# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c0b698e5-257f-5bbe-bf95-d9cdf19af2e7
**Source:** Wettbewerbskommission ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Hoch- und Tiefbauleistungen Engadin VII: Verfügung vom 2.10.2017
**Docket/Reference:** Verf%C3%BCgung_Engadin_VII_Publikation
**URL:** https://www.weko.admin.ch/dam/weko/de/dokumente/2018/Verf%C3%BCgung_Engadin_VII_Publikation.pdf.download.pdf/Verf%C3%BCgung_Engadin_VII_Publikation.pdf

## Full Text

Wettbewerbskommission WEKO 
Commission de la concurrence COMCO 
Commissione della concorrenza COMCO 
Competition Commission COMCO 

Verfügung  
vom 2. Oktober 2017 

Fassung für die Publikation 

in Sachen 
Untersuchung gemäss Artikel 27 des Bundesgesetzes über Kartelle und andere Wettbe-
werbsbeschränkungen vom 6. Oktober 1995 (Kartellgesetz [KG]; SR 251) 
betreffend 

22-0464: Hoch- und Tiefbauleistungen 
Engadin VII ([Bauprojekt 1]) 

wegen unzulässiger Wettbewerbsabreden gemäss Art. 5 Abs. 3 und Art. 5 Abs. 1 KG 

Gegen 

1.  Bezzola Denoth AG, Fond 235, 7550 Scuol, 

vertreten durch RA Dr. Gerald Brei, Eversheds Sutherland AG, 
Stadelhoferstrasse 22, 8001 Zürich 

2.  D. Martinelli AG, Via San Gian 46, 7500 St. Moritz 

vertreten durch RA Dr. Seraina Denoth, Fischer Rechtsanwälte 
GmbH, Selnaustrasse 6, 8001 Zürich 

3.  Nicol. Hartmann & Cie. AG, Via Surpunt 56, 7500 St. Moritz, 
vertreten durch RA Benno Burtscher, Advokaturbüro, Hinterm 
Bach 6, Postfach 72, 7001 Chur 

Besetzung 

Vincent Martenet (Präsident, Vorsitz), 
Andreas Heinemann, Armin Schmutzler (Vizepräsidenten), 
Florence Bettschart-Narbel, Winand Emons, Andreas Kellerhals, 
Pranvera Këllezi, Rudolf Minsch, Martin Rufer, Henrique 
Schneider, Danièle Wüthrich-Meyer 

22-00039/COO.2101.111.3.283720 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Inhaltsverzeichnis 

A 
Verfahren .................................................................................................................... 3 
A.1  Gegenstand der Untersuchung .................................................................................... 3 
A.2  Untersuchungsadressatinnen ...................................................................................... 3 
Bezzola Denoth AG, Scuol ...................................................................................... 3 
A.2.1 
D. Martinelli AG, St. Moritz ...................................................................................... 3 
A.2.2 
A.2.3 
Nicol. Hartmann & Cie. AG, St. Moritz ..................................................................... 3 
A.3  Verfahrensgeschichte .................................................................................................. 3 

B 
Sachverhalt ................................................................................................................ 6 
B.1  Vorbemerkungen zum Beweis ..................................................................................... 6 
Beweiswürdigung und Beweismass ........................................................................ 6 
B.1.1 
B.1.2 
Verwertbarkeit der Aussagen von Martinelli vom 30. Oktober 2015 ......................... 7 
B.2  Beweisthema ............................................................................................................... 8 
B.3  Beweismittel ................................................................................................................ 9 
Urkunden ................................................................................................................ 9 
B.3.1 
Auskünfte von Parteien ......................................................................................... 10 
B.3.2 
Auskünfte von Dritten ............................................................................................ 11 
B.3.3 
B.4  Beweiswürdigung ....................................................................................................... 13 
Konsens ................................................................................................................ 13 
B.4.1 
Verfolgter Zweck ................................................................................................... 16 
B.4.2 
Rolle der Beteiligten .............................................................................................. 17 
B.4.3 
B.4.4 
Umsetzung und Auswirkungen .............................................................................. 18 
B.5  Beweisergebnis ......................................................................................................... 19 

C 
Erwägungen ............................................................................................................. 19 
C.1  Geltungsbereich ......................................................................................................... 19 
Persönlicher Geltungsbereich ............................................................................... 19 
C.1.1 
Verfügungsadressatinnen...................................................................................... 19 
C.1.2 
C.1.3 
Sachlicher Geltungsbereich ................................................................................... 20 
C.1.4  Örtlicher und zeitlicher Geltungsbereich ................................................................ 20 
C.2  Vorbehaltene Vorschriften ......................................................................................... 20 
C.3  Unzulässige Wettbewerbsabrede............................................................................... 20 
C.3.1  Wettbewerbsabrede .............................................................................................. 20 
C.3.2  Qualifikation der Wettbewerbsabreden .................................................................. 23 
Relevanter Markt ................................................................................................... 24 
C.3.3 
Abrede zwischen Bezzola Denoth und Martinelli: Beseitigung des wirksamen 
C.3.4 
Wettbewerbs ......................................................................................................... 25 
Abrede zwischen Bezzola Denoth und Hartmann: Erhebliche Beeinträchtigung des 
Wettbewerbs ......................................................................................................... 26 
C.4  Massnahmen ............................................................................................................. 28 
Anordnung von Massnahmen ................................................................................ 28 
C.4.1 
Sanktionierung ...................................................................................................... 29 
C.4.2 
Ergebnis ................................................................................................................ 35 
C.4.3 

C.3.5 

D 

E 

Kosten  ..................................................................................................................... 35 

Dispositiv ................................................................................................................. 37 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

2 

 
 
 
 
 
A 

Verfahren 

A.1  Gegenstand der Untersuchung 

1.  Gegenstand  der  vorliegenden  Untersuchung  bildet  die  Frage,  ob  die  Bezzola  Denoth 
AG, Scuol, die D. Martinelli AG, St. Moritz, sowie die Nicol. Hartmann & Cie. AG, St. Moritz, in 
Bezug auf die Ausschreibung [Bauprojekt 1] im Jahr […] eine unzulässige Wettbewerbsabrede 
gemäss Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 Bst. a und c KG1 getroffen haben. 

A.2 

Untersuchungsadressatinnen 

A.2.1  Bezzola Denoth AG, Scuol  

2. 
Die Bezzola Denoth AG (nachfolgend: Bezzola Denoth) mit Sitz in Scuol ist seit 2005 im 
Handelsregister  eingetragen  und  bezweckt  demnach  die  Übernahme  und  Ausführung  von 
Hoch- und Tiefbauten aller Art sowie den Handel mit Baumaterialien.  

A.2.2  D. Martinelli AG, St. Moritz 

Die D. Martinelli AG (nachfolgend: Martinelli) mit Sitz in St. Moritz ist seit 2004 im Han-
3. 
delsregister eingetragen und bezweckt demnach den Betrieb einer Bauunternehmung, eines 
Gipsergeschäftes sowie den Handel und die Verwaltung von Immobilien. Martinelli beschäftigt 
ca. 80 Mitarbeitende. 

A.2.3  Nicol. Hartmann & Cie. AG, St. Moritz 

4. 
Die Nicol.  Hartmann & Cie.  AG  (nachfolgend:  Hartmann) mit  Sitz  in  St. Moritz  ist  seit 
1954  im  Handelsregister  eingetragen  und  bezweckt  demnach  den  Betrieb  einer  Hoch-  und 
Tiefbauunternehmung. Sie verfügt zudem über eine Zweigniederlassung in Chur. Hartmann 
beschäftigt 180 bis 200 Personen.  

A.3 

Verfahrensgeschichte 

5. 
Am 30. Oktober 2012 eröffnete das Sekretariat der Wettbewerbskommission (nachfol-
gend: Sekretariat) im Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsidiums der Wettbewerbskom-
mission (nachfolgend: WEKO) gegen 19 Unternehmen der Baubranche im Unterengadin eine 
Untersuchung nach Art. 27 ff. KG, namentlich auch gegen Bezzola Denoth. Vom 30. Oktober 
bis 1. November 2012 führte es an insgesamt 13 Standorten Hausdurchsuchungen durch, u.a. 
auch bei Bezzola Denoth. 

6. 
Am 9. November 2012 reichte Bezzola Denoth eine Selbstanzeige gemäss Art. 49a Abs. 
2 KG i.V.m. Art. 1 Bst. b sowie Art. 8 ff. SVKG2 in Bezug auf das Unterengadin3 ein. Am 4. De-
zember 2012 ergänzte Bezzola Denoth ihre Bonusmeldung auch betreffend das vorliegende 

1   Bundesgesetz  vom 6.10.1995 über Kartelle und andere Wettbewerbsbeschränkungen (Kartellge-

setz, KG; SR 251). 

2   Verordnung  vom  12.3.2004  über  die  Sanktionen  bei  unzulässigen  Wettbewerbsbeschränkungen 

(KG-Sanktionsverordnung, SVKG; SR 251.5). 

3   Act. IX.C.003 (25-0039). Die Akten des vorliegenden Verfahrens setzen sich aus den Akten bis und 
mit der Verfahrenstrennung vom 23. November 2015 (Aktenverzeichnis  22-0433) und den  Akten 
nach der Verfahrenstrennung (Aktenverzeichnis 22-0464) zusammen. Ist bei der Angabe der     Ak-
tenstücke (Act.) kein Hinweis auf das Aktenverzeichnis vermerkt, sind diese  im Aktenverzeichnis 
22-0433 erfasst. Die Nummer der Selbstanzeigedossiers (25er) wurde ebenfalls angegeben. 

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3 

 
 
 
 
                                                
  
Projekt.4 Am 1. Februar 2013 reichte Bezzola Denoth eine weitere Ergänzung der Selbstan-
zeige ein, u.a. auch betreffend das vorliegende Projekt.5 

7. 
Am 22. April und am 23. April 2013 dehnte das Sekretariat die Untersuchung in örtlicher 
Hinsicht auf den gesamten Kanton Graubünden und in persönlicher Hinsicht auf weitere Un-
ternehmen aus und führte weitere Hausdurchsuchungen durch. 

Am 26. Oktober 2015 wurde [Mitarbeiter A], Bezzola Denoth, im Rahmen der Selbstan-

8. 
zeige der Bezzola Denoth zum vorliegenden Untersuchungsgegenstand befragt.6  

Das Sekretariat führte am 30. Oktober 2015 mit [Mitarbeiter C], Martinelli,7 und [Mitar-

9. 
beiter E], Hartmann, 8 je eine Einvernahme durch.  

10.  Mit  Zwischenverfügung vom  23.  November  2015  dehnte  das  Sekretariat  die  Untersu-
chung 22-0433: Bauleistungen Graubünden im Einvernehmen mit einem Mitglied des Präsidi-
ums der WEKO auf Hartmann9 und Martinelli10 aus und trennte anschliessend die Untersu-
chung „22-0464: Hoch- und Tiefbauleistungen Engadin VII“ von der Untersuchung „22-0433: 
Bauleistungen Graubünden“ ab.11  

11. 
[Unternehmen Q] wurde bereits am […] 2014 aufgelöst. Entsprechend wurde die Unter-
suchung  22-0433:  Bauleistungen  Graubünden  nicht  gegen  diese  Gesellschaft  ausgedehnt. 
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit wurde ebenfalls auf eine Verfahrensausdehnung auf 
die fortbestehende […] Muttergesellschaft, die […], verzichtet.  

12.  Am 15. März 2016 wurde [Architekt X] des [Architekturbüros Y] als Zeuge einvernom-
men.12 Vertreter der Hartmann wohnten dieser Zeugeneinvernahme bei. Im Nachgang zu der 
Zeugeneinvernahme  reichte  [Architekt  X]  einen  Offertvergleich  der  eingereichten  Offerten 
ein.13  

13.  Am 7. Juni 2016 stellte das Sekretariat den Verfahrensparteien die Verfahrensakten (mit 
Ausnahme der Selbstanzeigeakten) auf einem gesicherten Server der Bundesbehörden zur 
Einsicht bereit.14  

14.  Mit Schreiben vom 11. August 2016 informierte das Sekretariat die Verfahrensparteien, 
welche Unternehmen Selbstanzeige eingereicht haben. Weiter informierte es, wie in die ent-
sprechenden Selbstanzeigedossiers eingesehen werden kann.15 

15.  Am  21.  November  2016  verfügten  die  Wettbewerbsbehörden  eine  Verwendungsbe-
schränkung in Bezug auf die elektronisch versendeten Beilagen der Selbstanzeigedossiers. 

16.  Am  12.  Dezember  2016  verfügten  die  Wettbewerbsbehörden  eine  Verwendungsbe-
schränkung in Bezug auf die Einsicht in die eigentlichen Selbstanzeigen in den Räumlichkeiten 
des Sekretariats.  

4   Act. IX.C.027, pag. 19 (25-0039). 
5   Act. IX.C.035, pag. 60 (25-0039). 
6   Act. IX.C.060 (25-0039). 
7   Act. IV.028. 
8   Act. IV.027. 
9   Act. I.528. 
10   Act. I.513. 
11   Act. I.513 und I.528. 
12   Act. 17 (22-0464). 
13   Act. 18 (22-0464). 
14   Act. 21 (22-0464). 
15   Act. 22-24 (22-0464). 

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17. 
Am  29.  März  2017  stellte  das  Sekretariat  den  Parteien  den  Antrag  an  die Wettbe-
werbskommission (nachfolgend: WEKO) gemäss Art. 30 Abs. 2 KG zur Stellungnahme zu.16 
Es  beantragte  im  Wesentlichen,  dass  Bezzola  Denoth  wegen  Beteiligung  an  einer  gemäss 
Art. 5 Abs. 3 i.V.m. Abs. 1 KG unzulässigen Wettbewerbsabrede mit einer Sanktion im Sinne 
von Art. 49a Abs. 1 KG von CHF […] zu belasten sei. Martinelli sei mit einem Betrag von CHF 
[…] und Hartmann mit einem Betrag von CHF […] zu belasten. 

18.  Zeitnah gewährte das Sekretariat auf elektronischem Weg Einsicht in diejenigen Verfah-
rensakten, welche seit dem 7. Juni 2016 neu ins Dossier aufgenommen worden waren.17 Die 
Einsicht in die Beilagen zu den Selbstanzeigen erfolgte am 30. März 2017 durch Versand der 
elektronischen Aktenverzeichnisse.18 Zudem hatten die Verfahrensparteien die Gelegenheit, 
ab 3. April 2017 in die eigentlichen Selbstanzeigen vor Ort in den Räumlichkeiten des Sekre-
tariats einzusehen. Die Martinelli nahm am 31. Mai 2017 in den Räumlichkeiten des Sekreta-
riats Einsicht in die Selbstanzeigen19, Bezzola Denoth am 20. April 201720. 

19.  Mit Eingabe vom 13. Juni 201721 nahm Martinelli zum Antrag des Sekretariats Stellung. 
Sie wünschte keine Anhörung vor der WEKO. In ihrer Stellungnahme stellte Martinelli folgende 
Anträge: 

1. 

2. 

3. 

Die Untersuchung gegen D. Martinelli AG sei einzustellen; 

D. Martinelli AG sei keine Sanktion gemäss Art. 49a Abs. 1 KG aufzuerlegen; 

D. Martinelli AG seien keine Kosten aufzuerlegen. 

20.  Mit  Eingabe vom  14.  Juni  201722  nahm  Bezzola  Denoth  zum  Antrag  des  Sekretariats 
Stellung und wünschte eine Anhörung durch die WEKO. Bezzola Denoth wurde am 4. Sep-
tember 2017 durch die WEKO angehört. Dabei wurde sie durch [Mitarbeiter B] [Funktion], [Mit-
arbeiter A] [Funktion] und ihren Rechtsvertreter vertreten.23 

21. 
In ihrer Stellungnahme vom 14. Juni 2017 sowie an der Anhörung vom 4. September 
2017 beantragte Bezzola Denoth, dass ihr die Sanktion im vorliegenden Verfahren vollständig 
zu erlassen sei, eventualiter sei der Basisbetrag tiefer anzusetzen und eine niedrigere Sank-
tion auszusprechen. Auf die einzelnen Vorbringen von Bezzola Denoth wird – soweit geboten 
– an entsprechender Stelle in der Verfügung näher eingegangen. 

22.  Mit Eingabe vom 14. Juni 201724 nahm Hartmann zum Antrag des Sekretariats Stellung 
und wünschte eine Anhörung durch die WEKO. In ihrer Stellungnahme beantragte sie, dass 
das Verfahren gegen sie einzustellen sei. Zudem beantragte sie, dass [Architekt Z] als Zeuge 
einzuvernehmen sei. Auf die einzelnen Vorbringen von Hartmann wird – soweit geboten – an 
entsprechender Stelle in der Verfügung näher eingegangen. 

23.  Aufgrund des Beweisantrags von Hartmann stellte das Sekretariat im Auftrag des Präsi-
denten der WEKO [Architekt Z] ein Auskunftsbegehren zu.25 Die Parteien hatten die Möglich-
keit, vorgängig Ergänzungsfragen zu stellen,26 wovon Hartmann mit Eingabe vom 19. Juli 2017 

16   Act. 40 bis 42 (22-0464). 
17   Act. 43 (22-0464). 
18   Act. 44 (22-0464). 
19   Act. 55 (22-0464). 
20   Act. 46 (22-0464). 
21  Act. 56 (22-0464). 
22   Act. 58 (22-0464). 
23   Act. 87 (22-0464). 
24   Act. 57 (22-0464). 
25   Act. 68 (22-0464). 
26   Act. 63 (22-0464). 

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Gebrauch machte27. In seiner Auskunft vom 28. Juli 201728 bestätigte [Architekt Z] die Einrei-
chung einer „Richtofferte“ durch Hartmann (siehe dazu näher Rz 53). Mit Schreiben vom 15. 
August 2017 zog Hartmann ihren Beweisantrag betreffend die Befragung von [Architekt Z] als 
Zeugen zurück.29  

Im Auftrag des Präsidenten der WEKO versandte das Sekretariat sodann Auskunftsbe-
24. 
gehren an die Bauleitung, die […]30, sowie an den Bauherrn, […]31. Auf diese Auskünfte von 
Dritten wird hiernach näher eingegangen (Rz 54 und 55).  

25.  Hartmann wurde am 18. September 2017 durch die WEKO angehört. Dabei wurde sie 
durch [Mitarbeiter F] [Funktion], [Mitarbeiter D] [Funktion], [Mitarbeiter E] [Funktion] und ihren 
Rechtsvertreter vertreten.32 Sie hielt an ihren Anträgen vom 14. Juni 2017 fest. Zudem reichte 
sie  diverse  neue  Dokumente  ein33,  um  zu  belegen,  dass  der  erzielte  Endpreis  von  Bezzola 
Denoth ein Wettbewerbspreis gewesen sei. Insbesondere habe sich Bezzola Denoth verpflich-
tet, […] zu kaufen und einen WIR-Anteil zu übernehmen. Auf die einzelnen Vorbringen  von 
Hartmann wird – soweit geboten – an entsprechender Stelle in der Verfügung näher einge-
gangen. 

26.  Die Akteneinsicht wurde den Parteien durch die elektronische Zustellung des Aktenver-
zeichnisses vom 5. Juli 201734, 23. August 201735, 6.36 und 19. September 201737 gewährt.  

27.  Nach Beratung fällte die WEKO am 2. Oktober 2017 den vorliegenden Entscheid.  

B 

Sachverhalt 

B.1 

Vorbemerkungen zum Beweis 

B.1.1  Beweiswürdigung und Beweismass 

28.  Auf das Untersuchungsverfahren sind die Bestimmungen des Verwaltungsverfahrens-
gesetzes (VwVG)38 anwendbar, soweit das Kartellgesetz nicht davon abweicht (Art. 39 KG). 
Auch im Kartellverwaltungsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 39 
KG i. V. m. Art. 19 VwVG und Art. 40 BZP39). Der Beweis einer Tatsache ist im Allgemeinen 
erbracht, wenn die Wettbewerbsbehörden nach objektiven Gesichtspunkten von deren Ver-
wirklichung überzeugt sind. Die Verwirklichung der Tatsache braucht nicht mit Sicherheit (also 
ohne Zweifel) festzustehen, sondern es genügt, wenn allfällige Zweifel unerheblich erschei-
nen.40  Bloss  abstrakte  und  theoretische  Zweifel  sind  nicht  massgebend,  weil  solche  immer 

27   Act. 64 (22-0464). 
28   Act. 70 (22-0464). 
29   Act. 76 (22-0464). 
30   Act. 78 und 80 (22-0464). 
31   Act. 79 (22-0464). 
32   Vgl. Protokoll der Anhörung Act. 89 (22-0464). 
33   Vgl. Beilagen 1 bis 6 des Anhörungsprotokolls, Act. 89 (22-0464). 
34   Act. 62 (22-0464). 
35   Act. 84 (22-0464). 
36   Act. 88 (22-0464). 
37   Act. 90 (22-0464). 
38   Bundesgesetz  vom  20.12.1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (Verwaltungsverfahrensgesetz, 

VwVG; SR 172.021). 

39   Bundesgesetz vom 4.12.1947 über den Bundeszivilprozess (BZP; SR 273). 
40   Urteil des BVGer B-8430/2010 vom 23.9.2014, E. 5.3.2 f., Paul Koch AG/WEKO; Urteil des BVGer 
B-8399/2010 vom 23.9.2014, E. 4.3.2 f., Siegenia-Aubi AG/WEKO; vgl. auch etwa Urteil des BGer 

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6 

 
 
 
 
                                                
möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss sich um erhebliche 
und unüberwindliche Zweifel handeln, d.h. um solche, die sich nach der objektiven Sachlage 
aufdrängen.41 Hinsichtlich bestimmter Tatsachen, namentlich komplexer wirtschaftlicher Sach-
verhalte, sind im Einklang mit der Rechtsprechung keine überspannten Anforderungen an das 
Beweismass zu stellen. Vielmehr schliesst die Komplexität wirtschaftlicher Sachverhalte, ins-
besondere die vielfache und verschlungene Interdependenz wirtschaftlich relevanten Verhal-
tens, eine strikte Beweisführung regelmässig aus.42 Diesen Grundsätzen ist im Rahmen der 
nachfolgenden Ausführungen zum Sachverhalt Rechnung zu tragen. 

B.1.2  Verwertbarkeit der Aussagen von Martinelli vom 30. Oktober 2015 

29. 
In ihrer Stellungnahme vom 13. Juni 2017 bringt Martinelli vor, dass die Wettbewerbs-
behörden im Zusammenhang mit der Einvernahme von [Mitarbeiter C], [Funktion bei] Marti-
nelli, ihre Verfahrensrechte verletzt haben. Konkret führt sie aus, dass [Mitarbeiter C] berech-
tigterweise  davon  ausgegangen  sei,  dass  er  als  „Zeuge“  aussagen  werde.  Es  sei  ihm  zu 
diesem Zeitpunkt nicht bewusst gewesen, dass die Aussagen, die er gemacht habe, gegen 
Martinelli verwendet werden könnten. Darauf hätte er hingewiesen werden müssen. Über das 
vorgeworfene Verhalten habe Martinelli erst an der Einvernahme vom 30. Oktober 2015 Kennt-
nis  erhalten.  Verfahrensrechtlich  verstosse  dies  gegen  das  Recht,  über  eine  Beteiligung  in 
einem Verfahren in Kenntnis gesetzt zu werden und genügend Zeit zur Vorbereitung der Ver-
teidigung zu erhalten. Die Aussagen von [Mitarbeiter C] vom 30. Oktober 2015 seien unzuläs-
sig erlangte Beweise und dürften im vorliegenden Verfahren nicht verwertet werden.43 

30.  Weder das Kartellgesetz noch das VwVG kennt eine Bestimmung zu den Beweisverwer-
tungsverboten. Wann im Rahmen von Einvernahmen erhobene Beweismittel nicht verwertet 
werden dürfen, ist daher anhand der verfassungs- und völkerrechtlichen Prinzipien, allgemei-
ner Rechtsgrundsätze und allenfalls durch Analogien zu anderen Rechtsgebieten zu beurtei-
len. Damit ein Beweisverwertungsverbot überhaupt zur Diskussion stehen kann, ist allerdings 
vorausgesetzt, dass die Behörde die fraglichen Beweismittel rechtswidrig erlangt hat.44 Hat die 
Behörde bei der Erhebung rechtskonform gehandelt, das heisst sämtliche Normen der Rechts-
ordnung beachtet, scheidet das Vorliegen eines Beweisverwertungsverbots zum Vornherein 
aus. Im Folgenden ist daher zu beurteilen, ob die Wettbewerbsbehörden im Zusammenhang 
mit der fraglichen Einvernahme vom 30. Oktober 2015 gegen Rechtsnormen verstossen ha-
ben.45 Solche Rechtsnormen können im Gesetz oder im Verfassungs- und Völkerrecht veran-
kert sein. 

31.  Mit Schreiben vom 18. September 2015 lud die Behörde [Mitarbeiter C] im vorliegenden 
Verfahren  vor,  für  Martinelli  auszusagen.46  Nach  Hinweisen  zur  Verfahrensgeschichte  und 
zum Verfahrensgegenstand wies sie darauf hin, dass die Untersuchung nicht gegen Martinelli 
eröffnet worden sei. Es könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass das Verfahren ge-
gen Martinelli auszudehnen sei. Im Rahmen der Untersuchungsermittlungen führe das Sekre-
tariat daher eine Einvernahme mit Martinelli als allfällig von der Untersuchung betroffene Un-
ihr  Recht,  eine 
ternehmung  durch.  Weiter  orientierte  die  Behörde  Martinelli  über 

2A.500/2002  vom  24.3.2003,  E.  3.5;  RPW  2009/4,  341  Rz  15,  Submission  Betonsanierung  am 
Hauptgebäude der Schweizerischen Landesbibliothek (SLB).  

41   Vgl. z.B. BGE 124 IV 86, E. 2a. 
42   BGE 139 I 72, 91 E. 8.3.2 (RPW 2013/1, 126 f. E. 8.3.2), Publigroupe SA et al./WEKO; Urteil des 
BVGer B-8430/2010 vom 23.9.2014, E. 5.3.7, Paul Koch AG/WEKO; Urteil des BVGer B-8399/2010 
vom 23.9.2014, E. 4.3.7, Siegenia-Aubi AG/WEKO; je m.w.H. 

43   Act. 56, Rz 67 ff. (22-0464). 
44   Vgl. SEBASTIAN LUBIG, Beweisverwertungsverbote im Kartellverfahrensrecht der Europäischen Ge-
meinschaft, eine Untersuchung zu den gemeinschaftsrechtlichen Grenzen einer Beweisverwertung 
in behördlichen Kartellverfahren, 2007, 28. 

45   Vgl.  zu  diesem  Prüfschritt  im  Zusammenhang  mit  Beweisverwertungsverboten  auch  Urteil  des 

BVGer A-7342/2008 und A-7426/2008 vom 5.3.2009, E. 8.3. 

46   Act. I.351 (22-0433). 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

7 

 
 
 
 
                                                
Rechtsvertreterin  oder  einen  Rechtsvertreter  beizuziehen.  Auf  den  Gegenstand  der  Einver-
nahme wies die Behörde wie folgt hin: 

„Gegenstand der Einvernahme werden mögliche Wettbewerbsverstösse in der Baubranche im 
Engadin bilden, insbesondere im Zusammenhang mit dem [Bauprojekt 1] in […] aus dem Jahr 
[…].“ 

32.  Anlässlich der Einvernahme vom 30. Oktober 201547 wiederholte das Sekretariat einlei-
tend diese Hinweise zur Stellung von Martinelli im Verfahren, zu deren Recht auf Rechtsbei-
stand sowie zum Gegenstand der Einvernahme. Zudem belehrte es [Mitarbeiter C] wie folgt 
über sein Aussageverweigerungsrecht: 

„Sie sind  nicht  verpflichtet,  Aussagen  zu machen.  Sie haben  das  Recht,  die Aussage  ohne 
Begründung generell oder mit Bezug auf einzelne Fragen zu verweigern. Wenn Sie Aussagen 
machen, werden diese protokolliert und können als Beweismittel verwendet werden.“ 

33.  Bei dieser Sachlage ist nicht ersichtlich, inwiefern die Behörde im Zusammenhang mit 
der strittigen Einvernahme Rechtsvorschriften verletzt haben soll. Insbesondere stellte sie eine 
ordnungsgemässe Vorladung aus, orientierte die befragte Person über den konkreten Befra-
gungsgegenstand und belehrte sie über ihre Rechte, insbesondere betreffend das Aussage-
verweigerungsrecht (vgl. nemo-tenetur-Grundsatz). Hierzu ist beizufügen, dass das Verfahren 
zum damaligen Zeitpunkt noch nicht gegen Martinelli ausgedehnt worden war, aber dies zum 
Zeitpunkt der Einvernahme nicht ausgeschlossen werden konnte. Dies teilte die Behörde Mar-
tinelli sowohl in der Vorladung als auch anlässlich der Einvernahme explizit mit. Aufgrund ihrer 
Stellung im Verfahren gewährte die Behörde Martinelli sämtliche Rechte, die auch einer Partei 
zugestanden  hätten  (analog  der  Stellung  einer  Auskunftsperson 
im  Strafverfahren; 
vgl. Art. 178 ff. StPO). 

34.  Damit handelte die Behörde im Zusammenhang mit der strittigen Einvernahme im Ein-
klang mit sämtlichen Rechtsnormen. Rechtskonform erlangte Beweismittel können zum Vorn-
herein nicht mit einem Beweisverwertungsverbot belegt sein. Die Aussagen von [Mitarbeiter 
C] vom 30. Oktober 2015 dürfen im vorliegenden Verfahren verwendet werden. 

35. 
Im Folgenden werden zunächst das Beweisthema und die in Bezug auf die vorgeworfene 
Verhaltensweise vorhandenen Beweismittel beschrieben. Anschliessend wird die konkrete Be-
weislage anhand dieser Beweismittel gewürdigt, bevor schliesslich das Beweisergebnis fest-
gehalten wird. 

B.2 

Beweisthema 

36. 
Im Folgenden ist in tatsächlicher Hinsicht zu prüfen, ob zwischen Bezzola Denoth, Mar-
tinelli und Hartmann übereinstimmende wirkliche Willenserklärungen vorlagen, ihre Angebote 
bezüglich des [Bauprojekt 1] aus dem Jahr […] zu koordinieren (Vorliegen eines natürlichen 
Konsenses). Ist dies zu bejahen, sind folgende Sachverhaltsfragen zu prüfen: 

 

 

 

welchen Zweck Bezzola Denoth, Martinelli und Hartmann mit der Angebotskoordination 
verfolgten (Rz 71); 

welche Rollen die einzelnen Unternehmen im Zusammenhang mit der Angebotskoordi-
nation ausübten (Rz 74 ff.); 

ob sich Bezzola Denoth, Martinelli und Hartmann tatsächlich entsprechend ihrem Kon-
sens  über  die  Angebotskoordination  verhielten  und  welche  Auswirkungen dieses  Ver-
halten ggf. zur Folge hatte (Rz 83 ff.). 

47   Act. IV.028 (22-0433). 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

8 

 
 
 
 
                                                
B.3 

Beweismittel 

37.  Zur Beurteilung der vorgeworfenen Verhaltensweise stützt sich die Behörde auf folgende 
Beweismittel: 

B.3.1  Urkunden 

E-Mail vom […] von [Mitarbeiter A] an [Mitarbeiter C] 

38.  Es liegt eine E-Mail vom […] von [Mitarbeiter A], Bezzola Denoth an [Mitarbeiter C], Mar-
tinelli mit dem Betreff „[Bauprojekt 1]“ mit dem folgenden Inhalt vor:48  

„Hallo [Vorname Mitarbeiter C]. 

Im Anhang die entsprechenden SIA Dateien. 
[…] sollte falls alles i.o. ist eine Summe von Fr. […] netto inkl. MwSt. ergeben. 

[Bauprojekt 1] eine Summe von Fr. […] netto inkl. MwSt. 

Du bist mit dieser Eingabe ca. 3.5% über unserem Preis. 

Danke  für  deine  Bemühungen.  Freu  mich  jedes  Mal  etwas  von  Dir  zu  hören.  Kurze 
Gedanken an […]. 

[Vorname Mitarbeiter A]“ 

E-Mail vom […] von [Mitarbeiter A] an [sekretariat@hartmann-bau.ch] 

39.  Es liegt eine E-Mail vom […] von [Mitarbeiter A], Bezzola Denoth an Sekretariat der Hart-
mann mit dem Betreff „[Bauprojekt 1]“ mit dem folgenden Inhalt vor:49 

„Im Anhang gemäβ Absprache mit [Mitarbeiter E] die entsprechende SIA. 

Eingabe Netto inkl. MwSt. Fr. […] 

Mit freundlichen Grüβen 

[Mitarbeiter A]“ 

E-Mail vom […] von [Mitarbeiter A] an [Mitarbeiter des Unternehmens Q] 

40.  Es liegt eine E-Mail vom […] von [Mitarbeiter A] an [Mitarbeiter des Unternehmens Q] 
mit dem Betreff „[Bauprojekt 1]“ mit dem folgenden Inhalt vor:50  

„Hallo [Vorname Mitarbeiter des Unternehmens Q].  
Im Anhang wie besprochen das entsprechende Dokument als PDF. Ihr könnt die Of-
ferte genau dementsprechend eingeben. Alle Preise angepasst und differenziert. Mit 
dieser Eingabe seid ihr bereits ca. 1.5 % unter unserer Eingabe….also bitte keine zu-
sätzlichen Abgebote….. 

Herzlichen Dank für eure Bemühungen. 

Hat mich gefreut mal gemeinsam mit euch an einem Tisch zu sitzen und wesentliches 
und auch weniger wichtiges zu besprechen. 

48   Act. IX.C.035, pag. 36 (25-0039). 
49   Act. III.D.096; Act. IX.C.035, pag. 37 (25-0039). 
50   Act. III.D.097. 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

9 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
                                                
Nehme an wir finden bei Gelegenheit wohl auch mal gemeinsame Wege. 

Gruβ [Vorname Mitarbeiter A]“ 

B.3.2  Auskünfte von Parteien 

Eingabe von Bezzola Denoth vom 4. Dezember 2012 und vom 1. Februar 2013 

Im Rahmen ihrer Kooperation mit den Wettbewerbsbehörden zeigte Bezzola Denoth das 

41. 
vorliegende Projekt an. Sie gab als Bemerkung betreffend dieses Bauobjekt an: […].51  

42.  Mit der Ergänzung der Selbstanzeige vom 1. Februar 2013 reichte Bezzola Denoth zwei 
E-Mails vom […] an Martinelli und an Hartmann ein (Rz 38 f.). Die E-Mail an Hartmann wurde 
auch anlässlich der Hausdurchsuchung bei Bezzola Denoth beschlagnahmt.52  

Aussage der Bezzola Denoth vom 26. Oktober 2015 

43.  Anlässlich  der  mündlichen  Ergänzung  der  Bonusmeldung  der  Bezzola  Denoth  vom 
26. Oktober 2015 sagte [Mitarbeiter A] aus, dass er nicht wisse, ob Martinelli und Hartmann 
bei dem vorliegenden Projekt eingegeben hätten. Die beiden Unternehmen hätten eine Ein-
gabe von ihm erhalten. Es handle sich nicht um die Offerte von Bezzola Denoth, sondern um 
überarbeitete Offerten, welche  jeweils  die  Martinelli  und die Hartmann eingeben  sollten.  Es 
habe aber keine gemeinsame Sitzung mit Martinelli und Hartmann stattgefunden.53 Auf Nach-
frage des Sekretariats sagte [Mitarbeiter A] in Bezug auf die E-Mail an [Unternehmen Q] aus, 
dass er seine Offerte per E-Mail an [Mitarbeiter des Unternehmens Q] gesendet habe, wohl 
auf dessen Aufforderung hin. [Unternehmen Q] sei lediglich im Tiefbau tätig und somit keine 
Markt-Teilnehmerin.  [Unternehmen  Q]  sei  nicht  im  Hochbau  tätig  gewesen  und  habe  somit 
kein Interesse gehabt, ein derartiges Hochbauprojekt auszuführen. 

Aussage der Hartmann vom 30. Oktober 2015 

44. 
[Mitarbeiter E], Hartmann, sagte in Bezug auf das [Bauprojekt 1] aus, dass Hartmann 
kein Interesse gehabt habe, im Unterengadin zu offerieren bzw. zu bauen. Da sie zum ersten 
Mal  im  Oberengadin  für  [Architekt  X]  aus  […]  habe  bauen  dürfen,  habe  die  Hartmann  eine 
„Richtofferte“  für  das  vorliegende  Bauobjekt  eingereicht.  Dies  habe  sie  in  der  Hoffnung  ge-
macht, auch zukünftig mit [Architekt X] zusammenarbeiten zu dürfen. Sie habe dem Architek-
ten aber ganz klar gesagt, dass das Unterengadin für die Hartmann kein Markt sei. Die Hart-
mann verfüge nicht mehr über die Offertunterlagen und könne daher nicht beweisen, dass es 
sich um eine „Richtofferte“ gehandelt habe.54  

45.  Gemäss [Mitarbeiter E] habe [Mitarbeiter A], Bezzola Denoth, erfahren, dass die Hart-
mann gerechnet und ihn angerufen habe. Er habe [Mitarbeiter A] ganz klar gesagt, dass der 
Markt im Unterengadin aufgrund betriebswirtschaftlicher Überlegungen für ihn nicht interes-
sant sei. Dementsprechend habe [Mitarbeiter A] auch gewusst, dass die Hartmann kein Inte-
resse an diesem Bauobjekt habe.55 Gemäss [Mitarbeiter E] sei es aber nicht darum gegangen, 
dass Hartmann habe höher eingeben sollen als Bezzola Denoth oder sie Bezzola Denoth habe 
„Schutz“ gewähren sollen.56 Wieso [Mitarbeiter A] ihm eine Eingabesumme bekannt gegeben 
habe, wisse er nicht.57 Die Hartmann habe die von [Mitarbeiter A] gemailte Offerte in Bezug 
auf die Preise kontrolliert und eine Offerte in Höhe von CHF […] (inkl. MWST) eingereicht. Sie 
habe keine Kontakte mit weiteren Unternehmen betreffend dieses Projekt gehabt. 

51   Act. IX.C.027, pag. 19 (25-0039). 
52   Act. III.D.096. 
53   Act. IX.C.060, Zeilen 403 ff. (25-0039). 
54   Act. IV.027, Zeilen 124 ff. 
55  Act. IV.027, Zeilen 145 ff. 
56   Act. IV.027, Zeilen 149 ff. 
57   Act. IV.027, Zeilen 138–140. 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

10 

 
 
 
 
 
 
                                                
Aussage der Martinelli vom 30. Oktober 2015 

46. 
[Mitarbeiter C], Martinelli, sagte aus, dass er sich nicht erinnern könne, ob die Martinelli 
für dieses Projekt eingegeben habe. Falls dies der Fall gewesen wäre, sei die E-Mail an ihn 
vom […] als „Schutz“ zugunsten Bezzola Denoth zu verstehen. Er habe in seinen Unterlagen 
keine entsprechende Offerte gefunden.58 Auf die Frage hin, wer die Initiative zum Versand der 
E-Mail  vom  […]  ergriffen  habe,  erwiderte  [Mitarbeiter  C],  dass  er  dies  nicht  wisse  (vgl.  zur 
Verwertbarkeit der Aussagen von [Mitarbeiter C] Rz 29 ff. hiervor). 

Anhörung der Bezzola Denoth durch die WEKO vom 4. September 2017 

47.  An der Anhörung vom 4. September 2017 gab [Mitarbeiter A], Bezzola Denoth, bezüglich 
„Richtofferten“ Folgendes zu Protokoll: Als er Hartmann im […] eine Offerte zugestellt habe, 
habe er keine Kenntnis davon gehabt, dass Hartmann der Bauherrschaft eine „Richtofferte“ 
einreichen würde. Ihm sei lediglich bekannt gewesen, dass Hartmann kein Interesse an der 
Ausführung des Projekts gehabt habe. „Richtofferten“ seien in der Baubranche nicht unüblich 
und würden sowohl der Kostenschätzung vor der Ausschreibung als auch der Überprüfung in 
der Ausschreibungsphase, ob die Preise marktkonform seien, dienen. In beiden Konstellatio-
nen würden die entsprechenden Eingaben als „Richtofferte“ bezeichnet. Den Terminus „Über-
prüfungsofferte“ gebe es nicht.59  

Anhörung der Hartmann durch die WEKO vom 18. September 2017 

48. 
[Mitarbeiter D] [Funktion] sagte vor der WEKO aus, dass er in Bezug auf das [Bauprojekt 
1] persönlich Kontakt mit [Architekt Z] auf einer gemeinsamen Baustelle gehabt habe.60 Hin-
gegen habe er diesbezüglich keine Kontakte mit der Bauleitung bzw. mit dem Bauherrn ge-
habt, da Hartmann kein Interesse an der Ausführung des Projekts gehabt habe. Es habe kei-
nen Anlass gegeben, einen entsprechenden Austausch zu suchen. Bei den Abgebotsrunden 
sei Hartmann nicht eingeladen worden. Im Zusammenhang mit dem strittigen Projekt habe er 
auch keinen Kontakt mit der Bezzola Denoth gehabt. Als Bezzola Denoth am […] Hartmann 
die E-Mail betreffend das das [Bauprojekt 1] geschickt habe, sei er in den Ferien gewesen. Er 
habe die „Richtofferte“ selbständig gerechnet, die Offerte sei zu 95% fertig gewesen. Da er 
anschliessend ferienabwesend gewesen sei, sei [Mitarbeiter E] [Funktion] beauftragt worden, 
die „Richtofferte“ zu finalisieren und einzureichen.  

49. 
[Mitarbeiter E] hielt an seiner Aussage fest, dass Bezzola Denoth Hartmann die E-Mail 
vom […] unaufgefordert versandt habe.61 Er sei überrascht gewesen, dass „so etwas“ gekom-
men  sei.  Eine  Erklärung könne  darin  bestehen,  dass  Bezzola  Denoth  Hartmann  kontaktiert 
habe, weil sie oft im Rahmen von Subunternehmensverhältnissen zusammen gearbeitet hät-
ten. [Mitarbeiter E] habe zwar die E-Mail von Bezzola Denoth evaluiert, aber bei der „Richtof-
ferte“ der Hartmann habe es sich um eine „neutrale“ eigene „Richtofferte“ gehandelt. Die er-
haltenen  Informationen  von  Bezzola  Denoth  hätten  keinen  Einfluss  auf  die  Kalkulation  der 
„Richtofferte“ von Hartmann gehabt.62  

B.3.3  Auskünfte von Dritten 

Zeugenaussage von [Architekt X] vom 15. März 2016 

50. 
[Architekt X], der verantwortliche Architekt, sagte aus, dass ihm nicht bekannt sei, dass 
er die Hartmann um eine „Richtofferte“ angefragt habe. Auch habe er keine Kenntnis davon, 

58   Act. IV.028, Zeilen 156-175. 
59   Act. 87; Zeilen 29 ff. (22-0464). 
60   Act. 89, Zeilen 35 ff. (22-0464). 
61   Act. 89, Zeilen 102 ff. (22-0464). 
62   Act. 89, Zeilen 110 ff. (22-0464). 

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11 

 
 
 
 
 
 
                                                
dass die Hartmann ihm gesagt hätte, dass sie kein Interesse an diesem Bauobjekt im Unteren-
gadin gehabt habe, ausser, sie hätte es seinem Sohn gesagt. Sein Sohn sei […] ebenfalls im 
Architekturbüro tätig gewesen. In der Phase des Kostenvoranschlags könne der Architekt eine 
„Richtofferte“ verlangen, d.h. eine unverbindliche Offerte. Die Phase des Kostenvoranschlags 
wäre aber sicher ein halbes Jahr vor der Ausschreibung gewesen. Wenn die  Hartmann bei 
diesem  Projekt  von  sich  aus  als  „Richtofferte“  eingegeben  habe,  wäre  dies  deren  Problem 
gewesen.  Bei  diesem  Projekt  seien  alle  Unternehmen  im  Unterengadin  (mit  Ausnahme  der 
Firma  […])  eingeladen  worden.  Aufgrund  der  Termine  seien  nur  Grossunternehmen  in  der 
Lage gewesen, dieses Projekt auszuführen.63  

51.  Gemäss den von [Architekt X] per E-Mail am 16. März 2016 nachgelieferten Informatio-
nen64 hätten die fünf folgenden Unternehmen eine Offerte eingereicht (vgl. den entsprechen-
den Offertvergleich der Bauleitung betreffend [Bauprojekt 1]): 

Eingereichte Offertsumme  
(inkl. MWST) in CHF65 

Bezzola Denoth, Scuol 

[Keine Verfahrenspartei] 

[Unternehmen Q] 

Hartmann Nicol., St. Moritz 

Martinelli, St. Moritz 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

52.  Der Zuschlag erging schliesslich zu einem Preis in der Höhe von CHF […] an Bezzola 
Denoth.  

Auskunft von [Architekt Z] vom 28. Juli 2017 

53. 
[Architekt Z], der Sohn von [Architekt X], bestätigte, dass Hartmann für das vorliegende 
Projekt  sowohl  im  […]  (betreffend  […])  als  auch  im  […]  (betreffend  […])  eine  „Richtofferte“ 
eingereicht habe. Es habe eine mündliche Abmachung mit [Mitarbeiter D] von Hartmann be-
standen. Er verfüge diesbezüglich aber über keine Belege. Zudem würden „Richtofferten“ nicht 
immer als solche vermerkt.66  

Auskünfte der Bauleitung vom 21. und 22. August 2017 

54.  Weder […] noch […], welche für die Bauleitung und Ausschreibung des Projekts zustän-
dig waren, hätten nach ihren schriftlichen Angaben  Kenntnis davon gehabt, dass Hartmann 
eine „Richtofferte“ eingereicht habe. Sie seien davon ausgegangen, dass es sich bei den fünf 
eingereichten Angeboten (inkl. demjenigen von Hartmann) um verbindliche Offerten gehandelt 
habe, welche in die Auswahl der Anbieter eingehen sollten und bei Annahme durch den Bau-
herrn zum Vertragsabschluss geführt hätten.67 

Auskunft der Bauherrschaft vom 22. August 2017 

63   Act. 17, Zeilen 81–82 (22-0464). 
64   Act. 18 (22-0464). 
65   Act. 18 (22-0464). 
66   Act. 83 (22-0464). 
67   Act. 81 und 82 (22-0464). 

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12 

 
 
 
 
 
 
 
                                                
55.  Die Wettbewerbsbehörden ersuchten schliesslich die […], Bauherrin des vorliegenden 
Projekts, um schriftliche Auskunft bezüglich des Vorbringens von Hartmann. Auf die Frage, ob 
alle Offerten gemäss Offertvergleich ernst gemeinte Offerten waren, antwortete sie, dass dies 
– soweit sie sich erinnere – auf alle Unternehmen ausser Hartmann zutreffe. Sie sei sich zwar 
nicht  mehr  sicher,  nehme  aber  an,  dass  Hartmann  eine  unverbindliche  Offerte  eingereicht 
habe. Diese Information sei ihr vermutlich vom Architekten mitgeteilt worden.68 

B.4 

Beweiswürdigung 

B.4.1  Konsens 

56. 
Im Folgenden ist zu beurteilen, welche Schlüsse aus den erhobenen Beweismitteln im 
Hinblick auf einen allfälligen Konsens zwischen den beteiligten Unternehmen zu ziehen sind. 
Dabei ist das Verhältnis zwischen Bezzola Denoth und Martinelli sowie dasjenige zwischen 
Bezzola Denoth und Hartmann separat zu beleuchten. 

B.4.1.1 

Konsens zwischen Bezzola Denoth und Martinelli 

57.  Vorliegend ist nicht strittig, dass Bezzola Denoth Martinelli mit E-Mail vom […] eine Of-
ferte im Zusammenhang mit dem [Bauprojekt 1] zukommen liess. Beide beteiligten Unterneh-
men stellten nicht in Abrede, dass die betreffende E-Mail samt Anhang verschickt worden ist 
und von ihrem bestimmungsgemässen Adressaten, Martinelli, empfangen worden ist. Ebenso 
wenig ist strittig, dass es sich bei der Offerte, die Bezzola Denoth Martinelli zusandte, um eine 
vorkalkulierte Offerte handelte und dass die darin berechnete Eingabesumme  von CHF […] 
(inkl. MWST) ein höheres Angebot ergab als dasjenige, welches Bezzola Denoth der Bauherr-
schaft unterbreitete (CHF […]). Schliesslich ist nicht strittig, dass Martinelli in Bezug auf das 
[Bauprojekt 1] tatsächlich eine Offerte einreichte. Den Preis von CHF […], den sie der Bau-
herrschaft offerierte, wich nur marginal von der Eingabesumme ab, welche Bezzola Denoth 
für sie gemäss E-Mail vom […] vorkalkuliert hatte. All diese Elemente sind aufgrund der erho-
benen Beweismittel, insbesondere der E-Mail vom […] (vgl. Rz 38), den Angaben des Archi-
tekten zu den eingereichten Offerten (vgl. Rz 51) sowie der Aussagen der beteiligten Perso-
nen, erwiesen. 

58.  Streitig ist dagegen, ob zwischen Bezzola Denoth und Martinelli übereinstimmende Wil-
lenserklärungen vorlagen, ihre Angebote zu koordinieren. Hierbei handelt es sich um eine Tat-
frage, die durch subjektive Auslegung des Verhaltens der Beteiligten zu beantworten ist.69 Der 
wirkliche Wille der Parteien ist eine innere Tatsache, die dem direkten Beweis nicht zugänglich 
ist, sondern in der Regel lediglich anhand von indirekten Beweismitteln ermittelt werden kann 
(Indizienbeweis).70 Vorliegend bestand keine schriftliche Vereinbarung zwischen Bezzola De-
noth und Martinelli, welche ihr Eingabeverhalten im Zusammenhang mit dem [Bauprojekt 1] 
regelte. Zu prüfen ist, ob ein solcher Konsens mündlich oder konkludent zustande gekommen 
war. 

59.  Zumindest Martinelli bestreitet, dass zwischen Bezzola Denoth und ihr ein Konsens dar-
über  zustande gekommen  ist,  ihre  Angebote betreffend  das  [Bauprojekt  1]  zu koordinieren. 
Konkret behauptet sie in ihrer Stellungnahme vom 13. Juni 2017, dass ihr Bezzola Denoth die 
Offerte mit E-Mail vom […] nur deshalb geschickt habe, um ihr die Abgabe einer Offerte zu 
ermöglichen.  

60.  Diese Vorbringen von Martinelli überzeugen nicht. Dabei ist Folgendes zu beachten: 

 

Mit  E-Mail  vom  […]  liess  Bezzola  Denoth  Martinelli  eine  vorkalkulierte Offerte  zukom-
men, die über ihrer eigenen Eingabesumme lag. Im Begleittext schrieb  [Mitarbeiter A] 

68   Act. 83 (22-0464). 
69   Statt vieler BGE 133 II 675 E. 3.3; BGE 131 II 467 E. 1.1; BGE 126 II 171 E. 4c/bb. 
70   Vgl. etwa Urteil des BGer 4A_264/2014 vom 17.10.2014, E. 3.2. 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

13 

 
 
 
 
                                                
wörtlich: „Du bist mit dieser Eingabe ca. 3.5% über unserem Preis.“. Dieser Kommuni-
kation ist zu entnehmen, dass Bezzola Denoth eine preisliche Koordinierung der Ange-
bote anstrebte. Wäre es für sie nicht von Bedeutung gewesen, welchen Preis Martinelli 
der  Bauherrschaft  offerieren  würde,  hätte  sie  auf  diesen  Hinweis  verzichtet.  Nicht  zu 
folgen  ist  in  diesem  Kontext  der  Behauptung  von  Martinelli,  dass  Bezzola  Denoth  ihr 
lediglich die Abgabe einer Offerte ermöglichen wollte. Hierzu hätte sie Martinelli weder 
eine vorkalkulierte Offerte mit sämtlichen Eingabepositionen zustellen noch einen Hin-
weis zur Höhe des eigenen Angebots anbringen müssen. Vielmehr hätte sie Martinelli 
lediglich  einen  Leistungsbeschrieb  (Devisierung,  Devi)  zukommen  lassen  können.  In-
dem sich Martinelli auf die Kommunikation mit Bezzola Denoth einliess sowie deren vor-
kalkulierte Offerte im Wesentlichen für ihr Angebot übernahm – die Abweichung ist an-
gesichts  des  hohen  Projektvolumens marginal  –  stimmte sie der  von  Bezzola  Denoth 
angestrebten Angebotskoordination zumindest durch konkludentes Verhalten zu.  

 

 

Im Kontext von Submissionen läuft es den üblichen Abläufen und Verhaltensweisen zu-
wider, wenn ein Unternehmen einer (potenziellen) Konkurrentin im Vorfeld der Eingabe 
ihren Angebotspreis offenlegt, namentlich wenn es sich unabhängig von der Konkurren-
tin verhalten will. Damit deckt es seine Absichten zum künftigen Eingabeverhalten auf 
und  riskiert,  von  der  Konkurrentin  in  der  Ausschreibung  unterboten  zu  werden.  Dass 
Bezzola Denoth vorliegend Martinelli vor Ablauf der Eingabefrist in der E-Mail vom […] 
eine Angabe zu ihrer Eingabesumme kommuniziert hat, ist mit typischem Verhalten in 
(tatsächlichen  oder  potenziellen)  Konkurrenzverhältnissen  nicht  vereinbar;  dies  umso 
mehr, als Bezzola Denoth Interesse an der Ausführung des Bauprojekts hatte. Vielmehr 
lässt sich ein solches Verhalten nur durch den gemeinsamen Willen zur Koordination der 
Angebote erklären.  

Schliesslich räumte Bezzola Denoth ein, dass es zwischen Martinelli und ihr beim stritti-
gen Bauprojekt tatsächlich zu einer Angebotskoordination gekommen sei. […]. Auch die 
Aussagen von Martinelli an der Einvernahme vom 30. Oktober 2015 (vgl. Rz 46 hiervor) 
zielen in diese Richtung. 

61.  Vor diesem Hintergrund ist erstellt, dass Bezzola Denoth und Martinelli den übereinstim-
menden Willen äusserten, ihre Angebote bei der Ausschreibung [Bauprojekt 1] zu koordinie-
ren. Konkret sollte Martinelli bei dieser Ausschreibung höher eingeben als Bezzola Denoth. 
Daran bestehen keine vernünftigen Zweifel. 

B.4.1.2 

Konsens zwischen Bezzola Denoth und Hartmann 

62.  Weiter ist zu prüfen, ob zwischen Bezzola Denoth und Hartmann in Bezug auf das [Bau-
projekt 1] ebenfalls ein Konsens über eine Angebotskoordinierung zustande gekommen ist. In 
diesem  Zusammenhang  macht  Hartmann geltend,  dass  sie an  der  strittigen  Ausschreibung 
nicht  als  Anbieterin  von  Bauleistungen  teilgenommen  habe,  sondern  mit  dem  [Architekt  Z] 
mündlich  vereinbart  habe,  lediglich  eine  unverbindliche  „Richtofferte“  einzureichen.  Ein  be-
wusstes Zusammenwirken mit Bezzola Denoth habe nicht vorgelegen.  

Im Folgenden ist vorab zu klären, welche Rolle Hartmann bei der strittigen Ausschrei-
63. 
bung einnahm. Dabei sind zunächst die erhobenen Urkunden zu würdigen. Mit E-Mail vom […] 
(vgl. Rz 39) liess Bezzola Denoth Hartmann eine vorkalkulierte Offerte zukommen. In der E-
Mail hielt sie Folgendes fest: „Im Anhang gemäβ Absprache mit [Mitarbeiter E] die entspre-
chende SIA. Eingabe Netto inkl. MwSt. Fr. […].“ Dem E-Mailtext ist kein Hinweis zu entneh-
men, dass Hartmann an der Ausschreibung nicht als Anbieterin von Bauleistungen teilnehmen 
würde, sondern lediglich eine unverbindliche „Richtofferte“ einzureichen gedenkt hätte. Daher 
ist davon auszugehen, dass Bezzola Denoth zu diesem Zeitpunkt keine dahingehende Kennt-
nis hatte, was sie im Übrigen selber bestätigte71. Auch im Vergleich der eingegangenen Offer-
ten, welcher von der Bauleitung erstellt worden ist (vgl. Rz 51), findet sich kein Hinweis darauf, 

71   Act. 87, Zeilen 138 ff. (22-0464). 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

14 

 
 
 
 
                                                
dass das Angebot von Hartmann als „Richtofferte“ zu verstehen und daher unverbindlich ge-
wesen sei. Vielmehr fand ihr Angebot wie alle übrigen Angebote – welche unbestrittenermas-
sen verbindlich waren – Eingang in die Offertübersicht der Bauleitung.  

64.  Dennoch lassen die erhobenen Urkunden keinen eindeutigen Schluss zu, ob Hartmann 
an der Ausschreibung – wie von ihr behauptet – tatsächlich nur als richtoffertstellendes Unter-
nehmen und nicht als Anbieterin von Bauleistungen teilnahm. Zur Klärung dieser Tatfrage sind 
daher die Aussagen und Auskünfte der befragten Personen in die Beweiswürdigung einzube-
ziehen. Diese ergeben folgendes Bild: 

 

 

[Architekt Z] bestätigte, dass Hartmann für das vorliegende Projekt sowohl im […] (be-
treffend […]) als auch im […] (betreffend […]) eine „Richtofferte“ eingereicht habe. Es 
habe eine mündliche Abmachung mit [Mitarbeiter D] von Hartmann bestanden.72 In die 
gleiche Richtung zielen die Angaben der Bauherrschaft, die […] (vgl. Rz 55). 

Dagegen hatte Bezzola Denoth, mit welcher der strittige Informationsaustausch erfolgte, 
nach eigenen Angaben keine Kenntnis davon, dass Hartmann bloss eine „Richtofferte“ 
einreichen  würde.  Gleiches  gilt  für  [Architekt  X],  Vater  von  [Architekt  Z]  und  ebenfalls 
Architekt (vgl. Rz 46 hiervor), sowie für die Bauleitung (vgl. Rz 54 hiervor).  

65.  Weshalb Hartmann Bezzola Denoth, den [Architekt X] und die Bauleitung nicht darüber 
informierte,  dass  ihr  Angebot  als  unverbindliche  „Richtofferte“  zu  verstehen sei,  etwa durch 
entsprechende  Klarstellung  in  ihrem  Angebot  oder  Begleitschreiben,  wirft  Fragen  an  ihrer 
Sachverhaltsschilderung auf. Immerhin handelte es sich hierbei um Beteiligte, die im Zusam-
menhang mit der Vergabe des [Bauprojekts 1] eine wesentliche Rolle wahrnahmen.  

66.  Letztlich  kann  dies  aber  offen  gelassen  werden.  Die  Behörde  darf  eine  Tatsache  nur 
dann als erwiesen erachten, wenn sie an deren Vorhandensein keine vernünftigen Zweifel hat. 
Vorliegend lassen die im Wesentlichen übereinstimmenden Angaben von [Architekt Z] und der 
Bauherrschaft konkrete und unüberwindbare Zweifel aufkommen, dass Hartmann an der strit-
tigen Ausschreibung tatsächlich als Anbieterin von Bauleistungen teilgenommen hat. Bei einer 
solchen Beweislage ist auf die für das beschuldigte Unternehmen günstigere Sachverhaltsver-
sion abzustellen (Grundsatz in dubio pro reo). Im Ergebnis ist daher zugunsten der Parteien 
anzunehmen, dass Hartmann der Bauherrschaft mitteilte, dass sie kein verbindliches Angebot 
einreichen werde, sondern bloss eine unverbindliche „Richtofferte“. Diese Mitteilung erfolgte 
im konkreten Fall wohl indirekt, nämlich über den [Architekt Z]. Dadurch verzichtete Hartmann, 
bei der Ausschreibung als Anbieterin der nachgefragten Bauleistungen teilzunehmen.  

67.  Ebenfalls zugunsten der Parteien ist zu folgern, dass dieser Angebotsverzicht von Hart-
mann nicht auf einen Kontakt mit Bezzola Denoth zurückzuführen ist. Massgebend ist dabei, 
dass die mündliche Abmachung zwischen dem [Architekt Z] und Hartmann betreffend „Richtof-
ferte“ von [Mitarbeiter D] veranlasst wurde, während der Kontakt mit Bezzola Denoth seitens 
Hartmann durch [Mitarbeiter E] erfolgte. [Mitarbeiter D] gab an, dass er bei Hartmann zunächst 
intern für die Betreuung des [Bauprojekts 1] zuständig gewesen sei. Da er aber noch vor Ein-
reichung der „Richtofferte“ ferienabwesend gewesen sei, habe er das Dossier an [Mitarbeiter 
E] übergeben. Aus diesem Grund ist in zeitlicher Hinsicht anzunehmen, dass die mündliche 
Abmachung zwischen [Mitarbeiter D] und [Architekt Z] betreffend „Richtofferte“ getroffen wor-
den ist, bevor der Kontakt zwischen Bezzola Denoth ([Mitarbeiter A]) und Hartmann ([Mitar-
beiter E]) stattfand. 

68.  Vor diesem Hintergrund lässt sich nicht beweisen, dass zwischen Bezzola Denoth und 
Hartmann tatsächlich übereinstimmende Willenserklärungen vorlagen, ihre Angebote bei der 
Ausschreibung [Bauprojekt 1] als verbindliche Angebote zu koordinieren. Zwar war das Ver-
halten von Bezzola Denoth ihrerseits durchaus darauf gerichtet, mit Hartmann einen solchen 
Konsens zu erzielen. Diese hatte jedoch – unabhängig von der Kommunikation mit Bezzola 
Denoth – nicht den Willen, der Bauherrschaft ein verbindliches Angebot zu unterbreiten. Eine 

72   Act. 83 (22-0464). 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

15 

 
 
 
 
                                                
Einigung im  Sinne  von tatsächlich  übereinstimmenden Willenserklärungen  konnte  zwischen 
ihnen daher unter diesem Gesichtspunkt nicht zustande gekommen sein.  

69.  Allerdings  lässt  dieses  Beweisergebnis  nicht  den  Schluss  zu,  dass  zwischen  Bezzola 
Denoth und Hartmann in gar keiner Hinsicht ein Konsens vorlag. Immerhin liess sich Hartmann 
auf den Kontakt mit Bezzola Denoth ein und erhob keine Einwände, dass diese ihr eine vor-
kalkulierte Offerte zustellte. Die Behauptung von Hartmann in diesem Zusammenhang, dass 
ihr Bezzola Denoth die E-Mail vom […] (vgl. Rz 39) unaufgefordert geschickt habe, ist unglaub-
haft. Im E-Mailtext bezog sich Bezzola Denoth explizit auf eine vorgängige „Absprache“ mit 
[Mitarbeiter E], Hartmann. Sodann wäre es nicht nachvollziehbar, wenn ein Unternehmen eine 
(potenzielle)  Konkurrentin  bei  der  Ausarbeitung  einer  („Richt“-)Offerte  unterstützen  würde, 
wenn es bei der Konkurrentin nicht die Bereitschaft, sich einvernehmlich zu verhalten, erken-
nen würde. Dabei ist auch die Interessenlage der Beteiligten zu berücksichtigen. Bezzola De-
noth hatte Interesse an der Ausführung des Bauprojektes. Sie hätte die Mühe, eine Offerte für 
Hartmann zu kalkulieren, nicht auf sich genommen, wenn sie damit hätte rechnen müssen, 
dass Hartmann anschliessend ihren Interessen zuwiderlaufen würde, etwa durch ein tieferes 
Angebot oder eine tiefere „Richtofferte“, welche den Zuschlag bzw. den Zuschlagspreis von 
Bezzola Denoth gefährden würde. Dies ist im Übrigen auch den Aussagen von [Mitarbeiter A], 
Bezzola Denoth, zu entnehmen. Für ihn war aufgrund des Kontakts mit [Mitarbeiter E] klar, 
dass diese kein Interesse am fraglichen Bauprojekt hatte und nichts unternehmen würde, was 
ihre Interessen beeinträchtigen würde. Schliesslich fällt auf, dass die von Bezzola Denoth für 
Hartmann vorkalkulierte Offerte den Betrag von CHF […] (inkl. MWST) aufwies. Das unver-
bindliche Angebot von Hartmann („Richtofferte“), das sie der Bauherrschaft unterbreitete, be-
lief sich auf CHF […]. Angesichts des hohen Bauvolumens […] kann es kaum auf Zufall beru-
hen, dass diese Zahlen – abgesehen von einer marginalen Differenz von CHF […] – nahezu 
übereinstimmen. Vielmehr ist anzunehmen, dass Hartmann ihre „Richtofferte“ auf die von Be-
zzola Denoth vorkalkulierte Offerte stützte. Dies deckt sich auch mit den vorangehenden Fest-
stellungen, dass Hartmann gegenüber Bezzola Denoth im Rahmen ihres Kontakts zum Aus-
druck gebracht haben muss, dass sie deren Interessen nicht zuwiderlaufen werde. 

70.  Vor diesem Hintergrund ist erwiesen, dass zwischen Bezzola Denoth und Hartmann ein 
Konsens darüber zustande gekommen ist, dass Hartmann der Bauherrschaft eine Offerte ein-
reicht, die in Bezug auf die Eingabesumme in der Grössenordnung der vorkalkulierten Offerte 
von Bezzola Denoth entspricht. In Bezug auf Hartmann ist dagegen nicht erstellt, dass sie der 
Bauherrschaft ein verbindliches Angebot unterbreitete, sie also als Anbieterin von Bauleistun-
gen an der Ausschreibung teilnahm. Daher konnte zwischen Bezzola Denoth und Hartmann 
auch kein Konsens darüber zustande gekommen sein, ihre verbindlichen Angebote zu koordi-
nieren.  

B.4.2  Verfolgter Zweck 

71.  Wie erstellt ist (vgl. Rz 57 ff. hiervor), kamen Bezzola Denoth und Martinelli überein, ihre 
Angebote bei der Ausschreibung [Bauprojekt 1] zu koordinieren. Einem Konsens über einen 
solchen Inhalt ist immanent, dass die Beteiligten darauf zielten, sich nicht zu konkurrenzieren. 
Vielmehr wollten sie im Einvernehmen darüber entscheiden, bei welchem Unternehmen die 
Chancen  für  die  Zuschlagserteilung  aufrechterhalten  werden  sollten.  Zwar  trifft  es  zu,  dass 
auch noch individuell unterschiedliche Motive der beteiligten Unternehmen eine Rolle gespielt 
haben  dürften.  Martinelli  bringt  etwa  vor,  dass  sie  der  Bauherrschaft  ein  Angebot  abgeben 
wollte, um bei weiteren Ausschreibungen des gleichen Architekten im Oberengadin berück-
sichtigt zu werden. Das konkrete Projekt wollte sie jedoch nicht ausführen. Insofern zielte sie 
nicht  darauf,  eine  Vergabe  des  Projekts  an  Bezzola  Denoth  durch  ein  tieferes  Angebot  zu 
gefährden. In diesem Punkt deckt sich ihre Absicht mit derjenigen von Bezzola Denoth, die 
daran interessiert war, nicht von anderen Anbietern unterboten zu werden, zumal sie an der 
Ausführung des Projekts interessiert war. Somit war das Zusammenwirken von Bezzola De-
noth  und  Martinelli  von  der  gemeinsamen  Absicht  getragen,  sich  nicht  zu  konkurrenzieren. 
Daran bestehen keine vernünftigen Zweifel. 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

16 

 
 
 
 
72.  Ähnlich verhält es sich beim Zusammenwirken von Bezzola Denoth und Hartmann. Hart-
mann entschied sich, an der Ausschreibung nicht als Anbieterin von Bauleistungen teilzuneh-
men, sondern ein unverbindliches Angebot in der Form einer „Richtofferte“ abzugeben. Aller-
dings unterbreitete sie der Bauherrschaft nicht unabhängig eine solche unverbindliche Offerte. 
Vielmehr liess sie sich darauf ein, sich mit Bezzola Denoth in Bezug auf die Höhe der „Richtof-
ferte“ abzustimmen (vgl. Rz 69 f.). Damit untergrub sie den Zweck von „Richtofferten“. Mit einer 
„Richtofferte“ soll die Bauherrschaft eine neutrale Offerte erhalten, an welcher sie die anderen 
Angebote messen und diese einschätzen kann (vgl. Rz 109 ff.). Die „Richtofferte“ von Hart-
mann war nicht neutral, sondern mit Bezzola Denoth in Bezug auf die Höhe der Offerte koor-
diniert. 

73.  Aus welchen individuellen Gründen sich Hartmann mit Bezzola Denoth abstimmte, legte 
sie nicht dar, kann aber letztlich offen gelassen werden. Das Zusammenwirken von Bezzola 
Denoth und Hartmann beruhte auf der gemeinsamen Absicht, dass Hartmann der Bauherr-
schaft  kein  Angebot  unterbreitet,  das  die  Interessen  von  Bezzola  Denoth  beeinträchtigen 
könnte. Auch daran bestehen keine vernünftigen Zweifel. 

B.4.3  Rolle der Beteiligten 

74.  Weiter ist zu prüfen, von welchem Unternehmen die Initiative für die Verhaltensabstim-
mung der Parteien ausging. Zudem ist zu klären, welche Rolle die Beteiligten bei der Organi-
sation und Durchsetzung der untersuchten Verhaltensweise einnahmen. 

Initiative für die Angebotskoordination 

75.  Aus dem Wortlaut der E-Mail vom […] von [Mitarbeiter A] an [Mitarbeiter C] geht hervor, 
dass zwischen [Mitarbeiter A] und [Mitarbeiter C] ein vorgängiger Kontakt stattfand [„Freu mich 
jedes Mal etwas von Dir zu hören.“].73 Auch [Mitarbeiter C] bestätigte anlässlich seiner Einver-
nahme  vom  30. Oktober  2015,  dass  [Mitarbeiter A]  wohl  vor  Versand  der  E-Mail  angerufen 
habe. Eine solche E-Mail werde nicht einfach so verschickt.74 Weiter ist auch der Wortlaut der 
E-Mail vom […] von [Mitarbeiter A] an [Mitarbeiter E] so zu verstehen, dass im vorliegenden 
Fall ein vorgängiger Kontakt zwischen [Mitarbeiter A] und [Mitarbeiter E] stattgefunden haben 
muss [„gemäβ Absprache mit [Mitarbeiter E]“]. Somit ist erstellt, dass vor Versand der E-Mails 
vom […] ein vorgängiger Kontakt zwischen den beteiligten Unternehmen stattfand.  

76.  Wer vorliegend die Initiative für die Angebotskoordination ergriffen hat, ist den Urkunden 
nicht zu entnehmen. Diese Frage ist daher anhand der Parteiaussagen zu würdigen. 

77.  Gemäss Aussage von [Mitarbeiter E] sei er im vorliegenden Fall wohl von [Mitarbeiter A] 
telefonisch kontaktiert worden (vgl. Rz 45). Allerdings gibt [Mitarbeiter E], aufgrund zeitlicher 
Distanz, auch Schwierigkeiten an, Details zu rekonstruieren.75 

In Bezug auf Martinelli verfügt das Sekretariat über keine Informationen, da sich [Mitar-
78. 
beiter C] an der Einvernahme vom 30. Oktober 2015 nicht erinnern konnte, ob Martinelli beim 
vorliegenden Bauprojekt eine Offerte eingereicht hat. Auf die Frage hin, wer die Initiative zum 
Versand  der  E-Mail  vom  […]  ergriffen  habe,  erwiderte  [Mitarbeiter  C],  dass  er  dies  nicht 
wisse.76 

73   Dies wurde auch durch die Aussage von [Mitarbeiter A] bestätigt, Act. IX.C.060, Zeilen 362 ff. (25-

0039). 

74   Act. IV.028, Zeilen 198 ff. 
75   Act. IV.027, Zeilen 252 ff. 
76   In Zusammenhang mit der E-Mail vom […] an Martinelli sagte [Mitarbeiter A] aus, dass die Initiative 
zum Versand der E-Mail in Bezug auf das Projekt […] (welche zudem auch das [Bauprojekt 1] betraf) 
wohl von Martinelli kam, da diese nicht im Unterengadin bauen würde. Act. IX.C.060, Zeile 352 f. 
(25-0039). 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

17 

 
 
 
 
                                                
79.  Zusammenfassend ist unklar, welches Unternehmen bei dieser Ausschreibung die Kon-
taktaufnahme veranlasste. Dem Grundsatz in dubio pro reo folgend, kann keinem der beteilig-
ten Unternehmen die Initiative zur Verhaltensabstimmung nachgewiesen werden.  

Rolle bei der Organisation und Umsetzung der untersuchten Verhaltensweise 

[Mitarbeiter A] wandte sich in seinen beiden E-Mails vom […] an [Mitarbeiter C] (Marti-
80. 
nelli) und an das Sekretariat der Hartmann. Inhalt dieser Nachrichten von [Mitarbeiter A] bildete 
insbesondere die jeweilige Offertsumme in Bezug auf das [Bauprojekt 1]. 

81.  Gemäss Aussage von [Mitarbeiter A], Bezzola Denoth, vom 26. Oktober 2015 hätten die 
Unternehmen Martinelli und Hartmann auch tatsächlich eine Offerte von ihm erhalten. 

82.  Damit ist unter dem Gesichtspunkt der Organisation der Verhaltensabstimmung erstellt, 
dass Bezzola Denoth die beiden E-Mails (inkl. SIA-Dateien) vom […] an Martinelli und Hart-
mann verfasst und verschickt hat. Eine Kommunikation durch die anderen Unternehmen ist 
nicht erfolgt, diese beschränkten sich bezüglich der Organisation darauf, ihre Angebote ent-
sprechend den E-Mails von Bezzola Denoth einzugeben. 

B.4.4  Umsetzung und Auswirkungen 

83.  Gemäss den Angaben des verantwortlichen [Architekt X], […], gab Bezzola Denoth für 
das [Bauprojekt 1] mit einer Gesamtsumme (inkl. MWST) von CHF […] ein, Martinelli mit einer 
Summe von CHF […] und Hartmann mit einer Summe von CHF […]. Die eingereichten Offer-
ten ergeben folgendes Bild: 

Offertsumme per E-Mail     

(inkl. MWST) in CHF 

Eingereichte Offertsumme  
(inkl. MWST) in CHF77 

[Unternehmen Q] 
(nicht Partei) 

Hartmann 

Martinelli 

Datei nicht lesbar 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

[…] 

84.  Somit reichten Martinelli (verbindliches Angebot) und Hartmann (unverbindliches Ange-
bot) Eingaben ein, welche überschlagsmässig den in den E-Mails vom […] von Bezzola De-
noth genannten Summen entsprechen. Mit anderen Worten hielten sie sich an die getroffenen 
Abmachungen. 

85.  Weiter ist erstellt, dass sich Bezzola Denoth und Martinelli in Bezug auf das [Bauprojekt 
1] nicht konkurrenzierten. Hartmann gab eine „Richtofferte“ in vereinbarter Höhe ein. Insofern 
unterbreitete sie der Bauherrschaft kein Angebot, das die Interessen von Bezzola Denoth hätte 
beeinträchtigen können. Daran bestehen keine vernünftigen Zweifel. Bezzola Denoth erhielt 
schliesslich den Zuschlag. Mit dem Verhalten von Hartmann und Bezzola Denoth wurde der 
Zweck von „Richtofferten“, der Bauherrschaft ein neutrales unverbindliches Angebot zu unter-
breiten, das als Vergleich und zur Einschätzung der restlichen Angebote dienen soll, unter-
wandert  (vgl.  Rz  109  ff.).  Die  unverbindliche  Offerte  von  Hartmann  stellte  eine  verfälschte 
„Richtofferte“ dar. Die Bauherrschaft wurde im Ergebnis durch das Verhalten von Hartmann 
getäuscht. 

77   Act. 18 (22-0464). 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

18 

 
 
 
 
 
 
                                                
B.5 

Beweisergebnis  

86.  Nach dem Gesagten ist bewiesen, dass Bezzola Denoth und Martinelli den übereinstim-
menden Willen geäussert haben, ihre Angebote beim [Bauprojekt 1] zu koordinieren. Konkret 
sollte Martinelli eine höhere Offerte einreichen als Bezzola Denoth. Damit bezweckten sie, sich 
bei  dieser  Ausschreibung  nicht  zu konkurrenzieren.  Ebenso  ist  bewiesen,  dass  Martinelli  in 
der Folge – entsprechend diesen übereinstimmenden Willenserklärungen – eine Offerte ein-
reichte, die über der Eingabesumme von Bezzola Denoth lag.  

In  Bezug  auf  Hartmann ist  dagegen  nicht  erstellt,  dass sie  der  Bauherrschaft  ein ver-
87. 
bindliches Angebot unterbreitete, sie also als Anbieterin von Bauleistungen in der Ausschrei-
bung  teilnahm.  Daher  konnte  zwischen  Bezzola  Denoth  und  Hartmann  auch  kein  Konsens 
darüber zustande gekommen sein, ihre verbindlichen Angebote zu koordinieren. Allerdings ist 
erwiesen, dass zwischen Bezzola Denoth und Hartmann ein Konsens darüber zustande ge-
kommen ist, dass Hartmann der Bauherrschaft eine („Richt“-)Offerte einreicht, die in Bezug 
auf die Eingabesumme in der Grössenordnung der vorkalkulierten Offerte von Bezzola Denoth 
entspricht. Damit beabsichtigten sie, dass Hartmann der Bauherrschaft kein Angebot unter-
breitet, das die Interessen von Bezzola Denoth beeinträchtigen könnte. Hartmann gab in der 
Folge eine „Richtofferte“ in vereinbarter Höhe ein. Insofern unterbreitete sie der Bauherrschaft 
tatsächlich kein Angebot, das den Interessen von Bezzola Denoth hätte zuwiderlaufen können 
und täuschte die Bauherrschaft mit einer verfälschten „Richtofferte“. 

88.  Nicht erstellt ist, welche Partei die Initiative zur Angebotskoordination ergriffen hat. Dem-
gegenüber  ist  unter  dem  Gesichtspunkt  der Organisation  der  Verhaltensabstimmung  erwie-
sen, dass Bezzola Denoth die E-Mails vom […] samt vorkalkulierter Offerten an Martinelli und 
Hartmann verschickt hat. Der Zuschlag wurde Bezzola Denoth erteilt. 

C 

Erwägungen 

C.1  Geltungsbereich 

C.1.1  Persönlicher Geltungsbereich 

89.  Das Kartellgesetz gilt in persönlicher Hinsicht sowohl für Unternehmen des privaten als 
auch für solche  des  öffentlichen Rechts  (Art. 2  Abs. 1  KG).  Als  Unternehmen  im  Sinne des 
Kartellgesetzes gelten sämtliche Nachfrager oder Anbieter von Gütern und Dienstleistungen 
im Wirtschaftsprozess, unabhängig von ihrer Rechts- oder Organisationsform (Art. 2 Abs. 1bis 
KG). Sämtliche Parteien erfüllen vorliegend die Merkmale privatrechtlicher Unternehmen, wo-
mit das KG in persönlicher Hinsicht anwendbar ist. 

C.1.2  Verfügungsadressatinnen 

90. 
Adressatinnen einer wettbewerbsrechtlichen Verfügung können diejenigen natürlichen 
oder juristischen Personen sein, welche die Unternehmung betreiben bzw. deren Rechtsträ-
gerinnen sie sind.78  

91.  Somit ist die vorliegende Verfügung an folgende Gesellschaften zu richten: 

 

 

 

Bezzola Denoth AG, Scuol 

D. Martinelli AG, St. Moritz 

Nicol. Hartmann & Cie. AG, St. Moritz 

78  Vgl. Urteil des BVGer B-7633/2009 vom 14.9.2015, E. 27 ff., 67, ADSL II. 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

19 

 
 
 
 
                                                
C.1.3  Sachlicher Geltungsbereich 

92. 
In sachlicher Hinsicht erstreckt sich das Kartellgesetz auf das Treffen von Kartell- und 
anderen Wettbewerbsabreden, auf die Ausübung von Marktmacht sowie auf die Beteiligung 
an Unternehmenszusammenschlüssen (Art. 2 Abs. 1 KG).  

93.  Ob die Parteien eine Wettbewerbsabrede getroffen haben, wird im Rahmen der materi-
ellen Beurteilung noch im Einzelnen zu prüfen sein (vgl. dazu Rz 116). Es wird auf die dortigen 
Ausführungen verwiesen und an dieser Stelle auf deren Wiedergabe verzichtet.  

C.1.4  Örtlicher und zeitlicher Geltungsbereich 

Der  vorliegende  Untersuchungsgegenstand  fällt  in  den  örtlichen  und  zeitlichen  Gel-

94. 
tungsbereich des Kartellgesetzes. 

C.2 

Vorbehaltene Vorschriften 

95.  Dem Kartellgesetz sind Vorschriften vorbehalten, die auf einem Markt für bestimmte Wa-
ren oder Leistungen Wettbewerb nicht zulassen, insbesondere Vorschriften, die eine staatliche 
Markt-  oder  Preisordnung  begründen,  und  solche,  die  einzelne  Unternehmen  zur  Erfüllung 
öffentlicher Aufgaben mit besonderen Rechten ausstatten (Art. 3 Abs. 1 KG). Ebenfalls nicht 
unter das Gesetz fallen Wettbewerbswirkungen, die sich ausschliesslich aus der Gesetzge-
bung über das geistige Eigentum ergeben. Hingegen unterliegen Einfuhrbeschränkungen, die 
sich auf Rechte des geistigen Eigentums stützen, der Beurteilung nach diesem Gesetz (Art. 3 
Abs. 2 KG). 

96. 
Im hier zu beurteilenden Markt gibt es keine Vorschriften, die Wettbewerb nicht zulassen. 
Der Vorbehalt von Art. 3 Abs. 1 und 2 KG wird von den Parteien auch nicht geltend gemacht. 

C.3 

Unzulässige Wettbewerbsabrede 

97.  Abreden, die den Wettbewerb auf einem Markt für bestimmte Waren oder Leistungen 
erheblich beeinträchtigen und sich nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtferti-
gen lassen, sowie Abreden, die zur Beseitigung wirksamen Wettbewerbs führen, sind unzu-
lässig (Art. 5 Abs. 1 KG). 

98. 
Im Folgenden ist in einem ersten Schritt zu prüfen, ob eine Wettbewerbsabrede vorliegt 
(vgl. Rz 99 ff.). Ist dies zu bejahen, ist in einem zweiten Schritt zu beurteilen, ob diese gemäss 
Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 KG unzulässig ist (vgl. Rz 129 ff.). 

C.3.1  Wettbewerbsabrede 

99.  Als Wettbewerbsabreden gelten rechtlich erzwingbare oder nicht erzwingbare Vereinba-
rungen  sowie  aufeinander  abgestimmte  Verhaltensweisen  von  Unternehmen  gleicher  oder 
verschiedener  Marktstufen,  die  eine  Wettbewerbsbeschränkung  bezwecken  oder  bewirken 
(Art. 4 Abs. 1 KG). Eine formelle vertragliche Grundlage ist nicht notwendig, vielmehr sind ab-
gestimmte  Verhaltensweisen  bis  hin  zu  verbindlichen  Vereinbarungen  einschlägig,79  wobei 
sich Vereinbarungen von den aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen durch den vorhan-
denen resp. nicht vorhandenen Bindungswillen unterscheiden80. 

100.  Eine Wettbewerbsabrede im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG liegt vor, wenn erstens ein be-
wusstes  und  gewolltes  Zusammenwirken  der  an  der  Abrede  beteiligten  Unternehmen  und 

79   Siehe dazu etwa RPW 2009/3, 204 Rz 49, Elektroinstallationsbetriebe Bern. 
80   RPW 2013/4, 559 Rz 167, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich.  

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

20 

 
 
 
 
 
                                                
zweitens  ein Bezwecken  oder  ein  Bewirken  einer Wettbewerbsbeschränkung durch  die Ab-
rede gegeben sind.81 Diese Kriterien sind im Folgenden im Einzelnen zu beurteilen. 

C.3.1.1 

Bewusstes und gewolltes Zusammenwirken 

101.  Unter das bewusste und gewollte Zusammenwirken fallen nach dem Gesagten Verein-
barungen und abgestimmte Verhaltensweisen.  

102.  Beweismässig ist erstellt, dass Bezzola Denoth und Martinelli den übereinstimmenden, 
wirklichen Willen geäussert haben, ihr Angebote beim [Bauprojekt 1] zu koordinieren. Konkret 
sollte Martinelli zu einem höheren Preis offerieren als Bezzola Denoth (Rz 86). Im Verhältnis 
zwischen Bezzola Denoth und Hartmann ist erstellt, dass zwischen ihnen ein Konsens darüber 
zustande gekommen ist, dass Hartmann der Bauherrschaft eine („Richt“-)Offerte einreicht, die 
in Bezug auf die Eingabesumme in der Grössenordnung der vorkalkulierten Offerte von Bez-
zola Denoth entspricht.  

103.  Damit ist sowohl im Verhältnis zwischen Bezzola Denoth und Martinelli als auch im Ver-
hältnis zwischen Bezzola Denoth und Hartmann das Tatbestandsmerkmal der Vereinbarung 
im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG erfüllt. 

104.  Beizufügen ist, dass eine solche Angebotskoordination zwischen Bezzola Denoth und 
Martinelli im Einklang mit der Rechtsprechung der Wettbewerbsbehörden als „Schutz“ verstan-
den werden kann. „Schutz“ bedeutet dabei, dass Unternehmen in Bezug auf ein Bauprojekt 
vor der Eingabe ihrer Offerten gemeinsam festlegen, welches Unternehmen unter ihnen den 
Zuschlag erhalten soll. Das dadurch begünstigte Unternehmen erhält bei der Bewerbung um 
das  Projekt  „Schutz“  von  den  anderen  Unternehmen.  Die  Umsetzung  der  Schutzfestlegung 
erfolgt in der Regel dadurch, dass sich diejenigen Unternehmen, welche Schutz versprochen 
haben, dazu bereit erklären, Offerten mit höheren Eingabesummen, sogenannte Stützofferten, 
einzureichen oder bewusst auf eine Offerteingabe zu verzichten.82 Auch im vorliegenden Fall 
lassen sich die Rollen der Beteiligten so zuordnen. Konkret war Bezzola Denoth die Rolle der 
Schutznehmerin zugedacht, während Martinelli diejenige der Schutzgeberin innehatte. Hart-
mann schützte durch ihre verfälschte „Richtofferte“ Bezzola Denoth. 

C.3.1.2 

Bezwecken oder Bewirken einer Wettbewerbsbeschränkung 

105.  Neben  einem  bewussten  und  gewollten  Zusammenwirken  muss  die  Abrede  gemäss 
Art. 4 Abs. 1 KG „eine Wettbewerbsbeschränkung bezwecken oder bewirken“. Eine Wettbe-
werbsbeschränkung liegt vor, wenn das einzelne Unternehmen auf seine unternehmerische 
Handlungsfreiheit verzichtet und so das freie Spiel von Angebot und Nachfrage einschränkt.83 
Die Abrede über die Wettbewerbsbeschränkung muss sich auf einen Wettbewerbsparameter 
(wie beispielsweise den Preis oder die Lieferbedingungen) beziehen.84 Art. 4 Abs. 1 KG setzt 
die Tatbestandsmerkmale „bezwecken“ resp. „bewirken“ – wie bereits das Wort „oder“ im Ge-
setzestext verdeutlicht – alternativ voraus, nicht kumulativ.85  

106.  Eine Abrede bezweckt eine Wettbewerbsbeschränkung, wenn die Abredebeteiligten „die 
Ausschaltung  oder  Beeinträchtigung  eines  oder  mehrerer  Wettbewerbsparameter  zum  Pro-
gramm erhoben haben“.86 Dabei genügt es, wenn der Abredeinhalt objektiv geeignet ist, eine 

81   RPW 2009/3, 204 Rz 50, Elektroinstallationsbetriebe Bern.  
82   Zum Ganzen RPW 2012/2, 273 Rz 6,  Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton 
Aargau; RPW 2013/4, 527 Rz 6, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich; 
RPW 2015/2 201 Rz 6, Tunnelreinigung. 

83   RPW 2013/4, 560 Rz 178, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich.  
84   Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 756 f. E. 3.2.3, Gaba/WEKO; Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 813 

E. 3.2.6, Gebro/WEKO. 

85  Statt anderer RPW 2012/3, 550 Rz 97, BMW. 
86   RPW 2013/4, 560 Rz 180, Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich. 

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Wettbewerbsbeschränkung  durch  Ausschaltung  eines  Wettbewerbsparameters  zu  verursa-
chen. Die subjektive Absicht der an der Abrede Beteiligten ist unerheblich.87  

107.  Diese Kriterien sind in Bezug auf die Abrede zwischen Bezzola Denoth und  Martinelli 
einerseits und die Abrede zwischen Bezzola Denoth und Hartmann andererseits differenziert 
zu betrachten. 

108.  Die Abrede zwischen Bezzola Denoth und Martinelli beinhaltete, ihre Angebote in Bezug 
auf [Bauprojekt 1] zu koordinieren (Rz 57 ff.). Ein solcher Abredeinhalt ist in objektiver Hinsicht 
geeignet, eine Wettbewerbsbeschränkung zu bewirken. Darüber hinaus ist vorliegend – ob-
wohl dies nicht notwendig ist – erwiesen, dass die Abredeteilnehmer mit ihrem Verhalten auch 
in  subjektiver  Hinsicht  bezweckten,  sich  nicht  zu  konkurrenzieren  (Rz  57  f.).  Somit  war  die 
vorliegende Abrede nicht nur (objektiv) geeignet, den Wettbewerb zu beeinträchtigen, sondern 
es bestand auch eine dahingehende Absicht der Abredeteilnehmer. Damit liegt eine Wettbe-
werbsabrede im Sinne von Art. 4 Abs. 1 KG vor. 

109.  Die Abrede zwischen Bezzola Denoth und Hartmann zielte darauf, die Höhe der „Richtof-
ferte“ von Hartmann abzustimmen. Zunächst ist daher die Natur einer „Richtofferte“ zu klären.  

110.  Unter einer „Richtofferte“ versteht man in der Baubranche eine unverbindliche Offerte, 
die dem Bauherrn erlauben soll, die Kosten bzw. Marktpreise der von ihm nachgefragten Bau-
leistungen einschätzen zu können. Die Unverbindlichkeit der „Richtofferte“ impliziert, dass der 
Bauherr das entsprechende Angebot nicht annehmen kann. Es kann also zwischen dem Un-
ternehmen, das eine „Richtofferte“ unterbreitet, und dem Bauherrn kein Werkvertrag über Bau-
leistungen zustande kommen, jedenfalls nicht unmittelbar durch Erklärung der Annahme des 
Angebots.  Das  Unternehmen,  das  eine  „Richtofferte“  erstellt,  nimmt  an  der  Ausschreibung 
nicht als Anbieter von Bauleistungen teil. Vielmehr nimmt es gegenüber dem Bauherrn eine 
Art „Gutachterrolle“ wahr. Es soll im Rahmen der „Richtofferte“ eine Einschätzung betreffend 
Marktpreis der nachgefragten Bauleistungen abgeben. Eine solche „Richtofferte“ braucht nicht 
zwingend von einem Bauunternehmen erstellt zu werden. Auch Ingenieure, Architekten oder 
andere  fachkundige  Personen  können  vom  Bauherrn  –  entgeltlich  oder  unentgeltlich  –  zur 
Unterbreitung einer „Richtofferte“ beigezogen werden.  

111.  Das Unternehmen,  das  im  Rahmen  der  „Richtofferte“  eine  Preisschätzung  abgibt,  hat 
typischerweise unabhängig von den Teilnehmern der Ausschreibung, d.h. von den Bauunter-
nehmen,  die  das  Projekt  ausführen  wollen,  zu  handeln.  Dies  ergibt  sich  aus  der  Natur  der 
„Richtofferte“. Das Unternehmen, das zur Richtoffertstellung beigezogen wird, soll ein unbe-
einflusstes „Gutachten“ erstellen. Nur dann kann die „Richtofferte“ ihre Funktion der Preisüber-
prüfung erfüllen. 

112.  Vorliegend  hat  Hartmann  die  Höhe  der  „Richtofferte“  mit  Bezzola  Denoth  abgestimmt 
(vgl. Rz 69 f.). Darüber wurde die Bauherrschaft nicht in Kenntnis gesetzt, ebenso wenig die 
Bauleitung und der Architekt, was im Übrigen von Hartmann auch nicht behauptet worden ist. 
Nicht beurteilt zu werden braucht die Frage, ob und inwiefern dieses Vorgehen unter privat-
rechtlichen  Gesichtspunkten  verwerflich  bzw.  unzulässig  ist.  Relevant  ist  aber,  dass  eine 
„Richtofferte“ geeignet ist, das Ergebnis einer Ausschreibung eines Bauprojekts zu beeinflus-
sen. Fällt eine „Richtofferte“ etwa deutlich tiefer aus als die eingereichten (verbindlichen) An-
gebote, vermag dies die Verhandlungsposition des Bauherrn zu stärken. Allenfalls sieht er sich 
in einer solchen Konstellation zudem veranlasst, weitere Anbieterinnen zur Abgabe einer Of-
ferte einzuladen oder im Extremfall die Ausschreibung abzubrechen. Dagegen ist anzuneh-
men, dass eine hohe „Richtofferte“ die Verhandlungsposition der Anbieterinnen der Bauleis-
tungen  stärkt,  insbesondere  dasjenige Unternehmen,  welches  in der  ersten  Angebotsrunde 
das tiefste Angebot eingereicht hat. Aus diesen Gründen ist zu schliessen, dass die Verfäl-
schung einer „Richtofferte“ den Wettbewerb zu beeinträchtigen vermag. 

87   Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 756 f. E. 3.2.3, Gaba/WEKO; Urteil des BVGer, RPW 2013/4, 813 

E. 3.2.6, Gebro/WEKO.  

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113.  Indem  sich  Hartmann  und  Bezzola  Denoth  vorliegend  in  Bezug  auf  die  Höhe  der 
„Richtofferte“ abstimmten, trafen sie eine Abrede über einen im Wettbewerb relevanten As-
pekt. Der konkrete Abredeinhalt war somit in objektiver Hinsicht geeignet, eine Wettbewerbs-
beschränkung zu bewirken. Dass sie mit ihrem Verhalten eine Wettbewerbsbeschränkung her-
beiführen  könnten,  war  ihnen  zudem  bewusst.  Ihr  Zusammenwirken  beruhte  auf  der 
gemeinsamen Absicht, durch die Abstimmung der „Richtofferte“ die Interessen von Bezzola 
Denoth  in  der  strittigen  Ausschreibung  zu  wahren  (vgl.  Rz 72  hiervor).  Damit  liegt  auch  im 
Verhältnis  zwischen Bezzola  Denoth  und Hartmann  eine Wettbewerbsabrede im  Sinne von 
Art. 4 Abs. 1 KG vor. 

C.3.1.3 

Abrede zwischen Unternehmen gleicher oder verschiedener Marktstufen 

114.  Bezzola Denoth und Martinelli sind als Unternehmen auf derselben Marktstufe tätig und 
waren als solche Konkurrentinnen hinsichtlich der Vergabe des [Bauprojekts 1]. Die Abrede 
zwischen ihnen ist somit horizontaler Natur. 

115.  Anders verhält es sich bezüglich Bezzola Denoth und Hartmann. Bezzola Denoth nahm 
an der Ausschreibung [Bauprojekt 1] als Anbieterin von Bauleistungen teil, während Hartmann 
gegenüber der Bauherrschaft  eine Funktion vergleichbar mit einer „Gutachterin“ wahrnahm. 
Damit  fehlte  es  zwischen  ihnen  in  Bezug  auf  die  konkrete  Ausschreibung  an  einem 
Konkurrenzverhältnis. Für die Beurteilung als Wettbewerbsabrede ist dies aber irrelevant. Die 
Bestimmung von Art. 4 Abs. 1 KG ist so formuliert, dass sie alle Arten von Abreden erfasst, 
unabhängig  davon  ob  sich  die  daran  beteiligten  Unternehmen  auf  derselben  oder 
verschiedenen Marktstufen befinden. Erforderlich ist nur, dass sie überhaupt auf einem Markt 
tätig sind. Dadurch sind neben horizontalen und vertikalen Abreden auch sonstige Abreden 
unter Art. 4 Abs. 1 KG zu subsumieren, bei denen die Unternehmen weder auf dem gleichen 
Markt noch auf vor- oder nachgelagerten Märkten tätig sind (etwa konglomerate Abreden).88 

C.3.1.4 

Zwischenergebnis 

116.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Bezzola Denoth und Martinelli sowie Bezzola 
Denoth  und  Hartmann  in  Bezug  auf  das  [Bauprojekt  1]  durch  ihr  bewusstes  und  gewolltes 
Zusammenwirken je eine Wettbewerbsabrede gemäss Art. 4 Abs. 1 KG getroffen haben. Im 
Folgenden ist zu prüfen, ob diese Wettbewerbsabreden gemäss Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 KG 
unzulässig sind. 

C.3.2  Qualifikation der Wettbewerbsabreden 

117.  Gemäss Art. 5 Abs. 3 KG wird die Beseitigung wirksamen Wettbewerbs bei folgenden 
Abreden vermutet, sofern sie zwischen Unternehmen getroffen werden, die tatsächlich oder 
der Möglichkeit nach miteinander im Wettbewerb stehen: 

a.  Abreden über die direkte oder indirekte Festsetzung von Preisen; 
b.  Abreden über die Einschränkung von Produktions-, Bezugs- oder Liefermengen; 
c.  Abreden über die Aufteilung von Märkten nach Gebieten oder Geschäftspartnern. 

118.  Gegenstand der vorliegenden Wettbewerbsabrede zwischen Bezzola Denoth und Mar-
tinelli ist die Preisfestsetzung der Angebote und gleichzeitig die Steuerung der Zuschlagser-
teilung, womit eine Aufteilung des Auftrags und damit der Geschäftspartner unter den Abrede-
teilnehmenden erfolgt. Dabei handelt es sich um die beiden typischerweise, regelmässig auch 
in Kombination anzutreffenden Abredegegenstände von sogenannten Submissionsabreden. 
Die vorliegende Submissionsabrede ist sowohl unter Art. 5 Abs. 3 Bst. a als auch Bst. c KG zu 

88   RPW 2012/1, 102 f. Rz 155 f.,  Vertrieb von Tickets im Hallenstadion Zürich; vgl. auch Urteil  des 

BVGer B-3618/2013 vom 24.11.2016, Ziff. 299. 

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subsumieren.89 Sie fällt somit unter die Aufzählung in Art. 5 Abs. 3 KG. Damit greift die Ver-
mutung der Beseitigung wirksamen Wettbewerbs. Im Folgenden wird zu prüfen sein, ob sich 
diese Vermutung widerlegen lässt (Rz 129 ff. hiernach). 

119.  Hingegen erfüllt die Wettbewerbsabrede zwischen Bezzola Denoth und Hartmann  be-
treffend die Abstimmung einer „Richtofferte“ den Tatbestand von Art. 5 Abs. 3 KG nicht. Wie 
dargelegt worden ist, nahm Hartmann an der strittigen Ausschreibung nicht als Anbieterin von 
Bauleistungen teil. Sie stand daher in diesem konkreten Fall in Bezug auf die Projektvergabe 
nicht in einem Konkurrenzverhältnis zu Bezzola Denoth. Offen gelassen werden kann vorlie-
gend die Frage, ob die Abrede über eine „Richtofferte“ als Preisabrede zu qualifizieren wäre. 
Die Zulässigkeit der Wettbewerbsabrede zwischen Bezzola Denoth und Hartmann ist daher 
einzig unter dem Gesichtspunkt von Art. 5 Abs. 1 KG zu prüfen (vgl. Rz 139 ff.). 

C.3.3  Relevanter Markt 

120.  Bei  der  Abgrenzung  des  relevanten  Marktes  ist  zu  bestimmen,  welche  Waren  oder 
Dienstleistungen für  die Marktgegenseite  in  sachlicher,  örtlicher  und  zeitlicher  Hinsicht  aus-
tauschbar sind.90 Bei der Abgrenzung des relevanten Marktes ist zu bestimmen, welche Waren 
oder Dienstleistungen für die Marktgegenseite in sachlicher, örtlicher und zeitlicher Hinsicht 
austauschbar sind.91  

121.  Bei dieser Abgrenzung sind Sinn und Zweck der Marktabgrenzung zu berücksichtigen. 
Diese liegen weniger darin, eine allgemeingültige Marktdefinition für einen Wirtschaftsbereich 
zu  schaffen,  als  vielmehr  darin,  die  (ökonomischen)  Wirkungen  einer  konkret  untersuchten 
Wettbewerbsbeschränkung zu beurteilen.92 Zudem ist die Bestimmung des relevanten Markts 
für  die  Höhe  der  Sanktion  von  Bedeutung  (siehe  unten  Rz  160  ff.).  Daraus  folgt  zwingend, 
dass die Marktabgrenzung davon abhängig ist, welche (mögliche) Wettbewerbsbeschränkung 
konkret untersucht wird.  

C.3.3.1  Marktgegenseite 

122.  Für sämtliche Aspekte der Marktabgrenzung kommt es auf die Sichtweise der Marktge-
genseite an. „Marktgegenseite“ sind dabei die Abnehmer derjenigen Leistung, die Gegenstand 
der untersuchten (möglichen) Wettbewerbsbeschränkung ist.93 Untersuchen die Wettbewerbs-
behörden  z. B.  die  Wirkungen  einer  Wettbewerbsabrede,  so  sind  diejenigen  Personen  als 
Marktgegenseite zu betrachten, welche die Güter oder Dienstleistungen beziehen, auf die sich 
die Abrede bezieht. 

123.  Für den vorliegenden Fall war die Bauherrin, die […], welche das [Bauprojekt 1] bzw. die 
„Richtofferte“ nachgefragt hat, Marktgegenseite der Parteien. 

89   RPW 2013/4, 592 ff. Rz 820., Wettbewerbsabreden im Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tief-

bau im Kanton Zürich m.w.H. 

90    BGE 139 I 72, 92 E. 9.1 m.w.H. (= RPW 2013/1, 127 E. 9.1), Publigroupe SA et al./WEKO.  
91   BGE 139 I 72, 92 E. 9.1 m.w.H. (= RPW 2013/1, 127 E. 9.1), Publigroupe SA et al./WEKO.  
92  Exemplarisch OECD, Market Definition, DAF/COMP(2012)19, S. 11; RAINER TRAUGOTT, Zur Abgren-
zung von Märkten, WuW 1998, 929–939, 929; TILL STEINVORTH, Probleme der geografischen Markt-
abgrenzung,  WuW  10/2014,  S.  924–937;  vgl.  auch  ROGER  ZÄCH,  Schweizerisches  Kartellrecht, 
2. Aufl.  2005,  Rz 532;  MANI  REINERT/BENJAMIN  BLOCH,  in:  Basler  Kommentar,  Kartellgesetz,  Am-
stutz/Reinert  (Hrsg.),  2010,  Art. 4  Abs. 2  KG  N 94;  MARCEL  MEINHARDT/ASTRID  WASER/JUDITH 
BISCHOF, in: Basler Kommentar, Kartellgesetz, Amstutz/Reinert (Hrsg.), 2010, Art. 10 KG N 40.  
93  Vgl. Urteil des BVGer B-7633/2009 vom 14.9.2015, E. 269, ADSL II; RETO HEIZMANN, Der Begriff 
des marktbeherrschenden Unternehmens im Sinne von Art. 4 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 7 KG, 
Zürich 2005, Rz 281. 

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C.3.3.2 

Sachlich und räumlich relevanter Markt 

124.  Der sachliche Markt umfasst alle Waren oder Leistungen, die von der Marktgegenseite 
hinsichtlich ihrer Eigenschaften und ihres vorgesehenen Verwendungszwecks als substituier-
bar angesehen werden (Art. 11 Abs. 3 Bst. a VKU94, der hier analog anzuwenden ist).95  

125.  Die vorliegende Wettbewerbsabrede bezog sich jeweils auf das betreffende Hochbau-
projekt. Der sachlich relevante Markt umfasst vorliegend die Bauleistungen betreffend [Bau-
projekt 1]. 

126.  Der  räumliche  Markt  umfasst  das  Gebiet,  in  welchem  die  Marktgegenseite  die  den 
sachlichen Markt umfassenden Waren oder Leistungen nachfragt oder anbietet (Art. 11 Abs. 3 
Bst. b VKU, der hier analog anzuwenden ist).96 

127.  Das vorliegende Bauprojekt war naturgemäss an den Ort der Ausführung gebunden, 
also in der vorliegenden Untersuchung an […]. Im Bauwesen besteht ein gewisser Distanz-
schutz aufgrund der hohen Transportkosten. Mit zunehmender Distanz zwischen dem Ausfüh-
rungsort und dem Werkhof einer Bauunternehmung steigen die Selbstkosten und somit sinkt 
auch die Rentabilität.  

128.  Aufgrund  der  Projektgrösse  und  den  geographischen  Gegebenheiten  (Alpenpässe, 
Distanzen, fehlende Schnellstrassen) des Engadins ist davon auszugehen, dass in den meis-
ten Fällen lokal tätige Bauunternehmen eine wirtschaftliche Offerte einreichen konnten. Tat-
sächlich haben beim vorliegenden Projekt Unternehmen aus dem Engadin sowie aus […] eine 
Offerte eingereicht. Aus diesem Grund bilden vorliegend das gesamte Engadin sowie dessen 
angrenzende Gebiete, welche von […] mit einer ähnlichen Fahrdistanz zu erreichen sind, den 
räumlich relevanten Markt.  

C.3.4  Abrede zwischen Bezzola Denoth und Martinelli: Beseitigung des wirksamen 

Wettbewerbs 

129.  Die Vermutung der Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs kann durch den Nachweis 
widerlegt werden, dass trotz der Wettbewerbsabrede noch wirksamer – aktueller und potenzi-
eller  –  Aussenwettbewerb  (Wettbewerb  durch  nicht  an  der  Abrede  beteiligte  Unternehmen) 
oder  Innenwettbewerb  (Wettbewerb  zwischen  den  an  der  Abrede beteiligten  Unternehmen) 
bestehen bleibt.  

130.  Nachfolgend ist zu beurteilen, inwieweit die an der Wettbewerbsabrede beteiligten Un-
ternehmen in ihrem Verhalten durch aktuellen oder potenziellen Wettbewerb diszipliniert wor-
den sind, d.h., ob sie überhaupt über die Möglichkeit verfügten, die Preise zu erhöhen oder 
die Mengen zu reduzieren oder die Qualitäten zu senken oder die Innovation zu verzögern; 
kurz, ob sie volkswirtschaftliche oder soziale Schäden verursachen konnten. 

131.  Im vorliegend zu beurteilenden Projekt wurden die entsprechenden Arbeiten durch eine 
private Bauherrschaft vergeben. Aussenwettbewerb (aktueller wie auch potenzieller) konnte 
damit ausschliesslich durch allfällige zur Offertabgabe eingeladene bzw. angefragte Bauun-
ternehmen, die sich nicht gleichzeitig an der Abrede beteiligten, entstehen. Das einzige Unter-
nehmen, von welchem damit überhaupt Aussenwettbewerb ausgehen konnte, ist durch das 
offerierende  Unternehmen  […]  identifiziert.  Insbesondere  waren  die  Abredeteilnehmer  nicht 
mit  Konkurrenzdruck  von  [Unternehmen  Q],  die ebenfalls  offerierte,  konfrontiert. Wie die E-
Mail von Bezzola Denoth an [Unternehmen Q] vom […] (Rz 40) sowie die Aussagen von Bez-
zola Denoth zeigen, liess sich auch [Unternehmen Q] auf eine Angebotskoordination mit Bez-
zola Denoth ein.  

94  Verordnung  vom  17.6.1996  über  die  Kontrolle  von  Unternehmenszusammenschlüssen  (VKU; 

SR 251.4). 

95  BGE 139 I 72, 93 E. 9.2.3.1 (= RPW 2013/1, 127 E. 9.2.3.1), Publigroupe SA et al./WEKO. 
96    BGE 139 I 72, 92 E. 9.2.1 m.w.H. (= RPW 2013/1, 127 E. 9.2.1), Publigroupe SA et al./WEKO. 

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132.  Die vorliegende Abrede war erfolgreich, da das zu schützende Unternehmen Bezzola 
Denoth den Zuschlag wie vereinbart erhielt. Somit liegt bezüglich der vorliegend ausgeschrie-
benen Bauleistungen kein ausreichender Aussenwettbewerb vor, der die Vermutung der Wett-
bewerbsbeseitigung widerlegt.97 Martinelli hielt sich an die Abrede, indem sie beim [Bauprojekt 
1]  eine  höhere  Offerte  einreichte  als  Bezzola  Denoth  (Rz  83  ff.).  Somit  bestand  auch  kein 
Innenwettbewerb. 

133.  Nach dem Gesagten kann die Vermutung der Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs 
nicht widerlegt werden. Es handelt sich somit bei der Abrede zwischen Bezzola Denoth und 
Martinelli um eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung im Sinne von Art. 5 Abs. 3 i.V.m. 
Abs. 1 KG. 

134.  Selbst wenn man – entgegen der Beurteilung der WEKO – von einer Widerlegung der 
Beseitigungsvermutung ausgehen würde, läge zumindest eine erhebliche Wettbewerbsbeein-
trächtigung vor, wie folgende Ausführungen zeigen. 

135.  Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts, u.a. im Fall Gaba, ist das Kriterium der 
Erheblichkeit in Art. 5 Abs. 1 KG als Bagatellklausel zu verstehen. Schon ein geringes Mass 
ist ausreichend, um als erheblich qualifiziert zu werden.98 Das Gericht stellte sodann klar, dass 
die Frage der Erheblichkeit bei Wettbewerbsabreden nach Art. 5 Abs. 3 und 4 KG grundsätz-
lich nur unter dem Gesichtspunkt qualitativer Elemente zu würdigen ist. In der Regel sind sol-
che Wettbewerbsabreden bereits aufgrund ihres Gegenstandes erheblich.99 Quantitative As-
pekte sind hierbei nicht zu prüfen. Schliesslich ist nicht erforderlich, dass sich die betreffenden 
Abreden tatsächlich negativ auf den Wettbewerb ausgewirkt haben. Es genügt, dass sie den 
Wettbewerb potenziell beeinträchtigen können.100 

136.  Der vorliegenden Wettbewerbsabrede war ein nicht unbedeutendes Schädigungspoten-
zial immanent. Als horizontale Geschäftspartner- und Preisabrede (Art. 5 Abs. 3 Bst. a und c 
KG; vgl. Rz 118) betraf sie zentrale Wettbewerbsparameter. Zudem wurde sie umgesetzt. Da-
mit entfiel zwischen den Abredeteilnehmern jeglicher Innenwettbewerb. Schliesslich erhielt mit 
Bezzola Denoth dasjenige Unternehmen den Zuschlag, das von den Abredeteilnehmern hier-
für vorgesehen war.  

137.  Die Bagatellschwelle ist – bezogen auf den relevanten Markt (Rz 120 ff. hiervor) – bei 
weitem überschritten. Das Kriterium der Erheblichkeit ist somit gegeben. 

138.  Rechtfertigungsgründe der wirtschaftlichen Effizienz (Art. 5 Abs. 2 KG) sind bei der vor-
liegenden Wettbewerbsabrede nicht ersichtlich und wurden von den Parteien auch nicht vor-
gebracht. Die Wettbewerbsabrede stellt daher auch dann eine unzulässige Wettbewerbsbe-
schränkung  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  3  i.V.m.  Abs.  1  KG  dar,  wenn  die  Vermutung  der 
Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs als widerlegt erachtet würde. 

C.3.5  Abrede zwischen Bezzola Denoth und Hartmann: Erhebliche Beeinträchtigung 

des Wettbewerbs 

139.  Wie erörtert worden ist, ist die Wettbewerbsabrede zwischen Bezzola Denoth und Hart-
mann unter die Bestimmung von Art. 5 Abs. 1 KG zu subsumieren (Rz 119). Bei solchen Ab-
reden greift die gesetzliche Vermutung, dass der wirksame Wettbewerb beseitigt wird, nicht. 
Wie dargelegt worden ist, war Bezzola Denoth bei der Ausschreibung des [Bauprojekts 1] nur 

97   Vgl.  dazu  auch  RPW  2013/4,  596  Rz  852  f.,  Wettbewerbsabreden  im  Strassen-  und  Tiefbau  im 

Kanton Zürich. 

98   BGE  143  II  297,  RPW  2017/2,  349  E. 5.1,  GABA;  bestätigt  in  Urteil  des  BGer  2C_63/2016  vom 

24.10.2017, E. 4.3.1, BMW. 

99   BGE  143  II  297,  RPW  2017/2,  350  E. 5.2,  GABA;  bestätigt  in  Urteil  des  BGer  2C_63/2016  vom 
24.10.2017,  E. 4.3.1,  BMW;  Urteil  des  BGer  2C_1017/2014  vom  9.10.2017,  E. 3.1,  Paul  Koch 
AG/WEKO; Urteil des BGer 2C_1016/2014 vom 9.10.2017, E. 1, Siegenia-Aubi AG/WEKO. 

100  BGE  143  II  297,  RPW  2017/2,  RPW  2017/2,  353  E. 5.4.2,  GABA;  bestätigt  in  Urteil  des 

BGer 2C_63/2016 vom 24.10.2017, E. 4.3.2, BMW.  

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mit schwachem Konkurrenzdruck konfrontiert (vgl. Rz 131 f.). Vor diesem Hintergrund spricht 
vieles dafür, dass auch in Bezug auf die Abrede zwischen Bezzola Denoth und Hartmann von 
einer Wettbewerbsbeseitigung auszugehen ist. Dies kann vorliegend aber offen gelassen wer-
den. Wie  zu  zeigen  ist,  hatte  die  Abrede  eine  erhebliche  Wettbewerbsbeeinträchtigung  zur 
Folge (Rz 140 ff.) und die Abrede lässt sich nicht aus Effizienzgründen rechtfertigen (Rz 147 
f.). 

140.  Die Erheblichkeit einer Wettbewerbsbeeinträchtigung durch Wettbewerbsabreden ist an-
hand qualitativer und quantitativer Kriterien zu prüfen. Der Beurteilungsmechanismus für die 
Feststellung  der  Gesamterheblichkeit  bestimmt  sich  grundsätzlich  aufgrund  einer  Gesamt-
schau von qualitativer und quantitativer Erheblichkeit. Danach ist es nicht erforderlich, dass 
beide Komponenten im Sinne einer doppelten Erfüllung je für sich betrachtet als erheblich zu 
qualifizieren sind.  Vielmehr  reicht  es  aus,  dass bei  einer  Gesamtwürdigung  der qualitativen 
und quantitativen Einwirkung insgesamt die Schwelle zur Erheblichkeit überschritten wird. Da-
bei kann eines der beiden Kriterien solch einen schwerwiegenden nachteiligen Eingriff darstel-
len und damit für die Gesamtbeurteilung eine derartige Bedeutung erlangen, dass das andere 
Kriterium selbst nur geringfügig ausgeprägt sein muss.101 Unter qualitativen Aspekten ist zu 
beurteilen, welche Wettbewerbsparameter durch die Abrede betroffen sind, um anschliessend 
deren Bedeutung im relevanten Markt zu ermitteln (vgl. Rz 141). In quantitativer Hinsicht sind 
die aktuelle und potenzielle Konkurrenz sowie in der Regel die Stellung der Marktgegenseite 
zu analysieren (vgl. Rz 142 ff.).102  

C.3.5.1 

Qualitative Kriterien 

141.  Vorliegend ist erwiesen, dass Bezzola Denoth und Hartmann die Höhe der „Richtofferte“ 
von Hartmann abgestimmt haben. Offen gelassen werden kann die Frage, ob es sich hierbei 
um eine Abrede über den Preis handelt. Fest steht, dass eine „Richtofferte“ das Ergebnis einer 
Ausschreibung zu beeinflussen vermag. Beispielsweise kann der Bauherr eine tiefe „Richtof-
ferte“ dazu verwenden, den Preis für die Bauleistungen in den Abgebotsrunden nach unten zu 
drücken. Weiter kann sich der Bauherr aufgrund der „Richtofferte“ veranlasst sehen, weitere 
Unternehmen zur Abgabe eines Angebots einzuladen. Schliesslich kann ein zu grosser Unter-
schied zwischen „Richtofferte“ und den eingereichten Angeboten gar zum Abbruch der Sub-
mission führen.103 Vor diesem Hintergrund ist das Schädigungspotenzial der Abrede zwischen 
Bezzola  Denoth  und  Hartmann,  die  zur  Verfälschung  der  „Richtofferte“  führte,  als  gross  zu 
werten. Die qualitativen Gesichtspunkte sprechen somit dafür, dass das Kriterium der Erheb-
lichkeit gegeben ist. 

C.3.5.2 

Quantitative Kriterien 

142.  Angesichts  der  Schwere  der Wettbewerbsbeeinträchtigung  in qualitativer Hinsicht,  die 
derjenigen einer Vermutungsabrede gemäss Art. 5 Abs. 3 und 4 KG gleicht, genügt vorliegend 
für  die  Bejahung  der  Erheblichkeit  eine  minimale  Einwirkung  auf  den  Wettbewerb.104  Noch 
nicht geklärt ist die Frage, ob die Gesamtbetrachtung bei einer – in qualitativer Hinsicht – solch 
schwerwiegender Abrede gemäss Art. 5 Abs. 1 KG überhaupt auch unter quantitativen Aspek-
ten zu erfolgen hat oder ob die fehlende Notwendigkeit der Prüfung unter quantitativen Krite-
rien einzig auf die Vermutungsabreden des Art. 5 Abs. 3 und 4 KG beschränkt ist. Dies kann 

101  BGE 143 II 297, RPW 2017/2, 349 E. 5.2.2, GABA; RPW 2016/4, 1140 Rz 348, Urteil des BVGer 

B-3618/2013 vom 24.11.2016, Vertrieb von Tickets im Hallenstadion Zürich. 

102  RPW 2005/2, 263 Rz 72, Swico/Sens; RPW 2009/2, 150 Rz 64, 153 Rz 75 Sécateurs et cisailles; 
RPW 2010/1, 103 Rz 301 f.; RPW 2010/4, 679 Rz 232, Hors-Liste Medikamente; vgl. auch ANDREA 
GRABER, Die neue Vertikalbekanntmachung 2010 der WEKO, Jusletter vom 23. August 2010, Rz 13. 
103  RPW 2009/4, 339 Rz 2, Submission Betonsanierung am Hauptgebäude der Schweizerischen Lan-

desbibliothek (SLB). 

104  RPW 2016/4, 1147 Rz 400, Urteil des BVGer B-3618/2013 vom 24.11.2016, Vertrieb von Tickets 

im Hallenstadion Zürich. 

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vorliegend aber offen gelassen werden, zumal bei der zu beurteilenden Abrede – wie im Fol-
genden gezeigt wird – auch die quantitativen Aspekte bedeutsam waren. 

143.  Es steht vorliegend fest, dass nur von […] tatsächlicher Aussenwettbewerb ausgehen 
konnte. Wie gezeigt worden ist, liess sich – neben Martinelli und Hartmann – auch [Unterneh-
men Q] auf eine Verhaltensabstimmung mit Bezzola Denoth ein (vgl. Rz 131). Somit ist der 
aktuelle Aussenwettbewerb als schwach zu werten.  

144.  Potenzielle Aussenwettbewerber können in den Markt eindringen, wenn die Bauherrin 
weitere Offerten einholt. Gemäss [Architekt X] seien alle Grossunternehmen im Unterengadin 
für dieses Projekt angefragt worden (Rz 50). Aufgrund der Termine seien nur Grossunterneh-
men in der Lage gewesen, dieses Projekt auszuführen. Das heisst, dass wenig wahrscheinlich 
ist, dass weitere Bauunternehmen in den Markt hätten eindringen können. Somit war auch der 
potenzielle Aussenwettbewerb schwach.  

145.  Damit sprechen auch die quantitativen Aspekte dafür, dass das Kriterium der Erheblich-
keit gegeben ist.  

C.3.5.3 

Ergebnis 

146.  Dies führt dazu, dass das Ergebnis der Gesamtwürdigung der qualitativen und quantita-
tiven Kriterien eindeutig ausfällt: Die Erheblichkeit der Wettbewerbsabrede zwischen Bezzola 
Denoth und Hartmann ist zu bejahen.  

C.3.5.4 

Rechtfertigung aus Effizienzgründen 

147.  Wettbewerbsabreden sind gemäss Art. 5 Abs. 2 KG durch Gründe der wirtschaftlichen 
Effizienz gerechtfertigt, wenn sie: 

 

 

notwendig  sind,  um  die Herstellungs-  oder  Vertriebskosten  zu  senken,  Produkte  oder 
Produktionsverfahren  zu  verbessern,  die  Forschung  oder  die  Verbreitung  von  techni-
schem oder beruflichem Wissen zu fördern oder um Ressourcen rationeller zu nutzen 
(Bst. a); und 

den beteiligten Unternehmen in keinem Fall Möglichkeiten eröffnen, wirksamen Wettbe-
werb zu beseitigen (Bst. b). 

148.  Rechtfertigungsgründe der wirtschaftlichen Effizienz (Art. 5 Abs. 2 KG) sind bei der Wett-
bewerbsabrede zwischen Bezzola Denoth und Hartmann nicht ersichtlich und wurden von den 
Parteien auch nicht vorgebracht. Die Wettbewerbsabrede zwischen ihnen stellt daher eine un-
zulässige Wettbewerbsbeschränkung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 KG dar. 

C.4  Massnahmen 

C.4.1  Anordnung von Massnahmen 

149.  Liegt eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung vor, so kann die WEKO Massnahmen 
zu deren  Beseitigung  anordnen,  indem sie den  betroffenen  Parteien  die sanktionsbewehrte 
Pflicht zu einem bestimmen Tun (Gebot) oder Unterlassen (Verbot) auferlegt. Solche Gestal-
tungsverfügungen haben stets dem Verhältnismässigkeitsprinzip zu entsprechen, weshalb die 
Massnahmen  von  der  Art  und  Intensität  des  konkreten  Wettbewerbsverstosses  abhängig 
sind.105 

105  RPW 2013/4, 643 Rz 1028 ff., Wettbewerbsabreden im Strassen- und Tiefbau im Kanton Zürich; 

RPW 2015/2, 235 Rz 266 ff., Tunnelreinigung. 

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150.  Die Unternehmen Bezzola Denoth, Martinelli und Hartmann werden unter Hinweis auf 
die gesetzlichen Folgen im Widerhandlungsfall (Art. 50 und 54 KG) dazu verpflichtet, Verhal-
tensweisen zu unterlassen, welche unzulässige Wettbewerbsabreden gemäss Art. 5 Abs. 3 
KG darstellen. 

151.  Insbesondere wird den genannten Unternehmen untersagt: 

 

 

Konkurrenten im Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tiefbauleistungen 
um Schutz, Stützofferten oder den Verzicht auf eine Offerteingabe anzufragen oder der-
artiges anzubieten; 

sich in Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tiefbauleistungen mit Kon-
kurrenten vor Ablauf der Offerteingabefrist – oder, sofern nicht vorhanden, vor rechts-
kräftiger Auftragserteilung – über Offertpreise, Preiselemente sowie die Zu- und Auftei-
lung von Kunden und Gebieten auszutauschen; davon ausgenommen ist der Austausch 
unabdingbarer Informationen im Zusammenhang mit 

a) der Bildung und Durchführung von Arbeitsgemeinschaften (ARGE) sowie  

b) der Mitwirkung an der Auftragserfüllung als Subunternehmer. 

152.  Diese Anordnungen umschreiben die Verpflichtungen der Verfahrensparteien, um sich 
künftig kartellrechtskonform zu verhalten, hinreichend bestimmt, vollständig und klar. Zudem 
stehen sie in unmittelbaren Zusammenhang zur von ihnen begangenen unzulässigen Verhal-
tensweise und verhindern,  dass  es  erneut  zu derartigen  Verhaltensweisen kommt.  Sie  sind 
verhältnismässig,  zumal  sie  zur  Erreichung  des  Ziels,  die  Wiederholung  der  festgestellten 
Wettbewerbsbeschränkungen zu verhindern, geeignet sowie erforderlich und zumutbar sind. 

153.  Verstösse  bzw.  Widerhandlungen  gegen  die  genannten  Massnahmen  können  nach 
Massgabe von Art. 50 bzw. 54 KG mit einer Verwaltungs- bzw. Strafsanktion belegt werden. 
Diese Sanktionierbarkeit ergibt sich ohne Weiteres aus dem Gesetz selber, weshalb auf eine 
entsprechende – lediglich deklaratorische und nicht konstitutive – Sanktionsdrohung im Dis-
positiv verzichtet werden kann.106 

C.4.2  Sanktionierung 

154.  Gemäss Art. 49a Abs. 1 KG wird ein Unternehmen, das an einer unzulässigen Abrede 
nach Art. 5 Abs. 3 und 4 KG beteiligt ist oder sich nach Art. 7 KG unzulässig verhält, mit einem 
Betrag  bis  zu  10  Prozent  des  in  den  letzten  drei  Geschäftsjahren  in  der  Schweiz  erzielten 
Umsatzes belastet. Art. 9 Abs. 3 KG ist sinngemäss anwendbar. Der Betrag bemisst sich nach 
der Dauer und der Schwere des unzulässigen Verhaltens. Der mutmassliche Gewinn, den das 
Unternehmen dadurch erzielt hat, ist angemessen zu berücksichtigen. 

C.4.2.1 

Voraussetzungen 

155.  Bezzola  Denoth  und  Martinelli  erfüllen  vorliegend  den  Unternehmensbegriff  nach 
Art. 2 Abs. 1 und 1bis KG. Bezzola Denoth AG und Martinelli haben durch den Verstoss gegen 
Art. 5 Abs. 1 i.V.m. 3 KG eine unzulässige Verhaltensweise im Sinne von Art. 49a Abs. 1 KG 
begangen. Anders verhält es sich für Hartmann. Sie hat sich an einer unzulässigen Wettbe-
werbsabrede gemäss Art. 5 Abs. 1 KG beteiligt, die nicht unter Art. 5 Abs. 3 oder Abs. 4 KG 
zu subsumieren ist. Ein solcher Verstoss kann nicht sanktioniert werden. 

156.  Die natürlichen Personen, welche vorliegend für Bezzola Denoth und Martinelli handel-
ten und die kartellrechtswidrige Submissionsabsprache trafen, taten dies vorsätzlich oder nah-
men  deren  wettbewerbsbeseitigende  Wirkung  zumindest  in  Kauf,  handelten  diesbezüglich 

106  Vgl. Entscheid der REKO/WEF vom 9.6.2005, RPW 2005/3, 530 E. 6.2.6, Telekurs Multipay; Urteil 

des BVGer vom 3.10.2007, RPW 2007/4, 653 E. 4.2.2, Flughafen Zürich AG, Unique. 

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also zumindest eventualvorsätzlich. Sodann ist festzuhalten, dass die handelnden natürlichen 
Personen für die jeweiligen Unternehmen zeichnungsberechtigt waren und jeweils mindestens 
dem mittleren oder oberen Kader bzw. der Geschäftsleitung angehörten. Ihr Vorsatz bezüglich 
der von ihnen vorgenommenen Handlungen ist daher ohne Weiteres den betroffenen Unter-
nehmen zuzurechnen. 

C.4.2.2 

Bemessung  

C.4.2.2.1  Konkrete Sanktionsbemessung 

157.  Rechtsfolge  eines  Verstosses  im  Sinne  von  Art. 49a  Abs. 1  KG  ist  die  Belastung  des 
fehlbaren Unternehmens mit einem Betrag bis zu 10 Prozent des in den letzten drei Geschäfts-
jahren in der Schweiz erzielten Umsatzes. Dieser Betrag stellt demnach die höchstmögliche 
Sanktion dar. Die konkrete Sanktion bemisst sich nach der Dauer und der Schwere des unzu-
lässigen Verhaltens, wobei der mutmassliche Gewinn, den das Unternehmen dadurch erzielt 
hat, angemessen zu berücksichtigen ist. 

158.  Die  konkreten  Bemessungskriterien  und  damit  die  Einzelheiten  der  Sanktionsbemes-
sung  werden  in  der  SVKG  näher  präzisiert  (vgl.  Art. 1  Bst. a  SVKG).  Die  Festsetzung  des 
Sanktionsbetrags  liegt  dabei  grundsätzlich  im  pflichtgemäss  auszuübenden  Ermessen  der 
WEKO, welches durch die Grundsätze der Verhältnismässigkeit107 und der Gleichbehandlung 
begrenzt  wird.108  Die WEKO  bestimmt  die effektive  Höhe der  Sanktion nach den konkreten 
Umständen im Einzelfall, wobei die Geldbusse für jedes an einer Zuwiderhandlung beteiligte 
Unternehmen individuell innerhalb der gesetzlich statuierten Grenzen festzulegen ist.109 

a)  Basisbetrag 

159.  Der Basisbetrag beträgt gemäss SVKG je nach Art und Schwere des Verstosses bis zu 
10 Prozent des Umsatzes, den das betreffende Unternehmen in den letzten drei Geschäfts-
jahren auf dem relevanten Markt in der Schweiz erzielt hat (Art. 3 SVKG). Gemäss Art. 3 SVKG 
ist die aufgrund des Umsatzes errechnete Höhe des Basisbetrages je nach Schwere und Art 
des Verstosses festzusetzen (vgl. dazu Erläuterungen SVKG, S. 2 f.). 

160.  Das an der Submissionsabrede beteiligte Unternehmen Bezzola Denoth erzielte im von 
der vorliegenden abgesprochenen Submission betroffenen Markt einen Umsatz.  

161.  Hingegen  erzielte  Martinelli  keinen  Umsatz,  da  ihr  die  Rolle  der  Schutzgeberin  zuge-
dacht war. Art. 49a Abs. 1 KG sieht eine Sanktionierung von Unternehmen vor, welche sich 
an einer Abrede beteiligt haben. Das Entfallen der Belastung ist auf Gesetzesstufe nur aus 
den in Art. 49a Abs. 3 KG abschliessend aufgeführten Gründen vorgesehen. Eine rein auf der 
Basis  des  eigenen  Umsatzes  zu  bemessende  Sanktion  würde  bei  Abredebeteiligten,  deren 
Schutznahme erfolglos blieb oder die durch eine Stützofferte den designierten Zuschlagsemp-
fänger schützen sollten, aufgrund fehlenden Umsatzes zu einer Nicht-Sanktionierung führen, 
die in Art. 49a KG nicht vorgesehen ist. Dieses Ergebnis entspricht nicht dem Sinn und Zweck 
der Regelung von Art. 3 SVKG und kann vom Verordnungsgeber nicht gewollt gewesen sein.  

162.  Vor  diesem  Hintergrund ist  vorliegend  –  unter  Berücksichtigung  der  vom Gesetz-  und 
Verordnungsgeber in Art. 49a KG und Art. 3 SVKG getroffenen Wertungen – ein Basisbetrag 
zu bestimmen, der einerseits den von der Submissionsabrede betroffenen Umsatz einbezieht 
und andererseits die Schwere und Art des Verstosses berücksichtigt. 

107  Art. 2 Abs. 2 SVKG. 
108  RPW 2006/4, 661 Rz 236, Flughafen Zürich AG (Unique) – Valet Parking. 
109  RPW 2009/3, 212 f. Rz 111, Elektroinstallationsbetriebe Bern. 

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163.  Vorliegend wird als Basisumsatz die Offertsumme von Bezzola Denoth exklusive Mehr-
wertsteuer in Höhe von CHF […] herangezogen (vgl. Rz 51). Daraus ergibt sich für den Basis-
betrag eine Obergrenze von CHF […]. 

164.  Die Schwere der Zuwiderhandlung ist im Einzelfall unter Berücksichtigung aller relevan-
ten Umstände zu beurteilen. Allgemeine Aussagen zur Qualifizierung konkreter Abreden sind 
nur sehr beschränkt möglich, kommt es doch immer massgeblich auf die konkreten Umstände 
des Einzelfalls an. Zweifellos stellen Abreden gemäss Art. 5 Abs. 3 KG, welche den Wettbe-
werb beseitigen, – als sogenannte harte horizontale Kartelle – in aller Regel schwere Kartell-
rechtsverstösse dar. Unter anderem sind horizontale Abreden, welche den Preiswettbewerb 
ausschalten, wegen des grossen ihnen immanenten Gefährdungspotenzials grundsätzlich im 
oberen Drittel des möglichen Sanktionsrahmens, d.h. zwischen 7 und 10 Prozent, einzuord-
nen. Darüber hinaus ist im Allgemeinen davon auszugehen, dass Wettbewerbsbeschränkun-
gen, welche gleichzeitig mehrere Tatbestände gemäss Art. 5 KG erfüllen, schwerer zu gewich-
ten sind als solche, die nur einen Tatbestand erfüllen.  

165.  Bezzola Denoth als Schutznehmerin sowie Martinelli als schützendes Unternehmen be-
teiligten sich an einer Abrede, welche den Preis sowie die Aufteilung von Geschäftspartnern 
zum Gegenstand hatte. Dabei handelten sie vorsätzlich. Diese Art Wettbewerbsabrede läuft 
den Anliegen des Kartellgesetzes in schwerwiegender Weise zuwider. In der Ökonomie ist das 
Schädigungspotenzial von Abreden über den Preis und die Aufteilung von Geschäftspartnern 
unbestritten. Vorliegend sind zudem gleichzeitig mehrere der als im Wettbewerb besonders 
wesentlich anzuschauenden Parameter gemäss Art. 5 Abs. 3 KG betroffen. Zudem wurde der 
Wettbewerb durch die Abrede beseitigt. 

166.  Aus  diesen  Gründen  ist  der  vorliegende  Kartellrechtsverstoss  als  schwerwiegend  zu 
werten.  

167.  Unter Berücksichtigung der Art und Schwere des kartellrechtlichen Verstosses erscheint 
für Bezzola Denoth als erfolgreiche Schutznehmerin der Submissionsabrede ein Basisbetrag 
von 10 Prozent des erzielten Umsatzes als angemessen, d.h. CHF […]. 

168.  Unter Berücksichtigung der Art und Schwere des kartellrechtlichen Verstosses erscheint 
für  Martinelli  als  „schützendes“  Unternehmen  bei  erfolgreicher  Schutzgabe  ein  Basisbetrag 
von CHF […] als angemessen. 

b) Dauer des Verstosses 

169.  Gemäss Art. 4 SVKG erfolgt eine Erhöhung des Basisbetrages um bis zu 50 Prozent, 
wenn der Wettbewerbsverstoss zwischen einem und fünf Jahren gedauert hat, für jedes wei-
tere Jahr ist ein Zuschlag von bis zu 10 Prozent möglich (vgl. dazu Erläuterungen SVKG, S. 3). 

170.  Der vorliegende Kartellrechtsverstoss bezieht sich auf Leistungen im Rahmen eines ein-
zelnen Bauprojekts, nämlich [Bauprojekt 1]. Der Wettbewerbsverstoss betrifft damit einen re-
lativ kurzen Zeitraum. Folglich ist der Basisbetrag nicht zu erhöhen. 

c) Erschwerende Umstände 

171.  Gemäss Art. 5 Abs. 2 Bst. a SVKG wird der Betrag nach den Artikeln 3 und 4 zusätzlich 
erhöht, wenn das betreffende Unternehmen zur Wettbewerbsbeschränkung anstiftete oder da-
bei eine führende Rolle spielte. Das Tatbestandsmerkmal der Anstiftung bzw. der führenden 
Rolle wird in Art. 5 Abs. 2 Bst. a SVKG genannt, aber vom Verordnungsgeber nicht definiert. 
Vorliegend werden Anstiftung und führende Rolle separat geprüft.  

Anstiftung 

172.  Unternehmen nehmen eine anstiftende Rolle ein, wenn sie andere Unternehmen dazu 
veranlassen, eine Wettbewerbsbeschränkung zu begehen bzw. sich daran zu beteiligen. Als 
Mittel kommt in Analogie  zu den strafrechtlichen Kriterien der Anstiftung (vgl. Art. 24 StGB) 

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31 

 
 
 
 
grundsätzlich jedes motivierende Verhalten in Frage. Zu denken ist etwa an einen Vorschlag, 
eine konkludente Aufforderung oder eine motivierende Einladung (allenfalls unter Inaussicht-
stellen von Anreizen oder Drohungen).110

173.  Vorliegend ist nicht erstellt (vgl. Rz 74 ff.), welche Verfahrenspartei beim [Bauprojekt 1] 
die Initiative zur Angebotskoordination ergriff. Welches Unternehmen diese Koordination letzt-
lich initiierte, lässt sich nicht erstellen und muss daher offen gelassen werden. Des Weiteren 
ist zu prüfen, ob eine der Verfahrensparteien allenfalls eine führende Rolle ausübte.  

Führende Rolle 

174.  Eine führende Rolle bei horizontalen Abreden liegt vor, wenn ein Unternehmen im kon-
kret  zu  beurteilenden  Einzelfall  in  besonderem  Masse  zur  Beschränkung  des Wettbewerbs 
bzw. zum KG-Verstoss beigetragen hat. Zentral für die Beurteilung einer führenden Rolle sind 
zum einen die konkreten Beiträge eines Unternehmens zur Vorbereitung, Organisation, Durch-
führung und Umsetzung der Wettbewerbsbeschränkung und zum anderen die Interessenslage 
der beteiligten Unternehmen. Nimmt ein Unternehmen bei der Organisation oder Umsetzung 
eine  besonders  tragende  Rolle  ein  und dient  eine Wettbewerbsbeschränkung einem  Unter-
nehmen in besonderem Masse, ist dies als Anzeichen seiner führenden Rolle zu werten.111

175.  Da der Verordnungsgeber die führende Rolle nicht definiert hat und die Anzahl diesbe-
züglicher Entscheide der WEKO bis anhin gering ausfällt, ist rechtsvergleichend die Praxis der 
EU-Kommission heranzuziehen. Auch die EU-Kommission beachtet bei der Berechnung der 
Sanktionshöhe die Rolle des Anführers als erschwerenden Umstand.112 Rechtsvergleichend 
sei  daher  auf  die  entsprechende  Praxis  der  EU-Gerichte  hingewiesen.  Demnach  muss  ein 
Unternehmen, um als Anführer eines Kartells eingestuft zu werden, eine wichtige Antriebskraft 
für das Kartell gewesen sein113 oder eine besondere, konkrete Verantwortung für dessen Funk-
tionieren getragen haben.114 Darauf kann auch aus einer Gesamtheit von Indizien geschlossen 
werden, die das Bestreben des Unternehmens zeigen, die Stabilität und den Erfolg des Kar-
tells zu sichern.115 Ein solcher Fall liegt etwa vor, wenn nachgewiesen ist, dass das Unterneh-
men  im  Kartell  die  Aufgaben  eines  Koordinators  übernommen  und  namentlich  das  mit  der 
konkreten Durchführung des Kartells betraute Sekretariat organisiert und mit Personal ausge-
stattet  hatte.116  Oder  wenn erwiesen ist,  dass  das betroffene  Unternehmen  im  Rahmen  der 
konkreten Betätigung des Kartells eine zentrale Rolle etwa dadurch spielte, dass es zahlreiche 
Treffen organisierte, die Informationen innerhalb des Kartells entgegennahm und verteilte, die 
Vertretung  einiger  Mitglieder  im  Kartell  übernahm  oder  die meisten  Vorschläge zur  Arbeits-
weise des Kartells machte.117 Hierbei handelt es sich aber nicht um einen abschliessenden 

110  RPW  2016/3,  751  Rz  224,  Saiteninstrumente  (Gitarren  und  Bässe)  und  Zubehör;  CHRISTOPH 
TAGMANN/BEAT  ZIRLICK,  in:  Basler  Kommentar,  Kartellgesetz,  Amstutz/Reinert  (Hrsg.),  2010, 
Art. 49a N 76. 

111  Vgl. dazu RPW 2016/3, 710 Rz 399 f., Flügel und Klaviere (noch nicht rechtskräftig); RPW 2016/3, 
751  Rz  224,  Saiteninstrumente  (Gitarren  und  Bässe)  und  Zubehör;  BSK  KG-TAGMANN/ZIRLICK 
(Fn 110), Art. 49a N 78; ROBERT ROTH/CHRISTIAN BOVET, in: Commentaire Romand, Droit de la con-
currence, Martenet/Tercier/Bovet (Hrsg.), 2013, Art. 49a KG N 52. 

112  Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbussen gemäß Artikel 23 Absatz 2 Buchstabe 

a) der Verordnung (EG) Nr. 1/2003, ABl. C 210/2, 4 Rz 28. 

113  EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva et al. unter Verweis auf EuG 
T-410/03, Slg. 2008, II-881 Rz 423, Hoechst/Kommission; EuG, T-15/02 Slg. 2006, II-497 Rz 93, 
BASF/Kommission.  

114  EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva et al., EuG, T-15/02 Slg. 2006, 

II-497 Rz 87, BASF/Kommission. 

115  EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva et al.; EuG, T-15/02 Slg. 2006, 

II-497 Rz 351 BASF/Kommission.  

116  EuG  verb.  Rs.  T-117/07  u.  T-121/07,  Slg.  2011,  II-633  Rz  283,  Areva  et  al.;  EuG T-224/00,  Slg. 

2003, II-2597, Rz 246 und 247, Archer Daniels Midland. 

117  Vgl. in diesem Sinne EuGH verb. Rs. 96/82 bis 102/82, 104/82, 105/82, 108/82 und 110/82, IAZ 
International Belgium et al., Slg. 1983, 3369, Rz. 57 f.; EuG, T-15/02 Slg. 2006, II-497 Rz 404, 439 

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32 

 
 
 
 
 
 
                                                
Katalog von möglichen Tatbeiträgen, die für eine führende Rolle sprechen. Die Einzelfallbe-
trachtung und der Umstand, dass Kartelle unterschiedlich initiiert, organisiert und gelebt wer-
den können, stünde einem solchen Schematismus entgegen. Letztlich ist massgeblich, ob der 
konkrete Tatbeitrag eines Beteiligten – absolut betrachtet – wesentlich für die Organisation, 
Umsetzung,  den  Fortbestand  und/oder  Erfolg  des  konkreten  Kartells  war  und  sich  –  relativ 
betrachtet – qualitativ und/oder quantitativ derart von Tatbeiträgen anderer Beteiligten abhob, 
dass im Vergleich zu diesen auf eine führende Rolle zu schliessen ist.  

176.  Vorliegend steht fest, dass Bezzola Denoth die E-Mail vom […] inkl. kalkulierter Datei an 
Martinelli zusandte. Darin gab sie ihr an, welchen Preis sie der Bauherrschaft offerieren sollte 
(vgl. Rz 38 ff. hiervor). Diese Angabe der Höhe der Schutzofferte ist nicht als Tatbeitrag zu 
werten,  der  isoliert  betrachtet  zur  Annahme einer führenden Rolle führt. Vielmehr  liegt  eine 
solche Handlung in der Natur einer einzelsubmissionsbezogenen preislichen Angebotskoordi-
nierung.118 In casu war der für Bezzola Denoth damit verbundene organisatorische und intel-
lektuelle Aufwand nur gering. Eine tragende Rolle von Bezzola Denoth bei der Organisation 
sowie der Durchführung des Kartells liegt somit nicht vor. Zu würdigen ist sodann die Interes-
senlage der Beteiligten, wonach das Interesse von Bezzola Denoth an der Angebotskoordina-
tion als „Schutznehmerin“ grösser gewesen sein dürfte als dasjenige von Martinelli. Eine sol-
che Interessensasymmetrie liegt bei einzelprojektbezogenen Submissionsabreden ebenfalls 
in der Natur der Sache und begründet für sich alleine keine führende Rolle. Zusammengefasst, 
in einer Gesamtbetrachtung, sind die für eine führende Rolle sprechenden Kriterien (Organi-
sation, Durchführung, Interessenslage) zu wenig ausgeprägt, um eine solche für Bezzola De-
noth zu bejahen. 

177.  Im  Ergebnis  liegen  damit  zwar  gewisse  Elemente  vor,  die für  die  Erfüllung  der  obge-
nannten Voraussetzungen und damit für eine führende Rolle von Bezzola Denoth sprechen. 
Diese Elemente erreichen aber nicht das Ausmass, um eine solche zu bejahen. Eine Sankti-
onserhöhung  unter  diesem  Titel  scheidet  somit  aus.  Nicht  beurteilt  zu  werden  braucht  die 
Frage,  wie  es  sich  verhält,  wenn  ein  Unternehmen  über  die  vorliegenden  üblichen  Umset-
zungshandlungen im Zuge einer einzelprojektbezogenen Abrede hinaus auf die Organisation 
und  Durchführung  des  Kartells  Einfluss  nimmt  oder  bei  einer  projektübergreifenden  Abrede 
regelmässig die Konkretisierung der preislichen Angebotskoordination übernimmt. 

d) Mildernde Umstände 

178.  Martinelli stritt den Sachverhalt anlässlich der Einvernahme vom 30. Oktober 2015 nicht 
ab und zeigte sich in Bezug auf das vorgeworfene Verhalten zunächst einsichtig. Allerdings 
stellte sie mit ihrer Stellungnahme vom 13. Juni 2017 das gesamte Beweisergebnis in Abrede, 
insbesondere  den  erwiesenen  Konsens  zwischen  Bezzola  Denoth  und Martinelli  betreffend 
die Angebotskoordination.  Eine  Sanktionsreduktion  infolge kooperativen  Verhaltens  im  Ver-
fahren ist daher nicht angezeigt.  

C.4.2.2.2  Maximalsanktion 

179.  Die  Sanktion  beträgt  in  keinem  Fall  mehr  als  10 Prozent  des  in  den  letzten  drei  Ge-
schäftsjahren in der Schweiz erzielten Gesamtumsatzes des Unternehmens (Art. 49a Abs. 1 
KG  und  Art. 7  SVKG).  Vorliegend  erübrigt sich  die Ermittlung  der  Gesamtumsätze der  Par-
teien, zumal die Maximalsanktion gemäss Art. 49a Abs. 1 KG und Art. 7 SVKG offensichtlich 
nicht überschritten wird. 

und 461 BASF/Kommission; EuG verb. Rs. T-117/07 u. T-121/07, Slg. 2011, II-633 Rz 283, Areva 
et al.; RPW 2016/3, 710 Rz 402., Flügel und Klaviere (noch nicht rechtskräftig). 

118  Vgl.  auch  RPW  2013/4,  627  Rz  983,  Wettbewerbsabreden  im  Strassen-  und  Tiefbau  im  Kanton 

Zürich. 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

33 

 
 
 
 
                                                
C.4.2.2.3  Selbstanzeige – Vollständiger/teilweiser Erlass der Sanktion 

Voraussetzungen der Sanktionsbefreiung und -reduktion 

180.  Die Voraussetzungen der Sanktionsbefreiung und -reduktion richten sich nach Art. 8 und 
12 SVKG.  

Bezzola Denoth 

181.  Wie oben unter Verfahrensgeschichte (Rz 5 ff.) ersichtlich, reichte Bezzola Denoth am 
9. November 2012 eine Selbstanzeige gemäss Art. 49a Abs. 2 KG i.V.m. Art. 1 Bst. b sowie 
Art. 8 ff. SVKG betreffend mutmassliche Wettbewerbsverstösse im Unterengadin ein. Bezzola 
Denoth reichte zahlreiche Ergänzungen zu ihrer Selbstanzeige ein, insbesondere die Einga-
ben vom 4. Dezember 2012 und vom 1. Februar 2013, welche auch das vorliegende Bauobjekt 
in […] betreffen. Somit ist Bezzola Denoth die erste Selbstanzeigerin in der vorliegenden Un-
tersuchung 22-0433/22-0464 Engadin VII. 

182.  Bezzola Denoth zeigte kurz nach Untersuchungseröffnung das [Bauprojekt 1] als Wett-
bewerbsverstoss an. Sie reichte auch entscheidende Beweismittel (die zwei vorab erwähnten 
E-Mails vom […]) ein und kooperierte auch sonst mit der Wettbewerbsbehörde. Bezzola De-
noth legte während des Verfahrens unaufgefordert die in ihrem Einflussbereich liegenden In-
formationen  und  Beweismittel  in  Bezug  auf  die  Abreden  vor  und  erläuterte  und  präzisierte 
diese den Wettbewerbsbehörden ununterbrochen, uneingeschränkt und ohne Verzug. 

183.  Gemäss Art. 8 Abs. 2 Bst. a SVKG erlässt die WEKO die Sanktion nur, wenn das Unter-
nehmen kein anderes Unternehmen zur Teilnahme an dem Wettbewerbsverstoss gezwungen 
hat  und  weder  eine  anstiftende  noch  eine  führende  Rolle  im  betreffenden  Wettbewerbs-
verstoss ausgeübt hat. Es liegen im vorliegenden Fall keine Hinweise vor, dass Bezzola De-
noth Martinelli oder Hartmann zur Teilnahme am Wettbewerbsverstoss gezwungen hat. Wie 
gezeigt worden ist (vgl. Rz 174 ff.), sind die Voraussetzungen zur Annahme einer anstiftenden 
oder führenden Rolle von Bezzola Denoth im Zusammenhang mit dem vorliegenden Wettbe-
werbsverstoss nicht gegeben.119 Damit ist ihr die Sanktion vollständig zu erlassen.  

C.4.2.3 

Verhältnismässigkeitsprüfung 

184.  Schliesslich muss eine Sanktion als Ausfluss des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes für 
die betroffenen Unternehmen finanziell tragbar sein.120 Die Höhe der Busse ist dahingehend 
zu begrenzen, dass die Sanktion weder die Wettbewerbs- noch die Existenzfähigkeit des be-
troffenen Unternehmens bedroht. Der Sanktionsbetrag muss zur finanziellen Leistungsfähig-
keit des Unternehmens in einem angemessenen Verhältnis stehen.  

185.  […].121 […].122 […]: 

119  Beispiel,  in  dem  ein  Unternehmen  zur  Teilnahme  an  einem  Wettbewerbsverstoss  gezwungen 
wurde: RPW 2009/2, 156 Rz 90 f., Felco/Landi. In diesem Fall übte Felco Druck auf Landi aus, damit 
diese die Preise erhöhen würde. Landi hatte nicht die Absicht, die Preise zu erhöhen, stimmte der 
Preiserhöhung jedoch zu, um weitere Produkte der Felco in ihrer Produktpalette behalten zu kön-
nen. 

120  Siehe ausführlicher dazu RPW 2009/3, 218 Rz 150, Elektroinstallationsbetriebe Bern m.w.H. 
121  Act. 52, Rz 62 ff. (22-0464). 
122  Act. 69 (22-0464). 

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186.  […]123 […]. 

187.  […] 

188.  […]. 

C.4.3  Ergebnis 

189.  Aufgrund der genannten Erwägungen und unter Würdigung aller Umstände erachtet die 
Wettbewerbsbehörde eine Verwaltungssanktion in folgender Höhe als dem Verstoss der Par-
teien angemessen:  

 

 

Bezzola Denoth:  CHF 0 

Martinelli:  

CHF […] 

D 

Kosten  

190.  Nach Art. 2 Abs. 1 GebV-KG124 ist gebührenpflichtig, wer ein Verwaltungsverfahren ver-
ursacht hat.  

191.  Im Untersuchungsverfahren nach Art. 27 ff. KG besteht eine Gebührenpflicht, wenn auf-
grund der Sachverhaltsfeststellung eine unzulässige Wettbewerbsbeschränkung vorliegt, oder 
wenn sich die Parteien unterziehen. Vorliegend ist daher eine Gebührenpflicht der Verfügungs-
adressatinnen zu bejahen. 

192.  Ist wie im vorliegenden Fall die Aufdeckung und Abklärung einer horizontalen Wettbe-
werbsabrede Gegenstand eines Verfahrens, so gelten grundsätzlich alle an der Abrede Betei-
ligten gemeinsam und in gleichem Masse als Verursacher des entsprechenden Verwaltungs-
verfahrens. Dementsprechend gestaltet sich die bisherige Praxis der Wettbewerbsbehörden, 
gemäss welcher – in Ermangelung besonderer Umstände, die das Ergebnis als stossend er-
scheinen liessen – eine Pro-Kopf-Verlegung der Kosten vorgenommen wurde. Insbesondere 
Gleichheits-,  aber  auch  Praktikabilitätserwägungen,  stehen  dabei  im  Vordergrund.125  Auch 
vorliegend werden die Gebühren den Parteien zu gleichen Teilen auferlegt (vgl. Art. 1a GebV-
KG i.V.m. Art. 2 Abs. 2 AllgGebV126). 

193.  Nach Art. 4 Abs. 2 GebV-KG gilt ein Stundenansatz von CHF 100 bis 400. Dieser richtet 
sich namentlich nach der Dringlichkeit des Geschäfts und der Funktionsstufe des ausführen-
den Personals. Auslagen für Porti sowie Telefon- und Kopierkosten sind in den Gebühren ein-
geschlossen (Art. 4 Abs. 4 GebV-KG). Gestützt auf die Funktionsstufe der mit dem Fall be-
trauten Mitarbeiter rechtfertigt sich ein Stundenansatz von CHF 200 bis 290. 

194.  Die vorliegende Untersuchung wurde mit Verfügung vom 23. November 2015 von der 
Untersuchung 22-0433: Bauleistungen Graubünden getrennt. Vom aus der Untersuchung  22-
0433: Bauleistungen Graubünden bis dahin entstandenen Verfahrensaufwand wird ein Anteil 
von CHF 20‘000 dem vorliegenden Verfahren zugerechnet. Es wurden vor der Verfahrenstren-
nung mehrere Ermittlungshandlungen (insbesondere Einvernahmen) auch in Bezug auf das 

123  […]. 
124  Verordnung  vom  25.2.1998  über  die  Gebühren  zum  Kartellgesetz  (Gebührenverordnung  KG,  

GebV-KG; SR 251.2). 

125  RPW 2009/3, 221 Rz 174, Elektroinstallationsbetriebe Bern. 
126  Allgemeine Gebührenverordnung vom 8.9.2004 (AllgGebV; SR 172.041.1). 

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vorliegende  Bauobjekt  durchgeführt.  Zusätzlich  entfallen  auf  das  vorliegende  Verfahren  fol-
gende  Gebühren,  die  auf  der  Grundlage  der  nach  der  Verfahrenstrennung  aufgewendeten 
Stunden zu berechnen sind: 

- 

- 

99 Stunden zu CHF 200, ergebend CHF 19‘800. 

12 Stunden zu CHF 290, ergebend CHF 3‘480. 

195.  Demnach beläuft sich die Gebühr insgesamt auf CHF 43‘280. 

196.  Die Bezzola Denoth, Hartmann und Martinelli zu gleichen Teilen auferlegten Verfahrens-
kosten betragen je Unternehmen CHF 14‘426. 

197.  Aufgrund  der  Verhältnismässigkeitsprüfung  (vgl.  Rz 184  ff.)  hat  Martinelli  einen  Anteil 
von […]. Die übrigen Verfahrenskosten gehen zulasten der Staatskasse. 

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36 

 
 
 
 
 
 
E 

Dispositiv 

Aufgrund des Sachverhalts und der vorangehenden Erwägungen verfügt die Wettbewerbs-
kommission (Art. 30 Abs. 1 KG): 

1. 

Der Bezzola Denoth AG, der D. Martinelli AG und der Nicol. Hartmann & Cie. AG wird 
untersagt 

1.1 

1.2 

Konkurrenten im Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tiefbauleis-
tungen um Schutz, Stützofferten oder den Verzicht auf eine Offerteingabe anzu-
fragen oder derartiges anzubieten; 

sich in Zusammenhang mit der Erbringung von Hoch- und Tiefbauleistungen mit 
Konkurrenten  vor  Ablauf  der Offerteingabefrist  – oder,  sofern  nicht  vorhanden, 
vor rechtskräftiger Auftragserteilung – über Offertpreise, Preiselemente sowie die 
Zu- und Aufteilung von Kunden und Gebieten auszutauschen; davon ausgenom-
men ist der Austausch unabdingbarer Informationen im Zusammenhang mit 

a) der Bildung und Durchführung von Arbeitsgemeinschaften (ARGE) sowie  

b) der Mitwirkung an der Auftragserfüllung als Subunternehmer. 

2.  Mit Sanktionen nach Art. 49a Abs. 1 KG wegen Beteiligung an der gemäss Art. 5 Abs. 3 
i.V.m.  Abs. 1  KG  unzulässigen  Wettbewerbsabrede  mit  folgenden  Beträgen  belastet 
werden: 

2.1 

2.2 

Bezzola Denoth AG, Scuol, mit einem Betrag von CHF 0. 

D. Martinelli AG, St. Moritz, mit einem Betrag von CHF […]. 

3. 

Die Verfahrenskosten betragen CHF 43‘380 und werden folgendermassen auferlegt: 

3.1 

Die Bezzola Denoth AG trägt CHF 14‘426. 

3.2 

Die D. Martinelli AG trägt CHF […]. 

3.3 

Die Nicol. Hartmann & Cie. AG trägt CHF 14‘426. 

3.4 

Die übrigen Verfahrenskosten gehen zulasten der Staatskasse. 

4. 

Die Verfügung ist zu eröffnen an: 

-  Bezzola Denoth AG, Fonds 235, 7550 Scuol 

vertreten durch RA Dr. Gerald Brei, Eversheds Sutherland AG, Stadelhoferstrasse 
22, 8001 Zürich; 

-  D. Martinelli AG, Via San Gian 46, 7500 St. Moritz; 

vertreten durch RA Dr. Seraina Denoth, Fischer Rechtsanwälte GmbH, Selnau-
strasse 6, 8001 Zürich; 

-  Nicol. Hartmann & Cie. AG, Via Surpunt 56, 7500 St. Moritz 

vertreten durch RA Benno Burtscher, Advokaturbüro, Hinterm Bach 6, Postfach 72, 
7001 Chur. 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

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Wettbewerbskommission 

Prof. Dr. Vincent Martenet 
Präsident 

Dr. Rafael Corazza  
Direktor 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen  diese  Verfügung kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung beim  Bundesverwaltungsge-
richt, Postfach, 9023 St. Gallen, Beschwerde erhoben werden. Die Beschwerdeschrift hat die 
Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. 
Die angefochtene Verfügung und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerdeführende 
Partei in Händen hat, beizulegen. 

22-00039/COO.2101.111.3.283720  

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