# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 10f520cd-6c6c-58f4-ae1a-d11037989bc5
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-12-03
**Language:** de
**Title:** Das von der Beschwerdegegnerin eingeholte Gutachten erweist sich als beweiskräftig. Bei einer Einschränkung von 30 % in sämtlichen Hilfsarbeitertätigkeiten besteht kein rentenanspruchsbegründender Invaliditätsgrad. Abweisung.
**Docket/Reference:** IV.2024.00178
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00178.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00178
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Romero-Käser
Ersatzrichterin Muraro
Gerichtsschreiberin Schucan
Urteil
vom
3. Dezember 2024
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1979, Mutter von
zwei Kindern (geboren 2011, 2012) sowie von einem Stiefkind (geboren 2000)
, reiste am 27. November 2012 von den USA in die Schweiz ein (Urk. 7/1 Ziff. 1.4) und
war seither nicht erwerbstätig
(
vgl.
Urk. 7/
35
)
.
Am 5. März 2019 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf seit etwa
dem Jahr
2012 bestehende psychische Beeinträchtigungen bei der Invalidenver
siche
rung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1 Ziff. 6.1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
nahm Abklärungen der medizinischen Situation vor und
verneinte mit Verfügung vom
15.
Juni 2020 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 7/24).
1.2
Am 8. Februar 2021 meldete sich die Versicherte erneut bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/28-Urk.
7/31).
Die IV-Stelle holte medizinische Berichte ein und veranlasste bei der
Y.___
AG, Gutachterstelle, ein
e
interdisziplinäre
Begutachtung. Das
Gutachten
wurde
am 16. Mai 2023 erstattet (Urk. 7/73).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/75; Urk.
7/83, Urk. 7/94)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 12. Februar 2024 einen Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 7/96 = Urk. 2).
2
.
Die Versicherte erhob am 8. März 2024 Beschwerde gegen die Verfügung vom 12. Februar 2024 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und die Ange
legenheit
sei
zur Neubeurteilung
an die IV-Stelle zurückzuweisen
(Urk. 1 S.
2
).
Mit Beschwerdeantwort vom 30. April 2024 (Urk. 5) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen, was der Beschwerdeführerin am 3. Mai 2024 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten. Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 2022. Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeitpunkt ein Renten
anspruch entstanden ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstandener Rentenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
Auf Grund der im
Februar 2021
anhängig gemachten Anmeldung bei der Invalidenversicherung könnten allfällige Leistungen frühestens ab
August 2021
ausgerichtet werden (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG). In dieser übergangsrechtlichen Konstellation ist die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesene Rechtslage massge
bend, die im Folgenden
soweit nichts anderes vermerkt ist
jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und angewendet wird.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
(E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen
(E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
1.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.6
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.7
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.8
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfol
gerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_587/2023 vom 8. April 2024 E. 4.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
erwog in
ihre
r
Verfügung (Urk. 2), sie
habe
am 12.
Februar 2021 von der Beschwerdeführerin ein Zusatzgesuch erhalten. Nach
dem die beruflichen Eingliederungsmassnahmen aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation abgelehnt worden seien, sei ein Gutachten eingeholt worden, worauf abgestellt werde. Die Beschwerdeführerin stamme aus den USA und sei dort zwischen 2010 und 2012 als
Social
and Scientific
Systems-
Mitarbeiterin tätig gewesen. Seit ihrer Einreise in die Schweiz im November 2012 sei sie keiner Berufstätigkeit nachgegangen und werde daher als Hilfsarbeiterin qualifiziert. Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne ab Januar 2021 für sämtliche berufliche
n
Tätigkeiten eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30 % angenommen werden. In der Haushaltsführung ergäben sich aus medizinischer Sicht keine Einschränkungen.
Der Anspruch auf eine Invalidenrente entstehe, wenn während einem Jahr eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % bestehe und wenn nach diesem Wartejahr eine längerdauernde
,
sprich bleibende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von mindestens 40 % vorliege. Da aus IV-Sicht lediglich eine Einschränkung von 30 % vorliege, könne das gesetzliche Wartejahr nicht erfüllt werden, weswegen kein Anspruch auf eine Invalidenrente entstehe
. Nach ergangenem Vorbescheid hätte die Beschwerdeführerin in den vergangenen 3.5 Monate
n
genügend Zeit gehabt
, sich um eine Stellungnahme des Therapeuten oder
seiner
Stellvertretung zu bemühen. Eine weitere Fristerstreckung könne nicht gewährt werden. Es seien
so
mit keine neuen medizinischen Tatsachen geltend gemacht worden, weshalb weiterhin auf das Gutachten abgestellt und am Entscheid festgehalten werde (S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (Urk. 1) geltend, dass ihre Arbeitsfähigkeit deutlich stärker als
zu
30 % eingeschränkt sei. Auf
grund der Trennung von ihrem Mann und ihrer prekären finanziellen Situation müsste sie heute aus gesundheitlichen Gründen wieder in eine Vollzeitbe
schäf
tigung zurückkehren, wie sie dies vor der Familiengründung getan habe. Aufgrund ihrer psychischen und physischen Verfassung sei ihr dies jedoch nicht möglich. Das Gutachten werde dem Grad ihrer gesundheitlichen Einschränkungen nicht gerecht.
Dies gehe aus den Berichten der behandelnden
Ärzte und Thera
peuten
hervor (S. 2
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invali
denrente und in diesem Zusammenhang, ob seit der letzten leistungsvernei
nenden Verfügung vom
15. Juni 2020
(Urk.
7/24
) eine anspruchsrelevante Ver
schlechterung ihres Gesundheitszustandes eingetreten ist (vorstehend E. 1.6
7).
3.
3.1
Die
rechtskräftig gewordene,
leistungsanspruchsverneinende Verfügung vom 15. Juni 2020 (Urk. 7/24) erging gestützt auf die Stellungnahme von Dr. med.
Z.___
, Facharzt für Psychiatrie und für Psychotherapie, regionaler ärztlicher Dienst (RAD; vgl. Urk. 7/22/7).
3.2
Dr.
Z.___
, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom 19. Dezember 2019 (Urk. 7/22/6-7) aus, dass die posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) nicht diagnostiziert werden könne, da die ICD-10 Kriterien B, C und E nicht erfüllt seien. Es werde festgestellt, dass die Beschwerdeführerin sich an den geltend gemachten sexuellen Übergriff jahrelang nicht und sich erst erneut daran erinnert habe, nachdem eine Freundin ihre eigene Vergewaltigung geschildert habe (Arztbericht 29. März 2019, S. 18
; richtig:
Bericht
A.___
vom 11. Februar 2019 S.
2 in Urk. 7/6/17-20 S. 2
). Während eines vierwöchigen Aufenthaltes in den USA etwa im April 2018 habe si
e
auch keine Intrusionen gehabt (Arztbericht 3.
Dezember 2019, S. 7
; richtig: Bericht
B.___
vom 28. September 2018 S. 1 in Urk. 7/20/7-15 S. 1
). Nach
dem geltend gemachten sexuellen Missbrauch habe sie als Chemi
e
-Laborantin gearbeitet (Arztbericht 3. Dezember
2019
, S. 8-9
; richtig: Bericht
B.___
vom 28. September 2018 S. 2-3 in Urk. 7/20/7-15 S. 2-3
). Nach der Einreise in die Schweiz habe die Beschwerdeführerin zeitweise für eine Firma gearbeitet, habe Deutschkurse besucht und sogar ihre kranke Schwieger
mutter sechs Monate lang in den USA gepflegt (S. 9
; richtig: S. 3
). Es sei ersichtlich, dass jahrelang keine PTBS-ähnlichen Symptome vorhanden gewesen seien und dass die Beschwerdeführerin ein hohes Funktionsniveau habe auf
rechterhalten können. Die rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33) sei anhand der geschilderten Symptomatik und der Anamnese seit dem 12. Lebens
jahr nachvollziehbar, wobei remittierte Phase
n
mit
überwiegender Wahrschein
lichkeit
vorhanden gewesen seien
, zumal die Beschwerdeführerin im
jung
en Erwachsenenalter aktiv gewesen sei und unter anderem als Schauspielerin gearbeitet und einen Musikladen betrieben habe.
Weiter hielt Dr.
Z.___
fest, dass d
ie aktuelle Verschlechterung mit psychosozialen Belastungsfaktoren verbunden
sei:
f
inanzielle Abhängigkeit vom Ehemann,
konflikthafte Beziehung zum Ehemann, Verantwortung für
die Kindesversorgung (S. 8, S. 12
; richtig: S. 2 und S. 6
), Empfehlung des KJZ für eine Platzierung der Kinder (Arztbericht 29.
März 2019, S. 1
; richtig: Bericht
C.___
vom 21. März 2019 S. 1 in Urk.
7/6/1
6 S. 1
). Der Abstand zur eigenen Familie in der Schweiz habe ihr während des USA-Aufenthaltes gutgetan und die Rückkehr habe zu einer erneuten Verschlechterung geführt (Arztbericht 3. Dezember 2019, S. 7
; richtig: Bericht
B.___
vom 28. September 2018 S. 1 in Urk. 7/20/7-15 S. 1
).
Dr.
Z.___
führte aus, dass der Gesundheitszustand bei fehlenden psychosozialen Belastungsfaktoren mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weniger bis gar nicht vorhanden wäre. Aus psychiatrischer Sicht könne zusammenfassend nur die rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33) nachvollzogen werden. Die
Störung bestehe mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit dem 12. Lebensjahr. Trotz dieser Störung hätte die Beschwerdeführerin eine leidensangepasste Tätig
keit ausüben können, zumal sie in der Vergangenheit mehreren beruflichen Tätigkeit
en
nachgegangen sei, für ihre Famil
i
e gesorgt und die kranke Schwie
germutter gepflegt habe.
Aus somatischer Sicht bestünden folgende Diagnosen: Hashimoto-T
h
yreoiditis (schon in den USA vorhanden), eine Adipositas, eine Hypercholesterinämie und rezidivierende Gelenkbeschwerden (Arztbericht 3. Dezember 2019 S. 3
; richtig: Bericht
von Dr. med.
D.___
vom 29. November 2019
S. 3 in Urk. 7/20/1
6 S. 3
). Diese Störungen hätten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit schon in den USA bestanden, zumal schon damals «körperliche Beschwerden» vor
ha
nden gewesen seien (Arztbericht 4. Juli 2019, S. 2
; richtig: Bericht
B.___
vom 28.
September 2018 S. 2 in Urk. 7/20/7-15 S. 2
). Nachvollziehbarer Weise hätten diese Diagnosen laut dem Hausarzt keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Arztbericht 3. Dezember 2019 S. 5
; richtig wohl: Bericht von Dr.
D.___
vom
29.
November 2019 S. 5 Ziff. 4.5 in Urk. 7/20/1-6 S. 5 Ziff. 4.5
).
4.
4.1
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich nach
Neuanmeldung
de
r
Beschwer
deführer
in
bei der Invalidenversicherung am
8. Februar 2021
(Urk.
7
/
31
) wie folgt
:
4.2
M.Sc
.
E.___
, Psychologischer Psychotherapeut, Dr. med.
F.___
und Dr. med.
G.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Ambulatorium
H.___
, führten in ihrem Bericht vom
28. Januar 2021
(Urk.
7/28
= Urk. 7/32
)
aus, dass sich in der Arbeit mit der Patientin eine deutliche Symptomatik einer komplexen
posttraumatischen Belastungsstörung (
PTBS
)
neben den anderen bestehenden psychiatrischen Diagnosen (rezidivierende Depression, aktuell mittelgradige Episode, postpartale Depressionen, Panik
störung, Binge Eating sowie chronische Schmerzen im Sinne
einer Fibromyalgie) zeigten. Sämtliche Kriterien für eine komplexe PTBS seien erfüllt (S. 1 ff.). Dies führe zu einer Re
-
evaluation des IV-Status der Patientin. Der psychische und physische Gesamtzustand sei seit dem IV-Entscheid vom 4. Mai 2019 [
richtig wohl
:
15
.
Juni
2020
, vgl. Urk. 7/24
] trotz veränderten/abgenommenen psycho
sozialen Belastungsfaktoren auf schlechtem Niveau unverändert. Teilweise bestehe sogar eine Verschlechterung im Antrieb sowie ein erhöhtes Vermei
dungs
verhalten. Die aufgeführten Diagnosen führten zu einer Gesundheitsschädigung, welche der Patientin ein normales Leben verunmöglichten. Sie sei nicht arbeits
fähig. Schon die Gestaltung des Alltages bringe sie an ihre Grenzen, und sie sei nicht in der Lage, administrative Tätigkeiten auszuführen (S. 4 unten f.).
4.3
Psychotherapeut
E.___
und Dr. med.
I.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Ambulatorium
H.___
,
stellten in ihrem
undatierten, am
3. Mai 2022 bei der Beschwerdegegnerin eingegangenen
Bericht
(Urk. 7/53)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.2):
-
komplexe posttraumatische Belastungsstörung mit dissoziativer Symp
tomatik (ICD-11),
Differenzialdiagnose (
DD
;
ICD-10 F61)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) mit Panikstörung (ICD-10 F40.01)
-
Binge Eating (ICD-10 F50.81)
-
Fibromyalgie
Die Fachpersonen führten aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem 6. September 2018 bei ihnen in Behandlung
und
die letzte Kontrolle am 25. April 2022 erfolgt sei. Die Behandlung finde wöchentlich statt, jedoch mit mehreren monatlichen Unterbrechungen, da der Patientin die Energie für die Therapie gefehlt und sie sich teilweise stark zurückgezogen habe (Ziff. 3.1).
Im
aktuellen Zustand der Patientin
bestehe
keine Arbeitsfähigkeit. Jegliche Arbeit sei nicht zumutbar, unabhängig vom Beruf (Ziff. 2.1).
Es benötige viel Zeit und Arbeit
,
bis eine gesunde Funktionalität entstehen könne.
Aktuell sei eine Spitex als Unterstützung nötig,
um den alltäglichen Aufgaben besser nachzukommen. In Anbetracht der Länge und Schwere der Erkrankungen sei noch offen, ob eine Arbeitsfähigkeit wieder erreicht werden könne (Ziff. 3.3).
Eine Belastbarkeit für Massnahmen der Wiedereingliederung von mindestens zwei Stunden am Tag sei nicht gegeben (Ziff. 4.2). Die Krankheiten bestünden schon sehr lange, würden jedoch durch psychosozialen Stress nicht aufrecht
erhalten, sondern
verstärkt. Aktuell befinde sich die Patientin im Scheidungs
prozess, was jedoch nur wenig Einfluss auf die Symptome der Erkrankung habe (Ziff. 4.4).
Die Fachpersonen führten aus, dass die Patientin wach und bewusstseinsklar sei. Im Kontakt zeige sie sich freundlich und offen sowie zurückhaltend. Sie sei zu allen vier Qualitäten orientiert. Es bestünden Konzentrationseinschränkungen und keine Einschränkung in der Merkfähigkeit. Sie habe Ängste mit Panik, der Auslöser sei Stress und Lärm. Es bestünden keine Hinweise auf Zwänge, Wahn oder Sinnestäuschungen. Es bestünden dissoziative Zustände, Flashbacks, Alp
träume,
Hyperarousal
,
Hypervigilanz
und Vermeidungsverhalten. Die Beschwer
de
führerin sei
im Affekt stark zum negativen Pol hin ausgelenkt, bei erhaltener Schwingungsfähigkeit
. Zu bestätigen sei ein
soziale
r
Rückzug, starke Erschöp
fung, verminderte Kraft und Energie
sowie
Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit.
Der Antrieb sei vermindert
,
und die Beschwerdeführerin zeige
selbstverletzendes Verhalten (Zwicken, Kneifen).
Die Fachpersonen führten weiter aus, dass d
ie Kriterien für eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung erfüllt
seien
. Die Patientin weise zudem
gross
e Defizite in der Wahrnehmung und Umsetzung der eigenen Bedürfnisse sowie der Entwicklung der eigenen Identität auf. Die Bedürfnisse Anderer würden hingegen sehr fein wahrgenommen. Es fehlten Grundfähigkeiten der Emotionsregulation sowie einen Wert in sich selbst zu sehen oder anderen Menschen
v
ertrauen zu können. Die Patientin sei fähig, sich um ihre Kinder zu kümmern, jedoch brauche dies aufgrund der täglichen Schmerzen ihre ganzen noch vorhandenen Ressourcen auf (Ziff. 1.3).
4.4
Dr. med.
J.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Fall
führung, Dr. med.
K.___
, Facharzt für Neurologie, Dr. med.
L.___
, Facharzt für Rheumatologie, und Dr. med.
M.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstatteten am 16. M
ai
2023 das von der Beschwerdegegnerin veranlasste interdisziplinäre Gutachten (Urk. 7/73). Die Gut
achter stellten in ihrer interdisziplinären Gesamtbeurteilung folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9 Ziff. 4.3
lit
. b):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode (ICD-10 F33.00, F33.10)
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
metabolisches Syndrom
-
morbide Adipositas (B
M
I 51.4 kg/m
2
)
, konsekutiv erhebliche allgemeine
muskuläre
Dekonditionierung, Essstörung, nicht näher bezeichnet (ICD-10 F50.9)
-
arterielle Hypertonie, medikamentös behandelt
-
Dyslipidämie, medikamentös behandelt
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) bei chronischem Fibromyalgie-Syndrom (weder anamnestisch, klinisch noch früher labormässig
[
2017/2020
]
Hinweise für eine eigenständige entzünd
lich-rheumatische Systemerkrankung Typ Kollagenose respektive
Antiphos
pho
lipid-Syndrom
), Migräne mit Aura, Verdacht auf Multiple Sklerose (patholo
gischer MRI-Befund, Liquordiagnostik Juli 2016 oligoklonale Banden positiv, klinisch keine Residuen), anamnestisch Asthma bronchiale, eine Hypothyreose (anamnestisch Status nach Thyreoiditis Hashimoto, unter Substitution kompen
siert) sowie ein
en
Verdacht auf eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksam
keitsstörung (ICD-10 F90.0
; S. 9 f. Ziff. 4.3
lit
. c
).
Zur Gesamtarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin führten die Gutachter aus, dass die Einschränkungen der Leistungsfähigkeit aus somatischer Sicht begründet seien mit der Adipositas, was aus allgemeininternistischer und rheumatologischer Sicht festgestellt worden sei. Da für die vermehrt notwendigen Pausen, welche aus psychiatrischer Sicht notwendig seien, dieselben Zeitabschnitte genutzt werden könn
t
en, ergebe sich keine Kumulation der verschiedenen Arbeitsun
fähigkeiten (S. 10 Ziff. 4.5).
Die Beschwerdeführerin habe in der Schweiz keine Erwerbstätigkeit ausgeübt, weshalb die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit unter dem Abschnitt der Beurteilung einer angepassten Tätigkeit vorgenommen werde (S. 10 Ziff. 4.6.1).
Leichte bis selten mittelschwere, wechselbelastende
,
aber vorwiegend sitzende Tätigkeiten wären zwischen sechs bis acht Stunden pro Tag möglich
. Es seien jedoch vermehrte Erholungspausen erforderlich. Bezogen auf ein 100%
-Pensum
resultiere damit eine Arbeitsfähigkeit von 70 % respektive eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % (S. 10 f. Ziff. 4.7.1-4.7.4). Nachdem im Jahr 2020 noch keine dauerhaften Einschränkungen der Arbeits
fähigkeit festgestellt worden seien, würden die Angaben seit der neuen IV-Anmeldung ab Januar 2021 gelten (S. 11 Ziff. 4.7.5). Die Gutachter führten aus, dass die körperliche Belastbarkeit der Beschwerdeführerin mit einer Gewichts
reduktion verbessert werden könnte. Angesichts des psychischen Leidens sei dadurch aber keine wesentliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten (S.
11 Ziff. 4.8).
Bei den Haushaltstätigkeiten ergebe sich keine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit, da die Arbeiten individuell über den Tag verteilt verrichtet werden könn
t
en. Lediglich körperlich schwere Arbeiten, welche aber in einem Einpersonenhaushalt kaum vorkommen würden, seien nicht möglich (S. 12 Ziff. 5).
Die Gutach
t
er be
jahten
die Frage, ob sich der gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin im Vergleich zur medizinischen Aktenlage, welche der Verfügung vom 15. Juni 2020 zugrunde
gelegen habe
, verändert habe. Das psychische Leiden habe sich verändert, indem
die depressive Symptomatik nun andauernd leicht bis mittel
gradig sei. Die Leistungsfähigkeit sei dadurch seit anfangs 2021 um 30 % einge
schränkt
. Die Verschlechterung könne seit anfangs 2021 angenommen werden
(S. 11 Ziff. 4
.
9 Frage 1-
4
).
Im Rahmen der Beurteilung von Konsistenz
und Plausibilität gaben die Gutachter an, dass sich bei den Untersuchungen gewisse Inkonsistenzen zwischen den von der Explorandin angegebenen Beschwer
den und den objektivierbaren medizinischen Befunden ergeben hätten. Die ange
gebenen Einschränkungen im Alltag seien mit den von ihr geschilderten Alltags
aktivitäten und dem Verhalten während der Untersuchungen ebenfalls nicht vollständig plausibel erklärbar (S. 8 Ziff. 4.2).
4.5
Dr.
Z.___
, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom 26. Juni 2023 (Urk.
7/74/6-7) aus,
es werde
empfohlen, auf das polydisziplinäre Gutachten der
Y.___
AG vom 16. Mai 2023 abzustellen, zumal es die formalen Qualitätskrite
rien erfülle und in seinen Schlussfolgerungen plausibel und nachvollziehbar sei. Das Belastungsprofil bestehe demnach in leichten bis selten mittelschweren, wechselbelastenden
,
aber vorwiegend sitzenden Tätigkeiten, mit der Möglichkeit für vermehrte Pausen. Ab Januar 2021 bestehe in der bisherigen und
in
jeder angepassten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 30 %. Eine Verbesserung sei nicht zu erwarten. Grundsätzlich wären eine Gewichtsreduktion und eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung indiziert. Die Auswirkung dieser Massnahme
n
auf die Arbeitsfähigkeit sei jedoch ungewiss, weshalb keine Auflage empfohlen werde.
4.
6
In ihrem Schreiben vom 11. März 2024 (Urk. 3/3) hielt Dr.
med.
N.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
fest, dass die Beschwerdeführerin seit Oktober 2014 Patientin in ihrer Praxis sei und sie - Dr.
N.___
- sich beim besten Willen nicht vorstellen könne, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer psychischen Verfassung 70 % oder mehr arbeiten könne.
5.
5.
1
Die leistungsanspruchsverneine
n
de Verfügung vom
15
.
Juni
2020 (Urk. 7/24)
erging gestützt auf die Stellungnahme von RAD-Arzt Dr.
Z.___
vom 19. Dezember 2019
, wonach aus psychischer Sicht lediglich die bei der Beschwerde
führerin seit dem 12. Lebensjahr bestehende rezidivierende depressive Störung plausibel sei, die zu diesem Zeitpunkt bestehenden Beschwerden jedoch in der psychosozialen Belastungssituation ihre abschliessende Erklärung gefunden hätten und auch von Seiten der somatischen Diagnosen keine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen
sei
(vorstehend E. 3.
2
).
Eine seither veränderte Befundlage und damit ein Revisionsgrund
gemäss
Art. 17 ATSG (vorstehend E. 1.
7
) ist aufgrund der
Feststellungen im interdisziplinären Gutachten
der
Y.___
AG
vom 16. Mai 2023
, wonach nun dauerhaft von
einer leicht bis mittelgradig ausgeprägten depressiven Symptomatik
auszugehen sei (
vorstehend E. 4.
4
)
,
ausgewiesen.
Zudem kam es, im Vergleich zu den Angaben im Bericht der
C.___
vom 21. März 2019, wo ein Gewicht der Beschwerde
führerin von 136.2 kg angegeben wurde (Urk. 7/6
/1-6
S. 3 unten)
,
zu einem weiteren Fortschreiten der Adipositas
auf nun 145 kg (
Urk. 7/73 S.
23 Ziff. 4.3
).
Zu prüfen ist nachfolgend, wie sich die
s
auf die Arbeitsfähigkeit de
r
Beschwer
deführ
erin
auswirk
t
.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich
auf Empfehlung von RAD-Arzt Dr.
Z.___
vom
26. Juni 2023
(vorstehend E. 4.5)
in ihrer Verfügung (Urk. 2) auf
das Gutachten der
Y.___
AG
vom
16. Mai 2023
(vorstehend E. 4.
4
) ab und ging davon aus, dass
die Beschwerdeführerin seit Januar 2021 in ihrer angestammten und jeder anderen angepassten Hilfsarbeitertätigkeit um 30 % in der Arbeits
fähig
keit eingeschränkt sei (vorstehend E. 2.1)
.
Dagegen verwies die Beschwer
deführerin auf ihre behandelnden
Ärzte und Therapeuten und machte geltend, dass ihre Einschränkungen deutlich höher liegen würden, als von der Beschwer
degegnerin angenommen (vorstehend E. 2.2).
5.
2
Das
interdisziplinäre Gutachten
der
Y.___
AG
vom
16. Mai 2023
(vorstehend E.
4.
4
) erfüllt die formalen Beweiswert-Anforderungen (vorstehend E.
1.
8
), ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchun
gen, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben. Darüber hinaus leuchtet es auch in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nachvollziehbar begründete Schlussfol
ge
rungen
,
weshalb darauf abgestellt werden kann.
Die Gutachter kamen in ihrer Gesamtwürdigung zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht durch das metabolische
Syndrom mit erheblichem Übergewicht und von psychischer Seite her durch das depressive Leiden (ICD-10 F33.00, F33.10) sowie die posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) in der Arbeitsfähigkeit um 30 % beeinträchtigt sei, dies seit Januar 2021.
5.3
In psychischer Hinsicht
bestätigte Gutachter Dr.
M.___
das Vorliegen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode (ICD-10 F33.00, F33.10)
, und
einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sowie
einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
und
einer Essstörung
, nicht näher bezeichnet
(ICD-10 F
50.9
)
(Urk. 7/73 S. 35 Ziff. 6.3
lit
.
b und
lit
.
c)
. Eine wesentliche Abweichung in der Diagnostik im
V
ergleich zu den behandelnden Fachpersonen des Ambulatoriu
m
s
H.___
in ihre
n
Bericht
en
vom
28. Januar 2021
und vom
3. Mai 2022
(vorstehend E. 4.
2-
3) ergibt sich damit nicht. Jedoch kam Gutachter Dr.
M.___
bei
der Prüfung der
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
zu einem von den behandelnden Fachpersonen des Ambulatoriums
H.___
abweichenden Ergebnis, indem er die Störungen als nicht schwer ausgeprägt beurteilte
und im Ergebnis eine
Restarbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
von 70 %
für möglich erachtete
(Urk.
7/73
S. 34 f. Ziff. 6.3
lit
. a und
S. 37 Ziff. 8.1.3)
.
Im Gegensatz zu den behandelnden Fachpersonen des Ambulatoriums
H.___
nahm
Dr.
M.___
auch
eine
Abgrenzung der
zweifellos bei der Beschwerdeführerin vorhandenen psychosozialen Belastungsfaktoren
von den diagnoserelevanten Befunden vor. Genannt wurden die erfolgte Trennung vom Ehemann, das geplante Scheidungs
verfahren, das Fehlen von ausserhäuslicher Berufserfahrung in der Schweiz sowie die angespannte finanzielle Situation
(Urk. 7/73 S. 36 Ziff. 7.2).
Gutachter
Dr.
M.___
wies
auf eine trotz der festgestellten Symptome im Zusammenhang mit dem depressiven Leiden
und
der posttraumatischen Belas
tungs
störung
(Urk. 7/73 S. 3
4
Ziff. 6.3
lit
. a)
weitgehend erhaltene Konzen
trationsfähigkeit der Beschwerdeführerin während des Untersuchungsgespräches sowie beim Lenken eines Autos hin
(Urk. 7/73 S. 35 oben)
.
Dr.
M.___
legte in nachvollziehbarer Weise dar, weshalb die Beschwerdeführerin nicht unter schweren posttraumatischen Symptomen leiden würde.
Sie leide primär
unter Schmerzen im Bewegungsapparat bei deutlicher Adipositas. Die rheumato
lo
gische Diagnose Fibromyalgie, die sich in den Akten auch finde, entspreche rein deskriptiv
der psychiatrischen Diagnose chronische Schmerzstörung mit somati
schen und psychischen Faktoren. Die Beschwerdeführerin habe anlässlich des Untersuchungsgesprächs nicht derart beeinträchtigt gewirkt (Urk. 7/73 S. 35 Mitte).
Die von den
Vorbehandlern
attestierte gänzliche Arbeitsunfähigkeit
konnte Dr.
M.___
nicht nachvollziehen
.
Dies
auch
aufgrund der täglichen Aktivitäten, die der Beschwerdeführerin möglich seien.
Auffällige dissoziative Symptome seien
zudem weder
ersichtlich gewesen
noch von der
Beschwerdeführerin beklagt worden (Urk. 7/73 S. 34 Ziff. 6.2.3).
Im Gegensatz zu de
r im
Bericht der behandelnden Fachpersonen des Ambu
latoriums
H.___
vom 3. Mai 2022
festgehalten
en
erforderlichen Unterstüt
zung der Beschwerdeführerin durch die Spitex bei der Alltagsbewältigung
(vor
stehend E. 4.3)
,
gab die Beschwerdeführerin gegenüber dem psychiatrischen Gutachter Dr.
M.___
an, dass sie ihren Haushalt selbst erledige, dies ohne Hilfe
,
und
sie
sich die Arbeit gegebenenfalls einteile
. Sodann sei sie in der Lage, mit ihrem Hund spazieren zu gehen. Als Hobby wurde Lesen angegeben. Dr.
M.___
schloss sodann aus dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin noch Auto
fahre
und gemäss ihren Angaben auch im Jahr zuvor mit ihren Kindern
zu ihrer Mutter
in die USA gereist sei
(
Urk. 7/73
S. 31 unten f., S. 34 Ziff. 6.2)
,
berechtigterweise
auf bestehende Ressourcen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C
_
569/2015 vom 17.
Februar 2016 E. 4.1.3).
Es kann zudem auch nicht per se von einem krankheitsbedingten sozialen Rück
zug gesprochen werden,
da
die Beschwerdeführerin äusserte, dass sie nebst der intakten Beziehung zu ihren zwei Söhnen ihren Freundeskreis in Amerika habe und in regelmässigem Kontakt mit ihrem Bruder stehe (Urk. 7/73 S. 32 oben, S.
34 oben und Ziff. 6.2.2).
Eine
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
, wie dies von den behandelnden Fachpersonen des Ambula
toriums
H.___
postuliert wurde
(vorstehend E. 4.2-3)
, lässt sich
damit
nicht bestätigen.
A
uch ein
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck
ist in Anbetracht dessen, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Begutachtung am 29
.
März 2023
angab
, dass sie letztmals im Januar 2023 bei
m Psychotherapeuten
E.___
in Behandlung gewesen sei
und sie
nun eine Thera
piepause
mache
, da auch der Therapeut umziehe (Urk. 7/73 S. 30 Mitte)
, zu relativieren.
Die Therapie wurde im Übrigen bereits zuvor
für
längere Zeit unterbrochen. So ergab eine Anfrage der Beschwerdegegnerin beim behandeln
den Psychotherapeuten
E.___
vom
26. Januar 2022
,
dass die Beschwerdeführerin seit fast sechs Monaten nicht mehr bei ihm in Therapie gewesen sei. Es sei ihr sehr schlecht gegangen, weshalb sie das Haus nicht habe verlassen und an Terminen
nicht
habe teilnehmen können
(Urk. 7/49)
.
Wie aus den Akten hervor
geht, weilte die Beschwerdeführerin in diesem Zeitraum auch mehrere Monate in den USA bei
ihrer Mutter
(Urk. 7/39-4
1
).
Zusammenfassend kann von einer ernsthaft durchgeführten Therapie, welche in einem angemesse
ne
n Verhältnis zu der
von den Fachpersonen des Ambulatori
u
ms
H.___
festgestellten
Arbeits
unfähigkeit steht, nicht
ausgegangen werden
.
Der von der Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren eingereichte
,
nur
wenig aussagekräftige
E-Mail-
Verlauf mit dem Ambulatorium
H.___
(Urk. 3/4)
erweist sich als ungeeignet, um die Feststellungen
des
psychiatrischen Gutachter
s
Dr.
M.___
zu entkräften. Entsprechend hat es mit der von ihm festgestellten Arbeitsfähigkeit von 70 % sein Bewenden.
5.4
Auch aus somatischer Sicht ist auf die Feststellungen der Gutachter abzustellen, zumal das
von der Beschwerdeführerin eingereichte
Schreiben der Hausärztin Dr.
N.___
vom 11. März 2024 (vorstehend E. 4.
6
)
weder Diagnosen noch eine objektive Befundlage enthält, welche
die
Äusserung, wonach sie sich nicht vorstellen könne, dass die Beschwerdeführerin zu
70 % oder mehr arbeiten könne,
substantiiert ausweisen
würde
n
(vgl. auch Urk.
7/47
)
.
5.
5
Aufgrund des Gesagten ist davon auszugehen, dass der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu erachten ist, dass gestützt auf das beweiswertige Gutachten
der
Y.___
AG
vom
16. Mai 2023
(vorstehend E.
4.
4
) davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin in
ihrer angestammten Tätigkeit, welche
jeder angepassten Hilfsarbeitertätigkeit
entspricht,
seit Januar 2021
zu
70
% arbeitsfähig ist.
6.
Aufgrund der Tatsache, dass d
ie
Beschwerdeführer
in
in der Lage ist
,
ihre ange
stammte Tätigkeit, welche jeder angepassten Hilfsarbeitertätigkeit entspricht
,
im Umfang von insgesamt 70 % auszuüben,
ist sowohl für die Ermittlung des Validen- als auch des Invalideneinkommens auf dieselben
statistischen Durch
schnittswerte abzustellen (
in BGE
148 V 321
nicht publizierte E. 6.2 des
Urteil
8C_104/2021 vom 27.
Juni 2022
)
.
Bei fehlendem Anlass für einen Abzug vom Tabellenlohn
resultiert ein Invaliditätsgrad von 30 % und damit kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Die Frage, ob d
ie
Beschwerdeführer
in
das Wartejahr erfüllt hat, kann vor diesem Hintergrund offengelassen werden.
Die anspruchsverneinende Verfügung
(Urk. 2)
erweist sich deshalb als zutreffend, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Ent
sprechend dem
Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
unterliegenden Beschwer
deführer
in
aufzuerlege
n.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art.
46
BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensSchucan