# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 28d1b80d-d17e-5aa5-a21a-3b532535e636
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-07-09
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 09.07.2013 IV 2012/331
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-331_2013-07-09.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/331

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 16.08.2019

Entscheiddatum: 09.07.2013

Entscheid Versicherungsgericht, 09.07.2013
Art. 28 und 29 Abs. 1 IVG. Ablauf Wartejahr; Invaliditätsbemessung bei 
langjähriger Erkrankung bzw. Teilarbeitsunfähigkeit (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. Juli 2013, IV 2012/331).

Präsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und 

Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiberin Fides Hautle

Entscheid vom 9. Juli 2013

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Rente

Sachverhalt:

A.   

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.a A.___ meldete sich am 29. Dezember 2008 (act. 52) bei der Invalidenversicherung 

und stellte verschiedene Ansprüche, etwa auf eine Integritätsentschädigung wegen 

starker körperlicher Überlastung am Arbeitsplatz und rascher Erschöpfung sowie 

Erschwerung des wirtschaftlichen Fortkommens und auf Schadenersatz. Die 

Invaliditätsfrage stelle sich seit Geburt bzw. seit medizinischen Fehlbehandlungen im 

Jahr 1965. Eine berufliche Weiterbildung sei für sie wegen des Gesundheitszustands 

undenkbar gewesen. - Der Versicherten war früher einmal ab Januar 1986 eine ganze 

Rente zugesprochen worden, die nach einer Nierentransplantation vom April 1986 auf 

Ende Mai 1987 wieder eingestellt worden war. - Die Sozialversicherungsanstalt/IV-

Stelle des Kantons St. Gallen schrieb ihr am 9. Januar 2009, für Schadenersatz 

betreffend medizinische Massnahmen sei sie nicht die richtige Instanz. Nachdem sie 

die eingereichten Unterlagen am 24. Januar 2009 zurückerbeten hatte, beantragte die 

Versicherte in einem Schreiben vom 27. Januar 2009 (eingereicht mit Schreiben vom 

9. Februar 2009, vgl. act. 56 und 57-1) unter anderem eine Rente ab dem Zeitpunkt, da 

sich ihr Zustand nach der Transplantation verschlechtert habe. Deswegen habe sie in 

den vergangenen Jahren nämlich nicht mehr zu 100 % arbeiten können. Die 

Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle antwortete ihr am 5. März 2009 (act. 61), die 

Verfügung zur Einstellung der Rente von 1987 sei rechtskräftig und rückwirkende 

Rentenleistungen könnten daher nicht gewährt werden. Sollte sich ihr Ge­

sundheitszustand seither relevant verschlechtert haben, könne sie ein schriftliches 

Revisionsbegehren einreichen. Dieses erfordere allerdings, dass ein behandelnder Arzt 

eine Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit bestätige. Am 5./16. Dezember 2009 

(act. 62) schrieb die Versicherte, sie reiche beiliegend Unterlagen von zwei Nieren­

spezialisten ein (Kantonsspital St. Gallen, Funktionsbescheinigung über Dezember 

2008, und Dr. med. B.___, Innere Medizin, spez. Nephrologie FMH). Daraus sei 

ersichtlich, dass das Transplantat schon vor Dezember 2008 sehr schlecht gearbeitet 

habe. Die Abteilung Nephrologie am Kantonsspital St. Gallen hatte der Versicherten auf 

ihre Erkundigung hin am 1. Juli 2009 (act. 95-2) bescheinigt, dass ihr Transplantat im 

Dezember 2008 noch zu 19 % gearbeitet habe. Auf Veranlassung der Sozialver­

sicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen füllte die Versicherte am 29. De­

zember 2009 eine Anmeldung aus (act. 64). Sie gab darin an, sie habe eine Berufs­

anlehre (interne Ausbildung) für den Aussendienst gemacht. Die Berufsausübung sei ihr 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

nicht mehr möglich, und zwar fliessend seit Ende Februar 2000 bis Januar 2002. Seit 

1. Januar 2003 arbeite sie noch zu 80 % und erledige Büro-Hilfsarbeiten.

A.b Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung nahm am 5. Januar 

2010 (act. 112-1, vgl. act. 76) Stellung und hielt dafür, bei der aktuellen medizinischen 

Betreuungssituation sei ein Eingliederungspotential kaum gegeben, unter korrekter 

Dialyse wäre aber eine Arbeitsfähigkeit von 50 % denkbar. Der RAD führte Gespräche 

mit den in der Anmeldung bezeichneten Ärzten. Dr. med. C.___, Allgemeinmedizin, 

erklärte am 7. Januar 2010 (act. 72), er kenne die Versicherte nur vom Bericht der 

Nephrologie am Kantonsspital St. Gallen vom 1. Juli 2009. Unter Dialyse sollte eine 

Teilarbeitsfähigkeit möglich werden; nach erneuter Transplantation sei eine volle 

Arbeitsfähigkeit denkbar. Dr. B.___ gab gemäss Protokoll gleichentags (act. 73; vgl. 

act. 94) an, er habe einzig im Oktober 2009 mit der Versicherten Kontakt gehabt. Sie 

brauche dringend Dialyse. Sie suche einen anderen Nephrologen, weil für eine korrekte 

Betreuung die Berichte des Kantonsspitals St. Gallen angefordert werden müssten. Die 

Versicherte verweigere aber die (sc. wohl: Offenlegung der) medizinischen Aktenlage. 

Dr. B.___ berichtete am 22. Januar 2010 (act. 81), die Versicherte habe darauf 

bestanden, dass er von auswärts, besonders vom Kantonsspital St. Gallen, keinerlei 

Akten beiziehe, und reichte ein Schreiben an die Versicherte vom 1. Dezember 2009 

ein, worin er ihr erklärt hatte, ihre Nierenleistung liege bei schätzungsweise 10 bis 

15 %. Die Transplantatniere arbeite sehr schlecht. In diesem Stadium sei jede medi­

kamentöse Therapie mit gewissen Risiken und Nebenwirkungen verbunden. Es sei 

davon abzuraten, irgendwelche Medikamente auszuprobieren, zum Beispiel Prednison 

oder bestimmte Blutdrucksenker. Auch bei der Cholesterinsenkung sei wegen diverser 

Interaktionen mit anderen Medikamenten oder Nebenwirkungen Vorsicht geboten. Auf­

grund der Nierenfunktionsverminderung werde die IV sicherlich bereit sein, eine Rente 

auszurichten. Er denke, man dürfe mit einer Rente von 50 % rechnen, möglicherweise 

sei auch eine solche von 100 % gerechtfertigt. Es sei zu erwarten, dass sich die Ver­

sicherte einmal einer Dialyse werde unterziehen müssen und wieder eine Transplan­

tation benötigen werde.

A.c Mit Schreiben vom 10. Februar 2010 (act. 86) hielt die Versicherte dafür, ihre 

Gesundheitsbeeinträchtigung sei durch die Nierenfunktionsbescheinigungen und 

Laborwerte ausreichend belegt. In einer beigelegten "Bescheinigung" (act. 88) erklärte 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

sie, bei ihrer Ausbildung habe es sich um eine Verkaufsschulung gehandelt. Ab 

Oktober 1986 habe sie während fünfzehn Jahren auf ihrem Beruf gearbeitet. Wegen 

des merklich schlechter werdenden Gesundheitszustandes habe sie die Leistung im 

Aussendienst nicht mehr erbringen können, sei dann aber im Büro eingesetzt worden, 

was eine Erleichterung, aber auch eine lohnmässige Rückstufung bedeutet habe.

A.d Am 22. Februar 2010 fand eine FI-Triage statt (act. 91) und am 24. Februar 2010 

(act. 96) wurde die Versicherte zu einem Gespräch auf den 17. März 2010 eingeladen. 

Am 7. März 2010 (act. 101) hielt sie unter anderem fest, ihr Anmeldebrief sei Ende 2008 

eingeschrieben eingereicht worden. Sie sei seit 2002 und immer noch als Büroan­

gestellte beschäftigt. Im Jahr 2001 habe sie noch in ihrem Beruf arbeiten und gemäss 

IK-Auszug Fr. 83'467.-- verdienen können. Sie sei der Meinung, dass der Termin vom 

17. März 2010 entfallen könne, weil sie ja einen Arbeitsplatz habe.

A.e In einer Arbeitgeberbescheinigung vom 15. März 2010 (act. 102) wurde angegeben, 

dass die Versicherte seit ca. 1985 angestellt sei. Bis Ende 2001 sei sie als Aussen­

dienstverkäuferin tätig gewesen, seither (bei fliessendem Übergang) als 

Verlagssekretärin, seit 2003 noch zu 80 %. In den Jahren 2007, 2008 und 2009 habe 

sie einen Jahresverdienst von Fr. 50'310.-- erzielt. Seit Januar 2010 betrage der AHV-

pflichtige Lohn Fr. 60'000.-- pro Jahr.

A.f  Am 22. März 2010 (act. 103) forderte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle die 

Versicherte unter Androhung von Rechtsfolgen auf, sich bei der 

Eingliederungsberaterin zu melden und an einem Assessmentgespräch und einer 

"RAD-Novo" teilzunehmen. Die Versicherte erkundigte sich am 29. März 2010 

(act. 105), worin denn eine berufliche Eingliederung bestehen könnte, da sie doch 

arbeite. Nach ihrer Auffassung sei ein ärztlicher Untersuch nicht erforderlich. Mit 

Schreiben vom 16. und vom 21. April 2010 (act. 107 und 108) beantwortete die 

Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten diverse Fragen. In einer 

undatierten Eingabe (act. 110) korrigierte die Versicherte verschiedene Angaben im 

Triageprotokoll. Sie gab etwa an, ihr Gesundheitszustand wirke sich schon länger als 

seit Juli 2009 auf die Arbeitsfähigkeit aus. Es sei auch bei Dialyse keine volle Leistung 

möglich. Sie sei schon seit mehr als 20 Jahren im selben Betrieb tätig. Bevor es ihr 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

schlecht gegangen sei, habe sie ein Jahreseinkommen von Fr. 97'378.-- verdient. Ob 

sie eine Dialyse mache, sei ihre eigene Sache und werde vom Arzt geklärt.

A.g Am 27. April 2010 fand das Assessmentgespräch statt. Die Versicherte hat sich 

dabei gemäss Protokoll mit einem Abschluss der Eingliederungsmassnahmen 

einverstanden erklärt (act. 115). Am 3. Mai 2010 (act. 111) wurde als Ergebnis des 

Assessmentgesprächs festgehalten, die Versicherte wünsche keine Unterstützung der 

IV im Sinn beruflicher Massnahmen. Medizinisch sei von einer mindestens 50-

prozentigen Arbeitsfähigkeit für die angestammte Arbeit und für adaptierte Tätigkeiten 

unter korrekter Dialyse auszugehen. Der RAD hielt am 3. Mai 2010 (act. 112) fest, die 

Versicherte wolle zunächst noch nicht an die Dialyse. Sie arbeite noch in ihrem 80 %-

Pensum, doch bestehe eine drohende Invalidität. Mit Schreiben vom 5. Mai 2010 

(act. 117) brachte die Versicherte weitere Korrekturen am Triageprotokoll an. Mit der 

Einschätzung des Arztes sei sie nicht einverstanden. Er empfehle keine Diät und 

behandle sie nicht medikamentös, sondern wolle, dass sie an die Dialyse komme.

A.h Am 6. Mai 2010 (act. 114) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der 

Versicherten mit, ihr Leistungsgesuch betreffend berufliche Massnahmen werde abge­

wiesen. Sie sei angemessen eingegliedert.

A.i Mit Vorbescheid vom 14. Mai 2010 (act. 118 f.) stellte die 

Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres 

Rentengesuchs in Aussicht. Der Invaliditätsgrad betrage 20 % (Valideneinkommen 

Fr. 75'000.--, Invalideneinkommen Fr. 60'000.--).

A.j Die Versicherte wandte am 9. Juni 2010 (act. 123) ein, eine Invalidität könne 

angesichts der nicht selbst verschuldeten gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht mit 

Recht abgelehnt werden. Ihr Gesundheitszustand habe sich seit einigen Jahren ver­

schlechtert. Gemäss dem Attest des Kantonsspitals vom 1. Juli 2009 habe ihre Niere 

weniger als 20 % Funktion gebracht. Am 1. November 2009 habe ihr Kreatininwert bei 

358 gelegen. Mit Schreiben vom 12. Juni 2010 (act. 124) stellte die Versicherte Fragen 

zur Bedeutung der protokollierten Angaben.

A.k Mit Verfügung vom 1. Juli 2010 (act. 126) wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-

Stelle den Rentenanspruch der Versicherten ab.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.l Die Versicherte erhob dagegen Beschwerde (act. 131-2 ff.) und beantragte unter 

anderem die Ausrichtung einer Rente und eine rückwirkende "Teilrente" von 30 % für 

die Zeit von 1986 bis 2010 (samt Verzugszins). Der Erwerbsausfall betrage 80.65 % 

(berechnet auf Nettolohnbasis; Fr. 78'000.-- Jahreseinkommen im Beruf; Fr. 15'093.-- 

Einkommen bei 80 % Pensum und 30 % Einsatz in einer Ersatztätigkeit). Seit einer 

Medikamentenumstellung im Jahr 2003 arbeite ihr Transplantat immer schlechter. Zur­

zeit arbeite die Niere noch zu 14 %. Sie sei müde und erschöpft, leide an 

Darmblähungen und Gliederschmerzen und ihre Konzentration sei eingeschränkt. 

Gemäss dem Bundesamt für Sozialversicherungen gebe es in der Schweiz 1'785 

Nierenpatienten, von denen 685 eine Teil- und 1'100 eine ganze Rente bekämen. Mit 

Eingabe vom 1. September 2010 erklärte die Beschwerdeführerin, sie beantrage die 

Rentenleistung ab dem 1. Januar 2010. - Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle 

beantragte eine Abweisung der Beschwerde (act. 142). - In der Replik (act. 145-2 f.) 

brachte die Versicherte vor, sie halte es für unverständlich, dass sie mit einer 

Organfunktion von nur noch 10 % einen Invaliditätsgrad von 20 % aufweisen sollte, 

während sie nach der Transplantation bei einer Organfunktion von 100 % einen 

Invaliditätsgrad von 33.3 % gehabt habe. Sie habe ihre Mitwirkungspflicht erfüllt. Allein 

die berufliche Eingliederung betreffend wünsche sie keine Unterstützung durch die IV. 

Wie dem beigelegten Arztzeugnis zu entnehmen sei, sei sie ab dem 20. September 

2010 bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben. Sie erlaube das Einholen 

ihrer Krankengeschichte vom Kantonsspital nicht. Sie habe sich dazu entschieden, den 

Arzt zu wechseln und die Krankengeschichte nicht weiterleiten zu lassen. Im Brief von 

Dr. B.___ habe sie bestätigt gefunden, dass sie im Kantonsspital Medikamente erhalten 

habe, die sich mit den Immunsuppressiva nicht vertrügen. Weil sie im Hinblick auf eine 

mögliche Dialyse eine Behandlung am Kantonsspital benötige, habe sie von dort die 

Erklärung betreffend die Verwendung von Daten für statistische Zwecke 

zurückverlangt. Sie dulde keine Tests. - In dem beigelegten ärztlichen Zeugnis vom 

21. September 2010 (act. 145-5) hatte Dr. med. D.___, Allgemeine Medizin FMH, 

bestätigt, dass die Beschwerdeführerin ab 20. September 2010 voll arbeitsunfähig sei. 

- Die Verfügung vom 1. Juli 2010 wurde mit Entscheid des Versicherungsgerichts des 

Kantons St. Gallen vom 9. Dezember 2010 (act. 154) aufgehoben und die Sache zu 

ergänzenden Abklärungen an die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle zurückgewiesen. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit der Versicherten würden sich aufgrund der 

vorhandenen spärlichen Unterlagen nicht ausreichend zuverlässig beurteilen lassen. 

A.m  Am 3. Dezember 2010 (act. 152) hatte eine private Versicherungseinrichtung die 

Versicherte zur Früherfassung angemeldet. Sie sei seit dem 8. September 2010 voll 

arbeitsunfähig.

A.n Die Arbeitgeberin gab am 21. Februar 2011 (act. 161) an, die Versicherte sei in 

einem Pensum von 80 % angestellt. Seit dem 1. Januar 2010 erziele sie einen Jahres­

lohn von Fr. 52'000.--. Seit dem 8. September 2010 sei sie zu 100 % arbeitsunfähig.

A.o In einem Arztbericht vom 12. April 2011 (act. 164) gab die Abteilung Hämodialyse 

am Kantonsspital St. Gallen an, die Versicherte sei vom 21. bis 24. Dezember 2010 

hospitalisiert gewesen. Nun erfolge regelmässig dreimal pro Woche Hämodialyse. Es 

bestünden bei ihr eine Refluxnephropathie seit Kindheit (seit Dezember 2010 nach 

Transplantatversagen wieder an Hämodialyse), eine Anpassungsstörung mit reaktiver 

Depression, akzentuierte Persönlichkeitszüge, eine hypertensive Herzkrankheit, eine 

Struma nodosa und eine rezidivierende Hyperbilirubinämie unklarer Genese. Als 

Aussendienstmitarbeiterin/Büroangestellte sei sie seit September 2010 zu 100 % 

arbeitsunfähig; zuvor sei sie seit unbestimmter Zeit zu 80 % arbeitsunfähig gewesen. 

Zurzeit sei auch eine behinderungsangepasste Tätigkeit nicht möglich. Aufgrund der 

nephrologischen Diagnose bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit von 60 % (ge­

meint wohl: eine Arbeitsunfähigkeit von 60 %), denn an den Tagen mit Dialyse, d.h. an 

drei Tagen pro Woche, sei die Versicherte nicht arbeitsfähig. Ca. sechs Stunden seien 

durch die Behandlung selbst mit An- und Abreise blockiert. Und nach der Behandlung 

mit dem für die Patienten sehr anstrengenden Verfahren würden oft Schwächegefühl, 

Konzentrationsstörungen, Schwindel und Kopfschmerzen auftreten. An Tagen ohne 

Dialyse seien der Versicherten körperlich altersentsprechende Tätigkeiten grundsätzlich 

möglich (d.h. im Ergebnis zu 40 %). Konzentrations- und Auffassungsvermögen, An­

passungsfähigkeit und Belastbarkeit seien im Rahmen psychiatrischer Diagnosen ein­

geschränkt. Nach Auskunft der Abteilung für Psychosomatik, wo die Versicherte eben­

falls behandelt werde, bestehe auch an Tagen ohne Dialyse Arbeitsunfähigkeit; das sei 

aber auf der betreffenden Abteilung zu erfragen.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.p Der RAD hielt am 30. Mai 2011 (act. 170) dafür, die Pensenreduktion auf 80 % ab 

Januar 2003 könnte medizinisch nachvollzogen werden.

A.q Der Fachbereich Psychosomatik am Kantonsspital St. Gallen gab in einem 

Arztbericht vom 28. Juli 2011 (act. 181) als Diagnosen eine wahnhafte Störung, eine 

Dysthymie mit rezidivierenden Exazerbationen und eine Dialyse-pflichtige 

Nierenerkrankung an. Die Versicherte sei vom 5. Oktober 2004 bis 3. März 2005 

behandelt worden, dann wieder am 23. Mai 2006, am 16. Juli 2008 und am 12. Mai 

2009. Nun sei eine Hospitalisation in der Klinik E.___ notwendig geworden. Es sei 

davon auszugehen, dass die Versicherte seit einigen Jahren nicht mehr arbeitsfähig sei.

A.r  Dr. B.___ erklärte in einem Arztbericht vom 18. August 2011 (Eingang SVA; 

act. 191), die Versicherte, welche er seit Mitte Juli 2011 behandle, sei zurzeit voll 

arbeitsunfähig. Sie komme dreimal wöchentlich zur Dialyse. Ausserdem bestünden eine 

Anämie und ein schlecht eingestellter arterieller Hypertonus. Dazu komme die psy­

chische Einschränkung, die er nicht quantifizieren könne. Es bestehe eine Persönlich­

keitsstörung und die Versicherte weigere sich, ihm Einblick in die psychiatrischen Akten 

zu geben.

A.s Der RAD berichtete am 9. September 2011 (act. 196), die Versicherte sei sowohl in 

der angestammten wie einer leidensadaptierten Tätigkeit voll arbeitsunfähig. Die lang­

dauernde Krankheit habe in der Kindheit begonnen. Die Transplantatniere funktioniere 

nach Abstossung nicht mehr. Die Versicherte gehe dreimal wöchentlich an die Hämo­

dialyse. Zurzeit sei sie hospitalisiert. Eventuell müsse eine Nebenschilddrüsen-Ope­

ration durchgeführt werden. Aufgrund der Persönlichkeitsstörung sei die 

Kommunikation mit der Versicherten stark gestört. Sollte sich der Gesundheitszustand 

verbessern, werde ohne Transplantation eine Einschränkung von mindestens 50 % 

bestehen bleiben. Die Aktenverweigerung gegenüber den Behandelnden aufgrund der 

Persönlichkeitsstörung verhindere eine optimale Betreuung.

A.t  Am 15. Januar 2012 gab Dr. med. F.___, Innere Medizin und Nierenerkrankungen 

FMH, in einem Arztbericht (act. 222) bekannt, die Versicherte stehe seit dem 

26. November 2011 in seiner Behandlung; vorher habe die Nephrologie der Klinik G.___ 

sie behandelt. Es handle sich um "chron. HD-Behandlung/Wo". Die Versicherte sei in 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

ihrer Tätigkeit als gelernte Aussendienstverkäuferin/Büroangestellte (ohne Berufs­

ausbildung) seit dem 8. September 2010 wegen allgemeiner Schwächezustände bei 

chronischer Nierenersatztherapie voll arbeitsunfähig. Die Frage, in welchem Umfang 

und seit wann eine behinderungsangepasste Tätigkeit mit welchem Belastungsprofil 

möglich sei, liess er offen, hingegen benannte er für verschiedene bezeichnete 

Aktivitäten (z.B. Tätigkeiten im Sitzen, Bücken, Knien, Heben/Tragen - obwohl Zumut­

barkeit grundsätzlich verneint) die Dauer, während welcher sie pro Tag zumutbar seien. 

Die höchste Dauer ergab sich mit vier Stunden pro Tag für wechselbelastende Tätig­

keiten (für sie als einzige Kategorie wurde Zumutbarkeit auch grundsätzlich bejaht) und 

für vorwiegend im Gehen ausgeübte Tätigkeiten. Uneingeschränkt seien Konzentra­

tions- und Auffassungsvermögen sowie Anpassungsfähigkeit. Eingeschränkt sei hin­

gegen die Belastbarkeit (Leistungsintoleranz). Diese Angaben hätten seit Dezember 

2010 Geltung. Mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit könne nicht gerechnet werden.

A.u Die Arbeitgeberin erklärte am 16. Februar 2012 (Eingang SVA; act. 229), es sei vor­

gesehen, das Arbeitsverhältnis auf Ende August 2012 aufzulösen; es bestehe weiterhin 

volle Arbeitsunfähigkeit.

A.v Der RAD stellte sich am 29. Februar 2012 (act. 232) auf den Standpunkt, eine 

leidensadaptierte Tätigkeit scheine gemäss dem Bericht von Dr. F.___ an vier Stunden 

pro Tag ohne wesentliche Einschränkungen zumutbar zu sein. Diese Arbeitsfähigkeit 

von 50 % gelte theoretisch seit Dezember 2010. Eine Steigerung könnte allenfalls eine 

weitere Transplantation bringen, die aber derzeit nicht zur Diskussion stehe. Die 

zumutbaren Therapien seien offenbar wieder in Gang. Zurzeit würden weitere 

Abklärungen nicht weiterhelfen.

A.w   Mit Vorbescheid vom 16. März 2012 (IV-act. 235 f.) wurde der Versicherten die 

Zusprechung einer Viertelsrente ab 1. Mai 2011 mit Erhöhung auf eine halbe Rente ab 

1. August 2011 in Aussicht gestellt. Sie sei ab dem 4. Mai 2010 in 

rentenbegründendem Ausmass arbeitsunfähig. Nach Ablauf des Wartejahres seien es 

im Durchschnitt 40 % gewesen, weshalb ab Mai 2011 eine Viertelsrente zugesprochen 

werden könne. Zum Zeitpunkt des Rentenbeginns sei sie zu 50 % erwerbsunfähig 

gewesen (Valideneinkommen Fr. 73'164.--, Invalideneinkommen Fr. 36'582.--), weshalb 

nach drei Monaten ab 1. August 2011 Anspruch auf eine halbe Rente bestehe.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.x Mit Einwand vom 18. April 2012 (act. 238) beantragte die Versicherte ab Mai 

2011 eine ganze Rente. Sie verwies auf beigelegte Arztberichte. So hatte etwa das 

Departement Innere Medizin, Nephrologie/Transplantationsmedizin am Kantonsspital 

St. Gallen am 23. Juni 2011 (act. 238-14 f.) einer Privatversicherung berichtet, die 

Dialysebedürftigkeit (die Dialyse werde seit Dezember 2010 wieder durchgeführt; 

damals Transplantatversagen) führe zu einer Arbeitsunfähigkeit von 60 %, doch sei die 

Versicherte aufgrund der psychiatrischen Diagnosen als zu 100 % arbeitsunfähig zu 

betrachten. Es werde regelmässig dreimal wöchentlich Hämodialyse durchgeführt und 

die Versicherte werde zusätzlich regelmässig durch die Ärzte der Psychosomatik 

betreut. Dr. med. H.___, Facharzt für Innere Medizin FMH, spez. Nierenkrankheiten, 

hatte am 2. April 2012 (act. 238-16) erklärt, die Versicherte benötige dreimal pro Woche 

an dreieinhalb Stunden Dialysetherapie. Sie sei stark geschwächt und könne auch 

leichte Arbeiten nicht ausführen. Deshalb sei eine "100 %-IV-Rente" angezeigt.

A.y Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle holte daraufhin einen Arztbericht von 

Dr. H.___ ein. Dieser verwies auf einen Arztbericht von Dr. B.___ (vom 18. August 

2011), namentlich auch auf dessen Arbeitsfähigkeitsschätzung. Der ärztliche Befund 

sei gleich geblieben. Mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit der Versicherten könne 

nicht gerechnet werden. Er behandle die Versicherte seit dem 1. Februar 2012 (nach 

Dr. F.___; act. 242).

A.z Nachdem der RAD am 8. Juni 2012 (act. 243) darauf hingewiesen hatte, dass die 

Verneinung der Möglichkeit von Eingliederungsmassnahmen durch Dr. H.___ im Wider­

spruch zur Beurteilung der Dres. B.___ und F.___ stehe, und dass aus arbeits- und 

versicherungsmedizinischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % für die ange­

stammte und adaptierte Arbeiten auszugehen sei, wie sie aus dem Bericht von 

Dr. F.___ hervorgehe, eine Arbeitsfähigkeit nämlich, die bei Dialysierten bis zur 

Transplantation üblich sei, sprach die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Ver­

sicherten mit einer Verfügung vom 19. Juli 2012 (act. 251; in zwei Teilen) ab 1. Mai 

2011 eine Viertelsrente und ab 1. August 2011 eine halbe Rente der IV zu. Es könne 

von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ausgegangen werden. Wäre die Versicherte im 

hypothetischen Gesundheitsfall als Mitarbeiterin auf Provisionsbasis im Aussendienst 

eines kleineren Verlags im Bereich Information und Werbung tätig geblieben, hätte sie 

aus wirtschaftlichen Gründen bei der allgemeinen Entwicklung der Verlagsbranche 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

zuletzt deutlich weniger verdient als in den Spitzenjahren 2000 und 2001 (damals 

Fr. 97'000.--). Es sei daher auf die Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2008 zurück­

zugreifen, wonach Frauen im Bereich Verlag/Druck/Vervielfältigung mit Anforderungs­

niveau 3 Fr. 68'904.-- verdient hätten, bezogen auf die zutreffende Arbeitszeit und auf 

das Jahr 2009 Fr. 73'164.--.

B.   

Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 7. September 2012 

(Poststempel: 10. September 2012). Die Beschwerdeführerin beantragt, dass ihre 

Arbeitsunfähigkeit von 100 % anerkannt werde. Während den Jahren mit dem 

Transplantat habe sie sich optimal verhalten (bezüglich Zuverlässigkeit in der 

Medikamenteneinnahme, gesundheitsbewussten Verhaltens), so dass dieses nicht bis 

zu zehn, sondern fast 25 Jahre lang habe im Einsatz sein können. Es habe ihr sehr gut 

gefallen, dass sie damals so viel Kraft gehabt habe und ihren Beruf habe ausüben 

können. Zuletzt habe sie noch in den Jahren 1998 bis 2000 in ihrem Beruf arbeiten und 

im Durchschnitt Fr. 94'700.-- verdienen können. Im Jahr 2000 sei es ihr immer 

schlechter gegangen. Seit sie nicht mehr im Beruf arbeiten könne, sei sie schon mit 

leichter Büroarbeit überfordert gewesen. Seit September 2010 habe sie wegen 

ständiger Müdigkeit, Gelenkschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten auch die 

(damalige) Tätigkeit nicht mehr ausüben können. Krankheitsbedingt hätten sich immer 

mehr unnötige Fehler eingeschlichen, während sie doch gern sehr gute Arbeit 

abgeliefert hätte. Da sei es nicht mehr gegangen. Sie müsse dreimal pro Woche an die 

Hämodialyse. Seither bzw. seit sie im September 2010 voll arbeitsunfähig geworden 

sei, habe sich ihr Gesundheitszustand noch verschlechtert. Nach der Dialyse gehe es 

ihr jeweils viel schlechter als unmittelbar davor. Sie sei dann extrem müde, ihr sei 

schwindlig und sie habe Kopfschmerzen und manchmal Muskelkrämpfe. Ihr Einwand 

gegen den Vorbescheid sei nur ungenügend berücksichtigt worden. - Am 

18. September 2012 beantragt die Beschwerdeführerin zusätzlich einen Verzugszins 

von 5 %.

C.   

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Die Beschwerdegegnerin hat am 2. November 2012 mitgeteilt, sie habe am 26. Oktober 

2011 die Psychiatrische Klinik E.___ (aufgrund einer dort im Jahr 2011 durchgeführten 

Behandlung der Beschwerdeführerin) um Zustellung von Unterlagen ersucht und be­

antrage daher eine Fristerstreckung zur Erstattung der Beschwerdeantwort. Mit 

Eingabe vom 10. Dezember 2012 hat sie um eine weitere Erstreckung ersucht.

D.   

Am 4. Januar 2013 hat die Beschwerdegegnerin eine Sistierung des Verfahrens be­

antragt. Die Beschwerdeführerin habe ihr den Bericht der Klinik trotz Mahnung noch 

nicht ausgehändigt. Sobald sie dies tue, werde sie (die Beschwerdegegnerin) mitteilen, 

ob sie an der Verfügung festhalten oder sie wegen eines weiteren Abklärungsbedarfs 

widerrufen wolle.

E.  

In ihrer Beschwerdeantwort vom 21./25. Februar 2013 beantragt die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die im Bericht des 

Kantonsspitals erwähnten Diagnosen einer Anpassungsstörung mit reaktiver 

Depression und akzentuierter ängstlich-histrionischer Persönlichkeitszüge begründeten 

mangels invalidisierender Wirkung keine IV-rechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit. Die 

Beschwerdeführerin sei zwar in der Psychiatrischen Klinik behandelt worden, eine 

länger dauernde Behandlung habe aber offenbar nicht stattgefunden. Wenn eine 

anhaltende wahnhafte Störung im Vordergrund stehe, wie es der Bericht des 

Kantonsspitals vom 28. Juli 2011 vermuten lasse, so lasse das noch nicht auf eine 

anhaltende Arbeitsunfähigkeit von 100 % aus psychischen Gründen schliessen, zumal 

der Bericht von Dr. F.___ vom 12. Januar 2012 keine Hinweise enthalte, die auf eine 

schwerwiegende psychische Erkrankung hindeuten würden. Unter diesen Umständen 

sei in antizipierter Beweiswürdigung zu schliessen, dass mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit zu keinem Zeitpunkt eine so ausgeprägte Psychopathologie 

vorgelegen habe, die es der Beschwerdeführerin verunmöglicht hätte, ab Dezember 

2010 eine Erwerbstätigkeit von 50 % auszuüben. Die erwerblichen Auswirkungen der 

ab Dezember 2010 anzunehmenden Arbeitsunfähigkeit von 50 % und die Bestimmung 

der Vergleichseinkommen seien im Verfügungsteil 2 dargelegt worden.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

F.  

Die Beschwerdeführerin hat am 18. März 2013 auf die Erstattung einer Replik ver­

zichtet. - Zum Hinweis vom 16. April 2013 auf eine mögliche reformatio in peius (in 

Form einer Rückweisung zur ergänzenden Abklärung) und auf die Möglichkeit zum 

Rückzug der Beschwerde hat sie innert Frist keine Stellungnahme eingereicht. 

Erwägungen:

1.

1.1  Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Nach dem davor (bis 

31. Dezember 2007) in Kraft gewesenen Recht entsteht der Rentenanspruch frühestens 

nach Ablauf der Wartezeit (aArt. 29 Abs. 1 IVG). Meldet sich eine versicherte Person 

mehr als zwölf Monate nach Entstehen des Anspruchs an, so werden die Leistungen 

nach aArt. 48 Abs. 2 IVG für die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate aus­

gerichtet. Nach dem neuen, ab 1. Januar 2008 geltenden Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht 

der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der Geltend­

machung des Leistungsanspruchs. - Die Beschwerdegegnerin hat die angefochtene 

Verfügung am 19. Juli 2012, also unter der Geltung des Rechts dieser Revision, er­

lassen. Zu beurteilen ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses 

dieser Verfügung entwickelt hat. Dieser Sachverhalt reicht in eine Zeit vor Inkrafttreten 

der 5. IV-Revision zurück, so dass zu entscheiden ist, ob sich der Rentenbeginn nach 

altem oder nach neuem Recht richte. Die 5. IV-Revision enthält keine die Rente be­

treffende übergangsrechtliche Bestimmung. Das Bundesamt für Sozialversicherungen 

unterstellt aber in Bezug auf den Rentenbeginn zu Recht eine ausfüllungsbedürftige 

Lücke (vgl. das Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007). Die Definition der 

Sachverhalte, auf die noch altes Recht anwendbar sein soll, sollte durch ein materiell­

rechtliches, unbeeinflussbares Merkmal (also nicht etwa durch den Zeitpunkt der An­

meldung) erfolgen (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/

S M. vom 28. Oktober 2009, IV 2009/5). Gemäss dem erwähnten IV-Rundschreiben gilt 

altes Recht, wenn der Versicherungsfall gemäss altem Recht (im Folgenden zitiert) vor 

dem 1. Januar 2008 eingetreten (d.h. die Wartezeit mit anschliessender Erwerbs­

unfähigkeit vor dem 1. Januar 2008 bereits abgelaufen) ist. Das ist (im Unterschied zur 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Übergangsregelung in Fällen, da die Wartezeit erst im Jahr 2008 erfüllt wurde; vgl. BGE 

138 V 475 E. 3.3.1, Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S 

F. vom 25. März 2011, IV 2009/425 E. 3.1) unbestritten (vgl. auch Entscheid des Ver­

sicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S J. vom 8. März 2013, IV 2011/31). Wie es 

sich mit dem Eintritt des Versicherungsfalls vorliegend verhält, wird zu erwägen sein. 

Für die Invaliditätsbemessung als solche hat sich keine Änderung der Rechtslage er­

geben.

1.2  Mit der angefochtenen Verfügung vom 19. Juli 2012 hat die Beschwerdegegnerin 

der Beschwerdeführerin ab 1. Mai 2011 eine Viertelsrente und ab 1. August 2011 eine 

halbe Rente zugesprochen.

2.  

2.1  Nach Art. 28 IVG (in der vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2007 gültig ge­

wesenen wie der auf den 1. Januar 2008 hin geänderten Fassung) besteht der An­

spruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 

70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei 

einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente 

und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.

2.2  Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei 

ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung 

gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid 

geworden wäre (Valideneinkommen). Da nach empirischer Feststellung in der Regel die 

bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist 

Anknüpfungspunkt für die Bestimmung des Valideneinkommens grundsätzlich der 

letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der Teuerung und 

der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (vgl. 

Bundesgerichtsentscheid i/S. K. vom 23. März 2009, 8C_515/2008).

2.3  Im Fall einer rückwirkenden Rentenfestsetzung ist es unter Umständen notwendig, 

den Invaliditätsgrad für verschiedene zurückliegende Zeitabschnitte nach Massgabe 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

der jeweiligen Erwerbsunfähigkeit unterschiedlich hoch zu bemessen (vgl. BGE 

106 V 16; BGE 109 V 125).

3.  

3.1  Aus dem IK-Auszug geht hervor, dass die Beschwerdeführerin bei ihrer letzten 

Arbeitgeberin von 1992 bis 1999 jährlich steigende Einkommen erzielt hat. Im Jahr 

1999 handelte es sich um ein Jahreseinkommen von Fr. 97'906.--. Im Folgejahr 2000 

lag das Einkommen nochmals bei Fr. 97'378.--. Danach ging das Erwerbseinkommen 

bis 2003 jährlich merklich zurück (bis auf damals Fr. 46'702.--) und stabilisierte sich in 

den Jahren 2004 bis 2006 bei Fr. 51'197.-- bzw. Fr. 52'581.--. Der 

Arbeitgeberbescheinigung vom 15. März 2010 (act. 102) lässt sich entnehmen, dass 

die Beschwerdeführerin bis Ende 2001 als Aussendienstverkäuferin tätig gewesen sei, 

seither (bei fliessendem Übergang) als Verlagssekretärin, seit 2003 noch zu 80 %. Ein 

Grund für den Wechsel des Arbeitsbereichs und die Pensenreduktion wird im 

Arbeitgeberbericht nicht erwähnt.

3.2  Die Beschwerdeführerin hat sich wie erwähnt im Dezember 2008 an die Invaliden­

versicherung gewandt. Sie machte im Verfahren geltend, sie habe wegen einer Ver­

schlechterung des Gesundheitszustands in den vergangenen Jahren ihre angelernte 

Tätigkeit im Aussendienst nicht mehr und die daraufhin aufgenommene Büroarbeit 

nicht mehr voll ausüben können. Die Beschwerdegegnerin nimmt gemäss 

Beschwerdeantwort an, die Beschwerdeführerin sei ab Dezember 2010 zu 50 % 

arbeitsunfähig.

3.3  Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen 

von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 

beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher 

Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind im 

Weiteren eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeits­

leistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 f. 

E. 4; ZAK 1982 S. 34).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.4  Als früheste hier relevante ärztliche Äusserung liegt eine solche der Abteilung 

Nephrologie am Kantonsspital St. Gallen vom 1. Juli 2009 in Beantwortung einer 

Anfrage der Beschwerdeführerin vor, wonach ihr Transplantat im Dezember 2008 noch 

zu 19 % gearbeitet habe. Der RAD nahm am 5. Januar 2010 - ohne eigene Unter­

suchung der Beschwerdeführerin, wohl aufgrund der Angabe der Abteilung 

Nephrologie und eigener Erfahrung - an, eine Arbeitsfähigkeit von 50 % wäre unter 

korrekter Dialyse denkbar. Dr. B.___ und Dr. C.___ haben gemäss zwei 

Gesprächsprotokollen des RAD am 7. Januar 2010 angegeben, unter Dialyse sollte der 

Beschwerdeführerin eine (im Ausmass nicht bestimmte) Teilarbeitsfähigkeit möglich 

werden. Dr. B.___ hatte der Beschwerdeführerin ausserdem am 1. Dezember 2009 

mitgeteilt, ihre Nierenleistung liege noch bei 10 bis 15 %. Es sei nach seinem 

Dafürhalten mit einer Rente von 50 %, eventuell auch von 100 % zu rechnen. Eine 

eigentliche Arbeitsfähigkeitsangabe wurde zwar nicht abgegeben, doch nahm der Arzt 

damals (rund ein Jahr nach der Meldung der Beschwerdeführerin bei der IV) offenbar 

eine rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit an.

3.5  Auch wenn bis anhin Arztberichte aus der Zeit bis Juli 2009 fehlen, so liegt nun mit 

der Beurteilung der Abteilung Hämodialyse am Kantonsspital St. Gallen vom 12. April 

2011, wonach die Beschwerdeführerin als Aussendienstmitarbeiterin/Büroangestellte 

vor September 2010 seit einem unbekannten Datum zu 80 % arbeitsunfähig gewesen 

sei (IV-act. 164-2), ein (wenn auch erst einige Zeit später geschaffener) Anhaltspunkt für 

eine möglicherweise schon länger andauernde Arbeitsunfähigkeit der Beschwerde­

führerin vor. Der Fachbereich Psychosomatik am Kantonsspital St. Gallen gab in einem 

Arztbericht vom 28. Juli 2011 (act. 181) im Übrigen an, es sei davon auszugehen, dass 

die Beschwerdeführerin seit einigen Jahren nicht mehr arbeitsfähig sei (tatsächlich hat 

sie allerdings bis September 2010 jedenfalls noch teilweise Arbeit geleistet). Vom 

5. Oktober 2004 bis 3. März 2005 stand die Beschwerdeführerin dort einmal in psychi­

atrischer Behandlung. Der RAD hat am 30. Mai 2011 (act. 170) dafürgehalten, die 

Pensenreduktion auf 80 % ab Januar 2003 könne medizinisch nachvollzogen werden. 

Eine Arbeitsunfähigkeit von (mindestens) 20 % ab 2003 erscheint denn auch plausibel.

3.6  Die Beschwerdeführerin hat nicht nur im Jahr 2003 ihr Pensum reduziert, sondern 

auch ab 2000 den angestammten Tätigkeitsbereich als Aussendienstverkäuferin all­

mählich verlassen. Es kann nach Lage der Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

davon ausgegangen werden, dass (nebst der Pensenreduktion) auch dieser Wechsel 

der Beschäftigung aus gesundheitlichen Gründen erforderlich war (für den 

Aussendienst also weitreichende - eventuell zunehmende - Arbeitsunfähigkeit bestand) 

und dass ferner die im IK-Auszug abgebildete, 80 % überschreitende Lohnreduktion 

Ausdruck des tieferen (einzig noch zumutbaren) Lohnniveaus als Verlagssekretärin (und 

also nicht konjunkturell begründet) war.

3.7  Der altrechtliche Eintritt des Rentenfalls wird durch Art. 29 Abs. 1 IVG (in der bis 

31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung) geregelt. Der Rentenanspruch entsteht 

danach (abgesehen von der hier nicht anwendbaren lit. a) frühestens in dem Zeitpunkt, 

in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war (lit. b). 

Die einjährige Wartezeit gilt als eröffnet, sobald eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 

20 % vorliegt (AHI 1998 S. 124 E. 3c). Im Rahmen des Art. 29 Abs. 1 IVG nicht an­

wendbar ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts der Grundsatz, dass bei 

langdauernder Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf - oder sobald klar wird, dass 

die Wiederaufnahme der bisher ausgeübten Tätigkeit nicht mehr in Frage kommt - nach 

Ablauf einer gewissen Übergangsfrist auch zumutbare Tätigkeiten in einem andern 

Beruf zu berücksichtigen sind. Bei der Anwendung der genannten Bestimmung ist aus­

schliesslich die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zu betrachten (Ent­

scheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S S. vom 23. Oktober 2003, 

I 392/02, vgl. BGE 130 V 99 E. 3.2, bereits unter Hinweis auf den künftigen Art. 6 ATSG; 

Bundesgerichtsentscheid i/S P. vom 27. Dezember 2007, 9C_684/07). Auch vor der 

Anmeldung liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit sind zu berücksichtigen (ZAK 1966 

S. 58; Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 1. A. 1997, S. 238; 

BGE 117 V 26 E. 3b; BGE 121 V 264; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungs­

gerichts i/S C. vom 2. März 2000, I 307/99). Da der Wechsel der Beschäftigung zeitlich 

unbestimmt ist (weil er fliessend erfolgte), rechtfertigt es sich, darauf abzustellen, dass 

die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit jedenfalls ab 1. Januar 2003 eine 

volle war. Ein Wartejahr konnte demnach erstmals am 1. Januar 2004 ablaufen. - Nebst 

der durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit während des Wartejahres ist für einen 

Rentenanspruch erforderlich, dass anschliessend eine rentenbegründende Invalidität 

vorliegt. Zusammen mit der Pensenreduktion um 20 % ab Januar 2003 erlitt die 

Beschwerdeführerin ab jenem Zeitpunkt insgesamt einen krankheitsbedingten 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 18/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erwerbsausfall, der 40 % erreichte (bzw. überschritt). Denn in den beiden Jahren vor 

dem Beginn der internen beruflichen Umstellung, 1999 und 2000, hatte sie im 

Durchschnitt Fr. 97'642.-- verdient. Dieses Einkommen kann als Valideneinkommen 

2000 betrachtet werden. Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist 

grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns 

abzustellen (BGE 129 V 222), vorliegend somit auf das Jahr 2004, da in jenem Jahr die 

Wartezeit ablief. Im Jahr 2004 erzielte die Beschwerdeführerin ein tatsächliches 

Einkommen von Fr. 51'197.--, das unter den gegebenen Umständen als Ausdruck des 

Invalideneinkommens 2004 betrachtet werden kann. Das um die 

Nominallohnentwicklung der Frauenlöhne von 2000 auf 2004 (2'360/ 2'190 gemäss T39 

Lohnentwicklung 2011 des Bundesamtes für Statistik) angepasste Valideneinkommen 

betrug Fr. 105'222.--, so dass ein rentenbegründender Invaliditätsgrad (von 51.3 %) 

bestand. Berufliche Massnahmen, die diesen hätten senken können, waren nicht 

verfügbar. Es entstand somit ab 1. Januar 2004 (Ablauf des Wartejahres) ein Anspruch 

auf eine halbe Rente, allerdings ohne Auszahlungsanspruch (vgl. E. 3.8). Der 

Versicherungsfall gemäss altem Recht ist vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision 

eingetreten. In den folgenden Jahren änderten sich die Verhältnisse zunächst nicht 

wesentlich.

3.8  Hier liegt eine IV-Anmeldung vom 29. Dezember 2008 (act. 52) vor (so schon der 

Entscheid vom 9. Dezember 2010). Dabei handelt es sich demnach um eine verspätete 

Anmeldung im Sinn von aArt. 48 Abs. 2 IVG. Der Anspruch auf eine halbe Rente kann 

ab 1. Dezember 2007 ausbezahlt werden. 

4.  

4.1  Nach der Aktenlage ist, was die weitere Sachverhaltsentwicklung betrifft, ausge­

wiesen, dass die Beschwerdeführerin am Ende des Jahres 2008 eine schlechte 

Nierenfunktion aufwies und dann dialysebedürftig wurde (zunächst ohne 

entsprechende Behandlung). Es ist hernach im Dezember 2010 zu einem 

Transplantatversagen und zur Aufnahme der Dialyse gekommen. Schon ab September 

2010 wurde der Beschwerdeführerin von Dr. D.___ (im September 2010) in einem 

ärztlichen Zeugnis eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bescheinigt. Eine volle 

Arbeitsunfähigkeit attestierten ihr später Dr. B.___ (im August 2011) und Dr. H.___ (im 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 19/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

April 2012). Sowohl die Abteilung Hämodialyse (im April 2011; act. 164) wie das 

Departement Innere Medizin, Nephrologie/Transplantationsmedizin, am Kantonsspital 

St. Gallen (im Juni 2011; act. 238-14 f.) beschrieben eine somatisch bedingte 

Arbeitsunfähigkeit von 60 % und gingen unter Hinweis auf die Abteilung 

Psychosomatik am Kantonsspital St. Gallen davon aus, dass die Arbeitsfähigkeit über 

dieses Ausmass hinaus aus psychischen Gründen eingeschränkt sei, so dass 

insgesamt eine volle Arbeitsunfähigkeit vorliege. Diese Abteilung hat im Arztbericht 

vom 28. Juli 2011 dargelegt, es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin 

seit einigen Jahren nicht mehr arbeitsfähig sei (act. 181).

4.2  Nach der Einschätzung des RAD liegt allerdings ab Dezember 2010 eine Arbeits­

unfähigkeit der Beschwerdeführerin von 50 % vor. Diese Arbeitsunfähigkeit sei bei 

dialysierten Patienten bis zur Transplantation üblich und ergebe sich aus dem Bericht 

von Dr. F.___. Dieser Arzt hatte am 15. Januar 2012 zwar ebenfalls erklärt, die 

Beschwerdeführerin sei als Aussendienstverkäuferin/Büroangestellte seit dem 

8. September 2010 und bis auf weiteres wegen allgemeiner Schwächezustände bei 

chronischer Nierenersatztherapie voll arbeitsunfähig. Für die Zeit ab Dezember 2010 

hatte er jedoch für verschiedene bezeichnete Aktivitäten angegeben, wie lange sie der 

Beschwerdeführerin je zumutbar seien. Wechselbelastende (und vorwiegend im Gehen 

ausgeübte, diese allerdings unter "zumutbar": nein) Tätigkeiten hielt er je an vier 

Stunden pro Tag für möglich. In welchem Umfang eine behinderungsangepasste Tätig­

keit insgesamt möglich sei, gab der Arzt nicht an. Diese Darlegungen von Dr. F.___ 

deuten zwar darauf hin, dass nach seiner Beurteilung in einer adaptierten Tätigkeit eine 

gewisse Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vorhanden wäre. Weshalb die Be­

schwerdeführerin in einer Bürotätigkeit allerdings (gleichzeitig) voll arbeitsunfähig sein 

sollte, ist in sich nicht ohne weiteres nachvollziehbar. Dazu kommt, dass Dr. F.___ 

einzig die Auswirkungen der Niereninsuffizienz in seine Einschätzung einbezogen hat.

4.3  Dass (relevante) Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischen 

Gründen nicht bestünden, wie es die Beschwerdegegnerin vorbringt, lässt sich bei der 

gegebenen Aktenlage ebenfalls nicht von vornherein bestätigen. Auch bei den Diag­

nosen einer Anpassungsstörung mit reaktiver Depression und akzentuierter ängstlich-

histrionischer Persönlichkeitszüge können unter Umständen invalidisierende Wirkungen 

vorliegen. Dass eine längerdauernde psychiatrische Behandlung nicht stattgefunden 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 20/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

habe, ist möglicherweise mit der diesbezüglichen Zurückhaltung der Beschwerde­

führerin zu erklären (vgl. act. 181-2 Ziff. 1.5). Zwar hat Dr. F.___ (als Nierenspezialist) in 

seinem Arztbericht keine Hinweise auf eine psychische Erkrankung der 

Beschwerdeführerin angebracht, doch tat dies - was insofern mehr Gewicht hat - die 

spezialärztliche Fachstelle (Fachbereich Psychosomatik am Kantonsspital St. Gallen). 

Der Fachbereich Psychosomatik bezeichnete die Erkrankung im Bericht vom 28. Juli 

2011 als erheblich und bescheinigte der Beschwerdeführerin aufgrund einer 

wahnhaften Störung und einer Dysthymie mit rezidivierenden Exazerbationen eine volle 

Arbeitsunfähigkeit.

4.4  Es lässt sich somit festhalten, dass das Nierenleiden der Beschwerdeführerin nach 

der Aktenlage eine Arbeitsunfähigkeit zu einem Teil bewirkt. Noch am 23. Juni 2011 hat 

das Departement Innere Medizin, Nephrologie/Transplantationsmedizin am Kantons­

spital St. Gallen diese mit 60 % angegeben. Ab 26. November 2011 wurde die Hämo­

dialyse (nach weiteren Behandlungsstellen) durch Dr. F.___ durchgeführt, ab 1. Februar 

2012 durch Dr. H.___. Gemäss Dr. H.___ dauert die Dialyse dreieinhalb Stunden und 

findet dreimal pro Woche statt. Es ist möglich, dass damit weiterhin ein Ausfall an 

Arbeitskraft an drei ganzen Tagen verbunden war, auch wenn das nicht so festgehalten 

wurde. Der Arztbericht von Dr. F.___, der auf eine leicht grössere Arbeitsfähigkeit 

hindeuten könnte, ist wie erwähnt als solcher erklärungsbedürftig.

4.5  Was den psychiatrischen Aspekt (wahnhafte Störung und Dysthymie bzw. An­

passungsstörung mit reaktiver Depression und akzentuierte ängstlich-histrionische 

Persönlichkeitszüge) betrifft, liegen erhebliche Anhaltspunkte vor, welche auf eine 

dadurch bewirkte länger dauernde vollständige Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. 

Der letzte Kontakt des Fachbereichs Psychosomatik zur Beschwerdeführerin hatte 

zwar bereits zwei Jahre vor dem Arztbericht, am 12. Mai 2009 (vor dem 

Transplantatversagen und der Dialysebehandlung), stattgefunden, was den Beweiswert 

der Einschätzung für den Sachverhalt in der jüngeren Zeit grundsätzlich in Frage stellt. 

Indessen war der Fachbereich offenbar in Kenntnis des Befundes der Psychiatrischen 

Klinik, in welcher die Beschwerdeführerin im Juli 2011 - wenn auch eventuell nur kurz­

zeitlich - hospitalisiert war. Danach sei die gesundheitliche Situation der Beschwerde­

führerin damals nicht "einstellbar" gewesen. Das wiederum hebt den Beweiswert der 

Beurteilung für die damalige Zeit. Den Bericht der Psychiatrischen Klinik einzuholen, 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 21/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

gelang bis anhin nicht. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die ängstliche depressive 

Symptomatik der Beschwerdeführerin nach Angaben des Fachbereichs Psychosomatik 

am Kantonsspital St. Gallen noch 2004/2005 recht gut behandelbar gewesen war. Sie 

hatte ihre Arbeit damals (wenn auch mit geändertem Tätigkeitsfeld) trotzdem noch 

weiterführen können. Entgegen der Auffassung des Fachbereichs Psychosomatik war 

sie gemäss den Akten somit nicht bereits seit Jahren arbeitsunfähig. Zumindest im Juli 

2011 war die Therapierbarkeit allerdings nach der Aktenlage gering gewesen. Auf eine 

ergänzende Abklärung des Sachverhalts ab September 2010 ist indessen zu 

verzichten, wie sich aus dem Folgenden ergibt.

5.

5.1  Es kann davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin von 

September 2010 bis zur Aufnahme der Dialyse im Dezember 2010 voll arbeitsunfähig 

war. Die vorhandene Aktenlage deutet in der Folge auf eine medizinische 

Arbeitsunfähigkeit aus somatischen Gründen von 60 % und auf eine möglicherweise 

psychiatrisch bedingt noch weiterreichende Arbeitsunfähigkeit hin. Es kann aber ohne 

weiteres davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin insgesamt auch ab 

Dezember 2010 jedenfalls nicht weniger als zu 50 % - auf welche die 

Beschwerdegegnerin abstellt - arbeitsunfähig war.

5.2  In erwerblicher Hinsicht ist nicht ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführerin 

ihre beruflichen Kenntnisse auch nach Eintritt bzw. Verschlechterung des Gesundheits­

schadens noch weiter einzusetzen vermag, weshalb in Erwägung gezogen werden 

könnte, ihr Invalideneinkommen nicht anhand der statistischen durchschnittlichen 

Löhne für einfache und repetitive Tätigkeiten, sondern anhand des Durchschnitts im 

Lohnniveau 3 zu bestimmen. Immerhin in der nach Eintritt der gesundheitlichen 

Beeinträchtigung aufgenommenen Tätigkeit als Verlagssekretärin (deren Zumutbarkeit 

allerdings fraglich ist) hat sie ein Lohnniveau erreicht, das etwa auf diesem Niveau lag. 

Im Jahr 2008 hat sie mit dem 80 %-Pensum Fr. 56'304.-- verdient, was bei 100 % 

Fr. 70'380.-- entsprach. Im statistischen Mittel konnten Frauen im Jahr 2008 mit 

Tätigkeiten im privaten Sektor, bei denen Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt 

waren (d.h. Niveau 3), nämlich gemäss Tabelle T1 der Schweizerischen 

Lohnstrukturerhebung LSE 2008 des Bundesamtes für Statistik Fr. 64'992.-- (12x 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 22/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fr. 5'416.--) erzielen, was bei einer betriebsüblichen durchschnittlichen Arbeitszeit im 

Jahr 2008 von 41.6 Stunden (statt 40 Stunden) pro Woche den Betrag von Fr. 67'592.-- 

ergibt.

5.3  Selbst bei dem (nach Lage der gegenwärtig vorhandenen Akten eher über­

stiegenen) Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50 % und selbst wenn das Invalideneinkommen 

ausserdem anhand der Tabellenlöhne des Niveaus 3 und erst noch ohne jegliche 

Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn bestimmt würde, ergäbe sich für die 

Beschwerdeführerin ein Anspruch auf eine ganze Rente. Denn das 

Invalideneinkommen würde sich schon in diesem Fall auf Fr. 33'796.-- stellen und im 

Vergleich zum Valideneinkommen 2008 von Fr. 111'419.-- (Fr. 97'642.-- x 2'499/2'190 

gemäss T39 Lohnentwicklung 2011 des Bundesamtes für Statistik) würde ein 

Invaliditätsgrad von rund 70 % erreicht. Ob die Arbeitsunfähigkeit 50 % überschreite, 

der Beschwerdeführerin nur noch Tätigkeiten auf dem Lohnniveau 4 zumutbar seien 

und gegebenenfalls wie hoch ein angemessener Abzug sei, kann offen bleiben. Der 

Invaliditätsgrad beträgt jedenfalls mindestens 70 %.

5.4  Die Verschlechterung des Gesundheitszustands und der Leistungsfähigkeit ist für 

September 2010 (8. bzw. 20. September) ausgewiesen, so dass der Rentenanspruch 

gemäss Art. 88a Abs. 2 IVV auf den 1. Januar 2011 hin zu erhöhen ist. Nach dieser Be­

stimmung ist eine anspruchsbeeinflussende Änderung bei einer Verschlechterung der 

Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei 

Monate angedauert hat.

6.

Mit Eingabe vom 18. September 2012 beantragte die Beschwerdeführerin zusätzlich 

einen Verzugszins von 5 %. Darüber hat die Beschwerdegegnerin bis anhin weder 

verfügt noch eine Stellungnahme abgegeben. Zuständigkeitshalber ist ihr das Gesuch 

zu überweisen.

7.

7.1  Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung vom 19. Juli 2012 teilweise zu schützen. Der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 23/23

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdeführerin ist im Sinn der Erwägungen ab 1. Dezember 2007 eine halbe 

Rente auszurichten, ab 1. Januar 2011 besteht Anspruch auf eine ganze Rente. Das 

Gesuch um Verzugszins ist zuständigkeitshalber zu überweisen.

7.2  Es rechtfertigt sich, bei diesem Verfahrensausgang von einem Unterliegen der Be­

schwerdegegnerin auszugehen und ihr die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrens­

aufwand und unabhängig vom Streitwert festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1  IVG), 

gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Eine Entscheidgebühr von 

Fr. 600.-- erscheint angemessen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der 

Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.  

Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 

VRP entschieden:

1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 

19. Juli 2012 aufgehoben.

2. Der Beschwerdeführerin ist im Sinn der Erwägungen ab 1. Dezember 2007 eine 

halbe Rente auszurichten und ab 1. Januar 2011 besteht Anspruch auf eine ganze 

Rente.

3. Das Gesuch um Verzugszins in der Eingabe vom 18. September 2012 wird 

zuständigkeitshalber der Beschwerdegegnerin überwiesen.

4. Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen.

5. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird der Beschwerdeführerin zurück­

erstattet.

bis

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 09.07.2013
	Art. 28 und 29 Abs. 1 IVG. Ablauf Wartejahr; Invaliditätsbemessung bei langjähriger Erkrankung bzw. Teilarbeitsunfähigkeit (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. Juli 2013, IV 2012/331).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T10:35:09+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen