# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d960bbe6-89c5-5b84-927e-86d0b271c593
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-08-16
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Zivilkammern 16.08.2019 LB190002
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_001_LB190002_2019-08-16.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Zivilkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: LB190002-O/U 

 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. P. Diggelmann, Vorsitzender, Oberrichterin 

lic. iur. N. Lichti Aschwanden und Oberrichter lic. iur. et phil. D. Glur 

sowie Gerichtsschreiberin lic. iur. I. Vourtsis-Müller 

Urteil vom 16. August 2019 

 

in Sachen 

 

A._____ AG,  
Beklagte und Berufungsklägerin 

 

vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. X._____ 

 

gegen 

 

B._____,  
Kläger und Berufungsbeklagter 

 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

 

betreffend Forderung 
 
Berufung gegen ein Urteil der 10. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich 
vom 27. November 2018; Proz. CG150028 
 

- 2 - 

Rechtsbegehren: 

" 1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger umfassend und detail-
liert Rechenschaft über die von ihr im Zusammenhang mit dem 
Vermögensverwaltungsvertrag mit C._____, geb. C'._____ vom 
21. September 1995 vereinnahmten Retrozessionen, Kommissio-
nen, Entschädigungen und sonstigen Zuwendungen Dritter für den 
gesamten Zeitraum seit Abschluss des vorerwähnten Vermögens-
verwaltungsvertrages bis zum Zeitpunkt der Rechenschaftsablage 
zu erstatten; 

 
 2. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger folgende Beträge 

samt Zins für die Jahre von 1997 bis 2014 zu bezahlen: 
 CHF 917 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 1998; 
 CHF 1'819 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 1999; 
 CHF 3'943 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2000; 
 CHF 4'389 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2001; 
 CHF 4'001 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2002; 
 CHF 7'593 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2003; 
 CHF 7'917 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2004; 
 CHF 8'461 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2005; 
 CHF 9'131 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2006; 
 CHF 7'945 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2007; 
 CHF 12'115 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2008; 
 CHF 12'800 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2009; 
 CHF 10'773 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2010; 
 CHF 5'302 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2011; 
 CHF 3'141 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2012; 
 CHF 3'064 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2013; 
 CHF 3'075.80 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2014; 
 CHF 3'126 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2015; 
 
 unter Vorbehalt der Neubezifferung nach Rechenschaftsablage 

gemäss Ziff. 1; 
 
3. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger CHF 850 für den ge-

schätzten Betrag von Retrozessionen, Kommissionen uns sonsti-

- 3 - 

gen Zuwendungen Dritter, plus Zinsen zu 5 % p.a. ab Abschluss 
eines jeden Jahres für die jeweiligen Jahreseinnahmen solcher 
Zahlungen, für die Jahre 1995 und 1996 zu bezahlten, unter Vor-
behalt der Neubezifferung nach Rechenschaftsablage gemäss 
Ziff. 1; 

4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Be-
klagten." 

Mit der Replik angepasstes Rechtsbegehren 
(act. 42, S. 2) 

 "Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger folgende Beträge zu 
bezahlen: 

 CHF 135 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 1996; 
 CHF 704 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 1997; 
 CHF 917 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 1998; 
 CHF 1'819 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 1999; 
 CHF 3'943 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2000; 
 CHF 4'389 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2001; 
 CHF 4'001 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2002; 
 CHF 7'593 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2003; 
 CHF 7'917 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2004; 
 CHF 8'461 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2005; 
 CHF 9'131 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2006; 
 CHF 7'945 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2007; 
 CHF 12'115 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2008; 
 CHF 12'800 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2009; 
 CHF 10'773 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2010; 
 CHF 5'302 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2011; 
 CHF 3'141 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2012; 
 CHF 3'064 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2013; 
 CHF 3'075.80 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2014; 
 CHF 3'126 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2015; 
 
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten." 

- 4 - 

Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 27. November 2018: 

1. Das Auskunftsbegehren des Klägers wird infolge Gegenstandslosigkeit ab-

geschrieben. 

2. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger jeweils 

CHF 917 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 1998, 
CHF 1'819 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 1999, 
CHF 3'943 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2000, 
CHF 4'389 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2001, 
CHF 4'001 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2002, 
CHF 7'593 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2003, 
CHF 7'917 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2004, 
CHF 8'461 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2005, 
CHF 9'131 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2006, 
CHF 7'945 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2007, 
CHF 12'115 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2008, 
CHF 12'800 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2009 

zu bezahlen. 

3. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 18'300.00 ; die Barauslagen betragen: 

Fr. 692.50   Dolmetscherkosten. 

 
4. Die Gerichtskosten werden der klagenden Partei zu CHF 5'490.- und der 

beklagten Partei zu CHF 12'810.– auferlegt und mit dem geleisteten Vor-

schuss des Klägers verrechnet. Der Fehlbetrag von CHF 9'150.– wird von 

der beklagten Partei nachgefordert. 

5. Die beklagte Partei wird verpflichtet, der klagenden Partei eine reduzierte 

Parteientschädigung von CHF 10'406.– (inklusive Kosten des Schlichtungs-

verfahrens) zu bezahlen. Zudem hat sie der klagenden Partei den Kosten-

vorschuss im Umfang von CHF 3'660.– zu ersetzen. 

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6. Der Vorschuss des Klägers für die Parteientschädigung im Betrag von 

CHF 11'520.– ist dem Kläger auszubezahlen. 

7./8. (Mitteilungen und Rechtsmittel) 

Berufungsanträge: 

der Beklagten und Berufungsklägerin (act. 118 S. 2 f.): 
 

1. Es sei Dispositiv-Ziff. 2 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 
27. November 2018 (Geschäftsnummer CG150028-L/U) in Sa-
chen B._____ gegen A._____ AG 

• Zeile 1 nach Einleitungszeile (Verpflichtung der Berufungs-
klägerin zur Zahlung von CHF 917 plus Zins zu 5% p.a. ab 
1. Januar 1998), 

• Zeile 2 nach Einleitungszeile (Verpflichtung der Berufungs-
klägerin zur Zahlung von CHF 1'819 plus Zins zu 5% p.a. ab 
1. Januar 1999), 

• Zeile 3 nach Einleitungszeile (Verpflichtung der Berufungs-
klägerin zur Zahlung von CHF 3'943 plus Zins zu 5% p.a. ab 
1. Januar 2000),  

• Zeile 4 nach Einleitungszeile (Verpflichtung der Berufungs-
klägerin zur Zahlung von CHF 4'389 plus Zins zu 5% p.a. ab 
1. Januar 2001),  

• Zeile 5 nach Einleitungszeile (Verpflichtung der Berufungs-
klägerin zur Zahlung von CHF 4'001 plus Zins zu 5% p.a. ab 
1. Januar 2002),  

• Zeile 6 nach Einleitungszeile (Verpflichtung der Berufungs-
klägerin zur Zahlung von CHF 7'593 plus Zins zu 5% p.a. ab 
1. Januar 2003) 

aufzuheben, und die Klage sei in diesem Umfang abzuweisen. 
2. Eventualiter zu 1. sei Dispositiv-Ziff. 2 des Urteils des Bezirksge-

richts Zürich vom 27. November 2018, Zeilen 1 - 12 nach Einlei-
tungszeile, jeweils insofern aufzuheben, als dem Berufungsbe-
klagten Verzugszins zugesprochen wird, und es sei dem Beru-
fungsbeklagten auf allen in Dispositiv-Ziff-2 zugesprochenen For-
derungen Verzugszins zu 5% p.a. erst ab 30. April 2016 zuzu-
sprechen. 

3. Es seien Dispositiv-Ziff. 3 - 6 des Urteils des Bezirksgerichts Zü-
rich vom 27. November 2018 aufzuheben, und es habe die 
Rechtsmittelinstanz über Kosten und Parteientschädigung des 

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vorinstanzlichen Verfahrens neu zu entscheiden sowie diese nach 
Obsiegen und Unterliegen aufzuerlegen. 

4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Berufungs-
beklagten. 

 
des Klägers und Berufungsbeklagten (act. 128 S. 2): 
 

Es sei die Berufung unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten 
der Berufungsklägerin abzuweisen. 

Erwägungen: 

I. 

1. Die Beklagte und Berufungsklägerin (fortan Beklagte) ist die Schweizer 

Tochtergesellschaft einer britischen Bank und hat ihren Sitz in Zürich. Der Kläger 

und Berufungsbeklagte (fortan Kläger) ist der Alleinerbe der im mm.2009 verstor-

benen C._____ (fortan Erblasserin), die Kundin der Beklagten war. 

2. Hintergrund des Streits ist ein Vermögensverwaltungsauftrag, den die Erb-

lasserin im Jahr 1995 mit der Beklagten abgeschlossen hatte. Mit seiner Klage 

verlangt der Kläger gestützt auf Art. 400 OR die Herausgabe von Retrozessionen, 

welche die Beklagte in den Jahren von 1995 bis 2014 im Zusammenhang mit die-

sem Vermögensverwaltungsauftrag erhalten hatte. 

3. Mit Einreichung der Klagebewilligung vom 5. November 2014 (act. 1) und 

Klageschrift vom 23. Februar 2015 (act. 2) machte der Kläger beim Bezirksgericht 

Zürich (fortan Vorinstanz) die eingangs genannte Klage anhängig. Mit Eingabe 

vom 1. Juli 2015 (act. 24) beantwortete die Beklagte die Klage. Nach Durchfüh-

rung einer Instruktionsverhandlung am 24. November 2015 (Prot. VI S. 11 ff.) und 

einem zweiten Schriftenwechsel (act. 42 und act. 55) sowie je einer weiteren 

schriftlichen Stellungnahme (act. 60 und 64) und dem beiderseitigen Verzicht auf 

die Parteivorträge an der Hauptverhandlung (act. 61 und 62) erliess die Vorin-

stanz am 15. Mai 2017 den Beweisbeschluss und nahm an der Hauptverhandlung 

vom 25. Oktober 2017 (Prot. VI S. 19 ff.) die Parteibefragung des Klägers ab. Bei-

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de Parteien reichten die Schlussvorträge mit Datum vom 11. Dezember 2017 ein 

(act. 85 und 86). Auf Antrag der Beklagten (act. 86) und mit dem Einverständnis 

des Klägers (act. 88) wurde mit Verfügung vom 7. März 2018 (act. 93) das Proto-

koll der Parteibefragung des Klägers berichtigt. Mit Eingaben vom 31. August 

2018 (act. 104 und 105) erstatteten die Parteien die zweiten Schlussvorträge, die 

ihnen gegenseitig zugestellt wurden, worauf die Vorinstanz am 27. November 

2018 das oben wiedergegebene Urteil fällte, mit dem sie die Klage teilweise gut-

hiess (act. 108 = 121). Mit Beschluss vom 19. Dezember 2018 (act. 113 = 122) 

wurde ein Begehren der Beklagten vom 13. Dezember 2018 um eine Berichtigung 

oder Erläuterung abgewiesen bzw. abgeschrieben. 

4. Gegen das Urteil vom 27. November 2018, das ihrer Vertreterin am 29. No-

vember 2018 zugestellt worden war (act. 110), erhob die Beklagte mit Eingabe 

vom 14. Januar 2019 (act. 118) - unter Berücksichtigung der Gerichtsferien (Art. 

145 Abs. 1 lit. c ZPO) - rechtzeitig Berufung mit den eingangs genannten Anträ-

gen. Der Kläger beantwortete die Berufung mit Eingabe vom 8. März 2019 (act. 

128) und dem Antrag auf Abweisung der Berufung.  

6. Das Berufungsverfahren ist spruchreif. Die Berufung ist aus den nachste-

henden Gründen gutzuheissen. Der Beklagten ist mit diesem Entscheid ein Dop-

pel der Berufungsantwort zuzustellen.  

II. 

1. Mit seinem in der Replik angepassten Rechtsbegehren verlangte der Kläger 

die Bezahlung von 20 Beträgen zuzüglich Verzugszins jeweils ab Beginn des auf 

den Erhalt dieser Beträge durch die Beklagte folgenden Jahres (vgl. act. 42 S. 2). 

Die Vorinstanz hiess die Klage mit Bezug auf zwölf Beträge (vom dritten bis und 

mit dem vierzehnten) gut. Mit Bezug auf die übrigen Beträge (die ersten zwei und 

die letzten sechs) wurde die Klage abgewiesen (vgl. act. 122).  

2. Im Hauptstandpunkt verlangt die Beklagte mit der Berufung die Abweisung 

der Klage mit Bezug auf die ältesten sechs Betreffnisse, die von der Vorinstanz 

zugesprochen wurden. Im Eventualstandpunkt anerkennt sie alle von der Vorin-

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stanz zugesprochenen Teilbeträge, verlangt aber, dass der Verzugszins für alle 

erst ab 30. April 2016 zugesprochen werde (vgl. act. 2 S. 2 f.).  

3. Nicht angefochten und damit in Rechtskraft erwachsen ist die Gutheissung 

der Klage mit Bezug auf die weiteren sechs Beträge, die von der Vorinstanz zuge-

sprochen wurden, allerdings mit Verzugszins erst ab 30. April 2016 (wegen des 

Eventualantrags). Da der Kläger mit der Berufungsantwort keine Anschlussberu-

fung erhob, wurde die teilweise Abweisung der Klage ebenfalls nicht angefochten.  

4. Das vorinstanzliche Urteil wurde damit nicht vollumfänglich angefochten und 

ist somit teilweise in Rechtskraft erwachsen. Einer entsprechenden förmlichen 

Feststellung stehen allerdings zwei Hindernisse entgegen, so dass davon abzu-

sehen ist. 

a) Mit Bezug auf die nicht angefochtene Gutheissung würde eine solche Fest-

stellung mehr Fragen aufwerfen als klären, weil der Verzugszinsenlauf im Even-

tualstandpunkt nur teilweise anerkannt wurde, was bei einer Gutheissung des 

Hauptantrags aber nicht zum Tragen kommt. Dies mit einem Rechtskraftbe-

schluss in Kombination mit einem Erkenntnis über die Sache nachzuvollziehen, 

würde sehr unübersichtlich. Einfacher ist es, bei einer Gutheissung der Berufung 

Dispositiv-Ziffer 2 des vorinstanzlichen Entscheides gesamthaft aufzuheben und 

unter Berücksichtigung des Berufungsentscheides und der nicht angefochtenen 

Punkte neu zu formulieren. 

b) Daneben verunmöglicht auch der Umstand, dass es die Vorinstanz unter-

liess, die teilweise Abweisung der Klage im Dispositiv zu erwähnen, nun eine ent-

sprechende Feststellung unter Verweis auf das vorinstanzliche Urteil zu treffen. 

Ein entsprechendes Berichtigungs- oder Erläuterungsbegehren der Beklagten 

hatte die Vorinstanz abgewiesen (bzw. abgeschrieben, soweit es auf eine Erläute-

rung zielte) (act. 122).  

Das Dispositiv hat sich über sämtliche Anträge zu äussern. Daraus, dass einige 

Anträge ausdrücklich gutgeheissen werden, folgt nicht ohne Weiteres, dass alle 

übrigen Anträge abgewiesen werden. Die Vorinstanz erwähnt auch in der Begrün-

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dung ihres Entscheides nur, welche Teile der Klage gutzuheissen sind (act. 122 

S. 45 Ziff. 125 und S. 47 Ziff. 137), ohne irgendwo festzuhalten, dass die Klage im 

Übrigen abzuweisen ist. Andernfalls läge ein Widerspruch zwischen Begründung 

und Dispositiv vor, welcher der Berichtigung zugänglich wäre.  

Der Umstand, dass sich beide Parteien über ihr Verständnis einig sind, wie die 

Vorinstanz in ihrem Beschluss vom 19. Dezember 2019 erwähnt (act. 122 S. 2), 

dürfte bei solchen Sachverhalten die Regel sein und macht eine Berichtigung 

nicht überflüssig. Die Vorinstanz hätte daher ihren Entscheid entsprechend er-

gänzen müssen. 

5. Das ändert nichts daran, dass über die Punkte, die nicht angefochten wur-

den, nicht mehr zu entscheiden ist, so dass in den nachfolgenden Erwägungen 

darauf nicht einzugehen ist. 

III. 

1. Während sich die Beklagte ursprünglich auf eine fünfjährige Verjährungsfrist 

berufen hatte und mit Bezug auf sämtliche Herausgabeansprüche für die Zeit vor 

dem Jahr 2008 die Verjährung geltend machte (act. 24 S. 73 ff. Rz. 162 ff.), be-

schränkte sie ihre Verjährungseinrede später auf Ansprüche aus der Zeit vor dem 

Jahr 2003. Damit folgte sie einem neuen Leitentscheid des Bundesgerichts, ge-

mäss dem für die Herausgabe von Retrozessionen eine Verjährungsfrist von zehn 

Jahren gilt (act. 86 S. 5 Rz. 5 und S. 30 ff. Rz. 66 ff. m.H. auf BGE 143 III 348). 

2. Die Vorinstanz verwarf die beklagtische Verjährungseinrede. Sie ging davon 

aus, dass die zehnjährige Verjährungsfrist beginnt, wenn Rechenschaft abgelegt 

wurde, was erstmals im Juni 2013 geschehen sei, und wich damit von der von der 

Beklagten angerufenen bundesgerichtlichen Rechtsprechung ab.  

Als Begründung führte die Vorinstanz an, dass der bundesgerichtliche Entscheid 

einen Versicherungsberater betreffe und daher nicht unbesehen auf den vorlie-

genden Fall übertragen werden könne, der eine Vermögensverwalterin mit weit-

reichenden Kompetenzen betreffe, was eine ganz andere Konstellation sei. Die 

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Erblasserin bzw. der Kläger habe keinen Anlass gehabt, aktiv die Rechenschafts-

ablage bezüglich weiterer Einnahmequellen einzufordern. Eine solche Pflicht wi-

derspreche der Vertrauensstellung und Kompetenz eines Vermögensverwalters. 

Damit würde im Ergebnis die Rechenschaftspflicht der Beklagten von einer Bring-

schuld in eine Holschuld umgewandelt, was der gesetzlichen Konzeption wider-

spreche. Das Bundesgericht habe sich mit diesen Punkten nicht vertieft auseinan-

dergesetzt, weshalb sein Entscheid für die Vermögensverwaltung nicht einschlä-

gig sei (act. 121 S. 13 ff. Rz. 33 ff.) 

Im Sinne einer Eventualbegründung bejahte die Vorinstanz einen Rechtsmiss-

brauch, was das Bundesgericht vorbehalten hatte, weil sich die Beklagte spätes-

tens seit dem im Jahr 2006 ergangenen Entscheid BGE 132 III 460 wissentlich 

und willentlich einer möglichen Ablieferungspflicht mittels pflichtwidriger Unterlas-

sung der Rechenschaft entzog, was ihr - im Sinne der bundesgerichtlichen Recht-

sprechung - als kausales Verhalten anzurechnen sei, das den Eintritt der Verjäh-

rung herbeigeführt habe, so dass ihrer Verjährungseinrede wegen Rechtsmiss-

brauchs der Schutz zu versagen sei (act. 121 S. 16 Rz. 45 i.V.m. S. 15 Rz. 40 f.). 

3. Mit ihrer Berufung hält die Beklagte an ihrer Verjährungseinrede für die Her-

ausgabeansprüche für die Zeit vor dem Jahr 2003 fest. Sie stützt sich massgeb-

lich auf BGE 143 III 348, gemäss dem Herausgabeansprüche nach Art. 400 OR 

sofort, d.h. im Zeitpunkt des Empfangs der Retrozessionen durch den Beauftrag-

ten fällig werden und in diesem Zeitpunkt auch die massgebliche zehnjährige Ver-

jährungsfrist zu laufen beginnt. Sie hält der Vorinstanz vor, sie tue diesen Ent-

scheid mit haltlosen Argumenten als nicht einschlägig ab und verhalte sich wider-

sprüchlich, indem sie dem Kläger entgegen ihrer Auffassung, dass die fraglichen 

Herausgabeforderungen erst ab 2013 fällig geworden seien, Verzugszins für ei-

nen bis ins Jahr 1998 zurückreichenden Zeitraum zuspreche (act. 118 S. 8 f. Rz. 

11 und S. 15 ff. Rz. 26 ff.).  

Mit ihrer Eventualbegründung gehe die Vorinstanz zu Unrecht davon aus, dass 

die Verjährungseinrede rechtsmissbräuchlich sei. BGE 143 III 348 halte unmiss-

verständlich fest, dass der Umstand, dass der Gläubiger mangels Erfüllung der 

Rechenschaftsablagepflicht durch den Schuldner keine Kenntnis von seiner For-

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derung habe, die Verjährungseinrede des Schuldners nicht rechtsmissbräuchlich 

mache. Die unbelegte Behauptung der Vorinstanz, dass die Erblasserin bzw. der 

Kläger keine Anhaltspunkte für den Empfang von Retrozessionen durch die Be-

klagte gehabt habe, sei nicht aufrechtzuerhalten (act. 118 S. 9 ff. Rz. 12 und S. 24 

ff. Rz. 49 ff.). 

4. Der Kläger ist in der Berufungsantwort der Meinung, dass die Vorinstanz 

BGE 143 III 348 zurecht nicht auf den vorliegenden Fall anwandte (act. 128 S. 3 

ff. Ziff. 4 ff.). Auch einen Rechtsmissbrauch habe die Vorinstanz zurecht bejaht 

(act. 128 S. 7 ff. Ziff. 18 ff.).  

5. Das Bundesgericht äusserte sich in BGE 143 III 348 zum dies a quo der 

Herausgabeansprüche des Auftraggebers und hielt fest, dass die Verjährungsfrist 

für jeden Herausgabeanspruch an dem Tag zu laufen beginnt, an dem der Beauf-

tragte den herauszugebenden Betrag erhalten hat (BGE 143 III 348 Regeste und 

E. 5.3). 

Im Sinne einer Klarstellung hielt das Bundesgericht fest, dass die Rechenschafts-

pflicht als Bedingung und Grundlage des Herausgabeanspruchs bezeichnet wer-

de, bedeute nicht, dass der Herausgabeanspruch erst bei der Rechenschaftsle-

gung entstehe oder sogar erst bei Beendigung des Auftrags, und erinnerte daran, 

dass die Kenntnis oder das Kennenmüssen der Höhe der Forderung anders als 

im Delikts- und im Bereicherungsrecht nicht entscheidend für die Entstehung und 

Fälligkeit von vertraglichen Forderungen ist (BGE 143 III 348 E. 5.3.1).  

Die Pflicht des Beauftragten, den Auftraggeber zu informieren und ihm diese Vor-

teile herauszugeben, entsteht mit der Entgegennahme der Retrozessionen. Wür-

de der Herausgabeanspruch erst bei Beendigung des Mandats entstehen und fäl-

lig werden, könnte der Gläubiger die Herausgabe nicht verlangen, sobald die Ret-

rozessionen an den Beauftragten bezahlt werden. Das könne nicht ernsthaft an-

genommen werden (BGE 143 III 348 E. 5.3.2). 

Daraus, dass der Herausgabeanspruch für Retrozessionen der absoluten Verjäh-

rung von zehn Jahren unterliegt, schloss das Bundesgericht, dass die Frage der 

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Kenntnis der Existenz dieser Retrozessionen durch den Gläubiger keine Rolle 

spielt. Das Bundesgericht erinnerte daran, dass die Möglichkeit eine Forderung 

einzutreiben nicht unbeschränkt hinausgeschoben werden könne, bis der Gläubi-

ger Kenntnis von ihr hat oder zumindest haben müsste, denn das widerspräche 

dem System der Verjährung, das eine absolute Verjährungsfrist von zehn Jahren 

vorsieht, nach deren Ablauf der Schuldner die Durchsetzung einer Forderung 

hemmen kann, was sowohl durch das öffentliche Interesse als auch das Interesse 

des Schuldners gerechtfertigt wird. Sofern der Schaden auf eine strafbare Hand-

lung zurückzuführen ist, bleibe aber die längere strafrechtliche Verjährungsfrist 

vorbehalten (BGE 143 III 348 E. 5.3.2). 

6. Dem publizierten Sachverhalt ist zu entnehmen, dass der bundesgerichtliche 

Leitentscheid BGE 143 III 348 ein Versicherungsberatungsmandat und kein Ver-

mögensverwaltungsverhältnis betraf. Die Erwägungen beziehen sich allerdings 

allgemein auf Retrozessionen und es ist nicht erkennbar und wird von der Vorin-

stanz auch nicht begründet, dass diese Rechtsprechung nur für dieses Vertrags-

verhältnis Anwendung finden sollte. Auf eine allgemeine Tragweite deutet insbe-

sondere auch die Veröffentlichung in der amtlichen Sammlung.  

Die von der Vorinstanz zitierte Literatur (vgl. act. 121 S. 13 Rz. 34 m.H. auf Kuhn / 

Luginbühl, Zur Verjährung des Rechenschafts- und Herausgabeanspruches ge-

mäss Art. 400 Abs. 1 OR beim Vermögensverwaltungsvertrag, AJP 2014 S. 977 

ff.) ist durch diesen Entscheid genau so überholt wie die vom Kläger angerufene 

frühere Rechtsprechung der Kammer (act. 128 S. 4 Ziff. 9 m.H. auf OGer ZH 

LB090076 vom 13.01.2012), an der unter dem Eindruck der neueren bundesge-

richtlichen Rechtsprechung nicht festgehalten werden kann.  

Die Vorinstanz bleibt eine Begründung schuldig, weshalb sie die Ansicht der Auto-

ren, dass der Herausgabeanspruch nicht fällig werden kann, solange die Rechen-

schaftsablage nicht erfolgt ist, dennoch nach wie vor für überzeugend hält. Mit 

dem Widerspruch dieser Auffassung zum System der vertraglichen Verjährung, 

das von Gesetzes wegen eine absolute Verjährung kennt, die von der Kenntnis 

des Gläubigers von seiner Forderung unabhängig ist, auf den das Bundesgericht 

verweist, setzt sie sich nicht auseinander.  

- 13 - 

Die von den Autoren Kuhn und Luginbühl erwähnte Stufenklage i.S. von Art. 85 

ZPO bietet eine Möglichkeit, von der im Übrigen auch der Kläger Gebrauch mach-

te (vgl. das ursprüngliche Rechtsbegehren Ziff. 1 und Ziff. 2 a.E.), Rechenschaft 

und Herausgabe im gleichen Verfahren geltend zu machen (AJP 2014 S. 978), 

was ihre Schilderung des Zusammenspiels zwischen Rechenschaft und Heraus-

gabe als zeitliche Abfolge relativiert (AJP 2014 S. 977 unten). Die Geltendma-

chung der Herausgabe setzt somit nicht zwingend die vorgängige Erfüllung der 

Rechenschaft voraus, sondern es ist durchaus möglich, eine (vorerst unbezifferte) 

Klage auf Herausgabe gleichzeitig mit dem Anspruch auf Rechenschaft zu erhe-

ben. Der Einwand der Schwierigkeit der Beurteilung des Kostenrisikos (act. 128 

S. 5 Ziff. 12) wird durch den Vorbehalt der Bezifferung entkräftet. 

Auch in der Sache ist nicht einsichtig, weshalb die bundesgerichtliche Rechtspre-

chung auf eine Vermögensverwaltung nicht zur Anwendung kommen sollte. Die 

Vorbehalte des Rechtsmissbrauchs (vgl. dazu unten 7) und der längeren straf-

rechtlichen Verjährung (vgl. dazu unten 10) genügen, um im Einzelfall den Be-

denken Rechnung zu tragen, welche die Vorinstanz und der Kläger angesichts 

der Besonderheiten der Stellung eines Vermögensverwalters im Vergleich zu ei-

nem Versicherungsmakler äussern (vgl. act. 121 S. 14 f. Rz. 39; act. 128 S. 6 f. 

Ziff. 16).  

Der Hinweis der Beklagten, dass bei einer Versicherungsvermittlung der Auftrag-

geber mit den Versicherungsgesellschaften direkt Verträge eingehen und somit 

von diesen Informationen über allfällige Retrozessionen an den Makler erhalten 

könne (act. 128 S. 7 Ziff. 16), überzeugt ebenfalls nicht, da ein Versicherungsver-

trag in der Regel keinen Anspruch auf Rechenschaft verleiht, so dass sich der 

Versicherungsnehmer mit seinem Informationsinteresse gleichwohl an den von 

ihm beauftragten Makler halten muss und er somit rechtlich nicht besser gestellt 

ist als ein Vermögensverwaltungskunde wie die Erblasserin bzw. der Kläger.  

7. Gemäss dem bereits mehrfach zitierten Bundesgerichtsentscheid verhält 

sich ein Schuldner rechtsmissbräuchlich, wenn er sich auf die Verjährung beruft, 

nachdem er den Gläubiger - während die Verjährungsfrist noch lief - dazu veran-

lasste, mit verjährungsunterbrechenden Schritten zuzuwarten (BGE 143 III 348 E. 

- 14 - 

5.5.1). Wie das Bundesgericht in einem Entscheid, auf den an der zitierten Stelle 

verwiesen wird, präzisierend festhielt, besteht der Rechtsmissbrauch nicht im Ver-

halten, mit dem der Schuldner den Gläubiger zum Zuwarten veranlasst, sondern 

darin, dass er sich anschliessend auf die Verjährung beruft (BGE 128 V 236 E. 

4.a m.H. auf BGE 83 II 93).  

Das blosse Zuwarten bis die Verjährung eintritt, kann aber weder als Verzicht auf 

die Verjährung noch als rechtsmissbräuchliches Verhalten qualifiziert werden. Da-

mit ein Rechtsmissbrauch vorliegt, muss eine Kausalbeziehung zwischen dem 

Verhalten des Schuldners und dem verspäteten Vorgehen des Gläubigers beste-

hen (BGE 143 III 348 E. 5.5.1). Der Umstand allein, dass der Kläger von seinem 

Herausgabeanspruch keine Kenntnis hatte und auch nicht haben konnte, weil die 

Beklagte sowohl ihre Rechenschaftspflicht als auch ihre Herausgabepflicht ver-

letzte, genügt deshalb nicht, um einen Rechtsmissbrauch anzunehmen, wie das 

Bundesgericht ausdrücklich festhielt, sondern dafür braucht es zusätzlich ein Ver-

halten des Schuldners, das dazu geeignet ist, den Gläubiger davon abzuhalten, 

die Verjährung zu unterbrechen (BGE 143 III 348 E. 5.5.2). 

8. Ein solches Verhalten kann grundsätzlich auch in einer pflichtwidrigen Unter-

lassung bestehen, wie sie die Vorinstanz darin erblickt, dass die Beklagte der Erb-

lasserin bzw. dem Kläger keine Rechenschaft über die empfangenen Retrozes-

sionen ablegte, wodurch sie sich einer möglichen Ablieferungspflicht entzogen ha-

be (act. 121 S. 16 Ziff. 45).  

Damit eine Unterlassung der Schuldnerin kausal dafür sein kann, dass der Gläu-

biger seinerseits verjährungsunterbrechende Schritte unterlässt und damit die 

Verjährung eintreten lässt, muss diese Unterlassung allerdings vom Gläubiger vor 

dem Hintergrund eines bestimmten Erwartungshorizonts als solche wahrgenom-

men werden. Das ist hier nicht der Fall: Der Kläger rechnete nicht mit Herausga-

beansprüchen, so dass es keines Verhaltens der Beklagten bedurfte, um den Klä-

ger von verjährungswahrenden Handlungen abzuhalten. Es fehlt daher an der für 

die Annahme eines Rechtsmissbrauchs erforderlichen Kausalbeziehung.  

- 15 - 

Keine Rolle spielte in den bundesgerichtlichen Erwägungen der Umstand, dass 

vor Ablauf der Verjährungsfrist Rechenschaft erteilt wurde, so dass rechtzeitige 

verjährungswahrende Schritte möglich gewesen wären. Daraus, dass dies vorlie-

gend anders war, kann der Kläger deshalb nichts zu seinen Gunsten ableiten (act. 

128 S. 7 Ziff. 19).  

9. Diese Konsequenz erscheint der Vorinstanz stossend und mit dem Gerech-

tigkeitsgedanken unvereinbar (vgl. act. 121 S. 15 f. Ziff. 43 ff.). Dem ist entgegen 

zu halten, dass das Verständnis von Retrozessionen als Teil der Vergütung nicht 

nur in der Branche sondern allgemein in der Lehre verbreitet war. 

Diese Rechtslage hat geändert, was nicht auf eine Gesetzesänderung, sondern 

auf eine Klärung der Rechtsprechung zurückzuführen ist. Von der Verjährung 

hängt die Rückwirkung dieser neuen Rechtsprechung ab. Bei Gesetzesänderun-

gen gibt es dafür jeweils eine Regelung und ist eine Rückwirkung die Ausnahme 

(vgl. Art. 1 SchlT ZGB).  

Das Institut der Rechtskraft steht einer Abänderung früherer, gestützt auf die alte 

Praxis gefällter Entscheide zwar entgegen, aber eine neue Rechtsprechung 

kommt grundsätzlich umfassend zur Anwendung, d.h. auch auf Sachverhalte, die 

sich früher verwirklicht haben. Dem Interesse an der umfassenden Anwendung 

der neuen, als richtig erkannten Praxis steht allerdings das Interesse der Parteien 

auf einen Schutz der im Vertrauen auf die frühere Rechtslage getroffenen Ent-

scheidungen gegenüber.  

Die Verjährung vermittelt zwischen diesen Interessen und setzt der Rückwirkung 

einer neuen Praxis eine zeitliche Schranke. Liesse man die Verjährungseinrede 

wegen Rechtsmissbrauchs nicht zu, wenn über Retrozessionen keine Rechen-

schaft erstattet wurde (was kaum je der Fall gewesen sein wird), könnten Retro-

zessionen bis zurück zum Beginn einer Geschäftsbeziehung herausverlangt wer-

den, was nicht nur wegen Beweisproblemen, sondern auch mit Blick auf den 

Rechtsfrieden abzulehnen ist.  

- 16 - 

10. Der Beklagte verweist in der Berufungsantwort darauf, dass das Verschwei-

gen der Entgegennahme von Retrozessionen nach bundesgerichtlicher Recht-

sprechung eine ungetreue Geschäftsbesorgung und damit eine Straftat darstelle, 

was dazu führe, dass nicht die zivilrechtliche Verjährungsfrist von zehn Jahren, 

sondern die strafrechtliche Verjährungsfrist von 15 Jahren zur Anwendung kom-

me, so dass die Verjährungseinrede zumindest für die Jahre ab 1998 zurückzu-

weisen wäre, sofern sie nicht infolge Rechtsmissbrauchs gänzlich verworfen wer-

de (act. 128 S. 8 Ziff. 22 m.H. auf BGE 144 IV 294).  

Art. 60 Abs. 2 OR, wonach für eine Klage, die aus einer strafbaren Handlung her-

geleitet wird, für die das Strafrecht eine längere Verjährung vorsieht, diese auch 

für den Zivilanspruch gilt. Die Anwendbarkeit dieser Bestimmung setzt voraus, 

dass eine Forderung aus Tatsachen abgeleitet wird, welche die objektiven und 

subjektiven Merkmale eines Straftatbestandes erfüllt. Grundsätzlich unterliegt nur 

der Anspruch gegenüber dem Täter selbst der längeren strafrechtlichen Verjäh-

rungsfrist (BSK OR I-Däppen, Art. 60 N 11).  

Beklagte ist eine juristische Person, die grundsätzlich nicht als Täterin einer unge-

treuen Geschäftsbesorgung in Frage kommt. Die Verantwortlichkeit von Unter-

nehmen ist in Art. 102 StGB als Übertretung ausgestaltet, für die gemäss Art. 109 

StGB eine Verjährungsfrist von drei Jahren gilt. Die Verjährungsfrist von 15 Jah-

ren gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 158 StGB käme zur Anwendung, wenn 

die Beklagte i.S. von Art. 55 Abs. 2 ZGB für die Handlungen eines Organs einste-

hen müsste, was nicht geltend gemacht wird. Auf die Haftung der Beklagten als 

Geschäftsherrin für ihre Hilfspersonen kommt die strafrechtliche Verjährungsfrist 

hingegen nicht zur Anwendung (BSK OR-I-Däppen, Art. 60 N 12a m.H. auf BGE 

133 III 6 E. 5.1). Der Kläger kann sich daher gegenüber der Beklagten nicht auf 

die längere strafrechtliche Verjährungsfrist von 15 Jahren berufen. 

11. Es ist demnach festzuhalten, dass die mit BGE 148 II 348 begründete Praxis 

zur Verjährung des Herausgabeanspruchs für Retrozessionen auch in diesem Fall 

zur Anwendung kommt. Demnach beträgt die Verjährungsfrist der Herausgabean-

sprüche für Retrozessionen zehn Jahre (was unumstritten war) und beginnt mit 

dem Empfang der Retrozessionen.  

- 17 - 

Dass die Beklagte über die Retrozessionen keine Rechenschaft ablegte und die 

Erblasserin bzw. den Kläger nicht oder erst mit der Änderung der AGB im Jahr 

2009 über die Branchenpraxis der Zahlung von Retrozessionen informierte, macht 

ihre Verjährungseinrede noch nicht rechtsmissbräuchlich. 

Die Herausgabeansprüchen des Klägers für Retrozessionen, welche die Beklagte 

im Jahr 2002 und früher empfing, waren demnach bei Einleitung des Schlich-

tungsverfahrens am 5. November 2013 bereits verjährt. Die Verjährungseinrede 

der Beklagten ist somit erfolgreich.  

12. Die Berufung ist demnach gutzuheissen, das Urteil der Vorinstanz ist aufzu-

heben und die Klage ist mit Bezug auf die Herausgabeansprüche für Retrozessi-

onen aus den Jahren 2003 bis und mit 2008 zuzüglich Verzugszins abzuweisen 

(zur Formulierung des Dispositivs vgl. oben II.4.a). Auf den beklagtischen Eventu-

alantrag muss unter diesen Umständen nicht eingegangen werden. 

IV. 

1. Mit der Gutheissung der Berufung sind die Kosten- und Entschädigungsfol-

gen des erstinstanzlichen Verfahrens neu zu regeln.  

Nach der Korrektur mit diesem Urteil werden dem Kläger noch CHF 58'369.00 zu-

gesprochen (ohne Zins). Bezogen auf den Streitwert von rund CHF 110'000.00 

obsiegt er damit ungefähr zur Hälfte.  

Demnach sind die vorinstanzlichen Kosten, die nicht beanstandet wurden und da-

her zu bestätigen sind, den Parteien je zur Hälfte zu auferlegen und die vorin-

stanzlichen Parteientschädigungen wettzuschlagen. Die Beklagte ist ferner zu 

verpflichten, dem Kläger die Hälfte der Kosten des Schlichtungsverfahrens von 

CHF 950.00 zu ersetzen. 

2. Die Beklagte obsiegt vollumfänglich mit der Berufung. Demnach ist die (aus-

gehend von einem Streitwert des Berufungsverfahrens von CHF 22'662.00) auf 

CHF 3'350.00 festzusetzende Entscheidgebühr dem Kläger zu auferlegen und der 

- 18 - 

Kläger zu verpflichten, der Beklagten eine Parteientschädigung von CHF 2'750.00 

(ohne Mehrwertsteuerersatz, da ein solcher nicht verlangt wurde) zu bezahlen.  

3. Vorliegend haben beide Parteien Vorschüsse für die Gerichtskosten geleis-

tet (der Kläger für die erste Instanz und die Beklagte für die zweite Instanz). Aus-

serdem hat der Kläger eine Sicherheit für die Parteientschädigung geleistet, die 

von der Vorinstanz freigegeben wurde, was aufzuheben ist. 

Die geleisteten Beträge reichen bei diesem Ergebnis grundsätzlich aus, um sämt-

liche Kosten und Entschädigungen zu liquidieren, ohne dass Nachzahlungen er-

forderlich sind oder Zahlungen zwischen den Parteien fliessen. Die Abwicklung 

der Kosten- und Entschädigungsfolgen soll der Kasse überlassen werden. Es 

werden daher keine entsprechenden Anordnungen getroffen. 

Es wird erkannt: 

1. In Gutheissung der Berufung der Beklagten wird Dispositiv-Ziffer 2 des Ur-

teils des Bezirksgerichtes Zürich vom 27. November 2018 aufgehoben und 

durch folgende Anordnung ersetzt: 

"Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger jeweils 

CHF 7'917 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2004, 
CHF 8'461 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2005, 
CHF 9'131 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2006, 
CHF 7'945 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2007, 
CHF 12'115 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2008, 
CHF 12'800 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2009 

zu bezahlen. 

Im Übrigen wird die Klage abgewiesen." 

2. Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 27. November 

2018 wird bestätigt und Dispositiv-Ziffer 4-6 des Urteils des Bezirksgerichts 

Zürich vom 27. November 2018 werden aufgehoben. 

- 19 - 

Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich 

vom 27. November 2018 von CHF 18'300.00 (Entscheidgebühr) und 

CHF 692.50 (Barauslagen) werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt.  

Die Beklagte und Berufungsklägerin wird verpflichtet, dem Kläger und Beru-

fungsbeklagten CHF 475.00 (an die Kosten des Schlichtungsverfahrens von 

CHF 950.00) zu bezahlen.  

3. Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr wird auf CHF 3'350.00 festgesetzt 

und dem Kläger und Berufungsbeklagten auferlegt. 

4. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten und Berufungsklägerin eine Par-

teientschädigung von CHF 2'750.00 für das zweitinstanzliche Verfahren zu 

bezahlen. 

5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, an die Beklagte und Berufungskläge-

rin unter Beilage der Berufungsantwort (act. 128), sowie an das Bezirksge-

richt Zürich, je gegen Empfangsschein. 

Nach unbenutztem Ablauf der Rechtsmittelfrist gehen die erstinstanzlichen 

Akten an die Vorinstanz zurück. 

6. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist 
innert 30 Tagen  von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesge-
richt, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen 

Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder 

Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 

des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). 

Dies ist ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG.  
Es handelt sich um eine vermögensrechtliche Angelegenheit. Der Streitwert beträgt 
Fr. 22'662.00. 
Die Beschwerde an das Bundesgericht hat keine aufschiebende Wirkung. 

 

- 20 - 

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Zivilkammer 

 
Die Gerichtsschreiberin: 

 
 
 

lic. iur. I. Vourtsis-Müller 
 
 
versandt am: 

	Urteil vom 16. August 2019
	Rechtsbegehren:
	Mit der Replik angepasstes Rechtsbegehren (act. 42, S. 2)
	Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 27. November 2018:
	1. Das Auskunftsbegehren des Klägers wird infolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben.
	2. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger jeweils
	CHF 917 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 1998,
	CHF 1'819 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 1999,
	CHF 3'943 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2000,
	CHF 4'389 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2001,
	CHF 4'001 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2002,
	CHF 7'593 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2003,
	CHF 7'917 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2004,
	CHF 8'461 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2005,
	CHF 9'131 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2006,
	CHF 7'945 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2007,
	CHF 12'115 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2008,
	CHF 12'800 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2009
	zu bezahlen.
	3. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
	4. Die Gerichtskosten werden der klagenden Partei zu CHF 5'490.- und der beklagten Partei zu CHF 12'810.– auferlegt und mit dem geleisteten Vorschuss des Klägers verrechnet. Der Fehlbetrag von CHF 9'150.– wird von der beklagten Partei nachgefordert.
	5. Die beklagte Partei wird verpflichtet, der klagenden Partei eine reduzierte Parteientschädigung von CHF 10'406.– (inklusive Kosten des Schlichtungsverfahrens) zu bezahlen. Zudem hat sie der klagenden Partei den Kostenvorschuss im Umfang von CHF 3'6...
	6. Der Vorschuss des Klägers für die Parteientschädigung im Betrag von CHF 11'520.– ist dem Kläger auszubezahlen.
	Berufungsanträge:
	Erwägungen:
	I.
	II.
	III.
	IV.

	Es wird erkannt:
	1. In Gutheissung der Berufung der Beklagten wird Dispositiv-Ziffer 2 des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich vom 27. November 2018 aufgehoben und durch folgende Anordnung ersetzt:
	"Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger jeweils
	CHF 7'917 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2004,
	CHF 8'461 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2005,
	CHF 9'131 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2006,
	CHF 7'945 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2007,
	CHF 12'115 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2008,
	CHF 12'800 plus Zins zu 5 % p.a. ab 1. Januar 2009
	zu bezahlen.
	Im Übrigen wird die Klage abgewiesen."
	2. Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 27. November 2018 wird bestätigt und Dispositiv-Ziffer 4-6 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 27. November 2018 werden aufgehoben.
	Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 27. November 2018 von CHF 18'300.00 (Entscheidgebühr) und CHF 692.50 (Barauslagen) werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt.
	Die Beklagte und Berufungsklägerin wird verpflichtet, dem Kläger und Berufungsbeklagten CHF 475.00 (an die Kosten des Schlichtungsverfahrens von CHF 950.00) zu bezahlen.
	3. Die zweitinstanzliche Entscheidgebühr wird auf CHF 3'350.00 festgesetzt und dem Kläger und Berufungsbeklagten auferlegt.
	4. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten und Berufungsklägerin eine Parteientschädigung von CHF 2'750.00 für das zweitinstanzliche Verfahren zu bezahlen.
	5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, an die Beklagte und Berufungsklägerin unter Beilage der Berufungsantwort (act. 128), sowie an das Bezirksgericht Zürich, je gegen Empfangsschein.
	6. Eine Beschwerde gegen diesen Entscheid an das Bundesgericht ist innert 30 Tagen  von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Beschwerde richten sich nach Art. 72 ff. ...