# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 55449402-ad72-54a8-9ca2-824940fc2b3e
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-08-29
**Language:** de
**Title:** Strittig, ob eine mangelhafte Verfügungseröffnung vorliegt; Wohnsitzwechsel, Beweislast; Eröffnung überwiegend wahrscheinlich; auch kein Nachteil im Sinne von Art. 49 Abs. 3 ATSG gegeben; Abweisung.
**Docket/Reference:** UV.2015.00119
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2015.00119.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2015.00119
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Sager
Gerichtsschreiber Brühwiler
Urteil
vom
29. August 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Lorenz
Fivian
Elsig
&
Fivian
Freiburgstrasse 49, Postfach 73, 3280 Murten
gegen
VAUDOISE ALLGEMEINE, Versicherungs-Gesellschaft AG
Avenue de Cour 41, 1007 Lausanne
Beschwerdegegnerin
Zustelladresse: VAUDOISE ALLGEMEINE, Versicherungs-Gesellschaft AG
Place de Milan, Case
postale
120, 1001 Lausanne
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1964, arbeitete seit dem 27. September 1993 als Mitarbeiter Labor bei der
Y.___
AG und war damit bei der
Vaudoise
Versicherungen (nachfolgend:
Vaudoise
) obligatorisch gegen die Fol
gen von Unfällen versichert, als er sich am 9. Oktober 2003 in suizidaler Absicht auf die Geleise legte und von einem Zug überrollt wurde, wobei er sich
schwere Verletzungen zuzog
(Urk. 8/1
-3
).
Mit Verfügung vom 8. Juli 2
004 (Urk. 8/18) verneinte die
Va
udoise
ihre
Leistungs
pflicht
mit der Begründung, aufgrund der Akten sei zu schliessen, dass der Versicherte seinen Tod
gewollt
und entsprechende Massnahmen getroffen habe, weshalb gemäss Art. 37 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallver
sicherung
(UVG)
und Art. 48 der Verordnung hierzu (UVV)
kein Anspruch auf Versicherungsleistungen bestehe (S. 1).
Am 17. Januar 2005 zog die
Visana
Services AG
(nachfolgend:
Visana
)
als zuständige Krankenversicherung ihre
dagegen
vorsorglich erhobene Einsprache vom 19. Juli 2004 (Urk. 8/20) zurü
ck (Urk. 8/27).
1.2
Mit Schreiben vom 20. Januar 2015 (Urk. 8/31) zeigte der Rechtsvertreter des nunmehr in Pakistan lebenden Versicherten gegenüber der
Vaudoise
seine Mandatsübernahme an und machte mit Eingabe
n
vom
2.
und 13.
Februar 2015 (
Urk.
8/33, Urk.
8/35) geltend, der Versicherte habe die Verfügung vom 8. Juli 2004 gar nie erhalten, da
diese
an seine alte Wohnadresse
versandt worden
sei
. Damit liege
eine mangel
hafte
Eröffnung vor, die nachzuholen
sei
(S. 1).
Nach
weiterer Korrespondenz
(vgl. Urk. 8/36-37) erliess die
Vaudoise
am 15. April 2015 eine Verfügung, mit welcher sie dem Antrag auf eine Neueröffnung
der Verfügung vom
8.
Juli 2004
nicht entsprach (Urk. 8/38 = Urk. 8/39a). Die vom Versicherten dagegen am 6. Mai 2015 erhobene Einsprache (Urk. 8/39) wies die
Vaudoise
mit
Einspracheentscheid
vom 9. Juni 2015 ab (Urk. 8/40 = Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 9. Juni 2015 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 22. Juni 2015 Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass ihm die Verfügung vom 8. Juli 2004 nicht zugestellt bezie
hungsweise nicht eröffnet worden sei
,
und es
sei
die Beschwerdegegnerin anzuweisen, diese Verfügung erneut zu eröffnen (Urk. 1/1 S. 2).
Die
Vaudoise
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 20. Juli 2015 (Urk. 7) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am
28. Juli 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Eröffnung einer Verfügung ist eine empfangsbedürftige, nicht aber eine annahmebedürftige einseitige Rechtshandlung; sie entfaltet daher ihre
Rechts
wirkungen
vom Zeitpunkt ihrer ordnungsgemässen Zustellung an; ob die betroffene Person vom Verfügungsinhalt Kenntnis nimmt oder nicht, hat keinen Einfluss (BGE 119 V 89 E. 4c mit Hinweisen).
1.2
Im Sozialversicherungsverfahren bestehen keine Vorschriften darüber, wie die Versicherungsträger ihre Verfügungen zustellen sollen. Auch enthält das gemäss Art. 55 Abs
.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversi
cherungsrechts
(
ATSG
)
subsidiär anwendbare Verwaltungsverfahrensgesetz des Bundes (
VwVG
) insoweit keine Bestimmungen (vgl. Art. 34 ff.
VwVG
). Aus dem Schweigen des Gesetzes in diesen und anderen verwaltungsrechtlichen Materien über die Zustellung leitet das Bundesgericht grundsätzlich ab, dass es den Behörden freigestellt ist, auf welche Art sie ihre Verfügungen versenden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5A_547/2015 vom 4. Juli 2016 E. 2.4.1).
1.3
Nach der Rechtsprechung obliegt der Beweis der Tatsache sowie des Zeitpunktes der Zustellung einer Verfügung der Verwaltung. Weil der
Sozialversicherungs
prozess
von der Untersuchungsmaxime beherrscht wird, handelt es sich dabei nicht um die subjektive Beweisführungslast (Art. 8
des Zivilgesetzbuches
, Z
GB
), sondern in der Regel nur um die sogenannte objektive Beweislast in dem Sinne, dass im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus
fällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten will (BGE 115 V 113, 111 V 201). Für den Nachweis der Tatsache und des Zeitpunkts der Zustellung einer Verfügung aus dem Bereich der Massenverwaltung ist nicht der volle Beweis nötig. Massgebend ist vielmehr der
sozialversicherungsrechtli
che
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 121 V 6 E. 3b). Allerdings bedingt dies in der Regel die Eröffnung der Verfügung mit einge
schriebenem Brief. Denn nach der Rechtsprechung vermag die Verwaltung den Wahrscheinlichkeitsbeweis für die Zustellung der Verfügung nicht durch den blossen Hinweis auf den üblichen administrativen Ablauf zu erbringen. Wählt
die Verwaltung den Versand mit gewöhnlicher Post, so kann sie auf dem posta
lischen Weg den Nachweis nicht erbringen, dass und wann die Verfügung dem Adressaten ordnungsgemäss zugestellt worden ist. In diesem Fall obliegt es ihr, die Zustellung mittels anderer Mitteln zu beweisen beziehungsweise mindestens glaubhaft zu machen (Melchior Volz, Kommentar zum Gesetz über das Sozial
versicherungsgericht des Kantons Zürich, 2. Aufl
age, Zürich 2009, § 13 N 112).
1.
4
Nach Art. 49 Abs. 3 ATSG darf aus einer mangelhaften Eröffnung einer Ver
fügung der betroffenen Partei keinen Nachteil erwachsen. Nicht jede mangel
hafte Eröffnung ist gemäss Rechtsprechung schlechthin nichtig. Aus dem Grundsatz, dass den Parteien aus mangelhafter Eröffnung keine Nachteile erwachsen dürfen, folgt vielmehr, dass dem beabsichtigten Rechtsschutz schon dann Genüge getan wird, wenn eine objektiv mangelhafte Eröffnung trotz ihres Mangels ihren Zweck erreicht. Das bedeutet nichts anderes, als dass nach den konkreten Umständen des Einzelfalls zu prüfen ist, ob die betroffene Partei durch den gerügten Eröffnungsmangel tatsächlich irregeführt und dadurch benachteiligt worden ist. Richtschnur für die Beurteilung dieser Frage ist der auch in diesem prozessualen Bereich geltende Grundsatz von Treu und Glauben, an welchem die Berufung auf Formmängel in jedem Fall ihre Grenze findet (Urteil des Bundesgerichts 9C_791/2010 vom 10. November 2010 E. 2.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen
Eins
pracheentscheid
(Urk. 2), die Verfügung
vom
8
. Juli 2004 sei
korrekt mittels eingeschriebenem Brief ver
schickt worden. Die Krankenversicherung des Beschwerdeführers, welcher eben
falls eine Kopie übermittelt worden sei, habe
die Verfügung
tatsächlich erhalten. Die Post habe nie informiert, dass die eingeschriebene Sendung nicht abgeholt respek
tive ni
cht entgegengenommen worden sei (S. 1). Die Adresse sei von der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers bekannt gegeben worden. Ausser
dem habe der Beschwerdeführer kurz vor dem Verfügungserlass eine Vollmacht zu
Han
den
der Versicherung unterzeichnet, welche ihm an diese gleiche Adresse gesendet
worden sei
und
die
er somit tatsächlich erhalten habe (S. 2). Elf Jahre später sei die Referenznummer für den Sendungsnachweis weder bei der Post noch bei ihr auffindbar (S. 1 Mitte). Es müsse aber davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer den Inhalt dieser Verfügung gekannt habe oder zumindest hätte
gekannt haben müssen, zumal er A
nfang 2004 zuletzt Kontakt aufgenommen und sich über die Auszahlung von Taggelder
n
erkundigt habe, da
er dringend auf dieses Geld angewiesen sei. Danach habe während elf Jah
ren kei
nerlei Kontakt bestanden,
womit anzunehmen sei, dass er
wie auch immer
über die Leistungsablehnung informiert gewesen sei (S. 1 unten).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich in seiner Beschwerde (Urk. 1) auf den Stand
punkt, im Zeitpunkt der angeblichen Zustellung habe er seinen Wohnsitz
nicht mehr
Z.___
,
sondern
in
A.___
gehabt (S. 3). Aus diesem Grund habe er die Verfügung nie erhal
ten. De
n
Nachweis der Zustellung habe die Beschwerdegegnerin nicht erbracht, weshalb es an einer korrekten
Eröffnung
dieser Verfügung fehl
e
. Für die Folgen dieser Beweislosigkeit habe nicht
er
geradezustehen
,
sondern die
Beschwerde
gegnerin
(S. 6).
2.3
Streitgegenstand ist die Frage, ob die Verfügung vom 8. Juli 2004 dem Beschwer
deführer gehörig eröffnet worden ist.
3.
3.1
D
er Begründung des
Einspracheentscheids
lässt sich entnehmen, dass die
Beschwer
degegnerin
dem Beschwerdeführer
die Verfügung vom 8. Juli 2004
(Urk. 8/18)
mittels eingeschriebener Sendung zugestellt haben will
und zwar an
die
von seiner
Arbeitgeberin
angegebene
Adresse
Z.___
.
Auf der von der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers ausgefüllten Unfallmeldung vom 22. Oktober 2003 ist diese Adresse aufgeführt (Urk. 8/1).
Auch der Arztbericht der psychiatrischen Privatklinik Sanatorium
B.___
vom 18. November 2003 (Urk. 8/11) weist die Adresse
Z.___
aus, ebenso eine am 23. April 2004 von der Beschwerdegegnerin an den Beschwerdeführer zuge
stellte Vollmacht, die der Beschwerdeführer eigenhändig am 6. Mai 2004 mit Datum und Unterschrift vervollständigte (Urk. 8/14). Überdies findet sich diese Adresse in der Einsprache-Rückzugserklärung der Krankenversicherung
Visana
vom 17. Januar 2005 wieder (Urk. 8/27).
Hingegen
geht aus
dem
Bericht der Kantonspolizei Zürich
über das
Unfallereig
nis
vom 9. Oktober 2003 hervor, dass der Beschwerdeführer
A.___
,
gemeldet
war (Urk. 8/2).
Diese Adresse taucht auch in den
Kostengutsprachegesuchen
des
C.___
vom 14. Oktober 2003 (Urk. 8/6) und
der Uniklinik
D.___
vom 27. Oktober 2003
(Urk. 8/9
) auf
, ebenso
in den Akten der Invalidenversicherung (vgl. Urk. 8/25, Urk. 8/28).
Zusätzlich geht aus de
m vom Beschwerdeführer
i
m vorliegenden
Beschwerde
verfahren
eingereichte
n
Beschluss der Vormundschaftsbehörde der Stadt Zürich vom 26. Januar 2004 (Urk. 3/3) hervor, dass
für
den Beschwerdeführer mit Wohnadresse
A.___
, Zürich, eine
Beistandschaft gemäss
der Bestimmung von
a
lt
Art. 394
ZGB
(
in der seit Januar 2004 gültigen Fassung
) angeordnet wurde.
3.2
Angesichts der unterschiedlichen Adressangaben war
es auch für eine umsich
tige Unfallve
rsicherung nicht offensichtlich
, wo der Beschwerdeführer genau seinen Wohnsitz während der fragliche
n
Zeit vom Oktober 2003 bis Juli 2004 hatte
, zumal sich die Akten widersprechen. Es ist
jedoch
nicht zu bean
standen, dass die Beschwerdegegnerin ihre Verfügung vom 8. Juli 2004
gestützt auf die Angaben der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers
an die
Adresse
Z.___
versandt hat
.
Trotz der verschi
e
denen Adres
s
angaben musste die
Vaudoise
insbesondere deshalb nicht a
n den Angaben
der Arbeitgeberin zweifeln,
da der Beschwerdeführer die Vollmacht vom 6. Mai 2004 (Urk. 8/14) mit der Adresse
Z.___
eigenhändig datiert und unterzeich
net
hat
.
Vielmehr durfte sie sich darauf verlassen, dass die Adresse an der
Z.___
auch rund
zwei Monate später eine korrekte Zustellung ermög
licht.
3.3
Nach der Rechtsprechung liegt ein Fehler bei der Postzustellung nicht aus
serhalb jeder Wahrscheinlichkeit; eine fehlerhafte Postzustellung ist allerdings nicht zu vermuten, sondern anzunehmen, wenn sie aufgrund der Umstände plausibel erscheint. Auf die Darstellung des Adressaten, dass eine fehlerhafte Postzustellung vorliege, ist dann abzustellen, wenn seine Darlegung der Umstände nachvollziehbar ist und einer gewissen Wahrscheinlichkeit entspricht, wobei sein guter Glaube zu vermuten ist. Rein hypothetische Überlegungen des Adressaten, wonach die Sendung einem Nachbarn in den Briefkasten (oder sonst einer Drittperson ins Postfach) gelegt worden sein könnte, sind
unbehelf
lich
(
Urteil des Bundesgerichts 2C_570/2011
vom 2
4.
Januar 2012
E. 4.3 mit Hinweisen).
Unbestritten ist, dass die Beschwerdegegnerin die Verfügung vom 8. Juli 2004 versandt hat. Zu berücksichtigen ist des Weiteren, dass aufgrund der langen Zeitdauer von rund elf Jahren kein Sendungsnachweis der eingeschriebenen Briefsendung durch die Beschwerdegegnerin mehr erbracht werden kann.
Mit dem im Sozialversicherungsrecht
geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
glaubhaft erscheinen
zudem die Ausführungen der Beschwerdegegnerin,
wonach die Verfügung weder mit einem entsprechenden Hinweis „nicht abgeholt“ oder „falsche Adresse“ retourniert worden sei (Urk. 8/38), ansonsten die Verfügung wohl erneut mit normaler Post versandt worden wäre, was aktenmässig vermerkt worden wäre.
Demgegenüber ist d
ie
knappe
und vage
Darstellung des Beschwerdeführers
nicht
plausibel.
Sein Hin
weis, er habe zu
jen
er Zeit nicht mehr an dieser Adresse gewohnt
,
vermag nicht
zu überzeugen, da im Mai 2004 eine Zustellung an die strittige Adresse möglich war
.
Ausserdem geht aus den Akten nicht hervor, dass der Beschwerdeführ
er die Beschwerdegegnerin über
eine
allenfalls
neue Adresse orientiert hat
.
Auch
sein
Vorbringen, womöglich habe die Verfügung eine Drittperson entgegengenom
men (Urk. 1 S. 6), vermag
im Lichte der obgenannten Rechtsprechung
nicht zu überzeugen. Ausserdem
war der Beschwerdeführer
g
emäss Beschluss der
Vor
mundschaftsbehörde
der Stadt Zürich vom 26. Januar 2004
während dieser Zeit verbeiständet
.
Das
Handeln
der
Beiständin
muss sich der Beschwerdeführer anrechnen lassen.
Insgesamt
ist es aus Sicht des Gerichts unwahrscheinlich, dass
die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 8. Juli 2
004 nicht zugestellt wurde. Dass sich der Beschwerdeführer gemäss seinen
eigenen
Angaben nicht
an eine Verfügung der Unfallversicherung
erinnern könne (vgl. Urk. 3/7), ver
mag daran nichts zu ändern.
Nach dem Gesagten ist mit dem Beweisgrad der überwiegende
n
Wahrschein
lich
keit erstellt, dass die Verfügung vom 8. Juli 2004 dem Beschwerdeführer
korrekt
zugestellt
worden ist
.
4.
4.1
Selbst wenn man sich auf den Standpunkt stellen würde, die
Besc
hwerdegeg
nerin
sei ausserstande
, den Nachweis zu erbringen, dass die Verfügung vom 8. Juli 2004
korrekt
versandt respektive
dem Beschwerdeführer gehörig
eröffnet worden war, würde dies – wie nachfolgend zu zeigen
sein wird
– zu keinem anderen Ergebnis führen.
4
.2
Die nicht gehörige Eröffnung einer Verfügung stellt einen Mangel dar, und die daraus entstehenden Konsequenzen bestimmen sich nach Art. 49 Abs. 3 ATSG
. Dabei ist nach der Rechtsprechung nicht jede mangelhafte Eröffnung schlecht
hin nichtig
. Aus dem Grundsatz, dass den Parteien aus mangelhafter Eröffnung keine Nachteile erwachsen dürfen, folgt vielmehr, dass dem beabsichtigten Rechtsschutz schon dann Genüge getan wird, wenn eine objektiv mangelhafte Eröffnung trotz ihres Mangels ihren Zweck erreicht. Das bedeutet nichts ande
res, als dass nach den konkreten Umständen des Einzelfalls nach Treu und Glauben zu prüfen ist, ob die betroffene Partei durch den gerügten
Eröffnungs
mangel
tatsächlich irregeführt und dadurch benachteiligt worden ist
(vgl. vor
stehend E. 1.
4
)
.
Die Berufung auf eine mangelhafte Eröffnung seitens des Adres
saten auf der anderen Seite darf auch nicht rechtsmissbräuchlich sein res
pektive gegen Treu und Glauben verstossen. Zu beachten ist diesbezüglich Fol
gendes: Erhält eine Person, welcher eine sie betreffende Verfügung nicht ordnungsge
mäss eröffnet wurde, auf andere Art und Weise Kenntnis davon, dass eine sol
che Verfügung ergangen ist, hat sie gemäss bundesgerichtlicher Praxis nach dem Grundsatz von Treu und Glauben darum besorgt zu sein, in Besitz aller für die erfolgreiche Wahrung ihrer Interessen wesentlichen Elemente (insbesondere Inhalt und Begründung der Verfügung) zu gelangen und die not
wendigen Schritte zu unternehmen, um einen Entschluss betreffend die allfäl
lige Ergrei
fung eines Rechtsmittels zu fällen (BGE 139 IV 228 E. 1.3 mit Hin
weisen).
4.
3
Die in E. 3.3
gezogene Schlussfolgerung, wonach de
m
Beschwerdeführer
die Verfügung vom 8. Juli 2004 zugestellt worden war
und er somit
von
ihr
Kennt
nis erlangt haben musste, findet
– wie erwähnt
in den Akten hinreichend Stütze.
Jedoch
wurde die ablehnende Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 8. Juli 2004 auch an die
Visana
Krankenversicherung des Beschwerdeführers versandt, die
am 19. Juli 20
04 Einsprache erhob (Urk. 8/20) und
diese mit Schreiben vom 17. Januar 2005
wieder zurückzog (Urk. 8/27).
D
a
mit
wurde die Krankenversicherung
für die angefallenen He
ilungskosten leistungspflichtig, womit
Franchise und Selbstbehalt zu Lasten des Beschwerdeführers
gehen mussten.
Aufgrund der angesichts der Verletzungen zweifellos anfallenden
Kosten
beteili
gun
gen
des Beschwerdeführers musste er
Kenntnis von der ablehnenden Leistungspflic
ht der
Beschwerdegegne
rin
haben
, zumal auch der
Einspracherückzug
der
Visana
vom 17. Januar 2005 dem Beschwerdeführer zur Kenntnisnahme zugestellt worden
war
(Urk. 8/27).
Ausserdem
hat sich der
Beschwerdeführer gemäss unbestritten gebliebener beschwerdegegnerischer Dar
stellung am 5. Januar 2004 telefonisch bei
der Beschwerdegegnerin
gemeldet und
um dringende Auszahlung von
Taggelder
n
gebeten
(vgl. Urk. 8/38). Dieses Verhalten zeigt auf, dass der Beschwerdeführer Leistungen aus der Unfall
ver
sicherung beanspruchen wollte, weshalb es nicht einleuchtend ist, dass er sich danach während elf Jahren nicht mehr gemeldet hat, ausser
,
er hatte schon damals Kenntnis vom ablehnenden Entscheid der Beschwerdegegnerin.
Nach dem Gesagten
ist daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszu
gehen, dass der Beschwerdeführer spätestens im Januar 2005 von der leistungsverweigernden Verfügung der Beschwerdegegnerin Kenntnis erlangt haben musste.
4.4
Damit bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer – nachdem er mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit vom Erlass der Verfügung der Beschwerdegegnerin erfahren hatte – im Lichte von Treu und Gl
auben rechtzeitig reagiert hat, was mit Blick auf die lange Zeitspanne von
rund
elf Jahren ohne Kontakt zur Beschwerdegegnerin klarerweise zu verneinen ist.
Die Berufung auf die nicht
gehörige Eröffnung der Verfügung vom 8. Juli 2004 ist unter diesen Umständen mit dem Grundsatz von Treu und Glauben nicht vereinbar.
Diese
Schlussfolgerung (verwirkte Reaktionszeit)
ist auch
mit Blick auf die Recht
sprechung richtig. Bei
Leistungseinstellungen (ganze oder teilweise Ver
weigerung von Leistungen), welche fälschlicherweise nur in Form des Briefes (formloses Verfahren) anstatt einer Verfügung mittgeteilt
wurden, muss
die versicherte Person in Analogie zu Art. 51 Abs. 2 ATSG innerhalb einer ver
nünftigen Zeit, in der Regel innerhalb eines Jahres, eine formelle,
einsp
rache
fähige
Verfügung verlangen
, ansonsten auch eine fehlerhafte Mitteilung wirk
sam wird (
Gabriela Riemer-Kafka, Schweizerisches Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl., 2014,
Rz
. 7.47;
BGE 134 V 145 E. 5
).
Folglich hätte der Beschwerde
führer spätestens im Januar 2006 reagieren müssen
. Seine Rüge vom Februar 2015
(Urk. 8/35)
erfolgte dementsprechend verspätet
.
4.5
Nach dem Gesagten
ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass dem Beschwerdeführer die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 8. Juli 2004
korrekt
eröffnet worden ist
,
beziehungsweise er vom Inhalt Kenntnis erlangt
, je
doch
darauf nicht rechtzeitig reagiert hat.
Dies
e Erwägungen führen
zur Abweisung der Beschwerde.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Lorenz
Fivian
-
VAUDOISE ALLGEMEINE, Versicherungs-Gesellschaft AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
MosimannBrühwiler