# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0750e5a2-ef94-5861-939b-8a731c9efd54
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-17
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 17.06.2021 SK 2020 141
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-141_2021-06-17.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 20 141

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 17. Juni 2021

Besetzung Oberrichterin Bratschi (Präsidentin), 
Oberrichter Schmid, 
Oberrichter Aebi
Gerichtsschreiberin Baillif

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Anschlussberufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Berufungsführerin 1

und

C.________
v.d. Rechtsanwältin D.________

Straf- und Zivilklägerin/Berufungsführerin 2

Gegenstand Schändung, sexuelle Belästigung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht) vom 22. Januar 2020 (PEN 19 494)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Bern-Mittelland (Kollegialgericht in Dreierbesetzung; nachfol-
gend Vorinstanz) erkannte mit Urteil vom 22. Januar 2020 (pag. 487 ff.) Folgendes: 

«I.

A.________ wird freigesprochen:

1. von der Anschuldigung der Schändung zum Nachteil von C.________, angeblich begangen am 
26.05.2018 in Bern,

2. von der Anschuldigung der sexuellen Belästigung zum Nachteil von E.________

unter Ausrichtung einer Entschädigung an A.________ von CHF 15‘819.65 für die angemessene 
Ausübung seiner Verfahrensrechte, einer Genugtuung an A.________ von CHF 2’500.00 für die be-
sonders schweren Verletzungen seiner persönlichen Verhältnisse und unter Auferlegung der anteils-
mässigen Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 16‘033.15 und Ausla-
gen von CHF 3‘430.85, insgesamt bestimmt auf CHF 19‘464.00, an den Kanton Bern (95% der ge-
samten Verfahrenskosten). 

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 1‘500.00, ausma-
chend auf die Freisprüche CHF 1‘425.00. Die reduzierten Verfahrenskosten betragen damit 
CHF 18‘039.00.

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

der sexuellen Belästigung zum Nachteil von C.________, begangen am 26.05.2018 in Bern

und in Anwendung der Art. 47, 51, 106, 198 StGB, Art. 426 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 500.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 5 Tage festgesetzt.

Die Polizeihaft von einem Tag wird im Umfang von CHF 100.00 auf die Busse angerechnet.

2. Zur Bezahlung einer Parteientschädigung von CHF 665.20 an die Privatklägerin C.________.

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3. Zu den auf den Schuldspruch entfallenden Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Ge-
bühren von CHF 843.85 und Auslagen von CHF 180.55, insgesamt bestimmt auf CHF 1‘024.40 
(5% der gesamten Verfahrenskosten).

Die Gebühren setzen sich zusammen aus:
Gebühren der Untersuchung CHF 268.85

(total CHF 5‘377.00, davon 95% zL Freisprüche resp.

5% zL Schuldspruch)

Gebühren des Gerichts CHF 525.00
(total CHF 10‘500.00, davon 95% zL Freisprüche resp.

5% zL Schuldspruch)

Gebühren Auftritt Staatsanwalt an HV CHF 50.00
(total CHF 1‘000.00, davon 95% zL Freisprüche resp.

5% zL Schuldspruch)

Total CHF 843.85

Die Auslagen setzen sich zusammen aus:
Auslagen der Staatsanwaltschaft CHF 180.55

(total CHF 3‘611.40, davon 95% zL Freisprüche resp.

5% zL Schuldspruch)

Total CHF 180.55

Wird keine schriftliche Begründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 1‘500.00, aus-
machend auf den Schuldspruch CHF 75.00. Die reduzierten Verfahrenskosten betragen damit 
CHF 949.40.

III.

Betreffend Zivilpunkt wird in Anwendung von Art. 41 OR sowie Art. 126 StPO erkannt:

1. Die Forderung der Privatklägerin C.________ wird abgewiesen.

2. Die Forderung der Privatklägerin E.________ wird abgewiesen.

3. Für die Beurteilung der beiden Zivilklagen werden keine Kosten ausgeschieden. 

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IV.

1. Die amtliche Entschädigung für die amtliche Verteidigung von A.________ durch Rechtsanwalt 
F.________ wird wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
Honorar 11.11 200.00 CHF 2’222.00

CHF 38.40
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 2’260.40 CHF 174.05
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 2’434.45

Auslagen MWST-pflichtig

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt F.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 2‘434.45. 

A.________ hat dem Kanton Bern die auf den Schuldspruch entfallende amtliche Entschädigung 
in Höhe von CHF 121.70 (5% der amtlichen Entschädigung) zurückzuzahlen, sobald es seine 
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

2. Rechtsanwalt F.________ wird aus dem amtlichen Mandat von A.________ entlassen. 

V.

Weiter wird beschlossen:

1. Folgende Gegenstände werden zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB):

- 1 Fixleintuch, 
- 1 Molton weiss,
- 1 Pijamahose, weiss mit grauen Streifen, 
- 1 Hose, dunkelblau, „Zebra“ Grösse XL, 
- 1 BH, blau, „H&M“ Grösse 75A,
- 1 Unterhose schwarz/weiss gemustert „Victoria Secret“,
- 1 Träger-Shirt blau/weiss gestreift „Basic“ Grösse XS.

2. Die Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. L.________) durch das zuständige Bundes-
amt braucht keine Zustimmung (Art. 16 Abs. 1 lit. c DNA-ProfilG). 

3. Die Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten durch den für die 
Führung von AFIS zuständigen Dienst braucht keine Zustimmung (Art. 17 Abs. 1 lit. c Verord-
nung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten).

[…]»

2. Berufungen, Anschlussberufung und teilweiser Berufungsrückzug

Gegen dieses Urteil meldete die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 23. Janu-
ar 2020 (pag. 494) innert Frist die Berufung an, wobei sie diese sogleich auf 
Ziff. I.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs (Freispruch von der Anschuldigung 
der Schändung z.N. der Straf- und Zivilklägerin und Berufungsführerin 2 
C.________ [nachfolgend Straf- und Zivilklägerin] beschränkte). Die Berufungser-
klärung der Generalstaatsanwaltschaft datiert vom 6. April 2020 und ging ebenfalls 

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innert Frist beim Obergericht des Kantons Bern ein (pag. 554 ff.). Darin wurde von 
der Berufungsanmeldung abweichend festgehalten, die Berufung beschränke sich 
auf die beiden Freisprüche (Ziff. I.1. und I.2. des erstinstanzlichen Urteilsdisposi-
tivs). Mit Eingabe vom 23. Februar 2021 schliesslich zog die Generalstaatsanwalt-
schaft ihre Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil teilweise – konkret soweit 
den Freispruch des Beschuldigten von der Anschuldigung der sexuellen Belästi-
gung z.N. der ehemaligen Straf- und Zivilklägerin E.________ (früher K.________ 
[vgl. pag. 658], Ziff. I.2. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) – wieder zurück 
(pag. 674 f.). 

Rechtsanwältin D.________ meldete mit Schreiben vom 3. Februar 2020 namens 
und auftrags der Straf- und Zivilklägerin ebenfalls fristgerecht Berufung gegen das 
erstinstanzliche Urteil an (pag. 496). Auch die Berufungserklärung der Straf- und 
Zivilklägerin ging am 15. April 2020 fristgerecht ein, sie datiert vom 14. April 2020 
(pag. 557 ff.).

Der Beschuldigte seinerseits liess mit Eingabe vom 3. Februar 2020 innert Frist Be-
rufung gegen das Urteil der Vorinstanz anmelden (pag. 498). Mit Beschluss vom 
20. April 2020 stellte die Kammer fest, dass seitens des Beschuldigten innert Frist 
keine Berufungserklärung eingegangen war, weshalb darauf nicht eingetreten wur-
de (pag. 561 ff.). Daraufhin erhob der Beschuldigte am 12. Mai 2020 innert der mit 
Beschluss vom 20. April 2020 angesetzten Frist Anschlussberufung in Bezug auf 
die Berufungen der Generalstaatsanwaltschaft und der Straf- und Zivilklägerin 
(pag. 571 ff.). 

Rechtsanwältin D.________ teilte mit Eingabe vom 27. April 2020 mit, dass seitens 
von E.________ keine Anschlussberufung erhoben werde (pag. 567). Mit Schrei-
ben vom 3. Juni 2020 gab sie zudem bekannt, dass die Straf- und Zivilklägerin und 
E.________ kein Nichteintreten auf die Anschlussberufung des Beschuldigten be-
antragen würden (pag. 604). Die Generalstaatsanwaltschaft ihrerseits beantragte 
am 1. Mai 2020 ebenfalls kein Nichteintreten auf die Berufung der Straf- und Zivil-
klägerin (pag. 569 f.) und mit Schreiben vom 18. Mai 2020 kein Nichteintreten auf 
die Anschlussberufung des Beschuldigten (pag. 602 f.).

3. Antrag auf Sicherheitsleistung

Mit Anschlussberufung vom 12. Mai 2020 stellte und begründete Rechtsanwalt 
B.________ namens und auftrags des Beschuldigten den Antrag, die Straf- und 
Zivilklägerin sei zu verpflichten, eine Sicherheit für Kosten und Entschädigungen 
des zweitinstanzlichen Verfahrens in gerichtlich zu bestimmender Höhe zu leisten 
(pag. 572 und pag. 575). 

Die Generalstaatsanwaltschaft und die Straf- und Zivilklägerin beantragten mit 
Stellungnahmen vom 12. Juni 2020 (pag. 621) bzw. vom 25. Juni 2020 (pag. 623) 
die Abweisung des Antrags auf Sicherheitsleistung. 

Die Verfahrensleitung wies den Antrag auf Sicherheitsleistung durch die Straf- und 
Zivilklägerin mit begründeter Verfügung vom 28. Juli 2020 ab (pag. 626 ff.). 

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4. Antrag auf Durchführung eines schriftlichen Verfahrens

Der Beschuldigte beantragte mit Anschlussberufung vom 12. Mai 2020 weiter, das 
Berufungsverfahren sei als schriftliches Verfahren durchzuführen und es sei dem 
Beschuldigten Gelegenheit zur schriftlichen Begründung seiner Anschlussberufung 
zu geben (pag. 572 und pag. 575 f.). 

Mit Stellungnahmen vom 12. Juni 2020 (pag. 620 ff.) bzw. 25. Juni 2020 
(pag. 623 f.) beantragten und begründeten die Generalstaatsanwaltschaft und die 
Straf- und Zivilklägerin die Abweisung des Prozessantrages auf Durchführung ei-
nes schriftlichen Verfahrens. 

Mit Verfügung vom 28. Juli 2020 wies die Verfahrensleitung den Antrag auf Durch-
führung eines schriftlichen Verfahrens ab, wobei sie zur Begründung auf die zutref-
fenden Ausführungen der Generalstaatsanwaltschaft sowie der Straf- und Zivilklä-
gerin in ihren Eingaben vom 12. Juni 2020 bzw. 25. Juni 2020 verwies 
(pag. 626 ff.).

5. Amtliche Verteidigung

Der Beschuldigte beantragte mit Anschlussberufung vom 12. Mai 2020, 
Rechtsanwalt B.________ sei als sein amtlicher Verteidiger einzusetzen (pag. 572 
und pag. 576 f.). Mit Verfügung vom 28. Juli 2020 wurde Rechtsanwalt B.________ 
gestützt auf Art. 130 Bst. d und Art. 133 Abs. 1 StPO mit Wirkung ab 12. Mai 2020 
als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten eingesetzt (pag. 627).

6. Anträge Opferschutz

Mit Berufungserklärung vom 14. April 2020 sowie Eingabe vom 27. April 2020 be-
antragte Rechtsanwältin D.________ namens und auftrags der Straf- und Zivilklä-
gerin und von E.________, es sei eine Konfrontation der Straf- und Zivilklägerin 
sowie von E.________ mit dem Beschuldigten anlässlich der oberinstanzlichen 
Verhandlung zu vermeiden. Die beiden Frauen seien ausserdem vorbehältlich ihrer 
eigenen Einvernahmen von der Anwesenheitspflicht an der oberinstanzlichen Ver-
handlung zu befreien, die Öffentlichkeit sei für die Dauer ihrer Einvernahmen von 
der Verhandlung auszuschliessen und es sei ihnen zuzugestehen, sich von einer 
Vertrauensperson begleiten zu lassen (pag. 559 und pag. 567). 

Die Generalstaatsanwaltschaft teilte am 1. Mai 2020 mit, dass ihrerseits keine Ein-
wände gegen diese Anträge vorgebracht würden (pag. 570). Der Beschuldigte gab 
mit Anschlussberufung vom 12. Mai 2020 bekannt, er widersetze sich den Anträ-
gen zum Opferschutz nicht, sofern die zur Wahrung seiner Rechte erforderlichen 
Massnahmen getroffen würden (pag. 580). 

Mit Verfügung vom 28. Juli 2020 hiess die Verfahrensleitung die Anträge der Straf- 
und Zivilklägerin und der Zeugin E.________ auf Konfrontationsvermeidung und 
Dispensation gut. Konkret hielt sie fest, die beiden Frauen würden von der persön-
lichen Teilnahme an der oberinstanzlichen Verhandlung – abgesehen von ihrer ei-
genen Einvernahme – dispensiert, es würden geeignete Vorkehrungen getroffen, 
damit sich der Beschuldigte und die Straf- und Zivilklägerin sowie die Zeugin an-
lässlich der oberinstanzlichen Verhandlung nicht begegneten und sich letztere 

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durch je eine Vertrauensperson begleiten lassen könnten. Abschliessend hielt die 
Verfahrensleitung fest, dass über den Antrag, die Öffentlichkeit sei während der 
Dauer der Einvernahmen der Straf- und Zivilklägerinnen auszuschliessen, im 
Hauptverhandlungstermin entschieden werde (pag. 627). In der oberinstanzlichen 
Verhandlung zog Rechtsanwältin D.________ angesichts der Anwesenden vorfra-
geweise den Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit zurück (pag. 715). 

7. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Mit Berufungserklärungen vom 6. April 2020 bzw. vom 14. April 2020 beantragten 
die Generalstaatsanwaltschaft und die Straf- und Zivilklägerin, die Whatsapp-
Nachricht auf pag. 84 respektive pag. 89 sei erneut übersetzen zu lassen 
(pag. 555). Die Verteidigung nahm mit Anschlussberufung vom 12. Mai 2020 
Stellung und teilte mit, ihrer Ansicht nach könne auf eine neuerliche Übersetzung 
der WhatsApp-Nachricht verzichtet werden. Für den Fall, dass der Beweisantrag 
der Generalstaatsanwaltschaft und der Straf- und Zivilklägerin gutgeheissen 
werden sollte, beantragte Rechtsanwalt B.________, dass nicht nur die spezifisch 
genannte WhatsApp-Nachricht (pag. 84 bzw. pag. 89) übersetzt werde, sondern 
sämtliche (ganz oder teilweise) auf Spanisch geschriebenen WhatsApp-
Nachrichten zwischen dem Beschuldigten und der Straf- und Zivilklägerin 
(pag. 580). Mit Auftrag vom 5. Juni 2020 liess die Verfahrensleitung die WhatsApp-
Nachrichten (pag. 82 - 85) in die deutsche Sprache übersetzen (pag. 608 ff.).

Mit Eingabe vom 12. August 2020 (pag. 651 f.) stellte und begründete 
Rechtsanwältin D.________ den Antrag, es sei der ergänzende Therapiebericht 
von Psychotherapeutin G.________ vom 23. April 2020 (pag. 653 f.) zu den Akten 
zu erkennen. Die Ergänzungen zum Therapiebericht von G.________ vom 
23. April 2020 wurden mit Verfügung vom 13. August 2020 antragsgemäss zu den 
Akten genommen (pag. 657). 

Mit Eingabe vom 9. März 2021 (pag. 680 f.) reichte Rechtsanwalt B.________ 
namens und auftrags des Beschuldigten eine Übersetzung der WhatsApp-
Nachrichten durch die H.________ (AG) (pag. 682 ff.) sowie einen Therapiebericht 
von I.________, eidg. anerkannter Psychotherapeut, datierend vom 
9. Februar 2021 (pag. 686 f.), ein. Die Dokumente wurden mit Verfügung vom 
10. März 2021 (pag. 689 f.) zu den Akten erkannt.

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurden ausserdem von Amtes 
wegen über den Beschuldigten ein Leumundsbericht inkl. Erhebungsformular 
wirtschaftliche Verhältnisse, datierend vom 10. Februar 2021 (pag. 664 ff.), sowie 
aktuelle Strafregisterauszüge, datierend vom 15. Februar 2021 (pag. 672) bzw. 
vom 7. Juni 2021 (pag. 712), eingeholt. 

Anlässlich der oberinstanzlichen Verhandlung beantragte Rechtsanwältin 
D.________, die E-Mails der J.________ (Krankenkasse) vom 14. April 2020 und 
vom 22. März 2021 (pag. 755 f.), seien zu den Akten zu erkennen (pag. 715). Die 
Verteidigung reichte zudem eine Ausbildungsvereinbarung den Beschuldigten be-
treffend (pag. 758 ff.) ein (pag. 716). Die Kammer erkannte die eingereichten Do-
kumente in der Folge mit Beschluss zu den Akten (pag. 716). Schliesslich wurden 
die ehemalige Straf- und Zivilklägerin und Zeugin E.________ (pag. 718 ff.) die 

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Straf- und Zivilklägerin (pag. 722 ff.), sowie der Beschuldigte (pag. 727 ff.) erneut 
einvernommen, wobei der Beschuldigte von seinem Aussageverweigerungsrecht 
Gebrauch und zur Sache keine Aussagen mehr machte. 

8. Verschiebung des oberinstanzlichen Verhandlungstermins

Infolge Erkrankung der Vorsitzenden musste die oberinstanzliche Verhandlung vom 
23. März 2021 auf den 15./17. Juni 2021 verschoben werden (pag. 704 ff.). 

9. Anträge der Parteien

Der stellvertretende Generalstaatsanwalt K.________ stellte und begründete in der 
oberinstanzlichen Verhandlung die folgenden Anträge (pag. 733): 
«
Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Kollegialgericht in Dreierbesetzung) vom 22. Januar 2020 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich 
des Freispruchs von der Anschuldigung der sexuellen Belästigung zum Nachteil von E.________ (Ziff. 
I.1. des genannten Urteils). 
A.________ sei schuldig zu sprechen: 

1. Der Schändung zum Nachteil von C.________, begangen am 26. Mai 2019 in Bern 

2. der sexuellen Belästigung zum Nachteil von C.________, begangen am 26. Mai 2019 in Bern

und er sei in Anwendung der einschlägigen Bestimmungen

zu verurteilen: 

1. zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, unter Gewährung des bedingten Vollzugs bei einer 
Probezeit von zwei Jahren sowie unter Anrechnung von einem Tag Polizeihaft; 

2. zu einer Busse von CHF 500.00 unter Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter 
Nichtbezahlung von 5 Tagen.

3. Es sei eine Landesverweisung von sieben Jahren auszusprechen. 

4. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine Gebühr von 
CHF 450.00 gemäss Art. 21 VKD) zu verurteilen.

III.

Es seien die üblichen Verfügungen zu treffen (Honorar amtliche Verteidigung etc.).»

Rechtsanwältin D.________ beantragte und begründete ihrerseits für die Straf- und 
Zivilklägerin Folgendes (pag. 739): 
«[…]

1. A.________ sei schuldig zu erklären wegen

- Schändung, begangen am 26.05.2018 in Bern, zum Nachteil von C.________; und 
- sexueller Belästigung, begangen am 26.05.2018 in Bern, zum Nachteil von C.________. 

2. A.________ sei gestützt auf diese Schuldsprüche in Anwendung der einschlägigen 
Gesetzesartikel zu einer angemessenen Strafe zu verurteilen; 

3. A.________ seien die Verfahrenskosten zur Bezahlung aufzuerlegen; 

9

4. A.________ sei zur Bezahlung von Schadenersatz von CHF 2'360.55 (CHF 1'510.55 aus Arzt- 
und Apothekerkosten und CHF 850.- aus Psychotherapierechnungen) zzgl. 5 % Zins seit dem 
26.05.2018 an die Privatklägerin C.________ zu verurteilen; 

5. A.________ sei zur Bezahlung einer Genugtuung von CHF 18'000.00 zzgl. 5 % Zins seit dem 
26.05.2018 an die Privatklägerin/Berufungsführerin C.________ zu verurteilen; 

6. A.________ sei zur Bezahlung der Parteikosten der Privatklägerin/Berufungsführerin 
C.________ zu verurteilen (erstinstanzlich 95 % der Honorarrechnung vom 20.01.2021, 
ausmachend CHF 12'638.85; zweitinstanzlich gemäss Honorarrechnung vom 15.06.2021); und 

7. Allfällige weitere Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.»

Rechtsanwalt B.________ schliesslich stellte und begründete für den Beschuldig-
ten folgende Anträge (pag. 744 f.): 

«[…]

1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland (Kollegialgericht) vom 
22. Januar 2020 in Rechtskraft erwachsen ist, soweit

- A.________ freigesprochen wurde von der Anschuldigung der sexuellen Belästigung zum 
Nachteil von E.________ (geb. K.________), angeblich begangen am 26. Mai 2018 in 
Bern (Ziff. I/2); 

- die Zivilforderung von E.________ (geb. K.________) abgewiesen wurde ohne Ausschei-
dung von Kosten (Ziff. III/2 und III/3);

- die amtliche Entschädigung für die amtliche Verteidigung von A.________ durch Rechts-
anwalt F.________ bestimmt wurde (Ziff. IV/1) und Rechtsanwalt F.________ aus dem 
amtlichen Mandat von A.________ entlassen wurde (Ziff. IV/2);

- weiter verfügt wurde, dass

- folgende Gegenstände zur Vernichtung eingezogen werden (Ziff. V/1):
- 1 Fixleintuch,
- 1 Molton weiss, 
- 1 Pijamahose, weiss mit grauen Streifen, 
- 1 Hose, dunkelblau, „Zebra" Grösse XL,
- 1 BH, blau, „H&M" Grösse 75A,
- 1 Unterhose schwarz/weiss gemustert „Victoria Secret",
- 1 Träger-Shirt blau/weiss gestreift „Basic" Grösse XS;

- die Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. L.________) durch das zuständige 
Bundesamt keine Zustimmung braucht (Ziff. V/2);

- die Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten durch den 
für die Führung von AFIS zuständigen Dienst keine Zustimmung braucht (Ziff. V/3).

2. A.________ sei freizusprechen vom Vorwurf der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB und 
der sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 StGB zum Nachteil von C.________, angeblich 
begangen am 26. Mai 2018 in Bern.

3. Die Zivilklage der Privatklägerin C.________ sei vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf ein-
zutreten ist. 

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4. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten seien vollumfänglich dem Kanton Bern aufzuerlegen. 

5. A.________ sei eine Entschädigung für die ihm im erstinstanzlichen Verfahren entstandenen 
Verteidigungskosten in der Höhe von CHF 22'855.75 (inkl. Auslagen und 7.7 % Mehr-
wertsteuer) auszurichten. 

6. Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien vollumfänglich dem Kanton Bern aufzuerlegen. 

7. A.________ sei für das oberinstanzliche Verfahren eine Entschädigung für die ihm entstandenen 
Verteidigungskosten und für die wirtschaftlichen Einbussen gemäss noch einzureichender Kos-
tennote zuzusprechen. 

8. A.________ sei für die besonders schweren Verletzungen seiner persönlichen Verhältnisse eine 
Genugtuung in der Höhe von CHF 5'000.00 zuzüglich 5 % Zins seit 28. Mai 2018 zuzusprechen. 

9. Allfällige weitere Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.»

10. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Berufung der Generalstaatsanwaltschaft beschränkt sich gemäss Berufungser-
klärung vom 6. April 2020 (pag. 555) und teilweisem Rückzug der Berufung vom 
23. Februar 2021 (pag. 674 f.) auf den erstinstanzlichen Freispruch von der An-
schuldigung der Schändung, angeblich begangen z.N. der Straf- und Zivilklägerin 
(Ziff. I.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), sowie die damit verbundenen 
Rechtsfolgen. Ebenso beschränkte die Straf- und Zivilklägerin ihre Berufung mit 
Berufungserklärung vom 14. April 2020 auf den Freispruch von der Anschuldigung 
der Schändung (Ziff. I.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs), die damit verbun-
denen Rechts- und Kostenfolgen sowie die Abweisung ihrer Zivilforderung 
(Ziff. III.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). 

Der Beschuldigte seinerseits beschränkte seine Anschlussberufung auf den 
Schuldspruch wegen sexueller Belästigung z.N. der Straf- und Zivilklägerin (Ziff. II. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs) und die damit verbundenen Kosten- und 
Entschädigungsfolgen, die Höhe der dem Beschuldigten zugesprochenen Parteien-
tschädigung und die Höhe der dem Beschuldigten zugesprochenen Genugtuung 
(beides Ziff. I. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs). 

Damit sind die Ziff. I.1. (Freispruch von der Anschuldigung der Schändung z.N. der 
Straf- und Zivilklägerin), I. (betreffend die Höhe der dem Beschuldigten auszurich-
tenden Entschädigung und Genugtuung), II. (Schuldspruch wegen sexueller Beläs-
tigung z.N. der Straf- und Zivilklägerin), II.1. (Verurteilung zu einer Übertretungs-
busse von CHF 500.00), II.2. (Verurteilung zur Bezahlung einer Parteientschädi-
gung von CHF 665.20 an die Straf- und Zivilklägerin), II.3. (Verurteilung zu den auf 
den Schuldspruch entfallenden erstinstanzlichen Verfahrenskosten), III.1. (Abwei-
sung der Zivilforderung der Straf- und Zivilklägerin) durch die Kammer neu zu beur-
teilen. Ebenso die nicht der Rechtskraft zugängliche Ziff. I. (soweit die Auferlegung 
der anteilsmässigen erstinstanzlichen Verfahrenskosten an den Kanton Bern be-
treffend), IV.1. (Entschädigung der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten), V.2. 
(Verfügung betreffend das DNA-Profil) und V.3. (Verfügung betreffend die biometri-
schen erkennungsdienstlichen Daten). 

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Demgegenüber sind die Ziff. I.2. (Freispruch von der Anschuldigung der sexuellen 
Belästigung z.N.v. E.________), III.2. (Abweisung der Zivilforderung von 
E.________), III.3. (Verzicht auf Ausscheidung von Verfahrenskosten für die erstin-
stanzliche Beurteilung der beiden Zivilklagen), IV.2. (Entlassung von Rechtsanwalt 
F.________ aus dem Mandat der amtlichen Verteidigung und soweit die Höhe des 
Honorars betreffend, nicht aber in Bezug auf die Rück- und Nachzahlungspflicht) 
und V.1. (Einziehung von diversen beschlagnahmten Gegenständen zur Vernich-
tung) in Rechtskraft erwachsen, mithin nicht mehr Gegenstand des vorliegenden 
Berufungsverfahrens. 

Die Kammer verfügt über volle Kognition (Art. 398 Abs. 3 StPO). Zufolge ei-
genständiger Berufungen der Generalstaatsanwaltschaft und der Straf- und Zivil-
klägerin darf das erstinstanzliche Urteil in Bezug auf den Freispruch von der An-
schuldigung der Schändung, den Sanktionenpunkt, die Landesverweisung sowie 
betreffend den Zivilpunkt auch zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden 
(Art. 391 Abs. 2 StPO e contrario). Betreffend die Ziff. II. (Schuldspruch wegen se-
xueller Belästigung z.N. der Straf- und Zivilklägerin und Verurteilung zu einer Über-
tretungsbusse in der Höhe von CHF 500.00) gilt hingegen das Verschlechterungs-
verbot (Art. 391 Abs. 2 StPO).

11. Anklagegrundsatz

Betreffend die theoretischen Grundlagen des Anklagegrundsatzes kann auf die zu-
treffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (vgl. pag. 506, S. 7 
erstinstanzliche Urteilsbegründung): 

«Der Anklagegrundsatz ergibt sich aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 und 3 
lit. a und b EMRK. Er ist zudem in Art. 9 Abs. 1 StPO verankert. Nach Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO be-
zeichnet die Anklageschrift möglichst kurz, aber genau, die der beschuldigten Person vorgeworfenen 
Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Damit die Anklage-
schrift ihre doppelte Funktion der Umgrenzung und Information wahrnehmen kann, hat sie die der be-
schuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass 
die Vorwürfe genügend konkretisiert sind (Urteil BGer 6B_646/2012 E. 1.2 m.w.H.). An die Anklage-
schrift dürfen jedoch keine überspitzt formalistische [recte: formalistischen] Anforderungen gestellt 
werden (Urteil BGer 6B_606/2012 E. 1.3 m.w.H., wiederholt in Urteil BGer 6B_45/2013 E. 2.2).

In Bezug auf den subjektiven Tatbestand reicht es grundsätzlich aus, wenn die Anklageschrift er-
wähnt, der Täter habe die Tat vorsätzlich oder mit Wissen und Willen oder eventualvorsätzlich verübt 
(Urteil BGer 6B_760/2017 E. 1.5). Ist der betreffende Tatbestand nur mit Vorsatz erfüllbar, genügt 
nach der Rechtsprechung, dass vorweg oder im Anschluss an die Darstellung des Einzelfalls auf den 
gesetzlichen Straftatbestand hingewiesen wird (Urteil BGer 6B_448/2011 E. 4.4.1 m.w.H.). Auch die 
Schilderung des objektiven Tatgeschehens reicht aus, wenn sich daraus die Umstände ergeben, aus 
denen auf einen vorhandenen Vorsatz geschlossen werden kann. Anders verhält es sich dann, wenn 
dem Beschuldigten Eventualvorsatz vorgeworfen wird und sich in Bezug auf die Wissens- und Wil-
lenselemente diffizile Fragen in sachverhaltsmässiger Hinsicht stellen (Urteil BGer 6B_638/2019 
E. 1.4.2 m.w.H.).»

Die Verteidigung rügt auch oberinstanzlich sinngemäss eine Verletzung des Ankla-
gegrundsatz. Konkret brachte Rechtsanwalt B.________ im Rahmen seines obe-
rinstanzlichen Parteivortrages zusammengefasst vor, dem Beschuldigten vorzuwer-

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fen, er habe in Kauf genommen, dass die Straf- und Zivilklägerin widerstandsun-
fähig sei, lasse sich nicht ohne begründete Zweifel begründen. Deshalb sei seitens 
der Verteidigung schon vorinstanzlich eine Verletzung des Akusationsprinzips 
gerügt worden. In der Anklageschrift stehe nicht, gestützt worauf auf Eventualvor-
satz geschlossen werden müsste. Welche Umstände das genau sein sollten, habe 
auch die Vorinstanz nicht ausgeführt in der Urteilsbegründung. Selbst wenn man 
eine Widerstandsunfähigkeit annehmen würde, so habe der Beschuldigte das sub-
jektiv anders wahrgenommen. Er habe gesagt, sie habe sich bewegt, schneller ge-
atmet; also sei alles genau so gewesen, wie man sich verhalte, wenn man jeman-
den neben dran nicht wecken wolle. Auch Müdigkeit und Hunger seien gar nie 
Thema gewesen, keine der Frauen habe dies je geltend gemacht und auch in der 
Anklageschrift stehe nichts davon. Die Anklageschrift verletze das Anklageprinzip 
und gestützt darauf sei ein Schuldspruch nicht möglich (vgl. pag. 746).

Die Kammer schliesst sich auch betreffend die Subsumtion den entsprechenden 
korrekten Ausführungen der Vorinstanz (pag. 506, S. 7 erstinstanzliche Urteilsbe-
gründung) an. Bei den zu beurteilenden Vorwürfen – Schändung und sexuelle 
Belästigung – handelt es sich um Vorsatzdelikte, in Bezug auf welche zu prüfen ist, 
ob sie der Beschuldigte gemäss der Anklageschrift direkt, evtl. eventualvorsätzlich 
verwirklicht hat. In der Anklageschrift werden die Umstände, aufgrund derer auf 
Vorsatz bzw. Eventualvorsatz zu schliessen ist, sowohl hinsichtlich der Wissens-, 
als auch der Willensseite aufgezählt (vgl. dazu II.12. Vorwürfe gemäss Anklage-
schrift hiernach). Ergänzend bzw. konkretisierend hält die Kammer fest, dass rein 
aufgrund der unbestrittenen, übereinstimmenden Zeitangaben sämtlicher Beteilig-
ten und der ebenfalls unbestrittenen Tatsache, dass die beiden Frauen nach einem 
langen und anstrengenden Arbeitstag die Nacht durchgemacht und eine beachtli-
che Menge Alkohol konsumiert hatten, offensichtlich ist, dass sie, als sie sich in 
den frühen Morgenstunden des 26. Mai 2018, konkret gegen 05.00 Uhr, für einige 
wenige Stunden Schlafen legten, in einem Zustand grosser Müdigkeit befanden. 
Dem Beschuldigten muss zudem aufgrund des in der Anklageschrift sehr detailliert 
und klar umschriebenen Lebenssachverhaltes ohne Zweifel klar gewesen sein, was 
genau ihm vorgeworfen wird und er konnte sich entsprechend bestens verteidigen. 
Dass die Anklageschrift den Grad der Alkoholisierung als «stark» beschreibt, mag 
schliesslich zwar unschön sein, schadet vor diesem Hintergrund aber nicht bzw. 
vermag für sich keine Verletzung des Anklagegrundsatzes zu begründen. Dies zu-
mal es sich bei der Wortpaarung «stark alkoholisiert» letztlich um eine auslegungs-
bedürftige, mitunter auch von der jeweiligen körperlichen Konstitution und Gewöh-
nung der betroffenen Person abhängige Begrifflichkeit handelt. Dem Anklage-
grundsatz ist somit vorliegend Genüge getan. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

12. Vorwürfe gemäss Anklageschrift

12.1 Vorwurf der Schändung z.N. der Straf- und Zivilklägerin

Dem Beschuldigten wird mit Ziff. I.1. der Anklageschrift vom 12. Juni 2019 
(pag. 347 ff.) vorgeworfen, er habe sich der Schändung, begangen am 

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26. Mai 2018 in Bern, z.N. der Straf- und Zivilklägerin schuldig gemacht, indem er 
die alkoholisierte und schlafende Straf- und Zivilklägerin im Zeitraum von 05.00 Uhr 
bis 08.00 Uhr an der M.________ (Adresse) in Bern vaginal penetriert habe, dabei 
habe er gewusst bzw. in Kauf genommen, dass sie geschlafen habe. 

Die Straf- und Zivilklägerin sei in der Nacht von Freitag auf Samstag mit 
E.________ und N.________ in Bern im Ausgang gewesen. Zwischen ca. 22.30 
Uhr und ca. 00.00 Uhr seien sie im O.________ (Restaurant) gewesen, wo die 
Straf- und Zivilklägerin zwei Bier, E.________ ein grosses Bier und ein Panaché 
getrunken hätten. Anschliessend seien sie ins P.________ (Restaurant) gegangen, 
wo E.________ und die Straf- und Zivilklägerin je zwei Cuba libre getrunken hätten. 
Um ca. 01.00 Uhr sei der Beschuldigte dazu gestossen und habe ein grosses Bier 
getrunken. Um ca. 02.00 Uhr hätten sie sich auf den Weg ins Personalhaus an der 
M.________ (Adresse) gemacht. Im Zimmer 02/02 (dem Zimmer der Freundin von 
N.________) hätten die Straf- und Zivilklägerin zwei bis drei Cuba libre, 
E.________ einen Cuba libre und der Beschuldigte zwei bis drei Cuba libre, zwei 
Bier und einen Schnaps getrunken. Um ca. 04.50 Uhr hätten die Straf- und Zivilklä-
gerinnen ins Zimmer 03/02, dem Zimmer von E.________, schlafen gehen wollen. 
Der Beschuldigte habe nicht im Zimmer 02/02 bleiben können, weshalb auch er im 
Zimmer 03/02 habe übernachten wollen, dies obwohl er ganz in der Nähe gewohnt 
habe. Die Straf- und Zivilklägerin und E.________ hätten ihm dies erlaubt, unter 
der Voraussetzung, dass er auf dem Boden schlafe. E.________ habe ihm dafür 
eine Matte auf dem Pult bereit gelegt. Als die Frauen eingeschlafen gewesen sei-
en, habe sich der Beschuldigte zu ihnen ins Bett gelegt. 

Der Beschuldigte habe der Straf- und Zivilklägerin Hose, Unterhose und Socken 
ausgezogen. Daraufhin habe er seine Hose ausgezogen und die Straf- und Zivil-
klägerin auf den Rücken gedreht. Er habe sich auf sie gelegt und sie vaginal pene-
triert. Da sie nichts gesagt habe, stark alkoholisiert gewesen sei und sich nicht be-
wegt habe, habe er gewusst, evtl. habe er in Kauf genommen, dass sie geschlafen 
habe und dadurch wehrlos gewesen sei. Zur Befriedigung seines Lustempfindens 
habe er den Beischlaf dennoch vollzogen (pag. 347 f.). 

12.2 Vorwurf der sexuellen Belästigung z.N. der Straf- und Zivilklägerin

Weiter wird dem Beschuldigten mit Ziff. I.1. der Anklageschrift vom 12. Juni 2019 
zum Vorwurf gemacht, er habe sich der sexuellen Belästigung, begangen am 
26. Mai 2018 um ca. 08.00 Uhr an der M.________ (Adresse) in 3013 Bern schul-
dig gemacht, indem er die Straf- und Zivilklägerin an der Hüfte berührt und sie auf 
Wange und Mund geküsst habe, obwohl sie ihm gesagt habe, dass sie das nicht 
wolle. Der Beschuldigte sei zu diesem Zeitpunkt nackt gewesen (pag. 348). 

13. Sachverhalt

13.1 Unbestrittener Sachverhalt

Das Rahmengeschehen ist grossmehrheitlich unbestritten. So insbesondere, dass 
sich die Straf- und Zivilklägerin und E.________ sowie der Beschuldigte von ihrer 
gemeinsamen Arbeit in der Küche des Q.________ (Hotel) kannten. Alle drei sind 
sich einig, dass sie ein gutes, kollegiales Arbeitsverhältnis zueinander gehabt ha-

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ben, wobei einerseits die Straf- und Zivilklägerin und E.________ eine etwas enge-
re Freundschaft verband, und andererseits auch die Straf- und Zivilklägerin und der 
Beschuldigte – welche sich insbesondere aufgrund ihrer lateinamerikanischen Her-
kunft miteinander verbunden fühlten – einen etwas engeren freundschaftlichen Be-
zug zueinander gehabt zu haben scheinen, gingen sie in der Vergangenheit doch 
auch bereits zusammen Salsa tanzen und nannten sich gegenseitig «Schätzeli». 
Demgegenüber bestand das Verhältnis von E.________ und dem Beschuldigten in 
der Vergangenheit offenbar aus einer rein kollegialen Zusammenarbeit. 

Betreffend den Ablauf des 26. Mai 2018 ist unbestritten, dass die Straf- und Zivil-
klägerin und E.________ nach einem langen Arbeitstag zusammen mit ihrem Vor-
gesetzten N.________ zunächst ins O.________ (Restaurant) gingen, wo sie sich 
zwischen ca. 22.30 Uhr und 00.00 Uhr aufhielten und wo die Straf- und Zivilklägerin 
und N.________ je zwei Bier tranken, E.________ ihrerseits ein Bier und ein Pa-
naché. Anschliessend gingen die drei weiter ins P.________ (Restaurant), wo ge-
gen 01.00 Uhr der Beschuldigte, welcher an diesem Abend Spätdienst gehabt hat-
te, hinzustiess. Im P.________ (Restaurant) konsumierten die Straf- und Zivilkläge-
rin und E.________ je zwei Cuba libre, der Beschuldigte trank ein Bier. Um ca. 
02.00 Uhr machte sich die Gruppe auf den Weg ins Personalhaus an der 
M.________ (Adresse), wobei der Beschuldigte sich mit dem Fahrrad dorthin be-
gab, während die drei anderen sich ein Taxi teilten. Im Zimmer 02/02, dem Zimmer 
der Freundin von N.________, trank die Straf- und Zivilklägerin zwei bis drei Cuba 
libre, E.________ einen Cuba libre und der Beschuldigte zwei bis drei Cuba libre, 
zwei Bier und einen Schnaps. Im Verlauf des Abends zeigte E.________ dem Be-
schuldigten ihr Zimmer 03/02. Bei dieser Gelegenheit zog sie sich im Badezimmer 
um. Als sie oben nur noch mit einem BH bekleidet war, kam der Beschuldigte ins 
Badezimmer und sagte etwas in der Art wie «So habe ich dich ja noch nie gese-
hen». Um ca. 04.50 Uhr beschloss die Gruppe Schlafen zu gehen. N.________ 
wollte nicht, dass der Beschuldigte bei ihm im Zimmer 02/02 übernachtet. Dieser 
machte keine Anstalten nach Hause zu gehen, obwohl er in der Nähe wohnte und 
das Velo bereits mit zum Personalhaus genommen hatte. Er begleitete die beiden 
Frauen in der Folge nach oben ins Zimmer von E.________. Seit der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung bestreitet der Beschuldigte auch nicht mehr, dass zumin-
dest Thema war, dass er auf einem Mätteli am Boden schlafen sollte, dass er das 
Mätteli sah und er wenigstens kurzzeitig auch darauf lag. 

Was das eigentliche Kerngeschehen anbelangt, so wird vom Beschuldigten nicht 
bestritten, dass er sich in der Folge zu den beiden Frauen ins Bett legte. Konkret 
habe er sich auf der linken Seite, neben der Straf- und Zivilklägerin ins Bett gelegt. 
Er ist weiter geständig, in der Nacht mit der Straf- und Zivilkläge-
rin Geschlechtsverkehr gehabt und anschliessend zwischen den beiden Frauen ge-
legen zu haben und dort eingeschlafen zu sein. Auch ist er geständig, in der Nacht 
gemerkt zu haben, wie E.________ aufstand sei und auf die andere Bettseite, die 
linke Bettseite, neben die Straf- und Zivilklägerin gewechselt habe. Schliesslich ist 
unbestritten, dass der Beschuldigte den beiden Frauen am nächsten Tag mehrere 
WhatsApp-Nachrichten schrieb und auch versuchte, sie telefonisch zu kontaktie-
ren. 

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Betreffend den Vorwurf der sexuellen Belästigung z.N. der Straf- und Zivilklägerin 
ist der Beschuldigte geständig, die Straf- und Zivilklägerin nach Ertönten von deren 
Wecker an der Schulter und am Arm berührt zu haben; er macht geltend, er habe 
sie so wecken wollen. 

13.2 Bestrittener Sachverhalt

Der Beschuldigte stellt zunächst in Abrede, dass die beiden Frauen ihm gesagt hät-
ten, er müsse auf einem Mätteli am Boden schlafen. Er macht geltend, die Straf- 
und Zivilklägerin habe ihm explizit erlaubt, sich zu ihnen ins Bett zu legen; zeitwei-
se machte er sogar geltend, die Frauen hätten ihn regelrecht dazu aufgefordert. 
Auch seien die beiden Frauen noch wach gewesen, als er sich zu ihnen ins Bett 
gelegt habe. Weiter stellt sich der Beschuldigte auf den Standpunkt, dass der Ge-
schlechtsverkehr zwischen ihm und der Straf- und Zivilklägerin einvernehmlich ge-
wesen und die Straf- und Zivilklägerin währenddessen wach gewesen sei und aktiv 
mitgemacht habe bzw. dass es überhaupt erst auf Initiative der Straf- und Zivilklä-
gerin hin zum Geschlechtsverkehr gekommen sei, sie ihn mit ihren Bewegungen 
und Handlungen geradezu provoziert habe.

Was den Inhalt der am nächsten Tag an die beiden Frauen versandten WhatsApp-
Nachrichten anbelangt, so macht der Beschuldigte geltend, er habe wissen wollen, 
wie es den beiden gehe, weil sie viel getrunken und wenig geschlafen hätten. Er 
bestreitet, dass er mit den Nachrichten, wonach «nichts passiert sei», habe aus-
drücken wollen, dass es nicht zum Geschlechtsverkehr zwischen ihm und der 
Straf- und Zivilklägerin gekommen sei. Er habe damit vielmehr ausgedrückt, dass 
das Geschehene nicht von Bedeutung sei. Schliesslich bestreitet der Beschuldigte 
auch, in die Straf- und Zivilklägerin verliebt zu sein bzw. gewesen zu sein. 

Was den Vorwurf der sexuellen Belästigung z.N. der Straf- und Zivilklägerin anbe-
langt, so bestreitet der Beschuldigte, versucht zu haben, die Straf- und Zivilklägerin 
in der Aufwachphase zu umarmen und zu küssen. Er will sie auch nicht an der Hüf-
te berührt haben. Er macht in diesem Zusammenhang ausserdem geltend, die 
Straf- und Zivilklägerin habe ihn in dieser Phase am Penis berührt. Unklar ist in 
diesem Zusammenhang weiter, ob der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt (noch) 
nackt war. 

14. Beweiswürdigung

14.1 Allgemeine Grundlagen der Beweiswürdigung

Betreffend die allgemeinen Grundlagen der Beweiswürdigung kann integral auf die 
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. pag. 509 ff., 
S. 10 ff. erstinstanzliche Urteilsbegründung). 

14.2 Beweismittel

Der Kammer liegen die folgenden Beweismittel zur Würdigung vor: der Anzeige-
rapport vom 8. August 2018 (pag. 6 ff.), der Rapport des kriminaltechnischen 
Dienstes der Kantons Polizei Bern (nachfolgend KTD) vom 3. Juli 2018 
(pag. 19 ff.), die beiden vom 4. Juni 2018 datierenden rechtsmedizinischen Gutach-
ten zur körperlichen und gynäkologischen Untersuchung des Instituts für Rechts-

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medizin der Universität Bern (nachfolgend IRM) betreffend E.________ (pag. 37 ff.) 
sowie betreffend die Straf- und Zivilklägerin (pag. 42 ff.), das IRM-Gutachten betref-
fend den Beschuldigten vom 4. Juni 2018 (pag. 47 ff.), die Aussagen von 
E.________ (delegierte Einvernahme vom 27. Mai 2018 [pag. 52 ff.], staatsanwalt-
schaftliche Einvernahme vom 24. Oktober 2018 [pag. 62 ff.], erstinstanzliche 
Hauptverhandlung [pag. 420 ff.] sowie oberinstanzliche Verhandlung [pag. 718 ff.]), 
die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin (delegierte Einvernahme vom 
28. Mai 2018 [pag. 76 ff.], staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 24. Okto-
ber 2018 [pag. 90 ff.], erstinstanzliche Hauptverhandlung [pag. 428 ff.], oberin-
stanzliche Verhandlung [pag. 722 ff.]), die Aussagen von N.________ (delegierte 
Einvernahme vom 26. Juni 2018 [pag. 102 ff.]), die Aussagen des Beschuldigten 
(delegierte Einvernahme vom 28. Mai 2018 [pag. 109 ff.], staatsanwaltschaftliche 
Einvernahme vom 24. Oktober 2018 [pag. 121 ff.], erstinstanzliche Hauptverhand-
lung [pag. 436 ff.] und oberinstanzliche Verhandlung [pag. 727 ff.] sowie seine 
schriftliche Stellungnahme, welche er seinem Verteidiger am 5. Juni 2018 per E-
Mail schickte [pag. 73 ff. bzw. pag. 118 ff.]) und schliesslich der Nachrichtenverlauf 
zwischen den drei Beteiligten (pag. 59 ff. und pag. 82 ff.) mit den diversen Überset-
zungen aus dem Spanischen, was die Nachrichten an die Straf- und Zivilklägerin 
anbelangt (pag. 87 ff., pag. 612 ff., pag. 682 ff.). 

Generell kann auf die zusammenfassenden Ausführungen der Vorinstanz sowohl 
zu den objektiven (pag. 511 ff., S. 12 ff. erstinstanzliche Urteilsbegründung) wie 
auch die subjektiven Beweismittel (pag. 515 ff. S. 16 ff. erstinstanzliche Urteilsbe-
gründung) verwiesen werden. Es wird darauf verzichtet, den Inhalt der Beweismittel 
– insbesondere der Einvernahmen der Beteiligten – darüber hinausgehend zu-
sammengefasst wiederzugeben. Abweichungen respektive Präzisierungen zu den 
erstinstanzlichen Ausführungen erfolgen, sofern von Relevanz, im Zusammenhang 
mit der konkreten Würdigung in Bezug auf die noch verbleibenden zwei Sachver-
haltskomplexe hiernach.

14.3 Gesamtheitliche Würdigung betreffend den Vorwurf der Schändung

14.3.1 Aussagen E.________

In Übereinstimmung mit der Vorinstanz geht auch die Kammer davon aus, dass die 
Aussagen von E.________ in Bezug auf die Geschehnisse in der Nacht vom 
25. auf den 26. Mai 2018 sehr glaubhaft sind. Sie schilderte den Ablauf des Abends 
des 25. Mai 2018 vom Zeitpunkt des Arbeitsschlusses über die verschiedenen Sta-
tionen des gemeinsamen Ausgangs und anschliessenden Aufenthalts im Personal-
haus sowie insbesondere ihre Wahrnehmungen und Beobachtungen in der Nacht, 
bis hin zu den Vorkommnissen am nächsten Morgen in ihrem Zimmer von sich aus 
und in freier Rede. Dabei waren ihre Aussagen inhaltlich stets gleichbleibend, de-
tailliert, in sich stimmig und ohne wesentliche Widersprüche (vgl. pag. 53 Z. 42 ff., 
pag. 63 Z. 41 ff., pag. 718 Z. 38 ff.). Von Bedeutung sind für die Beweiswürdigung 
insbesondere folgende Punkte in ihren Aussagen:

E.________ beschreib stets gleichbleibend die Situation des Zubettgehens und die 
damit verbundene Diskussion, wo der Beschuldigte schlafen sollte. Dabei gab sie 
wiederholt das signifikante Detail zu Protokoll, dass N.________ nicht gewollt ha-

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be, dass der Beschuldigte bei ihm im Zimmer schlafe, der Beschuldigte aber auch 
im Personalhaus habe schlafen wollen (pag. 54 Z. 83, pag. 64 Z. 62 f., pag. 719 
Z. 10 f.). Sie habe ihm dann ein Campingmätteli in ihrem Zimmer auf dem Boden 
angeboten (pag. 54 Z. 84 f., pag. 64 Z. 64 ff., pag. 719 Z. 12 f.). Der Beschuldigte 
habe gefragt, ob er nicht auch im Bett schlafen könne, was sie, E.________, und 
die Straf- und Zivilklägerin aber abgelehnt hätten (pag. 54 Z. 85 ff., pag. 64 
Z. 66 ff., pag. 70 Z. 290 f., Z. 293 ff. und Z. 316 ff., pag. 422 Z. 11 ff., Z. 28 ff., 
pag. 719 Z. 14 f.). Weiter schilderte sie stets konstant, dass sie selber und die 
Straf- und Zivilklägerin unter einer Decke und sehr nahe beieinandergelegen hätten 
und schnell eingeschlafen seien (pag. 54 Z. 95 ff., pag. 64 Z. 70 f., pag. 70 Z. 299, 
pag. 422 Z. 35, pag. 719 Z. 16 ff.). Ebenfalls erwähnte sie, dass der Beschuldigte 
zu diesem Zeitpunkt gesagt habe, er trage keine Unterwäsche bzw. habe keine 
solche dabei (pag. 54 Z. 93), was im Übrigen mit dessen eigener Aussage überein-
stimmt (vgl. pag. 119, pag. 126 Z. 165 f.). 

Das eigentliche Kerngeschehen betreffend schilderte E.________ in eindrücklicher 
und auf sehr glaubhafte Weise verschiedene Sequenzen, welche sie in der Nacht, 
welche sie als unruhig wahrgenommen habe, mitbekommen habe und an welche 
sie sich zu erinnern vermöge (pag. 54 Z. 101 ff., pag. 64 Z. 71, pag. 422 Z. 18 f., 
pag. 423 Z. 45 ff., pag. 719 Z. 20 ff.). Konkret gab sie an, gesehen zu haben bzw. 
sich daran erinnern zu können, wie der Beschuldigte nackt zum Fenster gegangen 
sei, wie er zwischen ihnen gelegen habe, wie die Straf- und Zivilklägerin auf dem 
Rücken und der Beschuldigte so halb auf dem Bauch gelegen hätten und der Be-
schuldigte den Arm über die Straf- und Zivilklägerin gelegt habe oder wie sie, 
E.________, die Bettseite gewechselt habe, weil es ihr zu eng geworden sei und 
dass sie beim Anheben der Decke gesehen habe, dass die Straf- und Zivilklägerin 
untenrum nackt gewesen sei, die Pyjamahose, Unterhose und Socken neben dem 
Bett gelegen hätten und sie, E.________, der schlafenden Straf- und Zivilklägerin 
die Unterhose wieder angezogen habe (pag. 54 Z. 104 ff., pag. 64 Z. 71 ff., pag. 66 
Z. 149 - pag. 68 Z. 242, pag. 422 Z. 23 ff., pag. 423 Z. 9 ff., pag. 719 Z. 21 - 27, 
Z. 31). Dabei verknüpfte sie das Erlebte mit ihren Gefühlsempfindungen in diesem 
Moment und gab an, sich angesichts des Beobachteten hilflos und verwirrt gefühlt 
zu haben (pag. 55 Z. 131 ff.), was die Glaubhaftigkeit ihrer stets gleichbleibenden, 
in sich stimmigen Aussagen zusätzlich bekräftigt. 

Ebenfalls für die Glaubhaftigkeit der Angaben der Zeugin spricht, dass in ihren 
Schilderungen besondere Details enthalten sind, wie der Umstand, dass es im 
Zimmer nicht stockdunkel gewesen sei, sondern von draussen bzw. einer Stras-
senlaterne ein wenig Licht hinein geschienen habe, weil die Fensterläden nicht 
ganz dicht seien (pag. 68 Z. 237 ff.), und dass sie das Blut auf dem Laken in der 
Nacht nicht gesehen, sondern es erst am Morgen bemerkt und das Laken ansch-
liessend ausgewaschen habe, wobei sie gewusst habe, dass es Blutflecken gewe-
sen seien, weil die Straf- und Zivilklägerin ihre Mens gehabt habe (pag. 55 
Z. 121 ff.; pag. 64 Z. 83 ff., pag. 69 Z. 244 f., vgl. auch pag. 719 Z. 40 f.).

Sodann finden sich in den Aussagen der Zeugin E.________ auch Schilderungen 
von Interaktionen, was ein weiteres Realitätskriterium darstellt. So beschrieb sie 
stets gleichbleibende das morgendliche Gespräch zwischen ihr und der Straf- und 

18

Zivilklägerin, wonach Letztere die Frage, ob sie noch alles wisse, was passiert sei, 
zunächst bejaht habe, dann aber, als E.________ ihr von ihren Beobachtungen 
und Eindrücken erzählt habe, in Tränen ausgebrochen sei (pag. 55 Z. 126 f. und 
Z. 136 ff.; pag. 64 Z. 88 ff.). Dabei erwähnte sie insbesondere auch, dass sie, 
E.________, der Straf- und Zivilklägerin erzählt habe, dass sie ihr die Unterhose 
wieder angezogen habe, worauf diese geantwortet habe, dass sie dies nicht mitbe-
kommen habe (pag. 55 Z. 136 ff., pag. 64 Z. 89 ff., pag. 423 Z. 37 ff.). Der Gene-
ralstaatsanwaltschaft ist insofern beizupflichten, als dass dies bereits offensichtlich 
Beweis dafür ist, dass sich die übermüdete und unter Alkoholeinfluss stehende 
Straf- und Zivilklägerin in einem Zustand befand, in dem sie nicht leicht zu wecken 
war (vgl. pag. 736). Dieser Umstand erklärt deshalb auch, weshalb sie nicht wach 
geworden war, als der Beschuldigte ihr vorgängig die Unterhose ausgezogen hatte 
und er spricht sehr stark dafür, dass sie auch vom vorangehenden Geschlechts-
verkehr mit dem Beschuldigten nichts mitbekommen hatte, weil sie tief und fest 
schlief. 

Weiter deklarierte E.________ immer transparent, wenn sie Informationen nur vom 
Hörensagen – so insbesondere von der Straf- und Zivilklägerin – hatte, ohne selber 
dabei gewesen zu sein (vgl. beispielhaft pag. 56 Z. 181 f.). Und schliesslich fällt 
auf, dass ihre Aussagen frei sind von übermässigen Belastungen des Beschuldig-
ten (vgl. dazu auch die zutreffenden Ausführungen des. stv. Generalstaatsanwaltes 
[pag. 734] sowie diejenigen von Rechtsanwältin D.________ [pag. 740] in der obe-
rinstanzlichen Verhandlung). Hätte sie den Beschuldigten in Bezug auf die vorlie-
gend zu beurteilenden Vorwürfe und insbesondere auch den mit ihr in Zusammen-
hang stehenden Vorwurf der sexuellen Belästigung zu Unrecht belasten wollen, so 
wäre es ein Leichtes gewesen, ihr gestellte Fragen – beispielsweise ob der Be-
schuldigte sie auch geküsst habe – einfach mit «Ja» zu beantworten (vgl. pag. 57 
Z. 220 f.) oder auf Frage, wo der Beschuldigte sie berührt habe, etwas zu erfinden, 
statt einfach ehrlich zu Protokoll zu geben, sie wisse es nicht mehr (vgl. dazu 
pag. 56 Z. 217 f., pag. 422 Z. 37 ff.). Im Gegenteil wollte die Zeugin den Beschul-
digten nicht einmal auf ganz konkrete Frage des Staatsanwaltes hin explizit eines 
sexuellen Übergriffs bezichtigen, sondern brach sogleich in Tränen aus und erklär-
te erneut nachvollziehbar und in eindrücklicher Weise, weshalb sie den Verdacht 
hatte, dass der Beschuldigte sich in der Nacht auf den 26. Mai 2018 etwas zu 
Schulden hatte kommen lassen (vgl. pag. 65 Z. 104 ff., Z. 110 ff., Z. 116, Z. 118 ff. 
und Z. 124 f.). Auch in dieser Situation hätte sie die Fragen des Staatsanwaltes 
wohl schlicht und einfach mit «Ja» beantwortet, hätte sie den Beschuldigten fälsch-
licherweise eines sexuellen Übergriffs bezichtigen wollen. Dasselbe gilt in Bezug 
auf die später in derselben Einvernahme gestellte Frage, ob sie die Version des 
Beschuldigten [Anm.: Gemeint ist einvernehmlicher Geschlechtsverkehr] aussch-
liessen könne, was die Zeugin mit «Nein» beantwortete (pag. 71 Z. 331 f.; vgl. auch 
ihre Aussage in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, wonach sie dem Beschul-
digten nichts anhängen wolle, was nicht gewesen sei [pag. 426 Z. 18 f.]). Der Ge-
neralstaatsanwaltschaft ist beizupflichten, dass daraus nichts zugunsten des Be-
schuldigten abgeleitet werden kann bzw. dies entgegen der Auffassung der Vertei-
digung (vgl. pag. 750) eben gerade für die Gewissenhaftigkeit der Zeugin und da-

19

mit für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spricht (vgl. die Replik des stv. General-
staatsanwalt K.________ in der oberinstanzlichen Verhandlung, pag. 751). 

Rechtsanwalt B.________ warf in der oberinstanzlichen Verhandlung sodann die 
Frage auf, weshalb die Frauen nicht reagiert, sondern es vielmehr toleriert hätten, 
als sie festgestellt hätten, dass der Beschuldigte mit ihnen im Bett gelegen sei (vgl. 
pag. 748). In den Augen der Kammer kann aus diesem Umstand jedenfalls keine 
mangelnde Glaubhaftigkeit der Schilderungen von E.________ betreffend ihre Be-
obachtungen in der Nacht abgeleitet werden. Vielmehr ist nachvollziehbar, dass 
sich die ebenfalls unter Alkoholeinfluss stehende und vor allem sehr müde 
E.________, nachdem sie im Halbschlaf gemerkt hatte, dass der Beschuldigte zwi-
schen ihnen im Bett lag, erhob, auf die andere Seite des Betts ging und sich dort 
neben der Straf- und Zivilklägerin wieder ins Bett legte – offenbar schien zu diesem 
Zeitpunkt vom schlafenden Beschuldigten keine Gefahr auszugehen. Die Kammer 
konnte sich denn auch in der oberinstanzlichen Verhandlung davon überzeugen, 
dass sich E.________ deswegen – auch heute noch – stark ein Gewissen macht 
und sich vorwirft, die Straf- und Zivilklägerin zu diesem Zeitpunkt nicht geweckt zu 
haben. So sagte sie bereits in der allerersten polizeilichen Einvernahme vom 
27. Mai 2018 gleich zu Beginn auf Frage hin, wie es ihr gehe, dass es ihr nicht gut 
gehe, dass sie sich Sorgen und Gedanken mache, dass sie vielleicht etwas anders 
hätte machen müssen und dass sie aufgrund der Bilder, die sie gesehen habe, hät-
te reagieren sollen (vgl. dazu pag. 53 Z. 31 ff.; vgl. auch pag. 426 Z. 28 ff., Z. 32 
sowie pag. 719 Z. 29, wonach E.________ bei der Erzählung, wie sie gemerkt ha-
be, dass die Straf- und Zivilklägerin nackt sei und dass sie diese wieder angezogen 
habe, zu weinen begann). Sie erklärte mehrfach stets gleichbleibend und inhaltlich 
plausibel, dass sie sich in dieser Situation noch überlegt habe, die Straf- und Zivil-
klägerin zu wecken, sich auch nicht erklären könne, weshalb sie das nicht getan 
habe, sich dann aber jedenfalls dazu entschieden habe, sich neben die Straf- und 
Zivilklägerin zu legen und noch einmal ein bisschen zu schlafen (pag. 54 Z. 114 f., 
pag. 68 Z. 230 f., Z. 233 ff., pag. 423 Z. 14 ff., pag. 719 Z. 31 ff.). Ein solches Ver-
halten im Halbschlaf ist in den Augen der Kammer ohne Weiteres nachvollziehbar. 
Es bedeutet einzig, dass die Zeugin E.________ die mögliche Bedeutung des Um-
standes, dass die Straf- und Zivilklägerin untenrum nackt und der Beschuldigte mit 
bzw. zwischen ihnen im Bett lag, in diesem Moment in ihrem übernächtigten und 
wohl nach wie vor auch restalkoholisierten Zustand nicht vollständig zu erfassen 
vermochte. Dass sie dies unumwunden zugab und entsprechend schilderte, wirkt 
sich keineswegs negativ auf die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen aus – im Gegenteil.

Insgesamt sind die Aussagen der Zeugin E.________ somit sehr glaubhaft und es 
ist beweiswürdigend darauf abzustellen. 

14.3.2 Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Die Straf- und Zivilklägerin konnte zum eigentlichen Kerngeschehen – dem Ge-
schlechtsakt an und für sich sowie dem Verhalten des Beschuldigten unmittelbar 
davor und danach – keine Aussagen machen. Ihre Aussagen beziehen sich einzig 
auf die Zeit und die Geschehnisse davor und danach. Dies liegt offensichtlich in der 
Natur der Sache begründet, konnte sie doch deshalb keine Aussagen machen, weil 
sie schlief und von den angeklagten sexuellen Handlungen des Beschuldigten 

20

nichts mitbekam. Ihre Aussagen betreffend das Rahmengeschehen stimmen so-
dann mit den Aussagen von E.________ und denjenigen des Beschuldigten übe-
rein. Insbesondere schilderte auch die Straf- und Zivilklägerin die Geschehnisse 
des Abends vom Arbeitsschluss bis zum Zeitpunkt, als sie selber, E.________ und 
der Beschuldigte sich ins Zimmer von E.________ zum Schlafen zurückzogen, in 
freier Rede, in sich stimmig und frei von Widersprüchen (vgl. pag. 77 Z. 42 ff., pag. 
91 Z. 44 ff.; bestätigt auch noch in der oberinstanzlichen Verhandlung, vgl. pag. 
722 Z. 39 ff.). 

Den Moment vor dem Zubettgehen betreffend schilderte auch die Straf- und Zivil-
klägerin glaubhaft und mit E.________ übereinstimmend, dass N.________ nicht 
gewollt habe, dass der Beschuldigte bei ihm übernachte, E.________ diesem des-
halb angeboten habe, bei ihnen im Zimmer auf einem Campingmätteli zu schlafen 
und der Beschuldigte lieber bei ihnen im Bett habe schlafen wollen, was sie jedoch 
abgelehnt hätten (pag. 77 Z. 59 ff., pag. 92 Z. 55 ff., pag. 96 Z. 219 ff., pag. 430 
Z. 6 ff., Z. 20 f., Z. 27 f., pag. 723 Z. 3 ff.). Mit den Aussagen von E.________ 
übereinstimmend gab sie zudem stets gleichbleibend zu Protokoll, dass 
E.________ ihr, der Straf- und Zivilklägerin, noch Pyjamahosen und Socken gege-
ben habe, welche sie beim Einschlafen noch angehabt habe (pag. 77 Z. 62 f.; 
pag. 92 Z. 59 f. und Z. 67 f.; pag. 95 Z. 192 ff.; pag. 430 Z. 5 f.) und dass der Be-
schuldigte seinerseits rote Sporthosen getragen habe (pag. 77 Z. 64 f.). Sie kann 
sich auch noch daran erinnern, dass sie und E.________ im Bett gelegen hätten 
und der Beschuldigte neben dem Bett gestanden habe, danach sei sie eingeschla-
fen (pag. 77 Z. 63 f. und Z. 66 f.; pag. 92 Z. 61). 

Als sehr authentisch erachtet die Kammer mit der Generalstaatsanwaltschaft (vgl. 
pag. 734) sodann ihre Aussage, wonach sie viele Gedanken habe und trotzdem 
nicht wisse, was passiert sei (pag. 77 Z. 36 f.; dabei blieb sie auch in den folgen-
den Befragungen, vgl. pag. 92 Z. 63; pag. 431 Z. 4 ff., Z. 44 ff.; bestätigt insbeson-
dere auch in der oberinstanzlichen Verhandlung, vgl. pag. 723 Z. 8 f., Z. 17 ff.). 
Auch ihre Antwort auf die Frage, ob sie sich erinnern könne, dass in der Nacht et-
was vorgefallen sei, scheint ehrlich; sie gab an, sie könne sich an überhaupt nichts 
erinnern, vielleicht, dass es unruhig, eng und unangenehm gewesen sei, aber das 
habe sie glaublich im Schlaf mitbekommen, wach sei sie nie gewesen (pag. 78 
Z. 90 ff.). Von besonderer Relevanz in Bezug auf das Kerngeschehen ist sodann 
ihre plausible Aussage, dass sie ausschliessen könne, sich die Unterhosen selber 
ausgezogen zu haben, da sie keinen Grund dafür gehabt habe und da sie ja ihre 
Tage gehabt habe (pag. 96 Z. 206 ff. und Z. 210 f.). Dies wird im Übrigen bestätigt 
durch folgende Aussage von E.________ (pag. 65 Z. 118 ff.): «Welche Frau zieht 
sich die Unterhose aus, wenn man die Tage hat? Das macht keine! Auch nicht, 
wenn man getrunken hat. Das alles zusammen geschlossen mit seinen Nachrich-
ten ist komisch». Genauso überzeugend ist im Übrigen die Aussage der Straf- und 
Zivilklägerin, wonach sie keinen Geschlechtsverkehr habe, wenn sie ihre Tage ha-
be (pag. 97 Z. 254 f.). Schliesslich gab die Straf- und Zivilklägerin mit E.________ 
übereinstimmend zu Protokoll, dass Letztere sie am Morgen danach gefragt habe, 
ob sie sich noch an alles erinnern könne und ihr daraufhin erzählt habe, was sie 
beobachtet habe. Daraufhin sei sie, die Straf- und Zivilklägerin, zusammengebro-

21

chen (vgl. pag. 78 Z. 73 ff., pag. 79 Z. 120 f., pag. 92 Z. 70 ff., vgl. auch pag. 432 
Z. 13 f., pag. 723 Z. 15 ff.). 

Was sodann das Verhältnis der Straf- und Zivilklägerin zum Beschuldigten anbe-
langt, so ist ihre Aussage bezeichnend, wonach der Beschuldigte in sie verliebt 
gewesen sei und ihr gesagt habe, wenn er nicht verheiratet wäre, würde er es bei 
ihr probieren (pag. 94 Z. 143 ff.). Sie selber habe nie darauf reagiert (pag. 94 
Z. 149 f.), sie habe den Beschuldigten nie attraktiv gefunden oder etwas für ihn 
empfunden (pag. 97 Z. 243, pag. 432 Z. 11 f.). Überdies sei sie zu diesem Zeit-
punkt sehr verliebt in ihren damaligen Freund gewesen, was der Beschuldigte ge-
wusst habe. Ausserdem gehe sie sehr sorgfältig um mit ihrer Sexualität (pag. 94 
Z. 140 f., Z. 149 f., pag. 96 Z. 240 f., pag. 432 Z. 10 ff.). Der Generalstaatsanwalt-
schaft ist insofern beizupflichten, als dass es vor diesem Hintergrund schlicht kei-
nen Sinn macht, dass die Straf- und Zivilklägerin den Beschuldigten, wie dieser 
behauptet, regelrecht zum Geschlechtsverkehr provoziert haben soll (vgl. 
pag. 735). Warum sollte sie ausgerechnet an diesem Tag mit dem Beschuldigten 
einvernehmlichen Sex gehabt haben, während ihre Freundin nota bene neben dran 
im selben Bett schlief, sie ihre Periode hatte und obwohl sie nicht einmal am Be-
schuldigten interessiert war bzw. ihn nicht attraktiv fand? Die Kammer schliesst 
sich denn auch den oberinstanzlichen Ausführungen des stv. Generalstaatsanwal-
tes (vgl. pag. 735) insofern an, als dass die Straf- und Zivilklägerin ihre Unterhose 
anschliessend mit Sicherheit wieder angezogen hätte, wenn es tatsächlich zu ein-
vernehmlichem Geschlechtsverkehr in wachem Zustand gekommen wäre – sie 
blieb jedoch nachweislich nackt im Intimbereich, bis E.________ ihr die Unterhose 
schliesslich wieder anzog (vgl. auch die zutreffenden Ausführungen von Rechts-
anwältin D.________ in der oberinstanzlichen Verhandlung, pag. 742). Im Übrigen 
bestätigte auch die Zeugin E.________, gewusst zu haben, dass der Beschuldigte 
die Straf- und Zivilklägerin gut fand (vgl. pag. 53 Z. 35 f.). Sie gab zu Protokoll, die 
Straf- und Zivilklägerin habe ihr einmal erzählt, der Beschuldigte habe ihr gesagt, 
dass er sie liebe «und wenn er nicht verheiratet wäre, dann…» (pag. 56 Z. 180 ff.). 
Sie bestätigte auch, dass die Straf- und Zivilklägerin gesagt habe, kein Interesse 
am Beschuldigten zu haben (pag. 56 Z. 181 f.) und dass diese zu diesem Zeitpunkt 
einen festen Freund gehabt habe (pag. 71 Z. 328 f., pag. 423 Z. 46 f.). 

Zusammenfassend hält die Kammer fest, dass im Rahmen der Beweiswürdigung 
auch auf die sehr glaubhaften Aussagen der Straf- und Zivilklägerin, welche sich in 
sämtlichen wesentlichen Punkten mit denjenigen der Zeugin E.________ decken, 
abzustellen ist. Insbesondere erachtet es die Kammer gestützt darauf als beweis-
mässig erstellt, dass sie keinen Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten woll-
ten, während dem Vollzug des Geschlechtsverkehrs schlief bzw. davon nichts mit-
bekam und den Beschuldigten in keinerlei Hinsicht sexuell provozierte. 

14.3.3 Aussagen N.________

Vorab hält die Kammer fest, dass den Aussagen des Zeugen N.________ in Bezug 
auf die beiden noch bestrittenen Sachverhalte insofern kein grosser Beweiswert zu 
kommen, als er keine Angaben zum konkreten Tatgeschehen im Zimmer von 
E.________ in der Nacht und am nächsten Morgen machen konnte. Er ist diesbe-
züglich nur Zeuge vom Hörensagen, weil ihm die beiden Frauen am nächsten Tag 

22

von den Vorkommnissen erzählten (pag. 105 Z. 128 ff.). Seine diesbezüglichen 
Aussagen stützen jedoch diejenigen der Straf- und Zivilklägerin und diejenigen von 
E.________ bzw. stimmen inhaltlich mit diesen überein. So machte N.________ 
insbesondere Angaben zum Alkoholkonsum der drei Beteiligten (pag. 104 Z. 60 ff., 
Z. 72 ff., Z. 81 ff.) sowie zu deren Zustand (pag. 104 Z. 103 ff., pag. 105 Z. 107 ff.) 
und bestätigte, dass er nicht gewollt habe, dass der Beschuldigte bei ihm im Zim-
mer schlafe (pag. 106 Z. 160 f.), woraufhin die Frauen diesem erlaubt hätten, bei 
ihnen im Zimmer auf dem Fussboden zu schlafen (pag. 106 Z. 162 f.). 

14.3.4 Aussagen des Beschuldigten

Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz sind die Aussagen des Beschuldigten 
nach Auffassung der Kammer in vielerlei Hinsicht nicht glaubhaft. Zur Entste-
hungsgeschichte seiner Aussagen ist zunächst Folgendes festzuhalten: Der Be-
schuldigte machte in seiner ersten Einvernahme vom 28. Mai 2018 bei der Polizei 
(pag. 109 ff.) ab 12.06 Uhr, nachdem er sich vorher eine Viertelstunde mit seinem 
Anwalt unterhalten hatte (pag. 110), nur sehr wenige Angaben zum Verlauf des 
Abends bzw. der Nacht vom 25. Mai 2018 auf den 26. Mai 2018. Er äusserte sich 
dabei von Anfang an defensiv und gab gleich als erstes zu Protokoll, er müsse viel-
leicht noch mit ihr [Anm.: Gemeint ist die Straf- und Zivilklägerin] sprechen bzw. sie 
fragen, «ob sie sicher sei, dass sie dies tun wolle» (pag. 111 Z. 31 ff.). Er betonte 
mehrfach, dass er Angst habe, etwas zu sagen (pag. 111 Z. 49, Z. 66 f.), er nicht 
wisse, was er sagen solle (pag. 111 Z. 70) und es ihm leid tue (pag. 111 Z. 70 f). 
Auf Vorhalt, dass die beiden Frauen gegenüber der Polizei angegeben hätten, von 
ihm missbraucht worden zu sein, stellte er dies in Abrede (pag. 111 Z. 73 ff.: «[…] 
Ich würde nie so etwas tun.»), konnte aber keine plausible Erklärung dafür nennen, 
weshalb die Frauen ihn deswegen zu Unrecht belasten sollten (pag. 111 Z. 79 f.). 
Auffallend ist auch, dass er bereit war, den groben Ablauf des Abends zu schildern 
bzw. die Aussagen der beiden Frauen zu bestätigen bis zu dem Zeitpunkt, als sich 
die Gruppe in die Unterkunft von E.________ begab (vgl. pag. 112 Z. 107 ff.), den 
weiteren Verlauf des Abends betreffend er dann aber plötzlich keine Aussagen 
mehr machen wollte (pag. 112 Z. 117: «Ich will nichts mehr dazu sagen.»; Z. 121: 
«Eigentlich möchte ich die Frage aber nicht beantworten.»; Z. 127: «Ich möchte 
nichts dazu sagen.»; pag. 113 Z. 133: «Ich will nichts sagen.»; vgl. auch pag. 113 
Z. 142 f., Z. 148, Z. 160, Z. 165, Z. 172 f.). In der Folge gab er dann auf Vorhalt, 
wonach E.________ festgestellt habe, dass die Straf- und Zivilklägerin keine Pyja-
mahose, keine Unterhose und keine Socken mehr getragen habe, explizit zu Pro-
tokoll, er habe nichts gemacht (pag. 113 Z. 150 ff.). Gleichzeitig wollte er aber un-
mittelbar darauf angeblich nicht wissen, was passiert sei (pag. 113 Z. 154). An die-
ser Stelle hält die Kammer deshalb fest, dass entgegen den Ausführungen von 
Rechtsanwalt B.________ im Rahmen seines oberinstanzlichen Parteivortrages 
(vgl. pag. 746) nicht zutrifft, dass sich der Beschuldigte in der ersten polizeilichen 
Einvernahme auf eine Aussageverweigerung beschränkte. Vielmehr bestritt er die 
Vorwürfe – wie aus den hiervor erwähnten Aussagen hervorgeht – mehrfach expli-
zit. Auf Fragen nach sexuellen Kontakten mit den beiden Frauen bzw. entspre-
chende konkrete Vorhalte reagierte er sodann oft mit Gegenfragen (vgl. beispielhaft 
pag. 113 Z. 162 ff., pag. 113 Z. 179 ff. sowie die zutreffenden Ausführungen des 
stv. Generalstaatsanwaltes in der oberinstanzlichen Verhandlung, pag. 734). Auf 

23

die Frage nach seinem Gesundheitszustand gab der Beschuldigte schliesslich zu 
Protokoll, dass er im Moment viel Stress habe, seine Ehe kompliziert sei, weil er 
sich verändert habe, er viel getrunken und viel Geld ausgegeben habe und deswe-
gen in psychiatrischer Behandlung sei (pag. 114 Z. 183 ff.). Weiter gab er an, den 
letzten Geschlechtsverkehr mit seiner Ehefrau in der letzten Woche gehabt zu ha-
ben (pag 114 Z. 192 ff.). Er wollte auch auf Vorhalt, dass er den beiden Frauen am 
26. Mai 2018 mehrere WhatsApp-Nachrichten geschickt habe, nichts dazu sagen 
(pag. 114 Z. 212). Absolut bezeichnend ist schliesslich seine Antwort auf die Frage 
am Schluss, ob er noch Fragen oder Bemerkungen habe (pag. 115 Z. 240 f.): «Ich 
möchte wissen, was sie eigentlich genau wollen. Ich möchte das Problem lösen». 
Es drängt sich die Frage auf, welches Problem der Beschuldigte denn lösen wollte, 
wenn doch gemäss seinen Angaben gar nichts passiert war.

Zu seinen Aussagen in der ersten polizeilichen Einvernahme vom 28. Mai 2018 ist 
sodann festzuhalten, dass der Beschuldigte entgegen den Vorbringen von Rechts-
anwalt B.________ in der oberinstanzlichen Verhandlung (vgl. pag. 746 f.) keines-
wegs völlig überraschend mit den Vorwürfen der beiden Frauen konfrontiert wurde. 
Vielmehr war er zuvor bereits bei der Arbeit durch N.________ über die Vorwürfe 
unterrichtet bzw. damit konfrontiert worden. Im Übrigen stellt sich bereits in diesem 
Zusammenhang die Frage, weshalb der Beschuldigte den angeblich einvernehmli-
chen Geschlechtsverkehr mit der Straf- und Zivilklägerin N.________ gegenüber 
nicht unverzüglich erwähnte bzw. als Rechtfertigung bzw. zur Entkräftigung der 
Vorhaltungen vorbrachte (vgl. dazu auch die zutreffenden Ausführungen von 
Rechtsanwältin D.________ in der oberinstanzlichen Verhandlung, pag. 741). Im-
merhin handelte es sich bei N.________ um einen Vorgesetzten, mit welchem alle 
drei Beteiligten offenbar ein lockeres, kollegiales Verhältnis zu haben schienen und 
welcher sich mit dem Beschuldigten und den beiden Frauen die Nacht um die Oh-
ren geschlagen hatte. Vor diesem Hintergrund wäre eine Offenlegung durch den 
Beschuldigten in dieser Situation – wäre es in der Nacht zuvor tatsächlich zu ein-
vernehmlichem Geschlechtsverkehr gekommen – in den Augen der Kammer sehr 
wahrscheinlich gewesen. Dass der Beschuldigte nicht in dieser Weise reagierte 
stellt ein weiteres eindeutiges Indiz dafür dar, dass er den Geschlechtsverkehr 
eben gerade nicht mit dem Einverständnis der Straf- und Zivilklägerin vollzog. 

Erst in seiner undatierten schriftlichen Stellungnahme (pag. 118 ff.) – diese umfasst 
drei A4 Seiten à je 46 Zeilen –, welche der Beschuldigte anscheinend zusammen 
mit seiner Ehefrau verfasste (vgl. pag. 123 Z. 79 ff.) und am 5. Juni 2108 an seinen 
damaligen Verteidiger, Rechtsanwalt F.________, mailte (pag. 117), sowie in den 
darauffolgenden Einvernahmen bei der Staatsanwaltschaft (pag. 121 ff.) und vor 
der Vorinstanz (pag. 436 ff.) wurden die Schilderungen des Beschuldigten dann 
ausführlicher. Insbesondere wollte er fortan einvernehmlichen Geschlechtsverkehr 
mit der Straf- und Zivilklägerin gehabt haben (vgl. insbes. pag. 119 unten - pag. 
120 oben). Entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen trifft es aber gerade nicht 
zu, dass die Aussagen des Beschuldigten dabei teilweise fast wortwörtlich überein-
stimmen, vielmehr finden sich darin eklatante Widersprüche (vgl. beispielhaft 
pag. 119 und pag. 124 Z. 122 ff., wonach die Frauen von einem Mätteli gesprochen 
hätten, sie ihm jedoch kein solches gegeben, sondern vielmehr in der Mitte [sic!] 
des Bettes für ihn Platz gelassen hätten und im expliziten Widerspruch dazu dann 

24

seine Angaben in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung [pag. 438 Z. 14 f.], wo-
nach er auf einem Mätteli am Boden gewesen sei.). Ausserdem spricht das Aussa-
geverhalten des Beschuldigten insofern Bände, als dass er dies ja, wie bereits er-
wähnt, ganz einfach von Anfang an hätte sagen können, wenn der Geschlechts-
verkehr mit der Straf- und Zivilklägerin tatsächlich einvernehmlich gewesen wäre 
(vgl. dazu die korrekten Ausführungen des stv. Generalstaatsanwaltes in der obe-
rinstanzlichen Verhandlung, pag. 734). Auch wollte er fortan von Eheprobleme 
nichts mehr wissen (vgl. pag. 122 Z. 39 ff.), gab in der erstinstanzlichen Hauptver-
handlung auf Vorhalt der Aussagen der Straf- und Zivilklägerin, wonach er in diese 
verliebt gewesen sei, zu Protokoll, verheiratet und nur in seine Frau verliebt zu sein 
und sonst an niemandem Interesse zu haben (pag. 436 Z. 41 ff.). 

Die Entstehungsgeschichte der Aussagen des Beschuldigten betreffend hält die 
Kammer somit in einem ersten Zwischenfazit fest, dass zwar zutrifft, dass sich der 
Beschuldigte nicht selber belasten muss und es sein Recht ist, seine Aussage zu 
verweigern. Vorliegend erfolgte die anfängliche partielle Aussageverweigerung 
aber äusserst selektiv und der Beschuldigte begann dann doch bereits mit Stel-
lungnahme vom 5. Juni 2018, gezielt Angaben zum Kerngeschehen zu machen. 
Wenn er dadurch entstehende Widersprüche nicht auflösen konnte, so ist dies ent-
gegen der Auffassung der Verteidigung (vgl. pag. 746) sehr wohl zu seinen Lasten 
verwertbar. So eben konkret auch der Umstand, dass er zuerst von nichts wissen 
bzw. nichts gemacht haben (vgl. die hiernach zitierten WhatsApp-Nachrichten und 
die hiervor zitierten Angaben des Beschuldigten in der ersten polizeilichen Befra-
gung vom 28. Mai 2018), sich dann aber lediglich eine Woche später en detail [sic!] 
daran erinnern können wollte, dass und wie es zwischen ihm und der Straf- und Zi-
vilklägerin zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gekommen sei (vgl. die 
schriftliche Stellungnahme vom 5. Juni 2018). Dem stv. Generalstaatsanwalt 
K.________ ist zuzustimmen, wenn dieser in der oberinstanzlichen Verhandlung 
ausführte, das Aussageverhalten des Beschuldigten lasse den Verdacht aufkom-
men, dass er in der ersten Einvernahme schlicht noch gehofft habe, dass sich die 
Frauen gar nicht bzw. an zu wenig erinnerten und er einfach bestreiten könne. 
Nachdem er Akteneinsicht gehabt hatte, wusste der Beschuldigte dann aber, dass 
vom Bettlaken Spuren genommen worden waren, die Frauen demzufolge also zu-
mindest einen Verdacht hegten was den Geschlechtsverkehr anbelangt; dies 
bestätigt auch die Eingabe des damaligen Verteidigers des Beschuldigten an die 
Staatsanwaltschaft vom 6. Juni 2018 (pag. 312). Es liegt auf der Hand, dass dem 
Beschuldigten in diesem Zeitpunkt bewusst wurde, dass er mit blossem Bestreiten 
nicht mehr aus der Geschichte rauskommen würde und er darum, angepasst an 
die bisherigen Aussagen der beiden Frauen, ein Gedankenprotokoll mit gewissen 
Eingeständnissen verfasste. Mit anderen Worten ist für die Kammer der Grund 
dafür, weshalb der Beschuldigte in seiner schriftlichen Stellungnahme «von sich 
aus» den angeblich einvernehmlichen Geschlechtsverkehr zwischen ihm und der 
Straf- und Zivilklägerin einräumte, ohne Weiteres erkennbar. Entgegen der vorin-
stanzlichen Auffassung besteht diesbezüglich kein Raum für unterschiedliche In-
terpretationen; ganz offensichtlich war dem Beschuldigten nach Bekanntwerden 
der an die beiden Frauen versandten WhatsApp-Nachrichten klar, dass er eine Er-
klärung dafür liefern musste. So ganz ohne Not gestand er den angeblich einver-

25

nehmlichen Geschlechtsverkehr mit der Straf- und Zivilklägerin entgegen den Vor-
bringen der Verteidigung in der oberinstanzlichen Verhandlung (vgl. pag. 747) mit-
hin nicht ein.

Die auf Deutsch verfassten Nachrichten, welche der Beschuldigte an E.________ 
schickte, sprechen sodann für sich (pag. 59 ff.); so insbesondere die Worte des 
Beschuldigten – «Aber i weiss das nix passiert isch»; «Isch nix passiert!!» –, nach-
dem E.________ den Beschuldigten darauf ansprach, dass «[…] C.________ di 
nacht ufts mau kei piyamahose und unterhose meh het ane ka […]». Dies zumal 
der Beschuldigte ja dann in seinem Schreiben rund 14 Tage später zugab, dass 
eben doch «etwas passiert war», nämlich Geschlechtsverkehr mit der Straf- und 
Zivilklägerin. Dazu passt auch, dass er bereits am 26. Mai 2018 in den Nachrichten 
an E.________ schrieb «Vo ganzem härz sege ig euch entschuldigung. […]»; wäre 
zwischen ihm und den Frauen nichts vorgefallen, was gegen deren Willen gesche-
hen wäre, hätte er sich auch kaum zu entschuldigen brauchen (vgl. dazu auch die 
Ausführungen des stv. Generalstaatsanwaltes K.________ in der oberinstanzlichen 
Verhandlung, pag. 736). Seine Entschuldigung ist vielmehr Ausdruck dafür, dass er 
zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch hoffte, die beiden Frauen damit besänfti-
gen und davon abhalten zu können, polizeilich weiter gegen ihn vorzugehen – dazu 
passend auch seine Mitteilung, wonach es ihm «mega nid guet» gehe (pag. 60), 
und die Versicherung, dass er keine Probleme wolle und er die beiden Frauen gern 
habe (pag. 61). 

Viel Interpretationsspielraum lassen sodann auch die auf Spanisch verfassten und 
mehrfach übersetzten WhatsApp-Nachrichten an die Straf- und Zivilklägerin 
(pag. 82 ff.) – Übersetzungsvarianten hin oder her (vgl. pag. 87 ff., pag. 612 ff. und 
pag. 682 ff.) – nicht zu. Vielmehr sind diese in den Augen der Kammer eindeutig 
und nur in eine Richtung interpretierbar. Vor dem Hintergrund, dass unterdessen 
unbestritten ist, dass zwischen der Straf- und Zivilklägerin und dem Beschuldigten 
doch etwas passiert ist, es nämlich zu Geschlechtsverkehr kam, stellt sich wieder-
um die Frage, warum der Beschuldigte mehrfach schreiben bzw. der Straf- und Zi-
vilklägerin versichern sollte, dass nichts passiert sei, wenn nicht, weil er davon 
ausging, dass sie das Geschehene nicht mitbekommen hatte. Bezeichnend ist 
diesbezüglich, dass er selber explizit schreibt, dass die Straf- und Zivilklägerin ge-
schlafen hat und sie sicher erwacht wäre, wenn etwas passiert wäre (pag. 89). Die 
entsprechenden Passagen finden sich im Übrigen in sämtlichen Übersetzungen 
(vgl. pag. 87 ff., pag. 612 ff., pag. 682 ff.). 

Weiter sind die Aussagen des Beschuldigten das Kerngeschehen betreffend auch 
nicht etwa wie von Vorinstanz festgehalten detailliert, sondern vielmehr oberfläch-
lich, blass, karg und stereotypisch (vgl. dazu auch die Ausführungen von Rechts-
anwältin D.________ in ihrem oberinstanzlichen Parteivortrag, pag. 741). In seiner 
Stellungnahme vom 5. Juni 2018 beschreibt der Beschuldigte das Kerngeschehen 
auf gerade mal 17 Zeilen, während das gesamte Dokument rund 135 Zeilen um-
fasst. Mit anderen Worten scheinen seine Ausführungen in diesem Schreiben auf 
den ersten Blick zwar sehr ausführlich, auf den zweiten Blick sind sie aber sehr 
zielgerichtet und der Detailreichtum betrifft einzig das Rahmengeschehen; bis ins 
kleinste Detail, teilweise gar ausschweifend, beschreibt der Beschuldigte, wie der 

26

Abend nach Dienstschluss ablief, was im P.________ (Restaurant) vorgefallen ist 
und wie anschliessend im Keller des Personalhauses Bier geholt wurde. Dabei fin-
den sich in seinen Schilderungen insbesondere auch Interaktionen mit dem Zeugen 
N.________; so gab beispielsweise auch der Beschuldigte mit den anderen Betei-
ligten übereinstimmend an, dass N.________ nicht mit einem «Büntu» im gleichen 
Bett habe schlafen wollen. Die Detailliertheit des Beschriebenen sowie die geschil-
derten Interaktionen sprechen für die Glaubhaftigkeit der Schilderungen des Be-
schuldigten das Rahmengeschehen betreffend. Demgegenüber weisen seine Aus-
führungen zum eigentlichen Kerngeschehen, insbesondere in Bezug auf das Ver-
halten der Straf- und Zivilklägerin während des angeblich einvernehmlichen Ge-
schlechtsverkehrs, sehr wenige Details auf. So schilderte er in Bezug auf das Vor-
spiel keinerlei Austausch von Zärtlichkeiten oder Küssen und auch sonst keine In-
teraktionen mit der Straf- und Zivilklägerin. Er konnte den Geschlechtsakt betref-
fend auch keine Details nennen, wie beispielsweise welches Bein der Straf- und Zi-
vilklägerin denn an ihm gerieben oder welche seiner beiden Hände er dann auf das 
Bein der Straf- und Zivilklägerin gelegt habe. Unerwähnt bleibt auch, wie genau der 
Beschuldigte festgestellt haben will, dass die Straf- und Zivilklägerin keine Pyjama-
hose und keine Unterhose mehr trug und wann genau er sich selber die Hose aus-
zog. Schliesslich konnte er auch nicht sagen, ob etwas gesprochen wurde oder 
nicht. Dies lässt sich einzig damit erklären, dass der Beschuldigte eben nicht mehr 
und nichts anderes beschreiben konnte, als er selber erlebt hatte und es ist davon 
auszugehen, dass seine Aussagen bei einvernehmlichen Geschlechtsverkehr an-
ders gelautet hätten; insbesondere hätte er wohl detaillierter geschildert, inwiefern 
die Straf- und Zivilklägerin mitmachte, ob sie ihn küsste, ob er sie küsste, wie sie 
sich bewegten und wie und womit sie sich berührt hätten. Immerhin findet sich 
dann in der zweiten Einvernahme des Beschuldigten vom 24. Oktober 2018 auf 
explizite Frage, ob die Straf- und Zivilklägerin ihn ausser mit dem Knie noch mit ei-
nem anderen Körperteil berührt habe, noch die wenig glaubhafte Aussage des Be-
schuldigten, wonach er «glaube», die Straf- und Zivilklägerin habe ihn noch mit den 
Händen berührt (pag. 128 Z. 252; wohl auf entsprechende Nachfrage gab er dann 
noch an, er glaube das nicht nur, sondern sie habe das wirklich gemacht). Wenig 
glaubhaft ist ausserdem die oberflächliche, nichtssagende Antwort in der Einver-
nahme vom 24. Oktober 2018 auf die Frage hin, wie er bemerkt habe, dass die 
Straf- und Zivilklägerin wach gewesen sei (pag. 128 Z. 248 ff.): «Sie berührte mich. 
Ihr Atem ging schneller. Zwei Mal gelangte ihr Knie auf mich. Sie hatte mitge-
macht.». Der Beschuldigte war sich auch in der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung angeblich ganz sicher, dass die Straf- und Zivilklägerin wach gewesen sei 
(pag. 439 Z. 10 ff. und Z. 18 ff.), wobei er leider nicht gefragt wurde, woran er dies 
erkannt hat, zumal sie ja offenbar gar nichts miteinander gesprochen haben 
(pag. 439 Z. 14 ff.). In seiner ausführlichen schriftlichen Stellungnahme vom 5. Ju-
ni 2018 liest man diesbezüglich im Übrigen kein Wort. Während der Beschuldigte 
schliesslich sehr genau wissen wollte, dass die Straf- und Zivilklägerin wach und 
mit dem Geschlechtsverkehr einverstanden gewesen sei, konnte er gleichzeitig an-
geblich nicht sagen, ob E.________ während des Geschlechtsverkehrs neben ih-
nen geschlafen habe oder nicht (pag. 439 Z. 22 ff.). 

27

Sodann finden sich das Kerngeschehen betreffend folgende Widersprüche in den 
Aussagen des Beschuldigten: In seiner Stellungnahme vom 5. Juni 2018 schilderte 
der Beschuldigte einzig, die Straf- und Zivilklägerin habe begonnen, mit ihrem Bein 
seinen Intimbereich zu stimulieren (pag. 119 unten); von einem Wegstossen des 
Beins der Straf- und Zivilklägerin, wie er dies in der Einvernahme vom 24. Okto-
ber 2018 (pag. 126 Z. 175 f.) und auch in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung 
(pag. 438 Z. 26 f.) beschrieb, war dabei keine Rede. Weiter machte der Beschul-
digte mit Schreiben vom 5. Juni 2018 geltend, die Straf- und Zivilklägerin habe sich 
dann mit gespreizten Beinen auf den Rücken gedreht (pag. 120); dies widerspricht 
wiederum seinen späteren eigenen Aussagen, wonach die Straf- und Zivilklägerin 
ihre Beine gestreckt habe, er dann auf sie raufgelegen sei und sie anschliessend 
erst die Beine geöffnet habe zum Beischlaf (pag. 125 Z. 141 ff., pag. 127 Z. 214 f. 
und insbes. pag. 438 Z. 30 ff.). Sodann konnte der Beschuldigte im Schreiben vom 
5. Juni 2018 noch nicht sagen, wann er seine Hose ausgezogen habe. In der Ein-
vernahme vom 24. Oktober 2018 wusste er es dann plötzlich wieder (vgl. pag. 125 
Z. 139). Er wusste angeblich auch, dass er die Hosen dann erst am nächsten Mor-
gen wieder angezogen habe (vgl. pag. 125 Z. 152 f.; vgl. auch die entsprechenden 
Ausführungen betreffend die sexuelle Belästigung hiernach). Die Aussagen des 
Beschuldigten sind denn auch inhaltlich zumindest teilweise schlicht nicht logisch. 
So war die Straf- und Zivilklägerin gemäss seinen Aussagen beispielsweise unten-
rum ganz plötzlich nackt (vgl. pag. 119 letzte Zeile, pag. 438 Z. 28 f.) – dies nota 
bene obwohl sie ihre Tage hatte. Wie der stv. Generalstaatsanwalt in der oberin-
stanzlichen Verhandlung zu Recht vorbrachte, ist zudem schlicht unlogisch, dass 
die beiden Frauen sich zunächst vehement hätten dagegen wehren sollen, dass 
der Beschuldigte mit ihnen im Bett schläft, ihn dann aber auf seine Nachfrage hin in 
noch wachem Zustand dennoch in ihr Bett hätten lassen bzw. in sogar regelrecht 
dazu hätten auffordern sollen (vgl. pag. 735). 

Zusammenfassend hält die Kammer fest, dass der Beschuldigte sich in seinen Er-
zählungen selbst als komplett passiv darstellte und diesbezüglich immer wieder 
zielgerichtete, sich entlastende und die beiden Frauen im Gegenzug belastende 
Aussagen machte (vgl. dazu auch die zutreffenden Ausführungen von stv. Gene-
ralstaatsanwalt K.________ in seinem oberinstanzlichen Parteivortrag, pag. 734). 
Seine Schilderungen sind teilweise sehr unlogisch, nicht gleichbleibend und wider-
sprechen im Kerngeschehen den Angaben der beiden Frauen, insbesondere den-
jenigen von E.________, gleichzeitig aber auch seinen eigenen. Insgesamt sind die 
Aussagen des Beschuldigten absolut unglaubhaft und es findet sich kein Spielraum 
für eine Version des Tatgeschehens, wie sie die Vorinstanz angenommen hat. 

14.3.5 Erwiesener Sachverhalt 

Obwohl der Beschuldigte die Möglichkeit gehabt hätte, mit seinem Fahrrad noch 
den kurzen Weg nach Hause zu fahren, zog er es vor, den beiden Frauen ins Zim-
mer von E.________ im Personalhaus zu folgen, dies in der Absicht dort zu nächti-
gen. Die beiden Frauen erlaubten dem Beschuldigten zwar im selben Zimmer zu 
übernachten, dies allerdings nur unter der Bedingung, dass der Beschuldigte auf 
einem Mätteli am Boden schläft. Als die beiden Frauen jedoch eingeschlafen wa-
ren, legte sich der Beschuldigte zu ihnen ins Bett und zog der Straf- und Zivilkläge-

28

rin Unterhose und Pyjamahose aus. Ob er ihr auch die Socken auszog, ist nicht 
von Bedeutung für das nachfolgende Geschehen. Tatsache ist, dass die Socken 
gemäss glaubhafter Aussage von E.________ mit der Unterwäsche der Straf- und 
Zivilklägerin neben dem Bett lagen, als E.________ in der Nacht erwachte und die 
Bettseite wechselte, die Straf- und Zivilklägerin mithin im Intimbereich nackt war. 
Letzteres obwohl sie ihre Periode hatte. Entweder kurz davor oder unmittelbar da-
nach zog der Beschuldigte auch seine Hose aus, drehte die schlafende Straf- und 
Zivilklägerin auf den Rücken, legte sich auf sie und drang mit seinem Penis vaginal 
in sie ein. Die alkoholisierte und tief schlafende Straf- und Zivilklägerin bekam da-
von nichts mit und zeigte entsprechend keinerlei Reaktion, insbesondere sagte sie 
nichts und bewegte sie sich nicht – eine Reaktion war in ihrem Zustand nicht mög-
lich. Der Beschuldigte nahm wahr, dass die Straf- und Zivilklägerin schlief und sich 
nicht zur Wehr setzten konnte. Dennoch hat er zur Befriedigung seines Lustemp-
findens den Beischlaf an der schlafenden Straf- und Zivilklägerin vollzogen. 
Schliesslich ist auch beweismässig erstellt, dass die Straf- und Zivilklägerin keinen 
Geschlechtsverkehr mit dem Beschuldigten wollte und den Beschuldigten in keiner-
lei Hinsicht sexuell provoziert hatte.

14.4 Gesamtheitliche Würdigung betreffend den Vorwurf der sexuellen Belästigung

14.4.1 Aussagen E.________

E.________ konnte in Bezug auf diesen Vorwurf zum eigentlichen Kerngeschehen 
nicht viel Sachdienliches sagen, weil sie sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Bade-
zimmer bzw. unter der Dusche befand. Sie führte aber glaubhaft aus, dass sie dar-
auf reagiert habe, als sie die Straf- und Zivilklägerin mit lauter Stimme und negati-
vem Tonfall sprechen gehört habe und deshalb sofort aus dem Badezimmer zurück 
ins Zimmer gegangen sei (vgl. pag. 54 Z. 117 f., pag. 64 Z. 78 ff., pag. 69 Z. 274 f., 
pag. 424 Z. 29 f., pag. 719 Z. 34 ff.). Dort habe sie gesehen, dass der Beschuldigte 
die Straf- und Zivilklägerin am Oberkörper berührt bzw. sein Arm bei ihr gelegen 
habe; mehr wisse sie dazu aber nicht bzw. könne sie nicht sagen (pag. 54 f. 
Z. 118 ff.; pag. 64 Z. 80 f.; pag. 69 Z. 252 ff.; pag. 424 Z. 30 f. und Z. 34 ff., 
pag. 719 Z. 36 ff.). Konstant erwähnte sie auch das Detail, dass der Beschuldigte 
den Arm zurückgezogen habe, als er sie, E.________, ins Zimmer habe kommen 
gesehen (pag. 69 Z. 265, pag. 424 Z. 31 f., pag. 719 Z. 38). Weiter habe ihr die 
Straf- und Zivilklägerin erzählt, dass der Beschuldigte versucht habe, sie zu küs-
sen; gesehen habe sie, E.________, dies jedoch nicht (pag. 70 Z. 283 ff.). Damit ist 
offenkundig, dass E.________ den Beschuldigten nicht etwa zu Unrecht fälschli-
cherweise belastete, sondern vielmehr klar deklarierte, welche Informationen sie 
von der Straf- und Zivilklägerin erhalten habe, mithin vom Hörensagen wisse, und 
dass sie über ihre beschriebenen Beobachtungen hinaus nicht mehr dazu sagen 
könne. Ihre Aussagen sind mithin sehr glaubhaft und es ist beweiswürdigend dar-
auf abzustellen. 

14.4.2 Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Auch die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin zu diesem Sachverhaltskomplex 
sind authentisch und kongruent, mithin glaubhaft, weshalb beweiswürdigend darauf 
abzustellen ist. Konkret schilderte die Straf- und Zivilklägerin konstant und detail-

29

liert die morgendlichen Vorkommnisse, bzw. dass der Beschuldigte versucht habe, 
sie zu küssen und zu umarmen, was sie nicht gewollt und ihn weggedrückt habe. 
Er habe ihre Wange geküsst und versucht, ihren Kopf zu drehen und einmal habe 
er sie auf den Mund geküsst. Sie habe sich schlecht gefühlt und nicht verstanden, 
weshalb er das wolle und es trotz ihrer Aussage, dass sie das nicht wolle, weiter 
versucht habe (pag. 77 f. Z. 67 ff., pag. 78 Z. 85 ff., pag. 79 Z. 127, pag. 80 
Z. 195 ff., Z. 200 ff., pag. 92 Z. 63 ff., Z. 87 ff., pag. 93 Z. 95 ff., pag. 94 Z. 155 ff., 
Z. 165 f., pag. 95 Z. 168 f., Z. 180 ff., pag. 430 Z. 12 ff., pag. 431 Z. 9 ff., pag. 723 
Z. 9 ff.). Sie erklärte auf entsprechende Frage hin plausibel, dass sie das Gefühl 
gehabt habe, dass der Beschuldigte zu diesem Zeitpunkt erregt gewesen sei, da er 
sehr nahe an ihr gewesen sei, dass sie es aber nicht zu 100% sagen könne 
(pag. 80 Z. 185 ff., Z. 201 f.). Die Straf- und Zivilklägerin konnte auf entsprechende 
Frage hin denn auch nachvollziehbar erklären, weshalb sie nicht einfach aufstand 
bzw. das Bett verliess und sich somit der Situation entzog, nachdem der Beschul-
digte sie 5 bis 10 Minuten lang «belästigt» hatte; in den Augen der Kammer ist ent-
gegen den Ausführungen der Verteidigung in der oberinstanzlichen Verhandlung 
(pag. 749) nachvollziehbar, dass sie nach dem vorangegangen langen und an-
strengenden Arbeitstag, dem Ausgang und dem mangelnden Schlaf nach wie vor 
sehr müde war, in diesem Zustand nicht recht realisierte, was eigentlich geschah 
und einfach weiterschlafen wollte (vgl. pag. 95 Z. 188 ff., pag. 723 Z. 11 ff.). 
Schliesslich hält die Kammer in diesem Zusammenhang fest, dass entgegen den 
Vorbringen von Rechtsanwalt B.________ in der oberinstanzlichen Verhandlung 
(vgl. pag. 749) auch die zeitliche Komponente – konkret der Umstand, ob die Um-
armungs- und Kussversuche nun 10 Minuten dauerten oder kürzer – völlig irrele-
vant ist. 

Weiter fällt auf, dass auch die Straf- und Zivilklägerin den Beschuldigten nicht etwa 
unnötig belastete, gab sie doch von sich aus zu Protokoll, dass dieser abgesehen 
vom kurzen Kuss auf den Mund, nicht intim geworden sei (pag. 78 Z. 88), sie ins-
besondere nicht an den Brüsten oder unten angefasst habe (pag. 93 Z. 92 f.). Den 
Beschuldigten nicht übermässig belastend fügte sie auf entsprechende Frage hin 
ausserdem an, dass dieser unten Boxershorts getragen habe (pag. 80 Z. 189 f., 
pag. 434 Z. 22 ff.). Und auch sie bestätigte explizit, nicht sicher zu sein, dass der 
Beschuldigte wirklich einen Übergriff gemacht habe (pag. 93 Z. 99 f.) und dass sie 
ihm auch nicht schaden wolle (pag. 97 Z. 258 ff.) – auch letzteres spricht gerade für 
die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen (vgl. dazu auch die Ausführungen des stv. Ge-
neralstaatsanwaltes [pag. 737] sowie diejenigen von Rechtsanwältin D.________ 
[pag. 740] in der oberinstanzlichen Verhandlung). 

Die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin sind insgesamt bereits für sich sehr 
glaubhaft und werden überdies durch die sich damit deckenden Schilderungen von 
E.________ bestätigt bzw. untermauert. Die Kammer ist aufgrund dessen der 
Überzeugung, dass sich das von der Straf- und Zivilklägerin Geschilderte tatsäch-
lich so abgespielt hat. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil sich die Straf- und Zivil-
klägerin gegen diese Art des «Weckens» durch den Beschuldigten wohl kaum so 
gewehrt hätte, wäre der Geschlechtsverkehr in der Nacht zuvor, wie vom Beschul-
digten geltend gemacht, tatsächlich einvernehmlich gewesen. 

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14.4.3 Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte macht geltend, er habe die Straf- und Zivilklägerin am Morgen le-
diglich wecken wollen und sie dafür an der Schulter berührt (pag. 120; pag. 125 
Z. 147 ff.; pag. 129 Z. 278 ff.; pag. 440 Z. 1 ff.). In der staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme vom 24. Oktober 2018 führte er jedoch aus, dass die Straf- und Zivilklä-
gerin dabei seinen Penis berührt habe (pag. 128 Z. 256 ff.); diese Aussage fehlt 
sowohl in der schriftlichen Stellungnahme als auch in der freien Erzählung in der 
Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft. In der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung darauf angesprochen, krebste der Beschuldigte dann zurück und wollte sich 
diesbezüglich nicht mehr sicher sein (pag. 440 Z. 38 ff.: «Ich bin nicht hundertpro-
zentig sicher, aber ich habe den Eindruck, dass sie mich berührt hat.»). Von die-
sem wichtigen Punkt sprach er somit komischerweise erst sehr spät und die Kam-
mer geht mit der Generalstaatsanwaltschaft davon aus, dass er damit offensichtlich 
erneut versuchte, die Straf- und Zivilklägerin in die aktive Rolle als Verführerin zu 
drängen (vgl. pag. 736). Auffällig ist zudem, dass die staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahmen der beiden Frauen zeitlich vor derjenigen des Beschuldigten 
(pag. 121 ff.) stattfanden; E.________ wurde gleichentags von 13.30 Uhr bis 
15.20 Uhr befragt (pag. 62 und pag. 72), die Straf- und Zivilklägerin ebenfalls glei-
chentags von 15.20 Uhr bis 16.50 Uhr (pag. 90 und pag. 98). Beiden Einvernah-
men wohnte der Beschuldigte mittels Bild- und Tonübertragung bei (vgl. pag. 62 
und pag. 90). Somit fand die Befragung des Beschuldigten erst statt, nachdem 
auch die sexuelle Belästigung am Morgen des 26. Mai 2018 bereits in den direkt 
vorangegangenen Einvernahmen der beiden Frauen thematisiert worden war. Of-
fensichtlich führte dies dazu, dass der Beschuldigte das Gefühl hatte, diesem wei-
teren Vorwurf mit einem Gegenvorwurf begegnen zu müssen. 

Weiter meinte der Beschuldigte, sich mit der Aussage entlasten zu können, dass er 
die Straf- und Zivilklägerin am Morgen nicht geküsst habe, weil er zuvor «gekotzt» 
und es ihn angeekelt habe (pag. 129 Z. 280 f.; pag. 440 Z. 22 ff.). Vor dem Hinter-
grund jedoch, dass er, nachdem er in der Nacht erbrochen hatte, mit der Straf- und 
Zivilklägerin unbestrittenermassen sogar Geschlechtsverkehr hatte (pag. 119 f.; 
pag. 125 Z. 130 ff.), erscheint diese Aussage schlicht unlogisch. Er konnte diesen 
Umstand denn auch nicht plausibel erklären (vgl. pag. 440 Z. 27 ff.). Die Kammer 
erachtet die Aussage, wonach der Beschuldigte in der Nacht habe erbrechen müs-
sen, deswegen als reine Schutzbehauptung; denn wäre dem tatsächlich so gewe-
sen und hätte ihn dieser Umstand aus Ekel davon abgehalten, die Straf- und Zivil-
klägerin am nächsten Morgen küssen zu wollen, hätte er wohl erst recht davor 
zurückschrecken müssen, mit der Straf- und Zivilklägerin unmittelbar nach dem Er-
brechen – also zeitlich langem vor dem fraglichen Kuss beim Aufwachen [sic!] – 
Geschlechtsverkehr zu haben. Im Übrigen spricht auch die Entstehungsgeschichte 
dieser Behauptung gegen deren Glaubhaftigkeit; in der ersten polizeilichen Einver-
nahme war nämlich noch keine Rede vom angeblichen Erbrechen. Vielmehr war es 
E.________, welche in ihrer Einvernahme vom 27. Mai 2018 erstmals erwähnte, 
dass der Beschuldigte sie am Morgen danach gefragt habe, ob er erbrochen habe. 
Dies, nachdem sei ihm gegenüber erwähnt habe, dass es Flecken auf dem Bettla-
ken gehabt habe (vgl. pag. 55 Z. 122 ff.; bestätigt auch noch in der oberinstanzli-
chen Verhandlung, vgl. pag. 719 Z. 41 f.). Bezeichnend ist, dass E.________ stets 

31

glaubhaft schilderte, dass der Beschuldigte das Erbrechen im Kontext einer Frage 
äusserte; er selber will sich dann gemäss seinen Schilderungen in seiner schriftli-
chen Stellungnahme vom 5. Juni 2018 plötzlich erinnern können, dass er erbro-
chen habe (vgl. pag. 119 unten). Es liegt auf der Hand, dass es sich bei der Be-
hauptung, er habe erbrechen müssen, um den recht hilflosen Versuch des Be-
schuldigten handelt, die entdeckten Flecken auf dem Bettlaken erklären und damit 
den heimlichen sexuellen Übergriff vertuschen zu können. 

Gestützt auf die eigenen Aussagen des Beschuldigten ist nicht ganz klar, ob er, als 
er die Straf- und Zivilklägerin am Morgen zu umarmen und zu küssen versuchte, im 
Genitalbereich nackt war oder nicht. Zunächst gab er selber diesbezüglich nämlich 
an, er habe sich erst am Morgen, als er aufgestanden sei, wieder angezogen 
(pag. 120 Mitte; bestätigt in der Einvernahme vom 24. Oktober 2018 [pag. 125 
Z. 152 f.]). In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung hatte er dann aber angeblich 
wiederum keine Erinnerung mehr daran, ob er die Hose am Morgen wieder ange-
habt (pag. 440 Z. 18 ff) resp. wann er die Shorts wieder angezogen habe (pag. 438 
Z. 41). Insgesamt sind seine Aussagen in diesem Punkt somit widersprüchlich, 
weshalb nicht darauf abgestellt werden kann. Vielmehr wäre gestützt auf die ihn 
entlastenden Aussagen der Straf- und Zivilklägerin zu Gunsten des Beschuldigten 
wohl eher davon ausgehen, dass er untenrum bekleidet war. Dieser Umstand ist al-
lerdings ohnehin nicht ausschlaggebend; vielmehr sind die von der Straf- und Zivil-
klägerin beschriebenen Versuche, sie zu küssen und zu umarmen, bereits unzwei-
felhaft Ausdruck dafür, dass die Berührungen des Beschuldigten klar in sexueller 
Absicht erfolgten. Es kann deshalb im Rahmen der Beweiswürdigung offengelas-
sen werden, ob der Beschuldigte im Genitalbereich nackt war oder nicht. 

Der Generalstaatsanwaltschaft ist schliesslich beizupflichten, dass ein morgendli-
cher Annäherungsversuch auch dann ins Bild passen würde, wenn der einver-
nehmliche Geschlechtsverkehr tatsächlich stattgefunden hätte. Diesfalls hätte der 
Beschuldigte aber auch zugeben können, dass er am Morgen noch einmal die 
Nähe der Straf- und Zivilklägerin gesucht hätte. Genau das machte er aber gerade 
nicht, sondern bestritt den Vorwurf vehement. Weshalb er den angeblich einver-
nehmlichen Geschlechtsverkehr zugeben sollte, den im Vergleich dazu harmlosen 
morgendlichen Annäherungsversuch hingegen nicht, erschliesst sich der Kammer 
nicht. Das Aussageverhalten des Beschuldigten lässt sich vielmehr damit erklären, 
dass er wusste, dass sich die Straf- und Zivilklägerin nicht mehr an den Ge-
schlechtsverkehr erinnerte und er darum behaupten konnte, es sei einvernehmlich 
gewesen. In Bezug auf den Annäherungsversuch am Morgen hingegen ging das 
offenkundig nicht, zumal er ja wusste, dass sie sich daran erinnern konnte und da-
mit nicht einverstanden gewesen war (vgl. dazu pag. 737).

Zusammenfassend hält die Kammer fest, dass die unglaubhaften Aussagen des 
Beschuldigten das stimmige Gesamtbild, welches sich gestützt auf die sich gegen-
seitig stützenden Aussagen der beiden Frauen ergibt, nicht zu erschüttern vermö-
gen. 

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14.4.4 Erwiesener Sachverhalt

Erstellt ist, dass der Beschuldigte am Morgen des 26. Mai 2018 nach dem Aufwa-
chen – wie in der Anklageschrift umschrieben – versuchte, die Straf- und Zivilkläge-
rin zu umarmen und zu küssen und ihm dies mindestens ein Mal auch gelang, ob-
schon die Straf- und Zivilklägerin ihm zu verstehen gab, dass sie dies nicht wolle. 
Dabei ist irrelevant und kann infolgedessen offengelassen werden, ob der Beschul-
digte zu diesem Zeitpunkt untenrum bekleidet war oder nicht. 

III. Rechtliche Würdigung

15. Schändung

15.1 Art. 191 StGB

Betreffend die theoretischen Grundlagen zum objektiven und subjektiven Tatbe-
stand von Art. 191 StGB kann integral auf die korrekten vorinstanzlichen Aus-
führungen verwiesen werden (pag. 534 f., S. 35 f. erstinstanzliche Urteilsbegrün-
dung): 

«Nach Art. 191 StGB wird bestraft, wer eine urteilsunfähige oder eine zum Widerstand unfähige Per-
son in Kenntnis ihres Zustandes zum Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer anderen se-
xuellen Handlung missbraucht. Im Unterschied zur Vergewaltigung (Art. 190 StGB) und der sexuellen 
Nötigung (Art. 189 StGB) führt der Täter bei der Schändung die Urteils- oder Widerstandsunfähigkeit 
des Opfers nicht selber herbei, sondern nutzt diesen vorbestehenden Zustand aus. Geschützt wird die 
sexuelle Freiheit von Personen, die ausserstande sind, in eine sexuelle Handlung einzuwilligen bzw. 
sich dagegen zur Wehr zu setzen (BSK StGB-MAIER, 4. Auflage 2019, N 1 zu Art. 191 StGB). 

Urteilsunfähig ist, wer in sexuellen Belangen nicht eigenverantwortlich handeln kann, sodass er die 
wirkliche Bedeutung und Tragweite seines Verhaltens nicht abschätzen kann. Das Bundesgericht de-
finiert die Urteilsunfähigkeit als relativ: Es ist „abzuklären, ob das Opfer in Bezug auf die sexuellen 
Handlungen seelisch in der Lage war, sich gegen diese zu wehren (…) und ob es darüber entschei-
den konnte, die sexuellen Kontakte haben zu wollen oder nicht“ (BGE 120 IV 194 E. 2c; vgl. zum 
Ganzen BSK StGB-MAIER, 4. Auflage 2019, N 5 zu Art. 191 StGB, m.w.H.).

Widerstandsunfähig ist, wer nicht in der Lage ist, sich gegen ungewollte sexuelle Kontakte zur Wehr 
zu setzen. Dieser Zustand kann auf dauernde oder vorübergehende Ausfallerscheinungen, wie bspw. 
körperliche Invalidität oder hochgradige Intoxikation durch Alkohol oder Drogen zurückzuführen sein. 
Erforderlich ist, „dass die Widerstandsfähigkeit gänzlich aufgehoben und nicht nur in irgendeinem 
Grad beeinträchtigt oder eingeschränkt ist“ (BGE 133 IV 49 E. 7.2; vgl. auch BGE 119 IV 230 E. 3a). 
Nicht vorausgesetzt wird eine Bewusstlosigkeit im Sinne eines komatösen Zustandes. Es kann aus-
reichen, „wenn sich eine Person alkohol- und müdigkeitsbedingt nicht oder nur schwach gegen die an 
ihr vorgenommenen Handlungen wehren kann“ (Urteil BGer 6B_543/2019, Urteil BGer 6B_464/2019 
E. 3.1.2). Diesbezüglich kann es jedoch zu heiklen Abgrenzungsschwierigkeiten kommen (BSK StGB-
MAIER, 4. Auflage 2019, N 6 zu Art. 191 StGB, m.w.H.).