# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9b57f1c3-4058-52e6-9640-1d0778f226f2
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-01-05
**Language:** de
**Title:** Bern Steuerrekurskommission 05.01.2021 200 2015 196
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Steuerrekurs/BE_SRK_001_200-2015-196_2021-01-05.pdf

## Full Text

200 15 196
Gemeinde: G.________
ZPV-Nr.: ________
Eröffnung: 5.1.2021 PKA/AWE/aae

STEUERREKURSKOMMISSION DES KANTONS BERN

Am 5. Januar 2021

hat der hauptamtliche Richter der Steuerrekurskommission im Rahmen seiner Kompetenz als 

Einzelrichter im Sinn von Art. 70 Abs. 4 des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation 

der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft sowie Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 

2000 über den Vollzug der direkten Bundessteuer in der Beschwerdesache von

A.________ und B.________

vertreten durch

C.________ AG

gegen

Steuerverwaltung des Kantons Bern, Brünnenstrasse 66, Postfach, 3001 Bern

betreffend die direkte Bundessteuer 2012

- 2 -

den Akten entnommen:

A. A.________ und B.________ (Rekurrenten) wurden von der Steuerverwaltung des Kan-
tons Bern, ________ (Steuerverwaltung) mit Einspracheentscheid vom 15. April 2015 betref-

fend die direkte Bundessteuer 2012 auf ein steuerbares Einkommen von CHF 640'025.-- veran-

lagt.

B. Gegen diese Veranlagung hat die Abteilung Recht und Koordination der Steuerverwaltung 
des Kantons Bern (Kantonale Steuerverwaltung), mit Brief vom 9. Juni 2015 Beschwerde bei 

der Steuerrekurskommission des Kantons Bern (Steuerrekurskommission) erhoben mit dem 

Antrag, den sowohl im Veranlagungs- wie auch im Einspracheverfahren noch gewährten 

Schuldzinsabzug um CHF 85'923.-- zu reduzieren. Dieser Abzug beruhe auf Schuldzinsen, wel-

che den Rekurrenten im Zusammenhang mit der Fremdfinanzierung von Anteilen des Anlage-

fonds ________ durch die ________ Co Pty, entstanden und die steuerlich nicht abzugsfähig 

seien. Gleichzeitig mit der Beschwerde pro 2012 wurde von der Steuerverwaltung in der materi-

ell gleichen Sache pro 2013 betreffend die kantonalen Steuern Kantonseinsprache erhoben. 

Das Beschwerdeverfahren vor der Steuerrekurskommission wurde danach sistiert, um den Ein-

spracheentscheid der Steuerverwaltung betreffend die Kantonseinsprache zu den kantonalen 

Steuern 2013 abzuwarten. Die Einsprache des Kantons wurde in der Folge gutgeheissen und 

von den Rekurrenten mit Rekurseingabe vom 20. Dezember 2018 ebenfalls bei der Steuerre-

kurskommission angefochten. Auch dieses Rekursverfahren (Dossier Nr. 100 19 10) wurde auf 

Begehren der Rekurrenten hin und mit Blick auf mehrere vor dem Verwaltungsgericht des Kan-

tons Bern (Verwaltungsgericht) in materiell gleicher Sache hängige Verfahren sistiert.

C. In der Stellungnahme vom 11. August 2015 zur Kantonseinsprache pro 2013 (vgl. Beila-
ge 1 zum Schreiben der Steuerverwaltung vom 30.7.2020) wird von der C.________ AG (Ver-

treterin) neben den materiellen Vorbringen zur Abzugsfähigkeit der geltend gemachten Schuld-

zinsen bei den kantonalen Steuern und der direkten Bundessteuer, ergänzend und obwohl nicht 

bei der Steuerverwaltung hängig, zum Beschwerdeverfahren resp. zur Beschwerde der Kanto-

nalen Steuerverwaltung betreffend die direkte Bundessteuer 2012 vorgebracht, dass zweifelhaft 

sei, ob diese rechtzeitig bei der Steuerrekurskommission eingereicht worden sei. Dies weil der 

Einspracheentscheid betreffend die direkte Bundessteuer 2012 vom 15. April 2015 datiere und 

die Beschwerde der Kantonalen Steuerverwaltung das Datum vom 9. Juni 2015 trage. Es sei 

hinlänglich bekannt, dass die Steuerverwaltung ihre Schreiben bezogen auf den Versand um 

bis zu zwei Wochen vorausdatiere, so dass die tatsächliche Eröffnung bereits vor diesem Da-

tum liegen könne. Wenn feststehe, dass die Verfügung vor dem aufgedruckten Datum eröffnet 

worden sei, beginne die 60-tägige Beschwerdefrist bereits mit der tatsächlichen Eröffnung zu 

laufen. Die Beweislast für das Eröffnungsdatum und für die Rechtzeitigkeit der Beschwerde 

- 3 -

liege bei der Steuerverwaltung. Diese habe die Wahrung der Beschwerdefrist betreffend die pro 

2012 eingereichte Beschwerde nachzuweisen. Es stehe somit nicht fest, ob die vom 9. Juni 

2015 datierte Beschwerde der Steuerverwaltung überhaupt rechtzeitig eingereicht worden sei. 

In einem weiteren Schreiben vom 25. August 2015 bringt die Vertreterin zur Einhaltung der Be-

schwerdefrist durch die Steuerverwaltung weiter vor, dass die ordentliche Beschwerdefrist 

gemäss Art. 141 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer 

[DBG; SR 642.11] lediglich 30 und nicht 60 Tage betrage. Unter Hinweis auf einen Teil der Leh-

re macht sie geltend, dass es vorliegend nicht gerechtfertigt sei, die Beschwerdefrist von 30 auf 

60 Tage zu verdoppeln, da die Steuerverwaltung den Einspracheentscheid vom 15. April 2015 

selber erlassen und nicht erst nachträglich davon Kenntnis erhalten habe. Es sei somit davon 

auszugehen, dass die Beschwerdefrist verpasst worden sei (vgl. Beilage 2 zum Schreiben der 

Steuerverwaltung vom 30.7.2020).

D. Am 4. März 2020 erging der Verwaltungsgerichtsentscheid (VGE 100 2019 26/27) zu ei-
nem analogen Schuldzinsenfall, bei dem es in materieller Hinsicht ebenfalls um den Abzug von 

Schuldzinsen aus der Fremdfinanzierung von Anteilen des Anlagefonds ________ durch die 

________ Co Pty ging. Der Abzug wurde dabei entsprechend dem Begehren der Steuerverwal-

tung im vorliegenden Verfahren nicht gewährt. Mit Briefen vom 30. Juli 2020 hat die Steuerver-

waltung in der Folge die Fortführung des sistierten Rekurs- und des ebenfalls sistierten Be-

schwerdeverfahrens verlangt und unter Hinweis auf den Verwaltungsgerichtsentscheid in glei-

cher Sache die Abweisung der jeweiligen Rechtsbegehren beantragt. Mit Schreiben vom 

31. Juli 2020 und vom 4. August 2020 hat die Steuerrekurskommission die Sistierung des Re-

kursverfahrens (Dossier Nr. 100 19 10) und des vorliegenden Beschwerdeverfahrens aufgeho-

ben und die Rekurrenten resp. die Vertreterin, aufgefordert zu den Schreiben der Steuerverwal-

tung vom 30. Juli 2020 Stellung zu nehmen. Da im Rekursverfahren ausschliesslich der Schuld-

zinsabzug streitig war, wurde die Vertreterin darauf hingewiesen, dass sie den Rekurs ohne 

Kostenfolge zurückziehen könne.

E. Mit Schreiben vom 18. August 2020 hat die Vertreterin betreffend den Rekurs (Dossi-
er Nr. 100 19 10) in gleicher Sache den Rückzug erklärt. Die im vorliegenden Verfahren zu be-

urteilende Beschwerde wurde hingegen nicht zurückgezogen.

F. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.

G. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit entscheidnotwendig, in den Er-
wägungen eingegangen.

- 4 -

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:

1. Veranlagungsverfügungen und Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend 
die Einkommensveranlagung können von der kantonalen Verwaltung mittels Kantonsbeschwer-

de bei der Steuerrekurskommission angefochten werden (Art. 141 des Bundesgesetzes vom 

14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG; SR 642.11] i.V.m. Art. 2 und Art. 4 

Abs. 1 Bst. e und Art. 9 Abs. 2 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den Vollzug der di-

rekten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist deshalb sachlich 

und örtlich zuständig.

2. In ihrer Stellungnahme zur Kantonsbeschwerde vom 11. August 2015 (vgl. Beilage 1 zum 
Schreiben der Steuerverwaltung vom 30.7.2020) und dem zweiten nachgereichten Schreiben 

vom 25. August 2015 (vgl. Beilage 2 zum Schreiben der Steuerverwaltung vom 30.7.2020) 

macht die Vertreterin geltend, dass die ordentliche Frist für eine Kantonsbeschwerde gemäss 

Art. 141 Abs. 1 DBG 30 Tage betrage. Eine 60-tägige Frist komme nur zur Anwendung, wenn 

die Veranlagungsverfügung oder der Einspracheentscheid nur dem Steuerpflichtigen zugestellt 

worden sei und die Behörden erst nachträglich von den Verfügungen Kenntnis erhalten hätten. 

Das sei hier nicht der Fall. Selbst bei Anwendung einer Beschwerdefrist von 60 Tagen sei aber 

nicht erwiesen, dass die Kantonsbeschwerde rechtzeitig resp. innert der gesetzlichen Frist ein-

gereicht worden sei. Dies weil die Steuerverwaltung viele ihrer Schreiben mit einem Datum ver-

sehe, das bis zu rund zwei Wochen nach dem effektiven Eröffnungsdatum an die Steuerpflichti-

gen liegen könne.

2.1.1 Gemäss Art. 141 Abs. 1 DBG kann die kantonale Verwaltung für die direkte Bundes-
steuer, resp. die innerhalb der Steuerverwaltung dafür zuständige Stelle, gegen jede Veranla-

gungsverfügung und jeden Einspracheentscheid der Veranlagungsbehörde Beschwerde bei der 

kantonalen Steuerrekurskommission erheben. Dabei kommen zwei unterschiedliche Fristen zur 

Anwendung. Wurde die Veranlagungsverfügung oder der Einspracheentscheid der beschwer-

deführenden Verwaltung resp. der verwaltungsinternen Aufsichtsbehörde selbst direkt eröffnet, 

beträgt die Beschwerdefrist nach Art. 141 Abs. 2 Bst. a DBG analog zur Beschwerdefrist für die 

steuerpflichtigen Personen 30 Tage, in allen anderen Fällen, ohne Eröffnung an die beschwer-

deführende Aufsichtsbehörde resp. wenn die Veranlagungsverfügung oder der Einspracheent-

scheid nur den Steuerpflichtigen zugestellt worden ist, verdoppelt sich die Frist gemäss Art. 141 

Abs. 2 Bst. b DBG aus praktischen, im Massenverfahren liegenden Gründen, auf 60 Tage seit 

Eröffnung an den Steuerpflichtigen (Hunziker/Mayer-Knobel in: Kommentar zum Schweizeri-

schen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 3. Aufl., 2017, N. 2 zu 

Art. 141 DBG mit Hinweisen). 

- 5 -

2.1.2 Die beschwerdeführende Verwaltung im Sinne von Art. 141 Abs. 1 Bst. a DBG ist vorlie-
gend nicht die Steuerverwaltung Region ________, welche den Einspracheentscheid vom 15. 

April 2015 erlassen hat, sondern die in diesen Belangen als interne Aufsichtsbehörde fungie-

rende Abteilung Recht und Koordination der Steuerverwaltung. Dieser, wurde der Einspra-

cheentscheid nicht zugestellt und damit nicht direkt eröffnet, weshalb nicht die 30-tägige kürze-

re Frist von Art. 141 Abs. 2 Bst. a DBG, sondern die für alle anderen Fälle anwendbare Frist von 

60 Tagen seit Eröffnung an die Steuerpflichtigen gemäss Art. 141 Abs. 2 Bst. b DBG anwend-

bar ist (vgl. Hunziker/Mayer-Knobel, a.a.O., N. 2 zu Art. 141 DBG). Die Steuerverwaltung hat 

somit zu Recht die 60-tägige Frist angewandt. 

2.2 Neben dem Vorbringen zur anwendbaren Frist wird von der Vertreterin weiter geltend 
gemacht, dass die 60-tägige Frist mit der Eröffnung an die steuerpflichtige Person zu laufen 

beginne. Wenn feststehe, dass die Veranlagungsverfügung (recte der Einspracheentscheid) vor 

dem aufgedruckten Datum an die steuerpflichtige Person eröffnet worden sei, beginne die Frist 

in diesem Zeitpunkt zu laufen. Aufgrund der üblichen Vordatierung um bis zu zwei Wochen sei 

nicht erstellt, dass die mit 9. Juni 2015 datierte Beschwerde der Steuerverwaltung überhaupt 

rechtzeitig eingereicht worden sei. Da die Beweislast sowohl für das Eröffnungsdatum (recte 

den Eröffnungszeitpunkt) wie auch für die Rechtzeitigkeit der Beschwerde bei der Steuerverwal-

tung liege, habe diese die Wahrung der Beschwerdefrist nachzuweisen.

3. Der Fristenlauf der Beschwerdefrist richtet sich gemäss Art. 141 DBG i.V.m. Art. 140 
Abs. 4 DGB analog zum Fristenlauf im Einspracheverfahren nach den Vorgaben von Art. 133 

DBG (vgl. Zweifel/Hunziker in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz 

über die direkte Bundessteuer [DBG], 3. Aufl., 2017, N. 1 zu Art. 333 DBG). Danach beginnt die 

Frist mit dem auf die Eröffnung der angefochtenen Verfügung folgenden Tag zu laufen. Im Ver-

fahren trifft die Beweislast für die Vornahme einer Prozesshandlung und die Einhaltung der Frist 

grundsätzlich jene Partei, welche diese Handlung vorzunehmen hat und daraus Rechte ableitet 

(vgl. BGer 2C_433/2009 vom 7.7.2009, E. 2.2; Peter Locher, Kommentar zum DBG, Bundes-

gesetz über die direkte Bundessteuer, III. Teil, 2015, N. 12 zu Art. 116 DBG). Bei einer Be-

schwerde gegen eine Verfügung der Steuerverwaltung trifft die Beweislast für die Einhaltung 

der Rechtsmittelfrist somit die beschwerdeführende Person. Dies ist i.d.R. die steuerpflichtige 

Person (vgl. Peter Locher, a.a.O., N. 10 zu Art. 133 DBG, Zweifel/Hunziker, a.a.O., N. 16 zu 

Art. 133 DBG). Bei einer Kantonsbeschwerde wie vorliegend, ist Beschwerdeführerin jedoch die 

Steuerverwaltung selbst, womit sie nicht nur der Nachweis für den Zeitpunkt der Beschwerde-

erhebung, sondern auch für den Beginn des Fristenlaufs resp. den Zeitpunkt der Zustellung der 

angefochtenen Verfügung zu erbringen hat. 

- 6 -

3.1 Die Zustellung resp. Eröffnung erfolgt im Bereich der Massenverwaltung seitens der 
Steuerverwaltung aus verfahrensökonomischen Gründen mit gewöhnlicher Briefpost, i.d.R. mit 

B-Post. Die Zustellung ist eine empfangsbedürftige aber nicht annahmebedürftige Rechtshand-

lung. Bei nichteingeschriebenen, mit einfacher Briefpost versandten Verfügungen gilt die Zustel-

lung demnach als vollzogen, wenn sie in den Machtbereich des Adressaten gelangen. Dafür 

genügt bereits, dass die Verfügung in den Briefkasten des Empfängers eingeworfen wird und 

die Möglichkeit der Kenntnisnahme durch den Adressaten gegeben ist. Eine tatsächliche 

Kenntnisnahme ist aber nicht Voraussetzung für eine rechtsgültige Eröffnung (vgl. Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter in: Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., 2016, N. 19 ff. zu Art. 116 

DBG). Die Beweislast für die Zustellung und Eröffnung liegt, wie zuvor erwähnt, bei der Steuer-

behörde. Dabei ist aber kein strikter Beweis notwendig. Es genügt, wenn aufgrund der gesam-

ten Umstände der Zeitraum hinreichend klar bestimmt werden kann, in dem die Sendung in den 

Machtbereich des Adressaten gelangt sein muss (vgl. Peter Locher, a.a.O., N. 13 zu Art. 116 

DBG mit Hinweisen). Bei einer Zustellung mittels B-Post ist dabei von einer Verzögerung der 

Zustellung von mind. 4 Tagen auszugehen, bei Zustellung mittels A-Post von einer Verzöge-

rung von 1 Tag. Die Bescheinigung des Versands allein reicht dabei in keinem Fall aus, um ein 

genaues Datum oder einen bestimmten Zeitraum der Zustellung zu beweisen (vgl. Rich-

ner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 29 zu Art. 116 DBG).

3.2 Die Beschwerdefrist, auch jene der Kantonsbeschwerde gemäss Art. 141 DBG ist eine 
gesetzliche Frist. Mit Blick auf die Rechtssicherheit, Legalitätsprinzip und das Rechtsgleich-

heitsgebot sind gesetzliche Fristen ohne Ausnahme streng zu handhaben und ist auf verspätete 

Eingaben nicht einzutreten (BGer 2A.302/2004 vom 26.5.2004, E. 4). Die Einhaltung der Frist 

ist deshalb von der angerufenen Instanz von Amtes wegen zu prüfen (vgl. Zweifel/Hunziker, 

a.a.O., N. 16 zu Art. 133 DBG). Betreffend das notwendige Beweismass ist weiter festzuhalten, 

dass Lehre und bundesgerichtliche Rechtsprechung einen blossen Wahrscheinlichkeitsbeweis 

als Nachweis für die Einhaltung von Verwirkungsfristen wie der vorliegenden Beschwerdefrist 

von Art. 141 Abs. 2 Bst. b DBG nicht genügen lassen (vgl. BGE 121 V 2004 S. 208 f.). Die 

Rechtzeitigkeit eines Rechtsmittels im gerichtlichen Verfahren darf demnach nicht nur bloss 

wahrscheinlich oder gar nur möglich sein, auch eine überwiegende Wahrscheinlichkeit, wie sie 

in gewissen Rechtsgebieten wie dem Sozialversicherungsrecht zu genügen vermag, reicht hier 

nicht aus. Für die rechtzeitige Ausübung eines fristgebundenen, verwirkungsbedrohten Rechts 

ist der volle Beweis zu erbringen. Dieser ist erbracht, wenn an der Verwirklichung der Fristein-

haltung als beweisbedürftige Tatsache keine vernünftigen Zweifel bleiben und die ihr zugrunde-

liegenden Tatsachen mit Gewissheit feststehen (BGE 119 V 7 S. 10 mit weiteren Hinweisen; 

vgl. zum Ganzen auch Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum Gesetz über die Verwal-

tungsrechtspflege im Kanton Bern, 1997, N. 1 ff. zu Art. 42 VRPG). 

- 7 -

4. Gemäss Angaben der Steuerverwaltung im Schreiben vom 12. November 2020 erfolgte 
der Versand der Beschwerde resp. die Übergabe der "April-Entscheide" 2015 an die Post im 

Zeitraum vom 26. März bis zum 2. April 2015. Die mit diesem Massenversand verschickten Ent-

scheide wurden somit 20 Tage vordatiert. Ein Nachweis des genauen Zustelldatums der anläss-

lich dieses Massenversands mit B-Post versandten Kantonsbeschwerde ist damit nicht er-

bracht. Unzweifelhaft führt die Vordatierung um nahezu drei Wochen bei einem erheblichen 

Anteil der versandten Schreiben zu einer tatsächlichen Eröffnung, die deutlich vor dem aufge-

druckten Eröffnungsdatum liegt. Die Vordatierung dient dabei letztlich der Schaffung von 

Rechtssicherheit für die Verfügungsadressaten und soll sicherstellen, dass es trotz fehlendem 

Zustellnachweis für die Steuerpflichtigen nicht zu einer Verkürzung der gesetzlichen Rechts-

mittelfristen kommt. Da die Steuerverwaltung den genauen Eröffnungszeitpunkt bei Zustellung 

mit B-Post weder kennt noch nachweisen kann, wird bei der Beurteilung der Einhaltung der 

Einsprachefristen durch die Steuerpflichtigen betreffend den Beginn des Fristenlaufs grundsätz-

lich auf das aufgedruckte Eröffnungsdatum abgestellt und die steuerpflichtige Person hat regel-

mässig nur die Einreichung innert 30 Tagen nach dem aufgedruckten Datum nachzuweisen. 

Dies ist in den allermeisten Fällen insofern unproblematisch, als der Nachweis für den Zustell-

zeitpunkt der angefochtenen Verfügung grundsätzlich der Steuerverwaltung obliegt und das 

Abstellen auf das aufgedruckte Datum sich i.d.R. zugunsten der Steuerpflichtigen auswirkt.

5. Bei einer Kantonseinsprache resp. Kantonsbeschwerde betreffend die direkte Bundes-
steuer obliegt der Steuerverwaltung demgegenüber nicht nur der Nachweis des Zeitpunkts der 

Einsprache- oder Beschwerdeerhebung, sondern gleichzeitig auch jener des Beginns des Fris-

tenlaufs. Die Steuerverwaltung möchte sich nun betreffend den Beginn des Fristenlaufs resp. 

bei der Berechnung der Beschwerdefrist ebenfalls auf das aufgedruckte Datum stützen. Je 

nach Ausmass der Vordatierung hat die Eröffnung aber tatsächlich und regelmässig schon viel 

früher stattgefunden. Durch die Vordatierungspraxis wird die Beschwerdefrist somit zugunsten 

der Steuerverwaltung in den meisten Fällen um bis zu zwei Wochen verlängert. Den prakti-

schen, aus dem Massenverfahren sich ergebenden Erschwerungen bei der Einhaltung der 

Rechtsmittelfristen seitens der Steuerverwaltung, wozu neben der blossen Anzahl der zu über-

prüfenden Verfügungen letztlich auch die im Massenverfahren liegenden Beweisschwierigkeiten 

gehören, wurde vom Gesetzgeber aber bereits mit einer Verdoppelung der ordentlichen Be-

schwerdefrist von 30 Tagen Rechnung getragen (vgl. Botschaft zu den Bundesgesetzen über 

die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden sowie über die direkte 

Bundesteuer vom 25.5.1983 [Botschaft Steuerharmonisierung; BBl 1983 III 1]). Deshalb geht es 

nicht an, dass die Vordatierung, welche genau in diesen mit der komplexen Organisation des 

Massenverfahrens und der Verfahrensökonomie zusammenhängenden Bedürfnissen begründet 

liegt und die ihrerseits wiederum bereits mit ein Grund für die Verdoppelung der Rechtsmittel-

- 8 -

fristen für die beschwerdeführende Verwaltung war, zu einer weiteren systematischen, von der 

Steuerverwaltung selbst bewirkten unbestimmten Verlängerung grundsätzlich nicht erstreckba-

rer, gesetzlicher Fristen führt. 

Um eine solche unzulässige systematische Erstreckung der Beschwerdefrist auszuschliessen, 

ist deshalb, wenn das genaue Zustelldatum nicht bekannt ist, zur Ermittlung des Zustell- resp. 

Eröffnungszeitpunkts anhand der belegten Daten des Versandes, der sich vorliegend insgesamt 

über acht Tage erstreckte, vom frühesten belegten Übergabezeitpunkt an die Post auszugehen. 

Weiter sind zur Berücksichtigung der ordentlichen Zustellung mit B-Post vier Tage hinzuzurech-

nen (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 29 zu Art. 116). Die Beschwerdefrist beginnt 

am darauffolgenden Tag zu laufen. Diese Berechnung des Zustellzeitpunkts schliesst für alle 

Sendungen des betreffenden Massenversands eine frühere Zustellung mit einer dem hier ver-

langten Beweismass genügenden Sicherheit aus (siehe E. 3.2 hiervor). 

Die erste Übergabe an die Post erfolgte am 26. März 2015. Das massgebliche Zustelldatum ist 

danach der 31. März 2015. Der Fristenlauf begann somit gemäss Art. 133 Abs. 1 DBG am dar-

auffolgenden Tag dem 1. April 2015 und lief nach 60 Tagen an sich am 30. Mai 2015 ab. Da 

dies aber ein Samstag ist, endete die Beschwerdefrist erst am nächstfolgenden Werktag, Mon-

tag dem 1. Juni 2015. Die Kantonsbeschwerde datiert vom 9. Juni 2015 und wurde frühestens 

am 10. Juni 2015 der schweizerischen Post übergeben. Die Beschwerdefrist wurde somit nicht 

eingehalten. Auf die verspätet eingereichte Kantonsbeschwerde ist deshalb nicht einzutreten.

6. Da auf die Beschwerde nicht eingetreten werden kann, fällt der vorliegende Entscheid in 
die einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 70 Abs. 4 Bst. a des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über 

die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).

7. Fristwiederherstellungsgründe sind im vorliegenden Zusammenhang einer Fristversäum-
nis seitens der Steuerverwaltung nicht zu prüfen.

8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdeführerin grundsätzlich kosten-
pflichtig. Sie hat die gesamten Verfahrenskosten zu tragen (Art. 144 Abs. 1 und 5 DBG i.V.m. 

Art. 1, 2, 53, 58 und 59 des Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und 

die Verwaltungsgebühren der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [Verfahrenskost-

endekret, VKD; BSG 161.12]). Gegenüber der Steuerverwaltung werden jedoch weder Verfah-

renskosten erhoben noch Parteikosten gesprochen. 

- 9 -

Aus diesen Gründen wird erkannt:

1. Auf die Beschwerde der Steuerverwaltung pro 2012 wird nicht eingetreten. 

2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

3. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Eröffnung beim Verwal-
tungsgericht des Kantons Bern, Speichergasse 12, 3011 Bern, Beschwerde erhoben 
werden (Art. 145 DBG i.V.m. Art. 9 Abs. 3 BStV). Die Frist ist eingehalten, wenn die 
Rechtsschrift am letzten Tag der Frist einer schweizerischen Poststelle übergeben wird. 

Die Beschwerdeschrift ist in 3-facher Ausfertigung einzureichen. Sie muss von der be-
schwerdeführenden Person selbst oder von einem zur Prozessführung vor bernischen 

Gerichten ermächtigten Anwalt verfasst und unterzeichnet sein (Art. 15 Abs. 4 VRPG). 

Die Rechtsschrift hat insbesondere das Rechtsbegehren und die Begründung zu ent-
halten. Der angefochtene Entscheid ist beizulegen.

5. Zu eröffnen an:

▪ C.________ AG zuhanden von A.________ und B.________

▪ Steuerverwaltung des Kantons Bern 

▪ Eidgenössische Steuerverwaltung

▪ Steuerverwaltung der Gemeinde G.________

IM NAMEN DER STEUERREKURSKOMMISSION
DES KANTONS BERN

Der Richter Der Gerichtsschreiber

Kästli Werthmüller