusammenhang sind vor allem 

die Ziffern 6, 11, 12, 20 und 22 relevant:

-- In Ziffer 6 wurde vereinbart, dass N._____ (Alleinaktionär der L._____) 

per 26. Juli 2011 sämtliche Aktien der L._____ zum symbolischen Preis 

von CHF 1.-- an den Käufer (AA._____) verkauft.

-- In Ziffer 11 wurden die Zusicherungen des Verkäufers (N._____) und 

die offenen Verbindlichkeiten der L._____ aufgeführt.

-   30   -

Abs. 1 Ingress 1 lautete: "Hinsichtlich der L._____ werden vom Verkäu-

fer N._____ abschliessend nur folgende Gewährleistungen übernom-

men: Die L._____ sollte per Vollzugsdatum keine Verbindlichkeiten aus-

ser denjenigen (sog. "nicht transferierte Verbindlichkeiten") gegenüber 

den nachfolgenden Parteien haben, nämlich der D1'._____ [...] in Höhe 

von USD 31'410'000 plus angefallene Zinsen aus dem Weizengeschäft 

2008; [...]" Im Ingress 2-4 wurden drei weitere Gläubiger aufgelistet.

In Abs. 2 verpflichtete sich N._____, die L._____ für allfällige andere 

am Vollzugsdatum noch verbleibende Verbindlichkeiten – mit Aus-

nahme der vorgenannten "nicht transferierten Verbindlichkeiten" ge-

mäss Ziffer 11 Abs. 1 – spätestens per 30. September 2011 zu entlas-

ten.

In Abs. 3 wurde festgehalten, dass die L._____ per Vollzugsdatum als 

einziges zugesichertes Aktivum über Guthaben auf den gesperrten 

Konten im Umfang von USD 36'400'000 verfügte.

-- In Ziffer 12 verpflichtete sich N._____, eine Zahlung von CHF 2.5 Mio. 

zur Abdeckung der gemäss Ziffer 11 Abs. 1 Ingress 2-4 bei der L._____ 

verbleibenden Verbindlichkeiten zu leisten.

-- In Ziffer 20 verzichteten alle Parteien unter Vorbehalt der Gewährleis-

tung gemäss Ziffer 11 auf eine zukünftige Geltendmachung von 

Rechten und Forderungen bezüglich der in den "Vorbemerkungen" 

beschriebenen Sachverhalte, insbesondere bezüglich der Tätigkeit von 

R._____ als ehemaliger Verwaltungsrat der C._____ und N._____ als 

ehemaliger Geschäftsführer der C._____ und bezüglich Konflikten aus 

der konkurrenzierenden Geschäftstätigkeit der L._____ sowie der Tä-

tigkeit von R._____, N._____ und dessen Ehefrau als Verwaltungsräte, 

Geschäftsführer und Eigentümer der L._____. Die Parteien vereinbar-

ten, diesbezüglich keine Zivilgerichte, Strafverfolgungsbehörden, Steu-

erbehörden oder andere Administrativbehörden mehr zu bemühen oder 

durch Anzeigen und Stellungnahmen zum Handeln zu bewegen.

-   31   -

-- In Ziffer 22 erklärten die Parteien, mit vollständigem Vollzug der vor-

liegenden Vereinbarung per Saldo aller Ansprüche auseinandergesetzt 

zu sein und wegen den streitgegenständlichen Sachverhalten keine 

wechselseitigen Ansprüche mehr zu haben, und bekräftigten erneut, 

von einer weiteren Verfolgung der geltend gemachten Ansprüche, sei 

es straf-, zivil-, verwaltungs- oder steuerrechtlich, abzusehen.

-- In den Ziffern 13-21 regelten die Parteien das weitere Vorgehen, 

namentlich die Bestellung eines neuen Verwaltungsrats für die L._____, 

die Einreichung eines Gesuchs um Aufhebung der Konto- und Grund-

stücksperren, die Abgabe von Desinteresseerklärungen und den 

Rückzug der hängigen Zivilklagen, namentlich den Rückzug der Klagen 

in den am Bezirksgericht Meilen hängigen Verfahren mit Geschäfts-

Nummern CG090043 und CG090055, sowie die Zustimmung zur 

Durchführung eines abgekürzten Strafverfahrens gegen N._____. Die 

Parteien hielten zudem fest, dass die Guthaben auf den gesperrten 

Konten nach Abzug der Kosten im Strafverfahren gegen N._____ voll-

umfänglich der L._____ zukommen sollten.

3.4.3 Der Beschuldigte A._____ stellte sich, wie erwähnt, auf den Standpunkt, 

dass die Vergleichsvereinbarung auf den Bestand der Schadenersatzforde-

rung der C._____ gegen die L._____ keinen Einfluss gehabt habe.

In Ziffer 11 Abs. 1 Ingress 1-4 wurden die offenen Verbindlichkeiten der 

L._____ aufgeführt und es wurde festgehalten, dass die L._____ per 

Vollzugsdatum ‒ ausser den vier aufgelisteten, als "nicht transferiert" be-

zeichneten ‒ keine Verbindlichkeiten mehr haben sollte. Hierfür verpflichtete 

sich N._____ explizit, die L._____ von allen Verbindlichkeiten ‒ ausser den 

"nicht transferierten " ‒ bis spätestens 30. September 2011 zu entlasten. Ent-

gegen dem Vorbringen des Beschuldigten B._____ kann objektiv betrachtet 

aus der Wendung in Ziffer 11 Abs. 1 nicht abgeleitet werden, dass den "nicht 

transferierten Verbindlichkeiten" eine Liste von "transferierten Verbindlichkei-

ten" gegenüber gestanden hätte, die auf den neuen Eigentümer der L._____ 

übergegangen wären. Hierfür wurden auch keine tatsächlichen Anhalts-

-   32   -

punkte genannt und anhand der Akten lassen sich keine Anhaltspunkte er-

kennen, dass diesbezüglich ein tatsächlicher Konsens implizit bestanden 

hätte.

Im Gegenteil gab B._____ in einer Einvernahme vom 11. November 2013 auf 

die Frage, was mit dem Ausdruck "nicht transferierte Verbindlichkeiten" ge-

meint gewesen sei, zu Protokoll, es sei darum gegangen, die L._____ an die 

C._____ zu übergeben, um deren Schadenersatzforderung in der Höhe von 

CHF 57 Mio. zu kompensieren. Die L._____ hätte in einem "sauberen Zu-

stand" übergeben werden sollen. Sämtliche "Altlasten" der L._____ seien 

deshalb an eine Firma des L._____-Hauptaktionärs (N._____) übertragen 

worden. Als Guthaben hätten sich schliesslich die arretierten Dollarguthaben 

auf der einen Seite und auf der anderen Seite die "nicht transferierten Ver-

bindlichkeiten" gegenübergestanden, die unter Punkt 11 der Vergleichsver-

einbarung aufgeführt seien (STA act. 30201033 Antwort 11). Diese Aussa-

gen decken sich mit den Entwürfen der Vergleichsvereinbarung, wonach die 

L._____ im Zeitpunkt der Übergabe an den neuen Eigentümer (AA._____) 

keine anderen Verbindlichkeiten als die ausstehende Forderung der 

D1._____ haben sollte (vgl. STA act. 10017236-12 Ziff. 2, 10017236-17 

Ziff. 10, 10017236-28 Ziff. 10, 10017236-35 Ziff. 10, 10017236-66 Ziff. 11, 

10017236-86 Ziff. 11). Die diversen Vertragsentwürfe sprechen durchwegs 

gegen die Annahme, es habe eine Liste mit auf den neuen Eigentümer "trans-

ferierten Verbindlichkeiten" gegeben, wozu die Schadenersatzforderung der 

C._____ gegen die L._____ gehört hätte.

Hinzu kommt, dass die von N._____ übernommene Gewährleistung gemäss 

Ziffer 11 Abs. 2 objektiv keinen Sinn ergeben würde, wenn neben der Liste 

der "nicht transferierten Verbindlichkeiten" weitere Verbindlichkeiten der 

L._____ fortbestanden hätten. Die vereinbarte Gewährleistung machte im 

Gegenteil deutlich, dass die Liste der "nicht transferierten Verbindlichkeiten" 

abschliessend zu verstehen war. Die Schadenersatzforderung der C._____ 

gegen die L._____ war in dieser Liste nicht enthalten.

-   33   -

3.4.4 Wie die Vorinstanz festhielt, bezweckte die Vergleichsvereinbarung die 

Beendigung sämtlicher aus dem Konflikt zwischen der C._____ und der 

L._____ und ihren Organen resultierenden Verfahren (Urk. 145 S. 39). In Zif-

fer 20 nahmen die Parteien explizit Bezug auf die in den "Vorbemerkungen" 

erwähnten Zivil- und Strafverfahren ‒ darunter die am Bezirksgericht Meilen 

hängige Zivilklage der C._____ gegen die L._____ ‒ und verzichteten auf die 

weitere Geltendmachung von daraus abgeleiteten Rechten und Forder-

ungen. In Ziffer 22 vereinbarten sie eine Saldoklausel, welche alle offenen 

Forderungen betreffen sollte, die nicht in Ziffer 11 Ingress 1-4 aufgeführt 

waren. Wie gesagt war die Schadenersatzforderung der C._____ in dieser 

Liste nicht enthalten. Objektiv können diese Bestimmungen nur so ausgelegt 

werden, dass die Schadenersatzforderung der C._____ durch Verzicht un-

tergegangen war.

Der Beschuldigte A._____ machte indessen geltend, der Verzicht sei simu-

liert. Den Parteien sei in Tat und Wahrheit klar gewesen, dass die Schaden-

ersatzforderung der C._____ fortbestanden habe, die Forderung der 

D1._____ gegen die L._____ dagegen nicht berechtigt gewesen sei. Dieses 

Argument steht mit der Entstehungsgeschichte und dem Wortlaut der Ver-

gleichsvereinbarung nicht in Einklang. Gemäss den ersten Vertragsentwür-

fen, an deren Formulierung der Beschuldigte A._____ federführend beteiligt 

war, sollten die Kontoguthaben der L._____ nach Aufhebung der Kontosper-

ren an die C._____ zur Deckung ihrer Schadenersatzforderung überwiesen 

werden. Auf dieser Grundlage kam aber eben gerade kein Vergleich zu-

stande (vgl. STA act. 10017236-40 ff., act. 10017236-60). Wie die Vorinstanz 

zu Recht folgerte, muss aufgrund der lang andauernden Vergleichsgesprä-

che davon ausgegangen werden, dass sich die Parteien letztendlich bewusst 

für den Verkauf der L._____ zum symbolischen Preis von CHF 1.- an den 

Hauptaktionär der C._____ (AA._____) und zur Verpflichtung von N._____ 

zur Schadloshaltung der C._____ im Rahmen des Zumutbaren entschieden 

und dass die Schadenersatzforderung der C._____ gegen die L._____ im 

Gegenzug durch Verzicht unterging (Urk. 145 S. 40). Für die C._____ hatte 

diese Lösung – entgegen der Behauptung des Beschuldigten A._____ – den 

-   34   -

Vorteil, dass die L._____ als Konkurrentin ausgeschaltet und die Prozessri-

siken beseitigt wurden. In Ziff. 13 der Vergleichsvereinbarung stimmten alle 

Parteien ausdrücklich zu, dass die Gelder auf den gesperrten Konten nach 

Abzug der Kosten des Untersuchungs- und Gerichtsverfahrens gegen 

N._____ vollumfänglich der L._____ zukommen soll. In der Folge zog die 

C._____ ihre Klage gegen die L._____ zurück. Auch aus diesem tatsächli-

chen Verhalten im Anschluss an die Unterzeichnung der Vergleichsvereinba-

rung wird ersichtlich, dass die Parteien die Vergleichsvereinbarung so ver-

standen, dass auf die Geltendmachung der Schadenersatzforderung der 

C._____ verzichtet wurde.

Das Vorbringen des simulierten Verzichts auf die Schadenersatzforderung 

der C._____ kollidiert des Weiteren mit der Interessenlage anderer Vertrags-

parteien, insbesondere derjenigen von N._____. Als damals einziger Verwal-

tungsrat der L._____ hatte N._____ in Betracht ziehen müssen, dass die 

D1._____ als geschädigte Gläubigerin neue Straf- und Zivilverfahren gegen 

ihn persönlich initiieren könnte. Mit dem Abschluss der Vergleichsvereinba-

rung war diese Gefahr gebannt, da die L._____ als Rechtsperson bestehen 

blieb und im Zeitpunkt des Vergleichsabschlusses über rund 36 Mio. USD, 

mithin über genügend finanzielle Mittel verfügte, um die Kaufpreisrestanz aus 

dem Weizenhandelsgeschäft im Betrag von rund 31,5 Mio. USD zu beglei-

chen. Dafür, dass N._____ mit der D1._____ "unter einer Decke gesteckt" 

hätte, um sich den Abschluss des gegen ihn geführten Strafverfahrens am 

Strafgericht Zug im abgekürzten Verfahren und die Aufhebung der Grund-

buchsperre auf seiner selbstbewohnten Liegenschaft zu sichern, wie der Be-

schuldigte A._____ behauptete (Urk. 114 S. 14 f.), gibt es keine konkreten 

Hinweise. Im Gegenteil war N._____ bemüht, den Schaden der C._____ im 

Rahmen des ihm wirtschaftlich Zumutbaren wieder gut zu machen. So ver-

kaufte er dem Mehrheitsaktionär der C._____ seine Aktien an der L._____ 

zu einem symbolischen Preis von CHF 1.- und überwies der C._____ zwei 

namhafte Beträge (USD 2.4 Mio. und CHF 2.5 Mio.) als Schadensausgleich. 

Die Wiedergutmachungsleistungen waren mit ein Grund, weshalb das Straf-

gericht Zug dem abgekürzten Verfahren zustimmte (vgl. STA 

-   35   -

act. 30101020 f.). Entgegen der Behauptung des Beschuldigten A._____ war 

es demnach auch nicht so, dass die C._____ (direkt oder indirekt) leer aus-

ging bzw. keinerlei Vorteile aus der Vergleichsvereinbarung hatte.

Mit der Vorinstanz ist das Argument der Teilsimulation der Vergleichsabrede 

zu Recht als Schutzbehauptung zu qualifizieren. Wenn einzig die Beschul-

digten B._____ und A._____ ihre Zustimmung zum Forderungsverzicht 

simulierten, so liegt keine Teilsimulation im rechtlichen Sinne, sondern eine 

Mentalreservation vor. Eine solche nicht ernst gemeinte Zustimmung einzel-

ner Vertragsparteien hat auf das Zustandekommen der Vereinbarung keinen 

Einfluss. Auch dies hielt die Vorinstanz zu Recht fest (Urk. 114 S. 41, 43).

Daran würde selbst dann nichts ändern, wenn N._____ wusste oder damit 

rechnete, dass B._____ und A._____ nicht die Absicht hatten, die Forderung 

der D1._____ je zu begleichen, sondern die Gelder der L._____ nach Aufhe-

bung der Kontosperre für sich zu beanspruchen (so eine Vermutung im 

Untersuchungsverfahren, vgl. STA act. 30101057). Ihm ging es darum, als 

vormaliger Verwaltungsrat der L._____ nicht mehr belangt zu werden.

3.4.5 Zutreffend ist weiter die Feststellung der Vorinstanz, dass sich die Parteien 

der Vergleichsvereinbarung der Forderung der D1._____ aus dem Weizen-

handelsgeschäft mit der L._____ stets bewusst waren (Urk. 145 S. 39 f.). 

Dies ergibt sich zum einen aus den Bestimmungen der Vergleichsentwürfe 

(STA act. 10017236-3 ff., 11 ff., 16 ff., 27 ff., 35 ff.) und aus dem Entwurf ei-

ner Schuldübernahmevereinbarung der L._____ mit der F._____ AG, einer 

vom Beschuldigten A._____ beherrschten Unternehmung (STA 

act. 10017236-55). Zum andern ist der Korrespondenz des Beschuldigten 

A._____ mit der für die Konto- und Grundbuchsperren verantwortlichen 

Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Zug zu entnehmen, dass die 

D1._____ über das Zustandekommen der Vergleichsvereinbarung nicht in-

formiert werden sollte. Zur Begründung machte der Beschuldigte A._____ 

geltend, eine Mitteilung an die D1._____ würde sowohl die C._____ als auch 

die L._____ beschweren und sei nicht erforderlich, da in der Rechtsperson 

der L._____, abgesehen von der Abberufung der Verwaltungsratsmitglieder 

-   36   -

N._____ und R._____, keine Veränderungen eintreten würden (STA 

act. 10017236-75). Aus dieser Äusserung ist zu schliessen, dass die Par-

teien vom tatsächlichen Bestehen der Forderung der D1._____ und von de-

ren Verbleib bei den Passiven der L._____ ausgingen (vgl. auch STA 

act. 10017236-79). Im Übrigen hat der Beschuldigte A._____ auch nie nach-

vollziehbar dargetan, weshalb die Forderung der D1._____ aus dem Weizen-

handelsgeschäft mit der L._____ nicht bestanden haben sollte.

Auch die fallführende Staatsanwältin verstand die Vergleichsvereinbarung in 

diesem Sinn. In der Verfügung vom 9. August 2011 betreffend Aufhebung 

der Konto- und Grundbuchsperren hielt sie fest, dass die Parteien in der 

Vergleichsvereinbarung den Rückzug aller Zivilklagen vereinbart und sich 

zivilrechtlich umfassend geeinigt hätten und die neuen verantwortlichen 

Organe der L._____ sich nach den Vorgaben von Ziffer 11 der Vergleichs-

vereinbarung zu gegebener Zeit mit den Gläubigern der L._____ und deren 

Forderungen ‒ darunter gemäss Ziffer 11 Abs. 1 Ingress 1 die Forderung der 

D1._____ ‒ befassen müssten (STA act. 10017236-152).

3.4.6 Als Ergebnis ist festzuhalten, dass es keine Hinweise auf einen vom objekti-

ven Verständnis der Vergleichsvereinbarung abweichenden tatsächlichen 

Konsens der Vertragsparteien gab, wonach die Schadenersatzforderung der 

C._____ gegen die L._____ trotz gegenteiliger Abreden in Ziffer 20 und 22 

der Vergleichsvereinbarung weiterhin Bestand gehabt hätte. Mit der Vorin-

stanz ist davon auszugehen, dass die Schadenersatzforderung der C._____ 

gegen die L._____ infolge Verzichts auf deren Geltendmachung untergegan-

gen war.

3.4.7 Es ist unbestritten und aktenkundig, dass der Beschuldigte B._____ im 

Namen der C._____ und der L._____ eine auf den 26. Juli 2011 datierte Zu-

satzvereinbarung unterzeichnete, wonach die Schadenersatzforderung der 

C._____ nicht unter die Saldoklausel falle (STA act. 60101008). Weiter ist 

unbestritten und aktenkundig, dass der Beschuldigte B._____ im Namen 

der C._____ am 10. August 2011 der L._____ über den Betrag von 

USD 35'833'339.66 Rechnung stellte und als Zahlungsgrund auf die 

-   37   -

Schadenersatzforderung der C._____ und das einstige Zivilverfahren am 

Bezirksgericht Meilen verwies (STA act. 30201039). Sodann ist unbestritten 

und aktenkundig, dass der Beschuldigte B._____ als Verwaltungsrat der 

L._____ anschliessend der V._____ und der W._____ den Auftrag erteilte, 

die auf den freigegebenen Konten der L._____ liegenden Guthaben an die 

C._____ zu überweisen (STA act. 40501020, act. 40601499; ferner 

act. 30201004 Frage/Antwort 29). Schliesslich ist unbestritten und erwiesen, 

dass der Beschuldigte B._____ im Namen der C._____ eine zweite, auf den 

20. Januar 2012 datierte Zusatzvereinbarung unterzeichnete, worin festge-

halten wurde, dass die Rechnungsstellung und die Transaktion der Gelder 

der L._____ an die C._____ rechtens waren (STA act. 60101009).

3.4.8 Der Beschuldigte B._____ unterzeichnete die Vergleichsvereinbarung im Na-

men der C._____ und in eigenem Namen. Er stellte nicht in Abrede, den In-

halt der Vereinbarung gekannt zu haben. Spätestens mit Antritt des 

Verwaltungsratsmandats bei der L._____ kannte er auch deren wirtschaftli-

che Verhältnisse. Er wusste, dass das einzige Aktivum der L._____ aus den 

Guthaben auf den freigegebenen Konten bestand (vgl. STA act. 30201002 

Antwort 27). Trotz seiner Kenntnisse veranlasste er die Überweisung der 

besagten Guthaben an die C._____, nachdem die Staatsanwaltschaft Zug 

die Kontosperren aufgehoben hatte. Mit diesem Vorgehen setzte er sich be-

wusst und gewollt über die Vergleichsvereinbarung hinweg. Der Beschuldigte 

B._____ war hauptberuflich als Verwaltungsrat tätig (vgl. STA act. 30201002 

F/A 4). Er wusste daher zweifelsohne, dass er gegen die Interessen der 

L._____ handelte und als deren Verwaltungsrat verpflichtet gewesen wäre, 

die Gesellschaftsinteressen zu vertreten und zu wahren. In der Folge wurde 

die L._____ überschuldet und war nicht mehr in der Lage, ihren Verbindlich-

keiten gemäss Ziffer 11 der Vergleichsvereinbarung nachzukommen. Auch 

dies war dem Beschuldigten B._____ bewusst.

3.4.9 Der Beschuldigte A._____ war dannzumal zunächst als Anwalt der C._____ 

tätig und beriet den Beschuldigten B._____ bei dessen Vorgehen. Dies ist 

anhand seiner Korrespondenz mit den Parteianwälten und der Staatsan-

-   38   -

wältin der Staatsanwaltschaft Zug ersichtlich (STA act. 10017236-1 ff.). 

Zudem unterstützte er den Beschuldigten B._____, indem er die erwähnte, 

auf den 26. Juli 2011 datierte Zusatzvereinbarung aufsetzte, wonach sich die 

Saldoklausel gemäss Ziffer 22 der Vergleichsvereinbarung nicht auf die 

Schadenersatzforderung der C._____ beziehe. Wie die Vorinstanz zutreffend 

feststellte, ergibt sich die Urheberschaft des Beschuldigten A._____ an die-

ser Zusatzvereinbarung aus dem verwendeten Briefkopf auf den Vertrags-

entwürfen (Urk. 145 S. 42 mit Verweis auf STA act. 60701012 ff.). Gleiches 

gilt für die nachgenannte Zusatzvereinbarung vom 20. Januar 2012. Die 

Behauptung des Beschuldigten A._____, er habe zur Liquidation der L._____ 

und Bezahlung der Schadenersatzforderung der C._____ im Rahmen der Li-

quidation geraten, ist somit durch die Akten widerlegt. Im Übrigen ist nicht 

nachvollziehbar, weshalb er diese Behauptung erstmals im Berufungsverfah-

ren vorbringt. Angesicht der gravierenden Straftaten, mit denen er sich vor-

liegend konfrontiert sieht, hätte er sich vom Anwaltsgeheimnis entbinden las-

sen und dies bereits früher vortragen können und müssen, wenn dem tat-

sächlich so gewesen wäre.

Es ist ebenfalls unbestritten und aktenkundig, dass der Beschuldigte A._____ 

in seiner Funktion als Liquidator der L._____ nichts unternahm, um die Gut-

haben der L._____ zurückzuholen. Der Beschuldigte A._____ bestritt auch 

nicht, die Zusatzvereinbarung vom 20. Januar 2012 verfasst und in seiner 

Funktion als Liquidator unterzeichnet zu haben. Darin wurde festgehalten, 

dass die Vergleichsvereinbarung den Zweck verfolgt habe, das noch vorhan-

dene Vermögen der L._____ so weit als möglich auf die C._____ zu übertra-

gen. Des Weiteren wurde festgelegt, wie mit der D1._____ umzugehen ist, 

insbesondere wenn diese die Kaufpreisrestanz geltend machen sollte (STA 

act. 60101009 ff.).

3.4.10Der Beschuldigte A._____ war an der Ausarbeitung der Vergleichsvereinba-

rung vom 26. Juli 2011 massgeblich beteiligt. Dies ist aus der Korrespondenz 

des Beschuldigten A._____ mit den Parteianwälten und der fallführenden 

Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft Zug zu ersehen (STA act. 10017236-

-   39   -

39 ff.). Er kannte den Inhalt der Vergleichsvereinbarung daher bestens. Den-

noch entschied er sich dazu, den Beschuldigten B._____ bei dessen Vorge-

hen zu beraten und mit dem Aufsetzen der Zusatzvereinbarung vom 26. Juli 

2011 zu unterstützen. Mit Übernahme seines Mandats als Liquidator war der 

Beschuldigte A._____ mit der Bilanz der L._____ ebenfalls vertraut und 

wusste über den Vermögensabfluss auf den Konten der L._____ Bescheid. 

Dennoch unterliess er es, das der L._____ abhanden gekommene Geld zu-

rückzuholen, und verfasste eine weitere Zusatzvereinbarung vom 20. Januar 

2012, um die Transaktion der Gelder an die C._____ zu legitimieren. Gleich 

wie B._____ setzte sich der Beschuldigte A._____ bewusst und gewollt über 

den Inhalt der Vergleichsvereinbarung hinweg. Als Rechtsanwalt wusste er 

auch, dass er gegen die Interessen der L._____ handelte, obschon er als 

Liquidator verpflichtet gewesen wäre, die Interessen der sich in Liquidation 

befindenden Gesellschaft zu vertreten und zu wahren. In der Folge wurde die 

L._____ überschuldet und konnte ihren Verbindlichkeiten nicht mehr nach-

kommen. Der Beschuldigte A._____ war sich dessen bewusst.

3.4.11Die Guthaben der L._____ gingen zunächst auf das USD-Kontokorrentkonto 

der C._____ bei der Bank H._____ AG. Vor der Überweisung der betreffen-

den Guthaben wies dieses Konto einen Stand von USD 953'396.63 auf 

(STA act. 40103453). Am 19. August 2011 und am 23. August 2011 gingen 

die Guthaben im Betrag von USD 14'567'224.31 und USD 18'226'079.35 auf 

dem Kontokorrentkonto ein. Nach einem Barbezug und zwei Zahlungen 

betrug der Kontostand am 25. August 2011 USD 31'128'021.69 

(STA act. 40103454).

Die Vorinstanz zeichnete im Einzelnen nach, auf welchem Weg die von der 

L._____ stammenden Gelder ab dem USD-Konto der C._____ an den Be-

schuldigten B._____ persönlich und an Unternehmen gingen, die von den 

Beschuldigten B._____ und A._____ beherrscht wurden (Urk. 145 S. 46-60). 

Die Feststellungen der Vorinstanz stimmen mit den Akten überein (vgl. zu 

den Ersatzforderungen E. VII/2 und E. VII/3 hernach). Auf der Grundlage 

dieser Transaktionen schloss die Vorinstanz zu Recht, dass sich die Beschul-

-   40   -

digten B._____ und A._____ an den Geldern der L._____ rechtsgrundlos be-

reichern wollten.

3.4.12 Der Sachverhalt im Anklagepunkt 1 ist erstellt. Das angefochtene Urteil ist 

insoweit zu bestätigen.

4. Vorwurf 3

4.1 Anklageschrift

Die Staatsanwaltschaft legte dem Beschuldigten A._____ als Liquidator zur 

Last, in einem auf den 9. Mai 2013 datierten Vermerk (recte: Datierung auf 

den 9. Mai 2011) und in einer E-Mail vom 7. Oktober 2013 dafür gesorgt zu 

haben, dass in der Buchhaltung der L._____ die D1._____ als Gläubigerin 

ausgebucht und durch die C._____ ersetzt werde. Dies habe zur Folge ge-

habt, dass im Geschäftsabschluss der L._____ per 31. Dezember 2011 

wahrheitswidrig die C._____ anstelle der D1._____ als Gläubigerin aufge-

führt worden sei. Der Beschuldigte A._____ sei sich bewusst gewesen, dass 

mit dieser Änderung in der Buchhaltung der L._____ eine rechtlich erhebliche 

Tatsache unrichtig beurkundet werde. Er habe in Kauf genommen, dass die 

Buchhaltung der L._____ mit den unwahren Angaben zur Täuschung von 

Drittpersonen verwendet werde. Er habe dies in der Absicht getan, zunächst 

der C._____ und anschliessend sich selbst einen ungerechtfertigten Vermö-

gensvorteil zu verschaffen und es der D1._____ zu erschweren, ihre berech-

tigte Forderung gegen die L._____ durchzusetzen (Urk. 11 S. 36-37).

4.2 Standpunkt des Beschuldigten A._____

Der Beschuldigte A._____ gab zu, veranlasst zu haben, dass in der Buchhal-

tung der L._____ die Forderung der D1._____ gelöscht und durch die Forde-

rung der C._____ ersetzt worden war. Er machte zu seiner Entlastung gel-

tend, er habe die Buchhaltung einer "kriminellen Organisation" im Bewusst-

sein übernommen, dass diese nicht stimme und korrigiert werden müsse. Er 

habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt (Urk. 114 S. 17-18; Prot. 

II S. 28 f.).

-   41   -

4.3 Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz erachtete den Anklagesachverhalt als erstellt. Sie stützte sich 

dabei auf die Bilanzen und Erfolgsrechnungen der L._____ aus den Jahren 

2010 und 2011, einen auf den 9. Mai 2011 datierten Vermerk des Beschul-

digten A._____ sowie auf eine E-Mail des Beschuldigten A._____ an den 

Buchhalter der L._____ namens O._____ vom 7. Oktober 2013, in welcher 

der Beschuldigte A._____ nachträglich weitere Anweisungen zur Änderung 

der Bilanz der L._____ erteilt habe. Das Wissen und Wollen des Beschuldig-

ten A._____ sowie dessen Bereicherungsabsicht begründete die Vorinstanz 

mit dem Wissen und Wollen gemäss dem erstellten Anklagesachverhalt 1 

(Urk. 145 S. 60-62).

4.4 Beweiswürdigung

Die Begründung der Vorinstanz stimmt mit den Akten überein. Es kann 

darauf verwiesen werden, zumal der Beschuldigte A._____ zugab, die 

Löschung der D1._____ als Gläubigerin und an deren Stelle die Einsetzung 

der C._____ in der Buchhaltung der L._____ veranlasst zu haben. Er bestritt 

auch nicht, die Bilanz der L._____ am 30. Juni 2012 beim Steueramt des 

Kantons Zug eingereicht zu haben.

Rekapitulierend ist festzustellen, dass der Beschuldigte A._____ den Inhalt 

der Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 2011 bestens kannte. Er wusste, 

dass die D1._____ gegen die L._____ eine Forderung geltend machte und 

diese Forderung als "nicht transferierte" Verbindlichkeit der L._____ in der 

Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 2011 aufgeführt war. Er wusste eben-

falls, dass die C._____ aufgrund der Saldoklausel in der Vergleichsvereinba-

rung vom 26. Juli 2011 auf die Geltendmachung ihrer Forderung gegen die 

L._____ verzichtet hatte. Demzufolge war ihm bewusst, dass die Löschung 

der Forderung der D1._____ in der Buchhaltung der L._____ und die Einset-

zung der C._____ als Gläubigerin nicht der Wahrheit entsprach. Dennoch 

entschied er sich dazu, die betreffenden Tatsachen falsch beurkunden zu 

-   42   -

lassen. Er tat dies in der Absicht, der C._____ und anschliessend sich selbst 

einen Vermögensvorteil zu verschaffen.

Der Sachverhalt im Anklagepunkt 3 ist ebenfalls erstellt und das angefoch-

tene Urteil insoweit zu bestätigen.

IV. Rechtliche Würdigung

1. Vorwurf 1

1.1 Standpunkte der Parteien

Die Staatsanwaltschaft beantragte vor Vorinstanz einen Schuldspruch 

wegen qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 

und Abs. 3 StGB) und betrügerischen Konkurses (Art. 163 Ziff. 1 StGB). Im 

Berufungsverfahren beantragte sie diesbezüglich die Bestätigung des 

bezirksgerichtlichen Urteils (Urk. 191 S. 2).

Der Beschuldigte A._____ bestritt die rechtliche Einordnung seiner Handlun-

gen als Straftaten. Die L._____ habe keinen Schaden erlitten, da mit der 

Überweisung der Guthaben an die C._____ eine Schuld beglichen worden 

sei. Der Beschuldigte A._____ stellte sich auf den Standpunkt, rechtens ge-

handelt zu haben. Jedenfalls hätte er subjektiv nach bestem Wissen und Ge-

wissen gehandelt. Er hätte niemanden schädigen und sich nicht unrechtmäs-

sig bereichern wollen (Urk. 114 S. 17; Prot. II S. 9 ff.).

1.2 Urteil der Vorinstanz

Die Vorinstanz qualifizierte die Handlungen der Beschuldigten B._____ und 

A._____ als qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 

Abs. 1 und Abs. 3 StGB) und ‒ abweichend vom Antrag der Staatsanwalt-

schaft ‒ als Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung (Art. 164 

Ziff. 1 StGB), das Verhalten des Beschuldigten A._____ zusätzlich als Gehil-

fenschaft zur ungetreuen Geschäftsbesorgung und als Gehilfenschaft zur 

Gläubigerschädigung durch Vermögensminderung (Art. 25 StGB).

-   43   -

2. Qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung

Die Vorinstanz stellte die Elemente der qualifizierten ungetreuen Geschäfts-

besorgung in der Tatbestandsvariante des Treubruchs (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 

und Abs. 3 StGB) im Einklang mit Lehre und Rechtsprechung dar. Die 

nachfolgenden Erwägungen dienen der Rekapitulation und Verdeutlichung 

einzelner Aspekte.

2.1 Geschütztes Rechtsgut / Konkurrenzen

Der Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB) schützt 

fremdes Vermögen (MARCEL ALEXANDER NIGGLI, in: Basler Kommentar zum 

Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, Art. 158 N. 1). Art. 158 StGB bedroht in Ziff. 1 den 

Treubruch, in Ziff. 2 den Missbrauch von Vertretungsmacht mit Strafe. Sind 

beide Tatbestandsvarianten erfüllt, geht Art. 158 Ziff. 1 StGB vor (NIGGLI, 

a.a.O., Art. 158 N. 182). Die Vorinstanz erachtete Art. 158 StGB in der 

Tatbestandsvariante des Treubruchs als erfüllt, weshalb sie ‒ wie die nach-

folgenden Erwägungen bestätigen ‒ die zweite Tatbestandsvariante des 

Missbrauchs nicht zu prüfen brauchte.

Der qualifizierte Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 

Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3 StGB) steht zum Tatbestand der Veruntreuung 

(Art. 138 StGB) in einem Konkurrenzverhältnis, wenn dem Täter das fremde 

Vermögen im Sinne von Art. 138 StGB anvertraut wurde. Das Geschäftsver-

mögen einer Handelsgesellschaft ist den Gesellschaftsorganen nicht anver-

traut im Sinne des Veruntreuungstatbestands. Wenn ein Gesellschaftsorgan 

das Vermögen pflichtwidrig verwaltet, gelangt nur Art. 158 StGB zur Anwen-

dung (BGer, Urteil 6B_446/2010 vom 14.10.10 E. 6.3 in fine; NIGGLI, a.a.O., 

Art. 158 N. 182; ANDREAS DONATSCH, in: StGB/JStGB Kommentar, 21. Aufl. 

2022, Art. 158 N. 18). Ausnahmsweise ist Art. 138 StGB dennoch anzu-

wenden, wenn die Handlungen den Rahmen der Organtätigkeit offensichtlich 

verlassen und es dem Organ einzig darum geht, sich Gegenstände oder 

Vermögenswerte der Gesellschaft zwecks persönlicher Bereicherung anzu-

eignen (BGer, Urteile 6B_511/2020 vom 10.3.21 E. 2.3.3; 6B_326/2012 vom 

-   44   -

14.1.13 E. 2.5.3). Dies trifft vorliegend nicht zu, da sich die Beschuldigten 

B._____ und A._____ ‒ anders als in anderen Sachverhaltskomplexen ‒ 

nicht mit Geldbezügen direkt bereicherten, sondern einen Umweg über die 

C._____ machten (vgl. BGer, Urteil 6B_511/2020, a.a.O., E. 2.4.1).

Da der Beschuldigte B._____ als Verwaltungsrat und der Beschuldigte 

A._____ als Liquidator Organe der L._____ waren und im Rahmen ihrer 

Organtätigkeit delinquierten, prüfte die Vorinstanz zu Recht nur den Tatbe-

stand der ungetreuen Geschäftsbesorgung.

2.2 Objektiver Tatbestand

Der objektive Treubruchtatbestand ist an drei Voraussetzungen geknüpft, 

nämlich die Eigenschaft des Täters als Geschäftsführer, die Verletzung 

einer damit in Zusammenhang stehenden Vermögensfürsorgepflicht und 

daraus hervorgehend die Verursachung eines Vermögensschadens (STEFAN 

TRECHSEL/DEAN CRAMERI, Praxiskommentar zum Strafgesetzbuch, 4. Aufl. 

2021, Art. 158 N. 1).

2.2.1 Geschäftsführereigenschaft im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB hat 

derjenige, der in tatsächlich oder formell selbständiger und verantwortlicher 

Stellung im Interesse eines andern für einen nicht unerheblichen Vermögens-

komplex zu sorgen hat (BGE 142 IV 346 E. 3.2; BGer, Urteil 7B_139/2023 

vom 25.6.24 E. 3.4.2). Anhaltspunkte für eine hinreichende Selbstständigkeit 

ergeben sich etwa aus der Unterschriftsberechtigung mit Bezug auf das zu 

verwaltende Vermögen, der Verfügungsberechtigung über Guthaben, der 

Entscheidungsfreiheit in eigenverantwortlicher Weise über Personal und 

Sachmittel und dem Ausmass an Freiheit bei der Organisation der eigenen 

Tätigkeit (BGer, Urteil 6B_644/2018 vom 22.5.19 E. 2.3.3). Der Tatbestand 

ist namentlich anwendbar auf operationell leitende Organe von juristischen 

Personen resp. Kapitalgesellschaften, i.e. Verwaltungsräte (BGE 142 IV 346 

E. 3.2; BGer, Urteil 6B_1084/2022 vom 5.4.23 E. 4.1). Auch Liquidatoren 

einer Aktiengesellschaft sind Geschäftsführer im Sinne von Art. 158 StGB, 

da sie die Gesellschaft in den zur Liquidation gehörenden Rechtsgeschäften 

-   45   -

vertreten und, soweit erforderlich, auch neue Geschäfte eingehen dürfen 

(vgl. Art. 743 Abs. 3 OR).

2.2.2 Die Tathandlung der ungetreuen Geschäftsbesorgung besteht in der Verlet-

zung einer dem Täter obliegenden Vermögensfürsorgepflicht, die sich aus 

Gesetz, behördlichem Auftrag oder Rechtsgeschäft ergeben kann. Dabei 

darf es sich nicht bloss um eine Nebenpflicht handeln, sondern die Vermö-

gensfürsorgepflicht muss den typischen und wesentlichen Inhalt des Rechts-

verhältnisses bilden (BGer, Urteil 6B_310/2014 vom 23.11.15 E. 3.1.1). Bei 

den Organen einer Aktiengesellschaft ergibt sich die Vermögensfürsorge-

pflicht aus den gesetzlichen Sorgfalts- und Treuepflichten gemäss Art. 717 

OR (BGer, Urteile 6B_604/2022 vom 11.1.24 E. 6.2.2; 6B_54/2008 vom 

9.5.08 E. 6.4.1). Art. 717 OR ist auch auf die Liquidatoren einer Aktiengesell-

schaft anwendbar (BGE 132 III 758 E. 3.3). 

2.2.3 Sorgfalt im Sinne von Art. 717 Abs. 1 OR bedeutet die Anwendung der 

gebotenen Umsicht und Vorsicht, welche ein vernünftiger Mensch bei der 

jeweiligen Aufgabenerfüllung an den Tag legen würde, und bedingt u. a. ein 

gesetzeskonformes Verhalten. Unsorgfältig handelt aber auch derjenige, der 

die Erledigung einer gebotenen Aufgabe vollständig oder teilweise unterlässt 

bzw. zu spät handelt (BGE 139 III 24 E. 3.2; BGer, Urteil 4A_467/2010 vom 

5.1.11 E. 3.3). Die konkreten Aufgaben eines Verwaltungsratsmitglieds oder 

eines Liquidators der Aktiengesellschaft lassen sich nicht abstrakt umschrei-

ben, sondern ergeben sich aus Gesetz, Statuten und Organisationsregle-

ment.

2.2.4 Die Treuepflicht gemäss Art. 717 Abs. OR besagt, dass das Gesellschafts-

organ alles zu unterlassen hat, was der Gesellschaft schaden könnte. Eigene 

Interessen oder Interessen nahestehender Personen müssen in den Hinter-

grund treten. Allfällige Interessenkollisionen sind möglichst zu vermeiden (NI-

COLAS FACINCANI/ADRIAN PLÜSS, Handkommentar zum Schweizerischen Pri-

vatrecht, 4. Aufl. 2024, Art. 717 N. 6). Die Vorinstanz wies zu Recht darauf 

hin, dass namentlich die sogenannten Insichgeschäfte – gemeint sind das 

Selbstkontrahieren und die Doppelvertretung – gegen die Treuepflicht 

-   46   -

verstossen. Bei solchen Geschäften schliesst das Mitglied des Verwaltungs-

rats entweder mit sich selbst oder für "seine" AG mit einer anderen, ebenfalls 

von ihm vertretenen Gesellschaft einen Vertrag ab (vgl. PETER BÖCKLI, 

Schweizer Aktienrecht, 5. Aufl. 2022, § 9 N. 775 ff.). Insichgeschäfte sind 

ungültig, es sei denn, die Natur des Geschäfts schliesse die Schädigung 

einer Partei aus oder das betreffende Geschäft werde im Nachhinein geneh-

migt (BGE 144 III 388 E. 5.1; BGer, Urteil 4A_611/2023 vom 22.5.24 E. 6.1). 

Nach der Rechtsprechung ist die Genehmigung allerdings bedeutungslos, 

wenn das Reinvermögen der Gesellschaft (Aktiven minus Passiven) im 

Umfang des Gesellschaftskapitals und der gebundenen Reserven angetastet 

wird. Dies gilt selbst im Falle der Genehmigung des Alleinaktionärs, da der 

Alleinaktionär und die Gesellschaft zwei verschiedene Rechtssubjekte sind. 

Die Fremdheit des Vermögens des einen Rechtssubjekts für das andere 

auch im Strafrecht grundsätzlich beachtlich, zumal Art. 158 StGB (mittelbar) 

auch dem Schutz der Gläubiger dient (BGE 141 IV 104 E. 3.2; BGer, Urteil 

6B_604/2022 vom 11.1.24 E. 6.2.3).

2.2.5 Als Folge des pflichtwidrigen Verhaltens muss der Gesellschaft schliesslich 

ein Vermögensschaden entstanden sein. Zwischen Pflichtwidrigkeit und 

Vermögensschaden muss Kausalität bestehen. Der Vermögensschaden 

kann in der Verminderung der Aktiven, der Vermehrung der Passiven, der 

Nichtvermehrung der Aktiven oder in der Nichtverminderung der Passiven 

liegen, sowie darin, dass das Vermögen in einem Masse gefährdet wird, dass 

es in seinem wirtschaftlichen Wert bereits aktuell vermindert ist (BGE 142 

IV 346 E. 3.2; BGer, Urteil 6B_843/2022 vom 2.8.23 E. 4.1).

2.3 Subjektiver Tatbestand

Subjektiv ist Vorsatz erforderlich. Dieser muss sich auf die Pflichtwidrigkeit 

des Handelns oder Unterlassens, die Vermögensschädigung und den 

Kausalzusammenhang zwischen dem pflichtwidrigen Verhalten und dem 

Schaden beziehen. Eventualvorsatz genügt. Da das Tatbestandsmerkmal 

der Pflichtwidrigkeit vom jeweiligen Grundverhältnis abhängt und relativ 

-   47   -

unbestimmt ist, stellt die Rechtsprechung an den Nachweis des Vorsatzes 

erhöhte Anforderungen (BGE 142 IV 346 E. 3.2).

Der qualifizierte Treubruchtatbestand gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB 

setzt zusätzlich die Absicht unrechtmässiger Bereicherung voraus. Eventual-

absicht genügt.

2.4 Teilnahme

Der Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung ist ein echtes Sonder-

delikt. Mittäter kann deshalb von vorneherein nur sein, wer Träger der 

Sondereigenschaft (Geschäftsführereigenschaft), also Verwaltungsratsmit-

glied oder Liquidator ist. Wem diese Eigenschaft nicht zukommt, kann sich 

nur als Gehilfe im Sinne von Art. 25 StGB zu ungetreuer Geschäftsbesorgung 

strafbar machen. Gehilfe im strafrechtlichen Sinne ist, wer einem andern bei 

der Begehung einer Straftat vorsätzlich Hilfe leistet. Als Gehilfenschaft gilt 

jeder kausale Beitrag, der die Tat fördert, so dass sich diese ohne Mitwirkung 

des Gehilfen anders abgespielt hätte. Anders als bei Mittäterschaft muss der 

Tatbeitrag aber nicht so wesentlich sein, dass die Ausführung des Delikts mit 

ihm steht oder fällt. Der Gehilfe muss die Erfolgschancen der tatbestandser-

füllenden Handlung lediglich erhöhen (BGE 129 IV 124 E. 3.2; BGer, Urteil 

6B_1137/2020 vom 17.4.23 E. 1.5.1).

2.5 Würdigung des Verhaltens des Beschuldigten B._____

2.5.1 Es ist erstellt und unbestritten, dass der Beschuldigte B._____ ab dem 

26. Juli 2011 bis zum 21. November 2011 als Verwaltungsrat der L._____ mit 

Einzelzeichnungsberechtigung und als deren Geschäftsführer fungierte. Er 

leitete das Unternehmen in Eigenverantwortung und verfügte über Einzel-

zeichnungsberechtigung bei den Banken der L._____ (vgl. E. III/2 hiervor). 

Die Aktiven der L._____ bestanden im deliktsrelevanten Zeitraum aus den 

gesperrten Geldern bei der V._____ und der W._____ im Betrag von rund 

USD 32.8 Mio., einem Überschuss von USD 2.4 Mio. und einer 

Schadenersatzzahlung von N._____ in der Höhe von CHF 2.5 Mio. Der 

-   48   -

Beschuldigte B._____ verwaltete damit ein beträchtliches Vermögen. Die 

Geschäftsführereigenschaft im Sinne von Art. 158 StGB, d.h. die selbstän-

dige und verantwortliche Stellung des Beschuldigten B._____, um im 

Interesse der L._____ für ein namhaftes Vermögen zu sorgen, war gegeben.

Der Beschuldigte B._____ war im deliktsrelevanten Zeitpunkt gleichzeitig 

Verwaltungsrat der C._____. Er befand sich infolge dieser Doppelvertretung 

in einem Interessenkonflikt und handelte in dieser Position einseitig zuguns-

ten der C._____, indem er der L._____ ‒ als Verwaltungsrat der C._____ ‒ 

am 10. August 2011 über den Betrag von USD 35'833'339.66 Rechnung 

stellte und anschliessend ‒ als Verwaltungsrat der L._____ ‒ die Banken an-

wies, die freigegebenen Guthaben der L._____ auf Konten der C._____ zu 

überweisen (vgl. E. III/3.4.6). Damit verletzte der Beschuldigte B._____ seine 

Vermögensfürsorgepflicht zum Nachteil der L._____, da ausser Frage stand, 

dass die C._____ in der Vergleichsvereinbarung vom 26. Juli 2011 auf die 

Geltendmachung der Schadenersatzforderung verzichtet hatte (vgl. 

E. III/3.4.1-3.4.5). Ausserdem unterzeichnete der Beschuldigte B._____ eine 

Zusatzvereinbarung, datierend vom 26. Juli 2011, um sein Vorgehen gegen 

die L._____ zu legitimieren (E. III/3.4.6).

Selbst wenn AA._____, dem N._____ sämtliche Aktien der L._____ verkauft 

hatte, in das Vorgehen des Beschuldigten B._____ eingewilligt haben sollte, 

würde dies an der strafrechtlichen Relevanz der Verletzung der Vermögens-

fürsorgepflicht nichts ändern. Eine allfällige Einwilligung des Alleinaktionärs 

in die Aushöhlung der eigenen Gesellschaft wäre unbeachtlich (vgl. 

E. IV/2.2.4).

Der L._____ entstand ein Vermögensschaden, da sie der C._____ einen 

nicht geschuldeten Geldbetrag leistete und sich ihre Aktiven entsprechend 

verminderten. Der Vermögensschaden war kausal rückführbar auf die Hand-

lungen des Beschuldigten B._____ in seiner Doppelfunktion als Verwaltungs-

rat der C._____ und der L._____, i.e. die Rechnungsstellung, die Zahlungs-

anweisung an die Banken der L._____ und die daran anschliessende Trans-

-   49   -

aktion der Guthaben der L._____ auf das USD-Konto der C._____ bei der 

Bank H._____ AG.

Der objektive Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung wurde somit 

erfüllt.

Nach Beendigung des Mandats als Verwaltungsrat der L._____ unterzeich-

nete der Beschuldigte B._____ eine zweite Zusatzvereinbarung, datierend 

vom 20. Januar 2012, um sein Vorgehen als Verwaltungsrat der L._____ ein 

zweites Mal zu legitimieren. Die Vorinstanz qualifizierte diese Handlung von 

B._____ allerdings zu Recht als mitbestrafte Nachtat zu den ihm als Verwal-

tungsrat der L._____ zur Last gelegten Handlungen (vgl. Urk. 145 S. 78-79).

2.5.2 Der Beschuldigte B._____ war hauptberuflich als Verwaltungsrat tätig 

(vgl. E. III/3.4.7 hiervor). Mit der Vorinstanz ist daraus zu schliessen, dass er 

sich seiner Interessenwahrungspflicht gegenüber der L._____ bewusst war. 

Mithin wusste er, dass er alles zu unterlassen hatte, was nicht im Ver-

mögensinteresse der L._____ lag. Des Weiteren war sich der Beschuldigte 

B._____ bewusst, dass die C._____ mit Abschluss der Vergleichsverein-

barung auf die Geltendmachung der Schadenersatzforderung verzichtet 

hatte. Er kannte die Saldoklausel der Vergleichsvereinbarung, da er sie im 

Namen der C._____ und im eigenen Namen unterzeichnet hatte (vgl. 

E. III/3.4.7). Er wusste demnach auch, dass die L._____ mit der Überweisung 

ihrer Gelder an die C._____ einen Vermögensschaden erlitt, da sie eine 

angeblich bestehende Forderung beglich, auf deren Geltendmachung die 

C._____ verzichtet hatte. Die Vorinstanz folgerte zu Recht, dass der Beschul-

digte B._____ mit direktem Vorsatz handelte (vgl. Urk. 145 S. 74).

Der Beschuldigte B._____ handelte in der Absicht, die C._____ und 

anschliessend sich selbst und den ebenfalls Beschuldigten A._____ zu 

bereichern. Dies ergibt sich aus den Überweisungen ab dem USD-Konto der 

C._____ auf sein eigenes Konto bei der Bank AC._____ sowie auf Konten 

von Gesellschaften, die er oder der Beschuldigte A._____ beherrschte (vgl. 

E. III/3.4.8 hiervor).

-   50   -

Der subjektive Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung wurde in der 

qualifizierten Tatbestandsvariante erfüllt.

2.5.3 Der Beschuldigte B._____ beging somit in seiner Funktion als Verwaltungsrat 

der L._____ die Straftat der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung 

im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 3 StGB. Mit der Vorinstanz kann 

offen bleiben, ob der Tatbestand zusätzlich durch die Verletzung weiterer 

Vermögensfürsorgepflichten oder durch die Verletzung arbeits- und auftrags-

rechtlicher Pflichten erfüllt worden sein könnte (vgl. U