# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ac333d47-9b22-5f1e-bc7e-2a8fc263c9cd
**Source:** Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** FR chp_2005-121_02_05_05.pdf
**Docket/Reference:** chp_2005-121_02_05_05.pdf
**URL:** https://www.fr.ch/sites/default/files/contens/tc/_www/files/pdf2/chp_2005-121_02_05_05.pdf

## Full Text

CHP 2005-121 
IND 3 

STRAFKAMMER 

2. Mai 2005 

__________ 

Die Strafkammer hat in Sachen  

X, Gesuchsteller, 
bevormundet durch ________, 
vertreten durch Rechtsanwalt ________, 

betreffend Entschädigungsgesuch vom 10. Februar 2005, 

(Art. 242 ff. StPO) 
________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
nachdem sich ergeben hat: 

A.–– Am 10. Juli 2004 erstattete A im Namen ihrer 14-jährigen Tochter B Strafanzeige 
gegen einen unbekannten Mann namens Z wegen sexueller Belästigung. Sie machte geltend, 
ihre Tochter sei am 3. Juli 2004 beim Turnfest in _____ von dieser Person an der Wange, an 
der Schulter und an der Hand berührt worden, sie sei bedrängt worden, und der Unbekannte 
habe versucht, ihre Tochter gegen deren Willen zu küssen (act. 7). B wurde am gleichen Tag 
von  der  Kantonspolizei  einvernommen  (act.  8  ff.).  Anlässlich  einer  polizeilichen  Einvernahme 
vom gleichen Tag sagte auch die 15-jährige C aus, beim gleichen Anlass von einem gewissen 
Z belästigt worden zu sein (act. 11 f.). Z wurde in der Folge als X, geboren 1949, identifiziert. 

X wurde am 1. September 2004 von der Kantonspolizei einvernommen (act. 23).  

Mit  Verfügung  vom  9.  November  2004  überwies  die  Untersuchungsrichterin  X  wegen 
versuchter  sexueller  Handlungen  mit  Kindern,  evtl.  wegen  sexueller  Belästigung,  dem 
Bezirksstrafgericht ______ zur Aburteilung (act. 54 ff.). 

B.––  Mit  Urteil  vom  28.  Januar  2005  sprach  das  Bezirksstrafgericht  _____  X  von  den 
Vorwürfen  der  versuchten  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern,  eventuell  der  sexuellen 
Belästigung, frei. Die Verfahrenskosten auferlegte es dem Staat. 

C.–– Mit Eingabe vom 10. Februar 2005 ersucht X um Entschädigung seiner durch das 

Strafverfahren verursachten Anwaltskosten im Betrag von Fr. 3712.25. 

In  seiner  Stellungnahme  vom  22.  Februar  2005  hat  der  Präsident  des 
Bezirksstrafgerichts  sinngemäss  die  teilweise  Gutheissung  des  Gesuchs  beantragt;  die 
Staatsanwaltschaft hat sich ihm mit Eingabe vom 28. Februar 2005 angeschlossen. 

e r w o g e n : 

1.—  Gemäss  Art.  243  StPO  ist  das  Entschädigungsgesuch  kurz  zu  begründen  und 
innert 30 Tagen nach der Zustellung des Entscheids über den Freispruch bei der Strafkammer 
einzureichen. Das freisprechende Urteil des Bezirksstrafgerichts datiert vom 28. Januar 2005, 
sodass  das  am  10.  Februar  2005  der  Post  übergebene  Gesuch  offensichtlich  rechtzeitig 
erfolgte. Es enthält eine kurze Begründung. Auf das Gesuch ist folglich einzutreten. 

ist  offensichtlich 

2.––  a)  Wer  durch  eine  ungerechtfertigte  Inhaftierung  oder  Untersuchungshaft  oder 
einen  Justizirrtum  einen  Schaden  erleidet,  erhält  auf  Antrag  Schadenersatz,  soweit  er  den 
Schaden nicht durch sein Verhalten verursacht oder vergrössert hat (Art. 242 Abs. 1 StPO). Im 
(Inhaftierung, 
vorliegenden  Fall 
Untersuchungshaft  oder  Justizirrtum)  erfüllt.  Ebenfalls  kann  nach  erfolgtem  Freispruch  oder 
nach  erfolgter  Verfahrenseinstellung  Ersatz  verlangen,  wer  durch  eine  andere 
Prozesshandlung einen erheblichen Schaden erlitten hat (Art. 242 Abs. 2 StPO). Die Vorschrift 
von  Art.  242  Abs.  2  StPO  bezieht  sich  auf  alle  Prozesshandlungen,  insbesondere  auf  die 
Zwangsmassnahmen (PILLER/POCHON, Commentaire du code de procédure pénale du canton 
de  Fribourg,  Freiburg  1998,  N.  242.13).  Die  Vorladung  zu  einer  Einvernahme  oder 

keine  dieser  Voraussetzungen 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
ist  die 

(Art.  99 

f.  StPO).  Dem 
leichteste  Zwangsmassnahme 
Gerichtsverhandlung 
Entschädigungsgesuch  nach  Art.  242  Abs.  2  StPO  wird  nur  stattgegeben,  wenn  und  soweit 
dies angemessen erscheint. In diesem Fall wird der Schaden im Gegensatz zu Art. 242 Abs. 1 
StPO  nicht  notwendigerweise  vollumfänglich  ersetzt  (TGR  1996  II  2993).  Der  Beweis  des 
materiellen  Schadens,  von  dessen  Umfang  sowie  des  Kausalzusammenhangs  zwischen  der 
Prozesshandlung und dem Schaden obliegt dem Gesuchsteller (BGE 107 IV 155 E. 5, 113 IV 
93 E. 3e, 113 Ia 177 E. 3a, 117 IV 209 E. 4b; G. PIQUEREZ, Procédure pénale suisse, Zürich 
2000,  N.  4026a);  dieser  hat  den  Schaden  ziffernmässig  darzutun  und  soweit  möglich  zu 
belegen (BJM 1999 S. 342; vgl. zum Ganzen auch FZR 2001 S. 94 E. 2). 

b)  Der  Gesuchsteller  wurde  vom Versuch  der  sexuellen  Handlungen mit Kindern,  evtl. 
der sexuellen Belästigung, rechtskräftig freigesprochen. Er musste einmal vor der Polizei und 
einmal vor dem Bezirksstrafgericht erscheinen. Der geltend gemachte, offensichtlich durch das 
Strafverfahren verursachte  Schaden  beläuft  sich  auf Fr.  3712.25 für  Verteidigungskosten  und 
kann  als  erheblich  bezeichnet  werden.  Das  Gesuch  um  Ausrichtung  einer  Entschädigung  ist 
daher grundsätzlich begründet.  

3.–– a) Der Anspruch auf Entschädigung umfasst namentlich auch die Auslagen für die 
Verteidigung. Danach ist in jenen Fällen ein Ersatz der Anwaltskosten zuzusprechen, in denen 
der  Angeschuldigte  nach  der  Schwere  des  Tatvorwurfs  und  nach  dem  Grad  der  Komplexität 
des Sachverhalts  sowie  nach  seinen  persönlichen  Verhältnissen  objektiv begründeten Anlass 
hatte, einen Anwalt beizuziehen. Dagegen verstösst die Verweigerung der Entschädigung dann 
nicht  gegen  die  Billigkeit,  wenn  der  Angeschuldigte  den  Anwalt  ohne  zureichende  objektive 
Gründe beigezogen hat, sei es beispielsweise aus Überängstlichkeit oder allein im Hinblick auf 
die  Regelung  zivilrechtlicher  Probleme  (BGE  110  Ia  156  E.  1b).  Nach  heutigem  Verständnis 
wird  man  –  abgesehen  von  Bagatellfällen  –  jedem  Angeschuldigten  zubilligen,  dass  er  sich 
nach Einleitung einer Strafuntersuchung, die Verbrechen oder Vergehen zum Gegenstand hat 
und  die  nach  einer  ersten  Einvernahme  nicht  eingestellt,  sondern  weitergeführt  wird, 
anwaltschaftlichen Beistandes bedient und folglich allenfalls Anspruch auf Ersatz dieser Kosten 
hat  (DONATSCH/SCHMID,  Kommentar  zur  Strafprozessordnung  des  Kantons  Zürich,  Zürich 
1999, N. 10 zu § 43). 

Zu  erstatten  sind  die  notwendig  Verteidigungskosten. Bezüglich  der  Notwendigkeit  der 
Parteikosten  darf 
indessen  kein  allzu  strenger  Maßstab  angelegt  werden,  denn 
Verteidigungskosten müssen  grundsätzlich  dann als  notwendige  Auslagen  anerkannt  werden, 
wenn  die  Verteidigung  im  Zeitpunkt,  als  der  Verteidiger  in  Anspruch  genommen  wurde, 
zulässig  war  und  die  Kosten  unmittelbar  durch  das  Verfahren  bedingt  und  aus  Vorkehren 
entstanden  sind,  welche  sich  bei  sorgfältiger Interessenabwägung  als  geboten  erweisen  oder 
doch in guten Treuen verantworten lassen (BGE 115 IV 156 E. 2c). Zu ersetzen sind deshalb 
auf  jeden  Fall  nur  diejenigen  Aufwendungen  des  Verteidigers,  die  in  einem  direkten 
Zusammenhang  mit  dem  Strafverfahren  stehen  (R.  WALLIMANN  BAUR,  Entschädigung  und 
Genugtuung  durch  den  Staat  an  unschuldig  Verfolgte 
im  ordentlichen  zürcherischen 
Untersuchungsverfahren,  Diss.  Zürich  1998,  S.  114  mit  Hinweisen).  Dabei  ist  es  Sache  des 
für  die  Respektierung  des  Grundsatzes  der 
Anwaltes,  bei  seinen  Aufwendungen 
Verhältnismäßigkeit  zu  sorgen  (HAUSER/SCHWERI,  Schweizerisches  Strafprozessrecht,  5.  A., 
Basel  2002,  N.  5  zu  §  109).  Es  ist  von  ihm  zu  verlangen,  dass  seine  Arbeit  eine  gewisse 

 
 
 
Speditivität,  Effektivität  und  Konzentration  auf  das  Wesentliche  aufweist.  Der  Verteidiger  ist 
verpflichtet,  die  Notwendigkeit  von  prozessualen  Vorkehren  im  Interesse  des  Beschuldigten 
sachgerecht  und  kritisch  abzuwägen.  Nicht  zu  entschädigen  sind  deshalb  überflüssige  oder 
unverhältnismässig  hohe  Aufwendungen.  Anderseits  muss  der  Verteidiger  alles  prüfen,  was 
seinem  Mandanten  von  Nutzen  sein  könnte.  Mit  dem  Vorwurf,  es  seien  überflüssige 
Bemühungen getätigt worden, sollte deshalb zurückhaltend umgegangen werden (WALLIMANN 
BAUR, S. 114 f. mit Hinweisen). Auch verfügt der Anwalt bei der Festsetzung seines Honorars 
über  einen  gewissen  Ermessensspielraum.  Ein  richterliches  Eingreifen  ist  nur  geboten,  wenn 
ein Missverhältnis zwischen dem Wert der Leistung und dem Honorar besteht (W. FELLMANN, 
Berner  Kommentar,  N.  426  zu  Art.  394  OR;  FZR  2000  S.  117  f.  E.  5).  Gemäss  P.  CHRISTE 
(Rôle  et fonction  de  l'avocat  dans  la  protection  des  droits  in  ZSR  1988  II  S.  488)  ist  für  eine 
zweitägige  Gerichtsverhandlung  mit  einer  Vorbereitungszeit  von  3–4  Tagen  auszugehen;  bei 
einer dreitägigen Verhandlung beträgt sie 3–5 Tage, d. h. maximal je ca. das Doppelte. 

b) Gegen den Gesuchsteller war ein Verfahren wegen versuchter sexueller Handlungen 
wegen  Kindern  und  folglich  wegen  eines  Verbrechens  eröffnet  worden.  Der  Gesuchsteller  ist 
nicht  Jurist;  er  ist  bevormundet,  und  seine  Zurechnungsfähigkeit  scheint  vermindert  zu  sein 
(act.  34).  Der  Beizug  eines  Anwaltes  war  somit  offensichtlich  gerechtfertigt,  und  dessen 
Aufwand  ist  grundsätzlich  zu  entschädigen.  Der  geltend  gemachte  Stundenansatz  von  Fr. 
280.–  wie  auch  der  insgesamt  geltend  gemachte  Betrag  der  Verteidigungskosten  erscheinen 
angesichts  der  Schwierigkeit  des  Falls  als  hoch,  mit  Blick  auf  die  von  CHRISTE 
vorgeschlagenen  Ansätze  aber  gerade  noch  als  vertretbar  (11.38  Std.  Aufwand  bei  3  Std. 
Gerichtsverhandlung). Ebenfalls sind die geltend gemachten Auslagen zu entschädigen, wobei 
allerdings die Kosten für Dossiereröffnung von Fr. 100.– praxisgemäss nicht zu berücksichtigen 
sind, da derartige Aufwendungen in den allgemeinen Auslagen einer Anwaltskanzlei und damit 
im Anwaltshonorar inbegriffen sind und keinen Anspruch auf separate Entschädigung geben. 

Die  geltend  gemachten  Anwaltskosten  sind  somit  im  Umfang  von  Fr.  3350.05  (Fr. 

3450.05 ./. Fr. 100.–) grundsätzlich zu entschädigen, zuzüglich 7,6 % MWSt, d. h. Fr. 256.60. 

bei 

betreffend 

4.––  a)  Die  Entschädigung  kann  verweigert  oder  herabgesetzt  werden,  wenn  der 
Betroffene  die  Anschuldigung  oder  die  Inhaftierung  durch  schuldhaftes  Verhalten  verursacht 
oder  wenn  er  die  Untersuchung  erschwert  hat.  Grundsätzlich  kann  diesbezüglich  auf  die 
Rechtsprechung 
fehlerhaftem  Verhalten 
die  Kostentragungspflicht 
zurückgegriffen werden (PILLER/POCHON, N. 242.8 f.). Der freigesprochene Beschuldigte kann 
zur  Kostentragung  nur  verpflichtet  werden,  wenn  er  durch  einen  Verstoss  gegen  die 
Rechtsordnung das Verfahren veranlasst oder erschwert hat (Art. 229 Abs. 2 StPO). Nach der 
Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  ist  es  mit  Art.  6  Ziff.  2  EMRK  und  Art.  32  Abs.  1  BV 
unvereinbar,  in  der  Begründung  des  Entscheids,  mit  dem  einem  Angeschuldigten  bei 
Freispruch  oder  Einstellung  des  Verfahrens  Kosten  auferlegt  werden,  dem  Angeschuldigten 
direkt  oder  indirekt  vorzuwerfen,  er  habe  sich  strafbar  gemacht,  bzw.  es  treffe  ihn  ein 
strafrechtliches Verschulden. Schutzobjekt der Unschuldsvermutung ist in diesem Fall der gute 
Ruf  des  Angeschuldigten  gegen  Vermutungen, 
trotz  der  Nichtverurteilung 
strafrechtlich  relevante  Schuld  (BGE  114  Ia  299  E.  2b).  Dagegen  ist  es  mit  Verfassung  und 
Konvention  vereinbar,  einem  nicht  verurteilten  Angeschuldigten  die  Kosten  dann  zu 
überbinden,  wenn  er  in  zivilrechtlich  vorwerfbarer  Weise  (d.  h.  im  Sinne  einer  analogen 

treffe 

ihn 

 
 
 
Anwendung der sich aus Art. 41 OR ergebenden Grundsätze) gegen eine geschriebene oder 
ungeschriebene  Verhaltensnorm,  die  aus  der  gesamten  schweizerischen  Rechtsordnung 
stammen  kann,  klar  verstossen  und  dadurch  das  Strafverfahren  veranlasst  oder  dessen 
Durchführung erschwert hat (BGE 119 Ia 332 E. 1b, 116 Ia 162 E. 2e). Dieser Regelung liegt 
der Gedanke zugrunde, dass nicht der Staat und damit die Allgemeinheit für Verfahrenskosten 
aufkommen  soll,  die  von  einem  Angeschuldigten  durch  vorwerfbares  Verhalten  verursacht 
wurden (vgl. BGE 116 Ia 162 E. 2a). Das in Frage stehende schuldhafte Verhalten wird nach 
einem  objektiven  Massstab  bewertet,  d.  h.  es  wird  verglichen  mit  jenem  Verhalten,  das  nach 
der  Rechtsordnung  unter  den  gegebenen  Verhältnissen  von  einem  Durchschnittsmenschen 
erwartet werden durfte. Tadelnswert und somit schuldhaft ist ein Verhalten dann, wenn es von 
dem  unter  den  gegebenen  Verhältnissen  als  angebracht  geltenden  Durchschnittsverhalten 
abweicht,  wobei  das  Verschulden  umso  schwerer  wiegt,  je  grösser  das  Ausmass  der 
Abweichung vom  Durchschnittsverhalten  ist (BGE  116 Ia  162 E.  2c-e). Erforderlich  ist  weiter, 
dass das schuldhafte Verhalten nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen 
Lebenserfahrung geeignet war, den Verdacht einer strafbaren Handlung zu wecken und damit 
Anlass zur Eröffnung eines Strafverfahrens zu geben (BGE 116 Ia 162 E. 2c). In diesem Fall ist 
deshalb eine Kürzung oder Verweigerung der Entschädigung ohne weiteres zulässig (vgl. FZR 
2001 S. 94 E. 3c S. 98).  

Die  Frage  nach  der  Abweichung  von  einem  Durchschnittsverhalten  ist  die  "objektive 
Seite"  des  Verschuldens.  Dessen  subjektive  Seite  ist  die  Urteils-  oder  Zurechnungsfähigkeit. 
Eine schädigende Handlung wird demjenigen nicht zugerechnet, der nicht urteilsfähig ist. Trotz 
fehlender  Urteilsfähigkeit  kann  aber  der  Richter  den  Schädiger  zu  teilweisem  oder  vollem 
Schadenersatz verpflichten, wenn die Billigkeit dies nahe legt (BGE 116 Ia 162 E. 2c). 

b)  Bei  seiner  Einvernahme  durch  die  Kantonspolizei  sagte  der  Gesuchsteller  am  1. 
September  2004  aus,  dass  er  am  Samstag,  3.  Juli  2004,  am  Turnfest  in  ____  als 
Parkplatzzuweiser  tätig  gewesen  sei.  Im  Verlauf  des  Tages,  als  er  allein  beim  Eingang  des 
Parkplatzes  gewesen  sei,  sei  ein  ebenfalls  auf  dem  Parkplatz  arbeitendes  Mädchen  bei  ihm 
vorbeigekommen,  dem  er  die  Hand  gegeben  und  sich  als  Z  vorgestellt  habe.  Es  könne  sein, 
dass er mit seiner Hand die Schulter des Mädchens berührt habe. Er habe dem Mädchen, das 
ihm gefallen habe, einige Komplimente gemacht, ihm gesagt, es sei ein "schös Chäferli". Das 
Mädchen habe ihm gesagt, dass es ungefähr 14 bis 15 Jahre alt sei. Er selbst war zu jenem 
Zeitpunkt 55-jährig. In der Folge habe er das Mädchen auch an der Hand gepackt und gefragt, 
ob  es  einen  Kuss  von  ihm  wolle.  Er  habe  dem  Mädchen  mit  seiner  Hand  an  der  Wange 
gestreichelt.  Ebenfalls  räumte  er  ein,  später  am  Tag  ebenfalls  auf  dem  Parkplatz  einem 
anderen als Platzzuweiserin arbeitenden Mädchen, das er auf 13-14 Jahre schätzte, die Hand 
auf  die  Schulter  gelegt  zu  haben  (act.  24  f.).  Vor  dem  Bezirksstrafgericht  bestätigte  der 
Gesuchsteller diese Aussagen (act. 69), die sich im Übrigen weitgehend mit denjenigen von B 
decken,  wobei  letztere  angegeben  hatte,  der  Gesuchsteller  habe  sie  auf  den  Mund  küssen 
wollen (act. 8 ff., 9). 

Dem  Gesuchsteller  hätte  bewusst  sein  sollen,  dass  sein  Verhalten  nach  der 
allgemeinen Lebenserfahrung ein strafrechtliches Nachspiel haben könnte. Sein Verhalten am 
fraglichen  Wochenende  wich  vom  Verhalten  eines  durchschnittlich  vorsichtigen  Menschen 
eindeutig ab. Indem er als 55-Jähriger einem minderjährigen Mädchen, mit dem er sich alleine 

 
 
 
auf einem Parkplatz befand und das er eben erst kennen gelernt hatte, Komplimente machte, 
dessen Schulter berührte, ihm über die Wangen strich, es an der Hand packte und fragte, ob 
es einen Kuss wolle, hat er ein Verhalten an den Tag gelegt, das zivilrechtlich zu missbilligen 
ist und nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet 
war, den Verdacht einer strafbaren Handlung zu wecken und damit Anlass zur Eröffnung eines 
Strafverfahrens  zu  geben.  Dies  wird  dadurch  unterstrichen,  dass  er  sich  weng  später  einem 
anderen ihm unbekannten Mädchen in ähnlicher – wenn auch nicht genau gleicher – Art und 
Weise  genähert  hat.  Die  "objektive  Seite"  des  Verschuldens  ist  somit  erstellt.  Unter  diesen 
Umständen  wäre  es  grundsätzlich  gerechtfertigt,  die  Ausrichtung  einer  Entschädigung  zu 
verweigern. 

c)  Der  Gesuchsteller  ist  bevormundet  und  wohnt  in  einem  Pflegeheim.  Aufgrund  der 
Akten  ist  davon  auszugehen,  dass  er  vermindert  zurechnungsfähig  ist  bzw.  eine  gewisse 
Beeinträchtigung  der  Fähigkeit  zu  einsichtsgemässem  Handeln  aufweist,  wobei  über  das 
Ausmass  dieser  Beeinträchtigung  noch  nichts  Sicheres  ausgesagt  werden  könne  (so  das 
psychiatrische Gutachten von Dr. med. D, act. 30 ff., 34). Der Gesuchsteller ist seit mehreren 
Jahren  in  einer  geschützten  Werkstätte  angestellt,  wo  er  die  ihm  übertragenen  Arbeiten 
zuverlässig  und  mit  Enthusiasmus  erledigt  (vgl.  Berichte,  act.  77  f.).  Mangels  näherer 
ist  mithin  von  einer  mittleren  Verminderung  der  Zurechnungsfähigkeit 
Anhaltspunkte 
auszugehen.  Unter  diesen  Umständen  rechtfertigt  es  sich,  die  Entschädigung  nicht  zu 
verweigern, sondern sie ermessensweise (Art. 242 Abs. 2 StPO) um 50 % von Fr. 3606.65 auf 
Fr. 1803.30 zu kürzen. 

Das Gesuch um Entschädigung ist folglich teilweise gutzuheissen. 

5.––  Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend  sind  dessen  Kosten  dem 
Gesuchsteller  und  dem  Staat  je  hälftig  aufzuerlegen  (Art.  231  Abs.  2  Satz  1  StPO).  Die 
Gerichtsgebühr ist auf Fr. 500.– festzusetzen, zuzüglich der Auslagen von Fr. 70.– (Art. 1 Abs. 
2,  Art.  3  und  9  lit.  a  StKT).  Im  gleichen  Sinn  ist  dem  Gesuchsteller  ist  eine  reduzierte 
Parteientschädigung  von  Fr.  200.–  zuzusprechen,  zuzüglich  7,6  %  MWSt  (Art.  241  Abs.  1 
StPO, Art. 1 TEnt). 

u n d   e r k a n n t  : 

1.  Das  Entschädigungsgesuch  wird  teilweise  gutgeheissen,  und  X  wird  eine  Entschädigung 

von Fr. 1803.30 zugesprochen (Art. 242 Abs. 2 StPO). 

2.  Die Verfahrenskosten von Fr. 570.– (Gerichtsgebühr: Fr. 500.–, Auslagen: Fr. 70.–) werden 

X und dem Staat Freiburg je hälftig auferlegt. 

3.  X wird eine reduzierte Parteientschädigung von Fr. 200.– zugesprochen, zuzüglich Fr. 15.20 

Mehrwertsteuer. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freiburg, 2. Mai 2005 

(cid:1)