# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4b9f1982-78e6-50cd-9a29-a84e113e9a77
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-10-14
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 14.10.2021 D-4011/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4011-2021_2021-10-14.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4011/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 4 .  O k t o b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas, 

mit Zustimmung von Richterin Roswitha Petry;  

Gerichtsschreiber Constantin Hruschka. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren (…), Sierra Leone,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 29. Juli 2021 / N (…). 

 

 

 

D-4011/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer reiste gemäss eigenen Angaben am 15. August 

2019 aus Italien herkommend in die Schweiz ein und suchte hier tags da-

rauf um Asyl nach.  

A.b Das SEM führte am 5. September 2019 eine Erstbefragung durch. Dort 

bat der Gesuchsteller um Korrektur seines Geburtsdatums von (…) auf (…) 

und reichte einen heimatlichen Geburtsschein ein. Nachfolgend setzte das 

SEM nach einer am 20. September 2019 vom Institut für Rechtsmedizin 

der Universität Basel durchgeführten forensischen Lebensalterseinschät-

zung, deren Ergebnisse in einem rechtsmedizinischen Gutachten datiert 

vom 1. Oktober 2019 festgehalten wurden und zu dem der Beschwerde-

führer am 3. Januar 2020 eine Stellungnahme einreichte, das Geburtsda-

tum des Beschwerdeführers auf den (…) fest. Die Beschwerde gegen 

diese Festlegung und der entsprechende Antrag auf Änderung des Ge-

burtsdatums im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) werden 

separat behandelt. 

A.c Der Beschwerdeführer wurde am 23. Januar 2020 erstmals zu seinen 

Gesuchsgründen befragt. Aufgrund von Übersetzungsproblemen wurde in 

dieser Anhörung mit der zugewiesenen Rechtsvertretung im Bundesasyl-

zentrum Basel vereinbart, dass der Beschwerdeführer in dieser Anhörung 

nur summarisch zu seinen Gesuchsgründen befragt, dem erweiterten Ver-

fahren zugewiesen und eine ergänzende Anhörung durchgeführt wird. Am 

28. Januar 2020 wurde der Gesuchsteller dem erweiterten Verfahren zu-

gewiesen.  

A.d Nachdem ein erster Termin zur ergänzenden Anhörung am 29. Sep-

tember 2020 nicht durchgeführt werden konnte, wurde der Gesuchsteller 

am 3. Februar 2021 ergänzend angehört. 

B.  

B.a Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, er stamme aus 

einer muslimischen Familie aus Sierra Leone und habe vor seiner Ausreise 

in Freetown gelebt. Er sei schwul und als seine Familie dies entdeckt habe, 

habe sie ihn verstossen und dabei sei es zu gewalttätigen Übergriffen 

durch seinen Bruder gekommen, der ihn mit einem Holz geschlagen und 

am Arm verletzt habe. Er habe Angst seiner Familie zu begegnen, da er 

weitere Übergriffe fürchte. Er habe danach während zwei Jahren bei einem 

Freund namens B._______ gelebt und seinen Lebensunterhalt im Wesent-

lichen von Tätigkeiten in einem kleinen Shop, der sich mit Musik und Musik-

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Downloads beschäftigte, finanziert. Während dieser Zeit habe er regelmäs-

sig wegen seiner Art, sich zu kleiden, Probleme bekommen. Er sei auch 

aufgrund seiner Art, die Sprache zu verwenden, als Teil der LGBT-Commu-

nity zu erkennen, so habe ihn beispielsweise eine Freundin seiner Schwes-

ter, die selbst lesbisch sei, als homosexuell identifiziert. Er macht zudem 

geltend, dass die Verfassung von Sierra Leone Schwule nicht schütze und 

dass auch die Polizei Homosexuelle nicht schütze, er habe deswegen 

Angst zurückzukehren, da Personen, von denen bekannt werde, dass sie 

schwul sind, bestraft würden. 

B.b Zu seiner Ausreise erklärte er, er habe auf einem guten Niveau Fuss-

ball gespielt und habe für ein Turnier, das in Kroatien stattgefunden habe, 

ein Visum erhalten. Dort habe er sich von der Mannschaft abgesetzt und 

sei über Slowenien und Italien in die Schweiz gekommen. 

C. Mit Verfügung vom 29. Juli 2021 (eröffnet am 10. August 2021) stellte 

das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, und lehnte sein Asylgesuch ab, verbunden mit der Anordnung der 

Wegweisung aus der Schweiz und des Wegweisungsvollzuges nach Sierra 

Leone. Im Rahmen seiner Entscheidbegründung erkannte das SEM die 

Ausreisegründe als insgesamt unglaubhaft und begründete dies unter an-

derem damit, dass der Beschwerdeführer Fragen zu seiner Person und 

seinen Lebensumständen ungenau und ausweichend beantwortet habe. 

Darüber hinaus seien seine Schilderungen der Ausreise insbesondere die 

Aussage, er habe in einem Fussballteam gespielt, das zu einem internati-

onalen Turnier nach Kroatien eingeladen worden sei, von wo aus er über 

Slowenien und Italien in die Schweiz gekommen sei, nicht glaubhaft. Der 

Vorgang bei der Entdeckung seiner Homosexualität durch seine Familie 

sei als «plakativ» zu taxieren und auch die weiteren Angaben seien unsub-

stantiiert und unlogisch. Daher sei das Asylgesuch abzulehnen und die 

Asylrelevanz müsse nicht geprüft werden. Den Wegweisungsvollzug qua-

lifizierte das SEM als zulässig, zumutbar und möglich. Hinsichtlich der Zu-

mutbarkeit eines allfälligen Wegweisungsvollzugs führte die Vorinstanz 

aus, der Beschwerdeführer sei ein gesunder junger Mann, der über ein Be-

ziehungsnetz in Sierra Leone verfüge, da er die Probleme mit seiner Fami-

lie nicht habe glaubhaft machen können. 

D.  

D.a Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 9. Septem-

ber 2021 Beschwerde. In seiner Eingabe beantragte er zur Hauptsache die 

Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl, 

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Seite 4 

eventualiter die Feststellung der Unmöglichkeit, Unzulässigkeit oder Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzuges und die Anordnung einer vorläufi-

gen Aufnahme in der Schweiz, subeventualiter die Rückweisung der Sache 

an die Vorinstanz zwecks Sachverhaltsergänzung und Neubeurteilung 

durch das SEM. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der 

unentgeltlichen Rechtspflege, um Befreiung von der Kostenvorschuss-

pflicht und um Bestellung eines Rechtsbeistands seiner Wahl. 

D.b Im Rahmen seiner Beschwerdebegründung bekräftigte er bezüglich 

des vorliegend zu beurteilenden Prozessgegenstands im Wesentlichen 

seine Gesuchsvorbringen, wobei er seine bisherigen Angaben mit ver-

schiedenen Detailangaben und diversen Zusatzbeschreibungen ergänzte 

(vgl. dazu die Akten). Er ging in seiner Beschwerde auf die von der Vor-

instanz ins Feld geführten Widersprüche ein und nahm zu den einzelnen 

Situationen Stellung. Insbesondere hielt er daran fest, dass die wesentli-

chen Gesuchsvorbringen – insbesondere das Verstossen seitens seiner 

Familie nach der Entdeckung der Homosexualität sowie die Schilderung 

seiner Furcht, aufgrund seiner spezifischen Art zu sprechen und zu han-

deln, als homosexuell erkannt zu werden – der Wahrheit entsprechen und 

schilderte die jeweiligen Situationen (nochmals) aus seiner Sicht. Daneben 

machte er detaillierte Angaben zur Strafbarkeit der Homosexualität in 

Sierra Leone, betonte, dass es trotz der Nichtdurchsetzung der gesetzli-

chen Strafnormen zu systematischen Übergriffen seitens der Polizei 

komme und dass er gezwungen wäre, sich bei einer allfälligen Rückkehr 

diskret zu verhalten, was für ihn aber aufgrund seiner Sozialisation und 

seiner Verhaltensmuster inklusive der Sprache unmöglich wäre, so dass 

ein unerträglicher psychischer Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu 

bejahen sei. Zudem brachte er vor, der Staat Sierra Leone biete keinen 

Schutz gegen die ihm drohenden Übergriffe seitens seiner Familie oder 

Dritten.  

E. Am 15. September 2021 ging beim Bundesverwaltungsgericht eine Un-

terstützungsbestätigung (…) ein. 

F. Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

10. September 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 

AsylG). 

  

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Seite 5 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 

in der Regel – so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen 

Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 

VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3. Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten.  

1.4. Das vorliegende Verfahren beschränkt sich auf die Begehren bezüg-

lich des Asylverfahrens. Die Begehren bezüglich Berichtigung des Ge-

burtsdatums im ZEMIS werden unter der Geschäftsnummer (…) separat 

behandelt. 

1.5. Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).  

1.6. Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

3.  

3.1. Soweit der Beschwerdeführer die Rückweisung der Angelegenheit an 

die Vorinstanz begehrt, rügt er in seiner Rechtsmitteleingabe in formeller 

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Seite 6 

Hinsicht eine Verletzung der Untersuchungs- beziehungsweise Begrün-

dungspflicht sowie des Anspruchs auf rechtliches Gehör, weil die Vorin-

stanz seine Aussagen ohne substantiierte Begründung als nicht glaubhaft 

abgetan habe. Dieser Antrag wird vorab behandelt, da eine Verletzung der 

Untersuchungs- beziehungsweise Begründungspflicht zur Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz 

zur Neubeurteilung führen könnte.  

3.2. Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in Art. 26-33 VwVG konkreti-

sierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst unter anderem die Pflicht 

der Behörden, die Vorbringen der Betroffenen sorgfältig und ernsthaft zu 

prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen sowie die in Art. 35 

Abs. 1 VwVG gesetzlich niedergelegte grundsätzliche Pflicht der Behör-

den, ihren Entscheid zu begründen (BGE 123 I 31 E. 2c). Deshalb müssen 

die für den Entscheid bedeutsamen Überlegungen zumindest kurz genannt 

werden (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2; Urteil des BVGer D-383/2015 vom  

17. Januar 2017 E. 5.1). Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung 

mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes ein-

zelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt wird (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1). 

Eine unterlassene Würdigung zentraler Sachverhaltselemente kann hinge-

gen ebenfalls eine relevante Verletzung der Begründungspflicht darstellen. 

Auch die unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts 

in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Be-

schwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Der Untersuchungsgrund-

satz wird allerdings durch die allgemeine Mitwirkungspflicht der Parteien 

(Art. 13 VwVG) sowie im Asylverfahren durch die besondere Mitwirkungs-

pflicht einer asylsuchenden Person (Art. 8 AsylG) begleitet.  

3.3. Für das erstinstanzliche Asylverfahren bedeutet dies, dass das SEM 

zur richtigen und vollständigen Ermittlung und zur Feststellung des rechts-

erheblichen Sachverhalts verpflichtet ist und auch nach allen Elementen 

zu forschen hat, die zugunsten der asylsuchenden Person sprechen. Die 

entscheidende Behörde darf sich zwar trotz des Untersuchungsgrundsat-

zes in der Regel darauf beschränken, die Vorbringen einer asylsuchenden 

Person zu würdigen und die von ihr angebotenen Beweise abzunehmen, 

ohne weitere Abklärungen vornehmen zu müssen. Nach Lehre und Praxis 

besteht eine Notwendigkeit für über die Befragung hinausgehende Abklä-

rungen insbesondere dann, wenn aufgrund der Vorbringen der asylsuchen-

den Person und der von ihr eingereichten oder angebotenen Beweismittel 

Zweifel und Unsicherheiten am Sachverhalt weiterbestehen, die voraus-

sichtlich mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt werden können. In 

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Fällen vorgebrachter Homosexualität betrifft dies insbesondere die Ermitt-

lung der Praxis der Anwendung allfälliger existierender Strafnormen und 

die mögliche individuelle Betroffenheit der jeweiligen Person von der An-

wendung solcher Normen (vgl. etwa das Referenzurteil des BVGer  

D-6539/2018 vom 2. April 2019 [zum Irak], das Urteil des BVGer  

E-4133/2020 vom 20. November 2020 [zu Uganda] oder das Urteil des 

BVGer E-2109/2019 vom 28. August 2020 [zu Äthiopien]).  

4.  

4.1. Nach Auffassung des Gerichts hat die Vorinstanz diese Anforderungen 

im vorliegenden Verfahren offensichtlich nicht erfüllt. Aus der vorinstanzli-

chen Begründung wird weder für den Beschwerdeführer noch für die über-

prüfende Gerichtsinstanz genügend klar, ob allein die vorgebrachten Er-

eignisse – insbesondere die Schwierigkeiten mit der Familie – oder auch 

die Homosexualität an sich als unglaubhaft erachtet wurden. Damit wird 

eine sachgerechte Anfechtung durch den Beschwerdeführer wie auch eine 

entsprechende Überprüfung durch die Beschwerdeinstanz verunmöglicht 

(vgl. BVGE 2007/30 E.5.6). Die Vorinstanz verzichtete sodann auf die Prü-

fung der Asylrelevanz der Vorbringen und erwähnte die Situation für Ho-

mosexuelle in Sierra Leone mit keinem Wort. Dadurch, dass die Vorinstanz 

lediglich konstatierte, die vorgebrachten Ausreisegründe hielten den Anfor-

derungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, fehlt ein 

zentrales Element der Prüfung in Fällen vorgebrachter Homosexualität in 

einem Länderkontext, in dem eine Strafnorm für homosexuelles Verhalten 

existiert. Die Feststellung der Unglaubhaftigkeit der Ausreisegründe genügt 

in diesen Fällen allein nicht, um die Asylrelevanz auszuschliessen (vgl. 

etwa Urteil des BVGer E-4133/2020, E. 6.4), da neben der Glaubhaftigkeit 

der Vorfluchtgründe in diesen Fällen, der Frage, ob die Homosexualität an 

sich glaubhaft ist und in diesem Zusammenhang eine begründete Furcht 

vor zukünftiger Verfolgung vorliegt, zentrale Bedeutung zukommt. 

4.2. Die Homosexualität lässt sich als Verfolgungsmotiv in ständiger Recht-

sprechung des Bundesverwaltungsgerichts unter der in Art. 3 AsylG er-

wähnten „sozialen Gruppe“ erfassen (vgl. Referenzurteil des BVGer  

D-6539/2018, E. 7.2 m.w.H.). Im Hinblick auf die Asylrelevanz ist daher – 

auch wenn die konkreten Ausreisegründe nicht glaubhaft gemacht wurden 

– insbesondere zu prüfen, ob die Homosexualität glaubhaft und die Furcht 

des Beschwerdeführers vor den mit einem allfälligen Outing verbundenen 

Konsequenzen als eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von 

Art. 3 Abs. 1 AsylG zu qualifizieren ist. Dabei ist zu ermitteln, ob die Art und 

Weise, wie der Beschwerdeführer bei Rückkehr leben müsste, geeignet ist, 

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Seite 8 

einen unerträglichen psychischen Druck zu verursachen. Bei dieser Prü-

fung hätte sich das SEM – im Falle der Glaubhaftigkeit der Homosexualität 

– im Lichte der verfügbaren Herkunftsländerinformationen dazu äussern 

müssen, ob die Verheimlichung der Homosexualität in Sierra Leone ähnlich 

zu beurteilen ist, wie dies das Gericht in Bezug auf den Irak im konkreten 

Einzelfall im Referenzurteil D-6539/2018 (E. 8) festgehalten hat. In diesem 

Urteil befand das Gericht, dass die ständige Gefahr der Denunziation oder 

unfreiwilligen Entdeckung, die gesellschaftlichen Repressionen und Margi-

nalisierung, die fehlende Unterstützung des Familienverbandes sowie die 

Angst vor Diskriminierung in Polizeigewahrsam oder im Strafvollzug unter 

Umständen einen unerträglichen psychischen Druck im Sinne von Art. 3 

Abs. 2 AsylG verursachen kann. Ob dies der Fall ist, sei im Einzelfall zu 

prüfen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgericht D-6539/2018 vom 2. April 

2019 E. 8 sowie etwa Urteil des BVGer E-4133/2020 vom 20. November 

2020 E. 8). Eine solche Prüfung hat das SEM vorliegend unterlassen und 

die Situation für Homosexuelle in Sierra Leone mit keinem Wort erwähnt. 

4.3. Da sich die Vorinstanz nicht zur Asylrelevanz äussert, gleichzeitig der 

Entscheid aber nicht erkennen lässt, welche Sachverhaltselemente als 

nicht glaubhaft eingestuft werden und insbesondere nicht erkennbar wird, 

ob dem Beschwerdeführer seine Homosexualität geglaubt wird, ist der 

Sachverhalt offensichtlich nicht in rechtsgenüglicher Weise erstellt und der 

Anspruch an die Begründungspflicht verletzt. Dies gilt in derselben Weise 

auch für die sehr spärlichen Ausführungen zur Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs, bei denen ebenfalls jegliche Auseinandersetzung mit 

der Situation im Herkunftsland fehlt.  

4.4. Die formellen Rügen erweisen sich damit als offensichtlich begründet. 

Die Beschwerde ist daher gutzuheissen, soweit die Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügung und die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung 

an die Vorinstanz beantragt wurde. 

5.  

5.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

5.2. Die Beschwerdeinstanz kann gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. 

Art. 37 VGG der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen 

oder auf Begehren eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendi-

gen und verhältnismässig hohen Kosten zusprechen. Allerdings liegen die 

Voraussetzungen für eine Parteientschädigung nicht vor, da der Beschwer-

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deführer nicht vertreten war und nicht von ersatzwürdigen Auslagen aus-

zugehen ist (Art. 8 Abs. 1 i.V.m. Art. 13 des Reglements über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 

2008 [VGKE, SR 173.320.2]). 

5.3. Die mit der Beschwerdeschrift gestellten Anträge auf Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeistän-

dung sind damit gegenstandslos. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der angefochte-

nen Verfügung beantragt wird. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 29. Juli 2021 wird bezüglich des vorliegenden 

Prozessgegenstandes aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägun-

gen zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Constantin Hruschka 

 

 

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