# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 51ac3144-602b-582d-b7da-466906653e1f
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-04-01
**Language:** de
**Title:** Glarus Verwaltungsgericht 01.04.2021 VG.2021.00003 (VG.2021.1039)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_VG_001_VG-2021-00003_2021-04-01.html

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GLARUS

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil vom 1. April 2021

  
	
   

  
	
   

  
	
  I. Kammer

  
	
   

  
	
   

  
	
  in Sachen

  
	
  VG.2021.00003

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Steuerverwaltung des Kantons Glarus

    	
    Beschwerdeführerin

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    A.______AG

    	
    Beschwerdegegnerinnen

    

  

  
	
   

  
	
  	
    vertreten durch Rechtsanwältin B.______

    

  

  
	
   

  
	
  	
    2.

    	
    Steuerrekurskommission des Kantons Glarus

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  und

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  	
    Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV)

    	
    Beigeladene

    

  

  
	
   

  
	
   

  
	
  betreffend

  
	
   

  
	
   

  
	
  direkte Bundessteuer 2017

  
	
   

  
	
  Die Kammer zieht in Erwägung: 

  
	
  I.

  
	
  1.

  
	
  1.1 Die A.______AG kaufte am 1. Januar 2017 von ihrem
  Hauptaktionär C.______ 120 Namenaktien zum Preis von insgesamt
  Fr. 480'000.-. Am 2. Januar 2017 verkaufte sie die Aktien zum Preis
  von insgesamt Fr. 240'000.- an D.______, welcher seit dem
  29. November 2013 Mitglied ihrer Geschäftsleitung ist. Die Differenz
  zwischen Kauf- und Verkaufspreis von Fr. 240'000.- verbuchte sie als
  ausserordentlichen Aufwand.

  
	
   

  
	
  1.2 In der definitiven Veranlagung der Kantons- und
  Gemeindesteuern bzw. der direkten Bundessteuer 2017 vom 31. Juli 2019
  setzte die kantonale Steuerverwaltung den Reingewinn der A.______AG auf Fr.
  549'100.- fest. Dabei rechnete sie den Verlust aus dem Verkauf der Aktien an
  D.______ von Fr. 240'000.- als geschäftsmässig nicht begründeten Aufwand auf,
  gewährte im Gegenzug aber eine Abrechnung unter dem Titel Rückstellung für
  Steuern im Betrag von Fr. 45'000.-. 

  
	
   

  
	
  1.3 Dagegen erhob die A.______AG am 13. August 2019
  Einsprache, welche die Steuerverwaltung nach Vornahme verschiedener Sachverhaltsabklärungen
  am 31. Oktober 2019 abwies.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Die A.______AG erhob am
  28. November 2019 bei der Steuerrekurskommission Rekurs gegen den
  Einspracheentscheid der Steuerverwaltung. Sie beantragte die Aufhebung des
  Einspracheentscheids. Der Aufwand von Fr. 240'000.- sei zum Abzug zuzulassen.
  Die Steuerrekurskommission hiess den Rekurs am 31. August 2020 gut. Der
  Entscheid wurde am 15. Dezember 2020 versandt.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Dagegen gelangte die Steuerverwaltung mit Beschwerde
  vom 12. Januar 2021 ans Verwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung des
  Entscheids der Steuerrekurskommission vom 31. August 2020. Die Besteuerung
  sei gemäss Einspracheentscheid vom 31. Oktober 2019 vorzunehmen; alles unter
  Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der A.______AG.

  
	
   

  
	
  3.2 Das Verwaltungsgericht lud am 13. Januar 2021 die
  eidgenössische Steuerverwaltung ins Verfahren bei. Diese beantragte am 11.
  Februar 2021 die Gutheissung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  3.3 Die Steuerrekurskommission und die A.______AG
  schlossen hingegen am 14. Januar 2021 bzw. am 11. Februar 2021 auf
  Abweisung der Beschwerde.

  
	
   

  
	
  II. 

  
	
  1.

  
	
  1.1 Das Verwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen
  Rekursentscheide der Kantonalen Steuerrekurskommission (Art. 145 Abs. 1 des
  Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990 [DBG]
  i.V.m. Art. 10 Abs. 2 der Verordnung zum Bundesgesetz über die
  direkte Bundessteuer vom 21. November 2000 [VO DBG] und Art. 105 Abs. 1
  lit. e des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Mai 1986
  [VRG]). Da auch die weiteren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die
  Beschwerde einzutreten.

  
	
   

  
	
  1.2 Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts werden
  Beschwerden, welche sowohl die Kantons- und Gemeindesteuern als auch die
  direkte Bundessteuer betreffen, grundsätzlich nicht im selben Verfahren
  behandelt. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung gebietet, dass bei
  gemeinsamer Erledigung durch die Beschwerdeinstanz eine separate Entscheidung
  und Begründung für beide Steuerarten vorgenommen wird (BGE 130
  II 509 E. 8.3; StE 2006 B 99.1 Nr. 12). Es erweist sich
  somit als zweckmässig, nachfolgend die Anträge der Beschwerdeführerin
  lediglich in Bezug auf die direkte Bundessteuer zu prüfen und die Kantons-
  und Gemeindesteuern in ein separates Verfahren (VG.2021.00002) zu verweisen.

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, im Hinblick
  auf die Steuererhebung sei zwischen Mitarbeiterbeteiligungen und der
  Nachfolgeplanung zu unterscheiden. Dabei sei der Einzelfall anhand der
  gesamten Umstände zu würdigen. Bei der Beschwerdegegnerin 1 liege kein
  konkreter Mitarbeiterbeteiligungsplan vor. Der Verkauf der Beteiligungsrechte
  richte sich nicht an alle Mitarbeitenden. Es sei eine Selektion vorgenommen
  worden. Auch der zeitliche Ablauf spreche nicht für einen
  Mitarbeiterbeteiligungsplan. Die Beteiligungsrechte seien am 1. Januar 2017
  durch die Beschwerdegegnerin 1 von C.______ erworben und am
  darauffolgenden Tag an D.______ verkauft worden. Die Verkaufsabrechnung
  verweise auf keinen Mitarbeiterbeteiligungsplan. Einzig betreffend Preisbildung
  werde auf den Aktionärsbindungsvertrag hingewiesen. Anlässlich einer
  Besprechung vom 14. Februar 2019 habe C.______ erklärt, dass D.______
  der designierte Geschäftsführer bzw. Nachfolger sei. Dieser werde bis
  maximal 51 % der Namenaktien der Beschwerdegegnerin 1 erwerben.
  Insgesamt sei von einer Nachfolgeplanung auszugehen. Damit sei der Aufwand
  zwischen dem Erwerbspreis und dem Veräusserungspreis der Aktien
  geschäftsmässig nicht begründet, weshalb er zu Recht aufgerechnet worden sei.

  
	
   

  
	
  2.2 Die Beigeladene schliesst sich der Auffassung der
  Beschwerdeführerin an. Ergänzend führt sie aus, entscheidend sei, dass die
  Einräumung der Mitarbeiterbeteiligungen in Form von Aktien mit einer
  Nachfolgeplanung zusammenhänge. Vorliegend sei das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm
  – zumindest im Hinblick auf D.______ – nicht in der Absicht eingeführt
  worden, die Mitarbeiterleistung zu fördern oder eine längerfristige Bindung
  an die Beschwerdegegnerin 1 zu sichern. Vielmehr sei dieses nur als
  Vorwand benutzt worden, um die Beteiligungsverhältnisse an der
  Beschwerdegegnerin 1 im Interesse ihrer beiden Aktionäre C.______ und
  D.______ zu verschieben. Hätte es sich bei den beteiligten Parteien um
  unabhängige Dritte gehandelt, hätte die Beschwerdegegnerin 1 die
  Transaktion nie unter diesen Bedingungen durchgeführt. Sodann sei darauf
  hinzuweisen, dass – würde das gewählte Vorgehen steuerlich akzeptiert –
  C.______ aufgrund der Aktientransaktion bzw. der damit verbundenen
  Verlusthinnahme der Beschwerdegegnerin 1 in dem Sinne profitieren würde,
  als er durch den Verkauf seiner Beteiligungsrechte einen steuerfreien
  Kapitalgewinn von Fr. 480'000.- erzielen würde. Auf der anderen Seite
  würde D.______ 120 Aktien an der Beschwerdegegnerin 1 zu einem weit
  unter dem Verkehrswert liegenden Vorzugspreis erwerben. Dabei sei es
  fraglich, ob die Sperrfrist überhaupt einen Minderwert zur Folge habe, da
  D.______ künftig wirtschaftlich die Mehrheit an der Beschwerdegegnerin 1
  auf sich vereinigen werde. Ferner würden die beiden Aktionäre noch zusätzlich
  davon profitieren, dass die Beschwerdegegnerin 1 den einzig zu ihren
  Gunsten hingenommenen Verlust noch als Aufwand vom laufenden Gewinn zum Abzug
  bringen könne. Durch den Ein- und Verkauf von 120 eigenen Aktien, welche für
  Fr. 480'000.- vom Hauptaktionär C.______ gekauft und für lediglich
  Fr. 240'000.- an den Aktionär D.______ verkauft worden seien, habe die
  Beschwerdegegnerin 1 unter dem Deckmantel eines angeblichen
  Mitarbeiterbeteiligungsplans eine verdeckte Gewinnausschüttung im Umfang von
  Fr. 240'000.- einzig im Interesse ihrer Aktionäre C.______ und D.______
  vorgenommen. 

  
	
   

  
	
  2.3 Die Beschwerdegegnerin 1 vertritt hingegen die
  Auffassung, das Instrument der Mitarbeiterbeteiligung könne auch für die
  Unternehmensnachfolge verwendet werden. Typischerweise finde die Übertragung
  von Arbeitgeber-Beteiligungen in Tranchen statt, um die Mitarbeiter an das
  Unternehmertum heranzuführen und weil die Mitarbeiter in der Regel nicht über
  die erforderlichen Mittel verfügten, die Unternehmung gesamthaft zu
  übernehmen. Gemäss Rechtsprechung und Praxis werde jeder Erwerb von Aktien
  oder Anteilen am Arbeitgeber oder einer Gruppengesellschaft grundsätzlich als
  Mitarbeiterbeteiligung angesehen, da der Erwerb dieser Aktien im
  Arbeitsverhältnis bedingt sei. Dies gelte unabhängig von der erworbenen
  Beteiligungshöhe. Ein weiteres wichtiges Merkmal von Mitarbeiterbeteiligungen
  sei die weitgehende Kontrolle der Arbeitgeberin oder des Hauptaktionärs über
  das Schicksal der Mitarbeiteraktien. Diese unterlägen oft Verfügungs- und
  Übertragungsbeschränkungen und es bestünden Mitverkaufsrechte und -pflichten,
  Verkaufspflichten bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses und
  Übernahmepflichten der Mitarbeiteraktien durch die Arbeitgeberin, wie sie
  auch im Aktionärsbindungsvertrag zwischen D.______ und dem Hauptaktionär
  C.______ geregelt würden. Dabei sei es nicht entscheidend, in welchem
  Dokument die Restriktionen festgehalten seien. Eine Beschränkung des
  Mitarbeiterbeteiligungsprogramms auf einzelne Arbeitnehmer wie auch die
  Abgabe von Aktien an Arbeitnehmer in leitender Stellung sei für dessen
  rechtliche Qualifikation als Mitarbeiterbeteiligung nicht schädlich.
  Entscheidend sei, dass der Aktienerwerb in einem wirtschaftlichen und
  kausalen Zusammenhang zum Arbeitsverhältnis stehe. Die Tatsache, dass die
  erworbenen eigenen Aktien einen Tag nach Erwerb an D.______ abgegeben worden
  seien, habe auf die steuerrechtliche Qualifikation der Mitarbeiterbeteiligung
  keinen Einfluss. Der Zweck der unterpreislichen Abgabe der Beteiligung habe
  schliesslich in den Jahren 2015 und 2017 darin bestanden, das persönliche
  Engagement, die Leistungsqualität sowie das unternehmerische Denken und
  Handeln der leitenden Angestellten zu fördern und durch die langfristige
  Bindung der Kadermitglieder an die Unternehmung vorzeitige Personalabgänge zu
  vermeiden. Insgesamt sei klar, dass die Veräusserung eigener Aktien im Umgang
  von 10 % an D.______ im Steuerjahr 2017 als Mitarbeiterbeteiligung
  und nicht als Betriebsübernahme bzw. Nachfolgeregelung zu verstehen sei.

  
	
   

  
	
  2.4 Aus Sicht der Beschwerdegegnerin 2 sei nicht
  entscheidend, dass bei den Mitarbeitern eine Selektion vorgenommen worden
  sei. Massgeblich sei, dass mehrere Mitarbeiter beteiligt worden seien, was
  eines der Kriterien für die Annahme eines Mitarbeiterbeteiligungsplans sei.
  Die massgebenden Parameter für die Mitarbeiterbeteiligung seien auf der
  Verkaufsabrechnung aufgeführt, ergänzt durch solche im
  Aktionärsbindungsvertrag. Ein separates Dokument
  "Mitarbeiterbeteiligungsplan" sei nicht erforderlich. Dass D.______
  auch der designierte Nachfolger im Unternehmen sein solle, verbiete es
  schliesslich ebenfalls nicht, ihn über einen Mitarbeiterbeteiligungsplan an
  der Unternehmung zu beteiligen.

  
	
   

  
	
  3.

  
	
  3.1 Gemäss Art. 58 Abs. 1 DBG setzt sich der steuerbare
  Reingewinn zusammen aus dem Saldo der Erfolgsrechnung unter Berücksichtigung
  des Saldovortrages des Vorjahres (lit. a); allen vor Berechnung des Saldos
  der Erfolgsrechnung ausgeschiedenen Teilen des Geschäftsergebnisses, die
  nicht zur Deckung von geschäftsmässig begründetem Aufwand verwendet werden
  (lit. b) und den der Erfolgsrechnung nicht gut geschriebenen Erträgen, mit
  Einschluss der Kapital-, Aufwertungs- und Liquiditätsgewinne, vorbehältlich
  Art. 64 (lit. c). 

  
	
   

  
	
  3.2

  
	
  3.2.1 Nach Art. 17a Abs. 1 DBG gelten als echte Mitarbeiterbeteiligungen
  Aktien, Genussscheine, Partizipationsscheine, Genossenschaftsanteile oder
  Beteiligungen anderer Art, die die Arbeitgeberin, deren Muttergesellschaft
  oder eine andere Konzerngesellschaft den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
  abgibt (lit. a) sowie Optionen auf den Erwerb von Beteiligungen nach lit. a
  (lit. b). Als unechte Mitarbeiterbeteiligung gelten gemäss Art. 17a
  Abs. 2 DBG Anwartschaften auf blosse Bargeldabfindungen. Gemäss
  Ziff. 2.3 des Kreisschreibens Nr. 37 der Eidgenössischen Steuerverwaltung
  vom 22. Juli 2013 handelt es sich dann um Mitarbeiterbeteiligungen, wenn
  das Beteiligungsrecht auf das ehemalige, das aktuelle oder das künftige
  Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitgeber zurückzuführen ist. Der Aufwand,
  welcher für die Arbeitgeberin bei der Einräumung von Mitarbeiterbeteiligungen
  entsteht, ist unbestritten geschäftsmässig begründet. Der geldwerte Vorteil
  ist durch den Mitarbeitenden nach Art. 17b DBG im Zeitpunkt des Erwerbs
  als Einkommen zu versteuern.

  
	
   

  
	
  3.2.2 Durch die Abgabe von
  Mitarbeiterbeteiligungsinstrumente beabsichtigen Arbeitgeber regelmässig,
  Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden und so
  Arbeitsplatzwechseln vorzubeugen. Ausserdem setzen Arbeitgeber
  Mitarbeiterbeteiligungsinstrumente als finanzielle Anreize ein, um das
  unternehmerische Denken und die Identifikation der Mitarbeiter mit dem
  Arbeitgeber zu fördern und um die Mitarbeiter zu besseren Arbeitsleistungen
  zu motivieren. Weil Arbeitgeber mit Mitarbeiterbeteiligungsinstrumenten das
  langfristige wirtschaftliche Gedeihen des Unternehmens fördern möchten,
  entschädigen Mitarbeiterbeteiligungsinstrumente die Mitarbeiter regelmässig
  für zukünftige Arbeitsleistungen, sodass diese das
  Mitarbeiterbeteiligungsinstrument nach der Zuteilung in der Regel noch während
  einer bestimmten zukünftigen Zeitspanne verdienen bzw. abverdienen
  müssen (Virna Vallucci, in Martin Zweifel/Michael Beusch [Hrsg.], Kommentar
  zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, 3. A., Basel 2017, Art. 17a
  N. 13).

  
	
   

  
	
  3.3 Werden Aktien hingegen im Rahmen einer
  Nachfolgeregelung an eine Person veräussert, die bei der Gesellschaft
  angestellt ist oder sein wird, so ist es sachgerecht, diese Aktien nicht als
  Mitarbeiteraktien zu behandeln. In einem solchen Fall kann ein tiefer
  Verkaufspreis nämlich dadurch begründet sein, dass der ehemalige Aktionär dem
  Unternehmen und den Kunden des Unternehmens eine bestmögliche Weiterführung
  ermöglichen will (Stefan Oesterhelt/Manuel Dubach, Mitarbeiterbeteiligungen
  bei nicht kotierten Unternehmen, StR 76/2021, S. 2 ff., 6). Daran ändert das
  von der Beschwerdegegnerin 1 angeführte Bundesgerichtsurteil
  2C_1057/2018 vom 7. April 2020 nichts, war in diesem Entscheid doch nicht die
  Frage, ob Mitarbeiteraktien vorliegen, sondern die Höhe des zu besteuernden
  Einkommens strittig.

  
	
   

  
	
  4.

  
	
  4.1 C.______ verkaufte gemäss Verkaufsabrechnung vom
  1. Februar 2015 100 Namenaktien der Beschwerdegegnerin 1 an
  D.______ zum Stückpreis von Fr. 1'750.-. Am 1. Dezember 2015 verkaufte
  er zum selben Preis 30 Namenaktien an E.______ und 20 Namenaktien
  an F.______. Den Verkaufsabrechnungen war jeweils der Zusatz angefügt, dass
  der Kauf dem Mitarbeiterbeteiligungsplan vom 1. Januar 2015 mit einer
  Sperrfrist von 10 Jahren unterliege. Für den vorzeitigen Verkauf sei der
  integrierte Aktionärsbindungsvertrag zu beachten.

  
	
   

  
	
  Gemäss Verkaufsabrechnung
  vom 1. Januar 2017 verkaufte C.______ der Beschwerdegegnerin 1
  120 Namenaktien zum Preis von je Fr. 4'000.-. Am darauffolgenden
  Tag verkaufte die Beschwerdegegnerin 1 die 120 Namenaktien zu einem
  Preis von Fr. 2'000.- pro Stück D.______. In der Verkaufsabrechnung
  wurde Folgendes angeführt: "Preis gemäss Aktionärbindungsvertrag,
  einfacher Substanzwert, zweckgebunden für Mitarbeiteraktien mit Haltefrist
  10 Jahre".

  
	
   

  
	
  4.2 Gemäss Aktienbuch hielten am 31. Dezember 2017
  folgende Personen Namenaktien der Beschwerdegegnerin 1: D.______ 240
  Aktien; G.______ 120 Aktien; H.______ 120  Aktien; I.______
  120 Aktien; J.______ 120 Aktien; E.______ 30 Aktien; F.______
  20 Aktien; K.______ 10 Aktien. Wer die übrigen 420 Aktien
  hielt, ist aus dem Aktienbuch nicht ersichtlich. Mutmasslich wurden sie
  weiterhin von C.______ gehalten.

  
	
   

  
	
  4.3 Ein Mitarbeiterbeteiligungsplan wurde nie erstellt.
  In den Akten findet sich lediglich eine Powerpointpräsentation, welche
  folgende Ziele aufführt: Nachhaltige Nachfolgeplanung durch Management Buy
  Out, Sicherung Standort und Erhaltung Arbeitsplätze, Anbindung der
  Kadermitarbeiter an den Betrieb durch finanzielle und verantwortliche
  Partizipation, Beschränkung des Aktionariates auf den Kreis der
  Mitarbeitenden für die Verfolgung der gemeinsamen Unternehmensziele.
  Eingereicht wurde hingegen ein nicht unterzeichneter
  Aktionärsbindungsvertrag, welcher auf das Mitarbeiterbeteiligungsprogramm
  verweist und insbesondere Verfügungs- und Übertragungsbeschränkungen,
  Verkaufs- und Übernahmepflichten vorsieht.

  
	
   

  
	
  5.

  
	
  5.1 Gemäss Art. 129 Abs. 1 lit. d DBG müssen
  Arbeitgeber, die ihren Angestellten Mitarbeiterbeteiligungen einräumen, den
  Veranlagungsbehörden eine Bescheinigung über alle für deren Veranlagung
  notwendigen Angaben einreichen. Die Details sind in der Verordnung über die
  Bescheinigungspflichten bei Mitarbeiterbeteiligungen vom 27. Juni 2012
  (MBV) geregelt. Es ist unbestritten, dass die Beschwerdegegnerin 1 der
  Beschwerdeführerin weder im Jahr 2015 noch im Jahr 2017 eine
  entsprechende Bescheinigung einreichte, was dazu führte, dass die
  Mitarbeitenden den geldwerten Vorteil, welcher ihnen durch den Aktienkauf
  zukam, entgegen Art. 17b DBG nicht als Einkommen aus unselbständiger
  Erwerbstätigkeit versteuerten. Zudem besteht kein Mitarbeiterbeteiligungsplan
  im Sinne der MBV, sondern es findet sich in den Akten nur eine
  Powerpointpräsentation. Dies ist ein Indiz dafür, dass die
  Beschwerdegegnerin 1 gar nie eine Mitarbeiterbeteiligung im Sinne von Art. 17a
  DBG anstrebte. Alleine deshalb ist die Beschwerde aber nicht gutzuheissen.
  Immerhin lassen sich nämlich dem Aktionärsbindungsvertrag wesentliche
  Elemente eines Mitarbeiterbeteiligungsplans entnehmen (vgl. vorne E. II/4.3).

  
	
   

  
	
  5.2

  
	
  5.2.1 Es finden sich aber in den Akten eindeutige Hinweise
  dafür, dass die Beschwerdegegnerin 1 nie eine Mitarbeiterbeteiligung im
  Sinne von Art. 17a DBG beabsichtigte. So wurden gemäss der
  Verkaufsabrechnung vom 1. Februar 2015 angeblich die Aktien
  Nrn. 1071-1170 von C.______ an D.______ verkauft. Aus der
  Dividendenabrechnung über das Geschäftsjahr 2014 ergibt sich indessen,
  dass D.______ bereits im Jahr 2014 – und damit vor der Präsentation des
  Mitarbeiterbeteiligungsprogramms und vor Erstellung des Aktionärsbindungsvertrags
  – Eigentümer der Aktien Nr.  1071-1170 und 1181-1200 war. Es ist daher
  darauf zu schliessen, dass die Verkaufsabrechnung vom 1. Februar 2015
  nur ein vorgeschobenes Dokument ist, welches einen früheren Erwerb der Aktien
  bescheinigt.

  
	
   

  
	
  5.2.2 Zwar ist nicht zu Ungunsten der
  Beschwerdegegnerin 1 zu werten, dass sie im Jahr 2017 zuerst Aktien
  von ihrem Hauptaktionär erwerben musste, ehe sie diese D.______
  weiterverkaufen konnte. Auch kann der Beschwerdeführerin nicht gefolgt
  werden, falls sie die Auffassung vertritt, dass bei einem
  Mitarbeiterbeteiligungsprogramm sämtliche Mitarbeitenden die Gelegenheit
  haben müssen, Aktien der Arbeitgeberin zu erwerben. Indessen fällt auf, dass
  im Jahr 2017 lediglich D.______ Aktien von der Beschwerdegegnerin 1
  erwarb. Dies spricht dafür, dass mit dem Aktienverkauf die Nachfolge in die
  Wege geleitet werden sollte und nicht eine Beteiligung von Mitarbeitenden
  angestrebt wurde.

  
	
   

  
	
  Dasselbe gilt im Übrigen
  auch für die Aktienverkäufe im Jahr 2015 an E.______ und F.______. Diese
  standen aufgrund ihrer unbestrittenen Beziehung zu K.______, welcher Aktionär
  und Verwaltungsratspräsident der Beschwerdegegnerin 1 ist, in einem
  besonderen Verhältnis zur Beschwerdegegnerin 1. Dass auch weitere
  Mitarbeitende, ohne eine derartige Beziehung, zum Aktienbezug berechtigt
  waren, ist nicht ersichtlich.

  
	
   

  
	
  5.2.3 Sodann führte der Hauptaktionär C.______ in der
  Besprechung mit der Beschwerdeführerin vom 14. Februar 2019 selbst aus, dass
  D.______ der designierte Nachfolger sei und bis zu 51 % der Aktien erwerben
  werde. Auch in der Besprechung vom 10. September 2019 sprach er offenbar
  immer wieder von Nachfolgeplanung, was die Beschwerdegegnerin 1 nicht
  bestreitet.

  
	
   

  
	
  5.3 Unter Würdigung all dieser Umstände lässt sich
  einzig der Schluss ziehen, dass es nie einen konkreten
  Mitarbeiterbeteiligungsplan gab, sondern ein solcher nur vorgeschoben wurde.
  Der Aktienverkauf diente ausschliesslich der Nachfolgeplanung und ist nicht
  kausal zum Arbeitsverhältnis zwischen D.______ und der
  Beschwerdegegnerin 1. Damit handelt es sich aber beim Verkauf der für
  Fr. 480'000.- eingekauften Aktien zum Vorzugspreis von
  Fr. 240'000.- um geschäftsmässig nicht begründeten Aufwand, der
  aufzurechnen ist.

  
	
   

  
	
  Demgemäss ist die
  Beschwerde gutzuheissen. Der Entscheid der Beschwerdegegnerin 2 vom
  31. August 2020 ist aufzuheben und der Einspracheentscheid der
  Beschwerdeführerin vom 31. Oktober 2019 ist zu bestätigen. Die Sache ist
  zur neuen Verlegung der vorinstanzlichen Kosten an die
  Beschwerdegegnerin 2 zurückzuweisen.

  
	
   

  
	
  III.

  
	
  1.

  
	
  Nach Art. 145 Abs. 2
  i.V.m. 144 Abs. 1 DBG hat die Partei, welche im Beschwerdeverfahren
  unterliegt, die amtlichen Kosten zu tragen. Die Gerichtskosten von pauschal
  Fr. 1'500.- sind der Beschwerdegegnerin 1 aufzuerlegen. 

  
	
   

  
	
  2.

  
	
  Ausgangsgemäss ist der
  Beschwerdegegnerin 1 zudem keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 145
  Abs. 2 DBG i.V.m. Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des
  Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 [VwVG]).
  Soweit die Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung beantragt, ist sie
  darauf hinzuweisen, dass die Erhebung von Rechtsmitteln zu ihrem angestammten
  Aufgabenbereich gehört, weshalb Behörden in der Regel keine
  Parteientschädigung zugesprochen wird (vgl. Marcel Maillard, in Bernhard
  Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar
  Verwaltungsverfahrensgesetz, Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 64 N. 14). Es
  bestehen keine Gründe, vorliegend von dieser Regel abzuweichen.

  
	
  Demgemäss erkennt die Kammer:

  
	
  	
    1.

    	
    Die
    Beschwerde wird gutgeheissen. Der Entscheid der Beschwerdegegnerin 2
    vom 31. August 2020 wird aufgehoben und der Einspracheentscheid der
    Beschwerdeführerin vom 31. Oktober 2019 bestätigt. Die Sache wird zur
    Verlegung der vorinstanzlichen Kosten an die Beschwerdegegnerin 2
    zurückgewiesen.

    
	
    2.

    	
    Die
    Gerichtskosten von Fr. 1'500.- werden der Beschwerdegegnerin 1
    auferlegt.

    
	
    3.

    	
    Es
    werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

    
	
    4.

    	
    Schriftliche
    Eröffnung und Mitteilung an:

    
	
     

    	
    […]