# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a95ae695-0d2c-5900-ae31-28ed55d274f6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.12.2010 D-8314/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8314-2010_2010-12-13.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-8314/2010
law/mah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 3 .  D e z e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach;
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

A.__________, geboren (...),
Algerien,
c/o (...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 24. November 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-8314/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das BFM mit Verfügung vom 24. November 2010 in Anwendung 
von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, 
SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 6. Okto-
ber 2010 nicht eintrat, die Wegweisung nach Italien verfügte, den Be-
schwerdeführer  –  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unter-
lassungsfall – aufforderte, die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf 
der Beschwerdefrist zu verlassen, feststellte, der Kanton Graubünden 
sei verpflichtet, die Wegweisungsverfügung zu vollziehen, und eine all-
fällige Beschwerde gegen die vorliegende Verfügung habe keine auf-
schiebende  Wirkung,  und  dem  Beschwerdeführer  die  editionspflich-
tigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 2. Dezember 2010 gegen 
diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  ein-
reichte  und  beantragte,  die  angefochtene  Verfügung sei  aufzuheben 
und  das  Amt  anzuweisen,  sein  Recht  zum Selbsteintritt  auszuüben 
und sich für das vorliegende Asylgesuch für zuständig zu erachten, 

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, es sei im Sinne 
vorsorglicher  Massnahmen  der  Beschwerde  die  aufschiebende 
Wirkung zu erteilen, und die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, von 
einer  Überstellung  nach  Italien  abzusehen,  bis  das  Bundesver-
waltungsgericht  über  den  Suspensiveffekt  der  vorliegenden  Be-
schwerde  entschieden  habe,  es  sei  ihm  die  unentgeltliche  Rechts-
pflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021) zu bewilligen, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 
zu verzichten und ihm ein unentgeltlicher Rechtsvertreter beizugeben,

dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung ge-
stützt  auf  Art. 56  VwVG  mit  Verfügung  vom 3. Dezember  2010  vor-
sorglich aussetzte,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM 

Seite 2

D-8314/2010

entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG  und  Art. 52 
VwVG), 

dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  einzig  zu  prüfen  ist,  ob 
das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist  und  infolge-
dessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive 
einer zweiten Richterin  entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und 
es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a 
Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass in der Beschwerde vom 2. Dezember 2010 geltend gemacht wird, 
das  BFM verletze  mit  seiner  Praxis  –  die  Nichteintretensentscheide 
erst  zu diesem Zeitpunkt  zu eröffnen,  in  dem auch die Wegweisung 
vollzogen werden soll – das Gebot des effektiven Rechtsschutzes, 

dass  gemäss  Grundsatzurteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
E-5814/2009  vom  2. Februar  2010  der  Wegweisungsvollzug  ausge-
setzt werden müsse, bis das Bundesverwaltungsgericht über eine all -
fällige Gewährung der aufschiebenden Wirkung nach Art.  107a AsylG 
entscheiden könne,

dass sich das erwähnte Grundsatzurteil auf eine Verfügung des BFM 
bezog, mit welcher unzulässigerweise der  sofortige Vollzug der Weg-

Seite 3

D-8314/2010

weisung  aus  der  Schweiz  angeordnet  wurde,  wodurch  der  be-
schwerdeführenden Person verunmöglicht wurde, während ihres Auf-
enthaltes in der Schweiz die Gewährung der aufschiebenden Wirkung 
zu  verlangen  (vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesverwal-
tungsgerichts [BVGE] 2010/1 E. 3.5),

dass dem Beschwerdeführer hingegen im vorliegenden Fall nach Er-
öffnung  der  Verfügung  bis  zum Ablauf  der  Beschwerdefrist  von  fünf 
Arbeitstagen  ein  Zeitraum  zur  Verfügung  stand,  währenddessen  die 
Wegweisung nicht vollzogen werden konnte (vgl. BVGE 2010/1 E. 6.2),

dass es ihm mithin möglich war, innerhalb dieses Zeitraums die auf -
schiebende Wirkung der Beschwerde zu verlangen und das Bundes-
verwaltungsgericht  den  Vollzug  der  Wegweisung  am  3. Dezember 
2010 gestützt auf Art. 56 VwVG ausgesetzt hat,

dass  deshalb  das  BFM  das  Gebot  des  effektiven  Rechtsschutzes 
(Art. 29a  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossen-
schaft  vom 18. April  1999  [BV, SR 101]  und  Art. 13  der  Konvention 
vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grund-
freiheiten  [EMRK,  SR 0.101])  im  Falle  des  Beschwerdeführers  nicht 
verletzt hat,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  sich  aus  den  Akten  ergibt,  dass  der  Beschwerdeführer  am 
10. November  2008  nach  Italien  einreiste  und  dort  am  12. Februar 
2009 ein Asylgesuch einreichte und entsprechend in der EURODAC 
Datenbank erfasst worden ist,

dass das BFM bei dieser Sachlage und der innert Frist seitens Italiens 
unbeantwortet  gebliebenen  (Art. 20  Abs. 1  Bst. c  Verordnung 
Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Krite-
rien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prü-
fung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat ge-
stellten  Asylantrags  zuständig  ist  [Dublin-II-VO]),  gestützt  auf  Art. 16 
Abs. 1 Bst. e Dublin-II-VO erfolgten Anfrage um Wiederaufnahme des 
Beschwerdeführers vom 3. November 2010 Italien zu Recht als für die 
Durchführung des Asylverfahrens zuständig erachtet hat,

Seite 4

D-8314/2010

dass  in  der  Beschwerde  nichts  Stichhaltiges  geltend  gemacht  wird, 
das in Bezug auf die Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des 
Asylverfahrens zu einer anderen Beurteilung führen könnte, 

dass  der  Beschwerdeführer  geltend  macht,  sein  Asylantrag  sei  in 
Italien abgelehnt worden, weshalb er befürchte, er  werde von Italien 
nach Algerien abgeschoben, wo er verfolgt werde und sein Leben in 
Gefahr sei,

dass Italien unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der 
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und des Übereinkommens vom 
10. Dezember  1984 gegen Folter  und andere grausame,  unmensch-
liche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist 
und keine konkreten Hinweise dafür bestehen, Italien halte sich gene-
rell oder in Bezug auf die Person des Beschwerdeführers nicht an die 
daraus resultierenden Verpflichtungen,

dass  das  italienische  Fürsorgesystem für  Asylsuchende  zwar  in  der 
Kritik  steht,  in  den Aufenthalts-  und Verfahrensbedingungen für  Per-
sonen,  welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  auf-
halten, indessen kein Vollzugshindernis zu erkennen ist,

dass Dublin-Rückkehrende und verletzliche Personen bezüglich Unter-
bringung von den italienischen Behörden bevorzugt behandelt werden 
und sich – neben den staatlichen Strukturen – auch zahlreiche private 
Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flücht-
lingen annehmen,

dass  beispielsweise  die  Organisation  Arciconfraternita  seit  dem 
1. Januar 2009 die Betreuung der Flüchtlinge im Flughafen Fiumicino 
(Rom)  organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose  Rechts-
beratung anbietet,

dass unter diesen Umständen keine konkreten Anhaltspunkte dafür er-
sichtlich  sind,  die darauf  hindeuten,  der Beschwerdeführer  würde im 
Falle einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten,

dass aufgrund der Akten auch sonst keine Gründe zur Ausübung des 
Selbsteintrittsrechts  der  Schweiz  (Art. 3  Abs. 2 Dublin-II-VO) ersicht-
lich sind,

Seite 5

D-8314/2010

dass Art. 15  Abs. 1 Dublin-II-VO grundsätzlich  nur  dann zur  Anwen-
dung gelangt, wenn sich ein Asylbewerber in dem für die Prüfung des 
Asylgesuches nach Art. 6-14 Dublin-II-VO zuständigen Staat  aufhält, 
humanitäre Erwägungen – wie das Zusammenführen von Familienmit-
gliedern – jedoch dafür sprechen, das Asylverfahren in einem weiteren 
Staat durchzuführen (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER, ANDREA SPRUNG, Dublin II-
Verordnung,  Das  Europäische  Asylzuständigkeitssystem,  3. Aufl., 
Wien-Graz 2010, Art. 15, K4, S. 120), 

dass sich der Beschwerdeführer indessen in der Schweiz und damit in 
einem  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  nicht  zuständigen 
Staat  aufhält,  weshalb  entgegen der  in  der  Beschwerde vertretenen 
Auffassung  die  sogenannte  humanitäre  Klausel  von  Art. 15 
Dublin-II-VO vorliegend nicht zum Tragen kommt und demnach für das 
BFM  keine  Veranlassung  bestand,  sich  damit  in  der  Entscheidbe-
gründung auseinanderzusetzen,

dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend 
der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  zudem  kein 
Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Entscheidungen 
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 
2001 Nr. 21),  weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den 
gesetzlichen  Bestimmungen steht  und  demnach  vom Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren  in  den für  die  Prüfung des  Asylgesuches  zustän-
digen Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20),

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet 
hat,

Seite 6

D-8314/2010

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, 

dass die Gesuche, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung 
zu gewähren und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu 
verzichten, angesichts des vorliegenden Entscheids in der Hauptsache 
gegenstandslos werden,

dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 und 2  VwVG zufolge Aussichtslosigkeit  der  Be-
schwerde abzuweisen ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 7

D-8314/2010

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und 
Verbeiständung werden abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-- werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten  Ref.-Nr. N  (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

Versand: 

Seite 8