# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 632e6f5a-af17-5275-90ca-206439a9ebe0
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-05
**Language:** de
**Title:** Bern Steuerrekurskommission 05.07.2023 100 2021 452
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Steuerrekurs/BE_SRK_001_100-2021-452_2023-07-05.pdf

## Full Text

100 21 452
100 21 453
200 21 330
200 21 331
Gemeinde: D.________
ZPV-Nr.: ________
Eröffnung: 6.7.2023 JCU/CLE/cbi

STEUERREKURSKOMMISSION DES KANTONS BERN

Sitzung vom 5. Juli 2023

Es wirken mit: die hauptamtliche Richterin Cuccarède, die Fachrichter Bütikofer und Lüthi sowie 
Leumann als Gerichtsschreiber

In der Rekurs- und Beschwerdesache 

der

A.________ GmbH

vertreten durch 

C.________ GmbH

gegen

Steuerverwaltung des Kantons Bern, Brünnenstrasse 66, Postfach, 3001 Bern

betreffend die kantonalen Steuern und die direkte Bundessteuer 2018 und 2019 (Revision)

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hat die Steuerrekurskommission den Akten entnommen:

A. Die A.________ GmbH (fortan: Rekurrentin) bezweckt gemäss Handelsregistereintrag 
hauptsächlich den Verkauf von B.________geräten. Sämtliche Stammanteile werden von einer 

in F.________ (Deutschland) domizilierten Gesellschaft gehalten, die ebenfalls als "A.________ 

GmbH" firmiert. In den hier relevanten Jahren 2018 und 2019 befand sich der Sitz der Rekur-

rentin in D.________, bevor der Sitz per 15. Juni 2020 nach E.________ ZG verlegt wurde. 

B. Mit Verfügungen vom 20. Mai 2020 und vom 18. März 2021 wurde die Rekurrentin von 
der Steuerverwaltung des Kantons Bern, Abteilung Juristische Personen (fortan: Veranlagungs-

behörde), für die Steuerperioden 1. Oktober 2017 bis 30. September 2018 (fortan: Steuer-

periode 2018) und 1. Oktober 2018 bis 30. September 2019 (fortan: Steuerperiode 2019) defini-

tiv veranlagt (Akten Steuerverwaltung, pag. 38-36 und pag. 61-58). Die Veranlagungen basier-

ten auf den von der Rekurrentin eingereichten Steuererklärungen und Jahresrechnungen 

(2018: pag. 35-23; 2019: pag. 57-40). Die Veranlagungsverfügungen für beide Steuerperioden 

erwuchsen unangefochten in Rechtskraft. 

C. Am 7. Juni 2021 stellte die Rekurrentin, vertreten durch die C.________ GmbH (fortan: 
Vertreterin), bei der Steuerverwaltung des Kantons Bern, Abteilung Recht und Koordination 

(fortan: Steuerverwaltung), einen Antrag auf Revision der Veranlagungsverfügungen 2018 und 

2019 (pag. 82-78). Die Vertreterin erklärte, dass die entsprechenden Jahresrechnungen der 

Rekurrentin im Hinblick auf einen geplanten Börsengang der Muttergesellschaft (bzw. deren 

Eigentümerin) durch eine externe Revisionsgesellschaft überprüft worden seien. Dabei habe 

man festgestellt, dass mehrere Bilanzpositionen unrichtig erhoben worden seien. Die nachträg-

lich vorgenommenen Korrekturen hätten zu einem erheblich schlechteren Ergebnis in den bei-

den Geschäftsjahren 2018 und 2019 geführt. Weil die ursprünglichen Jahresrechnungen han-

delsrechtswidrig seien, müssten diese nun auch für die Steuerveranlagung berichtigt werden. 

Aufgrund der bereits rechtskräftigen Veranlagungsverfügungen seien diese Korrekturen mittels 

Revision vorzunehmen. 

D. Mit Verfügung vom 16. September 2021 (pag. 87-85) wies die Steuerverwaltung das Re-
visionsgesuch ab. Zur Begründung führte sie namentlich aus, dass es der Rekurrentin mit der 

ihr zumutbaren Sorgfalt ohne weiteres möglich gewesen wäre, vor Eintreten der Rechtskraft der 

fraglichen Veranlagungsverfügungen handelsrechtskonforme Jahresrechnungen einzureichen. 

Aus diesem Grund sei eine Revision ausgeschlossen. Gegen diese Verfügung erhob die Vertre-

terin im Namen der Rekurrentin am 13. Oktober 2021 Einsprache (pag. 100-91), die von der 

Steuerverwaltung mit Entscheid vom 11. November 2021 abgewiesen wurde (pag. 104-101).

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E. Gegen den Einspracheentscheid hat die Vertreterin im Namen der Rekurrentin am 
10. Dezember 2021 Rekurs betreffend die kantonalen Steuern und Beschwerde betreffend die 

direkte Bundessteuer an die Steuerrekurskommission des Kantons Bern (fortan: Steuerrekurs-

kommission) erhoben. Sie beantragt, dass der Einspracheentscheid der Steuerverwaltung auf-

gehoben und die Rekurrentin anhand der rektifizierten Jahresrechnungen zu veranlagen sei. 

Eventualiter wird beantragt, die Sache zur Eröffnung eines Revisionsverfahrens an die Steuer-

verwaltung zurückzuweisen. Zur Begründung bringt die Vertreterin im Wesentlichen vor, dass 

die Rekurrentin ausserstande gewesen sei, die Fehler in der Jahresrechnung während des or-

dentlichen Veranlagungsverfahrens zu erkennen, weshalb der von der Steuerverwaltung gel-

tend gemachte Ausschlussgrund für eine Revision nicht greife.

F. Die Steuerverwaltung hat sich am 3. Februar 2022 vernehmen lassen. Sie beantragt die 
Abweisung von Rekurs und Beschwerde unter Kostenfolge. Wie bereits im Revisions- und Ein-

spracheverfahren erachtet die Steuerverwaltung den Ausschlussgrund der mangelnden Sorgfalt 

im Veranlagungsverfahren als erfüllt, der einer Revision entgegenstehe. Für den Fall, dass die 

Steuerrekurskommission zu einem anderen Ergebnis gelangen sollte, weist die Steuerverwal-

tung darauf hin, dass zusätzlich zu prüfen wäre, ob die Frist zur Geltendmachung des 

Revisionsgrunds eingehalten worden ist.

G. Mit Eingabe vom 14. März 2022 hat die Vertreterin zur Vernehmlassung der Steuerver-
waltung Stellung genommen und an ihrem Standpunkt festgehalten. Als Nachweis für die Not-

wendigkeit der beantragten Bilanzberichtigung hat sie englischsprachige Unterlagen der ameri-

kanischen Revisionsgesellschaft eingereicht. Nach entsprechender Aufforderung durch die 

Steuerrekurskommission hat die Vertreterin einen Teil dieser Unterlagen zusätzlich mit einer 

deutschen Übersetzung versehen (Eingabe vom 25.3.2022).

H. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.

Auf die detaillierten Ausführungen der Parteien in den genannten Rechtsschriften wird, soweit 

für den Entscheid von Bedeutung, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:

1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Gewinn- und Kapitalveranla-
gung können bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw. Beschwerde angefochten 

werden (Art. 195 ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11] und Art. 140 des 

Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG; SR 642.11] 

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i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den Vollzug der direkten Bundessteuer 

[BStV; BSG 668.11]). Dies gilt auch für Revisionsentscheide (Art. 204 Abs. 3 StG; Art. 149 

Abs. 3 DBG). Die Steuerrekurskommission ist deshalb sachlich und örtlich zuständig. Die Re-

kurrentin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen. Sie ist da-

her beschwert und zur Anfechtung befugt (Art. 195 Abs. 2 StG und Art. 140 ff. DBG i.V.m. Art. 3 

BStV i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege 

[VRPG; BSG 155.21]). Auf die form- und fristgerecht eingereichte Eingabe ist deshalb 

grundsätzlich einzutreten (siehe E. 2 hiernach).

Die vorliegende Streitsache wird von der Steuerrekurskommission in Dreierbesetzung beurteilt, 

da der Streitwert über CHF 10'000.-- liegt (Art. 70 Abs. 3 und Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom 

11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; 

BSG 161.1]).

2. Wie ausgeführt, richten sich Rekurs und Beschwerde gegen einen Einspracheentscheid, 
mit dem die Steuerverwaltung ein Revisionsgesuch der Rekurrentin betreffend die Steuerperi-

oden 2018 und 2019 abgewiesen hat. Im Folgenden ist zu prüfen, ob diese Abweisung zu 

Recht erfolgt ist. Trifft dies zu, sind Rekurs und Beschwerde abzuweisen. Hat die Steuerverwal-

tung das Revisionsgesuch hingegen zu Unrecht abgewiesen, sind ihr die Akten zur Fortsetzung 

des Verfahrens und Neuverfügung gemäss Art. 204 Abs. 2 StG bzw. Art. 149 Abs. 2 DBG 

zurückzusenden (vgl. Martin E. Looser in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bun-

desgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 4. Aufl., 2022, N. 3 zu Art. 149 DBG). Daraus 

folgt, dass auf den Antrag der Rekurrentin, die Veranlagungen für die Steuerperioden 2018 und 

2019 gemäss den überarbeiteten Jahresrechnungen vorzunehmen, nicht eingetreten werden 

kann.

3. Ein Revisionsbegehren muss innert 90 Tagen nach Entdeckung des Revisionsgrunds 
eingereicht werden (Art. 203 StG; Art. 148 DBG). Es handelt sich dabei um eine Verwirkungs-

frist (Martin E. Looser, a.a.O., N. 3 zu Art. 148 DBG), was bedeutet, dass auf ein verspätetes 

Revisionsgesuch nicht einzutreten ist. Vorliegend hat die Steuerverwaltung im Revisions- und 

Einspracheverfahren die Frage, ob die Revisionsfrist eingehalten worden ist, nicht geprüft. Aus 

den vorhandenen Akten geht nicht hervor, zu welchem Zeitpunkt die Rekurrentin den von ihr 

geltend gemachten Revisionsgrund entdeckt hat. Die Rekurrentin führt einzig aus, dass ihr die 

neue Tatsache erst mit Beschluss der Generalversammlung vom 5. Mai 2021 habe bekannt 

gewesen sein können, weshalb die 90-tägige Frist mit Einreichung des Revisionsgesuchs am 

7. Juni 2021 eingehalten worden sei. Die Steuerverwaltung bestreitet die rechtzeitige Einrei-

chung des Revisionsgesuchs nicht explizit. Folglich ist das Revisionsgesuch materiell zu prüfen. 

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4. Gemäss Art. 202 Abs. 1 StG bzw. Art. 147 Abs. 1 DBG kann eine rechtskräftige Verfü-
gung oder ein rechtskräftiger Entscheid zu Gunsten der steuerpflichtigen Person revidiert wer-

den, wenn (a) erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel entdeckt werden; (b) die 

erkennende Behörde erhebliche Tatsachen oder entscheidende Beweismittel, die ihr bekannt 

waren oder bekannt sein mussten, ausser Acht gelassen oder in anderer Weise wesentliche 

Verfahrensgrundsätze verletzt hat; (c) ein Verbrechen oder ein Vergehen die Verfügung oder 

den Entscheid beeinflusst hat. Eine Revision ist jedoch ausgeschlossen, wenn der Antragsteller 

als Revisionsgrund etwas vorbringt, das er bei der ihm zumutbaren Sorgfalt schon im ordentli-

chen Verfahren hätte geltend machen können (Art. 202 Abs. 2 StG; Art. 147 Abs. 2 DBG).

4.1 Im Gegensatz zu den ordentlichen Rechtsmitteln wie Einsprache, Rekurs oder Beschwer-
de stellt die Revision ein ausserordentliches Rechtsmittel dar, welches nur subsidiär zur An-

wendung gelangt (vgl. Martin E. Looser, a.a.O., N. 2 zu Art. 147 DBG). Eine Änderung rechts-

kräftiger Entscheide muss aus Gründen der Rechtssicherheit und des Vertrauensgrundsatzes 

die Ausnahme bleiben, die nur unter eng umschriebenen, gesetzlich vorgesehenen Vorausset-

zungen möglich ist. Die Revision darf nicht zur Aushöhlung der Rechtsmittelfristen führen. Sie 

dient nicht dazu nachzuholen, was im ordentlichen (Rechtsmittel-)Verfahren versäumt worden 

ist (BGer 2C_259/2021 vom 30.11.2021, E. 6.1; Martin E. Looser, a.a.O., N. 24 zu Art. 147 

DBG, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).

4.2 Die Vertreterin beruft sich auf den Revisionsgrund der (nachträglich) entdeckten erhebli-
chen Tatsache (Art. 202 Abs. 1 Bst. a StG; Art. 147 Abs. 1 Bst. a DBG). Sie erklärt, dass die 

Rekurrentin erst im Rahmen der im Hinblick auf den geplanten Börsengang durchgeführten ex-

ternen Rechnungsprüfung erfahren habe, dass die beiden genehmigten Jahresabschlüsse 2018 

und 2019 handelsrechtswidrig einen wesentlich zu hohen Gewinn ausgewiesen hätten (Rekurs-

schrift vom 10.12.2021, Ziff. 2.4.3). Das falsche Ergebnis sei in erster Linie darauf zurückzu-

führen, dass Verkäufe von B.________geräten bereits zum Zeitpunkt der Auslieferung an die 

Kunden erfolgswirksam verbucht worden seien, obwohl diese während einer gewissen Zeit-

spanne ein bedingungsloses Rücktrittsrecht besässen. Weiter seien teilweise blosse Anfragen, 

bei denen der Kaufentscheid noch nicht gefällt worden sei, als Verkäufe verbucht worden. Zu-

sätzlich seien die Wertberichtigungen auf den Debitoren (Delkredere) falsch ermittelt worden. 

Diese Fehler hätten sich auch auf den Bestand der Vorräte und die Steuerrückstellungen aus-

gewirkt (Rekursschrift vom 10.12.2021, Ziff. 1.3.2 bis 1.3.4). Angesichts der vorhandenen Unter-

lagen ist nicht auszuschliessen, dass die mit den Steuererklärungen eingereichten Jahresrech-

nungen 2018 und 2019 unter Missachtung zwingender Grundsätze der Rechnungslegung er-

stellt worden und damit handelsrechtwidrig sein könnten. Ob dies tatsächlich der Fall ist, muss 

vorliegend jedoch nicht geprüft werden, wie sich aus dem Folgenden ergibt.

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5. Bis zur Rechtskraft der Steuerveranlagung kann (bzw. muss) ein handelsrechtswidriger 
Jahresabschluss durch einen handelsrechtskonformen ersetzt werden (sogenannte "Bilanzbe-

richtigung", vgl. Oesterhelt/Mühlemann/Bertschinger in: Kommentar zum Schweizerischen 

Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 4. Aufl., 2022, N. 110 zu 

Art. 57 DBG; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., 2016, N. 50 

zu Art. 58 DBG). Wenn die Veranlagung, wie im vorliegenden Fall, jedoch bereits in Rechtskraft 

erwachsen ist, kommt eine nachträgliche Korrektur nur noch auf dem von der Rekurrentin an-

gestrebten Weg der Revision in Frage (Oesterhelt/Mühlemann/Bertschinger, a.a.O., N. 113 zu 

Art. 57 DBG; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 50 zu Art. 58 DBG).

5.1 Eine Revision ist jedoch selbst bei Vorliegen eines Revisionsgrunds ausgeschlossen, 
wenn die gesuchstellende Person als Revisionsgrund etwas vorbringt, das sie bei der ihr zu-

mutbaren Sorgfalt bereits im ordentlichen Verfahren hätte geltend machen können (E. 4 hier-

vor). Die Geschäftsführer einer GmbH sind u.a. zuständig für die Ausgestaltung des Rech-

nungswesens und der Finanzkontrolle sowie für die Erstellung des Geschäftsberichts inkl. Jah-

resrechnung (Art. 810 Abs. 2 Ziff. 3 und 5 des Schweizerischen Obligationenrechts [OR; 

SR 220] in der Fassung vom 1.4.2017). Die Gesellschafterversammlung als oberstes Organ 

einer GmbH ist wiederum zuständig für die Genehmigung der Jahresrechnung (Art. 804 Abs. 2 

Ziff. 5 OR). Das Sicherstellen einer handelsrechtskonformen Verbuchung der Geschäftsvorfälle 

gehört somit in den Verantwortungsbereich der Gesellschaftsorgane. Die Sorgfalt, die von der 

bilanzierenden Person erwartet werden kann, ist diejenige einer gewissenhaften, mit Bilanzie-

rungsfragen vertrauten Fachperson (Markus Berger, Probleme der Bilanzberichtigung, in: 

ASA 70 (2002) S. 539 ff., S. 547). Dementsprechend scheitern Bilanzberichtigungen über den 

Weg der Revision in den allermeisten Fällen daran, dass die zuständigen Organe die Handels-

rechtswidrigkeit der Jahresrechnung hätten erkennen müssen, bevor die Veranlagungsverfü-

gungen in Rechtskraft erwachsen sind (Markus Berger, a.a.O., S. 554).

5.2 Gemäss den Ausführungen der Vertreterin (E. 4.2 hiervor) sind zahlreiche Geschäftsvor-
fälle in grossem Umfang unrichtig verbucht und Aktiven falsch bewertet worden. Gemäss den 

überarbeiteten Jahresabschlüssen liegen die Umsätze um 24 % (2018) bzw. 19 % (2019) tiefer 

als ursprünglich gemeldet. Anstelle der Jahresgewinne von CHF 934'426.29 (2018, pag. 24) 

und CHF 635'402.34 (2019, pag. 41) resultieren nunmehr Verluste von CHF 1'201'306.82 

(2018, pag. 69) und CHF 1'367'127.14 (2019, pag. 64). Es ist schwer vorstellbar, wie es zu der-

art gravierenden Falschbuchungen hätte kommen können, wenn die Organe der Rekurrentin 

die ihnen obliegenden Aufgaben mit der erforderlichen Sorgfalt wahrgenommen hätten. Die 

Vertreterin führt hierzu bloss aus, dass die unrichtigen Jahresrechnungen 2018 und 2019 auf 

"eine systematische Falschverbuchung von spezifischen Vertragskonstellationen aufgrund einer 

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Fehleinschätzung während den zwei Jahren" zurückzuführen seien, was den Organen nicht 

vorgeworfen werden könne (Rekursschrift vom 10.12.2021, Ziff. 2.5.1). Aus dieser vagen Er-

klärung geht nicht hervor, welche besonderen Umstände es den Geschäftsführern der Rekur-

rentin verunmöglicht haben sollen, die unrichtige Verbuchungspraxis betreffend nicht definitiver 

Verkäufe und die ungenügende Wertberichtigung der Debitoren rechtzeitig zu erkennen. Weiter 

ist die Vertreterin der Auffassung, dass sich der von der Rekurrentin gewählte Verzicht auf eine 

Revisionsstelle ("opting out") nicht zu ihren Ungunsten auswirken dürfe. Dass die Rekurrentin 

auf eine Revision verzichtet, ist zwar gesellschaftsrechtlich zulässig (Art. 818 Abs. 1 i.V.m. 

Art. 727 f. OR), ändert jedoch nichts an der Zuständigkeit und Verantwortlichkeit ihrer Organe in 

Bezug auf die Ordnungsmässigkeit der Jahresrechnung. Weiter kommt es für den Ausschluss-

grund nach Art. 202 Abs. 2 StG und Art. 147 Abs. 2 DBG nur auf die (fehlende) Sorgfalt im or-

dentlichen Verfahren an. Dass die Verantwortlichen "unmittelbar nach Entdeckung des Miss-

standes gehandelt [...] und mit viel Aufwand die Fehlbuchungen korrigiert und die zwei neuen 

Jahresabschlüsse erstellt" hätten, wie die Rekurrentin zusätzlich vorbringt, spielt demnach kei-

ne Rolle. Dies gilt auch für den von der Vertreterin gemachten Vergleich mit dem umgekehrten 

Fall einer zu Ungunsten der steuerpflichtigen Person zu berichtigenden Jahresrechnung. Dass 

in einer solchen Konstellation ein Nach- und gegebenenfalls ein Strafsteuerverfahren durchge-

führt würde, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür erfüllt wären, ist zwar durchaus 

möglich (ausführlich hierzu: Markus Berger, a.a.O., S. 556); dies ändert jedoch nichts an der 

hier zu beurteilenden Sach- und Rechtslage.

5.3 Im Ergebnis steht fest, dass eine Revision der Veranlagungsverfügungen 2018 und 2019 
aufgrund des Ausschlussgrunds der ungenügenden Sorgfalt im ordentlichen Verfahren nicht 

zulässig ist. Dies gilt unabhängig davon, ob der von der Rekurrentin geltend gemachte Aus-

schlussgrund einer nachträglich entdeckten erheblichen Tatsache wirklich gegeben ist. Rekurs 

und Beschwerde sind abzuweisen. 

5.4 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Rekurrentin kostenpflichtig. Sie hat die ge-
samten Verfahrenskosten zu tragen (Art. 144 Abs. 1 und 5 DBG sowie Art. 200 Abs. 1 StG 

i.V.m. Art. 1, 2, 53, 58 und 59 des Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten 

und die Verwaltungsgebühren der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [Verfahrens-

kostendekret, VKD; BSG 161.12]). Diese werden vorliegend auf eine Pauschalgebühr von 

CHF 1'200.-- bestimmt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss verrechnet. 

Da die Rekurrentin im vorliegenden Fall unterliegt, werden keine Parteikosten gesprochen 

(Art. 200 Abs. 4 StG sowie Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 

20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; 

SR 172.021]).

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Aus diesen Gründen wird erkannt:

1. Der Rekurs betreffend Revision der Veranlagungsverfügung betreffend die kantonalen 

Steuern 2018 wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.

2. Die Beschwerde betreffend Revision der Veranlagungsverfügung betreffend die direkte 

Bundessteuer 2018 wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.

3. Der Rekurs betreffend Revision der Veranlagungsverfügung betreffend die kantonalen 

Steuern 2019 wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.

4. Die Beschwerde betreffend Revision der Veranlagungsverfügung betreffend die direkte 

Bundessteuer 2019 wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden kann.

5. Die Kosten für das Verfahren vor der Steuerrekurskommission, bestimmt auf eine Pau-

schalgebühr von CHF 1'200.--, werden der Rekurrentin zur Bezahlung auferlegt.

6. Es werden keine Parteikosten erhoben.

7. Gegen den Entscheid betreffend die kantonalen Steuern kann innert 30 Tagen seit 
der Eröffnung beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Speichergasse 12, 
3011 Bern, Beschwerde erhoben werden. Die Frist ist eingehalten, wenn die Rechts-
schrift am letzten Tag der Frist einer schweizerischen Poststelle übergeben wird. Die Be-

schwerdeschrift ist in 3-facher Ausfertigung einzureichen. Sie muss von der beschwer-
deführenden Person selbst oder von einem zur Prozessführung vor bernischen Gerichten 

ermächtigten Anwalt verfasst und unterzeichnet sein (Art. 15 Abs. 4 VRPG). Die Rechts-

schrift hat insbesondere das Rechtsbegehren und die Begründung zu enthalten. Der 
angefochtene Entscheid ist beizulegen. 

Gegen den Entscheid betreffend die direkte Bundessteuer kann innert 30 Tagen seit 
der Eröffnung beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Speichergasse 12, 
3011 Bern, Beschwerde erhoben werden (Art. 145 DBG i.V.m. Art. 9 Abs. 3 BStV). 
Die Frist ist eingehalten, wenn die Rechtsschrift am letzten Tag der Frist einer schweizeri-

schen Poststelle übergeben wird. Die Beschwerdeschrift ist in 3-facher Ausfertigung 
einzureichen. Sie muss von der beschwerdeführenden Person selbst oder von einem zur 

Prozessführung vor bernischen Gerichten ermächtigten Anwalt verfasst und unterzeichnet 

sein (Art. 15 Abs. 4 VRPG). Die Rechtsschrift hat insbesondere das Rechtsbegehren und 
die Begründung zu enthalten. Der angefochtene Entscheid ist beizulegen. 

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Wird beim Verwaltungsgericht für die kantonalen Steuern und die direkte Bundes-
steuer Beschwerde erhoben, können diese, soweit den gleichen Gegenstand betref-
fend, in einer gemeinsamen Rechtsschrift eingereicht werden. Sie hat insbesondere 
die jeweiligen Rechtsbegehren sowie die Begründungen zu enthalten.

8. Zu eröffnen an:

▪ C.________ GmbH zuhanden der A.________ GmbH 

▪ Steuerverwaltung des Kantons Bern 

▪ Eidgenössische Steuerverwaltung

▪ Gemeinde D.________

IM NAMEN DER STEUERREKURSKOMMISSION
DES KANTONS BERN

Die Richterin Der Gerichtsschreiber

Cuccarède Leumann