# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 82890eb5-54d1-5912-9ff6-0ef67a2a3bc8
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-02
**Language:** de
**Title:** Kein Rentenanspruch nach erstmaliger beruflicher Eingliederung; triftiger Grund gegeben, der rechtlich ein Abweichen von der im psychiatrisch-neuropsychologischen Gutachten attestierten Arbeitsunfähigkeit gebietet; Invaliditätsgrad entspricht Grad der Arbeitsunfähigkeit
**Docket/Reference:** IV.2022.00242
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2022.00242.html

## Full Text

S
ozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2022.00242
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiber Klemmt
Urteil
vom
2. Februar 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch den Vater
Y.___
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die
1995
geborene
X.___
befand sich nach
Beendigung
der Sekundarschule in einem Praktikum (Kinderbetreuung), als sie sich am 22.
November 2016 unter Hinweis auf eine Konversionsstörung mit dissoziativen Krampfanfällen
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 6/
2, Urk. 6/16
). Nach Abklärungen
(Urk. 6/19
, Urk. 6/29
, Urk. 6/42
) erteilte
die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
mit Mitteilung vom 24. Juli 2017
Kostengutsprache für
berufliche Eingliederungsmassnahmen in Form einer erstmaligen beruflichen Ausbildung zur Fachfrau Betreuung
Kinder
und richtete
T
aggelder
für die Periode vom 21. August 2017 bis 31. Juli 2020
aus (Urk. 6/17,
Urk. 6/22,
Urk. 6/28
, Urk. 6/31, Urk. 6/
41
, Urk. 6/44, Urk. 6/47, Urk.
6/58, Urk. 6/
60-62
, Urk. 6/
73-
74
).
Die Versicherte schloss die A
us
bildung Ende Juli 2020 mit Erfolg ab
(Urk. 6/69-70; vgl. auch Urk. 6/67
, Urk. 6/73
)
und arbeitete danach mit einem Pensum von 60 % für die Stiftung
Z.___
im erlernten Beruf
(Urk.
6/71
).
1.2
Da sich die Versicherte
nur
zu 60 % arbeitsfähig erachtete
(Urk. 6/75/2, Urk.
6/75/13)
,
schritt die IV-Stelle zur Rentenprüfung. Nach dem Beizug aktueller Bericht
e
der behandelnden Ärzte (Urk. 6/77, Urk. 6/83/7-15
)
holte die IV-Stelle zur Beurteilung
d
er Leistungsfähigkeit das psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten von
Dr. med.
A.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie Dr. phil.
B.___
, Fachpsychologin für Neuropsychologie,
vom
14. Oktober 2021
(Urk. 6/97)
samt
Stellungnahme der Gutachter zu ergänzenden Fragen
(Urk.
6/98)
vom
15. Dezember 2021 (Urk. 6/100) und 18. Januar 2022 (Urk. 6/103)
ein
(
vgl. auch Urk. 6/90, Urk. 6/106/4-5)
. Gestützt darauf
sowie
auf
eine Ressourcen
prüfung aus Sicht des Rechtsanwenders (vgl. Urk. 6/106/9-11)
verneinte sie – nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(Urk.
6/
107-111)
- m
it Verfügung vom 5. April 2022 das Bestehen eines Rentenanspruchs, da der Invaliditätsgrad unter 40 % liege (
Urk. 6/112
).
2.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch ihren Vater
Y.___
, mit Eingabe vom 1. Mai 2022 Beschwerde und beantragte die Zusprechung einer Invalidenrente (Urk. 1 S.
2
).
In der
Beschwerdeantwort vom 8. Juni 2022
schloss
die IV-Stelle
auf
B
eschwerdeabweisu
n
g
(Urk. 5). Eine Kopie hiervon wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 14. Juni 2022 zugestellt (Urk. 7).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (vgl.
Rz
. 1008 des Kreisschreibens zu den Übergangsbe
stimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems, KS ÜB WE IV, gültig ab 1. Januar 2022).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 2022.
Da die Entstehung eines Rentenanspruchs vorliegend bereits vor dem 1. Januar 2022 in Betracht fällt, sind die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden
.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.3.1
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungs
hindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspoten
tialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungs
vermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1).
Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «
funk
tioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
1.3.2
Wie in BGE 145 V 361 dargelegt, ist in allen Fällen durch die Verwaltung bezie
hungsweise das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befun
den, Diagnosen usw.), das heisst sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergeb
nisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also substanziiert darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das
funk
tionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern
vermögen. Der psychiatrische Sachverständige hat darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person
.
Kommen die Experten dieser Aufgabe unter Berücksichtigung der durch
BGE 141 V 281
normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird die medizinisch-psychiatrische Folgenab
schätzung auch aus der juristischen Sicht des Rechtsanwenders - Durchführungs
stelle oder Gericht - Bestand haben. Andernfalls liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebietet
(E. 4.3; vgl. auch BGE 148 V 49 E. 6.2.1 mit Hinweis).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensver
gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalidenein
kommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden berufli
chen Kenntnisse erwerben, so entspricht das Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, den folgenden nach Alter abgestuften Prozents
ätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik
von Fr. 8
3
'500.-- im Jahr 2020 (IV
Rundschreiben Nr. 393)
:
Vor Vollendung
von
21
Altersjahren: 70 %
, n
ach Vollendung von 21
Altersjahren/
v
or Vollendung von 25 A
ltersjahren: 80
%
; nach
Vollendung von 25 Altersjahren/
v
or Vollendung von 30 Altersjahren: 90 %
(Art. 26 Abs. 1 IVV).
2.
2.1
Die
IV-Stelle begründete die Abweisung des Rentenbegehrens in der angefochte
nen Verfügung
und in der Beschwerdeantwort
damit, aus versicherungsmedizi
nischer S
icht sei der Beschwerdeführerin in der Tätigkeit als Fachfrau Betreuung eine Arbeit mit einem 80%igen Beschäftigungspensum zumutbar.
Dieser Ent
scheid basiere auf der
Stellungnahme von
Dr. med.
C.___
, Fachärztin für Psychi
atrie und Psychotherapie des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (
RAD
)
, vom 21.
Januar 2022. Ihre
Einschätzung
stimme mit
der im Gutachten
vom 20.
Oktober 2021
aufgrund der objektivierten
leichten ko
gnitiven Einschränkungen attestier
ten
Arbeitsfähigkeit
aus neuropsychologischer Sicht
überein.
Auch entspreche sie
dem während der Ausbildung vom 21. August 2017 bis zum 31. Juli 2020 absol
vierten Pensum
im Lehrb
etrieb
inklusive der Schultage. Ein Schultag könne bezüglich der erforderlichen Präsenz, Konzentrations- und Leistungsfähigkeit durchaus einem Arbeitstag gleichgesetzt werden.
Die Beschwerdeführerin sei nicht bereit, ein hö
heres Arbeitspensum anzunehmen;
gleichzeitig
habe
sie
aber angegeben, neben dem 60%-Pensum während einem Tag pro Woche eine Weiterbildung machen zu wollen.
Zwar sei
ihr
im Gutachten aus psychiatrischer Sicht lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
bescheinigt worden. Aus invali
denversicherungsrechtlicher Sicht könne dieser Beurteilung jedoch nicht gefolgt werden
. A
us psychiatrischer Sicht
seien nämlich
unauffällige Befunde und im Mini-ICF-APP höchstens leichte Beeinträchtigungen beschrieben worden. Zudem sei
die Beschwerdeführerin
in sämtlichen anderen Bereichen, insbesondere im sozialen Bereich und bezüglich Hobbys,
nicht
eingeschränkt
. E
ine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
liege
damit
nicht vor.
Die Einschränkung in der bisherigen Tätigkeit von 20 % entspreche einem Invaliditätsgrad von 20 %, welcher nicht zu einem Rentenan
spruch führe (Urk. 5, Urk. 6/112/1-2).
2.2
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, sie könne nicht mehr als 60 % arbeiten und benötige deshalb
zur Existenzsicherung
finanzielle Unterstüt
zung in Form einer Zusatzrente (Urk. 1 S.
2 und
5)
.
Ihr Arbeitgeber sei der Mei
nung, dass s
i
e schon beim aktuellen 60%-P
ensum Ü
berlastungssymptome zeige. Entgegen der Ansicht der IV-Stelle könne sie ihren Tagesablauf nicht eigenstän
dig strukturieren. Sie
lebe
nach wie vor bei ihren Eltern
, welche sie durch
die
Übernahme von Haushaltsa
rbeiten entlasteten. I
n Zukunft
wolle sie zwar
eigen
ständig wohnen, benötige dafür aber ein weiteres Zeitbudget für die Bewältigung des Haushaltes, welches bei einem 80%igen Erwerbspensum nicht vorhanden
wäre
und zu einer Überlastung führ
t
e. Eine
Überlastungssituation
würde sich, wie die Erfahrung in den letzten Jahren zeige, auch negativ auf ihre bisher langjährig stabile Beziehung
auswirken
(Urk. 1 S. 3
)
. Ihre Hobbies dienten nicht dem Ver
gnügen, sondern seien Teil einer in jahrelanger Arbeit zusammengestellten Therapie und wichtig für ihr Wohlbefinden sowie die Beibehaltung eines psychi
schen Gleichgewichts. Sie erforderten ein erhebliches Zeitbudget, das sie bei einem 80%igen Arbeitspensum nicht mehr im nötigen Ausmass aufbringen könn
t
e
. Sie sei ausschliesslich für zwei Jahre während der Ausbildung inklusive
der
Schultage zu 80 % tätig gewesen. Schultage dürften aber nicht mit Arbeits
tagen gleichgesetzt werden, da bei letzteren die Arbeitsbelastung und Verantwor
tung höher sei.
Nach dem Ende der Ausbildung habe sie das Pensum sofort wieder auf 60 % reduziert, weil ihr die Ausbildungszeit übermässig Ressourcen abver
langt habe
, sie oft am Anschlag gewesen sei und auch Suizidgedanken gehabt habe (Urk. 1 S. 4 f.)
.
Während der ganzen Ausbildungszeit sei sie im Übrigen von diversen Fachleuten betreut und begleitet worden (Urk. 1 S. 5).
Dies beweise, dass
diese Z
eit nicht repräsentativ sei und sie nicht
in der Lage sei
, ein 80%iges Beschäftigungspensum über längere Zeit aufrecht zu erhalten. Seit ihrem 14.
Lebensjahr kämpfe sie gegen Überlastungsstörungen
(Urk. 1 S. 4)
.
Beide behan
delnden Ärzte hätten ihr mündlich bestätigt, dass sie nicht mehr als 60 % arbeiten könne (Urk. 1 S. 5), was ihr auch im Gutachten attestiert worden sei (Urk.
1 S. 2).
Der Entscheid der IV-Stelle lasse eine Gesamtbetrachtung der Situation und der vergangenen 12 Jahre ihres Lebens vermissen. Er beruhe auf einer Momentauf
nahme zu einer Zeit, als sie lediglich zu 60 % gearbeitet habe (Urk. 1 S. 1 f.). Aktuell gehe es ihr verhältnismässig gut, weil sie nur
in diesem Umfang
arbeite. Die Erfahrung aus der Vergangenheit,
auch
im Zusammenhang mit
Pensumser
höhungen
aufgrund von Abwesenheiten, Notfällen usw., zeige aber, dass es bei einer Steigerung des Arbeitspensums auf 80 % schnell zu körperlichen und psychischen Reaktionen zu
folge Überlastung kommen werde
(Urk. 1 S. 5).
3.
3.1
Aus den von der IV-Stelle beigezogenen aktuellsten Berichten der behandelnden Ärzte ergibt sich
F
olgendes:
Dr. med.
D.___
, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –
psychothera
pie
, diagnostizierte in seinem Bericht vom 23. September 2020 eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung ADHS
(ICD-10 F90.0)
.
Die früher diag
nostisch als depressive Störung und Panikstörung eingeordnete Symptomatik sei in den letzten Jahren nur noch zeitweise und situativ aufgetreten; die im Jugend
alter diagnostizierten dissoziativen Krampfanfälle
hätten sich
nicht mehr
mani
festiert
(Urk. 6/77/1).
Die psychischen Probleme seien Folge einer ausgeprägten
Empfindlichkeit, verminderte
r
Stresstoleranz und eingeschränkte
r
Belastungsfä
higkeit. Die Symptomatik sei in den letzten zwei bis drei Jahren dank der Psychotherapie, der von der Invalidenversicherung unterstützten Ausbildung und dem begleitenden Coaching zurückgegangen. Der Verlauf sei aber nicht problem
los gewesen: In Stresssituationen, bei vermehrter Belastung und bei Konflikten im Team hätten sich immer wieder Verstimmungszust
ände, emotionale Überre
aktionen und
deutliche psychosomatische Sym
p
tome gezeigt, die zu kurzzeitigen krankheitsbedingten Arbeitsausfällen geführt hätten. Während der Ausbildung habe sich gezeigt, dass ein Beschäftigungspensum von 60 % ihrer maximalen Belastbarkeit entspreche.
Die zusätzlichen schulischen Anforderungen habe sie gut bewältigt, diese hätten als Stress- und Belastungsfaktoren aber zu Folge
problemen geführt. Nach Abschluss der Ausbildung zeige sich bereits deutlich, dass die 60%ige Anstellung weiterhin – und längerfristig - dem maximal mögli
chen Beschäftigungsumfang entspreche.
Bei einem höheren Arbeitspensum sei das Risiko einer Überforderung und der Reaktivierung der früheren Diagnosen mit krankheitsbedingten Arbeitsausfällen sehr hoch (Urk. 6/77/2).
Am 17. Dezember 2020
hielt
der die Beschwerdeführerin seit dem 11. Dezember 2020 neu behandelnde Hausarzt Dr. med.
E.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie,
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit erstmals 2008/2009 erhobene dissoziative Krampfanfälle
fest
. Diese führten aktuell zu einem Bewusstseinsverlust von zwei bis drei Minuten und hätten danach eine Müdigkeit für mehrere Stunden zur Folge. Die Anfäll
e träten aktuell alle vier bis s
echs Wochen auf. Auslöser seien psychischer Stress und Druck, wobei sich die Belastbarkeit aktuell unter Psychotherapie gebessert habe. In die
sem Kontext sei es zu mehrfachen Gehirnerschütterungen und dem Verlust mehrere
r
Zähne bei einem Treppensturz gekommen. Die Beschwerdeführerin halte eine weitere Steigerung ihres aktuellen 60%igen Beschäftigungspensums
für
unrealistisch auf Grund ihrer früheren Erfahrungen (Urk. 6/83/7-8). Gestützt auf ihre Angaben gehe er davon aus, dass eine Steigerung des aktuellen Pensums unmöglich sei (Urk. 6/83/9).
3.2
Das psychiatrisch-neuropsychologische Gutachten des Psychiaters Dr.
A.___
und
der Neuropsychologin Dr.
B.___
wurde am
14. Oktober 2021 e
rstattet
(Urk.
6/97/3)
. Daraus ergibt sich
zur Krankheitsentwicklung, dass die Beschwerdefüh
rerin bereits
in der Kindheit und Jugend unter verschiedenen psychischen Erkran
kungen litt. Seit zehn Jahren führe sie eine als sicher und positiv erlebte Bezie
hung und sei nun mit dem Partner verlobt. Mithilfe der Invalidenversicherung sowie eines Coachings habe sie im Juli 2020 die Ausbildung zur Fachfrau Betreu
ung abschliessen können. Aufgrund von Prüfungsschwierigkeiten sei durch den behandelnden Therapeuten die Diagnose einer Hyperaktivität gestellt worden. Die Beschwerdeführerin habe
über finanzielle Probleme berichtet und angegeben
, nur zu 60 % arbeiten zu können. Sie beabsichtige, daneben für einen Tag pro Woche eine
Zusatzausbildung im Bereich Soziologie oder Psychologie zu machen (Urk. 6/97/6).
In diagnostischer Hinsicht hielten die Gutachter fest, basierend auf den Angaben der Beschwerdeführerin und der Aktenlage sei von einer rezidivierenden depres
siven Störung auszugehen, die gegenwärtig remittiert sei (ICD-10 F33.4), weil
aktuell
keine affektiven Symptome bestünden (Urk. 6/97/6-7
, Urk. 6/97/40
). Von ihr sei sodann der typische Ablauf einer Angsterkrankung mit Panik (episodisch paroxysmale Angst; ICD-10 F41.0) beschrieben worden, so dass diese Diagnose ebenfalls zu stellen sei.
Darunter sei die von Dr.
D.___
als dissoziative Krampf
anfälle interpretierte Symptomatik, die nach Angaben der Beschwerdeführerin in den letzten drei Monaten etwa fünfmal aufgetreten sei, zu subsumieren (Urk.
6/97/6-8).
Im Rahmen der Untersuchung habe eine leichtgradige Einschränkung der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit erhoben werden können, welche diagnostisch als einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) einzuordnen sei. Die Beschwerdeführerin habe
ferner
angegeben, regel
mässig Marihuana zu konsumieren
. Es finde sich eine Art Zwang, die Substanz zu konsumieren.
D
a
die Beschwerdeführerin
eine Laboruntersuchung trotz anfänglicher Zusage nicht wahrgenommen habe (Urk. 6/97/19) und
anlässlich eines späteren Telefonanrufs ganz andere Angaben gemacht habe als anlässlich der Untersuchung,
sei eine eigentliche Abhängigkeitserkrankung nicht mit aus
reichender Sicherheit zu dokumentieren
(Urk. 6/97/8-9, Urk. 6/97/46, Urk. 6/97/49
)
. Diagnostisch sei deshalb von einer psychischen und Verhaltensstörung durch
Cannabinoide mit dem klinischen Erscheinungsbild eines schädlichen
Gebrauch
s
(ICD-10 F12.1) auszugehen
. Angesichts der sehr geringen Einschrän
kungen im beruflichen und fehlenden
Beeinträchtigungen
im sozialen Leben sei nicht davon auszugehen, dass eine Persönlichkeitsstörung bestehe
(Urk. 6/97/8-9). Die testpsychologische Überprüfung habe
aus neuropsychologischer Sicht
Resultate ergeben, die mit einer leichten kognitiven Störung vereinbar seien
. Diese sei wahrscheinlich multifaktoriell bedingt: Durch die diagnostizierten psychischen Erkrankungen bei einem wahrscheinlich bestehenden leichten ADHS sowie durch den Cannabiskonsum (Urk. 6/97/9).
Anhand der ICF-Kriterien seien insgesamt leichtgradige
Funk
tions- und Fähigkeitss
töru
ngen erhoben
worden
, vor allem beim Durchhalte- und Selbstbehauptungsvermögen, bei den zwiespältig dargestellten familiären Beziehungen und
bei der Tatsache, dass die Beschwerde
führerin wegen ihrer subjektiven Anfälle
keinen Führerschein habe. Ihre Selbst
einschätzung werde dadurch mitbestimmt, dass sie eine finanzielle Unterstützung der
Invalidenversicherung für ihr weiteres Leben und ihre weiteren Pläne erwarte (Urk. 6/97/10-11).
Zu den Standardindikatoren (vgl. vorstehend E. 1.3.1)
hielten
die Guta
chter ins
besondere fest, die
Persönlichkeit
der Beschwerdeführerin
wirke
kindlich mit emotional instabilen Zügen; interaktionell sei sie schnell überfordert.
Sie werde erheblich durch ihren Verlobten und die Herkunftsfamilie unterstützt.
Eine psychosoziale Belastungssituation liege aktuell nicht vor. Zum Aspekt der Konsistenz sei festzuhalten, dass keine gleichmässige Einschränkung des Aktivi
tätenniveaus in vergleichbaren Lebensbereichen bestehe. Es fänden sich keinerlei E
inschränkungen in den Bereichen Partnerschaft, soziale Teilhabe, Hobbys und persönliche Interessen
.
Bei höheren Anforderungen oder Belastungssituationen im schulischen und beruflichen Bereich komme es zu verstärkten Symptomen.
Die Beschwerdeführerin gebe einen leicht bis mittelgradig ausgeprägten Leidens
druck an und gehe davon aus, nebst dem 60%igen Arbeitspensum zusätzlich eine Ausbildung machen zu können. Sie lehne
eine
Psychopharmakatherapie
ab, empfinde die Einnahme von
Produkte
n
mit
Cannabidiol
(
CBD
)
jedoch als unter
stütz
end. Die therapeutischen Strukturen spiegelten einen gering empfundenen subjektiven Leidensdruck wider (Urk. 6/97/19-21
,
Urk. 6/97/40,
Urk. 6/97/49
).
A
ufgrund d
er Ergebnisse des
durchgeführte
n
Beschwerdevalidierungstest
s
sei von einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Antwortverzerrungen mit einer bedeut
samen Beschwerdeüberhöhung auszugehen. Auch die
klinische Symptomatik spreche für eine relevante Verzerrung im Sinne einer A
ggravation, ohne dass
der Bereich ungültiger Beschwerdeangaben erreicht
sei
(Urk. 6/97/21
-22).
In der aktuellen Tätigkeit als Fachfrau Betreuung sei die Beschwerdeführerin aus neuropsychologischer Sicht zu 20 % und aus psychiatrischer Sicht zu 40 % arbeitsunfähig. Gesamthaft betrachtet sei von einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. E
ine
angepasste
Tätigkeit mit einer höheren Arbeitsfähigkeit existiere nicht.
Eine retrospektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei wegen der widersprüchlichen Aktenlage nicht möglich (Urk. 6/97/13-14).
Bei einer kombi
nierten, leitliniengerechten Behandlung mit Psycho- und
Psychophar
-
makathera
pie
, welche bisher nicht erfolgt sei,
könne
von einer Verbesserung der Arbeitsfä
higkeit um 20 % innerhalb eines Jahres
aus
ge
g
angen werden
. Problematisch sei die fehlende Bereitschaft oder innere Motivation der Beschwerdeführerin
, länger
fristig zu 100 % oder auch zu 80 % zu arbeiten (Urk.
6/97/15).
3.3
A
m 29. November 2021
wies die IV-Stelle die Gutachter
darauf hin, dass die bescheinigte anhaltende 40%ige Arbeitsunfähigkeit angesichts der
beschriebenen Befunde und Beeinträchtigungen nicht ohne Weiteres nachvollzogen werden
könne, und
ersuchte diese um detailliertere Erläuterung der Einschränkung (Urk.
6/98/1).
In seiner ergänzenden Stellungnahme vom 15. Dezember 2021 hielt der psychi
atrische Gutachter fest, zwar spreche der psychopathologische Befund zum Untersuchungszeitpunkt für sehr geringe Einschränkungen. Bei der Festsetzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit sei indes
der diagnostizierte schädliche
Gebrauch von Cannabinoiden
(
ICD-10 F12.1) mitberücksichtigt worden. Da die Beschwerdeführerin die geplante Laboruntersuchung trotz vorheriger Einwilli
gung nicht wahrgenommen habe, sei unklar, inwieweit der Untersuchungsbefund durch die Einnahme von Marihuana beeinflusst worden sei
. Eine nachträgliche Untersuchung sei trotz des etwa eine Woche später gemachten Angebots der Beschwerdeführerin nicht indiziert. Bei vorheriger Ankündigung des Labortests sei
nämlich
nicht zu erwarten, dass noch psychotrope Substanzen nachgewiesen werden könnten, weil diese deutlich zu kurze Halbwertszeiten hätten.
Auch sei nicht
davon auszugehen
, dass ein Laborbefund e
in
en zusätzlichen
Erkenntnisge
winn
erbringe,
zumal
aufgrund der Angaben
der
Beschwerdeführerin
immerhin eine
regelmässige Einnahme von Marihuana an den Wochenenden
bekannt
sei
(Urk. 6/100/2). Regelmässiger
Marihuanakonsum
könne
Einschränkungen der Aufmerksamkeit und der Konzentrationsfähigkeit sowie Antriebsstörungen nach sich ziehen
und schränke die Zumutbarkeit der Tätigkeit als Fachfrau Betreuung ein
. D
eshalb
sei
eine kontrollierte Abstinenz von Marihuana
im Gutachten
drin
gend
empfohlen worden
. Im Falle einer absoluten Abstinenz von Marihuana sei kurzfristig von einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf
ein 80%iges Pensum in der bisherigen Tätigkeit
auszugehen
.
E
ine angepasste Tätigkeit, in welcher die Arbeitsfähigkeit noch höher
ausfalle
, sei
hingegen
nicht denkbar
(Urk.
6/100/3
4).
Der Ergänzung des neuropsychologischen Teilgutachtens vom 18. Januar 2022 ist im Wesentlichen zu entnehmen, dass die attestierte 80%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit aus neuropsychologischer Sicht in einem Vollzeit
pensum erbracht werden könne. Wegen der leichten kognitiven Störung bestehe dabei eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit um 20 %
. In einer optimal angepassten Tätigkeit in einem ruhigen, eher störungsfreien Setting ohne hohen Personenverkehr bestehe, bezogen auf ein Vollzeitpensum, eine Leistungsein
schränkung von 10 % (Urk. 6/103/2).
4.
4.1
Das
psychiatrisch-neuropsychologische
Gutachten samt den beiden Ergänzungen beruht auf allseitigen Untersuchungen
;
aufgrund der insofern überzeugenden
Ausführungen der Gutachter besteht kein Grund
,
zur Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit nicht auf die gutachterlichen Befunde und Diagnosen abzu
stellen.
Ob die von den Gutachtern
bidisziplinär
attestierte 40%ige
Arbeitsunfä
higkeit in der Tätigkeit als Fachfrau Betreuung
(Urk. 6/97/13-14)
überzeugt, ist anhand des strukturierten Beweisverfahrens
unter Berücksichtigung der vom Bundesgericht definierten Standardindikatoren (vorstehend E. 1.3)
zu beurteilen.
4.2
Hinsichtlich der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde räumte der psychi
atrische Gutachter in seiner ergänzenden S
tellungnahme vom
15. Dezember 2021 ein, der psychopathologische Befund spreche für sehr geringe
Einschränkungen (Urk.
6/100/2
)
. Dementsprechend erhob er anhand der ICF-Kriterien insgesamt leichtgradige
Funk
tions- und Fähigkeitsstörungen (Urk. 6/97/10-11).
Dies stimmt mit der Beurteilung des behandelnden
Facharztes für Kinder- und Jugend
-
psychiatrie
Dr.
D.___
überein, der
von einer signifikanten Verbe
s
serung der psychi
schen Symptomatik
in den letzten Jahren
berichtete
und festhielt, die früher diagnostisch als depressive Störung und Panikstörung eingeordnete Symptomatik sei in den letzten Jahren nur noch situativ aufgetreten
;
die im Jugendalter diag
nostizierten dissoziativen Krampfanfälle hätten sich gar nicht mehr manifestiert (Urk. 6/77/1
; vgl. auch Urk. 6/97/31-32
).
Dies steht allerdings im Widerspruch zu den
anamnestischen
Angaben gegenüber den Gutachtern, wo die Beschwerde
führerin von fünf Anfällen in den letzten drei Monaten gesprochen habe (Urk. 6/97/6), was in Einklang steht mit den Ausführungen des Hausarztes Dr.
E.___
, der Anfälle alle vier bis sechs Wochen erwähnte (Urk.
6/83/8)
, weshalb insoweit eine Symptomfreiheit nicht
ohne
Weiteres
angenommen werden kann.
Allerdings ist auch nicht belegt, dass diese im Vergleich zu früher weit weniger häufig auf
tretenden Anfälle die Leistungsfähigkeit massgeblich beeinträchtigen würden.
Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte erstmals eine Verhaltensstörung durch Cannabinoide mit dem klinischen Erscheinungsbild eines schädlichen Gebrauchs (ICD-10 F12.1). Eine eigentliche Abhängigkeitserkrankung erachtete er aber nicht als mit hinreichender Sicherheit diagnostizierbar (Urk. 6/97/46, Urk.
6/97/49; zur Abgrenzung bloss schädlichen Gebrauchs von einem Abhängigkeits
syndrom vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-dia
gnostische Leitlinien, 10.
Auflage 2015, Bern 2015, S. 1
13 f.).
Der von der Beschwerdeführerin nach
träglich
eingeräumte
Marihuana-Konsum an den Wochenenden in Form mehrerer Joints (Urk. 6/97/39) erscheint denn auch nicht
von invalidenversicherungsrecht
licher Relevanz
. Sie
macht
dementsprechend
weder geltend, unter einer Drogen
abhängigkeit zu leiden, noch, dass eine solche durch die von ihr nachträglich doch noch angebotene Laboruntersuchung (Urk.
6/100/2) nachweisbar wäre. Ent
sprechend der
Einschätzung des psychiatrischen Gutachters, dass davon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten seien, durfte die IV-Stelle deshalb in antizipierter Beweiswürdigung auf eine entsprechende Zusatzabklärung verzichten (vgl. dazu auch das Urteil des Bundesgerichts 8C_52/2019 vom 30. April 2019 E. 4.2.2). In den Akten fehlen Anhaltspunkte, dass es der Beschwerdeführerin nicht zuzumu
ten wäre, die vom begutachtenden Psychiater empfohlene Abstinenz
jederzeit sofort umzusetzen. Zudem erhob der psychiatrische Sachverständige, wie bereits eingangs erwähnt, trotz vermutetem Cannabiskonsum insgesamt höchstens leichtgradige psychopathologische Befunde. Die begutachtende Neuropsycholo
gin erachtete zudem einen Zusammenhang zwischen der von ihr erhobenen leich
ten kognitiven Störung und dem
– gemäss späteren Angaben der Beschwerde
führerin am Vortag der Testung erfolgten (Urk. 6/97/39) -
Cannabiskonsum als wahrscheinlich (Urk.
6/97/9). Es kann deshalb ausgeschlossen werden, dass
die auf den
schädliche
n
Cannabis-Gebrauch
zurückzuführende Symptomatik
zu einer zusätzlichen
,
von den Gutachtern
nicht bereits
einer der
anderen Diagnosen
zugeordneten
Einschränkung des
funk
tionellen Leistungsvermögens führt (vgl. auch BGE 145 V 215 E. 6.3 und 7).
Die Beschwerdeführerin
vermochte sich
mit Hilfe der Invalidenversicherung
insofern
erfolgreich beruflich ein
zugliedern
,
als
sie die Ausbildung zur Fachfrau Betreuung
Kinder
im Juli 2020
abschloss und nun in diesem Beruf arbeitet
(Urk.
6/97/6)
. Eine Therapieresistenz der verbleibenden
Symptomatik ist nicht ausge
wiesen:
Die Beschwerdeführerin begibt sich höchstens einmal pro Monat zu Dr.
D.___
in die Psychotherapie, lehnt aber die Einnahme von Psychopharmaka ab
(
Urk. 6/97/32, Urk. 6/97/34,
Urk. 6/97/20). Laut dem psychiatrischen Sachver
ständigen könnte
durch eine S
teigerung der Behandlungskadenz und eine leitli
niengerechte Medikation
eine
erhebliche Verbesserung der beruflichen Leistungs
fähigkeit erreicht werden
(Urk. 6/97/15)
.
Schwerwiegende somatische Erkrankun
gen, welche
r
essourcenhemmend wirken
,
bestehen nicht (Urk. 6/97/19)
und werden auch nicht behauptet
.
Der Invaliditätsbemessung sind rechtsprechungs
gemäss die
im Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns gegebenen
gesundheit
lichen Umstände zu Grunde zu legen
. E
ntgegen der von der Beschwerdeführerin vertretenen Ansicht (Urk. 1 S. 2 und S. 4)
hat daher
die langjährige Leidensge
schichte in früheren Jahren ausser Acht
zu bleiben
,
wenn
sie keine Auswirkungen
auf die aktuelle Leistungsfähigkeit
mehr zeigt
. Davon ist auszugehen, da den massgebenden medizinischen Akten nichts anderes zu entnehmen ist.
Das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung schlossen die Gutachter aus. In sozi
aler Hinsicht
und bei der Freizeitgestaltung
ist die Beschwerdeführerin aktiv
(Urk.
6/97/37-38)
,
was die
se
nicht in Abrede stellte (Urk. 1 S. 3 f.).
An dieser Betrach
tungsweise
ändert auch nichts, dass
sie
diesen Hobb
y
s
vorab
eine
therapeutische
Wirkung
für ihr Wohlbefinden zuschrieb (Urk. 1 S. 4)
, denn
ihr obliegt
eine Schadenminderungspflicht (
Art. 21 Abs. 4 ATSG; Art. 7
Abs. 1
IVG
)
und sie
hat aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare zur
Erhaltung und
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit
v
orzukehren
.
D
ie Beschwerdeführerin verfügt über ein unterstützendes soziales Netz (Urk.
6/97/20)
. Dass
sie
kurz nach Abschluss ihrer Erstausbildung noch zu Hause bei den Eltern lebt, ist nicht
derart
ungewöhnlich
, dass daraus auf eine
gesundheits
bedingt
e Einschränkung zu schliessen wäre
.
Zudem gab sie den Gutachtern an, bereits jetzt etwa die Hälfte der Zeit bei ihrem Verlobten zu wohnen und bei der Haushaltarbeit nicht eingeschränkt zu sein
(Urk. 6/97/37)
. Deshalb bestehen
ent
gegen ihrer Ansicht
keine hinreichenden A
nhaltspunkte dafür, d
ass
sie
aktuell und im Fall eines zukünftigen definitiven
Aus
zugs
bei
ihren Eltern aufgrund von (allenfalls neu hinzukommenden) Haushaltaufgaben erheblich in ihrem
berufli
chen
Leistungsvermögen eingeschränkt wäre
und – bei Steigerung des aktuellen 60%igen Erwerbspensums auf 80 % - in eine Überlastungssituation geriete (Urk. 1 S. 3)
.
Zudem wurde die Beschwerdeführerin
als zu
100 % Erwerbstätige quali
fiziert
(Urk. 6/111/1)
, weshalb eine
allfällige
Einschränkung
im Haushalt
bei der Invaliditätsbemessung
von vornherein
ohne Belang bleibt
.
Bezüglich Konsistenz wiesen die Gutachter auf die fehlende gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in vergleichbaren Lebensbereichen hin. Die Beschwerdeführerin weise keinerlei Defizite in den Bereichen Partnerschaft, soziale Teilhabe, Hobbys und persönliche Interessen auf. Zudem spiegelten die therapeutischen Strukturen einen gering empfundenen subjektiven Leidensdruck wider (Urk. 6/97/20). Zusätzlich
sprachen
die Gutachter aufgrund des klinischen Eindrucks und des
durchgeführten Beschwerdevalidierungstests von einer Aggra
vation, wobei sie
gleichzeitig
betonten, der Bereich ungültiger Beschwerdeanga
ben sei nicht erreicht (Urk. 6/97/21-22)
,
so dass
von einem verdeutlichenden Ver
halten auszugehen ist
(
vgl. zur Abgrenzung von Aggravation und verdeutlichen
dem Verhalten etwa das
Urteil des Bundesgerichts
9C_659/2017
vom 20.
September 2018 E. 4)
.
Angesichts der insgesamt nur leichten psychischen Symptome und Einschrän
kungen und der im Wesentlichen unbeeinträchtigten ausserberuflichen (persön
lichen, familiären und sozialen) Aktivitäten vermag die gutachterlich attestierte 40%ige Arbeitsunfähigkeit aus Rechtsanwendersicht nicht zu überzeugen. Dies gilt
vor allem
für die vom psychiatrischen Gutachter
in der Gutachtensergänzung
allein auf den schädlichen Cannabisgebrauch zurückgeführte 20%ige Arbeitsun
fähigkeit. Mithin liegt ein triftiger Grund vor,
der rechtlich ein Abweichen
von der gutachterlichen
Arbeitsunfähigkeitseinschätzung
gebietet
(vorstehend E.
1.3.2)
, ohne dass das Gutachten seinen Beweiswert verliert (Urteil des Bundesge
richts 8C_787/2021 vom 23. März 2022 E. 14.1)
.
En
tsprechend der Einschätzung der
RAD-Versicherungsmedizinerin
Dr.
med.
C.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom
21. Januar 2022 (Urk. 6/106/6-9)
rechtfertigt sich die Annahme einer 20%igen Arbeits
un
fähigkeit
in der Tätigkeit
als Betreuerin
haupt
sächlich
aufgrund der
neuro
psychologisch erhobene
n
leichte
n
kognitiven Störung
, der aus psychiatrischer Sicht
insbesondere
die vom Gutachter Dr.
A.___
und
vom
Behandler Dr.
D.___
gleichermass
en gestellte Diagnose einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung entspricht
(vgl.
dazu das Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2019 vom 14. Mai 2020 E. 3.1 sowie
BGE
145 V 361 E. 4.2.2).
4.3
Die Beschwerdeführerin
führt
gegen die Zumutbarkeit eines 80%igen B
eschäfti
gungspensums an
,
s
ie sei
während der Ausbildung, als
sie
inklusive der Schultage zu 80 % tätig gewesen sei, an ihre Grenzen gestossen; eine Erwerbstätigkeit im Umfang eines Pensums über 60 % sei ihr deshalb längerfristig nicht zumutbar (Urk. 1 S. 4 f.).
Die Gutachter berücksichtigten
den Abschlussbericht des die Beschwerdeführerin während der Ausbildung begleitenden Jobcoachs vom August 2022 (Urk. 6/67-68)
durchaus (Urk. 6/97/32, Urk. 6/97/
50)
und anerkannten, dass es bei höheren Anforderungen oder Belastungssituationen im schulischen und beruflichen Bereich zu verstärkten Symptomen komme (Urk. 6/97/49
; vgl. auch Urk.
6/97/36
).
Zu Recht wiesen sie aber auch darauf hin, der Jobcoach
sei
bei seiner Beurteilung, dass der Beschwerdeführerin ein Beschäftigungspensum über 60 % nicht zumut
bar
sei
, nicht darauf eing
egangen
, dass sie nebst diesem Beschäftigungspensum während der Ausbildung noch einen Tag pro Woche die Schule
besuchen konnte (Urk. 6/97/50).
Für sich allein nicht ausschlaggebend sein kann die angebliche Meinung des Arbeitgebers,
dass sie schon mit ihrem aktuellen Pensum von 60 % Überlastungs
symptome zeige
beziehungsweise bei einem höheren Pensum
dekompensieren
würde
(Urk. 1 S. 3, Urk. 6/97
/36)
; es fehlen nämlich Anhaltspunkte, dass es sich
beim Arbeitgeber um
eine medizinische Fachperson
handelt
, deren Ansicht geeignet sein könnte, das Gutachten in Zweifel zu ziehen
.
Die
von Dr.
D.___
(Urk. 6/77/2) und auch vom Jobcoach
(Urk. 6/67/2)
erwähnte, wiederkehrende Überlastung
a
m Ende der Ausbildungszeit war
, wie die Angaben der Beschwerdeführerin
gegenüber den Gutachtern
nahe
legen
,
vor allem auf
Prü
fungsängste zurückzuführen (
Urk. 6/97/6,
Urk. 6/97/
36
).
Nach
Abschluss der Aus
bildung ist dieser Belastungsfaktor weggefallen.
Deshalb
und weil eine berufsbegleitende Ausbildung nicht bloss aus Präsenzunterricht besteht, sondern typischerweise
erfordert, dass
an weiteren Tagen
Zeit für Hausaufgaben und
Lerneinheiten aufgewendet
wird
,
kann
die
Argumentation
der Beschwerdeführe
rin
,
der
Arbeits
alltag sei
generell
belastender als
ein
Schul
tag
(Urk. 1 S. 3)
, nicht
geteilt werden
. Dass sie sich
einerseits
in der Lage sieht, nebst ihrer 60%igen Erwerbstätigkeit jeweils einen Tag pro Woche
be
ziehungsweise im Umfang eines 20%-Pensums
wieder eine Ausbildung
mit entsprechendem Lernaufwand und Prüfungsdruck
zu absolvieren
(Urk. 6/97/
36
)
,
andererseits
aber
einen Tag mehr in der angestammten Tätigkeit zu arbeiten
für
nicht zumutbar hält
,
lässt sich nicht vereinbaren
.
Der gleiche Widerspruch mindert die Überzeugungskraft
ihre
r
Argumentation, bei einem 80%igen Beschäftigungspensum fehle ihr das für die Erholung und psychische Stabilisierung durch diverse Freizeitaktivitäten benö
tigte Zeitpensum (Urk. 1 S.
4 f.
).
Jedenfalls kann
ihr
vom psychiatrischen Gut
achter diskutierte
mögliche
Beweggrund, eine finanzielle Unterstützung der Invalidenversicherung für ihr weiteres Leben und ihre weiteren Pläne zu erhalten (Urk. 6/97/11), nicht massgeblich sein. Entscheidend
ist einzig, welches Arbeits
pensum
ihr
bei objektiver Betrachtung zumutbar ist.
D
ie Beschwerdeführerin
macht schliesslich geltend
, das insgesamt 80%ige Pensum aus Arbeits- und Schulzeit habe sie während der Ausbildung nur mithilfe der Unterstützung durch ihren Jobcoach
und weitere Fachleute
bewältigen können
(Urk.
1 S. 5
)
. Dem
ist entgeg
enzuhalten
, dass
gemäss Gutachten
noch erhebliche (psycho-)therapeutische Behandlungsoptionen zur
Stabilisierung und
Verbesserung ihres
Gesundheitszu
s
tandes bestehen, von welche
n sie bis anhin keinen Gebrauch
macht
e (
Urk. 6/97/15
)
.
4.4
I
n
den
aktuellsten
Berichten
der behandelnden Ärzte
Dr.
D.___
(Urk. 7/77/1-2) und Dr.
E.___
(Urk. 7/83/7-9)
ist
vom problematischen Cannabiskonsum der Beschwerdeführerin keine Rede
. Bereits dies
legt nahe, dass sie sich nicht
hinrei
chend
eingehend
und unter Berücksichtigung der gesamten Sachlage
mit ihrem objektiven beruflichen Leistungs
vermögen auseinandersetzten
wie die Gutachter.
Auch das von den Gutachtern erhobene aggravierende
beziehungsweise verdeut
lichende
Verhalten wurde von den Behandlern nicht berücksichtigt, und ihre
Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen
beruhten erklärtermassen hauptsächlich auf der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin
, nur zu 60 % arbeiten zu können
(vorstehend E.
3.1
).
In diese Richtung weist
auch der Umstand, dass Dr.
D.___
im Jahr 2016 noch
von einer
80%ige
n
Arbeitsfähigkeit
ausging (Urk. 6/97/31)
, wogegen er
der Beschwerdeführerin
in seinem letzten Bericht vom
23. September 2020 eine 60%ige Restarbeitsfähigkeit attestierte
,
obwohl er
gleichzeitig festhielt
, die Symptomatik
habe sich
zwischenzeitlich deutlich gebessert
(Urk. 6/77/1-2).
Die Berichte
von Dr.
D.___
und Dr.
E.___
vermögen
deshalb
zu kein
en
vom Gutachten abweichenden
Schlüssen zu führen.
4.5
Abschliessend ergibt sich,
dass die Beschwerdeführerin ab der
bidisziplinären
psychiatrisch-neuropsychologischen Begutachtung am 26. respektive 31. August 2021 (Urk. 6/97/5, Urk. 6/97/14)
als
Fachfrau
Betreu
ung
Kinder
zu
80 % arbeits
fähig ist.
D
ie Gutachter
sahen sich
angesichts der widersprüchlichen und wenig überzeu
genden medizinischen
Vorakten
nicht
in der Lage, die Arbeitsfähigkeit retrospek
tiv zu beurteilen
, wobei sie den Einfluss des Cannabiskonsums als grössten Unsicherheitsfaktor bezeichneten
(Urk.
6/97/13
)
.
Nach dem Gesagten ist abwei
chend von der gutachterlichen Einschätzung davon auszugehen, dass der schäd
liche Cannabiskonsum zu keiner zusätzlichen, nicht bereits einer anderen Diagnose zugeordneten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führte (vorstehend E.
4.2).
Vor diesem Hintergrund
darf
a
ufgrund der aktenmässig dokumentierten
K
rankheitsentwicklung und
des Verlaufs der beruflichen Eingliederung
ange
nommen werden
,
die
anlässlich
der Begutachtung ausgewiesene
80%ige Arbeits
fähigkeit als Fachfrau Betreuung
habe
schon bei Beendigung der Ausbildung Ende Juli 2020 bestand
en
.
Es fehlen nämlich Anhaltspunkte für eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes in dieser Periode.
Hingegen
geben
die Akten
keine
Hinweise
, die auf
eine höhere Arbeitsunfähigkeit in diesem Zeitraum
hindeuten würden
.
Deshalb
erübrigt sich eine abschliessende Bestimmung der retrospektiven Arbeitsfähigkeit.
Denn
wie
nachfolg
end
aufzuzeigen ist
,
ist
selbst unter der Annahme, dass die Beschwerdeführerin mit dem Abschluss ihrer A
us
bildung
und dem Ende des Taggeldanspruchs per
Ende Juli 2020
(
Urk. 6/62, Urk.
6/69-70,
Urk. 6/74
)
die einjährige Wartezeit im Sinne von Art.
28 Abs. 1 lit.
b IVG
bestanden hatte (vgl. dazu Meyer/Reichmuth,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
, 4. Auflage,
Zürich 2022,
Art. 28
Rz
30 f.
),
anschliessend kein Rentenan
spruch entstanden.
5.
Zu prüfen bleibt
anhand eines Einkomm
ensvergleichs (vorstehend E. 1.4
)
, wie sich die 20%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Fachfrau Betreuung erwerblich auswirkt.
Dafür, dass
die
Beschwerdeführerin
in einer
besser angepassten
Verweisungstätigkeit
, die ihr aus psychiatrisch-neuropsycho
logischer Sicht ebenfalls im Rahmen eines
mindestens
80%igen Pensums
zumut
bar wäre (vgl.
Urk. 6/100/4,
Urk. 6/103/2),
ein höheres
Einkommen verdienen könnte
,
bestehen
laut der nachvollziehbaren gutachterlichen Einschätzung (Urk.
6/97/13)
keine Anhaltspunkte
.
Die Beschwerdegegnerin gewährte der Beschwerdeführerin am 24. Juli 2017 Kostengutsprache für die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Ausbildung in
Form der Ausbildung zur Fachfrau Betreuung
Kinder
(Urk. 6/17). Diese Einglie
derungsmassnahme im Sinne von Art. 16 IVG erfordert das Vorliegen einer Invalidität.
W
egen der Invalidität
vermochte
die Beschwerdeführerin
nach Abschluss der Ausbildung
nur teilzeitlich
zu
arbeiten
.
Somit konnte sie
trotz der beruflichen Qualifikation
nicht denselben Verdienst realisieren wie eine nicht behinderte Person mit derselben Ausbildung. Unter diesen Umständen ist das
Valideneinkommen
gemäss
Art. 26 Abs. 1 IVV zu bemessen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts
8C_121/2021 vom 27.
Mai
2021 E. 5.3
).
Das entsprechende Ein
kommen belief sich im Zeitpunkt des - nach Beendigung der Taggeldleistungen
mit dem Abschluss der Ausbildung Ende Juli 2020
- frühestmöglichen Rentenbe
ginns im Jahr 2020 angesichts des damaligen Alters der am 25. Juli 1995 geborenen Beschwerdeführerin (Urk. 6/2/1) auf Fr.
75'150.-- (= 90 % von Fr.
83'500.--).
Zur Ermittlun
g
des
zumutbarerweise
erzielbaren
Invalideneinkommen
s in der Tätigkeit als Fachfrau Betreuung
ist
auf lohnstatistische Angaben abzustellen
,
weil nicht feststeht, dass
die Beschwerdeführerin
an ihrer aktuellen Arbeitsstelle ihr Pensum von 60 % auf den zumutbaren Be
schäftigungsgrad von 80 % erhöh
en könnte
.
Die Tabellen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2018 wurden am
21. April 2020
veröffentlich
t
und enthielten damit
bei
Erlass der angefochtenen Verfügung vom 5. April 2022
die
aktuellsten
statistischen Werte, auf die abzustellen ist (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_414/2017 vom 21. September 2017 E. 4.2 sowie die Angaben auf
www.bfs.admin.ch
).
Aus der Tabelle TA1_tirage_skill_level, Ziff. 86-88
,
ergibt sich für Frauen, die im
Gesund
heits
- und Sozialwesen Tätigkeiten mit dem Kompetenzniveau 2 ausüben (praktische Tätigkeiten), ein durchschnittlicher monatlicher Bruttolohn von Fr.
5‘170.--. Umgerechnet auf die betriebsübliche Arbeitszeit von 41,5 Stunden pro Woche (Bundesamt für Statistik [BFS], Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirt
schaftszweigen in Stunden pro Woche, im Internet abrufbar) und angepasst an die Nominallohn
entwicklung
(BFS, Schweizerischer Lohnindex nach Branche [Index Basis 2010 = 100; im Internet abrufbar], Nom
inallohnindex Frauen 2011 – 2021
, T1.2.10,
Gesundheitswesen, Heime und Sozialwesen
; 2018: 103,1; 2020: 105
,1) resulti
ert für das Jahr 2020
ein Einkommen von Fr
. 65‘615.10
im Vollzeit
pensum (Fr. 5‘170.— : 40 x 41,5 : 103,1 x 105,1 x 12). Wird dieser Betrag auf das noch zumutbare B
eschäftigungspensum von
80 % umgerechnet, resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 52‘492.10
, was sich praktisch mit dem seitens der Beschwerdegegnerin - unter Hochrechnung des tatsächlichen Einkommens auf 80 % - berechneten Invalideneinkommen von Fr. 52‘333.60 (Urk. 6/105) deckt
.
Faktoren, die einen leidensbedingten Abzug vom Invalidenlohn rechtfertigten könnten,
sind weder ersichtlich noch
geltend gemacht.
Wird das
Validenein
kommen
von Fr. 75'150.-- mit dem Invalideneinkommen von Fr.
52‘492.10 verglichen, resultiert bei einem invaliditätsbedingten Minderverdienst von Fr.
22‘657.90 ein Invaliditätsgrad von 30 %.
Da der Invaliditätsgrad die für die Entstehung eines Rentenanspruchs relevante Schwelle von 40 %
auf jeden Fall
nicht erreicht, hat die IV-Stelle einen solchen zu Recht verneint. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Ausgangsgemäss
gehen die Verfahrenskosten von Fr. 700.-- zulasten der unter
liegenden Beschwerdeführerin (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
FehrKlemmt