# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4d66a594-afe9-5fe6-ac93-4f11293c82d7
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.11.2023 D-2714/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2714-2021_2023-11-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-2714/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  N o v e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti, Richter Simon Thurnheer,    

Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Daniela Candinas, 

(…),  

Beschwerdeführer, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 28. Mai 2021 / N (…). 

 

 

 

D-2714/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer reichte am 25. März 2021 in der Schweiz ein Asyl-

gesuch ein. 

B.  

Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-

heit Eurodac) ergab, dass er am 3. Februar 2021 in Kroatien aufgegriffen 

und daktyloskopiert worden war. 

C.  

Am 31. März 2021 fand die Personalienaufnahme (PA) statt. 

D.  

Beim Dublin-Gespräch vom 6. April 2021 machte der Beschwerdeführer 

geltend, er sei vor ungefähr drei bis dreieinhalb Monaten in (…) angekom-

men. Um von dort nach Kroatien zu gelangen, habe er insgesamt drei Ver-

suche unternommen. Der erste Ausreiseversuch stehe in Zusammenhang 

mit dem Eurodac-Treffer vom 3. Februar 2021. Er sei auf ein Polizeirevier 

gebracht und dort einen Tag lang festgehalten worden. Man habe ihm die 

Fingerabdrücke abgenommen und ihn dann ausgeschafft. Auf Nachfrage 

gab er an, er sei nicht den (…) Behörden übergeben worden. Bei den Aus-

schaffungen werde man an einen abgelegenen Ort gebracht, wo einem die 

Kleider und die anderen Sachen abgenommen würden. Dann werde man 

verprügelt und schliesslich aufgefordert, zu verschwinden. Dies sei ihm sel-

ber so passiert. Einen Monat beziehungsweise 20 Tage oder vielleicht drei 

Wochen später habe er einen zweiten Versuch unternommen, um nach 

Kroatien einzureisen. Dieser Versuch sei genau gleich abgelaufen wie der 

erste. Beim zweiten Versuch seien ihm aber keine Fingerabdrücke mehr 

abgenommen worden. Der dritte Versuch sei erfolgreich gewesen. Er sei 

dann über Kroatien, B._______, C._______ und D._______ in die Schweiz 

gelangt. Ausser in der Schweiz habe er nirgendwo ein Asylgesuch einge-

reicht. Er besitze auch von keinem europäischen Land eine Aufenthaltsbe-

willigung. Die Frage, ob er je die Absicht gehabt habe, in Kroatien ein Asyl-

gesuch zu stellen, verneinte der Beschwerdeführer. Auf die Frage, ob er je 

versucht habe, in Kroatien um Asyl nachzusuchen, gab er an, beim ersten 

Einreiseversuch habe er die Polizisten angefleht und gesagt: «Gib uns ein 

"Stay"». Die Polizisten hätten aber überhaupt nicht zugehört.  

Zum medizinischen Sachverhalt befragt gab der Beschwerdeführer an, er 

habe mit seinem Bein beziehungsweise seinen Füssen Probleme. Es habe 

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mit der Kälte zu tun, als er von Kroatien aus unterwegs gewesen sei. Aus-

serdem habe er psychische Probleme. Er könne nicht gut schlafen und 

müsse ständig nachdenken, seit er versucht habe, von (…) nach Kroatien 

zu gelangen. Er habe sich hier an einen Arzt gewandt, der ihm zwei Tab-

letten gegeben und gesagt habe, er solle sich wieder melden, sollte es 

nicht besser werden. Er habe gemeldet, dass er dringend eine psychologi-

sche Beratung benötige. 

E.  

Am 6. April 2021 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um Über-

nahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 der Verordnung 

(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (Neufassung), ABl. L 180/31 vom 

29.6.2013 (nachfolgend: Dublin-III-VO). Diesem Gesuch wurde am 28. Mai 

2021 entsprochen. 

F.  

Mit Verfügung vom 28. Mai 2021 – eröffnet am 3. Juni 2021 – trat das SEM 

in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des 

Beschwerdeführers nicht ein, verfügte die Wegweisung nach Kroatien, for-

derte ihn – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – auf, 

die Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, beauf-

tragte den Kanton E._______ mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte 

dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-

zeichnis aus und stellte fest, eine allfällige Beschwerde gegen die Verfü-

gung habe keine aufschiebende Wirkung. 

G.  

Mit Eingabe vom 9. Juni 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-

verwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, die Verfügung des SEM 

sei aufzuheben. Das SEM sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten 

und sein Asylverfahren in der Schweiz durchzuführen. Eventualiter sei die 

Sache zur vollständigen Feststellung des Sachverhalts und zur Neubeur-

teilung an das SEM zurückzuweisen. Subeventualiter sei das SEM anzu-

weisen, individuelle Zusicherungen bezüglich des Zugangs zum Asylver-

fahren, zu adäquater medizinischer Versorgung sowie Unterbringung von 

den kroatischen Behörden einzuholen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht er-

suchte er um Gewährung der aufschiebenden Wirkung für die Beschwerde 

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Seite 4 

und Anordnung eines superprovisorischen Vollzugsstopps. Ferner sei ihm 

die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und von der Erhebung ei-

nes Kostenvorschusses abzusehen. 

Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung (inkl. Empfangsbestä-

tigung) sowie eine Vollmacht bei. 

H.  

Die Instruktionsrichterin setzte am 10. Juni 2021 gestützt auf Art. 56 VwVG 

den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus. 

I.  

Mit Verfügung vom 15. Juni 2021 erteilte die Instruktionsrichterin der Be-

schwerde die aufschiebende Wirkung. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

J.  

Mit Eingabe vom 9. August 2021 gab der Beschwerdeführer ein Zuwei-

sungsschreiben von Medic-Help vom 5. August 2021 zu den Akten. 

K.  

Am 22. März 2022 reichte der Beschwerdeführer ein Überweisungsschrei-

ben von Dr. med. F._______, Facharzt Allgemeine Innere Medizin FMH, 

vom 3. März 2022 an die Klinik für G._______ sowie eine an seine Rechts-

vertreterin gerichtete E-Mail von Dr. med. F._______ vom 17. März 2022 

nach. 

L.  

Mit Eingabe vom 3. Oktober 2022 wurde ein Bericht der Klinik für 

G._______ vom 9. September 2022 betreffend das am 12. August 2022 

stattgefundene Erstgespräch eingereicht. Ausserdem ersuchte der Be-

schwerdeführer um umgehende Weiterführung des Verfahrens und 

brachte vor, dass die lange Verfahrensdauer für die Bestimmung des zu-

ständigen Dublin-Mitgliedstaates dem Beschleunigungsgebot des Dublin-

Systems widerspreche. 

M.  

Mit einer weiteren Eingabe vom 25. Januar 2023 reichte der Beschwerde-

führer einen Arztbericht der Klinik für G._______ vom 25. Januar 2023 zu 

den Akten. 

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Seite 5 

N.  

Mit Vernehmlassung vom 25. Mai 2023 hielt die Vorinstanz an ihrem Stand-

punkt fest. 

O.  

Der Beschwerdeführer replizierte mit Eingabe vom 13. Juni 2023. Als Bei-

lage wurden Screenshots von WhatsApp-Nachrichten zwischen dem Be-

schwerdeführer und seiner Rechtsvertretung vom Juni 2023 eingereicht. 

P.  

Mit Eingabe vom 25. Juli 2023 brachte der Beschwerdeführer einen weite-

ren Arztbericht der Klinik für G._______ vom 21. Juli 2023 bei. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-

führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert 

(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).  

3.  

3.1 Zur Begründung ihres Nichteintretensentscheids führte die Vorinstanz 

aus, die kroatischen Behörden hätten dem Übernahmeersuchen gestützt 

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Seite 6 

auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO zugestimmt, weshalb gemäss dem Dublin-

Assoziierungsabkommen die Zuständigkeit bei Kroatien liege, das weitere 

Verfahren des Beschwerdeführers durchzuführen. Es gebe keine wesent-

lichen Gründe für die Annahme, dass das Asylverfahren und die Aufnah-

mebedingungen für Asylsuchende in Kroatien Schwachstellen aufwiesen, 

die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung 

mit sich bringen würden. Nebst der Konsultation von öffentlich zugängli-

chen Quellen seien persönliche Gespräche mit Vertretern des kroatischen 

Innenministeriums, mit internationalen Organisationen, mit lokalen Nichtre-

gierungsorganisationen (NGO) und anderen Vertretern vor Ort sowie mit 

der Ombudsstelle der Republik Kroatien geführt worden. Diese Abklärun-

gen hätten keine Hinweise auf generelle systemische Schwachstellen im 

kroatischen Asyl- und Aufnahmesystem ergeben. Ferner gebe es auch für 

einen Selbsteintritt der Schweiz aus völkerrechtlichen oder aus humanitä-

ren Gründen keinen Anlass. Es gebe keinen Grund zur Annahme, der Voll-

zug der Wegweisung nach Kroatien würde in gesundheitlicher Hinsicht ei-

nen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Kroatien verfüge über eine 

ausreichende medizinische Infrastruktur. Es sei im Rahmen des Dublin-

Systems davon auszugehen, dass der zuständige Dublin-Staat angemes-

sene medizinische Versorgungsleistungen erbringen könne und den Zu-

gang zu notwendiger medizinischer Behandlung gewährleiste. Es würden 

keine Hinweise vorliegen, wonach Kroatien dem Beschwerdeführer eine 

medizinische Behandlung verweigert hätte oder zukünftig verweigern 

würde. Für das weitere Dublin-Verfahren sei einzig die Reisefähigkeit aus-

schlaggebend, welche erst kurz vor der Überstellung definitiv beurteilt 

werde. Auch der Zugang zu wirksamen Rechtsmitteln sei gewährleistet. 

3.2 Auf Beschwerdeebene wird im Wesentlichen entgegnet, die vom Be-

schwerdeführer geschilderten Erfahrungen würden sich mit den aktuellen 

Medienberichten über die Situation der kroatischen Asylsuchenden de-

cken. Aufgrund der Beschreibung in der Botschaftsabklärung des SEM 

könne nicht leichtfertig davon ausgegangen werden, die kroatischen Struk-

turen würden keine Mängel für Dublin-Rückkehrende beinhalten. Die kon-

kreten Quellenangaben (auch in zeitlicher Hinsicht) würden noch immer 

nicht offengelegt. So verweise die Abklärung der Schweizer Botschaft pau-

schal auf Bestätigungen der NGO sowie der anderen Gesprächspartner 

ohne detailliert aufzuzeigen, wer sich wann wie geäussert habe. Im Weite-

ren könne angesichts der tiefen Gutheissungsquote für asylsuchende Per-

sonen in Kroatien nicht von einem fairen und funktionierenden Asylverfah-

ren ausgegangen werden. Weitere Hinweise auf systemische Schwächen 

im kroatischen Asyl- und Aufnahmesystem seien seit Langem bekannt und 

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Seite 7 

daher als notorisch zu bezeichnen.  

 

Entgegen der Auffassung der Vorinstanz bestehe aufgrund der gesundheit-

lichen beziehungsweise psychischen Probleme des Beschwerdeführers 

wegen der nicht vorhandenen verlässlichen Behandlungsmöglichkeiten in 

Kroatien unweigerlich ein konkretes Risiko einer Verletzung von Art. 3 

EMRK. Es müsse deshalb davon ausgegangen werden, dass der Be-

schwerdeführer einem realen Risiko einer ernsten, raschen und unwieder-

bringlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustands ausgesetzt sei, 

die zu intensivem Leiden führen würde.  

 

Im Entscheidzeitpunkt sei der medizinische Sachverhalt als nicht erstellt zu 

erachten, da noch kein Termin beim Arzt beziehungsweise Psychiater statt-

gefunden habe, obwohl der Beschwerdeführer sich bereits zwei Mal wegen 

seiner psychischen Probleme beim Gesundheitsdienst seiner Unterkunft 

gemeldet habe. Die Vorinstanz setze sich in der angefochtenen Verfügung 

unter dem Aspekt des humanitären Selbsteintritts mit den anlässlich des 

Dublin-Gesprächs anschaulich geschilderten gesundheitlichen respektive 

insbesondere psychischen Beschwerden mit keinem Wort auseinander. 

Demzufolge sei nicht allen wesentlichen Umständen Rechnung getragen 

worden, womit eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes vorliege. 

Eine Überstellung nach Kroatien würde im Übrigen ein «real risk» im Sinne 

von Art. 3 EMRK begründen.  

3.3 Die Vorinstanz hält in der Vernehmlassung fest, die Vorbringen des Be-

schwerdeführers zu seinen Erlebnissen in Kroatien liessen nicht den 

Schluss zu, dass er bei einer Überstellung nach Kroatien einer unmensch-

lichen oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, Art. 3 

FoK oder Art. 4 der EU-Grundrechtecharta ausgesetzt sein könnte. Es be-

stünden auch keine Hinweise auf einen desolaten, sich stetig verschlech-

ternden Gesundheitszustand beziehungsweise einen akuten Bedarf nach 

engmaschiger medizinischer Behandlung. Die gesundheitlichen Probleme 

– auch psychischer Natur – könnten in Kroatien angemessen behandelt 

werden. Es lägen keine Hinweise vor, wonach Kroatien dem Beschwerde-

führer eine medizinische Behandlung verweigert hätte oder zukünftig ver-

weigern würde. 

3.4 Replikweise wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer leide nach 

wie vor an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Nach der 

am 6. Juni 2023 durchgeführten Besprechung der Vernehmlassung habe 

er sich mehrfach per WhatsApp bei der Rechtsberatungsstelle gemeldet 

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Seite 8 

und darauf hingewiesen, dass er seither weder schlafen noch essen könne, 

weil er wieder unter starkem Stress stehe. In einem weiteren Gespräch am 

13. Juni 2023 habe er die Rechtsvertretung darüber informiert, dass er sich 

wieder bei seiner Psychiaterin melden werde, um einen neuen Termin zu 

erhalten. Es gehe ihm sehr schlecht, weil er abermals mit der Möglichkeit 

einer Wegweisung nach Kroatien konfrontiert worden sei. Der Beschwer-

deführer befinde sich seit dem 25. März 2021 in der Schweiz. Er habe sich 

während dieser langen Zeit nicht stabilisieren können und leide nach wie 

vor an den Traumafolgen, nachdem er in Kroatien mehrmals gewaltsame 

Pushbacks erlebt habe. Wie dem Arztbericht der Klinik für G._______ vom 

25. Januar 2023 zu entnehmen sei, habe es beim Beschwerdeführer Ende 

2022 eine Symptomverschlechterung gegeben. Es könne demnach bei 

Weitem nicht von einer Stabilisierung ausgegangen werden, sondern es 

bestünden klare Hinweise auf ein Langzeittrauma, weshalb die Wegwei-

sung nach Kroatien unzumutbar sei. Der vorliegende Sachverhalt erfordere 

einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO. An-

gesichts der Hinweise auf eine schwere Langzeittraumatisierung habe das 

SEM seine Abklärungs- und Begründungspflicht verletzt sowie sein Ermes-

sen rechtswidrig unterschritten. Eine Rückweisung sei jedoch aufgrund der 

überaus langen Verfahrensdauer insbesondere mit Blick auf das Beschleu-

nigungsgebot zu vermeiden. Der Beschwerdeführer habe unter grosser 

Anstrengung versucht, in der Schweiz Fuss zu fassen. Er habe denn auch 

bereits Deutsch gelernt und besuche einen Sprachkurs auf dem Niveau 

(…). Zudem könne er in der psychiatrischen Klinik eine Behandlung auf-

nehmen, sobald er die nötige Sicherheit bezüglich seines Aufenthaltsstatus 

habe. Aufgrund der erneuten Verschlechterung seines Gesundheitszu-

stands werde er sich nun für einen Notfalltermin dorthin wenden. Eine 

Wegweisung aus der Schweiz und Rückkehr an den Ort der traumatischen 

Erfahrungen würde den bereits stark angeschlagenen Beschwerdeführer 

erneut destabilisieren. Angesichts der unangemessen langen Verfahrens-

dauer sei die Schweiz verpflichtet, den Selbsteintritt auszuüben und das 

Asylverfahren durchzuführen. 

4.  

4.1 Vorab ist auf die vom Beschwerdeführer erhobenen formellen Rügen 

(Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes und der Begründungspflicht) 

einzugehen. 

4.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-

grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Be-

hörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des 

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rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-

digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-

klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat (vgl. BVGE 

2015/10 E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist nicht verpflichtet, zu jedem Sach-

verhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche 

Abklärungen sind nur vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als 

angezeigt erscheinen (vgl. dazu AUER/BINDER, in: Auer/Müller/Schindler 

[Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren 

[VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12). Ihre Grenze findet die Untersu-

chungspflicht in der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG). 

Wie der Beschwerdeführer anlässlich des Dublin-Gesprächs protokollieren 

liess, hat er in der Schweiz einen Arzt konsultiert, welcher ihm Tabletten 

abgab und ihn aufforderte, er solle sich wieder melden, sollte sich sein Zu-

stand nicht bessern. Vor diesem Hintergrund und im Sinne seiner Mitwir-

kungspflicht (Art. 8 AsylG) dürfte es ihm bereits im vorinstanzlichen Verfah-

ren ohne Weiteres möglich gewesen sein, die Ausstellung eines Arztbe-

richts zu veranlassen. Aus seinem Vorbringen, dass sich die Vorinstanz mit 

den geschilderten gesundheitlichen Problemen nicht auseinandergesetzt 

habe, vermag er nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Der angefochtenen 

Verfügung ist in diesem Zusammenhang zu entnehmen, dass dem beim 

Dublin-Gespräch geltend gemachten Gesundheitszustand sehr wohl 

Rechnung getragen wurde, indem die Vorinstanz darauf hinwies, dass es 

gestützt auf die Aktenlage sowie die Ausführungen des Beschwerdeführers 

keinen Grund zur Annahme gebe, der Vollzug der Wegweisung nach Kro-

atien würde aus gesundheitlichen Gründen einen Verstoss gegen Art. 3 

EMRK darstellen. Nach seiner Rückführung nach Kroatien habe er die 

Möglichkeit, ein Asylgesuch einzureichen und damit Zugang zu asylrecht-

lichen Aufnahmestrukturen zu erhalten. Es sei im Rahmen des Dublin-Sys-

tems davon auszugehen, dass der zuständige Dublin-Staat angemessene 

medizinische Versorgungsleistungen erbringen könne und den Zugang zu 

notwendiger medizinischer Behandlung gewährleiste. Es würden keine 

Hinweise vorliegen, wonach Kroatien dem Beschwerdeführer eine medizi-

nische Behandlung verweigert hätte oder zukünftig verweigern würde (vgl. 

a.a.O., S. 5 letzter Abschnitt). Das SEM hat sich im Übrigen auch in der 

Vernehmlassung mit der gesundheitlichen Situation des Beschwerdefüh-

rers auseinandergesetzt und dabei namentlich betont, dass die gesund-

heitlichen Probleme – auch psychischer Natur – in Kroatien angemessen 

behandelt werden könnten (vgl. oben E. 3.3). Somit ist nicht zu beanstan-

den, dass die Vorinstanz den medizinischen Sachverhalt als ausreichend 

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Seite 10 

erstellt erachtet hat. Inwiefern sie diesbezüglich ihre Untersuchungspflicht 

verletzt haben könnte, ist nicht ersichtlich. 

4.3 Gemäss Art. 35 Abs. 1 VwVG sind Verfügungen zu begründen. Die Be-

gründungspflicht folgt überdies aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör in 

Art. 29 Abs. 2 BV. Sie dient der rationalen und transparenten Entscheid-

findung der Behörden und soll die Betroffenen in die Lage versetzen, den 

Entscheid sachgerecht anzufechten. Die Behörde hat daher kurz die we-

sentlichen Überlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess und 

auf die sie ihren Entscheid stützt. Je weiter der Entscheidungsspielraum, 

je komplexer die Sach- und Rechtslage und je schwerwiegender der Ein-

griff in die Rechtsstellung der betroffenen Person, desto höhere Anforde-

rungen sind an die Begründung zu stellen (vgl. zum Ganzen BGE 137 II 

266 E. 3.2; 136 I 229 E. 5.2; BVGE 2012/24 E. 3.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, 

Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 

2013, N 629 ff.).  

 

Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung die Erkenntnisse aus 

Abklärungen der Schweizer Botschaft in Kroatien zu den Pushbacks und 

zu Dublin-Rückkehrern in zusammengefasster Form wiedergegeben und 

nachvollziehbar aufgezeigt, von welchen Überlegungen sie sich hat leiten 

lassen (vgl. a.a.O., S. 4). Damit ist sie entgegen dem Einwand in der Be-

schwerde ihrer Begründungspflicht in ausreichender Weise nachgekom-

men; zusätzlicher Informationen oder Quellenangaben bedurfte es nicht 

(vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-324/2021 vom 18. April 2023 E. 4.3). 

Im Weiteren kann sowohl der angefochtenen Verfügung als auch der Ver-

nehmlassung entnommen werden, weshalb die Vorinstanz die gesundheit-

liche Situation des Beschwerdeführers nicht als Überstellungshindernis er-

achtete. Ihm war es denn auch möglich, den Entscheid sachgerecht anzu-

fechten – was den Schluss zulässt, dass er sich über die Tragweite der 

Verfügung ein Bild machen konnte (vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2).  

4.4 Die formellen Rügen erweisen sich insgesamt als unbegründet. Eine 

Rückweisung an die Vorinstanz kommt nicht in Betracht, der Eventualan-

trag ist abzuweisen. 

5.  

5.1 Auf Asylgesuche ist in der Regel nicht einzutreten, wenn Asylsuchende 

in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- 

und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

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Seite 11 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

5.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den im Kapitel III dargelegten Kri-

terien (Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird (vgl. 

auch Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines sogenannten Aufnahme-

verfahrens (engl.: take charge) sind die in Kapitel III genannten Kriterien in 

der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständig-

keitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von 

der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag 

in einem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-

VO). 

5.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (2012/C 326/02, EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prü-

fen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig 

bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig be-

stimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zu-

ständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).  

5.4 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte 

Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht durch Art. 29a Abs. 3 der Asylver-

ordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Ge-

mäss dieser Bestimmung kann das SEM das Asylgesuch «aus humanitä-

ren Gründen» auch dann behandeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein 

anderer Staat zuständig wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Über-

stellungshindernisse vor, ist der Selbsteintritt zwingend (vgl. BVGE 2015/9 

E. 8.2.1).  

6.  

Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentral-

D-2714/2021 

Seite 12 

einheit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am 3. Februar 2021 in 

Kroatien aufgegriffen und daktyloskopiert worden war. Die kroatischen Be-

hörden haben dem Übernahmeersuchen des SEM am 28. Mai 2021 ge-

stützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO zugestimmt. 

Die grundsätzliche Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- 

und Wegweisungsverfahrens ist damit gegeben. 

7.  

7.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts liegen zum heutigen 

Zeitpunkt keine konkreten Gründe für die Annahme vor, das Asylverfahren 

und die Aufnahmebedingungen für Antragstellende in Kroatien würden sys-

temische Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz 

Dublin-III-VO aufweisen (vgl. dazu das Referenzurteil des BVGer 

E-1488/2020 vom 22. März 2023, welches die seit dem Referenzurteil 

D-1611/2016 vom 22. März 2016 bestehende Praxis bestätigt, wonach 

Dublin-Überstellungen nach Kroatien grundsätzlich zulässig sind). Die Vor-

bringen des Beschwerdeführers erweisen sich vor dem Hintergrund dieser 

Rechtsprechung als unbehelflich. Insbesondere ist auf die zitierten Be-

richte zu Push-Backs an der kroatischen Grenze, zur Verweigerung des 

Zugangs zum Asylverfahren, zur Gesundheitsversorgung von Asylsuchen-

den sowie zur Rechtsprechung von ausländischen Verwaltungsgerichten 

nicht näher einzugehen.  

7.2 Gemäss der zitierten Rechtsprechung sind systemische Schwachstel-

len im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO in Be-

zug auf Kroatien zu verneinen.  

8.  

8.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 erster Satz Dublin-III-VO). Dieses soge-

nannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, wenn die Überstellung 

der betroffenen Person in den an sich zuständigen Mitgliedstaat zu einer 

Verletzung völkerrechtlicher Verpflichtungen der Schweiz führen würde 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Gemäss Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 

vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) kann zudem das SEM das 

Asylgesuch «aus humanitären Gründen» auch dann behandeln, wenn da-

für gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. Bei dieser 

D-2714/2021 

Seite 13 

Entscheidung kommt dem SEM Ermessen zu; das Bundesverwaltungsge-

richt darf sein eigenes Ermessen nicht an dessen Stelle setzen (BVGE 

2015/9 E. 7.6 und E. 8.1 in fine). 

8.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei in Kroatien unmenschlich 

und erniedrigend behandelt und auf den Rücken geschlagen worden und 

leide heute noch an psychischen Problemen, seit er versucht habe, von 

(…) nach Kroatien zu gelangen. 

8.3 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt – mit Verweis auf die Ausfüh-

rungen des Beschwerdeführers beim Dublin-Gespräch (vgl. Sachverhalt 

Bst. D) sowie in den Rechtsschriften (vgl. E. 3.2 und E. 3.4) – nicht, dass 

der Empfang und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien 

problematisch sein können. Der Beschwerdeführer vermag indessen nicht 

darzutun, dass er in Kroatien – nach legaler Rückkehr aus einem Dublin-

Mitgliedstaat – kein faires Asylverfahren erhalten würde und er ernsthaft 

Gefahr laufen würde, bei einer Rückkehr dorthin unmenschlich im Sinne 

von Art. 3 EMRK behandelt zu werden. Entgegen der in der Beschwerde 

vertretenen Ansicht lässt sich auch aus der angeblich tiefen Gutheissungs-

quote für Asylsuchende in Kroatien nicht ableiten, sein Asylverfahren 

werde in Kroatien nicht korrekt durchgeführt oder die kroatischen Behörden 

würden in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten 

und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben 

oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet 

ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land 

gezwungen zu werden. Gegen einen allfälligen negativen erstinstanzlichen 

Asylentscheid steht ihm in Kroatien ein wirksames Rechtsmittel zur Verfü-

gung. Im Übrigen stellen auch ein definitiver Entscheid über ein Asylgesuch 

und die Wegweisung in das Heimatland für sich genommen noch keine 

Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips dar (vgl. BVGE 2017 VI/5 

E. 8.5.3.3). Der Beschwerdeführer wird sich nach der Dublin-Überstellung 

in einer anderen Situation als bei seiner früheren (illegalen) Einreise nach 

Kroatien befinden. Da es sich bei Kroatien um einen Rechtsstaat mit funk-

tionierendem Justizsystem handelt, ist von dessen grundsätzlicher Schutz-

willigkeit und -fähigkeit auszugehen. Bei einer allfälligen vorübergehenden 

Einschränkung der ihm zustehenden Aufnahmebedingungen wäre er ge-

halten, sich an die kroatischen Behörden zu wenden und seine Rechte auf 

dem Rechtsweg einzufordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Dies gilt 

auch in Bezug auf die geltend gemachte Gewalt und schlechte Behandlung 

seitens der kroatischen Behörden (vgl. Sachverhalt Bst. D; Urteil des 

BVGer D-2478/2023 vom 19. Juni 2023 E. 7.2). Dem Beschwerdeführer 

D-2714/2021 

Seite 14 

steht ferner die Möglichkeit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisa-

tionen zu kontaktieren. 

8.4  

8.4.1 Der Beschwerdeführer beruft sich ferner auf seinen schlechten Ge-

sundheitszustand. Gemäss dem Zuweisungsschreiben von Medic-Help 

vom 5. August 2021 wurde bei den (…) ein Termin für den 23. September 

2021 wegen Schlafstörungen und einer Anpassungsstörung vereinbart. 

Wie der Eingabe vom 22. März 2022 zu entnehmen ist, gab er im Gespräch 

vom 8. März 2022 gegenüber seiner Rechtsvertreterin an, er habe weiter-

hin schwere Schlafstörungen und könne nur bei Licht schlafen. Nachts 

leide er unter Angstzuständen und sehe die Bilder von den traumatischen 

Vorfällen in Kroatien. Tagsüber leide er insbesondere an Gedankenkreisen 

und Flashbacks. Ausserdem wird in der Eingabe vom 22. März 2022 er-

wähnt, dass der für den 23. September 2021 angekündigte Termin auf-

grund der Kantonszuweisung des Beschwerdeführers abgesagt worden 

sei. Er habe anschliessend in seiner neuen Unterkunft wiederholt vergeb-

lich nach einem Termin beim Psychiater gefragt. Zwischenzeitlich sei es 

ihm gelungen, mithilfe eines Kollegen selbstständig einen Termin bei sei-

nem Hausarzt zu vereinbaren. Dieser habe ihn am 3. März 2022 bei der 

Klinik für G._______ angemeldet. Im entsprechenden Überweisungs-

schreiben wurden als Diagnosen der Verdacht auf eine PTBS sowie eine 

depressive Episode aufgeführt und es wurde darauf hingewiesen, dass 

eine Behandlung mit Citalopram und Quetiapin begonnen worden sei. Der 

Hausarzt teilte der Rechtsvertreterin mit E-Mail vom 17. März 2022 mit, 

dass die Wartezeiten bei der Klinik für G._______ circa drei Monate betra-

gen würden. Dem Bericht dieser Klinik vom 9. September 2022 betreffend 

das Erstgespräch vom 12. August 2022 lässt sich entnehmen, dass sich 

der Beschwerdeführer vom 12. August 2022 bis 9. September 2022 in der 

Klinik zur Abklärung befand. Es wurden ihm eine PTBS und eine schwere 

depressive Episode ohne psychotische Symptome diagnostiziert. Als zu-

sätzliche Symptome, welche als assoziiert zur Traumafolgestörung gewer-

tet wurden, nennt der Bericht eine Angstsymptomatik sowie einen dysfunk-

tionalen Selbstbehandlungsversuch mit Alkohol. Ausserdem wird unter an-

derem erwähnt, dass beim Beschwerdeführer Todeswünsche vorhanden 

seien und er intermittierend Suizidgedanken habe, bei glaubhafter Distan-

zierung von akuter Suizidalität. Aktuell wünsche er jedoch keine psycho-

therapeutische Behandlung, weil er zuerst Klarheit in Bezug auf seine Auf-

enthaltssituation haben wolle. Er werde sich im Bedarfsfall erneut melden. 

Eine psychotherapeutische Behandlung unter Einbezug eines traumakon-

frontativen Verfahrens wäre aus Sicht der Klinik prinzipiell indiziert und 

D-2714/2021 

Seite 15 

empfohlen. In der Eingabe vom 3. Oktober 2022 wird zudem betont, es 

bestehe das reale Risiko, dass eine Rückführung des Beschwerdeführers 

nach Kroatien – in eines der Länder, wo er traumatisiert worden sei – zu 

einer schweren Retraumatisierung und gravierenden Verschlechterung 

seines bereits miserablen Gesundheitszustands führen würde, was einen 

Verstoss gegen Art. 3 EMRK bedeute. Dem ärztlichen Schreiben vom 

25. Januar 2023 zufolge hat der Beschwerdeführer die Klinik Ende 2022 

erneut kontaktiert mit der Bitte um Unterstützung bei stark zugenommenen 

Beschwerden. Im Rahmen mehrerer Therapiesitzungen sei es um eine 

Symptomverschlechterung (Zunahme von Ängsten, Wiedererleben trau-

matischer Erlebnisse, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, affektive 

Symptome und generelles Unsicherheitsgefühl mit Übererregung) gegan-

gen nach einem tätlichen Angriff und Bedrohung durch einen ehemaligen 

Mitbewohner. Gemäss ärztlichem Bericht der Klinik für G._______ vom 21. 

Juli 2023 leidet der Beschwerdeführer weiterhin unter einer Traumafolge-

störung mit Symptomen einer PTBS (Wiedererleben u.a. der Erlebnisse in 

Kroatien, Vermeidungsverhalten, Schlafstörungen, negative Überzeugun-

gen, Konzentrationsstörungen, Ängste) und depressiven Symptomen (u.a. 

Niedergestimmtheit, Antriebsmangel, Freudlosigkeit). Der Gesundheitszu-

stand habe sich dabei gegenüber dem ausführlichen Bericht vom August 

2022 (recte: 9. September 2022) nicht wesentlich verändert. Der Be-

schwerdeführer habe sich im Juni 2023 nach einer Therapiepause auf-

grund einer Symptomzunahme (Ängste, depressive Symptomatik und 

Schlafstörungen) und des Wunsches nach der Aufnahme einer psychiat-

risch-psychotherapeutischen Behandlung wieder gemeldet. Es seien 1-2 

Termine pro Woche vereinbart worden. Vor diesem Hintergrund wird in der 

Eingabe vom 25. Juli 2023 darauf hingewiesen, dass sich der Gesundheits-

zustand des Beschwerdeführers in der Schweiz nicht verbessert habe, ob-

wohl die traumatischen Erlebnisse in Kroatien bereits zwei Jahre und fünf 

Monate zurückliegen würden. Dies deute klar auf eine Langzeittraumatisie-

rung hin, weshalb die Wegweisung nach Kroatien als unzumutbar einzu-

stufen sei. 

8.4.2 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen 

Problemen kann nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 

EMRK darstellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die betroffene 

Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen Krankheitsstadium 

und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstellung mit dem siche-

ren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Unterstützung erwar-

ten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis 

des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR]). Eine 

D-2714/2021 

Seite 16 

weitere vom EGMR definierte Konstellation betrifft Schwerkranke, die 

durch die Abschiebung – mangels angemessener medizinischer Behand-

lung im Zielstaat – mit einem realen Risiko konfrontiert würden, einer erns-

ten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesund-

heitszustands ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer 

erheblichen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteile 

des EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse 

Kammer, 41738/10, §§ 180–193 m.w.H., bestätigt durch Savran gegen Dä-

nemark vom 7. Dezember 2021, Grosse Kammer, 57467/15, §§ 121 ff.). 

8.4.3 Eine solche Situation ist angesichts der vorliegenden Aktenlage nicht 

gegeben. Die gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers erwei-

sen sich nicht als derart gravierend, dass gestützt auf Art. 3 EMRK von 

einer Überstellung nach Kroatien abgesehen werden müsste. Er kann auch 

in Kroatien adäquat behandelt werden, zumal das Land über eine ausrei-

chende medizinische Infrastruktur verfügt (vgl. statt vieler Urteile des 

BVGer D-3385/2023 vom 28. Juli 2023 E. 7.3.3 und E-3894/2023 vom 

17. Juli 2023 E. 9.2.3). Kroatien ist ausserdem verpflichtet, den Antragstel-

lenden die erforderliche medizinische Versorgung, die zumindest die Not-

versorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung von Krankheiten 

und schweren psychischen Störungen umfasst, zugänglich zu machen 

(Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie). Antragstellenden mit besonderen Be-

dürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe (ein-

schliesslich psychologischer Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Auf-

nahmerichtlinie). Sodann bestehen in Kroatien nebst den staatlichen Ein-

richtungen auch Angebote von NGO für die psychische Betreuung, womit 

von einem genügenden psychologischen Behandlungsangebot auszuge-

hen ist (vgl. Urteil E-3894/2023 E. 9.2.3). Der Beschwerdeführer kann sich 

demnach für eine Fortführung der in der Schweiz begonnenen psychiat-

risch-psychotherapeutischen Behandlung an das zuständige medizinische 

Fachpersonal in Kroatien wenden. Betreffend die im Arztbericht vom 

9. September 2022 erwähnten Todeswünsche/suizidalen Gedanken gilt es 

darauf hinzuweisen, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung 

Suizidalität für sich allein kein Vollzugshindernis darstellt (vgl. Urteil des 

BGer 2C_221/2020 vom 19. Juni 2020 E. 2), was auch der Praxis des Bun-

desverwaltungsgerichts entspricht (vgl. statt vieler Urteil des BVGer 

F-2034/2022 vom 23. Mai 2022 E. 9.5 m.H.). 

8.5  

8.5.1 In Anbetracht der Umstände sind weder völkerrechtliche Wegwei-

sungsvollzugshindernisse, welche die Schweiz zum Selbsteintritt ver-

D-2714/2021 

Seite 17 

pflichten würden, noch Rechtsfehler bei der Ermessensausübung durch 

das SEM ersichtlich. 

8.5.2 Soweit der Beschwerdeführer ausführt, angesichts der unangemes-

sen langen Verfahrensdauer sei die Schweiz verpflichtet, den Selbsteintritt 

auszuüben, ist Folgendes festzuhalten: 

8.5.2.1 Das Dublin-System dient nicht nur dazu, die Einleitung paralleler 

oder einander nachfolgender Asylverfahren in verschiedenen Staaten des 

Vertragsgebiets (sog. "asylum shopping") zu verhindern, sondern es soll 

den Antragstellern innert vernünftiger Frist einen effektiven Zugang zum 

Asylverfahren in einem der Vertragsstaaten gewährleisten (vgl. um histori-

schen Hintergrund des Dublin-Systems BVGE 2010/27 E. 6.4.6.1 und 

E. 6.4.6.3; vgl. ferner Urteil des BVGer E-6654/2017 vom 23. März 2020 

E. 6.1). Das Bundesverwaltungsgericht hat nur in seltenen Ausnahmefällen 

einen Selbsteintritt aufgrund der langen Verfahrensdauer bejaht (vgl. zum 

Ganzen Urteile des BVGer F-4299/2021 vom 3. November 2021 E. 6.2 und 

F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 E. 7.2, je m.w.H.). 

8.5.2.2 Der Beschwerdeführer reichte am 25. März 2021 sein Asylgesuch 

in der Schweiz ein. Da diese Verfahrensdauer noch nicht als überaus lang 

eingestuft werden kann und mit vorliegendem Urteil das Zuständigkeitser-

mittlungsverfahren endgültig abgeschlossen wird, ist der Selbsteintritt nach 

Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO nicht angezeigt (vgl. etwa Urteil des BVGer 

D-5528/2021 vom 13. April 2023 E. 9.3.2). 

8.6 Zusammenfassend ergibt sich, dass kein Grund für einen Selbsteintritt 

der Schweiz gemäss Art. 17 Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 29a Abs. 3 

AsylV 1 vorliegt. Aufgrund des derzeitigen Erkenntnisstandes ist es auch 

nicht angezeigt, die Vorinstanz dazu zu verpflichten, bei den kroatischen 

Behörden (individuelle) Garantien dafür einzuholen, dass diese sich an die 

von ihnen eingegangenen völkerrechtlichen Verpflichtungen inklusive me-

dizinischer Versorgung halten (vgl. hierzu etwa Urteil des BVGer 

D-1718/2022 vom 9. Mai 2023 E. 8.1.3.5 m.H.). Der entsprechende Sub-

eventualantrag ist abzuweisen. 

8.7 Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den 

Schutzsuchenden kein Recht einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat 

selber auszuwählen (vgl. auch BVGE 2010/45 E. 8.3). Daran vermag der 

Umstand, dass der Beschwerdeführer gemäss den Ausführungen in der 

Replik in der Schweiz Fuss gefasst hat, nichts zu ändern. Kroatien bleibt 

D-2714/2021 

Seite 18 

der für die Behandlung seines Asylgesuchs zuständige Mitgliedstaat ge-

mäss Dublin-III-VO. 

9.  

Die Vorinstanz ist nach dem Gesagten zu Recht auf das Asylgesuch des 

Beschwerdeführers nicht eingetreten und hat seine Überstellung nach Kro-

atien verfügt (vgl. Art. 31a Abs. 1 Bst. b und Art. 44 AsylG). Die Be-

schwerde ist abzuweisen. 

10.  

Mit dem vorliegenden Urteil fällt die am 15. Juni 2021 erteilte aufschie-

bende Wirkung dahin. 

11.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm indes-

sen mit Instruktionsverfügung vom 15. Juni 2021 die unentgeltliche Pro-

zessführung gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 

(Dispositiv nächste Seite)   

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Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Karin Schnidrig 

 

 

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