# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ab75274b-8e55-5c39-87ee-042604747f7e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-10-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.10.2020 D-6787/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6787-2018_2020-10-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-6787/2018  

law/gnb 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  O k t o b e r  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Nina Spälti Giannakitsas,  

Richterin Mia Fuchs, 

Gerichtsschreiberin Barbara Gysel Nüesch. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl;  

Verfügung des SEM vom 29. Oktober 2018 / N (…). 

 

 

 

D-6787/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger und eth-

nischer Hazara – verliess gemäss eigenen Angaben sein Heimatland im 

(…) 2015. Über den Iran, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, 

Kroatien, Slowenien und Österreich sei er am 1. November 2015 in die 

Schweiz gelangt, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 16. Novem-

ber 2015 wurde er zu seiner Person und zum Reiseweg befragt (Befragung 

zur Person [BzP]). Am 6. November 2017 wurde er eingehend zu den Asyl-

gründen angehört. 

A.b Dabei gab er im Wesentlichen an, er sei in B._______ (Distrikt 

C._______, Provinz D._______) geboren und – mit Ausnahme einiger 

Jahre, als seine Familie in E._______ gelebt habe – aufgewachsen. Eine 

Schule habe er nie besucht; er habe aber in Kursen etwas Lesen und 

Schreiben gelernt. Sein Vater sei (…) gewesen und im Jahre 1998/1999 

von den Taliban entführt und vermutlich umgebracht worden. Die letzten 

sieben Jahre vor seiner Ausreise habe er mit Geschäftspartnern ein (…) in 

E._______ betrieben. Im Jahre 2009 habe er geheiratet und sei Vater (…) 

Kinder. Sodann habe er sich im Jahre 2011 zehn Tage lang in Indien auf-

gehalten, um sich dort medizinisch behandeln zu lassen. 

Er habe sich mit F._______, einem Kommandanten der Lokalpolizei Arbaki, 

angefreundet. Dieser und seine Leute hätten bei ihm (…). F._______ und 

er seien manchmal auch zusammen nach Hause gefahren. Bei einer krie-

gerischen Auseinandersetzung der Taliban mit den Arbaki unter Komman-

dant F._______ seien mehrere Talibankämpfer getötet worden. Dabei sei 

ein Verwandter eines paschtunischen (…)nachbarn ums Leben gekom-

men. Letzterer habe ihn (den Beschwerdeführer) in der Folge bei den Tali-

ban als Unterstützer von F._______ denunziert. Der Talibanführer 

G._______ habe ihn daraufhin angerufen und ihm vorgeworfen, er würde 

F._______ finanziell unterstützen, und er sei aufgefordert worden, sich von 

F._______ fernzuhalten und sich den Taliban zu stellen. Die Taliban hätten 

auch realisiert, dass sein Vater ein (…) gewesen sei. Wenig später sei 

Kommandant F._______ aus einem Hinterhalt angegriffen und getötet wor-

den. Danach habe G._______ wieder angerufen, ihn (den Beschwerdefüh-

rer) bedroht und ihn erneut aufgefordert, sich zu stellen. Wegen der Bedro-

hungen habe er bei den lokalen Sicherheitsbehörden Anzeige erstattet ge-

gen die Taliban und G._______. In der Folge hätten ihn die Taliban zu 

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Seite 3 

Hause gesucht, als er nicht zu Hause gewesen sei. Sie hätten sich gegen-

über seiner Mutter als Freunde ausgegeben. Glücklicherweise sei er da-

mals nicht zu Hause gewesen, denn seine Mutter habe durch das abge-

schlossene Tor gehört, wie die Männer gesagt hätten, sie hätten ihn (den 

Beschwerdeführer) ansonsten an Ort und Stelle fertiggemacht. Seine Frau 

habe ihm telefonisch davon berichten können, worauf er zu Freunden ge-

fahren sei. Ein Bekannter habe ihn vor der Rache der Taliban gewarnt und 

zur Flucht geraten. Nach seiner Ankunft in der Schweiz habe er erfahren, 

dass sein Schwager, zu dem seine Frau mit den Kindern nach E._______ 

geflüchtet sei, seinetwegen von Paschtunen getötet worden sei. Er (der 

Beschwerdeführer) habe danach dafür gesorgt, dass seine Familie sich zu 

einem Verwandten in den Iran habe begeben können. 

A.c Zum Beleg seiner Identität und zur Untermauerung seiner Vorbringen 

reichte der Beschwerdeführer im Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens 

folgende Beweismittel zu den Akten: 

- Abgelaufener Reisepass 

- Afghanischer Führerausweis 

- Tazkara 

- 8 Fotos 

- Anzeige wegen Bedrohung durch die Taliban mit angefügten Bemerkungen und An-

weisungen von Sicherheitsbehörden, "geprüft" am (…)2015 

- Bestätigungsschreiben der (…) vom (…) 2016 

B.  

Mit Schreiben vom 30. November 2017 zeigte der rubrizierte Rechtsvertre-

ter dem SEM die Mandatsübernahme an. Gleichzeitig liess er dem SEM 

eine Stellungnahme des Beschwerdeführers zukommen, wonach dieser 

keine weiteren Beweismittel habe beschaffen können. 

C.  

Am 21. Dezember 2017 reichte der Beschwerdeführer eine Übersetzung 

der oben erwähnten Anzeige nach (vgl. Bst. A.c). 

D.  

Mit Eingabe vom 29. August 2018 liess der Beschwerdeführer dem SEM 

einen Aufnahmebericht der Spital (…) vom (…) 2018 und einen ärztlichen 

Bericht der Spital (...) vom (…) 2018 zukommen. Diesen Unterlagen sei zu 

entnehmen, dass bei ihm ein Status nach (…) im Zusammenhang mit Ver-

letzungen aufgrund eines Bombenanschlags in Afghanistan im Jahre 2008 

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Seite 4 

bestehe. Auch gehe daraus hervor, dass er unter einer mittelgradigen de-

pressiven Episode mit somatischem Syndrom leide. Zudem sei von einer 

posttraumatischen Belastungsstörung auszugehen. Eine medikamentöse 

Behandlung sowie eine psychiatrische Begleitung seien notwendig. 

E.  

Am 3. September 2018 teilte der Rechtsvertreter dem SEM mit, es sei im 

Arztbericht ein Fehler unterlaufen. Der erwähnte Bombenanschlag habe im 

Jahr 2001 stattgefunden. 

F.  

Mit Verfügung vom 29. Oktober 2018 – eröffnet am 30. Oktober 2018 – 

stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus 

der Schweiz an. Den Wegweisungsvollzug schob es jedoch infolge Unzu-

mutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. 

G.  

Mit Eingabe vom 29. November 2018 erhob der Beschwerdeführer mittels 

seines Rechtsvertreters gegen die Verfügung des SEM beim Bundesver-

waltungsgericht Beschwerde und beantragte, es sei ihm Einsicht in die Ak-

ten A2/2, A4/10 und A6/1 zu gewähren, eventualiter sei ihm das rechtliche 

Gehör betreffend die genannten Akten zu gewähren. Nach der Gewährung 

der Akteneinsicht beziehungsweise nach der Gewährung des rechtlichen 

Gehörs sei ihm eine angemessene Frist zur Einreichung einer Beschwer-

deergänzung anzusetzen. Des Weiteren sei die angefochtene Verfügung 

aufzuheben und die Sache dem SEM zur vollständigen und richtigen Ab-

klärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neu-

beurteilung zurückzuweisen. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung 

aufzuheben und es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu 

gewähren. Schliesslich wurde um Erlass der Verfahrenskosten und um 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht.  

Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung, eine Fürsorgebestä-

tigung vom (…) 2018 sowie zwei Schreiben der Spital (...) vom (…) 2018 

und (…) 2018 bei. 

H.  

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 7. Dezember 2018 den Ein-

gang der Beschwerde. 

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Seite 5 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 20. Dezember 2018 wies der Instruktionsrich-

ter das SEM an, dem Beschwerdeführer in geeigneter Weise Einsicht in 

das Aktenstück A4/10 zu gewähren oder eine allfällige Verweigerung der 

Einsichtnahme zu begründen. Im Übrigen wurde der Antrag auf Aktenein-

sicht abgewiesen. Das SEM wurde weiter angewiesen, das Aktenstück 

A2/2 in aussagekräftiger Weise in das Aktenverzeichnis aufzunehmen und 

dem Beschwerdeführer eine Kopie des geänderten Verzeichnisses zukom-

men zu lassen. Die Anträge um Gewährung des rechtlichen Gehörs sowie 

um Fristansetzung zur Beschwerdeergänzung wurden abgewiesen. So-

dann wurden die Gesuche um Erlass der Verfahrenskosten und um Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses unter Vorbehalt einer 

nachträglichen Veränderung der finanziellen Verhältnisse des Beschwer-

deführers gutgeheissen. Schliesslich wurde dem SEM Gelegenheit zur 

Vernehmlassung eingeräumt. 

J.  

Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer beziehungsweise dessen 

Rechtsvertreter mit Schreiben vom 8. Januar 2019 "ergänzende und modi-

fizierte Akteneinsicht". In der Folge teilte der Rechtsvertreter dem SEM mit 

Schreiben vom 14. Januar 2019 mit, dass ihm das ergänzte Aktenverzeich-

nis nicht zugestellt worden sei. Die Korrespondenz mit dem SEM liess er 

am 14. Januar 2019 in Kopie dem Gericht zukommen. Mit Schreiben vom 

23. Januar 2019 stellte das SEM dem Rechtsvertreter das ergänzte Akten-

verzeichnis zu. 

K.  

Das SEM liess sich innert erstreckter Frist mit Eingabe vom 15. Januar 

2019 zur Beschwerde vernehmen. 

L.  

Mit Verfügung vom 17. Januar 2019 wurde der Beschwerdeführer eingela-

den, eine Replik zur Vernehmlassung des SEM einzureichen. 

M.  

Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 

1. Februar 2019, welcher ein Schreiben der Spital (...) vom (…) 2019 bei-

lag. 

D-6787/2018 

Seite 6 

N.  

Mit Schreiben vom 2. September 2019 liess der Beschwerdeführer ein ei-

genes Schreiben vom 8. August 2019 an seinen Rechtsvertreter die Situa-

tion seiner Familie betreffend nachreichen. Diese sei unterdessen nach 

Griechenland gelangt, wo sie in einem Flüchtlingslager untergebracht sei.  

O.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. August 2020 forderte der Instruktionsrich-

ter den Beschwerdeführer auf, dem Gericht seine aktuellen finanziellen 

Verhältnisse offenzulegen. 

P.  

Mit Eingabe vom 2. September 2020 liess der Beschwerdeführer das aus-

gefüllte Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege", eine Beschei-

nigung ausbezahlter Sozialleistungen des (…) vom (…) 2020 (inklusive Kli-

entenkontoauszug), einen Lebenslauf sowie zwei Arbeitsverträge vom (…) 

2020 und (…) 2020 einreichen. 

Q.  

Nachdem die Schweizer Behörden dem Übernahmeersuchen Griechen-

lands gestützt auf Art. 9 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäi-

schen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der 

Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-

fung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem 

Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist 

(Dublin-III-VO) am 16. Dezember 2019 ausdrücklich zugestimmt hatten, 

reiste die Ehefrau mit den Kindern am 8. Juli 2020 in die Schweiz ein. Ihre 

am 13. Juli 2020 gestellten Asylgesuche wurden mit Verfügung des SEM 

vom 12. August 2020 abgelehnt, wobei gleichzeitig anstelle des Vollzugs 

der verfügten Wegweisung eine vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbar-

keit des Wegweisungsvollzugs verfügt wurde. Gegen diese Verfügung er-

hob die Ehefrau mittels des rubrizierten Rechtsvertreters mit Eingabe vom 

10. September 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht, welche 

unter der Verfahrensnummer D-4488/2020 geführt wird. In jenem Verfah-

ren wurde um Vereinigung beziehungsweise Koordination mit dem vorlie-

genden Beschwerdeverfahren ersucht. 

  

D-6787/2018 

Seite 7 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. 

Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Das vorliegende Verfahren wird mit jenem der Ehefrau, H._______, und 

der Kinder (D-4488/2020) koordiniert geführt (vgl. Bst. Q). 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer macht in formeller Hinsicht eine Verletzung des 

Anspruchs auf Akteneinsicht, des Anspruchs auf rechtliches Gehör (welche 

gleichzeitig eine Verletzung der Abklärungspflicht darstelle), der Pflicht zur 

vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts, 

des Willkürverbots und des Fairnessgrundsatzes geltend. 

D-6787/2018 

Seite 8 

4.2 Der Beschwerdeführer rügt, es sei ihm nicht korrekt Akteneinsicht ge-

währt worden beziehungsweise das SEM sei seiner Paginierungs- und Ak-

tenführungspflicht nicht ausreichend nachgekommen. 

Mit Zwischenverfügung vom 20. Dezember 2018 wurde diese formelle 

Rüge behandelt und die Vorinstanz angewiesen, teilweise Akteneinsicht zu 

gewähren (vgl. Bst. I), welcher Aufforderung die Vorinstanz mit Schreiben 

an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers vom 8. Januar 2019 und 

23. Januar 2019 nachkam (vgl. Bst. J). Die aus der unvollständig gewähr-

ten Akteneinsicht entstandene Verletzung des rechtlichen Gehörs ist als 

geheilt zu betrachten. Inwiefern die erfolgte Heilung auf Beschwerdeebene 

vorliegend relevant für den Kostenentscheid ist, ist im Kostenpunkt zu be-

urteilen. 

4.3 Weiter wird moniert, das SEM habe es weitgehend unterlassen, die 

eingereichten Beweismittel zu würdigen. Dies stelle eine Verletzung des 

Anspruchs auf rechtliches Gehör und des Willkürverbots dar. Das SEM 

hätte die bewiesenen Tatsachen im Zusammenhang mit den nicht bewie-

senen Vorbringen in einer Gesamtbetrachtung würdigen müssen. 

Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die eingereichten Be-

weismittel im Sachverhalt erwähnte und sich damit auch in den Erwägun-

gen rechtsgenüglich auseinandersetzte (vgl. angefochtene Verfügung 

Ziff. II.2 und II.4). Wie die Beweismittel bei der Glaubhaftigkeitsprüfung zu 

gewichten sind, ist sodann eine Frage der materiellen rechtlichen Würdi-

gung. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs oder des Willkürverbots ist 

nicht zu erkennen. 

4.4 Der Beschwerdeführer erblickt eine weitere Gehörsverletzung darin, in-

dem das SEM in der Verfügung nicht erwähnt habe, dass seine Mutter die 

Sprache Paschtu verstehe und deshalb die Taliban vor dem Tor habe ver-

stehen können, womit diese nicht hätten rechnen können. 

Das SEM setzte sich in der angefochtenen Verfügung mit den wesentlichen 

Vorbringen des Beschwerdeführers in Bezug auf seine Asylgründe ausei-

nander und bestritt nicht, dass die Mutter Paschtu verstehe. Dass die Tali-

ban nicht mit solchen Kenntnissen hätten rechnen können, ist dem Befra-

gungsprotokoll nicht zu entnehmen, sondern stellt eine neue Behauptung 

auf Beschwerdeebene dar (vgl. Akten SEM A16/20 F69). Die Rüge ist so-

mit unbegründet. 

D-6787/2018 

Seite 9 

4.5 Eine Verletzung der Abklärungspflicht, weil das SEM sich im Wesentli-

chen darauf beschränkt habe zu behaupten, die Vorbringen seien nicht 

glaubhaft beziehungsweise nicht asylrelevant, obwohl es zwingend weitere 

Abklärungen, insbesondere eine weitere Anhörung, hätte durchführen 

müssen, ist zu verneinen. Das SEM hat sich mit den wesentlichen Äusse-

rungen des Beschwerdeführers auseinandergesetzt und die eingereichten 

Beweismittel gewürdigt. Inwiefern der Sachverhalt nicht vollständig oder 

nicht richtig abgeklärt worden sein sollte, ist nicht ersichtlich.  

4.6 Weiter habe das SEM die Abklärungspflicht verletzt, indem es be-

haupte, die eingereichten Beweismittel – insbesondere die Anzeige bei den 

Sicherheitsbehörden – hätten keinen Beweiswert, da diese leicht käuflich 

seien. Ohne die Durchführung einer Dokumentenanalyse könne das SEM 

nicht pauschal behaupten, dass es sich bei den eingereichten Beweismit-

teln um Fälschungen handle. Dieses Vorgehen sei willkürlich und rechts-

widrig. 

Das SEM begründete in seiner Verfügung, worauf seine Zweifel an der Au-

thentizität der Anzeige bei den Sicherheitsbehörden beruhen, und hielt (un-

ter anderem) zutreffend fest, leicht käuflich erwerbbare Schreiben und Be-

stätigungen dieser Art seien aufgrund ihres niedrigen Beweiswerts nicht 

geeignet, einen Sachverhalt zu belegen, der sich aus anderen Gründen als 

unglaubhaft erwiesen habe (vgl. angefochtene Verfügung Ziff. II.2). Die Vo-

rinstanz ist im Weiteren nicht verpflichtet, eine Dokumentenanalyse vorzu-

nehmen, wenn es davon ausgeht, dass die beigebrachten Beweismittel 

leicht käuflich sind, und daher selbst die Feststellung der Echtheit keine 

Aussagekraft hätte (vgl. etwa Urteil des BVGer D-5016/2018 vom 15. April 

2020 E. 5.3). 

4.7 Ferner wird eine Verletzung des Grundsatzes auf ein faires Verfahren 

und der Abklärungspflicht gerügt, da die Anhörung mit sieben Stunden zu 

lange gedauert habe. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungs-

gerichts komme der Anhörung im Asylverfahren eine herausragende Be-

deutung zu. 

Die Anhörung begann um 9:40 Uhr und dauerte bis 16:40 Uhr, wobei neben 

einer Mittagspause von 40 Minuten zwei zusätzliche Pausen von je 20 Mi-

nuten eingelegt wurden, womit sich eine tatsächliche Anhörungsdauer von 

fünf Stunden und 40 Minuten ergibt. Überdies waren die einzelnen Anhö-

rungsabschnitte zwischen den Pausen nicht übermässig lang (vgl. Akten 

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Seite 10 

SEM A16/20: Einmal knapp über zwei Stunden, im Übrigen deutlich darun-

ter). Im Übrigen ist festzuhalten, dass seitens des Beschwerdeführers kein 

Rechtsanspruch auf eine kurze Anhörung und einen Abbruch besteht, 

wenn sich ein höherer Zeitbedarf abzeichnet. In erster Linie ist massge-

bend, ob die angehörte Person in der Lage ist, der Anhörung zu folgen, 

was nicht vordringlich anhand von starren zeitlichen Kriterien, sondern im 

Rahmen einer individuellen Einschätzung ihrer Befindlichkeit zu beurteilen 

ist. Aus dem Anhörungsprotokoll sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, die 

darauf hindeuten, dass aufgrund der Anhörungsdauer die Konzentration 

des Beschwerdeführers beeinträchtigt gewesen wäre. Auch aus dem Un-

terschriftenblatt der Hilfswerksvertretung ergeben sich keine diesbezügli-

chen Hinweise. Es ist somit nicht ersichtlich, dass der Grundsatz des fairen 

Verfahrens oder die Abklärungspflicht verletzt worden wären.  

4.8 Schliesslich wird geltend gemacht, das SEM habe es unterlassen, den 

Beschwerdeführer ausführlich zu den eingereichten Fotos zu befragen, 

womit es die Abklärungspflicht, das Willkürverbot und den Anspruch auf 

rechtliches Gehör verletzt habe. 

Dies trifft nicht zu. Dem Beschwerdeführer wurde Gelegenheit eingeräumt, 

sich zu den eingereichten Fotos zu äussern (vgl. Akten SEM A16/20 F39 f., 

42, 44 ff. und 49). Inwiefern eine ausführlichere Befragung oder anderwei-

tige Abklärungen angezeigt gewesen wären, ist nicht ersichtlich. 

4.9 Nachdem sich die Rügen betreffend die Verletzung des rechtlichen Ge-

hörs – mit Ausnahme des geheilten Mangels im Zusammenhang mit dem 

Akteneinsichtsrecht – sowie der Abklärungspflicht als unbegründet erwie-

sen haben, stösst auch der Einwand ins Leere, damit liege zugleich eine 

Verletzung des Willkürverbots sowie von Art. 7 AsylG vor. Soweit schliess-

lich wegen der Verletzung von Art. 7 AsylG die Aufhebung der Verfügung 

und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz verlangt wird, wird verkannt, 

dass es bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit um die materielle Würdi-

gung des Sachverhalts geht. 

4.10 Nach dem Gesagten ergibt sich, dass der einzige Mangel der ange-

fochtenen Verfügung im Rahmen des Instruktionsverfahrens geheilt wor-

den ist, alle weiteren Rügen formeller Natur unbegründet sind und auch 

kein Bedarf an weiteren Sachverhaltsabklärungen besteht. Bei dieser 

Sachlage fällt eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung aus formellen 

Gründen ausser Betracht, womit das Gericht einen Entscheid in der Sache 

zu treffen hat (Art. 61 Abs. 1 VwVG). 

D-6787/2018 

Seite 11 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Zur Begründung seines Entscheides führt das SEM aus, es erachte die 

geltend gemachten Verfolgungsvorbringen einerseits als nicht glaubhaft 

gemacht nach Art. 7 AsylG und andererseits auch als nicht asylrelevant 

nach Art. 3 AsylG. Hätten die Taliban tatsächlich ein Verfolgungsinteresse 

am Beschwerdeführer gehegt, so hätten diese ihn erwartungsgemäss be-

reits bedeutend früher zu behelligen begonnen, zumal er angegeben habe, 

seine Verbindung zu F._______ habe 2012/2013 – knapp drei bis vier 

Jahre vor seiner Flucht ins Ausland – begonnen. Er selbst habe erklärt, 

dass es in jedem Distrikt Afghanistans Taliban gebe und die Leute im Um-

feld seines Dorfes alles Paschtunen gewesen seien. Die Taliban würden 

bekanntlich über vielfältige nachrichtendienstliche Möglichkeiten verfügen. 

Zwar habe der Beschwerdeführer sinngemäss ausgeführt, er sei (erst 

dann) bei den Taliban denunziert worden, als bei einem von F._______ 

Truppen relativ kurz vor seiner Ausreise geführten Gefecht mehrere Taliban 

getötet worden seien. Deswegen habe ein Verwandter eines der Gefalle-

nen ihn bei den Taliban denunziert. Diese Ausführungen würden indes an 

der obenstehenden Würdigung nichts Grundlegendes ändern. Sodann 

wirke angesichts der vom Beschwerdeführer beschriebenen Verankerung 

der Taliban in der afghanischen Gesellschaft das von ihm geschilderte Ver-

halten wenig plausibel. Es werde nämlich nicht klar, weshalb er trotz dieser 

soziopolitischen Verhältnisse überhaupt Anzeige erstattet und sich dadurch 

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Seite 12 

einer zusätzlichen Gefahr ausgesetzt haben sollte. Sodann seien seine 

Schilderungen, nach seiner Anzeige bei der örtlichen Polizei durch mut-

massliche Taliban zu Hause gesucht worden zu sein, als fingiert zu qualifi-

zieren. Erwartungsgemäss hätten die Taliban angesichts ihrer nachrichten-

dienstlichen Möglichkeiten sein Wohnhaus beobachten lassen und seine 

Ankunft abgewartet, um dann zuzuschlagen. Sie hätten sodann wohl kaum 

ihre tatsächlichen Absichten (seine Liquidierung) offenbart, da sie damit 

hätten rechnen müssen, ihn dadurch zu warnen und zur Flucht zu veran-

lassen. Sodann habe er gemäss dem von ihm eingereichten spitalärztli-

chen Aufnahmebericht vom (…) 2018 Afghanistan zusammen mit seiner 

Familie verlassen. Nach einem kurzen Zwischenhalt im Iran sei er alleine 

in die Schweiz migriert. Diese Angaben liessen sich indes nicht mit seinen 

Ausführungen im Asylverfahren vereinbaren. Schliesslich falle auf, dass er 

gegenüber der spitalärztlichen Institution zwar die lange zurückliegende 

Verfolgung seines Vaters durch die Taliban, nicht aber die eigene (angebli-

che) Verfolgung durch diese Miliz erwähnt habe. Erwartungsgemäss hätte 

er von seiner angeblichen, mit dieser Verfolgung verbundenen Gefähr-

dung, welche ihn zur fluchtartigen Ausreise gezwungen haben soll, auch 

der Ärzteschaft berichtet. All diese Ungereimtheiten würden in einer Ge-

samtwürdigung zum Schluss führen, dass er sich auf eine konstruierte 

Asylbegründung abstütze. Es erübrige sich, noch auf weitere Unstimmig-

keiten näher einzugehen.  

Was die eingereichte Anzeige anbelange, stelle sich zunächst die Frage, 

wie er über einen Mittelsmann überhaupt an das Originaldokument habe 

kommen können, zumal dieses auch behördeninterne Bemerkungen und 

Anweisungen enthalte. Allein schon deswegen würden sich erste Zweifel 

am Aussagegehalt des Dokuments ergeben. Ausserdem seien gemäss 

Einschätzung der Asylbehörden Schreiben und Bestätigungen dieser Art 

leicht käuflich erwerbbar und würden somit grundsätzlich einen niedrigen 

Beweiswert aufweisen. Dies habe zur Folge, dass sie nicht geeignet seien, 

einen Sachverhalt zu belegen, der sich aus anderen Gründen als unglaub-

haft erwiesen habe. Zu den Fotos gelte es zu bemerken, dass durch sie 

(mit Ausnahme der Fotos des Beschwerdeführers und wohl seiner Kinder) 

nicht ausreichend belegt sei, dass überhaupt die von ihm angegebenen 

Personen darauf abgebildet seien. Zudem könnten mit ihnen auch keine 

asylrelevanten Sachverhaltselemente dokumentiert werden. Gleiches 

gelte für die beiden übermittelten ärztlichen Berichte. Schliesslich bestehe 

angesichts der Aktenlage auch kein Anlass, auf den Entscheid in der An-

hörung, die von ihm als Beweis für die telefonischen Drohungen offerierte 

SIM-Karte wegen fehlender Relevanz abzulehnen, zurückzukommen. Er 

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selbst habe zudem damals eingeräumt, dass die Anrufer ihre Rufnummer 

jeweils unterdrücken würden. 

Sodann sei aus seinem Vorbringen, während der Herrschaft der Taliban sei 

seine Umgebung bombardiert worden, wobei er einmal erheblich verletzt 

worden sei und sich deswegen im Jahre 2011 in Indien medizinisch habe 

behandeln lassen müssen, zu folgern, dass die von der Asylpraxis gefor-

derten Ansprüche an die Qualität des Kausalzusammenhangs weder in 

zeitlicher noch in sachlicher Hinsicht erfüllt seien. Soweit er sinngemäss 

geltend mache, er werde auch deshalb von Verfolgung bedroht, weil sein 

Vater (…) gewesen sei, könne diese Auffassung nicht geteilt werden. Die 

Aktivitäten und die Verschleppung des Vaters würden bereits rund 

20 Jahre und mehr zurückliegen. Ausserdem sei dieser Umstand den Leu-

ten in seinem Wohngebiet bekannt gewesen. Gemäss seinen sinngemäs-

sen Angaben sei ihm deswegen bis kurz vor der Ausreise nichts gesche-

hen. Schliesslich habe sich die angebliche fluchtauslösende Verfolgung 

durch die Taliban als unglaubhaft erwiesen. 

6.2 In der Beschwerde wird dem entgegengehalten, der Beschwerdeführer 

habe eindeutig festgehalten, sein Freund F._______ sei ab dem Jahr 1391 

(2012/2013) in seinen (…) gekommen. Somit sei ersichtlich, dass von der 

ersten Begegnung bis zur Flucht maximal zwei bis drei und nicht drei bis 

vier Jahre vergangen seien. Er habe zwar den Kontakt zu F._______ ge-

pflegt, allerdings sei er in keine von dessen kriegerischen Auseinanderset-

zungen oder sonstigen Beziehungen verwickelt gewesen. Die Beziehung 

sei freundschaftlicher und geschäftlicher Art gewesen. Er habe anlässlich 

der Anhörung glaubhaft geschildert, dass er (…) an F._______ Leute ver-

kauft und manchmal mit F._______ gemeinsam nach Hause gefahren sei. 

Allerdings habe er sich nicht täglich, sondern nur gelegentlich mit 

F._______ getroffen. Es sei offensichtlich, dass er (der Beschwerdeführer) 

den Taliban nicht von vornherein bekannt gewesen sei, insbesondere da 

sich die Beziehung zu F._______ erst kurz vor seiner Flucht intensiviert 

habe. Er habe anlässlich der Anhörung detailliert geschildert, dass die Ver-

folgung durch die Taliban angefangen habe, nachdem – während des Kon-

flikts mit F._______ – mehrere Taliban getötet worden seien, darunter auch 

ein Verwandter seines Nachbarn I._______. Es sei offensichtlich, dass sein 

Kontakt zu F._______ den Taliban erst durch die Aussage des Nachbarn 

bekannt geworden sei, zumal die Taliban ihn erst nach dieser Meldung kon-

taktiert hätten. Daraus ergebe sich ebenfalls, dass die Taliban ihn durchaus 

auf dem Radar gehabt hätten, der erwähnte Konflikt mit F._______ aller-

D-6787/2018 

Seite 14 

dings erst der Anstoss zur Verfolgung gewesen sei. Angesichts seiner de-

taillierten Aussagen sei nicht verständlich, weshalb diese als konstruiert 

gelten sollten. Insbesondere sei willkürlich, dass das SEM zwar erwähne, 

er sei bei den Taliban denunziert worden, als bei einem von F._______ 

Truppen relativ kurz vor der Ausreise geführten Gefecht mehrere Taliban 

getötet worden seien, es diesen Umstand allerdings nicht entsprechend 

würdige und lediglich ausführe, diese Ausführungen vermöchten an der 

Würdigung nichts zu ändern. Sodann sei nicht ersichtlich, weshalb sein 

Verhalten nicht plausibel sein solle. Es stelle eine völlig normale Reaktion 

dar, dass eine Bedrohung bei der Polizei gemeldet werde. Seine Aussage, 

die afghanische Regierung würde zur Hälfte aus Taliban bestehen bezie-

hungsweise viele Leute hätten Beziehungen sowohl zur Regierung als 

auch zur Taliban, habe sich nie auf die Polizei bezogen. Er habe eine ge-

wisse Hoffnung gehegt, als er bei der Polizei Anzeige erstattet habe, ins-

besondere da er auch den Kommandanten J._______ gekannt habe, wel-

cher später ebenfalls von den Taliban getötet worden sei. Zudem habe die 

Verfolgung der Taliban nicht erst nach der Anzeige bei der Polizei angefan-

gen, sondern bereits ab dem Konflikt zwischen den Taliban und F._______. 

Er habe erst nach der zweiten telefonischen Drohung und nachdem sein 

Freund F._______ bereits getötet worden sei, Anzeige bei der Polizei er-

stattet. Es sei offensichtlich, dass die Gefahr somit bereits vor der Anzeige 

bei der Polizei bestanden habe und er sich nicht zusätzlicher Gefahr aus-

gesetzt habe. Weiter sei offensichtlich, dass die Ausführungen des SEM 

nicht vollständig seien. Aus seinen (des Beschwerdeführers) Aussagen 

gehe hervor, dass seine Mutter die Sprache Paschtu verstehe. Die Taliban 

hätten sie offensichtlich auf Farsi angesprochen und seien davon ausge-

gangen, dass die Mutter die Sprache Paschtu nicht verstehe. Aus diesem 

Grund hätten sie die entsprechende Aussage gegen ihn auch auf Paschtu 

geäussert. Somit sei offensichtlich, dass die Taliban ihre Absichten – seine 

Liquidierung – nicht offenbart und ihn dadurch auch nicht gewarnt hätten, 

da sie im Glauben gewesen seien, es würde sie niemand verstehen. Es sei 

davon auszugehen, dass das SEM entweder nicht in der Lage gewesen 

sei, den Sachverhalt korrekt festzustellen und zu merken, dass in der Situ-

ation zwei verschiedene Sprachen gesprochen worden seien, oder das 

SEM habe die Argumente selber konstruiert. Ausserdem behaupte das 

SEM zu Unrecht und willkürlich, dass das angeblich unlogische Verhalten 

von Drittpersonen (Taliban vor dem Tor) für die Unglaubhaftigkeit seiner 

Aussagen spreche. Das angeblich unglaubhafte Verhalten Dritter könne 

nicht zu seinen Ungunsten verwendet werden. Schliesslich gehe aus den 

Schreiben der Spital (...) hervor, dass die erwähnten Berichte fehlerhaft 

seien. Die Korrigenda würden eindeutig festhalten, dass er alleine, ohne 

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Seite 15 

die Familie ausgereist sei, und es sei offensichtlich, dass seine Ausführun-

gen anlässlich des Asylverfahrens korrekt seien. Zudem habe es offen-

sichtlich Verständigungsprobleme gegeben, aus welchen die besagten 

Fehler resultiert hätten. Er trage an diesem Fehlverhalten Dritter allerdings 

keine Schuld. Dass im erwähnten Arztbericht die eigene Verfolgung nicht 

aufgenommen worden sei, könne ihm ebenfalls nicht vorgeworfen werden. 

Aufgrund der Missverständnisse sei es zu einem massiven Zerwürfnis mit 

den zuständigen medizinischen Fachpersonen gekommen. Was die Be-

weismittel anbelange, hätte das SEM zwingend eine Dokumentenanalyse 

durchführen müssen. Zweitens habe das SEM willkürlich und zu Unrecht 

behauptet, das eingereichte Dokument stelle eine Fälschung dar. Er habe 

geschildert, wie er dieses Dokument erhalten habe. Es gehe nicht an, dass 

das SEM das eingereichte Originaldokument derart pauschal ignoriere und 

abschmettere. Vielmehr belege es die von ihm erlittene asylrelevante Ver-

folgung. Zudem würden die eingereichten Fotos sehr wohl das Umfeld der 

erlittenen Verfolgung zeigen. Das SEM sei zu Unrecht von der Unglaubhaf-

tigkeit der Vorbringen ausgegangen. Er habe ausführlich und glaubhaft ge-

schildert, dass er von den Taliban mit dem Tod bedroht werde. Er sei ins 

Visier der Taliban geraten und würde im Fall der Rückkehr nach Afghanis-

tan gezielt asylrelevant verfolgt. Die afghanischen Behörden seien weder 

schutzfähig noch schutzwillig, um ihn vor der Verfolgung durch die Taliban 

zu schützen. Die Verfolgung durch die Taliban sei ethnisch-politischer Na-

tur, da er Hazara sei. Sodann sei bereits sein Vater von den Taliban ermor-

det worden. Das SEM habe es unterlassen, diese Vorverfolgung im Ge-

samtzusammenhang zu würdigen. Die Verfolgung der Hazara betreffend 

sei auf verschiedene Berichte zu verweisen, welche die anhaltend beste-

hende Diskriminierung, Marginalisierung und Gewaltanwendung gegen 

Angehörige der Hazara-Minderheit aufzeigen würden. Aus diesen Berich-

ten gehe klar hervor, dass Angehörige der Hazara ernsthaften Nachteilen 

aufgrund ihrer Ethnie und Religion (Shi'a) ausgesetzt seien und dass er als 

Hazara somit zusätzlich begründete Furcht habe, ernsthaften, asylrelevan-

ten Nachteilen ausgesetzt zu sein, müsste er nach Afghanistan zurückkeh-

ren. 

6.3 In seiner Vernehmlassung hält das SEM an seinen Erwägungen in der 

angefochtenen Verfügung fest und führt ergänzend aus, gemäss seiner 

Praxis würden als Beweismittel eingereichte Dokumente in der Regel kei-

ner materiellen Prüfung unterzogen, wenn sie erfahrungsgemäss käuflich 

leicht erhältlich seien. Angesichts der käuflichen Erwerbbarkeit bestehe 

nämlich auch die Möglichkeit, dass das Dokument zwar formal echt, inhalt-

lich jedoch falsch sei. Sodann würden im spitalärztlichen Schreiben vom 

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Seite 16 

(…) 2018 Abweichungen korrigiert und an die Aussagen des Beschwerde-

führers im Asylverfahren angepasst. Die Akten würden den Schluss zulas-

sen, dass diese Anpassungen auf Anweisung des Beschwerdeführers er-

folgt seien. Dadurch indes würden die im Entscheid angeführten Unge-

reimtheiten nicht ausreichend beseitigt. Im spitalärztlichen Bericht vom (…) 

sei nämlich festgehalten worden, dass der Patient über ausreichende 

Deutschkenntnisse für ein oberflächliches Gespräch verfüge. Diese Be-

merkung vermöge wohl kleinere Abweichungen, nicht aber derart gravie-

rende Unstimmigkeiten, wie sie im vorliegenden Fall aufgetreten seien, zu 

erklären. 

6.4 In der Replik wird geltend gemacht, die Argumentation des SEM, es sei 

von der Pflicht zur vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheb-

lichen Sachverhalts mittels einer Dokumentenanalyse befreit, sei willkürlich 

und insbesondere von Voreingenommenheit und Befangenheit geprägt. 

Erstens gehe das SEM in befangener Weise davon aus, das entspre-

chende Dokument sei käuflich erworben worden. Zweitens behaupte das 

SEM – immer unter derselben willkürlichen Prämisse – dass die Dokumen-

tenanalyse ergeben könnte, dass das Dokument echt sei, aber der Inhalt 

falsch. Gerade diese Argumentation illustriere die Wichtigkeit, eine ent-

sprechende Dokumentenanalyse durchzuführen, zumal das SEM selber 

einräume, dass die Analyse die Echtheit des Dokuments ergeben könne. 

Das SEM habe in Anbetracht von Art. 7 AsylG und aufgrund des Vorrangs 

von Beweismitteln keinen Spielraum, die Durchführung einer Dokumen-

tenanalyse zu unterlassen. Es mache auch nicht geltend, eine solche sei 

nicht möglich. Es stehe fest, dass der Beschwerdeführer ein Originalbe-

weismittel eingereicht habe und somit einen Anspruch habe – und das SEM 

die Pflicht –, dieses Beweismittel vollumfänglich zu würdigen und einer Do-

kumentenanalyse zu unterziehen. Hinsichtlich des Arztberichts sowie des 

spitalärztlichen Schreibens vom (…) 2018 versteige sich das SEM auf will-

kürliche und aktenwidrige Behauptungen. Die von Befangenheit geprägte 

Argumentation des SEM impliziere, dass die entsprechenden ärztlichen 

Fachpersonen beim Verfassen des Schreibens vom (…) 2019 aus Gefäl-

ligkeit sowie unter Einfluss des Beschwerdeführers gehandelt hätten. Aus 

dem Schreiben gehe jedoch hervor, dass beim Gespräch mit dem Be-

schwerdeführer festgestellt worden sei, dass die Deutschkenntnisse nicht 

für eine spezifischere, psychiatrische Behandlung genügen würden. Dem-

nach seien auch die Korrigenda nicht aus Gefälligkeit erfolgt, sondern wür-

den der fachspezifischen Beurteilung des Patienten entsprechen. Es stehe 

somit fest, dass der Argumentation des SEM die Grundlage entzogen sei. 

Es sei schlicht absurd, dass das SEM die angebliche Unglaubhaftigkeit der 

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Seite 17 

Vorbringen des Beschwerdeführers mit angeblichen Unglaubhaftigkeiten in 

einem Kurzbericht gestützt auf ein Erstgespräch ohne Dolmetscher be-

haupte. Umso frappanter wirke diese Argumentation angesichts der bereits 

weiter oben kritisierten Weigerung des SEM, eine Dokumentenanalyse 

durchzuführen.  

7.  

7.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-

scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar 

2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.).  

7.2 Die Vorinstanz hat die Vorbringen des Beschwerdeführers in der ange-

fochtenen Verfügung im Grundsatz mit ausführlicher und überzeugender 

Begründung als unglaubhaft beziehungsweise nicht asylrelevant qualifi-

ziert. Diesbezüglich kann, um Wiederholungen zu vermeiden, vorab auf die 

zutreffende Argumentation in der angefochtenen Verfügung verwiesen 

werden. In Ergänzung und Präzisierung dazu ist Folgendes festzustellen: 

7.3 Dem Beschwerdeführer ist insoweit zuzustimmen, als vom ersten Be-

such seines Freundes F._______ im (…) bis zur Flucht maximal zwei bis 

drei Jahre vergangen sind. Dennoch vermag der Einwand, er sei in keine 

kriegerischen Auseinandersetzungen oder in sonstige Beziehungen von 

F._______ verwickelt gewesen und sie hätten sich nur gelegentlich getrof-

fen, nicht zu erklären, weshalb er nicht bereits früher aufgrund seiner 

Freundschaft zu F._______ in den Fokus der Taliban geraten sei, zumal er 

in der Anhörung ausführte: "(…) Seine Leute kamen zu mir (…) kaufen und 

ich habe ihm und seinen Freunden (…) verkauft. (…) Überall in Afghanistan 

gibt es Taliban überall in jedem Distrikt. Und die Leute in unserm Gebiet 

dachten, ich würde den Kommandant F._______ unterstützen. Ich bin ja 

Hazara und die Leute in dem Umfeld von unserem Dorf waren alle 

Paschtunen. Der Mensch hat mich oft besucht, ich meine den Komman-

danten F._______. (…)" (vgl. Akten SEM A16/20 F39). Dass sich seine Be-

ziehung zu F._______ erst kurz vor seiner Flucht intensiviert haben soll, ist 

dem Anhörungsprotokoll nicht zu entnehmen (vgl. etwa Akten SEM A16/20 

F53). Hätten die Taliban den Beschwerdeführer tatsächlich "auf dem Ra-

dar" gehabt, hätten sie zweifellos auch Kenntnis von dessen Beziehung zu 

F._______ gehabt. Vor diesem Hintergrund erscheint nicht nur das Vorbrin-

gen wenig glaubhaft, wonach der Kontakt des Beschwerdeführers zu 

D-6787/2018 

Seite 18 

F._______ den Taliban erst durch die Aussage des Nachbarn bekannt ge-

worden sei. Auch wäre anzunehmen, dass der Beschwerdeführer deutlich 

früher durch die Taliban behelligt worden wäre. Der Verweis auf die entge-

gen der Ansicht in der Beschwerde nicht besonders detaillierte Schilderung 

der Kontaktaufnahme durch die Taliban ist nicht geeignet, das Gericht vom 

Gegenteil zu überzeugen (vgl. Akten SEM A16/20 F39). Eine angeblich 

fehlende Würdigung der Vorbringen zu den Umständen der Denunziation 

durch die Vorinstanz ist ebenfalls nicht ersichtlich. 

7.4 Sodann kann im afghanischen Kontext dem Einwand in der Be-

schwerde, es stelle eine völlig normale Reaktion dar, dass eine Bedrohung 

der Polizei gemeldet werde, nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer 

begründete in der freien Erzählung die Notwendigkeit seiner Ausreise denn 

auch gerade mit der erfolgten Anzeigeerstattung: "Ich hatte ja auch eine 

Anzeige gemacht, das heisst, ich habe der Polizei auch Bescheid gesagt. 

Auf der Anzeige gab es Stempel und Unterschrift vom Distriktverwalter und 

Sicherheitskommandanten. Die hätten mich überall gefunden" (vgl. Akten 

SEM A16/20 F39). Er betrachtete die Anzeigeerstattung demnach eindeu-

tig als zusätzlichen Gefährdungsfaktor und wusste gleichzeitig um deren 

geringe Erfolgsaussichten. Entsprechend wenig überzeugend fiel seine 

Antwort zur Frage aus, was er sich von der Anzeige bei der Polizei erhofft 

habe: "Ich dachte vielleicht. Obwohl eine hundertprozentige Hoffnung habe 

ich nicht gehabt, weil ich viel gesehen habe und viel zugesehen habe, viel 

kamen vor meinen Augen ums Leben und keiner hat sich darum geküm-

mert. (…) Hier in der Schweiz habe ich erfahren, dass die Taliban auch ihn 

[unseren Kommandanten] getötet haben" (vgl. Akten SEM A16/20 F74). 

7.5 Weitere Zweifel ergeben sich aufgrund der Widersprüche in der chro-

nologischen Einordnung der Anzeigeerstattung. In der freien Erzählung 

sprach der Beschwerdeführer davon, nach der zweiten telefonischen Dro-

hung und der Tötung von F._______, jedoch vor der Suche zu Hause, die 

Anzeige erstattet zu haben: "Ich habe danach bei uns in dem Dorf bei der 

Dorfverwaltung bei der Kommandantur (Polizei) C._______ eine Anzeige 

gemacht. (…) Ab dem Zeitpunkt habe ich mich nur mit Vorsicht bewegt. 

(…) Danach kamen sie zu uns nach Hause" (vgl. Akten SEM A16/20 F39). 

In der Folge fragte der SEM-Mitarbeiter den Beschwerdeführer – entgegen 

dessen zuvor gemachten Aussage –, wie viel Zeit nach der Suche der Ta-

liban bei ihm zu Hause bis zur Anzeigeerstattung vergangen sei, worauf 

der Beschwerdeführer antwortete: "Erst sind sie nach Hause gekommen 

und dann habe ich eine Anzeige erstattet" (vgl. Akten SEM A16/20 F78). 

Nachdem dem Befrager die Divergenzen in der Chronologie offensichtlich 

D-6787/2018 

Seite 19 

bewusstgeworden waren, bat er den Beschwerdeführer, die Chronologie 

der Ereignisse (Telefonanrufe, Anzeige, Suche zu Hause) nochmals darzu-

legen. Der Beschwerdeführer bestätigte daraufhin wiederum, dass er (erst) 

nach den beiden Telefonanrufen und der Suche zu Hause zur Polizei ge-

gangen sei (vgl. Akten SEM A16/20 F85 f.).  

7.6 Inwiefern die Ausführungen des SEM im Zusammenhang mit der Su-

che durch die Taliban zu Hause nicht vollständig sein sollen, ist nicht er-

sichtlich. Zwar ist der Verfügung nicht zu entnehmen, ob das SEM davon 

ausging, dass die Taliban die Mutter auf Farsi angesprochen hätten. Unab-

hängig davon ist festzuhalten, dass die Taliban von möglichen Paschtu-

Kenntnissen der Mutter hätten ausgehen müssen, zumal – wie der Be-

schwerdeführer selber ausführte – sie in einer sehr gemischten Region ge-

wohnt hätten (vgl. Akten SEM A16/20 F39). Vor diesem Hintergrund kann 

nicht geglaubt werden, dass die Taliban unmittelbar hinter dem Tor laut 

über ihre Absichten gesprochen hätten. Zwar kann dem Beschwerdeführer 

das Verhalten von Drittpersonen nur bedingt entgegengehalten werden 

und sollte eine Verfügung nicht alleinig auf solches abgestellt werden. Die 

unplausiblen Aussagen im Zusammenhang mit den Aussagen zur Suche 

zu Hause reihen sich jedoch vorliegend ein in eine insgesamt konstruiert 

erscheinende Fluchtgeschichte. 

7.7 Was die vom SEM angeführten Ungereimtheiten hinsichtlich der Aus-

reise mit respektive ohne Familie anbelangt (vgl. Aufnahmebericht der Spi-

tal (...) vom (…) 2018), ergibt sich aufgrund der Schreiben der Spital (...) 

vom (…) 2018, (…) und (…) 2019, dass es zu sprachlichen Missverständ-

nissen gekommen sein könnte, was nicht dem Beschwerdeführer anzulas-

ten wäre. Dass hingegen im erwähnten Aufnahmebericht von seiner Ar-

beitstätigkeit und der Entführung des Vaters, jedoch mit keinem Wort von 

der eigenen Verfolgungssituation die Rede ist, ist kaum auf Verständi-

gungsschwierigkeiten zurückzuführen. Dieser Umstand wirft trotz des Hin-

weises im Schreiben vom (…) 2018, eine genauere Anamneseerhebung 

ergebe sich erst im Verlauf der Behandlung, was dazu führe, dass erst 

dann spezifischere Details geklärt würden, zumindest Fragen auf. 

7.8 Hinsichtlich der eingereichten Anzeige bei der Polizei hat die Vo-

rinstanz hinreichend begründet, weshalb es dieses Dokument als nicht ge-

eignet qualifizierte, den vom Beschwerdeführer behaupteten Sachverhalt 

zu belegen. Vor dem Hintergrund der unglaubhaften Aussagen des Be-

schwerdeführers musste sich das SEM mit Verweis auf die Erwägung 4.6 

nicht veranlasst sehen, eine Dokumentenanalyse vorzunehmen. Zudem ist 

D-6787/2018 

Seite 20 

kaum vorstellbar, dass die Polizei das Original der Anzeige herausgegeben 

hätte. Von einem pauschalen Ignorieren und Abschmettern sowie von Will-

kür, Voreingenommenheit und Befangenheit des SEM kann nicht die Rede 

sein. Auch ist mit Verweis auf die zutreffenden Ausführungen der Vo-

rinstanz nicht ersichtlich, inwiefern die eingereichten Fotos geeignet sein 

könnten, eine asylrelevante Verfolgung zu belegen.  

7.9 Der Vater verschwand gemäss den Angaben des Beschwerdeführers 

im Jahre 1998/99 und wurde wahrscheinlich von den Taliban umgebracht 

(vgl. Akten SEM A16/20 F18). Nachdem die Verfolgungsvorbringen des Be-

schwerdeführers als unglaubhaft zu qualifizieren sind, ist nicht ersichtlich, 

weshalb er wegen der über 20 Jahre zurückliegenden Aktivitäten und Ver-

schleppung des Vaters von Verfolgung bedroht sein könnte. 

7.10 Soweit der Beschwerdeführer auf generelle Nachteile und Diskrimi-

nierung von ethnischen Hazara in Afghanistan hinweist, ist festzustellen, 

dass die Zugehörigkeit zu den Hazara für sich allein keinen Asylgrund im 

Sinne von Art. 3 AsylG darstellt (vgl. etwa die Urteile des BVGer  

D-7433/2018 vom 5. Dezember 2019 E. 6.5. und D-1181/2017 vom 8. Ja-

nuar 2019 E. 5.4). Die für die Annahme einer Kollektivverfolgung gestellten 

hohen Anforderungen (vgl. dazu ausführlich BVGE 2013/12 E. 6; 2013/11 

E. 5.3.2) sind im Fall der Hazara in Afghanistan nicht erfüllt. 

7.11 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer 

geltend gemachten Asylgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrele-

vante Verfolgung oder eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu begrün-

den. Eine Verletzung des Willkürverbots oder eine Voreingenommenheit 

der Vorinstanz sind nicht ersichtlich. Demnach hat das SEM zu Recht die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint und das Asylge-

such abgelehnt.  

8.  

Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine aus-

länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-

teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeord-

net (Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

D-6787/2018 

Seite 21 

9.  

Aus diesen Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung Bundes-

recht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie 

vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist demnach 

abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Vorliegend wurde in-

des der Antrag auf unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 

Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 20. Dezember 2018 gutgeheissen. Den 

mit Eingabe vom 2. September 2020 eingereichten Unterlagen zur finanzi-

ellen Situation des Beschwerdeführers ist zu entnehmen, dass er seit dem 

(…) 2015 vom (…) finanziell unterstützt und seit dem (…) 2020 teilunter-

stützt wird. Es ist nicht ersichtlich, dass sich seine finanzielle Lage durch 

die erst am 1. September 2020 angetretene und mit monatlich (…) brutto 

entlöhnte (zusätzliche) Teilzeitarbeitsstelle bis heute grundlegend verbes-

sert hätte. Darüber hinaus befinden sich nun auch die Ehefrau und Kinder, 

für die der Beschwerdeführer grundsätzlich unterhaltspflichtig ist, in der 

Schweiz. Es sind daher nach wie vor keine Verfahrenskosten aufzuerle-

gen. 

11.  

Praxisgemäss ist eine anteilmässige Parteientschädigung zuzusprechen, 

wenn, wie vorliegend, eine Verfahrensverletzung auf Beschwerdeebene 

geheilt wird. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfakto-

ren (Art. 9–13 VGKE) ist die vom SEM auszurichtende Parteientschädi-

gung auf Fr. 150.– festzusetzen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-6787/2018 

Seite 22 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 150.– 

auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

 

Walter Lang Barbara Gysel Nüesch 

 

 

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