# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e63cebb0-0933-58d3-96d1-c17d3bb90f3f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.08.2011 C-3473/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-3473-2010_2011-08-19.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung III
C­3473/2010

U r t e i l   v om   1 9 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richterin Ruth Beutler (Vorsitz),
Richter Blaise Vuille, Richterin Marianne Teuscher,
Gerichtsschreiberin Barbara Kradolfer.

Parteien A._______,
vertreten durch Dr. iur. Alex Hediger, Advokat,
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Verweigerung der Zustimmung zur Verlängerung der 
Aufenthaltsbewilligung sowie Wegweisung.

C­3473/2010

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Am  13.  November  2001  ersuchte  die  Beschwerdeführerin  (geb.  1967, 
serbische  Staatsangehörige)  um  Bewilligung  der  Einreise  zu 
Besuchszwecken.  Das  Gesuch  wurde  am  18.  Dezember  2001  vom 
Bundesamt für Ausländerfragen (BFA, heute: BFM) gutgeheissen. Am 22. 
März 2003  reiste die Beschwerdeführerin erneut  in die Schweiz ein, um 
ihre Eltern zu besuchen. Die Gültigkeit des Visums wurde auf Gesuch hin 
bis zum 21. Juni 2003 verlängert. Am 2. Mai 2003 reichten ihre Eltern ein 
Gesuch  um  Aufenthaltsbewilligung  für  sie  ein,  das  am  1.  Juli  2003 
erstinstanzlich abgewiesen wurde. Am 25. September 2003 ersuchte die 
Beschwerdeführerin erneut um Bewilligung der Einreise. Dieses Gesuch 
wurde  angesichts  des  nach  wie  vor  hängigen  Gesuchs  um 
Aufenthaltsbewilligung vom Bundesamt für Zuwanderung, Integration und 
Auswanderung (IMES, heute BFM) mit Verfügung vom 30. Oktober 2003 
abgewiesen.

B. 
Die  Beschwerdeführerin  heiratete  am  10.  November  2003  im  Ausland 
einen  Landsmann  (geb.  1963),  der  in  der  Schweiz  über  eine 
Aufenthaltsbewilligung verfügte, woraufhin sie am 17. November 2003 um 
Bewilligung  der  Einreise  ersuchte.  Am  18.  November  2003  stellte  ihr 
Ehemann im Kanton Basel­Stadt ein Familiennachzugsgesuch. Nachdem 
er sich im Kanton Solothurn angemeldet hatte, wurde dieses Gesuch am 
27.  Dezember  2004  abgeschrieben.  Am  21.  März  2005  ersuchte  der 
Ehemann  bei  der  Migrationsbehörde  des  Kantons  Solothurn  um 
Familiennachzug  für  seine  Ehefrau  und  die  gemeinsame  Tochter  (geb. 
2004).

C. 
Mit  Schreiben  vom  19.  Mai  2005  teilte  die  Migrationsbehörde  des 
Kantons  Solothurn  dem  Ehemann  mit,  sie  erwäge  das 
Familiennachzugsgesuch abzulehnen. Es handle sich um die vierte Ehe 
innert  kurzer  Zeit,  so  dass  der  Verdacht  des  Rechtsmissbrauchs 
naheliege: Die ersten beiden Ehen hätten es  ihm ermöglicht, sich  in der 
Schweiz  aufzuhalten.  Für  die  dritte  Ehefrau  habe  er  ein 
Familiennachzugsgesuch  eingereicht,  das  er  dann  aber  zurückgezogen 
habe. Ein halbes Jahr nach der Scheidung von der dritten Ehefrau habe 
er  die  Beschwerdeführerin  geheiratet.  Zudem  erkundigte  sich  die 
Migrationsbehörde  nach  den  Umständen,  die  es  notwendig  gemacht 

C­3473/2010

Seite 3

hätten,  dass  die  beiden  Söhne  der  Beschwerdeführerin  aus  erster  Ehe 
bei ihren Grosseltern in der Schweiz lebten. In seiner Stellungnahme vom 
15.  Juni  2005  wies  der  Ehemann  den  Vorwurf  des  Rechtsmissbrauchs 
zurück  und  äusserte  sich  nicht  zu  den  Gründen,  die  es  notwendig 
gemacht  hätten,  die  beiden  Kinder  aus  erster  Ehe  der 
Beschwerdeführerin  durch  deren  Eltern  in  der  Schweiz  betreuen  zu 
lassen.

D. 
Am  29.  Juni  2005  teilte  die  solothurnische  Migrationsbehörde  dem 
Ehemann mit,  dass  dem  Familiennachzugsgesuch  entsprochen  werden 
könne und die zuständige Auslandvertretung ermächtigt worden sei, der 
Beschwerdeführerin  ein  Visum  auszustellen.  Daraufhin  reiste  die 
Beschwerdeführerin  am 6.  Juli  2005  zusammen mit  ihrer Tochter  in  die 
Schweiz  ein  und erhielt  eine Aufenthaltsbewilligung,  die  zuletzt  bis  zum 
30. Juni 2008 verlängert wurde. Dem Ehemann wurde am 19. Juli 2006 
eine Niederlassungsbewilligung  erteilt,  in  die  die  Tochter  des  Ehepaars 
miteingeschlossen wurde.

E. 
Am  1.  April  2008  ersuchte  die  Beschwerdeführerin  um  Erlaubnis,  im 
Kanton Basel­Stadt Wohnsitz zu nehmen (Kantonswechsel). Am 13. Mai 
2008  teilte  der Ehemann der Migrationsbehörde  des Kantons Solothurn 
mit, dass die Beschwerdeführerin ihn zusammen mit ihrer Tochter am 11. 
Februar 2008 verlassen habe und nach Basel gezogen sei. Er äusserte 
den Verdacht, dass die Beschwerdeführerin  ihn nur geheiratet habe, um 
in die Schweiz kommen zu können. Als Gründe nannte er unter anderen, 
dass  ihre Eltern und die Söhne aus erster Ehe  in Basel  lebten, dass sie 
sich bereits früher in der Schweiz aufgehalten habe und die Schweiz mit 
"Zwangsmethoden" verlassen habe.

F. 
Mit  Verfügung  vom  24.  Juli  2008  verfügte  der  Amtsgerichtspräsident 
Olten­Gösgen  betreffend  Eheschutz  unter  anderem,  dass  die 
Beschwerdeführerin  und  ihr  Ehemann  berechtigt  seien,  den 
gemeinsamen Haushalt aufzuheben, und stellte ferner fest, dass sie seit 
dem 11. Februar 2008 getrennt lebten. Die gemeinsame Tochter stellte er 
unter die elterliche Obhut der Mutter.

G. 
Mit  Verfügung  vom  3.  November  2008  wurde  das  Gesuch  der 

C­3473/2010

Seite 4

Beschwerdeführerin um Kantonswechsel vom Migrationsamt des Kantons 
Basel­Stadt  abgewiesen.  Gegen  diese  Verfügung  erhob  die 
Beschwerdeführerin Rekurs. Dieser wurde Entscheid  vom 31. Mai  2010 
abgewiesen und erwuchs in Rechtskraft.

H. 
Am  2.  Februar  2009  gewährte  die  Migrationsbehörde  des  Kantons 
Solothurn der Beschwerdeführerin  rechtliches Gehör  im Hinblick auf die 
Verlängerung der am 30. Juni 2008 abgelaufenen Aufenthaltsbewilligung. 
Mit  Schreiben  vom  24.  Februar  2009  nahm  die  Beschwerdeführerin 
Stellung  und  ersuchte  gleichzeitig  formell  um  Verlängerung  der 
Aufenthaltsbewilligung. Mit Verfügung vom 25. Juni 2009 erklärte sich die 
Migrationsbehörde  des  Kantons  Solothurn  bereit,  die 
Aufenthaltsbewilligung  der  Beschwerdeführerin  gestützt  auf  Art.  8  der 
Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) zu verlängern. Vorbehalten wurde 
die Zustimmung des BFM.

I. 
Am 26. Juni 2009 ersuchte die Migrationsbehörde des Kantons Solothurn 
das  BFM  um  Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung 
der Beschwerdeführerin.

J. 
Mit  Schreiben  vom  27.  Juli  2009  teilte  die  Vorinstanz  der 
Beschwerdeführerin mit, sie erwäge die Zustimmung zu verweigern, und 
räumte  ihr  die Möglichkeit  zur  Stellungnahme  ein.  Am  17. August  2009 
teilte  die  Beschwerdeführerin  der  Vorinstanz  mit,  ihres  Erachtens  habe 
sie Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gemäss Art. 50 
Abs.  1  Bst.  a  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die 
Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20).  Jedenfalls  habe  sie 
gute  Gründe  gehabt,  das  Getrenntleben  aufzunehmen.  Ihr  Ehemann 
habe  sie  insbesondere  in  psychischer  Hinsicht  misshandelt;  sie  sei 
gedemütigt  und  in  ihrer  Menschenwürde  verletzt  worden.  Sie  habe  im 
Frühjahr 2008 keinen anderen Ausweg gesehen, als mit ihrer Tochter zu 
ihren Eltern und zu  ihren beiden Söhnen nach Basel zu  fliehen. Bislang 
sei  in  der  Schweiz  kein  Scheidungsverfahren  eingeleitet  worden,  es 
könne daher nicht beurteilt werden, ob die Ehe endgültig gescheitert sei. 
Müsste  sie  die  Schweiz  verlassen,  könnte  der  Kontakt  zwischen  ihrem 
Ehemann  und  der  gemeinsamen  Tochter  nicht  so  intensiv  gepflegt 
werden.  Sie  sei  in  der  Schweiz  integriert,  ihr  ganzes  soziales  Netz – 

C­3473/2010

Seite 5

Eltern  und  erwachsene  Söhne  aus  erster  Ehe  –  befinde  sich  in  der 
Schweiz. In Serbien habe sie keine Verwandten mehr und wäre völlig auf 
sich allein gestellt.  In finanzieller Hinsicht sei sie unabhängig; sie könnte 
jederzeit  eine  Stelle  antreten,  sofern  ihre  Aufenthaltsbewilligung 
verlängert werde.

K. 
Mit  Verfügung  vom  9.  April  2010  verweigerte  die  Vorinstanz  die 
Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  der 
Beschwerdeführerin und wies sie aus der Schweiz weg. Sie begründete 
dies  im  Wesentlichen  damit,  dass  seit  der  gerichtlich  festgestellten 
Trennung per 11. Februar 2008 weder aufgrund von Art. 43 oder Art. 50 
AuG noch aufgrund von Art. 8 EMRK ein Anspruch auf Verlängerung der 
Aufenthaltsbewilligung  bestehe.  Zudem  sei  die  Verweigerung  der 
Zustimmung  zur  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  als 
verhältnismässig anzusehen. Als Folge davon sei die Beschwerdeführerin 
aus  der  Schweiz  wegzuweisen.  Hinderungsgründe  für  den  Vollzug  der 
Wegweisung verneinte die Vorinstanz.

L. 
Gegen  diese  Verfügung  erhob  der  Rechtsvertreter  namens  seiner 
Mandantin  am  14.  Mai  2010  Beschwerde.  Darin  beantragt  er  die 
Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Verlängerung  der 
Aufenthaltsbewilligung.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wird  um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ersucht. 

Zur Begründung  führt der Rechtsvertreter zunächst an, seine Mandantin 
habe  aufgrund  von  Art.  43  AuG  in  Verbindung  mit  Art.  49  AuG  einen 
Anspruch  auf  Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung.  Sie  habe  am 
10. November  2003  geheiratet.  Bisher  sei  in  der  Schweiz  kein 
Scheidungsverfahren  eingeleitet  worden,  obwohl  sie  sich  per  Mitte 
Februar  2008  von  ihrem Ehemann  getrennt  habe. Weiter  bestehe  auch 
ein Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung aufgrund von 
Art. 50 AuG, da die Ehegemeinschaft mehr als drei Jahre gedauert habe 
und  eine  erfolgreiche  Integration  bestehe.  Ferner  stehe  der 
Beschwerdeführerin  auch  aufgrund  von  Art.  8  EMRK  die  Verlängerung 
der  Aufenthaltsbewilligung  zu,  da  die  Tochter  über  eine 
Niederlassungsbewilligung  und  somit  über  ein  gefestigtes 
Anwesenheitsrecht  verfüge.  Da  die  Beziehung  der  Tochter  zu  beiden 
Elternteilen  und  insbesondere  diejenige  zum  nicht  obhutsberechtigten 
Vater in affektiver und wirtschaftlicher Hinsicht als eng anzusehen sei, sei 

C­3473/2010

Seite 6

diese  Beziehung  zu  schützen  und  als  wichtiger  persönlicher  Grund  zu 
betrachten. Diese Beziehung könnte nicht mehr aufrecht erhalten werden, 
würde  die  Beschwerdeführerin,  und  damit  auch  ihre  Tochter,  aus  der 
Schweiz weggewiesen.

M. 
Mit Verfügung vom 13. Juli 2010 wies das Bundeverwaltungsgericht das 
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab.

N. 
Mit  Vernehmlassung  vom  7.  September  2010  beantragt  die  Vorinstanz 
die Abweisung  der Beschwerde. Mit Hinweis  auf  die  bundesgerichtliche 
Rechtsprechung  führt  sie  ergänzend  zur  Begründung  in  der 
angefochtenen Verfügung aus, dass das Aufenthaltsrecht gemäss Art. 43 
AuG  dahinfällt,  sobald  die  Ehegatten  nicht  mehr  zusammenwohnen. 
Einzige Ausnahmen seien Art. 49 und Art. 50 AuG, deren Anforderungen 
im vorliegenden Fall  jedoch nicht  erfüllt  seien. Der Grad der  Integration 
sei bei der Ausübung des Ermessens bzw. bei der Berücksichtigung der 
öffentlichen  Interessen  und  der  persönlichen Verhältnisse  im Sinne  von 
Art.  96  AuG  zu  berücksichtigen.  Im  Rahmen  der  Prüfung  des 
Rechtsanspruchs  auf  Verlängerung  im  Sinne  von  Art.  50  AuG  könne 
daher die Frage offen bleiben, ob eine erfolgreiche  Integration  im Sinne 
von Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG vorliege.

O. 
In seiner Replik vom 22. November 2010 hält der Rechtsvertreter an den 
gestellten Anträgen fest. Nach Auffassung der Beschwerdeführerin stehe 
ihr sowohl gestützt auf Art. 43 AuG als auch gestützt auf Art. 50 AuG in 
Verbindung  mit  Art.  8  EMRK  ein  Anspruch  auf  Verlängerung  der 
Aufenthaltsbewilligung zu. Zudem sei bei korrekter Ermessensausübung 
gemäss Art. 96 AuG die Aufenthaltsbewilligung ebenfalls zu verlängern.

P. 
Der  Ehemann  der  Beschwerdeführerin  teilte  dem  Migrationsamt  des 
Kantons Basel­Stadt mit Schreiben vom 11. März 2011 mit, dass die Ehe 
durch ein serbisches Gericht am 6. Oktober 2010 geschieden worden sei.

Q. 
Mit  Schreiben  vom  12.  Mai  2011  gab  das  Migrationsamt  des  Kantons 
Basel­Stadt der Beschwerdeführerin Gelegenheit, sich dazu zu äussern, 
dass  sie  trotz  der  rechtskräftigen  Abweisung  ihres  Gesuches  um 

C­3473/2010

Seite 7

Kantonswechsel  nach wie  vor  im  Kanton  Basel­Stadt  wohnhaft  sei  und 
ihre  Tochter  dort  seit  dem  10.  August  2009  zur  Schule  gehe.  In  ihrer 
Antwort  vom  13.  Mai  2011  anerkannte  die  Beschwerdeführerin  ihren 
rechtswidrigen Aufenthalt im Kanton Basel­Stadt. Sie erklärte ihn mit den 
grossen  Schwierigkeiten  in  der  Ehe.  Sie  habe  die  Nähe  ihrer  Familie 
gesucht, um die Situation im Interesse ihrer kleinen Tochter durchstehen 
zu können.

R. 
Antragsgemäss  zog  das  Bundesverwaltungsgericht  neben  den  vorin­
stanzlichen  Akten  auch  diejenigen  der  Kantone  Solothurn  und  Basel­
Stadt bei.

Auf  den  weiteren  Akteninhalt  wird,  soweit  entscheiderheblich,  in  den 
Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht (BVGer) unter 
Vorbehalt  der  in  Art.  32  VGG  genannten  Ausnahmen  Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 
20. Dezember 1968  (VwVG, SR 172.021), die von einer  in Art. 33 VGG 
aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter fallen Verfügungen des 
BFM  betreffend  Zustimmung  zur  Erteilung  bzw.  Verlängerung  einer 
Aufenthaltsbewilligung  und  betreffend  Wegweisung.  Das  BVGer 
entscheidet  endgültig,  soweit  nicht  die  Beschwerde  in  öffentlich­
rechtlichen  Angelegenheiten  an  das  Bundesgericht  offen  steht  (vgl. 
Art. 83  Bst.  c  Ziff.  2  und  4  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Gemäss Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem BVGer nach 
dem VwVG, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt.

1.3.  Die  Beschwerdeführerin  ist  als  Verfügungsadressatin  zur 
Beschwerde  legitimiert  (vgl.  Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  frist­  und 
formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (vgl. Art. 49 ff. 
VwVG).

C­3473/2010

Seite 8

2. 
Mit  Beschwerde  an  das  BVGer  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht, 
einschliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens,  die 
unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen 
Sachverhaltes  und  –  sofern  nicht  eine  kantonale  Behörde  als 
Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die Unangemessenheit  gerügt werden 
(Art.  49  VwVG).  Das  BVGer  wendet  im  Beschwerdeverfahren  das 
Bundesrecht von Amtes wegen an. Es  ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG 
an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden  und  kann  die 
Beschwerde  auch  aus  anderen  als  den  geltend  gemachten  Gründen 
gutheissen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Rechts­ und 
Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Entscheides  (vgl.  BVGE  2007/41  E. 2 
und Urteil des BVGer A­2682/2007 vom 7. Oktober 2010 E. 1.2. und 1.3).

3. 
Die  Beschwerdeführerin  stellt  in  der  Beschwerdeschrift  verschiedene 
Beweisanträge  (Beizug  kantonaler  Akten  und  Akten  des 
Eheschutzverfahrens  sowie  Parteibefragung).  Das  BVGer  zog,  wie 
bereits  erwähnt,  neben  den  Akten  der  Vorinstanz  die  die 
Beschwerdeführerin  betreffenden  Akten  der  Kantone  Solothurn  und 
Basel­Stadt bei. Hingegen verzichtete es auf den Beizug der Akten des 
Eheschutzverfahrens, da die vorliegend rechtserheblichen Tatsachen aus 
der als Beschwerdebeilage 9 eingereichten Verfügung vom 24. Juli 2008 
bzw.  den  kantonalen  Akten  hervorgehen.  Was  den  Antrag  auf 
Parteibefragung  anbelangt,  so  ist  festzuhalten,  dass  das 
Beschwerdeverfahren  grundsätzlich  schriftlich  geführt  wird  (vgl. 
CHRISTOPH  AUER,  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum 
Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG],  Zürich  2008, 
Rz. 34  zu  Art. 12,  mit  Hinweisen;  PATRICK  L.  KRAUSKOPF/KATRIN 
EMMENEGGER,  in:  Praxiskommentar  VwVG,  Waldmann/Weissenberger 
[Hrsg.],  Zürich  2009,  Art. 12  N 105).  Die  Beschwerdeführerin  hatte  im 
Laufe des Beschwerdeverfahrens zweimal Gelegenheit, sich schriftlich zu 
äussern,  letztmals  am  22.  November  2010.  Es  ist  daher  davon 
auszugehen,  dass  sie  sich  zu  den  entscheiderheblichen  Tatsachen  im 
Rahmen  dieser  Eingaben  umfassend  geäussert  hat  und  so  ihrer 
Mitwirkungspflicht nachgekommen ist (vgl. Art. 12 VwVG). Der Antrag auf 
Parteibefragung ist deshalb abzuweisen.

4. 
Gemäss  Art.  40  AuG  sind  die  Kantone  zuständig  für  die  Erteilung  und 
Verlängerung  von  Bewilligungen.  Vorbehalten  bleibt  jedoch  die 

C­3473/2010

Seite 9

Zustimmung durch  das BFM. Diese  stützt  sich  im  vorliegenden Fall  auf 
Art. 99 AuG, Art. 85 Abs. 1 Bst. a der Verordnung vom 24. Oktober 2007 
über  Zulassung,  Aufenthalt  und  Erwerbstätigkeit  (VZAE,  SR  142.201) 
sowie die Weisungen des BFM im Ausländerbereich (Stand: 1. Juli 2009, 
im  Internet  einsehbar  unter:  www.bfm.admin.ch  >  Dokumentation  > 
rechtliche  Grundlage  >  Weisungen  und  Kreisschreiben  >  I. 
Ausländerbereich > 1. Verfahren und Zuständigkeiten). Letztere sehen in 
Ziffer 1.3.1.4 Bst. e vor, dass die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung 
nach  der  Auflösung  der  ehelichen  Gemeinschaft  mit  dem 
schweizerischen  oder  ausländischen  Ehegatten  oder  nach  dessen  Tod 
dem  BFM  zur  Zustimmung  zu  unterbreiten  ist,  falls  die  betroffene 
ausländische  Person  nicht  aus  einem Mitgliedstaat  der  EFTA  oder  der 
EG stammt.

5. 
5.1.  Gemäss  Art.  43  Abs.  1  AuG  haben  ausländische  Ehegatten  von 
Personen  mit  Niederlassungsbewilligung  Anspruch  auf  Erteilung  und 
Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung,  wenn  sie  mit  diesen 
zusammenwohnen.  Vom  Erfordernis  des  Zusammenwohnens  kann 
gemäss Art.  49  AuG  abgesehen werden,  wenn  für  getrennte Wohnorte 
wichtige  Gründe  geltend  gemacht  werden  und  die  Familien­  bzw. 
Ehegemeinschaft  weiter  besteht.  Als  wichtige  Gründe  können 
insbesondere  berufliche  Verpflichtungen  oder  eine  vorübergehende 
Trennung  wegen  erheblicher  familiärer  Probleme  gelten  (vgl.  Art.  76 
VZAE). Erhebliche familiäre Probleme sind beispielsweise dann gegeben, 
wenn ein  vorübergehender Aufenthalt  in einem Frauenhaus erfolgt oder 
wenn  ein  Ehegatte  zeitweise  aus  der  gemeinsamen  Wohnung 
weggewiesen wird  (vgl. ESTER S. AMSTUTZ  in: Caroni/Gächter/Thurnherr 
[Hrsg.],  Stämpflis  Handkommentar  zum  Bundesgesetz  über  die 
Ausländerinnen  und  Ausländer,  Bern  2010,  Art.  49  N 25,  MARC 
SPESCHA/HANSPETER THÜR/ANDREAS ZÜND/PETER BOLZLI, Migrationsrecht, 
2.  Aufl.,  Zürich  2009,  AuG 49  N. 3;  AMSTUTZ,  a.a.O.,  Art.  49  N. 20 f.). 
Entscheidend  ist  jedoch  bei  all  diesen  Gründen,  dass  die  eheliche 
Gemeinschaft weiter besteht, d.h. dass die Beziehung tatsächlich gelebt 
wird  und die  beiden Ehegatten  den Willen  zur Gemeinschaft  haben,  an 
den Bestand der Ehe glauben und an ihr festhalten (vgl. AMSTUTZ, a.a.O., 
Art. 49 N 29).

5.2. Nach Auflösung der Ehe oder Familiengemeinschaft – mitgemeint ist 
auch die eheliche Gemeinschaft – besteht der Anspruch auf Erteilung und 
Verlängerung  der  Aufenthaltsbewilligung  u.a.  nach  Art.  43  Abs.  1  AuG 

C­3473/2010

Seite 10

weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat 
und eine erfolgreiche Integration besteht (vgl. Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG) 
oder wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt  in der 
Schweiz erforderlich machen (vgl. Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG).

6. 
Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann wohnen unbestrittenermassen 
seit  dem  11.  Februar  2008  nicht  mehr  zusammen.  Die 
Beschwerdeführerin kann sich deshalb nicht mehr auf Art. 43 Abs. 1 AuG 
berufen. Aufgrund der Umstände kann nicht davon ausgegangen werden 
– und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht begründet dargelegt –, 
dass  Art.  49  AuG  zur  Anwendung  kommt.  Es  gibt  insbesondere  keine 
Hinweise  darauf,  dass  die  getrennten  Wohnsitze  Ausdruck 
vorübergehender  Schwierigkeiten  wären.  Aufgrund  der  Probleme,  die 
sich anhand der Akten  zeigen – gravierende Unstimmigkeiten  zwischen 
den Ehegatten, auch bezüglich des gemeinsamen Kindes, Trennung seit 
mehr als drei Jahren –  ist nicht davon auszugehen, dass die Ehegatten 
nach wie vor den Willen zur Weiterführung der Ehe hatten. Der von der 
Beschwerdeführerin mehrfach vorgebrachte Einwand, in der Schweiz sei 
bisher kein Scheidungsbegehren eingereicht worden, ist durch die am 6. 
Oktober 2010 in Serbien erfolgte Scheidung obsolet geworden.

7. 
Zu prüfen  ist hingegen, ob der Anspruch nach Art. 43 Abs. 1 AuG nach 
Auflösung  der  ehelichen Hausgemeinschaft  bzw.  der Ehe  aufgrund  von 
Art. 50 Abs.  1 AuG weiterbesteht. Die Vorinstanz  verneinte dies  sowohl 
unter  dem  Aspekt  von  Art.  50  Abs.  1  Bst.  a  AuG  als  auch  unter 
demjenigen von Art.  50 Abs.  1 Bst.  b AuG, den sie  insbesondere unter 
Berücksichtigung von Art. 8 EMRK beurteilte.

7.1.  Die  Beschwerdeführerin  macht  geltend,  die  Vorinstanz  sei  zu 
Unrecht  davon  ausgegangen,  die  eheliche  Gemeinschaft  habe  weniger 
als  drei  Jahre  gedauert.  Da  diese  von  der  Eheschliessung  am  10. 
November  2003  bis  zur  gerichtlich  festgestellten  Trennung  per  11. 
Februar  2008  gedauert  habe,  sei  davon  auszugehen,  dass  das 
Erfordernis einer dreijährigen ehelichen Gemeinschaft (vgl. Art. 50 Abs. 1 
Bst. a AuG) erfüllt sei.

Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Nicht die Dauer der Ehe ist 
ausschlaggebend,  sondern  der  Zeitraum,  den  das Ehepaar  in  ehelicher 
Gemeinschaft  in  der  Schweiz  zusammengewohnt  hat  (vgl.  BGE  136  II 

C­3473/2010

Seite 11

113  E. 3.3  mit  Hinweisen,  bestätigt  in  BGE  2C_784/2010  vom  26.  Mai 
2011 E 3.1.3). Das eheliche Zusammenwohnen dauerte im vorliegenden 
Fall  somit  längstens  zwei  Jahre  und  rund  sieben  Monate  (von  der 
Einreise  der  Beschwerdeführerin  am  6. Juli  2005  bis  zur  gerichtlich 
festgestellten  Trennung  der  Ehegatten  per  11. Februar  2008).  Art.  50 
Abs.  1  Bst.  a  findet  daher  im  vorliegenden  Fall  keine  Anwendung.  Im 
Rahmen  dieser  Bestimmung  kommt  es  daher  auf  die  behauptete 
Integration – die ein kumulativ zu erfüllendes Kriterium wäre – nicht mehr 
an. 

7.2. Gemäss Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG besteht der Anspruch unabhängig 
von der bisherigen Dauer der ehelichen Gemeinschaft auch nach deren 
Auflösung  weiter,  wenn  wichtige  persönliche  Gründe  einen  weiteren 
Aufenthalt  in  der  Schweiz  erforderlich  machen.  Wichtige  persönliche 
Gründe  können  namentlich  vorliegen,  wenn  der  betreffende  Ehegatte 
Opfer  häuslicher Gewalt  wurde  und  die  soziale Wiedereingliederung  im 
Herkunftsland stark gefährdet erscheint  (vgl. Art. 50 Abs. 2 AuG), wobei 
diese beiden Bedingungen nicht kumulativ erfüllt sein müssen (vgl. BGE 
136  II 1  E.  5.3).  Anspruchsbegründend  können  aber  auch  sonstige 
wichtige persönliche Gründe sein, da Art. 50 Abs. 1 Bst. b AuG bewusst 
auf  eine  abschliessende Aufzählung  der Gründe  verzichtet.  Auch  die  in 
Art. 31  Abs. 1  VZAE  genannten,  aber  nicht  erschöpfenden  Kriterien 
können  für  die  Beurteilung  eines  Härtefalls  herangezogen  werden  (vgl. 
BGE 2C_784/2010 vom 26. Mai 2011 E. 3.2.3, BGE 137 II 1 E. 4.1).

7.2.1.  Im  Zusammenhang  mit  den  in  Art.  50  Abs.  2  AuG  aufgeführten 
Beispielen  für  wichtige  persönliche  Gründe  machte  die 
Beschwerdeführerin einerseits im Beschwerdeverfahren im Kanton Basel­
Stadt  in  Sachen  Verweigerung  des  Kantonswechsels  geltend,  Opfer 
physischer  Gewalt  und  des  ehewidrigen  Verhaltens  des  Ehemannes 
geworden zu sein  (vgl. Rekursschrift vom 8. Januar 2009). Andererseits 
führte  sie  gegenüber  der  Vorinstanz  aus,  in  psychischer Hinsicht Opfer 
häuslicher  Gewalt  geworden  zu  sein.  Die  Vorinstanz  hat  sich  in  der 
angefochtenen Verfügung mit diesen Vorbringen auseinandergesetzt und 
sie  als  unglaubwürdig  erachtet.  Auf  Beschwerdeebene  greift  die 
Beschwerdeführerin dieses Thema nicht wieder auf. Allerdings beschreibt 
sie  die Umstände des  ehelichen Zusammenlebens  ausführlich  in  einem 
Schreiben  vom  13. Mai  2011  an  die  Migrationsbehörde  des  Kantons 
Basel­Stadt.  Die  dort  geschilderten  Verhältnisse  erscheinen  allerdings 
nicht  so  schwerwiegend,  dass  sich  daraus  die  Unzumutbarkeit  der 
Weiterführung der ehelichen Gemeinschaft ergeben könnte und deshalb 

C­3473/2010

Seite 12

von einem wichtiger Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 Bst. b und Abs. 2 
AuG auszugehen wäre (vgl. BGE 136 II 5 E. 5.3).

7.2.2.  Im  Hinblick  auf  den  zweiten  in  Art.  50  Abs.  2  AuG  genannten 
möglichen  wichtigen  Grund,  die  starke  Gefährdung  der  sozialen 
Wiedereingliederung im Herkunftsland, kam die Vorinstanz zum Schluss, 
dass eine derartige Gefahr nicht drohe. Die Beschwerdeführerin sei noch 
nicht sehr lange in der Schweiz, habe in ihrem Heimatland die prägenden 
Kindheits­  und  Jugendjahre  verbracht  und  die  Landessprache  sei  ihre 
Muttersprache.  Sie  könne  sich  deshalb  ohne  Weiteres  dort  wieder 
integrieren. Ferner  sei  sie gesund und könne aufgrund  ihrer  beruflichen 
Erfahrung  selbst  in  einem  Land  mit  schwierigen  wirtschaftlichen 
Bedingungen Fuss fassen. Zudem stünden ihr auch nach ihrer Rückkehr 
die monatlichen Zahlungen ihres Ehemannes in der Höhe von Fr. 1'850.­ 
zur  Verfügung.  Es  sei  nicht  glaubhaft,  dass  die  Beschwerdeführerin  in 
ihrem  Heimatland  über  kein  soziales  Netz  verfüge,  das  sie  nach  ihrer 
Rückkehr unterstützen könne. Schliesslich habe sie bis zu  ihrer Einreise 
in die Schweiz als alleinerziehende Mutter dort gelebt, zu einer Zeit, als 
ihre Eltern und Söhne aus erster Ehe bereits in der Schweiz lebten.

Auf  Beschwerdeebene  geht  die  Beschwerdeführerin  auf  die 
Argumentation der Vorinstanz nicht substantiiert ein. Sie beschränkt sich 
darauf  zu wiederholen,  dass  ihr  soziales Netz  –  Eltern  und  ihre  beiden 
erwachsenen  Söhne  –  sich  in  der  Schweiz  befinde,  wohingegen  sie  in 
Serbien  keinerlei Kontakte mehr pflege. Damit  kann sie die eingehende 
und überzeugende Argumentation der Vorinstanz nicht entkräften.

7.2.3.  Im  Rahmen  von  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  sind  den  Interessen 
gemeinsamer Kinder Rechnung  zu  tragen,  soweit  eine  enge Beziehung 
zu ihnen besteht und sie in der Schweiz gut integriert scheinen (vgl. BGE 
2C_784/2010  vom  26.  Mai  2011  E. 3.2.2  am  Ende;  Urteil  des 
Bundesgerichts  2C_830/2010  vom  10.  Juni  2011  E. 3.1.3 mit  Hinweis). 
Die  Tochter  der  Beschwerdeführerin  steht  unter  deren  elterlicher Obhut 
und  verfügt  über  eine Niederlassungsbewilligung.  Es  stellt  sich  deshalb 
die Frage  des  sogenannten  "umgekehrten Familiennachzugs",  dem das 
Bundesgericht  in  seiner  jüngeren Rechtsprechung  in  Bezug  auf  die mit 
dem  Bürgerrecht  verbundenen  Ansprüche  von  Schweizer  Kindern 
grösseres Gewicht beigemessen hat. Allerdings hat das Bundesgericht es 
kürzlich  abgelehnt,  diese  Praxis  auf  aufenthaltsberechtigte  oder 
niedergelassene  ausländische  Kinder  auszudehnen  (vgl.  BGE 
2C_328/2010  vom  19. Mai  2011  E. 4.2  mit  Hinweisen;  Urteil  des 

C­3473/2010

Seite 13

Bundesgerichts 2C_830/2010 vom 10. Juni 2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 
Handelt  es  sich  nicht  um  ein  Kind  mit  Schweizer  Bürgerrecht,  genügt 
deshalb  die Zumutbarkeit  der Ausreise  des Kindes  für  einen Entscheid, 
der dem sorge­ bzw. obhutsberechtigten Elternteil den weiteren Verbleib 
in  der  Schweiz  verweigert.  Die  Möglichkeit  der  Ausübung  des 
Besuchsrechts  des  in  der  Schweiz  anwesenheitsberechtigten  anderen 
Elternteils  ist  dabei  sachgerecht  mitzuberücksichtigen  (vgl.  BGE 
2C_328/2010 vom 19. Mai 2011 E. 4.2.3 mit Hinweisen).

7.2.4. Die Tochter der Beschwerdeführerin ist mittlerweile sechs Jahre alt 
und  wurde  offenbar  für  das  Schuljahr  2011/2012  eingeschult. 
Erfahrungsgemäss sind Kinder in diesem Alter  in ihrer Lebensgestaltung 
noch  weitgehend  von  ihren  Bezugspersonen,  vorliegend  also  in  erster 
Linie von der obhutsberechtigten Mutter, abhängig und haben sich noch 
kein  eigenständiges  Lebensumfeld  gebildet.  Es  ist  deshalb  davon 
auszugehen,  dass  die  Tochter  über  die  Beziehung  zu  ihrer  erweiterten 
Familie  (Mutter,  Grosseltern,  Halbgeschwister)  und  dem  Besuchsrecht 
des Vaters hinaus noch über keine schutzwürdigen Beziehungen verfügt. 
Insofern ist es ihr ohne Weiteres zuzumuten, die Schweiz zusammen mit 
ihrer Mutter zu verlassen, auch wenn hier auch noch ihre Grosseltern und 
die erwachsenen (Halb­)Brüder leben. 

7.2.5. Die Beziehung zwischen Tochter und Vater kann vorliegend nicht 
als  besonders  eng  angesehen  werden.  Zum  Einen  leben  sie  seit  der 
Trennung der Eltern  im Jahre 2008 nicht mehr  in Familiengemeinschaft. 
Zum  Anderen  hat  es  offenbar  Probleme  mit  der  Ausübung  des 
Besuchsrechts  gegeben,  so  dass  dieses  eine  Zeitlang  nur  begleitet 
ausgeübt  werden  konnte  (vgl.  Schreiben  der  Beschwerdeführerin  vom 
24. Februar 2009 an die Migrationsbehörde des Kantons Solothurn). Am 
29. Juli  2009  wurde  mit  Hilfe  der  Abteilung  Kindes­  und  Jugendschutz 
eine Vereinbarung getroffen, die wöchentliche Besuche von acht Stunden 
vorsah.  Ferner  wurden  die  Eltern  darin  befugt,  "je  nach  Reaktion  [des 
Kindes]  […]  individuelle  Lösungen  einer  Wiederannäherung  alleiniger 
Unternehmungen zwischen der Tochter und dem Vater zu beschliessen, 
insbesondere eine mögliche Verkürzung der allein verbrachten Zeit oder 
der  Fortsetzung  einer  (teilweisen)  Begleitung  durch  die Mutter."  Zudem 
kam  der  Vater  offenbar  seiner  Verpflichtung  zur  Zahlung  von 
Unterhaltsbeiträgen auch nicht anstandslos nach, da diese mittels eines 
Lohnabzugs  gesichert  werden  mussten,  wie  aus  der  Verfügung  des 
Amtsgerichtspräsidenten Olten­Gösgen vom 13. Januar 2009 hervorgeht. 
Unter  diesen  Umständen  erscheint  es  für  die  Tochter  keineswegs 

C­3473/2010

Seite 14

unzumutbar,  die  Schweiz  zusammen mit  ihrer Mutter  zu  verlassen  und 
die Beziehung zu ihrem Vater vom Ausland her zu pflegen.

7.3.  Auch  der  Beizug  der  weiteren  Kriterien  zur  Beurteilung  des 
Vorliegens  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalles,  wie  sie  in 
Art. 31 Abs. 1 VZAE beispielhaft aufgeführt sind, führt zu keinem anderen 
Schluss.  Insbesondere  hat  die  Beschwerdeführerin  zu  Klagen  Anlass 
gegeben (vgl. Art. 31 Abs. 1 Bst. a und b VZAE), indem sie sich nicht an 
die  behördliche  Anweisung  gehalten  hat,  den  Kanton  Basel­Stadt  zu 
verlassen  und  in  den Kanton Solothurn  zurückzukehren  (vgl.  Schreiben 
des  Migrationsamts  Basel­Stadt  vom  12.  Mai  2011  [Gewährung 
rechtliches Gehör] und die Antwort der Beschwerdeführerin vom 13. Mai 
2011).  Was  ihre  Integration  in  wirtschaftlicher  und  sozialer  Hinsicht 
anbelangt,  so  entspricht  diese  dem,  was  normalerweise  nach  einem 
Aufenthalt  von  rund  sechs  Jahren  und  unter  Berücksichtigung  der 
Erziehungsarbeit zu erwarten ist, geht aber nicht darüber hinaus (vgl. Art. 
31  Abs.  1  Bst.  a  und  d  VZAE).  Die Dauer  des  Aufenthalts  ist  nicht  als 
besonders  lang  anzusehen  (vgl.  Art.  31  Abs. 1  Bst.  e  VZAE),  und  der 
Gesundheitszustand  der  Beschwerdeführerin  steht  einer  Rückkehr  ins 
Heimatland nicht entgegen (vgl. Art. 31 Abs. 1 Bst. f VZAE).

7.4. Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist demnach festzuhalten, dass 
die Beschwerdeführerin sich nicht auf besondere Gründe gemäss Art. 50 
Abs.  1  Bst.  b  AuG  berufen  kann,  die  einen  weiteren  Aufenthalt  in  der 
Schweiz erforderlich machen.

8. 
Die  Beschwerdeführerin  beruft  sich  schliesslich  ausdrücklich  auf  Art.  8 
EMRK, der den Schutz des Familien­ und Privatlebens garantiert. Soweit 
sie  sich  dabei  auf  ihre  Beziehung  zu  ihrer  Tochter,  die  über  eine 
Niederlassungsbewilligung  verfügt,  beruft,  ist  auf  die  ausführlichen 
Erwägungen  weiter  oben  zu  verweisen  (E.  7.2.3  –  7.2.5).  Mit  Blick  auf 
den  Teilbereich  des  Privatlebens  ist  den  Ausführungen  der 
Beschwerdeführerin  zu  entnehmen,  dass  sich  ihr  gesamtes  soziales 
Beziehungsnetz  in  der  Schweiz  befindet  und  sie  angeblich  in  Serbien 
über  keine  Kontakte mehr  verfügt. Gemäss  der Rechtsprechung  bedarf 
es  jedoch  besonders  intensiver,  über  eine  normale  Integration 
hinausgehender  privater  Bindungen  gesellschaftlicher  oder  beruflicher 
Natur, damit der Schutzbereich des Privatlebens betroffen  ist (vgl. die  in 
BGE  137  II  1  nicht  veröffentlichte  E. 5  des  Urteils  des  Bundesgerichts 
2C_411/2010  vom  9.  November  2010  mit  Hinweisen).  Im  vorliegenden 

C­3473/2010

Seite 15

Fall sind keine solch intensiven Beziehungen der Beschwerdeführerin zur 
Schweiz ersichtlich (vgl. dazu die Ausführungen oben, insb. E. 7.3).

9. 
Die Beschwerdeführerin besitzt somit keinen Anspruch auf Verlängerung 
der Aufenthaltsbewilligung,  sei  es  gestützt  auf  Landesrecht  (vgl. Art.  50 
Abs.  1  Bst.  a  AuG  [dreijährige  eheliche  Hausgemeinschaft  und 
erfolgreiche  Integration]  oder  Art.  50  Abs.  1  Bst.  b  AuG  [wichtige 
persönliche Gründe]) oder auf  internationales Recht  (vgl. Art.  8 EMRK). 
Dafür, dass die Vorinstanz innerhalb des Beurteilungsspielraums der Art. 
18  –  30  AuG  einen  fehlerhaften  Ermessensentscheid  getroffen  haben 
könnte,  bestehen  keine  Anhaltspunkte;  insbesondere  wäre  in  diesem 
Rahmen  auch  keine  Härtefallregelung  nach  Art.  30  Abs.  1  Bst.  b  in 
Betracht  gekommen.  Dass  die  Vorinstanz  die  Zustimmung  zur 
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigert hat, ist daher nicht zu 
beanstanden.

10. 
10.1.  Als  gesetzliche  Folge  der  nicht  mehr  verlängerten 
Aufenthaltsbewilligung  hat  die  Beschwerdeführerin  die  Schweiz  zu 
verlassen  (vgl. Art.  64 Abs. 1 Bst.  c AuG). Es bleibt aber zu prüfen, ob 
Hinderungsgründe  für  den  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegen  und  das 
BFM die vorläufige Aufnahme hätte anordnen müssen (vgl. Art. 83 Abs. 1 
AuG). 

10.2. Der Vollzug ist nicht möglich, wenn die ausländische Person weder 
in den Heimat­ oder den Herkunftsstaat noch in einen Drittstaat ausreisen 
oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AuG); der Vollzug  ist 
nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer 
Weiterreise der ausländischen Person in den Heimat­, Herkunfts­ oder in 
einen Drittstaat entgegenstehen  (Art.  83 Abs. 3 AuG); der Vollzug kann 
für  die  betroffene  ausländische  Person  unzumutbar  sein,  wenn  sie  in 
Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer 
Notlage im Heimat­ oder Herkunftsland konkret gefährdet ist (Art. 83 Abs. 
4 AuG).

10.3. Umstände, die den Vollzug der Wegweisung unmöglich, unzulässig 
oder  unzumutbar  erscheinen  liessen,  werden  weder  konkret  geltend 
gemacht, noch sind solche aus den Akten ersichtlich.

C­3473/2010

Seite 16

11. 
Aus  diesen  Darlegungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  im 
Ergebnis  nicht  zu  beanstanden  ist.  Die  Beschwerde  ist  daher 
abzuweisen.

12. 
Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  der 
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 
ff.  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]).

(Dispositiv S. 16)

C­3473/2010

Seite 17

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  800.­  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Sie sind durch den geleisteten Kostenvorschuss gedeckt.

3. 
Dieses Urteil geht an:

– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde)
– die  Vorinstanz  (gegen  Empfangsbestätigung;  Akten  Ref­Nr.  […] 

zurück)
– das Migrationsamt des Kantons Basel­Stadt (Akten zurück)
– den Kanton Solothurn, Migration und Schweizer Ausweise (Akten Ref­

Nr. […] zurück)

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Ruth Beutler Barbara Kradolfer

C­3473/2010

Seite 18

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen 
Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des 
Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, 
deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu 
enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit 
sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).

Versand: