# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 55f0fe78-9285-5d62-aad9-32d2a714f578
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-02-17
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 17.02.2011 RR.2010.208
**Docket/Reference:** RR.2010.208
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_RR-2010-208_2011-02-17

## Full Text

Internationale Rechsthilfe in Strafsachen an Deutschland. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG). Zustellung von Verfügungen (Art. 80m IRSG).;;Internationale Rechsthilfe in Strafsachen an Deutschland. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG). Zustellung von Verfügungen (Art. 80m IRSG).;;Internationale Rechsthilfe in Strafsachen an Deutschland. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG). Zustellung von Verfügungen (Art. 80m IRSG).;;Internationale Rechsthilfe in Strafsachen an Deutschland. Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG). Zustellung von Verfügungen (Art. 80m IRSG).

Entscheid vom 17. Februar 2011 
II. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Andreas J. Keller, Vorsitz,  
Roy Garré und Joséphine Contu,  
Gerichtsschreiberin Santina Pizzonia  

   
 
Parteien 

  
BUNDESAMT FÜR JUSTIZ, FACHBEREICH 
RECHTSHILFE, 

Beschwerdeführer 
 

 gegen 
   

STAATSANWALTSCHAFT DES KANTONS SOLO-
THURN, 

Beschwerdegegnerin 
 

Gegenstand  Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Deutsch-
land 
 
Herausgabe von Beweismitteln (Art. 74 IRSG) 
 
Zustellung von Verfügungen (Art. 80m IRSG) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  RR.2010.208 
 
 
 

 

 

- 2 - 

 

 

 
Sachverhalt: 
 

A. Die Staatsanwaltschaft Tübingen (Deutschland) führt gegen A. ein Ermitt-
lungsverfahren wegen des Verdachts des Computerbetruges gemäss 
§ 263a Abs. 1 deutsches Strafgesetzbuch. Gemäss den bisherigen Ermitt-
lungen sollen vom Konto der Geschädigten B. bei der Bank C. am 13. Ok-
tober 2009 um 09.50 Uhr gegen ihren Willen und ohne ihre Kenntnis ein 
Betrag von EUR 9'400.-- abgebucht und über Online-Banking auf ein Konto 
der Bank D. in der Schweiz mit der IBAN 1 überwiesen worden sein. Inha-
ber des fraglichen Kontos in der Schweiz soll E. sein (act. 1.2).  

 
B. In diesem Zusammenhang gelangte die Staatsanwaltschaft Tübingen mit 

Rechtshilfeersuchen vom 28. Mai 2010 direkt an die Staatsanwaltschaft I 
des Kantons Zürich. Darin ersuchte sie die Staatsanwaltschaft u.a. um 
Herausgabe der Bankunterlagen für den Zeitraum vom 13. Oktober 2009 
bis zum 31. Oktober 2009 betreffend das vorerwähnte Konto bei der Bank 
D. (act. 1.2). Nach entsprechenden Abklärungen überwies die angefragte 
Staatsanwaltschaft am 9. Juni 2010 das Rechtshilfeersuchen mangels örtli-
cher Zuständigkeit dem Bundesamt für Justiz (nachfolgend „BJ“) (act. 1.3). 
Mit Schreiben vom 22. Juni 2010 übertrug das BJ die Prüfung und Ausfüh-
rung des Rechtshilfeersuchens der Staatsanwaltschaft des Kantons Solo-
thurn (nachfolgend „Staatsanwaltschaft“).  

 
C. Die Staatsanwaltschaft teilte den deutschen Strafverfolgungsbehörden mit, 

in der gleichen Angelegenheit ein Strafverfahren gegen E. geführt zu ha-
ben, welches mittlerweile rechtskräftig abgeschlossen worden sei (Verfah-
rensakten Staatsanwaltschaft). In der Folge zog die Staatsanwaltschaft Tü-
bingen ihr Rechthilfeersuchen vom 28. Mai 2010 zurück und beantragte mit 
Rechtshilfeersuchen vom 30. Juni 2010 die Herausgabe der betreffenden 
Strafverfahrensakten (act. 1.5).  

 
D. Mit Eintretens- und Schlussverfügung vom 16. August 2010 trat die Staats-

anwaltschaft auf das Rechthilfeersuchen vom 30. Juni 2010 ein und ordne-
te die Herausgabe der Akten über das gegen E. geführte Strafverfahren in 
Kopie an (act. 1.1). Davon machte sie ausschliesslich dem BJ unter Beila-
ge einer Kopie des Rechtshilfeersuchens vom 30. Juni 2010 Mitteilung 
(act. 1.1).  

 
 
E. Gegen diese Eintretens- und Schlussverfügung vom 16. August 2010 er-

hebt das BJ Beschwerde bei der II. Beschwerdekammer des Bundesstraf-
gerichts und beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und an 

- 3 - 

 

 

die Beschwerdegegnerin zur Neubeurteilung zurückzuweisen, unter Kos-
tenfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. 1).  

 
Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 
29. September 2010 die Abweisung der Beschwerde (act. 4). Das BJ hält in 
seiner Replik vom 18. Oktober 2010 vollumfänglich an den in der Be-
schwerde gestellten Anträgen fest (act. 6). Darüber wurde die Beschwer-
degegnerin mit Schreiben vom 19. Oktober 2010 in Kenntnis gesetzt 
(act. 7). 

 
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten 
wird, soweit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen. 
 
 
Die II. Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

1.   
1.1 Für die Rechtshilfe zwischen Deutschland und der Schweiz sind in erster 

Linie das Europäische Übereinkommen über die Rechtshilfe in Strafsachen 
vom 20. April 1959 (EUeR; SR 0.351.1), dem beide Staaten beigetreten 
sind, sowie der zwischen ihnen abgeschlossene Zusatzvertrag vom 
13. November 1969 (ZV-D/EUeR; SR 0.351.913.1) massgebend. Überdies 
gelangen die Bestimmungen der Art. 48 ff. des Übereinkommens vom 
19. Juni 1990 zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 
14. Juni 1985 (Schengener Durchführungsübereinkommen, SDÜ; ABl. 
L 239 vom 22. September 2000, S. 19 - 62), zur Anwendung, wobei die 
zwischen den Vertragsparteien geltenden weitergehenden Bestimmungen 
aufgrund bilateraler Abkommen unberührt bleiben (Art. 48 Abs. 2 SDÜ). 
Zusätzlich kann das von beiden Ländern ratifizierte Übereinkommen vom 
8. November 1990 über Geldwäscherei sowie Ermittlung, Beschlagnahme 
und Einziehung von Erträgen aus Straftaten (GwUe; SR 0.311.53) zur An-
wendung gelangen.  

1.2 Soweit das Staatsvertragsrecht bestimmte Fragen nicht abschliessend re-
gelt, gelangen das Bundesgesetz über internationale Rechtshilfe in Straf-
sachen vom 20. März 1981 (IRSG; SR 351.1) und die Verordnung über in-
ternationale Rechtshilfe in Strafsachen vom 24. Februar 1982 (IRSV; 
SR 351.11) zur Anwendung (Art. 1 Abs. 1 IRSG; BGE 130 II 337 E. 1 
S. 339; 128 II 355 E. 1 S. 357; 124 II 180 E. 1a S. 181). Das innerstaatliche 
Recht gilt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann, wenn dieses geringere 
Anforderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 129 II 462 E. 1.1 S. 464, mit 
weiteren Hinweisen). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte 
(BGE 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c). 

- 4 - 

 

 

2.  
2.1 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Schlussverfügung 

der ausführenden kantonalen Behörde, welche zusammen mit den voran-
gehenden Zwischenverfügungen der Beschwerde an die II. Beschwerde-
kammer des Bundesstrafgerichts unterliegt (Art. 80e Abs. 1 IRSG; Art. 37 
Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation 
der Strafbehörden des Bundes [Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG; 
SR 173.71] in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 des Organisationsreglements 
für das Bundesstrafgericht vom 31. August 2010 [Organisationsreglement 
BStGer, BStGerOR; SR 173.713.161]).  

2.2 Das BJ führt die Aufsicht über die Anwendung des Rechtshilfegesetzes 
(Art. 3 IRSV) und kann gegen Verfügungen kantonaler Behörden Be-
schwerde erheben (Art. 25 Abs. 3 und Art. 80h lit. a IRSG). Da das BJ 
demnach zur Beschwerdeführung berechtigt ist und die Beschwerde gegen 
die angefochtene Verfügung rechtzeitig im Sinne von Art. 80k IRSG erho-
ben wurde, ist darauf einzutreten.   
 

3. Die II. Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebun-
den (Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die Rechtshilfevoraussetzungen grund-
sätzlich mit freier Kognition, befasst sich jedoch nur mit Tat- und Rechtsfra-
gen, die Streitgegenstand der Beschwerde bilden (vgl. BGE 132 II 81 E. 1.4 
S. 84; 130 II 337 E. 1.4 S. 341, je m.w.H.; Entscheide des Bundesstrafge-
richts RR.2007.34 vom 29. März 2007 E. 3 und RR.2007.27 vom 10. Ap-
ril 2007 E. 2.3). 

 
4.  
4.1 Mit seiner Beschwerde rügt das BJ eine Bundesrechtsverletzung durch die 

Vorinstanz im Sinne von Art. 80i Abs. 1 lit. a IRSG. Zur Begründung führt 
es aus, dass die Vorinstanz es zum einen unterlassen habe, dem betroffe-
nen Kontoinhaber bei seinem allfälligen Wohnsitz bzw. Zustellungsdomizil 
in der Schweiz die Eintretens- und Schlussverfügung vom 16. August 2010 
zu eröffnen, und dass sie zum andern die kontoführende Bank nicht mit der 
entsprechenden Verfügung bedient habe (act. 1 S. 6 f.).  

4.2 Gemäss Art. 80m Abs. 1 lit. a IRSG stellen die ausführenden Behörden und 
die Rechtsmittelinstanzen ihre Verfügungen dem in der Schweiz wohnhaf-
ten Berechtigten (lit. a) und dem im Ausland ansässigen Berechtigten mit 
Zustellungsdomizil in der Schweiz (lit. b) zu. Ist der Berechtigte in der 
Schweiz wohnhaft, erhält er spätestens mit der Zustellung der Eintretens-
verfügung vom Rechtshilfeverfahren Kenntnis (Art. 80m Abs. 1 lit. a IRSG). 
Handelt es sich beim Betroffenen um einen im Ausland ansässigen Konto-

- 5 - 

 

 

inhaber, so wird er regelmässig durch die kontoführende Bank über das 
Rechtshilfeersuchen in Kenntnis gesetzt, welche aufgrund ihrer obligatio-
nenrechtlichen Sorgfaltspflicht gehalten ist, ihre Kunden über das Ersuchen 
und die in diesem Zusammenhang ergangenen Massnahmen zu informie-
ren, es sei denn die zuständige Behörde hätte dies ausnahmsweise unter-
sagt (s. Art. 80n Abs. 1 IRSG; LAURENT MOREILLON [HRSG.], Entraide inter-
nationale en matière pénale, Basel 2004, N. 3 ff. ad. Art. 80m IRSG; RO-
BERT ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en matière pé-
nale, 3. Aufl., Bern 2009, S. 300 f. N. 320). Das Recht auf Zustellung be-
zweckt nichts anderes, als diejenigen Personen, welche zur Beschwerde-
führung berechtigt sind, von den im Rechtshilfeverfahren betroffenen Ver-
fügungen in Kenntnis zu setzen (MOREILLON, a.a.O., N. 2 ad. Art. 80m 
IRSG). Folglich ist der Anspruch auf Zustellung von Rechtshilfeverfügun-
gen (wie auch die Parteistellung im Rechtshilfeverfahren) auf die Be-
schwerdelegitimation nach Art. 80h IRSG abzustimmen (zur Parteistellung 
im Rechtshilfeverfahren: s. Urteil des Bundesgerichts 1A.24/2004 vom 
11. August 2004, E. 1.5; nicht publizierte Entscheide des Bundesstrafge-
richts RR.2007.7-11 vom 8. Mai 2007 und RR.2007.77 vom 2. Au-
gust 2007). 

Zur Beschwerdeführung ist gemäss Art. 80h lit. b IRSG berechtigt, wer per-
sönlich und direkt von einer Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein 
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat. Perso-
nen, gegen die sich das ausländische Strafverfahren richtet, sind unter 
denselben Bedingungen beschwerdelegitimiert (Art. 21 Abs. 3 IRSG). Als 
persönlich und direkt betroffen im Sinne der Art. 21 Abs. 3 und Art. 80h 
IRSG gilt bei der Erhebung von Kontoinformationen der Kontoinhaber 
(Art. 9a IRSV; BGE 118 Ib 547 E. 1d; TPF 2007 79 E. 1.6). Wurden auf-
grund eines schweizerischen Strafverfahrens Kontounterlagen ediert, hat 
das Bundesgericht – wie das BJ zutreffend in seiner Beschwerde aus-
führt – den Kontoinhaber ohne weiteres in Bezug auf die rechtshilfeweise 
Herausgabe dieser Unterlagen als beschwerdelegitimiert erachtet (vgl. bei-
spielsweise Urteil des Bundesgerichts 1A.3/2004 vom 3. Mai 2004, E. 2.2; 
s. auch Entscheid des Bundesstrafgerichts RR.2007.166 vom 15. Ap-
ril 2008, E. 1.4). Werden Polizeiberichte oder andere Verfahrensakten aus 
einem nationalen Strafverfahren übermittelt, ist eine Beschwerdelegitimati-
on des Kontoinhabers nur gegeben, wenn diese Berichte bzw. Akten Infor-
mationen enthalten, welche aus den im nationalen Strafverfahren edierten 
Bankunterlagen stammen, deren Inhaber der Beschwerdeführer ist, oder 
sich darunter Unterlagen befinden, welche Hinweise auf das Konto des Be-
schwerdeführers (TPF 2007 79 E. 1.6.3; Entscheid des Bundesstrafgerichts 
RR.2007.166 vom 15. April 2008 E. 1.4) enthalten.  

- 6 - 

 

 

4.3 Mit der angefochtenen Schlussverfügung wird die rechtshilfeweise Heraus-
gabe von Akten eines nationalen Strafverfahrens angeordnet. Diese enthal-
ten unter anderem Bankunterlagen betreffend das auf E. lautende Konto 
bei der Bank D. (Strafverfahrensakten Staatsanwaltschaft). 

4.3.1 In ihrer Beschwerdeantwort verneint die Vorinstanz die Beschwerdelegiti-
mation des betreffenden Kontoinhabers in Bezug auf die rechtshilfeweise 
Herausgabe dieser Unterlagen zunächst mit der Begründung, die fraglichen 
Kontounterlagen seien nicht bei der Bank ediert oder im Rahmen einer 
Zwangsmassnahme erhoben worden (act. 4 S. 2).   
 
Banken sind an das in Art. 47 des Bundesgesetzes vom 8. November 1934 
über die Banken und Sparkassen (Bankengesetz, BankG; SR 952.0) ver-
ankerte Bankgeheimnis gebunden, weshalb die Herausgabe von Kontoun-
terlagen an Dritte nicht in deren Belieben steht, sondern grundsätzlich nur 
in Absprache mit dem Bankkunden als Geheimnisherr erfolgen darf. Den 
Strafverfahrensakten ist zu entnehmen, dass die Bank vorliegend die stritti-
gen Kontounterlagen als Beilage zu ihrer Verdachtsmeldung gemäss Art. 9 
des Bundesgesetzes vom 10. Oktober 1997 über die Bekämpfung der 
Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung im Finanzsektor (GwG; 
SR 955.0) der Meldestelle für Geldwäscherei herausgegeben hatte. Im Er-
gebnis erfolgte die Herausgabe der Kontounterlagen demnach aufgrund ei-
ner vorrangigen gesetzlichen Pflicht. Diese Situation kann daher und ent-
gegen der Beschwerdegegnerin ohne weiteres dem Fall gleichgestellt wer-
den, dass die Kontounterlagen bei der Bank ediert oder im Rahmen einer 
Zwangsmassnahme erhoben werden.  

4.3.2 Die Vorinstanz bestreitet in einem nächsten Punkt das Vorliegen eines 
schutzwürdigen Interesses des Kontoinhabers an der Aufhebung oder Än-
derung der Eintretens- und Schlussverfügung vom 16. August 2010. Sie 
argumentiert, die deutschen Behörden würden die Strafakten der Staats-
anwaltschaft lediglich benötigen, um ihr gegenwärtig geführtes Ermittlungs-
verfahren einzustellen und von den zusätzlichen Ermittlungen gegen weite-
re Personen absehen zu können (act. 4 S. 2). Aufgrund der schweizeri-
schen Strafakten würden die deutschen Behörden (auch) auf Ermittlungen 
gegen E. verzichten, weshalb die Übermittlung dieser Strafakten im Inte-
resse des Kontoinhabers liege bzw. eine Verweigerung der Aktenübermitt-
lung zu dessen Nachteil wäre (act. 4 S. 3).   
 
Entgegen der Darstellung der Beschwerdegegnerin sind im Rechtshilfeer-
suchen und seinen Beilagen keine solchen Erklärungen seitens der deut-
schen Strafverfolgungsbehörden zu entnehmen. Selbst wenn dies zutreffen 
sollte, wäre dies für die Frage, ob dem Kontoinhaber ein schutzwürdiges In-

- 7 - 

 

 

teresse an der Beschwerde zugesprochen werden kann, ohnehin nicht 
massgeblich, wie dies vom BJ in seiner Beschwerdereplik zu Recht ausge-
führt wird. Ein Bankkunde hat als Ausfluss seines Rechts auf Achtung sei-
ner Privatsphäre grundsätzlich Anspruch auf Geheimhaltung (s. CAROLINE 
GSTÖHL, Geheimnisschutz im Verfahren der internationalen Rechtshilfe in 
Strafsachen, Bern 2008, S. 50). Dies gilt auch dann, wenn die zu übermit-
telnden Kontounterlagen seiner Entlastung dienen oder zur Einstellung des 
ausländischen Strafverfahrens führen sollten.  

Nach der unter der vorstehenden Ziff. 4.2 zitierten Rechtsprechung ist dem-
nach E. als Kontoinhaber ohne weiteres in Bezug auf die in der Eintretens- 
und Schlussverfügung vom 16. August 2010 rechtshilfeweise angeordnete 
Herausgabe der Kontounterlagen im Sinne von Art. 80h lit. b IRSG be-
schwerdelegitimiert.  

4.4 Soweit E. im Zeitpunkt der Anordnung der Rechtshilfemassnahme in der 
Schweiz wohnhaft war – er war dies mindestens im Jahr 2009 – oder hier 
über ein Zustellungsdomizil verfügte, hätte ihm die Vorinstanz als ausfüh-
rende Behörde gestützt auf obige Erwägungen demnach in Anwendung 
von Art. 80m Abs. 1 lit. a und b IRSG die Eintretens- und Schlussverfügung 
vom 16. August 2010 an dessen Wohnadresse oder Zustellungsdomizil er-
öffnen müssen. Nach der Rechtsprechung (BGE 130 II 505, E. 2.1, 2.3) 
hätte die Vorinstanz zudem der Bank D. als früherer Inhaberin der Konto-
unterlagen mit Blick auf das in Art. 80n Abs. 1 IRSG statuierte Infor-
mationsrecht die angefochtene Eintretens- und Schlussverfügung vom 
16. August 2010 in jedem Fall zustellen müssen.  

Indem die Beschwerdegegnerin diese Mitteilungen unterliess, hat sie Bun-
desrecht verletzt. Die Beschwerde des BJ ist nach dem Gesagten gutzu-
heissen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die angefochtene Verfügung 
der Vorinstanz aufzuheben ist, sondern lediglich, dass die Vorinstanz vor 
der rechtshilfeweisen Herausgabe der Beweismittel an die ersuchende Be-
hörde im Sinne der Erwägungen zur Eröffnung ihrer Verfügung schreiten 
muss (s. BGE 130 II 505 E. 3).  

5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdegegnerin, 
welcher als verfügende Vorinstanz keine Verfahrenskosten auferlegt wer-
den (Art. 63 Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 39 Abs. 2 lit. b StBOG).  

 

- 8 - 

 

 

Demnach erkennt die II. Beschwerdekammer: 
 
1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Staatsanwaltschaft des Kantons 

Solothurn wird angewiesen, vor der rechtshilfeweisen Herausgabe der Be-
weismittel an die ersuchende Behörde ihre Eintretens- und Schlussverfü-
gung vom 16. August 2010 im Sinne der Erwägungen zu eröffnen. 

 
2. Es werden keine Kosten erhoben. 

 
 

Bellinzona, 18. Februar 2011 
 
Im Namen der II. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Vorsitzende: Die Gerichtsschreiberin:  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Bundesamt für Justiz, Fachbereich Rechtshilfe 
- Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).