# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5247d110-d805-5bb5-8a3e-36d0d8b65150
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-07-13
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 13.07.2021 S 2020 70
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2020-70_2021-07-13.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 20 70

2. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz von Salis

Richter Meisser und Racioppi

Aktuarin ad hoc Strässle

URTEIL

vom 13. Juli 2021

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Wilfried Caviezel,

Beschwerdeführer

gegen

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA),

Beschwerdegegnerin

betreffend Versicherungsleistungen nach UVG

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I. Sachverhalt:

1. A._____, geboren B.________, war seit dem 1. Juli 2011 in einem 25 %-

Pensum als Autoaufbereiter für die C.________ GmbH tätig und im Rah-

men dieser Anstellung bei der Schweizerischen Unfallversicherungsan-

stalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufs-

unfällen versichert. Seit dem 1. August 2009 bezieht A._____ aufgrund 

psychischer Beschwerden eine halbe Rente (Invaliditätsgrad 55 %) der In-

validenversicherung.

2. Am 9. November 2018 hatte A._____ einen Autounfall (Frontalkollision) 

und erlitt dabei eine inkomplette Berstungsfraktur LWK5, Rippenkontusio-

nen, eine Kontusion des linken Daumens sowie oberflächliche Schürfwun-

den des Abdomens und des Thoraxes. Ferner ist eine rezidivierende de-

pressive Störung diagnostiziert. 

3. Die inkomplette Berstungsfraktur des LWK5 wurde initial konservativ be-

handelt. Bei verzögertem Verlauf und nachdem im MRI ein bestehendes 

Knochenmarksödem im LWK5 festgestellt wurde, wurde am 17. Mai 2019 

im Kantonsspital D.________  durch Dr. med. E.________ zur Schmerz-

linderung eine Ballonkyphoplastie durchgeführt. 

4. Bei der Verlaufskontrolle bei Dr. med. E.________ am 25. Juni 2019 be-

richtete A._____ weiterhin über Restbeschwerden, für welche Dr. med. 

E.________ von wirbelsäulenchirurgischer Seite her keine Möglichkeit 

mehr sah, diese weiter zu verbessern. Er empfahl deshalb eine Beurtei-

lung in der Schmerzsprechstunde, welche am 20. August 2019 stattfand. 

5. Der beratende Arzt der SUVA, Dr. med. F.________, empfahl in seiner 

Beurteilung vom 15. August 2019 zusätzlich eine intensive Physiotherapie, 

ev. stationär in der Rehaklinik G.________, woraufhin A._____ von der 

SUVA dort angemeldet wurde. 

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6. Nach dem stationären Aufenthalt in der Rehaklinik G.________ vom 4. 

September 2019 bis 19. September 2019 stellte die SUVA mit Schreiben 

vom 18. Februar 2020 die Heilkosten- und Taggeldleistungen auf den 31. 

März 2020 ein und verneinte mit Verfügung vom 16. März 2020 einen Ren-

tenanspruch, da keine erhebliche unfallbedingte Erwerbseinbusse be-

stehe. Für die Folgen des Unfalls sprach die SUVA A._____ jedoch eine 

Integritätsentschädigung in der Höhe von CHF 7'410.--, basierend auf ei-

nem Integritätsschaden von 5 % zu. Der Anspruch auf Hilflosenentschädi-

gung wurde verneint. Die von A._____ dagegen erhobene Einsprache 

vom 31. März 2020 wies die SUVA mit Einspracheentscheid vom 27. April 

2020 ab.

7. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A._____ (nachfolgend: Be-

schwerdeführer) am 28. Mai 2020 Beschwerde an das Verwaltungsgericht 

des Kantons Graubünden. Darin beantragte er, der Einspracheentscheid 

vom 27. April 2020 sei aufzuheben und es sei ihm eine Invalidenrente auf 

der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von 100 % zuzusprechen. Für die Be-

messung des Integritätsschadens sei die Sache an die SUVA zurückzu-

weisen und sie sei zu verpflichten, die als nicht adäquat kausal erachteten 

gesundheitlichen Beschwerden zu berücksichtigen und ihm eine entspre-

chend erhöhte Integritätsentschädigung zuzusprechen. Weiter sei ihm 

eine Hilflosenentschädigung zuzusprechen. Eventualiter sei die ganze Sa-

che an die SUVA zurückzuweisen zur Bestimmung der Leistungsan-

sprüche (Rente, Integritätsentschädigung, Hilflosenentschädigung) aus 

UVG. Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen 

vor, die SUVA hätte bei der Bemessung des Invaliditätsgrades die psy-

chisch bedingten Beschwerden zu Unrecht nicht berücksichtigt. Die SUVA 

habe den Sachverhalt, inwieweit der Unfall die nicht hinreichend objekti-

vierbaren Beschwerden begünstigt bzw. deren Ausmass vergrössert 

habe, nicht hinreichend abgeklärt, da sie keine Expertise eingeholt habe. 

Im Weiteren beanstandete der Beschwerdeführer die Verneinung des 

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adäquaten Kausalzusammenhangs durch die SUVA. Entgegen der An-

sicht der SUVA sei der Unfall als ein mittelschwerer Unfall im Grenzbereich 

zu den schweren Unfällen einzuordnen, jedenfalls aber als schwerer Unfall 

im mittleren Bereich. Es sei unzutreffend, dass beide Fahrzeuge mit unbe-

kannter Restgeschwindigkeit ineinander geprallt seien. Vielmehr seien die 

beiden Fahrzeuge ungebremst ineinander geprallt. Die Kollisionsge-

schwindigkeit habe damit mindestens 140 km/h betragen. Die Krafteinwir-

kung mit mindestens 140 km/h sei damit deutlich höher als in allen vom 

Bundesgericht entschiedenen Fällen, in denen das Gericht einen mittel-

schweren Fall im engeren Sinne angenommen habe. Bei der Prüfung der 

Adäquanzkriterien seien bei einem Versicherungsnehmer mit einer bereits 

vorbestehenden psychischen Problematik die bestehenden psychischen 

Probleme als Ausgangspunkt der Beurteilung zu berücksichtigen. Hin-

sichtlich des Kriteriums «besonders dramatische Begleitumstände» hätte 

die SUVA abklären müssen, ob bei einem Unfallopfer mit psychischen 

Vorerkrankungen ein solches Unfallereignis eindrücklicher 

oder dramatischer sei als bei einem gesunden Unfallopfer. Dies sei nicht 

erfolgt. Sodann sei das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs entge-

gen der Ansicht der SUVA zu bejahen. Bereits aufgrund der beim Unfall 

bestehenden psychischen Vorerkrankung, ergebe sich, dass dies den 

durchschnittlichen Heilungsprozess ungünstig beeinflusse. Darüber hin-

aus habe der behandelnde Arzt im Bericht vom 14. Mai 2019 die Fraktur 

sechs Monate nach dem Unfall als nicht ausreichend geheilt bezeichnet, 

weshalb in der Folge eine Ballonkyphoplastie des LKW 5 vorgenommen 

worden sei. Auch danach hätten noch Restbeschwerden bestanden. Wei-

ter sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer weiterhin an einem 

Stock gehe und in seinem Lebensalltag auf fremde Hilfe angewiesen sei. 

Aufgrund des Letzteren sei das Kriterium in besonders ausgeprägter 

Weise erfüllt. Zudem sei die Behandlung noch nicht abgeschlossen, da 

der Beschwerdeführer den Unfall psychisch noch nicht verarbeitet habe. 

Ebenfalls sei das Adäquanzkriterium der Schwere oder besonderen Art 

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der erlittenen Verletzungen zu bejahen. Das Bundesgericht habe bei Wir-

belkörperfrakturen – wie vorliegend – das Kriterium der besonderen Art 

der erlittenen Verletzung bejaht, da bei solchen ein erhöhtes Risiko von 

Lähmungserscheinungen bestehe und wiederholt operative Eingriffe erfor-

derlich seien. Dies sei auch im vorliegenden Fall gegeben. Jedenfalls sei 

aber das Merkmal aufgrund der psychischen Prädisposition zu bejahen. 

Beim Beschwerdeführer sei die Berstungsfraktur LWK5 als traumatisches 

Ereignis geeignet gewesen, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, 

was sich daran zeige, dass dies nachfolgend der Fall gewesen sei. Die 

SUVA hätte durch eine Expertise prüfen lassen müssen, ob das Verhalten 

des Beschwerdeführers auf die Fraktur aufgrund der Vorerkrankung eine 

«normale» Reaktion gewesen sei. Weiter sei auch das Adäquanzkriterium 

der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung zu bejahen. 

Bereits aus der Bejahung des Adäquanzkriteriums des komplizierten Hei-

lungsverlaufs ergebe sich, dass die ärztliche Behandlung länger gedauert 

habe als normal. Auch nach der Operation habe der Beschwerdeführer 

über Schmerzen geklagt, wobei es aufgrund der Vorerkrankung keine 

Rolle spiele, ob diese somatisch oder psychisch seien. Die SUVA hätte 

prüfen müssen, ob die Schmerzproblematik «normale» Folge der psychi-

schen Vorerkrankung gewesen sei. Auch habe die Behandlung mit star-

ken, hochdosierten Medikamenten ungewöhnlich lange gedauert. Das 

Adäquanzkriterium der körperlichen Dauerschmerzen sei ebenfalls zu be-

jahen. So sei die Operation sechs Monate nach dem Unfall zur Schmerz-

linderung erfolgt und auch nach der Operation spreche Dr. med. 

E.________ in seinem Bericht vom 25. Juni 2019 von einer maximal aus-

gebauten Schmerzmedikation. Bei der Beurteilung des Integritätsscha-

dens gehe die SUVA alsdann unter Ziffer 6.2 selbst von «Dauerschmer-

zen» aus. Ferner sei der Beschwerdeführer aufgrund seiner Veranlagung 

für psychische Störungen – mithin für Schmerzen – anfälliger und verkrafte 

die Schmerzen aufgrund seiner ungünstigen konstitutionellen Prädisposi-

tion seelisch weniger gut als ein Gesunder. Zum Kriterium «Grad und 

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Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit» hielt der Beschwerde-

führer fest, er sei vorliegend seit mehr als 1.5 Jahren nach dem Unfall wei-

terhin zu 100 % arbeitsunfähig. Aufgrund der Vorerkrankung komme es 

nicht darauf an, ob die Arbeitsunfähigkeit physisch oder psychisch bedingt 

sei. Etwas anderes gelte nur, soweit die SUVA nachweisen könne, dass 

das Verhalten des Beschwerdeführers trotz der bestehenden Vorerkran-

kung aussergewöhnlich sei. In Bezug auf die Invalidenrente führte der Be-

schwerdeführer aus, die SUVA gehe von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit 

in einer adaptierten Tätigkeit aus. Dabei habe sie aber die psychischen 

Folgen des Unfalls ausser Acht gelassen, was aufgrund der Vorerkran-

kung des Beschwerdeführers nicht korrekt sei. Somit sei der Einspra-

cheentscheid vom 27. April 2020 aufzuheben und die SUVA anzuweisen, 

die Erwerbsunfähigkeit neu zu beurteilen. Hierfür sei ein externes psych-

iatrisches Gutachten einzuholen. Bei der Bemessung des Valideneinkom-

mens sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer aus Serbien 

stamme, über keine Ausbildung und äusserst rudimentäre Deutschkennt-

nisse verfüge. Vor der Anstellung bei der Firma C.________ GmbH sei der 

Beschwerdeführer aufgrund seiner aufgetretenen Erkrankung arbeitslos 

gewesen. In seiner bisherigen Stelle bei der Firma C.________ GmbH, die 

einzig für ihn geschaffen worden sei, habe der Beschwerdeführer im Jahr 

2019 bei einem Pensum von 25 % einen Bruttolohn von CHF 18'219.-- er-

zielt. Er habe somit aus invaliditätsfremden Gründen ein deutlich unter-

durchschnittliches Einkommen erzielt. In Bezug auf das Invalideneinkom-

men brachte der Beschwerdeführer vor, die Rehaklinik G.________, auf 

deren Austrittsbericht vom 23. September 2019 die SUVA abstelle, habe 

die Vorerkrankung nicht berücksichtigt und daher die Arbeitsunfähigkeit 

nicht sachgerecht beurteilt, weshalb eine Expertise einzuholen sei. So-

dann beanstandete der Beschwerdeführer den von der SUVA vorgenom-

menen Leidensabzug von 5 %, da nicht hinreichend berücksichtigt worden 

sei, dass der Beschwerdeführer Serbe sei, keine Ausbildung habe und nur 

schlecht Deutsch spreche. Im Weiteren bemängelte der Beschwerdefüh-

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rer die Integritätsentschädigung sowie die Ablehnung der Hilflosenent-

schädigung, da die SUVA die psychischen Folgen des Unfalls ausser Acht 

gelassen habe. 

Mit Beschwerdeeinreichung am 28. Mai 2020 stellte der Beschwerdefüh-

rer überdies das separate Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege und Rechtsverbeiständung.

8. In ihrer Vernehmlassung vom 24. August 2020 beantragte die SUVA 

(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde und 

die Bestätigung des Einspracheentscheids vom 27. April 2020. Zur Be-

gründung verwies die Beschwerdegegnerin auf die Erwägungen im ange-

fochtenen Einspracheentscheid und führte zudem aus, soweit der Be-

schwerdeführer geltend mache, es müsse berücksichtigt werden, dass 

eine psychisch kranke Person geschädigt worden sei, sei festzuhalten, 

dass die Beschwerdegegnerin diesem Umstand soweit als möglich und 

zulässig Rechnung getragen habe. Die Psychopraxis gemäss BGE 115 V 

133 verlange eine Gesamtwürdigung unter Berücksichtigung besonderer 

Kriterien. Bei der Prüfung dieser Kriterien seien jedoch unfallfremde und 

psychische Aspekte ausdrücklich nicht zu berücksichtigen. Berücksichtigt 

werden müsse aber die in der Rehaklinik G.________ beobachtete erheb-

liche Symptomausweitung, welche weitgehend auf eine psychische 

Störung zurückgeführt worden sei. Das Ausmass der physischen Ein-

schränkungen habe sich dort mit den objektivierbaren pathologischen Be-

funden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärung sowie 

den Diagnosen nicht erklären lassen. Solche unfallfremden Ursachen dürf-

ten im Rahmen der Adäquanzprüfung nicht objektivierbarer bzw. psychi-

scher Beschwerden nicht berücksichtigt werden. Soweit der Beschwerde-

führer geltend mache, die Fahrzeuge seien ungebremst ineinander ge-

prallt, sei dieses Vorbringen sachverhaltswidrig. Gemäss den Angaben im 

Polizeirapport hätten beide Fahrzeuglenker gebremst. Die Einordnung des 

Unfallereignisses als mittelschwerer Unfall an der Grenze zu den schwe-

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ren Unfällen erscheine – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – 

unter Berücksichtigung der Rechtsprechung nicht angezeigt. Vielmehr sei 

der Unfall als mittelschwer zu qualifizieren. In Bezug auf die Prüfung der 

Adäquanzkriterien verwies die Beschwerdegegnerin auf ihre Ausführun-

gen im angefochtenen Einspracheentscheid, in welchem sämtliche Krite-

rien verneint worden seien und betonte, dass entgegen dem Beschwerde-

führer bei der Prüfung der Kriterien der Psychopraxis psychische Aspekte 

nicht zu berücksichtigen seien. Hinsichtlich des Valideneinkommens be-

stritt die Beschwerdegegnerin, dass der Beschwerdeführer aus invali-

ditätsfremden Gründen ein deutlich unterdurchschnittliches Validenein-

kommen bezogen habe. Diesbezüglich brachte sie vor, in der Verfügung 

vom 16. März 2020 sei das Valideneinkommen für das Jahr 2020 gestützt 

und analog auf die Angaben der Invalidenversicherung in ihrer Verfügung 

im Jahr 2009 ohne erlittenen Unfall und trotz der vorbestehenden Krank-

heit ermittelt und in korrekter Anwendung von Art. 28 Abs. 3 UVV auf 

CHF 30'637.-- festgesetzt worden. In Bezug auf das Invalideneinkommen 

sei der von ihr vorgenommene Leidensabzug nicht zu beanstanden. Der 

Umstand, dass die versicherte Person innerhalb des Kompetenzniveaus 

1 nur noch körperlich leichte Tätigkeiten auszuüben vermöge, die rudi-

mentären Deutschkenntnisse und die Nationalität des Beschwerdeführers 

sowie dessen fehlende Berufsbildung rechtfertigten keinen Abzug vom Ta-

bellenlohn. Folglich erweise sich der angefochtene Einspracheentscheid 

in allen Punkten als rechtens. 

9. Mit Eingabe vom 2. Februar 2021 ersuchte der Beschwerdeführer um Prü-

fung einer Priorisierung des vorliegenden Verfahrens mit der Begründung, 

dass er infolge des streitgegenständlichen Unfalls vom 9. November 2018 

bis heute 100 % arbeitsunfähig sei. Der Beschwerdeführer lebe mit seiner 

Ehefrau von der Invalidenrente sowie von Ergänzungsleistungen, da er 

über kein Vermögen verfüge. Davon müsse er seinen Sohn H.________ 

unterstützen, der noch zur Schule gehe. Die Sozialversicherungsanstalt 

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habe ab dem 1. Januar 2021 die Ergänzungsleistungen gekürzt und dem 

Beschwerdeführer nach Art. 14a ELV erstmals seit dem Unfall vom 9. No-

vember 2018 ein hypothetisches Erwerbseinkommen trotz 100%iger Ar-

beitsunfähigkeit angerechnet. Der Beschwerdeführer habe zwar die Revi-

sion der IV-Rente beantragt, allerdings sei das Dossier wegen des vorlie-

genden Verfahrens bis zu dessen Ausgang zurückgestellt worden. Der Be-

schwerdeführer und seine Familie würden deshalb am Rande des Exis-

tenzminimums leben, was den Beschwerdeführer zusätzlich psychisch be-

laste. 

10. Mit Schreiben vom 30. März 2021 edierte die Instruktionsrichterin die 

vollständigen IV-Akten bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden und 

teilte den entsprechenden Akteneingang den Parteien mit Schreiben vom 

7. April 2021 mit. Die IV-Akten wurden in der Folge sowohl dem Beschwer-

deführer als auch der Beschwerdegegnerin zur Einsicht zugestellt. 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und 

auf den angefochtenen Einspracheentscheid sowie auf die im Recht lie-

genden Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in den nachfolgenden 

Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid vom 27. April 2020 (Beila-

gen Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 145). Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bun-

desgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m. Art. 56 

Abs. 1 und Art. 58 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des 

Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen Einspracheent-

scheide der Unfallversicherer beim Versicherungsgericht desjenigen Kan-

tons Beschwerde erhoben werden, in dem die versicherte Person zur Zeit 

der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Der versicherte Beschwerdefüh-

rer wohnt in I.________ GR, weshalb die örtliche Zuständigkeit des Ver-

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waltungsgerichts des Kantons Graubünden gegeben ist. Dessen sachliche 

Zuständigkeit ergibt sich alsdann aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 

lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). 

Damit ist die Zuständigkeit des angerufenen Gerichts zu bejahen. Als for-

meller und materieller Adressat des angefochtenen Entscheides ist der 

Beschwerdeführer vom angefochtenen Einspracheentscheid berührt und 

weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen Überprüfung auf (Art. 59 

ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist somit einzutreten (Art. 1 UVG i.V.m. Art. 60 und Art. 61 lit. b 

ATSG).

2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des 

Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente sowie eine Hilflosenentschädi-

gung zu Recht verneint und die Integritätsentschädigung zu Recht auf 5 % 

festgesetzt hat. Dabei stellt sich insbesondere die Frage, ob die Beschwer-

degegnerin die adäquate Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom 

9. November 2018 und den psychischen Beschwerden zu Recht verneint 

hat. 

3.1 Ist der Versicherte infolge des Unfalls zu mindestens 10 % invalid, so hat 

er Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet der Ver-

sicherte durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der kör-

perlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat er Anspruch auf 

eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Der 

Unfallversicherer ist demnach nur für Gesundheitsschäden leistungs-

pflichtig, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten Unfaller-

eignis zusammenhängen.

3.2 Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um-

stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als ein-

getreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur 

gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Um-

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schreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs 

nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache 

gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis 

zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Inte-

grität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern 

Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene 

gesundheitliche Störung entfiele (BGE 142 V  435 E.1, 129 V 177 E.3.1, 

119 V 335 E.1, 118 V 286 E.1b, je mit Hinweisen). 

3.3 Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache 

eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge 

und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Er-

folg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er-

folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint 

(BGE 129 V 177 E.3.2, 125 V 456 E.5a). Hervorzuheben ist, dass die 

Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kau-

salzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im Be-

reich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine Rolle 

spielt, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität 

deckt (BGE 134 V 109 E. 2 S. 111 f.; BGE 127 V 102 E. 5b/bb S. 103). 

Sind die geklagten Beschwerden natürlich unfallkausal, aber nicht orga-

nisch objektiv ausgewiesen, so ist die Adäquanz besonders zu prüfen. Da-

bei ist vom augenfälligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind ge-

gebenenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134 V 

109 E. 2.1 S. 111 f.). Hat die versicherte Person beim Unfall eine Verlet-

zung erlitten, welche die Anwendung der Schleudertrauma-Rechtspre-

chung rechtfertigt, so sind hiebei die durch BGE 134 V 109 E. 10 S. 126 

ff. präzisierten Kriterien massgebend. Ist diese Rechtsprechung nicht an-

wendbar, so sind grundsätzlich die Adäquanzkriterien, welche für psychi-

sche Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wurden (BGE 138 V 

248 E.4 m.w.H.).

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3.4 Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen 

Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, 

worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen 

der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungs-

recht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu be-

finden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die 

Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 129 V 177 E.3.1, 119 

V 335 E.1, 118 V 286 E.1b, je mit Hinweisen). Die Frage der Adäquanz ist 

demgegenüber eine Rechtsfrage, sie ist nicht von medizinischen Sachver-

ständigen, sondern vom Richter zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 

8C_770/2008 vom 21. April 2009 E.5.5.2).

4. Zur Abklärung des Kausalzusammenhangs ist die rechtsanwendende 

Behörde auf Unterlagen von medizinischen Fachpersonen angewiesen 

(BGE 122 V 157 E.1b). Die medizinischen Unterlagen unterliegen wie 

sämtliche Beweismittel in sozialversicherungsrechtlichen Verfahren der 

freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Es gilt das gesamte Beweis-

material objektiv zu würdigen, bei sich widersprechenden medizinischen 

Berichten die Gründe anzugeben, warum auf die eine oder andere medi-

zinische These abzustellen ist, und zu entscheiden, ob die verfügbaren 

Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspru-

ches gestatten (BGE 143 V 124 E.2.2.2). Hinsichtlich des Beweiswertes 

ärztlicher Stellungnahmen ist entscheidend, ob diese für die streitigen Be-

lange umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen beruhen, die ge-

klagten Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten (Ana-

mnese) abgegeben wurden, in der Beurteilung der medizinischen Zusam-

menhänge und der medizinischen Situation einleuchten und in den daraus 

gezogenen Schlussfolgerungen zu überzeugen vermögen (BGE 135 V 

465 E.4.6, 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a). Ausschlaggebend für den 

Beweiswert ärztlicher Stellungnahmen ist folglich grundsätzlich weder die 

Herkunft eines Beweismittels noch dessen Bezeichnung als Bericht oder 

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Gutachten (BGE 125 V 351 E.3a). Dennoch hat es die Rechtsprechung 

mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) als 

vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Be-

richte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. So 

kommt den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte voller 

Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be-

gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre 

Zuverlässigkeit sprechen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in 

einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht 

schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es be-

darf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die Unpar-

teilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen. Im 

Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozi-

alversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Arztes aller-

dings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E.3b/ee). Beste-

hen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der 

versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Ab-

klärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E.5.2; Urteil des Bundesgerichts 

8C_246/2020 vom 10. September 2020 E.2.3).

5. Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien in der Regel eine Be-

weislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu 

Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen 

Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift erst Platz, 

wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des im Verwaltungsver-

fahren wie auch im kantonalen Sozialversicherungsprozess geltenden Un-

tersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachver-

halt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der 

Wirklichkeit zu entsprechen (vgl. BGE 138 V 218 E.6; Urteil des Bundes-

gerichts 8C_17/2017 vom 4. April 2017 E.2.2). 

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6. Vorliegend liegt ausser Streit, dass von einer Fortsetzung der auf die kör-

perlichen Unfallfolgen gerichteten ärztlichen Behandlung über den 

31. März 2020 hinaus keine namhafte Besserung des Gesundheitszustan-

des mehr zu erwarten war. Der Zeitpunkt des Fallabschlusses (Art. 19 

Abs. 1 UVG) wurde vom Beschwerdeführer nicht substanziiert bestritten 

und ist aufgrund der medizinischen Akten, insbesondere des Austrittsbe-

richts der Rehaklinik G.________ vom 23. September 2019 (Bg-act. 90), 

ausgewiesen. Im besagten Austrittsbericht wurden folgende Diagnosen 

gestellt:

«A. Unfall vom 09.11.2018: Frontalkollision mit PKW (Hochenergietrauma) 

A1 Berstungsfraktur LWK 5

- 30.04.2019 MRI LWS: Im Zustand nach inkompletter kaudaler Berstungs-

fraktur LWK 5 weiterhin Nachweis von ausgeprägten Umbauvorgängen mit 

Knochenmarksödem im LWK 5, so dass die Fraktur als nicht ausreichend 

geheilt bezeichnet werden muss. Keine weiteren Frakturen. Keine Nerven-

wurzelkompression oder Verletzungen der dorsalen Zuggurtungsstrukturen.

- 17.05.2019: Transpedikuläre Balkonhypoplastie (recte wohl Ballonkypho-

plastie) LWK 5 bei noch nicht vollständig verheilter kaudaler Berstungsfrak-

tur LWK 5.

- 25.06.2019: Röntgen lumbosacraler Übergang in zwei Ebenen: Im Vergleich 

zu den Voraufnahmen unverändert gute Stellungsverhältnisse mit intakten 

Zementplomben und ohne relevantes sekundäres Nachsintern im Bereich 

des kyphoplastierten LWK 5. Vorbestehend diskrete Retrolisthese L5 ge-

genüber S1. Keine Anschlussfrakturen.

- 16.09.2019: Röntgen LWS ap/lateral: Im Vergleich mit 17.05.2019 soweit in 

dieser Technik beurteilbar keine sekundäre Nachsinterung nach Kyphoplas-

tie LWK 5. Unveränderte Retrolisthese L5 gegenüber S1.

B. Gemäss fremdanamnestischen Angaben (Hausarzt Dr. med. J.________ in 

K.________) endogene Depression

- In Behandlung beim Hausarzt und in Chur

- Bezug einer 50 %-IV-Rente»

- 15 -

Im Weiteren wurde im Bericht festgehalten, wegen fehlendem Rehapoten-

zial aufgrund von erheblichen psychischen Problemen mit gleichzeitiger 

Weigerung einer psychosomatischen Mitbetreuung sei der Beschwerde-

führer vorzeitig entlassen worden. Aus rein somatisch-funktioneller Sicht 

empfehle sich eine Serie ambulanter Physiotherapie inklusive Medizini-

sche Trainingstherapie zum Erhalt und längerfristig einer sukzessiven wei-

teren Verbesserung alltagsspezifischer, berufsspezifischer Kraft- und Aus-

dauerkomponenten sowie der schmerzhaft stark eingeschränkten BWS-

/LWS-Beweglichkeit. Aufgrund der im Vordergrund stehenden psychi-

schen Problematik (unfallfremd) dürfte sich die Umsetzung dieser Mass-

nahmen jedoch bei der derzeit starken Antriebsminderung des Beschwer-

deführers kaum als erfolgsversprechend erweisen. Da der Beschwerde-

führer ein Gespräch im psychiatrisch-psychologischen Dienst ausdrück-

lich abgelehnt hätte, sei es nicht möglich gewesen, geeignete Massnah-

men aufzugleisen. Eine psychiatrische Betreuung erscheine aus ärztlicher 

Sicht jedoch als indiziert. Von der Fortsetzung der Behandlung könne 

keine namhafte Besserung mehr erwartet werden (Bg-act. 90 S. 2 f.). Dass 

die Beschwerdegegnerin gestützt auf diese Beurteilung der Rehaklinik 

G.________ vom 23. September 2019 (Bg-act. 90) den Fallabschluss per 

31. März 2020 (Bg-act. 111) vorgenommen hat, ist damit nicht zu bean-

standen. In der Beschwerde hat der Beschwerdeführer sodann auch keine 

vorübergehenden Leistungen mehr beantragt. 

7.1 Streitig und zu prüfen ist hingegen, ob die vorhandenen psychischen Lei-

den, welche auch von den Ärzten der Rehaklinik G.________ im Austritts-

bericht vom 23. September 2019 (Bg-act. 90) thematisiert wurden, als (zu-

mindest teilweise) kausale Folge des Ereignisses vom 9. November 2018 

anzusehen sind. 

7.2 Die Beschwerdegegnerin liess in ihrem Einspracheentscheid vom 27. April 

2020 die Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem 

Unfallereignis vom 9. November 2018 und den geklagten psychischen Be-

- 16 -

schwerden des Beschwerdeführers offen, zumal sie diesbezüglich den 

adäquaten Kausalzusammenhang verneinte (Bg-act. 145 E.4). Der Be-

schwerdeführer rügt demgegenüber, die Beschwerdegegnerin habe zu 

Unrecht den Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 

9. November 2018 und den persistierenden psychischen Beschwerden 

verneint. In diesem Zusammenhang bringt er im Wesentlichen vor, dass 

der Beschwerdeführer bereits vor dem Unfall psychisch krank gewesen 

sei und unter Depressionen leide. Es müsse deshalb berücksichtigt wer-

den, dass eine psychisch kranke Person geschädigt worden sei, die das 

Erlebte wegen der psychischen Vorerkrankung nicht auf dieselbe Weise 

verarbeite wie «normale» Unfallopfer. Die Beschwerdegegnerin hätte eine 

Expertise einholen müssen, um abzuklären, ob der Unfall die nicht hinrei-

chend objektivierbaren Beschwerden des Beschwerdeführers begünstigt 

respektive deren Ausmass vergrössert habe (vgl. Beschwerdeschrift 

Rz. 16).

7.3.1 Bezüglich des natürlichen Kausalzusammenhangs ist zunächst auf den 

Zustand des Beschwerdeführers vor dem Unfall einzugehen. Vorliegend 

ist aktenkundig, dass der Beschwerdeführer vom 1. Mai 2007 bis 31. Juli 

2009 eine ganze IV-Rente bezog und seit dem 1. August 2009 aufgrund 

psychischer Beschwerden eine halbe IV-Rente (Invaliditätsgrad 55 %) be-

zieht (IV-act. 69, 72 und 103). Der damalige Gutachter Dr. med. 

L.________, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnos-

tizierte in seinem Gutachten vom 6. Mai 2008 an die IV-Stelle Graubünden 

eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome, ICD-10: 

F32.2 mit/bei multiplen psychosozialen Belastungsfaktoren, namentlich 

schlechte Integration, fehlende Deutschkenntnisse, schwierige finanzielle 

Situation, schlechte Perspektive auf dem Arbeitsmarkt, Krankheit des Soh-

nes (IV-act. 38 S. 21). Dem Gutachten ist zu entnehmen, dass vor allem 

die Einsicht, dass die Krankheit des älteren Sohnes nicht heilbar sei, bei 

der Entwicklung der Krankheit des Beschwerdeführers eine wesentliche 

- 17 -

Rolle gespielt habe. Depressive Symptome hätten sich offenbar schon 

über längere Zeit angebahnt, zur manifesten Krankheit geführt habe 

schlussendlich der Treppensturz mit Handgelenksdistorsion, ein Trauma, 

das unter normalen Umständen als Bagatelle anzusehen wäre (IV-act. 38 

S. 20). Die Gutachterin Dr. med. M.________, Fachärztin für Psychiatrie 

und Psychotherapie, stellte im Gutachten vom 9. Oktober 2009 an die IV-

Stelle Graubünden die Diagnosen sonstige depressive Episoden ICD-10 

F32.8, Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeitsentwicklung Z73.1, even-

tuell Persönlichkeitsstörung sowie differenzialdiagnostisch eine nicht 

näher bezeichnete Konversionsstörung F44.9 (IV-act. 56 S. 8). Ihrer Be-

urteilung ist zu entnehmen, dass laut den Vorakten seit 2006 ein psychi-

sches Leiden bestehe, das in Ausprägung und Auswirkung zunehme. Das 

Leiden werde gekennzeichnet durch Antriebslosigkeit, Mutismus, starken 

Rückzug sowie Gereiztheit mit aggressiven Ausbrüchen. Subjektiv werde 

von Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie von Schlafstörungen 

berichtet. Die Diagnose einer anhaltenden depressiven Störung müsse 

wiederholt werden. Mittlerweile müsse auch von einem stabilen Gesund-

heitszustand ausgegangen werden, da sich im klinischen Bild keinerlei Än-

derungen gezeigt hätten. Die psychosozial belastenden Faktoren, die zur 

Entstehung und Unterhaltung der depressiven Störung beitragen würden, 

bestünden weiterhin (IV-act. 56 S. 8 f.). Im Zuge einer Rentenrevision 

holte die IV-Stelle alsdann einen Verlaufsbericht bei den Psychiatrischen 

Diensten des Kantons Graubünden (PDGR) ein. Dem entsprechenden 

Verlaufsbericht vom 25. März 2015 (IV-act. 93) ist zu entnehmen, dass 

sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der letzten Ver-

fügung verschlechtert habe. Als Diagnose wird eine rezidivierende depres-

sive Störung, gegenwärtig schwere Episode ICD-10: F33.2 sowie eine So-

matisierungsstörung ICD-10: F45.0 festgehalten. Im Weiteren ist dem Be-

richt zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer sich seit 2006 in psychia-

trischer Behandlung befinde. Es seien zwei stationäre Aufenthalte jeweils 

wegen einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Sym-

- 18 -

ptome erfolgt, namentlich vom 1. November 2006 bis 25. Juni 2007 auf 

der offenen Akutstation in der Klinik N.________ und vom 23. Februar 

2009 bis 3. April 2009 auf der offenen Akutstation der Klinik O.________. 

Zwischenzeitlich sei die Behandlung im teilstationären Setting erfolgt. Ak-

tuell befinde sich der Beschwerdeführer seit dem 14. März 2013 erneut in 

ambulanter psychiatrischer Behandlung in der Klinik N.________. Der Be-

schwerdeführer sei Kosovo-Albaner und lebe seit 1991 in der Schweiz. Bis 

2005 habe er als P.________ arbeiten können. Seit 2006 leide der Be-

schwerdeführer an rezidivierenden depressiven Störungen. Seit 2006 be-

stehe bei ihm eine Verschlechterung der Stimmung, des Antriebs sowie 

des Gedächtnisses und der Konzentration. Er sei freud- und lustlos, be-

finde sich in einer Abwärtsspirale, könne sich zu nichts mehr aufraffen und 

habe Einschlafstörungen. Er vergesse sehr viel. Seine Familie stamme 

aus Serbien, seien aber Mazedonier und seien dort eine Minderheit gewe-

sen. Den Krieg hätten sie nicht direkt miterlebt. In den letzten Jahren hät-

ten sie aber die Heimat immer wieder besucht und seien auch bis heute 

mit den Folgen des Krieges konfrontiert. Der Beschwerdeführer habe vier 

Kinder (drei Söhne und eine Tochter). Der 13-jährige Sohn leide an einem 

angeborenen Autismus und sei 2013 im Q.________ platziert worden. Der 

Vater des Beschwerdeführers sei mit 48 Jahren auch schwer depressiv 

geworden und habe im Vergleich einen ähnlichen Krankheitsverlauf mit 

starker Gedächtnisstörung gezeigt wie aktuell der Beschwerdeführer (IV-

act. 93 S. 2). Im Weiteren wurde im Bericht festgehalten, dass es sich beim 

Beschwerdeführer um einen langjährigen und komplexen Krankheitsver-

lauf handle und von einer Chronifizierung ausgegangen werden müsse. 

Es persistierten eine reduzierte Konzentration, Vergesslichkeit, eine deut-

lich herabgesetzte Belastbarkeit sowie gedankliche Einengung und 

Ängste (IV-act. 93 S. 3). Der Beurteilung des RAD-Arztes vom 19. Juni 

2015 (vgl. IV-act. 104 S. 7) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer 

und sein Hausarzt Dr. med. R.________ von einem stationären Gesund-

heitszustand berichten würden. Die Behandler der PDGR gäben eine Ver-

- 19 -

schlechterung an, der von ihnen beschriebene Gesundheitszustand 

stimme aber weitgehend mit den Angaben von Dr. med. S.________ im 

Jahr 2010 (recte wohl 2009) überein. Es bestehe deshalb ein im Wesent-

lichen unveränderter Gesundheitszustand. Mit Mitteilung vom 6. Mai 2019 

teilte die IV-Stelle dem Beschwerdeführer mit, dass sie bei der Überprü-

fung des Invaliditätsgrades keine Änderung festgestellt hätte, die sich auf 

die Rente auswirke. Es bestehe deshalb weiterhin Anspruch auf die bis-

herige IV-Rente (IV-act. 103). Zusammenfassend kann demnach festge-

halten werden, dass der Beschwerdeführer vor dem Unfallereignis vom 

9. November 2018 bereits seit mehreren Jahren, mithin seit 2006, mit De-

pressionen zu kämpfen hat, dieses Leiden zwischenzeitlich zu stationären 

Klinikaufenthalten und auch immer wieder zu ambulanten psychiatrischen 

Behandlungen geführt hat und von einem komplexen Krankheitsverlauf 

mit Chronifizierung auszugehen ist. 

7.3.2 Nach dem Unfallereignis vom 9. November 2018 gab der Hausarzt 

Dr. med. R.________ in seinem Verlaufsbericht zuhanden der IV-Stelle 

vom 30. August 2019 (IV-act. 116) an, dass sich der Gesundheitszustand 

des Beschwerdeführers verschlechtert habe. Er diagnostizierte eine 

schwere endogene Depression sowie ein Hochenergie-Trauma im Rah-

men einer Frontalkollision mit einem Personenfahrzeug am 9. November 

2018 mit Berstungsfraktur LWK 5 (IV-act. 116 S. 1). Ebenso hielt Dr. med. 

R.________ fest, dass seit dem 9. November 2018, mithin seit dem Unfal-

lereignis, neu ein schweres Schmerzsyndrom nach Hochenergie-Trauma 

mit LWK 5 Fraktur hinzugekommen sei und die Hilflosigkeit und Depres-

sion zugenommen und insofern geändert hätten (IV-act. 116 S. 2). Auch 

der RAD-Arzt hielt in seiner Beurteilung vom 7. August 2019 fest, dass 

sich nach dem Unfall der Gesundheitszustand zumindest vorübergehend 

verschlechtert habe. Die weitere Entwicklung bleibe abzuwarten (vgl. 

Case Report S. 15). Diese beiden ärztlichen Beurteilungen stellen Indizien 

dafür dar, dass überwiegend wahrscheinlich ein natürlicher Kausalzusam-

- 20 -

menhang zwischen einer – zumindest vorübergehenden – Verschlimme-

rung der bereits vor dem Unfall bestandenen psychischen Beschwerden 

und dem Unfall vom 9. November 2018 besteht. Dieses Indiz wird alsdann 

durch den Umstand verstärkt, dass der Beschwerdeführer offenbar dazu 

neigt, auf Unfälle mit einer Verstärkung der depressiven Symptomatik zu 

reagieren, so hat gemäss der Einschätzung von Dr. med. T.________ be-

reits im Jahr 2008 ein Unfall, namentlich ein Treppensturz, dazu geführt, 

dass die depressiven Symptome zur manifesten Krankheit wurden (IV-

act. 38 S. 20). Hinzu kommt sodann, dass auch im Austrittsbericht der Re-

haklinik G.________ vom 23. September 2019 (Bg-act. 90 S. 8) von Flash 

backs die Rede ist. Da es sich beim natürlichen Kausalzusammenhang 

allerdings um eine Tatfrage handelt, wird die Beschwerdegegnerin im 

Falle einer Rückweisung zur Einholung eines externen medizinischen Gut-

achtens und zu neuem Entscheid den natürlichen Kausalzusammenhang 

zu beurteilen haben (vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts 

8C_289/2020 vom 17. Februar 2021 E.6.1 f., welches zur Publikation vor-

gesehen ist). Zunächst ist allerdings noch zu prüfen, ob die bestehenden 

psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers auch (zumindest teil-

weise) in einem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 

9. November 2018 stehen. Je nach Ausgang dieser Prüfung erübrigen 

sich nämlich weitergehende Abklärungen bezüglich der natürlichen Kau-

salität dieser Beschwerden. 

7.4.1 Im vorliegenden Fall fand bezüglich der Adäquanzprüfung die Psycho-Pra-

xis Anwendung, was zu Recht nicht beanstandet wird. Ausgangspunkt der 

Adäquanzbeurteilung entsprechend der Psycho-Praxis bildet das objektiv 

erfassbare Unfallereignis. Im Rahmen einer objektivierten Betrachtungs-

weise ist zu untersuchen, ob der Unfall eher als leicht, als mittelschwer 

oder als schwer erscheint, wobei im mittleren Bereich gegebenenfalls eine 

weitere Differenzierung nach der Nähe zu den leichten oder schweren Un-

fällen erfolgt. Massgebend für die Beurteilung der Unfallschwere ist der 

- 21 -

augenfällige Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften 

und die unmittelbar beim Unfall erlittenen Verletzungen (BGE 140 V 356 

E.5.1, 115 V 133 E.6). Nicht zu berücksichtigen sind das subjektive Erle-

ben des Unfalls durch die verunfallte Person und die Folgen, welche sich 

im Lauf der Zeit als Reaktion auf den Unfall entwickeln (BGE 140 V 356 

E.5.3, 115 V 133 E.6). 

7.4.2.1 Zwischen den Parteien ist die Unfallschwere umstritten. Während die Be-

schwerdegegnerin das Ereignis vom 9. November 2018 als mittelschwe-

ren Unfall im engeren Sinn qualifiziert, macht der Beschwerdeführer min-

destens einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den schweren 

Unfällen geltend. 

7.4.2.2 Die Schwere des erlittenen Unfalls ist aufgrund des augenfälligen Gesche-

hensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen. Der 

Unfall ereignete sich am 9. November 2019 um 20.05 Uhr. Dem Polizei-

rapport vom 14. Dezember 2018 (Polizeirapport, Bg-act. 25 S. 5 f.) lässt 

sich zum Unfallhergang Folgendes entnehmen: Die Lenkerin des dem Be-

schwerdeführer entgegenkommenden Personenwagens geriet aufgrund 

einer Ablenkung auf die Gegenfahrbahn, wobei sie mit einer angeblichen 

Geschwindigkeit von ca. 70 km/h fuhr. Als die Lenkerin des besagten Per-

sonenwagens ihren Blick wieder auf die Strasse wendete, bemerkte sie 

den entgegenkommenden Personenwagen des Beschwerdeführers, wel-

cher ebenfalls mit einer angeblichen Geschwindigkeit von ca. 70 km/h un-

terwegs war. Um einer Kollision mit dem korrekt entgegenkommenden 

Wagen des Beschwerdeführers zu entgehen, lenkte sie ihren Wagen ab-

rupt nach rechts und leitete eine Vollbremsung ein. Gleichzeitig versuchte 

der Beschwerdeführer mittels abrupter Lenkbewegung und vorgängiger, 

leichter Bremsung, nach links, einer Kollision zu entgehen. Da sich nun 

beide Fahrzeuge auf der gleichen Fahrbahn befanden, kollidierten diese 

mit unbekannter Restgeschwindigkeit frontal-spitzwinklig miteinander. 

Den Personenwagen des Beschwerdeführers drehte es aufgrund der 

- 22 -

Wucht durch die Kollision ca. 45 Grad im Gegenuhrzeigersinn um die ei-

gene Hochachse und er wurde ca. 1.5 Meter in Richtung U.________ ver-

schoben. Den anderen Wagen wies es aufgrund der Kollision nach rechts 

ab, wo dieser mit der dortigen Randleitplanke kollidierte. Dabei drehte es 

den Personenwagen ca. 10 Grad im Uhrzeigersinn um die eigene Hoch-

achse. Beide Fahrzeuge kamen total beschädigt zum Stillstand. Im Weite-

ren geht aus dem Polizeirapport hervor, dass beide Unfallbeteiligten sich 

durch den Unfall verletzten, jedoch die total beschädigten Fahrzeuge 

selbstständig verlassen konnten. 

7.4.2.3 Der Beschwerdeführer bringt vor, es sei unzutreffend, dass beide Fahr-

zeuge mit einer unbekannten Restgeschwindigkeit ineinander geprallt 

seien und stellt dabei auf seine Aussage in der polizeilichen Einvernahme 

ab, wonach er auf die Gegenfahrbahn ausgewichen sei, als die Unfallve-

rursacherin ca. 30-50 Meter vor ihm gewesen sei (vgl. Polizeiliche Einver-

nahme des Beschwerdeführers, Bg-act. 25 S. 3, Frage 12). Aufgrund die-

ses Abstandes müssten die Fahrzeuge ungebremst ineinander geprallt 

sein (Beschwerdeschrift Ziff. 20). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der 

Beschwerdeführer die Frage, ob er die andere Verkehrsteilnehmerin habe 

beobachten könne, verneinte, obwohl die Strasse dort ziemlich lange und 

gerade ist (vgl. Polizeiliche Einvernahme des Beschwerdeführers, Bg-

act. 25 S. 5, Fragen 52 und 53). Ebenso gab er zu Protokoll, dass es dun-

kel gewesen sei (Polizeiliche Einvernahme des Beschwerdeführers, Bg-

act. 25 S. 5, Frage 50). Auf die Frage, wann die andere Verkehrsteilneh-

merin wieder auf ihre Fahrbahn ausgewichen sei bzw. wie gross der Ab-

stand gewesen sei, antwortete der Beschwerdeführer, dies könne er nicht 

sagen, er sei schon auf ihrer Fahrbahn gefahren, der Abstand sei ziemlich 

respektive sehr nahe gewesen, wie genau könne er nicht sagen, er 

schätze ca. 30-50 Meter (Polizeiliche Einvernahme des Beschwerdefüh-

rers, Bg-act. 25 S. 2 f., Fragen 9 und 10; S. 6, Fragen 56 und 57). Vor 

diesem Hintergrund erscheint die Einschätzung des Beschwerdeführers 

- 23 -

zur Distanz wenig aussagekräftig, weshalb zur Ermittlung der Unfall-

schwere von einer Kollision mit unbekannter Restgeschwindigkeit – wie im 

Polizeirapport vom 14. Dezember 2018 festgehalten – auszugehen ist.  

7.4.2.4 Die Zuordnung des Unfallereignisses vom 9. November 2018 zu den mit-

telschweren Unfällen im engeren Sinne ist nicht zu beanstanden. Die vom 

Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift zitierten Fälle, in welchen 

von mittelschweren Unfällen an der Grenze zu den schweren Unfällen 

ausgegangen wurde (vgl. Beschwerde Rz. 24), können aufgrund der sehr 

viel höheren Krafteinwirkung nicht mit dem vorliegenden Fall verglichen 

werden. Beim erstzitierten Fall des Beschwerdeführers handelt es sich um 

eine Kollision zwischen einem Lastwagen und einem Personenwagen auf 

einer Autobahn und anschliessender Kollision mit der rechten und linken 

Tunnelwand. Bereits aus dem Umstand, dass ein Lastwagen involviert war 

und der Unfall auf einer Autobahn erfolgte, ist von einer höheren Kraftein-

wirkung als im vorliegenden Fall auszugehen. Hinzu kommt, dass der Per-

sonenwagen nach der Kollision mit dem Lastwagen sowohl mit der rechten 

als auch mit der linken Tunnelwand kollidierte, was nicht zu vergleichen ist 

mit der Randleitplanke im vorliegenden Fall. Im zweitzitierten Fall über-

schlug sich das Fahrzeug und der Beifahrer wurde aus dem Dachfenster 

geschleudert. Im hier zu beurteilenden Fall wurden jedoch keine Personen 

aus den Fahrzeugen geschleudert, sondern beide Unfallbeteiligten konn-

ten ihre Wagen selbständig verlassen. Hinsichtlich des letztzitierten Falls 

ist ein Vergleich nicht möglich, da dort für die Einordnung des Unfallereig-

nisses wohl die Unfallanalyse bzw. die von den Experten errechnete kolli-

sionsbedingte Geschwindigkeitsänderung bezogen auf den Fahrersitz 

massgebend war. Diese liegt im hier zu beurteilenden Fall nicht vor. Dem-

gegenüber sind die von der Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeant-

wort wiedergegebenen Fälle von mittelschweren Unfällen im engeren Sinn 

(vgl. Beschwerdeantwort S. 3 ff.) von der Krafteinwirkung eher vergleich-

bar mit dem hier zu beurteilenden Ereignis. Zwar ist die Kollisionsge-

- 24 -

schwindigkeit bei diesen Fällen teilweise mutmasslich tiefer gewesen als 

im vorliegenden Fall, doch die sich entwickelnden Kräfte durchaus ver-

gleichbar. So etwa der Unfall, bei welchem sich das Fahrzeug bei einer 

Geschwindigkeit von ca. 90 km/h auf einer Autobahn über eine Mittelleit-

planke hinweg überschlug, wobei die versicherte Person hinaus geschleu-

dert wurde, und das Fahrzeug mit Totalschaden auf dem Dach zu liegen 

kam (Urteil des Bundesgerichts U 492/06 vom 16. Mai 2007 E.4.2) oder 

bei welchem die versicherte Person bei 80 km/h mit ihrem Fahrzeug die 

Leitplanke durchbrach, die Böschung hinab fuhr, das Fahrzeug sich über-

schlug und auf dem Dach liegen blieb, wobei die versicherte Person vorü-

bergehend das Bewusstsein verlor (Urteil des Bundesgerichts 

8C_624/2010 vom 3. Dezember 2010 E.4.1.2). Von der Beschwerdegeg-

nerin nicht wiedergegeben, erscheinen dem Gericht insbesondere fol-

gende zwei Unfälle aus der Kasuistik (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_617/2010 vom 15. Februar 2011 E.3.2.2 mit Hinweisen) – insbeson-

dere auch aufgrund der Kollisionsgeschwindigkeit – mit dem hier zu beur-

teilenden Fall vergleichbar. Einerseits der in der Kasuistik erwähnte Fall 

der Frontalkollision zweier Personenwagen mit addierten Geschwindigkei-

ten von ca. 100 bis 120 km/h (Urteil Bundesgericht 8C_80/2009 vom 5. 

Juni 2009 E.6.1) sowie anderseits derjenige, wonach ein Fahrzeug unge-

bremst mit etwa 100 km/h in ein mit ca. 80 km/h fahrendes, noch ein Ab-

brems- und Ausweichmanöver einleitendes Auto stiess (Urteil des Bun-

desgerichts 8C_1021/2009 vom 3. November 2010 E.8.3). Das Unfaller-

eignis vom 9. November 2018 ist folglich den mittelschweren Unfällen im 

engeren Sinne zuzuordnen. 

7.4.3 Die Adäquanz eines Kausalzusammenhanges wäre somit nur dann zu be-

jahen, wenn eines der relevanten Adäquanzkriterien in besonders ausge-

prägter oder mehrere (mindestens drei) dieser Kriterien in gehäufter Weise 

erfüllt wären. Der Katalog dieser Kriterien lautet wie folgt (vgl. Kriterienka-

- 25 -

talog im Urteil des Bundesgerichts 8C_473/2019 vom 11. November 2019 

E.5.1): 

- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrück-

lichkeit des Unfalls;

- die Schwere oder die besondere Art der erlittenen (somatischen) Ver-

letzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychi-

sche Fehlentwicklungen auszulösen; 

- eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;

- (körperliche) Dauerschmerzen;

- eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich ver-

schlimmert; 

- ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen; 

- der Grad und die Dauer der (physisch) bedingten Arbeitsunfähigkeit 

7.4.4 Die Beschwerdegegnerin prüfte im angefochtenen Einspracheentscheid 

die oben erwähnten Adäquanzkriterien und kam zum Schluss, dass keines 

der erforderlichen Kriterien erfüllt sei (Bg-act. 145 E.4.2). Der Beschwer-

deführer beanstandet, dass die Beschwerdegegnerin nicht berücksichtigt 

habe, dass vorliegend nicht ein gesunder Versicherungsnehmer, sondern 

ein psychischer kranker Versicherungsnehmer verletzt worden sei (vgl. 

Beschwerdeschrift Ziff. 28). 

7.4.5 Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht in BGE 112 V 30 E.3c in 

Änderung seiner Rechtsprechung erkannt und in BGE 115 V 133 E.4b 

bestätigt hat, darf die Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf 

der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychi-

sche Gesundheitsschädigung herbeizuführen, in der sozialen Unfallversi-

cherung nicht auf den psychisch gesunden Versicherten beschränkt wer-

den. Vielmehr ist auf eine weite Bandbreite der Versicherten abzustellen. 

Hierzu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung 

für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger 

gut verkraften als Gesunde. Die Gründe dafür, dass einzelne Gruppen von 

- 26 -

Versicherten einen Unfall langsamer oder schlechter verarbeiten als an-

dere, können z.B. in einer ungünstigen konstitutionellen Prädisposition 

oder allgemein in einem angeschlagenen Gesundheitszustand, in einer 

psychisch belastenden sozialen, familiären oder beruflichen Situation oder 

in der einfach strukturierten Persönlichkeit des Verunfallten liegen. Somit 

bilden im Rahmen der erwähnten, weit gefassten Bandbreite auch solche 

Versicherte Bezugspersonen für die Adäquanzbeurteilung, welche im Hin-

blick auf die erlebnismässige Verarbeitung eines Unfalles zu einer Gruppe 

mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht 

auf einen Unfall nicht optimal reagieren. Daraus ergibt sich, dass für die 

Beurteilung der Frage, ob ein konkretes Unfallereignis als alleinige Ursa-

che oder als Teilursache nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der 

allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, zu einer bestimmten psychi-

schen Schädigung zu führen, kein allzu strenger, sondern im dargelegten 

Sinne ein realitätsgerechter Massstab angelegt werden muss (zum Gan-

zen: BGE 129 V 177 E.3.3, BGE 125 V 462 E.5c).

7.5.1 Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Ein-

drücklichkeit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht auf-

grund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten 

Person. Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall 

eine gewisse Eindrücklichkeit zu eigen ist, welche somit noch nicht für eine 

Bejahung des Kriteriums ausreichen kann. Im Rahmen dieses Kriteriums 

wird nur das Unfallgeschehen an sich und nicht die dabei erlittene Verlet-

zung betrachtet (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_114/2018 vom 22. Au-

gust 2018 E.6.3 mit Hinweisen). 

7.5.2 Vorliegend ereignete sich eine Frontalkollision ohne weitere erschwe-

rende Umstände. Beide Fahrzeuglenker konnten nach dem Unfallereignis 

ihre Fahrzeuge selbständig verlassen. Zu keinem Zeitpunkt bestand eine 

Lebensgefahr. Weder hatte sich der Beschwerdeführer selber oder eine 

ihm nahestehende Person lebensbedrohlich verletzt (vgl. Polizeirapport, 

- 27 -

Bg-act. 25 S. 4 f.) noch befand sich das Fahrzeug nach der Kollision in 

einer gefährlichen Lage (vgl. Polizeirapport, Bg-act. 25, S. 3 ff.). Bei Au-

tounfällen ist von besonders dramatischen Begleitumständen bzw. einer 

besonderen Eindrücklichkeit etwa bei einer Massenkarambolage auf einer 

Autobahn auszugehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_623/2007 vom 

22. August 2008 E.8.1), bei einem Zusammenstoss zwischen einem Per-

sonenwagen und einem Lastwagen in einem Autobahntunnel mit mehre-

ren sich anschliessenden Kollisionen mit der Tunnelwand (Urteil des Bun-

desgerichts 8C_257/2008 vom 4. September 2008 E.3.3.3), bei einem Zu-

sammenprall zwischen einem Sattelschlepper und einem Personenwa-

gen, wobei der Fahrer des Sattelschleppers die Kollision zunächst nicht 

bemerkte und den Personenwagen der versicherten Person über eine län-

gere Distanz vor sich herschob und die Insassen dieses Fahrzeugs ver-

zweifelt versuchten, den Unfallverursacher auf sich aufmerksam zu ma-

chen (Urteil des Bundesgerichts 8C_508/2008 vom 22. Oktober 2008 

E.5.3), oder wenn der im gleichen Fahrzeug mitfahrende nahe Verwandte 

beim Unfall verstirbt (Urteil des Bundesgerichts 8C_365/2010 vom 23. Au-

gust 2010 E.3.1). Umstände dieser Art liegen hier nicht vor, weswegen es 

nicht zu beanstanden ist, dass die Beschwerdegegnerin besonders dra-

matische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Un-

falles vom 9. November 2018 verneint hat.

7.6.1 Zum Kriterium der besonderen Art oder Schwere der erlittenen Verletzun-

gen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlent-

wicklungen auszulösen, findet sich eine Zusammenfassung der aktuellen 

Kasuistik in BGE 140 V 356 E.5.5.1 (mit Hinweis auf Urteil des Bundesge-

richts 8C_398/2012 vom 6. November 2012 E.6.2.1). Bejaht wurde das 

Kriterium u.a. bei Wirbelkörperfrakturen, wobei dem bei solchen Verletzun-

gen bestehenden erhöhten Risiko von Lähmungserscheinungen und den 

im konkreten Fall wiederholt erforderlich gewesenen operativen Eingriffen 

Rechnung getragen wurde (Urteil des Bundesgerichts 8C_488/2011 vom 

https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2732229f-1949-4b8d-9e6e-a92e284a59ad/citeddoc/4509b625-21d6-4630-9cfc-ebea0d5b4f2f/source/document-link

- 28 -

19. Dezember 2011 E.5.2 f) sowie bei einer instabilen Fraktur eines Len-

denwirbels, wobei berücksichtigt wurde, dass sich der Versicherte damit 

eine für einen mittelschweren, im Grenzbereich zu den leichten Ereignis-

sen zu qualifizierenden Unfall relativ schwere Verletzung zugezogen habe, 

welche zudem nach ärztlicher Einschätzung erfahrungsgemäss geeignet 

sei, psychische Fehlentwicklungen auszulösen (Urteil des Bundesgerichts 

8C_116/2009 vom 26. Juni 2009 E.4.3). 

7.6.2 Der Beschwerdeführer erlitt infolge des Unfallereignisses vom 9. Novem-

ber 2018 eine inkomplette Berstungsfraktur LWK 5, Rippenkontusionen, 

eine Kontusion des linken Daumens sowie oberflächliche Schürfwunden 

des Abdomens und des Thoraxes zu (Bg-act. 2). Dem Austrittsbericht des 

Kantonsspitals D.________ vom 27. November 2018 ist zu entnehmen, 

dass das Röntgenbild nach Erstmobilisation am 10. November 2018 sowie 

der Verlaufsröntgenbilder vom 15. November 2018 und 19. November 

2018 stets stationäre Stellungsverhältnisse der Berstungsfraktur LWK 5 

zeigten. Eine chirurgische Frakturversorgung wurde aufgrund der unbe-

friedigenden Schmerzsituation re-evaluiert, eine klare Indikation ergab 

sich nicht und der Beschwerdeführer lehnte eine Operation ab. In der Ver-

laufskontrolle vom 28. November 2018 (Bg-act. 3) zeigten sich stationäre 

Stellungsverhältnisse ohne sekundäre Dislokation oder Zunahme der Sin-

terung. In den nachfolgenden Verlaufskontrollen vom 12. Dezember 2018 

(Bg-act. 4), 8. Januar 2019 (Bg-act. 5) und 5. Februar 2019 (Bg-act. 28) 

wurde eine unveränderte klinische Situation beurteilt. Nachdem der Be-

schwerdeführer weiterhin über Schmerzen klagte, empfahl Dr. med. 

E.________, Leitender Arzt Wirbelsäulenchirurgie am V.________, am 

10. April die erweiterte Diagnostik mittels MRT mit Frage nach allfälliger 

Signalstörungen im ehemals frakturierten Wirbel und zum Ausschluss wei-

terer okkulter Frakturen (Bg-act. 47). Im MRI vom 30. April 2019 zeigte 

sich sodann weiterhin ein Nachweis von ausgeprägten Umbauvorgängen 

mit Knochenmarksödem im LWK 5, sodass die Fraktur nicht als ausrei-

https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2732229f-1949-4b8d-9e6e-a92e284a59ad/citeddoc/4509b625-21d6-4630-9cfc-ebea0d5b4f2f/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/d87c7f1e-4ffe-4524-a4a3-beb86a607b32/citeddoc/09de44b5-5c2b-40ee-afd5-fe73f4a25aa9/source/document-link

- 29 -

chend geheilt bezeichnet werden müsse (Bg-act. 51). Aufgrund dieses Be-

fundes wurde am 17. Mai 2019 eine perkutane transpedikuläre Ballonky-

phoplastie LWK 5 am V.________ durch Dr. med. E.________ (Bg-

act. 56) durchgeführt. Anlässlich der Verlaufskontrolle bei Dr. med. 

E.________ am 25. Juni 2019 (Bg-act. 62) berichtete der Beschwerdefüh-

rer weiterhin über stark störende Restbeschwerden lumbal ohne Schmer-

zausstrahlung in die Beine oder sensomotorische Defizite. Nach wie vor 

bestand eine maximal ausgebaute Schmerzmedikation. Dr. med. 

E.________ hielt in seiner Beurteilung zur Verlaufskontrolle fest, es per-

sistierten noch immer relevante Restbeschwerden, für welche er von wir-

belsäulenchirurgischer Seite her keine Möglichkeit mehr sah, diese weiter 

zu verbessern (Bg-act. 62). Er empfahl deshalb eine Beurteilung in der 

Schmerzsprechstunde, welche am 20. August 2019 bei den Ärzten Dres. 

med. W.________ und X.________ stattfand. Diese kamen in ihrer Beur-

teilung zum Schluss, dass die vom Beschwerdeführer beschriebenen 

Schmerzen im Schulter-, Nacken- sowie Rückenbereich sich mit grosser 

Wahrscheinlichkeit auf die multiplen Triggerpunkte sowie den muskulären 

Hartspann zurückführen liessen. Es liege eine ungenügende Rumpfstabi-

lisation vor, die das Auftreten der Myogelosen und der Triggerpunkte er-

möglichen und unterhalten würden. Weiter hielten sie fest, dass die psy-

chische Co-Morbi-dität des Beschwerdeführers einen grossen Einfluss auf 

das Schmerzempfinden habe. Hier sei zu evaluieren, ob allenfalls eine An-

passung der antidepressiven Medikamente zu einer Veränderung der 

Schmerzwahrnehmung führen könnte (Bg-act. 86 S. 3).

7.6.3 Vorliegend wurde die Berstungsfraktur des LWK 5 somit zunächst konser-

vativ behandelt. Den Verlaufsberichten (u.a. Bg-act. 4, 5 und 28) ist kein 

auffälliger Verlauf zu entnehmen. Im Verlaufsbericht vom 5. Februar 2019 

(Bg-act. 28) wird sodann anamnestisch darauf hingewiesen, dass keine 

neurologischen Ausfälle bestünden. Nachdem in der MRI-Untersuchung 

vom 30. April 2019 ausgeprägte Umbauvorgänge mit Knochenmarksö-

- 30 -

dem im LWK 5 nachgewiesen wurden und die Fraktur somit als noch nicht 

ausreichend geheilt betrachtet werden musste (vgl. Bg-act. 51), musste 

sich der Beschwerdeführer sieben Monate nach dem Unfallereignis einem 

operativen Eingriff im LWK 5 unterziehen. Im Unterschied zur vorstehend 

genannten Kasuistik (vgl. Erwägung 7.6.1) kam es vorliegend jedoch nicht 

zu wiederholten operativen Eingriffen, sondern lediglich zu einer einmali-

gen Ballonkyphoplastie. Sodann ist zwar eine instabile Fraktur vorhanden, 

diese wurde aber mit einer Ballonkyphoplastie minimal-invasiv behandelt 

und der Beschwerdeführer wurde danach komplikationslos entlassen (Bg-

act. 12). Allerdings war sechs Wochen nach dem Eingriff nach wie vor eine 

maximal ausgebaute Schmerzmedikation angezeigt (Bg-act. 62), in der 

Folge kam es zu einer Schmerzsprechstunde im August 2019 (Bg-act. 86) 

sowie letztlich zu einem Aufenthalt in der Rehaklinik G.________ im Sep-

tember 2019 (Bg-act. 90). Sodann ist aktenkundig, dass der Beschwerde-

führer bereits vor dem Unfall vom 9. November 2018 seit mehreren Jahren 

an psychischen Beschwerden litt (vgl. vorstehende Erwägung 7.3.1) und 

deswegen eine IV-Rente bezieht. Die Lendenwirbelverletzung traf damit 

konkret eine versicherte Person mit vorbestandener psychischer Komor-

bidität bzw. Prädisposition, was entsprechend schwerer wiegt als bei ver-

sicherten Personen, die keine ihren gesundheitlichen Vorzustand betref-

fende Auffälligkeiten aufweisen. Andernfalls würde von diesen Versicher-

ten zu Unrecht verlangt, dem Unfallereignis einen grösseren psychischen 

Widerstand entgegenzusetzen, als dies von einer der erwähnten Band-

breite angehörenden versicherten Personen erwartet würde (vgl. BGE 115 

V 133 E.6c.bb; Urteil des Bundesgerichts 8C_965/2008 vom 5. Mai 2009 

E.4.3.2). Eine erhöhte psychische Vulnerabilität/Prädisposition hat sich 

beim Beschwerdeführer in der Vergangenheit bereits einmal dadurch ge-

zeigt, dass das damalige banale Unfallereignis eines Treppensturzes mit 

Handgelenksdistorsion gemäss Beurteilung des Gutachters Dr. med. 

T.________ zur manifesten Krankheit der Depression beim Beschwerde-

führer geführt hat (IV-act. 38 S. 20). Der Beschwerdegegnerin war sodann 

- 31 -

bekannt, dass der Beschwerdeführer nach wie vor regelmässig in den 

PDGR behandelt wird (vgl. z.B. Bg-act. 78 S. 1, 86 S. 2). Auch im Aus-

trittsbericht der Rehaklinik G.________ vom 23. September 2019 (Bg-

act. 90 S. 2) werden die psychischen Probleme thematisiert. So wurde 

darin festgehalten, der Beschwerdeführer sei wegen fehlendem Rehapo-

tenzial aufgrund von erheblichen psychischen Problemen mit gleichzeiti-

ger Weigerung einer psychosomatischen Mitbetreuung vorzeitig entlassen 

worden. Ebenfalls beobachteten die Ärzte der Rehaklinik G.________ 

eine erhebliche Symptomausweitung, welche weitgehend auf eine psychi-

sche Störung zurückzuführen sei (Bg-act. 90 S. 2). Im Weiteren geht aus 

dem Bericht hervor, dass der Beschwerdeführer immer wieder Angst 

geäussert habe, dass er seinem Rücken schaden könnte. Diese Angst 

habe ihm trotz langsamen Heranführens an Bewegung und Belastung so-

wie Erklärungen bezüglich der physiologischen Vorgänge nicht genom-

men werden können (Bg-act. 90 S. 4). Hinzu kommt, dass auch die Dres. 

W.________ von der Schmerzsprechstunde feststellten, dass die psychi-

sche Co-Morbidität des Beschwerdeführers einen grossen Einfluss auf 

das Schmerzempfinden habe (Bg-act. 86 S. 3) und auch die Case Mana-

gerin nach dem Erstgespräch vom 14. Juni 2019 festhielt, der Unfall sei 

noch nicht verarbeitet. Ängste seien weiterhin vorhanden sowie Alpträume 

zur Frontalkollision (vgl. Case Report S. 10), was wiederum auf eine psy-

chische Vulnerabilität hindeutet. Trotz all dieser vorhandenen Anhalts-

punkte unterliess es die Beschwerdegegnerin indessen, dem Punkt, inwie-

fern die Möglichkeit einer psychischen Fehlentwicklung beim Beschwer-

deführer aufgrund seiner psychischen Vorerkrankung schwerer wiegt, als 

bei einer gesunden versicherten Person, nachzugehen. Insbesondere ver-

zichtete sie darauf, die zuständigen Fachpersonen der PDGR um entspre-

chende, den betreffenden Aspekt näher ausleuchtende Auskünfte zu er-

suchen. Ferner erachtete sie es auch nicht für erforderlich, die (medizini-

schen) IV-Akten beizuziehen. Ohne allerdings über zuverlässige medizini-

sche Informationen über die Art der psychischen Beeinträchtigung und das 

- 32 -

Ausmass der Prädisposition sowie über den natürlichen Kausalzusam-

menhang zwischen dem Unfallereignis und der psychischen Gesundheits-

beeinträchtigung zu verfügen, kann vorliegend nicht zum Vornherein ver-

neint werden, dass der Unfall rechtlich geeignet ist, eine psychische Feh-

lentwicklung auszulösen. Insbesondere kann aufgrund des psychischen 

Vorzustandes des Beschwerdeführers sowie seiner möglicherweise er-

höhten psychischen Vulnerabilität nicht ausgeschlossen werden, dass das 

Kriterium der besonderen Art oder Schwere der erlittenen Verletzungen in 

ausgeprägter Weise erfüllt ist. In Anbetracht dieser Umstände ist von ei-

nem nur unvollständig erhobenen Sachverhalt und damit von einer Verlet-

zung des für den Versicherungsträger in Art. 43 Abs. 1 ATSG festgehalte-

nen Untersuchungsgrundsatzes auszugehen.

8.1 Bezüglich des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem psychi-

schen Gesundheitszustand und dem Unfall vom 9. November 2018 sind 

folglich weitere medizinische Abklärungen erforderlich. Zur Klärung der of-

fenen Fragen ist daher eine psychiatrische Begutachtung des Beschwer-

deführers durch einen externen Experten unter Berücksichtigung der me-

dizinischen Unterlagen unumgänglich. Dabei ist auch die Frage zu klären, 

ob die Reaktion des Beschwerdeführers auf das Unfallereignis ausserhalb 

des Bereichs liegt, wofür eine Unfallversicherung einzustehen hat. Dies 

insbesondere aufgrund des Umstandes, dass ein Treppensturz mit Hand-

gelenksdistorsion, was unter normalen Umständen als Bagatelle anzuse-

hen wäre, gemäss Beurteilung des Gutachtes Dr. med. T.________ zur 

manifesten Krankheit der Depression geführt hat (IV-act. 38 S. 20). Auch 

beurteilten die Dres. W.________ in der Schmerzsprechstunde am 

20. August 2019, dass die psychische Co-Morbidität des Beschwerdefüh-

rers einen grossen Einfluss auf das Schmerzempfinden habe (Bg-act. 86 

S. 3). Solange die Kausalitätsbeurteilung in Bezug auf die psychischen 

Beschwerden nicht abschliessend geklärt ist, kann sich die Leistungs-

pflicht der Beschwerdegegnerin nicht ausschliesslich auf die im Rücken 

- 33 -

vorhandenen Einschränkungen beziehen und kann bezüglich der Bemes-

sung der Invalidität nicht ohne weiteres auf die Beurteilung der Ärzte der 

Rehaklinik G.________ vom 23. September 2019 (Bg-act. 90) abgestellt 

werden. Denn in dieser wird ausschliesslich den im Rücken bestehenden 

Beweglichkeits- und Belastbarkeitseinschränkungen Rechnung getragen, 

wenn festgehalten ist, dass der Beschwerdeführer seine angestammte be-

rufliche Tätigkeit als Autoreiniger nicht mehr ausführen könne, jedoch für 

andere berufliche Tätigkeiten mit leichter Arbeit ganztags einsetzbar sei, 

sofern die speziellen Einschränkungen infolge seiner unfallbedingten 

LWS-Verletzung berücksichtigt würden. Gleiches gilt für die Beurteilung 

des Integritätsschadens von Dr. med. Y.________, Facharzt für Chirurgie, 

speziell Allgemein-, Unfall- und Handchirurgie, Mitglied FMH, vom 7. Fe-

bruar 2020 (Bg-act. 110), da diese lediglich gestützt auf die körperlichen 

Restbeschwerden, mithin gestützt auf den Befund einer Frontalkollision 

mit Personenwagen am 9. November 2018 mit/bei Berstungsfraktur LWK 

5 mit/bei transpedikulärer Ballonkyphoplastie LWK 5 bei noch nicht 

vollständig verheilter kaudaler Berstungsfraktur LWK 5, erfolgte. Ebenso 

wird sich das einzuholende externe Gutachten über eine Hilflosigkeit des 

Beschwerdeführers und gegebenenfalls deren Qualifikation als leicht, mit-

telschwer oder schwer zu äussern haben. 

8.2 Die Sache ist aus den dargelegten Gründen an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen, damit sie die erwähnten Abklärungen in medizinischer 

Hinsicht vornehme. Gestützt auf die Ergebnisse der Abklärungen hat die 

Beschwerdegegnerin im Falle der Bejahung der natürlichen wie adäqua-

ten Kausalität über den Anspruch des Beschwerdeführers auf Invaliden-

rente und Integritätsentschädigung sowie Hilflosenentschädigung neu zu 

entscheiden.

9. Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde im Sinne des 

Eventualantrages unter Aufhebung des Einspracheentscheids vom 

27. April 2020 (Bg-act. 145) gutzuheissen und die Streitsache an die Be-

- 34 -

schwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese ergänzende Abklärungen 

im Sinne der Erwägungen vornehme und gestützt darauf im Falle der Be-

jahung der natürlichen wie adäquaten Kausalität über die Invalidenrente, 

Integritätsentschädigung sowie über den Anspruch auf Hilflosenentschä-

digung einen neuen Entscheid fälle.

10.1 Gerichtskosten werden vorliegend keine erhoben, da das kantonale Be-

schwerdeverfahren in Sozialversicherungsstreitigkeiten gemäss aArt. 61 

lit. a ATSG i.V.m. Art. 83 ATSG grundsätzlich kostenlos ist. 

10.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Per-

son Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Rückweisung der Sache an 

die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuem Entscheid gilt als 

vollständiges Obsiegen (Urteil des Bundesgerichts 8C_192/2017 vom 25. 

August 2017 E.8.1), weshalb der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer 

Anspruch auf eine Parteientschädigung hat. Diese wird vom Versiche-

rungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses be-

messen. Die vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eingereichte 

Honorarnote vom 2. September 2020 beläuft sich auf CHF 8'360.30 

(26.99 [recte 24.99] Stunden à CHF 270.-- zuzüglich CHF 475.30 für Bar-

auslagen und 7.7 % Mehrwertsteuer von CHF 597.70). Eine aktualisierte 

Honorarnote wurde dem Gericht nicht eingereicht. Der geltend gemachte 

Aufwand wie auch die Höhe der Barauslagen erscheinen dem Gericht – 

unter Beachtung von Art. 61 lit. g ATSG – als unangemessen hoch, zumal 

der Rechtsvertreter bereits im Einspracheverfahren mandatiert war und im 

vorliegenden Beschwerdeverfahren kein ausführlicher zweiter Schriften-

wechsel stattfand. In Anbetracht der Umstände, insbesondere der Kom-

plexität des Sachverhalts und der sich stellenden Rechtsfragen, handelt 

es sich um einen durchschnittlich schwierigen Fall und rechtfertigt es sich 

nach Auffassung des Gerichts, dem Beschwerdeführer eine pauschale 

aussergerichtliche Entschädigung von CHF 5'000.-- (inkl. Spesen und 

- 35 -

MWST) zuzusprechen. Demzufolge hat die Beschwerdegegnerin den Be-

schwerdeführer im Umfang von CHF 5'000.-- (inkl. Spesen und MWST) 

aussergerichtlich zu entschädigen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens 

wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeistän-

dung gegenstandslos.

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird im Sinne des Eventualantrages gutgeheissen, der 

angefochtene Einspracheentscheid vom 27. April 2020 wird aufgehoben 

und die Sache wird zu weiteren medizinischen Abklärungen im Sinne der 

Erwägungen und neuem Entscheid bezüglich Invalidenrente nach UVG, 

Integritätsentschädigung und Hilflosenentschädigung an die SUVA 

zurückgewiesen.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

3. Die Suva hat A._____ aussergerichtlich mit CHF 5'000.-- (inkl. Spesen und 

MWST) zu entschädigen.

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]