# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 54d917c6-4c67-5eec-9f8c-f1dbdb49e122
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-04-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.04.2012 E-6510/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6510-2011_2012-04-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-6510/2011 

 

 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  A p r i l  2 0 1 2    

Besetzung 

 
Richter Bruno Huber (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo,  

Richter Markus König,    

Gerichtsschreiber Jonas Tschan. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. Daniel Habte,  

 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des BFM vom 23. November 2011 / N (…). 

 

 

E-6510/2011 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer seinen Heimat-

staat am 1. Januar 2008 und reiste über den Sudan und Libyen nach Ita-

lien. Er wurde dort im Zusammenhang mit seiner illegalen Einreise am 

30. März 2011 daktyloskopisch erfasst. Am 10. April 2011 gelangte er in 

die Schweiz und suchte am 12. April 2011 im Empfangs- und Verfahrens-

zentrum (EVZ) B._______ ein erstes Mal um Asyl nach. 

Zur Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des Asylverfahrens brach-

te er anlässlich der summarischen Befragung vom 29. April 2011 vor, er 

wolle nicht dorthin zurückkehren, weil er in Italien nicht jenes Leben füh-

ren könne, das er sich erhoffe. Viele Landsleute würden auf der Strasse 

leben und hätten keine Zukunft. 

B.  

Gestützt auf einen Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Daten-

bank (Zentraleinheit Eurodac) ersuchte das BFM am 18. Mai 2011 die ita-

lienischen Behörden um Übernahme des Beschwerdeführers im Sinne 

von Art. 10 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 

18. Februar 2003 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-

mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-

angehörigen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist 

(Dublin-II-VO). Die italienischen Behörden nahmen innerhalb der festge-

legten Frist zum Ersuchen keine Stellung. 

C. 

Das BFM verfügte am 22. Juli 2011, auf das Asylgesuch des Beschwer-

deführers werde nicht eingetreten, wies ihn nach Italien weg und beauf-

tragte den Kanton C._______ mit dem Vollzug der Wegweisung. 

D. 

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 27. Juli 2011 

durch seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwer-

de.  

E. 

Das Gericht trat auf die Beschwerde mit Urteil vom  30. August 2011 in-

folge Nichtleistens des einverlangten Kostenvorschusses nicht ein. 

E-6510/2011 

Seite 3 

F. 

Der Beschwerdeführer wurde im Rahmen des Dublin-Verfahrens am         

23. September 2011 nach Rom überstellt. 

G. 

Am 27. September 2011 gelangte er erneut in die Schweiz und suchte am 

29. September 2011 im EVZ D._______ ein zweites Mal um Asyl nach. 

Anlässlich der Kurzbefragung vom 12. Oktober 2011 machte er geltend, 

in Italien sei das Leben die Hölle. Er habe gesehen, dass dort alle seine 

Freunde auf der Strasse leben würden. 

H. 

Mit Schreiben vom 20. Oktober 2011 ersuchte das BFM die italienischen 

Behörden wiederum um Übernahme des Beschwerdeführers. Diese nah-

men innert der festgelegten Frist keine Stellung. 

I. 

Das BFM verfügte am 23. November 2011 – eröffnet am 28. November 

2011 – , auf das (neuerliche) Asylgesuch des Beschwerdeführers werde 

nicht eingetreten, wies ihn nach Italien weg und beauftragte den Kanton 

C._______ mit dem Vollzug der Wegweisung. Gleichzeitig stellte das 

Bundesamt fest, eine allfällige Beschwerde habe keine aufschiebende 

Wirkung. 

J. 

Der Beschwerdeführer erhob mit Eingabe vom 28. November 2011  

(Poststempel: 1. Dezember 2011) beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde und beantragte in materieller Hinsicht, die vorinstanzliche Ver-

fügung sei aufzuheben und das BFM sei anzuweisen, sein Asylgesuch 

weiter zu behandeln. In prozessualer Hinsicht beantragte er, der Be-

schwerde sei mit superprovisorischer Verfügung die aufschiebende Wir-

kung zu erteilen, weiter seien die Vollzugsbehörden anzuweisen, die Voll-

zugsbemühungen sofort einzustellen, und es sei ihm unter Verzicht auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses die unentgeltliche Prozessfüh-

rung zu gewähren. 

K. 

Mit Zwischenverfügung vom 8. Dezember 2011 hiess der Instruktionsrich-

ter das Gesuch um Herstellung der aufschiebenden Wirkung der Be-

schwerde gut und stellte fest, der Beschwerdeführer dürfe den Abschluss 

des Verfahrens in der Schweiz abwarten. Das Gesuch um Gewährung 

E-6510/2011 

Seite 4 

der unentgeltlichen Prozessführung wurde unter dem Vorbehalt der Nach-

reichung einer Fürsorgebestätigung innert Frist gutgeheissen. Auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses wurde verzichtet. 

L. 

Am 20. Dezember 2011 reichte der Beschwerdeführer eine Fürsorgebe-

stätigung der Stadt E._______ zu den Akten. 

M. 

In seiner Vernehmlassung vom 22. Dezember 2011 beantragte das BFM 

die Abweisung der Beschwerde. 

N. 

Der Beschwerdeführer ersuchte in seiner Replik vom 11. Januar 2012 um 

Gutheissung der in der Beschwerde gestellten Anträge. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1. 

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 

1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM ge-

hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 

des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Aus-

nahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs-

gericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so 

auch vorliegend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 

1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsge-

setzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 

BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 

AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges 

Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher 

E-6510/2011 

Seite 5 

zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 

AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2. 

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 

die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3. 

Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 32-35a AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdein-

stanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist. Auf Asylgesuche wird in 

der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsuchende in einen Drittstaat aus-

reisen können, der für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsver-

fahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG). Die 

Schweiz hat sich mit der Umsetzung des Dublin-Assoziierungsabkom-

mens (DAA, SR 0.142.392.68) verpflichtet, die Dublin II-VO anzuwenden. 

4. 

4.1 Das BFM führte zur Begründung seiner Verfügung vom 23. November 

2011 aus, der Abgleich der Fingerabdrücke mit der Zentraleinheit Eurodac 

weise nach, dass der Beschwerdeführer am 30. März 2011 in Italien ille-

gal in das Hoheitsgebiet der Dublin-Staaten eingereist sei. Zudem sei er 

bereits im Rahmen eines Dublin-Verfahrens von der Schweiz nach Italien 

überstellt worden. Die italienischen Behörden hätten innerhalb der festge-

legten Frist zum Übernahmeersuchen des Bundesamtes keine Stellung 

genommen. Somit sei die Zuständigkeit, das Asyl- und Wegweisungsver-

fahren durchzuführen, am 21. November 2011 an Italien übergegangen. 

Da der Beschwerdeführer in einen Drittstaat reisen könne, in dem er 

Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finde, sei das 

Nonrefoulement-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaates 

nicht zu prüfen. Weder die in Italien herrschende Situation noch andere 

Gründe würden gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung nach Italien 

sprechen. 

4.2 Der Beschwerdeführer brachte dazu in seiner Rechtsmitteleingabe 

vor, in seinem Falle müsse die Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Nicht-

E-6510/2011 

Seite 6 

eintretens- und Überstellungsentscheides verneint und das Asylgesuch in 

der Schweiz materiell entschieden werden, solange bei einer Überstel-

lung nach Italien das Risiko einer Verletzung des Abkommens vom 

28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonven-

tion [FK, SR 0.142.30]) und der Konvention vom 4. November 1950 zum 

Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (Europäische Men-

schenrechtskonvention [EMRK, SR 0.101]) nicht ausgeschlossen werden 

könne. 

Das BFM habe sich vorliegend mit keinem Wort zum Selbsteintrittsrecht 

geäussert, obwohl es dafür hinreichende Gründe gebe. Der Beschwerde-

führer sei nach dem ersten Asylverfahren in der Schweiz in Beachtung 

des Wegweisungsentscheides nach Italien ausgereist. Unmittelbar nach 

seiner Ankunft habe er sich bei den italienischen Migrationsbehörden ge-

meldet, um sich als Asylsuchender registrieren zu lassen. Man habe ihm 

mitgeteilt, dass Italien nicht zuständig sei und er das Land sofort verlas-

sen müsse. Die italienischen Migrationsbehörden hätten ihm ohne Vor-

nahme eines Asylverfahrens einen Wegweisungsentscheid, welcher auch 

ein Einreiseverbot vorsehe, in die Hand gedrückt und ihn aufgefordert, in 

die Schweiz zu reisen. Damit habe Italien unmissverständlich und nach-

weislich zum Ausdruck gebracht, dass es sich für das Asylverfahren des 

Beschwerdeführers nicht zuständig erachte und nicht gewillt sei, ihm ein 

faires Asylverfahren zu gewähren. Bezeichnenderweise werde der vorge-

nannte Wegweisungsentscheid vom Bundesamt in der angefochtenen 

Verfügung in Verletzung der Abklärungs- und Begründungspflicht mit kei-

nem Wort erwähnt. 

Aufmerksam zu machen sei auch auf die Unterbringungsproblematik von 

Asylsuchenden in Italien. Der Beschwerdeführer sei sich selbst überlas-

sen gewesen und habe bis zu seiner Ausreise in die Schweiz auf der 

Strasse schlafen müssen. Es sei mittlerweile gerichtsnotorisch, dass sich 

Italien weder gegenüber anerkannten Flüchtlingen noch gegenüber Asyl-

bewerbern an die gemeinschaftsrechtlich eingegangenen Mindestver-

pflichtungen halte. 

4.3 In seiner Vernehmlassung hielt das Bundesamt fest, es gebe keine 

Hinweise darauf, der Beschwerdeführer habe sich in Italien als Asylsu-

chender registrieren lassen und befinde sich dort im Asylverfahren oder 

habe ein solches durchlaufen. Weder habe er in der Befragung angege-

ben, er habe sich als Asylsuchender registrieren lassen, noch gebe es ei-

nen entsprechenden Eurodac-Treffer. Es sei daher davon auszugehen, 

E-6510/2011 

Seite 7 

dass sich die Wegweisungsverfügung auf seinen früheren illegalen Auf-

enthalt in Italien beziehe. Würden sich die italienischen Behörden nicht 

für zuständig erachten, hätten sie das Ersuchen um Übernahme des BFM 

abgelehnt oder spätestens bei der Überstellung die Einreise verweigert. 

Die Möglichkeit, in Italien ein Asylgesuch zu stellen, stehe dem Be-

schwerdeführer nach einer Überstellung erneut offen. Bei einem negati-

ven Entscheid hätte er die Möglichkeit, ein Rechtsmittel einzulegen. 

4.4 In der Replik führte der Beschwerdeführer aus, er sei den italieni-

schen Behörden im Rahmen einer ordentlichen Rückschaffung überge-

ben worden und habe sich nach seiner Ankunft zwecks Einreichung eines 

Asylgesuchs unverzüglich bei diesen gemeldet. Er habe daher sehr wohl 

ein Asylgesuch eingereicht, welches die italienischen Behörden allerdings 

nicht hätten entgegennehmen wollen, was auch die eingereichte Wegwei-

sungsverfügung verdeutliche. Dass sich diese auf seinen vorherigen Auf-

enthalt in Italien beziehe, entbehre jeglicher Grundlage. Als Einreiseda-

tum sei ausdrücklich der 23. September 2011 festgehalten, und es werde 

mit keinem Wort auf seinen früheren illegalen Aufenthalt in Italien Bezug 

genommen. Dass die italienischen Behörden die Tatsache, dass er ein 

Asylgesuch eingereicht habe, nicht in der Eurodac-Zentraleinheit regist-

riert hätten, könne ihm nicht angelastet werden. Ein entsprechendes 

Rechtsmittel habe er mangels Anfechtungsobjekt nicht ergreifen können, 

da kein Asylentscheid ergangen sei. 

5. 

5.1 Soweit der Beschwerdeführer die Verletzung der Begründungspflicht 

durch die Vorinstanz rügt (vgl. Beschwerde S. 4 f.), ist Folgendes festzu-

halten: Dem Beschwerdeführer ist insoweit beizupflichten, als eine argu-

mentative Auseinandersetzung mit der italienischen Wegweisungsverfü-

gung in der angefochtenen Verfügung – schon aus Gründen der Akzep-

tanz dieser Entscheidung – in der Tat wünschenswert gewesen wäre. Die 

Frage, ob dies prozessual zwingend gewesen wäre, kann aber vorliegend 

letztlich offenbleiben, nachdem das BFM in der Vernehmlassung zu die-

sem Punkt Stellung genommen hat und der Beschwerdeführer sich hierzu 

in seiner Replik äussern konnte; eine allfällige Verletzung der Begrün-

dungspflicht könnte unter diesen Umständen als geheilt betrachtet wer-

den. Zur Nichtausübung des Selbsteintrittsrechts (vgl. Beschwerde S. 4) 

musste sich die Vorinstanz indessen schon deshalb nicht explizit äussern, 

weil der Beschwerdeführer unmittelbar vor seiner Wiedereinreise bereits 

in erster und zweiter Instanz ein Dublin-Verfahren in der Schweiz durch-

laufen hatte. 

E-6510/2011 

Seite 8 

 

5.2 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach Abschluss des Schrif-

tenwechsels und Durchsicht der gesamten Akten zur gleichen Beurteilung 

wie das BFM. Dem Beschwerdeführer wurden in Italien im Zusammen-

hang mit seiner illegalen Einreise am 30. März 2011 die Fingerabdrücke 

genommen. Am 10. April 2011 reiste er in die Schweiz ein und suchte am 

12. April 2011 ein erstes Mal um Asyl nach. Anlässlich der Befragung vom 

29. April 2011 gab er zu Protokoll, er habe nirgendwo anders als in der 

Schweiz – also auch nicht in Italien – ein Asylgesuch gestellt (vgl. Akten 

BFM A7/12 S.8). Auch als er von der Kantonspolizei C._______ am       

11. April 2011 befragt worden ist, sagte er aus, er sei zwar mit einem Boot 

in Italien angekommen, habe aber in der Schweiz ein Asylgesuch stellen 

wollen (a.a.O. A2/31). Das BFM trat deshalb am 22. Juli 2011 auf das 

Asylgesuch nicht ein und wies ihn nach Italien weg (vgl. Bst. C.). Dieser 

Entscheid wurde mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom    

30. August 2011 rechtskräftig, und der Beschwerdeführer wurde nach Ita-

lien überstellt. Dass er dort in der Folge ein Asylgesuch eingereicht hat, 

ist nicht anzunehmen: Einerseits geht aus den Akten des ersten Asylver-

fahrens hervor, dass er beabsichtigte, in der Schweiz um Asyl nachzusu-

chen, anderseits verneinte er anlässlich der Befragung vom 12. Oktober 

2011 die Frage, ob er jemals in einem Drittstaat ein Asylgesuch einge-

reicht habe. Auch auf die Frage, ob es Gründe gebe, die gegen die Zu-

ständigkeit und die erneute Rückkehr nach Italien sprechen würden, führ-

te er lediglich aus, dort sei das Leben die Hölle, er habe gesehen, dass 

alle seine Freunde auf der Strasse leben würden. Hätten die italienischen 

Behörden sein Asylgesuch nicht entgegengenommen, wie in der Rechts-

mitteleingabe behauptet wird, dann hätte er das an dieser Stelle wohl er-

wähnt. Dass der Beschwerdeführer dezidiert aber letztlich erfolglos in Ita-

lien ein Asylgesuch einzureichen versucht habe (vgl. auch Replik S. 1), ist 

schon deshalb nicht anzunehmen, weil er bereits vier Tage nach Einreise 

in den Nachbarstaat wieder in der Schweiz in Erscheinung trat. Im Übri-

gen ist an dieser Stelle – entgegen der von ihm vertretenen Auffassung 

(vgl. Replik S. 2) – festzuhalten, dass die behauptete Rechtsverweige-

rung der italienischen Behörden (Nichtentgegennahme des Asylgesuchs) 

in diesem EU-Staat zweifellos mit geeigneten Rechtsmitteln gerügt und 

beseitigt werden könnte (wie im Übrigen auch die mit einer Rechtsmittel-

belehrung versehenen italienischen Wegweisungsverfügungen auf dem 

Rechtsweg beseitigt werden können). Sodann geht auch aus dem Eintrag 

der italienischen Behörden in der Datenbank Eurodac hervor, dass der 

Beschwerdeführer in Italien kein Asylgesuch gestellt hat (PCN:             

E-6510/2011 

Seite 9 

IT1 RG00UOC). Es steht ihm daher frei, bei einer erneuten Überstellung 

dorthin ein solches einzureichen.  

5.3 Für das Bundesverwaltungsgericht sind insgesamt auch keine Grün-

de ersichtlich, welche das Bundesamt zur Ausübung des Selbsteintritts-

rechts (Art. 3 Abs. 2 Dublin II-VO) hätten veranlassen sollen. Italien ist un-

ter anderem Signatarstaat der FK, der EMRK und des Übereinkommens 

vom 10. Dezember 1984 gegen Folter oder andere grausame, un-

menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK,              

SR 0.105). Es bestehen keine Hinweise dafür, Italien würde sich nicht an 

die massgebenden völkerrechtlichen Bestimmungen, insbesondere an 

das Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, 

halten. Das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende steht zwar in 

der Kritik, in den Aufenthalts- und Verfahrensbedingungen für Personen, 

welche sich im Rahmen eines Asylverfahrens in Italien aufhalten, ist in-

dessen insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen. Nach Kenntnis 

des Bundesverwaltungsgerichts werden Dublin-Rückkehrende und ver-

letzliche Personen bezüglich Unterbringung von den italienischen Behör-

den bevorzugt behandelt. Neben den staatlichen Strukturen nehmen sich 

auch zahlreiche private Hilfsorganisationen der Betreuung von Asylsu-

chenden und Flüchtlingen an. 

6. 

Das BFM ist nach dem Gesagten zu Recht in Anwendung von Art. 34 

Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein-

getreten. Das Nichteintreten auf ein Asylgesuch hat in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz zur Folge (Art. 44 Abs. 1 AsylG), wobei in Ver-

fahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG die Frage nach der Zulässigkeit 

und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs regelmässig bereits Voraus-

setzung (und nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheides und 

deshalb vorliegend nicht zu prüfen ist. Die Frage nach der Zumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs stellt sich in Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 

Bst. d AsylG nicht unter dem Aspekt von Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bun-

desgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Aus-

länder (AuG, SR 142.20), sondern allenfalls vor der Prüfung des Nichtein-

tretens im Rahmen der Ausübung des Selbsteintrittsrechts (Art. 3 Abs. 2 

Dublin-II-VO i.V.m. Art. 29a Abs. 3 AsylV) oder gegebenenfalls – falls sich 

Familienmitglieder in verschiedenen Dublin-Mitgliedstaaten befinden und 

allenfalls zusammengeführt werden sollen – bei der Ausübung der so ge-

nannten Humanitären Klausel (Art. 15 Dublin II-VO). Nach dem Gesagten 

ist der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen. 

E-6510/2011 

Seite 10 

7. 

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung    

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer-

de ist demzufolge abzuweisen. 

8. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten in der Höhe von 

Fr. 600.- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 

VwVG; Art. 1- 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,         

SR 173.320.2]). Nachdem aber das Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung mit Zwischenverfügung vom 8. Dezember 2011 

gutgeheissen wurde, ist praxisgemäss auf die Auferlegung von Verfah-

renskosten zu verzichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-6510/2011 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, an das BFM und an das 

Migrationsamt des Kantons C._______. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Bruno Huber Jonas Tschan 

 

 

Versand: