# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c9341919-9bce-5912-9fc8-66c693053e2c
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-06-30
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 30.06.2023 SK 2021 501
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2021-501_2023-06-30.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 21 501

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 30. Juni 2023 

Besetzung Oberrichterin Friederich Hörr (Präsidentin), 
Oberrichter Schmid, Oberrichter Knecht
Gerichtsschreiberin Windler

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Fürsprecher B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

v.d. Staatsanwalt C.________, Kantonale Staatsanwaltschaft für 
Wirtschaftsdelikte, Speichergasse 12, 3011 Bern  

und

D.________
v. d. Advokatin E.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung (mehrfach), Wider-
handlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz

Berufung gegen das Urteil des Kantonalen Wirtschaftsstrafge-
richts (Einzelgericht) vom 27. Juli 2021 (WSG 21 5)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Kantonale Wirtschaftsstrafgericht (nachfolgend Vorinstanz) erkannte mit Urteil 
vom 27. Juli 2021 was folgt (pag. 18 427 ff.; Hervorhebungen im Original):

I.

A.________, vgt., wird schuldig erklärt

1. der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung,

1.1. mehrfach begangen zwischen 2011 und April 2014 im Deliktsbetrag von ca. CHF 1'000.00 
zum Nachteil von D.________ (Ziff. 1 der Anklageschrift);

1.2. mehrfach begangen zwischen 2011 und dem 24.02.2014 im Deliktsbetrag von CHF 2'607.26 
zum Nachteil von F.________ (Ziff. 2 der Anklageschrift);

1.3. mehrfach begangen zwischen 2011 und dem 24.02.2014 im Deliktsbetrag von CHF 2'537.45 
zum Nachteil von G.________ (Ziff. 3 der Anklageschrift);

2. des mehrfachen Missbrauchs von Ausweisen und Schildern, begangen zwischen dem 22.03.2017 
und dem 24.06.2019 in H.________ und evtl. anderswo (Ziff. 4 der Anklageschrift);

und er wird in Anwendung der
Art. 34, 42, 44, 47, 49 Abs. 1 und 2 aStGB
Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB
Art. 97 Abs. 1 lit. b SVG
Art. 422 und 426 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à CHF 120.00, ausmachend CHF 8'400.00. Dies teil-
weise als Zusatzstrafe zum Urteil vom 28.10.2015 der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Busse von CHF 1'000.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung wird 
auf 10 Tage festgesetzt.

3. Zur Bezahlung der auf ihn entfallenden Verfahrenskosten in der Höhe von insgesamt 
CHF 18'430.00, bestehend aus:

3

Gebühr CHF 14’900.00
Auslagen CHF 30.00

Gebühr CHF 3’000.00

Gebühr CHF 500.00

CHF 18’430.00

den Kosten für das Führen der Anklage vor Gericht durch die Staatsanwaltschaft

den Kosten der Hauptverhandlung (inkl. schriftliche Begründung)

den Kosten der Voruntersuchung

Total ausmachend

Wird keine schriftliche Urteilsbegründung verlangt, reduziert sich die Gebühr um CHF 600.00. Die 
reduzierten Verfahrenskosten betragen somit CHF 17'830.00.

4. Zur Bezahlung einer Parteientschädigung im Umfang von CHF 2'154.00 an die Privatklägerin 
D.________, vgt. (Art. 433 Abs. 1 StPO).

II.

1. Die Zivilklage der Privatklägerin D.________, vgt., wird auf den Zivilweg verwiesen (Art. 126 Abs. 
2 lit. b StPO).

2. Für die Beurteilung der Zivilklage werden keine Kosten ausgeschieden.

III.

Die Entschädigung für die amtliche Verteidigung von A.________, vgt., durch Fürsprecher 
B.________ wird wie folgt bestimmt:

Anzahl Satz
amtliche Entschädigung 85.00 200.00 CHF 17’000.00
Auslagen MWST-pflichtig CHF 787.60
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 17’787.60 CHF 1’369.65

Auslagen ohne MWST CHF
Amtliches Honorar CHF 19’157.25

./. Kostenvorschuss vom 07.02.2020 CHF 6’000.00

A.________, vgt., hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung von 
CHF 19'157.25 zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 
Abs. 4 StPO).

[Eröffnungs- und Mitteilungsformel]

2. Berufung und Anschlussberufung

Gegen dieses Urteil meldete A.________ (nachfolgend Beschuldigter), amtlich ver-
teidigt durch Fürsprecher B.________, am 6. August 2021 fristgerecht Berufung an 
(pag. 18 435). Am 2. November 2021 folgte fristgerecht die Berufungserklärung des 
Beschuldigten (pag. 18 533 ff.).

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Am 16. November 2021 erklärte die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, 
vertreten durch die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte (nachfolgend General-
staatsanwaltschaft), innert Frist Anschlussberufung (pag. 18 527 und pag. 18 552).

Die Straf- und Zivilklägerin liess sich während des ganzen oberinstanzlichen Ver-
fahrens nicht vernehmen.

3. Wechsel ins schriftliche Verfahren

Mit Eingabe vom 7. Oktober 2022 beschränkte der Beschuldigte seine Berufung 
auf die Kostenfolgen betreffend Verfahrenskosten und die Rückzahlungspflicht hin-
sichtlich der vom Kanton Bern ausgerichteten Entschädigung für die amtliche Ver-
teidigung (pag. 18 596 ff.).

Den Parteien wurde mit Verfügung vom 10. Oktober 2022 Gelegenheit gegeben, 
sich zur Absetzung der Berufungsverhandlung und des Wechsels ins schriftliche 
Verfahren betreffend die noch zu beurteilenden Kostenfolgen und die Rück-
zahlungspflicht zu äussern. In diesem Zusammenhang wurde mitgeteilt, dass dem 
Beschuldigten und der Generalstaatsanwaltschaft das Vorgehen wegen der zeit-
lichen Dringlichkeit vorab telefonisch skizziert wurde und beide Parteien sich 
grundsätzlich damit einverstanden erklären konnten (pag. 18 600).

Mit Verfügung vom 13. Oktober 2022 wurde festgestellt, dass der Beschuldigte die 
Berufung einzig betreffend Ziff. I.3 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs (Kosten-
folge) und Ziff. III. Abs. 2 des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs aufrechterhält und 
dass mit dem teilweisen Rückzug der Berufung des Beschuldigten die Anschluss-
berufung der Generalstaatsanwaltschaft betreffend Ziff. I.1 des erstinstanzlichen 
Urteilsdispositivs und den Sanktionspunkt dahinfällt. Die auf den 19./21. Oktober 
2022 angesetzte Berufungsverhandlung wurde abgesetzt und es wurde die Durch-
führung eines schriftlichen Verfahrens angeordnet (Art. 406 der Schweizerischen 
Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]).

Gestützt auf diese Umstände kann auf die Wiedergabe der angeordneten Bewei-
sergänzungen verzichtet werden.

4. Anträge des Beschuldigten

Mit Eingabe vom 26. Oktober 2022 reichte der Beschuldigte fristgerecht die Be-
gründung seiner Berufung ein und stellte hierbei folgende Anträge (pag. 18 611 ff.):

1. Ziff. I.3 des Urteils des Kantonalen Wirtschaftsgerichts [recte: Wirtschaftsstrafgerichts] vom 
27. Juli 2021 (WSG 21 5 MEJ) sei aufzuheben und es sei der Beschuldigte zur Bezahlung der auf 
ihn entfallenden Verfahrenskosten von insgesamt maximal CHF 6'259.00 zu verurteilen. Die übri-
gen Verfahrenskosten sind auf die Staatskasse zu nehmen.

2. Ziff. III Abs. 2 des Urteils des Kantonalen Wirtschaftsgerichts [recte: Wirtschaftsstrafgerichts] vom 
27. Juli 2021 (WSG 21 5 MEJ) sei aufzuheben und es sei dem Beschuldigten die Rückzahlung ei-
nes auf ihn entfallenden Anteils von maximal CHF 5'747.20 an der amtlichen Entschädigung, so-
bald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO), aufzuerlegen. Die üb-
rigen Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Staatskasse zu nehmen.

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3. Unter Kostenfolge zulasten der Staatskasse und unter Festlegung eines vom Kanton Bern zu be-
zahlenden Honorars des amtlichen Verteidigers.

5. Antrag der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte mit Stellungnahme vom 6. Dezember 2022 
zur schriftlichen Begründung der Berufung des Beschuldigten folgenden Antrag 
(pag. 18 625 ff.; Hervorhebungen im Original):

Die Berufung des Beschuldigten/Berufungsführers vom 26. Oktober 2022 sei kostenpflichtig abzu-
weisen.

6. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Nach dem Gesagten sind nunmehr lediglich die Kostenfolgen betreffend Ver-
fahrenskosten und die Rückzahlungspflicht hinsichtlich der vom Kanton Bern aus-
gerichteten Entschädigung für die amtliche Verteidigung zu überprüfen. Im Übrigen 
ist das erstinstanzliche Urteil in Rechtskraft erwachsen. Dementsprechend hat die 
Kammer insbesondere das vorinstanzliche Beweisergebnis in Anwendung von 
Art. 404 Abs. 1 StPO nicht zu überprüfen.

Bei Überprüfung der angefochtenen Punkte verfügt die Kammer über volle 
Kognition (Art. 398 Abs. 2 StPO). Infolge Dahinfallens der Anschlussberufung gilt 
das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO; die Kammer darf das 
Urteil der Vorinstanz nicht zum Nachteil des Beschuldigten abändern. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

Der massgebende Sachverhalt und das vorinstanzliche Beweisergebnis sind in-
folge Rechtskraft der Schuldsprüche nicht Gegenstand des oberinstanzlichen Ver-
fahrens. Die vorinstanzlichen Ausführungen zum Sachverhalt und zur Beweis-
würdigung dienen vorliegend als Grundlage der Überprüfung der zu beurteilenden 
Kosten- und Entschädigungsfolgen, weshalb vorab auf diese Ausführungen der 
Vorinstanz verwiesen wird (Ziff. III der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 18 445 ff.).

III. Kosten und Entschädigungen

7. Erstinstanzliche Verfahrenskosten

7.1 Vorbringen des Beschuldigten

Der Beschuldigte macht mit Berufungsbegründung vom 26. Oktober 2022 zusam-
mengefasst Folgendes geltend (pag. 18 611 ff.):

Auch wenn die beschuldigte Person gemäss Art. 422 Abs. 1 StPO [recte: Art. 426 
Abs. 1 StPO] grundsätzlich sämtliche Verfahrenskosten zu tragen habe, wenn sie 
in allen Teilen der Anklage schuldig gesprochen worden sei, sei dies im vorliegen-
den Fall differenzierter zu betrachten. Abgesehen von den gleichzeitig zur Anklage 
gebrachten Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz (SVG; 
SR 741.01), in deren Zusammenhang – wenn überhaupt – nur geringe Vorunter-

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suchungskosten angefallen seien, habe sich die Anklage auf zwei verschiedene, je 
mehrfach begangene Taten bezogen, welche angeblich den Tatbestand der unge-
treuen Geschäftsbesorgung erfüllen sollten. Dies seien einerseits angebliche Ver-
stösse gegen aufgrund des Vermögensverwaltungsmandats obliegende Sorgfalts- 
und Treuepflichten, welche bei der Straf- und Zivilklägerin und zwei weiteren Ge-
schädigten zu Vermögensschäden im Umfang von insgesamt mindestens 
CHF 278'316.08 geführt hätten, und andererseits das unrechtmässige Einbehalten 
von Retrozessionen im Umfang von insgesamt CHF 6'144.71. 

Der Beschuldigte sei neben der SVG-Delikte einzig aufgrund der unrechtmässig 
einbehaltenen Retrozessionen schuldig gesprochen worden. Im Übrigen sei der 
Beschuldigte materiell freigesprochen worden. Anstatt zur vom Staatsanwalt be-
antragten Freiheitsstrafe von 18 Monaten (bedingt vollziehbar) sei der Beschuldigte 
nur zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen (bedingt vollziehbar) verurteilt worden.

Werde die beschuldigte Person bei einer Mehrzahl strafbarer Handlungen teilweise 
schuldig gesprochen und teilweise freigesprochen, so seien die Verfahrenskosten 
anteilsmässig der beschuldigten Person, dem Staat und – im hier wohl nicht ge-
gebenen Fall – der Privatklägerschaft aufzuerlegen (vgl. THOMAS DOMEISEN, in: 
Basler Kommentar, Strafprozessordung/Jugendstrafprozessordnung, N 6 zu 
Art. 426 StPO). Dieser Grundsatz sei im vorliegenden Fall, in dem materiell ein 
Teilfreispruch vorliege, analog anzuwenden.

Mit der Verurteilung zur Tragung der Verfahrenskosten in vollem Umfang habe die 
Vorinstanz nicht berücksichtigt, dass materiell ein Teilfreispruch vorliege und die 
hohen Kosten der Voruntersuchung von CHF 14'900.00, mangels anderer erheb-
licher Kosten der Voruntersuchung insbesondere auf die Abklärungen im Zusam-
menhang mit den angeblichen Verstössen gegen aufgrund des Vermögensver-
waltungsmandats obliegende Sorgfalts- und Treuepflichten durch einen von der 
Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte intern beigezogenen Revisor zurückzu-
führen seien. Auch die übrigen Kosten der Voruntersuchung würden somit nur zu 
einem kleinen Teil im Zusammenhang mit dem unrechtmässigen Einbehalten von 
Retrozessionen stehen. Deren Höhe sei nämlich vom Beschuldigten auf erste Auf-
forderung der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte hin selbst eruiert und ihr be-
reits mit Schreiben vom 23. September 2014 bekanntgegeben worden (vgl. 
pag. 07 002 009 und pag. 07 002 011). Die Kosten der Voruntersuchung seien so-
mit grösstenteils im Punkt entstanden, wo der Beschuldigte materiell freigespro-
chen worden sei und seien damit zu mindestens 70% (CHF 10'451.00) auf die 
Staatskasse zu nehmen.

Da ein materieller Teilfreispruch im Hauptanklagepunkt vorliege, seien die übrigen 
Verfahrenskosten – in Anbetracht des moderaten Umfangs – zu mindestens 50% 
(CHF 1'750.00) auf die Staatskasse zu nehmen.

Der Beschuldigte sei daher zur Bezahlung der auf ihn entfallenden Verfahrens-
kosten von insgesamt maximal CHF 6'259.00 zu verurteilen und die übrigen Ver-
fahrenskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen.

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7.2 Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft führt mit Stellungnahme vom 6. Dezember 2022 zu-
sammengefasst Folgendes aus (pag. 18 625 ff.):

Gemäss Art. 426 Abs. 2 StPO könnten die Verfahrenskosten auch bei einem Frei-
spruch ganz oder teilweise der beschuldigten Person auferlegt werden, wenn diese 
rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder dessen 
Durchführung erschwert hat. Hierzu müsse ein prozessuales Verschulden im 
weiteren Sinne vorliegen. Dabei gehe es nicht um ein strafrechtliches Verschulden, 
sondern vielmehr um eine den zivilrechtlichen Grundsätzen angenäherte Haftung 
für ein fehlerhaftes (d.h. widerrechtliches und vorwerfbares) Verhalten, durch das 
die Einleitung eines Prozesses verursacht worden sei. Widerrechtlich im zivilrecht-
lichen Sinne sei ein Verhalten, welches in klarer Weise gegen geschriebene oder 
ungeschriebene Verhaltensnormen der Rechtsordnung verstosse, welches die be-
schuldigte Person zu einem bestimmten Tun oder Unterlassen verpflichte.

Das widerrechtliche Verhalten müsse zur Rechtfertigung einer Kostenauflage 
ferner die adäquate Ursache für die Einleitung des Strafverfahrens gewesen sein. 
Dies sei insbesondere dann gegeben, wenn das Verhalten der beschuldigten Per-
son nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung 
geeignet gewesen sei, den Verdacht einer strafbaren Handlung zu erwecken und 
damit Anlass zur Eröffnung eines Strafverfahrens zu geben. Die Sorgfaltspflicht 
stelle die Pflicht zur Anwendung der unter den spezifischen Umständen gebotenen 
Umsicht bzw. Vorsicht dar. Unsorgfältig handle u.a. derjenige, der die Durch-
führung einer gebotenen Aufgabe ganz oder teilweise unterlasse, vernachlässige 
oder zu spät tätig werde.

Zu definieren sei die zivilrechtliche Akzessorietät des Tatbestandsmerkmals 
«Pflichtwidrigkeit bzw. Verletzung der Treuepflicht», denn erst durch die Bestim-
mung zivilrechtlicher Handlungsspielräume sei die strafrechtliche Beurteilung mög-
lich. Pflichtwidrig werde die Geschäftsführung aber bei Eingehen von Risiken, die 
ein umsichtiger Geschäftsführer in derselben Sache nicht eingehen würde. Gerade 
dies sei im Handeln des Beschuldigten nicht der Fall gewesen, was auch die Vor-
instanz so festgehalten habe.

Es sei mit Art. 6 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und 
Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) und Art. 32 Abs. 1 der Bundesverfassung der 
Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) vereinbar, die Kostenauflage 
mit einem fehlerhaften Verhalten der beschuldigten Person zu begründen, welches 
sich, wie vorliegend, sachlich mit dem Vorwurf decke, der Gegenstand der straf-
rechtlichen Anschuldigung gewesen sei, auch wenn die rechtlichen Voraussetzun-
gen für eine Verurteilung nach dem entsprechenden Straftatbestand gefehlt hätten. 
Es sei demnach nicht ausgeschlossen, der nicht verurteilten beschuldigten 
Person die Verfahrenskosten wegen eines Verhaltens aufzuerlegen, das in 
objektiver Hinsicht die Merkmale eines Straftatbestands erfülle (THOMAS DOMEISEN, 
a.a.O., N 29 zu Art. 426 StPO). Aus Sicht der Vorinstanz sei die Verurteilung des 
Beschuldigten wegen Veruntreuung resp. ungetreuer Geschäftsbesorgung einzig 
am Nachweis des Vorsatzes und der Bereicherungsabsicht gescheitert (vgl. 

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Ziff. 3.2.1 [recte: Ziff. III.A.3.2] der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, 
pag. 18 495 ff.).

Der Beschuldigte habe seine Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil zurückge-
zogen, womit auch die gegen ihn ausgefällten Schuldsprüche wegen mehrfach 
qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung in Rechtskraft erwachsen seien. In-
sofern anerkenne er sein strafbares Verhalten, wonach er die drei Privatklägerin-
nen [recte: die Straf- und Zivilklägerin, F.________ und G.________; nachfolgend 
die Geschädigten] weder vollumfänglich darüber unterrichtet habe, Retrozessionen 
erhalten zu haben, noch den Geschädigten bekannt gegeben habe, dass die Re-
trozessionen grundsätzlich ihnen und nicht der I.________ zugestanden hätten. 
Die Vorinstanz sei zum Schluss gelangt, dass der Beschuldigte diesbezüglich vor-
sätzlich und mit der nötigen Bereicherungsabsicht gehandelt habe.

Die Geschäftsführereigenschaft des Beschuldigten sei durch die Vorinstanz 
zweifelsfrei als gegeben erachtet worden. Der Inhalt der Treuepflicht beim Be-
schuldigten als privat bestellter Geschäftsführer sei mit den Geschädigten vertrag-
lich - durch Auftrag nach Art. 398 ff. des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung 
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht) (OR; 
SR 220) - festgelegt worden.

Der Beschuldigte habe mit seinen vertragswidrigen Investitionen wiederholt die mit 
den Geschädigten konkret vertraglich vereinbarten Pflichten verletzt. Die Vor-
instanz sei zum Schluss gekommen, dass der Beschuldigte das Vermögen der Ge-
schädigten schlecht verwaltet habe, sich dabei kaum um das Depot der Geschädig-
ten gekümmert habe, Produkte von Fondsgesellschaften abredewidrig ausgewählt 
habe, die dann stark an Wert verloren hätten und teilweise sogar wertlos hätten 
liquidiert werden müssen, was zu massiven Verlusten des eingesetzten Kapitals 
geführt habe. Beweiswürdigend sei die Vorinstanz zum Schluss gelangt, dass die 
Anlage der Mittel der Geschädigten in unbekannten Fondsgesellschaften vom Be-
schuldigten nicht der von diesen gewählten Anlagerichtlinien entsprochen habe und 
somit eine klare vertragliche Pflichtverletzung darstelle. Dass nach Ansicht der Vor-
instanz trotz des offensichtlich erlittenen Vermögensschadens letztendlich offen 
bleiben müsse, ob eine Kausalität zwischen den konkreten Investitionsentscheiden 
und dem entstandenen Schaden bestehe, ändere nichts an der zivilrechtlichen 
Vorwerfbarkeit des Handelns des Beschuldigten. Der Beschuldigte sei sich nach 
Ansicht der Vorinstanz auch bewusst gewesen, dass den Treugeberinnen durch 
seine Handlungen ein Vermögensschaden erwachsen könnte.

Im Ergebnis habe sich der Beschuldigte in mehrfacher Hinsicht zivilrechtlich 
rechtswidrig und schuldhaft verhalten, weswegen ihm entsprechend auch bei er-
gangenem Freispruch sämtliche Verfahrenskosten auferlegt werden müssten, da 
sich sein fehlerhaftes Verhalten mit jenem Vorwurf decke, welcher Gegenstand der 
strafrechtlichen Anschuldigung in den beiden Strafanzeigen bilde und die Merkmale 
der Veruntreuung, evtl. der ungetreuen Geschäftsbesorgung erfülle.

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7.3 Würdigung der Kammer

Gestützt auf Art. 428 Abs. 3 StPO befindet die Rechtsmittelinstanz über die von der 
Vorinstanz getroffene Kostenregelung; vorliegend stellt diese denn auch das An-
fechtungsobjekt dar.

Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie in allen 
Teilen der Anklage schuldig gesprochen wird (Art. 426 Abs. 1 StPO; THOMAS 
DOMEISEN, a.a.O., N 5 zu Art. 426 StPO). Wird das Verfahren eingestellt oder die 
beschuldigte Person freigesprochen, so können ihr die Verfahrenskosten ganz oder 
teilweise auferlegt werden, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des 
Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 
StPO).

Der Beschuldigte wurde insbesondere wegen qualifizierter Veruntreuung und even-
tualiter wegen qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung angeklagt 
(pag. 18 001 ff.) und wegen qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung sowie 
Missbrauchs von Ausweisen und Schildern schuldig gesprochen. Abweichend von 
den Anträgen der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte, welche eine Verurtei-
lung zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten und zu einer Geldstrafe von 30 Ta-
gessätzen verlangte (vgl. pag. 18 392), wurde der Beschuldigte zu einer bedingt 
vollziehbaren Geldstrafe von 70 Tagessätzen à CHF 120.00, ausmachend 
CHF 8'400.00, sowie zu einer Busse von CHF 1'000.00 verurteilt. Die Vorinstanz 
hat den Beschuldigten in Anwendung von Art. 426 Abs. 1 StPO zu den erstinstanz-
lichen Verfahrenskosten im Umfang von CHF 18'430.00 verurteilt (vgl. 
pag. 18 427 ff.). Insgesamt wurde die Deliktssumme in der Anklageschrift vom 
15. April 2021 auf insgesamt CHF 278'316.08 beziffert (pag. 18 001 ff.). Gemäss 
Beweisergebnis der Vorinstanz betrug die Deliktssumme insgesamt CHF 6'144.71 
(S. 42, S. 47 und S. 49 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 18 480, 
pag. 18 485 und pag. 18 487). 

Der Beschuldigte argumentiert im Wesentlichen damit, er sei materiell freigespro-
chen worden, weshalb ihm die Kosten der Voruntersuchung nur zu 30% und die 
übrigen erstinstanzlichen Verfahrenskosten nur im Umfang von 50% aufzuerlegen 
seien. 

Das sog. Verschuldensprinzip nach Art. 426 Abs. 1 StPO bedingt das Vorliegen ei-
nes adäquaten kausalen Zusammenhangs zwischen dem zur Verurteilung führen-
den tatbestandsmässigen, rechtswidrigen und schuldhaften Verhalten und den da-
durch verursachten Verfahrenskosten andererseits (THOMAS DOMEISEN, a.a.O., N 3 
zu Art. 426 StPO). Zu prüfen ist somit, ob das Verhalten des Beschuldigten 
adäquat kausal für die Kosten der Voruntersuchung in der Höhe von 
CHF 14'930.00 und die übrigen erstinstanzlichen Verfahrenskosten war.

Die Vorinstanz weist zur Begründung der Angemessenheit dieser Kosten zu Recht 
darauf hin, dass mehrere Berichte des Revisors erstellt wurden, es zudem bei der 
J.________ (Bank) eine umfangreiche Edition gab und mehrere 
längere Einvernahmen durchgeführt wurden. Gerade die Berichte des Revisors wa-
ren, wie die erstinstanzliche Beweiswürdigung erhellt (S. 34 ff. der erstinstanzlichen 
Urteilsbegründung, pag. 18 472 ff.), zentral, um den Sachverhalt umfassend auf-

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klären zu können. Wie aus den Ausführungen der Vorinstanz zum Sachverhalt her-
vorgeht, betrafen von den fünf Aktennotizen und Berichten des Revisors indessen 
lediglich die Aktennotiz vom 22. September 2020 sowie jeweils teilweise die Berich-
te vom 8. Oktober 2020 und vom 30. Juni 2021 die inkriminierten Retrozessionen 
(S. 15 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 18 453 ff.). Die Edition bei 
der J.________ (Bank) und die Einvernahmen dienten nur teilweise der Aufklärung 
des Vorwurfs bezüglich der Retrozessionen. Gegenstand dieser Beweismassnah-
men war daneben jeweils das betreffend Transaktionsgebühren sowie Anlagever-
mögen der Geschädigten vorgeworfene, pflichtwidrige Verhalten des Beschuldig-
ten. Eine untergeordnete Rolle kam in der Voruntersuchung den Vorwürfen wegen 
Missbrauchs von Ausweisen und Schildern zu.

Nach dem Gesagten verursachte der Beschuldigte die Kosten der Vorunter-
suchung lediglich in Bezug auf die einbehaltenen Retrozessionen tatbestands-
mässig, rechtswidrig und schuldhaft. Die Kosten für die Voruntersuchung betref-
fend die Vorwürfe des Missbrauchs von Ausweisen und Schildern sind vernachläs-
sigbar bzw. praktisch inexistent. Eine vollumfängliche Kostenauferlegung recht-
fertigt sich vorliegend indessen dennoch. Ein Blick auf die bundesgerichtliche 
Rechtsprechung zur Kostenauferlegung bei teilweisem Freispruch, welcher ange-
sichts des vollumfänglichen Schuldspruchs vorliegend umso mehr Geltung zu-
kommen muss, lässt keinen anderen Schluss zu. So können gemäss dieser Recht-
sprechung einem nicht verurteilten Beschuldigten die Kosten auferlegt werden, 
wenn er in zivilrechtlich vorwerfbarer Weise (d.h. im Sinne einer analogen Anwen-
dung der sich aus Art. 41 OR ergebenden Grundsätze) gegen eine geschriebene 
oder ungeschriebene Verhaltensnorm, die aus der gesamten schweizerischen 
Rechtsordnung stammen kann, klar verstossen und dadurch das Strafverfahren 
veranlasst oder dessen Durchführung erschwert hat (BGE 116 Ia 162 E. 2e; vgl. 
hierzu auch BGE 114 Ia 299 E. 2b). Gemäss Art. 41 Abs. 1 OR ist zum Ersatz ver-
pflichtet, wer einem anderen widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei 
es aus Fahrlässigkeit.

Wie die vorinstanzliche Beweiswürdigung und rechtliche Würdigung erhellt, hat der 
Beschuldigte seine auftragsrechtlichen Sorgfalts- und Treuepflichten (S. 34, S. 43 
und S. 47 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung, pag. 18 472, pag. 18 481 und 
pag. 18 485 f.), welche durch die Wahl der Anlagestrategie konkretisiert wurden 
und er gegenüber den Geschädigten wahrzunehmen hatte, auf verschiedene Art 
und Weise verletzt (S. 40 ff., S. 46 f. und S. 49 der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung, pag. 18 478 ff., pag. 18 484 f. und pag. 18 487). Hinsichtlich Trans-
aktionsgebühren und Anlagevermögen blieben die Pflichtverletzungen zwar straf-
rechtlich ohne Folgen (vgl. S. 58 und S. 60 der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung, pag. 18 496 und pag. 18 498), aber in analoger Anwendung von Art. 41 
Abs. 1 OR widerrechtlich, da der Beschuldigte mit seinem Handeln gegen Ver-
haltensnormen verstiess (vgl. zum Ganzen: BGE 116 Ia 162 E. 2c und THOMAS 
DOMEISEN, a.a.O., N 29 zu Art. 426 StPO). Dieses Verhalten war für die Anzeigen 
der Geschädigten ausschlaggebend (S. 7 f. und S. 10 f. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung, pag. 18 445 f. und pag. 18 448 f.). Dementsprechend waren die 
zivilrechtlichen Pflichtverletzungen des Beschuldigten die adäquate Ursache für die 
Einleitung des Strafverfahrens. Gerade die ausführlichen Berichte des Revisors, 

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die umfangreiche Edition bei der J.________ (Bank) und die zahlreichen Einver-
nahmen waren notwendig, um die strafrechtliche Relevanz des Verhaltens des Be-
schuldigten differenziert beurteilen zu können. Daran ändern auch die in der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung genannten Berechnungsfehler des Revisors nichts; 
das Verhalten des Beschuldigten war adäquat kausal für die Auftragserteilung, die 
Edition bei der J.________ (Bank) und die vielen Einvernahmen. Von einem Übe-
reifer, einer unrichtigen Beurteilung der Rechtslage oder vorschnellen Einleitung 
einer Strafuntersuchung kann vorliegend nicht die Rede sein (vgl. dazu auch THO-
MAS DOMEISEN, a.a.O., N 29 zu Art. 426 StPO mit weiteren Hinweisen).

Die Kammer gelangt zum Schluss, dass das Verhalten des Beschuldigten vom un-
ter den gegebenen Verhältnissen als angebracht geltenden Durchschnittsverhalten 
eines Vermögensverwalters abwich und der Beschuldigte pflichtwidrig handelte. 
Nach dem Gesagten ist dieses Verhalten als zivilrechtlich vorwerfbar zu 
qualifizieren. Er hat dadurch den Verdacht einer strafbaren Handlung erweckt und 
damit adäquat kausal die Einleitung eines Strafverfahrens und sowohl die Kosten 
der Voruntersuchung von CHF 14'930.00 als auch die übrigen erstinstanzlichen 
Verfahrenskosten von CHF 3'500.00 verursacht.

Im Ergebnis erachtet die Kammer die Kostenauflage der erstinstanzlichen Verfah-
renskosten in vollem Umfang als gerechtfertigt. Die Vorinstanz hat den Beschuldig-
ten somit zu Recht zu den erstinstanzlichen Verfahrenskosten im Umfang von 
CHF 18'430.00 verurteilt.

8. Rückzahlungspflicht des Beschuldigten hinsichtlich der Entschädigung der 
amtlichen Verteidigung im erstinstanzlichen Verfahren

8.1 Vorbringen des Beschuldigten

Der Beschuldigte macht mit Berufungsbegründung vom 26. Oktober 2022 zusam-
mengefasst Folgendes geltend (pag. 18 611 ff.):

Da ein materieller Teilfreispruch im Hauptanklagepunkt vorliege, sei auch die dem 
Beschuldigten auferlegte Pflicht zur Rückzahlung der vom Kanton Bern ausge-
richteten Entschädigung für die amtliche Verteidigung, sobald es die wirtschaft-
lichen Verhältnisse des Beschuldigten erlauben würden, um mindestens 70% zu 
reduzieren. Der Beschuldigte sei daher zur Rückzahlung eines auf ihn entfallenden 
Anteils an der amtlichen Entschädigung von maximal CHF 5'747.20 zu verpflichten 
und die übrigen Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu 
nehmen.

8.2 Vorbringen der Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft machte in Bezug auf die Rückzahlungspflicht keine 
über die bereits zusammengefassten Erläuterungen (vgl. Ziff. 7.2 hiervor) gehen-
den Ausführungen.

8.3 Würdigung der Kammer

Nach Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO stellen die Kosten der amtlichen Verteidigung der 
beschuldigten Person Verfahrenskosten dar, die – abweichende Bestimmungen 
vorbehalten – vom Staat zu tragen sind (Art. 423 StPO). Wird die beschuldigte 

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Person zu den Verfahrenskosten verurteilt, so ist sie, sobald es ihre wirtschaft-
lichen Verhältnisse erlauben, verpflichtet, dem Kanton Bern die ausgerichtete Ent-
schädigung für die amtliche Verteidigung zurückzuzahlen (Art. 135 Abs. 4 lit. a 
StPO).

In Bezug auf die Höhe der amtlichen Entschädigung für die Verteidigung im erst-
instanzlichen Verfahren ist das erstinstanzliche Urteil in Rechtskraft erwachsen 
(vgl. Ziff. 6 hiervor). Gestützt auf die vorangehenden Ausführungen zur Kostenauf-
lage der erstinstanzlichen Verfahrenskosten ist der Beschuldigte gemäss Art. 135 
Abs. 4 lit. a StPO zu verpflichten, dem Kanton Bern die ausgerichtete Ent-
schädigung für die amtliche Verteidigung im erstinstanzlichen Verfahren vollum-
fänglich zurückzuzahlen.

9. Oberinstanzliche Verfahrenskosten

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).

Vorliegend werden die Kosten für das oberinstanzliche Verfahren auf CHF 2'000.00 
festgelegt (Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 24 lit. a des Verfahrenskostendekrets 
[VKD; BSG 161.12]). Der Beschuldigte unterliegt vollumfänglich und hat somit die 
oberinstanzlichen Verfahrenskosten zu tragen.

10. Entschädigung der amtlichen Verteidigung im oberinstanzlichen Verfahren

Der Kanton bezahlt den amtlich bestellten Anwältinnen und Anwälten eine ange-
messene Entschädigung, die sich nach dem gebotenen Zeitaufwand bemisst. 
Massgeblich für die Festsetzung der Entschädigung sind die Bedeutung der Streit-
sache und die Schwierigkeit des Prozesses (Art. 42 Abs. 1 des Kantonalen An-
waltsgesetzes [KAG; BSG 168.11]). Die Schwierigkeit des Verfahrens kann unter 
Berücksichtigung des ursprünglichen Umfangs der Anfechtung und des teilweisen 
Rückzugs der Berufung und dem mittleren Aktenumfang als knapp durchschnittlich 
eingestuft werden. Die Bedeutung der Sache ist mit Blick auf die Beschränkung der 
Berufung auf die Kosten- und Entschädigungsfolgen als unterdurchschnittlich zu 
taxieren (vgl. Art. 132 Abs. 3 StPO). 

Die Entschädigung für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten vor oberer 
Instanz wird auf der Grundlage der eingereichten Kostennote vom 29. Dezember 
2022 bestimmt (pag. 18 633 ff.). Fürsprecher B.________ macht einen Ge-
samtaufwand von 31.74 Stunden geltend. Diesbezüglich haben einige Korrekturen 
zu erfolgen.

Fürsprecher B.________ macht für die Redaktion der Berufungserklärung vom 
2. November 2021 ohne Anrechnung des telefonischen Kontakts und des Mailver-
kehrs mit dem Klienten einen Aufwand von angenommen 6.5 Stunden geltend
(Positionen vom 25. Oktober 2021, 1. November 2021 und 2. November 2021, 
pag. 18 637). Dies scheint überhöht. Vorab ist festzuhalten, dass Fürsprecher 
B.________ den Beschuldigten bereits im erstinstanzlichen Verfahren verteidigte 
und die Akten daher bereits kannte. Sodann erachtet die Kammer den für die Beru-
fungserklärung geltend gemachten Zeitaufwand auch mit Blick auf die Komplexität 

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des vorliegenden Falls als deutlich überhöht. Nach dem Gesagten ist der für die 
Berufungserklärung geltend gemachte Zeitaufwand von 6.5 Stunden um 3 Stunden 
auf 3.5 Stunden zu kürzen.

Nach teilweisem Rückzug der Berufung vom 7. Oktober 2022 erfolgte am 26. Ok-
tober 2022 die schriftliche Berufungsbegründung. Für deren Redaktion macht Für-
sprecher B.________ einen Zeitaufwand von insgesamt 7.25 Stunden geltend (Po-
sitionen vom 18. Oktober 2022, 19. Oktober 2022 und 26. Oktober 2022, 
pag. 18 635). Mit Blick auf die vorangehenden Ausführungen ist auch diesbezüglich 
eine Kürzung vorzunehmen. Im Wesentlichen wiederholt Fürsprecher B.________ 
in der schriftlichen Berufungsbegründung die Ausführungen gemäss der Beru-
fungserklärung vom 2. November 2021 teilweise wortwörtlich. Mit Blick auf die 
Komplexität des vorliegenden Falls und des nunmehr reduzierten Umfangs der An-
fechtung rechtfertigt sich in Bezug auf den für die schriftliche Berufungsbegründung 
geltend gemachten Zeitaufwand von 7.25 Stunden eine Kürzung um 3.25 Stunden 
auf 4 Stunden.

Fürsprecher B.________ macht für die Weiterleitung von Verfügungen mehrfach 
einen Zeitaufwand von 10, 15 oder 20 Minuten geltend (Positionen vom 4. Novem-
ber 2021, 7. Februar 2022, 11. Oktober 2022, 13. Oktober 2022, 31. Oktober 2022 
und 22. November 2022, pag. 18 637 und pag. 18 635). Dies hat angesichts der 
Tatsache, dass die Weiterleitung insbesondere einen Aufwand des Sekretariats 
verursacht (vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts vom 28. Juni 2022 E. 6.6.4; 
Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern SK 16 322 vom 13. Januar 2017 
E. 27), als deutlich übersetzt zu gelten. Die Weiterleitung von Verfügungen ist des-
halb jeweils mit 5 Minuten zu entschädigen. Auch mit den Positionen vom 20. Ja-
nuar 2022, 19. September 2022 und 8. Dezember 2022 macht er unter 
anderem einen Zeitaufwand für die Weiterleitung von Verfügungen geltend. Dies-
bezüglich hat ebenfalls, wenn auch in geringerem Umfang, eine Kürzung zu er-
folgen. Unter Berücksichtigung des jeweils geltend gemachten Studiums der Verfü-
gungen bzw. der Stellungnahme sind diese Positionen um jeweils 5 Minuten zu 
kürzen. Dies resultiert in einer Kürzung des hierfür geltend gemachten Zeitauf-
wands von 2.41 Stunden um 1.24 Stunden auf 1.17 Stunden.

Abschlussarbeiten stellen Kanzleiarbeiten dar, welche nicht zu entschädigen sind 
(Beschluss des Bundesstrafgerichts vom 28. Juni 2022 E. 6.6.4). Fürsprecher 
B.________ macht mit Position vom 29. Dezember 2022 einen Zeitaufwand von 
0.25 Stunden für Abschlussarbeiten geltend, welche als Kanzleiarbeiten nicht zu 
entschädigen sind. Dementsprechend ist diese Position zu streichen.

Im Übrigen erscheint der geltend gemachte Zeitaufwand als angemessen. Im Er-
gebnis rechtfertigt sich eine Kürzung des Honorars um 7.74 Stunden auf 24 Stun-
den.

Die an Fürsprecher B.________ auszurichtende amtliche Entschädigung für das 
oberinstanzliche Verfahren wird demnach auf total CHF 5'324.70 (inkl. 
Kleinspesenpauschale von 3% von CHF 144.00 und Mehrwertsteuer von 
CHF 380.70) festgesetzt (Art. 135 Abs. 1 und 2 StPO; Art. 42 KAG).

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Fürsprecher B.________ verzichtet auf die Differenz zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar.

11. Entschädigung für die Straf- und Zivilklägerin

Das erstinstanzliche Urteil ist in Bezug auf die Parteientschädigung für die Straf- 
und Zivilklägerin in Rechtskraft erwachsen.

Mangels aktiver Beteiligung und Antrags der Straf- und Zivilklägerin im oberinstanz-
lichen Verfahren und entschädigungswürdigen Aufwendungen ist der Straf- und Zi-
vilklägerin keine Entschädigung zuzusprechen.

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IV. Dispositiv

Die 2. Strafkammer erkennt:

I.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Kantonalen Wirtschaftsstrafgerichts vom 27. Juli 
2021 insoweit in Rechtskraft erwachsen ist, als:

1. A.________ schuldig erklärt wurde

1.1. der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung,

1.1.1. mehrfach begangen zwischen 2011 und April 2014 im Deliktsbetrag von 
ca. CHF 1'000.00 zum Nachteil von D.________;

1.1.2. mehrfach begangen zwischen 2011 und dem 24. Februar 2014 im Deliktsbe-
trag von CHF 2'607.26 zum Nachteil von F.________;

1.1.3. mehrfach begangen zwischen 2011 und dem 24. Februar 2014 im Deliktsbe-
trag von CHF 2'537.45 zum Nachteil von G.________;

1.2. des mehrfachen Missbrauchs von Ausweisen und Schildern, begangen 
zwischen dem 22. März 2017 und dem 24. Juni 2019 in H.________ und evtl. 
anderswo.

2. A.________

in Anwendung der 
Art. 34, 42, 44, 47, 49 Abs. 1 und 2 aStGB
Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB
Art. 97 Abs. 1 lit. b SVG

verurteilt wurde

2.1. zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à CHF 120.00, ausmachend 
CHF 8'400.00. Dies teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil vom 28. Oktober 
2015 der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland, wobei der Vollzug der Geldstrafe 
aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt wurde.

2.2. zu einer Busse von CHF 1'000.00, wobei die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuld-
hafter Nichtbezahlung auf 10 Tage festgesetzt wurde.

2.3. zur Bezahlung einer Parteientschädigung im Umfang von CHF 2'154.00 an die 
Straf- und Zivilklägerin D.________ (Art. 433 Abs. 1 StPO).

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3. die Zivilklage der Straf- und Zivilklägerin D.________ auf den Zivilweg verwiesen wur-
de und für die Beurteilung der Zivilklage keine Kosten ausgeschieden wurden.

4. die Entschädigung für die amtliche Verteidigung von A.________ im erstinstanzlichen 
Verfahren durch Fürsprecher B.________ wie folgt bestimmt wurde:

amtliche Entschädigung 85.00 200.00 CHF 17’000.00
CHF 787.60

Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 17’787.60 CHF 1’369.65
CHF 0.00

Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 19’157.25

CHF 6’000.00
CHF 13’157.25

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

./. Kostenvorschuss vom 7. Februar 2020
Total, vom Kanton Bern auszurichten

II.

1. A.________ wird

in Anwendung der Artikel
135 Abs. 4, 426 Abs. 1, 428 Abs. 1 StPO

verurteilt:

1.1.       zur Bezahlung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 18'430.00.

1.2. zur Bezahlung der oberinstanzlichen Verfahrenskosten von CHF 2'000.00.

2. A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete Entschädigung für die amtliche 
Verteidigung im erstinstanzlichen Verfahren durch Fürsprecher B.________ in der 
Höhe von CHF 19'157.25 zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnis-
se erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

3. Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers von A.________, Fürsprecher 
B.________, wird für das oberinstanzliche Verfahren wie folgt bestimmt:

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 24.00 200.00 CHF 4’800.00

CHF 144.00
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 4’944.00 CHF 380.70
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 5’324.70

Auslagen MWST-pflichtig

4. A.________ hat dem Kanton Bern die für das oberinstanzliche Verfahren ausgerichtete 
Entschädigung von insgesamt CHF 5'324.70 zurückzuzahlen, sobald es seine wirt-
schaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

5. Der Straf- und Zivilklägerin wird im oberinstanzlichen Verfahren keine Entschädigung 
zugesprochen.

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6. Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten/Berufungsführer, a.v.d. Fürsprecher B.________
- der Straf- und Zivilklägerin, v.d. Advokatin E.________
- der Generalstaatsanwaltschaft

Mitzuteilen:
- der Vorinstanz
- der Koordinationsstelle Strafregister (nur Dispositiv; nach Ablauf der Rechtsmittel-

frist bzw. nach Entscheid der Rechtsmittelbehörde)

Bern, 30. Juni 2023 Im Namen der 2. Strafkammer

Die Präsidentin:

Oberrichterin Friederich Hörr

Die Gerichtsschreiberin:

Windler

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsge-
setzes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG ent-
sprechen.

Gegen den Entschädigungsentscheid kann die amtliche Verteidigung innert 10 Tagen seit Eröffnung bei der 
Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts, Viale Stefano Franscini 7, 6500 Bellinzona, schriftlich und be-
gründet Beschwerde führen (Art. 135 Abs. 3 lit. b StPO).