# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4ba93536-d55b-5dbd-8bcd-c37166c9fa2c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-08-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.08.2023 F-2679/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-2679-2021_2023-08-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-2679/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  A u g u s t  2 0 2 3     

Besetzung 
 Richter Sebastian Kempe (Vorsitz), 

Richterin Nina Spälti Giannakitsas,  

Richterin Regula Schenker Senn,    

Gerichtsschreiber Daniel Grimm. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, geboren am (…),  

alias B._______, geboren am (…),  

Afghanistan, 

vertreten durch MLaw Thierry Büttiker,  

Rechtsschutz für Asylsuchende - Bundesasylzentrum Region 

Bern, Morillonstrasse 75, 3007 Bern,  

Beschwerdeführerin,  

  
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

  
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 26. Mai 2021 / (…). 

 

 

 

F-2679/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin ersuchte am 20. April 2021 in der Schweiz um Asyl 

(Akten des SEM, Vorhaben: (… / … [SEM-act.] 2). Ein Abgleich ihrer Fin-

gerabdrücke mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-

heit Eurodac) ergab, dass sie am 17. November 2020 und 24. Dezember 

2020 in Kroatien bei illegalen Einreisen in das Hoheitsgebiet der Dublin-

Mitgliedstaaten aufgegriffen und registriert worden war. Ferner konnte der 

Datenbank entnommen werden, dass sie am 12. März 2021 in Kroatien ein 

Asylgesuch gestellt hatte (SEM-act. 6).  

B.  

Aufgrund der Eurodac-Einträge ersuchte das SEM die kroatischen Behör-

den am 30. April 2021 um Übernahme der Beschwerdeführerin gemäss 

Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen 

Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien 

und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-

nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-

gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist 

(nachfolgend: Dublin-III-VO). 

C.  

Am 5. Mai 2021 wurde mit der Beschwerdeführerin im Beisein der zuge-

wiesenen Rechtsvertretung das persönliche Gespräch gemäss Art. 5 Dub-

lin-III-VO durchgeführt. Bei dieser Gelegenheit wurde ihr das rechtliche Ge-

hör zu einem möglichen Nichteintreten auf ihr Asylgesuch und einer Weg-

weisung nach Kroatien gewährt, das nach Massgabe der Dublin-III-VO zur 

Durchführung des Asylverfahrens zuständig sein könnte. Des Weiteren 

wurde der Beschwerdeführerin die Möglichkeit gegeben, sich zum medizi-

nischen Sachverhalt zu äussern (SEM-act. 15). 

D.  

Die kroatischen Behörden lehnten das Übernahmeersuchen am 6. Mai 

2021 unter Verweis auf eine laufende Abklärung zur Bestimmung der Zu-

ständigkeit ab. Der Fall werde offengehalten und das SEM baldmöglichst 

über das Ergebnis in Kenntnis gesetzt (SEM-act. 17). 

E.  

Ebenfalls am 6. Mai 2021 reichte die zugewiesene Rechtsvertretung ver-

schiedene medizinische Unterlagen ein (SEM-act. 18–23). Mit Eingabe 

vom 17. Mai 2021 liess sie der Vorinstanz zudem einen Bericht der Univer-

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Seite 3 

sitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) über eine dort am 11. Mai 

2021 erfolgte notfallmässige Einweisung der Beschwerdeführerin zukom-

men (SEM-act. 24, 25). 

F.  

Am 24. Mai 2021 stimmten die kroatischen Behörden der Wiederaufnahme 

der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zu 

(SEM-act. 26). 

G.  

Mit Verfügung vom 26. Mai 2021 (eröffnet am 31. Mai 2021) trat das SEM 

in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asyl-

gesuch der Beschwerdeführerin nicht ein, ordnete ihre Wegweisung nach 

Kroatien an und forderte sie auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der Be-

schwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig verfügte es die Aushändigung der 

editionspflichtigen Akten an die Beschwerdeführerin und stellte fest, dass 

einer allfälligen Beschwerde gegen seine Verfügung keine aufschiebende 

Wirkung zukomme (SEM-act. 27). 

H.  

Mit Eingabe vom 7. Juni 2021 gelangte die Beschwerdeführerin an das 

Bundesverwaltungsgericht und erhob Beschwerde gegen die vorgenannte 

Verfügung. 

In der Sache beantragte die Beschwerdeführerin, die angefochtene Verfü-

gung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf ihr Asylgesuch 

einzutreten. Eventualiter sei die Sache zur vollständigen Feststellung des 

Sachverhalts und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Sub-

eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, von den zuständigen kroati-

schen Behörden individuelle Zusicherungen bezüglich Zugangs zum Asyl-

verfahren, adäquater medizinischer Versorgung sowie Unterbringung ein-

zuholen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführe-

rin um Erteilung der aufschiebenden Wirkung, um Erlass eines superprovi-

sorischen Vollzugsstopps sowie um Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege mitsamt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses.  

Das Rechtsmittel war mit einem Arztbericht der UPD vom 4. Juni 2021 er-

gänzt (Akten des BVGer [Rek-act.] 1). 

I.  

Am 8. Juni 2021 setzte der damalige Instruktionsrichter den Vollzug der 

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Seite 4 

Überstellung der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 56 VwVG per sofort 

einstweilen aus (Rek-act. 2). 

J.  

Mit verfahrensleitender Anordnung vom 25. Juni 2021 lud das Bundesver-

waltungsgericht die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein und hielt fest, dass 

über die Rechtsbegehren zu einem späteren Zeitpunkt befunden werde 

(Rek-act. 3). 

K.  

Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 17. August 2021 auf 

Abweisung der Beschwerde (Rek-act. 4). 

L.  

Mit Zwischenverfügung vom 26. August 2021 erteilte das Bundesverwal-

tungsgericht der Beschwerde die aufschiebende Wirkung (Rek-act. 5). 

M.  

Replikweise hielt die Beschwerdeführerin am 27. September 2021 am ein-

gereichten Rechtsmittel, den Rechtsbegehren und deren Begründung fest. 

Der Replik waren ein weiterer Arztbericht sowie die E-Mail einer Oberpsy-

chologin der UPD beigelegt (Rek-act. 6).  

N.  

Mit verfahrensleitender Anordnung vom 8. Oktober 2021 wurde der Be-

schwerdeführerin eine Nachfrist zur Einreichung eines in Aussicht gestell-

ten Verlaufsbericht der UPD gewährt. Gleichzeit erhielt sie Gelegenheit, 

zwei in der Replik erwähnte, aber nicht beigelegte Arztberichte nachzu-

reichen (Rek-act. 7). 

Die betreffenden Unterlagen gingen am 22. Oktober 2021 fristgerecht beim 

Bundesverwaltungsgericht ein (Rek-act. 8). 

Mit ergänzender Eingabe vom 29. Oktober 2021 reichte die Beschwerde-

führerin eine zweite E-Mail der Oberpsychologin der UPD zu den Akten 

(Rek-act. 9).  

O.  

Per 1. März 2023 hat der vorsitzende Richter das vorliegende Verfahren 

aus organisatorischen Gründen vom vormaligen Instruktionsrichter über-

nommen. 

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Seite 5 

P.  

Am 29. März 2023 und 14. April 2023 aktualisierte die Beschwerdeführerin 

den medizinischen Sachverhalt mit einem vom 22. März 2023 datierenden 

fachärztlichen Bericht sowie einem Verlaufsbericht vom 13. April 2023 

(Rek-act. 10 und 12). 

Q.  

Aufgrund der hinzugekommenen medizinischen Befunde lud das Bundes-

verwaltungsgericht das SEM am 13. April 2023 zu einem zweiten Schrif-

tenwechsel ein (Rek-act. 11). 

R.  

Am 27. April 2023 reichte die Vorinstanz eine ergänzende Vernehmlassung 

ein. Darin hielt sie an der angefochtenen Verfügung und der Vernehmlas-

sung vom 27. September 2021 fest (Rek-act. 13). 

S.  

Mit Triplik vom 24. Mai 2023 reichte die Beschwerdeführerin einen weiteren 

fachärztlichen Verlaufsbericht vom 21. Mai 2023 ein und hielt ihrerseits an 

den bisherigen Anträgen fest (Rek-act. 15). Mit ergänzender Eingabe 

12. Juli 2023 legte sie sodann den Bericht einer NGO zu Dublin-Rückfüh-

rungen nach Kroatien ins Recht (Rek-act. 16). 

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 105 AsylG in Verbindung mit Art. 31 ff. VGG ist das Bun-

desverwaltungsgericht zur Beurteilung von Beschwerden auf dem Gebiet 

des Asyls zuständig. Es entscheidet in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerdeführerin ist zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 

Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist 

daher einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

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Seite 6 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2; je m.w.H.). 

3.  

3.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein (Art. 29a Abs. 1 und 2 der Asylverordnung 

1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]; vgl. dazu BVGE 2017 VI/5 

E. 6.2). 

3.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III 

(Art. 8-15 Dublin-II-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. auch 

Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Das Verfahren zur Bestimmung des zuständi-

gen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals 

ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rahmen des 

– hier interessierenden – Wiederaufnahmeverfahrens (Art. 23–25 Dublin-

III-VO) findet grundsätzlich keine (neue) Zuständigkeitsprüfung nach Kapi-

tel III Dublin-III-VO mehr statt. Die Zuständigkeit beziehungsweise die Ver-

pflichtung des Mitgliedstaates zur Wiederaufnahme ergibt sich direkt aus 

Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d beziehungsweise Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO (vgl. 

Urteil des EuGH [Grosse Kammer] vom 2. April 2019, H. und R., C 582/17 

und C-583/17, EU:C:2019:280, Rn. 47–50; BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 

VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.H.). Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden 

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kein Recht ein, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. 

BVGE 2010/45 E. 8.3). 

3.3 Die Beschwerdeführerin war unbestrittenermassen am 17. November 

2020 und 24. Dezember 2020 in Kroatien zweimal rechtswidrig in das Ho-

heitsgebiet der Dublin-Mitgliedstaaten eingereist. Danach hatte sie am 

12. März 2021 in Kroatien ein Asylgesuch gestellt. Die kroatischen Behör-

den lehnten das Ersuchen des SEM um Wiederaufnahme der Beschwer-

deführerin am 6. Mai 2021 unter Verweis auf laufende Abklärungen vorerst 

ab (SEM-act. 17). Am 24. Mai 2021 erteilten sie ihre Zustimmung gestützt 

auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO (SEM-act. 26). 

3.4 Die Beschwerdeführerin bemängelt die vorinstanzliche Feststellung, 

wonach Kroatien für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfah-

rens zuständig sei, vorweg unter formalrechtlichen Gesichtspunkten. Bei 

korrekter Anwendung der Dublin-III-VO wäre das SEM verpflichtet gewe-

sen, nach Erhalt der ablehnenden Antwort der kroatischen Behörden innert 

drei Wochen ein Remonstrationsverfahren einzuleiten. Da diese Frist mitt-

lerweile abgelaufen sei, entfalte die nachträgliche Zustimmung der kroati-

schen Behörden keine Rechtsgültigkeit und die Zuständigkeit für die Be-

handlung ihres Asylgesuchs gehe auf die Schweiz über.  

3.5 Im Grundsatzurteil BVGE 2018 VI/2 (dortige E. 8.3) hat das Bundes-

verwaltungsgericht in diesem Zusammenhang festgehalten, dass eine 

«vorläufige Ablehnung» als «normale» (ordentliche) Ablehnung zu qualifi-

zieren sei. Die Schweiz habe ihre Zuständigkeit entweder zu akzeptieren 

und das Asyl- und Wegweisungsverfahren zügig an die Hand zu nehmen 

oder innerhalb von drei Wochen nach Erhalt der ablehnenden Antwort ein 

sogenanntes Remonstrationsverfahren im Sinne von Art. 5 Abs. 2 der Ver-

ordnung (EG) Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 mit 

Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Ra-

tes zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-

gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in 

einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (ABl. L 222/3 vom 

5.9.2003 [nachfolgend: Verordnung Nr. 1560/2003]) einzuleiten. 

3.6 Im vorliegenden Fall datiert die «vorläufige Ablehnung» der kroatischen 

Behörden, welche gestützt auf die erwähnte Rechtsprechung als ordentli-

che Ablehnung zu gelten hat, vom 6. Mai 2021. Die dreiwöchige Frist zur 

Einleitung eines Remonstrationsverfahrens gemäss Art. 5 Abs. 2 der Ver-

ordnung Nr. 1560/2003 lief demnach am 27. Mai 2021 ab. Da die 

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Seite 8 

kroatischen Behörden dem Wiederaufnahmeersuchen am 24. Mai 2021 – 

vor Ablauf der Frist zur Einleitung eines Remonstrationsverfahrens – zuge-

stimmt haben, war das SEM nicht gehalten, ein solches Verfahren in die 

Wege zu leiten. Die Anwendung der Dublin-III-VO erfolgte mithin korrekt, 

womit die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens feststeht. Nachfolgend ist 

zu prüfen, ob Gründe für einen Übergang der Zuständigkeit von Kroatien 

auf die Schweiz vorliegen. 

4.  

Als mögliche Rechtsgrundlage für einen Zuständigkeitsübergang auf die 

Schweiz kommt Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO in Betracht: 

4.1 Art. 3 Abs. 2 Unterabsatz 2 und 3 Dublin-III-VO regelt, wie zu verfahren 

ist, wenn es sich als unmöglich erweist, einen Antragsteller an den zu-

nächst als zuständig bestimmten Mitgliedstaat zu überstellen, weil es we-

sentliche Gründe für die Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die 

Aufnahmebedingungen für Antragsteller in diesem Mitgliedstaat systemi-

sche Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen 

oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der Charta der 

Grundrechte der Europäischen Union (EU-Grundrechtecharta, ABl. C 

364/1 vom 18.12.2000) mit sich bringen. In einem solchen Fall setzt der die 

Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat die Prüfung der in Kapitel III vorgese-

henen Kriterien fort, um festzustellen, ob ein anderer Mitgliedstaat als zu-

ständig bestimmt werden kann. Kann keine Überstellung gemäss diesem 

Absatz an einen aufgrund der Kriterien des Kapitels III bestimmten Mit-

gliedstaat oder an den ersten Mitgliedstaat, in dem der Antrag gestellt 

wurde, vorgenommen werden, so wird der die Zuständigkeit prüfende Mit-

gliedstaat der zuständige Mitgliedstaat. 

4.2 Die Beschwerdeführerin macht in der Rechtsmitteleingabe vom 7. Juni 

2021 unter Berufung auf verschiedene Quellen geltend, die Menschen-

rechtsverletzungen durch die kroatischen Behörden an den Grenzen seien 

inzwischen gut dokumentiert und als systematisches Vorgehen nachweis-

bar. Flüchtlinge an der bosnisch-kroatischen Grenze seien weiterhin mas-

siver Gewalt ausgesetzt. Die Beschwerdeführerin habe dies selber meh-

rere Male erlebt (Schläge mit Stöcken, Wegnahme von Kleidung, Mobilte-

lefon und Nahrung, Erdulden von sexueller Gewalt bei letztem Einreisever-

such). Ferner verweist sie auf die in Kroatien vorkommenden, zahlreichen 

gewalttätigen Pushbacks. Ihr selber sei dies mehrmals widerfahren, indem 

sie jeweils nach Bosnien und Herzegowina abgeschoben worden sei. Es 

erscheine daher fraglich, ob ein Staat, der solches Verhalten der eigenen 

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Sicherheitsorgane dulde oder gar fördere, tatsächlich willens und in der 

Lage sei, die Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Asylverfahren zu verhindern und den offensichtlich unerwünschten 

Asylsuchenden ein faires Asylverfahren zu bieten. Im Übrigen erhielten 

speziell Dublin-Rückkehrende, welche in Kroatien eine tiefere Lebensqua-

lität als andere Asylsuchende zu erwarten hätten, keinen Zugang zu psy-

chologisch-psychiatrischer Behandlung. Kroatien verfüge nicht über aus-

reichende finanzielle Ressourcen, um die psychologische Gesundheitsver-

sorgung von Asylsuchenden decken zu können. Demzufolge würden die 

Gesundheitsdienstleistungen im Bereich der psychischen Gesundheitsver-

sorgung mehrheitlich von Nichtregierungsorganisationen gestellt, welche 

ihrerseits nur über limitierte finanzielle Mittel verfügten. Eine Überstellung 

im Rahmen des Dublin-Abkommens könne daher gravierende Konsequen-

zen für den psychischen Zustand der Betroffenen haben. Dies gelte im 

Falle der Beschwerdeführerin umso mehr, als eine Rückführung in dasje-

nige Land im Raum stehe, dessen Behördenvertreter sie in der Vergan-

genheit auf unmenschlichste und erniedrigendste Art und Weise behandelt 

hätten. Das Verhalten der kroatischen Behördenvertreter, das sie damals 

zu zwei Suizidversuchen getrieben habe, sei zumindest mitursächlich für 

ihren äusserst fragilen Gesundheitszustand. Deshalb wäre sie bei einer 

Überstellung nach Kroatien dort dringend auf angemessene psychologi-

sche und psychiatrische Behandlung angewiesen, welche sie jedoch kaum 

erhalten werde. Bei der deswegen zu erwartenden Retraumatisierung 

müsste dementsprechend von einer baldigen und wesentlichen Ver-

schlechterung ihres gesundheitlichen Zustandes ausgegangen werden. 

4.3 In seiner bisherigen Rechtsprechung verneinte das Bundesverwal-

tungsgericht systemische Mängel des kroatischen Asyl- und Aufnahmesys-

tems. Es ging davon aus, dass Dublin-Rückkehrende Zugang zum kroati-

schen Asyl- und Aufnahmesystem haben. Das galt grundsätzlich unabhän-

gig davon, ob sie im Rahmen eines Aufnahmeverfahrens gemäss Art. 21 ff. 

Dublin-III-VO (engl.: take charge) oder eines Wiederaufnahmeverfahrens 

gemäss Art. 23 ff. Dublin-III-VO (engl.: take back) nach Kroatien überstellt 

werden (vgl. dazu die Referenzurteile des BVGer E-3078/2019 vom 12. Juli 

2019 und D-1611/2016 vom 22. März 2016). 

In seinem Referenzurteil E-1488/2020 vom 22. März 2023 untersuchte das 

Bundesverwaltungsgericht, ob angesichts der andauernden Berichte über 

unzulässige Pushbacks (direkt an der kroatischen Grenze oder vom Inland 

aus) und die dabei praktizierte exzessive Gewaltanwendung durch kroati-

sche Behörden an dieser Rechtsprechung festgehalten werden kann. 

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Gestützt auf eine Analyse diverser staatlicher und nichtstaatlicher Quellen 

und unter Berücksichtigung der Rechtsprechung anderer Dublin-Mitglied-

staaten bestätigte das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Recht-

sprechung. Es erwog, dass sich der Verdacht eines Gefährdungszusam-

menhangs zwischen Pushbacks einerseits und Dublin-Rückkehr anderer-

seits nicht erhärten lasse, wobei diesbezüglich zwischen Aufnahme- und 

Wiederaufnahmeverfahren kein Unterschied bestehe (ebenda E. 7–9). Es 

besteht kein Grund, aus Anlass der vorliegenden Streitsache von dieser 

Beurteilung abzuweichen. 

4.4 Für eine Übernahme der Zuständigkeit Kroatiens gestützt auf Art. 3 

Abs. 2 Dublin-III-VO besteht nach dem Gesagten kein Anlass. 

5.  

Als weitere potentielle Rechtsgrundlage für einen Zuständigkeitsübergang 

auf die Schweiz ist Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO zu prüfen. 

5.1 Gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat abwei-

chend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO beschliessen, einen bei ihm von ei-

nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten Antrag auf inter-

nationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser Verordnung 

festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist. Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 konkretisiert. 

Gemäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch aus humani-

tären Gründen auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein 

anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Über-

stellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt nach Rechtsprechung des 

Bundesverwaltungsgerichts zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1).  

5.2 Bei der Beurteilung eines Selbsteintritts gilt es zu beachten, dass Kro-

atien Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. Dezember 

1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-

gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105), des Abkommens vom 

28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) 

und des Zusatzprotokolls zur FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist. 

Ferner wird Kroatien durch die Richtlinien des Europäischen Parlaments 

und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren 

für die Zuerkennung und Aberkennung des internationalen Schutzes (Ver-

fahrensrichtlinie, ABl. L 180/96 vom 29.6.2013) sowie 2013/33/EU vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, 

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Seite 11 

die internationalen Schutz beantragen (Aufnahmerichtlinie, ABl. L 180/60 

vom 29.6.2013) gebunden. 

5.3 Mangels systemischer Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO 

kann vermutungsweise davon ausgegangen werden, dass Kroatien seinen 

völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber Perso-

nen in der Situation der Beschwerdeführerin nachkommt und insbesondere 

auch die Rechte respektiert und schützt, die sich aus der Verfahrens- und 

Aufnahmerichtlinie ergeben (vgl. Urteile F-1917/2023 vom 19. April 2023 

E. 7.3; F-1883/2023 vom 12. April 2023 E. 8.2; F-647/2023 vom 9. Februar 

2023 E. 7.1; je m.H.). Diese Vermutung kann zwar im Einzelfall widerlegt 

werden. Hierfür bedarf es aber konkreter und ernsthafter Hinweise, die von 

der betroffenen Person glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 

E. 7.4 f.; Urteil des BVGer D-5698/2017 vom 6. März 2018 E. 5.3.1). 

6.  

Die Beschwerdeführerin beruft sich in diesem Zusammenhang auf eigene 

negative Erfahrungen mit den kroatischen Behörden anlässlich ihrer illega-

len Einreisen nach Kroatien. 

6.1 Die Beschwerdeführerin erklärte hierzu im Wesentlichen, mehrmals 

versucht zu haben, von Bosnien und Herzegowina nach Kroatien zu gelan-

gen. Jedes Mal sei sie von kroatischen Polizisten aufgegriffen und zusam-

men mit anderen Flüchtlingen unter Gewaltanwendung abgeschoben wor-

den. Hierbei habe man ihnen jeweils ihre Kleider, Handys und Nahrungs-

mittel abgenommen. Sodann habe man sie und ihre Schicksalsgenossin-

nen und Schicksalsgenossen mitten im Wald ausgesetzt, sie stundenlang 

dort herumirren lassen und sie schliesslich nach Bosnien zurückgeschickt. 

Dort habe sie im Februar 2021 erstmals versucht, sich durch einen Mes-

serschnitt in die Pulsader das Leben zu nehmen, was ihr jedoch nicht ge-

lungen sei. Von anderen Geflüchteten bewusstlos aufgefunden, habe man 

sie auf eine bosnische Krankenstation gebracht. Aufgrund der Lebensum-

stände in Bosnien habe sie am 10. März 2021, in Begleitung von zwei 

Frauen, erneut versucht, unbemerkt nach Kroatien einzureisen. Maskierte 

Polizisten hätten sie aber im Grenzgebiet angehalten. Die Männer hätten 

alle drei zunächst durch die Kleider hindurch anzüglich abgetastet und an 

den Brüsten berührt. Anschliessend seien sie aufgefordert worden, sich 

auszuziehen. Weil sie sich geweigert hätten, seien einer ihrer Begleiterin-

nen die Kleider vom Leib gerissen worden. Als diese Begleiterin nackt ge-

wesen sei, hätten die Polizisten sie ausgelacht. In dieser ausweglosen Si-

tuation habe die Beschwerdeführerin mit sämtlichen Medikamenten, 

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Seite 12 

welche sie auf sich getragen habe, erneut versucht, sich das Leben zu 

nehmen. Einige Minuten später sei sie bewusstlos gewesen und zwei Tage 

später in einem kroatischen Militärspital erwacht. Was die kroatischen Po-

lizisten mit ihr und den Begleiterinnen dazwischen angestellt hätten, wisse 

sie nicht. Jedenfalls seien ihre Kleider unauffindbar geblieben. Vom Militär-

spital habe man sie dann auf eine Polizeistation gebracht und ihr die Fin-

gerabdrücke abgenommen. Im Anschluss daran habe sie ein Asylgesuch 

einreichen können. Dies sei am 12. März 2021 gewesen. 

6.2 Es soll nicht in Abrede gestellt werden, dass die Beschwerdeführerin 

direkt nach ihren illegalen Einreisen in Kroatien sehr schwierigen Verhält-

nissen ausgesetzt war. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt ihrer Schilderun-

gen ist jedoch hervorzuheben, dass sie sich nach einer von den kroati-

schen Behörden autorisierten Dublin-Überstellung nach Kroatien in einer 

grundsätzlich anderen Situation befinden würde, als derjenigen, in der sie 

sich unmittelbar nach besagten illegalen Einreisen befand. Sie hätte insbe-

sondere Zugang zum Asylverfahren und den entsprechenden Aufnah-

mestrukturen. Aus den geschilderten Erlebnissen können daher keine un-

mittelbaren Schlüsse auf die Bedingungen gezogen werden, denen die Be-

schwerdeführerin bei einer Überstellung nach Kroatien in den dortigen Auf-

enthaltsstrukturen ausgesetzt wäre. 

6.3 Mit ihren Ausführungen zu den Vorkommnissen bei ihren illegalen 

Grenzübertritten nach Kroatien hat die Beschwerdeführerin somit, vorbe-

hältlich der nachfolgenden Ausführungen betreffend Gesundheitszustand, 

nichts vorgebracht, was die Vermutung rechtsgenügend zu erschüttern 

vermöchte, dass sie nach einer Überstellung nach Kroatien von den dorti-

gen Behörden in einer völker- und gemeinschaftsrechtskonformen Weise 

behandelt würde.  

7.  

Die Beschwerdeführerin beruft sich hauptsächlich auf ihren schlechten ge-

sundheitlichen Zustand, insbesondere schwere psychische Probleme. 

7.1 Der gesundheitliche Zustand einer asylsuchenden Person kann unter 

dem Gesichtspunkt des Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO der Überstellung in den 

zuständigen Dublin-Mitgliedstaat entgegenstehen, wenn diese eine Verlet-

zung von Art. 3 EMRK zur Folge hätte. Das ist nur ausnahmsweise der Fall. 

Von einer EMRK-Verletzung geht die Rechtsprechung etwa dann aus, 

wenn sich die asylsuchende Person in einem fortgeschrittenen oder termi-

nalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer 

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Seite 13 

Überstellung mit dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei so-

ziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen 

auf die damalige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschen-

rechte [EGMR]). Eine weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft 

schwerkranke Personen, die durch die Abschiebung – mangels angemes-

sener medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko 

konfrontiert würden, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Ver-

schlechterung ihres Gesundheitszustandes ausgesetzt zu werden, die zu 

intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwar-

tung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 

13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, Ziff. 180–193 m.w.H.).   

7.2 Anlässlich des persönlichen Gesprächs gemäss Art. 5 Dublin-III-VO 

gab die Beschwerdeführerin am 5. Mai 2021 unter anderem zu Protokoll, 

dass sie psychisch angeschlagen sei. Deshalb sei sie im Bundesasylzent-

rum schon beim Arzt gewesen und die darauffolgende Woche habe sie ei-

nen Termin bei einem Facharzt. Seit zwei Jahren habe sie immer wieder 

Anfälle. Sie fühle sich eingeengt, ihre Arme und Hände würden steif und 

sie könne nicht schreien, weshalb sie in ihre Hände beisse. Manchmal 

habe sie immer noch suizidale Gedanken und verletze sich selbst (SEM-

act. 15). 

Während des vorinstanzlichen Verfahrens reichte die zugewiesene Partei-

vertretung mehrere medizinische Unterlagen ein. Aus der am 6. Mai 2021 

eingereichten Dokumentation geht im Wesentlichen hervor, dass die Be-

schwerdeführerin unter Kopfschmerzen, sozialem Rückzug, Hyperventila-

tion mit präsynkopalen Zuständen, Schlafstörungen und ausgeprägten 

Stress- und Angstsymptomen leidet. Die diesbezüglichen Berichte des Ge-

sundheitsdienstes des Bundesasylzentrums verwiesen zudem auf einen 

stationären Aufenthalt nach einem Suizidversuch mit Messer und einen 

stationären Aufenthalt nach einem Koma mit wahrscheinlicher Benzininto-

xikation (März 2021). Aktuell habe sie keine konkreten Suizidvorstellungen, 

aber eine latente Suizidalität sei vorhanden. Parallel zu einer medikamen-

tösen Therapie wurde die Beschwerdeführerin an die Transkulturelle 

Sprechstunde der UPD überwiesen. Bei latenter Suizidalität wurden ihr das 

Antipsychotikum «Quetiapin» und das Antidepressivum «Trittico» ver-

schrieben. Ebenfalls behandelt wurde sie wegen des Verdachts auf Tuber-

kulose und Gastritis (SEM-act. 18–23). 

Dem Bericht der UPD Bern, den die Parteivertretung am 17. Mai 2021 zu-

handen des SEM einreichte, lässt sich sodann entnehmen, dass die 

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Seite 14 

Beschwerdeführerin am 11. Mai 2021 wegen Suizidalität psychiatrisch ein-

gewiesen wurde. Die notfallmässige Einweisung erfolgte aufgrund einer At-

tacke mit Weinen, Unruhe und Atemnot, verbunden mit grossen Ängsten. 

Sich abstützend auf die gestellten Diagnosen (Verdacht auf eine Posttrau-

matische Belastungsstörung [PTBS], Differenzialdiagnose einer Depres-

sion) empfahlen die UPD eine Erhöhung des Medikaments «Trittico» und 

eine Psychotherapie (SEM-act. 24 und 25). 

Mit der Rechtsmitteleingabe vom 7. Juni 2021 ging ferner eine ambulante 

Abklärung der Sprechstunde der Transkulturellen Psychiatrie der UPD vom 

4. Juni 2021 ein. Dieser ausführliche Arztbericht hält diagnostisch eine 

PTBS fest, bei «St. n. sexuellen Übergriffen mit körperlicher Gewalt in Af-

ghanistan», «St. n. tätlichen und sexuellen Übergriffen mit körperlicher Ge-

walt auf der Flucht» und «St. nach Suizidversuch 02/21 und 03/21». Bei 

den Selbstverletzungen sei von dissoziativen Zuständen auszugehen. Ak-

tuell sei die Beschwerdeführerin von Suizidgedanken distanziert und das 

Suizidrisiko erscheine im betreuten Setting derzeit als gering. Durch das 

Vorhandensein einer PTBS und zweier Suizidversuche in der Anamnese 

sei das Suizidrisiko aber bereits um ein Vielfaches erhöht. Sollte sich die 

psychosoziale Belastung erhöhen und die als sicher empfundene Umge-

bung und die Unterstützung wegfallen, sei mit einem erneuten Auftreten 

von akuter Suizidalität zu rechnen. Die psychotherapeutische und medika-

mentöse Behandlung der PTBS, welche empfohlen werde, könne nur unter 

sowohl objektiv sicheren wie auch subjektiv sicher empfundenen Lebens-

bedingungen und ohne weitere Konfrontationen mit Gewalt erfolgreich 

sein. Unter unsicheren und prekären Lebensbedingungen seien derweil 

eine Verstärkung der posttraumatischen Symptome und ohne störungs-

spezifische Behandlung längerfristig eine Chronifizierung der Störung zu 

erwarten (Rek-act. 1, Beilage 4). 

7.3 Bereits aufgrund dieser medizinischen Unterlagen ergeben sich klare 

und glaubhafte Hinweise dafür, dass die Beschwerdeführerin in erhebli-

chem Masse traumatisiert ist und unter schweren psychischen Störungen 

leidet beziehungsweise im Untersuchungszeitpunkt litt. 

7.4 Im Verlaufe des Rechtsmittelverfahrens legte die zugewiesene Partei-

vertretung eine Reihe weiterer medizinischer Unterlagen ins Recht. Mit der 

Replik vom 27. September 2021, den Nachträgen vom 22. Oktober 2021, 

29. Oktober 2021, 29. März 2023 und 14. April 2023 sowie der Triplik vom 

24. Mai 2023 gingen insgesamt neun medizinische Berichte und Einschät-

zungen zur gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin ein. Sie 

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Seite 15 

bestätigten die bisherigen Befunde (PTBS) und diagnostizierten zusätzli-

che psychische Beeinträchtigungen (Anpassungsstörung, Panikstörung, 

rezidive Störung, mittelgradige bis schwere depressive Episode ohne psy-

chotische Symptome mit begleitenden Angstattacken und Suizidgedanken 

nach vorausschauender konkreter Suizidplanung über einen längeren Zeit-

raum hinweg [im Einzelnen siehe Rek-act. 6, 8, 9, 10, 12 und 15, je mit 

Beilagen]). Den zum Teil ausführlichen Verlaufs- und Austrittsberichten 

lässt sich namentlich entnehmen, dass die anhaltenden, sich über eine län-

gere Zeitspanne erstreckenden gravierenden Probleme psychischer Natur 

auch nach dem Vorfall vom 11. Mai 2021 (siehe E. 7.2 hiervor) anhielten 

und in zwei weiteren Notfällen mit stationären Aufenthalten mündeten. Die 

betreffenden notfallmässigen Einweisungen erfolgten vom 31. Mai 2021 bis 

1. Juni 2021 und vom 26. Juli 2021 bis 30. Juli 2021 (vgl. Austrittsberichte 

der UPD vom 4. August 2021 [Rek-act. 8, Beilage 1 und 2] und vom 

22. September 2021 [Rek-act. 6, Beilage 3]). Seit Mai 2022 wird die Be-

schwerdeführerin in einer Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie in 

X._______ betreut. Von dieser fachärztlichen Praxis liegen ein vom 

22. März 2023 datierender Bericht mit den oben aufgeführten Diagnosen 

sowie zwei Verlaufsberichte vom 13. April 2023 und 21. Mai 2023 vor (Bei-

lagen zu Rek-act. 10, 12 und 15). Demnach befindet sich die Patientin zur-

zeit zweimal wöchentlich in ambulanter psychiatrischer Behandlung. Der 

Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin hat sich in der Zwischenzeit 

mithin nicht gebessert. Vielmehr offenbart er anhaltende gravierende psy-

chische Probleme. 

7.5 Als Zwischenergebnis lässt sich festhalten, dass es sich bei der Be-

schwerdeführerin um eine alleinstehende, besonders vulnerable Person 

handelt. Aufgrund der vorhandenen bzw. inzwischen hinzugekommenen 

ärztlichen Berichte ist davon auszugehen, dass sich die Betroffene seit ei-

niger Zeit – und nach wie vor – in einem pathologisch unstabilen psychi-

schen Zustand befindet, an einer schweren PTBS leidet, sich wiederkeh-

renden Spannungszuständen ausgesetzt sieht und es glaubhafte Hinweise 

für eine Langzeittraumatisierung gibt. 

7.6 Des Weiteren liegt in diesem Zusammenhang keine mit dem Referenz-

urteil E-1488/2020 vergleichbare Konstellation vor. So präsentieren sich 

die diagnostizierten psychischen Leiden im Falle der Beschwerdeführerin 

weit gravierender als im eben genannten Urteil, wo das Vorliegen einer 

PTBS explizit ausgeschlossen wurde und es keinerlei Hinweise auf eine 

Langzeittraumatisierung gab (siehe dortige E. 10.2). Sodann unterzieht sie 

sich hierzulande, wie erwähnt, regelmässiger ambulanter psychiatrischer 

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Seite 16 

Konsultationen; sie ist mithin auf eine lückenlose und engmaschige medi-

zinische Betreuung angewiesen. Das Urteil E-1488/2020 äusserte sich zur 

medizinischen Versorgung in Kroatien nicht näher. Auch den von der Vor-

instanz in der Vernehmlassung vom 17. August 2021 und der ergänzenden 

Vernehmlassung vom 27. April 2023 diesbezüglich zitierten Urteilen liegt 

kein vergleichbarer medizinischer Sachverhalt zu Grunde  

(E-6105/2019: nicht aktuell und keine schweren psychischen Leiden auf 

Seiten der Asylsuchenden; E-4754/2022 und D-5885/2002: Person nicht 

wegen psychischer Beschwerden in Behandlung; E-4782/4786/2022: Asyl-

suchende ohne schwere psychischen Leiden und in den Monaten vor Ur-

teilsfällung nicht in fachärztlicher Behandlung). Erheblich erschwert würde 

die Behandelbarkeit der Beschwerdeführerin in Kroatien durch die in meh-

reren Arztberichten zum Ausdruck gebrachte Gefahr der Retraumatisie-

rung und dem damit eingehenden Risiko einer Chronifizierung der festge-

stellten Krankheitssymptome. Wie sich dem Sachverhalt entnehmen lässt, 

müsste die Beschwerdeführerin in ein Land zurückkehren, in welchem sie 

äusserst belastenden Situationen und eigener Darstellung zufolge insbe-

sondere auch sexuellen Übergriffen ausgesetzt war. Aktenmässig erstellt 

sind überdies zwei Suizidversuche, die sie in Kroatien (im Februar und 

März 2021) unternahm und von denen sich letzterer während einer Behör-

denkontrolle ereignete. Ihre psychischen Leiden sind mithin – jedenfalls 

auch – mit ihrem Aufenthalt in Kroatien und ihrer Behandlung durch die 

dortigen Behörden verknüpft und dürften sich durch eine Rücküberstellung 

dorthin verstärken. Mit Blick auf die fallspezifischen Eigenheiten ist somit 

insgesamt davon auszugehen, dass die diagnostizierten psychischen 

Probleme dazu führen, dass Art. 3 EMRK einer Überstellung der Beschwer-

deführerin nach Kroatien entgegensteht.   

7.7 Zu keinem anderen Ergebnis führt, dass Suizidalität praxisgemäss kein 

eigentliches Vollzugshindernis darstellt. Aufgrund der Akten ist vorliegend 

nämlich davon auszugehen, dass es sich bei den festgestellten vier Selbst-

gefährdungen, mit einer Ausnahme, nicht um ein reaktives Verhalten auf 

den Nichteintretensentscheid handelt. So versuchte die Beschwerdeführe-

rin, wie dargetan, bereits in Kroatien, sich zweimal das Leben zu nehmen. 

In der Schweiz wurde sie deswegen zudem am 11. Mai 2021 notfallmässig 

in die UPD eingewiesen. Ihre Probleme haben sich mit anderen Worten 

nicht erst mit Erhalt des negativen Entscheides der Vorinstanz vom 26. Mai 

2021 manifestiert. Hinzu kommt die Hospitalisierung vom 26. Juli 2021 bis 

30. Juli 2021 wegen akuter Suizidalität (Rek-act. 6, Beilage 3), weshalb es 

sich rechtfertigt, von der obgenannten Praxis abzuweichen. 

F-2679/2021 

Seite 17 

7.8 Zusammenfassend ist die Beschwerdeführerin auf eine nahtlose und 

engmaschige psychiatrische Betreuung sowie adäquate Unterbringung an-

gewiesen, die für sie im Kontext der dargelegten fallspezifischen Kompo-

nenten in Kroatien nicht hinreichend gewährleistet erscheint. Vielmehr 

droht ihr aufgrund des Zusammenhangs ihrer psychischen Leiden mit ih-

rem Aufenthalt in Kroatien bei einer Rücküberstellung dorthin eine Retrau-

matisierung. Gesamthaft betrachtet besteht somit die Gefahr einer erheb-

lichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes, was zur Unzulässig-

keit der Überstellung dorthin führt. Im Lichte der gesamten Umstände und 

unter Berücksichtigung von Sinn und Zweck der Dublin-III-VO ist es im vor-

liegenden Einzelfall aus humanitären Gründen angezeigt, dass die 

Schweiz von ihrem Recht auf Selbsteintritt Gebrauch macht und sich für 

die Behandlung des Asylgesuches der Beschwerdeführerin zuständig er-

klärt. 

8.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die Verfügung vom 

26. Mai 2021 ist aufzuheben und die Sache an das SEM zurückzuweisen 

mit der Anweisung, das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren durch-

zuführen und materiell über das Asylgesuch der Beschwerdeführerin vom 

20. April 2021 zu befinden. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(vgl. Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das bisher nicht behandelte Gesuch um 

unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird damit 

gegenstandslos. 

9.2 Der Beschwerdeführerin ist keine Parteientschädigung auszurichten, 

da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche Rechtsvertre-

tung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen vom Bund 

nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. auch 

Art. 111ater AsylG). 

    

(Dispositiv nächste Seite) 

 

 

 

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Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 26. Mai 2021 wird aufgehoben. Die Sache wird an das 

SEM zurückgewiesen mit der Anweisung, das nationale Asyl- und Wegwei-

sungsverfahren durchzuführen und materiell über das Asylgesuch der Be-

schwerdeführerin vom 20. April 2021 zu entscheiden. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz und die kan-

tonale Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Sebastian Kempe Daniel Grimm 

 

 

 

Versand: 

 

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Seite 19 

Zustellung erfolgt an: 

– den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben) 

– die Vorinstanz, Bundesasylzentrum Bern, ad Ref-Nr. (…) 

– den Migrationsdienst des Kantons Bern (in Kopie)