# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1c6fc1b6-4012-5029-a004-83d61515c7fc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-08-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.08.2023 E-3393/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3393-2023_2023-08-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3393/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  A u g u s t  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichter Markus König , 

mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer; 

Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch Rechtsanwältin Lea Hungerbühler, 

substituiert durch Meret Hofer, (…),  

Beschwerdeführer,   

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 11. Mai 2023 / N (…). 

 

 

 

E-3393/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein Kurde mit letztem Wohnsitz in B._______ 

(Provinz Hakkari), verliess den Heimatstaat gemäss eigenen Angaben ge-

meinsam mit seinem Onkel C._______ (N 807 344) am (…). Januar 2023 

legal und gelangte auf dem Luftweg von D._______ nach E._______. Dort 

habe er den Reisepass und seinen Identitätsausweis aus Angst vor einer 

Rückschaffung zerstört und sei mit der Bahn am 26. Januar 2023 unter 

Umgehung der Grenzkontrolle in die Schweiz eingereist. Am gleichen Tag 

stellte er in der Schweiz ein Asylgesuch. Anlässlich seiner Anhörung vom 

27. April 2023 machte der Beschwerdeführer im Beisein der vormaligen 

Rechtsvertretung im Wesentlichen Folgendes geltend: 

A.b Er sei in B._______ geboren und aufgewachsen. Im Jahr 2014 sei er 

umgezogen; die Familie sei nach F._______ und er sei nach G._______ 

gegangen. Die Familie sei im Jahr 2016 wieder nach B._______ zurückge-

kehrt. Er sei im April 2016 von G._______ aus für ein Jahr in den Militär-

dienst in H._______ eingerückt. Im Oktober 2017 und danach weitere drei- 

bis viermal habe er in D._______ gelebt, kurz sei er auch in I._______ 

wohnhaft gewesen. Im Januar 2022 sei er nach B._______ zurückgegan-

gen. Er habe einen Sekundarschulabschluss und nach der Schule im 

(…)gewerbe gearbeitet. 

A.c Im Jahr 2012 habe sich sein Onkel J._______ der Partiya Karkerên 

Kurdi-stanê (PKK) angeschlossen. Seither habe die türkische Polizei Druck 

auf die Familie ausgeübt. Im Jahr 2014 habe er (Beschwerdeführer) die 

Barış ve Demokrasi Partisi (BDP) kennengelernt und sich bei deren Ju-

gendflügel engagiert. Er habe an kleinen Meetings teilgenommen, ohne 

Parteimitglied zu werden. Anlässlich der damaligen kriegsähnlichen Ausei-

nandersetzungen sei er auch deshalb von der türkischen Polizei unter-

drückt und manchmal mitgenommen worden, ohne dass dies registriert 

worden wäre. Er sei geschlagen und sein Elternhaus sei durchsucht wor-

den. 

A.d Im Jahr 2014 sei zwischen seiner und einer entfernt verwandten Fami-

lie eine Blutrache ausgebrochen. Seine Familie habe sich deswegen zwi-

schen 2014 und 2016 in F._______ aufgehalten. Im diesem Zusammen-

hang sei ein Onkel väterlicherseits verhaftet worden. Auch nach der Rück-

kehr der Familie nach B._______ hätten die Behelligungen und Drohungen 

seitens der verfeindeten Familie nicht aufgehört.  

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Seite 3 

A.e Er selber sei im Militärdienst Opfer von Rassismus geworden und  

wegen des Onkels J._______ wie ein Terrorist behandelt worden. Die Un-

terdrückungen und Drohungen seien nach dem Jahr 2020 weitergegan-

gen; seine Familie hätte J._______ ausliefern sollen. Er (Beschwerdefüh-

rer) sei im Mai und August 2022 in B._______ von der Polizei einvernom-

men worden. Man habe ihn auf diesen Onkel angesprochen und ihn auf-

gefordert, das Dorfschützeramt zu übernehmen. Letzteres habe er abge-

lehnt, worauf er geschlagen und den Eltern sein Tod angedroht worden sei. 

Zum Schutz der Familie sei er schliesslich ausgereist.  

A.f Der Beschwerdeführer gab keine Ausweispapiere zu den Vorakten.  

Die in der Anhörung bezeichneten und in Aussicht gestellten Unterlagen 

(Bestätigungsbrief, Artikel über die Blutrache, Wohn- und Familienregister-

auszug) wurden dem SEM nicht nachgereicht. 

B.  

Der Onkel C._______, mit dem der Beschwerdeführer in die Schweiz ge-

reist war, wurde vom SEM am 2. Mai 2023 zu seinen Asylgründen ange-

hört. Sein Asylverfahren ist derzeit im erweiterten Verfahren erstinstanzlich 

hängig. Das Verfahren des Beschwerdeführers wurde in diesem Kontext 

ebenfalls in das erweiterte Verfahren zugeteilt. 

C.  

Am 4. Mai 2023 setzte die vormalige Rechtsvertretung das SEM über die 

Beendigung des Mandatsverhältnisses in Kenntnis. 

D.  

Mit Verfügung vom 11. Mai 2023 (am 16. Mai 2023 eröffnet) stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht; 

es lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz sowie den Vollzug an.  

E.  

E.a Mit Eingabe vom 14. Juni 2023 erhob der Beschwerdeführer, handelnd 

durch die neue Rechtsvertretung, beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde. Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die 

Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung des Asyls; 

eventualiter seien Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen, subeven-

tualiter sei das Verfahren an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurück- 

zuweisen. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren, 

es sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses sei zu verzichten. 

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Seite 4 

E.b Mit der Beschwerde wurden Kopien eines Bestätigungsschreibens der 

Halkların Demokratik Partisi (HDP) vom 25. Januar 2023 und eines Artikel 

über die Blutfehde aus dem Jahr 2014 (je mit englischer Übersetzung) ein-

gereicht. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

  

E-3393/2023 

Seite 5 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb 

das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer beanstandet, die Vorinstanz habe es unterlas-

sen, den rechtserheblichen Sachverhalt korrekt abzuklären und ihr Ent-

scheid sei in mehrfacher Hinsicht unstimmig: So sei die Flüchtlingseigen-

schaft verneint und dennoch eine Glaubhaftigkeitsprüfung durchgeführt 

worden. Er sei vom SEM dem erweiterten Verfahren zugewiesen worden, 

das kurze Zeit später ohne weitere Abklärungen den Entscheid ausgefällt 

habe. Die vom Beschwerdeführer in Aussicht gestellten Beweismittel (Be-

stätigungsschreiben HDP und Artikel über Blutrache) seien nicht in den  

Akten des SEM abgelegt gewesen. Die Asylgründe seien nicht bezüglich 

Reflexverfolgung – wegen der beiden Onkel – geprüft worden. Schliesslich 

sei das SEM seiner Begründungspflicht nicht nachgekommen und habe 

seine Vorbringen lediglich extrem kurz zusammengefasst. Die Sache sei 

deshalb zur Beurteilung der Beweismittel sowie "der aktuellen Sachlage in 

Bezug auf den Konventionsaustritt" (vgl. Beschwerde S. 13) an die Vor-

instanz zurückzuweisen. 

4.2 Entgegen diesen Ausführungen finden sich in den Akten keine Anhalts-

punkte für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung. Dem Beschwerde-

führer wurde während der Anhörung einlässlich Gelegenheit gegeben, 

seine Asylgründe vorzutragen und er wurde zum Einreichen der Beweis-

mittel angehalten. Am Ende bestätigte er, keine weiteren (Asyl-)Gründe zu 

haben (vgl. Protokoll Anhörung F121). Die Beweismittel reichte er respek-

tive seine Rechtsvertretung dem SEM – entgegen seiner Ankündigung (vgl. 

a.a.O. F6 ff.) – nicht nach; dies dürfte auch der Grund dafür gewesen sein, 

dass das SEM nach kurzem Zuwarten den Asylentscheid ausfällte. Dass 

die Vorinstanz zusätzlich zur Prüfung der Flüchtlingseigenschaft bei einem 

Sachverhaltselement eine Glaubhaftigkeitsprüfung vorgenommen hat, ist 

ebenso wenig zu beanstanden wie der Umstand, dass sie sich zu den nicht 

nachgereichten Beweismitteln nicht vertieft äusserte. Das SEM war auch 

nicht gehalten, weitere sachverhaltliche Abklärungen vorzunehmen. Hin-

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Seite 6 

sichtlich der Begründungspflicht ist festzuhalten, dass die Begründung ei-

ner Verfügung sich nicht zu jedem erdenklichen Aspekt äussern muss, son-

dern sich auf die wesentlichen Elemente der Asylbegründung konzentrie-

ren darf, so, dass eine sachgerechte Anfechtung möglich ist. Diesen Anfor-

derungen wird die vorliegende Verfügung ohne Weiteres gerecht. Das SEM 

hat sich mit den Vorbringen des Beschwerdeführers rechtsgenüglich aus-

einandergesetzt und dargelegt, gestützt auf welche Überlegungen es die-

sen die asylrechtliche Relevanz – und in einem Punkt die Glaubhaftigkeit 

– abgesprochen hat. Soweit der Beschwerdeführer die Beurteilung des 

SEM nicht teilt, beschlägt dies die Frage der materiellen, nicht der formel-

len Richtigkeit der angefochtenen Verfügung. 

4.3 Für eine Rückweisung der Sache besteht keine Veranlassung. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Die Vorinstanz begründete ihre Abweisung des Asylgesuchs wie folgt: 

6.1.1 Die während des Militärdienstes erlebten Nachteile seien keine ernst-

haften Nachteile im Sinn des Asylgesetzes, zumal der Beschwerdeführer 

den Militärdienst im April 2017 beendet habe, womit auch der zeitliche Kau-

salzusammenhang zur Ausreise im Jahr 2023 nicht gegeben sei. Dieses 

Vorbringen sei somit flüchtlingsrechtlich nicht relevant. Dasselbe gelte für 

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Seite 7 

die Darlegungen, wonach er als Kurde allgemein benachteiligt, ab 2012 im 

Zusammenhang mit dem Onkel J._______ unter Druck gesetzt und 2014 

auch einige Male polizeilich abgeführt worden sei. Es sei allgemein be-

kannt, dass Angehörige der kurdischen Bevölkerung in der Türkei Schika-

nen und Benachteiligungen verschiedenster Art ausgesetzt sein könnten. 

Diese würden einen Verbleib im Heimatland indes weder verunmöglichen 

noch unzumutbar erschweren. Entsprechend führe die allgemeine Situa-

tion, in der sich die kurdische Bevölkerung befinde, für sich allein praxisge-

mäss nicht zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft. Diese langjährige 

Einschätzung gelte trotz der sich seit Sommer 2016 verschlechternden 

Menschenrechtslage weiterhin. Die vom Beschwerdeführer geschilderten 

Vorfälle, insbesondere vereinzelte Mitnahmen und Razzien durch die Poli-

zei, würden in ihrer Intensität nicht über die Nachteile hinausgehen, welche 

weite Teile der kurdischen Bevölkerung in ähnlicher Weise treffen könnten. 

Er habe sich solchem behördlichen Druck ab 2014 auch innerstaatlich ent-

ziehen können. Darüber hinaus verfüge er über kein eigenes politisches 

Profil, das geeignet wäre, ein nachhaltiges behördliches Interesse an ihm 

auszulösen.  

6.1.2 Der Beschwerdeführer habe den Heimatstaat legal verlassen kön-

nen, was eine landesweite Suche nach ihm zu diesem Zeitpunkt aus-

schliesse. Im Übrigen habe er erklärt, in letzter Zeit keine politischen Akti-

vitäten entfaltet zu haben, und seine Aussagen hinsichtlich des früheren 

politisches Engagements würden auf rudimentäre Tätigkeiten und Interes-

sen schliessen lassen. Sodann würden zahlreiche Familienangehörige 

nach wie vor am Heimatort leben. Aus seinen Aussagen gehe insgesamt 

nicht hervor, inwiefern der behördliche Druck auf ihn bedeutend grösser 

gewesen sein solle, als auf den Rest seiner Familie. Die für Mai und August 

2022 geschilderten kurzen Mitnahmen, Befragungen und Behelligungen 

wären selbst bei unterstellter Glaubhaftigkeit nicht genügend intensiv im 

Sinn von Art. 3 Abs. 1 AsyIG. Im Übrigen stehe der Beschwerdeführer mit 

seinem Onkel J._______ – der im Zentrum des behördlichen Interesses 

stehen solle – nicht in Verbindung und könne nichts Konkretes über dessen 

Verbleib berichten. Auch diese Vorbringen seien als flüchtlingsrechtlich un-

erheblich zu werten. 

6.1.3 Hinsichtlich der seit 2014 dauernden Blutrache sei aufgrund der Aus-

sagen zu schliessen, dass die heimatlichen Behörden eingeschaltet gewe-

sen seien und die Straftaten im Rahmen ihrer Möglichkeiten geahndet hät-

ten. Auch dem Beschwerdeführer wäre es möglich und zumutbar, sich bei 

gravierenden Problemen mit der gegnerischen Familie an die Behörden zu 

wenden. Allerdings sei seinen Schilderungen ohnehin keine persönliche 

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Seite 8 

und aktuelle Gefährdungslage zu entnehmen, lebe seine Familie doch seit 

2016 wieder am ursprünglichen Wohnort und er selber sei im Januar 2022 

ebenfalls freiwillig dorthin zurückgekehrt. Bezeichnenderweise habe er für 

den Zeitraum dieses letzten Aufenthalts in B._______ keine spezifischen, 

ihn persönlich betreffenden, Vorkommnisse im Zusammenhang mit der 

Blutrache erwähnt. Diese Vorbringen seien damit flüchtlingsrechtlich eben-

falls nicht relevant. 

6.1.4 Alle diese Vorbringen seien zudem Nachteile, die sich aus lokal oder 

regional beschränkten Verfolgungsmassnahmen ableiten liessen. Der Be-

schwerdeführer habe sich diesen durch innerstaatliches Ausweichen ent-

ziehen können. Er sei folglich nicht auf den Schutz der Schweiz angewie-

sen. Diese Schlussfolgerung werde dadurch untermauert, dass er sich zwi-

schen dem Jahr 2014 und Januar 2022 in G._______, D._______ und 

I._______ habe aufhalten können. Ernsthafte Schwierigkeiten in diesen 

Orten habe er nicht fundiert wiedergeben können. 

6.1.5 Der Beschwerdeführer habe in der Anhörung auf die Frage, weshalb 

es ihm nicht möglich gewesen sein solle, sich irgendwo anders in der Tür-

kei niederzulassen, überraschend erklärt, der Onkel C._______ habe sich 

mutmasslich der PKK angeschlossen und er (Beschwerdeführer) sei un-

terdrückt worden, weil er stets mit C._______ zusammen gewesen sein. 

Dass er dieses Vorbringen erst nachträglich erwähnt habe, erstaune. Seine 

Erklärungsversuche, weshalb er diesen Onkel nun plötzlich als Hauptver-

ursacher seiner eigenen Probleme ab 2016 nenne, seien nicht überzeu-

gend. Angesichts seiner ständig wechselnden Aufenthaltsorte ab 2014 sei 

auch nicht nachvollziehbar, dass er immer mit diesem Onkel zusammen 

gewesen sei. Er habe offensichtlich der Frage ausweichen sollen, weshalb 

es ihm im Gegensatz zu den Geschwistern nicht möglich gewesen sein 

solle, in der Türkei zu bleiben. Das SEM habe ihm im Kontext die Gelegen-

heit gegeben, die beiden polizeilichen Einvernahmen im Jahr 2022 aus-

führlich zu schildern. Beide Vorfälle habe er nicht ansatzweise substanziiert 

wiedergeben können und in seinen neuen Antworten habe er C._______ 

wieder nicht erwähnt. Auf Nachfrage habe er erklärt, die Behörden hätten 

bei diesen Vorfällen nichts über diesen Onkel gesagt. Damit sei nirgends 

erkennbar, bei welchen Einvernahmen oder Begegnungen mit den Behör-

den er überhaupt auf C._______ angesprochen worden sein wolle. Sodann 

seien seine Antworten auf die Frage, was die Behörden ihm überhaupt zur 

Last gelegt haben sollten, spärlich und ungereimt ausgefallen. Insgesamt 

sei nicht von einer im Zeitpunkt der legalen Ausreise bestehenden Bedro-

hungslage auszugehen respektive sei eine solche als unglaubhaft zu 

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Seite 9 

beurteilen. Im Übrigen habe er trotz genügender Zeit keine Unterlagen zur 

Untermauerung seiner Vorbringen beigebracht.  

6.1.6 Die Vorbringen des Beschwerdeführers vermöchten somit weder den 

Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsyIG, noch 

denjenigen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsyIG standzuhalten. 

6.2  

6.2.1 In der Beschwerde wird ausgeführt, der Beschwerdeführer werde in 

der Türkei aus mehreren Gründen verfolgt: durch den Staat als Kurde auf-

grund seines eigenen politischen Engagements sowie aufgrund der Mit-

gliedschaft seiner Onkel J._______ und C._______ bei der PKK sowie 

durch Dritte aufgrund einer Blutfehde. 

6.2.2 Für die ethnische Gruppe der Kurden und dabei besonders für poli-

tisch aktive Personen, die Mitglied der Demokratischen Partei der Völker 

HDP (Halklarln Demokratik Partisi) oder BDP respektive DBP seien, habe 

sich die allgemeine Lage drastisch verschlechtert. Durch die prokurdische 

Ausrichtung und potenziellen Verbindungen zur PKK würden seit Jahren 

zahlreiche Prozesse gegen Parteimitglieder laufen. Seit 2020, nach einer 

Verhaftungswelle gegen viele HDP-Politiker, würden die Repressionen 

weiter zunehmen. Die HDP kritisiere als einzig akzeptierte Partei öffentlich 

das Regime von Erdogan, weshalb bereits die Unterstützung oder Mitglied-

schaft in der Partei wegen (angeblichem) Terrorismus bestraft werden 

könne. Im März 2021 habe der der türkische Generalstaatsanwalt gar ei-

nen Verbotsantrag wegen "terroristischer Aktivitäten" gegen die HDP beim 

Verfassungsgericht eingereicht. 

6.2.3 Entgegen den Ausführungen des SEM habe sich der Beschwerde-

führer seit 2014 politisch engagiert und sich der Jugend der BDP ange-

schlossen. Das Schreiben der HDP bestätige, dass er in der Region aktiv 

gewesen sei und an Treffen teilgenommen habe. Auch gehe der türkische 

Staat von diesem Engagement des Beschwerdeführers bei der HDP aus. 

Er sei nur aus Angst vor Verfolgung nicht Mitglied der HDP geworden.  

Daraus sei schliesslich ein nachhaltiges Verfolgungsinteresse der Behör-

den entstanden. Nach Beginn seines politischen Engagements sei er 

mehrmals von der Polizei festgenommen und so geschlagen worden, dass 

er ein Krankenhaus habe aufsuchen müssen; im Militärdienst sei er be-

droht worden; und in D._______ habe die Verfolgung an Stärke zugenom-

men. Nachdem die Behörden seinen Aufenthaltsort festgestellt hätten, sei 

er wegen seines politischen Engagements bedroht worden. Im Mai und 

August 2022 sei er mitgenommen und es sei versucht worden, ihn zur 

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Zusammenarbeit zu zwingen. Da er dies verweigert habe, sei seinen Eltern 

gedroht worden. Anschliessend hätten ihn sowohl die Polizei als auch der 

Dorfschützer gemahnt. Das SEM habe diese Verhaftungen nicht in den Ge-

samtkontext gesetzt. Es sei klar ersichtlich, dass diese letztlich Ausdruck 

der seit 2014 anhaltenden Verfolgung wegen seines politischen Engage-

ments gewesen seien. Die Klimax der Verfolgung sei mit den beiden mehr-

stündigen gewaltgeprägten Festnahmen von 2022 erreicht worden. Dass 

der türkische Staat ihn in D._______ habe lokalisieren können und dort die 

Verfolgung fortgesetzt habe, zeige auf, dass für ihn keine innerstaatliche 

Ausweichmöglichkeit bestehe. Er werde aufgrund seines politischen Enga-

gements seit Jahren und an unterschiedlichen Orten verfolgt und spätes-

tens aufgrund der Ereignisse im Jahr 2022 sei er als Flüchtling anzuerken-

nen, zumal er bei seiner Rückkehr wegen seiner Verbindung zur BDP so-

wie zur HDP Nachteile in der erforderten Intensität erleiden würde. 

6.2.4 Weiter liege eine flüchtlingsrechtlich relevante Reflexverfolgung vor: 

Der Onkel J._______ habe sich der PKK angeschlossen und werde seit 

Jahren gesucht. Die anfänglich gegen dessen Familie gerichtete Verfol-

gung habe sich später auf die Familie des Beschwerdeführers und ihn aus-

geweitet. Sie seien bedroht und aufgefordert worden, J._______ zurückzu-

bringen. Diese Verfolgung dauere an. Der Beschwerdeführer könne dieser 

nicht innerstaatlich ausweichen; so hätten Behörden ihre Repressalien in 

D._______ auch damit begründetet, dass sein Onkel ein Terrorist sei.  

6.2.5 Völlig unterlassen habe die Vorinstanz die Prüfung der Reflexverfol-

gung bezüglich des Onkels C._______. Sie habe diese nur bei den Aus-

führungen zur Glaubhaftigkeit erwähnt und erklärt, die hier geltend ge-

machte  

Reflexverfolgung sei überraschend, da zuvor nicht benannt. C._______ 

habe sich auch der PKK angeschlossen und der Beschwerdeführer, der in 

einem engen Verhältnis zu diesem gestanden sei, sei besonders harten 

Repressalien ausgesetzt und wegen C._______ wiederholt verhaftet wor-

den. Ausserdem habe er diesen Onkel stets erwähnt und gesagt, er und 

C._______ seien zusammen aus politischen Gründen in die Schweiz ge-

kommen. Dass C._______ den Beschwerdeführer nicht erwähnt habe, 

treffe nicht zu. Dieser habe klar erklärt, er sei nach D._______ geflüchtet, 

weil die Polizei dem Beschwerdeführer die Aufgabe eines Spitzels als "Be-

dingung für den Staat" suggeriert habe. Letztlich sei C._______ aber noch 

gar nicht abschliessend zu den Asylgründen befragt worden. Insgesamt sei 

der Beschwerdeführer aufgrund des politischen Engagements seiner 

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Seite 11 

Onkel der Reflexverfolgung ausgesetzt. Er erfülle auch insoweit die Anfor-

derungen zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft. 

6.2.6 Die Blutfehde werde von der Vorinstanz nicht bestritten. Entgegen 

der Auffassung des SEM sei der türkische Staat eben nicht schutzfähig und 

-willig. Der Beschwerdeführer habe dargelegt, die Taten der Gegenpartei 

seien von den Behörden nicht geahndet worden und dass die Behörden 

die Familie wegen dieser Blutfehde nicht in Ruhe gelassen hätten, sondern 

sie bedrohe. Aufgrund der räumlichen Unbegrenztheit der Blutfehde könne 

der Beschwerdeführer nicht an einem anderen Ort in der Türkei Schutz 

finden. Weiter sei die Erwägung des SEM, wonach der Beschwerdeführer 

keine aktuellen Vorkommnisse vorbringe, sowohl in Anbetracht der tat-

sächlichen Situation als auch der Aussagen des Beschwerdeführers falsch. 

Auf die Frage, was das Schlimmste sei, das er persönlich im Zusammen-

hang mit der Blutrache erlebt habe, habe dieser klar die Vorfälle von 2022 

erwähnt. Als Cousin des ermordeten Onkels und als Blutsverwandter sei 

der Beschwerdeführer der Gefahr der Ermordung – somit einer Gefahr an 

Leib und Leben – ausgesetzt. Die Blutfehde stelle einen Übergriff durch 

Dritte dar, gegen welchen der türkische Staat weder schutzbereit noch  

-fähig sei, weshalb dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren sei. 

7.  

7.1 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung die geltend gemachten 

Asylvorbringen des Beschwerdeführers mit ausführlicher und zutreffender 

Begründung als nicht asylrelevant – teilweise auch als unglaubhaft – qua-

lifiziert. Es kann vorweg auf die Ausführungen in der vorinstanzlichen Ver-

fügung verwiesen werden. Diesen vermag der Beschwerdeführer in sei-

nem Rechtsmittel letztlich nichts Stichhaltiges entgegenzusetzen. 

7.2  

7.2.1 In der Beschwerde wird – unter Hinweis auf das Bestätigungsschrei-

ben der HDP vom 25. Januar 2023 – ein nachhaltiges politisches Engage-

ment des Beschwerdeführers beschrieben; dieses habe zu anhaltenden 

behördlichen Verfolgungsmassnahmen geführt. Die diesbezüglichen Aus-

führungen können das Bundesverwaltungsgericht indes nicht überzeugen:  

7.2.2 Der Beschwerdeführer hatte bei der Anhörung erklärt, er habe im 

Jahr 2014 die BDP kennengelernt und bei der Jugendpartei mitgemacht, 

ohne Mitglied zu sein. Er habe sich mit andern gegen Unrecht aufgelehnt, 

was zu Mitnahmen geführt habe. Diese seien nie registriert worden. Er 

habe nie etwas verbrochen und ein "sauberes" Strafregister vorzuweisen 

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Seite 12 

gehabt (vgl. Protokoll Anhörung F67). Im nunmehr mit der Beschwerde 

nachgereichten Bestätigungsschreiben der HDP wird in Widerspruch  

zu diesen Aussagen festgehalten, der Beschwerdeführer sei Mitglied des 

Jugendkomitees gewesen. Weiter ist darin die Rede von einer aktiven Be-

tätigung als Fraktionsmitglied im Jahr 2019; er sei erneut festgenommen 

worden und im Dorf habe es eine Razzia gegeben, weshalb er von 

B._______ nach G._______ habe umziehen müssen. Weder hat der Be-

schwerdeführer in seinen Asylvorbringen eine solche aktive politische Rolle 

geschildert noch von einem Aufenthalt in G._______ in diesem Zeitraum 

gesprochen. Er hat für die Zeit vor der Ausreise vielmehr angegeben, sich 

aus Angst von der Politik ferngehalten zu haben, und den Aufenthalt in 

G._______ datierte er von 2014 bis 2016 (vgl. a.a.O. F29, 77, 88). 

Schliesslich ist im Schreiben zu lesen, wegen der aktiv wahrgenommenen 

Parteimitgliedschaft sei der Druck so gross geworden, dass er illegal habe 

ausreisen müssen, was den protokollierten Aussagen des Beschwerdefüh-

rers ebenfalls diametral entgegensteht; dieser hatte angegeben, zwecks 

Ausreise einen Reisepass beantragt und ausgestellt erhalten und das Land 

mit diesem kontrolliert auf dem Luftweg verlassen zu haben (vgl. a.a.O. 

F25 f., F112 ff.). Insgesamt erweist sich die HDP-Bestätigung als nicht be-

weistaugliches Gefälligkeitsschreiben.  

7.2.3 Damit ist auch die Darstellung in der Beschwerde (vgl. dort S. 8) nicht 

glaubhaft, wegen seines politischen Profils habe sich zuletzt in D._______ 

die Verfolgung verstärkt. Dies wird dadurch erhärtet, dass der Beschwer-

deführer die angeblich erlebten Probleme in D._______ in den Kontext der 

PKK-Zugehörigkeit des Onkels J._______ und der unterlassenen Anmel-

dung bei der Sozialversicherung, nicht jedoch seines eigenen politischen 

Engagements gesetzt hatte. Insgesamt erweist sich sein politisches Enga-

gement nach dem Gesagten als mit erheblichen Zweifeln belastet; jeden-

falls ist die daraus angeblich resultierende Verfolgung nicht glaubhaft. Dass 

er den Reisepass und den Identitätsausweis in E._______ zerstört hat (vgl. 

a.a.O. F19 ff.), wäre im Übrigen für eine sich tatsächlich verfolgt gefühlte 

Person schwer nachvollziehbar. 

7.3  

7.3.1 Eine Reflexverfolgung liegt vor, wenn sich Verfolgungsmassnahmen 

neben der primär betroffenen Person auf Familienangehörige und Ver-

wandte erstrecken. Das Bundesverwaltungsgericht anerkennt zwar, dass 

die Gefahr allfälliger Repressalien gegen Familienangehörige mutmassli-

cher Aktivisten der PKK, einer ihrer Nachfolgeorganisationen oder anderer 

von den türkischen Behörden als separatistisch eingestufter kurdischer 

E-3393/2023 

Seite 13 

Gruppierungen nicht ausgeschlossen werden kann. Am ehesten dürften  

indes Personen von solcher Verfolgung bedroht sein, bei denen ein eige-

nes nicht unbedeutendes politisches Engagement hinzukommt bezie-

hungsweise ihnen seitens der Behörden unterstellt wird (vgl. Urteile des 

BVGer E-2928/2021 vom 23. September 2021 E. 4.1, E-702/2018 vom 

17. März 2021 E. 7.1 oder D-5089/2015 vom 30. Mai 2018 E. 8.2, m.w.H.).  

7.3.2 Vorliegend konnte der Beschwerdeführer allfälligen staatlichen Nach-

teilen wegen seines Onkels J._______ innerstaatlich ausweichen. Für die 

Zeit des dreijährigen Aufenthalts in G._______ und den dreimonatigen Auf-

enthalt in K._______ hat er keine diesbezüglichen Probleme beschrieben 

(vgl. Protokoll Anhörung F32, 84). Sodann ist kaum wahrscheinlich, dass 

aus der weiteren Verwandtschaft ausgerechnet der Beschwerdeführer we-

gen J._______ in den Fokus der Behörden geraten sein soll, während 

seine zahlreichen Familienangehörigen, insbesondere die (…) Geschwis-

ter sowie verschiedene Onkel nach wie vor in der Türkei (teilweise in 

B._______) leben und ihren jeweiligen Arbeitstätigkeiten nachgehen kön-

nen (vgl. a.a.O. F52 ff.). 

7.3.3 Hinsichtlich der geltend gemachten Reflexverfolgung wegen 

C._______ kann – nach Durchsicht der beigezogenen bisherigen Asylak-

ten dieses Onkels – vollumfänglich auf die überzeugenden Erwägungen 

der Vorinstanz verwiesen werden. Dass der Beschwerdeführer wegen 

C._______ Reflexverfolgung ausgesetzt gewesen sein soll, hat er bei der 

Frage nach den Ausreisegründen nicht erwähnt (vgl. a.a.O. F67). Später 

gab er an, dass ihm die angebliche Reflexverfolgung wegen C._______, 

mit dem er gemäss eigenen Aussagen sehr verbunden und stets zusam-

men gewesen sein will, "total aus [dem] Gedächtnis rausgefallen" sei (vgl. 

a.a.O. F91 ff, Zitat aus F96), was ebenfalls nicht zu überzeugen vermag.  

7.3.4 Die Zweifel an diesen Vorbringen werden dadurch erhärtet, dass 

C._______ zuletzt in D._______, der Beschwerdeführer eigenen Angaben 

zufolge in der Zeit vor der Ausreise in der Provinz Hakkari gelebt hat, was 

seine Aussage relativiert, er sei "[…] immer mit [C._______] zusammen 

[…], die ganze Zeit mit ihm unterwegs" gewesen (vgl. a.a.O. F92). Entspre-

chendes wäre auch den Aussagen von C._______ nicht zu entnehmen; 

ebenso wenig hat dieser bisher dargelegt, sein Neffe habe wegen ihm 

Probleme gehabt. 

7.4 Die geltend gemachten Mitnahmen im Mai und August 2022 in 

B._______ sind aufgrund der durchaus vage gebliebenen Schilderungen 

E-3393/2023 

Seite 14 

mit Zweifeln behaftet. Aufgrund der kurzen Dauer sind sie ohnehin als nicht 

intensiv im Sinn von Art. 3 AsylG zu beurteilen. Zudem hätte der Beschwer-

deführer weiteren Nachstellungen erneut innerstaatlich ausweichen kön-

nen.  

7.5 Dasselbe gilt es mit Bezug auf die während des Militärdienstes (von 

April 2016 bis April 2017) geschilderten Nachteile festzuhalten, zumal viele 

Angehörige der kurdischen Ethnie in der türkischen Armee Diskriminierun-

gen ausgesetzt sind. Vorliegend haben solche rassistisch motivierten Vor-

kommnisse den Beschwerdeführer zudem nicht zur – erst fünf Jahre später 

erfolgten – Ausreise veranlasst.  

7.6 Im Übrigen bestehen praxisgemäss sehr hohe Anforderungen an die 

Bejahung einer Kollektivverfolgung (vgl. BVGE 2013/11 E. 5.4.1 m.w.H.). 

Im Fall der Kurden in der Türkei sind diese nicht als erfüllt zu erachten, dies 

auch unter Berücksichtigung der aktuellen politischen Entwicklungen in der 

Türkei (vgl. etwa Urteil des BVGer E-3917/2021 vom 11. Januar 2022 

E. 6.3).  

7.7 Hinsichtlich der gemäss seinen Schilderungen seit dem Jahr 2014 an-

dauernden Blutfehde kann sodann vollumfänglich auf die zutreffenden 

Ausführungen in der erstinstanzlichen Verfügung verwiesen werden,  

denen es nichts Weiteres hinzuzufügen gibt. 

7.8 Zusammenfassend erweisen sich die Vorbringen des Beschwerdefüh-

rers weder als glaubhaft noch als flüchtlingsrechtlich relevant. Es ist nicht 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, er würde bei der 

Rückkehr in die Türkei in naher Zukunft ernsthaften Nachteilen im Sinn von 

Art. 3 AsylG ausgesetzt. Es erübrigt sich, auf weitere Einwände in der Be-

schwerde einzugehen, weil sie zu keinem anderen Ergebnis führen. Das 

SEM hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers ver-

neint und sein Asylgesuch abgelehnt. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

E-3393/2023 

Seite 15 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu 

Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).  

9.  

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).  

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.2  

9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

9.2.2 Nachdem der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht er-

füllt, findet der in Art. 5 AsylG, Art. 25 Abs. 2 BV und Art. 33 Abs. 1 des 

Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, 

SR 0.142.30]) verankerte Grundsatz der flüchtlingsrechtlichen Nichtrück-

schiebung keine Anwendung. Sodann ergeben sich weder aus den Aussa-

gen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass 

er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 des Übereinkom-

mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-

menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) 

verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis 

des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener 

des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine kon-

krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im 

Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen 

würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, 

Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine 

Menschenrechtssituation in der Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum 

heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

E-3393/2023 

Seite 16 

9.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

9.3  

9.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

9.3.2 Auch unter Berücksichtigung des Wiederaufflammens des türkisch-

kurdischen Konfliktes sowie der bewaffneten Auseinandersetzungen zwi-

schen der PKK und staatlichen Sicherheitskräften seit Juli 2015 und der 

Entwicklungen nach dem Militärputschversuch im Juli 2016 ist gemäss 

konstanter Praxis des Bundesverwaltungsgerichts nicht von einer Situation 

allgemeiner Gewalt oder bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen in der ge-

samten Türkei auszugehen (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-4607/2021 

vom 12. Januar 2022 E. 9.3.1 sowie das Referenzurteil E-1948/2018 vom 

12. Juni 2018 E. 7.3.1). 

9.3.3 Der Beschwerdeführer stammt aus der Provinz Hakkari. Gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist eine Wegweisung in diese Pro-

vinz nicht zumutbar (vgl. etwa Urteile des BVGer E-3447/2023 vom 6. Juli 

2023 E. 9.3.1 oder E-4109/2020 vom 6. April 2023 E. 10.3.1 m.H.a. BVGE 

2013/2).  

9.3.4 Indessen ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer – abgesehen 

von Schlafproblemen – gesund und frei von familiären Verpflichtungen ist. 

Er verfügt über berufliche Erfahrungen in der Landwirtschaft und im (…)ge-

werbe. Vor seiner Ausreise hat er sich in G._______, K._______ und wie-

derholt in D._______ aufgehalten. In diesen Regionen – die von den Erd-

beben vom Februar 2023 kaum respektive nicht betroffen waren – kann er 

auf ein weitverzweigtes familiäres Beziehungsnetz zurückgreifen (vgl. Pro-

tokoll Anhörung F53 ff.). Demzufolge ist nicht davon auszugehen, er gerate 

bei der Rückkehr in die Türkei aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, 

sozialer oder gesundheitlicher Natur in eine existenzbedrohende Situation.  

9.3.5 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich vor diesem Hintergrund als 

zumutbar.  

9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen 

E-3393/2023 

Seite 17 

Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-

lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

11.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung. Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass 

seine Begehren aussichtslos waren, womit eine der kumulativ zu erfüllen-

den Voraussetzungen gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht gegeben und 

sein Gesuch abzuweisen ist. 

11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten gemäss Art. 63 

Abs. 1 VwVG dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und auf insgesamt 

Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 

über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 

[VGKE, SR 173.320.2]). 

Der Antrag, es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzich-

ten, wird mit dem vorliegenden Entscheid in der Sache gegenstandslos. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-3393/2023 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Eveline Chastonay 

 

 

Versand: