# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 36254959-8edd-5e4b-9fc0-c429bb641ce4
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-03-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.03.2016 E-6030/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6030-2015_2016-03-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-6030/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  M ä r z  2 0 1 6  

Besetzung 
 Richter Walter Stöckli (Vorsitz), 

Richter Hans Schürch, Richterin Sylvie Cossy,    

Gerichtsschreiberin Sarah Straub. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…), Eritrea,   

vertreten durch Tarig Hassan, Advokatur Kanonengasse,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), Quellenweg 6,  

3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Flüchtlingseigenschaft und Asyl;  

Verfügung des SEM vom 25. August 2015 / N (…). 

 

 

 

E-6030/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin wurde eigenen Angaben zufolge in 

B._______ (Sudan) geboren, nachdem ihre Eltern aus Eritrea dorthin ge-

flüchtet seien, in welchem Land sie bis zu ihrer Ausreise wohnte. Am 

14. Februar 2011 stellte sie auf der Schweizerischen Botschaft in Khartum 

ein Asylgesuch aus dem Ausland und ersuchte sinngemäss um Bewilligung 

der Einreise in die Schweiz und um Asylgewährung. 

A.b Mit Verfügung vom 19. Dezember 2011 bewilligte das SEM der Be-

schwerdeführerin die Einreise in die Schweiz zwecks Durchführung des 

ordentlichen Asylverfahrens. 

B.  

B.a Am 30. März 2012 reiste die Beschwerdeführerin in die Schweiz ein 

und ersuchte gleichentags um Asyl nach. Am 19. April 2012 fand die Be-

fragung zur Person statt (SEM-Akte B10) und am 7. Mai 2014 erfolgte die 

Anhörung zu den Asylgründen (B16). 

Zur Begründung ihres Asylgesuches machte sie geltend, sie sei im Sudan 

politisch aktiv gewesen und habe befürchtet, sie könnte entführt oder ver-

schleppt werden. Sie sei Mitglied der Eritrean Liberation Front-Revolutio-

nary Council (ELF-RC) gewesen und habe Flugblätter verteilt. Ihr Vater sei 

im Jahr 2010 respektive 2006 von den eritreischen Sicherheitskräften nach 

Eritrea verschleppt worden, und einer ihrer Brüder sei entführt, geschlagen 

und wieder zurückgebracht worden. Aus Angst, ebenfalls entführt oder ver-

schleppt zu werden, so ihre Aussage an der Erstbefragung, sei sie im Jahr 

2010 nach C._______ gezogen. In der Anhörung sagte sie, sie sei damals 

nach C._______ gezogen, um dort zu studieren, wozu sie aber keine Ge-

legenheit bekommen habe. Sie habe erfahren, dass für Leute, die wegen 

ihrer politischen Aktivität Probleme haben, die Möglichkeit bestehe, bei der 

Schweizerischen Botschaft ein Einreisegesuch zu stellen. 

Sie reichte Kopien von drei Flüchtlingsausweisen, einen Taufschein, ein 

Schulabschlusszeugnis vom (…), eine Mitgliederkarte der ELF und Kopien 

der Identitätskarten ihrer Eltern ein. 

B.b Mit Verfügung vom 25. August 2015 – eröffnet am 26. August 2015 – 

stellte das SEM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, lehnte ihr Asylgesuch ab, verfügte ihre Wegweisung aus der 

Schweiz und nahm sie wegen unzumutbaren Vollzuges vorläufig auf. 

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Seite 3 

C.  

Die Beschwerdeführerin erhob mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 

25. September 2015 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und be-

antragte in materieller Hinsicht, die Dispositivziffern 1–3 der angefochtenen 

Verfügung seien aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft festzustel-

len und ihr Asyl – eventualiter Zweitasyl im Sinne des Asylgesetzes – zu 

gewähren, eventualiter sei sie wegen unzulässigen Wegweisungsvollzugs 

vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses sowie Rechtsverbeiständung. Als Beweismittel 

reichte sie die Kopie eines Schreibens des Amts des Hohen Kommissars 

der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) vom (…)  und eine Fürsor-

gebestätigung vom (…) ein. 

D.  

Der Instruktionsrichter hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung und Rechtsverbeiständung mit Verfügung vom 

15. Oktober 2015 gut und ordnete der Beschwerdeführerin lic. iur. LL.M. 

Tarig Hassan als unentgeltlichen Rechtsbeistand bei. 

E.  

Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 28. Oktober 2015, welche 

der Beschwerdeführerin am 3. November 2015 zur Kenntnis gebracht 

wurde, ohne weitere Ausführungen an seinen Erwägungen fest und wies 

darauf hin, dass dem Rechtsvertreter am 23. Oktober 2015 antragsgemäss 

Akteneinsicht gewährt worden sei. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist vorbehält-

lich nachstehender Erwägung einzutreten. 

1.3.1 Die Beschwerdeführerin beantragte, eventuell sei ihr Zweitasyl zu ge-

währen. Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann jedoch nur sein, 

was Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens war oder hätte sein sol-

len. Die Gewährung von Zweitasyl im Sinne von Art. 50 AsylG war nicht 

Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens. Daher ist auf den Antrag, der 

Beschwerdeführerin sei Zweitasyl zu gewähren, nicht einzutreten.  

1.3.2 Da das SEM die Beschwerdeführerin wegen unzumutbaren Wegwei-

sungsvollzugs vorläufig aufgenommen hat – welche Anordnung das Bun-

desverwaltungsgericht für den Fall einer Beschwerdeabweisung akzeptiert 

(vgl. Art. 62 Abs. 2 f. VwVG) – und die Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 

Abs. 1 AuG (SR 142.20) bekanntlich alternativer Natur sind (vgl. BVGE 

2009/51 E. 5.4), besteht kein schutzwürdiges Interesse an der Feststellung 

der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs (Art. 25 Abs. 2 VwVG). Auf 

den entsprechenden Eventualantrag ist daher ebenfalls nicht einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Bereich des Asylrechts nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. 

BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

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bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken; frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung 

zu tragen (Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das SEM aus, die 

von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Benachteiligungen im Su-

dan seien als Verfolgung in einem Drittstaat zu würdigen. Es stelle jedoch 

fest, dass sie im heutigen Zeitpunkt keine begründete Furcht vor Verfol-

gung in ihrem Heimatstaat Eritrea habe, weshalb davon ausgegangen wer-

den könne, dass sie dort grundsätzlich Zuflucht finden könnte. Eine Prü-

fung der Asylrelevanz der geltend gemachten Nachteile im Sudan erübrige 

sich demnach, so dass darauf verzichtet werden könne, auf allfällige Un-

glaubhaftigkeitselemente in diesen Vorbringen einzugehen. 

Im vorliegenden Fall würden keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die 

Beschwerdeführerin aufgrund des politischen Engagements ihres Vaters 

und dessen Verschleppung oder der Mitnahme ihres Bruders S. in abseh-

barer Zukunft staatlichen Verfolgungsmassnahmen hätte ausgesetzt sein 

können. Sie habe erklärt, bis zur Ausreise weder nach Erhalt der Benach-

richtigung, dass ihre Familie aufpassen müsse, noch nach der Mitnahme 

ihres Bruders irgendwelche Probleme gehabt zu haben. Ihre Mutter und 

Geschwister würden nach wie vor in B._______ leben und hätten abgese-

hen von der vorgebrachten zweimaligen Mitnahme ihres Bruders mit kei-

nen grösseren Problemen zu kämpfen. Die geltend gemachten politischen 

Aktivitäten ihres Vaters und ihrer Familie und die damit verbundene schrift-

liche Benachrichtigung seien demnach mit keinen weiteren negativen Kon-

sequenzen verbunden gewesen. Aufgrund dieser Sachlage sei nicht er-

sichtlich weshalb sie deswegen eine asylerhebliche Verfolgung zu befürch-

ten hätte. Dieses Vorbringen sei somit nicht asylrelevant.  

Ihre diesbezüglichen Schilderungen seien im Übrigen widersprüchlich, un-

substantiiert und unglaubhaft. In ihrem Auslandgesuch und der Anhörung 

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habe sie beispielsweise angegeben, ihr Vater sei im Jahr 2006 verschleppt 

worden, in der Befragung dagegen gesagt, dies sei im Oktober 2010 ge-

wesen. Im Auslandgesuch habe sie zudem angegeben, Treffen der ELF 

organisiert, Neuigkeiten über den Feind gesammelt und einen Beitrag zu 

Flugblättern, Festen, Magazinen und T-Shirts geleistet zu haben. Zudem 

sei sie Teamleiterin in der Partei gewesen und habe betreffend ihre politi-

sche Arbeit eine letzte Warnung erhalten. In der Befragung zur Person und 

insbesondere in der Anhörung habe sie auf mehrmalige Nachfrage ledig-

lich erwähnt, dass sie Flugblätter verteilt und bedruckte T-Shirts angehabt 

habe. Auch sei die schriftliche Benachrichtigung nach der Verschleppung 

ihres Vaters an ihre gesamte Familie gerichtet gewesen, weitere Benach-

richtigungen habe es nicht gegeben. Infolge dieser widersprüchlichen und 

unsubstantiierten Darstellung könne ihr nicht geglaubt werden, dass sie im 

Sudan wegen ihres Vaters respektive ihres politischen Engagements asyl-

beachtliche Probleme gehabt habe. 

Da sie im Sudan geboren sei und nie in Eritrea gelebt habe, bestehe kein 

begründeter Anlass zur Annahme, sie hätte dort inskünftig staatliche Ver-

folgungsmassnahmen zu befürchten. Da sie nicht in Eritrea gelebt und das 

Land folglich nicht illegal verlassen habe, sei auch nicht davon auszuge-

hen, dass die eritreischen Behörden ihr eine regimefeindliche Haltung oder 

Landesverrat unterstellen würden. Eine asylrelevante Gefährdung liege 

demnach nicht vor. 

4.2 In der Beschwerde wurde ausgeführt, die vorinstanzliche Argumenta-

tion sei widersprüchlich und verkenne die Verhältnisse für Angehörige po-

litisch aktiver Familien in Eritrea. Es sei bekannt, dass sämtliche Familien-

mitglieder im Sinne einer Sippenhaft Repressalien durch das eritreische 

Regime zu befürchten hätten, wenn ein Familienmitglied regimekritisch 

aufgefallen sei, das Land verlassen habe und die oppositionelle Tätigkeit 

im Exil fortsetze. Selbst wenn der Arm des eritreischen Regimes auf suda-

nesischem Boden schwach sei, lasse sich daraus nicht ableiten, die Situa-

tion sei dieselbe wie bei der Rückkehr einer Regimekritikerin nach Eritrea. 

Die Beschwerdeführerin sei aufgrund des politischen Engagements ihres 

Vaters sowie der restlichen Familie einer Reflexverfolgung ausgesetzt und 

verfüge auch selbst über ein politisch exponiertes Profil, so dass sie bei 

einer allfälligen Einreise nach Eritrea begründete Furcht vor Verfolgung 

hätte. Die Vorinstanz habe es unterlassen, sie zur politischen Tätigkeit ihrer 

Familienangehörigen und zu den Gründen für die Flucht aus Eritrea zu be-

fragen, was bezüglich Reflexverfolgung von Bedeutung gewesen wäre. 

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Bereits während der Anhörung habe sie klargestellt, dass ihr Vater im Jahr 

2006 verschleppt worden sei. Die unzutreffende Angabe in der Befragung 

zur Person beruhe offenbar auf einem Missverständnis und dürfe nicht 

überbewertet werden. Auch zum angeblichen Widerspruch hinsichtlich ihrer 

Tätigkeiten in der ELF habe sie bereits Stellung nehmen können. Ihre dies-

bezügliche Aussage, dass sie klein gewesen sei und Flugblätter verteilt 

habe, sei äusserst unklar ausgefallen und hätte erneut erfragt werden müs-

sen, was jedoch nicht erfolgt sei. Zudem greife die Argumentation, wonach 

sie auf erneute Nachfrage lediglich angegeben habe, Flugblätter verteilt 

und bedruckte T-Shirts getragen zu haben, zu kurz, zumal sie schon in der 

Befragung zur Person angegeben habe, ausserdem eritreischen Frauen 

erklärt zu haben, dass das eritreische Regime diktatorisch geführt werde 

und ersetzt werden müsse. Auch in der Anhörung habe sie gesagt, dass 

sie die T-Shirts nicht nur getragen, sondern auch verteilt habe. Die Frage, 

ob dies die einzigen Tätigkeiten gewesen seien, habe sie zwar bejaht, dies 

später aber präzisiert. Sie habe auch Magazine verteilt und sei Teamleiterin 

einer Jugendgruppe gewesen. Sie habe ihre Tätigkeiten somit ausführli-

cher beschrieben als von der Vorinstanz dargelegt. Dass die Beschreibung 

nicht akribisch genau mit derjenigen im Auslandgesuch übereinstimme, 

könne nicht als Widerspruch oder unsubstanttierte Aussage ausgelegt wer-

den. Die unterschiedlichen Angaben zu den Adressaten der Benachrichti-

gung würden sich durch ihre schlechten Englischkenntnisse erklären las-

sen. Sie habe die Aussage im Auslandgesuch, wonach ihr die Benachrich-

tigung übergeben worden sei, erst anlässlich der Anhörung präzisieren 

können. Da die gesamte Familie politisch aktiv gewesen sei, sei das 

Schreiben an alle Familienmitglieder gerichtet gewesen. Sie habe sich 

diesbezüglich nicht widersprochen. 

Die Vorinstanz habe den herabgesetzten Beweisanforderungen gemäss 

Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rechnung getragen. Die überwiegende 

Mehrheit der aufgeführten Ungereimtheiten in ihren Aussagen habe sie 

entkräften können, bestimmte andere Unklarheiten hätten bei pflichtge-

mässem Nachfragen ausgeräumt werden können. Dass dies versäumt 

worden sei, dürfe ihr nicht zur Last gelegt werden. Die Glaubhaftigkeit ihrer 

Vorbringen sei insgesamt zu bejahen. 

Es sei allgemein bekannt, dass es in Eritrea regelmässig zu willkürlichen 

Verhaftungen und Verfolgung durch das Regime komme. Dies gelte auch 

für Familienmitglieder von Regimeflüchtlingen. Die politische Aktivität ihrer 

Familie, insbesondere ihres Vaters, sei durch die Anerkennung der Flücht-

lingseigenschaft durch das UNHCR belegt. Aufgrund der Verschleppung 

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und Inhaftierung ihres Vaters sei offensichtlich, dass die eritreischen Be-

hörden über dessen Engagement Bescheid wüssten. Darüber hinaus hät-

ten ihre Eltern Eritrea verlassen und würden deshalb als Regimeflüchtlinge 

betrachtet. Aufgrund der Spionagetätigkeit des eritreischen Regimes und 

allfälliger Aussagen ihres Vaters während seiner Haft sei es wahrschein-

lich, dass die Behörden vom regimekritischen Engagement der Familie 

wüssten. Sie würde daher Gefahr laufen, bei einer Rückkehr festgenom-

men und zu ihren Familienmitgliedern sowie zu ihren eigenen Aktivitäten 

befragt zu werden. Die zweimalige Mitnahme ihres Bruders zeige die Ak-

tualität der Bedrohung. Sie erfülle daher die Flüchtlingseigenschaft. 

5.  

5.1 Zunächst ist festzustellen, dass es der Beschwerdeführerin mit ihren 

Einwänden nicht gelang, die von der Vorinstanz aufgezeigten Widersprü-

che aufzulösen. Es mag zwar zutreffen, dass die Angabe in der Befragung 

zur Person, ihr Vater sei im Oktober 2010 verschleppt worden, auf einem 

Missverständnis beruht, zumal die Formulierung, dass "eines Tages" auch 

der Bruder S. entführt und später wieder zurückgebracht worden sei, wo-

rauf sie am 1. Dezember 2010 nach C._______ gegangen sei, auf eine 

längere Dauer zwischen den beiden Entführungen hindeutet. Die wider-

sprüchlichen Angaben zu ihren Aktivitäten für die ELF lassen sich indessen 

nicht sinnvoll erklären. Entgegen der Auffassung in der Beschwerde ergibt 

sich aus ihren Aussagen nicht, dass dazu weitere Nachfragen notwendig 

gewesen wären. Sie wurde zweimal ausdrücklich gefragt, ob das Verteilen 

von Flugblättern beziehungsweise dies sowie das Tragen und Verteilen von 

T-Shirts die einzige Tätigkeit gewesen sei, welche sie ausgeführt habe (vgl. 

B16 F88 f.), was sie ausdrücklich bejahte. Auf Vorhalt bestätigte sie ihre 

früheren Angaben, wonach sie auch Magazine verteilt habe und Teamlei-

terin – aber keine führende Person – gewesen sei (vgl. B16 F123 f.). Es ist 

aber nicht ersichtlich, weshalb sie diese weitergehenden Tätigkeiten nicht 

von sich aus vorbrachte. Sie sind daher zu bezweifeln. Zudem sind ihre 

Ausführungen zu den Tätigkeiten für die Partei zu oberflächlich und unsub-

stantiiert ausgefallen, um auf eine engagierte Betätigung innerhalb der Par-

tei schliessen zu lassen. Angesichts ihrer Aussagen in der Anhörung und 

der Argumentation in der Beschwerde ist nicht davon auszugehen, dass 

die Benachrichtigung, welche die Familie nach der Verschleppung des Va-

ters erhalten habe, speziell gegen die Beschwerdeführerin gerichtet gewe-

sen wäre. Der mehrfache Hinweis auf die Unmöglichkeit, in C._______ zu 

studieren (vgl. A1 S. 2, A6 S. 3, B16 F83 und F90), und die Aussage, sie 

sei zu diesem Zweck nach C._______ gezogen (vgl. A1 S. 2, B16 F83), 

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lassen weitere Zweifel an ihren vorgebrachten Ausreisegründen aufkom-

men. 

Sie vermochte somit weder ein besonderes politisches Engagement glaub-

haft zu machen, welches ein Interesse an ihrer Person zur Folge gehabt 

hätte, noch ist ersichtlich, dass sie persönlich Reflexverfolgung zu befürch-

ten hätte oder ihre Familienmitglieder tatsächlich von asylrelevanten Ver-

folgungsmassnahmen betroffen gewesen seien. Vielmehr ist davon auszu-

gehen, dass ihr nach der vorgebrachten Verschleppung ihres Vaters keine 

asylrechtlich relevanten Benachteiligungen drohten.  

5.2 Die Beschwerdeführerin ist im Sudan geboren und aufgewachsen und 

hat sich nie in ihrem Heimatstaat Eritrea aufgehalten. Sie reiste demzufolge 

nicht illegal aus dem Land aus und entzog sich nicht der Wehrdienstpflicht. 

Angesichts ihres als marginal zu bezeichnenden politischen Engagements 

im Sudan (vgl. vorstehend E. 5.1) ist nicht davon auszugehen, die eritrei-

schen Behörden hätten ein Verfolgungsinteresse an ihr respektive über-

haupt Kenntnis von ihren Tätigkeiten erlangt. Wie das SEM richtigerweise 

festhielt, bestehen auch keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass sie 

aufgrund des politischen Engagements ihres Vaters und dessen Verschlep-

pung oder aufgrund der Mitnahme ihres Bruders in absehbarer Zukunft 

staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt sein könnte. 

Die Argumentation in der Beschwerde, Familienmitglieder von regimekriti-

schen Eritreern, welche das Land verlassen hätten und exilpolitisch aktiv 

seien, müssten Repressalien durch das eritreische Regime befürchten, 

geht insoweit fehl, als dies für die Familie der Beschwerdeführerin nicht 

zutrifft. Vorliegend befindet sich der regimekritische Vater in Eritrea, mut-

masslich noch immer in einem Gefängnis, während die restlichen Familien-

angehörigen im Sudan blieben. Nachdem ihr Vater bereits in den Händen 

der eritreischen Behörden ist, muss die Beschwerdeführerin nicht befürch-

ten, von diesen verfolgt zu werden, damit sie ihres Vaters habhaft würden. 

Das Vorliegen einer Reflexverfolgung ist daher zu verneinen. 

Nach dem Gesagten ist nicht anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin 

eine Bedrohung für das eritreische Regime darstellt und deswegen oder 

aufgrund der Inhaftierung ihres Vaters bei einer Rückkehr nach Eritrea in 

asylrelevanter Weise gefährdet wäre.  

5.3 Zusammenfassend gelangt das Gericht zum Schluss, dass die Be-

schwerdeführerin keine begründete Furcht vor Verfolgung aus Gründen 

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gemäss Art. 3 AsylG nachzuweisen oder glaubhaft zu machen vermochte. 

Die Vorinstanz hat ihr Asylgesuch demnach zu Recht abgewiesen. 

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

6.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Wegweisungsvollzug unzulässig, unzumutbar oder unmöglich, 

regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den Bestimmungen über 

die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

7.2 Die Beschwerdeführerin wurde mit Entscheid des SEM vom 25. August 

2015 wegen unzumutbaren Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen. 

Ausführungen zum Vollzug der Wegweisung erübrigen sich demnach. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihr die unentgeltliche 

Prozessführung gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 

9.2 Nachdem der Beschwerdeführerin ihr Rechtsvertreter als amtlicher 

Beistand beigeordnet wurde, ist diesem ein angemessenes Honorar aus-

zurichten. Der Rechtsvertreter hat, entgegen seiner Verpflichtung gemäss 

Art. 14 Abs. 1 VGKE (vgl. auch Verfügung vom 15. Oktober 2015 S. 3), 

keine Kostennote eingereicht. Der Aufwand ist deshalb aufgrund der Akten 

abzuschätzen (Art. 14 Abs. 2 VGKE). In Anwendung der massgeblichen 

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Seite 11 

Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8–11 VGKE) ist Tarig Hassan 

für seine Bemühungen zu Lasten des Gerichts ein amtliches Honorar von 

Fr. 750.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteueranteil) auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite)   

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dem unentgeltlichen Rechtsbeistand wird zu Lasten der Gerichtskasse ein 

amtliches Honorar von Fr. 750.– ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Stöckli Sarah Straub