# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fef90d66-fb02-5b53-a956-212fa8f49c86
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-10-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.10.2022 E-5690/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5690-2020_2022-10-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5690/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  O k t o b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Roswitha Petry (Vorsitz), 

Richterin Déborah D'Aveni,  

Richter Lorenz Noli;    

Gerichtsschreiberin Regina Seraina Goll. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…) 

(Beschwerdeführerin), und ihre Kinder 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…),  

D._______, geboren am (…), 

alle Somalia,   

alle vertreten durch lic. iur. Carmen Zoss,  

HEKS Rechtsschutz Bundesasylzentren  

(…),  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 15. Oktober 2020 / N (…). 

 

 

E-5690/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin und ihre Kinder suchten am (…) September 2020 

in der Schweiz um Asyl nach. Anlässlich der Personalienaufnahme (PA) 

vom 17. September 2020, des Dublingesprächs vom 24. September 2020 

sowie der Anhörung vom 6. Oktober 2020 machte sie im Wesentlichen Fol-

gendes geltend: 

Sie und ihre Kinder seien somalische Staatsangehörige, gehörten dem 

Clan E._______, (…) F._______ und (…) G._______ an und seien bis zur 

Ausreise in H._______, Provinz I._______ wohnhaft gewesen. Ihr Ehe-

mann, mit welchem sie drei Kinder habe, sei als Soldat in J._______ stati-

oniert gewesen. Da er unmittelbar nach der Heirat ins Militär eingerückt sei, 

habe sie nie mit ihm zusammengelebt und sei stattdessen bei ihren Eltern 

wohnhaft gewesen. Sie habe keine schulische Ausbildung genossen, 

könne weder lesen noch schreiben und habe in Somalia von der Landwirt-

schaft gelebt. Die Mehrheit ihrer Verwandten seien Mitglieder der Al-

Shabaab. Da ihr Ehemann für die Regierung als Soldat tätig gewesen sei, 

habe ihr Cousin – ebenfalls Mitglied der Al-Shabaab – ein Treffen mit ihm 

vereinbaren wollen. Er habe Männer zu ihrem Ehemann schicken wollen, 

wobei sie das Treffen hätte organisieren sollen. Da sie sich um ihren Ehe-

mann gefürchtet habe, habe sie diesen stattdessen gewarnt, woraufhin er 

verschwunden sei. Da die Al-Shabaab ihn nicht habe finden können, habe 

ihr Cousin sie dafür verantwortlich gemacht und ihr gesagt, sie hätte ihren 

Ehemann nie heiraten dürfen, da dieser "der Feind" sei. Er habe sie zur 

Frau nehmen wollen, habe sie zweimal vergewaltigt und mehrere weitere 

Versuche unternommen. Da sie sich gewehrt habe, habe er ihren Bruder 

verschleppt, ihre Eltern getötet und sie schliesslich inhaftiert. Sie sei sechs 

Monate in einem Gefängnis in K._______ inhaftiert gewesen. Ihre Kinder 

habe ihr Cousin mitgenommen, wobei sie nur manchmal ihren jüngsten 

Sohn habe sehen dürfen. Schliesslich habe ihr Cousin sie vor die Wahl 

gestellt, entweder mit ihm zusammenzuleben oder ein Selbstmordattentat 

auszuüben. Sie habe eingewilligt, mit ihm zu gehen, und sei daraufhin ent-

lassen worden. In der Zeit, in der sie bei ihm gewesen sei, habe er sie 

immer wieder vergewaltigt und geschlagen. Zudem habe er ihre (…) Toch-

ter gegen ihren Willen beschnitten. Nach einiger Zeit habe sie das Ver-

trauen ihres Cousins gewonnen und im Versteckten ihre Flucht planen kön-

nen. Es sei ihr gelungen, Schlaftabletten, die sie von ihm erhalten habe, in 

seinen Tee zu mischen. Mit dem Gold einer älteren Dame, welche sie im 

Gefängnis kennengelernt habe, habe sie ihre Auseise finanzieren können. 

E-5690/2020 

Seite 3 

Dadurch habe sie das Haus in Richtung J._______ verlassen können und 

sei nach Äthiopien gereist, wo sie eineinhalb Monate verbracht habe, bevor 

sie in die Schweiz eingereist sei. 

B.  

Am 14. Oktober 2020 ergriff die zugewiesene Rechtsvertretung die von der 

Vorinstanz gewährte Gelegenheit, zum Entscheidentwurf Stellung zu neh-

men. 

C.  

Mit Verfügung vom 15. Oktober 2020 – gleichentags eröffnet – verneinte 

die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin (und ih-

rer Kinder), lehnte das Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus 

der Schweiz. Da der Vollzug der Wegweisung zurzeit nicht zumutbar sei, 

wurden die Beschwerdeführerin und ihre Kinder vorläufig in der Schweiz 

aufgenommen. 

D.  

Mit Eingabe vom 13. November 2020 erhob die Beschwerdeführerin beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung des SEM 

und beantragt die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die Anerken-

nung als Flüchtling und die Gewährung von Asyl, eventualiter sei die Sache 

zur erneuten Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses. Der Eingabe lagen eine Vollmacht und die Kopie der ange-

fochtenen Verfügung bei 

E.  

Mit Schreiben vom 17. November 2020 bestätigte das Bundesverwaltungs-

gericht den Eingang der Beschwerde. 

F.  

Mit Verfügung vom 20. November 2020 hiess die zuständige Instruktions-

richterin das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut, verzichtete 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und lud das SEM zur Vernehm-

lassung ein. Dieser Einladung kam die Vorinstanz mit Schreiben vom 

16. Dezember 2020 nach, worauf der Beschwerdeführerin Gelegenheit zur 

Replik gegeben wurde. Mit Eingabe vom 19. Januar 2021 replizierte die 

Beschwerdeführerin.  

E-5690/2020 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden (Art. 108 

Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 10 Verordnung über Massnahmen im Asylbereich 

im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-19-Verordnung Asyl, SR 

142.318] und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdeführerin und ihre Kin-

der haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein schutzwürdiges 

Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie sind daher 

zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG und Art. 48 

Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.  

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 5 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Den ablehnenden Entscheidentwurf begründete die Vorinstanz mit der 

fehlenden Glaubhaftigkeit der Vorbringen der Beschwerdeführerin. Die 

Schilderungen zu den Asylvorbringen seien oberflächlich, detailarm und wi-

dersprüchlich ausgefallen. Sie habe zwar im Rahmen des freien Berichts 

eine Fluchtgeschichte mit mehreren Handlungselementen wiedergegeben. 

Auf konkrete Nachfrage hin habe sie aber keines dieser Elemente näher 

substantiieren können. Die Angaben zur Haftzeit – insbesondere zur Ge-

fängniszelle und zur älteren Dame, die sie dort kennengelernt habe – seien 

trotz mehrfachen Nachfragens oberflächlich, stereotyp und ohne jegliche 

Realkennzeichen sowie Erlebnisbezug ausgefallen. Zum Verschwinden ih-

res Bruders habe sie nur wenige Angaben machen können und nicht er-

läutern können, wie er verschleppt worden sei. Auch zum Tod ihrer Eltern 

habe sie nur substanzlose Angaben gemacht, die keinen Erlebnisbezug 

aufweisen würden. Zu ihrem familiären Hintergrund habe sie lediglich aus-

gesagt, sie hätten friedlich in der Heimat gelebt. Es sei ihr erst nicht gut 

gegangen, nachdem ihre Eltern umgebracht worden seien und ihre restli-

che Familie nichts dazu gesagt habe. Diese Aussagen erstaunten, zumal 

sie einen regierungstreuen Soldaten geheiratet habe. Es sei zu erwarten 

gewesen, dass sie mehr zu dieser besonderen familiären Konstellation 

hätte erzählen können. Somit sei auch ihr familiärer Hintergrund zweifel-

haft. Betreffend die Beschneidung ihrer Tochter habe sie sich erheblich wi-

dersprochen, indem sie zunächst angegeben habe, das Ereignis habe 

während der Haft stattgefunden. Während der Haftzeit habe sie ihre Kinder 

– bis auf den jüngsten Sohn – nie gesehen. Später habe sie jedoch erklärt, 

sie sei anwesend gewesen, als ihr Cousin mit einem Mann gekommen sei, 

welcher die Beschneidung durchgeführt habe. Sie habe dabei versucht, 

ihre Tochter zu halten, aber ihr Cousin habe sie geschlagen und ihre Hände 

verbunden. Auf den Widerspruch angesprochen, habe sie bestätigt, dass 

sie bei der Beschneidung dabei gewesen sei, was die abweichende ur-

sprüngliche Angabe nicht erkläre. Zu ihrer eigenen Beschneidung sei nicht 

nachvollziehbar, dass sie ausgesagt habe, sie wisse nicht, ob sie persön-

lich in der Vergangenheit beschnitten worden sei. Es lägen keine konkreten 

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Seite 6 

Anzeichen dafür vor, dass ihr künftig mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 

eine Genitalverstümmelung drohen könnte, weshalb auf eine gynäkologi-

sche Untersuchung verzichtet werden könne, zumal diese nicht geeignet 

sei, etwas an der Einschätzung des SEM zu ändern. Das SEM glaube da-

her nicht, dass sie ihre Heimat aufgrund der geltend gemachten Umstände 

verlassen habe. Zudem würden keine genügenden Hinweise dafür vorlie-

gen, dass sie in der Heimat künftig nicht auf ein familiäres Schutzumfeld 

zählen könne. 

4.2 In der Stellungnahme zum Entscheidentwurf entgegnete die Beschwer-

deführerin, betreffend die eigene Beschneidung habe sie nicht sagen wol-

len, sie wisse nicht, ob sie beschnitten worden sei, sondern sie wisse nicht, 

ob die Al-Shabaab die Beschneidung bei ihr durchgeführt hätten. Dass sie 

beschnitten worden sei, gehe indirekt aus ihrer Aussage hervor. Es sei 

nachvollziehbar, dass sie teilweise Schwierigkeiten gehabt habe, das Er-

lebte in Worte zu fassen und in eine chronologische Reihenfolge zu brin-

gen, zumal sie ein niedriges Bildungsniveau aufweise und stark traumati-

siert sei. In der Anhörung sei es ihr schlecht gegangen und sie sei sichtlich 

überfordert gewesen. Die starke emotionale Belastung durch das im Hei-

matland Erlebte habe sich insbesondere im Rahmen der Anhörung gezeigt, 

indem sie grosse Mühe gehabt habe, über die Gewalterfahrungen und de-

ren Umstände zu sprechen. Als alleinstehende Mutter ohne Schutz eines 

erwachsenen männlichen Verwandten sei sie im Falle einer Rückkehr kon-

kret gefährdet, erneut Opfer geschlechtsspezifischer Verfolgung zu werden 

und somit ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu 

sein. Staatlicher Schutz stehe ihr in Somalia nicht zur Verfügung. Betref-

fend die Abweisung des Antrages um gynäkologische Untersuchung durch 

das SEM entgegnet sie, diese sei notwendig, um die geltend gemachten 

Vorbringen bezüglich der Genitalverstümmelung zu bestätigen. 

4.3 Im Asylentscheid hielt die Vorinstanz an ihrer im Entscheidentwurf dar-

gelegten Begründung fest und führte zur Stellungnahme der Beschwerde-

führerin aus, der Umstand der Beschneidung vermöge nichts am Asylpunkt 

zu ändern. Das SEM könne seine Glaubhaftigkeitsprüfung nicht auf non-

verbale Äusserungen oder Gemütsbewegungen stützen, da die Anhö-

rungssituation per se eine Belastung darstellen könne und nonverbale 

Gesten ihre Vorbringen nicht zu belegen vermöchten. Weiter sei der Be-

schwerdeführerin genügend erklärt worden, was von ihr erwartet worden 

sei. Die oberflächlichen Antworten auf die Nachfragen könnten weder mit 

der Gemütslage noch mit ihrem Bildungsniveau erklärt werden. Schliess-

lich könne vor dem Hintergrund der unglaubhaften Asylvorbringen nicht 

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ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass sie keine Verwandten 

oder Clanmitglieder mehr habe, welche ihr Schutz gewähren würden. 

4.4 In der Beschwerdeschrift bringt die Beschwerdeführerin vor, die gel-

tend gemachten mehrfachen Vergewaltigungen seien durch die Vorinstanz 

nicht rechtsgenüglich abgeklärt und die entsprechenden Angaben in der 

Verfügung nur pauschal erwähnt und gewürdigt worden. Auch seien in der 

Anhörung keine Rückfragen dazu gestellt worden, wodurch sie keine Mög-

lichkeit gehabt habe, substantiierter zu ihrem Asylgrund Stellung zu neh-

men. Ausserdem sei aufgrund des im Heimatland Erlebten und ihrer Situ-

ation als ungebildete, schutzlose und alleinerziehende Mutter davon aus-

zugehen, dass sie stark traumatisiert sei. Es habe ihr entsprechend grosse 

Mühe bereitet, über die gemachten Gewalterfahrungen zu sprechen. Dies 

sei vor allem an diversen nonverbalen Äusserungen sowie an zahlreichen 

Kennzeichen von leichten Formen der Dissoziation im Protokoll erkennbar. 

Die Unfähigkeit über das Geschehene zu sprechen sei besonders für Opfer 

geschlechtsspezifischer Gewalt symptomatisch. Zur Glaubhaftigkeit ihrer 

Vorbringen entgegnet sie, diese würden in Bezug auf sämtliche für das 

Asylverfahren massgebliche Sachverhaltselemente Realkennzeichen auf-

weisen. In diesem Sinne habe sie detailreiche Schilderungen zu ihrer Ver-

haftung wiedergeben können, wie zum Beispiel, dass sie von sieben Män-

nern mitgenommen worden sei und wie die Zelle ausgesehen habe. Auch 

den Haftalltag und insbesondere ihr Verhältnis zur älteren Dame habe sie 

beschreiben können. Sie habe beispielsweise ausgesagt, dass die Dame 

ständig Schmerzen gehabt habe und sie habe die Befragerin betreffend 

den Todeszeitpunkt der Dame korrigiert. Auch die Erzählungen, wonach 

die ältere Dame verdächtigt worden sei, für die Regierung zu arbeiten, da 

sie oft nach J._______ gegangen sei, würden Realkennzeichen aufweisen. 

Da J._______ von der somalischen Regierung beherrscht werde, liesse 

dies keinen anderen Schluss zu, als dass Personen, welche oft nach 

J._______ gingen, in den Augen der Al-Shabaab als oppositionell angese-

hen würden. Auch bezüglich der Flucht würden die Erzählungen einen ho-

hen Detailgrad aufweisen und seien keineswegs stereotyp ausgefallen. Zu 

ihrem familiären Hintergrund habe sie zudem schlüssige und plausible 

Ausführungen gemacht. Die Tatsache, dass sie einen regierungstreuen 

Ehemann habe heiraten können, obwohl sie Familienangehörige in der Al-

Shabaab gehabt habe, sei nicht widersprüchlich, da es sich bei Letzteren 

lediglich um die ferne Verwandtschaft gehandelt habe. Schliesslich habe 

sie Details zum Tod ihrer Familie wiedergeben können, wie zum Beispiel, 

dass die Leichen ihrer Eltern von Hirtennomaden gefunden worden seien 

und dass ihr Bruder verschleppt worden sei, als sie noch bei den Eltern 

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gewohnt habe. Sodann würde der Widerspruch bezüglich der Beschnei-

dung der Tochter bei einer Gesamtabwägung nicht ins Gewicht fallen, zu-

mal sie sich selbst sogleich korrigiert habe. Zudem gebe es weitere Real-

kennzeichen, welche auf die Glaubhaftigkeit der Vorbringen schliessen las-

sen würden. Ihre nonverbalen Äusserungen sowie ihre emotionale Betrof-

fenheit würden schliesslich ihre Aussagen untermauern.  

4.5 In der Vernehmlassung stellt sich die Vorinstanz auf den Standpunkt, 

weitere Fragen betreffend die geltend gemachte Vergewaltigung wären 

nicht zielführend gewesen. Es sei nicht ersichtlich, wie die Beschwerdefüh-

rerin im Detail zur geltend gemachten Vergewaltigung hätte befragt werden 

sollen, wenn diese geltend macht, sie sei bereits bei der Frage nach ihrem 

Cousin überfordert gewesen und auch nicht über den Beschneidungsakt 

ihrer Tochter habe berichten wollen. Die Beschwerdeführerin habe im ge-

schützten Rahmen genügend Gelegenheit erhalten, um über die damit ver-

bundenen Umstände zu sprechen und sei mehrmals auf ihre Mitwirkungs-

pflicht hingewiesen worden. Sodann stelle die Vergewaltigung durch ihren 

Cousin nicht das Hauptvorbringen und damit den entscheidrelevanten 

Sachverhalt dar. Betreffend die Haft bringt das SEM vor, Aussagen zur 

Grösse und Beschaffenheit des Raumes würden keine Realkennzeichen 

darstellen. Auch die Angaben zum Verhältnis zur älteren Dame und ihre 

Reaktion auf deren Tod hätten nicht authentisch gewirkt. Dass die Be-

schwerdeführerin J._______ als Al-Shabaab-feindlichen Militärstützpunkt 

darzustellen vermocht habe, gebe keinen Hinweis auf das tatsächlich Er-

lebte, zumal entsprechende Tatsachen der lokalen Bevölkerung bekannt 

sein dürften. In den Erzählungen zur Flucht habe sie zwar Details wieder-

geben können, jedoch könnten auch erfundene Aussagen Realkennzei-

chen enthalten. Im Laufe der Anhörung habe sie schliesslich keines der 

geltend gemachten Haupthandlungselemente näher substantiieren kön-

nen, wie zum Beispiel die Reaktion der Familie auf die Ehe mit einem re-

gierungstreuen Soldaten. Dabei handle es sich nicht per se um einen Wi-

derspruch, jedoch könnten in Anbetracht der Situation nähere Ausführun-

gen erwartet werden. Dass der Cousin die Beschwerdeführerin erst Jahre 

nach der Eheschliessung ins Visier genommen habe, wirke angesichts der 

dürftigen kontextbezogenen Angaben konstruiert. Es könne zwar nicht aus-

geschlossen werden, dass sie einst Gewalt erlebt habe, jedoch spreche 

dies nicht per se für die Glaubhaftigkeit der relevanten Angaben. Es ent-

stünde auch nicht der Eindruck, die Beschwerdeführerin sei bei der Anhö-

rung überfordert gewesen. Zudem stelle die Aussage, wonach die Tochter 

während ihrer Zeit in Haft beschnitten worden sei, nach wie vor einen gra-

vierenden Widerspruch dar. Der Argumentation in der Beschwerdeschrift, 

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wonach sie sich selbst korrigiert habe, könne nicht gefolgt werden, zumal 

die Korrektur nach Vorhalt des Widerspruchs erfolgt sei. Auch das Schick-

sal ihrer Kinder während dem Aufenthalt beim Cousin habe sie nicht näher 

beschreiben können.  

4.6 In der Replik bringt die Beschwerdeführerin vor, die Umstände der ge-

schlechtsspezifischen Verfolgung seien durch die Vorinstanz durch Rück-

fragen nicht genügend abgeklärt worden, was vorliegend die Untersu-

chungspflicht verletze. Bei der Vergewaltigung habe es sich um das Haupt-

vorbringen gehandelt, zumal sie auch bei der Anhörung angegeben habe, 

sie könne aufgrund des Krieges und der Vergewaltigungen durch ihre Fa-

milienmitglieder nicht in ihr Heimatland zurückkehren. Die Anhörung habe 

zwar in einem geschützten Rahmen stattgefunden, jedoch sei ihr seitens 

der Befragerin nicht die notwendige Geduld und Empathie entgegenge-

bracht worden. Schliesslich seien die Fähigkeit der aussagenden Person 

und damit vorliegend auch das Bildungsniveau und die kulturellen Um-

stände nicht in die Entscheidfindung miteinbezogen worden. Aufgrund der 

offensichtlich schlechten psychischen Verfassung sei sie nicht in der Lage 

gewesen, im gewährten Zeitfenster vom Erlebten zu sprechen. Dass das 

SEM ihre Überforderung anlässlich der Anhörung verneine, sei nicht nach-

vollziehbar, zumal es diese laut Protokoll selber festgestellt habe. Betref-

fend die Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen führt sie aus, diese seien sub-

stantiiert ausgefallen, zumal sie Details und Nebensächlichkeiten enthiel-

ten, welche einen erlebnisbezogenen Charakter aufwiesen.  

5.   

5.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, die vorab zu prü-

fen sind (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs-

verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 

1043 ff. m.w.H.). 

5.2 Im Verwaltungsverfahren und insbesondere im Asylverfahren gilt der 

Untersuchungsgrundsatz, das heisst die Behörde stellt den rechtserhebli-

chen Sachverhalt von Amtes wegen fest (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG; 

vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Für das erstinstanzliche Asylverfahren 

bedeutet dies, dass das SEM zur richtigen und vollständigen Ermittlung 

und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts verpflichtet ist und 

auch nach allen Elementen zu forschen hat, die zugunsten der asylsuchen-

den Person sprechen. Der Untersuchungsgrundsatz gilt nicht uneinge-

schränkt, zumal er sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht des Asylsuchen-

den findet (Art. 13 VwVG und Art. 8 AsylG; vgl. Christoph Auer, in: Auer/ 

E-5690/2020 

Seite 10 

Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwal-

tungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 Rz. 9, sowie BVGE 2012/21 

E. 5.1). Die entscheidende Behörde darf sich trotz des Untersuchungs-

grundsatzes in der Regel darauf beschränken, die Vorbringen einer asyl-

suchenden Person zu würdigen und die von ihr angebotenen Beweise ab-

zunehmen, ohne weitere Abklärungen vornehmen zu müssen. Nach Lehre 

und Praxis besteht eine Notwendigkeit für über die Befragung hinausge-

hende Abklärungen insbesondere dann, wenn aufgrund der Vorbringen der 

asylsuchenden Person und der von ihr eingereichten oder angebotenen 

Beweismittel Zweifel und Unsicherheiten am Sachverhalt weiterbestehen, 

die voraussichtlich mit Ermittlungen von Amtes wegen beseitigt werden 

können (vgl. BVGE 2009/50 E. 10.2.1 S. 734 m.H.a. Entscheidungen und 

Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 

Nr. 23 E. 5a). 

5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seinem Urteil BVGE 

2014/27 ausführlich zur Frage der frauenspezifischen Fluchtgründe in Be-

zug auf Somalia geäussert und dabei festgestellt, dass für alleinstehende 

Frauen und Mädchen in Somalia, welche nicht unter dem Schutz eines 

männlichen Familienmitglieds ständen, ein hohes Risiko bestehe, Opfer 

gezielter geschlechtsspezifischer Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 

2014/27 E. 5.4). Speziell gefährdet seien Frauen und Mädchen, wenn sie 

intern vertrieben worden seien oder einem Minderheitenclan angehörten. 

Vorliegende Berichte über die Situation von Mädchen und Frauen in So-

malia würden ein erschreckendes Bild von Missbrauch und Gewalt, welche 

gleichermassen von Angehörigen der Al-Shabaab-Miliz wie auch von Sol-

daten der Regierungstruppen, von Vorstehern in Lagern intern Vertriebener 

(„internally displaced persons“ [IDP]), ja sogar von Soldaten der internatio-

nalen Schutztruppen ausgingen, zeichnen. Die somalischen Behörden 

könnten diese Frauen nicht schützen. Ein gewisser Schutz könne einzig 

von den Clan-Strukturen oder von der eigenen Kernfamilie ausgehen, was 

Frauen aus Minderheitenclans und Alleinstehende ohne männliche Fami-

lienangehörige besonders verletzlich mache. Als zusätzlich erschweren-

den Faktor erachtete das Gericht im genanntem Fall den Umstand, dass 

die Beschwerdeführerin als Kind in der schwerstmöglichen Form an den 

Genitalien beschnitten worden war (vgl. zum Ganzen: BVGE 2014/27 

E. 5.2–5.6). Auch kann gemäss diesem Grundsatzurteil eine drohende (er-

neute) weibliche Genitalverstümmelung im Falle einer Rückkehr nach So-

malia eine intensive, gezielte Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 3 

AsylG bedeuten (vgl. a.a.O., E. 5.6 f.). 

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Seite 11 

5.4 Die Beschwerdeführerin macht mehrere Risikofaktoren im Sinne des 

eben zitierten BVGE 2014/27 geltend. So bringt sie vor, sie sei von ihrem 

Cousin – einem Al-Shabaab-Mitglied – gefangen, mehrfach vergewaltigt 

und misshandelt worden. Zudem habe er ihre Tochter gegen ihren Willen 

beschneiden lassen und habe ihre Eltern getötet, ihren Bruder verschlep-

pen lassen sowie ihren Ehemann zur Flucht veranlasst, weshalb sie keine 

männlichen Familienangehörigen mehr habe (vgl. A27 F41, F61). Schliess-

lich macht sie geltend, sie sei dem Clan E._______ angehörig (vgl. A22 

Ziff.1.08 und A27 F24).  

Die Begründung der Vorinstanz, wonach die Angaben der Beschwerdefüh-

rerin zu ihrem familiären Hintergrund und ihrer Ehe oberflächlich ausgefal-

len und somit zweifelhaft seien, weshalb ein familiäres Schutzumfeld an-

zunehmen sei, greift zu kurz. Zwar sind die Aussagen der Beschwerdefüh-

rerin tatsächlich nicht besonders ausführlich ausgefallen, weisen aber auch 

vereinzelte Details auf (vgl. etwa zu ihrem Eheleben [vgl. A27 F102 f.], zur 

beschlagnahmten Plantage [vgl. A27 F31, F140, F141 und F144] sowie 

zum Tod der Eltern [vgl. A27 F168]). Daher kann entgegen der Ansicht der 

Vorinstanz nicht ohne weitere Abklärungen angenommen werden, dass die 

Beschwerdeführerin in der Heimat auf ein familiäres Schutzumfeld zurück-

greifen kann. Zudem kann der Auffassung der Vorinstanz, dass weitere 

Fragen zu den geltend gemachten Vergewaltigungen nicht zielführend ge-

wesen wären, da diese unter anderem nicht das Hauptvorbringen darstell-

ten, nicht gefolgt werden. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie 

verhaftet worden sei, da sie sich gegen weitere Vergewaltigungsversuche 

gewehrt habe (vgl. A27 F61 und F90). Schliesslich sei sie aus der Haft nur 

entlassen worden, weil sie zugestimmt habe, mit ihrem Cousin zusammen-

zuleben (vgl. A27 F61). Sie behauptet, in dieser Zeit bis zur Flucht mehr-

fach vergewaltigt und misshandelt worden zu sein (vgl. A27 F61). Des Wei-

teren seien sie und ihre Tochter gegen ihren Willen beschnitten worden 

(vgl. A27 F61, F114, F160 – F162). Damit macht sie mehrere geschlechts-

spezifische Verfolgungselemente geltend, die von der Vorinstanz rechtsge-

nügend abzuklären sind. Zudem kann gemäss bundesverwaltungsgericht-

licher Rechtsprechung eine vollzogene weibliche Genitalverstümmelung 

von asylrelevanter Bedeutung sein (BVGE 2014/27 5.6), weshalb dieser 

Aspekt von der Vorinstanz ebenfalls weiter zu prüfen ist. Schliesslich hat 

es die Vorinstanz unterlassen, die Schutzmöglichkeiten ihres Clans im 

Falle einer Rückkehr nach Somalia zu prüfen. Dabei ist anzumerken, dass 

der E._______-Clan gemäss Amnesty International als «economically 

weak and politically marginalized» beschrieben wird (vgl. Amnesty Interna-

tional, The Hidden US War in Somalia: Civilian casualties of US air strikes 

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in Lower Shabelle, März 2019, S. 17 [inkl. Fussnote 41], https://www.am-

nesty.org/download/Documents/AFR5299522019ENGLISH.PDF, abgeru-

fen am 16. August 2022).  

Es wäre an der Vorinstanz gewesen, diese Risikofaktoren sorgfältig abzu-

klären und sich zur Frage einer allfälligen frauenspezifischen Verfolgung 

der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter im Asylentscheid zu äussern. 

Das SEM ist nicht auf die vom Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil 

BVGE 2014/27 festgelegten Kriterien zur frauenspezifischen Verfolgung in 

Somalia eingegangen. Es untersucht weder die geltend gemachte ge-

schlechterspezifische Verfolgung im gebotenen Umfang noch hat es die 

Frage geklärt, ob die Beschwerdeführerin aus einem Minderheitenclan 

stammt, vertrieben worden ist und sich mit ihrer Tochter bei ihrer Rückkehr 

nach Somalia unter den Schutz von männlichen Familien- oder Clanmit-

gliedern stellen könnte. Zudem klärte es im Rahmen der Rechtsprechung 

für relevant befundene Sachverhaltselemente – namentlich Genitalver-

stümmelung beziehungsweise die Gefahr einer allfälligen Reinfibulation – 

nicht ab. Damit ist der Sachverhalt als nicht hinreichend erstellt zu erach-

ten. Das Verfahren ist nicht spruchreif und wird gestützt auf Art. 61 Abs. 1 

VwVG an das SEM zur Feststellung des vollständigen Sachverhalts und 

erneuten Beurteilung zurückgewiesen. 

6.   

6.1 Die Beschwerde ist im Sinne der Erwägungen gutzuheissen. Das Ver-

fahren ist an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese die nötigen Ab-

klärungen vornimmt und sie im Rahmen eines neuen beschwerdefähigen 

Entscheids einer rechtlichen Würdigung unterzieht. Abzuklären sind insbe-

sondere der Sachverhalt betreffend die geltend gemachte vergangene ge-

schlechtsspezifische Verfolgung der Beschwerdeführerin 1 und ihrer Toch-

ter, die Gefahr einer möglichen künftigen geschlechtsspezifischen Verfol-

gung derselben sowie die Schutzmöglichkeiten durch männliche Ver-

wandte und ihren Clan. Zu diesem Zweck ist allenfalls eine zweite Anhö-

rung vorzunehmen. In diesem Zusammenhang ist die Beschwerdeführerin 

1 an die ihr obliegende spezifische Mitwirkungspflicht im Asylverfahren zu 

erinnern (Art. 8 AsylG). 

6.2 Mit Blick auf die genannte Mitwirkungspflicht obliegt es der Beschwer-

deführerin 1 im Rahmen des wiederaufzunehmenden Verfahrens, allfällige 

Beweismittel einzureichen. Der in der Beschwerdeschrift gestellte Antrag 

um Durchführung einer gynäkologischen Untersuchung ist nun infolge des 

vorliegenden Verfahrensausgangs durch die Vorinstanz zu behandeln.  

https://www.amnesty.org/download/Documents/AFR5299522019ENGLIS
https://www.amnesty.org/download/Documents/AFR5299522019ENGLIS

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6.3 Bei diesem Verfahrensausgang erübrigt es sich, auf die weiteren An-

träge und Beschwerdevorbringen näher einzugehen. 

7.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit die Aufhe-

bung der Verfügung vom 15. Oktober 2020 beantragt wird. Die Dispositiv-

ziffern 1, 2 und 4 der angefochtenen Verfügung sind aufzuheben, und die 

Sache ist in den genannten Dispositivziffern zur erneuten Beurteilung im 

Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

8.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). 

9.  

Den vertretenen Beschwerdeführenden ist keine Parteientschädigung aus-

zurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche 

Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen 

vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. 

auch Art. 111ater AsylG).  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit die Aufhebung der Verfügung 

beantragt worden ist. 

2.  

Die Dispositivziffern 1, 2 und 4 der angefochtenen Verfügung vom 15. Ok-

tober 2020 werden aufgehoben und die Sache im Sinne der Erwägungen 

zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.  

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Roswitha Petry Regina Seraina Goll 

 

 

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