# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c17fc63e-ca53-5a60-8280-0cc6e1c0a63c
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-04-04
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 04.04.2025 470 2025 25 (470 25 25)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_470-2025-25_2025-04-04.pdf

## Full Text

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Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 

4. Juni 2025 (470 25 25) 

____________________________________________________________________ 

 

 

 

Strafprozessrecht 

 

 

Verfahrenseinstellung 

 

 

Ersucht eine 28-jährige Person in abgemagertem Ernährungszustand um assistierten 

Suizid, ist deren Urteilsfähigkeit sorgfältig abzuklären. Dabei kann es kaum als sorg-

faltspflichtkonform eingestuft werden, wenn zur Beurteilung der Urteilsfähigkeit einer 

solchen suizidwilligen Person auf die von dieser (selektiv) vorgelegten (Patienten-) 

Unterlagen abgestützt wird und darüber hinaus lediglich ein Anästhesist ein einziges, 

rund einstündiges Gespräch mit der sterbewilligen Person führt. Im vorliegenden Fall 

hat die Staatsanwaltschaft weitere Untersuchungshandlungen (im Sinne der Erwägun-

gen) vorzunehmen und danach Anklage an das Strafgericht zu erheben. 

 

  

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Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richterin Isabella Schibli (Ref.), 

Richter Stephan Gass; Gerichtsschreiber Florian Jenal 

 

 
Parteien A.____ und B.____, 

Beschwerdeführer 
  

 

gegen 

 

 
 Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, 

Hauptabteilung Allgemeine Delikte, 

Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz,  

Beschwerdegegnerin 

 

C.____  

Beschuldigter 1 

 

D.____ 

Beschuldigter 2 

 
Gegenstand Verfahrenseinstellung 

(Beschwerden gegen die Einstellungsverfügungen der 

Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom 27. Januar 2025) 

 

  

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A. Mit Verfügungen vom 27. Januar 2025 stellte die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, 

Hauptabteilung Allgemeine Delikte (nachfolgend: Staatsanwaltschaft), die gegen Dr. med. 

C.____ (Verfahren MU1 23 2374 etc.) und D.____ (Verfahren MU1 23 2375 etc.) wegen des 

Straftatbestands der fahrlässigen Tötung gemäss Art. 117 des Schweizerischen Strafgesetz-

buchs vom 21. Dezember 1937 (StGB; SR 311.0) geführten Strafverfahren in Anwendung von 

Art. 319 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Oktober 2007 (StPO; 

SR 312.0) ein (Ziffer 1), verwies die Zivilklagen der Privatkläger auf den Zivilweg (Ziffer 2), 

nahm die Verfahrenskosten auf die Staatskasse (Ziffer 3), ordnete an, dass über die Ansprüche 

der Beschuldigten auf Entschädigung und Genugtuung gemäss Art. 429 StPO nach Rechtskraft 

der Einstellung mit separater Verfügung entschieden werde und setzte den Beschuldigten eine 

Frist von 30 Tagen zur Anmeldung, Bezifferung und soweit möglich Belegung allfälliger noch 

nicht geltend gemachter Ansprüche unter Angabe der Bankverbindung (Ziffer 4). 

 

Auf die Begründung dieser beiden Verfügungen sowie der nachfolgenden Eingaben der Partei-

en wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen des vorliegenden Beschlusses einge-

gangen. 

 

B. Gegen die obgenannten Einstellungsverfügungen erhoben die Privatkläger und Ehegat-

ten A.____ und B.____, beide vertreten durch Advokatin Dr. Ursula Fuchs (nachfolgend: Be-

schwerdeführende), mit Eingaben vom 6. Februar 2025 Beschwerde beim Kantonsgericht Ba-

sel-Landschaft, Abteilung Strafrecht (nachfolgend: Kantonsgericht), und beantragten in den je-

weiligen Rechtsmittelschriften, (1.) es sei die jeweilige Einstellungsverfügung der Staatsanwalt-

schaft vom 27. Januar 2025 aufzuheben; (2.) und es sei die Staatsanwaltschaft anzuweisen, die 

Strafuntersuchung fortzuführen sowie eine Zeugin zu befragen; (3.) dies alles unter o/e-

Kostenfolge. 

 

C. Mit Verfügungen vom 10. Februar 2025 setzte das Kantonsgericht den Beschwerdefüh-

renden gestützt auf Art. 383 Abs. 1 StPO nicht erstreckbare Fristen zur Leistung einer Sicher-

heit von jeweils CHF 750.00 pro Beschwerdeverfahren bis zum 21. Februar 2025, wobei die 

Beschwerdeführenden unter Verweis auf Art. 383 Abs. 2 StPO darauf hingewiesen wurden, 

dass bei nicht fristgerechter Leistung der Sicherheit auf die jeweilige Beschwerde nicht einge-

treten werde. 

 

D. Die Staatsanwaltschaft begehrte in ihren Stellungnahmen, beide jeweils datierend vom 

21. Februar 2025, die vollumfängliche Abweisung der Beschwerden unter Auferlegung der Ver-

fahrenskosten an die Beschwerdeführenden. 

 

E. Der Beschuldigte Dr. med. C.____, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Stephan Schlegel 

(nachfolgend: Beschuldigter 1), beantragte mit Stellungnahme vom 24. Februar 2025 die Ab-

weisung der Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer. 

 

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F. Ebenso begehrte der Beschuldigte D.____, vertreten durch Advokat Peter Bürkli (nach-

folgend: Beschuldigter 2), mit Stellungnahme vom 24. Februar 2025 die Abweisung der Be-

schwerde unter o/e-Kostenfolge. Zudem ersuchte er um Ansetzung einer Frist zur Geltendma-

chung einer allfälligen Parteientschädigung. 

 

G. Mit kantonsgerichtlichen Verfügungen vom 28. Februar 2025 wurde festgestellt, dass die 

Beschwerdeführenden die eingeforderten Sicherheitsleistungen fristgerecht erbracht haben, 

und es wurde der jeweilige Schriftenwechsel geschlossen. 

 

H. Schliesslich reichte Advokat Peter Bürkli mit Eingabe vom 11. März 2025 seine Hono-

rarnote zu den Akten. 

 

 

Erwägungen 

Formelles 

1.1 Sowohl die eng zusammenhängenden Rechtsmittel – beide datierend vom 

6. Februar 2025 – als auch die angefochtenen Einstellungsverfügungen – beide datierend vom 

27. Januar 2025 – beziehen sich im Kern auf denselben Lebenssachverhalt und weisen inhalt-

lich nur geringfügige Unterschiede auf. Zudem werfen beide Beschwerden vom 6. Februar 2025 

ähnliche Rechtsfragen auf. Es rechtfertigt sich daher, die Verfahren zu vereinigen und die Be-

schwerden in einem einzigen Beschluss zu behandeln. 

 

1.2 Die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts, Abteilung Strafrecht, als 

Rechtsmittelinstanz zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerden ergibt sich aus Art. 20 

Abs. 1 lit. b und Abs. 2 StPO sowie aus § 15 Abs. 2 des Einführungsgesetzes zur Schweizeri-

schen Strafprozessordnung vom 12. März 2009 (EG StPO; SGS 250). Nach Art. 322 

Abs. 2 StPO sowie Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO ist gegen eine Einstellungsverfügung der Staats-

anwaltschaft die Beschwerde zulässig. Gemäss Abs. 2 von Art. 393 StPO können mit der Be-

schwerde gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch 

des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a); die unvollständige oder 

unrichtige Feststellung des Sachverhaltes (lit. b); sowie Unangemessenheit (lit. c). In Anwen-

dung von Art. 322 Abs. 2 StPO in Verbindung mit Art. 396 Abs. 1 StPO ist die Beschwerde ge-

gen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide innert zehn Tagen schriftlich und begründet 

bei der Beschwerdeinstanz einzureichen. Die Legitimation zur Ergreifung des Rechtsmittels 

schliesslich wird in Art. 382 Abs. 1 StPO sowie Art. 322 Abs. 2 StPO normiert. Danach kann 

jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Ent-

scheides hat, ein Rechtsmittel ergreifen. 

 

Bei den Beschwerdeführenden handelt es sich um die Eltern des Verstorbenen †E.____. Als 

nahen Angehörigen ist ihnen in einer Strafuntersuchung wegen eines potenziellen Tötungsde-

likts grundsätzlich Opferangehörigeneigenschaft im Sinne von Art. 116 Abs. 2 StPO zuzuerken-

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nen (vgl. BGE 139 IV 89 E. 2.3; GORAN MAZZUCCHELLI  /  MARIO POSTIZZI, Basler Kommentar 

StPO, 3. Aufl. 2023, Art. 116 N 9). Gemäss Art. 117 Abs. 3 StPO stehen den Opferangehörigen 

im Sinne von Art. 116 Abs. 2 StPO, welche Zivilansprüche geltend machen, die gleichen Rechte 

wie dem Opfer zu. Aus der in Art. 117 Abs. 3 StPO enthaltenen Formulierung «die gleichen 

Rechte» erhellt, dass sich die Opferangehörigen sowohl als Zivil- als auch als Strafkläger am 

Verfahren beteiligen können, wenn sie Zivilforderungen aus eigenem Recht geltend machen 

(vgl. BGE 139 IV 89 E. 2.2). 

 

Vorliegend haben sich die Beschwerdeführenden mit an die Staatsanwaltschaft gerichteter Ein-

gabe vom 23. September 2022 ausdrücklich als Privatklägerschaft sowohl im Straf- als auch im 

Zivilpunkt konstituiert und angekündigt, ihre Zivilforderungen zu einem späteren Zeitpunkt zu 

beziffern (vgl. act. 189 f.). Dass die Beschwerdeführenden potenziell unter anderem über einen 

Anspruch auf Genugtuung gestützt auf Art. 47 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung 

des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht) vom 30. März 1911 

(OR; SR 220) verfügen könnten, liegt auf der Hand (vgl. BGE 138 IV 186 E. 1.4.2; BGer 

6B_1024/2018 vom 7. Februar 2019 E. 1.2). Die Beschwerdeführenden haben sich demnach 

gemäss Art. 118 Abs. 1 StPO in Verbindung mit Art. 116 Abs. 2 StPO sowie Art. 117 

Abs. 3 StPO als Partei im Sinne von Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO konstituiert. Überdies sind sie 

als Opferangehörige im Sinne von Art. 116 Abs. 2 StPO durch die beiden angefochtenen Ein-

stellungsverfügungen der Staatsanwaltschaft vom 27. Januar 2025 unmittelbar in ihren Rechten 

betroffen, womit ihre Beschwerdelegitimation in Bezug auf diese Entscheide zu bejahen ist. 

Nachdem im Übrigen die angefochtenen Verfügungen taugliche Anfechtungsobjekte darstellen, 

die Beschwerdeführenden zulässige Rügen erheben, die Rechtsmittelfrist gewahrt haben sowie 

ihrer Begründungspflicht nachgekommen sind, ist im Folgenden ohne Weiteres auf die vorlie-

genden Rechtsmittel einzutreten. 

 

Parteistandpunkte 

2.1 Die Staatsanwaltschaft führt in den angefochtenen Einstellungsverfügungen aus, dem 

Beschuldigten 1 werde vorgeworfen, am 27. April 2022 die Urteilsfähigkeit von †E.____ attes-

tiert zu haben, obschon dessen (mutmassliche) Urteilsunfähigkeit für den Beschuldigten 1 bei 

Anwendung pflichtgemässer Sorgfalt erkennbar gewesen wäre. Dem Beschuldigten 2 werde 

sodann vorgeworfen, †E.____ am 28. April 2022 in den Räumlichkeiten der F.____ in den Tod 

begleitet zu haben, obschon für den Beschuldigten 2 die zu diesem Zeitpunkt (mutmasslich be-

stehende) Urteilsunfähigkeit des Sterbewilligen im Hinblick auf dessen Sterbewunsch erkennbar 

gewesen wäre. 

 

Der Privatkläger und Vater des Verstorbenen habe ausgesagt, †E.____ sei im April 2022 nicht 

urteilsfähig gewesen. Er habe irrational gehandelt und seine Gemütslage sei instabil gewesen. 

Er habe einerseits nach medizinischer Behandlung verlangt und von Zukunftsplänen berichtet, 

andererseits habe er sich in einem verzweifelten Zustand befunden. Er habe sich isoliert und 

stark abgenommen. Er habe an Schmerzen an der Hornhaut gelitten, welche seine Urteilsfähig-

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keit beeinträchtigt hätten. Der Vater des Verstorbenen habe jedoch ebenso erwähnt, †E.____ 

habe teilweise keine Schmerzen gehabt. Aus Berichten, welche nach dessen Suizid erstellt 

worden seien, gehe hervor, dass er von Dezember 2021 bis April 2022 aufgrund einer Angst- 

und Depressions-Problematik bei einer Psychologin in Behandlung gewesen sei. Diese sowie 

ein weiterer Arzt hätten †E.____ geraten, psychiatrische Hilfe zu suchen. Zu einer Konsultation 

eines Psychiaters sei es aber aufgrund des Suizids nicht mehr gekommen. Laut Aussagen des 

Vaters von †E.____ sei dieser in der Lage gewesen, seine psychischen Probleme auch in län-

geren Gesprächen vor Drittpersonen zu verheimlichen. †E.____ habe gegenüber der F.____ 

unterschriftlich bestätigt, weder eine psychische noch eine neurologische Krankheit bescheinigt 

erhalten zu haben. In denjenigen Dokumenten, welche er der Suizidbeihilfeorganisation einge-

reicht habe, sei lediglich von körperlichen Erkrankungen die Rede gewesen. Ferner habe 

G.____, welche beim Suizid von †E.____ persönlich anwesend gewesen sei, zu Protokoll ge-

geben, dieser sei zum inkriminierten Zeitpunkt absolut unauffällig gewesen. Es habe ihres Er-

achtens vor seinem Tod keine Anzeichen oder Hinweise gegeben, dass er an einer psychi-

schen Erkrankung gelitten habe. Depressive Symptome oder Depressionen seien nie ein The-

ma gewesen, ansonsten ein Psychiater beigezogen worden wäre. 

 

Der Beschuldigte 1 bestreite den ihm gegenüber erhobenen Vorwurf. Er habe geltend gemacht, 

er habe von der F.____ lediglich den Auftrag erhalten, einen Patienten zu beurteilen, wofür er 

analog der Tarmed-Regelungen und somit unabhängig vom Resultat seiner Beurteilung ent-

schädigt werde. Er habe die Unterlagen bezüglich †E.____ von der F.____ erhalten, worauf er 

dieser mitgeteilt habe, aus den Unterlagen würde sich aus seiner Sicht keine Kontraindikation 

für eine Suizidbegleitung ergeben. Insbesondere habe die Dokumentation keine Hinweise auf 

eine psychiatrische Erkrankung aus dem Formenkreis enthalten, welche für ihn sämtliche rele-

vanten Erkrankungen bezüglich der Urteilsfähigkeit umfasse. Der Beschuldigte 1 habe sodann 

†E.____ am Nachmittag des 27. April 2024 [recte: 2022] zum ersten Mal gesehen und mit die-

sem ein einstündiges Gespräch in X.____ geführt, um die Urteilsfähigkeit bezüglich des Ster-

bewunsches beurteilen zu können. Für den Beschuldigten 1 sei die Urteilsfähigkeit damals ein-

deutig gegeben gewesen. †E.____ habe ihm gegenüber auf Nachfrage auch ausdrücklich das 

Bestehen psychischer Probleme verneint. 

 

Auch der Beschuldigte 2 bestreite den ihm gegenüber erhobenen Vorwurf. Er habe geltend ge-

macht, †E.____ sei anlässlich der Suizidbegleitung urteilsfähig gewesen bzw. habe einen ur-

teilsfähigen Eindruck gemacht. Die Urteilsfähigkeit sei von einem unabhängigen Arzt festgestellt 

worden. Ohne Attestierung der Urteilsfähigkeit wäre die Suizidbegleitung nicht durchgeführt 

worden. Der Beschuldigte habe auch aufgrund seiner eigenen Wahrnehmungen keinen Grund 

gehabt, an der Urteilsfähigkeit von †E.____ zu zweifeln. Dieser habe dem Beschuldigten 2 auch 

nicht von psychischen Problemen berichtet. Es habe keine Anzeichen oder Hinweise gegeben, 

wonach †E.____ an Depressionen oder einer sonstigen psychischen Erkrankung gelitten hätte. 

 

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Insgesamt habe die Strafuntersuchung somit keine Beweise zutage gefördert, welche auf eine 

Urteilsunfähigkeit von †E.____ schliessen liessen bzw. nahelegen würden, der Beschuldigte 1 

habe die Urteilsfähigkeit von †E.____ bewusst falsch attestiert. Ebenso habe die Strafuntersu-

chung keine Beweise erbracht, wonach der Beschuldigte 2 die Urteilsunfähigkeit von †E.____ in 

Bezug auf dessen Sterbewunsch hätte annehmen müssen. Dementsprechend seien die gegen 

den Beschuldigten 1 und den Beschuldigten 2 geführten Strafverfahren gestützt auf Art. 319 

Abs. 1 lit. a StPO einzustellen. 

 

2.2 Die Beschwerdeführenden machen in ihren Beschwerden vom 6. Februar 2025 dem-

gegenüber zusammengefasst geltend, die Staatsanwaltschaft habe den Sachverhalt unrichtig 

festgestellt, weil – so die Beschwerdeführenden – bei pflichtgemässer Sorgfalt erkennbar ge-

wesen wäre, dass †E.____ während der inkriminierten Zeitspanne nicht urteilsfähig gewesen 

sei.  

 

Dies ergebe sich zunächst aus den vom Beschwerdeführer A.____ gegenüber der Staatsan-

waltschaft getätigten Depositionen, wonach sein Sohn †E.____ im April 2022 stark abgenom-

men, sich isoliert und irrational gehandelt habe. Überdies habe die Staatsanwaltschaft in der 

angefochtenen Einstellungsverfügung zwar korrekt festgehalten, dass aus Berichten, welche 

die Beschwerdeführenden bei der Staatsanwaltschaft eingereicht hätten, hervorgehe, †E.____ 

sei von Dezember 2021 bis April 2022 wegen einer Angst und Depressions-Problematik bei 

einer Psychologin in Behandlung gewesen, weshalb sowohl die fragliche Psychologin als auch 

ein weiterer Arzt eine Behandlung durch eine psychiatrische Fachperson angeraten hätten. 

Entgegen den Feststellungen der Staatsanwaltschaft sei die Depression von †E.____ jedoch für 

Ärzte erkennbar gewesen bzw. habe er diese Problematik vor medizinischen Fachpersonen 

nicht verheimlichen können. Des Weiteren sei der in der Einstellungsverfügung dargestellte 

Sachverhalt auch insofern unzutreffend, als ausgeführt werde, aus den von †E.____ bei der 

Suizidbeihilfeorganisation F.____ eingereichten medizinischen Unterlagen seien lediglich kör-

perliche Erkrankungen ersichtlich gewesen. Vielmehr gehe aus einem von Dr. H.____ ausge-

stellten Arztbericht («Certificat») vom 8. März 2022 hervor, die von †E.____ geschilderten Au-

genschmerzen hätten die Charakteristika neuropathischer Schmerzen aufgewiesen. Ärzten sei 

diesbezüglich bekannt, dass neuropathische Schmerzen auf psychische Probleme bzw. auf 

eine Depression hinweisen könnten bzw. dass ein Zusammenhang zwischen chronischen 

Schmerzen und Depressionen bestehe. Entgegen der Staatsanwaltschaft hätten somit erkenn-

bare Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Verstorbenen vorgelegen. Im Arztbericht 

von Dr. H.____ vom 8. März 2022 werde ferner festgehalten, die bei †E.____ diagnostizierte 

Augentrockenheit sei von mässiger Intensität gewesen («il s’agit d’une sècheresse oculaire 

d’intensité modérée»). In diesem Zusammenhang habe Dr. H.____ ferner ausgeführt, er habe 

dem Verstorbenen erklärt, es gebe vielschichtige Möglichkeiten, die diagnostizierte Augentro-

ckenheit zu behandeln, zumal diese bei ihm von nur mässiger Intensität gewesen sei («il existe 

de multi façons de traiter les sècheresses oculaires à fortiori quand elles ne sont que modérées 

comme dans son cas»). Demgegenüber habe sich der Beschuldigte 1 in dessen Beurteilung 

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der Urteilsfähigkeit von †E.____ im Hinblick auf dessen Todeswunsch mit keinem Wort mit dem 

Arztbericht von Dr. H.____ auseinandergesetzt und lediglich festgehalten, die Augenerkrankung 

des Verstorbenen sei nicht behandel- bzw. heilbar gewesen. 

 

Ferner sei dem Internetauftritt der F.____ zu entnehmen, dass bei Vorliegen einer psychiatri-

schen oder neurologischen Diagnose für eine Suizidbeihilfe die Konsultation einer Fachperson 

auf dem entsprechenden Fachgebiet erforderlich sei. Dasselbe müsse auch bei Vorliegen neu-

ropathischer Schmerzen gelten, weil solche auf psychische Probleme schliessen liessen. 

 

Zudem habe der Verstorbene bei der F.____ lediglich einen einzigen Arztbericht des ihn be-

handelnden Augenspezialisten sowie eine kurze Biographie eingereicht. Aus diesen Unterlagen 

sei ersichtlich gewesen, dass es sich um einen 28-jährigen Mann mit guter Ausbildung gehan-

delt habe, der an einer Augenerkrankung von moderater Ausgeprägtheit verbunden mit chroni-

schen – aber behandelbaren – Schmerzen gelitten habe. Es sei davon auszugehen, dass der 

Beschuldigte 2 diese Unterlagen selbst validiert habe. Aufgrund seiner Funktion bei der F.____ 

sowie seiner Erfahrung im Bereich der Suizidbeihilfe hätte er – so die Beschwerdeführenden – 

im Lichte der ihm vorliegenden Unterlagen zumindest starke Zweifel an der Urteilsfähigkeit von 

†E.____ haben müssen. Überdies habe der Beschuldigte 2 nach Ansicht der Beschwerdefüh-

renden wissen müssen, dass der von der F.____ beauftragte Beschuldigte 1 Anästhesist und 

nicht Psychiater oder Neurologe sei. Entsprechend hätten sich dem Beschuldigten 2 gemäss 

den Ausführungen der Beschwerdeführenden auch aus diesem Grund starke Zweifel an der 

Urteilsfähigkeit von †E.____ aufdrängen müssen. 

 

Im Übrigen habe die Staatsanwaltschaft den Beweisantrag der Beschwerdeführenden, wonach 

eine Person, welche in den Akten als «I.____» bezeichnet werde, zu befragen sei, zu Unrecht 

abgewiesen. Aus den Verfahrensakten ergebe sich nämlich, dass die fragliche Person mit dem 

Namen «I.____» für die F.____ tätig sei und †E.____ mutmasslich bis zu seiner Einreise in die 

Schweiz einzig mit dieser Person in Kontakt gestanden sei. Entsprechend könne «I.____» vo-

raussichtlich Auskunft über den psychischen Zustand von †E.____ vor dessen Suizid geben 

sowie darüber, ob «I.____» sich mit den Beschuldigten hinsichtlich der Urteilsfähigkeit des Ver-

storbenen ausgetauscht habe. Ebenso könne «I.____» allenfalls erhellen, wer die von †E.____ 

bei der F.____ eingereichten Unterlagen validiert habe. Überdies könne «I.____» gegebenen-

falls Angaben dazu machen, ob dem Wunsch des Verstorbenen, ein Arzt möge sich nach 

Durchsicht seines Dossiers telefonisch mit ihm in Verbindung setzen, nachgekommen worden 

sei. 

 

Die angefochtenen Einstellungsverfügungen seien dementsprechend aufzuheben und die Sa-

che zur Fortführung der Untersuchung an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen. 

 

2.3 Die Staatsanwaltschaft begehrt mit ihren Stellungnahmen – beide datierend vom 

21. Februar 2025 – die Abweisung der Beschwerden und verweist im Grundsatz auf die Be-

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gründung in den angefochtenen Verfügungen. Ergänzend führt sie zusammengefasst ins Feld, 

aus den Unterlagen, welche den Beschuldigten vorgelegen hätten, hätten sich keine Anhalts-

punkte für eine Urteilsunfähigkeit ergeben. †E.____ habe zudem gegenüber den Beschuldigten 

psychische Probleme verneint. Wenn die Beschuldigten keine Anzeichen für eine Urteilsfähig-

keit hätten erkennen können, so greife die Argumentation der Beschwerdeführenden nicht, wo-

nach †E.____ eine Urteilsunfähigkeit vor Ärzten nicht hätte verheimlichen können. Soweit in 

den Beschwerden auf einen Zusammenhang zwischen neuropathischen Schmerzen und De-

pressionen hingewiesen werde, bleibe im Dunkeln, ob derartige Auswirkungen in casu tatsäch-

lich vorgelegen hätten. Zudem beinhalte die persönliche Freiheit auch das Recht, seinem Leben 

ein Ende zu setzen. Dabei sei es nur schwer objektivierbar, wie eine Person ihre Lebensqualität 

angesichts einer bestehenden Krankheit einordne. Eine Suizidbegleitung sei insofern auch 

dann zulässig, wenn eine Person weitere Therapien als unzumutbar ablehne. Hinsichtlich des 

Beweisantrags der Beschwerdeführenden auf Befragung der als «I.____» bezeichneten Person 

hält die Staatsanwaltschaft ferner fest, sie halte eine solche als nach wie vor für nicht erforder-

lich. Abschliessend verweist die Staatsanwaltschaft auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, 

wonach die Suizidbeihilfe selbst bei Personen mit psychischen Erkrankungen nicht ausge-

schlossen sei und es in diesem Zusammenhang in einem jüngeren Bundesgerichtsurteil als 

zulässig erachtet worden sei, dass einer psychisch kranken Person ohne Beizug eines psychi-

atrischen Fachgutachtens bei deren Suizid assistiert worden sei. 

 

2.4 Der Beschuldigte 1 beantragt mit Stellungnahme vom 24. Februar 2025 die Abweisung 

der ihn betreffenden Beschwerde und macht zusammengefasst geltend, die Beschwerdeführer 

würden seine Aufgabe im vorliegenden Fall verkennen. Er sei mit der Abgabe einer «ärztlichen 

Beurteilung» der Urteilsfähigkeit betraut gewesen. Demgegenüber sei er nicht beauftragt wor-

den, ein «ärztliches Gutachten» zur Urteilsfähigkeit zu verfassen. Eine ärztliche Beurteilung 

könne sich nur stützen auf die schriftlichen und mündlichen Angaben des Patienten, die von 

diesem vorgelegten Unterlagen sowie die eigenen Wahrnehmungen und Beobachtungen, wel-

che der Beschuldigte 1 vom Patienten gemacht habe. Auf Angaben, die von der zu beurteilen-

den Person verschwiegen werden, könne sich eine solche Evaluation nicht stützen. Eine vertief-

te Abklärung könne nur dort angezeigt sein, wo «Inkongruenzen» zwischen berichteten und 

wahrnehmbaren Elementen bestehen würden. Der Beschuldigte 1 habe sich daher «auftrags-

gemäss» nur auf die Unterlagen und Informationen stützen können, die ihm vom Verstorbenen 

zur Verfügung gestellt worden seien. Bei seiner Beurteilung habe er sich an den Medizin-

ethischen Richtlinien der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften 

(SAMW) «Urteilsfähigkeit in der medizinischen Praxis» orientiert. Gemäss diesen Richtlinien sei 

grundsätzlich von Urteilsfähigkeit auszugehen. Gegenteiliges könne nur angenommen werden, 

wenn eine signifikante Einschränkung mentaler Fähigkeiten vorliege. Der Beschuldigte 1 habe 

mit †E.____ ein einstündiges Gespräch in französischer Sprache geführt. Er habe in seiner Be-

urteilung dargelegt, der Verstorbene habe an einer Keraconjunktivis sicca, einer Photophobie, 

erheblichen Sehstörungen und einem permanenten Schmerzzustand der Augen gelitten. Über-

dies habe der Beschuldigte 1 dargelegt, es bestehe keine kurative Behandlungsmöglichkeit für 

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diese Leiden. Der Verstorbene habe ihm gegenüber erklärt, seine gesundheitlichen Einschrän-

kungen seien mit seinem Entwurf von Lebensqualität nicht vereinbar gewesen. †E.____ habe 

sich in einem euthymischen (d.h. ausgeglichenen) Zustand befunden und sei offensichtlich zu 

Zeit, Ort, Person und Umständen orientiert gewesen. Es hätten weder Anzeichen für eine Er-

krankung des psychiatrischen Formenkreises noch für eine Fremdbestimmung bestanden. An 

den Richtlinien der SAMW orientiert, habe der Beschuldigte 1 aufgrund seiner Berufserfahrung 

und aus der Sicht seines Fachgebietes heraus keine Beeinträchtigung feststellen können, wel-

che die Urteilsfähigkeit hinsichtlich des Sterbewunsches infrage gestellt hätten. Der Beschuldig-

te 1 habe insofern sämtliche notwendigen Abklärungen vorgenommen. Im Übrigen seien dieje-

nigen Unterlagen, welche im Nachgang zum Suizid des Verstorbenen erstellt bzw. zu den Akten 

gereicht worden seien, dem Beschuldigten 1 im inkriminierten Zeitpunkt nicht vorgelegen, wes-

halb aus diesen nichts zu seinen Lasten abgeleitet werden könne. Ebenso wenig belaste den 

Beschuldigten 1 der Umstand, wonach im Arztbericht, welcher ihm vorgelegen sei, von neuro-

pathischen Schmerzen die Rede sei. Grundsätzlich zutreffend sei zwar, dass neuropathische 

Schmerzen auf psychische Probleme bzw. eine Depression hinweisen könnten, dies sei jedoch 

nicht zwingend. Soweit die Beschwerdeführenden schliesslich darauf hinweisen würden, ge-

mäss dem aktenkundigen Arztbericht vom 8. März 2022 hätten vielfältige Behandlungsmöglich-

keiten für die Beschwerden des Verstorbenen bestanden, bedeute dies nicht, dessen Leiden 

seien auch kurativ behandelbar bzw. heilbar gewesen. Denn aus den Akten ergebe sich nicht, 

dass eine Heilung von †E.____ möglich gewesen wäre. 

 

2.5 Der Beschuldigte 2 begehrt mit Stellungnahme vom 24. Februar 2025 ebenfalls die 

Abweisung der ihn betreffenden Beschwerde vom 6. Februar 2025 und macht zusammenge-

fasst geltend, in der Rechtsmittelschrift werde insinuiert, er sei selbst Arzt. Dies sei unzutref-

fend. Vielmehr habe der Beschuldigte 1 (und nicht der Beschuldigte 2) die Urteilsfähigkeit von 

†E.____ am 27. April 2022 ärztlich attestiert. Soweit die Beschwerdeführenden geltend machen 

würden, der Verstorbene habe an neuropathischen Schmerzen bzw. an einer Depression gelit-

ten, welche seine Urteilsfähigkeit beeinflusst habe, lasse sich dies durch die Akten nicht bele-

gen, zumal in einem vom 11. Februar 2022 datierenden, von Dr. J.____ ausgestellten Arztbe-

richt festgehalten werde, dass beim Verstorbenen klinisch keine Hinweise auf eine periphere 

Neuropathie hätten festgestellt werden können. Weder die Abklärungen seitens der F.____ 

noch jene durch den Beschuldigten 1 hätten Hinweise auf eine Urteilsunfähigkeit zutage geför-

dert. Der Beschuldigte 2 habe zudem die Urteilsfähigkeit von †E.____ im Vorfeld der Suizidbe-

gleitung am 28. April 2022 nochmals geprüft und sodann bejaht. Die Frage, ob die Augenbe-

schwerden von †E.____ behandelbar gewesen seien, sei für die Frage der strafrechtlichen Ver-

antwortlichkeit nicht relevant, wobei den Akten auch kein Nachweis zu entnehmen sei, wonach 

die Beschwerden des Verstorbenen heilbar gewesen wären. Überdies habe eine Legalinspekti-

on durch das Institut für Rechtsmedizin der Universität Basel (nachfolgend: IRM Basel) keine 

Hinweise ergeben, wonach im vorliegenden Fall ein psychiatrisches Gutachten bezüglich der 

Urteilsfähigkeit des Verstorbenen erforderlich gewesen sei. Der Beschuldigte 2 habe sich dem-

entsprechend auf die Bestätigung der Urteilsfähigkeit des Verstorbenen durch den Beschuldig-

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Seite 11  http://www.bl.ch/kantonsgericht 
 
 

ten 1 verlassen dürfen. Dieser habe als Fachperson die Urteilsfähigkeit von †E.____ unmittel-

bar vor dessen Suizid umfassend geprüft. Dabei sei auch die Konstanz des Sterbewunsches 

des Verstorbenen geprüft und bejaht worden. 

 

Voraussetzungen der Verfahrenseinstellung 

3.1 Gemäss Art. 319 Abs. 1 StPO stellt die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren vollstän-

dig oder teilweise ein, wenn sich kein Tatverdacht erhärtet, der eine Anklage rechtfertigt (lit. a), 

kein Straftatbestand erfüllt ist (lit. b), Rechtfertigungsgründe einen Straftatbestand unanwendbar 

machen (lit. c), Prozessvoraussetzungen definitiv nicht erfüllt werden können oder Prozesshin-

dernisse aufgetreten sind (lit. d) oder nach gesetzlicher Vorschrift auf Strafverfolgung oder Be-

strafung verzichtet werden kann (lit. e). Die Gründe gemäss Art. 319 Abs. 1 lit. a bis d StPO 

verstehen sich als zwingend und führen somit ausnahmslos zur Einstellung des Verfahrens 

(vgl. MATTHIAS HEINIGER/RONNY RICKLI, Basler Kommentar StPO, 3. Aufl. 2023, Art. 319 N 6; 

THOMAS BOSSHARD/NATHAN LANDSHUT, Zürcher Kommentar StPO, 3. Aufl. 2020, Art. 319 N 14). 

 

3.2 Nach Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO ist das Verfahren einzustellen, wenn kein Tatverdacht 

erhärtet ist, der eine Anklage rechtfertigt. Kein die Anklage rechtfertigender Tatverdacht im Sin-

ne von Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO besteht dann, wenn im Vorverfahren der ursprünglich vorhan-

dene Anfangsverdacht nicht in einem Masse erhärtet werden konnte, welches eine Anklage 

rechtfertigt. Allerdings hat die Staatsanwaltschaft bei der Frage, ob ein solcher Tatverdacht 

(nicht) besteht, Zurückhaltung zu üben. Widersprechen sich Beweise, so ist es nicht Sache der 

Staatsanwaltschaft, eine Beweiswürdigung vorzunehmen (Botschaft zur Vereinheitlichung des 

Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005 [Botschaft StPO], BBl 2006 1085 ff., 1273). In 

Zweifelsfällen in sachverhalts- und beweismässiger Hinsicht sowie vor allem in rechtlichen Be-

langen ist die Angelegenheit in Anwendung des Grundsatzes «in dubio pro duriore» an das 

Sachgericht zu überweisen und es ist dem Gericht zu überlassen, den Entscheid zu fällen 

(vgl. BGer 6B_388/2019 vom 8. Juli 2019 E. 2.1.1; BGer 1B_253/2011 vom 13. Juli 2011 E. 2.1; 

THOMAS BOSSHARD / NATHAN LANDSHUT, a.a.O., Art. 319 N 16 ff.; DANIEL JOSITSCH / NIKLAUS 

SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar [Praxiskommentar], 4. Aufl. 

2023, Art. 319 N 5; DIESELBEN, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts [Handbuch], 

4. Aufl. 2023, Rz. 1251, mit Hinweisen). Der Grundsatz «in dubio pro reo» greift demgegenüber 

bei der Frage der Überweisung an das urteilende Gericht nicht. Einzig das Sachgericht ist dazu 

legitimiert, darüber zu befinden, ob sich jemand im strafrechtlichen Sinne schuldig gemacht hat 

oder nicht (vgl. Botschaft StPO, 1273; BGE 137 IV 219 E. 7.3; THOMAS BOSSHARD / NATHAN 

LANDSHUT, a.a.O., Art. 319 N 16; MATTHIAS HEINIGER/RONNY RICKLI, a.a.O., Art. 319 N 8; 

DANIEL JOSITSCH / NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar, Art. 319 N 5). Die Staatsanwaltschaft hat 

daher nur dann einzustellen, wenn bei erfolgter Anklage mit Sicherheit oder grosser Wahr-

scheinlichkeit mit einem Freispruch zu rechnen wäre (vgl. DANIEL JOSITSCH/NIKLAUS SCHMID, 

Handbuch, Rz. 1251). Eine Einstellung des Verfahrens ist auch dann aufzuheben und die Straf-

sache in die Untersuchung zurückzuweisen, wenn die Untersuchung wesentliche Lücken auf-

weist und damit Fragen offenbleiben, deren Beantwortung für Freispruch oder Schuldspruch der 

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Seite 12  http://www.bl.ch/kantonsgericht 
 
 

beschuldigten Person wesentlich sein können (NIKLAUS OBERHOLZER, Grundzüge des Strafpro-

zessrechts, 4. Aul. 2020, N 1841). Bei der Frage, ob gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. a StPO eine 

Einstellung ergehen darf, verfügen die kantonalen Instanzen über einen gewissen Ermessens-

spielraum. Zu beachten ist jedoch, dass die Rechtsprechung bei schweren Delikten tendenziell 

weniger hohe Anforderungen an den Tatverdacht stellt (vgl. BGE 143 IV 241 E. 2.3.3; BGE 138 

IV 186 E. 4.1; BGE 138 IV 86 E. 4.1.2). Insbesondere, wenn im Kontext schwerer Delikte unter 

anderem heikle Fragen bezüglich Sorgfaltspflichtverletzungen zu beurteilen sind, drängt sich in 

der Regel eine Überweisung an das Sachgericht auf (vgl. BGer 1B_272/2011 vom 22. März 

2012 E. 3.3; DANIEL JOSITSCH/NIKLAUS SCHMID, Handbuch, Rz. 1251 Fn. 132). 

 

Vorbemerkung 

4. In sachverhaltlicher Hinsicht kann zunächst als unbestritten und erstellt erachtet werden, 

dass der Beschuldigte 1 am 27. April 2022 ein persönliches Gespräch mit †E.____ zur Abklä-

rung von dessen Urteilsfähigkeit geführt (vgl. act. 139 f.) und der Beschuldigte 1 dem Verstor-

benen in der Folge gleichentags ein Rezept zum Bezug des tödlich wirkenden Wirkstoffs Natri-

um-Pentobarbital ausgestellt hat (vgl. act. 145). Ebenso unbestritten und durch Akten belegt ist 

überdies, dass †E.____ am 28. April 2022 das fragliche Natrium-Pentobarbital im Beisein des 

Beschuldigten 2 zur Selbsttötung verwendet hat (vgl. act. 95 ff.). Ungeklärt ist demgegenüber 

die Frage, ob †E.____ in Bezug auf seinen Sterbewunsch bzw. seinen Suizid urteilsfähig war. 

Die Staatsanwaltschaft führt in der angefochtenen Einstellungsverfügung sowie ihren Stellung-

nahmen aus, die Urteilsfähigkeit lasse sich in casu nicht feststellen bzw. beurteilen (vgl. E. 2.1 

sowie 2.3 hiervor). Ebenso halten die beiden Beschuldigten dafür, aus den Verfahrensakten 

ergäben sich keine Hinweise auf eine Urteilsunfähigkeit von †E.____ (vgl. E. 2.4 f. hiervor). Die 

Beschwerdeführer führen demgegenüber ins Feld, es hätten verschiedene Hinweise vorgele-

gen, die auf eine Urteilsunfähigkeit von †E.____ zum inkriminierten Zeitpunkt hindeuteten (vgl. 

E. 2.2 hiervor). 

 

Urteilsfähigkeit 

5.1.1 In grundsätzlicher Hinsicht ist vorab festzustellen, dass dem Individuum gestützt auf 

Art. 10 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 

18. April 1999 (BV; SR 101) und Art. 8 Abs. 1 Konvention zum Schutze der Menschenrechte 

und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) die Freiheit zukommt, über Art 

und Zeitpunkt der Beendigung des eigenen Lebens zu entscheiden, soweit die sterbewillige 

Person in der Lage ist, ihren entsprechenden Willen frei zu bilden und danach zu handeln (vgl. 

BGE 142 I 195 E. 3.2 und 3.4; BGE 133 I 58 E. 6.1; je mit Hinweisen; BGer 6B_1024/2018 vom 

7. Februar 2019 E. 2.2). 

 

Gleichzeitig muss aber auch beachtet werden, dass viele Suizide und Suizidversuche von Men-

schen begangen werden, die sich in einem psychischen Ausnahmezustand befinden und die – 

wenn sie den Selbsttötungsversuch überleben – froh über dessen Scheitern sind (vgl. ESTHER 

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WALTER / MARGREET DUETZ SCHMUCKI / CHANTALE BÜRLI ET AL., Suizidprävention in der Schweiz 

– Ausgangslage, Handlungsbedarf und Aktionsplan, Bundesamt für Gesundheit [Hrsg.], 

Bern 2016, S. 6). Rund 80 % derjenigen Personen, welche einen Suizidversuch überlebt haben, 

würden einen solchen nicht wiederholen (vgl. KLAUS PETER RIPPE / CHRISTIAN 

SCHWARZENEGGER / GEORG BOSSHARD/ MARTIN KIESEWETTER, Urteilsfähigkeit von Menschen 

mit psychischen Störungen und Suizidbeihilfe, SJZ 3/2005, S. 53 ff., S. 60). In der Psychiatrie 

wird daher überwiegend die Auffassung vertreten, das Vorliegen eines Suizidwunsches sei bis 

zum Beweis des Gegenteils als Symptom einer psychischen Störung zu werten (vgl. KLAUS 

PETER RIPPE / CHRISTIAN SCHWARZENEGGER / GEORG BOSSHARD / MARTIN KIESEWETTER, a.a.O., 

S. 61). Der Staat ist somit zwar verpflichtet, durch urteilsfähige Personen selbstbestimmt gefäll-

te Entscheide zur Selbsttötung zu respektieren. Ebenso fliesst aus dem grundrechtlich verbrief-

ten Recht auf Leben aber auch grundsätzlich eine staatliche Schutzpflicht zur Verhinderung von 

Suiziden, die nicht auf einer selbstbestimmten Entscheidbildung beruhen (vgl. DANIEL 

HÜRLIMANN, Recht und Medizin am Lebensende – Menschenrechtliche Anforderungen und Re-

gulierungsvorschläge, Habil. Luzern 2021, Baden-Baden 2022, S. 201; RAINER J. SCHWEIZER / 

JÉRÉMIE BONGIOVANNI, St. Galler Kommentar BV, 4. Aufl. 2023, Art. 10 N 50 f.; PIERRE 

TSCHANNEN / MARTIN BUCHLI, Verfassungs- und Gesetzesgrundlagen des Bundes im Bereich 

der Suizidprävention – Rechtsgutachten zuhanden des Bundesamtes für Gesundheit [BAG], 

Bern 2004, S. 9). Die Konsequenzen einer fälschlicherweise unterlassenen Suizidverhinderung 

sind offensichtlich gravierender als die Konsequenzen eines fälschlicherweise verhinderten Sui-

zids. Die am Suizid Gehinderten haben im Nachhinein noch immer die Möglichkeit, ihr Leben zu 

beenden, «erfolgreiche» Suizidenten haben demgegenüber keine Möglichkeit zur Umkehr. Aus 

diesem Grund muss in unklaren Situationen der Grundsatz «in dubio pro vita» bzw. «in dubio 

pro integritate corporis» gelten, d.h. Suizide müssen im Zweifelsfall verhindert werden (DANIEL 

HÜRLIMANN, a.a.O., S. 202; vgl. PIERRE TSCHANNEN / MARTIN BUCHLI, a.a.O., S. 8; AXEL 

TSCHENTSCHER, Basler Kommentar BV, 2015, Art. 10 N 26). 

 

5.1.2 Verleitung und Beihilfe zur Selbsttötung sind nur strafbar, wenn die Täterschaft aus 

selbstsüchtigen Beweggründen handelt und die Selbsttötung zumindest versucht wurde 

(Art. 115 StGB). Anstiftung und Gehilfenschaft können nur vorliegen, wenn die betroffene Per-

son, die zum Suizid angestiftet oder welcher dabei Hilfe geleistet wird, der Sache nach «Täter» 

ist. Das ist beispielsweise nicht der Fall, wenn die betroffene Person in Bezug auf die konkrete 

Suizidhandlung urteilsunfähig ist (BGer 6B_1024/2018 vom 7. Februar 2019 E. 2.2; BGer 

6B_48/2009 vom 11. Juni 2009 E. 2.1, mit weiteren Hinweisen). Das gestützt auf Art. 10 BV und 

Art. 8 EMRK zuerkannte Recht, über Art und Zeitpunkt der Beendigung des eigenen Lebens zu 

entscheiden, setzt voraus, dass die betroffene Person zu einer freien Willensbildung in der Lage 

und fähig ist, danach zu handeln (BGer 6B_1024/2018 vom 7. Februar 2019 E. 2.2, mit Verweis 

auf BGE 142 I 195 E. 3.2 sowie BGE 133 I 58 E. 6.1; je mit Hinweisen). Rechtlich entscheidend 

ist deshalb, ob die betroffene Person in der Lage war, die Bedeutung ihres Verhaltens und des 

zum Tod führenden Geschehensablaufs zu verstehen bzw. ob sie den Entschluss, aus dem 

Leben zu scheiden, eigenverantwortlich und aufgrund eines frei gebildeten Willens gefasst hat. 

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Ist die betroffene Person hingegen mangels Urteilsfähigkeit nicht «Täter», so ist die Hilfeleis-

tung als – vorsätzliche oder fahrlässige – Tötung in mittelbarer Täterschaft unter Verwendung 

des Opfers als schuldloses Tatwerkzeug anzusehen (BGer 6B_1024/2018 vom 7. Februar 2019 

E. 2.2; Urteil 6B_48/2009 vom 11. Juni 2009 E. 2.1, mit Hinweisen). 

 

5.1.3 Laut Art. 16 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 (ZGB; 

SR 210) ist jede Person urteilsfähig, der nicht wegen ihres Kindesalters, infolge geistiger Behin-

derung, psychischer Störung, Rausch oder ähnlicher Zustände die Fähigkeit fehlt, vernunftge-

mäss zu handeln. Bei der Urteilsfähigkeit handelt es sich um eine Rechtsfrage. Demgegenüber 

ist Sachverhaltsfrage, ob eine Person an einer Beeinträchtigung leidet, welche ihre Fähigkeit 

vernunftgemässen Handelns und damit ihre Urteilsfähigkeit im Sinne von Art. 16 ZGB entfallen 

lässt (vgl. REGINA AEBI-MÜLLER, Der urteilsunfähige Patient – eine zivilrechtliche Auslegeord-

nung [Patient], in: Jusletter vom 22. September 2014, Rz. 83; EUGEN BUCHER / REGINA AEBI-

MÜLLER, Berner Kommentar Zivilgesetzbuch, 2. Aufl. 2017, Art. 16 N 193; EVA MARIA BELSER / 

SANDRA EGLI, Das Recht auf einen selbstbestimmten Tod, ZBJV 7–8/2020, S. 379 ff., S. 391; 

BGE 124 III 5 E. 4; BGE 117 II 231 E. 2c; BGer 8C_253/2008 vom 16. Oktober 2008 E. 1.3). 

 

Ob das Handeln einer Person objektiv vernünftig ist oder es ihren wohlverstandenen Interessen 

zuwiderläuft, ist für die Frage der Urteilsfähigkeit nicht entscheidend (vgl. EUGEN BUCHER / 

REGINA AEBI-MÜLLER, a.a.O., Art. 16 ZGB N 78; ROLAND FANKHAUSER, Basler Kommentar ZGB, 

7. Aufl. 2022, Art. 16 N 38; PETER BREITSCHMID, Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, 

4. Aufl. 2023, Art. 16 ZGB N 2; REGINA AEBI-MÜLLER / WALTER FELLMANN / THOMAS GÄCHTER / 

BERNHARD RÜTSCHE / BRIGITTE TAG, Arztrecht, 2. Aufl. 2024, Rz. 674; LENKA ZIEGLER, Sterben 

in Würde – Wertekonflikt zwischen dem Recht auf Leben und dem Recht auf Sterben – Selbst-

bestimmungsrecht am Lebensende, in VASELLA/MORAND [Hrsg.], Werte im Recht – Das Recht 

als Wert, Zürich 2018, S. 99). Hierauf weist auch die Schweizerische Akademie der Medizini-

schen Wissenschaften (SAMW) ausdrücklich hin (vgl. Medizin-ethische Richtlinien der SAMW 

«Urteilsfähigkeit in der medizinischen Praxis», 2019, Ziff. II.2.6, S. 8 f.). So kann etwa auch eine 

Person urteilsfähig sein, die aus religiösen Gründen eine wenig invasive lebensrettende Be-

handlung ablehnt, auch wenn dies für aussenstehende Dritte unverständlich erscheinen mag 

(vgl. EUGEN BUCHER / REGINA AEBI-MÜLLER, a.a.O., Art. 16 ZGB N 61). Dementsprechend hat 

das Bundesgericht festgehalten, dass «der professionelle Massstab des Arztes und die Werte-

welt des Patienten» nicht zwangsläufig «zu denselben Entscheidungen über Gesundheit und 

Krankheit» führen und «das Wohl des Patienten nicht ohne Weiteres mit der ärztlich indizierten 

Behandlung gleichgesetzt werden» dürfe, weshalb zum Patientenwohl gerade auch «die Ableh-

nung einer vom Arzt für indiziert gehaltenen Behandlung durch den Patienten» gehöre 

(BGE 124 IV 258 E. 2). Das Patientenwohl richte sich deshalb nach dem Willen der zu behan-

delnden Person und nicht danach, was nach ärztlicher Auffassung im Patienteninteresse liege 

(vgl. BGE 124 IV 258 E. 2). Unter Umständen kann die objektive Unvernünftigkeit einer Hand-

lung aber die genauere Abklärung der Urteilsfähigkeit nahelegen, etwa wenn im konkreten Fall 

die Befürchtung besteht, dass sich die betroffene Person ihrer Handlung bzw. deren Folgen 

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nicht mehr bewusst ist bzw. war (vgl. BGE 124 III 5 E. 4c/cc; REGINA AEBI-MÜLLER / WALTER 

FELLMANN / THOMAS GÄCHTER / BERNHARD RÜTSCHE / BRIGITTE TAG, a.a.O., Rz. 674; ROLAND 

FANKHAUSER, a.a.O., Art. 16 ZGB N 38; ferner auch die Medizin-ethischen Richtlinien der 

SAMW «Urteilsfähigkeit in der medizinischen Praxis», 2019, Ziff. II.2.6, S. 8 f., wonach Ent-

scheidungsinhalte oder -motive des Patienten Anlass für begründete Zweifel und damit für eine 

vertiefte Evaluation der Urteilsfähigkeit sein können). 

 

Die intellektuelle Komponente der Urteilsfähigkeit erfordert im Kontext medizinischer Behand-

lungen, dass die betroffene Person nicht nur den unmittelbaren Kausalverlauf einer Handlung 

intellektuell versteht, sondern dass sie sich auch der dadurch verursachten (längerfristigen) 

Folgen bewusst ist (vgl. BGE 127 I 6 E. 7b/aa). Nicht notwendig ist es dabei aber, dass sie über 

besondere Fachkenntnisse verfügt. So wird in der Doktrin darauf hingewiesen, dass kaum je ein 

Patient medizinische Kausalzusammenhänge, mögliche Behandlungsverläufe und -alternativen, 

die Wirkungsweise von Medikamenten usw. vollständig verstehen wird. Dies sei jedenfalls dann 

unschädlich, wenn sich die betroffene Person insgesamt ein kohärentes Bild machen könne 

und die für den Entscheid wesentlichen Grundlagen erfasse (vgl. EUGEN BUCHER / REGINA AEBI-

MÜLLER, a.a.O., Art. 16 ZGB N 50; REGINA AEBI-MÜLLER, a.a.O., Patient, Rz. 66; vgl. ROCHUS 

JOSSEN, Ausgewählte Fragen zum Selbstbestimmungsrecht des Patienten beim medizinischen 

Heileingriff, Diss. Bern 2009, S. 78). 

 

Für die Urteilsfähigkeit im medizinischen Behandlungskontext sei daher zu fordern, dass die 

erkrankte Person intellektuell in der Lage sei, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und  

-alternativen, die damit verbundenen Risiken und Chancen usw. mindestens in groben Zügen 

zu verstehen (vgl. REGINA AEBI-MÜLLER, a.a.O., Patient, Rz. 68). Dabei gelte es zu beachten, 

dass selbst hochintelligente Personen unter Umständen urteilsunfähig in Bezug auf die Not-

wendigkeit einer Behandlung sein können, sofern ihre Uneinsichtigkeit Ausdruck ihrer Krankheit 

sei (EUGEN BUCHER / REGINA AEBI-MÜLLER, a.a.O., Art. 16 ZGB N 55). Demgegenüber würden 

Fehlabwägungen aus Trotz oder Misstrauen gegen die behandelnden Personen die Urteilsfä-

higkeit nicht schlechterdings ausschliessen (vgl. MARIO GMÜR, Suizidbeihilfe und Urteilsfähigkeit 

aus psychiatrischer Sicht, in: PETERMANN [Hrsg.], Sterbehilfe im Fokus der Gesetzgebung, 

St. Gallen 2010, S. 39). Hinsichtlich der Frage des Behandlungsverzichts wird im Schrifttum 

ferner ausgeführt, dass ein solcher selbst dann in Urteilsfähigkeit erfolgen könne, wenn die Be-

handlung aus medizinischer Sicht als unbedingt geboten erscheine, vorausgesetzt, der Behand-

lungsverzicht beruhe auf einfühlbaren Motiven (vgl. THOMAS GEISER, Selbstbestimmungsrecht 

des Patienten aus juristischer Sicht, in: HAFNER/SEELMANN/WIDMER LÜCHINGER [Hrsg.], Selbst-

bestimmung an der Schwelle zwischen Leben und Tod, Zürich 2014, S. 6; CARMEN LADINA 

WIDMER BLUM, Urteilsunfähigkeit, Vertretung und Selbstbestimmung – insbesondere: Patienten-

verfügung und Vorsorgeauftrag, Diss. Luzern 2010, Zürich 2010, S. 86; vgl. ferner EUGEN 

BUCHER, Der Persönlichkeitsschutz beim ärztlichen Handeln, in: Arzt und Recht, BTJP 1984, 

1985, S. 44). 

 

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Bei Vorliegen einer psychischen Erkrankung kann der Sterbewunsch sowohl Ausdruck des the-

rapierbaren Krankheitsbilds als auch ein von diesem unabhängiges, in Urteilsfähigkeit entstan-

denes Ansinnen sein (vgl. BGE 136 II 415 E. 2.3.4; BGE 133 I 58 E. 6.3.5.1; BGer 

2C_410/2014 vom 22. Januar 2015 E. 7.3). Es gilt daher zwischen dem Sterbewunsch zu un-

terscheiden, der Ausdruck einer therapierbaren psychischen Störung ist und nach Behandlung 

ruft, und jenem, der auf einem selbstbestimmten, wohlerwogenen und dauerhaften Entscheid 

einer urteilsfähigen Person beruht («Bilanzsuizid»), den es gegebenenfalls zu respektieren gilt. 

Basiert der Sterbewunsch auf einem autonomen, die Gesamtsituation erfassenden Entscheid, 

darf unter Umständen auch psychisch Kranken Natrium-Pentobarbital verschrieben und 

dadurch Suizidbeihilfe gewährt werden (vgl. BGE 133 I 58 E. 6.3.5.1; BGer 6B_1087/2021 vom 

22. Mai 2023 E. 3.1 ff.). 

 

5.2.1 Die Beschwerdeführenden haben mit an die Staatsanwaltschaft gerichteter Eingabe 

vom 2. August 2024 die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens hinsichtlich der Erkenn-

barkeit der Urteilsunfähigkeit von †E.____ zum inkriminierten Zeitpunkt beantragt 

(vgl. act. 627 ff.). Die Staatsanwaltschaft hat diesen Beweisantrag mit Verfügung vom 

16. Januar 2025 abgewiesen und zur Begründung ausgeführt, ein Aktengutachten könne vor-

liegend keine Erkenntnisse hinsichtlich der Urteils(un)fähigkeit von †E.____ im Hinblick auf 

dessen Todeswunsch liefern, weil sich lediglich die ärztliche Beurteilung des Beschuldigten 1 

vom 27. April 2022 spezifisch zu dieser Frage äussere. Die übrigen vorhandenen Aktenstücke 

würden zu dieser Thematik keine Stellung beziehen. Hinweise auf eine Depression oder auf 

psychische Probleme des Verstorbenen würden keine Urteilsunfähigkeit belegen. Ein post mor-

tem verfasstes Gutachten zur Urteilsfähigkeit von †E.____ könne daher nicht zur Klärung des 

vorliegenden Falles beitragen (vgl. unpaginierte Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 

16. Januar 2025). 

 

Der Argumentation der Staatsanwaltschaft kann nicht gefolgt werden, was sich wie folgt be-

gründet: 

 

5.2.2 Zunächst ist auf die vorstehenden Ausführungen zu verweisen, wonach in jenen Fäl-

len, in denen die sterbewillige Person an einer psychischen Erkrankung leidet, sichergestellt 

werden muss, dass der Suizidwunsch ein von der psychischen Erkrankung unabhängiges, in 

Urteilsfähigkeit entstandenes Ansinnen ist. Der Sterbewunsch muss mit anderen Worten auf 

einem selbstbestimmten, wohlerwogenen und dauerhaften Entscheid beruhen und darf nicht 

Ausdruck einer therapierbaren psychischen Störung sein (vgl. E. 5.1.3 hiervor). 

 

5.2.2.1 Die Akten enthalten hinsichtlich des Gesundheitszustands von †E.____ namentlich 

folgende Informationen: 

 

Ein vom 14. Januar 2020 datierendes, an den Vater des Verstorbenen gerichtetes Schreiben, 

verfasst von Dr. K.____, Oberarzt im Spital L.____ (vgl. act. 129). Gemäss dem fraglichen 

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Schreiben habe Dr. K.____ †E.____ gleichentags untersucht. Dem Patienten sei es gesundheit-

lich besser gegangen, obschon er noch Symptome von [Augen-]Trockenheit verspürt habe. Es 

habe keine wirkliche Tränensekretion mehr vorgelegen und die Symptome seien nach wie vor 

nach links lateralisiert gewesen. Die Laborwerte seien jedoch beruhigend gewesen, da sie kei-

ne Autoimmunität gezeigt hätten («la biologie est rassurante puisque’elle ne montre pas d’auto-

immunité»). Die Bildgebung habe eine Hypertrophie der Schleimhaut auf der Ebene der Horn-

haut sowohl rechts als auch links aufgezeigt. Bei der Untersuchung am 14. Januar 2020 habe 

sich weiterhin eine Verminderung des Tränenfilms, ohne weitere Befunde, abgesehen von einer 

leichten evaporativen Trockenheit gezeigt («Aujourd’hui à l’examen, il existe toujours une dimi-

nution du lac lacrymal sans autre signe associé en dehors d’une sécheresse un peu éva-

poratoire»). Dr. K.____ habe deshalb vorgeschlagen, einen Tränenwegsverschluss («bouchon 

méatique inférieur») einzusetzen, um zu versuchen, etwas mehr Tränen beim linken Auge zu-

rückzuhalten. Die Befeuchtungsbehandlung sei weitergeführt und mit der lokalen Anwendung 

von Zalerg und Naabak kombiniert worden. Auch habe der Arzt angeregt, die Behandlung allen-

falls um ein oral einzunehmendes Antihistaminikum kombiniert mit einem nasal einzunehmen-

den Kortikoid zu ergänzen. 

 

Die Verfahrensakten enthalten ferner ein von Prof. H.____, Chefarzt des Fachbereichs Oph-

thalmologie des Spitals M.____, verfasstes, vom 8. März 2022 datierendes Attest («Certificat»; 

act. 135 f.). Im fraglichen Attest wird †E.____ eine Augentrockenheit von objektiv mässig aus-

geprägter Intensität bei Vorliegen einer Resttränensekretion und einer leichten Beeinträchtigung 

des Augenlids bescheinigt («il s’agit d’une sécheresse oculaire d’intensité modérée sur le plan 

objectif avec une sécrétion lacrymale résiduelle et une atteinte palpébrale de faible intensité»). 

Dies stehe im Gegensatz zu den Beschwerden und dem grossen Unbehagen, von welchem 

†E.____ berichtet habe. Aufgrund der bis zu diesem Zeitpunkt durchgeführten Untersuchungen 

habe Prof. H.____ dem Verstorbenen empfohlen, einen Schmerzspezialisten beizuziehen, da 

die geschilderten Beschwerden auf neuropathische Schmerzen hingedeutet hätten. Aus diesem 

Grund habe Prof. H.____ dem Verstorbenen auch eine Untersuchung hinsichtlich einer Kleinfa-

ser-Krankheit vorgeschlagen. Des Weiteren habe er †E.____ darüber aufgeklärt, dass es viel-

fältige Möglichkeiten gäbe, dessen Augentrockenheit zu behandeln, zumal diese nur moderat 

ausgeprägt gewesen sei («j’ai expliqué au patient qu’il existe de multi façons de traiter les sé-

cheresses oculaires à fortiori quand elles ne sont que modérées comme dans son cas»). Über-

dies habe er †E.____ klargemacht, dass eine wesentliche Verschlechterung im Verlauf bei die-

ser Art von Befund nicht die Regel sei, wenn der Zustand wie hier bei den ersten Untersuchun-

gen noch nicht zu weit fortgeschritten sei («J’ai aussi expliqué que l’aggravation majeure avec 

le temps n’est pas la règle dans ce type d’atteinte, surtout lorsque l'état n'est pas trop avancé 

lors des bilans initiaux»). 

 

Sodann findet sich bei den Akten ein an Prof. H.____ gerichtetes Schreiben von Dr. N.____, 

Spital M.____, vom 4. März 2022 bezüglich einer anti-Schmerz Konsultation («consultation anti 

douleur»; vgl. act. 215). Im fraglichen Schreiben wird ausgeführt, die Augenbeschwerden von 

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†E.____ hätten sich zufolge einer Behandlung mit Laroxyl um 50 % gebessert. Die Dosis sei 

ohne Bedenken auf zweimal 10 mg gesteigert worden, da †E.____ bereits ohne Probleme seit 

Jahren eine Höchstdosis Anafranil aufgrund einer anderen Indikation eingenommen habe. 

Dr. N.____ habe †E.____ zudem Übungen gezeigt, welche einer Ermüdung der Augen bei der 

Arbeit am Computer hätten begegnen sollen. Sie habe beabsichtigt, †E.____ ungefähr in drei 

Monaten wiederzusehen, um den Verlauf zu beurteilen. 

 

Des Weiteren liegt ein vom 10. Oktober 2022 datierender Bericht («Compte-Rendu») einer am 

19. April 2022 durchgeführten Konsultation von †E.____ bei Dr. O.____, Spital P.____, vor (vgl. 

act. 195). Bei dieser Konsultation sei bei †E.____ eine Körpergrösse von 174 cm bei einem 

Körpergewicht von 50 kg (sic!) festgestellt worden. Im fraglichen Bericht wird sodann ausge-

führt, bei der Befragung von †E.____ seien beständige neuropathische Schmerzen auf den tro-

ckenen Augen, insbesondere dem linken, festgestellt worden. Die psychische Belastung sei 

erheblich erschienen («l’impact psychologique apparaît majeur»). Es seien deutliche depressive 

Äusserungen geäussert und in der Akte vermerkt worden («des propos dépressifs francs sont 

prononcées et notés dans le dossier»). Diese seien von einem verbalisierten Gefühl der Hoff-

nungslosigkeit begleitet gewesen («ils sont accompagnés d’un état de désespérance ver-

balisé»). Die verschriebene Medikation habe eine Kombination aus 25 mg Lyrica (viermal täg-

lich) und Rivotril in Tropfen umfasst, welche die Symptome hätte verringern sollen. Dr. O.____ 

habe †E.____ überdies ein weiteres Treffen vorgeschlagen, um ein autologes Serum vorzube-

reiten, welches von diesem verlangt worden sei. Zudem habe Dr. O.____ gegenüber †E.____ 

insistiert, dieser solle den hauseigenen Psychiater, Dr. Q.____, konsultieren, und er habe dies 

gegenüber †E.____ auch begründet («je lui demande aussi avec insistance de venir consulter 

notre psychiatre, le Dr. Q.____ et je lui justifie cette demande»). †E.____ habe dies akzeptiert 

und es sei ein Treffen mit dem Psychiater für zwei Tage später vereinbart worden. Die Aushän-

digung der Rezepte sei für denselben Tag vorgesehen gewesen. Von seinem Sekretariat habe 

Dr. O.____ in der Folge erfahren, †E.____ sei am folgenden Tag in einer Apotheke wegen sei-

nes Rezepts für ein autologes Serum erschienen, habe jedoch gleichzeitig das Treffen mit dem 

Psychiater wegen Zeitmangels («faute de temps») annulliert. Mehrere Erinnerungen per SMS 

seitens Dr. O.____ seien erfolglos geblieben. Er habe †E.____ seither nicht mehr gesehen. 

 

Ferner ist den Verfahrensakten eine vom 27. September 2022 datierende Bescheinigung über 

psychologische Betreuung («Certificat de suivi psychologique»), ausgestellt von R.____, klini-

sche Psychologin, Praxis S.____, zu entnehmen (vgl. act. 193). In dieser Bescheinigung wird 

geschildert, †E.____ habe an einer depressiven Verstimmung als Reaktion auf eine Augener-

krankung («état dépressif réactionnel à une pathologie occulaire») gelitten, aufgrund derer er 

seit September 2021 in Behandlung gewesen sei. †E.____ sei sehr auf seine Augenbeschwer-

den fokussiert gewesen und es habe nicht den Anschein gemacht, sein Leiden hätte sich auf 

andere Themen bezogen. Anfang April 2022 habe R.____ im Lichte der Grenzen der klassi-

schen Psychologie die Notwendigkeit des Beizugs eines Psychiaters angesprochen, um die 

psychologische Betreuung mit einer auf die Angstsituation abgestimmten medikamentösen Be-

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handlung zu ergänzen («la nécessité d’une rencontre avec un médecin psychiatre afin de com-

pléter le suivi psychologique par un traitement médicamenteux adapté à la situation 

anxiogène»). Ein Kontakt zu einem Psychiater in Y.____ sei hergestellt worden, den †E.____ 

Ende April [2022] hätte treffen sollen. 

 

Sodann befindet sich bei den Verfahrensakten ein an †E.____ und dessen Vater gerichtetes 

Schreiben von Dr. J.____, Praxis T.____, vom 11. Februar 2022 (vgl. act. 199 f.). In diesem 

wird als Schlussfolgerung festgehalten, es bestünden keine klinischen Hinweise auf eine perip-

here Neuropathie oder eine Schädigung des Fünften Hirnnervs («absence d’argument pour une 

neuropathie périphérique ou une atteinte du V sur le plan clinique»). Zur weiteren Abklärung 

habe Dr. J.____ um eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns sowie ein Elektro-

myogramm (EMG) ersucht. 

 

Schliesslich findet sich in den Akten ein an Dr. J.____ gerichteter Bericht von U.____, Praxis 

V.____, vom 13. April 2022, zu einer durchgeführten Magnetresonanztomographie (MRT) des 

Gehirns von †E.____ (vgl. act. 205 f.). Als Schlussfolgerung wird im fraglichen Bericht festge-

halten, es hätten keine entzündlich wirkenden Auffälligkeiten im Gehirn und keine Veränderun-

gen am Verlauf des Fünften Hirnnervs, weder rechts noch links festgestellt werden können 

(«absence anomalie encéphalique d’allure inflammatoire, et pas d’anomalie sur le trajet du V, à 

droite comme à gauche»). 

 

5.2.2.2 Das Kantonsgericht hat mit Urteil 460 20 23 vom 7. Mai 2021 dargelegt, dass bei Per-

sonen mit einer tödlichen Krankheit im terminalen Stadium, wenn zusätzlich eine reaktive De-

pression vorliegt, eine vertiefte Beurteilung der Urteilsfähigkeit nur dann vorzunehmen ist, wenn 

eindeutige äussere Anzeichen darauf hindeuten, dass die Suizidalität aus der psychischen Er-

krankung hervorgehen könnte. Dasselbe gilt, wenn eine Person mit einer vorbestehenden psy-

chischen Erkrankung zusätzlich an einem unheilbaren, tödlichen körperlichen Leiden erkrankt 

und im terminalen Stadium einen nachvollziehbaren Sterbewunsch entwickelt. Auch bei tödli-

chen Erkrankungen, die die Lebensqualität zunehmend beeinträchtigen und deren sicherer Ver-

lauf höchstens hinausgezögert werden kann, können vertiefte Abklärungen zur Urteilsfähigkeit 

entfallen. Umgekehrt ist jedoch bei reaktiven Depressionen, die nicht eindeutig im Zusammen-

hang mit einer tödlichen oder terminalen Erkrankung stehen, zwingend eine vertiefte Beurtei-

lung der Urteilsfähigkeit durch eine psychiatrische Fachperson erforderlich (vgl. KGer 460 20 23 

vom 7. Mai 2021 E. III.7.5.4). 

 

In casu wird nicht geltend gemacht, †E.____ habe an einer tödlichen, geschweige denn sich im 

terminalen Stadium befindenden somatischen Erkrankung gelitten, und es ergeben sich auch 

aus den Akten keinerlei Hinweise, die einen solchen Schluss nahelegen würden. Vielmehr er-

hellt aus den vorliegenden Unterlagen, dass †E.____ an Augenbeschwerden litt, welche nicht 

lebensbedrohlich waren. Zudem war sein Augenleiden gemäss Attest von Prof. H.____ vom 

8. März 2022 von moderater Ausgeprägtheit, für dessen Behandlung vielfältige Möglichkeiten 

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offenstanden. Damit übereinstimmend habe gemäss Schreiben von Dr. N.____ vom 4. März 

2022 eine medikamentöse Behandlung mit Laroxyl eine Besserung der Beschwerden um 50 % 

bewirkt (vgl. E. 5.2.2.1 hiervor). Des Weiteren ergibt sich aus den vorstehend dargelegten Un-

terlagen, dass der Verdacht bestand, die Augenbeschwerden von †E.____ könnten neuropathi-

schen Ursprungs gewesen sein. Eine auf Empfehlung von Dr. J.____ vom 11. Februar 2022 

durchgeführte Magnetresonanztomographie des Gehirns konnte diesbezüglich gemäss Bericht 

von U.____ vom 13. April 2022 keine Anomalien im Gehirn nachweisen. Ein ebenfalls von 

Dr. J.____ angeregtes Elektromyogramm wurde demgegenüber vor dem Tod von †E.____ nicht 

(mehr) durchgeführt (vgl. E. 5.2.2.1 hiervor). 

 

Ferner ergibt sich aus den vorstehend dargelegten Unterlagen, dass bei †E.____ im Zeitpunkt 

unmittelbar vor dessen Suizid die Diagnose einer (reaktiven) Depression bestand, welche sich 

als Folge seiner Augenbeschwerden entwickelt hatte. Im vom 10. Oktober 2022 datierenden 

Bericht von Dr. O.____ hinsichtlich einer Konsultation vom 19. April 2022 wird diesbezüglich 

ausgeführt, es habe den Anschein gemacht, die von †E.____ geschilderten Augenleiden hätten 

einen bedeutenden psychologischen Einfluss auf diesen gehabt. Er habe offene depressive 

Äusserungen von sich gegeben und diese seien von einem verbalisierten Zustand der Hoff-

nungslosigkeit begleitet worden. Die psychiatrische Behandlungsbedürftigkeit von †E.____ er-

schien Dr. O.____ derart akut, dass er «insistierte», †E.____ solle einen Psychiater konsultie-

ren. Zudem kontaktierte Dr. O.____ den Verstorbenen mehrfach per SMS, nachdem dieser ei-

nen mit einem Psychiater vereinbarten Termin (wieder) abgesagt hatte. Überdies stand 

†E.____ in psychologischer Betreuung bei R.____, welche ihm gemäss Attest vom 

27. September 2022 ebenfalls eine (reaktive) Depression bescheinigte und ihm (ebenfalls) na-

helegte, einen Psychiater wegen seiner Depression aufzusuchen (vgl. E. 5.2.2.1 hiervor). 

 

Zu berücksichtigen sind sodann die folgenden Umstände: †E.____ war zum Zeitpunkt seines 

Suizides (erst) 28 Jahre alt. Am 19. April 2022 – mithin rund einer Woche vor seiner Selbsttö-

tung – wurde ihm zudem bei einer Körpergrösse von 174 cm ein Körpergewicht von 50 kg und 

damit ein untergewichtiger Ernährungszustand bescheinigt. Aus den Akten ergeben sich dies-

bezüglich keine Hinweise, †E.____ habe an einer Essstörung gelitten, welche in keinem Zu-

sammenhang mit der bei ihm diagnostizierten (reaktiven) Depression gestanden hätte. 

 

Obschon †E.____ gemäss Aktenlage die Diagnose einer (reaktiven) Depression gestellt worden 

war und er sich auch deshalb seit September 2021 in psychologischer Behandlung befand, ver-

neinte dieser gegenüber der Suizidbeihilfeorganisation F.____ ausdrücklich die Frage, ob bei 

ihm je eine psychiatrische Krankheit diagnostiziert worden sei (vgl. act. 389). Überdies erklärte 

er tatsachenwidrig gegenüber der Suizidbeihilfeorganisation, seinen Sterbewunsch mit seinen 

Angehörigen ausführlich besprochen zu haben. Diese hätten seine Entscheidung, aus dem Le-

ben scheiden zu wollen, verstanden und akzeptiert (vgl. act. 389). Die Eltern des Verstorbenen 

haben gegenüber der Staatsanwaltschaft nachvollziehbar dargelegt, dass †E.____ seinen Sui-

zidwunsch ihnen gegenüber nie geäussert hat. Zudem haben sie betont, dass sie wegen eines 

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Augenleidens einem assistierten Suizid nicht zugestimmt hätten und auch nicht haben 

(vgl. act. 161; act. 237 Rz. 178 ff.). 

 

Auch wenn die Urteilsfähigkeit im Sinne von Art. 16 ZGB kein vernünftiges Handeln erfordert, 

kann die objektive Unvernünftigkeit eines Verhaltens unter Umständen durchaus die genauere 

Abklärung der Urteilsfähigkeit nahelegen (vgl. E. 5.1.3 hiervor). Im Lichte der vorstehend darge-

legten Umstände schüren insofern bereits das junge Alter von †E.____ von 28 Jahren, dessen 

untergewichtiger Ernährungszustand zum Zeitpunkt seines Suizids, der Umstand, wonach die 

Augenbeschwerden des Verstorbenen gemäss ärztlicher Bescheinigung objektiv moderat und 

vor allem behandelbar waren, sowie die unzutreffenden Angaben, welche †E.____ gegenüber 

der Suizidbeihilfeorganisation F.____ gemacht hat, Zweifel an seiner Urteilsfähigkeit zum inkri-

minierten Zeitpunkt. Hinzu kommt, dass in casu konkrete Anhaltspunkte vorliegen, die darauf 

hindeuten, dass †E.____ an einer Beeinträchtigung gelitten haben könnte, welche möglicher-

weise seine Fähigkeit vernunftgemässen Handelns und damit seine Urteilsfähigkeit im Sinne 

von Art. 16 ZGB im Hinblick auf seinen Suizidwunsch entfallen lassen hat. Insbesondere die bei 

†E.____ bescheinigte reaktive Depression, welche nicht im Zusammenhang mit einer tödlichen, 

geschweige denn terminalen somatischen Erkrankung stand, wirft unweigerlich die Frage auf, 

ob sich psychopathologische Zustände auf seine kognitiven und voluntativen Fähigkeiten aus-

gewirkt haben könnten, sodass seine Urteilsfähigkeit gemäss Art. 16 ZGB im Hinblick auf sei-

nen Suizidwunsch beeinträchtigt war. 

 

5.2.3 Gestützt auf die vorstehenden Darlegungen ist in einem nächsten Schritt auf die von 

der Staatsanwaltschaft aufgeworfene Frage einzugehen, ob es zum aktuellen Zeitpunkt über-

haupt noch möglich ist, Erkenntnisse zur Urteils(un)fähigkeit von †E.____ hinsichtlich seines 

Sterbewunsches zum streitgegenständlichen Zeitpunkt zu gewinnen. 

 

Das Kantonsgericht hat mit Urteil 460 20 23 vom 7. Mai 2021 die Frage, ob es in Strafverfahren 

im Zusammenhang mit Suizidbeihilfe zulässig ist, post mortem zu erstellende Gutachten zur 

Urteilsfähigkeit des Suizidenten anzufordern, bejaht (vgl. KGer 460 20 23 vom 7. Mai 2021 

E. III.2.5.4.5). Die dort angestellten Überlegungen gelten mutatis mutandis auch für den vorlie-

genden Fall: 

 

Hinzuweisen ist zunächst auf die Tatsache, dass sich in Zivilverfahren regelmässig die Frage 

nach der Urteilsfähigkeit von Personen nach deren Ableben insbesondere im Kontext von Ver-

fügungen von Todes wegen stellt. Auch in diesem Zusammenhang werden von den Gerichten 

für gewöhnlich sachverständige Personen, welche über ein Medizinstudium und über eine Aus-

bildung zum Facharzt für Psychiatrie verfügen, mit der Beurteilung der Frage beauftragt, wie 

sich psychopathologische Zustände auf die Willensfähigkeit und die Fähigkeit einer Person zu 

Einsicht in Wesen, Zweck und Folgen eines Rechtsgeschäfts zu deren Lebzeiten ausgewirkt 

haben (vgl. BGE 144 III 264 E. 6.2.2; BGer 5A_748/2008 vom 16. März 2009 E. 3.2; BGer 

5A_623/2016 vom 24. Mai 2017 E. 2.3.1). 

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Das Bundesgericht hat in diesem Sinne auch die Erstellung von Aktengutachten post mortem in 

Strafverfahren im Zusammenhang mit Suizidbeihilfe als zulässig erachtet (BGer 6B_48/2009 

vom 11. Juni 2009 E. 2.2.1 ff.). Hierfür spricht nicht zuletzt, dass die Suizidbeihilfe der straf-

rechtlichen Beurteilung schlechterdings entzogen wäre, wenn in Fällen wie dem vorliegenden, 

in denen sich Zweifel an der Urteilsfähigkeit des Suizidenten ergeben, diesbezügliche Beweis-

erhebungen ausgeschlossen wären. Entgegen den Ausführungen der Staatsanwaltschaft 

schliesst dabei auch der Umstand, wonach – nebst der Beurteilung des Beschuldigten 1 vom 

27. April 2022 – keine Unterlagen vorliegen, die sich ausdrücklich zur Urteilsfähigkeit von 

†E.____ hinsichtlich seines Suizidwunsches äussern, die Anfertigung eines Aktengutachtens 

nicht aus. Vielmehr ist es Aufgabe der sachverständigen Person im Sinne von Art. 182 StPO, 

einzuschätzen, ob die Urteilsfähigkeit gestützt auf die Informationen, welche ihr zur Verfügung 

stehen, beurteilt werden kann (vgl. KGer 460 20 23 vom 7. Mai 2021 E. III.2.5.4.5). 

 

5.2.4 Im Lichte des vorstehend Dargelegten ist in casu die Erstellung eines Aktengutachtens 

post mortem möglich und erforderlich. Eine solche Expertise wird sich mitunter dazu äussern 

müssen, welche Diagnosen †E.____ gestützt auf die Akten zu stellen waren und ob aus diesen 

Diagnosen auf Einschränkungen kognitiver Elemente im Hinblick auf den Sterbewunsch des 

Verstorbenen im inkriminierten Zeitpunkt zu schliessen war. 

 

Die Fragen, welche Diagnosen †E.____ gestützt auf die Akten gestellt werden können und ob 

aus diesen auf Einschränkungen kognitiver Elemente zu schliessen ist, sind medizinischer Na-

tur, weshalb zu ihrer Beantwortung sachkundige Kenntnisse und Fähigkeiten i.S.v. 

Art. 182 StPO erforderlich sind, womit der Beizug einer sachverständigen Person von Nöten ist 

(vgl. BGer 6B_1113/2018 vom 10. Dezember 2019 E. 3.3.2; ANDREAS DONATSCH, Zürcher 

Kommentar StPO, 3. Aufl. 2020, Art. 182 N 26 f.; MARIANNE HEER, Basler Kommentar StPO, 

3. Aufl. 2023, Art. 182 N 8; DANIEL JOSITSCH / NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar, Art. 182 N 3). 

 

Eine sachverständige Person im Sinne von Art. 182 ff. StPO muss die notwendigen besonderen 

Kenntnisse und Fähigkeiten auf dem betreffenden Fachgebiet besitzen (Art. 183 Abs. 1 StPO). 

Die Praxis zu Art. 20 StGB, wonach die Untersuchungsbehörde oder das Gericht eine sachver-

ständige Begutachtung der beschuldigten Person anordnen, wenn ernsthafter Anlass besteht, 

an deren Schuldfähigkeit zu zweifeln, gilt im Kontext von Art. 182 StPO analog (vgl. ANDREAS 

DONATSCH, a.a.O., Art. 182 N 27; MARIANNE HEER, a.a.O., Art. 182 N 8). Für die Beurteilung der 

Schuldfähigkeit im strafrechtlichen Kontext hat das Bundesgericht entschieden, dass für die 

Gutachtenerstellung eine medizinische Ausbildung der sachverständigen Person vorausgesetzt 

ist, weil nur diese gewährleistet, dass eine körperliche oder organische Ursache einer allfälligen 

psychischen Störung oder Krankheit festgestellt oder ausgeschlossen werden kann. Eine Per-

son mit Facharzttitel für Psychiatrie und Psychologie verfügt über ein Medizinstudium sowie 

eine Ausbildung zum Facharzt (vgl. BGE 140 IV 49 E. 2.4.4; BGer 6B_884/2014 vom 8. April 

2015 E. 3.3; BGer 6B_850/2013 vom 24. April 2014 E. 2.2; FELIX BOMMER, Basler Kommentar 

StGB I, 4. Aufl. 2019, Art. 20 N 27 f.). 

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In casu machen die Beschwerdeführenden geltend, die Augenleiden von †E.____ hätten bei 

diesem zu einer (reaktiven) Depression geführt, welche seine Urteilsfähigkeit im Hinblick auf 

seinen Sterbewunsch beeinträchtigt habe. In diesem Kontext listen die Beschwerdeführer diver-

se medizinische Fachartikel auf, die sich dazu äussern, wie chronische Schmerzen und De-

pressionen miteinander in Verbindung stehen und wie letztere die kognitiven Fähigkeiten von 

durch derartigen Krankheitsbildern betroffenen Personen beeinträchtigen können (vgl. Be-

schwerdebeilage 4). Im Lichte des Dargelegten ist eine Person mit Facharzttitel für Psychiatrie 

und Psychologie beizuziehen, um die Sachverhaltsfrage zu beantworten, ob †E.____ zu Leb-

zeiten nebst der diagnostizierten Augenerkrankung an einer Beeinträchtigung gelitten hat, wel-

che die Fähigkeit vernunftgemässen Handelns beeinträchtigte. 

 

Da gemäss den vorstehend dargelegten Arztberichten gewichtige Anhaltspunkte dafür beste-

hen, dass †E.____ an neuropathischen Schmerzen gelitten haben könnte (vgl. E. 5.2.2.1 hier-

vor), das Vorliegen einer Neuropathie – entgegen den Ausführungen des Beschuldigten 2 in 

dessen Stellungnahme vom 24. Februar 2025 – mangels Zeit nicht ausgeschlossen werden 

konnte (vgl. E. 5.2.2.2 hiervor), und die Beschwerdeführenden substanziiert geltend machen, 

neuropathische Schmerzen seien (ebenfalls) geeignet, die Urteilsfähigkeit einer Person zu be-

einträchtigen, wird die Staatsanwaltschaft entsprechend zu prüfen haben, ob sich die mit der 

Begutachtung zu betrauende psychiatrische Fachperson auch zur Frage einer Neuropathie 

bzw. der sich dadurch allenfalls ergebenden Beeinflussung kognitiver Fähigkeiten äussern 

kann, andernfalls hierfür eine (weitere) Medizinalperson, am ehesten mit einem Facharzttitel für 

Neurologie, beizuziehen ist. 

 

Die Staatsanwaltschaft wird vor der Erteilung entsprechender Gutachtensaufträge namentlich 

diejenigen Fachpersonen, welche †E.____ vor dessen Versterben untersucht bzw. behandelt 

haben, (rogatorisch) zu befragen haben. Namentlich betrifft dies folgende Personen: 

- Dr. K.____, Oberarzt im Spital L.____ (vgl. act. 129); 

- Prof. H.____, Chefarzt des Fachbereichs Ophthalmologie des Spitals M.____ (vgl. 

act. 135 f.); 

- Dr. N.____, Spital M.____ (vgl. act. 215); 

- Dr. O.____, Spital P.____ (vgl. act. 195); 

- R.____, klinische Psychologin, Praxis S.____ (vgl. act. 193) ; 

- Dr. J.____, Praxis T.____ (vgl. act. 199 f.); sowie 

- U.____, Praxis V.____ (vgl. act. 205 f.). 

 

Überdies hat die Staatsanwaltschaft – sofern und soweit noch möglich – sämtliche medizinische 

Unterlagen bzw. die jeweiligen Patientendossiers von †E.____ erhältlich zu machen. 

 

Erst nachdem diese umfassende Informationslage geschaffen worden ist, hat die Staatsanwalt-

schaft alsdann eine oder gegebenenfalls mehrere sachverständige Person(en) mit der Erstel-

lung eines Gutachtens zu beauftragen.  

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Das Gutachten wird sich im Ergebnis dazu äussern müssen, welche Diagnosen dem Verstor-

benen anhand der vorliegenden Akten gestellt werden können. Zudem wird zu prüfen sein, ob 

sich daraus Einschränkungen seiner kognitiven Fähigkeiten im Hinblick auf seinen Sterbe-

wunsch zum inkriminierten Zeitpunkt ableiten lassen und ob diese für die Beschuldigten er-

kennbar gewesen wären oder ihnen Anlass zu einer vertieften Abklärung (insbesondere durch 

Beauftragung bzw. Beizug einer Fachperson in Psychiatrie) hätten geben müssen. Demgegen-

über bildet die Frage, ob gestützt auf allenfalls feststellbare kognitive Einschränkungen bei 

†E.____ auch auf eine Einschränkung der Urteilsfähigkeit im Sinne von Art. 16 ZGB zu schlies-

sen ist, eine Rechtsfrage, welche gegebenenfalls von einem Gericht zu beantworten sein wird. 

 

Tatverdacht 

6.1 In sachverhaltlicher Hinsicht kann zunächst – wie vorstehend dargelegt – als erstellt 

angesehen werden, dass der Beschuldigte 1 am 27. April 2022 ein persönliches Gespräch mit 

†E.____ zur Abklärung von dessen Urteilsfähigkeit geführt, der Beschuldigte 1 dem Verstorbe-

nen in der Folge gleichentags ein Rezept zum Bezug des tödlich wirkenden Natrium-

Pentobarbital ausgestellt hat und †E.____ sodann am 28. April 2022 unter Verwendung des 

fraglichen Wirkstoffs im Beisein des Beschuldigten 2 aus dem Leben geschieden ist (vgl. E. 4. 

hiervor). Aktuell ungeklärt ist demgegenüber die Frage, ob †E.____ im Hinblick auf seinen Ster-

bewunsch urteilsfähig war (vgl. E. 5.1.1 ff. hiervor). 

 

Die Staatsanwaltschaft führt in der angefochtenen Einstellungsverfügung aus, ein Tatverdacht 

lasse sich – unabhängig von der Frage der Urteils(un)fähigkeit von †E.____ – auch deshalb 

nicht erhärten, weil nicht nachgewiesen werden könne, ob der Beschuldigte 1 die Urteilsfähig-

keit des Verstorbenen bewusst falsch attestiert habe bzw. der Beschuldigte 2 Grund zur An-

nahme gehabt hätte, dass dies der Fall gewesen wäre. Dieser Schlussfolgerung kann indessen 

nicht gefolgt werden, weil die Strafbehörden vorliegend die allgemeinen Voraussetzungen einer 

(eventual-)vorsätzlichen oder fahrlässigen Tötung in mittelbarer Täterschaft zu prüfen haben 

(vgl. BGer 6B_1024/2018 vom 7. Februar 2019 E. 2.2; Urteil 6B_48/2009 vom 11. Juni 2009 

E. 2.1, mit Hinweisen). Die Einzelheiten sind im Folgenden zu erhellen: 

 

Rechtliche Grundlagen 

6.2.1 Nach Art. 111 StGB wird mit Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren bestraft, wer vor-

sätzlich einen Menschen tötet, ohne dass eine der besonderen Voraussetzungen der nachfol-

genden Artikel zutrifft. Geschütztes Rechtsgut ist das Leben eines Menschen, Angriffsobjekt ist 

ein anderer lebender Mensch. Als Tathandlung genügt jede Art der Verursachung des Todes 

eines lebenden Menschen, wobei die Täterschaft beliebige Tatmittel einsetzen kann. Der Erfolg 

kann durch physische oder psychische Einwirkung auf das Opfer bewirkt werden. Auf Seiten 

des subjektiven Tatbestandes erforderlich ist der Vorsatz im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB, der 

sich einzig auf die Herbeiführung des Todes beziehen muss. Eventualvorsatz genügt gemäss 

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der expliziten Regelung von Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB (CHRISTIAN SCHWARZENEGGER, Basler 

Kommentar StGB I, 4. Aufl. 2019, Art. 111 N 4 ff., mit Hinweisen). 

 

Wie vorstehend dargelegt (vgl. E. 5.1.2 hiervor), ist beim Suizid, wenn der Suizident mangels 

Urteilsfähigkeit nicht «Täter» ist, eine Hilfeleistung zur Selbsttötung – bei gegebenen Vor-

aussetzungen – als vorsätzliche oder fahrlässige Tötung in mittelbarer Täterschaft anzusehen 

(BGer 6B_1024/2018 vom 7. Februar 2019 E. 2.2; Urteil 6B_48/2009 vom 11. Juni 2009 E. 2.1, 

mit Hinweisen). 

 

6.2.2 In Anwendung von Art. 12 Abs. 1 StGB ist, soweit es das Gesetz nicht ausdrücklich 

anders bestimmt, nur strafbar, wer ein Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich begeht. Gestützt 

auf Abs. 2 von Art. 12 StGB begeht ein Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich, wer die Tat mit 

Wissen und Willen ausführt, wobei bereits vorsätzlich handelt, wer die Verwirklichung der Tat 

für möglich hält und in Kauf nimmt (sogenannter Eventualvorsatz). Eventualvorsatz ist nicht 

leichthin anzunehmen, weil die Maxime «in dubio pro reo» angesichts der notorischen Unsi-

cherheiten, welche der Abgrenzung zur (bewussten) Fahrlässigkeit anhaften, erhöhte Beach-

tung beansprucht (MARCEL ALEXANDER NIGGLI / STEFAN MAEDER, Basler Kommentar StGB I, 

4. Aufl. 2019, Art. 12 N 62, mit Hinweisen). Eventualvorsatz ist gegeben (vgl. zum Ganzen BGer 

6B_724/2017 vom 21. Juli 2017 E. 1.2), wenn die Täterschaft den Eintritt des Erfolgs bzw. die 

Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil sie den Erfolg für den 

Fall des Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihr auch unerwünscht sein (BGE 

137 IV 1 E. 4.2.3; BGE 134 IV 26 E. 3.2.2; BGE 131 IV 1 E. 2.2; BGE 130 IV 58 E. 8.2; je mit 

Hinweisen). 

 

Für den Nachweis der Inkaufnahme des tatbestandsmässigen Erfolgs kann sich das Gericht ‒ 

soweit die Täterschaft nicht geständig ist ‒ regelmässig nur auf äussere Umstände und Erfah-

rungsregeln stützen, die Rückschlüsse auf die innere Einstellung der Täterschaft erlauben. Da-

zu gehören die Grösse des der Täterschaft bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung 

und die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung. Je grösser bzw. schwerer diese sind, desto 

eher darf gefolgert werden, die Täterschaft habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf ge-

nommen (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2; BGE 130 IV 58 E. 8.4; je mit Hinweisen). Dahinter steckt der 

anhand von Körperverletzungsdelikten entwickelte Gedanke, dass in der Missachtung elemen-

tarer Sorgfaltsregeln eine Gleichgültigkeit gegenüber Integritätsinteressen Dritter zum Ausdruck 

kommt, welche in besonders krassen Fällen auch den Schluss auf die Inkaufnahme des Verlet-

zungserfolgs zulässt (BGE 135 IV 12 E. 2.3.2). Zu den relevanten Umständen können auch die 

Beweggründe der Täterschaft und die Art der Tathandlung gehören (BGE 130 IV 58 E. 8.4, mit 

Hinweisen). Das Gericht darf vom Wissen der Täterschaft auf deren Willen schliessen, wenn 

sich der Täterschaft der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufgedrängt hat, dass die Be-

reitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs aus-

gelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3, mit Hinweisen). Eventualvorsatz kann indessen 

auch vorliegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne sehr 

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wahrscheinlich, sondern bloss möglich gewesen ist. Doch darf nicht allein aus dem Wissen der 

beschuldigten Person um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnahme ge-

schlossen werden, vielmehr müssen weitere Umstände hinzukommen (BGE 133 IV 9 E. 4.1; 

vgl. BGE 133 IV 1 E. 4.5). Solche Umstände sind beispielsweise darin zu sehen, dass die Tä-

terschaft das Risiko in keiner Weise kalkulieren oder dosieren kann, das Ausbleiben des Erfolgs 

als zu einem grossen Teil von Glück und Zufall abhängig ist, oder das Opfer keinerlei Abwehr-

chancen hat (BGer 6B_655/2012 vom 15. Februar 2013 E. 3.5; BGer 6B_808/2013 vom 19. Mai 

2014 E. 2.2.3). 

 

6.3.1 Gemäss Art. 117 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe be-

straft, wer fahrlässig den Tod eines Menschen verursacht. Der Tatbestand setzt den Tod einer 

Person, eine Sorgfaltspflichtverletzung und den Kausalzusammenhang zwischen Tod und Sorg-

faltswidrigkeit voraus (BGer 6B_280/2018 vom 24. Oktober 2018 E. 3.3 mit Verweis auf BGE 

122 lV 145 E. 3 und weiteren Hinweisen). Der Täterkreis der fahrlässigen Tötung ist nicht ein-

geschränkt. Wie bei allen Tötungsdelikten ist die Tathandlung beliebig. Mit dem Eintritt des To-

des ist der Tatbestand vollendet. Die herrschende Lehre und Praxis setzen für das Vorliegen 

eines fahrlässigen Tötungsdelikts in tatbestandsmässiger Hinsicht folgende Merkmale voraus: 

Ein unvorsätzliches Bewirken eines tatbestandsmässigen Erfolgs; ein natürlicher und adäquater 

Kausalzusammenhang zwischen Handlung und Erfolg; die Missachtung einer Sorgfaltspflicht; 

sowie die Relevanz der Sorgfaltspflichtverletzung für den Erfolgseintritt (Voraussehbarkeit und 

Vermeidbarkeit des Erfolgs bei pflichtgemässem Verhalten; CHRISTIAN SCHWARZENEGGER / 

AURELIA GURT, Basler Kommentar StGB I, 4. Aufl. 2019, Art. 117 N 2). 

 

6.3.2 Fahrlässig handelt, wer die Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit 

nicht bedenkt oder darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn die 

Täterschaft die Vorsicht nicht beachtet, zu der sie nach den Umständen und nach ihren persön-

lichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB). Ein Schuldspruch wegen Fahrlässig-

keit (vgl. zum Ganzen BGer 6B_280/2018 vom 24. Oktober 2018 E. 3.4 sowie 6B_435/2015 

vom 16. Dezember 2015 E. 3.1) setzt voraus, dass die Täterschaft den Erfolg durch Verletzung 

einer Sorgfaltspflicht verursacht hat. Ein Verhalten ist sorgfaltswidrig, wenn die Täterschaft im 

Zeitpunkt der Tat aufgrund der Umstände sowie ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten die Gefähr-

dung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und müssen, und wenn sie zugleich 

die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat. Das Mass der im Einzelfall zu beachten-

den Sorgfalt richtet sich, wo besondere, der Unfallverhütung und der Sicherheit dienende Nor-

men ein bestimmtes Verhalten gebieten, in erster Linie nach diesen Vorschriften (BGE 143 IV 

138 E. 2.1). Fehlen solche, kann auf Regeln privater oder halbprivater Vereinigungen oder auf 

allgemeine Rechtsgrundsätze, wie etwa den allgemeinen Gefahrensatz, abgestellt werden 

(BGE 135 IV 56 E. 2.1; BGE 134 IV 193 E. 7.2; BGE 130 IV 7 E. 3.3; BGE 127 IV 62 E. 2.d; 

BGE 118 IV 130 E. 3.a; je mit Hinweisen). Nach dem allgemeinen Gefahrensatz hat diejenige 

Person, welche eine gefährliche Handlung ausführt, alles Zumutbare vorzukehren, damit die 

Gefahr nicht zu einer Verletzung fremder Rechtsgüter führt (BGE 134 IV 193 E. 7.2). Wo be-

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sondere Vorschriften ein bestimmtes Verhalten gebieten, ist die Frage, ob die Täterschaft 

pflichtgemäss oder pflichtwidrig gehandelt habe, primär nach diesen Bestimmungen zu beant-

worten, was aber nicht ausschliesst, dass daneben auch der erwähnte allgemeine Gefahren-

satz Platz greifen kann; denn nicht jeder Verstoss gegen eine gesetzliche Verhaltensnorm 

rechtfertigt den Vorwurf der Fahrlässigkeit, wie umgekehrt ein solcher begründet sein kann, 

auch wenn nicht gegen eine bestimmte Verhaltensregel verstossen wurde (BGE 106 IV 80 

E. 4.b). 

 

Die pflichtwidrige Unvorsichtigkeit kann auch in einem Übernahmeverschulden begründet sein. 

Ein solches liegt vor, wenn die beschuldigte Person eine Aufgabe übernommen hat, welcher sie 

aufgrund ihrer persönlichen Verhältnisse, etwa ihrer Ausbildung, erkennbar nicht gewachsen ist. 

Die Sorgfaltswidrigkeit besteht in diesem Fall nicht darin, dass die beschuldigte Person sich im 

Rahmen einer Tätigkeit pflichtwidrig unvorsichtig verhält. Sie liegt vielmehr schon darin, dass 

sie die Tätigkeit überhaupt ausführt, obwohl sie ihr, wie sie hätte erkennen können, nicht ge-

wachsen ist (BGer 6B_1341/2015 vom 25. Februar 2016 E. 4.3.3, mit Hinweisen). 

 

Die zum Erfolg führenden Geschehensabläufe müssen für die konkrete Täterschaft mindestens 

in ihren wesentlichen Zügen voraussehbar sein. Für die Beantwortung dieser Frage gilt der 

Massstab der Adäquanz. Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem gewöhnlichen 

Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie den eingetretenen herbeizu-

führen oder mindestens zu begünstigen. Die Adäquanz ist nur zu verneinen, wenn ganz aus-

sergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden des Opfers beziehungsweise eines Dritten 

oder Material- oder Konstruktionsfehler, als Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht 

hat gerechnet werden müssen und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste 

und unmittelbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und so alle anderen mitverursachenden 

Faktoren – namentlich das Verhalten der beschuldigten Person – in den Hintergrund drängen 

(BGE 135 IV 56 E. 2.1; BGE 130 IV 7 E. 3.2; BGE 127 IV 62 E. 2.d; je mit Hinweisen). Damit 

der Eintritt des Erfolgs auf das pflichtwidrige Verhalten der Täterschaft zurückzuführen ist, wird 

weiter vorausgesetzt, dass der Erfolg vermeidbar gewesen ist. Dabei wird ein hypothetischer 

Kausalverlauf untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten der Täter-

schaft ausgeblieben wäre. Für die Zurechnung des Erfolgs genügt, wenn das Verhalten der 

Täterschaft mindestens mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolgs 

gebildet hat (BGE 135 IV 56 E. 2.1; BGE 130 IV 7 E. 3.2; je mit Hinweisen). 

 

6.3.3.1 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verletzt ein Arzt seine Sorgfaltspflichten 

dort, wo er eine Diagnose stellt bzw. eine Therapie oder ein sonstiges Vorgehen wählt, das 

nach dem allgemeinen fachlichen Wissensstand nicht mehr als vertretbar erscheint und daher 

den objektivierten Anforderungen der ärztlichen Kunst nicht genügt (BGE 130 IV 7 E. 3.3; BGer 

6B_63/2020 vom 10. März 2021 E. 3.3.2; BGer 6B_89/2018 vom 1. Februar 2019 E. 3.1.3; je 

mit Hinweisen; vgl. BGE 134 IV 175 E. 3.2; BGer 6B_408/2013 vom 18. Dezember 2013 

E. 4.2). Bei der Diagnose einer Gesundheitsbeeinträchtigung muss ein Arzt mithin nicht die Er-

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hebung eines zutreffenden Befundes garantieren. Er muss jedoch bei der Feststellung und Be-

urteilung der gesundheitlichen Störung in jedem Fall fachgerecht vorgehen und die erforderli-

chen Mittel und Erkenntnisquellen nutzen. Mehrdeutige Krankheitsbilder muss er durch die ihm 

zur Verfügung stehenden Mittel aufklären. Der Arzt handelt unsorgfältig, wenn sich sein Vorge-

hen nicht nach den durch die medizinische Wissenschaft aufgestellten und generell anerkann-

ten Regeln richtet und dem jeweiligen Stand der Wissenschaft nicht entspricht (BGE 130 IV 7 

E. 3.3, mit Hinweisen; BGer 6B_63/2020 vom 10. März 2021 E. 3.3.2; vgl. BGer 6B_1287/2018 

vom 11. März 2019 E. 1.1). Zu den Sorgfaltspflichten eines Arztes gehört des Weiteren, dass er 

die Diagnose nicht vollendet, bevor er nicht alle gebotenen Untersuchungsmethoden ange-

wandt hat (vgl. BGE 64 II 200 E. 4.a; BGE 57 II 196 E. 3; BGE 34 II 32 E. 5; WALTER FELLMANN, 

Arzt und das Rechtsverhältnis zum Patienten [Rechtsverhältnis], in: KUHN/POLEDNA [Hrsg.], 

Arztrecht in der Praxis, 2. Aufl. 2007, S. 123). Ein Verstoss gegen die ärztliche Kunst liegt daher 

dann vor, wenn ein Arzt eine zweifelsfrei erforderliche Untersuchung nicht vornimmt (FELLMANN, 

a.a.O., Rechtsverhältnis, S. 123). Liegt eine unrichtige Beurteilung vor, so hat der Arzt für diese 

insbesondere dann einzustehen, wenn sie auf objektiv ungenügender Untersuchung beruht 

(vgl. BGE 120 Ib 411 E. 4.a). 

 

6.3.3.2 Gemäss Art. 40 lit. a des Bundesgesetzes über die universitären Medizinalberufe vom 

23. Juni 2006 (Medizinalberufegesetz, MedBG; SR 811.11) üben Medizinalpersonen ihren Be-

ruf sorgfältig und gewissenhaft aus und halten sich an die Grenzen der Kompetenzen, die sie 

im Rahmen ihrer Aus-, Weiter- und Fortbildung erworben haben. Von dieser Bestimmung er-

fasst sind gemäss Art. 2 Abs. 1 lit. a MedBG diejenigen Ärztinnen und Ärzte, die ihren Beruf 

selbständig ausüben (vgl. WALTER FELLMANN, in: AYER / KIESER / POLEDNA / SPRUMONT [Hrsg.], 

Medizinalberufegesetz [MedBG] Kommentar, 2009, Art. 40 N 13 sowie 15 ff.). Im Einzelfall ver-

pflichtet Art. 40 lit. a MedBG die Medizinalperson, einen Spezialisten beizuziehen, wenn ihr die 

fachlichen Kompetenzen für das Vorgehen fehlen, welches zum Wohl des Patienten erforderlich 

ist (FELLMANN, a.a.O., N 86 zu Art. 40 MedBG). In diesem Zusammenhang legt Art. 17 Abs. 2 

lit. a MedBG fest, dass die Weiterbildung gemäss MedBG die Ärztinnen und Ärzte dazu befähi-

gen solle, sichere Diagnosen zu stellen. Zu den vom MedBG genannten Weiterbildungen zäh-

len insbesondere gemäss Art. 2 Abs. 1 lit. b der Verordnung über Diplome, Ausbildung, Weiter-

bildung und Berufsausübung in den universitären Medizinalberufen vom 27. Juni 2007 (Medizi-

nalberufeverordnung, MedBV; SR 811.112.0) die Facharzttitel. Dementsprechend wird im 

Schrifttum darauf hingewiesen, dass nur Medizinalpersonen mit Facharzttitel die zu ihrem jewei-

ligen Fachgebiet zählenden Eingriffe und Behandlungen ausführen dürfen (vgl. HARDY LANDOLT 

/ IRIS HERZOG-ZWITTER, Sorgfaltspflicht der Ärzte, HAVE 2016, S. 108). Ein Behandlungsfehler 

ist einem Arzt deshalb bereits dann vorzuwerfen, wenn er infolge unzureichender fachlicher 

Zuständigkeit nicht zu einem sicheren Befund gelangen kann und dennoch die gesteigerten 

Möglichkeiten einer Medizinalperson mit Fachspezialisierung nicht beizieht (vgl. BERND-

RÜDIGER KERN / MARTIN REHBORN, in: LAUFS / KERN / REHBORN [Hrsg.], Handbuch des Arzt-

rechts, 5. Aufl. 2019, § 96 Rz. 32; ANTOINE ROGGO / DANIEL STAFFELBACH, Offenbarung von 

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Behandlungsfehlern/Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht – Plädoyer für konstruktive Kom-

munikation, AJP 2006, S. 418). 

 

Bei der Verschreibung und der Abgabe von Arzneimitteln müssen die anerkannten Regeln der 

medizinischen und pharmazeutischen Wissenschaften beachtet werden (Art. 26 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes über Arzneimittel und Medizinprodukte vom 15. Dezember 2000 [Heilmittelge-

setz, HMG; SR 812.21]). Ein Arzneimittel darf nur verschrieben werden, wenn der Gesundheits-

zustand der Konsumentin oder des Konsumenten beziehungsweise der Patientin oder des Pa-

tienten bekannt ist (Art. 26 Abs. 2 HMG). Das gilt gemäss Art. 2 Abs. 1 lit. b HMG bzw. Art. 1b 

des Bundesgesetzes über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe vom 

3. Oktober 1951 (Betäubungsmittelgesetz, BetmG; SR 812.121) auch für Betäubungsmittel, die 

als Heilmittel verwendet werden (BGer 2C_410/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1). Gemäss den 

Gesetzesmaterialien besteht die ratio legis von Art. 26 Abs. 2 HMG darin, die Ausstellung von 

«Blanko-Rezepten» zu verhindern (vgl. Botschaft zu einem Bundesgesetz über Arzneimittel und 

Medizinprodukte [Heilmittelgesetz, HMG] vom 1. März 1999, BBl 1999 III 3453 ff., 3513; zu-

stimmend HEIDI BÜRGI, Basler Kommentar Heilmittelgesetz, 2. Aufl. 2022, Art. 26 N 20). Mit der 

Verhinderung von «Blanko-Rezepten» ist gemeint, dass sich Patienten nicht ein bestimmtes 

Medikament «wünschen» können sollen und der Arzt diesem Wunsch unbesehen nachkommt 

(PATRICK SCHAERZ, Urteilsbesprechung Polizeigericht des Tribunal du Littoral et du Val de Tra-

vers in Boudry [Kanton Neuenburg], Entscheid vom 8. Juli 2013 [POL.2011.256] und Beru-

fungsentscheid der Strafrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts Neuenburg vom 8. Mai 2014 

[CPEN.2013.75/dhp], AJP 9/2015, S. 1308 ff., S. 1315). Die ärztliche Verschreibung des Arz-

neimittels hat insofern in Kenntnis der Vitaldaten des Patienten, seines Gesundheitszustandes, 

allfälliger Allergien, Arzneimittelunverträglichkeiten sowie des Interaktionspotentials mit anderen 

Wirkstoffen aus Arznei- oder Nahrungsmitteln zu erfolgen (HEIDI BÜRGI, a.a.O., Art. 26 HMG 

N 20, mit Verweis auf BGE 142 II 80 E. 2.1 und weiterem Hinweis). Nicht in jedem Fall zwin-

gend notwendig für die Kenntnis des Gesundheitszustands im Sinne von Art. 26 Abs. 2 HMG ist 

es gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung, dass der verschreibende Arzt den Patienten 

auch persönlich untersucht (vgl. BGer 2C_901/2012 vom 30. Januar 2013 E. 4.3.2). 

 

Medizinalpersonen, die ihren Beruf gemäss MedBG selbständig ausüben, können Betäu-

bungsmittel ohne Bewilligung abgeben (Art. 9 Abs. 1 und Art. 10 Abs. 1 BetmG; Art. 11 Abs. 3 

der der Verordnung über die Betäubungsmittelkontrolle vom 25. Mai 2011 [Betäubungsmittel-

kontrollverordnung, BetmKV; SR 812.121.1]), jedoch nur in dem Umfang, wie dies nach den 

anerkannten Regeln der medizinischen Wissenschaften notwendig ist (Art. 11 Abs. 1 BetmG). 

Sie dürfen Arzneimittel mit kontrollierten Substanzen gemäss Art. 46 Abs. 1 BetmKV nur für 

Patienten verschreiben, die sie selber untersucht haben (BGer 2C_410/2014 vom 22. Januar 

2015 E. 4.1). Der Arzt darf sich daher nicht allein auf die Angaben des Patienten oder einer 

Drittperson verlassen (BGer 6B_288/2016 vom 13. Mai 2016 E. 3.4; GUSTAV HUG-BEELI, Betäu-

bungsmittelgesetz (BetmG), Kommentar zum Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die 

psychotropen Stoffe vom 3. Oktober 1951, 2016, Art. 11 N 35; STEPHAN SCHLEGEL / OLIVER 

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JUCKER, Orell Füssli Kommentar zum Betäubungsmittelgesetz sowie zu Bestimmungen des 

StGB und OBG mit weiteren Erlassen, 4. Aufl. 2022, Art. 11 BetmG N 8). 

 

6.3.3.3 Gemäss den Medizin-ethischen Richtlinien «Urteilsfähigkeit in der medizinischen Pra-

xis» der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) vom Janu-

ar 2019, Ziff. I., S. 5 sei bei der Beurteilung der Urteilsfähigkeit einer Person zu beachten, dass 

nicht nur die Urteilsfähigkeit des Patienten, sondern auch das Urteilsvermögen der die Urteils-

fähigkeit evaluierenden Person eingeschränkt sein könne. Insbesondere eine Voreingenom-

menheit, beispielsweise aufgrund von starken weltanschaulichen Überzeugungen, individuellen 

Wertvorstellungen oder persönlichen Interessenkonflikten, könne zu einer verzerrten Einschät-

zung führen. Es sei daher ein angemessener Umgang mit Befangenheit im Sinne einer qualita-

tiv hochstehenden Evaluation dringend geboten, da das Ergebnis der Evaluation der Urteilsfä-

higkeit für den Patienten weitreichende Konsequenzen haben könne. 

 

Die Medizin-ethischen Richtlinien der SAMW «Urteilsfähigkeit in der medizinischen Praxis» vom 

Januar 2019, Ziff. II.2.8, S. 9 weisen sodann darauf hin, dass die Prüfung der Urteilsfähigkeit 

umso sorgfältiger auszufallen habe, je weitreichender oder dauerhafter die Konsequenzen einer 

Entscheidung seien. Dies gelte insbesondere für Handlungsoptionen, deren Folgen unumkehr-

bar seien oder gar mit grosser Wahrscheinlichkeit zum Tod führten. Im Zweifelsfall und bei Ent-

scheidungen mit grosser Tragweite wird empfohlen, die Evaluation der Urteilsfähigkeit gegebe-

nenfalls interdisziplinär, interprofessionell und unter Einbezug besonderer Fachkompetenz vor-

zunehmen. 

 

Ferner wird in den Medizin-ethischen Richtlinien der SAMW «Urteilsfähigkeit in der medizini-

schen Praxis» vom Januar 2019, Ziff. II.3.9, S. 18 f. ausgeführt, wenn ein Patient Suizidbeihilfe 

wünsche und in diesem Zusammenhang um Bestätigung der Urteilsfähigkeit ersuche, sei ange-

sichts der grossen Tragweite eines solchen Entscheids besonders sorgfältig zu evaluieren, ob 

eine durch eine psychiatrische Erkrankung (z.B. Depression) oder durch eine andere Ursache 

bedingte Einschränkung der mentalen Fähigkeiten vorliege. In diesem Fall müsse durch eine 

vertiefte Evaluation abgeklärt werden, ob diese [psychiatrische Erkrankung bzw. anderweitige 

Einschränkung der mentalen Fähigkeiten] zur Urteilsunfähigkeit im Hinblick auf den Suizid-

wunsch führe. Insbesondere sei zu prüfen, ob der Patient über eine realistische Einschätzung 

seiner Prognose und der Erfolgschancen der ihm angebotenen therapeutischen Optionen und 

anderen Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten verfüge. 

 

6.3.3.4 Gemäss den Medizin-ethischen Richtlinien der SAMW «Umgang mit Sterben und 

Tod», 2. Aufl. 2019, Ziff. II.6.2.1, S. 26 f. erfordere die Beihilfe zum Suizid durch einen Arzt zu-

nächst, dass der Patient nach sorgfältiger Information und Abklärung über einen selbstbestimm-

ten Wunsch nach Suizidbeihilfe verfüge. Sofern dies der Fall sei, sei ferner erforderlich, dass 

folgende fünf Voraussetzungen erfüllt seien, deren Überprüfung dem Suizidbeihilfe leistenden 

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Arzt obliege, wobei die ersten beiden Voraussetzungen zusätzlich von einer unabhängigen 

Drittperson bestätigt werden müssten, die nicht zwingend ein Arzt zu sein brauche: 

- Der Patient ist in Bezug auf den assistierten Suizid urteilsfähig. Der Arzt müsse diesfalls 

dokumentieren, dass er eine Urteilsunfähigkeit sorgfältig ausgeschlossen habe. Falls eine 

psychische Krankheit, eine Demenz oder ein anderer Zustand vorliege, der häufig mit feh-

lender Urteilsfähigkeit verbunden sei, müsse die Urteilsfähigkeit durch einen entsprechen-

den Facharzt evaluiert worden sein. 

- Der Wunsch müsse wohlerwogen und ohne äusseren Druck entstanden sowie dauerhaft 

sein. Falls Hinweise auf ein problematisches Abhängigkeitsverhältnis bestünden, müsse 

dessen möglicher Einfluss auf den Suizidwunsch sorgfältig erwogen worden sein. 

- Die Krankheitssymptome und/oder Funktionseinschränkungen des Patienten müssten für 

diesen Ursache unerträglichen Leidens sein. 

- Medizinisch indizierte therapeutische Optionen sowie andere Hilfs- und Unterstützungsan-

gebote müssten gesucht worden und erfolglos geblieben oder vom diesbezüglich urteilsfä-

higen Patienten als unzumutbar abgelehnt worden sein. 

- Der Wunsch des Patienten, in dieser unerträglichen Leidenssituation nicht mehr leben zu 

wollen, müsse für den Arzt aufgrund der Vorgeschichte und wiederholter Gespräche nach-

vollziehbar und es müsse für ihn vertretbar sein, in diesem konkreten Fall Suizidhilfe zu 

leisten. 

 

6.3.3.5 Die Medizin-ethischen Richtlinien der SAMW «Umgang mit Sterben und Tod», 2. Aufl. 

2019, wurden sodann in den Ziff. II.6.2 und II.6.2.1 wie folgt angepasst (die Änderungen traten 

per Mai