# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dc5eba27-d1a6-5f59-bb4b-7acefdffee92
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2014-09-11
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 11.09.2014 BG.2014.24
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BG-2014-24_2014-09-11.pdf

## Full Text

Beschluss vom 11. September 2014 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Andreas Keller, Vorsitz, 

Emanuel Hochstrasser und Cornelia Cova,  

Gerichtsschreiber Martin Eckner  

   
 

Parteien 

  

KANTON BERN, 

Gesuchsteller 

 

 gegen 

   

KANTON WALLIS, 

Gesuchsgegner 

 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2014.24 

 

 

 

- 2 - 

 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Am 12. Juni 2014 reichte A. in den Kantonen Bern und Wallis zugleich 

Strafanzeige ein wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses, Widerhand-

lung gegen das Datenschutzgesetz, unbefugtes Beschaffen von Personen-

daten, etc. (act. 1.1 Strafanzeige, S. 1). Er konstituierte sich zugleich als 

Privatkläger (act. 1.1 S. 3 Ziff. 3).  

 

A. hatte zuvor von Dr. med. B. (im Zentrum C. AG) seine Krankengeschich-

te herausverlangt. Er macht geltend, bei deren Durchsicht festgestellt zu 

haben, dass sich medizinische Unterlagen einer Drittperson im Dossier be-

fänden, dass mehrere Leistungsabrechnungen der Krankenversicherung 

D. AG (mit Sitz im Kanton Wallis) von allerlei Leistungserbringern Eingang 

in die Krankengeschichte gefunden hätten und dass das Dossier Unterla-

gen des Spitals E. (Kanton Bern) enthielte, in deren Herausgabe er nicht 

eingewilligt hätte (act. 1.1 S. 5). Gestützt darauf reichte er die Strafanzeige 

ein. 

 

Die Strafanzeige richtet sich gegen Dr. med. et dent F. am Spital E. (Kan-

ton Bern), den genannten Dr. med. B., gegen Unbekannt sowie jeweils 

eventualiter gegen die Stiftung des Spitals E., das Zentrum C. AG und die 

Krankenversicherung D. AG (act. 1.1).  

 

 

B. Die zuständigen Staatsanwaltschaften der Kantone Bern und Wallis führten 

erfolglos einen Meinungsaustausch durch (act. 1.2 Anfrage des Kantons 

Wallis vom 17. Juni 2014 betreffend Übernahme des Strafverfahrens gegen 

die Krankenversicherung D. AG, act. 1.3 Rückweisung des Kantons Bern 

vom 10. Juli 2014, act. 1.4 Ablehnung des Kantons Wallis vom 

14. Juli 2014, act. 1.5 Nachfrage des Kantons Bern vom 17. Juli 2014, 

act. 1.6 Ablehnung des Kantons Wallis vom 14. August 2014 [dem Kanton 

Bern am 18. August 2014 zugegangen]).  

 

 

C. Nach Durchführung dieses Meinungsaustausches ersuchte der Kan-

ton Bern am 27. August 2014 die Beschwerdekammer, den Kanton Wallis 

als zuständig zu bezeichnen (act. 1). Der Kanton Wallis seinerseits bean-

tragt, die Zuständigkeit des Kantons Bern sei festzustellen (act. 3 S. 3).  

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-

weit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug ge-

nommen.   

- 3 - 

 

 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. Die Eintretensvoraussetzungen (durchgeführter Meinungsaustausch zwi-

schen den involvierten Kantonen und zuständigen Behörden, Frist und 

Form, vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts BG.2014.7 vom 21. März 

2014, E. 1) sind vorliegend erfüllt und geben zu keinen Bemerkungen An-

lass.  

 

 

2.  

2.1 Nach dem Grundsatz der Verfahrenseinheit (Art. 29 Abs. 1 StPO) werden 

Straftaten gemeinsam verfolgt und beurteilt, wenn (lit. a) eine beschuldigte 

Person mehrere Straftaten verübt hat oder wenn (lit. b) Mittäterschaft oder 

Teilnahme vorliegt. Die besonderen Gerichtsstände der Artikel 33–38 StPO 

gehen dieser Regel vor (Art. 29 Abs. 2 StPO). Die Staatsanwaltschaft und 

die Gerichte können ausnahmsweise aus sachlichen Gründen Strafverfah-

ren trennen oder vereinen (Art. 30 StPO; BARTETZKO, Basler Kommen-

tar 2011, Art. 30 StPO N. 6; FINGERHUTH/LIEBER, Art. 29 N. 1–7 und Art. 30 

N. 4, in Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur StPO, Zü-

rich 2010).  

Nach einem allgemeinen Grundsatz des Gerichtsstandsrechts soll vereinigt 

werden, was zusammen gehört. Dieser Grundsatz leitete beispielsweise 

die Gerichtsstände der Art. 31 (Tatort), 33 (mehrere Beteiligte) 

und 34 StPO (verschiedene Orte). Sind Art. 33 und 34 StPO beide erfüllt, 

fasst die Rechtsprechung die Strafverfolgung in der Regel ebenfalls zu-

sammen. Der Grundsatz ist im Gerichtsstandsrecht auch tragend für die ju-

ristische Handlungseinheit bei Gewerbsmässigkeit oder Bandenmässigkeit 

(vgl. Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2014.17 vom 10. Juli 2014, 

E. 2; BG.2013.20 vom 9. Oktober 2013, E. 2.1; BG.2011.13 vom 

2. September 2011; SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbe-

stimmung in Strafsachen, 2. Aufl., Bern 2004, N. 11 f.; MOSER, Basler 

Kommentar 2011, Art. 33 StPO N. 1 und Art. Art. 33 StPO N. 2, FIN-

GERHUTH/LIEBER, Art. 33 N. 4, in Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], 

Kommentar zur StPO, Zürich 2010). 

Eine Vereinigung ermöglicht die einheitliche Beweisführung und Verteidi-

gung sowie eine einheitliche Beurteilung durch ein Gericht. Sie verringert 

die Gefahr widersprechender Entscheidungen. Eine Einheit kann nach den 

Vergehen (ratione delicti) oder nach den Personen (ratione personae) her-

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gestellt werden, mit Abweichungen vom ordentlichen Gerichtsstand für an-

dere Delikte oder Täter (Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2013.20 

vom 9. Oktober 2013, E. 2.3; BG.2009.31 vom 19. Mai 2010, E. 3.3; 

SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 493). 

2.2 Die Strafanzeigen vom 12. Juni 2014 (act. 1.1, 3.1; S. 12–15) betreffen den 

Inhalt des Patientendossiers, das Dr. med. B. an A. herausgab. Gewisse 

Dokumente seien unter Verletzung von Strafnormen ins Dossier gelangt. 

Zu untersuchen ist der gleichzeitig herausgegebene Inhalt desselben Dos-

siers desselben Arztes. Diesem Gerichtsstandsverfahren liegt offensichtlich 

ein einheitlicher Lebenssachverhalt zugrunde.  

Daran ändert auch nichts, dass die Strafanzeige gegen die Krankenversi-

cherung D. AG einen separaten Straftatbestand geltend macht und dass 

die Krankenkasse nicht ersichtlich an Straftatbeständen anderer Beteiligter 

mitgewirkt hätte. Es handelt sich bei der vorliegenden Konstellation so ein-

deutig um einen einheitlichen Lebenssachverhalt, dass sie von der Recht-

sprechung zu Art. 33 und 34 StPO erfasst wird (zur Rechtsprechung: Be-

schluss des Bundesstrafgerichts BG.2014.17 vom 10. Juli 2014, E. 2). Das 

Verfahren gegen die Krankenversicherung D. AG ist auch nicht von eigen-

ständigem Gewicht oder Umfang. Folglich ist die Strafverfolgung an dem 

Orte zusammenzuführen, wo die mit der schwersten Strafe bedrohte Tat 

verübt worden ist. 

Die Verletzung von Art. 35 DSG wird mit Busse bedroht. Verletzungen von 

Amts- und Berufsgeheimnissen (Art. 320/321 StGB) und unbefugte Daten-

beschaffungen (Art. 179
novies

 StGB) sind die beiden schwersten Delikte (bis 

drei Jahre Freiheitsstrafe). Die Tatorte beider Delikte liegen im Kanton Bern 

(vgl. BARTETZKO, Basler Kommentar 2011, Art. 31 StPO N. 9 f.). Damit ist 

auch der Kanton Bern für die Strafverfolgung zuständig. 

 

2.3 Folglich ist der Kanton Bern berechtigt und verpflichtet, diejenigen allfälli-

gen strafbaren Handlungen zu verfolgen und zu beurteilen, die A. den Kan-

tonen Bern und Wallis am 12. Juni 2014 anzeigte. 

 

3. Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO). 

 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Strafbehörden des Kantons Bern sind berechtigt und verpflichtet, dieje-

nigen Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen, die sich aus dem am 

12. Juni 2014 angezeigten Sachverhalt ergeben.  

 

2. Es werden keine Gerichtsgebühren erhoben.  

 

 

Bellinzona, 15. September 2014 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Vorsitzende: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern 

- Staatsanwaltschaft des Kanton Wallis 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.