# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a6ada015-0c54-5be6-a895-79246224d688
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-28
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 28.11.2023 BB.2023.60
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BB-2023-60_2023-11-28.pdf

## Full Text

Verfügung vom 28. November 2023 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Felix Ulrich, als Einzelrichter, 

Gerichtsschreiber Stefan Graf 

   
 

Parteien 

  

A., Rechtsanwältin, 

 

Beschwerdeführerin 

 

 gegen 

   

KANTONSGERICHT WALLIS,  

 

Beschwerdegegnerin 

 

 

Gegenstand  Entschädigung der amtlichen Verteidigung 

(Art. 135 Abs. 3 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2023.60 

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Am 9. Dezember 2018 ereignete sich beim Bahnhof Z. eine tätliche Ausei-

nandersetzung zwischen B., C. und D. Diesbezüglich erhob die Staatsan-

waltschaft des Kantons Wallis (nachfolgend «StA VS») am 2. März 2021 An-

klage gegen B., C. und D. wegen Raufhandel, versuchter und vollendeter 

einfacher Körperverletzung und Drohung (Verfahrensakten VS, pag. 267 ff.). 

Zuvor wurde Rechtsanwältin A. durch die StA VS mit Verfügung vom 29. Mai 

2020 und mit Wirkung auf 22. Januar 2020 als amtliche Verteidigerin von B. 

bestellt (Verfahrensakten VS, pag. 216 f.). 

 

 

B. Das Bezirksgericht Leuk und Westlich-Raron stellte mit Urteil vom 24. Januar 

2022 das Verfahren gegen B. wegen versuchter Tätlichkeiten ein und sprach 

diesen von den Vorwürfen des Raufhandels, der einfachen Körperverletzung 

und der Drohung frei. Gleichzeitig sprach es C. des Raufhandels und der 

mehrfachen einfachen Körperverletzung schuldig. D. wurde des Raufhan-

dels schuldig erkannt. RA A. wurde vom Staat Wallis für die amtliche Vertei-

digung von B. mit Fr. 7'122.– (inkl. Auslagen von Fr. 143.20 und MwSt.) ent-

schädigt (Verfahrensakten VS, pag. 389 ff.). 

 

 

C. Sowohl C. als auch D. legten gegen dieses Urteil Berufung ein. Nebst ande-

rem beantragten sie, B. sei des Raufhandels, eventualiter der einfachen Kör-

perverletzung sowie wegen Drohung schuldig zu sprechen bzw. dieser sei 

gemäss Anklage zu verurteilen und angemessen zu sanktionieren (Verfah-

rensakten VS, pag. 438 ff., 444 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung am 

Kantonsgericht Wallis vom 25. November 2022 reichte RA A. für ihre Auf-

wendungen im Berufungsverfahren eine Honorarnote in der Höhe von 

Fr. 7'533.15 (inkl. Auslagen und MwSt.) ein und beantragte nebst anderem, 

sie sei gemäss Honorarnote und dem Aufwand am Verhandlungstag zu ent-

schädigen (Verfahrensakten VS, 509 ff., 531 ff.). 

 

 

D. In Ziff. 11 des Dispositivs seines Urteils vom 17. Februar 2023 erkannte das 

Kantongericht Wallis Folgendes (act. 1.1): 

 

RA A. wird für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 3'600.– zugesprochen. 

(…) 

 

Das schriftlich begründete Urteil wurde RA A. am 2. März 2023 zugestellt 

(vgl. Verfahrensakten VS, pag. 608). 

- 3 - 

 

 

E. Dagegen erhob RA A. am 13. März 2023 (Montag) Beschwerde bei der Be-

schwerdekammer des Bundesstrafgerichts (act. 1). Sie beantragt Folgen-

des: 

 

1. Es sei die Dispositiv-Ziffer 11 des Urteils des Kantonsgerichts Wallis vom 17. Feb-

ruar 2023 im Strafverfahren P1 22 28 aufzuheben und die Entschädigung der amtli-

chen Verteidigerin (Beschwerdeführerin) auf Fr. 5'625 (zuzüglich MwSt. von 7.7 %) 

und Auslagen in der Höhe von Fr. 270.95 festzusetzen. 

2. Eventualiter sei die Dispositiv Ziffer 11 des Urteils des Kantonsgerichts Wallis vom 

17. Februar 2023 im Strafverfahren P1 22 28 aufzuheben und zur Neubeurteilung 

an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

3. Es sei im vorliegenden Beschwerdeverfahren keine Gerichtsgebühr zu erheben. Im 

Weiteren sei die Vorinstanz zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine Prozess-

entschädigung von Fr. 2'125 (zuzüglich MwSt. von 7.7 %) zu bezahlen. 

 

Mit Schreiben vom 21. März 2023 teilte das Kantonsgericht Wallis mit, auf 

Gegenbemerkungen zur Beschwerde zu verzichten und auf sein Urteil zu 

verweisen (act. 3). Gleichzeitig übermachte es der Beschwerdekammer die 

kantonalen Verfahrensakten. RA A. wurde darüber durch Übermittlung der 

entsprechenden Eingabe des Kantonsgerichts Wallis informiert (act. 4). 

 

 

F. Nachdem B. gegen das Urteil des Kantonsgerichts Wallis auch Beschwerde 

in Strafsachen ans Bundesgericht erhob, überliess die Beschwerdekammer 

diesem vorübergehend die kantonalen Verfahrensakten (vgl. act. 6). Mit Ur-

teil 6B_491/2023 vom 7. August 2023 wies das Bundesgericht die bei ihm 

erhobene Beschwerde ab, soweit es darauf eintrat. Am 3. Oktober 2023 

schritt das Kantonsgericht Wallis gestützt auf Art. 83 Abs. 1 StPO zu einer 

Ergänzung bzw. Berichtigung seines Urteils vom 17. Februar 2023. Dessen 

Dispositiv-Ziffer 11 blieb dabei jedoch unverändert (vgl. act. 7). 

 

 

G. Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men. 

 

 

 

  

- 4 - 

 

 

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Gegen den Entscheid, mit welchem das Berufungsgericht eines Kantons die 

Entschädigung der amtlichen Verteidigung für deren Bemühungen im kanto-

nalen Berufungsverfahren festsetzt, kann diese bei der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts Beschwerde führen (Art. 135 Abs. 3 lit. b StPO 

i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG; BGE 140 IV 213 E. 1.7 m.w.H.). Die Be-

schwerde ist innert zehn Tagen schriftlich und begründet einzureichen 

(Art. 396 Abs. 1 StPO). Die Beschwerdefrist beginnt mit der Eröffnung des 

schriftlich begründeten Entscheids (BGE 143 IV 40 E. 3.4.4). Ist die Be-

schwerdeinstanz ein Kollegialgericht, so beurteilt deren Verfahrensleitung 

die Beschwerde allein, wenn diese die wirtschaftlichen Nebenfolgen eines 

Entscheides bei einem strittigen Betrag von nicht mehr als Fr. 5'000.– zum 

Gegenstand hat (Art. 395 lit. b StPO). Zu den wirtschaftlichen Nebenfolgen 

im Sinne dieser Bestimmung gehört auch die Entschädigung der amtlichen 

Verteidigung (Urteil des Bundesgerichts 6B_477/2018 vom 2. Novem-

ber 2018 E. 1.1 mit Hinweis). 

 

1.2 Die Beschwerdeführerin erhielt als amtliche Verteidigerin von der Beschwer-

degegnerin für das kantonale Berufungsverfahren eine tiefere Entschädi-

gung zugesprochen, als sie beantragt hatte. Sie ist zur vorliegenden Be-

schwerde legitimiert. Auf deren frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten. 

 

1.3 Da der Streitwert vorliegend unter der gesetzlichen Grenze von Fr. 5‘000.– 

liegt, ist die Beschwerde durch den Einzelrichter zu beurteilen.  

 

 

2.  

2.1 In E. 8.5 des angefochtenen Urteils begründet die Beschwerdegegnerin ih-

ren Entscheid zur Entschädigung der Beschwerdeführerin wie folgt: 

 

RA A. reichte vor und anlässlich der rund zweistündigen Berufungsverhandlung einige Doku-

mente ein. Sie reiste aus Zürich an. Das Dossier war durchschnittlich umfangreich und stellte 

keine komplexen Rechtsfragen. Mit der hinterlegten Kostennote macht die Rechtsanwältin 

einen Aufwand von 30.65 Stunden zuzüglich Anreise, die zwei Stunden Berufungsverhand-

lung sowie Auslagen von Fr. 270.95 geltend. Das Studium und die Mitteilung des erstinstanz-

lichen Urteils an den Mandanten (1h) wurden bereits mit der Entschädigung vor erster Instanz 

abgegolten. Die Anreisezeit und -kosten sind deutlich höher, als diejenigen der Verteidiger 

aus dem Wallis. Der geltend gemachte und mit den anderen Verteidigern verglichen bedeu-

tend höhere Aufwand lässt sich indes nur teilweise mit dem Reiseweg und der prozessualen 

- 5 - 

 

 

Stellung begründen. In Berücksichtigung der vorgenannten Kriterien, unter Anwendung des 

Gesetzes betreffend den Tarif der Kosten und Entschädigungen vor Gerichts- oder Verwal-

tungsbehörden des Kantons Wallis vom 11. Februar 2009 (GTar/VS; SGS 173.8), wird das 

Honorar auf Fr. 3‘600.– inkl. MwSt. und Auslagen für das Berufungsverfahren festgelegt. 

 

2.2 Die Beschwerdeführerin macht diesbezüglich sinngemäss geltend, die an-

gegebene Begründung der Beschwerdegegnerin sei unzureichend (act. 1, 

Rz. 8). Zudem wirft sie der Beschwerdegegnerin vor, sie habe die Methode 

der Pauschalentschädigung unsachlich gehandhabt (act. 1, Rz. 9). Anhand 

der von ihr dargelegten Plausibilitätsrechnung (act. 1, Rz. 10 ff.) versucht sie 

darzulegen, dass die zugesprochene Entschädigung viel tiefer liege als ihr 

anwaltlicher Aufwand tatsächlich gewesen sei (act. 1, Rz. 4). 

 

 

3.  

3.1 Die amtliche Verteidigung wird nach dem Anwaltstarif des Kantons entschä-

digt, in dem das Strafverfahren geführt wurde (Art. 135 Abs. 1 StPO). Ge-

mäss dessen Art. 1 Abs. 1 regelt das GTar/VS den Tarif der Kosten und 

Entschädigungen vor Gerichts- und Verwaltungsbehörden des Kantons Wal-

lis in Zivil-, Straf- und Verwaltungssachen. Die Kosten des Rechtsbeistands 

umfassen das Honorar, welches sich nach den Art. 27 ff. GTar/VS berech-

net, und weitere Auslagen (Art. 4 Abs. 3 GTar/VS). Das Honorar hält sich 

zwischen einem in Kapitel 4 des GTar/VS vorgesehenen Minimum und Ma-

ximum. Berücksichtigt wird die Natur und Bedeutung des Falls, die Schwie-

rigkeit, der Umfang, die vom Rechtsbeistand nützlich aufgewandte Zeit und 

die finanzielle Situation der Partei (Art. 27 Abs. 1 GTar/VS). Die Behörde 

setzt das Honorar in runden Zahlen fest, indem sie zudem den Sonderbe-

stimmungen in den verschiedenen Prozessordnungen nachkommt (Art. 27 

Abs. 4 GTar/VS). In Fällen, die eine aussergewöhnliche Arbeit erforderten, 

insbesondere wenn sie teilweise ausserhalb der ordentlichen Arbeitsstunden 

ausgeführt werden musste, wenn die Beweismittel zahlreich und schwierig 

beizubringen oder zu koordinieren waren, das Dossier des Beweisverfah-

rens einen ganz besonderen Umfang annahm, die Rechts- und Sachver-

haltsfragen heikel waren, der Rechtsbeistand mehrere Parteien vertreten 

musste oder sein Klient mehreren Parteien gegenüberstand, kann die Be-

hörde als Honorar einen höheren Betrag gewähren, als im Tarif vorgesehen 

ist (Art. 29 Abs. 1 GTar/VS). Gemäss Art. 36 Abs. 1 lit. j GTar/VS wird das 

Honorar vor dem Kantonsgericht im Berufungs- und Revisionsverfahren fest-

gesetzt auf Fr. 1‘100.– bis Fr. 8‘800.–.  

 

3.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist es zulässig, für das An-

waltshonorar Pauschalen vorzusehen. Die Festsetzung des Honorars im 

- 6 - 

 

 

Rahmen einer Pauschale verletzt als solche das Recht auf effektive Vertei-

digung gemäss Art. 32 Abs. 2 BV nicht (BGE 141 I 124 E. 4.2). Pauschalen 

nach Rahmentarifen erweisen sich aber dann als verfassungswidrig, wenn 

sie auf die konkreten Verhältnisse in keiner Weise Rücksicht nehmen und im 

Einzelfall ausserhalb jedes vernünftigen Verhältnisses zu den von der 

Rechtsanwältin oder vom Rechtsanwalt geleisteten Diensten stehen 

(BGE 143 IV 453 E. 2.5.1 S. 454; 141 I 124 E. 4.3 mit Hinweis auf das Urteil 

des Bundesgerichts 6B_856/2009 vom 9. November 2009 E. 4.4). 

 

 

4.  

4.1.1 Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV 

bzw. Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO leitet das Bundesgericht in ständiger Rechtspre-

chung die Pflicht der Behörden ab, ihre Verfügungen und Entscheide zu be-

gründen. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich die betroffene 

Person über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in 

voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In die-

sem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von 

denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt 

(siehe zuletzt u.a. die Urteile des Bundesgerichts 6B_388/2021 vom 7. Juni 

2023 E. 1.1.2.2; 1B_651/2022 vom 18. Januar 2023 E. 5.1.2; 6B_926/2020 

vom 20. Dezember 2022 E. 1.4.7; 6B_499/2022 vom 12. September 2022 

E. 5.3; jeweils m.w.H.). 

 

4.1.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Seine Verletzung 

führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst 

zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Vorbehalten bleiben Fälle, in 

denen die Gehörsverletzung nicht besonders schwer wiegt und dadurch ge-

heilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor 

einer Instanz äussern kann, welche sowohl Tat- als auch Rechtsfragen un-

eingeschränkt überprüft (BGE 148 IV 22 E. 5.5.2 S. 29; 145 I 167 E. 4.4; 

142 II 218 E. 2.8.1). 

 

4.2 Zur inhaltlichen Würdigung der von der Beschwerdeführerin eingereichten 

Honorarnote lassen sich im angefochtenen Urteil lediglich drei Sätze finden. 

Nebst einer punktuellen Kritik am geltend gemachten Aufwandposten «Stu-

dium und Mitteilung des erstinstanzlichen Urteils an den Mandanten» sowie 

der Feststellung, dass die Anreisezeit und -kosten für die im Kanton Zürich 

praktizierende Beschwerdeführerin deutlich höher seien als für die Verteidi-

ger aus dem Wallis, beschränkt sich die Beschwerdegegnerin auf einen we-

nig konkreten Quervergleich mit eben diesen Verteidigern aus dem Wallis. 

Demnach lasse sich der geltend gemachte und verglichen mit den anderen 

- 7 - 

 

 

Verteidigern bedeutend höhere Aufwand nur teilweise mit dem Reiseweg 

und der prozessualen Stellung begründen. Die von der Beschwerdegegnerin 

pauschal festgelegte Entschädigung für die Beschwerdeführerin beläuft sich 

auf weniger als die Hälfte des mit entsprechender Honorarnote geltend ge-

machten Betrags. Eine Auseinandersetzung der Beschwerdegegnerin in Be-

zug auf die konkret geltend gemachten Aufwendungen kann dem Urteil – mit 

Ausnahme des erwähnten Aufwandpostens «Studium und Mitteilung des 

erstinstanzlichen Urteils an den Mandanten» nicht entnommen werden. Wel-

che anderen Posten sie allenfalls als sachfremd oder übertrieben erachtet, 

bleibt unklar. Auch äussert sich die Beschwerdegegnerin nicht konkret dazu, 

inwiefern der geltend gemachte Zeitaufwand zum Umfang und der Schwie-

rigkeit des Falles in einem offensichtlichen Missverhältnis stehen würde. Die 

Beschwerdegegnerin räumt zwar ein, dass die Beschwerdeführerin höhere 

Anreisezeit und -kosten hatte und dass sich ihr Klient als Beklagter von zwei 

Berufungen in einer besonderen prozessualen Stellung befand. Wie sie die-

sen Umständen konkret Rechnung getragen hat oder von welcher von der 

Beschwerdeführerin nützlich aufgewandten Zeit (vgl. Art. 27 Abs. 1 GTar/VS) 

bzw. von welchem (auch bei der Honorarbemessung nach Pauschalbeträ-

gen zu berücksichtigenden) effektiven Zeitaufwand (siehe BGE 143 IV 453 

E. 2.5.1 S. 454) sie selber bei der Festlegung der angefochtenen Entschädi-

gung ausging, lässt sich nicht nachvollziehen. Die oben wiedergegebene Be-

gründung (siehe E. 2.1) muss nach dem Gesagten als ungenügend bezeich-

net werden. Die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt als begründet. Da 

die Beschwerdegegnerin darauf verzichtet hat, im vorliegenden Verfahren 

eine nachträgliche Begründung einzureichen, kommt auch eine Heilung der 

Gehörsverletzung nicht in Betracht. Ziff. 11 des Dispositivs des angefochte-

nen Urteils ist aufzuheben und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen (Art. 397 Abs. 2 StPO). Im Rahmen der neuen Entschei-

dung wird die Beschwerdegegnerin auch den nachfolgenden Erwägungen 

Rechnung zu tragen haben. 

 

 

5.  

5.1 Die vorliegend zur Diskussion stehende Entschädigung wurde von der Be-

schwerdegegnerin offensichtlich in Anwendung des Tarifrahmens von 

Art. 36 Abs. 1 lit. j GTar/VS festgesetzt. Wie eingangs erwähnt (E. 3.2) ist ein 

solches Vorgehen nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung grund-

sätzlich zulässig. Die Beschwerdeinstanz ist jedoch gehalten, korrigierend 

einzugreifen, wenn die festgesetzte Pauschale in keiner Weise auf die kon-

kreten Verhältnisse Rücksicht nimmt und im Einzelfall ausserhalb jedes ver-

nünftigen Verhältnisses zu den von der Rechtsanwältin oder vom Rechtsan-

walt geleisteten Diensten steht.  

- 8 - 

 

 

5.2 Ein Quervergleich aller dem Berufungsgericht eingereichten und durch die-

ses beurteilten Honorarnoten erlaubt immerhin eine Bestimmung der von der 

Beschwerdegegnerin angenommenen, konkreten Verhältnisse im vorliegen-

den Fall (siehe act. 1.1, E. 8.3–8.5). Mit Blick auf die in Art. 27 Abs. 1 

GTar/VS enthaltenen Bemessungskriterien hielt die Beschwerdegegnerin für 

alle Beteiligten fest, das Dossier sei durchschnittlich umfangreich und habe 

keine komplexen Rechtsfragen aufgeworfen. Der Verteidiger des Beschul-

digten C. präsentierte der Beschwerdegegnerin eine Honorarnote, mit wel-

cher er einen Aufwand von 16 Stunden und 45 Minuten geltend machte. Da-

bei ging er von einem Stundenansatz von Fr. 180.– aus. Inklusive aller Aus-

lagen machte er eine Entschädigung von Fr. 3'095.30 geltend (siehe Verfah-

rensakten VS, pag. 507 f.). Diesen Aufwand betreffend hielt die Beschwer-

degegnerin fest, ein Aufwandposten von 1 Stunden und 15 Minuten sei be-

reits durch die erstinstanzliche Entschädigung abgegolten. Insgesamt erach-

tete sie für den Verteidiger von C. eine Entschädigung von Fr. 3'000.– (inkl. 

MwSt. und Auslagen) als angemessen. Der Verteidiger von D., dem bezüg-

lich der Tatvorwürfe eine weniger bedeutende Rolle zukam, machte in seiner 

Honorarnote einen Aufwand von 9.65 Stunden zu einem Ansatz von 

Fr. 260.– geltend. Inklusive aller Auslagen beantragte er die Ausrichtung ei-

ner Entschädigung von Fr. 2'773.75 (Verfahrensakten VS, pag. 506). Die 

Beschwerdegegnerin kommentierte diese Honorarnote inhaltlich nicht, er-

achtete aber ein Honorar von Fr. 2'600.– (inkl. MwSt. und Auslagen) als an-

gemessen. Mit anderen Worten hat die Beschwerdegegnerin diese beiden 

Honorarnoten im Grundsatz wie vorgelegt akzeptiert und gestützt darauf die 

entsprechenden Entschädigungen festgelegt. Die geringen Abweichungen 

dürften letztlich auch auf Art. 27 Abs. 4 GTar/VS zurückzuführen sein, wo-

nach die Behörde das Honorar jeweils in runden Zahlen festsetzt. Offensicht-

lich keinen Anlass zur Diskussion gaben die unterschiedlichen Stundenan-

sätze, welche von den beiden Verteidigern geltend gemacht worden sind. 

Dass – wie die Beschwerdeführerin in act. 1, Rz. 28 annimmt – im Kanton 

Wallis für amtliche Mandate ein Stundenansatz von Fr. 180.– üblich sei, lässt 

sich dem angefochtenen Urteil nicht entnehmen. Eine solche Annahme fin-

det im Übrigen auch keine Stütze im GTar/VS.  

 

5.3 Die von der Beschwerdeführerin präsentierte Honorarnote beinhaltet einen 

Stundenaufwand (noch ohne den Aufwand für den mündlichen Berufungs-

prozess) von 30.65 Stunden zu einem Stundenansatz von Fr. 220.–. Inklu-

sive aller Auslagen machte sie für ihre Bemühungen vor der Berufungsver-

handlung eine Entschädigung von Fr. 7'533.15 geltend (Verfahrensakten 

VS, pag. 531 ff.). Unter eingangs angeführter Begründung (siehe E. 2.1) er-

achtete die Beschwerdegegnerin für sie eine Entschädigung von Fr. 3'600.– 

(inkl. MwSt. und Auslagen) als angemessen. Geht man davon aus, dass die 

- 9 - 

 

 

Beschwerdegegnerin den Stundenansatz von Fr. 220.– akzeptierte (dieser 

lag ja schliesslich genau in der Mitte der von den beiden anderen Verteidi-

gern in Rechnung gestellten Ansätzen), so muss in Berücksichtigung der 

(nicht bestrittenen) Auslagen und der Mehrwertsteuer davon ausgegangen 

werden, dass die Beschwerdegegnerin in etwa einen Aufwand von 14 Stun-

den als angemessen erachtete. Dieser Aufwand liegt unter demjenigen des 

Verteidigers von C., obwohl die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführe-

rin im Quervergleich einen (wenn auch nicht genau bezifferten) grösseren 

Reiseaufwand bescheinigte und auch die besondere prozessuale Stellung 

von deren Klienten (als Beklagter von zwei separaten Berufungen) unter-

strich. Damit nennt die angefochtene Begründung zwar konkrete Umstände 

des Einzelfalls, welche den Zuspruch einer höheren Entschädigung zu recht-

fertigen vermögen, trägt ihnen im Ergebnis aber keinerlei Rechnung. Die Be-

schwerde erweist sich auch in diesem Punkt als begründet. 

 

 

6. Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Ziff. 11 des Urteils 

des Kantonsgerichts Wallis P1 22 28 vom 17. Februar 2023 ist aufzuheben 

und zur neuen Entscheidung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerde-

gegnerin zurückzuweisen.  

 

 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Verfahrenskosten zu Lasten 

des Staates (Art. 428 Abs. 4 StPO).  

 

7.2 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat die Beschwerdegegnerin 

der Beschwerdeführerin eine Entschädigung für deren Aufwendungen im 

Beschwerdeverfahren auszurichten (Art. 436 Abs. 1 i.V.m. Art. 434 Abs. 1 

StPO; Urteil des Bundesgerichts 6B_1284/2015 vom 2. März 2016 E. 2.4). 

Gemäss Art. 12 Abs. 1 i.V.m. Art. 10 des Reglements des Bundesstrafge-

richts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigun-

gen in Bundesstrafverfahren (BStKR; SR 173.713.162) bemisst sich das Ho-

norar der Anwältin oder des Anwalts nach deren bzw. dessen notwendigen 

und ausgewiesenen Zeitaufwand. Die Beschwerdeführerin machte im Rah-

men ihrer Beschwerdeschrift einen entsprechenden Zeitaufwand von 8.5 

Stunden geltend (act. 1, Rz. 29). Dieser erscheint als angemessen. Der 

Stundenansatz ist praxisgemäss auf Fr. 230.– festzusetzen (vgl. hierzu zu-

letzt die Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BB.2021.263 vom 23. Mai 

2023 E. 3.4; BB.2022.147 vom 15. Februar 2023 E. 6.3; BB.2022.96 vom 

5. Dezember 2022 E. 4.2). Das der Beschwerdeführerin für das vorliegende 

- 10 - 

 

 

Beschwerdeverfahren auszurichtende Honorar beläuft sich demnach auf 

Fr. 1'955.–, zuzüglich 7.7 % MwSt., ausmachend Fr. 150.55. 

 

- 11 - 

 

 

Demnach erkennt der Einzelrichter: 

 

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen. Ziff. 11 des Urteils des Kantonsgerichts 

Wallis P1 22 28 vom 17. Februar 2023 wird aufgehoben und zur neuen Ent-

scheidung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückge-

wiesen.  

 

2. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben.  

 

3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin für das vorliegende Ver-

fahren eine Parteientschädigung von Fr. 2'105.55 (inkl. Auslagen und MwSt.) 

zu bezahlen. 

 

 

Bellinzona, 28. November 2023 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwältin A. 

- Kantonsgericht Wallis 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.