# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 956cdae6-715b-5c25-8925-8edba09b2463
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-04-02
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 02.04.2014 VG.2013.00127 (VG.2014.52)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2013-00127_2014-04-02.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 2. April 2014

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2013.00127

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Bank A.______

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Grundbuchamt des Kantons Glarus

    	
    Beschwerdegegner

    
	
    2.

    	
    Departement Volkswirtschaft
    und Inneres 

    	
     

    
	
     

    	
    des Kantons Glarus

    	
     

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  Einsicht in das Grundbuch

  
	
   

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I. 

  
	
  1. 

  
	
  1.1 Die Bank A.______ gelangte am 27. Juni 2013 an das
  Grundbuchamt des Kantons Glarus mit dem Begehren, ihr seien betreffend das in
  der Gemeinde X.______ gelegene Grundstück Parz.-Nr. […], lautend auf
  B.______, sämtliche Kaufs-, Abtretungs- und Schenkungsverträge seit dem Jahr
  2004 zukommen zu lassen. Die Bank A.______ begründete ihr Gesuch damit, dass
  B.______ die Tochter von C.______ und D.______ sei. Aufgrund finanzieller
  Probleme von C.______ im Jahr 2006 habe dieser seinen hälftigen
  Liegenschaftsanteil auf seine Ehefrau D.______ übertragen und diese habe die
  ganze Liegenschaft der Tochter überschrieben. Die Bank A.______ habe gegen
  C.______ am 12. März 2012 einen Verlustschein erwirkt. Die Übertragung
  der Liegenschaft von C.______ an seine Ehefrau dürfte einen anfechtbaren
  Tatbestand nach Art. 288 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und
  Konkurs vom 11. April 1889 (SchKG) darstellen. Die Liegenschaft sei nun
  zum Verkauf ausgeschrieben. Um die Übertragung mit Erfolg anfechten zu
  können, würden alle Unterlagen bezüglich der Eigentumsübertragungen seit 2004
  benötigt.

  
	
   

  
	
  1.2 Das Grundbuchamt wies das Auskunftsbegehren der Bank
  A.______ am 15. Juli 2013 ab. Eine dagegen am 15. August 2013
  erhobene Beschwerde wies das Departement Volkswirtschaft und Inneres (DVI) am
  11. November 2013 ab.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 In der Folge gelangte die Bank A.______ mit
  Beschwerde vom 11. Dezember 2013 ans Verwaltungsgericht und beantragte
  die Aufhebung des Entscheids des DVI vom 11. November 2013. Das
  Grundbuchamt sei anzuweisen, der Bank A.______ die Rechtsgrundausweise
  (Kauf-, Abtretungs- oder Schenkungsverträge) zu den beiden seit
  1. Januar 2004 vorgenommenen Handänderungen am Grundstück
  Parz.-Nr. […], Gemeinde X.______, zuzustellen. Eventualiter sei die
  Sache zu neuem Entscheid an das Grundbuchamt zurückzuweisen; alles unter
  Kosten- und Entschädigungsfolgen. 

  
	
   

  
	
  2.2 Das Grundbuchamt verwies am 30. Januar 2014 auf
  seine Verfügung und die Stellungnahme an das DVI. Das DVI beantragte am 4.
  Februar 2014 die Abweisung der Beschwerde; unter Kostenfolge zu Lasten der
  Bank A.______.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 105 Abs. 1
  lit. b des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986 (VRG)
  zur Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen
  Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde können gemäss
  Art. 107 Abs. 1 VRG Mängel des angefochtenen Entscheids oder des Verfahrens
  geltend gemacht werden, und zwar die unrichtige oder unvollständige
  Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (lit. a) sowie die unrichtige
  Rechtsanwendung einschliesslich eines Missbrauchs des Ermessens (lit. b). Die
  Unangemessenheit kann nach Art. 107 Abs. 2 VRG nur ausnahmsweise geltend
  gemacht werden. Ein solcher Ausnahmefall liegt nicht vor.

  
	
   

  
	
  1.3 Dem Eigentümer und den weiteren von einer
  Einsichtnahme passiv Betroffenen kommt in der Frage der Gewährung des
  Einsichtsrechts weder eine materielle noch eine formelle Parteistellung zu
  (Daniela Bänziger-Compagnoni, Die Öffentlichkeit des Grundbuches – de lege
  lata – rechtsvergleichend – de lege ferenda, Zürich 1993, S. 92; Jürg
  Schmid, in Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch II, 4. A., 2011, Art. 970
  N. 30). Folglich sind C.______ und D.______ sowie deren Tochter ins
  vorliegende Verfahren nicht beizuladen.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Bis zum 31. Dezember 1993
  musste für jede Einsichtnahme in das Grundbuch ein Interesse glaubhaft
  gemacht werden. Mit der Teilrevision des Immobiliarsachenrechts wurde auf den
  1. Januar 1994 das voraussetzungslose Recht auf Auskunft darüber, wer
  als Eigentümer eines Grundstücks im Grundbuch eingetragen ist, eingeführt
  (aArt. 970 Abs. 1 des Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907
  [ZGB]). Für eine weitergehende Einsichtnahme in das Grundbuch setzte
  aArt. 970 Abs. 2 ZGB das Glaubhaftmachen eines Interesses voraus.
  Die Kantone wurden zudem verpflichtet, den Erwerb des Eigentums an
  Grundstücken zu veröffentlichen (aArt. 970a Abs. 1 ZGB), wobei es
  ihnen offenstand, weitere Angaben, namentlich die Gegenleistung, zu
  veröffentlichen (aArt. 970a Abs. 3 ZGB). Die Pflicht der Kantone
  zur Veröffentlichung des Erwerbs des Eigentums an Grundstücken wurde auf den
  1. Januar 2005 aufgehoben.

  
	
   

  
	
  Nach dem heute geltenden
  Recht hat, wer ein Interesse glaubhaft macht, gemäss Art. 970
  Abs. 1 ZGB Anspruch darauf, dass ihm Einsicht in das Grundbuch gewährt oder
  dass ihm daraus ein Auszug erstellt wird. Ohne ein solches Interesse ist
  gemäss Art. 970 Abs. 2 ZGB jede Person berechtigt, folgende Daten
  des Hauptbuchs zu erhalten: die Bezeichnung des Grundstücks und die
  Grundstücksbeschreibung (Ziff. 1), den Namen und die Identifikation des
  Eigentümers (Ziff. 2) sowie die Eigentumsform und das Erwerbsdatum
  (Ziff. 3). Die Kantone können gemäss Art. 970a Abs. 1 ZGB die
  Veröffentlichung des Erwerbs des Eigentums an Grundstücken vorsehen, wobei
  sie – abgesehen von den Ausnahmen gemäss Art. 970a Abs. 2 ZGB –
  auch die Gegenleistung publizieren dürfen.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Die Beschwerdegegner führen im Wesentlichen aus,
  dass sich das Einsichtsrecht nur bedingt auch auf die Belege erstrecke.
  Insbesondere seien Belege mit obligatorischen Vertragsbestimmungen nur den
  Vertragsparteien uneingeschränkt zugänglich. Es müsse ein innerer
  funktioneller Zusammenhang zwischen dem Interesse an der Einsichtnahme in das
  Grundbuch und dem Interessensnachweis bestehen. Ein solcher fehle mangels
  dinglicher oder realobligatorischer Berechtigung der Beschwerdeführerin am
  Grundstück gänzlich. Es liege auch keine qualifizierte Bezugsnähe vor, da die
  Beschwerdeführerin kein Einsichtsrecht im Rahmen der Bekanntmachung
  dinglicher oder vorgemerkter persönlicher Rechte geltend mache. Der
  vorliegende Fall könne nicht mit dem Sachverhalt verglichen werden, welchem
  der BGE 132 III 603 zugrunde gelegen habe. In jenem Fall sei die
  Ansprecherin nämlich pflichtteilsgeschützte Erbin gewesen und habe folglich eine
  stärkere Rechtsposition gehabt als eine lediglich obligatorisch Berechtigte.

  
	
   

  
	
  3.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, einen Monat
  nachdem sie das von C.______ verbürgte Darlehen gekündigt gehabt habe, sei es
  zu einer Handänderung gekommen. Die Liegenschaft in der Gemeinde X.______ sei
  zur Zeit von der Tochter zum Verkauf ausgeschrieben. Sie, die
  Beschwerdeführerin, habe deshalb den begründeten Verdacht, dass die
  Übertragung des Miteigentumsanteils unterpreislich erfolgt sei, um sie als
  Gläubigerin zu schädigen. Es sei nicht ersichtlich, weshalb das Einsichtsrecht
  davon abhängen sollte, ob es um einen Anspruch auf Teilhabe an der Erbmasse
  oder auf Teilhabe an der Pfändungsmasse gehe. Im durch das Bundesgericht im
  BGE 132 III 603 zu beurteilenden Fall habe die Beschwerdeführerin sich nicht
  auf eine gerichtlich zugesprochene Forderung stützen können, während sie ein
  vollstreckbares Urteil erlangt habe. Zwischen der Beschwerdeführerin im BGE
  132 III 603 und den Parteien des Kaufvertrags habe keine Rechtsbeziehung
  bestanden, während sie gegenüber beiden Beteiligten Rechtsansprüche habe, und
  zwar gegenüber dem Schuldner ein Urteil und gegenüber der potentiell
  Anfechtungsbeklagten das Recht auf richterliche Prüfung des wahrscheinlich
  anfechtbaren Rechtsgeschäfts. Eine rechtskräftig zugesprochene Forderung
  berechtige die Gläubigerin zudem zum Arrest, wenn sie geltend mache, dass der
  Schuldner Vermögen beiseiteschaffe. Weshalb ihr in der gleichen Situation der
  deutlich weniger weit gehende Anspruch auf Einsichtnahme in eine öffentliche
  Urkunde verwehrt bleiben sollte, sei nicht einzusehen. Nicht verständlich sei
  sodann, weshalb der Gläubigerin der einschneidende Anspruch auf Durchführung
  einer Strafuntersuchung zustehen sollte, nicht aber der weniger weit gehende
  Anspruch auf Einsichtnahme ins Grundbuch. Nicht massgebend sei, ob es andere
  Wege gebe, um die gewünschte Information zu erlangen. Schliesslich genüge für
  die Einsichtnahme nach Art. 970 Abs. 1 ZGB ein Interesse tatsächlicher
  Natur. Eine qualifizierte Bezugsnähe sei nicht erforderlich.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 Die Beschwerdeführerin ersucht um Einsicht in die
  Rechtsgrundausweise der Handänderungen an der Liegenschaft in der Gemeinde
  X.______. Als Belege sind die Rechtsgrundausweise unbestritten nicht vom
  voraussetzungslos zu erteilenden Auskunftsrecht gemäss Art. 970
  Abs. 2 ZGB erfasst. 

  
	
   

  
	
  4.2 Ein weitergehendes Einsichtsrecht ins Grundbuch
  kommt gemäss Art. 970 Abs. 1 ZGB demjenigen zu, der ein Interesse
  glaubhaft macht. Welche Art von Interessen zur weitergehenden Einsichtnahme
  berechtigen, lässt sich dem Wortlaut von Art. 970 Abs. 1 ZGB nicht
  entnehmen.

  
	
   

  
	
  In Lehre und
  Rechtsprechung unbestritten ist, dass für das Recht auf Einsichtnahme nicht
  ein rechtliches Interesse erforderlich ist, sondern auch ein tatsächliches,
  etwa ein wirtschaftliches, wissenschaftliches oder persönliches Interesse,
  genügen kann. Hingegen reicht es nicht, irgendein Interesse, wie
  beispielsweise blosse Neugier, glaubhaft zu machen (BGE 132 III 603 E. 4.3.1
  = Pra 2007 Nr. 56; BGE 126 III 512 E. 3a, 109 II 208 E. 3;
  Bänziger-Compagnoni, S. 75 f.; Peter Tuor et al., Das Schweizerische
  Zivilgesetzbuch, 13. A., Zürich 2009, S. 882; Dieter Zobl,
  Grundbuchrecht, 2. A., Zürich 2004,
  Rz. 550 ff.).

  
	
   

  
	
  4.3 Ein rechtliches Interesse an der Einsichtnahme ins
  Grundbuch setzt eine Beziehung des Antragsstellers zum Grundstück voraus,
  wobei sich diese aus einem dinglichen Recht, einem vorgemerkten persönlichen
  Recht oder einem Titel, welcher zum Verschaffen einer solchen Rechtsposition
  geeignet ist, ergibt (Henri Deschenaux, Schweizerisches Privatrecht, V/3.1,
  Basel 1988, S. 163; Heinz Rey, Zur Öffentlichkeit des Grundbuchs, in ZBGR
  1984, S. 73 ff., 80). 

  
	
   

  
	
  Vorliegend ist
  unbestritten, dass die Beschwerdeführerin kein rechtliches Interesse an der
  beantragten Grundbucheinsicht hat.

  
	
   

  
	
  4.4 

  
	
  4.4.1 Es besteht in Lehre und Rechtsprechung keine
  Einigkeit darüber, ob das (wirtschaftliche) Interesse an der Beschaffung von
  Unterlagen für die Vorbereitung eines bevorstehenden Prozesses ein
  Einsichtsrecht in die Belege rechtfertigt.

  
	
   

  
	
  Die ältere Lehre liess für
  das Einsichtsrecht jedes verständige, durch die Sachlage gerechtfertigte
  Interesse genügen (Fritz Ostertag, Berner Kommentar zum ZGB, Bd. IV,
  3. Abt., 2. A., 1917, Art. 970 N. 2) und bejahte ein solches für die
  Vorbereitung eines bevorstehenden Prozesses vorbehaltslos (Bemerkungen der
  Redaktion zum "Schah-Fall", ZBGR 1982, S. 291; Arthur
  Homberger, Zürcher Kommentar zum ZGB, Bd. IV, 3. Abt., 2. A., 1938,
  Art. 970 N. 7). Ein grosser Teil der neueren Lehre verlangt eine qualifizierte
  Bezugsnähe zu demjenigen Teil des Grundbuchs, in welchen der Gesuchsteller
  Einsicht nehmen will. Eine solche Bezugsnähe bestimmt sich durch die Zweckbestimmung
  des Grundbuchs als Mittel zur Bekanntmachung der dinglichen und vorgemerkten
  Rechte an Grundstücken (Roland Pfäffli, Zur Öffentlichkeit des Grundbuchs,
  TREX 2006, S. 360 ff., 361; Schmid, Basler Kommentar, Art. 970 N. 15;
  Tuor, S. 882), wobei genügen kann, dass dem an der Einsichtnahme
  Interessierten ein persönlicher, aktueller und konkreter Vorteil erwächst,
  den er ohne die Konsultation des Grundbuchs nicht erlangen könnte (Aron
  Pfammatter, in Jolanda Kren Kostkiewicz et al. [Hrsg.], ZGB Kommentar, 2. A.,
  Art. 970 N. 5; Rey, S. 81).

  
	
   

  
	
  4.4.2 Im von der Beschwerdeführerin angerufenen BGE 132
  III 603 hatte das Bundesgericht die Frage zu beurteilen, ob eine Erbin
  Anspruch auf Mitteilung des für ein Grundstück bezahlten Kaufpreises hat,
  wenn der zukünftige Erblasser dieses Grundstück zu Lebzeiten auf Anrechnung
  an den Erbteil auf dessen Miterben übertragen hat, und diese das Grundstück
  anschliessend via Einbringung in eine Aktiengesellschaft an einen Dritten
  verkauft haben. Das Bundesgericht erwog, dass die Grundbucheinsicht der Erbin
  ermöglichen solle, den Kaufpreis der verkauften Grundstücke zu erfahren, mit
  dem Zweck, die Ausgleichungsklage, welche sie erheben wolle, beziffern zu können.
  Die Wahrung der Rechte der Erbin und die Existenz einer Erbanwartschaft würden
  eine genügende Grundlage für das in Art. 970 Abs. 1 ZGB geforderte
  Interesse darstellen. Unwesentlich sei dabei, dass die Erbin die verlangte
  Information im erbrechtlichen Verfahren erlangen könnte (E. 4.3.2). Dieser
  Entscheid wurde durch die Lehre teilweise kritisiert. Bemängelt wurde dabei
  insbesondere, dass das Bundesgericht ohne nähere Begründung ein
  schutzwürdiges Interesse für die Einsicht bejaht habe (Bettina Hürlimann-Kaup,
  Die privatrechtliche Rechtsprechung des Bundesgerichts in den Jahren 2006 und
  2007, in ZBJV 2009, S. 186 ff., 190; Michel Mooser, Le Tribunal fédérale
  ouvre davantage la porte du register foncier – Note sur l'ATF 132 III
  603, RFJ 2006, S. 155 ff., 156 f.; Jürg Schmid, Bemerkungen der
  Redaktion, in ZBGR 2008, S 89).

  
	
   

  
	
  Im BGE 109 II 208 führte
  das Bundesgericht aus, dass ein wirtschaftliches Interesse für die
  Einsichtnahme in das Grundbuch zwar genüge. Werde das Interesse aber auf wirtschaftliche
  Gründe gestützt, müsse noch dazukommen, dass dieses Interesse auch vor dem
  Hintergrund des Grundbuchzwecks und des vom Gesuchsteller mit der Einsichtnahme
  verfolgten Ziels Schutz verdiene. Dies treffe namentlich zu, wenn die Einsichtnahme
  in das Grundbuch der Wahrnehmung (auch künftiger) obligatorischer Rechte zu
  dienen vermöge. Dabei müssten Tatsachen vorgebracht werden, aus welchen sich
  eine aktuelle und nicht bloss mögliche Gefährdung solcher Rechte herleiten
  lasse oder welche zumindest deren aktuelle Gefährdung wahrscheinlich machten
  (E. 2). 

  
	
   

  
	
  In der kantonalen
  Rechtsprechung wird teilweise darauf hingewiesen, dass bei der Frage, ob ein
  glaubhaft gemachtes Interesse schutzwürdig ist, zu beachten sei, dass die
  Gesetzgebung die Öffentlichkeit des Grundbuchs mit der Teilrevision des
  Immobiliarsachenrechts wesentlich erweitert habe (Urteil des Kantonsgerichts
  Zug vom 25. Juni 2001, in ZBGR 2003, S. 17 ff., 21 f., mit Hinweis auf
  BGE 126 III 512; Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen vom 19. November 1997,
  in ZBGR 1997, S. 97 ff., 98 f.). Ein Teil der kantonalen Rechtsprechung mahnt
  jedoch zur Zurückhaltung, wenn Einsichtnahme in Belege begehrt wird, die
  schuldrechtliche Bestimmungen enthalten (Urteil des Kantonsgerichts St.
  Gallen BE.2013.28 vom 10. Dezember 2013 E. 2b, www.gerichte.sg.ch) oder
  schliesst die Einsicht in solche Belege aufgrund der Zweckbestimmung des
  Grundbuchs gänzlich aus (Urteil des Kantonsgerichts Schwyz vom 4. Juni
  1996, in SJZ 1998, S. 237 f.).

  
	
   

  
	
  4.5 

  
	
  4.5.1 Die Beschwerdeführerin beantragt Einsicht in die
  Rechtsgrundtitel, weil sie eine paulianische Anfechtungsklage nach Art. 288
  SchKG prüfen und vorbereiten möchte. Es gibt gute Gründe dafür, das Interesse
  der Beschwerdeführerin an der Einsichtnahme in die Belege als nicht
  schutzwürdig zu beurteilen. Zweck des Grundbuchs ist, Bestand und Wandel der
  dinglichen Rechte nach aussen kundzutun. Anders als bei Fahrnis genügt bei
  Grundstücken nämlich die blosse äussere Sachherrschaft (Besitz) noch nicht,
  um den an ihnen bestehenden Rechten die gewünschte Öffentlichkeit zu verleihen
  (Tuor, S. 853). Es lässt sich nun durchaus argumentieren, dass das
  Interesse der Beschwerdeführerin in keinem oder nur in einem sehr losen
  Verhältnis zum Grundbuchzweck steht und deshalb keinen Schutz verdient.
  Hingegen sticht das Argument nicht mehr, dass mit dem Einsichtsrecht in die
  Belege zwecks Vorbereitung eines Prozesses ein ausserprozessuales
  Editionsrecht geschaffen werde, welches das Prozessrecht nicht kenne
  (Bänziger-Compagnoni, S. 88 f.). Seit der Einführung der Schweizerischen
  Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008 (ZPO) ist eine vorsorgliche ausserprozessuale
  Beweisführung nämlich in Art. 158 ZPO gesetzlich vorgesehen. 

  
	
   

  
	
  4.5.2 Zu beachten ist sodann, dass das Bundesgericht in
  BGE 132 III 603 das Einsichtsrecht grosszügig handhabte. Wenn nun der
  Beschwerdegegner 2 davon ausgeht, dass dieser Entscheid auf den vorliegenden
  Sachverhalt keine Anwendung findet, geht er fehl. Es ist nämlich nicht
  ersichtlich, weshalb der pflichtteilsgeschützten Erbin, die eine
  erbrechtliche Ausgleichungsklage vorbereitet, mehr Rechte zustehen sollen als
  der Beschwerdeführerin, welche als Inhaberin einer rechtskräftigen Forderung
  und eines Verlustscheins eine paulianische Anfechtungsklage anstrebt
  (vgl. auch Deschenaux, S. 166). 

  
	
   

  
	
  Weiter ist bei der Frage,
  ob Einsicht in Belege gewährt werden soll, welche schuldrechtliche
  Bestimmungen enthalten, die Teilrevision des Immobiliarsachenrechts zu beachten,
  mit welcher sich der Gesetzgeber bewusst für mehr Transparenz hinsichtlich
  der Grundbucheinträge entschieden hat (BGE 126 III 512 E. 4). Auf den
  1. Januar 1994 wurde einerseits der voraussetzungslose Anspruch auf
  Auskunftserteilung über die Eigentumsverhältnisse an Grundstücken eingeführt.
  Anderseits wurden die Kantone ermächtigt, die Gegenleistung bei
  Eigentumsübertragungen zu veröffentlichen. Die Möglichkeit zur
  Veröffentlichung der Gegenleistung nach Art. 970a Abs. 1 ZGB dient dabei nicht
  dem Hauptzweck des Grundbuchs, nämlich der Bekanntmachung der dinglichen
  Rechte an einem Grundstück, sondern insbesondere auch wirtschaftlichen Zwecken.
  Wenn es nun aber den Kantonen erlaubt ist, die Gegenleistung bei Eigentumsübertragungen
  zu veröffentlichen, dürfen in Kantonen, welche von dieser Möglichkeit nicht
  Gebrauch machen, keine allzu hohen Anforderungen an das glaubhaft zu machende
  Interesse gestellt werden (so auch das Urteil des Kantonsgerichts
  St. Gallen vom 19. November 1997, in ZBGR 1999, S. 97 ff., 98 f.).
  Schliesslich legt auch der Wortlaut von Art. 970 Abs. 1 ZGB keine restriktive
  Auslegung des für das erweiterte Einsichtsrecht notwendigen Interesses nahe.
  So hat sich der Gesetzgeber bei der Teilrevision des Sachenrechts nicht für
  eine einschränkende Formulierung des glaubhaft zu machenden Interesses
  entschieden, obwohl ein solches noch für die weitergehende Einsichtnahme in
  das Grundbuch erforderlich ist.

  
	
   

  
	
  4.5.3 Aus den dargelegten Gründen rechtfertigt es sich,
  ein Interesse als schutzwürdig anzuerkennen, wenn wie vorliegend mit der
  beantragten Einsichtnahme in die Belege bezweckt wird, die Aussichten einer
  paulianischen Anfechtungsklage zu prüfen und eine solche Klage allenfalls in
  die Wege zu leiten. Die Beschwerdeführerin gelangt durch die Einsichtnahme zu
  einem persönlichen, aktuellen und konkreten Vorteil, den sie ohne
  Konsultation des Grundbuchs nur mit einem erheblichen zusätzlichen Aufwand erlangen
  könnte.

  
	
   

  
	
  Indem die
  Beschwerdeführerin nachweist, dass C.______ seinen Miteigentumsanteil an der
  Liegenschaft bereits einen Monat nach Kündigung des Darlehens seiner Frau übertragen
  hatte und diese die Liegenschaft in der Folge an die gemeinsame Tochter übertrug,
  welche die Liegenschaft nun zum Verkauf ausgeschrieben hat, bestehen hinreichende
  Indizien dafür, dass sich die Prüfung einer paulianischen Anfechtungsklage
  rechtfertigt. Die Beschwerdeführerin hat damit ihr Interesse glaubhaft
  gemacht.

  
	
   

  
	
  4.6 

  
	
  4.6.1 Wird ein schutzwürdiges Interesse glaubhaft gemacht,
  heisst dies aber noch nicht, dass die Einsicht in die Belege zu gewähren ist.
  Vielmehr bedarf es nach dem überwiegenden Teil der Rechtsprechung und Lehre
  einer Abwägung der Interessen des Gesuchstellers und der durch das
  Grundbuchamt zu wahrenden Interessen der von einer Einsichtnahme Betroffenen
  (BGE 132 III 603 E. 4.3.1; Pfammatter, Art. 970 N. 5; Rey, S. 81;
  Schmid, Basler Kommentar, Art. 970 N. 19 ff.).

  
	
   

  
	
  Den berechtigten Bedenken,
  dass Zurückhaltung geboten ist bei der Einsichtnahme in Belege, welche
  schuldrechtliche Bestimmungen enthalten, die mehr oder weniger persönlichkeitsbezogen
  sind und abseits der Publikation des Grundbuchs stehen, ist Rechnung zu
  tragen. Richtig verstanden betrifft dies aber nicht die Frage, ob ein geltend
  gemachtes Interesse schutzwürdig ist, sondern dies muss vielmehr bei der gewissenhaft
  vorzunehmenden Interessenabwägung berücksichtigt werden.

  
	
   

  
	
  4.6.2 Vorliegend ist bei der Interessenabwägung zu
  berücksichtigen, dass sich die Beschwerdeführerin aufgrund der konkreten
  Umstände durchaus zu Recht veranlasst sieht, zu prüfen, ob eine paulianische
  Anfechtungsklage zu erheben ist. Die Kenntnis über den Rechtsgrund der
  Eigentumsübertragungen und der allfälligen Gegenleistungen ermöglicht es ihr,
  die Chancen einer Anfechtungsklage abzuschätzen und eine solche allenfalls
  vorzubereiten. Damit kann sie sich einerseits einen erheblichen Aufwand ersparen,
  anderseits macht die Kundgabe möglicherweise auch aus prozessökonomischen
  Gründen Sinn; dies zumindest dann, wenn sie aufgrund der Einsichtnahme zum
  Schluss käme, dass der geplanten Anfechtungsklage kaum Erfolg beschieden sein
  dürfte. Der Umstand, dass sie die gewünschten Informationen im Rahmen des
  Klageverfahrens oder allenfalls aufgrund einer vorsorglichen Beweisführung
  gemäss Art. 158 ZPO erhalten könnte, spricht dabei nicht gegen eine
  Einsichtnahme (BGE 132 III 603 E. 4.3.2). Wie alle von einer Einsichtnahme
  passiv Betroffenen haben hingegen auch C.______, dessen Frau und dessen
  Tochter ein Interesse daran, dass der Beschwerdeführerin die anbegehrte
  Einsicht in die Belege verwehrt wird. Vorliegend ist aber zu beachten, dass
  es sich um Eigentumsübertragungen innerhalb der Familie handelt und keine
  ausserhalb des Familienbundes stehende Dritte von der Einsichtnahme betroffen
  sind. Zu berücksichtigen ist sodann, dass einige Indizien für das Vorliegen
  eines Tatbestands von Art. 288 SchKG bestehen, weshalb zumindest
  C.______ damit rechnen musste, dass die Beschwerdeführerin eine Absichtsanfechtung
  prüfen wird. 

  
	
   

  
	
  Unter Berücksichtigung der
  konkreten Umstände des vorliegenden Einzelfalls überwiegen die Interessen der
  Beschwerdeführerin an der Einsichtnahme in die Rechtsgrundausweise diejenige
  der von der Einsichtnahme passiv betroffenen ehemaligen und aktuellen
  Grundeigentümer.

  
	
   

  
	
  Dies führt zur Gutheissung
  der Beschwerde. Der Entscheid des Beschwerdegegners 2 vom
  11. November 2013 und die Verfügung des Beschwerdegegners 1 vom
  15. Juli 2013 sind aufzuheben. Der Beschwerdegegner 1 ist einzuladen,
  der Beschwerdeführerin innert 10 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids
  Einsicht in die Rechtsgrundausweise der beiden seit dem 1. Januar 2004
  erfolgten Handänderungen am Grundstück Parz.-Nr. […], Gemeinde X.______,
  zu gewähren.

  
	
   

  
	
  III. 

  
	
  1.

  
	
  Die Gerichtskosten sind
  ausgangsgemäss auf die Staatskasse zu nehmen (Art. 134 Abs. 1
  lit. c e contrario und Art. 135 Abs. 1 VRG). Der
  Beschwerdeführerin ist der von ihr geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von
  Fr. 2'000.- zurückzuerstatten.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Der durch den eigenen
  Rechtsdienst vertretenen Beschwerdeführerin ist keine Parteientschädigung
  zuzusprechen (Art. 138 Abs. 1 VRG e contrario).

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid des Beschwerdegegners 2
    vom 11. November 2013 und die Verfügung des Beschwerdegegners 1 vom
    15. Juli 2013 werden aufgehoben. Der Beschwerdegegner 1 wird
    eingeladen, der Beschwerdeführerin innert 10 Tagen nach Rechtskraft dieses
    Entscheids Einsicht in die Rechtsgrundausweise der beiden seit dem
    1. Januar 2004 erfolgten Handänderungen am Grundstück
    Parz.-Nr. […], Gemeinde X.______, zu gewähren.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen. Der Beschwerdeführerin
    ist der von ihr geleistete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'000.-
    zurückzuerstatten.

    
	
    3.

    	
    Eine
    Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an: 

    
	
     

    	
    […]