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**Case Identifier:** 5f0c45f5-d11f-532e-8840-2e263e5ad866
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-05-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.05.2020 D-2879/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2879-2018_2020-05-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2879/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  M a i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Simon Thurnheer (Vorsitz), 

Richter Markus König, Richter Hans Schürch,    

Gerichtsschreiberin Andrea Beeler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Ass. iur. Christian Hoffs,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 16. April 2018 / N (…). 

 

 

 

D-2879/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger paschtuni-

scher Ethnie – gelangte am 15. Dezember 2013 in die Schweiz, wo er am 

selben Tag um Asyl nachsuchte. Anlässlich seiner Befragungen machte er 

geltend, sein Heimatland ungefähr im April 2012 verlassen zu haben, wo-

raufhin er auf dem Landweg via den Iran und die Türkei nach Bulgarien 

gelangt sei, von wo aus er schliesslich nach Österreich und weiter in die 

Schweiz gereist sei. 

B.  

Mit Verfügung vom 20. Februar 2014 trat das Bundesamt für Migration 

(BFM, heute: SEM) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein 

und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz nach Bulgarien an. 

C.  

Die gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde vom 26. Februar 2014 

wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-1008/2014 vom 

15. Juli 2014 ab. 

D.  

Nachdem das BFM aufgrund des Untertauchens des Beschwerdeführers 

am 7. August 2014 eine Verlängerung der Überstellungsfrist beantragt 

hatte und der Beschwerdeführer am 16. Februar 2015 wieder aufgetaucht 

war, erfolgte dessen Ausschaffung nach Bulgarien am 24. April 2015. 

E.  

Am 19. Mai 2015 reichte der Beschwerdeführer beim SEM ein zweites 

Asylgesuch ein. Er brachte dabei im Wesentlichen vor, in Afghanistan 

grosse Probleme gehabt und sich ausserdem zwischenzeitlich, das heisst 

vor seiner erfolgten Ausschaffung nach Bulgarien, rund sieben Monate in 

der Türkei aufgehalten zu haben. 

F.  

Mit Verfügung vom 26. Juni 2015 trat das SEM auf das Asylgesuch des 

Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Bulgarien und 

ordnete den Vollzug an. Zur Begründung führte es aus, es sei dem Be-

schwerdeführer nicht gelungen, einen mindestens dreimonatigen Aufent-

halt ausserhalb des Hoheitsgebietes der Schengen-Mitgliedstaaten zu be-

weisen. 

D-2879/2018 

Seite 3 

G.  

Die gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde vom 1. Juli 2015 hiess 

das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-4133/2015 vom 10. Juli 2017 

gut. Zur Begründung führte es aus, das SEM habe das Dublin-Verfahren 

zumindest betreffend die zweite Anfrage an die bulgarischen Behörden 

nicht korrekt durchgeführt, weil es diese nicht über das Vorbringen des Be-

schwerdeführers, sich über mehrere Monate ausserhalb des Hoheitsge-

biets der Schengen-Mitgliedstaaten aufgehalten zu haben, informiert habe. 

Dementsprechend wies das Gericht das SEM an, das Verfahren zur Be-

stimmung der Zuständigkeit für das Asyl- und Wegweisungsverfahren er-

neut durchzuführen und die bulgarischen Behörden entsprechend zu infor-

mieren. 

H.  

Nachdem die bulgarischen Behörden die erneute Anfrage zur Übernahme 

des Beschwerdeführers abgelehnt hatten, erklärte das SEM mit Verfügung 

vom 21. September 2017 das Dublin-Verfahren für beendet und nahm das 

nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren wieder auf. 

I.  

Nachdem der Beschwerdeführer bereits am 19. Dezember 2013 im Rah-

men der Befragung zur Person (BzP) summarisch befragt worden war, 

hörte ihn das SEM am 5. März 2018 vertieft zu seinen Asylgründen an. 

Der Beschwerdeführer machte im Rahmen seiner Befragungen im Wesent-

lichen geltend, er habe im Dorf B._______ (Bezirk C._______, Provinz Ka-

pisa) zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern gelebt, wo er bis zur 

(…) Klasse die Schule besucht habe. Anschliessend habe er als (…) gear-

beitet. Im Jahr 2010 habe er sich verlobt. Im Jahr 2009 beziehungsweise 

2010 habe er begonnen, zusammen mit den Amerikanern im "(…)" der 

Franzosen in C._______ zu arbeiten. Seine Aufgabe habe darin bestan-

den, für die französischen Soldaten Zelte und Posten aufzubauen und die 

elektrische Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Später sei er für die (…) 

als Manager tätig gewesen, habe neue Arbeiter registriert, Gehälter aus-

bezahlt und bei Neueinstellungen als Dolmetscher gedient. Nach ungefähr 

eineinhalb Jahren habe er im Camp einen Laden eröffnet, wo er diverse 

(…) angeboten habe. Während dieser Zeit habe er im Camp gewohnt und 

sei nur unregelmässig nach Hause zur Familie zurückgekehrt. Als er ein-

mal mit Angehörigen des französischen Militärs auf dem lokalen Bazar ge-

arbeitet und den Standort mit Strom versorgt habe, sei er von den Taliban 

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Seite 4 

gesehen worden, worauf der Familie im Dorf ein Drohbrief zugestellt wor-

den sei. In diesem Brief sei er aufgefordert worden, seine Arbeit mit dem 

französischen Militär zu beenden und sich den Taliban anzuschliessen. Zu 

einem späteren Zeitpunkt sei es dann zu einer Bombenexplosion gekom-

men, wobei etliche Zivilisten wie auch Taliban getötet worden seien. Die 

Bombe sei von den Franzosen gelegt worden und er sei von den Taliban 

beschuldigt worden, den Franzosen Informationen über den Explosionsort 

geliefert zu haben, und ihm sei wegen seiner Tätigkeit für das französische 

Militär Spionage vorgeworfen worden. In der Folge sei seine Familie mehr-

mals von den Taliban zu Hause in B._______ aufgesucht worden, während 

er sich stets im Camp aufgehalten habe. Sein Vater sei dann von den Tali-

ban mitgenommen und seiner Mutter sei mitgeteilt worden, man werde den 

Vater erst freilassen, wenn er sich selber den Taliban anschliesse. Seine 

Mutter habe ihm daraufhin verboten, sich den Taliban zu stellen, da sie 

Angst um sein Leben gehabt habe. Er habe sich auch erfolglos um Hilfe 

von den Franzosen im Camp bemüht. Nach etwa drei Wochen sei sein 

Vater von den Taliban getötet worden, welche seine Leiche zurück in das 

Dorf gebracht hätten. Er sei anschliessend in sein Dorf zurückgekehrt, um 

vom Vater Abschied zu nehmen, wobei die Mutter ihm gesagt habe, dass 

er, und deswegen auch sein Bruder, nach wie vor in Gefahr seien. Er habe 

deshalb beschlossen, das Land zusammen mit seinem Bruder umgehend 

zu verlassen. Er habe sich von seiner Verlobten verabschiedet und sich mit 

seinem Bruder zurück ins Camp begeben, um seinen Laden zu verkaufen. 

Danach habe er einen Fahrer organisiert, welcher ihn und seinen Bruder 

nach D._______ gebracht habe, wo sie die Grenze zum Iran überschritten 

hätten und weiter in die Türkei gereist seien. Dort habe er seinen Bruder 

verloren. Von einem Schlepper habe er dann erfahren, dass der Bruder 

sich in der Schweiz aufhalte, weshalb er schliesslich hergekommen sei. 

Nach seiner Flucht sei das Land der Familie von den Taliban beschlag-

nahmt worden und seine Mutter sei aus Furcht vor Vergeltungsmassnah-

men zu seinem Onkel gezogen. Indessen habe er vernommen, dass sein 

Bruder damals in der Türkei festgenommen und nach Afghanistan ausge-

schafft worden sei und seither zusammen mit seiner Mutter und seiner 

Schwester lebe.  

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer eine Kopie seines Zutritts-

ausweises (autorisation d’acces), eine Kopie seines Arbeitsvertrages, die 

Kopie eines Drohbriefes der Taliban und eine Arbeitsbescheinigung (certi-

ficat d’appreciation) zu den Akten. 

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Seite 5 

J.  

Mit Verfügung vom 16. April 2018 – eröffnet am17. April 2018 – stellte die 

Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz 

und ordnete zufolge Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung die vor-

läufige Aufnahme an. 

K.  

Mit Eingabe vom 17. Mai 2018 liess der Beschwerdeführer diesen Ent-

scheid durch seinen Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht an-

fechten und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei in den Disposi-

tivpunkten 1-3 aufzuheben, es sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustel-

len und ihm sei Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte der 

Beschwerdeführer um die unentgeltliche Rechtspflege sowie Rechtsver-

beiständung und um den Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. 

L.  

Mit Zwischenverfügung vom 28. Mai 2018 hiess der Instruktionsrichter die 

Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie 

Rechtsverbeiständung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses. 

M.  

Mit Instruktionsverfügung vom 5. Juni 2018 lud das Bundesverwaltungsge-

richt die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein. Sie nahm mit Schreiben vom 

11. Juni 2018 zur Beschwerde Stellung. 

N.  

Mit Instruktionsverfügung vom 13. Juni 2018 bot das Bundesverwaltungs-

gericht dem Beschwerdeführer Gelegenheit, zur Vernehmlassung der Vor-

instanz Stellung zu nehmen. 

O.  

Am 27. Juni 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein. Ausser-

dem legte er folgende Beweismittel zu den Akten: eine seine Mutter betref-

fende Patientenkarte des (…) in E._______ (Pakistan), eine ärztliche Notiz 

vom 23. Mai 2018 des (…) in E._______ (Pakistan), eine ärztliche Noitz 

vom 26. Mai 2018 des (…) in E._______ (Pakistan) sowie den Original-

briefumschlag, mit welchem die Unterlagen aus Pakistan geschickt worden 

seien. 

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Seite 6 

P.  

Mit Eingabe vom 17. Januar 2019 weitere Beweismittel ein: eine eine seine 

Mutter betreffende Patientenkarte des (…), eine ärztliche Notiz vom 28. 

November 2018 des (…), eine ärztliche Notiz vom 20. November 2018 des 

(…) sowie den Originalbriefumschlag, mit welchem die Unterlagen aus Pa-

kistan geschickt worden seien.  

Q.  

Mit Eingabe vom 29. März 2019 reichte der Beschwerdeführer das Foto 

eines Plakates, mit welchem die Taliban nach wie vor nach ihm suchten, 

als weiteres Beweismittel ein.  

R.  

Mit Eingabe vom 30. Januar 2020 ergänzte der Beschwerdeführer seine 

Ausführungen. 

 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

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durch die angefochtenen Verfügungen besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

aArt. 108 Abs. 1; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung der Begründungspflicht rügt, 

indem er vorbringt, dass die Vorinstanz sich zu wenig mit seiner Zugehö-

rigkeit zu einer spezifischen Risikogruppe auseinandergesetzt habe, kann 

eine solche nicht festgestellt werden. Die Vorinstanz hat in ihrer Verfügung 

die wesentlichen Überlegungen, die sie ihrem Entscheid zugrunde gelegt 

hat, genannt. Der Entscheid konnte denn auch vom Beschwerdeführer 

sachgerecht angefochten werden. Eine Rückweisung an die Vorinstanz 

fällt nach dem Gesagten ausser Betracht. Ausserdem erübrigt sie sich an-

gesichts des Ausgangs des Verfahrens. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

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Seite 8 

5.  

5.1 Zur Begründung ihrer abweisenden Verfügung führte die Vorinstanz 

aus, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei eine Verfolgung in 

Afghanistan glaubhaft zu machen beziehungsweise dass seine Vorbringen 

den Anforderungen gemäss Art. 7 AsylG nicht zu genügen vermöchten. 

Obwohl er im Rahmen der Anhörung eingehend befragt worden sei, habe 

er die wesentlichen Fragen zu seinem zentralen Vorbringen, der Verfol-

gung seitens der Taliban, weder ausführlich noch konzise beantworten kön-

nen, sondern sich allgemein sehr unsubstanziiert, vage und in nicht nach-

vollziehbarer Weise geäussert, wodurch er keinen subjektiven Eindruck er-

weckt habe. Zunächst sei es ihm nicht gelungen, in nachvollziehbarer und 

ausführlicher Weise aufzuzeigen, wie die Schwierigkeiten mit den Taliban 

begonnen hätten. Auf die Nachfrage, weshalb die Taliban gerade auf ihn 

aufmerksam geworden seien, als er zusammen mit den Franzosen auf 

dem Bazar gearbeitet und diesen mit Strom versorgt habe, habe er ausge-

führt, die Taliban hätten ihn bereits früher aufgefordert, sich ihnen anzu-

schliessen, weshalb er von zu Hause weggegangen sei, und ihn schliess-

lich auf dem Bazar wieder erkannt. Inwiefern er bereits zu dem Zeitpunkt, 

als er noch in seinem Dorf gewesen sei, ein solches Interesse geweckt 

haben solle, dass er einige Jahre danach gleich wieder erkannt worden sei, 

gehe aus seinen Aussagen nicht hervor. Auch der Umstand, dass er auf 

einem Bazar, einem Platz der üblicherweise stark frequentiert sei, erkannt 

worden sein solle, wecke Zweifel. Sodann sei der weitere Verlauf der Vor-

bringen wenig nachvollziehbar. Das Vorgehen der Taliban sei nicht begreif-

lich. Hätten diese seit jeher ein solches Interesse an ihm gehabt, welches 

durch die Tätigkeit für die Franzosen zusätzlich verstärkt worden sei, sei 

unverständlich, weshalb man ihn nicht sofort aufgegriffen, sondern erst mit 

einem Drohbrief vorgewarnt habe. Auch den Spionageverdacht habe er 

nicht anschaulich zu erläutern vermocht. Die Aussage, weil man ihn mit 

den Franzosen und einer entsprechenden Karte um den Hals gesehen 

habe, habe man ihn der Spionage verdächtigt, gleiche einer blossen Be-

hauptung, da er weder Genaueres zum genannten Projekt, seiner dortigen 

Funktion, noch den genauen Umständen, inwiefern diese Situation das In-

teresse der Taliban derart geweckt habe, dass man ihn der Spionage ver-

dächtigt habe, habe nennen können. Obwohl ihm mehrere Nachfragen zu 

der Bombenexplosion in seinem Dorf gestellt worden seien, sei er nicht in 

der Lage gewesen, dieses Ereignis in nachvollziehbarer Weise darzulegen. 

So bleibe nach wie vor unklar, inwiefern er einzig wegen seiner Tätigkeit 

für die (…)firma im Camp der Franzosen ins Visier der Taliban geraten und 

sogar der Mithilfe an der Explosion bezichtigt worden sei. Seine Erklärung, 

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er sei die einzige Person aus dem Dorf gewesen, die im Camp der Fran-

zosen gearbeitet habe, vermöge nicht zu überzeugen. Da er es unterlas-

sen habe, weitere Ausführungen hierzu zu Protokoll zu geben, werde die 

angebliche Exponiertheit für die Taliban nicht deutlich. Analog verhalte es 

sich mit der Hausdurchsuchung. Da nicht bergreiflich werde, wie er die Auf-

merksamkeit der Taliban auf sich gezogen habe, bleibe auch unklar, wie es 

zu der angeblichen Hausdurchsuchung in seinem Dorf gekommen sein 

solle. Dessen ungeachtet seien auch die weiterführenden Aussagen zur 

Durchsuchung wenig überzeugend. Des Weiteren habe er auch über die 

angebliche Festnahme des Vaters nicht ausführlich berichten können. Er 

habe bloss gesagt, man habe der Mutter mitgeteilt, er solle sich den Taliban 

stellen, ansonsten man den Vater töten werde. Obwohl es sich um ein ein-

schneidendes Ereignis handle, sei er nicht in der Lage gewesen, Genaue-

res zu erzählen. Auch wenn er nicht anwesend gewesen sei, wäre zu er-

warten gewesen, dass er substanziierter über die Festnahme zu berichten 

gewusst hätte, zumal ihn die Mutter und der Bruder ja im Camp besucht 

und über die Ereignisse aufgeklärt hätten. Auch die weiteren Schilderun-

gen zu den angeblichen Besuchen der Taliban bei der Mutter und die Tö-

tung des Vaters habe er nicht anschaulich darstellen können. So seien den 

Ausführungen weder Einzelheiten zu den konkreten Vorfällen, noch irgend-

welche persönliche Erinnerungen zum damaligen Empfinden zu entneh-

men. Ähnlich vage seien sodann auch die Aussagen betreffend die Furcht 

vor (zukünftiger) Verfolgung ausgefallen. Er habe hierzu erläutert, dass ihm 

bei einem weiteren Verbleib in Afghanistan wahrscheinlich eine weitere 

Verfolgung seitens der Taliban gedroht hätte, so habe er befürchtet, dass 

man erneut ein Familienmitglied als Geisel genommen hätte. Weitere, prä-

zisere Ausführungen habe er nicht machen können. Es genüge aber nicht, 

eine Furcht lediglich mit Vermutungen zu begründen. Vielmehr seien hin-

reichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung erforderlich, die auf 

einer objektiven Betrachtungsweise und nicht dem subjektiven Empfinden 

fussten. Mangels solcher genügender Anhaltspunkte sei vorliegend von 

keiner begründeten Furcht auszugehen. Gegen eine solche spreche der 

Umstand, dass er persönlich nie direkten Kontakt zu den Taliban gehabt 

habe. Er habe sich überwiegend im Camp aufgehalten, sei aber selten – 

ein bis zweimal pro Jahr – kurzzeitig in sein Dorf zurückgekehrt. Hätten die 

Taliban ein solches Interesse an seiner Person gehabt wie vorgebracht, 

wäre zu erwarten gewesen, dass er in all den Jahren im Dorf aufgesucht 

worden wäre, zumal die Taliban sein Haus gekannt hätten. Das Vorbringen, 

man habe alle Jugendlichen der Region aufgefordert, sich den Taliban an-

zuschliessen, lasse nicht auf eine gezielte Verfolgung schliessen. Auch die 

weiteren Ausführungen hierzu würden eher auf die allgemein herrschende 

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schlechte Sicherheitslage in Afghanistan hindeuten. Daran vermöge auch 

der Umstand, dass man der Mutter das Land weggenommen habe, nichts 

zu ändern, gehe aus seinen Aussagen doch nicht hervor, ob es sich um 

eine gezielte Massnahme handle oder ob dieser Vorfall als Ausdruck der 

allgemein schlechten Sicherheitslage zu werten sei. Da die angebliche Ver-

folgung seitens der Taliban für unglaubhaft befunden worden sei, seien 

auch die geltend gemachten Schwierigkeiten der Mutter nach seiner Aus-

reise nicht als glaubhaft zu qualifizieren. Aufgrund der durchwegs äusserst 

vagen und nicht nachvollziehbaren Aussagen ist demnach weder davon 

auszugehen, dass ihm und seinen Familienangehörigen das Geschilderte 

wiederfahren sei, noch dass ihm und der Familie asylrelevante Verfol-

gungsmassnahmen drohen würden. Daran vermöchten auch die einge-

reichten Beweismittel nichts zu ändern. 

5.2 In der Beschwerde wird dagegen vorgebracht, der Ansicht der 

Vorinstanz, dem Beschwerdeführer sei es nicht gelungen, in nachvollzieh-

barer und ausführlicher Weise zu erklären, wann die Schwierigkeiten mit 

den Taliban angefangen hätten, könne nicht gefolgt werden. Auf die Frage, 

wann die Probleme mit den Taliban angefangen hätten, habe er geantwor-

tet, dies sei in C._______ auf dem Bazar gewesen, diese Aussage aber 

kurz darauf korrigiert und geschildert, dass ihn die Taliban bereits in seinem 

Dorf verfolgt hätten und von ihm gefordert hätten, dass er sich ihnen an-

schliesse. Im Rahmen seiner Arbeit für die Franzosen habe er diese zu 

einem Bazar begleitet, welcher dank einem Projekt der Franzosen über 

Stromversorgung verfügt habe. Die Franzosen hätten den Dorfältesten be-

ziehungsweise Dorfbewohnern verschiedene Dinge betreffend Elektrizi-

tätsversorgung und Strom erklärt, da die Zuhörer jedoch Pashai und 

Paschtu gesprochen, die Dolmetscher der Franzosen jedoch nur Dari be-

herrscht hätten, habe er die Erläuterungen von Dari auf Pashai bezie-

hungsweise Paschtu übersetzt. Da er Manager dieses Projekt gewesen 

sei, habe er anlässlich dieses Zusammentreffens auch eine Rede gehalten, 

wobei er von den Taliban aus seinem Dorf gesehen worden sei. Aufgrund 

seiner führenden Rolle im Rahmen dieses Projekts sei auch nachvollzieh-

bar, warum er auf dem Bazar habe erkannt worden sei. Ungefähr eine Wo-

che nach der Veranstaltung auf dem Bazar sei seiner Familie dann der 

Drohbrief zugestellt worden. Er habe nachvollziehbar geschildert, wieso 

gerade er diesen Brief erhalten habe. Sein Vater sei zu alt, sein Bruder 

jedoch zu jung gewesen, um sich den Taliban anzuschliessen. Er als jun-

ger, gesunder und gut ausgebildeter Mann sei jedoch prädestiniert für die 

Arbeit mit den Taliban gewesen. Er habe dem Brief zuerst wenig Beachtung 

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Seite 11 

geschenkt, sich jedoch vorgenommen, die Arbeit im Laden im Camp auf-

zugeben. Sein Vorbringen, die Taliban hätten ihn über seine Familie wissen 

lassen, dass er mit den Ungläubigen zusammenarbeite und sie ihn aus der 

Welt schaffen würden, sei nachvollziehbar und er habe überzeugend be-

schrieben, dass es ihm nicht möglich gewesen sei, plötzlich mit der Arbeit 

aufzuhören, da er das Projekt habe zu Ende bringen müssen. Wenn die 

Vorinstanz argumentiere, es sei wenig plausibel, dass die Taliban ihn mit-

tels Drohbrief vorgewarnt hätten statt gleich aufzugreifen, sei zu berück-

sichtigen, dass diese keine Zugang zu ihm gehabt hätten, da er sich ja im 

Camp der Franzosen, welches bewacht worden sei, aufgehalten habe. Des 

Weiteren sei das Verteilen von Drohbriefen eine beliebte, weit verbreitete 

Taktik der Taliban in Afghanistan. Nach der Bombenexplosion sei er ver-

dächtigt worden, weil den Taliban bekannt gewesen sei, dass er der Ein-

zige aus seinem Dorf gewesen sei, der mit den Franzosen zusammenge-

arbeitet habe. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz habe er seine Arbeit für 

das Projekt der Franzosen detailliert geschildert. Wenn die Vorinstanz an-

merke, er habe es unterlassen detaillierte Ausführungen zur Hausdurchsu-

chung zu machen, sei dem entgegenzuhalten, dass in der Anhörung nur 

zwei oberflächliche Fragen diesbezüglich gestellt worden seien. Ihm sei es 

demzufolge gar nicht ermöglicht worden, detailliert von der Hausdurchsu-

chung zu erzählen, bei der die Taliban die Haustür eingeschlagen und ei-

nen Grossteil der Einrichtung des Hauses, unter anderem die Solarpanels 

und seinen Laptop, zerstört hätten. Wenn die Vorinstanz ausserdem be-

mängele, er sei nicht in der Lage gewesen, Genaueres über die Festnahme 

des Vaters zu berichten, so sei naheliegend, dass er nicht umfangreich von 

diesem Ereignis habe erzählen können, sei er doch wie bei der Hausdurch-

suchung nicht selber anwesend gewesen. Er habe nachvollziehbar ge-

schildert, wie ihn seine Mutter gewarnt habe und er nach einem Monat er-

fahren habe, dass sein Vater getötet worden sei. Er sei in jener Nacht kurz 

nach Hause gegangen, um Abschied zu nehmen, wobei die Mutter ihn ge-

beten habe zu fliehen, da sich am nächsten Morgen alle für die Beerdigung 

versammeln würden. Insgesamt habe sich das Verfolgungsinteresse der 

Taliban aufgrund seiner Arbeit für die Franzosen, welche als Ungläubige 

angesehen würden, und aufgrund seines Fachwissens im Bereich Elektri-

zität, welches auch für die Taliban von Nutzen gewesen wäre, ergeben. 

Gemäss Vorinstanz genüge es nicht, eine Furcht vor Verfolgung lediglich 

mit Vermutungen zu begründen. Seine Furcht habe sich jedoch bewahr-

heitet. Sein Bruder sei von den Taliban mitgenommen und gezwungen wor-

den, für diese zu arbeiten. Es sei seinem Bruder dann jedoch gelungen zu 

fliehen und zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Pa-

kistan auszureisen. Die Vorinstanz ziehe nicht in Zweifel, dass er im Camp 

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Seite 12 

des französischen Militärs gearbeitet habe, womit dieser Teil seiner Vor-

bringen glaubhaft und für die Entscheidfällung relevant sei. Aus UNO-Be-

richten gehe hervor, dass regierungsfeindliche Truppen, insbesondere Ta-

liban, systematisch und gezielt Zivilisten verfolgen und angreifen würden, 

die tatsächlich oder vermeintlich die internationale Gemeinschaft in Afgha-

nistan, einschliesslich der internationalen Streitkräfte und der internationa-

len humanitären Hilfs- und Entwicklungsakteure, unterstützten bezie-

hungsweise mit diesen verbunden seien. Zu den primären Zielen solcher 

Angriffe gehörten unter anderem Mitarbeiter von humanitären Hilfs- und 

Entwicklungsorganisationen und Bauarbeiter. Über gezielte Tötungen hin-

aus setzten die regierungsfeindlichen Kräfte Berichten zufolge Bedrohun-

gen, Einschüchterungen, Entführungen und Brandanschläge ein, um Ge-

meinschaften und Einzelpersonen einzuschüchtern und auf diese Weise 

ihren Einfluss und ihre Kontrolle zu erweitern. Gemäss Praxis des Bundes-

verwaltungsgerichts liessen sich Gruppen von Personen definieren, die 

aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt 

seien. Dazu würden unter anderen Personen gehören, die der afghani-

schen Regierung oder der internationalen Gemeinschaft nahe stünden o-

der als Unterstützer derselben wahrgenommen würden. Dies betreffe ins-

besondere afghanische wie ausländische Mitarbeitende von internationa-

len Organisationen, Unternehmen oder NGOs. Somit falle er gemäss 

Rechtsprechung in eine konkrete Risikogruppe, da er für das französische 

Militär tätig gewesen sei. Die für Personen der Risikogruppe mit erheblicher 

Wahrscheinlichkeit drohende Verfolgung durch die Taliban oder durch an-

dere regimefeindliche Verbände stelle eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 

AsylG dar. 

5.3 In der Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, dass sich die Be-

schwerde vorwiegend darauf beschränken würde, bereits Gesagtes zu 

wiederholen und keine neuen und erheblichen Tatsachen oder Beweismit-

tel vorlägen, welche eine Änderung des Standpunktes rechtfertigen wür-

den. Wie in der angefochtenen Verfügung bereits ausführlich dargelegt, sei 

es dem Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörung weder gelungen, ein 

erhöhtes Interesse der Taliban an seiner Person geltend zu machen, noch 

habe er die angeblich erlebten Verfolgungsmassnahmen respektive eine 

begründete Furcht davor überzeugend darzulegen vermocht. Einzig auf-

grund seiner Arbeit für das französische Militär könne nicht bereits auf eine 

Verfolgung durch die Taliban geschlossen werden. Vielmehr wäre es seine 

Aufgabe gewesen, nachvollziehbar zu erläutern, inwiefern er ins Visier der 

Taliban geraten sei und glaubhaft zu erklären, wie sich seine Verfolgung 

zugetragen habe, beziehungsweise inwiefern er deswegen begründete 

D-2879/2018 

Seite 13 

Furcht vor einer zukünftigen Verfolgung haben müsse. Dies sei ihm aber 

nicht gelungen, weshalb ihm keine Verfolgung seitens der Taliban respek-

tive keine begründete Furcht davor zuzusprechen sei. 

5.4 In der Replik wird dagegen erklärt, dass den Ausführungen der Vor-

instanz nicht gefolgt werden könne. Der Beschwerdeführer sei aufgrund 

seiner Arbeit für die Franzosen ins Visier der Taliban geraten. Durch seine 

leitende Stellung an der Versammlung beziehungsweise Veranstaltung auf 

dem Bazar habe er sich exponiert und seien die Taliban auf ihn aufmerk-

sam geworden. Sowohl seine führende Rolle für einen ausländischen Ar-

beitgeber als auch sein Fachwissen im Bereich der Elektrizität hätten zu 

einem erhöhten Interesse der Taliban an ihm geführt. Gemäss UNHCR 

(United Nations High Commissioner for Refugees) verfügten Personen, die 

tatsächlich oder vermeintlich mit der Regierung und der internationalen Ge-

meinschaft einschliesslich der internationalen Streitkräfte verbunden seien 

oder diese tatsächlich oder vermeintlich unterstützten, über ein Risikoprofil. 

Als besonders gefährdet würden gemäss UNHCR Zivilisten gelten, welche 

mit den internationalen Streitkräften verbunden seien oder diese unter-

stützten. Es sei ersichtlich, dass er dieses Risikoprofil erfülle. Kurz nach 

der Veranstaltung auf dem Bazar hätten die Verfolgungsmassnahmen 

durch die Taliban begonnen. So habe seine Familie den Drohbrief der Tali-

ban erhalten, nach der Bombenexplosion sei aufgrund des Spionagever-

dachts das Haus der Familie durchsucht worden und sein Vater sei durch 

die Taliban mitgenommen und schliesslich getötet worden. Bezüglich der 

begründeten Furcht vor einer zukünftigen Verfolgung habe er in den Anhö-

rung dargelegt, dass er besorgt gewesen sei, dass die Taliban erneut ein 

Familienmitglied als Geisel genommen hätten, wenn er seine Arbeit nicht 

verlassen hätte. Seine Befürchtungen hätten sich bewahrheitet, als der 

Bruder von den Taliban mitgenommen und von diesen gezwungen worden 

sei, für sie zu arbeiten. Dem Bruder sei jedoch die Flucht und zusammen 

mit seiner Mutter und seiner Schwester die Ausreise nach Pakistan gelun-

gen. Es handle sich somit um eine begründete Furcht vor einem Ereignis, 

welches auch eingetreten sei. Aufgrund der bereits erlittenen Verfolgung 

und mit Blick auf die aktuellen Vorkommnisse, wie die Beschlagnahmung 

der Ländereien der Familie, die Festnahme des Bruders und die Flucht der 

Familie nach Pakistan, sei davon auszugehen, dass ihm auch in Zukunft 

weitere, asylrelevante Verfolgungsmassnahmen drohten. 

5.5 In seiner Eingabe vom 17. Januar 2019 führte der Beschwerdeführer 

aus, dass sich die Mutter seit der Hausdurchsuchung durch die Taliban in 

ärztlicher Behandlung befinde. Auf der Suche nach ihm seien die Taliban 

D-2879/2018 

Seite 14 

damals äusserst gewalttätig vorgegangen, hätten seinen Vater mitgenom-

men und seiner Mutter das (…) gebrochen. Die beiliegenden Beweismittel 

würden belegen, dass sich die Mutter wegen (…) und ihrem (…) immer 

noch in ärztlicher Behandlung befinde. In diesem Jahr werde sie am (…) 

operiert. Dies zeige einerseits deutlich, wie radikal die Taliban auf der Su-

che nach ihm vorgegangen seien. Andererseits würde damit belegt, dass 

seine Familie wegen seiner früheren Tätigkeit und der daraus resultieren-

den Gefahr nach Pakistan habe fliehen müssen. 

5.6 In seiner Eingabe vom 29. März 2019 führte der Beschwerdeführer 

aus, dass sein Onkel ihm mitgeteilt habe, dass die Taliban nach wie vor in 

seinem Heimatdorf nach ihm suchen würden. Die Taliban würden mit Pla-

katen, auf welchem ein Foto abgedruckt sei, welches in bei seiner früheren 

Tätigkeit zeige, nach ihm suchen. Zusätzlich zu dem abgebildeten Foto 

stehe auf dem Plakat, dass er für die französische Armee gearbeitet habe 

und deshalb getötet werden müsse. Diejenige Person, welche ihn töte, 

komme ins Paradies. Seinem Onkel sei es leider nicht möglich gewesen, 

das gesamte Plakat abzufotografieren. Unbekannte Personen seien, nach-

dem der Onkel das Plakat fotografiert habe, am Abend vorbeigekommen 

und hätten sich nach seinem [Beschwerdeführer] Aufenthaltsort erkundigt. 

Sein Onkel habe angegeben, nicht zu wissen, wo er sich befinde. 

5.7 In seiner Eingabe vom 30. Januar 2020 legte der Beschwerdeführer 

dar, dass sein Onkel ihm vor kurzem mitgeteilt habe, dass die Taliban un-

terdessen wüssten, dass sich seine Familie in Pakistan befinde. Aus Angst 

vor der Verfolgung durch die Taliban habe sich die Familie in Pakistan nicht 

angemeldet. Dies bedeute, dass sie sich illegal im Land aufhielten, wes-

halb die Gefahr bestehe, dass sie nach Afghanistan ausgeschafft würden. 

Seine Familie teile sich mit einer anderen Familie aus Afghanistan eine 

Wohnung und lebe unter prekären Bedingungen und der ständigen Sorge, 

dass ihr Versteck auffliege und sie von den Taliban mitgenommen würden, 

wie dies bereits einmal seinem Bruder passiert sei. 

6.  

6.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von 

bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr 

die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-

gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu 

werden drohen, und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen 

D-2879/2018 

Seite 15 

Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und 2008/4 E. 5.2, je 

m.w.H.). Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes 

setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass 

die betroffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausrei-

chenden Schutz finden kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 6, 2008/12 E. 7.2.6.2 

und 2008/4 E. 5.2). Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingsei-

genschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise bestehenden 

Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation zum 

Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der 

Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der 

objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid 

sind deshalb zugunsten und zulasten der ein Asylgesuch stellenden Per-

son zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/12 E. 5 und 2010/57 E. 2, beide 

m.w.H.).  

6.2 Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne dieser Bestimmung 

liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, Letztere hätte 

sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch 

aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu-

kunft verwirklichen. Es müssen demnach hinreichende Anhaltspunkte für 

eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in ver-

gleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur 

Flucht hervorrufen würden. Die erlittene Verfolgung oder die begründete 

Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal 

für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich 

auch im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein. 

7.  

7.1 Die Vorinstanz bestreitet weder in der angefochtenen Verfügung noch 

im Rahmen des Schriftenwechsels auf Beschwerdeebene die vom Be-

schwerdeführer vorgetragene Tätigkeit für das französische Militär; es wer-

den auch keine Zweifel am Inhalt der eingereichten Beweismittel geäus-

sert.  

Das Bundesverwaltungsgericht sieht sich ebenso wenig veranlasst, diese 

Sachverhaltselemente in Zweifel zu ziehen. Der Beschwerdeführer hat 

seine Tätigkeit für das französische Militär mit Beweismitteln belegt und 

sich in den Befragungen in substanziierter Weise zu seiner Tätigkeit ge-

D-2879/2018 

Seite 16 

äussert, so machte er etwa Aussagen zu seinem Arbeitsort, seinen Aufga-

ben, seinem Arbeitsalltag und schildert, wie er zu seiner Tätigkeit für das 

französische Militär gekommen ist. 

7.2 Die Vorinstanz argumentiert zunächst, dass es dem Beschwerdeführer 

nicht gelungen sei, in nachvollziehbarer Weise darzulegen, wie die Schwie-

rigkeiten mit den Taliban begonnen hätten. Dieser Einschätzung kann nach 

Ansicht des Gerichts nicht gefolgt werden. So hat der Beschwerdeführer 

diesbezüglich insbesondere ausgeführt, er sei den Taliban aufgefallen, als 

er mit den Franzosen auf einem Bazar gearbeitet, diesen mit Strom ver-

sorgt und den Leuten erklärt habe, wie der Strom zu benutzen sei. Aus dem 

Umstand, dass Personen, welche den internationalen Militärkräften nahe-

stehen oder als Unterstützer derselben wahrgenommen werden, aufgrund 

ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind (vgl. 

nachfolgend E. 7.4.2), lässt sich im Umkehrschluss ein erhöhtes Interesse 

an solchen Personen seitens der Taliban ableiten. Es erstaunt also nicht, 

dass die Taliban auf ihn aufmerksam geworden sind, zumal die französi-

schen Soldaten, mit denen er unterwegs war, mutmasslich als solche zu 

erkennen waren, der Beschwerdeführer anlässlich dieses Ereignisses ex-

poniert in Erscheinung getreten ist (vgl. […]) und er überdies ohnehin an-

gegeben hat, er sei von einem Taliban aus seinem Heimatdorf erkannt wor-

den, wobei die Taliban dort bereits früher versucht hätten, ihn zu rekrutie-

ren. Angesichts der vorgängigen Erwägungen ist auch das vorinstanzliche 

Argument, es sei wenig wahrscheinlich, dass er auf dem Bazar, einem üb-

licherweise stark frequentierten Platz, erkannt worden sei, als wenig über-

zeugend zu werten.  

Die vorinstanzliche Argumentation geht sodann auch fehl, wenn sie den 

weiteren Verlauf der Vorbringen als wenig nachvollziehbar qualifiziert. So 

sind Drohbriefe eine verbreitete Taktik der Taliban, welche dazu dienen soll, 

Angst zu verbreiten und dafür zu sorgen, dass die Bevölkerung sich nicht 

in irgendeiner Weise mit der afghanischen Regierung oder der internatio-

nalen Gemeinschaft einlässt (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], 

Schnellrecherche der SFH-Länderanalyse vom 4. März 2016 zu Afghanis-

tan: Drohbriefe der Taliban, S. 1). Angesichts dessen ist insbesondere auch 

im vorliegenden Fall plausibel, dass die Taliban der Familie des Beschwer-

deführers zuerst einen an ihn adressierten Drohbrief haben zukommen las-

sen, da er im Camp der Franzosen, wo er sich praktisch durchgehend auf-

gehalten hat (vgl. […]), nicht greifbar war. 

D-2879/2018 

Seite 17 

Insofern die Vorinstanz argumentiert, der Beschwerdeführer habe den ge-

gen ihn bestehenden Spionageverdacht nicht anschaulich zu erläutern ver-

mocht, ist dem ebenfalls nicht zu folgen. So wird aus den Ausführungen 

des Beschwerdeführers zunächst deutlich, dass der Spionagevorwurf 

grundsätzlich darin bestand, dass er Informationen über die Versammlung 

der Taliban in seinem Dorf weitergegeben haben soll (vgl. […]). Auch er-

läutert der Beschwerdeführer in durchaus nachvollziehbarer Weise, dass 

dieser Vorwurf entstanden sei, da er als einziger aus seinem Dorf im Camp 

der Franzosen gearbeitet habe (vgl. […]), was den Taliban zu diesem Zeit-

punkt ja bereits bekannt gewesen sei. Die Antwort des Beschwerdeführers 

auf die Frage, wie die Taliban denn dazu gekommen seien, ihn der Spio-

nage zu verdächtigen (vgl. […]), bezieht sich sodann offensichtlich auf je-

nen Moment, als er mit den Franzosen zwecks eines Projektes auf dem 

Bazar war und dort von den Taliban gesehen worden ist. Der Beschwerde-

führer hat sich hierzu weitgehend konzis geäussert (vgl. […]) und seitens 

der Vorinstanz wurden im Anschluss an die vorgängig erwähnte Frage 

keine vertiefenden Nachfragen gestellt. Angesichts dessen erscheint der 

Vorwurf, er habe dazu nichts Genaueres sagen können, nicht gerechtfer-

tigt.  

Unter Berücksichtigung der vorgängigen Erwägungen ist es sodann durch-

aus plausibel, dass es zur Hausdurchsuchung durch die Taliban gekom-

men ist. Insofern dem Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang von 

der Vorinstanz vorgeworfen wird, seine weiterführenden Aussagen zur 

Hausdurchsuchung seien wenig überzeugend ausgefallen, ist anzumer-

ken, dass er in der Anhörung gar nie direkt zu dieser Hausdurchsuchung 

befragt worden ist. So erwähnt der Beschwerdeführer sie lediglich neben-

bei und anlässlich von Antworten auf Fragen, die nicht auf eine vertiefte 

Schilderung dieses Ereignisses an sich abzielten (vgl. […]).  

Wenn sodann auch argumentiert werden könnte, die Aussagen des Be-

schwerdeführers zur Mitnahme des Vaters und den Besuchen der Taliban 

seien eher kurz gehalten, so ist dennoch nicht von einer völligen Substanz-

losigkeit auszugehen. So legt der Beschwerdeführer bereits anlässlich der 

freien Schilderung der Asylgründe dar, wie es zur Mitnahme des Vaters ge-

kommen sei, dass er im Anschluss daran die Franzosen darüber benach-

richtigt habe, um zu sehen, ob diese etwas für ihn tun könnten und äussert 

sich auch spontan zu inneren Gedankengängen, welche dieser Vorfall aus-

gelöst habe, nämlich Schuldgefühle darüber, dass der Vater, der nichts ver-

brochen habe, an seiner Stelle bestraft werde (vgl. […]). Später führt der 

Beschwerdeführer diesbezüglich noch aus, was die Taliban anlässlich der 

D-2879/2018 

Seite 18 

Mitnahme des Vaters mitgeteilt hätten und zu wem beziehungsweise wohin 

er sich hätte begeben sollen, um sich zu stellen (vgl. […]). Er schildert aus-

serdem, dass die Franzosen ihm mitgeteilt hätten, sie würden nichts für ihn 

tun können, und wiederholt, dass die Mutter nicht gewollt habe, dass er 

sich den Taliban stelle (vgl. […]). In der Folge erwähnt der Beschwerdefüh-

rer in Antwort auf die Frage, was nach der Mitnahme des Vaters passiert 

sei, dass die Taliban nach zwei bis drei Wochen erneut vorbeigekommen 

seien und gefragt hätten, warum er sich noch nicht gestellt habe, respektive 

gedroht hätten, sie würden den Vater töten, wenn er sich nicht stelle. Auf 

diesen Besuch der Taliban wurde seitens der befragenden Person nicht 

weiter eingegangen, sondern der Beschwerdeführer wurde sogleich ge-

fragt, was nach diesem Besuch passiert sei (vgl. […]).  

Dass der Beschwerdeführer keine genauen Angaben zur Tötung des Va-

ters machen konnte, kann ihm nicht angelastet werden, waren doch offen-

sichtlich weder er, noch jemand der ihm darüber hätte berichten können 

bei diesem Vorkommnis anwesend. Der Beschwerdeführer setzt seine 

Schilderung mit dem Moment fort, als der Vater erhängt an einem Baum 

gefunden worden sei, und schildert unaufgefordert weitere Details darüber, 

wie etwa das die Taliban niemanden in die Nähe gelassen hätten, dass alle 

den Toten als Warnung hätten sehen sollen und dass schliesslich die 

Weissbärtigen zu den Taliban gegangen seien und gesagt hätten, dass 

dies keine gute Tat sei beziehungsweise dass man so etwas nicht mache, 

woraufhin sie die Leiche des Vaters erhalten hätten (vgl. […]). Zwar trifft es 

zu, dass der Beschwerdeführer betreffend den weiteren Verlauf der Ge-

schehnisse in relativ pauschaler Weise ausgeführt hat, die Mutter habe ge-

sagt, er solle seinen Bruder mitnehmen und von dort [zu Hause] weggehen, 

da sie auch in Gefahr seien beziehungsweise er habe vom Vater Abschied 

genommen und die Mutter habe gesagt, bevor die Leute erführen [dass er 

sich zu Hause aufhalte], soll er von dort weggehen (vgl. […]). Allerdings ist 

in diesem Zusammenhang auch anzumerken, dass der Beschwerdeführer 

angegeben hat, er habe sich an diesem Tag lediglich zwei Stunden zu 

Hause aufgehalten (vgl. […]). 

Schliesslich ist im Hinblick auf die von der Vorinstanz erwähnten Ereignisse 

(Hausdurchsuchung, Mitnahme des Vaters, weiterer Besuch der Taliban) 

zu berücksichtigen, dass es sich um Vorfälle handelt, bei denen der Be-

schwerdeführer nicht persönlich anwesend war. Dass er diese Vorkomm-

nisse nicht detaillierter beschreiben konnte, erscheint angesichts seines 

Wissens aus zweiten Hand verständlich. Insgesamt ist auch zu berücksich-

tigen, dass zwischen den fluchtauslösenden Ereignissen und der Anhörung 

D-2879/2018 

Seite 19 

zu den Asylgründen ganze sechs Jahre vergangen sind. Dieser Umstand, 

der auch zu erklären vermag, weshalb der Beschwerdeführer zu bestimm-

ten Details seiner Asylvorbringen anlässlich der Anhörung keine präzisen 

Angaben mehr zu machen im Stande war beziehungsweise weshalb per-

sönliche Erinnerungen zum Erlebten unter Umständen gefehlt haben, 

wurde durch die Vorinstanz nicht berücksichtigt.  

7.3 Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Argumentation 

der Vorinstanz, welche sich weitgehend darauf beschränkt hat, den Vor-

bringen des Beschwerdeführers die Nachvollziehbarkeit abzusprechen, 

nicht zu überzeugen vermag. Vielmehr erachtet das Bundesverwaltungs-

gericht den zur Begründung des Asylgesuchs vorgetragenen Sachverhalt 

in seiner Gesamtheit als glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG. Aufgrund der 

nachfolgenden Ausführungen erübrigt es sich, auf die weiteren Beschwer-

devorbringen und die damit zusammenhängenden Beweismittel einzuge-

hen. 

7.4  

7.4.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat zuletzt mit Urteil D-5800/2016 

vom 13. Oktober 2017 (als Referenzurteil publiziert) eine Lagebeurteilung 

zu Afghanistan vorgenommen. Zu verzeichnen war und ist eine deutliche 

Verschlechterung der Sicherheitslage seit dem letzten Länderurteil des 

Bundesverwaltungsgerichts im Jahr 2011 (BVGE 2011/7) und dem Abzug 

der International Security Assistance Force (ISAF) über alle Regionen hin-

weg. Seit dem Übergang der Kontrolle von den ISAF-Kampftruppen auf die 

Afghan National Security Forces (ANSF) hat der Konflikt mehr und mehr 

den Charakter eines Bürgerkrieges angenommen, wobei grosse Teile des 

Staatsgebiets direkt von Kampfhandlungen betroffen sind. Hinzu kommen 

terroristische Anschläge in den von offenen Gefechten weitgehend ausge-

nommenen urbanen Zentren. Im Visier stehen vor allem Grossstädte wie 

Kabul. An dieser Einschätzung ist angesichts der nach wie vor sehr volati-

len Sicherheitslage, welche sich im Jahr 2019 im Verhältnis zum Jahr 2017 

nochmals verschlechtert hat, nach wie vor festzuhalten (vgl. US Commis-

sion on International Religious Freedom [USCIRF]: "Annual Report 2018 – 

Afghanistan" vom 24. Februar 2019, https://www.uscirf.gov/sites/de-

fault/files/Tier2_AFGHANISTAN_2019.pdf; Austrain Centre for Country of 

Origin and Asylum Reserach and Documentation (ACCORD): "ecoi.net 

featured topic on Afghanistan: Overview of security in Afghanistan" vom 

15. Januar 2020, https://www.ecoi.net/en/countries/afghanistan/featured-

topics/general-security-situation-in-afghanistan-and-events-in-kabul/; 

United Nations Assistance Mission in Afghanistan [UNAMA] / Office of the 

D-2879/2018 

Seite 20 

United Nations High Commissioner for Human Rights [OHCHR]: "Protec-

tion of Civilians in Armed Conflict – Annual Report 2012" vom 22. Februar 

2020, https://unama.unmissions.org/sites/default/files/afghanistan_protec-

tion_of_civilians_annual_report_2019_-_22_february.pdf; alle zuletzt ab-

gerufen am 7. Mai 2020). 

7.4.2 Bei der Beurteilung der Sicherheitslage lassen sich Gruppen von Per-

sonen definieren, die aufgrund ihrer Exponiertheit einem erhöhten Verfol-

gungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem Personen, wel-

che der afghanischen Regierung oder der internationalen Gemeinschaft in-

klusive den internationalen Militärkräften nahestehen oder als Unterstützer 

derselben wahrgenommen werden sowie westlich orientierte oder der af-

ghanischen Gesellschaftsordnung aus anderen Gründen nicht entspre-

chende Personen (vgl. dazu: United Nations High Commissioner for Refu-

gees [UNHCR], Eligibility Guidelines for Assessing the International Pro-

tection Needs of Asylum-Seekers from Afghanistan vom 30. August 2018, 

https://www.refworld.org/docid/5b8900109.html, S. 40 ff. [zuletzt abgerufen 

am 7. Mai 2020] sowie die beiden Berichte des European Asylum Office 

[EASO] "Country of Origin Information Report: Afghanistan: Individuals tar-

geted by armed actors in the conflict" vom Dezember 2017, S. 34 und 35 

und "Country Guidance: Afghanistan: Guidance note and common analy-

sis" vom Juni 2018, S. 41-43). Auch andere Quellen berichten von geziel-

ten Angriffen auf Mitarbeiter der afghanischen Regierung oder internatio-

naler Organisationen und einem erhöhten Risiko dieser Personen, einem 

Gewaltakt – insbesondere durch die Hände der Taliban – ausgesetzt zu 

werden (vgl. Australian Departement of Forgein Affairs and Trade [DFAT]: 

"Country Information Report Afghanistan" vom 18. September 2017, Ziff. 

3.19 und 3.23; Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: "Afghanistan: Die ak-

tuelle Sicherheitslage" vom 12. September 2018, insbesondere S. 9). 

7.4.3 Nach Einschätzung des Gerichts gehörte der Beschwerdeführer auf-

grund seiner Tätigkeit für französische Militär im Zeitpunkt seiner Ausreise 

aus Afghanistan zu jener Personengruppe, welche aufgrund ihrer Expo-

niertheit bereits an sich einem erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt ist. 

In diesem Zusammenhang ist sodann noch darauf hinzuweisen, dass, so-

weit die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung von der Stadt Kabul als dem 

Wohn- und Arbeitsort des Beschwerdeführers spricht und ausführt an die-

sem Ort sei das Risiko Opfer eines gezielten Anschlags der Taliban zu wer-

den geringer, weshalb ein besonderes Interesse an der betreffenden Per-

son erforderlich sei, der Eindruck einer fehlerhaften Arbeitsweise entsteht, 

da sich der vorgetragene Sachverhalt an einem ganz anderen Ort (Distrikt 

D-2879/2018 

Seite 21 

C._______, Provinz Kapisa) abgespielt hat und der Beschwerdeführer kei-

nerlei Beziehungen zu Kabul aufweist. Schliesslich hat sich die für Perso-

nen mit dem Profil des Beschwerdeführers an sich schon zu bejahende 

abstrakte Gefährdung durch die glaubhaft gemachten Behelligungen, ins-

besondere durch die erfolgte Entführung und Tötung des Vaters, welche 

über die in Afghanistan bestehende allgemeine Sicherheitsgefährdung hin-

ausgehen, in individueller Hinsicht konkretisiert.  

7.5 Nach dem Gesagten gelangt das Gericht zum Schluss, dass der Be-

schwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Afghanistan im Jahr 2012 

aufgrund seines Profils begründete Furcht vor Verfolgung durch die Taliban 

und andere regierungsfeindliche Gruppierungen im Sinne von Art. 3 AsylG 

hatte. Nachdem sich die Sicherheits- und Verfolgungslage in Afghanistan 

seit seiner Ausreise keineswegs verbessert, sondern vielmehr über alle 

Regionen hinweg weiter verschlechtert hat (vgl. Referenzurteil 

D-5800/2016 E. 7.6), ist davon auszugehen, dass er im Falle einer Rück-

kehr nach Afghanistan begründeterweise auch aktuell künftige Übergriffe 

seitens der Taliban oder anderer regierungsfeindlicher Gruppierungen zu 

befürchten hat.  

7.6 Nachdem die festgestellte Verfolgungsgefahr nicht von staatlichen Or-

ganen, sondern von Dritten ausgeht und am Herkunftsort die Schutzfähig-

keit des Staates zu verneinen ist, bleibt die Frage zu prüfen, ob für den 

Beschwerdeführer eine innerstaatliche Flucht- beziehungsweise Schutzal-

ternative besteht. Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsge-

richts bedingt die Annahme einer innerstaatlichen Schutzalternative im 

Lichte der Schutztheorie, dass am Zufluchtsort eine funktionierende und 

effiziente Schutzinfrastruktur besteht und der Staat gewillt ist, der in einem 

anderen Landesteil von Verfolgung betroffenen Person am Zufluchtsort 

Schutz zu gewähren. Praxisgemäss sind an die Effektivität des Schutzes 

am Zufluchtsort hohe Anforderungen zu stellen. Namentlich genügt es 

nicht, dass der Verfolger am Zufluchtsort nicht präsent ist, sondern es muss 

auch die Möglichkeit ausgeschlossen werden können, dass er seinen Ein-

fluss auf diesen Ort ausdehnen kann (vgl. BVGE 2013/5 E. 5.4.3, 

BVGE 2011/51 E. 8.5.1 und 8.6). Schliesslich muss es dem Betreffenden 

individuell zuzumuten sein, den am Zufluchtsort erhältlichen Schutz länger-

fristig in Anspruch nehmen zu können. Dabei sind die allgemeinen Verhält-

nisse am Zufluchtsort und die persönlichen Umstände der betroffenen Per-

son zu beachten und es ist unter Berücksichtigung des länderspezifischen 

Kontextes im Rahmen einer individuellen Einzelfallprüfung zu beurteilen, 

D-2879/2018 

Seite 22 

ob ihr angesichts der sich konkret abzeichnenden Lebenssituation am Zu-

fluchtsort realistischerweise zugemutet werden kann, sich dort niederzu-

lassen und sich eine neue Existenz aufzubauen. Für die Frage der Zumut-

barkeit kommt der Zumutbarkeitsbegriff gemäss Art. 83 AIG zur Anwen-

dung (vgl. BVGE 2011/51 E. 8).  

Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass die Taliban landesweit aktiv sind 

und in den vergangenen Jahren eine Entwicklung hin zu einer gut organi-

sierten Bewegung durchlaufen haben, wodurch sie in verschiedenen Pro-

vinzen an Einfluss, Macht und Stärke gewonnen haben. Sie verübten auch 

mehrere komplexe Angriffe in Kabul. Die afghanischen Sicherheitskräfte 

können die feindlich gesinnten Konfliktparteien kaum in genügender Weise 

zurückdrängen oder kontrollieren (vgl. Referenzurteil D-5800/2016, 

E. 7.3.1 und 7.3.2). Daraus folgt, dass die afghanischen Sicherheitskräfte 

für Angehörige von Personengruppen mit einem hohen Risikoprofil, zu wel-

chen der Beschwerdeführer gehört, keine funktionierende und effiziente 

Schutzinfrastruktur zur Verfügung stellen können (vgl. Urteile des BVGer 

D-3402/2017 vom 14. Dezember 2017 E. 7.2; E-117/2016 vom 31. Okto-

ber 2017 E. 7.4; D-416/2015 vom 25. August 2017 E. 6.9.3 und 

E-4394/2016 vom 19. April 2018). Eine Schutzalternative im Sinne der 

Rechtsprechung besteht offensichtlich auch in anderen Teilen Afghanis-

tans nicht, zumal die Taliban ihre Aktivitäten in allen Landesteilen entfalten 

und die Schutzinfrastruktur gegenüber derjenigen von Kabul auch in ande-

ren grossen Städten nicht effizienter ist. Überdies hat auch die Vorinstanz 

in der angefochtenen Verfügung die Zumutbarkeit einer innerstaatlichen 

Wohnsitzalternative verneint. 

8.  

Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Anhaltspunkte für 

das Vorliegen von Asylausschlussgründen im Sinne von Art. 53 AsylG ge-

hen aus den Akten nicht hervor, weshalb ihm Asyl zu gewähren ist (Art. 49 

AsylG). Die Wegweisung und die vorläufige Aufnahme fallen somit dahin. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

9.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

D-2879/2018 

Seite 23 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die 

ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Eine 

Entschädigung des amtlich eingesetzten Rechtsvertreters durch das Bun-

desverwaltungsgericht entfällt somit. 

Der Rechtsvertreter hat mit Eingabe vom 27. Juni 2018 eine aktualisierte 

Kostennote in der Höhe von Fr. 1'750.– eingereicht. Der veranschlagte 

Stundenansatz von Fr. 200.– bewegt sich im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 

VGKE. Die ausgewiesenen Auslagen von Fr. 50.– erscheinen angemes-

sen, der ausgewiesene Zeitaufwand von 8.5 Stunden ist jedoch angesichts 

des seit der Replik erfolgten Aufwandes um 1 Stunde auf 9.5 Stunden zu 

erhöhen. Die Parteientschädigung ist demnach auf Fr. 1'950.– festzuset-

zen (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) und das SEM ist an-

zuweisen, dem Beschwerdeführer diesen Betrag auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-2879/2018 

Seite 24 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 16. April 2018 wird aufgehoben. Das SEM wird ange-

wiesen, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers festzustellen 

und ihm Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1'950.– 

auszurichten.  

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Simon Thurnheer Andrea Beeler 

 

 

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