# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3b297f7e-bd1b-5b0e-b1b0-a94d53a264d1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-04-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.04.2024 E-1297/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1297-2024_2024-04-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1297/2024 / E-1298/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  A p r i l  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichterin Constance Leisinger, 

mit Zustimmung von Richterin Giulia Marelli;   

Gerichtsschreiberin Natassia Gili. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Elia Menghini und Shirin Fallahpour,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylrecht (…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügungen des SEM vom 23. Januar 2024 /  

N (…), N (…). 

 

 

 

E-1297/2024 / E-1298/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführer 1; N […]) suchte am 1. Sep-

tember 2023, sein Bruder B._______ (nachfolgend Beschwerdeführer 2; 

N […]) am 2. September 2023 in der Schweiz um Asyl nach; beide wurden 

dem Bundesasylzentrum (BAZ) der Region C._______ zugewiesen. Der 

zum Zeitpunkt der Asylgesuchstellung minderjährige Beschwerdeführer 1 

wurde am 8. Dezember 2023 summarisch zu seiner Person befragt (Erst-

befragung [EB] UMA) und gleichentags eingehend zu seinen Asylgründen 

angehört. Am 12. Dezember 2023 wurde er dem erweiterten Verfahren zu-

gewiesen. Der Beschwerdeführer 2 wurde am 19. Oktober 2023 einlässlich 

zu seinen Fluchtgründen angehört und am 27. Oktober 2023 dem erwei-

terten Verfahren zugewiesen.  

Zur Begründung ihrer Asylgesuche machten die Beschwerdeführer im We-

sentlichen geltend, afghanische Staatsangehörige turkmenischer Ethnie zu 

sein und aus D._______ zu stammen. Ihr Vater sei 2014/2015 in das Par-

lament von D._______ gewählt worden und habe zudem für einen Kom-

mandanten gearbeitet. Ab dem Zeitpunkt der Wahl als Parlamentsabgeord-

neter hätten die Taliban begonnen, ihren Vater zu bedrohen. Ihm sei mit 

dem Tod und der Entführung seiner Kinder gedroht worden, weswegen die 

Familie nach Kabul gezogen sei. Aus finanziellen Gründen sei die Familie 

aber immer wieder nach D._______ zurückgekehrt. Zwischen 2015 und 

2016 habe sich die Familienwohnung in D._______ inmitten des Kriegsge-

fechts befunden. Die Taliban hätten ihren Vater eines Tages mitnehmen 

wollen, dieser habe sich aber zum nahegelegenen Flughafen retten kön-

nen beziehungsweise sei nicht zu Hause gewesen. Die übrigen Familien-

mitglieder seien in der Wohnung geblieben, die von drei Taliban gestürmt 

worden sei. Die Taliban hätten zwei Waffen und Munition des Vaters be-

schlagnahmt und ihren älteren Bruder E._______ geschlagen. Aus Angst 

vor Entführungen habe ihr Vater den Beschwerdeführer 2 und den älteren 

Bruder E._______ im Jahre 2017 in die Türkei geschickt, wo der Be-

schwerdeführer 2 das Gymnasium absolviert und zunächst in F._______, 

später in der Provinz G._______, gelebt habe. Im Jahre 2020 sei der Be-

schwerdeführer 2 für drei Monate ferienhalber nach Afghanistan zurückge-

kehrt, wobei er unterwegs nach D._______ in ein Gefecht geraten sei. Der 

Beschwerdeführer 1 habe ebenfalls bereits in früheren Jahren einen Antrag 

zur Einreise in die Türkei gestellt, habe aber wegen seines jungen Alters 

keine Aufenthaltsbewilligung erhalten. Aufgrund der anhaltenden Drohun-

gen sei er mit seinen Eltern im April 2021 in die Türkei gereist. Die 

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Seite 3 

Beschwerdeführer hätten in der Folge zusammen mit ihrer Familie in 

H._______ gelebt, wo sie gearbeitet und die Schule besucht hätten. Sie 

seien jedoch von den türkischen Behörden aufgefordert worden, nach Af-

ghanistan zurückzukehren. Ein Einbezug in das Asylgesuch ihrer Eltern 

beziehungsweise der Erhalt eines Aufenthaltsstatus sei ihnen nicht ermög-

licht worden, weswegen sie zusammen in die Schweiz gereist seien.   

Zur Untermauerung ihrer Identität und Vorbringen reichten die Beschwer-

deführenden je ihre E-Tazkera, ihren afghanischen Reisepass, die Kopie 

eines Familienbüchleins, eine Kopie einer Bescheinigung über die Wahl 

ihres Vaters als Parlamentsabgeordneter sowie Kopien des Personalaus-

weises und zweier Mitgliedskarten ihren Vater betreffend zu den Akten.   

B.  

Mit Schreiben vom 19. Oktober 2023 (betreffend Beschwerdeführer 2) be-

ziehungsweise 8. Dezember 2023 (betreffend Beschwerdeführer 1) wies 

die jeweilige damalige Rechtsvertretung der Beschwerdeführer das SEM 

darauf hin, dass diese zum Zeitpunkt der Ausreise in die Türkei sehr jung 

gewesen seien und ihre Eltern sie im Unwissen über die aktuelle Bedro-

hungslage durch die Taliban gelassen hätten. Daher hätten die Beschwer-

deführer im Rahmen ihrer Anhörung nur wenige Angaben zur konkreten 

Bedrohung durch die Taliban machen können. Daraus dürfe nicht auf feh-

lende Intensität der Verfolgungssituation geschlossen werden, zumal ihr 

Vater aufgrund seines politischen Amts in den Fokus der Taliban geraten 

und dadurch die gesamte Familie im Sinne einer Reflexverfolgung Ziel der 

Verfolgung gewesen sei. Seit der jüngsten Machtübernahme durch die Ta-

liban sei es zu keinem weiteren direkten Kontakt zwischen den Beschwer-

deführern und den Taliban gekommen, was dem umsichtigen Handeln des 

Vaters zum Schutze seiner Familie geschuldet gewesen sei. Es könne aber 

nicht ausgeschlossen werden, dass es zu weiteren Drohungen und Angrif-

fen der Taliban gegen den Vater oder andere Familienangehörige gekom-

men sei, zumal der Vater als Parlamentsabgeordneter wiedergewählt wor-

den sei. 

C.  

Mit separaten Verfügungen vom 23. Januar 2024 – beide eröffnet am 

29. Januar 2024 – stellte das SEM fest, die Beschwerdeführer erfüllten die 

Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche ab und ordnete die 

Wegweisung aus der Schweiz an. Gleichzeitig wurde der Vollzug der Weg-

weisung als unzumutbar erachtet und die Beschwerdeführer in der 

Schweiz vorläufig aufgenommen.  

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Seite 4 

D.  

Gegen diese Verfügungen erhoben die Beschwerdeführer – handelnd 

durch die jeweilig mandatierte Rechtsvertretung – am 28. Februar 2024 

Beschwerden beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten, die Dis-

positivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügungen seien aufzuheben, 

ihre Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen und ihnen sei Asyl in der 

Schweiz zu gewähren. Eventualiter seien die Verfügungen zur umfassen-

den Sachverhaltsfeststellung und rechtsgenüglichen Begründung an die 

Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht sei ihnen die 

unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses sei zu verzichten und die bevollmächtigte Rechtsvertre-

tung sei als amtliche Rechtsverbeiständung beizuordnen.  

Den Beschwerdeschriften waren zwei Fürsorgebestätigungen vom 6. (be-

treffend Beschwerdeführer 1) beziehungsweise 15. Februar 2024 (betref-

fend Beschwerdeführer 2) beigelegt. 

E.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 4. März 2024 den Eingang 

der Beschwerden. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Die Beschwerden sind frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführer haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

sind durch die angefochtenen Verfügungen besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 

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Seite 5 

Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerden legitimiert 

(Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 

VwVG). Auf die Beschwerden ist einzutreten. 

2.  

Aufgrund des engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhangs werden 

die Beschwerdeverfahren E-1297/2024 (N […]) des Beschwerdeführers 1 

und E-1298/2024 (N […]) des Beschwerdeführers 2 vereinigt. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

4.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt wird, handelt es sich um ein solches Rechtsmittel, weshalb 

das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

5.  

5.1 In den Beschwerden werden formelle Rügen erhoben und dabei die 

Verletzung der Begründungspflicht sowie des Anspruchs auf rechtliches 

Gehör gerügt. Damit machen die Beschwerdeführer eine Verletzung von 

Verfahrensrechten geltend, welche vorab zu beurteilen ist, da sie gegebe-

nenfalls geeignet ist, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügungen zu 

bewirken. 

5.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer 

Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, 

dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-

nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. 

BGE 143 III 65 E. 5.2). 

http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35

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Seite 6 

5.3 Die Rüge, die Vorinstanz habe sich nicht genügend mit dem Risikoprofil 

der Beschwerdeführer unter Berücksichtigung des Profils des Vaters und 

der langen Landesabwesenheit befasst und damit die Begründungspflicht 

verletzt, ist unbegründet. Der Verfügung lässt sich entnehmen, dass sich 

die Vorinstanz mit den konkreten Vorbringen der Beschwerdeführer rechts-

genüglich auseinandergesetzt und nachvollziehbar ausgeführt hat, wieso 

sie, auch unter Berücksichtigung der geltend gemachten beruflichen Tätig-

keit des Vaters sowie der bisherigen politischen Veränderungen im Her-

kunftsland, das Vorliegen von Risikoprofilen in Bezug auf die Beschwerde-

führer verneint. Den Beschwerdeführern war somit eine sachgerechte An-

fechtung möglich, was mit den vorliegenden Beschwerden bestätigt wird. 

Gleichzeitig ist festzuhalten, dass die Uneinigkeit mit den vorinstanzlichen 

Entscheiden keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör dar-

stellt. Dass die Beschwerdeführer die Auffassung des SEM nicht teilen, 

stellt keine Verletzung der Begründungspflicht beziehungsweise des An-

spruchs auf rechtliches Gehör dar, sondern betrifft Fragen der materiellen 

Auseinandersetzung. 

5.4 Die Beschwerdeführer rügen eine massgebliche Verfahrenspflichtver-

letzung dahingehend, dass für die materielle Beurteilung der Asylgesuche 

die Verfahrensakten des jeweiligen Bruders vom SEM beigezogen worden 

seien, ohne dass diese Akten den Beschwerdeführern jeweils zur Kenntnis 

gelangt seien oder die entsprechende Einwilligung zur Akteneinsicht vor-

gelegen habe. So habe das SEM in den abschlägigen Verfügungen aus-

geführt, dass die Konsultation der Akten des Asylverfahrens des Bruders 

des Beschwerdeführers zu keinerlei Hinweisen geführt hätte, aufgrund de-

rer die Verwandtschaft (des Beschwerdeführers mit seinem Bruder) in sei-

nem Fall zu einem erhöhten Gefährdungsprofil führen würde und wodurch 

die bisherigen Feststellungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid 

umgestossen werden würden. Diese Vorgehensweise des SEM ist nicht zu 

beanstanden. Entgegen den Ausführungen auf Beschwerdeebene können 

Akten von Familienmitgliedern konsultiert werden, wobei es weder eines 

vorgängigen Einverständnisses der betroffenen Personen noch der Ge-

währung des rechtlichen Gehörs bedarf. Lediglich sofern bei der Konsulta-

tion Sachverhaltselemente festgestellt werden, die im Entscheid verwertet 

und namentlich zu Ungunsten der Betroffenen verwendet werden sollen 

(z.B. widersprüchliche Aussagen zum gleichen Sachverhalt), wäre das 

rechtliche Gehör unter Offenlegung der relevanten Aspekte zu gewähren. 

Vorliegend wird in den angefochtenen Verfügungen jedoch lediglich fest-

gehalten, dass sich aus der Konsultation der Akten beider Brüder keine 

Hinweise für Verfolgungselemente ergeben würden (s. angefochtene 

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Seite 7 

Verfügungen S. 5 beziehungsweise S. 6). Entsprechend begründeten die 

Ausführungen des SEM auch keine Pflicht zur Gewährung des rechtlichen 

Gehörs.  

5.5 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-

begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sachen aus formellen 

Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbe-

züglichen, eventualiter gestellten Rechtsbegehren sind somit abzuweisen. 

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

7.  

7.1 Das SEM führte in seiner Verfügung im Wesentlichen aus, dass die 

persönlichen Befürchtungen der Beschwerdeführer, aufgrund der politi-

schen Tätigkeit ihres Vaters selbst in den Fokus der Taliban zu geraten, in 

objektiver Hinsicht nicht genügen würden, um von einer Verfolgung auszu-

gehen, die sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zu-

kunft verwirklichen werde. Abgesehen von den nicht weiter konkretisierten 

Drohungen gegen ihren Vater und dem geschilderten Vorfall im Jahre 2015 

hätten die Beschwerdeführer keine Nachteile seitens der Taliban erfahren. 

Entsprechend fehle es den Vorkommnissen sowohl an der notwendigen 

Intensität als auch an der Gezieltheit. Hinzu komme, dass der Vater der 

Beschwerdeführer seine politische Tätigkeit spätestens seit dessen Aus-

reise im April 2021 und damit noch vor der Machtübernahme der Taliban 

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niedergelegt habe. Die Beschwerdeführer würden ferner über kein politi-

sches Profil verfügen oder anderweitige risikoschärfende Merkmale auf-

weisen, die sie in den Fokus der Taliban rücken würden.  

7.2 Dem wird in den Beschwerden entgegnet, dass die Familie der Be-

schwerdeführer entgegen der vorinstanzlichen Einschätzung von den Tali-

ban massiv unter Druck gesetzt worden sei. So habe sich deren Vater ge-

zwungen gesehen, zwei seiner Söhne im Jahr 2017, darunter den Be-

schwerdeführer 2, aufgrund der anhaltenden Drohungen in die Türkei zu 

schicken und die zurückgebliebene Familie habe mehrfach den Wohnsitz 

ändern müssen. Der Beschwerdeführer 1 habe die Schule nicht mehr be-

suchen können, da seine Eltern Angst um sein Schicksal gehabt hätten. 

Die Gezieltheit der Verfolgungssituation sei klar gegeben. In Bezug auf die 

Intensität seien zwar die Ausführungen der Beschwerdeführer zu den Dro-

hungen der Taliban gegen ihre Familie nicht allzu konkret ausgefallen. Es 

sei aber festzuhalten, dass die Beschwerdeführer aufgrund ihres jungen 

Alters von den Problemen durch ihre Eltern bewusst abgeschirmt worden 

seien. Der Vater der Beschwerdeführer sei aufgrund seines politischen Am-

tes als Parlamentsabgeordneter direktes Ziel der Verfolgung durch die Ta-

liban und daraus folgend (mit ihm) die gesamte Familie im Sinne einer Re-

flexverfolgung. Die mangelnde Kenntnis über die Details der erlittenen Dro-

hungen des Vaters durch die Taliban dürfe den Beschwerdeführern nicht 

zu ihrem Nachteil gereichen.  

8.  

8.1 Das Gericht kommt nach Durchsicht der Akten zum Schluss, dass die 

vorinstanzlichen Erwägungen zu bestätigen sind. Zur Vermeidung von 

Wiederholungen kann vorab auf diese verwiesen werden (angefochtene 

Verfügungen S. 4 ff.; s.o. E. 7.1).  

Soweit die Beschwerdeführer eine Reflexverfolgung geltend machen, wo-

nach sie aufgrund des Amtes ihres Vaters als Abgeordneter in Afghanistan 

gefährdet seien, kann festgehalten werden, dass bei der Beurteilung der 

Sicherheitslage in Afghanistan bestimmte Personengruppen aufgrund ihrer 

Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt sein können. 

Dazu gehören unter anderem Personen, die der afghanischen Regierung 

oder der internationalen Gemeinschaft nahestanden oder als Unterstützer 

derselben wahrgenommen wurden oder werden sowie westlich orientierte 

oder der afghanischen Gesellschaft aus anderen Gründen nicht entspre-

chende Personen. Die aktuelle Lage in Afghanistan kann derzeit nicht ab-

schliessend beurteilt werden, sie hat sich jedoch nach der Machtergreifung 

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der Taliban im August 2021 in verschiedener Hinsicht akzentuiert. Das Bun-

desverwaltungsgericht geht davon aus, dass die familiäre Zugehörigkeit zu 

einer Person, die einem erhöhten Verfolgungsrisiko im Sinne der obenste-

henden Erwägungen ausgesetzt ist, zu einer Reflexverfolgung führen 

kann. Dies gilt insbesondere in Bezug auf (ehemalige) Angehörige der Po-

lizei und der Sicherheitskräfte, ehemalige Regierungsbeamte oder der Re-

gierung nahestehende Personen (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsge-

richts [BVGer] D-1358/2023 vom 25. März 2024 E. 5.2; E-1673/2023 vom 

1. März 2024 E. 6.5.2; D-5160/2023 vom 16. Januar 2024 E. 7.2;  

D-4268/2022 vom 29. März 2023 E. 7.1; E-5120/2021 vom 21. Juli 2022 

E. 6.3.4).  

Die konkrete Einschätzung des Risikoprofils ist jedoch im jeweiligen Ein-

zelfall vorzunehmen. Es müssen konkrete Indizien und tatsächliche An-

haltspunkte dargelegt werden, die die Furcht vor einer real drohenden Ver-

folgung nachvollziehbar erscheinen lassen. Eine begründete Furcht vor 

künftiger Verfolgung ist mithin zu bejahen, wenn eine Person aufgrund kon-

kreter Indizien mit guten Gründen, das heisst objektiv nachvollziehbar, be-

fürchten muss, dass ihr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Verfolgung 

droht und ihr deshalb eine Rückkehr in den Heimatstaat nicht zugemutet 

werden kann (vgl. Urteil des BVGer D-4268/2022 vom 29. März 2023 

E. 7.1). 

8.2 Zunächst ist festzustellen, dass die Beschwerdeführer keine konkreten 

Einzelheiten zur beruflichen Tätigkeit ihres Vaters, beispielsweise zum spe-

zifischen Aufgabenbereich, seiner Parteizugehörigkeit oder der Amtsdauer 

als Abgeordneter in einem Regionalparlament, darzulegen vermochten 

(SEM-Akte […]-17/8 F17 f., 22 ff.; SEM-Akten […]-16/15 F54 ff.). Wie die 

Vorinstanz zu Recht festgestellt hat, sind die Schilderungen der Beschwer-

deführer zu den Drohungen, die sie und ihre Familie, insbesondere der Va-

ter, seitens der Taliban erhalten hätten, unsubstanziiert ausgefallen und 

beschränken sich auf das allgemein gehaltene Vorbringen, wonach ihrem 

Vater mit dem Tod beziehungsweise der Entführung seiner Kinder gedroht 

worden sein soll, wobei letztere Ausführungen auf blossen Vermutungen 

beruhen (SEM-Akten […]-16/10 F1.17.04; SEM-Akten […]-17/8 F35 ff.; 

SEM-Akten […]-16/15 F71, F83).  

8.3 Das Argument in den Beschwerden, die Beschwerdeführer seien auf-

grund ihres jungen Alters von ihren Eltern nicht im Detail über die Bedro-

hungslage durch die Taliban informiert worden und könnten daher auch 

keine diesbezüglichen Angaben machen, ist nicht überzeugend und führt 

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Seite 10 

zu keiner anderen Einschätzung, zumal die Beschwerdeführer in der Zwi-

schenzeit deutlich älter sind und sich bei ihren Eltern diesbezüglich hätten 

erkundigen können. Auch auf Beschwerdeebene wurde diesbezüglich 

nichts konkretisiert. Aufgrund der bloss vagen Ausführungen der Be-

schwerdeführer zu ihrem Vater kann auch unter Berücksichtigung der bei 

der Vorinstanz eingereichten Beweismittel mithin nicht angenommen wer-

den, dass es sich bei diesem um eine massgeblich exponierte Person ge-

handelt hat, die an sich bereits einem erhöhten Verfolgungsrisiko im Sinne 

von Art. 3 AsylG durch die Taliban ausgesetzt war. Wie vom SEM ausge-

führt, hat der Vater der Beschwerdeführer spätestens mit seiner Ausreise 

aus Afghanistan und vor der Machtübernahme der Taliban vor mehr als 

zwei Jahren sein politisches Amt niedergelegt (SEM-Akte […]-17/8, F22). 

Es bestehen zum heutigen Zeitpunkt keine Hinweise auf ein aktuelles und 

nachhaltiges Interesse der Taliban an der Ergreifung des Vaters. Die Be-

schwerdeführer sind ausserdem, wie bereits erläutert, aufgrund der Tätig-

keit ihres Vaters selbst keinen ernsthaften Behelligungen ausgesetzt ge-

wesen. Die Vorbringen der Beschwerdeführer weisen mithin keine konkre-

ten Indizien auf, aus denen auf eine nachvollziehbar erscheinende begrün-

dete Furcht vor Reflexverfolgung geschlossen werden kann. 

8.4 In Bezug auf eigene Behelligungen durch die Taliban berichten die Be-

schwerdeführer lediglich von einem Zwischenfall im Jahre 2015, als Ange-

hörige der Taliban im Haus der Familie in D._______ Waffen des Vaters 

beschlagnahmt und den älteren Bruder E._______ geschlagen haben sol-

len. Dieses Ereignis steht aber weder im zeitlichen Zusammenhang mit der 

Ausreise des Beschwerdeführers 2 im Jahre 2017 noch mit derjenigen der 

restlichen Familienmitglieder im April 2021. Der Beschwerdeführer 2 ist vor 

seiner Ausreise im Jahr 2017 eigenen Angaben gemäss keinen massge-

blichen Behelligungen ausgesetzt gewesen. Insbesondere hatte er keine 

eigenen Probleme mit den Taliban und ist nie gezielt Opfer von Verfol-

gungshandlungen im Heimatstaat geworden. Vielmehr gab er an, er habe 

den Heimatstaat im Jahr 2017 auf Geheiss seines Vaters zusammen mit 

seinem Bruder E._______ einerseits wegen der allgemein schlechten Si-

tuation im Heimatstaat, andererseits zu Ausbildungszwecken verlassen; im 

Jahr 2020 kehrte er sodann ferienhalber für drei Monate in den Heimatstaat 

zurück, ohne dass er gezielt Opfer von Verfolgungshandlungen geworden 

wäre (vgl. Beschwerde E-1298/2024 Ziffer 2). Der Beschwerdeführer 1, der 

seinen Heimatstaat zusammen mit den Eltern im April 2021 verlasen haben 

will, schilderte ebenfalls keine eigenen seit dem Jahr 2015 erlebten Bedro-

hungshandlungen und blieb in Bezug auf die von der Familie erlebten Be-

helligungen – wie bereits festgehalten – äusserst vage.     

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Seite 11 

8.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Vor-

bringen nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich rele-

vante Verfolgung respektive eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu be-

gründen. Die Vorinstanz hat deshalb zur Recht die Flüchtlingseigenschaft 

verneint und die Asylgesuche der Beschwerdeführer abgelehnt. 

9.  

9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

9.2 Die Beschwerdeführer verfügen insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

9.3 Nachdem das SEM mit Verfügungen vom 23. Januar 2024 die Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt und die vorläufige Auf-

nahme der Beschwerdeführer angeordnet hat, erübrigen sich praxisge-

mäss weitere Ausführungen zur Zulässigkeit und Möglichkeit des Wegwei-

sungsvollzugs (vgl. BVGE 2011/7 E. 8, 2009/51 E. 5.4).  

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtenen Verfügungen 

Bundesrecht nicht verletzen, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellen (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüg-

lich überprüfbar – angemessen sind. Die Beschwerden sind abzuweisen. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den 

Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-

samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]), zumal die Gesuche um Gewährung der 

unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie um 

Beiordnung einer amtlichen Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 102m 

Abs. 1 AsylG wegen der Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren abzuwei-

sen sind. 

E-1297/2024 / E-1298/2024 

Seite 12 

11.2 Die Gesuche um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

werden mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache gegenstands-

los. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-1297/2024 / E-1298/2024 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Verfahren E-1297/2024 und E-1298/2024 werden vereinigt.  

2.  

Die Beschwerden werden abgewiesen. 

3.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und amt-

liche Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. 

4.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführern aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Natassia Gili 

 

 

Versand: