# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8e243f6e-70ed-5c7c-b924-ffdb8e4e86cc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-09-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.09.2019 E-3079/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3079-2018_2019-09-03.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3079/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 .  S e p t e m b e r  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richterin Barbara Balmelli (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler,  

Richterin Constance Leisinger,    

Gerichtsschreiberin Nathalie Schmidlin. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, geboren am (…), 

Pakistan,   

vertreten durch Urs Jehle, Caritas Schweiz,  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung 

(Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid);  

Verfügung des SEM vom 27. April 2018. 

 

 

 

E-3079/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Ehemann der Beschwerdeführerin, C._______, lebte seit dem Jahr 

1986 in der Schweiz und war im Besitz einer Niederlassungsbewilligung. 

Die Beschwerdeführerin reiste am (…) 2001 im Rahmen des Familiennach-

zuges in die Schweiz ein. Der Beschwerdeführer wurde im Jahr (…) in der 

Schweiz geboren. Mutter wie Sohn waren im Besitz einer Aufenthaltsbe-

willigung. Aufgrund seiner psychischen Probleme und (…) schickte der 

Ehemann und Vater die Beschwerdeführenden im Jahr 2005 nach Pakistan 

zurück. Er unterstützte die Familie finanziell und besuchte sie jährlich. Am 

(…) 2014 beging er in der Schweiz Suizid. Um die Beerdigung sowie die 

weiteren Formalitäten regeln zu können, reisten die Beschwerdeführenden 

im (…) 2014 mit einem für zwei Monate gültigen Visum in die Schweiz ein. 

Die im Jahr (…) geborene Tochter verblieb bei der Grossmutter in Pakistan. 

Am 2. Januar 2015 suchten die Beschwerdeführenden um Asyl nach.  

B.  

Mit Verfügung vom 26. Februar 2016 verneinte die Vorinstanz die Flücht-

lingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte die Asylgesuche ab, 

verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Die 

gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 29. März 2016 wies 

das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-1937/2016 vom 24. Mai 2016 

ab. Sowohl das SEM als auch das Gericht gingen von einem tragfähigen 

Beziehungsnetz im Heimatstaat aus und erkannten, der Beschwerdeführer 

habe dort eine gute Schulbildung genossen. 

C.  

Mit Eingabe vom 16. August 2016 stellten die Beschwerdeführenden bei 

der Vorinstanz ein Gesuch um Wiedererwägung der Verfügung vom 

26. Februar 2016. Zur Begründung des Gesuches führten sie aus, die Kin-

des- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) der Stadt D._______ habe 

aufgrund der sehr schwierigen familiären Situation mit Entscheid vom (…) 

2016 eine Beistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 des Zivilgesetzbu-

ches (ZGB, SR 210) für den Beschwerdeführer angeordnet. Die von der 

KESB der Beiständin übertragenen Aufgaben seien sehr umfassend. Sie 

müsse die erzieherischen Verhältnisse kontrollieren, prüfen, ob eine 

Fremdplatzierung angezeigt sei, die Freizeitbeschäftigung und den Aufbau 

eines sozialen Netzes unterstützen, Lösungen zu einer gesunden Ernäh-

rung suchen und für den regelmässigen Besuch der Therapien besorgt 

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sein. Letzteres wäre in Pakistan nicht sichergestellt. Es sei zu berücksich-

tigen, dass die Beschwerdeführenden seinerzeit in Pakistan von den mo-

natlichen Überweisungen des Ehemannes und Vaters von (…) gelebt hät-

ten. Die Beschwerdeführerin habe keine Ausbildung, nie gearbeitet und 

könne kein Erwerbseinkommen generieren. Ferner würden beide Be-

schwerdeführenden einer psychiatrisch/psychologischen Betreuung be-

dürfen. Der Beschwerdeführer habe im Heimatland Dinge erlebt, die ein 

Kind schwer verarbeiten könne, weshalb er, gemäss dem zuständigen Arzt 

der Kinder- und Jungendpsychiatrischen Dienste D._______, Symptome 

einer Posttraumatischen Belastungsstörung zeige. Das Kindeswohl des 

Beschwerdeführers sei akut gefährdet. 

D.  

Mit Verfügung vom 27. April 2018 lehnte die Vorinstanz das Gesuch um 

Wiedererwägung ab, erklärte die Verfügung vom 26. Februar 2016 für 

rechtskräftig und vollstreckbar, erhob eine Gebühr in der Höhe von  

Fr. 600.–, wies das Gesuch um Ausrichtung einer Parteientschädigung ab 

und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende 

Wirkung zu. 

E.  

Mit Eingabe vom 25. Mai 2018 erhoben die Beschwerdeführenden beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragen, die Verfügung 

der Vorinstanz sei aufzuheben. Es sei die Unzulässigkeit und Unzumutbar-

keit des Vollzugs der Wegweisung festzustellen und ihnen als Folge davon 

die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Prozessual beantragen sie die Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung. 

Als Beweismittel reichten die Beschwerdeführenden den Entscheid der 

KESB der Stadt D._______ vom (…) 2016, die Gefährdungsmeldung der 

(…) Psychiatrie vom 23. März 2016, den Bericht der Berufsbeiständin vom 

24. Mai 2018 und einen Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) 

zur medizinischen Versorgung in Pakistan vom 27. März 2014 ein. 

F.  

Am 29. Mai 2018 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Wegwei-

sung per sofort einstweilen aus. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 31. Mai 2018 forderte die Instruktionsrichterin 

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die Beschwerdeführenden auf, eine Fürsorgebestätigung und je einen sie 

beide betreffenden Arztbericht einzureichen. 

H.  

Am 5. Juni 2018 gaben die Beschwerdeführenden eine Fürsorgebestäti-

gung zu den Akten und ersuchten um Fristerstreckung zur Einreichung der 

Arztberichte. 

I.  

Mit Eingabe vom 28. Juni 2018 reichten die Beschwerdeführenden zwei 

Berichte von E._______, Fachpsychologin für Psychotherapie, vom  

26. Juni 2018 ein. Gleichzeitig beantragten sie die Übernahme der Kosten 

für die Erstellung der Berichte. 

J.  

Mit Zwischenverfügung vom 4. Juli 2018 hiess die Instruktionsrichterin das 

Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut und verzichtete auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig lud sie die Vorinstanz zur 

Vernehmlassung ein. 

K.  

In ihrer Vernehmlassung vom 16. Juli 2018 hielt die Vorinstanz an ihren 

Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. 

L.  

Mit Replik vom 27. Juli 2018 hielten die Beschwerdeführenden unter Bei-

lage einer Kostennote an ihren Rechtsbegehren fest. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 

2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren 

gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-

derung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-

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Seite 5 

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-

men worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Gesetzesbezeich-

nung verwenden wird. 

2.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-

führenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legiti-

miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 

2014/26 E. 5). 

4.  

Bezüglich des Antrags auf Übernahme der Kosten für die Erstellung der 

Arztberichte ist festzuhalten, dass der Rechtsmitteleingabe (vgl. S. 7) ent-

nommen werden kann, dass die Opferberatungsstelle D._______ eine 

Kostengutsprache für die Abklärungen zugesprochen hat. Der Antrag ist 

somit gegenstandslos. 

5.  

5.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-

regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM 

innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-

lich und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren 

nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG 

(Art. 111b Abs. 1 AsylG). 

5.2 Das Wiedererwägungsgesuch bezweckt primär die Änderung einer ur-

sprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträglich eingetretene erheb-

liche Veränderung der Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). 

6.  

6.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, 

es würden keine Gründe vorliegen, welche die Rechtskraft der Verfügung 

vom 26. Februar 2016 beseitigen könnten. Die Schulsituation in Pakistan 

könne generell als gut bezeichnet werden. Die Situation vor Ort sei auch 

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sonst mit Blick auf das Übereinkommen vom 20. November 1989 über die 

Rechte des Kindes (KRK, (SR 0.107) zufriedenstellend. Der Beschwerde-

führer habe die letzten drei bis vier Jahre in der Schweiz verbracht. In An-

betracht dieser verhältnismässig kurzen Zeitdauer sei nicht von einer fort-

geschrittenen Integration auszugehen. Es sei anzunehmen, dass er in sei-

nem jungen Alter durchaus in der Lage sein werde, sich in seinem Heimat-

land, insbesondere über die dortige Schule, zu integrieren und von keiner-

lei langfristigen Nachteilen betroffen sein werde. 

Zudem begründe allein eine mehrjährige Aufenthaltsdauer eines Kindes  

oder Jugendlichen keine Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Seit 

Einreichung des Wiedererwägungsgesuchs seien über 20 Monate vergan-

gen, in welchen sich die Situation des Beschwerdeführers nicht in erhebli-

chem Masse verändert habe. Indessen seien Monate verstrichen, weil sich 

die Beschwerdeführerin geweigert habe, die angeordnete Rückreise anzu-

treten und somit eine Reintegration im Heimatland absichtlich hinausgezö-

gert habe.  

Bezüglich des Alters des Beschwerdeführers sei festzustellen, dass sich 

das Kindeswohl in erster Line an der Präsenz seiner engsten Bezugsper-

sonen bemesse, vorliegend klar der Beschwerdeführerin. Gemäss Akten 

habe sich deren Gesundheitszustand nicht wesentlich verändert und es sei 

auch zu keiner Fremdplatzierung des Beschwerdeführers gekommen. Die 

Beschwerdeführerin benötige keine psychologische Therapie und nehme 

auch keine Medikamente ein. Es sei daher davon auszugehen, dass sich 

ihre (…) Zustände in einem zumutbaren Rahmen bewegen würden. Weiter 

verfüge sie mit ihrer Mutter und Geschwistern über ein tragfähiges Bezie-

hungsnetz in Pakistan. Schliesslich habe sie ihre Tochter in Pakistan zu-

rückgelassen. 

6.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Vorinstanz gehe zu Un-

recht von einer nicht nachträglich veränderten Sachlage aus, mithin habe 

sie das Wiedererwägungsgesuch zu Unrecht abgewiesen.  

Im Rahmen des Wiedererwägungsgesuches sei umfassend aufgezeigt 

worden, dass aufgrund einer erheblichen Gefährdung des Kindeswohls 

eine Erziehungsbeistandschaft für den Beschwerdeführer habe angeord-

net werden müssen. Dieser Entscheid beruhe darauf, dass die Beschwer-

deführerin mit ihrer Lebenssituation überfordert sei, den Bedürfnissen des 

Beschwerdeführers nicht adäquat begegnen könne und letzterer auch an 

einer (…) sowie einer (…) leide. Mit Hilfe einer engmaschigen Betreuung 

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habe zwischenzeitlich eine Stabilisierung des Beschwerdeführers erreicht 

werden können. Nach Einschätzung der Beiständin sei seine Wegweisung 

nach Pakistan mit dem Kindeswohl nicht vereinbar und würde eine Entwur-

zelung darstellen, da der Beschwerdeführer aus einem stabilisierenden 

Umfeld (Schule, medizinische Betreuung und Beistandschaft) herausgeris-

sen würde. Die Beschwerdeführenden wüssten sodann nicht, wovon sie 

leben würden. Die Leistungen der Witwen- und Waisenrente sei an den 

Wohnsitz in der Schweiz geknüpft. Die ihr Beziehungsnetz bildenden Ver-

wandten könnten die Beschwerdeführenden sodann nicht unterstützen, zu-

mal sie für sich selbst zu schauen hätten. Der Beschwerdeführer müsste 

eine Arbeit annehmen, um die Familie ernähren zu können. Das SEM ver-

kenne in Bezug auf die Assimilierung des Beschwerdeführers dessen be-

sondere Situation. Er sei belastet, gesundheitlich angeschlagen und be-

dürfe weiterhin besonderer Betreuung.  

Die 20-monatige Anwesenheit in der Schweiz könne nicht den Beschwer-

deführenden angelastet werden, da die Entscheidfindung durch die Vor-

instanz derart lange gedauert habe. Schliesslich sei die ethnische Zugehö-

rigkeit der Beschwerdeführenden zu den Hazara zu berücksichtigen. 

6.3 In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, die psychischen Prob-

leme der Beschwerdeführenden könnten auch in F._______ behandelt 

werden. Dort gebe es eine grosse Auswahl an diplomierten Psychologen 

und Psychiatern. Ferner gebe es eine Klinik für psychische Erkrankungen. 

Die Beschwerdeführenden würden aus F._______ stammen, weshalb die 

Erreichbarkeit dieser Klinik gegeben sei. Was die Diskriminierung der Eth-

nie der Hazara betreffe, sei festzuhalten, dass in Pakistan keine Situation 

allgemeiner Gewalt herrsche, die sich über das ganze Staatsgebiet oder 

weite Teile desselben erstrecke und der pakistanische Staat als schutzfä-

hig und – ausserhalb der Stammesgebiete im Nordwesten des Landes – 

grundsätzlich auch als schutzwillig gelte. Des Weiteren könne davon aus-

gegangen werden, dass eine Rückkehr der Beschwerdeführenden in den 

angestammten Sprach- und Kulturkreis positive Auswirkungen auf ihre Le-

benssituation und damit auch auf das psychische Befinden haben dürfte. 

Hinzu komme, dass sich die einzige Bezugsperson der Beschwerdefüh-

renden nicht mehr in der Schweiz aufhalte, sie hingegen in Pakistan über 

ein bestehendes Beziehungsnetz verfügen würden. Weiter würden die Be-

schwerdeführenden gemäss Schreiben der Stadt D._______ eine Witwen- 

und Halbwaisenrente erhalten. Schliesslich sei es nichts Aussergewöhnli-

ches, wenn Asylsuchende, deren Asylgesuch abgelehnt worden sei, Zu-

kunftsängste entwickeln oder gar in Depressionen verfallen würden.  

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6.4 In der Replik wird ausgeführt, gemäss den eingereichten medizini-

schen Berichten benötige die Beschwerdeführerin neben einer medika-

mentösen auch eine engmaschige psychotherapeutische Behandlung. Für 

den Beschwerdeführer sei eine traumatherapeutische Behandlung indi-

ziert. Betreffend die Behandlungsmöglichkeiten in F._______ sei festzuhal-

ten, dass die vom SEM angegebene Quelle nur 16 Psychiater aufführe. 

Doch selbst wenn die Einschätzungen des SEM zutreffend seien und eine 

gesundheitliche Versorgung in F._______ grundsätzlich gegeben sei, so 

wäre der Zugang für die Beschwerdeführenden verwehrt. Es werde von 

der Vorinstanz nicht bestritten, dass es in Pakistan kein staatliches Ge-

sundheitssystem gebe. Aufgrund des Wegfalls der finanziellen Unterstüt-

zung infolge des Todes des Ehemanns beziehungsweise Vaters könnten 

die benötigten Behandlungen nicht finanziert werden. Die Auszahlung der 

Witwen- und Waisenrenten seien gemäss Schreiben der zuständigen Aus-

gleichskasse an den Wohnsitz in der Schweiz geknüpft. Schliesslich habe 

sich der Beschwerdeführer nach besten Kräften hier integriert und es habe 

mit der umfassenden Unterstützung eine Stabilisierung seines Zustandes 

erreicht werden können. 

7.  

7.1 Mit Entscheid der KESB vom (…) 2016 wurde für den damals (…)-jäh-

rigen Beschwerdeführer eine Erziehungsbeistandschaft errichtet. Der Ent-

scheid wurde damit begründet, dass das Kindeswohl des Beschwerdefüh-

rers akut gefährdet sei. Zwar werde er von der Beschwerdeführerin und 

einem Bekannten der Familie unterstützt und besuche die Regelklasse. 

Dennoch benötige er weitreichende Unterstützung, da die Beschwerdefüh-

rerin mit der Lebenssituation überfordert sei und trotz ihrer Bemühungen, 

die Bedürfnisse ihres Sohnes nicht abdecken könne. Sie sei an schweren 

(…) erkrankt und der negative Asylentscheid habe das Familiensystem zu-

sätzlich geschwächt. Die Beschwerdeführerin sei für ihren Sohn nicht ver-

fügbar und könne diesem keine Zuwendung schenken. Der Jugendliche 

müsse seinen Alltag zu Hause alleine meistern und für das körperliche 

Wohl eigenständig Sorge tragen. Damit würden an ihn nicht altersgemässe 

Anforderungen gestellt. Zudem verfüge er über keine sozialen Kontakte 

und sei einsam. Nebst der Belastung durch die schlechte psychische Ver-

fassung der Mutter leide er an einer (…). 

7.2  

7.2.1 Die Beiständin führt in ihrem Bericht vom 24. Mai 2018 aus, seit Er-

halt des Entscheides des SEM gehe es dem Beschwerdeführer sehr 

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schlecht. Dies, nachdem er sich in den vergangenen Monaten in verschie-

denen Bereichen habe stabilisieren können. Es sei ihm in psychischer Hin-

sicht besser gegangen, in der Schule ([…]) habe er sich integriert und seine 

Leistungen stetig steigern können und in der Freizeit habe er am wöchent-

lichen (…)-Training teilgenommen. Er befasse sich mit dem Thema der Be-

rufswahl und werde diesbezüglich von einer Fachperson des Case Ma-

nagement Berufsbildung vom Kanton D._______ unterstützt. Darüber sei 

er sehr froh. Weil er viel Verantwortung habe übernehmen müssen, wollen 

und auch können, sei bislang keine Fremdplatzierung angezeigt gewesen. 

Es sei ihm gelungen, für sich zu schauen, auch mit wenig Unterstützung 

der Mutter. Die drohende Wegweisung stelle für ihn eine erhebliche Ge-

fährdung dar. Die bisher erreichte Stabilisierung drohe zu zerbrechen, zu-

mal er eine enorm grosse Verantwortung übernehmen müsste, welche ei-

nem (…)-jährigen Jugendlichen absolut nicht zugemutet werden könne. 

Eine Entwurzelung aus seiner vertrauten Umgebung bedeute eine Gefähr-

dung des Kindeswohls.  

7.2.2 In ihrem Bericht vom 26. Juni 2018 betreffend den Beschwerdeführer 

hält die Psychologin fest, dieser stütze sich auf Gespräche mit dem Be-

schwerdeführer, seiner Mutter, dem Zuständigen der (…) Psychiatrie (…) 

und der Auswertung eines Fragebogens zu (…). Der Beschwerdeführer sei 

Ende Mai 2018 auf Anraten der Opferhilfestelle an sie verwiesen worden, 

nachdem er und seine Mutter häusliche Gewalt durch ihre Bezugsperson 

(Freund bzw. Bruder des Vaters) erlitten hätten, bei welcher sie gelebt hät-

ten.  

Weiter führt die Psychologin aus, der Beschwerdeführer spreche sehr gut 

Deutsch und sei sehr freundlich. Im Verhalten wirke er höflich zurückhal-

tend. Die Grundstimmung sei bedrückt, die Mimik sehr kontrolliert und nicht 

adäquat zu den berichteten Erlebnisinhalten. Er zeige eine deutlich bes-

sere Affektlage wenn er über den Schulalltag berichte, als über den Alltag 

mit der psychisch kranken Mutter. Er versuche, sowohl die Schule als auch 

die Aufgaben eines Zweipersonenhaushalts allein zu bewältigen. Zusätz-

lich sei er sehr bemüht, seine Mutter aus ihrer Lethargie zu holen. Er 

äussere sich dankbar für die Unterstützung durch die Schule, die Beistän-

din und den Case Manager. Ferner berichte er von Konzentrationsschwie-

rigkeiten in der Schule, weil plötzlich Gedanken und Bilder des in der Ver-

gangenheit Erlebten (Bombenangriffe, Entführungsversuch) in seinem 

Kopf auftauchen würden. Er mache sich viele Sorgen wegen seiner Mutter 

und der kleinen Schwester, fühle sich oft traurig sowie müde und müsse 

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Seite 10 

sich zwingen, zum (…)training zu gehen, weil er wisse, dass es nicht gut 

sei, wenn er sich zurückziehe.  

Die Psychologin diagnostizierte eine (…) mit (…) Symptomen nach (…), 

eine (…), sonstige näher bezeichnete negative Kindheitserlebnisse ([…]). 

Die Auswertung des Essener Trauma-Inventars (ETI) zur Identifikation von 

traumatischen Ereignissen und Traumafolgestörungen ergebe eine klinisch 

auffällige PTBS-Symptomatik; die Werte (Symptomatik, Dauer Symptom-

schwere, Belastungsgrad) seien signifikant erhöht. Der Beschwerdeführer 

leide unter Intrusionen, Flashbacks und einem Hyperarousal, zeige Ver-

meidungsreaktionen und dissoziative Symptome.  

Bezüglich des weiteren Prozederes hält die Psychologin fest, eine trauma-

therapeutische Behandlung sei dringend indiziert. Damit eine solche erfolg-

reich sein könne, brauche es für den Beschwerdeführer Bedingungen, die 

ihm sowohl eine bestmögliche physische als auch soziale Sicherheit ga-

rantierten. Zurückgeschickt zu werden an einen Ort der mehrfachen Trau-

matisierung und mit der hohen Wahrscheinlichkeit einer erneuten Trauma-

tisierung sowie einer Mutter, die selbst psychisch krank und nicht annä-

hernd in der Lage sei, ihren Erziehungs- und Versorgungsaufgaben ge-

recht zu werden, bedeute für die psychosoziale Entwicklung und Gesund-

heit des Jugendlichen eine unzumutbare Gefährdung.  

7.3 Ebenfalls auf Beschwerdestufe reichte die vorgenannte Psychologin ei-

nen Bericht betreffend die Beschwerdeführerin ein. Einleitend führt sie aus, 

dieser stütze sich auf Gespräche mit der Beschwerdeführerin im Beisein 

einer Dolmetscherin sowie Gespräche mit dem Beschwerdeführer. Die Be-

schwerdeführerin sei ihr aus den gleichen Gründen zugewiesen worden 

wie der Beschwerdeführer. Es falle der Beschwerdeführerin nicht leicht, 

Fragen zu ihrer Situation und ihrem Zustand zu beantworten. Insgesamt 

ergebe sich das Bild einer schwer depressiven Frau mit zwanghaften, post-

traumatischen und psychotischen Symptomen. Sie sei in ihrem Denken, 

Fühlen und in ihrer Handlungsfähigkeit in schwerem Ausmass blockiert. Es 

sei davon auszugehen, dass sie ohne die Unterstützung ihres Sohnes im 

Alltag nicht zurechtkäme. Sie leide an persistierendem Gedankenkreisen, 

erheblichen Antriebsstörungen (liege, wenn sie keine Termine habe, meist 

im Bett; versorge den Sohn nicht mit Essen; besorge den Haushalt fast gar 

nicht), allgemeiner Interessen- und Gefühllosigkeit, multiplen Ängsten, 

Konzentrationsstörungen, teilweise akustische Halluzinationen. Hinzu wür-

den Gefühle einer tiefen Verzweiflung, Trauer und Ausweglosigkeit kom-

men; selbst ihr Sohn könne sie zeitweise nicht erreichen. Als Diagnose 

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Seite 11 

wurde eine schwere (…) sowie das Betroffensein von (…), (…) (…) festge-

halten, wobei diese als Verdachtsdiagnosen zu verstehen seien.  

Zum weiteren Prozedere hielt die Psychologin fest, die Ursachen und das 

Störungsbild seien komplex. Die Lebensgeschichte sei gekennzeichnet 

von vielen Gewalterfahrungen, von mangelnder familiärer Unterstützung, 

einem ständigen Bedrohungsgefühl durch ethnische Gewalt und Krieg im 

Heimatland, durch Heimatlosigkeit, existentielle Ängste, tiefe innere und 

äussere Verunsicherung und mangelndes Selbstbewusstsein. Aus fach-

psychologischer Sicht benötige sie sowohl soziale als auch fachärztliche 

und psychotherapeutische Unterstützung.  

8.  

8.1 Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so bil-

det im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen weiteren 

Prüfungspunkt. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus einer völkerrechtskonfor-

men Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AIG im Lichte von Art. 3 Abs. 1 KRK. 

Unter dem Aspekt des Kindeswohls sind sämtliche Umstände einzubezie-

hen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung wesentlich er-

scheinen. In Bezug auf das Kindeswohl können namentlich folgende Krite-

rien im Rahmen einer gesamtheitlichen Beurteilung von Bedeutung sein: 

Alter, Reife, Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner 

Beziehungen, Eigenschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Un-

terstützungsbereitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich 

Entwicklung/Ausbildung, Grad der erfolgten Integration bei einem längeren 

Aufenthalt in der Schweiz usw. Gerade letzterer Aspekt, die Dauer des Auf-

enthaltes in der Schweiz, ist im Hinblick auf die Prüfung der Chancen und 

Hindernisse einer Reintegration im Heimatland bei einem Kind als gewich-

tiger Faktor zu werten, da Kinder nicht ohne guten Grund aus einem einmal 

vertrauten Umfeld herausgerissen werden sollten. Dabei ist aus entwick-

lungspsychologischer Sicht nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld 

des Kindes (d.h. dessen Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern auch 

dessen übrige soziale Einbettung. Die Verwurzelung in der Schweiz kann 

eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs haben, indem eine starke Assimilierung in der Schweiz eine Ent-

wurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, welche unter Umständen 

die Rückkehr dorthin als unzumutbar erscheinen lässt (vgl. BVGE 2009/28 

E. 9.3.2 S. 367 f.). 

 

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Seite 12 

8.2  

8.2.1 Mit Entscheid der KESB vom (…) 2016 wurde aufgrund der damals 

sehr schwierigen familiären Situation als Kindesschutzmassnahme eine 

Erziehungsbeistandschaft für den Beschwerdeführer errichtet. Gemäss 

Art. 308 Abs. 1 ZGB wird ein Beistand oder eine Beiständin eingesetzt, 

wenn es die Verhältnisse erfordern. Für die Errichtung einer Erziehungs-

beistandschaft wird eine Gefährdung des Wohls des Kindes vorausgesetzt, 

der die Eltern nicht genügend zu begegnen vermögen und der mit andern 

Mittel nicht beizukommen ist (Basler Kommentar Zivilgesetzbuch I, 6. Aufl. 

2018, PETER BREITSCHMID, RN 1 zu Art. 308). Eine Gefährdung ist gege-

ben, sobald nach den Umständen die ernstliche Möglichkeit einer Beein-

trächtigung des körperlichen, geistigen oder sittlichen Wohls des Kindes 

vorauszusehen ist (PETER BREITSCHMID, a.a.O., RN 18 zu Art. 307).  

Das Kindeswohl des Beschwerdeführers war im (…) 2016 ernsthaft gefähr-

det (vgl. SEM-Akten B1/25). Im (…) 2018 bestand die Beistandschaft noch. 

Dies ergibt sich aufgrund der Berichte der Beiständin und der Psychologin. 

In Anbetracht der dortigen Ausführungen sowie dem gegenwärtigen Alter 

des Beschwerdeführers ([…]-jährig), ist davon auszugehen, dass die Er-

ziehungsbeistandschaft auch heute noch besteht. 

8.2.2 Die KESB betraute die eingesetzte Beiständin in ihrem Entscheid 

vom (…) 2016 mit sehr umfangreichen Aufgaben, namentlich der Unter-

stützung der Mutter mit Rat und Tat bezüglich der schulischen und persön-

lichen Interessen des Beschwerdeführers, der Überwachung und Kontrolle 

der erzieherischen Verhältnisse und Intervenieren im Sinne des Wohles 

des Kindes, der Überprüfung einer allfälligen Fremdplatzierung, der Unter-

stützung der Beschwerdeführenden bezüglich sinnvoller Freizeitbeschäfti-

gung und Aufbau eines sozialen Umfelds, der Beratung hinsichtlich gesun-

der Ernährung, der Prüfung von Entlastungsmöglichkeiten betreffend 

Haushaltführung, der Überwachung der Einhaltung von Therapiebesuchen 

und der Einflussnahme auf die schulische und persönliche Entwicklung des 

Beschwerdeführers. Dies alles wurde im Hinblick darauf angeordnet, das 

Kindeswohl des Beschwerdeführers nicht weiter zu gefährden.  

8.2.3 Laut dem Bericht der Psychologin vom Mai 2018 liegt bezüglich der 

Beschwerdeführerin ein komplexes Krankheitsbild vor, dessen Ursache 

ebenso komplex ist wie das Störungsbild. Der Bericht der Psychologin 

wurde zwei Jahre nach Anordnung der Erziehungsbeistandschaft verfasst. 

Den Ausführungen ist nicht zu entnehmen, dass sich aufgrund der Bei-

E-3079/2018 

Seite 13 

standschaft hinsichtlich der Beschwerdeführerin selbst wesentliche Verän-

derungen ergeben haben. Im Rahmen der damaligen Gespräche wurde 

eine psychiatrische-psychotherapeutische Behandlung der Beschwerde-

führerin aufgegleist. Auch wenn davon auszugehen ist, dass sich die Be-

schwerdeführerin, die nur schwer über ihre Situation und ihren Zustand be-

richten kann, in der Folge in Therapie begab, kann in Anbetracht der Kom-

plexität der Krankheit nicht erwartet werden, dass sie zwischenzeitlich ge-

sund ist. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszu-

stand der Beschwerdeführerin allenfalls minimal verbessert hat. Insoweit 

wird sich auch wenig am Verhältnis zwischen Mutter und Sohn geändert 

haben.  

Bei einer Rückkehr in den Heimatstaat wäre die Beschwerdeführerin daher 

weiterhin auf den Beschwerdeführer sowie auf eine engmaschige psychi-

atrisch-psychotherapeutische Behandlung angewiesen. Diesbezüglich hat 

die Vorinstanz in der Vernehmlassung vom 16. Juli 2018 zwar darauf hin-

gewiesen, dass es in F._______, wo die Beschwerdeführenden während 

der letzten Jahre vor ihrer Ausreise gelebt haben, eine Auswahl an diplo-

mierten Psychologen und Psychiatern gebe. Ferner gebe es eine Klinik für 

psychische Erkrankungen. Indes gibt es in Pakistan kein staatliches Ge-

sundheitssystem, weshalb die Beschwerdeführenden selbst für die Be-

handlung- und allenfalls Medikamentenkosten aufkommen müssten. Hier 

in der Schweiz leben sie von einer Witwen- und Waisenrente. Gemäss Art. 

18 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversi-

cherung vom 20. Dezember 1946 (AHVG, SR 831.10) sind Ausländer so-

wie ihre Hinterlassenen ohne Schweizer Bürgerrecht nur rentenberechtigt, 

solange sie ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz 

haben, vorbehältlich abweichender zwischenstaatlicher Vereinbarungen. 

Eine solche Vereinbarung besteht zwischen der Schweiz und Pakistan 

nicht (vgl. https://sozialversicherungen.admin.ch/de/d/5976/download, zu-

letzt abgerufen am 23. August 2019). Bei einer Rückkehr hätten die Be-

schwerdeführenden demnach keinen Anspruch mehr auf ihre Renten, mit-

hin müssten sie ihren Lebensunterhalt selber erwirtschaften. Die Be-

schwerdeführerin hat keine Ausbildung und nie gearbeitet. Deshalb, aber 

auch aufgrund ihres Gesundheitszustandes, wäre sie wohl nicht in der 

Lage, selbst ein Einkommen zu generieren. Inwiefern die Beschwerdefüh-

rerin auf die finanzielle Unterstützung ihrer im Heimatland lebenden Ver-

wandten zurückgreifen könnte oder auf ein Erwerbseinkommen des Be-

schwerdeführers angewiesen wäre, muss in Anbetracht der nachstehen-

den Erwägungen nicht abschliessend geklärt werden. 

https://sozialversicherungen.admin.ch/de/d/5976/download

E-3079/2018 

Seite 14 

8.2.4 Die Erziehungsbeistandschaft wurde im (…) 2016 errichtet, nachdem 

der Beschwerdeführer deutliche Symptome einer Traumafolgestörung 

zeigte, grosse Angst vor einer Rückkehr äusserte, dies nachdem er sich in 

der Schweiz, insbesondere in der Schule gut integriert hatte, die Mutter ein 

ausgeprägtes depressives Zustandsbild zeigte und es ihr daher nicht mög-

lich war, die Bedürfnisse des Beschwerdeführers richtig einzuordnen und 

diesen gerecht zu werden.  

Laut dem Bericht der Beiständin vom Mai 2018 hat sich der Beschwerde-

führer, der sehr gut Deutsch spricht, seit der Errichtung der Beistandschaft, 

namentlich in den letzten Monaten vor der erstinstanzlichen Abweisung 

des Wiedererwägungsgesuchs in verschiedenen Bereichen stabilisiert. 

Insbesondere ging es ihm psychisch besser, war er in der Schule gut inte-

griert, konnte seine dortigen Leistungen stetig steigern und hat mit dem 

(…)-Training eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung gefunden. Dabei musste 

und wollte er stets viel Eigenverantwortung übernehmen und darüber hin-

aus zu seiner Mutter schauen. Laut der Beiständin ist es dem jungen Be-

schwerdeführer gelungen, auch ohne die in diesem Alter notwendige Un-

terstützung der Mutter gut für sich selbst zu schauen. Damit hat er mit fach-

licher Unterstützung wichtige Entwicklungsschritte gemeistert. 

Gemäss den Ausführungen der Beiständin im Bericht war die Grundstim-

mung des Beschwerdeführers im Juni 2018, nach Erhalt der negativen Ver-

fügung des SEM, deutlich bedrückt. Wobei er beim Berichten über den 

Schulalltag eine deutlich bessere Affektlage als beim Erzählen über den 

Alltag zu Hause im Zusammenleben mit der Beschwerdeführerin zeigte.  

In Anbetracht der bis zu diesem Zeitpunkt erfolgten vielfältigen Bemühun-

gen des Umfeldes des Beschwerdeführers, aber auch durch ihn selbst, er-

staunt nicht, dass die mit der Abweisung des Wiedererwägungsgesuchs 

angezeigte Wegweisung bei ihm eine grosse Verunsicherung auslöste und 

er sich grosse Sorge um seine Zukunft, aber auch die der Mutter machte.  

Es ist davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer seit dem Ent-

scheid des SEM vor etwas mehr als einem Jahr dank der gut fachlichen 

Unterstützung wieder auffangen konnte. Den Beschwerdeführer nun defi-

nitiv aus dem seit nunmehr drei Jahren gut angelegten fachlich kompeten-

ten Umfeld und der damit verbundenen sozialen wie auch bildungsmässig 

erfolgten Integration in der Schweiz herauszureissen, käme einer Entwur-

zelung gleich.  

E-3079/2018 

Seite 15 

Der Vollzug der Wegweisung nach Pakistan in eine dem Beschwerdeführer 

mittlerweile fremde respektive fremd gewordene Kultur und Umgebung 

könnte zu einer starken Belastung für seine Entwicklung und damit zu einer 

ernstzunehmenden Gefährdung für seine Person führen. Es wäre mit den 

Schutzanliegen des Kindeswohls unvereinbar, den jungen Beschwerde-

führer, der eine äusserst schwierige Situation zu meistern hatte und sich 

dabei positiv entwickelte, heute aus dem mit grossen fachlichen Engage-

ment geschaffenen und zwischenzeitlich gut aufgebauten sowie vertrauten 

schweizerischen Umfeld herauszureissen. In diesem Zusammenhang ist 

anzumerken, dass den Beschwerdeführenden eine Verzögerung des Ver-

fahrens nicht vorgehalten werden kann, benötigte die Vorinstanz doch für 

den vorliegend angefochtenen Entscheid knapp zwei Jahre.  

8.2.5 In Würdigung der vorstehenden Erwägungen kommt das Bundesver-

waltungsgericht zum Schluss, dass unter dem Gesichtspunkt des Kindes-

wohls eine im Verhältnis zum Entscheid des SEM vom 26. Februar 2016 

nachträglich wesentlich veränderte Sachlage vorliegt und der Vollzug der 

Wegweisung für den Beschwerdeführer als unzumutbar im Sinne von 

Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren ist. Der Beschwerdeführer ist daher vor-

läufig aufzunehmen.  

8.3 Unter Berücksichtigung des Anspruchs auf Einheit der Familie (Art. 44 

Abs. 1 AsylG) ist auch die Beschwerdeführerin in der Schweiz vorläufig 

aufzunehmen. 

9.  

Die Beschwerde ist gutzuheissen. Die Verfügung des SEM vom 27. April 

2018 ist vollumfänglich und die Verfügung vom 26. Februar 2016 in den 

Dispositiv Ziffern 4 sowie 5 aufzuheben. Die Vorinstanz ist anzuweisen, die 

Beschwerdeführenden wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzu-

ges in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. 

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Die mit Zwischenverfügung vom 4. Juli 2018 

gewährte unentgeltliche Prozessführung ist mit vorliegendem Urteil gegen-

standslos geworden. 

10.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsie-

gens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements 

E-3079/2018 

Seite 16 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die 

ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

Der Rechtsvertreter reichte mit der Beschwerde vom 25. Mai 2018 und der 

Eingabe vom 27. Juli 2018 eine Honorarnote ein, wobei er einen zeitlichen 

Aufwand von insgesamt 8,4 Stunden zu einem Stundenansatz von 

Fr. 193.– (inkl. Mehrwertsteuer) geltend macht. Der geltend gemachte zeit-

liche Aufwand scheint angemessen, ebenso der Stundenansatz. Die Ent-

schädigung ist somit auf Fr. 1ꞌ621.20 (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag im 

Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE und allfällige Auslagen) festzusetzen. 

Dieser Betrag ist den Beschwerdeführenden als Parteientschädigung zu-

lasten der Vorinstanz zuzusprechen. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-3079/2018 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 27. April 2018 wird aufgehoben. Das SEM 

wird angewiesen, die Beschwerdeführenden in teilweiser Wiedererwägung 

der Verfügung vom 26. Februar 2016 vorläufig in der Schweiz aufzuneh-

men. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden für das Verfahren 

vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insge-

samt Fr. 1'621.20 auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Barbara Balmelli Nathalie Schmidlin