# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c880eefd-e6b7-5c3d-8025-5c6a53ecb1c8
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.12.2010 E-5142/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5142-2010_2010-12-03.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-5142/2010/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 .  D e z e m b e r  2 0 1 0

Richter Kurt Gysi (Vorsitz), Richter Walter Lang, 
Richter François Badoud, 
Gerichtsschreiber Christoph Berger.

A._______, geboren _______, Kamerun,
vertreten durch Patricia Müller, 
Rechtsberatungsstelle für Asyl Suchende Aargau,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und 
Asylwiderruf;
Verfügung des BFM vom 17. Juni 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-5142/2010

Sachverhalt:

A.
Die Beschwerdeführerin suchte am 26. Juni 2006 in der Schweiz um 
Asyl  nach.  Das  BFM  stellte  mit  Verfügung  vom  6.  Juni  2008  die 
originäre  Flüchtlingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin  gemäss 
Art. 3  des Asylgesetzes vom 26. Juni  1998 (AsylG,  SR 142.31) fest 
und gewährte ihr Asyl.

B.
Mit  Schreiben  vom  20.  Mai  2010  teilte  das  BFM  der  Beschwerde-
führerin seine Absicht mit, ihr gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG 
die Flüchtlingseigenschaft abzuerkennen und das Asyl zu widerrufen. 
Zur Begründung führte es aus, es erachte den Tatbestand des dort er-
wähnten Art. 1 Bst. C Ziff. 1  des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 
die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  als  erfüllt . Im 
Zusammenhang  mit  Ermittlungen  gegen  die  Beschwerdeführerin 
wegen Handels mit Kokain in grossen Mengen sei festgestellt worden, 
dass  sie  sich  zwischen  Dezember  2008  und  Ende  Februar  2009  in 
Kamerun  aufgehalten  habe,  was  sie  im  Rahmen  der  Ermittlungen 
durch die Kantonspolizei Zürich am 9. April  2010 bestätigt habe. Ein 
Flüchtling, der sich in den Machtbereich jenes Staates zurückbegebe, 
in  dem er  ernsthaften Nachteilen  ausgesetzt  gewesen  sei,  bekunde 
damit,  dass er  die Gründe, welche ihn zur  Flucht  veranlasst  hätten, 
nicht  mehr  als  gegeben betrachte. Das  BFM gehe  davon aus,  dass 
sich  die Beschwerdeführerin  durch diese Reise in ihren Heimatstaat 
freiwillig unter den Schutz des Landes gestellt  habe, dessen Staats-
angehörigkeit sie besitze. Die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft 
und der  Asylwiderruf  bedeute  in  der  Regel  nicht,  dass  die  Schweiz 
verlassen werden müsse. Ein solcher Entscheid habe in erster  Linie 
zur Folge, dass die Beschwerdeführerin nicht mehr dem Asylgesetz, 
sondern dem allgemeinen Ausländerrecht unterstehe. Somit liege die 
Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  in  der  Kompetenz  der 
kantonalen Fremdenpolizeibehörden.

Gleichzeitig räumte das BFM der Beschwerdeführerin die Gelegenheit 
ein, sich innert Frist schriftlich zu äussern.

C.
In  ihrem in  englischer  Sprache  verfassten  Schreiben  (Eingang  BFM 
vom 2. Juni  2010)  räumte die  Beschwerdeführerin  ein,  es  treffe  zu, 
dass sie sich irgendwann im Jahre 2008 in ihr Land geschlichen habe. 

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Sie habe hiefür gute Gründe gehabt und könne, wenn ihr dafür Ge-
legenheit  gegeben  werde,  ihr  Handeln  rechtfertigen.  Sie  habe  not-
wendigerweise gewisse Dinge regeln müssen.

D.
Mit  Verfügung  vom 17.  Juni  2010  aberkannte  das  BFM  die  Flücht -
lingseigenschaft  der  Beschwerdeführerin  und  widerrief  das  ihr  ge-
währte Asyl. Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen an, die 
Beschwerdeführerin  habe  sich  längere  Zeit  und  freiwillig  in  ihrer 
Heimat aufgehalten und sich somit ohne äusseren Zwang unter den 
Schutz  des  Heimatstaates  gestellt.  In  ihrer  Stellungnahme habe  sie 
ihren Aufenthalt in der Heimat nicht begründet. Auf den Fotos, die dem 
BFM vorliegen würden, sei ersichtlich, dass sie sich sowohl in Douala 
wie auch in (...) aufgehalten und dort keinerlei Probleme gehabt habe.

E.
Mit  Beschwerdeeingabe  vom  15.  Juli  2010  beantragte  die  Be-
schwerdeführerin die Aufhebung der Verfügung vom 17. Juni 2010 und 
die  Feststellungen,  dass  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  aberkannt 
sowie  das  Asyl  nicht  widerrufen werde. In  prozessualer  Hinsicht  er-
suchte  sie um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege und um 
Verzicht  der  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Zur  Begründung 
brachte  sie  im  Wesentlichen  vor,  zur  Bekämpfung  ihrer  gesundheit -
lichen Leiden (starke Schmerzen im linken Arm und Haarverlust) sei 
sie im Dezember 2009 (recte Dezember 2008) nach Nigeria gereist, 
um sich von einer Geistheilerin  behandeln zu lassen. Sie habe über 
mehrere  Wochen  Seancen  besucht  und  mit  anderen  Frauen,  die 
ebenfalls  gesundheitliche  Probleme  gehabt  hätten,  gebetet,  getanzt 
und  gesungen.  Die  Geistheilerin  habe  ihr  gesagt,  sie  würde  erst 
gesund, wenn sie das Grab ihrer Mutter aufgesucht und dort mit dem 
Geist ihrer Mutter Kontakt aufgenommen habe. Der Geist ihrer Mutter 
würde  den  bösen  Geist  vertreiben  und  ihre  Haare  würden  wieder 
wachsen. Aus diesem Grund habe sie in Lagos ein Schiff  bestiegen 
und sei unter Umgehung der Passkontrolle nach Kamerun gereist. Am 
(...) 2009, dem 10-jährigen Todestag ihrer Mutter, habe sie das Grab in 
(...)  besucht.  Sie  habe  lange  beim  Grab  gebetet  und  ihre  Mutter 
gebeten,  ihr  beizustehen. Nach dieser  Zeremonie sei  sie wieder per 
Schiff  ohne  Passkontrolle  nach  Nigeria  zurückgereist  und  von  dort  
zurück in die Schweiz geflogen. Insgesamt habe sie sich eine Woche 
in  Kamerun  aufgehalten.  Inzwischen  habe  sich  ihr 
Gesundheitszustand tatsächlich gebessert.

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Sie sei aus einem sehr starken Leidensdruck heraus nach Kamerun 
gereist. Für Europäer möge die Vorstellung eines "Verhext-Seins" be-
fremdend anmuten, für sie aber stelle diese Geisterwelt eine Realität 
dar.  Zur  Stützung  dieser  Sichtweise  reichte  sie  eine  in  der  Neuen 
Zürcher  Zeitung  vom  7.  Juni  2004  veröffentlichte  Abhandlung  "Der 
Glaube an Hexerei und Zauberkraft in der afrikanischen Moderne" zu 
den Akten. Sie habe ihrer Mutter gegenüber Schuldgefühle gehabt und 
eine  grosse  moralische  Verpflichtung  zum Besuch  des  Grabes  ihrer 
Mutter verspürt. Zudem sei sie illegal nach Kamerun gereist und habe 
sich  zu  keiner  Zeit  an  die  Behörden  in  Kamerun  gewandt  oder  mit 
diesen Kontakt gehabt. Keinesfalls habe sie die Absicht gehabt,  sich 
wieder  unter  den  Schutz  des  Heimatlandes  zu  stellen.  Sie  habe 
gewusst, dass es für sie ein Risikos gewesen sei, sich, wenn auch nur 
für kurze Zeit, wieder in Kamerun aufzuhalten. Während des gesamten 
Aufenthaltes in Kamerun sei sie in grosser Gefahr gewesen, habe das 
Risiko aber in Kauf genommen, da sie vorallem unter dem Haarverlust  
sehr  stark  gelitten  und  auf  eine  Heilung  vertraut  habe.  Durch  die 
kamerunische Regierung sei  in  keiner  Weise eine Schutzgewährung 
erfolgt.

Aus all diesen Gründen seien ihre Vorbringen nachvollziehbar und ihr 
Verhalten  keinesfalls  geeignet,  zur  Aberkennung  der  Flüchtlings-
eigenschaft und zum Widerruf des Asyls zu führen.

F.
Mit  Verfügung vom 20. Juli  2010 bestätigte  das Bundesverwaltungs-
gericht den Eingang der Beschwerde.

G.
Mit  Verfügung  vom 28.  Juli  2010  überwies  das  Bundesverwaltungs-
gericht die Akten der Vorinstanz und setzte ihr Frist  zur Einreichung 
einer Vernehmlassung beziehungsweise den Erlass einer neuen Ver-
fügung  an.  In  der  Verfügung  wurde  angeführt,  dass  aufgrund  der 
Aktenlage  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte  ersichtlich  zu  sein 
schienen,  wonach  der  Staat  Kamerun  vom  Aufenthalt  der  Be-
schwerdeführerin in ihrem Heimatland tatsächlich Kenntnis erlangt und 
ihr faktisch oder konkludent Schutz gewährt hätte.

H.
Mit  Schreiben  vom  3.  August  2010  reichte  die  Beschwerdeführerin 
einen  Arztbericht  vom 7.  Februar  2007  zu  den  Akten,  der  ihr  eine 
"Alopezia areata" (kreisrunder Haarausfall) diagnostizierte.

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I.
Mit  Vernehmlassung  vom 16. August  2010  beantragte  das  BFM die 
Abweisung der Beschwerde und führte im Wesentlichen aus, gemäss 
dem BFM vorliegende Fotos habe sich die Beschwerdeführerin bereits 
im  Januar  2009  in  Kamerun  aufgehalten  und  sei  nicht  -  wie  in  der 
Beschwerde angegeben -  lediglich im Februar  2009 für  eine Woche 
dort  gewesen. Sie habe sich demnach mit  Sicherheit  länger  als  nur 
eine Woche in Kamerun aufgehalten. Zudem bezweifelte das BFM den 
von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Grund für die Reise 
nach Kamerun, da auf den Fotos kein Haarausfall feststellbar sei.

J.
Mit Verfügung vom 24. August 2010 räumte das Bundesverwaltungs-
gericht  der  Beschwerdeführerin  die  Gelegenheit  ein,  zur  Vernehm-
lassung des BFM schriftlich Stellung zu nehmen.

K.
Mit  Eingabe vom 6. September 2010 reichte die Beschwerdeführerin 
einen vom 9. August 2010 datierten Arztbericht zu den Akten, der eine 
ärztliche  Konsultation  vom 20.  August  2008  ausweist  und  Schulter-
schmerzen links bestätigt. Zudem wies die Beschwerdeführerin darauf 
hin,  dass  sie  mit  dem  bereits  eingereichten  Arztbericht  (vom  7. 
Februar  2007)  ihr  Problem  mit  dem  Haarausfall  belegt  habe.  Im 
Weiteren führte sie zur Feststellung in der Vernehmlassung des BFM, 
wonach sie sich bereits im Januar 2009 in Kamerun aufgehalten habe, 
aus,  sie  habe  im Januar  2009  abgeklärt,  wo  das  Grab ihrer  Mutter 
liege,  damit  sie  es  an  deren  10.  Todestag  ([...]  2009)  auch  mit 
Sicherheit habe finden können. Sie sei nur kurz in Kamerun geblieben. 
Zudem beteuerte die Beschwerdeführerin erneut, keinerlei Kontakt mit 
staatlichen  Stellen  gehabt  zu  haben.  Ihr  Aufenthalt  in  Kamerun  sei 
bewusst völlig geheim gewesen und sie habe die Passkontrolle sowohl 
bei der Einreise wie auch bei der Ausreise umgangen. Sie habe aus-
schliesslich zwei Mal das Grab ihrer Mutter besucht. Zu diesem Risiko 
habe  sie  sich  aufgrund ihrer  gesundheitlichen  Probleme gezwungen 
gesehen,  und sie habe dieses Risiko auf  sich genommen,  um ihren 
Seelenfrieden wieder zu finden.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungs-
verfahrensgesetzes  vom 20.  Dezember  1968  [VwVG,  SR 172.021]). 
Das BFM gehört  zu  den  Behörden nach  Art. 33  VGG und ist  daher 
eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet 
betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das 
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der 
vorliegenden Beschwerde; es entscheidet  auf  dem Gebiet  des Asyls 
endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichts-
gesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teil -
genommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, 
hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungs-
weise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde 
legitimiert.  Auf  die  frist-  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
wurde  somit  zu  Recht  eingetreten  (Art.  108  Abs.  1  AsylG  sowie 
Art.  105  AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG und  Art.  48  Abs.  1  und  Art.  52 
VwVG). 

1.3 Gegenstand  des  Verfahrens  bilden  vorliegend  die  Aberkennung 
der Flüchtlingseigenschaft und der Widerruf des Asyls. Demgegenüber 
bilden  weder  die  Wegweisung  noch  die  Durchführbarkeit  des  Weg-
weisungsvollzuges  (Zulässigkeit,  Zumutbarkeit,  Möglichkeit)  Gegen-
stand des Verfahrens. 

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.

3.1 Gemäss  Art. 63  Abs.  1  Bst. b  AsylG  wird  die  Flüchtlingseigen-
schaft  aberkannt  oder  das  Asyl  widerrufen,  wenn  Gründe  nach 
Art. 1 C Ziffn. 1 - 6 FK vorliegen. 

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3.2 Art. 1 C FK umschreibt, unter welchen Voraussetzungen sich eine 
Person nicht mehr auf die Bestimmungen der FK berufen kann. Dies 
ist  nebst  anderen  Gründen  dann  gegeben,  wenn  sie  sich  freiwillig 
wieder unter den Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit sie 
besitzt, gestellt hat (Art. 1 C Ziff. 1 FK). Lehre und Praxis setzen dies-
bezüglich  voraus,  dass  drei  Bedingungen  kumulativ  erfüllt  sein 
müssen: Die Betoffenen müssen freiwillig in Kontakt mit ihrem Heimat-
land  getreten  sein  -  relevant  sind  in  diesem  Zusammenhang  ins-
besondere  Gründe  und  Häufigkeit  des  Kontaktes  -,  sie  müssen  die 
Absicht gehabt haben, von ihrem Heimatland Schutz in Anspruch zu 
nehmen,  und  dieser  muss  ihnen  tatsächlich  gewährt  worden  sein 
(vgl.  die  diesbezüglich  immer  noch  Gültigkeit  entfaltende  Recht-
sprechung in  Entscheidungen und Mitteilungen der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  2002  Nr. 8  E. 8  S. 65  mit  weiteren 
Hinweisen, EMARK 2002 Nr. 21 E. 6 S. 172).

4.

4.1 Durch  Stempel  im  schweizerischen  Reiseausweis  der  Be-
schwerdeführerin  ist  ausgewiesen,  dass  sie  am 10. Dezember  2008 
auf dem Luftweg mit einem gültigen Visum nach Nigeria gelangte und 
Nigeria am 1. März 2009 wiederum auf dem Luftweg verliess. Zudem 
steht  aufgrund  von  Fotomaterial  fest,  dass  sich  die  Beschwerde-
führerin  am  16.  Januar  2009  im  Flughafengebäude  von  Douala 
(Kamerun) befunden hat. Im Rahmen der Gewährung des rechtlichen 
Gehörs vom 20. Mai 2010 teilte das BFM der Beschwerdeführerin mit, 
es sei festgestellt worden, dass sie sich zwischen Dezember 2008 und 
Ende  Februar  2009  in  Kamerun  aufgehalten  habe.  Anlässlich  ihrer 
schriftlichen Stellungnahme vom 28. Mai 2010 widersprach sie diesem 
Zeitrahmen nicht und bestätigte, irgendwann im Jahre 2008 heimlich in 
ihr Land eingereist zu sein. In der Rechtsmitteleingabe brachte sie vor, 
am (...) 2009 das Grab ihrer Mutter in (...) besucht zu haben und sich 
insgesamt  eine  Woche  in  Kamerun  aufgehalten  zu  haben.  Weiter 
machte  sie  geltend,  von  Lagos  (Nigeria)  mit  dem  Schiff  und  unter  
Umgehung  der  Passkontrollen  nach  Kamerun  gelangt  zu  sein. 
Nachdem ihr in der Vernehmlassung des BFM vom 16. August 2010 
entgegengehalten wurde, dem BFM vorliegende Fotos würden zeigen, 
dass sie sich bereits im Januar 2009 in Kamerun aufgehalten haben 
müsse,  erklärte  sie in  ihrer  Stellungnahme vom 6. September  2010, 
sie habe im Januar 2009 abgeklärt,  wo das Grab ihrer  Mutter  liege, 
damit  sie  es  an  deren  10. Todestag  ([...]  2009)  auch  mit  Sicherheit  

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habe finden können. Sie habe damit das Grab ihrer Mutter zwei Mal 
besucht. Sie sei nur kurz in Kamerun geblieben. In Berücksichtigung 
dieses  Erklärungsversuches  und  in  Verbindung  mit  der  Angabe  der 
Beschwerdeführerin,  sie  habe  sich  insgesamt  nur  eine  Woche  in 
Kamerun aufgehalten, müsste der Schluss gezogen werden, dass sie 
zwei Mal nach Kamerun eingereist und ausgereist wäre. Dieser Um-
stand  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  veranlasst,  vertieftere  Ab-
klärungen  bezüglich  der  angebotenen  Reiseverbindungen  zwischen 
Nigeria und Kamerun zu treffen. Aus keiner der verfügbaren Quellen 
kann auch nur der Hinweis auf die Existenz von Schiffsverbindungen 
zwischen Lagos (Nigeria) und Douala (Kamerun) entnommen werden, 
die von Passagieren genutzt werden könnten. Die einzige Passagier-
Schiffsverbindung  zwischen  Nigeria  und  Kamerun  ist  die  Strecke 
zwischen der Stadt Calabar (Nigeria) und Limbe (Kamerun) [vgl. etwa 
Lonely Planet Publications, West Africa, 7 th edition, Oktober 2009, S. 
665; Bradt Travel Guides, Nigeria, 2nd edition, April 2008, S. 55, 219]. 
Ebenso sind in  den verfügbaren Quellen keine Passagier-Schiffsver-
bindungen  zwischen  Lagos  und  Calabar  erwähnt.  Auch  in 
nigerianischen Medien, die oneline verfügbar sind, gibt es keine Hin-
weise auf eine Passagier-Schiffsverbindung von Lagos nach Kamerun. 
Zudem ist nicht zu erwarten, dass sich die Beschwerdeführerin auf ein 
Frachtschiff  oder  ein  international  verkehrendes touristisches Kreuz-
schiff hätte einchecken lassen, andernfalls sie eine derart abenteuer-
liche  Reise-Variante  auch  hätte  geltend  machen  müssen.  Zudem 
unterliegen  Landbesuche  von  Passagieren  solcher  internationaler 
Schiffsverbindungen auch in Kamerun strengen Pass-, Personen- und 
Gepäckkontrollen.

Es stellt sich somit heraus, dass die Angaben der Beschwerdeführerin 
zu  ihrer  Reisetätigkeit  nach  Kamerun  ungereimt  beziehungsweise 
falsch ausgefallen sind. Aus den gesamten Umständen ist vielmehr zu 
schliessen,  dass  sie  die  Reise  von  Lagos  nach  dem  knapp  1000 
Kilometer entfernten Douala auf dem Luftweg zurückgelegt hat. Zwar 
liegen für  diese Einschätzung keine stringenten Beweise vor, jedoch 
sprechen  die  Indizien,  und  mithin  eine  starke  Vermutung,  dafür. 
Andernfalls  wäre  kaum  nachvollziehbar,  dass  den  entsprechenden 
Erklärungsversuchen  der  Beschwerdeführerin  der  Erfolg  versagt 
bleiben muss, da sie sich in blossen Schutzbehauptungen und augen-
fällig  konstruierten,  auf  die  neue  Situation  ausgerichteten  Dar-
stellungen erschöpfen. Aufgrund der sich als untauglich erweisenden 
nachgeschobenen Erklärungsversuchen der  Beschwerdeführerin  und 

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der  erweiterten  Abklärungen  durch  das  Bundesverwaltungsgericht 
kann die Einschätzung in der Zwischenverfügung vom 28. Juli 2010, es 
schienen aufgrund der Aktenlage keine hinreichenden Anhaltspunkte 
ersichtlich zu sein, wonach der Staat Kamerun vom Aufenthalt der Be-
schwerdeführerin in ihrem Heimatland tatsächlich Kenntnis erlangt und 
ihr  faktisch  oder  konkludent  Schutz  gewährt  hätte,  nicht  aufrecht-
erhalten werden. Es ist kein nachvollziehbarer Grund ersichtlich, wes-
halb die Beschwerdeführerin, wäre sie tatsächlich heimlich unter Um-
gehung der Passkontrollen in Kamerun ein- und ausgereist, dies nicht 
in  plausibler  Weise  glaubhaft  hätte  schildern  können  und  dies  nicht 
entsprechend vorgebracht hätte. Auch ist  nicht zu erwarten, dass es 
der  Beschwerdeführerin  gelungen  wäre,  sich  unter  falscher  Identität 
nach Kamerun einzuschleichen, da diesfalls ebenso nicht einzusehen 
wäre,  weshalb  sie  dies  den  schweizerischen  Behörden  hätte  ver-
schweigen sollen. Die Falschangaben lassen unter den vorliegenden 
Umständen  und  in  Würdigung  des  Aussageverhaltens  der  Be-
schwerdeführerin  vernüftigerweise  nur  den  Schluss  zu,  dass  sie 
kontrollierte Grenzübertritte nach und aus Kamerun zu verheimlichen 
versucht.

4.2 Als  Grundvoraussetzung  für  die  Aberkennung  der  Flüchtlings-
eigenschaft und den Widerruf des Asyls muss die Beschwerdeführerin 
mit ihrem Heimatland in Kontakt getreten sein. Dies ist mit der Reise 
nach und dem Aufenthalt in Kamerun offenkundig gegeben.

4.3 Das  Kriterium  der  Freiwilligkeit  bedingt,  dass  das  Handeln  des 
Flüchtlings  (welches  auf  eine  Unterschutzstellung  hinweist)  ohne 
äusseren Zwang weder durch die Umstände im Asylland noch durch 
die Behörden des Heimatstaates geschieht. Es fehlt daher beispiels-
weise  an  der  Freiwilligkeit  des  Kontaktes  mit  den  Behörden  des 
Heimatstaates,  wenn  der  Flüchtling  auf  Geheiss  der  Behörden  des 
Asyllandes  bei  der  Vertretung  seines  Heimatstaates  die  Ausstellung 
oder  Erneuerung  seines  Reisepasses  beantragt  (vgl.  EMARK  1996 
Nr. 12 E. 8a S. 103). Bei dem erst auf Beschwerdeebene ausdrücklich 
genannten  Rückreisegrund  (Besuch  des  Grabes  der  Mutter  aus 
moralischer Verpflichtung und zur Heilung von Schulterschmerzen und 
der  Alopecia) kommt  die  Bejahung  einer  eigentlichen  Zwangslage 
auch  in  Berücksichtigung  des  emotionalen  Gedanken-  und 
Empfindungsgutes  der  Beschwerdeführerin  nicht  in  Betracht.  Stellt 
man  die  moralischen  und  emotionalen  Beweggründe  des  Besuches 
des  Grabes  dem bewussten  Risiko,  ernsthaften  Nachteilen  an  Leib, 

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Leben  oder  Freiheit  ausgesetzt  zu  werden,  gegenüber,  muss  der 
Schluss auf eine freiwillige Reise in ihr Heimatland gezogen werden. 
Dies gerade auch dann, wenn die von der Beschwerdeführerin in der 
Replik  vom 6. September 2010 geltend gemachte Version des zwei-
maligen Besuchs des Grabes und der zweimaligen Ein- und Ausreise 
den  tatsächlichen  Gegebenheiten  entsprechen  würde,  da  es  nicht 
nachvollziehbar  erscheint,  dass  sie  einen  vierfachen  Grenzübertritt 
gewagt hätte, wenn sie sich begründeterweise vor flüchtlingsrelevanter 
Verfolgungshandlungen zu fürchten gehabt hätte. Auch wären für eine 
zweite Ein- und Ausreise keine zwingenden Gründe ersichtlich. Das - 
im  Übrigen  nachgeschoben  -  vorgebrachte  Verhalten,  sie  habe  sich 
deshalb  bereits  im Januar  2009  in  Kamerun  aufgehalten,  um abzu-
klären,  wo  das  Grab  ihrer  Mutter  liege,  damit  sie  es  an  deren 
10. Todestag ([...] 2009) auch mit Sicherheit habe finden können, wäre 
bei tatsächlicher Verfolgungsfurcht nicht nachvollziehbar.

4.4 Für die Erfüllung des Kriteriums der beabsichtigten Unterschutz-
stellung genügt in der Regel die Inkaufnahme von Schutzgewährung 
durch den Heimatstaat. Bei  der Beurteilung, ob dieses Kriterium ge-
geben ist,  kommt es auch auf die Motivation für die Heimatreise an.  
Einfache Urlaubs-  und  Vergnügungsreisen  werden  eher  auf  eine  In-
kaufnahme  einer  Unterschutzstellung  schliessen  lassen,  als  Reisen 
aus Gründen, welche, ohne gleich die Freiwilligkeit  auszuschliessen, 
immerhin ein gewisses Mass an psychischem Druck zur Heimatreise 
ausüben (vgl. EMARK 1996 Nr. 12 E. 8b S. 103). Selbst wenn die Be-
schwerdeführerin  aufgrund  ihrer  gesundheitlichen  Einschränkung, 
insbesondere  der  Alopecia,  möglichereise  unter  einem  gewissen 
psychischem Druck in  ihr  Heimatland zurückkehrte,  ist  dieser  Druck 
gemäss Aktenlage nicht derart, dass er die Freiwilligkeit der Rückkehr 
entscheidend  zu  beeinträchtigen  vermochte.  Auch  ist  in  diesem 
Zusammenhnag  die  Aufenthaltsdauer  im  Heimatland  entscheidend. 
Einzig für den Grabbesuch ihrer Mutter, verbunden mit Gebeten und 
Ersuchen um Hilfe, wäre ein einwöchiger  Aufenthalt  nicht  notwendig 
geworden. Es handelte sich somit um einen Aufenthalt, welcher auch 
in seiner Dauer nicht auf Grund moralischen oder seelischen Drucks 
zustande kam. Die Beschwerdeführerin hat somit durch ihre Reise und 
das damit verbundene Verhalten zum Ausdruck gebracht, dass sie sich 
freiwillig unter den Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit sie 
besitzt, gestellt hat. 

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4.5 Als drittes Kriterium muss der Beschwerdeführerin durch den Hei-
matstaat effektiv Schutz gewährt worden sein. Dieses Kriterium ist er -
füllt,  wenn  objektive  Anhaltspunkte  dafür  bestehen,  dass  die  be-
treffende Person tatsächlich nicht mehr gefährdet ist. Wie ausgeführt, 
lassen  die  Falschangaben  der  Beschwerdeführerin  zu  den  Reise-
umständen vernüftigerweise nur den Schluss zu, dass sie kontrollierte 
Grenzübertritte  nach  und  aus  Kamerun  zu  verheimlichen  versuchte 
und  sich  bei  den  Grenzübertritten  durch  die  kamerunischen  Sicher-
heitskräfte  kontrollieren  liess.  Daraus  muss  unzweifelhaft  der  Rück-
schluss auf ihre fehlende Furcht und ihre subjektive Empfindung, aus-
reichend  effektiven  Schutz  in  ihrem Heimatland  zu  finden,  gezogen 
werden.

5.

5.1 Somit sind alle in Art. 1 C Ziff. 1 FK respektive Art. 63 Abs. 1 Bst. b 
AsylG statuierten Voraussetzungen für eine Aberkennung der Flücht-
lingseigenschaft  und den damit  verbundenen Widerruf  des  Asyls  er-
füllt. Die vom BFM gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG verfügte 
Aberkennung der  Flüchtlingseigenschaft  und der  Widerruf  des  Asyls 
erfolgten daher zu Recht und standen entgegen den Beschwerdevor-
bringen in Übereinstimmung mit der zu beachtenden Praxis. 

5.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vorliegend alle in Art. 1 C 
Ziff. 1  FK respektive Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG statuierten Voraus-
setzungen für  eine Aberkennung der  Flüchtlingseigenschaft  und den 
damit verbundenen Widerruf des Asyls erfüllt  sind. Die vom BFM ge-
stützt  auf  Art.  63  Abs.  1  Bst.  b  AsylG  verfügte  Aberkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft  und der  Widerruf  des  Asyls  erfolgte daher  zu 
Recht und ist  angemessen sowie verhältnismässig. Die Beschwerde-
führerin muss zufolge der Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und 
des Widerrufs  des Asyls  die Schweiz nicht  umgehend verlassen,  da 
ein  weiterer  Aufenthalt  in  der  Schweiz  durch  die  kantonale 
Migrationsbehörde nach  den  ausländerrechtlichen  Bestimmungen zu 
prüfen ist.

6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen 
ist.

7.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  auf  Fr.  600.-  festzu-

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setzenden Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 
1  VwVG).  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechts-
pflege ist abzuweisen, da die Beschwerdeführerin die in Aussicht ge-
stellte  Fürsorgebestätigung  im  Verlaufe  des  Beschwerdeverfahrens 
nicht eingereicht hat und somit die prozessuale Bedürftigkeit nicht be-
legt ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil  geht  an die  Rechtsvertreterin  der  Beschwerdeführerin, 
das BFM und die zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Christoph Berger

Versand: 

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