# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0a8f9f43-f163-5fa2-9146-4038a3368dbe
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-04-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.04.2015 E-6162/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6162-2014_2015-04-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-6162/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  8 .  A p r i l  2 0 1 5  

Besetzung 

 
Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richter Martin Zoller, Richter William Waeber,  

Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. 

   Parteien 
 

A._______, geboren am (…), 

(…), 

vertreten durch lic. iur. LL.M. Eugen Koller, Rechtsanwalt, 

Öffentlicher Notar, 

(…), 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für 

Migration, BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,  

Vorinstanz,  

 

Gegenstand 

 
Asylwiderruf; 

Verfügung des BFM vom 25. September 2014 / N (…). 

 

 

E-6162/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Mit Entscheid vom (…) 2004 anerkannte das vormals zuständige Bun-

desamt für Flüchtlinge (BFF; später: BFM; heute: SEM) den Beschwerde-

führer in Anwendung von Art. 51 Abs. 1 des Asylgesetzes vom 26. Juni 

1998 (AsylG, SR 142.31) als Flüchtling und gewährte ihm Asyl.  

A.b Seit dem (…) 2009 verfügt der Beschwerdeführer über eine Niederlas-

sungsbewilligung (Kontrollfrist bis (…) 2014). 

B.  

Mit rechtskräftigem Entscheid vom (…) 2014 verurteilte das [Strafgericht] 

den Beschwerdeführer in Anwendung von Art. 187 Ziff. 1 des Schweizeri-

schen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) sowie 

Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 StGB und Art. 51 StGB wegen sexueller Hand-

lungen mit einem Kind zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten sowie zur 

Zahlung einer Genugtuungssumme von Fr. 5'000.- an das Opfer; der Voll-

zug der Freiheitsstrafe wurde mit einer Probezeit von zwei Jahren aufge-

schoben. 

C.  

Mit Schreiben an das BFM vom 17. Juni 2014 beantragte das [Migrations-

amt] die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers 

sowie den Widerruf des ihm gewährten Asyls.   

D.  

D.a Im Hinblick auf einen allfälligen Widerruf des Asyls gewährte das BFM 

dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 25. August 2014 das rechtliche 

Gehör.  

D.b Mit Eingabe vom 19. September 2014 nahm der Rechtsvertreter dies-

bezüglich im Wesentlichen dahingehend Stellung, dass der Tatvorwurf, 

welcher gegenüber dem Beschwerdeführer erhoben worden sei, aus dem 

Jahr 2001 respektive 2002 stamme. Mit Ausnahme dieser Tat habe sein 

Verhalten in all den Jahren, in denen er in der Schweiz lebe, nie Anlass zu 

Beanstandungen gegeben. Der Vorwurf der sexuellen Handlung mit einem 

Kind beschränke sich auf ein einziges Ereignis aus dem erwähnten Jahr. 

Weiter sei, auch wenn es zu einer Verurteilung gekommen sei, die Glaub-

haftigkeit der Aussage des Opfers dennoch zweifelhaft. Der Beschwerde-

führer habe das Opfer und [Geschwisterteil] mehrmals gehütet. Wenn er 

es tatsächlich auf sexuelle Handlungen mit dem Opfer abgesehen hätte, 

E-6162/2014 

Seite 3 

hätte er hierzu auch mehrere Möglichkeiten gehabt. Das Opfer habe selber 

bestätigt, dass es lediglich ein einziges Mal zu einem sexuellen Kontakt 

gekommen und es weder vor noch nach diesem Vorfall jemals wieder vom 

Beschwerdeführer belästigt worden sei. [Geschwisterteil] des Opfers habe 

ausgesagt, dass [es] seitens des Beschwerdeführers nie eine solche Be-

lästigung erfahren habe. Im Übrigen sei im Rahmen des Grundsatzes der 

Verhältnismässigkeit die Tatsache zu berücksichtigen, dass nur ein einzi-

ges Delikt zur Diskussion stehe, welches über 12 Jahre zurückliege und 

bei welchem der sexuelle Kontakt gemäss den Angaben des Opfers nur 

oberflächlich gewesen sei sowie nur wenige Sekunden gedauert habe. 

Dies rechtfertige jedoch in keiner Weise einen Asylwiderruf. Ausserdem 

habe die Familie des Beschwerdeführers durch dieses Ereignis eine sehr 

schwere Zeit hinter sich. Auch wenn der Tatvorwurf – wie das [Strafgericht] 

entschieden habe – zutreffen sollte, stehe dem Beschwerdeführer dennoch 

das "Recht auf Vergessen" zu; dies gelte umso mehr, als das Ereignis der-

art lange Zeit zurückliege.  

E.  

Mit Verfügung vom 25. September 2014 – eröffnet am darauffolgenden Tag 

– widerrief das BFM gestützt auf Art. 63 Abs. 2 AsylG das Asyl des Be-

schwerdeführers. 

Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, die "besonders verwerfli-

che strafbare Handlung" müsse qualitativ eine Stufe über der verwerflichen 

Handlung im Sinne von Art. 53 AsylG stehen. Es werde somit eine qualifi-

zierte Asylunwürdigkeit vorausgesetzt. Gemäss geltender Rechtsprechung 

seien unter dem Begriff der "verwerflichen Handlung" im Sinne von Art. 53 

AsylG diejenigen Taten zu verstehen, welche mit einer Freiheitsstrafe von 

mehr als drei Jahren bedroht seien. Der Beschwerdeführer sei mit Ent-

scheid des [Strafgericht] vom (…) 2014 wegen sexueller Handlungen mit 

einem Kind (Art. 187 Ziff. 1 StGB) verurteilt worden. Hierbei handle es sich 

um ein Delikt, welches mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren be-

droht sei, weshalb in Anbetracht der vorstehenden Erwägungen die von 

ihm begangene Straftat als "verwerfliche Handlungen" im Sinne von Art. 53 

AsylG zu erachten sei. Zudem habe er die sexuellen Handlungen began-

gen, während er das Opfer zusammen mit [Geschwisterteil] in seiner Woh-

nung gehütet habe. Das Opfer sei von seinem Vater im Vertrauen in die 

Obhut des Beschwerdeführers gegeben worden, welcher die Situation zu 

seinen Gunsten ausgenutzt habe, was als besonders verwerflich zu erach-

ten sei. Ferner habe er das Opfer zweimal zu sexuellen Handlungen genö-

tigt, obwohl es bereits nach dem ersten sexuellen Kontakt gesagt habe, 

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Seite 4 

dass es dies nicht wolle. Dass er es trotz der deutlichen Willensbekundung 

nur wenig später erneut zu einer sexuellen Handlung aufgefordert habe, 

sei ebenso besonders verwerflich wie die Tatsache, dass das Opfer dabei 

offenbar verängstigt gewesen sei und unter Druck gestanden habe. Die 

Straftat, zu welcher der Beschwerdeführer verurteilt worden sei, sei bereits 

deshalb prinzipiell als besonders verwerflich zu qualifizieren, weil er 

dadurch das geschützte Rechtsgut der sexuellen Entwicklung eines Kindes 

erheblich verletzt habe. Der Umstand, dass er das Opfer mehrmals beauf-

sichtigt und diese Straftat trotz wiederkehrender Gelegenheiten nicht häu-

figer begangen habe, ändere nichts an dieser Einschätzung. 

Sodann sei im vorliegenden Fall der Grundsatz der Verhältnismässigkeit 

gewahrt, weil der Widerruf des Asyls keine automatische Aberkennung der 

Flüchtlingseigenschaft nach sich ziehe und sich somit nicht unmittelbar und 

konkret nachteilig auf den Beschwerdeführer auswirke. Solange der zu-

ständige Kanton die Aufenthaltsbewilligung (recte: die Niederlassungsbe-

willigung) nicht widerrufe – ein solcher Entscheid sei im Übrigen anfechtbar 

–, habe er weiterhin ein Anwesenheitsrecht in der Schweiz und die Mög-

lichkeit hier zu arbeiten. Demnach würden dem öffentlichen Interesse an 

der Bekämpfung und Prävention strafbaren Handelns (und mithin an einem 

Asylwiderruf wegen Begehens einer besonders verwerflichen Straftat) 

keine überwiegenden privaten Interessen des Beschwerdeführers gegen-

überstehen. Selbst wenn der Vorwurf der sexuellen Handlung mit einem 

Kind aus dem Jahr 2001 respektive 2002 datiere und er sich seither nichts 

mehr zuschulden habe kommen lassen, hänge die lange Zeitspanne zwi-

schen der Tat und der Anklage nur mit dem jungen Alter des Opfers im 

Tatzeitpunkt zusammen (das Mädchen sei (…) Jahre alt gewesen und 

habe lange nicht über den Vorfall gesprochen; ausserdem sei der Be-

schwerdeführer erst mit Entscheid vom (…) 2014 verurteilt worden). Im Üb-

rigen gelte gemäss Art. 97 StGB die Straftat zum heutigen Zeitpunkt nicht 

als verjährt.  

F.  

Mit Eingabe vom 23. Oktober 2014 (Datum Poststempel) erhob der Rechts-

vertreter namens und im Auftrag des Beschwerdeführers gegen die Verfü-

gung des BFM beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-

tragte die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung sowie den Verzicht 

auf den Asylwiderruf. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung sowie Prozessvertretung ersucht. 

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Seite 5 

Zur Begründung wurden im Wesentlichen die Ausführungen in der Eingabe 

an das BFM vom 19. September 2014 wiederholt und zusätzlich festgehal-

ten, das Opfer habe bestätigt, dass der Beschwerdeführer niemals Gewalt 

angewendet habe und auch von ihm abgelassen habe, als es ihm zu ver-

stehen gegeben habe, dass es dies nicht wolle. Von einer besonders ver-

werflichen Handlung könne demnach nicht die Rede sein. Dies gelte umso 

mehr, als das Strafgericht selbst festgestellt habe, dass lediglich von einem 

leichten Verschulden auszugehen sei, zumal – so das Gericht sinngemäss 

– auch die Handlung (innerhalb der von Art. 187 Ziff. 1 StGB umfassten 

möglichen Handlungen) leicht sei. Hinzu komme, dass sich die Vorwürfe 

auf einen einzigen Besuch beim Beschwerdeführer beschränken würden. 

Ausserdem bestätige das Strafmass von acht Monaten, dass nicht von ei-

ner verwerflichen Tat auszugehen sei. Im Übrigen sei im Rahmen des 

Grundsatzes der Verhältnismässigkeit die Tatsache zu beachten, dass der 

Beschwerdeführer verheiratet sowie Vater von (…) Kindern sei. Ferner sei 

die Mutter krank und könne sich kaum um die Kinder kümmern. Schliess-

lich sei der Asylwiderruf für den Beschwerdeführer mit nachteiligen Folgen 

für sein Aufenthaltsrecht in der Schweiz verbunden.  

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 29. Oktober 2014 hielt das Bundesverwal-

tungsgericht fest, die Beschwerde habe aufschiebende Wirkung, der Be-

schwerdeführer sei für die Dauer des vorliegenden Verfahrens weiterhin 

asylberechtigt und über die Gesuche um unentgeltliche Prozessführung 

sowie Prozessvertretung werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden. 

Zudem forderte es ihn auf, innert Frist eine Sozialhilfebestätigung nachzu-

reichen sowie das der Zwischenverfügung beiliegende Formular "Gesuch 

um unentgeltliche Rechtspflege" auszufüllen und dem Gericht samt allfälli-

gen entsprechenden Beweisunterlagen zu retournieren. 

H.  

Mit Eingabe vom 13. November 2014 liess der Beschwerdeführer auffor-

derungsgemäss dem Bundesverwaltungsgericht das ausgefüllte Formular 

"Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" zukommen. Überdies wurde 

festgehalten, dass er über eine Niederlassungsbewilligung verfüge, welche 

bis anhin nicht mehr verlängert worden sei, weil das zuständige Migrati-

onsamt den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts abwarte.  

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 17. November 2014 hiess das Bundesverwal-

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Seite 6 

tungsgericht die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung sowie Rechtsverbeiständung gut und verzichtete auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses. Im Übrigen räumte es dem Beschwerdeführer 

Gelegenheit ein, innert Frist eine Kostennote seines Rechtsvertreters für 

seine Bemühungen im Beschwerdeverfahren einzureichen, andernfalls 

eine allfällige Parteientschädigung von Amtes wegen festgesetzt werde. 

J.  

Der Rechtsvertreter liess dem Bundesverwaltungsgericht am 1. Dezember 

2014 eine Honorarnote zukommen.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 

1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das SEM ge-

hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des 

Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 

im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 

ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines 

Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh-

rende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bun-

desgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.  

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; Art. 

48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.  

1.3 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchfüh-

rung eines Schriftenwechsels verzichtet. 

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Seite 7 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

Gemäss Art. 63 Abs. 2 AsylG widerruft das SEM das Asyl, wenn ein Flücht-

ling die innere oder die äussere Sicherheit der Schweiz verletzt hat oder 

gefährdet oder wenn er besonders verwerfliche strafbare Handlungen be-

gangen hat. Ein solcher Widerruf setzt gemäss konstanter Rechtsprechung 

eine qualifizierte Asylunwürdigkeit im Sinne von Art. 53 AsylG voraus; mit-

hin muss die "besonders verwerfliche Handlung" qualitativ eine Stufe über 

der im Sinne von Art. 53 AsylG "verwerflichen Handlung" stehen. Die in 

Frage stehende Straftat muss demnach mit einer erheblichen Strafe be-

droht sein und eine gewisse Intensität aufweisen. Zudem muss bei der 

Würdigung einer strafbaren Handlung als "besonders verwerflich" im Sinne 

von Art. 63 Abs. 2 AsylG der Grundsatz der Verhältnismässigkeit beachtet 

werden (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-

rekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 11). Nach aktueller Praxis gelten 

(weiterhin) diejenigen Taten als "verwerfliche Handlungen" im Sinne von 

Art. 53 AsylG, die als Verbrechen gemäss Art. 10 Abs. 2 des Schweizeri-

schen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) zu 

qualifizieren sind, d.h. mit einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren 

bedroht sind (vgl. dazu BVGE 2012/20 E. 4). 

4.  

4.1 Mit Entscheid des [Strafgericht] vom (…) 2014 wurde der Beschwerde-

führer in Anwendung von Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie Art. 42 Abs. 1 StGB, 

Art. 44 StGB und Art. 51 StGB wegen sexueller Handlungen mit einem Kind 

rechtskräftig zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt, 

wobei der Vollzug mit einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben 

wurde. In Anbetracht der voranstehenden Ausführungen ist die vom Be-

schwerdeführer verübte Straftat als verwerflich im Sinne von Art. 53 AsylG 

zu qualifizieren, da der Strafrahmen von Art. 187 Ziff. 1 StGB eine Frei-

heitsstrafe bis zu fünf Jahren (oder eine Geldstrafe) vorsieht und das in 

Frage stehende Delikt mithin ein Verbrechen darstellt.  

Weiter ist zu prüfen, ob die betreffende Straftat auch als "besonders" ver-

werflich im Sinne von Art. 63 Abs. 2 AsylG zu qualifizieren ist (vgl. BVGE 

2012/20 E. 5).  

http://links.weblaw.ch/EMARK-2003/11
http://links.weblaw.ch/BVGE-2012/20
http://links.weblaw.ch/BVGE-2012/20
http://links.weblaw.ch/BVGE-2012/20

E-6162/2014 

Seite 8 

4.2  

4.2.1 Obschon das Bundesverwaltungsgericht mit der Vorinstanz darin ei-

nig geht, dass die vom Beschwerdeführer verübte Tat als abscheulich zu 

erachten ist, kann – anders als die Vorinstanz ausführt – die Straftat, zu 

welcher der Beschwerdeführer verurteilt wurde, nicht bereits per se als be-

sonders verwerflich im Sinne von Art. 63 Abs. 2 AsylG qualifiziert werden, 

auch wenn es sich gleichwohl bei der ungestörten sexuellen Entwicklung 

des Kindes um ein besonders schützenswertes Rechtsgut handelt, wel-

ches verletzt wurde. Es hat vielmehr stets eine Abwägung unter Würdigung 

sämtlicher Umstände des Einzelfalls stattzufinden.  

4.2.2 Gemäss Urteilsbegründung des [Strafgericht] wiege das Verschulden 

des Beschwerdeführers zwar leicht. Gleichwohl habe sein Handeln das 

durch Art. 187 Ziff. 1 StGB geschützte Rechtsgut in einem Ausmass ver-

letzt, das keine Bagatelle mehr darstelle. Die sexuellen Handlungen hätten 

beim Opfer, welches sich für die Vorfälle selbst die Schuld gegeben habe, 

dazu geführt, dass es sich nach den Ereignissen zurückgezogen und 

Schwierigkeiten mit Berührungen und dem Eingehen einer Beziehung ge-

habt habe. Ferner habe es lange unter den Vorfällen gelitten und eine 

schwere Kindheit gehabt. Zu berücksichtigen sei allerdings auch, dass die 

sexuellen Handlungen nur anlässlich eines Besuchs stattgefunden und 

sich auf zwei Handlungen beschränkt hätten. Zudem sei nicht in die kör-

perliche Integrität des Opfers eingegriffen worden. Im Übrigen sei strafmin-

dernd im Umfang von einem Drittel der Ablauf einer erheblichen Zeitspanne 

seit der Tat – vorliegend 12 beziehungsweise 13 Jahre – anzurechnen, 

während sich die Vorstrafenlosigkeit des Beschwerdeführers neutral auf 

die Strafzumessung auswirke.  

Diese Ausführungen sowie die bedingt ausgefällte Strafe von acht Mona-

ten sprechen (knapp) gegen eine qualifizierte Asylunwürdigkeit und somit 

gegen die besondere Verwerflichkeit im Sinne von Art. 63 Abs. 2 AsylG (vgl. 

zur Kasuistik im Zusammenhang mit sexuellen Handlungen mit Kindern 

namentlich das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1249/2012 vom 

28. Oktober 2013).  

Im Übrigen besteht für Mutmassungen in Bezug auf die Glaubhaftigkeit der 

Aussagen des Opfers im Strafverfahren, wie der Beschwerdeführer sie vor-

bringt, im vorliegenden Verfahren kein Raum, zumal allfällige Rügen hierzu 

mit den entsprechend zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln zu bean-

standen gewesen wären. 

http://links.weblaw.ch/BVGer-E-1249/2012

E-6162/2014 

Seite 9 

4.3 Nach dem Gesagten kann vorliegend auf Ausführungen zum Kriterium 

der Verhältnismässigkeit verzichtet werden.  

5.  

Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen. Der angefochtene Entscheid 

des BFM vom 25. September 2014 ist aufzuheben und dem Beschwerde-

führer ist weiterhin Asyl in der Schweiz zu gewähren. 

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

6.2 Dem obsiegenden Beschwerdeführer ist in Anwendung von Art. 64 Abs. 

1 VwVG und Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 

173.320.2) zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung für die ihm 

erwachsenen notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zuzuspre-

chen; die Ausrichtung eines Honorars zu Lasten des Gerichts für die un-

entgeltliche Rechtsverbeiständung ist damit abgegolten. Der Rechtsvertre-

ter des Beschwerdeführers weist in seiner Kostennote vom 1. Dezember 

2014 einen Aufwand von 5.65 Stunden aus, der nicht vollumfänglich als 

angemessen gelten kann, zumal in der Beschwerdeschrift in weiten Zügen 

die bereits im vorinstanzlichen Verfahren mit Stellungnahme vom 19. Sep-

tember 2014 vorgetragenen Ausführungen wiederholt worden sind. So-

dann ist der in der Kostennote für den 23. November 2014 ausgewiesene 

Aufwand ("Beschwerde bereinigen, Besprechung mit Klient") nicht nach-

vollziehbar, da zum damaligen Zeitpunkt keine Instruktionsschritte anstan-

den und die Beschwerde bereits eingereicht war. Schliesslich ist auch der 

für die Ausarbeitung der Kostennote ausgewiesene Aufwand von 0.45 

Stunden nicht als angemessen zu werten und zu kürzen. Das Gericht er-

achtet insgesamt einen zeitlichen Aufwand von 4.15 Stunden als angemes-

sen. Der ausgewiesene Stundenansatz des Rechtsvertreters ist regle-

mentskonform (vgl. Art. 10 Abs. 2 VGKE); ebenso sind die Auslagen als 

angemessen zu erachten. Die Parteientschädigung ist demnach auf Fr. 

945.20 (inkl. Auslangen und MWSt) festzusetzen. 

  

E-6162/2014 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des BFM vom 25. September 2014 wird aufgehoben. Das 

dem Beschwerdeführer gewährte Asyl bleibt in Kraft. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer eine Parteientschädi-

gung von Fr. 945.20 (inkl. Mehrwertsteuer und Auslagen) zu entrichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Natasa Stankovic 

 

 

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