# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9729b4c8-2617-56cd-b671-96e5c8bcf9e0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-09-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.09.2014 E-500/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-500-2014_2014-09-16.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-500/2014 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 6 .  S e p t e m b e r  2 0 1 4   

Besetzung 

 
Richter Walter Stöckli (Vorsitz), 

Richterin Esther Karpathakis, Richterin Muriel Beck Kadima,    

Gerichtsschreiber Thomas Hardegger. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), Sri Lanka,  

c/o B._______, [Zustelladresse: Schweizer Botschaft in Co-

lombo], 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  

Verfügung des BFM vom 6. Dezember 2013 / N (…). 

 

 

E-500/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.   

A.a Die Beschwerdeführerin, eine sri-lankische Staatsangehörige tamili-

scher Ethnie aus C._______ mit letztem Wohnsitz in D._______, Jaffna 

(Nordprovinz), stellte am 24. Juli 2012 bei der schweizerischen Botschaft 

in Colombo (Eingang: 3. August 2012; nachfolgend als Botschaft be-

zeichnet) ein schriftliches Asylgesuch, das zuständigkeitshalber an das 

BFM weitergeleitet wurde.  

Mit Schreiben vom 8. August 2012 forderte die Botschaft die Beschwer-

deführerin zur Beantwortung diverser Fragen auf. Diese beantwortete die 

Fragen mit Eingaben vom 3. und 22. September 2012 (Eingang Bot-

schaft: 9. bzw. 30. Oktober 2012) und reichte die Kopie ihres Geburts-

scheins (tamilisch/englisch), eine Wohnsitzbescheinigung vom 20. Okto-

ber 2010 (englisch) und ein IDP-Dokument (tamilisch) ein.  

Am 30. Juli 2013 fand ihre Befragung zu den Asylgründen auf der Bot-

schaft statt (Protokoll: BFM-Akten A7/18). 

A.b Die Beschwerdeführerin gab an, im Mai 1996 von den Liberation Ti-

gers of Tamil Eelam (LTTE) eingezogen worden und in der Folge neun 

Jahre lang dabei gewesen zu sein. Nach dem physischen Training bei 

den LTTE habe sie während zweier Jahre eine medizinische Ausbildung 

erhalten. Als Sanitäterin sei sie mit einer Handgranate bewaffnet gewe-

sen; sie habe verletzte Mitglieder der Organisation behandeln müssen 

und sei selber verwundet worden. (…Liste diverser schwerer Verletzun-

gen…) Aufgrund ihrer schweren Verletzungen – sie habe 14 Monate lang 

im Spital gepflegt werden müssen – habe sie 2004 die LTTE verlassen 

wollen. Weil ihre beiden (...) Geschwister kurzfristig der LTTE beigetreten 

seien, habe sie unter Akzeptierung einer Strafe (6 Monate Küchendienst) 

die Organisation verlassen dürfen. Als sie 2008 erneut eingezogen wor-

den sei, sei sie kurz darauf aus der Organisation geflüchtet. Gegen 

Kriegsende seien sie und ihre Familienangehörigen in einem IDP-Camp 

(Lager für Internally Displaced Persons = Binnenvertriebene) in 

E._______ interniert worden. Sie sei dort mit weiteren (…) Personen für 

die Verwaltung des Camps zuständig gewesen. Als das Criminal Investi-

gation Departement (CID) von ihrer LTTE-Vergangenheit erfahren habe, 

habe es sie fortan observiert, regelmässig unter Gewaltanwendung ver-

hört, der Lüge bezichtigt und beschuldigt, an Kriegshandlungen teilge-

nommen zu haben. Aber sie sei aus ihren Sonderpflichten im Camp (…) 

nicht entlassen worden. Ihre Familienangehörigen hätten frühzeitig das 

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IDP-Camp verlassen dürfen, sie aber habe als Angestellte bis zur 

Schliessung des Lagers (…) bleiben müssen. Bei der Entlassung sei ihr 

eingeschärft worden, sie müsse telefonisch erreichbar sein und dürfe ihre 

Wohnadresse nicht wechseln. Sie habe in C._______ bei ihrer Familie 

Wohnsitz genommen. Sie habe ihren Angehörigen nichts über ihre 

schlimmen Erfahrungen mit dem CID im IDP-Camp berichtet, denn ihre 

Familienangehörigen hätten sie nicht mehr respektiert, wenn sie gewusst 

hätten, was sie alles erlebt habe. Sie habe ab (…) eine Anstellung (…) 

gefunden. Kurz darauf habe sie einen Telefonanruf von seitens der Ee-

lam's People Democratic Party (EPDP) erhalten, die sie in deren Haupt-

camp beordert habe. Dort sei sie über ihre Vergangenheit und ihr Umfeld 

verhört worden. Als sie ein zweites und drittes Mal aufgefordert worden 

sei, dort erneut zu erscheinen, habe sie sich von ihrem Vater begleiten 

lassen. Dieser habe während der Befragungen draussen warten müssen. 

Sie sei von der EPDP verdächtigt worden, ein Kadermitglied der LTTE zu 

sein oder für den Geheimdienst der LTTE gearbeitet zu haben. Sie habe 

rund zwei Wochen später noch mehrere Telefonanrufe erhalten, die sie 

ignoriert habe. Daraufhin seien Sicherheitskräfte zu Hause aufgetaucht. 

Sie hätten sie beschimpft, angeschrien, von ihr Gehorsam gefordert und 

ihr aufgetragen, im Armee-Camp von F._______ zu erscheinen. Am fol-

genden Tag habe sie sich vom Vater dorthin begleiten lassen. Die Sicher-

heitskräfte seien über den Umstand einer Begleitung sehr verstimmt ge-

wesen und hätten ihr eingeschärft, inskünftig alleine zu den Verhören zu 

erscheinen; ansonsten würden sie ihre ganze Familie erschiessen. In der 

Folge sei sie weitere sechs Male per Telefonanruf zum Camp beordert 

worden, wobei sie dort während der Verhöre verbalen sexuellen Belästi-

gungen ausgesetzt gewesen sei. Beim sechsten Mal hätten acht Offiziere 

der Armee und des CID, die Tamil gesprochen hätten, sie sexuell miss-

braucht. Nach ihrer Entlassung aus dem Camp habe sie bald einmal wei-

tere drei Anrufe von Sicherheitskräften erhalten. Sie habe indessen deren 

Weisungen ignoriert und sei zur Mutter nach G._______ North gezogen 

und habe die SIM-Karte des Telefons gewechselt. Bereits 15 bis 20 Tage 

später hätten die Sicherheitskräfte sie dort ausfindig gemacht und erneut 

verhört. Sie hätten ihr dabei eine Liste mit (…) Ex-Kadermitgliedern der 

LTTE gezeigt, die verhaftet werden sollten. Auf dieser Liste sei ihr eigener 

Name eingetragen gewesen. Die Sicherheitskräfte hätten sich nach dem 

Grund ihres Versteckspiels erkundigt und ihr mit Haft gedroht, falls sie 

den Weisungen nicht nachkomme. Sie habe ihnen ihre neue Telefon-

nummer angeben müssen. Daraufhin sei sie wiederholt telefonisch be-

droht worden, jeweils von einem unbekannten Offizier. Sie habe sich dar-

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aufhin entschieden, nicht mehr zur Arbeit (…) zu gehen und zu versuchen 

auszureisen.  

Die Botschaft übermittelte die Unterlagen mit Begleitschreiben vom 16. 

August 2013 ans BFM (Eingang: 22. August 2013).  

B.  

Mit Verfügung vom 6. Dezember 2013 – am 17. Dezember 2013 von der 

Botschaft an die Beschwerdeführerin versandt (Eröffnungsdatum nicht ak-

tenkundig) – lehnte das BFM das Gesuch der Beschwerdeführerin um 

Einreisebewilligung und Asylerteilung ab.  

C.  

Mit Beschwerde vom 16. Januar und Ergänzung vom 19. Februar 2014, 

weitergeleitet von der Botschaft am 22. Januar beziehungsweise 24. Feb-

ruar 2014, beantragte die Beschwerdeführerin sinngemäss, die angefoch-

tene Verfügung sei aufzuheben und ihre Einreise zwecks Durchführung 

des Asylverfahrens in der Schweiz zu bewilligen.  

Die Beschwerdeführerin bestritt die Auffassung des BFM, wonach sie als 

unverheiratete, junge Frau im heutigen Zeitpunkt keine verfolgte Person 

sei. Das BFM lasse sich vom Schein der Normalität in Sri Lanka blenden. 

Sie sei an Leib und Leben bedroht. Die Männer, die sie vergewaltigt hät-

ten, hätten ein Video angefertigt und ihr damit gedroht, den Film ins Inter-

net zu stellen, falls sie mit ihnen nicht kooperiere. Sicherheitskräfte und 

paramilitärische Gruppen seien auf der Suche nach ihr. Sie hätten ihr mit 

erneuter Festnahme gedroht, weshalb sie sich im Versteckten aufhalte. 

Sie sei keine LTTE-Kämpferin gewesen, sondern habe bloss Verletzte 

medizinisch behandelt. Ausserdem sei sie im Krieg verletzt worden, ihr 

Körper weise Verletzungsspuren auf und (…eine bestimmte schwere Ver-

letzung…). Wenn sie wieder festgenommen würde, würde sie wieder ver-

gewaltigt. 

In der Beschwerdeergänzung machte sie zudem geltend, sie sei am     

(…) 2014 ins CID-Büro von F._______ beordert und dort verhört worden. 

Sie sei von ihrer Mutter begleitet worden. Man habe sie von dort direkt 

nach Colombo überstellt, wo sie vom CID weiterverhört worden sei. Sie 

habe dort den Auftrag gehabt, unter den im vierten Stock des CID-

Gebäudes festgehaltenen rund 50 bis 60 Frauen diejenigen Frauen zu 

bezeichnen, die seinerzeit im Vanni-Distrikt in medizinischen Einrichtun-

gen oder Spitälern der LTTE im Einsatz gestanden seien. Als sie keine 

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solche Frau unter diesen Frauen zu entdecken vermochte, habe der CID-

Offizier diese Frauen im Gegenzug gefragt, ob sie die Beschwerdeführe-

rin kennen würden. Sie sei daraufhin inhaftiert worden bis ihre Mutter sie 

in Colombo abgeholt habe. Sie seien gemeinsam nach Jaffna zurückge-

kehrt. Bei ihrer Freilassung sei ihr aufgetragen worden, sich den Behör-

den zur Verfügung zu halten. Sie benötige Schutz. 

Mit der Beschwerde wurde eine CD eingereicht, die zahlreiche Fotos ent-

hält, die zum Teil starke Verletzungsspuren an diversen Körperteilen einer 

weiblichen Person dokumentieren, ohne jedoch deren Gesicht zu zeigen.  

D.  

Mit Vernehmlassung vom 31. März 2014 beantragte das BFM die Abwei-

sung der Beschwerde. Diese vorinstanzliche Stellungnahme wird der Be-

schwerdeführerin mit diesem Urteil zur Kenntnis gebracht.  

E.  

Mit Begleitschreiben vom 28. August 2014 leitete die Botschaft ein 

Schreiben der Beschwerdeführerin vom 19. August 2014 ans Bundes-

verwaltungsgericht (Eingang: 8. respektive 10. September 2014) weiter. 

Sie machte darin geltend, sie leide unter immensen Schmerzen wegen 

(…eine bestimmte schwere Verletzung…). Die Ärzte in Sri Lanka hätten 

nicht gewagt, sie zu operieren. (…) Deshalb sei sie an einem Datum nach 

dem 19. Februar 2014 nach Indien gereist, um sich einer Abklä-

rung/Operation zu unterziehen. Die indischen Ärzte seien indessen glei-

cher Meinung und die Kosten einer Operation unerschwinglich gewesen. 

Unverrichteter Dinge sei sie in Begleitung eines älteren Verwandten nach 

Sri Lanka zurückgekehrt. Dort habe sie erfahren müssen, dass während 

ihrer Abwesenheit Geheimdienstleute wiederholt zu Hause und auch bei 

Verwandten erschienen seien und sie gesucht hätten. Den Eltern hätten 

sie vorgeworfen, ihre Tochter zu verstecken. Sie hätten gedroht, ihren Va-

ter und ihren Schwager an ihrer Stelle in Haft zu nehmen, wenn sie un-

tergetaucht bleibe. Fortan habe sie sich jedes Mal, wenn Leute erschie-

nen seien, im Haus der Nachbarn versteckt. Am (…) Juni 2014 aber hät-

ten die Sicherheitskräfte sie im Haus überrascht. Sie hätten sie umge-

hend ins Armee-Camp überführt, wo sie die nächsten (…) Tage inhaftiert 

geblieben und unter dem Vorwand von Befragungen oft vergewaltigt wor-

den sei. Viele Personen hätten sich dort an ihr wiederholt sexuell vergan-

gen. Sie sei an Händen und Beinen gefesselt worden, und im Mund habe 

sie einen Knebel gehabt. Sie habe an intensiven Schmerzen im Unter-

leibs- und Rückenbereich sowie an unerträglichem Brennen beim Was-

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serlösen gelitten. Als es ihr sehr schlecht gegangen sei, sei ihr eine Flüs-

sigkeit verabreicht worden, worauf sie das Bewusstsein verloren habe. Im 

staatlichen Krankenhaus von C._______ sei sie aufgewacht. Die dortigen 

Ärzte hätten eine chronische Infektion ihrer Harnwege durch sexuelle 

Übergriffe diagnostiziert. Sie habe daraufhin den Ärzten alles Erlittene be-

richtet. Sie sei vom (…) bis (…) 2014 im Spital gewesen. Trotzdem leide 

sie weiterhin unter den beschriebenen Schmerzen. Nach ihrer Entlassung 

aus dem Spital hätten ihre Verfolger aus dem Camp von ihr gefordert, 

sich bei ihnen zu melden. Sie habe dies nicht getan. Falls gewünscht 

könne sie deren Telefonnummern angeben. Sie lebe nun in sehr grosser 

Furcht und Anspannung vor all dem, was komme. Die behandelnden Ärz-

te im staatlichen Krankenhaus in C._______ hätten sich geweigert, ihr ei-

ne Bestätigung über die erlittenen Übergriffsspuren auszustellen. Sie 

fürchteten offenbar um ihre eigene Sicherheit. Auch mache ihr (…eine 

bestimmte schwere Verletzung…) grosse Sorgen. 

F.  

Per Telefon und in der Folge mit einem Schreiben kontaktierte die 

Schweizer Botschaft am 10. September 2014 das Bundesverwaltungsge-

richt. Die Beschwerdeführerin habe während eines Gesprächs, zu wel-

chem sie von der Botschaft eingeladen worden sei, einer Botschaftsmit-

arbeiterin gegenüber glaubhaft geschildert, dass sie immer wieder, letzt-

mals am (…) August 2014, von Männern des sri-lankischen Sicherheits-

apparates, darunter einflussreiche Militärs, körperlich missbraucht worden 

sei und weiterhin in diesem Sinne bedroht sei. Es gebe keine Möglichkei-

ten, sie auf sri-lankischem Staatsgebiet zu schützen; immerhin habe sie 

vorübergehend (…ein bis anhin relativ sicherer Ort…) untergebracht wer-

den können. Ihre Verwandten möchten keinen Kontakt mehr mit der Be-

schwerdeführerin, weil sie ihrerseits unter Druck geraten seien; ihre 

Schwester und deren Ehemann würden deswegen nach H._______ um-

ziehen. 

Dem Schreiben lagen vier Spital- und Laborberichte bei (…) Gemäss 

Botschaftsschreiben sei eine Niereninfektion diagnostiziert worden, da 

der Arzt die wahre Ursache nicht zu nennen gewagt habe. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 

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den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-

desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im 

Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Das vorliegende Verfahren wird gemäss den Übergangsbestimmun-

gen zur Änderung des Asylgesetzes vom 28. September 2012 (in Kraft 

getreten am 29. September 2012) abgewickelt, wonach für Asylgesuche, 

die im Ausland vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. September 

2012 gestellt worden sind, die Artikel 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 in 

der bisherigen Fassung des Asylgesetzes (Stand vom 1.April 2011) Gel-

tung haben. 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch 

die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdi-

ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwer-

de ist einzutreten. 

1.5 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich 

Ermessensmissbrauch und -überschreitung sowie die unrichtige oder un-

vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt wer-

den (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Soweit die aufgehobenen Gesetzesbestim-

mungen weiterhin anzuwenden sind (E. 1.3), gilt auch der Rügegrund der 

Unangemessenheit (Art. 106 Abs. 1 aBst. c AsylG). 

2.  

Ein Asylgesuch konnte gemäss Art. 19 aAbs. 1 AsylG im Ausland bei ei-

ner schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es an das Bundes-

amt überweist (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des Verfahrens sah 

aArt. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, 

SR 142.311) vor, dass die schweizerische Vertretung mit der asylsuchen-

den Person in der Regel eine Befragung durchzuführen hatte. War dies 

nicht möglich, mussten die Asylgründe schriftlich festgehalten werden 

(aArt. 10 Abs. 2 AsylV 1). 

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Das BFM hat die Eingabe vom 24. Juli 2012 zu Recht als Asylgesuch aus 

dem Ausland entgegengenommen. Vor dem Hintergrund der massgebli-

chen Praxis zur Behandlung von Asylgesuchen aus dem Ausland und 

Einreisebewilligung sowie unter Berücksichtigung der Aktenlage ist fest-

zustellen, dass in vorliegender Angelegenheit den verfahrensrechtlichen 

Anforderungen Genüge getan wurde (vgl. dazu BVGE 2007/30 E. 5). Die 

Beschwerdeführerin hat ihr Gesuch im Rahmen ihrer Schreiben, der Be-

fragung vom 30. Juli 2013 und einer weiteren Vorsprache auf der Bot-

schaft substanziiert dargelegt. 

3.  

3.1 Einer Person, welche im Ausland ein Asylgesuch gestellt hat, ist die 

Einreise in die Schweiz zu bewilligen, wenn eine unmittelbare Gefahr für 

Leib, Leben oder Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG 

glaubhaft gemacht wird – das heisst im Hinblick auf die Anerkennung als 

Flüchtling und die Asylgewährung – oder wenn für die Dauer der näheren 

Abklärung des Sachverhalts ein weiterer Aufenthalt im Wohnsitz- oder 

Aufenthaltsstaat oder die Ausreise in einen Drittstaat nicht zumutbar er-

scheint (aArt. 20 Abs. 2 und 3 AsylG). Die Einreise in die Schweiz ist ihr 

zu verweigern und das Asylgesuch abzulehnen, wenn keine Hinweise auf 

eine aktuelle Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG vorliegen oder ihr zu-

zumuten ist, sich in einem Drittstaat um Aufnahme zu bemühen (aArt. 52 

Abs. 2 AsylG). 

3.2 Die Beschwerdeführerin macht Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG 

in Verbindung mit aArt. 20 AsylG geltend, indem sie vorbringt, sie sei ihrer 

langjährigen LTTE-Vergangenheit wegen vom sri-lankischen Sicherheits-

apparat (Polizei, CID, Geheimdienst, EPDP und Armee) persönlich ver-

folgt. Ihre Verfolgungssituation habe auch Konsequenzen gegenüber ih-

ren Familienmitgliedern gehabt. Sie fürchte um Leib und Leben. Ihre Ver-

folger hätten sie bis in die neueste Zeit hinein wiederholt aufgesucht oder 

zu sich beordert, verhört, verhaftet, schwer misshandelt und mehrfach 

vergewaltigt. Sie leide an den Folgen der Verfolgungshandlungen. Ihre 

Verfolger und Vergewaltiger seien teilweise Männer des Offizierskaders 

der Armee und des CID. Zudem habe sie sichtbare Kriegsverletzungen.  

3.3 Das BFM führte demgegenüber in der angefochtenen Verfügung aus, 

dass die früheren geltend gemachten Ereignisse (Befragungen, Schläge, 

einmalige sexuelle Belästigung) bedauerlich, aber nicht beachtlich seien, 

da sie in der seinerzeitigen Intensität nicht mehr andauern, zumal das 

Asylrecht nicht dem Ausgleich vergangenen Unrechts diene. Aktuell be-

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finde sich die Beschwerdeführerin nicht in Gefahr; die vorgebrachten 

Hausbesuche und -durchsuchungen und die damit verbundenen Beein-

trächtigungen würden mangels Intensität keine ernsthaften Nachteile im 

Sinne des Gesetzes darstellen. Sie sei nicht in akuter Gefahr und habe 

keine objektiv begründete Furcht vor Verfolgung. Massnahmen, die ein 

Staat ergreife, um sich gegen bewaffnete Angriffe oder ein Wiedererstar-

ken der LTTE zu wappnen, seien grundsätzlich legitim. Ausserdem habe 

sich mittlerweile die Situation in Sri Lanka, was die Sicherheits- und die 

Menschenrechtslage betreffe, erheblich verbessert. Der Beschwerdefüh-

rerin würden zudem interne Schutz- und Aufenthaltsalternativen in ande-

ren Regionen des Landes zur Verfügung stehen, und der sri-lankische 

Staat sei schutzfähig. Sie könne auch auf die Hilfe von zahlreichen priva-

ten und staatlichen Institutionen zählen. Die eingereichten Dokumente 

könnten zu keinem anderen Schluss führen. Die Glaubhaftigkeit der Vor-

bringen werde grundsätzlich nicht in Frage gestellt, doch seien sie nicht 

geeignet, die für ein Einreisebewilligung vorausgesetzte Zwangslage zu 

begründen, weshalb sie nicht einreiserelevant seien. Die Beschwerdefüh-

rerin sei nicht im Sinne von Art. 3 AsylG schutzbedürftig. 

Im Rahmen der Vernehmlassung vertrat die Vorinstanz die Auffassung, 

die Beschwerdeführerin stelle ihre Situation übersteigert dar. Zwar könne 

es zutreffen, dass die wiederholten behördlichen Aufforderungen zur Vor-

sprache wegen ihrer LTTE-Vergangenheit und deren Verhalten ihr Miss-

trauen in staatliche Organisationen und ihre damit verbundene Furcht vor 

allfälligen Nachteilen gefördert hätten. Ihre Angst vor Nachteilen sei aber 

objektiv nicht begründet, denn die geltend gemachten Aufforderungen zu 

Vorsprachen würden aufgrund ihrer Art und Intensität keine ernsthaften 

Nachteile im Sinne des Asylgesetzes darstellen. Es sei zwar nicht auszu-

schliessen, dass sie als ehemaliges Mitglied der LTTE auch heute noch 

unter Beobachtung der sri-lankischen Behörde stehen könne. Läge eine 

Verfolgungsabsicht seitens der sri-lankischen Behörden vor, wäre ihnen 

stets möglich gewesen, sie ausfindig zu machen. Die Vergewaltigung und 

die damit einhergehende Erpressung sei sehr unsubstanziiert und wider-

sprüchlich geschildert worden. Weshalb man der Beschwerdeführerin erst 

Monate nach den sexuellen Übergriffen mit dem Video drohe, sei nicht 

nachvollziehbar. Diese Vorbringen seien nicht glaubhaft.  

3.4 Der Auffassung der Vorinstanz kann das Gericht aufgrund der ver-

schiedenen, überwiegend in sich stimmigen Schilderungen der Verhöre 

durch sri-lankische Sicherheitskräfte und paramilitärischen Organisatio-

nen (Polizei, CID, EPDP) und der Armee sowie der mehrfach erlebten 

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Seite 10 

Vergewaltigungen und Misshandlungen durch auch höherrangige Ange-

hörige dieser Organisationen weder inhaltlich noch formell folgen.  

3.4.1 In formeller Hinsicht krankt die angefochtene Verfügung unter dem 

Widerspruch, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht in Frage 

gestellt werden, in der Folge aber ausgeführt wird, dass auf allfällig vor-

handene Unglaubhaftigkeitselemente nicht eingegangen werde. In der 

Vernehmlassung wird noch deutlicher im Gegensatz zur vorerst aner-

kannten Glaubhaftigkeit von einer übersteigerten Darstellung gesprochen 

und konkret die geltend gemachte Vergewaltigung und die damit verbun-

dene Erpressung als unglaubhaft bezeichnet. 

3.4.2 Inhaltlich steht ausser Frage, dass die Beschwerdeführerin zufolge 

ihrer langjährigen Zugehörigkeit zu den LTTE und ihrer Aktivität als Sani-

täterin an sich schon in einer unangenehmen Situation ist. Aufgrund des 

aktuellen Standes der Vorakten, namentlich auch unter gebührender Be-

rücksichtigung des neuesten Schreibens der Botschaft und deren Beurtei-

lung der Verfassung der Beschwerdeführerin und ihrer Wahrhaftigkeit, 

bestehen jedenfalls im heutigen Zeitpunkt starke Hinweise darauf, dass 

diese an Leib und Leben gefährdet ist. Die wiederholten Mehrfachverge-

waltigungen erscheinen glaubhaft gemacht, und auch die Angabe, dass 

sich unter den Vergewaltigern Männer des Offizierskaders der Armee und 

des CID befanden – einer wird von ihr namentlich genannt – erscheint je-

denfalls prima facie als überwiegend glaubhaft. Dass namentlich der letz-

te, wenige Zeit zurückliegende und einschneidende Vorfall bei der Be-

schwerdeführerin eine begründete Furcht vor weiteren Übergriffen glei-

cher Intensität ausgelöst beziehungsweise verstärkt hat, braucht nicht 

weiter ausgeführt zu werden.  

Ein sofortiges Verlassen des Heimatlandes erscheint angesichts der aku-

ten Gefährdung der Beschwerdeführerin als geboten. Einmal in der 

Schweiz wird sie in einer intensiven und sorgfältigen Befragung über ihre 

zentralen Erlebnisse berichten können – unter Berücksichtigung ihres 

physisch und psychisch beeinträchtigen Zustandes und der durch die 

verschiedenen Leiden entstandenen Folgen. Angesichts des landeswei-

ten Machteinflusses ihrer Verfolger ist für die Dauer der Abklärungen des 

Sachverhalts ein weiterer Aufenthalt in Sri Lanka nicht zumutbar. 

3.5 Die Voraussetzungen für die Erteilung einer Einreisebewilligung sind 

grundsätzlich restriktiv umschrieben. Den Asylbehörden kommt dabei ein 

weites Ermessen zu. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von 

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Seite 11 

Art. 3 AsylG sind mit Blick auf den Ausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 

AsylG namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staa-

ten, die Möglichkeit der Schutzgewährung durch einen anderen Staat, die 

praktische und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schutzsuche 

sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkei-

ten in Betracht zu ziehen (vgl. BVGE 2011/10). 

Mangels vorhandener Aufenthaltsalternativen in Drittländern ist im heuti-

gen Zeitpunkt auch ihre Ausreise und Aufenthalt in einen Drittstaat wie 

Indien nicht zumutbar (vgl. aArt. 20 Abs. 2 AsylG). Der angefochtenen 

Verfügung und der Vernehmlassung ist dazu nichts zu entnehmen. Aus 

dem von der Botschaft erstellten Befragungsprotokoll geht lediglich her-

vor, dass sich entfernte Verwandte mütterlicherseits ausserhalb Sri Lan-

kas aufhalten sollen. Ihr Aufenthaltsland und deren Lebensumstände sind 

nicht bekannt. Mangels eines Beziehungsnetzes dürfte auch ein Auswei-

chen nach Indien, wo sich die Beschwerdeführerin aus medizinischen 

Gründen eine Zeitlang aufgehalten hat, nicht zumutbar sein. Abgesehen 

davon, dass es in Indien nicht zur erwünschten medizinischen Behand-

lung kommen konnte, dürfte dort die latente Gefahr einer Rückführung 

beziehungsweise Auslieferung nach Sri Lanka bestehen. Der fehlende 

Bezug zur Schweiz ist als einziges Gegenargument zu schwach, um ei-

ner Einreisebewilligung entgegenzustehen. 

3.6 Aus den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen, 

die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, 

der Beschwerdeführerin die Einreise in die Schweiz zur Durchführung des 

ordentlichen Asylverfahrens zu bewilligen. 

4.  

4.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 3 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG). 

4.2 Der Beschwerdeführerin wäre als obsiegende Partei zu Lasten der 

Vorinstanz grundsätzlich eine Entschädigung für die ihr erwachsenen 

notwendigen und verhältnismässig hohen Kosten zusprechen (Art. 64 

Abs. 1 VwVG). Nachdem sie jedoch im Beschwerdeverfahren nicht ver-

treten ist, dürften ihr keine verhältnismässig hohen Kosten erwachsen 

sein, weshalb keine Parteientschädigung auszurichten ist.  

 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen.  

2.  

Die Verfügung des BFM vom 6. Dezember 2013 wird aufgehoben.  

3.  

Das BFM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin die Einreise in die 

Schweiz zwecks Durchführung des Asylverfahrens zu bewilligen. 

4.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

5.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.  

6.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das BFM und die Schwei-

zer Botschaft in Colombo. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Stöckli Thomas Hardegger 

 

 

 

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