# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 39763d91-fb84-5bcb-88cf-b590edf3e778
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-12-18
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 18.12.2014 VG.2014.00087 (VG.2014.159)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2014-00087_2014-12-18.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 18. Dezember 2014

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2014.00087

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Kanton Glarus

    	
    Beschwerdeführer

    

    

  
	
  	
    vertreten durch Departement
    Bau und Umwelt des 

    
	
    Kantons Glarus

     

    

  

  
	
  	
    dieses vertreten durch Rechtsanwalt
    A.______

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Gemeinde Glarus

    	
    Beschwerdegegnerin

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  und

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    B.______

    	
    Beigeladene

    
	
     

    	
     

    
	
    C.______

    	
     

    
	
     

    	
     

    
	
    D.______

    	
     

    
	
     

    	
     

    
	
    E.______

    	
     

    
	
     

    	
     

    
	
    F.______

    	
     

    
	
     

    	
     

    
	
    G.______

    	
     

    
	
     

    	
     

    
	
    H.______

    	
     

    
	
     

    	
     

    
	
    I.______

    	
     

    
	
     

    	
     

    
	
    J.______

    	
     

    

  

  
	
   

  	
    alle vertreten durch Rechtsanwalt B.______

    

  

  
	
   

   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Baubewilligung

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  Der Kanton Glarus,
  vertreten durch das Departement Bau und Umwelt (DBU), ersuchte am 3. Januar
  2013 die Gemeinde Glarus um Bewilligung der Umnutzung des in der Gewerbezone
  liegenden Restaurants Edelweiss, Riedern, in eine Unterkunft für Asylsuchende.
  Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderem C.______ und D.______, E.______, F.______
  und G.______, H.______ und I.______, J.______ sowie K.______ Einsprache. Die
  Baukommission der Gemeinde Glarus wies die Einsprachen am 26. März 2013 ab,
  soweit sie darauf eintrat, und erteilte dem Kanton Glarus die Baubewilligung
  unter verschiedenen Auflagen. Die dagegen erhobene Beschwerde wies das DBU am
  11. November 2013 ab. Dagegen gelangten C.______ und D.______, E.______, F.______
  und G.______, H.______ und I.______, J.______ sowie K.______ mit Beschwerde
  ans Verwaltungsgericht und beantragten die Aufhebung des Beschwerdeentscheids
  des DBU und der Baubewilligung der Gemeinde Glarus. Es sei festzustellen,
  dass die vom Kanton Glarus anbegehrte Baubewilligung nicht erteilt werden
  könne. Das Verwaltungsgericht trat am 26. Februar 2014 (Verfahren
  VG.2013.00128) auf das Feststellungsbegehren nicht ein; im Übrigen hiess es
  die Beschwerde gut und hob die Baubewilligung und den Beschwerdeentscheid
  auf. Der Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.

  
	
   

  
	
  2. 

  
	
  2.1 Der Kanton Glarus, wiederum vertreten durch das DBU,
  reichte am 2. April 2014 erneut ein Baugesuch bei der Gemeinde Glarus
  ein. Geplant waren die Sanierung des gesamten Gebäudes und der Ausbau der
  Wirtewohnung im ersten und zweiten Obergeschoss zu einem Wohnheim für ca. 16
  Asylsuchende mit Einbau einer Küche und Verbesserung der Sanitäranlagen. Die
  gewerbliche Nutzung des Erdgeschosses sollte unverändert bleiben. Das Gesuch
  wurde am 10. April 2014 im Amtsblatt publiziert.

  
	
   

  
	
  2.2 Gegen das Bauvorhaben erhoben C.______ und D.______,
  E.______, F.______ und G.______, H.______ und I.______, J.______ sowie K.______
  am 12. Mai 2014 bei der Gemeinde Glarus Einsprache. Die Baukommission der Gemeinde
  Glarus verweigerte am 8. Juli 2014 dem Kanton Glarus die Baubewilligung.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Dagegen erhob der Kanton Glarus am
  11. September 2014 Beschwerde beim DBU und beantragte die Aufhebung des
  Entscheids vom 8. Juli 2014. Ihm sei die beantragte Baubewilligung zu
  erteilen. Eventualiter sei die Sache zur neuerlichen Prüfung an die Vorinstanz
  zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Das DBU überwies
  die Sache am 16. September 2014 dem Verwaltungsgericht zur Behandlung
  als Sprungbeschwerde. 

  
	
   

  
	
  3.2 Mit Präsidialverfügung vom 18. September 2014
  lud das Verwaltungsgericht C.______ und D.______, E.______, F.______ und G.______,
  H.______ und I.______, J.______ sowie K.______ ins Verfahren bei. 

  
	
   

  
	
  3.3 Die Gemeinde Glarus beantragte am 20. Oktober
  2014 die Abweisung der Beschwerde. C.______ und D.______, E.______, F.______
  und G.______, H.______ und I.______, J.______ sowie K.______ beantragten am
  28. November 2014 ebenfalls die Abweisung der Beschwerde; unter Kosten-
  und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Kantons Glarus.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  Das Verwaltungsgericht hat
  bereits in seiner Präsidialverfügung vom 18. September 2014 ausgeführt,
  dass es zur Behandlung der Sprungbeschwerde zuständig sei. Da auch die
  übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Voraussetzung einer
  Baubewilligung ist gemäss der bundesrechtlichen Minimalvorschrift von
  Art. 22 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Raumplanung vom
  22. Juni 1979 (RPG), dass die Bauten und Anlagen dem Zweck der
  Nutzungszone entsprechen (lit. a) und das Land erschlossen ist (lit. b). Das
  kantonale Recht sieht in Art. 76 Abs. 1 des Raumentwicklungs- und Baugesetzes
  vom 2. Mai 2010 (RBG) vor, dass die Baubewilligung erteilt wird, wenn
  das Bauvorhaben den öffentlich-rechtlichen Bauvorschriften entspricht.

  
	
   

  
	
  3. 

  
	
  3.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er beabsichtige,
  lediglich die beiden oberen Stockwerke des Gebäudes in eine Unterkunft für
  Asylsuchende umzugestalten. Das Restaurant im Erdgeschoss soll bestehen
  bleiben und diese Räumlichkeiten sollen weiterhin gewerblich genutzt werden.
  Damit weiche das vorliegend zu beurteilende Baugesuch wesentlich vom
  ursprünglichen Baugesuch ab, indem die bisherige gemischte Nutzung der
  Liegenschaft für Wohn- und Gewerbezwecke beibehalten werden solle. Die
  massgebende Bestimmung für die Beurteilung, ob das geplante Bauvorhaben
  zonenkonform sei, finde sich in Art. 11 des Baureglements von Riedern
  vom 29. Mai 1998 (BO). Das strittige Gebäude sei im Jahr 1974 so umgebaut
  worden, dass im ersten und zweiten Obergeschoss die Wirtewohnung gelegen sei,
  wobei sich im zweiten Obergeschoss fünf Kinderzimmer befunden hätten. Die
  weitere Nutzung der Wirtewohnung sei ihm nicht im Detail bekannt. Immerhin
  lasse sich den vorhandenen Akten entnehmen, dass die Zimmer im zweiten Obergeschoss
  zumindest zeitweilig an Saisonniers vermietet worden seien. Es stehe jedenfalls
  fest, dass die oberen zwei Stockwerke des Gebäudes seit Jahren einzig
  Wohnzwecken gedient hätten, während das Erdgeschoss gewerblich genutzt worden
  sei. Das Verwaltungsgericht habe in seinem Entscheid VG.2013.00128 offen gelassen,
  ob die bisherige Nutzung des Gebäudes zonenkonform gewesen sei. Gehe man davon
  aus, so gelte dies auch für die zukünftig vorgesehene Nutzung, da sich mit
  dem zu beurteilenden Bauvorhaben an der bisherigen Nutzung nichts ändere. Die
  Argumentation der Vorinstanz, wonach das Baugesuch die Umnutzung einer
  Wohnung für Betriebsinhaber und/oder Betriebspersonal in Wohnraum für
  Asylsuchende beinhalte, treffe nicht zu. Es sei zwar richtig, dass die für
  die Asylsuchenden geplante Wohnung nicht mehr von den Betriebsinhabern
  und/oder dem Betriebspersonal genutzt würde, darin liege aber nicht eine geänderte
  Nutzung im Sinne der baurechtlichen Gesetzgebung. Mit anderen Worten komme es
  nicht darauf an, wer die Wohnung nutze, sondern ob sie effektiv Wohnzwecken
  diene. Werde stattdessen davon ausgegangen, dass die bisherige Nutzung des
  Gebäudes aufgrund der Wohnung für die Betriebsinhaber in den Obergeschossen
  mit Inkrafttreten des Baureglements zonenwidrig geworden ist, so lasse
  Art. 11 Abs. 2 BO für diesen Fall den Erhalt und den Ersatz
  der Wohnung zu. Dies wäre auch in Berücksichtigung von
  Art. 61 Abs. 2 RBG zulässig. Wenn das Gebäude einzig von den
  künftigen Betreibern des Restaurants oder von ihrem Personal bewohnt werden
  dürfte, entspräche dies im Übrigen in keiner Weise zeitgemässen Lebenssachverhalten.
  Folglich würde eine solche Auslegung des Gesetzes in die Eigentumsgarantie
  eingreifen.

  
	
   

  
	
  3.2 Die Beschwerdegegnerin führt im Wesentlichen aus,
  die Nutzung des Gebäudes als Unterkunft für Asylsuchende sei zonenwidrig.
  Erlaubt seien in der Gewerbezone nur Wohnungen für Betriebsinhaber und
  Betriebspersonal, worunter Asylsuchende nicht fielen. Die Umnutzung der
  Wirtewohnung in Wohnraum für Asylsuchende sei nicht zulässig.

  
	
   

  
	
  3.3 Die Beigeladenen vertreten die Auffassung, dass sich
  das vorliegende Baugesuch nur minimal vom ursprünglichen Baugesuch
  unterscheide. Es sei irrelevant, ob im Erdgeschoss ein Restaurant betrieben
  werde oder nicht. Die bisherige Nutzung des Gebäudes sei völlig zonenkonform
  gewesen, indem das Erdgeschoss gewerblich als Restaurant genutzt worden sei,
  die oberen Geschosse als Wirtewohnung. Die Vermietung von Zimmern an
  Saisonniers in Verbindung mit einem Gastgewerbebetrieb sei eine gewerbliche
  Nutzung, nicht Wohnnutzung. Das Baureglement sehe kein Splitting vor; die
  gewerbliche Nutzung und die Wohnnutzung müssten gekoppelt sein. Von einer
  bisher zonenwidrigen Nutzung könne nicht gesprochen werden. Völlig haltlos
  sei die Behauptung, dass keine wesentliche Nutzungsänderung vorliege. Eine
  Unterkunft für Asylsuchende könne nicht mit dem gewöhnlichen Wohnzweck
  verglichen werden. Es liege im allgemeinen öffentlichen Interesse, dass
  Asylsuchende in angemessenem Abstand zu Dorfkernen und Wohnquartieren
  untergebracht würden. 

  
	
   

  
	
  4. 

  
	
  Zunächst ist zu prüfen, ob
  das Bauvorhaben des Beschwerdeführers in der Gewerbezone zonenkonform ist.

  
	
   

  
	
  4.1 Gemäss Art. 11 Abs. 1 BO ist die
  Gewerbezone für gewerbliche, industrielle oder touristische Nutzungen mit
  besonderen Anforderungen an den Standort, an das Gebäude und an die Umgebung
  bestimmt. Art. 11 Abs. 2 BO lautet wie folgt: "Der Erhalt
  und Ersatz von Wohnbauten sowie Wohnungen für Betriebsinhaber und Betriebspersonal
  ist gestattet. Gemischte Wohn-/Gewerbebauten sind in der Regel im Erdgeschoss
  gewerblich und im Dachgeschoss vorzugsweise für Wohnzwecke zu nutzen."

  
	
   

  
	
  4.2 Das Verwaltungsgericht hat in seinem Entscheid
  VG.2013.00128 ausgeführt, dass es sich bei einer Unterkunft für Asylsuchende
  um eine Wohnnutzung handle, welche in der Gewerbezone gemäss Art. 11 BO
  grundsätzlich nicht zonenkonform sei. Offen lassen konnte es die Frage, ob Wohnungen
  für Betriebsinhaber und Betriebspersonal zonenkonform sind oder lediglich vom
  Bestandesschutz profitieren. 

  
	
   

  
	
  4.3 Nach den
  üblichen Regeln der Gesetzesauslegung ist eine Bestimmung in erster Linie
  nach ihrem Wortlaut auszulegen. Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene
  Auslegungen möglich, so muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden
  unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente, namentlich von Sinn und
  Zweck sowie der dem Text zugrunde liegenden Wertung. Wichtig ist ebenfalls der
  Sinn, der einer Norm im Kontext zukommt. Vom klaren, d.h. eindeutigen und unmissverständlichen
  Wortlaut darf nur ausnahmsweise abgewichen werden, u.a. dann, wenn triftige
  Gründe dafür vorliegen, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der
  Bestimmung wiedergibt. Solche Gründe können sich aus der Entstehungsgeschichte
  der Bestimmung, aus ihrem Grund und Zweck oder aus dem Zusammenhang mit
  andern Vorschriften ergeben (BGE 139 V 148 E. 5.1,
  mit Hinweisen).

  
	
   

  
	
  Wie das Verwaltungsgericht in seinem Entscheid VG.2013.00128
  ausgeführt hat, sprechen der Wortlaut und die systematische Einordnung der
  Bestimmung dafür, dass Art. 11 Abs. 2 Satz 1 BO nur
  den Erhalt und Ersatz von Wohnungen für Betriebsinhaber und Betriebspersonal
  erlaubt und folglich solche Wohnungen grundsätzlich als zonenwidrig zu gelten
  haben. Es ist aber naheliegend, dass der Gesetzgeber Wohnungen für Betriebsinhaber
  und Betriebspersonal als zonenkonform erachtete und grundsätzlich zulassen
  wollte. Dies ergibt sich bereits daraus, dass die explizite Erwähnung der
  Wohnungen für Betriebsinhaber und Betriebspersonal nur dann Sinn macht, wenn
  sie anders behandelt werden sollen als Wohnbauten, sind sie doch andernfalls
  vom Begriff der Wohnbaute ohne Weiteres erfasst. Dass der Gesetzgeber
  Betriebswohnungen in der Gewerbezone zulassen wollte, wird durch Satz 2
  von Art. 11 Abs. 2 BO noch deutlicher, geht dieser doch von
  der Zulässigkeit solcher Wohnungen aus, indem er vorschreibt, dass die
  Wohnnutzung vorzugsweise im Dachgeschoss und die gewerbliche Nutzung im Erdgeschoss
  stattzufinden hat. Daneben ist zu berücksichtigen, dass eine Sonderregelung,
  welche Wohnungen für Betriebsinhaber und Betriebspersonal in der Gewerbezone
  als zonenkonform erachtet, durchaus üblich ist (vgl etwa
  § 56 Abs. 4 des Planungs- und Baugesetzes des Kantons Zürich
  vom 7. September 1975 oder Art. 13 Abs. 2 des Gesetzes
  über die Raumplanung und das öffentliche Baurecht des Kantons St. Gallen vom
  6. Juni 1972). Vorliegend kommt daher dem grammatikalisch ohnehin nicht
  korrekten Wortlaut von Art. 11 Abs. 2 Satz 1 BO nur
  einschränkende Bedeutung zu. Aufgrund der expliziten Erwähnung der Wohnungen
  für Betriebsinhaber und Betriebspersonal ist mit dem Beschwerdeführer davon
  auszugehen, dass solche Wohnungen in der Gewerbezone grundsätzlich zonenkonform
  sind.

  
	
   

  
	
  4.4 In dem der Gesetzgeber in der Gewerbezone
  Wohnungen für Betriebsinhaber und Betriebspersonal erlaubt, bezweckt er, dass
  solche Personen beim Gewerbebetrieb, in welchem sie tätig sind, wohnen
  können. Damit gestattet Art. 11 Abs. 2 BO im Sinne einer
  Ausnahme ein Abweichen vom Zweck der Gewerbezone, welcher gemäss
  Art. 11 Abs. 1 BO in der gewerblichen, industriellen oder
  touristischen Nutzung liegt. Dadurch wird die Gewerbezone aber nicht zu einer
  gemischten Zone, in welcher Wohn- und Gewerbenutzungen gleichermassen erlaubt
  sind. Insofern unterscheidet sie sich mass-gebend von der Wohn- und
  Arbeitszone gemäss Art. 10 BO. Der Beschwerdeführer verkennt, dass in
  der Gewerbezone nicht jede Wohnnutzung gestattet ist. Entgegen seiner
  Auffassung ist es wesentlich, durch wen eine in der Gewerbezone liegende Wohnung
  genutzt wird. Art. 11 Abs. 2 BO lässt nur durch
  Betriebsinhaber oder Betriebspersonal genutzte Wohnungen zu. Wird eine solche
  Wohnung hingegen durch vom Gewerbebetrieb unabhängige Dritte bewohnt, ist
  dies gemäss Art. 11 BO mit der Gewerbezone nicht vereinbar. Insofern
  liegt stets dann eine relevante Nutzungsänderung vor, wenn eine Betriebswohnung
  neu durch Dritte bewohnt werden soll. Da der Beschwerdeführer nicht geltend
  macht, dass das Restaurant im Erdgeschoss künftig durch die Asylsuchenden
  betrieben werde, erweist sich die Nutzung der Wirtewohnung als Unterkunft für
  Asylsuchende nach dem Gesagten als zonenwidrig. An der Zonenwidrigkeit würde
  sich im Übrigen nichts ändern, wenn die Wohnung – wie vom Beschwerdeführer
  geltend gemacht – bereits früher durch Dritte bewohnt worden wäre. 

  
	
   

  
	
  5. 

  
	
  Zu prüfen ist sodann, ob sich der Beschwerdeführer auf
  den Bestandesschutz berufen kann.

  
	
   

  
	
  5.1 Der Bestandesschutz wird aus der
  Eigentumsgarantie, dem Grundsatz von Treu und Glauben und dem
  Rückwirkungsverbot abgeleitet (Walter Haller/Peter Karlen, Raumplanungs-,
  Bau- und Umweltrecht, 3. A., Zürich 1999, Rz. 817). Die Eigentumsgarantie
  (Art. 26 der Bundverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom
  18. April 1999 [BV]) und das Rückwirkungsverbot (Art. 5 BV) verbieten
  die sofortige Anwendung neuer Eigentumsbeschränkungen auf bestehende, nach
  altem Recht rechtmässig erstellte und genutzte Bauten. Daneben wird der
  Private durch das Vertrauensschutzprinzip (Art. 9 BV) im Vertrauen in
  eine ursprünglich rechtmässige Nutzung geschützt, die durch eine Rechts- oder
  Planänderung unrechtmässig geworden ist. 

  
	
   

  
	
  5.2 Den verfassungsrechtlichen Anforderungen wird
  sowohl das kommunale Baureglement als auch das kantonale Raumentwicklungs-
  und Baugesetz gerecht. Art. 11 Abs. 2 BO schützt
  Wohnbauten in ihrem Bestand. Ebenso sieht Art. 61 Abs. 1 RBG
  vor, dass bestehende, rechtmässig erstellte Bauten und Anlagen, die den geltenden
  Vorschriften oder Plänen nicht mehr entsprechen, erhalten und erneuert werden
  dürfen. 

  
	
   

  
	
  5.3 Entscheidend für die Anwendung des
  Bestandesschutzes ist, dass die bisherige Nutzung eines Gebäudes aufgrund
  einer Rechts- oder Planänderung rechtswidrig geworden ist. Wesentlich ist
  dabei, dass nicht sämtliche frühere Nutzungen vom Bestandesschutz erfasst
  werden. Schutz verdient nur die unmittelbar vor Inkrafttreten des neuen Plans
  oder neuen Rechts ausgeübte Nutzung.

  
	
   

  
	
  Ausgangspunkt für die Frage, ob sich der Beschwerdeführer
  auf den Bestandesschutz berufen kann, bildet demnach die Nutzung der Wohnung
  im ersten und zweiten Obergeschoss des streitbetroffenen Gebäudes unmittelbar
  vor dem Inkrafttreten des Baureglements am 1. Dezember 1998 (vgl.
  Art. 41 BO). 

  
	
   

  
	
  Wurde die Wohnung durch den Betriebsinhaber oder durch
  Betriebspersonal bewohnt, wäre deren Nutzung mit Inkrafttreten des
  Baureglements nicht zonenwidrig geworden, da Wohnungen für Betriebsinhaber
  und Betriebspersonal in der Gewerbezone weiterhin gestattet sind. Eine
  Berufung auf den Bestandesschutz fiele daher von vornherein ausser Betracht,
  wobei es nicht relevant ist, ob die Wohnung nach Inkrafttreten des Baureglements
  zwischenzeitlich zonenwidrig genutzt worden ist oder nicht.

  
	
   

  
	
  Ebenfalls nicht auf den Bestandesschutz berufen könnte
  sich der Beschwerdeführer, wenn die Wohnung unmittelbar vor Inkrafttreten des
  neuen Baureglements gar nicht genutzt worden wäre. Diesfalls gäbe nichts, was
  in seinem Bestand zu schützen wäre. 

  
	
   

  
	
  Folglich scheiterte die Anrufung des Bestandesschutzes
  nur dann nicht, wenn die Wohnung vor Inkrafttreten des Baureglements durch
  vom Betrieb unabhängige Dritte bewohnt worden war. Nur in diesem Fall wäre
  die bisherige Nutzung der Wohnung aufgrund des Inkrafttretens des neuen
  Rechts zonenwidrig geworden, was Voraussetzung für den Bestandesschutz
  bildet. Entgegen der Auffassung der Beigeladenen würde es dabei genügen, dass
  die Wohnung an nicht im Betrieb tätige Saisonniers vermietet wurde, handelt
  es sich doch bei der Nutzung der Wohnung durch Saisonniers klarerweise um
  eine Wohnnutzung, nicht um eine gewerbliche Nutzung.

  
	
   

  
	
  5.4 Die vorhandenen Akten geben keinen Aufschluss
  darüber, wie die Wohnung im ersten und zweiten Obergeschoss des
  streitbetroffenen Gebäudes unmittelbar vor Inkrafttreten des Baureglements
  genutzt worden war. Es obliegt der Beschwerdegegnerin dies näher zu prüfen.

  
	
   

  
	
  Kommt sie zum Schluss, dass die Wohnung durch den
  Betriebsinhaber, durch Betriebspersonal oder gar nicht genutzt worden war,
  scheitert die Berufung auf den Bestandesschutz. Folglich wird die Beschwerdegegnerin
  an der Verweigerung der Baubewilligung festhalten.

  
	
   

  
	
  Ergibt sich hingegen, dass eine gewöhnliche Wohnnutzung
  durch vom Betrieb unabhängige Drittpersonen vorlag, wird sie in einem zweiten
  Schritt beurteilen müssen, ob dies mit den damals geltenden bau- und
  planungsrechtlichen Vorschriften vereinbar war, greift doch der
  Bestandesschutz nur, wenn die Nutzung vor der Plan- bzw. Rechtsänderung
  rechtmässig war. Ist dies der Fall, hat die Beschwerdegegnerin schliesslich
  zu prüfen, ob die weiteren Voraussetzungen des Bestandesschutzes gemäss
  Art. 61 RBG erfüllt sind, namentlich ob das Bauvorhaben den Vorgaben von
  Art. 61 Abs. 2 RBG entspricht. Dabei hat sie davon auszugehen,
  dass der Betrieb einer Unterkunft für Asylsuchende entgegen der Auffassung der
  Beigeladenen eine gewöhnliche Wohnnutzung ist (vgl. VGer
  BE-Urteil VGE 18170 vom 11. März 1991 E. 2, in BVR 1992
  S. 14 ff., 15f., VGE 17474 vom 21. März 1988 E. 4, in BVR 1988
  S. 263 ff., 271 f.; Urteil des Regierungsrats SZ vom 24. April 1990 E. 3, in
  ZBl 1990 S. 419 ff., 421), welche keinen räumlichen Abstand zum Dorfkern oder
  zu Wohnzonen erfordert.

  
	
   

  
	
  6. 

  
	
  Ins Leere greift
  schliesslich die Argumentation der Beschwerdegegnerin, wonach die
  Nutzungsplanung nicht zeitgemässen Lebenssachverhalten entspreche. Dies wäre
  allenfalls bei einer akzessorischen Überprüfung des Nutzungsplans zu berücksichtigen.
  Allerdings hat das Verwaltungsgericht im rechtskräftigen Entscheid
  VG.2013.00128 bereits einlässlich ausgeführt, das dem Gericht die
  akzessorische Überprüfung des Nutzungsplans verwehrt ist. Auf die
  entsprechende E. II/4.6 kann verwiesen werden.

  
	
   

  
	
  7.

  
	
  Zusammenfassend ergibt
  sich, dass das Bauvorhaben des Beschwerdeführers zonenwidrig ist. Ob er sich
  auf den Bestandesschutz berufen kann, lässt sich aufgrund der vorliegenden
  Akten nicht beurteilen. 

  
	
   

  
	
  Demgemäss ist die
  Beschwerde teilweise gutzuheissen. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
  8. Juli 2014 ist aufzuheben und die Sache im Sinne der Erwägungen an die
  Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  1. 

  
	
  Aufgrund des offenen
  Verfahrensausgangs ist von einem je hälftigen Obsiegen des Beschwerdeführers
  und der Beschwerdegegnerin bzw. den Beigeladenen auszugehen. Die pauschale
  Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.- ist ausgangsgemäss zur Hälfte dem Beschwerdeführer
  und zu je einem Viertel der Beschwerdegegnerin und den Beigeladenen
  aufzuerlegen, wobei die Anteile des Beschwerdeführers und der
  Beschwerdegegnerin auf die Staatskasse zu nehmen sind (Art. 134 Abs. 1 lit. c
  i.V.m. 135 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 16 Abs. 3 des Gesetzes über die
  Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 [VRG]).

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Der Beschwerdeführer und
  die Beigeladenen obsiegen bzw. unterliegen gleichermassen. Im Gegensatz zum
  Beschwerdeführer sind die Beigeladenen mangels besonderer Umstände nicht zur
  Bezahlung einer Parteientschädigung verpflichtet
  (Art. 138 Abs. 4 VRG). Folglich ist der Beschwerdeführer zu
  verpflichten, den Beigeladenen 1.1, 1.2, 3.1, 3.2, 4.1 und 4.2 eine
  reduzierte Parteientschädigung von je Fr. 75.- und den Beschwerdeführern 2,
  5 und 6 eine solche von je Fr. 150.-, insgesamt Fr. 900.-
  (inkl. Mehrwertsteuer), zu bezahlen.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird teilweise gutgeheissen. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin
    vom 8. Juli 2014 wird aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen
    an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die
    pauschale Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.- wird zu einem Viertel den
    Beigeladenen auferlegt und zu drei Vierteln auf die Staatskasse genommen. 

    
	
    3.

    	
    Der
    Beschwerdeführer wird verpflichtet, innert 30 Tagen nach Rechtskraft dieses
    Entscheids den Beigeladenen 1.1, 1.2, 3.1, 3.2, 4.1 und 4.2 eine
    Parteientschädigung von je Fr. 75.- und den Beschwerdeführern 2, 5 und
    6 eine solche von je Fr. 150.-, insgesamt Fr. 900.- (inkl.
    Mehrwertsteuer), zu bezahlen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]