# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 162f74c5-a20d-5743-942e-4758c759a71b
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-07
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 07.12.2022 SST.2022.266
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-266_2022-12-07.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

 

SST.2022.266 

(SST.2020.155) 

 

 

Beschluss vom 7. Dezember 2022 
 

 

Besetzung  Oberrichter Cotti, präsidierendes Mitglied 

Oberrichterin Plüss  

Oberrichter Holliger  

Gerichtsschreiber Fehlmann      

 

 
   

Gesuchsteller   A._____, 

[…] 

vertreten durch Fürsprecher Philipp Kunz,  

[…] 

 

    
    

Gesuchs-

gegnerin  

 Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau,  

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg 

 

  

 
 

Gegenstand  Revisionsgesuch gegen das Urteil des Obergerichts SST.2020.155 vom 

30. August 2021 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Das Bezirksgericht Lenzburg sprach den Gesuchsteller mit Urteil vom 

13. Februar 2020 von den Vorwürfen des mehrfachen Entziehens von 

Minderjährigen sowie des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen frei, 

verurteilte ihn wegen mehrfacher Vergewaltigung, mehrfacher sexueller 

Nötigung, mehrfacher Nötigung und mehrfacher Tätlichkeiten während der 

Ehe [mit B.] zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren sowie einer Busse von 

Fr. 800.00, verwies ihn unter Ausschreibung im Schengener Informations-

systems (SIS) für 10 Jahre des Landes und entschied über die beschlag-

nahmten Gegenstände, die Zivilklage sowie die Freigabe der Sicherheits-

leistung. 

 

2. 

Auf Berufung des Gesuchstellers und Anschlussberufung der Staats-

anwaltschaft stellte das Obergericht mit Urteil vom 30. August 2021 das 

Verfahren in Bezug auf den Vorwurf der Tätlichkeiten für den angeklagten 

Zeitraum bis 14. Februar 2017 ein und sprach ihn vom Vorwurf der 

mehrfachen Nötigung frei. Es verurteilte ihn wegen mehrfacher Verge-

waltigung, mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfachen Entziehens von 

Minderjährigen, mehrfacher Tätlichkeiten während der Ehe sowie Unge-

horsams gegen amtliche Verfügungen zu einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren 

sowie einer Busse von Fr. 2'800.00 und bestätigte im Übrigen das erst-

instanzliche Urteil weitgehend. 

 

3. 

Das Bundesgericht wies eine vom Gesuchsteller dagegen erhobene 

Beschwerde mit Urteil 6B_1130/2021 vom 25. Oktober 2021 ab, soweit es 

darauf eingetreten ist. 

 

4. 

Mit Revisionsgesuch vom 20. Oktober 2022 beantragte der Gesuchsteller, 

das Urteil des Obergerichts vom 30. August 2021 sei aufzuheben, es sei 

ein neues Urteil zu fällen und der Gesuchsteller vollumfänglich 

freizusprechen. Eventualiter sei die Sache zur erneuten Behandlung und 

Beurteilung zurückzuweisen. 

  

 - 3 - 

 

 

 

   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Das Revisionsgesuch des Gesuchstellers richtet sich gegen das Urteil des 

Obergerichts vom 30. August 2021. Tritt das Berufungsgericht auf eine 

Berufung ein, so fällt es ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil 

ersetzt (Art. 408 StPO, Art. 81 StPO). Nachdem das Bundesgericht weder 

gestützt auf Art. 105 Abs. 2 BGG die obergerichtliche Feststellung des 

Sachverhalts abgeändert noch eigene Sachverhaltsfeststellungen ge-

troffen hatte, sind neue Tatsachen oder Beweismittel mit einem Revisions-

gesuch im Kanton geltend zu machen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6F_1/2017 vom 17. März 2017 E. 2 mit Verweis auf BGE 134 IV 48). 

Gegenstand des Revisionsgesuches ist somit vorliegend das Urteil des 

Obergerichts vom 30. August 2021. 

 

2. 

2.1. 

Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision kann ein rechts-

kräftiges Strafurteil angefochten werden, wenn neue, vor dem Entscheid 

eingetretene Tatsachen oder neue Beweismittel vorliegen, die geeignet 

sind, einen Freispruch, eine wesentlich mildere oder wesentlich strengere 

Bestrafung der verurteilten Person oder eine Verurteilung der frei-

gesprochenen Person herbeizuführen (Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO). Die 

Revisionsgründe müssen eine gewisse Erheblichkeit aufweisen. Daran 

fehlt es, wenn sich die Vorbringen nicht auf das Urteil auswirken können. 

Die Erheblichkeit von Tatsachen lässt sich in antizipierter Beweiswürdigung 

beurteilen. Die früheren Urteilsgrundlagen lassen sich einzig durch Um-

stände infrage stellen, welche diese zu erschüttern vermögen (HEER, in: 

Basler Kommentar, Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 65 f. zu Art. 410 

StPO mit Hinweisen). Vorbestehende Tatsachen und Beweismittel sind 

neu, wenn das Gericht zum Zeitpunkt der Urteilsfällung keine Kenntnis von 

ihnen hatte, sie ihm also nicht bereits in anderer Form unterbreitet worden 

sind (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_127/2020 vom 20. Juli 2021 

E. 1.3 mit Verweis auf BGE 137 IV 59 E. 5.1.2). 

 

2.2. 

Der Gesuchsteller reichte 5 Audioaufnahmen von Gesprächen im Dialekt 

Hazaragi ein, welche durch den Bruder des Gesuchstellers ins Deutsche 

und in die Hochsprache Dari übersetzt wurden. Bei den Beweismitteln 1 bis 

3 handle es sich um Audioaufnahmen, die zwar vor dem Urteil entstanden 

seien, dem Gesuchsteller jedoch in diesem Zeitpunkt nicht zugänglich 

gewesen seien. Nachdem B. am 1. Mai 2019 (angeblich) spurlos 

verschwunden gewesen sei, sei der Gesuchsteller davon ausgegangen, 

dass die Ehe vorüber sei und er die Aufnahmen nicht mehr benötige. Aus 

diesem Grund habe er die Aufnahmen von seinem Laptop gelöscht. Er sei 

weiter davon ausgegangen, dass diese Dateien unwiderruflich gelöscht 

 - 4 - 

 

 

 

seien und eine Wiederherstellung nicht möglich sei. Erst nachdem das 

Urteil des Bundesgerichts in Rechtskraft erwachsen sei, sei dem Bruder 

des Gesuchstellers, C., der während des Verfahrens beschlagnahmte 

Laptop ausgehändigt worden. Jenem sei es gelungen, Ende November 

2021 mit Hilfe eines Freundes die verloren geglaubten Dateien 

wiederherzustellen. Bei den Beweismittel 4 und 5 handle es sich um 

solche, die erst nach dem angefochtenen Urteil entstanden seien, sich aber 

auf Tatsachen beziehen würden, die vor dem Urteil entstanden seien. 

 

2.3. 

Zunächst ist festzustellen, dass die Übersetzung durch den Bruder des 

Gesuchstellers offenbar teilweise, in der Regel in Klammern gesetzte, 

eigene Ergänzungen oder Interpretationen enthält, die dann auch teilweise 

im Gesuch übernommen wurden. Als Beispiel sei die Aussage erwähnt, 

wonach sie «sehr wütend wütend/ böse (nachtragend, rachesüchtig)» 

geworden sei. Solche aggravierende, persönliche Ergänzungen sind nicht 

zu berücksichtigen. 

 

2.4. 

Die vom Gesuchsteller eingereichten Aufnahmen bzw. die Tatsachen, die 

er daraus ableiten will, sind offensichtlich nicht geeignet, die sorgfältige 

Beweiswürdigung der Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen von B. als 

Opfer und Ehefrau des Gesuchstellers in Zweifel zu ziehen. 

 

2.4.1. 

Ob B. den Gesuchsteller betrogen bzw. eine Affäre gehabt habe (Beilage 3) 

oder nicht, war Thema des Verfahrens (vgl. Urteil des Bezirksgerichts 

E. 2.4.5). Vor Obergericht auf ein aussereheliches Verhältnis mit D. ange-

sprochen hat B. «bloss» verneint, Sex gehabt zu haben, nicht jedoch 

telefonischen Kontakt, SMS und so weiter (Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 6). Das Obergericht hat hierzu keine Ausführungen 

gemacht und dem Thema damit keine entscheidende Bedeutung 

zugemessen. 

 

Dass sich der Gesuchsteller den Bedürfnissen bzw. dem Willen von B. 

gegenüber gleichgültig verhalten haben soll (Beilage 3), war ebenfalls 

Thema des Verfahrens (vgl. u.a. hinsichtlich Kleidervorschriften oder Arbeit 

samt Verweis auf entsprechende Aussagen von B.: Urteil des 

Bezirksgerichts E. 2.4.5.1 S. 40-42). Das Obergericht hat ein Handeln des 

Gesuchstellers gegen den Willen von B., soweit diese nicht bereits Eingang 

in die Beweiswürdigung genommen hätten – im Wesentlichen bei den 

Handlungen gegen die sexuelle Integrität, aber auch bei den Ausführungen 

zum Beziehungsbild wie explizit den Kleidervorschriften –, als weder für 

sich noch in der Gesamtheit geeignet erachtet, am gewonnenen 

Beweisergebnis etwas zu ändern (vgl. Urteil des Obergerichts E. 2.4.5.6). 

 

 - 5 - 

 

 

 

Dass der Gesuchsteller und B. zumindest eine Zeitlang in getrennten 

Zimmern geschlafen hätten (Beilage 3), war ebenfalls Thema des Ver-

fahrens (vgl. samt Verweis auf entsprechende Aussagen von B.: Urteil des 

Bezirksgerichts E. 3.1.3.3 S. 59) und B. hat vor Obergericht ähnliche 

Aussagen gemacht (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 9; zum 

Schlafen «getrennt» von ihr vgl. Ziff. 2.4.3), was auch Eingang in die 

Beweiswürdigung durch das Obergericht gefunden hat (Urteil des 

Obergerichts E. 2.4.5.2 S. 8 f.). 

 

Dass B. wütend reagieren kann (Beilage 5), hat sie bereits ausgesagt (vgl. 

Urteil des Bezirksgerichts E. 3.2.3.3 S. 71, wonach sie die Kinder aus Wut 

geschlagen habe). Im Übrigen hätte der Gesuchsteller als Antwort 

ausgesagt, dass sie nicht so («zwei Charakter haben») sein soll, denn tue 

sie es, dann er auch. Mithin gälte das Gleiche auch für ihn. Auch war ein 

mögliches Rachemotiv von B. Thema des Verfahrens gewesen (vgl. Urteil 

des Bezirksgerichts E. 2.4.5.1 S. 35, E. 3.1.3.3 S. 56 f.). Zudem hatte B. 

bereits ausgesagt, dass die Bekanntgabe ihrer Affäre ihren Ruf ruiniert 

hätte (vgl. u.a. samt Verweis auf entsprechende Aussagen von B.: Urteil 

des Bezirksgerichts E. 2.4.3.1 S. 22). Der Gesuchsteller hat auch bereits 

ein anderes aufgenommenes sowie übersetztes Gespräch mit B. vor 

Obergericht eingereicht (angeblich vom Februar 2019, vgl. Berufungs-

begründung, S. 13), worin sie u.a. ausgesagt haben soll, dass er ihr Leben 

zur Hölle gemacht habe, sie sich rächen werde und sie nicht still sitzen 

werde, bis sie mit ihm fertig sei (Beilage 7 zur Berufungsbegründung des 

Gesuchstellers vom 2. November 2020, S. 6, S. 13). Das Obergericht hat 

hierzu keine Ausführungen gemacht und diesen Themen damit keine 

entscheidende Bedeutung zugemessen. 

 

Inwiefern Aussagen von B. darüber, dass das zweite Kind E. aus dem Bett 

gefallen sei oder dass der Gesuchsteller wieder heiraten könne (vgl. zu 

Letzterem samt Verweis auf entsprechende Aussagen von B.: Urteil des 

Bezirksgerichts E. 2.4.3.2 S. 24), hinsichtlich der erhobenen Vorwürfe von 

Relevanz sind, erschliesst sich nicht. Das Obergericht hat zu Letzterem 

keine Ausführungen gemacht und dem Thema damit keine entscheidende 

Bedeutung zugemessen. 

 

Die Ausführung von B. aus einem Gespräch angeblich vom 1. Mai 2019 

(Beilage 7), wonach sie auf die Frage des Gesuchstellers, weshalb sie die 

Kinder nicht mitgebracht habe, geantwortet habe, dass sie kein Ticket 

gekauft habe, stimmt mit früheren Aussagen überein. So hat sie vor 

Obergericht ausgesagt, dass der Gesuchsteller die Tickets von ihr sowie 

den Kindern abgenommen habe, dass sie kein Geld gehabt habe und durch 

den Verkauf des mitgenommenen Goldes [immerhin] für sich ein Ticket 

habe kaufen können (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 22). 

 

 - 6 - 

 

 

 

2.4.2. 

Entgegen dem Gesuchsteller lässt sich aus dem von seinem Bruder 

übersetzten Gespräch zwischen B. und der Schwester des Gesuchstellers 

angeblich vom 13. Dezember 2021 (Beilage 9) offensichtlich nicht 

entnehmen, dass B. falsch ausgesagt bzw. gelogen hätte, nicht aus einer 

isolierten Aussage und erst recht nicht aus dem Zusammenhang: 

 

Im Gegenteil hat B. explizit gesagt, dass sie nicht gelogen habe, so dass 

sich der Gesuchsteller nicht mehr frei bewegen könne. Auch habe sie 

nichts unnötig ausgesagt und die von ihr ausgesagten Sachen seien wahr. 

Inwiefern der Umstand, dass sie nicht «direkt» gesagt habe, dass es eine 

Vergewaltigung gewesen sei, sondern dass «sie» gedacht hätten, dass es 

eine sei, daran etwas ändert, erschliesst sich nicht, zumal bereits das 

Obergericht erwogen hat, dass der Dolmetscher B. anlässlich der 

erstinstanzlichen Hauptverhandlung das Konzept des einvernehmlichen 

Geschlechtsverkehrs habe erklären müssen (Urteil des Obergerichts 

E. 2.4.5.5 S. 14). Gleiches gilt für die Aussage von B., dass es zu 100 % 

nicht möglich gewesen wäre, wenn sie nicht zum Arzt gegangen wäre und 

keine Belege von ihm gehabt hätte, was auch ihre Anwältin bestätigt habe. 

Oder für diejenige Aussage, dass, wenn man Belege vom Arzt erhalte, egal 

ob man lüge, «sie» alles akzeptieren würden bzw. solche Belege für «sie» 

alles bedeuten würden, und dass es dann gar nicht wichtig sei, dass man 

es selber erklären solle. Gleiches gilt für ihre Antwort auf die Frage der 

Schwester des Gesuchstellers, ob der Gesuchsteller, dessen Charakter 

[nach Ansicht der Schwester des Gesuchstellers] nicht zu einer 

Vergewaltigung passe, ein solcher Mensch sei. Hierauf habe B. gesagt, 

dass dies richtig sei und dass sie einen Fehler gemacht habe. Er habe ihr 

aber Tausende Sachen gesagt, mit wem sie schlafe, während sie zu Hause 

mit den Kindern geputzt, gewaschen und gekocht habe. Da würde jede 

wütend/böse werden. 

 

Einen Arztbericht hat das Obergericht in seinen Erwägungen explizit im 

Zusammenhang mit den Vorwürfen der mehrfachen Tätlichkeit 

berücksichtigt und festgestellt, dass «schliesslich» auch dieser die 

Aussagen von B. stützen würde (Urteil des Obergerichts E. 4.4 S. 20). In 

diesem Zusammenhang hat das Obergericht allerdings neben den als 

konstant sowie detailliert gewürdigten Aussagen von B. primär noch auf 

Aussagen von D., von ihrem Chef sowie von dessen Frau, wonach sie B. 

mit blauen Augen gesehen hätten, einen Polizeirapport der Kantonspolizei 

Aargau betreffend einen Vorfall häuslicher Gewalt vom 5. Februar 2017 

und die Aussagen des Gesuchstellers vor dem Bezirksgericht, wonach er 

B. im 2014/2015 geschlagen habe und 2017 der schlimmste Vorfall 

gewesen sei, berücksichtigt. Mithin hat diesbezüglich selbst der 

Gesuchsteller zumindest zum Teil Aussagen von B. bestätigt. Das 

Obergericht hat weitere Arztberichte nicht explizit erwähnt oder auf solche 

verwiesen und diesen damit keine entscheidende Bedeutung zugemessen. 

 - 7 - 

 

 

 

 

Zu Fehlern, die B. gemacht habe, hat sie sich bereits geäussert, 

beispielsweise anlässlich eines Streits mit dem Gesuchsteller nach einem 

Besuch, wo sie sich beklagt habe, dass er nichts gemacht habe, und er 

erwarte, dass sie die Gäste bediene. Kurz darauf werfen sich beide 

gegenseitig vor, sich zu prostituieren bzw. fremd zu gehen. Zwischendurch 

fügt B. in diese gegenseitigen Vorwürfe hinzu, dass sie so viele Fehler 

gemacht habe, er aber hundertmal mehr Fehler gemacht habe (Beilage 7 

zur Berufungsbegründung des Gesuchstellers vom 2. November 2020 

S. 3 f., S. 9). 

 

2.4.3. 

Entgegen dem Gesuchsteller lässt sich auch aus dem von seinem Bruder 

übersetzten Gespräch zwischen der Schwester von B. (F.) und ihm 

angeblich vom 4. Januar 2022 (Beilage 11) offensichtlich nicht entnehmen, 

dass B. falsch ausgesagt bzw. gelogen hätte: 

 

Vorab ist festzuhalten, dass die Aussagen von der Schwester von B., u.a. 

dass B. gelogen habe, als reine subjektive Einschätzungen offensichtlich 

nicht erheblich sind, zumal die Schwester auch noch die Frau des Bruders 

des Gesuchstellers ist (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 26). 

Des Weiteren handelt es sich bei ihren Aussagen zu einem nicht 

unwesentlichen Teil um blosse Aussagen vom Hörensagen, denen bereits 

daher keine erhebliche Bedeutung zukommen kann. Die Aussage, dass B. 

nicht gesagt habe, dass er sie vergewaltigt habe, ist – wie sich aus dem 

später aus dem in diesem Gespräch abgespielten Gespräch zwischen B. 

und deren Bruder entnehmen lässt – eine verkürzte und damit falsche 

Wiedergabe, was sie denn auch kurz vor dieser Wiedergabe gleich selber 

bestätigt, nämlich damit, dass B. nicht «direkt» gesagt habe, dass er sie 

vergewaltigt habe (siehe hierzu im Übrigen vorstehende Ziffer). 

 

Überdies hat B. ähnliche Aussagen bereits gemacht. Zu einem Schlafen 

des Gesuchstellers «getrennt» von ihr hat B. schon ausgesagt, dass der 

Gesuchsteller sie so verletzt habe, denn sie sei seine Frau, sie habe sich 

ihn gewünscht, aber seine Freude sei den ganzen Tag lang bei der 

Schwiegertochter der Mutter von G. gelegen, er habe sie so verletzt und 

jetzt sei sie dran. Weiter hat sie gesagt, dass so viele Fehler wie sie 

gemacht habe, habe er hundertmal mehr Fehler gemacht, dass sie es 

genauso wie er in Afghanistan gemacht habe («vögeln gegangen»), wo 

ständig die Hand seiner Schwägerin in seiner Hose gewesen sei, dies habe 

sie von ihm gelernt (vgl. Beilage 7 zur Berufungsbegründung des 

Gesuchstellers vom 2. November 2020, S. 9). 

  

 - 8 - 

 

 

 

Nichts anderes ergibt sich aus dem von F. während dieses Gesprächs 

abgespielten Gespräch zwischen B. und deren Bruder über den 

Gesuchsteller (u.a. dass es in Afghanistan zwischen «ihm» und der 

Schwiegertochter seines Onkels zu einer Rufschädigung gekommen sei; 

dass die Dinge, die er ihr angetan habe, ihr wehgetan bzw. sie verletzt 

hätten, sie deshalb das gleiche getan habe und er nicht in ihre Nähe habe 

kommen wollen). Vielmehr bestätigen sich weitgehend bereits von B. 

gemachte Aussagen, welche dem Obergericht bekannt waren. 

 

Zum Grund weshalb B. im April 2019 nach Afghanistan gegangen sei 

(gemäss Gespräch mit ihrem Bruder, da der Gesuchsteller ihre Hände und 

Füsse geküsst habe, Beilage 11), hat das Obergericht keine Ausführungen 

gemacht und dem Thema damit keine entscheidende Bedeutung 

zugemessen. Vielmehr hat es im Zusammenhang mit den Vorwürfen des 

mehrfachen Entziehens von Minderjährigen sowie des Ungehorsams 

gegen amtliche Verfügungen in wesentlichem Umfang auf Aussagen des 

Gesuchstellers selber und vor allem auf dessen Handlungen im Nachgang 

abgestellt. Inwiefern eine Aufforderung des Bruders an B., in die Schweiz 

zu kommen und die Kinder in Afghanistan zu lassen, auch wenn sie dies 

im Gespräch bejaht habe, geeignet wäre, ihre Aussagen, was danach 

passiert sein soll, in Zweifel zu ziehen, erschliesst sich nicht. 

 

2.5. 

Soweit es bereits bekannte Tatsachen betrifft, handelt es sich um Rügen, 

die innert der ordentlichen Rechtsmittelfrist hätten vorgebracht werden 

müssen. Darauf kann daher nicht eingetreten werden (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_22/2018 vom 15. März 2022 E. 5). Denn ein 

Beweismittel ist nicht neu, wenn das Gericht (angeblich) nicht die richtigen 

Schlüsse daraus gezogen habe oder es sich (angeblich) nicht bewusst 

gewesen sei, was das Beweismittel beweisen solle. Diese Kritik bezieht 

sich auf die Beweiswürdigung und betrifft nicht die Neuheit des 

Beweismittels. Im Zweifelsfall muss davon ausgegangen werden, dass das 

Gericht alle Aktenstücke und alle in der Verhandlung vorgebrachten 

Beweismittel zur Kenntnis genommen hat (vgl. hierzu BGE 122 IV 66), 

zumal vorstehend erwähnte Aussagen von B. in nicht unwesentlichem 

Umfang anlässlich der Berufungsverhandlung erfolgt sind oder zu den 

Akten genommene, aufgenommene Gespräche betreffen. Ebenfalls die 

Beweiswürdigung betreffen die Rügen, soweit das Obergericht einzelnen 

Punkten keine oder keine entscheidende Bedeutung zugemessen hat. 

 

Soweit es sich überhaupt um neue Tatsachen handelt, sind diese 

offensichtlich weder einzeln noch gesamthaft geeignet, die sorgfältige und 

ausführliche Würdigung der detaillierten Aussagen von B. zu ihren 

konkreten Anschuldigungen und der gesamten weiteren Beweismittel in 

Frage zu stellen, da – wie vorstehend ausgeführt – bereits ähnliche 

Aussagen vorgelegen haben. 

 - 9 - 

 

 

 

 

Soweit der Gesuchsteller oder F. das Opfer B. «bloss» der Lüge 

bezichtigen oder ihre Glaubwürdigkeit (oder durch den Gesuchsteller auch 

vereinzelt diejenige von D.) als persönliche Eigenschaft in Zweifel ziehen, 

ist darauf hinzuweisen, dass das Konzept einer allgemeinen 

Glaubwürdigkeit in der Aussagepsychologie als wenig brauchbar bewertet 

wird. Vielmehr ist für den Beweiswert einer Aussage die Glaubhaftigkeit der 

konkreten Aussage entscheidend. Entsprechend sind diese subjektiven 

Einschätzungen ebenfalls offensichtlich nicht geeignet, etwas an der 

sorgfältigen und ausführlichen Beweiswürdigung zu ändern. 

 

In Anbetracht der vorstehenden Ausführungen ist eine Änderung des 

Urteils des Obergerichts vom 30. August 2021 offensichtlich nicht sicher, 

höchstwahrscheinlich oder jedenfalls wahrscheinlich. Das Revisions-

verfahren dient nicht dazu, rechtskräftige Entscheide jederzeit infrage zu 

stellen oder frühere prozessuale Versäumnisse zu beheben oder 

nachzuholen (BGE 130 IV 72 E. 2.2 S. 74). Dies gilt auch für Rügen der 

Beweiswürdigung und Sachverhaltsfeststellung (Urteil des Bundesgerichts 

6B_1055/2018 vom 27. Juni 2019 E. 3). Das Revisionsgesuch erweist sich 

als offensichtlich unbegründet, weshalb darauf in Anwendung von Art. 412 

Abs. 2 StPO nicht einzutreten ist. 

 

3. 

Ausgangsgemäss hat der Gesuchsteller die Kosten des Revisions-

verfahrens zu tragen und es ist ihm keine Parteientschädigung auszu-

richten (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht beschliesst: 

 

1. 

Auf das Revisionsgesuch des Gesuchstellers wird nicht eingetreten. 

 

2. 

Die Kosten des Revisionsverfahrens von Fr. 1'000.00 werden dem 

Gesuchsteller auferlegt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen ausgerichtet. 

 

 

 Zustellung an: 

[…] 

 

  

 - 10 - 

 

 

 

   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 7. Dezember 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Das präsidierende Mitglied: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Cotti Fehlmann