# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e784eefb-a1ab-5c7e-8e04-b68173ba5cbb
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1992-06-24
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) EDA, Direktion für Völkerrecht (DV) 24.06.1992 JAAC 57.78
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_006_JAAC-57-78--_1992-06-24.pdf

## Full Text

JAAC 57.78

Direktion für Völkerrecht, 24. Juni 1992; traduction
française dans «Pratique suisse 1992», N°4.1, Revue

suisse de droit international et de droit européen
5/1993

Art. 1er Traité d’établissement avec l’Italie. Clauses du traitement
national et de la nation la plus favorisée.

De telles clauses ne permettent pas aux Suisses de revendiquer l’égalité
de traitement avec les ressortissants des pays de la Communauté
européenne en ce qui concerne l’accès au marché du travail et
l’établissement en Italie.

Art. 1 Niederlassungsvertrag mit Italien. Gleichbehandlungs- und
Meistbegünstigungsklauseln.

Solche Klauseln verleihen den Schweizern keinen Anspruch auf
Gleichbehandlung mit den Bürgern der Länder der Europäischen
Gemeinschaft hinsichtlich des Zugangs zum Arbeitsmarkt und der
Niederlassung in Italien.

Art. 1 Trattato di domicilio con l’Italia. Clausole della parità di
trattamento e della nazione più favorita.

Tali clausole non conferiscono agli Svizzeri nessun diritto alla parità
di trattamento con i cittadini dei Paesi della Comunità Europea per
quanto concerne l’accesso al mercato del lavoro e il domicilio in Italia.

1

Die Direktion für Völkerrecht nahm folgendermassen Stellung zu dem
vom Dachverband der Schweizer Vereinigungen in Italien vertretenen
Standpunkt, die Schweiz könne gestützt auf die Meistbegünstigungsklausel
im Niederlassungs- und Konsularabkommen vom 22. Juli 1868 zwischen der
Schweiz und Italien (SR 0.142.114.541) fordern, dass die Schweizer Bürger
hinsichtlich des Zugangs zum Arbeitsmarkt und der Niederlassung in Italien
mit den Bürgern der EG gleichgestellt würden.

Der Wortlaut der Meistbegünstigungsklausel im genannten Abkommen
(ähnliche Verträge bestehen im übrigen auch mit den meisten anderen
EG-Staaten) legt den gezogenen Schluss tatsächlich nahe. Jedoch hat die
Anwendbarkeit dieser sehr weitgefassten Klauseln mit der Fortentwicklung
des Völkerrechts in verschiedenen Bereichen bilateraler Beziehungen
Einschränkungen erfahren.

So entspricht es einem Grundsatz des Völkergewohnheitsrechts, dass
Meistbegünstigungsklauseln auf die im Rahmen einer Zollunion gewährten
Vorteile im Verhältnis zwischen Mitgliedern und Nichtmitgliedern keine
Anwendung finden. Eine gegenteilige Auffassung würde denn auch dem
Sinn einer Zollunion klar zuwiderlaufen (vgl. auch Art. XXIV des GATT und
die Botschaft des Bundesrates betreffend die Sozialversicherungsansprüche
der Schweizer der ehemaligen belgischen Kolonien Kongo und Ruanda-Urundi
vom 23. Mai 1990, BBl 1990 II 1513-1531).

Ebenfalls einer international anerkannten Rechtsüberzeugung entspricht
sodann die sowohl vom Bundesrat als auch vom Bundesgericht
wiederholt vertretene Ansicht, wonach die Gleichbehandlungs- und
Meistbegünstigungsklauseln in Niederlassungsverträgen fremdenpolizeilichen
Beschränkungen der Zuwanderung nicht imWege stünden. Tatsächlich
sind bereits nach dem Ersten Weltkrieg praktisch sämtliche Staaten von
der liberalen Ausländerpolitik des 19. Jahrhunderts abgekehrt und haben
seither den Zugang zu ihrem Territorium und zum Arbeitsmarkt der
gesetzlichen Kontrolle unterworfen. Wenigstens in diesem Umfang wurden
damit die Gleichbehandlungs- und Meistbegünstigungsklauseln in den
Niederlassungsverträgen konkludent aufgehoben.

Keine solche international anerkannte Rechtsauffassung hat sich
demgegenüber in Bezug auf die Behandlung des Eigentums von Ausländern
herausgebildet …

2

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 57.78 - Direktion für Völkerrecht, 24. Juni 1992; traduction française dans

«Pratique suisse 1992», N°4.1, Revue suisse de droit international et de droit européen

5/1993

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1993
Année

Anno

Band 57
Volume

Volume

Seite ---
Page

Pagina

Ref. No 150 001 925

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Direktion für Völkerrecht, 24. Juni 1992; traduction française dans «Pratique suisse 1992», N°4.1, Revue suisse de droit international et de droit européen 5/1993