# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 85bc440f-2a09-502a-ab64-c3bbc2cfd2dc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-04-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.04.2008 D-4622/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4622-2007_2008-04-24.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4622/2007
scd/boi
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 4 .  A p r i l  2 0 0 8

Einzelrichter Daniel Schmid, 
mit Zustimmung von Richter Bruno Huber
Gerichtsschreiberin Stella Boleki.

A._______, geboren (...), Afghanistan, wohnhaft (...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 
3003 Bern
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Juni 
2007 / N (...)

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4622/2007

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer verliess eigenen Angaben zufolge gemeinsam 
mit seinem Bruder und dessen Frau sein in Zentralafghanistan im Be-
zirk  Qarabagh (Provinz  Ghazni)  liegendes Heimatdorf  B._______ im 
Februar/März 2004 (Monat Hut des Jahres 1382). Auf dem Landweg 
seien sie via Kandahar über Pakistan in den Iran gereist. Nach sechs 
Monaten illegalen Aufenthalts in Teheran seien sie am 9. Oktober 2004 
weiter  in die Türkei gereist,  wo er  sich während 5 Monaten illegal  in 
Istanbul aufgehalten habe. Am 1. Februar 2005 habe er Istanbul mit 
einem Schlepper verlassen, sei  mit  einem LKW, per Fähre, Zug und 
PW am 14. März 2005 via Genf illegal nach C._______ gelangt, wo er 
gleichentags  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  D._______  ein 
Asylgesuch stellte.

B.
Anlässlich der Befragungen machte der Beschwerdeführer im Wesent-
lichen geltend, er sei ein Angehöriger der Hazara und stamme aus Qa-
rabagh.  Sein  Bruder  sei  als  Mitglied  der  Wahdat-Partei  mit  dessen 
Kommandanten  E._______  gut  befreundet  gewesen.  Im  März/April 
2002 sei bei einem Zwischenfall im Bazar von G._______ ein anderer 
Kommandant  namens  F._______  ermordet  worden,  worauf  der  mit 
seinem  Bruder  befreundete  Kommandant  E._______  dieses  Mordes 
beschuldigt  worden  sei.  E._______  habe  zwei  Jahre  später,  im 
Februar/März 2004,  nachdem einige Beamte aus Ghazni  gekommen 
seien  um  ihn  zu  verhaften,  die  Schuld  auf  den  Bruder  des 
Beschwerdeführers  abgewälzt,  weshalb  dieser  mit  seiner  Frau  und 
auch er selbst aus Angst vor einer Blutrache geflohen seien. 

Der  Beschwerdeführer  reichte  keine  heimatlichen  Identitätspapiere 
ein.

C.
Mit Verfügung vom 21. Juni 2007 – eröffnet am 23. Juni 2007 – lehnte 
das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, ordnete dessen 
Wegweisung aus der Schweiz an und stellte fest, der Vollzug sei zuläs-
sig, zumutbar und möglich. Zur Begründung wurde dargelegt, dass die 
Vorbringen des Beschwerdeführers den Anforderungen an die  Flücht-
lingseigenschaft nicht genügten, da seine Vorbringen einerseits in we-
sentlichen Punkten unglaubhaft seien oder der Logik des Handelns wi-
dersprächen  und  andererseits  widersprüchlich  seien.  Bezüglich  des 

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Vollzugs der Wegweisung stellte die Vorinstanz fest, dass gestützt auf 
die  Praxis  der  (vormaligen)  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
(ARK) die Wegweisung in  jene Regionen Afghanistans grundsätzlich 
als zumutbar zu betrachten sei, in denen seit 2004 keine bedeutenden 
militärischen Aktivitäten mehr  bekannt  geworden und die  nicht  einer 
permanent  instabilen  Lage  ausgesetzt  seien.  Nach  übereinstimmen-
der, aktueller Einschätzung aus Expertenkreisen gehöre das Hazara-
jat,  aus  welchem  der  Beschwerdeführer  stamme,  im  innerafghani-
schen Vergleich zu den sicheren Regionen des Landes. Zudem sei es 
nach dem Sturz der Taliban zu einem bevorzugten Einsatzgebiet von 
internationalen Hilfsorganisationen geworden. Generell  habe sich die 
Lage der mehrheitlich schiitischen Hazara seit dem Sturz der Taliban 
verbessert.  Da  der  Beschwerdeführer  seine  Identität  nicht  belegen 
könne und seine Angaben bezüglich seines angeblich fehlenden ver-
wandtschaftlichen  Beziehungsnetzes  in  Afghanistan  widersprüchlich 
ausgefallen seien, könne sich das BFM trotz des Untersuchungsgrund-
satzes nicht in voller Kenntnis der tatsächlichen persönlichen und fami-
liären Situation des Beschwerdeführers zur Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs äussern.

D.
Der Beschwerdeführer beantragte beim Bundesverwaltungsgericht mit 
Eingabe vom 9. Juli  2007 die Aufhebung der  vorinstanzlichen Verfü-
gung. Es sei ihm Asyl oder die vorläufige Aufnahme zu gewähren und 
infolgedessen  sei  von  einer  Wegweisung  abzusehen.  In  verfahrens-
rechtlicher Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen 
Prozessführung. Er begründete seine Anträge im Wesentlichen damit, 
die  Vorinstanz  habe  bei  der  Prüfung  der  Flüchtlingseigenschaft  den 
falschen Massstab angewendet  und die  generelle  Sicherheitslage in 
Afghanistan  habe  sich  zunehmend  verschlechtert.  Vermehrt  fänden 
bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Kriegsher-
ren  oder  Gefechte  zwischen  ausländischen  Truppen  und  Taliban-
Kämpfern statt. 

E.
Mit Zwischenverfügung vom 17. Juli 2007 wies der Instruktionsrichter 
des  Bundesverwaltungsgerichts  das  Gesuch  des Beschwerdeführers 
um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege ab und verzichtete 
aufgrund  des  Saldos  des  Sicherheitskontos  des  Beschwerdeführers 
auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. Gleichzeitig  wurde  dem 
BFM Frist zur Vernehmlassung bis zum 15. August 2007 gesetzt. 

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F.
Das BFM hielt  in  seiner  Vernehmlassung vom 25. Juli  2007  vollum-
fänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der 
Beschwerde. 

G.
Mit Eingabe vom 6. September 2007 nahm der Beschwerdeführer hier-
zu Stellung.

H.
Mit  Eingabe  vom 6.  September  2007  reichte  der  Beschwerdeführer 
eine  Bestätigung  über  seinen  Schulbesuch  in  der  "Maula-Najjani"-
Schule  in  B._______  (Faxkopie)  sowie  verschiedene  im  Internet 
erschienene  Artikel  zur  Situation  in  seiner  Heimatprovinz  zu  den 
Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesge-
setzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021). Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört  zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnah-
me im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs-
gericht  ist  daher  zuständig  für  die Beurteilung der  vorliegenden Be-
schwerde und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des 
Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]). 

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Der  Beschwerdeführer ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde  legitimiert  (Art. 6  AsylG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1  und  50 ff. 

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VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin einzutreten.

2.

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.

Über offensichtlich begründete oder unbegründete Beschwerden wird 
in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten 
Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden 
(Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt,  handelt es sich 
vorliegend im Asylpunkt um eine offensichtlich unbegründete, im Weg-
weisungspunkt  um eine offensichtlich  begründete  Beschwerde,  wes-
halb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG). Auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels kann daher verzichtet werden.

3.1 Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu 
einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer  politischen An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

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4.  

4.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Asyl-
punkt damit, dass das Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er 
zwei Jahre nach der Ermordung des Kommandanten F._______ habe 
fliehen müssen, weil  er zur Zielscheibe eines möglichen Racheaktes 
geworden  sei,  unglaubhaft  sei  und  der  Logik  des  Handelns 
widerspreche. So sei einerseits nicht einzusehen, weshalb die Familie 
des ermordeten Kommandanten zwei Jahre hätte zuwarten sollen, um 
den Mord an ihrem Sohn aufzuklären und nach dem Schuldigen zu 
ahnden. Andererseits  gebe es auch keinen Grund,  weshalb  sich die 
Verwandten des  Verstorbenen nicht  über  den tatsächlichen Hergang 
der  Ermordung  hätten  informieren  können.  Der  Bruder  des 
Beschwerdeführers,  der  sich  nicht  an  der  Ermordung beteiligt  habe, 
hätte  sich  nicht  vor  Racheakten  fürchten  müssen.  Ebenso  bleibe 
schleierhaft,  wie  der  Beschwerdeführer  in  der  äusserst  kurzen  Zeit 
zwischen  dem  Auftauchen  der  Beamten  und  seiner  Ausreise  aus 
Afghanistan hätte  in  Erfahrung bringen sollen,  dass  die  Verwandten 
des Ermordeten hinter ihm her seien. Nicht zuletzt hätte sich auch der 
zurückbleibende  Onkel  des  Beschwerdeführers  väterlicherseits  vor 
Racheakten fürchten müssen, wenn eine solche zu erwarten gewesen 
wäre. 

Weiter führte das BFM aus, der Beschwerdeführer habe während des 
Verfahrens auch unterschiedliche Zeitangaben betreffend den Tod des 
Vaters gemacht. 

4.2 Der  Beschwerdeführer  wendet  in  seiner  Beschwerdeschrift  ein, 
zum Zeitpunkt seines Problems habe es keine funktionierende Regie-
rung und keine Sicherheitskräfte gegeben, die sich um die Sache ge-
kümmert  hätten,  weshalb  sie  erst  zwei  Jahre später  aktiv  geworden 
seien.

Weiter rügt er, das BFM habe den falschen Massstab zur Prüfung der 
Glaubwürdigkeit angewendet, weshalb eine erneute Prüfung durch das 
Bundesverwaltungsgericht vorgenommen werden müsse.

4.3 Die Prüfung der Akten ergibt, dass die vorgenannten Erwägungen 
der  Vorinstanz  bezüglich  des  Nachweises  der  Flüchtlingseigenschaft 

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im Sinne von Art. 7 AsylG zu bestätigen sind. In der Tat erscheinen die 
Ausführungen des Beschwerdeführers hinsichtlich der Ermordung des 
Kommandanten  F._______  und  der  geltend  gemachten  Furcht  des 
Beschwerdeführers vor Blutrache durch die Familie des Verstorbenen 
nicht nachvollziehbar. Die lange Zeitspanne von zwei Jahren zwischen 
dem  Tod  des  Kommandanten  und  dem  Beginn  der  Nachstellungen 
durch die Hinterbliebenen kann auch nicht durch den Einwand in der 
Beschwerde,  es  habe  im  damaligen  Zeitpunkt  keine  funktionierende 
Regierung gegeben, diese sei erst zwei Jahre später aktiv geworden, 
erklärt  werden,  da  zum  Wesen  der  geltend  gemachten  familiären 
Racheakte (Blutrache) gehört, dass diese gerade nicht von staatlicher 
Stelle ausgehen. Zu Recht führte das BFM als weiteres Argument ins 
Feld, dass der Onkel des Beschwerdeführers ebenso einen Racheakt 
durch  die  Familie  des  Opfers  hätte  befürchten  müssen,  wäre  eine 
solche zu erwarten gewesen. 

Unter  Berücksichtigung  sämtlicher  Akten  kommt  das  Bundesverwal-
tungsgericht zur Überzeugung, dass die Vorinstanz die Vorbringen des 
Beschwerdeführers  im  Asylpunkt  zu  Recht  und  mit  zutreffender  Be-
gründung als unglaubhaft beurteilt hat. An dieser Einschätzung vermö-
gen  auch  die  allgemeinen  Ausführungen  in  der  Beschwerde  zum 
Massstab der Glaubhaftigkeit im Sinne von Art. 7 AsylG nichts zu än-
dern.

4.4 Es ist somit festzustellen, dass der Beschwerdeführer offensicht-
lich  keine  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  glaubhaft  machen 
konnte und daher nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. Mangels 
erfüllter  Flüchtlingseigenschaft  ist  ihm  das  nachgesuchte  Asyl  zu 
Recht nicht gewährt worden.

4.5 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

4.6 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweize-
rischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 

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5.

5.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

5.2 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflich-
tungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Aus-
länders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegen-
stehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

5.3 Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Voll-
zug der Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglich-
keit) sind alternativer Natur: Sobald eine von ihnen erfüllt  ist,  ist  der 
Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die 
weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über 
die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 
ff.).

5.4 Weil sich vorliegend der Vollzug der Wegweisung  aus den nach-
folgend aufgezeigten Gründen als unzumutbar erweist, ist auf eine Er-
örterung der beiden anderen Kriterien – insbesondere der Zulässigkeit 
des Wegweisungsvollzuges – zu verzichten. 

5.5 Aus  humanitären  Gründen,  nicht  in  Erfüllung  völkerrechtlicher 
Pflichten der Schweiz, wird auf den Vollzug der Wegweisung auch ver-
zichtet,  wenn  die  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  für  den  Betroffenen 
eine konkrete Gefährdung darstellt. Eine solche Gefährdung kann an-
gesichts  der  im  Heimatland  herrschenden  allgemeinen  politischen 
Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine Situation all-
gemeiner  Gewalt  kennzeichnet,  oder  aufgrund  anderer  Gefahrenmo-
mente, wie beispielsweise einer notwendigen medizinischen Behand-
lung, angenommen werden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über 
das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668).

5.6 Der Beschwerdeführer stammt eigenen Angaben zufolge aus dem 
Bezirk Qarabagh in der Provinz Ghazni. Trotz Zweifel an der tatsäch-
lichen Herkunft des Beschwerdeführers ging das BFM bei der Begrün-

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dung der Zumutbarkeit der Wegweisung von der Herkunft aus Ghazni 
aus.

Aufgrund der differenzierten Angaben des Beschwerdeführers zu sei-
nem Heiamtdorf  B._______ in der Provinz Ghazni  (vgl. A1 S. 2)  hat 
das  Bundesverwaltungsgericht  keine  Veranlassung,  an  dessen 
angegebener Herkunft  zu zweifeln oder diese gar als unglaubhaft zu 
bezeichnen.

5.7  In EMARK 2003 Nr. 30 hat die ARK festgestellt, dass eine Rück-
kehr  abgewiesener  Asylsuchender  nach  Ghazni  infolge  der  ange-
spannten Sicherheitslage als generell unzumutbar zu qualifizieren ist. 
Bestätigt wurde diese Praxis in EMARK 2006 Nr. 9. Die entsprechende 
Lagebeurteilung behält auch heute ihre Gültigkeit, denn die generelle 
Sicherheitslage in Afghanistan kann auch aktuell  nicht als stabilisiert 
bezeichnet werden. Nach jüngster Darstellung der Uno hat die Gewalt 
von radikalen Gruppen in ganz Afghanistan deutlich zugenommen; es 
werden  monatlich  durchschnittlich  566  Anschläge  verzeichnet.  Ver-
mehrt sind internationale Hilfsorganisationen und Schutztruppen Ziele 
solcher  Anschläge  (vgl.  NZZ  vom  12.  März  2008).  Der  Bericht  des 
UNHCR vom 25. Februar 2008 zur Sicherheitslage in Afghanistan stuft 
die gesamte Provinz Ghazni als äusserst unsicher ein (vgl. UNHCR-
Update zur Sicherheitslage in Afghanistan mit Blick auf die Gewährung 
ergänzenden Schutzes vom 25. Februar 2008 online auf der Website 
www.ecoi.net   >  Suchbegriff>  Update  zur  Sicherheitslage  in  Afgha-
nistan > 2. Dokument vom 25.2.2008 Quelle UN High Commissioner 
for Refugees, besucht am 28.3.2008.) Damit ist vorliegend – entgegen 
den  Ausführungen  der  Vorinstanz  –  die  Herkunftsregion  des 
Beschwerdeführers  besonders  betroffen,  weshalb  es  dem 
Beschwerdeführer nicht zuzumuten ist, dorthin zurückzukehren.  

5.8 Nach dem Gesagten bleibt zu prüfen, ob es dem Beschwerdefüh-
rer  allenfalls zuzumuten ist,  sich in Kabul oder  gegebenenfalls einer 
anderen der in EMARK 2006 Nr. 9 erwähnten Provinzen niederzulas-
sen,  wo  sich  die  Sicherheitslage  und  die  humanitäre  Situation  ver-
gleichsweise  besser  darstellt  als  in  den  übrigen  Gebieten  Afghanis-
tans.  Zur  Situation  in  Kabul  wird  im  Urteil  EMARK  2003  Nr.  10 
(vgl. auch  EMARK 2005  Nr. 18  S. 166)  festgehalten,  es  könne  dort 
nicht  von  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  ausgegangen  werden. 
Angesichts der auch in Kabul herrschenden schwierigen humanitären 
und wirtschaftlichen Situation dränge sich jedoch eine zurückhaltende 
Prüfung der individuellen Kriterien auf, wobei insbesondere die Exis-

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http://www.ecoi.net/

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tenz eines tragfähigen Beziehungsnetzes sowie konkrete Möglichkei-
ten  zur  Sicherung  des  Existenzminimums  und  der  Wohnsituation 
massgebend  seien.  Aus  den  Akten  ergeben  sich  keine  Hinweise 
darauf,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  in  Kabul  aufgehalten  hätte 
oder dort über familiäre Beziehungen verfügen würde (A1 S. 2/3, A14 
S. 3/5). Der Onkel des Beschwerdeführers väterlicherseits wohnt eige-
nen  Angaben  des  Beschwerdeführers  zufolge  weiterhin  im  Dorf 
B._______  in  der  Provinz  Ghazni,  die  beiden  verheirateten 
Schwestern  leben  in  Qarabagh  (vgl.  A14  S.3).  Demzufolge  kann 
offensichtlich  nicht  von einem tragfähigen familiären Beziehungsnetz 
oder  einer  gesicherten  Wohnsituation  ausgegangen  werden.  Nach 
dem Gesagten erweist sich vorliegend auch eine Rückkehr nach Kabul 
oder in eine andere relativ sichere Provinz als nicht zumutbar.

5.9 Zusammenfassend ergibt sich, dass eine Rückkehr des Beschwer-
deführers nach Afghanistan derzeit als unzumutbar zu qualifizieren ist. 
Aus  den  Akten  ergeben  sich  sodann  keine  Hinweise  auf  eine  Ver-
letzung oder Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im 
Sinne von Art. 83 Ziff. 7 lit. b AuG. Die Frage nach dem Vorliegen wei-
terer Vollzugshindernisse kann bei dieser Sachlage offen bleiben. Die 
Verfügung des BFM vom 21. Juni 2007 ist daher hinsichtlich des Weg-
weisungsvollzugs aufzuheben. Die Vorinstanz ist anzuweisen, den Be-
schwerdeführer in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. 

6.

6.1 Da die Vorinstanz zu Recht das Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers abgelehnt und die Wegweisung angeordnet worden hat, unterliegt 
der  Beschwerdeführer  in  diesen Punkten; hinsichtlich  der  Frage des 
Wegweisungsvollzugs obsiegt er. Bei diesem Ausgang des Verfahrens 
sind  ihm  praxisgemäss  die  hälftigen  Kosten  aufzuerlegen  (Art.  63 
Abs. 1 zweiter Satz VwVG). Diese sind insgesamt auf Fr. 300.-- festzu-
setzen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 des Reglements 
vom 11. Dezember  2006  über  die  Kosten und Entschädigungen  vor 
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

6.2 Teilweise obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Parteient-
schädigung für  die ihnen erwachsenen notwendigen Kosten (Art. 64 
Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 2 VGKE). Der Beschwerdeführer ist nicht an-
waltlich vertreten, weshalb ihm keine zu entschädigende notwendige 
Kosten erwachsen sind. 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird soweit die Frage der Asylgewährung und Weg-
weisung betreffend abgewiesen.

2.
Die Beschwerde wird soweit die Frage des Wegweisungsvollzugs be-
treffend gutgeheissen.

3.
Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung vom 
21. Juni  2007  werden  aufgehoben. Das  BFM wird  angewiesen,  den 
Beschwerdeführer vorläufig in der Schweiz aufzunehmen.

4. Dem Beschwerdeführer werden die Verfahrenskosten in der Höhe 
von Fr. 300.-- auferlegt.

5.
Es wird keine Parteientschädigung gesprochen.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N (...)  (per Kurier; in Kopie)
- (zuständige kantonale Behörde) ad (...) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Daniel Schmid Stella Boleki

Versand: 

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