# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** db52f9b9-5c28-55ac-b5d4-2352d2d049c6
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-01-14
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 14.01.2004 BK 2003 65
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2003-65_2004-01-14.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 14. Januar 2004 Schriftlich mitgeteilt am: 
BK 03 65

Entscheid
Beschwerdekammer

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Heinz-Bommer und Rehli 
Aktuarin Duff Walser

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In der strafrechtlichen Beschwerde

des A., Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. et oec. Pius Fry-
berg, Postfach 731, Vazerolgasse 2, 7002 Chur,

gegen

die Verfügung des Untersuchungsrichteramts Chur vom 2. Juli 2002, in Sachen 
gegen den Beschwerdeführer,

betreffend Entschädigung gemäss Art. 161 StPO,

hat sich ergeben:

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A. Am 6. November 2000 reichte die AHV-Ausgleichskasse der Sozialver-
sicherungsanstalt des Kantons Graubünden Strafanzeige gegen B. ein wegen 
Zweckentfremdung von Arbeitnehmerbeiträgen gemäss Art. 87 Abs. 3 AHVG. 
Gestützt auf diese Strafanzeige eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden 
eine Strafuntersuchung gegen B. wegen Widerhandlung gegen das AHV-Gesetz. 
Diese wurde auf A. ausgedehnt, der zusammen mit B. Gesellschafter in der ein-
fachen Gesellschaft „X.“ war.

B. Mit Verfügung vom 22. Mai 2002 stellte die Staatsanwaltschaft 
Graubünden die Strafuntersuchung gegen A. ein. 

C. Am 26. Juni 2002 machte A. beim Untersuchungsrichteramt Chur ge-
stützt auf Art. 161 Abs. 1 StPO eine durch den Staat auszurichtende Entschädi-
gung für anwaltliche Bemühungen in der Höhe von Fr. 2'211.-- geltend. Mit Ver-
fügung vom 2. Juli 2002 lehnte das Untersuchungsrichteramt Chur das Entschä-
digungsbegehren ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, der Beizug eines Ver-
teidigers sei aufgrund der Schwierigkeiten des Falles nicht gerechtfertigt gewe-
sen und die Übernahme der Verteidigungskosten durch den Staat daher nicht 
begründet.

D. Eine von A. dagegen erhobene Beschwerde wies die Beschwerdekam-
mer des Kantonsgerichtes von Graubünden am 21. August 2002  mit der Begrün-
dung ab, dass A. die Untersuchung durch leichtfertiges Verhalten verursacht 
habe. Die Entschädigung gemäss Art. 161 Abs. 1 StPO sei demzufolge zu ver-
weigern. 

E. Mit Urteil vom 20. Februar 2003 hiess die I. Öffentlichrechtliche Abtei-
lung des Bundesgerichts eine von A. dagegen erhobene staatsrechtliche Be-
schwerde gut und hob den angefochtenen Entscheid auf. Die Beschwerdekam-
mer habe ihren Entscheid auf neue Vorbringen in der Vernehmlassung der 
Staatsanwaltschaft abgestützt, ohne A. zuvor Gelegenheit zu geben, sich gegen 
das Vorgebrachte zu wehren. Damit habe sie den Anspruch des Beschwerdefüh-
rers auf Gewährung des rechtlichen Gehörs verletzt.

F. Nachdem A. gestützt auf das Urteil des Bundesgerichts Gelegenheit 
erhalten hatte, zur Vernehmlassung der Staatsanwaltschaft Graubünden Stel-
lung zu nehmen, erkannte die Beschwerdekammer mit Entscheid vom 14. Mai 
2003, mitgeteilt am 20. August 2003:

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„1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 700.-- gehen zu Las-
ten des Beschwerdeführers.

3. (Mitteilung).“

G. Dagegen liess A. am 18. September 2003 staatsrechtliche Beschwerde 
an das Bundesgericht erheben mit dem Antrag, den angefochtenen Entscheid 
aufzuheben.

H. Mit Urteil vom 20. November 2003 erkannte das Bundesgericht:

„1. Die staatsrechtliche Beschwerde wird gutgeheissen, und der Ent-
scheid des Kantonsgerichts von Graubünden, Beschwerdekammer, 
vom 14. Mai 2003 wird aufgehoben.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

3. Der Kanton Graubünden hat den Beschwerdeführer für das bundes-
gerichtliche Verfahren mit Fr. 1'200.-- zu entschädigen.

4. (Mitteilung).“

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung :

1. Wird das Verfahren gegen den Angeschuldigten eingestellt, so kann 
eine Entschädigung im Sinne von Art. 161 Abs. 1 StPO aufgrund der Unschulds-
vermutung von Art. 6 Ziff. 2 EMRK nur dann wegen leichtfertigem und verwerfli-
chem Verhalten verweigert werden, wenn der Betroffene in zivilrechtlich vorwerf-
barer Weise im Sinne von Art. 41 ff. OR gegen eine geschriebene oder unge-
schriebene Verhaltensnorm klar verstossen und dadurch das Strafverfahren ver-
anlasst oder dessen Durchführung erschwert hat (vgl. PKG 1995 Nr. 30 mit wei-
teren Hinweisen). Die Verweigerung der Entschädigung wird durch den Vorbehalt 
eingeschränkt, dass es sich um einen „klaren“ Verstoss gegen die fraglichen Ver-
haltensnormen handeln muss. Es wird also vorausgesetzt, dass sich ein solcher 
Vorwurf in tatsächlicher Hinsicht auf unbestrittene oder bereits klar nachgewie-
sene Umstände stützt. Solche sind gemäss den Erwägungen des Bundesge-
richts im konkreten Fall nicht gegeben. Verlangt sei, dass die tatsächlichen Ver-
hältnisse ohne weiteres feststünden. Dies sei vorliegend nicht der Fall, da der 
Beschwerdeführer seine Verantwortlichkeit für die Überweisung der Arbeitneh-
merbeiträge bestreite und das Kantonsgericht erst nach eingehender Beweiswür-

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digung zum Schluss gelange, dass A. dafür zuständig gewesen sei. Ob A. 
tatsächlich die Verantwortung für die Überweisung der AHV-Beiträge getragen 
habe, wäre im Strafverfahren abzuklären und ihm nach den dort geltenden Ver-
fahrensregeln nachzuweisen gewesen. Der angefochtene Entscheid verletze 
folglich die Garantie der Unschuldsvermutung.

2. Dem Urteil des Bundesgerichts zufolge wurde die Ausrichtung einer 
Entschädigung gemäss Art. 161 Abs. 1 StPO an A. somit zu Unrecht verweigert. 
Die Verfügung des Untersuchungsrichteramts Chur vom 2. Juli 2002 ist daher 
aufzuheben, und dem Beschwerdeführer ist eine durch den Staat auszurichtende 
Entschädigung für die durch das Strafverfahren erlittenen Nachteile zuzuspre-
chen. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat am 26. Juni 2002 eine de-
taillierte Kostennote eingereicht. Der darin aufgelistete Zeitaufwand erscheint 
ausgewiesen und gibt zu keinen Korrekturen Anlass. Der geltend gemachte Be-
trag von Fr. 2‘211.-- umfasst den Aufwand für das Verfahren bis zum Abschluss 
der Strafuntersuchung. In der Honorarnote nicht enthalten sind demgegenüber 
die Aufwendungen in Zusammenhang mit dem Verfahren vor der Beschwerde-
kammer des Kantonsgerichts, für die A. zusätzlich zu entschädigen ist. Unter 
Berücksichtigung des Aufwands, der ihm durch das Verfassen der Beschwerde-
schrift und der Stellungnahme/Replik vom 16. April 2003 entstanden ist, wird dem 
Beschwerdeführer daher eine aussergerichtliche Entschädigung von insgesamt 
Fr. 4'000.-- zugesprochen.

3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens gehen zu Lasten des Kantons 
Graubünden (Art. 160 Abs. 3 StPO).

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer :

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Verfügung des Untersu-
chungsrichteramtes Chur vom 2. Juli 2002 aufgehoben.

2. Der Kanton Graubünden hat den Beschwerdeführer aussergerichtlich mit 
insgesamt Fr. 4'000.-- zu entschädigen.

3. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 700.-- gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden.

4. Mitteilung an:

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Für die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident Die Aktuarin