# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ce12d296-c915-5638-9c83-dcec9f40cb55
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-05-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.05.2016 D-3086/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3086-2015_2016-05-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-3086/2015/plo 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  M a i  2 0 1 6  

Besetzung 
 Richter Hans Schürch (Vorsitz), 

Richterin Contessina Theis, 

Richter Thomas Wespi,    

Gerichtsschreiberin Eva Zürcher. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch Urs Jehle, Caritas Luzern, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; 

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 20. April 2015 / N (…). 

 

 

 

D-3086/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge sein Heimatland 

am 8. oder 10. August 2012 in Richtung Sudan, wo er sich während etwas 

mehr als sechs Monaten aufgehalten und während vier Monaten gearbeitet 

habe. Von dort aus sei er über die Sahara in einem Fahrzeug nach 

B._______ in die Stadt C._______ gelangt, wo er weitere fünf Monate ge-

arbeitet habe. Im August 2013 sei er während vier Tagen über das Meer an 

einen ihm unbekannten Ort gekommen. Mit der Hilfe eines Schleppers 

habe er sich am 1. September 2013 nach D._______ begeben, wo er am 

folgenden Tag um Asyl nachsuchte. Am 23. September 2013 wurde er im 

Empfangs- und Verfahrenszentrum E._______ zur Person befragt und am 

15. Dezember 2014 führte das BFM eine Anhörung durch. 

Der Beschwerdeführer machte geltend, er sei eritreischer Staatsangehöri-

ger tigrinischer Volkszugehörigkeit und im Sudan geboren worden, wo er 

während seines ersten Lebensjahres beziehungsweise bis 1995 gelebt 

habe. Anschliessend sei er mit seiner Familie nach F._______ in Eritrea 

gezogen, wo er ab 1998 im Alter von neun Jahren die Schule begonnen 

und bis zur achten Klasse besucht habe. Im Jahr 2006 habe er die Schule 

abgebrochen, um zum Lebensunterhalt der Familie beitragen zu können. 

Wegen der Erkrankung seines Vaters respektive dessen Einzug in die Miliz 

habe er während eines Jahres die Tiere der Familie gehütet. Im Jahr 2007 

sei er in der 20. Rekrutierungsrunde rekrutiert worden und nach 

G._______ eingerückt. Zuerst sei er in H._______, dann in I._______ sta-

tioniert gewesen. Anschliessend habe er in J._______ eine militärische 

Ausbildung absolviert, worauf er in der K._______, nämlich in L._______ 

beziehungsweise in I._______ stationiert gewesen sei. Während des Mili-

tärdienstes sei es zu tätlichen Auseinandersetzungen mit dem Vorgesetz-

ten gekommen, worauf er im Februar 2009 zuerst in M._______ und dann 

in N._______ und schliesslich in G._______ inhaftiert worden sei. Im Au-

gust 2012 sei ihm die Flucht aus der Haft in G._______ gelungen, worauf 

er in den Sudan geflohen sei.  

Der Beschwerdeführer reichte anfänglich keine Identitätsdokumente oder 

Beweismittel zu den Akten. Am 15. November 2013 gab er Kopien von zwei 

Identitätskarten zu den Akten (vgl. A9/5), wobei es sich möglicherweise um 

Identitätspapiere seiner Eltern handelt.  

B.  

Mit Verfügung vom 20. April 2015 – eröffnet am 23. April 2015 – stellte das 

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Seite 3 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus der 

Schweiz an. Mangels Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs wurde die 

vorläufige Aufnahme angeordnet. Auf die Begründung wird in den nachfol-

genden Erwägungen näher eingegangen.   

C.  

Gegen diese Verfügung liess der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 

13. Mai 2015 Beschwerde erheben. Er beantragte die Aufhebung der an-

gefochtenen Verfügung, die Gewährung von Asyl und eventuell der vorläu-

figen Aufnahme als Flüchtling. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte 

er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Beiordnung 

eines amtlichen Beistandes in der Person des die Beschwerde unterzeich-

nenden juristischen Mitarbeiters der Caritas Luzern. Auf die Begründung 

wird in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. Der Be-

schwerde lagen eine Vollmacht, eine Fürsorgebestätigung vom 7. Mai 

2015, die Kopie der angefochtenen Verfügung und Kopien aus dem Inter-

net bei.  

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 20. Mai 2015 wurde dem Beschwerdeführer 

mitgeteilt, dass er den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz 

abwarten könne. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung wurde gutgeheissen und auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses verzichtet. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsver-

beiständung wurde ebenfalls gutgeheissen und der die Beschwerde Unter-

zeichnende als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. Das SEM wurde zur 

Vernehmlassung innert Frist eingeladen.  

E.  

Mit Vernehmlassung vom 11. Juni 2015 stellte das SEM fest, dass keine 

neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung 

des Standpunktes rechtfertigen könnten, vorlägen, und es hielt vollumfäng-

lich an seinen Erwägungen fest. Auf die Einzelheiten der Vernehmlassung 

wird in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.  

F.  

Mit Instruktionsverfügung vom 16. Juni 2015 wurde dem Beschwerdeführer 

ein Repklikrecht eingeräumt.  

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Seite 4 

G.  

Mit Eingabe vom 1. Juli 2015 nahm der Beschwerdeführer zur vorinstanz-

lichen Vernehmlassung Stellung. Zu den Einzelheiten wird nachfolgend nä-

her Stellung bezogen.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

In der Regel entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Besetzung 

mit drei Richtern oder drei Richterinnen. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

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Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Das SEM begründete die angefochtene Verfügung im Wesentlichen 

wie folgt: Die Vorbringen des Beschwerdeführers seien in zahlreichen Be-

reichen widersprüchlich und somit nicht glaubhaft dargestellt worden. So 

habe er unterschiedlich angegeben, wie lange er wo gelebt habe, weshalb 

er die Schule abgebrochen habe, wann und in welcher Reihenfolge er wo 

im Militär stationiert gewesen sei, wann, warum und unter welchen Um-

ständen er in Militärhaft gekommen sei, sowie die genaueren Umstände 

der Handgreiflichkeiten mit dem Vorgesetzten und der Flucht aus der Ge-

fangenschaft. Des Weiteren seien die von ihm geschilderten Umstände der 

Flucht auch nicht nachvollziehbar. Insbesondere erscheine es nicht plausi-

bel, dass er das Loch im Zaun, von welchem er gesagt habe, es selber 

gemacht zu haben, nicht selber gefunden habe, sondern darüber von Mit-

insassen in Kenntnis gesetzt worden sei. Demgegenüber sei es nicht nach-

vollziehbar, dass er das Loch im Zaun unter der Angabe, dieses nicht sel-

ber gemacht zu haben, innert kürzester Zeit gefunden haben wolle. Ebenso 

wenig könne nachvollzogen werden, dass der Beschwerdeführer über das 

Loch von Mitgefangenen informiert worden sei und diese ihn zuerst hätten 

fliehen lassen. Auch die übrigen, die Flucht betreffenden Umstände seien 

vom Beschwerdeführer nicht nachvollziehbar geschildert worden, wobei 

insbesondere die Flucht durch eine Gegend, in welcher es keine Zivilisten, 

sondern nur Militärangehörige gegeben habe, nicht zu überzeugen ver-

möge. Angesichts der zahlreich stationierten militärischen Angehörigen sei 

es nicht logisch und nachvollziehbar, dass er ohne Schwierigkeiten vom 

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militärischen Gelände in G._______ bis in den Sudan habe gelangen kön-

nen. Im Übrigen seien seine Aussagen darüber, wie er in den Sudan ge-

langt sei, auch unsubstanziiert und damit unglaubhaft. Insgesamt seien 

seine Angaben über die Haftgründe und die Umstände der Flucht aus der 

Haft in G._______ nicht glaubhaft ausgefallen. Dem Beschwerdeführer 

könne zudem die geltend gemachte illegale Ausreise aus Eritrea auch nicht 

geglaubt werden, weil das Ausmass der Unstimmigkeiten in seinen Aussa-

gen ernsthafte Zweifel an der persönlichen Glaubwürdigkeit wecke und da-

rauf schliessen lasse, dass er die wahren Umstände der Ausreise aus Erit-

rea verheimliche. Insbesondere sei nicht auszuschliessen, dass er Eritrea 

bereits zu einem erheblich früheren Zeitpunkt verlassen habe, wobei in die-

sem Zusammenhang zu erwähnen sei, dass sich in den Nachbarstaaten 

Äthiopien und Sudan sowie in weiteren afrikanischen Staaten wie Kenia, 

Uganda, Saudi-Arabien, Israel und Südafrika eine grosse eritreische 

Diaspora gebildet habe. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei, 

subjektive Nachfluchtgründe glaubhaft darzustellen, sei mit Verweis auf die 

Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E-4799/2012 vom 21. Februar 

2014 und  

D-4787/2013 vom 20. November 2014 davon auszugehen, dass er Eritrea 

auf legale Weise verlassen habe.  

5.2 In seiner Beschwerde legte der Beschwerdeführer dar, dass die ver-

meintlichen Widersprüche zur Ausreise aus dem Sudan im Alter von einem 

Jahr und zum Schulabbruch im Jahr 2006 nur Ungenauigkeiten in den An-

hörungen darstellen würden. Auch die Angaben zum Militärdienst seien 

nicht widersprüchlich ausgefallen. Vielmehr habe er übereinstimmend aus-

gesagt, nach G._______ rekrutiert worden zu sein. Während seine Einheit 

in I._______ stationiert gewesen sei, habe man ihn an die Front zum Dienst 

eingeteilt. Zwar habe er tatsächlich ausgesagt, von L._______ geflohen zu 

sein. Dass diese Angabe aber so nicht stimmen könne, sei seinen weiteren 

Aussagen zu entnehmen, wonach er aus G._______ geflohen sei. Die an-

geblich widersprüchlichen Gründe für die Auseinandersetzung mit dem 

Vorgesetzten seien damit zu erklären, dass sich die Situation über lange 

Zeit hin zugespitzt und der Beschwerdeführer mehrere Probleme geltend 

gemacht habe. Bei den zeitlichen Angaben über die Haft bestehe indessen 

ein Widerspruch; jedoch habe er den Ausreisetermin übereinstimmend an-

gegeben. Dabei sei indessen zu beachten, dass er während dreier Jahre 

die schlimmste Haft erlebt habe und anschliessend durch halb Afrika in die 

Schweiz geflohen sei. Es sei auch zu berücksichtigen, dass er nicht in sei-

ner Muttersprache Tigre, sondern in Tigrinya angehört worden sei. Zudem 

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seien Widersprüche per se kein Indiz für die Unglaubhaftigkeit von Vorbrin-

gen. Die Asylbehörden müssten alle Faktoren gewichten und gegeneinan-

der abwägen. Insbesondere müsse Asyl gewährt werden, wenn gewichtige 

Indizien und eine von Detailfragen losgelöste Gesamtbetrachtung vor dem 

kulturellen und individuellen Hintergrund der betroffenen Person eine asyl-

relevante Gefährdung als überwiegend wahrscheinlich erscheinen liessen. 

Hinsichtlich der handgreiflichen Auseinandersetzung sei die Argumentation 

des SEM falsch, weil in der Befragung nicht alles protokolliert worden sei. 

Im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit seinem Vorgesetzten 

habe der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung zuerst gesagt, es 

seien Waffen gezogen worden, während er später anlässlich der Anhörung 

die Ereignisse detailliert geschildert und vorgebracht habe, er sei mit der 

Waffe wiedergekommen, festgehalten und zusammengeschlagen worden, 

als er auf den Vorgesetzten habe schiessen wollen. Jedoch sei nicht pro-

tokolliert worden, dass er eine Waffe mitgeführt habe, als er zur Auseinan-

dersetzung gekommen sei. Der Befragung könne indessen aufgrund des 

stark zusammengefassten Sachverhalts nicht entnommen werden, ob die 

Waffen während oder nach der Schlägerei ins Spiel gekommen seien. So-

mit könne dem Beschwerdeführer nicht vorgeworfen werden, er habe die 

Situation widersprüchlich geschildert. Aus dem Protokoll der Befragung sei 

zudem ersichtlich, dass die Schilderung der Ereignisse durcheinander ge-

raten sei, weil der Beschwerdeführer zeitliche Sprünge vorgenommen 

habe. So sei er nach der Aussage, sie hätten die Waffen gezogen, zeitlich 

nochmals zurück zum Grund der Auseinandersetzung gegangen und habe 

erwähnt, dass ihm während zweier Jahre verweigert worden sei, seine Fa-

milie zu sehen, während die Kollegen in den Urlaub geschickt worden 

seien, was ihn sehr verärgert habe; anschliessend sei er in seiner Schilde-

rung wieder zur Situation zurückgekehrt und habe von der Auseinander-

setzung mit dem Vorgesetzten weiter berichtet, indem er vorgebracht habe, 

man habe ihn geschlagen, sie hätten sich geschlagen, sie hätten die Waf-

fen gezogen, und er sei inhaftiert worden. Diese knappe Zusammenfas-

sung habe er anlässlich der Anhörung mit vielen Details ergänzt. Somit 

habe er insgesamt den Sachverhalt gleich wie in der Anhörung dargelegt. 

In diesem Zusammenhang sei festzuhalten, dass das BFM den Beschwer-

deführer aufgefordert habe, sich anlässlich der Befragung kurz zu fassen, 

weshalb der Sachverhalt vereinfacht worden sei. Es komme jedoch bei 

zeitlich verkürzten Zusammenfassungen unweigerlich zu Unklarheiten der 

erwähnten Art. Nach Lehre und Rechtsprechung (mit Verweis auf das in 

den Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-

kommission [EMARK] publizierte Urteil 1993 Nr. 3 S. 13) komme deshalb 

den Aussagen der Befragung nur ein verminderter Beweiswert zu; diese 

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müssten den späteren Angaben diametral entgegenstehen, um als wider-

sprüchlich gelten zu können, was vorliegend nicht der Fall sei. Dasselbe 

gelte für die Angaben im Zusammenhang mit der Flucht aus G._______. 

Diese habe der Beschwerdeführer überaus glaubhaft und genau dargelegt, 

wie sich aus den Antworten (…) des Anhörungsprotokolls ergebe. Er habe 

sogar eine detaillierte Skizze angefertigt, auf welcher das Silo, in welchem 

er gefangen gehalten worden sei, die Plantage, der Bereich der Notdurft, 

der Eingang zum Areal, der Zaun, der Militärstützpunkt, der Fluss 

O._______ und die undichte Stelle im Zaun eingezeichnet worden seien. 

Die Lücke im Zaun sei damit zu erklären, dass dort der aus Ästen und Bü-

schen bestehende Zaun nicht sehr dicht gewesen sei und zur Seite habe 

geschoben werden können, um durchzukriechen, was er von anderen Ge-

fangenen mitbekommen habe. Bei der undichten Stelle habe es sich somit 

nicht – wie vom SEM angenommen – um ein Loch gehandelt. Diese Infor-

mation sei ihm indessen nicht zugetragen worden, sondern er habe sie aus 

Gesprächen unter Mitgefangenen aufgenommen und als erstbeste Mög-

lichkeit für seine Flucht benutzt. Aufgrund der Beschreibung durch die an-

deren habe er die Stelle des undichten Zauns gefunden, da ihm als Folge 

der langen Haft das Lager gut bekannt gewesen sei. Dieses Vorgehen er-

scheine nachvollziehbar. Ausserhalb des Gefängnisareals habe er sich von 

Hirten helfen lassen. Seine Schilderungen seien nachvollziehbar. Die Aus-

sage, er sei entlang des Flusses immer weiter gegangen, bis er im Sudan 

angekommen sei, müsse falsch protokolliert worden sei, da der Fluss nach 

P._______ führe und nicht in den Sudan und der Beschwerdeführer an an-

derer Stelle ausgeführt habe, dass der Fluss in Richtung P._______ fliesse 

(vgl. Antwort 146 des Anhörungsprotokolls). Die Ungereimtheit sei auch da-

mit zu erklären, dass er nicht in seiner Muttersprache (Tigre), sondern in 

Tigrinya angehört worden sei und erklärt habe, diese Sprache nicht perfekt 

zu sprechen. Dass er den Fluss O._______ erst in der Anhörung erwähnt 

habe, sei schliesslich auf den summarischen Charakter der Befragung zu-

rückzuführen. Im Übrigen würden keine Widersprüche vorliegen und der 

Beschwerdeführer habe die Ortschaften korrekt genannt. Insgesamt sei die 

Würdigung des SEM zu einseitig erfolgt. Der reduzierte Beweismassstab 

des Glaubhaftmachens lasse gewisse Zweifel an der Richtigkeit von Aus-

sagen zu und verlange eine Gesamtwürdigung aller für und gegen die 

Glaubhaftigkeit sprechenden Argumente. Das SEM habe indessen die 

glaubhaften und detaillierten Ausführungen des Beschwerdeführers nicht 

gewürdigt. Er habe Detailkenntnisse über die Rekrutierung und seine Mili-

täreinheit zu Protokoll gegeben, habe die Gefängnisse genau beschrieben, 

habe seine schlechte psychische Verfassung im Gefängnis dargelegt, aus 

welcher seine Verzweiflung und die Aussichtslosigkeit hervorgingen, was 

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vom SEM nicht gewürdigt worden sei. Das SEM habe somit die Begrün-

dungspflicht und damit den Anspruch auf Gewährung des rechtlichen Ge-

hörs verletzt. Der Sachverhalt sei indessen ausreichend erstellt, weshalb 

eine erneute Würdigung der Glaubhaftigkeit der Aussagen aufgrund der 

bestehenden Sachlage erfolgen könne. Die Vorbringen des Beschwerde-

führers seien glaubhaft und asylrelevant. Da seine Ehefrau nach seiner 

Flucht verhaftet und zwangsrekrutiert und damit einer Reflexverfolgung 

ausgesetzt worden sei, müsse von einem weiterhin bestehenden Interesse 

der Behörden an einer Bestrafung des Beschwerdeführers ausgegangen 

werden. Dies führe – mit Verweis auf EMARK 1994/17 S. 132 ff. – vorlie-

gend zu objektiven Nachfluchtgründen für den Beschwerdeführer. Im Übri-

gen sei der Beschwerdeführer illegal aus seinem Heimatland ausgereist, 

weshalb subjektive Nachfluchtgründe vorliegen würden.  

5.3 In seiner Vernehmlassung vom 11. Juni 2015 stellte das SEM fest, dass 

angesichts der zahlreichen Unstimmigkeiten und logischen Lücken in den 

Ausführungen des Beschwerdeführers Zweifel an der Glaubhaftigkeit sei-

ner Vorbringen und an seiner persönlichen Glaubwürdigkeit bestünden. 

Die geltend gemachten sprachlichen Probleme könnten nicht gehört wer-

den, weil der Beschwerdeführer zwei Mal zu Protokoll gegeben habe, die 

dolmetschende Person gut zu verstehen (vgl. Akte A4/14 S. 3 und Akte 

A11/22 S. 1). Der Vorwurf der falschen Protokollierung sei angesichts der 

Bestätigung der Richtigkeit der Aussagen in den Protokollen durch den Be-

schwerdeführer ebenfalls nicht zutreffend. Auch der Hinweis auf den sum-

marischen Charakter der Befragung, welche die Unstimmigkeiten erklären 

sollten, vermöge nicht zu überzeugen, weil sich unvereinbare Darstellun-

gen damit nicht erklären liessen. Bezüglich der Umzäunung des Gefäng-

nisses, aus welchem der Beschwerdeführer geflohen sein wolle, sei fest-

zuhalten, dass angesichts der beschriebenen Funktion und Grösse der An-

lage die geltend gemachte Umzäunung aus Ästen und Büschen nicht nach-

vollziehbar sei. Zudem habe der Beschwerdeführer einerseits ausgesagt, 

sie hätten eine Öffnung gemacht und seien geflohen, während er an ande-

rerseits von einer undichten Stelle zur Flucht berichtet habe. Es sei nicht 

logisch, dass Mithäftlinge, welche die undichte Stelle gekannt hätten, nicht 

selber geflohen seien, sondern dies dem Beschwerdeführer erzählt hätten. 

Auch wenn aus der Unglaubhaftigkeit der Vorbringen nicht auf eine legale 

Ausreise geschlossen werden könne, müsse die gesuchstellende Person 

aufgrund der ihr obliegenden Beweis- und Substanziierungslast gemäss 

Art. 7 und 8 AsylG glaubhaft machen, dass subjektive Nachfluchtgründe 

vorlägen, was dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei. Somit sei davon 

auszugehen, dass der Beschwerdeführer sein Heimatland auf legale 

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Weise verlassen habe. Allein der Verweis auf die allgemein schwierige Aus-

reise genüge nicht, um von einer illegalen Ausreise auszugehen. Bezüglich 

der geltend gemachten objektiven Nachfluchtgründe infolge der geltend 

gemachten Reflexverfolgung der Ehefrau des Beschwerdeführers sei fest-

zuhalten, dass das zitierte Urteil der ehemaligen Schweizerischen Asylre-

kurskommission (ARK) ein regimekritisches Verhalten eines Familienmit-

gliedes beinhaltet habe, weshalb es sich vorliegend um eine völlig andere 

Konstellation handle. Das SEM verwies im Übrigen auf seine Erwägungen, 

an welchen es vollumfänglich festhalte. 

5.4 In seiner Replik vom 1. Juli 2015 legte der Beschwerdeführer im We-

sentlichen dar, dass entgegen der Ansicht des SEM weder zahlreiche Un-

stimmigkeiten noch Lücken in den Ausführungen des Beschwerdeführers 

bestünden. Ein einziger Widerspruch – betreffend den Zeitpunkt der Ver-

haftung – bleibe bestehen. Diesbezüglich sei anzumerken, dass das Ereig-

nis im Zeitpunkt der Befragung etwa viereinhalb Jahre und im Zeitpunkt der 

Anhörung etwa fünfeinhalb Jahre zurückliege, was zu berücksichtigen sei 

und nicht zur Unglaubhaftigkeit der Aussagen führen könne. Zudem habe 

die Vorinstanz eine zu einseitige Wertung vorgenommen. Gemäss Lehre 

und Praxis müsse die asylsuchende Person den behaupteten Sachverhalt 

nur plausibel darlegen, auch wenn die Möglichkeit nicht völlig auszu-

schliessen sei, dass der tatsächliche Sachverhalt in Wahrheit ein anderer 

sei. Im Zweifel sei für die asylsuchende Person zu entscheiden. Vorbrin-

gen, die für oder gegen die Glaubhaftigkeit von Aussagen sprechen wür-

den, müssten gewichtet werden. Zweifel am Wahrheitsgehalt einzelner 

Elemente müssten nicht unweigerlich zum Schluss führen, dass die Vor-

bringen insgesamt nicht glaubhaft seien. Vielmehr sei eine Gesamtwürdi-

gung vorzunehmen. Die in Lehre und Praxis geltenden Massstäbe seien 

von der Vorinstanz verletzt worden, indem sie zahlreiche glaubhafte Sach-

verhaltselemente mit keinem Wort gewürdigt habe. Aufgrund der glaubhaf-

ten Darstellungen des Beschwerdeführers sei auch die geltend gemachte 

illegale Ausreise als glaubhaft zu betrachten. Schliesslich sei die Reflexver-

folgung der Ehefrau als Indiz für die Flüchtlingseigenschaft des Beschwer-

deführers heranzuziehen.   

6.  

6.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung der Begründungspflicht 

und damit eine Verletzung des rechtlichen Gehörs.  

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Seite 11 

6.2 Diese verfahrensrechtliche Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls 

geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewir-

ken.  

6.2.1 Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29 

VwVG, Art. 32 Abs. 1 VwVG) verlangt, dass die verfügende Behörde die 

Vorbringen des Betroffenen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft 

und in der Entscheidfindung berücksichtigt, was sich entsprechend in der 

Entscheidbegründung niederschlagen muss (vgl. Art. 35 Abs. 1 VwVG). 

Die Begründung der Verfügung soll es dem Betroffenen ermöglichen, den 

Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Art. 35 Abs. 1 VwVG 

umschreibt den Inhalt der Begründungspflicht nicht näher; verlangt wird 

aber, dass die Begründung eines Entscheides so abgefasst wird, dass der 

Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann, was nur der 

Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz 

über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können. Nach den 

von Lehre und Praxis entwickelten Grundsätzen hat die verfügende Be-

hörde somit im Rahmen der Entscheidbegründung die Überlegungen zu 

nennen, von denen sie sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt. 

Die Begründung des Entscheides muss so abgefasst sein, dass die be-

troffene Person ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Die Be-

hörde muss sich jedoch nicht mit jeder tatbeständlichen Behauptung aus-

einandersetzen, sondern kann sich auf die für den Entscheid wesentlichen 

Gesichtspunkte beschränken. Mit der Pflicht zur Offenlegung der Ent-

scheidgründe kann zudem in der Regel verhindert werden, dass sich die 

Behörde von unsachgemässen Motiven leiten lässt (vgl. dazu LORENZ 

KNEUBÜHLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundes-

gesetz über das Verwaltungsverfahren, 2008, Rz. 6 ff. zu Art. 35; ALFRED 

KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI; Verwaltungsverfahren und Ver-

waltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich 2013, N. 629 ff.; BVGE 

2007/30 E. 5.6; BGE 136 I 184 E. 2.2.1 und 134 I 83 E. 4.1). 

6.3 In diesem Zusammenhang ist zunächst darauf hinzuweisen, dass der 

Beschwerdeführer gestützt auf Art. 8 AsylG verpflichtet ist, bei der Feststel-

lung des Sachverhalts mitzuwirken. Insbesondere liegt es gemäss dieser 

Norm an ihm, allfällige Beweismittel von sich aus unaufgefordert einzu-

reichen (Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG) und seine Asylgründe anzugeben 

(Art. 8 Abs. 1 Bst. c AsylG).  

D-3086/2015 

Seite 12 

6.4 Im vorliegenden Fall trifft es teilweise zu, dass das SEM in der ange-

fochtenen Verfügung einige Sachverhaltsvorbringen nicht erwähnt bezie-

hungsweise im Sachverhalt nicht explizit aufgeführt und/oder in den Erwä-

gungen nicht gewürdigt hat. Indessen ist – wie den vorangehenden Erwä-

gungen entnommen werden kann – nicht gefordert, dass sich das SEM mit 

jeder tatbeständlichen Behauptung auseinandersetzen und sämtliche 

möglichen Argumente darlegen muss; vielmehr ist einer rechtsgenüglichen 

Begründung Genüge getan, wenn sich das SEM auf die für den Entscheid 

wesentlichen Gesichtspunkte beschränkt, was vorliegend der Fall ist, wie 

die nachfolgenden Erwägungen zeigen werden. So hat sich das SEM in 

der angefochtenen Verfügung eingehend mit der Glaubhaftigkeit der Aus-

sagen des Beschwerdeführers befasst und hinreichend begründet, wes-

halb es die Aussagen als unglaubhaft bewertet. Indem das SEM nach Prü-

fung und Würdigung der wesentlichen und gemäss Angaben des Be-

schwerdeführers unmittelbar fluchtauslösenden Verfolgungsvorbringen 

zum Schluss kam, die geltend gemachte Verfolgung sei insgesamt nicht 

glaubhaft, konnte es darauf verzichten, weitere Sachverhaltselemente 

ebenfalls noch zu prüfen und in der angefochtenen Verfügung ausdrücklich 

aufzuführen beziehungsweise Sachverhaltselemente darzulegen, welche 

– trotz der festgestellten Unglaubhaftigkeit der Vorbringen – für deren 

Glaubhaftigkeit gesprochen hätten. Der Sachverhalt ist im Übrigen auch im 

heutigen Zeitpunkt als ausreichend festgestellt zu erachten, was schliess-

lich auch in der Beschwerde anerkannt wird einerseits mit der Bemerkung, 

der Sachverhalt sei trotzdem ausreichend erstellt worden, weshalb eine 

erneute Würdigung der Glaubhaftigkeit der Aussagen aufgrund der beste-

henden Sachlage erfolgen könne, sowie andererseits mit den gestellten 

Rechtsbegehren, unter welchen sich kein Antrag auf Rückweisung an die 

Vorinstanz zur ergänzenden Feststellung des Sachverhalts befindet.  

6.5 Nach dem Gesagten ergibt sich insgesamt, dass im vorliegenden Fall 

die Rüge, wonach das SEM die Begründungspflicht und das rechtliche Ge-

hör verletzt habe, unbegründet ist. Damit besteht kein Anlass, die ange-

fochtene Verfügung wegen Verletzung formellen Rechts aufzuheben und 

die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen.  

7.  

7.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend 

substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in 

vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich 

sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder 

D-3086/2015 

Seite 13 

der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-

suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere 

dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, 

wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im 

Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet 

nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-

wirkung verweigert. Für die Glaubhaftigkeit von Fluchtvorbringen sprechen 

insbesondere die Übereinstimmung der Aussagen zwischen den verschie-

denen Befragungen sowie die Vereinbarkeit von Aussagen mit den einge-

reichten Beweismitteln und den Erkenntnissen über die Situation im Hei-

mat- oder Herkunftsland. Auch aus der Kohärenz, der Substanziiertheit, 

der Nachvollziehbarkeit, der Schlüssigkeit, der Korrektheit und der Origi-

nalität der Angaben lässt sich die Glaubhaftigkeit der Aussagen schliessen. 

Glaubhaftmachung bedeutet ferner im Gegensatz zum strikten Beweis ein 

reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände 

und Zweifel an den Vorbringen der asylsuchenden Person. Eine Behaup-

tung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer Wahr-

heit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, obwohl 

nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht es dem-

gegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber 

in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Um-

stände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Ent-

scheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, die für eine 

Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht; 

dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5 

E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.3). Insbesondere reicht die blosse Plausibilität 

nicht aus, wenn gewichtige Umstände gegen die Sachverhaltsdarstellung 

sprechen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Peter Uebersax/Beat Rudin/ 

Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser {Hrsg.}, Ausländerrecht, Handbücher für 

die Anwaltspraxis, Band VIII, Basel u.a. 2009, S. 568, Rz. 11.149; EMARK 

1996 Nr. 28 E. 3a S. 270). Zudem darf sich die Argumentation der Behör-

den nicht in blossen Gegenbehauptungen oder allgemeinen Vermutungen 

erschöpfen. 

 

7.2 Im Beschwerdeverfahren wird geltend gemacht, die Aussagen des Be-

schwerdeführers seien teilweise falsch oder nicht korrekt protokolliert wor-

den, und es hätten sich sprachliche Schwierigkeiten ergeben, weil der Be-

schwerdeführer nicht in seiner Muttersprache Tigre, sondern in Tigrinya an-

gehört worden sei. Unter diesen Umständen dürften die protokollierten 

D-3086/2015 

Seite 14 

Stellen nicht zur Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen benützt wer-

den. Der Beschwerdeführer gab in beiden Protokollen an, die dolmet-

schende Person gut zu verstehen (vgl. Akte A4/14 S. 2 und 10 sowie Akte 

A11/22 S. 1). Anlässlich der Rückübersetzungen hatte er keine Einwände 

gegen die Protokollierung vorzubringen, und auch die der Anhörung anwe-

sende Hilfswerksvertretung brachte keine Bemerkungen an. Die beiden 

Protokolle wurden von ihm vorbehaltlos unterzeichnet, womit er zum Aus-

druck brachte, dass die darin enthaltenen Angaben seinen Aussagen ent-

sprechen. Unter diesen Umständen hat sich der Beschwerdeführer die in 

den beiden Protokollen enthaltenen Aussagen voll und ganz anrechnen zu 

lassen. Insbesondere kann weder der Rüge im Beschwerdeverfahren, es 

sei falsch oder nicht korrekt protokolliert worden, noch der Argumentation, 

diverse vom SEM festgestellte Ungereimtheiten und Widersprüche seien 

darauf zurückzuführen, dass der Beschwerdeführer nicht in seiner Mutter-

sprache angehört worden sei, gefolgt werden. Es ist vorliegend nicht davon 

auszugehen, dass es aufgrund der nicht in der Muttersprache des Be-

schwerdeführers stattgefundenen Befragung und Anhörung zu wesentli-

chen Verständigungsproblemen oder falsch beziehungsweise nicht proto-

kollierten Aussagen des Beschwerdeführers gekommen sein kann. An-

dernfalls wäre dies auch in den Protokollen selber zum Ausdruck gekom-

men, was jedoch nicht der Fall ist. Im Übrigen ist die Tatsache, dass der 

Beschwerdeführer nicht in seiner Muttersprache, sondern in Tigrinya ange-

hört wurde, zu relativieren, zumal er auch angab, während fünf Jahren in 

der Schule in Tigrinya unterrichtet worden zu sein (vgl. Akte A11/22 S. 4), 

womit anzunehmen ist, dass er auch diese Sprache hinreichend be-

herrscht. Schliesslich ergeben sich aus den beiden Protokollen keine An-

haltspunkte dafür, dass die wesentlichen Aussagen des Beschwerdefüh-

rers nicht klar und unmissverständlich protokolliert worden seien.  

7.3 Aufgrund der Akten kommt das Bundesverwaltungsgericht vorliegend 

insgesamt zum Schluss, dass der vorinstanzlichen Argumentation im We-

sentlichen zuzustimmen ist, wie den nachfolgenden Erwägungen entnom-

men werden kann. Zwar kann die Argumentation in der Beschwerde dahin-

gehend geteilt werden, als der Beschwerdeführer seine Einheit und einige 

Einzelheiten zu seiner Ausbildung an der Waffe und deren Wirkungsweise 

zutreffend sowie teilweise die örtlichen Gegebenheiten des Haftzentrums 

mit gewissen Details darstellte, was für die Glaubhaftigkeit der Angaben, 

er sei in den Militärdienst eingezogen und ausgebildet worden sowie er sei 

inhaftiert worden, spricht (vgl. Akte A11/22 S. 7). Indessen ergeben sich 

aus seinem Sachvortrag zahlreiche Ungereimtheiten, welche – im Sinne 

einer Gesamtbetrachtung seiner Vorbringen – dennoch gegen deren 

D-3086/2015 

Seite 15 

Glaubhaftigkeit sprechen. Zudem können Fakten über militärische Einhei-

ten und Waffen oder Einzelheiten über Örtlichkeiten auch von anderen erit-

reischen Personen oder aus den Medien übernommen und gelernt worden 

sein. Das diesbezügliche Wissen des Beschwerdeführers vermag deshalb 

nicht als starkes Indiz für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen zu sprechen. 

Aussagekräftiger wären in seinem Fall in den wesentlichen Punkten über-

einstimmende, nachvollziehbare und substanzielle Aussagen, in welchen 

auch eine persönliche innere Beteiligung zum Ausdruck kommt und welche 

zahlreiche Realkennzeichen enthalten.  

7.4 Die Beschreibung der Gefängnisaufenthalte und der Flucht aus dem 

letzten Gefängnis durch den Beschwerdeführer enthält einerseits solche 

Elemente, welche auf den ersten Blick für die Glaubhaftigkeit seiner Aus-

sagen sprechen, ist andererseits gleichzeitig geprägt durch eine fehlende 

Substanz in wesentlichen Bereichen und widersprüchliche Aussagen, was 

nicht mit glaubhaften Angaben zu vereinbaren ist: 

7.4.1 So wurde der Beschwerdeführer gefragt, wie das Gefängnis 

Q._______ in M._______ aussen und innen aussehe. Dabei gab er an, es 

gebe von aussen nichts zu sehen, auch wenn eine Strasse daran vorbei-

führe. Innen sei weiter nichts, es sei stockdunkel, man könne keine Leute 

sehen (vgl. Akte A11/22 S. 11 f.). Es ist mit der Realität nicht zu vereinba-

ren, dass man ein Gefängnis von aussen nicht beziehungsweise dass man 

"nichts" sieht, zumal davon auszugehen ist, dass dort, wo sich ein Gefäng-

nis befindet, irgendetwas sichtbar ist, das auf ein Gefängnis hinweist. Je-

mand, der dort gewesen ist, könnte das – was auch immer es ist – be-

schreiben. Die Aussage, man sehe "nichts", ist als substanzlose Aussage 

zu werten, was gegen die Glaubhaftigkeit der entsprechenden Aussagen 

spricht. Ferner sind auch in stockdunklen Räumen Einzelheiten wahrnehm-

bar, selbst wenn mit den Augen nichts erkennbar ist, da der Mensch auch 

mit anderen als dem Sehsinn etwas wahrnehmen kann. Indessen ist die 

Vorstellung über etwas, das nicht mit dem Sehsinn erkannt werden kann, 

für die meisten Menschen schwieriger, weshalb Eindrücke dieser Art weni-

ger gut erlernbar sind. Hätte sich der Beschwerdeführer – wie von ihm dar-

gelegt – in der Tat während mehrerer Monate in einem stockdunklen Raum 

befunden, hätte er preisgeben können, was er dort mit all seinen Sinnen 

wahrgenommen hat. Er hätte den Raum trotz fehlenden Lichts beschreiben 

können. Das gänzliche Fehlen von Sinneseindrücken im vorliegenden Fall 

spricht somit dagegen, dass der Beschwerdeführer tatsächlich im von ihm 

erwähnten Gefängnis war.   

D-3086/2015 

Seite 16 

7.4.2 Die Substanzlosigkeit seiner Aussagen über die geltend gemachten 

Gefängnisaufenthalte zieht sich im Übrigen wie ein roter Faden durch das 

Anhörungsprotokoll. Auch über seinen Aufenthalt im zweiten Gefängnis 

(N._______), in welchem er während zehn Monaten inhaftiert gewesen 

sein soll, folgen nur wenig detaillierte Aussagen. Dabei erschöpfen sich die 

von ihm zu Protokoll gegebenen Details in wenigen Aussagen darüber, 

dass er aufgrund der Inhaftierung psychische Probleme gehabt habe, weil 

er von seiner Ehefrau und seinen Angehörigen getrennt gewesen sei, dass 

er die Hoffnung verloren habe, sowie dass er daran gedacht habe zu gra-

ben und mit den Mitgefangenen darüber diskutiert habe (vgl. Akte A11/22 

S. 13). Diese Aussagen stellen im Wesentlichen Allgemeinplätze dar, wel-

che von anderen Personen übernommen worden sein können, und gelten 

somit entgegen der Argumentation in der Beschwerde nicht als substanzi-

ierte Aussagen. Ihnen fehlt der persönliche Bezug. Der Beschwerdeführer 

sagte nichts konkret darüber, wie bei ihm die Hoffnungslosigkeit oder die 

psychischen Probleme zum Ausdruck gekommen sind beziehungsweise 

über welche Einzelheiten er mit den Mitgefangenen in Bezug auf einen Ge-

fängnisausbruch konkret gesprochen haben will. Seine Ausführungen sind 

folglich auch in diesem Bereich allgemein, detailarm und wirken erlernt, 

weshalb sie nicht glaubhaft sind.  

7.4.3 Auch die Beschreibung des Aufenthaltes im dritten Gefängnis 

(Q._______ G._______) kann nicht als substanziell betrachtet werden. An 

dieser Einschätzung vermögen die vom Beschwerdeführer erwähnten Ein-

zelheiten wie die Hitze, die Luftnot, der Wassermangel und Hautkrankhei-

ten nichts zu ändern, auch wenn sie auf den ersten Blick den Eindruck 

eines gewissen Detailreichtums entstehen lassen. Indessen hat er nichts 

preisgegeben, das beschreiben würde, wie es konkret in seinem Inneren 

während dieser Haftzeit ausgesehen hat, wie er persönlich diese harten 

Bedingungen erlebt und überstanden hat oder was bei ihm persönlich die 

Hitze, die Luftnot und der Wassermangel ausgelöst haben. Auch hier fehlt 

ein persönlicher Bezug, weshalb die aufgeführten Details erscheinen, als 

wären sie von anderen Personen vorgebracht worden. Angesichts seiner 

Aussage, es hätten sich 250 Personen in einem Wassersilo unter schreck-

licher Hitze befunden, wobei einige auch gestorben seien, wäre zu erwar-

ten, dass er persönliche Einzelheiten und Eindrücke erwähnen würde oder 

dass aus seinen Aussagen eine persönliche Betroffenheit zum Ausdruck 

kommen würde, was aber nicht der Fall ist. Weder gab er an, wie er selber 

mit diesen Bedingungen während der Haft fertig geworden ist, noch legte 

er dar, was sich angesichts des unter diesen Verhältnissen offensichtlichen 

D-3086/2015 

Seite 17 

Stresses für alle Häftlinge so alles abgespielt haben muss. Seine Aussa-

gen beschränken sich auf das, was man auch vom Hörensagen her erfah-

ren haben kann, weshalb sie nicht zu überzeugen vermögen, auch wenn 

er alltägliche Details wie die Hitze und anderes erwähnt. Substanzielle Aus-

sagen erschöpfen sich nicht in einer Aufzählung von wenigen Details, son-

dern beinhalten auch unerwartete oder banale Elemente der persönlichen 

Betroffenheit, was vorliegend fehlt und somit gegen die Glaubhaftigkeit der 

Aussagen des Beschwerdeführers spricht.  

7.5 Des Weiteren hat sich der Beschwerdeführer auch in zahlreiche Wider-

sprüche verstrickt. Dabei ist festzuhalten, dass es sich – entgegen der Dar-

stellung im Beschwerdeverfahren – nicht um unwesentliche und vernach-

lässigbare Kleinigkeiten handelt; vielmehr hat er wesentliche Teile seines 

Sachvortrags unterschiedlich dargestellt: 

7.5.1 So sagte er zunächst widersprüchlich aus, von wo aus er geflohen 

sein will. Während dies gemäss der ersten Version aus L._______ gewe-

sen sei (vgl. Akte A4/14 S. 5, an zwei Stellen), soll er gemäss der späteren 

Variante aus dem Gefängnis in G._______ ausgebrochen sein (vgl. Akte 

A11/22 S. 14 ff.), was sich miteinander nicht in Einklang bringen lässt. Da-

bei handelt es sich um ein zentrales Vorbringen, zumal diese Flucht ge-

stützt auf die Aussagen des Beschwerdeführers zur Flucht in die Schweiz 

geführt haben soll. Unter diesen Umständen ist die Angabe, von wo aus 

der Beschwerdeführer geflohen sein will, widerspruchsfrei vorzubringen, 

um als glaubhaft gelten zu können. Dies ist vorliegend nicht der Fall, was 

gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen spricht.   

7.5.2 Sodan brachte er anlässlich der Befragung auf die Frage, wie er ge-

flohen sei, aus, man habe ihn und andere zur Arbeit auf einer staatlichen 

Plantage aus der Haft herausgeholt. Die Landwirtschaft sei indessen um-

zäunt gewesen, weshalb sie den Zaun geöffnet und geflohen seien (vgl. 

Akte A4/14 S. 9 f.). Demgegenüber verneinte er die anlässlich der Anhö-

rung gestellte Frage, ob er während seiner Zeit im Gefängnis von 

G._______ zu Zwangsarbeit benutzt worden sei, und begründete seine 

Antwort damit, dass dies Leuten vorbehalten sei, welchen leichtere Verge-

hen vorgeworfen würden (vgl. Akte 11/22 S. 14), was mit den vorangehen-

den Ausführungen nicht übereinstimmt. Im Rahmen des ihm gewährten 

rechtlichen Gehörs zu dieser unterschiedlichen Darstellung erklärte er, das 

Gefängnis, der Ort der Toilette und die Plantage seien alle an einem Ort 

und umzäunt. Er habe nicht zu denen gehört, welche hätten Arbeiten ver-

richten müssen (vgl. Akte A11/22 S. 14). Diese Ausführungen vermögen 

D-3086/2015 

Seite 18 

indessen die widersprüchlichen Aussagen nicht zu bereinigen und wider-

sprechen insbesondere der anfänglich erwähnten Aussage, man habe ihn 

und andere zur Arbeit auf einer staatlichen Plantage aus der Haft heraus-

geholt. Somit sind die Aussagen des Beschwerdeführers über den Beginn 

seiner Flucht bereits mehrfach widersprüchlich ausgefallen, was gegen die 

Glaubhaftigkeit spricht. An dieser Einschätzung vermögen die nachträgli-

chen Aussagen, wonach er mit andern Häftlingen zusammen morgens zum 

Toilettengang herausgeholt worden sei, die Soldaten auf einzelne Perso-

nen gezeigt hätten, welche hätten arbeiten müssen, diese Gruppe gezählt 

worden sei, während der Beschwerdeführer bei der andern Gruppe gewe-

sen sei, welche man noch nicht durchgezählt habe und welche später wie-

der in die Zelle gesperrt worden sei, er sich aber zum Zweck der Flucht zur 

Arbeitsgruppe gemischt habe (vgl. Akte A11/22 S. 16), nichts zu ändern. 

Sie stellen vielmehr eine Anpassung an den bisherigen Sachverhalt dar, 

nachdem ihm das rechtliche Gehör zur Unvereinbarkeit seiner Aussagen 

gewährt worden ist. Unter diesen Umständen überzeugt auch der Einwand 

in der Beschwerde, der Beschwerdeführer habe überzeugend vorgebracht, 

dass er sich am Tag der Flucht beim Toilettengang unter die Zwangsarbei-

ter gemischt habe und ihm so die Flucht gelungen sei, nicht.  

7.5.3 Des Weiteren stellte das SEM auch zu Recht fest, dass die Aussagen 

des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit der Überwindung der Um-

zäunung der Haftanlage nicht übereinstimmend und nicht nachvollziehbar  

ausgefallen sind. So sagte der Beschwerdeführer zunächst – wie vorange-

hend bereits erwähnt – aus, sie hätten eine Öffnung in den Zaun gemacht 

und seien geflohen (vgl. Akte A4/14 S. 10), wobei er nicht näher ausführte, 

wen er damit alles meinte. Demgegenüber legte er anlässlich der Anhörung 

dar, an einer Stelle sei die Umzäunung nicht so dicht gewesen, weshalb 

sie hätten sehen können, das man sie überwinden beziehungsweise dass 

man sich durchzwängen könne (vgl. Akte A11/22 S. 15 f.). Abgesehen da-

von, dass er gemäss der einen Variante die undichte Stelle im Zaun selber 

hergestellt haben will, während er davon gemäss einer anderen Variante 

von Mitgefangenen gehört habe, erscheint seine Aussage, die Haftanstalt 

sei nur mit Ästen umzäunt gewesen, nicht realistisch. Nicht nachvollziehbar 

ist schliesslich die Aussage des Beschwerdeführers, es seien ihm 15 Mi-

nuten zur Flucht geblieben (vgl. Akte A11/22 S. 16 und 17), zumal davon 

auszugehen ist, dass die Häftlinge ohne Unterbrechung von ihren Aufse-

hern überwacht worden sind. Die zeitliche Angabe ergibt somit keinen 

Sinn. Die Flucht des Beschwerdeführers aus dem Gefängnis kann infolge 

der zahlreichen Ungereimtheiten nicht geglaubt werden. An dieser Ein-

schätzung vermögen die Einwände in der Beschwerde nichts zu ändern. 

D-3086/2015 

Seite 19 

7.5.4 Überdies erscheint die Flucht des Beschwerdeführers durch ein Ge-

biet, das eine Militärbasis darstellt, in welchem sich eine grosse Anzahl 

Soldaten befindet, nicht realistisch. Dies ist umso mehr der Fall, als der 

Beschwerdeführer angab, er habe nach 15 Minuten der Flucht Schüsse 

gehört und nehme an, dass "auch andere darauf gekommen seien" (An-

merkung Gericht: Gemeint ist wohl, dass auch andere die undichte Stelle 

im Zaun entdeckt und zu fliehen versucht haben), worauf man geschossen 

habe (vgl. Akte A11/22 S. 17). Die Schüsse dürften indessen auch im be-

nachbarten Militärgebiet von den Soldaten gehört worden sein und zur er-

höhten Wachsamkeit geführt haben. Eine Flucht durch dieses Gebiet unter 

diesen Umständen dürfte somit schon aus diesem Grund nicht erfolgsver-

sprechend und damit nicht realistisch gewesen sein, auch wenn Hirten als 

mögliche Fluchthelfer vor Ort gewesen sein sollen und sich der Beschwer-

deführer entlang eines Flusses zwischen Bäumen versteckt fortbewegt ha-

ben will, zumal damit zu rechnen ist, dass die Militärangehörigen ange-

sichts der erfolgten Schüsse aus der Richtung des Gefängnisses auch auf 

alles, was sich in ihrem Gebiet bewegt, mithin auch auf allfällig anwesende 

Hirten, ein wachsames Auge geworfen haben müssen und ein Suchtrupp 

hinter dem Beschwerdeführer her gewesen sein dürfte. Die Angabe des 

Beschwerdeführers, er sei entlang des Flusses O._______, der durch mi-

litärisches Gebiet führe, in den Sudan gelangt, erscheint unter diesen Um-

ständen wenig überzeugend. Bezeichnenderweise wird diese Aussage 

denn in der Beschwerde auch dementiert mit der Begründung, dieser Fluss 

führe gar nicht in den Sudan, sondern nach P._______; der Beschwerde-

führer sei falsch protokolliert worden oder es hätten sich sprachliche Prob-

leme ergeben. Wie den vorangehenden Erwägungen zu entnehmen ist, 

kann dieser Einwand indessen nicht gehört werden. Somit hat sich der Be-

schwerdeführer auch in Bezug auf die Strecke, welche er zu Fuss in Rich-

tung Sudan geflohen sein will, widersprochen, was die Unglaubhaftigkeit 

seiner Aussagen noch bekräftigt. Im Übrigen ist seine Flucht in den Sudan 

auch nicht substanziell geschildert worden, zumal seine diesbezüglichen 

Aussagen jeden Detailreichtum vermissen lassen. An dieser Einschätzung 

vermögen die vom Beschwerdeführer erwähnten Ortschaften, deren Na-

men auch gelernt sein können, nichts zu ändern. 

7.6 Im Sinne eines Zwischenfazits kann dem Beschwerdeführer aufgrund 

der zahlreichen Widersprüche, Ungereimtheiten, Substanzlosigkeiten und 

nicht nachvollziehbaren Aussagen nicht geglaubt werden, dass er in sei-

nem Heimatland in der von ihm dargelegten Weise inhaftiert war und aus 

dem Gefängnis direkt in den Sudan geflohen ist. An dieser Einschätzung 

vermögen die Einwände im Beschwerdeverfahren, wonach die anlässlich 

D-3086/2015 

Seite 20 

der Befragung protokollierten Aussagen nur summarischen Charakter hät-

ten und aufgrund des reduzierten Beweismassstabs des Glaubhaftma-

chens auch bei Zweifeln an deren Richtigkeit eine Gesamtwürdigung aller 

für und gegen die Glaubhaftigkeit sprechenden Argumente vorzunehmen 

sei, nichts zu ändern. Zwar trifft es gemäss geltender Praxis zu, dass den 

Aussagen der ersten Befragung aufgrund des summarischen Charakters 

dieser Befragung nur ein beschränkter Beweiswert zukommt. Indessen ha-

ben die in den vorangehenden Erwägungen aufgeführten Widersprüche 

gezeigt, dass sich der Beschwerdeführer nicht bei Nebensächlichkeiten wi-

dersprochen hat, sondern dass dies im Kerngehalt und damit in wesentli-

chen Punkten seiner Vorbringen geschehen ist. Unter diesen Umständen 

sprechen die vom späteren Anhörungsprotokoll abweichenden Aussagen 

trotz des summarischen Charakters des Erstprotokolls gegen die Glaub-

haftigkeit der Aussagen. Darüber hinaus hat sich die fehlende Glaubhaf-

tigkeit nicht nur aus widersprüchlichen Aussagen ergeben; vielmehr sind 

die Aussagen des Beschwerdeführers in wesentlichen Punkten auch nicht 

realistisch und nicht substanziell. An dieser Einschätzung vermag die an-

lässlich der Anhörung angefertigte Skizze des letzten Gefängnisses nichts 

zu ändern, auch wenn sie per se ein Element darstellt, das für die Glaub-

haftigkeit der Aussagen sprechen würde.  

7.7 Aufgrund der bereits zahlreich erwähnten Ungereimtheiten kann im Üb-

rigen auf die im Resultat zutreffende Argumentation der Vorinstanz verwie-

sen werden, um unnötige Wiederholungen zu vermeiden. Insbesondere 

ergibt sich aus der angefochtenen Verfügung mit hinreichender und über-

wiegend zutreffender Begründung, dass der vom Beschwerdeführer gel-

tend gemachte Grund seiner Inhaftierung – nämlich die Eskalation eines 

Streits mit seinem Vorgesetzten – in der von ihm vorgetragenen Weise 

nicht geglaubt werden kann. Ausserdem kann dem Beschwerdeführer ge-

stützt auf die vorangehenden Erwägungen grundsätzlich nicht geglaubt 

werden, dass er inhaftiert war, weshalb es obsolet erscheint, sich über die 

Gründe und Umstände des Streits mit seinem Vorgesetzten näher ausei-

nanderzusetzen.  

7.8 Auch die erst nachträglich vorgebrachten Nachteile, welche der Ehe-

frau des Beschwerdeführers zugestossen sein sollen, können angesichts 

der Unglaubhaftigkeit des Sachvortrages nicht geglaubt werden. Von einer 

Reflexverfolgung und einem weiterhin bestehenden Interesse der eritrei-

schen Behörden an der Bestrafung des Beschwerdeführers kann somit 

nicht die Rede sein, weshalb objektive Nachfluchtgründe nicht in Betracht 

fallen.  

D-3086/2015 

Seite 21 

7.9 Aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer offenkundig die wah-

ren Gründe und Umstände seiner Ausreise verheimlicht, kann zwar nicht 

ohne weiteres auf eine legale Ausreise geschlossen werden. Jedoch recht-

fertigt es sich genauso wenig, allein aufgrund der notorisch schwierigen 

legalen Ausreise aus Eritrea darauf zu schliessen, dass seine Ausreise il-

legal erfolgte. Dies auch deshalb nicht, weil sich nach Kenntnis des Ge-

richts viele eritreische Staatsangehörige seit langer Zeit (nicht wenige seit 

ihrer Geburt) in den angrenzenden Nachbarländern aufhalten. Auch der 

Beschwerdeführer wurde gemäss eigenen Angaben im Sudan geboren. 

Diesbezüglich ist auch auf die dem Beschwerdeführer im Asylverfahren ob-

liegende Wahrheits- und Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG hinzuwei-

sen. Wie das SEM zutreffend argumentiert hat, ist die persönliche Situation 

bei der Ausreise zumindest glaubhaft darzustellen, um von einer illegalen 

Ausreise ausgehen zu können, was vorliegend nicht der Fall ist. Die Aus-

sagen des Beschwerdeführers zu seiner Flucht aus Eritrea haben sich – 

wie den vorangehenden Erwägungen zu entnehmen ist – als unglaubhaft 

herausgestellt, weshalb nicht von einem illegalen Verlassen des Heimat-

landes ausgegangen werden kann. Darüber hinaus sind die Aussagen des 

Beschwerdeführers über die Rückkehr seiner Familie aus dem Sudan nach 

Eritrea während seiner Kindheit ebenfalls nicht glaubhaft ausgefallen, wie 

das SEM in der angefochtenen Verfügung zu Recht feststellte. Demgegen-

über vermögen die Erklärungen in der Beschwerde nicht zu überzeugen. 

Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, sei auch an dieser Stelle auf 

die entsprechenden Stellen in der angefochtenen Verfügung und in der Be-

schwerde zu verweisen. Diese unglaubhaften Aussagen sprechen grund-

sätzlich dagegen, dass der im Sudan geborene Beschwerdeführer jemals 

in Eritrea gelebt hat, was die bereits festgestellte Unglaubhaftigkeit seiner 

Aussagen im Zusammenhang mit der illegalen Ausreise aus Eritrea noch 

untermauert. Unter diesen Umständen sind den vorliegenden Akten keine 

glaubhaften Hinweise auf eine begründete Furcht des Beschwerdeführers 

vor behördlichen Verfolgungsmassnahmen wegen illegaler Ausreise aus 

Eritrea zu entnehmen. Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Mei-

nung war das SEM schliesslich nicht verpflichtet, dem Beschwerdeführer 

das rechtliche Gehör zu einem allfälligen illegalen Grenzübertritt zu gewäh-

ren, zumal das SEM die Argumentation in seiner Verfügung nicht schon 

vorab eröffnen muss.  

7.10 Im Sinne einer Gesamtwürdigung ist somit festzuhalten, dass die Vor-

bringen des Beschwerdeführers einer Prüfung der Glaubhaftigkeit nicht 

standzuhalten vermögen. Seine Aussagen haben sich als überwiegend 

substanzlos, widersprüchlich und unrealistisch herausgestellt. Bei dieser 

D-3086/2015 

Seite 22 

Sachlage und in Würdigung der gesamten Umstände und Vorbringen des 

Beschwerdeführers ist zusammenfassend festzustellen, dass die Voraus-

setzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt sind. 

Es erübrigt sich, auf die weiteren Ausführungen in der Beschwerde und die 

eingereichten Beweismittel im Einzelnen weiter einzugehen. Die Vorin-

stanz hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt.  

8.  

8.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4, 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

9.2 Die Vorinstanz nahm den Beschwerdeführer mit Verfügung vom 20. Ap-

ril 2015 infolge fehlender Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig 

auf. Unter diesen Umständen ist auf eine Erörterung der beiden andern 

Kriterien – insbesondere der Zulässigkeit des Wegeweisungsvollzugs – zu 

verzichten. Über diese müsste dann befunden werden, wenn die vorläufige 

Aufnahme aufgehoben würde. Zur Durchführbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs erübrigen sich im heutigen Zeitpunkt weitere Erwägungen (BVGE 

2009/51 E. 5.4).  

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 1–3 des 

D-3086/2015 

Seite 23 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da die unent-

geltliche Prozessführung gewährt worden ist, sind keine Verfahrenskosten 

zu erheben. 

 

Nachdem dem Beschwerdeführer am 20. Mai 2015 sein Rechtsvertreter 

als amtlicher Beistand im Sinne von Art. 110a AsylG beigeordnet wurde, ist 

diesem ein angemessenes Honorar auszurichten. Das Bundesverwal-

tungsgericht geht bei amtlicher Vertretung in der Regel von einem Stun-

denansatz zwischen Fr. 200.– und Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte 

und Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nichtanwaltliche Vertreterinnen und Vertreter 

aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Nur der notwendige Aufwand 

wird entschädigt (vgl. Art. 8 Abs. 2 VGKE). In der Beschwerde wurden ein 

Stundenhonorar von Fr. 194.– (inklusive Mehrwertsteuer) und Auslagen in 

der Höhe von Fr. 54.– geltend gemacht, so dass sich die Kosten auf  

Fr. 2'188.– belaufen würden. In der Eingabe vom 1. Juli 2016 wurde gel-

tend gemacht, für das Vernehmlassungsverfahren seien zwei weitere Stun-

den nötig gewesen, weshalb der Gesamtbetrag nun Fr. 2'576.– betrage. 

Weder wurde eine Kostennote zu den Akten gereicht noch wurde die ge-

naue Anzahl Arbeitsstunden aufgelistet. Aufgrund der Akten lässt sich in-

dessen der Parteiaufwand hinreichend zuverlässig abschätzen, weshalb 

auf die Einforderung einer Kostennote verzichtet werden kann (Art. 14  

Abs. 2 in fine VKGE). Die insgesamt geltend gemachten Kosten von  

Fr. 2'576.– scheinen zu hoch berechnet zu sein und sind somit zu kürzen. 

Zudem handelt es sich beim amtlich eingesetzten Rechtsvertreter nicht um 

einen ausgewiesenen Rechtsanwalt, weshalb der Stundenansatz auf  

Fr. 150.– zu begrenzen ist. Unter Berücksichtigung der massgebenden Be-

messungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) und der Entschädigungspraxis in Ver-

gleichsfällen sowie angesichts des geringen Dossierumfangs und des ver-

hältnismässig einfachen Sachverhalts ist folglich von einem Arbeitsauf-

wand in der Höhe von zehn Stunden à Fr. 150.– zuzüglich der geltend ge-

machten Auslagen in der Höhe von Fr. 54.– auszugehen, was einen Ge-

samtbetrag von Fr. 1'554.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) ergibt, 

so dass schliesslich anstelle der geltend gemachten Gesamtkosten von  

Fr. 2'576.– Fr. 1'554.– zuzusprechen sind. Dem Rechtsvertreter ist für 

seine Bemühungen im Beschwerdeverfahren zu Lasten des Gerichts ein 

amtliches Honorar in der Höhe von Fr. 1'554.– (inkl. Auslagen und Mehr-

wertsteueranteil) auszurichten. 

  

D-3086/2015 

Seite 24 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dem als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzten Ass. iur. Urs Jehle, Cari-

tas, wird vom Bundesverwaltungsgericht ein amtliches Honorar von 

Fr. 1'554.– ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Hans Schürch Eva Zürcher 

 

 

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