# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5aead4d9-b5ee-5c7b-a29a-09e6dd2e67a9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-06-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.06.2010 C-2859/2007
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-2859-2007_2010-06-30.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-2859/2007/
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 0 .  J u n i  2 0 1 0

Richter Beat Weber (Vorsitz), 
Richter Alberto Meuli, 
Richterin Elena Avenati-Carpani, 
Gerichtsschreiber Daniel Stufetti.

F._______, Frankreich,
vertreten durch Advokat lic. iur. Christoph Haffenmeyer, 
Güterstrasse 106, 4053 Basel,
Beschwerdeführer,

gegen

IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA,
avenue Edmond-Vaucher 18, Postfach 3100, 
1211 Genf 2,
Vorinstanz.

Invalidenrente; Verfügung der IVSTA vom 2. März 2007.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-2859/2007

Sachverhalt:

A.
A.a F._______  (nachfolgend  Versicherter  oder  Beschwerdeführer), 
geboren am (Geburtsdatum),  französischer Staatsangehöriger, (Zivil -
stand), arbeitete als Grenzgänger seit Dezember 1987 als Laborant in 
der  I._______  und  leistete  in  dieser  Zeit  Beiträge  an  die 
schweizerische  Alters-,  Hinterlassenen-  und  Invalidenversicherung 
(AHV/IV).  Am  19.  April  2005  gab  er  wegen  psychischer  Probleme 
seine Arbeit bei der N._______ auf (IV/1, 4).

A.b Am  12.  Oktober  2005  stellte  er  bei  der  IV-Stelle  Basel-Stadt 
(nachfolgend IV-BS) ein Gesuch um Leistungen der schweizerischen 
Invalidenversicherung (Eingang bei der IV-BS: 21. Oktober 2005; IV/1). 
Am 13. September 2006 beauftragte die IV-BS Dr. G._______ mit der 
Begutachtung  des  Versicherten  (IV/8).  In  dessen  psychiatrischen 
Gutachten  vom  11.  Dezember  2006  diagnostizierte  dieser  eine 
Benzodiazepin-Abhängigkeit,  eine  leichte  depressive  Episode  sowie 
eine ängstliche, selbstunsichere Persönlichkeitsstörung und erachtete 
den  Versicherten  in  seiner  bisherigen  Tätigkeit  als  Laborant  und  in 
jeder  anderen,  angepassten  Tätigkeit  seit  April  2005  als  arbeitsun-
fähig.  Nach  stationärem  Benzodiazepin-Entzug  und  nachfolgender 
Psychotherapie  sei  der  Versicherte  jedoch  wieder  voll  arbeitsfähig 
(IV/10 S. 1-11). Mit Vorbescheid vom 17. Januar 2007 teilte die IV-BS 
mit,  sie  beabsichtige,  das  Leistungsbegehren  abzuweisen,  da  der 
Versicherte an einer Sucht leide, die nicht Folge eines Gesundheits -
schadens, der zur Invalidität führe, sei (IV/12). Mit Stellungnahme vom 
24. Januar 2007 erklärte der Versicherte, er sei mit diesem Entscheid 
nicht  einverstanden  und  verwies  auf  die  medizinische  Behandlung 
durch seine Ärzte (IV/13).

A.c Mit Verfügung vom 2. März 2007 wies die IVSTA das Leistungs-
begehren gestützt auf die Feststellungen der IV-BS vom 27. Februar 
2007 ab und wies gleichzeitig darauf hin, dass die Stellungnahme vom 
24.  Januar  2007  keine  neuen  oder  unberücksichtigten  Argumente 
enthalte  und  sie  sich  bei  ihrer  Beurteilung  auf  die  getätigten  Ab-
klärungen  und  belegten  Fakten  stütze;  die  subjektive  abweichende 
Einschätzung  des  Versicherten  könne  nicht  berücksichtigt  werden 
(IV/16 = IV/21 S. 14 f.).

Seite 2

C-2859/2007

B.  
B.a Am 23. April  2007 erhob der Versicherte Beschwerde gegen die 
Verfügung der IVSTA und beantragte – unter Kostenfolge zulasten der 
Beschwerdegegnerin  –  die  Aufhebung der  angefochtenen Verfügung 
und die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente, [eventualiter] sei ein 
weiteres  neutrales  und unabhängiges psychiatrisches Gutachten an-
zuordnen. Mit der Beschwerde reichte er verschiedene, bereits akten-
kundige Arztberichte der Drs. K._______, G._______ und B._______ 
ein  und  machte  geltend,  er  leide  seit  Kindheit  an  eigenständigen 
psychischen Problemen, die inzwischen ein so grosses Ausmass er-
reicht hätten, dass sie heute mit einer Psychotherapie nicht mehr ganz 
geheilt  werden  könnten.  Die  Benzodiazepine  habe  er  als  Folge  der 
psychischen Erkrankung eingenommen. Er sei wegen der psychischen 
Erkrankung nicht mehr arbeitsfähig (act. 1).

B.b Mit Zwischenverfügung vom 27. April  2007 forderte das Bundes-
verwaltungsgericht den Beschwerdeführer auf, einen Kostenvorschuss 
in  Höhe  von  Fr. 400.-  zu  leisten  und  teilte  ihm  die  Besetzung  des 
Spruchkörpers mit (act. 2).

B.c Am 22. Mai  2007  verbuchte  das  Bundesverwaltungsgericht  den 
Eingang  des  Kostenvorschusses.  Der  Beschwerdeführer  teilte  mit 
Schreiben vom 29. Mai  2007 mit,  er  verzichte auf  das Stellen eines 
Ausstandsbegehrens (act. 5, 5a).

B.d Mit  Vernehmlassung  vom  27.  Juni  2007  beantragte  die  IVSTA 
unter Bezugnahme auf die Stellungnahme der IV-Stelle Basel vom 24. 
Mai  2007  die  Abweisung  der  Beschwerde  und  Bestätigung  der  an-
gefochtenen Verfügung (act. 4 und 8).

B.e Mit  Replik  vom 16.  August  2007  reichte  der  Beschwerdeführer 
eine  Stellungnahme  des  Hausarztes  sowie  eine  Bestätigung  des 
C._______ zu den Akten und ersuchte um deren Berücksichtigung im 
Verfahren (act. 11). Mit ergänzenden Stellungnahmen vom 24. Oktober 
2007  und  14.  Januar  2008  hielt  der  Beschwerdeführer  an  den  An-
trägen in seiner Beschwerde fest und reichte ein weiteres Arztzeugnis 
des C._______ sowie eine  Stellungnahme von Dr. K._______ zu den 
Akten (act. 13 und 17). 

B.f Am  5.  März  2008  ersuchte  die  IV-Stelle  Basel-Stadt  den 
regionalärztlichen  Dienst  um  Stellungnahme  zu  den  abweichenden 
Beurteilungen  der  begutachtenden  Ärzte.  Dieser  nahm gleichentags 

Seite 3

C-2859/2007

Stellung und empfahl, am Gutachten von Dr. G._______ festzuhalten 
(act.  20.2).  Mit  Duplik  vom  7.  März  2008  beantragte  die  IVSTA  – 
gestützt auf die Stellungnahme der IV-BS vom 6. März 2008 (act. 20.1) 
– die Abweisung der Beschwerde (act. 20).

B.g Am  25.  März  2008  schloss  das  Bundesverwaltungsgericht  den 
Schriftenwechsel.

B.h Mit Eingabe vom 15. April  2008 rügte der Beschwerdeführer die 
Feststellungen der Vorinstanz in ihrer Duplik vom 6. März 2008 (recte: 
Stellungnahme der IV-BS vom 6. März 2008), anerbot die Beibringung 
entsprechender  Beweismittel  und stellte  eine  weitere  Stellungnahme 
von Dr. K._______ in Aussicht (act. 22).

B.i Mit Eingaben vom 11. Juli  2008 und 22. August 2008 reichte der 
Beschwerdeführer ein weiteres Arztzeugnis von Dr. D._______ sowie 
eine ergänzende Stellungnahme von Dr. K._______ zu den Akten (act. 
23, 24) und hielt  daran fest, dass er an einer Persönlichkeitsstörung 
leide,  die  seine  Arbeitsfähigkeit  beeinträchtige;  ein  Benzo-
diazepin-Abusus sei als Hauptursache für die Arbeitsunfähigkeit aus-
zuschliessen.

B.j Mit  ergänzender  Stellungnahme  vom  6.  Oktober  2008  hielt  die 
IVSTA – unter Bezugnahme auf die Stellungnahme der IV-BS vom 26. 
September  2008,  wonach  am Gutachten  von Dr. G._______  festzu-
halten sei – an ihren Anträgen fest (act. 26).

B.k Mit Zwischenverfügung vom 15. Oktober 2008 teilte das Bundes-
verwaltungsgericht den Parteien einen Wechsel im Spruchkörper mit. 
Dagegen  wurden  innert  angesetzter  Frist  keine  Ausstandsgründe 
geltend gemacht (act. 27). 

B.l Auf weitere Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten 
wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen 
eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17.  Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  in  Verbindung  mit  Art.  33  Bst.  d  VGG und 

Seite 4

C-2859/2007

Art. 69 Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die 
Invalidenversicherung  (IVG,  SR  831.20)  sowie  Art.  5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG,  SR  172.021)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden von Personen im Ausland gegen Verfügungen der IVSTA. 
Eine Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor.

1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesver-
waltungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes be-
stimmt.  Indes  findet  das  VwVG aufgrund  von  Art.  3  Bst.  dbis VwVG 
keine Anwendung in Sozialversicherungssachen, soweit das Bundes-
gesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialver-
sicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar ist.

1.3 Der  Beschwerdeführer  hat  am vorinstanzlichen  Verfahren  teilge-
nommen; er ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein 
schutzwürdiges Interesse an deren Anfechtung (Art. 59 ATSG). Er ist 
daher zur Beschwerde legitimiert.

1.4 Da die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht eingereicht 
und der Kostenvorschuss fristgerecht geleistet wurde, ist auf die Be-
schwerde  einzutreten  (60  ATSG,  Art. 52  VwVG und  Art.  63  Abs.  4 
VwVG).

2.
Gemäss Art. 40 Abs. 2 IVV ist bei Grenzgängern die IV-Stelle, in deren 
Tätigkeitsgebiet  der  Grenzgänger  eine  Erwerbstätigkeit  ausübt,  zur 
Entgegennahme und Prüfung der Anmeldungen zuständig. Die Verfü-
gungen werden von der IVSTA erlassen. 

Da der Beschwerdeführer bei Eintritt des geltend gemachten Gesund-
heitsschadens  als  Grenzgänger  im  Tätigkeitsgebiet  der  IV-BS  gear-
beitet hat, war diese für die Entgegennahme und Prüfung der Anmel-
dung zuständig und wurde die angefochtene Verfügung vom 2. März 
2007 zu Recht von der IVSTA erlassen. 

3.
3.1 Der  Beschwerdeführer  ist  französischer  Staatsangehöriger  und 
lebt in Frankreich. Daher ist  vorliegend das am 1. Juni 2002 in Kraft  
getretene  Abkommen  vom 21.  Juni  1999  zwischen  der  Schweizeri-
schen  Eidgenossenschaft  einerseits  und  der  Europäischen  Gemein-
schaft  und  ihren  Mitgliedstaaten  andererseits  über  die  Freizügigkeit 

Seite 5

C-2859/2007

(nachfolgend: FZA, SR 0.142.112.681), insbesondere dessen Anhang 
II  betreffend die Koordinierung der  Systeme der sozialen Sicherheit, 
anzuwenden  (Art.  80a  IVG).  Soweit  das  FZA  bzw.  die  auf  dieser 
Grundlage  anwendbaren  gemeinschaftsrechtlichen  Rechtsakte  keine 
abweichenden Bestimmungen vorsehen, richtet sich die Ausgestaltung 
des  Verfahrens  sowie  die  Prüfung  der  Anspruchsvoraussetzungen 
einer  schweizerischen  Invalidenrente  grundsätzlich  nach  der  inner-
staatlichen  Rechtsordnung  (BGE  130  V  253  E.  2.4).  Für  die 
Beurteilung  eines  allfälligen  Rentenanspruchs  sind  daher  die  Fest-
stellungen  des  ausländischen  Versicherungsträgers  bezüglich  Invali-
ditätsgrad und Anspruchsbeginn für die rechtsanwendenden Behörden 
in der Schweiz nicht verbindlich (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; AHI-Praxis 
1996 S. 177 E. 1).

3.2 In  materiellrechtlicher  Hinsicht  sind  grundsätzlich  diejenigen 
Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen 
führenden Tatbestandes Geltung haben, wobei nach ständiger Praxis 
auf  den  im Zeitpunkt  des  Erlasses des angefochtenen Verwaltungs-
aktes eingetretenen Sachverhalt abgestellt wird (BGE 130 V 329, BGE 
129 V 1 E. 1.2 mit Hinweisen). Ein allfälliger Leistungsanspruch ist für 
die  Zeit  vor  einem  Rechtswechsel  aufgrund  der  bisherigen  und  ab 
diesem Zeitpunkt nach den in Kraft stehenden Normen zu prüfen (pro 
rata temporis; vgl. BGE 130 V 445). Da die angefochtene Verfügung 
am 2. März 2007 ergangen ist, sind vorliegend die ab 1. Januar 2003 
geltenden Bestimmungen des ATSG, das IVG für den Zeitraum vom 1. 
Januar  2004  bis  31. Dezember  2007  in  der  Fassung  vom 21.  März 
2003 (4. IV-Revision; AS 2003 3837) und die IVV in ihrer Fassung vom 
21. Mai 2003 (4. IV-Revision; AS 2003 3859) anwendbar.

3.3 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerde-
verfahrens  die  Verletzung  von  Bundesrecht  unter  Einschluss  des 
Missbrauchs oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
sowie die Unangemessenheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG).

3.4 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz 
beherrscht. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige 
und  vollständige  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  zu 
sorgen. Dieser  Grundsatz gilt  indessen nicht  unbeschränkt; er  findet 
sein  Korrelat  insbesondere  in  den  Mitwirkungspflichten  der  Parteien 

Seite 6

C-2859/2007

(BGE 125  V  193  E. 2,  BGE 122  V  157  E. 1a,  je  mit  weiteren  Hin-
weisen).

3.5 Im Sozialversicherungsprozess hat das Gericht seinen Entscheid, 
sofern  das  Gesetz  nicht  etwas  Abweichendes  vorsieht,  nach  dem 
Beweisgrad  der  überwiegenden  Wahrscheinlichkeit  zu  fällen.  Die 
blosse  Möglichkeit  eines  bestimmten  Sachverhalts  genügt  den 
Beweisanforderungen  nicht.  Das  Gericht  hat  vielmehr  jener  Sach-
verhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehens-
abläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b, 125 
V 193 E. 2, je mit Hinweisen).

4.
4.1 Im vorliegenden Verfahren ist streitig und vom Bundesverwaltungs-
gericht  zu  prüfen,  ob  die  IVSTA  das  Leistungsbegehren  des 
Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen hat.

4.2 Die Voraussetzung der - noch nach altem Recht zu beurteilenden - 
Mindestbeitragsdauer von zwölf Monaten (vgl. Art. 36 Abs. 1 IVG in der 
bis 31. Dezember 2007 geltenden Fassung) ist mit Beitragsleistungen 
in den Jahren 1987 bis 2004 zweifellos erfüllt (IV/4). Es bleibt daher zu 
prüfen, ob der Beschwerdeführer in rentenrelevantem Ausmass invalid 
ist.

4.3 Der Zeitpunkt des Eintritts der Invalidität beurteilt sich nach Art. 29 
Abs. 1 IVG. Der Rentenanspruch entsteht frühestens in dem Zeitpunkt, 
in  dem der Versicherte mindestens zu 40% bleibend erwerbsunfähig 
geworden  ist  (Dauerinvalidität,  Art.  7  ATSG)  oder  während  eines 
Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 
40% arbeitsunfähig war (lang dauernde Krankheit,  Art. 6 ATSG, vgl. 
BGE 121 V 264 E. 5  und 6).  Meldet  sich  ein  Versicherter  mehr  als 
zwölf  Monate  nach  Entstehen  des  Anspruchs  an,  so  werden  die 
Leistungen in Abweichung von Artikel 24 Absatz 1 ATSG lediglich für 
die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate ausgerichtet (Art. 48 
Abs. 2 IVG in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung).

Im Folgenden  zu  prüfen ist,  ob  der  Beschwerdeführer  seit  dem 12.  
Oktober 2004 (frühester Prüfzeitpunkt, seit der Anmeldung bei der IV-
Stelle)  bis  2.  März  2007  (Datum  der  angefochtenen  Verfügung)  in 
rentenbegründendem Umfang erwerbsunfähig war. 

Seite 7

C-2859/2007

4.4 Die  folgenden  gesetzlichen  Grundlagen  und  von  der  Recht-
sprechung entwickelten Grundsätze sind für die Beurteilung der Streit -
sache massgebend:

Gemäss Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG ist Invalidität 
die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder 
teilweise  Erwerbsunfähigkeit  als  Folge  von  Geburtsgebrechen, 
Krankheit oder Unfall.

Arbeitsunfähigkeit  ist  die  durch  eine  Beeinträchtigung  der  körper-
lichen,  geistigen  oder  psychischen  Gesundheit  bedingte,  volle  oder 
teilweise  Unfähigkeit,  im  bisherigen  Beruf  oder  Aufgabenbereich 
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare 
Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt 
(Art. 6 ATSG).

Erwerbsunfähigkeit  ist  der  durch  Beeinträchtigung  der  körperlichen, 
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumut-
barer  Behandlung  und  Eingliederung  verbleibende  ganze  oder  teil-
weise  Verlust  der  Erwerbsmöglichkeiten  auf  dem  in  Betracht 
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG).

4.5 Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG besteht bei einem Invaliditätsgrad von 
mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente, bei einem Invalidi-
tätsgrad von mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, bei 
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% Anspruch auf eine halbe 
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf 
eine Viertelsrente.

5.
5.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die 
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu 
stellen haben. Aufgabe des Arztes oder  der Ärztin  ist  es dabei,  den 
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen,  in 
welchem Umfang  und  bezüglich  welcher  Tätigkeiten  die  versicherte 
Person arbeitsunfähig  ist. Im Weiteren  sind  die  ärztlichen  Auskünfte 
eine  wichtige  Grundlage  für  die  Beurteilung  der  Frage,  welche 
Arbeitsleistungen  der  Person noch  zugemutet  werden  können  (BGE 
125 V 256 E. 4 mit Hinweisen). Die - arbeitsmedizinische - Aufgabe der 
Ärzte und Ärztinnen besteht darin, sich dazu zu äussern, inwiefern die 
versicherte  Person  in  ihren  körperlichen  oder  geistigen  Funktionen 

Seite 8

C-2859/2007

leidensbedingt  eingeschränkt  ist.  Im  Vordergrund  stehen  dabei  vor 
allem jene Funktionen, welche für  die nach der  Lebenserfahrung im 
Vordergrund stehenden Arbeitsmöglichkeiten der versicherten Person 
wesentlich  sind  (so  etwa,  ob  diese  sitzend  oder  stehend,  im Freien 
oder  in  geheizten Räumen arbeiten  kann oder  muss,  ob sie  Lasten 
heben  und  tragen  kann).  Die  Frage,  welche  konkreten  beruflichen 
Tätigkeiten  auf  Grund  der  medizinischen  Angaben  und  unter  Be-
rücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person in Fra-
ge  kommen,  ist  demgegenüber  nicht  von der  Ärztin  oder  dem Arzt, 
sondern von der Verwaltung bzw. von der Berufsberatung zu beantwor-
ten  (vgl.  Urteil  des  Eidgenössischen  Versicherungsgerichts  I  457/04 
vom 26. Oktober 2004, in: SVR 2006 IV Nr. 10, E. 4.1 mit Verweis auf 
BGE 107 V 20 E. 2b).

5.2 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismit-
tel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerde-
verfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach ha-
ben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise 
frei,  das  heisst  ohne  förmliche  Beweisregeln,  sowie  umfassend  und 
pflichtgemäss zu würdigen. 

5.2.1 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist  entschei-
dend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf all -
seitigen  Untersuchungen  beruht,  auch  die  geklagten  Beschwerden 
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wor-
den ist, in der Darlegung der Zusammenhänge und in der Beurteilung 
der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen 
der  Expertinnen und  Experten  begründet  sind. Ausschlaggebend für 
den Beweiswert  ist  grundsätzlich  somit  weder  die  Herkunft  des  Be-
weismittels  noch  die  Bezeichnung der  eingereichten  oder  in  Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder als Gutachten (vgl. dazu 
das  Urteil  des  Bundesgerichts  vom  26. Januar  2006  [I 268/2005] 
E. 1.2, mit Hinweis auf BGE 125 V 352 E. 3a). In Bezug auf Berichte 
von  Hausärzten  darf  und  soll  der  Richter  der  Erfahrungstatsache 
Rechnung tragen,  dass Hausärzte mitunter  im Hinblick auf  ihre  auf-
tragsrechtliche  Vertrauensstellung  in  Zweifelsfällen  eher  zu  Gunsten 
ihrer Patienten aussagen. Was Parteigutachten anbelangt, rechtfertigt 
der Umstand allein, dass eine ärztliche Stellungnahme von einer Par-
tei  eingeholt  und in das Verfahren eingebracht wird, nicht Zweifel  an 
ihrem Beweiswert (ZAK 1986 S. 189 E. 2a in fine). Den Berichten und 
Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt schliesslich Beweiswert 

Seite 9

C-2859/2007

zu, sofern sie schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie 
in sich widerspruchsfrei sind und keine konkreten Indizien gegen ihre 
Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt 
in  einem  Anstellungsverhältnis  zum  Versicherungsträger  steht,  lässt 
nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schlies-
sen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen 
in  die  Unparteilichkeit  der  Beurteilung  objektiv  als  begründet  er-
scheinen lassen (vgl. BGE 125 V 351 E. 3a und 3b, 122 V 160 E. 1c, 
123  V  178  E.  3.4  sowie  UELI KIESER,  ATSG-Kommentar,  2. Auflage, 
Zürich 2009, Art. 43 Rz. 35).

5.2.2 Auf Stellungnahmen der RAD oder der ärztlichen Dienste kann 
für den Fall, dass ihnen materiell  Gutachtensqualität zukommen soll, 
nur  abgestellt  werden,  wenn  sie  den  allgemeinen  beweisrechtlichen 
Anforderungen  an  einen  ärztlichen  Bericht  genügen  (vgl.  Urteil  des 
Bundesgerichts  vom 15. Dezember  2006  [I 694/05]  E. 2).  Die  RAD-
Ärzte  müssen  sodann  über  die  im  Einzelfall  gefragten  persönlichen 
und  fachlichen  Qualifikationen  verfügen  (Urteile  des  Bundesgerichts 
vom 20. November  2007  [I 142/07]  E. 3.2.3  und  vom 10. April  2007 
[I 362/06]  E. 3.2.1).  Denn  die  fachliche  Qualifikation  des  Experten 
spielt  für  die  richterliche  Würdigung  einer  Expertise  eine  erhebliche 
Rolle.  Bezüglich  der  medizinischen  Stichhaltigkeit  eines  Gutachtens 
müssen sich Verwaltung und Gerichte auf die Fachkenntnisse des Ex-
perten verlassen können. Deshalb ist für die Eignung eines Arztes als 
Gutachter  in  einer  bestimmten  medizinischen  Disziplin  ein  entspre-
chender, dem Nachweis der erforderlichen Fachkenntnisse dienender, 
spezialärztlicher Titel  des berichtenden oder zumindest  des den Be-
richt visierenden Arztes vorausgesetzt (Urteil des Bundesgerichts vom 
3. August 2000 [I 178/00] E. 4a).

Das Absehen von eigenen Untersuchungen ist an sich kein Grund, um 
einen RAD-Bericht in Frage zu stellen. Dies gilt insbesondere, wenn es 
im  Wesentlichen  um  die  Beurteilung  eines  feststehenden  medizini-
schen Sachverhalts geht und die direkte ärztliche Befassung mit der 
versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile des Bundes-
gerichts  vom  14. Juli  2009  [9C_323/2009]  E. 4.3.1  sowie  vom 
14. November 2007 [I 1094/06] E. 3.1.1, beide mit Hinweisen).

5.2.3 Aus  dem  Grundsatz  der  Waffengleichheit  folgt  das  Recht  der 
versicherten Person,  mittels  eigener  Beweismittel  die Zuverlässigkeit 
und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen der versicherungsinter-

Seite 10

C-2859/2007

nen Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese Berichte behandelnder 
Ärzte verfolgen nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid 
über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung 
des  Gesundheitszustandes  und  erfüllen  deshalb  kaum je  die  mate-
riellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a, 
weshalb im Streitfall  eine direkte Leistungszusprache einzig gestützt 
auf  die Angaben der behandelnden Ärzte denn auch kaum in Frage 
kommt. Diese Erfahrungstatsache befreit  das Gericht  indessen nicht 
von seiner Pflicht zu einer korrekten Beweiswürdigung, bei  der auch 
die von der versicherten Person aufgelegten Berichte mitzuberücksich-
tigen sind. Es würde einen Verstoss gegen die Waffengleichheit  und 
somit eine Verletzung von Art. 6 Ziff. 1 EMRK bedeuten, die Eignung 
der Berichte der behandelnden Ärzte zur Weckung derartiger Zweifel 
von  letztlich  unerfüllbaren  Anforderungen  abhängig  zu  machen.  Bei 
Bestand  von  Zweifeln  an  den  versicherungsinternen  Berichten  wird 
das  Gericht  vielmehr  entweder  ein  Gerichtsgutachten  anzuordnen 
oder  die  Sache  an  den  Versicherungsträger  zurückzuweisen  haben, 
damit dieser eine Begutachtung veranlasst (BGE 135 V 465 E. 4.4 in 
fine und E. 4.5 f.).

6.
6.1 Im Rahmen der Abklärungen wurden folgende Dokumente zu den 
Akten gereicht:

- Arztbericht von Dr. K._______ vom 22. Mai 2005 (IV/7 = IV/13 = IV/21 S. 

16 ff.);

- Fragebogen für den Arbeitgeber vom 4. November 2005 (IV/5); 

- Arztbericht und -zeugnisse von Dr. B._______ vom 5. und 19. Dezember 

2005 (IV/6, IV/10 S. 8 ff. = IV/21, S. 26 ff.);

- Stellungnahme des medizinischen Dienstes der IV-BS vom 12. September 

2006 (IV/Protokoll vom 25. Mai 2007, S. 2);

- Psychiatrisches  Gutachten  von  Dr. G._______  vom 11.  Dezember  2006 

(IV/10, S. 1 ff. = IV/21 S. 19 ff.);

- Stellungnahme  des  medizinischen  Dienstes  der  IV-BS  vom  15.  Januar 

2007 (IV/Protokoll vom 25. Mai 2007, S. 2);

- Undatierter (kaum leserlicher) Arztbericht von Dr. D._______ (IV/15, S. 3 f.  

= IV/21, S. 31 f.);

- Stellungnahme  des  medizinischen  Dienstes  der  IV-BS  vom  5.  Februar 

2007 (IV/Protokoll vom 25. Mai 2007, S. 3);

- Arztzeugnis von Dr. B._______ vom 23. Februar 2007 (IV/15, S. 2 = IV/21,  

S. 30); 

Seite 11

C-2859/2007

- Stellungnahme des medizinischen Dienstes der IV-BS vom 23. Mai 2007 

(IV/22).

Im Beschwerdeverfahren gab der Beschwerdeführer folgende weitere 
Arztberichte zu den Akten:

- Stellungnahme des  Hausarztes,  Dr. B._______,  vom 13. Juli  2007  (act. 

11.1);

- Bestätigung von Dr. D._______ des C._______,  vom 22. Mai  2007 (act. 

11.2);

- Bestätigung des C._______, vom 3. September 2007 (act. 13.1);

- Stellungnahme von Dr. K._______, vom 27. November 2007 (act. 17.1);

- Arztzeugnis von Dr. D._______, vom 19. Juli 2007 (act. 23.1);

- Ergänzende Stellungnahme von  Dr. K._______,  vom 28. Juli  2008  (act.  

24.1).

6.2 In  somatischer  Hinsicht  unbestritten  sind  die  folgenden 
Diagnosen:  Dyslipidämie  [Fett-Stoffwechselstörung],  chronische 
Lumboischialgie als Folge einer Diskopathie der Lendenwirbel L5/S1, 
ein Leistenbruch, operiert im Jahre 1998, sowie eine Penicillin-Allergie 
(IV/6,  10). Aufgrund der Akten ergibt  sich,  dass eine labile  Gesund-
heitseinschränkung im Sinne von Art. 29 Abs. 1 Bst. a IVG vorliegt und 
der  Beschwerdeführer  aus  gesundheitlichen  Gründen  seit  19.  April 
2005 keiner Arbeit mehr nachgegangen ist. 

6.3 Streitig ist hingegen die Beurteilung der psychischen Situation des 
Beschwerdeführers  und deren Auswirkungen auf  die  Arbeitsfähigkeit 
im  bisherigen  Beruf  und  einer  Verweistätigkeit.  Im  Vordergrund  der 
Beurteilung  stehen  die  Berichte  der  Ärzte  Dr.  B._______,  Dr. 
G._______  und  Dr.  K._______  und  die  Stellungnahmen  des 
medizinischen Dienstes der IV-Stelle.

6.3.1 Dr.  B._______,  Hausarzt  des  Beschwerdeführers  in  Sierentz, 
diagnostizierte  ein  chronisches  ängstlich-depressives  Syndrom,  eine 
chronische  depressive  Verstimmung  (Dysthymie)  sowie  eine 
neurotische  Persönlichkeit  mit  chronischer  Angst  betreffend  die 
Arbeitstätigkeit (Arbeit  gut geleistet, ständige Angst vor Fehlern oder 
Unverständnis). Der Patient habe mehrere Suizidversuche durch Ein-
nahme von Medikamenten unternommen, letztmals im Mai 2005; seit -
her arbeite er nicht mehr. Sein psychischer Zustand sei nach wie vor 
kritisch.  Dr.  B._______  erachtete  den  Beschwerdeführer  aus 
psychischer Sicht als gänzlich arbeitsunfähig (IV/6, IV/10, S. 10). Mit 

Seite 12

C-2859/2007

Zeugnis  vom  23.  Februar  2007  teilte  er  mit,  der  Beschwerdeführer 
habe einen Benzodiazepin-Entzug begonnen und sei bei Dr. Darreye, 
Psychiatrie-Dienst  am  C._______,  in  regelmässiger  Behandlung 
(IV/15, S. 2).

6.3.2 Professor Dr. K._______, Facharzt für Psychiatrie und Psycho-
therapie,  B._______  Spital,  und  behandelnder  Facharzt  stellt  in 
seinem Bericht vom 22. Mai 2005 fest, der Patient leide vermutlich an 
einer  narzisstischen  Persönlichkeitsstörung  (Überschätzung  der 
eigenen  Leistungen,  leichte  Kränkbarkeit,  impulsives  Verhalten)  mit 
depressiven  Krisen  oder  gar  Suizidhandlungen,  wenn  er  die  nötige 
Anerkennung  nicht  erhalte.  Seine  aktuelle  Depressivität  sei 
bestensfalls  mittelschwer,  wobei  der  Patient  jetzt  auch  unter  realen 
Zukunftsängsten  leide.  Theoretisch  sei  der  Patient,  nach  Einleitung 
von  Massnahmen  wie  Vermittlung  mit  dem  Sozialdienst  des  Arbeit -
gebers,  Einleitung  einer  Psychotherapie,  Suche  eines  geeigneten 
Arbeitsortes  und  Sicherstellung  der  notwendigen  Betreuung,  wieder 
voll arbeitsfähig; die Prognose sei jedoch ungewiss und hänge davon 
ab,  wie  der  Patient  in  der  Lage  sei,  auf  diese  Hilfsangebote  einzu-
gehen (IV/7 S. 3-6).

6.3.3 Dr.  G._______  stützt  sich  in  seinem  Gutachten  vom  11. 
Dezember  2006  auf  medizinische  Vorakten  (Arztberichte  von  Dr. 
B._______  vom  19.  Dezember  2005  und  5.  Dezember  2006,  Arzt -
bericht von Dr. K._______ vom 22. Mai 2005), ein Gespräch mit der 
Ehefrau  des  Beschwerdeführers  vom  7.  Dezember  2006  und  eine 
persönliche  Begutachtung  vom  7.  Dezember  2006.  In  seinem  Gut-
achten  diagnostiziert  er  eine  Benzodiazepinabhängigkeit  (ICD-10  F 
13.2),  eine  leichte  depressive  Episode  (ICD-10  F  32.0)  sowie  eine 
ängstliche,  selbstunsichere  Persönlichkeitsstörung  (ICD-10  F60.6). 
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führt er aus, der Beschwerdeführer sei 
wegen  der  Benzodiazepinabhängigkeit  seit  April  2005  in  seiner  bis-
herigen Tätigkeit wie auch in angepassten Verweistätigkeiten zu 100% 
arbeitsunfähig.  Da  mit  der  Benzodiazepinabhängigkeit  aber  keine 
geistigen oder psychischen Schäden verbunden seien, auch nicht im 
Falle  des  Beschwerdeführers,  könnte  mit  einem  Verzicht  auf  den 
Konsum von  Benzodiazepinen – unter Berücksichtigung der leichten 
depressiven  Störung  und  der  ängstlich-unsicheren  Persönlichkeits-
störung  –  eine  ganztägige  Arbeitsfähigkeit  in  seiner  angestammten 
Tätigkeit  erreicht  werden,  unter  geringfügiger  Einschränkung  der 
Leistungsfähigkeit  in  Höhe  von  20%.  Diese  Einschränkung  könne 

Seite 13

C-2859/2007

durch eine psychotherapeutische Behandlung [zusätzlich] günstig be-
einflusst  werden. Der  Einschätzung  von Dr. K._______,  wonach  der 
Beschwerdeführer  nach  Einleiten  einer  Psychotherapie  wieder  voll 
arbeitsfähig  sei,  könne  er  sich  weitgehend  anschliessen.  Der  Ex-
plorand sei  nur leichtgradig depressiv, die Persönlichkeitsstörung sei 
nicht schwergradig (IV/10, S. 1-7).

6.3.4 In einer ersten Stellungnahme vom 15. Januar  2007 zum Gut-
achten  von  Dr.  G._______  führt  Dr.  M._______  vom medizinischen 
Dienst  der  IV-BS  aus,  dass  die  Arbeitsfähigkeit  durch  ein  reines 
Suchtgeschehen beeinflusst werde. Die daneben vorhandene Persön-
lichkeitsstörung  sei  nicht  derart  ausgeprägt,  dass  sie  Grundlage  für 
das Suchtverhalten sein könne. Die depressive Störung sei sicherllich 
nicht  schweren  Grades,  könne aber  wegen der  Wirkung der  Benzo-
diazepine  nicht  definitiv  bestimmt  werden.  Eine  irreversible  gesund-
heitliche Störung (körperlich oder  geistig),  welche auf  das Suchtver-
halten zurückzuführen wäre, liege nicht vor. Dem Versicherten sei im 
Rahmen  seiner  Schadenminderungspflicht  eine  mehrmonatige  Ent-
zugs-  und  Entwöhnungsbehandlung  mit  anschliessender  ambulanter 
Anschlussbehandlung  (zu  Beginn  mindestens  wöchentliche  Psycho-
therapie) aufzuerlegen. Nach dem Entzug  sei ein psychiatrisches Ver-
laufsgutachten zu erstellen, das zum Ziel habe, das Ausmass der de-
pressiven Störung und deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit  zu be-
stimmen. Die Arbeitsfähigkeit von 80% in der angestammten Tätigkeit 
sei  nach  den  vorliegenden  Unterlagen  nachvollziehbar  (IV/Schluss-
protokoll S. 2). 

In  einer  weiteren  Stellungnahme  vom  23.  Mai  2007  führte  Dr. 
V._______,  Facharzt  für  Psychiatrie/Psychotherapie,  vom 
medizinischen Dienst der IV-BS aus, die abweichende Beurteilung der 
Arbeitsfähigkeit  zwischen den Ärzten Dr. B._______, K._______ und 
G._______ ergebe sich daraus, dass Dr. G._______ die Störung durch 
Benzodiazepine  versicherungstechnisch  korrekt  differenziert  habe, 
indem  das  Bild  der  Persönlichkeitsstörung  von  der  Einwirkung 
psychotroper  Substanzen  abzutrennen  sei  und  eine  Benzodiazepin-
abhängigkeit für sich genommen ein invaliditätsfremdes Gesundheits-
problem  sei,  was  auch  dem  Kreisschreiben  des  Bundesamtes  für 
Sozialversicherungen (BSV) über Invalidität und Hilflosigkeit in der IV 
(KSIH),  Rz.  1013,  zu  entnehmen  sei.  Es  sei  daher  versicherungs-
medizinisch  korrekt,  dass  diese  Abhängigkeit  von  der  leichten  de-
pressiven Episode  und der  ängstlichen selbstunsicheren  Persönlich-

Seite 14

C-2859/2007

keitsstörung abgegrenzt werde.  In den Berichten von Dr. B._______ 
und auch von Prof. Dr. K._______ fehle diese Differenzierung und Dr. 
B._______  nehme  zudem  keine  Bewertung  der  gesundheitlichen 
Auswirkungen der hohen Bromazepam-Dosierung vor. Es sei deshalb 
weiterhin auf die versicherungsmedizinisch korrekte Einschätzung im 
Gutachten von Dr. G._______ abzustellen (IV/22).

6.3.5 In einem weiteren Zeugnis vom 13. Juli 2007 führt der Hausarzt 
Dr. B._______ ergänzend aus,  in  all  den Jahren,  in  welchen er  den 
Beschwerdeführer  betreue,  hätten  eine  psychotherapeutische  Be-
handlung,  die  regelmässige  Einnahme  von  Anxiolytika  und  von 
Benzodiazepinen  (Lexomil)  es  dem Patienten  erlaubt,  ein  normales 
Berufsleben zu führen. Aufgrund der Expertise [von Dr. G._______] sei 
inzwischen  ein  Entzug  im  C._______  eingeleitet  worden,  der  noch 
andauere. Trotz Entzugs erscheine eine Wiederaufnahme der Arbeits-
tätigkeit nicht möglich. Er erachte eine erneute Expertise als angezeigt 
(act. 11.1).

6.3.6 In einer Stellungnahme vom 27. November 2007 zur Beurteilung 
durch den medizinischen Dienst  der  IV-BS führt  Dr. K._______ aus, 
die  Argumentation  des  medizinischen  Dienstes  sei  nicht  nach-
vollziehbar,  da  Dr.  G._______  die  Benzodiazepin-Abhängigkeit  als 
vorherrschendes Problem darstelle und die Rolle der Persönlichkeits-
störung verharmlose. Seinem Bericht  seien Hinweise zu entnehmen, 
dass  der  Beschwerdeführer  wegen  fehlender  Stressresistenz  am 
Arbeitsplatz, Zwanghaftigkeit  sowie Konflikten mit  Vorgesetzten über-
mässig  Alkohol  und Benzodiazepine konsumiert  habe. Psychopatho-
logische  Befunde  für  die  [angeblich  leichte]  Einschränkung  am 
Arbeitsplatz durch Benzodiazepine fehlten. Dr. G._______ sei zu wenig 
darauf  eingegangen,  inwieweit  das  Medikament  aufgrund  der 
psychischen Störung eingenommen worden sei. Es seien auch keinen 
Fremdangaben am Arbeitsplatz erhoben worden. Aus den Auskünften, 
die er beim Sozialdienst des Arbeitgebers erhoben habe, gehe hervor, 
dass  der  Beschwerdeführer  wegen  seiner  Persönlichkeitsstörung  in 
seiner Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt sei und dies letztlich zu einer un-
tragbaren Situation im Betrieb und zu seiner Nichtweiterbeschäftigung 
geführt  habe.  Er,  Dr.  K._______,  sei  zudem  vorliegend  von  einem 
normalen,  nicht  schädlichen  Gebrauch  von  Benzodiazepinen  aus-
gegangen. Entsprechend sei er damals zum Schluss gekommen, der 
Beschwerdeführer sei aufgrund seiner narzisstischen Persönlichkeits-
störung mit  depressiven Krisen und Suizidhandlungen zur  Zeit  nicht 

Seite 15

C-2859/2007

arbeitsfähig.  Aufgrund  der  einmaligen  Untersuchung  habe  er  sich 
bezüglich  der  längerfristigen  Arbeitsfähigkeit  nicht  festlegen können; 
zudem habe er die Arbeitsfähigkeit von den einzuleitenden Therapie-
massnahmen abhängig gemacht gehabt. Im Gutachten sei auch nicht 
abgewogen  worden,  inwiefern  die  Persönlichkeitsstörung  einer  zu-
mutbaren  Anstrengung  zur  Überwindung  seiner  Leiden  sowie  einer 
Wiederherstellung  der  Arbeitsfähigkeit  entgegen  stehe  und  die  Ein-
nahme von Benzodiazepinen einen untauglichen Versuch darstelle, die 
aus der  Persönlichkeitsstörung resultierenden psychischen Probleme 
in den Griff zu bekommen. Das primäre Problem und der Grund für die 
Probleme am Arbeitsplatz sei die Persönlichkeitsstörung, beim Miss-
brauch  von  Benzodiazepinen  handle  es  sich  um  eine  sekundäres 
Problem (act. 17.1).

6.3.7 Mit  ergänzender  Stellungnahme  vom 5.  März  2008  führte  Dr. 
V._______ vom medizinischen Dienst  der  IV-BS aus,  Dr. G._______ 
habe die Persönlichkeitsstörung bestätigt, diese habe aber von 1987 
bis 2005 einer Arbeitstätigkeit  nicht  entgegen gestanden. Unter Zitat 
auf eine Lehrmeinung erklärte er, Persönlichkeitsstörungen spielten in 
der sozialmedizinischen Beurteilung eine geringe Rolle. Im konkreten 
Fall  könne sie keine höhere Arbeitsunfähigkeit  als 20% erklären. Mit 
Würdigung der Vorakten und der Auskünfte der Ehefrau sei eine ge-
nügende  Fremdanamnese  erhoben  worden.  Im  Jahre  2005  sei  die 
Einnahme der  Benzodiazepine  vielleicht  nicht  übermässig  gewesen, 
inzwischen  habe  der  Beschwerdeführer  aber  wegen  Überdosierung 
hospitalisiert  werden  müssen,  und  bei  einer  Dosierung  von  24mg 
Lexotanil täglich könne nicht mehr von einem normalen Gebrauch ge-
sprochen werden. Es liege keine sekundäre Erkrankung als Folge der 
psychischen Diagnosen vor. Zudem indizierten eine leichte depressive 
Episode und ängstliche selbstunsichere Persönlichkeitsstörung keine 
Benzodiazepin-Dauerbehandlung  und  nicht  in  dieser  Dosierung.  Dr. 
G._______ habe zudem darauf  hingewiesen,  dass  der  Beschwerde-
führer im Jahre 2005 viermal bei einem Psychiater in Frankreich ge-
wesen  sei  und  die  Behandlung  dann  abgebrochen  habe. 
Zusammenfassend empfehle er, weiterhin auf das Gutachten von Dr. 
G._______ abzustellen (act. 20.2).

6.3.8 Nach  Abschluss  des  Schriftenwechsels  wendete  der  Be-
schwerdeführer mit Eingabe vom 15. April 2008 insbesondere ein, die 
Ausführungen von Dr. V._______ vom 5. März 2008 seien fehlerhaft, 
da  die  Hospitalisierung  wegen  Benzodiazepin-Überdosierung  Folge 

Seite 16

C-2859/2007

eines Suizidversuchs gewesen sei. Zwischen 2005 und anfangs 2007 
habe  der  Beschwerdeführer  seinen  Konsum  an  Benzodiazepin 
(Bromazepam) auf 18mg reduziert, ab Mitte März 2007 auf 12 bis max. 
15mg. Er sei aktuell  bei Dr. S._______ in Behandlung und halte sich 
an dessen Rezept (act. 22).

6.3.9 Mit  weiterer  Stellungnahme  vom  28.  Juli  2008  führte  Dr. 
K._______  ergänzend  aus,  die  Behauptung  der  IV-Stelle,  der  Be-
schwerdeführer habe trotz Benzodiazepin-Abhängigkeit zwischen 1987 
und 2005 arbeiten können, sei falsch, da sich die schwierige Persön-
lichkeit des Beschwerdeführers schon seit Jahren störend ausgewirkt 
habe  und  im  Vordergrund  gestanden  sei.  Mit  Abklärungen  beim 
Arbeitgeber  hätten gewiss genauere Informationen über die internen 
Stellenwechsel  und  weitere  Stellungnahmen  des  jeweils  betroffenen 
Vorgesetzten für eine breiter abgestützte Beurteilung eingeholt werden 
können;  die  Begründung  für  den  Verzicht  auf  die  Einholung  dieser 
Auskünfte  überzeuge  nicht. Die  Maximaldosis  für  die  Einnahme von 
Lexotanil liege entgegen der Argumentation der IV-Stelle nicht bei 9mg 
täglich, dies sei ein Wert  für eine  durchschnittliche Einnahmemenge. 
Es  bestehe  ein  Spielraum für  Abweichungen,  18mg  seien  noch  als 
normale  Dosis  zu  werten,  in  schweren  Fällen  könnten  gemäss 
Hersteller  36mg als  Tagesdosis,  vorzugsweise  unter  stationären  Be-
dingungen,  eingesetzt  werden.  Von  einem  Missbrauch  oder  einer 
primären  Sucht  könne  daher  nicht  gesprochen  werden,  zumal  auch 
eine Toleranzentwicklung zu berücksichtigen sei. In Übereinstimmung 
mit dem zitierten Kreisschreiben liege beim Beschwerdeführer ein in-
validisierender  geistiger  Gesundheitsschaden  (schwere  Persönlich-
keitsstörung) vor, die Art  der Persönlichkeitsstörung habe wegen der 
nur einmaligen Untersuchung nicht ermittelt werden können. Die von 
Dr. G._______ diagnostizierte ängstliche, selbstunsichere Persönlich-
keitsstörung  trage  den  beim  Beschwerdeführer  beobachteten  Ver-
haltensweisen  zu  wenig  Rechnung  und  sei  von  ihm auch  nicht  ge-
nügend  vertieft  erhoben  worden,  wie  dies  von  einem  Gutachter  zu 
erwarten wäre. Inzwischen habe der Beschwerdeführer – wie im Gut-
achten empfohlen – seinen Benzodiazepin-Konsum reduziert. Jedoch 
sei  entgegen  der  Schlussfolgerungen  im  Gutachten  keine  volle 
Arbeitsfähigkeit  eingetreten,  der  Arbeitgeber  habe  zwischenzeitlich 
dem Beschwerdeführer die Stelle  gekündigt. Für das Vorliegen einer 
Persönlichkeitsstörung spreche, dass die Schwierigkeiten am Arbeits-
platz nicht durch die Benzodiazepin-Einnahme bedingt gewesen seien, 
von der Betriebsärztin ihm vorenthaltene Rapporte zur Eskalation ge-

Seite 17

C-2859/2007

führt  hätten,  was zur bekannten Krise mit  Lexotanin-Intoxikation und 
Hospitalisation geführt habe, und dass in der Folge die Betriebsärztin 
sowie  der  Sozialdienst  bei  Dr.  K._______  um  Rat  gesucht  hätten. 
Entsprechend sei für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eine seriöse 
psychiatrische  Begutachtung  notwendig,  das  Gutachten  von  Dr. 
G._______ sei dazu nicht geeignet.

6.4
6.4.1 Bei  Gerichtsgutachten  oder  von der  Verwaltung  in  Auftrag  ge-
gebenen  Gutachten  weicht  der  Richter  nach  der  Praxis  nicht  ohne 
zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten 
ab,  dessen  Aufgabe  es  gerade  ist,  seine  Fachkenntnisse  der  Ge-
richtsbarkeit  und der  Verwaltung zur  Verfügung zu stellen,  um einen 
bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen (BGE 107 V 174 E. 
3).  Ein  Grund  zum  Abweichen  kann  vorliegen,  wenn  die  Gerichts-
expertise  widersprüchlich ist  oder  wenn ein vom Gericht  eingeholtes 
Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen 
gelangt (BGE 101 IV 130. Eine abweichende Beurteilung kann ferner ge-
rechtfertigt  sein,  wenn  gegensätzliche  Meinungsäusserungen  anderer 
Fachexperten dem Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit 
des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen,  sei  es,  dass er die Über-
prüfung  durch einen  Oberexperten  für  angezeigt  hält,  sei  es,  dass  er 
ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende 
Schlussfolgerungen zieht (BGE 112 V 30 E. 1a, m.w.H.).

6.4.2 Vorliegend ist  Dr. G._______,  Facharzt  FMH für  Psychiatrie  und 
Psychotherapie,  praktizierender  Arzt  in  Basel,  von der  IVSTA als  Gut-
achter zur Beurteilung der psychischen Erkrankungen des Beschwerde-
führers eingesetzt worden. Er hat sich zur Begutachtung auf zwei Arzt-
berichte des Hausarztes, einen Bericht des behandelnden Facharztes Dr. 
K._______,  Aussagen  der  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  und  eine 
ambulante  psychiatrische  Untersuchung  des  Exploranden  am  7. 
Dezember 2006 abgestützt und auf gut drei Seiten eine Beurteilung zur 
gesundheitlichen  Situation  sowie  zur  Arbeitsfähigkeit  vorgenommen, 
Drittmeinungen diskutiert und eine Prognose gestellt (IV/10). 

Prof.  Dr. K._______  seinerseits,  Facharzt  für  Psychiatrie  und  Psycho-
therapie, Chefarzt an der Klinik für  Psychiatrie und Psychosomatik am 
B._______ Spital, stützt seinen ersten Bericht vom 22. Mai 2005 auf eine 
einmalige Untersuchung und Fremderhebungen am Arbeitsplatz des Be-
schwerdeführers. Auf dieser Grundlage nimmt er auf knapp einer Seite 

Seite 18

C-2859/2007

eine Beurteilung vor und macht Vorschläge zur weiteren Behandlung des 
Patienten  (IV/7).  In  seinen  beiden  späteren  Stellungnahme  vom  27. 
November 2007 und 28. Juli 2008 nimmt er konkret zur medizinischen 
Würdigung und Vorgehensweise von Dr. G._______ Stellung und Bezug 
auf  weitere eigene Fremderhebungen. Dem Bericht  vom 22. Mai  2005 
sowie den beiden nachfolgenden Stellungnahmen ist ebenfalls erhöhter 
Beweiswert  im  Sinne  der  Rechtsprechung  zuzuerkennen,  zumal  Dr. 
K._______  seine  Stellungnahme  auf  eine  eigene  (wenn  auch  ältere) 
persönliche Begutachtung und Fremdanamnese abstützt, diese einläss-
lich darlegt und seine zur Position des Gutachters und der IV-Stelle ab-
weichende Haltung detailliert begründet (vgl. E. 5.2.3).

6.4.3 Die IV-Stelle ihrerseits liess die ersten drei Stellungnahmen von Dr. 
M._______  verfassen,  der  als  Internist  verzeichnet  ist.  Die  vierte 
Stellungnahme  (IV/22)  stammt  von  Dr.  V._______,  Facharzt  für 
Psychiatrie/Psychotherapie,  der  sich  der  Beurteilung  des  von  der  IV-
Stelle  beauftragten  Gutachters  anschliesst,  den  Beschwerdeführer 
jedoch nicht persönlich begutachtet hat.

6.5
6.5.1 Weder  verfügt  das  Bundesverwaltungsgericht  über  das  ent-
sprechende  Fachwissen,  noch  gehört  es  zu  seinen  Aufgaben, 
medizinische  Beurteilungen  zur  gesundheitlichen  Situation  der  ver-
sicherten  Person  vorzunehmen.  Hierzu  stützt  es  sich  auf  die  Be-
urteilung der behandelnden und begutachtenden Ärzte ab, wie in  E. 
5.2 aufgezeigt wurde. 

Vorliegend  ist  festzustellen,  dass  sich  Dres.  K._______  und 
G._______ über die Diagnosestellung (Art der Persönlichkeitsstörung), 
die Tragweite der Persönlichkeitsstörung einerseits und die Bedeutung 
der  Benzodiazepin-Abhängigkeit  anderseits  sowie  schliesslich  deren 
Zusammenwirken mit der Persönlichkeitsstörung uneinig sind,  was – 
wie die IV-Stelle zu Recht und unter Hinweis auf das Kreisschreiben 
des  BSV  ausführt  –  zu  unterschiedlichen  Ergebnissen  in  der  Be-
urteilung der Arbeitsfähigkeit führt. Zu keiner abschliessenden Klärung 
in  den  strittigen  Punkten  führen  die  Stellungnahmen  der  Ärzte  des 
medizinischen Dienstes, zumal die strittigen Fragen unter anderem die 
Erhebung des medizinischen Sachverhalts beschlagen und die Dres. 
M._______  und  V._______  den  Beschwerdeführer  nicht  persönlich 
begutachtet  haben.  Bei  dieser  Sachlage  ist  es  dem  Bundesver-
waltungsgericht  nicht  möglich,  eine  abschliessende  Beurteilung  der 

Seite 19

C-2859/2007

relevanten Sachlage und des allfälligen Anspruchs auf eine Invaliden-
rente vorzunehmen.

6.5.2 Die Sache ist deshalb an die Vorinstanz zurück zu weisen, damit 
diese  –  nach  erneuter  persönlicher  Begutachtung  des  Beschwerde-
führers  durch  einen  Fachspezialisten  –  eine  Oberexpertise  zu  den 
strittigen Fragen veranlasst, gestützt hierauf eine Neubeurteilung der 
gesundheitlichen  Situation  des  Beschwerdeführers  und  deren  Aus-
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vornimmt. Dabei wird die Stellung-
nahme von Dr. M._______ zuhanden der IV-BS vom 15. Januar 2007 
(IV/Schlussprotokoll S. 3) zu beachten sein, in welcher er darauf hin-
weist,  dass  eine  allfällig  die  Arbeitsfähigkeit  beeinflussende 
psychische Komorbidität  nur in [Benzodiazepin-]abstinentem Zustand 
zuverlässig diagnostiziert  und in ihrem Schweregrad beurteilt  werden 
könne.  Anschliessend  ist  nötigenfalls  ein  Einkommensvergleich 
durchzuführen  und  über  das  Rentengesuch  von  F._______  neu  zu 
entscheiden.

7.
Zu  befinden  bleibt  über  die  Verfahrenskosten  und  eine  allfällige 
Parteientschädigung.

7.1 Das  Bundesverwaltungsgericht  auferlegt  gemäss  Art. 63  Abs. 1 
VwVG die  Verfahrenskosten in  der  Regel  der  unterliegenden  Partei. 
Eine  Rückweisung gilt  praxisgemäss  als  Obsiegen  der  beschwerde-
führenden Partei (BGE 132 V 215 E. 6), so dass der geleistete Kosten-
vorschuss von Fr. 400.- dem Beschwerdeführer auf ein von ihm anzu-
gebendes  Konto  zurückzuerstatten  ist.  Der  Vorinstanz  werden  keine 
Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).

7.2 Der obsiegende Beschwerdeführer hat gemäss Art. 7 Abs. 1  des 
Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Ent-
schädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 
173.320.2)  Anspruch  auf  eine  Parteientschädigung  für  die  ihm  er-
wachsenen notwendigen Kosten. Die Parteientschädigung umfasst die 
Kosten  der  Vertretung  sowie  allfällige  weitere  notwendige  Auslagen 
der  Partei.  In  Anbetracht  des  Umfangs  der  Beschwerdeschrift,  der 
Replik  und der Schlussbemerkungen sowie der  eingereichten Unter-
lagen  erscheint  eine  Entschädigung von Fr. 2'500.-  (exkl. Mehrwert -
steuer) angemessen.  Die Mehrwertsteuer ist nur für Dienstleistungen 
geschuldet, die im Inland gegen Entgelt erbracht werden, nicht jedoch 
im vorliegenden Fall, in dem die Dienstleistung für den Beschwerde-

Seite 20

C-2859/2007

führer mit Wohnsitz im Ausland erbracht worden ist (Art.  5 Bst. b  des 
Mehrwertsteuergesetzes  vom  2. September  1999  [MWSTG,  SR 
641.20] i.V.m. Art. 14 Abs. 3 Bst. c MWSTG sowie Art. 9 Abs. 1 Bst. c 
VGKE). Diese Entschädigung ist durch die Vorinstanz zu leisten.

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird in diesem Sinne gutgeheissen, als die Verfügung 
vom  2.  März  2007  aufgehoben  und  die  Sache  an  die  Vorinstanz 
zurückgewiesen wird, damit diese nach erfolgter Abklärung im Sinne 
der Erwägung 6.5 über den Leistungsanspruch neu verfüge.

2.
Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben.  Der  geleistete  Kosten-
vorschuss von Fr. 400.- wird dem Beschwerdeführer zurück erstattet. 

3.
Dem  Beschwerdeführer  wird  für  das  vorliegende  Verfahren  eine 
Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 2'500.- zugesprochen. Diese 
Entschädigung ist von der Vorinstanz zu leisten.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Beschwerdeführer  (Gerichtsurkunde;  Beilage:  Formular 
Zahladresse)

- die Vorinstanz (Ref-Nr. _______)
- das Bundesamt für Sozialversicherungen

Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Beat Weber Daniel Stufetti

Seite 21

C-2859/2007

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen diesen Entscheid kann innert  30 Tagen nach Eröffnung beim 
Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in 
öffentlich-rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  sofern  die 
Voraussetzungen  gemäss  den  Art.  82  ff.,  90  ff.  und  100  des 
Bundesgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (BGG,  SR  173.110) 
gegeben sind. Die Rechtsschrift hat die Begehren, deren Begründung 
mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der 
angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  die 
beschwerdeführende  Partei  in  Händen  hat,  beizulegen  (vgl.  Art.  42 
BGG).

Versand:

Seite 22