# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0fe960d6-ec8e-58d4-982e-ed0573856207
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-11-18
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 18.11.2011 IV 2010/221
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2010-221_2011-11-18.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2010/221

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 05.11.2019

Entscheiddatum: 18.11.2011

Entscheid Versicherungsgericht, 18.11.2011
Art. 28 Abs. 2 und 28a Abs. 1 IVG Rentenanspruch. Mit Blick auf das weit 
fortgeschrittene Alter des Beschwerdeführers (selbständiger Landwirt) 
sowie die zahlreichen und einschränkenden Anforderungen an eine 
leidensangepasste Tätigkeit ist ausnahmsweise eine realistische 
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit mit überwiegender 
Wahrscheinlichkeit zu verneinen. Damit liegt eine vollständige 
Erwerbsunfähigkeit vor, was zu einem Anspruch auf eine ganze Rente führt 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. 
November 2011, IV 2010/221).

Entscheid Versicherungsgericht, 18.11.2011

Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und 

Marie Löhrer; Gerichtsschreiberin Sibylle Betschart

Entscheid vom 18. November 2011

in Sachen

A.___

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Heer, Advokatur Hubatka & Partner,

Obere Bahnhofstrasse 24, Postfach 637, 9501 Wil SG 1,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdegegnerin,

betreffend

IV-Leistungen

Sachverhalt:

A.     

A.a   A.___ meldete sich am 22. November 2006 unter Hinweis auf einen 

Bandscheibenvorfall sowie einer postoperativen Hirnhautentzündung zum Bezug von 

Hilfsmitteln bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 120-1 ff.). Dies, 

nachdem er am 26. August 2006 notfallmässig in der Neurochirurgie des 

Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) bei Verdacht auf akute Diskopathie mit 

lumboradikulärer Symptomatik rechts notfallmässig operiert worden war und aufgrund 

von Komplikationen am 29. August und 15. September 2006 nochmals zwei 

Operationen mit anschliessendem vierwöchigem Aufenthalt in der Rehabilitationsklinik 

Valens folgten (IV-act. 111-11 ff.).

A.b   Am 3. Mai 2007 erstattete der behandelnde Arzt Dr. med. B.___, Facharzt für 

Allgemeine Medizin FMH, einen Arztbericht. Er diagnostizierte einen Diskusprolaps 

LWK 3/4 bei absoluter diskogener Spinalkanalstenose mit Fussheberplegie re mit/bei 3 

erfolgten Operationen sowie eine leichte AC-Gelenksarthrose rechts bei Triggerpunkt 

mit referred pain im Ansatzbereich M. deltoideus und attestierte eine 100 %ige 

Arbeitsunfähigkeit ab 19. August 2006 (IV-act. 111-1 f.).

A.c   Nach einer Abklärung auf dem Landwirtschaftsbetrieb des Versicherten am 29. 

August 2007 erstattete das Landwirtschaftliche Zentrum SG am 31. August 2007 einen 

Bericht. Darin wurde festgestellt, dass diverse Hilfsmittel wie ein Schlafkissen, eine 

anatomische Rückenmulde, ein Bürostuhl, eine Rückenstützgurte sowie Traktorensitze 

es dem Versicherten ermöglichen sollten, seinen Landwirtschaftsbetrieb weiterzuführen 

und einen Teil der anfallenden Arbeiten wieder selbst ausführen zu können. Im Bericht 

wird die Gewährung eines selbstamortisierenden Darlehens zur Anschaffung der 

geforderten Hilfsmittel in der Höhe von Fr. 17'223.-- beantragt (IV-act. 104-2 ff.).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.d   Am 1. September 2007 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von 

Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte zusätzlich zu den Hilfsmitteln 

eine Rente (IV-act. 102-1 ff.).

A.e   In einer internen Stellungnahme der IV-Stelle vom 12./17. September 2007 wurde 

festgestellt, dass der Versicherte im Moment noch 100 % arbeitsunfähig sei und ein 

Rentenanspruch im Spätherbst 2007 neu überprüft werde. Ob ein Anspruch für ein 

selbstamortisierendes Darlehen erfüllt sei, könne erst nach der Rentenprüfung geprüft 

werden (IV-act. 101-1 f.).

A.f    Am 31. Dezember 2007 erstattete Dr. B.___ erneut einen Arztbericht an die IV-

Stelle mit derselben Diagnosen wie in seinem Bericht vom 3. Mai 2007 (IV-act. 111-1 

f.). Als angegebene Beschwerden werden chronisch starke Schmerzen lumbal, 

teilweise Schmerzen im linken Bein, chronische Nackenschmerzen und 

Kopfschmerzen, links und rechts deutlich vermindert, gestörter Gang wegen Schwäche 

im linken Bein, chronische Nackenschmerzen mit okzipitaler Cephalea, deutliche 

Konzentrationsstörungen sowie gestörtes Sehen durch Oculomotoriusparese am 

rechten Auge aufgeführt. Dr. B.___ attestierte für die Tätigkeit als selbständiger 

Landwirt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 19. August 2006 (IV-act. 86-1 ff.).

A.g   In einem ärztlichen Bericht vom 21. Februar 2008 an die IV-Stelle diagnostizierten 

die Ärzte der Neurochirurgie des KSSG einen Status nach lumbaler Diskushernie LWK 

3/4 links mit absoluter diskogener Spinalkanalstenose und Fusshebeplegie rechts, 

Status nach Hemileminektomie LWK3/4 links, Resektion des Processus spinosus 

LWK3 unter laminärer Fensterung LWK3/4 rechts, Prolapsentfernung und Diskotomie 

am 26.08.06, Status nach Entfernung eines epiduralen Hämatoms in Höhe LWK3/4 und 

Dekompression des Duralsackes sowie Revision eines Liquorleckes mit Duraseal am 

29.08.06, Status nach epiduraler Abzedierung und Diszitis LWK3/4 mit operativer 

Revision und Entfernung von entzündlichem Granulationsgewebe im Bereich des 

ehemaligen Operationszuganges, Entfernung von Pus epidural am 15.09.06, Status 

nach passagerer Meningitis 9/2006, chronisches Vorhofflimmern unter Einnahme von 

Marcoumar, Restbefund einer Oculomotoriusparese rechts, Verdacht auf Skew-

Deviation, Parinaud-Syndrom, Myopie und Astigmatismus beidseits Presbyopie und 

attestierten eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit vom 25. August 2006 bis 18. November 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2006. Die weitere Attestierung der Arbeitsfähigkeit erfolge durch den Hausarzt Dr. 

B.___ (IV-act. 79-1).

A.h   Am 9. Juli 2008 erfolgte der zweite Abklärungsbericht Landwirtschaft des 

Landwirtschaftlichen Zentrums SG. Darin wurde hauptsächlich festgestellt, dass die 

Arbeitsunfähigkeit in der aktuellen Betriebsform gemäss Berechnung 88 % betrage. 

Zudem scheine es aufgrund der gesundheitlichen Entwicklung nicht mehr sinnvoll, 

Hilfsmittel für die Erhöhung der Arbeitsfähigkeit einzusetzen. Viel eher sollte der Betrieb 

so eingerichtet werden, dass der Versicherte mit einem Minimum an 

Betriebsleiterfunktionen den Restbetrieb gemeinsam mit seiner Ehefrau führen könnte. 

Die Anträge für Hilfsmittel seien deshalb zur Ablehnung empfohlen und die Prüfung 

einer IV-Rente vorzunehmen (IV-act. 69-1 f).

A.i     Am 10. Juli 2008 erfolgte in der Klinik für Neurochirurgie des KSSG eine 

osteoligamentäre Dekompression LW4/5 (IV-act. 68-1).

A.j     In einem Bericht vom 26. August 2008 an die ärztliche Leitung der Klinik für 

Neurochirurgie des KSSG hielten die Ärzte der Klinik Valens fest, der Versicherte sei 

vom 22. Juli bis 13. August 2008 in stationärer Behandlung gewesen. Aktuell bestehe 

eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit postoperativ. Dem Versicherten sei mittel- bis 

langfristig eine schwere körperliche Tätigkeit aus rheumatologischer Sicht nicht mehr 

zumutbar (IV-act. 67-2 ff.).

A.k   In einer internen Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 

22. Januar 2009 wurde festgestellt, dass aktuell noch ein instabiler, möglicherweise 

verbesserbarer Gesundheitszustand bestehe. Vor einer Rentenprüfung müsse die 

Restarbeitsfähigkeit in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit gutachterlich 

bestimmbar werden, da bisher divergente ärztliche Angaben betreffend körperlicher 

Belastbarkeit beständen (IV-act. 63-1 f.).

A.l     Im Verlaufsbericht vom 11. Februar 2009 hielt Dr. med. C.___ von der 

Augenklinik, Abteilung für Schielbehandlung und Neuroophtalmologie, des KSSG fest, 

aufgrund der Diplopie bei Rechtsblick sollte eine Tätigkeit an drehenden Maschinen 

gemieden werden. Ausserdem bestehe eine Fahruntauglichkeit. Daher sei die bisherige 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Tätigkeit dem Versicherten sicherlich nur eingeschränkt zumutbar. Durch eine weitere 

Augenmuskeloperation sei eine Abnahme der Doppelbilder zu erwarten. In diesem Fall 

könnte die Arbeitsfähigkeit eventuell verbessert werden (IV-act. 62-1 ff.).

A.m    Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) 

Ostschweiz am 25. September 2009 ein polydisziplinäres medizinisches Gutachten 

unter Einschluss eines neurologischen und psychiatrischen Consiliargutachtens. Die 

Gutachter hielten fest, dass dem Versicherten die Grossviehhaltung wegen seiner 

Rückenproblematik nicht mehr zumutbar sei. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 

für leichtere Tätigkeiten wie bei der schon vorher betriebenen Pouletmast, welche 

wahrscheinlich eine gute Alternative zur vorherigen Haupttätigkeit bilde, werde allein 

aus somatischer Sicht auf 20-30 % geschätzt. Insgesamt unter Beachtung der 

erheblichen psychischen Faktoren und der übrigen aufgeführten somatischen 

Probleme werde die Einschränkung auf rund 50 % geschätzt. Diese Einschätzung gelte 

auch für rückenadaptierte leichtere Tätigkeiten (IV-act. 43-1 ff.).

A.n   Mit Vorbescheid vom 26. Oktober 2009 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, 

dass die Abweisung des Rentengesuchs vorgesehen sei (IV-act. 40-1 f.).

A.o   Die Procap St. Gallen-Appenzell erhob am 27. November 2009 in Vertretung des 

Versicherten Einwand. Sie beantragte die nochmalige Prüfung der Invalidität und bat 

um Fristverlängerung bis am 15. Dezember 2009 zwecks allfälliger Einwandergänzung 

(IV-act. 32-1 f.). Mit Schreiben vom 15. Dezember 2009 ergänzte der Rechtsvertreter 

des Versicherten den Einwand und beantragte, es sei darüber zu befinden, ob der 

Versicherte mittels beruflicher Massnahmen und Hilfsmitteleinsatz wieder in den 

Arbeitsprozess eingegliedert werden könne; eventualiter sei ihm mindestens eine halbe 

Rente zu gewähren (IV-act. 23-1 ff.). Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, 

nach dem Grundsatz "Wiedereingliederung vor Rente" würden dem Versicherten 

berufliche Massnahmen ebenso wie Hilfsmittel zustehen. Diese seien zu keinem 

Zeitpunkt ernsthaft geprüft worden. Dem Versicherten sei es unmöglich, mit der 

Pouletmast sowie mit einer leidensadaptierten Tätigkeit das bisherige Einkommen ohne 

Hilfsmittel und berufliche Massnahmen zu erwirtschaften. Dr. B.___ diagnostizierte im 

beiliegenden Arztzeugnis vom 3. November 2009 neu einen Status nach Hospitalisation 

wegen

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Logensyndrom am linken Unterschenkel nach Distorsionstrauma des linken OSG mit 

Ruptur der vorderen und hinteren Syndesmose sowie residuelle Sehstörungen, 

fortgeschrittene Femoropatellararthrose rechts, atypische depressive Störung und 

hypertensive, valvuläre Herzkrankheit. Im gleichen Arztzeugnis berichtete Dr. B.___, aus 

hausärztlicher Sicht sei der Versicherte aufgrund des zusätzlich erlittenen Traumas auf 

keinen Fall zu 50 % arbeitsfähig als selbständiger Landwirt (IV-act. 23-5).

A.p   Am 25. März 2010 erstattete Dr. B.___ auf der Grundlage von aktuellsten 

Arztberichten des KSSG (IV-act. 16-5 ff.) einen Verlaufsbericht zuhanden der IV-Stelle. 

Er diagnostizierte eine ab Mai 2009 eingetretene Verschlechterung des 

Gesundheitszustandes und attestierte auch im Teilzeitbereich als Landwirt keine volle 

Leistungsfähigkeit, wobei im Teilzeitbereich höchstens kleinere, nicht belastende 

Tätigkeiten ausgeführt werden könnten. Die Arbeitsfähigkeit sei durch das 

Rückenleiden lumbal und Nacken, aber auch durch die Sehstörungen deutlich 

eingeschränkt (IV-act. 16-3 f.).

A.q   Mit Verfügung vom 19. April 2010 wies die IV-Stelle das Rentengesuch des 

Versicherten basierend auf einem Invaliditätsgrad von 0 % (Valideneinkommen 

Fr. 16'733.--, Invalideneinkommen Fr. 29'989.--) ab (IV-act. 12-1 ff.).

A.r    Mit Vorbescheid vom 20. April 2010 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass 

kein Anspruch auf Arbeitsvermittlung bestehe (IV-act. 14-1 f.).

A.s   Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 25. Mai 2010 diverse Einwände 

erheben (IV-act. 10-1 ff.).

B.     

B.a   Gegen die Verfügung vom 19. April 2010 richtet sich die am 20. Mai 2010 

erhobene Beschwerde. Darin wird beantragt, die angefochtene Verfügung sei 

aufzuheben, es sei dem Beschwerdeführer mindestens eine Dreiviertelsrente 

zuzusprechen, eventualiter sei er erweitert medizinisch abzuklären und der 

Invaliditätsgrad sei neu zu berechnen. Subeventualiter wird beantragt, es seien dem 

Beschwerdeführer berufliche Eingliederungsmassnahmen zu gewähren. Zur 

Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, das landwirtschaftliche 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Valideneinkommen sei mit einem nichtlandwirtschaftlichen Invalideneinkommen 

verglichen worden, was zu einer rechtsungleichen Behandlung aller Landwirte im IV-

Verfahren führen würde. Erfahrungsgemäss könnten im Landwirtschaftssektor nicht 

annähernd mit der übrigen Wirtschaft vergleichbare Einkünfte erzielt werden. Bei einem 

solchen Vergleich sei es praktisch unmöglich, als Landwirt überhaupt noch einen 

Invaliditätsgrad zu erreichen. Im Weiteren hätten die Tabellenlöhne zur Bestimmung 

des Invaliditätsgrades, falls überhaupt darauf abzustellen sei, für das Jahr 2008 

(mutmasslicher Rentenbeginn) herbeigezogen werden müssen. Bei der Festlegung des 

Invalideneinkommens sei im übrigen überhaupt kein Leidensabzug berücksichtig 

worden. Schliesslich sei zu bemerken, dass der Beschwerdeführer neben seiner 

körperlich anspruchsvollen Arbeit als Meisterlandwirt auch Haushaltsarbeiten verrichtet 

habe. In beiden Tätigkeiten sei er stark eingeschränkt. Ihm würden daher gestützt auf 

Art. 8 Abs. 3 Bst. b IVG ebenfalls berufliche Eingliederungsmassnahmen zustehen (act. 

G 1).

B.b   Am 9. Juni 2010 liess der Beschwerdeführer einen Arztbericht vom 20. Mai 2010 

sowie einen vom 7. Juni 2010 ins Recht legen, welche aus neurochirurgischer, 

ophthalmologischer und orthopädischer Sicht eine maximale Arbeitsfähigkeit im 

eigenen Landwirtschaftsbetrieb von 25 % bzw. aus augenärztlicher Sicht eine solche 

von 0 % und in einer Verweistätigkeit eine aus neurochirurgischer, ophthalmologischer 

und orthopädischer Sicht bestehende Arbeitsfähigkeit von 0 % bzw. aus 

augenärztlicher Sicht von etwa 50 % und bei Tätigkeiten an Maschinen von 0 % 

attestierten (act. G 4.1 und 4.2).

B.c   Mit Beschwerdeantwort vom 29. Juni 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin 

die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, dass 

der Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit ein deutlich höheres 

Erwerbseinkommen erzielen könnte. Daher sei es ihm aufgrund des in der 

Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der Selbsteingliederungs- und 

Schadenminderungspflicht zumutbar, in eine lukrativere Arbeit zu wechseln und seine 

Tätigkeit als Bauer ganz aufzugeben, zumal er bereits seit längerem ein nicht mehr 

existenzsicherndes Erwerbseinkommen erzielt habe. Das Invalideneinkommen sei 

daher gestützt auf die Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes für Statistik 

(Tabellenlöhne) zu berechnen. Im weiteren sei das Vorgehen, das Valideneinkommen 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

eines Landwirts mit einem nicht in der Landwirtschaft erzielten Invalideneinkommen zu 

vergleichen, nach Art. 16 ATSG zwingend, unabhängig davon, ob in den 

Tabellenlöhnen landwirtschaftliche Einkommen aufgeführt seien oder nicht. Weiter 

komme eine Umschulung aufgrund des Alters und des nicht bestehenden 

Minderverdienstes von 20 % nicht in Frage. Da der Beschwerdeführer zudem nicht 

ausserhalb seines Landwirtschaftsbetriebs arbeiten wolle, sei er subjektiv nicht ein-

gliederungsfähig, weshalb auch eine Arbeitsvermittlung von vornherein keinen Sinn 

machen würde (act. G 6).

B.d   Am 9. September 2010 erstattete der Beschwerdeführer die Replik. Er führte im 

Wesentlichen aus, dass das MEDAS-Gutachten den Sachverhalt längstens bis zum 

25. September 2009 beurteilt habe, und drei später erfolgte ärztliche 

Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen nicht berücksichtigt worden seien. Auch widerspreche 

das MEDAS-Gutachten bezüglich der Quantifizierung der Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers den Einschätzungen von drei unabhängigen Ärzten. Aufgrund des 

Minderverdienstes von mehr als 20 % habe er zudem Anspruch auf Umschulung (act. 

G 11 und G 13.1).

B.e   Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 14. September 2010 auf eine Duplik (act. 

G 15).

B.f    Am 25. August 2011 und 2. September 2011 liess der Beschwerdeführer 

insbesondere einen Bericht vom 5. August 2011 der Ärzte der Kardiologie des 

Departements Innere Medizin des KSSG ins Recht legen. Daraus geht hervor, dass es 

beim Beschwerdeführer mit bekannter hypertensiver und valvulärer Herzkrankheit im 

Frühling 2011 zu zweimaligen Synkopen gekommen sei, welche zu einer 

Hospitalisierung im Spital Flawil geführt hätten. Am 4. August 2011 sei beim 

Beschwerdeführer eine Koronarangiografie durchgeführt worden. Die diagnostizierte 

hochgradige Stenose des proximalen RIVA sei dilatiert und mittels bare metal Stent 

versorgt worden. Zusätzlich habe sich eine mittelschwere proximale 

Intermediäraststenose gezeigt. Nach der Intervention habe der Beschwerdeführer im 

Vergleich zu den vorbekannten Sehstörungen agravierte Doppelbilder und ein 

verschwommenes Blickfeld rechtsseitig beklagt (act. G 18.1 und G 20.1). 

Erwägungen:

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

1.      

Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des 

Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über 

die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In 

materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, 

dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des 

angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der 

zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 

467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am 

19. April 2010 (IV-act. 12-1 ff.) ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der 

vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen begonnen hat. Daher und aufgrund 

dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über die noch nicht 

rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen 

Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen 

und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 

4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, 

I 428/04, E. 1). Für die Invaliditätsbemessung ergibt sich dadurch keine substanzielle 

Änderung. Neu normiert wurde hingegen der Zeitpunkt des Rentenbeginns, der, sofern 

die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen gegeben sind (Art. 28 Abs. 1 IVG), 

gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens sechs Monate nach Geltendmachung des 

Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG entsteht. Es fragt sich, ob und unter 

welchen Voraussetzungen bei Verfügungen unter neuem Recht für den 

Anspruchsbeginn dennoch die bisherigen Bestimmungen anzuwenden sind. Der 

Gesetzgeber hat keine diesbezügliche Übergangsbestimmung erlassen. Das 

Bundesamt für Sozialversicherungen hat im Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 

2007 vorgesehen, grundsätzlich auf den Zeitpunkt des Eintritts des Versicherungsfalls 

abzustellen, aber auch für Sachverhalte mit Eintritt des Rentenfalls im Jahr 2008 altes 

Recht anzuwenden, wenn die Anmeldung ebenfalls noch im Jahr 2008 erfolgt ist. Das 

Bundesgericht hat gestützt auf das Rundschreiben, wenn der Rentenanspruch vor dem 

1. Januar 2008 entstanden wäre, altes Recht angewendet (etwa Urteile des 

Bundesgerichts i/S S. vom 28. August 2008 [8C_373/2008] und i/S P. vom 9. März 

2009 [8C_491/08]). Bezüglich des allfälligen Rentenbeginns rechtfertigt es sich 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

vorliegend, angesichts der Anmeldung zum Rentenbezug im Jahr 2007 und des 

Eintritts der Arbeitsunfähigkeit im August 2006 betreffend des allfälligen Rentenbeginns 

die bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen anzuwenden.

2.      

Zwischen den Parteien ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Rentenleistungen 

streitig. Die Prüfung des Anspruchs auf berufliche Massnahmen entfällt, da eine 

Umschulung bereits aus Verhältnismässigkeitsgründen (Alter des Beschwerdeführers) 

nicht in Frage kommt, und der Anspruch auf Arbeitsvermittlung (wie im übrigen auch 

auf Hilfsmittel) mangels anfechtbarer Verfügung im vorliegenden Verfahren nicht 

Anfechtungsgegenstand ist.

2.1    Zunächst ist zu prüfen, ob die Aufgabe der selbständigen Tätigkeit als Landwirt 

dem Beschwerdeführer zumutbar ist.

2.1.1           Der 1949 geborene Beschwerdeführer war in dem für die richterliche 

Beurteilung massgebenden Zeitpunkt des Verfügungserlasses vom 19. April 2010 61 

Jahre alt. Er arbeitete stets als selbständiger Landwirt (IV-act.120-4). Der 

Beschwerdeführer absolvierte nach 6 Grundschuljahren mit anschliessender 

Realschule die landwirtschaftliche Ausbildung und schloss diese mit der 

Meisterprüfung ab. Nach der Lehre arbeitete er zuerst als Angestellter bei seinem Vater 

auf dem elterlichen Landwirtschaftbetrieb. Seit 1980 ist er als selbständiger Landwirt/

Betriebsleiter auf seinem eigenen (ehemals elterlichen) Landwirtschaftsbetrieb tätig (IV-

act. 43-2, 104-2). Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, dass der 

Beschwerdeführer jemals ausserhalb des elterlichen Betriebes bzw. in einer anderen 

Tätigkeitsbranche als der Landwirtschaft gearbeitet hat.

2.1.2           Aus medizinisch-theoretischer Sicht bestehen folgende Anforderungen an 

eine leidensangepasste Tätigkeit: Körperlich leicht, rückenadaptiert, wechselbelastend, 

vermehrte Pausen jeweils nach einer halbstündigen Arbeitstätigkeit, eingeschränktes 

Arbeitstempo (IV-act. 21-1, 43-15, 43-18). Derartigen Anforderungen genügende 

Tätigkeiten sind dem Beschwerdeführer nach der im Gutachten vom 25. September 

2009 geäusserten Einschätzung zu 50 % zumutbar (IV-act. 43-18). Ferner leidet der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdeführer an residuellen Sehstörungen, fortgeschrittener 

Femoropatellararhrose rechts, atypischer depressiver Störung, beginnend chronifiziert, 

in mittelgradiger depressiver Ausprägung, Angststörung nach schwerer somatischer 

Erkrankung sowie hypertensiver und valvulärer Herzkrankheit (IV-act. 23-5, 43-18). 

Angesichts der genannten erheblichen Einschränkungen kann der Beschwerdeführer 

seine Tätigkeit als Landwirt auch im betrieblich umgestellten Bereich ausschliesslich 

mit Poulethaltung nicht mehr ausführen. Die Aufrechterhaltung der Pouletmast ist nur 

noch mit Hilfe von fremden Arbeitskräften, Nachbarn und mit Unterstützung der 

Ehefrau sowie Familienangehörigen des Beschwerdeführers möglich (IV-act. 21-1, 

43-2, 57-1, 104-4). Die Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers umfasst ausschliesslich 

Überwachungs- und Anweisungsarbeit (IV-act. 20-1), welche jedoch eher einen 

Arbeitstherapie- als einen eigentlichen Erwerbscharakter hat (IV-act. 20-1 f.). Zudem ist 

festzustellen, dass die Pouletmast ein sehr geringes, nicht existenzsicherndes 

Einkommen generiert (IV-act. 43-2, 83-8). Daraus folgt, dass das wenige Einkommen, 

welches mit der Pouletzucht noch erzielt werden kann, nahezu ausschliesslich von 

Dritten erwirtschaftet wird. Aus diesem Grund kann nicht gesagt werden, dass eine 

erwerbliche Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers als 

selbständiger Landwirt mit Pouletzucht bestehen würde. Eine Betriebsaufgabe sowie 

der Statuswechsel in eine unselbständige Tätigkeit scheinen dem Beschwerdeführer 

daher auch aus Rentabilitätsgründen zumutbar.

2.2    Es bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer eine Tätigkeit in einem adaptierten 

unselbständigen Bereich zumutbar bzw. seine Restarbeitsfähigkeit auf dem in Frage 

kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt wirtschaftlich verwertbar ist.

2.2.1           Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit 

darf nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. 

Insbesondere kann von einer Arbeitsgelegenheit im Sinn von Art. 28a Abs. 1 IVG dort 

nicht gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form 

möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder dass sie 

nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers 

möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb zum vornherein als 

ausgeschlossen erscheint. Ferner beinhaltet der Begriff des ausgeglichenen 

Arbeitsmarktes nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Nachfrage nach Stellen, sondern bezeichnet auch einen Arbeitsmarkt, der von seiner 

Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl 

bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie 

auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt 

sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche 

Erwerbsfähigkeit zu verwerten, und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu 

erzielen vermag oder nicht. Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch 

im Rahmen der den versicherten Personen auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt 

offen stehenden Möglichkeiten zur Verwertung ihrer Resterwerbsfähigkeit dürfen von 

ihnen Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven 

und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalls nicht zumutbar sind (Urteil des 

Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche 

Abteilungen des Bundesgerichts] vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.1 mit Hinweisen).

2.2.2           Erwerbslosigkeit aus invaliditätsfremden Gründen vermag zwar keinen 

Rentenanspruch gegenüber der Invalidenversicherung zu begründen. Die 

Invalidenversicherung hat daher grundsätzlich nicht dafür einzustehen, dass eine 

versicherte Person zufolge ihres Alters keine ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung 

angepasste Arbeit mehr findet. Soweit aber die Zumutbarkeit weiterer Erwerbstätigkeit 

nach Massgabe der Selbsteingliederungspflicht und der auf einem ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt vorhandenen Arbeitsgelegenheiten in Frage steht, stellt das 

fortgeschrittene Alter keinen invaliditätsfremden Faktor dar. Vielmehr ist diesfalls zu 

beurteilen, ob für die versicherte Person auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt 

realistischerweise geeignete Arbeitsstellen zur Verfügung stehen, an denen sie die ihr 

verbliebene Restarbeitsfähigkeit zumutbarerweise noch ganz oder teilweise verwerten 

kann. Im Rahmen der sowohl durch den Begriff des ausgeglichenen Arbeitsmarktes als 

auch die Selbsteingliederungspflicht gebotenen Zumutbarkeitsprüfung gehört daher 

das fortgeschrittene Alter der versicherten Person zu den ihre erwerblichen 

Möglichkeiten und damit ihre Invalidität beeinflussenden persönlichen Eigenschaften 

(Urteil des EVG vom 10. März 2003, I 617/02, E. 3.2.3). Ein Alter von beispielsweise 

62 Jahren kann bei männlichen Versicherten gemäss bundesgerichtlicher Praxis 

zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen, 

dass die dem Versicherten verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihm deren 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Verwertung (namentlich bei notwendiger Neuausrichtung der beruflichen Tätigkeit) 

auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumutbar ist (Urteil des 

Bundesgerichts vom 4. Juli 2008, 9C_833/07, E. 3.5, mit Hinweis auf Urteile vom 

21. Februar 2008, 9C_471/2007, E. 5, und vom 21. August 2006, I 831/05, E. 4.1 mit 

weiteren Hinweisen; ferner Urteile vom 21. September 2010, 9C_124/10, E. 5.2 mit 

Hinweisen sowie vom 5. August 2005, I 376/05, E. 4).

2.2.3           Aufgrund der genannten erheblichen Einschränkungen unter Ziff. 2.1.1 

können auch die von der Beschwerdegegnerin konkret genannten Verweistätigkeiten 

"Produktions- und Dienstleistungssektor, etwa leichtere Maschinenbedienungs-, 

Kontroll-, Sortier-, Prüf- sowie Verpackungsarbeiten und leichtere Arbeiten bei der 

Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung" (act. G 6, S. 6) nicht als leidensangepasste 

Tätigkeiten bezeichnet werden. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass (auch leichte) 

Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier- sowie Prüfarbeiten im Hinblick auf die 

Sehstörung bzw. Blickstörung rechts inkl. der binokularen Doppelbilder (act. G 4.2) des 

Beschwerde-führers nicht geeignet erscheinen, sind doch für ihn auch Auto- und 

Traktorfahrten aus demselben Grund nicht mehr möglich (IV-act. 21-1, 43-18, 62-3). 

Ferner ist davon auszugehen, dass mit diesen genannten manuellen Tätigkeiten 

regelmässig in- sowie reklinierte - und wohl auch "rotierte" - Körperhaltungen 

einhergehen. Zudem scheint auch fraglich, ob solche Tätigkeiten den Einschränkungen 

des Rückens, der Beine sowie des Kopf-/Nackenbereichs gerecht würden. 

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Bemerkung der Beschwerdegegnerin, 

dem Beschwerdeführer stehe "eine Vielzahl von Stellen im Produktions- und 

Dienstleistungssektor" offen (act. G 6, S. 6), den erheblichen, vielschichtigen 

Einschränkungen nicht Rechnung trägt. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass sich 

das medizinisch-theoretisch mögliche Tätigkeitsgebiet auf administrative Arbeiten im 

Bürobereich beschränkt. Für diese Tätigkeiten fehlen dem Beschwerdeführer indessen 

die Ausbildung sowie die Berufserfahrung. Zudem erscheint es fraglich, ob es dem 

bisher stets als selbständiger Landwirt/Betriebsleiter auf seinem Hof tätigen 

Beschwerdeführer zumutbar wäre, sich in einem hierarchisch gegliederten 

Unternehmen in ein Team einzufügen bzw. einem Vorgesetzten unterzuordnen. 

Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer aufgrund der 

gutachterlich bescheinigten atypischen depressiven Störung, beginnend chronifiziert, in 

mittelgradiger depressiver Ausprägung sowie einer Angststörung (IV-act. 43-18) für 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Arbeiten mit Publikumsverkehr nicht vollumfänglich geeignet ist. Stellt man diese 

persönlichen und beruflichen Gegebenheiten den objektiven Anforderungen eines 

ausgeglichenen Arbeitsmarktes gegenüber, drängt sich der Schluss auf, dass der 

Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit selbst auf dem 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt keinen Arbeitgeber mehr findet, der ihn für eine geeignete 

Tätigkeit einstellen würde, zumal behindertengerechte Arbeitsplätze von Behinderten in 

jungem und mittlerem Alter ebenfalls stark nachgefragt werden. Zu berücksichtigen ist 

auch, dass dem Beschwerdeführer im massgebenden Zeitpunkt des 

Verfügungserlasses bloss noch eine relativ kurze Aktivitätsdauer von rund 4 Jahren bis 

zum Erreichen des ordentlichen AHV-Alters verblieb, was einen durchschnittlichen 

Arbeitgeber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon abhalten würde, den 

Beschwerdeführer anzustellen. Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die dem 

Beschwerdeführer verbleibende Restarbeitsfähigkeit von 50 % auf dem 

ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt wird und ihm 

deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr 

zugemutet werden kann (vgl. zum Ganzen auch das Urteil des EVG vom 10. März 

2003, I 617/02, E. 3.3, worin ein vergleichbarer Fall eines 61 ½-jährigen Versicherten zu 

beurteilen war; vgl. ferner Urteil des Bundesgerichts vom 19. März 2009, 9C_437/08, 

E. 4 mit weiteren Hinweisen). Diese Sichtweise wird durch die Beurteilung von Dr. med. 

D.___ der Neurochirurgie des KSSG vom 20. Mai 2010 (act. G 4.1) und von Dr. med. 

E.___, Facharzt für Ophthalmologie (act. G 4.2), bestätigt, wonach "aufgrund der 

gesundheitlichen Einschränkungen aus den Befunden und Diagnosen aus den 

Fachgebieten Neurochirurgie, Ophthalmologie und Orthopädie von einem Wechsel auf 

eine Tätigkeit ausserhalb des eigenen Landwirtschaftsbetriebes im Sinne einer anderen 

leidensadaptierten Tätigkeit" abgeraten wurde (ärztlicher Bericht vom 20. Mai 2010, 

act. G 4.1).

2.4    Es ist nach dem Gesagten aufgrund sämtlicher persönlicher und beruflicher 

Umstände von einer fehlenden Verwertbarkeit der medizinisch-theoretischen 

Restarbeitsfähigkeit auszugehen. Der Beschwerdeführer hat demnach Anspruch auf 

eine ganze Invalidenrente.

2.5    Der vorliegende Fall kann im übrigen nicht mit denjenigen vom Bundesgericht 

beispielsweise in den Urteilen vom 28. Mai 2009, 9C_918/08, vom 21. September 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2010, 9C_124/10, sowie vom 14. Juli 2010, 9C_427/10, verglichen werden. So war im 

Urteil 9C_427/10 ein jüngerer, bereits unselbständig tätig gewesener Versicherter zu 

beurteilen (57-jährig im Verfügungszeitpunkt), der eine angepasste Tätigkeit 

uneingeschränkt verrichten konnte und zusätzlich eine (Teil)-Beschäftigung noch 

ausübte. Zudem stellte sich die Frage eines Berufswechsels nicht. Im Urteil 9C_918/08 

beschäftigten sich die Bundesrichter mit einem im Verfügungszeitpunkt 60-jährigen 

Versicherten, der über eine ausgewiesene 80 %ige Restarbeitsfähigkeit für 

leidensangepasste Tätigkeiten verfügte (Offsetdrucker; insbesondere war er im 

Gegensatz zum Beschwerdeführer ohne weiteres in der Lage, in einer unselbständigen 

Tätigkeit mit teilweisem Publikumsverkehr leichte Büroarbeit wie die Eingabe von 

Daten in ein Datenverarbeitungssystem, telefonische Auskunfts-, Bestellungs- oder 

Umfragedienste, Kurierdienste in grösseren Unternehmungen, Kontrolle von Waren in 

der maschinellen Herstellung, Überwachung von voll- oder halbautomatischen 

Maschinen, eventuell Front- und Beratungsarbeit in einem Copyshop, leichte 

Verkaufstätigkeiten und "dergleichen" zu verrichten) und dem damit ein 

vergleichsweise weites Spektrum weiterhin zumutbarer (Hilfs-)Tätigkeiten offen stand. 

Im Urteil 9C_124/10 setzte sich das Bundesgericht mit einem Versicherten 

auseinander, der als gelernter Elektromonteur über handwerkliche sowie technische 

Fähigkeiten verfügte, dem aus beweiskräftiger medizinischer Sicht eine 80 %ige 

Restarbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten zugemutet wurde und bei dem 

ein Branchenwechsel für die berufliche Eingliederung nicht unabdingbar vorausgesetzt 

war. Bei diesem Versicherten bestanden als "einzige relevante Erschwernisse" das 

Alter und die lediglich um 20 % eingeschränkte Leistungsfähigkeit.

2.6    Der Eintritt des Versicherungsfalles setzt (in der Regel) kumulativ eine Wartezeit 

und danach einen rentenbegründenden Invaliditätsgrad voraus. Der Rentenanspruch 

entsteht - gemäss aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG (in der bis zum 31. Dezember 2007 gültig 

gewesenen Fassung) - frühestens in dem Zeitpunkt (abgesehen von der hier nicht 

relevanten lit. a), in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne 

wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40% arbeitsunfähig gewesen 

war. Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte 

Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art. 29

IVV; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S K. vom 26. März 2004, 

I 19/04). Nach dem Ablauf dieses Wartejahres muss ein Invaliditätsgrad in der für die 

ter

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 16/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

betreffende Rentenabstufung erforderlichen Mindesthöhe erreicht werden. Aktenkundig 

ist, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als selbständiger 

Landwirt mit grösserer Milchwirtschaft seit dem 19. August 2006 zu 100 % 

arbeitsunfähig war (IV-act. 43-18, 12-2). Der Rentenanspruch des Beschwerdeführers 

entstand damit nach Ablauf des Wartejahres gemäss dem oben Ausgeführten per 1. 

August 2007.

3.      

Bei diesem Ausgang kann die vom Beschwerdeführer aufgeworfene Frage nach der 

Beweiskraft der gutachterlichen Restarbeitsfähigkeitsbemessung ohne 

Berücksichtigung der nach Vorliegen des Gutachtens erfolgten gesundheitlichen 

Verschlechterung bzw. der betreffenden Arztatteste offen gelassen werden. Denn der 

Beschwerdeführer hat in Anbetracht der nachvollziehbaren, im Einklang mit der übrigen 

Aktenlage bestehenden Anforderungen an eine landwirtschaftliche Tätigkeit im 

Pouletmastbetrieb sowie Verweistätigkeit mangels verwertbarer Restarbeitsfähigkeit 

selbst beim Abstellen auf eine 50 %ige Restarbeitsfähigkeit einen Anspruch auf eine 

ganze Rente. Vor diesem Hintergrund kann auch die Frage nach einem 

vorzunehmenden Leidensabzug bzw. dessen Höhe offen gelassen werden.

4.      

4.1    In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 19. April 

2010 aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. August 2007 eine 

ganze Rente zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung der Rentenhöhe an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

4.2    Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 

Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- 

erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte 

Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 

600.-- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 17/17

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.3    Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In 

der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach 

Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier 

zu beurteilenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive 

Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 

VRP

entschieden:

1.       In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 19. April 

2010 aufgehoben und dem Beschwerdeführer wird mit Wirkung ab 1. August 2007 eine 

ganze Rente zugesprochen.

2.       Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. 

Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird dem Beschwerdeführer 

zurückerstattet.

3.       Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

 

 

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 18.11.2011
	Art. 28 Abs. 2 und 28a Abs. 1 IVG Rentenanspruch. Mit Blick auf das weit fortgeschrittene Alter des Beschwerdeführers (selbständiger Landwirt) sowie die zahlreichen und einschränkenden Anforderungen an eine leidensangepasste Tätigkeit ist ausnahmsweise eine realistische Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu verneinen. Damit liegt eine vollständige Erwerbsunfähigkeit vor, was zu einem Anspruch auf eine ganze Rente führt (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. November 2011, IV 2010/221).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T12:09:01+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen