# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6655cc90-eb37-5f03-84ab-a2b0235b3d0b
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2002-07-24
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Eidgenössische Personalrekurskommission 24.07.2002 JAAC 67.68
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_012_JAAC-67-68--_2002-07-24.pdf

## Full Text

JAAC 67.68

Entscheid der Eidgenössischen Personalrekurskommission
vom 24. Juli 2002 in Sachen K. [PRK 2002-008]

Rapports de service des Chemins de fer fédéraux suisses (CFF).
Interprétation de la Convention collective de travail (CCT) dans le
service public. Notion de fonction publique. Droit à un congé payé.

- Droit applicable aux rapports de service conclus par les CFF, en
particulier la CCT (consid. 1a et b).

- Notion de CCT dans le service public. La CCT en tant que droit objectif.
La marge de négociation des parties à la CCT est limitée par l’obligation
de respecter l’égalité de traitement (consid. 2a-c).

- Le ch. 29 CCT CFF prévoyant un droit à un congé payé pour l’exercice
d’une fonction publique a le caractère d’une disposition de nature
normative remplaçant une loi et doit être interprété en recourant en
principe aux méthodes ordinaires d’interprétation de la loi. Il faut
en outre tenir compte de la volonté des parties et de l’historique de
l’élaboration de la CTT (consid. 3).

- En l’espèce, l’activité du recourant dans une commission scolaire
relève du pouvoir exécutif et, partant, de la fonction publique
(consid. 3c/cc).

Arbeitsverhältnis der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Auslegung
des Gesamtarbeitsvertrags (GAV) im öffentlichen Dienst. Begriff des
öffentlichen Amtes. Anspruch auf bezahlten Urlaub.

- Anwendbares Recht bei Arbeitsverhältnissen der SBB, insbesondere
den GAV (E. 1a und b).

- Begriff des GAV im öffentlichen Dienst. Der GAV als objektives Recht.
Der Verhandlungsspielraum der GAV-Parteien wird begrenzt durch das
Gebot der rechtsgleichen Behandlung (E. 2a-c).

1

- Ziff. 29 GAV SBB, wonach ein Anspruch auf bezahlten Urlaub für
die Ausübung eines öffentlichen Amtes besteht, ist als normative,
gesetzesersetzende Bestimmung grundsätzlich mit den üblichen
Methoden der Gesetzesauslegung zu interpretieren. Dabei ist zusätzlich
der Parteiwille und die Entstehungsgeschichte des GAV zu beachten
(E. 3).

- Im vorliegenden Fall gehört die Tätigkeit des Beschwerdeführers
in einer Schulbehörde zum Bereich der Exekutive und gilt somit als
öffentliches Amt (E. 3c/cc).

Rapporto di servizio delle Ferrovie federali svizzere (FFS).
Interpretazione del Contratto collettivo di lavoro (CCL) nel servizio
pubblico. Nozione di funzione pubblica. Diritto ad un congedo pagato.

- Diritto applicabile ai rapporti di servizio delle FFS, in particolare il
CCL (consid. 1a e b).

- Nozione di CCL nel servizio pubblico. Il CCL quale diritto oggettivo. Il
margine di manovra negoziale delle parti del CCL è limitato dall’obbligo
di rispettare la parità di trattamento (consid. 2a-c).

- Il n. 29 CCL FFS, che prevede un diritto ad un congedo pagato per
lo svolgimento di una funzione pubblica, ha il carattere di una
disposizione normativa che sostituisce una legge e deve quindi in
linea di principio essere interpretato secondo i metodi utilizzati per
l’interpretazione delle leggi. Inoltre, occorre tenere conto della volontà
delle parti e degli aspetti storici alla base della conclusione del CCL
(consid. 3).

- Nella fattispecie, l’attività del ricorrente in un’autorità scolastica
rientra nell’ambito del potere esecutivo ed è quindi una funzione
pubblica (consid. 3c/cc).

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. K. trat im Jahre 1975 in die Dienste der Schweizerischen Bundesbahnen
(SBB). Nach einer Laufbahn als Betriebsdisponent arbeitet er seit dem
1. April 2001 als Lokomotivführeranwärter. An der Versammlung der
Primarschulgemeinde F. vom 26. März 2001 wurde er (erneut) in die
Schulbehörde (Schulvorsteherschaft) gewählt. Mit Schreiben vom 20. Mai
2001 stellte er bei der zuständigen Organisationseinheit ein Gesuch um
Bewilligung zur Ausübung dieses öffentlichen Amtes. Mit Schreiben vom
14. Juni 2001 wurde er dahingehend informiert, dass dieses Amt nach dem
Gesamtarbeitsvertrag (GAV SBB[1] ) nicht mehr bewilligungspflichtig und
somit auch nicht mehr urlaubsberechtigt sei. Nachdem K. mit Bezug auf
diese Frage einen formellen Entscheid verlangt hatte, stellte die Division
Personenverkehr (Region Zürich) der SBB mit Verfügung vom 24. Oktober 2001

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fest, dass das Amt als Mitglied der Schulbehörde in F. nicht als öffentliches
Amt gemäss Ziff. 29 GAV SBB gelte. Somit bestehe auch kein Anspruch auf
bezahlten Urlaub und eine entsprechende Bewilligung erübrige sich.

B. Gegen diese Verfügung erhob K. mit Eingabe vom 23. November 2001
Beschwerde an die interne Beschwerdeinstanz. Er beantragte, die Verfügung
aufzuheben und ihm für seine Tätigkeit in der Schulvorsteherschaft der
Schulgemeinde F., in die er für die Amtsperiode 2001-2005 gewählt worden
sei, aufgrund der Ziff. 29 und Anhang 6 Ziff. 3 Abs. 9 GAV SBB bis 15 Tage
bezahlten Urlaub pro Kalenderjahr zu gewähren.

C. Der Zentralbereich Personal der SBB wies die Beschwerde am 19. März 2002
ab und bestätigte die von der Division Personenverkehr (Region Zürich) am
24. Oktober 2001 verfügte Nichtanerkennung der Schulbehörden-Tätigkeit von
K. als öffentliches Amt.

D. Gegen den Beschwerdeentscheid der SBB vom 19. März 2002 führt K.
(Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 29. April 2002 Beschwerde bei der
Eidgenössischen Personalrekurskommission (PRK). Er beantragt, den
Beschwerdeentscheid aufzuheben und seine Tätigkeit in der Schulbehörde
unter Beachtung von Ziff. 29 Abs. 2 GAV SBB als ein öffentliches Amt
anzuerkennen. Für die Ausübung seines Amtes in der Schulbehörde F. sei
ihm der Urlaub gemäss Anhang 6 Ziff. 3 Abs. 9 GAV SBB, d. h. bis 15 Tage pro
Kalenderjahr, zu gewähren.

E. In seiner Vernehmlassung vom 4. Juni 2002 schliesst der Zentralbereich
Personal der SBB auf vollumfängliche Abweisung der Beschwerde.

Aus den Erwägungen:

1.a. Gemäss Art. 1 Abs. 1 der Verordnung vom 20. Dezember 2000 über
die Inkraftsetzung des Bundespersonalgesetzes für die SBB und über die
Weitergeltung von Bundesrecht (Inkraftsetzungsverordnung BPG für die SBB,
SR 172.220.112) ist das Bundespersonalgesetz vom 24. März 2000 (BPG, SR
172.220.1) am 1. Januar 2001 für die SBB in Kraft getreten. Arbeitsverhältnisse,
die vor Inkrafttreten des Bundespersonalgesetzes gemäss dem Beamtengesetz
vom 30. Juni 1927 bestehen, gelten automatisch nach dem neuen Recht, es sei
denn, sie seien durch ordentliche Kündigung oder Nichtwiederwahl gemäss
altem Recht aufgelöst worden (Art. 41 Abs. 4 BPG). Ebenfalls auf den 1. Januar
2001 in Kraft getreten ist die Rahmenverordnung vom 20. Dezember 2000 zum
Bundespersonalgesetz (Rahmenverordnung BPG, SR 172.220.11).

b. Nach Art. 38 Abs. 1 BPG schliessen namentlich die SBB für ihren
Bereich mit den Personalverbänden einen Gesamtarbeitsvertrag ab.
Schon das auf den 1. Januar 1999 im Rahmen der Bahnreform in Kraft
gesetzte neue Bundesgesetz vom 20. März 1998 über die Schweizerischen
Bundesbahnen (SBBG, SR 742.31) hält in Art. 15 Abs. 2 fest, dass der
Bundesrat die SBB ermächtigen kann, das Anstellungsverhältnis im Rahmen
von Gesamtarbeitsverträgen abweichend oder ergänzend zu regeln. In
Anwendung dieser Bestimmung hatte der Bundesrat die SBB denn auch
bereits am 16. Februar 2000 ermächtigt, einen GAV auszuarbeiten (vgl.
Art. 2a der inzwischen [vgl. Art. 3 der Verordnung des Bundesrates vom
21. November 2001 über die Inkraftsetzung des Bundespersonalgesetzes
für die Post und über die Weitergeltung von Bundesrecht, SR 172.220.116]

3

vollständig aufgehobenen Beamtenordnung 2 vom 15. März 1993 [AS 1993
1098]). Der GAV SBB steht seit dem 1. Januar 2001 in Kraft (vgl. Ziff. 165 Abs. 1
GAV SBB).

c. Gegen personalrechtliche Beschwerdeentscheide des Zentralbereichs
Personal der SBB steht grundsätzlich der Beschwerdeweg an die PRK
offen (Art. 36 Abs. 1 BPG; Ziff. 150 Abs. 1, 2 und 6 GAV SBB). Da der
Ausnahmetatbestand gemäss Art. 36 Abs. 3 BPG vorliegend nicht gegeben
ist (vgl. auch Ziff. 150 Abs. 3 bis 5 GAV SBB), ist auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde einzutreten. Das Verfahren richtet sich nach dem
Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG,
SR 172.021; vgl. Art. 71a Abs. 2 VwVG und Ziff. 149 GAV SBB).

d. (…)

2.a. Der GAV im öffentlichen Dienst wird in der Lehre als öffentlich-rechtlicher
Vertrag qualifiziert und nicht als ein privatrechtlicher Gesamtarbeitsvertrag
nach Art. 356 des Bundesgesetzes vom 30. März 1911 betreffend die Ergänzung
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht,
OR, SR 220; vgl. auch ausdrücklich Ziff. 1 Abs. 1 GAV SBB). Dennoch
haben Gesetzgebung, Lehre und Rechtsprechung zum privatrechtlichen
Gesamtarbeitsvertrag in vielerlei Hinsicht Einfluss auch auf den GAV im
öffentlichen Dienst (Jürg Brühwiler, Gesamtarbeitsvertrag im öffentlichen
Dienst, in: Arbeitsrecht und Arbeitslosenversicherung [ARV] 2001, S. 172 mit
Hinweisen; Kurt Meier, Der Gesamtarbeitsvertrag im öffentlichen Dienst, in:
Helbling/Poledna [Hrsg.], Personalrecht des öffentlichen Dienstes, Bern 1999,
S. 241 f.). Denn auch beim öffentlich-rechtlichen GAV schaffen Arbeitgeber-
und Arbeitnehmerverbände auf vertraglicher Basis zwingendes Recht für die
betroffenen Arbeitsverhältnisse. Die Regeln und Bestimmungen für einen
öffentlich-rechtlichen GAV können sich demnach in Analogie zum Privatrecht
entwickeln. In diesem Sinne verweist Art. 6 Abs. 2 BPG auch für den GAV
sinngemäss auf das OR, soweit das BPG und andere Bundesgesetze nichts
Abweichendes bestimmen (vgl. Meier, a.a.O., S. 246; vgl. auch Ziff. 1 Abs. 3 GAV
SBB).

Auch bei Gewährung einer grossen gesamtarbeitsvertraglichen
Gestaltungsfreiheit im öffentlichen Dienstrecht ist immer das im öffentlichen
Recht geltende Gebot der rechtsgleichen Behandlung zu berücksichtigen.
Insofern sind dem Verhandlungsspielraum im öffentlichen Bereich klare
Grenzen gesetzt (Meier, a.a.O., S. 250). Für den Staat als Arbeitgeber sind in
diesem Zusammenhang zwei Aspekte bedeutsam. Zum einen muss der GAV
die ihm unterstellten Arbeitnehmer grundsätzlich gleich behandeln. Zum
anderen darf er keine sachlich unbegründeten Ungleichheiten im Vergleich
zu den Arbeitnehmern schaffen, für welche dieser Vertrag nicht gilt (Matthias
Michel, Beamtenstatus imWandel, Zürich 1998, S. 248 mit Hinweisen). Das
Gleichbehandlungsgebot gilt nicht nur in Bezug auf das Geschlecht und die
Löhne, sondern für alle Dimensionen des Arbeitsverhältnisses. Weder durch
Rechtssatz noch durch GAV darf Gleiches ungleich oder Ungleiches gleich
behandelt werden (Peter Helbling, Gesamtarbeitsverträge (GAV) für den
Staatsdienst, in Aktuelle Juristische Praxis [AJP] 1998, S. 901 f.).

b. Gesamtarbeitsvertraglich vereinbartes Arbeitsrecht ist das Resultat
gemeinsamer Aktivitäten des Staates und der Arbeitnehmerverbände.
Gleich wie die staatlichen Gesetze sind auch die gesamtarbeitsvertraglich

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geschaffenen Normen objektives Recht. Der GAV erfüllt damit eine
Funktion, die sonst nur dem Gesetzgeber zusteht. Die gesetzgeberähnliche
Macht der Parteien des GAV beruht auf der gesetzlichen Ermächtigung
zur gesamtarbeitsvertraglichen Normschöpfung. Der Inhalt des GAV
lässt sich grundsätzlich in zwei Normenkategorien aufteilen: In die
normativen, gesetzesersetzenden Bestimmungen (z. B. Normen über den
Lohn, die Arbeitszeit, die Ferien, usw.) und in die schuldrechtlichen bzw.
vertragsrechtlichen Bestimmungen (Helbling, a.a.O., S. 909 f.; mit Bezug
auf den privatrechtlichen Gesamtarbeitsvertrag nach Art. 356 OR vgl. BGE
127 III 322 E. 2a mit Hinweisen;Manfred Rehbinder, in Kommentar zum
Schweizerischen Privatrecht [Hrsg.: Honsell/Vogt/Wiegand], 2. Aufl., Basel
und Frankfurt am Main 1996, S. 1873 f., N. 3 und 4 zu Art. 356 OR; Ullin
Streiff/Adrian von Kaenel, Leitfaden zum Arbeitsrecht, 5. Aufl., Zürich 1992,
N. 15 zu Art. 356 OR sowie eingehend Frank Vischer, in Zürcher Kommentar,
1996, N. 110 ff. zu Art. 356 OR).

c. Gemäss Botschaft des Bundesrates vom 14. Dezember 1998 zum BPG
erfüllen die Arbeitgeber in den GAV-Bereichen ihre Regelungsaufgabe, indem
sie die mit den Organisationen ihres Personals vertraglich ausgehandelten
Normen in die Form von GAV kleiden, welche die traditionelle Regelungsform
der Verordnung ersetzen. Dabei steht den GAV-Parteien die Kompetenz zur
gesamtarbeitsvertraglichen Regelung sämtlicher Fragen zu, die das BPG
mit dem Begriff «Ausführungsbestimmungen» erfasst (Botschaft zu Art. 34
Entwurf BPG, der inhaltlich vollständig übereinstimmt mit Art. 38 BPG, BBl
1999 S. 1630).

Art. 17 Abs. 1 BPG hält fest, dass die Ausführungsbestimmungen die Arbeitszeit
sowie die Ferien und den Urlaub regeln. Der GAV SBB enthält im 2. Teil unter
der Bezeichnung «Normative Bestimmungen» u. a. Bestimmungen über
Öffentliche Ämter (Ziff. 29), Nebenbeschäftigungen (Ziff. 30) sowie Urlaub
(Ziff. 56 und Anhang 6).

3. Im vorliegenden Fall ist strittig, ob die in Frage stehende Tätigkeit des
Beschwerdeführers in einer Schulbehörde als öffentliches Amt im Sinne
von Ziff. 29 GAV SBB gilt und sich damit ein entsprechender Anspruch auf
bezahlten Urlaub ergibt. Dabei ist die Auslegung des GAV SBB umstritten.
Dessen Rechtmässigkeit im Lichte von übergeordnetem Recht (BPG und
allenfalls OR) wird zu Recht nicht in Frage gestellt. Zu prüfen bleibt mithin, ob
die Vorinstanz eine Bestimmung des GAV SBB mit Bezug auf einen konkreten
Sachverhalt unzutreffend ausgelegt oder unrichtig angewandt hat. Da es
vorliegend um eine normative, gesetzesersetzende Bestimmung des GAV SBB
geht, ist dabei grundsätzlich auf die üblichen Methoden der Gesetzesauslegung
zurückzugreifen. Deren Ziel ist es, den Sinngehalt einer Norm zu ergründen.
Auszugehen ist dabei vomWortlaut der auszulegenden Bestimmung, doch
kann dieser nicht allein massgebend sein, namentlich wenn der Text unklar
ist oder verschiedene Deutungen zulässt. Vielmehr muss nach der wahren
Tragweite des Wortlauts gesucht werden unter Berücksichtigung der weiteren
Auslegungselemente, wie namentlich Entstehungsgeschichte und Zweck
der Norm. Wichtig ist auch die Bedeutung, welche der Norm im Kontext
mit anderen Bestimmungen zukommt. Das Bundesgericht hat sich bei der
Auslegung von Erlassen stets von einem Methodenpluralismus leiten lassen
und nur dann allein auf das grammatikalische Element abgestellt, wenn sich
daraus zweifellos eine sachlich richtige Lösung ergab (BGE 127 III 322 E. 2b,

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_127_III_322&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_127_III_322&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_127_III_322&resolve=1

BGE 125 II 179 E. 3 mit Hinweisen; Ulrich Häfelin/Georg Müller, Grundriss des
Allgemeinen Verwaltungsrechts, 3. Aufl., Zürich 1998, Rz. 173 ff.; André Moser,
in: Moser/Uebersax, Prozessieren vor eidgenössischen Rekurskommissionen,
Basel und Frankfurt am Main 1998, Rz. 2.70). Nicht zu übersehen ist im
vorliegenden Zusammenhang, dass auch die normativen Bestimmungen
eines GAV ihre Grundlage in einem Vertrag haben und dass deshalb dem
Parteiwillen bzw. der Entstehungsgeschichte eine starke Beachtung zukommt
(vgl. Vischer, a.a.O., N. 110 zu Art. 356 OR). Doch sind bei der Auslegung
einer normativen Bestimmung Parteiwille bzw. Entstehungsgeschichte
nicht allein massgebend, sondern bilden lediglich eines der verschiedenen
Auslegungselemente.

a. Der Beschwerdeführer ist von den stimmberechtigten Einwohnern
zumMitglied der Schulvorsteherschaft der Primarschulgemeinde F.
gewählt worden. Die Schulvorsteherschaft ist das ausführende Organ
der Schulgemeinde; sie wählt u. a. die Lehrer und beschliesst in eigener
Kompetenz über alle Geschäfte, die nicht nach Gesetz, Verordnung oder
Reglement in den Zuständigkeitsbereich eines anderen Organs fallen (vgl.
Art. 12 und 14 des Organisationsreglements der Primarschulgemeinde F. vom
19. März 1997).

b. Ziff. 29 GAV SBB hat folgenden Wortlaut:

«1Die Bekleidung eines öffentlichen Amtes ist bewilligungspflichtig.

2Ein Amt gilt dann als öffentlich, wenn es sich um eine Mitgliedschaft
in der Exekutive, Legislative oder Justiz handelt. Die Mitgliedschaft in
einer Vormundschaftsbehörde (einschliesslich Vormunds-, Beistands- und
Beiratsperson) oder in einer vom Staat anerkannten kirchlichen Behörde ist
dem öffentlichen Amt gleichgestellt.

3Die Bewilligung wird erteilt, wenn […].

4Eine Bewilligung ist nicht erforderlich, wenn […].

5Öffentliche Ämter, die einer Erwerbstätigkeit nahe kommen, und Tätigkeiten
in ausserparlamentarischen Kommissionen, gelten als Nebenbeschäftigung im
Sinne von Ziff. 30.»

Wie im angefochtenen Beschwerdeentscheid (Ziff. 2.5) zutreffend festgestellt
wird, lässt der massgebende Wortlaut von Ziff. 29 GAV SBB nicht klar
erkennen, ob die Mitgliedschaft in der Schulvorsteherschaft F. unter diese
Umschreibung fällt oder nicht und mithin als urlaubsberechtigtes öffentliches
Amt gilt oder nicht. Die grammatikalische Auslegung des GAV führt also nicht
zum Ziel.

c. Gemäss den Ausführungen der SBB in ihrer Vernehmlassung vom 4. Juni
2002 bestehen über die mit den Vertragspartnern zum GAV SBB geführten
Verhandlungen keine detaillierten schriftlichen Aufzeichnungen. Zu
einzelnen Ziffern des GAV SBB seien ergänzende Erklärungen festgehalten
worden. Diese so genannten Protokolleinträge sollen den Vertragsparteien
zum besseren Verständnis bei der Umsetzung des GAV dienen. Zu der in
Frage stehenden Ziff. 29 GAV SBB gebe es keinen Protokolleintrag. Der
Beschwerdeführer weist seinerseits darauf hin, dass bei der Ausarbeitung
des GAV SBB der grundsätzliche Anspruch auf Urlaub für ein öffentliches
Amt nicht bestritten gewesen sei. Einig seien sich die Sozialpartner bei

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_125_II_179&resolve=1

den GAV-Verhandlungen gewesen, dass der bisherige Anspruch auf
Urlaub einzuschränken sei, speziell bei den ausserparlamentarischen
Kommissionen. Dies entspricht auch der Zielsetzung der SBB, welche in
diesem Zusammenhang verständlicherweise auf den Umstand hinweist,
dass bei der Aushandlung des GAV die wöchentliche Arbeitszeit von 41 auf
39 Stunden reduziert wurde. Zu entscheiden bleibt die Frage, ob das vom
Beschwerdeführer in der Schulvorsteherschaft F. ausgeübte Mandat unter
Abs. 2 oder Abs. 5 von Ziff. 29 GAV SBB fällt.

aa. Während Ziff. 29 Abs. 2 GAV SBB inhaltlich identisch ist mit Ziff. 23.2 des
nach altem Recht für die Gewährung von Urlaub massgebenden Reglements
R 182.1 der SBB, wurde in Ziff. 29 Abs. 5 GAV SBB neu im Sinne einer
Einschränkung festgehalten, dass die Tätigkeit in ausserparlamentarischen
Kommissionen als Nebenbeschäftigung im Sinne von Ziff. 30 GAV SBB gilt.
Wenn die Vorinstanz weiter ausführt, man habe mit dieser Regelung und
Formulierung u. a. explizit die Mitgliedschaft in Schulbehörden (Schulpflege)
vom Anspruch auf Urlaub für die Ausübung eines öffentlichen Amtes
ausschliessen wollen - dies offenbar als Gegenstück zu einer Herabsetzung
der wöchentlichen Arbeitszeit -, so kann ihr in dieser verallgemeinerten Form
nicht gefolgt werden. Dies wurde jedenfalls nicht in der Weise getan, dass man
die Tätigkeit im Bereich der Schule generell ausschloss, sondern - ähnlich wie
in anderen Bereichen - nur soweit, als sie nicht zur Exekutive gehört.

Um welche Exekutiven (welcher Gemeinwesen) es geht, wird in Ziff. 29 GAV
SBB ebenso wenig geregelt wie im alten Recht. Es ist davon auszugehen, dass
unter Exekutive die oberste leitende und vollziehende Behörde zu verstehen
ist, und zwar jeder öffentlich-rechtlichen Gebietskörperschaft. Die kantonalen
Rechtsordnungen sehen eine Vielzahl von Gemeindearten vor, namentlich
Bürgergemeinden, Armengemeinden, Ortsgemeinden, Kirchgemeinden sowie
Schulgemeinden (vgl. André Grisel, Traité de droit administratif, Band I,
Neuenburg 1984, S. 254; Andreas Auer/Giorgio Malinverni/Michel Hottelier,
Droit Constitutionnel suisse, Band I, Bern 2000, Rz. 226 ff.; Yvo Hangartner,
Grundzüge des schweizerischen Staatsrechts, Band I, Zürich 1980, S. 153). Es
kann auf Grund von Ziff. 29 GAV SBB nicht gesagt werden, dass - auf der Stufe
der Gemeinde - nur die Exekutive einer politischen (Einwohner-)Gemeinde
ein öffentliches Amt darstellen könne. Es mag sein, dass der Gedanke, es
gehe nur um die politischen Gemeinden, der Fassung von Ziff. 29 GAV SBB
zugrundegelegen hat. Das hat im Wortlaut jedoch keinen Ausdruck gefunden
und ist deshalb nicht zu beachten. Die Tätigkeit in der Schulpflege stellt
vielerorts eine Tätigkeit dar, die nicht zur Exekutive einer Gemeinde gehört.
Wenn dementsprechend eine solche Tätigkeit nicht (mehr) als öffentliches Amt
anerkannt wird, werden die Zielsetzungen der Vertragsparteien beachtet.
Liegt indes eine Mitgliedschaft in der Exekutive einer Schulgemeinde
vor, so kann auch auf Grund der Entstehungsgeschichte und der anderen
Auslegungselemente nicht gesagt werden, diese Tätigkeit könne nicht unter
den Begriff des öffentlichen Amtes subsumiert werden.

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Entgegen der Meinung der Vorinstanz liegt auch keine Rechtsungleichheit
vor, wenn danach unterschieden wird, ob eine im Schulbereich erfolgende
Tätigkeit - entsprechend der jeweiligen Ausgestaltung des kantonalen Rechts
- zum Bereich der Exekutive gehört oder lediglich zum Bereich einer nicht
parlamentarischen (Verwaltungs-)Kommission.

bb. Die PRK hat sich in einem Entscheid vom 30. Oktober 1996, veröffentlicht
in VPB 61.57, einlässlich mit dem Begriff des öffentlichen Amtes, wie er
Art. 14 des Beamtengesetzes vom 30. Juni 1927 (BtG, SR 172.221.10) zugrunde
lag, auseinander gesetzt. Sie hat namentlich ausgeführt, die allgemeinen
Grundsätze, die ein öffentliches Amt auszeichnen, liessen sich anhand
der demokratischen Prinzipien, die der kantonalen Ordnung bezüglich
ihrer Organe zugrunde liegen, bestimmen. Im Einzelnen seien dies 1. die
demokratische Berufung des Amtsinhabers durch Volkswahl oder Wahl des
Gemeinderates, 2. der Grundsatz der kurzen Amtsdauer, 3. der Grundsatz der
allgemeinen Ämterfähigkeit, d. h. Erforderlichkeit der Stimmberechtigung
im betreffenden Gemeinwesen und 4. das Prinzip der Verantwortlichkeit
der Behörden und Beamten für ihre amtlichen Verrichtungen. Weiter wies
die PRK auf den Milizgedanken hin, der Art. 14 BtG kennzeichne, sowie auf
die Botschaft des Bundesrates zum Beamtengesetz, wo dieser festhält, er
wolle das im Bundesdienst beschäftigte Personal am Leben kirchlicher und
weltlicher Natur innerhalb der Gemeinde, im Amtsbezirk, Kanton und Bund,
in weitgehendem Masse teilnehmen lassen.

cc. Da der Beschwerdeführer mit Bezug auf sein Amt in der
Schulvorsteherschaft der Primarschulgemeinde F. alle die vorstehend
erwähnten Kriterien erfüllt, kann es auch unter der Regelung des GAV
SBB, so wie sie unter den Sozialpartnern ausgehandelt und formuliert
worden ist, nicht angehen, dem von ihm versehenen Mandat die Eigenschaft
als öffentliches Amt im Sinne von Ziff. 29 Abs. 2 GAV SBB abzuerkennen.
Dies nicht zuletzt auch im Vergleich zur Mitgliedschaft in einer vom Staat
anerkannten kirchlichen Behörde, die gemäss Ziff. 29 Abs. 2 GAV SBB
dem öffentlichen Amt ausdrücklich gleichgestellt ist. Als Tätigkeit in einer
ausserparlamentarischen Kommission im Sinne von Ziff. 29 Abs. 5 GAV
SBB kommen insbesondere Funktionen in jenen Gremien in Betracht, die
ausdrücklich als solche genannt werden (vgl. auf der Ebene des Bundes
die 186 bundesrätlichen Gremien und die weiteren departementalen
Gremien, die als ausserparlamentarische Kommissionen bezeichnet
werden [Internet-Fundstelle: http://www.admin.ch/ch/d/cf/ko/index.html ;
letztmals konsultiert: 22. Mai 2003]), sowie allgemein Funktionen, die weder
legislative noch exekutive Tätigkeiten beinhalten. Die von der Vorinstanz
vorgenommene Auslegung von Ziff. 29 GAV SBB lässt sich mit Bezug auf die
(Exekutiv-)Tätigkeit, wie sie der Beschwerdeführer in der Schulvorsteherschaft
der Primarschulgemeinde F. ausübt, nicht halten. Es ergibt sich vielmehr,
dass das vom Beschwerdeführer versehene Mandat als öffentliches Amt im
Sinne von Ziff. 29 Abs. 2 GAV SBB zu gelten hat. Insofern ist die Beschwerde
gutzuheissen. Sofern die zuständige Organisationseinheit der SBB dem
Beschwerdeführer in Anwendung von Ziff. 29 Abs. 3 GAV SBB die Bewilligung

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003530.pdf?ID=150003530
http://www.admin.ch/ch/d/cf/ko/index.html

zur Ausübung dieses öffentlichen Amtes erteilt, hat er entsprechend Anspruch
auf Gewährung von Urlaub gemäss Anhang 6 Ziff. 3 Abs. 9 GAV SBB, d. h. bis
15 Tage pro Kalenderjahr.

4. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens ist das Beschwerdeverfahren
vor der PRK, ausgenommen bei Mutwilligkeit, kostenlos (Art. 34 Abs. 2 BPG
und Ziff. 152 GAV SBB). Bei Vertretung durch einen Personalverband wird
in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen; eine solche wird im
vorliegenden Fall auch nicht geltend gemacht.

[1] Zu beziehen beim Zentralbereich Personal der SBB, Mittelstr. 43, CH-3003
Bern 65 oder per Mail an: sekretariat.pe@sbb.ch

Informations générales sur la Commission fédérale de recours en matière de
personnel fédéral

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http://www.admin.ch/ch/f/cf/ko/index_130.html
http://www.admin.ch/ch/f/cf/ko/index_130.html

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 67.68 - Entscheid der Eidgenössischen Personalrekurskommission vom 24. Juli 2002

in Sachen K. [PRK 2002-008]

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2003
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Band 67
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