# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b7d0b0c5-43ff-5050-855e-0f02e511d600
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-07-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.07.2019 E-6390/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6390-2017_2019-07-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    

 

  

 

 Abteilung V 

E-6390/2017 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  J u l i  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richterin Esther Marti (Vorsitz), 

Richterin Contessina Theis ,  

Richter Jean-Pierre Monnet,    

Gerichtsschreiberin Nina Klaus. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, Advoka-

tur Kanonengasse, (…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 9. Oktober 2017 / N (…). 

 

 

 

E-6390/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein afghanischer Staatsangehöriger (…) Eth-

nie mit letztem Aufenthalt in Mazar-i-Sharif, Provinz Balkh ist gemäss eige-

nen Angaben im Juli 2014 legal mit dem Flugzeug von seinem Heimatland 

in B._______ gereist. Von dort aus sei er über den Landweg am 5. Oktober 

2015 in die Schweiz gelangt, wo er am 7. Oktober 2015 ein Asylgesuch 

stellte. Er wurde am 9. Oktober 2015 summarisch zur Person befragt (BzP; 

Protokoll in den SEM-Akten A6/11) und am 21. April 2016 einlässlich zu 

seinen Asylgründen angehört (Anhörung; Protokoll in den SEM-Akten 

A22/23).  

A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs führte der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen aus, er habe sich etwa im November (…) in eine Kundin sei-

nes (…)geschäftes namens C._______ verliebt, und sie hätten heimlich 

eine Beziehung geführt. C._______ sei bereits einem anderen Mann ver-

sprochen gewesen, was er jedoch erst zwei oder drei Monate vor seiner 

Ausreise aus Afghanistan von ihr erfahren habe. Die ersten sechs Monate 

ihrer Beziehung hätten sie hauptsächlich miteinander telefoniert, sie habe 

ihn auch in seinem Geschäft besucht. Danach hätten sie sich auch in der 

Stadt getroffen, beispielsweise, um zusammen eine Pizza zu essen. Da 

seine Freundin eine Burka getragen habe, seien ihre Treffen problemlos 

verlaufen.  

Etwa im (…) 2014 sei der jüngere Bruder der Freundin, D._______, zum 

ersten Mal in das Geschäft des Beschwerdeführers gekommen, um ihn 

aufzufordern, die Beziehung zu seiner Schwester zu beenden. Wie 

D._______ von der Beziehung erfahren habe, wisse er nicht. Danach habe 

er die Beziehung zu C._______ eigentlich abbrechen wollen respektive er 

habe auch versucht, sich der Familie vorzustellen und mit der Mutter zu 

sprechen; sie hätten ihn aber nicht akzeptiert. C._______ habe ihn ange-

fleht, die Beziehung nicht zu beenden und sei weinend in seinen Laden 

gekommen; daraufhin hätten sie die Beziehung unter telefonischem Kon-

takt mit neuen Nummern weitergeführt. Als D._______ ihn erneut in seinem 

Ladenlokal aufgesucht habe, habe er diesem erklärt, er habe keinen Kon-

takt zu C._______ mehr. Trotzdem habe D._______ ihn gewarnt und ihn 

schlagen wollen, was die Ladenbesitzer der Nachbargeschäfte jedoch ver-

hindert hätten. Als er am Abend auf dem Weg zu seinem Elternhaus gewe-

sen sei, hätten ihn vier Personen festgehalten und geschlagen, worauf er 

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Seite 3 

im Spital behandelt worden sei. Am Tag darauf habe er zusammen mit sei-

nem Vater den Vorfall bei den Behörden gemeldet, und diese hätten ver-

sprochen, eine Strafuntersuchung einzuleiten. Es sei jedoch nichts weiter 

geschehen.  

Zehn Tage später hätten drei unbekannte Personen sein Geschäft betre-

ten. Sie hätten Schaufensterpuppen umgeworfen, Kleider zerrissen und 

ihn ins Gesicht geschlagen, bevor sie das Ladenlokal wieder verlassen hät-

ten. In den darauffolgenden sieben Tagen habe er seine Angreifer wieder-

holt in der Nähe seines Ladens gesehen. Während dieser Zeit habe er sein 

Telefon vernichtet. Zehn Tage später sei C._______ erneut weinend in sei-

nen Laden gekommen und habe ihn gebeten, wieder mit ihr in Kontakt zu 

treten, was er getan habe. Nach einiger Zeit habe seine Freundin ihn zu 

sich nach Hause eingeladen, in der Hoffnung, dass, wenn er mit ihr schla-

fen würde, der Heirat nichts mehr im Wege stehe, weil ihr Verlobter sie 

dann nicht mehr wolle. Er habe der Einladung Folge geleistet und sei am 

besagten Abend zu C._______ nach Hause gegangen. Nur die Mutter von 

C._______ sei zu Hause gewesen und habe geschlafen. Nachdem sie mit-

einander geschlafen hätten, sei D._______ mit seinen Freunden nach 

Hause gekommen und habe sie erwischt. Es sei ihm gelungen zu entkom-

men, und er habe sich eine Nacht lang in einem grossen Garten versteckt. 

Am nächsten Morgen habe sein Vater ihn angerufen und beschimpft, nach-

dem D._______ und dessen Freunde in der Nacht zu seinem Vater gegan-

gen seien und ein grosser Streit eskaliert sei. Anschliessend habe auch 

sein Bruder ihn telefonisch kontaktiert und ihm mitgeteilt, er dürfe nicht 

mehr zurückkommen, da sein Leben in Gefahr sei. In der Folge sei er mit 

einem Visum in B._______ gereist.   

In B._______ habe er dann erfahren, dass die Familie von C._______ An-

zeige gegen ihn erstattet habe und sein Vater deswegen an seiner Stelle 

auf der Polizeistation inhaftiert worden sei. Die Weissbärtigen und sein Bru-

der hätten sich jedoch für die Freilassung seines Vaters eingesetzt und 

dieser sei nach 13 Tagen unter der Bedingung entlassen worden, dass er 

den Beschwerdeführer der Polizei ausliefere, sobald er ihn finde. Ausser-

dem habe die Familie von C._______ bei seiner Familie vorgesprochen 

und seine Schwester mitnehmen wollen. Sein Onkel sei deswegen sehr 

besorgt gewesen und aufgrund von hohem Blutdruck gestorben. Auch 

habe D._______ gedroht, er werde der Schwester des Beschwerdeführers 

dasselbe antun, was der Beschwerdeführer mit C._______ gemacht habe. 

Allerdings lebe die Schwester des Beschwerdeführers nach wie vor bei sei-

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Seite 4 

ner Familie in E._______. Sein Vater habe ihm nach diesen Vorfällen aus-

richten lassen, dass er nichts mehr mit ihm zu tun haben wolle. Aufgrund 

dieser Ereignisse habe er beschlossen in die Türkei weiterzureisen, anstatt 

wie ursprünglich geplant, nach drei Monaten wieder nach E._______ oder 

in eine andere Provinz Afghanistans zurückzukehren und dort ein neues 

Geschäft zu eröffnen. Im Übrigen habe ihm sein Bruder berichtet, dass er 

der Familie seiner Freundin manchmal auf dem Markt von E._______, wo 

er arbeite, begegne.  

Bei einer allfälligen Rückkehr nach Afghanistan wisse er nicht genau, was 

passieren würde. Sein Vater wolle ihn nicht mehr sehen und würde ihn wohl 

nicht mehr in sein Haus lassen. Möglicherweise würde ihn die Polizei ver-

haften, wenn er nicht bereits vorher seitens die Familie seiner Freundin 

getötet werde.  

A.c Zu seinen Lebensumständen gab der Beschwerdeführer an, die 

Schule bis zur 11. Klasse besucht zu haben. Da sein Vater von ihm verlangt 

habe, dass er arbeite, um den Familienunterhalt zu finanzieren, habe er 

das 12. Schuljahr nicht mehr absolviert und deshalb das Gymnasium nicht 

abgeschlossen. Nach Abbruch der Schule habe sein Vater für ihn sein ers-

tes (…)geschäft eröffnet. Einige Jahre später habe der Beschwerdeführer 

dieses verkauft und bis zu seiner Ausreise aus Afghanistan ein anderes 

(…)geschäft betrieben. Danach habe sein Bruder den Laden an eine Dritt-

person verkauft. Auf seiner Flucht nach Europa habe er für zwei Monate 

B._______ (…) gearbeitet und in der Türkei in (…). Seine Eltern sowie eine 

seiner Schwestern und seine zwei Brüder lebten in E._______. Die zwei 

anderen Schwestern seien verheiratet. Eine wohne in F._______, Provinz 

G._______ (Anmerkung des Gerichts: etwa (…) km westlich von 

E._______ entfernt), die andere ebenfalls in E._______). Der eine Bruder 

sei Inhaber eines (…)- und der andere eines (…)geschäftes. Ausserdem 

besitze seine Familie ein Haus in E._______, das vermietet sei. Ferner 

wohne sein Onkel in H._______, Provinz I._______.  

A.d Zum Nachweis seiner Identität reichte der Beschwerdeführer seine 

Tazkera (im Original) mit deutscher Übersetzung zu den Akten.  

B.  

Mit Verfügung vom 9. Oktober 2017 – eröffnet am 12. Oktober 2017 – ver-

neinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und 

lehnte sein Asylgesuch vom 7. Oktober 2015 ab. Gleichzeitig ordnete es 

seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. 

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Seite 5 

C.  

Der Beschwerdeführer gelangte mit Beschwerde seines Rechtsvertreters 

vom 13. November 2017 an das Bundesverwaltungsgericht und bean-

tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und zur Neubeurtei-

lung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter sei die Flüchtlingsei-

genschaft des Beschwerdeführers festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, 

subeventualiter sei die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme an-

zuordnen.  

In prozessualer Hinsicht beantragte er die Ansetzung einer Nachfrist von 

30 Tagen, um weitere Beweismittel aus dem Ausland nachzureichen. Aus-

serdem ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

sowie um Beiordnung des unterzeichnenden Rechtsvertreters als amtli-

chen Rechtsbeistand. Ferner sei auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses zu verzichten. 

Als Beilagen legte der Beschwerdeführer nebst der Vollmacht und einer 

Kopie der angefochtenen Verfügung einen Beleg Barauszahlung der Ge-

meindeverwaltung J._______ vom 25. Oktober 2017 sowie fünf Fotos sei-

ner Familie, die in K._______ entstanden seien, zu den Akten. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 23. November 2017 verfügte die Instruktions-

richterin, der Beschwerdeführer dürfe sich bis zum Abschluss des Verfah-

rens in der Schweiz aufhalten und hiess die Gesuche um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung, Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses sowie um Einsetzung von Rechtsanwalt Urs Ebnöther als 

amtlichen Rechtsbeistand gut. Zudem forderte sie den Beschwerdeführer 

auf, innert 30 Tagen ab Erhalt der Verfügung, Beweismittel im Sinne der 

Erwägungen nachzureichen.  

E.  

Am 27. Dezember 2017 reichte der Beschwerdeführer folgende weitere 

Beweismittel zu den Akten: diverse Fotos seiner Familie, die alle in 

L._______ aufgenommen worden seien, darunter eine, auf welcher sein 

Bruder M._______ die Ausgabe der (…) Tageszeitung (…) vom 6. Dezem-

ber 2017 in den Händen halte, eine Ausgabe eben dieser Tageszeitung im 

Original sowie eine Farbkopie der Tazkera seines Vaters und einen Ver-

sandumschlag DHL. 

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Seite 6 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 28. Dezember 2017 lud die Instruktionsrichte-

rin die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. In ihrer Ver-

nehmlassung vom 10. Januar 2018 hielt die Vorinstanz mit ergänzenden 

Bemerkungen und beigelegter Karte von E._______ an ihrer Verfügung 

fest. 

G.  

Mit Replik vom 30. Januar 2018 äusserte sich der Beschwerdeführer zur 

Vernehmlassung der Vorinstanz und legte einen online-Zeitungsartikel vom 

14. März 2019 zur Lage in Mazar-i-Sharif sowie ein Update eines EASO 

(European Asylum Support Office) Country of Origin Information Report 

vom Mai 2018 zur Sicherheitslage in Afghanistan bei. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS 

2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. 

Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015 [SR 142.31]). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht (in der Folge: 

BVGer) zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 

VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – 

und auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

1.5 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezem-

ber 2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- 

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und Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende 

Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1 – 4) ist unverändert vom AuG ins AIG 

übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue 

Gesetzesbezeichnung verwenden wird. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids qualifizierte die Vor-

instanz die Vorbringen des Beschwerdeführers weder den Anforderungen 

an die Asylrelevanz noch an die Glaubhaftigkeit als genügend. Den Vollzug 

der Wegweisung erachtete sie als zulässig, zumutbar und möglich. 

Zunächst hielt das SEM im Wesentlichen fest, den Schilderungen des Be-

schwerdeführers seien keine Hinweise auf eine begründete Furcht vor Ver-

folgung zu entnehmen. Zum einen sei sein Vater bereits nach 13 Tagen 

durch die Vermittlung der Weissbärtigen und des Bruders des Beschwer-

deführers aus der Haft entlassen worden. Von weiteren Vorkommnissen 

habe der Beschwerdeführer in der Anhörung nicht berichtet. Zum anderen 

lebe die Schwester des Beschwerdeführers noch immer bei der Familie in 

E._______, obwohl die Familie von C._______ gedroht habe, sie als Ersatz 

zu sich zu nehmen. Die Drohung sei also nicht umgesetzt worden. Ferner 

habe der Beschwerdeführer vorgebracht, sein Bruder führe nach wie vor 

sein Geschäft auf dem Markt in E._______ und sehe dort gelegentlich die 

Familie von C._______. Trotz somit mehrfacher Möglichkeiten, Vergel-

tungsmassnahmen gegen die Familie des Beschwerdeführers respektive 

indirekt auch gegen ihn zu ergreifen, habe die Familie von C._______ bis 

heute nichts dergleichen unternommen. Selbst wenn eine Bedrohung von 

der Familie der Freundin des Beschwerdeführers ausgehen würde, wären 

aber die lokalen Behörden in E._______ grundsätzlich schutzfähig und 

schutzwillig, wie dies der Beschwerdeführer selbst in seinen Vorbringen 

bestätigt habe. Folglich seien die Aussagen des Beschwerdeführers nicht 

asylrelevant.  

Bezüglich der Glaubhaftigkeit der Vorbringen hielt das SEM fest, die Schil-

derungen des Beschwerdeführers widersprächen in wesentlichen Punkten 

der allgemeinen Erfahrung oder der Logik des Handelns. Zum Beispiel sei 

eher unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer trotz der Warnungen 

von D._______ spät abends zu ihr gegangen und damit – zumal angesichts 

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der Anwesenheit der Mutter von C._______ – ein grosses Risiko eingegan-

gen sei. Zudem sei es unlogisch, dass der Beschwerdeführer seit jener 

Nacht nie mehr Kontakt zu seiner Freundin gehabt habe und über keine 

Informationen zu ihrem Verbleib verfüge. Sodann scheine es wenig plausi-

bel, dass C._______ Familie seine Schwester als Ersatz gewollte habe und 

dann in dieser Hinsicht nichts mehr geschehen sei. Auch erstaune, dass 

die Beziehung zu seiner Freundin über Monate hinweg unentdeckt geblie-

ben sei, seine Freundin dann aber plötzlich die Verlobung mit einem ande-

ren Mann eingestanden habe, und der Bruder der Freundin dann auch 

plötzlich Bescheid gewusst und den Beschwerdeführer gewarnt habe. 

Schliesslich sei merkwürdig, dass der Beschwerdeführer mit der Mutter von 

C._______ über die bevorstehende Heirat gesprochen habe, zumal dies 

im afghanischen Kontext unüblich scheine.  

3.2 In der Beschwerdeschrift hält der Beschwerdeführer den Ausführungen 

der Vorinstanz zur fehlenden Furcht vor künftiger Verfolgung und zur feh-

lenden Asylrelevanz im Wesentlichen entgegen, die Vorinstanz relativiere 

zu Unrecht die Härte der vom Vater erduldeten Haftstrafe, zumal dieser 

selbst gar kein Delikt begangen habe. Zudem sei er nur aufgrund von Ver-

handlungsgeschick seiner Fürsprecher freigekommen. Was die Drohun-

gen zur Entführung seiner Schwester betreffe, sei zu berücksichtigen, dass 

D._______ gedroht habe, sie zu vergewaltigen. Zudem veranschauliche 

der Tod seines Onkels drei Tage nachdem C._______ Familie die Über-

gabe der Schwester des Beschwerdeführers verlangt habe, die Ernsthaf-

tigkeit der Drohungen. Zwar seien die Drohungen gegen seine Schwester 

bis anhin nicht umgesetzt worden seien. Dies liege jedoch daran, dass sie 

sich zu Hause zurückgezogen und deshalb vom Schutz der männlichen 

Familienmitglieder habe profitieren können. Schliesslich sei auf die Flucht 

seiner Schwester, zusammen mit der restlichen Familie – hauptsächlich 

aus Angst vor einer Entführung der Schwester – nach K._______ hinzu-

weisen. Dass von staatlichem Schutz ausgegangen werden könne, sei un-

zutreffend, zumal C._______ Familie ihrerseits gegen ihn Anzeige erstattet 

habe, weshalb er selbst von der Polizei gesucht werde und ihm wegen vor-

ehelicher sexueller Aktivitäten, nebst den Nachteilen von privater Seite in 

Form einer Blutrache, auch eine strafrechtliche Verfolgung drohe.  

Den Zweifeln des SEM an der Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen hält der 

Beschwerdeführer entgegen, die Vorinstanz habe anstelle stichhaltiger Ar-

gumente lediglich beispielhafte Ereignisse aus den Erzählungen des Be-

schwerdeführers aufgeführt, die ihr unlogisch erschienen. Zwar sei dem 

SEM zuzustimmen, dass mit dem Besuch bei seiner Freundin ein grosses 

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Risiko verbunden gewesen sei. Sie hätten dieses Risiko jedoch bewusst in 

Kauf genommen, und C._______ habe gehofft, dass sie aufgrund des vor-

ehelichen sexuellen Kontaktes im Anschluss würden heiraten müssen. Im 

Übrigen habe D._______ bereits früher von der Beziehung erfahren, wes-

halb sie sich zur Durchführung dieses Plans entschlossen hätten. Was den 

fehlenden Kontakt zu seiner Freundin betreffe, so entspreche dies seinem 

Handlungsmuster, zumal er bereits früher den Kontakt zu ihr abgebrochen 

habe. Es sei davon auszugehen, dass C._______ unter Beobachtung ihrer 

Familie oder mittlerweile ihres Ehemannes stehe. Zudem sei nicht klar, ob 

sie überhaupt noch lebe. Da seine Familie aus E._______ weggezogen 

sei, könne er keine Neuigkeiten zu ihrem Verbleib erhalten. Ferner sei ent-

gegen der Ansicht der Vorinstanz logisch, dass er und seine Freundin ihrer 

Beziehung für mehrere Monate hätten verheimlichen können und sich die 

darauffolgenden Ereignisse im Verlauf von mehreren Wochen zugespitzt 

hätten. So hätten er und seine Freundin zahlreiche Vorsichtsmassnahmen 

getroffen, um nicht entdeckt zu werden. Als jedoch D._______ von ihrer 

Beziehung erfahren habe, sei der Stein ins Rollen gekommen. Die darauf-

folgenden Ereignisse seien demnach die logischen Konsequenzen der 

Entdeckung einer vorehelichen Beziehung in konservativen afghanischen 

Kreisen. Schliesslich seien auch die Gespräche des Beschwerdeführers 

mit der Mutter von C._______ über eine mögliche Heirat nicht unlogisch. 

So habe er die Mutter seiner Freundin gut gekannt, da sie eine Stammkun-

din gewesen sei. Sie sei es denn auch gewesen, von der er erfahren habe, 

dass seine Freundin bereits einem anderen Mann versprochen gewesen 

sei.  Im Übrigen sei dieses Gespräch über die Heirat ohnehin nicht Ent-

scheid relevant. Ausserdem hätten bestimmte Unklarheiten bei pflichtge-

mässem Nachfragen durch die Vorinstanz bei der Anhörung geklärt werden 

können. Dies Versäumnis könne dem Beschwerdeführer nicht zur Last ge-

legt werden.   

Schliesslich rügt der Beschwerdeführer, der Sachverhalt bezüglich seiner 

aktuellen familiären Situation in Afghanistan habe sich nach Erlass der an-

gefochtenen Verfügung massgeblich verändert. So habe er nach der An-

hörung vom 21. April 2016 vom Tod seiner Mutter erfahren. Sie sei im März 

oder April 2016 verstorben. Zudem lebten seine zwei Brüder, seine ledige 

Schwester sowie sein Vater seit etwa August 2016 in L._______, 

K._______, da sie sich in Afghanistan vor weiteren Verhaftungen und der 

Entführung der Schwester durch C._______ Familie gefürchtet hätten. 

Ausserdem habe ihm sein Bruder berichtet, dass mehrfach bewaffnete 

Männer nach ihm gesucht hätten. Folglich sei von der Vorinstanz eine er-

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gänzende Anhörung zur vollständigen Erstellung des Sachverhalts durch-

zuführen oder zumindest im Lichte der neuen Sachlage eine Neueinschät-

zung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorzunehmen.  

3.3 Das SEM hält der formellen Rüge des Beschwerdeführers in seiner 

Vernehmlassung dessen Mitwirkungspflicht entgegen. Seit der Anhörung 

vom 21. April 2016, in deren Rahmen im Übrigen die damaligen Aufent-

haltsorte der Familienmitglieder des Beschwerdeführers thematisiert wor-

den seien, seien bis zum Datum der Verfügung vom 9. Oktober 2017 keine 

Eingaben des Beschwerdeführers ans SEM gelangt. Damit habe er es un-

terlassen, das SEM über veränderte Sachverhaltselemente in Kenntnis zu 

setzen, obwohl ihm dies zumutbar gewesen wäre. Dem SEM könne daher 

nicht vorgeworfen werden, gegen den Untersuchungsgrundsatz verstos-

sen und den Sachverhalt falsch festgestellt zu haben. Daran änderten auch 

die eingereichten Fotografien sowie die (…) Zeitung nichts.  

3.4 In der Replik wird dem im Wesentlichen entgegnet, das SEM wäre dazu 

angehalten gewesen, den im vorinstanzlichen Verfahren nicht vertretenen 

Beschwerdeführer auf mögliche Änderungen der familiären Situation anzu-

sprechen, zumal zwischen der Anhörung und dem Entscheid rund einein-

halb Jahre vergangen seien und sich die Umstände in Afghanistan auf-

grund der grossen Fluchtbewegungen rasch ändern könnten. Soweit er-

sichtlich, sei er weder in der BzP noch an der Anhörung eingeladen wor-

den, Veränderungen der Familiensituation mitzuteilen, obschon diese im 

Wegweisungspunkt (recte: Wegweisungsvollzugspunkt) von Bedeutung 

sein könnten. 

4.  

4.1 In seiner Rechtsmitteleingabe verlangt der Beschwerdeführer als 

Hauptantrag die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeur-

teilung, da sich seine familiäre Situation in Afghanistan seit dem Entscheid 

der Vorinstanz massgeblich verändert habe. Dem Entscheid der Vorinstanz 

habe deshalb ein falscher Sachverhalt zugrunde gelegen und diese habe 

ihre Untersuchungspflicht verletzt. Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen, 

da ihre Gutheissung geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen 

Verfügung zu bewirken. 

4.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet 

einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die 

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Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-

den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-

SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspfle-ge des Bundes, 3. 

Aufl. 2013, Rz. 1043).  

4.3 Es ist offensichtlich, dass die Rüge einer Verletzung der 

Untersuchungspflicht unbegründet ist. Vorab kann auf die zutreffenden 

Ausführungen in der Vernehmlassung der Vorinstanz verwiesen werden 

(vgl. oben E. 3.2). Während die Erklärung für den Tod der Mutter – dieser 

sei erst kurz vor der Anhörung erfolgt, und der Beschwerdeführer habe 

deshalb anlässlich der Anhörung vom 21. April 2016 noch keine Kenntnis 

davon gehabt – gerade noch einigermassen überzeugt, taugt das 

Argument, es könne dem Beschwerdeführer, der rechtlich nicht vertreten 

gewesen sei, keine mangelnde Mitwirkung angelastet werden, 

keineswegs. Weder der Beschwerde noch der Replik ist eine weitere 

Erklärung dafür zu entnehmen, warum er den geltend gemachten Tod kurz 

vor dem 21. April 2016 sowie den angeblichen Wegzug seiner Familie im 

August desselben Jahres erst über ein Jahr später vorbrachte und nicht 

bereits zu einem früheren Zeitpunkt, namentlich vor Erlass der 

angefochtenen Verfügung. Im Übrigen hat das SEM den Beschwerdeführer 

sowohl an der BzP als auch anlässlich der Anhörung ausführlich zu seinem 

familiären Netz im Heimatland befragt. Dies sowohl in allgemeiner Hinsicht 

– wo seine Verwandten lebten, wie sie für den Lebensunterhalt aufkämen 

und anderes mehr – aber auch spezifisch unter dem Blickwinkel der 

geltend gemachten Asylgründe, etwa im Zusammenhang mit der geltend 

gemachten drohenden Entführung der Schwester. Auch hat es ihn explizit 

danach gefragt, ob sich am Aufenthaltsort seiner Familie zwischenzeitlich 

etwas verändert habe (vgl. A22 F12), weshalb vom Beschwerdeführer – in 

Anbetracht seiner Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 8 Abs. 1 AsylG) – umso mehr 

zu erwarten gewesen wäre, dass er die Vorinstanz auch im weiteren 

Verlauf des hängigen Verfahrens über die angeblich veränderte Situation 

seiner Familienangehörigen umgehend informiert hätte. Ebenfalls 

unbegründet ist nach einer eingehenden Prüfung der Akten der Einwand, 

das SEM wäre angesichts seiner Zweifel an der Glaubhaftigkeit der geltend 

gemachten Asylgründe zu weiteren Rückfragen gehalten gewesen. 

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Seite 12 

4.4 Zusammenfassend erweist sich die formelle Rüge als unbegründet. Es 

besteht keine Veranlassung, die Verfügung aus formellen Gründen aufzu-

heben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügli-

che Rechtsbegehren ist daher abzuweisen. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Gegen-

satz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus 

Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Be-

schwerdeführers. Für die Glaubhaftmachung reicht es jedoch nicht aus, 

wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der 

gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen die 

vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. dazu ausführlich 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3). 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht kommt in Übereinstimmung mit dem 

SEM zum Schluss, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers den An-

forderungen an die Asylrelevanz und auch an die Glaubhaftmachung nicht 

genügen. Es kann auf die zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen 

Verfügung (vgl. Zusammenfassung oben E. 3.1) verwiesen werden. Die 

Einwände in der Beschwerde vermögen keine andere Gesamteinschät-

zung zu bewirken. 

E-6390/2017 

Seite 13 

6.2 Einerseits erwog das SEM zu Recht, es könne nicht mehr davon aus-

gegangen werden, der Beschwerdeführer habe bei einer Rückkehr nach 

Afghanistan mit der notwendigen hohen Wahrscheinlichkeit Vergeltungs-

massnahmen zu befürchten, nachdem sein Vater wieder entlassen worden 

sei und offenbar die Bedrohungen gegen seine Familienangehörigen nicht 

in die Tat umgesetzt worden seien. Dies, obwohl die Familie bis zu ihrer 

angeblichen Ausreise nach K._______ im August 2016, und damit knapp 

zwei Jahre nach der Ausreise des Beschwerdeführers – trotz entsprechen-

der Drohung – keine weiteren Nachteile mehr erlebt habe, wobei sich Fa-

milienmitglieder auf dem Markt auch begegnet seien. Inwiefern der Tod des 

Onkels, der an hohem Blutdruck gestorben sei (vgl. A22 F123), an dieser 

Einschätzung etwas zu ändern vermöchte, erhellt nicht. Auch, dass sich 

die Schwester nur drinnen aufgehalten habe, weshalb sie nicht habe ent-

führt werden können, vermag nicht zu überzeugen. Hinsichtlich der Frage 

der Asylrelevanz darf dann auch tatsächlich angenommen werden, die af-

ghanischen Behörden in E._______ hätten sich als schutzfähig und –willig 

erwiesen (respektive würden dies auch in Zukunft sein), nachdem die Be-

hörden laut Angaben des Beschwerdeführers angegeben hätten, sie wür-

den der Sache nachgehen. Dass es angeblich kurz nach Anzeigeerstat-

tung dennoch nochmals zu Übergriffen gekommen sei, ändert an dieser 

Einschätzung nichts, da es keinem Staat gelingt, seine Bürgerinnen und 

Bürger jederzeit und überall vor Übergriffen zu bewahren. Auch unter die-

sem Aspekt ist aber zu bemerken, dass bezeichnenderweise die Familie 

bis zu ihrer angeblichen Ausreise nach K._______ im August 2016, und 

damit knapp zwei Jahre nach der Ausreise des Beschwerdeführers – trotz 

entsprechender Drohung – keine weiteren Nachteile mehr erlebt habe. So-

weit dann in der Beschwerde vorgebracht wird, von der Schutzfähigkeit- 

und dem Schutzwillen der Behörden könne nicht mehr ausgegangen wer-

den, nachdem der Beschwerdeführer selbst wegen der vorehelichen Be-

ziehung angezeigt worden sei, ist dieses Argument ebenfalls untauglich, 

zumal es sich dabei um eine durch nichts belegte Behauptung handelt.  

6.3 Das SEM hat aber insbesondere auch zu Recht die geltend gemachten 

Asylgründe angezweifelt. Zwar vermag der Beschwerdeführer einerseits 

durchaus detailliert und vor dem kulturellen Hintergrund an seinem Her-

kunftsort auch nachvollziehbar zu beschreiben, wie die Beziehung zu sei-

ner Freundin begonnen und sich entwickelt habe (vgl. z.B. A22 F86-88). 

Andererseits scheint – gerade in Berücksichtigung des kulturellen Hinter-

grundes – tatsächlich erstaunlich, dass die Beziehung des Beschwerde-

führers mit seiner Freundin so lange unentdeckt geblieben sei, obwohl sie 

über Monate hinweg zunächst telefonisch Kontakt gehabt und sich dann 

E-6390/2017 

Seite 14 

sogar im öffentlichen Raum getroffen hätten. Dies ganz besonders ange-

sichts dessen, dass C._______ bereits seit mehr als drei Jahren mit einem 

anderen Mann verlobt gewesen sei und konkrete Heiratspläne vorgelegen 

hätten (vgl. ebd. F112), und gemäss den Ausführungen in der Beschwer-

deschrift auch noch einer konservativen paschtunischen Familie angehöre. 

Die Hinweise, sie seien sehr vorsichtig gewesen mit den Telefonaten, und 

wenn sie sich getroffen hätten, sei es nicht aufgefallen, weil C._______ 

eine Burka getragen habe, vermögen offensichtlich nichts zu bewirken. 

Dass der Beschwerdeführer seine Freundin dann auch noch bei ihr zu 

Hause besucht und – trotz Anwesenheit von deren Mutter – mit ihr geschla-

fen habe, scheint dann fern der Realität. Dies umso mehr, als er bereits 

mehrmals verwarnt, bedroht, verprügelt und spitalreif geschlagen sowie 

auch sein Geschäft angegriffen worden sei, alles mit der Aufforderung ver-

bunden, die Beziehung zu C._______ zu beenden, was er eigentlich habe 

tun wollen, weil er durch die Schläge erniedrigt worden sei; nur auf Bitten 

und Weinen seiner Freundin hin, habe er die Beziehung aufrechterhalten. 

Das Argument, der Beschwerdeführer und seine Freundin hätten das Ri-

siko der Entdeckung einer sexuellen Beziehung nicht nur in Kauf genom-

men, sondern geradezu bewusst gesucht, um heiraten zu können, über-

zeugt nicht. Seltsam quer angesichts des patriarchalischen Rollenver-

ständnis in einer konservativen paschtunischen Familie wirkt aber auch die 

Aussage des Beschwerdeführers, er habe mit der Mutter seiner Freundin 

über eine allfällige Heirat gesprochen. Zwar gibt er dann auf Beschwerde-

stufe an, er habe mehrmals mit der Familie seiner Freundin gesprochen 

(vgl. Ziff. 2, S. 5 oben), wobei allerdings der Vater von C._______ anläss-

lich der Anhörung kaum zur Sprache kam – ja der Beschwerdeführer aus-

drücklich verneint hatte, ihn je gesehen zu haben (vgl. A22 F110). Die Zwei-

fel der Vorinstanz an den Gesprächen des Beschwerdeführers mit der Mut-

ter von C._______ bestätigen sich auf Beschwerdestufe auch durch einen 

weiteren, neuen Widerspruch. Während er nämlich anlässlich der Anhö-

rung vorgebracht hatte, es sei seine Freundin gewesen, die ihm im Verlauf 

der Beziehung gesagt habe, dass sie bereits verlobt sei (vgl. A22 F60), 

macht er nun geltend, es sei deren Mutter gewesen, die ihn über Verlobung 

von C._______ mit einem anderen Mann informiert habe (vgl. Beschwer-

deschrift, Ziff. 3.2, S. 8). Es erübrigt sich auf allfällige zusätzliche Unge-

reimtheiten, aber auch auf weitere Einwände in der Beschwerde gegen die 

von der Vorinstanz erhobenen Zweifel einzugehen, weil sie an der Ein-

schätzung nichts zu ändern vermögen.  

6.4 Zusammenfassend gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, die be-

rechtigten Zweifel der Vorinstanz an den geltend gemachten Asylgründen 

E-6390/2017 

Seite 15 

zu beheben und eine asylrelevante Verfolgung im Zusammenhang mit der 

angeblichen vorehelichen Beziehung zu seiner Freundin nachzuweisen o-

der glaubhaft zu machen. Das SEM hat demzufolge zu Recht seine Flücht-

lingseigenschaft demzufolge zu Recht verneint und sein Asylgesuch abge-

lehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an.  

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

8.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.  

9.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

9.1.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

E-6390/2017 

Seite 16 

Die Vorinstanz hat in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin-

gewiesen, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement 

nur Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es 

dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erheb-

liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in 

Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden 

Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefüh-

rers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG 

rechtmässig. 

9.1.2 Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu 

Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-

gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte für die Annahme, der Be-

schwerdeführer müsste bei einer Rückkehr in den Heimatstaat dort mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit eine nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK ver-

botene Strafe oder Behandlung befürchten. Gemäss Praxis des Europäi-

schen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) müsste der Beschwer-

deführer mit Blick auf Art. 3 EMRK das ernsthafte Risiko („real risk") glaub-

haft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmensch-

liche Behandlung droht (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, 

Urteil vom 28. Februar 2008, Nr. 37201/06, §§ 124–127 m.w.H.). Es ist dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen, glaubhaft zu machen, dass ihm Vergel-

tungsmassnahmen seitens der Familie seiner Freundin drohen würden. 

Ebenso wenig gereicht die blosse Behauptung, es sei eine Strafanzeige 

wegen verbotener vorehelicher Beziehung gegen ihn eingereicht worden 

zur Annahme, es drohe ein "real risk" einer im Sinne der massgeblichen 

Bestimmungen verbotenen Behandlung. Auch die allgemeine Menschen-

rechtssituation in Afghanistan lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen 

Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

9.2 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich zu-

sammenfassend – sowohl im Sinn der asyl- als auch der völkerrechtlichen 

Bestimmungen – als zulässig. 

  

E-6390/2017 

Seite 17 

10.  

10.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

Das Bundesverwaltungsgericht hat mit Urteil D-4287/2017 vom 8. Feb-

ruar 2019 (zur Publikation als Referenzurteil vorgesehen) die letztmals im 

Jahr 2011 vorgenommene Lageanalyse in Bezug auf die Stadt Mazar-i-

Sharif (vgl. BVGE 2011/49) überprüft und aktualisiert. Dabei kam das Ge-

richt zum Schluss, dass sich die Sicherheitslage in der Stadt Mazar-i-Sharif 

in den letzten Jahren verschlechtert habe, während sich im Bereich der 

humanitären Situation Verbesserungen und Rückschläge wohl etwa die 

Waage halten dürften. Im Vergleich zu anderen Regionen und Städten Af-

ghanistans zähle die Stadt Mazar-i-Sharif immer noch zu den stabileren 

und ruhigeren Orten. Folglich rechtfertige es sich insgesamt nicht, aktuell 

eine generelle Unzumutbarkeit der Rückkehr dorthin anzunehmen. Viel-

mehr sei daran festzuhalten, dass bei Vorliegen begünstigender Umstände 

weiterhin von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in die Stadt Ma-

zar-i-Sharif auszugehen sei. Allerdings sei mit Nachdruck daran zu erin-

nern, dass nicht jeder noch so schwache Bezugspunkt zu Mazar-i-Sharif 

für die Annahme begünstigender Umstände genüge. Vielmehr sei eine Ge-

samtbeurteilung der verschiedenen Faktoren, wie sie bereits in BVGE 

2011/49 erwähnt worden seien, vorzunehmen. Diese gesamthafte Betrach-

tung müsse zum Schluss führen, im konkreten Einzelfall seien begünsti-

gende Voraussetzungen für eine Rückkehr nach Mazar-i-Sharif gegeben 

(vgl. das aufgeführte Referenzurteil E. 6.2.3.5). 

10.2  

10.2.1 Zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führte die Vorinstanz in 

der angefochtenen Verfügung beim Beschwerdeführer lägen begünsti-

gende Umstände vor. Der junge, gesunde Beschwerdeführer stamme aus 

der Grossstadt Mazar-i-Sharif. Er verfüge über eine solide Schulbildung 

und über eine mehrjährige Berufserfahrung als Inhaber von zwei (…)ge-

schäften. Sein (…) besitze nach wie vor ein eigenes Geschäft und könne 

dem Beschwerdeführer daher bei der Wiedereingliederung helfen. Ange-

sichts der unglaubhaften Aussagen sei zudem eine intakte Beziehung zu 

seiner Familie anzunehmen. Folglich erweise sich Wegweisungsvollzug 

nach Mazar-i-Sharif als zumutbar.  

E-6390/2017 

Seite 18 

10.2.2 In seiner Beschwerde verneint der Beschwerdeführer die angeblich 

begünstigenden Umstände. Tatsächlich verfüge er in Mazar-i-Sharif über 

kein tragfähiges Beziehungsnetz mehr, das ihm bei der Wieder-

eingliederung helfen könnte, was er mit den zu den Akten gereichten 

Beweisen belegen könne. So sei seine Mutter im März/April 2016 

verstorben und seine zwei Brüder, die eine Schwester sowie sein Vater 

lebten seit etwa August 2016 in L._______, K._______. Ein in Mazar-i-

Sharif wohnaft gewesener Onkel sei nach seiner Ausreise verstorben. Über 

weitere Verwandte in Mazar-i-Sharif verfüge er nicht. Überdies könne nicht 

davon ausgegangen werden, dass allfällige Freunde oder Bekannte ihm 

langfristige und zuverlässige Hilfe bei der Rückkehr leitsteten. Dies sei vor 

allem darauf zurückzuführen, dass er eine Straftat begangen habe, die 

öffentlich geächtet werde. So habe sich auch sein Vater von ihm 

abgewendet. Schliesslich habe er bereits an der Anhörung angegeben, 

dass er auch nicht zu seinem Onkel nach H._______, Provinz I._______ 

hätte flüchten können, da dieser ihn nicht aufgenommen hätte. Im Weiteren 

könne er aufgrund des fehlenden Beziehungsnetzes nicht wieder in seinen 

angestammten Beruf als (…) zurückkehren. Das erste Geschäft habe er 

nur mit Unterstützung des Vaters eröffnen können, das zweite sei nach 

seiner Flucht verkauft worden. Überdies seien die finanziellen Reserven 

seiner Familie durch die Flucht nach K._______ aufgebraucht. Schliesslich 

sei auch eine gesicherte Wohnsituation zu verneinen.   

10.2.3 Nebst der Argumentation hinsichtlich der formellen Rüge des Be-

schwerdeführers (vgl. oben E. 4.3) führt das SEM in der Vernehmlassung 

zu den eingereichten Beweismitteln im Wesentlichen aus, weder die Fotos, 

welche die Familienmitglieder in Räumen oder Geschäften abbildeten, 

noch die (…) Zeitung seien geeignet, den permanenten Aufenthaltsort der 

Kernfamilie des Beschwerdeführers in K._______ zu belegen. Auch der 

DHL-Umschlag sei untauglich, den dauerhaften Aufenthaltsort der Familie 

des Beschwerdeführers in L._______ nachzuweisen. Unter dem Namen 

des Absenders stehe zwar K._______, aber ohne jegliche Adressangabe. 

Als Absenderadresse sei der Flughafen N._______ vermerkt. Folglich 

habe der Beschwerdeführer dieses neue Sachverhaltselement weder mit 

einer konkreten Adresse oder einer Telefonnummer in L._______ zumin-

dest glaubhaft gemacht noch habe er es mit einem offiziellen (…) Doku-

ment in irgendeiner Form bewiesen.  

Selbst wenn die Kernfamilie des Beschwerdeführers wider Erwarten tat-

sächlich unterdessen in L._______ leben würde, spräche dies aber nicht 

E-6390/2017 

Seite 19 

gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs des Beschwerdefüh-

rers nach Mazar-i-Sharif, zumal das SEM bereits in der angefochtenen Ver-

fügung begünstigende Faktoren bejaht habe. Das SEM hält ergänzend 

fest, der Beschwerdeführer habe bis zu seiner Ausreise während (…) Jah-

ren in E._______ gewohnt. Seine erworbene Ortskenntnis und Arbeitser-

fahrung sei hinsichtlich einer Wiedereingliederung in den afghanischen Ar-

beitsmarkt als nützlich zu erachten. In der Grossstadt Mazar-i-Sharif be-

stünden zahlreiche Möglichkeiten für den Beschwerdeführer, sich einen 

Lebensunterhalt zu verdienen, selbst wenn die beiden Einnahmequellen 

(durch seine beiden […]geschäfte), über die er vor seiner Ausreise noch 

verfügt habe, heute in dieser Form nicht mehr vorhanden seien. Es sei ihm 

daher zuzumuten, sich nach einer Rückkehr nach anderen Erwerbsmög-

lichkeiten umzusehen. Abgesehen davon, dass die Beweismittel nicht be-

legten, dass der Vater und die Brüder des Beschwerdeführers tatsächlich 

nicht mehr in Mazar-i-Sharif wohnhaft seien, halte sich auch noch eine ver-

heiratete Schwester in Mazar-i-Sharif auf.  

10.2.4 In der Replik gibt der Beschwerdeführer der Vorinstanz insoweit 

Recht, als die bisher eingereichten Fotos nicht vollständig Aufschluss über 

den genauen Aufenthaltsort seiner Familienangehörigen in L._______ gä-

ben. Er sei deshalb seit Wochen bemüht, aussagekräftigere Fotos seiner 

Angehörigen zu erhalten, auf welchen deren tatsächlicher Aufenthalt im 

Quartier O._______ in L._______ klar erkennbar sei. Was sodann seine 

vom SEM erwähnte Schwester in E._______ betreffe, glaube er nicht, dass 

er von ihr Hilfe erwarten oder verlangen könne, zumal er nicht wisse, wie 

der Ehemann seiner Schwester zu seiner Aufnahme oder Unterstützung im 

Falle einer Rückkehr stehe. Ausserdem habe er seit seiner Ausreise aus 

Afghanistan keinen direkten Kontakt mehr zu seiner Schwester und kenne 

weder ihre noch die Kontaktangaben ihres Ehemannes. Überdies habe er 

Ende Januar 2018 erfahren, dass seine Schwester vor knapp zwei Jahren 

mit ihrer Familie E._______ verlassen habe und mittlerweile in der Provinz 

P._______ lebe. Auch diesen Umstand werde er umgehend nachweisen.  

10.2.5 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass sich auch in 

der Provinz Balkh und in der Hauptstadt Mazar-i-Sharif die Sicherheitslage 

im Vergleich zur Lagebeurteilung aus dem Jahr 2011 verschlechtert hat. 

Dennoch ist die Lage in dieser Stadt im Vergleich zu anderen Städten und 

Regionen in Afghanistan als vergleichsweise stabil zu beurteilen. Die ein-

gereichten Berichte vermögen an dieser jüngsten Einschätzung des Bun-

desverwaltungsgerichts im erwähnten Referenzurteil D-4287/2017 nichts 

E-6390/2017 

Seite 20 

zu ändern. Das SEM ist in Berücksichtigung der massgeblichen Rechtspre-

chung dann auch zu Recht zum Schluss gelangt, beim Beschwerdeführer 

lägen begünstigenden Umstände vor. Auch hinsichtlich des Aufenthaltsorts 

seiner Verwandten teilt das Bundesverwaltungsgericht die Auffassung des 

SEM, die vom Beschwerdeführer geltend gemachte veränderte Situation 

sei unglaubhaft und – unabhängig von der Glaubhaftigkeit dieser Tatsache 

– lägen begünstigende Umstände vor (vgl. E. 10.2.1 und 10.2.3). Bereits 

der Umstand, dass der Beschwerdeführer die angebliche Ausreise seiner 

Familienangehörigen aus Afghanistan unbegründet erst mehr als ein Jahr 

später (vgl. E. 4.3), im Rahmen des Beschwerdeverfahrens, geltend 

machte, spricht gegen die Glaubhaftigkeit der vorgebrachten veränderten 

familiären Lage. Im Weiteren hat der Beschwerdeführer in der Replik vom 

30. Januar 2018 selbst eingestanden, dass die eingereichten Fotos nicht 

gänzlich Aufschluss über den genauen, insbesondere ständigen, Aufent-

haltsort seiner Familie gäben. Obwohl er gleichzeitig die Einreichung von 

weiteren Beweismitteln innert 30 Tagen ankündigte, hat er seither, also seit 

bald eineinhalb Jahren, keine weiteren Belege zum Aufenthaltsort seiner 

Familie zu den Akten gereicht. Auch deshalb sind Zweifel an einem defini-

tiven Wegzug seiner Familie nach L._______ angebracht. Überdies ist 

nicht nachvollziehbar, weshalb die Familie des Beschwerdeführers nicht 

umgehend nach den angeblich erlittenen Verfolgungen (Inhaftierung des 

Vaters des Beschwerdeführers sowie Drohungen gegenüber der Schwes-

ter des Beschwerdeführers) im Sommer 2014 ausgereist wäre, sondern 

gemäss Angaben des Beschwerdeführers erst rund zwei Jahre später, im 

August 2016, zumal die angebliche Verfolgung der Grund für die Ausreise 

gewesen sei. Auch für das pauschale Vorbringen, der Beschwerdeführer 

habe erfahren, dass seine verheiratete Schwester nun mit ihrer Familie in 

der Provinz P._______ lebe fehlen jegliche Nachweise, obwohl der Be-

schwerdeführer in seiner Replik auch dazu angekündigt hatte, diese um-

gehend nachzureichen. Nachdem die vom Beschwerdeführer geltend ge-

machte voreheliche Beziehung, respektive die damit zusammenhängen-

den Vergeltungsmassnahmen beziehungsweise Strafverfolgung nicht 

glaubhaft ist, vermag er daraus nichts abzuleiten, was gegen das Vorliegen 

weiterer persönlicher Beziehungen sprechen könnte. So ist davon auszu-

gehen, dass der Beschwerdeführer als ehemaliger Inhaber von zwei 

(…)geschäften auch heute noch auf zahlreiche Kontakte in E._______ zu-

rückgreifen kann. Schliesslich sah das SEM zu Recht auch in der Berufs-

erfahrung des Beschwerdeführers begünstigende Umstände hinsichtlich 

einer existenziellen Wiedereingliederungsmöglichkeit. Ergänzend ist fest-

zuhalten, dass der Beschwerdeführer angab, seine Familie besitze ein 

Haus in E._______, das sie vermiete (vgl. A22 F14).  

E-6390/2017 

Seite 21 

10.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar.  

11.  

Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständigen 

Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-

dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

12.  

Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht 

als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vor-

läufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 – 4 AIG). 

13.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und angemessen ist (Art. 

49 Bst. c VwVG). Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der Beschwerde 

näher einzugehen. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

14.  

14.1 Bei diesem Ausgang diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kos-

ten grundsätzlich dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um 

Erlass der Verfahrenskosten mit Zwischenverfügung vom 23. Novem-

ber 2017 gutgeheissen hat und keine Veränderung seiner finanziellen Ver-

hältnisse ersichtlich ist, sind indes keine Kosten zu erheben. 

14.2 Der amtliche Rechtsbeistand hat keine Kostennote zu den Akten ge-

reicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann indessen verzichtet wer-

den, weil der Vertretungsaufwand zuverlässig abgeschätzt werden kann 

(Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). In Anwendung der genannten Bestimmung 

und unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (Art. 

8 ff. VGKE) ist dem Rechtsvertreter ein Honorar im Umfang von Fr. 1’550.– 

(inkl. Auslagen) zu entrichten.  

(Dispositiv nächste Seite)  

E-6390/2017 

Seite 22 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Das Honorar des amtlichen Rechtsbeistands wird auf Fr. 1‘550.– festge-

setzt und durch die Gerichtskasse vergütet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Nina Klaus 

 

 

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