# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** bcac640f-deb3-5087-a8f9-0edfe98d71c1
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-07-12
**Language:** de
**Title:** Zürich Handelsgericht 12.07.2021 HG200129
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_HG_001_HG200129_2021-07-12.pdf

## Full Text

Handelsgericht des Kantons Zürich 
   
 
 

Geschäfts-Nr.: HG200129-O U/mk 

(Vormals HG160051-O) 

 

 

Mitwirkend: Oberrichter Roland Schmid, Präsident und Oberrichterin  

Dr. Claudia Bühler, Vizepräsidentin, die Handelsrichter  

Ulrich Ritter, Kaspar Wälti und Peter Schweizer sowie  

Gerichtsschreiber Dr. Benjamin Büchler 

 

Urteil vom 12. Juli 2021 

 

in Sachen 

 

A._____ Ltd,  
Klägerin und Widerbeklagte 

 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X1._____,  

 

gegen 

 

B._____ GmbH & Co. KG,   
Beklagte und Widerklägerin 

 

vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Y._____,  

 

betreffend Forderung

- 2 - 

Rechtsbegehren Klage: 
(act. 1 S. 2) 

"1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin EUR 357'001.50 
nebst 5% Zins seit 5. Dezember 2014 sowie GBP 632'544.27 
nebst 5% Zins ab Urteilsdatum zu bezahlen. 

 2 Eventualiter sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 
EUR 357'001.50 nebst 5% Zins seit 5. Dezember 2014, 
GBP 527'598.13 nebst 5% Zins ab Urteilsdatum, EUR 14'832.77 
nebst 5% Zins ab Urteilsdatum sowie CHF 138'889.65 nebst 5% 
Zins ab Urteilsdatum zu bezahlen. 

 3. Subeventualiter sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 
GBP 282'173.99 nebst 5% Zins seit 5. Dezember 2014 sowie 
GBP 632'544.27 nebst 5% Zins ab Urteilsdatum zu bezahlen. 

 4. Subsubeventualiter sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 
EUR 357'001.50 nebst 5% Zins seit 5. Dezember 2014 sowie 
EUR 782'552.86 nebst 5% Zins ab Urteilsdatum zu bezahlen. 

 5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklag-
ten." 

Rechtsbegehren Widerklage: 
(act. 26 S. 2) 

"1.  Die Klägerin sei zu verurteilen, der Beklagten EUR 597'934.15 
zuzüglich Zins von 7.12% seit 14. Juli 2016 zu bezahlen. 

 2.  Eventualiter sei die Klägerin zu verurteilen,  
 - der Beklagten EUR 387'268.50 zuzüglich Zins von 7.12% 

seit 14. Juli 2016 zu bezahlen, Zug um Zug gegen Abliefe-
rung der C._____ Production Line zu bezahlen; und  

 -  der Beklagten EUR 210'665.65 zuzüglich Zins von 7.12% 
seit 14. Juli 2016 zu bezahlen. 

 3.  Subeventualiter sei die Klägerin zu verurteilen, der Beklagten 
EUR 387'268.50 und GBP 175'695.15 zuzüglich Zins von 7.12% 
seit 14. Juli 2016 zu bezahlen. 

 4.  Subsubeventualiter sei die Klägerin zu verurteilen,  
 -  der Beklagten EUR 387'268.50 zuzüglich Zins von 7.12% 

seit 14. Juli 2016 zu bezahlen, Zug um Zug gegen Abliefe-
rung der C._____ Production Line zu bezahlen; und 

 -  der Beklagten GBP 175'695.15 zuzüglich Zins von 7.12% 
seit 14. Juli 2016 zu bezahlen. 

 5.  Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin." 

- 3 - 

Rechtsbegehren Klagereplik: 
(act. 63 S. 2) 

"1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin EUR 357'001.50 
nebst 5% Zins seit 5. Dezember 2014 sowie GBP 632'544.27 
nebst 5% Zins ab Urteilsdatum zu bezahlen, unter Nachklagevor-
behalt. 

 2. Eventualiter sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 
EUR 357'001.50 nebst 5% Zins seit 5. Dezember 2014, 
GBP 527'598.13 nebst 5% Zins ab Urteilsdatum, EUR 14'832.77 
nebst 5% Zins ab Urteilsdatum sowie CHF 138'889.65 nebst 5% 
Zins ab Urteilsdatum zu bezahlen, unter Nachklagevorbehalt. 

 3. Subeventualiter sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 
GBP 282'173.99 nebst 5% Zins seit 5. Dezember 2014 sowie 
GBP 632'544.27 nebst 5% Zins ab Urteilsdatum zu bezahlen, un-
ter Nachklagevorbehalt. 

 4. Subsubeventualiter sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 
EUR 357'001.50 nebst 5% Zins seit 5. Dezember 2014 sowie 
EUR 782'552.86 nebst 5% Zins ab Urteilsdatum zu bezahlen, un-
ter Nachklagevorbehalt. 

 5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklag-
ten." 

Rechtsbegehren Widerklagereplik: 
(act. 67 S. 2) 

"1. Die Klägerin sei zu verurteilen, der Beklagten EUR 596'737.15 
zuzüglich Zins von 7.12% seit 14. Juli 2016 zu bezahlen. 

 2. Eventualiter sei die Klägerin zu verurteilen, 
 -  der Beklagten EUR 387'268.50 zuzüglich Zins von 7.12% 

seit 14. Juli 2016, Zug um Zug gegen Ablieferung der 
C._____ Production Line zu bezahlen; und 

 -  der Beklagten EUR 209'468.65 zuzüglich Zins von 7.12% 
seit 14. Juli 2016 zu bezahlen. 

 3. Subeventualiter sei die Klägerin zu verurteilen, der Beklagten 
EUR 387'268.50 und GBP 174'696.85 zuzüglich Zins von 7.12% 
seit 14. Juli 2016 zu bezahlen. 

 4. Subsubeventualiter sei die Klägerin zu verurteilen, 
 -  der Beklagten EUR 387'268.50 zuzüglich Zins von 7.12% 

seit 14. Juli 2016, Zug um Zug gegen Ablieferung der 
C._____ Production Line zu bezahlen; und 

 - der Beklagten GBP 174'696.85 zuzüglich Zins von 7.12% 
seit 14. Juli 2016 zu bezahlen. 

 5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin. 

- 4 - 

Inhaltsverzeichnis 

Sachverhalt und Verfahren: ................................................................................ 5 
A. Sachverhaltsübersicht ................................................................................ 5 
B. Prozessverlauf ............................................................................................ 5 

Erwägungen: ........................................................................................................ 9 
1. Zuständigkeit .............................................................................................. 9 
2. Sachverhalt ................................................................................................. 9 

2.1. Unbestrittener Sachverhalt .............................................................................. 9 
2.2. Wesentliche Streitpunkte .............................................................................. 11 
2.2.1. Klägerin ........................................................................................................... 11 
2.2.2. Beklagte .......................................................................................................... 12 

3. Anwendbares Recht und Qualifikation des Vertrags ................................. 14 
4. Schuldnerverzug ....................................................................................... 14 

4.1. Parteistandpunkte ......................................................................................... 14 
4.1.1. Klägerin ........................................................................................................... 14 
4.1.2. Beklagte .......................................................................................................... 17 
4.2. Rechtliches .................................................................................................... 19 
4.3. Würdigung ..................................................................................................... 25 
4.3.1. Vollendungs- und Ablieferungstermin ............................................................. 26 
4.3.2. Vertragswidrige Verspätung ............................................................................ 27 
4.3.3. Verweigerung durch die Beklagte ................................................................... 27 
4.3.4. Mahnung und Nachfristansetzung .................................................................. 28 
4.3.5. Fristablauf und Rücktrittserklärung ................................................................. 32 
4.3.6. Rechtsfolgen des Rücktritts ............................................................................ 32 
4.3.7. Rückerstattungsanspruch ............................................................................... 33 
4.3.8. Schadenersatzanspruch ................................................................................. 33 
4.3.8.1. Kosten im Zusammenhang mit der Fabrikhalle ......................................................... 34 
4.3.8.2. Personalkosten .......................................................................................................... 52 
4.3.8.3. Kosten des Vertragsabschlusses .............................................................................. 55 
4.3.8.4. Kosten der Vertragsdurchführung ............................................................................. 58 
4.3.8.5. Zusätzlicher Arbeitsaufwand ..................................................................................... 67 
4.3.8.6. Rechtsverfolgungskosten .......................................................................................... 72 
4.3.8.7. Zusammenfassung der Schadenspositionen ............................................................ 84 
4.3.9. Eventualverrechnung durch die Beklagte ....................................................... 85 
4.3.10. Währung der Ansprüche ............................................................................... 85 
4.3.11. Zins ............................................................................................................... 87 
4.4. Fazit .............................................................................................................. 88 

5. Werkmangel .............................................................................................. 88 
5.1. Parteistandpunkte ......................................................................................... 88 
5.1.1. Klägerin ........................................................................................................... 88 
5.1.2. Beklagte .......................................................................................................... 89 
5.2. Rechtliches .................................................................................................... 90 
5.3. Würdigung ..................................................................................................... 91 

6. Widerklage ................................................................................................ 92 
7. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen ......................................... 92 
8. Kosten- und Entschädigungsfolgen .......................................................... 93 

Urteilsdispositiv: ............................................................................................... 94 

- 5 - 

Sachverhalt und Verfahren: 

A. Sachverhaltsübersicht 

Die Klägerin ist eine im englischen Handelsregister eingetragene limited 

company des englischen Rechts mit Sitz in England, welche die Herstellung von 

… bezweckt. Die Beklagte ist eine im deutschen Handelsregister eingetragene 

Kommanditgesellschaft deutschen Rechts mit Sitz in Deutschland. Sie produziert 

Anlagen für die weltweite Belieferung der Kunststoffindustrie speziell im Bereich 

der … (act. 1 Rz. 4; act. 3/6-8).  

Die Parteien schlossen im Oktober/November 2014 einen Vertrag, wonach 

sich die Beklagte verpflichtete, eine Maschine mit Zusatzanlagen für die Klägerin 

herzustellen und ihr diese zu liefern. Die Klägerin verlangt mit ihrer Klage die 

Rückzahlung einer bereits geleisteten Zahlung für die Maschine und macht Scha-

denersatz gegen die Beklagte geltend, mit der Begründung, dass Letztere die 

Maschine nicht wie vereinbart vollendet habe und sich daher in Verzug befunden 

habe. Eventualiter habe die Beklagte die Maschine mangelhaft erstellt. Die Be-

klagte bestreitet den klägerischen Anspruch und macht in ihrer Widerklage einen 

Anspruch auf Vergütung, den Ersatz von Kosten für eine Ersatzvornahme sowie 

den Ersatz des Schadens geltend, der ihr zufolge der angeblich durch die Kläge-

rin verschuldeten unplanmässigen Belegung der Produktionsfläche durch die Ma-

schine entstanden sei. 

B. Prozessverlauf  

Am 4. März 2016 (Datum Poststempel) reichte die Klägerin die Klage hier-

orts ein (act. 1). Nachdem sie den von ihr geforderten Vorschuss für die Gerichts-

kosten von CHF 19'000.– fristgerecht geleistet hatte (act. 4; act. 7), wurde der 

Beklagten Frist zur Erstattung der Klageantwort angesetzt (act. 8). Mit Eingabe 

vom 8. April 2016 beantragte die Beklagte, es sei die Klägerin zu verpflichten, ei-

ne Sicherheit für die Parteientschädigung in Höhe von CHF 40'000.– zu leisten 

(act. 10). Zudem stellte sie den Antrag, es sei ihr die Frist zur Erstattung der Kla-

- 6 - 

geantwort bis zum Entscheid über die Sicherstellung einstweilen abzunehmen. 

Mit Verfügung vom 12. April 2016 (act. 11) wurde der Klägerin Frist angesetzt, um 

sich zum Antrag der Beklagten auf Sicherstellung der Parteientschädigung zu 

äussern. Die Klägerin anerkannte in der Folge den Antrag auf Sicherstellung der 

Parteientschädigung und zahlte die Sicherheit in der Höhe von CHF 40'000.– bei 

der Obergerichtskasse ein (act. 15; act. 18). Der Beklagten wurde eine neue Frist 

zur Erstattung der Klageantwort angesetzt. Mit Eingabe vom 13. Juli 2016 (Datum 

Poststempel) erstattete die Beklagte innert Nachfrist die Klageantwort und erhob 

gleichzeitig Widerklage (act. 22; act. 26). Am 8. Dezember 2016 fand eine Ver-

gleichsverhandlung statt, anlässlich welcher zwischen den Parteien keine Eini-

gung erzielt werden konnte (Prot. S. 13 f.). Mit Verfügung vom 14. Dezember 

2016 wurden diverse Eingaben der Parteien für prozessual unbeachtlich erklärt 

und den Parteien je Frist zur Leistung von zusätzlichen Vorschüssen für die Ge-

richtskosten angesetzt (act. 42).  

Am 11. Januar 2017 stellte die Beklagte den Antrag, es sei die Klägerin zu 

verpflichten, die Sicherheit für die Parteientschädigung auf CHF 80'000.– zu er-

höhen (act. 49). In der Folge gingen die geforderten zusätzlichen Vorschüsse für 

die Gerichtskosten ein und es wurde die Klägerin verpflichtet, eine zusätzliche Si-

cherheit von CHF 13'400.– zu bezahlen (act. 60). Sodann wurde der Klägerin 

Frist angesetzt, um ihre Replik sowie die Widerklageantwort einzureichen. Mit 

Eingabe vom 17. August 2017 (act. 63) erstattete die Klägerin ihre Replik und Wi-

derklageantwort. Die Duplik und Widerklagereplik der Beklagten erfolgte am 

15. November 2017 (act. 67). Schliesslich reichte die Klägerin am 8. Februar 

2018 ihre Widerklageduplik ein (act. 72). Diese wurde der Beklagten zugestellt 

(act. 73). 

Mit Verfügung vom 1. April 2019 wurde den Parteien Frist angesetzt, um zu 

erklären, ob sie - unter Vorbehalt der Durchführung eines Beweisverfahrens - auf 

die Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung verzichten (act. 75). Mit 

Eingaben je vom 11. April 2019 (Klägerin act. 77; Beklagte act. 78) verzichteten 

beide Parteien auf die Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung. 

- 7 - 

Mit Urteil vom 9. Mai 2019 wies das Handelsgericht die Klage vollumfänglich 

ab und hiess die Widerklage im Umfang von EUR 4'043.08 gut (act. 79 S. 62 f.). 

Gegen das Urteil legte die Klägerin Beschwerde am Bundesgericht ein, welches 

die Beschwerde mit Urteil vom 31. März 2020 teilweise guthiess und die Ziffern 1, 

3, 4 und 5 des Urteils des Handelsgerichts aufhob (act. 87).  

b. Urteil des Bundesgerichts 

Das Bundegericht fällt ein kassatorisches Urteil und weist die Streitsache an 

die Vorinstanz zurück, wenn die tatsächliche Beurteilungsgrundlage fehlt. Die Vo-

rinstanz hat folglich den rechtserheblichen Sachverhalt zu vervollständigen (JO-

HANNA DORMANN, in: NIGGLI/UEBERSAX/WIPRÄCHTIGER/KNEUBÜHLER [Hrsg.], Basler 

Kommentar Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl., Basel 2018, N 15 zu Art. 107 BGG). 

Die rechtlichen Erwägungen des Bundesgerichts sind dabei verbindlich. Dies gilt 

sowohl hinsichtlich der Punkte, bezüglich deren die Rückweisung erfolgt, als auch 

diejenigen über die definitiv entschieden wurde (DORMANN, a.a.O., N 18 zu 

Art. 107 BGG).  

In seinem Urteil vom 31. März 2020 hat das Bundesgericht erwogen, dass 

der im Urteil des Handelsgerichts vom 9. Mai 2019 vorgenommenen Vertragsaus-

legung nicht gefolgt werden könne. Die Ablieferung der Maschine habe vorausge-

setzt, dass die Maschine in der Lage sei, 2'000 m2 verkäufliche Harzmatten her-

zustellen. In einer entscheidenden Vertragsklausel hätten die Parteien vereinbart, 

dass die Beklagte bei einem Scheitern der Testphase die Maschine auf eigene 

Kosten weiterentwickeln und korrigieren könne. Daraus ergebe sich auch, dass 

die Parteien damit gerechnet hätten, dass die Maschine im Zeitpunkt der Test-

phase die Produkte nicht wie gewünscht herstellen könne. Ein Vollendungs- und 

Ablieferungstermin sei folglich - entgegen dem Urteil des Handelsgerichts - nicht 

vereinbart worden, weshalb die Beklagte mit der Vollendung nicht im Verzug ge-

wesen sein könne (act. 87 E. 6). Weiter hat das Bundesgericht die handelsge-

richtlichen Erwägungen zum Verzug aufgrund vertragswidriger Verzögerung im 

Sinne von Art. 366 Abs. 1 OR bestätigt (act. 87 E. 7). Es ist aber zum Schluss ge-

kommen, dass die Beklagte aufgrund ihrer Verweigerung, den Vertrag weiterhin 

zu erfüllen, in Verzug geraten sei. Zu dieser Verweigerung sei die Beklagte nicht 

- 8 - 

berechtigt gewesen. Somit sei die Klägerin berechtigt gewesen, in analoger An-

wendung von Art. 366 Abs. 1 OR vom Vertrag zurückzutreten. Sodann hielt das 

Bundesgericht fest, dass das Handelsgericht aufgrund der Verneinung eines 

Rücktrittsrechts die übrigen Voraussetzungen des Rücktritts wie auch die Scha-

denspositionen nicht geprüft habe und die Sache deswegen an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen sei (act. 87 E. 8).  

Hinsichtlich der Widerklage, welche im ersten Urteil des Handelsgerichts 

teilweise gutgeheissen wurde, hat lediglich die Klägerin eine Beschwerde erho-

ben, welche durch das Bundesgericht vollumfänglich abgewiesen wurde (act. 87 

E. 9).  

Zusammengefasst betrifft die bundesgerichtliche Rückweisung im Wesentli-

chen die Beurteilung der Hauptklage. Dass die Klägerin gestützt auf Art. 366 

Abs. 1 OR zum Rücktritt vom Vertrag berechtigt war, hat das Bundesgericht be-

reits verbindlich entschieden. Diese Erwägungen sind für das vorliegende Verfah-

ren verbindlich und entsprechend zu übernehmen. Zu beurteilen sind hingegen 

die weiteren Voraussetzungen des Rücktritts nach Art. 366 OR sowie ein daraus 

resultierender Schaden. Nicht mehr Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist 

die Widerklage, bezüglich welcher das Urteil des Handelsgerichts des Kantons 

Zürich vom 9. Mai 2019 nach der Abweisung der Beschwerde durch das Bundes-

gericht in Rechtskraft erwachsen ist.  

c. Spruchreife 

Der Prozess erweist sich als spruchreif, weshalb ein Urteil zu fällen ist 

(Art. 236 Abs. 1 ZPO). Auf die einzelnen Parteivorbringen sowie auf die Akten ist 

in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen, soweit sich dies zur Entscheid-

findung als notwendig erweist. 

d. Gerichtsbesetzung 

Das damalige Urteil vom 9. Mai 2019 wurde in folgender Besetzung gefällt: 

Oberrichterin Dr. Claudia Bühler, Vizepräsidentin, Oberrichter Prof. Dr. Alexander 

Brunner als Instruktionsrichter, Handelsrichter Ulrich Ritter, Handelsrichter Erich 

- 9 - 

Just und Handelsrichter Kaspar Wälti sowie Gerichtsschreiber Dr. Benjamin Büch-

ler. Zwischenzeitlich sind Oberrichter Prof. Dr. Alexander Brunner und Handels-

richter Erich Just altershalber zurückgetreten. Entsprechend ist das Gericht neu 

zu besetzen. Den Vorsitz übernimmt neu Handelsgerichtspräsident Oberrichter 

Roland Schmid, während Vizepräsidentin Dr. Claudia Bühler als Instruktionsrich-

terin amtet. Zudem wird Handelsrichter Peter Schweizer als Beisitzer bestellt.   

Eine solche Besetzungsänderung ist nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-

chung ohne Weiteres zulässig. 

Erwägungen: 

1. Zuständigkeit 

Das hiesige Handelsgericht ist gestützt auf die Gerichtstandsvereinbarung 

der Parteien für die vorliegende Klage sowohl örtlich (Art. 23 Abs. 1 LugÜ; 

act. 3/2-5) als auch sachlich (Art. 6 Abs. 1 und 2 ZPO i.V.m. § 44 lit. b GOG) zu-

ständig (vgl. dazu act. 79 E. 1; act. 87 E. 1). 

2. Sachverhalt 

2.1. Unbestrittener Sachverhalt 

Die Parteien schlossen im Oktober/November 2014 einen Vertrag, worin 

sich die Beklagte verpflichtete, eine Maschine mit Zusatzanlagen für die Klägerin 

herzustellen und diese der Klägerin zu liefern. Bei dieser Maschine handelt es 

sich um eine «D._____»-Harzmattenanlage (nachfolgend: D'._____-Maschine) 

mit Zusatzkomponenten und Zusatzleistungen (act. 1 Rz. 16, Rz. 26; act. 26 

Rz. 13). «D._____»-Harzmatten sind durch Glasfasern verstärkte, gehärtete 

Kunststoffplatten (Duromere). Die Basis-Ausgangsmaterialien sind grundsätzlich: 

Eine Harzmischung (in der Regel auf Basis von Polyester oder Vinylester), Glas-

fasern und Füllstoffe (z.B. Kalziumkarbonat oder Aluminiumtrihydrat). Eine 

D'._____-Maschine besteht herkömmlicherweise aus einem Laufband, welches 

mindestens mit Rollen, Harzpumpen, Walzensystemen (Kalandern) und einer 

Steuerung ausgestattet ist. Auf einer oberen und einer unteren Folie wird in der 

- 10 - 

D'._____-Maschine je eine Schicht der Harzmischung und des Füllstoffs aufge-

tragen und auf dem Band weiterbefördert. Zwischen diesen beiden Schichten 

werden in der D'._____-Maschine die Glasfasern «sandwichartig» entweder als 

geschnittene Glasfasern («chopped rovings») fortlaufend eingestreut oder als 

Glasfasermatten (CSM) dazwischen gelegt. Diese Ausgangsmaterialien werden 

beim Durchlaufen der D'._____-Maschine in den Kalandern der D'._____-

Maschine gepresst. Nach Durchlaufen der D'._____-Maschine werden die Harz-

matten auf Rollen aufgerollt. Danach wird das D'._____ einige Tage gelagert, wo-

bei sich die Viskosität (Zähflüssigkeit, Festigkeit) erhöht. Schliesslich werden die 

D'._____-Harzmatten regelmässig in einer geschlossenen Presse bei rund 150-

170 Grad Celsius ausgehärtet und ausgeformt. Duromere sind oftmals nach der 

Aushärtung nicht mehr formbar (act. 26 Rz. 13; act. 63 Rz. 269). 

Die Klägerin verlangte, dass die herzustellende D'._____-Maschine mit ei-

nem von ihr selbst vorgelegten Rezept ein Produkt mit den von ihr gewünschten 

Spezifikationen herstellen könne. Eine Abnahme der D'._____-Maschine sollte 

nur erfolgen, wenn sie Harzmatten mit gewissen von der Klägerin vorgegebenen 

Eigenschaften mit einem von der Klägerin vorgegebenen Rezept seriell herstellen 

könne. Der Aushärtungsprozess des Harzes sollte nicht mittels Pressung und Hit-

ze, sondern alleine über UV-Bestrahlung der Harzmatten erfolgen (sog. «UV-

curing D'._____»). In einem mehrere Tage andauernden Reifungsprozess werden 

dabei die Harzmatten durch UV-Bestrahlung ausgehärtet. Dieser Prozess setzt 

ein profundes chemisches Fachwissen sowie ein Spezialwissen bezüglich der 

Herstellung von UV-härtendem Harz voraus (act. 26 Rz. 15; act. 63 Rz. 273 f.). 

Als Gegenleistung für die Herstellung der D'._____-Maschine vereinbarten 

die Parteien eine Vergütung in der Höhe von EUR 793'470.00. Betreffend die 

Zahlung vereinbarten sie, dass die ersten 45% des Werklohnes bei der Bestellung 

bezahlt würden, dass weitere 45% nach (erfolgreicher) Vor-Abnahme, vor Liefe-

rung, zu bezahlen seien und dass die restlichen 10% 30 Tage nach Unterzeich-

nung des finalen Abnahmeprotokolls bezahlt werden müssten. Die Klägerin be-

zahlte die erste Rate in der Höhe von EUR 357'001.50 (act. 1 Rz. 17, Rz. 34; 

act. 26 Rz. 119, Rz. 286). 

- 11 - 

2.2. Wesentliche Streitpunkte 

2.2.1. Klägerin 

Die Klägerin macht geltend, dass die D'._____-Maschine zum vertraglich 

vereinbarten Termin nicht fertig gestellt gewesen sei und dass sich die Beklagte 

deshalb in Verzug befunden habe. Aus diesem Grund sei die Klägerin vom Ver-

trag zurückgetreten und verlange mit der vorliegenden Klage die Rückerstattung 

der geleisteten Zahlung sowie Schadenersatz (act. 1 Rz. 17). Konkret habe die 

Beklagte zugesichert, eine D'._____-Maschine zur massenweisen Produktion von 

Harzblättern mit den von der Klägerin gewünschten Eigenschaften gemäss Ap-

pendix A der Offer der Beklagten vom 31. Oktober 2014 bzw. der Order Confirma-

tion der Beklagten vom 27. November 2014 herstellen zu können (act. 1 Rz. 25), 

was anlässlich der «Vor-Abnahme-Probephase» («wet pre-acceptance trials») 

hätte geprüft werden müssen (act. 63 Rz. 47). Die Maschine hätte für die «Vor-

Abnahme-Probephase» spätestens Ende April 2015 bereit sein müssen (act. 1 

Rz. 150). Vom 13. April 2015 bis 23. April 2015 habe die Beklagte dann auch wie 

vertraglich vorgesehen zur «Vor-Abnahme-Probephase» eingeladen. Diese Pro-

ben seien in Anwesenheit von Vertretern der Klägerin (E._____, F._____, 

G._____ und H._____) durchgeführt worden. Die Anwesenden hätten aber fest-

stellen müssen, dass die «Vor-Abnahme-Probephase» eindeutig gescheitert sei, 

weil die Maschine die vereinbarten Produkte mit den vereinbarten Eigenschaften 

nicht herzustellen vermocht habe (act. 1 Rz. 42 f.). 

Mit Schreiben vom 24. Juni 2015 habe die Klägerin der Beklagten angezeigt, 

dass die Materialproben von den gescheiterten April-Proben klar mit Magnesi-

umoxid (MgO) überdosiert gewesen seien. Dies sei aus der Härte des Materials 

ersichtlich gewesen, welches anlässlich der Probe im April 2015 produziert wor-

den sei und anlässlich welcher Probe die Beklagte zugegeben habe, dass die 

Maschine für die «Vor-Abnahme-Probephase» nicht bereit sei. Die Klägerin habe 

den Bericht des von ihr zur Unterstützung eingesetzten Chemikers, I._____, bei-

gelegt. Sie habe die Beklagte aufgefordert, diesen Mangel sofort zu beheben 

(act. 1 Rz. 70) und die Maschine mit den vertraglich vereinbarten Eigenschaften 

entsprechend zu liefern. Die Beklagte habe sich geweigert, anhand tauglicher Re-

- 12 - 

zepte an der Maschine weiterzuarbeiten bzw. eine neue «Vor-Abnahme-

Probephase» anzusetzen. Somit habe sie sich weiterhin in Verzug befunden 

(act. 63 Rz. 408). 

Die Beklagte treffe ein Verschulden für den Verzug und die Gesamtsituation, 

da sie nicht die erforderliche Sorgfalt zur Fertigstellung der Maschine aufgewen-

det habe (act. 1 Rz. 167). Als Folge des Vertragsrücktritts habe die Klägerin An-

spruch auf Rückerstattung bereits geleisteter Zahlungen sowie auf Schadener-

satz. Die Beklagte sei somit zur Rückerstattung des von der Klägerin geleisteten 

Vorschusses im Umfang von EUR 357'001.50 und zum Ersatz des negativen Ver-

tragsinteresses verpflichtet (act. 1 Rz. 176 ff.). 

2.2.2. Beklagte 

Die Beklagte stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass die Fehler-

haftigkeit der produzierten Harzmatten nicht auf die Beschaffenheit der D'._____-

Maschine zurückzuführen sei, sondern alleine auf die Untauglichkeit des von der 

Klägerin zur Verfügung gestellten Harzrezepts (act. 26 Rz. 92). Im Übrigen sei 

zwischen den Parteien kein bestimmtes Datum für die erfolgreiche Beendigung 

der «Vor-Abnahme-Probephase» bzw. für die Vollendung der D'._____-Maschine 

vereinbart worden, sondern ausschliesslich für den Start der «Vor-Abnahme-

Probephase» (act. 67 Rz. 50). Es sei eine Feineinstellung der D'._____-Maschine 

im Sinne der Abstimmung auf das klägerische Rezept vereinbart worden, welche 

frühestens anlässlich der «Vor-Abnahme-Probephase» hätte erfolgen können 

(act. 67 Rz. 141 f.). Die optimierten Rezepte («optimised recipes») seien erst an-

lässlich des Starts der «Vor-Abnahme-Probephase» bestimmt worden (act. 67 

Rz. 156). Bei dem von den Parteien geplanten Vorhaben habe es sich klarerweise 

um ein Pilotprojekt gehandelt, was gerade auch die lange erfolglose Versuchs- 

und Vorbereitungsphase des Projekts erkläre. Dass selbst nach Fertigstellen der 

maschinenbautechnischen Seite und grundsätzlicher Bereitschaft der D'._____-

Maschine Tests mit dem Rezept durchzuführen seien, allenfalls mehrere Testrei-

hen erforderlich seien, bis tatsächlich serienmässig das von der Klägerin ge-

wünschte Material hergestellt werden könne, verstehe sich nach dieser Aus-

gangslage von selbst. Der Beklagten sei das Recht vorbehalten worden, die 

- 13 - 

D'._____-Maschine weiterzuentwickeln, und zwar so lange, bis sie funktionieren 

würde. Ein Datum für die Vollendung der D'._____-Anlage im Sinne der Feinab-

stimmung auf das Rezept oder für die Lieferung zur Klägerin sei im Vertrag gera-

de nicht vorgesehen worden (act. 26 Rz. 31, Rz. 68). Dementsprechend habe die 

Beklagte in ihrem ursprünglichen Angebot vom 15. August 2014 lediglich einen 

vagen Zeitpunkt für die Ablieferung einer maschinenbautechnisch vollendeten 

D'._____-Maschine und zwar ungefähr innert 5-6 Monaten ab Bestellung offeriert 

(act. 26 Rz. 34).  

Die Beklagte verfüge nicht über die Kenntnisse und Erfahrungen über das 

Rezept der Klägerin, die verwendeten Materialien sowie den Herstellungsprozess 

von «C._____» (act. 26 Rz. 16). Sie habe der Klägerin von Anfang an klarge-

macht, dass auf Seiten der Klägerin ein ausgewiesener Harzspezialist das Projekt 

begleiten müsse und der Beklagten die erforderlichen Anweisungen bezüglich des 

von der Klägerin vorgelegten Rezepts zu erteilen habe. Dementsprechend habe 

die Klägerin den Chemiker I._____, einen ausgewiesenen und erfahrenen Exper-

ten in der Harzmattenherstellung von der von ihm geführten Firma J._____ Ltd., 

beauftragt. Die Beklagte sei aufgrund des ihr fehlenden chemischen Know-how 

auf die fachkundigen Weisungen von I._____ von Anfang an vollumfänglich an-

gewiesen gewesen (act. 26 Rz. 16 ff.). I._____ habe denn auch im Namen und im 

Auftrag der Klägerin gehandelt und konkrete Anweisungen bezüglich der Behand-

lung des zur Verfügung gestellten Materials gegeben (act. 26 Rz. 22). Die 

D'._____-Maschine sei ab 13. April 2015, wie in den «project schedules» vorge-

sehen, für die «Vor-Abnahme-Probephase» bereit gewesen. Jedoch habe sich im 

Nachhinein herausgestellt, dass sich das von der Klägerin zur Verfügung gestellte 

optimierte Rezept für die Produktion von Harzmatten von vornherein nicht geeig-

net habe (act. 26 Rz. 61, Rz. 94 f.). Überdies habe die Klägerin entgegen Position 

16 der Order Confirmation nicht für die gesamte Dauer der «Vor-Abnahme-

Probephase» der Beklagten einen Harzspezialisten zur Seite gestellt, was eine 

klare Verletzung ihrer vertraglichen Mitwirkungspflichten darstelle (act. 26 Rz. 93). 

Wenn nun einzelne Rollen mit Magnesiumoxid überdosiert gewesen seien, so 

würde dies in der Verantwortung der Klägerin liegen (act. 26 Rz. 147). Überdies 

habe sich die Klägerin am 15. Juni 2015 ohnehin im Gläubigerverzug befunden, 

- 14 - 

da sie die Vornahme ihrer Mitwirkungshandlungen mehrfach und ungerechtfertigt 

verweigert habe. Daher sei ein Schuldnerverzug der Beklagten zu verneinen, 

selbst wenn die Leistung der Beklagten am 15. Juni 2015 fällig gewesen sein soll-

te, was bestritten werde (act. 26 Rz. 245). 

3. Anwendbares Recht und Qualifikation des Vertrags 

3.1 Beide Parteien führen übereinstimmend aus, dass der zwischen ihnen ab-

geschlossene Vertrag dem von ihnen gewählten Schweizer Recht unterstehe 

(act. 1 Rz. 146; act. 26 Rz. 208). ln den Specific Terms vereinbarten sie, dass der 

Vertrag dem Schweizer Recht (unter Ausschluss des Wiener Kaufrechts) unter-

stehen solle (act. 3/2 § 11 Ziff. 5). Es handelt sich vorliegend um eine gültige 

Rechtswahl gemäss Art. 116 IPRG, womit der Vertrag dem Schweizer Recht un-

tersteht. 

3.2 Beide Parteien gehen zudem davon aus, dass sie einen Werkvertrag ge-

mäss Art. 363 ff. OR abgeschlossen haben (act. 1 Rz. 146; act. 26 Rz. 208). Nach 

Art. 363 OR verpflichtet sich der Unternehmer durch den Werkvertrag zur Herstel-

lung eines Werkes und der Besteller zur Leistung einer Vergütung. In dem von 

den Parteien im Oktober/November 2014 geschlossenen Vertrag verpflichtete 

sich die Beklagte, eine Maschine mit Zusatzanlagen für die Klägerin herzustellen 

und diese der Klägerin zu liefern. Im Gegenzug verpflichtete sich die Klägerin zur 

Leistung einer Vergütung. Somit liegt ohne Weiteres ein Werkvertrag im Sinne 

von Art. 363 ff. OR vor. 

4. Schuldnerverzug 

4.1. Parteistandpunkte 

4.1.1. Klägerin 

Die Klägerin stellt sich auf den Standpunkt, dass die Parteien einen Vollen-

dungs- und unmittelbar darauf folgenden Ablieferungstermin vereinbart und die-

sen spätestens auf den 30. April 2015 festgesetzt hätten. Dieser Termin sei von 

der Beklagten sogar auf den Zeitraum vom 13. bis 24. April 2015 vorverschoben 

- 15 - 

worden. Entsprechend hätte die D'._____-Maschine spätestens am 30. April 2015 

vollendet und in der Lage sein müssen, die «Vor-Abnahme-Probephase», also ei-

ne gemeinsame Ablieferungs- und Abnahmeprüfung durch beide Parteien, erfolg-

reich zu durchlaufen. Denn die «Vor-Abnahme-Probephase» sei nicht als Weiter-

entwicklungsstadium bzw. -prozess gedacht gewesen, sondern als Ablieferungs-

prozedere. ln der Rechnung betreffend die erste Ratenzahlung habe die Beklagte 

das Datum vom 30. April 2015 entsprechend als Lieferdatum angegeben (act. 1 

Rz. 38; act. 63 Rz. 41 f.). Sodann hätten die Parteien in Bezug auf den Abliefe-

rungstermin vereinbart, dass dieser unmittelbar nach der erfolgreichen Durchfüh-

rung der «Vor-Abnahme-Probephase», welche die Vollendung der Maschine hätte 

belegen sollen, angesetzt werde (act. 1 Rz. 150). Die Parteien seien sich einig 

gewesen, dass die D'._____-Maschine spätestens am 30. April 2015 vollendet 

und ablieferbar sein müsse, um nach England geliefert zu werden (act. 63 

Rz. 43). Am 30. April 2015 habe die Maschine die vertraglich vorgesehenen Ei-

genschaften nicht aufgewiesen, womit die Beklagte mit der Vollendung und Ablie-

ferung der Maschine in Verzug geraten sei, da der vereinbarte Termin als Verfall-

tag zu qualifizieren sei (act. 1 Rz. 152 f.; act. 63 Rz. 128 ff., Rz. 354, Rz. 447 f.).  

In der Folge habe die Klägerin eingewilligt, einen neuen Vollendungs- und 

Ablieferungstermin zu vereinbaren und habe der Beklagten Aufschub bis am 

26. Mai 2015 gegeben, um bis dahin die D'._____-Maschine zu vollenden und im 

Rahmen interner Tests zu erproben (act. 63 Rz. 56). Vom 26. bis 29. Mai 2015 

hätten neue interne Tests stattfinden sollen, an welchen E._____, Technical Di-

rector der Klägerin, hätte teilnehmen sollen. Die Klägerin habe sich damit einver-

standen erklärt, dass die D'._____-Maschine bis am 1. Juni 2015 vollendet wer-

den könne. Somit könne von einem neu vereinbarten Vollendungstermin am 

1. Juni 2015 ausgegangen werden (act. 63 Rz. 150). Die Parteien hätten verein-

bart, dass die «Vor-Abnahme-Probephase» neu vom 1. bis 5. Juni 2015 hätte 

stattfinden sollen. Bereits am 26. Mai 2015 habe E._____ jedoch vor Ort feststel-

len müssen, dass die Maschine immer noch nicht lieferbereit gewesen sei, wes-

halb die im Juni 2015 vorgesehene «Vor-Abnahme-Probephase» annulliert wor-

den sei (act. 1 Rz. 50).  

- 16 - 

Im Schreiben vom 8. Juni 2015 an die Beklagte habe die Klägerin wieder-

holt, dass die Maschine für die Probephase nicht bereit sei und Produkte mit den 

vertraglich vereinbarten Eigenschaften noch nicht herstellen könne. Dabei habe 

die Klägerin der Beklagten Frist bis 15. Juni 2015 angesetzt, um die Maschine so 

fertigzustellen, dass sie in die Probephase treten könne, und bis zum selben Da-

tum Terminvorschläge für die Probephase zu unterbreiten (act. 1 Rz. 60). Mit 

Schreiben vom 17. Juni 2015 habe die Klägerin die Beklagte aufgefordert, ihr bis 

am 18. Juni 2015 mitzuteilen, ob und wann sie die Maschine so fertigstellen kön-

ne, dass eine Probephase erfolgreich durchlaufen werden könne bzw. Alternati-

ven inklusive Zeitplan vorzuschlagen, falls dies nicht möglich sei. Die Klägerin ha-

be sie ferner darauf hingewiesen, dass der Rest des Werklohnes noch nicht ge-

schuldet sei, da die Probephase ja noch gar nicht erfolgreich durchlaufen worden 

sei (act. 1 Rz. 65). Auch am 16. Juni 2015, und damit ca. anderthalb Monate nach 

dem vereinbarten Vollendungsdatum, sei die Maschine immer noch nicht geeignet 

gewesen, die «Vor-Abnahme-Probephase» erfolgreich zu durchlaufen. Entspre-

chend liege spätestens ab dem 16. Juni 2015 ein Verzugsfall vor (act. 1 

Rz. 155 f.). Eine Mahnung sei nicht erforderlich gewesen, da die Parteien einen 

Verfalltag vereinbart hätten (act. 63 Rz. 155 ff.). Die Klägerin habe die Beklagte 

dennoch mit Schreiben vom 8. Juni 2015 gemahnt und ihr eine Frist bis 15. Juni 

2015 zur Erfüllung angesetzt. Somit sei die Beklagte mit Ablauf der angesetzten 

Frist in Verzug geraten (act. 63 Rz. 159 f.). Mit Schreiben vom 24. Juni 2015 habe 

die Klägerin noch einmal darauf hingewiesen, dass die Maschine nicht in der La-

ge sei, Produkte mit den gemäss Appendix A vertraglich vereinbarten Eigenschaf-

ten herzustellen, und insbesondere auf die am selben Tag gemachte Mängelan-

zeige betreffend MgO-Überdosierung hingewiesen. Bezugnehmend auf das Ablie-

ferungsprozedere halte sie am vertraglich vereinbarten Prozedere fest und bitte 

deshalb um die Bekanntgabe eines Liefertermins. Am 1. Juli 2015 seien die Par-

teien anlässlich eines Telefonats so verblieben, dass die Beklagte bis am 3. Juli 

2015 Terminvorschläge für eine «Vor-Abnahme-Probephase» unterbreiten würde 

(act. 1 Rz. 73). Schliesslich habe sie der Beklagten eine Nachfrist angesetzt, um 

die Maschine gemäss den vertraglich vereinbarten Eigenschaften fertig zu stellen 

und die Maschine zu liefern: Die Beklagte sei aufgefordert worden, die Probepha-

- 17 - 

se bis am 30. Juni 2015 erfolgreich zu durchlaufen und die Maschine mit den ver-

traglich vereinbarten Eigenschaften bis am 14. Juli 2015 entsprechend zu liefern 

(act. 1 Rz. 71). Auch diese Nachfrist habe die Beklagte unbenutzt verstreichen 

lassen. Damit seien der Klägerin am 15. Juli 2015 alle Wahlrechte gemäss 

Art. 107 OR zur Verfügung gestanden (act. 1 Rz. 157; act. 63 Rz. 219). Nach un-

benutztem Ablauf der ersten Nachfrist habe die Klägerin ihre Wahlrechte noch 

nicht ausgeübt. Am 2. September 2015 habe die Klägerin der Beklagten deshalb 

eine neue Nachfrist bis am 9. September 2015 angesetzt, um die Maschine mit 

den vertraglich vereinbarten Eigenschaften fertigzustellen. Die Beklagte habe sich 

entgegen der vertraglichen Abmachung geweigert, eine «Vor-Abnahme-

Probephase» durchzuführen, um festzustellen, ob die Maschine den vertraglichen 

Eigenschaften entspreche, und gemeinsam einen Experten zu bestellen, um ein-

vernehmlich und gemeinsam herauszufinden, wie der Stand der D'._____-

Maschine sei. Die Klägerin habe der Beklagten überdies angeboten, die «Vor-

Abnahme-Probephase» mit dem vertraglichen Rezept «…» durchzuführen. Die 

Beklagte habe sich jedoch geweigert, dies zu tun. Da bis zum Ablauf der Nachfrist 

weder eine «Vor-Abnahme-Probephase» durchgeführt noch eine D'._____-

Maschine mit den vertraglich vereinbarten Eigenschaften angeboten oder gar ge-

liefert worden sei, sei die Klägerin am 10. September 2015 vom Vertrag zurückge-

treten (act. 1 Rz. 87, Rz. 99 f., Rz. 161, act. 63 Rz. 361). 

Nach erfolgtem Rücktritt habe die Klägerin mit einem Drittunternehmen in 

England einen Werkvertrag über die Herstellung einer D'._____-Maschine abge-

schlossen. Im November 2016 sei diese an die Klägerin geliefert und in Betrieb 

genommen worden. Mit dieser neuen Maschine könnten anhand der im Vertrag 

mit der Beklagten bestimmten Rezepte Produkte serienmässig hergestellt werden 

(act. 63 Rz. 79 f.). 

4.1.2. Beklagte 

Die Beklagte wendet ein, sie habe mit «delivery time» in ihrer Offer vom 

31. Oktober 2014 den Zeitpunkt gemeint, in welchem die D'._____-Maschine für 

die Versuchsphase bereit sein würde und somit die «Vor-Abnahme-Probephase» 

gestartet werden könne (act. 26 Rz. 63). Aufgrund der Ungewissheiten bezüglich 

- 18 - 

des von der Klägerin zur Verfügung zu stellenden Rezepts habe die Beklagte kei-

nen garantierten Vollendungszeitpunkt angeben können (act. 67 Rz. 18). Im 

Kommentar zum Vertragsentwurf habe die Beklagte dargelegt, dass sie keine Ga-

rantie abgeben könne, dass die D'._____-Anlage bei Scheitern der «Vor-

Abnahme-Probephase» innert 45 oder 60 Tagen auf das Rezept der Klägerin 

feinabgestimmt sei (act. 67 Rz. 30). Die Beklagte habe dies damit begründet, 

dass sie keine Kontrolle und keinen Einfluss auf die von der Klägerin verwendeten 

Materialien habe und daher für den Harzherstellungsprozess keine Garantie 

übernehmen könne (act. 67 Rz. 30). 

Aus der Order Confirmation ergebe sich klar, dass die Beklagte einzig zuge-

sichert habe, dass die Versuchsreihe spätestens in der Woche 17/2015 (also zwi-

schen 20. und 26. April 2015) starten würde. In den Project Schedules habe sie 

das Datum für den Beginn der «Vor-Abnahme-Probephase» auf den 13. April 

2015 korrigiert. Ein Datum für die Vollendung oder Lieferung und Installation der 

Maschine in England habe die Beklagte in der Order Confirmation bewusst nicht 

genannt (act. 26 Rz. 122, Rz. 216 ff.). Nach den massgeblichen Vertragsbestim-

mungen hätten die Parteien den definitiven Vollendungstermin und entsprechend 

auch den Ablieferungstermin somit bewusst offengelassen. Es sei vereinbart wor-

den, dass die Beklagte so lange testen würde, bis die D'._____-Maschine auf das 

Rezept optimal abgestimmt sei (act. 26 Rz. 230). Überdies hätte die Klägerin 

nach Ablauf der Frist am 15. Juli 2015 «unverzüglich» den Rücktritt erklären müs-

sen. Dies sei mindestens bis zum 22. Juli 2015 nicht geschehen. Sie habe auch 

nach Ablauf der Frist am 15. Juli 2015 nicht gleich eine weitere Nachfrist ange-

setzt, sondern vielmehr hätten die Parteien über ihre Rechtsvertreter weiter ver-

handelt. Unter diesen Voraussetzungen sei die Rücktrittserklärung der Klägerin 

Monate später unzulässig (act. 26 Rz. 260).  

Es sei zweifelsfrei erstellt, dass von der Klägerin ein taugliches Harzrezept 

und ein ausgewiesener Chemieexperte mit Vertiefung in der Herstellung von 

D'._____-Harzmatten zur Verfügung hätten gestellt werden müssen. Die Klägerin 

hätte nicht nur während der «Vor-Abnahme-Probephase», sondern auch während 

der gesamten Dauer des Projekts bis zu dessen Abschluss alleine das chemische 

- 19 - 

Fachwissen zur Verfügung zu stellen gehabt. Dies sei schliesslich auch im Ver-

trag so festgehalten worden und habe der gelebten Vertragsrealität im vorliegen-

den Projekt entsprochen (act. 26 Rz. 28, Rz. 54).  

Gemäss § 3 Ziffer 3 der Specific Terms sei die Beklagte seit der ungerecht-

fertigten Rechnungsstellung der Klägerin vom 21./28. Mai 2015 vertraglich be-

rechtigt gewesen, die Leistungen vollständig einzustellen, bis eine Sicherheitsleis-

tung seitens der Klägerin erfolgt wäre (act. 26 Rz. 247). Bezüglich aller bemängel-

ten Sachverhalte (Nennung eines tauglichen Rezepts, Rückzug der Rechnungen 

bzw. Sicherstellung des Werklohns, Aufgabe der Kooperationsverweigerung) ha-

be die Beklagte die Klägerin mehrfach abgemahnt, bevor sie mit Schreiben vom 

7. Juli 2015 die erwähnte Frist bis 13. Juli 2015 angesetzt habe (act. 26 Rz. 159). 

Für die Beklagte, welche aufgrund des Fehlverhaltens der Klägerin enorme per-

sonelle und materielle Aufwendungen gehabt habe, sei aufgrund all dieser Um-

stände eine weitere Durchführung einer möglicherweise ergebnislosen «Vor-

Abnahme-Probephase» mit erneuter (ungerechtfertigter) Rechnungsstellung sei-

tens der Klägerin und erneuten Mehraufwendungen kein gangbarer Weg gewe-

sen. Ebenso sei die Beklagte aufgrund von § 3 Ziffer 1 Satz 3 sowie § 3 Ziffer 3 

der Specific Terms berechtigt gewesen, auf die Durchführung einer (weiteren) 

«Vor-Abnahme-Probephase» und die Lieferung der D'._____-Maschine in die 

Geschäftsräumlichkeiten und die damit verbundenen Dienstleistungen zu verzich-

ten (act. 26 Rz. 160). 

4.2. Rechtliches 

4.2.1. Schuldnerverzug ist die objektiv pflichtwidrige Verspätung mit der Erfüllung 

einer Verbindlichkeit (PETER GAUCH/WALTER R. SCHLUEP/SUSAN EMMENEGGER, 

Schweizerisches Obligationenrecht, Allgemeiner Teil, 11. Aufl., Zürich 2020, 

N 2656). Das Gesetz hält in den Artikeln 102 – 109 OR allgemeingültige Regeln 

über den Schuldnerverzug fest. Ein Schuldnerverzug liegt vor, wenn (i) der 

Schuldner die Leistung nicht rechtzeitig erbringt, (ii) bloss eine Teilleistung aus-

bleibt, (iii) eine Bedingung nicht erfüllt oder (iv) das Wahlrecht gemäss Art. 72 OR 

nicht wahrgenommen wird (ROLF H. WEBER, Berner Kommentar zu Art. 68-96 OR, 

2. Aufl., Bern 2005, N 45 zu Art. 72 OR und ROLF H. WEBER/SUSAN EMMENEGGER, 

- 20 - 

Berner Kommentar zu Art. 97-109 OR, 2. Aufl., Bern 2020, N 48 zu Art. 107 OR). 

Eine positive Vertragsverletzung wird als Schuldnerverzug behandelt, wenn 

dadurch die Fortführung des Vertrags für die geschädigte Partei unzumutbar wird 

(WEBER/EMMENEGGER, a.a.O., N 50 zu Art. 107 OR m.w.H). Nach Art. 102 Abs. 1 

OR wird der Schuldner einer fälligen Verbindlichkeit durch Mahnung des Gläubi-

gers in Verzug gesetzt. Ohne Mahnung gerät ein Schuldner in Verzug, wenn ein 

«bestimmter Verfalltag» vorliegt (Art. 102 Abs. 2 OR). Ein «bestimmter Verfalltag» 

ist ein bestimmter Tag, an dem (oder bis zu dem) die geschuldete Leistung erfol-

gen muss (FRANZ SCHENKER, Verzug des Unternehmers, Verzug des Planers - 

Fälle und Fallen, in: STÖCKLI, Schweizerische Baurechtstagung 2017, S. 75; WE-

BER/EMMENEGGER, a.a.O., N 110 zu Art. 102 OR).  

Wenn der Schuldner die Nachfrist unbenutzt verstreichen lässt, so hat der 

Gläubiger zwei Möglichkeiten: Er kann nach einem der Wahlrechte gemäss 

Art. 107 Abs. 2 OR vorgehen oder dem Schuldner neuerlich eine Erfüllungsfrist 

ansetzen (ANDREAS FURRER/RAINER WEY, in: FURRER/SCHNYDER [Hrsg.], Hand-

kommentar zum Schweizer Privatrecht, 3. Aufl., Zürich 2016, N 27 zu Art. 107 OR 

m.w.H.). 

4.2.2. Im Werkvertragsrecht befasst sich Art. 366 Abs. 1 OR mit dem Verzug des 

Unternehmers. Der Unternehmer hat als eine der Sachleistung vorausgehende 

Hauptverpflichtung (Vorleistung) die Arbeit zur Vollendung des Werkes zu leisten, 

welche die gehörige Erfüllung der Sachleistung (Ablieferung) erst ermöglicht. So-

wohl mit der Ablieferung des Werks wie auch mit dessen Herstellung kann Verzug 

eintreten. Dem Besteller wird ein Rücktrittsrecht eingeräumt, wenn der Unterneh-

mer das Werk nicht rechtzeitig beginnt, dessen Ausführung in vertragswidriger 

Weise verzögert oder wenn er ohne Schuld des Bestellers derart im Rückstand 

ist, dass eine rechtzeitige Werkvollendung nicht mehr vorauszusehen ist (THEO-

DOR BÜHLER, Zürcher Kommentar, Der Werkvertrag, 3. Aufl., Zürich 1998, N 15 ff. 

zu Art. 366 OR; ALFRED KOLLER, Berner Kommentar, Der Werkvertrag, Art. 363-

366 OR, Bern 1998, N 60 f. zu Art. 366 OR). In analoger Anwendung von Art. 366 

Abs. 1 OR ist zudem ein Rücktritt zulässig, wenn der Unternehmer ohne Berech-

tigung die Weiterführung des Werks ernsthaft und endgültig verweigert (GAUCH, 

- 21 - 

Der Werkvertrag, 6. Aufl., Zürich 2019, N 672; KOLLER, a.a.O., N 22 zu Art. 366 

OR; BGE 69 II 243 E. 4; BGE 110 II 141 E. 1b). Art. 366 Abs. 1 OR darf aber nur 

unter der Voraussetzung angewendet werden, dass aus der vertragswidrigen 

Verzögerung des Unternehmers auch tatsächlich Verzug im Sinne von Art. 102 

OR resultiert (SCHENKER, a.a.O., S. 76). Überdies muss der Besteller den Unter-

nehmer gemahnt haben (Art. 102 Abs. 1 OR), es sei denn, eine Mahnung erübri-

ge sich, weil der konkrete Ablieferungstermin ein «bestimmter Verfalltag» ist 

(Art. 102 Abs. 2 OR) oder weil die Mahnung sich von vornherein als nutzlos er-

weist.  

4.2.3. Der Ablieferungstermin ist der Zeitpunkt, in dem die Ablieferung des voll-

endeten (ganzen) Werkes fällig wird (Art. 75 OR). Das Gesetz bezeichnet ihn als 

«Lieferungstermin» (Art. 366 Abs. 1 OR). Vielfach wird er von den Parteien ver-

traglich bestimmt. Ob die Parteien einen «bestimmten Verfalltag» im Sinne von 

Art. 102 Abs. 2 OR vereinbart haben, beurteilt sich nach dem Inhalt des konkreten 

Werkvertrages. Zu verneinen ist die Frage sicher dann: wenn eine vereinbarte Ab-

lieferungsfrist erst ab Verfügbarkeit des Baugrundes oder ab der effektiven Ar-

beitsaufnahme zu laufen beginnt; wenn für die Ausführung des Werkes eine Frist 

von zwei bis drei Monaten ausbedungen oder wenn vereinbart wurde, das Werk 

solle «in ca. 5-8 Wochen», «im Laufe des Sommers» oder zwischen dem «142. 

und 215. Werktag» nach Vertragsabschluss abgeliefert werden (GAUCH, a.a.O., 

N 646 ff. m.w.H.). 

Die Ablieferung des Werkes setzt dessen Vollendung voraus, weshalb zwi-

schen Vollendung und Ablieferung ein enger Zusammenhang besteht (GAUCH, 

a.a.O., N 651). Sodann fragt sich, was zur termin-/fristgerechten Vollendung des 

Werkes gehört. Das Werk gilt als vollendet, sobald der Unternehmer sämtliche 

Arbeiten ausgeführt hat, die er unter Mitberücksichtigung allfälliger Bestellungs-

änderungen schuldet. Unter Vorbehalt einer anderen Abrede ist zur Einhaltung 

einer vereinbarten Vollendungsfrist erforderlich, aber auch genügend, dass sich 

das Werk bei Ablauf der Vollendungsfrist in diesem Stadium der Vollendung be-

findet. Vollendung nur in der Hauptsache genügt nicht; umgekehrt ändert eine all-

fällige Mangelhaftigkeit des Werkes nichts an seiner Vollendung, weshalb Werk-

- 22 - 

mängel der Einhaltung einer Vollendungsfrist nicht entgegenstehen. Zu den ver-

einbarten Arbeiten, die zur Vollendung auszuführen sind, gehören unter Umstän-

den auch die «Feineinstellung» eines Apparates (GAUCH, a.a.O., N 102). 

Haben die Parteien einen Vollendungstermin (nicht aber einen Ablieferungs-

termin) vereinbart, so stellt sich die Frage, wann das vollendete Werk zur Abliefe-

rung fällig wird. In sinngemässer Anwendung des Art. 75 OR ist das vollendete 

Werk sogleich nach der Vollendung abzuliefern, was bedeutet, dass der Abliefe-

rungstermin praktisch mit dem Vollendungstermin zusammenfällt, höchstens aber 

um kurze Zeit differiert (GAUCH, a.a.O., N 652). 

Von den Ablieferungs- und Vollendungsterminen zu unterscheiden sind so-

dann allfällige Zwischentermine (Zwischenfristen), bis zu deren Eintritt (Ablauf) 

der Unternehmer bestimmte Arbeitsfortschritte erreicht haben muss. Solche Zwi-

schentermine werden insbesondere bei langfristigen Werkverträgen vereinbart 

und allenfalls durch spätere Vereinbarung wieder verändert (GAUCH, a.a.O., 

N 653 ff.). 

4.2.4. In Verträgen über Maschinenlieferungen sind häufig gemeinsame Abnah-

meprüfungen vorgesehen. Dabei geht es um die gemeinsame Prüfung, ob die 

Lieferung die vereinbarten und vorausgesetzten Eigenschaften aufweist und die 

vereinbarten Leistungen und Funktionen erfüllt (THOMAS SIEGENTHALER, Die Män-

gelhaftung bei der Lieferung von Maschinen, 2000, N 109 f.). 

4.2.5. Bietet der Schuldner dem Gläubiger die Erfüllung seiner Leistung gehörig 

an und wirkt der Gläubiger ungerechtfertigterweise nicht oder nicht gehörig mit, so 

gerät Letzterer in Annahme- bzw. Gläubigerverzug (Art. 91 OR; WE-

BER/EMMENEGGER, a.a.O., N 51 ff. zu Art. 107 OR; GAUCH/SCHLUEP/EMMENEGGER, 

a.a.O., N 2430). Der Annahmeverzug schliesst den Schuldnerverzug aus 

(GAUCH/SCHLUEP/EMMENEGGER, a.a.O., N 2434; ANDREAS VON TUHR/ARNOLD 

ESCHER, Allgemeiner Teil des Schweizerischen Obligationenrechts, 3. Aufl. 1974, 

S. 142; WEBER/EMMENEGGER, a.a.O., N 153 ff. zu Art. 102 OR). Gerechtfertigt ist 

die Verzögerung auch, wenn deren Ursache dem Risikobereich des Bestellers 

- 23 - 

zuzuschreiben ist und dem Unternehmer keine Verletzung einer Anzeigepflicht 

vorgeworfen werden kann (SCHENKER, a.a.O., S. 77).  

4.2.6. Die Beweislast für die Verzugsvoraussetzungen trägt der Gläubiger, der 

Verzugsfolgen geltend machen will (CORINNE WIDMER LÜCHINGER/WOLFGANG WIE-

GAND, in: WIDMER LÜCHINGER/OSER [Hrsg.] Basler Kommentar Obligationenrecht I, 

7. Aufl., Basel 2020, N 15 zu Art. 102 OR). Damit würde jedoch dem Gläubiger 

der praktisch kaum zu erbringende Beweis zugemutet, dass der Schuldner un-

möglich erfüllt haben könne. Die Ansprüche und Gestaltungsrechte, die das Ge-

setz im Falle des Verzuges des Schuldners dem Gläubiger zuerkennt, werden 

aber aus dem Erfüllungsanspruch des Gläubigers hergeleitet. Dieser hat darzu-

tun, dass der Erfüllungsanpruch zur Entstehung gelangt sei, während es Sache 

des Schuldners ist, die Erfüllung zu beweisen. Das muss auch gelten, wenn der 

Gläubiger den Ersatz des Verzugsschadens oder an Stelle der Erfüllung Scha-

denersatz fordert, und streitig ist, ob der Schuldner erfüllt habe oder nicht. Den 

Beweis der Erfüllung sich zu sichern, wird dem Schuldner ohnehin zugemutet. 

Auch im Prozess über die Folgen eines Verzuges ist es seine Sache, die Erfül-

lung und deren Zeitpunkt zu beweisen, während der Gläubiger darzutun hat, 

wann zu erfüllen gewesen wäre und dass er den Schuldner in Verzug gesetzt hat 

oder der Schuldner ohne Mahnung in Verzug gekommen ist, und dass er seine 

Rechte aus Art. 107 OR rechtzeitig ausgeübt hat (vgl. dazu MAX GULDENER, Be-

weiswürdigung und Beweislast nach schweizerischem Zivilprozessrecht, Zürich 

1955, S. 67). 

Beruft sich der Besteller auf das Rücktrittsrecht gemäss Art. 366 Abs. 1 OR, 

hat er die Erfüllung sämtlicher dem zugrunde liegenden Voraussetzungen nach-

zuweisen. Er trägt insbesondere die Beweislast dafür, dass der Unternehmer das 

Werk nicht mehr rechtzeitig herstellen wird (GAUDENZ G. ZINDEL/BERTRAND G. 

SCHOTT, in: WIDMER LÜCHINGER/OSER, BSK OR I, a.a.O., N 43 zu Art. 366 OR). 

4.2.7. Allgemein anerkannt wird, dass das Rücktrittsrechts gemäss Art. 366 

Abs. 1 OR zu ergänzen ist durch die allgemeinen Verzugsvoraussetzungen von 

Art. 102-109 OR (ZINDEL/SCHOTT, a.a.O., N 13 ff. zu Art. 366 OR mit zahlreichen 

Hinweisen, KOLLER, a.a.O., N 77 ff. zu Art. 366 OR; GAUCH, a.a.O., N 659). Dem-

- 24 - 

zufolge wird der Schuldner erst durch eine Mahnung in Verzug gesetzt (Art. 102 

OR). Aus der Mahnung muss der Schuldner erkennen können, welche geschulde-

te Leistung gefordert wird. Fordert der Gläubiger dabei mehr als aktuell geschul-

det ist, entfaltet diese nur dann keine Wirkung, wenn er - unter Würdigung aller 

Umstände - die Annahme des tatsächlich Geschuldeten verweigern würde (WID-

MER LÜCHINGER/WIEGAND, a.a.O., N 5 f. zu Art. 102 OR, WEBER/EMMENEGGER, 

a.a.O., N 72 zu Art. 102 OR). Sodann muss dem Schuldner - unter Vorbehalt von 

Art. 108 OR - eine angemessene Nachfrist zur Erfüllung angesetzt werden 

(Art. 107 Abs. 1 OR; ZINDEL/SCHOTT, a.a.O., N 15 zu Art. 366 OR; WOLFGANG 

WIEGAND, in: WIDMER LÜCHINGER/OSER, BSK OR I, a.a.O., N 6 ff. zu Art. 107 OR; 

WEBER/EMMENEGGER, a.a.O., N 55 ff. zu Art. 107 OR). Die Angemessenheit beur-

teilt sich nach den konkreten Umständen, wobei eine zu kurze Frist zu erstrecken 

ist, soweit dies vom Schuldner beanstandet wird (WIEGAND, a.a.O., N 9 f. zu 

Art. 107 OR; WEBER/EMMENEGGER, a.a.O., N 66 ff. und N 78 zu Art. 107 OR). Bei 

unbenutztem Ablauf der Frist stehen dem Gläubiger die Wahlrechte von Art. 107 

Abs. 2 OR zur Verfügung. Er kann folglich an der Erfüllung des Vertrages festhal-

ten oder auf diese verzichten. Letzteres erlaubt dem Schuldner Schadenersatz 

wegen Nichterfüllung zu fordern oder vom Vertrag zurückzutreten (WIEGAND, 

a.a.O., N 13 ff. zu Art. 107 OR, WEBER/EMMENEGGER, a.a.O., N 109 zu Art. 107 

OR).  

4.2.8. Der Inhalt eines Vertrags bestimmt sich in erster Linie durch subjektive 

Auslegung, das heisst nach dem übereinstimmenden wirklichen Parteiwillen 

(Art. 18 Abs. 1 OR). Erst wenn eine tatsächliche Willensübereinstimmung unbe-

wiesen bleibt, sind zur Ermittlung des mutmasslichen Parteiwillens die Erklärun-

gen der Parteien im Rahmen der objektivierten Vertragsauslegung aufgrund des 

Vertrauensprinzips so auszulegen, wie sie nach ihrem Wortlaut und Zusammen-

hang sowie den gesamten Umständen verstanden werden durften und mussten 

(BGE 138 III 659 E. 4.2.1 S. 666; BGE 137 III 145 E. 3.2.12 S. 148). Dabei hat der 

klare Wortlaut Vorrang vor weiteren Auslegungsmitteln, es sei denn, er erweise 

sich auf Grund anderer Vertragsbedingungen, dem von den Parteien verfolgten 

Zweck oder weiteren Umständen als nur scheinbar klar. Aus dem Vertrauensprin-

zip wird sodann abgeleitet, dass unklare Formulierungen in Vertragstexten zuun-

- 25 - 

gunsten desjenigen Vertragspartners auszulegen sind, der den Text verfasst hat 

(sog. Unklarheitenregel, BGE 97 II 72 E. 3 S. 74). Die Behauptungs- und Beweis-

last für Bestand und Inhalt eines vom normativen Auslegungsergebnis abwei-

chenden subjektiven Vertragswillen trägt jene Partei, welche aus diesem Willen 

zu ihren Gunsten eine Rechtsfolge ableitet (BGE 121 III 118 E.4.b.aa S. 123 

m.w.H.). Da sich die Behauptungs- und Beweislast danach richtet, ob vom norma-

tiven Verständnis abgewichen wird, ist dieses in der Regel vorab zu prüfen. 

4.2.9. Von der Nichtvollendung des Werkes zu unterscheiden ist dessen Mangel-

haftigkeit. Liefert der Unternehmer das geschuldete und vollendete Werk rechtzei-

tig ab, so bleiben die Verzugsregeln aus dem Spiel, selbst wenn das abgelieferte 

Werk mangelhaft ist. Zur Anwendung kommen dann die Regeln über die Mängel-

haftung (Art. 367 ff. OR), nicht die Regeln über den Schuldnerverzug (GAUCH, 

a.a.O., N 659). Der Werkmangel ist ein vertragswidriger Zustand des Werkes, der 

darin besteht, dass dem Werk eine vertraglich geforderte Eigenschaft fehlt 

(GAUCH, a.a.O., N 1356). Sind beim Werkvertrag noch nicht alle Arbeiten ausge-

führt, die nach dem konkreten Vertrag geschuldet sind, so handelt es sich um ei-

ne Nichtvollendung. Es handelt sich demgegenüber um einen Mangel, wenn die 

Beschaffenheit einer ausgeführten Sache betroffen ist (SIEGENTHALER, a.a.O., 

N 31). Lässt sich während der Ausführung des Werkes eine mangelhafte oder 

sonst vertragswidrige Erstellung durch Verschulden des Unternehmers bestimmt 

voraussehen, ist sodann Art. 366 Abs. 2 OR einschlägig (vgl. dazu Erwägung-

Ziffer 5.2).  

4.3. Würdigung 

Die Klägerin macht vorliegend in erster Linie geltend, die Beklagte habe sich 

mit der Vollendung und der Ablieferung der D'._____-Maschine in Verzug befun-

den. Sie behauptet in ihrem Hauptstandpunkt einen Verzug nach den Regeln von 

Art. 102 ff. OR. In ihrem Eventualstandpunkt macht sie eine vertragswidrige Ver-

spätung mit der Ausführung des Werkes im Sinne von Art. 366 Abs. 1 OR gel-

tend. Schliesslich beruft sie sich auf die Mangelhaftigkeit für den Fall, dass das 

Gericht von der Vollendung der D'._____-Maschine ausgehe (act. 63 Rz. 238 ff.). 

Unbestritten ist, dass die D'._____-Maschine nicht an die Klägerin abgeliefert 

- 26 - 

worden ist. Streitig ist primär, von welchem Vollendungs- und Ablieferungstermin 

auszugehen ist und ob die Maschine zu diesem Zeitpunkt vollendet war. Nach 

dem Gesagten obliegt es der Klägerin, substantiiert zu behaupten und grundsätz-

lich zu beweisen, dass die Voraussetzungen des Schuldnerverzugs erfüllt sind.  

4.3.1. Vollendungs- und Ablieferungstermin 

Die Klägerin behauptet, die Parteien hätten einen verbindlichen Vollen-

dungstermin vereinbaren wollen. Der subjektive Parteiwille stehe fest (act. 63 

Rz. 130). Gemäss vertraglicher Vereinbarung zwischen den Parteien hätte die 

D'._____-Maschine spätestens am 30. April 2015 vollendet sein müssen. Es 

handle sich hierbei um einen Verfalltag, weshalb es keiner Mahnung seitens der 

Klägerin bedurft habe (act. 1 Rz. 53). Andernorts führt sie indes aus, sie hätten 

einen neuen Vollendungstermin vereinbart, nämlich den 1. Juni 2015. Die Beklag-

te stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass die Parteien lediglich den 

Zeitpunkt für den Beginn der «Vor-Abnahme-Probephase» vereinbart hätten. Ei-

nen verbindlichen Vollendungs- oder Ablieferungstermin hätten sie hingegen nicht 

vereinbart. 

Das Bundesgericht hat sich im Urteil vom 31. März 2020 verbindlich zur 

Frage des Vollendungstermins geäussert. Dabei hat es zusammengefasst erwo-

gen, dass die «Vor-Abnahme-Probephase» eine gemeinsame Prüfung der Funk-

tionsfähigkeit der Maschine habe bilden sollen und die Ablieferungszeit vertraglich 

mit der Bereitschaft für eine erfolgreiche Vorabnahme umschrieben worden sei. 

Hintergrund dieser Vereinbarung seien die Tests vor dem Vertragsschluss gewe-

sen, bei welchen zwar ein Produkt mit den gewünschten Eigenschaften, jedoch 

nicht in serienmässiger Ausführung habe hergestellt werden können. Entschei-

dend sei sodann die Vertragsklausel, welche der Beklagten bei Scheitern der 

«Vor-Abnahme-Probephase» die Weiterentwicklung der Maschine auf eigene 

Kosten ermögliche. Daraus lasse sich schliessen, dass die Parteien mit der Mög-

lichkeit gerechnet hätten, dass die Tests nicht erfolgreich verlaufen würden. Eine 

solche Klausel mache aber nur Sinn, wenn gleichzeitig die ursprüngliche Frist zur 

Lieferung fallen gelassen werde. Insgesamt ergebe sich, dass weder zu Beginn 

noch am Ende der (verschobenen) «Vor-Abnahme-Probephase» eine Vollendung 

- 27 - 

der Maschine geschuldet gewesen sei. Erfolgreiche Tests, welche den Abliefe-

rungszeitpunkt bestimmt hätten, hätten dagegen nicht stattgefunden. Entspre-

chend sei kein Vollendungstermin vereinbart gewesen und die Beklagte habe mit 

der Vollendung und Ablieferung nicht im Verzug sein können (act. 87 E. 6.4 ff.). 

Nach der verbindlichen Feststellung des Bundesgerichts erübrigen sich wei-

tere Ausführungen zu diesem Thema. Ein Verzug aufgrund der fehlenden Vollen-

dung der Maschine bestand nicht. 

4.3.2. Vertragswidrige Verspätung 

Das Bundesgericht hat in seinem Urteil vom 31. März 2020 die Erwägungen 

zur Verzögerung der Werkausführung im handelsgerichtlichen Entscheid vom 

9. Mai 2019 (act. 79 E. 4.3.2) bestätigt. Demnach steht weder die rechtzeitige 

Vollendung noch ein rechtzeitiger Beginn der Arbeiten zur Diskussion. Entspre-

chend wäre es an der Klägerin gewesen, eine vertragswidrige Verzögerung zu 

belegen. Dies habe sie – so das Bundesgericht – nicht substantiiert gemacht. 

Entsprechend könne eine vertragswidrige Verzögerung der Arbeiten nicht als 

Grundlage für einen Rücktritt vom Vertrag dienen (act. 87 E. 7.2).  

4.3.3. Verweigerung durch die Beklagte 

4.3.3.1. Verweigerung der Beklagten 

Die Klägerin macht weiter geltend, die Beklagte habe sich auch im Verzug 

befunden, weil sie sich geweigert habe, an der Maschine weiterzuarbeiten bzw. 

eine neue «Vor-Abnahme-Probephase» anzusetzen (act. 1 Rz. 87; act. 63 

Rz. 361 und Rz. 408). Dies wurde von der Beklagten nicht bestritten (act. 26 

Rz. 167; act. 67 Rz. 362) und ergibt sich so auch aus ihrer eigenen Korrespon-

denz (act. 3/18; act. 3/23; act. 3/27; act. 3/37; act. 3/40). Damit ist eine Verweige-

rung der Beklagten erstellt, was auch das Bundesgericht bereits so entschieden 

hat (act. 87 E. 8.1). 

 

 

- 28 - 

4.3.3.2. Berechtigung der Beklagten zur Leistungsverweigerung 

Wie bereits das Bundesgericht verbindlich festgehalten hat, war die Beklagte 

zu dieser Leistungsverweigerung nicht berechtigt. So habe § 3 Ziff. 3 der Specific 

Terms der Beklagten kein Recht auf eine Vorauszahlung gegeben, zumal diese 

Bestimmung lediglich die fehlende Leistungsfähigkeit, nicht aber eine potentielle 

künftige Leistungsverweigerung umfasse (act. 87 E. 8.2.1 ff.). Weiter habe die 

Klägerin nach dem Einwand der Beklagten, das optimierte Rezept sei vertrags-

widrig, innert weniger Tage ihre Bereitschaft aufgezeigt, weitere Tests mit den im 

Vertrag selbst enthaltenen Rezepten durchzuführen. Damit habe im Zeitpunkt der 

Leistungsverweigerung ein taugliches Rezept vorgelegen (act. 87 E. 8.2.2; act. 79 

E. 6.3.3). Schliesslich sei nicht relevant, dass I._____ bei den Tests im April 2015 

frühzeitig abgezogen worden sei. Eine Verweigerung dessen Mitwirkung in der 

Zukunft, was für eine berechtigte Leistungsverweigerung erforderlich wäre, habe 

die Beklagte nicht substantiiert behauptet (act. 87 E. 8.2.3). Damit steht fest, dass 

die Leistungsverweigerung der Beklagten nicht berechtigt war und die Klägerin 

folglich gestützt darauf in analoger Anwendung von Art. 366 Abs. 1 OR vom Ver-

trag zurücktreten konnte. 

Im Anwendungsbereich Art. 366 Abs. 1 OR sind sodann die Voraussetzun-

gen für den Rücktritt gemäss Art. 102 ff. OR einzuhalten. Namentlich sind die 

Mahnung, die Nachfristansetzung und die Rücktrittserklärung der Klägerin an die 

Adresse der Beklagten zu prüfen. 

4.3.4. Mahnung und Nachfristansetzung 

Eine erste Mahnung, verbunden mit einer Nachfristansetzung datiert nach 

der übereinstimmenden Darstellung der Parteien vom 24. Juni 2015 (act. 3/33). 

Sodann hat die Klägerin am 2. September 2015 eine neue Nachfrist angesetzt 

(act. 3/10), bevor sie am 10. September 2015 vom Vertrag zurückgetreten ist 

(act. 3/11).  

Formell sind die Anforderungen an eine Mahnung und Nachfristansetzung 

klar erfüllt. Die Klägerin hat sich in beiden Schreiben ausdrücklich auf Art. 107 OR 

- 29 - 

bezogen und eine Nachfrist angesetzt. Sie hat auch ausgeführt, was sie von der 

Beklagten innert der angesetzten Frist verlangt. Dass die diesbezüglichen Anfor-

derungen an eine Mahnung erfüllt sind, ist unbestritten geblieben. Die Beklagte 

hat einzig bemängelt, dass die Klägerin mangels Fälligkeit und Verzug gar nicht 

berechtigt gewesen wäre, eine Nachfrist anzusetzen (act. 26 Rz. 255). Diese Ar-

gumentation verfängt - wie gezeigt - nicht. Zwar war vertraglich kein Vollendungs-

termin vereinbart, doch erlaubt vorliegend die Verweigerung der Leistungserbrin-

gung durch die Beklagte das Vorgehen nach den Regeln des Verzugs. Daraus 

ergibt sich aber auch, dass die Klägerin nicht berechtigt war, der Beklagten eine 

Frist zur Vollendung der Maschine anzusetzen; mit der Vollendung konnte die Be-

klagte nicht in Verzug geraten. Es ist folglich zu prüfen, ob die Nachfristansetzun-

gen, welche in erster Linie die erfolgreiche Durchführung einer «Vor-Abnahme-

Probephase» verlangen, inhaltlich genügen können. 

Die erste Mahnung vom 24. Juni 2015 befasst sich ausführlich mit den be-

haupteten Mängeln an der Maschine und dem vertraglich vereinbarten Abliefe-

rungsdatum. Die Beklagte wurde sodann aufgefordert, die Probephase bis zum 

30. Juni 2015 erfolgreich zu durchlaufen und die Maschine bis 14. Juli 2015 abzu-

liefern (act. 3/33). Diese Mahnung kann den inhaltlichen Anforderungen nicht ge-

nügen. Die Klägerin rügt einzig, dass die Maschine bis zum vermeintlichen Ablie-

ferungstermin nicht vollendet gewesen sei. Da vertraglich kein Vollendungstermin 

vorgesehen war (vgl. vorne E. 4.3.1), konnte diese Mahnung die Beklagte nicht in 

Verzug setzen. Eine Mahnung, die ausschliesslich nicht geschuldete Leistungen 

umfasst, ohne Hinweis darauf, dass sich die Klägerin mit dem Geschuldeten zu-

frieden geben würde, kann rechtlich keine Wirkungen entfalten. Diese Mahnung 

kann daher nicht als Grundlage für die spätere Kündigung gedient haben. 

Die Klägerin bezieht sich in ihrem Rücktrittsschreiben nicht auf die vorge-

nannte Mahnung. Vielmehr hat sie die Beklagte mit Schreiben vom 2. September 

2015 erneut gemahnt und erst nach Ablauf der in dieser Mahnung angesetzten 

Nachfrist die Kündigung ausgesprochen. Auch in diesem Schreiben forderte die 

Klägerin die Beklagte dazu auf, innert angesetzter Frist, die Tests erfolgreich zu 

durchlaufen (act. 3/10). Allerdings ergibt sich auch, dass dies nicht der einzige 

- 30 - 

Grund der Mahnung war. Die Klägerin bezieht sich ausdrücklich auch darauf, 

dass die Beklagte sich weigere, weitere Arbeiten an der Maschine auszuführen, 

was als Vertragsverletzung im Sinne von Art. 108 OR anzusehen sei, weshalb sie 

gar ohne Ansetzung einer Frist zur Ausübung der Wahlrechte von Art. 107 OR be-

rechtigt wäre. Die letztmalige Fristansetzung erfolge lediglich der guten Ordnung 

halber (act. 3/10). Damit hat die Klägerin ausreichend auf die Leistungsverweige-

rung der Beklagten Bezug genommen. Es geht aus der Mahnung in hinreichender 

Klarheit hervor, dass sie die umgehende Wiederaufnahme der Arbeiten fordert. 

Insbesondere begründet die Klägerin die Fristansetzung an sich mit der Leis-

tungsverweigerung der Beklagten. Dass sie darüber hinaus zusätzlich die Fertig-

stellung und Lieferung der Maschine mahnt, kann ihr nicht zum Nachteil gerei-

chen. Entscheidend ist, dass die Klägerin auch die tatsächlich geschuldete Leis-

tung ausdrücklich in ihre Mahnung aufgenommen hat. Daraus kann auch ge-

schlossen werden, dass sich die Klägerin mit der geschuldeten Wiederaufnahme 

der Arbeiten begnügt hätte. Die Beklagte macht denn auch nicht geltend, dass al-

leine die Vollendung abgemahnt und akzeptiert worden wäre und diese deshalb 

keine Wirkung entfalten konnte. Vielmehr befasst sie sich nicht konkret mit der 

Mahnung vom 2. September 2015 und macht nur generell geltend, die Klägerin 

habe nicht erneut mahnen dürfen (act. 26 Rz. 257 ff.; dazu sogleich). Damit kann 

sie ein anderes Verständnis der erhaltenen Mahnung - welches sich die Klägerin 

gegebenenfalls anzurechnen hätte - nicht belegen. Insgesamt ist damit erstellt, 

dass die Klägerin mit Schreiben vom 2. September 2015 die Wiederaufnahme der 

Arbeiten und damit die von der Beklagten geschuldete Leistung abgemahnt hat. 

Erforderlich ist weiter, dass seitens des Gläubigers eine angemessene 

Nachfrist angesetzt wird. Vorliegend hat die Klägerin eine Frist von sieben Tagen 

angesetzt (act. 3/10). Die Beklagte äussert sich nicht zur Angemessenheit dieser 

Frist. Im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist folglich davon auszu-

gehen, dass sie diese als angemessen anschaut (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

vom 30. März 2015, 4A_232/2014 E. 12.2.2; WEBER/EMMENEGGER, a.a.O., N 78 

zu Art. 107 OR m.w.H.). Ohnehin ist die Frist aber bezüglich der Wiederaufnahme 

der Arbeiten, welche ohne Weiteres innert weniger Tagen erfolgen könnte, als 

angemessen anzusehen. Ob unter Würdigung der gesamten Umstände die Frist 

- 31 - 

für die Fertigstellung der Maschine angemessen gewesen wäre, kann offen blei-

ben, zumal dies für die Frage des Verzugs nach dem Gesagten nicht relevant ist. 

Die Beklagte stellt sich weiter auf den Standpunkt, die Klägerin sei gar nicht 

berechtigt gewesen, nach der Mahnung vom 24. Juni 2015 erneut zu mahnen. 

Nach Ablauf der Nachfrist hätte sie unverzüglich eine der Wahlmöglichkeiten 

wahrnehmen oder eine neue Nachfrist ansetzen müssen. Sie habe die Beklagte 

weiterarbeiten lassen und mündlich und schriftlich weiterverhandelt und erst nach 

mehreren Monaten den Rücktritt erklärt, was nicht zulässig sei (act. 26 

Rz. 257 ff.). Dieser Einwand der Beklagten verfängt nicht. So lange der Gläubiger 

sein Wahlrecht im Sinne von Art. 107 OR noch nicht getroffen hat, kann er dem 

Schuldner eine neue Nachfrist ansetzen. Eine generelle Frist, innert welcher eine 

erneute Nachfrist anzusetzen wäre, statuieren Rechtsprechung und Lehre nicht 

(vgl. etwa WEBER/EMMENEGGER, a.a.O., N 146 zu Art. 107 OR m.w.H.). Der Gläu-

biger hat lediglich die Grundsätze von Treu und Glauben einzuhalten (WIEGAND, 

BSK OR I, a.a.O., N 11 zu Art. 107 OR). Vorliegend sind zwischen der ersten und 

der zweiten Mahnung der Klägerin mehrere Monate vergangen. In der Zwischen-

zeit haben die Parteien weiteren Kontakt gehabt, jedoch ohne dass die Klägerin 

ausdrücklich eine Wahl im Sinne von Art. 107 OR getroffen hätte. Dies macht 

auch die Beklagte nicht geltend. Sie stützt sich vielmehr auf eine konkludente 

Wahl, ohne konkret auszuführen, auf welche Handlungen der Klägerin sie sich 

stütze. Alleine das Verhandeln über das weitere Vorgehen kann kein Festhalten 

am Vertrag bedeuten. Vielmehr ist darin eine konkludente Verlängerung der 

Nachfrist zu sehen, auch wenn diese ohne konkretes Datum erfolgt ist und ent-

sprechend keine zusätzliche Verzugswirkung hervorrufen konnte. Eine eigentliche 

Wahl hat sie damit aber nicht wahrgenommen. Hinzu kommt, dass die Klägerin 

wie gezeigt in der ersten und der zweiten Mahnung nicht denselben Sachverhalt 

abgemahnt hat. Während sich das erste Mahnschreiben ausschliesslich mit der 

angeblichen Verspätung auseinandersetzt, wird im relevanten Schreiben erstmals 

auch die unzulässige Leistungsverweigerung durch die Beklagte thematisiert. 

Somit handelt es sich in rechtlicher Hinsicht beim Schreiben vom 2. September 

2015 gar nicht um eine erneute Mahnung durch die Klägerin. Die Klägerin war 

- 32 - 

folglich berechtigt, mit Schreiben vom 2. September 2015 die Beklagte (erneut) zu 

mahnen und ihr eine Nachfrist anzusetzen. 

Zusammenfassend ergibt sich aus dem Gesagten, dass die Klägerin die Be-

klagte mit Schreiben vom 2. September 2015 bezüglich ihrer Leistungsverweige-

rung rechtswirksam und berechtigterweise gemahnt hat. 

4.3.5. Fristablauf und Rücktrittserklärung 

Nach Erhalt der Mahnung hat die Beklagte unbestrittenermassen die Arbei-

ten an der Maschine nicht innert angesetzter Frist wieder aufgenommen (act. 1 

Rz. 100 und Rz. 161; act. 26 Rz. 167 ff.). Die angesetzte Frist ist am 

9. September 2015 abgelaufen (act. 3/10), woraufhin die Klägerin mit Schreiben 

vom 10. September 2015 den Rücktritt vom Vertrag erklärt hat (act. 1 Rz. 161; 

act. 3/11). Zum eigentlichen Rücktrittsschreiben äussert sich die Beklagte nicht. 

Die Ausübung des Wahlrechts stellt ein Gestaltungsrecht dar und hat ent-

sprechend klar und deutlich zu erfolgen. Der Schuldner muss erkennen, welche 

Wahl die Gläubigerin getroffen hat. (WEBER/EMMENEGGER, a.a.O., N 113 und 

N 118 zu Art. 107 OR). Diese Voraussetzungen erfüllt das Schreiben der Klägerin 

ohne Weiteres. Die Klägerin wiederholt darin die Gründe für die Nachfristanset-

zung und betont, dass sie nichts anderes als die Durchführung der «Vor-

Abnahme-Probephase» verlangt habe und die Beklagte dies verweigert habe. 

Sodann erklärt sie unter Bezugnahme auf Art. 109 OR den Rücktritt vom Vertrag 

(act. 3/11). Mit dieser Formulierung stellt sie nicht nur klar, dass sie vom Vertrag 

zurücktritt, sondern auch, dass sie Ansprüche auf Schadenersatz stellt, was in 

Abs. 2 der genannten Bestimmung ausdrücklich enthalten ist. Gerade weil der 

Rücktritt im Rahmen der Korrespondenz zwischen den Rechtsvertretern der Par-

teien erfolgt ist, musste die Gegenseite dies erkennen. Der Rücktritt der Klägerin 

ist damit rechtswirksam erfolgt. 

4.3.6. Rechtsfolgen des Rücktritts 

Der Rücktritt vom Vertrag nach Art. 109 OR führt zu einer Wiederherstellung 

des Zustandes, der bestehen würde, wenn der Vertrag nie geschlossen worden 

- 33 - 

wäre. So erlöschen die primären Leistungspflichten beider Parteien und beide 

können das bereits Geleistete zurückfordern. Darüber hinaus hat der Gläubiger 

gestützt auf Art. 109 Abs. 2 OR einen Anspruch auf Schadenersatz. Dieser An-

spruch erstreckt sich auf das negative Interesse (WEBER/EMMENEGGER, a.a.O., 

N 61 zu Art. 109 OR). Der Gläubiger ist so zu stellen, wie wenn der Vertrag nie 

abgeschlossen worden wäre. Zu den zu ersetzenden Schadenspositionen zählen 

Kosten und Aufwendungen, die ohne den Vertragsschluss nicht angefallen wären. 

Dazu zählen insbesondere Vertragsabschlusskosten, Kosten und Aufwendungen 

in Erwartung der Durchführung des Vertrages und Kosten im Zusammenhang mit 

der Rücktrittserklärung. Kein Ersatz ist hingegen für Verspätungsschäden ge-

schuldet. Die Beweislast für den Schaden trägt der Gläubiger (WEBER/EMMEN-

EGGER, a.a.O., N 86 ff. zu Art. 109 OR).  

4.3.7. Rückerstattungsanspruch 

Die Klägerin macht einen Rückerstattungsanspruch in der Höhe von 

EUR 357'001.50 geltend. Diesen Betrag habe sie am 5. Dezember 2014 als erste 

Anzahlung geleistet (act. 1 Rz. 114 und Rz. 175 f.). Die Beklagte bestreitet diesen 

Rückerstattungsanspruch nur gestützt auf ihre Annahme, dass der Vertragsrück-

tritt zu Unrecht erfolgt ist, die Leistung der Anzahlung wird bestätigt (act. 26 

Rz. 176 und Rz. 264). Die Zahlung ist sodann belegt (act. 3/12). Da der Rücktritt 

gültig erfolgt ist, hat die Klägerin einen Anspruch auf Rückerstattung der geleiste-

ten Anzahlung im Umfang von EUR 357'001.50. 

4.3.8. Schadenersatzanspruch 

Die Klägerin macht verschiedene Schadenspositionen geltend, die sie in un-

terschiedliche Kategorien bündelt. So behauptet sie Kosten, die ihr im Rahmen 

der Vorbereitung für die Entgegennahme der Maschine entstanden sein sollen. 

Einerseits im Zusammenhang mit der Miete einer Fabrikhalle, in der die Maschine 

installiert werden sollte (E. 4.3.8.1), und andererseits in Form von Kosten für zu-

sätzliches Personal (E. 4.3.8.2). Weiter seien ihr im Zusammenhang mit dem Ver-

tragsschluss (E. 4.3.8.3) sowie der Vertragsdurchführung (E. 4.3.8.4) verschiede-

ne Kosten entstanden und habe sie zusätzliche Personalkosten für ihre leitenden 

- 34 - 

Mitarbeiter tragen müssen (E. 4.3.8.5). Schliesslich seien verschiedene Rechts-

verfolgungskosten auf den dahingefallenen Vertrag zurückzuführen (E. 4.3.8.6). 

Vorab ist festzuhalten, dass es sich bei der Klägerin um eine in einen Kon-

zern eingebundene Gesellschaft handelt. Es ist davon auszugehen, dass sie in 

dieser Rolle und Rechtsform zumindest zu einem gewissen Grad einer Buchhal-

tungspflicht unterliegt. Auch wird sie die Zahlung von wesentlichen Beträgen be-

gründen müssen. Demnach ist zu erwarten, dass solche Zahlungen in einer an-

gemessenen Weise vereinbart und dokumentiert werden. Dies ist auch bei der 

Beweiswürdigung zu berücksichtigen. Es kann von der Klägerin verlangt werden, 

dass sie geeignete - mutmasslich ohnehin vorhandene - Beweismittel vorlegt. Ge-

rade wenn Zahlungen und Sachverhalte bestritten werden, liegt es an ihr, die zu-

grundeliegenden Vereinbarungen und Zahlungsflüsse zu belegen. Die Befragung 

ihrer leitenden Mitarbeiter kann dafür nicht als genügendes Beweismittel angese-

hen werden. Mehr als eine pauschale Bestätigung des behaupteten Sachverhalts 

kann aus einer Befragung nicht resultieren. Zudem ist das Beweisverfahren nicht 

dazu da, den relevanten Sachverhalt, wozu insbesondere auch Vereinbarungen 

und Zahlungsflüsse zählen, zu ergänzen. Auch wäre die Klägerin nicht berechtigt, 

nach einer Befragung weiterführende Beweismittel zu nennen. Diese sind in den 

Rechtsschriften aufzuführen. Wie bereits mit Verfügung vom 23. Februar 2018 

festgehalten wurde, ist der Aktenschluss eingetreten (act. 73). Zulässig wären 

einzig noch Noven. Die Erkenntnis, dass ein eigener Zeuge nicht ausreichen 

kann, um das Gericht von der eigenen Sachdarstellung zu überzeugen, kann aber 

nie einen nach Art. 229 ZPO relevanten Grund für die Zulässigkeit eines Novums 

darstellen.  

4.3.8.1. Kosten im Zusammenhang mit der Fabrikhalle 

4.3.8.1.1. Parteidarstellungen 

Die Klägerin macht geltend, sie habe nach Vertragsschluss für die mit der 

Maschine herzustellenden Produkte bereits eine Fabrikhalle angemietet, in wel-

cher sie ab dem 1. Mai 2015 habe produzieren wollen. Diese stehe leer, wobei 

der Mietvertrag unkündbar weiter laufe. Ohne den Vertrag hätte die Klägerin auch 

- 35 - 

die Räumlichkeit nicht gemietet, und die damit verbundenen Kosten wären nicht 

entstanden (act. 1 Rz. 115 ff. und Rz. 177 ff.). In der Replik ergänzt sie, die Flä-

chen wären für die Nutzung der Maschine, welche ein neues Geschäftsfeld der 

Klägerin dargestellt hätte, erforderlich gewesen. Neben der Maschine selbst sei 

Platz für Lagerung von Komponenten und Material sowie für Maschinen für die 

Vakuumformierung erforderlich. Die Höhe des Mietzinses entspreche dem Markt-

preis, die Grösse der Halle hätte daran nichts geändert. Einen Nachmieter hätte 

die Klägerin keinen finden können, da sie dafür die Halle wieder in Stand hätte 

bringen müssen und vertraglich strenge Voraussetzungen bestanden hätten. Ihrer 

Schadenminderungspflicht sei sie nachgekommen, indem sie unmittelbar nach 

Vertragsrücktritt über die Herstellung der gewünschten Maschine durch ein Dritt-

unternehmen verhandelt und diese nach dem Scheitern der Vergleichsgespräche 

bestellt habe. Vor Oktober 2016 hätte die Halle aufgrund der Marktsituation aber 

ohnehin nicht vermietet werden können. Mit einer Lieferung Anfang Mai 2015 

nach England habe sie nach Treu und Glauben rechnen dürfen (act. 63 

Rz. 426 ff.). 

Die Beklagte bestreitet, dass eine Halle in der gemieteten Grösse benötigt 

worden wäre. Die bestellte Maschine belege lediglich rund einen Fünftel des an-

gemieteten Platzes. Die Klägerin hätte sich sodann nach dem Rücktritt vom Ver-

trag umgehend um eine Unter- oder Nachvermietung der Halle bemühen müssen, 

um ihren Schadensminderungspflichten nachzukommen. Weiter könne die Kläge-

rin für die Mietperioden, in denen sie ohnehin nicht damit habe rechnen dürfen, 

dass die D'._____-Anlage in der gemieteten Halle stehen werde, keinen Scha-

denersatz verlangen. Aber selbst nach dem 1. Mai 2015 habe sie mangels ver-

einbartem Fertigstellungstermin nicht mit der Lieferung rechnen dürfen. Eine Ver-

tragsbestimmung, aus welcher sich eine Kostentragungspflicht der Beklagten er-

geben würde, bestehe nicht. Die Miete der Halle sei somit auf eigene Kosten und 

Gefahr der Klägerin erfolgt (act. 26 Rz. 179 ff.; act. 67 Rz. 376 ff.). Sodann be-

streitet sie in ihrer Duplik, dass die gemietete Halle überhaupt der Produktion mit 

der bei ihr bestellen Maschine gedient habe, dies habe die Klägerin nicht bewie-

sen (act. 67 Rz. 87). Ebenfalls nicht belegt sei die Behauptung, dass die neue 

- 36 - 

Maschine erst im November 2016 in der gemieteten Halle der Klägerin operativ 

gewesen sei (act. 67 Rz. 91)  

- 37 - 

4.3.8.1.2. Kausalzusammenhang im Allgemeinen 

In einem ersten Schritt ist zu beurteilen, ob die der Klägerin entstandenen 

Kosten im Zusammenhang mit der behaupteten Miete der Fabrikhalle überhaupt 

eine Schadensposition darstellen. Die Beklagte bestreitet generell, dass die Klä-

gerin die Fabrikhalle für die von der Beklagten herzustellende Maschine gemietet 

habe. Dem kann nicht gefolgt werden. Die diesbezügliche Darstellung der Kläge-

rin ist hinreichend konkret und in sich schlüssig. Insbesondere macht sie geltend, 

dass sie mit der bestellten Maschine in einen neuen Geschäftszweig expandiert 

habe (act. 63 Rz. 426), was auch durch die Tatsache gestützt wird, dass vor Ver-

tragsschluss ausgiebige Tests des neuen Rezepts stattgefunden haben. Dies wä-

re kaum erforderlich gewesen, wenn die Klägerin lediglich eine alte Maschine hät-

te ersetzen wollen. Aber selbst wenn es sich nicht um einen gänzlich neuen Ge-

schäftszweig handelt, ist ohne Weiteres klar, dass eine Maschine dieser Grös-

senordnung auch den entsprechenden Platz benötigt, um diese zu betreiben. So-

dann stellt der zeitliche Ablauf, der nahtlos in die ursprüngliche Terminplanung 

der Parteien passt, ein starkes Indiz für einen Zusammenhang mit der bestellten 

Maschine dar. Die Klägerin belegt ausserdem mit Fotos, dass die fragliche Fab-

rikhalle für die Produktion von Harzmatten genutzt wird (act. 64/246). Damit hat 

die Klägerin den Kausalzusammenhang zwischen Hallenmiete und Maschinen-

kauf in genügender Weise behauptet. Mit ihrer allgemeinen pauschalen Bestrei-

tung, dass die Halle vermutungsweise anderweitig genutzt worden sei, vermag 

die Beklagte daran nichts zu ändern. Konkreter bringt sie einzig vor, dass der 

Stromverbrauch auf eine andere Nutzung hindeute (act. 26 Rz. 185; act. 67 

Rz. 381). Dies deutet zwar darauf hin, dass die Halle in irgend einer Weise ge-

nutzt worden ist. Auch dies kann aber nichts daran ändern, dass die Halle zum 

Zweck der Produktion mit der neuen Maschine gemietet worden ist. 

Bezüglich der Frage, ob die Klägerin generell mit dem Vertrag die Miete ei-

ner Fabrikhalle begründen kann, sind sodann die Ablieferungsmodalitäten zu be-

rücksichtigen. Nach dem ursprünglich beabsichtigten Zeitplan - gemäss Purchase 

Order vom 10. November 2014 - sollte die «Vor-Abnahme-Probephase» in der 

letzten Woche des März 2015 stattfinden und die Lieferung anschliessend Anfang 

- 38 - 

April 2015 erfolgen (act. 3/5 S. 3). Zur Lieferung zählte aber auch die Positionie-

rung und unmittelbar darauf die Installation der Anlage. Dabei hätte die Beklagte 

den genauen Lieferungstermin, in Abhängigkeit der Verfügbarkeit ihres Installati-

onsteams, bestimmen können. Eine Pflicht, auf die Bedürfnisse der Klägerin 

Rücksicht zu nehmen, bestand hingegen nicht (act. 3/4 S. 10). Daraus kann aber 

auch geschlossen werden, dass die Klägerin im Zeitpunkt der «Vor-Abnahme-

Probephase» bereits über genügend Platz für die Lieferung und Inbetriebnahme 

der Maschine verfügen musste. Nur so konnte sie sicherstellen, dass sie bei der 

Lieferung der Maschine nicht in Annahmeverzug geraten würde - was auch im In-

teresse der Beklagten war. Insbesondere konnte sie das erfolgreiche Durchlaufen 

der Tests nicht abwarten, weil sie die Lieferung danach innert kurzer Zeit erwarten 

musste und die Vorbereitung der Halle mehr Zeit in Anspruch nahm.  

4.3.8.1.3. Relevanter Zeitraum 

Ein Schaden ist bei der Klägerin aber nicht dadurch entstanden, weil sie 

überhaupt eine Fabrikhalle anmieten musste. Vielmehr hat sie die Halle später - 

nach eigenen Angaben ab November 2016 - für den Betrieb der erhaltenen Ma-

schine benötigt. Sie hat unbestrittenermassen darauf verzichtet, die Fabrikhalle 

weiter zu vermieten, um den entstehenden Schaden zu reduzieren. Dabei handelt 

es sich um einen bewussten Entscheid der Klägerin, die auch für die «Ersatzma-

schine» über die gemietete Fabrikhalle hat verfügen wollen. Dafür hat die Beklag-

te nicht einzustehen. Einen Schaden kann die Klägerin damit höchstens erlitten 

haben, indem sie die Fabrikhalle früher gemietet hat, als dies ohne den dahinge-

fallenen Vertrag der Fall gewesen wäre, und ihr in diesem Zusammenhang Kos-

ten angefallen sind. Der Beweis dafür - in welchem Zeitraum die Fabrikhalle ohne 

den Vertrag nicht angemietet worden wäre - obliegt der Klägerin. Die Klägerin 

macht geltend, die bei ihr für die Miete der Fabrikhalle zwischen dem 25. Februar 

2015 und dem 24. September 2016 angefallenen Kosten würden einen Schaden 

darstellen (act. 63 Rz. 85 ff.). Nebenkosten, Strom, Versicherung und Steuern 

macht sie vom 25. Februar 2015 bis 30. Juni 2016 geltend (act. 63 Rz. 89 ff.). Die 

Beklagte wendet ein, dass die Klägerin nicht mit einer Lieferung Anfang Mai 2015 

habe rechnen dürfen, ebenso habe sie nach ihrem Rücktritt im September 2015 

- 39 - 

nicht mehr mit der Maschine rechnen dürfen. Dass in diesem Zeitpunkt noch In-

stallationen für die Maschine erfolgt sein sollen, sei unglaubwürdig. Aus dem An-

stieg der Elektrizitätskosten könne zudem auf eine anderweitige Nutzung der Hal-

le geschlossen werden. Ohnehin hätte die Klägerin aufgrund ihrer Schadenminde-

rungspflicht nach dem Vertragsrücktritt umgehend die Unter- oder Weitervermie-

tung der Fabrikhalle anstreben müssen (act. 26 Rz. 181 ff.; act. 67 Rz. 377 ff.). 

Der von der Klägerin eingereichte Mietvertrag datiert vom 25. Februar 2015 

und setzt den Beginn der Vertragsdauer auf denselben Tag fest (act. 3/66). Die 

Mietdauer begann folglich rund zwei Monate vor der (unbestrittenen) beabsichtig-

ten Lieferung der Maschine Anfang Mai 2015. Die Beklagte bringt zwar zu Recht 

vor, dass dieser Liefertermin keinen vereinbarten Vollendungstermin darstellt (da-

zu vorne E. 4.3.1), was aber nichts an der zuvor ausgeführten Notwendigkeit zur 

Miete einer Fabrikhalle bzw. zur Vorbereitung genügender Flächen für die Instal-

lation und den Betrieb der Maschine ändern kann. Hätte die Beklagte die Maschi-

ne geliefert, hätte sie mangels Verzug nicht für eine spätere Ablieferung einstehen 

müssen. Die Klägerin hätte dieses Risiko vollumfänglich selbst tragen müssen. 

Eine solche Situation ist aber vorliegend nicht zu beurteilen. Zu ersetzen ist nicht 

ein Verspätungsschaden, sondern vielmehr derjenige Schaden, der aufgrund des 

Vertragsabschlusses entstanden ist. Demzufolge ist einzig relevant, ob die Aus-

gaben auf das Vertragsverhältnis zurückzuführen sind und in berechtigter Weise 

getätigt wurden. Darunter fallen auch Schadenspositionen, die bei einer reinen 

Verspätung nicht auf die Gegenpartei abgewälzt werden könnten. Aufgrund der 

Pflichten der Klägerin im Rahmen der geplanten Abnahme war es für diese wie 

gesagt notwendig, neue Produktionsräumlichkeiten anzumieten. Ebenfalls ist klar, 

dass die Vorbereitung eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt. Dass die von der 

Klägerin diesbezüglich geltend gemachten zwei Monate nicht zutreffen würden, 

macht die Beklagte nicht substantiiert geltend, davon ist folglich auszugehen. Die 

geplante «Vor-Abnahme-Probephase» hat unbestrittenermassen vom 13. bis 

23. April 2015 stattgefunden (act. 1 Rz. 42; act. 26 Rz. 72 ff.). Nach dem Gesag-

ten musste die Klägerin in diesem Zeitpunkt bzw. kurz darauf für die Abnahme der 

Maschine bereit sein. Eine Miete ab 25. Februar 2015 bei zweimonatiger Vorbe-

reitungszeit kann folglich nicht als verfrüht angesehen werden. Die Kosten, die ab 

- 40 - 

dem 25. Februar 2015 angefallen sind, stellen damit eine kausale Schadensposi-

tion dar. 

Weiter ist strittig, bis zu welchem Zeitpunkt die Beklagte die Kosten im Zu-

sammenhang mit der Fabrikhalle zu ersetzen hat. Geltend gemacht werden Kos-

ten bis maximal September 2016. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Fabrik-

halle (spätestens) ab November 2016 für den Betrieb der "Ersatzmaschine" ge-

nutzt wurde. Die Klägerin hat sich jedenfalls diejenige Zeit anrechnen zu lassen, 

welche sie für die Vorbereitung der Halle gebraucht hat. Sowohl die Arbeiten - 

welche sie auch nicht geltend macht - als auch die aufgrund der dafür benötigten 

Zeit entstandenen Kosten können daher keinen Schaden darstellen. Immerhin hat 

sie die Vorbereitungsarbeiten, die während der Vertragsdauer mit der Beklagten 

angefallen sind, auch für den späteren Betrieb der anderen Maschine verwerten 

können. Daraus lässt sich schliessen, dass zumindest eine Dauer von rund zwei 

Monaten - die von der Klägerin behauptete benötigte Vorbereitungszeit vom 

25. Februar 2015 bis Ende April 2015 - ohnehin erforderlich gewesen wäre. Spä-

testens per 25. August 2016 (bei Inbetriebnahme im November 2016) hätte die 

Klägerin folglich die fragliche Fabrikhalle ohnehin mieten müssen, um die nach 

eigenen Angaben erforderlichen Vorbereitungsarbeiten vornehmen zu können. 

Seitens der Beklagten wurde bestritten, dass die Maschine erst im November 

2016 geliefert worden sein soll (act. 67 Rz. 91). Trotzdem machte die Klägerin 

diesbezüglich keine näheren Ausführungen. Einen eigentlichen Beweis dafür, 

wann die Lieferung erfolgt ist, kann die Klägerin nicht erbringen. Dies kann aber 

nicht per se zur Abweisung des Schadenersatzanspruchs in diesem Punkt führen. 

Die Klägerin macht eine Lieferung rund 14 Monate nach Kündigung des Vertrages 

mit der Beklagten geltend. Die entsprechende Bestellung habe sie umgehend 

nach Scheitern der nachvertraglichen Vergleichsgespräche getätigt (act. 67 

Rz. 430). Dieser Zeitablauf erscheint durchaus plausibel. Immerhin macht die 

Klägerin bis Anfang 2016 laufende Vergleichsgespräche geltend (act. 63 

Rz. 436 f.), womit die Maschine rund sieben bis zehn Monate nach Vertrags-

schluss geliefert worden wäre. Dies liegt im ähnlichen Rahmen wie die im Vertrag 

zwischen den Parteien ursprünglich vorgesehene Produktionsdauer. Damit kann 

der Klägerin einzig vorgehalten werden, dass sie die schadensmindernden Mass-

- 41 - 

nahmen nicht umgehend nach dem Vertragsrücktritt eingeleitet hat. Der Rücktritt 

vom Vertrag nach Art. 107 OR stellt ein unwiderrufliches Gestaltungsrecht dar 

(WEBER/EMMENEGGER, a.a.O., N 113 zu Art. 107 OR). Die Klägerin hat damit zu 

erkennen gegeben, dass sie auf den Vollzug des Vertrages verzichtet. Wenn sie 

danach mit der Beklagten erneut über die Ablieferung des Werks verhandelt, stellt 

dies in rechtlicher Hinsicht eine neue vertragliche bzw. vorvertragliche Beziehung 

dar. Der alte Vertrag konnte aufgrund des Rücktritts nicht mehr vollzogen werden. 

Weitere Investitionen in das Vertragsverhältnis erfolgen auf eigenes Risiko der 

Klägerin. Ebenso ist der Verzicht auf schadenmindernde Massnahmen der Risi-

kosphäre der Klägerin zuzuordnen. Es wäre folglich an ihr gewesen, umgehend 

die Beschaffung der "Ersatzmaschine" einzuleiten oder aber um die Reduktion 

der anfallenden Kosten bemüht zu sein. Dies hat sie nach eigener Darstellung nur 

beschränkt gemacht. So hat sie zwar Vertragsverhandlungen aufgenommen, aber 

(vermutlich) erst im März 2016 den Vertrag unterzeichnet. Wie lange die Ver-

tragsverhandlungen gedauert haben, legt die Klägerin nicht dar. Im Sinne der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann von ihr aber auch nicht verlangt wer-

den, dass sie für jede erdenkliche Variante der Schadensberechnung eine Alter-

nativbegründung aufstellt (Urteil des Bundesgerichts vom 27. April 2020, 

4A_412/20119 E. 7.4.2.2). Auch dies kann ihr nicht dahingehend zum Nachteil 

gereichen, dass der Schaden vollständig als unsubstantiiert angesehen würde. 

Vielmehr ist in Anwendung von Art. 42 Abs. 2 OR eine angemessene Frist für die 

Vertragsverhandlungen anzurechnen. Dabei erscheint aufgrund der Komplexität 

der zu produzierenden Maschine und angesichts der von der Klägerin dargeleg-

ten Dauer der Vertragsverhandlungen zwischen den Parteien (act. 1 Rz. 22 ff.; 

act. 26 Rz. 11 ff.) eine Verhandlungsdauer von rund zweieinhalb Monaten ange-

messen. Es ist folglich davon auszugehen, dass die Klägerin bei umgehendem 

Vertragsschluss die Fabrikhalle rund zwei Monate früher, also ab dem 25. Juli 

2016, für die neue Maschine benötigt hätte. 

Die Beklagte macht weiter geltend, dass sich die Klägerin umgehend um ei-

ne Weitervermietung der Fabrikhalle hätte bemühen müssen. Die Klägerin hat 

keine Vermietungsbemühungen geltend gemacht und auch nicht substantiiert be-

stritten, dass keine solchen erfolgt seien. Sie will ihrer Schadenminderungspflicht 

- 42 - 

durch die umgehende Verhandlung über eine Ersatzmaschine eines anderen 

Herstellers nachgekommen sein und behauptete nur pauschal, dass eine ander-

weitige Vermietung (als Nach- oder Untermiete) frühestens per Oktober 2016 hät-

te erfolgen können (act. 63 Rz. 430). Dabei verkennt sie, dass sie die schaden-

mindernden Massnahmen zu belegen hätte, damit beurteilt werden kann, ob die 

von ihr ergriffenen Massnahmen angemessen waren. Massgebend ist insbeson-

dere, ob die Bestellung einer anderen Maschine tatsächlich weniger Schaden 

verursacht als die Weitervermietung der Fabrikhalle. Soweit sich die Klägerin be-

wusst für einen Weiterbetrieb der Fabrikhalle entschieden hat, hat sie sich auch 

Kosten entgegen halten zu lassen, welche anderweitig hätten verhindert werden 

können. Aus den von der Klägerin vorgelegten Belegen und angerufenen Be-

weismitteln lässt sich die Behauptung der fehlenden Vermietbarkeit der Halle 

nicht in genügendem Masse nachweisen. So kann alleine die Verfügbarkeit weite-

rer Hallen in der Region keinen Beweis dafür darstellen, dass die konkrete Halle 

der Klägerin - mit oder ohne Ausbauten - nicht hätte vermietet werden können. 

Ohnehin stellt der Verweis auf ein Online-Immobilien-Portal eine Momentaufnah-

me dar, die bereits im Zeitpunkt der Beurteilung nicht mehr zutreffend ist. Die heu-

tige Verfügbarkeit von Industriehallen in der entsprechenden Region - wie schon 

diejenige Mitte 2019, also im Zeitpunkt des ersten Urteils des Handelsgerichts - 

kann nichts über die Marktsituation in der hier relevanten Zeitspanne (ab Septem-

ber 2015) aussagen. Besser geeignete Beweismittel hat die Klägerin keine ge-

nannt. Ausserdem ist ihre Argumentation teilweise widersprüchlich, wenn die Klä-

gerin hinsichtlich der Kosten sinngemäss von einem knappen Angebot spricht 

(act. 63 Rz. 429; zumindest kann dies aus der Behauptung der hohen Mieten für 

entsprechende Hallen abgeleitet werden), bei der Vermietung aber ein Überange-

bot sehen will (act. 63 Rz. 430). Wie lange eine Weitervermietung der Halle ge-

dauert hätte, lässt sich vorliegend nicht feststellen. Klar ist einzig, dass eine Kün-

digung des Mietvertrages erst per 25. Februar 2020 möglich gewesen wäre, mit 

einer Frist von sechs Monaten. Die Suche nach einem Nach- oder Untermieter 

wäre folglich durch die feststehenden Konditionen erschwert worden. Bereits aus 

diesem Grund wäre von einer mehrmonatigen Mietersuche - gerechnet ab dem 

9. September 2015 - auszugehen. Ausserdem hätte die Klägerin erst die vorge-

- 43 - 

nommenen Mieterausbauten zurückbauen müssen, was nach ihrer unbestritten 

gebliebenen Darstellung ebenfalls mehrere Monate in Anspruch genommen hätte. 

Hinzu kommt, dass bei einer weiteren Vermietung zusätzliche als Schaden anre-

chenbare Kosten entstanden wären. So hat die Klägerin sämtliche Einrichtungen 

und baulichen Änderungen durch die durchgehende Miete der Halle beibehalten 

können. Es sind keine Aufwendungen entstanden, um die Installationen wieder zu 

entfernen, und die Klägerin macht auch (zu Recht) keine Kosten für die Einrich-

tung der Halle geltend. Ebenso konnte die Klägerin und damit schlussendlich die 

Beklagte auch die Kosten für die Suche eines Nachmieters sparen. Werden diese 

schadensmindernden Massnahmen mit berücksichtigt, erscheint auch aus dieser 

Sicht die Annahme, dass die Klägerin die Fabrikhalle rund 10 Monate später, also 

per August 2016, anderweitig hätte vermieten können, angemessen.  

Zusammenfassend ergibt sich aus dem Gesagten, dass die Klägerin die an-

gemietete Fabrikhalle vom 25. Februar 2015 bis zum 25. Juli 2016, also während 

17 Monaten, aufgrund des Vertrages mit der Beklagten gemietet hat. Die spätere 

Miete erfolgte gestützt auf den Vertrag mit dem neuen Lieferanten der Maschine, 

bzw. wäre aus diesem Grund erfolgt, wenn die Klägerin wie geboten umgehend 

schadenmindernde Massnahmen ergriffen hätte. Für die in diesem Zusammen-

hang entstandenen Kosten besteht folglich grundsätzlich ein Kausalzusammen-

hang zum dahingefallenen Vertrag, wobei die einzelnen Positionen in der Folge 

zu beurteilen sind. 

4.3.8.1.4. Mietzinsen 

Für die Mietkosten macht die Klägerin vom 25. Februar 2015 bis zum 

25. September 2016 einen Betrag von insgesamt GBP 141'489.72 geltend. Dieser 

ergebe sich aus dem vereinbarten Mietzins von GBP 26'000.– pro Quartal sowie 

einer mit der Vermieterin vereinbarten Reduktion des Mietzinses und einer weite-

ren Reduktion der Gesamtsumme, damit diese der ursprünglich eingeklagten 

Summe entspreche. So sei mit der Vermieterin eine Bezahlung der Mietzinsen ab 

25. November 2015, also neun Monate nach Mietbeginn vereinbart worden. Damit 

habe eine Reduktion des monatlichen Mietzinses vereinbart werden sollen, wes-

halb pro Monat GBP 650.– abzuziehen seien (act. 63 Rz. 85 ff.). Die Beklagte 

- 44 - 

macht geltend, die Vereinbarung zur Mietzinsreduktion betreffe alleine den Zeit-

raum vom 25. Februar 2015 bis 24. November 2015. Eine pro rata temporis anzu-

rechnende Mietzinsreduktion könne die Klägerin nicht belegen, es handle sich um 

eine Schutzbehauptung. Naheliegender sei, dass die Klägerin die Reduktion aus-

gehandelt habe, weil sie aufgrund des Werkvertrags nicht habe sicher sein kön-

nen, dass die Maschine im Mai 2015 betriebsbereit sei. Die Einsparungen der 

Klägerin seien entsprechend auch in diesen Monaten voll anzurechnen und nicht 

über 10 Jahre zu verteilen (act. 67 Rz. 88 ff.). 

Der vereinbarte Mietzins ist klar und ergibt sich so auch aus dem eingereich-

ten Mietvertrag. Demnach schuldet die Klägerin der Vermieterin jährlich einen 

Mietzins von GBP 104'000.– bzw. monatlich GBP 8'666.67 (act. 3/66 S. 1 und 

Ziff. 1.1). Daneben hat die Klägerin mit der Vermieterin vereinbart, dass die Miet-

zahlungen ab dem 25. November 2015 zu leisten sind («Rent Commencement 

Date»; act. 3/66 S. 9). Die umstrittene Frage, auf welche Monate die Reduktion 

der Miete entfällt, ist eine Frage der Vertragsauslegung. Der Wortlaut der Be-

stimmung scheint soweit klar: Der Mietvertrag soll am 25. Februar 2015 beginnen, 

während der Beginn der Mietzahlungen auf den 25. November 2015 festgesetzt 

wird (act. 3/66 S. 9). Aus dem Wortlaut kann damit gesch