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**Case Identifier:** 710beb84-bc5a-54d8-b3a2-62e17f4b60a7
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-09-06
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 2015 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2015
**Docket/Reference:** DB.2018.22
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/1-db.2018.22--1-st.2018.25.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 DB.2018.22 
1 ST.2018.25 

Entscheid 

6. September 2018 

Mitwirkend: 

Einzelrichter Michael Ochsner und Gerichtsschreiber Fabian Steiner 

1.  A ,    

2.  B ,    

vertreten durch RA C  

In Sachen 

gegen 

Beschwerdeführer/ 
Rekurrenten,  

1.  S c h w e i z e r i s c h e   E i d g e n o s s e n s c h a f t ,    

2.  S t a a t   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Bau,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdegegnerin,  

Rekursgegner,  

Direkte Bundessteuer 2015 sowie Staats- und Gemeindesteuern 2015 

betreffend 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. A (nachfolgend der Pflichtige) war einer der fünf Gründungsaktionäre der D 

AG  mit  Sitz  in  S  und  seither  für  diese  als  Angestellter  erwerbstätig.  Die  Gesellschaft 

wurde  am  im  Jahr  1998  gegründet  und  ist  im  dentalmedizinischen  Bereich  tätig.  Die 

Gründungsaktionäre  schlossen  einen  Aktionärsbindungsvertrag  (nachfolgend  ABV). 

Dieser enthielt u.a. eine Bewertungsformel im Fall eines Verkaufs  eines  Beteiligungs-

anteils  unter  den  Aktionären.  In  den  folgenden  Jahren  schieden  zwei  Aktionäre  aus, 

unter Verkauf ihrer Beteiligungen an die übrigen Aktionäre. 2015 wies die Gesellschaft 

ein Aktienkapital von Fr. 300'000.- auf, aufgeteilt in 300 Namenaktien zu Fr. 1'000.-. Mit 

Vertrag vom 20. Mai 2015 verkaufte ein weiterer Aktionär altershalber seine 60 Aktien 

je  zur  Hälfte  an  den  Pflichtigen  sowie  an  den  anderen  verbliebenen  Aktionär,  E.  Der 

Kaufpreis betrug insgesamt Fr. 1 Mio. bzw. Fr. 16'667.- pro Aktie.  

Im Einschätzungsverfahren 2015 betreffend den Pflichtigen und seine Ehefrau 

B  (zusammen  die  Pflichtigen)  führte  das kantonale  Steueramt  eine  Untersuchung  be-

züglich der Frage durch, ob es sich bei den erworbenen Aktien um steuerbare Mitarbei-

terbeteiligungen gehandelt habe. In der Folge liessen die Pflichtigen den Kaufvertrag, 

den  Aktionärsbindungsvertrag  (Version  2014)  sowie  eine  Bewertung  der  Gesellschaft 

einreichen.  Das  kantonale  Steueramt  legte  am  13.  Februar  2017  näher  dar,  weshalb 

aus  seiner  Sicht  von  einer  steuerbaren  Mitarbeiterbeteiligung  auszugehen  sei.  Die 

Pflichtigen liessen dem am 23. Februar 2017 widersprechen und Abschlusszahlen so-

wie  weitere  Unterlagen  einreichen,  insbesondere  eine  Bewertung  gemäss  Formel  im 

ABV, welche einen Wert pro Aktie von Fr. 18'930.10 ergab. 

Am  5.  September  2017  schätzte  der  Steuerkommissär  die  Pflichtigen  für  die 

direkte Bundessteuer 2015 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 302'200.- sowie 

für  die  Staats-  und  Gemeindesteuern  2015  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von 

Fr. 349'800.-  (davon  Ertrag  aus  qualifizierter  Beteiligung  Fr. 116'700.-)  und  einem 

steuerbaren  Vermögen  von  Fr.  4'017'000.-  ein.  Darin  ging  er  von  einem  geldwerten 

Vorteil  aus  Mitarbeiterbeteiligung  von  Fr. 67'903.-  aus.  Diesen  Betrag  errechnete  er 

gestützt  auf  die  Differenz  zwischen  dem  Kaufpreis  und  dem  erwähnten  Wert  gemäss 

Formel ABV.  

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B. Hiergegen liessen die Pflichtigen am 5. Oktober 2017 Einsprache erheben 

mit dem Antrag, die Aufrechnung eines geldwerten Vorteils aus Mitarbeiterbeteiligung 

sei aufzuheben.  

Das kantonale Steueramt wies die Einsprache am 3. Januar 2018 ab.  

C. Mit Beschwerde bzw. Rekurs vom 26. Januar 2018 wiederholten die Pflich-

tigen  den  Einspracheantrag,  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen.  In  verfahrens-

rechtlicher  Hinsicht  beantragten  sie,  aufgrund  des  identischen  Prozessthemas  das 

Rechtsmittelverfahren  mit  demjenigen  bezüglich  des  Aktionärs  E  zu  vereinigen  bzw. 

eines der Verfahren zu sistieren.  

Das  kantonale  Steueramt  schloss  am  15.  März  2018  auf  Abweisung  der 

Rechtsmittel.  Die  Eidgenössische  Steuerverwaltung  beantragte  am  18.  April  2018  die 

Abweisung der Beschwerde.  

Die  Pflichtigen  hielten  mit  Replik  vom  5.  Juni  2018  an  ihren  Anträgen  fest, 

ebenso  die  ESTV  sowie  das  kantonale  Steueramt  in  ihren  Dupliken  vom  15.  bzw. 

18. Juni 2018.  

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

1.  Der  Antrag  der  Pflichtigen  auf  Vereinigung mit  dem  Parallelverfahren  E  (1 

DB.2018.21/1 ST.2018.24) ist abzuweisen. Zwar geht es um dieselbe Rechtsfrage und 

werden die beiden Parteien durch den gleichen Rechtsanwalt vertreten. Indessen stel-

len  die  beiden  Parteien  zueinander  unabhängige  Dritte  dar,  weshalb  ihnen  zur  Wah-

rung  des  Steuergeheimnisses  (Art.  110  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  über  die  direkte 

Bundessteuer vom 14. Dezember 1990, DBG; Art. 39 Abs. 1 des Bundesgesetzes über 

die  Harmonisierung  der  direkten  Steuern  der  Kantone  und  Gemeinden  vom  14.  De-

zember 1990, StHG; § 120 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997, StG) Einblick 

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in die Verfahrensakten der jeweils anderen Partei zu verweigern ist. Dies schliesst eine 

Vereinigung der Rechtsmittelverfahren aus. Ebenso ist eine Sistierung nicht angezeigt, 

da die Sache spruchreif ist.  

2. a) aa) Gemäss dem Grundsatz in Art. 16 Abs. 1 DBG bzw. § 16 Abs. 1 StG 

sind  sämtliche  Einkünfte  ohne  Rücksicht  auf  ihre  Quellen  steuerbar.  Diese  General-

klausel dient als Auffangtatbestand für Einkünfte, die nicht einem der in den Art. 17-23 

DBG  bzw.  §§  17-23  StG  genannten  Tatbestände  zugeordnet  werden  können.  Vom 

Grundsatz  der  Steuerbarkeit  sämtlicher  Einkünfte  ausgenommen  sind  nur  im  Gesetz 

aufgezählte einzelne Tatbestände. Dies ist beispielsweise der Fall bei den steuerfreien 

privaten Kapitalgewinnen gemäss Art. 16 Abs. 3 DBG bzw. § 16 Abs. 3 StG.  

bb)  Zu  den  steuerbaren  Einkünften  gehören  nach  Art.  17  Abs.  1  DBG  bzw. 

§ 17 Abs. 1 StG alle Einkünfte aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit unter Einschluss 

der Nebeneinkünfte, wie Entschädigungen für Sonderleistungen, Provisionen, Zulagen, 

Dienstalters-  und  Jubiläumsgeschenke,  Gratifikationen,  Trinkgelder,  Tantiemen  und 

andere geldwerte Vorteile.  

Gemäss  konstanter  bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  ist  der  Begriff  des 

Einkommens aus einer Erwerbstätigkeit weit zu interpretieren. Steuerbar sind demnach 

sämtliche  geldwerten  Vorteile,  die  ein  Arbeitnehmer  als  Gegenleistung  für  seine  un-

selbstständige  Erwerbstätigkeit  erhält,  wobei  auch  Naturalleistungen  erfasst  werden. 

Entscheidend  ist,  ob  die  Leistung  Entgelt  für  die  Arbeitstätigkeit  des  Steuerpflichtigen 

bildet  und  unmittelbar  als  Folge  des  Arbeitsverhältnisses  ausgerichtet  wird.  Zwischen 

der  unselbstständigen  Erwerbstätigkeit  und  den  daraus  fliessenden  Einkünften  muss 

somit  ein  wirtschaftlicher  bzw.  kausaler  Zusammenhang  bestehen  (BGr,  29.  Novem-

ber 2006, 2A.381/2006; StRK IV, 18. Dezember 1998, StE 2000 B 22.1 Nr. 3; Richner/ 

Frei/Kaufmann/Meuter,  Handkommentar  zum  DBG,  3.  A.,  2016,  Art.  17  N  28  und  41 

DBG, und Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., 2013, § 17 N 28 und 41 StG). 

Für  die Steuerbarkeit kommt es nicht auf den Charakter der Tätigkeit und die Ausge-

staltung  des  Arbeitsverhältnisses  oder  auf  die  von  den  Beteiligten  verwendeten  Aus-

drücke oder privatrechtlichen Formen an.  

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Auch  Leistungen  Dritter,  die  dem  Steuerpflichtigen  im  Zusammenhang  mit 

dem  Arbeitsverhältnis  zufliessen,  sind  dem  Arbeitseinkommen  zuzurechnen,  selbst 

wenn zu dieser Leistung keine Rechtspflicht bestand (vgl. BGr, 3. März 1989, ASA 60, 

245).  Darunter  fallen  etwa  Trinkgelder,  Preise  für  besondere  berufliche  Leistungen, 

Zuwendungen an  Künstler zur Förderung ihres künstlerischen  Schaffens oder der Er-

werb von Aktien von einer Drittperson zu einem Vorzugspreis (Richner/Frei/Kaufmann/ 

Meuter,  Art.  17  N  37  DBG  und  §  17  N  37  StG).  Entscheidend  für  die  Besteuerung  

–  insbesondere  bei  Leistungen  Dritter  oder  freiwilligen  Leistungen  des  Arbeitgebers 

(wie vertraglich nicht vereinbarte Gratifikationen, Boni, Gewinnbeteiligungen usw.) – ist 

immer,  dass  die  Leistung  ihren  Grund  im  Arbeitsverhältnis  des  Leistungsempfängers 

hat (VGr, 6. Juni 2012, SB.2011.00104 und SB.2011.00105). Erwirbt ein Arbeitnehmer 

Vermögenswerte  aufgrund  des  Arbeitsverhältnisses  zu  einem  günstigeren  Preis  als 

dem Verkehrswert, gilt diese Differenz als Einkommen aus unselbstständiger Erwerbs-

tätigkeit  und  ist  somit  steuerbar  (RB  1990  Nr.  31;  Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, 

Art. 17 N 44 DBG und § 17 N 44 StG).  

cc)  Die  Steuerbehörde  hat  die  steuerbegründenden  und  -erhöhenden  Tatsa-

chen nachzuweisen und die steuerpflichtige Person  jene Tatsachen, welche die Steu-

erschuld  mindern  oder  aufheben.  Diese  allgemeine  Regel  wird  dann  durchbrochen, 

wenn für das Vorhandensein einer Tatsache eine (widerlegbare) gesetzliche oder na-

türliche Vermutung spricht. Somit haben die Steuerbehörden den Nachweis zu erbrin-

gen, dass eine steuerpflichtige Person bestimmte Einkünfte erzielt hat, da es sich hier-

bei  um  einen  steuerbegründenden  Umstand  handelt.  Ist  ein  Wertzufluss  nachgewies-

en,  so  begründet  dies  nach  der  Generalklausel  von  Art. 16  Abs.  1  DBG  bzw.  §  16 

Abs. 1  StG  die  natürliche  Vermutung,  dass  dieser  aus  einer  steuerbaren  Quelle 

stammt. Diese Vermutung kann vom Steuerpflichtigen entkräftet werden, indem er den 

Beweis  des  Gegenteils  erbringt,  etwa  dass  es  sich  um  einen  steuerfreien  Kapitalge-

winn aus der Veräusserung beweglichen Privatvermögens handelt.  

b) aa) Das kantonale Steueramt begründet die Besteuerung der Differenz zwi-

schen  dem  Kaufpreis  und  dem  aufgrund  der  Bewertungsformel  ermittelten  Wert  der 

Beteiligung  an  der  DAG  als  Leistung  aus  Arbeitsverhältnis  damit,  dass  die  Aktien  zu 

einem  Vorzugspreis  an  den  Pflichtigen  verkauft  worden  seien,  und  dieser  die  Aktien 

nur  wegen  seiner  Eigenschaft  als  Angestellter  der  Gesellschaft  erwerben  konnte.  Bei 

der  Bewertung  stützt  es  sich  auf  die  Formel 

im  Aktionärsbindungsvertrag  

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(T-act. 36  Ziff.  10),  welche  eine  Bewertung  nach  der  so  genannten  Praktikermethode 

vorsieht, wobei der Substanzwert einmal und der Ertragswert zweimal zu gewichten ist. 

Diese ergab einen Wert pro Aktie von Fr. 18'930.10 (T-act. 40 Beilage 3).   

Von einer Leistung im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis kann indes-

sen  nur  gesprochen  werden,  wenn  seitens  der  Vertragsparteien  ein  entsprechender 

Vorsatz  bestand.  Allein der  Umstand,  dass  beide  Parteien  des  Kaufvertrags  mitarbei-

tende Aktionäre der Gesellschaft waren, reicht nach der Auffassung des Steuerrekurs-

gerichts  nicht  aus,  um  einen  solchen  Zusammenhang  zu  begründen  (StRG,  

29. Mai 2018, 1 DB.2017.174/1 ST.2017.219, rechtskräftig). Hinzu muss vielmehr eine 

Absicht  treten,  mit  dem  Preisnachlass  den  Empfänger  für  eine  Leistung  im  Zusam-

menhang  mit  dem Arbeitsverhältnis zu entgelten, etwa  als Belohnung für vergangene 

Arbeitsleistung,  als  Anreiz  für  den  Antritt  einer  Anstellung,  für  die  Erfüllung  von  Leis-

tungszielen,  oder  für  einen  langfristigen  Verbleib  in  der  Position,  oder  sonst  wie  als 

spezielle  Vergünstigung  nur  für  mitarbeitende  Aktionäre.  Bei  einem  Preisnachlass  als 

Anreiz,  damit  eine  sonst  unverkäufliche  Beteiligung  vom  Mitaktionär  erworben  wird, 

oder gar bei einem gemeinsamen Irrtum über den wahren Wert einer Beteiligung fehlt 

es an einem solchen Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis.  

bb)  Der  Aktionärsbindungsvertrag  vom  21.  Januar  2014  (T-act.  36)  sieht  ein 

gegenseitiges  Vorkaufsrecht  der  Aktionäre  vor.  Dabei  wird  unterschieden  zwischen 

dem Vorhandrecht (Ziff. 14 ABV), gemäss welchem die Aktien zunächst den Mitaktio-

nären  zum Preis  gemäss  Formel in Ziff. 10  ABV anzubieten  sind, und dem Vorkaufs-

recht (Ziff. 15 ABV), welches zum Zug kommt, wenn kein Aktionär sein Vorhandrecht 

ausüben  will;  diesfalls  sind  ihnen  die  Aktien  zum  mit  dem  Dritten  vereinbarten  Preis 

erneut anzubieten. 

Im  Kaufvertrag  vom  20.  Mai  2015  wird  der  Preis  für  die  60  Aktien  auf 

Fr. 1 Mio.  festgesetzt  (T-act.  34),  mithin  eine  runde  Summe,  was  darauf  hindeutet, 

dass  diese nicht  das  Ergebnis  einer  Bewertung,  sondern  einer  Preisverhandlung  dar-

stellt. Zur Herleitung der Kaufpreissumme wird in Ziff. 12 ausgeführt, dass die Parteien 

auf eine Bewertung der Aktien gemäss Aktionärsbindungsvertrag verzichtet haben, da 

sie als mitarbeitende Hauptaktionäre die Gesellschaft kennen würden. Es seien ihnen 

die letzten Steuerbewertungen und Bewertungen und Überlegungen bekannt. Die Par-

teien  seien  sich  auch  bewusst,  dass  die  Auswirkungen  des  freien  Euro-Kurses  noch 

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nicht absehbar seien. All diese und weitere Risiken würden mit der Vertragsabwicklung 

abgegolten.  

Aus dem Wortlaut dieser beiden Verträge geht nirgends hervor, dass die Par-

teien bei der Festlegung des Kaufpreises einen Preisnachlass als Entgelt für eine Leis-

tung im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis vereinbart hätten. Weder wird fest-

gehalten,  dass  der  Kaufpreis  bewusst  unter  dem  Verkehrswert  liegt,  noch  enthält  der 

Vertrag  Ausführungen,  dass  der  Kaufpreis  zugunsten  des  Pflichtigen  als  Käufer  tief 

angesetzt  werde,  um  eine  vergangene,  gegenwärtige  oder  zukünftige  Arbeitsleistung 

abzugelten, oder ihm der Preisnachlass nur aufgrund seiner Eigenschaft als angestell-

ter  Aktionär  gewährt  worden  sei.  Ein  solcher  Zusammenhang  ist  aber  vorausgesetzt, 

um  von  einem  steuerbaren  Entgelt  für  die  Arbeitstätigkeit  ausgehen  zu  können.  Das 

blosse Vorliegen eines Arbeitsverhältnisses des Pflichtigen reicht nach dem Gesagten 

hierzu  nicht  aus.  Aus  dem  Wortlaut  der  Verträge  lässt  sich  somit  keine  Leistung  aus 

Arbeitsverhältnis begründen. 

cc)  Damit  ist  zu  prüfen,  ob  sich  ein  solcher  Zusammenhang  indirekt  ergibt, 

was  der  Fall  wäre,  wenn  ein  Preisnachlass  vorliegen  würde,  und  dieser  nur  mit  dem 

Arbeitsverhältnis erklärt werden könnte.  

Vorweg  ist  festzuhalten,  dass  kein  Interesse  des  verkaufenden  Aktionärs  er-

sichtlich ist, dem Pflichtigen mit einem Preisnachlass ein Entgelt für eine Leistung aus 

dem Arbeitsverhältnis zukommen zu lassen, gab er doch seine Beteiligung altershalber 

auf.  Mit  seinem  Ausscheiden  aus  der  Gesellschaft  hatte  er  an  der  zukünftigen  wirt-

schaftlichen  Entwicklung  der  Gesellschaft  kein  finanzielles  Interesse  mehr.  Sein  Inte-

resse war einzig und allein daraus ausgerichtet, seine Beteiligung zu einem möglichst 

hohen  Preis  zu  verkaufen.  In  diesem  Zusammenhang  fällt  insbesondere  in  Betracht, 

dass  nach  der  Sachdarstellung  des  Pflichtigen  im  Dezember  2014  der  Versuch  ge-

scheitert war, die Beteiligung  zum Preis  gemäss Formel im ABV an  den nicht zu den 

Gründungsaktionären  gehörenden  Geschäftsführer  zu  verkaufen.  Vor  diesem  Hinter-

grund hat der Umstand, dass der vereinbarte Verkaufspreis nicht gestützt auf die For-

mel nach ABV berechnet wurde, sondern tiefer lag, kein entscheidendes Gewicht. Dar-

aus  ist  nicht  ohne  Weiteres  der  Schluss  zu  ziehen,  dass  damit  eine  Leistung  aus 

Arbeitsverhältnis beabsichtigt war, kann doch diese Abweichung durchaus Resultat der 

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Vertragsverhandlungen zwischen den beteiligten Aktionären als Parteien des Kaufver-

trags und damit Ergebnis der damaligen Marktsituation sein.  

Steht  eine  Preisvereinbarung  indessen  in  einem  offensichtlichen  Missverhält-

nis  zum objektiven  Marktwert, stellt sich die Frage, ob  der Preis  nicht bewusst zu tief 

angesetzt wurde und weitere, nicht offen gelegte Absprachen bestanden. In der Praxis 

zum Grundstücksteuerrecht hat sich deshalb die Regel gebildet, dass ausnahmsweise 

statt  auf  den  vereinbarten  Kaufpreis  dann  auf  den  nach  anerkannten  Methoden  ge-

schätzten Verkehrswert abgestellt wird, wenn zwischen objektivem Wert und Vertrags-

preis  ein  offensichtliches,  in  die  Augen  springendes  Missverhältnis  besteht  (Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter,  §  220  N  101  StG,  auch  zum  Folgenden).  Das  offensicht-

liche  Missverhältnis  zwischen  dem  vereinbarten  Preis  und  dem  Verkehrswert  des 

Verkaufsobjekts im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses stellt ein Indiz für die fehlende 

rechtsgeschäftliche Bedeutung der Preisvereinbarung dar. Die Praxis nimmt aus Grün-

den  der  Rechtssicherheit  ein  solches  offensichtliches  Missverhältnis  erst  dort  an,  wo 

die  Differenz  zwischen  Verkehrswert  und  vereinbartem  Kaufpreis  mindestens  25% 

(vom Verkehrswert) ausmacht. Erreicht der vertraglich vereinbarte Kaufpreis somit we-

niger als 75% des Verkehrswerts, ist anstelle dieses vereinbarten Kaufpreises der Ver-

kehrswert als Erwerbspreis einzusetzen. Dabei besteht nicht etwa ein Rabatt von 25%; 

vielmehr ist bei Überschreiten des genannten Schwellenwerts von 25% auf den vollen 

Verkehrswert (von 100%) abzustellen. Es drängt sich auf, diese Praxis auch auf Fälle 

des  Verkaufs  von  Beteiligungen  unter  mitarbeitenden  Aktionären  zu  übernehmen 

(StRG, 29. Mai 2018, 1 DB.2017.174/1 ST.2017.219).   

Dieser  Rahmen  von  25%  wird  im  vorliegenden  Fall  nicht  unterschritten.  Wie 

bereits  erwähnt,  beträgt  der  Wert  einer  Aktie  gemäss  der  Formel  in  Ziff.  10  ABV 

Fr. 18'930.10  (T-act.  40  Beilage  3);  die  amtliche  Bewertung  nach  der  Wegleitung  der 

Schweizerischen Steuerkonferenz zur Bewertung von Wertpapieren ohne Kurswert für 

die  Vermögenssteuer  (Kreisschreiben  Nr.  28  vom  28.  August  2008;  www.steuer-

konferenz.ch) ergibt per 31. Dezember 2014 sogar Fr. 19'500.- (T-act. 48). Der Kauf-

preis von Fr. 16'667.- liegt noch innerhalb der Bandbreite.  

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Damit fehlen aber Anhaltspunkte, dass  die Differenz zwischen Kaufpreis  und 

dem Ergebnis der Bewertungen einen Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis auf-

weist. Auf die Aufrechnung ist deshalb zu verzichten.  

dd) Anzufügen ist noch folgender Punkt:  

Die  Sachdarstellung  des  Pflichtigen,  dass  die  Unsicherheit  über  die  Entwick-

lung  des  Euro-Kurses  bei  den  anfangs  2015  geführten  Kaufpreisverhandlungen  eine 

Rolle gespielt habe,  kann  nicht ohne Weiteres verworfen werden. Die  schweizerische 

Nationalbank  hob  im  Januar  2015  den  Mindestkurs  von  Fr. 1.20  pro  EUR  auf  

(R-act. 18/2). In der Folge verlor der EUR gegenüber dem Schweizer Franken massiv 

an Wert, was für Schweizer Unternehmen, welche ihre Umsätze in EUR erzielten, ei-

nen empfindlichen Umsatzrückgang erwarten liess. Der Einwand der Vorinstanz, dass 

es sich hierbei um eine zukünftige Tatsache handle, welche nach den Regeln über die 

steuerrechtlich zulässigen Rückstellungen bei der Bilanzierung per 31. Dezember 2014 

nicht zu berücksichtigen sei, geht fehl, da es sich hier nicht um eine Frage der korrek-

ten Bilanzierung handelt, sondern um die Frage des angemessenen Kaufpreises. Es ist 

offenkundig, dass bei Verhandlungen über den Kaufpreis solche absehbaren zukünfti-

gen  Ereignisse,  welche  den  Ertrag  vermindern  könnten,  einfliessen,  und  zwar  unge-

achtet davon, ob sie steuerrechtlich bereits bilanziert werden dürfen oder nicht. In die-

sem Zusammenhang ist anzumerken, dass andere Bewertungsmethoden wie etwa die 

DCF-Methode  sogar  massgebend  auf  erwartete  zukünftige  Zahlungsüberschüsse  ab-

stellen.  Die  Behauptung  des  Pflichtigen,  der  Kaufpreis  sei  wegen  der  Aufhebung  des 

Euro-Mindestkurses  gesenkt  worden,  ist  deshalb  grundsätzlich  beachtlich.  Unklar  ist 

hingegen, ob im vorliegenden Fall tatsächlich eine Verschlechterung des Geschäftser-

gebnisses  zu  erwarten  war,  da  nicht  bekannt  ist,  ob  und  in  welchem  Umfang  die  zu-

künftigen Jahresergebnisse überhaupt vom Euro-Kurs abhingen bzw. welchen Einfluss 

dieser  quantitativ  auf  Umsatz  und  Aufwand  der  DAG  hatte.  Diese  Frage  wären  zu-

nächst noch abzuklären gewesen.  

3. Gestützt auf diese Erwägungen sind die Beschwerde bzw. der Rekurs gut-

zuheissen. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Verfahrens der Beschwerdegegnerin 

bzw.  dem  Rekursgegner  aufzuerlegen  (Art.  144  Abs.  1  DBG  und  §  151  Abs.  1  StG) 

und  ist  den  Pflichtigen  eine  Parteientschädigung  zuzusprechen  (Art.  144  Abs.  4  DBG 

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i.V.m.  Art.  64  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom 

20. Dezember 1968 bzw. § 152 StG i. V. m. § 17 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflege-

gesetzes vom 24. Mai 1959, VRG).  

Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 

1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen.  Die  Beschwerdeführer  werden  für  die  direkte 

Bundessteuer,  Steuerperiode  2015,  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von 

Fr. 234'300.- veranlagt (Tarif gemäss Art. 36 Abs. 2 DBG; Verheiratetentarif).  

2.  Der  Rekurs  wird  gutgeheissen.  Die  Rekurrenten  werden  für  die  Staats-  und  

Gemeindesteuern,  Steuerperiode  2015,  mit  einem  steuerbaren  Einkommen  von 

Fr. 281'900.-,  davon  Ertrag  aus  qualifizierten  Beteiligungen  von  Fr. 116'700.-,  und 

einem steuerbaren Vermögen von Fr. 4'017'000.- eingeschätzt (Tarif gemäss § 35 

Abs. 2 bzw. § 47 Abs. 2 StG; Verheiratetentarif und Tarif gemäss § 35 Abs. 4 StG).  

[…] 

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