# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0da74f42-5d37-5ffe-93dd-dfc18a5e8550
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-11-29
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 29.11.2016 SB140443
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB140443_2016-11-29.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB140443-O/U/gs 
 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. Bussmann, Präsident, lic. iur. Ruggli und die 

Oberrichterin lic. iur. Wasser-Keller sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. Neukom 

 

Urteil vom 29. November 2016 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat,  

Anklägerin und Berufungsklägerin 

 

sowie 

 

A._____,  

Privatklägerin und Berufungsklägerin 

 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____,  

 

gegen 

 

B._____,  

Beschuldigter und Berufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. Y._____ 

 

betreffend mehrfache Ausnützung der Notlage etc. 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 
22. Mai 2014 (DG140003) 

- 2 - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 9. Januar 2014 ist 

diesem Urteil beigeheftet (Urk. 24). 

 

Urteil der Vorinstanz: 

1. Das Verfahren hinsichtlich der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB wird 

eingestellt. 

2. Der Beschuldigte ist der mehrfachen Ausnützung der Notlage im Sinne von 

Art. 193 Abs. 1 StGB nicht schuldig und wird freigesprochen. 

3. Der Antrag auf Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils 

wird abgewiesen. 

4. Die Zivilklage der Privatklägerin wird auf den Zivilweg verwiesen. 

5. Auf das Schadenersatzbegehren des Beschuldigten wird nicht eingetreten. 

6. Dem Beschuldigten werden Fr. 6'000.– als Genugtuung aus der Gerichts-

kasse zugesprochen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abge-

wiesen.  

7. Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt Dr.iur. Y._____, wird mit Fr. 26'000.– 

(inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

8. Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin, Rechtsanwältin 

lic.iur. X._____, wird mit Fr. 10'627.95 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse 

entschädigt. 

9. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die 

Gerichtskasse genommen. 

- 3 - 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 123 S. 2) 

1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 22. Mai 2014 

(DG140003) sei zu bestätigen. 

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse. 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat:  

(Urk. 122 S. 1) 

1. Der Beschuldigte sei - in Abänderung von Ziff. 2 des Urteils des Be-

zirksgerichtes Zürich vom 22. Mai 2014 - der mehrfachen Ausnützung 

einer Notlage schuldig zu sprechen. 

2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie mit einer 

Busse von CHF 1'000.–. 

3. Anrechnung der erstandenen Haft (31 Tage). 

4. Gewährung des bedingten Vollzuges der Freiheitsstrafe unter Anset-

zung einer Probezeit von 2 Jahren. 

5. Anordnung einer Weisung hinsichtlich der Berufsausübung für die 

Dauer der Probezeit im Sinne von Art. 94 StGB: 

"Dem Beschuldigten wird die Weisung erteilt, während der Probezeit 

nicht als Psychiater mit weiblicher Klientel tätig zu sein." 

6. Anordnung der Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-

Profiles (sofern nicht bereits erstellt). 

7. Auferlegung der erst- und zweitinstanzlichen Kosten sowie der Gebühr 

für das Vorverfahren von CHF 2'500.– (mit Ausnahme der Kosten der 

amtlichen Verteidigung).  

- 4 - 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang 

1. Gegen das eingangs im Dispositiv erwähnte Urteil des Bezirksgerichts Zü-

rich vom 22. Mai 2014 (Urk. 58), welches mündlich eröffnet und den Parteien glei-

chentags im Dispositiv übergeben worden war (Urk. 58 S. 34, Prot. I S. 23), mel-

deten die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat am 27. Mai 2014 (Eingangsstempel) 

und die Privatklägerin am 28. Mai 2014 (Poststempel) rechtzeitig Berufung an 

(Urk. 51 und 52). 

2. Nach der Zustellung des begründeten Urteils der Vorinstanz an die Parteien 

(Urk. 57/1-3) zog die Privatklägerin ihre Berufung mit Eingabe vom 19. September 

2014 zurück (Urk. 59). Die Staatsanwaltschaft reichte am 30. September 2014 

(Eingangsstempel) die Berufungserklärung ein und stellte den Beweisantrag, es 

sei über die Geschädigte A._____ ein psychiatrisches Gutachten einzuholen (Urk. 

61). Anschlussberufung wurde nicht erhoben. 

3. Mit Beschluss vom 13. Januar 2015 entsprach das Obergericht dem Be-

weisantrag der Staatsanwaltschaft und entschied, ein ärztliches Gutachten über 

den geistigen Zustand der Privatklägerin einzuholen. Als Gutachterin wurde Frau 

Dr. med. C._____ bestellt (Urk. 68). Den Parteien wurde unter Beilage des Fra-

genkatalogs (Urk. 69) eine Frist von 20 Tagen angesetzt, um sich zur Person der 

Gutachterin sowie zu den gestellten Fragen zu äussern und dazu eigene Anträge 

zu stellen. Die Staatsanwaltschaft meldete ihr Einverständnis mit der bestellten 

Gutachterin an und stellte keine Zusatzfragen (Urk. 71). Innert erstreckter Frist 

lehnte der Verteidiger des Beschuldigten die Gutachterin ab und beantragte, dass 

dem Gutachter die von ihm genannten Fragen zu stellen seien (Urk. 73). Mit Prä-

sidialverfügung vom 4. März 2015 wurden den Parteien drei andere Gutachterin-

nen vorgeschlagen (Urk. 75). Nachdem keine der Parteien Einwände gegen die 

genannten Personen vorbrachte, wurde am 9. April 2015 Frau Dr. med. D._____ 

als Gutachterin bestellt. Der Beweisergänzungsantrag des Verteidigers in Form 

- 5 - 

der ergänzenden Fragen an die Gutachterin wurde einstweilen abgewiesen (Urk. 

83).  

4. Am 21. März 2016 ging das psychiatrische Gutachten über die Privatklägerin 

beim Gericht ein (Urk. 95) und wurde den Parteien mit Verfügung vom 22. März 

2016 zur Stellungnahme zugestellt (Urk. 97). Die Staatsanwaltschaft liess sich mit 

Eingabe vom 1. April 2016 vernehmen (Urk. 99), währenddessen die Verteidigung 

um Fristerstreckung bat (Urk. 100). Mit Vorladung vom 22. April 2016 wurde die 

Berufungsverhandlung auf den 29. November 2016 angesetzt (Urk. 101). Am 

31. Mai 2016 ging die ausführliche Stellungnahme des Verteidigers zum Gutach-

ten ein, in welcher er inhaltliche und methodische Mängel rügte und die Erstellung 

eines Glaubwürdigkeitsgutachtens beantragte (Urk. 102). Der Beweisantrag wur-

de mit Präsidialverfügung vom 7. Juni 2016 vorläufig abgewiesen (Urk. 103). Am 

16. September 2016 reichte der Verteidiger ein kürzlich wieder gefundenes Be-

weisstück ein (Urk. 105 und 106), welches den übrigen Parteien zur Kenntnis-

nahme zugestellt wurde (Urk. 107 und 108). Im Hinblick auf die Berufungsver-

handlung beantragte die Verteidigung mit Eingabe vom 12. November 2016, den 

akkreditierten Gerichtsberichterstattern die Auflage zu erteilen, die Identität des 

Beschuldigten sowie individualisierende Umstände nicht zu veröffentlichen 

(Urk. 115). Nach Ablauf der Frist zur Stellungnahme wurde das Gesuch der Ver-

teidigung mit Beschluss vom 28. November 2016 abgewiesen und festgehalten, 

dass die Öffentlichkeit von der Verhandlung nicht ausgeschlossen ist (Urk. 119). 

5. Zur Berufungsverhandlung am 29. November 2016 erschienen der Beschul-

digte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers und der Vertreter der Anklage-

behörde (Prot. II S. 11 f.). Sie stellten die eingangs erwähnten Anträge. 

II.  Prozessuales 

1. Teilrechtskraft 

1.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-

schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-

- 6 - 

sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche 

Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). 

1.2. Die Staatsanwaltschaft erklärte mit Eingabe vom 29. September 2014 ihre 

Berufung auf die folgenden Punkte zu beschränken: "den Freispruch gemäss  

Ziffer 2 des Dispositivs; die Bemessung der Strafe und den Vollzug bzw. den be-

dingten Vollzug der Strafe; den Zivilanspruch/die Zivilansprüche; die Nebenfolgen 

des Urteils; die Kosten-, Entschädigungs- und Genugtuungsfolgen" (Urk. 61). Die 

Privatklägerin zog die von ihr angemeldete Berufung noch vor der Berufungser-

klärung zurück (Urk. 59), wovon Vormerk zu nehmen ist. 

1.3. Die Staatsanwaltschaft kann ein Rechtsmittel zugunsten oder zuungunsten 

der beschuldigten oder verurteilten Person ergreifen (Art. 381 Abs. 1 StPO). Die 

Legitimation bezieht sich auf alle Punkte des Entscheids. Hingegen hat die 

Staatsanwaltschaft keine Rechtsmittelbefugnis in Bezug auf Zivilansprüche der 

Privatklägerschaft, da ihr diesbezüglich keine Parteistellung zukommt (Niklaus 

Schmid, Schweizerische Strafprozessordnung - Praxiskommentar, 2. A., Zürich/ 

St. Gallen 2013, Art. 381, N 2; Franz Riklin, StPO Kommentar, 1. A., Zürich 2010, 

Art. 381, N 1). Die Staatsanwaltschaft beantragte anlässlich der Berufungsver-

handlung die Anordnung der Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines 

DNA-Profiles, sofern ein solches nicht bereits erstellt wurde (Urk. 122 S. 1 Antrag 

Ziff. 6). Die entsprechende Dispositivziffer 3 des vorinstanzlichen Urteils wurde 

jedoch mit der Berufungserklärung vom 29. September 2014 nicht explizit ange-

fochten, daher ist diese Dispositivziffer von der Berufung nicht mitumfasst. Im Üb-

rigen ist festzuhalten, dass bereits ein DNA-Profil des Beschuldigten erstellt wur-

de. Dies wurde bereits von der Vorinstanz festgestellt und dementsprechend der 

Antrag der Staatsanwaltschaft auf Erstellung eines DNA-Profils im vorinstanzli-

chen Urteil abgewiesen (Urk. 58 S. 30 und S. 33). 

1.4. Die Berufung der Staatsanwaltschaft beschränkt sich folglich auf die Dis-

positivziffern 2 (Freispruch von Art. 193 Abs. 1 StGB) sowie 5 - 9 (Kosten-, Ent-

schädigungs- und Genugtuungsfolgen). Dementsprechend ist festzustellen, dass 

das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 22. Mai 2014 bezüglich der Dispositiv-

- 7 - 

ziffern 1 (Einstellung Drohung), 3 (DNA-Profil) und 4 (Zivilansprüche der Privat-

klägerin) in Rechtskraft erwachsen ist. 

2. Anklageprinzip und Beweisergänzung 

2.1. Die Vorinstanz stellte sich zusammengefasst auf den Standpunkt, dass ei-

ne allfällige Persönlichkeitsstörung der Privatklägerin, welche Auswirkungen auf 

ihre Unabhängigkeit bzw. Abhängigkeit gegenüber dem Beschuldigten hätte ha-

ben können, nicht berücksichtigt werden könne, da eine solche dem Beschuldig-

ten in der Anklageschrift nicht zur Last gelegt worden sei. Würde auf eine allfällige 

Persönlichkeitsstörung abgestellt, so verletzte dies das Anklageprinzip. Eine 

Rückweisung der Anklage an die Staatsanwaltschaft zur Ergänzung der Anklage 

und neuen Beweiserhebungen zur psychiatrischen Diagnose der Privatklägerin 

sei jedoch nicht möglich (Urk. 58 S. 20 ff.). Der Vollständigkeit halber machte die 

Vorinstanz trotzdem ergänzende Ausführungen unter der Annahme einer Persön-

lichkeitsstörung der Privatklägerin (Urk. 58 S. 24 ff.). Dabei kam sie zum Ergeb-

nis, dass offen gelassen werden könne, ob die Privatklägerin tatsächlich an einer 

Persönlichkeitsstörung leide und welcher Art diese wäre, da aus dem Verhalten 

der Privatklägerin ersichtlich sei, dass eine allfällige Persönlichkeitsstörung ihre 

Entscheidungsfreiheit nicht wesentlich beeinflusst hätte (Urk. 58 S. 28).  

2.2. Diesen Ausführungen der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden. Nach dem 

in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die Anklage-

schrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Gemäss 

Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklageschrift unter anderem möglichst 

kurz, aber genau, die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Be-

schreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Die Anklage 

hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt 

so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hin-

sicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den 

Schutz der Verteidigungsrechte des Beschuldigten und garantiert den Anspruch 

auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; BGE 141 IV 132 E. 3.4.1). Unter dem 

Gesichtspunkt der Informationsfunktion des Anklageprinzips ist massgebend, 

dass die angeklagte Person genau weiss, was ihr angelastet wird, damit sie ihre 

- 8 - 

Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann (Urteil des Bundesgerichts 

6B_492/2015 vom 2. Dezember 2015 E. 2.2 mit Hinweisen, nicht publ. in BGE 

141 IV 437).  

2.3. Die Anklageschrift vom 9. Januar 2014 enthält alle notwendigen Informa-

tionen, so dass der Beschuldigte seine Verteidigungsrechte vollumfänglich wahr-

nehmen kann. Nebst Ort, Datum, Zeit und Art der Tatausführung erwähnt die An-

klage insbesondere alle Sachverhaltselemente und Umstände, welche zur Ab-

hängigkeit der Privatklägerin geführt haben sollen und die der Beschuldigte aus-

genutzt haben soll: die berufliche Stellung des Beschuldigten, die Regelmässig-

keit und den Inhalt der psychotherapeutischen Gespräche, die Befugnis des Be-

schuldigten über die Medikamentendosierung zu entscheiden, das Machtgefälle 

zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin sowie Gefühlslage und psy-

chischer Zustand der Privatklägerin. Es ist nicht notwendig, dass die Anklage-

schrift auch alle Begleitumstände und Indizien im Detail mitumschreibt. Die An-

klage soll kurz und exakt den dem Tatbestand zugrunde liegenden objektiven und 

subjektiven Sachverhalt umschreiben. Diese Voraussetzungen erfüllt die vorlie-

gende Anklageschrift und genügt damit dem Anklagegrundsatz. 

2.4. Die Vorinstanz stellte sich weiter auf den Standpunkt, dass eine Rückwei-

sung an die Staatsanwaltschaft zur Ergänzung der Anklage nicht notwendig sei, 

da sich auch für den Fall, dass eine Persönlichkeitsstörung bei der Privatklägerin 

festgestellt würde, aus den Aussagen und dem Verhalten der Privatklägerin sowie 

den Umständen des Therapieverhältnisses nicht das Bild einer Person ergebe, 

die unter dem Druck einer Abhängigkeit gestanden habe und dadurch in ihrer 

Entscheidungsfreiheit erheblich eingeschränkt gewesen wäre (Urk. 58 S. 30). Ob 

jedoch eine Persönlichkeitsstörung vorliegt bzw. ob und in wie weit sich eine sol-

che auf die Entscheidungsfreiheit einer Person auswirkt, ist eine Frage, welche 

nicht vom Gericht, sondern von einer sachverständigen Person beurteilt werden 

muss (Art. 182 StPO). Dementsprechend gab das Obergericht dem Beweisantrag 

der Staatsanwaltschaft vom 29. September 2014 statt (Urk. 61 S. 2) und liess in 

Anwendung von Art. 389 Abs. 3 StPO ein ärztliches Gutachten über die psychi-

sche Gesundheit der Privatklägerin erstellen. 

- 9 - 

III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung 

1. Anklage und Beweismittel 

1.1. Bezüglich des Anklagesachverhalts kann auf die Zusammenfassung der 

Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 58 S. 5 f.). In rechtlicher Hinsicht wirft die 

Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten vor, er habe sich der mehrfachen Ausnüt-

zung der Notlage im Sinne von Art. 193 Abs. 1 StGB schuldig gemacht. Danach 

wird bestraft, wer eine Person veranlasst, eine sexuelle Handlung vorzunehmen 

oder zu dulden, indem er eine Notlage oder eine durch ein Arbeitsverhältnis oder 

eine in anderer Weise begründete Abhängigkeit ausnützt (Urk. 24 S. 2). 

1.2. Als Beweismittel dienen hauptsächlich die polizeilichen und staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahmen des Beschuldigten (Urk. 8/3-6) und der Privatklägerin 

(Urk. 9/1-2), die Verlaufsdokumentation der E._____ betreffend die Privatklägerin 

vom 3. November 2008 bis 3. Februar 2012 (Urk. 12/4) sowie das psychiatrische 

Gutachten über die Privatklägerin von Dr. med. D._____ (Urk. 95). Zudem wurden 

diverse Zeugen einvernommen (Urk. 10/1-12). 

2. Sachverhaltserstellung 

2.1. Unbestritten und erstellt ist gemäss den zutreffenden Feststellungen der 

Vorinstanz, dass der Beschuldigte in seiner Funktion als Psychiater die Privatklä-

gerin im E._____ an der ...strasse ... in ... im Zeitraum von November 2008 bis 

Januar 2012 betreute (Urk. 58 S. 16, Urk. 12/4, Urk. 8/3 S. 1 f., Urk. 9/2 S. 5) und 

es zwischen August 2009 und Januar 2012 in der damaligen Wohnung der Pri-

vatklägerin an der ...strasse ... in ... beziehungsweise in derjenigen des Beschul-

digten an der ...strasse ... in ... mehrfach zu einvernehmlichem Geschlechtsver-

kehr gekommen ist (Urk. 58 S. 6 f., Urk. 8/3 S. 4 f., Prot. II S. 22). Der Beschuldig-

te bestreitet jedoch alle weiteren Vorwürfe gemäss der Anklageschrift vom 9. Ja-

nuar 2014 und stellt ausdrücklich in Abrede, dass die Privatklägerin von ihm ab-

hängig gewesen sei und er diese Abhängigkeit im Hinblick auf den Geschlechts-

verkehr ausgenutzt habe (Urk. 58 S. 7, Prot. II S. 20 und S. 27). 

- 10 - 

2.2. Die Verlaufsdokumentation der E._____ gibt Auskunft über die Behandlung 

der Privatklägerin im Zeitraum vom 3. November 2008 bis 3. Februar 2012 

(Urk. 12/4). Unter anderem sind darin die Gesprächstermine der Privatklägerin 

beim Beschuldigten festgehalten. Dieser dokumentierte jeweils zusammenfas-

send den Inhalt der Gespräche, allfällige Anpassungen bei der Medikation und 

das weitere "Procedere". Im Behandlungszeitraum von November 2008 bis Janu-

ar 2012 wurden 50 Gesprächstermine vereinbart, wovon die Privatklägerin 38 

wahrgenommen hat. Anlässlich der Gespräche thematisierte die Privatklägerin ihr 

physisches und psychisches Befinden, ihre Vorgeschichte, ihren Drogenkonsum, 

die Beziehung zu ihren Eltern, Krankheiten, Behandlungen, Spitalaufenthalte, ihre 

Medikation, deren Nebenwirkungen und den Methadonabbau. Besonders oft er-

zählte sie von der Beziehung zu ihrem Lebenspartner, vom Zusammenleben mit 

ihm, den Streitigkeiten, seiner Drogen- und Alkoholabhängigkeit und von ihrem 

Wunsch, sich von ihm zu trennen, den sie jedoch nicht umsetzte (Urk. 12/4). Auf-

grund der Behandlungsdauer, des Inhalts und der Häufigkeit der Gespräche - 

durchschnittlich einmal pro Monat - ergibt sich, dass es sich um eine intensive 

psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung handelte. 

2.3. Das vorliegende Strafverfahren gegen den Beschuldigten wurde aufgrund 

einer Strafanzeige des Chefarztes Psychiatrie der E._____, Dr. med. F._____, 

vom 31. Januar 2013 anhand genommen. Dr. med. F._____ informierte die 

Staatsanwaltschaft über Hinweise auf schweres Fehlverhalten des Beschuldigten, 

welcher vom 1. November 2008 bis 30. Juni 2012 im E._____ als Klinikarzt ange-

stellt war (Urk. 1 S. 1). In der Anzeige verwies der Chefarzt auf Vorwürfe, welche 

Mitte Juni 2010 seitens G._____, der Mutter der ehemaligen Patientin H._____, 

gegen den Beschuldigten erhoben worden seien sowie auf Gespräche, welche 

I._____ als ärztliche Leiterin des E._____ mit der Privatklägerin sowie den ehe-

maligen Patientinnen des Beschuldigten, J._____ und K._____, im November 

2012 geführt habe (Urk. 1). 

2.4. In der ersten polizeilichen Einvernahme am 11. April 2013 schilderte die 

Privatklägerin, wie es dazu kam, dass sie I._____ am 1. November 2012 vom se-

xuellen Verhältnis mit dem Beschuldigten erzählte. Sie habe alle zwei Wochen ei-

- 11 - 

nen Quick im E._____ machen müssen. An einem Tag im Oktober 2012 hätte sie 

Fieber gehabt und es sei ihr gegenüber der Praxisassistentin, Frau L._____, her-

ausgerutscht, dass sie froh sei, dass der Typ nicht mehr da sei. Da Frau L._____ 

nicht mehr locker gelassen und sie immer wieder gefragt habe, weshalb sie dies 

gesagt habe, habe sie ihr nach zwei Wochen gesagt, was los gewesen sei. Da-

raufhin sei Herr M._____ zu ihnen gekommen und sie habe grob erzählen müs-

sen, was passiert sei. Kurze Zeit später habe sie einen Termin bei Frau I._____ 

gehabt. Dort habe sie detaillierter über das Vorgefallene zwischen dem Beschul-

digten und ihr erzählt (Urk. 9/1 S. 2 f.). Auf die Frage, wie das Verhältnis zwischen 

ihr und dem Beschuldigten begonnen habe, sagte die Privatklägerin, so weit sie 

sich erinnern könne, sei es im Frühling 2009 gewesen, als sie in sein Büro ge-

kommen sei. Er habe sich vorgestellt und erzählt, er stamme aus N._____.[Land] 

Schon bei der ersten Sitzung habe sie das Gefühl gehabt, dass er gar nicht an-

wesend gewesen sei. Er sei überhaupt nicht auf sie eingegangen und das sei 

auch später noch so gewesen. Wenn sie ihn wegen ihrer Krankheit oder ihrer 

Angstzustände etwas gefragt habe, dann habe er ihr keine Antwort bzw. keine 

konkrete Antwort gegeben, die ihr weitergeholfen hätte. Die ersten Sitzungen sei-

en einigermassen gegangen. Jedoch habe sie sich nicht wahrgenommen gefühlt 

und nicht gewusst, weshalb sie eigentlich dorthin gehe, ausser dass sie von ihm 

Medikamente verordnet erhalten habe (Urk. 9/1 S. 3). Nach ca. drei Monaten ha-

be er angefangen, sie zu duzen und er habe ihr von seinen Vorlieben erzählt. Er 

habe gesagt, dass er gerne blonde Frauen habe. Möglichst schlank müssten sie 

sein. Sie sei zu dieser Zeit sehr schlank gewesen - ca. 42 kg. Sie sei 154 cm 

gross. Ihr Ex-Freund sei zu dieser Zeit auch bei einem Kollegen des Beschuldig-

ten in Behandlung gewesen. Der Beschuldigte habe ihr gesagt, dass sie und ihr 

damaliger Freund optisch überhaupt nicht zusammen passen würden. So habe es 

eigentlich angefangen. Nach knapp einem Jahr, habe er sie über ihr Sexleben 

ausgefragt. Er habe sie gefragt, ob sie mit ihm in den Ausgang komme. Er habe 

ihr immer wieder Komplimente gemacht. Er habe sie gefragt, wie sie sein Ausse-

hen finde. Während einer Sitzung habe er ihr immer wieder gesagt, dass er heiss 

auf sie sei und er Sex mit ihr wolle. Sie habe eingewilligt und so sei er am 21. Au-

gust 2010 [nachträglich korrigiert zu August 2009, Urk. 9/2 S. 9] an ihren damali-

- 12 - 

gen Wohnort an der ...strasse ... gekommen. Das sei ca. um 17.30 Uhr gewesen. 

Er habe ja bis ca. 17.00 Uhr arbeiten müssen. B.'_____, wie er sich bei ihr ge-

nannt habe, habe eine Flasche Rotwein mitgebracht. Er habe gesagt, dass er 

diese Flasche im Denner vis à vis des E._____ gekauft habe. Während dem sie 

zuerst Wein getrunken hätten, habe er ihr von der Arbeit erzählt. Sie könne sich 

noch gut erinnern, das Bett sei nicht stabil gewesen, d.h. die Lättchen seien ka-

putt gewesen. Da habe er die Matratze genommen und auf den Boden gelegt.  

Er sei ein grober Mensch gewesen - schon beim ersten Mal. Sie hätte auf ein 

Kondom bestanden. Er habe es aber immer abgelehnt. Er habe gesagt, dass er 

im Computer nachgeschaut habe. Sie sei ja gesund, d.h. sie hätte keine Ge-

schlechtskrankheiten, kein HIV und keine Hepatitis. Deshalb habe er nie ein Kon-

dom benutzt. Sie verhüte mittels 'Implanon' - auch dies habe er gewusst. B.'_____ 

müsse sich schon vor dem ersten Mal sehr gut über sie informiert haben. Als sie 

mit dem Geschlechtsverkehr fertig gewesen seien, sei er aufgestanden, habe sich 

angezogen und sei gegangen. Das sei immer so gewesen. Er sei nie länger ge-

blieben (Urk. 9/1 S. 3 f.). Auf die Frage, weshalb sie sich auf ein sexuelles Ver-

hältnis mit dem Beschuldigten eingelassen habe, antwortete sie: "Das frage ich 

mich auch. Ganz ehrlich: ich hatte Angst vor ihm. Ich hatte nicht nur gesunden 

Respekt, sondern Angst vor ihm. Vor jedem Termin hatte ich schlaflose Nächte". 

Auf Nachfrage, warum sie Angst vor dem Beschuldigten hatte, sagte sie: "Weil er 

mir über andere Patienten viel erzählt hat. Er sagte mir, dass andere Patientinnen 

ihn beschuldigen würden. Eine Patientin - Frau J._____ - hätte zum Beispiel be-

zweifelt, dass er überhaupt Arzt sei. B.'_____ fragte mich ständig nach Geld. Er 

wollte immer Geld. Er hat mir auch Geld gestohlen" (Urk. 9/1 S. 4). Im Laufe der 

Einvernahme wurde die Privatklägerin gefragt, wie oft und zu welchen Tageszei-

ten sie sich mit dem Beschuldigten ausserhalb des E._____ getroffen hätte. Sie 

sagte, sie hätten sich viel getroffen. Oft sei das bei ihr zu Hause gewesen und 

ebenso oft bei ihm zu Hause in seiner Wohnung in O._____ [Ortschaft]. Es sei 

meistens nach 20.00 Uhr und immer freitags gewesen. Sie habe jeweils am Frei-

tag einen Termin bei ihm gehabt (Urk. 9/1 S. 5 f.). Den Geschlechtsverkehr mit 

dem Beschuldigten beschrieb sie als sehr grob. Er habe sie jedes Mal ins Gesäss 

gebissen. Danach hätte sie jeweils über eine längere Zeit blaue Flecken gehabt 

- 13 - 

(Urk. 9/1 S. 7). Während den Therapien habe er nie Notizen gemacht. Sie habe 

das Gefühl gehabt, dass nie tiefgründig über sie gesprochen worden sei. Er habe 

viel über sich und seine Familie erzählt. Es sei immer um ihn, seine Ex-Frau, sei-

ne Tochter - um seine Probleme gegangen (Urk. 9/1 S. 9). Er habe ihr oft - auch 

während den Behandlungen - von seinen sexuellen Fantasien erzählt. Er habe ihr 

erzählt, wie er in der Badewanne liege - oder unter der Dusche stehe, und sich 

selber befriedige. Er habe sich von ihr gewünscht, dass sie ihm zuliebe ihre Lack-

schuhe anziehe und Lipp-Gloss auflege. Er möge nasse Lippen (Urk. 9/1 S. 13). 

2.5. Bezüglich der Theorie zur Beweiswürdigung von Aussagen kann auf die 

zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 58 S. 8 f.). Die 

Vorinstanz wendet gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin ein, 

dass diese inkonsistent und in entscheidenden Punkten eher vage gehalten sei-

en. Es entstehe der Eindruck, dass die Privatklägerin die Vorfälle zeitlich nicht 

mehr genau einordnen könne, die Umstände durcheinander bringe oder die han-

delnden Personen vermische (Urk. 58 S. 12). Der Vorinstanz ist dahingehend zu-

zustimmen, dass die Aussagen der Privatklägerin, wird die polizeiliche mit der 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme verglichen, nicht durchgehend konsistent 

und widerspruchsfrei sind. Sie hat Schwierigkeiten, die Ereignisse chronologisch 

zu schildern und ihre Antworten zu strukturieren. Ausserdem verwechselt sie ge-

wisse Ereignisse. Die Verteidigung stellte deswegen den Beweisantrag, es sei ein 

Glaubwürdigkeitsgutachten über die Privatklägerin zu erstellen (Urk. 102 S. 9 f.). 

Die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist jedoch primär Sache des Ge-

richts. Eine Glaubwürdigkeitsbegutachtung durch eine sachverständige Person 

drängt sich nur bei Vorliegen besonderer Umstände auf. Dies ist etwa der Fall, 

wenn bruchstückhafte oder schwer interpretierbare Äusserungen eines Kleinkin-

des zu beurteilen sind oder bei ernsthaften Anzeichen einer geistigen Störung 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_333/2014 vom 22. Oktober 2014 E. 2.1). Über die 

Privatklägerin wurde zur Abklärung ihres psychischen Zustands insbesondere 

hinsichtlich einer allfälligen Persönlichkeitsstörung ein psychiatrisches Gutachten 

erstellt. 

- 14 - 

2.6. Die Gutachterin hielt zum Verhalten der Privatklägerin in der Exploration 

fest, dass diese durchgehend bemüht erschien, den Anforderungen der Untersu-

chung zu entsprechen. Sie habe sich leise und undeutlich artikuliert und habe die 

Fakten nur mit Mühe in einen chronologischen Zusammenhang bringen können. 

Ihr selbst strukturierter Bericht sei auch beim dritten Termin detailarm geblieben, 

unübersichtlich und lückenhaft. Auf konkretisierende Fragen habe die Privatkläge-

rin länger nachgedacht und habe durchaus anstrengungsbereit gewirkt. Ihre Ant-

worten seien dennoch oft kurz und auch in randständigen Bereichen wie der 

Anamnese ihrer Hauterkrankung chaotisch und undurchdacht gewesen. In ihrem 

Kommunikationsstil habe die Privatklägerin sehr direkt gewirkt (Urk. 95 S. 34). 

Diese Feststellungen sowie die anschliessende Diagnose der Gutachterin (ab-

hängige Persönlichkeitsstörung und Agoraphobie mit Panikattacken) lassen nicht 

darauf schliessen, dass eine geistige Störung vorliegen würde, welche einer Aus-

sagenwürdigung durch das Gericht entgegen steht. Der Beweisantrag der Vertei-

digung auf Erstellung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens ist folglich abzulehnen. 

2.7. Die Schwierigkeiten der Privatklägerin, zusammenhängend, chronologisch 

und strukturiert zu berichten und ihre teilweise diffus anmutenden Aussagen, 

sprechen für sich allein noch nicht gegen deren Glaubhaftigkeit. Im Gegenteil wir-

ken die oben wiedergegebenen ersten Schilderungen der Privatklägerin bei der 

Polizei aufgrund der unstrukturierten und unverblümten Erzählweise sowie der 

spontanen Zwischenbemerkungen sehr authentisch. Detailliert beschreibt sie das 

erste private Treffen mit dem Beschuldigten und die Umstände des ersten Ge-

schlechtsverkehrs. Die Schilderung der Vorgeschichte und wie es zu diesem ers-

ten privaten Treffen gekommen sei, ist nachvollziehbar und stimmig. Die Erzäh-

lungen der Privatklägerin sind zwar teils unzusammenhängend, aber immer in-

dividuell geprägt. Ihre Antworten sind spontan, direkt und wirken nicht zu ihren 

Gunsten konstruiert.  

2.8. Demgegenüber erscheint der Beschuldigte, wie auch die Vorinstanz auf-

zeigte, bemüht, sich zu rechtfertigen und seine Rolle möglichst passiv darzustel-

len (Urk. 58 S. 14). Auf die Frage, ob es üblich sei, dass man mit einer Patientin 

per Du sei, antwortete er, dass es am Anfang sicher nicht üblich sei, aber das 

- 15 - 

könne sich im Verlauf der Behandlung ergeben, wenn zwischen dem Therapeuten 

und der Patientin mehr Vertrauen vorhanden sei. Es gebe Patienten und Patien-

tinnen, die am Anfang noch nicht offen seien und die fühlten sich sozusagen ge-

trennt. Mit der Zeit würden sie offen und wollten, dass man sich duze. Die Polizei 

fragte ihn, weshalb er mit der Privatklägerin die Handynummer ausgetauscht ha-

be, worauf der Beschuldigte antwortete: "Weil sie mir am Anfang Zeichen gege-

ben hat, dass sie mich privat kennen lernen will. Ich habe das akzeptiert". Auf 

Nachfrage, ob er diese Zeichen definieren könne, sagt er: "Soviel ich mich erin-

nern mag, war sie interessiert, mich kennen zu lernen. Sie hat mich direkt gefragt, 

ob wir uns kennen lernen könnten und ich sagte: 'Ja, das ist gut'." Er wurde weiter 

gefragt, ob es üblich sei, dass sich Psychiater mit ihren Patienten privat besser 

kennen lernen würden, worauf er antwortete: "Es ist üblich, dass man sich privat 

kennen lernen kann. Wenn die Patientin das wünscht - aber wir haben die Freiheit 

'Nein' zu sagen" (Urk. 8/3 S. 3). Die Frage, aus welchem Grund er sich privat mit 

der Privatklägerin getroffen habe, beantwortete er damit, dass sie beide sich das 

gewünscht hätten. Wie er schon vorher gesagt habe, habe sie ihn kennen lernen 

wollen. Das erste Mal hätten sie sich in einem Restaurant getroffen. So habe es 

angefangen. Sie hätten es beide gewollt - aber sie habe es vor allem gewünscht. 

Der Beschuldigte bejahte die Frage, dass er und die Privatklägerin sich näher ge-

kommen seien und antwortete auf die anschliessende Frage, auf wessen Initiative 

hin dies geschehen sei: "Ich kann die Wahrheit sagen. Wir hatten Sex. Sie wollte 

es vor allem und ich habe nachgegeben" (Urk. 8/3 S. 4). Der Beschuldigte beton-

te, dass in der Beziehung mit der Privatklägerin alles gegenseitig gewollt und ge-

wünscht gewesen sei und die Privatklägerin in einem psychisch stabilen Zustand 

und folglich handlungs- und entscheidungsfähig beziehungsweise urteilsfähig ge-

wesen sei (Urk. 8/3 S. 12, Urk. 8/5 S. 5 f., Prot. II S. 27). An der Schlusseinver-

nahme sowie anlässlich der Berufungsverhandlung äusserte der Beschuldigte 

den Verdacht, dass die Privatklägerin diese Vorwürfe aus Rache oder Enttäu-

schung erhoben habe (Urk. 8/6 S. 6, Prot. II S. 24). Dagegen spricht jedoch, dass 

die Strafanzeige vom Chefarzt Psychiatrie der E._____ und nicht von der Privat-

klägerin erstattet wurde. 

- 16 - 

2.9. Die nebst der Privatklägerin in der Strafanzeige der E._____ erwähnten 

ehemaligen Patientinnen des Beschuldigten, H._____, J._____ und K._____, 

wurden ebenfalls von der Polizei und der Staatsanwaltschaft befragt. H._____ 

schilderte an beiden Befragungen übereinstimmend, wie der Beschuldigte sie in 

die Ferien in sein Heimatland in Südamerika eingeladen habe und sie sich des-

halb in einem Restaurant im P._____ [Ort] getroffen hätten, um die Ferien zu be-

sprechen. Er habe ihr gesagt, dass sie nicht wie anfangs in Aussicht gestellt bei 

seiner Schwester in einem Bungalow, sondern in einem Haus mit ihm allein woh-

nen würde und er ihr zeigen werde, wie man mit Kokain umgehe (Urk. 10/1 S. 2 

und Urk. 10/9 S. 3 f.). J._____ erzählte, dass der Beschuldigte sich extrem für ihr 

Privatleben interessiert habe. Es sei ihr nicht wie bei einem normalen Arzt-

Patienten-Verhältnis vorgekommen. Er habe ihr gesagt, dass er gerne mit ihr in 

den "Q._____ [Tanzlokal]" in den Ausgang gehen würde, um dort mir ihr zu tan-

zen und so. Er habe es nicht ausgesprochen, aber es sei sonnenklar gewesen, 

was er noch gewollt habe (Urk. 10/3 S. 2 f.). Ziemlich am Anfang der Behandlung 

habe er ihr auch erzählt, dass er zu sich nach N._____ in die Ferien gehe. Er ha-

be gemeint, dass ihr N._____ auch gut tun würde (Urk. 10/3 S. 4). Diese Aussa-

gen wiederholte und bestätigte J._____ bei der Staatsanwaltschaft (Urk. 10/11 

S. 3 und S. 6). K._____ bejahte, dass der Beschuldigte ihr Komplimente gemacht 

habe. Er habe gesagt, dass sie hübsch sei. Sie finde, dass das schon grenzüber-

schreitend gewesen sei. Sie habe es auch zu viel gefunden, dass er Privates über 

sich erzählt habe (Urk. 10/4 S. 3).  

2.10. H._____, J._____ und K._____ erzählen alle von Vorfällen und Bemerkun-

gen des Beschuldigten, welche zeigen, dass der Beschuldigte die notwendige 

Distanz eines Therapeuten zu seinen Patienten nicht wahrte. Zwar können die 

Patientinnen sich nicht direkt zu den Vorkommnissen zwischen dem Beschuldig-

ten und der Privatklägerin äussern, doch stellen ihre Aussagen starke Indizien für 

die Art und Weise des Verhaltens des Beschuldigten gegenüber seinen Patientin-

nen dar und dafür, dass er dabei die Grenzen einer therapeutischen Beziehung 

missachtete. 

- 17 - 

2.11. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass die Schilderungen der Privatklä-

gerin von der ersten Sitzung, der Entwicklung in den weiteren Gesprächssitzun-

gen bis hin zum ersten sexuellen Kontakt und ihren Empfindungen in sich schlüs-

sig sind und einen stimmigen Ablauf der Geschehnisse ergeben. Für die Darstel-

lung der Privatklägerin sprechen zudem die Aussagen von H._____, J._____ und 

K._____, welche ebenfalls von Grenzüberschreitungen des Beschuldigten berich-

ten. Der Beschuldigte hingegen beschränkt sich in den Einvernahmen hauptsäch-

lich darauf, jegliche Avancen seinerseits zu bestreiten und sein sexuelles Verhält-

nis zur Privatklägerin zu rechtfertigen, als etwas, das ihm passiert sei und die Pri-

vatklägerin initialisiert habe. Die gar passive Darstellung seiner Rolle in den Ge-

schehnissen erscheint angesichts der übereinstimmenden Zeugenaussagen als 

unglaubhaft, weshalb namentlich auch bezüglich des Zustandekommens des se-

xuellen Verhältnisses auf die glaubhafte Darstellung der Privatklägerin abzustel-

len ist. 

2.12. Aufgrund des Beweisergebnisses verbleiben keine Zweifel, dass die Be-

handlung der Privatklägerin beim Beschuldigten eine intensive Gesprächstherapie 

und eine darauf abgestimmte psychopharmakologische Therapie beinhaltete. 

Während den Gesprächssitzungen berichtete der Beschuldigte von seinem Privat-

leben und von anderen Patienten. Er duzte die Privatklägerin, erzählte ihr von 

seinen Vorlieben für blonde und schlanke Frauen und sagte ihr, dass ihr Freund 

optisch nicht zu ihr passe. Im weiteren Verlauf der Therapie befragte er die Pri-

vatklägerin zu ihrem Sexualleben, wollte mit ihr in den Ausgang gehen und mach-

te ihr Komplimente. Er fragte sie, wie sie sein Aussehen finde, erzählte ihr von 

seinen sexuellen Fantasien und sagte ihr unter anderem, dass er nasse Lippen 

möge und heiss auf sie sei. Im August 2009 kam es zum ersten einvernehmlichen 

Geschlechtsverkehr zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin. In der 

Folge trafen sich die beiden mehrfach, meist jeweils im Anschluss an die Ge-

sprächssitzung bei ihm oder ihr zu Hause und hatten einvernehmlichen Ge-

schlechtsverkehr. Das sexuelle Verhältnis dauerte bis im Januar 2012, als der 

Beschuldigte seine Arbeit im E._____ beendete. Der Sachverhalt ist folglich bis 

auf die Abhängigkeit der Privatklägerin, auf welche später noch einzugehen ist, 

anklagegemäss erstellt. 

- 18 - 

3. Rechtliche Ausführungen 

3.1. Geschütztes Rechtsgut von Art. 193 StGB ist die Freiheit der sexuellen 

Selbstbestimmung. Strafbar ist, wer eine Person veranlasst, eine sexuelle Hand-

lung vorzunehmen oder zu dulden, indem er eine Notlage oder eine durch ein Ar-

beitsverhältnis oder in anderer Weise begründete Abhängigkeit ausnützt. Das Op-

fer ist abhängig im Sinne des Tatbestandes, wenn es auf Grund eines im Gesetz 

genannten Umstandes nicht ungebunden bzw. frei ist und damit objektiv oder 

auch nur subjektiv auf den Täter bzw. seine Fürsorge angewiesen ist. Soweit es 

um ein Abhängigkeitsverhältnis geht, muss dieses die Entscheidungsfreiheit we-

sentlich einschränken. Für die Bestimmung des Ausmasses der Abhängigkeit sind 

die konkreten Umstände des Einzelfalles massgebend. Dem Abhängigkeitsver-

hältnis liegt in der Regel eine besondere Vertrauensbeziehung und immer ein 

ausgeprägtes Machtgefälle zu Grunde. Über das Bestehen eines Abhängigkeits-

verhältnisses hinaus verlangt der Tatbestand, dass der Täter die abhängige Per-

son unter Ausnützung der genannten Machtkonstellation zur Vornahme oder Dul-

dung sexueller Handlungen veranlasst hat. Der Täter muss sich somit die wesent-

lich eingeschränkte Entscheidungsfreiheit oder Abwehrfähigkeit der abhängigen 

Person und ihre dadurch gegebene Gefügigkeit bewusst im Hinblick auf deren 

sexuelles Entgegenkommen zunutze gemacht haben. Art. 193 StGB setzt die 

Einwilligung der betroffenen Person in die sexuellen Handlungen voraus. Ist sie 

vom Täter abhängig, so ist sie in ihrer Entscheidung, in sexuelle Handlungen ein-

zuwilligen oder sie zu verweigern, nicht mehr völlig frei. Duldet sie in dieser Lage 

sexuelle Handlungen, ja gibt sie dazu ihre ausdrückliche Zustimmung und Mitwir-

kung, so ist der Täter doch strafbar, wenn die Abhängigkeit der Person sie gefü-

gig gemacht hat. Entscheidend ist daher, ob die betreffende Person durch die Ab-

hängigkeit zur Duldung des Beischlafs bestimmt wurde, oder ob sie unabhängig 

davon aus eigenem Antrieb eingewilligt hat. Die Abhängigkeit muss also kausal 

dafür sein, dass sich das Opfer auf eine sexuelle Beziehung mit dem Täter einge-

lassen hat. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich. Der Täter muss wissen 

oder zumindest damit rechnen, dass sich die betroffene Person nur deshalb auf 

die sexuellen Handlungen einlässt, weil sie von ihm abhängig ist (BGE 131 IV 114 

E. 1). 

- 19 - 

3.2. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann zwischen einem Psy-

chotherapeuten und seinem Patienten auf Grund der therapeutischen Beziehung 

und dem damit einhergehenden intensiven Vertrauensverhältnis eine Abhängig-

keit gemäss Art. 193 Abs. 1 StGB bestehen. Nicht alle therapeutischen Beziehun-

gen zwischen Psychotherapeut und Patient sind jedoch zwangsläufig von einem 

intensiven Vertrauensverhältnis geprägt und die Therapien führen zwar häufig, je-

doch nicht zwingend zu einem Machtgefälle und zu therapietypischen inneren 

Vorgängen, die eine für die Tat nach Art. 193 StGB hinreichenden Kontroll- und 

Autonomieverlust beim Patienten bewirken. Das Bestehen eines besonderen Ver-

trauens- und Abhängigkeitsverhältnisses kann allein unter Hinweis auf eine psy-

chotherapeutische Behandlung nicht bejaht werden. Vielmehr muss dieses in je-

dem Einzelfall geprüft und nachgewiesen werden. Von Bedeutung können dabei 

die Dauer der Therapie, der physische und psychische Zustand des Patienten, 

Gegenstand und Umfang der Behandlung, Behandlungsform, die (fehlende) Ein-

haltung therapeutischer Distanz des Therapeuten in den Gesprächen mit dem  

Patienten und anderes mehr sein (BGE 131 IV 114 E. 1, BGE 133 IV 49 E. 5.3). 

4. Psychiatrisches Gutachten 

4.1. Um den psychischen Zustand der Privatklägerin zu beurteilen und allfällige 

Auswirkung auf das Verhältnis zum Beschuldigten abzuklären, wurde Frau Dr. 

med. D._____, Fachärztin für Psychiatrie FMH und forensische Sachverständige 

FMH, mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens beauftragt.  

4.2. Zieht das Gericht mangels eigener Fachkenntnis eine sachverständige 

Person bei, ist es bei der Würdigung des Gutachtens grundsätzlich frei. Ob das 

Gericht die in einem Gutachten enthaltenen Erörterungen für überzeugend hält 

oder nicht und ob es dementsprechend den Schlussfolgerungen der Experten fol-

gen will, ist mithin eine Frage der Beweiswürdigung. Die Beweiswürdigung und 

die Beantwortung der sich stellenden Rechtsfragen ist Aufgabe des Richters. Die-

ser hat zu prüfen, ob sich aufgrund der übrigen Beweismittel und der Vorbringen 

der Parteien ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der gutachterlichen 

Darlegungen aufdrängen. Nach dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung ent-

scheiden die Organe der Strafrechtspflege frei von Beweisregeln und nur nach ih-

- 20 - 

rer persönlichen Ansicht aufgrund gewissenhafter Prüfung darüber, ob sie eine 

Tatsache für erwiesen halten (vgl. Art. 10 Abs. 2 StPO). Das Gericht ist somit 

nicht an den Befund oder die Stellungnahme des Sachverständigen gebunden. Es 

hat vielmehr zu prüfen, ob sich aufgrund der übrigen Beweismittel und der Vor-

bringen der Parteien ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der gutachter-

lichen Darlegungen aufdrängen. Auch wenn das gerichtlich eingeholte Gutachten 

grundsätzlich der freien Beweiswürdigung unterliegt, darf das Gericht in Fachfra-

gen nicht ohne triftige Gründe von ihm abrücken und muss Abweichungen be-

gründen. Auf der anderen Seite kann das Abstellen auf eine nicht schlüssige Ex-

pertise bzw. der Verzicht auf die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen ge-

gen das Verbot der willkürlichen Beweiswürdigung verstossen. Erscheint dem Ge-

richt die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft, hat 

es nötigenfalls ergänzende Beweise zur Klärung dieser Zweifel zu erheben. Ein 

Gutachten stellt namentlich dann keine rechtsgenügliche Grundlage dar, wenn 

gewichtige, zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien die Überzeugungs-

kraft des Gutachtens ernstlich erschüttern. Das trifft etwa zu, wenn der Sachver-

ständige die an ihn gestellten Fragen nicht beantwortet, seine Erkenntnisse und 

Schlussfolgerungen nicht begründet oder diese in sich widersprüchlich sind oder 

die Expertise sonstwie an Mängeln krankt, die derart offensichtlich sind, dass sie 

auch ohne spezielles Fachwissen erkennbar sind (BGE 141 IV 369 E. 6.1, Urteil 

des Bundesgerichts 6B_829/2013 vom 6. Mai 2014 E. 4.1). 

4.3. Die Gutachterin stützte sich bei ihren Erhebungen auf die ihr vom Gericht 

zur Verfügung gestellten Akten, die mit Einverständnis der Privatklägerin angefor-

derten Akten der SVA, die von der Privatklägerin vorgelegten Arztbriefe sowie die 

psychiatrischen Untersuchungen der Privatklägerin von insgesamt 6 Stunden 

(Urk. 95 S. 2). Sie setzte sich mit den medizinischen und psychiatrischen Vorbe-

funden auseinander und erstellte ausführliche Anamnesen zur Gesundheit der 

Privatklägerin, ihrem Drogenkonsum und ihren Beziehungen (Urk. 95 S. 15 ff.). 

Als Vorbemerkung zum Thema sexueller Missbrauch in der Psychotherapie hielt 

die Gutachterin fest, dass die Studienlage hierzu widersprüchlich sei und sich das 

Gutachten daher in besonders hohem Mass auf die Analyse des Einzelfalls zu fo-

kussieren habe (Urk. 95 S. 38). 

- 21 - 

4.4. In ihrer Diagnose schloss die Gutachterin mangels Hinweisen aus der Vor-

geschichte und dem Querschnittsbefund, dass keine hirnorganische Störung oder 

eine Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis vorliege. Das Gutachten ha-

be sich vorrangig mit der Persönlichkeitsentwicklung der Explorandin auseinan-

derzusetzen, insbesondere stelle sich die Frage nach einer Persönlichkeitsstö-

rung. Hierzu verwies die Gutachterin auf ICD 10, die Internationale Klassifikation 

psychischer Störungen (Urk. 95 S. 38). Die Gutachterin stellte im Folgenden die 

biografische Entwicklung der Privatklägerin dar, ergänzt durch Angaben aus 

früheren Arztberichten (Urk. 95 S. 39 ff.), und diagnostizierte bei ihr eine abhängi-

ge Persönlichkeitsstörung (ICD 10: F 60.7; Urk. 95 S. 41).  

4.5. Gemäss ICD 10 ist eine abhängige Persönlichkeitsstörung von den folgen-

den Kriterien gekennzeichnet: 1) Bei den meisten Lebensentscheidungen wird an 

die Hilfe anderer appelliert oder die Entscheidung wird anderen überlassen; 2) 

Unterordnung eigener Bedürfnisse unter die anderer Personen, zu denen eine 

Abhängigkeit besteht, und unverhältnismässiger Nachgiebigkeit gegenüber den 

Wünschen anderer; 3) Mangelnde Bereitschaft zur Äusserung angemessener An-

sprüche gegenüber Personen, zu denen eine Abhängigkeit besteht; 4) Unbehagli-

ches Gefühl beim Alleinsein aus übertriebener Angst, nicht für sich alleine sorgen 

zu können; 5) Häufige Angst von einer Person verlassen zu werden, zu der eine 

enge Beziehung besteht, und auf sich selbst angewiesen zu sein; 6) Einge-

schränkte Fähigkeit, Alltagsentscheidungen zu treffen ohne ein hohes Mass an 

Ratschlägen und Bestätigung von anderen. Zusätzlich können sich die Betreffen-

den selbst hilflos, inkompetent und nicht leistungsfähig fühlen (Urk. 95 S. 41 f.). 

Die Gutachterin hält fest, dass für die Diagnose mindestens drei der aufgeführten 

Eigenschaften oder Verhaltensweisen vorliegen müssten. Auf die Probandin wür-

den alle Kriterien zutreffen. Seit ihrer Jugend seien ihre Lebensführung und ihre 

Beziehungsgestaltung in hohem Mass von den Mustern ihrer abhängigen Persön-

lichkeitsstörung geprägt und beeinträchtigt. Diese gutachtliche Einschätzung 

stimme mit den Persönlichkeitsdiagnosen früherer psychiatrischer Behandler 

überein. Zusammenfassend lasse sich bei der Privatklägerin eine lebensge-

schichtliche Entwicklung beschreiben, in der sie sich, primär ängstlich und mit ei-

nem geringen Mass an Vitalität ausgestattet und aus einem emotional vernach-

- 22 - 

lässigenden rigiden Elternhaus stammend, eng an ihre jeweiligen Lebenspartner 

gebunden habe, sich deren Lebensstil weitgehend angepasst habe und sich nach 

einer langen Phase von Unterordnung und (Selbst)ausbeutung erst dann getrennt 

habe, wenn ihr unter physischen Gesichtspunkten keine andere Möglichkeit mehr 

geblieben sei und zudem äussere Faktoren die Trennung erleichtert und ihr einen 

neuen Rahmen geboten hätten, der Halt und Schutz versprochen hätte (Urk. 95 

S. 42). Neben der abhängigen Persönlichkeitsstörung bestehe bei der Exploran-

din eine Angststörung mit Panikattacken und einer agrophobischen Symptomatik 

(ICD 10: F 40.01), die sich auf dem Boden der schweren Herzerkrankung ab 2000 

entwickelt, dann aber verselbständigt habe. Die Lebensvollzüge der Explorandin 

seien zusammenfassend nachhaltig geprägt von den Zügen der abhängigen Per-

sönlichkeitsstörung (ICD 10: F 60.7), die durch die hinzugetretene Agoraphobie 

mit Panikattacken (ICD 10: F 40.01) in ihren Auswirkungen noch verstärkt werde 

(Urk. 95 S. 42 f.). 

4.6. Die Verteidigung moniert, das Gutachten weise inhaltliche und methodi-

sche Mängel auf (Urk. 102). Es sei keine einschlägige standardisierte Testung 

durchgeführt worden. Die Gutachterin lasse die gegenüber den medizinischen Be-

richten gegensätzlichen Verhaltensweisen der Privatklägerin ausser Acht. Sie ge-

he nicht auf offensichtliche Widersprüche und Inkonsistenzen in den Aussagen 

der Privatklägerin ein, welche deren Glaubwürdigkeit in Frage stellen würden. Zu-

dem fehlten Drogen- und Medikamentenscreening-Tests. Solche seien bei einer 

ehemaligen Suchtmittel-Abhängigen zwingend durchzuführen. Inhaltlich wendet 

die Verteidigung gegen das Gutachten ein, dass die Gutachterin die stabile Eigen-

ständigkeit der Geschädigten dokumentiere, welche in krassem Gegensatz zur 

Auflistung der Befunde zur behaupteten Diagnose stünden. Die tatsächlichen Be-

funde der Gutachterin zeigten eine höchst autonome Persönlichkeit. Die Kriterien 

nach ICD 10, welche die Gutachterin zur Diagnose der F 60.7 PS führen würden, 

seien hingegen an keiner Stelle im Gutachten erfüllt (Urk. 102 S. 1 f., S. 4 und 

S. 6). 

4.7. Der Argumentation der Verteidigung ist zu entgegen, dass die Gutachterin 

nicht mit der Erstellung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens beauftragt wurde. So-

- 23 - 

weit es für die Diagnose nicht relevant ist, musste sie sich daher nicht mit allfälli-

gen Widersprüchen oder Inkonsistenzen in den Aussagen der Privatklägerin aus-

einandersetzen. Das Gutachten wurde gestützt auf die zur Verfügung stehenden 

Akten, welche auch psychiatrisch relevant sind, die zusätzlich beigezogenen Ak-

ten der SVA und Arztbriefe sowie gestützt auf die Erkenntnisse aus der Explora-

tion erstellt. Es ist nicht ersichtlich, dass die Gutachterin relevante Aspekte ausser 

Acht gelassen hätte. Sie begründet ausführlich und in nachvollziehbarer Weise, 

wie sie aufgrund der Biografie der Privatklägerin und ihrer Persönlichkeitsentwick-

lung zu ihrer Diagnose gelangt. Die Verteidigung zählt diverse einzelne Punkte 

auf, die gegen eine abhängige Persönlichkeitsstörung sprechen würden, verkennt 

jedoch, dass das Aussageverhalten der Privatklägerin im vorliegenden Verfahren 

und ihr Verhalten gegenüber dem Beschuldigten sich geradezu nahtlos in das von 

der Gutachterin geschilderte und festgestellte Persönlichkeitsbild der Privatkläge-

rin einfügen. Die Entwicklungsgeschichte der Privatklägerin, die medizinische und 

die Beziehungsanamnese ergeben ein in sich schlüssiges Bild, aufgrund dessen 

die Gutachterin unter anderem zu ihrer Diagnose gelangte. Insgesamt ist das 

Gutachten schlüssig und lässt keine Mängel erkennen. Die Gutachterin beantwor-

tet zudem alle mit der Beauftragung im Zusammenhang stehenden und relevan-

ten Fragen vollständig, womit es sich erübrigt, ihr auch noch die von der Verteidi-

gung vorgebrachten Ergänzungsfragen zu unterbreiten (Urk. 73). Bei der nach-

folgenden Beurteilung der Abhängigkeit der Privatklägerin sind die im Gutachten 

festgehaltenen psychiatrischen Erkenntnisse daher miteinzubeziehen. 

5. Abhängigkeit 

5.1. Die Privatklägerin hat Mühe ihr damaliges Verhältnis zum Beschuldigten zu 

beschreiben. Auf die Frage, weshalb sie über eine so lange Zeit eine sexuelle Be-

ziehung mit dem Beschuldigten gehabt habe, obwohl sie sage, dass der Sex mit 

ihm nicht schön gewesen sei, antwortete die Privatklägerin: "Ich glaube, dass ich 

abhängig von ihm war - oder die Angst vor dem 'Nein' sagen. Beides wahrschein-

lich" (Urk. 9/1 S. 8). Die Polizei fragte sie weiter, ob sie in den Beschuldigten ver-

liebt gewesen sei, was sie verneinte. Das sei sie nie gewesen. Äusserlich habe er 

ihr schon ein bisschen gefallen. Aber es sei eine Abhängigkeit da gewesen und 

- 24 - 

Angst. Vor den Sitzungen habe sie Durchfall gehabt und sie habe in der Nacht 

davor nicht schlafen können (Urk. 9/1 S. 8). Die Privatklägerin sprach in der poli-

zeilichen wie auch in der staatsanwaltschaftlichen Befragung immer wieder von 

Angst und Abhängigkeit (Urk. 9/1 S. 4 und S. 8, Urk. 9/2 S. 10 f. und S. 16), konn-

te jedoch sich selbst und den Befragenden nicht genau erklären, worin diese Ge-

fühle gründeten. Dies führte die Gutachterin auf das geringe Introspektionsver-

mögen sowie das wenig differenzierte Verbalisationsvermögen der Privatklägerin 

zurück. Hinzu trete bei ihr der psychische Abwehrmechanismus der Verleugnung, 

bei der unangenehme und bedrohliche Erfahrungen abgespalten und ignoriert 

würden. Differenzierte und damit zuverlässige Beschreibungen innerpsychischer 

Zustände seien aus den genannten Gründen von der Privatklägerin kaum zu leis-

ten (Urk. 95 S. 49). Unter diesen Umständen würde dann auch eine persönliche 

Einvernahme der Privatklägerin vor Berufungsinstanz keine neuen Erkenntnisse 

bringen. Die Fähigkeit der Privatklägerin, sich differenziert zu äussern und sich 

selbst zu reflektieren, sind zu gering, um zuverlässig Auskunft über ihre damalige 

Gefühlslage zu geben und ihre Verhaltensweise zu begründen. 

5.2. Die Gutachterin diagnostizierte bei der Privatklägerin wie erwähnt eine ab-

hängige Persönlichkeitsstörung (ICD 10: F 60.7) in schwerer Ausprägung sowie 

eine Agoraphobie mit Panikattacken (ICD 10: F 40.01). Sie zeigt im Gutachten 

anschaulich auf, wie sich die abhängige Persönlichkeitsstörung bei der Privatklä-

gerin äussert. In deren lebensgeschichtlichen Entwicklung sei bis Kindheit und 

Jugend zurückzuverfolgen, dass die Privatklägerin in hohem Mass dazu tendiere, 

Lebensentscheidungen anderen zu überlassen oder dabei an die Hilfe anderer 

appelliere, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse unter die anderer Personen, zu de-

nen eine Abhängigkeit besteht, unterordne und dass sie eine unverhältnismässige 

Nachgiebigkeit gegenüber den Wünschen anderer zeige. Bei der Explorandin be-

stehe eine mangelnde Bereitschaft zur Äusserung angemessener Ansprüche ge-

genüber Personen, zu denen eine Abhängigkeit bestehe. In ihrer Biografie zeich-

ne sich eine übertriebene Angst ab, nicht für sich allein sorgen zu können. Die Si-

tuation des Alleinseins werde von ihr vermieden. Schon in der Untersuchungssi-

tuation sei ihre eingeschränkte Fähigkeit, Alltagsentscheidungen zu treffen ohne 

- 25 - 

ein hohes Mass an Ratschlägen und Bestätigung von anderen, deutlich geworden 

(Urk. 95 S. 46). 

5.3. Die Diagnose ist vor dem Hintergrund zu betrachten, dass die Privatkläge-

rin während rund drei Jahren, in psychiatrischer und psychotherapeutischer Be-

handlung beim Beschuldigten war, der damals als Klinikarzt in der E._____, ei-

nem E.'_____, angestellt war. Die Privatklägerin war regelmässig, durchschnittlich 

einmal pro Monat, in der Gesprächstherapie beim Beschuldigten. Anlässlich die-

ser Termine entschied der Beschuldigte auch über eine allfällige Anpassung der 

Medikation. Die Privatklägerin erzählte dem Beschuldigten von ihren Ängsten und 

Sorgen, ihrem Drogenkonsum und insbesondere von der problematischen Bezie-

hung zu ihrem drogen- und alkoholabhängigen Lebenspartner. Der Beschuldigte 

wahrte in diesen Gesprächen bereits nach kurzer Zeit die notwendige therapeu-

tische Distanz nicht mehr. Er berichtete von seinem Privatleben, von anderen  

Patientinnen und duzte die Privatklägerin. Im Laufe der Gesprächssitzungen 

überschritt er die Grenzen der Arzt-Patient-Beziehung sukzessiv, indem er seine 

Vorlieben für blonde und schlanke Frauen äusserte, ihr sagte, dass ihr Freund  

optisch nicht zu ihr passe, fragte wie sie sein Aussehen findet, ihr Komplimente 

machte und mit ihr in den Ausgang gehen wollte. Er befragte sie zu ihrem Sexual-

leben, erzählte ihr von seinen sexuellen Fantasien und machte sexuell anzügliche 

Bemerkungen (vgl. vorstehend Ziff. III.2.12). 

5.4. Die Gutachterin folgert aufgrund der schwer ausgeprägten abhängigen 

Persönlichkeitsstörung, der Suchterkrankung und der spezifischen Beziehungs-

konstellation, die aus der psychiatrisch-psychopharmakologischen und psycho-

therapeutischen Behandlungssituation erwachsen sei, dass die Privatklägerin im 

Tatzeitraum zu ihrer freien Entscheidung, in sexuelle Handlungen mit dem Be-

schuldigten einzuwilligen, nur teilweise fähig gewesen sei (Urk. 95 S. 48). Sie sei 

im Tatzeitraum in ihrer Fähigkeit, sich vom Beschuldigten zu lösen bzw. sich sei-

nem Ansinnen, ihn weiterhin zu sexuellen Handlungen zu treffen, zu widersetzen, 

deutlich eingeschränkt gewesen. Dies habe gleichermassen mit ihrem Störungs-

bild und mit der spezifischen Beziehungssituation zwischen Behandler und Pati-

entin zu tun. Erst nach Auflösung der Behandlungsbeziehung im Januar 2012 sei 

- 26 - 

es der Privatklägerin endgültig gelungen, sich dem Ansinnen des Beschuldigten, 

ihn weiterhin zu sexuellen Handlungen zu treffen, zu widersetzen. Der Privatklä-

gerin falle es aufgrund ihrer Persönlichkeitsstörung und auch aufgrund ihrer 

Angstsymptomatik wesentlich schwerer als anderen Menschen, sich aus sexuel-

len/erotischen Beziehungen zu lösen. In ihrer Lebensgeschichte schlage sich dies 

eindrucksvoll nieder. Dass es ihr gleichwohl recht unmittelbar gelungen sei, sich 

nach Beendigung der Behandlungsbeziehung vom Beschuldigten zu lösen, sei 

ein Hinweis auf das Gewicht, das der Behandlungsbeziehung beim Tatgeschehen 

zugekommen sei. Die Gutachterin kommt zum Ergebnis, dass die Privatklägerin 

nur in der Lage gewesen wäre, sich dem Ansinnen des Beschuldigten, ihn weiter-

hin zu sexuellen Handlungen zu treffen, zu widersetzen, wenn kein psychiatrisch-

psychotherapeutisches Behandlungsverhältnis vorgelegen hätte (Urk. 95 S. 49). 

5.5. Die Verteidigung wendet gegen das Vorliegen einer Abhängigkeit ein, dass 

die Privatklägerin bezüglich der Medikamentenabgabe nicht vom Beschuldigten 

abhängig gewesen sei. Der Beschuldigte habe die Dosierung der Medikamente 

von seinem Vorgänger übernommen und die Medikamentenabgabe sei durch an-

deres medizinisches Personal erfolgt (Urk. 123 S. 3). Dem ist zu entgegnen, dass 

auch wenn die Privatklägerin die Medikamente jeweils bei anderen Personen be-

zog, sie diesbezüglich trotzdem vom Beschuldigten abhängig war. Denn er konnte 

entscheiden, welche Art von Medikamenten und in welcher Dosierung diese der 

Privatklägerin abgegeben werden sollten. Dass er die Medikation meist unverän-

dert liess und diese, wie er sagt, von seinem Vorgänger nur übernommen habe, 

ändert nichts daran, dass er die Möglichkeit hatte, Anpassungen bei den Medika-

menten vorzunehmen, wie er auch selbst an der Berufungsverhandlung sagte 

(Prot. II S. 22). 

5.6. Die Verteidigung macht weiter geltend, es habe kein intensives Vertrau-

ensverhältnis aufgrund der Therapie vorgelegen. Die Einträge des Beschuldigten 

im Verlaufsbericht zeigten, dass die Privatklägerin die Sitzungen nutzte, um ihre 

momentanen Anliegen und Sorgen jemandem mitzuteilen. Es sei nicht um intime 

und therapietypische Probleme gegangen, die eine intensive therapeutische Be-

ziehung auslösen könnten (Urk. 123 S. 8). Inwiefern die in den Gesprächen zwi-

- 27 - 

schen dem Beschuldigten und der Privatklägerin thematisierte Drogensucht auch 

diejenige des Freundes, die Offenlegung eigener Unzulänglichkeiten und Ängste 

nicht intim sein sollen, ist nicht nachvollziehbar. Dies sind offensichtlich therapie-

typische Probleme, welche anlässlich der Sitzungen besprochen wurden. Aus den 

Aussagen der Privatklägerin ergeht, dass sie sich gewünscht hätte, dass in den 

Sitzungen mehr über sie - statt über den Beschuldigten und andere Patienten -

gesprochen worden wäre und dass sie sich mehr Hilfe und Unterstützung vom 

Beschuldigten erhofft hätte. Gestützt darauf ein Vertrauensverhältnis zu vernei-

nen, wäre jedoch verfehlt.  

5.7. Die Verteidigung zweifelt die Diagnose der abhängigen Persönlichkeitsstö-

rung an und zeichnet das Bild einer selbständigen, selbstbewussten und selbst-

bestimmten Frau, welche ihr sexuelles Selbstbestimmungsrecht immer hätte wah-

ren können. Die Privatklägerin habe selbst den sexuellen Kontakt gesucht, so ha-

be sie den Beschuldigten ein paar Mal angerufen und SMS geschickt, um zu fra-

gen, ob sie sich treffen würden. Sie habe ihre sexuellen Wünsche geäussert, in-

dem sie den Analsex mit dem Beschuldigten vehement abgelehnt hätte (Urk. 123 

S. 10). Sie sei zu gewissen Sitzungen nicht erschienen, was zeige, dass sie in der 

Lage gewesen sei, eine zeitliche und physische Distanz zum Beschuldigten auf-

zubauen (Urk. 123 S. 11). Ausserdem habe die Privatklägerin noch Kontakt zum 

Beschuldigten aufgenommen, als die Beziehung längst beendet gewesen sei 

(Urk. 123 S. 10). Entgegen den Ausführungen der Verteidigung und teilweise  

sogar entgegen den eigenen Ausführungen der Privatklägerin agierte diese in  

der Beziehung zum Beschuldigten nicht selbstbestimmt. Sie empfand den Ge-

schlechtsverkehr als nicht schön und sagte, dass der Beschuldigte ihr lästig ge-

worden sei (Urk. 95 S. 23). Trotzdem suchte sie teilweise von sich aus den Kon-

takt zu ihm und traf sich weiterhin mit ihm. Ab und zu erschien sie nicht zu den 

Sitzungen bzw. meldete sich krank, nahm die folgenden Termine dann aber doch 

wieder wahr. Das von aussen widersprüchlich anmutende Verhalten ist, wie vom 

Bundesgericht in einem ähnlich gelagerten Entscheid festgehalten wurde, "be-

zeichnend für sexuelle Übergriffe in der Therapie und ein tief reichendes Abhän-

gigkeitsverhältnis" (BGE 131 IV 114 E. 2.4.3). Zudem ist das Verhalten auch Aus-

druck der Persönlichkeitsstörung der Privatklägerin, indem sie ihre eigenen Be-

- 28 - 

dürfnisse denjenigen des Beschuldigten unterordnete und keine eigenen Ansprü-

che stellte. Die Gutachterin hielt fest, dass die Privatklägerin nur teilweise fähig 

war bzw. deutlich eingeschränkt war, sich dem Ansinnen des Beschuldigten zu 

widersetzen (Urk. 95 S. 48 und 49), sprach ihr aber nicht jegliche Fähigkeit hierzu 

ab. Dass es der Privatklägerin somit einmal gelang, sich dem Beschuldigten zu 

widersetzen und sich seinem Wunsch nach Analverkehr nicht beugte, bedeutet 

nicht, dass sie eine selbstbewusste Frau wäre, welche sich generell gegenüber 

dem Beschuldigten hätte durchsetzen können. Die Privatklägerin nahm selbst 

nach Beendigung des Therapieverhältnisses nochmals Kontakt zum Beschuldig-

ten auf, was ebenfalls auf die abhängige Persönlichkeitsstörung sowie das starke 

Abhängigkeitsverhältnis zum Beschuldigten zurückzuführen ist. Ein Kriterium der 

abhängigen Persönlichkeitsstörung ist das unbehagliche Gefühl beim Alleinsein 

sowie die häufige Angst, verlassen zu werden und auf sich selbst angewiesen zu 

sein. Dementsprechend hatte die Privatklägerin Mühe, sich von einem Partner zu 

trennen. Dies zeigte sich auch in der Beziehung zu ihrem damaligen Freund. Ihr 

Unvermögen sich von ihm zu trennen wurde in den Gesprächssitzungen beim 

Beschuldigten immer wieder thematisiert. Ebenso hatte die Privatklägerin Mühe, 

sich vom Beschuldigten zu lösen und suchte daher auch nach der Therapie noch 

den Kontakt zu ihm. 

5.8. Zusammengefasst lag eine Abhängigkeit der Privatklägerin vom Beschul-

digten vor, welche einerseits in der von der Gutachterin diagnostizierten ausge-

prägten abhängigen Persönlichkeitsstörung und andererseits in der intensiven, 

langjährigen psychotherapeutischen Behandlung gründete, in welcher der Be-

schuldigte die Grenzen einer therapeutischen Beziehung grob missachtete und 

zudem auch Einfluss auf die Medikation der Privatklägerin hatte. Das Zusammen-

spiel dieser Faktoren führte zur fehlenden Abwehrbereitschaft und zu einem Au-

tonomieverlust bei der Privatklägerin, so dass sie im entsprechenden Tatzeitraum 

nicht mehr frei war, zu entscheiden, ob sie sich auf sexuelle Handlungen mit dem 

Beschuldigten einlassen wollte oder nicht. 

- 29 - 

6. Vorsatz 

6.1. Dem Beschuldigten war die abhängige Persönlichkeitsstörung der Privat-

klägerin bekannt, diagnostizierte er diese doch selbst in seinem Schreiben an die 

Invaliditätsversicherung (Urk. 12/5 S. 2). An der Berufungsverhandlung wie be-

reits in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wendete der Beschuldigte dage-

gen ein, dass er diese Diagnose lediglich von seinem Vorgänger übernommen 

habe (Prot. II S. 22, Prot. I S. 19). Ein Arzt, der jedoch eine Diagnose übernimmt, 

macht sie zu seiner eigenen Aussage. Zudem befasste sich der Beschuldigte ge-

mäss der Katamnese der Privatklägerin intensiv mit Aktenstudium und Untersu-

chung am 11., 12. und 19. November 2010 im Hinblick auf den IV-Arztbericht 

(Urk. 12/4). Die vom Beschuldigten gestellte Diagnose passt dann auch zusam-

men mit seinen Feststellungen anlässlich der Gespräche mit der Privatklägerin, 

welche er im Verlaufsbericht notierte (Urk. 12/4). Frau Dr. med. D._____ hielt 

hierzu fest, dass der Beschuldigte im Behandlungsverlauf das typische Verhalten 

einer Patientin mit einer abhängigen Persönlichkeitsstörung dokumentiere, die 

zudem an einer Angststörung gelitten habe und weder psychisch "stabil" noch 

"kompensiert" gewesen sei. Der dokumentierte Verlauf sei vielmehr durchzogen 

gewesen von krisenhaften depressiven Zuspitzungen und den Symptomen einer 

Angststörung, welche der Beschuldigte psychotherapeutisch und psychopharma-

kologisch behandelt habe (Urk. 95 S. 45 f.). 

6.2. Der Beschuldigte wusste somit, in welchem psychischen Zustand die Pri-

vatklägerin war. Er selbst diagnostizierte unter anderem die abhängige Persön-

lichkeitsstörung. Trotzdem verletzte er in seiner Funktion als Psychiater und im 

Wissen um Sinn und Zweck einer psychotherapeutischen Behandlung sowie de-

ren Auswirkungen auf Patienten vorliegend die Grenzen der therapeutischen Be-

ziehung zur Privatklägerin und hatte mehrfach Geschlechtsverkehr mit ihr. Er 

nutzte die Abhängigkeit der Privatklägerin zu ihm dafür aus, seine sexuellen Be-

dürfnisse zu befriedigen und handelte somit vorsätzlich. 

6.3. Der Beschuldigte ist daher der mehrfachen Ausnützung der Notlage im 

Sinne von Art. 193 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

- 30 - 

IV. Strafe 

1. Strafrahmen und Strafzumessungsregeln 

1.1. Der ordentliche Strafrahmen von Art. 193 Abs. 1 StGB beträgt Freiheits-

strafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Bei der mehrfachen Tatbegehung han-

delt es sich um einen Strafschärfungsgrund. Ein solcher wirkt sich primär straf-

erhöhend aus. Der ordentliche Strafrahmen ist nur zu verlassen, wenn ausserge-

wöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe 

unter Berücksichtigung der konkreten Umstände zu hart bzw. zu milde erscheint 

(BGE 136 IV 55 E. 5.8). Solch besonderen Umstände sind vorliegend nicht er-

sichtlich, weshalb es beim ordentlichen Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu 

drei Jahren oder Geldstrafe bleibt. 

1.2. Innerhalb des Strafrahmens misst das Gericht die Strafe nach dem Ver-

schulden des Täters zu. Es berücksichtig das Vorleben und die persönlichen Ver-

hältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters. Das Verschul-

den wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen 

Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zie-

len des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und 

äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu ver-

meiden (Art. 47 StGB).  

1.3. Der Begriff des Verschuldens muss sich auf den gesamten Unrechts- und 

Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen Tat- 

und Täterkomponenten. Bei der Tatkomponente sind das Ausmass des Erfolges, 

die Art und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges, die Willensrichtung, mit 

welcher der Täter gehandelt hat, und die Beweggründe des Beschuldigten zu be-

achten. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnis-

se sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren (BGE 129 IV 6 E. 6.1). 

2. Konkrete Strafzumessung 

2.1. Die vorliegende mehrfache Tatbegehung ist gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB 

zu berücksichtigen. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Vo-

- 31 - 

raussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht 

zur Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das 

Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei 

bleibt das Gericht an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 

Abs. 1 StGB). Aufgrund des jeweils gleichen Vorgehens bei der Tatbegehung und 

des engen sachlichen Zusammenhangs zwischen den Tathandlungen rechtfertigt 

es sich, das Verschulden des Beschuldigten nicht für jede Tat einzeln, sondern 

gesamthaft zu beurteilen. 

2.2. Der Beschuldigte behandelte die Privatklägerin als Psychiater in einem 

E.'_____. Er nützte seine berufliche Stellung als Psychiater und Gesprächsthera-

peut bzw. das zugrunde liegende Vertrauensverhältnis zwischen ihm und der Pri-

vatklägerin aus, um mit ihr Geschlechtsverkehr zu haben. Sukzessive überschritt 

er die Grenzen in der Beziehung zwischen Arzt und Patient und verstärkte 

dadurch die Abhängigkeit der Privatklägerin von ihm. Deutlich verschuldenser-

höhend fallen die mehrfache Tatbegehung und die jeweiligen Tatzeitpunkte ins 

Gewicht. Von August 2009 bis Januar 2012, während rund 2 ½ Jahren nützte der 

Beschuldigte jeweils den Gesprächstermin mit der Privatklägerin, um seinen Ein-

fluss spielen zu lassen und sich gleich anschliessend mit ihr zum Geschlechtsver-

kehr zu treffen. In subjektiver Hinsicht erscheint sein Handeln angesichts dessen, 

dass er wusste, wie schwer es der Privatklägerin in Folge ihrer abhängigen Per-

sönlichkeitsstörung fiel, sich von jemandem zu trennen und welche Schwierigkei-

ten sie hatte, ihren Bedürfnissen folgend zu handeln, besonders verwerflich. Da-

bei handelte er aus rein egoistischen Beweggründen, um seine sexuellen Bedürf-

nisse zu befriedigen. Das Verschulden des Beschuldigten wiegt in objektiver wie 

auch in subjektiver Hinsicht mittelschwer, weshalb die Strafe im mittleren Drittel 

des Strafrahmens anzusetzen ist. Eine Geldstrafe steht folglich ausser Frage. Ei-

ne Freiheitsstrafe von 18 Monaten erscheint dem Verschulden des Beschuldigten 

angemessen. 

2.3. Der Beschuldigte weist gemäss dem Strafregisterauszug vom 3. November 

2016 (Personen Nr. 12481370) noch eine eingetragene Vorstrafe wegen grober 

Verletzung der Verkehrsregeln infolge einer Überschreitung der Höchstgeschwin-

- 32 - 

digkeit auf, wofür er vom Einzelrichteramt des Kantons Zug mit Urteil vom 

12. März 2007 unter Ansetzung einer zweijährigen Probezeit mit einer bedingten 

Geldstrafe von 20 Tagessätzen à Fr. 100.– sowie mit einer Busse von Fr. 600.– 

bestraft wurde (Urk. 112 und 114/1). Diese Vorstrafe ist nicht einschlägig und liegt 

bereits rund neun Jahre zurück, weshalb sie sich nur unwesentlich auf die Straf-

höhe auswirkt. 

2.4. Strafmindernd ist vorliegend die lange Verfahrensdauer im Sinne von 

Art. 48 lit. e StGB zu berücksichtigen, wonach das Gericht die Strafe mildert, 

wenn das Strafbedürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich 

vermindert ist. Eine "verhältnismässig lange Zeit" im Sinne dieser Bestimmung 

liegt vor, wenn zwei Drittel der Verfolgungsverjährungsfrist zum Zeitpunkt der  

Urteilsfällung abgelaufen sind (Markus Hug in: Andreas Donatsch [Hrsg.], StGB 

Kommentar, 19. A., Zürich 2013, Art. 48, N 10; BGE 140 IV 145 E. 3.1 = Pra 104 

[2015] Nr. 50 E. 3.1). Die Verjährungsfrist richtet sich nach der angedrohten 

Höchststrafe des betreffenden Delikts, welche vorliegend 3 Jahre Freiheitsstrafe 

beträgt. Die sexuellen Handlungen zwischen dem Beschuldigten und der Privat-

klägerin fanden regelmässig zwischen August 2009 und Januar 2012 statt. Da  

es sich nicht um eine Einheitstat oder ein Dauerdelikt handelt, beginnt die Ver-

folgungsverjährung für die einzelnen Taten mit deren Ausführung (Art. 98 lit. a 

StGB). Zum Zeitpunkt der Tatbegehungen war die alte Fassung von Art. 97 StGB 

aus dem Jahr 2002 in Kraft. Nach Art. 97 Abs. 1 lit. c aStGB verjährt die Strafver-

folgung in sieben Jahren, wenn die Tat mit einer anderen Strafe als einer lebens-

länglichen oder einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren, bedroht ist. Die 

neue Fassung von Art. 97 StGB sieht für Delikte mit einer Höchststrafe von drei 

Jahren eine Verjährungsfrist von 10 Jahren vor. Vorliegend ist daher die alte Be-

stimmung als das mildere Recht und somit eine Frist von sieben Jahren anwend-

bar. Zum heutigen Zeitpunkt sind seit der ersten Tatbegehung im August 2009 

rund sieben Jahre und seit der letzten Tat im Januar 2012 rund fünf Jahre ver-

gangen und damit zwei Drittel der Verfolgungsverjährungsfrist von sieben Jahren 

verstrichen. Der langen Verfahrensdauer ist mittels einer Strafminderung von zwei 

Monaten Rechnung zu tragen. 

- 33 - 

2.5. Zu seiner Person führte der Beschuldigte anlässlich der Schlusseinver-

nahme bei der Staatsanwaltschaft am 19. Dezember 2013 aus, dass er in 

N._____ geboren und aufgewachsen sei, während 12 Jahren die Schule und das 

Gymnasium besucht und danach das Medizinstudium begonnen habe. Er habe 

dieses abbrechen müssen, weil er seine Mutter im Geschäft habe vertreten müs-

sen. 1986 habe er in N._____ seine erste Schweizer Ehefrau kennen gelernt. 

1987 sei er in die Schweiz eingereist und habe sie geheiratet. Circa 1992 hätten 

sie sich scheiden lassen. Nach der Trennung habe er Alkohol und Kokain konsu-

miert. Das sei eine schlimme Phase gewesen. Er habe sich dann entschieden, 

den Alkohol und die Drogen sein zu lassen. Dann habe er für fünf Jahre ausreisen 

müssen. 1993/1994 habe er seine heutige Ehefrau in N._____ kennen gelernt 

und sie 1994 geheiratet. 1999 habe er das Medizinstudium in N._____ abge-

schlossen. Seit Mai 2000 sei er wieder in der Schweiz und arbeite seither als Arzt 

in der Psychiatrie. Im Moment sei er wegen dem Strafverfahren arbeitsunfähig 

geschrieben und in psychiatrischer Behandlung. Bis Dezember 2013 habe er von 

der Krankentaggeldversicherung gelebt bzw. noch einen Lohn erhalten. Vermö-

gen habe er keines. Schulden habe er in der Höhe von circa Fr. 10'000.– in Form 

eines Kleinkredits sowie Fr. 30'000.– bei seiner Ehefrau (Urk. 8/6 S. 6 f.). Anläss-

lich der Berufungsverhandlung bestätigte der Beschuldigte seine bisherigen An-

gaben und führte ergänzend aus, dass er nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit eine 

neue Arbeitsstelle in R._____ gefunden habe. Seit dem letzten Jahr arbeite er 

nun als Spitalfacharzt im Spital R._____. Er sei nach wie vor verheiratet und lebe 

mit seiner Frau zusammen. Unter der Woche wohne er in seiner Zweitwohnung in 

S._____ und am Wochenende fahre er nach Hause. Aktuell verdiene er in seinem 

80%-Pensum monatlich netto Fr. 7'000.–. Vermögen habe er nach wie vor keines 

und die Schulden beliefen sich noch auf Fr. 20'000.– (Prot. II S. 13 ff.).  

2.6. Aus den Ausführungen des Beschuldigten zu seinem Vorleben und seinen 

persönlichen Verhältnissen ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten Fakto-

ren. Gesamthaft resultiert damit eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten.  

2.7. Der Beschuldigte befand sich vom 21. Mai 2013, 16.45 Uhr, bis 20. Juni 

2013, 14.00 Uhr, in Haft (Urk. 17/2 S. 1, 17/18b). Diese Tage sind gemäss Art. 51 

- 34 - 

StGB auf die Strafe anzurechnen. Der Beschuldigte ist daher mit 16 Monaten 

Freiheitsstrafe zu bestrafen, wovon 30 Tage durch Untersuchungshaft erstanden 

sind. 

V. Vollzug und Weisung 

1. Vollzug 

1.1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Ar-

beit oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens 

zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig er-

scheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen ab-

zuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB).  

1.2. Die objektive Voraussetzung für den bedingten Vollzug einer Freiheitsstra-

fe ist vorliegend gegeben, da eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten ausgesprochen 

wird. In subjektiver Hinsicht ist für die Gewährung des bedingten Strafvollzugs das 

Fehlen einer ungünstigen Prognose bezüglich weiterer künftiger Verbrechen oder 

Vergehen vorausgesetzt. Die günstige Prognose wird somit vermutet, kann aber 

widerlegt werden (BGE 134 IV 5, 134 IV 117). Bei der Prognosestellung, d.h. bei 

der Einschätzung des Rückfallrisikos, ist ein Gesamtbild der Täterpersönlichkeit 

unerlässlich. Zu beachten sind die Tatumstände, das Vorleben, der Leumund so-

wie alle weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters 

und die Aussichten seiner Bewährung zulassen (Markus Hug in: StGB Kommen-

tar, a.a.O., Art. 42, N 7). Zu berücksichtigen sind ferner die Sozialisationsbiografie 

und das Arbeitsverhalten, das Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise auf Sucht-

gefährdungen usw. Mitberücksichtigt werden müssen die voraussichtlichen Wir-

kungen unterstützender Massnahmen wie Bewährungshilfe und Weisungen nach 

Art. 93 f. StGB (BGE 99 IV 69, BGE 100 IV 257, BGE 128 IV 200). 

1.3. In erster Linie ist die strafrechtliche Vorbelastung von Relevanz, namentlich 

wenn der Täter sog. einschlägige Vorstrafen aufweist. Aus dem Strafregister ent-

fernte Urteile dürfen indessen bei der Prognosebeurteilung nicht zulasten des Be-

troffenen verwendet werden (Art. 369 Abs. 7 StGB; BGE 135 IV 87 E. 2.4). Der 

- 35 - 

Beschuldigte weist aufgrund seiner Vorstrafe vom 12. März 2007 einen leicht ge-

trübten Leumund auf. Die Vorstrafe wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln 

infolge einer Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit liegt jedoch wie bereits 

erwähnt rund neun Jahre zurück und ist nicht einschlägig (Urk. 112). Der Be-

schuldigte arbeitet nicht mehr in derselben Klinik wie im Tatzeitraum, ist hingegen 

wieder als Facharzt in einem Spital tätig. Er befindet sich somit zumindest in ei-

nem ähnlichen Umfeld wie zum Tatzeitpunkt. In Anbetracht der zusätzlich auszu-

sprechenden Weisung (vgl. nachstehend Ziff. V.2), kann ihm aber eine günstige 

Prognose gestellt werden. 

2. Weisung 

2.1. Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so 

bestimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren. Für die 

Dauer der Probezeit kann das Gericht Bewährungshilfe anordnen und Weisungen 

erteilen (Art. 44 StGB). Die Weisungen, welche das Gericht oder die Strafvoll-

zugsbehörde dem Verurteilten für die Probezeit erteilen kann, betreffen insbeson-

dere die Berufsausübung, den Aufenthalt, das Führen eines Motorfahrzeuges, 

den Schadenersatz sowie die ärztliche und psychologische Betreuung (Art. 94 

StGB). 

2.2. Die Staatsanwaltschaft beantragte nebst dem bedingten Vollzug der Frei-

heitsstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren, dass dem Beschul-

digten die Weisung erteilt werde, während der Probezeit nicht als Psychiater mit 

weiblicher Klientel tätig zu sein (Urk. 122 S. 1 Antrag Ziff. 5). Die Verteidigung 

macht demgegenüber geltend, dass eine Weisung nicht nötig sei, da sexueller 

Kontakt zu Patientinnen nicht dem üblichen Verhalten des Beschuldigten entspre-

chen würde (Prot. II S. 31). 

2.3. Angesichts dessen, dass der Beschuldigte im Zusammenhang mit seiner 

Berufstätigkeit straffällig wurde und als Psychiater die Abhängigkeit einer Patien-

tin für sexuelle Handlungen mehrfach ausnützte sowie der bedingt auszuspre-

chenden Freiheitsstrafe, erscheint es durchaus angemessen dem Antrag der 

Staatsanwaltschaft auf Erteilung der genannten Weisung zu entsprechen. 

- 36 - 

2.4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe ist daher aufzuschieben und die Probezeit 

auf zwei Jahre festzusetzen. Für die Dauer der Probezeit ist dem Beschuldigten 

die Weisung zu erteilen, nicht als Psychiater mit weiblicher Klientel tätig zu sein. 

VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1.1. Gestützt auf Art. 428 Abs. 3 StPO hat die Rechtsmittelinstanz von Amtes 

wegen auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung zu befinden, 

wenn sie selber einen neues Urteil fällt und nicht kassatorisch entscheidet (Gries-

ser in: Donatsch/ Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen 

Strafprozessordnung, 2. A., Zürich-Basel-Genf 2014, Art. 428, N 14). 

1.2. Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfah-

renskosten, wozu auch die Kosten für die amtliche Verteidigung und unentgelt-

liche Verbeiständung gehören (Art. 422 Abs. 2 StPO), wenn sie verurteilt wird. 

Ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung und diejenigen für die 

unentgeltliche Verbeiständung der Privatklägerschaft, welche unter Vorbehalt der 

Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Gerichtskasse zu neh-

men sind (Art. 426 Abs. 1 und 4 StPO).  

1.3. Unter Berücksichtigung von § 2 Abs. 1 und § 14 Abs. 1 lit. b der Gebühren-

verordnung des Obergerichts des Kantons Zürich vom 8. September 2010 (GebV 

OG), wonach für den Strafprozess im erstinstanzliche Verfahren eine Gebühr bis 

Fr. 45'000.– vorgesehen ist, ist die erstinstanzliche Gerichtsgebühr angesichts der 

Grösse des Falles und des dadurch entstandenen Aufwandes auf Fr. 3'000.– 

festzusetzen. Die übrigen Kosten der Strafuntersuchung bestehen einzig in der 

Gebühr für die Führung der Strafuntersuchung mit Anklageschrift von Fr. 2'500.– 

(Urk. 22), welche sich gestützt auf § 4 Abs. 1 lit. d GebV StrV als ausgewiesen 

erweist. 

1.4. Die von der Vorinstanz festgesetzten Entschädigungen des amtlichen Ver-

teidigers und der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Privatklägerin (Urk. 58 

- 37 - 

S. 33 f.; Dispositivziffern 7 und 8) wurden nicht substanziiert bestritten. Die An-

fechtung dieser vorinstanzlichen Regelungen ist somit einzig bedingt durch den 

von der Staatsanwaltschaft beantragten Schuldspruch, der sich auch auf die Kos-

ten- und Entschädigungsfolgen auswirkt. Die vorinstanzliche Festsetzung der 

Entschädigung an den amtlichen Verteidiger im Umfang von Fr. 26'000.– (inkl. 

MwSt) ist ohne weiteres zu bestätigen (Urk. 58 S. 32 und 33; Dispositivziffer 7), 

da der geltend gemachte Aufwand im Einklang mit den Ansätzen der Verordnung 

des Obergerichts des Kantons Zürich über die Anwaltsgebühren vom 8. Septem-

ber 2010 (AnwGebV) steht und sich als angemessen erweist. Die Entschädigung 

an die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin setzte die Vorinstanz 

zunächst auf Fr. 10'627.95 (inkl. MwSt) fest (Urk. 58 S. 33 und 34; Dispositivziffer 

8). Auf Intervention der Rechtsvertreterin hin, wonach ihr zu viel Honorar ausbe-

zahlt worden sei und sie nur Anspruch auf Fr. 9'189.95 habe (Urk. 50), wurde ihre 

Entschädigung mittels Nachtragsverfügung vom 2. Juni 2014 entsprechend ange-

passt (Urk. 53). Auch dieser Honoraranspruch erweist sich gestützt auf die einge-

reichte Honorarnote und die AnwGebV als angemessen. Die vorinstanzlichen 

Entschädigungen an die amtliche Verteidigung und die unentgeltliche Rechtsver-

tretung sind daher zu bestätigen, unter dem Vorbehalt der Rückforderung vom 

Beschuldigten im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO. 

2. Kosten- und Entschädigungsfolgen des Berufungsverfahrens 

2.1. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Berufungsverfahrens dem Beschul-

digten aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Verfahrenskosten setzen sich 

vorliegend aus den Gerichtsgebühren, den Kosten für die amtliche Verteidigung, 

die unentgeltliche Verbeiständung und das psychiatrische Gutachten über die Pri-

vatklägerin von Dr. med. D._____ zusammen.  

2.2. Die Gutachterin Dr. med. D._____ wurde für die Erstellung des psychiatri-

schen Gutachtens mit Fr. 11'420.– entschädigt (Urk. 96). Die vom amtlichen Ver-

teidiger und der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Privatklägerin geltend  

gemachten Aufwendungen (Urk. 110 und 118/2) erweisen sich gestützt auf die 

AnwGebV als angemessen, so dass sie entsprechend aus der Gerichtskasse zu 

entschädigen sind. 

- 38 - 

VII. Mitteilungen 

Nebst den üblichen Stellen, welchen das Urteil mitgeteilt wird, ist dieses Urteil 

nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälliger Rechts-

mittel zudem auch der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich mitzuteilen. Ge-

mäss § 5 Abs. 3 GesG [Gesundheitsgesetz vom 2. April 2007, LS 810.1] teilen die 

Verwaltungs- und Strafverfolgungsbehörden sowie die Gerichte der Direktion 

Wahrnehmungen mit, die für einen Bewilligungsentzug erheblich sein können. Die 

Bewilligung kann gestützt auf § 5 Abs. 1 GesG insbesondere entzogen werden, 

wenn der Inhaber bzw. die Inhaberin, schwerwiegend oder wiederholt Berufs-

pflichten verletzt (lit. a), die berufliche Stellung missbräuchlich ausnützt (lit. b)  

oder anderweitige Handlungen vornimmt, die mit ihrer oder seiner Vertrauensstel-

lung nicht vereinbar sind (lit. c). Die sexuellen Handlungen des Beschuldigten als 

Psychiater mit der Privatklägerin als Patientin unter Ausnützung derer Abhängig-

keit könnte einen der vorstehenden Gründe für einen Bewilligungsentzug darstel-

len, weshalb dieses Urteil der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich mitzutei-

len ist. 

Es wird beschlossen: 

1. Vom Rückzug der Berufung der Privatklägerin wird Vormerk genommen. 

2. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 22. Mai 

2014 bezüglich Dispositivziffern 1 (Einstellung Drohung), 3 (DNA-Profil) 

und 4 (Zivilansprüche der Privatklägerin) in Rechtskraft erwachsen ist. 

3. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

 

- 39 - 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte B._____ ist schuldig der mehrfachen Ausnützung der Not-

lage im Sinne von Art. 193 Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 16 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 30 Ta-

ge durch Untersuchungshaft erstanden sind. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt.  

4. Für die Dauer der Probezeit wird dem Beschuldigten die Weisung erteilt, 

nicht als Psychiater mit weiblicher Klientel tätig zu sein. 

5. Die erstinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 2'500.00   Gebühr gemäss § 4 Abs. 1 lit. d GebV StrV 

Fr. 26'000.00   amtliche Verteidigung (erstinstanzlich) 

Fr. 9'189.95   unentgeltl. Vertretung Privatklägerin (erstinstanzlich) 

6. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'500.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 14'700.00   amtliche Verteidigung (zweitinstanzlich) 

Fr. 1'900.00   unentgeltl. Vertretung Privatklägerin (zweitinstanzlich) 

Fr. 11'420.00   Gutachten 

7. Die Kosten beider Instanzen, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen 

Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, wer-

den dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung 

sowie der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft werden auf die 

Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt 

vorbehalten.  

- 40 - 

8. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben) 

− die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (übergeben) 
− das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- 

und Vollzugsdienste 
− der Rechtsvertreterin der Privatklägerin im Doppel für sich und zuhan-

den der Privatklägerin 

 (Eine begründete Urteilsausfertigung - und nur hinsichtlich ihrer 

eigenen Anträge (Art. 84 Abs. 4 StPO) - wird den Privatklägern nur 

zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach Erhalt des Dispositivs 

verlangen.) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten  

− die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- 

und Vollzugsdienste 
− die KOST Zürich mit dem Formular "Löschung des DNA-Profils und 

Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung des DNA-Profils 
− die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A 
− die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich 

9. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, be-

gründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung des 

- 41 - 

Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichts-

gesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer 

 
 

Zürich, 29. November 2016 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter Dr. Bussmann 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

lic. iur. Neukom 
 

 
 

Zur Beachtung: 

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam 

gemacht: 

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss 

er/sie die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte 

Freiheitsstrafe. 

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden 

(Art. 46 Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB), 

- wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht, 

- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet. 

 

 

	Urteil vom 29. November 2016
	1. Das Verfahren hinsichtlich der Drohung im Sinne von Art. 180 StGB wird eingestellt.
	2. Der Beschuldigte ist der mehrfachen Ausnützung der Notlage im Sinne von Art. 193 Abs. 1 StGB nicht schuldig und wird freigesprochen.
	3. Der Antrag auf Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils wird abgewiesen.
	4. Die Zivilklage der Privatklägerin wird auf den Zivilweg verwiesen.
	5. Auf das Schadenersatzbegehren des Beschuldigten wird nicht eingetreten.
	6. Dem Beschuldigten werden Fr. 6'000.– als Genugtuung aus der Gerichtskasse zugesprochen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
	7. Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt Dr.iur. Y._____, wird mit Fr. 26'000.– (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
	8. Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin, Rechtsanwältin lic.iur. X._____, wird mit Fr. 10'627.95 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
	9. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen.
	Berufungsanträge:
	Erwägungen:
	I.  Verfahrensgang
	II.  Prozessuales

	1. Teilrechtskraft
	1.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dementsprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche Urteil nur in den angefocht...
	1.2. Die Staatsanwaltschaft erklärte mit Eingabe vom 29. September 2014 ihre Berufung auf die folgenden Punkte zu beschränken: "den Freispruch gemäss  Ziffer 2 des Dispositivs; die Bemessung der Strafe und den Vollzug bzw. den bedingten Vollzug der St...
	1.3. Die Staatsanwaltschaft kann ein Rechtsmittel zugunsten oder zuungunsten der beschuldigten oder verurteilten Person ergreifen (Art. 381 Abs. 1 StPO). Die Legitimation bezieht sich auf alle Punkte des Entscheids. Hingegen hat die Staatsanwaltschaft...
	1.4. Die Berufung der Staatsanwaltschaft beschränkt sich folglich auf die Dispositivziffern 2 (Freispruch von Art. 193 Abs. 1 StGB) sowie 5 - 9 (Kosten-, Entschädigungs- und Genugtuungsfolgen). Dementsprechend ist festzustellen, dass das Urteil des Be...

	2. Anklageprinzip und Beweisergänzung
	2.1. Die Vorinstanz stellte sich zusammengefasst auf den Standpunkt, dass eine allfällige Persönlichkeitsstörung der Privatklägerin, welche Auswirkungen auf ihre Unabhängigkeit bzw. Abhängigkeit gegenüber dem Beschuldigten hätte haben können, nicht be...
	2.2. Diesen Ausführungen der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden. Nach dem in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion). Gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f...
	2.3. Die Anklageschrift vom 9. Januar 2014 enthält alle notwendigen Informationen, so dass der Beschuldigte seine Verteidigungsrechte vollumfänglich wahrnehmen kann. Nebst Ort, Datum, Zeit und Art der Tatausführung erwähnt die Anklage insbesondere al...
	2.4. Die Vorinstanz stellte sich weiter auf den Standpunkt, dass eine Rückweisung an die Staatsanwaltschaft zur Ergänzung der Anklage nicht notwendig sei, da sich auch für den Fall, dass eine Persönlichkeitsstörung bei der Privatklägerin festgestellt ...
	III.  Sachverhalt und rechtliche Würdigung

	1. Anklage und Beweismittel
	1.1. Bezüglich des Anklagesachverhalts kann auf die Zusammenfassung der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 58 S. 5 f.). In rechtlicher Hinsicht wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten vor, er habe sich der mehrfachen Ausnützung der Notlage im Si...
	1.2. Als Beweismittel dienen hauptsächlich die polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen des Beschuldigten (Urk. 8/3-6) und der Privatklägerin (Urk. 9/1-2), die Verlaufsdokumentation der E._____ betreffend die Privatklägerin vom 3. Novem...

	2. Sachverhaltserstellung
	2.1. Unbestritten und erstellt ist gemäss den zutreffenden Feststellungen der Vorinstanz, dass der Beschuldigte in seiner Funktion als Psychiater die Privatklägerin im E._____ an der ...strasse ... in ... im Zeitraum von November 2008 bis Januar 2012 ...
	2.2. Die Verlaufsdokumentation der E._____ gibt Auskunft über die Behandlung der Privatklägerin im Zeitraum vom 3. November 2008 bis 3. Februar 2012 (Urk. 12/4). Unter anderem sind darin die Gesprächstermine der Privatklägerin beim Beschuldigten festg...
	2.3. Das vorliegende Strafverfahren gegen den Beschuldigten wurde aufgrund einer Strafanzeige des Chefarztes Psychiatrie der E._____, Dr. med. F._____, vom 31. Januar 2013 anhand genommen. Dr. med. F._____ informierte die Staatsanwaltschaft über Hinwe...
	2.4. In der ersten polizeilichen Einvernahme am 11. April 2013 schilderte die Privatklägerin, wie es dazu kam, dass sie I._____ am 1. November 2012 vom sexuellen Verhältnis mit dem Beschuldigten erzählte. Sie habe alle zwei Wochen einen Quick im E.___...
	2.5. Bezüglich der Theorie zur Beweiswürdigung von Aussagen kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 58 S. 8 f.). Die Vorinstanz wendet gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin ein, dass diese inkon...
	2.6. Die Gutachterin hielt zum Verhalten der Privatklägerin in der Exploration fest, dass diese durchgehend bemüht erschien, den Anforderungen der Untersuchung zu entsprechen. Sie habe sich leise und undeutlich artikuliert und habe die Fakten nur mit ...
	2.7. Die Schwierigkeiten der Privatklägerin, zusammenhängend, chronologisch und strukturiert zu berichten und ihre teilweise diffus anmutenden Aussagen, sprechen für sich allein noch nicht gegen deren Glaubhaftigkeit. Im Gegenteil wirken die oben wied...
	2.8. Demgegenüber erscheint der Beschuldigte, wie auch die Vorinstanz aufzeigte, bemüht, sich zu rechtfertigen und seine Rolle möglichst passiv darzustellen (Urk. 58 S. 14). Auf die Frage, ob es üblich sei, dass man mit einer Patientin per Du sei, ant...
	2.9. Die nebst der Privatklägerin in der Strafanzeige der E._____ erwähnten ehemaligen Patientinnen des Beschuldigten, H._____, J._____ und K._____, wurden ebenfalls von der Polizei und der Staatsanwaltschaft befragt. H._____ schilderte an beiden Befr...
	2.10. H._____, J._____ und K._____ erzählen alle von Vorfällen und Bemerkungen des Beschuldigten, welche zeigen, dass der Beschuldigte die notwendige Distanz eines Therapeuten zu seinen Patienten nicht wahrte. Zwar können die Patientinnen sich nicht d...
	2.11. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass die Schilderungen der Privatklägerin von der ersten Sitzung, der Entwicklung in den weiteren Gesprächssitzungen bis hin zum ersten sexuellen Kontakt und ihren Empfindungen in sich schlüssig sind und einen s...
	2.12. Aufgrund des Beweisergebnisses verbleiben keine Zweifel, dass die Behandlung der Privatklägerin beim Beschuldigten eine intensive Gesprächstherapie und eine darauf abgestimmte psychopharmakologische Therapie beinhaltete. Während den Gesprächssit...

	3. Rechtliche Ausführungen
	3.1. Geschütztes Rechtsgut von Art. 193 StGB ist die Freiheit der sexuellen Selbstbestimmung. Strafbar ist, wer eine Person veranlasst, eine sexuelle Handlung vorzunehmen oder zu dulden, indem er eine Notlage oder eine durch ein Arbeitsverhältnis oder...
	3.2. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann zwischen einem Psychotherapeuten und seinem Patienten auf Grund der therapeutischen Beziehung und dem damit einhergehenden intensiven Vertrauensverhältnis eine Abhängigkeit gemäss Art. 193 Abs. 1 StG...

	4. Psychiatrisches Gutachten
	4.1. Um den psychischen Zustand der Privatklägerin zu beurteilen und allfällige Auswirkung auf das Verhältnis zum Beschuldigten abzuklären, wurde Frau Dr. med. D._____, Fachärztin für Psychiatrie FMH und forensische Sachverständige FMH, mit der Erstel...
	4.2. Zieht das Gericht mangels eigener Fachkenntnis eine sachverständige Person bei, ist es bei der Würdigung des Gutachtens grundsätzlich frei. Ob das Gericht die in einem Gutachten enthaltenen Erörterungen für überzeugend hält oder nicht und ob es d...
	4.3. Die Gutachterin stützte sich bei ihren Erhebungen auf die ihr vom Gericht zur Verfügung gestellten Akten, die mit Einverständnis der Privatklägerin angeforderten Akten der SVA, die von der Privatklägerin vorgelegten Arztbriefe sowie die psychiatr...
	4.4. In ihrer Diagnose schloss die Gutachterin mangels Hinweisen aus der Vorgeschichte und dem Querschnittsbefund, dass keine hirnorganische Störung oder eine Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis vorliege. Das Gutachten habe sich vorrangig mit d...
	4.5. Gemäss ICD 10 ist eine abhängige Persönlichkeitsstörung von den folgenden Kriterien gekennzeichnet: 1) Bei den meisten Lebensentscheidungen wird an die Hilfe anderer appelliert oder die Entscheidung wird anderen überlassen; 2) Unterordnung eigene...
	4.6. Die Verteidigung moniert, das Gutachten weise inhaltliche und methodische Mängel auf (Urk. 102). Es sei keine einschlägige standardisierte Testung durchgeführt worden. Die Gutachterin lasse die gegenüber den medizinischen Berichten gegensätzliche...
	4.7. Der Argumentation der Verteidigung ist zu entgegen, dass die Gutachterin nicht mit der Erstellung eines Glaubwürdigkeitsgutachtens beauftragt wurde. Soweit es für die Diagnose nicht relevant ist, musste sie sich daher nicht mit allfälligen Widers...

	5. Abhängigkeit
	5.1. Die Privatklägerin hat Mühe ihr damaliges Verhältnis zum Beschuldigten zu beschreiben. Auf die Frage, weshalb sie über eine so lange Zeit eine sexuelle Beziehung mit dem Beschuldigten gehabt habe, obwohl sie sage, dass der Sex mit ihm nicht schön...
	5.2. Die Gutachterin diagnostizierte bei der Privatklägerin wie erwähnt eine abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD 10: F 60.7) in schwerer Ausprägung sowie eine Agoraphobie mit Panikattacken (ICD 10: F 40.01). Sie zeigt im Gutachten anschaulich auf, w...
	5.3. Die Diagnose ist vor dem Hintergrund zu betrachten, dass die Privatklägerin während rund drei Jahren, in psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung beim Beschuldigten war, der damals als Klinikarzt in der E._____, einem E.'_____, angest...
	5.4. Die Gutachterin folgert aufgrund der schwer ausgeprägten abhängigen Persönlichkeitsstörung, der Suchterkrankung und der spezifischen Beziehungskonstellation, die aus der psychiatrisch-psychopharmakologischen und psychotherapeutischen Behandlungss...
	5.5. Die Verteidigung wendet gegen das Vorliegen einer Abhängigkeit ein, dass die Privatklägerin bezüglich der Medikamentenabgabe nicht vom Beschuldigten abhängig gewesen sei. Der Beschuldigte habe die Dosierung der Medikamente von seinem Vorgänger üb...
	5.6. Die Verteidigung macht weiter geltend, es habe kein intensives Vertrauensverhältnis aufgrund der Therapie vorgelegen. Die Einträge des Beschuldigten im Verlaufsbericht zeigten, dass die Privatklägerin die Sitzungen nutzte, um ih