# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3d31f204-9dae-50a4-bf88-d12a1f28af1b
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-03-05
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 05.03.2013 S 2012 113
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2012-113_2013-03-05.pdf

## Full Text

S 12 113

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 5. März 2013

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend Versicherungsleistungen nach IVG

1. …, geboren 1961, nachfolgend Beschwerdeführer genannt, arbeitete als 

Bodenleger und meldete sich aufgrund seiner anhaltenden Rückenschmerzen 

am 19. Dezember 2005 erstmals zum Bezug von IV-Leistungen an. Mit 

Verfügung vom 15. März 2007 wurde das damalige Leistungsbegehren 

abgewiesen. Die Gutachter der Klinik … waren in ihrem Gutachten vom 2. 

November 2005 zum Schluss gelangt, dass der Beschwerdeführer in der 

angestammten Tätigkeit als Bodenleger zu 75-80% arbeitsfähig sei. In einer 

adaptierten Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Auf ein weiteres 

Gesuch des Beschwerdeführers vom 27. Juni 2007 wurde mit Verfügung vom 

2. November 2007 nicht eingetreten. Sowohl die Verfügung vom 15. März 2007 

als auch jene vom 2. November 2007 erwuchsen in Rechtskraft.

2. Am 28. August 2008 gelangte der Beschwerdeführer mit einem erneuten 

Gesuch um Revision und Wiedererwägung der ergangenen Verfügungen an die 

IV-Stelle. Um den Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung prüfen zu 

können, hatte die IV-Stelle eine ambulante Abklärung bei der MEDAS 

Zentralschweiz (MEDAS) angeordnet. Die Arbeitsunfähigkeit des 

Beschwerdeführers als Bodenleger wurde im Gutachten vom 6. August 2009 

wiederum auf 20-25% veranschlagt, für körperlich leichte bis mittelschwere 

Tätigkeiten auf 0%. In der Folge wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit 

Verfügung vom 16. November 2009 ab. Die vom Beschwerdeführer dagegen 

erhobene Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden vom 

14. Dezember 2009 wurde mit Entscheid vom 7. September 2010 abgewiesen 

(S 09 196). Das daraufhin angerufene Bundesgericht trat auf die Beschwerde 

des Beschwerdeführers vom 22. Mai 2011 nicht ein (Urteil des Bundesgerichts 

9C_242/2001 vom 14. April 2011).

3. Dr. med. …, der Hausarzt des Beschwerdeführers, reichte am 22. November 

2011 ein Schreiben bei der IV-Stelle Graubünden, nachfolgend 

Beschwerdegegnerin, ein, wonach sich der Gesundheitszustand des 

Beschwerdeführers weiter verschlechtert habe. Darauf meldete sich der 

Beschwerdeführer selbst am 9. Dezember 2011 erneut zum Bezug von IV-

Leistungen an. Im Schreiben vom 16. Dezember 2011 führt Dr. med. … aus, 

das Gutachten von 2009 greife hauptsächlich auf Röntgenuntersuchungen von 

2005 und 2006 zurück, wo von einer relativen Spinalkanalstenose gesprochen 

werde. Die aktuellen MRI-Untersuchungen der LWS vom 17. November 2011 

zeigten nun eine absolute Spinalkanalstenose auf Höhe L4/5 mit zusätzlicher 

Einengung der Neuroforamina in dieser Höhe sowie auch eine hochgradige 

Spinalstenose im Segment L3/4 mit zusätzlicher Dekompression der L4-Wurzel 

rechts rezessal. Diese Veränderung mache glaubhaft, dass die Gehstrecke des 

Patienten nach 200 m vermindert sei. Der Patient zeige weiterhin die Zeichen 

eines generalisierten Schmerzsyndroms. Die nun eindeutigen Veränderungen 

der MRI-Untersuchung seien sicher genügend aussagekräftig, dass der Patient 

keine rückenbelastenden Tätigkeiten mehr durchführen könne. Gleichzeitig 

wurde als Nachweis der ärztliche Bericht zur MRI-Untersuchung von Dr. med. 

…, Radiologie FMH, des Diagnose Zentrums … vom 17. November 2011 

eingereicht. 

4. Mit Vorbescheid vom 15. Februar 2012 teilte die Beschwerdegegnerin dem 

Beschwerdeführer mit, es bestehe kein Rentenanspruch, da der Invaliditätsgrad 

unter 40 % liege. Daraufhin erhob der Beschwerdeführer am 13. März 2012 

Einwand gegen den Vorbescheid mit dem Begehren, den Gesundheitszustand 

nochmals von Grund auf neu zu prüfen und den Bericht des Diagnose 

Zentrums … entsprechend zu berücksichtigen. Er sehe sich nicht in der Lage, 

mehr als 1 h pro Tag zu arbeiten, hoffe jedoch, dass sich dieser Zustand so 

verbessern lasse, dass er wieder 10-20% arbeiten könne. 

5. Nach Aufforderung durch die Beschwerdegegnerin vom 24. Juli 2012 nahm Dr. 

med. … mit Schreiben vom 17. August 2012 zur Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers Stellung. Er führte aus, rückenbelastende Tätigkeiten seien 

ungünstig, längere Gehstrecken und schnelles Gehen seien nicht möglich, 

ebenso das Anheben von mehr als 10 kg. Aus rein rheumatologischer Sicht sei 

eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit möglich, d.h. Arbeiten im Sitzen mit 

Möglichkeit des Stellungswechsels zum Stehen, keine weiten Gehstrecken, 

keine Akkord-Arbeit, keine Arbeit am Förderband. Zum Beispiel wären Arbeiten 

in einer Fabrik, wo man leichte Plastik-Geräte zusammensetze, theoretisch 

möglich. Die Arbeitsfähigkeit werde zum grössten Teil durch die langjährige, 

chronische Schmerzerkrankung mit zum Teil somatoformer Schmerzstörung 

erheblich eingeschränkt, so dass eine Wiedereingliederung in den 

Arbeitsprozess sich als äusserst schwierig erweisen dürfte. 

6. Mit Verfügung vom 17. September 2012 wies die Beschwerdegegnerin das 

Leistungsbegehren des Beschwerdeführers ab. Es sei nicht korrekt, dass die 

Berichte des Diagnose Zentrums … sowie von Dr. med. … nicht berücksichtigt 

worden seien. Aufgrund der erwähnten Berichte sei im Vorbescheid vom 15. 

Februar 2012 mitgeteilt worden, dass die angestammte Tätigkeit als 

Bodenleger seit Oktober 2011 nicht mehr zumutbar sei. Die durchschnittliche 

Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% in der angestammten Tätigkeit liege ab 

dem 21. Dezember 2010 vor und ab diesem Zeitpunkt sei das Wartejahr zu 

eröffnen. Dem Bericht von Dr. med. … könne konkret entnommen werden, dass 

rückenbelastende Tätigkeiten aufgrund der Rückenbeschwerden nicht 

zumutbar seien. Aus rein rheumatologischer Sicht seien leichte, 

wechselbelastende Tätigkeiten möglich. Im Vorbescheid vom 15. Februar 2012 

sei berücksichtigt worden, dass schwere Tätigkeiten, wie Bodenleger, 

gesundheitsbedingt nicht mehr zumutbar seien; jedoch in adaptierten, 

wechselbelastenden Tätigkeiten mit Hebelimit von 10 kg seit jeher 100% 

Arbeitsfähigkeit bestehe. Ob eine solche Tätigkeit auch tatsächlich ausgeführt 

werde, sei für die Bemessung der Invalidität unerheblich. Im Einwand vom 14. 

März 2012 würden deshalb keine neuen rechtserheblichen Tatsachen geltend 

gemacht werden. Die Ermittlung des Einkommens ohne Behinderung 

(Valideneinkommen) gestalte sich relativ schwierig, zumal in den letzten Jahren 

kein Einkommen mehr erzielt worden sei. Aus diesem Grund stütze man sich 

auf die Tabellenlöhne (Schweizerische Lohnstrukturerhebung (LSE) des 

Bundesamtes für Statistik) ab. Auf Basis der LSE-Tabelle 2010, 

Wirtschaftszweig 41-43, Baugewerbe, Anforderungsniveau 4, Männer, 100% 

Pensum, belaufe sich das Valideneinkommen auf Fr. 67‘601.--. Auf Basis der 

LSE-Tabelle 2010, Zentralwert aller Wirtschaftszweige, Anforderungsniveau 4, 

Männer, 100% Pensum, belaufe sich das Einkommen mit Behinderung 

(Invalideneinkommen) auf Fr. 59‘274.--. Darin enthalten sei ein Leidensabzug 

von 5%, da der Beschwerdeführer nur noch leichte bis mittelschwere 

Tätigkeiten ausüben könne. Bei einer daraus resultierenden Erwerbseinbusse 

von Fr. 8‘327.-- ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 12.32%. Da der 

Invaliditätsgrad unter 40% liege, bestehe kein Rentenanspruch.

7. Der Beschwerdeführer erhob am 14. Oktober 2012 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden gegen die Verfügung vom 17. 

September 2012 mit dem sinngemässen Begehren, die Verfügung aufzuheben 

und falls keine Einigung zustande komme, ein aktuelles Gutachten zu erstellen. 

Die Beschwerdegegnerin gehe davon aus, dass weiterhin für leichte bis 

mittelschwere Arbeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe. Dem müsse er 

widersprechen. Er habe verschiedene Anläufe gemacht, sich wieder in den 

Arbeitsprozess zu integrieren, leider ohne Erfolg. Ein sechsmonatiges 

Arbeitsprogramm in einer psychiatrischen Klinik in … habe gezeigt, dass er 

nicht in der Lage sei, länger als eine Stunde zu arbeiten. Er sei für leichte 

Arbeiten eingesetzt worden, weshalb nachgewiesen sei, dass er auch für 

leichte Arbeiten maximal 10-20% arbeitsfähig sei, was zu einer 80-90%igen 

Arbeitsunfähigkeit auch für leichte Arbeiten führe. Die Beschwerden seien aus 

Sicht des Beschwerdeführers klar auf eine Überanspruchung bei der intensiven 

Arbeit als Bodenleger zurückzuführen und hätten sich in den letzten sieben 

Jahren noch verschlechtert. Er sei jederzeit bereit, ein aktuelles Gutachten von 

seinem Gesundheitszustand zu machen. 

8. In ihrer Vernehmlassung vom 31. Oktober 2012 beantragte die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie halte vollumfänglich 

an der Verfügung vom 17. September 2012 fest. Den Arztberichten von Dr. 

med. … lasse sich keine Arbeitsunfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten 

entnehmen, vielmehr werde ausdrücklich bestätigt, dass der Beschwerdeführer 

in adaptierten Tätigkeiten medizinisch-theoretisch voll arbeitsfähig sei. 

Bezüglich der langjährigen, chronischen Schmerzerkrankung gelte nach wie vor 

die diesbezüglich von den MEDAS-Gutachtern festgestellte vollständige 

Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten. Eine Überwindung der Schmerzen 

sei zumutbar (BGE 127 V 294 E. 5a). Es könne deshalb auf die RAD-

Abschlussbeurteilung vom 22. Dezember 2011 inklusive der Ergänzung vom 

24. August 2012 abgestellt werden. Diese Beurteilung stelle einen Gesamtwert 

der Arbeitsfähigkeit dar, beruhe auf der umfangreichen Vorgeschichte, den 

bisherigen Akten, den neuen Arztberichten von Dr. med. … vom 16. Dezember 

2011 und 17. August 2012 und erscheine in ihren Ergebnissen schlüssig, 

nachvollziehbar und widerspruchsfrei. Weitere Untersuchungen seien nicht 

angezeigt, da von ihnen keine neuen Erkenntnisse erwartet werden könnten 

(BGE 122 V 162 E. 1d).

9. Anstelle einer Replik reichte der Beschwerdeführer per 3. November 2012 

erneut die am 14. Oktober 2012 verfasste Beschwerde ein, woraufhin die 

Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 7. November 2012 auf eine Duplik 

verzichtete. 

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und auf die 

angefochtene Verfügung wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden 

Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 17. September 2012, mit welcher 

ein Anspruch des Beschwerdeführers auf IV-Leistungen abgelehnt worden ist. 

Nachfolgend wird zu prüfen sein, ob die Beschwerdegegnerin einen solchen 

Anspruch zu Recht verneinte.

2. a) Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze 

oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den 

Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Invalidität kann 

Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist 

der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen 

Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung 

verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in 

Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Eine 

Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht 

überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). 

b) Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem 

Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei 

einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine 

Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent 

Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 1 IVG). Bei erwerbstätigen 

Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit 

Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. 

Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der 

Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei 

ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in 

Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie 

nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der 

Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die 

beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau 

ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der 

Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine 

Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 349 E. 3.4.2 mit Hinweisen).

c) Wurde eine Rente bereits einmal wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades 

verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 4 IVV eine neue Anmeldung nur dann 

geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung erfüllt 

sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad 

der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen 

Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie 

die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der 

versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades 

auch tatsächlich eingetreten ist. Sie hat demnach in analoger Weise wie bei 

einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (vgl. dazu BGE 130 

V 71; AHI 1999 S. 84 E. 1b mit Hinweisen; vgl. auch AHI 2000 S. 309 E. 1b mit 

Hinweisen). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren 

rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das 

neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die 

festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende 

Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt 

die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 130 V 75 E. 3.2.2 

und 3.2.3, 117 V 198 E. 3a, 109 V 115 E. 2b). 

3. Das Versicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen 

und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie 

stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des 

strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines 

ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für 

http://links.weblaw.ch/BGE-130-V-343
http://links.weblaw.ch/BGE-130-V-71
http://links.weblaw.ch/BGE-130-V-71
http://links.weblaw.ch/BGE-130-V-71
http://links.weblaw.ch/BGE-117-V-198
http://links.weblaw.ch/BGE-109-V-108

die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen 

allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt 

und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander 

setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den 

Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen 

Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der 

medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die 

rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte 

oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, 

welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, 

gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 

160 E. 1c).

4. a) Im vorliegenden Verfahren liegen einerseits ein Gutachten der MEDAS vom 6. 

August 2009 vor, andererseits neue Untersuchungen der Wirbelsäule durch das 

Diagnose Zentrum … vom 17. November 2011, welche aufzeigen, dass unter 

anderem die im Gutachten der MEDAS festgehaltene relative 

Spinalkanalstenose sich auf Höhe L4/5 zu einer absoluten Spinalkanalstenose 

ausgeweitet hat. Gemäss Einschätzung des behandelnden Hausarztes, Dr. 

med. … vom 16. Dezember 2011 führe diese eindeutige Veränderung dazu, 

dass keine rückenbelastenden Tätigkeiten mehr möglich seien. Diese 

Einschätzung des Hausarztes wird durch den RAD-Arzt … bestätigt. Aufgrund 

der neuen gesundheitlichen Beeinträchtigung kam Dr. med. … in seiner 

Stellungnahme vom 17. August 2012 zum Schluss, dass aus rein 

rheumatologischer Sicht eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit möglich sei, 

das heisst Arbeiten im Sitzen mit der Möglichkeit eines Stellungswechsels zum 

Stehen, keine weiten Gehstrecken, keine Akkord-Arbeit, keine Arbeit am 

Förderband. Arbeiten z.B. in einer Fabrik, wo man leichte Plastik-Geräte 

zusammensetze, wären theoretisch möglich. Rückenbelastende Tätigkeiten 

seien ungünstig, längere Gehstrecken sowie schnelles Gehen seien nicht 

möglich und es könnten keine Gewichte von mehr als 10 kg gehoben werden. 

Der RAD-Arzt … erachtete jedoch im Unterschied zum Hausarzt Dr. med. … 

eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit als möglich.

b) Die von Dr. med. … getroffene Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit 

überzeugt, zumal er als behandelnder Hausarzt den Gesundheitszustand des 

Beschwerdeführers aktuell einschätzen kann. Die Beurteilung erging sodann in 

Kenntnis sämtlicher Vorakten, insbesondere in Kenntnis des MEDAS-

Gutachtens vom 6. August 2009, da dieses von Dr. med. … im Schreiben vom 

16. Dezember 2011 als einseitig kritisiert wurde. Nachdem der RAD-Arzt … die 

Einschätzung von Dr. med. … bezüglich der Arbeitsfähigkeit in der 

angestammten Tätigkeit teilt und bezüglich einer adaptierten Tätigkeit nur 

minimal abweicht – er ist der Ansicht, es wäre eine leichte bis mittelschwere 

Tätigkeit möglich –, bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass eine erneute 

Begutachtung des Beschwerdeführers zu einer anderen Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit führen würde. Erachtet das Sozialversicherungsgericht die 

rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidungsgrundlagen bei pflichtgemässer 

Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen, 

insbesondere ohne Beizug eines Gerichtsgutachtens, abschliessen (BGE 122 V 

157 E. 1d). Da sämtliche Ärzte, d.h. sowohl Dr. med. …, der RAD-Arzt … sowie 

die Gutachter der MEDAS dieselbe Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers in einer adaptierten Tätigkeit teilen, erscheint es dem 

Gericht nicht notwendig, eine erneute Begutachtung des Beschwerdeführers 

anzuordnen.

5. a) Gemäss übereinstimmender Einschätzung der beurteilenden Ärzte liegt eine 

100%ige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in seiner angestammten 

Tätigkeit als Bodenleger vor. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe indessen 

weiterhin 100%ige Arbeitsfähigkeit, was auch der Beurteilung durch die MEDAS 

vom 6. August 2009 entspricht. Der Einwand von Dr. med. …, die 

Arbeitsfähigkeit werde zum grössten Teil durch die langjährige, chronische 

Schmerzerkrankung mit zum Teil somatoformer Schmerzstörung erheblich 

eingeschränkt, so dass eine Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess sich als 

äusserst schwierig erweisen dürfte, vermag an der Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit vorliegend nichts zu ändern. Denn gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung vermag eine somatoforme Schmerzstörung allein in der Regel 

keine lang dauernde, zu einer Invalidität führende Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG zu bewirken. Sie führt nur dann 

zu einer Invalidität, wenn die willentliche Schmerzüberwindung und der 

Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess ausnahmsweise unzumutbar ist (BGE 

132 V 70 E. 4.2.1 f., 130 V 354 E. 2.2.3). Vorliegend wurde die somatoforme 

Schmerzstörung bereits zum Zeitpunkt der Begutachtung durch die MEDAS 

vom 6. August 2009 diagnostiziert und eine daraus resultierende 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit verneint. Es finde sich keine psychische 

Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer (Ziff. 

6.1 S. 32). Schliesslich bestünden erhebliche Zweifel an der notwendigen 

Motivation und Eigenanstrengung des Beschwerdeführers. Aufgrund der 

psychischen Faktoren der chronischen Schmerzstörung liege daher keine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor (Ziff. 6.1 S. 33). Unter diesen 

Umständen erscheint die Überwindung der Schmerzen als zumutbar (BGE 127 

V 294 E. 5a), weshalb keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer 

adaptierten Tätigkeit vorliegt.

b) Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades ist damit das Erwerbseinkommen, 

das der Beschwerdeführer nach Eintritt der Invalidität in einer leichten 

respektive einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit erzielen könnte, in 

Beziehung zum Erwerbseinkommen zu setzen, das er erzielen könnte, wenn er 

nicht invalid geworden wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 

ATSG). Nachdem der Beschwerdeführer seit längerem kein Einkommen mehr 

erzielt hat, ist für die Bestimmung sowohl des Validen- als auch des 

Invalideneinkommens – wie in der Verfügung vom 17. September 2012 und 

vom Beschwerdeführer nicht bestritten – die schweizerische 

Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik massgebend. Die 

Berechnung der Einkommens selbst ist nicht bestritten, weshalb vorliegend auf 

das in der Verfügung vom 17. September 2012 errechnete Valideneinkommen 

von Fr. 67‘601.-- abgestellt werden kann (LSE 2010, Wirtschaftszweig 41-43, 

Baugewerbe, Anforderungsniveau 4, Männer, 100% Pensum, Berücksichtigung 

Nominallohnentwicklung). 

c) Nach der Praxis des Bundesgerichts können persönliche und berufliche 

Merkmale einer versicherten Person (wie Alter, Dauer der 

Betriebszugehörigkeit, Nationalität/Aufenthaltskategorie oder 

Beschäftigungsgrad) einen auf höchstens 25% begrenzten Leidensabzug von 

dem nach den LSE-Tabellenlöhnen zu ermittelnden Invalideneinkommen 

rechtfertigen. Dies gilt, soweit anzunehmen ist, dass die trotz des 

Gesundheitsschadens verbleibende Leistungsfähigkeit der versicherten Person 

infolge eines oder mehrerer dieser Merkmale auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt 

nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwertet werden kann 

(weiterführend BGE 134 V 322 E. 5.2 mit Hinweis auf BGE 126 V 75). Mit 

einem Leidensabzug soll demnach die lohnmässige Benachteiligung 

gesundheitlich beeinträchtigter Personen, die selbst bei leichten Hilfstätigkeiten 

behindert sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend 

einsetzbaren Arbeitnehmern ausgeglichen werden (BGE 124 V 321 E. 3b/bb). 

Zwar ist nicht automatisch und in jedem Fall, doch aber in aller Regel bei 

eingeschränkter Arbeitsfähigkeit und/oder behinderungsbedingten zusätzlichen 

Limitierungen ein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen (BGE 126 V 75; 

ULRICH MEYER, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 2. Aufl., 

Zürich 2010, Art. 28a, S. 314). Der Leidensabzug darf 25% nicht überschreiten, 

sollte allerdings auch nicht unter 10% zu liegen kommen, weil er ansonsten 

nicht mehr materialisierbar und gerichtlich überprüfbar ist (VGU S 11 10 E. 4a; 

vgl. MEYER, a.a.O., Art. 28a S. 314). Bei der Bestimmung der Höhe des 

Leidensabzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallender Merkmale auf das 

Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft 

zu schätzen (BGE 134 V 322 E. 5.2) Der IV-Stelle obliegt dabei die Pflicht, den 

Abzug im Grundsatz kurz zu begründen (BGE 126 V 75 E. 5b/dd).

d) In der hier angefochtenen Verfügung vom 17. September 2012 wurde im 

Zusammenhang mit der Ermittlung des Invalideneinkommens, gestützt auf die 

Tabelle LSE 2010 ein Leidensabzug von 5% für eine leichte bis mittelschwere 

Tätigkeit berücksichtigt. In Würdigung der konkreten Umstände des Einzelfalles 

und in Anbetracht der Tatsache, wonach grundsätzlich keine Leidensabzüge 

unter 10% zu gewähren sind, ist fraglich, ob der vorgenommene Leidensabzug 

von 5% nicht zu tief ist. Diese Frage kann letztlich aber offen bleiben, da selbst 

ein Leidensabzug von 10% zu einem Invalideneinkommen in Höhe von Fr. 

56‘043.-- führte (LSE 2010, Zentralwert aller Wirtschaftszweige, 

Anforderungsniveau 4, Männer, 100% Pensum, Berücksichtigung 

Nominallohnentwicklung sowie Leidensabzug in Höhe von 10% [Fr. 4‘901.--/ 40 

x 41.6 x 12 x 1.01 x 1.008 – 10%]). Aus dem Einkommensvergleich des 

Validen- und Invalideneinkommens resultierte demnach lediglich eine 

Erwerbseinbusse von Fr. 11‘558.--, was einem Invaliditätsgrad von 17.09% 

entspräche. Auch ein höherer Leidensabzug ergäbe daher keinen 

anspruchsbegründenden Invaliditätsgrad. Die Beschwerde ist folglich 

abzuweisen. 

6. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung von 

Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung 

von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. 

Diese Kosten werden jeweils nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig 

vom Streitwert der Sache im Umfang von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. 

Aufgrund des Ausgangs dieses Verfahrens rechtfertigt es sich vorliegend, dem 

unterliegenden Beschwerdeführer Kosten in Höhe von 500.-- zu überbinden.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten von Fr. 500.-- gehen zulasten des Beschwerdeführers und sind innert 

30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des 

Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.

Auf die an das Bundesgericht erhobene Beschwerde wurde mit Urteil vom 19. Juli 2013 

nicht eingetreten (9C_504/2013).