# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8455a469-9a9e-59e4-9b7f-93068c703468
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-08-24
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsgericht 24.08.2010 B 2010/137
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VG_001_B-2010-137_2010-08-24.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: B 2010/137

Stelle: Verwaltungsgericht

Rubrik: Verwaltungsgericht

Publikationsdatum: 24.08.2010

Entscheiddatum: 24.08.2010

Urteil des Verwaltungsgerichts vom 24. August 2010
Strafvollzug, Eröffnung einer Verfügung, Art. 284 Abs. 1 StP (sGS 962.1), Art. 
30 VRP (sGS 951.1) in Verbindung mit Art. 82 GerG, Art. 77 GerG (sGS 941.1). 
Die Eröffnung einer Verfügung über den Widerruf des bedingten 
Strafvollzugs an den Rechtsvertreter löst den Fristenlauf für die Anfechtung 
aus, auch wenn der Betroffene von der Verfügung keine Kenntnis erhält 
(Verwaltungsgericht, B 2010/137).

Anwesend: Präsident Prof. Dr. U. Cavelti; Verwaltungsrichter lic. iur. A. Linder, 

Dr. B. Heer, lic. iur. A. Rufener, Dr. S. Bietenharder-Künzle; Gerichtsschreiber lic. iur. 

Th. Vögeli

_______________

 

In Sachen

X.Y.,z.Zt. Regionalgefängnis, Luchsstrasse 11, 9450 Altstätten,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt lic.iur. T.

gegen

 

Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen,Moosbruggstrasse 11, 

9001 St. Gallen,

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Vorinstanz,

 

betreffend

Widerruf der bedingten Entlassung

 

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:

A./ X.Y., geb. 1981, ist Staatsangehöriger von Serbien. Er wurde vom Bezirksgericht 

See mit Urteil vom 26. Juni 2003 u.a. des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, 

der versuchten schweren Körperverletzung, des mehrfachen Betrugs und der 

mehrfachen Urkundenfälschung sowie des Verbergens und Weiterschaffens von 

Sprengstoff sowie weiterer Delikte schuldig gesprochen und zu einer Gefängnisstrafe 

von 32 Monaten verurteilt. Da er sich seit längerem im vorzeitigen Strafvollzug befand, 

wurde er mit Verfügung vom 29. Juli 2003 bedingt aus der Strafanstalt Bostadel 

entlassen. Die Entlassung und Ausschaffung erfolgten am 21. August 2003. Der 

unverbüsste Strafrest betrug 313 Tage.

Das Einzelrichteramt des Kantons Zug verurteilte X.Y. am 4. April 2006 wegen 

Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs und Widerhandlung gegen das 

Ausländerrecht zu 90 Tagen Gefängnis. Am 28. April 2006 wurde X.Y. Gelegenheit zur 

Stellungnahme zum beabsichtigten Widerruf der bedingten Entlassung gegeben. Am 

12. Mai 2006 ersuchte sein Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Z., es sei von einem 

Widerruf der bedingten Entlassung abzusehen.

Mit Verfügung vom 14. Juni 2006 widerrief das Justiz- und Polizeidepartement des 

Kantons St. Gallen (heute: Sicherheits- und Justizdepartement) die am 29. Juli 2003 

gewährte bedingte Entlassung und ordnete den Vollzug der Reststrafe vom 313 Tagen 

an. Zur Begründung wurde angeführt, angesichts der neuerlichen Verfehlung könne 

nicht mehr erwartet werden, X.Y. lasse sich von einer bedingten Strafdrohung von 

neuen Strafen abhalten. Es könne ihm keine günstige Prognose mehr gestellt werden. 

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Nachdem er am 15. Mai 2006 wieder in sein Heimatland ausgeschafft worden sei, 

werde er für den widerrufenen Strafrest zur Verhaftung ausgeschrieben. Sollte er erneut 

in die Schweiz einreisen, hätte er die Reststrafe zu verbüssen.

Am 25. Mai 2010 wurde X.Y. in Zug festgenommen. Er wurde tags darauf zum Vollzug 

der unverbüssten Reststrafe ins Regionalgefängnis Altstätten überführt.

B./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 8. Juni 2010 erhob X.Y. Rekurs bei der 

Regierung und beantragte, die Verfügung vom 14. Juni 2006 sei aufzuheben, es sei auf 

einen Widerruf der mit Verfügung vom 29. Juli 2003 gewährten bedingten Entlassung 

zu verzichten und er sei aus der Haft zu entlassen; sodann seien die Kosten des 

Verfahrens auf die Staatskasse zu nehmen und ihm sei eine angemessene 

Entschädigung und Genugtuung zu bezahlen. Zur Begründung wird vorgebracht, X.Y. 

sei vor Erhalt der Verfügung vom 14. Juni 2006 in sein Heimatland ausgeschafft 

worden und habe erst am 25. Mai 2010 von der Verfügung Kenntnis erhalten. Diese 

Verfügung sei zwar auch seinem früheren Rechtsvertreter zugestellt worden; von 

diesem habe er aber bis heute nichts und schon gar nicht die erwähnte Verfügung 

erhalten. Ein Widerruf der bedingten Entlassung wäre bis zum 29. Juli 2009 möglich 

gewesen. Dieser Termin sei seit längerem verstrichen.

Die Regierung übermittelte den Rekurs als Beschwerde dem Verwaltungsgericht. Die 

Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung, auf die Beschwerde sei nicht 

einzutreten, eventuell sei die Beschwerde abzuweisen. Zur Begründung wird im 

wesentlichen vorgebracht, die Verfügung vom 14. Juni 2006 sei ordnungsgemäss dem 

damaligen Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zugestellt worden. Da die 

vierzehntägige Rekursfrist ungenutzt abgelaufen sei, sei die Verfügung in Rechtskraft 

erwachsen. Es sei unerheblich, ob bzw. wann der Beschwerdeführer vom Inhalt der 

Verfügung Kenntnis genommen habe.

Der Beschwerdeführer erhielt Gelegenheit, zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung 

zu nehmen. Am 7. Juli 2010 stellte er das Gesuch, die Frist für eine Stellungnahme sei 

bis 19. Juli 2010 zu erstrecken. Diesem Gesuch wurde antragsgemäss stattgegeben. 

Innert der angesetzten Frist, aber auch später, liess sich der Beschwerdeführer nicht 

mehr vernehmen.

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Darüber wird in Erwägung gezogen:

1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist im Grundsatz gegeben 

(Art. 59bis Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, 

abgekürzt VRP).

1.1. In der angefochtenen Verfügung vom 14. Juni 2006 wurde als Rechtsmittel der 

Rekurs an die Regierung angegeben. Dies entsprach dem damals geltenden Art. 43 lit. 

c VRP (nGS 39-64). Dementsprechend reichte der Beschwerdeführer sein Rechtsmittel 

als Rekurs bei der Regierung ein. Mit dem Inkrafttreten des V. NG zum VRP ist gegen 

Verfügungen der Departemente die Beschwerde an das Verwaltungsgericht zulässig 

(Art. 59bis Abs. 1 VRP). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers wurde darüber 

orientiert. Im übrigen entspricht die Rechtsmitteleingabe formal und inhaltlich den 

gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP).

1.2. Zu prüfen ist, ob die Beschwerde rechtzeitig eingereicht wurde. Der 

Beschwerdeführer beruft sich im wesentlichen darauf, er habe die Verfügung vom 

14. Juni 2006 nicht bzw. erst am 25. Mai 2010 zur Kenntnis nehmen können.

Beim Widerruf der bedingten Entlassung handelt es sich um eine Verfügung der 

Strafvollzugsbehörde. Im Bereich des Strafvollzugs sind die Bestimmungen des VRP 

anwendbar (vgl. Art. 284 Abs. 1 des Strafprozessgesetzes, sGS 962.1, abgekürzt StP). 

Die Verfügung vom 14. Juni 2006 wurde unbestrittenermassen dem damaligen 

Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Z., zugestellt. Die Eröffnung 

einer Verfügung ist eine empfangsbedürftige, nicht aber annahmebedürftige 

Rechtshandlung. Es ist daher für die Rechtswirksamkeit der Eröffnung unerheblich, ob 

der Betroffene von der Möglichkeit der Kenntnisnahme sofort oder erst später oder 

überhaupt je Gebrauch macht (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im 

Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 882 mit Hinweisen). Der Beschwerdeführer war 

im Verfahren betr. Widerruf der bedingten Entlassung anwaltlich vertreten. Ist eine 

Partei im Verfahren ordnungsgemäss vertreten, so hat die Behörde ihre Verfügung dem 

Bevollmächtigten zuzustellen; nur die Zustellung an den Vertreter löst Rechtswirkungen 

aus (J. Stadelwieser, Die Eröffnung von Verfügungen, unter besonderer 

Berücksichtigung des eidgenössischen und des st. gallischen Rechts, Diss. St. Gallen 

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1994, S. 91). Die Verfügung vom 14. Juni 2006 konnte daher rechtswirksam 

ausschliesslich dem damaligen Rechtsvertreter zugestellt werden. Die Behauptung des 

Beschwerdeführers, sein Rechtsvertreter habe ihn über die Verfügung nicht in Kenntnis 

gesetzt, ist im übrigen nicht näher belegt. Es sind dazu allerdings keine weiteren 

Abklärungen zu treffen, da die Verfügung mit der Zustellung an den Rechtsvertreter 

rechtswirksam eröffnet wurde und die Rechtsmittelfrist am Tag nach der Zustellung an 

den Vertreter zu laufen begann (Art. 30 VRP in Verbindung mit (Art. 82 Abs. 1 des 

Gerichtsgesetzes, sGS 941.1 abgekürzt GerG). Damit ist die Beschwerde offensichtlich 

verspätet, weshalb nicht darauf eingetreten werden kann (Art. 77 Abs. 1 GerG).

1.3. Soweit der Beschwerdeführer eine Genugtuung verlangt, ist auf sein Begehren 

mangels Zuständigkeit nicht einzutreten (Art. 273 Abs. 1 StP).

2. Das Nichteintreten auf ein Rechtsmittel kommt der Abweisung desselben gleich. 

Daher ist der Beschwerdeführer grundsätzlich kostenpflichtig (Art. 95 Abs. 1 VRP). 

Vorliegend ist auf die Erhebung amtlicher Kosten zu verzichten (Art. 97 VRP).

Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98bis VRP).

 

Demnach hat das Verwaltungsgericht

zu Recht erkannt:

1./ Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2./ Amtliche Kosten werden keine erhoben.

3./ Ausseramtliche Kosten werden nicht entschädigt.

V.          R.           W.

 

Der Präsident:              Der Gerichtsschreiber:

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Versand dieses Entscheides an:

-   den Beschwerdeführer (durch Rechtsanwalt lic. iur. T.)

-   die Vorinstanz

 

am:

 

 

Rechtsmittelbelehrung:

Sofern eine Rechtsverletzung nach Art. 95 ff. BGG geltend gemacht wird, kann gegen 

diesen Entscheid gestützt auf Art. 78 ff. BGG innert 30 Tagen nach Eröffnung beim 

Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde erhoben werden.

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	Strafvollzug, Eröffnung einer Verfügung, Art. 284 Abs. 1 StP (sGS 962.1), Art. 30 VRP (sGS 951.1) in Verbindung mit Art. 82 GerG, Art. 77 GerG (sGS 941.1). Die Eröffnung einer Verfügung über den Widerruf des bedingten Strafvollzugs an den Rechtsvertreter löst den Fristenlauf für die Anfechtung aus, auch wenn der Betroffene von der Verfügung keine Kenntnis erhält (Verwaltungsgericht, B 2010/137).

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