# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b43cbec6-9a9a-57e0-8a37-66a2d15e756c
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2005-12-05
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 05.12.2005 BB.2005.105
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BB-2005-105_2005-12-05.pdf

## Full Text

Entscheid vom 5. Dezember 2005 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser, Vorsitz, 
Andreas J. Keller und Tito Ponti,  
Gerichtsschreiber Patrick Guidon  

   
 
Parteien 

  
A., vertreten durch Fürsprecher Stephan Schmidli, 
 

Beschwerdeführer 
 

 gegen 
   

SCHWEIZERISCHE BUNDESANWALTSCHAFT, 
 

Beschwerdegegnerin 
 
 

Gegenstand  Beschwerde wegen Säumnis (Art. 105bis Abs. 2 i.V.m. 
Art. 214 ff. BStP) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  BB.2005.105 
 
 
 

 

 

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Sachverhalt: 
 

A. Die Schweizerische Bundesanwaltschaft (nachstehend „Bundesanwalt-
schaft“) eröffnete am 16. Dezember 2004 gegen A. ein gerichtspolizeiliches 
Ermittlungsverfahren wegen passiver Bestechung (Art. 315 aStGB bezie-
hungsweise Art. 322quater StGB) sowie wegen ungetreuer Amtsführung 
(Art. 314 StGB). Mit Verfügung vom 11. März 2005 wurden die Ermittlun-
gen überdies auf den Tatbestand des Amtsmissbrauchs (Art. 312 StGB) 
ausgedehnt. A. wird verdächtigt, als Konsul der Schweizer Botschaft in Li-
ma bewusst Visa an peruanische Staatsbürger vergeben zu haben, ohne 
dass die dafür erforderlichen Voraussetzungen vorhanden gewesen wären 
(act. 7, S. 1 f.). 
 
Nachdem eine Ermittlungsbeamtin der Bundeskriminalpolizei scheinbar er-
klärt hatte, dass mit einer nächsten Einvernahme von A. vor Ende dieses 
Jahres nicht zu rechnen sei, ersuchte dieser die Bundesanwaltschaft mit 
Schreiben vom 21. Juli 2005, das [gerichtspolizeiliche] Verfahren voranzu-
treiben und in absehbarer Zeit seinem Abschluss zuzuführen (act. 1.6). 
Dieses Schreiben blieb nach Darstellung A.’s unbeantwortet (act. 1, S. 2). 
 
 

B. A. wendet sich mit Beschwerde vom 13. September 2005 an die Be-
schwerdekammer des Bundesstrafgerichts und beantragt, die Bundesan-
waltschaft sei anzuweisen, ihn abschliessend einzuvernehmen, ihm her-
nach die vollumfängliche Akteneinsicht zu gewähren und die Ermittlungen 
anschliessend umgehend einzustellen oder beim zuständigen eidgenössi-
schen Untersuchungsrichter die Voruntersuchung zu beantragen, unter 
Kosten- und Entschädigungsfolge (act. 1, S. 2). 
 
Die Bundesanwaltschaft stellt in ihrer Vernehmlassung vom 12. Okto-
ber 2005 Antrag auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde (act. 7, S. 4). 
 
Die Parteien halten im zweiten Schriftenwechsel mit Eingaben vom 24. Ok-
tober / 9. November 2005 (act. 9 sowie 13) und 21. November 2005 
(act. 16) an ihren Anträgen fest. 
 
Auf die Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen. 
 
 
 

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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

1.  
1.1 Gegen Amtshandlungen und wegen Säumnis des Bundesanwalts ist die 

Beschwerde nach den Verfahrensvorschriften der Art. 214-219 BStP an die 
Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zulässig (Art. 105bis Abs. 2 
BStP sowie Art. 28 Abs. 1 lit. a SGG). Die Beschwerde steht den Parteien 
und einem jeden zu, der durch eine Verfügung oder durch die Säumnis des 
Bundesanwalts einen ungerechtfertigten Nachteil erleidet (Art. 214 Abs. 2 
BStP).  
 
Unter den Begriff Amtshandlungen fällt grundsätzlich alles, was der Bun-
desanwalt tut (oder unterlässt; vgl. BÖSCH, Die Anklagekammer des 
Schweizerischen Bundesgerichts [Aufgaben und Verfahren], Diss. Zürich 
1978, S. 74 m.w.H.; einschränkend demgegenüber das Urteil des Bundes-
gerichts 8G.145/2003 vom 9. März 2004). Säumnis des Bundesanwalts 
und damit eine formelle Rechtsverweigerung liegt vor, wenn sich dieser 
weigert, eine ihm nach Gesetz obliegende Amtshandlung vorzunehmen, 
wenn er mit anderen Worten untätig bleibt oder das gebotene Handeln über 
Gebühr hinauszögert, obschon er zum Tätigwerden verpflichtet wäre (BGE 
124 V 130, 133 E. 4; 107 Ib 160, 164 E. 3b; Urteil des Bundesgerichts 
4P.26/2002 vom 25. April 2002 E. 3a; HÄFELIN/MÜLLER, Allgemeines Ver-
waltungsrecht, 4. Aufl., Zürich 2002, N. 1657 m.w.H.; vgl. zum Ganzen 
auch HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, Schweizerisches Strafprozessrecht, 
6. Aufl., Basel 2005, S. 17 N. 4 ff.). Teilt er seine Weigerung, eine bestimm-
te Handlung vorzunehmen, demgegenüber ausdrücklich mit, ist eine Amts-
handlung gegeben, die im Regelfall auf Beschwerde hin überprüft werden 
kann (BÖSCH, a.a.O., S. 84). Anders als Beschwerden wegen Säumnis, 
welche an keine Frist gebunden sind (BÄNZIGER/LEIMGRUBER, Das neue 
Engagement des Bundes in der Strafverfolgung, Bern 2001, N. 259), sind 
derartige Beschwerden innert fünf Tagen, nachdem der Beschwerdeführer 
von der Amtshandlung Kenntnis erhalten hat, einzureichen (Art. 217 BStP). 
 

1.2 Im vorliegenden Fall erweist sich die Beschwerde wegen Säumnis ohne 
Weiteres als zulässig, soweit der Beschwerdeführer eine Verfahrensverzö-
gerung rügt und seine Einvernahme sowie die anschliessende Einstellung 
bzw. Beantragung der Voruntersuchung verlangt. In dieser Hinsicht ist, da 
der Beschwerdeführer als Beschuldigter von einer allfälligen Säumnis über-
dies betroffen und damit zur Beschwerde legitimiert ist, auf die Beschwerde 
einzutreten. 
 

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Nicht eingetreten werden kann auf die Beschwerde demgegenüber, soweit 
sie sich gegen die mit Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 24. Mai 
2005 (act. 1.5) ausdrücklich mitgeteilte Verweigerung der Akteneinsicht und 
damit gegen eine Amtshandlung richtet, da sich die Eingabe diesbezüglich 
als verspätet erweist. 

 
 
2.  
2.1 Die Art. 214 ff. BStP haben nicht den Sinn, der Beschwerdekammer die 

Möglichkeit zu geben, auf Beschwerde gegen eine im Ermessen des Bun-
desanwalts liegende Amtshandlung hin nach eigenem freiem Ermessen zu 
prüfen, ob sich diese Handlung rechtfertige oder nicht. Es ist nicht Aufgabe 
der Beschwerdekammer, ihr Ermessen an die Stelle desjenigen des Bun-
desanwalts zu setzen und ihm damit die Verantwortung für die Führung der 
Untersuchung abzunehmen. Bei Beschwerden gegen dessen Amtshand-
lungen hat die Beschwerdekammer deshalb – soweit nicht Zwangsmass-
nahmen zur Diskussion stehen – nur zu entscheiden, ob der Bundesanwalt 
die Grenze zulässigen Ermessens überschritten habe (vgl. zum Ganzen 
den Entscheid des Bundesstrafgerichts BB.2005.27 vom 5. Juli 2005 E. 2.1 
mit zahlreichen weiteren Hinweisen; bestätigt im Entscheid BB.2005.26 
vom 3. August 2005 E. 2.1). Nicht anders verhält es sich bei Beschwerden 
wegen Säumnis (Entscheid des Bundesstrafgerichts BB.2005.4 vom 
27. April 2005 E. 2). 

 
2.2 Vorliegend betrifft die Beschwerde keine Zwangsmassnahme. Die Kogniti-

on der Beschwerdekammer ist dementsprechend auf Rechtsverletzungen 
und damit im Bereich des Ermessens auf qualifizierte Ermessensfehler wie 
Ermessensüberschreitung, -unterschreitung und -missbrauch beschränkt. 

 
 
3.  
3.1 Gemäss Art. 29 Abs. 1 BV hat jede Person Anspruch auf Beurteilung innert 

angemessener Frist. Eine Rechtsverzögerung liegt vor, wenn sich die Be-
hörde zwar bereit zeigt, den Fall zu behandeln, den Entscheid aber nicht 
innerhalb der Zeit fällt, die nach der Natur der Sache und nach der Ge-
samtheit der übrigen Umstände noch als angemessen erscheint (BGE 125 
V 188, 191 f. E. 2a; 117 Ia 193, 197, E. 1c; 107 Ib 160, 164 E. 3b; 103 V 
190, 194 f. E. 3c; HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, a.a.O., S. 17 N. 6; HÄFELIN/ 
MÜLLER, a.a.O., N. 1658). Eine besondere Bedeutung hat das Rechtsver-
zögerungsverbot im Strafrecht, vor allem im Rahmen des Beschleuni-
gungsgebots (HÄFELIN/MÜLLER, a.a.O., N. 1658 m.w.H.). Ob und ab wel-
chem Zeitpunkt allenfalls eine Rechtsverzögerung vorliegt, kann freilich 

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weder für das Strafverfahren allgemein noch für das gerichtspolizeiliche 
Ermittlungsverfahren nach Bundesstrafprozessordnung im Einzelnen mit-
tels einer Regel definiert werden, sondern ist für jedes einzelne Verfahren 
aufgrund der Gesamtheit der relevanten Umstände des konkreten Verfah-
rens zu bestimmen (Entscheid des Bundesstrafgerichts BB.2005.4 vom 
27. April 2005 E. 5.2).  

 
3.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, dass eine Aktenöffnung für die Be-

schwerdegegnerin erst nach einer erneuten Befragung in Frage komme. 
Diese könne aber laut Auskunft der betrauten Bundespolizistin nicht vor 
Ablauf dieses Jahres erfolgen. Dies sei am 27. Juli 2005 ohne Ergebnis ge-
rügt worden. Ohne eine Verfahrenbeschleunigung würde ihm definitiv sein 
berufliches Fortkommen verunmöglicht. Der Beschwerdegegnerin sei es 
ein leichtes, das Verfahren zu beschleunigen. Die Editionen seien erfolgt. 
Es seien einzig die entsprechenden Unterlagen zu sichten und er (der Be-
schuldigte) gegebenenfalls damit zu konfrontieren. Weitergehende, erfolgs-
versprechende Untersuchungshandlungen seien nicht absehbar. Insbe-
sondere verfange der Einwand nicht, wonach der Mitbeschuldigte B., der 
ihn bestochen haben soll, zuvor noch einvernommen werden müsse, re-
spektive diverse Unterlagen bei diesem erhältlich gemacht werden müss-
ten. Die diesbezüglichen Rechtshilfeersuchen seien bis heute absolut er-
folglos geblieben. Weder habe der Mitbeschuldigte B. in Peru gefasst oder 
befragt noch entsprechende andere Beweismittel erhoben werden können. 
Es sei heute offensichtlich, dass Peru nicht gewillt sei, den entsprechenden 
Rechtshilfeersuchen gegen den schweizerisch-peruanischen Doppelbürger 
B. nachzukommen. Unter diesen Umständen sei es absolut unzulässig, 
noch weiter zuzuwarten (act. 1, S. 3 f.). In der Replik trägt der Beschwerde-
führer sodann vor, dass nicht ersichtlich sei, welche Erkenntnisse aus der 
Überprüfung von 17'000 Visa im Hinblick auf die ihm zur Last gelegten De-
likte gewonnen werden könnten. Die Beschwerdegegnerin werde nichts 
finden, was auf eine Vorteilsannahme oder ein diesbezügliches Verspre-
chen hindeuten könnte (act. 9, S. 1 ff.). 

 
3.3 Dem kann insgesamt und im Einzelnen nicht gefolgt werden. Zunächst ist 

festzuhalten, dass vorliegend keine Rede davon sein kann, die Beschwer-
degegnerin bleibe untätig, nehme mithin keinerlei Ermittlungshandlungen 
vor. Vielmehr belegen die eingereichten Verfahrensakten, dass regelmäs-
sig und in nicht geringem Umfange Ermittlungshandlungen vorgenommen 
wurden. Dies wird denn auch vom Beschwerdeführer zu Recht nicht bestrit-
ten. Damit bleibt die Frage zu prüfen, ob das Verfahren trotz steten Bemü-
hungen der Behörde und Ermittlungshandlungen inhaltlich nicht weiter 
kommt, d.h. der Tatverdacht sich beweismässig nicht weiter verdichten 

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lässt. Auch dies ist zu verneinen. Wie die Beschwerdekammer in früheren 
Entscheiden ausgeführt hat, muss der Ermittlungsbehörde in diesem Zu-
sammenhang ein grosser Spielraum eingeräumt werden, um verschiede-
nen Indizien und Beweisspuren nachzugehen (vgl. hierzu den Entscheid 
des Bundesstrafgerichts BB.2005.4 vom 27. April 2005 E. 5.2). Das gilt vor-
liegend nicht nur für die in Aussicht genommene bzw. bereits teilweise er-
folgte Überprüfung der Visa-Anträge, sondern insbesondere auch für die in 
Frage stehenden Rechtshilfeersuchen. Dass sich im Zusammenhang mit 
letzteren unter Umständen mehrmonatige Verzögerungen ergeben können, 
die sich unter anderem auf den Zeitpunkt weiterer Einvernahmen des Be-
schwerdeführers auswirken, versteht sich von selbst und ist gerade mit 
Blick auf die bisherige, keineswegs übermässige Verfahrensdauer nicht zu 
beanstanden.  

 
Insgesamt kann damit nicht davon gesprochen werden, die Beschwerde-
gegnerin treibe das Verfahren nicht mit der gebotenen Beförderlichkeit vor-
an respektive habe in Bezug auf die vorgenommenen Ermittlungshandlun-
gen das ihr zustehende Ermessen über-/unterschritten oder missbraucht. 
 
 

4. Zusammenfassend ist die Beschwerde nach dem Gesagten abzuweisen, 
soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der 
Beschwerdeführer die Kosten desselben zu tragen (Art. 245 BStP i.V.m. 
Art. 156 Abs. 1 OG). Die Gerichtsgebühr wird auf Fr. 1’500.-- angesetzt 
(Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren 
vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32) und dem Beschwerdeführer 
unter Anrechnung des geleisteten Kostenvorschusses von Fr. 1’000.-- auf-
erlegt. 

 
 
 
 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 
 
1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 
 
2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.-- wird dem Beschwerdeführer unter An-

rechnung des geleisteten Kostenvorschusses von Fr. 1’000.-- auferlegt. 
 
 

Bellinzona, 5. Dezember 2005 
 
Im Namen der Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident:    Der Gerichtsschreiber:  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Fürsprecher Stephan Schmidli 
- Schweizerische Bundesanwaltschaft  
 
 
 

 

Rechtsmittelbelehrung 
 
Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.