# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 88781aab-6913-5d45-8be4-b91471d797c7
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-09-19
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 19.09.2023 100 2021 14
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2021-14_2023-09-19.pdf

## Full Text

100.2021.14/15U
BUC/BIM/SRE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 19. September 2023

Verwaltungsrichter Häberli, präsidierendes Mitglied
Verwaltungsrichter Bürki, Verwaltungsrichterin Steinmann 
Gerichtsschreiberin Bickel

A.________ und B.________
vertreten durch Rechtsanwalt …
Beschwerdeführende

gegen

Steuerverwaltung des Kantons Bern
Brünnenstrasse 66, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

und

Steuerrekurskommission des Kantons Bern
Nordring 8, 3013 Bern

betreffend Kantons- und Gemeindesteuern sowie direkte Bundessteuer 
2006-2012 (Entscheide der Steuerrekurskommission des Kantons Bern 
vom 8. Dezember 2020; 100 19 255-258, 200 19 227-230)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.09.2023, Nrn. 100.2021.14/15U, 
Seite 2

Prozessgeschichte:

A.

A.________ und B.________ sind im Jahr 2001 in die Schweiz 
zurückgekehrt. Davor war A.________ als Botschafter im Ausland tätig, wo 
sich auch der Wohnsitz des Ehepaars befand. Seit ihrer Rückkehr wurden 
A.________ und B.________ jeweils sowohl für die Kantons- und 
Gemeindesteuern als auch für die direkte Bundessteuer nach Ermessen 
veranlagt. Die Veranlagungsverfügungen blieben unangefochten und 
wurden rechtsbeständig. Am 8. Juni 2012 verlangten A.________ und 
B.________ sinngemäss die Revision sämtlicher Veranlagungen. Die 
Steuerverwaltung des Kantons Bern trat mit Verfügung vom 13. Juni 2013 
darauf nicht ein, da A.________ und B.________ das Revisionsgesuch trotz 
dreimaliger Aufforderung nicht substanziiert hatten. Am 20. Februar 2015 
ersuchten A.________ und B.________ um Wiederherstellung der 
Einsprachefrist für die Ermessensveranlagungen 2006-2012 und reichten 
die Steuererklärungen für die betreffenden Steuerperioden nach. Zugleich 
erhoben sie Einsprache gegen die entsprechenden Veranlagungen und er-
suchten um Wiedererwägung. Am 20. August 2015 nahm die Steuerverwal-
tung eine Revision der Veranlagungen 2010-2012 vor. Die Veranlagungen 
2006-2009 revidierte die Steuerverwaltung nicht. 

B.

Mit Gesuch vom 23. März 2018 beantragten A.________ und B.________ 
unter anderem, die Ermessensveranlagungen der Jahre 2006-2009 seien 
nichtig zu erklären und die «zwangsweise bezogenen Einkommens- und 
Vermögenssteuern» seien unter Anrechnung der effektiv geschuldeten 
Steuerbeträge zurückzuerstatten. Mit Verfügung vom 14. Februar 2018 
(richtig: 2019) wies die Steuerverwaltung das Gesuch ab. Dagegen erhoben 
A.________ und B.________ am 18. März 2019 Einsprache. Diese wies die 
Steuerverwaltung mit Einspracheentscheid vom 14. Mai 2019 ab.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.09.2023, Nrn. 100.2021.14/15U, 
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C.

Am 14. Juni 2019 gelangten A.________ und B.________ mit Rekurs und 
Beschwerde an die Steuerrekurskommission des Kantons Bern (StRK), 
welche die Rechtsmittel mit Entscheiden vom 8. Dezember 2020 abwiesen. 
Zudem stellte die StRK die Nichtigkeit der von der Steuerverwaltung am 
20. August 2015 revidierten Veranlagungen für die Steuerjahre 2010-2012 
betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern sowie betreffend die direkte 
Bundessteuer fest.

D.

Dagegen haben A.________ und B.________ in einer einzigen Rechtsschrift 
sowohl bezüglich der Kantons- und Gemeindesteuern als auch der direkten 
Bundessteuer am 11. Januar 2021 Verwaltungsgerichtsbeschwerde 
erhoben. Sie beantragen, die Entscheide der StRK vom 8. Dezember 2020 
seien aufzuheben und es sei festzustellen, dass die definitiven 
Veranlagungsverfügungen für die Steuerjahre 2006-2009 betreffend die 
Kantons- und Gemeindesteuern sowie betreffend die direkte Bundessteuer 
nichtig seien. Eventuell sei festzustellen, dass die definitiven Veran-
lagungsverfügungen für die Steuerjahre 2010-2012 betreffend die Kantons- 
und Gemeindesteuern sowie betreffend die direkte Bundessteuer nichtig 
seien. Die Steuerverwaltung sei anzuweisen, die für die Steuerjahre 2006-
2012 bezogenen Kantons- und Gemeindesteuern sowie direkten Bundes-
steuern zuzüglich Vergütungszins vollumfänglich zurückzuerstatten.

Mit Verfügung vom 13. Januar 2021 hat der Abteilungspräsident die Be-
schwerdeverfahren betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern sowie die 
direkte Bundessteuer vereinigt. Die StRK beantragt mit Vernehmlassung 
vom 26. Januar 2021 die Abweisung der Beschwerden. Die Steuerverwal-
tung beantragt mit Beschwerdeantwort vom 26. Februar 2021 die teilweise 
Gutheissung der Beschwerden unter (ersatzloser) Aufhebung der Ziffern 9-
14 des Dispositivs der Entscheide der StRK vom 8. Dezember 2020 (Fest-
stellung der Nichtigkeit der Veranlagungen 2010-2012). Soweit weiterge-
hend seien die Beschwerden abzuweisen. 

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Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerden als 
letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Ge-
setzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; 
BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 201 Abs. 1 des Steuergesetzes vom 
21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11] und Art. 145 Abs. 1 des Bundesgesetzes 
über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 [DBG; SR 642.11] 
sowie Art. 9 Abs. 3 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den Vollzug 
der direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Beschwerdeführenden 
haben am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, sind durch die ange-
fochtenen Entscheide besonders berührt und haben ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG; vgl. auch 
Art. 201 Abs. 2 StG sowie Art. 145 Abs. 2 i.V.m. Art. 140 Abs. 1 DBG). Die 
Bestimmungen über Form und Frist sind eingehalten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 32 VRPG). Auf die Beschwerden ist unter Vorbehalt von E. 1.2 hiernach 
einzutreten.

1.2 Soweit die Beschwerdeführenden beantragen, die Steuerverwaltung 
sei anzuweisen, die für die Steuerjahre 2006-2012 bezogenen Steuern voll-
umfänglich zurückzuerstatten (vorne Bst. D), ist auf die Beschwerden nicht 
einzutreten: Im Fall einer Gutheissung der Beschwerden ist die finanzielle 
Rückabwicklung Sache der Verwaltung; sie bildet nicht Gegenstand des vor-
liegenden Verfahrens (vgl. VGE 2012/357/358 vom 27.11.2013 E. 1.2; vgl. 
etwa auch BGE 141 II 182 [BGer 2C_882/2014 vom 13.4.2015] nicht publ. 
E. 1.2). Vor diesem Hintergrund dürfte auch der entsprechende, in den Ver-
fahren vor der StRK gestellte Antrag unzulässig gewesen sein (vgl. Rekurs 
bzw. Beschwerde vom 14.6.2019 S. 2, Vorakten StRK [act. 3A] pag. 235 ff., 
251). Das insoweit zu Unrecht erfolgte Eintreten der StRK, auf das von Am-

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tes wegen hinzuweisen ist (vgl. Art. 20a Abs. 2 VRPG; Michel Daum, in 
Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar zum bernischen VRPG, 2. Aufl. 2020, 
Art. 20a N. 38), bleibt jedoch mit Blick auf die nachfolgenden Erwägungen 
im Ergebnis folgenlos, weshalb sich kassatorische Anordnungen von vorn-
herein erübrigen (statt vieler BVR 2017 S. 514 E. 3, 2008 S. 1 E. 2.5 f.; 
VGE 2020/208/209 vom 7.6.2023 E. 1.5.3; vgl. auch Michel Daum, a.a.O., 
Art. 20a N. 44).

1.3 Sind sowohl Entscheide bezüglich der Kantons- und Gemeindesteu-
ern als auch der direkten Bundessteuer angefochten, so muss das Verwal-
tungsgericht zwei Urteile fällen; denn es handelt sich um zwei verschiedene 
Steuern, die unterschiedlichen Gemeinwesen zustehen und in getrennten 
Verfahren veranlagt werden. Die beiden Entscheide können aber in ein und 
derselben Urteilsschrift getroffen werden (vgl. BGE 142 II 293 E. 1.2, 
135 II 260 E. 1.3.1 [Pra 99/2010 Nr. 37]). – Hier ist streitig, ob die revidierten 
Veranlagungsverfügungen 2010-2012 bzw. die definitiven Veranlagungsver-
fügungen 2006-2009 sowie eventuell die definitiven Veranlagungsverfügun-
gen 2010-2012 nichtig sind. Da die massgeblichen Bestimmungen des kan-
tonalen und eidgenössischen Rechts diesbezüglich weitgehend gleich 
lauten, rechtfertigt sich die gemeinsame Beurteilung der Streitigkeit hinsicht-
lich kommunaler, kantonaler und eidgenössischer Steuern.

1.4 Das Verwaltungsgericht überprüft die angefochtenen Entscheide auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).

2.

Dem Rechtsstreit liegt folgender aktenkundiger Sachverhalt zugrunde:

Die Beschwerdeführenden sind im Jahr 2001 in die Schweiz zurückgekehrt. 
Davor war der Beschwerdeführer als Botschafter im Ausland tätig. Nach ei-
ner kurzen unselbständigen Tätigkeit in Bern trat der Beschwerdeführer (ge-
boren 1939) im Juli 2002 vorzeitig in den Ruhestand (angefochtene Ent-
scheide Bst. A; Beschwerden S. 6). Seit ihrer Rückkehr in die Schweiz wur-
den die Beschwerdeführenden nach Ermessen veranlagt, da sie keine Steu-
ererklärungen eingereicht hatten (angefochtene Entscheide E. 8.1), was sie 

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in den Verfahren vor Verwaltungsgericht auch nicht (mehr) bestreiten (Be-
schwerden S. 7). In den interessierenden Steuerjahren 2006-2012 und im 
Steuerjahr 2005 schätzte die Steuerverwaltung die Beschwerdeführenden 
wie folgt ein (Veranlagungsverfügungen der Steuerjahre 2005-2012, Vorak-
ten StV [act. 3B] pag. 40 ff. [2005], 28 ff. [2006], 19 ff. [2007], 10 ff. [2008], 
2 ff. [2009], 284 ff. [2010], 252 ff. [2011], 244 ff. [2012]):

Steuerbares EinkommenJahr

Kanton Bund

Steuerbares 
Vermögen

Steuerbetrag 
Kanton und 

Bund
(inkl. Zins, 

Gebühren und 
Bussen)

2005 Fr. 250'000.-- Fr. 260'000.-- Fr. 4'000'000.-- Fr. 103'977.30

2006 Fr. 400'000.-- Fr. 450'000.-- Fr. 6'200'000.-- Fr. 189'276.40

2007 Fr. 420'000.-- Fr. 470'000.-- Fr. 6'300'000.-- Fr. 196'625.--

2008 Fr. 450'000.-- Fr. 500'000.-- Fr. 6'500'000.-- Fr. 205'696.--

2009 Fr. 480'000.-- Fr. 530'000.-- Fr. 6'700'000.-- Fr. 220'381.95

2010 Fr. 530'000.-- Fr. 580'000.-- Fr. 7'000'000.-- Fr. 225'924.--

2011 Fr. 600'000.-- Fr. 650'000.-- Fr. 8'000'000.-- Fr. 273'454.75

2012 Fr. 630'000.-- Fr. 680'000.-- Fr. 8'500'000.-- Fr. 292'573.25

Die entsprechenden Veranlagungen blieben unangefochten und sind rechts-
beständig geworden. Die Steuerverwaltung hat die Steuerforderungen teil-
weise auf dem Betreibungsweg eingefordert; mithin wurden am 31. Oktober 
2005 (Urkunde vom 23.3.2006, Vorakten StV [act. 3B] pag. 134), am 10. De-
zember 2009 (Urkunde vom 9.8.2010, Vorakten StV [act. 3B] pag. 139 f.) so-
wie am 5. Oktober 2010 (Urkunde vom 1.12.2010, Vorakten StV [act. 3B] 
pag. 145 f.) Pfändungen vollzogen. 

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3.

3.1 In verfahrensrechtlicher Hinsicht beanstanden die Beschwerdefüh-
renden zunächst, die StRK habe den Streitgegenstand unzulässig erweitert, 
indem sie die Nichtigkeit der revidierten Veranlagungsverfügungen 2010-
2012 geprüft habe (Beschwerden S. 24 f.). Dazu ist Folgendes festzuhalten: 
Die Nichtigkeit einer Steuerveranlagung ist von sämtlichen rechtsanwen-
denden Behörden von Amtes wegen zu beachten (BGer 9C_656/2022 vom 
24.3.2023 E. 4.2; BVR 2014 S. 297 E. 4.3.3) und kann auch erst im 
Rechtsmittelverfahren festgestellt werden (BGer 9C_656/2022 vom 
24.3.2023 E. 2.1.2; BVR 2013 S. 536 E. 3.2; BGE 136 II 415 E. 1.2). Die 
StRK hat den Streitgegenstand durch die Prüfung der Nichtigkeit der revi-
dierten Veranlagungsverfügungen 2010-2012 also nicht unzulässig erwei-
tert. Davon zu unterscheiden ist die Frage, ob die StRK die Nichtigkeit der 
revidierten Veranlagungsverfügungen zu Recht bejaht hat (vgl. hinten E. 4).

3.2 Unbehelflich ist der Hinweis der Beschwerdeführenden auf eine man-
gelhafte Eröffnung durch die Vorinstanz, da die angefochtenen Entscheide 
keine Rechtsmittelbelehrung enthalten würden (Beschwerden S. 4 und 17): 
Inwiefern ihnen daraus ein Rechtsnachteil erwachsen sein könnte, ist weder 
konkret dargetan noch ersichtlich. Insbesondere konnten die bereits in den 
Verfahren vor der StRK anwaltlich vertretenen Beschwerdeführenden trotz 
fehlender Rechtsmittelbelehrung form- und fristgerecht Verwaltungsgerichts-
beschwerde erheben (Art. 44 Abs. 6 VRPG; vgl. auch Michel Daum, a.a.O., 
Art. 44 N. 50 und 54). 

4.

In der Sache machen die Beschwerdeführenden, bezüglich der definitiven 
Veranlagungsverfügungen für die Steuerjahre 2006-2009 Nichtigkeit gel-
tend. Bezüglich der Veranlagungen für die Steuerjahre 2010-2012 rügen sie 
zum einen, die StRK habe die revidierten Veranlagungsverfügungen für 
diese Steuerjahre zu Unrecht als nichtig erklärt. Zum anderen beantragen 
sie im Eventualbegehren, es sei (auch) für die definitiven Veranlagungsver-
fügungen 2010-2012 die Nichtigkeit festzustellen, sofern die Entscheide der 

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StRK nicht aufgehoben werden sollten (vorne Bst. D). Zu prüfen ist zunächst, 
ob die Vorinstanz bezüglich der revidierten Veranlagungsverfügungen 2010-
2012 zu Recht auf Nichtigkeit erkannt hat. Danach ist zu prüfen, ob die defi-
nitiven Veranlagungsverfügungen der Steuerjahre 2006-2009 sowie gege-
benenfalls auch der Steuerjahre 2010-2012 nichtig sind.

4.1 Verfügungen und Entscheide sind nur dann nichtig, wenn sie einen 
besonders schweren und offensichtlichen oder zumindest leicht erkennbaren 
Mangel aufweisen und zudem die Annahme der Nichtigkeit die Rechtssicher-
heit nicht ernsthaft gefährdet (sog. Evidenztheorie). Als Nichtigkeitsgründe 
kommen vorab funktionelle und sachliche Unzuständigkeit der entscheiden-
den Behörde sowie krasse Verfahrensfehler in Betracht (statt vieler 
BVR 2021 S. 406 E. 7.1, 2016 S. 318 E. 5.2). Inhaltliche Mängel führen nur 
in seltenen Ausnahmefällen zur Nichtigkeit; erforderlich ist ein ausseror-
dentlich schwerwiegender Mangel (statt vieler BGE 147 III 226 E. 3.1.2, 
138 II 501 E. 3.1; BVR 2014 S. 297 E. 4.3.3). Ein solcher kann etwa vorlie-
gen, wenn es für das konkrete Handeln nicht nur an einer gesetzlichen 
Grundlage fehlt, sondern gleichzeitig gegen mehrere Gesetze verstossen 
wird (Markus Müller, in Herzog/Daum [Hrsg.], Kommentar zum bernischen 
VRPG, 2. Aufl. 2020, Art. 49 N. 90 mit Verweis auf BGE 136 II 415 E. 3; vgl. 
zur Nichtigkeit von Ermessensveranlagungen im Besonderen hinten E. 5.2). 
Das Bundesgericht hat bis anhin offengelassen, ob eine Häufung von for-
mellen und inhaltlichen Mängeln, welche je separat betrachtet nicht die Nich-
tigkeit der Verfügung zur Folge hätten, gesamthaft zu betrachten wären und 
in ihrer Summe zur Nichtigkeit der Verfügung führen könnten (vgl. 
BGer 2C_938/2016 und 2C_939/2016 vom 15.2.2017 E. 2.2; bejahend VGer 
ZH VB.2017.00444 vom 13.6.2018 E. 5.2).

4.2 Die Vorinstanz hat die Revision der Ermessensveranlagungen für die 
Steuerjahre 2010-2012 durch die Steuerverwaltung in mehrerlei Hinsicht als 
mangelhaft erachtet: So lasse sich den Akten entnehmen, dass zwischen 
den Beschwerdeführenden und der Steuerverwaltung ein reger informeller 
Austausch per Telefon und E-Mail stattgefunden habe, der in den Akten nicht 
festgehalten worden sei. Die Steuerverwaltung habe damit ihre Aktenfüh-
rungspflicht verletzt (angefochtene Entscheide E. 5.1). Weiter sei fraglich, ob 
die Voraussetzungen für eine Revision überhaupt erfüllt gewesen seien. Die 

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Steuerverwaltung habe sich für die Revision auf einen aussergesetzlichen 
Revisionsgrund gestützt. Dabei habe sie sich einzig an einer Lehrmeinung 
orientiert, wonach eine Revision zulässig sei, wenn das geschätzte Einkom-
men das Dreifache der tatsächlich erzielten Einkünfte übersteige. Nach der 
bundesgerichtlichen Rechtsprechung seien aber weder ausser- noch über-
gesetzliche Revisionsgründe zugelassen (angefochtene Entscheide 
E. 5.2.1 ff.). Selbst bei Annahme eines aussergesetzlichen Revisionsgrunds 
sei eine Revision ausgeschlossen gewesen, zumal die Beschwerdeführen-
den allfällige Unrichtigkeiten der Ermessensveranlagungen ohne weiteres 
bereits im ordentlichen Rechtsmittelverfahren hätten vorbringen können (an-
gefochtene Entscheide E. 5.2.4). Schliesslich habe die Steuerverwaltung die 
Verwirkung der Revisionsfrist missachtet (angefochtene Entscheide E. 5.3). 
Insgesamt betrachtet sei von einem besonders schweren Mangel auszuge-
hen, weshalb die revidierten Veranlagungen für die Steuerjahre 2010-2012 
als nichtig zu betrachten seien (angefochtene Entscheide E. 6).

4.3 Die Beschwerdeführenden bestreiten, dass ein aussergesetzlicher 
Revisionsgrund nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ausgeschlossen 
sei. Ohnehin werde die Rechtssicherheit hier erheblich gefährdet, wenn auf 
Nichtigkeit der revidierten Veranlagungsverfügungen erkannt würde. Es sei 
völlig unklar, was mit den ursprünglichen Veranlagungen passieren würde 
und welche Folgen dies für die vor Jahren bezogenen und verbuchten Zah-
lungen habe. Die Vorinstanz habe zu Unrecht keine Abwägung zwischen 
dem Interesse der Rechtssicherheit und dem Interesse an der richtigen 
Rechtsanwendung vorgenommen (Beschwerden S. 25). – Die Steuerverwal-
tung bringt vor, zum Zeitpunkt der Revisionsentscheide im Jahr 2015 sei die 
bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den aussergesetzlichen Revisions-
gründen wenig klar gewesen; damit habe sich das Bundesgericht mit Ent-
scheid 2C_487/2017 vom 19. Juni 2017 erstmals näher befasst. Mit der An-
nahme eines aussergesetzlichen Revisionsgrunds habe sie sich also nicht 
über die bundesgerichtliche Rechtsprechung hinweggesetzt. Zudem habe 
sie sich auf die damals überzeugenden Ausführungen von Oliver Margraf 
und einen (unveröffentlichten) Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kan-
tons Zürich gestützt, wonach der Ausschlussgrund in jenen Fällen unter-
drückt werde, in denen das Besteuerungsergebnis als willkürlich bezeichnet 
werden müsse. Es sei deshalb nicht von Bedeutung, ob die Beschwerdefüh-

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renden ihre Einwände bereits im Rahmen des ordentlichen Rechtsmittelver-
fahrens hätten vorbringen können. Daraus lasse sich auch ableiten, dass bei 
Vorliegen eines aussergesetzlichen Revisionsgrunds die Revisionsfristen 
nicht eingehalten werden müssten. Die vorgeworfenen Verletzungen der Ak-
tenführungspflicht hätten auf die Entscheide zudem keinen direkten Einfluss 
gehabt. Schliesslich ist auch die Steuerverwaltung der Ansicht, die mit der 
Aufhebung der Revisionsentscheide einhergehende Gefährdung der 
Rechtssicherheit spreche gegen die Annahme der Nichtigkeit. Das Interesse 
an der Rechtsanwendung bestehe denn auch einzig in einer formellen Rich-
tigkeit. Die Revisionsentscheide würden dagegen zu einer materiellen Rich-
tigkeit führen, indem die Beschwerdeführenden entsprechend den tatsächli-
chen Verhältnissen besteuert würden (Beschwerdeantwort S. 3 ff.).

4.4 Gemäss Art. 202 Abs. 1 StG bzw. Art. 147 Abs. 1 DBG kann eine 
rechtskräftige Verfügung oder ein rechtskräftiger Entscheid zugunsten der 
steuerpflichtigen Person revidiert werden, wenn erhebliche Tatsachen oder 
entscheidende Beweismittel entdeckt werden (Bst. a), wenn die erkennende 
Behörde erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel, die ihr be-
kannt gewesen sind oder hätten bekannt sein müssen, ausser Acht gelassen 
oder in anderer Weise wesentliche Verfahrensgrundsätze verletzt hat 
(Bst. b) oder wenn ein Verbrechen oder ein Vergehen die Verfügung oder 
den Entscheid beeinflusst hat (Bst. c). Das Revisionsbegehren muss innert 
90 Tagen nach Entdeckung des Revisionsgrunds, spätestens aber innert 
zehn Jahren nach Eröffnung der Verfügung oder des Entscheids schriftlich 
eingereicht werden (Art. 203 StG; Art. 148 DBG). Diese Fristen stellen Ver-
wirkungsfristen dar und gelten nicht nur für die Antragstellenden, sondern 
auch für die von Amtes wegen tätige Behörde (Martin E. Looser, in Zweifel/
Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, DBG, 
4. Aufl. 2022, Art. 148 N. 1a und 3; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Hand-
kommentar DBG, 3. Aufl. 2016 Art. 148 N. 2). Die Revision ist ausgeschlos-
sen, wenn als Revisionsgrund vorgebracht wird, was bei zumutbarer Sorgfalt 
schon im ordentlichen Verfahren hätte geltend gemacht werden können 
(Art. 202 Abs. 2 StG; Art. 147 Abs. 2 DBG). Nach der Rechtsprechung sind 
an das Mass der Sorgfalt hohe Anforderungen zu stellen: So ist grundsätzlich 
davon auszugehen, dass die steuerpflichtige Person ihre finanziellen Ver-
hältnisse kennt und dass sie die Veranlagungsverfügungen nach Erhalt 

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überprüft und allfällige Mängel rechtzeitig rügt. Sie kann nicht die Revision 
verlangen, um das im ordentlichen Rechtsmittelverfahren Versäumte nach-
zuholen (vgl. BGer 9C_656/2022 vom 24.3.2023 E. 2.3.2, 2C_1022/2020 
vom 18.5.2021 E. 3.3, 2C_245/2019 vom 27.9.2019 E. 5.3; 
VGE 2019/147/148 vom 11.2.2021 E. 4.1 [bestätigt durch 
BGer 2C_259/2021 vom 30.11.2021]). Wer nach Ermessen veranlagt wird, 
weil nicht rechtzeitig die zur Veranlagung notwendigen Angaben gemacht 
und Unterlagen vorgelegt werden, handelt nicht mit der nötigen Sorgfalt (statt 
vieler BGer 2C_345/2022 vom 4.7.2022 E. 2.2.2; Martin E. Looser, a.a.O., 
Art. 147 N. 26, je mit weiteren Hinweisen).

4.5 Das Bundesgericht lässt in ständiger Rechtsprechung ausschliess-
lich die gesetzlich geregelten Gründe für ein Zurückkommen auf rechtsbe-
ständige Verfügungen bzw. rechtskräftige Entscheide zu (statt vieler 
BGE 142 II 433 E. 3.1; BGer 2C_652/2018 vom 14.5.2020 E. 3.2.1; ausführ-
lich Peter Locher, Kommentar zum DBG, III. Teil, 2015, Art. 147 N. 24 ff.; 
Zweifel/Casanova/Beusch/Hunziker, Schweizerisches Steuerverfahrens-
recht, 2. Aufl. 2018, § 26 Rz. 79 ff.). In Anlehnung daran hat das Verwal-
tungsgericht wiederholt festgehalten, die Aufhebung oder Abänderung einer 
rechtsbeständigen Veranlagung gestützt auf andere Gründe als jene, die zu 
einer Revision, Berichtigung oder Nachsteuer Anlass geben, sei (auch nach 
kantonalem Recht) ausgeschlossen; der Gesetzgeber habe insoweit in Kauf 
genommen, dass auch materiell unrichtige Veranlagungsverfügungen 
rechtsbeständig würden (statt vieler BVR 2016 S. 261 E. 4.5, 2014 S. 404 
E. 3.1.1 je mit Hinweisen).

4.6 Die Steuerverwaltung und (sinngemäss) die Beschwerdeführenden 
beanstanden zunächst, die StRK habe für die Beurteilung, ob ein ausseror-
dentlich schwerwiegender (inhaltlicher) Mangel vorliege, auf die (neuere) 
bundesgerichtliche Rechtsprechung abgestellt – was unzulässig sei (vorne 
E. 4.3; angefochtene Entscheide E. 5.2.1). Es ist tatsächlich fraglich, ob eine 
neue behördliche Beurteilung eines unverändert gebliebenen Sachverhalts 
gestützt auf eine präzisierte Rechtsprechung nachträglich als Grund für die 
Nichtigkeit einer rechtskräftigen Verfügung angeführt werden kann (vgl. 
Hansjörg Seiler, Rechtsbeständigkeit und Änderung von Verfügungen, in 
Häner/Waldmann [Hrsg.], 8. Forum für Verwaltungsrecht – Brennpunkt «Ver-

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fügung», 2022, S. 123 ff., 131 und 136). Mit Blick auf die nachfolgenden Er-
wägungen kann diese Frage aber offenbleiben und auf eine vertiefte Ausei-
nandersetzung mit der zum Zeitpunkt der Revisionsentscheide vorliegenden 
Rechtsprechung und den damals vorherrschenden Lehrmeinungen verzich-
tet werden.

4.7 Wie die StRK zutreffend ausgeführt hat (angefochtene Entscheide 
E. 5.2.4), war die Revision unabhängig von der Zulässigkeit eines ausserge-
setzlichen Revisionsgrunds bereits gestützt auf Art. 202 Abs. 2 StG bzw. 
Art. 147 Abs. 2 DBG ausgeschlossen, wonach die Revision bloss auf Um-
ständen beruht, welche die Beschwerdeführenden bei zumutbarer Sorgfalt 
bereits im ordentlichen Verfahren hätte geltend machen können (und müs-
sen; vgl. statt vieler Martin E. Looser, a.a.O., Art. 147 N. 24 ff.; vorne E. 4.4): 
Es ist ohne weiteres davon auszugehen, dass sich die Beschwerdeführen-
den seinerzeit über die Konsequenzen im Klaren sein mussten, welche das 
Unterlassen von Einsprachen gegen die Ermessenseinschätzungen nach 
sich ziehen könnten. Inwiefern die behauptete Desorganisationsproblematik 
und Wertbemessungsstörung des Beschwerdeführers (Beschwerden S. 6) 
sie davon hätte abhalten sollen, selbst Einsprache zu erheben oder sich zu-
mindest die zur Wahrnehmung der steuerrechtlichen Pflichten nötige Hilfe zu 
holen bzw. eine Vertretung damit zu betrauen, ist weder substanziiert darge-
tan und untermauert noch ersichtlich (vgl. BGer 2C_259/2021 vom 
30.11.2021 E. 6.3; vgl. allgemein zu den Anforderungen etwa BVR 2005 
S. 281 E. 2.3; BGer 2C_566/2020 vom 10.7.2020 E. 4.3.2; Michel Daum, 
a.a.O., Art. 43 N. 22). Mit der Vorinstanz kann deshalb festgehalten werden, 
dass sich eine Abweichung vom Mass der gebotenen Sorgfalt hier jedenfalls 
nicht rechtfertigt.

4.8 Den Ausführungen der Steuerverwaltung, warum der Ausschluss-
grund bei aussergesetzlichen Revisionsgründen – unabhängig von deren 
Zulässigkeit (vgl. vorne E. 4.5 f.) – nicht gelten soll, ist Folgendes entgegen-
zuhalten: Die Steuerverwaltung stützt sich diesbezüglich nur auf eine Lehr-
meinung (Oliver Margraf, Ausgewählte Aspekte des Revisionsverfahrens ge-
mäss Art. 147-149 DBG, in StR 2014 S. 76 ff., 82) sowie auf einen unveröf-
fentlichten Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich (VGer ZH 
SB.2006.00071 vom 6.6.2007 E. 2.3 sowie zustimmend Richner/Frei/

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.09.2023, Nrn. 100.2021.14/15U, 
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Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 147 N. 37; vgl. Beschwerdeantwort S. 4). 
Überdies lässt sie hierbei vollständig ausser Acht, dass bereits zum Zeit-
punkt der Revision der Veranlagungsverfügungen 2010-2012 (20.8.2015; 
vgl. vorne Bst. A) in der Lehre gegenteilige Auffassungen zur erforderlichen 
Sorgfalt bei aussergesetzlichen Revisionsgründen vertreten wurden, worauf 
im Übrigen auch der von der Steuerverwaltung angeführte Autor hinweist 
(vgl. Oliver Margraf, a.a.O., S. 82). Zudem hat das Zürcher Verwaltungsge-
richt in einem Entscheid vom 3. Juni 2015 (VGer ZH SB.2015.00015) – mit-
hin vor Erlass der revidierten Veranlagungsverfügungen – verdeutlicht, dass 
der Entscheid vom 6. Juni 2007 eine besondere Situation betreffe und von 
den hohen Anforderungen an das Mass der Sorgfalt nicht leichthin abzuwei-
chen sei (E. 4.2 und 4.4). Weiter waren nach bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung gerade im Zusammenhang mit Ermessensveranlagungen schon da-
mals hohe Anforderungen an das Mass der von den Steuerpflichtigen anzu-
wendenden Sorgfalt zu stellen (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., 
Art. 147 N. 37 mit Hinweis auf BGer 2A.587/2002 vom 11.3.2003, in 
StR 2003 S. 365 E. 1.3; vgl. auch vorne E. 4.4). Dass diese Anforderungen 
für alle Revisionsgründe gelten, hat das Verwaltungsgericht zudem bereits 
in einem Entscheid vom 18. November 2011 festgehalten 
(VGE 2010/433/434 vom 18.11.2011 E. 4.1). Wie die Vorinstanz zutreffend 
ausgeführt hat, lagen für die Steuerverwaltung deshalb keine Gründe vor, 
den Ausschlussgrund hier nicht anzuwenden.

4.9 Die Steuerverwaltung hat weiter die 90-Tage-Frist gemäss Art. 203 
StG und Art. 148 DBG missachtet. Deren Einhaltung ist Zulässigkeitsvoraus-
setzung für die Revision (vorne E. 4.4). Die Revisionsfrist gelangt auch bei 
aussergesetzlichen Revisionsgründen zur Anwendung, wofür sich die Lehre 
bereits zum Zeitpunkt der revidierten Veranlagungsverfügungen aussprach 
(vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 148 N. 2; Vallender/Looser, 
in Zweifel/Athanas (Hrsg.), Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 
Band I/2b, 2. Aufl. 2008, Art. 148 N. 4; vgl. auch angefochtene Entscheide 
E. 5.3.1). Die diesbezügliche Erklärung der Steuerverwaltung entbehrt des-
halb einer Grundlage (vorne E. 4.3). Dass die Revisionsfrist zum Zeitpunkt 
der Eröffnung der revidierten Veranlagungsverfügungen (20.8.2015) sowie 
zum Zeitpunkt der Eingabe der Beschwerdeführenden vom 20. Februar 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.09.2023, Nrn. 100.2021.14/15U, 
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2015 (vorne Bst. A) bereits seit geraumer Zeit abgelaufen war, wird weder 
von den Beschwerdeführenden noch von der Steuerverwaltung bestritten.

4.10 Zusammenfassend hat die Steuerverwaltung bei der Revision der 
Veranlagungsverfügungen 2010-2012 gleich mehrere formell-gesetzlichen 
Voraussetzungen missachtet, die für die Zulässigkeit der Revision als aus-
serordentliches Rechtsmittel wesentlich sind. Gesamthaft betrachtet durfte 
die Vorinstanz bereits aus diesem Grund von einem schwerwiegenden Man-
gel ausgehen. Die gesetzlichen Bestimmungen sind klar; es gab keinen 
Grund, von ihnen abzuweichen. Der Mangel erweist sich deshalb auch als 
offensichtlich bzw. zumindest leicht erkennbar. Damit kann offenbleiben, ob 
eine Revision gestützt auf den von der Steuerverwaltung angerufenen aus-
sergesetzlichen Revisionsgrund im Licht der damals massgeblichen Rechts-
grundlagen und (vorherrschenden) Lehrmeinungen als Nichtigkeitsgrund an-
geführt werden kann (vorne E. 4.5 f.). Offenbleiben kann ebenso, ob ein sol-
cher hier in tatsächlicher Hinsicht überhaupt gegeben wäre, zumal die 
Beschwerdeführenden zumindest für das Steuerjahr 2010 selber in Frage 
stellen, dass das geschätzte Einkommen das Dreifache der tatsächlich er-
zielten Einkünfte überstieg (Eingabe vom 5.12.2019, Vorakten StRK [act. 3A] 
pag. 317 f.). Inwieweit die Verletzung der Aktenführungspflicht durch die 
Steuerverwaltung bei der Prüfung der Nichtigkeit der 
Veranlagungsverfügungen 2010-2012 zu berücksichtigen ist, braucht 
ebenfalls nicht weiter erörtert zu werden.

4.11 Zu prüfen bleibt, ob – wie von den Beschwerdeführenden behauptet 
– die Annahme der Nichtigkeit die Rechtssicherheit ernsthaft gefährdet. Eine 
Abwägung zwischen dem Interesse an der Rechtssicherheit und dem Inte-
resse an der richtigen Rechtsanwendung (vgl. vorne E. 4.1 sowie allgemein 
statt vieler Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 
2020, N. 1098 mit Hinweisen) ergibt Folgendes: Das Interesse an der richti-
gen Rechtsanwendung liegt hier darin, eine Revision von Ermessensveran-
lagungen zu korrigieren, die wegen augenfälliger Missachtung mehrerer ge-
setzlicher Voraussetzungen offensichtlich unzulässig ist (vorne E. 4.7 ff.) mit 
der Folge, dass die ursprünglichen Ermessensveranlagungen betreffend die 
Steuerjahre 2010-2012 (Verfügungen vom 15.12.2011, 12.12.2012 bzw. 
11.12.2013; Vorakten StV [act. 3B] pag. 284 ff., 252 ff., 244 ff.) wieder wirk-

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sam werden. Diesem Interesse an der richtigen Rechtsanwendung steht das 
Interesse an der Rechtssicherheit gegenüber; mithin das Interesse der 
Beschwerdeführenden, dass die revidierten Veranlagungsverfügun-
gen 2010-2012 bestehen bleiben. Für die Nichtigkeit spricht hier die 
Schwere der festgestellten Mängel. Aufgrund der Rechtsnatur der Revision 
als ausserordentliches Rechtsmittel, der Mitwirkungsrechte und -pflichten 
der steuerpflichtigen Personen im Veranlagungsverfahren der Kantons- und 
Gemeindesteuern bzw. der direkten Bundessteuer sowie des primären und 
umfassenden Rechtsschutzes im Rahmen der (auch im Fall einer Ermes-
sensveranlagung offenstehenden) ordentlichen Rechtsmittel sollen vermeid-
bare Unterlassungen während des ordentlichen Verfahrens gerade nicht im 
Rahmen des Revisionsverfahrens nachgeholt werden können. Insofern die-
nen die (strengen) Voraussetzungen der Revision auch der Rechtssicherheit 
(Martin E. Looser, a.a.O., Art. 147 N. 24 mit Hinweisen; vgl. auch angefoch-
tene Entscheide E. 5.2.2). Für die Beurteilung des Interesses an der richti-
gen Anwendung der hier primär massgebenden Voraussetzungen für eine 
Revision ist nicht von Belang, ob die revidierten Veranlagungsverfügungen 
den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen und insofern inhaltlich richtig 
sind, wovon die Steuerverwaltung auszugehen scheint (vorne E. 4.3). 
Gleichzeitig ist das Interesse der Beschwerdeführenden am Bestand der re-
vidierten Veranlagungsverfügungen 2010-2012 insofern zu relativieren, als 
von der offensichtlichen Fehlerhaftigkeit einzig das Verhältnis zwischen den 
Parteien betroffen ist. Zudem sind die Folgen der Feststellung der Nichtigkeit 
nicht «völlig unklar», wie die Beschwerdeführenden behaupten (vorne 
E. 4.3). Wird die Nichtigkeit der revidierten Veranlagungsverfügungen 2010-
2012 festgestellt, sind für diese Steuerperioden wie ausgeführt die definitiven 
Veranlagungen (wieder) massgebend. Sodann fallen keine Gesichtspunkte 
des Vertrauensschutzes ins Gewicht; namentlich ist nicht erkennbar und wird 
von den Beschwerdeführenden auch nicht geltend gemacht, dass diese ge-
stützt auf ihr Vertrauen eine Disposition getätigt hätten, die ohne Nachteil 
nicht wieder rückgängig gemacht werden kann (vgl. zu diesem Erfordernis 
statt vieler BVR 2015 S. 15 E. 4.1; Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N. 659). 
Damit überwiegt das Interesse an der richtigen Rechtsanwendung dasjenige 
an der Wahrung der Rechtssicherheit deutlich, was – entgegen den Be-
schwerdeführenden (vorne E. 4.3) – bereits die Vorinstanz zwar eher knapp, 
aber doch klar und auf jeden Fall ausreichend fundiert erwogen hat, so dass 

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eine sachgerechte Anfechtung ohne weiteres möglich war (angefochtene 
Entscheide E. 6). Die angefochtenen Entscheide genügen mithin den aus 
dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung 
[BV; SR 101], Art. 26 Abs. 2 der Verfassung des Kantons Bern [KV; 
BSG 101.1] und Art. 21 ff. VRPG; vgl. auch Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG) fol-
genden Anforderungen an die Begründungspflicht (vgl. statt vieler 
BGE 146 II 335 E. 5.1; BVR 2022 S. 51 E. 2.3, 2016 S. 402 E. 6.2).

4.12 Im Ergebnis ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Nich-
tigkeit der am 20. August 2015 durch die Steuerverwaltung von Amtes we-
gen revidierten Veranlagungsverfügungen 2010-2012 festgestellt hat.

5.

Zu prüfen bleibt, ob die definitiven (ursprünglichen) Ermessensveranla-
gungsverfügungen für die Jahre 2006-2012 nichtig sind (vgl. vorne Bst. A, 
E. 2 und 4 Ingress).

5.1 Hat die steuerpflichtige Person trotz Mahnung ihre Verfahrenspflich-
ten nicht erfüllt oder können die Steuerfaktoren mangels zuverlässiger Un-
terlagen nicht einwandfrei ermittelt werden, so nimmt die Steuerverwaltung 
die Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen vor (Art. 174 Abs. 2 
Satz 1 StG; Art. 130 Abs. 2 Satz 1 DBG). Die Ermessensveranlagung be-
steht in einer Schätzung der Steuerfaktoren oder einzelner Einkommens- 
bzw. Gewinnbestandteile und beruht auf einer Sachverhaltsfeststellung 
durch Wahrscheinlichkeitsschluss. Ziel der ermessensweisen Schätzung ist 
die bestmögliche Annäherung an den wirklichen Sachverhalt; die steuer-
pflichtige Person soll – soweit möglich – entsprechend ihrer wirtschaftlichen 
Leistungsfähigkeit eingeschätzt werden (BVR 2008 S. 181 E. 4.1; 
VGE 2019/147/148 vom 11.2.2021 E. 3.3 [bestätigt durch 
BGer 2C_259/2021 vom 30.11.2021]). Eine Veranlagung nach pflichtgemäs-
sem Ermessen kann die steuerpflichtige Person nur wegen offensichtlicher 
Unrichtigkeit anfechten (Art. 191 Abs. 3 StG; Art. 132 Abs. 3 Satz 1 DBG). 
Sind Veranlagungsverfügungen, wie im vorliegenden Fall, rechtsbeständig 
geworden (vorne E. 2), können sie – vorbehältlich der hier nicht interessie-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.09.2023, Nrn. 100.2021.14/15U, 
Seite 17

renden Institute der Berichtigung (Art. 205 StG; Art. 150 DBG) und der Nach-
steuer (Art. 206 ff. StG; Art. 151 ff. DBG) – nur noch mittels Revision (vgl. 
vorne E. 4.4) abgeändert werden (BVR 2014 S. 404 E. 3.1.1). Sind die Vo-
raussetzungen für eine Revision nicht gegeben, hat die steuerpflichtige Per-
son allenfalls die Möglichkeit, eine Nichtigkeit der Veranlagungsverfügungen 
geltend zu machen (vgl. vorne E. 4.1).

5.2 Das Bundesgericht hat in seiner Rechtsprechung umschrieben, unter 
welchen Voraussetzungen eine (rechtsbeständige) Steuerveranlagung nach 
pflichtgemässem Ermessen nicht nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit 
anfechtbar, sondern geradezu nichtig ist. Hierzu genügen selbst gravierende 
inhaltliche Mängel nicht. Vielmehr müssen aussergewöhnlich schwere bzw. 
krasse Verstösse der Steuerverwaltung gegen die ihr obliegende Untersu-
chungs- und Überprüfungspflicht dazukommen. So kann eine nichtige Ver-
anlagungsverfügung vorliegen, wenn die Steuerbehörde in krasser Weise 
gegen ihre Pflicht verstösst, die Gesamtumstände zu würdigen, etwa wenn 
sie aktenkundige Unterlagen übergeht und die Steuerfaktoren «bewusst» 
(BGer 1C_1022/2020 vom 18.5.2021 E. 3.3) bzw. wider besseres Wissen 
zum Nachteil der steuerpflichtigen Person festlegt (BGer 2C_679/2016 und 
2C_680/2016 vom 11.7.2017, in ASA 86 S. 56 und StE 2017 B 93.5 Nr. 33 
E. 3.4.1 f. und 5.2; vgl. auch BGE 145 V 326 E. 4.1; BGer 9C_656/2022 vom 
24.3.2023 E. 2.2.2; VGE 2022/61/62 vom 1.11.2022 E. 3.2, 2017/295/296 
vom 10.1.2019 E. 2.3 [bestätigt durch BGer 2C_164/2019 vom 18.4.2019]). 
Zur Annahme von Nichtigkeit bedarf es einer geradezu unerträglich und 
abenteuerlich wirklichkeitswidrigen Ermessensveranlagung 
(BGer 2C_164/2019 vom 18.4.2019 E. 4); ist der Rechtsfehler minder erheb-
lich, bleibt es bei der blossen Anfechtbarkeit (BGer 2C_720/2018 vom 
11.9.2018 E. 3.2.3). Insbesondere genügt es nicht, dass die Steuerbehörde 
die geschätzten Einkünfte von Jahr zu Jahr systematisch erhöht, ohne ir-
gendwelche Untersuchungs- oder Abklärungsmassnahmen zu treffen, um 
die Plausibilität dieser Erhöhungen – beispielsweise anhand eines Lohnaus-
weises – zu überprüfen (BGer 2C_679/2016 und 2C_680/2016 vom 
11.7.2017, in ASA 86 S. 56 und StE 2017 B 93.5 Nr. 33 5.2.3 f.; vgl. auch 
BGer 9C_656/2022 vom 24.3.2023 E. 2.2.1).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 19.09.2023, Nrn. 100.2021.14/15U, 
Seite 18

5.3 Nach dem Gesagten führt der Umstand, dass die Steuerverwaltung 
das geschätzte Einkommen und Vermögen der Beschwerdeführenden von 
Jahr zu Jahr erhöht hat und dadurch die Ermessensveranlagungen gegen-
über den tatsächlichen Verhältnissen (möglicherweise) zu hoch ausgefallen 
sind, für sich alleine gerade nicht zur Nichtigkeit der entsprechenden Veran-
lagungen (E. 5.2 hiervor). Soweit die Beschwerdeführenden eine Abwei-
chung von den tatsächlichen Verhältnissen rügen und die schrittweise Erhö-
hung sowohl des Einkommens wie auch des Vermögens ohne weiter-
gehende Abklärungen durch die Steuerverwaltung in genereller Weise 
beanstanden – insbesondere die «massive» Erhöhung im Jahr 2006 – (Be-
schwerden S. 7 ff. und 19 ff.; vgl. auch vorne E. 2), ist dies deshalb unbehel-
flich. Im Übrigen kann entgegen den Beschwerdeführenden die Berechti-
gung zu den Erhöhungen auch deshalb nicht mit der Behauptung ernsthaft 
angezweifelt werden, die Veranlagungen der Vorperioden seien zu tief 
ausgefallen, kannte doch die Steuerverwaltung die wirtschaftlichen Verhält-
nisse der Beschwerdeführenden nicht, da diese seit ihrer Rückkehr in die 
Schweiz keine Steuererklärungen eingereicht hatten (vgl. vorne E. 2). Inso-
fern sind sie den ihnen obliegenden Mitwirkungspflichten nicht nachgekom-
men (Art. 170 Abs. 2 StG; Art. 124 Abs. 2 DBG). Darauf haben sie sich be-
haften zu lassen, zumal ihnen die Möglichkeit blieb, die wirtschaftlichen 
Verhältnisse anhand des Unrichtigkeitsnachweises im Rechtsmittelverfah-
ren offenzulegen (vgl. BGer 2C_720/2018 vom 11.9.2018 E. 3.3.3). Der Um-
stand, dass die Beschwerdeführenden auch dann nicht gegen die Veranla-
gungen vorgingen, als sie für die ausstehenden Steuerforderungen betrie-
ben wurden, sprach sodann eher dafür, dass diese dem Zustandekommen 
der Veranlagungen bzw. den diesen zugrundeliegenden Schätzungen nichts 
entgegenzusetzen hatten, was bereits die Vorinstanz zutreffend ausgeführt 
hat (angefochtene Entscheide E. 10.3.3 und 11.2).

5.4 Es bleibt zu prüfen, ob die Steuerverwaltung bei den Ermessensver-
anlagungen aktenkundige Unterlagen übergangen und die Steuerfaktoren 
wider besseres Wissen zum Nachteil der Beschwerdeführenden festlegt hat.

5.4.1 Die Beschwerdeführenden werfen der Steuerverwaltung vor, sie 
habe Informationen aus den Urkunden zum Pfändungsvollzug im Rahmen 
der Ermessensveranlagungen völlig ignoriert. Bereits im Zeitpunkt der Er-

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Seite 19

messensveranlagungen 2006 habe die Steuerverwaltung Kenntnis davon 
gehabt, dass die Beschwerdeführenden ein Renteneinkommen erhalten und 
ein Grundstück in E.________ besitzen würden. Auch sei ersichtlich gewe-
sen, dass die Beschwerdeführenden über weitere ausserkantonale Liegen-
schaften verfügen würden, deren Erträge aber ohnehin nur satzbestimmend 
zu berücksichtigen gewesen seien. Den Pfändungsunterlagen aus den Jah-
ren 2009 und 2010 sei weiter zu entnehmen, dass die Beschwerdeführenden 
nicht über die für die Jahre 2009-2012 festgesetzten Vermögenswerte und 
Einkommen verfügen würden. Darin seien zudem Verwertungen im Umfang 
von mehreren hunderttausend Franken aufgeführt gewesen. Schliesslich 
habe der Beschwerdeführer im Schreiben vom 8. Juni 2012 seine steuerli-
che Situation dargelegt. Damit hätten der Steuerverwaltung deutliche Anzei-
chen dafür vorgelegen, dass die ermessensweise bestimmten Steuer-
faktoren nicht der Realität entsprechen würden. Auch wenn die Steuerver-
waltung über Hinweise verfügt habe, dass die Pfändungsunterlagen nicht 
vollständig seien, hätte sie das bekannte Einkommen und Vermögen anhand 
von Erfahrungswerten und im Rahmen von wirklichkeitsnahen Annahmen 
nur massvoll erhöhen dürfen. Stattdessen habe sie ohne jegliche Grundla-
gen ihren Ermessensspielraum massiv überschritten und aus rein pönaler 
Motivation die Beschwerdeführenden wider besseres Wissen zu hoch ver-
anlagt (Beschwerden S. 12 f., 20 f. und 27 f.).

5.4.2 Den aktenkundigen Pfändungsunterlagen lassen sich folgende Infor-
mationen entnehmen: Aus der Pfändungsurkunde vom 23. März 2006 wird 
ersichtlich, dass der Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt nicht mehr be-
rufstätig war und als Rentner ein Nettoeinkommen von Fr. 8'700.-- pro Monat 
erzielte. Bei den Vermögenswerten ist eine Liegenschaft der Beschwerde-
führenden in E.________ mit einem Schätzungswert von Fr. 411'276.-- auf-
geführt. Die Pfändungsurkunde enthält den Vermerk, dass beim Schuldner 
keine weiteren pfändbaren Vermögenswerte festgestellt werden konnten. 
Die Feststellung der Vermögenswerte und die Pfändung sind in Anwesenheit 
des Beschwerdeführers erfolgt. Vom Einkommen des Beschwerdeführers 
wurden monatlich Fr. 5'700.-- bis zur Deckung der Forderung gepfändet, 
längstens jedoch für ein Jahr (Urkunde vom 23.3.2006, Vorakten StV 
[act. 3B] pag. 134). In der Pfändungsurkunde vom 9. August 2010 sind fol-
gende Vermögenswerte aufgeführt: Guthaben auf zwei Sparkonten sowie 

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einem Privatkonto bei der D.________ zu einem Schätzungswert von ins-
gesamt Fr. 95'989.30, Guthaben auf dem Depotkonto bei der D.________ 
zu einem Schätzungswert von Fr. 1'150'215.--, Guthaben gegenüber der 
C.________ Bank zu einem Schätzungswert von Fr. 9'065.50, die bereits be-
kannte Liegenschaft der Beschwerdeführenden sowie eine weitere Liegen-
schaft zum Schätzungswert von Fr. 13'680.-- in E.________ und zwei Lie-
genschaften in F.________ zu einem Schätzungswert von insgesamt 
Fr. 830'000.--. Ein Einkommen der Beschwerdeführenden wird nicht ausge-
wiesen. Die Pfändung erfolgte in Abwesenheit des Schuldners. Es wurden 
das gesamte Guthaben gegenüber der C.________ Bank und das Guthaben 
auf dem Depotkonto bei der D.________ im Umfang von Fr. 432'000.-- ge-
pfändet (Urkunde vom 9.8.2010, Vorakten StV [act. 3B] pag. 139 f.). In der 
Pfändungsurkunde vom 1. Dezember 2010 ist als Vermögenswert wiederum 
das Depotkonto bei der D.________ zu einem Schätzungswert von 
Fr. 710'876.-- angegeben. Dieses wurde teilweise gepfändet, wobei aus der 
Pfändungsurkunde der genaue Umfang nicht hervorgeht. Zudem wurden 
Einnahmen aus dem Mietzinsinkasso des Betreibungsamts … zum 
Schätzungswert von Fr. 19'000.-- gepfändet. Schliesslich wurden vom auf 
Fr. 7'329.70 bezifferten Nettomonatseinkommen des Beschwerdeführers 
monatlich Fr. 5'629.-- bis zur Deckung der Forderung gepfändet, längstens 
jedoch für ein Jahr. Auch diese Pfändung erfolgte in Abwesenheit des 
Schuldners (Urkunde vom 1.12.2010, Vorakten StV [act. 3B] pag. 145 f.).

5.4.3 Die Vorinstanz ist zum Schluss gekommen, der Steuerverwaltung 
könne nicht vorgeworfen werden, die Informationen aus den Pfändungsun-
terlagen bei den Ermessensveranlagungen 2006-2012 nicht genügend be-
rücksichtigt zu haben. Bereits bei der Veranlagung im Steuerjahr 2006 hätten 
Hinweise vorgelegen, dass die im Betreibungsverfahren gemachten Anga-
ben unvollständig seien; mithin würden die Pfändungsurkunden keine voll-
ständige Auflistung von Einkommen und Vermögen der Beschwerdeführen-
den enthalten. Die Steuerverwaltung habe deshalb nicht ausschliessen kön-
nen, dass noch weiteres Einkommen oder Vermögen, namentlich zusätzli-
che Wertschriften oder Liegenschaften, bei den Beschwerdeführenden 
vorhanden gewesen seien. Ein blosses Abstützen auf die Informationen aus 
dem Pfändungsverfahren hätte zur Unvollständigkeit der Veranlagungen ge-
führt. Es erweise sich deshalb nicht als willkürlich, dass die Steuerverwaltung 

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von einem höheren Einkommen und Vermögen der Beschwerdeführenden 
ausgegangen sei (angefochtene Entscheide E. 10.4 und 11.2).

5.4.4 Zur Vollständigkeit von Pfändungsurkunden ergibt sich aus den Be-
stimmungen zu den Pflichten der Schuldnerin bzw. des Schuldners im Pfän-
dungsverfahren und zur Reihenfolge der Pfändung Folgendes: Nach Art. 91 
Abs. 1 Ziff. 2 des Bundesgesetzes vom 11. April 1889 über Schuldbetrei-
bung und Konkurs (SchKG; SR 281.1) ist die Schuldnerin bzw. der Schuld-
ner im Pfändungsverfahren verpflichtet, ihre bzw. seine Vermögensgegen-
stände anzugeben, soweit dies zu einer genügenden Pfändung nötig ist. An-
gaben machen muss die Schuldnerin bzw. der Schuldner also nur, soweit 
eine Auskunft notwendig ist. Dies widerspiegelt sich in Art. 95 SchKG, wo-
nach in erster Linie das bewegliche Vermögen gepfändet wird (Abs. 1). Das 
unbewegliche Vermögen wird nur gepfändet, soweit das bewegliche zur De-
ckung der Forderung nicht ausreicht (Abs. 2). Findet das Betreibungsamt 
schon genügend bewegliches Vermögen, so braucht die Schuldnerin bzw. 
der Schuldner das unbewegliche Vermögen nicht mehr anzugeben (Thomas 
Winkler, in Kren Kostkiewicz/Vock [Hrsg.], Kommentar SchKG, 4. Aufl. 2017, 
Art. 91 N. 23; vgl. aber zur Auskunftspflicht von Dritten BGer 5A_470/2020 
vom 3.9.2020 E. 5.1.2.1, kritisch dazu AJP 2021 S. 687 mit Verweis auf die 
bis dahin ergangene Rechtsprechung und Lehre). Über jede Pfändung wird 
eine mit der Unterschrift der Vollzugsperson zu versehende Urkunde (Pfän-
dungsurkunde) aufgenommen. Dieselbe bezeichnet die Gläubigerin bzw. 
den Gläubiger und die Schuldnerin bzw. den Schuldner, den Betrag der For-
derung, Tag und Stunde der Pfändung, die gepfändeten Vermögensstücke 
samt deren Schätzung sowie, gegebenenfalls, die Ansprüche Dritter 
(Art. 112 Abs. 1 SchKG). Mit der Vorinstanz ist deshalb festzuhalten, dass 
die Steuerverwaltung davon ausgehen durfte und musste, dass die Pfän-
dungsurkunden das (schweizweite) Einkommen und Vermögen der 
Beschwerdeführenden kaum vollständig ausweisen; auf jeden Fall bestand 
keinerlei Garantie für lückenlose Angaben. Der Vermerk auf der Pfändungs-
urkunde vom 23. März 2006, wonach keine weiteren pfändbaren Vermö-
genswerte beim Schuldner festgestellt werden konnten, ändert daran nichts. 
Aufgrund der Pfändungsurkunden konnte die Steuerverwaltung also nicht 
wissen, ob nebst dem Renteneinkommen sowie den Vermögenswerten, wel-
che aus den Pfändungsunterlagen ersichtlich waren, noch weitere Einkom-

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mensquellen oder Vermögenswerte vorhanden waren und so auch die fort-
während erhöhten Einschätzungen immer noch hinter der tatsächlich 
Einkommens- und Vermögenslage zurückbleiben würden. Dies hätten die 
Beschwerdeführenden ohne weiteres im ordentlichen Verfahren richtigstel-
len können (vorne E. 5.3). Die Vorinstanz weist zu Recht darauf hin, dass 
die Ermessensveranlagungen gestützt auf die Informationen aus der Pfän-
dungsurkunde des Jahres 2006 unvollständig gewesen wären (angefoch-
tene Entscheide E. 10.4); mithin wären die Beschwerdeführenden dadurch 
gegenüber von Steuerpflichtigen, die ihren Mitwirkungspflichten erfüllen, 
bessergestellt worden. Dies soll bei einer Ermessensveranlagung aber ver-
mieden werden; die Verletzung von Verfahrenspflichten darf sich nicht loh-
nen (BGE 138 II 465 E. 6.4; BGer 2C_679/2016 und 2C_680/2016 vom 
11.7.2017, in ASA 86 S. 56 und StE 2017 B 93.5 Nr. 33 E. 4.2.3; Zweifel/
Hunziker, in Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen 
Steuerrecht, DBG, 4. Aufl. 2022, Art. 130 N. 46, je mit Hinweisen). Auch die 
aktenkundigen Rentenbescheinigungen 2008 und 2009 geben lediglich Aus-
kunft über einen Einkommensposten des Beschwerdeführers und erlauben 
keinen belastbaren Überblick über die vollständige Einkommens- und Ver-
mögenslage der Beschwerdeführenden (angefochtene Entscheide E. 11.1; 
Vorakten StV [act. 3B] pag. 8 und 17; vgl. auch VGE 2017/295/296 vom 
10.1.2019 E. 2.4). Die Informationen aus den Pfändungsurkunden aus dem 
Jahr 2010 waren der Steuerverwaltung zum Zeitpunkt der Ermessensveran-
lagungen 2006-2009 sodann nicht bekannt. Auch wenn diese Dokumente für 
die Veranlagungsverfügungen 2010-2012 vorlagen, musste die Steuerver-
waltung nicht davon ausgehen, diese würden das Einkommen und Vermö-
gen der Beschwerdeführenden vollständig ausweisen. Schliesslich musste 
die Steuerverwaltung auch nicht annehmen, die Beschwerdeführenden 
seien «nicht mehr in der Lage, den laufenden Geschäften nachzukommen», 
wie diese geltend machen (Beschwerden S. 22); denn die geltend gemach-
ten Steuerforderungen konnten stets auf dem Betreibungsweg getilgt wer-
den. Darin besteht ein wesentlicher Unterschied zum Sachverhalt, den das 
Bundesgericht in seinem Entscheid vom 11. Juli 2017 zu beurteilen hatte 
(BGer 2C_679/2016 und 2C_680/2016 vom 11.7.2017, in ASA 86 S. 56 und 
StE 2017 B 93.5 Nr. 33). Für die Steuerbehörde stand dort unzweifelhaft 
fest, dass die Steuerpflichtige über keinerlei pfändbares Vermögen mehr ver-
fügte. Zudem waren ihre Einkommensverhältnisse in den Pfändungsurkun-

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den detailliert aufgeführt (E. 5.3.1). Hier bestand für die Steuerverwaltung 
jedoch keine Veranlassung, die Beschwerdeführenden – zusätzlich zur Auf-
forderung, eine Steuererklärung einzureichen – zu kontaktieren.

5.4.5 Der Steuerverwaltung kann nach dem Gesagten nicht vorgeworfen 
werden, sie habe das steuerbare Einkommen und Vermögen der Beschwer-
deführenden ungenügend abgeklärt oder – in Missachtung eindeutiger 
Kenntnisse über ein tatsächlich tieferes Einkommen und Vermögen – massiv 
zu hoch festgesetzt, was bereits die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat 
(vgl. vorne E. 5.4.3). 

5.5 Die Beschwerdeführenden machen weiter geltend, die Veranla-
gungsverfügungen 2006-2012 seien nichtig, da ihnen für die entsprechen-
den Steuerperioden keine Mahnungen zur Einreichung der Steuererklärung 
zugestellt worden seien (Beschwerden S. 16 ff.). Dem ist zunächst entge-
genzuhalten, dass eine fehlende Mahnung zwar gegen den im Gesetz gere-
gelten Verfahrensablauf verstösst, die betreffenden Veranlagungen dadurch 
aber bloss anfechtbar und nicht geradezu nichtig sind (BGE 137 I 273 
E. 3.5). Bereits vor diesem Hintergrund können die Beschwerdeführenden 
aus (angeblich) fehlenden Mahnungen nichts zu ihren Gunsten ableiten. Mit 
der Vorinstanz ist sodann festzuhalten, dass die Behauptung der Beschwer-
deführenden, sie hätten für die Steuerperioden 2006-2012 keine Mahnungen 
erhalten, ohnehin nicht glaubhaft erscheint (angefochtene Entscheide 
E. 8.2.2): Die Steuerverwaltung hat vor der Vorinstanz die Mahnung für das 
Steuerjahr 2009 sowie «Systemauszüge» zu den Mahnungen für die 
Steuerjahre 2005-2009 eingereicht (Vorakten StV [act. 3B1] pag. 290 ff.). 
Daraus ist ersichtlich, wann die Mahnungen im Informatiksystem erstellt und 
auf wann sie datiert sowie wann und mit welcher Sendungsnummer sie an 
die Beschwerdeführenden versandt wurden. Für die Mahnschreiben hat die 
Steuerverwaltung zwar die Sendungsnummern der eingeschriebenen Post 
genannt, kann aber offenbar die zugehörigen Sendungsverfolgungen nicht 
mehr beibringen; es fehlt damit insoweit am direkten Beweis, dass die Be-
schwerdeführenden die Sendungen erhalten haben. Dennoch ist aufgrund 
der Umstände davon auszugehen, dass die Mahnschreiben den Beschwer-
deführenden zugegangen sind, zumal diese nicht geltend machen, weitere 
Sendungen der Steuerbehörden – insbesondere die Steuererklärungsformu-

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lare – nicht erhalten zu haben. Weiter enthielten die Veranlagungsverfügun-
gen jeweils den ausdrücklichen Hinweis, dass «trotz eingeschriebener Mah-
nung» keine Steuererklärung eingereicht worden sei, und wurden den Be-
schwerdeführenden betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern jeweils 
Gebühren für die (eingeschriebene) Mahnung auferlegt (Details zu den 
Veranlagungsverfügungen 2006-2012, Vorakten StV [act. 3B] pag. 32 ff. 
[2006], 23 ff. [2007], 13 ff. [2008], 5 ff. [2009], 287 ff. [2010], 256 ff. [2011], 
248 ff. [2012]). Den Beschwerdeführenden war die Bedeutung eines 
Mahnschreibens also bekannt und es ist ohne weiteres davon auszugehen, 
dass sie nicht bis vor der StRK zugewartet hätten, um eine Nichtzustellung 
von Mahnungen geltend zu machen (vgl. VGE 2016/148/149 vom 18.9.2017 
E. 4.2). Ebenso unbegründet ist die Rüge der Beschwerdeführenden, die 
Steuerverwaltung habe durch den fehlenden Nachweis von Mahnungen in 
den Akten ihre Aktenführungspflicht verletzt. Die entsprechenden 
Dokumente waren nicht Teil der Verfahrensakten. Sie mussten erst im 
Beschwerdeverfahren vor der Vorinstanz erstellt und vorgelegt werden, 
zumal die Beschwerdeführenden erstmals (angeblich) fehlende 
Steuererklärungen und Mahnungen gerügt haben. 

5.6 Zusammenfassend sind keine krassen Verstösse der Veranlagungs-
behörde gegen die ihr obliegende Untersuchungs- und Überprüfungspflicht 
gegeben, namentlich auch nicht im Zusammenhang mit der Zustellung von 
Mahnungen zur Einreichung der Steuererklärungen. Die StRK hat die Nich-
tigkeit der Veranlagungsverfügungen der Jahre 2006-2012 zu Recht ver-
neint.

6.

Nach dem Gesagten halten die angefochtenen Entscheide der Rechtskon-
trolle stand. Die Beschwerden erweisen sich als unbegründet und sind ab-
zuweisen, soweit auf sie eingetreten wird (vorne E. 1.2). Bei diesem Aus-
gang der Verfahren werden die Beschwerdeführenden kostenpflichtig 
(Art. 151 StG i.V.m. Art. 108 Abs. 1 VRPG, Art. 145 Abs. 2 i.V.m. Art. 144 
Abs. 1 DBG). Sie haften für die Kosten solidarisch (Art. 106 VRPG). Partei-
kosten sind keine zu sprechen (Art. 151 StG i.V.m. Art. 108 Abs. 3 VRPG 

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und Art. 104 Abs. 3 VRPG, Art. 145 Abs. 2 i.V.m. Art. 144 Abs. 4 DBG und 
Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren [Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021]).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern 2006-
2012 wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. Die Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer 2006-2012 wird ab-
gewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

3. Die Kosten der Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf eine 
Pauschalgebühr von Fr. 10'000.--, werden den Beschwerdeführenden 
auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe entnom-
men.

4. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

5. Zu eröffnen:
- Beschwerdeführende
- Steuerverwaltung des Kantons Bern
- Steuerrekurskommission des Kantons Bern
- Eidgenössische Steuerverwaltung

Das präsidierende Mitglied: Die Gerichtsschreiberin:

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Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 
Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegen-
heiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 
über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.