# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0ab0b4be-32e0-5710-ab4c-7630bd69122a
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-01
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Obergericht 3. Abteilung O3V-19-10
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_OG_003_O3V-19-10_nodate.pdf

## Full Text

Beschwerdeführer A. ______  

 
vertreten durch: RA AA. ______ 
 

 
Vorinstanz Versicherung B. ______  

 
 
Gegenstand Integritätsentschädigung der Unfallversicherung 

Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der Versicherung B. 
______  vom 11. Januar 2019 

 
  

Obergericht Appenzell Ausserrhoden   
3. Abteilung 
 

Urteil vom 18. Februar 2020  
 

Mitwirkende Obergerichtsvizepräsident W. Kobler 
Oberrichterin D. Sieber 
Oberrichter H.P. Fischer, F. Windisch, E. Zingg 
Obergerichtsschreiber M. Giger 
 
 

Verfahren Nr. O3V 19 10 
 
 

Sitzungsort Trogen 
 

Seite 2 

Rechtsbegehren 

 

a) des Beschwerdeführers: 

 1. Der Einspracheentscheid vom 11. Januar 2019 sei teilweise aufzuheben (Ziff. 1 Abs. 2) 

und dem Beschwerdeführer eine Integritätsentschädigung von mindestens 35% 

zuzusprechen. 

 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (inkl. MWST) zulasten der Beschwerde-

gegnerin. 

 

 

b) der Vorinstanz: 

 Die Beschwerde sei abzuweisen und der Einspracheentscheid vom 11. Januar 2019 sei zu 

bestätigen. 

 

 

 

Sachverhalt 

 
A. Der am XX.XX.1981 geborene A. ______ war seit Februar 2005 als Bauarbeiter bei der C. 

______ angestellt und dadurch bei der Versicherung B. ______ obligatorisch gegen die 

Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 1. Oktober 2014 erlitt er im 

Rahmen seiner Arbeit einen Unfall. Während einer Betonlieferung mit einem Traktor und 

einem Hakenabrollkipp-Anhänger geriet die gekippte Mulde, die ein Gewicht von rund 1.5 

Tonnen hatte, in Bewegung, und der Versicherte, welcher sich zwischen der Mulde und 

einem Filterbetonhaufen befand, wurde dadurch während rund einer Minute eingeklemmt 

(act. 6.1; act. 6.50). Die Versicherung B. ______ gewährte ab dem 4. Oktober 2014 ihre 

Versicherungsleistungen (act. 6.5). 

 

B. Am 3. Oktober 2017 erfolgte eine kreisärztliche Untersuchung durch Dr. C. ______, 

Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie (vgl. act. 6.252). Gestützt auf dessen 

Erkenntnisse setzte die Versicherung B. ______ in ihrer Verfügung vom 17. Januar 2018 

die Erwerbseinbusse auf 34% und den Integritätsschaden auf 25% fest (act. 6.275). Nach 

erfolgter Einsprache seitens des durch RA AA. ______ vertretenen Versicherten gab die 

Versicherung B. ______ bei D. ______ ein Gutachten in Auftrag, welches am 12. 

November 2018 geliefert wurde (act. 6.318). Gestützt auf die nämliche Beurteilung erliess 

die Versicherung B. ______ am 11. Januar 2019 ihren Einspracheentscheid, in welchem 

sie auf einen Erwerbsunfähigkeits-grad von 62% und einen Integritätsschaden von 25% 

erkannte (act. 6.324). 

Seite 3 

 

C. Mit Eingabe vom 14. Februar 2019 erhob A. ______ (nachfolgend: der Beschwerdeführer), 

vertreten durch RA AA. ______, Beschwerde beim Obergericht des Kantons Appenzell 

Ausserrhoden und stellte das eingangs aufgeführte Rechtsbegehren (act. 1). In ihrer 

Vernehmlassung vom 6. Mai 2019 beantragte die Versicherung B. ______ die Abweisung 

der Beschwerde (act. 5). Die Replik des Beschwerdeführers folgte am 20. Juni 2019 (act. 

9), die Duplik der Versicherung B. ______ am 14. August 2019 (act. 12). 

 

D.  Die Parteien verzichteten auf eine mündliche Verhandlung. 

 

E.  Nachdem den Parteien das vorliegende Urteil eröffnet wurde, verlangte der 

Beschwerdeführer innert Frist eine schriftliche Begründung (act. 15). 

 

 

 

Erwägungen 

 

1. Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes 

vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht als kantonales Versi-

cherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen. Die örtliche Zu-

ständigkeit ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG). 

 

Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen 

ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der 

Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. März 

1981 über die Unfallversicherung [UVG, SR 832.20] i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und 

Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes vom 9. September 2002 

über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]).  

 

Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

 

 

2. Streitig und zu prüfen ist einzig die Höhe der Integritätsentschädigung, welche dem 

Beschwerdeführer von der Versicherung B. ______ im Zusammenhang mit dem 

Unfallereignis vom 1. Oktober 2014 zugesprochen wurde.  

 

  

Seite 4 

3. 3.1 

 Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene 

Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung 

der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädi-

gung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden 

Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und wird entsprechend 

der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art. 25 Abs. 1 UVG). 

 

3.2 

Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von 

dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift 

bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während 

des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die 

körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder 

stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsent-

schädigung die Richtlinien des Anhanges 3. Fallen mehrere körperliche oder geistige 

Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die 

Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung festgesetzt (Abs. 3). Die den 

einzelnen Schädigungen entsprechenden Prozentzahlen werden zusammengezählt. Nach 

der Addition ist eine Gesamtwürdigung vorzunehmen und zu beurteilen, ob das Ergebnis im 

Vergleich mit anderen Integritätsschäden im Anhang 3 UVV ein gerechtes und 

verhältnismässiges sei (RKUV 1998 Nr. U 296 S. 236). 

 

3.3 

Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der Integritäts-

schäden aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala 

(BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typische Schäden prozentual gewichtet 

(RKUV 2004 Nr. U 514 S. 416). Für die darin genannten Integritätsschäden entspricht die 

Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des 

versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht 

aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert 

abgeleitet (Ziff. 1 Abs. 2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5% nicht erreichen, 

geben keinen Anspruch auf Entschädigung (Ziff. 1 Abs. 3). Die völlige Gebrauchsunfähig-

keit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser 

Gebrauchsunfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die 

Entschädigung jedoch ganz entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5% des 

Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (Ziff. 2). 

 

Seite 5 

3.4 

Die Medizinische Abteilung der Versicherung B. ______ hat in Weiterentwicklung der 

bundesrätlichen Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. 

Feinraster) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar 

keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als Ziff. 1 von 

Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Prozentsatz des 

Integritätsschadens für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten 

wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die 

Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 

zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a). 

 

3.5 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die 

streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die 

geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben 

worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung 

der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten 

begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). 

 

 

4. 4.1  

a) Eine erste Beurteilung des Integritätsschadens erfolgte am 3. Oktober 2017 durch Dr. C. 

______, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie. Dem nämlichen Bericht 

(act. 6.252) ist folgendes zu entnehmen: 

 

„Drei Jahre nach dem Unfall ist die Situation stabilisiert, wobei die körperliche unfallkausale 

Schädigung erheblich ist. Die Voraussetzungen für die Schätzung eines Integritäts-

schadens sind gegeben. Der Wert beträgt 25%. Angesichts der multiplen, im Einzelnen 

grösstenteils wenig bedeutenden Unfallfolgen ist die Schätzung des Integritätsschadens 

herausfordernd, vor allem weil diese einzelnen Verletzungen weder gesetzlich bezüglich 

Integritätsschaden geregelt noch im Tabellenwerk der Versicherung B. ______ über die 

Integritätsentschädigung im UVG erwähnt sind. Die Hauptproblematik ist in der 

Weichteilsituation mit insbesondere den ausgedehnten Vernarbungen zu erkennen. Eine 

globale Schätzung ist entsprechend nicht zu vermeiden, wobei diesbezüglich auf Tabelle 7 

über die Integritätsentschädigung bei Wirbelsäulenaffektionen abzustellen ist. Strukturell ist 

die Schädigung am Becken nach versorgter Verletzung nicht mehr erheblich, insbesondere 

auch ohne erhebliche Schädigung der linken Hüfte. Die kleine Teilnekrose am Oberpol der 

Niere links ist funktionell auch ohne Bedeutung. 

Seite 6 

 
Die Tabelle 7 gibt als absolut höchste Schädigung ausgehend von der Wirbelsäule den 

Wert von 50% an, dies bei Invalidisierung, was hier nicht erreicht ist. Der grösstmögliche 

Wert bei massivster Schmerzhaftigkeit und grösstmöglicher Fehlstellung der Wirbelsäule 

nach Frakturen wird mit 30% angegeben. Bei Schädigungen der Wirbelsäule mit 

neurologischen Ausfällen, kombiniert sensibel und motorisch, wird als Höchstwert 40% 

angegeben. Auch unter Einberechnung der rein sensiblen Störung des Nervus cutaneus 

femoris lateralis rechts (die keiner erheblichen neurogenen Schädigung entspricht) sind 

angesichts der Schmerzen und der funktionellen Einschränkungen dermassen hohe Werte 

nicht erreicht. 

 
In dieser Situation ist eine Integritätsentschädigung von 25% anzunehmen. Gemäss 

Tabelle 7 entspricht dies einem Zustand mit starken Dauerschmerzen ohne mögliche 

Zusatzbelastung, sowohl tagsüber als auch nachts und in Ruhe, mit langer Erholungszeit 

bei geringer Fehlstellung der Wirbelsäule. Die bei der kreisärztlichen Untersuchung 

festgestellte Schmerzhaftigkeit ist deutlich geringer, wird aber kompensiert durch die 

übrigen Komponenten der Unfallfolgen. 

 

4.2 

a) Dem D. _______ Gutachen vom 12. November 2018 (act. 6.318) mit den 

Fachdisziplinen Orthopädie/Traumatologie (Schwergewicht) und Neurologie, auf welchem 

der angefochtene Versicherung B. ______-Entscheid in medizinischer Hinsicht letztlich 

basiert, sind folgende unfallkausalen Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu 

entnehmen: 

 

 Unfall vom 1. Oktober 2014 mit massiver Einklemmung des Körpers und Quetschtrauma 

thoracopelvin mit 

1. Open-Book-Verletzung des Beckens […] 

2. Diverse Wirbelfrakturen […] 

3. Perineale, vom Skrotumansatz bis knapp an den After reichende RQW […] 

4. Traumatische Dissektion der Oberpolnierenarterie links […] 

5. Nebennierenlazeration links 

6. Dislozierte Frakturen der 10. bis 12. Rippe links dorsal 

 

b) Die Gutachter fassten die Beschwerdeproblematik wie folgt zusammen: 

„Der Versicherte hat sich im Rahmen des Unfalls vom 1. Oktober 2014 eine schwere 

strukturelle Verletzung throrakopelvin zugezogen, mit aktuell führenden Folgen der Open-

Book-Verletzung des Beckens mit ISG-Sprengung links, lateraler oberer Schambeinast-

Seite 7 

fraktur mehrfragmentär, in die Acetabulumvorderwand einstrahlend, disloziert, mehrfrag-

mentären unteren Schambeinastfrakturen bds., undislozierter oberer Schambeinastfraktur 

rechts in die Symphyse einstrahlend. 

Während die orthopädisch strukturellen Verletzungen durch die durchgeführten 

Interventionen gut behandelt werden konnten und strukturell weitgehend gut abgeheilt sind, 

persistieren die Folgen der beim Unfall erlittenen Schädigungen der Weichteile mit 

anzunehmenden Vernarbungen und glaubhaft geschilderten persistierenden Schmerzen. 

Daneben ist es zu einer objektivierbaren Schädigung diverser peripherer Nerven 

gekommen.“ 

  

c) Im Zusammenhang mit der Beurteilung des Integritätsschadens führten die Gutachter 

folgendes aus: 

 

„Seitens der Versicherung B. ______ wurde eine Integritätsentschädigung von 25% 

gesprochen. Dieser Wert ist aus aktueller Sicht zu schützen. (…) Die gegenwärtigen 

Beschwerden sind bei radiologisch weitgehender Abheilung der Frakturen primär auf die im 

Rahmen des Quetschtraumas schwer geschädigten Weichteile  zurückzuführen. Derartige 

Verletzungen sind allerdings in den Versicherungs B. ______ -Tabellen kaum abgebildet. 

Eine Herangehensweise kann die Einordnung in die Versicherungs B. ______  Tabelle 7 

(Integritätsschaden bei Wirbelsäulenaffektionen) sein. Beim Patienten bestehen leichte bis 

deutliche Dauerschmerzen der LWS, welche bei Belastung massiv exazerbieren. Der 

Integritätsschaden für die Wirbelsäule bewegt sich bei dieser Betrachtung zwischen 5 und 

20%. Da doch deutlich mehr als «++= geringe Dauerschmerzen» vorhanden sind, jedoch 

nur recht wenige Nachtschmerzen (Kriterium für +++) bestehen, scheint ein 

Integritätsschaden für die LWS von 10% angemessen. Die Beschwerden im Beckenbereich 

sind ebenfalls auf das schwere Weichteiltrauma im Rahmen des Unfalls und der 

nachfolgenden Operation zu sehen (sic!). Die Versicherungs B. ______ -Tabellen bilden 

Folgeschäden nach Beckenaffektionen, ausser der Coxarthrose, nicht ab. Unter diesem 

Aspekt wären wiederum rund 10% zu veranschlagen. 

 

Die Läsion des N. cutaneus femoralis lateralis beidseits und die anzunehmende Läsion der 

Rami cutanei anteriores rechts entsprechen einer Schädigung von rein sensiblen Ästen des 

N. femoralis. Lähmungen der N. femoralis innervierten Muskelgruppen liegen nicht vor. Die 

in Versicherungs B. ______ -Tabelle 2 aufgeführte N. femoralis Lähmung, die auf 25% 

beziffert wird, kann in diesem Fall bei Abwesenheit einer motorischen Affektion nicht 

vollumfänglich herange-zogen werden. Bezüglich der linksseitigen Schädigung des N. 

obturarius mit konsekutiver Lähmung der linksseitigen Adduktorengruppe ist ein 

anhaltender Integritätsschaden ausgewiesen. Der Nerv entspringt dem Plexus lumbalis (L2-

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4) und innerviert motorisch mit dem Ramus anterior den Musculus adductor brevis (kann 

als Variante auch vom Ramus posterior innerviert werden), den Musculus adductor longus, 

den Musculus gracilis und den Musculus pectineus (zusammen mit dem Nervus femoralis). 

Über den Ramus cutaneus des Ramus anterior wird ein umschriebener Hautbereich am 

medialen Oberschenkel sensibel innerviert. Über den Ramus posterior werden der 

Musculus obturatorius externus und der Musculus adductor magnus (zusammen mit dem 

Nervus tibialis) versorgt. Da durch die Läsion als funktionell relevantes Residuum eine 

Lähmung der Adduktorengruppe resultierte und daraus nur beim Gehen auf unebenen, 

rutschigen Flächen eine Gehbehinderung resultiert, beim Gehen auf ebenen, befestigten 

Flächen aber lediglich ein etwas breitbasiges, leicht unharmonisch wirkendes Gangmuster 

besteht, ohne dass dabei die Gehfähigkeit oder das Treppensteigen signifikant 

eingeschränkt wären, muss im Quervergleich mit dem Vollbild einer N. femoralis Lähmung 

(L1-L4), die in der Versicherungs B. ______ -Tabelle 2 mit 25% beziffert wird, bei der es 

aber zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Gehfähigkeit und des Treppensteigens durch 

eine Parese des M. iliopsoas (Hüftbeugung) und M. quadriceps femoris (Kniestreckung) 

kommt, ein Abzug bei isolierter N. obturatorius Läsion vorgenommen werden. In einem 

weiteren Quervergleich mit einer N. peroneus Schädigung, die mit 10% beziffert wird, und 

zu einer Lähmung der Fuss- und Zehenhebung führt, ist die N. obturatorius Läsion und ihre 

Auswirkungen näher am Integritätsschaden bei Peroneuslähmung als bei dem Vollbild 

einer Femoralislähmung anzusiedeln. Bei einer Peroneuslähmung ist das Gangbild auf 

ebenem Grund beeinträchtigt und wird ohne Hilfsmittel durch einen Steppergang 

kompensiert. Insbesondere beim Gehen auf unebenen Flächen akzentuiert sich die 

Gangstörung mit zunehmend erhöhter Sturz- und Stolpergefahr. Bei einer 

Femoralislähmung hingegen kann – je nach Ausprägung – eine Gehunfähigkeit aufgrund 

des instabilen Kniegelenks resultieren, was aber bei der Peroneuslähmung und bei der 

N. obturatorius Lähmung in der Regel nicht der Fall ist, oder zumindest durch Anpassung 

des Gangbildes kompensiert werden kann. Daher ist im Quervergleich die N. obturatorius 

Läsion mit 10% zu beziffern. 

 

Im Hinblick auf die neuropathischen Schmerzen (N. cutaneus femoralis lateralis und Rami 

anteriores n. femoralis) muss im Quervergleich die Tabelle 7 Wirbelsäulenverletzungen 

herangezogen werden. Bei mässigen Beanspruchungsschmerzen, bei in Ruhe eher selten 

vorhandenen Schmerzen und bei rascher Erholung innert max. 48 Stunden kann ein 

zusätzlicher Integritätsschaden von 5 - 10% angenommen werden. Die neuralgierformen 

Schmerzen am rechten Oberschenkel werden nur bei Belastung (forcierter Hüftbeugung) 

ausgelöst und halten nur Sekunden an. Nächtliche neuropathische Dauerschmerzen sind 

nicht gegeben. Auch die sensiblen Reizsymptome im Autonomgebiet des N. cutaneus 

femoralis lateralis werden nur durch lokale Reize (Berührung/Kälte) ausgelöst und es liegt 

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kein neuropathischer Dauerschmerz vor, zumindest basierend auf den aktuellen Angaben 

des Exploranden. Somit ist in Bezug auf die neuropathische Schmerzsymptomatik bei 

Läsion o.g. sensibler Äste des N. femoralis ein Integritätsschaden von 5% ausgewiesen.“ 

 

4.3 

a) Der Beschwerdeführer stellt sich zunächst auf den Standpunkt, den Gutachtern sei bei 

der Gesamtberechnung ein Versehen unterlaufen, weil der Integritätsschaden für die 

Beschwerden im Becken, entsprechend 10%, untergegangen sei. Der betreffende 

Prozentsatz sei zusätzlich zu den 25% zu berücksichtigen, womit sich total ein 

Integritätsschaden von mindestens 35% ergebe. 

 

b) Vorliegend geht das D. ______ Gutachten letztlich von 3 verschiedenen 

Integritätsschäden aus. Die Schäden von 10% entsprechend der N. obturatorius Läsion und 

jene von 5% entsprechend der neuropathischen Schmerzsymptomatik bei Läsion der 

sensiblen Äste des N. femoralis können dabei im Ergebnis als unbestritten gelten. Was die 

im ersten Abschnitt genannten Beschwerden (Dauerbeschwerden der LWS; Beschwerden 

im Beckenbereich) betrifft, mag es aus sprachlicher Sicht auf den ersten Blick etwas 

missverständlich erscheinen, dass das Gutachten, nachdem es für die LWS-Beschwerden 

einen Wert von 10% festhielt, bezüglich der Beckenbeschwerden erklärte, es seien 

„wiederum“ 10% zu veranschlagen. Der Versicherung B. ______  ist schlussendlich aber 

darin zuzustimmen, dass das Gutachten mit dieser Aussage nicht meinte, es seien 2 x 10% 

= 20% zu berücksichtigen. Die Versicherung B. ______ erklärt zutreffend, dass es im 

betreffenden Abschnitt einheitlich um jene Schäden geht, die spezifisch auf das 

Weichteiltrauma zurückzuführen sind. Im letzten Absatz des ersten Abschnitts stellt der 

zuständige Gutachter ausdrücklich die Verbindung her zwischen LWS- und 

Beckenbeschwerden, indem er schreibt, die Beschwerden im Beckenbereich seien 

„ebenfalls“ als Folge des schweren Weichteiltraumas zu sehen. Diese „Verbindung“ wird 

noch bestätigt durch die Diagnosestellung im orthopädischen Teilgutachten (S. 80) sowie in 

der Rubrik „Residuen“ im Gesamtgutachten (S. 11), wo es jeweils heisst, aus 

orthopädischer Sicht bestünden persistierende, primär weichteilbedingte chronische 

Schmerzen LWS, Becken, Beine bds. (vgl. S. 80). Auch daran ist zu erkennen, dass laut 

Gutachten die Beschwerden, die auf einer Vernarbung der Weichteile beruhen, als Einheit 

zu betrachten sind, sei es nun, dass sich die Schmerzen in der LWS oder im Becken 

manifestieren. Mit seinem „wiederum“ wollte der Gutachter letztlich also nur ausdrücken, 

dass sich aufgrund derselben Kategorisierung der LWS- und der Beckenschmerzen am 

Teilergebnis von 10% nichts ändert.  

 

Seite 10 

c) Ergibt also nur schon die genaue Lektüre des Gutachtens, dass die 10% nicht gleichsam 

„doppelt“ zu veranschlagen sind, spricht andererseits auch die vom Gutachten verwendete 

Systematik eindeutig gegen das Vorliegen für den vom Beschwerdeführer behaupteten 

Rechnungsfehler. Das Gutachten folgt einem klaren Aufbau, indem im ersten Abschnitt 

jene Schäden wiedergegeben sind, die grundsätzlich Ausfluss der Disziplin der Orthopädie 

sind, während die Abschnitte zwei und drei spezifische neurologische Integritätsschäden 

beschlagen (vgl. diesbezüglich auch die Diagnoseliste im neurologischen Teilgutachten, S. 

58 f.). Sodann ist mit der Versicherung B. ______ darauf hinzuweisen, dass im Gutachten 

das Teilergebnis für die einzelnen Integritätsschadens-Posten jeweils fett unterlegt wurde; 

spätestens hier wäre den Gutachtern ihr angebliches Versehen sicherlich aufgefallen. 

Ebenfalls gegen ein Versehen spricht die Tatsache, dass die Gutachter nach den einzelnen 

Abschnitten mit den jeweiligen Integritätsschadens-Posten einen Leerschlag gemacht 

haben. 

 

d) Der Beschwerdeführer hält den von der D. ______ gesamthaft bezifferten 

Integritätsschaden insbesondere auch mit Blick auf die frühere Beurteilung des 

Integritätsschadens durch den Versicherung B. ______-Kreisarzt Dr. C. ______ nicht 

nachvollziehbar. Dr. C. ______ sei ebenfalls zum Ergebnis eines Integritätsschadens von 

25% gelangt, wobei laut dessen Ansicht die Schädigung am Becken aber nicht mehr 

erheblich sei, womit diesbezüglich eine Abweichung zum D. _______ Gutachten bestehe. 

Im Übrigen hätten die D. ______-Gutachter den von der Versicherung B. ______ 

ermittelten Gesamtwert von 25% letztlich aber ausdrücklich gestützt. Wenn nun also die 

Becken-schädigung beim Kreisarzt keinen Niederschlag gefunden habe, bei der D. ______ 

hingegen schon, müssten die 10% auch zusätzlich vergütet werden. 

 

e) Dem Beschwerdeführer ist nicht zu folgen. Versicherung B. ______-Kreisarzt Dr. C. 

______ hatte, wie oben dargelegt, erklärt, die Hauptproblematik sei in der Weichteilsituation 

mit insbesondere den ausgedehnten Vernarbungen zu erkennen. (…) Strukturell sei die 

Schädigung am Becken nach versorgter Verletzung nicht mehr erheblich, insbesondere 

auch ohne erhebliche Schädigung der linken Hüfte. Anhand dieser Betrachtung wird 

deutlich, dass Dr. C. ______ die Beschwerden im Becken genau gleich würdigte wie die D. 

______, welche ebenfalls auf die gute Verheilung der Strukturen im Becken hingewiesen 

und die verbliebenen Schmerzen als Folge der Vernarbung der Weichteile gedeutet hatte. 

An dieser Stelle sei im Übrigen noch erwähnt, dass sich die D. ______ mit ihrer Aussage, 

der von der Versicherung B. ______ ursprünglich angenommene Wert von 25% sei zu 

schützen, nur auf den Wert als solchen bezog. Sie äusserte sich dabei jedoch mit keinem 

Wort zu einzelnen Begründungen des Kreisarztes. Wenn also der Beschwerdeführer noch 

geltend macht, die Störung des Nervus cutaneus femoris lateralis rechts entspreche laut 

Seite 11 

Kreisarzt keiner erheblichen neurogenen Schädigung, derweil die D. ______ diesbezüglich 

unter Beizug der Versicherungs B. ______ Tabelle 2 einen Integritätsschaden anerkannt 

habe, ist dies insoweit unbeachtlich, als sich eine entsprechende prozentmässige Erhöhung 

des Integritätsschadens dadurch nicht rechtfertigen lässt. Gerade was das Fachgebiet der 

Neurologie anbelangt, erweist sich die Beurteilung der D. ______ als ungleich fundierter 

und differenzierter als jene von Dr. C. ______. Dies dürfte nicht unwesentlich mit dem 

Umstand zusammenhängen, dass bei der D. ______-Begutachtung – anders als bei der 

kreisärztlichen Untersuchung – eine neurologische Fachärztin mitgewirkt hatte. Im 

Vergleich zur D. ______, welche im Detail erläuterte, welche einzelnen Komponenten zu 

dem gesamthaft bezifferten Integritätsschaden von 25% führten, wirken die vom Kreisarzt 

genannten 25% allzu pauschal. Gesamthaft vermögen die Einschätzungen des Kreisarztes 

jedenfalls keinerlei Zweifel an der D. ______-Beurteilung zu erwecken. 

 

 

5. Bestehen nach dem Gesagten keine Gründe, um von der Schätzung des 

Integritätsschadens gemäss Gutachen abzuweichen, konnte die Vorinstanz ohne weiteres 

darauf abstellen. Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich im Ergebnis als 

rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt. Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. 

a ATSG). Dem unterliegenden Beschwerdeführer steht keine Parteient-schädigung zu (Art. 

61 lit. g ATSG e contrario). Für die Zusprechung einer Partei-entschädigung an die 

obsiegende Vorinstanz fehlt eine gesetzliche Grundlage (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 

3. Aufl. 2015, N. 199 zu Art. 61 ATSG; SUSANNE BOLLINGER, in: Basler Kommentar, 

Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, 2020, N. 77 zu Art. 61 ATSG). 

 

  

Seite 12 

Demnach erkennt das Obergericht:   
 
 
1. Die Beschwerde von A. ______  wird abgewiesen. 
 
 
2. Es werden keine Kosten erhoben. 
 
 
3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 
 
 
4. Rechtsmittel:  
 Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit der Zustellung Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten erhoben werden. Die Zulässigkeit einer solchen Beschwerde 
richtet sich nach Art. 82 ff. Bundesgerichtsgesetz (BGG, SR 173.110). Die Beschwerde ist 
beim Schweizerischen Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, schriftlich einzu-
reichen. Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Be-
weismittel und die Unterschrift zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Be-
weismittel angerufenen Urkunden sind - soweit vorhanden - beizulegen (Art. 42 BGG). Die 
Beschwerde hat in der Regel keine aufschiebende Wirkung (Art. 103 BGG). 

 
 
5. Zustellung an den Beschwerdeführer über dessen Rechtsvertreter, die Vorinstanz und das 

Bundesamt für Sozialversicherungen. 
 
 
 
 
Im Namen der 3. Abteilung des Obergerichts 
 
 
Der Obergerichtsvizepräsident: 

 

lic. iur. Walter Kobler 

Der Obergerichtsschreiber: 

 

lic. iur. Marc Giger 

 
 
versandt am: 9. April 2020