# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 64906b99-f9b9-51cb-8d90-f8fea719f0b2
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-11
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 11.07.2023 WBE.2021.307
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2021-307_2023-07-11.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

 

WBE.2021.307 / sp / we 
ZEMIS [***]; (E.2021.21)  

Art. 55 

 

Urteil vom 11. Juli 2023 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz 

Verwaltungsrichter Clavadetscher 

Verwaltungsrichterin Kiefer 

Gerichtsschreiberin Peter    

 

 
   

Beschwerde-

führer 1 

 A._____, von Kosovo,  

unentgeltlich vertreten durch MLaw Nils Haldemann, Rechtsanwalt, 

Bahnhofstrasse 42, 5401 Baden    

 

Beschwerde-

führerin 2 

 B._____, von Densbüren 

 

gegen 

 

  Amt für Migration und Integration Kanton Aargau, Rechtsdienst, 

Bahnhofplatz 3C, 5001 Aarau    

 

 
 

   

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend Erlöschen der Niederlassungs-

bewilligung und Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung; Familiennachzug 

 

Entscheid des Amtes für Migration und Integration vom 5. August 2021 

  

 - 2 - 

 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten: 

 

A. 

Der kosovarische Beschwerdeführer 1, geb. [...] 1981, reiste am 15. August 

1991 zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester in die Schweiz ein 

und wurde 1995 vorläufig aufgenommen (Akten des Amtes für Migration 

und Integration [MI-act.] 29, 84). Am 27. März 2000 wurde ihm eine 

Aufenthaltsbewilligung erteilt (MI-act. 33) und seit 28. November 2012 ist 

er im Besitz der Niederlassungsbewilligung (MI-act. 335). 

 

Der Beschwerdeführer 1 wurde in der Schweiz straffällig und erwirkte 2001 

drei Straferkenntnisse. Neben zwei Widerhandlungen gegen das Strassen-

verkehrsgesetz vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01), wofür der Be-

schwerdeführer 1 zusammengezählt mit Bussen von insgesamt Fr. 350.00 

bestraft wurde (MI-act. 66, 68), musste er zudem wegen versuchten Raubs 

mit einer Gefängnisstrafe von 30 Tagen und einer Busse von Fr. 600.00 

bestraft werden (MI-act. 73 ff.). In der Folge wurde der Beschwerdeführer 1 

mit Verfügung der Fremdenpolizei des Kantons Aargau (heute Amt für 

Migration und Integration Kanton Aargau [MIKA]) vom 19. Februar 2002 

ausländerrechtlich verwarnt (MI-act. 84 ff.). 

 

Am 7. Januar 2005 heiratete der Beschwerdeführer 1 die 1984 geborene 

Beschwerdeführerin 2, welche heute das Schweizer Bürgerrecht besitzt 

(MI-act. 117, 132, 172). Die Eheleute haben drei gemeinsame Kinder (geb. 

20. August 2004, geb. 6. Oktober 2008 und geb. 27. September 2011), wel-

che ebenfalls Schweizer Bürger sind (MI-act. 174, 433 f.). 

 

In den Jahren 2002 bis 2014 wurde der Beschwerdeführer 1 erneut straf-

fällig. Soweit aus den Akten ersichtlich, erwirkte er weitere neun Straf-

erkenntnisse, mehrheitlich wegen SVG-Delikten, wegen mehrfachen Be-

trugs und wegen Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz über die Aus-

länderinnen und Ausländer und über die Integration vom 16. Dezember 

2005 (Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20). Zusammenge-

zählt wurde er mit Geldstrafen von 75 Tagessätzen und Bussen von insge-

samt Fr. 3'380.00 bestraft (MI-act. 93, 137 f., 146 f., 159 ff., 165 ff., 199 ff., 

336 ff., 353 ff., 356 f., 358 ff.). 

 

Am 18. Dezember 2019 erfuhr das MIKA, dass sich der Beschwerdefüh-

rer 1 seit dem 20. Juli 2019 im Kosovo in Haft befand (MI-act. 417 ff.). Ge-

mäss Urteil des Amtsgerichts Peje vom 13. Januar 2020 wurde er wegen 

versuchten Totschlags seiner Ehefrau (Beschwerdeführerin 2) zu einer 

Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt und es wurde eine psychiatrische 

Zwangsbehandlung angeordnet (MI-act. 577 ff.). 

 

 - 3 - 

 

 

 

Das MIKA orientierte den Beschwerdeführer 1 mit Schreiben vom 7. Mai 

2020, dass seine Niederlassungsbewilligung wegen seines mehr als sechs-

monatigen Auslandaufenthalts von Gesetzes wegen erloschen sei und ge-

währte ihm das rechtliche Gehör (MI-act. 436 f.). Hierzu nahmen die Be-

schwerdeführenden mit Eingabe ihrer damaligen Vertreterin vom 20. Mai 

2020 Stellung (MI-act. 439 ff.). Mit Verfügung vom 29. Mai 2020 stellte das 

MIKA fest, dass die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers 1 

erloschen sei (MI-act. 496 ff.). 

 

B. 

Gegen die Verfügung des MIKA vom 29. Mai 2020 erhoben die Beschwer-

deführenden mit Eingabe ihrer damaligen Vertreterin vom 18. Juni 2020 

beim Rechtsdienst des MIKA (Vorinstanz) fristgerecht Einsprache (MI-

act. 505 ff.). 

 

Mit Verfügung vom 24. Juni 2020 stellte die Vorinstanz fest, dass der Be-

schwerdeführer 1 gestützt auf Art. 42 AIG und unter Vorbehalt allfälliger 

Erlöschensgründe nach Art. 51 AIG weiterhin einen Anspruch auf Erteilung 

einer Aufenthaltsbewilligung geltend machen könne und forderte ihn ent-

sprechend auf, ein Familiennachzugsgesuch einzureichen. Gleichzeitig 

wurde das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege abge-

wiesen (MI-act. 525 f.). Am 6. Juli 2020 liess die Beschwerdeführerin 2 

durch ihre damalige Vertreterin ein Familiennachzugsgesuch einreichen 

(MI-act. 529 ff.), welches die Vorinstanz zuständigkeitshalber an die 

Sektion Aufenthalt weiterleitete. Aufgrund dieses Familiennachzugs-

verfahrens sistierte die Vorinstanz das Einspracheverfahren (MI-act. 535 f., 

612 f.). Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (MI-act. 606 f., 616 f.) 

wies das MIKA mit Verfügung vom 5. Februar 2021 das Familiennachzugs-

gesuch ab und verweigerte dem Beschwerdeführer 1 die Einreise in die 

Schweiz (MI-act. 621 ff.). Dagegen liessen die Beschwerdeführenden mit 

Eingabe ihres Vertreters vom 2. März 2021 Einsprache bei der Vorinstanz 

erheben (MI-act. 632 ff.). In der Folge wurden die beiden Einsprachever-

fahren (betreffend Erlöschen der Niederlassungsbewilligung des Be-

schwerdeführers 1 und betreffend Familiennachzugsgesuch) vereinigt (MI-

act. 666 f.). 

 

Nachdem der Beschwerdeführer 1 Ende 2020 wieder in die Schweiz zu-

rückgekehrt und bei seiner Familie Wohnsitz genommen hatte, kam es am 

1. Juli 2021 zu einem Polizeieinsatz, da er gegenüber der ältesten Tochter 

gedroht hatte, seiner Ehefrau (Beschwerdeführerin 2) erneut etwas anzu-

tun (MI-act. 677 ff.). In der Folge wurde der Beschwerdeführer 1 offenbar 

festgenommen und in Untersuchungshaft versetzt (MI-act. 679, 712). Auf 

entsprechende Nachfrage der Vorinstanz bestätigte die Beschwerdeführe-

rin 2, dass sie trotz dieses Vorfalls am Familiennachzugsgesuch festhalte 

(MI-act. 680 f., 683). 

 

 - 4 - 

 

 

 

Am 5. August 2021 erliess die Vorinstanz folgenden Einspracheentscheid 
(act. 1 ff.): 
 

1. 
Die Einsprache des Einsprechers 2 vom 18. Juni 2020 gegen die Verfü-
gung der Sektion Aufenthalt vom 29. Mai 2020 wird abgewiesen. 
 
2. 
Die Einsprache der Einsprecher 1 und 2 vom 3. März 2021 gegen die Ver-
fügung der Sektion Aufenthalt vom 5. Februar 2021 wird abgewiesen. 
 
3. 
Das Dispositiv in der Verfügung der Sektion Aufenthalt vom 29. Mai 2020 
wird wie folgt ergänzt:  
 

"2. Das Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an A. wird 
abgelehnt. 

3. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird 
abgewiesen. 

4. Es wird eine Staatsgebühr von CHF 300.00 erhoben." 
 

4. 
Der Einsprecher 2 wird aus der Schweiz weggewiesen und er hat die 
Schweiz spätestens 60 Tage nach Rechtskraft dieses Einspracheent-
scheids zu verlassen. Danach kann die Wegweisung zwangsweise vollzo-
gen werden. 
 
5. 
Es werden keine Gebühren erhoben. 
 
6. 
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 
Auf die Begründung wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwä-
gungen eingegangen. 
 
C. 

Mit Eingabe seiner Vertreterin vom 31. August 2021 (Postaufgabe) erhob 

der Beschwerdeführer 1 beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

(Verwaltungsgericht) Beschwerde (act. 18 ff.) und ersuchte unter anderem 

um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Daraufhin wurde mit In-

struktionsverfügung vom 1. September 2021 sowohl der Unterzeichnende 

der Vertreterin als auch der Beschwerdeführer 1 selbst darauf aufmerksam 

gemacht, dass gemäss § 14 Abs. 3 des Gesetzes über die Verwaltungs-

rechtspflege vom 4. Dezember 2007 (Verwaltungsrechtspflegegesetz, 

VRPG; SAR 271.200) i.V.m. § 2 des Einführungsgesetzes zum Bundesge-

setz über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte vom 2. November 

2004 (EG BGFA; SAR 290.100) nur Anwältinnen oder Anwälte, die im kan-

tonalen Register eingetragen sind oder Freizügigkeit gemäss BGFA ge-

niessen, vor Verwaltungsgericht Parteien vertreten können. Da der Unter-

zeichnende der Vertreterin des Beschwerdeführers 1 offensichtlich nicht 

Rechtsanwalt und somit nicht befugt war, diesen vor Verwaltungsgericht zu 

 - 5 - 

 

 

 

vertreten, räumte der Instruktionsrichter dem Beschwerdeführer 1 eine 

kurze Frist bis zum 13. September 2021 zur Einreichung einer rechtsgültig 

unterzeichneten Beschwerde ein, unter Androhung des Nichteintretens im 

Unterlassungsfall (act. 33 f.). Gleichzeitig wurde gegen den Unterzeichnen-

den der Vertreterin wegen unerlaubter Ausübung des Anwaltsberufes Straf-

anzeige eingereicht (act. 35 f.). In der Folge erhob die Beschwerde-

führerin 2 mit Eingabe vom 11. September 2021 (Postaufgabe) im Namen 

beider Beschwerdeführenden beim Verwaltungsgericht Beschwerde und 

stellte folgende Anträge (act. 37 ff.): 

 

1. 
Die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 05.08.2021 
sei vollumfänglich aufzuheben. 
Folglich sei zu verzichten auf eine Verwarnung und Androhung des Wider-
rufs der Aufenthaltsbewilligung und der Wegweisung aus der Schweiz für 
mein Mann A.. 
 
2. 
Eventualität sei eine Massnahme anzuordnen bzw. eine Verwarnung aus-
zusprechen. 
 
3. 
die Angelegenheit sei zur weiteren Abklärung des Sachverhalts im Sinn 
der Erwägungen und zu einer neuen Entscheidung an das Migrationsamt 
zurückzuweisen. 
 
1. (richtig 4.) 
Alle Kosten- und Entschädigungsfolgen gehen zu Lasten der Vorinstanz. 

 

Die Begründung ergibt sich, soweit erforderlich, aus den nachstehenden 

Erwägungen. 

 

Mit Verfügung vom 13. September 2021 verzichtete der Instruktionsrichter 

des Verwaltungsgerichts einstweilen auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses und forderte die Beschwerdeführenden auf, bis zum 4. Oktober 

2021 über die aktuelle Situation des Beschwerdeführers 1 Auskunft zu 

geben (act. 55 f.). Die Vorinstanz beantragte unter Festhaltung an ihren 

Erwägungen die Abweisung der Beschwerde und reichte aufforderungsge-

mäss die Akten ein (act. 57a). Nachdem die Beschwerdeführerin 2 die ein-

geschrieben gesandte Verfügung vom 13. September 2021 nicht abgeholt 

hatte, wurde ihr diese mit gewöhnlicher Post zugestellt (act. 57b). 

 

Am 1. Oktober 2021 reichte die Vorinstanz den Vollzugsauftrag des Amtes 

für Justizvollzug vom 27. September 2021 zu den Akten. Danach befand 

sich der Beschwerdeführer 1 seit dem 20. September 2021 im vorzeitigen 

Massnahmenantritt im Zentralgefängnis Lenzburg. Am 22. September 

2021 wurde er in der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie 

in R. sowie in der Erwachsenenforensik der Universitären Psychiatrischen 

Klinik S. zur Aufnahme angemeldet (act. 58). 

 - 6 - 

 

 

 

 

Mit Eingabe vom 30. September 2021 (Eingang: 4. Oktober 2021) nahm 

die Beschwerdeführerin 2 Stellung zur aktuellen Situation des Beschwer-

deführers 1 und teilte mit, der Beschwerdeführer 1 befinde sich aktuell in 

Lenzburg in Untersuchungshaft, obschon er ihrer Auffassung nach eigent-

lich in eine psychiatrische Einrichtung gehöre (act. 62 ff.). Einem durch die 

Vorinstanz eingereichten Vollzugsauftrag vom 9. Dezember 2021 ist zu ent-

nehmen, dass sich der Beschwerdeführer 1 seit dem 31. Dezember 2021 

gestützt auf Art. 59 StGB im vorzeitigen Antritt einer stationären therapeu-

tischen Massnahme in der Klinik für Forensische Psychiatrie M. in R. 

befindet mit einer provisorischen Höchstdauer der Massnahme bis 

20. September 2026 (act. 73 ff.). 

 

Die Beschwerdeführerin 2 erkundigte sich mit Eingabe vom 14. April 2022 

nach dem Verfahrensstand (act. 83). Das Verwaltungsgericht teilte ihr 

daraufhin mit Schreiben vom 28. April 2022 mit, es sei infolge der hohen 

Geschäftslast im Moment nicht möglich, auf ein bestimmtes Datum hin 

einen Entscheid in Aussicht zu stellen (act. 85). 

 

Nachdem das Verwaltungsgericht von einem am Obergericht hängigen 

Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer 1 Kenntnis nahm, wurde das 

Verfahren vor Verwaltungsgericht mit Verfügung vom 7. September 2022 

bis zum rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens sistiert (act. 91 f.). 

 

Mit Eingabe vom 14. November 2022 wurde die neue Rechtsvertretung des 

Beschwerdeführers 1 angezeigt (act. 93 ff.). Das Bezirksgericht Aarau ord-

nete mit Entscheid vom 24. November 2022 eine kombinierte Beistand-

schaft für den Beschwerdeführer 1 an (act. 99 ff.). Der Rechtsvertreter des 

Beschwerdeführers 1 ersuchte mit Eingabe vom 11. Januar 2023 um Ge-

währung der unentgeltlichen Rechtspflege (act. 107 ff.). 

 

Nachdem das Obergericht das Verwaltungsgericht telefonisch über die Ab-

schreibung des Berufungsverfahrens zufolge Rückzugs der Berufung 

orientiert hatte, wurde die Sistierung des Verfahrens mit Verfügung vom 

30. Januar 2023 aufgehoben und die Strafabteilung des Obergerichts um 

Zustellung sämtlicher Strafakten ersucht (act. 177 ff.). Aus den Akten geht 

hervor, dass der Beschwerdeführer 1 mit Urteil des Bezirksgerichts Laufen-

burg vom 3. Dezember 2021 wegen mehrfacher Misswirtschaft, mehr-

fachen Unterlassens der Buchführung und wegen Betrugs zu einer Frei-

heitsstrafe von 18 Monaten verurteilt wurde (Akten des Obergerichts des 

Kantons Aargau SST.2021.280). 

 

Gemäss interner Abklärungen des Verwaltungsgerichts wurde im Sommer 

2022 am Bezirksgericht Aarau ein Strafverfahren gegen den Beschwerde-

führer 1 wegen Drohung und Verletzung der Fürsorge und Erziehungs-

pflichten zum Nachteil der Ehefrau und der gemeinsamen Kinder eröffnet. 

 - 7 - 

 

 

 

Mit Verfügung vom 28. April 2023 wurde das Bezirksgericht Aarau (Straf-

gericht) um Zustellung sämtlicher Strafakten ersucht. Gleichzeitig bewilligte 

der Instruktionsrichter das Gesuch des Beschwerdeführers 1 um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren und 

setzte seinen Anwalt als unentgeltlichen Rechtsvertreter ein (act. 182 ff.). 

 

Nach Eingang der Strafakten nahm das Verwaltungsgericht Kenntnis vom 

Urteil des Bezirksgerichts Aarau vom 11. August 2022, wonach der Be-

schwerdeführer 1 wegen Drohung gegenüber seiner Ehefrau (Beschwer-

deführerin 2) und wegen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht 

zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten verurteilt und gestützt auf 

Art. 63 Abs. 3 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 

1937 (StGB; SR 311.0) eine ambulante Massnahme mit stationärer Be-

handlung für die Dauer von zwei Monaten angeordnet wurde (Akten des 

Bezirksgerichts Aarau ST.2022.20). 

 

Am 2. Juni 2023 liess der Beschwerdeführer 1 eine weitere Eingabe zu den 

Akten reichen (act. 185 ff.). 

 

Das Verwaltungsgericht hat den Fall auf dem Zirkularweg entschieden (vgl. 

§ 7 des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 6. Dezember 2011 [GOG; 

SAR 155.200]). 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

 

I. 

1. 

Einspracheentscheide des Rechtsdiensts des MIKA können innert 30 Ta-

gen seit Zustellung mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht weiterge-

zogen werden (§ 9 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht 

vom 25. November 2008 [EGAR; SAR 122.600]). Beschwerden sind 

schriftlich einzureichen und müssen einen Antrag sowie eine Begründung 

enthalten; der angefochtene Entscheid ist anzugeben, allfällige Beweismit-

tel sind zu bezeichnen und soweit möglich beizufügen (§ 2 Abs. 1 EGAR 

i.V.m. § 43 VRPG).  

 

Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid 

der Vorinstanz vom 5. August 2021. Die Zuständigkeit des Verwaltungsge-

richts ist somit gegeben. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist daher einzutreten. 

 

2. 

Unter Vorbehalt abweichender bundesrechtlicher Vorschriften oder 

Bestimmungen des EGAR können mit der Beschwerde an das Verwal-

tungsgericht einzig Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung 

 - 8 - 

 

 

 

oder Missbrauch des Ermessens, und unrichtige oder unvollständige Fest-

stellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. Die Ermes-

sensüberprüfung steht dem Gericht jedoch grundsätzlich nicht zu (§ 9 

Abs. 2 EGAR; vgl. auch § 55 Abs. 1 VRPG). Schranke der Ermessensaus-

übung bildet das Verhältnismässigkeitsprinzip (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, 

in: MARTINA CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR [Hrsg.], 

Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen 

und Ausländer [AuG], Bern 2010, N. 7 zu Art. 96 mit Hinweisen). In diesem 

Zusammenhang hat das Verwaltungsgericht gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung insbesondere zu klären, ob die Vorinstanz die gemäss 

Art. 96 AIG relevanten Kriterien (öffentliche Interessen, persönliche Ver-

hältnisse, Integration) berücksichtigt hat und ob diese rechtsfehlerfrei ge-

wichtet wurden (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, a.a.O., N. 9 zu Art. 96). 

Schliesslich ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu entscheiden, ob 

die getroffene Massnahme durch ein überwiegendes öffentliches Interesse 

gerechtfertigt erscheint (sog. Verhältnismässigkeit im engeren Sinn). 

 

3. 

Der vorliegenden Beschwerde kommt gemäss § 46 VRPG von Gesetzes 

wegen aufschiebende Wirkung zu und diese wurde vorinstanzlich auch 

nicht entzogen, weshalb sich weitere Ausführungen hierzu erübrigen. 

 

II. 

1. 

1.1. 

Die Vorinstanz hält in ihrem Einspracheentscheid vom 5. August 2021 zu-

nächst fest, der Beschwerdeführer 1 habe sich seit Juli 2019 im Kosovo in 

Haft befunden und sei der Beschwerdeführerin 2 zufolge im November 

2020 wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Entsprechend sei die Nieder-

lassungsbewilligung des Beschwerdeführers 1 wegen seiner länger als 

sechs Monate dauernden Abwesenheit und unabhängig von Motiven für 

die Auslandabwesenheit bzw. von Absichten des Beschwerdeführers 1 

erloschen. Ein Gesuch um Aufrechterhaltung der Niederlassungs-

bewilligung sei nie gestellt worden. 

 

Weiter habe der Beschwerdeführer 1 grundsätzlich gestützt auf Art. 42 

Abs. 1 AIG einen Anspruch auf Familiennachzug. Mit Urteil des Amts-

gerichts Peje vom 13. Januar 2020 sei er allerdings wegen versuchten Tot-

schlags zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt worden, welche 

zugunsten einer stationären psychiatrischen Therapie aufgeschoben wor-

den sei. Da die verhängte Freiheitsstrafe lediglich ein Jahr betrage, seien 

die Voraussetzungen der längerfristigen Freiheitsstrafe gemäss Art. 63 

Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG, wonach eine Freiheitsstrafe von 

über einem Jahr vorausgesetzt werde, zwar nicht erfüllt. Allerdings sei auch 

eine Massnahme aufgrund einer psychischen Störung angeordnet worden. 

Gemäss Bericht des Krankenhausdienstes und Universitätsklinikums des 

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Kosovo vom 22. Juni 2020 sei die Leistungsfähigkeit zu Denken und zu 

Handeln im Zeitpunkt der Tat wesentlich vermindert (nicht funktionsfähig) 

gewesen. Ziel der Behandlung sei die Vermeidung weiterer Straftaten 

durch den Beschwerdeführer 1 gewesen. Die Vorinstanz erachtete die an-

geordnete Behandlung in Sinn, Zweck und Ausgestaltung mit einer Mass-

nahme nach Art. 59 StGB als vergleichbar und bewertete diese folglich als 

eine Massnahme im Sinn von Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG. In Übereinstimmung 

mit den Ausführungen des MIKA sei der Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 

lit. a i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG erfüllt. Selbst wenn dieser Widerrufs-

grund verneint würde, wäre der subsidiär anwendbare Widerrufsgrund von 

Art. 63 Abs. 1 lit. b AIG wegen gravierender Straffälligkeit zu bejahen. 

 

Im Zusammenhang mit der Verhältnismässigkeitsprüfung führte die 

Vorinstanz aus, mit Blick auf das Strafmass und die Art des Delikts sei auf 

ein grosses bis sehr grosses öffentliches Interesse an der Fernhaltung des 

Beschwerdeführers 1 zu schliessen. Auch entspreche das strafbare Ver-

halten des Beschwerdeführers 1 einer Anlasstat nach Art. 66a Abs. 1 lit. a 

StGB, welche bei einer Verurteilung durch ein schweizerisches Strafgericht 

den sofortigen Verlust des ausländerrechtlichen Status und ein Einreise-

verbot von fünf bis 15 Jahren zur Folge hätte. Dies führe zu einer zusätz-

lichen Erhöhung des Fernhaltungsinteresses. Darüber hinaus sei der Be-

schwerdeführer 1 wiederholt und teilweise gravierend straffällig geworden. 

Am 1. Juli 2021 sei es sodann zu einem erneuten polizeilichen Vorfall 

(Drohung) gekommen. Vor diesem Hintergrund könne nicht von einer guten 

Prognose ausgegangen werden. Insgesamt sei somit von einem sehr 

grossen öffentlichen Interesse an der Bewilligungsverweigerung auszu-

gehen. Demgegenüber sei das private Interesse des Beschwerdeführers 1 

an einem weiteren Verbleib in der Schweiz aufgrund seiner schlechten In-

tegration gemessen an seiner langen hiesigen Aufenthaltsdauer als mittel 

einzustufen. Die familiäre Situation des Beschwerdeführers 1 führe zu einer 

Erhöhung des privaten Interesses, weshalb insgesamt auf ein grosses 

privates Interesse an der Wiederzulassung des Beschwerdeführers 1 zu 

schliessen sei. Die Ablehnung des Familiennachzugsgesuchs sei folglich 

verhältnismässig. Des Weiteren würden auch der erleichterten Wiederzu-

lassung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. k AIG und der Erteilung einer Härtefall-

bewilligung gemäss Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG überwiegende öffentliche Inte-

ressen entgegenstehen. 

 

Die Verweigerung des Aufenthalts in der Schweiz führe zu einem Eingriff 

in den Anspruch auf Achtung des Familienlebens nach Art. 8 Ziff. 1 der 

Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 

4. November 1950 (EMRK; SR 0.101), welcher aufgrund des überwiegen-

den öffentlichen Interesses indessen gerechtfertigt sei. Ein Eingriff in das 

ebenfalls geschützte Privatleben sei mangels überdurchschnittlicher In-

tegration des Beschwerdeführers 1 in beruflicher oder gesellschaftlicher 

Hinsicht auszuschliessen, liesse sich im Übrigen allerdings ebenfalls durch 

 - 10 - 

 

 

 

das überwiegende öffentliche Interesse rechtfertigen. Eine vorläufige Auf-

nahme wegen Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit des Wegweisungsvoll-

zugs falle wegen der angeordneten strafrechtlichen Massnahme im Sinne 

von Art. 59 StGB sodann ausser Betracht. Schliesslich seien keine völker-

rechtlichen Verpflichtungen ersichtlich, welche einer Ausreise des Be-

schwerdeführers 1 in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat ent-

gegenstehen würden. 

 

1.2. 

Die Beschwerdeführenden sind demgegenüber der Auffassung, dass kein 

überwiegendes öffentliches Interesse bestehe, dem Beschwerdeführer 1 

den Aufenthalt in der Schweiz zu verweigern. Eine Ablehnung des Fami-

liennachzugsgesuchs wäre nicht verhältnismässig. Die Beschwerde-

führerin 2 ist der festen Überzeugung, dass für sie und die Kinder keine 

Gefahr bestehe, wenn der Beschwerdeführer 1 nach seiner Haftentlassung 

wieder zu ihnen zurückkehre. Die vom Beschwerdeführer 1 begangene 

Straftat im Kosovo sowie die Tat vom Juli 2021 habe er nicht mit Absicht 

begangen. Diese Taten stünden mit der Krankheit des Beschwerde-

führers 1 im Zusammenhang, welche behandelt werden müsse, inklusive 

der hierfür passenden Medikamente in korrekter Dosierung. Sodann sei zu 

beachten, dass die Beschwerdeführerin 2, als Opfer dieser Taten, davon 

überzeugt sei, der Beschwerdeführer 1 stelle keine Gefahr für sie dar. Sie 

und die gemeinsamen Kinder würden sich trotz dieser Taten ein gemein-

sames Familienleben in der Schweiz wünschen. Hinzu komme, dass es 

sich bei der Tat im Kosovo um die erste vom Beschwerdeführer 1 be-

gangene Tat handle und diese keine langfristige Freiheitsstrafe nach sich 

gezogen habe. Weiter bestehe ein sehr gewichtiges privates Interesse des 

Beschwerdeführers 1 an einem Verbleib in der Schweiz. So lebe er seit 

30 Jahren in der Schweiz, habe hier die Schule besucht, einen Freundes-

kreis aufgebaut und seine Ausbildung absolviert. Er sei in der Schweiz 

sprachlich und sozial bestens integriert und pflege hier das Ehe- und Fami-

lienleben. Zu seinen Kindern habe er eine enge emotionale Bindung und er 

sei nebst der Beschwerdeführerin 2 deren wichtigste Bezugsperson. So-

dann wäre es für ihn mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, sich im 

Kosovo zu integrieren, zumal er die albanische Sprache nur rudimentär be-

herrsche und auch mit den kulturellen Gepflogenheiten des Landes nicht 

vertraut sei. Seine Mutter und Geschwister würden ebenfalls in der Schweiz 

leben. Die Beschwerdeführerin 2 sowie die gemeinsamen Kinder besässen 

das Schweizer Bürgerrecht und seien hier verwurzelt, weshalb sie sich ein 

Leben im Kosovo nicht vorstellen könnten. 

 

2. 

2.1. 

Gemäss Art. 61 Abs. 2 AIG erlischt die Niederlassungsbewilligung nach 

sechs Monaten, wenn die ausländische Person die Schweiz verlässt, ohne 

sich abzumelden; auf Gesuch hin kann die Niederlassungsbewilligung 

 - 11 - 

 

 

 

während vier Jahren aufrechterhalten werden. Ein ununterbrochener Aus-

landaufenthalt während mehr als sechs Monaten stellt einen zwingenden 

Erlöschensgrund dar. Der Grund für die Dauer der Landesabwesenheit ist 

unerheblich; selbst das unfreiwillige Verweilen im Ausland – z.B. wegen 

Krankheit oder Freiheitsentzugs – lässt die Bewilligung erlöschen. Immer-

hin kann die betroffene Person ein Begehren um Verlängerung der Er-

löschensfrist stellen (Urteil des Bundesgerichts 2C_512/2013 vom 17. Feb-

ruar 2014, Erw. 2 mit Hinweisen; SILVIA HUNZIKER, in: CARONI/GÄCHTER/ 

THURNHERR, a.a.O., N. 20 zu Art. 61; ANDREAS ZÜND/ARTHUR BRUNNER, 

Beendigung der Anwesenheit, Entfernung, Fernhaltung, in: PETER 

UEBERSAX/BEAT RUDIN/THOMAS HUGI YAR/THOMAS GEISER/LUZIA VETTERLI 

[Hrsg.], Handbücher für die Anwaltspraxis, Band VIII, Ausländerrecht, 

3. Aufl., Basel 2022, Rz. 10.12). 

 

2.2. 

Aktenkundig und unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer 1 am 20. Juli 

2019 im Kosovo inhaftiert und mit Urteil des Amtsgerichts Peje vom 13. Ja-

nuar 2020 zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und einer psychiatri-

schen Zwangsbehandlung verurteilt wurde (siehe vorne lit. A). Gemäss den 

Angaben der Beschwerdeführenden in der Eingabe vom 23. Oktober 2020, 

wurde der Beschwerdeführer 1 am 24. September 2020 aus der Haft ent-

lassen und hielt sich danach weiter im Kosovo auf (MI-act. 616). Die Be-

schwerdeführerin 2 gab zudem anlässlich ihrer polizeilichen Befragung am 

1. Juli 2021 betreffend häuslicher Gewalt zu Protokoll, der Beschwerdefüh-

rer 1 sei vor rund sieben Monaten – somit Ende 2020 bzw. Anfang 2021 – 

zurück in die Schweiz gekehrt (MI-act. 671 ff.). Der Beschwerdeführer 1 

stellte überdies, nachdem ihm bewusst geworden war, dass er sich für 

mehr als sechs Monate im Ausland aufhalten würde, auch kein Gesuch um 

Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligung. Aufgrund seines über 

einjährigen Auslandsaufenthalts und des Umstandes, dass er nicht um Auf-

rechterhaltung seiner Niederlassungsbewilligung ersucht hatte, ist seine 

Niederlassungsbewilligung erloschen. Daran ändert nichts, dass der Auf-

enthalt im Kosovo unfreiwillig erfolgte. 

 

2.3. 

Im Folgenden ist zu prüfen, ob das MIKA dem Beschwerdeführer 1 die Er-

teilung einer neuen Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennach-

zugs zu Recht verweigert hat. 

 

3. 

3.1. 

Ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jahren von Schweize-

rinnen und Schweizern haben Anspruch auf Erteilung und Verlängerung 

einer Aufenthaltsbewilligung, sofern sie mit diesen zusammenwohnen 

(Art. 42 Abs. 1 AIG). Die Ansprüche nach Art. 42 AIG erlöschen unter an-

 - 12 - 

 

 

 

derem, wenn die ausländische Person zu einer längerfristigen Freiheits-

strafe verurteilt oder gegen sie eine strafrechtliche Massnahme im Sinne 

von Art. 59–61 oder 64 StGB angeordnet wurde (Art. 51 Abs. 1 lit. a i.V.m. 

Art. 63 Abs. 1 lit. a und Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG). Von einer längerfristigen 

Freiheitsstrafe im erwähnten Sinne ist praxisgemäss immer dann auszuge-

hen, wenn die betroffene Person zu einer Freiheitsstrafe von mehr als 

einem Jahr verurteilt wurde (BGE 135 II 377, Erw. 4.2; Entscheid des Ver-

waltungsgerichts WBE.2011.1073 vom 27. März 2013, Erw. II/2.2), wobei 

unerheblich ist, ob die Strafe bedingt, teilbedingt oder unbedingt zu voll-

ziehen ist (BGE 139 I 31, Erw. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_515/2009 

vom 27. Januar 2010, Erw. 2.1). Der Widerrufsgrund ist jedoch nur dann 

erfüllt, wenn eine Strafe für sich alleine das Kriterium der Längerfristigkeit 

erfüllt, d.h. die Dauer von einem Jahr überschreitet (BGE 137 II 297, 

Erw. 2.3.6). 

 

3.2. 

Die Beschwerdeführerin 2 ist Schweizer Bürgerin und ihr Ehemann (Be-

schwerdeführer 1) beabsichtigt wieder bei ihr in der Schweiz zu leben. Die 

Voraussetzungen von Art. 42 Abs. 1 AIG sind damit grundsätzlich ge-

geben. 

 

3.3. 

3.3.1. 

Da der Anspruch des Beschwerdeführers 1 auf Familiennachzug gemäss 

Art. 51 Abs. 1 AIG erlischt, wenn ein Widerrufsgrund gemäss Art. 63 AIG 

vorliegt, ist vorab zu prüfen, ob mit der Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe 

von einem Jahr und der Anordnung einer psychiatrischen Zwangsbehand-

lung wegen versuchten Totschlags durch das Amtsgerichts Peje am 13. Ja-

nuar 2020 (MI-act. 577 ff.) der Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. a 

i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG und damit gemäss Art. 51 Abs. 1 lit. b AIG 

ein Erlöschensgrund vorliegt. Nach der Rechtsprechung kann eine Verur-

teilung durch ein ausländisches Gericht jedenfalls dann die Ansprüche ge-

mäss Art. 42 AIG zum Erlöschen bringen, wenn es sich bei den in Frage 

stehenden Delikten nach schweizerischer Rechtsordnung um Verbrechen 

oder Vergehen handelt und der Schuldspruch in einem Staat bzw. in einem 

Verfahren erfolgt ist, in welchem die minimalen rechtsstaatlichen Verfah-

rensgrundsätze und Verteidigungsrechte gewahrt wurden (Urteil des Bun-

desgerichts 2C_851/2017 vom 5. Oktober 2018, Erw. 3.2 mit weiteren Hin-

weisen). Diese Voraussetzungen sind in Bezug auf das genannte Urteil des 

Amtsgerichts Peje vom 13. Januar 2020 gegeben. Von einer offensicht-

lichen Verletzung der verfahrensrechtlichen Minimalgarantien kann nicht 

die Rede sein (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_851/2017 vom 5. Oktober 

2018, Erw. 5.1). Die vorinstanzliche Feststellung, wonach die angeordnete 

psychiatrische Behandlung durch das Amtsgerichts Peje in Sinn, Zweck 

und Ausgestaltung der stationären therapeutischen Massnahme gemäss 

Art. 59 StGB gleiche und folglich als eine Massnahme im Sinn von Art. 62 

 - 13 - 

 

 

 

Abs. 1 lit. b AIG zu qualifizieren sei, ist sodann ebenfalls nicht zu beanstan-

den. Entsprechend kann diesbezüglich grundsätzlich auf die Ausführungen 

der Vorinstanz verwiesen werden (siehe Einspracheentscheid, Erw. II./4.4; 

act. 7 f.). Nachdem auch im Ausland verhängte Freiheitsstrafen und straf-

rechtliche Massnahmen grundsätzlich berücksichtigt werden dürfen, ist mit 

der gegen den Beschwerdeführer 1 im Kosovo angeordneten stationären 

therapeutischen Massnahme der Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. a 

i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG in Überstimmung mit der Vorinstanz erfüllt 

und der Erlöschensgrund von Art. 51 Abs. 1 lit. b AIG folglich gegeben. 

 

3.3.2. 

Der Beschwerdeführer 1 wurde mit Urteil des Bezirksgericht Laufenburg 

vom 3. Dezember 2021 wegen mehrfacher Misswirtschaft, mehrfachen Un-

terlassens der Buchführung und wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von 

18 Monaten verurteilt. Die vom Beschwerdeführer 1 dagegen erhobene 

Berufung wurde anlässlich der Berufungsverhandlung vom 1. Dezember 

2022 zurückgezogen. Das Urteil des Bezirksgerichts Laufenburg vom 

3. Dezember 2021 ist somit rechtskräftig (vgl. Akten des Obergerichts des 

Kantons Aargau SST.2021.280). Auf den ersten Blick erscheint der Wider-

rufsgrund von Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG unter 

diesen Umständen erfüllt. Der hier zur Diskussion stehenden Verurteilung 

liegen aber Tathandlungen zugrunde, welche in den Jahren 2015 bis 2017 

begangen wurden (Akten des Bezirksgerichts Laufenburg ST.2021.61, 

Dossier 12/12, act. 323 ff., Urteil des Bezirksgerichts Laufenburg vom 

3. Dezember 2021, Erw. 3.5.3, 4.5.3, 5.8, 6.1 i.V.m. 6.5.2, 7.1 i.V.m. 7.5.2). 

Stehen Straftaten zur Diskussion, welche nach dem 1. Oktober 2016 be-

gangen wurden und handelt es sich dabei um sogenannte Anlasstaten ge-

mäss Art. 66a ff. StGB, stellt sich die Frage, inwiefern die Bestimmungen 

zur strafrechtlichen Landesverweisung Anwendung finden. So ist ein Be-

willigungswiderruf, der nur damit begründet wird, dass ein Delikt begangen 

wurde, für das ein Strafgericht bereits eine Strafe oder Massnahme ver-

hängt, jedoch von einer Landesverweisung abgesehen hat, unzulässig 

(Art. 62 Abs. 2 AIG). Die Problematik erweist sich als heikler, wenn Straf-

taten sowohl vor als auch nach dem 1. Oktober 2016 begangen wurden – 

wie dies vorliegend der Fall ist – und die Strafbehörden, die die letzten 

Straftaten beurteilten, auf eine strafrechtliche Landesverweisung verzichtet 

haben. Vorliegend ordnete das Bezirksgericht Laufenburg in seinem Urteil 

vom 3. Dezember 2021 gegen den Beschwerdeführer 1 keine Landesver-

weisung an. Es finden sich auch keine diesbezüglichen Ausführungen im 

Urteil (Akten des Bezirksgerichts Laufenburg ST.2021.61, Dossier 12/12, 

act. 323 ff.). In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft fehlen ebenfalls 

Ausführungen zu einer allfälligen Landesverweisung, allerdings findet sich 

auf der ersten Seite der Anklageschrift bezüglich Landesverweisung nach 

Art. 66a StGB der Vermerk "nein" (Akten des Bezirksgerichts Laufenburg 

ST.2021.61, Dossier 12/12, act. 44). Dies lässt darauf schliessen, dass die 

Strafbehörden verzichtet haben, eine Landesverweisung anzuordnen bzw. 

 - 14 - 

 

 

 

eine solche überhaupt zu prüfen. Sodann bezieht sich das Urteil des Be-

zirksgerichts Laufenburg vom 3. Dezember 2021 auf die Gesamtheit des 

strafrechtlich relevanten Verhaltens, welches der Beschwerdeführer 1 von 

2015 bis 2017 an den Tag gelegt hatte. In solchen Fallkonstellationen, bei 

denen der in einem Globalurteil erfolgte Verzicht auf die strafrechtliche Lan-

desverweisung in Bezug auf die nach dem 1. Oktober 2016 begangenen 

Straftaten auch die vor diesem Datum begangenen, aber gleichzeitig ab-

geurteilten Straftaten abdeckt, können gemäss bundesgerichtlicher Recht-

sprechung die Verwaltungsbehörden einen Widerruf der Niederlassungs-

bewilligung auf der Grundlage dieser Straftaten nicht rechtfertigen 

(BGE 146 II 321, Erw. 5.2). Nach dem Gesagten erweist sich als unzuläs-

sig gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG allein gestützt 

auf die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten durch das Be-

zirksgericht Laufenburg vom Vorliegen eines Widerrufsgrunds bzw. in der 

Folge von einem Erlöschensgrund auszugehen. 

 

3.3.3. 

Mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau vom 11. August 2022 wurde der Be-

schwerdeführer 1 zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten verurteilt 

und eine ambulante Massnahme mit stationärer Behandlung für die Dauer 

von zwei Monaten angeordnet (siehe vorne lit. C). Was die Freiheitsstrafe 

anbelangt, wird die Dauer von einem Jahr nicht überschritten, weshalb das 

Kriterium der Längerfristigkeit der Freiheitsstrafe, welche für das Vorliegen 

des Widerrufsgrunds gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a und Art. 62 Abs. 1 lit. b 

AIG vorausgesetzt wird, nicht erfüllt ist. Das Bezirksgerichts Aarau ordnete 

zudem eine ambulante Massnahme gestützt auf Art.63 Abs. 3 StGB an, 

welche die Voraussetzungen nach Art. 63 Abs. 1 lit. a und Art. 62 Abs. 1 

lit. b AIG ebenfalls nicht erfüllt. 

 

3.4. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass (einzig) die mit Urteil des Amts-

gerichts Peje vom 13. Januar 2019 angeordnete stationäre Massnahme ein 

Erlöschensgrund gemäss Art. 51 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 63 Abs. 1 lit. a und 

Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG darstellt.  

 

4. 

4.1. 

Das Vorliegen von Erlöschensgründen nach Art. 51 AIG führt nicht auto-

matisch zum Erlöschen der gesetzlichen Ansprüche auf Bewilligung des 

Familiennachzugs (MARTINA CARONI, in: CARONI/GÄCHTER/THURNHERR, 

a.a.O. Art. 51 N 3; MARC SPESCHA, in: MARC SPESCHA/ANDREAS ZÜND/ 

PETER BOLZLI/CONSTANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kommentar 

Migrationsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, Art. 51 AIG N 13). Dies hat auf jeden 

Fall für die Erlöschensgründe nach Art. 51 Abs. 1 lit. b sowie Art. 51 Abs. 2 

lit. b AIG zu gelten, was sich unter anderem aus dem Verweis auf die 

 - 15 - 

 

 

 

Widerrufsgründe von Art. 62 f. AIG ergibt, bei deren Vorliegen die zustän-

dige Behörde Bewilligungen widerrufen kann (vgl. ANDREAS ZÜND/LADINA 

ARQUINT HILL, Beendigung der Anwesenheit, Entfernung und Fernhaltung, 

in: PETER UEBERSAX/BEAT RUDIN/THOMAS HUGI YAR/THOMAS GEISER 

[Hrsg.], Handbücher für die Anwaltspraxis, Band VIII, Ausländerrecht, 

2. Aufl., Basel 2009, Rz. 8.48 und 8.55). Mit anderen Worten ist eine 

Bewilligung nach den Art. 42, 43, 48 und 50 AIG trotz Vorliegens von Er-

löschensgründen gemäss Art. 51 AIG nicht zwingend zu widerrufen bzw. 

zu verweigern (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 27. März 2009 

[2C_793/2008]). 

 

4.2. 

Der Widerruf bzw. die Verweigerung einer Bewilligung rechtfertigt sich nur, 

wenn die jeweils im Einzelfall vorzunehmende Interessenabwägung die 

entsprechende Massnahme als verhältnismässig erscheinen lässt 

(BGE 135 II 377, Erw. 4.3). Konkret muss bei Gegenüberstellung aller öf-

fentlichen und privaten Interessen ein überwiegendes öffentliches Inter-

esse an der Entfernung aus der Schweiz resultieren. 

 

Ob sämtliche relevanten Kriterien berücksichtigt und richtig angewandt 

worden sind bzw. ob sich der Widerruf oder die Verweigerung einer Bewil-

ligung als verhältnismässig erweist, ist als Rechtsfrage durch das Verwal-

tungsgericht frei zu prüfen. 

 

5. 

5.1. 

5.1.1. 

5.1.1.1. 

Beim Vorliegen von Widerrufsgründen infolge Straffälligkeit bestimmt sich 

das Mass des öffentlichen Interesses vorab anhand der Schwere des Ver-

schuldens des oder der Betroffenen. Ausgangspunkt und Massstab dafür 

sind die vom Strafrichter verhängten Strafen. Das heisst, je höher eine 

Strafe ausfällt, umso höher ist aus migrationsrechtlicher Sicht das Ver-

schulden der betroffenen Person – und damit einhergehend das öffentliche 

Interesse an der Beendigung ihrer Anwesenheit – zu qualifizieren. Bei Fest-

setzung des Strafmasses werden strafmildernde Umstände überdies stets 

mitberücksichtigt, weshalb auf die Beurteilung des Strafrichters grundsätz-

lich abzustellen ist (BGE 129 II 215, Erw. 3.1, sowie Urteil des Bundes-

gerichts 2C_797/2011 vom 12. Juni 2012, Erw. 2.2). Wird ein Strafurteil in 

Bezug auf die Strafzumessung rechtskräftig, bleibt damit nach ständiger 

Rechtsprechung des Bundesgerichts in der Regel kein Raum, im migra-

tionsrechtlichen Verfahren die diesbezügliche Beurteilung des Strafrichters 

zu relativieren (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_925/2020 vom 11. März 

2021, Erw. 4.4, 2C_421/2020 vom 7. Oktober 2020, Erw. 6.4.1 und 

2C_1067/2019 vom 18. Februar 2020, Erw. 2.3.2, je mit Hinweisen). 

 

 - 16 - 

 

 

 

Bei schweren Straftaten, insbesondere bei Gewalt-, Sexual- und schweren 

Betäubungsmitteldelikten, sowie bei wiederholter Delinquenz bzw. erneuter 

Delinquenz nach Untersuchungshaft, nach verbüsster Freiheitsstrafe oder 

nach migrationsamtlicher Verwarnung erhöht sich aus migrationsrecht-

licher Sicht das öffentliche Interesse am Widerruf bzw. an der Verweige-

rung der Bewilligung entsprechend. 

 

5.1.1.2. 

Der Beschwerdeführer 1 wurde mit Urteil des Amtsgerichts Peje vom 

13. Januar 2020 wegen versuchten Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von 

einem Jahr und zu einer stationären Massnahme (psychiatrische Zwangs-

behandlung) verurteilt (MI-act. 577 ff.). Das vom Beschwerdeführer 1 er-

wirkte Strafmass liegt unter der Grenze, welche für das Vorliegen eines 

Widerrufsgrunds gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 62 Abs.1 lit. b AIG 

massgeblich ist (siehe vorne Erw. II/3.1). Die Dauer der Freiheitsstrafe 

allein vermag daher aus migrationsrechtlicher Sicht noch nicht auf ein 

schweres Verschulden des Beschwerdeführers 1 zu schliessen. Allerdings 

spricht die vom Beschwerdeführer 1 begangene schwerwiegende Tat 

grundsätzlich für ein grosses sicherheitspolizeiliches Interesse an der Be-

endigung bzw. Verweigerung eines hiesigen Aufenthalts. So erachtet der 

Gesetzgeber ein solches Delikt gegen die körperliche Integrität als beson-

ders verwerflich und stellt Totschlag eine in Art. 121 Abs. 3 und 4 der Bun-

desverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 

1999 (BV; SR 101) angelegte und in Art. 66a Abs. 1 lit. a StGB gesetzlich 

verankerte Anlasstat dar, welche seit dem 1. Oktober 2016 eine obliga-

torische Landesverweisung zur Folge haben kann. 

 

Zum Tathergang geht aus dem Urteil des Amtsgerichts Peje hervor, der 

Beschwerdeführer 1 habe am 20. Juli 2019 mit möglicher Absicht, bei einer 

verminderten geistigen Leistungsfähigkeit, eine andere Person (seine Ehe-

frau) zu töten versucht. Während er sich im Hof hinter seinem Haus aufge-

halten habe, habe sich seine Ehefrau angenähert und insistiert, dass er die 

vom Psychiater verordneten Medikamente einnehmen solle. Daraufhin 

habe der Beschwerdeführer 1 ein Messer aus der Küche geholt, sei hinter 

das Haus zu seiner Ehefrau gegangen und habe auf sie eingestochen. Da-

bei habe er sie im linken oberen Teil des Abdomens verletzt. In der Folge 

habe sie eine akute Infektion des Abdomens, einen hypovolämischen 

Schock, innere Blutungen, Peritonitis und Darmverletzungen erlitten, was 

der Fachmann für Rechtsmedizin als schwere Körperverletzung bezeich-

nete. Nachdem die Ehefrau infolge ihrer Verletzungen bewusstlos zu Bo-

den gefallen sei, habe sie der Beschwerdeführer 1 zusammen mit weiteren 

Personen ins Krankenhaus gebracht (MI-act. 578). Dem Urteil des Amts-

gerichts Peje ist weiter zu entnehmen, dass folgende Umstände als straf-

erleichternd berücksichtigt wurden: Korrektes Verhalten des Beschwerde-

führers 1 während der Gerichtsverhandlung und Beweisprüfung, sein Be-

dauern der von ihm eingestandenen Tat, seine Reue und dass er sich bei 

 - 17 - 

 

 

 

seiner Ehefrau entschuldigt habe, sein Versprechen, nie mehr ähnliche 

Taten zu begehen, die Äusserungen der Ehefrau zum Ereignis und zum 

Beschwerdeführer 1 und ihr Verzicht auf Schadenersatzforderung, der 

Wunsch der Ehefrau, dass die Familie wieder vereint werde, bisheriges 

straffreies Verhalten des Beschwerdeführers 1 sowie die gebotene Erste-

Hilfe Leistung des Beschwerdeführers 1 nach seiner Tat. Als sehr erleich-

ternder Umstand berücksichtigte das Amtsgericht Peje die Tatsache, dass 

der Beschwerdeführer 1 die Tat in einer verminderten geistigen Leistungs-

fähigkeit begangen habe, was das Institut für forensische Psychiatrie mit 

Bericht vom 20. September 2019 bestätigte. Ebenfalls als sehr erleichtern-

der Umstand wurde das Schuldgeständnis des Beschwerdeführers 1 er-

achtet, was eine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Anklageorgan 

und dem Gericht beweise und die ehrliche Reue und den Anfang der Re-

habilitation des Beschwerdeführers 1 zeige. Straferschwerende Umstände 

würden indessen fehlen (MI-act. 582). Zur Anordnung einer psychiatri-

schen Zwangsbehandlung fasste das Amtsgericht Peje zunächst die Er-

kenntnisse des Instituts für forensische Psychiatrie zusammen. Danach lei-

det der Beschwerdeführer 1 an Angst und depressiver Störung (ICD-10 

F 41.2). Zur Analyse der Tatdynamik geht aus den Erkenntnissen hervor, 

dass er im Zeitpunkt der Straftatbegehung nicht zurechnungsfähig war. Im 

Urteil werden die diesbezüglichen Ausführungen des Facharztes folgen-

dermassen zusammengefasst: "Die Person, die im Punkt I genannte 

Diagnose hat [gemeint ist Angst und depressive Störung nach ICD-10 

F 41.2], könne von Zeit zu Zeit Funktionsstörungen haben. Zum Beispiel 

könne er ein guter Ehemann, Vater oder Bürger sein, aber in bestimmten 

Fällen, abhängig von der Situation, könne er geringe Funktionalität haben, 

da diese Diagnose dessen normale Funktionalität stört." Den weiteren Aus-

führungen des Facharztes zufolge, sei es von der jeweiligen individuellen 

Situation abhängig, ob Personen mit einer solchen Erkrankung eine Gefahr 

für ihre Umgebung darstellten. Menschen mit einer solchen Diagnose 

würden somit nicht eine generelle Gefahr darstellen. Trotzdem könnten 

Situationen bei betroffenen Personen, wie bei jeder anderen Person, ab-

hängig von den konkreten Umständen und der Umgebung eskalieren. Die 

Erkrankung des Beschwerdeführers 1 sei behandel- und heilbar, wenn ent-

sprechende ärztliche Unterstützung – regelmässige psychiatrische Besu-

che – und Unterstützung von der Familie und der Wohnumgebung vorhan-

den seien (MI-act. 584). Vor diesem Hintergrund kam das Amtsgerichts 

Peje zum Schluss, der Beschwerdeführer 1 habe die Straftat in einer ver-

minderten geistigen Leistungsfähigkeit begangen. Eine psychiatrische 

Zwangsbehandlung erweise sich als notwendig, um die Begehung der un-

beendeten Tat oder andere Straftaten zu vermeiden und die Gefahr, die 

der Beschwerdeführer 1 darstelle, zu verringern (MI-act. 585). 

 

Die Motive bzw. Hintergründe und Umstände, die dazu geführt haben, dass 

sich der Beschwerdeführer 1 einer derart schwerwiegenden Straftat schul-

dig gemacht hat, wurden nach dem Gesagten vom Amtsgerichts Peje als 

 - 18 - 

 

 

 

Verschuldenselemente bei der Strafzumessung berücksichtigt. Auch wurde 

die psychische Erkrankung des Beschwerdeführers 1 durch das Amtsge-

richt Peje bereits verschuldensmindernd berücksichtigt. Entgegen der An-

sicht der Beschwerdeführenden besteht daher kein Anlass, diese Beurtei-

lung im vorliegenden migrationsrechtlichen Verfahren zu relativieren. Unter 

Berücksichtigung der angeordneten stationären Massnahme ist für die mig-

rationsrechtliche Interessenabwägung insbesondere das vom Beschwer-

deführer 1 ausgehende Gefährdungspotential zu ermitteln (vgl. MARC 

SPESCHA, in: MARC SPESCHA/ANDREAS ZÜND/PETER BOLZLI/CONSTANTIN 

HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 5. Aufl., 

Zürich 2019, Art. 63 AIG N 4). Hierzu geht aus dem Urteil des Amtsgerichts 

Peje hervor, dass zur Vermeidung weiterer Straftaten eine psychiatrische 

Behandlung des Beschwerdeführers 1 notwendig sei. Seine Erkrankung 

könne behandelt werden und sei auch heilbar. Auch gehe von Personen 

mit einer solchen Erkrankung keine bzw. keine im Vergleich zu psychisch 

gesunden Personen erhöhte Gefahr aus.  

 

Zusammenfassend ist aufgrund der begangenen schwerwiegenden 

Rechtsgutverletzung durch den Beschwerdeführer 1 und des Umstands, 

dass zur Vermeidung der Begehung weiterer Straftaten eine psychiatrische 

Behandlung als notwendig erachtet wurde, auf ein grosses Gefährdungs-

potential bei ausbleibender Behandlung zu schliessen, womit grundsätzlich 

von einem sehr grossen öffentlichen, insbesondere sicherheitspolizeilichen 

Interesse an der Fernhaltung (und Entfernung) des Beschwerdeführers 1 

von (bzw. aus) der Schweiz auszugehen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_641/2013 vom 17. Dezember 2013, Erw. 3.4.1). 

 

5.1.1.3. 

Der Beschwerdeführer 1 wurde vor der verfahrensauslösenden Verurtei-

lung vom 13. Januar 2020 bereits straffällig. Insgesamt wurde er zwischen 

2001 und 2012 ausweislich der Akten mindestens zwölf Mal wegen Wider-

handlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, versuchten Raubs, AIG-

Widerhandlungen und mehrfachen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von 

30 Tagen, Geldstrafen von zusammengezählt 75 Tagessätzen und Bussen 

in der Höhe von insgesamt Fr. 4'330.00 verurteilt (siehe vorne lit. A). Den 

Beschwerdeführenden kann somit nicht gefolgt werden, wenn sie vor-

bringen, es handle sich bei der durch das Amtsgericht Peje bestraften Tat 

um die erstmalige strafrechtliche Verurteilung des Beschwerdeführers 1 

und deshalb sei von einer ungetrübten Legalprognose auszugehen (act. 23 

und 28). Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer 1 bereits 2002, im An-

schluss an die Verurteilung wegen versuchten Raubs, ausländerrechtlich 

verwarnt und ausdrücklich darauf hingewiesen worden war, dass ihm die 

Nichtverlängerung bzw. der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung drohe, 

sollte er erneut wegen eines Delikts bestraft werden oder sonst zu berech-

tigten Klagen Anlass geben (MI-act. 84 ff.). In den Jahren 2015 bis 2017 

legte der Beschwerdeführer 1 sodann weiteres strafrechtlich relevantes 

 - 19 - 

 

 

 

Verhalten an den Tag und wurde in der Folge mit Urteil des Bezirksgerichts 

Laufenburg vom 3. Dezember 2021 wegen mehrfacher Misswirtschaft, 

mehrfachen Unterlassens der Buchführung und wegen Betrugs zu einer 

Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Auch wenn dieses Straferkennt-

nis vorliegend keinen Erlöschensgrund darstellt bzw. das alleinige Abstel-

len hierauf vorliegend gemäss Art. 62 Abs. 2 AIG unzulässig ist (siehe zum 

Ganzen vorne Erw. II/3.4), ist diese Verurteilung in der ausländerrecht-

lichen Gesamtbeurteilung des Einzelfalls dennoch mitzuberücksichtigen 

(vgl. Botschaft vom 26. Juni 2013 zur Änderung des Strafgesetzbuchs und 

des Militärstrafgesetztes Bundesblatt [BBl] 2013 5975 ff., 6046). Das er-

wirkte Strafmass von 18 Monaten Freiheitsstrafe liegt über der Grenze, 

welche für das Vorliegen eines Widerrufsgrunds gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a 

i.V.m. Art. 62 Abs.1 lit. b AIG grundsätzlich massgeblich ist (siehe vorne 

Erw. II/3.1) und lässt daher aus migrationsrechtlicher Sicht auf ein schwe-

res Verschulden des Beschwerdeführers 1 schliessen. Sodann haben 

weder die bisherigen zahlreichen strafrechtlichen Verurteilungen noch die 

migrationsrechtliche Verwarnung den Beschwerdeführer 1 davon abgehal-

ten, weiter schwerwiegend zu delinquieren. Insgesamt zeugen die Anzahl 

der vom Beschwerdeführer 1 begangenen Straftaten, auch wenn diese teil-

weise Bagatell- bzw. weniger schwerwiegende Delikte darstellen, und die 

Regelmässigkeit der Straffälligkeit des Beschwerdeführers 1 über all die 

Jahre hinweg von einer ausgeprägten Unbelehrbarkeit und Gleichgültigkeit 

gegenüber der hiesigen Rechtsordnung. Entsprechend erhöht sich unter 

diesem Aspekt das öffentliche Interesse und das infolge der Verurteilung 

vom 13. Januar 2020 wegen Totschlags begründete bereits sehr grosse 

öffentliche Interesse an der Fernhaltung (und Entfernung) des Beschwer-

deführers 1 von (bzw. aus) der Schweiz nochmals. 

 

5.1.1.4. 

Nach der Verurteilung vom 13. Januar 2020 und der Rückkehr in die 

Schweiz wurde der Beschwerdeführer 1 zudem erneut straffällig. Mit Urteil 

des Bezirksgerichts Aarau vom 11. August 2022 wurde er wegen Drohung 

und Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht zu einer Freiheits-

strafe von sieben Monaten verurteilt und eine Massnahme gemäss Art. 63 

Abs. 3 StGB angeordnet (siehe vorne lit. C). Das Urteil enthält keine Be-

gründung, weshalb für den Tathergang auf die dem Urteil beigefügte An-

klageschrift der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 3. Februar 2022 

abzustellen ist (Akten des Bezirksgerichts Aarau ST.2022.20). Danach sei 

der Beschwerdeführer 1 am 1. Juli 2021 nicht zur Arbeit gegangen und 

habe in der Familienwohnung vormittags plötzlich Gegenstände umherge-

worfen. Er habe den Küchenschrank zugeschlagen und gegen den Kühl-

schrank getreten. Wegen des dadurch verursachten Lärms sei die damals 

sechzehnjährige Tochter aufgewacht. Kurz darauf habe der Beschwerde-

führer 1 in albanischer Sprache geschrien, dass er "dieser Schlampe noch-

mals dasselbe antue, was er ihr schon einmal angetan habe". Dies habe 

die Tochter gehört, weshalb sie aus ihrem Zimmer gekommen sei und den 

 - 20 - 

 

 

 

Beschwerdeführer 1 darauf angesprochen habe. Er habe allerdings nicht 

auf sie reagiert, sondern habe im Flur gegen die Wand geschlagen und sich 

daraufhin auf den Balkon begeben. Dieses Verhalten habe die Tochter ver-

ängstigt, weshalb sie sich kurzzeitig auf der Toilette eingeschlossen, sich 

danach aus der Wohnung geschlichen und zu ihrer Tante begeben habe, 

um ihre Mutter (Beschwerdeführerin 2) zu kontaktieren. Letztgenannte 

habe daraufhin die Polizei gerufen (Akten des Bezirksgerichts Aarau 

ST.2022.20, Anklageschrift S. 2 f.). 

 

Im Rahmen des Strafverfahrens wurde eine forensisch-psychiatrische Be-

gutachtung in Auftrag gegeben (Akten des Bezirksgerichts Aarau 

ST.2022.20, act. 62 ff.). Das Gutachten wurde am 9. November 2021 er-

stattet (Akten des Bezirksgerichts Aarau ST.2022.20, act. 245 ff.). Die Gut-

achterinnen hielten fest, der Beschwerdeführer 1 habe tatzeitnah an einer 

akuten polymorphen psychotischen Störung ohne Symptome einer Schizo-

phrenie (ICD-10 F23.0) gelitten. Ausserdem weise er eine unterdurch-

schnittliche Intelligenz auf, vor allem mit Einbussen der höheren kognitiven 

Funktionen und erheblicher Auffassungsstörung. Es handle sich hierbei um 

eine schwere psychische Störung. Anamnestisch bestehe eine Panikstö-

rung (ICD-10 F40.2). Die Einsichtsfähigkeit des Beschwerdeführers 1 sei 

tatzeitnah voll erhalten gewesen. Von einer völlig aufgehobenen 

Steuerungsfähigkeit sei nicht auszugehen, allerdings hätten sich diesbe-

züglich erhebliche Einbussen ergeben, womit aus forensisch-psychiatri-

scher Sicht eine mindestens mittelgradig eingeschränkte Schuldfähigkeit 

anzunehmen sei (Akten des Bezirksgerichts Aarau ST.2022.20, 

act. 308 f.). Zur Rückfallgefahr hielten die Gutachterinnen fest, ausserhalb 

von psychotischen Phasen sei der Beschwerdeführer 1 ein freundlicher 

und angepasster Mann und gemäss den Aussagen seiner Ehefrau ein 

guter Ehemann und Vater. Im Hinblick auf die Gefährdung seines familiären 

Nahraums gehe vom Beschwerdeführers 1 innerhalb einer psychotischen 

Dekompensation ein hohes Gefährdungspotential aus. Im Falle einer Ent-

lassung in die Familienwohnung bestehe aktuell und kurzfristig ein hohes 

Risiko erneuter aggressiver Entladungen des Beschwerdeführers 1, auch 

im Sinne schwerer Gewalt und insbesondere gegenüber der Ehefrau und 

der ältesten Tochter, aber auch gegenüber anderen nahen Familienange-

hörigen oder zu seinem Nahraum gehörenden Personen. Gelinge eine 

gute, vorerst auch stationäre, psychotherapeutische und psychosoziale 

Einbettung inklusive einer geeigneten, sinnstiftenden und nicht überfor-

dernden Tagesstruktur, sei das Risiko einer erneuten aggressiven Entla-

dung als deutlich geringer zu erachten. Zur Verringerung des Rückfall-

risikos des Beschwerdeführers 1 dürfe er aktuell zunächst nicht in die Fa-

milienwohnung zurückkehren, da insbesondere seine Ehefrau und seine 

älteste Tochter in seinem Fokus stehen würden. Primär solle er behandelt 

und auch eine medikamentöse Behandlung erwogen werden. Die Ehefrau 

und weitere Familienmitglieder seien, wenn immer möglich, in die einzelnen 

 - 21 - 

 

 

 

Massnahmen miteinzubeziehen. Weiter könne der psychisch und körper-

lich eingeschränkte Beschwerdeführer 1 von einer Beistandschaft profitie-

ren, die ihn in administrativen und finanziellen Belangen unterstützen 

würde. Dies würde auch seine Ehefrau aus dem Fokus nehmen (Akten des 

Bezirksgerichts Aarau ST.2022.20, act. 309 f.). Weiter geht aus dem Gut-

achten hervor, es gebe eine Behandlung der psychischen Störung des Be-

schwerdeführers 1, mit deren Hilfe der Gefahr neuerlicher Straftaten be-

gegnet werden könne. Die akute vorübergehende psychotische Störung 

ohne Symptome einer Schizophrenie zeichne sich dadurch aus, dass diese 

nur Tage oder wenige Wochen andaure. Vor diesem Hintergrund solle mit 

einer multimodalen Behandlung der Grundstein dafür gelegt werden, dass 

der Beschwerdeführer 1 angesichts seiner eingeschränkten kognitiven 

Ressourcen nicht erneut in einen Überforderungszustand gerate und unter 

diesem psychotisch dekompensiere. Es seien eine langfristige Behand-

lungsbereitschaft und Frühwarnsymptome mit entsprechenden Interven-

tionsstrategien zu erarbeiten. Die Therapie solle initial stationär eingeleitet 

werden, später ambulant und mindestens zu Beginn im ersten Jahr in 

wöchentlichen Abständen stattfinden. Zur Entwicklung eines Krankheits-

verständnisses und um verstehen zu können, welches die Bedingungsfak-

toren hin zur psychotischen Dekompensation des Beschwerdeführers 1 

seien, aber auch, um zukünftig adäquat darauf reagieren zu können, seien 

die Ehefrau und weitere Familienangehörige, wenn immer möglich, in die 

einzelnen Massnahmen miteinzubeziehen (Akten des Bezirksgerichts 

Aarau ST.2022.20, act. 311).  

 

Gemäss den Ausführungen im Gutachten erscheint selbst bei einer erfolg-

reichen Behandlung des Beschwerdeführers 1 das individuelle Rückfall-

risiko als markant, womit sich eine Tieferveranschlagung des öffentlichen 

Interesses nicht begründen liesse (vgl. zur Tieferveranschlagung: Ent-

scheid des Verwaltungsgerichts WBE.2021.15 vom 4. April 2022, 

Erw. II/3.2.1.4.2). Vielmehr betonen die gutachterlichen Ausführungen, 

dass ein rechtserhebliches Restrisiko zukünftiger Delinquenz des Be-

schwerdeführers 1 auch bei adäquater Behandlung seiner psychischen Er-

krankung nicht ausgeschlossen werden kann. Das Verwaltungsgericht geht 

im Übrigen in konstanter Rechtsprechung davon aus, dass bei Staatsan-

gehörigen von Drittstaaten – wie dem Beschwerdeführer 1 – grundsätzlich 

auch generalpräventive Überlegungen bei der Bemessung des öffentlichen 

Interesses an der Beendigung bzw. Verweigerung der Anwesenheit mitbe-

rücksichtigt werden können (Entscheide des Verwaltungsgerichts 

WBE.2018.386 vom 5. Dezember 2019, Erw. II/3.2.4.2, WBE.2016.429 

vom 31. Mai 2017, Erw. II/3.2.3, und WBE.2011.1020 vom 27. März 2013, 

Erw. II/3.2.2; Entscheid des Rekursgerichts im Ausländerrecht des Kantons 

Aargau 1-BE.2009.31 vom 16. November 2010, Erw. II/3.2.2, bestätigt mit 

Urteil des Bundesgerichts 2C_13/2011 vom 22. März 2011, Erw. 2.2; vgl. 

auch Urteil des Bundesgerichts 2C_45/2017 vom 10. August 2017, 

 - 22 - 

 

 

 

Erw. 2.6). Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer 1 nach der Ver-

urteilung wegen versuchten Totschlags erneut gegenüber seiner Ehefrau 

straffällig wurde, die durch das Amtsgericht Peje angeordnete psychiatri-

sche Behandlung offensichtlich nicht zu einer nachhaltigen Verhaltensän-

derung führte bzw. führen konnte und somit nach wie vor von einem nicht 

unerheblichen Risiko der erneuten Straffälligkeit des Beschwerdeführers1 

auszugehen ist, erhöht sich das öffentliche Interesse an der Beendigung 

bzw. Verweigerung seines Aufenthalts nochmals. 

 

5.1.2. 

Basierend auf der Verurteilung des Beschwerdeführers 1 zu einer stationä-

ren Massnahme wegen versuchten Totschlags, seiner früheren Straffällig-

keit und der im Nachgang zum versuchten Totschlag erfolgten einschlägi-

gen wiederholten Straffälligkeit gegenüber seiner Ehefrau ist das öffent-

liche Interesse an der Verweigerung des Familiennachzugs als äusserst 

gross einzustufen. 

 

5.2. 

5.2.1. 

Nachfolgend sind dem erwähnten öffentlichen Interesse an der Verweige-

rung des Familiennachzugs die privaten Interessen der Beschwerdeführen-

den an der Bewilligungserteilung gegenüberzustellen. Dabei ist insbeson-

dere der familiären Situation der Beschwerdeführenden gebührend Beach-

tung zu schenken. 

 

Das private Interesse einer Person am (weiteren) Verbleib in der Schweiz 

bestimmt sich aufgrund ihrer Aufenthaltsdauer in der Schweiz und der da-

bei erfolgten Integration, ihrer familiären Verhältnisse, ihrer gesundheit-

lichen Situation und ihrer (Re-)Integrationschancen im Heimatland. 

 

5.2.2. 

5.2.2.1. 

Bei der Bemessung des privaten Interesses kommt der Aufenthaltsdauer 

in der Schweiz eine erhebliche Bedeutung zu. Je länger eine Person in 

einem bestimmten Land lebt, desto enger werden in der Regel die Be-

ziehungen sein, die sie dort geknüpft hat, und umso grösser ist grundsätz-

lich ihr Interesse an einem Verbleib in diesem Land. Dabei ist die anrechen-

bare Aufenthaltsdauer praxisgemäss abstrakt – unter Abzug der in Unfrei-

heit bzw. ohne Aufenthaltsberechtigung in der Schweiz verbrachten Zeit-

spanne – zu berechnen (vgl. Entscheide des Verwaltungsgerichts 

WBE.2017.531 vom 22. Mai 2018, Erw. II/4.3.2, und WBE.2016.546 vom 

27. Juni 2018, Erw. II/4.3). 

 

Massgebend ist aber nicht die Aufenthaltsdauer für sich alleine. Vielmehr 

lässt sich das aus der Aufenthaltsdauer resultierende private Interesse erst 

 - 23 - 

 

 

 

unter Berücksichtigung der währenddessen erfolgten Integration – nament-

lich in sprachlicher, kultureller, sozialer, beruflicher und wirtschaftlicher Hin-

sicht – bestimmen. Damit gilt der Grundsatz "je länger die Aufenthalts-

dauer, umso grösser das private Interesse an einem Verbleib in der 

Schweiz" nur, wenn die Integration einen der Aufenthaltsdauer entspre-

chenden Grad erreicht. Wird der aufgrund der Aufenthaltsdauer zu erwar-

tende Integrationsgrad übertroffen, ist das private Interesse an einem Ver-

bleib in der Schweiz entsprechend höher zu veranschlagen. Erreicht die 

Integration demgegenüber den mit Blick auf die Aufenthaltsdauer zu erwar-

tenden Grad nicht, stellt die Entfernungsmassnahme für die betroffene Per-

son einen weniger gravierenden Eingriff dar und ist das private Interesse 

an einem Verbleib in der Schweiz entsprechend tiefer zu veranschlagen. 

Demnach lässt sich das aus der anrechenbaren Aufenthaltsdauer resultie-

rende private Interesse am weiteren Verbleib in der Schweiz erst im Rah-

men einer Gesamtbetrachtung feststellen. Anzumerken bleibt, dass bei 

sehr langer Aufenthaltsdauer ein entsprechend hoher Integrationsgrad, 

mithin eine sehr erfolgreiche Integration, erwartet wird, weshalb das private 

Interesse in diesen Fällen in der Regel nicht höher zu veranschlagen ist. 

 

5.2.2.2. 

Der Beschwerdeführer 1 reiste am 15. August 1991 im Alter von neun Jah-

ren in die Schweiz ein, womit er – unter Berücksichtigung des vom 20. Juli 

2019 bis Ende 2020 bzw. Anfang 2021 erstandenen Freiheitsentzugs bzw. 

Aufenthalts im Heimatland (siehe vorne Erw. II/2.2) – seit mehr als 30 Jah-

ren in der Schweiz lebt. 

 

Diese sehr lange Aufenthaltsdauer lässt grundsätzlich auf ein sehr grosses 

privates Interesse am weiteren Verbleib in der Schweiz schliessen. Zu prü-

fen ist im Folgenden, wie sich der Beschwerdeführer 1 mit Blick auf die 

Aufenthaltsdauer in der Schweiz integriert hat und ob aufgrund des In-

tegrationsgrades ein abweichendes privates Interesse resultiert. 

 

5.2.2.3. 

Nachdem der Beschwerdeführer 1 im Alter von neun Jahren in die Schweiz 

kam, ab diesem Zeitpunkt hier die Schule besuchte, eine Ausbildung ab-

solvierte und anschliessend erwerbstätig war (MI-act. 37, 58, 72, 83, 90, 

97, 100 f., 107, 121 f., 130, 140, 143), ist davon auszugehen, dass er – wie 

von ihm behauptet (act. 24) – die deutsche Sprache beherrscht. Damit ist 

bei ihm in sprachlicher Hinsicht mit Blick auf seine sehr lange Aufenthalts-

dauer von einer normalen Integration auszugehen. 

 

5.2.2.4. 

Unter dem Aspekt der kulturellen und sozialen Integration ist namentlich zu 

berücksichtigen, in welchem Alter die betroffene Person in die Schweiz ein-

gereist ist, welche sozialen Beziehungen sie ausserhalb ihrer Familie in der 

 - 24 - 

 

 

 

Schweiz pflegt und ob aufgrund ihres gesamten Verhaltens auf eine ver-

tiefte Verwurzelung in der Schweiz zu schliessen ist. 

 

Der Beschwerdeführer 1 verbrachte hier seine gesamte Jugend- und 

Adoleszenzzeit. Eine gewisse Sozialisation in der Schweiz – im Sinne einer 

Einordnung des heranwachsenden Individuums in die Gesellschaft und der 

damit verbundenen Übernahme gesellschaftlich bedingter Verhaltens-

weisen – liegt beim Beschwerdeführer 1 vor. Ihm dürften die hiesigen kul-

turellen Gepflogenheiten vertraut sein. Konkrete Hinweise auf eine beson-

dere kulturelle Einbindung des Beschwerdeführers 1 lassen sich indes we-

der den Akten noch dem Vorbringen in der Beschwerde entnehmen. Was 

die soziale Integration betrifft, ist zunächst festzuhalten, dass nicht bereits 

deshalb davon auszugehen ist, der Beschwerdeführer 1 verfüge über kein 

tragfähiges soziales Beziehungsnetz in der Schweiz, weil er wiederholt 

straffällig wurde (Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2021.197 vom 

1. Dezember 2021, Erw. II/3.3.1.1). Gemäss den Angaben in der Be-

schwerde habe sich der Beschwerdeführer 1 denn auch hier in der Schweiz 

einen Freundeskreis aufgebaut (act. 39, 44). Mit Blick auf seine teilweise in 

der Schweiz durchlaufenen Sozialisation ist beim Beschwerdeführer 1 

nach dem Gesagten in kultureller und sozialer Hinsicht gerade noch von 

einer normalen Integration auszugehen. 

 

5.2.2.5. 

Weiter ist zu prüfen, ob sich die betroffene Person in beruflicher Hinsicht 

entsprechend ihrer Aufenthaltsdauer in der Schweiz integriert hat und beim 

Verlassen der Schweiz ein stabiles Arbeitsumfeld aufgeben müsste. 

 

Der Beschwerdeführer 1 besuchte in der Schweiz zunächst die Primar- und 

danach die Realschule. Während der obligatorischen Schulzeit wurde er 

teilweise in einer Kleinklasse unterrichtet. Nach einem sog. Werkjahr 

schloss der Beschwerdeführer 1 eine Anlehre als Plattenleger ab (MI-

act. 3, 24 f., 33, 37, 58, 62, 65). Danach, im Jahr 2001, arbeitete er als 

Lagermitarbeiter, als Hilfsplattenleger bzw. Plattenleger und als Betriebs-

arbeiter (MI-act. 79, 90, 94, 99, 109 f., 113 f., 120 f.). Ab Oktober 2005 war 

der Beschwerdeführer 1 im Unternehmen seiner Ehefrau angestellt (MI-

act. 123 ff., 130, 140), welches er 2006 übernehmen wollte (MI-act. 128). 

Im Verlängerungsgesuch vom 20. März 2008 betreffend seine Aufenthalts-

bewilligung gab der Beschwerdeführer 1 erstmals eine selbständige Er-

werbstätigkeit als Plattenleger an, wobei als Betrieb derjenige, welcher 

wohl ursprünglich von seiner Ehefrau geführt wurde, angegeben wurde. 

Der Betrieb trug allerdings nun einen neuen Namen (MI-act. 142 ff.). Im 

Verlängerungsgesuchs vom 27. März 2009 finden sich dieselben Angaben 

(MI-act. 148 f.). Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers 1 schied er 

per Ende 2008 als Geschäftsführer aus diesem Unternehmen aus (MI-

act. 157, 165). Dennoch gab er sich danach als Geschäftsführer dieses Un-

 - 25 - 

 

 

 

ternehmens aus und wurde deswegen wegen mehrfachen Betrugs straf-

rechtlich zur Verantwortung gezogen (MI-act. 165 ff.). Auch wurde der Be-

schwerdeführer 1 im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit bei diesem Un-

ternehmen wegen der Beschäftigung einer ausländischen Person ohne Be-

willigung mit Strafbefehl vom 23. September 2009 für schuldig befunden 

(MI-act. 159 ff.). Im Verlängerungsgesuch vom 17. März 2010 gab der Be-

schwerdeführer 1 an, wieder als angestellter Plattenleger im Betrieb der 

Ehefrau zu arbeiten (MI-act.177 f.). Im Jahr 2010 erlitt er einen Arbeitsunfall 

und hatte seither mit (chronischen) Rückenschmerzen zu kämpfen (MI-

act. 477; Akten des Bezirksgerichts Aarau ST.2022.20, act. 291). Gemäss 

den Angaben im Gesuch vom 14. Juni 2012 betreffend Umwandlung der 

Aufenthalts- in eine Niederlassungsbewilligung war der Beschwerdefüh-

rer 1 als Bauführer in einer anderen Unternehmung tätig (MI-act. 267). Er-

gänzend zum diesbezüglich generierten Einkommen bezog der Beschwer-

deführer 1 zeitweise – von Dezember 2011 bis Mai 2012 – Arbeitslosengel-

der (MI-act. 281 ff.). Im Verlängerungsgesuch vom 28. Juni 2012 gab der 

Beschwerdeführer 1 an, weiterhin als Bauführer und Plattenleger zu arbei-

ten (MI-act. 310). In Zusammenhang mit seiner Tätigkeit bei der Unterneh-

mung, bei der er als Bauführer angestellt war, wurde der Beschwerdefüh-

rer 1 mit Urteil vom 3. Dezember 2021 wegen mehrfacher Misswirtschaft, 

mehrfachen Unterlassens der Buchführung und wegen Betrugs verurteilt 

(vgl. vorne Erw. II/3.3.2).  

 

Im Februar 2018 erlitt der Beschwerdeführer 1 nach einem Arbeitsunfall 

einen Lungenkollaps und musste notoperiert werden (MI-act. 476; Akten 

des Bezirksgerichts Aarau ST.2022.20, act. 291). Aus dem Versicherungs-

bericht vom 20. Dezember 2018 zuhanden der Krankenversicherung geht 

hervor, dass der Beschwerdeführer 1 von April 2018 bis September 2018 

zu 50 % in einem Immobilienmakler-Büro tätig gewesen sei. Der Beschwer-

deführer 1 habe sich umschulen wollen, er sei den Aufgaben jedoch nicht 

gewachsen gewesen und er habe sich überfordert gefühlt, weshalb er dies 

habe abbrechen müssen (MI-act. 486 ff.). Ab September 2018 nahm der 

Beschwerdeführer 1 an einem Belastbarkeitstraining und ab 1. Januar 

2019 an einem Aufbautraining im Rahmen einer Massnahme der Invaliden-

versicherung teil (Akten des Bezirksgerichts Aarau ST.2022.20, act. 219 ff., 

228 ff.). Die anschliessende berufliche Abklärung im Rahmen dieser IV-

Massnahme musste aufgrund der Inhaftierung des Beschwerdeführers 1 

im Kosovo indessen abgebrochen werden. Aus dem diesbezüglichen Be-

richt vom 5. November 2019 geht hervor, eine nachhaltige Vermittelbarkeit 

des Beschwerdeführers 1 in den allgemeinen Arbeitsmarkt sei zurzeit nicht 

gegeben (Akten des Bezirksgerichts Aarau ST.2022.20, act. 236 ff.). Ab 

Juli 2019 war der Beschwerdeführer 1 im Kosovo inhaftiert und reiste Ende 

2020 bzw. Anfang 2021 zurück in die Schweiz (siehe vorne Erw. II/2.2). 

Anlässlich der Eröffnung der Festnahme am 2. Juli 2021 im Zusammen-

hang mit dem Strafverfahren wegen Drohung gab der Beschwerdeführer 1 

 - 26 - 

 

 

 

zu Protokoll, aktuell als Plattenleger angestellt zu sein (Akten des Bezirks-

gerichts Aarau ST.2022.20, act. 355 ff., 364). Im September 2021 trat der 

Beschwerdeführer 1 den vorzeitigen Massnahmenvollzug an (siehe vorne 

lit. C). 

 

Nach dem Gesagten ist zunächst davon auszugehen, dass der Beschwer-

deführer 1 bis zum im Jahr 2018 erlittenen Lungenkollaps während des 

grössten Teils seines Aufenthalts in der Schweiz arbeitstätig war. Dass der 

Beschwerdeführer 1 nach 2018 vorerst keiner regelmässigen Tätigkeit auf 

dem ersten Arbeitsmarkt nachgegangen ist, kann ihm angesichts der 

aktenmässig belegten gesundheitlichen Probleme wohl nicht vorgeworfen 

werden. Zuvor, als der Beschwerdeführer 1 unter anderem auch selbstän-

dig erwerbstätig war, hat er seine berufliche Stellung wiederholt zu delik-

tischen Zwecken missbraucht. Für den entsprechenden Zeitraum erweist 

sich der Beschwerdeführer 1 aus dem schweizerischen Dienstleistungs- 

und Arbeitsmarkt, dessen Funktionieren massgeblich vom rechtskonfor-

men Verhalten seiner Teilnehmer abhängt, als desintegriert. Gesamthaft 

betrachtet ist ihm daher mit Blick auf seinen sehr langen Aufenthalt lediglich 

eine eher mangelhafte berufliche Integration zu attestieren. Bei einer Ver-

weigerung des Familiennachzugs müsste er sodann auch kein gefestigtes 

Arbeitsumfeld aufgeben. 

 

5.2.2.6. 

Unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Integration ist einerseits von Bedeu-

tung, ob die betroffene Person wirtschaftlich unabhängig ist, d.h. ihren Le-

bensunterhalt primär mit eigenen Mitteln, insbesondere ohne Inanspruch-

nahme der öffentlichen Fürsorge, finanzieren kann, und andererseits, wie 

sich ihre Schuldensituation präsentiert. 

 

Unbestrittenermassen bezog der Beschwerdeführer 1 bislang keine 

Sozialhilfe. Aus dem Betreibungsregisterauszug des Regionalen Betrei-

bungsamts Q. vom 26. August 2020 geht hervor, dass gegen ihn zu diesem 

Zeitpunkt eine Betreibung von Fr. 381.70 und zwei Verlustscheine im 

Umfang von zusammengerechnet Fr. 3'502.65 registriert waren. Zudem 

waren zwei nicht getilgte Verlustscheine aus Pfändungen der letzten 

20 Jahre von zusammengezählt Fr. 3'187.25 verzeichnet (MI-act. 600 f.). 

Anlässlich der Eröffnung der Festnahme am 2. Juli 2021 im Zu-

sammenhang mit dem Strafverfahren wegen Drohung gab der Beschwer-

deführer 1 zu Protokoll, rund Fr. 80'000.00 bis Fr. 100'000.00 Schulden bei 

der Sozialversicherungsanstalt und bei Privatpersonen zu haben. Weiter 

gab der Beschwerdeführer 1 zu Protokoll, gegen ihn seien rund 

Fr. 8'000.00 bis Fr. 12'000.00 private und rund Fr. 37'000.00 geschäftliche 

Betreibungen registriert (Akten des Bezirksgerichts Aarau ST.2022.20, 

act. 355 ff., 364). Diese Angaben erscheinen insbesondere angesichts 

dessen, dass der Beschwerdeführer 1 gemäss Urteil des Bezirksgerichts 

Laufenburg vom 3. Dezember 2021 neben den Verfahrenskosten von rund 

 - 27 - 

 

 

 

Fr. 9'150.00 dem Strafkläger in teilweiser Gutheissung der Zivilklage einen 

Betrag von rund Fr. 116'000.00 sowie dessen Parteikosten von rund 

Fr. 34'000.00 zu bezahlen hat (vgl. Akten des Obergerichts des Kantons 

Aargau SST.2021.280), nachvollziehbar. Aufgrund dieser Schulden ist mit 

Blick auf seine sehr lange Aufenthaltsdauer in wirtschaftlicher Hinsicht von 

einer mangelhaften Integration des Beschwerdeführers 1 in der Schweiz 

auszugehen. 

 

5.2.2.7. 

Zusammenfassend ist der Beschwerdeführer 1 in sprachlicher, kultureller 

und sozialer Hinsicht normal in die schweizerischen Verhältnisse integriert. 

In beruflicher Hinsicht ist von einer eher mangelhaften und in wirtschaft-

licher Hinsicht von einer mangelhaften Integration auszugehen. Angesichts 

der sehr langen Aufenthaltsdauer und einer gewissen in der Schweiz 

durchlaufenen Sozialisation ist die dabei erfolgte Integration des Beschwer-

deführers 1 insgesamt als eher mangelhaft zu qualifizieren und entspre-

chend lediglich noch von einem bestenfalls grossen bis sehr grossen pri-

vaten Interesse des Beschwerdeführers 1 am weiteren Verbleib in der 

Schweiz bzw. an der Bewilligung des Familiennachzugs auszugehen. 

 

5.2.3. 

5.2.3.1. 

Weiter ist zu prüfen, ob hinsichtlich der Kernfamilie der betroffenen Person 

von einem erhöhten privaten Interesse am weiteren Verbleib in der Schweiz 

auszugehen ist. Dabei sind namentlich eine eheliche, partnerschaftliche 

oder gefestigte Konkubinatsbeziehung sowie das Vorhandensein von min-

derjährigen Kindern bzw. erwachsenen Verwandten in auf- oder absteigen-

der Linie mit Abhängigkeitsverhältnis relevant. Von Bedeutung sind die 

Auswirkungen und die der betroffenen Person und ihrer Familie drohenden 

Nachteile bei einer Ausreise aus der Schweiz (BGE 135 II 377, Erw. 4.3; 

Urteil des Bundesgerichts 2C_410/2018 vom 7. September 2018, 

Erw. 4.2). 

 

5.2.3.2. 

Der Beschwerdeführer 1 ist seit 7. Januar 2005 mit der Beschwerdefüh-

rerin 2 verheiratet. Das Ehepaar hat drei gemeinsame Kinder (geb. 2004, 

2008 und 2011). Heute sind die zwei jüngeren Kinder noch minderjährig 

und das älteste Kind ist mittlerweile erwachsen. Alle drei Kinder sowie die 

Beschwerdeführerin 2 sind im Besitz des Schweizer Bürgerrechts (siehe 

zum Ganzen vorne lit. A). 

 

5.2.3.3. 

Aufgrund der Aktenlage ist davon auszugehen, dass die Beschwerdefüh-

renden ihre Beziehung auch nach der schwerwiegenden Tat des Be-

schwerdeführers 1 an der Beschwerdeführerin 2 und nach der Inhaftierung 

 - 28 - 

 

 

 

sowie dem Vollzug der Strafe bzw. der Massnahme im Kosovo weiter auf-

rechterhalten haben (vgl. Brief der Beschwerdeführerin 2 vom 16. Mai 

2020, MI-act. 454). Nach Entlassung aus der vom Kosovo vollzogenen 

Massnahme kehrte der Beschwerdeführer 1 denn auch in die Schweiz zur 

Beschwerdeführerin 2 und den gemeinsamen Kindern zurück und wurde 

das gemeinsame Ehe- und Familienleben wiederaufgenommen (MI-

act. 425, 671). Die eheliche Beziehung ist nach wie vor intakt und erscheint 

sehr eng. Das private Interesse der Beschwerdeführenden, in ehelicher 

Gemeinschaft zusammenleben und das Familienleben in der Schweiz wei-

terführen zu können, liegt somit auf der Hand und ist grundsätzlich als sehr 

gross zu bewerten. Hinzu kommt, dass es der Beschwerdeführerin 2 als 

Schweizer Bürgerin grundsätzlich nicht zumutbar ist, zwecks Aufrechter-

haltung des ehelichen Zusammenlebens mit dem Beschwerdeführer 1 in 

den Kosovo zu übersiedeln. Eine Wegweisung des Beschwerdeführers 1 

bzw. eine Verweigerung des Familiennachzugs führte dazu, dass die Ehe-

leute physisch getrennt würden und ihre Beziehung bloss noch via 

moderne Kommunikationsmittel sowie besuchsweise pflegen könnten. 

Demzufolge erhöht sich mit Blick auf die familiäre Beziehung zu seiner Ehe-

frau das private Interesse am Verbleib des Beschwerdeführers 1 in der 

Schweiz. 

 

Nach dem Gesagten ist das private Interesse der Beschwerdeführenden, 

das Eheleben in der Schweiz pflegen zu können, gesamthaft als sehr gross 

zu bewerten, weshalb diesbezüglich von einem erheblich erhöhten privaten 

Interesse an einem Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz aus-

zugehen ist. 

 

5.2.3.4. 

Nachdem der Beschwerdeführer 1 mit der Beschwerdeführerin 2 und den 

gemeinsamen Kindern in einem gemeinsamen Haushalt lebt, ist davon 

auszugehen, dass im heutigen Zeitpunkt zwischen ihm und seinen minder-

jährigen Kindern eine grundrechtlich geschützte Familienbeziehung be-

steht (vgl. auch mit Brief der Kinder vom 16. Mai 2020, MI-act. 452, 671). 

Die Kinder verfügen – wie die Beschwerdeführerin 2 – über die Schweizer 

Staatsangehörigkeit. Ihnen ist es daher – wie ihrer Mutter – grundsätzlich 

nicht zumutbar, zwecks Aufrechterhaltung des Familienlebens mit dem Be-

schwerdeführer 1 in den Kosovo zu übersiedeln. Eine Wegweisung des Be-

schwerdeführers 1 bzw. eine Verweigerung des Familiennachzugs führte 

demzufolge dazu, dass die minderjährigen Kinder von ihrem Vater physisch 

getrennt würden und ihre Beziehung bloss noch via moderner Kommunika-

tionsmittel sowie besuchsweise pflegen könnten. Demzufolge erhöht sich 

mit Blick auf die familiäre Beziehung zu seinen minderjährigen Kindern das 

private Interesse an einem Aufenthalt des Beschwerdeführers 1 in der 

Schweiz ebenfalls erheblich. Dies namentlich auch unter Berücksichtigung 

des Interesses der Kinder, in möglichst engem Kontakt mit beiden Eltern-

 - 29 - 

 

 

 

teilen aufwachsen zu können (vgl. Art. 3 des Übereinkommens vom 20. No-

vember 1989 über die Rechte des Kindes [Kinderrechtskonvention, KRK; 

SR 0.107]; BGE 144 I 91, Erw. 5.2; Urteil des Europäischen Gerichtshofs 

für Menschenrechte [EGMR] Nr. 56971/10 vom 8. November 2016 in 

Sachen El Ghatet gegen die Schweiz, § 27 f. und 46 f.). 

 

Zur erwachsenen Tochter, auch wenn diese im gemeinsamen Haushalt mit 

ihrer Familie lebt, besteht derweil – soweit aus den Akten ersichtlich – kein 

besonderes, über normale gefühlsmässige Bindungen hinausgehendes 

Abhängigkeitsverhältnis und damit keine faktische Familieneinheit aus-

serhalb der Kernfamilie (BGE 137 I 154, Erw. 3.4.2; Urteil des EGMR 

Nr. 39051/03 vom 13. Dezember 2007 in Sachen Emonet gegen die 

Schweiz, § 35; vgl. auch BGE 144 II 1, Erw. 6.1). 

 

5.2.3.5. 

Nach dem Gesagten resultiert für den Beschwerdeführer 1 aufgrund seiner 

Familienangehörigen – insbesondere seiner Ehefrau und der beiden ge-

meinsamen minderjährigen Kinder – in der Schweiz insgesamt ein erheb-

lich erhöhtes privates Interesse an einem weiteren Verbleib in der Schweiz 

bzw. an der Bewilligung des Familiennachzugs. 

 

5.2.4. 

Grundsätzlich schliessen gesundheitliche Probleme den Widerruf bzw. die 

Verweigerung einer Bewilligung nicht aus. Der gesundheitliche Zustand ist 

lediglich ein Aspekt, der im Rahmen der Interessenabwägung zu berück-

sichtigen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2A.214/2002 vom 23. August 

2002, Erw. 3.4). 

 

Was die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers 1 anbelangt, 

geht aus dem forensisch-psychiatrischen Sachverständigengutachten vom 

9. November 2021 hervor, dass er an einer akuten polymorphen psycho-

tischen Störung ohne Symptome einer Schizophrenie (ICD-10 F23.0), un-

terdurchschnittlicher Intelligenz mit vor allem Einbussen der höheren kog-

nitiven Funktionen und erheblicher Auffassungsstörung und anamnestisch 

an einer Panikstörung (ICD-10 F40.2) leidet (Akten des Bezirksgerichts 

Aarau ST.2022.20, act. 300). Weiter halten die Gutachterinnen fest, das 

Risiko der erneuten Straffälligkeit des Beschwerdeführers 1 basiere 

weniger auf seinen kriminogenen Faktoren als vielmehr auf der Gefahr, 

dass der Beschwerdeführer 1 erneut psychotisch dekompensiere. Inner-

halb einer Therapie solle zunächst im stationären Rahmen eine medika-

mentöse Behandlung überprüft werden, die den Beschwerdeführer 1 initial 

vor erneuten psychotischen Dekompensationen schützen könne. Im Ver-

lauf könnten auch ambulant die Themen Umgang mit belastenden Situa-

tionen (chronischer und akuter Stress), Krankheitseinsicht (Wissen um die 

kognitiven Einschränkungen und Wissen um die Gefahr einer psycho-

tischen Dekompensation bei Überforderung) und damit in Zusammenhang 

 - 30 - 

 

 

 

stehende Einsicht in die Gefahr, die er für andere darstellen könne (Risiko-

faktoren, Verständnis für die Tatdynamik), eine langfristige Behandlungs-

bereitschaft und Frühwarnsymptome mit entsprechenden Interventions-

strategien angegangen werden. Zudem sei auch eine realistische und den 

Ressourcen des Beschwerdeführers 1 angepasste Zukunftsplanung 

zentrales Thema der ambulanten Therapie. Ebenfalls zum Zweck der Re-

duktion von Druck und Stress sollten, wenn immer möglich, sowohl die 

Ehefrau als auch weitere Angehörige mit in die einzelnen Massnahmen ein-

bezogen werden. Wichtig sei, auch bei diesen ein Krankheitsverständnis 

zu entwickeln und dass sie verstehen lernten, welches die Bedingungsfak-

toren hin zur psychotischen Dekompensation des Beschwerdeführers 1 

darstellten, um zukünftig adäquat darauf reagieren zu können. Schliesslich 

führen die Gutachterinnen aus, der Beschwerdeführer 1 sei insgesamt so-

wohl psychisch als auch körperlich eingeschränkt. Als weitere Massnahme 

sei eine Beistandschaft in Erwägung zu ziehen (was inzwischen umgesetzt 

wurde). Auch sei die Wiederaufnahme des IV-Verfahrens zu prüfen bzw. 

würde sich die finanzielle Sicherheit bei Zusprache einer IV-Rente 

essentiell stressreduzierend und entsprechend rückfallpräventiv für den 

Beschwerdeführer 1 auswirken (zum Ganzen Akten des Bezirksgerichts 

Aarau ST.2022.20, act. 306). 

 

Nach dem Gesagten ist zwar nicht belegt, dass der Beschwerdeführer 1 

bei einer Ausreise in den Kosovo aufgrund seiner gesundheitlichen 

Situation einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre. Dies zumal sich der 

Beschwerdeführer 1 dort bereits wegen seiner psychischen Erkrankung 

behandeln lassen musste. Allerdings dürfte es ihm angesichts seiner viel-

schichtigen gesundheitlichen Beeinträchtigung, wonach insbesondere 

Druck und äussere Stressfaktoren eine Dekompensation begünstigen, er-

hebliche Schwierigkeiten bereiten, sich in einem neuen Gesundheits-

system zurecht und in ein neues medizinisches Betreuungs- bzw. Thera-

piesetting einzufinden. Aufgrund der Erwägungen im Gutachten ist sodann 

davon auszugehen, dass die Einbettung in ein stabiles Sozialumfeld – hier 

seine Familie – für den weiteren Verlauf seiner psychischen Erkrankung 

von enormer Bedeutung zu sein scheint. Vor diesem Hintergrund ist dem 

Beschwerdeführer 1 mit Blick auf seine gesundheitliche Situation ein er-

höhtes Interesse am weiteren Verbleib in der Schweiz zuzubilligen. 

 

5.2.5. 

5.2.5.1. 

Schliesslich ist bei der Bemessung des privaten Interesses zu prüfen, wel-

che Beziehungen die betroffene Person zum Heimatland unterhalten hat 

oder noch unterhält und ob sie bei einer Ausreise aus der Schweiz im Hei-

matland auf unüberwindbare (Re-)Integrationsprobleme stossen würde. Zu 

beachten sind zudem auch jene Aspekte, die eine Rückkehr ins Heimatland 

aufgrund der dort bestehenden Situation als unzumutbar erscheinen lassen 

(vgl. Art. 83 Abs. 7 AIG; BGE 135 II 110, Erw. 4.2). 

 - 31 - 

 

 

 

 

5.2.5.2. 

Der Beschwerdeführer 1 wurde 1981 im Kosovo geboren und wuchs dort 

auf, bis er im August 1991 im Alter von neun Jahren in die Schweiz kam. 

Ausweislich der Akten besitzt der Beschwerdeführer 1 an seinem Geburts-

ort ein Haus (MI-act. 118 und 581) und verbrachte mit seiner Familie wie-

derholt Ferien im Kosovo (MI-act. 452; act. 40, 49). Vor diesem Hintergrund 

erscheint wenig glaubhaft, wenn die Beschwerdeführenden geltend 

machen, der Beschwerdeführer 1 sei mit den kulturellen Gepflogenheiten 

seines Heimatlandes nicht vertraut. Sodann hat der Beschwerdeführer 1 im 

Kosovo einige entfernte Verwandte, mit welchen er – gemäss den Angaben 

in der Beschwerde (act. 49) – zwar kaum, aber immerhin doch Kontakt 

habe. Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass ihm die heimatliche 

Kultur vertraut ist. Es ist nicht damit zu rechnen, dass ihm bei einer Weg-

weisung aus der Schweiz die kulturelle Reintegration im Kosovo nennens-

werte Probleme bereiten würde. 

 

5.2.5.3. 

Die Kenntnisse der heimatlichen Sprache sind mit Blick auf die (Re-)Inte-

grationschancen der betroffenen Person in ihrem Heimatland im Rahmen 

der Interessenabwägung nur insofern von Relevanz, als die betroffene Per-

son der heimatlichen Sprache nicht (mehr) mächtig ist und es ihr auch nicht 

zumutbar ist, diese zu erlernen. 

 

Gemäss den Angaben der Beschwerdeführenden spreche der Beschwer-

deführer 1 nur rudimentär Albanisch (act. 44). Dem kann indessen nicht 

gefolgt werden. So geht aus dem forensisch-psychiatrischen Sachverstän-

digengutachten vom 9. November 2021 hervor, der Beschwerdeführer 1 

spreche gemäss den Angaben des beigezogenen Dolmetschers seine Lan-

dessprache fliessend (Akten des Bezirksgerichts Aarau ST.2022.20, 

act. 277). Weiter halten die Beschwerdeführenden fest, dass innerhalb des 

Familienkreises auch albanisch gesprochen werde (act. 49). Unter diesen 

Umständen ist davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer 1 im 

Kosovo sprachlich problemlos zurechtfinden wird. In sprachlicher Hinsicht 

ist damit ebenfalls von guten Reintegrationschancen in seinem Heimatland 

auszugehen. 

 

5.2.5.4. 

Bezüglich der sozialen Wiedereingliederungschancen im Heimatland ist 

aufgrund der bereits in Erw. II/5.2.5.2 dargelegten Umstände davon auszu-

gehen, dass ihm die Gepflogenheiten seines Herkunftslandes vertraut und 

seine Wiedereingliederungschancen in die heimatliche Gesellschaft des-

halb intakt sind. Auch hat der Beschwerdeführer 1 einige entfernte Ver-

wandte im Kosovo und müsste daher kein komplett neues Beziehungsum-

feld aufbauen. Angesichts seiner psychischen Erkrankung, wonach sich 

 - 32 - 

 

 

 

insbesondere Druck und Stress negativ auswirken und Überforderungs-

situationen zu einer Dekompensation des Beschwerdeführers 1 führen 

können, er unterdurchschnittlich intelligent ist, eine erhebliche Auffas-

sungsstörung hat und zudem anamnestisch an einer Panikstörung leidet 

(siehe vorne Erw. II/5.2.4), ist damit zu rechnen, dass es ihm sehr schwer 

fallen wird, sich um den Aufbau bzw. Stabilisierung des Beziehungsumfelds 

zu kümmern. Nach dem Gesagten sind dem Beschwerdeführer 1 in sozia-

ler Hinsicht daher eher schlechte Eingliederungschancen im Heimatland zu 

attestieren, womit unter diesem Aspekt von einem erhöhten Interesse am 

Verbleib in der Schweiz auszugehen ist. 

 

5.2.5.5. 

Hinsichtlich der beruflichen und wirtschaftlichen Integrationschancen des 

Beschwerdeführers 1 im Kosovo kann grundsätzlich davon ausgegangen 

werden, dass er seine in der Schweiz erworbene berufliche Erfahrung auch 

auf dem heimatlichen Arbeitsmarkt verwerten könnte. Allerdings erscheint 

aufgrund der gesundheitlichen Problematik des Beschwerdeführers 1 frag-

lich, ob er reelle Chancen hat, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. 

So erlitt der Beschwerdeführer 1 im Februar 2018 einen Lungenkollaps und 

war danach arbeitsunfähig. Anschliessende berufliche Eingliederungs-

massnahmen durch die IV hatten keinen Erfolg. Gemäss dem diesbezüg-

lichen Bericht vom 5. November 2019 sei eine nachhaltige Vermittelbarkeit 

in den allgemeinen Arbeitsmarkt nicht gegeben. Anlässlich der Eröffnung 

der Festnahme am 2. Juli 2021 im Zusammenhang mit dem Strafverfahren 

wegen Drohung gab der Beschwerdeführer 1 allerdings zu Protokoll, 

aktuell als Plattenleger angestellt zu sein (siehe vorne Erw. II/5.2.2.5). Im 

forensisch-psychiatrischen Sachverständigengutachten vom 9. November 

2021 ist dagegen die Rede davon, dass erneut ein IV-Verfahren in Betracht 

zu ziehen sei, da der Beschwerdeführer 1 psychisch als auch physisch ein-

geschränkt sei (Akten des Bezirksgerichts Aarau ST.2022.20, act. 306). 

Vor diesem Hintergrund dürfte es ihm bei einer Ausreise in den Kosovo 

auch dort nur schwer gelingen, sich in den ersten Arbeitsmarkt zu integrie-

ren. Im Vergleich zur Situation in der Schweiz ist damit in beruflicher Hin-

sicht indessen keine Verschlechterung zu erwarten. Dasselbe gilt auch in 

wirtschaftlicher Hinsicht. Der Beschwerdeführer 1 bezieht keine IV-Rente, 

ein entsprechendes Verfahren ist auch nicht hängig und wurde von den 

Beschwerdeführenden auch nicht geltend gemacht. 

 

5.2.5.6. 

Was die Zumutbarkeit einer Rückkehr ins Heimatland anbelangt, besteht 

vorliegend kein Anlass zur Befürchtung, dass der Beschwerdeführer 1 bei 

einer Ausreise in den Kosovo aufgrund der allgemeinen Lage einer konkre-

ten Gefährdung ausgesetzt wäre. Solches wird denn auch in der Be-

schwerde nicht geltend gemacht. Zudem gilt der Kosovo gemäss Anhang 2 

der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen vom 11. August 1999 

 - 33 - 

 

 

 

(AsylV 1; SR 142.311, Stand 1. Januar 2023) als verfolgungssicherer Her-

kunftsstaat und es sind ohnehin keine Anzeichen dafür vorhanden, dass 

dem Beschwerdeführer 1 eine staatliche Verfolgung drohen würde. 

 

5.2.5.7. 

Gesamthaft betrachtet dürfte die (Wieder-)Eingliederung im Kosovo den 

Beschwerdeführer 1 insbesondere in sozialer Hinsicht vor erhebliche Her-

ausforderungen stellen. In kultureller und sprachlicher Hinsicht sind seine 

Integrationschancen als gut einzustufen. Bei gesamthafter Betrachtung er-

höht sich mit Blick auf die Eingliederungschancen des Beschwerdefüh-

rers 1 im Heimatland dessen privates Interesse an einem Verbleib in der 

Schweiz zumindest leicht. 

 

5.2.6. 

Zusammenfassend erhöht sich das mit Blick auf die sehr lange Aufenthalts-

dauer und die dabei erfolgte eher mangelhafte Integration in der Schweiz 

bestenfalls grosse bis sehr grosse private Interesse aufgrund seiner fami-

liären Situation erheblich und erfährt aufgrund seiner gesundheitlichen 

Probleme und der zu seinen Gunsten anzunehmenden sozialen 

Reintegrationsschwierigkeiten im Heimatland jeweils eine weitere Erhö-

hung, womit dieses insgesamt als äusserst gross zu qualifizieren ist. 

 

5.3. 

Das festgestellte äusserst grosse öffentliche Interesse an der Verweige-

rung des Familiennachzugs für den Beschwerdeführer 1 vermag damit das 

entgegenstehende ebenfalls äusserst grosse private Interesse an einem 

(weiteren) Verbleib in der Schweiz nicht zu überwiegen. Demzufolge er-

weist sich die Verweigerung des Familiennachzugs mangels überwiegen-

den öffentlichen Interesses als unverhältnismässig. 

 

6. 

Die Erteilung bzw. Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung von Auslän-

derinnen und Ausländern, die erheblich oder wiederholt gegen die öffent-

liche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen 

oder diese gefährden oder die innere oder die äussere Sicherheit gefähr-

den, steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundes. Mit anderen 

Worten hat das SEM vor Erteilung der Bewilligung durch den Kanton seine 

Zustimmung zu erteilen (Art. 40 Abs. 1 AIG; Art. 99 AIG i.V.m. Art. 85 

Abs. 1 und 2 VZAE; vgl. Art. 5 lit. c der Verordnung des EJPD über die dem 

Zustimmungsverfahren unterliegenden ausländerrechtlichen Bewilligun-

gen und Vorentscheide vom 13. August 2015 [Verordnung des EJPD über 

das ausländerrechtliche Zustimmungsverfahren, ZV-EJPD; SR 142.201.1; 

Stand am 1. Februar 2023]). 

 

 - 34 - 

 

 

 

Vorliegend unterliegt demnach die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung 

an den Beschwerdeführer 1, bei welchem infolge Anordnung einer statio-

nären Massnahme der Widerrufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. a bzw. 

Art. 62 Abs. 1 lit. b AIG vorliegt (siehe vorne Erw. II/3.4), der Zustimmung 

des SEM. Die Gutheissung der Beschwerde durch das Verwaltungsgericht 

hat im vorliegenden Fall deshalb nicht unmittelbar die Erteilung der Bewil-

ligung durch das MIKA zur Folge, sondern führt einzig dazu, dass das MIKA 

die Erteilung der Bewilligung dem SEM mit dem Antrag auf Zustimmung zu 

unterbreiten hat, wobei das SEM nicht an die Beurteilung der kantonalen 

Behörde gebunden ist (Art. 99 Abs. 2 AIG). 

 

7. 

Nach dem Gesagten ist der Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 

5. August 2021 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und das MIKA 

anzuweisen, dem SEM die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an den 

Beschwerdeführer 1 mit dem Antrag auf Zustimmung zu unterbreiten. 

 

III. 

1. 

Gemäss § 31 Abs. 2 VRPG werden die Verfahrenskosten in der Regel 

nach Massgabe des Unterliegens und Obsiegens auf die Parteien verlegt. 

Gleiches gilt gemäss § 32 Abs. 2 VRPG für die Parteikosten. 

 

2. 

Bei diesem Verfahrensausgang obsiegen die Beschwerdeführenden. 

Nachdem das MIKA weder schwerwiegende Verfahrensmängel begangen 

noch willkürlich entschieden hat, sind die Verfahrenskosten auf die Staats-

kasse zu nehmen (§ 31 Abs. 2 VRPG). 

 

3. 

3.1. 

Als unterliegende Partei hat das MIKA den Beschwerdeführenden die Par-

teikosten für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht zu ersetzen (§ 32 

Abs. 2 VRPG). 

 

3.2. 

Die Festsetzung der Höhe der Parteientschädigung richtet sich nach dem 

Dekret über die Entschädigung der Anwälte vom 10. November 1987 (An-

waltstarif, AnwT; SAR 291.150). Migrationsrechtliche Verfahren sind soge-

nannte nicht vermögensrechtliche Streitigkeiten. Die Parteientschädigung 

setzt sich damit zusammen aus einer Grundentschädigung zwischen 

Fr. 1'210.00 und Fr. 14'740.00 (§ 8a Abs. 3 i.V.m. § 3 Abs. 1 lit. b AnwT) 

sowie den Zu- und Abschlägen (§§ 6–8 AnwT). Innerhalb dieses Rahmens 

ist die Grundentschädigung nach dem mutmasslichen Aufwand des Anwal-

tes sowie nach der Bedeutung und der Schwierigkeit des Falles festzu-

setzen (§ 3 Abs. 1 lit. b AnwT). Durch die tarifgemässe Entschädigung sind 

 - 35 - 

 

 

 

die in einem Verfahren notwendigen und entsprechend der Bedeutung der 

Sache üblichen Leistungen des Anwaltes einschliesslich der üblichen Ver-

gleichsbemühungen abgegolten (§ 2 Abs. 1 AnwT). Die Entschädigung ist 

als Gesamtbetrag festzusetzen. Auslagen und Mehrwertsteuer sind darin 

enthalten (§ 8c AnwT). 

 

3.3. 

In Anwendung von § 8a Abs. 3 und § 8c AnwT erscheint unter Berücksich-

tigung des notwendigen Aufwandes, so wurde die Beschwerdeschrift von 

der Beschwerdeführerin 2 verfasst und reichte der Rechtsvertreter des Be-

schwerdeführers 1 neben der Anzeige der Mandatsübernahme und dem 

Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege lediglich eine weitere kurze Ein-

gabe zu den Akten, eine Entschädigung von Fr. 1'500.00 (inkl. Auslagen 

und MwSt.) angemessen. 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht erkennt: 

 

1. 

In Gutheissung der Beschwerde wird der vorinstanzliche Einspracheent-

scheid vom 5. August 2021 aufgehoben. Das MIKA wird angewiesen, dem 

SEM die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung an den Beschwerdeführer 1 

mit dem Antrag auf Zustimmung zu unterbreiten. 

 

2. 

Die verwaltungsgerichtlichen Verfahrenskosten gehen zu Lasten des Kan-

tons. 

 

3. 

Das MIKA wird angewiesen, dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Be-

schwerdeführers 1 die vor Verwaltungsgericht entstandenen Parteikosten 

in Höhe von Fr. 1'500.00 zu ersetzen. 

 

 
 

   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer (Vertreter) 

die Beschwerdeführerin  

die Vorinstanz (mit Rückschein) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 - 36 - 

 

 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung 

 

Migrationsrechtliche Entscheide können wegen Verletzung von Bundes-

recht, Völkerrecht, kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie inter-

kantonalem Recht innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in 

öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden, soweit nicht eine 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 lit. c des Bundesgesetzes über das Bun-

desgericht vom 17. Juni 2005 (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) 

vorliegt. Die Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit 7. Tag nach Ostern, 

vom 15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und mit 

2. Januar. Das Bundesgericht tritt auf Beschwerden nicht ein, wenn weder 

das Bundesrecht noch das Völkerrecht einen Anspruch auf die in Frage 

stehende Bewilligung einräumt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_694/2008 vom 25. September 2008). 

 

In allen anderen Fällen können migrationsrechtliche Entscheide wegen 

Verletzung von verfassungsmässigen Rechten innert 30 Tagen seit Zustel-

lung mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde beim Schweize-

rischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden. 

 

Die unterzeichnete Beschwerde muss das Begehren, wie der Entscheid zu 

ändern sei, sowie in gedrängter Form die Begründung, inwiefern der ange-

fochtene Akt Recht verletzt, mit Angabe der Beweismittel enthalten. Der 

angefochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind 

beizulegen (Art. 82 ff. BGG bzw. Art. 113 ff. BGG). 

 

 
 

   

Aarau, 11. Juli 2023 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Vorsitz: Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

Busslinger Peter