# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 09badd1b-5751-528d-af7c-bc25ab47b57b
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-05-27
**Language:** de
**Title:** Zürich Handelsgericht 27.05.2015 HG110135
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_HG_001_HG110135_2015-05-27.pdf

## Full Text

Handelsgericht des Kantons Zürich 
    

 

 

Geschäfts-Nr.: HG110135-O U/dz 

 

 

Mitwirkend: Oberrichter Dr. George Daetwyler, Vizepräsident, und die Oberrich-

terin Dr. Franziska Grob, die Handelsrichter Dr. Felix Graber, 

Thomas Steinebrunner und Christian Zuber sowie der Gerichts-

schreiber Dr. David Egger 

 

Urteil vom 27. Mai 2015 

 

in Sachen 

 

A._____,  

Klägerin 

 

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____,  

gegen 

 

B._____ AG,  

Beklagte 

 

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._____,  

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y2._____,  

 
betreffend Forderung 
 

- 2 - 

Inhaltsverzeichnis 

Sachverhalt und Verfahren ............................................................................................... 4 
A. Sachverhaltsübersicht ............................................................................................... 4 

a. Parteien und ihre Stellung .................................................................................... 4 
b. Prozessgegenstand ............................................................................................... 4 

B. Prozessverlauf ............................................................................................................ 5 
Erwägungen ........................................................................................................................ 7 
1. Formelles ..................................................................................................................... 7 
2. Materielles ................................................................................................................... 7 

2.1. Vorbemerkung .................................................................................................... 7 
2.2. Anwendbares Recht .......................................................................................... 7 
2.3. Vermögensverwaltung und Schadenersatz aus Vertragsverletzung im 

Allgemeinen ........................................................................................................ 8 
2.4. Zustandekommen eines (mündlichen) Vermögensverwaltungs- 

vertrages............................................................................................................10 
2.4.1. Ausgangslage ....................................................................................................10 
2.4.2. Rechtliches.........................................................................................................10 
2.4.3. Parteistandpunkte und Würdigung.................................................................10 
2.5. Inhalt des Vermögensverwaltungsvertrages im Einzelnen .......................11 
2.5.1. Allgemeines .......................................................................................................11 
2.5.2. Rechtliches.........................................................................................................11 
2.5.3. Anfängliche Anlagestrategie und -ziele .........................................................12 
2.5.4. Anpassung der Anlagestrategie bzw. der Anlageziele? .............................16 
2.5.4.1. Allgemeines ....................................................................................................16 
2.5.4.2. Unbestrittener Sachverhalt bezüglich der Anpassung der 
Anlagestrategie bzw. der Anlageziele.......................................................................17 
2.5.4.3. Parteistandpunkte..........................................................................................17 
2.5.4.4. Würdigung.......................................................................................................21 
2.6. Auflösung des Vermögensverwaltungsvertrages .......................................25 
2.6.1. Allgemeines .......................................................................................................25 
2.6.2. Parteibehauptungen .........................................................................................25 
2.6.3. Rechtliches.........................................................................................................27 
2.6.4. Würdigung ..........................................................................................................27 
2.7. Anspruch auf Schadenersatz aus dem Vermögensverwaltungsvertrag .32 
2.7.1. Voraussetzungen im Überblick .......................................................................32 
2.7.2. Schaden .............................................................................................................33 
2.7.2.1. Grundsatz .......................................................................................................33 
2.7.2.2. Parteibehauptungen ......................................................................................33 
2.7.2.3. Rechtliches .....................................................................................................40 
2.7.2.4. Würdigung.......................................................................................................45 
2.7.2.5. Fazit .................................................................................................................53 
2.8. Anspruch auf Herausgabe der Retrozessionen und Finder's Fees aus 

dem Vermögensverwaltungsvertrag .............................................................53 
2.8.1. Allgemeines .......................................................................................................53 
2.8.2. Parteistandpunkte .............................................................................................53 
2.8.3. Rechtliches.........................................................................................................55 
2.8.4. Würdigung ..........................................................................................................57 
2.9. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen...........................................63 

3. Kosten- und Entschädigungsfolgen ......................................................................63 

- 3 - 

Rechtsbegehren gemäss Klage: 
(act. 1 S. 2) 

" 1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von 
EUR 282'632.– zuzüglich 5% Zins seit dem 8. Juni 2011 und den 
Betrag von EUR 69'867.– zuzüglich 5% Zins seit dem 8. Juni 
2011 zu bezahlen. 

 2. Eventualiter sei der nicht ziffernmässig nachweisbare Schaden 
per Urteilszeitpunkt der Klägerin im Sinne von Art. 42 OR nach 
richterlichem Ermessen zu bestimmen und die Beklagte zu ver-
pflichten, der Klägerin diesen zuzüglich 5% Zins seit dem Urteils-
zeitpunkt zu bezahlen. 

 3. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von 
EUR 20'787.90 zuzüglich 5% Zins seit dem 28. Oktober 2008 zu 
bezahlen. 

 4. Es sei die Beklagte unter Androhung der Überweisung ihrer ver-
antwortlichen Organe an den Strafrichter nach Art. 292 StGB zu 
verpflichten, der Klägerin vollständig Rechenschaft abzulegen 
(mit entsprechend dokumentierten Nachweisen und Hinweisen 
zur Aufschlüsselung) über sämtliche Honorare, Provisionen, 
Kickbacks, Retrozessionen, Finder's Fees und andere indirekte 
Vorteile, die die Beklagte im Zusammenhang mit der Verwaltung 
des Vermögens der C._____ (Panama) von Dritten erhalten hat 
oder allenfalls noch von Dritten zu fordern berechtigt ist. Diese 
Rechenschaftsablage hat innert einer vom Gericht anzusetzen-
den Frist an das Gericht zu Handen der Klägerin zu erfolgen. 

 5. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin, zusätzlich zu 
den Forderungen gemäss Ziff. 1 bzw. Ziff. 2 und gemäss Ziff. 3, 
den sich aus der Abrechnung gemäss Ziff. 4 ergebenden Betrag 
respektive einen nach Abschluss des Beweisverfahrens durch die 
Klägerin zu beziffernden Betrag, mindestens jedoch 
EUR 10'000.–, nebst Zins zu 5% seit dem 28. Oktober 2008 zu 
bezahlen. 

 6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklag-
ten." 

 
Geändertes Rechtsbegehren gemäss Replik: 

(act. 34 S. 2) 

" 1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von 
EUR 282'632.– zuzüglich Zins von 5% seit dem 8. Juni 2011 zu 
bezahlen. 

 2. Eventualiter sei der nicht ziffernmässig nachweisbare Schaden 
per Urteilszeitpunkt der Klägerin im Sinne von Art. 42 OR nach 
richterlichem Ermessen zu bestimmen und die Beklagte zu ver-

- 4 - 

pflichten, der Klägerin diesen zuzüglich 5% Zins seit dem Urteils-
zeitpunkt zu bezahlen. 

 3. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von 
EUR 20'787.90 zuzüglich Zins von 5% seit dem 28. Oktober 2008 
zu bezahlen. 

 4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Be-
klagten." 

 

Sachverhalt und Verfahren 

A. Sachverhaltsübersicht 

a. Parteien und ihre Stellung 

Die im Jahre 1953 geborene Klägerin ist deutsche Staatsbürgerin und von Beruf 

Kauffrau. Sie hat einen im Jahre 1987 geborenen Sohn namens D._____ und lebt 

in E._____ (act. 1 Rz. 7 und Rz. 10; vgl. bereits act. 13 S. 4). 

Bei der Beklagten handelt es sich um eine schweizerische Aktiengesellschaft mit 

Sitz in Zürich. Statutarischer Zweck der Gesellschaft ist die Vermögens- und Lie-

genschaftenverwaltung sowie die Beratung in Finanzierungs- und Grund-

stücksangelegenheiten einschliesslich deren Abwicklung und Betreuung (act. 1 

Rz. 8; act. 3/2). 

b. Prozessgegenstand 

Die Klägerin nahm im Herbst 1996 im Hinblick auf die Verwaltung eines Teils ih-

res Vermögens Kontakt mit der Beklagten auf. Ab November 1996 war die Be-

klagte, und daselbst F._____ [vollständiger Name] (F._____ trat gegenüber der 

Klägerin und in den im vorliegenden Verfahren relevanten Dokumenten unter dem 

Namen F._____ auf), mit der Verwaltung der von der Klägerin beim damaligen 

G._____, heute aufgegangen in der G1._____, wiederholt eingebrachten Mittel 

beauftragt. Bis im Juni 2008 verlief die Geschäftsbeziehung soweit ersichtlich 

problemlos, resultierten doch regelmässig Gewinne aus der Vermögensverwal-

tung durch die Beklagte. Im Juni 2008 musste die Beklagte einen Verlust vermel-

den, was zu einer Diskussion über die Anlagestrategie, das weitere Vorgehen und 

schliesslich zur Zerrüttung der Geschäftsbeziehung mit Auflösung des Vermö-

- 5 - 

gensverwaltungsvertrages im Sommer/Herbst 2008 führte. Die Klägerin verlangt 

mit ihrer Klage einerseits Schadenersatz wegen unsorgfältiger Vermögensverwal-

tung und andererseits die Herausgabe der indirekten Vorteile aus dem Vertrags-

verhältnis. Die Beklagte verwahrt sich vollumfänglich gegen die Klage und bean-

tragt deren Abweisung. Sie erhebt zudem hinsichtlich gewisser indirekter Vorteile 

die Einrede der Verjährung. 

B. Prozessverlauf 

Am 17. Juni 2011 reichte die Klägerin die vorliegende Klage mit den obgenannten 

Rechtsbegehren ein (act. 1). Gleichentags wurde ihr Frist zur Leistung eines Ge-

richtskostenvorschusses von CHF 27'000.– angesetzt, welcher fristgerecht geleis-

tet wurde (Prot. S. 2 f., act. 5). Innert laufender Frist zur Erstattung der Klageant-

wort (Prot. S. 4) erhob die Beklagte mit Eingabe vom 16. September 2011 die Ein-

rede der Unzuständigkeit des Handelsgerichts und beantragte, das Verfahren auf 

die Frage der Zuständigkeit des angerufenen Gerichts zu beschränken und die 

Frist zur Einreichung der Klageantwort abzunehmen (act. 7). Mit Verfügung vom 

20. September 2011 wurde diesen Anträgen in Anwendung von Art. 125 lit. a ZPO 

entsprochen und der Klägerin Frist zur Stellungnahme zur Unzuständigkeitseinre-

de angesetzt (Prot. S. 5). Diese wurde am 7. Oktober 2011 erstattet (act. 11). Ein 

Doppel der klägerischen Eingabe wurde der Beklagten am 11. Oktober 2011 zu-

gestellt (Prot. S. 6). Mit Beschluss vom 23. Januar 2012 wies das Handelsgericht 

in Bezug auf die Ansprüche, welche die Verwaltung des Vermögens der Klägerin 

betreffen, die Unzuständigkeitseinrede der Beklagten ab. In Bezug auf die An-

sprüche der Klägerin, welche die Verwaltung des Vermögens der C._____ betref-

fen, wurde dagegen auf die Klage nicht eingetreten, insoweit diese aus dem Man-

dats- und Treuhandvertrag vom 12. Juni bzw. 3. August 2000 abgeleitet werden. 

Im Übrigen wurde die von der Beklagten erhobene Unzuständigkeitseinrede ab-

gewiesen und das Verfahren weitergeführt (act. 13). Gegen diesen Beschluss er-

hob die Beklagte Beschwerde beim Bundesgericht (act. 15, 17 und 18). Mit Urteil 

vom 6. August 2012 hiess das Bundesgericht die Beschwerde gut und hob Dispo-

sitiv-Ziffer 2 des Beschlusses des Handelsgerichts des Kantons Zürich vom 23. 
Januar 2012 auf und fasste diese wie folgt neu: "Auf die klägerischen Rechtsbegehren 4 

und 5, auf das klägerische Rechtsbegehren 1, soweit darin die Verurteilung der Beschwerdeführerin 
zur Zahlung von EUR 69'867.– zuzüglich 5% Zins seit dem 8. Juni 2011 verlangt wird, sowie auf 

- 6 - 

das klägerische Rechtsbegehren 2, soweit darin Ansprüche geltend gemacht werden, die sich auf 

die Verwaltung des Vermögens der C._____ beziehen, wird nicht eingetreten." (act. 19 und 20). 

Soweit die klägerischen Rechtsbegehren auf Grund der Entscheide des Handels-

gerichts vom 23. Januar 2012 und des Bundesgerichts vom 6. August 2012 noch 

zu beurteilen sind, wurde das Verfahren in der Folge weitergeführt und der Be-

klagten die Frist für die Klageantwort neu angesetzt (act. 21). Die Klageantwort 

datiert vom 13. Dezember 2012 (act. 23). Am 26. Juli 2013 fand am hiesigen Ge-

richt eine Vergleichsverhandlung statt (Prot. S. 11 f.). Der anlässlich dieser Ver-

gleichsverhandlung zwischen den Parteien unter Widerrufsvorbehalt geschlosse-

ne Vergleich (act. 28) wurde jedoch von der Klägerin mit Schreiben vom 

15. August 2013 widerrufen (act. 29). Das Verfahren wurde in der Folge weiter 

geführt (act. 30). Mit Schreiben vom 18. Oktober 2013 zeigte Rechtsanwalt 

Dr. X._____ dem hiesigen Handelsgericht an, dass er neu mit der Vertretung der 

Interessen der Klägerin in der vorliegenden Angelegenheit beauftragt worden sei 

(act. 33/1; vgl. auch Prot. S. 15). Die Replik datiert vom 16. Dezember 2013 

(act. 34), die Duplik vom 17. März 2014 (act. 39). Letztere wurde der Klägerin mit 

Verfügung vom 19. März 2014 zugestellt (act. 41). 

Mit Verfügung vom 13. März 2015 wurde den Parteien Frist angesetzt, um zu er-

klären, ob sie – unter Vorbehalt der Durchführung eines Beweisverfahrens – auf 

die Durchführung der mündlichen Hauptverhandlung verzichteten (act. 43). Mit 

Eingabe vom 26. März 2015 (act. 45) verzichtete die Beklagte auf die Durchfüh-

rung einer mündlichen Hauptverhandlung; die Klägerin liess sich nicht verneh-

men. Der Prozess erweist sich als spruchreif, weshalb das Urteil zu fällen ist 

(Art. 236 Abs. 1 ZPO). 

Auf die Vorbringen der Parteien sowie auf die Akten wird – soweit für die Ent-

scheidfindung notwendig – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen einge-

gangen. 

- 7 - 

Erwägungen 

1. Formelles 

Die Zuständigkeit des Handelsgerichts des Kantons Zürich war bereits Thema 

des handelsgerichtlichen Beschlusses vom 23. Januar 2012 (act. 13), der von der 

Beklagten mit Beschwerde vom 28. Februar 2012 an das Bundesgericht weiter-

gezogen wurde (act. 17). Gemäss Urteil des Bundesgerichts vom 6. August 2012 

(sowie Beschluss des Handelsgerichts vom 23. Januar 2012) beschränkt sich die 

Zuständigkeit des hiesigen Gerichts auf die klägerischen Rechtsbegehren Ziffer 1, 

2 und 3, soweit diese Ansprüche betreffen, welche die Verwaltung des Vermö-

gens der Klägerin und nicht die Verwaltung des Vermögens der Stiftung C._____ 

betreffen (act. 19 und act. 20). Die Klägerin hat ihre Rechtsbegehren in der Folge 

in ihrer Replik entsprechend diesen Entscheiden angepasst (act. 34 S. 2). 

2. Materielles 

2.1. Vorbemerkung 

Die Klägerin fordert mit ihrer Klage vom 17. Juni 2011 von der Beklagten einer-

seits Schadenersatz wegen unsorgfältiger Vermögensverwaltung und anderer-

seits die Herausgabe der indirekten Vorteile aus dem Vertragsverhältnis. Der 

Hauptstreitpunkt zwischen den Parteien dreht sich insbesondere um die Frage 

der vereinbarten Anlagestrategie und -ziele sowie um die Frage, ob diese Anlage-

strategie und -ziele allenfalls im Laufe der langjährigen Vertragsbeziehung der 

Parteien angepasst wurden. 

2.2. Anwendbares Recht 

Da die Klägerin ihren Wohnsitz in Deutschland und die Beklagte ihren Sitz in der 

Schweiz hat, liegt ein internationaler Sachverhalt vor. Die Parteien halten über-

einstimmend und zutreffend fest, dass aufgrund der objektiven Anknüpfung am 

Sitz- bzw. Wohnsitzstaat der die charakteristische Leistung erbringenden Partei 

(Art. 117 IPRG) auf das geschilderte vertragliche Verhältnis schweizerisches 

Recht Anwendung findet (act. 1 Rz. 90, act. 23 Rz. 117). 

- 8 - 

Nachfolgend ist in einem ersten Punkt auf die Schadenersatzforderung der Kläge-

rin wegen unsorgfältiger Vermögensverwaltung einzugehen. In einem zweiten 

Punkt ist der Anspruch auf Herausgabe der indirekten Vorteile aus dem Vermö-

gensvertragsverhältnis abzuhandeln. 

2.3. Vermögensverwaltung und Schadenersatz aus Vertragsverletzung im 
Allgemeinen 

Vermögensverwaltung bedeutet die Betreuung von Anlagen durch einen mit die-

ser Aufgabe betrauten Verwalter (häufig Banken, aber auch andere so genannte 

"unabhängige" bzw. " externe" Vermögensverwalter). Die zu diesem Zweck abge-

schlossene Vereinbarung bzw. die entsprechenden Standardverträge werden et-

wa als Verwaltungsauftrag, Vermögensverwaltungsvereinbarung, Anlagevoll-

macht o.ä. bezeichnet (GROSS, Fehlerhafte Vermögensverwaltung – Klage des 

Anlegers auf Schadenersatz, AJP 2006 S. 161 ff., S. 162). Die Vermögensverwal-

tung wird in der Lehre definiert als eigenständiges Tätigwerden für und im Inte-

resse des Anlegers mit Bezug auf die zur Verwaltung anvertraute Vermögens-

masse, wobei dem Vermögensverwalter die Verfügungsmacht über Vermögens-

werte eingeräumt wird (SCHALLER, Handbuch des Vermögensrechts, Zü-

rich/Basel/Genf 2013, N 85; GUTZWILLER, Rechtsfragen der Vermögensverwal-

tung, Zürich/Basel/Genf 2008, S. 23 ff.). Erteilt ein Kunde dem Vermögensverwal-

ter einen Verwaltungsauftrag, so überlässt er es grundsätzlich dem Vermögens-

verwalter, die ihm innerhalb des Rahmens der Sorgfalts- und Treuepflichten und 

der Weisungen des Kunden als geeignet erscheinenden Anlageentscheide zu 

treffen und diese auszuführen, wobei eine "Einwilligung" des Kunden zu den ein-

zelnen Dispositionen nicht erforderlich ist (GUTZWILLER, a.a.O., S. 27). Dies etwa 

im Unterschied zum Anlagevertrag, bei welchem nicht der beauftragte Anlagebe-

rater, sondern der Kunde (der Anleger) letztlich selbst den Investitionsentscheid 

fällt (SCHALLER, a.a.O., N 85). Gegenüber der Depotbank erhält der Vermögens-

verwalter in der Regel eine (beschränkte) Verwaltungsvollmacht, damit er die 

notwendigen Dispositionen veranlassen und benötigte Informationen erhalten 

kann (vgl. GUTZWILLER, a.a.O., S. 12 f.). 

Der Vermögensverwaltungsvertrag untersteht dabei nach einhelliger Lehre und 

Rechtsprechung grundsätzlich dem Recht des einfachen Auftrages (BGE 124 III 

- 9 - 

155 E. 2b, S. 161). Durch die Annahme eines Auftrages verpflichtet sich der Be-

auftragte, die ihm übertragenen Geschäfte oder Dienste vertragsgemäss zu be-

sorgen (Art. 394 Abs. 1 OR). Er haftet dem Auftraggeber für getreue und sorgfäl-

tige Ausführung des ihm übertragenen Geschäftes (Art. 398 Abs. 2 OR). Der Be-

auftragte hat grundsätzlich nicht für den Erfolg seiner Tätigkeit einzustehen. Haf-

tungsbegründend ist vielmehr eine unsorgfältige oder treuwidrige und den Auf-

traggeber schädigende Ausführung des Auftrages. Das Mass der Sorgfalt be-

stimmt sich nach objektiven Kriterien. Erforderlich ist die Sorgfalt, die ein gewis-

senhafter Beauftragter in der gleichen Lage bei der Besorgung der ihm übertra-

genen Geschäfte anzuwenden pflegt. Höhere Anforderungen sind an den Beauf-

tragten zu stellen, der seine Tätigkeit berufsmässig, gegen Entgelt ausübt. Dabei 

ist nach der Art des Auftrages zu differenzieren und auch den besonderen Um-

ständen des Einzelfalles Rechnung zu tragen. Bestehen für eine Berufsart oder 

ein bestimmtes Gewerbe allgemein befolgte Verhaltensregeln und Usanzen, kön-

nen sie bei der Bestimmung des Sorgfaltsmasses herangezogen werden (BGE 

115 II 62, E. 3.a, S. 64; Urteil des Bundesgerichts 4A_140/2011 vom 27. Juni 

2011, E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 4C.158/2006 vom 10. November 2006, 

E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 4C.18/2004 vom 3. Dezember 2004, E. 1.1). 

Wer Schadenersatzforderungen infolge Verletzung der Pflichten aus einem Auf-

tragsverhältnis geltend macht, hat vorab den Bestand des Auftragsverhältnisses 

nachzuweisen. Anspruchsgrundlagen der Haftung bilden sodann eine Vertrags-

verletzung, das Vorliegen eines Schadens, ein adäquater Kausalzusammenhang 

zwischen der Vertragsverletzung und dem Schaden sowie ein Verschulden. Der 

Auftraggeber muss grundsätzlich die Vertragsverletzung, den Schaden und den 

Kausalzusammenhang beweisen; dem Beauftragten steht der Exkulpationsbe-

weis offen (Art. 97 Abs. 1 OR). Allgemein gilt es bei Einzelproblemen, den aus 

Art. 8 ZGB fliessenden Grundsatz zu beachten, wonach derjenige das Vorhan-

densein einer behaupteten Tatsache zu beweisen hat, welcher daraus Rechte ab-

leitet (ZR 106 [2007] Nr. 1 S. 1 ff., S. 1). 

Es ist demnach – soweit erforderlich – im Folgenden zu prüfen, ob zwischen den 

Parteien ein Vermögensverwaltungsvertrag zustande gekommen ist, welchen In-

halt dieser Vermögensverwaltungsauftrag hat, ob die Beklagte ihre aus dem Ver-

mögensverwaltungsvertrag fliessenden Sorgfaltspflichten verletzt hat, ob der Klä-

- 10 - 

gerin daraus ein Schaden entstanden ist und ob ein adäquater Kausalzusam-

menhang sowie ein Verschulden der Beklagten gegeben sind. 

2.4. Zustandekommen eines (mündlichen) Vermögensverwaltungsvertra-
ges 

2.4.1. Ausgangslage 

Die Klägerin stützt ihre beiden Ansprüche auf Schadenersatz und auf Herausgabe 

der indirekten Vorteile auf einen mündlichen Vermögensverwaltungsvertrag mit 

der Beklagten. Die Ansprüche der Klägerin auf Schadenersatz und auf Herausga-

be der indirekten Vorteile setzen das Bestehen eines (Vermögensverwaltungs-) 

Vertrags zwischen den Parteien voraus. 

2.4.2. Rechtliches 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung untersteht die Vermögensverwal-

tung – wie oben bereits erwähnt wurde – den auftragsrechtlichen Regeln. Der 

Vermögensverwaltungsvertrag kommt somit durch gegenseitige übereinstimmen-

de Willenserklärungen zustande (SCHALLER, a.a.O., N 158). Mit dem Vermögens-

verwaltungsvertrag räumt der Kunde dem Vermögensverwalter Verfügungsmacht 

über ein Vermögen ein, die dieser im Interesse des Kunden auszuüben hat. Der 

Kunde ist dabei berechtigt, aber nicht verpflichtet, Weisungen zu erteilen, um sei-

ne Interessen zu konkretisieren. Neben der Einräumung der Verfügungsmacht 

und der Bezeichnung der Parteien gehört zum notwendigen Inhalt eines Vermö-

gensverwaltungsvertrages eine genaue Umschreibung des zu verwaltenden Ver-

mögens, welche sich im Allgemeinen aus der Bezeichnung des Depots ergibt, in 

dem die Vermögenswerte liegen (GUTZWILLER, a.a.O., S. 78; abweichend SCHAL-

LER, a.a.O., N 158, welcher zu den objektiv wesentlichen Vertragspunkten auch 

die Anlagestrategie zählen will). 

2.4.3. Parteistandpunkte und Würdigung 

Es ist zwischen den Parteien unstreitig, dass die Klägerin zu einem nicht exakt 

bestimmbaren Zeitpunkt im Herbst 1996 die Beklagte mündlich mit der Verwal-

tung eines Teils ihres Vermögens beauftragt hatte (act. 1 Rz. 19; act. 23 Rz. 27 ff. 

und 119; act. 34 Rz. 5; act. 39 S. 30). In der Folge unterzeichnete die Klägerin zur 

- 11 - 

Abwicklung der Vermögensverwaltung am 14. November 1996 die Konto- und 

Depoteröffnungsunterlagen des G._____ (heute und nachfolgend G1._____) so-

wie ein allgemeines Vollmachtsformular für F._____ (act. 1 Rz. 20; act. 23 Rz. 29; 

act. 3/3). Ein schriftlicher Vermögensverwaltungsvertrag existiert nicht. 

Auch die Qualifikation dieses Vertragsverhältnisses als Vermögensverwaltungs-

vertrag ist zwischen den Parteien unstrittig, sollte doch ein Teil des Vermögens 

der Klägerin der Beklagten zur Verwaltung anvertraut werden (act. 1 Rz. 91; 

act. 23 Rz. 119). 

Zum Zweck der Vermögensverwaltung überwies die Klägerin zunächst am 

15. November 1996 DM 1'000'000.– und am 28. Januar 1997 DM 500'000.– zur 

Verwaltung durch die Beklagte auf das auf ihren Namen lautende Konto bei der 

G1._____ (act. 1 Rz. 19-21; act. 7 Rz. 15). 

2.5. Inhalt des Vermögensverwaltungsvertrages im Einzelnen 

2.5.1. Allgemeines 

Die Parteien sind uneins darüber, welche Anlagestrategie bzw. -ziele zwischen 

den Parteien vereinbart wurden und ob diese Strategie bzw. Ziele im Laufe des 

Vermögensverwaltungsverhältnisses angepasst wurde. Die Parteien nehmen in 

diesem Zusammenhang teilweise diametral entgegengesetzte Positionen ein. Die 

Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, die Parteien hätten eine konservative An-

lagestrategie vereinbart; die Klägerin habe in der Folge nie eine risikoreichere An-

lagestrategie gewünscht oder eine solche genehmigt (act. 1 Rz. 19 ff.; act. 34 

Rz. 5 ff.). Die Beklagte geht dagegen davon aus, dass die Klägerin zwar zu Be-

ginn mit einer eher konservativen Anlagestrategie habe einsteigen wollen, Ziel sei 

jedoch eine möglichst hohe Performance und keinesfalls eine konservative Anla-

ge gewesen (act. 23 Rz. 27; act. 29 Rz. 25 ff.). 

2.5.2. Rechtliches 

Nach der allgemeinen Beweislastregel von Art. 8 ZGB hat die Klägerin zu bewei-

sen, dass sie mit der Beklagten die von ihr behauptete Anlagestrategie bzw. die 

von ihr behaupteten Anlageziele vereinbart hat. Demgegenüber hat die Beklagte 

- 12 - 

die späteren Anpassungen einer (beweismässig erstellten) ursprünglich verein-

barten Anlagestrategie zu beweisen. 

2.5.3. Anfängliche Anlagestrategie und -ziele 

2.5.3.1. Die Parteien sind sich darin einig, dass das Vermögensverwaltungs-

verhältnis im Herbst 1996 "mit einer vorsichtigen, eher konservativen Anlagestra-

tegie" seinen Anfang nahm (act. 1 Rz. 14 ff. und 19 ff.; act. 23 Rz. 27 und 33; 

act. 34 Rz. 6; act. 39 Rz. 57 ["Der Hinweis auf den Übersichten rührt daher, dass die Beklagte 

grundsätzlich nur konservativ investierte (…). Dies war auch bei der Klägerin am Anfang der Fall."], 

act. 39 Rz. 129 [in Rz. 129 spricht die Beklagte plötzlich von einer "rentablen An-

lagestrategie", wobei die Rendite von 5% mit einer "konservativen Anlagestrate-

gie" noch zu erzielen gewesen sei]; Hervorhebung durch das Gericht). 

Dieser Beginn mit einer "vorsichtigen, eher konservativen Anlagestrategie" wider-

spiegelt sich auch – und darin sind sich die Parteien einig – im Vermögens-

ausweis der G1._____ per 31. Dezember 1998 (act. 3/4). Unabhängig davon, ob 

nun das Portfolio der Klägerin zu 0.9% aus Aktien – wie dies die Klägerin behaup-

tet (act. 1 Rz. 21) – oder zu 12.5% aus Aktien – wie dies die Beklagte behauptet 

(act. 23 Rz. 33) – bestand, ist eine Anlagestrategie, bei der fast das ganze Ver-

mögen in Obligationen angelegt ist, als konservativ zu bezeichnen (vgl. etwa 

SCHALLER, Der Einsatz strukturierter Produkte in der Vermögensverwaltung, recht 

2012, S. 102 ff.). Dieser Ansicht ist auch die Klägerin, welche in einer unbestritte-

nen Behauptung eine Anlagestrategie, in der mindestens 60% des Vermögens in 

Obligationen, Obligationenfonds und Liquidität investiert werden und die Investiti-

onen in Aktien und andere Anlagen nicht über 40% des Vermögens betragen, ge-

rade noch als konservativ bezeichnet (act. 1 Rz. 44; act. 23 S. 25). Weiter ins Bild 

passen die Vermögensübersicht der Beklagten per 20. August 1999 (act. 3/53 

S. 36), welche die festverzinslichen und ähnlichen Anlagen mit 91.12% und den 

Anlagestrategiefonds G1._____ mit 6.48% ausweist. 

Schliesslich wird die konservative Anlagestrategie auch in den von der Beklagten 

regelmässig erstellten Vermögensübersichten klar zum Ausdruck gebracht (erst-

mals per 3. August 2000, vgl. act. 3/53 S. 33, weiter S. 31, 29, 28, 27, 26, 25, 24, 

20, 22, 18, 17, 16): Einerseits verdeutlichte die auf diesen Vermögensübersichten 

jeweils aufgeführte Pyramide diese konservative Anlagestrategie, sollten doch 

- 13 - 

maximal 10% spekulativ, maximal 40% in Aktien und Fonds (bzw. maximal 30%, 

wenn das Spekulationspotential ausgeschöpft worden war) und 60% bis 100% in 

"Obligationen/Fonds/Liq." angelegt werden (act. 3/53 S. 33); andererseits wurde 

die Anlagepolitik auf diesen Vermögensausweisen der Beklagten auch stets un-

übersehbar als "konservativ" bezeichnet. 

Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass zwischen den Parteien unstreitig 

ist, dass ihr Vermögensverwaltungsverhältnis im Herbst 1996 "mit einer vorsichti-

gen, eher konservativen Anlagestrategie" seinen Anfang nahm, und dass das 

Vermögen der Klägerin anfänglich auch tatsächlich gemäss dieser vereinbarten 

Anlagestrategie verwaltet wurde. 

2.5.3.2. Ebenso unbestritten ist (aufgrund des Zugeständnisses der Klägerin) 

aber auch, dass sie mit ihrer Anlage zumindest das Anlageziel verfolgte, eine 

"vernünftige Rendite" zu generieren, um mit der Rendite einen "regelmässigen 

Beitrag an die allgemeinen Lebenskosten der Familie" leisten zu können (act. 1 

Rz. 17; act. 23 Rz. 27). Die Beklagte anerkennt zwar, dass die Klägerin Geld 

"zum Leben" verdienen wollte, geht aber davon aus, dass sie von der Klägerin 

angewiesen worden sei, mit dem angelegten Vermögen "so viel Gewinn wie mög-

lich" zu erzielen, eine möglichst hohe Performance zur Erwirtschaftung eines Bei-

trags an die Lebenshaltungskosten der Familie sei gewünscht gewesen; trotzdem 

habe aber die Beklagte zu Beginn vorsichtig und eher konservativ einsteigen sol-

len (act. 23 Rz. 27). 

Die Vermögensverwaltung zielt generell darauf ab, den Wert der zu verwaltenden 

Vermögensgegenstände möglichst zu erhöhen und Verluste möglichst zu vermei-

den. Dieser Umstand wird von SCHMID als "begriffsnotwendiges" Element der 

Vermögensverwaltung bezeichnet (SCHMID, Rechtliche Grundlagen der Vermö-

gensverwaltung, Diss. Bern 2013, Rz. 3.112 ff., m.w.H.). Unstrittig und selbstver-

ständlich ist, dass die Klägerin auch im vorliegend interessierenden Vermögens-

verhältnis – innerhalb der gewählten Anlagestrategie – "Geld verdienen", eine 

"vernünftige Rendite" generieren wollte. Ansonsten hätte sie wohl kaum einen Teil 

ihres Geldes bei einem hiesigen Vermögensverwalter angelegt. Sollte die Beklag-

te die Erzielung von "so viel Gewinn wie möglich" in ihrer Klageantwort anders 

verstehen (act. 23 Rz. 27), wäre diese Behauptung einerseits unsubstantiiert, legt 

- 14 - 

doch die Beklagte nicht näher dar, inwiefern die Parteien ein mit der anfänglich 

unstreitig konservativen Anlagestrategie nicht vereinbares Anlageziel vereinbart 

hätten; andererseits stünde die beklagtische Behauptung auch im offensichtlichen 

Widerspruch zu ihren eigenen jährlichen Vermögensverwaltungsübersichten, wel-

che stets mit "konservativ" überschrieben waren und welche mit den darin aufge-

führten Pyramiden (vgl. vorstehend) auch keine spekulative Zusammensetzung 

des Portfolios der Klägerin suggerierten (vgl. die Vermögenübersichten in 

act. 3/53). 

Es ist mit der Klägerin davon auszugehen, dass die Parteien im Rahmen ihrer 

konservativen Anlagestrategie als Anlageziel eine Rendite von 5% anpeilten 

(act. 1 Rz. 18, 29; act. 23 Rz. 27). Die Beklagte geht zwar von noch höheren 

Renditezielen der Klägerin aus; wie hoch diese angeblich gewesen sein sollen 

und inwiefern diese mit einer konservativen Anlagestrategie zu erreichen gewe-

sen sein sollen, führt die Beklagte jedoch nicht näher aus (act. 23 Rz. 27). Ferner 

widerspricht sich die Beklagte in der gleichen Rechtsschrift sogleich auch selbst, 
indem sie ausführt, dass der "Klägerin […] eine Rendite von 5% aber schon sehr bald zu we-

nig" gewesen sei (act. 23 Rz. 97). Auch die Beklagte geht somit in ihrer Klageant-

wortschrift explizit davon aus, dass die anfänglichen Renditevorstellungen bei 5% 

lagen; denn ansonsten hätte die Rendite von 5% der Klägerin nicht schon bald zu 

wenig sein können. In die gleiche Richtung zielt die Behauptung der Beklagten in 

ihrer Duplik, dass zu Beginn der Vertragsbeziehung zwischen den Parteien eine 

Rendite von 5% aufgrund des damals hohen Zinsniveaus noch mit verhältnismäs-

sig wenig Risiko zu erzielen gewesen sei (act. 39 Rz. 60). Auch in dieser Erwä-

gung geht die Beklagte offensichtlich davon aus, dass zu Beginn der Vertragsbe-

ziehungen zwischen den Parteien eine Rendite von 5% vereinbart worden war. 

Auch diese Renditevorstellungen von 5% finden – wie die konservative Anlage-

strategie – in den von der Klägerin eingereichten Urkunden eine Stütze, wies 

doch etwa der Vermögensausweis der Klägerin per 31. Dezember 1999 eine 

Durchschnittsrendite von etwas über 5% auf (act. 3/5 S. 2). In den darauf folgen-

den Jahren war die durch die Beklagte mit dem Vermögen der Klägerin erzielte 

jährliche "Netto-Performance" starken Schwankungen ausgesetzt (vgl. act. 3/19 

S. 3; auch act. 23 Rz. 61), wobei der Klägerin darin zu folgen ist, dass die durch-

schnittliche Performance in den Jahren 2000-2007 rund 6% betrug (act. 1 Rz. 54). 

- 15 - 

Das Renditeziel von 5% wird von der Beklagten auch noch einmal in einer Hono-

rarrechnung vom 23. Oktober 2006 erwähnt, in der die Beklagte bestätigt, dass 

bei der Anlagestrategie, welche die Parteien gemeinsam besprochen hätten, von 

einer jährlichen Nettoverzinsung von 5% ausgegangen werde (act. 3/34; act. 1 

Rz. 57). Die Bedeutung, welche die Beklagte diesem Schreiben beimessen will –

in dieser Honorarrechnung sei festgehalten worden, dass bei einer Strategieände-

rung, würde die Klägerin dieser zustimmen, noch in etwa eine Rendite von ca. 5% 

erzielt werden könne (act. 23 Rz. 104) – lässt sich nicht aus diesem Schreiben 

ableiten. 

2.5.3.3. Vor dem Hintergrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung und der 

darin wiedergegebenen Lehrmeinungen – dazu sogleich – kann es zwar erstau-

nen, dass es der Beklagten gelungen ist, mit einer konservativen Anlagestrategie 

eine Rendite von 5% zu erzielen (vgl. act. 39 Rz. 129). Tatsächlich ist es der Be-

klagten – zumindest anfänglich – aber gelungen, mit einer konservativen Anlage-

strategie eine Rendite von rund 5% zu erzielen. 

Die Erzielung einer Rendite von 5% muss deshalb etwas erstaunen, weil sich das 

Bundesgericht im Jahre 1999 eingehend mit Renditen aus Anlagen befasste 

(BGE 125 III 316) und es zu den Erträgen verschiedener Kapitalanlagen unter-

schiedliche Zahlen nannte: Bei konservativer Anlagestrategie (10% Geldmarkt, 

80% Obligationen, 10% Aktien) 1,65%, bei mittlerer Anlagestrategie (10% Geld-

markt, 60% Obligationen, 30% Aktien) 2,55% und bei aggressiver Anlagestrategie 

(10% Geldmarkt, 40% Obligationen, 50% Aktien) 3,45%. Das Bundesamt für Pri-

vatversicherungswesen ging für einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren davon aus, 

dass ein gemischtes Portefeuille (10% Geldmarkt, 45% in- und ausländische Ob-

ligationen, 45% in- und ausländische Aktien) im Durchschnitt jährlich mit nominal 

7-8% rentiert, was teuerungs- und kostenbereinigt einem Realertrag von wohl 

über 4% entsprechen würde. Nach den Angaben des Schweizerischen Versiche-

rungsverbands lagen die durchschnittlichen realen Nettorenditen je nach Durch-

mischung des Portefeuilles zwischen 2,2 und 4,9%. 

Ein ähnliches Bild zeichnet auch die 1997 veröffentlichte Studie von AUCKENTHA-

LER/ZIMMERMANN: Nach deren auf den Zahlen aus den Jahren 1970 bis 1997 be-

ruhenden Berechnungen beträgt die reale Netto-Rendite eines gemischten Porte-

- 16 - 

feuilles je nach eingegangenem Risiko zwischen 2,12% und 4,07% (BGE 125 III 

316 unter Hinweis auf AJP 1997, S. 1139). 

Je nachdem, welchen Renditezahlen man im besagten Zeitraum also folgt, kön-

nen die von den Parteien vereinbarte Strategie und die vereinbarten Anlageziele 

als mehr oder weniger realistisch qualifiziert werden. So oder anders gilt es aber 

zu konstatieren, dass die Beklagte zumindest in der Anfangsphase tatsächlich 

das Renditeziel von 5% mit einer konservativen Anlagestrategie zu erreichen 

vermochte. 

2.5.3.4. Es ist somit zusammenfassend mit der Klägerin festzuhalten (act. 34 

Rz. 6), dass die Parteien ihr Vermögensverwaltungsverhältnis mit einer konserva-

tiven Anlagestrategie in Angriff nahmen; als Anlageziel wurde eine Rendite von 

5% angepeilt. Die teilweise anderweitigen Behauptungen der Beklagten (vgl. etwa 

act. 23 Rz. 64, 88) stehen nicht nur in klarem Widerspruch zu den Zugeständnis-

sen der Beklagten, die Parteien seien mit einer konservativen bzw. vorsichtigen 

Anlagestrategie gestartet, sondern auch zu den von der Beklagten verfassten 
Vermögensübersichten, die mit der Anlage-Politik "Konservativ" überschrieben 

waren (vgl. die Sammelbeilage in act. 3/53). Auch tatsächlich verfolgte die Be-

klagte anfänglich eine konservative Anlagestrategie (vgl. die Sammelbeilage in 

act. 3/53). 

2.5.4. Anpassung der Anlagestrategie bzw. der Anlageziele? 

2.5.4.1. Allgemeines 

Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, dass die Anlagestrategie ab dem Jah-

re 2000 zwar habe angepasst werden müssen, um ihre Anlageziele erreichen zu 

können (act. 1 Rz. 40 ff.); spätestens per 30. Oktober 2006 sei die Anlagestrate-

gie jedoch gewissermassen eigenmächtig durch F._____ namens der Beklagten 

angepasst worden (act. 1 Rz. 58 ff.). Die Beklagte stellt sich dagegen auf den 

Standpunkt, die Anpassungen der Anlagestrategie seien stets auf Anweisung der 

Klägerin geschehen (act. 23 Rz. 104 f.); dieser sei eine Rendite von 5% schon 

sehr bald zu wenig gewesen (act. 23 Rz. 97). 

- 17 - 

2.5.4.2. Unbestrittener Sachverhalt bezüglich der Anpassung der Anlagestrategie 

bzw. der Anlageziele 

Die Klägerin selbst räumt ein, dass die Anlagestrategie zwischen den Jahren 

1999 und 2005 von den Parteien insofern angepasst worden sei, als dass sich die 

Zusammensetzung des Portfolios der Klägerin verändert habe (act. 1 Rz. 28 ff.): 

Per 31. Dezember 1999 setzte sich das von der Beklagten verwaltete Bruttover-

mögen der Klägerin von DM 1'347'816.– zu 0.58% aus Cash, zu 25.70% aus De-

visengeschäften, zu 2.46% aus Marchzinsen, zu 66.51% aus festverzinslichen 

und ähnlichen Anlagen und zu 4.75% aus einem Anlagestrategiefonds H1._____ 

der G1._____ (der seinerzeit zu rund 25% in Aktien und zu 75% in Obligationen 

investiert war) zusammen (act. 1 Rz. 30; act. 3/5). Die Parteien sind sich auch im 

Grundsatz darüber einig, dass die vereinbarte Anlagestrategie und die vereinbarte 

Vermögensaufteilung ("Asset Allocation") beim Portfolio der Klägerin zwischen 

Anfang 2000 und Ende 2005 eingehalten wurde. Beim Portfolio der Klägerin be-

wegte sich in diesem Zeitraum der Anteil von Obligationen und ähnlichen Anlagen 

von ca. 95% hinunter auf ca. 67% und der Anteil von Aktien und ähnlichen Anla-

gen von ca. 5% hinauf auf ca. 33% (act. 1 Rz. 48; act. 23 Rz. 99). 

Erst die (einvernehmliche) Anpassung der Anlagestrategie im Jahre 2006 ist zwi-

schen den Parteien umstritten (act. 1 Rz. 58 ff.). 

2.5.4.3. Parteistandpunkte 

a. Strittig bleibt daher zwischen den Parteien, ob die Erhöhung des Aktienan-

teils im Laufe des Jahres 2006 einvernehmlich, auf Anweisung der Klägerin, oder 

gewissermassen eigenmächtig durch die Beklagte erfolgte. Wie gezeigt obliegt 

der Beklagten die Behauptungs- und Beweislast für die kontinuierliche Anpassung 

der Anlagestrategie bzw. der Anlageziele im Einzelnen. Sie stellt sich auf den 

Standpunkt, anlässlich der gemeinsamen Besprechungen der bisherigen Anlage-

strategie und der zugehörigen Vermögensübersicht sei die Anlagestrategie fort-

laufend an die Forderungen der Klägerin angepasst worden, und verweist auf die 

einzelnen Vermögensübersichten im Zeitraum vom 7. November 1997 bis 

10. Juni 2008 (act. 23 Rz. 71-72). 

- 18 - 

b. Die Beklagte führt aus, dass ab dem strittigen Zeitraum im Jahr 2006 die An-

lagestrategie kontinuierlich angepasst worden sei. Diese Anpassung sei jedoch 

nicht eigenmächtig durch F._____ namens der Beklagten geschehen, sondern 

habe den Wünschen und Anweisungen der Klägerin entsprochen (act. 23 

Rz. 60 f., 105 ff.). Im Einzelnen sei dies so abgelaufen, dass die Klägerin F._____ 

ein bis zwei Mal im Jahr besucht habe. Anlässlich dieser Besprechungen sei die 

Klägerin unter anderem über die aktuellen und prozentmässigen Investitionen in 

die verschiedenen Anlagekategorien informiert worden. Die Anlagestrategie und 

die erzielten Gewinne und Verluste seien besprochen worden. Der Klägerin seien 

sämtliche Vermögensübersichten und Anlagen offengelegt worden. F._____ habe 

der Klägerin anlässlich ihrer Treffen die nach den Wünschen der Klägerin gewähl-

te Anlagestrategie und die Diversifikation in aktien- und obligationenähnliche Pa-

piere erklärt. F._____ habe die Klägerin über Existenz, Art und Höhe der Risiken 

informiert. Auf allen Übersichten sei deutlich zu erkennen gewesen, wie sich das 

Vermögen entwickelt habe und wie das Vermögen investiert worden sei. Die Klä-

gerin habe durch ihre Unterschrift die Anlagestrategie und ihr Einverständnis da-

mit bestätigt. Vor August 2000 habe die Klägerin ihr Einverständnis zur Anlagepo-

litik und die Kenntnisnahme und Genehmigung von Vermögensstand und Ent-

wicklung mittels Unterschrift direkt auf dem Vermögensausweis der G1._____ er-

klärt. Seit August 2000 habe die Beklagte die Vermögensentwicklung und die An-

lagestrategie in Vermögensübersichten dokumentiert. Das Besprechungsdatum 

sei festgehalten worden. Die Klägerin habe durch ihre Unterschrift bestätigt, mit 

der besprochenen und dokumentierten Anlagestrategie einverstanden zu sein. 

Die Beklagte habe die Klägerin fortlaufend über die Risiken der verschiedenen 

Anlagemöglichkeiten informiert. Die Beklagte habe vorerst zurückhaltend inves-

tiert. Die Klägerin aber habe bei der Vermögensanlage durch die Beklagte einen 

möglichst hohen Gewinn erzielen wollen. Der Klägerin sei der erzielte Gewinn 

schon bald zu wenig gewesen. Die Klägerin sei immer fordernder geworden. Sie 

habe F._____ erklärt, mehr Geld zu brauchen. Die Beklagte habe der Klägerin er-

klärt, dass bei einer aggressiveren Strategie ein hohes Risiko bestehe. Anlässlich 

der gemeinsamen Besprechungen sei die Anlagestrategie daher fortlaufend an 

die Forderungen der Klägerin angepasst worden. Die Klägerin habe die Bespre-

chungen und die Anlagestrategie an folgenden Daten schriftlich bestätigt: am 

7. November 1997, 20. August 1999, 3. August 2000, 17. November 2000, 

- 19 - 

4. September 2001, 10. Dezember 2001, 17. April 2002, 15. April 2003, 

25. Januar 2004, 9. August 2005, 6. Juni 2006, 1. November 2006, 3. April 2007 

und 10. Juni 2008. Daneben hätten telefonische respektive mündliche Bespre-

chungen mit der Klägerin und ihrem Berater stattgefunden (act. 23 Rz. 68 ff.). Der 

Verlust, welcher im Jahr 2008 eingetreten sei, sei auf den Börsencrash 2008 zu-

rückzuführen gewesen, von welchem auch die Klägerin betroffen gewesen sei 

(act. 23 Rz. 62). 

In ihrer Duplik hält die Beklagte an ihrem Standpunkt fest, sie habe stets auf Wei-

sung und im Einverständnis mit der Klägerin gehandelt (act. 39 Rz. 46 ff.). 

c. Gemäss der Sachdarstellung der Klägerin ist es ab dem 30. Oktober 2006 

zu einer "massiven Änderung der Anlagestrategie durch die Beklagte" gekom-

men. Sie habe sich in Begleitung ihres Sohnes am 1. November 2006 mit 

F._____ in Zürich getroffen. Dabei habe dieser ihr wieder eine von der Beklagten 

erstellte einseitige Vermögensübersicht per 30. Oktober 2006 vorgelegt, wobei die 

Anlageart erneut fett als konservativ bezeichnet worden sei. Der feste Vorschuss 

sei nur, aber immerhin, von CHF 790'000.– auf CHF 400'000.– reduziert worden. 

F._____ habe erwähnt, dass alles in bester Ordnung sei. Bei genauer Betrach-

tung der Vermögensübersicht ergebe sich jedoch, dass die Beklagte zu diesem 

Zeitpunkt die vereinbarte konservative Anlagestrategie und die vereinbarte Ver-

mögensaufteilung verlassen gehabt habe. So habe sich per 30. Oktober 2006 der 

Anteil von Obligationen und ähnlichen Anlagen auf ca. 47% und der Anteil von 

Aktien und ähnlichen Anlagen auf ca. 53% des Bruttovermögens belaufen (act. 1 

Rz. 58 f.). 

Am 3. April 2007 habe sich die Klägerin in Begleitung ihres Sohnes wiederum mit 

F._____ in Zürich getroffen. Dabei habe dieser ihr wieder eine von der Beklagten 

erstellte einseitige Vermögensübersicht per 31. März 2007 vorgelegt, wobei bei 

der von der Beklagten am 8. September 2008 zugesandten Vermögensübersicht 

per 31. März 2007 die Pyramide weggelassen worden sei. Auch hier sei die Anla-

geart fett als konservativ bezeichnet worden. Der Vorschuss von CHF 400'000.– 

habe immer noch bestanden. F._____ habe wiederum erwähnt, dass alles in bes-

ter Ordnung sei. Bei genauer Betrachtung der Vermögensübersicht der Beklagten 

per 31. März 2007 ergebe sich jedoch, dass die Beklagte zu diesem Zeitpunkt die 

- 20 - 

vereinbarte konservative Anlagestrategie und die vereinbarte Vermögensauftei-

lung weiter verlassen gehabt habe. So habe sich per 31. März 2007 der Anteil von 

Obligationen und ähnlichen Anlagen auf ca. 38% und der Anteil von Aktien und 

ähnlichen Anlagen auf ca. 62% des Bruttovermögens belaufen (act. 1 Rz. 60 f.). 

Im Jahr 2007 habe die Beklagte – wohl aufgrund des sich weiter vermindernden 

Zinsniveaus im Jahr 2007 – den Obligationenanteil weiter reduziert. Aus dem 

Vermögensausweis der G1._____ per 31. Dezember 2007 betreffend das von der 

Beklagten verwaltete Vermögen der Klägerin habe sich per diesem Datum der 

Anteil von Obligationen und ähnlichen Anlagen auf ca. 15% und der Anteil von 

Aktien und ähnlichen Anlagen auf ca. 85% belaufen. Die Beklagte habe demnach 

in der Zwischenzeit die vereinbarte konservative Anlagestrategie und die verein-

barte Vermögensaufteilung weiter und massiv verlassen gehabt (act. 1 Rz. 62). 

Am 10. Juni 2008 habe sich die Klägerin in Begleitung ihres Sohnes wiederum mit 

F._____ in Zürich getroffen. Dabei habe er ihr wieder eine von der Beklagten er-

stellte einseitige Vermögensübersicht per 6. Juni 2008 vorgelegt. Der Vorschuss 

von CHF 400'000.– habe immer noch in voller Höhe bestanden. Erneut sei die 

Anlageart fett als konservativ bezeichnet worden. Bei genauer Betrachtung der 

Vermögensübersicht der Beklagten per 6. Juni 2008 ergebe sich jedoch, dass die 

Beklagte die vereinbarte konservative Anlagestrategie und die vereinbarte Ver-

mögensaufteilung weiterhin massiv verlassen habe. So habe sich per 6. Juni 

2008 der Anteil von Obligationen und ähnlichen Anlagen auf nur noch ca. 14.5% 

und der Anteil von Aktien und ähnlichen Anlagen auf ca. 85.5% des Bruttovermö-

gens belaufen. Bei der Sitzung vom 10. Juni 2008 habe F._____ der Klägerin er-

klärt, "Mist gebaut" zu haben. Seit der letzten Bewertung vom 31. März 2007 sei 

ein Verlust von ca. EUR 67'000.– eingetreten. Dies sei jedoch nur die halbe 

Wahrheit gewesen. Erstens sei auf dem Nettovermögen nicht ein Verlust von 

EUR 67'000.–, sondern von EUR 182'500.– eingetreten. Zweitens habe F._____ 

der Klägerin keinen Grund für den Vermögensverlust genannt, sondern das Gan-

ze hinuntergespielt. Diesen könne es mal geben, habe er gesagt, man müsse das 

"jetzt einfach aussitzen". F._____ habe auch dieses Mal gewollt, dass die Kläge-

rin ihre Unterschrift auf die von der Beklagten erstellte Vermögensübersicht setze. 

Die Klägerin sei dazu nicht bereit gewesen. F._____ habe erneut gesagt, dass er 

diese Unterschrift "für seine Revision" einfach brauche. Schliesslich habe er die 

- 21 - 

Klägerin nicht gehen lassen wollen, bis sie diese Unterschrift geleistet habe. Der 

Klägerin sei aus ihrer Sicht nichts anderes übrig geblieben, als das zu tun. Die 

Klägerin habe dann F._____ gebeten, ihr eine Kopie der von der Beklagten er-

stellten Vermögensübersicht per 6. Juni 2008 mitzugeben; F._____ habe sich an-

gegriffen gefühlt und gesagt: "Ja, willst Du denn damit hausieren gehen oder was?". Die 

Klägerin sei verunsichert gewesen, habe die Stimmung nicht weiter verschlech-

tern wollen und auf eine Kopie verzichtet (act. 1 Rz. 64 ff.). 

Die Klägerin hält auch in ihrer Replik an ihrer Bestreitung einer einvernehmlichen 

Anpassung der Anlagestrategie fest (act. 34 Rz. 9 ff., 85 ff.). 

2.5.4.4. Würdigung 

a. Die beweisbelastete Partei hat die zu beweisenden Tatsachen zu behaup-

ten, weshalb mit der Beweislast die Behauptungslast einhergeht. Die beweisfreie 

Partei trifft hingegen die Bestreitungslast. Ein Aspekt der Behauptungs- ist die 

Substantiierungslast: Tatsachenbehauptungen sind so konkret zu formulieren, 

dass sie einerseits ohne Weiteres als Beweissatz formuliert und in eine allfällige 

Beweisverfügung aufgenommen werden können, und andererseits substantiiertes 

Bestreiten möglich ist bzw. der Gegenbeweis angetreten werden kann 

(SCHMID/LARDELLI, in: BSK ZGB I, Art. 8 N. 29 u. 33). 

Die von der Beklagten angerufenen und aus ihrer Feder stammenden Vermö-

gensübersichten dokumentieren klare und substantielle Veränderungen des Port-

folios der Klägerin und eine tatsächliche Veränderung der Anlagestrategie (vgl. 

die von der Beklagten in act. 23 Rz. 72 zitierten Vermögensübersichten). So be-

wegte sich beim Portfolio der Klägerin im Zeitraum zwischen Anfang 2000 und 

Ende 2005 der Anteil von Obligationen und ähnlichen Anlagen von ca. 95% hin-

unter auf ca. 67% und der Anteil von Aktien und ähnlichen Anlagen von ca. 5% 

hinauf auf ca. 33% (act. 1 Rz. 48; act. 23 Rz. 99). Bis zum 6. Juni 2008 fand in 

der Folge eine weitere Veränderung statt, sodass sich in diesem Zeitpunkt – je 

nach Leseart – der Anteil von Obligationen und ähnlichen Anlagen auf nur noch 

ca. 14.5% und der Anteil von Aktien und ähnlichen Anlagen auf ca. 85.5% des 

Bruttovermögens belief (act. 1 Rz. 64). Die Beklagte rechnet zwar etwas anders, 

aber auch sie räumt ein, dass die Vermögenswerte per 6. Juni 2008 netto zu ca. 

80% in Aktien und 20% in Obligationen investiert gewesen seien (act. 23 

- 22 - 

Rz. 108). Die substantielle Veränderung der Zusammensetzung des Portfolios der 

Klägerin bis zum 6. Juni 2008 ist somit zwischen den Parteien grundsätzlich un-

bestritten. 

Die Anlagestrategie wurde daher im Zeitraum zwischen Anfang 2000 und dem 

6. Juni 2008 tatsächlich von einer konservativen Anlagestrategie zuerst zu einer 

"ausgewogenen" Anlagestrategie geändert (vgl. etwa SCHALLER, Der Einsatz 

strukturierter Produkte in der Vermögensverwaltung, recht 2012, S. 102 ff., der bei 

einer ausgewogenen Strategie von einer 50/50-Verteilung von Aktien o.Ä. und 

Obligationen o.Ä. ausgeht). Die Anlagestrategie wurde sodann in tatsächlicher 

Hinsicht sogar noch weiter geändert, und es wurde eine "aggressive, gewinnori-

entierte" Anlagestrategie verfolgt (vgl. etwa SCHALLER, Der Einsatz strukturierter 

Produkte in der Vermögensverwaltung, recht 2012, S. 102 ff., der bei einer aus-

gewogenen Strategie von einer 25/75-Verteilung von Obligationen o.Ä. und Aktien 

o.Ä. ausgeht). 

Die pauschalen Behauptungen der Beklagten, wie es zur Änderung der Anlage-

strategie gekommen sein soll – sie habe stets auf Weisung und im Einverständnis 

mit der Klägerin gehandelt – genügen den Substantiierungsanforderungen nicht. 

Immerhin gilt es hier eine substantielle Änderung der Anlagestrategie innerhalb 

von nicht einmal zwei Jahren von einer konservativen über eine ausgewogene hin 

zu einer aggressiven, gewinnorientierten Anlagestrategie substantiiert zu behaup-

ten und zu beweisen. Die pauschalen Behauptungen der Beklagten – die Klägerin 

habe F._____ "ein bis zwei Mal" im Jahr besucht, anlässlich dieser Besprechun-

gen sei die Klägerin stets unter anderem über die aktuellen und prozentmässigen 

Investitionen in die verschiedenen Anlagekategorien informiert worden, die Anla-

gestrategie und die erzielten Gewinne und Verluste seien besprochen worden, 

der Klägerin seien sämtliche Vermögensübersichten und Anlagen offengelegt, 

F._____ habe der Klägerin anlässlich ihrer Treffen die nach den Wünschen der 

Klägerin gewählte Anlagestrategie und die Diversifikation in aktien- und obligatio-

nenähnliche Papiere erklärt, F._____ habe die Klägerin über Existenz, Art und 

Höhe der Risiken informiert, die Beklagte habe die Klägerin fortlaufend über die 

Risiken der verschiedenen Anlagemöglichkeiten informiert, anlässlich der ge-

meinsamen Besprechungen sei die Anlagestrategie daher fortlaufend an die For-

derungen der Klägerin angepasst worden, daneben hätten telefonische respektive 

- 23 - 

mündliche Besprechungen mit der Klägerin und ihrem deutschen Steuerberater, 

Rechtsanwalt I._____, stattgefunden, etc. (act. 23 Rz. 68 ff.; act. 1 Rz. 52) – er-

folgen allesamt in einem sehr allgemeinen Zusammenhang. Sie genügen nicht, 

um im Einzelnen nachvollziehen zu können, anlässlich welcher Besprechungen in 

den Jahren 2006 bis 2008 genau die Klägerin F._____ aus welchen Gründen 

welche Weisungen erteilt haben soll, aggressiver zu investieren, zuerst im Sinne 

einer ausgewogenen und ab dem Jahre 2007 auch im Sinne einer aggressiven, 

gewinnorientierten Anlagestrategie. Die pauschalen Behauptungen der Beklagten, 

sie habe die Klägerin stets aufgeklärt und informiert und nur auf ihre Weisungen 

hin gehandelt, genügen nicht. 

b. Selbst wenn es der Beklagten gelingen würde – was wie gezeigt nicht der 

Fall ist –, die von ihr behauptete, von der Klägerin veranlasste kontinuierliche und 

einvernehmliche Anpassung der Anlagestrategie substantiiert vorzutragen, wür-

den die von ihr angerufenen Vermögensübersichten der Jahre 1997 bis 2008 

(act. 23 Rz. 71-72) gegen ihren Standpunkt sprechen: 

In tatsächlicher Hinsicht fand, wie gezeigt, eine substantielle Veränderung der An-

lagestrategie von einer konservativen hin zu einer aggressiven, gewinnorientier-

ten Anlagestrategie statt. Diese Veränderung der Anlagestrategie wurde in den 

Vermögensübersichten der Beklagten nicht erfasst. So wurde die Anlagestrategie 

("Anlage-Politik", "Anlageart" etc.) ab der ersten Vermögensübersicht der Beklag-

ten im Jahr 2000 stets in grosser und teilweise fetter Schrift als "konservativ" be-

zeichnet (vgl. die von der Beklagten in act. 23 Rz. 72 zitierten Vermögensüber-

sichten; Hervorhebung durch das Gericht). Wenn die Beklagte ausführt, die Klä-

gerin habe die Anlagestrategie an unterschiedlichen Daten zwischen 1997 und 

2008 auf den Vermögensübersichten schriftlich bestätigt (act. 23 Rz. 72), trifft dies 

insofern zu, als dass die Klägerin mit ihren Unterschriften jeweils eine "konserva-

tive" Anlagepolitik bestätigte. Es kann nicht die Rede davon sein, dass die Kläge-

rin mit ihrer Unterschrift auf den Vermögenübersichten eine aggressive, gewinn-

orientierten Anlagestrategie genehmigt hätte. Die Beklagte, welche selbst auf die 

Vermögensübersichten "konservativ" schrieb, kann daher für die von ihr darge-

stellte weisungsbedingte Änderung der Anlagestrategie nichts ableiten. 

- 24 - 

Ferner war auf den besagten Vermögenübersichten – mit Ausnahme derjenigen 

vom 31. März 2007 (act. 53 S. 14) – stets auch eine die konservative Anlagestra-

tegie veranschaulichende Pyramide aufgeführt, welche eine Aufteilung der Anla-

gen in 10% spekulative Titel, 30% Aktien und 60% Obligationen suggerierte. Die 

von der Beklagten aufgeführten Erklärungen, weshalb ihre Vermögensübersichten 

selbst im Jahre 2008 noch den Hinweis auf eine konservative Anlagestrategie 

enthielten, sind nicht plausibel. So rühre der Hinweis auf den Vermögensübersich-

ten daher, dass die Beklagte grundsätzlich nur konservativ investiere. Dies sei 

auch bei der Klägerin am Anfang der Fall gewesen. Aufgrund der auf Verlangen 

der Klägerin stets offensiver werdenden Strategie sei der Hinweis im November 

2006 "unrichtig" geworden (act. 39 Rz. 57). Diese Argumentation der Beklagten 

überzeugt nicht. Es ist völlig unplausibel, dass die Beklagte auf den individuellen 

Vermögensübersichten ihrer Kunden jeweils den allgemeinen Hinweis vermerkt, 

dass sie grundsätzlich nur konservativ investiert. Die einzig plausible Erklärung 

kann nur sein, dass die Parteien eine konservative Anlagestrategie vereinbart ha-

ben und die Beklagte diese entsprechend auch auf den individuellen Vermögens-

übersichten der Klägerin vermerkt hat. Hätte tatsächlich eine aufgeklärte, auf 

Weisung der Klägerin hin erfolgte Änderung der Anlagestrategie stattgefunden, so 

hätte die Beklagte sicherlich eine Anpassung der Bezeichnung der Anlagestrate-

gie vorgenommen. 

Schliesslich überzeugt auch die Erklärung der Beklagten, weshalb auf den Ver-

mögensübersichten stets die gleiche Pyramide abgebildet gewesen sei, nicht. 

Diese habe lediglich die "ursprüngliche Soll-Zusammensetzung des Portfolios" 

abbilden sollen (act. 39 Rz. 58). Auch diese Erklärung der Beklagten erscheint 

nachträglich konstruiert worden zu sein. Hätte tatsächlich eine aufgeklärte, auf 

Weisung der Klägerin hin erfolgte Änderung der Anlagestrategie stattgefunden, so 

hätte die Beklagte sicherlich eine Anpassung der Pyramide vorgenommen. 

c. Vor dem Hintergrund der unsubstantiierten Behauptungen der Beklagten be-

treffend kontinuierliche und einvernehmliche Anpassung der Anlagestrategie und 

der ins Recht gereichten Vermögensübersichten der Jahre 1997 bis 2008 (act. 23 

Rz. 71-72) ist auf die Befragung der von den Parteien angerufenen Personen zu 

verzichten. Was der von der Beklagten angerufene Zeuge J._____ zur Klärung 

der Frage der Änderung der Anlagestrategie beitragen soll, erscheint zudem 

- 25 - 

schleierhaft. Gemäss der beklagtischen Sachdarstellung solle J._____ als ehema-

liger G1._____ Relationship Manager der Beklagten bestätigen, dass die Beklagte 

seit 40 Jahren im Vermögensverwaltungsgeschäft tätig gewesen sei und es nie 

einen Grund für Beanstandungen gegeben habe. Aus diesem Umstand solle ge-

folgert werden können, dass es die Klägerin sei, welche die Beklagte instruiert 

habe, mehr Risiken in Kauf zu nehmen, um eine höhere Rendite erzielen zu kön-

nen. Insbesondere habe bei keinem anderen von der Beklagten verwalteten Port-

folio eine vergleichbare Entwicklung stattgefunden (act. 39 Rz. 50 f.). Einmal ab-

gesehen vom Umstand, dass die diesbezüglichen beklagtischen Behauptungen 

jeglichen Detaillierungsgrad vermissen lassen, kann J._____ nichts zum konkre-

ten Sachverhalt beitragen, der sich in der vorliegend relevanten Zeitperiode zuge-

tragen haben soll. Auf seine Einvernahme kann daher verzichtet werden. 

d. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass es der Beklagten nicht ge-

lingt, die von der Klägerin veranlasste kontinuierliche und einvernehmliche An-

passung der Anlagestrategie substantiiert vorzutragen. Auch die von der Beklag-

ten eingereichten Vermögensübersichten der Jahre 1997 bis 2008 (act. 23 

Rz. 71-72) sprechen gegen eine von der Klägerin veranlasste, kontinuierliche und 

einvernehmliche Anpassung der Anlagestrategie. Auf eine allfällige klägerische 

Einverständniserklärung bzw. Genehmigung wäre – soweit erforderlich – im 

Rahmen der Prüfung der Pflichtverletzung einzugehen. 

2.6. Auflösung des Vermögensverwaltungsvertrages 

2.6.1. Allgemeines 

Weiter ist zwischen den Parteien strittig, wann der Vermögensverwaltungsvertrag 

zwischen den Parteien aufgelöst worden sein soll (bzw. wann der Beklagten die 

Verwaltungsbefugnis entzogen worden sein soll). 

2.6.2. Parteibehauptungen 

Die Klägerin behauptet, im Oktober 2008 sei sie zum Schluss gekommen, dass 

sie im Hinblick auf das Vertragsverhältnis "den Stecker ziehen müsse". Sie habe 

am 28. Oktober 2008 über ihren deutschen Steuerberater Rechtsanwalt I._____ 

der Beklagten den Auftrag erteilt, alle verbleibenden Vermögenswerte der Kläge-

- 26 - 

rin bei der G1._____ an die K._____ [Bank] in Österreich zu übertragen, was 

dann auch geschehen sei (act. 1 Rz. 74 ff., auch Rz. 52). 

Die Beklagte bestätigt diese Sachdarstellung (act. 23 Rz. 85) und ergänzt sie um 

die Behauptung der Saldierung der G1._____-Konten der Klägerin per 

13. November 2008 (act. 23 Rz. 86). 

Die Beklagte behauptet jedoch weiter, ihr seien bereits Ende August 2008 – zu-

erst mündlich – weitere Dispositionen verboten worden und die Klägerin habe ihr 

dann mit E-Mail vom 2. September 2008 (act. 24/17) die Verfügungsbefugnis über 
die anvertrauten Werte entzogen: "Lt. Herr I._____ will F._____ die missliche Lage für sich 

wohl elegant lösen und die verlustreichsten Papiere loswerden, um den kläglichen Rest dann wie-
der risikoreichst und experimentellst neu anzulegen…. obwohl von Anfang an eine konservative An-

lage mit mir vereinbart war. NEIN NO NADA – ohne unsere Anweisung dreht er ab sofort nichts 
mehr. Wir wollen dafür jetzt SOFORT klipp und klar Auskunft über Soll und Haben…". Mit E-Mail 

vom 5. September 2008 (act. 24/18) habe die Klägerin ihre Anweisung bestätigt: 

"Nochmals: OHNE Herrn I._____ wird GAR NICHTS verkauft und kein Verlust realisiert". Seit En-

de August 2008 habe die Beklagte somit nicht mehr für die Klägerin handeln kön-

nen (act. 23 Rz 80-82; Hervorhebung durch das Gericht). 

Der Sachdarstellung der Beklagten in der Klageantwort entgegnet die Klägerin in 

ihrer Replik, die beiden E-Mails vom 2. und 5. September 2008 (act. 24/17 und 

24/18) seien dahingehend zu verstehen, dass sie auf der Vereinbarung zwischen 

den Parteien, dass F._____ bei Erreichen bestimmter Vermögensstände mit 

Rechtsanwalt I._____ Kontakt aufnehmen solle, um das weitere Vorgehen zu dis-

kutieren, habe pochen wollen. Ferner hätte die Beklagte die besagten E-Mails 

aufgrund ihres hochgradig emotionalen und verzweifelten Tons ohnehin nicht als 

gültige Instruktionen betrachten dürfen. Und selbst wenn man in den beiden E-

Mails der Klägerin eine gültige Instruktion erblicken wollte, stellten diese objektiv 

höchstens die Anordnung einer internen Beschränkung der Verwaltungsvollmacht 

der Beklagten dar, indem die Verwaltungshandlungen neu einem Zustimmungs-

vorbehalt unterstanden hätten (act. 34 Rz. 16 ff.; Rz. 46 ff.). 

Die Beklagte hält in ihrer Duplik an ihrer Argumentation in der Klageantwort fest, 

ihr sei Ende August 2008 untersagt worden, weitere Dispositionen über das Ver-

mögen der Klägerin zu treffen; die Klägerin habe der Beklagten am 2. September 

- 27 - 

2008 schriftlich und unmissverständlich die Verfügungsbefugnis entzogen (act. 39 

Rz. 78 ff.). 

Auf die einzelnen Argumente der Parteien, wie die beiden E-Mails von Anfang 

September 2008 zu verstehen sind, ist im Rahmen der nachfolgenden Würdigung 

einzugehen. 

2.6.3. Rechtliches 

Der Vermögensverwaltungsvertrag kann als Auftrag nach den Regeln des 

Art. 404 OR aufgelöst werden. Demnach kann ein Vermögensverwaltungsvertrag 

jederzeit entweder vom Anleger oder vom Vermögensverwalter widerrufen bzw. 

gekündigt werden (GUTZWILLER, a.a.O., S. 81; SCHALLER, a.a.O., N 255 f.). Prak-

tisch bedeutet ein Widerruf des Anlegers, dass der Auftraggeber vom Zeitpunkt 

des Widerrufs an sämtliche Anlagedispositionen selbst treffen muss. Der Vermö-

gensverwalter ist von diesem Zeitpunkt an aus seiner Verantwortung entlassen. 

Für nach dem Widerruf entstandenen Schaden haftet er nicht (GUTZWILLER, 

a.a.O., S. 81, m.H.a. Urteil des Bundesgerichts 4C.126/2004 vom 15. September 

2004 E. 3). 

SCHALLER fügt diesen Ausführungen in der Lehre noch an, dass mit dem Widerruf 

bzw. der Kündigung des Vermögensverwaltungs-Mandates der (vormalige) Ver-

mögensverwaltungsvertrag in ein Liquidationsstadium eintrete. Die Hauptleis-

tungspflichten erlöschen "ex nunc", weshalb zur Weiterführung der ordentlichen 

Verwaltung des Vermögens nach Beendigung des Mandates keine Verpflichtung 

mehr bestehe. Indessen könne das Vermögensverwaltungs-Mandat als solches 

im Zeitpunkt des Widerrufs bzw. der Kündigung noch nicht als ersatzlos erloschen 

betrachtet werden. Vielmehr seien seitens des Vermögensverwalters gewisse 

fortdauernde Nebenpflichten sowie weitere, sich erst im Beendigungszeitpunkt ak-

tualisierende (nachvertragliche) Abwicklungs- und Besorgungspflichten zu beach-

ten (SCHALLER, a.a.O., N 257 f.). 

2.6.4. Würdigung 

2.6.4.1. Vorliegend ist urkundlich belegt, dass die Klägerin die Beklagte mit E-

Mail vom 2. September 2008 angewiesen hat, ohne ihre Anweisungen (bzw. die 

Anweisungen von ihrem deutschen Steuerberater, Rechtsanwalt I._____) "nichts 

- 28 - 

mehr zu drehen" (act. 24/17). In ihrer E-Mail vom 5. September 2008 bestätigte 

die Klägerin ihre Absicht und erklärte erneut, dass ohne Rechtsanwalt I._____ 

"gar nichts verkauft" werde (act. 24/18). 

Die Klägerin will diese E-Mails so verstanden wissen, dass diese eine angebliche 

Vereinbarung zwischen den Parteien, dass F._____ bei Erreichen bestimmter 

Vermögensstände mit Rechtsanwalt I._____ Kontakt aufnehmen solle, um das 

weitere Vorgehen zu diskutieren, bestätigt hätten. Ein derartiger Sinn kann diesen 

E-Mails jedoch nicht beigemessen werden. Einerseits ist in den beiden E-Mails 

nie die Rede von dieser Vereinbarung oder einer allfälligen Über- oder Unter-

schreitung von Vermögensständen. Andererseits ist auch nicht davon die Rede, 

dass die Beklagte die Vermögensverwaltung einfach hätte weiterführen sollen. 

Die Klägerin hat in ihrer E-Mail der Beklagten explizit mitgeteilt, dass diese ohne 

die Anweisung von ihr oder Rechtsanwalt I._____ nichts mehr "drehen" solle. 

Diese Mitteilung an die Beklagte kann nicht anders verstanden werden, als dass 

die Klägerin der Beklagten ab sofort untersagte, ohne ihre Anweisung weitere 

Verkäufe vorzunehmen. So hat die Klägerin dann auch drei Tage später der Be-

klagten unmissverständlich noch einmal per E-Mail bestätigt, dass ohne Rechts-

anwalt I._____ gar nichts verkauft werde (act. 24/18). Dass die Klägerin sich der 

"Dramatik" der Situation vollkommen bewusst war, bringt sie in ihrer E-Mail vom 

2. September 2008 (act. 24/17) gleich selber zum Ausdruck, indem sie der Be-
klagten mitteilt, laut I._____ wolle "F._____ die missliche Lage für sich wohl elegant lösen 

und die verlustreichsten Papiere loswerden, um den kläglichen Rest dann wieder risikoreichst und 

experimentellst neu anzulegen". Dass die Beklagte vor diesem Hintergrund die von der 

Klägerin behauptete "Abmahnungspflicht" getroffen hätte, sich bei der Klägerin 

aufgrund "der deutlich erkennbaren emotionalen und labilen Verfassung" der Klä-

gerin zu versichern, ob sie tatsächlich der Beklagten die Verfügungsbefugnis ent-

ziehen wollte (act. 34 Rz. 92), ist abzulehnen. 

Es ist somit mit Urkunden belegt, dass die Klägerin der Beklagten am 

2. September 2008 die Verwaltungsbefugnis (bzw. -pflicht) und damit die Verfü-

gungsmacht über das klägerische Vermögen entzogen hat. Die Verwaltungsbe-

fugnis des Vermögensverwalters, die selbständige Vermögensverwaltung durch 

den Vermögensverwalter, stellt den wesentlichen Inhalt des Vermögensverwal-

tungsvertrages, die Hauptpflicht des Vermögensverwalters dar (vgl. GUTZWILLER, 

- 29 - 

a.a.O., S. 141). Wird nun, wie vorliegend, dem Vermögensverwalter seine Haupt-

pflicht, die Verwaltungsbefugnis über das klägerische Vermögen, entzogen, war 

der Auftrag hinsichtlich der Hauptpflicht des Beauftragten bereits eingestellt. Der 

Vermögensverwaltungsvertrag wurde damit bereits am 2. September 2008 von 

der Klägerin widerrufen und damit aufgelöst. Tatsächliche Anweisungen zur Ver-

waltung des Vermögens sind in der Folge bis zum Auftrag des Vermögenstrans-

fers am 28. Oktober 2008 von den Parteien auch nicht weiter behauptet worden 

und auch nicht mehr erfolgt. 

Wurde der Vermögensverwaltungsvertrag durch die Klägerin widerrufen, bedeutet 

dies, dass die Klägerin vom Zeitpunkt des Widerrufs an sämtliche Anlagedisposi-

tionen selbst treffen muss. Die Beklagte ist von diesem Zeitpunkt an grundsätzlich 

aus ihrer Verantwortung entlassen (GUTZWILLER, a.a.O., S. 81, m.H.a. Urteil des 

Bundesgerichts 4C.126/2004 vom 15. September 2004 E. 3). 

2.6.4.2. Selbst wenn man aber die Anweisung der Klägerin in ihrer E-Mail vom 

2. September 2008 nicht als Widerruf des Vermögensverwaltungsvertrages als 

Ganzes betrachten würde, so wären die Anweisungen der Klägerin in ihren E-

Mails vom 2. und 5. September 2008 nur – aber immerhin – als Entzug der selb-

ständigen Verwaltungsbefugnis zu qualifizieren. Der Vermögensverwalter wäre 

damit ab diesem Zeitpunkt gar nicht mehr befugt gewesen, selbständige Vermö-

gensverwaltungshandlungen vorzunehmen. Auch hier kann nichts anderes gelten 

als beim Widerruf des Vermögensverwaltungsvertrages durch die Klägerin: Die 

Klägerin muss vom Zeitpunkt des Widerrufs an sämtliche Anlagedispositionen 

selbst treffen und die Beklagte ist grundsätzlich aus ihrer Verantwortung entlas-

sen (vgl. GUTZWILLER, a.a.O., S. 81, m.H.a. Urteil des Bundesgerichts 

4C.126/2004 vom 15. September 2004 E. 3). 

Die (bestrittenen) Behauptungen der Klägerin, es habe nach dem Entzug der 

Verwaltungsbefugnis zumindest ein Anlageberatungsvertrag fortbestanden 

(act. 34 Rz. 84 und 94; act. 39 Rz. 161), bleiben gänzlich unsubstantiiert, kann 

doch die Substantiierung eines anderen Vertragsverhältnisses nicht alleine in der 

Subtraktion "Vermögensverwaltungsvertrag minus Verwaltungsbefugnis gleich 

Anlageberatungsvertrag" bestehen. 

- 30 - 

2.6.4.3. Auch die weiteren Einwände der Klägerin, welche gegen den Widerruf 

des Vermögensverwaltungsverhältnisses bzw. den Entzug der selbständigen 

Verwaltungsbefugnis sprechen sollen, verfangen nicht: 

Es ist der Beklagten darin zu folgen, dass die angebliche Vereinbarung der Par-

teien, sich bei Unterschreitung bestimmter Kontostände bei Rechtsanwalt I._____ 

zu melden, in keiner Weise substantiiert wurde, legte die Klägerin doch weder 

dar, wann die Parteien was genau vereinbart haben sollen, noch führt sie näher 

aus, um welche Limiten es sich gehandelt haben soll. Schliesslich findet diese 

angebliche Vereinbarung der Parteien auch mit keinem Wort Erwähnung im rele-

vanten E-Mail-Verkehr zwischen den Parteien (act. 24/16-24/18). 

Ferner führte die Klägerin aus, die bestehenden Vollmachten der Beklagten bzw. 

von F._____ seien nie gegenüber der G1._____ AG widerrufen worden (act. 34 

Rz. 49). Es wird nicht ganz klar, was die Klägerin mit diesem Argument bezwe-

cken will. Sollte sie es aber anfügen, um ihren Standpunkt zu stärken, die Verwal-

tungsbefugnis sei der Beklagten nicht entzogen worden, so ist anzufügen, dass 

der Umstand, ob der Widerruf der Vollmachten gegenüber der G1._____ AG mit-

geteilt wurde oder nicht, irrelevant ist. Relevant ist in erster Linie die Tatsache, 

dass die Klägerin der Beklagten die Verwaltungsbefugnis entzog und es der Be-

klagten daher untersagt war, der G1._____ AG – ohne Einverständnis der Kläge-

rin – Anweisungen zu erteilen. 

Als weiteres Indiz, welches für ihre Sachdarstellung sprechen soll, führte die Klä-

gerin an, die Beklagte habe auch nach Ende August 2008 noch Anlagen der Klä-

gerin verkauft. Die Beklagte argumentiere in diesem Sinne widersprüchlich, wenn 

sie behaupte, sie habe ab Ende August 2008 nicht mehr für die Klägerin handeln 

können, sie dies in der Folge aber trotzdem getan habe (act. 34 Rz. 50). Der Ver-

kauf von Aktien, strukturierten Produkten und Fonds aus dem Depot der Klägerin 

vom 8. und 9. Oktober 2008 ist zwischen den Parteien unbestritten (act. 34 

Rz. 50; act. 39 Rz. 87 f.). Die Klägerin unterliess es jedoch in ihren Rechtsschrif-

ten, diese Verkäufe näher zu substantiieren oder in einen Kontext zu setzen. Die 

Erklärung, weshalb es zu diesen Verkäufen kam, lieferte die Beklagte in ihrer 

Duplik nach (act. 39 Rz. 87 ff.), und sie erschliesst sich auch aus den eingereich-

ten Urkunden: Am 13. Oktober 2008 unterzeichnete die Klägerin einen an die 

- 31 - 

G1._____ gerichteten Auftrag zur Konto-/Depotschliessung und Übertragung der 

Wertschriften an die K._____ (act. 40/8). Wie aus dem Vermögensausweis der 

G1._____ per 7. Oktober 2008 hervorgeht, hatte die Klägerin in jenem Zeitpunkt 

noch einen festen Vorschuss von CHF 400'000.– ausstehend, welcher vor dem 

Konto- bzw. Depottransfer zurückbezahlt werden musste. Zur Rückzahlung die-

ses festen Vorschusses ("aufgeblasenen Kredits", vgl. act. 40/10) mussten gewis-

se Effekten der Klägerin verkauft werden, reichten doch die liquiden Mittel der 

Klägerin bei der G1._____ dazu nicht aus (vgl. act. 40/9). So war es I._____, wel-

cher namens der Klägerin der Beklagten den Auftrag erteilte, die erwähnten Ver-

käufe vorzunehmen (act. 40/10). Diese Verkäufe im Oktober 2008 durch die Be-

klagte stellten somit reine Liquidationshandlungen dar, welche nach Beendigung 

des Vermögensverwaltungsmandates erfolgten und zu welchen die Beklagte auch 

Hand zu bieten hatte (zu den Pflichten eines Vermögensverwalters nach Beendi-

gung des Auftrages vgl. SCHALLER, a.a.O., N 257 f.). Die von der Klägerin aufge-

führten Verkäufe sprechen daher nicht etwa für ihre Sachdarstellung, sondern 

stellen vielmehr ein weiteres Indiz dafür dar, dass das Vermögensverwaltungs-

verhältnis Anfang September 2008 aufgelöst worden war und in der Folge im Ok-

tober 2008 die notwendigen nachvertraglichen Liquidationshandlungen vollzogen 

wurden. 

Schliesslich führt die Klägerin noch an, sie sei Ende August/Anfang September 

2008, als sie von den grossen Verlusten ihres Portfolios erfahren habe, durchei-

nander und in grosser Angst gewesen, was sich auch in den beiden E-Mails vom 

2. und 5. September 2008 widergespiegelt habe. Vor diesem Hintergrund hätte 

die Beklagte zumindest hinterfragen müssen, ob die Klägerin mit ihren beiden E-

Mails der Beklagten tatsächlich die Verwaltungsbefugnis habe entziehen wollen 

(act. 34 Rz. 56 ff.). Auch hier ist der Klägerin entgegenzuhalten, dass sie der Be-

klagten mit zwei E-Mails, zwischen welchen drei Tage lagen, unmissverständlich 

mitgeteilt hat, dass diese ohne Anweisung und Einverständnis der Klägerin keine 

Verkäufe mehr tätigen durfte. Vor diesem Hintergrund drängte sich auch nicht auf, 

die Anweisung der Klägerin zu klären. Dies erst recht nicht, da die Klägerin in die-

sem Zeitraum auch von ihrem deutschen Steuerberater, Rechtsanwalt I._____ 

(vgl. auch act. 1 Rz. 52), beraten war, und sich aus der E-Mail der Klägerin vom 

2. September 2008 gleich selbst ergibt, dass der Klägerin und ihrem Berater 

- 32 - 

I._____ die Ernsthaftigkeit der Situation vollends bewusst war (act. 24/17: "Lt. Herr 

I._____ will F._____ die missliche Lage für sich wohl elegant lösen und die verlustreichsten Papiere 

loswerden, um den kläglichen Rest dann wieder risikoreichst und experimentellst neu anzulegen 
[…]"). 

2.6.4.4. Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die Klägerin den Ver-

mögensverwaltungsvertrag zwischen den Parteien mit ihrer E-Mail vom 

2. September 2008, spätestens aber mit ihrer E-Mail vom 5. September 2008, wi-

derrufen und damit aufgelöst hat. Selbst wenn man aber die Anweisung der Klä-

gerin in ihrer E-Mail vom 2. September 2008 nicht als Widerruf des Vermögens-

verwaltungsvertrages als Ganzes betrachten würde, so wäre die Anweisung der 

Klägerin in ihren E-Mails vom 2. und 5. September 2008 nur – aber immerhin – 

als Entzug der selbständigen Verwaltungsbefugnis zu qualifizieren. 

2.7. Anspruch auf Schadenersatz aus dem Vermögensverwaltungsvertrag 

2.7.1. Voraussetzungen im Überblick 

Die Klägerin verlangt – neben der Herausgabe von indirekten Vorteilen aus dem 

Vertragsverhältnis – Schadenersatz aus der nicht gehörigen Erfüllung des Ver-

mögensverwaltungsvertrages. Die Anspruchsgrundlagen der Haftung bilden dabei 

eine Vertragsverletzung, das Vorliegen eines Schadens, ein adäquater Kausalzu-

sammenhang zwischen der Vertragsverletzung und dem Schaden sowie ein Ver-

schulden. Diese Haftungsvoraussetzungen sind nachfolgend – soweit erforderlich 

– zu prüfen. 

Dabei trifft die Klägerin die Behauptungs- und die Beweislast für diese Vorausset-

zungen mit Ausnahme des Verschuldens (vgl. dazu BGE 128 III 271 ff.). Das Ver-

schulden des Beauftragten wird nach Art. 97 OR vermutet. Diesbezüglich steht 

dem Beauftragten grundsätzlich die Möglichkeit der Exkulpation offen (vgl. GUTZ-

WILLER, Unsorgfältige Vermögensverwaltung, AJP 2000 S. 59). 

- 33 - 

2.7.2. Schaden 

2.7.2.1. Grundsatz 

Als erste Haftungsvoraussetzung wird im Folgenden das Vorliegen eines Scha-

dens geprüft. Nach dem allgemeinen Schadensbegriff, wie er in der Praxis des 

Bundesgerichts verwendet wird, ist der Schaden eine unfreiwillige Vermögens-

verminderung, die in einer Verminderung der Aktiven, einer Vermehrung der Pas-

siven oder im entgangenen Gewinn bestehen kann. Er entspricht der Differenz 

zwischen dem gegenwärtigen Vermögensstand und dem Stand, den das Vermö-

gen ohne das schädigende Ereignis hätte. Zu beachten ist indessen, dass der so 

definierte allgemeine Schadensbegriff im Einzelfall konkretisiert werden muss, 

damit er brauchbare Kriterien für die Schadensberechnung liefern kann (Urteil des 

Bundesgerichts 4A_364/2013/4A_394/2013/4A_396/2013 vom 5. März 2014, 

E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 4C.158/2006 vom 10. November 2006, E. 4.3). 

Ausgehend von dieser allgemeinen Umschreibung des Schadens ergeben sich 

für das Vermögensverwaltungsrecht zahlreiche Besonderheiten, auf welche nach-

folgend einzugehen ist. 

2.7.2.2. Parteibehauptungen 

a. Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, dass die Grundlage der Scha-

densberechnung das Erfüllungsinteresse bilde. Vorliegend handle es sich um ei-

nen Fall der pflichtwidrigen Anlagestrategie, so dass für die Schadensberechnung 

auf das gesamte zur Verwaltung übergebene Vermögen abzustellen sei (act. 1 

Rz. 111 f.). 

Weiter macht die Klägerin detaillierte Ausführungen zum Zeitpunkt der Schadens-

berechnung. Dieser sei der Stichtag, auf den sich die Differenzhypothese bezie-

he. Bei Vorliegen einer Schlechterfüllung sei dieser Stichtag für die Ermittlung des 

Schadens im Regelfall der Erfüllungszeitpunkt. Der Gläubiger habe jedoch das 

Recht, den Schaden auf den Tag des Urteils der letzten kantonalen Instanz be-

rechnen zu lassen. Dass dieses Recht legitim sei, zeige auch der vorliegende 

Fall: Hätte die Beklagte den Vermögensverwaltungsvertrag nicht verletzt, sei nach 

dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und in Anbetracht der konkreten Umstände 

des vorliegenden Falles davon auszugehen, dass das Vermögen der Klägerin bis 

- 34 - 

heute gemäss den Vorstellungen der Klägerin angelegt worden wäre. Die Kläge-

rin mache daher vorläufig von ihrem Recht Gebrauch, den Schaden auf den Tag 

des Urteils der letzten kantonalen Instanz berechnen zu lassen. Die Klägerin be-

halte sich aber vor, den Schaden auf den Erfüllungszeitpunkt zu berechnen, wel-

cher wohl auf den 28. Oktober 2008 zu lokalisieren sei (allerdings werde allenfalls 

auf den Zeitpunkt des Verkaufs der verbleibenden, im Oktober / November 2008 

zur K._____ in Österreich übertragenen Anlagen abzustellen sein). Da der Tag 

des Urteils in der Zukunft liege, nehme die Klägerin vorläufig den 8. Juni 2011, i.e. 

den Tag der Bereinigung der Klageschrift, als relevanten Zeitpunkt der Scha-

densberechnung. Wie erwähnt sei der Zeitpunkt der Schadensberechnung der 

Stichtag, auf den sich die Differenzhypothese beziehe. Dieser Stichtag gelte wohl 

nicht nur für die Bestimmung des Sollwerts des Vermögens (hypothetischer Ver-

mögensstand), sondern – zugunsten des Schuldners – auch für die Bestimmung 

des Istwerts (tatsächlicher Vermögensstand). Berechne man den Schaden auf 

den Zeitpunkt des Urteils und folge man diesem Grundsatz, bedeute dies, dass 

der Istwert in einem zweistufigen Verfahren zu berechnen sei: In einem ersten 

Schritt sei der Istwert auf den Erfüllungszeitpunkt zu berechnen; in einem zweiten 

Schritt folge eine Aufrechnung dieses Betrages bis zum Urteilszeitpunkt mit der 

Performance des Sollwerts in der gleichen Zeitspanne (act. 1 Rz. 113 ff.). 

In der Folge nimmt die Klägerin in ihrer Klageschrift die konkrete Berechnung des 

Schadens vor:  

Was den tatsächlichen Stand des Vermögens der Klägerin per 28. Oktober 2008 

betreffe, so habe sich das Portfolio der Klägerin zu diesem Zeitpunkt auf 

EUR 42'469.– belaufen. Dazu seien die Entnahmen seit dem 30. Oktober 2006 im 

Umfang von EUR 107'800 zu berücksichtigen. Der tatsächliche Vermögensstand 

per 28. Oktober 2008 belaufe sich somit auf EUR 150'269.– (act. 1 Rz. 117). 

Berechne man den Schaden auf den Zeitpunkt des Urteils, sei der tatsächliche 

Vermögensstand per 28. Oktober 2008 bis zum Urteilszeitpunkt mit der Perfor-

mance des Sollwerts in der gleichen Zeitspanne aufzurechnen. Zwischen dem 

28. Oktober 2008 und dem 8. Juni 2011 habe der H1._____-Fonds eine Perfor-

mance von 15.79% und der H4._____-Fonds eine Performance von 21.65% ge-

macht. Bei einem Aktienanteil von 40% gebe das eine Performance von 20.19%. 

- 35 - 

Das tatsächliche Vermögen der Klägerin per 8. Juni 2011 sei somit mit 

EUR 180'608.– zu veranschlagen (act. 1 Rz. 118). 

Was den hypothetischen Vermögensstand betreffe, so sei danach zu fragen, wie 

sich das verwaltete Vermögen im massgebenden Zeitraum entwickelt hätte, wenn 

die Beklagte ihren vertraglichen Pflichten nachgekommen wäre. Beim massge-

benden Zeitraum handle es sich um den Zeitraum zwischen der Vertragsverlet-

zung und dem Zeitpunkt der Schadensberechnung. Was den Referenzwert für die 

hypothetische Entwicklung des Vermögens betreffe, so könne diesbezüglich auf 

einen Anlagestrategiefonds in der Währung EUR abgestellt werden, dessen Ver-

mögen zu 60% in Obligationen und zu 40% in Aktien angelegt sei. Im Folgenden 

werde auf den H2._____ - H1._____ (Aktienanteil 25%) und auf den H2._____ - 

H4._____ (EUR) H3._____ Fonds (Aktienanteil 45%) abgestellt, wobei ein ent-

sprechender, einen Aktienanteil von 40% widerspiegelnder "Mittelwert" genom-

men werde (act. 1 Rz. 119). 

Bezüglich des hypothetischen Standes des Vermögens der Klägerin per 8. Juni 

2011 führt die Klägerin aus, dass zwischen dem 30. Oktober 2006 und dem 

8. Juni 2011 der H1._____-Fonds eine Performance von 7.37% und der 

H4._____-Fonds eine Performance von -0.90% gemacht habe. Bei einem Aktien-

anteil von 40% gebe das eine Performance von 1.17%. Das Nettovermögen per 

30. Oktober 2006 von EUR 457'883.– hätte sich somit am 8. Juni 2011 auf 

EUR 463'240.– belaufen. 

Bezüglich des hypothetischen Standes des Vermögens der Klägerin per 

28. Oktober 2008 führt die Klägerin aus, ergebe sich – und diese Variante wähle 

die Klägerin vorläufig nicht – Folgendes: Zwischen dem 30. Oktober 2006 und 

dem 28. Oktober 2008 habe der H1._____-Fonds eine Performance von -7.27% 

und der H4._____-Fonds eine Performance von -18.54% gemacht. Bei einem Ak-

tienanteil von 40% gebe das eine Performance von -15.72%. Das Nettovermögen 

per 30. Oktober 2006 von EUR 457'883.– hätte sich somit am 28. Oktober 2008 

auf EUR 385'903.– belaufen (act. 1 Rz. 122). 

Zusammenfassend, so die Klägerin, belaufe sich der Schaden der Klägerin per 

8. Juni 2011 – als der Differenz zwischen EUR 180'608.– (aufgerechneter tat-

- 36 - 

sächlicher Vermögensstand) und EUR 463'240.– (hypothetischer Vermögens-

stand) – auf EUR 282'632.– (act. 1 Rz. 124). 

Der Schaden der Klägerin per 28. Oktober 2008 als der Differenz zwischen 

EUR 150'269.– (tatsächlicher Vermögensstand) und EUR 385'903.– (hypotheti-

scher Vermögensstand) belaufe sich auf EUR 235'634.– (allerdings laufe dann 

der Schadenszins von 5% bereits ab dem 28. Oktober 2008). Die Klägerin wähle 

jedoch vorläufig nicht diesen Zeitpunkt der Schadensberechnung (act. 1 Rz. 126). 

Der Schadenersatzanspruch der Klägerin sei in EUR zuzusprechen. Der Schaden 

per 8. Juni 2011, per Urteilszeitpunkt bzw. per 28. Oktober 2008 sei seit dem je-

weiligen Datum mit einem Schadenszins von 5% zu verzinsen (act. 1 Rz. 128 f.). 

b. Die Beklagte bestreitet in ihrer Klageantwort die klägerischen Ausführungen 

zum Schaden bzw. zur Schadensberechnung. Der Schaden sei eine unfreiwillige 

Vermögensverminderung, die in der Verminderung der Aktiven, der Vermehrung 

der Passiven oder im entgangenen Gewinn bestehen könne. Die Vermögensver-

minderung müsse unfreiwillig eintreten. Unfreiwillig heisse gegen oder zumindest 

ohne den Willen des Geschädigten. Eine freiwillige Vermögensverminderung liege 

vor, wenn der Anleger eine risikoreiche Anlage gutheisse, die nicht der vereinbar-

ten Anlagestrategie entspreche. Habe der Kunde eine begangene Pflichtverlet-

zung des Vermögensverwalters im Nachhinein genehmigt – was ausdrücklich  

oder stillschweigend geschehen könne –, nehme er damit eine mögliche Vermö-

gensverminderung bewusst in Kauf. Die Klägerin habe die Anlagestrategie fortlau-

fend angepasst. Ginge man davon aus, die angepasste Strategie sei nicht durch 

die Klägerin angeordnet worden – was bestritten werde – so habe die Klägerin 

durch ihre fortlaufend erteilten und wiederholten Einverständniserklärungen an-

lässlich aller Besprechungen die angepasste Anlagestrategie gutgeheissen. Da-

mit habe die Klägerin eine allfällige Pflichtverletzung genehmigt. Der Schaden sei 

nicht unfreiwillig eingetreten. Es liege kein rechtlich relevanter Schaden vor 

(act. 23 Rz. 140 ff.). 

Bezüglich der Schadensberechnung und Kausalität führt die Beklagte aus, das 

Bundesgericht lege der Schadensberechnung das Erfüllungsinteresse zugrunde 

und vergleiche den tatsächlichen Vermögensstand mit jenem, der vorliegen wür-

de, wenn der angelegte Teil des verwalteten Vermögens vertragsgemäss verwal-

- 37 - 

tet worden wäre. Bei dieser Vergleichshypothese sei in der Regel auf die Sorgfalt 

eines durchschnittlich erfolgreichen Vermögensverwalters während der gleichen 

Periode abzustellen, wobei davon auszugehen sei, dass ein durchschnittlich sorg-

fältiger Vermögensverwalter nicht in der Lage sei, "den Markt zu schlagen". Bei 

der Schadensberechnung sei also insbesondere zu berücksichtigen, dass die 

Klägerin im Jahre 2008 bei jedem durchschnittlich sorgfältigen Vermögensverwal-

ter aufgrund des Börsencrashs massive Verluste erlitten hätte. Eine Gegenüber-

stellung der Investitionen, Bezüge und Ausgaben ergebe einen effektiven, als 

Folge der Finanzkrise eingetretenen Verlust von EUR 116'273.10. Das Vermögen 

der Klägerin habe per Ende August 2008 noch EUR 248'151.– betragen. Hätte 

man zu diesem Zeitpunkt verkauft, hätte die Klägerin keinen Verlust erlitten. Per 

Ende August sei der Beklagten aber die Verfügungsmacht entzogen worden. Es 

werde bestritten, dass die Klägerin ihren angeblichen hypothetischen Schaden 

auf den Zeitpunkt der Klageeinreichung oder des Urteils der ersten Instanz be-

rechnen könne. 

Abschliessend weist die Beklagte die Klägerin darauf hin, dass sie zu beachten 

habe, dass sie der Beklagten schon Ende August 2008, und sodann ausdrücklich 

schriftlich am 2. September 2008 die Verfügungsmacht über die Vermögensanla-

gen entzogen habe. Sämtliche Verluste, die nach diesem Zeitpunkt eingetreten 

seien, könnten nicht mehr der Beklagten zugerechnet werden. Sie seien der Klä-

gerin zuzurechnen (act. 23 Rz. 145 ff.). 

c. In der Replik lässt sich die Klägerin dahingehend verlauten, dass die Aus-

führungen zur Schadensberechnung in der Klageschrift von der Beklagten nicht 

substantiiert bestritten worden seien. Per 31. Oktober 2008 berechnet habe der 

Schaden der Klägerin EUR 235'634.– zuzüglich Verzugszins von 5% betragen. 

Die Klägerin mache von ihrem Recht Gebrauch, den Schaden auf den Tag des 

Urteils der letzten kantonalen Instanz berechnen zu lassen. Per 8. Juni 2011 habe 

der Schaden bereits EUR 282'632.– betragen. Diesen Betrag habe die Klägerin 

mit der Klage eingefordert. Per 12. Dezember 2013 berechne sich der Schaden 

der Klägerin nunmehr ausgehend von einem Nettovermögen per 30. Oktober 

2006 von EUR 457'883.– und einem tatsächlichen Vermögenstand per 

28. Oktober 2008 von EUR 150'269.– wie folgt: Die gewichtete Performance der 

Referenzfonds betrage zwischen dem 28. Oktober 2008 und dem 12. Dezember 

- 38 - 

2013 35.13%. Daraus resultiere ein tatsächlicher Vermögensstand per 

12. Dezember 2013 im Betrag von EUR 203'058.50. Die gewichtete Performance 

der Referenzfonds betrage zwischen dem 30. Oktober 2006 und dem 

12. Dezember 2013 13.65%. Daraus resultiere ein hypothetischer Vermögens-

stand der Klägerin per 12. Dezember 2013 im Betrag von EUR 520'373.–. Per 

12. Dezember 2013 betrage der Schaden der Klägerin somit EUR 317'314.50 

(EUR 520'373.– - EUR 203'058.50). Die Klägerin verzichte einstweilen darauf, 

das mit der Klage eingereichte Rechtsbegehren zu aktualisieren, da aufgrund des 

in der Zukunft liegenden Urteilszeitpunkts weitere Aktualisierungen erforderlich 

würden. Ihr sei in jedem Fall Gelegenheit zu geben, ihre Schadensberechnung 

vor der Urteilsfällung an die aktuellen Verhältnisse anzupassen (act. 34 

Rz. 78 ff.). 

Eine Berechnung des Schadens auf den Zeitpunkt, welchen die Beklagte als we-

sentlich erachtet, nämlich Ende August / Anfang September 2008, nimmt die Klä-

gerin nicht vor. 

d. In der Duplik erklärt die Beklagte, die Klägerin behaupte, dass die Beklagte 

ab Ende Oktober 2006 von der vereinbarten Anlagestrategie abgewichen sei und 

eigenmächtig eine offensivere Strategie verfolgt habe. Die Beklagte bestreite dies 

unter Verweis auf ihre Ausführungen. Ferner werde von der Beklagten bestritten, 

dass die Klägerin überhaupt einen Schaden erlitten habe. Aber selbst wenn es 

der Klägerin gelingen würde, eine Pflichtverletzung nachzuweisen, sei die Klage 

mangels substantiierter Darlegung des Schadens abzuweisen. Die Klägerin neh-

me bei ihrer Schadensberechnung nicht nur auf den falschen Zeitraum Bezug, sie 

rechne auch mit dem Netto- statt dem Bruttovermögen und stelle auf falsche bzw. 

irrelevante Performancezahlen ab (act. 39 Rz. 113 f.). 

Zum relevanten Zeitraum führt die Beklagte aus, dass nicht der Zeitraum vom 

31. Oktober 2006 bis zum 28. Oktober 2008 bzw. dem Datum des Urteils relevant 

sei, sondern aufgrund der Unterbrechung des Kausalzusammenhangs der Zeit-

raum bis zum 29. August 2008 bzw. spätestens bis zum 2. September 2008. Zum 

Schaden, der in dieser Periode eingetreten sein solle, mache die Klägerin weder 

in der Klage noch in der Replik irgendwelche Ausführungen, obwohl die Beklagte 

- 39 - 

bereits in der Klageantwort auf die Unterbrechung des Kausalzusammenhangs 

hingewiesen habe (act. 39 Rz. 115). 

Bezüglich Vermögensstand per 29. August 2008 bzw. 2. September 2008 führt 

die Beklagte aus, dass nach dem Gesagten der Vermögensstand der Klägerin per 

29. August 2008, spätestens aber per 2. September 2008, relevant sei. Das Net-

tovermögen der Klägerin per 29. August 2008 / 2. September 2008 habe 

EUR 248'151 betragen. Hinzuzurechnen seien die Entnahmen der Klägerin zwi-

schen Oktober 2006 und August 2008 von insgesamt EUR 107'800. Der tatsäch-

liche Netto-Vermögensstand per 29. August 2008 / 2. September 2008 habe des-

halb EUR 355'951 betragen. Zum hypothetischen Vermögensstand per 

29. August 2008 / 2. September 2008 habe sich die Klägerin mit keinem Wort ge-

äussert. Vielmehr wolle die Klägerin in Bezug auf den hypothetischen Vermö-

gensstand auf den 28. Oktober 2008, den 8. Juni 2011, den 12. Dezember 2013 

bzw. das Datum des Urteils abstellen. Diese Daten seien aber wie dargelegt alle-

samt irrelevant, da die Klägerin der Beklagten am 29. August 2008 die Verfü-

gungsbefugnis entzogen habe, dies am 2. und 5. September 2008 schriftlich be-

stätigt habe und der nach diesem Zeitpunkt entstandene Schaden der Beklagten 

folglich ohnehin nicht mehr zurechenbar sei. Es fehle folglich schon an der zah-

lenmässigen Grundlage, um den angeblichen Schaden berechnen zu können 

(act. 39 Rz. 116 ff.). 

Ferner führt die Beklagte aus, dass das Bruttovermögen massgebend sei. Da ein 

Teil des klägerischen Portfolios mit Wissen und Willen der Klägerin kreditfinan-

ziert gewesen sei, sei für die Schadensberechnung entgegen der Annahme der 

Klägerin auch auf ein kreditfinanziertes Vergleichsportfolio abzustellen. Massge-

bend sei folglich die Differenz des tatsächlichen und des hypothetischen Brutto-

vermögens, nicht des Nettovermögens. Auch zu diesen Zahlen äussere sich die 

Klägerin nicht (act. 39 Rz. 119 f.). 

Schliesslich stütze sich die Klägerin bei der Berechnung des hypothetischen Ver-

mögensstands auch auf falsche Performancezahlen; dies deshalb, weil die Kläge-

rin für die Schadensberechnung auf den falschen Zeitraum abstelle. Massgebend 

sei nicht die Vergleichsperformance zwischen dem 31. Oktober 2006 und irgend-

einem von der Klägerin gewählten Zeitpunkt, sondern die Vergleichsperformance 

- 40 - 

zwischen dem 31. Oktober 2006 und dem 29. August 2008 bzw. dem 

2. September 2008. Entsprechendes Zahlenmaterial liefere die Klägerin aber 

auch hier nicht, sodass eine Berechnung des hypothetischen Vermögensstands 

unmöglich sei. Die Beklagte bestreite jedenfalls, dass die von der Klägerin in der 

Klage und Replik genannten Performancezahlen relevant und zutreffend seien. 

Es sei zu berücksichtigen, dass es bei der Berechnung des hypothetischen Ver-

mögensstandes einen statistischen Streubereich gebe. Namentlich sei nicht dar-

getan, dass sich der Wert des klägerischen Portfolios bei identischer prozentualer 

Zusammensetzung der Anlagekategorien wie bei den angefühlten Vergleichs-

fonds auch gleich entwickelt hätte. Die Klägerin hätte besser, aber auch schlech-

ter abschneiden können als der Vergleichsfonds. Es sei somit an der Klägerin 

gewesen, zu zeigen, dass die von ihr angeführten Fonds im statistischen Durch-

schnitt lägen (act. 39 Rz. 121 ff.). 

Zusammenfassend sei festzuhalten, dass die Klägerin den ihr angeblich entstan-

denen Schaden weder substantiiert behauptet noch rechtsgenüglich nachgewie-

sen habe. Die Schadensberechnungen der Klägerin in der Klage wie auch der 

Replik seien allesamt falsch (act. 39 Rz. 124). 

2.7.2.3. Rechtliches 

a. Geht man – wie vorliegend – von der Unterstellung des Vermögensverwal-

tungsvertrages unter das Auftragsrecht aus, so beruht die Schadensberechnung 

auf dem Erfüllungsinteresse. Grundlage der Schadensberechnung bildet deshalb 

der Vergleich zwischen dem tatsächlichen Vermögensstand des Auftraggebers 

und jenem, der vorliegen würde, falls der sorgfaltswidrig angelegte Teil des Ver-

mögens vertragskonform verwendet worden wäre (Urteil des Bundesgerichts 

4A_364/2013/4A_394/2013/4A_396/2013 vom 5. März 2014, E. 7.1; Urteil des 

Bundesgerichts 4C.158/2006 vom 10. November 2006, E. 4.4.2; GUTZWILLER, 

a.a.O., S. 251 und S. 252 m.w.H.). Der Schaden errechnet sich somit aus der 

durch die pflichtwidrige Anlage verursachten Vermögensverminderung unter Be-

rücksichtigung des Gewinns, der bei gleichem Kapitaleinsatz in der gleichen Zeit-

spanne hätte erzielt werden können, hätte der Vermögensverwalter eine pflicht-

gemässe Anlagepolitik verfolgt. Auszugehen ist dabei von dem in der Branche vo-

- 41 - 

raussetzbaren Fachwissen und den damals vorherrschenden Markterwartungen 

(GUTZWILLER, a.a.O., S. 252). 

b. Soweit nicht nur eine oder jedenfalls vereinzelte pflichtwidrige, genau bezei-

chenbare Anlagen herbeigeführt worden sind, sondern das gesamte Portefeuille 

oder der überwiegende Teil pflichtwidrig investiert worden ist, bleibt für die Scha-

densberechnung kein anderer Weg, als das gesamte Depot einem hypotheti-

schen Portefeuille gegenüber zu stellen, das den Instruktionen des Kunden ent-

sprochen und nicht gegen die Sorgfalts- und Treuepflicht verstossen hätte 

(GUTZWILLER, a.a.O., S. 256 m.H.a. Urteil des Bundesgerichts 4C.126/2004 vom 

15. September 2004, E. 3). Das Bundesgericht hat ebenfalls erkannt, dass der 

Entwicklung des pflichtwidrig verwalteten Portfolios jene eines hypothetischen 

Portfolios gleichen Umfangs und während des gleichen Zeitraums, das gemäss 

den vertraglichen Instruktionen verwaltet wurde, gegenüberzustellen ist (Urteil des 

Bundesgerichts 4A_364/2013/4A_394/2013/4A_396/2013 vom 5. März 2014, 

E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 4C.18/2004 vom 3. Dezember 2004, E. 2.1). 

Das Bundesgericht spricht hinsichtlich der Schadensberechnung vom "gesamten 

zur Verwaltung übergebenen Vermögen" (Urteil des Bundesgerichts 

4A_364/2013/4A_394/2013/4A_396/2013 vom 5. März 2014, E. 7.1; Urteil des 

Bundesgerichts 4C.158/2006 vom 10. November 2006, E. 4.3). 

c. Vergleichsmassstab bildet nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung – 

wie erwähnt – ein hypothetisches Portfolio gleichen Umfangs, das während des 

gleichen Zeitraums instruktionsgemäss verwaltet wurde (GUTZWILLER, a.a.O., 

S. 257). Als Referenzwerte bzw. Vergleichsmassstäbe, welche zur Ermittlung des 

konkret erlittenen Schadens beizuziehen sind, werden in der Literatur die ge-

mischten Anlagefonds der entsprechenden Risikostufe, sog. Strategiefonds, als 

für die Schadensberechnung geeignet erachtet (GUTZWILLER, a.a.O., S. 121, 

S. 257; ROSAT, Der Anlageschaden, Bern 2009, S. 102; SCHALLER, a.a.O., 

N 472 ff.). ROSAT erachtet Strategiefonds ebenfalls als sehr geeignet für die 

Schadensberechnung, am besten solle mit Durchschnittswerten mehrerer pas-

sender Anlagefonds gerechnet werden (ROSAT, a.a.O., S. 102). 

d. In der Lehre teilweise etwas zu kurz kommt die Abhandlung der Frage, wie 

der relevante Zeitraum zu bestimmen ist, innert der die tatsächlich erzielte (Nega-

- 42 - 

tiv-)Performance mit der Performance des beigezogenen Referenzwertes zu ver-

gleichen ist (vgl. SCHALLER, a.a.O., N 491). Der Zeitpunkt der Schadensberech-

nung ist der Stichtag, auf den sich die Differenzhypothese bezieht. ROSAT betont 

denn auch, dass der Bestimmung des Zeitpunktes der Schadensberechnung 

beim Vermögensverwaltungsvertrag aufgrund der Dynamik des Aktienmarktes ei-

ne besondere Bedeutung zukomme (ROSAT, a.a.O., S. 76 f.). Bei Vorliegen einer 

Schlechterfüllung sei für die Ermittlung des Schadens im Regelfall auf den Erfül-

lungszeitpunkt abzustellen. Da es sich beim Vermögensverwaltungsvertrag um 

ein Dauerschuldverhältnis handle, das fortlaufend zu erfüllen sei, finde sich 

grundsätzlich kein bestimmter einzelner Erfüllungszeitpunkt. Daher sei der frü-

hestmögliche Zeitpunkt der Schadensberechnung der Moment, in dem die Pflicht-

verletzung des Verwalters aufhöre (ROSAT, a.a.O., S. 77). Durch die Beendigung 

des Vermögensverwaltungsvertrages falle die Pflicht des Vermögensverwalters 

zur vertragsgemässen Verwaltung des Portefeuilles dahin. Die Schadensberech-

nung sei daher grundsätzlich ab der Vertragsauflösung möglich und sei in der 

Rechtsprechung wiederholt so vorgenommen worden (ROSAT, a.a.O., S. 78 f. 

m.w.H.; ebenso GUTZWILLER, a.a.O., S. 256). Mit Beendigung des Vertragsver-

hältnisses verlagere sich die Verfügungsmacht über die zu verwaltenden Anlagen 

vom Vermögensverwalter auf den Anleger, was dazu führe, dass der Anleger so-

dann unbeschränkt und direkt über seine Anlagen und damit auch über den darin 

enthaltenen Schaden verfügen könne (ROSAT, a.a.O., S. 79). Soweit der Anleger 

den Vermögensverwaltungsvertrag auflöse, indessen mit dem Verkauf der 

pflichtwidrigen Anlagen nach der Vertragsauflösung noch weiter zuwarte, sei ent-

scheidend, ob der Anleger die aus dem pflichtwidrig zusammengesetzten Porte-

feuille ergehende Gefahr kannte oder zumindest hätte kennen sollen. Falls dies 

der Fall sei, was wohl die Regel sein werde,