# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 85036fa8-3d83-589f-bfec-f33dd303b51f
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-05-05
**Language:** de
**Title:** Natur- und Heimatschutz. Genossenschaftliche Wohnsiedlung "Seebahn" Zürich.
**Docket/Reference:** BRGE I Nr. 0061/2017
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_i_nr._0061-2017_vom_5._mai_2017__seebahn_.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
1. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE I Nr. 

R1S.2016.05116 
0061/2017 

Entscheid vom 5. Mai 2017 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Bruno Grossmann, Baurichter Claude Reinhardt, Bau-
richter Walter Baumann, Gerichtsschreiberin Anna Frey     

in Sachen 

Rekurrent 

Zürcher Heimatschutz ZVH, Eichstrasse 29, 8045 Zürich  

gegen 

Rekursgegner 

1.  Stadtrat von Zürich, Stadthaus, 8022 Zürich  

Mitbeteiligte 

2.  BEP Baugenossenschaft des eidgenössischen Personals, Imfeldstras-

se 60, 8037 Zürich  

betreffend 

Beschluss  des  Stadtrates  von  Zürich  vom  24.  August  2016;  Verzicht  auf 
Unterschutzstellung und Entlassung aus dem Inventar Vers.-Nr. 26404197, 
Kat.-Nr.  AU4074,  Erismannstrasse  31-41,  Kanzleistrasse  160,  162,  See-
bahnstrasse 221-231 und Stauffacherstrasse 195 und 197, Zürich 4 - Aus-
sersihl 
______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit Beschluss vom 24. August 2016 verzichtete der Stadtrat von Zürich auf 

die Unterschutzstellung der Wohnsiedlung "Seebahn" auf der Parzelle Kat.-

Nr. AU4074  an  der  Erismannstrasse  31  -  41,  Kanzleistrasse  160,  162, 

Seebahnstrasse  221  -  231  und  Stauffacherstrasse  195,  197,  in  Zürich  4  - 

Aussersihl, und verfügte deren suspensiv-bedingte Entlassung aus dem In-

ventar  der  kunst-  und  kulturhistorischen  Schutzobjekte  von  kommunaler 

Bedeutung, sobald aufgrund einer rechtskräftigen Baubewilligung die Bau-

freigabe für den Ersatzneubau erteilt werde. Gleichzeitig entliess der Stadt-

rat auch die Aussenräume der Siedlung (Innenhof und Vorgärten) aus dem 

kommunalen Inventar der schützenswerten Gärten und Anlagen.  

B. 

Hiergegen  wandte  sich  der Zürcher Heimatschutz  mit  Rekurseingabe  vom 

24. Oktober 2016 ans Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantrag-

te, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Vorinstanz sei ein-

zuladen,  die  Wohnsiedlung  Seebahn  einschliesslich  der  Aussenräume  in 

geeignetem Umfang unter Schutz zu stellen, unter Kosten- und Entschädi-

gungsfolgen. 

C. 

Mit  Verfügung  vom  26. Oktober  2016  wurde  vom  Rekurseingang  Vormerk 

genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet.  

D. 

Sowohl die Vorinstanz als auch die Mitbeteiligte liessen sich hierauf fristge-

recht  vernehmen  und  schlossen  je  mit  Eingaben  vom  28. November  2016 

auf Abweisung des Rekurses, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu-

lasten des Rekurrenten. 

E. 

Mit Replik vom 3. Januar 2017 sowie je mit Dupliken vom 26. Januar 2017 
hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.  

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F. 

Am  8. Februar  2017  führte  die  1. Abteilung  des  Baurekursgerichts  im  Bei-

sein der Parteien einen Augenschein auf Lokal durch.  

G. 

Mit Triplik vom 9. Februar 2017 sowie Quadrupliken vom 18. Februar 2017 

bzw. 23. Februar 2017 reichten die Parteien weitere Stellungnahmen ein.  

H. 

Auf  die  Vorbringen  der  Parteien  sowie  die  anlässlich  des  Augenscheins 

gemachten  tatsächlichen  Feststellungen  ist  nachfolgend  insoweit  einzuge-

hen, als dies für die Entscheidfindung erforderlich erscheint. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Gemäss § 338b Abs. 1 lit. a PBG sind gesamtkantonal tätige Verbände, die 

sich  seit  wenigstens  zehn  Jahren  im  Kanton  statutengemäss  dem  Natur- 

und Heimatschutz oder verwandten, rein ideellen Zielen widmen, zum Re-

kurs gegen Anordnungen und Erlasse berechtigt, soweit sich diese auf den 

III. Titel (Natur- und Heimatschutz, §§ 203 – 217 PBG) oder § 238 Abs. 2 

PBG  stützen.  Der  Rekurrent  erfüllt  diese  Voraussetzungen  unbestrittener-

massen.  Da  auch  die  übrigen  Prozessvoraussetzungen  erfüllt  sind,  ist  auf 

den Rekurs einzutreten. 

2.1. 

Die streitbetroffene genossenschaftliche Wohnsiedlung "Seebahn" befindet 

sich  im  Alleineigentum  der  Mitbeteiligten  und  liegt  gemäss  geltender  Bau- 

und  Zonenordnung  (BZO)  der  Stadt  Zürich  in  der  Quartiererhaltungszone. 

Die  Siedlung  wurde  1930  durch  den  Architekten  Pietro  Giumini  als  offene 
Blockrandbebauung mit grosszügigem, begrüntem Innenhof erbaut und bil-
det  das  Mittelstück  einer  Dreierfolge  von  fast  gleichzeitig  entstandenen 

Wohnsiedlungen,  welche  sich  dem  Verlauf  des  tiefer  gelegenen  Bahn-

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trassees  der  Seebahnlinie  anpassen.  Im  Norden  grenzt  sie  an  die  städti-

sche Siedlung Erismannhof (1927 - 1928), im Süden befindet sich die Sied-

lung Kanzleistrasse der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (1930). 

Das  Wohnsiedlung  Seebahn  ist  im  kommunalen  Inventar  der  kunst-  und 

kulturhistorischen  Schutzobjekte  ("Spezialinventar  Wohnsiedlungen")  ent-

halten  und  bildet  Bestandteil  des  Siedlungsverbundes  Sihlfeld,  der  sieben 

gemeinnützig erstellte Wohnsiedlungen umfasst, welche allesamt zwischen 

den  Jahren  1923  und  1931  erbaut  worden  sind.  Überdies  ist  das  Sihlfeld-

Quartier, zu welchem auch die Wohnsiedlung Seebahn gehört, im Bundes-

inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeu-

tung (ISOS) mit Erhaltungsziel A  vermerkt, welches für Substanzerhaltung 

steht. Die unter anderem mit Bezug auf die Stadt Zürich revidierte Verord-

nung über das Bundesinventar der schützenswerten Ortbilder der Schweiz 

(VISOS) ist allerdings erst per 1. Oktober 2016 und damit nach Fällung des 

angefochtenen Beschlusses in Kraft getreten. 

2.2. 

Im Jahr 2004 wandte sich die Mitbeteiligte an die städtische Denkmalpflege 

und  ersuchte  um  Abklärung  der  Schutzwürdigkeit  der  Wohnsiedlung  See-

bahn bzw. um deren Entlassung aus dem kommunalen Inventar der kunst- 

und kulturhistorischen Schutzobjekte. Dieses Provokationsbegehren erfolg-

te im Zusammenhang mit der Erneuerungsstrategie der Mitbeteiligten, wel-

che  sämtliche  ihrer  Siedlungen  umfasst;  mit  Bezug  auf  die  Wohnsiedlung 

Seebahn  ist  ein  vollständiger  Abbruch  bzw.  Neubau  geplant.  Im  Rahmen 

der Schutzabklärung  kamen  die  Denkmalpflege  der Stadt  Zürich  wie  auch 

die  städtische  Denkmalpflegekommission  zum  Schluss,  dass  die  Siedlung 

Seebahn  in  städtebaulicher  und  baukünstlerischer  Hinsicht  ein  Schutzob-

jekt darstelle. Auch die Vorinstanz anerkannte im angefochtenen Beschluss 

die grundsätzliche Schutzwürdigkeit der streitbetroffenen Baute, verzichtete 

jedoch aus Gründen der Verhältnismässigkeit auf Schutzmassnahmen und 

entliess die Wohnsiedlung sowie die dazugehörigen Aussenräume aus dem 

Inventar.  

3.1. 

Im Rahmen seiner Triplik vom 9. Februar 2017 hat der Rekurrent die Einho-
lung  eines  Gutachtens  der  Kantonalen  Denkmalpflegekommission  (KDK) 

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beantragt für den Fall, dass an der sehr hohen Bedeutung des Ensembles 

der  drei  Siedlungen  Kanzleistrasse,  Seebahn  und  Erismannhof  gezweifelt 

würde. Diesfalls wäre gutachterlich zu klären, welcher Schutzrang dem En-

semble  attestiert  werden  müsste  und  ob  es  sich  um  ein  Schutzobjekt  von 

kantonaler Bedeutung handle. 

3.2. 

Sofern in einem Verfahren bereits unabhängige Sachverständige mitgewirkt 

haben,  ist  ein  weiteres  Gutachten  bzw.  Obergutachten  nur  dann  einzuho-

len, wenn begründete Zweifel an der richtigen Beurteilung einer Sachfrage 

bestehen  (VB.2009.00270  vom  24. Februar  2010,  E.  2.2).  Solche  begrün-

deten  Zweifel  liegen  beim  Gutachten  vom  Dezember  2005  zuhanden  der 

Denkmalpflegekommission  (act. 5.2,  nachfolgend:  Gutachten  2005)  nicht 

vor  und  werden  seitens  des  Rekurrenten  auch  nicht  vorgebracht.  Die 

Schutzwürdigkeit  der  Wohnsiedlung  Seebahn  wurde  im  Rahmen  des  Gut-

achtens  2005  einlässlich  abgeklärt.  Zudem  ist  auch  das  Baurekursgericht 

als Fachgericht in der Lage, die Siedlung Seebahn in denkmalpflegerischer 

Hinsicht  zu  bewerten.  Aufgrund  der Akten  sowie  der  anlässlich  des  Abtei-

lungsaugenscheins  getroffenen  Feststellungen  ist  der  Sachverhalt  vorlie-

gend genügend klar, um insbesondere auch den Grad der Schutzwürdigkeit 

des fraglichen  Objektes  –  auch  im  Kontext  der angesprochenen  Dreierab-

folge – zu beurteilen. Von der Einholung eines Gutachtens der Kantonalen 

Denkmalpflegekommission  kann  deshalb  abgesehen  werden.  Im  Übrigen 

ist  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Frage,  ob  sich  ein  zusätzliches  Obergut-

achten aufdrängt, nicht vom materiellen Ausgang des vorliegenden Rekurs-

verfahrens abhängig gemacht werden kann.  

4. 

Die Vorinstanz begründete den angefochtenen Beschluss im Wesentlichen 

damit,  dass  die  Wohnsiedlung  Seebahn  zwar  in  baukünstlerischer  und 

städtebaulicher  Hinsicht  als  grundsätzlich  schutzwürdig  einzustufen  und 

auch innerhalb des Siedlungsverbundes Sihlfeld von städtebaulichem Wert 

sei, einer Unterschutzstellung jedoch gewichtige öffentliche und private In-

teressen  entgegenstünden.  Namentlich  sei  die  Siedlung  Seebahn  –  trotz 

Südwestumfahrung – nach wie vor einer starken Lärm- und Luftschadstoff-

belastung ausgesetzt; nicht nur entlang der Seebahnstrasse, sondern auch 
in  den  Querstrassen  seien  die  Immissionsgrenzwerte  teilweise  überschrit-

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ten.  Unter  gleichzeitiger  Berücksichtigung  aller  wirtschaftlichen  und  denk-

malpflegerischen  Aspekte  stelle  eine  teure  Sanierung  der  bestehenden 

Siedlung  daher  keine  nachhaltige  Lösung  dar,  zumal  sich  dadurch  die 

strukturellen  Mängel  der  Wohnungen  (kleine  und  unflexible  Wohnungs-

grundrisse,  Ausrichtung  der  Wohn-  und  Schlafräume  zur  lärmigen  See-

bahnstrasse, Schallschutz) nicht beheben liessen. Auch die erheblichen fi-

nanziellen  Belastungen,  die  mit  einer  Sanierung  der  bestehenden  Liegen-

schaft  einhergehen  würden,  dürften  nicht  ausser  Acht  gelassen  werden. 

Berechnungen  der  Mitbeteiligten  hätten  ergeben,  dass  bereits  eine  einfa-

che Instandsetzung der Wohnungen mit einer geringfügigen Verbesserung 

des  Schallschutzes  zu  Mietzinsaufschlägen  führen  würde.  Um  die  beste-

henden  Defizite  –  unter  anderem  zu  geringe  Wohnflächen,  bescheidener 

Ausbaustandard,  zu  einseitiger  Wohnungsmix,  hohe  Lärmbelastung,  feh-

lende Behindertengerechtigkeit – zu beheben, wären weitergehende struk-

turelle  Verbesserungen  notwendig,  wie  beispielsweise  Wohnungszusam-

menlegungen,  Grundrissänderungen,  Anbau  von  Balkonen  bzw.  Einbau 

von Personenliften. Solche Massnahmen würden noch höhere Mietzinsauf-

schläge  zur  Folge  haben,  was  im  Widerspruch  zum  sozialpolitischen  Auf-

trag  der  Baugenossenschaften  zur  Förderung  bezahlbaren  Wohnraums 

stehe.  Überdies  würden  solche  strukturellen  Massnahmen  das  originale 

Fassadenbild  verändern.  Demgegenüber  führe  ein  Ersatzneubau  mit  zeit-

gemässen,  grösseren,  dem  heutigen  genossenschaftlichen  Standard  ent-

sprechenden Wohnungen zu vergleichsweise geringeren Mieten pro Quad-

ratmeter. Auch ein Teilabbruch  bzw.  -neubau  entlang  der Seebahnstrasse 

sei geprüft worden; damit könnte die Problematik der Lärm- und Feinstaub-

belastung zwar entschärft werden, in wirtschaftlicher Hinsicht wäre ein sol-

ches  Vorhaben  jedoch  ebenfalls unverhältnismässig,  zumal die erwähnten 

Probleme  hinsichtlich  Wohnungsmix,  -grössen  und  -standard  für  die  übri-

gen Siedlungsteile bestehen bleiben würden.  

Sodann sei daran zu erinnern, dass die Stadt Zürich verschiedene gesetzli-
che Aufträge zu erfüllen habe. Seit Mai 2014 verpflichte Art. 1 Abs. 2 lit. abis 
des  Bundesgesetzes  über die  Raumplanung  (RPG)  die  Gemeinden  zu  ei-

ner Siedlungsentwicklung nach innen. Gemäss den Vorgaben des kantona-

len  und  regionalen  Richtplans  habe  sich  die  Stadt  Zürich  für  ihre  Planung 

am Bevölkerungswachstum zu orientieren; aufgrund der aktuellen Entwick-
lungsprognosen bedeute dies, dass bis im Jahr 2040 Raum für 80'000 zu-
sätzliche Einwohnerinnen und Einwohner bereitgestellt werden müsse. Die 

dafür notwendige  Verdichtung  solle  nachhaltig,  sozialverträglich  und  quali-

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tätsvoll erfolgen. Das Neubauprojekt von Harder Spreyermann Architekten, 

das als Sieger des im Jahr 2014 durchgeführten Architekturwettbewerbs für 

den Ersatz der Wohnsiedlung Seebahn hervorgegangen sei, sehe neu 146 

anstelle der bisher 113 Wohnungen vor, womit Platz für ca. 200 zusätzliche 

Bewohnerinnen  und  Bewohner  geschaffen  werde.  Dies  entspreche  unge-

fähr einer Verdoppelung der heutigen Bewohnerzahl. Weiter habe sich die 

Zürcher  Stimmbevölkerung  2011  mit  grosser  Mehrheit  für  den  wohnpoliti-

schen Grundsatzartikel ausgesprochen, welcher zum Ziel habe, den Anteil 

der  Mietwohnungen  in  der  Hand  von  gemeinnützigen  Bauträgern  schritt-

weise auf einen Drittel zu erhöhen. Dabei sollen insbesondere  die Bedürf-

nisse  von  Familien  und  älteren  Menschen  sowie  die  Anforderungen  des 

ökologischen Wohnungsbaus  berücksichtigt  werden,  was  bei dem  geplan-

ten Neubauprojekt der Fall sei. Die Gemeindeordnung verpflichte die Stadt 

Zürich überdies dazu, eine nachhaltige Entwicklung im Hinblick auf die Er-

reichung der 2000-Watt-Gesellschaft zu verfolgen.  

Zusammenfassend  werde  mit  dem  Abbruch  und  Neubau  der  Siedlung 

Seebahn  bzw.  mit  der  Verbesserung  des  Wohnangebots  die  langfristige 

Entwicklung im Quartier Hard positiv beeinflusst, woran die Stadt Zürich ein 

sehr grosses Interesse habe. Der Ersatzneubau leiste einen qualitätsvollen 

Beitrag  an  die  Quartiersbelebung,  die  innere  Verdichtung,  die  Erhöhung 

des Anteils an gemeinnützigem Wohnraum sowie die Erreichung der Ziele 

der 2000-Watt-Gesellschaft. Zudem werde mit dem Ersatzneubau die städ-

tebauliche Integration in die Quartierstruktur im Sinne des im Oktober 2010 

abgeschlossenen  Leitbilds  Seebahn-/Hohlstrasse  gewährleistet.  Das  Leit-

bild  basiere  wiederum  auf  den  vom  Stadtrat  Zürich  im  Jahr  2009  verab-

schiedeten  und  gemeinsam  mit  den  Baugenossenschaften  BEP,  ABZ  und 

GBMZ  (Gemeinnützige  Bau-  und  Mietergenossenschaft  Zürich)  erarbeite-

ten Leitsätzen für eine zukunftsgerichtete und sozialverträgliche Weiterent-

wicklung  des  Bullingerquartiers  und  der  in  diesem  Zusammenhang  durch-

geführten  städtebaulichen  Machbarkeitsstudie.  Insgesamt  würden  die  ge-

nannten  öffentlichen  Interessen  somit  das  öffentliche  Interesse  am  Erhalt 

der Wohnsiedlung Seebahn überwiegen. Hinzu komme, dass in Zürich ins-

gesamt  sieben  grossformatige Wohnsiedlungen  des  Architekten  Pietro  Gi-

umini existierten, die im kommunalen Inventar der kunst- und kulturhistori-

schen  Schutzobjekte  verzeichnet  seien:  neben  der  Siedlung  Seebahn 
handle  es  sich  dabei  um  den  "Alten  Block"  (zusammen  mit  Eduard  Hess; 
1915; BEP), die Siedlung Letten, 4. Etappe (1925; BEP), den Röntgenhof, 

Kolonien  1  und  2  (1926;  Gemeinnützige  Baugenossenschaft  Röntgenhof), 

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den "Braunen Block" (1926; BEP) sowie den Röntgenhof, Kolonien 3 und 4 

(1927,  1928;  Gemeinnützige  Baugenossenschaft  Röntgenhof).  Die  eben-

falls von Pietro Giumini entworfenen Siedlungen "Roter Block" (1920; BEP) 

und  die  Siedlungen  Letten  1.,  2.  und  3.  Etappe  (zusammen  mit  Gottfried 

Leuenberger; 1921  -  1923; BEP) stünden  seit  2011  sogar unter Denkmal-

schutz.  Eine  Inventarentlassung  der  streitbetroffenen  Siedlung  Seebahn 

rechtfertige sich mithin auch unter diesem Gesichtspunkt, zumal der gross-

städtische  Typus  der  offenen  Blockrandbebauung  im  Sihlfeld-Quartier 

durch die städtischen Wohnsiedlungen "Erismannhof" (1927 - 1928, im In-

ventar)  und  "Bullingerhof"  (1930  -  1931,  im  Inventar)  erhalten  bleibe.  Die 

suspensiv-bedingte Inventarentlassung sei daher insgesamt eine geeignete 

und  erforderliche  Massnahme,  um  die  in  den  aufgezeigten  Interessen  lie-

genden Ziele zu erreichen.  

5.1. 

Der Rekurrent hält die Wohnsiedlung Seebahn demgegenüber für ein hoch-

karätiges  Schutzobjekt.  Davon  zeuge  insbesondere  das  Gutachten  2005, 

welches  zum  Ergebnis  gelangt  sei,  dass  die  Siedlung  Seebahn  sowohl 

baukünstlerisch  wie  auch  städtebaulich  von  grosser  Bedeutung  und  damit 

eindeutig  ein  Schutzobjekt  sei  (vgl.  act. 5.2  S. 12).  Auch  beschreibe  das 

Gutachten  die  sozialgeschichtliche,  typologische  und  architektonische  Be-

deutung des Schutzobjekts (vgl. act. 5.2 S. 8 ff.). Im Werk des Architekten 

Pietro  Giumini  nehme  die  Kolonie  Seebahn  als  modernste  Wohnsiedlung 

einen  wichtigen  Platz  ein;  sie  werde  im  Gutachten  gar  als  sein  "reifstes 

Werk"  eingestuft  (vgl.  act. 5.2  S. 12).  Zwar  seien  mehrere  Siedlungen  von 

Giumini im kommunalen Inventar verzeichnet, aber nur zwei davon stünden 

unter  Schutz.  Wie  der  vorliegende  Fall  belege,  bewirke  eine  Inventarisie-

rung  keinen  wirksamen  Schutz,  sofern  trotz  der  anerkannten  Bedeutung 

des Schutzobjekts der Denkmalschutz geringer gewichtet werde als andere 

Interessen. Dieser Vorgang könne sich ohne Weiteres auch bei anderen in-

ventarisierten Siedlungen wiederholen. Verkannt werde überdies, dass die 

beiden formell geschützten Siedlungen Giuminis aus einer früheren Zeit da-

tierten und ihre Gestaltung weniger vom Neuen Bauen geprägt sei als bei 

der  Kolonie  Seebahn.  Die  Vorinstanz  beabsichtige  nun  ausgerechnet,  die 

"innovativste  Wohnsiedlung  im  Werk  Giuminis"  (vgl.  act. 5.2  S. 4)  und  – 

angesichts  ihrer  Zugehörigkeit  zum  "Spezialinventar  Wohnsiedlungen"  – 
eines  der  Paradebeispiele  für  den  Siedlungsbau  in  der  Stadt  Zürich  dem 

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Abbruch  preiszugeben.  Der  entsprechende  Inventareintrag  beschreibe  die 

Siedlung  Seebahn  als  "quartierprägenden  Teil  des  schützenswerten  Sied-

lungsensembles  Sihlfeld/Seebahneinschnitt".  Zusätzlich  zum  erheblichen 

Eigenwert  werde  der  streitbetroffenen  Wohnkolonie  somit  auch  ein  hoher 

Situationswert  attestiert,  wobei der  Inventareintrag  die  Unterschutzstellung 

des  Äusseren  (Fassaden,  Dächer  und  charakteristische  baukünstlerische 

Elemente)  empfehle.  Überdies  bilde  die  Siedlung  Seebahn  –  zusammen 

mit  den  Siedlungen  Erismannhof  und  Kanzleistrasse  –  ein  hochgradig 

schützenswertes  Dreier-Ensemble,  weshalb  sie  nicht  isoliert,  sondern  im-

mer auch in Bezug auf die anderen Ensembleteile betrachtet werden müs-

se. Sollten zwei Drittel dieser bemerkenswerten Abfolge abgebrochen wer-

den, würde auch der zu erhaltende Erismannhof in seiner Qualität als Teil 

dieses  schützenswerten  Ensembles  beeinträchtigt.  Ohnehin  sei  die  En-

semblequalität  der  drei  Siedlungen  weitgehend  unbeachtet  geblieben.  Die 

Siedlungen  würden  diverse  gemeinsame  Merkmale  aufweisen,  welche  sie 

von  anderen  Blockrandbebauungen  im  Quartier  und  auch  jenseits  des 

Bahneinschnitts unterscheiden würden. Alle drei Siedlungen seien nament-

lich  keine  geschlossenen  Blockrandbebauungen.  Es  handle  sich  um  kubi-

sche Baukörper ohne ins Auge springende Vor- und Rücksprünge, welche 

von  der  Baulinie  zurückversetzt  angeordnet  worden  seien.  Alle  Bauten 

würden  sodann  durch  kleine  Vorgärten  von  den  Strassen  getrennt  und 

Walmdächer  bzw.  kaum  gegliederte  Fassaden  aufweisen.  Auch  die  Aus-

senräume  der  Kolonie  Seebahn  (Innenhof  und  Vorgärten)  seien  inventari-

siert.  Notwendigerweise  seien  das  Gebäude  und  die  Gestaltung  der  Aus-

senräume  sowohl  in  baukünstlerischer  als  auch  sozialgeschichtlicher  Hin-

sicht eng miteinander verknüpft; auch in typologischer Hinsicht betone das 

Gutachten  2005  die  hohe  Bedeutung  der  Grünflächen  (act. 5.2  S. 8).  Zur 

Schutzwürdigkeit der separat inventarisierten Aussenräume des Schutzob-

jekts  habe  die  Vorinstanz  allerdings  –  soweit  aus  den  Akten  ersichtlich  – 

keinerlei Abklärungen veranlasst.  

Was  ferner  die  von  der  Vorinstanz  vorgenommene  Interessenabwägung 

anbelange, so sei darauf hinzuweisen, dass auf kommunaler Ebene mehr-

fach der Wille bekräftigt worden sei, die Kolonie Seebahn als einen beson-

ders wichtigen Zeugen einer für die Geschichte der Stadt Zürich bedeuten-

den  Epoche  zu  erhalten.  Die  Siedlung  sei  in  das  Spezialinventar  aufge-
nommen,  ihre  Bedeutung  in  der  räumlichen  Entwicklungsstrategie  des 
Stadtrats  untermauert  und  ihre  Schutzwürdigkeit  gutachterlich  festgestellt 

worden.  Das  denkmalpflegerische  und  städtebauliche  öffentliche  Erhal-

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tungsinteresse  wiege  mithin  schwer.  Eine  zusätzliche  Gewichtung  des 

Denkmalschutzinteresses  ergebe  sich  überdies  aufgrund  der  Bedeutung 

des  ISOS,  dessen  Schutzanliegen  nach  bundesgerichtlicher  Rechtspre-

chung in zweifacher Hinsicht zu beachten seien: einerseits im Rahmen der 

Nutzungsplanung,  andererseits  bei  der 

Interessenabwägung 

(vgl. 

BGr 1C_488/2015  vom  24. August  2016,  E.  4.3.).  Die  Vorinstanz  erwähne 

das  ISOS  im  angefochtenen Beschluss  zwar, dessen  Berücksichtigung  im 

Rahmen  der  Interessenabwägung  fehle  jedoch.  Ein  öffentliches  Interesse 

am  Abbruch  und  Neubau  der  Siedlung  Seebahn,  welches  das  erhebliche 

denkmalpflegerische Erhaltungsinteresse überwiegen würde, sei denn auch 

nicht dargetan worden. Bei den Interessen, auf welche sich die Vorinstanz 

berufe, handle es sich mehrheitlich um generelle Anliegen der heutigen Zeit 

(Verdichtung, Nachhaltigkeit, Sozialpolitik), welche typischerweise in einem 

Spannungsverhältnis zum Denkmalschutz stünden. Inwiefern die angeführ-

ten  Interessen  im  vorliegenden  Einzelfall  ausschliesslich  durch  die  völlige 

Preisgabe  des  Denkmalschutzes  gewahrt  werden  könnten,  werde  nicht 

dargelegt; ebenso wenig lege die Vorinstanz dar, wieso sie im Rahmen ih-

res Auswahlermessens ausgerechnet das hochkarätigste Beispiel einer Gi-

umini-Siedlung zum Abbruch freizugeben beabsichtige.  

Den von der Vorinstanz ins Feld geführten Interessen sei im Einzelnen Fol-

gendes  entgegenzuhalten:  Die  Lärm-  und  Schadstoffbelastung  stelle  ein 

grundsätzliches  Problem  für  viele  Bauten  in  der  Stadt  Zürich  dar  und  sei 

beim  streitbetroffenen  Schutzobjekt  nicht  von  besonderer  –  einen  Abriss 

und  Neubau  erfordernder  –  Bedeutung,  zumal  die  Belastungen  bei  einem 

Ersatzneubau  genau  gleich  hoch  wären  und  mit  baulichen  Massnahmen 

entschärft  werden  müssten.  Gerade  im  Bereich  der  Seebahnstrasse  habe 

sich  die  Situation  aufgrund  der  Südwestumfahrung  zudem  massiv  ent-

spannt.  Zu  den  geltend  gemachten  Sanierungskosten  sei  im  Weiteren  zu 

bemerken,  dass  es  sich  hierbei  um  Berechnungen  der  am  Abriss  interes-

sierten  Mitbeteiligten  handle,  mithin  um  blosse  Parteibehauptungen,  die 

weder  nachvollziehbar  noch  belegt  seien.  Ausserdem  sei  der  behauptete, 

aber  nicht  substantiierte  Preisunterschied  teilweise  von  Subventionen  ab-

hängig.  Hinzu  komme,  dass  auch  das  Neubauprojekt  "Pinarello"  das  Kos-

tenziel  deutlich  übersteige  (vgl.  Jurybericht,  S. 15).  Inwiefern  ein  Ersatz-

neubau kostengünstiger sei als eine Sanierung bzw. besser geeignet wäre, 
den genossenschaftlichen Auftrag zu fördern, werde jedenfalls nicht darge-
legt. Ohnehin stelle das Neubauprojekt einen grundlegenden Eingriff in das 

charakteristische  Erscheinungsbild  des  heute  aussergewöhnlich  intakten 

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Quartiers dar und bewirke  eine  aus  städtebaulicher Sicht  zu  weitgreifende 

Veränderung, zumal sämtliche Experten und Fachgremien, die sich an der 

Machbarkeitsstudie  beteiligten,  einen  Erhalt  bzw.  Teilerhalt  der  Kolonie 

Seebahn  favorisierten.  Hinzu  komme,  dass  sich  das  Neubauprojekt  hin-

sichtlich seiner Gestaltung nicht in das Quartierbild einfüge und auch in Be-

zug auf das unbestrittenermassen zu erhaltende Schutzobjekt Erismannhof 

problematisch erscheine (§ 238 Abs. 2 PBG).  

Die Vorinstanz berufe sich ferner aufs Leitbild Seebahn-/Hohlstrasse, dem 

allerdings  kein  rechtsverbindlicher  Charakter  zukomme.  Dieses  postuliere 

eine  Veränderung  der  Bevölkerungsstruktur  im  Quartier  mittels  Abbruch 

und Neubau der Siedlungen. Der sozialpolitische Auftrag der gemeinnützi-

gen Wohnbauträger könne angeblich nicht mehr gewährleistet werden, weil 

das soziale Gleichgewicht im Quartier gestört sei; die Wohnungen könnten 

nicht mehr an mittelständische Familien, sondern nur noch an Studierende 

und Ausländer vermietet werden. Es sei zumindest fraglich, ob es an dieser 

Lage sinnvoll sei, grössere Familienwohnungen für den Mittelstand zu pla-

nen und die heutigen Mieter aus der Stadt zu drängen, zumal die Nachfra-

ge  nach  günstigen  Kleinwohnungen  unbestrittenermassen  hoch  sei.  Die 

Mitbeteiligte  habe  weder  behauptet  noch  belegt,  dass  Schwierigkeiten  bei 

der Vermietung der vorhandenen Wohnungen bestünden. Was im Übrigen 

die mit Verweis auf das gesetzliche Ziel der Siedlungsentwicklung nach in-

nen  angestrebte  Erhöhung  der  Bewohnerzahl  anbelange,  so  könnte  diese 

auch durch den Ausbau der Dachgeschosse oder die Aufstockung der be-

stehenden  Siedlung  gefördert  werden,  was  in  der  Machbarkeitsstudie  of-

fenbar  völlig  vergessen  gegangen  sei.  Damit  würde  auch  dem  wohnpoliti-

schen  Grundsatzartikel  zum  genossenschaftlichen  Wohnen  –  welcher 

überdies  weitaus  weniger  konkret  und  justiziabel  sei  als  der  gesetzliche 

Auftrag  zum  Denkmalschutz  –  Genüge  getan.  Schliesslich  werde  im  Zu-

sammenhang  mit  dem  Thema  Nachhaltigkeit  unkritisch  davon  ausgegan-

gen,  dass  ein  Neubau  energietechnisch  in  jedem  Fall  besser  abschneide 

als ein Altbau. Dies möge für gewisse Epochen – insbesondere für gewisse 

Hochkonjunkturbauten  in  der  Nachkriegszeit  –  zwar  zutreffen,  gerade  Ge-

nossenschaftsbauten, die vor dieser Zeit entstanden seien, zeichneten sich 

energietechnisch  jedoch  regelmässig  durch  ihre  qualitätsvolle  Bauweise 

aus.  Auch  der  bauliche  Zustand  der  Kolonie  Seebahn  rechtfertige  keinen 
Abbruch. Insgesamt dürfte sich der Erhalt des Schutzobjekts sogar als öko-
logisch  nachhaltigere  Alternative  herausstellen,  zumal  ein  Ersatzneubau 

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Seite 11 

 
 
grundsätzlich  immer  mit  Wertvernichtung  verbunden  sei  und  grosse  Men-

gen an Energie und Rohstoffen (Stichwort graue Energie) verschlinge.  

5.2. 

Die  Vorinstanz  hält  dem  entgegen,  dass  die  Inventarisierung  von  Bauten, 

Gärten und Anlagen keinerlei qualifizierende Aussagen zu einem erfassten 

Objekt  mache;  der  Inventareintrag  begründe  zwar  die  Vermutung  der 

Schutzwürdigkeit,  erst  konkrete  Schutzabklärungen  im  Einzelfall  bzw.  der 

begründete Entscheid der zuständigen Behörde legten jedoch fest, ob und 

in welchem Grad ein Objekt für schutzwürdig befunden werde. Auch einem 

Spezialinventar  komme  keine  erhöhte  oder  qualifizierte  Schutzvermutung 

zu. Entgegen dem Dafürhalten des Rekurrenten sei in Bezug auf die Sied-

lung Seebahn nicht von einer "unbestrittenermassen hochgradigen Schutz-

würdigkeit" auszugehen; diese Qualifizierung decke sich weder mit der Ein-

schätzung des den Stadtrat beratenden Fachgremiums – der Denkmalpfle-

gekommission der Stadt Zürich – noch derjenigen des Stadtrats als zustän-

dige  Behörde.  Im  Gutachten  2005  werde  der  Siedlung  Seebahn  in  bau-

künstlerischer  und  städtebaulicher  Hinsicht  eine  grosse  Bedeutung  attes-

tiert,  welche  die  Schutzwürdigkeit  begründe.  Die  Denkmalpflegekommissi-

on  habe  die  Siedlung  immerhin  als  grundsätzlich  schutzwürdig  eingestuft 

und es als nötig erachtet, den Fokus auf die generelle Quartierentwicklung 

zu  legen  und  verschiedene  Varianten  wie  den  Teilerhalt/Teilabbruch  bzw. 

Erhalt/Abbruch zu prüfen (vgl. act. 3 S. 1). Ein hoher Situationswert werde 

der Siedlung Seebahn dabei nicht attestiert. Die Ensemblewirkung der drei 

Wohnsiedlungen  Seebahn,  Kanzleistrasse  und  Erismannhof  könne  hinge-

gen bejaht werden; aufgrund ihrer städtebaulichen, topografischen und er-

schliessungstechnischen Zusammengehörigkeit sowie den gemeinnützigen 

Bauträgerschaften  würden  die  Bauten durchaus ähnliche  charakteristische 

Merkmale aufweisen. Als hochgradig schutzwürdig sei das Ensemble indes 

nicht zu bezeichnen. 

Zur Begründung der vermeintlich hochgradigen Zeugenschaft der Siedlung 

Seebahn berufe sich der Rekurrent aufs Gutachten 2005 und hebe daraus 

verschiedene architektonische Merkmale hervor, welche in der Stadt Zürich 

jedoch nicht einmalig seien. Mit Blick auf die für Zürich "sehr seltenen" ro-

ten Klinkereinfassungen der Fenster sei zu ergänzen, dass es in  der Stadt 

durchaus  verwandte  Beispiele  gebe,  so  namentlich  bei  der  Überbauung 
Lehenstrasse (Wipkingen, 1927 von Schneider & Landolt), der Siedlung Im 

R1S.2016.05116 

Seite 12 

 
 
Wyl  (Wiedikon,  1929  von  Jakob  Morf),  im  Hintermeisterhof  (Wollishofen, 

1928 von Schneider & Landolt, unter Schutz) oder bei einer Wohnsiedlung 

an der Ecke Bullinger- und Hardstrasse (Hardquartier, 1930). Weiter treffe 

es  zwar  zu,  dass  genossenschaftliche  Flachdach-Wohnsiedlungen,  die 

zwischen  Moderne  und  Tradition  changierten,  in  Zürich  selten  vorkämen, 

auch  hier  existierten  jedoch  Vergleichsbeispiele.  Zu  erwähnen  seien  etwa 

die  beiden  vom  Architektenduo  Hofmann  &  Kellermüller  erbauten  ABZ-

Wohnsiedlungen Zurlinden (Wiedikon, 1932, im Inventar) und Waidfussweg 

(Wipkingen,  1936,  im  Inventar)  oder  die  Wohnsiedlung  Raindörfli  (Wollis-

hofen, 1931 von Arnold Huber-Sutter, nicht kommunal inventarisiert), wobei 

in letzterem Fall die Dachterrassen dem Sonnenbad dienten, während die-

jenigen der Siedlung Seebahn mit Wäscheleinen ausgestattet seien. Kom-

munale  und  genossenschaftliche  Siedlungen  des  Neuen  Bauens  seien  in 

der Stadt Zürich sodann gut repräsentiert, namentlich die ABZ-Kolonie Sihl-

feld  I/II  (Aussersihl,  1928/1929  von  Streicher/Hartung,  unter  Schutz),  die 

Kolonie Röntgenhof 1, 2, 3 und 4 der gemeinnützigen Baugenossenschaft 

Röntgenhof  (Industriequartier,  1926  -  1928  von  Giumini),  die  städtische 

Siedlung  Birkenhof  (Unterstrass,  1925/1926  von  Kündig/Oetiker/Froelich), 

die  Kolonien  Rousseaustrasse  der  Baugenossenschaft  Letten  (Wipkingen, 

1924 - 1928 von Leuenberer/Flückiger) sowie die BEP-Kolonie Letten 1. bis 

3.  Etappe  (1921  -  1923  von  Giumini/Leuenberger,  unter  Schutz).  Im  Übri-

gen sei zu betonen, dass der Quartierbereich zwischen Bahneinschnitt und 

Hardau in städtebaulicher und architektonischer Hinsicht nicht ausschliess-

lich  homogen  strukturiert  bzw.  "weitgehend  unverändert  in  Struktur  und 

Substanz  geblieben"  sei,  wie  seitens  des  Rekurrenten  behauptet  werde. 

Ausserdem  könne  der  bestehenden  Siedlungsstruktur  auch  mit  dem  ge-

planten  Ersatzneubau  von  Harder  Spreyerman  Architekten  Rechnung  ge-

tragen werden. 

Betreffend die Inventarentlassung der Aussenräume sei sodann zu berück-

sichtigen,  dass  heute  nur  noch  die  ursprünglichen  Vorgärten  der Siedlung 

Seebahn bestünden, wogegen der Innenhof durch den Einbau des Öltanks 

im  Jahre 1975  stark verändert worden  sei; die  ursprünglich  ebene  Rasen-

fläche  sei  heute  eine  bewegte  Hügellandschaft  und  die  schirmförmig  ge-

schnittenen Baumreihen entlang der Längsfassaden (vermutlich Plantanen) 

seien  durch  eine  neue,  aufgelockerte  Bepflanzung  aus  mehrheitlich 
schnellwachsenden,  grosskronigen  Baumarten  (Eschen,  Silberahorn,  Kol-
chischer  Ahorn)  ersetzt  worden.  Die  Originalsubstanz  des  Innenhofs  sei 

praktisch eliminiert worden, was im Inventarblatt daran ersichtlich sei, dass 

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Seite 13 

 
 
keine  Aussagen  zur  Bedeutung  der  Gartenanlage  gemacht  würden.  Mit 

dem Inventareintrag werde somit lediglich noch das erlebbare Konzept aus 

Vorgärten und begrüntem Innenhof gewürdigt. Im Unterschied zur Siedlung 

Kanzleistrasse sei aus diesem Grund auch auf die Unterschutzstellung ein-

zelner  Bäume  verzichtet  worden.  Die  Zusammengehörigkeit  von  grossfor-

matiger Siedlungsform mit Hof- und Vorgartenstruktur führe dazu, dass ei-

ne Unterschutzstellung des überformten Hofes bei einem gleichzeitigen Er-

satz  der  ihn  umgebenden  Gebäude  keinen  Sinn  machen  würde  und  nicht 

verhältnismässig wäre. 

Zusammenfassend  sei  der  denkmalpflegerische  Wert  der  Wohnsiedlung 

Seebahn zwar durchaus anzuerkennen, das Erhaltungsinteresse sei jedoch 

gegenüber den erheblichen öffentlichen und privaten Interessen insgesamt 

als geringer einzustufen, was im angefochtenen Beschluss in nachvollzieh-

barer  Weise  dargelegt  worden  sei.  Eine  zusätzliche  Gewichtung  erfahre 

das  denkmalpflegerische  Erhaltungsinteresse  auch  nicht  durch  die  inzwi-

schen  in  Kraft  getretene  ISOS-Festsetzung  für  die  Stadt  Zürich.  Im  Zeit-

punkt des angefochtenen Beschlusses sei das ISOS für das betroffene Ge-

biet noch nicht rechtskräftig festgesetzt gewesen und habe daher im Rah-

men  der  Interessenabwägung  auch  noch  nicht  unmittelbar  berücksichtigt 

werden können. Sollte für das betroffene Gebiet im Hinblick auf einen allfäl-

ligen  Ersatzneubau  dereinst  ein  Gestaltungsplan  realisiert  werden,  wäre 

den  Schutzanliegen  des  ISOS  im  Rahmen  dieser  Nutzungsplanung  dann-

zumal selbstverständlich Rechnung zu tragen. 

5.3. 

Die Mitbeteiligte vertritt zusammengefasst den Standpunkt, die Schutzwür-

digkeit der Wohnsiedlung Seebahn sei als tief bis allerhöchstens mittel ein-

zustufen, wobei sich das denkmalpflegerische Erhaltungsinteresse eher auf 

die  städtebauliche  Situation  denn  auf  die  Baute  selbst  beziehe.  Wie  die 

durchgeführten  Studien  und  Projektentwicklungen  in  Zusammenarbeit  mit 

der Stadt Zürich gezeigt hätten, könne dem Interesse an der Erhaltung der 

städtebaulichen  Situation  auch  im  Rahmen  eines  Ersatzneubaus  hinrei-

chend Rechnung getragen werden. Für eine Inventarentlassung der streit-

betroffenen Siedlung sprächen im Weiteren  – nebst den wichtigen öffentli-

chen  Interessen  des  Lärm-  und  Schadstoffschutzes,  der  Verdichtung,  des 

gemeinnützigen  Wohnens  sowie  der  Ökologie  und  Nachhaltigkeit  –  auch 
die finanziellen Interessen der Mitbeteiligten. Gemeinsam mit der Allgemei-

R1S.2016.05116 

Seite 14 

 
 
nen Baugenossenschaft Zürich (ABZ), welche ebenfalls die Erneuerung ih-

rer Siedlung Kanzleistrasse anstrebe, seien im Hinblick auf die verschiede-

nen  Erneuerungsvarianten  umfangreiche  und  sehr  genaue  Kostenberech-

nungen/-  vergleiche  durchgeführt  worden  (vgl.  act. 13.4  und  13.5).  Da  die 

Siedlungen Seebahn und Kanzleistrasse vom Alter, der Grösse und der in-

neren Ausstattung her vergleichbar seien, seien die Berechnungen nur an-

hand  der  Siedlung  Kanzleistrasse  vorgenommen  worden;  im  Falle  einer 

Sanierung sei jedoch für beide Siedlungen ungefähr mit demselben finanzi-

ellen  Aufwand  zu  rechnen.  Die  Berechnungen  hätten  gezeigt,  dass  eine 

tiefgreifende Sanierung der Siedlung Seebahn sehr teuer wäre und die zu 

erwartenden  Brutto-Mietkosten  pro  Quadratmeter  und  Jahr  –  im  Vergleich 

zu  allen  anderen  geprüften  Erneuerungsvarianten  –  am  höchsten  wären. 

Die  Vorinstanz  habe  die  verschiedenen  auf  dem  Spiel  stehenden  Interes-

sen sorgfältig geprüft und gegeneinander abgewogen und ihren Entscheid 

letztlich kohärent, schlüssig und nachvollziehbar begründet.  

6. 

Als  Schutzobjekte  fallen  gemäss  §  203  Abs.  1  lit.  c  PBG  unter  anderem 

Gebäudegruppen, Gebäude und Teile sowie Zugehör von solchen, die als 

wichtige Zeugen einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder baukünst-

lerischen  Epoche  erhaltungswürdig  sind  oder die  Landschaften  oder Sied-

lungen  wesentlichen  mitprägen,  samt  der  für  ihre  Wirkung  wesentlichen 

Umgebung  in  Betracht.  Weiter  besagt  lit.  f  derselben  Bestimmung,  dass 

wertvolle  Park-  und  Gartenanlagen,  Bäume,  Baumbestände,  Feldgehölze 

und Hecken ebenso erhaltenswert sind. Für die Qualifikation als Schutzob-

jekt setzt das Gesetz alternativ die wichtige Zeugenschaft (sog. Eigenwert) 

oder  die  wesentliche  landschafts-  bzw.  siedlungsprägende  Wirkung  (sog. 

Situationswert) voraus.  

Die Qualifikation eines Baudenkmals als Schutzobjekt im Sinne von § 203 

PBG führt indes nicht zwingend zum Erlass von Schutzmassnahmen, son-

dern nur, wenn die denkmalpflegerische Bedeutung und das öffentliche In-

teresse an der Erhaltung des Schutzobjekts im Rahmen der vorzunehmen-

den Güterabwägung höher zu gewichten sind als entgegenstehende öffent-

liche und private Interessen (RB 1992 Nr. 62). Beim Entscheid, ob ein Ob-
jekt unter Schutz gestellt oder aus dem Inventar entlassen werden soll, ver-
fügen die Gemeinden über ein Auswahlermessen. Sie müssen unter meh-

reren infrage kommenden Objekten eine Auswahl treffen und diejenigen se-

R1S.2016.05116 

Seite 15 

 
 
lektionieren,  welche  sie  in  Beachtung  aller  Umstände  als  für  die  Unter-

schutzstellung  am  geeignetsten  halten  (RB  1989  Nr. 67).  Im  Falle  eines 

Verzichts  auf  die  Unterschutzstellung  eines  wichtigen  Zeugen  hat  die  Ge-

meinde  ihre  Denkmalpflegestrategie  unter  Verweis  auf  vergleichbare,  be-

reits unter Schutz gestellte Objekte darzulegen sowie unter Verhältnismäs-

sigkeitsgesichtspunkten  unterschiedlich  weitreichende  Schutzanordnungen 

(z.B. teilweise Unterschutzstellung, Ergänzungsbauten sowie allfällige Nut-

zungskonzepte) vertieft zu prüfen und schlussendlich die erforderliche Inte-

ressenabwägung unter Berücksichtigung aller übrigen einzelfallartigen Fak-

toren vorzunehmen (vgl. VB.2014.00603 vom 9. Juli 2015, E. 3.1).  

Dem  Umstand,  dass  den  Gemeinden  bei  der  Beurteilung  der  Schutzwür-

digkeit  sowie  bei  der Auswahl  unter mehreren  infrage  kommenden  Objek-

ten ein gewisser Ermessensspielraum zukommt, trägt das Baurekursgericht 

dadurch  Rechnung,  dass  es  sich  bei  der  Überprüfung  eines  vertretbaren 

denkmalpflegerischen Entscheides der Vorinstanz Zurückhaltung auferlegt. 

Lässt  sich  dieser  auf  vernünftige  Gründe  abstützen,  so  schreitet  die  Re-

kursinstanz  nicht  ein.  Im  Übrigen  kommt  dem  Baurekursgericht  bei  der 

Überprüfung  von  denkmalpflegerischen  Anordnungen  in  der  Regel  volle 

Kognition zu. 

7.1. 

Vorliegend ist die grundsätzliche Schutzwürdigkeit der Wohnsiedlung See-

bahn im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG unbestritten. Strittig ist hingegen 

der Grad der Schutzwürdigkeit und damit die Frage, ob es sich um ein Ob-

jekt  von  geringer,  mittlerer,  hoher  oder  besonders  hoher  Schutzwürdigkeit 

handelt.  Nach  Ansicht  des  Rekurrenten  handelt  es  sich  bei  der  streitbe-

troffenen  Siedlung  um  ein  hochkarätiges  Schutzobjekt,  und  zwar  sowohl 

hinsichtlich ihres Eigenwerts wie auch ihres Situationswerts, ferner auch als 

Bestandteil des Dreierensembles "Erismannhof, Seebahn, Kanzleistrasse". 

Demgegenüber gehen die Vorinstanz und die Mitbeteiligte von einer bloss 

eingeschränkten Schutzwürdigkeit aus.  

7.2. 

Um  die  Schutzwürdigkeit  der  Wohnsiedlung  Seebahn  inkl.  deren  Aussen-

räume  (Innenhof  und  Vorgärten)  abzuklären,  gab  die  Vorinstanz  mehrere 
Gutachten in Auftrag. Dem Hauptgutachten vom Dezember 2005 zuhanden 

R1S.2016.05116 

Seite 16 

 
 
der  Denkmalpflegekommission  (act. 5.2)  lässt  sich  im  Wesentlichen  ent-

nehmen, dass es sich bei der im Jahre 1930 durch den Architekten Pietro 

Giumini erbauten Siedlung Seebahn um eine typische genossenschaftliche 

Wohnkolonie  handelt,  wie  sie  in  der  Stadt  Zürich  seit  den  frühen  1920er-

Jahren häufig vorkommt. Stilistisch bewegt sie sich zwischen Traditionalis-

mus und Neuem Bauen. Die Baukuben der Siedlung Seebahn sind zu Zei-

len  formiert  und  als  Blockrandbebauung  angelegt,  die  Fassaden  wirken 

schlicht  und  sachlich,  Ornamente  fehlen.  Einziger  Farbakzent  bilden  die 

Fenstereinfassungen aus Klinker, welche in ihrer Art für Zürich sehr selten 

sind.  Verwandte  Beispiele  finden  sich  in  der  Überbauung  an  der  Lehen-

strasse (Wipkingen, 1927 von Schneider & Landolt), in der Siedlung Im Wyl 

(Wiedikon,  1929  von  Jakob  Morf)  und  der  Siedlung  Entlisberg  1  (Enge, 

1928  von  Schneider  &  Landolt).  Bei  letzterer  präsentieren  sich  die  Fassa-

den besonders aussergewöhnlich, zeichnen sich diese doch sowohl durch 

Klinkerstein  als auch durch eine  breite  Farbpalette aus.  Die  Fassaden  der 

Kolonie Seebahn werden durch die Laibungen aus Klinker sowie die Stürze 

und Sohlbänke aus Kunststein in der Horizontalen betont. Die im Südwes-

ten  und  -osten  angelegten  Balkone  unterstreichen  diese  horizontale  Aus-

richtung  zusätzlich.  Im  Kontrast  dazu  stehen  die  Treppenhäuser,  welche 

um wenige Zentimeter in die Fassaden eingetieft sind und die Dachtraufen 

durchstossen.  Diese  Verschränkung  von  horizontalen  und  vertikalen  Glie-

derungselementen  stellt  ein  charakteristisches  Merkmal  der  Moderne  dar. 

Die Baugenossenschaften und ihre Architekten begegneten den neuen Ar-

chitekturströmungen zur damaligen Bauzeit im Allgemeinen mit Zurückhal-

tung. Nur in Einzelfällen flossen moderne Elemente deutlich in die Genos-

senschaftsarchitektur  ein;  Flachdächer  wurden  in  Zürich  beispielsweise 

meist nicht bewilligt. Bei der Siedung Seebahn lässt sich dieses Flachdach-

thema  jedoch erkennen.  Die  Häusergruppen  sind  zwar unter einem Wald-

mach  zu  einer  Grossform  zusammengefasst,  das  Walmdach  wird  jedoch 

hofseitig von Aufbauten mit Flachdächern durchbrochen. Damit verfügt die 

Siedlung über eine für Zürich einzigartige Dachlösung. Ein "echtes" Flach-

dach in einer strassenparallelen Zeilenbebauung aus der gleichen Bauzeit 

lässt  sich  in  Zürich  nur  noch  bei  der  ABZ-Siedlung  Zurlinden  (Wiedikon, 

1932 von Hans Hofman und Adolf Kellermüller) finden.  

Typisch für Ende 1920er-/Anfang 1930er-Jahre erbaute Wohnsiedlungen in 
den  Quartieren  Aussersihl und  Industrie  sind  verschiedene  Arten von  Hof-
randbebauungen,  namentlich  geschlossene  Hofränder,  offene  Hofränder 

oder eine Mischform, wie sie bei den drei Siedlungen entlang der Seebahn-

R1S.2016.05116 

Seite 17 

 
 
linie  vorkommt  (Erismannhof,  Seebahn,  Kanzleistrasse).  Die  Wahl  dieser 

Bebauungstypologie  steht  im  Zusammenhang  mit  den  damals  geltenden 

Bauvorschriften,  welche  für  das  Gebiet  Aussersihl  die  Hofrandbebauung 

vorsahen. In den übrigen Stadtquartieren kommen die geschlossenen Hof-

ränder hingegen nicht (mehr) vor; hier dominieren offene Hofrandbebauun-

gen  oder  Reihenhausbebauungen.  Charakteristisch  für  die  Bauzeit  um 

1920/1930 ist sodann die Öffnung des allseits geschlossenen Blockrandes 

durch Auflösung der Blockecken. Bei der Siedlung Seebahn wird durch die 

vier  zweigeschossigen  Zwischenbauten  eine  Durchlässigkeit  erzeugt  und 

auch  der  grüne  Innenhof  erscheint  halböffentlich,  weil  er  über  die  vier 

Durchfahrten  für  jedermann  zugänglich  ist.  Die  Wohnungen  der  Siedlung 

Seebahn kommen der in den 1920er-Jahren propagierten Forderung nach 

Licht,  Luft  und  Sonne  exemplarisch  nach.  Die  Grundrisse  orientieren  sich 

nach dem Sonnenlauf: Wohn- und Schlafzimmer sind auf der Sonnenseite, 

Bad, Küche sowie allenfalls ein weiteres Zimmer auf der Schattenseite an-

geordnet. Durch die Möglichkeit der Querlüftung wird die Luftzufuhr verbes-

sert und  durch die  geringeren  Gebäude-  bzw.  Zimmertiefen  respektive  die 

Vergrösserung der Gebäudeabstände eine gute Belichtung gewährleistet. 

Das  Gutachten  bezeichnet  die  Siedlung  Seebahn  mit  ihren  Rolljalousien, 

Fenstereinfassungen  aus  Klinker  und  "versteckten"  Flachdächern  als  mo-

dernstes und reifstes Werk des Architekten Pietro Giumini. Auch innerhalb 

der  etwa  zeitgleich  entstandenen  Dreierabfolge  entlang  der  Seebahnlinie 

(Erismannhof, Seebahn, Kanzleistrasse) weist sie funktional und in der De-

tailgestaltung die modernste Haltung auf. Mit seinen insgesamt zehn Sied-

lungen  gilt  Pietro  Giumini  als  einer  der  Hausarchitekten  der  Mitbeteiligten, 

auch sonst finden sich in seinem Werk vorwiegend Siedlungen und Wohn-

bauten. Im kommunalen Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutz-

objekte sind neben der Siedlung Seebahn insgesamt sieben grossformatige 

Siedlungen  verzeichnet,  die  Pietro  Giumini  in  Zürich  erstellte  (vgl.  act. 5.2 

S. 10;  das  Gutachten  spricht  hier  fälschlicherweise  von  insgesamt  neun 

Siedlungen,  zählt  jedoch  deren  acht  auf).  Es  sind  dies  der  "Alte  Block" 

(1915),  der  "Rote  Block"  (1920),  "Letten  1.,  2.,  3.  Etappe"  (1921  -  1923), 

"Letten 4. Etappe" (1925), "Röntgenhof Kolonien 1 und 2" (1926), "Brauner 

Block" (1926) sowie "Röntgenhof Kolonien 3 und 4" (1927, 1928). Die Sied-

lungen "Roter Block" und "Letten 1., 2., 3. Etappe" stehen mittlerweile unter 
Denkmalschutz. Abschliessend kommt das Gutachten zum Ergebnis, dass 
die  Siedlung  Seebahn  sowohl  baukünstlerisch  als  auch  städtebaulich  von 

grosser Bedeutung  ist  und  es  sich  eindeutig  um  ein  Schutzobjekt handelt; 

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Seite 18 

 
 
auch  innerhalb  des  Siedlungsverbundes  Sihlfeld  wird  ihr ein  hoher städte-

baulicher Wert attestiert (vgl. zum Ganzen act. 5.2).  

7.3. 

Neben  dem  Hauptgutachten  existiert  überdies  ein  Gartendenkmalpflegeri-

sches  Gutachten  vom  11. Januar  2010  (act. 10.7).  Dem  Rekurrenten  ist 

mithin  zu  widersprechen,  wenn  er  behauptet,  hinsichtlich  der  Schutzwür-

digkeit  der  Aussenräume  seien  keinerlei  Abklärungen  veranlasst  worden. 

Aus dem Gartengutachten geht hervor, dass die Wohnhöfe von Blockrand-

bebauungen  des  frühen  20. Jahrhunderts  programmatisch  als  gemein-

schaftliche Freiräume für die Bewohner konzipiert waren und als "Kritik der 

steinernen Stadt" fortschrittlich Licht und Luft in die Wohnkolonien bringen 

sollten. Auch der Wohnhof der Kolonie Seebahn erfüllt dieses Programm in 

grosszügiger  Einfachheit.  Allerdings  befinden  sich  die  Aussenräume  der 

Siedlung Seebahn heute nicht mehr in ihrem Originalzustand. Im Innenhof 

wurden  1975  Öltanks  eingebaut,  was  topographische  Veränderungen  mit 

sich brachte; zeitgleich wurde vermutlich auch der Spielplatz erstellt. Auch 

der originale Porphyrbelag wurde partiell durch Asphalt bzw. Betonpflaster-

steine erneuert oder überdeckt. Der heutige Baumbestand entspricht eben-

falls nicht mehr dem originalen Konzept; ursprünglich war die zentrale Wie-

se noch von Plantanen eingefasst, wohingegen die bestehende Vegetation 

eher  zufällig  zusammengesetzt  wurde.  Nichtsdestotrotz  wird  durch  den 

heutigen Baumbestand eine ruhige parkartige Atmosphäre von hoher Qua-

lität erzeugt. Zusammenfassend kommt das Gartengutachten zum Schluss, 

dass  die  durchgrünten,  klar  eingefriedeten  Vorgärten  und  die  bepflanzten 

Hofflächen der Siedlung Seebahn als wichtige städtebauliche Zeitzeugen in 

ihrer Ausdehnung schutzwürdig sind, nicht aber mit Bezug auf die heutige 

Gestaltung  der  Grünflächen.  Soweit  die  Gehölze  vital  sind  und  eine  lang-

fristige Lebenserwartung aufweisen, erweisen sie sich ebenfalls als grund-

sätzlich schützenswert (vgl. zum Ganzen act. 10.7).  

7.4. 

Entgegen der rekurrentischen Darstellung lassen sich den beiden Gutach-

ten  keine  Anhaltspunkte  für  eine  hochgradige  Schutzwürdigkeit  der  Sied-

lung  Seebahn  (inkl.  Aussenräume)  entnehmen.  Wohl  qualifiziert  das  Gut-

achten  2005  die  streitbetroffene  Siedlung  baukünstlerisch  und  städtebau-

lich eindeutig als Schutzobjekt und betont deren Modernität im Vergleich zu 
anderen,  zeitgleich  erbauten  genossenschaftlichen  Wohnkolonien  in  der 

R1S.2016.05116 

Seite 19 

 
 
Stadt Zürich. Auch die seltenen Klinkereinfassungen der Fenster sowie die 

hofseitige  Umsetzung  der  Flachdachthematik  werden  herausgestrichen. 

Von beiden Gestaltungsmerkmalen konnte sich auch das Baurekursgericht 

anlässlich  des  Lokaltermins  ein  Bild  machen  (vgl.  Fotos  Nrn. 3,  4,  11  und 

13). Allerdings geht aus dem Gutachten auch deutlich hervor, dass es sich 

bei  der  Siedlung  Seebahn  um  einen  typischen  Vertreter  einer  genossen-

schaftlichen  Wohnkolonie  handelt,  wie  er  in  Zürich  überaus  häufig  vor-

kommt.  Der  genossenschaftliche  Wohnungsbau  spielt  in  Zürich  eine  für 

Schweizerische Verhältnisse exemplarische Rolle; in der zehnjährigen Bau-

periode von 1922 - 1931 wurden in Zürich etwa die Hälfte aller Wohnbauten 

auf  gemeinnütziger  Basis  erstellt,  wobei  als  Bautyp  vermehrt  die  Kolonie 

gewählt wurde. Dies zeigt sich einerseits daran, dass nur schon im "Spezia-

linventar Wohnsiedlungen" die beachtliche Anzahl von 89 Wohnsiedlungen 

aufgeführt ist.  Andererseits  verfügt  allein  die  Mitbeteiligte  auf  Stadtzürcher 

Boden über insgesamt 13 Wohnsiedlungen, zehn davon stammen vom Ar-

chitekten Pietro Giumini. Von Pietro Giumini sind überdies acht grossforma-

tige Wohnsiedlungen aus der Bauzeit 1920/1930 im kommunalen Inventar 

der  kunst-  und  kulturhistorischen  Objekte  verzeichnet,  zwei  davon  stehen 

bereits  unter  Schutz.  Der  Grad  der  Schutzwürdigkeit  eines  Objekts  hängt 

immer auch entscheidend davon ab, ob noch andere vergleichbare Objekte 

derselben Bau- und Stilepoche existieren. Dies ist mit Blick auf die streitbe-

troffene Siedlung Seebahn der Fall. Auch von der angeblich hochgradigen 

Schutzwürdigkeit des Dreier-Ensembles "Erismannhof, Seebahn, Kanzleist-

rasse" ist im Gutachten nirgends die Rede. Die Vorinstanz anerkennt zwar 

eine  gewisse  Ensemblewirkung  der  drei  Siedlungen  und  eine  solche  liess 

sich  auch  anlässlich  des  Augenscheins feststellen,  von einer einzigartigen 

siedlungsprägenden  Wirkung  kann  hier  jedoch  nicht  gesprochen  werden. 

Zusammenfassend  ist  für  die  nachfolgende  Güterabwägung  daher  von  ei-

ner  mittleren  Schutzwürdigkeit  der  Wohnsiedlung  Seebahn  (inkl.  Aus-

senräume) auszugehen.  

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Seite 20 

 
 
 
 
8.1. 

Neben den erwähnten Fachgutachten dienten der Vorinstanz einerseits das 

Leitbild  "Quartier  Seebahn-/Hohlstrasse"  vom  6. Oktober  2010  (act. 5.11) 

und  andererseits  die  vom  Amt  für  Städtebau  durchgeführte  Machbarkeits-

studie  "Seebahn"  aus  dem  Jahr  2011  (act. 5.6)  als  wesentliche  Entschei-

dungsgrundlagen. Der Betrachtungsperimeter des Leitbilds umfasste neben 

der Siedlung Seebahn auch die Siedlung Kanzleistrasse der ABZ sowie die 

Siedlung  der  Gemeinnützigen  Bau-  und  Mietergenossenschaft  Zürich  an 

der  Ernastrasse/Hohlstrasse/Stüdeliweg/Zypressenstrasse.  Auf  der  Basis 

eines  vollständigen  Abbruchs  respektive  Ersatzneubaus  der  betreffenden 

Siedlungen  wurden  im  Leitbild  städtebauliche,  sozioökonomische  und  um-

weltspezifische  Zielsetzungen  definiert,  denen  allfällige  Neubauten  zu  ge-

nügen  hätten.  Besonderes  Augenmerk  wurde  dabei  auf  eine  verbesserte 

Durchmischung  der  Bevölkerungsstruktur  im  Bullingerquartier,  die  Schaf-

fung von (zusätzlichem) preiswertem und qualitativ hochstehendem Wohn-

raum im Rahmen einer sozialverträglichen Etappierung der Neubauprojek-

te,  die  Erhaltung  der  städtebaulichen  bzw.  quartiertypischen  Qualitäten  in 

Form  von  Blockrandstrukturen  mit  geschlossenen,  prägnanten  Strassen-

räumen  und  grosszügigen  Grünflächenbereichen  (Vorgärten,  Innenhöfen), 

eine nachhaltige und energiesparende Bauweise, einen unterdurchschnittli-

chen Wohnflächenverbrauch sowie die Verbesserung der Lärmsituation ge-

legt.  Das  Leitbild  bildete  Grundlage  des  anschliessend  durchgeführten  Ar-

chitekturwettbewerbs, welcher von Harder Spreyermann Architekten mit ih-

rem Projekt "Pinarello" gewonnen wurde (vgl. dazu act. 5.8). Die Vorinstanz 

setzte  sich  jedoch  nicht  nur  mit  einem  vollständigen  Abbruch  respektive 

Neubau der Siedlung Seebahn auseinander, sondern liess auch alternative 

Varianten wie den vollumfänglichen Erhalt bzw. Teilerhalt/-Teilabbruch ver-

tieft  prüfen.  Die  im  Rahmen  der  Machbarkeitsstudie  2011  beigezogenen 

Fachgremien und Experten sprachen sich zwar grundsätzlich für einen Er-

halt  bzw.  Teilerhalt  der  Siedlung  mit  Ersatz  der  Häuserzeilen  entlang  der 

Seebahnstrasse  aus,  gleichzeitig  erachteten  jedoch  sämtliche  Beteiligten 

siebengeschossige  Neubauten  entlang  der  Seebahnstrasse  in  städtebauli-

cher Hinsicht als möglich (vgl. act. 5.6 S. 9 ff.). Dieser Umstand, wie auch 

die  Tatsache,  dass  nebst  den  städtebaulichen  Aspekten  noch  zahlreiche 

weitere öffentliche und private Interessen zu berücksichtigen waren, bewog 

die  Vorinstanz  letztlich  dazu,  die  Variante  Teilerhalt/Teilabbruch  der  Sied-

lung Seebahn im Rahmen der Güterabwägung zu verwerfen und stattdes-
sen einen Ersatzneubau zu befürworten. Wenn sich die Vorinstanz also auf 

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den Standpunkt stellt, dass mit dem geplanten Neubauvorhaben "Pinarello" 

den im Leitbild erwähnten, im öffentlichen Interesse liegenden Zielen Rech-

nung getragen werde bzw. ein qualitativ gleichwertiger Ersatz für die beste-

hende Siedlung geschaffen werde, so ist dies nicht zu beanstanden. Hier-

bei handelt es sich durchwegs um legitime öffentliche Interessen, denen die 

Vorinstanz  im  Rahmen  der Güterabwägung  zu  Recht  erhebliches  Gewicht 

beigemessen  hat.  Die  architektonische  Ausgestaltung  des  Neubauvorha-

bens bildet allerdings nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens, son-

dern  wird  vielmehr  im  Rahmen  eines  späteren  Nutzungsplanungs-  und 

Baubewilligungsverfahrens  zu  prüfen  sein.  Entsprechend  erweist  sich  die 

vom  Rekurrenten  bemängelte  Einordnung  des  Neubauprojekts  respektive 

fehlende  Bezugnahme  auf  das  zu  erhaltende  Schutzobjekt  "Erismannhof" 

(§ 238 Abs. 2 PBG) im jetzigen Zeitpunkt als verfrüht. 

Der Rekurrent verkennt überdies die denkmalschutzrechtlichen Auswirkun-

gen der mittlerweile in Kraft getretenen ISOS-Festsetzung für die Stadt Zü-

rich respektive der Deklarierung des Sihlfeld-Quartiers mit Erhaltungsziel A 

(Erhaltung  der  Substanz).  Gemäss  verwaltungsgerichtlicher  Rechtspre-

chung  sind  Rechtsänderungen  während  des  Rechtsmittelverfahrens  zwar 

grundsätzlich zu berücksichtigen (vgl. RB 1985 Nr. 116), allerdings begrün-

den auf Gebiete bezogene Erhaltungsziele des ISOS nicht die Schutzwür-

digkeit  von  Einzelobjekten.  Das  ISOS  beurteilt  Ortsbilder  in  ihrer  Gesamt-

heit und nicht aufgrund der Qualität einzelner Bauten. Andernfalls hätte der 

Umstand, dass ein Quartier der Substanzerhaltungszone (Erhaltungsziel A) 

zugeschieden ist, zur Folge, dass sämtliche dort gelegenen Bauten in ihrer 

Substanz erhalten respektive flächendeckend unter Schutz gestellt werden 

müssten.  Dies  kann  nicht  Sinn  und  Zweck  des  Denkmalschutzes  sein.  Im 

Rahmen  einer  künftigen  (projektbezogenen)  Nutzungsplanung  werden  die 

Schutzanliegen des ISOS jedoch angemessen zu berücksichtigen sein.  

8.2. 

Die von der Vorinstanz vorgenommene Interessenabwägung ist vollständig, 

nachvollziehbar  und  zudem  mit  der  notwendigen  Dichte  begründet.  Dem 

Rekurrenten kann nicht gefolgt werden, wenn er behauptet, bei den von der 

Vorinstanz ins Feld geführten Interessen handle es sich lediglich um gene-

relle Anliegen der heutigen Zeit. Die Vorinstanz hat die im konkreten Einzel-

fall  tangierten  öffentlichen  und  privaten  Interessen  sorgfältig  ermittelt  und 
gegeneinander abgewogen. 

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Die  erhebliche  Lärm-  und  Schadstoffbelastung  entlang  der  stark  befahre-

nen  Seebahnstrasse  wird  zwar  auch  im  Falle  eines  Ersatzneubaus  beste-

hen bleiben, mit einem Neubau kann jedoch weitaus gezielter und effizien-

ter auf die Belastungen reagiert werden, als mit einer Sanierung der beste-

henden  Siedlung.  Notwendig  wären  tiefgreifende  strukturelle  Sanierungs-

massnahmen – wie beispielsweise die Umkehr der Wohnungsgrundrisse –, 

was  wiederum  in  wirtschaftlicher  Hinsicht  unverhältnismässig  wäre.  Wie 

vorstehend  dargelegt,  ist  die  Schutzwürdigkeit  der  Siedlung  Seebahn  und 

damit  das  denkmalpflegerische  Interesse  an  der  Erhaltung  des  Schutzob-

jekts  lediglich  als  mittel  einzustufen.  Demnach  rechtfertigt  es  sich  vorlie-

gend, den finanziellen Interessen der Mitbeteiligten einiges Gewicht beizu-

messen (vgl. dazu BGr 1P.584/1995, E. 6b, in ZBl 1996 366 ff.). Angesichts 

der  bei  den  Akten  liegenden  Kostenschätzungen  ist  davon  auszugehen, 

dass  die  im  Falle  einer  Unterschutzstellung  notwendige  werdende  umfas-

sende Sanierung der bestehenden Siedlung beträchtliche finanzielle Nach-

teile für die Mitbeteiligte zur Folge hätte und die voraussichtlichen Mietprei-

se  zudem  über  denjenigen  eines  Neubaus  liegen  würden  (act. 13.4, 

act. 13.5).  Die  Kostenaufstellungen  wurden  zwar  für  die  ABZ-Siedlung 

Kanzleistrasse  erstellt,  aufgrund  ihres  vergleichbaren  Alters,  der  Grösse, 

des  Sanierungsbedarfs  sowie  der  vergleichbaren  strukturellen  Probleme 

rechtfertigt  es  sich  jedoch,  die  Berechnungen  als  vergleichendes  Zahlen-

material für die Siedlung Seebahn heranzuziehen. Nicht ausser Acht gelas-

sen  werden  darf  schliesslich  das  mit  einem  Neubauvorhaben  verbundene 

erhebliche  Verdichtungspotential,  mit  welchem  nicht  nur  die  bestehenden 

Ausnützungsreserven  mobilisiert,  sondern  auch  die  Bewohnerzahl  nahezu 

verdoppelt  werden  könnte.  Die  haushälterische  Bodennutzung  und  die 
Siedlungsentwicklung  nach  innen  (Art. 1  Abs.  2  lit.  abis  RPG) sind zentrale 
Gebote  der  Raumplanung  und  von  hohem  öffentlichen  Interesse.  Der  Re-

kurrent  wendet  ein,  eine  Verdichtung  liesse  sich  auch  durch  den  Ausbau 

des Dachgeschosses respektive mittels Aufstockung erreichen. Rein theo-

retisch trifft dies wohl zu, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass eine 

Aufstockung der bestehenden Siedlung in baustatischer Hinsicht überhaupt 

möglich wäre, was es zumindest zu bezweifeln gilt (vgl. act. 13.5 S. 5). Die 

Verdichtungsmöglichkeiten  wären  jedenfalls  ungleich  geringer,  als  bei  ei-

nem  Neubau.  Zudem  ist  dem  Rekurrenten  entgegenzuhalten,  dass  eine 

Aufstockung  der  bestehenden  Siedlung  in  denkmalschutzrechtlicher  Hin-

sicht alles andere als unproblematisch wäre, würde sich das Erscheinungs-
bild des – nach seinem Dafürhalten hochkarätigen – Schutzobjekts dadurch 

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doch nachhaltig wandeln. Ohnehin erweist sich die Argumentation des Re-

kurrenten  als  widersprüchlich,  wenn  er  einerseits  eine  Verdichtung  mittels 

Aufstockung propagiert, andererseits jedoch befürchtet, dass sich die Sied-

lungsstruktur des Quartiers aufgrund des Neubauvorhabens erheblich ver-

ändern  würde,  weil  mit  diesem  zusätzliche  Stockwerke  entlang  der  See-

bahnstrasse geplant seien.  

8.3. 

Die Vorinstanz hat sich schliesslich auch mit dem Vorhandensein vergleich-

barer Schutzobjekte auseinandergesetzt und dargelegt, dass mit dem "Ro-

ten Block" und der Siedlung "Letten 1., 2. und 3. Etappe" bereits vergleich-

bare genossenschaftliche Wohnkolonien des Architekten Pietro Giumini un-

ter Schutz gestellt wurden. Zur Denkmalpflegestrategie der Vorinstanz ge-

hört  auch,  dass  mit  der  Erhaltung  der  beiden  inventarisierten  Siedlungen 

"Erismannhof"  und  "Bullingerhof"  der  grossstädtische  Typus  der  offenen 

Blockrandbebauung im Sihlfeld-Quartier weiterhin vertreten bleibt. Der Re-

kurrent  kann  keine  ausreichenden  Zweifel an  der Vergleichbarkeit  mit  den 

von  der  denkmalfachkundigen  Stadt  Zürich  genannten  genossenschaftli-

chen  Wohnkolonien  wecken,  zumal  Vergleichsobjekte  kaum  je  "gleich", 

sondern  bloss  –  mehr  oder  weniger  –  vergleichbar  sind.  Die  von  der  Vo-

rinstanz  getroffene  Auswahl  erweist  sich  mit  Blick  auf  das  ihr  zustehende 

Ermessen daher als vertretbar.  

8.4. 

Zusammenfassend  vermag  das  öffentliche  Interesse  an  der  Erhaltung  der 

streitbetroffenen Siedlung die entgegenstehenden öffentlichen und privaten 

Interessen  somit  nicht  zu  überwiegen.  Es  ist  daher nicht  rechtsverletzend, 

wenn  die  Vorinstanz  die  Siedlung  Seebahn  inkl.  Aussenräume  (Vorgärten 

und Innenhof) aus dem Kreis der möglichen Schutzobjekte entlassen bzw. 

auf Schutzmassnahmen verzichtet hat. 

9.1. 

Der Rekurs ist demnach abzuweisen.  

[….] 

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