# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0f6d8382-d65d-5170-b249-10cf94590b76
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-14
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 14.02.2022 WBE.2021.338
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2021-338_2022-02-14.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht
1. Kammer

WBE.2021.338 / nb / jb
(DVIRD.21.12)
Art. 17

Urteil vom 14. Februar 2022

Besetzung Verwaltungsrichterin Bauhofer, Vorsitz
Verwaltungsrichter Clavadetscher
Verwaltungsrichter Miotti
Gerichtsschreiberin Bühler

Beschwerde-
führer

A._____
vertreten durch lic. iur. Yann Moor, Rechtsanwalt, Nüschelerstrasse 49,
Postfach, 8021 Zürich 1

gegen

Strassenverkehrsamt des Kantons Aargau, Postfach, 5001 Aarau

Departement Volkswirtschaft und Inneres, Frey-Herosé-Strasse 12,
5001 Aarau

Gegenstand Beschwerdeverfahren betreffend Entzug des Führerausweises

Entscheid des Departements Volkswirtschaft und Inneres
vom 14. Juni 2021

- 2 -

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten:

A.
1.
A., geboren am […] 1973, erwarb den Führerausweis der Kategorie B (Per-
sonenwagen) am […] 2016. Ihm gegenüber wurden bisher folgende Admi-
nistrativmassnahmen ausgesprochen:

29.09.2016 Verwarnung (Geschwindigkeitsüberschreitung)

2.
Mit Verfügung vom 14. Januar 2021 entzog das Strassenverkehrsamt des
Kantons Aargau (nachfolgend: Strassenverkehrsamt) den Führerausweis
von A. für vier Monate ab dem 12. März 2021 bis und mit dem 11. Juli 2021.
Zur Begründung führte das Strassenverkehrsamt im Wesentlichen aus:

Schwere Widerhandlung im Sinne von Art. 16c SVG

 Rechtsüberholen auf Autobahn
 Ungenügender Abstand beim Hintereinanderfahren (Distanz ca.

1'200 m, Geschwindigkeit ca. 95 - 100 km/h, Abstand 8 - maximal
12 m, in Sekunden: 0.46)

Begangen am: 23. Juni 2020 in Dättwil, Autobahn A1 (gemäss rechtskräf-
tigem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 11. September
2020).

B.
1.
Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 14. Januar 2021
liess A., vertreten durch lic. iur. Yann Moor, Rechtsanwalt, Zürich, mit Ein-
gabe vom 15. Februar 2021 beim Departement Volkswirtschaft und Inneres
des Kantons Aargau (nachfolgend: DVI) Beschwerde erheben mit den fol-
genden Anträgen:

Die Verfügung vom 14. Januar 2021 sei aufzuheben und die Entzugsdauer
sei auf 3 Monate festzusetzen.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten des Be-
schwerdegegners.

2.
Am 14. Juni 2021 entschied das DVI:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

- 3 -

2.
Das Strassenverkehrsamt wird angewiesen, den Beginn der Entzugsdauer
nach Rechtskraft dieses Beschwerdeentscheids neu festzusetzen.

3.
Der Beschwerdeführer hat die Verfahrenskosten, bestehend aus einer
Staatsgebühr von Fr. 1'000.00 sowie den Kanzleikosten und den Auslagen
von Fr. 145.80, zusammen Fr. 1'145.80, zu bezahlen.

4.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.

C.
1.
Gegen den ihm am 30. Juli 2021 während den Gerichtsferien zugestellten,
vollständig begründeten Entscheid des DVI liess der Beschwerdeführer,
nach wie vor vertreten durch lic. iur. Yann Moor, mit Eingabe vom 14. Sep-
tember 2021 Verwaltungsgerichtsbeschwerde erheben und folgende An-
träge stellen:

Der Entscheid des Departements Volkswirtschaft und Inneres des Kantons
Aargau vom 14. Juni 2021 sei aufzuheben und es sei die Entzugsdauer
auf drei Monate festzusetzen.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten (zzgl. MwSt.) der
Staatskasse.

2.
Am 1. Oktober 2021 gingen die von der Staatsanwaltschaft Baden ange-
forderten Strafakten zum Vorfall vom 23. Juni 2020 beim Verwaltungsge-
richt ein.

3.
Mit Eingabe vom 1. Oktober 2021 überwies das DVI aufforderungsgemäss
die Akten und erstattete die Beschwerdeantwort, worin es unter grundsätz-
lichem Verweis auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid die voll-
umfängliche Abweisung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde beantragte.

4.
Mit Eingabe vom 12. Oktober 2021 verzichtete das Strassenverkehrsamt
auf eine Stellungnahme und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

5.
Das Verwaltungsgericht hat den Fall im Zirkularverfahren entschieden
(vgl. § 7 Abs. 1 und 2 des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 6. Dezem-
ber 2011 [GOG; SAR 155.200]).

- 4 -

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:

I.
1.
Das Verwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen letztinstanzliche Ent-
scheide der Verwaltungsbehörden (§ 54 Abs. 1 des Gesetzes über die Ver-
waltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Verwaltungsrechtspflegege-
setz, VRPG; SAR 271.200]). Der angefochtene Entscheid des DVI ist ver-
waltungsintern letztinstanzlich (§ 50 Abs. 2 VRPG i.V.m. § 9 Abs. 1 und
§ 10 Abs. 1 lit. d der Verordnung über die Delegation von Kompetenzen
des Regierungsrats vom 10. April 2013 [Delegationsverordnung, DelV;
SAR 153.113]). Das Verwaltungsgericht ist folglich zur Beurteilung der vor-
liegenden Verwaltungsgerichtsbeschwerde zuständig.

2.
Die übrigen Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen
Anlass. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Verwaltungsgerichtsbe-
schwerde ist einzutreten.

3.
Ist – wie hier – der Entzug des Führerausweises umstritten, steht dem Ver-
waltungsgericht – im Rahmen der Beschwerdeanträge – die Befugnis zur
vollumfänglichen Überprüfung mit Einschluss der Ermessenskontrolle zu
(§ 55 Abs. 1 und Abs. 3 lit. c VRPG).

II.
1.
1.1.
Dem angefochtenen Entscheid liegt im Wesentlichen folgender Sachver-
halt zugrunde (angefochtener Entscheid, Erw. II/2):

Der Beschwerdeführer fuhr am 23. Juni 2020 in Dättwil AG, Autobahn A1,
um ca. 13.50 Uhr, mit seinem Motorrad auf dem Überholstreifen und
schwenkte, nachdem er auf die Polizei mit neutralem Dienstfahrzeug auf-
geschlossen war, auf dem Gemeindegebiet Baden-Dättwil nach rechts auf
den Normalstreifen aus und erhöhte sogleich die Geschwindigkeit sukzes-
siv. Er fuhr rechts vorbei und bog wieder auf den Überholstreifen (vgl.
rechtskräftiger Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Baden vom 11. Septem-
ber 2020).

Im Anschluss daran fuhr der Beschwerdeführer auf der Autobahn A1,
Fahrbahn ZH, auf dem Überholstreifen während einer Distanz von ca.
1'200 Meter, bei einer Geschwindigkeit von ca. 95-100 km/h und einem
geschätzten Abstand von lediglich 8 - maximal 12 Meter hinter einem Per-
sonenwagen (vgl. rechtskräftiger Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Baden vom 11. September 2020).

- 5 -

1.2.
Als Folge des Vorfalls vom 23. Juni 2020 verurteilte die Staatsanwaltschaft
Baden den Beschwerdeführer mit Strafbefehl vom 11. September 2020 we-
gen Verletzung des Strassenverkehrsgesetzes durch Rechtsüberholen auf
der Autobahn durch Ausschwenken und Wiedereinbiegen (Art. 90 Abs. 2
des Strassenverkehrsgesetzes vom 19. Dezember 1958 [SVG;
SR 741.01]) und wegen ungenügenden Abstands beim Hintereinanderfah-
ren (Art. 90 Abs. 2 SVG) zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je
Fr. 80.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 3 Jahren, sowie
zu einer Busse von Fr. 1'000.00. Dieser Strafbefehl erwuchs unangefoch-
ten in Rechtskraft.

2.
2.1.
Vorbemerkungsweise ist festzuhalten, dass die Verwaltungsbehörde
grundsätzlich an den im jeweiligen Strafverfahren rechtskräftig erstellten
Sachverhalt gebunden ist. Der massgebliche Sachverhalt, wie ihn die Vor-
instanz ihrem Entscheid zugrunde gelegt hat, wird vom Beschwerdeführer
nicht bestritten. Ebenso wenig bestreitet er die vom Strassenverkehrsamt
und der Vorinstanz vorgenommene Qualifikation der groben Verkehrsre-
gelverletzung wegen ungenügenden Abstands beim Hintereinanderfahren
als schwere Widerhandlung. Soweit des Weiteren ersichtlich, bestreitet der
Beschwerdeführer nicht, dass er infolge Rechtsüberholens auf der Auto-
bahn durch Ausschwenken und Wiedereinbiegen eine grobe Verkehrsre-
gelverletzung begangen hat. Aufgrund der Verwaltungsgerichtsbeschwer-
de vom 14. September 2021 bleibt jedoch unklar, ob der Beschwerdeführer
mit der rechtlichen Qualifikation des Strassenverkehrsamtes und der Vor-
instanz als schwere Widerhandlung einverstanden ist.

2.2.
In der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts ist die Verwaltungsbehörde
grundsätzlich frei, ausser die rechtliche Qualifikation hänge stark von der
Würdigung von Tatsachen ab, die der Strafrichter besser kennt, etwa, weil
er den Beschuldigten persönlich einvernommen hat (BGE 124 II 103,
Erw. 1c/bb; 119 Ib 158, Erw. 3c). Der Warnungsentzug ist eine der Strafe
ähnliche, aber von ihr unabhängige Verwaltungsmassnahme mit präventi-
vem Charakter, die primär die Erziehung des fehlbaren Fahrzeuglenkers
im Interesse der Verkehrssicherheit und nicht dessen Bestrafung bezweckt,
auch wenn sie vom Betroffenen mitunter als Strafe empfunden wird. Die
straf- und verwaltungsrechtliche Beurteilung der Schwere eines strassen-
verkehrsrechtlich massgeblichen Fehlverhaltens müssen sich daher nicht
zwingend decken (Urteile des Bundesgerichts 1C_464/2020 vom 16. März
2021, Erw. 2.2 und 1C_564/2019 vom 28. Mai 2020, Erw. 3.2).

Vorliegend hat die Staatsanwaltschaft Baden ausschliesslich aufgrund der
Akten im Strafbefehlsverfahren entschieden und der Beschwerdeführer

- 6 -

keine gerichtliche Beurteilung verlangt. Die Staatsanwaltschaft Baden hat
– soweit aus den Akten ersichtlich – keine zusätzlichen Abklärungen ge-
troffen, weshalb die Verwaltungsbehörde an die rechtliche Beurteilung des
Strafrichters nicht gebunden ist. Der massgebliche Sachverhalt ist hinrei-
chend bekannt. Die Verwaltungsbehörde ist deshalb in ihrer rechtlichen Be-
urteilung des vorliegenden Falles grundsätzlich frei. Die strafrechtliche
Sanktionierung gibt somit nicht ohne Weiteres auch die anzuordnende Ver-
waltungsmassnahme vor.

2.3.
In Übereinstimmung mit den Vorinstanzen und der Strafbehörde steht für
das Verwaltungsgericht fest, dass der Beschwerdeführer infolge ungenü-
genden Abstands beim Hintereinanderfahren Art. 34 Abs. 4 SVG und
Art. 12 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962
(VRV; SR 741.11) i.V.m. Art. 90 Abs. 2 SVG verletzt hat. Durch dieses Ver-
halten hat der Beschwerdeführer am 23. Juni 2020 unbestrittenermassen
eine schwere Widerhandlung im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG be-
gangen, wobei die Mindestentzugsdauer drei Monate beträgt (Art. 16c
Abs. 2 lit. a SVG). Zusätzlich hat der Beschwerdeführer am 23. Juni 2020
wegen Rechtsüberholens auf der Autobahn durch Ausschwenken und Wie-
dereinbiegen eine weitere Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 35
Abs. 1 SVG und Art. 36 Abs. 5 VRV i.V.m. Art. 90 Abs. 2 SVG begangen.
Dies wird vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Zu prüfen bleibt, ob dem
Beschwerdeführer wegen Rechtsüberholens ebenfalls eine schwere Wi-
derhandlung im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG vorzuwerfen ist und
welche administrativrechtlichen Konsequenzen daraus resultieren bzw. ob
die Erhöhung der Entzugsdauer um einen Monat aufgrund der mehrfachen
Verkehrsregelverletzungen zu Recht erfolgte.

3.
3.1.
Im Strassenverkehrsgesetz wird zwischen der leichten, mittelschweren und
schweren Widerhandlung unterschieden (Art. 16a–c SVG). Gemäss
Art. 16a SVG begeht eine leichte Widerhandlung, wer durch Verletzung von
Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft,
wenn ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Abs. 1 lit. a). Eine
schwere Verletzung begeht gemäss Art. 16c SVG, wer durch grobe Verlet-
zung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft oder in Kauf nimmt (Abs. 1 lit. a). Es bedarf sowohl einer qualifi-
zierten objektiven Gefährdung als auch eines qualifizierten Verschuldens
(Botschaft des Bundesrats zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes
vom 31. März 1999, BBl 1999 4462, S. 4489). Der objektive Tatbestand ist
dann erfüllt, wenn der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv
schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet.
Auf subjektiver Seite verlangt der Tatbestand ein schweres Verschulden.

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Nach einer schweren Widerhandlung wird der Führerausweis für mindes-
tens drei Monate entzogen (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG). Eine mittelschwere
Widerhandlung schliesslich verübt, wer durch Verletzung von Verkehrsre-
geln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt
(Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Sie ist nach der gesetzlichen Konzeption als
Auffangtatbestand ausgestaltet und liegt immer dann vor, wenn nicht alle
privilegierenden Elemente einer leichten (geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer und leichtes Verschulden) und nicht alle qualifizierenden Elemente
einer schweren Widerhandlung (qualifizierte objektive Gefährdung und
qualifiziertes Verschulden) gegeben sind (Urteile des Bundesgerichts
1C_453/2018 vom 22. August 2019, Erw. 3.1 und 1C_566/2018 vom
14. Mai 2019, Erw. 2.1; je mit Hinweisen). Nach einer mittelschweren Wi-
derhandlung wird der Führerausweis für mindestens einen Monat entzogen
(Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG).

Die wesentlichen Kriterien zur Unterscheidung von Widerhandlungen sind
demnach das Mass der Verkehrsgefährdung und die Schwere des Ver-
schuldens.

3.2.
3.2.1.
In objektiver Hinsicht setzt Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG eine durch Verletzung
von Verkehrsregeln hervorgerufene ernstliche Gefahr für die Sicherheit an-
derer voraus. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine ernst-
liche Gefahr im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG bereits bei einer erhöh-
ten abstrakten Gefährdung gegeben, wobei die erhöhte abstrakte Gefahr
die "naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verlet-
zung" voraussetzt (BGE 123 II 37, Erw. 1b). Dabei ist "ernstliche" Gefahr
gleichbedeutend mit "grosser" Gefahr oder "schwerer" Gefährdung. Wie bei
allen Widerhandlungstatbeständen nach Art. 16a ff. SVG ist die abstrakte
Gefährdung massgebend. Das heisst, die Regelverletzung durch den Fahr-
zeugführer muss typischerweise – nach gewöhnlichem Lauf der Dinge und
allgemeiner Lebenserfahrung – geeignet sein, eine ernstliche bzw. grosse
konkrete Gefahr für die Sicherheit anderer hervorzurufen. Ernstlich ist die
Gefahr dann, wenn in der hypothetisch angenommenen konkreten Gefähr-
dungssituation ein hohes Unfall- und Verletzungsrisiko besteht. Entschei-
dend ist dabei die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung: Ist diese als hoch
einzustufen, liegt ein sehr gefährliches Verhalten und damit eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit Dritter im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG vor
(RÜTSCHE/WEBER, in: Basler Kommentar, Strassenverkehrsgesetz, 2014
[nachfolgend: BSK SVG], N. 8 zu Art. 16c SVG).

3.2.2.
Aus Art. 35 Abs. 1 SVG wird das Verbot des Rechtsüberholens abgeleitet.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung handelt es sich dabei um

- 8 -

eine für die Verkehrssicherheit objektiv wichtige Vorschrift, deren Missach-
tung eine erhebliche Gefährdung der Verkehrssicherheit mit beträchtlicher
Unfallgefahr nach sich zieht und daher objektiv schwer wiegt. Wer auf der
Autobahn fährt, muss sich darauf verlassen können, dass er nicht plötzlich
rechts überholt wird. Das Rechtsüberholen auf der Autobahn, wo hohe Ge-
schwindigkeiten gefahren werden, stellt dabei eine erhöht abstrakte Ge-
fährdung dar. Begründet wird dies mit der Gefahr von Fehlreaktionen der
korrekt fahrenden Lenker, die durch die von rechts nahenden Fahrzeuge
hervorgerufen werden können, wie beispielsweise brüskes Bremsen, wenn
sie überraschend rechts überholt werden oder unvermitteltes Ausweichen,
wenn sie selber gerade dazu ansetzen wollten, auf die rechte Spur zu
wechseln (BGE 142 IV 93, Erw. 3.2 mit Hinweisen; 126 IV 192, Erw. 3).
Ausnahmen vom Verbot des Rechtsüberholens auf Autobahnen sind in
Art. 36 Abs. 5 VRV enthalten, jedoch lediglich in der Weise, dass bloss das
Rechtsvorbeifahren an anderen Fahrzeugen gestattet ist. Das Rechtsüber-
holen durch Ausschwenken und Wiedereinbiegen ist gemäss Art. 36 Abs. 5
Satz 1 VRV ausdrücklich untersagt. Nicht blosses Vorbeifahren, sondern
ein Überholen durch Ausschwenken nach rechts und Wiedereinbiegen
nach links liegt jedenfalls dann vor, wenn das Ausschwenken, das Vorbei-
fahren an einem oder bloss wenigen Fahrzeugen und das anschliessende
Wiedereinbiegen in einem Zuge erfolgten (vgl. BGE 126 IV 192, Erw. 2a).

Auch nach neuerer Rechtsprechung stellt das Rechtsüberholen auf der Au-
tobahn eine erhöhte abstrakte Gefährdung dar. Präzisiert hat das Bundes-
gericht hingegen seine Definition von Kolonnenverkehr. Dazu führt es aus,
das (passive) Rechtsvorbeifahren bei dichtem Verkehr sei mittlerweile eine
alltägliche Situation, die sich kaum vermeiden lasse und nicht per se zu
einer abstrakt erhöhten Gefahrensituation führe. Im Gegensatz zum eigent-
lichen Rechtsüberholen tauche das rechts auf der Normalspur fahrende
Auto nicht plötzlich und unvermittelt (mit hoher Geschwindigkeit) auf, son-
dern bewege sich mit konstanter Geschwindigkeit fort (BGE 142 IV 93,
Erw. 4.2.2).

3.3.
3.3.1.
Die Vorinstanz geht davon aus, dass der Beschwerdeführer am 23. Juni
2020 infolge Rechtsüberholens auf der Autobahn durch Ausschwenken
und Wiedereinbiegen eine schwere Widerhandlung gemäss Art. 16c SVG
begangen hat. Die Einstufung als schwere Widerhandlung begründet die
Vorinstanz im Wesentlichen damit, dass das Überholmanöver des Be-
schwerdeführers aus einem klaren Ausschwenken und Wiedereinbiegen
bei flüssigem Verkehr bestanden habe, womit es sich nicht um einen Fall
von passivem Rechtsüberholen in dichtem Kolonnenverkehr handle. Statt-
dessen sei der Beschwerdeführer mit hoher Geschwindigkeit (ca. 80 km/h)
gefahren, habe das zivile Polizeifahrzeug auf der rechten Fahrbahn über-

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holt und kurz darauf die Geschwindigkeit sukzessiv erhöht, um das Fahr-
zeug zu überholen. Danach sei er auf einen langsamer fahrenden Ver-
kehrsteilnehmer aufgefahren, sodass er anschliessend wieder auf den
Überholstreifen gewechselt habe. Entgegen der Ansicht des Beschwerde-
führers sei nicht relevant, dass das Überholmanöver bei guten Sichtverhält-
nissen, flüssigem Verkehr und trockenem Boden stattgefunden habe, da
mögliche Fehlreaktionen anderer Verkehrsteilnehmer auf das unerwartete
Überholmanöver des Beschwerdeführers weniger von den äusseren Be-
dingungen, sondern vielmehr von den individuellen Reaktionen der übrigen
Verkehrsteilnehmer auf ein Überholmanöver, mit dem sie eigentlich nicht
hätten rechnen müssen, abhänge. Weiter sei – entgegen dem Einwand des
Beschwerdeführers – für die Annahme einer schweren Widerhandlung
keine konkrete Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer erforderlich. Laut
bundesgerichtlicher Rechtsprechung genüge eine erhöht abstrakte Gefähr-
dung, wie sie beim Rechtsüberholen auf der Autobahn aufgrund der hohen
Geschwindigkeiten regelmässig zu bejahen sei. Die zweite Verfehlung des
Rechtsüberholens, die nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung be-
reits für sich alleine eine schwere Widerhandlung darstelle, sei somit mass-
nahmeverschärfend zu gewichten (angefochtener Entscheid, Erw. III/3c).

3.3.2.
Zwar bestreitet der Beschwerdeführer nicht explizit das Vorliegen einer
schweren Widerhandlung i.S.v. Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG, er bringt jedoch
vor, dass die Verfehlung aufgrund des Rechtsüberholens insgesamt nur
gering wiege. Dafür stellt sich der Beschwerdeführer im Wesentlichen auf
den Standpunkt, dass zum Zeitpunkt des besagten Vorfalls sehr gute
äussere Witterungsbedingungen geherrscht hätten und sich das Ereignis
tagsüber ereignet habe. Folglich müsse davon ausgegangen werden, dass
es sich nicht um einen Fall des Rechtsüberholens mit einer konkreten Ge-
fährdung der übrigen Verkehrsteilnehmer gehandelt habe. Die Gefährdung
der übrigen Verkehrsteilnehmer sei naturgemäss um einiges geringer,
wenn ein Motorfahrrad ein solches Überholmanöver vornehme, da die
Schädigungsgefahr eines Motorfahrrades erheblich geringer als diejenige
eines Personen- oder gar Lastwagens sei. Ebenfalls nicht zu hören sei der
Vorwand der Vorinstanz, wonach die möglichen Fehlreaktionen anderer
Verkehrsteilnehmer weniger von den äusseren Bedingungen als vielmehr
von den individuellen Reaktionen der übrigen Verkehrsteilnehmer abhän-
ge, da die äusseren Bedingungen grossen Einfluss auf mögliche Fehlreak-
tionen hätten. So wäre bei schlechten Sicht- und Witterungsbedingungen
viel eher eine Fehlreaktion und damit eine konkrete Gefährdung der ande-
ren Verkehrsteilnehmer denkbar, als es bei guten Sicht- und Witterungsbe-
dingungen der Fall sei (Verwaltungsgerichtsbeschwerde, N. 5 ff.).

- 10 -

3.4.
Die Vorinstanz stützt sich betreffend Verkehrsgefährdung zu Recht auf die
ständige Rechtsprechung des Bundesgerichts, wonach das Rechtsüberho-
len auf der Autobahn eine erhöht abstrakte Gefährdung darstelle. Zudem
hält die Vorinstanz im angefochten Entscheid fest, dass entgegen dem Ein-
wand des Beschwerdeführers für die Annahme einer schweren Widerhand-
lung eine erhöht abstrakte Gefährdung genüge, wie sie gemäss Rechtspre-
chung beim Rechtsüberholen auf der Autobahn aufgrund der hohen Ge-
schwindigkeiten regelmässig zu bejahen sei. Eine konkrete Gefährdung an-
derer Verkehrsteilnehmer sei nicht erforderlich. Diesen Ausführungen ist
zuzustimmen, weshalb der Beschwerdeführer aus dem Vorbringen, es lie-
ge kein Fall des Rechtüberholens mit einer konkreten Gefährdung der üb-
rigen Verkehrsteilnehmer vor, nichts zu seinen Gunsten abzuleiten vermag.
Was den Einwand des Beschwerdeführers betreffend die guten Sicht- und
Witterungsbedingungen betrifft, hat die Vorinstanz in ihrem Entscheid
nachvollziehbar und zutreffend dargelegt, inwiefern diese äusseren Bedin-
gungen beim Rechtsüberholen nicht im Vordergrund stehen, sondern viel-
mehr die möglichen Fehlreaktionen der übrigen Verkehrsteilnehmer auf ein
Überholmanöver, mit welchem sie nicht hätten rechnen müssen (vgl. ange-
fochtener Entscheid, Erw. III/3c). Dementsprechend ergibt sich auch aus
der Rechtsprechung, dass die erhebliche Gefährdung der Verkehrssicher-
heit beim Rechtsüberholen auf die Gefahr von Fehlreaktionen der korrekt
fahrenden Fahrzeuglenker zurückzuführen ist. Dass die Sicht- und Witte-
rungsbedingungen keine entscheidende Rolle bei der Beurteilung der Ge-
fährdung durch Rechtsüberholen einnehmen, wird unter anderem durch
das Urteil des Bundesgerichts 1C_201/2014 vom 20. Februar 2015 ver-
deutlicht, indem das Bundesgericht auf das Vorbringen betreffend Sicht-
und Witterungsbedingungen nicht weiter einging und stattdessen die ge-
fährlichen Reaktionen des überholten Fahrzeuglenkers auf das überra-
schende Überholmanöver hervorhob. Schliesslich ist nicht ersichtlich, in-
wiefern die Gefährdung im vorliegenden Fall als weniger gravierend einge-
stuft werden könnte, indem das Rechtsüberholen von einem Motorrad vor-
genommen wurde. Gefährliche Fehlreaktionen der anderen Fahrzeuglen-
ker auf der Autobahn können genauso gut durch ein rechts überholendes
Motorrad ausgelöst werden. So ist beispielsweise ein brüskes Bremsen des
überholten Fahrzeuglenkers nicht weniger wahrscheinlich, wenn er von ei-
nem verbotenen Überholmanöver eines Motorrads überrascht wird, anstatt
von einem rechts überholenden Personenwagen. Hinzu kommt, dass der
Beschwerdeführer als Motorradfahrer durch das unzulässige Rechtsüber-
holen nicht nur andere Fahrzeuglenker, sondern auch sich selbst gefährdet
hat, indem durch mögliche Fehlreaktionen der übrigen Verkehrsteilnehmer
ein hohes Unfall- und Verletzungsrisiko bestand. Aus den genannten Grün-
den ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz unter Anwendung der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung von einer erhöhten abstrakten Verkehrs-
gefährdung bzw. einer schweren Gefährdung auszugehen.

- 11 -

3.5.
3.5.1.
Der Entzug des Führerausweises im Sinne von Art. 16 ff. SVG setzt zudem
ein Verschulden des Fahrzeugführers voraus. Schuldhaft handelt, wer ei-
nen Tatbestand vorsätzlich oder fahrlässig erfüllt. Vorsätzlich handelt, wer
die Tat mit Wissen und Willen ausführt oder die Verwirklichung der Tat für
möglich hält und in Kauf nimmt. Ist die Tat darauf zurückzuführen, dass der
Täter die Folgen seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit
nicht bedacht oder nicht darauf Rücksicht genommen hat, so begeht er das
Delikt fahrlässig. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter die
Vorsicht nicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen
persönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 2 und 3 des
Schweizerischen Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 [StGB;
SR 311.0]).

Der Tatbestand gemäss Art. 16c SVG setzt in subjektiver Hinsicht ein rück-
sichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein
schweres Verschulden, bei fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahr-
lässigkeit voraus. Grobe Fahrlässigkeit kommt nicht nur dann in Betracht,
wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen
Fahrweise bewusst ist, sondern auch, wenn er die Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht, also unbewusst
fahrlässig handelt. In diesem Fall wird vorausgesetzt, dass das Nichtbe-
denken der Gefährdung anderer auf Rücksichtslosigkeit beruht (Urteil des
Bundesgerichts 1C_453/2018 vom 22. August 2019, Erw. 3.3 mit Hinwei-
sen).

3.5.2.
Wie die Vorinstanz zu Recht erwog, gab der Beschwerdeführer anlässlich
der polizeilichen Einvernahme an, er sei sich bewusst gewesen, dass er
bei dieser Fahrweise (Rechtsüberholen) eine Gefahr geschaffen habe
(vgl. Rapport der Kantonspolizei Aargau vom 23. Juni 2020, S. 2). Damit
hat der Beschwerdeführer eine Gefährdung der Verkehrssicherheit zumin-
dest in Kauf genommen, was er im Übrigen nicht bestreitet. Das Verschul-
den wiegt demnach schwer.

3.6.
Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz die Verletzung der Verkehrsregeln
infolge Rechtsüberholens durch Ausschwenken und Wiedereinbiegen auf
der Autobahn zu Recht als schwere Widerhandlung im Sinne von Art. 16c
Abs. 1 lit. a SVG qualifiziert.

4.
4.1.
Weiter ist im vorliegenden Beschwerdeverfahren insbesondere die Ent-
zugsdauer umstritten. Während die Vorinstanz die Entzugsdauer von vier

- 12 -

Monaten als angemessen und sachlich gerechtfertigt erachtet, vertritt der
Beschwerdeführer die Auffassung, es sei eine Entzugsdauer von drei Mo-
naten angemessen. Nachfolgend ist deshalb die Angemessenheit der ver-
fügten Entzugsdauer zu prüfen.

4.2.
Die Vorinstanz führt im angefochtenen Entscheid aus, dass das Hinterei-
nanderfahren mit ungenügendem Abstand auf einer Distanz von 1'200 Me-
tern mit einer Geschwindigkeit von ca. 95 - 100 km/h und einem Abstand
von 8 - 12 Meter die schwerere der beiden Tathandlungen sei. Das Stras-
senverkehrsamt habe diese Handlung als schwere Widerhandlung im Sin-
ne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG eingestuft, was vom Beschwerdeführer zu
Recht nicht bestritten werde. Aufgrund des zuvor begangenen widerrecht-
lichen Überholmanövers habe das Strassenverkehrsamt die Mindestent-
zugsdauer von drei auf vier Monate erhöht. Entgegen des Einwands des
Beschwerdeführers sei diese zweite Verfehlung (Rechtsüberholen auf der
Autobahn) somit massnahmeverschärfend zu gewichten. Ferner sei ge-
mäss Art. 16 Abs. 3 SVG auch zu berücksichtigen, dass der Beschwerde-
führer bereits einmal eine Widerhandlung gegen die Vorschriften des Stras-
senverkehrsrechts begangen habe (Geschwindigkeitsüberschreitung), für
welche er am 29. September 2016 verwarnt worden sei. Der automobilisti-
sche Leumund des Beschwerdeführers sei somit leicht getrübt, was bei der
Festsetzung der Entzugsdauer ebenfalls zu berücksichtigen sei. Der Ein-
wand des Beschwerdeführers, dass er aufgrund seiner beruflichen Tätig-
keit mehr als der durchschnittliche Fahrer auf seinen Führerausweis ange-
wiesen sei, könne mangels der unzureichend dargelegten beruflichen An-
gewiesenheit nicht massnahmemildernd berücksichtigt werden. In Würdi-
gung sämtlicher Zumessungskriterien und in Anwendung des Asperations-
prinzips erachtet die Vorinstanz eine Erhöhung der dreimonatigen Mindest-
entzugsdauer auf vier Monate als angemessen und sachlich gerechtfertigt.

4.3.
Demgegenüber macht der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde im We-
sentlichen geltend, dass die vorinstanzliche Handhabung des Asperations-
prinzips eine Rechtsverletzung darstelle und die Massnahmeempfindlich-
keit des Beschwerdeführers zwingend Eingang in die Gesamtwürdigung zu
finden habe. Die Verfehlung des Rechtsüberholens wiege insgesamt nur
gering. Zudem müsse zu Gunsten des Beschwerdeführers festgehalten
werden, dass es sich um zwei unmittelbar zeitlich zusammenhängende
Vorfälle und somit um eine Handlungseinheit handle. Folglich rechtfertige
es sich nicht, in analoger Anwendung des Asperationsprinzips von der Min-
destentzugsdauer von drei Monaten abzuweichen und eine Entzugsdauer
von vier Monaten festzusetzen. Auch sei die am 29. September 2016 aus-
gesprochene Verwarnung im vorliegenden Verfahren nicht mehr von Be-
lang und der leicht getrübte automobilistische Leumund des Beschwerde-
führers nicht als massnahmeschärfend zu qualifizieren. Darüber hinaus sei

- 13 -

aufgrund der überdurchschnittlichen Massnahmeempfindlichkeit des Be-
schwerdeführers bei Annahme einer viermonatigen Entzugsdauer eine Re-
duktion der Entzugsdauer um einen Monat vorzunehmen.

5.
5.1.
Bei der Festsetzung der Dauer des Führerausweisentzuges sind gemäss
Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, na-
mentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der au-
tomobilistische Leumund sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motor-
fahrzeug zu führen. Die Mindestentzugsdauer, welche vorliegend drei Mo-
naten entspricht (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG), darf jedoch nicht unterschritten
werden. Die genannten Umstände sind gesamthaft zu würdigen, und die
Entzugsdauer ist im Einzelfall so festzusetzen, dass die mit der Mass-
nahme beabsichtigte erzieherische und präventive Wirkung am besten er-
reicht wird (BGE 128 II 173, Erw. 4b; PHILIPPE WEISSENBERGER, Kommen-
tar Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl. 2015,
N. 28 zu Art. 16 SVG). Den Behörden steht bei der Bemessung der Ent-
zugsdauer ein weiter Ermessensspielraum zu (WEISSENBERGER, a.a.O.,
N. 27 zu Art. 16 SVG; Urteil des Bundesgerichts 1C_320/2018 vom 14. Ja-
nuar 2019, Erw. 3.1).

5.2.
Begeht ein Fahrzeuglenker mehrere Widerhandlungen und verwirklicht auf
diese Weise mehrere Entzugsgründe, so findet für die Bemessung der Ent-
zugsdauer Art. 49 StGB analoge Anwendung (BGE 124 II 39, Erw. 3b [zu
Art. 68 aStGB]; WEISSENBERGER, a.a.O., N. 12 der Vorbemerkungen zu
Art. 16a–c SVG). Gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB verurteilt das Gericht einen
Straftäter, welcher durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzun-
gen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, zu der Strafe der schwersten
Straftat und erhöht sie angemessen (Asperationsprinzip). Der Normzweck
besteht darin, den Täter nach einem einheitlichen, für ihn relativ günstigen
Prinzip der Strafschärfung zu beurteilen (BGE 124 II 39, Erw. 3c). Die Ge-
samtstrafe darf die Summe der Einzelstrafen nicht erreichen (JÜRG-BEAT
ACKERMANN, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 4. Aufl. 2018, N. 118c zu
Art. 49 StGB). Für das nachfolgende Administrativverfahren bedeutet dies,
dass nicht etwa für jede einzelne der begangenen Widerhandlungen eine
Entzugsdauer festzusetzen ist. Vielmehr ist eine "Gesamtwürdigung" vor-
zunehmen und eine Gesamtmassnahme anzuordnen. Bei der Bestimmung
der Gesamtdauer des Ausweisentzugs ist von der schwersten Verfehlung
auszugehen unter Beachtung der Mindestentzugsdauer gemäss Art. 16c
Abs. 2 lit. a SVG. Die weiteren Verkehrsregelverletzungen sind entspre-
chend der objektiven Tatschwere und dem Verschulden obligatorisch sank-
tionserhöhend zu gewichten (BGE 124 II 39, Erw. 3; 116 Ib 151, Erw. 3c;
WEISSENBERGER, a.a.O., N. 12 der Vorbemerkungen zu Art. 16a–c SVG).

- 14 -

5.2.1.
Die Anwendung von Art. 49 StGB setzt voraus, dass echte Konkurrenz vor-
liegt. Eine solche kann entfallen, wenn mehrere Einzelakte zu einer Hand-
lungseinheit zusammengefasst werden (ACKERMANN, a.a.O., N. 21 zu
Art. 49 StGB). Im Sinne einer natürlichen Handlungseinheit können meh-
rere Einzelhandlungen ausnahmsweise als Einheit zusammengefasst wer-
den, wenn sie auf einem einheitlichen Willensakt (einheitliches Ziel, einma-
liger Entschluss) beruhen und wegen des engen räumlichen und zeitlichen
Zusammenhangs bei objektiver Betrachtung noch als ein einheitliches, zu-
sammengehörendes Geschehen erscheinen. Die natürliche Handlungsein-
heit ist jedoch nur mit Zurückhaltung anzunehmen (BGE 133 IV 256,
Erw. 4.5.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_1349/2017 vom 2. Oktober 2018,
Erw. 2.3).

5.2.2.
Wie bereits ausgeführt, bringt der Beschwerdeführer vor, die von der Vor-
instanz vorgenommene Handhabung des Asperationsprinzips stelle eine
Rechtsverletzung dar. Es handle sich um zwei unmittelbar zeitlich zusam-
menhängende Vorfälle (Rechtsüberholen auf der Autobahn, ungenügender
Abstand beim Hintereinanderfahren) und somit um eine Handlungseinheit.
Folglich rechtfertige es sich nicht, in analoger Anwendung des Asperations-
prinzips von der Mindestentzugsdauer von drei Monaten abzuweichen und
eine Entzugsdauer von vier Monaten festzusetzen (vgl. Verwaltungsge-
richtsbeschwerde, N. 4 und 7). Diese Einwände des Beschwerdeführers
verfangen nicht. Zwar wurden die Verkehrsregelverletzungen vom Be-
schwerdeführer während derselben Fahrt unmittelbar nacheinander began-
gen, weshalb ein enger räumlicher und zeitlicher Zusammenhang bejaht
werden kann. Indem die Vorinstanz aber von mehreren Entzugsgründen
ausgeht (vgl. angefochtener Entscheid, Erw. III/3a, 3c und 4), nimmt sie an,
es habe kein einheitlicher Willensakt vorgelegen und daher kein einheitli-
ches Tatgeschehen. Gemäss unbestrittenem Sachverhalt und wie auch auf
der Videoaufzeichnung der Kantonspolizei Aargau zu sehen ist, überholte
der Beschwerdeführer die Polizei mit neutralem Dienstfahrzeug zuerst
rechts und fuhr im Anschluss daran auf dem Überholstreifen mit ungenü-
gendem Abstand hinter einem Personenwagen her. Auf der Videoaufzeich-
nung ist ersichtlich, dass der Beschwerdeführer im Anschluss an das ver-
botene Rechtsüberholen die Möglichkeit hatte mit genügendem Abstand
hinter dem vorausfahrenden Personenwagen herzufahren. Demzufolge
hätte der Beschwerdeführer nach dem Überholmanöver problemlos mit ge-
nügendem Abstand weiterfahren können und entschied sich daher neu,
den Abstand nicht einzuhalten, weshalb kein einheitlicher Willensakt vor-
lag. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist sein Verhalten somit
nicht als natürliche Handlungseinheit zu qualifizieren. Der Beschwerdefüh-
rer verkennt, dass gemäss Rechtsprechung bei einer natürlichen Hand-
lungseinheit die räumliche und zeitliche Nähe der Einzelakte nicht allein
entscheidend ist.

- 15 -

5.3.
Vorliegend kommt die Annahme einer die Anwendung von Art. 49 Abs. 1
StGB ausschliessenden natürlichen Handlungseinheit nicht in Betracht.
Der Beschwerdeführer hat somit mehrere Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften begangen (Rechtsüberholen auf der Auto-
bahn sowie ungenügender Abstand beim Hintereinanderfahren). Sowohl
die Vorinstanz als auch der Beschwerdeführer stufen das Hintereinander-
fahren mit ungenügendem Abstand als die schwerere der beiden Tathand-
lungen ein (angefochtener Entscheid, Erw. III/3b; Verwaltungsgerichtsbe-
schwerde, N. 7). Unbestrittenermassen handelt es sich dabei um eine
schwere Widerhandlung im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG, welche
isoliert betrachtet, zu einer Mindestentzugsdauer des Führerausweises von
drei Monaten führt (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG). Indem der Beschwerdefüh-
rer zusätzlich eine weitere Verkehrsregelverletzung durch Rechtsüberho-
len begangen hat, welche in Übereinstimmung mit der Vorinstanz ebenfalls
als schwere Widerhandlung zu qualifizieren ist (siehe vorne Erw. 3.6),
muss die gesetzliche Mindestentzugsdauer von drei Monaten in Anwen-
dung des Asperationsprinzips zwingend erhöht werden. Der Beschwerde-
führer geht deshalb fehl, wenn er annimmt, dass die beiden Verfehlungen
isoliert betrachtet in analoger Anwendung des Asperationsprinzips nur eine
Entzugsdauer von drei Monaten zur Folge haben dürfen (Verwaltungsge-
richtsbeschwerde, N. 10). Vielmehr rechtfertigt sich bereits aufgrund der
beiden begangenen schweren Widerhandlungen in Anwendung des Aspe-
rationsprinzips – ungeachtet der weiteren Zumessungskriterien – eine Er-
höhung der dreimonatigen Mindestentzugsdauer auf vier Monate. Hierbei
ist zu berücksichtigen, dass die Erhöhung in der Regel monatsweise erfolgt
(vgl. BGE 123 II 572, Erw. 2c).

5.4.
Neben der Anwendung des Asperationsprinzips und der Schwere der be-
gangenen Widerhandlungen begründet die Vorinstanz die Erhöhung der
dreimonatigen Mindestentzugsdauer auf vier Monate mit dem leicht getrüb-
ten automobilistischen Leumunds des Beschwerdeführers (angefochtener
Entscheid, Erw. III/3d und 4). Demgegenüber moniert der Beschwerdefüh-
rer dessen Berücksichtigung, indem er geltend macht, die am 29. Septem-
ber 2016 ausgesprochene Verwarnung habe keinen sachlichen Zusam-
menhang mit den vorliegenden Vorwürfen. Zudem nehme die Verwarnung
keinen Einfluss auf die Kaskadenordnung in Art. 16c Abs. 2 SVG und hätte
auch im Rahmen einer leichten Widerhandlung des Beschwerdeführers
aufgrund der bereits verstrichenen zwei Jahre keinen Führerausweisent-
zug zur Folge gehabt (Art. 16a Abs. 3 SVG). Folglich sei die damals aus-
gesprochene Verwarnung im vorliegenden Verfahren nicht mehr von Be-
lang (Verwaltungsgerichtsbeschwerde, N. 8).

- 16 -

5.4.1.
Der Leumund als Motorfahrzeugführer stellt ein weiteres Bemessungskri-
terium im Rahmen der Gesamtwürdigung von Art. 16 Abs. 3 SVG dar. Ein
getrübter automobilistischer Leumund führt zu einer längeren Entzugs-
dauer, soweit er nicht bereits Grund für die Bestimmung der Mindestent-
zugsdauer war. Administrativmassnahmen, die nicht wegen Verletzung von
Strassenverkehrsvorschriften angeordnet worden sind, fallen ausser Be-
tracht. Zu den Administrativmassnahmen, die im Sinne von Art. 16 Abs. 3
SVG massnahmeverschärfend wirken, zählen u.a. auch Verwarnungen
(BERNHARD RÜTSCHE, in: BSK SVG, N. 122 f. zu Art. 16 SVG). Ein unge-
trübter automobilistischer Leumund ist lediglich Ausgangspunkt für die
"normale" Entzugsdauer (BGE 122 II 21, Erw. 1b). Das Gesetz sieht für die
Berücksichtigung bisheriger Administrativmassnahmen für die Bemessung
der Entzugsdauer keine zeitliche Begrenzung vor (RÜTSCHE, a.a.O., N. 126
zu Art. 16 SVG).

5.4.2.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist sein automobilistischer
Leumund im Rahmen der vorliegenden Beurteilung zu berücksichtigen. Ins-
besondere zählen auch Verwarnungen zu den Administrativmassnahmen,
welche nach Art. 16 Abs. 3 SVG massnahmeverschärfend wirken. Vorlie-
gend ist der automobilistische Leumund des Beschwerdeführers durch eine
Verwarnung wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung belastet. Für die
Berücksichtigung dieser Verwarnung ist entgegen der Auffassung des Be-
schwerdeführers nicht der sachliche Zusammenhang zu den aktuellen Ver-
kehrsregelverletzungen entscheidend, sondern, dass er mit der damaligen
Geschwindigkeitsüberschreitung ebenfalls eine Verletzung der Strassen-
verkehrsvorschriften begangen hat. Zudem hilft der Hinweis auf die Kaska-
denordnung in Art. 16c Abs. 2 SVG dem Beschwerdeführer nicht. Auch
wenn die Verwarnung vorliegend keinen Einfluss auf die Bestimmung der
Mindestentzugsdauer hat, ist sie unter dem Aspekt des automobilistischen
Leumunds zweifellos zu berücksichtigen. Folglich ist nicht zu beanstanden,
dass die Vorinstanz den leicht getrübten Leumund des Beschwerdeführers
bei der Festsetzung der Entzugsdauer berücksichtigt hat. Im Übrigen ist
darauf hinzuweisen, dass auch ohne Berücksichtigung des automobilisti-
schen Leumunds des Beschwerdeführers eine Erhöhung der dreimonati-
gen Mindestentzugsdauer um einen Monat aufgrund des Asperationsprin-
zips zwingend ist. Die Erhöhung der Mindestentzugsdauer um lediglich ei-
nen Monat ist unter Berücksichtigung der Gesamtumstände als mild zu be-
urteilen. Aufgrund des Verbots der reformatio in peius (§ 48 VRPG) erübrigt
sich jedoch die Prüfung, ob eine höhere Entzugsdauer angemessen ist.

5.5.
Schliesslich ist bei der Bemessung der Entzugsdauer die berufliche Ange-
wiesenheit des Betroffenen auf ein Motorfahrzeug zu berücksichtigen

- 17 -

(BGE 128 II 285). Damit wird die Massnahmeempfindlichkeit angespro-
chen. Ist eine Person beruflich auf das Führen eines Motorfahrzeuges an-
gewiesen, trifft sie ein Ausweisentzug stärker als eine Person, die das Fahr-
zeug nur gelegentlich benötigt. Berufsmässig auf ein Motorfahrzeug ange-
wiesene Fahrzeugführer werden daher in der Regel schon durch eine kür-
zere Entzugsdauer wirksam gewarnt und von weiteren Widerhandlungen
abgehalten (RÜTSCHE, a.a.O., N. 127 zu Art. 16 SVG; BGE 105 Ib 255,
Erw. 2b). Die blosse Angewiesenheit auf ein Fahrzeug zu Berufszwecken
genügt dabei nicht, um eine Notwendigkeit im Sinne von Art. 16 Abs. 3
SVG darzutun. Voraussetzung hierfür ist vielmehr, dass der Fahrzeugfüh-
rer in einem überdurchschnittlichen Masse der Benützung eines Fahrzeugs
bedarf. Dies ist immer dann anzunehmen, wenn im Gegensatz zu Lenkern,
die ihr Fahrzeug für den Arbeitsweg und gelegentlich auch während der
Arbeitszeit benützen, eine erhöhte Entzugsempfindlichkeit besteht. Eine
ausgeprägte Angewiesenheit liegt vor, wenn die Berufsausübung durch
den Ausweisentzug verunmöglicht (z.B. bei einem Taxichauffeur) oder zu-
mindest in unzumutbarer Weise erschwert (z.B. bei erheblichen Erwerbs-
einbussen) wird. Je grösser die berufliche Notwendigkeit im konkreten Ein-
zelfall ist, desto eher ist sie geeignet, eine Reduktion der Entzugsdauer zu
bewirken (Aargauische Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE]
1997, S. 198 mit Hinweisen).

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei der Prüfung der Mass-
nahmeempfindlichkeit dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit Rechnung
zu tragen. So "gibt es nicht bloss Fahrzeuglenker, die beruflich entweder
überhaupt nicht oder dann wie Berufsfahrer auf den Ausweis angewiesen
sind; vielmehr ist der Übergang fliessend, d.h. es gibt auch Betroffene, bei
denen eine leicht oder mittelgradig erhöhte Massnahmeempfindlichkeit ge-
geben ist" (BGE 123 II 572, Erw. 2c). Deshalb ist zu berücksichtigen, in
welchem Mass der betroffene Fahrzeugführer infolge beruflicher Angewie-
senheit auf ein Motorfahrzeug stärker als andere Fahrer vom Entzug des
Führerausweises betroffen ist (RÜTSCHE, a.a.O., N. 128 zu Art. 16 SVG).

5.5.1.
Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, der Beschwerdeführer
gebe zwar an, dass er aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit mehr als der
durchschnittliche Fahrer auf seinen Führerausweis angewiesen sei, führe
jedoch nicht weiter aus, inwiefern dies der Fall sei. Auch habe er bei der
Kurzbefragung durch die Polizei verweigert, Angaben zu seiner beruflichen
Tätigkeit zu machen. Der Einwand könne daher nicht massnahmemildernd
berücksichtigt werden (angefochtener Entscheid, Erw. III/3e).

5.5.2.
Wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren macht der Beschwerdeführer vor
Verwaltungsgericht geltend, dass er als Angestellter seinen Führerausweis

- 18 -

zwingend beruflich benötige, weshalb von einer erhöhten Massnahmeemp-
findlichkeit auszugehen sei. Daher sei, selbst bei einer nicht zu erwarten-
den Ahndung der zwei Fälle mit einem Ausweisentzug von vier Monaten,
die Entzugsdauer aufgrund der überdurchschnittlichen Massnahmeemp-
findlichkeit des Beschwerdeführers auf drei Monate zu reduzieren (Verwal-
tungsgerichtsbeschwerde, N. 9).

5.5.3.
Der Beschwerdeführer legt auch vor Verwaltungsgericht in keiner Weise
dar, inwiefern er beruflich den Führerausweis zwingend benötigt. Damit
bringt er nicht substantiiert vor, weshalb er im Sinne der dargelegten Recht-
sprechung aus beruflichen Gründen in besonderer Weise darauf angewie-
sen ist, ein Motorfahrzeug zu führen. Der Beschwerdeführer belässt es so-
mit lediglich bei der Behauptung, dass er den Führerausweis für seinen
Beruf zwingend benötigt und daher von einer erhöhten Massnahmeemp-
findlichkeit auszugehen sei. Selbst bei Verfahren, bei denen die Untersu-
chungsmaxime gilt, obliegt dem Beschwerdeführer eine Mitwirkungspflicht,
namentlich für Tatsachen, welche er besser kennt. In diesem Sinne entbin-
det die Untersuchungsmaxime den Beschwerdeführer nicht von der Sub-
stantiierungslast. Der Beschwerdeführer hätte im vorliegenden Beschwer-
deverfahren tatbestands- und beweismässig darlegen müssen, weshalb
die berufliche Angewiesenheit und die damit einhergehende Massnahme-
empfindlichkeit gegeben ist (vgl. MICHAEL MERKER, Rechtsmittel, Klage und
Normenkontrollverfahren nach dem aargauischen Gesetz über die Verwal-
tungsrechtspflege vom 9. Juli 1968 [aVRPG], 1998, N. 165 zu § 38
aVRPG).

Die Würdigung der Vorinstanz, wonach der Einwand des Beschwerdefüh-
rers in Bezug auf seine überdurchschnittliche berufliche Angewiesenheit
nicht massnahmemildernd berücksichtigt werden kann, ist daher nicht zu
beanstanden. Zudem hätte der Beschwerdeführer im verwaltungsgerichtli-
chen Verfahren erneut Gelegenheit gehabt, darzulegen und zu beweisen,
inwiefern er beruflich zwingend auf seinen Führerausweis angewiesen ist.
Indem er dies unterlässt, ist er seiner Mitwirkungspflicht gemäss § 23
VRPG nicht nachgekommen, weshalb darauf nicht weiter eingegangen
wird. Überdies hat die Vorinstanz richtig festgehalten, dass dem Beschwer-
deführer die Möglichkeit gegeben wurde, durch den Nachweis eines erfolg-
reich besuchten bfu-Kurses die Entzugsdauer um einen Monat auf das ge-
setzliche Minimum zu reduzieren, wodurch er die Auswirkungen des Ent-
zugs auf seinen beruflichen Alltag hätte minimieren können (angefochtener
Entscheid, Erw. III/3e; Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 14. Ja-
nuar 2021, S. 2).

- 19 -

6.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im Rahmen einer Gesamtwürdi-
gung unter Berücksichtigung der zwei schwerwiegenden Verkehrsgefähr-
dungen und des jeweils schweren Verschuldens, des Asperationspinzips
sowie des leicht getrübten automobilistischen Leumunds die Erhöhung der
gesetzlichen Mindestentzugsdauer von drei Monaten auf eine Gesamtent-
zugsdauer von vier Monaten am untersten Rahmen der gesetzlichen Vor-
gabe und damit als sachlich gerechtfertigt und angemessen erscheint. Die
Beschwerde ist demnach vollumfänglich abzuweisen.

III.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die verwal-
tungsgerichtlichen Verfahrenskosten zu tragen (§ 31 Abs. 2 VRPG). Eine
Parteientschädigung ist nicht auszurichten (§ 32 Abs. 2 VRPG).

Das Verwaltungsgericht erkennt:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Strassenverkehrsamt wird angewiesen, den Beginn der Entzugsdauer
nach Rechtskraft des vorliegenden Urteils neu festzusetzen.

3.
Die verwaltungsgerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer
Staatsgebühr von Fr. 1'200.00 sowie der Kanzleigebühr und den Auslagen
von Fr. 368.00, gesamthaft Fr. 1'568.00, sind vom Beschwerdeführer zu
bezahlen.

4.
Es werden keine Parteikosten ersetzt.

Zustellung an:
den Beschwerdeführer (Vertreter)
das Departement Volkswirtschaft und Inneres
das Strassenverkehrsamt (Akten nach Rechtskraft)
das Bundesamt für Strassen (ASTRA)

- 20 -

Mitteilung an:
den Regierungsrat des Kantons Aargau

Strafakten (nach Rechtskraft) an:
die Staatsanwaltschaft Baden

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht,
kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie interkantonalem Recht
innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in öffentlich-rechtli-
chen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, angefochten werden. Die Frist steht still vom 7. Tag vor
bis und mit 7. Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August und
vom 18. Dezember bis und mit 2. Januar. Die unterzeichnete Beschwerde
muss das Begehren, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie in gedrängter
Form die Begründung, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt, mit
Angabe der Beweismittel enthalten. Der angefochtene Entscheid und als
Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (Art. 82 ff. des Bun-
desgesetzes über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG;
SR 173.110] vom 17. Juni 2005).

Aarau, 14. Februar 2022

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau
1. Kammer
Vorsitz: Gerichtsschreiberin:

Bauhofer Bühler