# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6f07ea4f-e106-5a65-acd2-391f22bb5819
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-09-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.09.2021 D-5414/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5414-2019_2021-09-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5414/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  S e p t e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richter Markus König,  

Richter Yanick Felley,  

Richter Gérard Scherrer,  

Richter Gérald Bovier,  

Gerichtsschreiberin Aglaja Schinzel. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Kamerun,   

vertreten durch MLaw Meret Adam,  

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren (…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 7. Oktober 2019 / N (…). 

 

 

 

D-5414/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A. 

Die Beschwerdeführerin, eine kamerunische Staatsangehörige der Ethnie 

der Bamileké, reichte am 29. Juli 2019 zusammen mit ihrer Schwester (D-

5411/2019 / N 718 653) ein Asylgesuch ein und wurde dem Bundesasyl-

zentrum BAZ der Region (…) zugewiesen. Am 26. August 2019 fand die 

Erstbefragung für minderjährige Asylsuchende (UMA EB) statt. Im An-

schluss wurde ihr das rechtliche Gehör zu ihrer Minderjährigkeit sowie zu 

ihrer Identität gewährt. 

Anlässlich der Erstbefragung legte sie dar, sie heisse B._______ und sei 

am (…) geboren. Den Visumsantrag unter dem Namen A._______, gebo-

ren am (…), könne sie nicht erklären, da sie diesen Antrag nicht selber 

gestellt habe. Sie sei lediglich mit ihrer Halbschwester und einem Mann 

beziehungsweise ihrem Vater auf die Schweizer Botschaft in Yaoundé 

(nachfolgend: Botschaft) und habe dort ihre Fingerabdrücke abgegeben. 

Mit diesem Visum sei sie in der Folge legal in die Schweiz eingereist. Sie 

habe ihr Heimatland aufgrund von Unruhen verlassen.  

Anlässlich der Gewährung des rechtlichen Gehörs wurde die Beschwerde-

führerin darüber informiert, dass auf der Botschaft ein Hinweis eingegan-

gen sei, die Identität, die sie im Rahmen ihres Asylgesuchs angegeben 

habe, sei nicht ihre wahre Identität. Sie würde C._______ oder D._______ 

heissen und bereits 22 Jahre alt sein. Die Beschwerdeführerin erklärte, 

diesen Namen zum ersten Mal zu hören und das Alter stimme nicht.  

B. 

Mittels des von der Vorinstanz in Auftrag gegebenen medizinischen Gut-

achtens vom 19. September 2019 des (…) wurde festgestellt, bei der Be-

schwerdeführerin lasse sich die Vollendung des 18. Lebensjahres und da-

mit das Erreichen der Volljährigkeit nicht mit der notwendigen Sicherheit 

belegen. Das Gutachten wurde ihrer Rechtsvertreterin am 23. September 

2019 zur Kenntnis gebracht.  

C. 

Am 26. September 2019 wurde die Beschwerdeführerin vertieft zu ihren 

Asylgründen angehört. Dabei brachte sie im Wesentlichen vor, ihre wäh-

rend der Erstbefragung angegebene Identität sei falsch, ihre wahre Identi-

tät sei jene, die sie anlässlich des der Vorinstanz zur Verfügung stehenden 

Visumsantrags angegeben habe. Sie sei in vor ihrer Ausreise durch ihre 

Mutter dahingehend instruiert worden, in der Schweiz den Namen 

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Seite 3 

B._______ zu nennen. Sie habe ihr ganzes Leben bis auf zwei Jahre, wel-

che sie in einem Internat verbracht habe, mit ihren Eltern, E._______ und 

F._______ zusammengelebt, wobei sie zur Mutter keine gute Beziehung 

gehabt habe. Diese habe sie oft beschimpft und geschlagen, dies manch-

mal mit den Händen, manchmal mit dem Besen oder einer Keule. Der Vater 

habe sie oft angeschrien. Als Grund für ihre Ausreise gab die Beschwerde-

führerin an, aufgrund der Arbeit ihres Vaters hätten sie Angst vor einer Ent-

führung gehabt. Vor ungefähr drei Jahren seien sie bereits einmal, zusam-

men mit vielen anderen, von Unbekannten aus der Schule mitgenommen 

und während eines Tages festgehalten worden. Ihre Mutter habe ihr ge-

sagt, sie solle zu ihrem Schutz, wenn sie gefragt werde den Namen 

B._______ angeben, da sie somit nicht mit ihrem Vater in Verbindung ge-

bracht werde. Vor ihrer Ausreise habe sie die Schule (…) besucht. Ausge-

reist sei sie zusammen mit ihrer Schwester und dem gemeinsamen Vater 

während der Schulferien. Am 2. Juli 2019 sei sie in die Schweiz eingereist 

und habe ohne Wissen des Vaters mit ihrer Schwester kurz vor der Rück-

reise ins Heimatland beschlossen, in der Schweiz zu bleiben.   

Im Rahmen der Anhörung wurde ihr das rechtliche Gehör zu ihrer Identität 

gewährt, wobei sie bestätigte, ihre richtige Identität und die familiären An-

gaben seien diejenigen, welche auf dem Visumantrag stehen würden.  

D. 

Am 16.  und am 19. August 2019 gingen elektronische Denunziations-

schreiben bei der Botschaft ein, in welchen die Beschwerdeführerin und 

ihre Schwester einer falschen Identität, der Volljährigkeit sowie des Asyl-

missbrauchs bezichtigt wurden. Weiter wurde erklärt, zwischen den Mäd-

chen und dem angeblichen Vater bestehe keine familiäre Verbindung, die-

ser habe seine Position als Beamter und Richter ausgenutzt und falsche 

Dokumente, inklusive Pässe, für sie fabriziert. Dazu wurde ihr am 26. Au-

gust 2019 das rechtliche Gehör gewährt und die Denunziationsschreiben 

wurden in anonymisierter Form am 1. Oktober 2019 ihrer Rechtsvertreterin 

zur Kenntnis gebracht. Am 19. August 2019 ging sodann ein Denunziati-

onsschreiben gleichen Absenders bei der Kantonspolizei Bern ein, welches 

am 20. August 2019 ans SEM weitergeleitet wurde. Diesem ist zusätzlich 

zu entnehmen, die Beschwerdeführerin und ihre Schwester hätten sich mit 

Hilfe ihres Onkels, welcher in der Schweiz lebe, beim Asylzentrum gemel-

det, wobei dieser die Daumen der Mädchen mit einem Bügeleisen ver-

brannt habe, um die Fingerabdrücke unkenntlich zu machen. 

D-5414/2019 

Seite 4 

E. 

Am 3. Oktober 2019 wurde der Beschwerdeführerin die angefochtene Ver-

fügung im Entwurf zur Stellungnahme ausgehändigt, wozu sie – handelnd 

durch ihre Rechtsvertretung – am Folgetag Stellung nahm. 

F. 

Mit Verfügung vom 7. Oktober 2019 – gleichentags eröffnet – wies die Vo-

rinstanz das Asylgesuch der Beschwerdeführerin ab und stellte fest, dass 

sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. Gleichzeitig wurde die Wegwei-

sung aus der Schweiz sowie deren Vollzug angeordnet.  

G. 

Die Beschwerdeführerin focht mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 

16. Oktober 2019 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsgericht 

an und beantragte, die Verfügung sei aufzuheben und die Sache zur Neu-

beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht er-

suchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung unter Ver-

zicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Vereinigung des 

Verfahrens mit demjenigen ihrer Schwester (N 718 653). 

H. 

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

17. Oktober 2019 in elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 1 AsylG [SR 

142.31]). 

I.  

Die Instruktionsrichterin bestätigte den Eingang der Beschwerde am 

25. Oktober 2019.  

J.  

Am 4. Dezember 2019 sowie am 14. Januar, am 28. April, am 12. Mai und 

am 26. August 2020 übermittelte das SEM dem Bundesverwaltungsgericht 

verschiedene Emails, die betreffend die Beschwerdeführerin und ihre 

Schwester bei der Botschaft eingegangen sind. 

K.  

Mit Verfügung vom 17. April 2020 bewilligte das Departement des Innern 

des Kantons (…) die Aufnahme der Beschwerdeführerin und ihrer Schwes-

ter als Pflegekinder bei einer Pflegemutter. 

L.  

Mit Entscheid vom 10. Juni 2020 wurde für die Beschwerdeführerin eine 

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Seite 5 

Beistandschaft nach Art. 306 Abs. 2 ZGB errichtet und der Mandatsperson 

die Aufgabe übertragen, sie an Stelle der abwesenden Eltern in sämtlichen 

Belangen der elterlichen Sorge zu vertreten. Als Mandatsperson wurde 

G._______, (…), eingesetzt.  

M.  

Am 30. März 2021 informierte die Rechtsvertreterin darüber, dass sich die 

Beschwerdeführerin vor einigen Wochen in psychotherapeutische Behand-

lung begeben habe und reichte eine entsprechende Überweisung der All-

gemeinärztin zu den Akten. Gleichzeitig ersuchte sie um prioritäre Behand-

lung des Verfahrens.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1. 

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

1.4 Das Urteil in vorliegender Sache ergeht zeitgleich mit demselben 

Spruchgremium wie dasjenige der Schwester (Urteil D-5411/ 2019). Die 

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Seite 6 

Verfahren wurden koordiniert behandelt. Der Antrag auf Vereinigung der 

Verfahren wird abgelehnt.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

 

4.  

4.1 Eingangs ist festzuhalten, dass vorliegend ein Altersgutachten die Min-

derjährigkeit der Beschwerdeführerin bestätigt und dies von der Vorinstanz 

anerkannt wurde. Sie ist somit bis zu ihrer Volljährigkeit als Minderjährige 

zu behandeln. 

4.2 Die Vorinstanz geht aufgrund der Visumsunterlagen davon aus, dass 

die Beschwerdeführerin am (…) geboren wurde. Damit war sie zum Zeit-

punkt der Asylgesuchstellung (…) Jahre alt und ist heute (…)-jährig.  

5.  

5.1 Vorab ist daran zu erinnern, dass das SEM in Verfahren von minder-

jährigen Asylsuchenden an gewisse Anforderungen gebunden ist.  

5.2 So muss es sich, sollten Zweifel an der Minderjährigkeit bestehen, dazu 

vor der Anhörung zu den Asylgründen äussern. Dabei kann es sich auf vor-

gelegte authentische Ausweispapiere, auf die Schilderungen anlässlich der 

Anhörung sowie auf eine allfällige Altersabklärung stützen. Die Beweislast 

trägt grundsätzlich die asylsuchende Person (vgl. Urteil des Bundesverwal-

tungsgerichts E-1928/2014 vom 24. Juli 2014, E. 2.2.1; EMARK 2004/30 

E. 5 und 6; siehe auch Art. 17 Abs. 3bis AsylG). 

5.3 Wird von der Minderjährigkeit ausgegangen und handelt es sich um 

eine unbegleitete minderjährige Person, muss das SEM geeignete Mass-

nahmen ergreifen, um den Schutz derer Rechte zu gewährleisten (vgl. 

a.a.O. E-1928/2014 E. 2.2.2; EMARK 1999 Nr. 2 E. 5 und 1998 Nr. 13 E. 

4bb). Das SEM ist verpflichtet, die zuständigen kantonalen Behörden über 

die Minderjährigkeit des Antragstellers zu informieren, damit diese die ent-

sprechenden vormundschaftlichen Massnahmen ergreifen und eine Ver-

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Seite 7 

trauensperson bestellen können, insbesondere, wenn entscheidende Ver-

fahrensschritte, wie beispielsweise eine Anhörung zu den Asylgründen, ge-

plant sind (vgl. Art. 17 Abs. 3 AsylG und Art. 7 Abs. 2 der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]; siehe auch Art. 64 Abs. 4 AIG). 

Im vorliegenden Fall wurden diese gesetzlichen Anforderungen durch die 

Vorinstanz erfüllt. Nachdem das in Auftrag gegebene Altersgutachten die 

Minderjährigkeit der Beschwerdeführerin bestätigt hatte, wurde diese im 

Verfahren als solche behandelt und die entsprechenden Schritte wurden 

unternommen.  

5.4 Schliesslich erfordert der Status des unbegleiteten Minderjährigen im 

Lichte des in Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 

über die Rechte des Kindes (nachfolgend: KRK, SR 0.107) verankerten 

Grundsatzes des Kindeswohls, dass die Asylbehörde den Vollzug der Weg-

weisung von der Erfüllung bestimmter Bedingungen abhängig macht (vgl. 

Art. 69 Abs. 4 AIG sowie EMARK 2006 Nr. 24 E. 6.2). Da dieser Punkt im 

vorliegenden Fall strittig ist, wird er im Folgenden detailliert zu behandeln 

sein (vgl. nachfolgend E. 11.5).  

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

 

7.   

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Seite 8 

7.1 Die Vorinstanz führte im Wesentlichen aus, die Beschwerdeführerin 

habe aufgrund der unterschiedlichen Angaben zu ihrer Identität sowie zu 

ihrem familiären Umfeld die Identifizierung erschwert und somit ihre Mitwir-

kungspflicht im Asylverfahren verletzt. Das SEM stütze sich bei der Fest-

stellung ihrer Identität auf die Dokumente, welche mit dem Visumsantrag 

eingereicht wurden. Da ein Visum ausgestellt worden sei, müsse von deren 

Echtheit ausgegangen werden. Zudem habe die Beschwerdeführerin diese 

Identität zuletzt selber angegeben und nicht bestritten. Zum Vorbringen der 

Beschwerdeführerin, das Internat in Bamenda sei von Personen mit Stei-

nen beworfen worden, es sei immer wieder zu Explosionen gekommen und 

sie sei einmal aus der Schule mitgenommen und während eines Tages 

festgehalten worden, führte die Vorinstanz an, dass keine Hinweise auf 

eine gezielte Verfolgung ihrer Person vorliegen würden. Ferner habe die 

Beschwerdeführerin angegeben, Kamerun zwecks Ferien verlassen zu ha-

ben, womit das drei Jahre zurückliegende Ereignis nicht ausschlaggebend 

für ihre Ausreise gewesen sei. Diesem Vorbringen fehle es somit an der 

asylrelevanten Gezieltheit und Kausalität. Auch das Vorbringen, sie sei von 

ihrer Mutter geschlagen worden, vermöge keine Asylrelevanz zu entfalten, 

zumal es sich dabei um familiäre Probleme handle, denen kein asylrele-

vantes Motiv zu Grunde liege. Sodann komme auch dem Vorbringen, sie 

fürchte sich aufgrund der Tätigkeit ihres Vaters vor einer Entführung, keine 

Asylrelevanz zu. So habe sie diesbezüglich lediglich angegeben, junge 

Mädchen würden entführt und man würde von ihnen verlangen, sich in die 

Luft zu sprengen. Manchmal würde von den Eltern Geld verlangt. Den Ak-

ten seien aber keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass sie aufgrund der 

genannten Gründe eine asylrelevante Verfolgung erlebt oder zu befürchten 

hätte. Anlässlich der Anhörung habe sie angegeben, ausser dem Fragen 

nach ihrem Namen und dem einen Tag, an dem sie festgehalten worden 

sei, sei nichts Weiteres vorgefallen, das sie persönlich betreffe. Es würden 

keinerlei konkrete Indizien vorliegen, die ihre Furcht als realistisch und 

nachvollziehbar erscheinen liessen. Eine Verfolgung aus diesem Grund sei 

als unwahrscheinlich anzusehen.  

 

7.2 In ihrer Beschwerde rügte die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe 

ihre Identität ungenügend abgeklärt. Das SEM sei von der nunmehr fest-

gestellten Identität der Beschwerdeführerin nicht überzeugt und habe die 

Dokumente, anhand derer das Visum ausgestellt worden sei, früher im Ver-

fahren als klare Fälschungen betitelt. Dennoch stütze sie sich nun auf diese 

Identität ab. Die drei eingegangenen Denunziationsschreiben würden 

keine sachdienlichen Angaben enthalten, weshalb auf die darin enthalte-

nen Angaben hinsichtlich ihrer Identität und ihres Alters nicht abgestützt 

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Seite 9 

werden dürfe, zumal ihre Minderjährigkeit festgestellt worden sei. Sodann 

falle beispielsweise auf, dass der Denunziant zwar behaupte, die Be-

schwerdeführerin habe eine andere Identität, diese aber nicht angeben 

könne beziehungsweise Namen und Alter nur ungenau angeben und über 

Familienverbindungen keine Angaben machen könne. Zutreffend sei, dass 

sie bezüglich ihrer Identität nicht konsistente Angaben gemacht habe. An-

lässlich der EB UMA sowie des rechtlichen Gehörs habe sie auf alle Anwe-

senden blockiert und ängstlich gewirkt. Es sei klar erkennbar gewesen, 

dass sie unter Druck stehe und von verschiedenen Seiten beeinflusst 

werde. Im Verfahren mit unbegleiteten Minderjährigen sei es von grösster 

Bedeutung, detaillierte Informationen zur Person, Identität und zur familiä-

ren Betreuung beziehungsweise zu den Personen oder Einrichtungen, un-

ter deren Obhut und Verantwortung die unbegleitete minderjährige Person 

gestanden habe, ehe sie ihr Land verlassen habe, einzuholen. Das Asyl-

gesuch, aber insbesondere auch die Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Mög-

lichkeit eines Wegweisungsvollzugs seien von Amtes wegen zu prüfen. Die 

Vorinstanz habe bei unbegleiteten Minderjährigen eine erhöhte Untersu-

chungspflicht und könne nicht den gleichen Massstab ansetzen, wie bei 

einer erwachsenen Person. Vorliegend habe die Vorinstanz keinerlei wei-

tere Nachforschungen vor Ort angeordnet, um die Identität der Beschwer-

deführerin zu klären.  

7.3 Den bis anhin insgesamt acht bei der Vorinstanz eingegangenen – von 

zwei verschiedenen Absendern geschickten – Denunziationsschreiben 

kann zusammenfassend im Wesentlichen folgendes entnommen werden: 

Der auf dem Visumsantrag angegebene Vater sei nicht der Vater der Be-

schwerdeführerin, diese sei nicht minderjährig, sondern 22 Jahre alt, ihr 

wahrer Name laute D._______ oder C._______. Sie habe sich vor ihrer 

Anmeldung im Asylzentrum während 10 Tagen (vgl. Mail vom 16. August 

2019) beziehungsweise eines Monats (vgl. Mail vom 19. August 2019) bei 

einem Onkel aufgehalten, welcher sie nicht nur ins Zentrum gebracht, son-

dern sich davor die Mühe gemacht habe, ihre Daumen mit einem Bügelei-

sen zu verbrennen, um einen Fingerabdruckvergleich zu verunmöglichen. 

Später wurde darüber informiert, die Mädchen seien angewiesen worden, 

mit Suizid zu drohen, falls man sie nach Hause schicke. Diese seien nie 

Opfer von Verfolgung gewesen, die vom angeblichen Vater zugestellten 

Bilder würden nicht sie zeigen, sie seien nie im Norden Kameruns gewe-

sen. Sie würden geltend machen, dass ihnen Genitalverstümmelung 

drohe, was nicht wahr sei, diese Praxis habe im Westen Kameruns nie 

existiert. Beim angeblichen Vater handle es sich um den Onkel mütterli-

cherseits. Die Beschwerdeführerin und ihre Schwester hätten in Douala 

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studiert, die Geburtsurkunden seien gefälscht, die Beschwerdeführerin sei 

im Jahr 1998 geboren, die Schwester sei 18 Jahre alt. Sie hätten vor, ihre 

ganze Familie nachzuziehen. Sie würden das Geld, das sie in der Schweiz 

erhielten, ihren Eltern schicken und hätten vor, den jeweiligen Bruder der 

anderen zu heiraten, sobald sie Papiere erhielten.  

 

8.  

Das SEM führte in seiner Verfügung aus, die Vorbringen der Beschwerde-

führerin seien nicht asylrelevant. Den entsprechenden Erwägungen kann 

sich das Gericht vollumfänglich anschliessen. Zur Vermeidung von Wieder-

holungen kann auf diese verwiesen werden. Insbesondere ist festzuhalten, 

dass sich der Beschreibung der geltend gemachten Entführung keine Hin-

weise auf eine gezielte Verfolgung der Beschwerdeführerin entnehmen las-

sen. Ausserdem liegt dieser Vorfall bereits drei Jahre zurück und sie gab 

selber an, keine persönlichen Probleme gehabt, sondern Kamerun zwecks 

Ferien verlassen zu haben. Beim Vorbringen, sie sei ihr ganzes Leben von 

ihrer Mutter geschlagen und beschimpft worden, handelt es sich sodann 

um ein familiäres Problem, dem kein asylrelevantes Motiv zugrunde liegt. 

Auch aus dem Vorbringen, ihr Vater habe aufgrund seiner Arbeit Probleme 

und sie fürchte sich davor, deshalb entführt oder umgebracht zu werden, 

kann keine asylrelevante Verfolgung abgeleitet werden. Den Aussagen der 

Beschwerdeführerin sind keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass sie 

eine asylrelevante Verfolgung erlebt oder zu befürchten hätte. So hat sie 

ausgesagt, ausser dem Fragen nach ihrem Namen sei nichts weiter vorge-

fallen. Es ist nicht von einer Intensität der erlittenen Nachteile im Sinne von 

Art. 3 AsylG auszugehen. Somit liegt keine Vorverfolgung vor. Auch sind 

weder den Akten noch den Aussagen der Beschwerdeführerin Anhalts-

punkte zu entnehmen, die darauf hinweisen würden, dass sie im Heimat-

staat ernsthaften Nachteilen im Sinne des Asylgesetzes ausgesetzt gewe-

sen ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen mit gewisser Wahr-

scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft ausgesetzt zu werden. Dabei ist 

erneut darauf hinzuweisen, dass sie selber geltend gemacht hat, in die 

Schweiz gereist zu sein um hier Ferien zu machen. In der Beschwerde fin-

den sich sodann keine weiteren Ausführungen diesbezüglich. In Würdi-

gung der gesamten Aktenlage kommt das Bundesverwaltungsgericht zu-

sammenfassend zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin keine Gründe 

nach Art. 3 AsylG nachweisen konnte. Das SEM hat ihr Asylgesuch dem-

zufolge zu Recht abgelehnt. 

9.   

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, verfügt es 

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Seite 11 

in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; 

es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie. 

Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Auf-

enthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen 

(Art. 44 Abs. 1 AsylG, Art. 32 AsylV 1). Die Wegweisung wurde demnach 

zu Recht angeordnet. 

9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

9.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

10.  

10.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der 

Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 

1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 

gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende 

Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Kon-

vention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und 

Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder un-

menschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen 

werden. 

10.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 

hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Refoulementverbots nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der 

D-5414/2019 

Seite 12 

Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-

fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, findet der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Ver-

fahren keine Anwendung. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in ihren 

Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

Des Weiteren ergeben sich weder aus den Aussagen der 

Beschwerdeführerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für 

den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe 

oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechts-

situation im Heimatstaat  lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen 

Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Ferner vermag die Beschwerde-

führerin auch aus der KRK nichts abzuleiten, was gegen die Zulässigkeit 

ihres Wegweisungsvollzugs sprechen würde. Nach dem Gesagten ist der 

Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völker-

rechtlichen Bestimmungen zulässig. 

11.  

11.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf 

Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. Der Verzicht auf den Wegweisungsvollzug erfolgt 

im Anwendungsbereich von Art. 83 Abs. 4 AIG – im Unterschied zum Un-

zulässigkeitstatbestand von Art. 83 Abs. 3 AIG – nicht wegen völkerrechtli-

cher Verpflichtungen, sondern aus humanitären Gründen. Eine konkrete 

Gefährdung kann sich für eine ausländische Person somit nicht nur als 

Folge exzessiver Gewalt ergeben, sondern etwa auch deshalb, weil ihr auf-

grund einer desolaten humanitären Lage im Heimat- oder Herkunftsstaat 

die materiellen Lebensgrundlagen entzogen sind (vgl. BVGE 2011/7 E. 

9.9.1). Eine solche Situation liegt insbesondere vor, wenn die ausländische 

Person bei einer Rückkehr „wegen der vorherrschenden Verhältnisse mit 

grosser Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich in völlige Armut gestossen 

würde, dem Hunger und somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres 

Gesundheitszustandes, der Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert 

wäre“ (vgl. BVGE 2011/24 E. 11.1; 2009/52 E.10.1; 2009/51 E.5.5; 2009/28 

E. 9.3.1). Der Hinweis auf eine medizinische Notlage in Art. 83 Abs. 4 AIG 

verdeutlicht, dass eine konkrete Gefährdung nicht zwingend in der allge-

meinen Situation im Heimat- oder Herkunftsstaat begründet sein muss. 

D-5414/2019 

Seite 13 

Eine ausländische Person kann auch aus individuellen Gründen wirtschaft-

licher, sozialer oder gesundheitlicher Natur konkret gefährdet sein (vgl. 

BVGE 2011/25 E. 8.3; BVGE 2014/26 E.7.5). Die Beantwortung der Frage, 

ob die Ausländerin oder der Ausländer im Falle des Vollzugs der Weg- oder 

Ausweisung im Heimat- oder Herkunftsstaat konkret gefährdet wäre, erfor-

dert eine Prognose, welche vor dem länderspezifischen Hintergrund im 

Rahmen einer Einzelfallbeurteilung unter Berücksichtigung der Verhält-

nisse vor Ort und der individuellen Lebensumstände der betroffenen Per-

son vorzunehmen ist (vgl. BVGE 2014/26 E.7.7.4). 

11.2 In Kamerun besteht keine Situation allgemeiner Gewalt, die sich über 

das ganze Staatsgebiet oder weite Teile desselben erstrecken würde. Eine 

gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflikten oder permanent drohen-

den Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer die Beschwerdeführerin bei 

einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten Gefährdung ausgesetzt 

wäre, besteht nicht. 

11.3 Die Vorinstanz hielt bezüglich Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs fest, es seien keine individuellen Gründe ersichtlich, welche gegen 

diese sprechen würden. Hinsichtlich des Kindeswohls sei festzuhalten, 

dass die Aussagen der Beschwerdeführerin auf ein weiterhin bestehendes 

emotionales wie auch wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis zu ihrer Fa-

milie in der Heimat schliessen liessen. Eine Rückkehr in eine gewohnte 

Umgebung und bekannte Strukturen sowie eine Wiedervereinigung mit der 

Familie sei zu befürworten. Betreffend die geltend gemachten familiären 

Probleme sei festzuhalten, dass ihr Vater sie bis anhin unterstützt habe und 

davon auszugehen sei, dass er auch in Zukunft für ihr Wohlbefinden auf-

kommen könne. Dies insbesondere, zumal sie mit dem Vater auch seit ih-

rem Aufenthalt in der Schweiz noch in Kontakt stehe. Weiter sei es dem 

Vater auch in Zukunft möglich, sie wie bis anhin finanziell zu unterstützen.  

11.4 Die Beschwerdeführerin macht betreffend die individuelle Zumutbar-

keit des Wegweisungsvollzugs eine unvollständige Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts durch das SEM geltend. Es sei zwar zu-

treffend, dass sie bezüglich ihrer Identität im Verlauf des Verfahrens nicht 

konsistente Angaben gemacht habe. Aber die Vorinstanz habe bei unbe-

gleiteten Minderjährigen eine erhöhte Untersuchungspflicht. Sie könne 

nicht den gleichen Massstab ansetzen wie bei einer erwachsenen Person. 

Vorliegend habe das SEM zwar die Identität der Beschwerdeführerin fest-

gestellt, sei von dieser jedoch offensichtlich nicht überzeugt. In Verfahren 

D-5414/2019 

Seite 14 

von unbegleiteten Minderjährigen sei es aber von grösster Bedeutung, de-

taillierte Informationen zur Person, deren Identität und zu den familiären 

Verhältnissen einzuholen. In casu seien keinerlei weitere Nachforschungen 

vor Ort angeordnet worden. Die Vorinstanz gebe die Verantwortung voll-

umfänglich an die Minderjährige ab und mache implizit eine Verletzung der 

Mitwirkungspflicht geltend, obwohl offensichtlich sei, dass die Beschwer-

deführerin bezüglich Fragen zu ihrer Identität blockiert und von aussen be-

einflusst sei. Die Identität und die Familienverhältnisse der Beschwerde-

führerin seien nicht geklärt, weshalb bezüglich die Zumutbarkeit einer Weg-

weisung nicht darauf abgestellt werden könne, dass E._______ der Vater 

der Beschwerdeführerin sei. 

11.5   

11.5.1 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-

chen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht 

bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist 

die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und akten-

widriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt 

worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechts-

wesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/ 

BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bun-

des, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 

11.5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die zuständige Behörde den Sachver-

halt von Amtes wegen fest. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundes-

verwaltungsgerichts verpflichten Art. 3 und 22 KRK die asylrechtlichen Be-

hörden, das Kindeswohl im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung als gewich-

tigen Aspekt zu berücksichtigen. Das SEM ist bezüglich unbegleiteter min-

derjähriger Asylsuchender verpflichtet abzuklären, ob Minderjährige zu ih-

ren Eltern oder anderen Angehörigen zurückgeführt werden können und 

ob diese in der Lage sind, ihre Bedürfnisse abzudecken. Können die An-

gehörigen nicht ausfindig gemacht werden oder ergibt sich, dass die Rück-

kehr zu diesen dem Kindeswohl nicht entspricht, ist weiter abzuklären, ob 

das Kind in der Heimat allenfalls in einer geeigneten Anstalt oder bei einer 

Drittperson untergebracht werden kann. Diesbezüglich sind konkrete Ab-

klärungen vorzunehmen; blosse allgemeine Feststellungen, im Heimat- o-

der Herkunftsland würden Eltern oder andere Angehörige leben bezie-

hungsweise es gebe in dem betreffenden Land entsprechende Einrichtun-

gen, genügen nicht (vgl. EMARK 1997 Nr. 23 E. 5, 1998 Nr. 13 E. 5e/bb 

sowie 2006 Nr. 24 E. 6.2.4). 

D-5414/2019 

Seite 15 

Auch gemäss Art. 69 Abs. 4 AIG hat die Vorinstanz vor der Ausschaffung 

einer unbegleiteten minderjährigen Person sicherzustellen, dass diese im 

Rückkehrstaat einem Familienmitglied, einem Vormund oder einer 

Aufnahmeeinrichtung übergeben werden kann, welche den Schutz des 

Kindes gewährleistet. Diese Norm übernimmt, mit einigen redaktionellen 

Änderungen, den Art. 10 Abs. 2 der Richtlinie 2008/115/EG des 

Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über 

gemeinsame Normen und Verfahren in den Mitgliedstaaten zur 

Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger (nachfolgend: 

Rückführungsrichtlinie; siehe auch Notenaustausch vom 30. Januar 2009 

[SR 0.362.380.042]). Demnach ist die Anwendung der unter EMARK 1998 

Nr. 13 E. 5e/bb, 1999 Nr. 2 E. 6b-6d sowie 2006 Nr. 24 E. 6.2.4 publizierten 

Rechtsprechung, gemäss welcher der Vollzug von Wegweisungen 

minderjähriger Asylsuchenden voraussetzt, dass bei der Abklärung des 

Sachverhalts klargestellt worden ist, inwiefern die minderjährige Person 

nach ihrer Rückkehr unter die Obhut eines Familienmitgliedes oder einer 

besonderen Institution genommen werden kann, nach wie vor 

gerechtfertigt. Dabei reicht die Feststellung, im Herkunftsland würden 

geeignete Einrichtungen existieren, nicht aus. Diese konkreten 

Abklärungen inklusive der allfälligen Übernahmezusicherungen einer 

geeigneten Institution sind vor Erlass einer wegweisenden Verfügung des 

SEM vorzunehmen respektive einzuholen, damit sie einer gerichtlichen 

Überprüfung offenstehen (vgl. BVGE 2015/30 E. 7.3). In diesem Sinne 

entschied jüngst auch der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) 

indem er im Zusammenhang mit der Auslegung der Bestimmungen der 

Rückführungsrichtlinie feststellte, dass der betreffende Mitgliedstaat vor 

Erlass einer Rückkehrentscheidung gegenüber einer unbegleiteten 

minderjährigen Person eine umfassende und eingehende Beurteilung der 

Situation derjenigen vornehmen und dabei das Wohl des Kindes 

gebührend berücksichtigen müsse. In diesem Rahmen müsse sich der 

Mitgliedstaat vergewissern, dass für Minderjährige eine geeignete 

Aufnahmemöglichkeit im Rückkehrstaat zur Verfügung stehe (vgl. Urteil 

des EuGH C-441/19 vom 14. Januar 2021, Rn 60). 

Das SEM ist jedoch nur in dem Ausmass zur Untersuchung des Sachver-

haltes verpflichtet, wie man dies vernünftigerweise von ihm erwarten kann. 

Der Untersuchungsgrundsatz wird durch die Mitwirkungspflichten einge-

schränkt, die das Gesetz vorsieht (ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER, Verwal-

tungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 

1998, Rz. 269 f.). Die Mitwirkungspflicht von Gesuchstellenden betrifft ins-

besondere Tatsachen, die deren persönliche Situation betreffen und die die 

D-5414/2019 

Seite 16 

Gesuchstellenden besser kennen als die Behörden oder die von diesen 

ohne die Mitwirkung jener gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand 

erhoben werden können (vgl. BGE 128 II 139 E. 2b, BGE 130 II 449 E. 6.1; 

PIERRE MOOR/ETIENNE POLTIER, Droit administratif, Bd. II, 3. Aufl., Bern 

2011, S. 294 f., ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, 

Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 3.122). 

Art. 13 VwVG verpflichtet die Parteien, an der Feststellung des Sachver-

haltes in Verfahren mitzuwirken, die sie durch ihr Begehren eingeleitet ha-

ben. Art. 8 AsylG konkretisiert diese Mitwirkungspflicht für das Asylverfah-

ren. Insbesondere verpflichtet Art. 8 Abs. 1 Bst. a AsylG Asylsuchende 

dazu, ihre Identität offenzulegen. Die Identität einer Person ist eine Tatsa-

che, die von den Behörden ohne die Mitwirkung der Gesuchstellenden gar 

nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand festgestellt werden kann. Die 

Mitwirkungspflicht trifft grundsätzlich auch unbegleitete minderjährige Asyl-

suchende, soweit diese dazu aufgrund ihres Alters, ihrer Reife und ihrer 

Ausbildung in der Lage sind. In der Beurteilung von Verletzungen der Mit-

wirkungspflicht sind die Umstände des Einzelfalles zu beachten                       

(vgl. EMARK 1999 Nr. 2 E. 6d). 

Die Verpflichtung, sicherzustellen, dass unbegleitete minderjährige Asylsu-

chende nach ihrer Rückkehr unter die Obhut ihrer Eltern, anderer Famili-

enmitglieder oder einer geeigneten Institution gestellt werden können, re-

sultiert aus der KRK. Damit vom Vorliegen einer Betreuung ausgegangen 

werden kann, muss die Vorinstanz sich auf festgestellte Tatsachen stützen, 

welche aus den Akten ersichtlich sind, andernfalls müssen geeignete Ab-

klärungen getroffen werden (vgl. insbesondere EMARK 2006 Nr. 24 E. 6.2; 

ausserdem Urteile des Bundesverwaltungsgerichts E-1279/2014 vom 

7. September 2015 E. 5.1.6; E-4895/2014 vom 4. Dezember 2014 E. 6.3; 

D-990/2014 vom 27. März 2014 S. 3; D-5414/2010 vom 9. Januar 2013 S. 

8). Bei diesen Abklärungen handelt es sich um notwendige Informationen 

zur Beurteilung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. Die Abklä-

rungspflicht des SEM wird einzig durch die Minderjährigkeit der betreffen-

den Person begründet. Steht diese fest, kann auch eine Verletzung der 

Mitwirkungspflicht das SEM grundsätzlich nicht von der Verpflichtung ent-

binden abzuklären, ob die unbegleitete minderjährige Person bei einer 

Rückkehr eine geeignete Unterkunft erhält – sei dies bei Familienangehö-

rigen oder, wenn diesbezüglich keine Informationen vorliegen oder dies 

nicht möglich ist, in einer geeigneten Institution. Nur in Ausnahmefällen, in 

welchen das Ausmass der Mitwirkungspflichtsverletzung eine Abklärung 

durch die Vorinstanz vollkommen verunmöglicht, da dieser jegliche An-

D-5414/2019 

Seite 17 

haltspunkte fehlen, kann diese Abklärungspflicht erlöschen. Dies wäre bei-

spielsweise der Fall, wenn sich die Person in Bezug auf ihre Nationalität 

und Herkunft so widerspricht, dass weder Abklärungen betreffend die fami-

liäre Situation möglich sind noch eine geeignete Institution gesucht werden 

kann. Diese Pflicht der Vorinstanz, den Sachverhalt von Amtes wegen fest-

zustellen, ist begründet mit der Minderjährigkeit und dem damit einherge-

henden Anspruch auf Schutz durch den Staat, welcher sich aus der KRK, 

aus der Rückführungsrichtlinie (vgl. Art. 5 Bst. a und Art. 10 derselben) und 

nicht zuletzt auch aus der Bundesverfassung ergibt (vgl. Art. 11 BV). Dabei 

ist zu präzisieren, dass aus diesen Bestimmungen, die zum Teil eher pro-

grammatischer Natur sind, zwar eine Pflicht der Abklärung von Amtes we-

gen, aber regelmässig kein unmittelbarer Anspruch auf Feststellung der 

Unzumutbarkeit beziehungsweise Erteilung einer ausländerrechtlichen Be-

willigung abgeleitet werden kann. Eine Verletzung der Mitwirkungspflicht 

wird regelmässig – nach erfolgten Abklärungen – bei der Beurteilung der 

Zumutbarkeit zum Tragen kommen. 

11.5.3 Bei der Beschwerdeführerin wurde ein Altersgutachten erstellt und 

die Vorinstanz ging aufgrund der Ergebnisse desselben von ihrer Minder-

jährigkeit aus (vgl. oben E. 4). 

11.5.4 Die Beschwerdeführerin machte im Laufe des Verfahrens unter-

schiedliche Angaben zu ihrer Identität indem sie anlässlich der Erstbefra-

gung angab, sie heisse B._______ und sei am (…) geboren, später bei der 

Anhörung jedoch eingestand, ihr Name und ihr Geburtsdatum würden mit 

den Angaben des Visumantrags übereinstimmen und A._______, geboren 

am (…), lauten. Für beide Identitäten reichte sie Geburtsurkunden ein. Da-

mit steht fest, dass sie – zumindest vorübergehend – über ihre Identität 

täuschen wollte und eine Verletzung der Mitwirkungspflicht vorliegt. Aller-

dings lässt sich den Ausführungen der Beschwerdeführerin anlässlich der 

Anhörung entnehmen, dass sie sich ihres richtigen Namens und ihrer wah-

ren Herkunft unsicher sei. Mit der einen Identität sei sie aufgewachsen, sie 

denke aber, die andere entspreche der Realität, wobei sie neben den Ge-

burtsurkunden keine weiteren Dokumente einreichte, welche ihre Aussa-

gen unterstützen würden      oder aus denen sich Schlüsse ziehen liessen 

über ihre wahre Identität. Den bei der Botschaft eingegangenen Denunzi-

ationsschreiben lässt sich sodann noch eine dritte Identität entnehmen, zu 

welcher sich die Beschwerdeführerin nicht geäussert hat. In Bezug auf 

diese Schreiben ist allerdings an dieser Stelle festzuhalten, dass darin le-

diglich unbelegte Behauptungen getätigt werden. Diese fallen zudem teil-

D-5414/2019 

Seite 18 

weise widersprüchlich aus (so wird einmal geschrieben, zwischen der Be-

schwerdeführerin und ihrem angeblichen Vater bestehe keine familiäre 

Verbindung, während an einer anderen Stelle behauptet wird, der angebli-

che Vater sei ein Onkel mütterlicherseits – was wiederum mit den Angaben 

der Beschwerdeführerin übereinstimmen würde). Ausserdem enthalten die 

Schreiben auch zahlreiche offensichtlich unzutreffende Angaben, wie bei-

spielsweise, diese hätten ihre Fingerabdrücke unkenntlich gemacht (es fin-

det sich nichts in den Akten, was diesen Vorwurf stützen würde), sie würde 

mit Suizid drohen und eine Furcht vor Genitalverstümmelung geltend ma-

chen. Auch ist die Rede von vom Vater eingereichten Fotografien, wobei 

sich den Akten keine Hinweise entnehmen lassen, wonach irgendetwas in 

dieser Art eingereicht worden wäre. Nachdem die Altersabklärung zudem 

ergab, dass die Beschwerdeführerin minderjährig ist, kann die angebliche 

(dritte) Identität schliesslich nicht zutreffen. Den eingereichten Denunziati-

onsschreiben kommt somit keinerlei Beweiswert zu und die darin gemach-

ten Aussagen können nicht gegen die Beschwerdeführerin verwendet wer-

den. Demgegenüber ist den Ausführungen in der Beschwerde zuzustim-

men, dass Anhaltspunkte dafür bestehen, die Beschwerdeführerin könnte 

unter Druck stehen und von jemandem beeinflusst werden. Tatsächlich 

wirkt sie teilweise blockiert, beispielsweise als sie anlässlich der Anhörung 

weint, jegliche Aussagen dazu, wodurch dies ausgelöst wurde, jedoch ver-

weigert (vgl. vorinstanzliche Akten act. 1047467-22/19 F68ff.).  

Somit ist einerseits der Vorinstanz zuzustimmen, dass die Beschwerdefüh-

rerin durch ihr Verhalten die Feststellung ihrer Identität erschwert hat. An-

dererseits ist aber festzuhalten, dass das SEM von einer Identität ausgeht, 

zu welcher sich die Beschwerdeführerin bekennt. Das SEM hat die Zumut-

barkeit des Wegweisungsvollzugs denn auch in Bezug auf diese festge-

stellte Identität geprüft und kam dabei zum Schluss, der Vollzug sei zumut-

bar. Die Vorinstanz beziehungsweise die Botschaft verfügen zudem über 

Identität und Kontaktangaben beider Eltern.  

11.5.5 Vorliegend hat das SEM keinerlei Bemühungen unternommen, um 

abzuklären, ob die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr eine geeignete 

Unterkunft erhält. Obschon die Vorinstanz aufgrund der Denunziations-

schreiben mit der Botschaft in Kontakt stand, wurde diese zu keinem Zeit-

punkt um Hilfe bei den Abklärungen ersucht. Indessen wird aber der Weg-

weisungsvollzug in Bezug auf die festgestellte Identität der Beschwerde-

führerin konkret geprüft und festgehalten, der Vater habe sie bis anhin un-

terstützt und es könne davon ausgegangen werden, dass er dies auch in 

Zukunft tun werde. Es sei davon auszugehen, dass sie insgesamt über ein 

D-5414/2019 

Seite 19 

gutes familiäres und tragfähiges Beziehungsnetz in ihrem Heimatstaat ver-

füge. Ihre Familie lebe in einem Haus, die Eltern seien arbeitstätig. Somit 

seien ihr Lebensunterhalt und ihre Wohnsituation als gesichert zu betrach-

ten, wobei die Reintegration in ihr gewohntes Umfeld dem Kindeswohl ent-

spreche. Auf die Aussage der Beschwerdeführerin anlässlich der Anhörung 

betreffend die Gründe, weshalb sie ihre Heimat verlassen habe, sie habe 

nicht mehr bei seiner (des Vaters) Frau wohnen wollen, weil diese sie 

schlecht behandle (vgl. act. 1047468-22/19 F106 ff.), wurde nicht weiter 

eingegangen. Auch finden sich weder Aussagen dazu, weshalb der Vater 

die Beschwerdeführerin und ihre Schwester alleine in der Schweiz zurück-

gelassen hat, noch wird darauf eingegangen, dass mehrere an die Bot-

schaft gerichteten Denunziationsschreiben allem Anschein nach von der 

Mutter stammen. Auch auf die Tatsache, dass gemäss eines in den Akten 

liegenden Schreibens des Kamerunischen Aussendepartements an die 

Schweizer Botschaft (vgl. act. 1047468-23/9 S. 9) ein Verfahren gegen den 

Vater der Beschwerdeführerin laufe, ging die Vorinstanz mit keinem Wort 

ein. Schliesslich wurde die Beschwerdeführerin im Rahmen des erstin-

stanzlichen Verfahrens nicht gefragt, ob sie denke, die Eltern würden sie 

wiederaufnehmen. Lediglich anlässlich des Ausreisegesprächs vom 

10. Oktober 2019 äusserte sie sich hierzu indem sie sagte, sie wisse es 

nicht. Damit ist festzuhalten, dass die Vorinstanz ihre in Verfahren von un-

begleiteten minderjährigen Asylsuchenden geltenden Verpflichtungen be-

züglich konkreter Abklärungen nicht erfüllt hat. Solche wären nach dem 

Gesagten ohne Weiteres und ohne unverhältnismässigen Aufwand mög-

lich gewesen, zumal die Identität der Eltern bekannt ist und die Vorinstanz 

beziehungsweise die Botschaft über entsprechende Kontaktdaten verfügt. 

Das SEM ist somit seinen Verpflichtungen aus Art. 12 VwVG sowie aus 

Art. 3 und Art. 22 KRK nicht nachgekommen.  

11.6 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass das SEM seinen sich aus 

der durch die Rechtsprechung betreffend den Wegweisungsvollzug von 

unbegleiteten Minderjährigen entwickelten Verpflichtungen nicht nachge-

kommen und den Anforderungen zur umfassenden Würdigung sämtlicher 

für das Kindeswohl relevanter Kriterien mithin nicht gerecht geworden ist. 

Es hat nicht geklärt, in wessen Obhut die Beschwerdeführerin beim ange-

ordneten Wegweisungsvollzug in Kamerun übergeben werden und wie 

diese Empfangnahme im Heimatland konkret vonstattengehen soll. Somit 

ist es zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich zu prüfen, ob der Wegwei-

sungsvollzug der Beschwerdeführerin nach Kamerun zumutbar ist. Im vor-

D-5414/2019 

Seite 20 

liegenden Verfahren sind weitere Abklärungen, insbesondere eine Bot-

schaftsabklärung, notwendig. Es liegt eine unvollständige Abklärung des 

Sachverhaltes durch das SEM vor. 

12.  

12.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-

richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen 

Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an 

die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-

stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-

ren ist (PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, Praxiskommentar Ver-

waltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S.1264). Die 

in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar 

auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies 

im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie 

muss dies aber nicht (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [E-

MARK] 2004 Nr. 38 E. 7.1). 

12.2 Im vorliegenden Fall ist die Sache soweit den Wegweisungsvollzug 

betreffend an die Vorinstanz zurückzuweisen, zumal – wie bereits erwähnt 

– die Erstellung des Sachverhalts weiterer Abklärungen bedarf und diese 

den Rahmen des Beschwerdeverfahrens sprengen würde. Dies rechtfertigt 

sich umso mehr, als vorliegend aufgrund einer mangelhaften Triage erstin-

stanzlich ein beschleunigtes Verfahren durchgeführt wurde, was offensicht-

lich nicht sachgerecht war. Der Beschwerdeführerin bleibt auf diese Weise 

zudem der Instanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als im Asylver-

fahren das Bundesverwaltungsgericht letztinstanzlich entscheidet (vgl. 

dazu BVGE 2009/53 E. 7.3, 2008/47 E. 3.3.4, 2008/14 E. 4.1).  

12.3 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde betreffend Asyl und Flücht-

lingseigenschaft abzuweisen, im Wegweisungsvollzugspunkt aber gutzu-

heissen. Die Ziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung sind aufzuhe-

ben und das Verfahren ist diesbezüglich zur vollständigen und richtigen 

Sachverhaltsermittlung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-

weisen. 

13.   

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären der Beschwerdeführerin auf-

grund ihres teilweisen Obsiegens ein reduzierter Anteil der Kosten aufzu-

erlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da die Beschwerde aber nicht als aus-

D-5414/2019 

Seite 21 

sichtslos zu bezeichnen war, ist in Gutheissung des Gesuchs um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG von 

der Kostenerhebung abzusehen, zumal aufgrund der Akten und der Min-

derjährigkeit der Beschwerdeführerin davon auszugehen ist, dass diese 

bedürftig ist. Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses wird mit vorliegendem Urteil gegenstandslos. 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-5414/2019 

Seite 22 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird, soweit den Wegweisungsvollzug betreffend, gutge-

heissen. Im Übrigen wird sie abgewiesen. 

2.  

Die Dispositivziffern 4 und 5 der vorinstanzlichen Verfügung vom 7. Okto-

ber 2019 werden aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen zur 

vollständige und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts 

sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.  

3.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Aglaja Schinzel 

 

 

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