# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 08d56629-e614-56fe-8eea-2d296b3b3945
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-04-16
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 16.04.2024 SST.2023.257
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-257_2024-04-16.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 2. Kammer 

 

SST.2023.257 
(ST.2018.128; STA.2017.1240) 

 

 

Urteil vom 16. April 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Plüss, Präsidentin  

Oberrichter Egloff  

Oberrichterin Möckli  

Gerichtsschreiberin Boog Klingler 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg, 

Riburgerstrasse 4, 4310 Rheinfelden  

 

    
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1962, von Deutschland, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Vida Hug,  

[…]   

 

  

 
 

Gegenstand  Mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern, mehrfache sexuelle  

Nötigung, sexuelle Belästigung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1.      

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg erhob am 17. Dezember 

2018 Anklage gegen den Beschuldigten. 

 

Der Anklagesachverhalt lautet (soweit vorliegend relevant) wie folgt: 

 

"Einleitung 

 

Der Beschuldigte war mit B._____, der Mutter des Opfers, seit 2009 in 

einer Beziehung und hatte zum Opfer eine vaterähnliche Beziehung. 

Seit dem Juli 2010 wohnte der Beschuldigte mit der Familie […], zu 

welcher neben der Mutter und dem Opfer auch die Geschwister des 

Opfers, C._____ und D._____, gehören, zusammen. Er hat das Opfer 

in den Jahren 2010 bis anfangs 2016 immer wieder aufgefordert, sich 

zu ihm aufs Sofa zu legen. Dabei hat er es eng zu sich gezogen, zwi-

schen seine Beine und an seine Brüsten gegriffen. In dieser Zeitspanne 

kam es ausserdem zu drei Küssen von Seiten des Beschuldigten auf 

den Mund des Opfers sowie zwei Vorfälle, in denen der Beschuldigte 

dem Opfer wiederum an die Brüste und/oder zwischen die Beine fasste. 

 

1. Tatzeitraum mit dem gemeinsamen Wohnort Q._____: 

Sexuelle Handlungen mit Kindern 

 

[…] 

 

2. Tatzeitraum mit dem gemeinsamen Wohnort R._____:  

Sexuelle Handlungen mit Kindern, sexuelle Nötigung 

 

[…] 

 

3. Tatzeitraum mit dem gemeinsamen Wohnort S._____: 

Sexuelle Handlungen mit Kindern, sexuelle Nötigung, sexuelle Be-

lästigung 

 

Im Oktober 2013 bezog die Familie […] mit dem Beschuldigten zusam-

men das gemeinsam gebaute Einfamilienhaus an der T-Strasse in 

S._____. 

 

a) Sexuelle Handlungen mit Kindern, sexuelle Nötigung: 

 

[…] 

 

b) Sexuelle Handlungen mit Kindern, sexuelle Nötigung: 

 

[…] 

 

 - 3 - 

 

 

c) Sexuelle Belästigung: 

 

[…] 

 

d) Sexuelle Handlungen mit Kindern, sexuelle Nötigung: 

 

Im Dezember 2015 / Januar 2016 hat der Beschuldigte das 15-jährige 

Opfer am gemeinsamen Wohnort in der Küche stehend von hinten um-

armt, ihm an die Brüste gegriffen und diese fest gedrückt. Er hat das 

Opfer so fest gehalten, dass es sich kaum befreien konnte und zur Ab-

wehr an seinem Arm zerren musste, um anschliessend unter ihm weg 

zu kriechen. 

 

Bei all diesen Ereignissen fühlte sich das Opfer als ob es im Besitz des 

Beschuldigten wäre. Dies, nachdem es im Beschuldigten zu Beginn 

eine Art Vaterersatz gesehen hat. Es hatte Angst, das Familienleben 

zu zerstören, indem es seiner Mutter oder auch den Geschwistern von 

den Vorfällen erzählen würde. Der Beschuldigte wurde sehr schnell wü-

tend und setzte das Opfer damit psychisch unter Druck, womit sich die-

ses kaum zu wehren traute. Er drohte der Familie zudem damit, dass 

sie das Haus verkaufen müssten und alle auf der Strasse stehen wür-

den, weshalb das Opfer grosse Angst hatte dem Beschuldigten zu wi-

dersprechen und dessen Aufforderungen jeweils nachkam. 

 

Ort:    S._____, T-Strasse 1 

Zeit:    1. Oktober 2013 bis 17. Januar 2016 

Opfer (Zivil- und Strafklägerin):  E._____, geb. […] 

 

4. Vorfall im Auto: 

Sexuelle Handlungen mit Kindern, sexuelle Nötigung 

 

Am Samstag, 16. Januar 2016 verbrachte das Opfer den Abend mit 

F._____ in U._____. Der Beschuldigte holte das Opfer auf dem Rück-

weg vom Bahnhof ab, legte diesem während der Autofahrt von V._____ 

nach S._____ die Hand auf das Knie und fasste ihm zwischen die 

Beine. Als das Opfer den Beschuldigten fragte, weshalb er seine Hand 

immer auf seine Knie legen würde, nahm er diese zurück ans Lenkrad 

und fasste dem Opfer dann auf einmal an die Brüste und drückte diese 

fest. Er meinte "ich mag dini zwei Brüst" und als das Opfer den Beschul-

digten aufforderte seine Hand von den Brüsten wegzunehmen meinte 

dieser nur: "wieso?". Daraufhin wollte das Opfer seine Hand wegziehen 

worauf er erneut versucht hat an die Brüste des Opfers zu fassen. Das 

Opfer hat dem Beschuldigten wiederum gesagt, er solle seine Hände 

wegnehmen woraufhin er diese auf die Knie des Opfers gelegt hat. Da-

bei hat sich das Opfer einmal mehr wie der Besitz des Beschuldigten 

gefühlt. Dadurch, dass das Opfer mit dem Beschuldigten alleine im 

Auto gesessen hat, es dunkel war und sie bei einem Feld durchgefah-

ren sind, befürchtete es konkret Opfer eines sexuellen Übergriffs zu 

werden und dass der Beschuldigte dieses Mal weiter gehen würde als 

es "bloss" an den Brüsten und zwischen den Beinen anzufassen. 

 

 - 4 - 

 

 

Ort:   V._____, Strecke Bahnhof V._____ – 

S._____, T-Strasse  

Zeit:  Samstag, 16. Januar 2016 ca. 23.45 

Uhr, bis Sonntag, 17. Januar 2016 ca. 

00.15 Uhr 

Opfer (Zivil- und Strafklägerin):  E._____, geb. […]." 

 

1.2. 

Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg beantragte, der Beschul-

digte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen und zu einer bedingten 

Geldstrafe von 270 Tagessätzen à Fr. 280.00, Probezeit 2 Jahre, sowie zu 

einer Busse von Fr. 4'000.00 (Ersatzfreiheitsstrafe 15 Tage), unter Einrech-

nung von einem Tag Untersuchungshaft, zu verurteilen. 

 

2. 

2.1. 

Mit Verfügung vom 6. März 2019 wurde der Wechsel der amtlichen Vertei-

digung bewilligt. Der bisherige amtliche Verteidiger wurde aus dem Amt 

entlassen und Rechtsanwältin Vida Hug als neue amtliche Verteidigerin er-

nannt.  

 

2.2. 

Der Beschuldigte teilte mit Eingabe vom 5. September 2019 mit, aufgrund 

schwerer gesundheitlicher Probleme nicht verhandlungsfähig zu sein, wo-

rauf die auf den 2. Oktober 2019 angesetzte Hauptverhandlung mit Verfü-

gung vom 13. September 2019 abgesetzt wurde. Die Parteien wurden mit 

neuer Vorladung zur Hauptverhandlung vom 26. Februar 2020 vorgeladen. 

 

2.3. 

Mit Eingabe vom 13. Dezember 2019 stellte die Geschädigte die folgenden 

Anträge: 

 

"1. 

Der Beschuldigte sei gemäss Anklageschrift schuldig zu sprechen und 

zu bestrafen. 

 

2. 

Der Beschuldigte sie zu verpflichten, der Privatklägerin Schadenersatz 

in der Höhe von CHF 43.00 zu bezahlen. 

 

3. 

Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin eine Genugtu-

ung in der Höhe von Fr. 5'000.00, zzgl. Zins von 5% seit dem 

17.01.2016 zu bezahlen. 

 

 

 

 

 - 5 - 

 

 

4. 

Die Parteikosten der Privatklägerin seien dem Beschuldigten im Rah-

men einer Parteientschädigung in Höhe von CHF 8'982.60 aufzuerle-

gen. 

 

5. 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWSt.) zu Lasten des 

Beschuldigten." 

 

2.4. 

Nachdem die auf den 26. Februar 2020 angesetzte Hauptverhandlung er-

neut aufgrund der gesundheitlichen Situation des Beschuldigten nicht statt-

finden konnte, wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Lau-

fenburg und im Einverständnis der übrigen Parteien mit Verfügung vom 

16. Oktober 2020 ein forensisch-psychiatrisches Gutachten zur Frage der 

Verhandlungsfähigkeit bzw. der Dauer einer allfälligen Einschränkung in 

Auftrag gegeben, welches am 8. Dezember 2020 erstellt wurde. 

 

2.5. 

Mit Eingabe vom 5. Januar 2021 beantragte der Beschuldigte die Einstel-

lung des Verfahrens infolge Vernehmungs- und Verhandlungsunfähigkeit. 

 

2.6. 

Am 10. August 2021 wurden die Parteien zur Hauptverhandlung vom 

12. November 2021 vorgeladen. 

 

2.7. 

Mit Eingabe vom 12. Oktober 2021 erhöhte die Geschädigte die am 13. De-

zember 2019 beantragte Parteientschädigung auf Fr. 10'924.75 und hielt 

im Übrigen an den bisherigen Anträgen fest. 

 

2.8. 

Am 12. November 2021 fand vor dem Bezirksgericht Rheinfelden die 

Hauptverhandlung mit Befragung des Beschuldigten statt. 

 

Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg hielt mit Ausnahme des 

Vorwurfs der sexuellen Belästigung, hinsichtlich welchem sie die Einstel-

lung des Verfahrens zufolge Verjährung beantragte, an ihren mit der An-

klage gestellten Anträgen fest. 

 

Der Beschuldigte beantragte einen umfassenden Freispruch sowie die 

Ausrichtung einer Genugtuung. 

 

2.9. 

Das Bezirksgericht Rheinfelden erliess am 12. November 2021 folgendes 

Urteil:  

 

 - 6 - 

 

 

"1. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

-  der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB 

-  der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 

Ziff. 1 StGB. 

 

2. 

Das Strafverfahren gegen den Beschuldigten wegen sexueller Belästi-

gung gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB wird infolge Eintritt der Verfolgungs-

verjährung eingestellt. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestim-

mungen und gestützt auf aArt. 34, 47 und 49 StGB zu einer Geldstrafe 

von 150 Tagessätzen verurteilt. Der Tagessatz wird auf Fr. 240.– fest-

gesetzt. Die Geldstrafe beläuft sich auf Fr. 36'000.–. 

 

3.2. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf aArt. 42 für die Geldstrafe der be-

dingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 

Abs. 1 auf 2 Jahre festgesetzt. 

 

Der Beschuldigte wird entsprechend der Vorschrift von Art. 44 Abs. 3 

StGB über die Bedeutung und die Folgen der bedingten Strafe aufge-

klärt: Wenn er sich bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, d.h. keine 

Verbrechen oder Vergehen mehr begeht, wird gemäss Art. 45 StGB die 

aufgeschobene Strafe nicht mehr vollzogen. Begeht er aber während 

der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwar-

ten, dass er weitere Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht 

die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 StGB). 

 

4. 

4.1. 

Das Honorar der Vertreterin der Zivil- und Strafklägerin, MLaw                 

Alessandra Strub, Rechtsanwältin in Baden, wird in der Höhe von 

Fr. 10'924.75 (inkl. Fr. 750.55 MwSt) gerichtlich genehmigt. 

 

4.2. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin einen 

Schadenersatz von Fr. 43.–, eine Prozessentschädigung von 

Fr. 10'924.75 und eine Genugtuung von Fr. 1'200.– zzgl. Zins zu 5% 

seit 17. Januar 2016 zu bezahlen. 

 

5. 

5.1 

Die Verfahrenskosten bestehen aus: 

a) der Entscheidgebühr von Fr. 1'200.00 

b) der Anklagegebühr von Fr. 1'550.00 

c) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr.  13'312.10 

 - 7 - 

 

 

d) den Kosten für die unentgeltl. Rechtspflege von Fr.  0.00 

e) den Kosten für Übersetzungen von Fr.  0.00 

f) den Kosten für Gutachten von Fr.  1'920.00 

g) den Kosten der Mitwirkung anderer Behörden von Fr.  802.00 

h) den Spesen von Fr.  324.00 

i) andere Auslagen (Beweisführung) Fr.  93.45 

Total Fr.  19'201.55 

 

5.2 

Dem Beschuldigten werden die Gebühren gemäss lit. a) und b) sowie 

die Kosten gemäss lit. f) – i) im Gesamtbetrag von Fr. 5'889.45 aufer-

legt. 

 

5.3 

Die Auferlegung weiterer Verfahrenskosten, die seit Anklageerhebung 

entstanden sind, bleibt vorbehalten. 

 

6. 

6.2. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten durch Heinz 

Fehlmann, Fürsprecher in Staufen, werden im Umfang von Fr. 7'482.10 

genehmigt.  

 

6.3. 

Die Gerichtskasse Rheinfelden wird angewiesen, der Erbengemein-

schaft von Heinz Fehlmann Fr. 7'482.10 zu überweisen. 

 

6.4. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten durch Vida 

Hug, Rechtsanwältin in Aarau, werden im Umfang von Fr. 5'830.– ge-

nehmigt. 

 

6.5. 

Die Gerichtskasse Rheinfelden wird angewiesen, Vida Hug, Rechtsan-

wältin in Aarau, Fr. 5'830.– zu überweisen. 

 

6.6. 

Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die 

amtliche Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO)." 

 

2.10.  

Mit Eingabe vom 17. Januar 2022 meldete der Beschuldigte die Berufung 

gegen das ihm am 12. Januar 2022 im Dispositiv zugestellte Urteil an.  

 

 - 8 - 

 

 

3. 

3.1. 

Nachdem dem Beschuldigten das schriftlich begründete Urteil am 2. Okto-

ber 2023 zugestellt worden war, erklärte der Beschuldigte am 20. Oktober 

2023 die Berufung und stellte die folgenden Anträge: 

 

"1. 

Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen. 

 

Eventualiter sei von einer Bestrafung Umgang infolge Verletzung des 

Beschleunigungsgebots zu nehmen. 

 

2. 

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates für das 

vorinstanzliche sowie obergerichtliche Verfahren sowie für die Ausla-

gen für die freigewählte Verteidigung im Untersuchungsverfahren von 

Fr. 6000.--. 

 

3. 

Es sei ihm eine Haftentschädigung von Fr. 300.00 sowie eine Genug-

tuung nach Ermessen des Gerichts zuzusprechen." 

 

3.2. 

Mit Eingabe vom 3. November 2023 teilte die Geschädigte mit, nicht als 

Privatklägerin am Verfahren teilzunehmen. 

 

3.3. 

Mit Eingabe vom 6. November 2023 teilte die Staatsanwaltschaft Rheinfel-

den-Laufenburg mit, weder einen Nichteintretensantrag zu stellen noch die 

Anschlussberufung zu erklären. 

 

3.4. 

Mit Verfügung vom 6. Dezember 2023 ordnete die Verfahrensleiterin die 

Durchführung des schriftlichen Berufungsverfahrens an.  

 

3.5. 

Mit Eingabe vom 9. Januar 2024 (Postaufgabe) teilte der Beschuldigte mit, 

dass die Berufung bereits begründet sei und er daran festhalte.   

 

3.6. 

Mit Eingabe vom 12. Januar 2024 erstattete die Staatsanwaltschaft Rhein-

felden-Laufenburg die Berufungsantwort und beantragte die kostenfällige 

Abweisung der Berufung.  

 

3.7. 

Mit Eingabe vom 13. März 2024 reichte die amtliche Verteidigerin die Kos-

tennote ein. 

 - 9 - 

 

 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Berufung richtet sich gegen den vorinstanzlichen Schuldspruch wegen 

sexueller Nötigung gemäss Art. 189 Abs 1 StGB und mehrfacher sexueller 

Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB (Ziff. 3d und 4 der 

Anklageschrift). Angefochten ist zudem die Strafzumessung, zumal eine 

Verletzung des Beschleunigungsgebots geltend gemacht und die Umgang-

nahme von einer allfälligen Strafe beantragt wird. 

 

Unangefochten geblieben und folglich im Berufungsverfahren nicht zu 

überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StGB) sind dagegen die Verfahrenseinstellung 

wegen sexueller Belästigung gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB zufolge Eintritts 

der Verjährung (Ziff. 3c der Anklageschrift) sowie die unterbliebenen Ver-

urteilungen wegen sexueller Handlungen mit Kindern (Ziff. 1, 2, 3a und 3b 

der Anklageschrift) und sexueller Nötigung (Ziff. 2, 3a, 3b und 3d der An-

klageschrift; vgl. vorinstanzliches Urteil E. 3.8 - 3.10). Die unterbliebenen 

Verurteilungen sind indessen von Amtes wegen als Freisprüche in das Ur-

teilsdispositiv aufzunehmen, soweit nicht – wie betreffend Ziff. 3d der An-

klageschrift – die Anklage von Tateinheit ausgeht und nicht wegen aller 

Delikte eine Verurteilung erfolgte (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_514/2020 vom 16. Dezember 2020 E. 1.3.2). 

 

2. 

2.1. 

Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg wirft dem Beschuldigten in 

den vorliegend zu überprüfenden Anklagepunkten zusammengefasst fol-

gendes vor: 

 

Im Dezember 2015/Januar 2016 habe der Beschuldigte die damals 15-jäh-

rige Geschädigte in der Küche von hinten umarmt, ihr an die Brüste gegrif-

fen, diese fest gedrückt und die Geschädigte so festgehalten, dass sie sich 

kaum habe befreien können und an seinem Arm habe zerren müssen, um 

wegkriechen zu können (Ziff. 3d der Anklageschrift).  

 

Am 16. Januar 2016 habe der Beschuldigte der Geschädigten während der 

Autofahrt von V._____ nach S._____ die Hand auf das Knie gelegt und ihr 

zwischen die Beine gefasst. Als sie ihn gefragt habe, weshalb er seine 

Hand immer auf ihr Knie lege, habe er ihr auf einmal an die Brüste gefasst, 

fest zugedrückt und gesagt, dass er ihre beiden Brüste möge. Die Geschä-

digte habe ihn aufgefordert, die Hand wegzunehmen und diese schliesslich 

wegziehen können, worauf der Beschuldigte erneut versucht habe, an ihre 

Brüste zu fassen. Als die Geschädigte erneut gesagt habe, er solle die 

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Hände wegnehmen, habe er diese wiederum auf ihr Knie gelegt (Ziff. 4 der 

Anklageschrift).  

 

2.2. 

Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt insbesondere gestützt auf die 

Aussagen der Geschädigten als erstellt und sprach den Beschuldigten be-

züglich Ziff. 3d der Anklageschrift der sexuellen Handlungen mit Kindern 

sowie bezüglich Ziff. 4 der Anklageschrift der sexuellen Handlungen mit 

Kindern und der sexuellen Nötigung schuldig (vorinstanzliches Urteil 

E. 3.10 f.). 

 

2.3. 

Mit Berufung wird geltend gemacht, dass die Aussagen der Familie […], 

auf welche die Vorinstanz abgestellt habe, vor allem auf "Hörensagen" be-

ruhen würden und unter Beeinflussung durch die ältere Schwester der Ge-

schädigten erfolgt seien, welche die Familie von der Schuld des Beschul-

digten überzeugt habe. Es sei denn auch die Schwester gewesen, welche 

Anzeige erstattet und das Geschehen im Auto auf 2015 vordatiert habe, 

indem sie angegeben habe, dass die Geschädigte deswegen nicht an der 

Kreuzfahrt habe teilnehmen wollen. Nach den Akten sei der Vorfall aber nur 

ein bis zwei Monate vor dem sechzehnten Geburtstag der Geschädigten 

erfolgt, womit die Nötigungshandlungen zu relativieren gewesen wären.  

 

Der Beschuldigte sei 2009 Teil der Patchworkfamilie geworden und habe 

die Vaterrolle innegehabt. Mit der Pubertät der Kinder hätten die Schwie-

rigkeiten begonnen. Geprägt durch die Erfahrungen mit seiner eigenen 

Tochter habe er sich als strenger Erzieher erwiesen, der verfrühte Freund-

schaften zu jungen Männern, zu lange Ausgänge und verspätetes Nach-

hausekommen nicht goutiert habe, weshalb es in der Familie immer wieder 

zu Streitigkeiten gekommen sei. Er sei ein strenger "Kontrollfreak" gewe-

sen, offensichtlich konservativ, jedoch finanziell grosszügig und kulturell to-

lerant. Es sei eine normale Familie mit Streitereien gewesen. Im Gegensatz 

zum Bruder habe die Geschädigte, welche mit 14 Jahren ihren ersten 

Freund gehabt habe, zu rebellieren begonnen und Freiräume gesucht, wel-

che ihr der Beschuldigte nicht habe gewähren wollen, da er sie als zu jung 

erachtet habe. Die Geschädigte habe Distanz gesucht zum Stiefvater, habe 

nicht mehr als kleines Mädchen behandelt werden wollen und damit einen 

Stein ins Rollen gebracht, der ihr entglitten sei und letztlich eine mehr oder 

weniger intakte Familie zerstört habe. Es sei anzunehmen, dass sich die 

Geschädigte für das Auseinanderbrechen der Familie die Schuld gebe. 

Diese Optik sei bei der Würdigung der Aussagen der Geschädigten völlig 

ausser Acht gelassen worden.  

 

Die Aussagen der Familienmitglieder seien widersprüchlich. Die Geschä-

digte habe die Übergriffe in der zweimonatigen Therapie nicht erwähnt. 

Dies deute zweifellos auf ihr Dilemma hin und man komme nicht umhin zu 

 - 11 - 

 

 

unterstellen, dass das Aufsuchen der Therapeutin nur dazu gedient habe, 

ihr Aussageverhalten zu stärken und ihren Leidensdruck zu beweisen. Die 

Therapie sei nach nur zwei Monaten angeblich aus Geldmangel abgebro-

chen worden, obwohl eine Kostengutsprache der Opferhilfe hätte bestehen 

müssen. Den Audioaufnahmen, welchen kein Geständnis des Beschuldig-

ten zu entnehmen sei, hätten kein wehrloses traumatisiertes kleines Mäd-

chen gezeigt, sondern eine selbstbewusste junge Frau, die eingestanden 

habe, dass sie sich arrogant verhalten habe, und der es egal gewesen sei, 

was immer der Beschuldigte getan habe, solange er zugebe, dass er sie 

zumindest auf ihre Brüste angesprochen habe. Dem arroganten Verhalten 

sei es wohl zuzuschreiben, dass die Geschädigte die Mahlzeiten nicht mit 

der Familie eingenommen habe, wenn der Beschuldigte zu Hause gewe-

sen sei. Auch hierzu seien die Aussagen nicht kohärent, zumal die Schwes-

ter dies auf ein Verbot des Beschuldigten zurückgeführt habe, die Geschä-

digte und der Beschuldigte indessen angegeben hätten, dass sie dies aus 

freien Stücken getan habe. Auch aus den Aussagen der damaligen Freun-

din F._____ würden sich Widersprüche ergeben. Entgegen den Aussagen 

der Geschädigten, dass sie wegen des Beschuldigten mit Fussballspielen 

habe aufhören müssen, habe F._____ angegeben, dass die Geschädigte 

an den Wochenenden lieber in den Ausgang habe gehen wollen. Der Aus-

sage der Geschädigten, dass sie sich im Garten im Bikini habe präsentie-

ren müssen, stünden die Aussagen ihres Bruders sowie von F._____ ent-

gegen, nach welchen ihr dies gerade untersagt worden sei und der Be-

schuldigte viel Wert auf dezente Kleidung gelegt habe. Nach den Aussagen 

von F._____ habe es keinen vergessenen Schminkkoffer oder anderen ver-

gessenen Gegenstand gegeben. Dieser habe der Geschädigten während 

des Telefonats nur als Grund gedient, nicht abgeholt zu werden. Der Vorfall 

"deine beiden Brüste gefallen mir" sei nach Angaben von F._____ an einem 

anderen Tag gewesen, wobei unklar sei, ob im Zimmer oder in der Küche. 

Dass die Geschädigte anlässlich der Seereise im Elternschlafzimmer habe 

schlafen müssen, wo doch gerade ein Einzelzimmer dem angeblichen Tä-

ter besser gedient hätte, sei eine weitere subtile Unterstellung zu Lasten 

des Beschuldigten. Der Mutter seien erst durch die ältere Tochter die Au-

gen geöffnet worden. Eigene Wahrnehmungen habe sie keine gehabt. Die 

Aussage, dass sie danach den Beschuldigten nicht mehr ertragen und 

fortan auf dem Dachboden geschlafen habe, stehe im Widerspruch zu den 

Aussagen der Tochter, welche angegeben habe, dass die Mutter sich am 

Schnarchen des Beschuldigten gestört habe. Hierfür spreche auch, dass 

sie trotz allem Anfang 2017 mit dem Beschuldigten in die Ferien gefahren 

sei. Auch der Bruder habe nichts zu den Vorfällen beifügen können, bevor 

ihm nicht alles erklärt worden sei. Den Vorfall in der Küche habe er insofern 

bestätigt, als dass der Beschuldigte der Geschädigten einen Klaps auf den 

Hintern gegeben habe. Dass der Beschuldigte der Geschädigten an die 

Brüste gefasst habe, sei ihm aber offensichtlich nicht aufgefallen.  

 

 - 12 - 

 

 

Der im vorinstanzlichen Urteil geschilderte Sachverhalt, welcher zum ers-

ten Schuldspruch geführt habe, mute an, als stamme er aus einem "Gro-

schenroman" (dunkler Wald, leere Felder, etc.). Selbst ein dreijähriges Kind 

vermöge sich in einem Wutanfall so abzukehren, dass man es lieber nicht 

berühre. Das Gespräch zwischen den Eltern und der Geschädigten, dass 

die Geschädigte in R._____ abgeholt werden sollte, lasse sich nachweisen. 

Gemäss der Mutter habe die Geschädigte das nicht gewollt und angege-

ben, dass sie etwas bei F._____ vergessen habe und dies zuerst abholen 

wolle. Die einzige plausible Schlussfolgerung sei, dass sie mit F._____ al-

leine den Abend habe Revue passieren lassen wollen. Sie habe sich aber 

nicht durchsetzen können. Was in ihr vorgegangen sei, könne sich jeder 

ausmalen, wenn er an seine Pubertät zurückdenke. Schliesslich sei die er-

wartete Litanei des Vaters erfolgt, dass F._____ kein Umgang sei für die 

Geschädigte. Es sei anzunehmen, dass ein Wort dem anderen gefolgt und 

dabei Zeit verflossen sei. Das Gespräch habe wohl auf dem Parkplatz statt-

gefunden, da man sich ja zuerst über das Ziel der Fahrt habe einigen müs-

sen. Die Schilderungen der Geschädigten seien damit wiederum wider-

sprüchlich, zumal die beiden in kurzer Zeit zu Hause gewesen wären, wenn 

alles während der Fahrt passiert wäre, was nach den Aussagen der Mutter 

nicht der Fall gewesen sei. F._____ habe im Chat ca. eine Stunde später 

den "Leidensdruck" der Geschädigten nicht gespürt. Es lasse sich nicht be-

legen, dass etwas anderes als vom Beschuldigten geschildert stattgefun-

den habe. Überdies hätte es sich  

ohnehin um nicht mehr als eine subjektiv von der Geschädigten wahrge-

nommene sexuelle Belästigung gehandelt, was ebenfalls zu einem Frei-

spruch hätte führen müssen.  

 

Der zweite Schuldspruch wirke noch kurioser, da der Vorfall in der Küche 

stattgefunden haben solle. Nach den Akten sei diesem ein Klaps auf den 

Hintern vorausgegangen, bei welchem aber der Bruder Augenzeuge gewe-

sen wäre. Nach der Audioaufnahme habe der Beschuldigte jedoch das 

Zimmer der Geschädigten verlassen, um seine Brille zu holen und die Ge-

schädigte habe sich schliesslich selber Trinkwasser eingeschenkt, als der 

Beschuldigte zurückgekehrt sei, um sie anzufassen. Weder der Ort der 

Handlung noch der Sachverhalt lasse sich damit bestimmen, womit zwin-

gend ein Freispruch erfolgen müsse.   

 

2.4. 

Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg verwies in ihrer Beru-

fungsantwort auf die vorinstanzlichen Erwägungen. 

 

3. 

3.1. 

Zunächst ist festzuhalten, dass einzig die in Ziff. 3d (Vorfall im Dezember 

2015 / Januar 2016 in der Küche) und Ziff. 4 (Vorfall vom 16. Januar 2016 

während Autofahrt von V._____ nach S._____) der Anklageschrift 

 - 13 - 

 

 

geschilderten Taten Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sind. Auf 

weitere den Akten zu entnehmende Konflikte zwischen dem Beschuldigten 

und der Geschädigten sowie Tatvorwürfe, welche vor Vorinstanz nicht zu 

einem Schuldspruch geführt haben, ist entsprechend nicht einzugehen, so-

fern nicht ein direkter Bezug zu den zu beurteilenden Tatvorwürfen besteht.  

 

3.2. 

3.2.1. 

Die Anklage beruht auf den Aussagen der Geschädigten. Gemäss ihren 

Schilderungen waren anlässlich der beiden Taten keine Drittpersonen zu-

gegen. Nachfolgend sind damit die Aussagen der Geschädigten und des 

Beschuldigten auf ihre Glaubhaftigkeit zu prüfen. Den Aussagen der ande-

ren befragten Personen können indessen hinsichtlich des Tathergangs 

keine eigenen Wahrnehmungen entnommen werden. Ihre Aussagen kön-

nen einzig zur Frage des Verhaltens des Beschuldigten und der Geschä-

digten nach der Tat von Relevanz sein. 

 

3.2.2. 

Bedeutsam für die Wahrheitsfindung ist die Glaubhaftigkeit der konkreten 

Aussage, die durch methodische Analyse ihres Inhalts darauf überprüft 

wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem 

tatsächlichen Erleben des Zeugen entspringen. Damit eine Aussage als zu-

verlässig gewürdigt werden kann, ist sie insbesondere auf das Vorhanden-

sein von Realitätskriterien und umgekehrt auf das Fehlen von Fantasie-

signalen zu überprüfen. Entscheidend ist, ob die aussagende Person unter 

Berücksichtigung der Umstände, ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit 

und der Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen Erlebnishinter-

grund machen könnte. Methodisch wird die Prüfung in der Weise vorge-

nommen, dass das im Rahmen eines hypothesengeleiteten Vorgehens 

durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerkmale, so genannte 

Realkennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der Aussage 

sowie des Aussageverhaltens insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehler-

quellen überprüft und die persönliche Kompetenz der aussagenden Person 

analysiert werden. Dabei wird zunächst davon ausgegangen, dass die Aus-

sage gerade nicht realitätsbegründet ist, und erst wenn sich diese An-

nahme (Nullhypothese) aufgrund der festgestellten Realitätskriterien nicht 

mehr halten lässt, wird geschlossen, dass die Aussage einem wirklichen 

Erleben entspricht und wahr ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_760/2016 

vom 29. Juni 2017 E. 4.2; BGE 133 I 33 E. 4.3; BGE 147 IV 534 E. 2.3.3; 

BGE 147 IV 409 E. 5.4.3).  

 

3.2.3. 

3.2.3.1. 

Anlässlich der Videobefragung vom 27. April 2017 schilderte die Geschä-

digte zunächst diverse Konflikte und schwierige Situationen mit dem Be-

schuldigten sowie Situationen, welche sie als unangenehm und übergriffig 

 - 14 - 

 

 

empfunden habe. Auf die Frage, warum sie entschieden habe, nicht mehr 

mit dem Beschuldigten zu sprechen, verwies sie auf einen Vorfall, welcher 

sie zum Weinen gebracht habe. Sie sei oben in ihrem Zimmer gewesen, 

ihre Mutter habe Spätschicht gehabt. Das sei letzten Winter gewesen. Der 

Beschuldigte sei einfach in ihr Zimmer gekommen und habe sich be-

schwert, dass sie wieder den ganzen Abend im Zimmer verbringe und er 

nichts von ihr habe. Er sei wütend wieder nach unten gegangen und habe 

die Zimmertür offengelassen. Sie habe sich Vorwürfe gemacht und sich 

gefragt, was sie jetzt wieder falsch gemacht habe. Sie sei nach unten ge-

gangen, habe gefragt, ob alles ok sei. Er habe gesagt "jojo". Sie habe ein 

Glas Wasser trinken wollen, habe ein Glas aus dem Schrank nehmen wol-

len und habe Wasser eingeschenkt. Sie hätten eine Kochinsel gehabt. Er 

sei hinter ihr in der Küche gestanden und er habe sie wie als Versöhnung 

umarmen wollen. Er habe seine Hände auf ihre Brüste getan und wirklich 

daran gedrückt. Sie habe sich nicht befreien können. Sie habe sich wehren 

und zerren müssen, dass er weggehe. Sie habe seine Hände packen müs-

sen, sich nach unten ziehen und von ihm wegkriechen müssen. Dann sei 

sie ins Zimmer gerannt, habe weder "tschüss" noch "gute Nacht" gesagt. 

Für ihn sei klar gewesen, dass wieder Streit zwischen ihnen sei und sie 

nicht reden würden. Er sei zur Mutter gegangen und habe gesagt, dass sie 

wieder den ganzen Abend im Zimmer gewesen sei, weswegen sie Streit 

gehabt hätten. Er habe nie erzählt, was wirklich gewesen sei und habe es 

verdreht. Auf Frage nach dem Zeitpunkt gab sie an, sie könne sich nicht an 

den Tag erinnern. Aber es sei letztes Jahr gewesen, als sie 15 gewesen 

sei. Ende Dezember/Januar. Die Mutter habe sie dann darauf angespro-

chen. Sie habe ihr aber nicht erzählt, was geschehen sei, da sie nicht ge-

wusst habe, was das bei ihr ausgelöst hätte. Ein paar Tage später, als sie 

es wieder gut gehabt hätten und sie sich wieder bei ihm entschuldigt habe, 

habe er sie an einem Samstag im Januar/Februar abholen sollen. Sie sei 

mit einer Kollegin in der Stadt gewesen. Zuvor sei sie bei ihr gewesen, habe 

ihr Schminkzeug dabeigehabt und sich parat gemacht. Sie seien mit dem 

Zug nach U._____ gefahren. Der Beschuldigte habe mit der Mutter abge-

macht, dass er sie von einem bestimmten Zug abholen würde. Der Zug 

habe aber bei der Fahrt fünf bis zehn Minuten Verspätung gehabt und die 

Mutter habe sie angerufen und gesagt, dass er jeden Moment ausrasten 

könne. Sie habe ihr erklärt, dass der Zug Verspätung habe. Sie habe schon 

damit gerechnet, dass sie etwas erwarte, wenn sie ankomme. Der Beschul-

digte habe nicht zugelassen, dass sie eine Station weiter fahre. Ihre Kolle-

gin könne es auch sagen. Sie habe auch einen Teil davon mitbekommen 

und habe ihn auch kennengelernt. Sie sei auch schon bei ihnen zu Hause 

gewesen und habe gemerkt, dass etwas nicht stimme. Er habe sie in 

V._____ abgeholt. Sie sei ins Auto gestiegen und habe gefragt, ob sie ihr 

Schminkzeug bei der Kollegin holen könne, weil sie sich vorher bei ihr parat 

gemacht habe. Er habe gesagt, warum sie das jetzt noch holen müsse. Sie 

könne es ihr auch am Montag in die Schule bringen. Sie habe "ok" gesagt, 

gedacht, sie sage einfach nichts, es sei ok. Sie seien weiter gefahren und 

 - 15 - 

 

 

er habe gesagt, es sei alles gut für ihn, sie solle sich keine Sorgen machen, 

dass sie später gekommen sei. Das habe sie überrascht. Aber auf der 

Strasse von V._____ nach S._____ habe es ein Feld. Die Fahrt von 

V._____ nach S._____ dauere acht bis zehn Minuten. Auf der Fahrt habe 

er mit ihr das Gespräch gesucht. Am Anfang bei der Abfahrt sei es ok ge-

wesen, sie hätten darüber geredet, wie der Abend gewesen sei. Dann habe 

er seine Hand auf ihr Knie gelegt, auch zwischen die Beine habe er gefasst, 

dann habe er ihr Bein fester angepackt und sie habe ihn gefragt, warum er 

seine Hand immer auf ihr Knie lege. Er habe gefragt, was das Problem sei, 

und habe das Lenkrad wieder mit beiden Händen gehalten. Dann habe er 

seine Hand auf ihre Brust getan und gesagt "ich mag dini zwei Brüscht". Er 

habe richtig daran gedrückt, wirklich angepackt. Sie habe gesagt, er solle 

seine Hand wegnehmen. Er habe gefragt wieso. Als sie versucht habe, 

seine Hand wegzunehmen, habe er wieder versucht, mit der Hand nach 

unten zu kommen und die Brust anzufassen. Sie sei kurz vor einem Zu-

sammenbruch gestanden. Es sei dunkel gewesen, sie seien auf einem Feld 

gewesen. Es sei einfach wieder gekommen, dass er das bei ihr versucht 

habe, seine Hand auf ihre Brust zu tun und einfach sie als seinen Besitz zu 

sehen. Sie wisse nicht, was ihm gefehlt habe. Ob er das nicht bei der Mutter 

habe abholen können. Ihre Schwester habe ihr das auch gesagt, vielleicht 

liege es auch daran. Sie hätten in dieser Zeit kein Verhältnis gehabt. Für 

sie habe es dann einen Sinn ergeben. Als sie ihm gesagt habe, er solle 

seine Hand wegnehmen, habe er sie auf das Knie gelegt. Sie habe nicht 

gewusst, was sie tun solle, und habe dann einfach seine Hand weggetan 

und so getan, als müsse sie ihr Handy aus der Tasche nehmen und darauf 

schauen. Wenn sie zusammen gefahren seien, habe er immer gesagt, wa-

rum sie jetzt noch am Handy sein müsse. Sie habe ihm dann noch im Auto 

gesagt, wenn er das normal finde, dann solle er das machen, egal mit wem, 

aber nicht mehr bei ihr. Er habe einfach gelacht und gesagt "jajaja". Bevor 

sie aus dem Auto ausgestiegen seien, vor dem Haus beim Parking, habe 

er ihr gesagt, sie solle der Mutter nichts sagen. Sie seien dann zusammen 

hoch gegangen, aussen ums Haus herum hoch und dann hinein. Er sei 

aufs Sofa gelegen. Auf dem Tisch seien Weingläser gestanden. Sie habe 

sich ein Bild machen können, warum das Ganze im Auto. Ihre Mutter sei 

ganz normal, locker gewesen und habe gefragt, wie ihr Abend gewesen 

sei. Sie habe einfach keine Antwort geben können. Sie glaube, dass das 

für die Mutter ein bisschen arrogant rübergekommen sei. Sie habe einfach 

gesagt "gut" und sei ins Zimmer gegangen. Sie habe sich dann gefragt, 

was gewesen sei. Was die Mutter mit dem Beschuldigten aber besprochen 

habe, wisse sie nicht, weil sie nicht dabei gewesen sei. Sie habe einfach 

hoch gehen wollen. Am nächsten Tag, am Sonntag, habe er unbedingt mit 

ihr Weggli kaufen wollen. Ihre Mutter habe gesagt, er solle den Bruder mit-

nehmen. Aber er habe unbedingt sie mitnehmen wollen. Vielleicht habe er 

ihr nochmals sagen wollen, dass sie der Mutter nichts sagen solle, oder er 

habe es dann realisiert. Wenn sie die Hand nicht weggetan hätte, wisse sie 

nicht, wie weit es gekommen wäre. Er habe immer versucht einen Schritt 

 - 16 - 

 

 

näher zu kommen. Sie habe sich richtig dreckig gefühlt, wie er mit ihr um-

gegangen sei. Hätte sie nicht "stopp" gesagt, wisse sie nicht, wie weit das 

alles gegangen wäre. Er sei dann wütend mit ihrem Bruder oder alleine 

Weggli holen gegangen. Beim Frühstück habe sie keinen Kommentar ge-

sagt. Den ganzen Tag sei sie für sich selbst in ihrem Zimmer und nicht bei 

der Sache gewesen. Am Abend habe er dann beim Italiener Pizza holen 

wollen und sei mit dem Bruder hingefahren. In dieser Zeit sei die Mutter zu 

ihr gekommen und habe gefragt, was los sei. Sie habe ihr einfach etwas 

sagen müssen. Sie habe einfach gemerkt, dass sie fast jeden Abend wei-

nend im Zimmer gesessen sei und das habe verarbeiten müssen. Sie habe 

es ihr nicht erzählen wollen. Sie habe es zuerst der Schwester erzählt, weil 

es immer noch ihre Mutter sei und die Lebenspartnerin des Beschuldigten 

und sie sich vielleicht hätte Vorwürfe machen können. Sie habe es ihr ein-

fach grob erzählt. Ihre Emotionen und Gefühle habe sie ihr nicht zeigen 

wollen, weil sie wisse, dass sie das verletzt hätte, sie nicht gewusst hätte, 

was sie tun solle. Sie hätte sich Vorwürfe gemacht, warum sie sie nicht 

selbst abgeholt habe. Der Zusammenhalt der Familie wäre auseinanderge-

fallen und es wäre ein riesiges Drama gewesen. Mit der Zeit habe sie dar-

über sprechen müssen. Das Ganze habe sie richtig belastet. Als sie mit der 

Schwester und der Mutter darüber gesprochen habe, hätten sie den Be-

schuldigten darauf angesprochen. Er habe es abgestritten. Er habe gesagt, 

er habe sie gar nicht berührt, dann habe er gesagt, er habe sie nur an der 

Schulter berührt. Die Mutter sei zwischen ihnen gestanden und habe nicht 

gewusst, wem sie glauben solle. Schliesslich habe sie sich dann entschie-

den (UA act. 145 ff., Videobefragung CD 2 23:42 – 29:56, CD 3 00:00 – 

09:00). Auf Frage nach den Weingläsern auf dem Tisch gab die Geschä-

digte an, dass die Mutter gesagt habe, der Beschuldigte habe getrunken. 

Sie glaube, dass er alkoholisiert gewesen sei. Sie wolle nichts Falsches 

sagen. Man müsse die Mutter fragen, wie viele Gläser er getrunken habe. 

Die Geschädigte bestätigte die Frage, ob der Beschuldigte beim Abholen 

anders gewesen sei als sonst. Er habe nichts gesagt wegen der Ver-

spätung. Wenn es dort schon zur Diskussion gekommen wäre, wäre es 

nicht zu dem Übergriff gekommen. Er habe gesagt, es sei alles in Ordnung, 

habe versucht, es gut zu haben mit ihr und habe das dann ausgenutzt. Auf 

Frage, ob es noch weitere Vorfälle gegeben habe, gab sie an, dass das die 

grossen Vorfälle gewesen seien, die sie persönlich belastet hätten. Sie 

habe Angst, im gleichen Raum zu sein und was passieren könne. Zudem 

gab sie an, dass sich die ganze Familie unwohl gefühlt habe, da er auf die 

ganze Familie Druck ausgeübt habe und versucht habe, Macht über jeden 

Einzelnen zu haben (Videobefragung CD 3 13:24 – 15:50 UA act. 148 f.).   

   

3.2.3.2. 

Bei der Videobefragung vom 27. April 2017 fällt auf, dass die Aussagen der 

Geschädigten überwiegend in einem sehr langen und detaillierten freien 

Bericht erfolgten. Sie schilderte das Geschehen zwar chronologisch geord-

net, es finden sich jedoch auch immer wieder Gedankensprünge (z.B. UA 

 - 17 - 

 

 

act. 146: Er habe nicht zugelassen, dass sie eine Station weiterfahre. Die 

Station, bei der er sie abgeholt habe, sei V._____ gewesen. Die Kollegin 

habe auch einen Teil davon mitbekommen, habe ihn auch kennengelernt 

und sei schon bei ihnen zu Hause gewesen. Er habe sie in V._____ abge-

holt; UA act. 147: Auf der Strasse von V._____ nach S._____ habe es ein 

Feld und die Fahrt dauere 8 bis 10 Minuten. Er habe das Gespräch mit ihr 

gesucht. Bei der Abfahrt hätten sie es noch ok gehabt zusammen. Dann 

habe er die Hand auf ihr Knie getan; UA act. 147: Es sei dunkel gewesen, 

sie seien auf einem Feld gewesen. Sie wisse nicht, was ihm gefehlt habe. 

Ob er das nicht bei der Mutter habe abholen können... Als sie ihm gesagt 

habe, nimm deine Hand weg, habe er sie auf ihr Knie getan). Die Geschä-

digte verknüpfte das Geschehen örtlich und zeitlich und nannte diverse In-

teraktionen mit dem Beschuldigten (z.B. UA act. 147: Sie habe versucht, 

seine Hand wegzunehmen, er habe dann wieder versucht, nach unten zu 

kommen und ihre Brust anzufassen). Auf der Videobefragung ist ersichtlich, 

wie sie einzelne Handlungen des Beschuldigten und Interaktionen mit 

Handbewegungen unterstrich bzw. andeutete. Sie gab wörtliche Dialoge 

sowie eigene Überlegungen, Gedanken und Gefühle während der Vorfälle 

wieder (z.B. UA act. 146: Sie habe sich gefragt, was sie jetzt wieder falsch 

gemacht habe; UA act. 147: Es habe sie überrascht, dass er gesagt habe, 

sie solle sich wegen der Verspätung keine Sorgen machen; Sie habe ein-

fach so getan, als müsse sie das Handy aus der Tasche nehmen, um da-

rauf zu schauen; Sie sei nahe an einem Zusammenbruch gestanden). Zu-

dem nannte sie auch ungewöhnliche Einzelheiten (z.B. UA act. 146: Sie 

habe sich nach unten ziehen und wegkriechen müssen) sowie Nebensäch-

lichkeiten (UA act. 146: Er sei wütend nach unten gegangen und habe die 

Zimmertür offen gelassen; Sie hätten eine Kochinsel gehabt; Sie habe we-

der "tschüss" noch "gute Nacht" gesagt; UA act. 147: Sie seien zusammen 

aussen ums Haus hoch und dann hineingegangen und der Beschuldigte 

habe sich aufs Sofa gelegt; Am Folgetag habe der Beschuldigte unbedingt 

mit ihr Weggli holen wollen). Es fällt auf, dass die Geschädigte auf über-

mässige Belastungen verzichtete. So gab sie an, dass die geschilderten 

Taten die grossen Vorfälle gewesen seien, die sie belastet hätten (UA 

act. 149) und dass der Beschuldigte während der Autofahrt schliesslich von 

ihr abgelassen habe, als es ihr gelungen sei, seine Hand von ihrer Brust zu 

nehmen (UA act. 147). Hinsichtlich des Alkoholkonsums vor dem Vorfall im 

Auto sagte sie aus, dass hierzu die Mutter befragt werden müsse, da sie 

nicht dabei gewesen sei. Sie wolle nichts Falsches sagen (UA act. 148 f.). 

Die Aussagen der Geschädigten erscheinen damit insgesamt anschaulich 

und nachvollziehbar.  

 

Die Aussagen der Geschädigten stehen im Einklang mit den anlässlich  

eines Gesprächs mit dem Beschuldigten und ihrer Mutter gegenüber dem 

Beschuldigten erhobenen Vorwürfen. Das Gespräch wurde aufgezeichnet, 

wovon der Beschuldigte Kenntnis hatte (Gesprächszusammenfassung UA 

act. 116 ff.). Die Geschädigte warf dem Beschuldigten auch hier vor, dass 

 - 18 - 

 

 

er sie am 16. Januar 2016 auf der Autofahrt zwischen V._____ und 

S._____ angefasst (unklar wo) und gesagt habe, er habe "die zwei" gern 

(UA act. 116 ff.). Es sei das zweite Mal gewesen. Beim ersten Mal habe sie 

ihn aus dem Zimmer geschickt, als er habe schauen wollen, was sie ma-

che. Er sei hinunter gegangen, habe seine Brille geholt. Sie habe sich Was-

ser eingeschenkt. Er habe sie einfach von hinten gepackt, sie habe gesagt, 

er solle sie lassen. Sie habe sich nach unten gedrückt, sei zum Boden ge-

gangen und weggekrochen. Er habe so fest gedrückt, dass sie seine Hände 

nicht habe losmachen können (UA act. 117 f.). Auch aus den Aussagen der 

Schwester, der Mutter, des Bruders sowie F._____ geht hervor, dass die 

Geschädigte ihnen (nach einer gewissen Zeit) von den beiden Taten er-

zählt habe (polizeiliche Einvernahme der Schwester vom 4. April 2017 als 

Auskunftsperson, UA act. 183; delegierte Einvernahme der Schwester vom 

29. Juni 2017 als Zeugin, UA act. 224 f.; polizeiliche Einvernahme des Bru-

ders vom 28. Juni 2017 als Zeuge, UA act. 215; delegierte Einvernahme 

der Mutter vom 29. Juni 2017 als Zeugin, UA act. 246; delegierte Einver-

nahme von F._____ vom 4. Juli 2017 als Zeugin, UA act. 259 und 261). Es 

ist damit festzuhalten, dass die Geschädigte konstant gegenüber verschie-

denen Personen vom Vorfall in der Küche und vom Vorfall im Auto berich-

tete. Das Argument des Beschuldigten, dass die Geschädigte die Vorfälle 

anlässlich der von Juni bis August 2017 durchgeführten Psychotherapie 

nicht erwähnt habe, trifft nicht zu, zumal im Therapiebericht vom 20. Sep-

tember 2019 als Grund für die Therapie die Belastung durch sexuellen 

Übergriff genannt wird. Dass die Therapie offenbar nicht fortgeführt und der 

Schwerpunkt auf die Stabilisierung des psychischen Zustands durch be-

wusste Thematisierung und Wahrnehmung der persönlichen Stärken und 

Ressourcen gelegt wurde (Beilage 2 zur Eingabe der Geschädigten anläss-

lich der Hauptverhandlung), kann der Geschädigten nicht angelastet wer-

den und spricht insbesondere nicht gegen die Glaubhaftigkeit  

ihrer Aussagen. 

 

Drittpersonen waren anlässlich der von der Geschädigten genannten Vor-

fälle nicht zugegen, weshalb die Aussagen der weiteren befragten Perso-

nen hinsichtlich des Tathergangs nicht weiterführend sind. Dass die Schil-

derungen der beiden Taten durch die Schwester, die Mutter, den Bruder 

und F._____ teilweise von den Angaben der Geschädigten abweichen, ver-

mag entsprechend auch keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen 

der Geschädigten zu begründen, zumal die befragten Personen nicht eige-

nes Erleben wiedergaben, sondern lediglich von der Geschädigten über die 

Geschehnisse informiert wurden, und eigene Interpretationen nicht ausser-

gewöhnlich sind. Die Angaben der Geschädigten werden indessen dahin-

gehend durch die Aussagen der Mutter untermauert, als dass diese die Si-

tuation, als der Beschuldigte und die Geschädigte am 16. Januar 2017 

nach Hause gekommen seien, als "komisch" bezeichnete, weshalb sie 

nachgefragt habe, was los sei (UA act. 246).  

 

 - 19 - 

 

 

Motive für eine Falschbelastung durch die Geschädigte sind nicht ersicht-

lich. Insbesondere bestehen keine Anzeichen dafür, dass die Geschädigte 

(etwa aufgrund wiederholter Auseinandersetzungen mit dem Beschuldig-

ten) eine Trennung zwischen ihrer Mutter und dem Beschuldigte hätte be-

zwecken wollen, zumal aus ihren Aussagen deutlich wird, dass sie die Mut-

ter gerade habe schonen wollen und sie besorgt gewesen sei, dass die 

Mutter sich Vorwürfe machen oder die Familie auseinanderfallen könnte, 

weshalb sie erst mit der Zeit und lediglich "grob" von den Vorfällen erzählt 

habe (UA act. 147 f.). Dies stimmt mit den Aussagen von F._____ überein, 

welche angab, dass die Geschädigte ihr erst Ende Februar / Anfang März 

2016 von den Vorfällen berichtet habe. Sie habe ihr geraten, es der Mutter, 

der Schwester oder der Polizei zu erzählen und habe ihr auch Hilfsange-

bote für Jugendliche geschickt. Die Geschädigte habe aber zunächst nichts 

unternehmen wollen, da sie Angst gehabt habe, dass die Mutter Probleme 

bekommen könnte, wegen des Hauses und des Autos, dass es zur Tren-

nung kommen könnte und dass sie alles verlieren könnten. Erst etwa einen 

Monat später habe die Geschädigte es ihrer Mutter und Schwester erzählt 

(UA act. 261). Auch den Aussagen der Schwester sowie der Mutter kann 

entnommen werden, dass sich die Geschädigte ihnen erst zeitlich verzö-

gert anvertraut habe, wobei sie zuerst mit der Schwester gesprochen habe 

(UA act. 183, 224 f. und 246). Die Mutter gab zudem an, dass die Geschä-

digte sich verändert habe und sie schliesslich die Schwester gefragt habe, 

was passiert sei (UA act. 246). Es war schliesslich die Schwester, welche 

über ein Jahr nach den geschilderten Vorfällen am 2. April 2017 Anzeige 

erstattete, da ihr Mobiltelefon aus dem damals noch gemeinsam mit dem 

Beschuldigten bewohnten Haus entwendet worden sei, auf welchem sich 

die Aufnahme eines Gesprächs mit dem Beschuldigten befinde, bei wel-

chem dieser (zumindest ihrer Ansicht nach) ein Geständnis ablege (UA 

act. 13). Hinweise, dass die Geschädigte die Tatvorwürfe unter Beeinflus-

sung der Schwester erhoben haben könnte, sind nicht ersichtlich und kön-

nen insbesondere auch nicht aus der Anzeigesituation abgeleitet werden. 

Auch der Beschuldigte begründet seinen diesbezüglich geäusserten Ver-

dacht nicht weiter. 

 

Insgesamt erscheinen die Aussagen der Geschädigten anschaulich und 

nachvollziehbar und enthalten eine hohe Anzahl an Realkriterien, welche 

darauf hindeuten, dass ihre Schilderungen dem tatsächlich Erlebten ent-

sprechen. Zudem berichtete sie gegenüber verschiedenen Personen sowie 

im Strafverfahren konstant von den beiden Vorfällen. Hinweise auf mögli-

che Falschbelastungen bestehen nicht. Den Aussagen der Geschädigten 

kommt damit eine hohe Glaubhaftigkeit zu.  

 

3.2.4. 

3.2.4.1. 

Der Beschuldigte bestritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bereits anläss-

lich des aufgenommenen Gesprächs und gab an, die Geschädigte im Auto 

 - 20 - 

 

 

lediglich an der Schulter angefasst zu haben (UA act. 116 ff.). Er räumte 

ein, gesagt zu haben "ich ha dini zwei gern" (UA act. 118). Er habe sie aber 

nie an der Brust angefasst. Sie hätten über F._____ diskutiert. Die Geschä-

digte habe ihr Schminkzeug bei ihr holen wollen und gesagt, dass F._____ 

nun sauer sei (Gesprächsprotokoll, UA act. 116 f.). Auch zum Vorwurf, dass 

er die Geschädigte schon zuvor einmal von hinten gepackt habe, als sie 

sich Wasser eingeschenkt habe, worauf sie sich habe zu Boden drücken 

und wegkriechen müssen, gab er an, die Geschädigte nie irgendwo ange-

fasst zu haben (Gesprächsprotokoll, UA act. 118).  

 

An der delegierten Einvernahme vom 28. April 2017 bestritt der Beschul-

digte den von der Geschädigten erhobenen Vorwurf, er habe sie in der Kü-

che von hinten umarmt und an den Brüsten angefasst, wobei sie sich habe 

"nach unten rauswinden" müssen. Er gab an, dass daran gar nichts stim-

men würde, ohne weitere Ausführungen dazu zu machen (UA act. 171). 

Hinsichtlich des Vorfalls im Auto gab er an, dass er die Geschädigte in 

V._____ abgeholt habe. Sie sei eingestiegen und habe noch ihr Schmink-

zeug bei F._____ holen wollen. Er habe ihr gesagt, es sei zu spät, sie solle 

ihr das am Montag in die Schule bringen. Sie sei irgendwie traurig gewe-

sen, habe ihn angesehen und er habe ihr über den Arm und die Schultern 

gestrichen und gesagt "mir gefallen die zwei auch so" (UA act. 173 und 

180) und habe mit der Hand eine Bewegung zu seinem Gesicht und mit 

zwei Fingern zu den Augen gemacht. Er habe damit die Augen gemeint. 

Zuvor, als er über den Arm gestrichen habe, habe die Geschädigte gesagt, 

dass sie das nicht möge, worauf er sofort seine Hand weggenommen und 

die beschriebene Aussage und Bewegung gemacht habe. Er habe damit 

gemeint, dass ihm ihre Augen auch ohne Schminke gefallen würden. Ir-

gendwie so. Er wisse nicht, er glaube, sie habe das sogar irgendwie aufge-

nommen. Die weitere Diskussion sei gewesen, ob sie mit F._____ weiterhin 

Kontakt haben könne oder nicht. Er habe ihr gesagt, dass sie das selber 

wissen müsse und selber wisse, was F._____ für einen Einfluss auf sie 

habe. Er wisse nicht, ob sie das als Verweis aufgenommen habe. Oder ob 

sie wieder etwas mit C._____ besprochen und sich irgendetwas ausge-

dacht habe. Er könne es nicht sagen. Er verneinte die Frage, die Geschä-

digte an den Brüsten angefasst zu haben. Er habe sie am Oberarm ange-

fasst und gestreichelt, weil sie ihn so angesehen habe, da sie ihr Schmink-

zeug nicht gehabt habe. Es sei abends gewesen um ca. 11 Uhr an einem 

Freitag oder Samstag (UA act. 173). Der Beschuldigte bestätigte, dass ihn 

die Geschädigte sowie deren Schwester mit den gegen ihn erhobenen Vor-

würfen unter Druck gesetzt hätten, damit dieses Mädchen zu ihnen kom-

men könne. Es habe geheissen, er habe die Geschädigte angefasst, sie 

würden zur Polizei gehen. Als das Haus hätte verkauft werden sollen, habe 

es "50 zu 50" geheissen. Er habe gesagt, dass das nicht funktioniere. 

C._____ habe auch da immer wieder gesagt, er solle sich nicht mit ihr an-

legen, sie gehe zur Polizei, da er die Geschädigte angefasst habe und sol-

che Sachen. Er habe ihr gesagt, dass er sich nicht erpressen lasse, er sie 

 - 21 - 

 

 

schon auch kenne und vor allem, dass sie sich nicht mit ihm anlegen solle 

(UA act. 176).  

 

An der Schlusseinvernahme vom 19. November 2018 gab der Beschuldigte 

an, dass er nie jemandem zwischen die Beine oder an die Brüste gefasst 

habe. Falls das mit dem Auto angesprochen werde, als er die Geschädigte 

abgeholt habe. Er habe sie abgeholt und sie habe noch ihre Schminksa-

chen bei der Freundin holen wollen. Er habe sie an der Schulter gestreichelt 

und gesagt, sie könne die Schminksachen am Montag holen. Dann hätten 

sie sich normal weiterunterhalten (UA act. 365 f.). Es stimme nicht, dass er 

der Geschädigten gesagt habe, er habe ihre Brüste gern. Er sei mit ihr im 

Auto gesessen und sie habe ihm erzählt, dass sie die Schminksachen ho-

len müsse. Er habe ihr gesagt, dass ihre Freundin sie nächste Woche in 

die Schule bringen könne. Da habe sie ihn traurig angeschaut und er habe 

gesagt "E._____, die sind auch so schön" oder "die Augen sind auch so 

schön". Es sei nicht um die Brüste gegangen. Er habe nicht noch zu der 

Freundin fahren wollen (UA act. 367).  

 

Anlässlich der Hauptverhandlung vom 12. November 2021 verwies der Be-

schuldigte auf seine früheren Aussagen. Er sei unschuldig. Ihm werde et-

was angelastet, was er nicht gemacht habe (GA act. 139 f.).  

 

3.2.4.2. 

Die Aussagen des Beschuldigten fallen im Vergleich zu denjenigen der Ge-

schädigten weniger detailliert und anschaulich aus. Insbesondere wies er 

den Vorfall in der Küche pauschal von sich und gab lediglich und ohne wei-

tere Ausführungen an, dass daran gar nichts stimmen würde. Hinsichtlich 

der Autofahrt vom 16. Januar 2016 fallen die Aussagen zwar etwas aus-

führlicher aus. Insbesondere nannte er ebenfalls ein Gespräch über das 

vergessene Schminkzeug sowie die Freundin F._____ und gab wiederholt 

an, dass er der Geschädigten lediglich über die Schulter bzw. den Arm ge-

strichen habe, da ihn diese traurig angesehen habe. Die Darstellung des 

Beschuldigten, dass die Geschädigte wegen der vergessenen Schminksa-

chen so traurig gewesen sei, dass er sie habe trösten wollen, erscheint 

indessen wenig überzeugend. Ein lediglich fürsorgliches Verhalten des Be-

schuldigten ohne weitere Vorkommnisse ist zudem nicht mit den Aussagen 

der Mutter vereinbar, welche die Situation, als der Beschuldigte und die 

Geschädigte nach Hause gekommen seien, als "komisch" beschrieb und 

angab, dass sich die Geschädigte am nächsten Morgen geweigert habe, 

sich erneut mit dem Beschuldigten ins Auto zu setzen, als er mit ihr habe 

Weggli holen wollen (UA act. 246). Hinsichtlich des Vorwurfs, dass der Be-

schuldigte gesagt habe, er habe "die zwei gern", fallen die Angaben des 

Beschuldigten zudem widersprüchlich aus. Während er diese Aussage an-

lässlich des aufgenommenen Gesprächs trotz der gegen ihn erhobenen 

Vorwürfe ohne Weiteres einräumte (UA act. 116: "Das mag ja vilich si, dass 

ich das sag…"; UA act. 118: "Ja und? Aber i ha se nid a de Brust agfasst"), 

 - 22 - 

 

 

gab er anlässlich der delegierten Einvernahme erstmals an, dass er damit 

die Augen der Geschädigten gemeint und entsprechend mit zwei Fingern 

auf seine Augen gedeutet habe (UA act. 173). Diese Gestik schilderte er 

indessen an der Schlusseinvernahme nicht mehr und führte dagegen aus, 

dass er im Zusammenhang mit dem vergessenen Schminkzeug gesagt 

habe "die sind auch so schön" oder "die Augen sind auch so schön".  

 

Insgesamt erscheinen die Aussagen des Beschuldigten eher knapp und 

pauschal, was grundsätzlich noch nicht gegen deren Glaubhaftigkeit 

spricht. Allerdings weichen sie hinsichtlich der Äusserung "er habe die zwei 

gern" voneinander ab, womit Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen 

des Beschuldigten bestehen. 

 

3.2.5. 

Damit stehen die detaillierten und glaubhaft erscheinenden Aussagen der 

Geschädigten, welche zudem durch die Aussagen der Schwester, des Bru-

ders, der Mutter und der Freundin gestützt werden, den wenig plausiblen 

und Abweichungen enthaltenden Angaben des Beschuldigten gegenüber, 

womit auf die Aussagen der Geschädigten abzustellen ist.  

 

Entsprechend ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte die damals 15-

jährige Geschädigte im Dezember 2015 oder Januar 2016 in der Küche des 

gemeinsamen Wohnorts fest von hinten umarmte und ihr dabei an die 

Brüste griff, wobei er sie so festhielt, dass sie sich kaum befreien konnte 

und zur Abwehr an seinem Arm zerren und nach unten wegkriechen 

musste. Weiter ist als erstellt zu betrachten, dass der Beschuldigte der Ge-

schädigten am 16. Januar 2016 während der Autofahrt von V._____ nach 

S._____ die Hand auf das Knie legte und ihr zwischen die Beine fasste, bis 

sie ihn fragte, warum er die Hand immer auf ihr Knie lege, ihr schliesslich 

an die Brüste fasste, fest zudrückte, und sagte, dass er ihre zwei Brüste 

möge, worauf die Geschädigte ihn zunächst aufforderte, die Hand wegzu-

nehmen und sie schliesslich wegziehen konnte, wobei er erneut versuchte, 

an ihre Brüste zu fassen und die Hand schliesslich wieder auf das Knie der 

Geschädigten legte. Da die Geschädigte nicht weiter schilderte, wo der Be-

schuldigte sie "zwischen den Beinen" angefasst habe, ist im Zweifel zu-

gunsten des Beschuldigtem davon auszugehen, dass er sie nicht im Intim-

bereich, sondern an der Innenseite des Beins angefasst hat.  

 

4. 

4.1. 

Die Vorinstanz bejahte hinsichtlich des Vorfalls in der Küche den Tatbe-

stand der sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB 

(E. 3.10) und im Zusammenhang mit dem Vorfall im Auto die Tatbestände 

der sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie 

der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB (E. 3.11 f.). Dies ist 

nachfolgend zu überprüfen. 

 - 23 - 

 

 

 

4.2. 

4.2.1. 

Wegen sexueller Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB wird 

bestraft, wer mit einem Kind unter 16 Jahren eine sexuelle Handlung vor-

nimmt, es zu einer solchen Handlung verleitet oder es in eine sexuelle 

Handlung einbezieht.  

 

Opfer ist ein Kind oder ein(e) Jugendliche(r) unter 16 Jahren. Es handelt 

sich um eine absolute Altersgrenze. Bei Art. 187 StGB handelt sich um ein 

abstraktes Gefährdungsdelikt, womit der Tatbestand bereits bei der Vor-

nahme der sexuellen Handlung erfüllt ist. Ein weiteres Element (z.B. der 

Eintritt einer Schädigung beim Opfer oder die Vornahme einer Nötigungs-

handlung durch den Täter) ist nicht erforderlich (PHILIPP MAIER, in: Basler 

Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N. 6 und 9 zu Art. 187 StGB).  

 

In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz ge-

nügt. Dabei braucht der Täter keine exakte Vorstellung darüber zu haben, 

welche Bedeutung sein Verhalten für das betroffene Opfer hat. Der Täter 

sollte sich aber die zugrundeliegende soziale Wertung seines Verhaltens 

in groben Zügen vorstellen können. Zudem ist erforderlich, dass er weiss 

oder zumindest in Kauf nimmt, dass das Kind unter 16 Jahre alt ist und 

mehr als 3 Jahre jünger ist als er (PHILIPP MAIER, a.a.O., N. 21 zu Art. 187 

StGB).  

 

4.2.2. 

Wegen sexueller Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB wird bestraft, wer 

eine Person zur Duldung einer beischlafsähnlichen oder anderen sexuellen 

Handlung nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie 

unter psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht. Ge-

schütztes Rechtsgut ist das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Es geht 

dabei um die Möglichkeit, sich sexuell frei und unabhängig zu entfalten und 

Beziehungen selbständig und eigenverantwortlich ohne Zwang zu gestal-

ten. Auch unter 16-jährige Personen können Opfer einer sexuellen Nöti-

gung sein (PHILIPP MAIER, a.a.O., N. 1, 4 zu Art. 189 StGB).   

 

Art. 189 StGB verlangt die Anwendung eines Nötigungsmittels. Der Tatbe-

stand setzt voraus, dass der Täter das Opfer durch eine Nötigungshand-

lung dazu bringt, eine sexuelle Handlung zu erdulden oder vorzunehmen. 

Gewalt liegt bereits vor, wenn der Täter ein grösseres Mass an körperlicher 

Kraft aufwendet, als zum blossen Vollzug des Akts notwendig ist und sich 

damit über die entgegenstehende Willensbetätigung des Opfers hinweg-

setzt. Eine körperliche Misshandlung, rohe Gewalt oder Brutalität sind in-

des nicht erforderlich. Es genügt, wenn der Täter seine überlegene Kraft 

einsetzt, indem er das Opfer festhält oder sich mit seinem Gewicht auf es 

legt (Urteile des Bundesgerichts 6B_826/2017 vom 26. Januar 2018 

 - 24 - 

 

 

E. 1.4.2 und 6B_798/2021 vom 2. August 2022 E. 4.2). Erfasst werden 

auch Nötigungsmittel ohne unmittelbaren Bezug zu physischer Gewalt. Ge-

schützt wird mithin auch dasjenige Opfer, das in eine ausweglose Situation 

gerät, in der es ihm nicht zuzumuten ist, sich dem Vorhaben des Täters zu 

widersetzen, auch wenn dieser keine Gewalt anwendet. Dass sich die Aus-

weglosigkeit der Situation auch ergeben kann, ohne dass der Täter eigent-

liche Gewalt anwendet, zeigt namentlich die Tatbestandsvariante des Un-

ter-Druck-Setzens. Der psychische Druck, aufgrund dessen es zu einer bei-

schlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung kommt, muss mit 

Blick auf die gewaltdeliktische Natur von Art. 189 StGB von besonderer In-

tensität sein. Zwar wird nicht verlangt, dass er zur Widerstandsunfähigkeit 

des Opfers führt. Die Einwirkung auf dasselbe muss aber immerhin erheb-

lich sein und eine der Gewaltanwendung oder Bedrohung vergleichbare In-

tensität erreichen. Dies ist der Fall, wenn vom Opfer unter den gegebenen 

Umständen und in Anbetracht seiner persönlichen Verhältnisse verständli-

cherweise kein Widerstand erwartet werden kann bzw. ihm ein solcher 

nicht zuzumuten ist. Ob die tatsächlichen Verhältnisse die tatbeständlichen 

Anforderungen eines Nötigungsmittels erfüllen, lässt sich erst aufgrund  

einer umfassenden Würdigung der konkreten Umstände entscheiden. Die 

Auslegung von Art. 189 StGB hat sich insoweit insbesondere an der Frage 

der zumutbaren Selbstschutzmöglichkeiten des Opfers zu orientieren (Ur-

teil des Bundesgerichts 6B_1408/2016 vom 20. Februar 2018 E. 1.5.1). Die 

Umstände müssen eine Qualität erreichen, die sie ein ihrer Gesamtheit als 

instrumentalisierte sogenannte "strukturelle Gewalt" erscheinen lassen. Bei 

sexuellen Handlungen unter Ausnützung des Erwachsenen-Kind-Gefälles 

sind geringere Anforderungen an die Intensität bzw. Erheblichkeit der Nöti-

gungsmittel zu stellen als bei sexuellen Handlungen zum Nachteil von Er-

wachsenen (BGE 128 IV 97 E. 2 b aa).  

 

Das Opfer muss die Tat dulden. Zwischen der Nötigungshandlung und dem 

Dulden der sexuellen Handlung muss zudem Kausalität bestehen. Der Tä-

ter muss gerade durch die Nötigungshandlung die Duldung der sexuellen 

Handlung erzwungen haben, ansonsten kommt nur Versuch in Betracht 

(TRECHSEL/BERTOSSA, in: Schweizerisches Strafrecht, Praxiskommentar, 

4. Aufl. 2021, N. 11 zu Art. 189 StGB).  

 

Subjektiv wird Vorsatz bezüglich aller Tatbestandselemente verlangt. Der 

Täter muss um die Bedeutung des auf- bzw. abgenötigten Verhaltens wis-

sen. Dazu gehört auch, dass er zumindest in Kauf genommen hat, sich 

über den entgegenstehenden Willen des Opfers hinwegzusetzen. Es reicht, 

wenn der Täter nach seiner Vorstellung beabsichtigt, das Opfer unsittlich 

zu berühren. Wer es ernstlich für möglich hält, das Opfer könnte mit den 

sexuellen Handlungen nicht einverstanden sein, und nach dem Einsatz 

eins Nötigungsmittels dennoch die sexuelle Handlung vornimmt oder das 

Opfer zu einer solchen veranlasst, handelt tatbestandsmässig (PHILIPP 

 - 25 - 

 

 

MAIER, a.a.O., N. 54 zu Art. 189 StGB; vgl. zum Ganzen BGE 148 IV 234 

E. 3.3 f.).   

 

4.2.3. 

Als sexuelle Handlungen im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und 

Art. 189 Abs. 1 StGB gelten nur Verhaltensweisen, die für den Aussenste-

henden nach ihrem äusseren Erscheinungsbild einen unmittelbaren sexu-

ellen Bezug aufweisen und im Hinblick auf das geschützte Rechtsgut er-

heblich sind. Bedeutsam für die Beurteilung der Erheblichkeit sind qualitativ 

die Art und quantitativ die Intensität und Dauer der Handlung, wobei die 

gesamten Begleitumstände zu berücksichtigen sind (Urteil des Bundesge-

richts 6B_1102/2019 vom 28. November 2019 E. 2.2 m.w.H.). In Zweifels-

fällen wird man nach den Umständen des Einzelfalls die Erheblichkeit auch 

relativ bestimmen müssen, so etwa nach dem Alter des Opfers oder dem 

Altersunterschied zum Täter (BGE 125 IV 58 E. 3b). Verhaltensweisen, 

welche unter dem Aspekt des Tatbestandes der sexuellen Handlungen mit 

Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 Abs. 1 StGB nur als geringfügige Entglei-

sung erscheinen, können als sexuelle Belästigung im Sinne von Art. 198 

Abs. 2 StGB relevant sein (BGE 137 IV 263 E. 3.1).   

 

4.3. 

4.3.1. 

Indem der Beschuldigte die damals 15-jährige Geschädigte im Dezember 

2015/Januar 2016 von hinten umarmte, ihr an die Brüste griff und fest zu-

drückte, nahm er eine Handlung vor, die bei objektiver Betrachtung offen-

sichtlich als sexuell motiviert einzuordnen ist. Der Geschädigten war es nur 

mit viel Mühe möglich, sich aus dem ihr aufgezwungenen festen Griff des 

Beschuldigten zu befreien. Es kann hierzu auf die erwähnten Aussagen der 

Geschädigten verwiesen werden (UA act. 146: "Ich ha mich nid chöne be-

freie. Ich ha wörklich müesse mich degege wehre und dra zerre, dass er 

weg goht. Ich ha mich denn idem Moment müesse abezieh. Sini Händ wie 

packe, mich abezieh und weg krieche…"). Es handelt sich damit nicht mehr 

nur um eine flüchtige und überraschende Berührung, welche als sexuelle 

Belästigung einzuordnen wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_826/2017 vom 26. Januar 2018 E. 1.6.5). Erschwerend kommt hinzu, 

dass es sich beim Beschuldigten um den langjährigen, im selben Haushalt 

wohnenden Lebenspartner der Mutter der Geschädigten handelte, welcher 

(wie er selbst geltend macht, Berufungserklärung S. 3) eine Art Vaterersatz 

darstellte und (trotz der beidseitig geschilderten eher streitbeladenen Be-

ziehung) eine Vertrauensposition innehatte. Auch wenn der Beschuldigte 

die Geschädigte über den Kleidern anfasste, ist unter diesen Umständen 

von einer erheblichen sexuellen Handlung i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 StGB aus-

zugehen, welche geeignet war, die ungestörte sexuelle Entwicklung der 

Geschädigten zu gefährden. Der objektive Tatbestand der sexuellen Hand-

lung mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB ist damit erfüllt.  

 

 - 26 - 

 

 

Dem Beschuldigten war das Alter der Geschädigten bestens bekannt. In-

dem er dennoch eine offensichtlich sexualbezogene Handlung an der Ge-

schädigten vornahm, handelte er auch vorsätzlich. Auch der subjektive Tat-

bestand gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB ist somit erfüllt.  

 

4.3.2. 

Die Vorinstanz verneinte im Zusammenhang mit dem Vorfall in der Küche 

den Tatbestand der sexuellen Nötigung i.S.v. Art. 189 StGB (E. 3.10), was 

nicht angefochten und auch angesichts des Verschlechterungsverbots 

nicht zu überprüfen ist (Art. 391 Abs. 2 StGB).  

 

4.4. 

4.4.1. 

Hinsichtlich des Vorfalls vom 16. Januar 2016 im Auto ist Folgendes fest-

zuhalten: Während das Anfassen des Knies und der Innenseite des Beines 

durch den Beschuldigten bei objektiver Betrachtung gerade noch als ambi-

valente Handlung angesehen werden kann, weist das Anfassen und Zu-

drücken an den Brüsten mit dem Worten, dass ihm die zwei (Brüste) gefal-

len, eindeutig einen sexuellen Bezug auf und ist als sexuelle Handlung zu 

qualifizieren. Auch hier erfolgte diese über den Kleidern. Der Beschuldigte 

drückte indessen fest an den Brüsten zu und die Handlung musste aktiv 

durch die Geschädigte unterbrochen werden. Zudem handelte es sich beim 

Beschuldigte um eine Vertrauensperson und die Situation – die Geschä-

digte befand sich spätabends alleine mit dem Beschuldigten im Auto auf 

einer Überlandstrasse –, hätte weder eine Flucht der Geschädigten noch 

irgendeine Hilfestellung durch andere Personen zugelassen, wenn der Be-

schuldigte nicht von ihr abgelassen hätte. Unter diesen Umständen ist auch 

hier die von Art. 187 Ziff. 1 StGB vorausgesetzte Erheblichkeit der sexuel-

len Handlung zu bejahen.  

 

Es bestehen keine Zweifel daran, dass der Beschuldigte mit dem festen 

Zudrücken an den Brüsten der Geschädigte wissentlich und willentlich eine 

sexualbezogene Handlung an der 15-jährigen Geschädigten vornahm. Der 

Beschuldigte handelte damit vorsätzlich, womit der Tatbestand der sexuel-

len Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB erfüllt ist. 

 

4.4.2. 

Die Vorinstanz bejahte zudem den Tatbestand der sexuellen Nötigung 

i.S.v. Art. 189 StGB (E. 3.11). 

 

Zum Vorliegen einer sexuellen Handlung kann auf die obigen Ausführun-

gen zu Art. 187 StGB verwiesen werden. Der Beschuldigte fasste die Ge-

schädigte während der Autofahrt an den Brüsten an und drückte fest zu. 

Die Geschädigte sass auf dem Beifahrersitz und konnte sich der Handlung 

des Beschuldigten nicht entziehen. Sie teilte ihm mit, dass er die Hand weg-

nehmen solle. Dennoch liess er nicht von ihr ab. Schliesslich gelang es ihr, 

 - 27 - 

 

 

die Hand des Beschuldigten wegzuziehen, wobei der Beschuldigt erneut 

versuchte, die Brust der Geschädigten anzufassen. Der Beschuldigte wen-

dete zwar keine rohe Gewalt an. Er setzte sich jedoch mit körperlicher Kraft 

über die verbale und danach körperliche Gegenwehr der Geschädigten hin-

weg, um die sexuelle Handlung aufrecht zu erhalten. Das fortdauernde 

feste Zudrücken ging damit über den anfänglichen Überraschungsmoment 

sowie den für den blossen Vollzug der sexuellen Handlung erforderlichen 

Kraftaufwand hinaus und diente (zumindest auch) dazu, die Geschädigte 

festzuhalten. Die Anwendung von Gewalt als Nötigungsmittel ist damit zu 

bejahen. Die Geschädigte, welche keine Ausweichmöglichkeit hatte, war 

aufgrund der Gewaltanwendung des Beschuldigten zunächst gezwungen, 

dessen sexuelle Handlung zu dulden. Sie musste seine Hand wegziehen, 

was ihr schliesslich auch gelang. Der objektive Tatbestand der sexuellen 

Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB ist damit erfüllt. Entsprechend er-

übrigt sich die Prüfung weiterer Nötigungsmittel (wie insbesondere die 

durch die Vorinstanz bejahte Anwendung psychischen Drucks). 

 

Der Beschuldigte nahm trotz verbaler und körperlicher Gegenwehr eine of-

fensichtlich sexuelle Handlung an der Geschädigten vor, womit er vorsätz-

lich handelte. Damit ist auch der subjektive Tatbestand der sexuellen Nöti-

gung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB erfüllt. 

 

4.5. 

Zusammengefasst erfüllte der Beschuldigte die Tatbestände der mehrfa-

chen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB (An-

klageziffer 3d und 4) sowie der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 

StGB (Anklageziffer 4). Zwischen den Tatbeständen der sexuellen Hand-

lungen mit Kindern (Art. 187 StGB) und der sexuellen Nötigung (Art. 189 

StGB) besteht echte Konkurrenz, da unterschiedliche Rechtsgüter betrof-

fen sind (PHILIPP MAIER, a.a.O., N. 82 zu Art. 189 StGB; BGE 146 IV 153 

E. 3.5.2). 

 

5. 

Rechtfertigungs- oder Schuldausschliessungsgründe sind nicht ersichtlich. 

Die vorinstanzlichen Schuldsprüche sind damit zu bestätigen. 

 

6. 

6.1. 

Der Tatbestand der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB sieht 

Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe vor. Der Tatbestand der 

sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB sieht Frei-

heitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. 

 

 - 28 - 

 

 

6.2. 

6.2.1. 

Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten zu einer bedingten Geldstrafe 

von 150 Tagessätzen à Fr. 240.00, Probezeit 2 Jahre.  

 

6.2.2. 

Der Beschuldigte beanstandete die vorinstanzliche Strafzumessung nicht, 

führte jedoch aus, dass aufgrund der Verletzung des Beschleunigungsge-

bots von einer Strafe Umgang zu nehmen sei. 

 

6.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.). Darauf kann ver-

wiesen werden. 

 

6.4. 

Die Vorinstanz hat auf eine Geldstrafe erkannt. Die Aussprechung einer 

Freiheitsstrafe fällt damit bereits angesichts des Verschlechterungsverbots 

(Art. 391 Abs. 2 StPO) ausser Betracht. Nachfolgend ist damit eine Ge-

samtgeldstrafe zu bilden. 

 

6.5. 

Die Delikte wurden in den Jahren 2015 und/oder 2016 und damit vor In-

kraftreten des revidierten Sanktionenrechts am 1. Januar 2018 begangen. 

Da aufgrund des Verschlechterungsverbots gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO 

eine 150 Tagessätze übersteigende Strafe ausgeschlossen ist, hat die Re-

vision des Sanktionenrechts vorliegend keine Auswirkungen. Das revidierte 

Recht erweist sich somit auch nicht als milder, weshalb die im Tatzeitpunkt 

geltenden Bestimmungen zur Anwendung gelangen (vgl. Art. 2 Abs. 2 

StGB). In Bezug auf das Sanktionenrecht ist daher auf die altrechtlichen 

Bestimmungen abzustellen. 

 

6.6. 

Für die sexuelle Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB als schwerste Tat 

ist eine Einsatzstrafe festzulegen. 

 

Das Gericht misst die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens nach 

dem Verschulden zu (Art. 47 Abs. 1 StGB). Ausgangspunkt für die Bestim-

mung des Verschuldens ist die Schwere der Verletzung oder Gefährdung 

des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Art. 189 Abs. 1 StGB 

schützt das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. Es geht um die Möglich-

keit, sich sexuell frei und unabhängig zu entfalten und Beziehungen selb-

ständig und eigenverantwortlich ohne Zwang zu gestalten (MAIER, a.a.O., 

N. 1 zu Art 189 StGB).  

 

 - 29 - 

 

 

Der Beschuldigte fasste der Geschädigten spätabends während einer Au-

tofahrt an die Brüste, drückte fest zu und teilte ihr mit, dass er "die zwei" 

gern habe. Nachdem der Beschuldigte die Aufforderung der Geschädigten 

ignoriert hatte, sie nicht anzufassen, vermochte sie die Hand des Beschul-

digten schliesslich wegzuziehen, worauf er (zumindest zunächst) erneut 

versuchte, die Geschädigte an den Brüsten anzufassen. Die auf dem Bei-

fahrersitz sitzende Geschädigte konnte sich der Handlung des Beschuldig-

ten nicht entziehen und eine Gegenwehr war während der Autofahrt er-

schwert. Zudem befand sie sich in einer eindrücklichen Situation (Autofahrt 

spätabends auf einer Überlandstrasse), welche keine Hilfe von Drittperso-

nen oder Fluchtmöglichkeiten zuliess. Dennoch ist die vorliegende Tat im 

Rahmen des sehr grossen Spektrums an möglichen, den Tatbestand der 

sexuellen Nötigung erfüllenden Missbrauchshandlungen im unteren Be-

reich einzuordnen, zumal die Berührung von nicht allzu langer Dauer war 

und über den Kleidern erfolgte. Der Beschuldigte packte zwar fest zu und 

es gelang der Geschädigten erst durch aktives Wegziehen der Hand, sich 

aus dessen Griff zu befreien. Er wendete jedoch keine grobe Gewalt an. 

Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass es sich beim Beschuldigten um 

den langjährigen Lebenspartner der Mutter handelte, welcher das Ver-

trauen der im Tatzeitpunkt fünfzehnjährigen Geschädigten ausnutzte. Zu 

Lasten des Beschuldigten wirkt sich weiter aus, dass er über ein sehr hohes 

Mass an Entscheidungsfreiheit verfügte. Je leichter es für den Beschuldig-

ten gewesen wäre, die sexuelle Selbstbestimmung der Geschädigten zu 

respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit 

einhergehend das Verschulden (vgl. BGE 117 IV 112 E. 1 mit Hinweisen). 

Insgesamt ist von einem vergleichsweise noch leichten Verschulden und 

einer angemessenen Einsatzstrafe von 90 Tagessätzen auszugehen.  

 

6.7. 

6.7.1. 

Die Einsatzstrafe ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB um den durch 

die erwähnten Handlungen des Beschuldigten während der Autofahrt 

ebenfalls erfüllten Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern 

(Art. 187 Ziff. 1 StGB) zu erhöhen. 

 

Sexuelle Handlungen mit Kindern werden mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jah-

ren oder Geldstrafe bestraft (Art. 187 Ziff. 1 StGB). Der Tatbestand will die 

Gefährdung der sexuellen Entwicklung von Unmündigen verhindern, das 

heisst die ungestörte Entwicklung des Kindes schützen, bis es die notwen-

dige Reife erreicht hat, die es zur verantwortlichen Einwilligung in sexuelle 

Handlungen befähigt (Urteil des Bundesgerichts 6B_518/2020 vom 

15. September 2021 E. 1.3). Hinsichtlich der Tathandlung des Beschuldig-

ten und deren Umstände kann auf die obigen Ausführungen (E. 6.5) ver-

wiesen werden. Die Tathandlung im Auto ist nicht zu bagatellisieren. Auch 

hier ist insbesondere der Missbrauch des Vertrauensverhältnisses, die Si-

tuation im Auto und das hohe Mass an Entscheidungsfreiheit des 

 - 30 - 

 

 

Beschuldigten erschwerend zu berücksichtigen. Wie bereits ausgeführt, 

bewegt sich die vorgenommene sexuelle Handlung jedoch vergleichsweise 

im unteren Bereich des Möglichen. Hinzu kommt, dass die Geschädigte 

kurz vor ihrem sechzehnten Geburtstag stand und sich damit nur noch 

knapp im Schutzalter befand. Unter diesen Umständen kann nicht von einer 

schweren oder nachhaltig auf diese Vorfälle zurückzuführenden Beein-

trächtigung der ungestörten sexuellen Entwicklung der Geschädigten aus-

gegangen werden. Insgesamt ist das Verschulden noch als leicht zu be-

zeichnen und es erscheint bei isolierter Betrachtung eine Strafe von 60 Ta-

gessätzen angemessen. Angesichts des sehr engen Zusammenhangs mit 

der der Einsatzstrafe zugrunde liegenden Tat – es handelt sich um dieselbe 

Tathandlung, die beide Tatbestände erfüllt – ist nicht von einem hohen Ge-

samtschuldbeitrag auszugehen, womit sich eine Erhöhung der Einsatz-

strafe um 20 Tagessätze rechtfertigt.  

 

6.7.2. 

Weiter ist eine Erhöhung der Strafe für die Tat in der Küche vorzunehmen.  

 

Hinsichtlich des vom Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern ge-

mäss Art. 187 Ziff. 1 StGB geschützten Rechtsguts kann auf die vorstehen-

den Ausführungen verwiesen werden (E. 6.6.1). Der Beschuldigte näherte 

sich der Geschädigten von hinten, umarmte sie und fasste sie – hinter ihr 

stehend – so fest an den Brüsten an, dass sie sich nur mit Mühe aus dem 

Griff befreien konnte und hierzu zu Boden gehen und wegkriechen musste. 

Auch hier ist der über den Kleidern erfolgte feste Griff an die Brüste zwar 

eindeutig als strafbare sexuelle Handlung i.S.v. Art. 187 Ziff. 1 StGB einzu-

ordnen, welche sich hinsichtlich ihrer Schwere im Vergleich zu den mögli-

chen sexuellen Handlungen, welche unter Art. 187 Ziff. 1 StGB fallen könn-

ten, jedoch im unteren Bereich bewegt. Dennoch lassen die Umstände der 

Tat diese nicht unerheblich erscheinen. So ging der Beschuldigte, welcher 

wie erwähnt eine Vaterrolle einnahm, die Geschädigte überraschend im 

Rahmen einer alltäglichen Handlung – sie wollte in der Küche des gemein-

sam bewohnten Hauses ein Glas Wasser trinken – an, was das Vertrau-

ensgefühl der Geschädigten erheblich erschüttert haben dürfte. Zudem 

hielt er sie derart stark fest, dass sie sich nur mit Mühe loswinden konnte 

und gar zu Boden gehen musste. Es ist jedoch auch hier nicht von einer 

anhaltenden, auf diese Tat zurückzuführenden Beeinträchtigung der sexu-

ellen Entwicklung der im Tatzeitpunkt noch fünfzehnjährigen Geschädigten 

auszugehen. Insgesamt ist das Verschulden gerade noch als leicht zu be-

zeichnen und es erscheint bei einzelner Betrachtung eine Strafe von 70 Ta-

gessätzen angemessen. Es besteht zwar ein sachlicher Zusammenhang 

zum Vorfall im Auto. Zeitlich liegen jedoch mehrere Wochen zwischen den 

beiden Taten, womit der Gesamtschuldbeitrag nicht unerheblich ist und 

sich eine Erhöhung der Strafe um weitere 50 Tagessätze rechtfertigt.    

 

 - 31 - 

 

 

6.8. 

Mit der Vorinstanz ist das vorstrafenfreie und strafrechtlich unauffällige Vor-

leben des Beschuldigten als neutral zu werten und es ist ihm auch kein 

Geständnis zugute zu halten. Der gesundheitliche Zustand des Beschul-

digten ist aufgrund der anhaltenden Folgen eines Schlaganfalls zwar be-

lastet (vgl. dazu forensisch-psychiatrisches Gutachten vom 8. Dezember 

2020, UA act. 88 ff., insb. act. 100 f.). Es ist jedoch keine erhöhte Strafemp-

findlichkeit zu erkennen, welche die auszusprechende Strafe als erheblich 

schwerwiegender erscheinen lassen würde als beim Durchschnitt der Ver-

urteilten, zumal vorliegend eine Geldstrafe und keine Freiheitsstrafe aus-

zusprechen ist (vgl. zur Freiheitsstrafe Urteil des Bundesgerichts 

6B_744/2012 vom 9. April 2013 E. 3.3). Der Gesundheitszustand des Be-

schuldigten ist damit – entgegen den vorinstanzlichen Ausführungen – nicht 

entlastend zu berücksichtigen, womit insgesamt von einer neutral zu wer-

tenden Täterkomponente auszugehen ist. 

 

6.9. 

Mit Berufung wird vorgebracht, dass die von der Vorinstanz ausgefällte 

Strafe in keinem Verhältnis zur langen Dauer des Verfahrens von sechs 

Jahren stehe. Alleine die Begründung des Urteils habe fast zwei Jahre ge-

dauert. Bei einem derartigen Missverhältnis zwischen Strafe und der kras-

sen Verletzung des Beschleunigungsgebots sei von einer Strafe Umgang 

zu nehmen.  

 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze des Beschleunigungsgebots wie-

derholt dargelegt (statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 6B_1003/2020 

vom 21. April 2021 E. 3.3.1 und 6B_855/2020 vom 25. Oktober 2021 

E. 1.5.4; BGE 143 IV 373; je m.w.H.). Darauf kann verwiesen werden. 

 

Die lange Dauer bis zur Durchführung der Hauptverhandlung ist hauptsäch-

lich auf den schlechten Gesundheitszustand des Beschuldigten zurückzu-

führen, welcher eine zweimalige Verschiebung der Hauptverhandlung so-

wie die Erstellung eines Gutachtens über die Verhandlungsfähigkeit erfor-

derte. Die Hauptverhandlung konnte schliesslich am 12. November 2021 

durchgeführt und das Urteil gleichentags mündlich eröffnet werden (GA 

act. 145). Bis zu diesem Zeitpunkt ist damit keine Verletzung des Beschleu-

nigungsgebots ersichtlich.  Die Zustellung des Dispositivs an den Beschul-

digten erfolgte jedoch erst am 12. Januar 2022 (GA act. 175) und damit 

deutlich nach Ablauf der fünftägigen Ordnungsfrist von Art. 84 Abs. 2 StPO 

(vgl. SARARARD ARQUINT, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafpro-

zessordnung, 3. Aufl. 2023, N. 5 zu Art. 84 StPO). Gründe, weshalb für die 

Ausfertigung des Dispositivs zwei Monate benötigt wurden, sind nicht er-

kennbar. Nachdem der Beschuldigte am 17. Januar 2022 die Berufung an-

gemeldet hatte (GA act. 178), dauerte es schliesslich über 20 Monate bis 

zum Vorliegen des schriftlich begründeten Urteils, welches dem Beschul-

digten am 2. Oktober 2023 zugestellt wurde (GA act. 212). Die (Ord- 

 - 32 - 

 

 

nungs-)Frist für die Urteilsbegründung, welche gemäss Art. 84 Abs. 4 StPO 

60 Tage, ausnahmsweise 90 Tage beträgt, und deren Nichteinhaltung ein 

Indiz für eine Verletzung des Beschleunigungsgebots sein kann (vgl. statt 

vieler Urteile des Bundesgerichts 1B_443/2021 vom 6. Oktober 2021 

E. 3.2, 1B_82/2021 vom 9. September 2021 E. 2.2 und 6B_682/2023 vom 

18. Oktober 2023 E. 3.2.2), ist damit ebenfalls in erheblichem Ausmass 

überschritten worden. Es handelte sich weder um einen aussergewöhnlich 

umfassenden oder komplexen Straffall, noch fiel das vorinstanzliche Urteil 

mit 33 Seiten besonders umfangreich aus. Unter diesen Umständen liegt 

angesichts der zwischen der mündlichen Urteilseröffnung und der Zustel-

lung des schriftlichen Urteils verstrichenen Zeitdauer von beinahe zwei Jah-

ren eine offensichtliche Verletzung des Beschleunigungsgebots vor, wel-

che nicht mehr als unerheblich zu bezeichnen ist. Es ist indessen zu be-

rücksichtigen, dass das Beschleunigungsgebot erst nach der Fällung und 

mündlichen Eröffnung des erstinstanzlichen Urteils verletzt wurde, was die 

persönliche Betroffenheit des Beschuldigten zu relativieren vermag (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_855/2020 vom 25. Oktober 2021 E. 1.5.4). 

Eine Strafreduktion um 20 Tage erscheint damit angemessen. 

 

6.10. 

Insgesamt ergibt sich damit eine angemessene Geldstrafe von 140 Ta-

gessätzen. 

 

6.11. 

Der Beschuldigte äussert sich nicht zur Tagessatzhöhe und bringt insbe-

sondere keine im Vergleich zum vorinstanzlichen Verfahren eingetretene 

Veränderung der finanziellen Verhältnisse vor. Entsprechend ist nach wie 

vor von einem Einkommen von Fr. 14'651.70 auszugehen, welches um  

einen Pauschalabzug von 25 % und die Pflegekosten von monatlich 

Fr. 3'750.00 zu reduzieren ist. Zusätzlich ist angesichts der hohen Anzahl 

Tagessätze eine weitere Reduktion um 20 % vorzunehmen, da mit zuneh-

mender Dauer die wirtschaftliche Bedrängnis und damit das Strafleiden 

progressiv ansteigt (Urteil des Bundesgerichts 6B_744/2020 vom 26. Ok-

tober 2020 E. 2.2.2). Unter Berücksichtigung dieser zusätzlichen Reduktion 

ergibt sich ein Tagessatz von rund Fr. 190.00. 

 

6.12. 

Die Vorinstanz hat die Geldstrafe mit zutreffender Begründung aufgescho-

ben und die Probezeit auf die Mindestdauer von zwei Jahren festgesetzt. 

Es kann auf die entsprechenden vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen 

werden (E. 4.9). 

 

6.13. 

Der Beschuldigte ist damit zu einer bedingten Geldstrafe von 140 Tages-

sätzen zu Fr. 190.00, Probezeit 2 Jahre, zu verurteilen. Die vorläufige Fest-

nahme vom 27. April 2017 (UA act. 42 ff.) ist gemäss Art. 51 StGB im 

 - 33 - 

 

 

Umfang von einem Tag an die Geldstrafe anzurechnen, was im vorinstanz-

lichen Urteil unberücksichtigt geblieben ist.  

 

7. 

7.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten zur Bezahlung von Fr. 43.00 Scha-

denersatz und Fr. 1'200.00 (zzgl. Zins zu 5% seit 17. Januar 2016) Genug-

tuung an die Geschädigte, welche sich im vorinstanzlichen Verfahren als 

Zivil- und Strafklägerin beteiligt hatte (E. 5), verurteilt.  

 

In der Berufung des Beschuldigten finden sich für den Fall der ganz oder 

teilweisen Abweisung der Berufung im Strafpunkt keine Ausführungen zum 

von der Vorinstanz zugesprochenen Schadenersatz bzw. zu der Genugtu-

ung. Darauf ist somit nicht weiter einzugehen und es kann auf die unbe-

stritten gebliebenen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 

Abs. 4 StPO), zumal hinsichtlich der adhäsionsweise geltend gemachten 

Zivilforderungen die Dispositionsmaxime gilt und vom Beschuldigten ein 

substantiiertes Bestreiten verlangt würde. 

 

8. 

8.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte 

erwirkt mit seiner Berufung insofern einen für ihn günstigeren Entscheid, 

als dass die Anzahl Tagessätze auf 140 Tagessätze und die Tagessatz-

höhe auf Fr. 190.00 zu reduzieren ist. Es rechtfertigt sich daher, die Kosten 

des Berufungsverfahren dem Beschuldigten zu 3/4 aufzuerlegen und zu 

1/4 auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

8.2. 

8.2.1. 

Die amtliche Verteidigerin ist für das Berufungsverfahren aus der Staats-

kasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO). 

 

8.2.2. 

Im Kanton Aargau bemisst sich die Entschädigung in Strafsachen nach 

dem angemessenen Zeitaufwand des Anwaltes (§ 9 Abs. 1 AnwT). Dieser 

Entschädigungsanspruch umfasst nicht alles, was für die Wahrnehmung 

der Interessen der beschuldigten Person von Bedeutung ist. Entschädi-

gungspflichtig sind nur jene Bemühungen, die in einem kausalen Zusam-

menhang mit der Wahrung der Rechte der beschuldigten Person im Straf-

verfahren stehen, und die notwendig und verhältnismässig sind (BGE 141 

I 124 E. 3.1). Nicht zu entschädigen sind nutzlose, überflüssige und verfah-

rensfremde Aufwendungen. Als Massstab für die Beantwortung der Frage, 

welcher Aufwand für eine angemessene Verteidigung im Strafverfahren nö-

tig ist, hat der erfahrene Anwalt zu gelten, der im Bereich des materiellen 

 - 34 - 

 

 

Strafrechts sowie des Strafprozessrechts über fundierte Kenntnisse verfügt 

und deshalb seine Leistungen von Anfang an zielgerichtet sowie effizient 

erbringen kann (Urteile des Bundesgerichts 6B_1028/2021 vom 3. April 

2023 E. 1.1.1 und 6B_888/2021 vom 24. November 2022 E. 2.2.1 m.w.H.). 

 

Die amtliche Verteidigerin machte mit Honorarnote vom 13. März 2024  

einen Stundenaufwand von 22 Stunden sowie Auslagen von Fr. 200.00 gel-

tend und beantragte bei einem Stundenansatz von Fr. 240.00 die Geneh-

migung einer Entschädigung von insgesamt Fr. 5'480.00. 

 

Der für die Ausfertigung der rund 7 beschriebene Seiten umfassenden Be-

rufungsschrift geltend gemachte Aufwand von 4.5 Stunden ist nicht zu be-

anstanden, wobei auch das hierfür erforderliche Studium der vorinstanzli-

chen Akten umfasst sein dürfte. Für die zusätzlich ausgewiesenen Position 

"Aktenstudium" – geltend gemacht werden 6 Stunden – kommen damit ein-

zig Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Studium des vorinstanzli-

chen Urteils und den Akten des Berufungsverfahrens (verfahrensleitende 

Verfügungen sowie Eingaben der Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufen-

burg und der Geschädigten) in Frage. Die wenigen Eingaben und verfah-

rensleitenden Verfügungen fielen allesamt kurz aus, so dass für die Lektüre 

derselben ein Aufwand von insgesamt 0.5 Stunden ausreichend erscheint. 

Für das Studium des vorinstanzlichen Urteils erscheinen zwei Stunden an-

gemessen. Insgesamt ist damit von einem zu entschädigenden zusätzli-

chen Aktenstudium von 2.5 Stunden auszugehen. Weiter erscheint der gel-

tend gemachte Klientenkontakt von 3.5 Stunden überhöht. Im schriftlichen 

Berufungsverfahren war einzig das Einlegen des Rechtsmittels und der In-

halt der Berufungsschrift zu besprechen. Kontakte mit dem Beschuldigten 

im Umfang von 2 Stunden erscheinen hierfür angemessen. Zudem ist eine 

Nachbesprechung des obergerichtlichen Urteils von 0.5 Stunden zu ge-

währen. Inwiefern weitere Kontakte mit dem Beschuldigten notwendig wa-

ren, wird von der amtlichen Verteidigerin nicht dargelegt und ist auch nicht 

ersichtlich. Es ist damit für den Kontakt mit dem Beschuldigten ein Aufwand 

von insgesamt 2.5 Stunden zu entschädigen. In der Honorarnote wird ein 

Aufwand von 2.5 Stunden für "Korrespondenz in Sachen Berufung" ge-

nannt. Neben der Berufungsschrift verfasste die amtliche Verteidigerin am 

9. Januar 2024 jedoch lediglich eine nur wenige Zeilen umfassende Ein-

gabe, wofür ein Aufwand von 0.25 Stunden ausreichend erscheint. Weitere 

Korrespondenz im Zusammenhang mit der Berufung ergibt sich weder aus 

den Akten, noch wird solche im Einzelnen in der Honorarnote ausgewiesen, 

womit die weiteren unter diesem Titel geltend gemachten 2.25 Stunden 

nicht zu entschädigen sind. Inwiefern im Berufungsverfahren die separat 

genannten Telefonate und Korrespondenz mit der Vorinstanz von 3.5 Stun-

den zu führen waren, ergibt sich aus der Kostennote ebenfalls nicht. Vor-

stellbar sind einzig Nachfragen hinsichtlich des Verbleibs des schriftlich be-

gründeten Urteils, wobei hierfür ein Aufwand von 0.5 Stunden ausreichend 

erscheint. Nicht zu entschädigen ist im Übrigen der pauschal geltend 

 - 35 - 

 

 

gemachte Aufwand für "Sonstiges" von 2 Stunden, zumal nicht ersichtlich 

ist, wofür solcher neben den nach den obigen Ausführungen zu entschädi-

genden Positionen angefallen bzw. notwendig gewesen sein könnte. Ins-

gesamt ergibt damit ein zu entschädigender Aufwand von 10.25 Stunden. 

 

8.2.3. 

Der Stundenansatz beläuft sich für die im Jahr 2023 erbrachten Leistungen 

auf Fr. 200.00 (§ 9 Abs. 3bis AnwT in der bis zum 31. Dezember 2023 gülti-

gen Fassung). Ab dem 1. Januar 2024 erbrachte Leistungen sind mit 

Fr. 220.00 zu entschädigen (§ 9 Abs. 3bis AnwT; vgl. zum Ganzen auch 

Urteil des Obergerichts SST.2023.55 vom 26. Januar 2024 E. 4.2).  

 

Der Mehrwertsteuersatz beträgt für die vor dem 1. Januar 2024 angefalle-

nen Aufwendungen und Auslagen 7.7 %, für spätere Aufwendungen 8.1 %. 

 

Während die Eingabe vom 9. Januar 2024 sowie die Nachbesprechung des 

obergerichtlichen Urteils auf das Jahr 2024 fallen, ist davon auszugehen, 

dass die übrigen Aufwendungen und Auslagen im Jahr 2023 angefallen 

sind. Für das Jahr 2023 beträgt die Entschädigung damit Fr. 2'261.70 (9.5 

Stunden x Fr. 200.00 + Fr. 200.00 Auslagen + Fr. 161.70 MwSt). Auf das 

Jahr 2024 entfällt eine Entschädigung von Fr. 178.35 (0.75 Stunden x 

Fr. 220.00 + 13.35 MwSt). Insgesamt ist der amtlichen Verteidigerin damit 

eine Entschädigung von Fr. 2'440.05 auszurichten (inkl. Auslagen und 

MwSt). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten im Umfang von 3/4, ausma-

chend Fr. 1'830.05 zurückzubezahlen, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

9. 

9.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person 

die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird. 

 

Der Beschuldigte wird verurteilt und hat deshalb die Verfahrenskosten zu 

tragen (Art. 428 Abs. 3 i.V.m. Art. 426 Abs. 1 StPO). Die vorinstanzliche 

Kostenverlegung erweist sich damit als zutreffend und bedarf keiner Kor-

rektur. 

 

9.2. 

Die der amtlichen Verteidigung für das erstinstanzliche Verfahren zuge-

sprochene Entschädigung ist mit Berufung nicht angefochten worden, wes-

halb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr zurückgekommen werden 

 - 36 - 

 

 

kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 

E. 2.3). 

 

Die Entschädigung ist vom Beschuldigten zurückzubezahlen, sobald es 

seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

9.3. 

Die Geschädigte, die sich im erstinstanzlichen Verfahren anwaltlich vertre-

ten liess, hat gegenüber dem Beschuldigten Anspruch auf angemessene 

Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren, wenn sie ob-

siegt (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO). Die ihr für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung ist im Berufungsverfahren unbestritten ge-

blieben, weshalb darauf nicht zurückzukommen ist.  

 

8.  

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Es wird festgestellt, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist. 

 

2. 

Das Strafverfahren gegen den Beschuldigten wegen sexueller Belästigung 

gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB (Ziff. 3c der Anklageschrift) wird infolge Ein-

tritts der Verfolgungsverjährung eingestellt. 

 

3. 

Der Beschuldigte wird freigesprochen von der Anklage 

- der sexuellen Handlungen mit Kindern (Ziff. 1, 2, 3a und 3b der Ankla-

geschrift) 

- der sexuellen Nötigung (Ziff. 2, 3a und 3b der Anklageschrift). 

 

4. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

-   der sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB (Ziff. 4 der Ankla-

geschrift) 

-  der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 

Ziff. 1 StGB (Ziff. 3d und 4 der Anklageschrift). 

 - 37 - 

 

 

 

5. 

5.1. 

Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 4 erwähnten Bestimmun-

gen und gestützt auf aArt. 34, Art. 47 und Art. 49 StGB zu einer Geldstrafe 

von 140 Tagessätzen verurteilt. Der Tagessatz wird auf Fr. 190.00 festge-

setzt. Die vorläufige Festnahme von 1 Tag wird gestützt auf Art. 51 StGB 

an die Geldstrafe angerechnet. 

 

5.2. 

Dem Beschuldigten wird gestützt auf aArt. 42 StGB für die Geldstrafe der 

bedingte Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 

Abs. 1 StGB auf 2 Jahre festgesetzt. 

 

5.3. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Geschädigten E._____ Schadener-

satz von Fr. 43.00 sowie eine Genugtuung von Fr. 1'200.00 zzgl. Zins zu 

5% seit 17. Januar 2016 zu bezahlen. 

 

6. 

6.1. 

Die Kosten des Berufungsverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsgebühr 

von Fr. 1'500.00 und den Auslagen von Fr. 106.00, zusammen Fr. 1'606.00, 

werden dem Beschuldigten zu 3/4, ausmachend Fr. 1'204.50, auferlegt, 

und im Übrigen auf die Staatskasse genommen. 

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der amtlichen Verteidigerin für 

das Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 2'440.05 (inkl. Ausla-

gen und MwSt) auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten im Umfang von 3/4, ausma-

chend Fr. 1'830.05, zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Ver-

hältnisse erlauben. 

 

7. 

7.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'889.45 (inkl. Anklagege-

bühr) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung er-

folgt ist – angewiesen, der Erbengemeinschaft des ehemaligen amtlichen 

Verteidigers Heinz Fehlmann für das erstinstanzliche Verfahren eine Ent-

schädigung von Fr. 7'482.10 auszurichten. 

 - 38 - 

 

 

 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung er-

folgt ist – angewiesen, der amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten für 

das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung Fr. 5'830.00 auszurich-

ten. 

 

Die Entschädigung für die amtliche Verteidigung wird vom Beschuldigten 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

7.3. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Zivil- und Strafklägerin eine Partei-

entschädigung von Fr. 10'924.75 (inkl. MwSt) zu bezahlen. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe 

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht zu be-

zahlen bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Pro-

bezeit aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere 

Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 

Abs. 1 StGB). 

  

 - 39 - 

 

 

   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der voll-

ständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das Schweize-

rische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und 

Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerd-

elegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 16. April 2024 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 2. Kammer 

Die Präsidentin:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

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