# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 33dbd622-9f8a-5094-bcea-1090aa470994
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.02.2012 D-1671/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1671-2011_2012-02-03.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­1671/2011
law/mah

U r t e i l   v om   3 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richterin Nina Spälti Giannakitsas, 
Richterin Claudia Cotting­Schalch,
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

Parteien A._______, Geburtsdatum unbekannt,
Afghanistan, 
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 17. Februar 2011 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer,  gemäss  eigenen  Angaben  ein  afghanischer 
Staatsangehöriger  und  ethnischer  Hazara  aus  der  Provinz  B._______, 
verliess  seinen  Heimatstaat  ungefähr  im  Mai  2010  und  reiste  am 
27. Oktober  2010  in  die  Schweiz  ein,  wo  er  gleichentags  um  Asyl 
nachsuchte.

B. 
Am  10. November  2010  erhob  das  BFM  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ)  Chiasso  die  Personalien  des 
Beschwerdeführers und befragte  ihn summarisch zum Reiseweg und zu 
den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes. Gleichzeitig äusserte 
es  ihm  gegenüber  seine  Zweifel  hinsichtlich  seiner  Altersangabe  und 
teilte ihm mit, dass es ihn für das weitere Verfahren nicht als minderjährig 
betrachte,  weil  er  keine  valablen  Gründe  für  das  Nichteinreichen  von 
Identitätspapieren  vorgebracht  und  inkohärente  Angaben  zu  seiner 
Biographie  und  seiner  schulischen  Laufbahn  gemacht  habe  sowie  sein 
physisches Erscheinungsbild dafür spreche, dass er volljährig sei. 

C. 
Am  12. November  2010  ging  beim  EVZ  in  Chiasso  ein  undatiertes 
ärztliches Schreiben von Dr. med. C._______ ein, dem zu entnehmen ist, 
dass eine radiologische Untersuchung der Hand des Beschwerdeführers 
durchgeführt wurde und der Arzt feststellte, dass das Knochenalter mehr 
als 18 Jahre betrage und deutlich vom angegebenen Alter von 16 Jahren 
und einem Monat abweiche.

D.  
Am  26. Januar  2011  hörte  das  BFM  den  Beschwerdeführer  zu  den 
Asylgründen an. Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er geltend, 
sein  Vater  sei  Lehrer  einer  Mädchenklasse  gewesen.  Sein  Onkel 
mütterlicherseits habe ihm (dem Beschwerdeführer) Ende März mitgeteilt, 
dass der Vater wegen seiner Arbeit von den Taliban  im März/April 2010 
bedroht worden  sei.  Ungefähr  am  17./18. April  2010  sei  sein  Vater  von 
den Taliban enthauptet worden. Als seine Mutter den enthaupteten Kopf 
gesehen habe, sei sie an einem Herzinfarkt gestorben. Sein Onkel habe 
von  verschiedenen  Leuten  erfahren,  dass  auch  er  (der 
Beschwerdeführer) und seine zwei Brüder von den Taliban mit dem Tod 
bedroht  würden.  Ein Nachbar  habe  ihm  dies  bestätigt.  Der Onkel  habe 
deshalb das Grundstück seiner Eltern verkauft und damit seine Ausreise 

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finanziert. Seine zwei  jüngeren Brüder seien mit dem Onkel und dessen 
Familie nach Pakistan geflohen. 

Der  Hilfswerksvertreter  hielt  im  Anhang  zum  Protokoll  fest,  dass  die 
Übersetzerin  der  Meinung  sei,  dass  der  Beschwerdeführer  viele 
schwierige Wörter nicht kenne, was die Frage des Bildungsgrads und der 
Minderjährigkeit des Beschwerdeführers aufwerfe.

E. 
Mit  Verfügung  vom  17. Februar  2011  –  eröffnet  am  18. Februar  2011 – 
stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch vom 27. Oktober 
2010  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers aus der Schweiz und forderte ihn – unter Androhung 
von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  auf,  die  Schweiz  bis  zum 
14. April 2011 zu verlassen.

F. 
Mit  Eingabe  vom  16. März  2011  (Datum  Poststempel)  erhob  der 
Beschwerdeführer  gegen  diesen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte,  die 
angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  ihm  Asyl  zu  gewähren. 
Eventualiter  sei  die  Verfügung  aufzuheben  und  die  Sache  zur 
Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  Subeventualiter  sei 
die  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
festzustellen  und  ihm  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  In 
verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte  er  zudem,  es  sei  ihm  die 
unentgeltliche  Rechtspflege  zu  bewilligen  und  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses zu verzichten.

G. 
Mit  Verfügung  vom  23. März  2011  teilte  die  Instruktionsrichterin  dem 
Beschwerdeführer  mit,  er  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der 
Schweiz  abwarten  und  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  werde  zu  einem  späteren  Zeitpunkt 
befunden.  Gleichzeitig  verzichtete  sie  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  und  stellte  die  Beschwerde  dem  BFM  zur 
Vernehmlassung zu.

H. 
In  seiner  Vernehmlassung  vom  24. März  2011  hielt  das  BFM  fest,  die 

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Beschwerdeschrift  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder 
Beweismittel,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigen 
könnten,  und  beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Die 
Vernehmlassung  wurde  am  29. März  2011  dem  Beschwerdeführer  zur 
Kenntnisnahme zugestellt.

I. 
Mit Verfügung vom 17. August 2011  lud der  Instruktionsrichter das BFM 
aufgrund der  veränderten Lage  in Afghanistan  unter Hinweis  auf BVGE 
2011/7 zu einem weiteren Schriftenwechsel ein.

J. 
Mit Verfügung vom 26. August 2011 hob das BFM die Ziffern 4 und 5 der 
Verfügung  vom  17. Februar  2011  auf  und  schob  den  Vollzug  der 
Wegweisung  wegen  Unzumutbarkeit  zu  Gunsten  einer  vorläufigen 
Aufnahme  auf.  Es  stellte  zudem  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  bei 
Aufhebung der vorläufigen Aufnahme die Schweiz – unter Androhung von 
Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – zu verlassen habe, und beauftragte 
den Kanton D._______ mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme.

K. 
Mit Verfügung vom 29. August 2011 ersuchte der  Instruktionsrichter den 
Beschwerdeführer  um  Mitteilung,  ob  er  die  Beschwerde  vom  16. März 
2011  zurückziehe,  und  hielt  fest,  dass  bei  ungenutzter  Frist  davon 
ausgegangen werde,  dass er  vollumfänglich  an  seinen Rechtsbegehren 
festhalte. Der Beschwerdeführer liess die Frist ungenutzt verstreichen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 

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Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. 
2.1.  Vorab  ist  die  Frage  der  Prozessfähigkeit  als 
Sachurteilsvoraussetzung  von  Amtes  wegen  zu  prüfen  (FRITZ  GYGI, 
Bundesverwaltungsrechtspflege,  2. Aufl.,  Bern  1983,  S. 73).  Als 
verfahrensrechtliches  Korrelat  der  Handlungsfähigkeit  ist  sie  nach  den 
einschlägigen  zivilrechtlichen  Vorschriften  zu  beurteilen  (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  1996  Nr. 3  E. 2b  S. 19).  Sie  setzt 
demnach  Urteilsfähigkeit,  Mündigkeit  und  das  Fehlen  einer 
Entmündigung  voraus  (Art. 13  und  17  des  Schweizerischen 
Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 [ZGB, SR 210] sowie Art. 35 
i. V. m.  Art. 20  Abs. 1  Bst. a  des  Bundesgesetzes  vom  18. Dezember 
1987 über das Internationale Privatrecht [IPRG, SR 291]).

2.2. Der Beschwerdeführer gab  im EVZ an, er sei am (...) geboren  (vgl. 
act. A1/11 S. 1). Ein Dokument, das seine Altersangabe hätte bestätigen 
können, vermochte er jedoch bis heute nicht vorzuweisen. Stellt man auf 
seine  Angabe  zum  Alter  ab,  wäre  der  Beschwerdeführer  bei  der 
Einreichung der vorliegenden Beschwerde vom 16. März 2011 rund  (…) 
Jahre  alt  und  damit  unmündig  gewesen.  Auch  heute  hätte  er  sein 
18. Lebensjahr noch nicht vollendet und wäre demnach nach wie vor als 
unmündig zu betrachten (vgl. Art. 14 ZGB). 

Ob  das  von  ihm  angegebene  Geburtsdatum  den  Tatsachen  entspricht, 
was das BFM in der Verfügung vom 17. Februar 2011 bezweifelt, braucht 
im  Rahmen  der  Prüfung  der  Eintretensvoraussetzungen  nicht 
abschliessend  erörtert  zu  werden.  Sollte  der  Beschwerdeführer 
tatsächlich  am  (...)  geboren  und  damit  heute  noch  minderjährig  sein, 
konnte  und  kann  er  sich  grundsätzlich  zwar  nur  mit  Zustimmung  des 
gesetzlichen  Vertreters  durch  seine  Handlungen  verpflichten  (Art. 19 
Abs. 1 ZGB). Soweit urteilsfähig, vermag er jedoch ohne Zustimmung des 
gesetzlichen Vertreters selbständig Rechte auszuüben, die ihm um seiner 

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Persönlichkeit willen zustehen (Art. 19 Abs. 2 ZGB). Das Einreichen eines 
Asylgesuches wie  auch  die Ergreifung  von  damit  zusammenhängenden 
Rechtsmitteln sind so genannt  "höchstpersönliche" Rechte, die ein nicht 
mündiger,  aber  urteilsfähiger  Gesuchsteller  ohne  Zustimmung  seines 
gesetzlichen  Vertreters  ausüben  kann  (vgl.  BVGE  E­3162/2011  Urteil 
vom  6. Dezember  2011  E.  4.3.2,  EMARK  1996  Nr. 3  E. 2  S. 19  ff., 
EMARK 1996 Nr. 5 E. 4a­b S. 39 ff., EMARK 1996 Nr. 4 E. 2d S. 28 f.). 
Urteilsfähig ist jeder, dem es nicht wegen seines Kindesalters oder infolge 
anderer Umstände an der Fähigkeit mangelt, vernunftgemäss zu handeln 
(Art. 16  ZGB).  Vorliegend  bestehen  aufgrund  der  Akten  keinerlei 
Anhaltspunkte,  die  zu  Zweifeln  an  der  Urteilsfähigkeit  des 
Beschwerdeführers  in Bezug auf das Einreichen des Asylgesuches oder 
auf  die  Erhebung  der  vorliegenden  Beschwerde  Anlass  geben  würden. 
Insbesondere  vermitteln  die  Befragungsprotokolle  in  den  Akten  den 
Eindruck, der Beschwerdeführer sei sich über den Sinngehalt der an ihn 
gerichteten  Fragen  im  Klaren  gewesen,  habe  sachbezogen  darauf 
geantwortet  und  sich  bei  der  Darlegung  seiner  Asylgründe  und 
persönlichen Verhältnisse jederzeit von vernünftigen Überlegungen leiten 
lassen.  Infolgedessen  ist  von  der  Urteilsfähigkeit  und  damit  von  der 
Prozessfähigkeit  des  Beschwerdeführers  auszugehen.  Der 
Beschwerdeführer  hat  sodann  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). 

2.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 
AsylG; Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 
die Beschwerde ist daher einzutreten.

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 17  Abs. 3  Bst. b  AsylG  müssen  die  zuständigen 
kantonalen  Behörden  für  unbegleitete  minderjährige  Asylsuchende 
unverzüglich eine Vertrauensperson, welche deren Interesse wahrnimmt, 
für die Dauer des Aufenthaltes in einer Empfangsstelle bestimmen, wenn 
dort  über  die  Kurzbefragung  gemäss  Art. 26  Abs. 2  AsylG  hinaus 
gehende entscheidrelevante Verfahrensschritte durchgeführt werden.

3.2. Obschon der Beschwerdeführer bei der Erhebung seiner Personalien 
im  EVZ  am  10. November  2010  als  Minderjähriger  ohne  gesetzliche 
Vertretung  in  Erscheinung  getreten  und  für  ihn  nicht  umgehend  eine 

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Vertrauensperson eingesetzt worden war, schritt das BFM am 26. Januar 
2011 zur Durchführung der Anhörung.

3.3. Was  die  Erhebung  der  Personalien  im  EVZ  sowie  der  in  dessen 
Rahmen durchgeführte, vorfrageweise Prüfung des Alters betrifft, so steht 
deren Durchführung ohne vorgängige Ernennung einer Vertrauensperson 
in  keinem  Widerspruch  zu  den  in  EMARK  1998  Nr. 13  E. 4b  S. 88 ff. 
entwickelten  Grundsätzen  betreffend  das  Verfahren  mit  unbegleiteten 
minderjährigen  Asylsuchenden.  Für  den  hypothetischen  Fall,  dass  der 
Beschwerdeführer  zum  damaligen  Zeitpunkt  tatsächlich  minderjährig 
gewesen sein sollte, kann  jedenfalls bei Angaben zu seiner Person und 
insbesondere diejenigen nach dem Alter, die Gefahr einer altersbedingten 
Überforderung ohne weiteres ausgeschlossen werden (vgl. EMARK 2004 
Nr. 30 E. 6.4.3 S. 213).

3.4. 
3.4.1.  Einer  differenzierteren  Betrachtung  bedarf  demgegenüber  die 
Frage, ob das BFM auch befugt war, die Anhörung gemäss Art. 29 AsylG 
durchzuführen,  ohne  dem  Beschwerdeführer  vorgängig  eine 
Vertrauensperson zu ernennen.

3.4.2.  Diesbezüglich  ist  festzustellen,  dass  das  BFM  bereits  anlässlich 
der  Erhebung  der  Personalien  des  Beschwerdeführers  im  EVZ  Zweifel 
bezüglich seiner Altersangaben äusserte. Es warf dem Beschwerdeführer 
vor,  er  habe  keine  entschuldbaren  Gründe  für  das  Nichteinreichen  von 
Identitätspapieren  geltend  gemacht  und  seine  Angaben  zu  seiner 
Biographie  und  seiner  schulischen  Laufbahn  seien  inkohärent.  Zudem 
erwecke sein äusseres Erscheinungsbild den Eindruck,  er  sei  volljährig. 
Es erachte ihn deshalb für das weitere Verfahren als volljährig und ordne 
ihm  keine  Vertrauensperson  zu.  Der  Beschwerdeführer  meinte  hierzu, 
dass seine Eltern ihm das Geburtsdatum und sein Alter mitgeteilt hätten. 
In  der  Verfügung  vom  17. Februar  2011  geht  das  BFM  von  der 
Volljährigkeit  des  Beschwerdeführers  aus  und  stützt  sich  bei  der 
Begründung  einerseits  auf  unterschiedliche  Altersangaben  und 
andererseits  auf  eine  Knochenaltersanalyse,  welche  angeblich  am 
10. November  2010  durchgeführt  worden  sein  soll  und  die 
Minderjährigkeit  des  Beschwerdeführers  nicht  bestätigt  habe.  Dem 
Beschwerdeführer  sei  hierzu  im  EVZ  das  rechtliche  Gehör  gewährt 
worden. 

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3.4.3. Die Ausführungen in der Verfügung treffen jedoch so nicht zu. Dem 
Beschwerdeführer  wurde  anlässlich  der  Befragung  im  EVZ  weder  das 
Ergebnis der Knochenaltersanalyse mitgeteilt, noch wurde ihm zu dieser 
das rechtliche Gehör gewährt. Fraglich ist, ob die Knochenaltersanalyse, 
wie  das  BFM  in  der  Verfügung  behauptet,  tatsächlich  schon  am 
10. November  2010  stattgefunden  hat.  Gemäss  Akten  hat  das  EVZ  in 
Chiasso  erst  am  10. November  2010  Dr.  med.  C._______  den  Auftrag 
erteilt beim Beschwerdeführer eine Knochenaltersanalyse durchzuführen 
(vgl.  act. A6/1).  Die  Ergebnisse  des  Arztes  sind  in  einem  undatierten 
Schreiben  festgehalten  worden,  welches  gemäss  Stempel  erst  am 
12. November  2010  beim  EVZ  in  Chiasso  eingegangen  ist  (vgl. 
act. A10/1).  Auch  aufgrund  einer  internen  Aktennotiz  (vgl.  act. A8/2)  ist 
davon  auszugehen,  dass  die  Knochenaltersanalyse  beim 
Beschwerdeführer  erst  im  Anschluss  an  die  Befragung  im  EVZ 
durchgeführt  worden  ist.  Das  Resultat  ergab  sodann  beim 
Beschwerdeführer  ein  Knochenalter  von  "mehr  als  18 Jahren".  Da  der 
Beschwerdeführer  selber  angab(  (…)  Jahre  und  (…)  Monate 
beziehungsweise  (…)  Jahre  und  (…)  oder  (…)  Monate  (vgl.  act. A1/11 
S. 1) alt zu sein, ergibt dies zum radiologisch festgestellten Knochenalter 
eine  Abweichung  von  weniger  als  drei  Jahren.  Angesichts  der 
Standardabweichung  zwischen  dem  wirklichen  Alter  und  dem 
Knochenalter  von  bis  zu  drei  Jahren  kann  daraus  allerdings  nicht 
abgeleitet  werden,  der  Beschwerdeführer  habe  über  sein  tatsächliches 
Alter  getäuscht  beziehungsweise  zu  täuschen  versucht  (vgl.  EMARK 
2005  Nr. 16  E. 2.3  S. 143,  EMARK  2001  Nr. 23  E. 4  S. 186).  Mithin  ist 
auch  die  Schlussfolgerung  des  Arztes  "Das  Knochenalter  weiche 
signifikant  vom  angegebenen  Alter  ab"  nicht  nachvollziehbar.  Das 
undatierte  Schreiben  von  Dr. med. C._______  erfüllt  sodann  auch 
inhaltlich die Minimalanforderungen an ein Gutachten nicht (vgl. EMARK 
2004  Nr. 31  E. 7.3  S. 225 f.).  Unter  diesen  Umständen  eignet  sich  die 
Knochenaltersanalyse  nicht,  um  Rückschlüsse  auf  das  Alter 
beziehungsweise die Volljährigkeit des Beschwerdeführers zu ziehen. 

3.4.4.  Was  die  Frage  des  Alters  des  Beschwerdeführers  betrifft, 
präsentiert sich die Aktenlage alsdann in der Tat derart, dass das BFM im 
Rahmen  einer  Gesamtbeurteilung  aufgrund  der  Aussagen  des 
Beschwerdeführers  anlässlich  der  Befragung  zu  seinem  Alter,  zu  den 
Ursachen seiner Papierlosigkeit und zu seinen nicht übereinstimmenden 
Angaben  betreffend  seiner  schulischen  Laufbahn  von  der 
Unglaubhaftigkeit der behaupteten Minderjährigkeit ausgehen durfte. Der 
Hilfswerksvertreter  hielt  zwar  im  Anschluss  an  die  Anhörung  auf  dem 

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Unterschriftenblatt  (vgl.  act. A18/15  S. 15)  fest,  dass  die  Übersetzerin 
meine,  der  Beschwerdeführer  kenne  viele  schwierige Wörter  nicht,  was 
die  Frage  des  Bildungsgrads  und  der  Minderjährigkeit  des 
Beschwerdeführers aufwerfe. Hierzu ist allerdings zu bemerken, dass die 
Übersetzerin  einen  anderen  Dialekt  als  der  Beschwerdeführer 
gesprochen  hat,  was  mit  ein  Grund  dafür  sein  könnte,  dass  er  einige 
Wörter  nicht  gekannt  hat  (vgl.  act. 18/15  S. 1  F1  und  S. 5  F37). 
Ergänzend  ist  anzufügen,  dass  der  Beschwerdeführer  sich  schon 
anlässlich der Befragung im EVZ am 10. November 2010 widersprüchlich 
zu  seinem  Alter  äusserte,  indem  er  einerseits  angab,  er  sei  am  (...) 
geboren worden und andererseits angab er sei  (…) Jahre und  (…) oder 
(…)  Monate  alt  (vgl.  act. A1/11  S. 1  Ziff. 1.5).  Erst  als  ihn  der 
Sachbearbeiter  darauf  aufmerksam  machte,  dass  seine  Angaben  nicht 
übereinstimmen  und  auch  nicht  mit  dem  angegebenen  Alter  von  (…) 
Jahren und ungefähr (…) Monaten im Zeitpunkt der Ausreise im Mai/Juni 
2010 korrespondieren, räumte er ein, dass er sich wohl getäuscht habe, 
als  er  angab,  er  sei  schon  (…)  Jahre  alt  (vgl.  act. A1/11  S. 2  Ziff. 3). 
Anlässlich  der  Anhörung  am  26. Januar  2011,  das  heisst  rund  zwei 
Monate später, gab er wiederum an, er vermute, er sei (…) Jahre alt (vgl. 
act. A18/15  S. 4  F32).  Auch  bezüglich  seiner  Schuljahre  machte  er 
unterschiedliche Angaben (vgl. act. A1/11 S. 3 Ziff. 8 und act. A18/15 S. 4 
F28­31).  Der  Beschwerdeführer  führte  sein  Problem  mit  den 
Jahreszahlen  auf  seine  schlechten  mathematischen  Fähigkeiten  zurück 
(vgl. act. A18/15 S. 4 F33). Diesbezüglich ist allerdings anzumerken, dass 
der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben immerhin sieben Jahre 
die Schule  besucht  hat  (vgl.  act. A1/11 S. 3  Ziff. 8,  A18/15 S. 4  F28  f.), 
weshalb  davon  auszugehen  ist,  dass  er  einerseits  sein  Alter  kennt  und 
andererseits einfache Subtraktionen beherrscht.

3.4.5.  Da  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  des  vorliegenden 
Beschwerdeverfahrens  nichts  vorgebracht  hat,  das  seine  Angaben  zu 
seinem Alter glaubhaft erscheinen liesse, besteht vor diesem Hintergrund 
für das Bundesverwaltungsgericht kein Anlass,  im Verzicht des BFM auf 
die  Ernennung  einer  Vertrauensperson  vor  der  Durchführung  der 
Anhörung gemäss Art. 29 AsylG am 26. Januar 2011 eine Verletzung des 
Anspruchs  auf  das  rechtliche  Gehör  zu  erblicken,  die  angefochtene 
Verfügung  mit  dieser  Begründung  zu  kassieren  und  die  Sache  zur 
Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen  (vgl.  EMARK  2004 
Nr. 30 E. 6.4.5 S. 214).

4. 

D­1671/2011

Seite 10

4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

4.3.  Glaubhaft  sind  die  Vorbringen  eines  Asylsuchenden  grundsätzlich 
dann,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel 
sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in 
wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich  sein oder der  inneren Logik 
entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung 
widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  die  gesuchstellende  Person 
persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall 
ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel 
abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder 
bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen 
auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes 
Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert. 
Glaubhaftmachung bedeutet  ferner –  im Gegensatz zum strikten Beweis 
– ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse 
Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers. 
Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die 
für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Asylsuchenden 
sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte 
Sichtweise abzustellen (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.).

5. 

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Seite 11

5.1.  Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  mit  der  Begründung  ab,  die 
Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftmachung  nicht  standhalten,  so  dass  ihre  Asylrelevanz  nicht 
geprüft werden müsse. 

Im  Einzelnen  führte  es  aus,  die  Vorbringen  seien  nicht  hinreichend 
begründet,  da  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  konkret,  detailliert 
und  differenziert  dargelegt  worden  seien.  Der  Beschwerdeführer  habe 
keine konkreten Angaben über die Bedrohungssituation machen können, 
obwohl  er  zu  diesem  Thema  in  beiden  Anhörungen  ausführlich  befragt 
worden  sei.  So  habe  er  erklärt,  von  seinem  Onkel  erfahren  zu  haben, 
dass  er  und  seine  beiden  Brüder  wegen  den  Taliban  bedroht  worden 
seien (vgl. act. A18/15 S. 3 und 5). Auf die Frage, wie und von wem denn 
sein  Onkel  von  den  Bedrohungen  erfahren  habe,  habe  der 
Beschwerdeführer  jedoch nur unpräzise Angaben machen können: Sein 
Onkel sei beim Einkaufen durch verschiedene Dörfer gelaufen und habe 
es so von verschiedenen Leuten erfahren (vgl. act. A18/15 S. 5 und 8). In 
Anbetracht der Logik des Handelns in einer solchen Situation hätte es ihn 
doch  interessieren  müssen,  genaueres  über  die  persönliche 
Bedrohungssituation beim Onkel zu erfragen, da es sich schliesslich um 
eine  sehr  ernst  zu  nehmende  Begebenheit  in  seinem  Leben  gehandelt 
habe,  die  ihn  letztendlich  dazu  bewogen  habe,  sein  Heimatland  zu 
verlassen. Dies gelte ebenfalls  für die Behauptung, dass die Bedrohung 
und  Ermordung  seines  Vaters  von  den  Taliban  ausgegangen  sei  (vgl. 
act. A18/15  S. 3,  A1/11  S. 5 f.).  Den  Akten  könne  jedoch  entnommen 
werden,  dass  es  zum  einen  bei  der  Ermordung  seines  Vaters  keine 
Zeugen  gegeben  habe  und  zum  andern  der  Beschwerdeführer  auch 
sonst keine Indizien genannt habe, die auf die Taliban hinweisen würden, 
womit ihm unterstellt werden könne, dass sich seine Behauptung lediglich 
auf eine Mutmassung stütze. Ebenso wenig habe er zu den Umständen 
der  Ermordung  seines  Vaters  Auskunft  geben  können.  So  habe  er 
angegeben, dass es irgendwo auf dem Weg vom Schulhaus nach Hause 
passiert sei (vgl. act. A18/15 S. 6). Aus den Akten gehe hervor dass der 
Beschwerdeführer  während  sieben  Jahren  diese  Schule  besucht  habe 
und  damit  täglich  diesen  dreissigminütigen  Fussmarsch  zwischen  der 
Schule und seinem Zuhause hinter sich gebracht habe. Deswegen könne 
davon ausgegangen werden,  dass er  die Gegend besser gekannt  habe 
und  demzufolge  den  Ort  und  die  Umstände  des  Geschehens  genauer 
hätte beschreiben müssen. Ausserdem sei es um den Tod seines Vaters 
– in dessen Folge der Beschwerdeführer am selben Tag auch noch seine 
Mutter  verloren  habe  –  und  damit  um  das  zentrale  Ereignis  gegangen, 

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welches  ursächlich  im  Zusammenhang  mit  seiner  Fluchtbegründung 
stehe.  Vor  diesem  Hintergrund  seien  seine  dürftigen  Angaben  nicht 
nachvollziehbar  und  somit  als  nicht  glaubhaft  zu  würdigen.  Im  Übrigen 
habe  sich  der  Beschwerdeführer  hinsichtlich  des  Datums,  an  welchem 
sein  Vater  ermordet  worden  sei,  in  Widersprüche  verwickelt,  indem  er 
anlässlich  der  Befragung  im EVZ  angegeben  habe,  es  sei  am  18. oder 
19. Mai  2010  geschehen  und  anlässlich  der  Anhörung  hingegen  der 
17. oder  18. April  2010  genannt  habe.  Auf  diesen  Widerspruch 
angesprochen,  habe  er  vorgebracht,  der Dolmetscher  im EVZ hätte  ihn 
wohl  falsch  verstanden  (vgl.  act. A18/15  S. 12).  Diese  Erklärung 
überzeuge  jedoch nicht, da dem Beschwerdeführer das  fertige Protokoll 
rückübersetzt worden sei und er mit seiner Unterschrift dessen Richtigkeit 
festgestellt  habe.  Hinzu  komme,  dass  er  weder  im  EVZ  noch  an  der 
zweiten Befragung das genaue Datum habe nennen können, obwohl es 
sich um ein einschneidendes Erlebnis  im Leben des Beschwerdeführers 
gehandelt  habe.  Die  Vorbringen  im  Zusammenhang  mit  der  Ausreise 
seines  Onkels  und  der  beiden  Brüder  nach  Pakistan  wären  ebenso 
unsubstantiiert  und  zweifelhaft.  So  habe  der  Beschwerdeführer  nicht 
schlüssig  begründen  können,  weshalb  sein  Onkel  ihn  nicht  auch  nach 
Pakistan  mitgenommen  und  ihn  stattdessen  alleine  mit  dem  Schlepper 
weggeschickt habe (vgl. act. A1/11 S. 6, A18/15 S. 10). Dieses Verhalten 
erscheine  insbesondere  vor  dem Hintergrund,  dass  sich  nach  dem Tod 
seiner Eltern  der Onkel  als  neues Familienoberhaupt  um  ihn  und  seine 
Brüder  gekümmert  habe  (vgl.  act. A18/15  S. 11),  nicht  nachvollziehbar. 
Dass  ihm  zudem  der  volle  Namen  der  Ehegattin  des  Onkels  nicht 
bekannt gewesen sei, und dass er keine Angaben darüber habe machen 
können,  in  welcher  Gegend  Pakistans  der  Onkel  mit  seiner  Familie 
gezogen  sei,  liessen  seine  Aussagen  zur  familiären  Situation  im 
Heimatland erst recht als fragwürdig zutage treten. Des Weiteren habe er 
im EVZ angegeben, am (...) geboren worden zu sein. Damit wäre er  im 
Zeitpunkt  des  Einreichens  des  Asylgesuchs  gerade  (…) Jahre  alt 
gewesen.  Die  am  10. November  2010  durchgeführte 
Knochenaltersanalyse  habe  aber  die  Minderjährigkeit  des 
Beschwerdeführers nicht bestätigen können. Dem Beschwerdeführer sei 
diesbezüglich  im  Rahmen  der  Befragung  im  EVZ  das  rechtliche  Gehör 
gewährt worden. Der Beschwerdeführer  habe  hierzu  erklärt,  dass  seine 
Eltern  ihm  gesagt  hätten,  wie  alt  er  sei  (vgl.  act. A1/11  S. 6  f.).  Zwei 
Monate  später  an  der  Anhörung  sei  er  erneut  zu  seinem  Alter  befragt 
worden. Dort habe er angegeben, (…) Jahre alt zu sein (vgl. act. A18/15 
S. 4.).  Diese  widersprüchlichen  Altersangaben  seien  somit  nicht 
glaubhaft,  weswegen  das  BFM  von  der  Volljährigkeit  des 

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Beschwerdeführers  ausgehe.  Aufgrund  der  widersprüchlichen  und 
unsubstantiierten Aussagen entstehe der Eindruck, dass es sich um eine 
konstruierte  Geschichte  handle,  die  der  Beschwerdeführer  nicht 
tatsächlich  erlebt  habe.  Es  sei  ihm  deshalb  nicht  gelungen,  die  geltend 
gemachte Verfolgung durch die Taliban überzeugend darzulegen.

5.2.  In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, das BFM 
übersehe bei dieser Einschätzung, dass der Beschwerdeführer noch sehr 
jung sei und er es gewohnt sei, einfach zu befolgen, was ihm aufgetragen 
worden sei. So wundere sich das BFM, dass er nicht mehr nachgefragt 
habe, wer  ihn  genau  bedroht  habe,  oder  dass  er  nicht  genauer wissen 
wollte,  wer  seinen  Vater  umgebracht  habe.  Das  BFM  nehme  wohl  an, 
sein  Onkel  hätte  ihm  eine  detaillierte  Information  überbracht,  wenn  er 
nachgefragt  hätte,  aber  das  sei  nicht  so.  Sein  Onkel  habe  sicher  die 
Namen der Personen und die genauen Umstände der Ermordung seines 
Vaters auch nicht gewusst. Das BFM nehme möglicherweise an, dass er 
aus  einer  gebildeten  Familie  stammen  müsse,  wenn  sein  Vater  Lehrer 
gewesen sei, aber das sei leider nicht so. Sein Vater sei eigentlich Bauer 
gewesen und sie hätten von der Landwirtschaft gelebt. Sein Vater habe 
aber nur Schreiben und Lesen können und sei ungefähr acht  Jahre zur 
Schule gegangen. Sie hätten zuhause nur zwei, drei Bücher gehabt. Der 
Vater habe als Lehrer gearbeitet, um etwas dazuzuverdienen. Sein Dorf 
sei  klein  und  habe  zwischen  40  bis  50  Häuser.  Sein  Vater  habe  nie 
Kontakt mit  internationalen Organisationen  gehabt,  nie  in  einer  grossen 
Stadt  gelebt,  keine  Fremdsprachen  sprechen  können,  sondern  sei  ein 
einfacher Mann gewesen. Er habe wenig mit  ihm gesprochen, da dieser 
keine Zeit dazu gehabt habe, weil er neben der Arbeit als Lehrer, ihr Land 
bewirtschaftet habe. Der Vater und er selber hätten sehr viel gearbeitet. 
Er sei nicht ein guter Schüler gewesen, da er Probleme in der Mathematik 
gehabt  habe.  Es  habe  sich  daher  mehr  gelohnt,  wenn  er  zu  Hause 
gearbeitet  habe,  als  weiter  in  die  Schule  zu  gehen.  Er  verstehe  auch 
nicht, warum ihn sein Onkel nicht mit nach Pakistan genommen habe. Er 
könne  nur  Vermutungen  anstellen,  wie  auch  über  die  genaueren 
Umstände der Ermordung seines Vaters. Dass er das genaue Datum der 
Ermordung nicht kenne, hänge damit  zusammen, dass er auf dem Feld 
gearbeitet  habe  und  nicht  nach  dem  Kalender  lebe.  Die  noch 
verbleibenden  Ungereimtheiten  seien  auf  sein  jugendliches  Alter 
zurückzuführen.  Aus  all  diesen  Gründen  seien  seine  Vorbringen 
nachvollziehbar  und  würden  die  Voraussetzungen  von  Art. 7  AsylG 
erfüllen.

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Seite 14

6. 
6.1.  Übereinstimmend  mit  der  Einschätzung  des  BFM  gelangt  das 
Bundesverwaltungsgericht  zur  Auffassung,  dass  der  Beschwerdeführer 
mit seinen in den Befragungen erteilten Auskünften in den für die Prüfung 
der  Flüchtlingseigenschaft  relevanten  Punkten  den  Anforderungen  des 
Glaubhaftmachens nicht zu genügen vermag.

6.2.  Wie  vom  BFM  zutreffend  festgestellt  wurde,  konnte  der 
Beschwerdeführer  keine  konkreten  Angaben  über  die 
Bedrohungssituation  machen.  Der  Darstellung  des  Beschwerdeführers 
zufolge  weiss  er  lediglich  vom  Hörensagen,  dass  er  und  seine  beiden 
Brüder  von den Taliban bedroht worden seien. Er  selber  hatte  aber nie 
persönlich  Kontakt  mit  den  Taliban  (vgl.  act. A18/15  S. 8  F74).  Der 
Beschwerdeführer  konnte  anlässlich  der Anhörung  auch  nicht  angeben, 
was die Taliban konkret androhten  (vgl. act. A18/15 S. 8 F72). Er weiss 
davon durch seinen Onkel, der es wiederum von Dritten erfahren haben 
soll  (vgl.  act. A18/15  S. 8  F72).  Diese  auf  Mutmassungen  basierenden 
Annahmen  betreffend  die  Bedrohung  der  Taliban  überzeugen  deshalb 
nicht.  Schliesslich  machte  der  Beschwerdeführer  keine 
übereinstimmenden  Angaben  zum  Zeitpunkt  des  Todes  der  Eltern.  So 
gab er anlässlich der Befragung im EVZ zunächst an, seine Eltern seien 
im  April/Mai  2010  gestorben  (vgl.  act. A1/11  S. 3).  Später  versuchte  er 
den Zeitpunkt einzugrenzen und gab an: "Er erinnere sich nicht genau, er 
denke es sei am 18. oder 19. Mai 2010 gewesen." (vgl. act. A1/11 S. 6). 
Demgegenüber  hatte  er  anlässlich  der  Anhörung  die  Frage  nach  dem 
Todesdatum  des  Vaters  ohne  zu  zögern  mit  dem  17./18. April  2010 
beantwortet  (vgl.  act. A18/15  S. 5  F46).  Selbst  wenn  der 
Beschwerdeführer  nicht  nach  dem  Kalender  leben  würde  und  die 
Abweichung  demnach  nicht  als  gravierend  zu  werten  wäre,  ist  doch 
bemerkenswert, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung auf 
einmal  keine  Unsicherheiten  betreffend  das  Todesdatum  des  Vaters 
zeigte.  Das  BFM  führte  ferner  zu  Recht  aus,  dass  die  Schilderungen 
hinsichtlich  der  Ermordung  seines  Vaters  unsubstantiiert  ausgefallen 
sind.  Anlässlich  der  Befragung  im EVZ  gab  er  an,  er  sei  auf  dem Feld 
gewesen  und  habe mit  einem Gleichaltrigen  gesprochen,  als  die  Leute 
den Körper seines Vaters nach Hause gebracht hätten. Seine Mutter, die 
Probleme mit dem Herzen habe, habe einen Infarkt gekriegt, als sie den 
abgetrennten Kopf gesehen habe und sei gestorben. Auch anlässlich der 
Anhörung  war  der  Beschwerdeführer  nicht  in  der  Lage  die  Ereignisse 
differenzierter  zu  schildern,  die  ihn  zur  Ausreise  bewogen  haben.  Aus 
seinen kurzen Sätzen geht weder hervor, wie er vom Tod seines Vaters 

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und seiner Mutter erfahren hat oder was er gefühlt hat, noch was mit den 
Leichen  seiner  Eltern  passiert  ist,  obwohl  ihm  das  BFM  immer  wieder 
Fragen  stellte,  die  es  ihm  ermöglicht  hätten,  frei  zu  schildern,  was  er 
konkret  erlebt  hat  (vgl.  act. A18/15  S. 3  F14­18).  Im  Gegensatz  dazu 
konnte er Wissensfragen, die grundsätzlich nichts mit den Bedrohungen 
der Taliban zu  tun hatten, wie beispielsweise Fragen nach dem Namen 
der  Schule  oder  dem  Schulvorsteher  mühelos  beantworten  (vgl. 
act. A18/15 S. 3  f. F19, F26). Dieses unterschiedliche Aussageverhalten 
zeigt  auf,  dass  Fragen,  zu  denen  der  Beschwerdeführer  die  Antwort 
kannte,  eigentlich  präzis  beantworten  konnte,  hingegen  hinsichtlich  der 
Ereignisse um die Ermordung seines Vaters und den Tod seiner Mutter 
nur  oberflächliche  und  schwammige  Ausführungen  machen  konnte. 
Insofern  in  der Beschwerde eingewendet wird,  diese Unsubstantiiertheit 
sei auf  sein  jugendliches Alter  zurückzuführen oder weil  er  stets befolgt 
habe,  was  ihm  aufgetragen  worden  sei,  ist  festzustellen,  dass  ein 
Jugendlicher  im  Alter  von  (…)  Jahren  oder  mehr  grundsätzlich  in  der 
Lage wäre, ein Ablauf eines Ereignisses detaillierter zu schildern, wenn er 
auf  tatsächlich  Erfahrenes  hätte  zurückgreifen  können.  Das 
Aussageverhalten  des  Beschwerdeführers  erweckt  hingegen  den 
Eindruck,  dass  die  Angaben  auf  einen  konstruierten  Sachverhalt  und 
nicht  auf  tatsächliche  Begebenheiten  beruhen.  Das  BFM  bezweifelte 
ferner  zu  Recht  die  Vorbringen  im  Zusammenhang  mit  der  Ausreise. 
Einerseits  ist  merkwürdig,  dass  der  Onkel  den  Beschwerdeführer  nicht 
mit  seinen  Brüdern  zusammen  zu  den  Verwandten  seiner  Frau  nach 
Pakistan  schickte,  und  ihm  stattdessen  die  Flucht  nach  Europa  mittels 
Verkaufs  von  Land  finanzierte;  andererseits  ist  nicht  nachvollziehbar, 
warum auch der Onkel mit seiner Familie flüchtete, obwohl dieser selbst 
gar nicht gefährdet gewesen wäre (vgl. act. A18/15 S. 11 F106). Aufgrund 
der  insgesamt  sehr  dürftigen  Angaben  des  Beschwerdeführers 
hinsichtlich der Bedrohung der Taliban und des Todes seines Vaters und 
der Mutter  sowie  die  realitätsfremden  Angaben  zu  seiner  Ausreise  und 
widersprechenden Aussagen hinsichtlich des Datums des Todes sind die 
Vorbringen des Beschwerdeführers als nicht glaubhaft zu erachten.

7. 
Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  keine 
asylrechtlich relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachweisen 
oder zumindest glaubhaft machen konnte und deshalb nicht als Flüchtling 
anerkannt  werden  kann.  Die  Vorinstanz  hat  somit  zu  Recht  die 
Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  verneint  und  sein 
Asylgesuch abgelehnt.

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Seite 16

8. 
8.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 

8.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, EMARK 2001 Nr. 21).

9. 
9.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländerinnen und Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und 
Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).  Gemäss  ständiger  Rechtsprechung  sind 
die genannten drei Bedingungen  für einen Verzicht  auf  den Vollzug der 
Wegweisung  alternativer  Natur.  Sobald  eine  davon  erfüllt  ist,  ist  der 
Vollzug  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit 
der  betroffenen  Person  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige 
Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  BVGE  2009/51  E. 5.4  S. 748;  EMARK  2006 
Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.).

9.2. Nachdem das BFM im Rahmen des Schriftenwechsels mit Verfügung 
vom 26. August 2011 die angefochtene Verfügung vom 17. Februar 2011 
teilweise  –  nämlich  den  Wegweisungsvollzug  betreffend  –  in 
Wiedererwägung  gezogen  und  die  vorläufige  Aufnahme  des 
Beschwerdeführers  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
angeordnet hat, ist das vorliegende Verfahren gegenstandslos geworden, 
soweit in der Beschwerde im Eventualbegehren beantragt wird, es sei die 
Unzulässigkeit  beziehungsweise  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme 
anzuordnen.  Die  Beschwerde  ist  mithin  insoweit  zufolge  Wegfalls  des 
Streitgegenstandes als gegenstandslos geworden abzuschreiben. Damit 
erübrigen  sich  weitere  Ausführungen  zur  Durchführbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs.

10. 
Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  es  dem  Beschwerdeführer 

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bezüglich der Frage der Anerkennung als Flüchtling, der Gewährung von 
Asyl  und  der  Anordnung  der Wegweisung  nicht  gelungen  ist,  darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  und  unvollständig  feststellt  und 
unangemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen, soweit sie 
nicht als gegenstandslos geworden abzuschreiben ist.

11. 
11.1.  Der  Beschwerdeführer  ist  im  vorliegenden  Verfahren  unterlegen, 
soweit er im Hauptbegehren die Aufhebung der Verfügung des BFM vom 
17. Februar  2011,  die  Asylgewährung  und  im  Eventualantrag  die 
Rückweisung  der  Sache  zur  Neubeurteilung  beantragte,  weshalb  er 
grundsätzlich  in  reduziertem  Umfang  kostenpflichtig  wird  (vgl.  Art. 63 
Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer beantragte  jedoch, es sei  ihm die 
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.

11.2. Gemäss Art. 65  Abs. 1  VwVG wird  eine Partei,  die  nicht  über  die 
erforderlichen Mittel verfügt, nach Einreichen der Beschwerde auf Antrag 
von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, wenn ihr Begehren nicht 
aussichtslos erscheint. Aus der eingegangenen Fürsorgebestätigung vom 
17. März  2011  geht  hervor,  dass  der Beschwerdeführer  zum damaligen 
Zeitpunkt  Sozialhilfeempfänger  war.  Dass  sich  daran  inzwischen  etwas 
geändert  haben  könnte,  kann  nicht  angenommen  werden,  da  der 
Beschwerdeführer  nach  wie  vor  keiner  Arbeit  nachzugehen  scheint. 
Mithin  ist  von  der  prozessualen  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers 
auszugehen.  Die  Beschwerde  erscheint  retrospektiv  bezogen  auf  den 
Zeitpunkt  ihrer Einreichung nicht als aussichtslos,  insoweit die vorläufige 
Aufnahme  beantragt  wurde,  weshalb  diesbezüglich  das  Gesuch  um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gutzuheissen  gewesen 
wäre.  Hinsichtlich  der  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  der 
Asylgewährung  wäre  die  Beschwerde  jedoch  bereits  im  Zeitpunkt  ihrer 
Einreichung  aufgrund  der  unsubstantiierten  Vorbringen  der 
Asylbegründung als aussichtslos zu erachten gewesen. Demnach ist das 
Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  abzuweisen 
und  dem  Beschwerdeführer  die  Kosten  des  Verfahrens  aufgrund  des 
teilweisen  Unterliegens  zur  Hälfte  beziehungsweise  im  Umfang  von 
Fr. 300.– aufzuerlegen.

11.3. Sodann sind bei einem gegenstandslos gewordenen Verfahren die 
Kosten  jener  Partei  aufzuerlegen,  deren  Verhalten  die 
Gegenstandslosigkeit  bewirkt  hat  (Art. 5  des  Reglements  vom 

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21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

11.4.  Im  vorliegenden  Fall  hat  das  BFM  die  Gegenstandslosigkeit  des 
Beschwerdeverfahrens durch die wiedererwägungsweise Anordnung der 
vorläufigen  Aufnahme  im  Rahmen  des  Schriftenwechsels  bewirkt.  Dem 
BFM  sind  jedoch  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  (Art. 64  Abs. 2 
VwVG).

12. 
Dem  Beschwerdeführer  wäre  –  soweit  die  Gegenstandslosigkeit  des 
Verfahrens  durch  das  BFM  bewirkt  wurde  –  für  die  ihm  erwachsenen 
notwendigen  Kosten  eine  Parteientschädigung  zuzusprechen  (Art. 15 
i. V. m. Art. 5 VGKE). Der Beschwerdeführer hat die Beschwerde selbst 
eingereicht.  Es  sind  ihm  mithin  keine  Kosten  aus  einer  Vertretung 
entstanden (vgl. Art. 9 Abs. 1 VGKE). Weitere notwendige Auslagen (vgl. 
Art. 13 VGKE), die dem Beschwerdeführer erwachsen sein könnten, sind 
aufgrund  der  Akten  nicht  ersichtlich.  Folglich  ist  ihm  keine 
Parteientschädigung zuzusprechen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos 
geworden abgeschrieben wird.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 300.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.

4. 
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

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