# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 95b3aedc-a3e1-5743-bea7-325b097ab8af
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-09-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.09.2008 D-6071/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6071-2008_2008-09-30.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6071/2008/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 0 .  S e p t e m b e r  2 0 0 8

Einzelrichter Bendicht Tellenbach,
mit Zustimmung von Richter Hans Schürch,
Gerichtsschreiber Daniel Merkli.

A.___
unbekannter Herkunft, angeblich Ruanda 
beziehungsweise Uganda, 
B.___
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom C.___

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6071/2008

Das Bundesverwaltungsgericht,

in Anwendung 

des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31),

des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren (VwVG, SR 172.021),

des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungs-
gericht (VGG, SR 173.32),

des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesgericht 
(BGG, SR 173.110),

des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerin-
nen und Ausländern (AuG, SR 142.20),

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2),

stellt fest,

dass die  Beschwerdeführerin  am 21. August  2008 ohne Einreichung 
von Identitätsdokumenten in der Schweiz um Asyl nachsuchte,

dass  sie  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  Kreuzlingen  am 
26. August 2008 einer Erstbefragung unterzogen und am 2. September 
2008 nach Art. 29 Abs. 4 AsylG angehört wurde,

dass  sie  dabei  unter  anderem angab,  sie  sei  Staatsangehörige  von 
Ruanda  und  nach  dem gewaltsamen Tod ihrer  Eltern  von einer  mit 
einem  ugandischen  Staatsangehörigen  verheirateten  Freundin  ihrer 
Mutter namens S. adoptiert und nach (...) Uganda, gebracht worden,

dass sie ihre Kindheit bei ihren Adoptiveltern verbracht und in (...) die 
Schule besucht habe,

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dass sie im Alter von 12 Jahren von ihrem Adoptivvater vergewaltigt 
worden  sei,  die  Sicherheitsbehörden  indessen  nichts  gegen  diesen, 
einen Polizisten mit leitender Funktion, unternommen hätten,

dass sie sich daraufhin nach (...)  begeben und dort  als  Prostituierte 
gearbeitet habe, wobei sie einige Male Opfer von gewaltsamen Über-
griffen geworden sei,

dass sie beispielsweise nicht für ihre Arbeit bezahlt und mit der Pistole 
bedroht worden sei, sie sich jedoch nicht an die Polizei habe wenden 
können, da dieser 'solche Übergriffe egal seien',

dass  sie  drei  Monaten  vor  ihrer  Ausreise  einen  Kunden M. kennen-
gelernt habe, mit dem sie Mitte August 2008 vom Flughafen Entebbe 
nach Lyon, Frankreich, gereist sei,

dass  M.  entgegen  seinem  Versprechen,  die  Beschwerdeführerin  in 
Frankreich  zu  heiraten,  diese zur  Mitwirkung in  einem Sexfilm habe 
zwingen wollen, weshalb sie sich in die Schweiz begeben habe, 

dass für weitere Einzelheiten auf die angefochtene Verfügung und die 
vorinstanzlichen  Akten verwiesen  werden  kann  (vgl. Art.  109  Abs. 3 
BGG i.V.m. Art. 6 und Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  die  Beschwerdeführerin  trotz  Aufforderung  im  Empfangs-  und 
Verfahrenszentrum Kreuzlingen bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Iden-
titätspapiere eingereicht hat,

dass  das  BFM  mit  -  gleichentags  eröffnetem  -  Entscheid  vom 
16. September  2008  in  Anwendung  von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  und 
Abs. 3 AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht eintrat, 
deren Wegweisung anordnete und den Vollzug als zulässig, zumutbar 
und möglich erachtete,

dass die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 23. September 2008 an 
das  Bundesverwaltungsgericht  gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde 
erhob und dabei in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Gewährung der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG 
ersuchte,

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und zieht in Erwägung:

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 31 - 34 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),

dass  die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
rührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  bezie-
hungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 6  AsylG i.V.m. Art. 52 
VwVG),

dass mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht die Verletzung 
von Bundesrecht,  die unrichtige oder unvollständige Feststellung des 
rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer 
zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG),

dass es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche 
handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  be-
gründen ist,  wobei  auf  die Erwägungen in  der  angefochtenen Verfü-
gung  verwiesen werden  kann  (vgl. Art.  111a  Abs. 2  AsylG und 109 
Abs. 3 BGG i.V.m. Art. 6 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schrif-
tenwechsel verzichtet wurde, 

dass nach Art. 32 Abs. 2 Bst. a AsylG auf Asylgesuche nicht eingetre-
ten  wird,  wenn  Asylsuchende  den  Behörden  nicht  innerhalb  von  48 
Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise- oder Identitätspapiere 
abgeben,

dass diese Bestimmung keine Anwendung findet,  wenn Asylgesuch-
steller  glaubhaft  machen können, dass sie dazu aus entschuldbaren 
Gründen nicht in der Lage sind oder auf Grund der Anhörung sowie 
gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festgestellt 

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wird oder zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der Flüchtlingsei-
genschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  sind 
(vgl. Art. 32 Abs. 3 AsylG),

dass das Bundesamt offensichtlich zu Recht zum Schluss gelangt ist, 
die Beschwerdeführerin mache keine entschuldbaren Gründe für das 
versäumte Einreichen von Identitätsdokumenten geltend, 

dass hierzu auf die zutreffenden Erwägungen des Bundesamtes ver-
wiesen  werden  kann,  zumal  in  der  Beschwerdeschrift  auf  die  vorin-
stanzlichen Erwägungen nicht näher eingegangen wird, sondern ledig-
lich ohne nähere Angaben eine per Telefax eingelangte Geburtsurkun-
de und ein Haftbefehl eingereicht werden mit dem Hinweis, die Origi-
nale der genannten Dokumente würden nachgereicht werden,

dass die Beschwerdeführerin im Weiteren unter anderem angab, „noch 
genaueres vorzutragen, was heute nicht möglich gewesen sei, da auf 
der  Beratungsstelle  unendlich  viele  Leute  mit  einer  negativen  Ent-
scheidung in der Schlange gestanden hätten“,

dass kein Anlass besteht, die in Aussicht gestellte Beschwerdeergän-
zung abzuwarten, da die vorliegende Beschwerdeeingabe den Anfor-
derungen von Art. 52 VwVG genügt, die Beschwerdesache weder be-
sonders umfangreich noch komplex im Sinne von Art. 53 VwVG ist und 
mangels  entsprechender  Anhaltspunkte  nicht  davon auszugehen ist, 
die  von  der  Beschwerdeführerin  angekündigten  weiteren  Ausführun-
gen könnten potenziell  eine andere Beurteilung ihrer Vorbringen her-
beiführen, 

dass die ohne näheren Angaben eingereichten Dokumente per Telefax 
zum Nachweis der Identität  beziehungsweise zur Stützung einer Ge-
fährdungslage  offensichtlich  nicht  geeignet  sind,  weshalb  im  Sinne 
einer  antizipierten  Beweiswürdigung deren Nachreichung im Original 
nicht notwendig erscheint,

dass im Weiteren das Bundesamt mit hinreichender Begründung erör-
terte, weshalb es angesichts der diesbezüglich teils auffallend unbe-
stimmten, teils tatsachenwidrigen Angaben zu ihrem angeblichen Her-
kunftsort Ruanda und ihrem späteren Aufenthaltsort in Uganda die da-
mit verbundenen Vorbringen in Zweifel zog, 

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dass schliesslich  die  Vorbringen der  Beschwerdeführerin  im Zusam-
menhang mit  ihrer  Tätigkeit  als  Prostituierte,  wie von der  Vorinstanz 
zutreffend festgehalten, nicht als asylrelevant zu erachten sind,

dass  die  Beschwerdeschrift  mit  keinem Wort  auf  diese Erwägungen 
der Vorinstanz eingeht, weshalb auch hierzu auf die zu bestätigenden 
Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann, 

dass  daher  keine  Abklärungen  im  Sinne  von  Art.  32  Abs.  3  AsylG 
notwendig erscheinen,

dass es schliesslich hinsichtlich der entsprechenden Kritik in der Be-
schwerdeschrift an der kurz bemessenen fünftägigen Beschwerdefrist 
gemäss Art. 108 Abs. 2 AsylG festzuhalten gilt, dass die fünftägige Be-
schwerdeschrift zwar kurz bemessen ist, also solche und abstrakt be-
sehen aber nicht dem in Art. 13 der Konvention vom 6. November 1950 
zum Schutz der der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 
0.101) geschützten Recht  auf  eine wirksame Beschwerde entgegen-
steht (vgl. im Einzelnen Entscheidungen und Mitteilungen der Schwei-
zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 25 E. 3c),

dass  das  Bundesamt  somit  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  der  Be-
schwerdeführerin nicht eingetreten ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat, vorliegend die Beschwerdeführe-
rin weder eine Aufenthaltsbewilligung besitzt noch einen Anspruch auf 
Erteilung einer solchen hat, weshalb die verfügte Wegweisung im Ein-
klang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und zu bestätigen ist 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG, Art. 32 Bst. a AsylV 1; vgl. EMARK 2001 Nr. 21),

dass zu prüfen bleibt, ob es Gründe gibt, die dem Vollzug der Wegwei-
sung entgegenstehen,  da im Fall  eines  unzulässigen,  unzumutbaren 
oder unmöglichen Vollzugs das Anwesenheitsverhältnis nach den Be-
stimmungen des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die 
Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) über die vorläufige 
Aufnahme zu regeln ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG),

dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Vollzugs 
(Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 AuG) grundsätzlich von Amtes we-
gen zu prüfen sind, diese Untersuchungspflicht jedoch nach Treu und 
Glauben ihre Grenzen an der  Mitwirkungspflicht  der  beschwerdefüh-

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renden Person findet (Art. 8 AsylG), die im Übrigen auch die Substan-
ziierungslast trägt (Art. 7 AsylG), und es nicht Sache der Asylbehörden 
sein  kann,  nach  allfälligen  Wegweisungshindernissen  in  hypotheti-
schen Herkunftsländern zu forschen,

dass nämlich, wie vom BFM zutreffend festgehalten, die Beschwerde-
führerin bis zum heutigen Zeitpunkt ohne entschuldbare Gründe keine 
rechtsgenüglichen Identitätsdokumente eingereicht hat, und im Weite-
ren  deren  Angaben  zu  ihrem angeblichen  Herkunftsort  Ruanda  und 
ihrem späteren Aufenthaltsort  in Uganda teils auffallend unbestimmt, 
teils tatsachenwidrig ausgefallen sind,

dass die Beschwerdeführerin  deshalb die Folgen ihrer  mangelhaften 
Mitwirkung respektive Verheimlichung ihrer wahren Identität und Her-
kunft zu tragen hat, indem vermutungsweise davon auszugehen ist, es 
würden einer Wegweisung in den tatsächlichen Heimatstaat keine lan-
des- oder völkerrechtlichen Vollzugshindernisse im Sinne von Art. 44 
Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 2 -  4 AuG (vgl. EMARK 2005 Nr. 1 
E. 3.2.2. S. 4 f.) entgegen stehen,

dass  nach  dem  Gesagten  keine Wegweisungshindernisse  vorliegen 
und der vom BFM verfügte Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist,

dass die  angefochtene Verfügung,  da diese weder  Bundesrecht  ver-
letzt noch unangemessen ist und der rechtserhebliche Sachverhalt von 
der Vorinstanz richtig und vollständig festgestellt  wurde (vgl. Art. 106 
AsylG), zu bestätigen und die Beschwerde daher abzuweisen ist,

dass die eingereichte Beschwerde als zum Vornherein aussichtslos er-
schien,  weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2 und 3 VGKE) der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-- werden  der  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an:

- die Beschwerdeführerin (...)
- das BFM (...)
- (...)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Daniel Merkli

Versand am:

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