# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** df113f0a-cda2-59d1-9009-b04190b2d760
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-06-22
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 22.06.2018 IV 2017/368
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2017-368_2018-06-22.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2017/368

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 20.09.2019

Entscheiddatum: 22.06.2018

Entscheid Versicherungsgericht, 22.06.2018
Art. 12 IVG. Medizinische Massnahmen seit der 5. IVG-Revision. 
Psychotherapie. Prüfung der Eingliederungswirksamkeit der 
psychotherapeutischen Massnahme. Gutheissung (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. Juni 2018, IV 
2017/368).

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiberin Annina Janett

Geschäftsnr.  

IV 2017/368

Parteien

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch B.___,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

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Gegenstand 

medizinische Massnahmen (Psychotherapie)

Sachverhalt

A. 

A.a  A.___, wurde im Mai 2014 unter Hinweis auf eine Aufmerksamkeitsstörung zum 

Bezug von medizinischen Massnahmen bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen 

angemeldet (IV-act. 3). In einem der Anmeldung beigelegten Bericht vom 24. März 

2014 hatte der den Versicherten behandelnde Psychotherapeut festgehalten, dass sich 

dieser seit Dezember 2012 in einer Psychotherapie mit wöchentlichen Sitzungen 

befinde. Beim Versicherten bestünden eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2), 

Tendenzen eines ADHS, die Gefahr einer depressiven Entwicklung, ein hochgradig 

belastendes Familiensystem sowie Übergewicht. Er sei im sozial-emotionalen Bereich 

entwicklungsverzögert, zeige Konzentrationsschwierigkeiten und andere kognitive 

Schwierigkeiten, die sich vor allem auf den schulischen Alltag auswirkten. In gewissen 

Situationen sei der Schulbesuch wegen psychosomatischer Beschwerden sogar 

verunmöglicht. Ziel der Psychotherapie sei es, das geringe Selbstwertvertrauen des 

Versicherten zu stärken und zu fördern und mit ihm konstruktive 

Bewältigungsstrategien zu üben. Ausserdem werde die erschwerte familiäre Situation 

angeschaut. Die Konzentrationsschwierigkeiten würden mit Übungen angegangen. Die 

Therapie sei mindestens für die nächsten zwei bis drei Jahre indiziert. Bei adäquater 

psychotherapeutischer Begleitung sei eine positive psychosoziale und schulische 

Entwicklung möglich (IV-act. 1).

A.b  Am 13. August 2014 berichtete der behandelnde Psychotherapeut, dass bereits 

eine Besserung stattgefunden habe, welche sich auch in den schulischen Leistungen 

zeige. Der Versicherte könne dem Unterricht besser folgen und auch die 

Vergesslichkeit und die innere Unruhe hätten deutlich abgenommen. In der Therapie 

gelinge es dem Versicherten besser, die eigenen Bedürfnisse verbal zu äussern. Eine 

Verbesserung der Situation zeige sich auch in der sozialen Kompetenz, so dass er 

begonnen habe, sich mit Freunden zu verabreden. Die ganze Situation habe sich 

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stabilisiert und der Versicherte sei robuster geworden, halte mehr aus und könne 

adäquater mit Konflikten und Frustrationen umgehen. Die erreichte Stabilisierung sei 

aber noch nicht genügend vorangeschritten (IV-act. 13).

A.c  Am 2. Oktober 2014 notierte Dr. med. C.___ vom Regionalen Ärztlichen Dienst 

(RAD), dass die beantragte psychotherapeutische Behandlung mit Blick auf die 

vorliegenden Akten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die zukünftige schulische 

bzw. berufliche Ausbildung und Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich verbessern 

könne und/oder von einer wesentlichen Beeinträchtigung im Hinblick auf die zukünftige 

Eingliederung ins Erwerbsleben bewahren könne (IV-act. 14).

A.d  Gestützt auf die RAD-ärztliche Beurteilung gewährte die IV-Stelle dem 

Versicherten am 9. Oktober 2014 eine Kostengutsprache für die ambulante 

Psychotherapie nach Art. 12 IVG vom 18. Dezember 2013 bis 17. Dezember 2015 (IV-

act. 15). Am 16. September 2015 erteilte die IV-Stelle aufgrund einer 

Entwicklungsstörung der Motorik (ICD-10 F82) zudem eine Kostengutsprache für eine 

Ergotherapie mit drei Mal neun Sitzungen vom 12. August 2015 bis 31. August 2016 

(IV-act. 29, vgl. IV-act. 17 ff.).

A.e  Am 20. Januar 2016 ersuchte der Psychotherapeut um Verlängerung der 

Kostengutsprache für die Psychotherapie. Er berichtete der IV-Stelle, beim 

Versicherten bestünden in diagnostischer Hinsicht eine Reaktion auf eine schwere 

Belastung (ICD-10 F43.9), eine Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten mit 

Teilleistungsstörungen (ICD-10 F81.3), Tendenzen eines ADHS, eine Gefahr einer 

depressiven Entwicklung, ein hochgradig belastetes Familiensystem sowie 

Übergewicht. Der Versicherte komme wöchentlich in die Therapie und könne nun 

teilweise besser reflektieren, gewisse Ängste besser äussern und sich aktiver in die 

Therapie einbringen. Die Grundlage für eine erfolgreiche Therapie habe sich verbessert. 

Die Tendenz, sich emotional und sozial zu verschliessen und sich zurückzuziehen, 

bestehe leider immer noch, wenn auch im Vergleich zu früher in weniger starkem 

Ausmass. Der Umgang mit der eigenen schwierigen Vergangenheit, den 

Drogenkarrieren der leiblichen Eltern sowie der Situation als Pflegekind verlange eine 

länger dauernde Begleitung. Der Versicherte benötige professionelle Begleitung, damit 

es nicht zu Entgleisungen komme, welche die gesunde psychosoziale Entwicklung und 

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die erfolgreiche schulische Karriere gefährdeten. Aktuell werde er in einer Kleinklasse 

betreut. Ohne psychotherapeutische Begleitung könne der Versicherte in der 

Bewältigung des Alltags überfordert sein. Die Gefahr einer depressiven Entwicklung 

bestehe weiterhin, wenn sie auch dank der bisher erreichten Fortschritte weniger 

wahrscheinlich sei (IV-act. 30).

A.f  Am 15. April 2016 notierte RAD-Ärztin Dr. C.___, dass die Psychotherapie-

Indikation gemäss der dokumentierten Befunde weiterhin nachvollzogen werden 

könne. Die Zusprachekriterien für eine Verlängerung der Kostengutsprache für die 

Psychotherapie nach Art. 12 IVG seien ausgewiesen (IV-act. 31).

A.g  Am 18. April 2016 verlängerte die IV-Stelle die Kostenübernahme für die 

ambulante Psychotherapie vom 17. Dezember 2015 bis 31. Dezember 2016 (IV-act. 

33). Am 21. Juli 2016 gewährte sie zudem eine Kostengutsprache für die Verlängerung 

der Ergotherapie vom 1. September 2016 bis zum 31. August 2017 (IV-act. 44, vgl. IV-

act. 37 ff.).

B. 

B.a  Am 4. Januar 2017 ersuchte die Kinderärztin des Versicherten die IV-Stelle unter 

Verweis auf einen Therapiebericht des behandelnden Psychotherapeuten um eine 

Verlängerung der Kostenübernahme für die Psychotherapie (IV-act. 45). In seinem 

Bericht vom 23. Dezember 2016 hatte dieser festgehalten, dass der Versicherte den 

Übertritt in die Kleinklasse relativ gut absolviert habe. Schwierig seien nach wie vor die 

Selbstinitiative und die Selbständigkeit, die nicht seinem Alter entsprechend weit 

entwickelt seien. Die ausgeprägte Tendenz, sich in sich selbst zurückzuziehen, habe 

etwas abgenommen. Die Vergangenheit der leiblichen Eltern und die immer wieder 

auftauchenden Krisen beider Elternteile beschäftigten den Versicherten und brächten 

ihn aus dem fragilen Gleichgewicht. In der Schule sei die Belastung durch den 

Leistungsdruck besser geworden. Es falle ihm nach wie vor schwer, sich zu 

konzentrieren. In der Psychotherapie solle ein Raum geschaffen werden, wo er sich mit 

dem beschäftigen könne, was gerade aktuell sei, so dass er dies nicht in der Schule zu 

tun brauche. Der Umgang mit der Vergangenheit und mit den Krisen der leiblichen 

Eltern sowie die Rolle als Pflegekind würden den Versicherten noch lange begleiten. 

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Die Schule sei nach wie vor etwas Schwieriges, das viel Energie benötige, die er 

teilweise nicht aufbringen könne. In der Psychotherapie könne der Versicherte lernen, 

dass das Reden eine Erleichterung bringen könne und dass Lösungen für Konflikte 

gefunden werden könnten. Mit der Stärkung des Selbstvertrauens solle auch die 

Schule zu etwas werden, wovon er denke, es schaffen zu können, nicht aufgebe bzw. 

eine Bereitschaft dafür entwickle, dafür zu kämpfen. In der Therapie gehe es auch 

darum, wieder auftanken zu können und zu verarbeiten, damit wieder genug Energie 

für die Schule, die berufliche Laufbahn und die psychische Entwicklung zur Verfügung 

stehe. Die Entwicklung sei positiv und könne weiter verbessert werden. Wichtig sei, 

dass die bis anhin erzielte fragile Stabilisierung der Situation nicht wieder 

zusammenbreche (IV-act. 46).

B.b  RAD-Ärztin Dr. C.___ notierte am 28. Februar 2017, dass die fortgesetzte 

Indikation für die psychotherapeutische Behandlung medizinisch nachvollziehbar sei. 

Gemäss den aktuellen Berichten müsse jedoch festgestellt werden, dass beim 

Versicherten bei einem Verlauf mit ununterbrochener psychotherapeutischer 

Behandlung in wöchentlicher Frequenz seit Ende 2012 ein labiles pathologisches 

Geschehen vorliege. Die Voraussetzungen für die Psychotherapie nach Art. 12 IVG 

seien somit nicht mehr erfüllt (IV-act. 47). Gestützt auf die RAD-ärztliche Beurteilung 

stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 7. März 2017 die 

Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 49).

B.c  Dagegen erhob die ÖKK als Krankenversicherer des Versicherten am 14. März 

2017 vorsorglich Einwand. Sie beantragte am 8. Mai 2017 die Kostenübernahme bis 

vorerst 31. Dezember 2017 sowie die Anordnung einer kinderpsychiatrischen 

Beurteilung. Aufgrund der zugestellten Akten sei ein labiles pathologisches Geschehen 

medizinisch nicht nachvollziehbar, ein solches müsste durch eine kinderpsychiatrische 

Beurteilung belegt werden. Die Psychotherapie ziele eindeutig auf die soziale 

Integration und die spätere Berufsausbildung des Versicherten ab. Bei der Beurteilung 

seien nicht nur die sozialen Faktoren, sondern vielmehr die Förderung des Versicherten 

in seiner Gesamtheit massgebend (IV-act. 50, 56).

B.d  Am 23. August 2017 nahm Dr. C.___ zu den vorliegenden Akten Stellung. Sie 

führte aus, dass die psychosozialen Rahmenbedingungen, die Gesamtheit der 

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Diagnosen, die seit 2012 durchgehend erfolgte Psychotherapie mit durchgehend 

wöchentlicher Frequenz, die nach wie vor bestehende Indikation, das aktuell 

formulierte Therapieziel (Schaffung eines Raumes, wo der Versicherte sich mit dem 

beschäftigen könne, was gerade aktuell sei) sowie der aktuell nicht absehbare 

Abschluss der psychotherapeutischen Behandlung liessen aus 

versicherungsmedizinischer Sicht auf ein labiles pathologisches Geschehen schliessen. 

Ob eine kinderpsychiatrische Beurteilung vorgenommen werden müsse, sei keine 

medizinische Frage und könne vom RAD nicht beantwortet werden (IV-act. 57).

B.e  Am 6. September 2017 verfügte die IV-Stelle gemäss ihrem Vorbescheid. Zum 

Einwand führte sie an, dass gemäss den Ausführungen des RAD ein labiles 

pathologisches Geschehen vorliege und von einer Dauerbehandlung ausgegangen 

werden könne. Die Angaben der Behandler seien für die Beurteilung ausreichend, 

weshalb keine weiteren Akten angefordert oder eine Untersuchung in Auftrag gegeben 

worden sei (IV-act. 58).

C.

C.a Gegen diese Abweisungsverfügung liess der Versicherte durch seinen Beistand am 

4. Oktober 2017 Beschwerde erheben. Dieser beantragte die Aufhebung der Verfügung 

vom 6. September 2017 und die Erteilung einer Kostengutsprache für die beantragte 

Psychotherapie. Er machte geltend, dass sich die Beschwerden gebessert hätten und 

der Beschwerdeführer seit dem Sommer 2017 wieder in der Regelklasse beschult 

werden könne, sei nicht zuletzt auf die kontinuierliche Psychotherapie zurückzuführen. 

Mit dem Übertritt in die Oberstufe im Sommer 2017 beginne für den Beschwerdeführer 

eine weitere wichtige Phase in seiner Entwicklung, welche entscheidend sei für die 

Berufswahl und einen gelungenen Eintritt ins Erwerbsleben. In diesem Lebensabschnitt 

sei eine kontinuierliche Begleitung durch die bewährte Psychotherapie von 

entscheidender Bedeutung. Dabei gehe es weniger um eine Dauerbehandlung als um 

eine Unterstützung im Hinblick auf die bevorstehende Berufswahl (act. G 1). Der 

Beistand reichte zudem einen weiteren Bericht des behandelnden Psychotherapeuten 

vom 15. September 2017 ein. Darin hatte dieser festgehalten, der Beschwerdeführer 

habe Schwierigkeiten, sich auf schulische Belange zu konzentrieren, wenn ihn andere 

Dinge beschäftigten, er zeige ein aggressives oder verweigerndes Verhalten in der 

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Schule und Zuhause und es bestünden Einnässen und Übergewicht. Aktuell habe es 

der Beschwerdeführer geschafft, nicht mehr einzunässen. Auch gelinge es ihm besser, 

bei Schwierigkeiten diese zu verbalisieren. In der Schule könne er sich wieder soweit 

konzentrieren, dass er dem Unterricht folgen könne. Aber es komme immer wieder vor, 

dass ihn alles überfordere und er sich wieder verschliesse. Gerade auch im Hinblick auf 

die aufkommende Pubertät sei eine weitere Begleitung unbedingt indiziert, damit der 

Beschwerdeführer weiter lernen könne, adäquat mit schwierigen Situationen und 

Konflikten umgehen zu können und sein Selbstwertgefühl zu stärken (act. G 1.2).

C.b Am 21. Dezember 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der 

Beschwerde. Der Beschwerdeführer befinde sich bereits seit dem 18. Dezember 2012 

in Psychotherapie und es seien nach der über vierjährigen Therapie keine wesentlichen 

Fortschritte ersichtlich. Beim Beschwerdeführer bestünden seit Jahren schwierige 

psychosoziale Umstände und ein Ende sei nicht absehbar. Die RAD-Ärztin bestreite 

nicht die Indikation der Psychotherapie, weise aber darauf hin, dass die Behandlung 

lediglich der Unterdrückung der Symptome diene. Der Beschwerdeführer werde diese 

Therapie über längere Zeit hinweg benötigen, ohne dass sich eine zuverlässige 

Prognose stellen lasse und ein stabiler Zustand, in welchem erheblich verbesserte 

Voraussetzungen für die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit bestünden, 

herbeigeführt werden könne. Die Psychotherapie diene somit in erster Line der 

Leidensbehandlung. Weitere Abklärungen seien nicht notwendig, da der Sachverhalt 

bereits rechtsgenüglich erhoben worden sei (act. G 7).

C.c Am 8. Januar 2018 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche 

Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten, act. G 5) für das 

Beschwerdeverfahren (act. G 8).

C.d Mit Replik vom 5. Februar und Duplik vom 28. Februar 2018 hielten die Parteien an 

ihren jeweiligen Standpunkten fest (vgl. act. G 10, G 12).

Erwägungen

1. 

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1.1  Streitig und vorliegend zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 12 

IVG einen Anspruch auf eine Verlängerung der ambulanten Psychotherapie als 

medizinische Massnahme der Invalidenversicherung hat.

1.2  Eine invalide oder von einer Invalidität bedrohte versicherte Person hat gemäss 

dem Art. 8 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese 

notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern, und 

soweit die Voraussetzungen für den Anspruch auf eine spezifische 

Eingliederungsmassnahme erfüllt sind. Zu den Eingliederungsmassnahmen zählen 

gemäss Art. 8 Abs. 3 lit. a IVG auch die medizinischen Massnahmen. Gemäss Art. 12 

Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person bis zur Vollendung des 20. Altersjahres einen 

Anspruch auf jene medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des 

Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in 

den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die 

Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu 

verbessern oder vor einer wesentlichen Beeinträchtigung zu bewahren.

2. 

2.1  Die Beschwerdegegnerin hat einen Anwendungsfall von Art. 12 IVG im 

Wesentlichen mit der Begründung verneint, dass beim Beschwerdeführer ein labiles 

pathologisches Geschehen vorliege und die Psychotherapie damit in erster Linie der 

Leidensbehandlung diene. Damit hat sie sich offensichtlich auf die bundesgerichtliche 

Rechtsprechung bezogen, laut welcher jene Vorkehren, die auf die Heilung oder 

Linderung pathologischen oder sonstwie Krankheitswert aufweisenden Geschehens 

labiler Art gerichtet sind, nicht von der IV übernommen werden. Gemäss dieser Praxis 

ist eine medizinische Vorkehr, die der Behandlung des Leidens an sich zuzurechnen ist, 

somit auch dann nicht von der IV zu übernehmen, wenn ein wesentlicher 

Eingliederungserfolg vorausgesehen werden kann. Dementsprechend hat das 

Bundesgericht eine Leistungspflicht der Invalidenversicherung grundsätzlich in den 

Fällen verneint, in denen ein labiler Gesundheitszustand bestanden hat und die 

medizinische Massnahme nur nebenher auf die Verbesserung, Erhaltung oder 

Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit abzielten (vgl. statt vieler BGE 125 V 194 f.; vgl. 

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auch ULRICH MEYER/MARCO REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichtes 

zum IVG, 3. Aufl. 2014, Art. 12 N 31).

2.2  Mit der 5. IVG-Revision ist der Anspruch auf medizinische Massnahmen gemäss 

Art. 12 IVG nun allerdings auf Versicherte beschränkt worden, die das 20. Altersjahr 

noch nicht vollendet haben. Damit ist der frühere Hauptanwendungsfall des Art. 12 

IVG, nämlich die Vergütung von medizinischen Massnahmen für bereits erwerbstätige 

Erwachsene, weggefallen. Betreffend die Beurteilung des Anspruchs von 

Minderjährigen ist – im Sinne einer Ausnahmeregelung – bereits nach der altrechtlichen 

bundesgerichtlichen Praxis vom grundsätzlichen Erfordernis eines relativ stabilisierten 

Defektzustands abgesehen worden. Diese Praxis hat nicht nur weiterhin Geltung, 

vielmehr ist sie durch die Beschränkung des Anspruchs auf Personen, die das 20. 

Altersjahr noch nicht vollendet haben, zum Regelfall geworden. Mit anderen Worten 

können medizinische Vorkehren nach dem seit dem Inkrafttreten der 5. IVG-Revision 

geltenden Art. 12 IVG trotz eines einstweilen noch labilen Leidenscharakters 

überwiegend der beruflichen Eingliederung dienen und als medizinische Massnahmen 

von der IV vergütet werden, wenn ohne diese Vorkehren eine Heilung mit Defekt oder 

ein sonstwie stabilisierter Zustand einträte, wodurch die Berufsbildung und/oder die 

Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt würde (vgl. MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 12 N 33, 

mit Hinweisen; vgl. auch die ständige Praxis des Versicherungs¬gerichtes des Kantons 

St. Gallen, u.a. den Entscheid vom 25. Mai 2018, IV 2017/236, E. 3.2).

2.3  Gemäss den vorliegenden Berichten des behandelnden Psychotherapeuten hat die 

bis anhin durchgeführte Psychotherapie einen positiven Effekt auf das gesamte 

Verhalten des Beschwerdeführers gehabt. Mit einer Verlängerung der 

psychotherapeutischen Behandlung soll die durch die Therapie erreichte, fragile 

Stabilisierung der Situation erhalten bleiben und weiter verbessert werden. Die 

Psychotherapie zielt damit zweifelsohne darauf ab, zu verhindern, dass sich das 

psychische Leiden des Beschwerdeführers zu einem schwer korrigierbaren, die spätere 

Erwerbsfähigkeit erheblich behindernden, pathologischen Zustand entwickelt. 

Entgegen dem Vorbringen der Beschwerdegegnerin handelt es sich somit also gerade 

um ein Musterbeispiel eines Anwendungsfalls des (neurechtlichen) Art. 12 IVG. Hinzu 

kommt, dass der behandelnde Psychotherapeut nachvollziehbar dargelegt hat, dass 

der Beschwerdeführer Schwierigkeiten habe, sich auf die Schule zu konzentrieren, 

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wenn ihn andere Dinge beschäftigten. In der Psychotherapie könne er sich mit diesen 

Dingen auseinandersetzen, sodass er dies nicht in der Schule tun müsse. Damit 

begünstigt die Psychotherapie offensichtlich die Fähigkeit des Beschwerdeführers, am 

Schulunterricht teilzunehmen und von diesem zu profitieren. Nach Lage der Akten hat 

der Beschwerdeführer denn auch gerade seit der letztmaligen Verlängerung der 

psychotherapeutischen Massnahme einige Fortschritte erzielt: So hat er sich in der 

Schule wieder soweit konzentrieren können, dass er dem Unterricht hat folgen und 

dass er ab dem Sommer 2017 sogar wieder die Regelklasse hat besuchen können. Die 

Psychotherapie hat somit entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin erheblich zur 

Verbesserung der schulischen Fähigkeiten des Beschwerdeführers beigetragen und 

damit im weiteren Sinne auch dessen späterer Eingliederung ins Erwerbsleben gedient.

2.4  Zusammenfassend steht damit ausser Frage, dass die weitere schulische und 

später die berufliche Ausbildung des – offenbar normal intelligenten (vgl. die 

schulpsychologische Abklärung vom Mai 2011, IV-act. 7) –Beschwerdeführers 

erheblich gefährdet wären, würde die Psychotherapie nicht weiter fortgesetzt. Mit 

anderen Worten ist mit einer hohen Plausibilität davon auszugehen, dass ein Abbruch 

der Psychotherapie den schulischen Werdegang und die folgende Eingliederung ins 

Erwerbsleben erschweren oder gar verunmöglichen würde. Die medizinische 

Eingliederungswirksamkeit der Psychotherapie ist damit nicht in Abrede zu stellen. Aus 

diesen Gründen rechtfertigt es sich nicht, dem Beschwerdeführer die Vergütung der 

Kosten der Psychotherapie vorzuenthalten und damit den möglichen Eintritt einer 

Invalidität zu begünstigen, zumal die Kosten der Psychotherapie im Verhältnis zu 

allfälligen späteren beruflichen Eingliederungs- oder Rentenleistungen als bescheiden 

einzustufen sind.

3. 

3.1  Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen für die Vergütung der Kosten der 

Psychotherapie durch die Invalidenversicherung erfüllt. Somit ist die angefochtene 

Verfügung vom 6. September 2017 in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und 

durch die Feststellung zu ersetzen, dass der Beschwerdeführer auch ab dem 1. Januar 

2017 einen Anspruch auf die Vergütung der Kosten der Psychotherapie durch die IV 

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hat. Die Sache ist zur Festsetzung des konkreten Leistungsanspruchs an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

3.2  Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Ausgangsgemäss 

hat die Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der nicht 

anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine 

Parteientschädigung.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. 

In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 6. September 

2017 aufgehoben und durch die Feststellung ersetzt, dass der Beschwerdeführer auch 

ab dem 1. Januar 2017 einen Anspruch auf die Vergütung der Kosten der 

Psychotherapie durch die IV hat; die Sache ist zur Festsetzung des konkreten 

Leistungsanspruchs an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

2. 

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen.

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