# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d210a3dd-d99d-507c-9435-f3c17e61bc03
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-31
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 31.10.2023 S 2021 127
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2021-127_2023-10-31.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 21 127

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz von Salis

RichterIn Pedretti und Righetti

Aktuarin ad hoc Jauch

URTEIL

vom 31. Oktober 2023

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____, 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. HSG Hermann Just, 

Beschwerdeführer

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, 

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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I. Sachverhalt:

1. A._____, geboren 1966, gelernter Automechaniker, arbeitete von 1988 bis 

Ende August 1995 als Hilfskoch. Am 31. Oktober 1995 meldete er sich 

erstmals bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-

Stelle) aufgrund unklarer Bewegungs- und Sensibilitätsstörung sowie 

Konversionsreaktion und Leiden an einem Panvertebralsyndrom  zum 

Bezug von Leistungen an. 

2. Mit Verfügung vom 4. Februar 1998 sprach die IV-Stelle dem 

Beschwerdeführer aufgrund einer Anpassungsstörung mit längerer 

depressiver Reaktion und Verdacht auf dissoziative Störung der 

Bewegung und der Sinnesempfindung eine ganze Rente (IV-Grad: 100 %) 

mit Wirkung ab 1. August 1996 zu. In den Jahren 2000, 2006 und 2010 

erfolgten Rentenrevisionen, bei welchen keine Veränderungen des 

Gesundheitszustandes festgestellt werden konnten. 

3. Mit Verfügung vom 15. April 1997 sprach die IV-Stelle dem 

Beschwerdeführer ab dem 15. April 1997 eine mittlere 

Hilflosenentschädigung im Umfang von rund CHF 500.-- pro Monat zu. In 

den Jahren 2000, 2005 und 2008 wurden 

Hilflosenentschädigungsrevisionen durchgeführt, welche ebenfalls zu 

keinen Veränderungen führten.

4. Mit Verfügung vom 29. Oktober 2013 sprach die IV-Stelle dem 

Beschwerdeführer Ergänzungsleistungen im Umfang von CHF 321.-- pro 

Monat zu. Des Weiteren erhielt der Beschwerdeführer zwischen 2008 und 

2013 Kostengutsprachen für einen Rollstuhl, ein Elektrobett, eine 

Unterschenkel-Orthese, einen Treppenlift, eine Rampe und den Umbau 

des Badezimmers.

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5. Bei Verdacht auf Versicherungsmissbrauch wurden im Jahr 2014 

Observationen durchgeführt. Mit Zwischenverfügung vom 27. Mai 2015 

wurde die ganze IV-Rente vorsorglich eingestellt. In der Folge hob die IV-

Stelle mit Verfügung vom 17. Februar 2016 die Ausrichtung der Rente 

rückwirkend per 1. Oktober 2014 auf, da dem Beschwerdeführer neu eine 

leidensangepasste Tätigkeit zu 100 % zugemutet werden könne. Zudem 

hob die IV-Stelle am 11. Juni / 9. Juli 2015 die Hilflosenentschädigung per 

Ende Juni 2015 auf. Auf eine Rückforderung der für die Zeit vom 

1. Oktober 2014 bis 31. Juli 2015 zu Unrecht bezogenen Leistungen 

wurde verzichtet.

6. Am 26. Oktober 2017 reichte der Beschwerdeführer ein erneutes Gesuch 

für eine IV-Rente aufgrund einer Verschlechterung des 

Gesundheitszustandes seit 2014 ein, auf welches mit Verfügung vom 

28. März 2018 mangels wesentlicher Veränderung der beruflichen oder 

medizinischen Situation nicht eingetreten wurde.

7. Sodann reichte der Beschwerdeführer am 1. November 2019 wiederum 

eine erneute Anmeldung für eine IV-Rente ein. Im Nachgang zur 

Anmeldung reichte er einen Arztbericht seines Hausarztes Dr. med. 

B._____ vom 18. November 2019 sowie ein ärztliches Attest seines 

behandelnden Psychiaters Dr. med. C._____ vom 4. Dezember 2019 ein. 

Der Hausarzt Dr. med. B._____ diagnostizierte u.a. schwere degenerative 

LWS-Veränderungen mit multisegmentalen Diskopathien und 

ausgedehnter spinaler epiduraler Lipomatose mit kritischer Stenose des 

Duralsackes auf Höhe L3/L4 betont, eine schwere dissoziative 

Bewegungsstörung, chronisch seit 1995, sowie eine depressive Störung 

und hielt eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der 

letzten Beobachtung im Jahr 2015 fest. Sowohl der Hausarzt als auch der 

behandelnde Psychiater gingen von einer 100 %igen Arbeitsunfähigkeit 

aus. 

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8. Mit Vorbescheid vom 10. Februar 2020 teilte die IV-Stelle mit, dass auf 

das Leistungsbegehren voraussichtlich nicht eingetreten werde, da sich 

die berufliche oder medizinische Situation nicht wesentlich verändert 

habe. Nachdem der Beschwerdeführer dagegen Einwand erhoben hatte, 

trat die IV-Stelle auf das Leistungsbegehren ein und gab am 1. Mai 2020 

ein polydisziplinäres Gutachten bei der medaffairs AG (nachfolgend: 

medaffairs-Gutachten) in den Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin, 

Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, 

Neurologie, Neuropsychologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie 

eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (nachfolgend: EFL) in 

Auftrag. In dem am 20. Januar 2021 erstatteten Gutachten stellten die 

Gutachter folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 

Chronische Lumbalgie bei/mit (ICD-10 M54.87) LWS mit ventralen 

Osteophythen, deutlich ausgeprägt in Dornfortsätzen, foraminaler Enge, 

intervertebral L4/L5 L5/S1, Osteochondrose, Spondylarthrose, 

intradiscalen und epiduralen Veränderungen mit Lipomatose. In der 

Konsensbeurteilung führten die Gutachter aus, aus polydisziplinärer Sicht 

bestehe für die angestammte Tätigkeit als Hilfskoch, ebenso wie für alle 

dauerhaft mittelschweren und schweren beruflichen Tätigkeiten eine 

vollständige und anhaltende Arbeitsunfähigkeit. Für eine adaptierte 

berufliche Verweistätigkeit, die gewissen qualitativen Richtlinien aus dem 

orthopädischen Formenkreis entspreche, bestehe hingegen eine 

vollständige Arbeitsfähigkeit. Die vom Beschwerdeführer geltend 

gemachten körperlichen Einschränkungen im neurologischen, 

neuropsychologischen und psychiatrischen Fachgebiet könnten aus 

polydisziplinärer Sicht nicht nachvollzogen werden. Es bestehe der 

hochgradige Verdacht auf Aggravation/Simulation/aktives Vortäuschen 

von Symptomen. Adaptierte berufliche Tätigkeiten sollten dem 

Beschwerdeführer daher vollumfänglich möglich sein. 

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9. In der Abschlussbeurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes 

(nachfolgend: RAD) vom 1. Februar 2021 stellte der RAD-Arzt 

vollumfänglich auf das medaffairs-Gutachten ab und führte aus, die 

Gutachtenstruktur folge den Weisungen des Bundesamtes für 

Sozialversicherungen (BSV) bzw. den spezifischen Leitlinien zur 

versicherungsmedizinischen Begutachtung der Fachgesellschaften. Die 

medizinischen Angaben und Ausführungen zu den Themen 

Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 seien fallbezogen geprüft 

und als ausreichend befunden worden. Im Übrigen stellte der RAD-Arzt 

bezüglich der orthopädischen Diagnosen fest, dass diese von den 

Gutachtern als «neu» seit 2018 anerkannt worden seien. Diese 

Veränderungen hätten jedoch keinen Einfluss auf die adaptierte 

Arbeitsfähigkeit.

10. Mit Vorbescheid vom 4. Februar 2021 stellte die IV-Stelle A._____ die 

Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht. Dabei stellte sie auf 

eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit ab. Sie ging von 

einem Valideneinkommen von CHF 58'688.95 und einem 

Invalideneinkommen von CHF 68'446.-- und demzufolge von einem 

Invaliditätsgrad von 0 % aus. Dagegen liess A._____ am 10. März 2021 

einen begründeten Einwand erheben. Mit Verfügung vom 8. November 

2021 entschied die IV-Stelle wie vorbeschieden und verneinte in 

Abweisung des Leistungsbegehrens einen Rentenanspruch.

11. Hiergegen liess A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 

13. Dezember 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden erheben. Darin beantragte er die Aufhebung der Verfügung 

und Zusprechung einer vollen Rente. Eventualiter wurde die Rückweisung 

an die Vorinstanz zur neuen Beurteilung beantragt. Ebenfalls ersuchte der 

Beschwerdeführer mit separatem Gesuch gleichentags um Bewilligung 

der unentgeltlichen Rechtspflege. Zur Begründung seiner Beschwerde 

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führte er im Wesentlichen aus, sein Gesundheitszustand hätte sich seit 

2015 massiv verschlechtert. Einerseits hätten sich die bisherigen 

Beschwerden, insbesondere die Schmerzen im Rückenbereich und an 

beiden Schultern sowie die depressive Störung, objektivierbar 

verschlechtert, und andererseits seien weitere Beschwerden (Urge-

Urininkontinenz, Status nach Leistenbruchoperation bei grosser 

Leistenhernie linksseitig im August 2019, obstruktives 

Schlafapnoesyndrom sowie rezidivierende Bewusstseinsstörungen mit 

Synkopen) hinzugetreten. Verschiedene Arztbericht aus den Jahren 2018 

und 2019 würden ihm erhebliche gesundheitliche Probleme bescheinigen. 

Im Weiteren brachte der Beschwerdeführer vor, das polydisziplinäre 

Gutachten sei mit dem Vorwurf der Simulation in Auftrag gegeben worden, 

womit eine unvoreingenommene Begutachtung ausgeschlossen sei und 

nicht von einer Unabhängigkeit und Objektivität der Gutachter 

ausgegangen werden könne. In keinem der Fachgutachten sei eine 

Simulation bestätigt worden, jedoch sei in der Gesamtbegutachtung 

ausdrücklich festgehalten, dass der hochgradige Verdacht auf 

Aggravation/Simulation/aktives Vortäuschen von Symptomen bestehe, 

weshalb ihm eine adaptierte berufliche Tätigkeit vollumfänglich möglich 

sein sollte. Sämtliche Beschwerden, welche nicht unmittelbar durch 

bildgebende Verfahren hätten festgestellt werden können, seien für die 

Arbeitsunfähigkeit als irrelevant bezeichnet worden, mit der Begründung, 

dass der Verdacht der Simulation/Aggravation bestehe. Es sei jedoch 

nicht abgeklärt worden, ob eine verselbstständigte, krankheitswertige 

psychische Störung statt einer Aggravation vorliegen könnte. Mit wenigen 

Ausnahmen seien sodann keine Diskrepanzen zwischen Schmerzen und 

Verhalten aufgezeigt worden. Es sei einzig im Fachgutachten der 

Neuropsychologie ein Beschwerdevalidierungstest durchgeführt worden, 

wobei dieser unauffällig ausgefallen sei. Ferner sei die EFL, welche 

festhalte, dass ihm aufgrund seiner Beschwerden keine Arbeitsfähigkeit 

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zugemutet werden könne, bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit nicht 

berücksichtigt worden. Dies wiederum mit der Begründung, es bestehe der 

hochgradige Verdacht auf aggravatorisches, simulierendes Verhalten. Im 

Weiteren sei das Gutachten nicht als vollständig anzusehen, da sich die 

Gutachter nicht mit sämtlichen Beschwerden auseinandergesetzt hätten. 

Einerseits seien gewisse Untersuchungen nicht gemacht worden bzw. 

hätten aufgrund seines Gesundheitszustands nicht durchgeführt werden 

können. Andererseits würden Äusserungen über die Beschwerden 

Urininkontinenz, Angstattacken, Kribbelparästhesien in beiden Armen 

sowie Bewusstseinsstörungen fehlen. Sodann seien die Diagnosen zwar 

nach ICD-10 klassifiziert, jedoch lediglich bei der leichten depressiven 

Episode genauere Ausführungen zum Schweregrad und der Herleitung 

gemacht worden. Demgegenüber enthalte das Gutachten keine 

diesbezüglichen Ausführungen zur gemischten dissoziativen Störung. Die 

Auswertung des Mini-ICF-APP und die Schlussfolgerungen des 

psychiatrischen Gutachtens erschienen als äusserst fragwürdig. Auch die 

übrigen Teilgutachten würden die Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar zu 

begründen vermögen. Das Gutachten stehe sodann im Widerspruch zu 

den Arztberichten der behandelnden Ärzte. Als Zwischenfazit sei somit 

festzuhalten, dass das polydisziplinäre Gutachten weder als 

unvoreingenommen bzw. unabhängig noch objektiv, vollständig oder 

nachvollziehbar angesehen werden könne und teilweise gar offensichtlich 

aktenkundigen Tatsachen widerspreche oder diese zumindest ausser 

Acht lasse. Somit könne nicht auf dieses abgestellt werden. Sämtliche 

übrigen Arztberichte würden eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit auch in 

einer leidensangepassten Tätigkeit bescheinigen, womit ihm eine volle IV-

Rente zuzusprechen sei. Für den Fall, dass das Gericht zum Schluss 

komme, dass die bei den Akten liegenden Arztberichte zur Festlegung des 

Anspruchs nicht ausreichten, beantragte der Beschwerdeführer ein 

Obergutachten. Im Weiteren führte der Beschwerdeführer aus, selbst 

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wenn von einer gewissen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten 

Tätigkeit ausgegangen würde, sei eine solche auf dem Arbeitsmarkt nicht 

verwertbar. Aktenwidrig sei im Übrigen, dass sich sein 

Gesundheitszustand seit der letzten Überprüfung im 2016 nicht verändert 

habe. Im Gutachten sowie im Abschlussbericht des RAD werde 

ausdrücklich festgehalten, dass die orthopädischen Diagnosen neu seien, 

womit eine Verschlechterung des Gesundheitszustands eingetreten sei. 

Die Arbeitsfähigkeit im Jahr 2016 sei nur deshalb bejaht worden, da von 

einer Simulation der Beschwerden ausgegangen worden sei. Ein 

Vergleich zwischen den beiden Gutachten sei damit nicht möglich. 

Hinsichtlich des hypothetischen Invalideneinkommens gehe die IV-Stelle 

überdies von einer Wochenarbeitszeit von 41.7 Wochenstunden aus, 

obwohl im Abschlussbericht des RAD ausdrücklich von einer 

40 Stundenwoche die Rede sei. 

12. Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer 

Vernehmlassung vom 20. Januar 2022 auf Abweisung der Beschwerde. 

Für die Begründung verwies sie auf die Verfügung vom 8. November 2021, 

an welcher festgehalten werde. Im Weiteren brachte die 

Beschwerdegegnerin vor, die Verfügung vom 17. Februar 2016 bzw. die 

Renteneinstellung sei erfolgt, weil der Beschwerdeführer in einer 

behinderungsgeeigneten (=körperlich leichte, vorwiegend im Sitzen 

auszuübende) Tätigkeit seit dem Frühjahr 2014 100 % arbeitsfähig 

gewesen sei und nicht wegen Simulation. Die Gutachter hätten beim 

Beschwerdeführer weder eine Aggravation noch eine Simulation noch ein 

Vortäuschen von Symptomen diagnostiziert (S. 18). Dies spreche für die 

Unabhängigkeit und Objektivität der Gutachter. Das Gutachten habe die 

Urininkontinenz, die Angstattacken, die Kribbelparästhesien und die 

Bewusstseinsstörungen berücksichtigt, jedoch (zu Recht) nicht als 

eigenständige Diagnosen aufgeführt, da diese Beschwerden Symptome 

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anderer gestellten Diagnosen darstellen würden. Entgegen den 

Ausführungen des Beschwerdeführers habe der psychiatrische 

Teilgutachter Ausführungen zur Ausprägung der dissoziativen Störung 

und zur Diagnoseherleitung gemacht und bei der Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit rechtsprechungsgemäss die Konsistenz und Plausibilität 

der vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden beurteilt und die 

Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen gewürdigt. Demnach könne auf 

diese Teilgutachten abgestellt werden. Insbesondere die ärztlichen Atteste 

von Dr. med. C._____ vom 4. Dezember 2019 und 28. Juni 2021 würden 

daran nichts zu ändern vermögen, da zum Psychostatus, zur gemischten 

dissoziativen Störung oder zur Einschätzung des Gutachters keine 

Ausführungen gemachten würden. Sowohl der Allgemeinmediziner, der 

Orthopäde, der Neurologe wie auch der Neuropsychologe würden in ihren 

Teilgutachten einleuchtend darlegen, weshalb die von ihnen erhobenen 

Befunde und gestellten Diagnosen in einer behinderungsgeeigneten 

Tätigkeit keine Arbeitsunfähigkeit begründen würden. Auch äussere sich 

der neuropsychologische Teilgutachter zur Arbeitsfähigkeit. Überdies 

stehe das Gutachten nicht im Widerspruch zu den Arztberichten. 

Sämtliche Ärzte fänden für die Bewegungsstörung keine somatischen 

Ursachen. Somit sei es korrekt, dass diese unter der psychiatrischen 

Diagnose der gemischten dissoziativen Störung subsumiert worden sei. 

Die Vorbringen des Beschwerdeführers würden somit die Beweiskraft des 

Gutachtens nicht zu erschüttern vermögen. Demzufolge sei der 

Beschwerdeführer ab  dem 1. Mai 2020 in einer behinderungsgeeigneten 

Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig, weshalb er keinen Rentenanspruch habe.  

13. Mit Replik vom 4. März 2022 bestritt der Beschwerdeführer die Vorbringen 

der Beschwerdegegnerin und vertiefte seinen Standpunkt. 

14. Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 18. März 2022 auf die 

Einreichung einer Duplik. 

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15. Mit Eingabe vom 23. März 2022 wiederholte der Beschwerdeführer seinen 

Antrag ein unabhängiges Obergutachten einzuholen. Sodann reichte er 

am 27. Juni 2022 das schriftliche Urteil des Kantonsgerichts Graubünden 

vom 1. Juli 2021 betreffend das Strafverfahren ein und führte aus, das 

Kantonsgericht Graubünden komme zum Schluss, dass die Observation 

ohne genügende gesetzliche Grundlage durchgeführt worden sei und das 

Ergebnis im Strafverfahren nicht verwertbar sei. Aus den weiteren 

Beweismitteln und Akten könne nicht von einer wesentlichen Besserung 

der Verhältnisse ausgegangen werden, welche Voraussetzung für eine 

Meldepflichtverletzung gewesen wäre. Die Gutachter hätten insbesondere 

unter Hinweis auf die Observation auf eine Simulation geschlossen. Da 

die Observation und auch die darauf erhobenen Beweise nicht verwertbar 

seien, würde sich für das vorliegende Verfahren ergeben, dass eine 

wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustands und damit 

veränderte Verhältnisse nicht erwiesen seien. Damit sei ein neues 

Gutachten in Auftrag zu geben, sofern das Verwaltungsgericht nicht zum 

Schluss kommen sollte, dass die Voraussetzungen für die Zusprechung 

einer IV-Rente gegeben seien. 

16. Mit Stellungnahme vom 30. Juni 2022 äusserte sich die 

Beschwerdegegnerin zum eingereichten Urteil des Kantonsgerichts 

Graubünden und hielt dazu fest, die Feststellungen im Strafurteil 

bedeuteten nicht, dass die Observationsergebnisse IV-rechtlich nicht 

verwertbar seien. Die sich auf die im Jahr 2014 durchgeführten 

Observationen stützenden Verfügungen vom 27. Mai 2015, 9. Juli 2015 

und 17. Februar 2016 seien unangefochten in Rechtskraft erwachsen, 

bevor der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (nachfolgend: 

EGMR) den Entscheid in Sachen Vukota-Bojic gegen die Schweizerische 

Eidgenossenschaft am 18. Oktober 2016 gefällt habe. Deshalb seien die 

im Jahr 2014 durchgeführten Observationen IV-rechtlich rechtens und 

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verwertbar (gewesen), wofür auch die frühere, bis zum EGMR-Entscheid 

geltende Rechtsprechung des Bundesgerichts über die Durchführung von 

Observationen spreche.

17. Mit Stellungnahme vom 7. Juli 2022 führte der Beschwerdeführer aus, im 

Zeitpunkt als die Observation durchgeführt worden sei, habe keine 

gesetzliche Grundlage dafür bestanden. Damit seien entsprechende 

Observationen nicht zulässig gewesen und gemäss dem Entscheid des 

EGMR vom Jahr 2016 als unzulässig erklärt worden. 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und in 

der angefochtenen Verfügung sowie auf die im Recht liegenden 

Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-

Stelle des Kantons Graubünden vom 8. November 2021 (Beilage 

Beschwerdegegnerin [IV-act.] 312), worin das Leistungsbegehren des 

Beschwerdeführers abgewiesen wurde (kein Anspruch auf IV-

Leistungen). Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen 

IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle 

anfechtbar. Als kantonales Versicherungsgericht ist das 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden für die Beurteilung der 

vorliegenden Beschwerde sowohl örtlich als auch sachlich zuständig (Art. 

1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen 

Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 49 Abs. 2 

lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). 

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Der Beschwerdeführer ist Adressat der angefochtenen Verfügung, 

weshalb er durch die angefochtene Verfügung unmittelbar betroffen ist 

und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. 

Er ist demnach zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. 

Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 1 Abs. 1 IVG 

i.V.m. Art. 60 und Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit 

einzutreten.

2. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem 

1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG) 

und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in 

Kraft sind (Weiterentwicklung der IV). Der vorliegende Rechtsstreit 

gründet auf einer Neuanmeldung im November 2019, bei welcher sich die 

Frage stellt, ob der Beschwerdeführer ab 1. Mai 2020 Anspruch auf eine 

(ganze) IV-Rente hat oder nicht. Die Beschwerdegegnerin hat in der 

angefochtenen Verfügung vom 8. November 2021 einen Rentenanspruch 

verneint (IV-act. 321). Der hier massgebliche Anspruch kommt somit noch 

vor dem 1. Januar 2022 zu liegen. Daher finden die Bestimmungen des 

IVG und der IVV in der bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen 

Fassung Anwendung (vgl. statt vieler Urteil des Verwaltungsgerichts des 

Kantons Graubünden [VGU] S 22 28 vom 7. Juni 2022 E.3, Kreisschreiben 

über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung [KSIR], Stand: 

1. Januar 2022, Rz. 9102). Dies ergibt sich auch aus den allgemeinen 

Grundsätzen des intertemporalen Rechts und des zeitlich massgebenden 

Sachverhalts (statt vieler: BGE 148 V 174 E.4.1, BGE 144 V 210 E.4.3.1 

und BGE 139 V 354 E.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 

8C_521/2021 vom 22. März 2022 E.2.2).

3. Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin in Anbetracht der im 

November 2019 erfolgten Neuanmeldung (IV-act. 269) den 

Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu Recht verneint hat. Bestritten 

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sind vorliegend die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit und das 

Invalideneinkommen des Beschwerdeführers. Demgegenüber sind die 

volle Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in seiner angestammten 

Tätigkeit als Hilfskoch sowie das für das Jahr 2020 ermittelte 

Valideneinkommen von CHF 58'688.95.-- unbestritten.

4.1. Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende 

oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. 

Gemäss Art. 4 Abs. 1 IVG kann Invalidität die Folge von 

Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Erwerbsunfähigkeit ist der 

durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen 

Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und 

Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens 

einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der 

gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine 

Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht 

überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

4.2. Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, 

die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu 

betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 

wiederherstellen, erhalten oder verbessern können, während eines Jahres 

ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % 

arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres 

zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind. Die Rente wird nach Art. 

28 Abs. 2 aIVG nach dem Grad der Invalidität wie folgt abgestuft: bei 

einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine 

Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % Anspruch 

auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % 

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Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 70 % Anspruch auf eine ganze Rente der 

Invalidenversicherung. Der Rentenanspruch entsteht im Übrigen gemäss 

Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach 

Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG.

5.1. Vorliegend ist zunächst zu prüfen, ob eine wesentliche Änderung in den 

tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die geeignet ist, den 

Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Wurde 

gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV eine Rente verweigert, so wird eine neue 

Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 erfüllt 

sind. Dieser Absatz sieht vor, dass, wenn ein Gesuch um Revision 

eingereicht wird, darin glaubhaft zu machen ist, dass sich der Grad der 

Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. 

Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der 

versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne 

weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die 

Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu 

vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte 

Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie 

hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 

Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E.3a; vgl. auch BGE 133 V 108 

E.5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren 

rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie 

das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die 

festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine 

anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu 

beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle 

Prüfungspflicht auch dem Gericht (Urteil des Bundesgerichts 

9C_351/2020 vom 21. September 2020 E.3.1 mit Hinweisen).

- 15 -

5.2. Die zeitliche Vergleichsbasis für die Prüfung einer anspruchserheblichen 

Änderung im Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV bildet bei der Neuanmeldung 

wie auch bei der Rentenrevision die letzte (der versicherten Person 

eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung 

des geltend gemachten Rentenanspruchs mit rechtskonformer 

Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines 

Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den 

erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustandes) beruht.

5.3. Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung vom 

1. November 2019 (IV-act. 269) eingetreten und hat in der Folge weitere 

Abklärungen getätigt, indem sie u.a. das polydisziplinäre medaffairs-

Gutachten eingeholt hat. Im entsprechenden Gutachtensauftrag hielt die 

Beschwerdegegnerin fest, dass ihr letzter materieller Entscheid vom 28. 

März 2018 datiere. Zur Beurteilung der Frage, ob ein Revisionsgrund 

vorliege, sei es erforderlich, den damaligen Gesundheitszustand mit dem 

heutigen Gesundheitszustand zu vergleichen und eine allfällige 

Veränderung herauszuarbeiten (IV-act. 291). Soweit die 

Beschwerdegegnerin für den letzten materiellen Entscheid von der 

Verfügung vom 28. März 2018 ausgeht (IV-act. 291), ist dies jedoch nicht 

zutreffend, da im Zusammenhang mit der Verfügung vom 28. März 2018 

keine materiellen Prüfung des geltend gemachten Rentenanspruchs mit 

rechtskonformer Sachverhaltsabklärung stattgefunden hat, sondern auf 

das damalige Leistungsbegehren nicht eingetreten wurde (vgl. IV-act. 

251). Massgebend ist vorliegend vielmehr der Zeitraum vom 17. Februar 

2016 (Datum der letzten rechtskräftigen Verfügung mit materieller Prüfung 

des Rentenanspruchs) bis zum 8. November 2021 (Datum der 

angefochtenen Verfügung). Demnach liegt dem Gutachtensauftrag eine 

falsche Information zugrunde und die Gutachter wurden u.a. damit 

beauftragt, den am 28. März 2018 vorliegenden Gesundheitszustand mit 

- 16 -

dem heutigen Gesundheitszustand zu vergleichen und eine allfällige 

Veränderung herauszuarbeiten (IV-act. 291 S. 3). Die Frage, inwiefern 

bzw. ob aufgrund dieser dem Gutachtensauftrag zugrundeliegender 

falscher Vergleichsbasis doch auf das medaffairs-Gutachten abgestellt 

werden kann, kann offen bleiben, da dem medaiffairs-Gutachten aus 

weiteren nachfolgend aufzuzeigenden Gründen die Beweiskraft 

abzusprechen ist. 

6.1. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung und im 

Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachpersonen zur Verfügung stellen. 

Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 

beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu 

beschreiben. Dies bedeutet in erster Linie, mit den Mitteln fachgerechter 

ärztlicher Untersuchungen unter Berücksichtigung der subjektiven 

Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose 

zu stellen. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson 

hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr 

nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst sie gibt 

eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich 

begründet bzw. nimmt sie dazu Stellung, in welchem Umfang und 

bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. 

Insoweit sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die 

Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person 

noch zugemutet werden können (siehe BGE 145 V 361 E.3.2.1 f., 140 V 

193 E.3.1 f. und 132 V 93 E.4; Urteile des Bundesgerichts 8C_569/2021 

vom 2. Februar 2022 E.3.2.2, 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E.3.2, 

- 17 -

8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E.2.4, 9C_47/2021 vom 18. März 2021 

E.5.2.3).

6.2. Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den 

Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien 

Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle anderen Beweismittel 

– frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 

pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das 

Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von 

wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob 

die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen 

Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei einander 

widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 

ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe 

anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische 

These abstellt (siehe BGE 143 V 124 E.2.2.2 und 125 V 351 E.3a). 

Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach 

entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf 

allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden 

berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden 

ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der 

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die 

Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind (vgl. 

BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a; Urteile des Bundesgerichts 

8C_380/2021 vom 21. Dezember 2021 E.3.2, 8C_173/2021 vom 

25. Oktober 2021 E.4.1, 8C_101/2021 vom 25. Juni 2021 E.5.1, 

8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E.3.2, 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 

E.2.4). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit 

weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der 

- 18 -

eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder 

Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a und 122 V 157 E.1c). 

6.3. Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem 

Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf 

bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für 

die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche 

Zusammenstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E.3b mit 

zahlreichen Hinweisen). So kommt den Berichten und Gutachten 

versicherungsinterner Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig 

erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind 

und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen. Die Tatsache 

allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum 

Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität 

und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer 

Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung 

objektiv als begründet erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche 

Bedeutung, welche den Arztberichten im Sozialversicherungsrecht 

zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger 

Massstab anzulegen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 122 V 157 E.1c). 

Bestehen auch bloss geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und 

Schlüssigkeit der versicherungsinternen Feststellungen, so sind 

ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 145 V 97 E.8.5, 142 V 

58 E.5.1, 135 V 465 E.4.3.2 und E.4.4; Urteile des Bundesgerichts 

9C_168/2020 vom 17. März 2021 E.3.2, 8C_245/2011 vom 25. August 

2011 E.5.3).

7. Im Sozialversicherungsrecht gilt grundsätzlich der 

Untersuchungsgrundsatz, wobei die Auskunfts‑ und Mitwirkungspflicht der 

Leistungen beanspruchenden Person zu berücksichtigen ist. Die Behörde 

- 19 -

hat, wo notwendig, den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen 

abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu sein (vgl. 

Art. 43 Abs. 1 und 3 ATSG; KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., 

Zürich/Basel/ Genf 2020, Art. 43 Rz. 13 ff. und 96 ff.). Die 

Untersuchungspflicht gilt sowohl im Verwaltungsverfahren wie auch 

grundsätzlich im kantonalen Gerichtsverfahren (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). 

Die Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung 

des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit 

besteht. Wenn der Versicherungsträger oder das kantonale 

Sozialversicherungsgericht im Rahmen einer umfassenden, sorgfältigen, 

objektiven und inhaltsbezogenen Beweiswürdigung zur Überzeugung 

gelangt, dass ein bestimmter Sachverhalt überwiegend wahrscheinlich 

sei, steht dies einer antizipierten Beweiswürdigung nicht entgegen. 

Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder 

Richtigkeit der getroffenen Tatsachenfeststellungen bestehen, ist weiter 

zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue 

wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 8C_398/2018 vom 5. Dezember 2018 E.3.1, 

8C_616/2013 vom 28. Januar 2014 E.2.1; KIESER, a.a.O., Art. 43 Rz. 18 ff. 

und 29 f.).

8. Im Zusammenhang mit der vorliegenden Neuanmeldung holte die 

Beschwerdegegnerin ein polydisziplinäres Gutachten bei der medaffairs 

AG (IV-act. 314) ein, welches am 20. Januar 2021 erstattet wurde. 

9.1. Die beteiligten Fachpersonen diagnostizierten aus polydisziplinärer Sicht 

mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine chronische Lumbalgie 

bei/mit (ICD-10 M54.87) LWS mit ventralen Osteophythen, deutlich 

ausgeprägt in Dornfortsätzen, foraminaler Enge, intervertebral L4/L5 

L5/S1, Osteochondrose, Spondylarthrose, intradiscalen und epiduralen 

Veränderungen mit Lipomatose. Zur Herleitung der Diagnosen äusserten 

- 20 -

sich die Gutachter im Rahmen ihrer Konsensbeurteilung 

zusammenfassend wie folgt: Aus orthopädischer Sicht klage der 

Beschwerdeführer über Schmerzen im Bereich der LWS, die im Sitzen 

weniger auffällig, aber im Stehen und Gehen nicht zu tolerieren seien. 

Zudem würde die Spastik im Bereich der unteren Extremitäten zu einer 

deutlichen Inversions-/Supinationsstellung führen. Auch habe der 

Beschwerdeführer das Gefühl, weniger Kraft im Stehen und Gehen zu 

haben. Radiologisch hätten sich eine ventrale, spitzzipfelige Ausziehung 

an der Tibia, ein Status nach Metacarpale IV-Fraktur, ein Akromion Typ II 

mit Enthesiopathie, eine leichte Dorsalverschiebung des Humeruskopfes 

sowie eine multipel veränderte LWS gezeigt. Aufgrund der gesamten zur 

Darstellung gebrachten Situation bestehe klinisch eine sehr 

eingeschränkte orthopädische Untersuchbarkeit. Die orthopädisch und 

radiologisch sichtbaren Befunde erschienen in der Gesamtschau 

untergeordneter Natur und für die Gesamtbeschwerdesituation nicht 

ursächlich. Die klinischen und radiologischen orthopädischen Befunde 

könnten die angegebenen Beschwerden nicht erklären (IV-act. 314 S. 19). 

9.2. Aus neurologisch-somatischer Sicht sei die vom Beschwerdeführer 

präsentierte Bewegungsstörung nicht mit einer klassischen 

neurologischen, zerebellären, extrapyramidalen oder sonstigen 

Bewegungsstörungen in Einklang zu bringen. Es bestehe ein buntes Bild 

aus unterschiedlichen Bewegungsstörungen mit Tremor, dystonieartigen 

Bewegungen und ballistischen Bewegungen, die zum Teil ablenkbar 

seien, zum Teil auch bei bestimmten Bewegungen komplett zum Sistieren 

kämen. Darüber hinaus bestünden für die meiste Zeit der Exploration 

verkrampfte Hände mit Faustung, wobei dann bei dem Lösen der Bremse 

des Rollstuhls die Hände für eine kurze Zeit harmonisch bewegt werden 

könnten. Indirekte Hinweise für eine zervikoradikuläre oder 

lumboradikuläre Symptomatik ergäben sich dahingehend nicht, zumal 

- 21 -

bedingt durch die präsentierte Bewegungsstörung Bewegungen, wie man 

sie auch bei gezielten Provokationsmanövern bei radikulären Syndromen 

durchführe, spontan gezeigt und durchgeführt würden, ohne dass dadurch 

radikuläre Schmerzen oder Missempfindungen ausgelöst würden. 

Zusätzliche Argumente gegen ein somatisches Beschwerdebild fänden 

sich in den Akten mir durchgeführten MRT des Schädels und der HWS 

ohne die Symptomatik erklärende Veränderungen sowie durch die 

durchgeführte EMG-Untersuchung mit Ausschluss von Veränderungen in 

den Myotomen L3-L5 beidseits. Ein enzephalitisches Geschehen oder ein 

Geschehen, das GAD-assoziiert sei, sei ebenfalls nicht identifiziert 

worden. In der Zusammenschau der Befunde könne nicht mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit von einem neurologischen-

somatischen Leiden ausgegangen werden (IV-act. 314 S. 19 f.). 

9.3. Im Rahmen der EFL sei eine umfassende Testung nach den 

vorgegebenen EFL-Kriterien nicht möglich gewesen. Der 

Beschwerdeführer habe erhöhte Blutdruck- und Pulswerte am Endes des 

ersten Tages und zu Beginn des zweiten Tages gezeigt. Die Testung sei 

nach Messung der Vitalparameter am zweiten Tag vorzeitig beendet 

worden. Der Beschwerdeführer habe sich stark eingeschränkt präsentiert 

aufgrund einschiessender Krämpfe in Armen, Beinen und Rumpf (IV-act. 

314 S. 20). 

9.4. Im Rahmen der neuropsychologischen Testung hätten sich eindrückliche 

Verhaltensauffälligkeiten und Auffälligkeiten körperlicher Art, welche nicht 

primär neuropsychologischer Natur seien, ergeben. Klinisch hätten sich 

leichte Schwankungen der Aufmerksamkeit, gelegentliche 

Unachtsamkeiten, impulsiv geleitete Reaktionen, eine etwas verminderte 

Daueraufmerksamkeit und leicht erhöhte Ermüdbarkeit gezeigt. Diese 

Auffälligkeiten liessen sich nicht auf irgendeine hirnorganische Ursache 

zurückführen, solche seien nicht bekannt. Die Minderleistungen seien am 

- 22 -

ehesten mit einer erhöhten Schmerzwahrnehmung im Rahmen der 

dissoziativen Störung zu vereinbaren, differenzialdiagnostisch mit einer 

psychosozial belastenden Lebenssituation ohne jedwede berufliche 

Perspektive (IV-act. 314 S. 20). 

9.5. Aus psychiatrischer Sicht könne die in den Akten aufgeführte Diagnose 

einer dissoziativen Störung bestätigt werden. Beim Beschwerdeführer 

zeige sich die Störung vor allem mit Schmerzen im Bewegungsapparat 

und wechselndem Zittern, was vor allem, wenn er körperlich gefordert sei, 

ausgeprägt sei, wie sich dies im Untersuchungsgespräch gezeigt habe. 

Differenzialdiagnostisch sei eine Simulation eng in Betracht zu ziehen, 

auch bei dem vorliegenden Observationsmaterial. Der Beschwerdeführer 

mache aber seither eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes 

geltend, eine Simulation könne letztlich nur mit einer Observation 

bewiesen oder ausgeschlossen werden. Der Beschwerdeführer zeige im 

Untersuchungsgespräch ein aggravatorisches Verhalten, was aber nicht 

ausschliesse, dass ein unbewusster Anteil bestehe. Zudem bestehe 

diagnostisch eine leichte depressive Episode. Diese sei gekennzeichnet 

durch depressive Verstimmungen mit vor allem untergründig etwas 

verminderter Freude, aber auch erhöhter Ermüdbarkeit, Schlafstörungen, 

leichten Konzentrationsstörungen und negativen Zukunftsperspektiven 

bezüglich der gesundheitlichen und beruflichen Situation. Das vorliegende 

Beschwerdebild lasse sich auch durch die Ergebnisse der Hamilton 

Depression Scale-Testung als leichte depressive Episode bestätigen. Aus 

psychiatrischer Sicht würden weder die dissoziative Störung noch die 

leichte depressive Episode die aktuelle Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen 

(IV-act. 314 S. 20 f.). 

9.6. Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, aus 

polydisziplinärer Sicht führten einzig die orthopädischen Diagnosen zu 

einer funktionellen Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit. 

- 23 -

Neurologisch, internistisch, neuropsychologisch und psychiatrisch hätten 

keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt 

werden können. Die EFL könne nur einschränkt zur Beurteilung 

herangezogen werden, da die Tests aufgrund der vom Beschwerdeführer 

präsentierten Beschwerdesymptomatik nicht konklusiv hätten 

durchgeführt werden können. Dass diese Beschwerdesymptomatik nicht 

auf eine organisch-neurologische, neuropsychologische oder 

psychiatrische Diagnose zurückgeführt werden könne, zeige sich in den 

Fachgutachten (IV-act. 314 S. 21). Aus polydisziplinärer Sicht bestehe für 

die angestammte Tätigkeit als Hilfskoch aufgrund der orthopädischen 

Diagnosen eine vollständige und anhaltende Arbeitsunfähigkeit, soweit in 

dieser Tätigkeit häufig Gewichte über 5-10 kg und vereinzelt von 15-20 kg 

gehoben, vermehrt oder dauerhaft mit vorgehaltenen Armen, in 

vorgeneigter oder reklinierter Körperhaltung gearbeitet werden müsse 

oder Rotationsbewegungen des Rumpfes oder Zwangshaltungen der 

Lendenwirbelsäule notwendig seien (IV-act. 314 S. 23). Für eine 

adaptierte berufliche Verweistätigkeit bestehe hingegen eine vollständige 

Arbeitsfähigkeit. Es müsse sich dabei um eine dauerhaft leichte berufliche 

Tätigkeit, wechselbelastend, mit repetitiven Routinetätigkeiten und der 

Möglichkeit für regelmässige Pausen bei Bedarf, unter Berücksichtigung 

gewisser orthopädischer qualitativer Einschränkungen handeln. Die vom 

Beschwerdeführer geltend gemachten körperlichen Einschränkungen im 

neurologischen, neuropsychologischen und psychiatrischen Fachgebiet 

könnten aus polydisziplinäre Sicht nicht nachvollzogen werden. Es 

bestehe der hochgradige Verdacht auf Aggravation/Simulation/aktives 

Vortäuschen von Symptomen. Adaptierte berufliche Tätigkeiten sollten 

dem Beschwerdeführer daher vollumfänglich möglich sein (IV-act. 314 S. 

24). 

- 24 -

10. Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung 

vom 8. November 2021 bei der Beurteilung des medizinischen 

Sachverhalts und der Arbeitsfähigkeit vollumfänglich auf das vorstehend 

zitierte medaffairs-Gutachten. Gestützt auf die gutachterlichen Ergebnisse 

ging sie davon aus, dass dem Beschwerdeführer eine leidensadaptierte 

Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei.

11.1. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten 

externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender 

Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten 

Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen 

Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft 

zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit 

der Expertise sprechen. 

11.2. Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter 

Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf 

Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft 

namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den 

geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten 

Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive  Schmerzen angegeben 

werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische 

Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ 

vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken 

oder wenn schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das 

psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf 

Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 

281 E.2.2.1, BGE 131 V 49 E.1.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_728/2017 vom 31. August 2018 E.2.2 mit Hinweisen). 

- 25 -

11.3. Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende 

Leistungseinschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden 

nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit 

darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die 

Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation 

eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden 

Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das aggravatorische 

Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische 

Störung zurückzuführen wäre (BGE 143 V 418 E.8.2 mit Hinweis; Urteil 

des Bundesgerichts 8C_418/2021 vom 16. September 2021 E.6.2). Steht 

fest, dass eine anspruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche 

Konstellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die 

Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 

(vgl. BGE 141 V 281 E.2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 

29. Juni 2015 E.4.4). 

12.1. Der Beschwerdeführer bemängelt in formeller Hinsicht die Unabhängigkeit 

und Objektivität der Gutachter, da das Gutachten seitens der 

Beschwerdegegnerin mit dem Vorwurf der Simulation in Auftrag gegeben 

worden sei (Beschwerdeschrift S. 6). Diesbezüglich gilt festzuhalten, dass 

im medaffairs-Gutachten bezüglich Anlass und Umstände der 

Begutachtung festgehalten wurde was folgt: "In der aktuellen 

Begutachtung geht es somit um eine Neubeurteilung des 

Gesundheitszustandes und der Leistungsfähigkeit verglichen mit dem 

zuvor festgestellten Gesundheitszustand unter der Berücksichtigung, dass 

der Explorand – selbst nachdem die IV-Stelle Graubünden eindeutig mit 

Videomaterial die Simulation nachweisen konnte – das vortäuschende 

Verhalten nicht aufgegeben hat." (IV-act. 314 S. 17). Damit ist die 

Beschwerdegegnerin trotz glaubhafter Verschlechterung des 

Gesundheitszustands des Beschwerdeführers gewissermassen in eine 

- 26 -

Vorverurteilung verfallen, welche sie – so muss angenommen bzw. kann 

nicht ausgeschlossen werden – auf die beauftragten Gutachter übertragen 

hat. Dieser Umstand hatte massgebenden Einfluss auf die 

Konsensbildung im medaffairs-Gutachten, erachteten die Gutachter doch 

vor allem die Stellungnahme zur Plausibilität/Nachvollziehbarkeit als 

wichtig (IV-act. 314 S. 17). Wertungen sind in einem Gutachtensauftrag 

rechtsprechungsgemäss fehl am Platz (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts 

des Kantons Graubünden [VGU] S 23 55 vom 19. September 2023 E.5.2.2 

m.w.H.). Ob die Formulierungen im Gutachtensauftrag auch objektiv 

geeignet waren, die Gutachter in unzulässiger Weise zu beeinflussen, so 

dass die Begutachtung nicht mehr ergebnisoffen erschien, kann letztlich 

offenbleiben. Denn wie nachfolgend aufgezeigt wird, ist dem medaffairs-

Gutachten vom 20. Januar 2021 ohnehin der Beweiswert abzusprechen:

12.2.1. Die Gutachter kommen in ihrer Konsensbeurteilung zum Schluss, dass für 

eine adaptierte berufliche Verweistätigkeit, die gewissen qualitativen 

Richtlinien aus dem orthopädischen Formenkreis entspricht, eine 

vollständige Arbeitsfähigkeit besteht. Zur Begründung halten die 

Gutachter fest, dass die vom Beschwerdeführer geltend gemachten 

körperlichen Einschränkungen im neurologischen, neuropsychologischen 

und psychiatrischen Fachgebiet aus polydisziplinäre Sicht nicht 

nachvollzogen werden könnten. Es bestehe der hochgradige Verdacht auf 

Aggravation/Simulation/aktives Vortäuschen von Symptomen. Adaptierte 

berufliche Tätigkeiten sollten dem Beschwerdeführer daher vollumfänglich 

möglich sein (IV-act. 314 S. 24). Der hochgradige Verdacht auf 

aggravatorisches, simulierendes Verhalten ist auch – nebst der nicht EFL-

konformen Durchführung der Testung – der Grund, weshalb die Gutachter 

in ihrer Konsensbeurteilung nicht auf die EFL-Beurteilung abstellen (IV-

act. 314 S. 20, 24), gemäss welcher eine Arbeitstätigkeit in jeglicher 

Tätigkeit aktuell nicht zumutbar sei, da der Beschwerdeführer im 

- 27 -

Allgemeinen stark eingeschränkt sei aufgrund einschiessender Krämpfe in 

Armen, Beinen und Rumpf (IV-act. 314 S. 122). 

12.2.2. Alle Gutachter berichten von einer Bewegungsstörung mit Zittern und 

Ausschlagen verschiedener Extremitäten, was eine reguläre 

Untersuchung in allen Fachrichtungen praktisch unmöglich machte. Die 

Gutachter können die Bewegungsstörung, in dem vom Beschwerdeführer 

dargelegten Ausmass, keiner somatischen Diagnose zuordnen, da diese 

mit den klinischen Untersuchungen und/oder den bildgebenden Befunden 

nicht im Einklang stehen. Die Teilgutachter verweisen jeweils auf die 

Fachgutachten der anderen Disziplinen, insbesondere das psychiatrische 

Teilgutachten und ziehen eine psychische Störung in Erwägung. So hält 

der internistische Teilgutachter fest, im Rahmen der aktuellen 

allgemeinmedizinischen Begutachtung liessen sich keine eindeutigen 

internistischen Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

nachweisen, und verweist im Wesentlichen auf die anderen 

Fachgutachten (IV-act. 314 S. 38 und S. 40). Anamnestisch sehe sich der 

Beschwerdeführer aufgrund internistischer Erkrankungen nicht 

höhergradig eingeschränkt, sein Hauptproblem liege im 

muskuloskelettalen Bereich sowie im neurologischen Bereich mit seiner 

unklaren Bewegungsstörung (IV-act. 314 S. 40). Bei der Beurteilung von 

Konsistenz und Plausibilität hält er fest, bezüglich der präsentierten 

Bewegungsstörung sei auf die entsprechenden Fachgutachten zu 

verweisen (IV-act. 314 S. 42). Auch der neurologische Teilgutachter 

konnte keine Diagnose mit sowie ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

stellen (IV-act. 314 S. 80). Die vom Beschwerdeführer präsentierte 

Bewegungsstörung sei nicht mit einer klassischen neurologischen, 

zerebellären, extrapyramidalen oder sonstigen Bewegungsstörung in 

Einklang zu bringen. Zusätzliche Argumente gegen ein somatisches 

Beschwerdebild fänden sich in den Akten mit durchgeführtem MRT des 

- 28 -

Schädels und HWS ohne die Symptomatik erklärende Veränderungen 

sowie zusätzlich durch die durchgeführte EMG-Untersuchung mit 

Ausschluss von Veränderungen in den Myotomen L3 bis L5 beidseits (IV-

act. 314 S. 80 f.). Bei der Beurteilung von Konsistenz und Plausibilität 

verwies er auf das psychiatrische Teilgutachten, indem er festhält, 

inwieweit die Bewegungsstörung, die nicht somatischen Ursprungs ist, auf 

einer psychiatrischen Erkrankung basiere und ob diese bewusstseinsfern 

oder –nah zu werten sei, sei durch das psychiatrische Teilgutachten zu 

bewerten (IV-act. 314 S. 83). Der orthopädische Teilgutachter 

diagnostiziert zwar eine chronische Lumbalgie bei/mit (ICD-10 M54.87) 

LWS mit ventralen Osteophythen, deutlich ausgeprägt in Dornfortsätzen, 

foraminaler Enge, intervertebral L4/L5 L5/S1, Osteochondrose, 

Spondylarthrose, intradiscalen und epiduralen Veränderungen mit 

Lipomatose, mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 314 S. 62). 

Er hält gleichzeitig aber auch fest, die orthopädisch und radiologisch 

sichtbaren Befunde erschienen in der Gesamtschau untergeordneter 

Natur und für die Gesamtbeschwerdesituation nicht ursächlich. Die 

klinischen und radiologischen orthopädischen Befunde könnten die 

angegebenen Beschwerden nicht erklären (IV-act. 314 S. 63). Der 

neuropsychologische Teilgutachter diagnostiziert sodann eine 

verminderte kognitive Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit im Rahmen 

einer psychischen Störung. Auch er hält fest, in der aktuellen 

neuropsychologischen Untersuchung hätten sich eindrückliche 

Verhaltensauffälligkeiten und Auffälligkeiten körperlicher Art ergeben, 

welche nicht primär neuropsychologischer Natur seien, und im 

Gesamtgutachten gewürdigt würden (IV-act. 314 S. 96). Hinweise auf eine 

übermässige Verdeutlichung oder gar Aggravation von kognitiven 

Leistungseinschränkungen hätten sich nicht ergeben. Der 

Beschwerdeführer habe schwerpunktmässig körperliche 

Einschränkungen angegeben. Zusätzlich berichte er von einer 

- 29 -

verminderten Konzentrationsfähigkeit, Vergesslichkeit und reduzierte 

Belastbarkeit. Diese Angaben liessen sich angesichts der komplexen 

gesundheitlichen Beschwerden bis zu einem gewissen Grad 

nachvollziehen. Das von ihm berichtete Ausmass, nämlich eine völlige 

Unfähigkeit, sich etwa beim Lesen konzentrieren zu können oder oft 

Informationen zu vergessen bzw. nicht erinnern zu können, erscheine 

angesichts der Befunde, des klinischen Eindrucks und des doch 

vergleichsweise guten erhaltenen Aktivitätenniveaus im Alltag doch etwas 

hoch. Es sei wohl als Zeichen einer Somatisierungs- oder 

Konversionsstörung zu werten. Ob und inwieweit bewusstseinsnahe 

Anteile für das gezeigte auffällige Verhalten vorhanden seien, könne vom 

neuropsychologischen Gutachten nicht beantwortet werden (IV-act. 314 

S. 97 f.). Sowohl der internistische (IV-act. 314 S. 37), orthopädische (IV-

act. 314 S. 60) als auch der neurologische (IV-act. 314 S. 77) Teilgutachter 

halten sodann keine Inkonsistenzen fest. 

Der psychiatrische Teilgutachter diagnostiziert eine gemischte 

dissoziative Störung (ICD-10 F44.7) und zudem eine leichte depressive 

Episode (ICD-10 F32.00). Betreffend Inkonsistenzen führt er aus, der 

Beschwerdeführer zeige ein sehr auffälliges Beschwerdegebaren. Im 

Untersuchungsgespräch sei er zwar zum Teil ruhig, aber mit 

ausgestreckten Beinen gesessen und habe anfänglich und dann auch 

zwischendurch immer wieder ein Zittern am rechten Bein gezeigt. Als er 

hineingekommen und am Schluss wieder hinausgegangen sei, wobei er 

sich dann auf den Rollstuhl gesetzt habe, habe er ein grosses Spektakel 

gemacht, indem er am ganzen Körper massiv gezittert habe, bevor er sich 

dann sehr umständlich gesetzt habe. Es habe ein 

aufmerksamkeitssuchendes, aggravatorisches Verhalten bestanden (IV-

act. 314 S. 96). Dieses aggravatorische Verhalten relativiert er dann aber, 

indem er zudem ausführt, es sei nicht auszuschliessen, dass ein 

- 30 -

unbewusster Anteil bestehe. Emotionale und psychosoziale 

Belastungsfaktoren könnten eine Rolle spielen, als solche seien hier die 

emotionale Belastung infolge des langjährigen Krankheitsverlaufs mit 

bereits vor Jahren krankheitsbedingtem Ausscheiden aus dem 

Erwerbsleben mit inzwischen Dekonditionierung und die angepasste 

finanzielle Situation mit Abhängigkeit vom Sozialamt zu nennen (IV-act. 

314 S. 116). 

12.2.3. Damit erscheint der in der Konsensbeurteilung erwähnte hochgradige 

Verdacht auf Aggravation/Simulation/vortäuschendes Verhalten als nicht 

nachvollziehbar und schlüssig begründet, zumal auch das internistische 

(IV-act. 314 S. 37), orthopädische (IV-act. 314 S. 60) als auch das 

neurologische (IV-act. 314 S. 77) Teilgutachten keine Inkonsistenzen 

festhalten, ebensowenig wie das neuropsychologische (IV-act. 314 S. 97). 

Hinzu kommt, dass gemäss EFL-Beurteilung, welche aus medizinischen 

Gründen nur limitiert durchgeführt werden konnte und demzufolge in 

Bezug auf die Empfehlung bezüglich Arbeit mit Vorsicht zu geniessen ist, 

keine Symptomausweitung festgestellt werden konnte (IV-act. 314 S. 

122). Folglich besteht im vorliegenden Fall keine Klarheit darüber, dass 

nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte auf eine eindeutig 

als solche ausgewiesene Aggravation klar überwiegen und die Grenzen 

eines bloss verdeutlichenden Verhaltens überschritten sind. Die Frage, ob 

ein Verhalten (nur) verdeutlichend ist oder die Grenze zur Aggravation und 

vergleichbaren leistungshindernden Konstellationen überschreitet, bedarf 

einer einzelfallbezogenen, sorgfältigen Prüfung auf möglichst breiter 

Beobachtungsbasis (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_524/2020 vom 

23. November 2020 E.4.2 m.w.H.). Denn selbst wenn sich vorliegend klare 

Anzeichen ergeben hätten, hätten die Auswirkungen der gutachterlich 

ausgewiesenen verselbständigten, krankheitswertigen psychischen 

Störung (i.c. dissoziative Störung) im Umfang der Aggravation bereinigt 

- 31 -

werden müssen (BGE 141 V 281 E.2.2.2). Mit anderen Worten hätte der 

psychiatrische Teilgutachter klar zwischen dem psychiatrischen Leiden 

von Krankheitswert, bestehend in der gemischten dissoziativen Störung 

(ICD-10 F44.7) und einer leichten depressiven Episode (ICD-10 F32.00 

[recte wohl F32.0]), und dem aggravierenden Verhalten unterscheiden und 

darlegen müssen, wie sich die Aggravation auf den Schweregrad der 

Erkrankung und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 8C_2/2022 vom 4. Juli 2022 E.6.3 m.w.H.). 

Solche Ausführungen betreffend den Anteil der Aggravation bei der 

Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit fehlen 

ebenso. Diese Prüfungen hat die Beschwerdegegnerin nicht lege artis 

vorgenommen und wird dies nachzuholen haben.

12.3.1. Im Weiteren überzeugt das Gutachten auch aus folgenden Gründen nicht: 

Der psychiatrische Teilgutachter listet zur Herleitung seiner Diagnosen die 

Kriterien gemäss ICD-10 für eine dissoziative Störung auf und führt aus, 

beim Beschwerdeführer zeige sich die Störung vor allem mit Schmerzen 

im Bewegungsapparat und wechselndem Zittern, was vor allem, wenn er 

körperlich gefordert sei, ausgeprägt sei, wie sich dies im 

Untersuchungsgespräch gezeigt habe. Differenzialdiagnostisch sei eine 

Simulation eng in Betracht zu ziehen, auch bei dem vorliegenden 

Observationsmaterial. Der psychiatrische Teilgutachter kommt zum 

Schluss, dass weder die dissoziative Störung noch die leichte depressive 

Episode den Beschwerdeführer in der Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen (IV-

act. 314 S. 117). Begründend hält er diesbezüglich fest, die erhaltenen 

psychischen Fähigkeiten und täglichen Aktivitäten (gut erhaltene 

Kontaktfähigkeit mit regelmässigen Kontakten, regelmässige 

Wahrnehmung von Therapien, Beschäftigung mit den Nachbarskatzen, 

prinzipiell auch erhaltene Verkehrsfähigkeit, auch mit Busreisen in die 

Heimat Serbien oder mit Autoreisen zur Mutter nach Deutschland, gutes 

- 32 -

Zurechtkommen mit seinem Rollstuhl), die dem Beschwerdeführer 

möglich seien, liessen sich nicht mit der geltend gemachten vollständigen 

Arbeitsunfähigkeit vereinbaren. Insgesamt könne nicht nachvollzogen 

werden, warum ihm eine somatisch angepasste Tätigkeit nicht zumutbar 

sein soll (IV-act. 314. S. 118). 

Der psychiatrische Teilgutachter setzt sich nun aber mit keiner 

anderweitigen ärztlichen Beurteilung auseinander. Insbesondere auch 

nicht mit dem Attest des behandelnden Psychiaters Dr. C._____ vom 4. 

Dezember 2019 (IV-act. 275 S. 3), welcher festhielt, aufgrund der 

schwierigen psychosozialen Situation und den zunehmenden körperlichen 

Beschwerden habe sich die depressive Symptomatik (Anpassungsstörung 

mit längerer depressiver Reaktion ICD-10: F43.21) seither tendenziell 

verschlechtert und dem Beschwerdeführer eine 100 %ige 

Arbeitsunfähigkeit attestierte. Dies erstaunt, zumal der behandelnde 

Psychiater Dr. C._____ eine andere Diagnose aus dem depressiven 

Spektrum stellt. Hinzu kommt, dass die Schlussfolgerung, weshalb die 

beiden vom psychiatrischen Teilgutachter gestellten Diagnosen ohne 

Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sein sollten, von diesem äusserst 

knapp begründet ist. Zwar zeigt er einige wenige Diskrepanzen zwischen 

den Einschränkungen und dem Verhalten auf, dies reicht aber – 

zusammen mit der vorstehend erwähnten Relativierung des 

aggravatorischen Verhaltens – für eine plausible ärztliche Beurteilung 

nicht aus. Dies umso mehr, da sowohl der behandelnde Psychiater 

Dr. C._____, als auch die Ärzte des D._____ (Austrittsbericht vom 25. 

Januar 2018; IV-act. 248 S. 4) sowie der Hausarzt Dr. B._____ (Bericht 

vom 18. November 2019; IV-act. 275) eine 100 %ige Arbeitsunfähigkeit 

attestierten bzw. keine verwertbare Arbeitsfähigkeit gesehen haben und 

dies entsprechend begründeten. 

- 33 -

12.3.2. Hinzu kommt, dass die Gutachter insbesondere auch auf die vom 

Hausarzt Dr. B._____ in seinem Bericht vom 18. November 2019 

erwähnten neu aufgetretenen noch unklaren rezidivierenden 

Bewusstseinsstörungen mit Synkopen (IV-act. 275) nicht einlässlich 

eingegangen sind. 

12.4. Die Beschwerdegegnerin hat es bislang unterlassen, eine Prüfung lege 

artis mittels schlüssigem externem psychiatrischem Gutachten 

vorzunehmen, welche die gemischte dissoziative Störung (ICD-10 F44.7), 

unter der der Beschwerdeführer unbestrittenermassen leidet, 

überzeugend definiert und sie um ein allenfalls aggravatorisches 

Verhalten bereinigt. In diesem Zusammenhang wird auch die depressive 

Symptomatik zu überprüfen sein, beschreibt doch sowohl der Hausarzt Dr. 

B._____ am 18. November 2019, dass sich die depressive Symptomatik 

deutlich verschlechtert habe (IV-act. 275 S. 2), und auch der Psychiater 

Dr. C._____ spricht in seinem Attest vom 4. Dezember 2019 von einer 

tendenziellen Verschlechterung der depressiven Symptomatik (IV-

act. 275 S. 3). Ferner wurden gewisse Beschwerdebilder im medaffairs-

Gutachten zwar erwähnt, aber nicht gutachterlich gewürdigt (z.B. 

Urininkontinenz bei Urge-Urininkontinenz, Angstattacken, 

Kribbelparästhesien in beiden Armen, Bewusstseinsstörungen mit 

Synkopen) bzw. sie fanden gar nicht erst Eingang ins medaffairs-

Gutachten (z.B. Schlafapnoe). 

12.5. Nach dem Ausgeführten kann das medaffairs-Gutachten nicht als 

zuverlässige Grundlage für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus 

rechtlicher Sicht dienen und kann auf dieses nicht abgestellt werden. 

13. Auch auf die anderen bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen 

kann bezüglich Bestimmung der (Rest-)Arbeitsfähigkeit nicht abgestellt 

werden. So handelt es sich bei den Beurteilungen des Hausarztes 

- 34 -

Dr. B._____ (IV-act. 275; Beilage Beschwerdeführer [Bf-act.] 4), des 

behandelnden Psychiaters Dr. C._____ (IV-act. 275 S. 3; Bf-act. 3) sowie 

der Ärzte des D._____ (IV-act. 248 S. 3 f.) um monodisziplinäre 

Beurteilungen. Zudem gehen wohl alle Ärzte und Beteiligten damit einig, 

dass die Bewegungsstörung unter eine psychiatrische Diagnose zu 

subsumieren ist. Soweit somit der Hausarzt als auch die Ärzte des 

D._____ als nicht psychiatrische Fachpersonen eine Arbeitsunfähigkeit 

wegen der dissoziativen Bewegungsstörung attestieren, kann darauf nicht 

abgestellt werden. Vom behandelnden Psychiater Dr. C._____ liegen 

alsdann nur ärztliche Atteste (IV-act. 275 S. 3; Bf-act. 3) bei den Akten und 

keine detaillierte ärztliche Beurteilung mit differenzierten Ausführungen zur 

Arbeitsfähigkeit.

14. Erachtet das zuständige Sozialversicherungsgericht – wie hier – eine 

Sache in medizinischer Hinsicht als ungenügend abgeklärt und somit auch 

die seitens der Verwaltung vorgenommene Beweiswürdigung als 

unvollständig, verbleibt ihm auch nach der neuen bundesgerichtlichen 

Rechtsprechung, die Möglichkeit, die Sache an den zuständigen 

Versicherungsträger zurückzuweisen, anstatt ein gerichtliches Gutachten 

zur Klärung einer offenen Frage in Auftrag zu geben. Eine Rückweisung 

an den Versicherungsträger steht dem Versicherungsgericht weiterhin in 

den Fällen offen, wenn sie in der Erhebung einer bisher vollständig 

ungeklärten Frage begründet ist oder wenn lediglich eine Klarstellung, 

Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen 

erforderlich ist (siehe BGE 139 V 496 E.4.4, 137 V 210 E.4.4.1.4; KIESER, 

a.a.O., Art. 44 Rz. 71; FURRER, Rechtliche und praktische Aspekte auf dem 

Weg zum Gerichtsgutachten in der Invalidenversicherung, in: SZS 1/2019 

S. 4 f.). Vorliegend ist die Beschwerdegegnerin in verschiedener Hinsicht 

ihrer Abklärungspflicht nicht nachgekommen, indem sie auf das 

medaffairs-Gutachten vom 20. Januar 2021 (IV-act. 314) abgestellt hat, 

- 35 -

obwohl dieses keine schlüssige Beurteilung der medizinischen 

Zusammenhänge enthält und gewisse gesundheitliche Einschränkungen 

unerwähnt bzw. ungewürdigt geblieben sind. Die noch offenen Fragen 

bedürfen (ergänzender) fachärztlicher Klärung. 

15. Im Einklang mit BGE 137 V 210 ist die Sache daher unter Aufhebung der 

angefochtenen Verfügung vom 8. November 2021 (IV-act. 312) zu 

ergänzenden Abklärungen hinsichtlich der Krankheitsentwicklung und 

deren funktionellen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die 

Beschwerdegegnerin wird erneut eine sachverständige Abklärung durch 

zumindest eine psychiatrische Fachperson zu veranlassen haben. Da 

aufgrund der aufgezeigten Mängel am medaffairs-Gutachten vom 

20. Januar 2021 (IV-act. 314) erhebliche Zweifel daran bestehen, dass 

sich die Experten noch als genügend ergebnisoffen präsentieren, um den 

Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und dessen funktionelle 

Auswirkungen – auch in retrospektiver Hinsicht – mit der gebührenden 

Sorgfalt zu beurteilen, drängt sich eine neue Begutachtung auf. Dabei wird 

der Gutachtensauftrag neutral und ohne Wertungen zu formulieren sein. 

Sollte es bei einer monodisziplinären psychiatrischen Begutachtung 

bleiben, ist hinsichtlich der sachverständigen Person ein 

Einigungsverfahren durchzuführen (vgl. Art. 44 ATSG und Art. 7j der 

Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 

[ATSV; SR 830.11]); bei bi- oder polydisziplinären medizinischen 

Gutachten erfolgt die Vergabe nach dem Zufallsprinzip (vgl. Art. 72bis Abs. 

2 IVV). Anschliessend wird die Beschwerdegegnerin die 

Leistungsansprüche des Beschwerdeführers neu zu prüfen haben. Ferner 

ist abzuklären, welche funktionellen Auswirkungen die 

Gesundheitseinschränkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Verweistätigkeit, 

- 36 -

Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit/Leidensabzug, gegebenenfalls 

fehlende Selbsteingliederung) haben.

16. Zur Klärung der noch offenen Fragen ist die Beschwerde gutzuheissen, 

die angefochtene Verfügung vom 8. November 2021 (IV-act. 312) 

aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin im Sinne der 

Erwägungen und neuem Entscheid zurückzuweisen.

17.1. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das 

Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der 

Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und 

unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.-- 

festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden setzt das Gericht die Kosten 

in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.-

- fest. Die Rückweisung zu weiteren Abklärungen gilt praxisgemäss als 

vollständiges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei bezüglich der 

Verteilung der Gerichtskosten und der Zusprache einer 

Parteientschädigung (vgl. BGE 141 V 281 E.11.1, 137 V 210 E.7.1, 132 V 

215 E.6.2). Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten von CHF 700.-- 

demnach der Beschwerdegegnerin zu überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 

VRG).

17.2. Der Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG zudem 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu Lasten der Beschwerdegegnerin. 

Als Bemessungskriterien für dessen Höhe nennt Art. 61 lit. g ATSG die 

Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses. Im 

Übrigen wird die Bemessung dem kantonalen Recht überlassen (siehe 

Urteile des Bundesgerichts 8C_672/2020 vom 15. April 2021 E.5.2, 

9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.6.2, 8C_98/2017 vom 27. Oktober 

2017 E.4.1 f. und 8C_136/2016 vom 11. August 2016 E.2.1 f.). Art. 78 

- 37 -

Abs. 1 VRG bestimmt, dass im Rechtsmittel- und Klageverfahren die 

unterliegende Partei in der Regel verpflichtet wird, der obsiegenden Partei 

die durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen. 

Nach Art. 16a des kantonalen Anwaltsgesetzes (Anwaltsgesetz; 

BR 310.100) bemisst sich die Parteientschädigung für die Kosten der 

anwaltlichen Vertretung in Verfahren vor Gerichts- und kantonalen 

Verwaltungsbehörden nach dem für eine sachgerechte Prozessführung 

notwendigen Zeitaufwand sowie der Schwierigkeit und der Bedeutung der 

Sache. Gemäss Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des 

Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte 

(Honorarverordnung, HV; BR 310.250) setzt die urteilende Instanz die 

Parteientschädigung der obsiegenden Partei nach Ermessen fest. 

Ausgangspunkt ist dabei grundsätzlich der Betrag, welcher der 

entschädigungsberechtigten Partei für die (anwaltliche) Vertretung in 

Rechnung gestellt wird (siehe Art. 2 Abs. 2 HV). Der Rechtsvertreter des 

Beschwerdeführers hat trotz Aufforderung seitens des Gerichts am 24. 

Januar 2022 (Gerichtsakte D2) keine Honorarnote eingereicht. Das 

Gericht hält daher angesichts des mehrfachen Schriftenwechsels und der 

umfangreichen Akten einerseits und des jahrelangen Betraut- und 

Vertrautseins mit der Angelegenheit des Beschwerdeführers andererseits 

einen pauschalen Parteikostenersatz von CHF 6'000.-- (inkl. Spesen und 

MWST) für angemessen. 

17.3. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung ist 

ausgangsgemäss gegenstandslos geworden und es erübrigen sich 

Weiterungen, da der Beschwerdeführer obsiegt und ihm demzufolge keine 

Gerichtskosten aufzuerlegen sind und ihm ein Parteikostenersatz 

zuzusprechen ist. 

- 38 -

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Verfügung vom 

8. November 2021 wird aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle des 

Kantons Graubünden zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen 

und zu neuem Entscheid zurückgewiesen. 

2. Die Kosten von CHF 700.-- gehen zulasten der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden.

3. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden leistet A._____ einen pauschalen 

Parteikostenersatz von CHF 6'000.-- (inkl. Spesen und MWST)

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]