# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b325b2c6-9bfe-52ec-810c-c6b0dc2dedde
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.11.2011 D-4637/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4637-2009_2011-11-17.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­4637/2009/sps

U r t e i l   v om   1 7 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 
Richterin Muriel Beck Kadima, Richter Gérard Scherrer,
Gerichtsschreiberin Nina Hadorn.

Parteien A._______, geboren (…),
Afghanistan,  
vertreten durch lic. iur. Patricia Müller,
Rechtsberatungsstelle für Asyl Suchende Solothurn,
B._______,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 25. Juni 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  verliess  Afghanistan  eigenen Angabe  zufolge  im 
Jahr 2008 auf dem Landweg und gelangte über C._______, D._______, 
E._______,  F._______  und  G._______  am  2.  November  2008  in  die 
Schweiz,  wo  er  am  selben  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum 
(EVZ) H._______ um Asyl nachsuchte. Dort wurde er am 10. November 
2008 summarisch zu seinen Asylgründen befragt und erhielt am 9. Juni 
2009  anlässlich  der  direkten  Anhörung  durch  das  BFM  Gelegenheit, 
seine  Vorbringen  ausführlich  darzulegen.  Mit  Verfügung  vom  22. 
Dezember  2008  wurde  der  Beschwerdeführer  für  die  Dauer  des 
Asylverfahrens dem Kanton I._______ zugewiesen. 

Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  im 
Wesentlichen  geltend,  er  sei  ein  afghanischer  Staatsangehöriger 
J._______ Glaubens, gehöre der Ethnie der K._______ an und stamme 
aus  L._______  (Provinz  Ghazni).  Im  Jahr  2007  habe  er  in  M._______ 
gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder ein Teehaus eröffnet. Mitte 2008 
sei  ihm  durch  den  "Paradar"  (Sicherheitsperson)  zur  Kenntnis  gelangt, 
dass  sein  Angestellter  N._______  fast  das  gesamte  Mobiliar  aus  dem 
Teehaus entwendet habe. Er habe sich  in der Folge zu dessen Familie 
begeben,  um  ihr  seine  Absicht,  N._______  anzuzeigen,  mitzuteilen. 
Einige  Tage  später  sei  N._______  verschwunden,  woraufhin  dessen 
Familie  ihn  (den Beschwerdeführer) beschuldigt habe, diesen getötet zu 
haben.  Am  nächsten  Tag  sei  er  auf  dem  Weg  in  die  Moschee  von 
mehreren  Personen  –  darunter  N._______  aus  O._______ 
zurückgekehrter Bruder – brutal überfallen worden. Bald darauf habe er 
sich  auf  die  Flucht  begeben,  da  er  die  Überlegenheit  von  N._______ 
Bruder  eingesehen  habe.  Zudem  habe  die  Familie  damit  gedroht,  die 
Angelegenheit  dem  P._______,  dem  Zuständigen  für  die  Sicherheit  im 
Dorf, zur Kenntnis zu bringen. Da N._______ Familie einen guten Draht 
zum  P._______  habe,  habe  er  befürchtet,  auch  von  diesem  für 
N._______  Verschwinden  verantwortlich  gemacht  zu  werden.  Nach 
seiner Ausreise  seien N._______ Bruder  und weitere Personen  auf  der 
Suche  nach  dem  Beschwerdeführer  wiederholt  bei  ihnen  zuhause 
aufgetaucht und hätten seinen Zwillingsbruder brutal geschlagen,  zumal 
N._______  immer noch verschwunden sei. Zudem habe er sich  für eine 
Augenoperation  seiner  Mutter  bei  einigen  Bewohnern  seines 
Heimatdorfes  verschuldet,  die  mittlerweile  begonnen  hätten,  ihr  Geld 
zurückzufordern. 

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Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  am  2. 
Dezember  2008  seine  Tazkara  (afghanische  Identitäskarte)  und  einen 
Wohnsitznachweis zu den Akten.

B. 
Ein  vom  BFM  in  Auftrag  gegebenes,  durch  einen  Experten  verfasstes 
Herkunftsgutachten  vom  16.  Dezember  2008  bestätigte  die  vom 
Beschwerdeführer geltend gemachte Herkunft.

C. 
Mit Verfügung  vom 25.  Juni  2009 – eröffnet  am 29.  Juni  2009 –  lehnte 
das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete seine 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  den  Vollzug  an.  Zur  Begründung 
wurde  dargelegt,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den 
Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  des 
Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht genügten, da 
die  geltend  gemachten  Übergriffe  mangels  Verfolgungsmotiv  nicht  als 
asylrelevant  zu  qualifizieren  seien.  Den  Wegweisungsvollzug  erachtete 
die  Vorinstanz  nach  Kabul  als  zulässig,  zumutbar  und möglich.  Auf  die 
weiteren  Ausführungen  wird,  soweit  wesentlich,  in  den  nachfolgenden 
Erwägungen eingegangen.

D. 
Mit  Eingabe  vom  20.  Juli  2009  erhob  der  Beschwerdeführer  gegen  die 
Verfügung des BFM vom 25. Juni  2009 beim Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde  und  beantragte  im  Wesentlichen  die  Aufhebung  der 
angefochtenen Verfügung und die Gewährung von Asyl, eventualiter die 
Aufhebung  der  Verfügung  und  die  Rückweisung  der  Sache  an  die 
Vorinstanz zur Neubeurteilung, sowie subeventualiter die Anordnung der 
vorläufigen  Aufnahme  zufolge  Unzulässigkeit  und  sinngemäss  auch 
zufolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs.  In 
verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  er  um  die  unentgeltliche 
Rechtspflege im Sinn von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) 
und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

Zur Begründung  führte  der Beschwerdeführer  im Wesentlichen  aus,  die 
Verfolgung gehe in seinem Fall zwar nicht vom Staat aus, jedoch sei die 
Polizei  in Afghanistan weder  fähig  noch willens,  ihn  zu  schützen. Seine 
Mutter und sein Bruder seien aufgrund andauernder Behelligungen durch 
die  verfeindete  Familie  mittlerweile  Q._______  geflüchtet.  Seine 

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Verfolgung sei daher asylrelevant. Weiter brachte der Beschwerdeführer 
vor, das BFM sei zu Unrecht von der Zulässigkeit und der Zumutbarkeit 
des  Wegweisungsvollzugs  nach  Kabul  ausgegangen.  So  habe  er  zu 
einem Onkel keinen Kontakt mehr und der andere sei aus verschiedenen 
Gründen  nicht  in  der  Lage,  ihn  zu  unterstützen.  Ferner  gehe  das 
Bundesamt  fälschlicherweise  davon  aus,  er  sei  gesund.  Seine 
gravierenden Magen­,  Kiefer­  und Nasenprobleme würden  ihn  in  seiner 
Arbeitsfähigkeit  einschränken.  Er  sei  diesbezüglich  in  ärztlicher 
Behandlung  und werde  einen Arztbericht  nachreichen.  Auf  die weiteren 
Ausführungen wird, soweit wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen 
eingegangen.

Am 24. Juli 2009 wurde eine Fürsorgebestätigung nachgereicht.

E. 
Mit Zwischenverfügung des damals zuständigen Instruktionsrichters vom 
29. Juli 2009 teilte das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwerdeführer 
mit,  er  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten, 
verschob  den  Entscheid  über  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  auf  einen  späteren 
Zeitpunkt,  hiess  das  Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  gut,  wies  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Verbeiständung  im  Sinne  von  Art.  65  Abs. 2  VwVG  ab 
und  forderte  ihn  zur  Einreichung  eines  umfassenden  ärztlichen 
Zeugnisses auf.

F. 
Mit  Eingabe  vom  29.  August  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  einen 
ärztlichen  Bericht  in  Bezug  auf  seine  Kieferprobleme  von  Dr.  Dr.  med. 
R._______ datierend vom 21. August 2009 zu den Akten. 

G. 
Im  Rahmen  eines  Schriftenwechsels  hielt  das  BFM  in  seiner 
Vernehmlassung vom 18. September 2009 fest, die Beschwerde enthalte 
keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel.  Dem  ärztlichen 
Bericht  vom  21.  August  2009  sei  zu  entnehmen,  dass  die  geltend 
gemachte Gesichtsasymmetrie skelettal bedingt sei, woraus sich ergebe, 
dass  der  Beschwerdeführer  bereits  in  Afghanistan  mit  diesen 
Beschwerden  gelebt  habe.  Ferner  werde  daraus  ersichtlich,  dass  eine 
Nichtbehandlung  keine  lebensbedrohliche  Verschlechterung  des 

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Gesundheitszustandes zur Folge hätte. Das Bundesamt beantragte daher 
die Abweisung der Beschwerde.

H. 
Mit  seiner Replik  vom 6. Oktober 2009 hielt  der Beschwerdeführer dem 
im Wesentlichen entgegen, zwar habe er schon  immer unter Problemen 
aufgrund seiner Gesichtsasymmetrie gelitten, diese hätten sich jedoch in 
jüngerer  Zeit  verschärft.  So  sei  eine  Versteifung  seines  Kauapparates 
aufgetreten,  die  die  Nahrungsmittelaufnahme  wie  auch  das  Sprechen 
zeitweise stark einschränke. Die Mangelernährung habe mittlerweile sein 
Immunsystem  derart  geschwächt,  dass  eine  Erkrankung  in  Afghanistan 
aufgrund  der  dortigen  hygienischen  Verhältnisse  schnell  zu  einer 
lebensbedrohlichen  Situation  führen  könne.  Zudem  sei  er  bei  einer 
Rückkehr  nach  Afghanistan  auf  sich  allein  gestellt,  da  seine  Familie 
S._______ geflohen sei.

I. 
Mit  Eingabe  vom  8.  Februar  2010  reichte  der  Beschwerdeführer  einen 
weiteren  Arztbericht  von  Dr.  Dr.  med.  R._______  datierend  vom 
21. Dezember 2009 ein. Der behandelnde Zahnarzt schilderte darin den 
Behandlungsverlauf  und  äusserte  sich  zu  den möglichen  Ursachen  der 
Gesichtsasymmetrie.

J. 
Mit  Eingabe  vom  28.  April  2010  reichte  der  Beschwerdeführer  eine 
Bestätigung seiner Zahnarzttermine bei Dr. med. dent. T._______ ein.

K. 
Mit  Eingabe  vom  26.  Juli  2010  reichte  der  Beschwerdeführer  eine 
Bestätigung vom 22. Juli 2010 eines Operationstermins ein.

L. 
Mit  Eingabe  vom  10.  März  2011  zeigte  der  Beschwerdeführer  dem 
Bundesverwaltungsgericht  unter  Beifügung  der  erforderlichen  Vollmacht 
ein neues Vertretungsverhältnis an. Die neue Rechtsvertreterin führte an, 
der  Beschwerdeführer  sei  aufgrund  seiner  Kieferprobleme  weiterhin  in 
ärztlicher  Behandlung,  da  die  Operation  noch  nicht  die  gewünschte 
Wirkung  habe  entfalten  können. Weitere  Beweismittel  in  Bezug  auf  die 
gesundheitlichen Schwierigkeiten wurden angeboten.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2.  Die  Beschwerde  wurde  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.3. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. 
2.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 

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unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7 
AsylG).

2.3. Das Bundesamt begründete seine Verfügung vom 25. Juni 2009  im 
Wesentlichen damit,  dass die Probleme des Beschwerdeführers mit  der 
Familie  seines  Angestellten  N._______  nicht  asylrelevant  seien,  zumal 
kein  in  Art. 3  AsylG  aufgezählter  Verfolgungsgrund  ersichtlich  sei. 
Folglich  genügten  diese  Schwierigkeiten  mangels  Asylrelevanz  den 
Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  weshalb  das 
Asylgesuch abzulehnen sei.

2.4.  Der  Beschwerdeführer  führte  in  seiner  Beschwerde  aus,  dass  die 
Verfolgung zwar nicht vom Staat ausgehe, die Polizei jedoch weder fähig, 
noch  willens  sei,  ihn  zu  schützen.  Im  Falle  eines  Übergriffs  würde  die 
Polizei aufgrund der Korruption N._______ Familie decken und  ihm den 
Schutz  verweigern.  Seine  Mutter  und  sein  Bruder  seien  seitdem 
regelmässig  behelligt  worden,  wobei  seinem  Bruder  sogar  der  Arm 
gebrochen  worden  sei.  Die  beiden  seien  Q._______  geflüchtet.  Die 
Verfolgung  erweise  sich  daher  als  asylrelevant  und  erfülle  die 
Voraussetzungen von Art. 3 und Art. 7 AsylG, weshalb er als Flüchtling 
anzuerkennen sei.

2.5.  Im  Folgenden  ist  zunächst  zu  prüfen,  ob  die  Vorinstanz  die  vom 
Beschwerdeführer  geltend  gemachte  Gefahr  durch  Dritte  zu  Recht  als 
nicht asylrechtlich relevant beurteilt hat. 

2.5.1. Eine Verfolgung  durch  nichtstaatliche Akteure  kann  grundsätzlich 
flüchtlingsrechtlich  relevant  sein,  wenn  es  der  betroffenen  Person  nicht 
möglich  ist,  davor  im  Heimatstaat  adäquaten  Schutz  zu  finden  (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 18). Die Flüchtlingseigenschaft 
setzt  jedoch auch dann voraus, dass der geltend gemachten Verfolgung 

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oder  der  staatlichen  Schutzverweigerung  ein  flüchtlingsrechtlich 
relevantes  Motiv  gemäss  Art. 3  Abs. 1  AsylG  (Rasse,  Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe, 
politische Anschauungen) zugrunde liegt. Dabei gilt es zu beachten, dass 
eine  Verfolgung  im  Sinne  des  Asylgesetzes  und  des  Abkommens  vom 
28. Juli  1951  über  die Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30) 
immer wegen des Seins (d. h. des Anders­Seins), nicht wegen des Tuns 
erfolgt. Flüchtlingsrechtlich relevant wird eine Verfolgung dann, wenn sie 
wegen eines  in  der Person  liegenden Merkmals,  das untrennbar mit  ihr 
oder ihrer Persönlichkeit verbunden ist, erfolgt, mithin in diskriminierender 
Weise  an  ein  persönliches  Merkmal,  das  sie  "andersartig"  macht, 
anknüpft. Der Verfolger kann zwar vordergründig auf die Handlungsweise 
einer  Person  abzielen  (z. B.  Teilnahme  an  einer  Demonstration  oder 
Besuch  eines  Gottesdienstes),  der  Eingriff  wird  aber  nur  dann  für  die 
Flüchtlingseigenschaft  bedeutsam,  wenn  er  die  hinter  der  betreffenden 
Handlung steckende Gesinnung oder Eigenart der Person treffen will (vgl. 
EMARK 2006 Nr. 32). 

2.5.2.  Vorliegend  ist  aufgrund  der  Akten  nicht  davon  auszugehen,  der 
Beschwerdeführer  werde  wegen  der  Zugehörigkeit  zu  einer  zur 
Verfolgung  ausgesonderten  bestimmten  Gruppe,  d.h. wegen  seines 
"Anders­Seins",  von N._______  Familienangehörigen  bedroht  oder  vom 
Staat  nicht  geschützt.  Vielmehr  wird  aus  den  Ausführungen  des 
Beschwerdeführers  ersichtlich,  dass  die  Familie  den 
Beschwerdeführerführer aufgrund einer konkreten, ihm zur Last gelegten 
Tat behelligte. Da der ehemalige Angestellte N._______ im Nachgang an 
einen Streit mit dem Beschwerdeführer verschwand, ging dessen Familie 
davon  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  ihn  getötet,  und  wollte  Rache 
üben.  Es  ist  daher  im Verhalten  der  Angehörigen  des  verschwundenen 
N._______  kein  diskriminierendes,  an  ein  in  der  Person  des 
Beschwerdeführers  liegendes  Merkmal  anknüpfendes  Element 
ersichtlich,  weshalb  es  vorliegend  an  einem  Verfolgungsmotiv  gemäss 
Art. 3  AsylG  fehlt.  Der  Beschwerdeführer  bestreitet  in  seiner 
Rechtmitteleingabe  das  Fehlen  eines  asylrechtlich  relevanten  Motivs 
schliesslich  nicht,  sondern  beschränkt  seine  Ausführungen  auf  die 
fehlende  Möglichkeit,  bei  den  afghanischen  Behörden  oder  den 
internationalen Truppen Schutz zu finden. Auch im fehlenden Schutz liegt 
jedoch  keine  diskriminierende  Absicht  der  staatlichen  Behörden,  zumal 
der  Schutz  nicht  deshalb  verweigert  wird,  weil  der  Beschwerdeführer 
aufgrund  eines  in  seiner  Persönlichkeit  liegenden  Merkmals  getroffen 
werden  soll.  Vielmehr  ist  davon  auszugehen,  dass  die  staatlichen 

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Behörden  derzeit  in  vielen  Teilen  des  Landes  nicht  in  der  Lage  sind, 
adäquaten  Schutz  zu  gewähren.  Selbst  wenn  dem  Beschwerdeführer 
wegen Korruption der Schutz verwehrt worden wäre, könnte darin keine 
diskriminierende Absicht  aufgrund eines persönlichen Merkmals erkannt 
werden. 

2.6. Der  Vollständigkeit  halber  ist  anzumerken,  dass  sich  –  obwohl  die 
Vorbringen  recht  ausführlich  geschildert  worden  waren  –  auch  gewisse 
Ungereimtheiten  ergeben.  So  gab  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der 
Befragungen  an,  zwischen  dem  Raub  in  seinem  Geschäft  und  seiner 
Ausreise seien nur fünf bis sechs Tage vergangen. Es wirkt jedoch nicht 
überzeugend,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten 
Geschehnisse  –  Raub  im  Geschäft,  Untertauchen  des  Angestellten, 
Rückkehr desselben aus Kabul, Konfrontation mit diesem und den Eltern, 
Verschwinden  des  Angestellten,  Beschuldigung  des  Beschwerdeführers 
durch  die  Familie,  Übergriffe  durch  den  aus  O._______  angereisten 
Bruder und schliesslich Organisation und Finanzierung der Ausreise – in 
einer derart kurzen Zeitspanne vor sich gegangen sind. Unklar  ist auch, 
weshalb  der  Angestellte,  der  offenbar  aus  wohlhabendem  und 
einflussreichem  Hause  stamme,  eine  Anstellung  in  einem  Restaurant 
annehmen  und  dieses  dann  ausrauben  sollte,  um  seine  Schulden  zu 
begleichen.  Ausserdem  wäre  zu  erwarten  gewesen,  dass  der 
Beschwerdeführer  nach  dem  Geständnis  des  Angestellten  mit  diesem 
und  dessen  Eltern  nach  einer  finanziellen  Einigung  gesucht  hätte.  Und 
schliesslich  wirft  auch  die  überstürzte  Ausreise  nur  wenige  Tage  nach 
dem Verschwinden des Angestellten Fragen auf. Der Beschwerdeführer, 
der sich  ja nichts vorzuwerfen hatte, hätte wohl zumindest den Versuch 
unternommen, die Familie des Verschwundenen von seiner Unschuld zu 
überzeugen, oder – zumal der Verbleib des Angestellten vollkommen im 
Ungewissen blieb – dessen Rückkehr abgewartet. Allein der Verweis auf 
die  finanzielle Überlegenheit  der  anderen Familie  überzeugt  dabei  nicht 
recht,  hatte  doch  auch  diese  ein  Interesse  daran,  das  Geschehene 
aufzudecken.  Insgesamt  könnte  es  sich  bei  den  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  demnach  auch  um  einen  konstruierten  Sachverhalt 
handeln.  Eine  abschliessende  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  erübrigt 
sich  jedoch  angesichts  der  ohnehin  fehlenden  Asylrelevanz  der 
angeblichen Übergriffe.

2.7.  Der  Beschwerdeführer  erfüllt  diesen  Erwägungen  gemäss  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb das Bundesamt das Asylgesuch zu 
Recht abgelehnt hat.

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3. 
3.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

3.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9).

4. 
4.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

4.2. Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug 
der  Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit) 
sind  alternativer Natur:  Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der Vollzug 
der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere 
Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die 
vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 S. 748).

4.3.  Weil  sich  vorliegend  der  Vollzug  der  Wegweisung  –  aus  den 
nachfolgend aufgezeigten Gründen – als unzumutbar erweist, ist auf eine 
Erörterung der beiden andern Kriterien zu verzichten.

4.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat 
aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 
Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG – 
die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz 
über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002 
3818).

4.4.1. In Bezug auf die allgemeine Lage in Afghanistan kann auf die vom 
Bundesverwaltungsgericht vorgenommene Einschätzung der Situation  in 
einem  vor  kurzem  ergangenen,  zur  Publikation  vorgesehenen 

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Grundsatzurteil  verwiesen  werden  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­7625/2008  vom  16.  Juni  2011).  Das 
Gericht  stellt  dort  zusammenfassend  fest,  dass  in  weiten  Teilen  von 
Afghanistan  –  ausser  allenfalls  in Grossstädten  –  eine  derart  schlechte 
Sicherheitslage  und  derart  schwierige  humanitäre  Bedingungen 
bestünden, dass die Situation als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 
Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. Von dieser allgemeinen Feststellung sei 
die Situation  in  der Hauptstadt Kabul  zu  unterscheiden. Angesichts  des 
Umstandes,  dass  sich  dort  die  Sicherheitslage  im  Verlaufe  des 
vergangenen Jahres nicht weiter verschlechtert habe und die humanitäre 
Situation  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gebieten  etwas  weniger 
dramatisch  sei,  könne  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Kabul  unter 
Umständen als  zumutbar  qualifiziert werden. Solche Umstände  könnten 
namentlich dann gegeben sein, wenn es sich beim Rückkehrer um einen 
jungen,  gesunden  Mann  handle.  Angesichts  der  bisher  aufgezeigten 
konstanten  Verschlechterung  der  Lage  über  die  vergangenen  Jahre 
hinweg und der auch in Kabul schwierigen Situation verstehe es sich aber 
von selbst, dass die bereits in EMARK 2003 Nr. 10 formulierten strengen 
Bedingungen  in  jedem  Einzelfall  sorgfältig  geprüft  und  erfüllt  sein 
müssten,  um  einen  Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  als  zumutbar  zu 
qualifizieren. Unabdingbar sei  in erster Linie ein soziales Netz, das sich 
im Hinblick auf die Aufnahme und Wiedereingliederung des Rückkehrers 
als  tragfähig erweise. Ohne Unterstützung durch Familie oder Bekannte 
würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in Kabul unweigerlich in 
eine  existenzielle  beziehungsweise  lebensbedrohende  Situation  führen. 
Für  einen  Rückkehrer  aus  Europa  bestehe,  aufgrund  der  Vermutung, 
dass er Devisen auf  sich  trage, gleich nach seiner Ankunft  in Kabul ein 
erhöhtes Risiko,  entführt  oder  überfallen  zu werden. Verfüge  er  auf  der 
anderen Seite  über  keine  genügenden  finanziellen Mittel,  hätte  er  ohne 
soziale Vernetzung kaum Aussicht auf eine zumutbare Unterkunft. Auch 
bei  der  Arbeitssuche  sei  die  Einstellung,  selbst  von  unqualifizierten 
Arbeitskräften,  regelmässig  von  persönlichen  Beziehungen  abhängig. 
Eine  die  Gesundheit  nur  einigermassen  garantierende  Ernährung  wäre 
ohne die Hilfe von nahestehenden Personen ebenfalls kaum möglich, und 
der  Zugang  zu  sauberem  Trinkwasser  schwierig; 
Unterstützungsmassnahmen  der  Regierung  oder  internationaler 
Organisationen könnten  laut zuverlässigen Quellen daran nichts ändern. 
Kämen  in  einer  solchen  Situation  noch  gesundheitliche 
Umstellungsschwierigkeiten  hinzu,  geriete  auch  ein  junger  gesunder 
Mann  ohne  soziale  Vernetzung  unweigerlich  innert  absehbarer  Zeit  in 
eine existenzbedrohende Situation (vgl. a.a.O. E. 9.9.1 f.).

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4.4.2.  Der  Beschwerdeführer  stammt  eigenen  Angaben  zufolge  aus 
L._______  (Provinz  Ghazni).  Gemäss  der  soeben  dargelegten 
Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  wird  ein 
Wegweisungsvollzug  in  die  Provinz  Ghazni  nicht  in  Betracht  gezogen. 
Hingegen geht das Bundesverwaltungsgericht im zitierten Urteil nicht von 
einer  generellen  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  nach  Kabul 
aus.

4.4.3.  Bei  dieser  Sachlage  stellt  sich  die  Frage,  ob  dem 
Beschwerdeführer eine Rückkehr nach Kabul aufgrund einer individuellen 
Prüfung der Verhältnisse zuzumuten  ist. Die Bejahung der Zumutbarkeit 
einer  Rückkehr  nach  Kabul  setzt  insbesondere  die  Existenz  eines 
tragfähigen  Beziehungsnetzes,  die  konkrete  Möglichkeit  der  Sicherung 
des Existenzminimums sowie eine gesicherte Wohnsituation voraus (vgl. 
das  zur  Publikation  vorgesehene  Grundsatzurteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts E­7625/2008 vom 16. Juni 2011 E. 9.9.2 mit 
Verweis auf EMARK 2003 Nr. 10 E. 10 cc).

4.4.4. Anlässlich der Befragungen machte der Beschwerdeführer geltend, 
bis zur Ausreise  immer  in seinem Heimatdorf gelebt zu haben.  In Kabul 
verfüge  er  über  zwei  Onkel  mütterlicherseits,  wovon  einer  eine  Art 
Restaurant beziehungsweise einen Laden mit Säften oder Lebensmitteln 
führe und der andere eine Autospenglerei besitze (vgl. A23/15 S. 5). Die 
beiden  Onkel  hätten  ihn  bei  verschiedenen  Gelegenheiten  finanziell 
unterstützt  (vgl.  A23/15 S.  5  und  8).  Er  sei  nicht  zur Schule  gegangen, 
habe  aber  die  Koranschule  besucht  und  zwischen  2006  und  2007  eine 
Lehre als Schneider absolviert. Danach habe er in M._______ mit seinem 
Zwillingsbruder ein Teehaus eröffnet. 

4.4.5.  Das  BFM  führte  in  der  angefochtenen  Verfügung  vom  25.  Juni 
2009  aus,  weder  die  allgemeine  noch  die  individuelle  Situation  des 
Beschwerdeführers  spreche  gegen  die  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs.  Insbesondere  habe  der  Beschwerdeführer  in 
Kabul  zwei  Onkel  mit  eigenen  Geschäften,  welche  ihn  bei  sich 
aufnehmen  und  unterstützen  könnten,  wie  sie  dies  schon  vorher  getan 
hätten.  Der  Beschwerdeführer  verfüge  durch  seine  Tätigkeit  als 
Schneider  und  die Führung  eines Teehauses  über  genügend berufliche 
Erfahrung,  um  sich  mit  Hilfe  seiner  Onkel  in  Kabul  eine  wirtschaftliche 
Existenz aufzubauen.

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4.4.6. Diesen  Erwägungen  entgegnete  der  Beschwerdeführer  in  seiner 
Rechtmitteleingabe vom 20. Juni 2009, das BFM gehe zu Unrecht davon 
aus, er könne in Kabul bei seinen Onkel leben. Zu einem Onkel habe er 
keinen  Kontakt mehr,  da  dieser  sich mit  seiner Mutter  zerstritten  habe. 
Der  andere  Onkel  verfüge  zwar  tatsächlich  über  ein 
Lebensmittelgeschäft,  jedoch  sei  es  ihm  aufgrund  des  unerfreulichen 
Geschäftsgangs nicht möglich, für eine weitere Person aufzukommen. Da 
sich die Familie daher in einer schwierigen finanziellen Situation befinde, 
sei es  ihnen nicht möglich,  ihn zu unterstützen. Auch könne er nicht bei 
der Familie wohnen, da der Onkel Töchter  im heiratsfähigen Alter habe. 
Dieser Onkel werde ihn daher nicht bei sich wohnen lassen.

Zudem  gehe  das  BFM  fälschlicherweise  davon  aus,  er  sei  gesund.  Er 
habe  Probleme mit  der  Atmung,  dem  Kiefer  und  dem Magen.  Deshalb 
könne er Nahrung zur Zeit nur in flüssiger Form zu sich nehmen und auch 
das Sprechen bereite ihm Schmerzen und Mühe. Die Beschwerden seien 
sehr gravierend und würden seine Arbeitsfähigkeit einschränken.

4.4.7. Bezüglich der geltend gemachten gesundheitlichen Schwierigkeiten 
ist festzustellen, dass dem Beschwerdeführer im eingereichten ärztlichen 
Bericht vom 21. August 2009 eine skelettal bedingte Gesichtsasymmetrie, 
welche  schon  bei  der  Einreise  in  die  Schweiz  bestanden  habe, 
diagnostiziert wird. Als Folge davon leide der Beschwerdeführer an einer 
extremen  Bissstörung,  welche  für  den  Kauprozess  objektiv  von 
Bedeutung  sei.  Das  Leiden  sei  durch  eine  Korrektur  des  Oberkiefers 
behandelbar.  Ohne  Behandlung  sei  mit  der  mittelfristigen  Entwicklung 
einer  Kiefergelenksarthrose  zu  rechnen,  was  zu  einer  weiterhin 
verminderten  Kaufähigkeit  führe.  Dem  Schreiben  des  behandelnden 
Arztes  vom  21.  Dezember  2009  ist  zu  entnehmen,  dass  der 
Beschwerdeführer mittlerweile so weit behandelt worden sei, um wieder 
einigermassen  schmerzfrei  leben  zu  können,  ein  operativer  Eingriff  sei 
jedoch  unabdingbar.  Gemäss  der  eingereichten  Bestätigung  des 
Operationstermins  vom  22.  Juli  2010  ist  davon  auszugehen,  die 
erforderliche Operation  sei  am  (…)  durchgeführt  worden.  Daraus  ergibt 
sich,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  den  erforderlichen 
Massnahmen  zur  Behandlung  seiner  gesundheitlichen  Schwierigkeiten 
unterzogen  wurde.  Mit  Eingabe  vom  10. März  2011  brachte  der 
Beschwerdeführer  vor,  trotz  der  Operation  immer  noch  "Mühe mit  dem 
Essen" zu haben.

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4.4.8.  Der  Beschwerdeführer  ist  in  L._______  geboren  und 
aufgewachsen  –  wohin  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  unzumutbar 
einzuschätzen  ist – und hat selber nie  in Kabul gelebt.  Immerhin verfügt 
er  dort  über  zwei  Onkel,  die  ihn  bereits  vor  der  Ausreise  finanziell 
unterstützt  haben  sollen.  Indessen  dürfte  dieser  Umstand  allein  nicht 
ausreichen,  die  Existenz  des  Beschwerdeführers  in  Kabul  als  gesichert 
zu  betrachten,  zumal  der  Beschwerdeführer  in  seiner 
Rechtsmitteleingabe in nachvollziehbarer Weise ausführte, dass sich eine 
Unterstützung  durch  seine  Onkel  als  schwierig  gestalte.  Weitere 
Bezugspersonen,  welche  ihn  allenfalls  in  Kabul  unterstützen  könnten, 
sind  nicht  aktenkundig.  Gleichzeitig  ist  davon  auszugehen,  dass  der 
Beschwerdeführer  mit  Blick  auf  die  fehlende  Schulbildung  sowie  unter 
Berücksichtigung  der  schwierigen  Arbeitsmarktsituation  in  Kabul  wohl 
Mühe habe dürfte,  innert angemessener Frist eine Anstellung zu  finden, 
mit  welcher  er  sich  seinen  Lebensunterhalt  selbstständig  verdienen 
könnte.  Dies  selbst  unter  Berücksichtigung  der  Tatsache,  dass  er  eine 
Lehre  als  Schneider  absolviert  und  in  M._______  ein  Teehaus  geführt 
hat. Weiter ist anzumerken, dass der Gesichtsasymmetrie und der damit 
verbundenen  Kau­  und  Sprachstörung  des  Beschwerdeführers  allein 
zwar  kein  schwerwiegender  oder  gar  existenzbedrohender  Charakter 
zukommt,  die  gesundheitlichen  Probleme  hingegen  als  Faktor  im 
Rahmen  einer  Gesamtbetrachtung  berücksichtigt  werden  müssen.  Die 
gut  sichtbare  Gesichtsasymmetrie  und  die  erschwerte 
Nahrungsmittelaufnahme  und  deren  vom  Beschwerdeführer  erläuterten 
Folgen dürften sich dabei ungünstig auf eine Reintegration in Afghanistan 
beziehungsweise  Integration  in  Kabul  auswirken.  Daher  läuft  der 
Beschwerdeführer bei einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
Gefahr, in eine existenzielle Notlage zu geraten.

4.5.  Zusammenfassend  ist  angesichts  der  gesamten  Umstände 
festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers 
nach  Afghanistan  zum  heutigen  Zeitpunkt  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  eine  konkrete  Gefährdung  zur  Folge  hätte  und 
deshalb als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren 
ist.

5. 
Die  Beschwerde  ist  demnach  gutzuheissen,  soweit  sie  den Vollzug  der 
Wegweisung  betrifft;  im Übrigen  ist  sie  abzuweisen. Die Verfügung  des 
BFM vom 25. Juni 2009 ist hinsichtlich der Ziffern 4 und 5 des Dispositivs 

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aufzuheben und das Bundesamt  ist anzuweisen, den Beschwerdeführer 
in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.

6. 
6.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dem Beschwerdeführer 
grundsätzlich  reduzierte  Verfahrenskosten  aufzuerlegen.  Mit 
Zwischenverfügung  vom  29.  Juli  2009  verzichtete  der  zuständige 
Instruktionsrichter  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  mit  dem 
Hinweis, über das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung 
der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG 
werde  im  Endentscheid  befunden.  Mit  Fürsorgebestätigung  der 
Gemeinde Oberdorf  vom 17.  Juli  2009  hat  der Beschwerdeführer  seine 
Bedürftigkeit,  von welcher  nach wie  vor  auszugehen  ist,  nachgewiesen. 
Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne 
von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  gutgeheissen.  Somit  sind  keine 
Verfahrenskosten aufzuerlegen.

6.2.  Gemäss  Art.  64  Abs.  1  VwVG  kann  die  Beschwerdeinstanz  der 
obsiegenden  Partei  eine  Parteientschädigung  für  die  notwendigen  und 
verhältnismässig  hohen  Kosten  zusprechen.  Dem  vertretenen 
Beschwerdeführer  ist  angesichts  des  teilweisen  Obsiegens  eine 
reduzierte  Parteientschädigung  zuzusprechen  (Art.  7  Abs.  2  des 
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Es  wurde 
keine Kostennote  eingereicht,  der  notwendige Vertretungsaufwand  lässt 
sich  jedoch aufgrund der Aktenlage hinreichend zuverlässig abschätzen 
(vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE). Nachdem die Rechtsvertretung erst kurz vor 
Verfahrensabschluss  und  damit  nach  Beschwerdeerhebung  und 
Schriftenwechsel  mandatiert  wurde,  ist  die  reduzierte 
Parteientschädigung  auf  Fr.  200.­  (inklusive  Auslagen  und  allfällige 
Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der Vorinstanz zu entrichten.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird  betreffend  den  Vollzug  der  Wegweisung 
gutgeheissen. Im Übrigen wird sie abgewiesen.

2. 
Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung des BFM vom 25. Juni 
2009  werden  aufgehoben  und  das  Bundesamt  wird  angewiesen,  den 
Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen.

3. 
Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne 
von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  gutgeheissen.  Es  werden  keine 
Verfahrenskosten auferlegt.

4. 
Die  Parteientschädigung  wird  auf  Fr.  200.­  festgesetzt.  Das  BFM  wird 
angewiesen, diesen Betrag an den Beschwerdeführer auszurichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Nina Spälti Giannakitsas Nina Hadorn

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