# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1eb3e0c-c161-5f5c-a961-fc424b6faf14
**Source:** Basel-Stadt (BS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-09-27
**Language:** de
**Title:** Basel-Stadt Sozialversicherungsgericht 27.09.2017 IV.2017.87 (SVG.2017.282)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BS_Omni/BS_SVG_001_IV-2017-87_2017-09-27.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht

  
  des Kantons Basel-Stadt

  

   

  

 

 

URTEIL

 

vom 27.
September 2017

 

 

Mitwirkende

 

Dr. G. Thomi (Vorsitz), lic. iur. M.
Prack Hoenen , Dr. med. W. Rühl     

und Gerichtsschreiber
lic. iur. H. Dikenmann 

 

 

 

 

Parteien

 

A____

 

vertreten durch B____ 

                                                                                                Beschwerdeführerin

 

 

 

IV-Stelle Basel-Stadt

Rechtsdienst, Lange Gasse 7,
Postfach, 4002 Basel   

                                                                                             Beschwerdegegnerin

 

 

Gegenstand

 

IV.2017.87

Verfügung vom 24. März 2017

Beweistauglichkeit des
medizinischen Gutachtens

 

Tatsachen

I.       
 

a)        Die Beschwerdeführerin hatte am 18. Juni 2015 einen
Unfall erlitten. Sie hatte das Unfallereignis beim zuständigen
Unfallversicherer, der C____ Versicherungen AG, gemeldet. Gemäss Unfallmeldung
UVG vom 26. Juni 2016 (IV-Akte 3 S. 57) war die Beschwerdeführerin beim
Überqueren der Strasse von einem Velo angefahren worden und dabei gestürzt. Sie
erlitt Verletzungen an der Schulter (Schulterluxation, Verletzung des
Schlüsselbeins, Verletzung der Nerven im Schulterbereich). Im Auftrag der C____
Versicherungen AG erstattete Dr. D____, FMH Neurologie, Zertifizierter
medizinischer Gutachter, [...], am 3. August 2016 eine neurologische Kurzbeurteilung
(IV-Akte 20 S. 2 ff.).

Die C____ Versicherungen AG hat zunächst mit Schreiben vom 11.
August 2016 (IV-Akte 19) mit Hinweis auf die Beurteilung von Dr. D____ die
Einstellung der Leistungen per Ende Oktober 2016 angekündigt. Mit Schreiben vom
16. Dezember 2016 (IV-Akte 35 S. 3) kündigte die C____ Versicherungen AG dann
jedoch die Prüfung des Leistungsanspruchs ab 1. November 2016 an. Im Schreiben
vom 6. Februar 2017 (IV-Akte 39) hielt die C____ Versicherungen AG sinngemäss
an der mit Schreiben vom 11. August 2016 angekündigten Leistungseinstellung
fest. Mit Schreiben vom 6. April 2017 (Beschwerdebeilage 4) hielt die C____ Versicherungen
AG fest, sie habe erfahren, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der
Unfallfolgen in die Rehaklinik E____ eintreten werde; die entsprechende
Kostengutsprache werde erteilt. Ferner kündigte die C____ Versicherungen AG an,
sie werde aufgrund „des geplanten Eintrittes“ in die Rehaklinik die Taggeldleistungen
ab 1. November 2016 „nahtlos“ rückwirkend erbringen. Jedoch behalte nach
Austritt aus der Rehabilitationsbehandlung die „bisherige Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit Gültigkeit“. Die Rehaklinik E____ hat den Eintrittstermin
gemäss Schreiben vom 4. April 2017 (Beschwerdebeilage 3) auf den 20. April 2017
angesetzt. Die Beschwerdeführerin hielt sich in der Folge vom 20. April bis 18.
Mai 2017 in der Rehaklinik E____ auf (vgl. Austrittsbericht vom 18. Mai 2017,
IV-Akte 58).

b)        Die Beschwerdeführerin hat sich am 18. November 2015
(IV-Akte 2) auch zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen
Invalidenversicherung (IV) angemeldet. In der Rubrik betreffend gesundheitliche
Beeinträchtigung gab sie an, es bestünden infolge des erwähnten Unfalles seit
18. Juni 2015 Beschwerden an der linken Schulter bzw. ein motorischer und
sensibler Ausfall der Armnerven.

Die Beschwerdegegnerin zog Akten der C____ Versicherungen AG bei
(vgl. vorstehende Aktenstellen in den IV-Akten). Der regionale ärztliche Dienst
(RAD; sig. Dr. F____, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, Zertifizierter
medizinischer Gutachter SIM) äusserte sich mit Bezugnahme auf die neurologische
Kurzbeurteilung von Dr. D____ am 17. November 2016 (IV-Akte 31 S. 3). Mit
Vorbescheid vom 6. Dezember 2016 (IV-Akte 34) kündigte die Beschwerdegegnerin
die Zusprache einer befristeten ganzen Invalidenrente ab 1. Juni 2016 bis 31.
Oktober 2016 an. Dagegen erhob die Beschwerdeführerin am 22. Dezember 2016
Einwand (IV-Akte 36). Am 24. März 2017 erliess die Beschwerdegegnerin die dem
Vorbescheid entsprechende Verfügung (IV-Akte 45). 

II.       

1)        Mit Beschwerde vom 9. Mai 2017 beantragt die
Versicherte, es sei die Verfügung vom 24. März 2017 aufzuheben und die
Angelegenheit an die Vorinstanz zur Abklärung des medizinischen Sachverhalts
zurückzuweisen. Eventualiter sei der Beschwerdeführerin eine ganze Rente
mindestens bis Ende November 2016 auszurichten.

In prozessualer Hinsicht wird in der Beschwerde um Kostenerlass
ersucht. Dieses Gesuch wird jedoch mit Eingabe vom 1. Juni 2017 wieder
zurückgezogen.

2)        Mit Beschwerdeantwort vom 14. Juni 2017 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde.

3)        Mit Replik vom 11. August 2017 hält die Versicherte an
der Beschwerde fest.

III.      

Die Urteilsberatung der Kammer des Sozialversicherungsgerichts
Basel-Stadt findet am 27. September 2017 statt.

Entscheidungsgründe

1.              
 

Das Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt ist als einzige
kantonale Instanz zum Entscheid über die vorliegende Streitigkeit zuständig (§
82 Abs. 1 des basel-städtischen Gesetzes vom 3. Juni 2015 betreffend die
Organisation der Gerichte und der Staatsanwaltschaft
[Gerichtsorganisationsgesetz], GOG; SG 154.100). Die örtliche Zuständigkeit
ergibt sich aus Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20). Die Beschwerde wurde rechtzeitig
erhoben (Art. 60 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) und auch die übrigen
formellen Beschwerdevoraussetzungen sind erfüllt. Infolgedessen ist auf die Beschwerde
einzutreten.

2.              
 

Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin mit Verfügung
vom 24. März 2017 (IV-Akte 45) eine befristete ganze Invalidenrente ab 1. Juni
2016 bis 31. Oktober 2016 zugesprochen. Zur Begründung hatte sie dargelegt, es
sei der Beschwerdeführerin zwar „um Juni 2016“ die Ausführung einer (sprich:
jeder) Tätigkeit nicht zumutbar. Spätestens seit August 2016 gelte jedoch eine
höhere Arbeitsfähigkeit. Aus spezialärztlicher Sicht sei ab diesem Zeitpunkt
eine leichte, „leidensbedingte“ (wohl ist gemeint: dem Leiden angepasste)
Tätigkeit mit nur geringer Belastung des linken Armes (mit gewissen weiteren
Vorgaben, vgl. Verfügung, IV-Akte 45 S. 5) ganztags zumutbar gewesen. 

Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Terminierung der
Invalidenrente beruhe auf einem nicht genügend abgeklärten medizinischen
Sachverhalt (Beschwerde S. 9 ff.). Es habe im August 2016 eine höhere Arbeitsunfähigkeit
bestanden, als die Beschwerdegegnerin ihrer Verfügung zu Grunde lege (vgl.
Beschwerde S. 10 Rz 28). Die Beschwerdeführerin beantragt darum im
Hauptstandpunkt, es sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. 

Ob die Beschwerdegegnerin der ihr obliegenden Pflicht zur
Abklärung des medizinischen Sachverhalts in genügender Weise nachgekommen ist,
ist nachfolgend zu prüfen.

3.              
 

3.1.          
Im Vordergrund stehen vorliegend die Folgen einer
Schulterverletzung, welche die Beschwerdeführerin sich am 18. Juni 2015
zugezogen hatte. Die Vorgehensweise zur medizinischen Sachverhaltsabklärung ist
vorliegend dadurch gekennzeichnet, dass die Beschwerdegegnerin einerseits
zahlreiche Berichte behandelnder Ärzte zu den Akten (z.T. in den eingeholten
Akten des Unfallversicherers enthalten) genommen, jedoch von sich aus keine
neutralen gutachterlichen Abklärungen veranlasst hat. Sie hat sich darauf beschränkt,
ihren Rentenentscheid auf vom involvierten Unfallversicherer eingeholte bzw.
veranlasste Unterlagen zu stützen.

Eine solche Vorgehensweise ist nicht von vorherein unzulässig.
Jedoch sind hohe Anforderungen an die Beweistauglichkeit solcher in Fremdakten
enthaltenen Arztberichte und Gutachten zu stellen.

Das G____spital Basel, Orthopädie und Traumatologie, hatte mit
Austrittsbericht vom 25. Juni 2015 (IV-Akte 3 S. 35 f.) zum stationären Aufenthalt
ab 18. Juni bis 27. Juni 2015 folgende Diagnosen gestellt:

(1) vordere Schulterluxation mit Tuberculum majus Abriss
links vom 18. Juni 2015 (mit mehrfragmentärer Fraktur des Tuberculum majus mit
begleitendem Hämarthros bei St. n. Schulterluxation, Partialruptur der
Subscapularissehne am Oberrand und gering disloziertem anteriorem Labrumriss); 

(2) obere Plexopathie mit Verdacht auf Abriss des oberen
Faszikels links und Dehnung / Ausriss der Radix C7 links; 

(3) HWK-4 Avulsionsfraktur im Facettenbereich am 18. Juni 2015;

(4) SHT (Schädel-Hirn-Trauma) Grad I sowie  

(5) Rippenkontusion links am 18. Juni 2015 (gemäss
Röntgenaufnahme des Thorax am 19. Juni ohne dislozierte Fraktur).

Das G____spital Basel attestierte eine volle Arbeitsunfähigkeit
ab 18. Juni 2015 bis 23. Juli 2015 (IV-Akte 3 S. 36). Im Unfallschein
attestierte das G____spital Basel durchgehend eine volle Arbeitsunfähigkeit bis
31. März 2016 (vgl. IV-Akte 14 S. 4). Im Bericht vom 21. März 2016 (IV-Akte 14
S. 2 f.) diagnostizierte das G____spital Basel einen Status nach vorderer
Schulterluxation mit Tuberculum majus-Abriss am 18. Juni 2015 mit Läsion des
Truncus superior bei Ausfall C5 – Th1 mit initial motorisch und sensiblem
Ausfall sämtlicher Armnerven. Die Beschwerdeführerin stelle sich nun zur
erneuten klinischen Kontrolle nach durchgeführtem neurologischem wie
handchirurgisch/plastischem Konsil vor. Traumatologischerseits sei die
Tuberculum majus-Fraktur gut verheilt. Der Humeruskopf stehe radiologisch nach
wie vor idem in Subluxationsstellung. Handchirurgisch/plastischerseits sei
mittlerweile bei guter Rehabilitation der motorischen Paresen am Unter- und
Oberarm die Indikation zur Plexusrekonstruktion mit Suralisgraft und
Rekonstruktion der Äste zum M. supraspinatus und subscapularis gestellt.

Dem Bericht des G____spitals Basel, Plastische, Rekonstruktive,
Ästhetische und Handchirurgie, vom 8. November 2016 (IV-Akte 32, sig Prof. H____,
Leitender Arzt, Dr. I____, Oberarzt) ist zu entnehmen, dass dieser Eingriff
(Neurolyse des Plexus brachialis) am 28. April 2016 stattgefunden hat. Aktuell
persistierten Schmerzen an der Schulter links und es bestünden Dysästhesien
v.a. im Oberarm. Nun bereits 6 Monate postoperativ habe die Beschwerdeführerin
einen guten Muskelaufbau durchgeführt. Die Kribbelparästhesien seien jedoch
nicht besser geworden. Die Patientin berichte auch über einschiessende
Schmerzen in der Schulter links, welche für sie einen brennenden Charakter
haben würden. Die Schmerzen seien „auch von den Kollegen der
Schulter-Orthopädie als Rotatorenmanschette resp. Einklemmung der Bicepssehne bedingt
taxiert“ worden. Eine operative Versorgung sei „vorsichtig angedacht“ worden.
Die Kribbelparästhesien würden dadurch wahrscheinlich nicht beeinflusst werden.
Die Patientin sei früher als Reinigungskraft tätig gewesen und könne „somit
voraussichtlich nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten“. Die IV wurde „um ein
Fortführen der Begutachtung der Patientin“ gebeten. Von handchirurgischer Seite
her sei die Beschwerdeführerin „aktuell als Reinigungskraft nicht arbeitsfähig
und lediglich als Einhänderin einsetzbar“. Aus der linken Hand fielen ihr „ständig
Gegenstände aus der Hand und eine Kraftübertragung auf den Thorax“ sei nicht
möglich. Nach erfolgtem schulter-orthopädischem Eingriff werde die Situation im
März 2017 erneut beurteilt

Der Hausarzt, Dr. J____, FMH Allgemeine Innere Medizin /
Pneumologie, Basel, hielt im Arztbericht vom 26. Oktober 2016 zur Frage nach
der Zumutbarkeit alternativer Tätigkeiten fest, die Versicherte könne 3 bis 4
Stunden täglich sitzend ohne Armbewegung links arbeiten (IV-Akte 29 S. 4). Für
die Tätigkeit als Reinigungskraft bestehe seit 18. Juni 2015 volle
Arbeitsunfähigkeit (IV-Akte 29 S. 5).

Am 13. Dezember 2016 führte das G____spital Basel, Orthopädie
und Traumatologie (Operationsbericht, IV-Akte 38) einen weiteren Eingriff
durch. Zur Indikation wird festgehalten, es sei bei persistierenden Schmerzen
der Schulter links mit Dysästhesie und oben genannter traumatischer Läsion des
Truncus superior gemeinsam mit der Patientin eine glenohumerale Infiltration
besprochen worden.

3.2.          
Der RAD (Dr. F____) hat in seiner Stellungnahme vom 17. November
2016 (IV-Akte 31 S. 3) übereinstimmend mit den behandelnden Ärzten die
Einschätzung einer Arbeitsunfähigkeit von 100% in der bisherigen Tätigkeit ab
18. Juni 2015 übernommen. 

Bezüglich Arbeitsfähigkeit in Verweisungstätigkeiten ist er
nicht der Einschätzung von Dr. J____ gefolgt, sondern jener von Dr. D____.
Dieser hatte zu Handen des Unfallversicherers am 3. August 2016 eine neurologische
Kurzbeurteilung (IV-Akte 20 S. 2 ff.) verfasst. Er gelangte darin zum Schluss,
für Verweisungstätigkeiten gelte ab Begutachtungsdatum (3. August 2016) eine
volle Arbeitsfähigkeit (Pensum und Leistung 100%). Er formulierte das
Belastungsprofil der Verweistätigkeit dahingehend, möglich seien leichte
körperliche Tätigkeiten, mit nur geringer Belastung des linken Armes, unter
Vermeidung von schwerem Heben und Tragen, ohne dauerhaftes Arbeiten über Kopf
mit dem linken Arm sowie ohne dauerhaftes Arbeiten in Zwangspositionen mit dem
linken Arm (IV-Akte 20 S. 10).

In einem E-Mail vom 2. Mai 2017 zu Handen der Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin (Beschwerdebeilage 6) hat sich Dr. I____ (vgl. Bericht
des G____spitals Basel vom 8. Dezember 2016, IV-Akte 32) dahingehend geäussert,
er stehe zu seiner Stellungnahme „dass ich das Gutachten von Herrn D____ als
ungenügend empfinde“. Eine Operation sei abgesagt worden, weil durch den
orthopädischen Eingriff die seit dem Unfall massiv störenden Kribbelparästhesien
nicht besser geworden seien, diese jedoch die Einschränkung ihrer
Arbeitsfähigkeit zusammen mit dem motorischen Ausfall gut erklärten. Die
Beschwerdeführerin könne ihren linken Arm nicht über 90° anheben, sie habe
ständiges Kribbeln und durch Bewegung ausgelöste Schmerzen. Dr. I____ stuft sie
als „einarmige Arbeitskraft“ ein; die Arbeitsfähigkeit bestehe aktuell
lediglich als Einarmige. Die motorische Regeneration sei erst jetzt langsam
abgeschlossen. Bei Plexusschäden müsse 2 Jahre gewartet werden (bei
Regenerationsfähigkeit von 1 mm/Tag ab 2-4 Wochen nach Unfall), bis die Handmuskulatur
wieder funktionieren könne. Dr. I____ empfiehlt, die Rehabilitation aktuell abzuwarten.

Die Beschwerdegegnerin hat diese Einschätzung von Dr. I____ dem
RAD lite pendente zur Stellungnahme vorgelegt. 

Der RAD (Dr. F____) hält am 29. Mai 2017 (IV-Akte 55 S. 2)
fest, der provisorische Austrittsbericht der Rehaklinik E____ (vom 18. Mai
2017, IV-Akte 54) bestätige die früher bereits bekannten Diagnosen. Das
chronische Schmerzsyndrom am linken Arm (sc.: die Beschwerdeführerin ist Rechtshänderin)
werde neu als neuropathisches Schmerzsyndrom aufgeführt. Das ändere aber nichts
an der zumutbaren Arbeitsfähigkeit, die früher durch Dr. D____ attestiert worden
sei. Diese zumutbare Arbeitsfähigkeit werde aktuell entsprechend auch durch die
Rehaklinik E____ attestiert. Da in der Zwischenzeit weder grössere Eingriffe
stattgefunden hätten, noch neue Diagnosen dazugekommen seien, halte der RAD an
seiner ursprünglichen Stellungnahme fest. Der RAD ist der Auffassung, es bestehe
vorwiegend eine Selbstlimitierung der Versicherten entsprechend der Beurteilung
durch die Rehaklink E____: „Das Ausmass der demonstrierten physischen
Einschränkungen lässt sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der
klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärung sowie den Diagnosen nicht
erklären. Die Beurteilung der Zumutbarkeit stützt sich primär auf medizinisch-theoretische
Überlegungen, unter Berücksichtigung der Beobachtungen bei den Leistungstests
und im Behandlungsprogramm. Eine weitergehende Einschränkung der Belastbarkeit
lässt sich medizinisch-theoretisch nicht begründen." (vgl. auch den Austrittsbericht
der Rehaklinik E____ vom 18. Mai 2017, IV-Akte 58 S. 3).

3.3.          
Die Äusserungen des RAD sind zu würdigen vor dem Hintergrund, dass
die medizinische Situation zur Zeit des Aufenthaltes der Beschwerdeführerin vom
20. April 2017 bis 18. Mai 2017 in der Rehaklinik E____ nicht ohne Weiteres mit
derjenigen als identisch gesetzt werden kann, wie sie sich Dr. D____ im August
2016 präsentiert hatte. Das G____spital Basel, Plastische, Rekonstruktive,
Ästhetische und Handchirurgie, hielt im Bericht vom 8. November 2016 (IV-Akte
32) fest, (immerhin) die Motorik habe sich weiterhin verbessert und
insbesondere zeige sich auch keine Hypotrophie des Musculus supraspinatus mehr.
Auch die Schwellung des Arms sei zurückgegangen. Bezugspunkt für diesen Bericht
bildet die 6 Monate vor der Berichterstattung durchgeführte operative
Plexusneurolyse im April 2016. Damit wird klar, dass im Verlauf seit der
Beurteilung durch Dr. D____ bis zum Bericht des G____spitals Basel vom 8.
November 2016 noch eine Entwicklung zu verzeichnen war, welche keinen Rückschluss
von dem von der Rehaklinik angetroffenen Zustand auf denjenigen zur Zeit der
Untersuchung durch Dr. D____ im August 2016 erlaubt.

Bereits dies lässt es als zweifelhaft erscheinen, ob bereits
für die Zeit ab August 2016 eine Arbeitsfähigkeit in dem von Dr. D____
attestierten Ausmass vorlag. Der RAD hat vor Erlass der angefochtenen Verfügung
vom 24. März 2017 in seiner „abschliessenden“ Stellungnahme vom 17. November
2016 (IV-Akte 31 S. 2) einzig die Einschätzung von Dr. D____ als „für den RAD
nachvollziehbar“ bezeichnet. Weitere Erkenntnisse standen der
Beschwerdegegnerin zur Begründung der Leistungseinstellung mit der Verfügung
vom 24. März 2017 entweder nicht zu Gebote oder wurden jedenfalls nicht
artikuliert. Wie erwähnt, hat der RAD seine Stellungnahme lite pendente noch
mit der Beurteilung der Rehaklinik E____ unterlegt. Da diese erst nach Erlass
der Verfügung datiert, ist für den Zeitpunkt der Verfügung selbst unklar, die
Äusserungen der Rehaklink E____ auch bereits für den Verfügungszeitpunkt Geltung
beanspruchen könnten. Dies ist umso mehr darum zweifelhaft, weil der RAD,
obwohl ihm die entsprechende Äusserung von Dr. I____ vorlag, sich mit dessen Einschätzung
mit keinem Wort befasst hat.

Die Rententerminierung per 31. Oktober 2016 (ausgehend von der
Annahme einer Arbeitsfähigkeit ab August 2016) steht somit in beweismässiger
Hinsicht auf einer nicht genügend abgesicherten Grundlage. Folglich ist die
Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie über die medizinische
Situation ab August 2016 eine neutrale Begutachtung durchführe. Dies hat, da
die von der Beschwerdeführerin und auch von der C____ Versicherungen AG aufgeworfene
Frage des Einbezugs eines Orthopäden auch von der Beschwerdegegnerin intern
immerhin thematisiert worden war (vgl. Anfrage des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin
an den RAD vom 15. Mai 2017, IV-Akte 53), durch ein bidisziplinäres Gutachten
mit Beteiligung sowohl der der Neurologie als auch der Orthopädie zu erfolgen. 

Die Rehaklinik E____ äussert sodann im Bericht vom 8. Mai 2017
(IV-Akte 58 S. 10) zu einem neurologischen Konsilium vom 5. Mai 2017 den
Verdacht auf das Vorliegen einer „Depression (SSRI?)“ (IV-Akte 68 S. 10; das
Kürzel SSRI dürfte stehen für „selective serotonin reuptake inhibitors“). Vor
diesem Hintergrund erscheint es angezeigt, die Begutachtung zusätzlich auf die
psychiatrische Disziplin auszudehnen, dies zur Bewertung eines (bestehenden)
psychischen Leidens oder aber zu dessen Ausschluss.

4.              
 

4.1.          
Zusammenfassend ist die Sache in Aufhebung der Verfügung vom 24.
März 2016, soweit damit die Invalidenrente per 31. Oktober 2016 terminiert
wird, in Gutheissung der Beschwerde zur ergänzenden medizinischen Abklärung im
Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

4.2.          
Die Beschwerdegegnerin hat entsprechend dem Ausgang des Verfahrens
die ordentlichen Kosten mit einer Gebühr von CHF 800.-- sowie eine angemessene
Parteientschädigung an die Beschwerdeführerin zu tragen. Die Bemessung der Parteienentschädigung
orientiert sich an der Faustregel, wonach für einen durchschnittlich komplexen
bzw. aufwändigen Rentenfall eine Parteientschädigung in Höhe von CHF 3‘300.--
(inkl. Auslagen) zuzüglich Mehrwertsteuern zu entrichten ist.

 

 

 

Demgemäss erkennt das
Sozialversicherungsgericht:

://:        In Gutheissung der Beschwerde wird die
Verfügung vom 24. März 2016, soweit damit die Invalidenrente per 31. Oktober
2016 terminiert wird, aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur
ergänzenden medizinischen Abklärung im Sinne der Erwägungen zurückgewiesen .

            Die Beschwerdegegnerin trägt die ordentlichen
Kosten mit einer Gebühr von CHF 800.-- sowie eine Parteientschädigung in Höhe
von CHF 3‘300.-- (inkl. Auslagen) zuzüglich Mehrwertsteuern von CHF 264.-- an
die Beschwerdeführerin.

            

            

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen Entscheid
kann innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim
Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes
vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG]). Die
Beschwerdefrist kann nicht erstreckt werden (Art. 47 Abs. 1 BGG). Die
Beschwerdegründe sind in Art. 95 ff. BGG geregelt.

Die Beschwerdeschrift ist
dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, in dreifacher Ausfertigung
zuzustellen. Die Beschwerdeschrift hat den Anforderungen gemäss Art. 42 BGG zu
genügen; zu beachten ist dabei insbesondere:

a)            Die Beschwerdeschrift
ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit
Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten;

b)            in der Begründung ist in
gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt;

c)             die Urkunden, auf die
sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie
in Händen hat, ebenso der angefochtene Entscheid.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geht an:

–          Beschwerdeführerin

–          Beschwerdegegnerin

–          Bundesamt für Sozialversicherungen

 

Versandt am: