# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5fc24d15-16bd-5b09-a5d1-645a201ce7b8
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-12-13
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Zivilkammern 13.12.2011 LA110008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_001_LA110008_2011-12-13.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Zivilkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: LA110008-O/U.doc 

 

Mitwirkend: Die Oberrichter Dr. R. Klopfer, Vorsitzender, und Dr. G. Pfister,  

Ersatzoberrichter Dr. S. Mazan sowie Gerichtsschreiberin lic. iur.  

S. Notz. 

Urteil vom 13. Dezember 2011 

 

in Sachen 

 

A._____ 
Beklagte und Berufungsklägerin 

 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____ und / oder Rechtsanwältin lic. iur. 

Y._____,  

 

gegen 

 

B._____,  
Kläger und Berufungsbeklagter 

 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Z._____ 

 

betreffend Forderung  
 
Berufung gegen ein Urteil des Arbeitsgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 
22. Dezember 2010 (AN100308) 

- 2 - 

Ursprüngliches Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2): 

"1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger die Lohnforderung in 
der Höhe von netto Fr. 9'093.- für zwei Monate Kündigungsfrist 
auszuzahlen. 

2. Unter Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten." 
 
 

Anlässlich der Hauptverhandlung vom 23. Juni 2010 erweitertes  
Rechtsbegehren (Prot. S. 4 und Urk. 8 sinngemäss) 

1. (…) 
2. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger Wegentschädigung 

in der Höhe von Fr. 22'920.- netto zu bezahlen. 
Unter Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten. 

Beschluss des Arbeitsgerichts Zürich vom 22. Dezember 2010: 

"1. Vom Rückzug der Klage im Umfang von Fr. 18'223.20 netto wird 
Vormerk genommen und der Prozess als dadurch erledigt abge-
schrieben. 

 2. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen werden mit nachfolgen-
dem Urteil geregelt. 

 3. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 
 4. Ein Rekurs gegen diesen Beschluss kann innert 10 Tagen von 

der Zustellung an schriftlich, im Doppel und unter Beilage des 
Entscheides dem Obergericht des Kantons Zürich, I. Zivilkammer, 
Postfach 2401, 8021 Zürich, eingereicht werden. In der Rekurs-
schrift sind die Rekursanträge zu stellen und zu begründen." 

Urteil des Arbeitsgerichts Zürich vom 22. Dezember 2010: 

"1. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger Fr. 13'789.80 netto zu 
bezahlen. Im Mehrbetrag wird die Klage abgewiesen. 

 2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

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Fr. 3'300.00 ; die weiteren Kosten betragen: 
Fr. 487.50   Übersetzungskosten 
Fr. 3'787.50    
 

 3. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt. 
 4. Es werden keine Prozessentschädigungen zugesprochen. 
 5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien je gegen Empfangsschein. 
 6. Eine Berufung gegen dieses Urteil kann innert 10 Tagen von der 

Zustellung an schriftlich und im Doppel beim Arbeitsgericht erklärt 
werden." 

 
 

Berufungsanträge: 

der Beklagten (Urk. 36 S. 2): 
 

"1. Dispositiv Ziffern 1 bis 4 des Urteils des Arbeitsgerichts Zürich 
vom 22. Dezember 2010 (AN100308) seien aufzuheben; 

2. Die Klage sei abzuweisen; 
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt) zu Lasten 

des Klägers und Berufungsbeklagten für beide Instanzen." 
 
 
des Klägers (Urk. 40 S. 2): 
 

"1. Die Berufung vom 17. März 2011 sei vollumfänglich abzuweisen. 
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8% MWSt.) zu 

Lasten der Berufungsklägerin." 
 
 

Erwägungen: 

1. Sachverhaltsüberblick und Prozessgeschichte 

1. Mit diversen Einsatzverträgen stellte die Appellantin und Beklagte (nachfol-

gend: die Beklagte) den Appellaten und Kläger (nachfolgend: der Kläger) als 

temporären Bauarbeiter an (vgl. die Einsatzverträge vom 4. August 2008 

- 4 - 

[Urk. 2/1/1], vom 25. November 2008 [Urk. 2/1/2], vom 9. März 2009 

[Urk. 2/1/3] und vom 28. August 2009 [Urk. 2/1/4]). Unter anderem war in 

den Einsatzverträgen Folgendes vereinbart: 

Einsatzfirma: C._____,… [Adresse], D._____ [Ort] […] 

Arbeitsort: C._____, … [Adresse], D._____ (E._____ AG) […] 

Treffpunkt: 05.30 Uhr Treffpunkt am Bahnhof F._____.  

2. Der Arbeitseinsatz des Klägers bei der "C._____" endete am 26. Februar 

2010. Zwischen den Parteien war umstritten, ob der Arbeitseinsatz seitens 

der Beklagten effektiv auf diese Zeitpunkt gekündigt worden war. Der Kläger 

stellte sich auf den Standpunkt, dass ihm erst am 26. Februar 2010 auf den 

28. Februar 2010 - d.h. ohne Einhaltung der im Gesamtarbeitsvertrag vorge-

sehen Kündigungsfrist von zwei Monaten - gekündigt worden sei. Entspre-

chend forderte er den Lohn für die Monate März und April 2010 bis zum Ab-

lauf der zweimonatigen Kündigungsfrist (Urk. 1 und 1a). Demgegenüber 

stellte sich die Beklagte auf den Standpunkt, dass dem Kläger bereits am 

6. November 2009 die Kündigung seines Einsatzes per 26. Februar 2010 

mitgeteilt worden sei, womit das Arbeitsverhältnis auf diesen Zeitpunkt be-

endet worden sei (Urk. 6 S. 4 Rz. 12 f., insbes. mit Hinweis auf Urk. 7/4). 

3. Mit Eingabe vom 12. April 2010 (Datum des Poststempels) machte der Klä-

ger den vorliegenden Prozess beim Arbeitsgericht Zürich anhängig und be-

antragte zunächst, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm Lohn für die zwei-

monatige Kündigungsfrist bis Ende April 2010 in der Höhe von netto 

Fr. 9'093.00 zu bezahlen (Urk. 1 und 1a). In der Folge wurden die Parteien 

zur Hauptverhandlung auf den 23. Juni 2010 vorgeladen (Urk. 3). Anlässlich 

der Hauptverhandlung vom 23. Juni 2010 erweiterte der Kläger seine Klage 

und beantragte neu, die Beklagte sei zusätzlich zum eingeklagten Lohn von 

Fr. 9'093.00 zu verpflichten, ihm Fr. 22'920.00 netto Wegentschädigung zu 

bezahlen (Prot. S. 4 f.). 

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4. Da nunmehr eine Forderung mit einem Streitwert über Fr. 30'000.00 einge-

klagt war, wurde der Prozess mit Verfügung vom 25. Juni 2010 dem Kollegi-

algericht überwiesen und erneut zur Hauptverhandlung auf den 

7. September 2010 vorgeladen (Urk. 9 und 11).  

5. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 7. September 2010 liess der Kläger 

seine Klage erneut modifizieren und beantragen, es sei die Beklagte zur 

Zahlung von Fr. 15'073.35 abzüglich die üblichen Sozialleistungen und Quel-

lensteuer, nebst Zins zu 5 % seit dem 1. März 2010, zu verpflichten (Urk. 22 

S. 2). Mit diesem Rechtsbegehren beschränkte sich der Kläger darauf, eine 

Wegentschädigung geltend zu machen. Demgegenüber liess der Kläger die 

Lohnforderung für die zweimonatige Kündigungsfrist bis Ende April 2010 fal-

len (Urk. 22 S. 4). Die Beklagte beantragte die Abweisung der Klage (Prot. 

S. 9 und Urk. 14). 

6. Nach Durchführung der Hauptverhandlung schlossen die Parteien einen 

Vergleich mit Widerrufsvorbehalt (Prot. S. 17 f.). Mit Schreiben vom 

16. September 2010 widerrief die Beklagte den Vergleich fristgerecht 

(Urk. 24).  

7. Aufgrund der Klagereduktion anlässlich der Hauptverhandlung vom 

7. September 2010 nahm die Vorinstanz mit Beschluss vom 22. Dezember 

2010 Vormerk vom Rückzug der Klage im Umfang von Fr. 18'223.20 netto 

(Fr. 32'013.– abzüglich Nettobetrag, der zuzusprechen ist, nämlich 

Fr. 13'789.80) und schrieb den Prozess in diesem Umfang als durch Rück-

zug erledigt ab. Mit Urteil vom gleichen Tag wurde die Beklagte verpflichtet, 

dem Kläger Fr. 13'789.80 zu bezahlen, und ihm Mehrbetrag wurde die Klage 

abgewiesen. 

8. Am 10. Januar 2011 erklärte die Beklagte rechtzeitig Berufung gegen das 

Urteil des Arbeitsgerichts Zürich vom 22. Dezember 2010 (Urk. 31). Am 

17. März 2011 reichte die Beklagte die Berufungsbegründung mit den obge-

nannten Anträgen ein (Urk. 36). Am 13. April 2011 erstattete der Kläger die 

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Berufungsantwort mit den obgenannten Anträgen (Urk. 40). In ihrer Beru-

fungsreplik vom 24. Mai 2011 (Urk. 42) und Berufungsduplik vom 13. April 

2011 (recte wohl: 16. Juni 2011) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest 

(Urk. 44).  

9. Auf telefonische Anfrage verzichteten die Parteien auf eine öffentliche Ur-

teilsberatung und -eröffnung (Urk. 46 und 47). 

2. Prozessuale Vorbemerkungen 

1. Am 1. Januar 2011 trat die schweizerische Zivilprozessordnung in Kraft. Für 

Rechtsmittel gilt das Recht, das bei der Eröffnung des Entscheides in Kraft 

war (Art. 405 Abs. 1 ZPO). Da das angefochtene Urteil vom 22. Dezember 

2010 datiert und gleichentags eröffnet wurde, untersteht das Rechtsmittel-

verfahren den Bestimmungen des bisherigen kantonalzürcherischen Zivil-

prozessrechts, obwohl die Berufung am 1. Januar 2011 und damit nach dem 

Inkrafttreten der schweizerischen Zivilprozessordnung erklärt wurde 

(Urk. 31).  

2. Der Streitwert berechnet sich für die Zulässigkeit von Rechtsmitteln nach 

den Verhältnissen zur Zeit der Fällung des angefochtenen Entscheides (§ 18 

Abs. 2 ZPO/ZH). Für die Frage der Verfahrensart (einfaches und rasches 

Verfahren) und der damit verbundenen Fragen (insbesondere Kostenlosig-

keit des Verfahrens) bleibt der ursprüngliche Streitwert massgebend. Weil 

der Streitwert von Fr. 30'000.00 gemäss Art. 343 aOR (nach dem eingangs 

erwähnten erweiterten Rechtsbegehren über Fr. 32'013.00) überschritten 

wird, kommt diese Bestimmung nicht zur Anwendung. 

3. Materielles 

1. Die Parteien haben in ihrem Arbeits- bzw. Einsatzvertrag als "Treffpunkt" 

den Bahnhof F._____ und als "Arbeitsort" die C._____ vereinbart (Urk. 2/2/1 

etc.), wobei sich der Treffpunkt nach der unbestrittenen Darstellung im ange-

fochtenen Urteil beim Bahnhof G._____ befand (Urk. 30 S. 9). Gegenstand 

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des vorliegenden Berufungsverfahrens ist die Frage, ob die Beklagte dem 

Kläger eine Wegentschädigung für den Weg vom Treffpunkt (Bahnhof 

G._____) zum Arbeitsort (C._____ in D._____) schuldet. 

2. Die Vorinstanz ging zutreffend und unangefochten davon aus, dass gemäss 

dem zwischen den Parteien abgeschlossenen Rahmenvertrag (Urk. 7/3) und 

den vier Einsatzverträgen (Urk. 2/1/1, 2/1/2, 2/1/3 und 2/1/4) der "Landes-

mantelvertrag für das Schweizerische Bauhauptgewerbe 2008-2010 (LMV 

2008)" vom 14. April 2008 in Bezug auf die Lohn- und Arbeitszeitbestim-

mungen für anwendbar erklärt wurde (Urk. 30 S. 6 Rz. 4.1).  

3. Für die hier zu beurteilende Streitfrage, ob eine Wegentschädigung vom 

Treffpunkt (Bahnhof G._____) bis zum Arbeitsort (C._____ in D._____) ge-

schuldet ist, sind die folgenden Bestimmungen des LMV relevant: 

Art. 23 Begriff Arbeitszeit 
1 Als Arbeitszeit gilt die Zeit, während der sich Arbeitnehmer zur Verfügung des Ar-

beitgebers zu halten haben. 
2 Nicht als Arbeitszeit gelten: 

a) der Weg zum und vom Arbeitsort. Bezüglich Reisezeit gilt Art. 54 LMV; 

[…] 

Art. 54 Reisezeit 
1 Die Reisezeit für Hin- und Rückfahrt ab und zur Sammelstelle zählt nicht zur Jah-

resarbeitszeit gemäss Art. 24 LMV. Sie ist zum Grundlohn zu entschädigen, so-
weit sie 30 Minuten im Tag übersteigt. 

2 Beim Einsatz von vermittelten Arbeitnehmern hat der Einsatzbetrieb dafür zu sor-
gen, dass für die vermittelten Arbeitnehmenden die gleiche Sammelstelle verein-
bart wird, wie für das fest angestellte Personal. 

4. Der Kläger ist der Auffassung, dass es sich beim Treffpunkt am Bahnhof 

G._____ um eine "Sammelstelle" im Sinn von Art. 54 Abs. 1 LMV handelte, 

weshalb die Beklagte verpflichtet sei, die Reisezeit zum Arbeitsort zu ent-

schädigen, soweit diese 30 Minuten übersteige. Dagegen wendet die Be-

klagte ein, dass als Arbeitsort die Baustelle C._____ in D._____ vereinbart 

worden sei und dass der Weg zum Arbeitsort gemäss Art. 23 Abs. 2 lit. a 

LMV nicht als Arbeitszeit gelte. 

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5. Vor dem Hintergrund dieser Kontroverse sind Art. 23 LMV (insbesondere der 

Begriffe "Arbeitsort") sowie 54 LMV (insbesondere der Begriff "Sammelstel-

le") auszulegen. 

a) Bei der Auslegung eines Gesamtarbeitsvertrages ist zwischen den 

schuldrechtlichen und normativen Bestimmungen zu unterscheiden. 

Während die schuldrechtlichen Bestimmungen die Rechte und Pflich-

ten der Tarifpartner (beim LMV der Schweizerischer Baumeisterver-

band sowie die Gewerkschaften Unia und Syna) unter sich regeln und 

gemäss den Grundsätzen über die Auslegung von Verträgen zu inter-

pretieren sind, richtet sich die Auslegung der normativen Bestimmun-

gen, welche auf die Vertragsbeziehungen zwischen den Arbeitnehmern 

und den Arbeitgebern anwendbar sind, nach den für Gesetze gelten-

den Grundsätzen (BGE 127 III 318 E. 2a S. 322 mit weiteren Hinwei-

sen auf Rechtsprechung und Literatur). Da die Art. 23 und 54 LMV auf 

die Vertragsbeziehungen zwischen dem Kläger und der Beklagten an-

wendbar sind - und nicht die Rechte und Pflichten der Tarifpartner be-

treffen -, handelt es sich um normative Bestimmungen, die nach den 

Regeln der Gesetzesauslegung - und nicht nach den Grundsätzen der 

Vertragsauslegung - zu interpretieren sind. 

b) Ausgangspunkt der Auslegung einer (Gesetzes-)Norm bildet ihr Wort-

laut (grammatikalische Auslegung). An einen klaren und unzweideuti-

gen Gesetzeswortlaut ist die rechtsanwendende Behörde gebunden, 

sofern dieser den wirklichen Sinn der Norm wiedergibt. Abweichungen 

von einem klaren Wortlaut sind indessen zulässig oder sogar geboten, 

wenn triftige Gründe zur Annahme bestehen, dass dieser nicht dem 

wahren Sinn der Bestimmung entspricht. Solche Gründe können sich 

aus ihrem Sinn und Zweck (teleologische Auslegung), aus dem Zu-

sammenhang mit anderen Vorschriften (systematische Auslegung) so-

wie aus der Entstehungsgeschichte (historische Auslegung) ergeben. 

Bei der Auslegung einer Norm sind daher neben dem Wortlaut die er-

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wähnten Auslegungselemente zu berücksichtigen (allgemein: BGE 136 

I 297 E. 4.1 S. 299 f., 134 III 273 E. 3 S. 277; speziell für die Auslegung 

eines GAV: BGE 127 III 318 E. 2b S. 322 f.). 

c) Eine Auslegung von Art. 23 und 54 LMV im Hinblick auf die Frage, ob 

eine Wegentschädigung geschuldet ist, ergibt folgendes Ergebnis: 

− Aufgrund des Wortlautes der erwähnten Bestimmungen (grammatika-
lische Auslegung) erscheint auf den ersten Blick klar, dass der Weg 

zum und vom Arbeitsort nicht als Arbeitszeit gilt (Art. 23 Abs. 2 lit. a 

LMV), weshalb die für den Weg zum Arbeitsort aufgewendete Zeit vom 

Arbeitgeber nicht zu entschädigen ist. In einem Spannungsverhältnis 

dazu steht jedoch die Bestimmung, wonach die Reisezeit für die Hin- 

und Rückfahrt zwischen der Sammelstelle und dem Arbeitsort insoweit 

entschädigt wird, als diese 30 Minuten pro Tag übersteigt (Art. 54 Abs. 

1 LMV). Die Auslegung aufgrund des Wortlautes der erwähnten Best-

immungen wird weiter dadurch erschwert, dass der Begriff Arbeitsort 

keineswegs klar ist, weil im Baugewerbe der Ort, an dem sich der Ar-

beitnehmer zur Verfügung des Arbeitgebers halten muss ("Anstel-

lungsort", häufig der Firmensitz, der Werkhof etc.), in der Regel nicht 

mit der Baustelle zusammenfällt, auf welcher die Arbeit verrichtet wird 

("Arbeitsort"). Zutreffend erkannte die Schweizerische Paritätische 

Vollzugskommission Bauhauptgewerbe (SPK) im Fall 33/1999, dass in 

der Formulierung von Art. 23 Abs. 1 und 2 lit. a LMV nicht klar zum 

Ausdruck komme, dass der Arbeitnehmer im Baugewerbe seine Arbeit 

in der Regel an einem auswärtigen "Arbeitsort" leistet (Baustelle), der 

nicht mit dem "Anstellungsort" übereinstimmt (Firmensitz, Werkhof etc.) 

(vgl. http://www.svk-bau.ch/fileadmin/image/Sozialinstitutionen/SVK/ 

Dateien/Thema_2/ Kopie13_2007_entsendungreisezeitalsarbeitszeit. 

pdf, S. 2). Überdies weist die SPK im Fall 24/2001 in Bezug auf den 

Begriff Sammelstelle zu Recht darauf hin, dass mangels Umschreibung 

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des Begriffs in Art. 54 Abs. 1 LMV auch diesbezüglich nicht klar sei, 

was darunter zu verstehen sei (vgl. a.a.O., S. 2 f.). 

− Wenn aber der Wortlaut der auszulegenden Bestimmungen kein klares 

Auslegungsergebnis ergibt, ist auf den Sinn und Zweck von Art. 23 
und 54 LMV einzugehen (teleologische Auslegung). 

− Art. 23 LMV definiert die Arbeitszeit wie erwähnt als diejenige 

Zeit, während welcher sich der Arbeitnehmende zur Verfügung 

des Arbeitgebers zu halten hat (Abs. 1) und präzisiert anschlies-

send, dass der Weg zum und vom Arbeitsort nicht als Arbeitszeit 

gilt (Abs. 2 lit. a Satz 1). Diese Regelung deckt sich mit Art. 13 der 

Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1 [SR 822.111]), wonach 

als Arbeitszeit diejenige Zeit gilt, während der sich der Arbeit-

nehmer zur Verfügung des Arbeitgebers zu halten hat (Abs. 1 

Halbsatz 1) und wonach der Weg zu und von der Arbeit nicht als 

Arbeitszeit gilt (Abs. 1 Halbsatz 2). Die Regelung des Arbeitsge-

setzes ist auf den Normalfall zugeschnitten, in welchem der Ar-

beitnehmer dort arbeitet, wo er angestellt ist, d.h. wenn der An-

stellungs- und Arbeitsort zusammenfallen. Gerade im Baugewer-

be ist dies jedoch wie erwähnt häufig nicht der Fall, weil der Bau-

arbeiter in der Regel auf einer Baustelle an irgendeinem auswär-

tigen Ort arbeitet. Aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass 

sich der Anstellungsort, an welchem sich der Bauarbeiter zur Ver-

fügung des Bauunternehmers halten muss (häufig der Werkhof 

oder der Firmensitz) geographisch nicht mit dem Arbeitsort (der 

Baustelle) deckt. Die SPK geht daher im Fall 33/1999 davon aus, 

dass Weg vom Anstellungsort (Werkhof, Firmensitz etc.) zum Ar-

beitsort (Baustelle) in der Regel als Arbeitszeit gilt, für welche 

Lohn geschuldet ist (vgl. a.a.O., S. 2). 

− Für den vorliegenden Fall interessant ist indessen insbesondere 

der Begriff der "Sammelstelle". Vorweg ist festzuhalten, dass sich 

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der Begriff der Sammelstelle weder mit dem Begriff des Arbeitsor-

tes noch demjenigen des Anstellungsortes deckt. Während der 

Weg zum und vom Arbeitsort nicht als Arbeitszeit gilt und folglich 

nicht zu entschädigen ist (Art. 23 Abs. 2 lit. a Satz 1 LMV; Art. 13 

Abs. 1 Halbsatz 2 ArGV 1) und der Weg zwischen dem Anstel-

lungsort und dem Arbeitsort als Arbeitszeit gilt und zu entschädi-

gen ist (vgl. SPK, a.a.O., S. 2), handelt es sich beim Weg zwi-

schen der Sammelstelle und dem Arbeitsort teilweise um Arbeits-

zeit, nämlich soweit der Weg die Dauer von 30 Minuten übersteigt 

(Art. 54 Abs. 1 LMV). Der Begriff der Sammelstelle kann nach 

Sinn und Zweck daher nur so verstanden werden, dass der Ar-

beitgeber, der die Arbeitnehmer an einem bestimmten Ort be-

sammelt (Sammelstelle), um sie anschliessend auf eine weit ent-

fernte Baustelle (Arbeitsort) zu befördern, wenigstens einen Teil 

der langen Reisezeit als Arbeitszeit gelten lässt und entschädigt, 

nämlich denjenigen Teil der Reisezeit, der 30 Minuten übersteigt. 

− Zur gleichen Auslegung gelangt man unter Berücksichtigung des 

Sachzusammenhangs zu anderen Normen des LMV und dessen An-
hängen (systematische Auslegung). In Art. 13 der "Zusatzvereinbarung 

zum LMV für Untertagbauten" (nachfolgend: Untertagbauvereinbarung) 

wird der Begriff der Sammelstelle nämlich wie folgt umschrieben: 

Art. 13 Sammelstelle 

Als Sammelstelle gemäss Art. 54 LMV (Reisezeit) gilt in der Regel das Basis- 
bzw. Wohnlager der Untertagbaustelle. Beträgt die Fahrzeit zum Tunnelportal 
täglich mehr als 30 Minuten, so ist diese analog Art. 54 LMV zu entschädigen. 

Diese Definition der "Sammelstelle" in Art. 13 Untertagvereinbarung 

darf ohne weiteres für die Auslegung des Begriffs der "Sammelstelle" in 

Art. 54 LMV herangezogen werden. In beiden Fällen werden die Ar-

beitnehmer zunächst an einer bestimmten Stelle besammelt - Basis- 

bzw. Wohnlager im Untertagbau bzw. vertraglich vereinbarten Sam-

melstelle bei anderen Arbeitsverhältnisses im Baugewerbe - und als-

dann an einen weit entfernten Arbeitsort - zu einer Baustelle bzw. zum 

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Tunnelportal der Untertagbaustelle - befördert, wobei der 30 Minuten 

übersteigende Teil der Reisezeit als Arbeitszeit zu vergüten ist.  

− Und schliesslich weist die SPK im Zusammenhang mit der Entste-
hungsgeschichte (historische Auslegung) darauf hin, dass in Art. 23 
und 54 LMV als Wille der Vertragsparteien des Landesmantelvertrages 

klar zum Ausdruck komme, dass die Reisezeit, die mehr als ½ Stunde 

pro Tag dauere, als Arbeitszeit zu qualifizieren und entsprechend zu 

entlöhnen sei (vgl. a.a.O., S. 3).  

d) Unter Berücksichtigung von Wortlaut (grammatikalische Auslegung) 

sowie Sinn und Zweck der auszulegenden Bestimmungen (teleologi-

sche Auslegung) sowie unter Berücksichtigung des Sachzusammen-

hangs (systematische Auslegung) und des Willens der Tarifpartner 

(historische Auslegung) ist von einer "Sammelstelle" im Sinn von 

Art. 54 LMV dann auszugehen, wenn der Arbeitgeber die Arbeitnehmer 

an einem vertraglich bestimmten Punkt besammelt und sie alsdann 

gemeinsam auf eine weit entfernte Baustelle befördert. Aus diesem 

Grund kann der Auslegung der Vorinstanz auch nicht in allen Punkten 

gefolgt werden, wenn sie unterstellt, Art. 54 LMV bezwecke, den Ar-

beitnehmer davor zu schützen, dass er ausserhalb der Arbeitszeit zu 

weit entfernten, immer wieder wechselnden Baustellen fahren müsse, 

die bei Vertragsabschluss nicht voraussehbar gewesen seien (so 

Urk. 30 S. 9 Abs. 2). Die Berücksichtigung von Art. 13 Untertagverein-

barung im Rahmen einer systematischen Auslegung des LMV zeigt, 

dass für einen Anspruch auf (teilweise) Vergütung der Reisezeit nicht 

entscheidend sein kann, ob der Arbeitnehmer auf wechselnden Bau-

stellen eingesetzt wird, die bei Vertragsabschluss nicht voraussehbar 

waren. Im Fall von Untertagbauten ist der Arbeitsort nämlich ausge-

sprochen stationär und von Vornherein bestens bekannt. Für die teil-

weise Vergütung der Reisezeit von der Sammelstelle zum Arbeitsort 

gestützt auf Art. 54 Abs. 1 LMV ist somit ausschliesslich entscheidend, 

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ob der Arbeitgeber die Arbeitnehmer an einem bestimmten Ort ver-

sammelt (Sammelstelle), um sie anschliessend gemeinsam an einen 

relativ weit entfernten Arbeitsort zu transportieren. Wenn diese beiden 

Voraussetzungen erfüllt sind, ist die Reisezeit insoweit zu entschädi-

gen, als diese die Dauer von 30 Minuten pro Tag überschreitet (Art. 54 

Abs. 1 LMV). Nur der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass diese 

Regelung auch für vermittelte Arbeitskräfte gilt, weil der Einsatzbetrieb 

dafür zu sorgen hat, dass für die vermittelten Arbeitnehmer die gleiche 

Sammelstelle vereinbart wird, wie für das fest angestellte Personal 

(Art. 54 Abs. 2 LMV).  

6. Im vorliegenden Fall vereinbarten die Parteien in den Einsatzverträgen einen 

Treffpunkt am Bahnhof F._____ um 05.30 Uhr, wobei unbestritten ist, dass 

der Treffpunkt an den Bahnhof G._____ verschoben wurde (Urk. 30 S. 9). 

Anschliessend wurde der Kläger gemeinsam mit anderen Arbeitnehmern 

des Einsatzbetriebs (C._____ [E._____ AG]) auf die relativ weit entfernte 

Baustelle in D._____ transportiert, wo ihr Arbeitseinsatz um 06.45 Uhr be-

gann (Urk. 2/1/1, 2/1/2, 2/1/3 und 2/1/4). Der "Treffpunkt" im Sinne der Ein-

satzverträge hat daher als "Sammelstelle" im Sinn des LMV zu gelten. Dies 

bedeutet, dass die Reisezeit von der Sammelstelle (Treffpunkt Bahnhof 

G._____) bis zum Arbeitsort (C._____, … [Adresse], D._____) insoweit als 

Arbeitszeit gilt und zu entschädigen ist, als die Reisezeit 30 Minuten über-

steigt (Art. 54 Abs. 1 LMV). Dabei ist unerheblich, ob der Kläger von der Be-

klagten selbst (in ihrer Eigenschaft als Personalverleiherin) oder vom Ein-

satzbetrieb (C._____ [E._____ AG]) befördert wurde, weil der Einsatzbetrieb 

verpflichtet ist, dafür zu sorgen, dass für die vermittelten Arbeitskräfte und 

das festangestellte Personal die gleiche Sammelstelle vereinbart wird (Art. 

54 Abs. 2 LMV). Dieser Pflicht wurde mit der vertraglichen Vereinbarung ei-

nes "Treffpunktes" beim Bahnhof F._____ (effektiv Bahnhof G._____) ent-

sprochen.  

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7. Nachdem sich ergeben hat, dass die Reisezeit gemäss Art. 54 Abs. 1 Satz 2 

LMV teilweise - nämlich im 30 Minuten übersteigenden Umfang - als Ar-

beitszeit zu entschädigen ist, muss der Entschädigungsanspruch des Klä-

gers in quantitativer Hinsicht bestimmt werden. Diesbezüglich hielt die Vo-

rinstanz zutreffend und unangefochten fest, dass bei einer gesamthaften 

täglichen Reisezeit von 100 Minuten (Hin- und Rückreise) 30 Minuten abzu-

ziehen seien, weshalb die Reisezeit im Umfang von 70 Minuten pro Arbeits-

tag zu entschädigen sei. Unter Berücksichtigung der vom Kläger geleisteten 

Arbeitstage und der geringfügig ansteigenden Stundenlöhne und unter Ab-

zug der Sozialabgaben und Quellensteuer ergibt dies einen Anspruch des 

Klägers von netto Fr. 13'789.80. Auf diese zutreffende und unangefochtene 

Berechnung in quantitativer Hinsicht kann verwiesen werden (§ 161 

GVG/ZH in Verbindung mit Urk. 30 S. 10 f. E. 4.4). Die Klage ist daher im 

zuletzt aufrecht erhaltenen Umfang gutzuheissen. 

4. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Wie bereits erwähnt, untersteht das Verfahren nicht den Bestimmungen des 

einfachen und raschen Verfahrens, weil das anlässlich der erstinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 23. Juni 2010 erweiterte Rechtsbegehren den 

Streitwert von Fr. 30'000.00 überstieg (Art. 343 Abs. 2 aOR). Das Verfahren 

ist daher auch vor der Berufungsinstanz nicht kostenlos (Art. 343 Abs. 3 

aOR). 

2. Angesichts des Ausgangs des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kosten- 

und Entschädigungsdispositiv zu bestätigen. 

3. Für das Verfahren vor Obergericht kommen die GerGebVO vom 4. April 

2007 und die AnwGebVO vom 21. Juni 2006 zur Anwendung, weil das Ver-

fahren wie erläutert dem bisherigen kantonalen Prozessrecht untersteht 

(§ 23 GebVO vom 8. September 2010 und § 25 AnwGebVO vom 

8. September 2010). Grundlage für die Berechnung ist der Streitwert vor der 

Rechtsmittelinstanz (§ 13 Abs. 2 GerGebVO und § 12 Abs. 3 AnwGebVO), 

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weshalb von einem Streitwert im Berufungsverfahren von Fr. 13'789.80 aus-

zugehen ist. Bei diesem Streitwert ist die Gerichtsgebühr in Anwendung von 

§ 13 in Verbindung mit § 4 Abs. 1 GerGebVO auf Fr. 2'300.00 festzusetzen. 

Die Prozessentschädigung beträgt ½ der Grundgebühr (§ 12 AnwGebVO), 

und für die Berufungsduplik ist ein Zuschlag zu gewähren (§ 6 Abs. 1 lit. c 

und Abs. 2 AnwGebVO), so dass sich die Prozessentschädigung auf 

Fr. 2'000.00 beläuft. Zusätzlich ist wie verlangt die Mehrwertsteuer von 8% 

zu entschädigen, womit eine Prozessentschädigung von Fr. 2'160.00 resul-

tiert. 

Es wird erkannt: 

1. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger Fr. 13'789.90 netto zu bezahlen. 

2. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Dispositivziffern 

2-4) wird bestätigt. 

3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird auf Fr. 2'300.00 festgesetzt. 

4. Die Gerichtskosten für das zweitinstanzliche Verfahren werden der Beklag-

ten auferlegt. 

5. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger für das Berufungsverfahren eine 

Prozessentschädigung von Fr. 2'160.00 zu bezahlen. 

6. Schriftliche Mitteilung an die Parteien und das Arbeitsgericht Zürich, 

4. Abteilung, je gegen Empfangsschein. 

Nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist gehen die erstinstanzlichen 

Akten an die Vorinstanz zurück. 

7. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 

30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-

schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder 

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Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 

des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG).  

Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG.  

Es handelt sich um eine arbeitsrechtliche Angelegenheit. Der Streitwert beträgt 
Fr. 13'789.80. 

Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. 

Hinsichtlich des Fristenlaufs gelten die Art. 44 ff. BGG. 
 
Zürich, 13. Dezember 2011 

 
Obergericht des Kantons Zürich 

I. Zivilkammer 
 
 
 
 

Der Vorsitzende: 
 
 
 

Dr. R. Klopfer 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

lic. iur. S. Notz 
 

 
 
versandt am: 
mc 

	Urteil vom 13. Dezember 2011
	Ursprüngliches Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2):
	Anlässlich der Hauptverhandlung vom 23. Juni 2010 erweitertes  Rechtsbegehren (Prot. S. 4 und Urk. 8 sinngemäss)
	Beschluss des Arbeitsgerichts Zürich vom 22. Dezember 2010:
	Urteil des Arbeitsgerichts Zürich vom 22. Dezember 2010:
	Berufungsanträge:
	Erwägungen:
	1. Sachverhaltsüberblick und Prozessgeschichte
	1. Mit diversen Einsatzverträgen stellte die Appellantin und Beklagte (nachfolgend: die Beklagte) den Appellaten und Kläger (nachfolgend: der Kläger) als temporären Bauarbeiter an (vgl. die Einsatzverträge vom 4. August 2008 [Urk. 2/1/1], vom 25. Nove...
	Einsatzfirma: C._____,… [Adresse], D._____ [Ort] […]
	Arbeitsort: C._____, … [Adresse], D._____ (E._____ AG) […]
	Treffpunkt: 05.30 Uhr Treffpunkt am Bahnhof F._____.
	2. Der Arbeitseinsatz des Klägers bei der "C._____" endete am 26. Februar 2010. Zwischen den Parteien war umstritten, ob der Arbeitseinsatz seitens der Beklagten effektiv auf diese Zeitpunkt gekündigt worden war. Der Kläger stellte sich auf den Standp...
	3. Mit Eingabe vom 12. April 2010 (Datum des Poststempels) machte der Kläger den vorliegenden Prozess beim Arbeitsgericht Zürich anhängig und beantragte zunächst, die Beklagte sei zu verpflichten, ihm Lohn für die zweimonatige Kündigungsfrist bis Ende...
	4. Da nunmehr eine Forderung mit einem Streitwert über Fr. 30'000.00 eingeklagt war, wurde der Prozess mit Verfügung vom 25. Juni 2010 dem Kollegialgericht überwiesen und erneut zur Hauptverhandlung auf den 7. September 2010 vorgeladen (Urk. 9 und 11).
	5. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 7. September 2010 liess der Kläger seine Klage erneut modifizieren und beantragen, es sei die Beklagte zur Zahlung von Fr. 15'073.35 abzüglich die üblichen Sozialleistungen und Quellensteuer, nebst Zins zu 5 % se...
	6. Nach Durchführung der Hauptverhandlung schlossen die Parteien einen Vergleich mit Widerrufsvorbehalt (Prot. S. 17 f.). Mit Schreiben vom 16. September 2010 widerrief die Beklagte den Vergleich fristgerecht (Urk. 24).
	7. Aufgrund der Klagereduktion anlässlich der Hauptverhandlung vom 7. September 2010 nahm die Vorinstanz mit Beschluss vom 22. Dezember 2010 Vormerk vom Rückzug der Klage im Umfang von Fr. 18'223.20 netto (Fr. 32'013.– abzüglich Nettobetrag, der zuzus...
	8. Am 10. Januar 2011 erklärte die Beklagte rechtzeitig Berufung gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Zürich vom 22. Dezember 2010 (Urk. 31). Am 17. März 2011 reichte die Beklagte die Berufungsbegründung mit den obgenannten Anträgen ein (Urk. 36). Am ...
	9. Auf telefonische Anfrage verzichteten die Parteien auf eine öffentliche Urteilsberatung und -eröffnung (Urk. 46 und 47).
	2. Prozessuale Vorbemerkungen
	1. Am 1. Januar 2011 trat die schweizerische Zivilprozessordnung in Kraft. Für Rechtsmittel gilt das Recht, das bei der Eröffnung des Entscheides in Kraft war (Art. 405 Abs. 1 ZPO). Da das angefochtene Urteil vom 22. Dezember 2010 datiert und gleichen...
	2. Der Streitwert berechnet sich für die Zulässigkeit von Rechtsmitteln nach den Verhältnissen zur Zeit der Fällung des angefochtenen Entscheides (§ 18 Abs. 2 ZPO/ZH). Für die Frage der Verfahrensart (einfaches und rasches Verfahren) und der damit ver...
	3. Materielles
	1. Die Parteien haben in ihrem Arbeits- bzw. Einsatzvertrag als "Treffpunkt" den Bahnhof F._____ und als "Arbeitsort" die C._____ vereinbart (Urk. 2/2/1 etc.), wobei sich der Treffpunkt nach der unbestrittenen Darstellung im angefochtenen Urteil beim ...
	2. Die Vorinstanz ging zutreffend und unangefochten davon aus, dass gemäss dem zwischen den Parteien abgeschlossenen Rahmenvertrag (Urk. 7/3) und den vier Einsatzverträgen (Urk. 2/1/1, 2/1/2, 2/1/3 und 2/1/4) der "Landesmantelvertrag für das Schweizer...
	3. Für die hier zu beurteilende Streitfrage, ob eine Wegentschädigung vom Treffpunkt (Bahnhof G._____) bis zum Arbeitsort (C._____ in D._____) geschuldet ist, sind die folgenden Bestimmungen des LMV relevant:
	4. Der Kläger ist der Auffassung, dass es sich beim Treffpunkt am Bahnhof G._____ um eine "Sammelstelle" im Sinn von Art. 54 Abs. 1 LMV handelte, weshalb die Beklagte verpflichtet sei, die Reisezeit zum Arbeitsort zu entschädigen, soweit diese 30 Minu...
	5. Vor dem Hintergrund dieser Kontroverse sind Art. 23 LMV (insbesondere der Begriffe "Arbeitsort") sowie 54 LMV (insbesondere der Begriff "Sammelstelle") auszulegen.
	a) Bei der Auslegung eines Gesamtarbeitsvertrages ist zwischen den schuldrechtlichen und normativen Bestimmungen zu unterscheiden. Während die schuldrechtlichen Bestimmungen die Rechte und Pflichten der Tarifpartner (beim LMV der Schweizerischer Baume...
	b) Ausgangspunkt der Auslegung einer (Gesetzes-)Norm bildet ihr Wortlaut (grammatikalische Auslegung). An einen klaren und unzweideutigen Gesetzeswortlaut ist die rechtsanwendende Behörde gebunden, sofern dieser den wirklichen Sinn der Norm wiedergibt...
	c) Eine Auslegung von Art. 23 und 54 LMV im Hinblick auf die Frage, ob eine Wegentschädigung geschuldet ist, ergibt folgendes Ergebnis:
	 Aufgrund des Wortlautes der erwähnten Bestimmungen (grammatikalische Auslegung) erscheint auf den ersten Blick klar, dass der Weg zum und vom Arbeitsort nicht als Arbeitszeit gilt (Art. 23 Abs. 2 lit. a LMV), weshalb die für den Weg zum Arbeitsort a...
	 Wenn aber der Wortlaut der auszulegenden Bestimmungen kein klares Auslegungsergebnis ergibt, ist auf den Sinn und Zweck von Art. 23 und 54 LMV einzugehen (teleologische Auslegung).
	 Art. 23 LMV definiert die Arbeitszeit wie erwähnt als diejenige Zeit, während welcher sich der Arbeitnehmende zur Verfügung des Arbeitgebers zu halten hat (Abs. 1) und präzisiert anschliessend, dass der Weg zum und vom Arbeitsort nicht als Arbeitsze...
	 Für den vorliegenden Fall interessant ist indessen insbesondere der Begriff der "Sammelstelle". Vorweg ist festzuhalten, dass sich der Begriff der Sammelstelle weder mit dem Begriff des Arbeitsortes noch demjenigen des Anstellungsortes deckt. Währen...

	 Zur gleichen Auslegung gelangt man unter Berücksichtigung des Sachzusammenhangs zu anderen Normen des LMV und dessen Anhängen (systematische Auslegung). In Art. 13 der "Zusatzvereinbarung zum LMV für Untertagbauten" (nachfolgend: Untertagbauvereinba...
	Diese Definition der "Sammelstelle" in Art. 13 Untertagvereinbarung darf ohne weiteres für die Auslegung des Begriffs der "Sammelstelle" in Art. 54 LMV herangezogen werden. In beiden Fällen werden die Arbeitnehmer zunächst an einer bestimmten Stelle b...
	 Und schliesslich weist die SPK im Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte (historische Auslegung) darauf hin, dass in Art. 23 und 54 LMV als Wille der Vertragsparteien des Landesmantelvertrages klar zum Ausdruck komme, dass die Reisezeit, die meh...

	d) Unter Berücksichtigung von Wortlaut (grammatikalische Auslegung) sowie Sinn und Zweck der auszulegenden Bestimmungen (teleologische Auslegung) sowie unter Berücksichtigung des Sachzusammenhangs (systematische Auslegung) und des Willens der Tarifpar...

	6. Im vorliegenden Fall vereinbarten die Parteien in den Einsatzverträgen einen Treffpunkt am Bahnhof F._____ um 05.30 Uhr, wobei unbestritten ist, dass der Treffpunkt an den Bahnhof G._____ verschoben wurde (Urk. 30 S. 9). Anschliessend wurde der Klä...
	7. Nachdem sich ergeben hat, dass die Reisezeit gemäss Art. 54 Abs. 1 Satz 2 LMV teilweise - nämlich im 30 Minuten übersteigenden Umfang - als Arbeitszeit zu entschädigen ist, muss der Entschädigungsanspruch des Klägers in quantitativer Hinsicht besti...
	4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
	1. Wie bereits erwähnt, untersteht das Verfahren nicht den Bestimmungen des einfachen und raschen Verfahrens, weil das anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 23. Juni 2010 erweiterte Rechtsbegehren den Streitwert von Fr. 30'000.00 übers...
	2. Angesichts des Ausgangs des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv zu bestätigen.
	3. Für das Verfahren vor Obergericht kommen die GerGebVO vom 4. April 2007 und die AnwGebVO vom 21. Juni 2006 zur Anwendung, weil das Verfahren wie erläutert dem bisherigen kantonalen Prozessrecht untersteht (§ 23 GebVO vom 8. September 2010 und § 25 ...
	Es wird erkannt:
	1. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger Fr. 13'789.90 netto zu bezahlen.
	2. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Dispositivziffern 2-4) wird bestätigt.
	3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird auf Fr. 2'300.00 festgesetzt.
	4. Die Gerichtskosten für das zweitinstanzliche Verfahren werden der Beklagten auferlegt.
	5. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger für das Berufungsverfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 2'160.00 zu bezahlen.
	6. Schriftliche Mitteilung an die Parteien und das Arbeitsgericht Zürich, 4. Abteilung, je gegen Empfangsschein.
	7. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff. (...