# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fd8af5b0-616d-517d-a772-12167bed339b
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-25
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Zivilkammern 25.01.2023 ZSU.2022.192
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_001_ZSU-2022-192_2023-01-25.pdf

## Full Text

Obergericht 

Zivilgericht, 4. Kammer 

 

 

ZSU.2022.192  
(SZ.2022.98)  

Art. 8 

 

 

Entscheid vom 25. Januar 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Richli, Präsident 

Oberrichter Egloff 

Oberrichterin Massari 

Gerichtsschreiber Huber 

 

 
   

Gesuchsteller  Kanton Aargau, 

handelnd durch Gerichte Kanton Aargau, Generalsekretariat,  

Zentrale Inkassostelle der Gerichte, Obere Vorstadt 40, 5000 Aarau 

 

 
   

Gesuchs- 

gegner 

 B._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Philip Schneiter,  

Zentralstrasse 120, Postfach 66, 5430 Wettingen 

 

 
 

Gegenstand  Nachzahlung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

B. (Gesuchsgegner) wurde im Ehescheidungsverfahren OF.2016.76 die 

unentgeltliche Rechtspflege gewährt. Aus diesem Verfahren sind Gerichts- 

und Anwaltskosten von Fr. 6'377.85 ausstehend. 

 

2. 

2.1. 

Der durch die Zentrale Inkassostelle der Gerichte handelnde Kanton Aar-

gau (nachfolgend: Gesuchsteller) beantragte beim Bezirksgericht Baden 

mit Eingabe vom 21. April 2022, der Gesuchsgegner sei zur Nachzahlung 

von Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 6'377.85 zu verpflichten. 

 

2.2. 

Mit Verfügung vom 27. April 2022 forderte der Präsident des Bezirksge-

richts Baden den Gesuchsgegner auf, sich innert Frist lückenlos über seine 

Einkommens- und Vermögensverhältnisse seit dem 21. April 2019 auszu-

weisen. Im Unterlassungsfall werde die Nachzahlung angeordnet. 

 

2.3. 

Nach mehrmaliger Fristerstreckung reichte der Gesuchsgegner mit Ein-

gabe vom 29. Juni 2022 weitere Unterlagen ein. 

 

2.4. 

Der Präsident des Bezirksgerichts Baden erkannte am 15. August 2022: 

 

" 1. 
Der Betroffene wird verpflichtet, die vorgemerkten Prozesskosten von 
Fr. 6'377.85 in monatlichen Raten von Fr. 100.00 jeweils auf Monats-
ende nachzuzahlen. Die erste Rate wird per 30. September 2022 fällig. 
 
2. 
Bei Verzug von mehr als einem Monat bei einer Ratenzahlung wird die 
gesamte Forderung in der Höhe von Fr. 6'377.85 sofort fällig. 
 
3. 
Die Zahlung hat an die Zentrale Inkassostelle der Gerichte, Aarau, zu er-
folgen, von welcher Stelle ein entsprechender Einzahlungsschein zuge-
stellt wird. 
 
4. 
Es werden keine Kosten erhoben und keine Parteientschädigungen zuge-
sprochen." 

 

 - 3 - 

 

 

 

3. 

3.1. 

Gegen diesen Entscheid erhob der Gesuchsgegner mit Eingabe vom 

5. September 2022 beim Obergericht des Kantons Aargau Beschwerde mit 

folgenden Anträgen: 

 

" 1. 
Es sei der Entscheid des Bezirksgerichts Baden (Präsidium des Zivilge-
richts) vom 15. August 2022 (SZ.2022.98) ersatzlos aufzuheben und das 
Verfahren betreffend Nachzahlung URP sei als durch Vereinbarung erle-
digt abzuschreiben. 
 
2. 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse." 

 

3.2. 

Nachdem der Gesuchsgegner vom Instruktionsrichter der 4. Zivilkammer 

des Obergerichts mit Verfügung vom 13. September 2022 zur Leistung ei-

nes Kostenvorschusses aufgefordert worden war, stellte er am 26. Septem-

ber 2022 das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und um Bestellung 

seines Rechtsvertreters zum unentgeltlichen Rechtsbeistand. 

 

3.3. 

Mit Beschwerdeantwort vom 26. Oktober 2022 beantragte der Gesuchstel-

ler, die Beschwerde sei abzuweisen. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur 

Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 Abs. 1 

ZPO). Der Entscheid über die Pflicht zur Nachzahlung kann in analoger 

Anwendung von Art. 121 ZPO mit Beschwerde gemäss Art. 319 ZPO an-

gefochten werden (FRANK EMMEL, in: THOMAS SUTTER-SOMM/FRANZ HA-

SENBÖHLER/CHRISTOPH LEUENBERGER [Hrsg.], Kommentar zur Schweizeri-

schen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, N. 4 zu Art. 123 ZPO; VIKTOR 

RÜEGG/MICHAEL RÜEGG, in: Basler Kommentar, Schweizerische Zivilpro-

zessordnung, 3. Aufl. 2017, N. 1a zu Art. 123 ZPO).  

 

1.2. 

Mit der Beschwerde können die offensichtlich unrichtige Feststellung des 

Sachverhalts und die unrichtige Rechtsanwendung geltend gemacht wer-

den (Art. 320 ZPO). Offensichtlich unrichtig bedeutet willkürlich (Urteil des 

Bundesgerichts 4A_149/2017 vom 28. September 2017 E. 2.2). Neue An-

 - 4 - 

 

 

 

träge, neue Tatsachenbehauptungen und neue Beweismittel sind ausge-

schlossen (Art. 326 Abs. 1 ZPO). Das gilt sowohl für echte als auch für un-

echte Noven und auch in Verfahren, welche wie das Nachzahlungsverfah-

ren der (beschränkten) Untersuchungsmaxime unterstehen, da die Be-

schwerde nicht der Fortführung des erstinstanzlichen Prozesses, sondern 

grundsätzlich nur der Rechtskontrolle des erstinstanzlichen Entscheids 

dient (Urteil des Bundesgerichts 5A_405/2011 vom 27. September 2011 

E. 4.5.3; DIETER FREIBURGHAUS/SUSANNE AFHELDT, in: THOMAS SUTTER-

SOMM/FRANZ HASENBÖHLER/CHRISTOPH LEUENBERGER [Hrsg.], Kommentar 

zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, N. 3 f. zu Art. 326 

ZPO). 

 

2. 

2.1. 

Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur 

Nachzahlung verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 Abs. 1 

ZPO). Veränderte wirtschaftliche Verhältnisse versetzen die zuvor mittel-

lose Partei dann "in die Lage" zur Nachzahlung, wenn sie die Bewilligung 

der unentgeltlichen Rechtspflege ausschliessen würden (RÜEGG/RÜEGG, 

a.a.O., N. 1 zu Art. 123 ZPO; DANIEL WUFFLI, Die unentgeltliche Rechts-

pflege in der Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2015, Rz. 927 ff.). 

 

2.2. 

Zur Begründung der angeordneten Nachzahlung von Fr. 6'377.85 erwog 

die Vorinstanz im Wesentlichen, gemäss Überschussberechnung resultiere 

bei einem zivilprozessualen Grundbedarf von Fr. 2'013.35 (Grundbetrag 

von Fr. 1'100.00, Zuschlag auf Grundbetrag von Fr. 275.00, Hypothekar-

zins von Fr. 348.95, Liegenschaftsunterhalt von Fr. 246.40, AHV-Beitrag 

von Fr. 43.00) und einem Einkommen von Fr. 2'442.00 ein monatlicher 

Überschuss von Fr. 428.65. Monatliche Ratenzahlungen von Fr. 300.00, 

davon Fr. 100.00 an die offenen Gerichts- und Anwaltskosten aus dem 

Ehescheidungsverfahren, seien daher zumutbar. Damit könne auch offen-

bleiben, ob die Rückzahlung durch Erhöhung des Hypothekarkredits oder 

gar durch Veräusserung der Liegenschaft finanziert werden könnte. 

 

2.3. 

2.3.1. 

Der Gesuchsgegner führte in seiner Beschwerde aus, es bestehe eine Ver-

einbarung mit dem Bezirksgericht Baden und dem Obergericht Aargau, wo-

nach er seine Ausstände mit Ratenzahlungen von je Fr. 50.00 pro Monat 

tilgen könne. Dementsprechend hätte die Vorinstanz das Nachzahlungs-

verfahren einstellen müssen, da die Voraussetzungen für eine Verpflich-

tung zur Nachzahlung nicht mehr erfüllt seien.  

 

 - 5 - 

 

 

 

Die Behauptung des Gesuchsgegners, es bestehe betreffend die ausste-

henden Verfahrenskosten eine Vereinbarung mit dem Bezirksgericht Ba-

den und dem Obergericht Aargau, wurde im vorinstanzlichen Verfahren 

nicht vorgetragen. Es handelt sich hierbei somit um eine neue Tatsachen-

behauptung, welche im Beschwerdeverfahren gestützt auf Art. 326 Abs. 1 

ZPO nicht zulässig ist. Ebenfalls unbeachtlich zu bleiben haben aufgrund 

der soeben genannten Bestimmung die erstmals mit der Beschwerde ein-

gereichten Beweismittel (Beschwerdebeilagen 3 - 8). 

 

Der Vollständigkeit halber sei angefügt, dass die Argumentation des Ge-

suchsgegners selbst bei Berücksichtigung dieser Noven nicht verfangen 

würde, zumal das Gesuch der 1. Strafkammer des Obergerichts um Einlei-

tung der Verwertung der Stockwerkeinheit vom 11. Januar 2022 einzig zur 

Deckung der im Strafverfahren SST.2019.118/ST.2017.155 angefallenen 

Verfahrenskosten erfolgte und sich auch die Ratenbewilligung gemäss 

Schreiben der Gerichtskasse Baden vom 2. August 2022 ausschliesslich 

auf Verfahrenskosten aus dem Strafverfahren ST.2017.155 bezog. Eine 

Vereinbarung betreffend die Tilgung der aus dem Scheidungsverfahren re-

sultierenden Verfahrenskosten besteht ausweislich der Akten nicht. 

 

2.3.2. 

Die vorinstanzliche Überschussberechnung wurde vom Gesuchsgegner 

nicht gerügt und es ist ausweichlich der Akten auch nicht ersichtlich, wes-

halb diese Berechnung, aus welcher ein monatlicher Überschuss von 

Fr. 428.65 resultiert, nicht zutreffend sein sollte. Die Verpflichtung des Ge-

suchsgegners zur Nachzahlung der im Verfahren OF.2016.76 vorgemerk-

ten Verfahrenskosten von Fr. 6'377.85 in monatlich Raten von Fr. 100.00 

erweist sich somit als rechtens. 

 

2.4. 

Die Beschwerde ist demzufolge unbegründet und deshalb abzuweisen. 

 

3. 

3.1. 

Der Gesuchsteller ersucht für das Beschwerdeverfahren um Gewährung 

der unentgeltlichen Rechtspflege.  

 

3.2. 

3.2.1. 

Gemäss Art. 117 ZPO hat eine Person Anspruch auf unentgeltliche Rechts-

pflege, wenn sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (lit. a) und ihr 

Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (lit. b).  

 

Als aussichtslos i.S.v. Art. 117 lit. b ZPO sind nach der bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaus-

sichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb 

 - 6 - 

 

 

 

kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren 

nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren 

ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. 

Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei 

vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde. Eine Par-

tei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht füh-

ren würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie - zumindest vor-

läufig - nichts kostet. Ob im Einzelfall genügende Erfolgsaussichten beste-

hen, beurteilt sich aufgrund einer vorläufigen und summarischen Prüfung 

der Prozessaussichten, wobei die Verhältnisse im Zeitpunkt der Einrei-

chung des Gesuchs massgebend sind (statt vieler BGE 142 III 138 E. 5.1 

m.w.H.).  

 

3.2.2. 

Da der Gesuchsgegner die Überschussberechnung der Vorinstanz nicht 

rügte und seine im Beschwerdeverfahren gemachten Vorbringen und Be-

weismittel gestützt auf Art. 326 Abs. 1 ZPO unberücksichtigt zu bleiben ha-

ben, waren im vorliegenden Beschwerdeverfahren die Gewinnaussichten 

von Anfang an beträchtlich geringer als die Verlustgefahren, weshalb sie 

kaum als ernsthaft bezeichnet werden konnten. Daher war die Beschwerde 

gegen den vorinstanzlichen Entscheid von vornherein aussichtslos. Das 

Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege für das Be-

schwerdeverfahren ist deshalb abzuweisen. 

 

4. 

Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens hat der Gesuchsgegner 

die obergerichtliche Entscheidgebühr zu bezahlen und seine Parteikosten 

selber zu tragen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). 

 

 
   

Das Obergericht beschliesst: 

 

Das Gesuch des Gesuchsgegners um Bewilligung der unentgeltlichen 

Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren wird abgewiesen. 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die obergerichtliche Entscheidgebühr von Fr. 500.00 wird dem Gesuchs-

gegner auferlegt. 

 

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3. 

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

 

 
   

Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht, kantonalen verfas-

sungsmässigen Rechten sowie interkantonalem Recht innert 30 Tagen seit der Zustellung 

mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen 

Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden. Die Frist steht still vom 7. Tag 

vor bis und mit 7. Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. De-

zember bis und mit 2. Januar. Die unterzeichnete Beschwerde muss das Begehren, wie der 

Entscheid zu ändern sei, sowie in gedrängter Form die Begründung, inwiefern der ange-

fochtene Akt Recht verletzt, mit Angabe der Beweismittel enthalten. Der angefochtene Ent-

scheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (Art. 82 ff. des Bundes-

gesetzes über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110] vom 17. Juni 

2005). 

 

 
   

Aarau, 25. Januar 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Zivilgericht, 4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Richli Huber