# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bf08321a-ddae-5dfc-9fb9-a0afd409e83c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.10.2011 D-5557/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5557-2009_2011-10-04.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­5557/2009

U r t e i l   v om   4 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Richter Martin Zoller (Vorsitz),
Richterin Contessina Theis,
Richter Thomas Wespi;
Gerichtsschreiber Daniel Widmer.

Parteien A.______,
Irak,
vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer,
Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende,
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung
(Dublin­Verfahren);
Verfügung des BFM vom 25. Juni 2009 / (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer  –  ein  irakischer  Staatsangehöriger,  welcher 
eigenen Angaben zufolge aus Mosul stammt – suchte am 19. Dezember 
2008  in  B.______  um  Asyl  nach.  Am  6. Januar  2009  fand  im  dortigen 
Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) eine erste Befragung statt.

Der Beschwerdeführer machte  im Wesentlichen geltend, er habe seinen 
Heimatstaat am (…) in Richtung C.______ verlassen, von wo er (…) nach 
Griechenland weitergereist sei. Der vom Schlepper bestellte Lkw (…) sei 
von  der  griechischen  Polizei  angehalten  worden,  woraufhin  er 
daktyloskopiert  worden  sei  und  dabei  die  Personalien  D.______ 
angegeben habe. Er sei   während (…)  in Haft gehalten worden. Bei der 
Haftentlassung  sei  ihm  ein  Wegweisungsdokument  ausgehändigt 
worden,  dem  er  jedoch  keine  Folge  geleistet  habe.  Vielmehr  sei  er  bis 
zum  (…)  in Griechenland  geblieben,  wobei  er  sich,  als  er  zum  zweiten 
Mal daktyloskopiert worden sei, eine  rote Asylkarte habe ausstellen und 
diese in der Folge (…) habe verlängern lassen, letztmals am (…). Er sei 
an  verschiedenen Stellen  erwerbstätig  gewesen,  bis  es  zu  einem Streit 
mit  dem  letzten  Arbeitgeber  gekommen  sei.  Dabei  sei  ihm  unter 
Verwendung  einer  Schuss­  und  einer  Stichwaffe  mit  dem  Tod  gedroht 
worden,  falls  er  sich  an  die  Polizei  wenden  würde.  Deshalb  habe  er 
Griechenland  (…)  in  Richtung  E.______  verlassen,  von  wo  er  am 
19. Dezember 2008 in die Schweiz gelangt sei.

Anlässlich  der  Befragung  vom  6. Januar  2009  wurde  dem 
Beschwerdeführer  mitgeteilt,  dass  gestützt  auf  eine  zwischenzeitlich 
vorgenommene Abfrage der Eurodac­Datenbank, welche ergeben habe, 
dass  er  am  (…)  in  F.______  (Griechenland)  einen  Asylantrag  gestellt 
habe,  mutmasslich  Griechenland  für  das  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahren zuständig sei. Gleichzeitig wurde ihm im Rahmen 
des  rechtlichen  Gehörs  Gelegenheit  gegeben,  zu  einem  allfälligen 
Nichteintretensentscheid  des BFM  und  zur  Zuständigkeit Griechenlands 
für die Behandlung des Asylgesuchs beziehungsweise zur Rückweisung 
nach  Griechenland  Stellung  zu  nehmen.  Diesbezüglich  gab  er  zu 
Protokoll,  dass  dort  ein  gesetzloses  Chaos  herrsche,  vor  welchem  er 
geflüchtet  sei.  Er  würde  nicht  dorthin  zurückkehren,  sondern  sich 
gegebenenfalls selbständig in ein anderes Land begeben.

Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  führte  er  aus,  er  habe  vor  der 
Ausreise aus dem Heimatstaat  (…) gearbeitet, während sein Bruder als 

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(…) tätig gewesen sei. Dieser sei im (…) von Terroristen getötet worden. 
Daraufhin sei die Familie von den Terroristen davor gewarnt worden, eine 
Trauerfeier abzuhalten. Nachdem sie diese Warnung missachtet hätten, 
sei er  (…) nach dem Tod seines Bruders von den Terroristen schriftlich 
mit dem Tod bedroht worden.

B. 
Am 15. Januar 2009 und nochmals am 25. Februar 2009 stellte das BFM 
– gestützt  auf  den  Eurodac­Treffer  vom  (…)  und  eine  vom 
Beschwerdeführer  eingereichte,  am  (…)  in  Griechenland  ausgestellte 
"Alien's  Card Requesting  Political  Asylum"  –  in  Anwendung  von  Art. 16 
Abs. 1  Bst. c  der  Verordnung  [EG]  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18. 
Februar  2003  zur  Festlegung  von  Kriterien  und  Verfahren  zur 
Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 
zuständig  ist  (Dublin­II­VO),  ein  Ersuchen  um  Wiederaufnahme  des 
Beschwerdeführers  an  die  griechischen  Behörden.  Diese  Anfragen 
blieben  bis  zum  Ablauf  der  Frist  am  29. Januar  2009  beziehungsweise 
am 2. April 2009 unbeantwortet.

C. 
Mit  Verfügung  vom  25. Juni   2009  –  zu  eröffnen  durch  die  zuständige 
kantonale  Behörde  –  trat  das  BFM  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2 
Bst. d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31) auf das 
Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  ein,  wies  diesen  aus  der 
Schweiz  nach  Griechenland  weg,  ordnete  den  sofortigen  Vollzug  der 
Wegweisung  an,  stellte  fest,  dass  einer  allfälligen  Beschwerde  keine 
aufschiebende  Wirkung  zukomme,  und  verfügte  die  Aushändigung  der 
editionspflichtigen Akten an den Beschwerdeführer.

Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  ausgeführt,  gemäss  Art.  34 
Abs. 2  Bst. d  AsylG  werde  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten,  wenn 
Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  könnten,  welcher  für  die 
Durchführung des Asyl­ und Wegweisungsverfahrens zuständig sei. Der 
Beschwerdeführer  habe  erklärt,  sich  als  anerkannter  Flüchtling  in 
Griechenland  aufgehalten  zu  haben.  Zudem  liege  ein  entsprechender 
Eurodac­Treffer vor. Gestützt auf das Abkommen vom 26. Oktober 2004 
zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen 
Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des 
zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in 
der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen 

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[DAA],  SR 0.142.392.68)  und  das  Übereinkommen  vom  17. Dezember 
2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik 
Island und dem Königreich Norwegen über die Umsetzung, Anwendung 
und Entwicklung des Schengen­Besitzstands und über die Kriterien und 
Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die Prüfung eines 
in  der  Schweiz,  in  Island  oder  in  Norwegen  gestellten  Asylantrags 
(Übereinkommen  vom  17. Dezember  2004,  SR 0.362.32)  sei 
Griechenland  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahrens zuständig, und aufgrund des Ausbleibens einer 
Antwort  bis  am  2. April  2009  sei  von  einer  Zustimmung  Griechenlands 
auszugehen.  Ferner  habe  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  des 
rechtlichen Gehörs erklärt, falls er in der Schweiz nicht anerkannt würde, 
könne  er  nicht  nach  Griechenland  zurückkehren,  sondern  würde 
selbständig in ein anderes Land gehen. Da er dort – so das BFM weiter – 
Schutz vor Rückführung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG fände, sei das 
Non­Refoulement­Gebot bezüglich des Heimat­ und Herkunftsstaats nicht 
zu  prüfen. Schliesslich  beständen  keine Hinweise darauf,  dass  im Falle 
einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Griechenland  Art. 3  der 
Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte 
und Grundfreiheiten  (EMRK, SR  0.101)  verletzt  würde. Der  Vollzug  der 
Wegweisung nach Griechenland sei zulässig, zumutbar und möglich.

D. 
Mit Eingabe vom 12. August 2009 an das BFM beantragte der nunmehr 
durch  einen  bevollmächtigten  Rechtsvertreter  handelnde 
Beschwerdeführer,  es  sei  ihm  fortlaufend  Akteneinsicht  betreffend  ein 
allfälliges  Dublin­Verfahren  zu  gewähren;  das  Bundesamt  sei  ferner 
anzuhalten, sein Recht auf Selbsteintritt auszuüben (im Sinne von Art. 3 
Abs. 2  Dublin­II­VO)  und  sich  für  sein  Asylgesuch  als  zuständig  zu 
erklären. In Beantwortung des Gesuches um Akteneinsicht liess das BFM 
dem  Rechtsvertreter  am  24. August  2009  die  Akten  des  Dublin­
Verfahrens zukommen. Zu den Ausführungen des Beschwerdeführers  in 
Sachen Selbsteintritt äusserte sich das BFM nicht.

E. 
Mit Telefax vom 20. August 2009 teilte das BFM dem Migrationsamt des 
Kantons  G._______  unter  Hinweis  auf  ein  beiliegendes  Schreiben  der 
Zürcher  Beratungsstelle  für  Asylsuchende  und  eine  entsprechende 
Vollmacht  vom  (…)  mit,  dass  der  Beschwerdeführer  neu  einen 
Rechtsvertreter  habe  und  gleichzeitig mit  der  Eröffnung  des Entscheids 
an  den  Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen  Akten  samt  Kopie  des 

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Aktenverzeichnisses  vorab  per  Telefax  der  Rechtsvertretung  zu 
übermitteln seien, mit anschliessender Zustellung im Original.

F. 
Gemäss Eröffnungs­ und Empfangsbestätigung wurde die Verfügung des 
BFM  –  durch  Vermittlung  der  Kantonspolizei  G._______  –  am 
2. September  2009  direkt  dem  Beschwerdeführer  eröffnet,  unter 
Aushändigung  der  editionspflichtigen  Akten  samt  Kopie  des 
Aktenverzeichnisses.

G. 
Mit Eingabe vom 4. September 2009 – am selben Tag um 11:13 Uhr per 
Telefax  eingegangen  –  an  das Bundesverwaltungsgericht  (Eingang  des 
per  Post  versandten  Originals:  7. September  2009)  beantragte  der 
Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  unter  Kosten  und 
Entschädigungsfolge,  es  sei  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben 
und  die  Vorinstanz  anzuweisen,  das Selbsteintrittsrecht  auszuüben  und 
sich  für  das Asylgesuch  zuständig  zu erklären.  In prozessualer Hinsicht 
wurde  beantragt,  es  sei  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  der 
Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  gewähren  und  die 
Vollzugsbehörden  seien  anzuweisen,  von  einer  Überstellung  nach 
Griechenland  abzusehen,  bis  das  Bundesverwaltungsgericht  über  die 
Beschwerde entschieden habe; für den Fall, dass der Beschwerdeführer 
bereits  nach  Griechenland  überstellt  worden  sein  sollte,  sei  das  BFM 
anzuweisen, die Rückführung in die Schweiz zu veranlassen. Schliesslich 
wurden  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von 
Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  der  Verzicht  auf  die 
Erhebung eines Kostenvorschusses beantragt. Zur Begründung wurde in 
prozessualer  Hinsicht  kritisiert,  dass  die  Praxis  des  BFM,  die 
Nichteintretensentscheide erst zu dem Zeitpunkt zu eröffnen,  in dem die 
Wegweisung  vollzogen  werden  könne,  eine  effektive 
Beschwerdemöglichkeit  vereitle.  In  materieller  Hinsicht  wurde  die 
Situation von Asylsuchenden in Griechenland geschildert.

H. 
Nach  Eingang  der  Beschwerde  vorab  per  Telefax  ordnete  der 
Instruktionsrichter  mit  Verfügung  vom  4. September  2009  per  Telefax – 
übermittelt um 13:25 Uhr – umgehend vollzugshemmende Massnahmen 
(vorsorgliche Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung) an. In der Folge 
ergab sich, dass der Beschwerdeführer  zu diesem Zeitpunkt bereits auf 

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dem  Luftweg  nach  Griechenland  zurückgeführt  worden  war 
(4. September 2009, um 09:45 Uhr).

I. 
Mit Telefax vom 8. September 2009 teilte das Migrationsamt des Kantons 
G._______  mit,  dass  der  Nichteintretensentscheid  dem  Rechtsvertreter 
des Beschwerdeführers am 2. September 2009 um 15:45 Uhr per Telefax 
übermittelt worden sei.

J. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  10. September  2009  wies  das 
Bundesverwaltungsgericht  das Gesuch  um Anordnung  der Rückführung 
des Beschwerdeführers ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, es seien 
keine  Gründe  ersichtlich,  welche  eine  sofortige  Rückführung  in  die 
Schweiz  als  geboten  erscheinen  liessen.  Gleichzeitig  wurde  auf  die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet,  das  Gesuch  um  Erlass 
allfälliger Verfahrenskosten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und 
das BFM zur Vernehmlassung eingeladen.

K. 
Mit Vernehmlassung  vom 24. September  2009  beantragte  das BFM die 
Abweisung  der  Beschwerde.  Zur  Begründung  führte  es  aus,  die 
Beschwerdeschrift  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder 
Beweismittel,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunkts  rechtfertigten. 
Zwar  würde  das  BFM  besonders  verletzliche  Personen  nicht  nach 
Griechenland überstellen. Der Beschwerdeführer gehöre  jedoch nicht zu 
dieser  Personenkategorie,  weshalb  auf  die  Ausübung  des 
Selbsteintrittsrechts  verzichtet  worden  sei.  Auch  lägen  keine  konkreten 
Anhaltspunkte dafür vor, dass Griechenland das Refoulement­Verbot  im 
Sinne von Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der 
Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101) 
beziehungsweise  Art. 33  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die 
Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  verletze.  Aus  der 
Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  am  4. September  2009  nach 
Griechenland zurückgeführt worden sei,  lasse sich keine Verletzung von 
Art. 13 EMRK ableiten;  insbesondere sehe Art. 107a AsylG ausdrücklich 
vor,  dass  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide  im  Sinne  von 
Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  keine  aufschiebende  Wirkung  hätten.  Was 
das  griechische  Asylsystem  im  Allgemeinen  und  die  Möglichkeit  zur 
Einreichung  einer  wirksamen  Beschwerde  anbelange,  könnten  die 
schweizerischen Behörden nicht für eine allfällige Verletzung von Art. 13 

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EMRK durch Griechenland verantwortlich gemacht werden. Sodann habe 
der  Beschwerdeführer  zu  Protokoll  gegeben,  dass  er  in  Griechenland 
eine  rote  Asylkarte  erhalten  habe  und  dort  anerkannter  Flüchtling  sei. 
Demgegenüber  habe  das  Bundesverwaltungsgericht  in  einem  früheren 
Urteil  festgehalten,  dass  es  nicht  im  Sinne  des  Gesetzgebers  sei, 
Personen  zu  schützen, welche  – wie  der  Beschwerdeführer  –  in  einem 
andern  Land Schutz  geniessen würden. Schliesslich  regle  die Dublin­II­
VO ausschliesslich die Zuständigkeit  für  die Prüfung eines Asylgesuchs 
und  bezwecke  nicht  eine  Vereinheitlichung  der  nationalen  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahren  der  einzelnen  Dublin­Staaten.  Weiche  ein 
solches von der schweizerischen Gesetzgebung ab, bestände somit kein 
Anlass, die Unzumutbarkeit der Wegweisung festzustellen.

L. 
In  seiner Replik  vom 2. Oktober 2009 nahm der Beschwerdeführer  zum 
Inhalt  der  Vernehmlassung  Stellung,  worin  er  grundsätzlich  an  seinen 
bisherigen Vorbringen  festhielt.  Insbesondere erneuerte er den Vorwurf, 
die Vorinstanz habe durch die mit dem Vollzug der Rückführung nahezu 
zeitgleiche  Eröffnung  der  angefochtenen  Verfügung  bezweckt,  einen 
Entscheid  über  das  vom  Beschwerdeführer  gestellte  Gesuch  um 
Gewährung  der  aufschiebenden Wirkung  der  Beschwerde  zu  vereiteln. 
Zudem äusserte er sich generell zum griechischen Asylverfahren.

M. 
Mit Instruktionsverfügung vom 7. Februar 2011 wurde die Vorinstanz zur 
erneuten  Vernehmlassung  eingeladen,  nachdem  das  BFM  über  die 
Medien eine teilweise Praxisänderung  im Falle von Dublin­Verfahren mit 
Bezug zu Griechenland kommuniziert hatte.

N. 
Am 9. Februar 2011  reichte der Rechtsvertreter  des Beschwerdeführers 
eine Kostennote ein.

O. 
In  seiner  ergänzenden  Vernehmlassung  vom  9. Februar  2011  hielt  das 
BFM an der angefochtenen Verfügung wiederum fest und beantragte die 
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führe es aus, die erwähnte 
Praxisänderung  habe  zur  Folge,  dass  mehrheitlich  keine  Dublin­
Verfahren  mit  Griechenland  durchgeführt  würden.  Werde  aber 
festgestellt,  dass  einer  asylsuchenden  Person  der  Zugang  zum 
Asylverfahren  in  Griechenland  möglich  gewesen  sei  und  sie  dort  über 

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eine  Unterkunft  verfügt  habe,  halte  das  BFM  weiterhin  an  der 
Durchführung  des  Dublin­Verfahrens  fest.  Gemäss  den  Aussagen  des 
Beschwerdeführers  habe  dieser  in  Griechenland  Zugang  zum 
Asylverfahren  gehabt.  Er  habe  dort  einen  Aufenthaltstitel  für 
Asylsuchende ("Pink Card") erhalten und diesen regelmässig verlängern 
können.  Insgesamt habe er mehr als  vier  Jahre  in Griechenland gelebt, 
dort  legal  an verschiedenen Orten gearbeitet  und sich mit  seinem Lohn 
eine  eigene  Wohnung  gemietet.  Ausserdem  sei  er  bereits  am 
4. September  2009 nach Griechenland überstellt worden.

P. 
Mit Replik vom 1. März 2011 nahm der Beschwerdeführer zum Inhalt der 
Vernehmlassung  Stellung,  worin  er  grundsätzlich  an  seinen  bisherigen 
Vorbringen festhielt. Darauf wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in 
den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie 105 AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

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2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
3.1.  Im  Falle  von  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit 
denen es das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin 
zu  überprüfen  (Art.  32  ­  35  AsylG),  ist  die  Beurteilungskompetenz  des 
Bundesverwaltungsgerichts  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt,  ob 
das  BFM  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist  (vgl.  dazu 
BVGE 2007/8 E. 2.1 mit weiterem Hinweis).

3.2.  Die  Frage,  ob  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  in  seine 
Heimat  einer  asylrelevanten  Verfolgung  ausgesetzt  wäre,  bildet  damit 
nicht  Gegenstand  des  Verfahrens.  Auch  die  Frage  einer  vorläufigen 
Aufnahme  aufgrund  einer  eventuellen  Unzulässigkeit  oder 
Unzumutbarkeit  der Wegweisung nach Art. 44 Abs. 2 AsylG  ist  im Falle 
von  Dublin­Verfahren  nicht  Prozessgegenstand  (vgl.  BVGE  2010/45  E. 
10.2  S.  645).  Zu  prüfen  ist  hingegen,  ob  das  BFM  von  seinem 
Selbsteintrittsrecht  nach  Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO  hätte  Gebrauch 
machen  müssen  (vgl.  unten,  E. 6).  Aufgrund  der  nachstehend 
aufgezeigten Umstände drängt sich zudem die Prüfung formeller Mängel 
der angefochtenen Verfügung auf.

4. 
4.1. Aus den Akten ergibt sich, dass die Verfügung des BFM vom 25. Juni 
2009  nicht  von  der  Vorinstanz,  sondern  –  in  deren Auftrag  –  durch  die 
kantonale Behörde eröffnet wurde. Gemäss dem entsprechenden Auftrag 
sollte  die  Verfügung  des  BFM  dem mandatierten  Rechtsvertreter  vorab 
per  Telefax­Kopie  und  später  per  Post  zugestellt  und  dem 
Beschwerdeführer  in Kopie ausgehändigt werden. Gemäss Auskunft der 
zuständigen  kantonalen  Behörde  vom  8.  September  2009  erfolgte  die 
Eröffnung  jedoch  entgegen  diesen  ausdrücklichen  Anordnungen  im 
Original  an  den  Beschwerdeführer  und  an  den  Rechtsvertreter  nur  per 
Telefax­Kopie. Die Eröffnung erfolgte zudem erst mehr als neun Wochen 
nach  Erlass  der  angefochtenen  Verfügung:  An  den  Beschwerdeführer 
offensichtlich  unmittelbar  vor  und  an  die Rechtsvertretung  erst mehrere 
Stunden  nach  dem  Vollzug  der  vom  BFM  angeordneten  sofortigen 
Wegweisung aus der Schweiz. 

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4.2. Der  im  vorliegenden Dublin­Verfahren  vom BFM verfolgte Ansatz – 
die  Anordnung  einer  sofortigen  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  die 
Eröffnung  der  angefochtenen  Verfügung  erst  unmittelbar  vor  der 
Umsetzung  des  Wegweisungsvollzuges  –  folgte  einer  vom  BFM 
mittlerweile aufgegebenen Praxis, welche vom Bundesverwaltungsgericht 
mit  Grundsatzurteil  vom  2.  Februar  2010  als  nicht  gesetzeskonform 
erkannt  worden  ist  (vgl.  dazu  BVGE  2010/1  E. 4  S.  9  ff.).  Vor  dem 
Hintergrund  der  Feststellungen  des  Bundesverwaltungsgerichts 
betreffend die mangelnde gesetzliche Grundlage für eine Anordnung der 
sofortigen  Wegweisung  in  Dublin­Verfahren,  aber  auch  vor  dem 
Hintergrund der zum damaligen Zeitpunkt nicht formgerechten Eröffnung 
direkt  an  den  Beschwerdeführer,  statt  an  seinen  mandatierten 
Rechtsvertreter (Art. 11 Abs. 1 und 3 VwVG, da Art. 13 Abs. 5 AsylG erst 
seit  dem  1.  Januar  2011  in  Kraft  steht),  rügt  der  Beschwerdeführer  zu 
Recht die Modalitäten der Eröffnung der angefochtenen Verfügung. 

4.3.  Dem  Rechtsvertreter  wurde  die  Verfügung  nur  per  Telefax­Kopie 
eröffnet.  Nach  Art. 34  Abs. 1  VwVG  eröffnet  die  Behörde  Verfügungen 
den  Parteien  schriftlich.  Eine  nach  der  Ausnahmeregelung  von  Art. 13 
Abs. 1 und 2 AsylG mögliche mündliche Eröffnung hätte gewissen Regeln 
zu  folgen,  welche  in  casu  ohnehin  nicht  berücksichtigt  wurden.  Nach 
weiterhin  geltender  Rechtsprechung  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission (ARK) beinhaltet das klare gesetzliche Erfordernis 
der Schriftlichkeit einer Verfügung nach Art. 34 VwVG nach allgemeinem 
Verständnis  und Bundesgerichtsrechtsprechung  eine Originalunterschrift 
der  verfügenden  Behörde.  Eine  faksimilierte  oder  kopierte  Unterschrift 
erfüllt diese Anforderungen nicht, weshalb eine Eröffnung per Telefax an 
sich als mangelhaft zu qualifizieren  ist. Dies  ist vorliegend auch deshalb 
der  Fall,  weil  die  Konstellation  der  Dublin­Verfahren  nicht  unter  den 
damaligen  Art. 13  Abs. 3  oder  4  AsylG  subsumiert  werden  kann.  Trotz 
dieses  Mangels  ist  die  Eröffnung  indessen  rechtsgültig,  wenn  eine 
Irreführung  oder  andere  Benachteiligung  des  Beschwerdeführers  (im 
Sinne  von  Art. 38  VwVG)  ausgeschlossen  werden  kann  (vgl. 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  1993  Nr. 30  E. 6a).  Ein  Verdacht  der 
Irreführung  oder  eine  Benachteiligung  durch  die  Eröffnung  per  Telefax 
ergibt sich vorliegend jedoch weder aus den Akten noch wird dies geltend 
gemacht.  Die  mangelhaften  Eröffnung  ohne  Originalunterschrift  brachte 
demnach keinen Rechtsnachteil mit sich.

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4.4. Wie vom Beschwerdeführer jedoch zu Recht beanstandet, erfolgte im 
vorliegenden  Verfahren  der  Vollzug  der Wegweisung  nahezu  zeitgleich 
mit der Eröffnung der angefochtenen Verfügung. Diese Frist  ist äusserst 
kurz.  Gemäss  herrschender  Praxis  und  zwischenzeitlich  eingeführten 
gesetzlichen  Grundlagen  ist  zwischen  Eröffnung  und  Vollzug  eine 
angemessene  Frist  zu  wahren,  damit  die  Beschwerdeinstanz  prüfen 
kann,  ob  im  Zielstaat  bis  zum  Entscheid  in  der  Hauptsache  allenfalls 
EMRK­Verletzungen drohen (vgl. BVGE 2010/1). Dieser Rechtsprechung 
gemäss  war  ein  Vollzug  so  kurz  nach  Entscheideröffnung  damit  nicht 
rechtmässig,  weshalb  der  Rüge  des  Beschwerdeführers  insofern 
stattzugeben  ist.  Ob  allein  dieser  Verfahrensmangel  zur  Kassation  der 
angefochtenen  Verfügung  zu  führen  vermöchte,  kann  aufgrund  der 
nachfolgenden Erwägungen aber ohnehin offen bleiben.

5. 
5.1.  Gemäss  der  Bestimmung  von  Art.  34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  –  auf 
welche sich die angefochtene Verfügung stützt – wird auf Asylgesuche in 
der  Regel  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat 
ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist.

5.2. Nachdem sich der Beschwerdeführer sowohl gemäss Verzeichnung 
in der Eurodac­Datenbank als auch seinen eigenen Angaben zufolge vor 
seiner Einreise in die Schweiz bereits in Griechenland als Asylsuchender 
registrieren  liess,  ist  gemäss  den  einschlägigen  Bestimmungen  zum 
Dublin­Verfahren  –  neben  der  Dublin­II­VO  namentlich  die  Verordnung 
[EG]  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September  2003  mit 
Durchführungsbestimmungen  zur  Dublin­II­VO  (DVO  Dublin)  und  das 
DAA  –  grundsätzlich  dieser  Staat  für  die  Prüfung  des  Asylantrages 
zuständig.  Gemäss  den  Akten  wurde  von  Seiten  Griechenlands  das 
Ersuchen  des  BFM  um  eine  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers 
(nach  Art. 16  Abs. 1  Bst. c  Dublin­II­VO)  innert  der  vorliegend 
massgeblichen  Frist  von  zwei  Wochen  nicht  beantwortet,  womit 
Griechenland  seine  Zuständigkeit  gemäss  Dubliner  Verfahrensregelung 
aufgrund  der  so  genannten  Verfristung  akzeptiert  hat  (Art. 20  Abs. 1 
Bst. b  und  c  Dublin­II­VO).  Damit  sind  die  Voraussetzungen  für  einen 
Nichteintretensentscheid  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG 
grundsätzlich erfüllt.

6. 

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6.1.  Im  Falle  des  Beschwerdeführers  ist  –  wie  vorstehend  aufgezeigt – 
grundsätzlich  Griechenland  für  die  Prüfung  des  Asylantrages  zuständig 
(im  Sinne  von  Art. 3  Abs. 1  Dublin­II­VO).  Nach  der  Bestimmung  von 
Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO – auf welche sich der Beschwerdeführer beruft 
– kann  die Schweiz  jedoch  ein Asylgesuch materiell  prüfen,  auch wenn 
nach  den  einschlägigen  Kriterien  der  Dublin­II­VO  ein  anderer  Staat 
zuständig  wäre  (Selbsteintrittsrecht).  Diese  Bestimmung  ist  nicht  direkt 
anwendbar, sondern kann nur in Verbindung mit einer anderen Norm des 
nationalen  oder  internationalen  Rechts  angerufen  werden  (BVGE 
2010/45  E. 5).  Droht  indes  ein  Verstoss  gegen  übergeordnetes  Recht, 
namentlich  ein Verstoss gegen eine  zwingende Norm des Völkerrechts, 
so  besteht  ein  einklagbarer  Anspruch  auf  Ausübung  des 
Selbsteintrittsrechts  (BVGE  2010/45  E. 7.2.;  CHRISTIAN 
FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  Dublin  II­Verordnung,  3.  Aufl.,  Wien/Graz 
2010, K8 zu Art. 3). Erweist  sich demnach  im Einzelfall,  dass durch die 
Überstellung nach den Bestimmungen zur Dublin­II­VO das Refoulement­
Verbot  nach  Art. 33  FK  oder  die  Garantien  nach  der  EMRK,  des 
Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (UNO­Pakt 
II,  SR 0.103.2),  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen 
Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende 
Behandlung  oder  Strafe  (Folterkonvention;  FoK,  SR 0.105)  verletzt 
würden, so muss vom Selbsteintrittsrecht Gebrauch gemacht werden.

6.2.  Vom  Beschwerdeführer  wurde  zur  Hauptsache  geltend  gemacht, 
dass  er  in Griechenland  –  aufgrund  eines  vollständigen Versagens  des 
griechischen Asylsystems – weder mit einer angemessenen Behandlung 
noch  mit  einem  ordentlichen  Asylverfahren  rechnen  könne.  In 
Griechenland würden  für Asylsuchende vielmehr unzumutbare Zustände 
herrschen  und  ihm  drohe  namentlich,  dass  er  von  Griechenland  ohne 
eine  Prüfung  seiner  Asylgründe  in  die  Heimat  abgeschoben  werde, 
weshalb das BFM vom Selbsteintrittsrecht nach Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO 
Gebrauch  zu  machen  habe.  Das  BFM  hat  im  Verlauf  des 
Beschwerdeverfahrens seine ursprüngliche Position, wonach im Falle von 
Griechenland  keine  Gründe  gegen  die  Zulässigkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  sprächen,  zumindest  teilweise  revidiert,  im 
Resultat  aber  daran  festgehalten,  dass  im  konkreten  Fall  an  der 
Rückführung  nach  Griechenland  festzuhalten  sei,  da  der 
Beschwerdeführer  bereits  Zugang  zum  griechischen  Asylverfahren 
gefunden habe und er im Weiteren auch in der Lage sei, in Griechenland 
sein Auskommen zu bestreiten. 

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6.3.  Vor  dem  Hintergrund  der  zunehmend  manifesten  Probleme  der 
griechischen  Behörden  bei  der  Behandlung  von  Asylsuchenden  (vgl. 
dazu  das  Urteil  des  Europäischen  Gerichtshof  für  Menschenrechte 
[EGMR]  in  der  Sache  M.S.S.  gegen  Belgien  und  Griechenland  vom 
21. Januar  2011)  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Frage  der 
Zulässigkeit  von  Rücküberstellungen  nach  Griechenland  einer 
eingehenden  Prüfung  unterzogen.  Dabei  hat  sich  bestätigt,  dass 
Griechenland mit  der Betreuung  und Behandlung  der  grossen Zahl  von 
Asylsuchenden  im  Land  weitgehend  überfordert  ist  und  dass  das 
griechische  Asylsystem  erhebliche  Mängel  aufweist  (vgl.  dazu  das  zur 
Publikation  vorgesehene  Urteil  D­2076/2010  vom  16.  August  2011).  Im 
Rahmen  der  Prüfung  wurde  vom  Bundesverwaltungsgericht  namentlich 
erkannt, dass für Personen, welche nach den Bestimmungen zum Dublin­
Verfahren  nach  Griechenland  rücküberstellt  werden,  vorab  das  Risiko 
besteht,  direkt  nach  ihrer  Ankunft  für  längere  Zeit  und  unter  teils  nicht 
tragbaren  Bedingungen  in  Administrativhaft  genommen  zu  werden. 
Diesbezüglich musste festgestellt werden, dass sich die Administrativhaft 
– aufgrund  der  unbestimmten  Dauer,  aber  gerade  auch  aufgrund  der 
Unterbringungsverhältnisse  –  häufig  als  mit  Art. 3  EMRK  unvereinbar 
erweist  (vgl.  a.a.O.  E. 4.1  und  4.8).  Wird  andererseits  rücküberstellten 
Personen  die  Einreise  nach  Griechenland  bewilligt,  so  sind  sie  –  wie 
praktisch alle Asylsuchenden in Griechenland – in der Regel komplett auf 
sich alleine gestellt, da die von den griechischen Behörden zur Verfügung 
gestellte Infrastruktur in keinem Verhältnis zur Anzahl der Asylsuchenden 
steht. Griechenland ist damit im Regelfall nicht in der Lage, hinreichende 
Aufnahmebedingungen  zu  schaffen.  Vielmehr  besteht  das  Risiko,  dass 
grundlegende Ansprüche von Asylsuchenden verletzt werden (vgl. a.a.O. 
E. 4.3,  4.9  und  4.10).  Schliesslich  gestaltet  sich  für  Asylsuchende  auch 
der Zugang zum griechischen Asylverfahren als sehr schwierig, und das 
Verfahren selbst genügt allzu oft grundlegenden Anforderungen nicht. So 
unterstehen  Asylsuchende  einer  Meldepflicht,  welche  jedoch  aus 
faktischen  Gründen  nur  mit  grosser  Mühe  einzuhalten  ist.  Viele 
Asylsuchende rutschen daher in die Illegalität ab (vgl. a.a.O. E. 4.2). Zum 
anderen  weist  das  Asylverfahren  selbst  erhebliche  Mängel  auf,  indem 
Asylsuchende  –  mangels  Übersetzung  und  juristischer  Unterstützung – 
häufig  nicht  in  der  Lage  sind,  ihre  Asylgründe  tatsächlich  einzubringen 
und  im  Falle  eines  negativen  Entscheides  von  ihrem  Beschwerderecht 
Gebrauch zu machen. Dabei  ist  sowohl die erste  Instanz,  insbesondere 
aber  auch  die  zweite  Instanz,  vollständig  überlastet,  was  zusätzlich  zu 
überlangen Verfahrensdauern führt. Das griechische Asylverfahren weist 
weitere  zum  Teil  sehr  erhebliche  Defizite  auf,  womit  im  Resultat  die 

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Rechtsweggarantien nach Art. 13 EMRK sehr oft nicht erfüllt werden (vgl. 
a.a.O.  E. 4.4  und  4.7). Wer  sich  nicht  um  eine  Registrierung  kümmert, 
oder  dazu  aufgrund  der  faktischen Erschwernisse  nicht  in  der  Lage  ist, 
rutscht wie erwähnt  in die  Illegalität.  In diesem Falle – unter Umständen 
aber  auch bei  noch  laufenden Asylverfahren  –  droht  eine Abschiebung, 
namentlich in Richtung der Türkei, gegebenenfalls aber auch direkt in den 
Heimatstaat (vgl. a.a.O. E. 4.5).

6.4. Aufgrund der vorstehend beschriebenen Umstände – namentlich der 
nachweislichen  Verletzung  internationaler  Verpflichtungen  durch  die 
griechischen  Behörden,  insbesondere  nach  Art. 3  und  13  EMRK  aber 
auch  nach Art. 33  FK  –  ist  das Bundesverwaltungsgericht  zum Schluss 
gelangt,  dass  im  Falle  von  Griechenland  die  Vermutung  eines 
konventionsgemässen Verhaltens des Dublin­Vertragsstaates – welches 
im  Falle  von  Verfahren  nach  den  Bestimmungen  zur  Dublin­II­VO 
vorausgesetzt  wird  (vgl.  dazu  wiederum  das  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts D­2076/2010 vom 16. August 2011 E. 2.6) – 
nicht mehr aufrechterhalten werden kann.

In  diesem  Zusammenhang  bleibt  aber  gleichzeitig  festzuhalten,  dass 
auch  vor  dem  Hintergrund  der  festgestellten  Unzulänglichkeiten  des 
griechischen Asylsystems nicht  von einer generellen Unzulässigkeit  von 
Rückführungen  nach  Griechenland  auszugehen  ist;  den  besonderen 
Umständen des Einzelfalles  ist weiterhin Rechnung zu  tragen, womit  im 
Einzelfall  –  wenn  günstige  Voraussetzungen  vorliegen  –  an  der 
Rückführung  nach  Griechenland  festgehalten  werden  kann  (vgl.  a.a.O. 
E. 4.13 mit weiterem Hinweis). So sei ausnahmsweise eine Rückführung 
nach  Griechenland  möglich,  wenn  davon  ausgegangen  werden  könne, 
dass der Asylsuchende den unmenschlichen Bedingungen einer Haft am 
Flughafen  entgehen  und  das  Risiko  des  direkten  oder  indirekten 
Refoulements  ausgeschlossen  werden  könne.  Dies  sei  insbesondere 
dann  der  Fall,  wenn  die  betroffene  Person  über  ein  dauerndes 
Aufenthaltsrecht verfüge.

6.5. 
6.5.1. Den Akten ist nicht zu entnehmen, wie sich das weitere Verfahren 
des  Beschwerdeführers  nach  dessen  Rückführung  nach  Griechenland 
gestaltet  hat.  Insbesondere  ist  auch  nicht  bekannt,  ob  der 
Beschwerdeführer  anlässlich  seiner  Rückkehr  dort  in  Administrativhaft 
genommen oder ihm umgehend die Wiedereinreise erlaubt wurde.

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6.5.2.  Zwar  war  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge 
während seines Aufenthalts von mehr als vier Jahren in Griechenland für 
verschiedene Arbeitgeber  tätig. Daraus und aus dem Umstand,  dass er 
über gute Kenntnisse der griechischen Sprache verfügt, ist zu schliessen, 
dass  er  in  Griechenland  Kontakte  knüpfen  konnte,  die  ihm  bei  der 
Wiedereinreise dienlich gewesen sein dürften.

6.5.3. Ausschlaggebend ist jedoch, dass der Beschwerdeführer über kein 
dauerhaftes  Aufenthaltsrecht  in  Griechenland  verfügt,  weshalb  ihm  ein 
Refoulement  in den  Irak ohne  rechtsstaatlichen Ansprüchen genügende 
Prüfung  der  Verfolgungsvorbringen  im  Sinne  der  publizierten  Praxis 
droht.  Aufgrund  der  gegebenen  Aktenlage  bleibt  zwar  unklar,  ob  dem 
Beschwerdeführer  im  Heimatstaat  tatsächlich  das  Risiko  einer 
menschenrechtswidrigen  Behandlung  droht,  zumal  er  angab,  dort  von 
Terroristen  bedroht  worden  zu  sein.  Namentlich  stellen  sich  jedoch 
aufgrund  der  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Herkunft  aus 
Mosul Fragen betreffend die allgemeine Sicherheit vor Ort. Die Aktenlage 
bedingt  demnach  eine  eingehendere  Auseinandersetzung  mit  den 
Asylvorbringen. Zudem ist auch nicht klar, ob es dem Beschwerdeführer 
gelungen  ist,  sein  Asylverfahren  wieder  aufnehmen  zu  lassen  und 
rechtliches Gehör  zu  finden. Vor  diesem Hintergrund  und  in Anbetracht 
der  aufgedeckten  Mängel  des  griechischen  Asylsystems  droht  ihm 
letztlich  eine  ungenügende Prüfung  der Asylgründe  (vgl.  BVGE  2010/1; 
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D­2076/2010 vom 16. August 2011 
E. 4.4 und 4.11). Demzufolge kann eine Verletzung von Art. 13 EMRK in 
Verbindung  mit  Art. 3  EMRK  durch  Griechenland  nicht  mit  genügender 
Sicherheit ausgeschlossen werden. 

6.6.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  das  BFM  im  Falle  des 
Beschwerdeführers  gehalten  war,  zufolge  Unzulässigkeit  des 
Wegweisungsvollzuges nach Griechenland vom Selbsteintrittsrecht nach 
Art. 3  Abs. 2  Dublin­II­VO  Gebrauch  zu  machen.  Der 
Nichteintretensentscheid  des  BFM  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs. 2 
Bst. d AsylG ist daher aufzuheben. 

7. 
Unter  den  gegebenen  Umständen  ist  dem  Beschwerdeführer  die 
Wiedereinreise in die Schweiz zu gestatten.

8. 

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8.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  dem  Beschwerdeführer 
keine  Kosten  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Damit  wird  das  im 
Rahmen  der  Beschwerde  gestellte  (und  in  der  Zwischenverfügung  vom 
10. September  2009  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwiesene)  Gesuch 
um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65 
Abs. 1 VwVG gegenstandslos.

8.2.  Dem  Beschwerdeführer  ist  sodann  eine  angemessene 
Parteientschädigung  für  die  ihm  aus  der  Beschwerdeführung 
erwachsenen, notwendigen Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). 
Aufgrund der als angemessen erscheinenden Kostennote, zuzüglich des 
durch  die  Einreichung  der  Replik  vom  1. März  2011  nachträglich 
entstandenen Aufwandes  (vgl. Sachverhalt Bst. P),  sind die Kosten des 
Beschwerdeführers durch das BFM mit Fr. 1400.– zu entschädigen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2. 
Die  Verfügung  des  BFM  vom  25. Juni  2009  wird  aufgehoben  und  die 
Sache im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.

3. 
Dem  Beschwerdeführer  ist  durch  das  BFM  die  Wiedereinreise  in  die 
Schweiz zu gestatten.

4. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

5. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine 
Parteientschädigung  im  Betrag  von  Fr.  1400.–  (inkl.  Auslagen) 
auszurichten.

6. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Martin Zoller Daniel Widmer

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