# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3720b1f4-e645-550a-8fee-394a097ab283
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB230221-O1
**Docket/Reference:** SB230221-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB230221-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB230221-O/U/bs

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. S. Volken, Präsident, und lic. iur. 

M. Langmeier, Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Keller sowie 

die Gerichtsschreiberin MLaw T. Künzle

Urteil vom 18. Dezember 2024

in Sachen

A._____, 

Beschuldigter und Berufungskläger

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin

betreffend Vergewaltigung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 7. Juli 2022 

(DG210031)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 11. Juni 2021 

(Urk. 29) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz:

(Urk. 136 S. 132 ff.)

"Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig







der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB (hinsichtlich 10. April 

2019);

der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 

Ziff. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 200 StGB, sowie

der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 5 Satz 1 und 2 StGB.

2.

Der Beschuldigte A._____ wird freigesprochen vom Vorwurf der Vergewaltigung im 

Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB (hinsichtlich 

9. April 2019).

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren, wovon 

570 Tage (gerechnet vom 22. Juni 2020 bis und mit 12. Januar 2022) durch 

Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von 

100 Tagessätzen zu Fr. 30.– (entsprechend Fr. 3'000.–).

4.

a)

b)

Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre 

festgesetzt.

5.

Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB für 7 Jahre des 

Landes verwiesen.

6.

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informations-

system angeordnet.

- 3 -

7.

Dem Beschuldigten wird ein lebenslängliches Tätigkeitsverbot im Sinne von Art. 67 

Abs. 3 lit. b, c und d Ziff. 2 StGB erteilt, das jede berufliche und jede organisierte 

ausserberufliche Tätigkeit umfasst, die einen regelmässigen Kontakt zu Minder-

jährigen mit sich bringt.

8.

Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 67b StGB für die Dauer von 5 Jahren 

verboten, 

a)

b)

sich der Privatklägerin anzunähern und

mit der Privatklägerin direkt oder über Drittpersonen Kontakt aufzunehmen, 

namentlich auf telefonischem, schriftlichem oder elektronischem Weg.

9.

Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 18. Septem-

ber 2020 beschlagnahmte und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, 

lagernde I-Phone Apple mit SIM-Karte (A013'913'310) wird eingezogen und der 

Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung bzw. gut-

scheinenden Verwendung überlassen.

10.

a)

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus 

den Ereignissen gemäss Dispositiv-Ziffer 1, Spiegelstriche 1 und 2, dem 

Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des 

Umfanges wird die Privatklägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

b)

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 15'000.– zuzüglich 

Zins zu 5 % seit dem 10. April 2019 als Genugtuung zu bezahlen. Im Übrigen 

wird das Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.

11. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

3'600.00

; die weiteren Kosten betragen:

13'500.00

  Gebühr für das Vorverfahren; 

416.50

  Auslagen Untersuchung;

800.00

  Kosten Kantonspolizei Zürich;

1'200.00

  Beschwerde Obergericht (UB210053-O);

1'200.00

  Beschwerde Obergericht (UB210122-O);

- 4 -

Fr.

148.50

  anteilsmässige Kosten Kinderpsychologin für 
  Befragung der Privatklägerin anlässlich der 
  Hauptverhandlung;

Fr.

55'489.10

  Kosten amtliche Verteidigung (inkl. Barauslagen und
  MwSt.), abzüglich Akontozahlung von Fr. 15'075.20; 

Fr.

Fr.

8'809.35

  Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklä-
  gerin, Rechtsanwältin Dr. iur Y._____ (inkl.
  Barauslagen und MwSt.);

64'446.95

  Total

12. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 11 vorbehältlich Fr. 2'400.– für die Beschwer-

deverfahren vor Obergericht (UB210053-O und UB210122-O) werden dem Be-

schuldigten im Umfang von 4/5 auferlegt und im übrigen Umfang definitiv auf die 

Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unent-

geltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin werden indessen einstweilen auf die 

Gerichtskasse genommen. Eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO so-

wie Art. 138 Abs. 1 StPO bleibt im Umfang von 4/5 vorbehalten.

Die Kosten für die Beschwerdeverfahren vor Obergericht (UB210053-O und 

UB210122-O) im Umfang von Fr. 2'400.– werden dem Beschuldigten vollumfäng-

lich auferlegt.

13. Der Antrag des Beschuldigten auf Ausrichtung einer Genugtuung wird abgewiesen.

14.

(Mitteilungen)

15.

(Rechtsmittel)"

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Berufungsanträge:
(Prot. II S. 6 f.)

a)

Der Verteidigung des Beschuldigten A._____:

(Urk. 157)

1.

2.

3.

A._____ sei von allen Vorwürfen vollumfänglich freizusprechen.

A._____ sei eine angemessene Genugtuung auszurichten.

Die Zivilklage der Privatklägerin sei abzuweisen; eventualiter auf den Zivil-

weg zu verweisen.

4.

Von der Zusprechung einer Genugtuung zugunsten der Privatklägerin sei 

abzusehen. 

5.

Die Untersuchungs- und Gerichtskosten, inkl. die Kosten der amtlichen Ver-

teidigung, seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen.

b)

Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 158)

1.

2.

Es sei eine Landesverweisung von 10 Jahren auszusprechen.

Im Übrigen sei das Urteil vom 7. Juli 2022 des Bezirksgerichts Winterthur zu 

bestätigen. 

c)

Der Privatklägerin:

(Urk. 159/3)

Die Berufung von A._____ sei abzuweisen;

unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates bzw. des 

Beschuldigten

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Erwägungen:

1.

Prozessgeschichte

1.1. Das  vorliegende  Verfahren  ist  Teil  eines  gesamten  Verfahrenskomplexes, 

welcher im Vorverfahren und vor Vorinstanz weitgehend gleichzeitig, formell jedoch 

in getrennten Verfahren, gegen sieben verschiedene Beschuldigte geführt wurde. 

Mit Datum vom 7. Juli 2022 fällten das Jugendgericht Winterthur hinsichtlich vier 

Beschuldigten sowie das Bezirksgericht Winterthur betreffend drei weitere Beschul-

digte die Urteile, welche sodann am 8. Juli 2022 mündlich eröffnet wurden (Prot. I 

S. 331 ff.).

1.2. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, gegen den Beschuldig-

ten gerichtete Urteil des Bezirksgerichts Winterthur meldete dieser am 13. Juli 2022 

Berufung  an  (Urk. 126).  Das  begründete  Urteil  der  Vorinstanz  wurde  ihm  am 

28. März 2023 zugestellt (Urk. 130). Sodann erliess die Vorinstanz am 5. April 2023 

betreffend das Honorar der amtlichen Verteidigung ein sogleich begründetes Nach-

tragsurteil (Urk. 134).

1.3. Am 17. April 2023 liess der Beschuldigte fristgerecht die Berufungserklärung 

einreichen (Urk. 139).

1.4.

Innert angesetzter Frist gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO erhob die Staats-

anwaltschaft I des Kantons Zürich (fortan Staatsanwaltschaft) Anschlussberufung 

(Urk. 143).  Die  Privatklägerin  verzichtete  auf  Erhebung  einer  Anschlussberufung 

und  beantragte  gleichzeitig  die  Besetzung  des  Berufungsgerichts  mit  Personen 

beiderlei  Geschlechts.  Überdies  sei  eine  allfällige  Befragung  der  Privatklägerin 

durch  eine  weibliche  Person  und  im  Beisein  einer  Spezialistin  gemäss  Art. 154 

Abs. 4  lit. d  StPO  durchzuführen.  Auf  Gegenüberstellung  mit  dem  Beschuldigten 

sei zu verzichten und eine Begegnung mit ihm zu vermeiden. Die Öffentlichkeit sei 

vollständig von der Verhandlung auszuschliessen, eventualiter, für den Fall, dass 

nicht in allen Verfahren die akkreditierten Gerichtsberichterstatter ausgeschlossen 

würden, seien diese auch im vorliegenden Verfahren zuzulassen (Urk. 142).

- 7 -

1.5.

Insgesamt  haben  sechs  der  sieben  Beschuldigten  ihre  erstinstanzliche 

Verurteilung angefochten, wobei innert Frist zur Berufungserklärung ein Rückzug 

erfolgte.  Aufgrund  des  Sachzusammenhangs  war  sodann  für  die  verbleibenden 

fünf Berufungsverfahren koordiniert vorzugehen. Nachdem die ersten, im Novem-

ber 2023 für die Monate April, Mai und Juni 2024 offerierten Verhandlungstermine 

bei  den  verschiedenen  involvierten  Parteien  keine  Übereinstimmung  fanden, 

konnte am 29. August 2024 auf den 2., 3., 5. und 6. Dezember 2024 zur Berufungs-

verhandlung  vorgeladen  werden  (Urk. 150),  wobei  bereits  mit  Präsidialverfügung 

vom  30.  Mai  2024  die  Publikumsöffentlichkeit  ausgeschlossen  und  die  Medien-

berichterstatter unter Auflagen zugelassen wurden (Urk. 147).

1.6. Bereits  am  13. April  2023  und  erneut  am  2.  Dezember  2024  wurde  je  ein 

aktueller Strafregisterauszug beigezogen (Urk. 138 und Urk. 154). 

1.7. Am 2., 3. und 5. Dezember 2024 wurde die Berufungsverhandlung durchge-

führt,  zu  welcher  der  Beschuldigte  in  Begleitung  seines  amtlichen  Verteidigers, 

Rechtsanwalt lic. iur. X._____, Staatsanwältin lic. iur. B._____ sowie die unentgelt-

liche Rechtsbeiständin der Privatklägerin, Rechtsanwältin Dr. iur. Y._____, erschie-

nen sind (Prot. II S. 6).

1.8. Das  Urteil  wurde  am  18.  Dezember  2024  gefällt  und  den  Parteien  am 

29. Januar 2025 mündlich eröffnet (Urk. 163, Prot. II S. 43 ff.). 

2.

Prozessuales

2.1. Der Beschuldigte ficht mit Ausnahme der Freisprüche (Dispositivziffer 2) und 

der Regelung betreffend beschlagnahmtes Mobiltelefon (Dispositivziffer 9) das ge-

samte erstinstanzliche Urteil (und somit sinngemäss auch das Nachtragsurteil vom 

5. April 2023) an (Urk. 139 S. 2), während sich die Anschlussberufung der Staats-

anwaltschaft  auf  die  Dauer  der  Landesverweisung  (Dispositivziffer 5)  beschränkt 

(Urk. 143  S. 2).  Mithin  ist  vorzumerken,  dass  das  erstinstanzliche  Urteil  lediglich 

hinsichtlich der Dispositivziffern 2 und 9 in Rechtskraft erwachsen ist (vgl. Prot. II 

S. 8).

- 8 -

2.2. Was den Aufbau der Anklageschrift angeht, so ist darauf hinzuweisen, dass 

den eigentlichen Tatvorwürfen längere "Vorbemerkungen zum Gesamtkontext" vor-

ausgehen,  welche  das  Verhältnis  zwischen  der  Privatklägerin  und  dem  in  einem 

getrennt  geführten,  jugendstrafprozessualen  Verfahren  zu  beurteilenden  Mit-

beschuldigten  C._____  betreffen  (Urk. 29  S. 3-5).  Soweit  dort  pauschal  auf 

Situationen  und  Gegebenheiten  verwiesen  wird,  welche  in  der  Anklageschrift 

gegen C._____ umschrieben seien, mithin den Beschuldigten nicht direkt betreffen 

und auch nicht Teil der vorliegenden Akten sind, ist hierauf nachfolgend nicht näher 

einzugehen,  da  ein  pauschales  Verweisen  auf  eine  in  einem  getrennt  geführten 

Verfahren  erhobene  Anklage  dem  Anklageprinzip  nicht  genügen  kann  und  das 

rechtliche  Gehör  des  Beschuldigten  verletzt,  auch  wenn  die  Akten  des 

Jugendstrafverfahrens im Hinblick auf das Gerichtsverfahren pauschal beigezogen 

wurden (vgl. das Aktenverzeichnis der Staatsanwaltschaft, S. 2 mit entsprechen-

dem Hinweis).

2.3. Weiter hat bereits die Vorinstanz zutreffend festgehalten, dass die Anklage 

auch  betreffend  den  Vergewaltigungsvorwurf  vom  9. April  2019  dem  Anklage-

prinzip  nicht  genügt,  da  sie  nicht  sämtliche  objektiven  Tatbestandsmerkmale  mit 

Sachverhaltsbehauptungen unterlegt hat (Urk. 136 S. 25). Der nachfolgend hierzu 

ergangene – zusätzlich auch materiell begründete – Freispruch vom Vorwurf der 

gemeinsam begangenen Vergewaltigung ist denn auch in Rechtskraft erwachsen, 

weshalb vorliegend nicht weiter darauf einzugehen ist. 

3.

Sachverhalt

3.1. Die Vorinstanz hat die bei der Sachverhaltsermittlung zu berücksichtigenden 

Grundsätze  zutreffend  dargestellt  (Urk. 136  S. 9 ff.),  worauf  verwiesen  werden 

kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es am Staat 

liegt, dem Beschuldigten seine Schuld nachzuweisen, ohne dass daran vernünftige 

Zweifel  verbleiben.  Nebst  der  Würdigung  von  Sachbeweisen  kommt  dabei  auch 

den Aussagen der in das Geschehen involvierten Personen entscheidendes Ge-

wicht zu. Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Aussagen hängt davon ab, ob die 

Ausführungen grundsätzlich überprüfbar sind (formelle Validität), ob sie in sich kon-

sistent sind (innere Validität) und ob sie mit anderweitig im Verfahren erhobenen 

- 9 -

Fakten  und  Erkenntnissen  übereinstimmen  bzw.  in  Einklang  gebracht  werden 

können  (äussere  Validität)  (vgl.  dazu  Haas,  Validitätsprüfung  von  Argumenten, 

Justice/Justiz/Giustizia 2019/1 S. 6 ff.). In diesem Zusammenhang vermag insbe-

sondere auch eine merkmalsorientierte Aussagenanalyse wertvolle Anhaltspunkte 

für die Einschätzung von deren Glaubhaftigkeit zu erbringen (vgl. dazu im Einzel-

nen  Bender/Häcker/Schwarz,  Tatsachenfeststellung  vor  Gericht,  5. Aufl.  2021, 

S. 77 ff.).

3.2. Auch hinsichtlich der Auflistung der vorliegenden Beweismittel, deren inhalt-

licher Wiedergabe und der allgemeinen Glaubwürdigkeit der in das Verfahren in-

volvierten Aussagepersonen kann auf das erstinstanzliche Urteil verwiesen werden 

(Urk. 136 S. 11 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Einzig zu korrigieren ist, dass die Privat-

klägerin bei ihren Aussagen zwar der Aussage-, nicht aber einer eigentlichen Wahr-

heitspflicht unterlag (BSK StPO-Kerner, 2023, Art. 180 N 6; Jositsch/Schmid, StPO 

Praxiskommentar,  4. Auflage,  Art. 180  N 8;  Urteil  6B_567/2014  vom  14.  Oktober 

2015 E. 1.2). Dies tut ihrer allgemeinen Glaubwürdigkeit jedoch keinen Abbruch.

3.3.

Zu den Vorbemerkungen der Anklageschrift

3.3.1. Mit  der  Vorinstanz  lässt  sich  die  damals  zwischen  der  Privatklägerin  und 

C._____  bestehende  Beziehung  aus  deren  vorinstanzlichen  Aussagen  wie  folgt 

rekonstruieren:  Die  beiden  lernten  sich  im  Herbst  2017  kennen  und  trafen  sich 

erstmals  zu  zweit  am  6. Dezember  2017,  wo  es  sogleich  zu  einvernehmlichem 

Geschlechtsverkehr,  dem  "ersten  Mal"  für  die  Privatklägerin,  gekommen  ist.  Die 

damals erst zwölf Jahre alte Privatklägerin (geb. tt.mm.2005) verliebte sich hierauf 

unmittelbar und unsterblich in den 16-jährigen C._____ (geb. tt.mm.2001). Sie und 

C._____ standen fortan bis zur fürsorgerischen Unterbringung der Privatklägerin im 

Dezember 2019 dauerhaft und fortwährend in engem Kontakt und nahmen auch 

regelmässig und stets einvernehmlich sexuelle Handlungen miteinander vor. Dies 

obschon C._____ den Kontakt zur Privatklägerin, erstmals nachdem er von deren 

Mutter ihr richtiges Alter erfahren hatte, immer wieder abbrach und ihr ankündigte, 

sie auf Social Media zu blockieren und mit ihr nichts mehr zu tun haben zu wollen. 

Die  Privatklägerin  war  aufgrund 

ihrer  Verliebtheit  bereit,  alles 

für  den 

Mitbeschuldigten  C._____  zu  tun,  in  der  Erwartung  und  Hoffnung,  im  Gegenzug 

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Liebe,  Zuneigung  und  Beachtung  von  ihm  zu  bekommen,  obschon  sie  um  die 

Einseitigkeit ihrer Liebe wusste. Diesen Umstand machte sich C._____ zunutze, in 

dem er bereits zu Beginn ihres Verhältnisses begann, von der Privatklägerin Geld 

zu fordern und anzunehmen. Er tat dies im Verlaufe der Beziehung immer öfter und 

in  immer  grösseren  Beträgen  und  indem  er  der  Privatklägerin  vormachte,  in 

Geldnöten  zu  sein  oder  andere  Sorgen  zu  haben.  Die  Privatklägerin  wiederum 

versuchte,  die  Geldforderungen  von  C._____  zu  erfüllen,  nicht  zuletzt  in  der 

Hoffnung und Absicht, von ihm im Gegenzug die ersehnte Liebe und körperliche 

Zuwendung zu erhalten. C._____ – zunächst noch nett und zärtlich – erwiderte die 

übersteigerte  Liebe  der  Privatklägerin  nicht,  stattdessen  wurde  er  zunehmend 

wütend und aggressiv, wenn sie seinen (Geld-)Forderungen nicht nachkam bzw. 

nicht  mehr  nachkommen  konnte.  Seine  Aggressionen  mündeten 

in 

Gewaltausbrüchen,  Schlägen  und  Drohungen  gegenüber  der  Privatklägerin.  Die 

geschilderten und erstellten Umstände führten zu einer emotionalen und faktischen 

Abhängigkeit  der  Privatklägerin  von  C._____  und  verschafften  diesem  eine 

Machtposition,  welche  er  zu  seinem  eigenen  Vorteil  ausnutzte  (Urk. 136  S. 15 f. 

m.w.H; Art. 82 Abs. 4 StPO).

Eine grundsätzlich andere Frage ist jedoch, inwiefern der Beschuldigte um diese 

toxische Beziehung der beiden wusste und inwiefern er dieses allfällige Wissen in 

strafrechtlich relevanter Form zu seinen Gunsten ausnützte.

Aus  den  vorliegenden  Aussagen  des  Beschuldigten,  C._____s  und  der 

Privatklägerin erhellt, dass der Beschuldigte zur Tatzeit weder zur Peergroup noch 

zum engen Kollegenkreis C._____s gehörte. Für erstere war er, geboren am tt. Mai 

1993, deutlich zu alt, zur zweiten gehörten unter anderem die in getrennt geführte 

Verfahren 

involvierten  D._____  und  E._____,  welche  gemäss  den 

ihnen 

gemachten  Vorwürfen  an  mehreren  Vorfälle  zwischen  C._____  und  der 

Privatklägerin  beteiligt  waren  (Urk. 10/9/1-17  und  Urk. 10/10/1-3).  Auch  die 

Privatklägerin 

führte  diesbezüglich  unmissverständlich  aus,  sie  habe  den 

Beschuldigten  (sowie  F._____  und  G._____)  weder  vorher  noch  nachher  je 

gesehen. Sie habe zwar das Gefühl gehabt, dass sie C._____ kennen würden, sie 

seien aber keine engen Freunde gewesen, denn sonst hätte sie sie auch gekannt 

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(Urk. 6/3 S. 24). Nachdem die Privatklägerin in jenen Monaten versuchte, möglichst 

viel Zeit mit C._____ zu verbringen und auch seine Online-Präsenz kontrollierte, 

erscheint dies ohne weiteres glaubhaft. Kommt hinzu, dass auch der Beschuldigte 

zwar ausführte, C._____ schon von klein auf zu kennen, da sie aus demselben Dorf 

in Kosovo stammen würden. Sie seien allerdings nur entfernt verwandt, auch wenn 

sie  sich  gegenseitig,  aufgrund  desselben  Nachnamens,  als  Cousins  bezeichnen 

würden, und er habe nicht so viel mit C._____ zu tun gehabt. Erst als C._____ älter 

geworden sei, hätten sie etwas mehr Kontakt gehabt. Entsprechend nannte er auch 

C._____  bei  seiner  Befragung  von  Juni  2020,  mithin  ein  Jahr  nach  den 

anklagegegenständlichen Ereignissen, nicht als dem Freundeskreis zugehörig. Mit 

C._____  habe  er  hin  und  wieder  gehängt,  weil  jener  Musik  gemacht  habe.  Sie 

hätten sich aber nicht so oft sehen können, weil er (der Beschuldigte) arbeite und 

C._____ nicht. Er wisse weder etwas über dessen Stärken, noch kenne er allfällige 

Schwächen  (Urk. 5/1  S. 5 f.,  Urk. 5/3  S.  4,  Urk. 5/7  S. 2,  Prot. I  S. 109).  Dies 

überzeugt. So ist bereits aufgrund des – in den Teenagerjahren bzw. Zwanzigern 

noch sehr grossen – Altersunterschieds von rund acht Jahren und der Tatsache, 

dass der Beschuldigte uneingeschränkt im Erwerbsleben stand, während C._____ 

im  Sommer  2018  eine  erste  Lehre  geschmissen  hatte  und  danach  bis  Sommer 

2019, soweit aus den beigezogenen Akten ersichtlich, auf Kosten der Privatklägerin 

und der Invalidenversicherung in den Tag hinein lebte, ersichtlich, dass nur wenig 

Berührungspunkte  bestanden,  wobei  sich  diese  in  der  Zeit  vor  der  Verhaftung, 

mithin Monate nach dem hier interessierenden Zeitpunkt, vermehrt haben dürften. 

So  erklärte  der  Beschuldigte,  mehr  mit  C._____  abgehängt  zu  sein,  als  dieser 

Musik gemacht habe. Dies wiederum war (erst) in den Monaten nach dem zweiten 

Lehrabbruch im Herbst 2019 bis vor der Verhaftung im Februar 2020 der Fall, als 

C._____  obdachlos  war,  im  Musikstudio  lebte  (Urk. 9/2  S. 4)  und  sich  der 

Beschuldigte offenbar zeitweise um ihn kümmerte, indem er ihm Essen brachte (so 

auch  anlässlich  seiner  Verhaftung,  vgl.  Urk. 5/1  S. 6)  und  versuchte,  ihm  eine 

Arbeitsstelle zu vermitteln (Urk. 9/2 S. 5). 

Nachdem  der  Beschuldigte  auch  gemäss  Anklageschrift  an  keiner  der  früheren 

Übergriffe  von  C._____  an  der  Privatklägerin  zugegen  war,  konnte  er  somit  am 

9. April 2019 kein Vorwissen betreffend deren Beziehungsstruktur mitbringen und 

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es  können  im  Folgenden  bloss  aufgrund  der  Vorfälle  vom  9.  und  10.  April  2019 

diesbezügliche  Schlüsse  gezogen  werden.  Jedenfalls  ist  mit  der  Verteidigung 

(Urk. 157  S. 7)  aber  auszuschliessen,  dass  dem  Beschuldigten  das  langandau-

ernde,  tiefgreifende,  emotional  bedingte  Abhängigkeitsverhältnis  zwischen  der 

Privatklägerin und C._____ und dessen regelmässige tätliche Übergriffe gegen die 

Privatklägerin bekannt waren, als sie sich zum ersten Mal gemeinsam per Whats-

App  verabredeten  und/oder  auch  telefonisch  kommunizierten  und  anschliessend 

zu dritt an der Bushaltestelle H._____ trafen. Aufgrund des vorangehenden, direkt 

zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten erfolgten Austausches war ein-

zig klar, dass sich die Privatklägerin nicht mit ihm, der ihr ja völlig unbekannt war, 

alleine treffen würde, sondern dass auch der gemeinsame Bekannte C._____ bei 

einem solchen Treffen dabei sein müsste (vgl. Urk. 18/6 S. 8-17). Dies erscheint 

aber  bei  neutraler  Betrachtung  nur  vernünftig  und  nachvollziehbar.  Jedenfalls 

konnte und musste der Beschuldigte hieraus nicht auf das Vorliegen eines ausbeu-

terischen  Abhängigkeitsverhältnisses  zum  Nachteil  der  Privatklägerin  schliessen 

(so aber sinngemäss die Vorinstanz in Urk. 136 S. 76). Dass C._____ seinen miss-

bräuchlichen Umgang mit der Privatklägerin von sich aus dem Beschuldigten of-

fenbart hätte, wie die Vorinstanz offenbar annimmt (ebenda S. 76) ist reine Speku-

lation und wenig überzeugend, zumal C._____ bis zuletzt abstritt, dies seinerseits 

überhaupt bemerkt zu haben. Dass C._____ allenfalls gegenüber dem Beschuldig-

ten damit prahlte, eine Frau zu "haben" bzw. für Sex vermitteln zu können, lässt 

jedenfalls  nicht  von  vornherein  auf  Unfreiwilligkeit  und  systematischen  Zwang 

schliessen.

3.3.2. Sodann ist festzuhalten, dass der Beschuldigte am 9. bzw. 10. April 2019 das 

wahre Alter der Privatklägerin von im damaligen Zeitpunkt erst rund 13 ½ Jahren 

nicht kannte. Dass er selbst in der Befragung erklärte, sie habe ihm ein Alter von 

zwanzig Jahren genannt, erscheint demgegenüber als Schutzbehauptung, welche 

angesichts  der  Tatsache,  dass  er  die  Verhaftung  von  C._____  vor  Ort  miterlebt 

hatte  (Urk. 5/1  S. 6)  und  hernach  offenbar  in  I._____  grossflächig  herumerzählt 

wurde,  es  gehe  dabei  um  Sexualdelikte  zulasten  der  noch  jugendlichen 

Privatklägerin,  bis  zu  einem  gewissen  Grad  als  nachvollziehbare  Reaktion  er-

scheint, in den Akten aber keine Stütze findet. Die Privatklägerin selbst führte aus, 

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sich  älter  (als  ihre  effektiven  13  Jahre)  gemacht  zu  haben,  da  sie  nicht  als  Kind 

habe durchgehen wollen. Sie habe wenigstens 16 Jahre alt sein wollen, damit es 

für C._____ nicht so peinlich gewesen sei (Prot. I S. 198). Dass C._____ dem Be-

schuldigten gesagt hätte, wie jung die Privatklägerin effektiv war, ist auszuschlies-

sen, denn – wie von der Privatklägerin festgehalten – dies war C._____ offensicht-

lich peinlich und auch der Grund, weshalb er, nachdem er von der Mutter der Pri-

vatklägerin über deren wahres Alter aufgeklärt worden war, mit der Privatklägerin 

keine  Beziehung,  sondern  bloss  eine  geheime  "Freundschaft  Plus"  eingehen 

wollte, welche gemäss Erklärung der Privatklägerin gegen aussen explizit zu ver-

leugnen war (Urk. 6/3 S. 7). Zudem hätte C._____ dann auch kaum bei dem älteren 

Cousin  reüssieren  können.  Statt  Anerkennung  und  Schulterklopfen  hätte  er  viel-

mehr mit Rügen und Vorwürfen rechnen müssen, zumal er seine Kollegen und ins-

besondere den bereits erwachsenen Beschuldigten einschneidenden strafrechtli-

chen Sanktionen aussetzte, was ihm offensichtlich bewusst war, wie seinem Aus-

sageverhalten klar zu entnehmen ist (Abstreiten sexueller Beziehungen, Urk. 9/1-

3;  später  Behauptung,  nur  vor  seinem  18.  Geburtstag  mit  der  Privatklägerin  Ge-

schlechtsverkehr  gehabt  zu  haben,  Urk. 9/4  S. 13).  Aufgrund  des  vorliegenden 

Chatverkehrs ist davon auszugehen, dass die Privatklägerin und/oder C._____, mit 

Wissen der Privatklägerin, dem Beschuldigten tatsächlich gesagt hatten, sie sei 16 

Jahre alt. Anders kann die Nachricht vom 10. April 2019 (Urk. 18/9 S. 124) nicht 

interpretiert werden und vor Vorinstanz äusserte sie sich denn auch entsprechend 

(Prot. I  S. 198  und  S. 204).  Kommt  hinzu,  dass  ihr  damaliges  Aussehen  (vgl. 

Urk. 1/17) und dass sie spätnachts noch alleine mit dem Zug unterwegs war, ein 

derartiges  Alter  zumindest  nicht  sofort  widerlegten,  sondern  vielmehr  stützten. 

Auch ist aktenkundig, dass die Privatklägerin sich gegenüber Dritten fälschlicher-

weise als 16-jährig bezeichnete (Urk. 10/5/1 S. 6 f.). Ob sich der Beschuldigte al-

lerdings blind auf diese Angabe verlassen durfte, oder ob er weiter hätte nachfor-

schen müssen, wird im Rahmen der rechtlichen Würdigung vertieft abzuklären sein. 

3.4. Hinsichtlich  der  Ereignisse  vom  9.  April  2019  kann  auf  die  sorgfältige 

Beweiswürdigung  der  Vorinstanz  verwiesen  werden  (Urk. 136  S. 25 ff.),  welche 

zutreffend darauf hingewiesen hat, dass einzig der Beschuldigte zu diesem Abend 

sachdienliche Angaben machen konnte, welche zusammen mit dem vorliegenden 

- 14 -

Chatverkehr  einer  vertieften  Würdigung  offenstehen.  Insbesondere  konnte  die 

Privatklägerin hierzu nichts beitragen, da sie sich gemäss ihren Angaben an diesen 

Abend schlicht nicht erinnert. Darüber, wieso dies der Fall ist, kann, wie die Vor-

instanz  zutreffend  festhält,  nur  spekuliert  werden.  Möglich  ist  sowohl,  dass  am 

9. April  2019  keine  sexuellen  Handlungen  gegen  ihren  Willen  erfolgt  sind,  womit 

sich der Abend nicht als erinnerungswürdig einzuprägen vermochte, als auch, dass 

die Privatklägerin den Abend im Zuge der belegten Traumatisierung (Urk. 102/1) 

verdrängt und allfällige Erinnerungen daran gelöscht hat, wie dies bei komplexen 

posttraumatischen  Belastungsstörungen  (kPTBS;  Typ  II-Trauma  gemäss  L. Terr, 

1991) – anders als bei einem Typ I-Trauma – vorkommen kann. In Anwendung der 

strafprozessualen Grundsätze darf allerdings nicht zum Nachteil des Beschuldigten 

spekuliert werden (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO), weshalb im Folgenden – seinen An-

gaben entsprechend – mit der Verteidigung (Urk. 157 S. 13) – davon auszugehen 

ist,  dass  es  am  9. April  2019  einzig  zu  einvernehmlichen,  mit  der  Privatklägerin 

persönlich vorab vereinbarten sexuellen Handlungen gekommen ist (so auch die 

Vorinstanz, Urk. 136 S. 27). 

Damit ist in objektiver Hinsicht erstellt, dass sich der Beschuldigte am Abend des 

9. April  2019  an  der  Bushaltestelle  H._____  in  I._____  mit  C._____  und  der 

Privatklägerin traf, wobei sie sich anschliessend ins Gartenhäuschen von J._____ 

im  K._____  [Verein]  begaben,  wo  es  zunächst  zu  Geschlechtsverkehr  zwischen 

C._____ und der Privatklägerin und hernach zu Geschlechtsverkehr zwischen dem 

Beschuldigten  und  der  Privatklägerin  kam.  Ebenfalls  ist  erstellt,  dass  C._____ 

heimlich  vom  Geschlechtsverkehr  zwischen  dem  Beschuldigten  und  der 

Privatklägerin  mit  seinem  Handy  ein  Video  erstellte,  welches  er  später  auf 

Aufforderung des Beschuldigten hin wieder löschte. Erstellt ist schliesslich, dass es 

vor dem Treffen am 9. April 2019 Kontakte zwischen den drei Beteiligten, zumindest 

teilweise über WhatsApp, gegeben hatte, anlässlich welchen das Treffen vereinbart 

wurde.  Erstellt  ist  schliesslich  auch,  dass  C._____  mit  seiner  Anwesenheit  dafür 

besorgt sein musste, dass das Treffen überhaupt zustande kommen konnte. Nicht 

erstellt  werden  kann  hingegen,  dass  der  Geschlechtsverkehr  zwischen  dem 

Beschuldigten und der Privatklägerin gegen ihren Willen erfolgte und seitens des 

Beschuldigten oder von C._____ eine Nötigungshandlung – auch nicht im Sinne 

- 15 -

einer  Aktualisierung  des  vorbestehenden  Abhängigkeitsverhältnisses  –  vorlag. 

Mithin  lag  explizit  keine  Zwangslage  vor,  welche  kausal  für  die  sexuellen 

Handlungen zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin gewesen sind und 

hatte der Beschuldigte auch keinen Anlass, aufgrund der Ereignisse vom 9. April 

2019 des bestehenden Ungleichgewichts und der Vormachtstellung von C._____ 

gegenüber der Privatklägerin gewahr zu werden oder auch nur zu vermuten, dass 

das Verhalten der Privatklägerin nicht auf Freiwilligkeit beruhen könnte. 

3.5. Was den Folgetag bzw. Folgeabend vom 10. April 2019 angeht, so kann der 

grundsätzliche  Ablauf  aufgrund  der  diesbezüglichen  Zugaben  der  zunächst  alle-

samt leugnenden männlichen Beteiligten, der konstanten und überzeugenden Aus-

sagen der Privatklägerin (vgl. dazu die Vorinstanz in Urk. 136 S. 58 ff., auf welche 

in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO ausdrücklich verwiesen sei) und der vorlie-

genden Chatprotokolle wie folgt erstellt werden: C._____ fragte bereits am Nach-

mittag des 10. April 2019 den Beschuldigten über WhatsApp, ob es "Hüt nomal" 

stattfinden solle (Urk. 18/6 S. 18). Unbestritten bezog sich diese Frage auf das Tref-

fen am Tag zuvor zwischen dem Beschuldigten, C._____ und der Privatklägerin, 

anlässlich  welchem  es  wie  oben  festgehalten,  zu  einvernehmlichen  sexuellen 

Handlungen zwischen den beiden Männern und der Privatklägerin gekommen war. 

Der Beschuldigte war zunächst davon nicht überzeugt und versuchte gar, ein er-

neutes Treffen im Gartenhaus durch Lügen bzw. Ausreden zu verhindern. Gleich-

zeitig war auch die Privatklägerin mit C._____ in einem (separaten) Chat daran, die 

Pläne für den Abend zu diskutieren, wobei sie zunächst von sich aus anfragte, ob 

sie wieder kommen solle und anschliessend auf Aufforderung C._____s, der sich 

offenbar nur wieder auf ein Treffen zu dritt, nicht aber mit der Privatklägerin alleine 

einlassen wollte, wohl auch mehrfach Kontakt mit dem Beschuldigten direkt hatte 

und ihn so schlussendlich überreden konnte, auch wieder zu einem Treffen zu kom-

men. Nach einem, hier nicht weiter interessierenden, per Textnachrichten ausge-

tragenen Streit zwischen der Privatklägerin und C._____ einigten sich die beiden 

erneut auf ein gemeinsames Treffen mit dem Beschuldigten, wobei C._____ der 

Privatklägerin  in  Aussicht  stellte,  sie  am  Bahnhof  I._____  abzuholen  (Urk. 18/9 

S. 111 ff.). Dies machte er in der Folge auch, wobei ihn L._____ in seinem Fahr-

zeug dorthin chauffierte und die beiden hernach zu einem Parkplatz in der Nähe 

- 16 -

der  Schrebergartenanlage  fuhr,  wo  er  sie  aussteigen  liess.  Dort  trafen  sie  auf 

F._____ und G._____, was C._____ so mit F._____ vereinbart hatte. F._____ hatte 

dazu offenbar vorab bei C._____ per Textnachricht nachgefragt, ob es "etwas zu 

ficken" gebe (vgl. Urk. 8/4 S. 5). G._____ fungierte als Fahrer für F._____ und war 

somit eher zufällig mit dabei. Die Privatklägerin wurde von der Anwesenheit von 

F._____ und G._____ (nur als "der Türke" vorgestellt) überrascht, hatte sie doch 

lediglich mit dem Beschuldigten gerechnet und war vorgängig auch nur mit diesem 

in  einem  direkten  Kontakt  gestanden.  Mithin  rechtfertigt  es  sich  durchaus,  im 

Folgenden – mit der Verteidigung (Urk. 115 S. 4 ff. und Urk. 157 S. 8 f.) – zwischen 

der  unerwarteten  Anwesenheit  von  F._____  und  G._____,  von  welcher  die 

Privatklägerin  offensichtlich  überrumpelt  wurde  und  welche  beiden  in  der  Folge 

gemeinsam  und  im  engen  Beisein  von  C._____  agierten,  und  dem  vorab 

ausdrücklich  vereinbarten  zweiten  Treffen  mit  dem  Beschuldigten,  in  dessen 

Verlauf es erst nach Weggang aller übrigen Männer zu sexuellen Handlungen kam, 

zu differenzieren. 

Der Beschuldigte war im Übrigen direkt zum Gartenhaus gegangen und – entgegen 

seinen Aussagen, aber aufgrund seiner Chatnachrichten an C._____ (Urk. 18/6 S. 

23 ff.) erstellt – bereits vor Ort, als die restliche Gruppe eintraf. Gemäss den Aus-

sagen der Privatklägerin war er am Bier trinken. 

Unbestrittenermassen und von den Beteiligten im Ergebnis auch übereinstimmend 

eingestanden, kam es in der Folge im Gartenhäuschen zu sexuellen Handlungen 

zwischen  der  Privatklägerin  und  F._____  sowie  zwischen  der  Privatklägerin  und 

G._____. Dem Beschuldigten wird für diese Phase der Ereignisse kein strafrecht-

lich  relevanter  Vorwurf  gemacht.  Zwar  hatte  die  Privatklägerin  vor  Vorinstanz  in 

ihrem  Plädoyer  ausdrücklich  auch  seine  diesbezügliche  Verurteilung  als  Mittäter 

beantragt (Prot. I S. 241), jedoch schloss das Bezirksgericht – in Übereinstimmung 

mit der Einschätzung der Staatsanwaltschaft (Urk. 112 S. 19 und Prot. I S. 241) – 

diesbezüglich eine Tatbeteiligung des Beschuldigten aus (Urk. 136 S. 96). Hiervor 

ist im Folgenden auszugehen, würde eine andere Einschätzung doch nicht nur ge-

gen das Anklageprinzip, sondern auch gegen das im Berufungsverfahren geltende 

Verschlechterungsverbot verstossen und könnte anhand der vorliegenden Beweis-

- 17 -

mittel auch gar nicht erstellt werden. Mithin erübrigt sich eine vertiefte Würdigung 

der  detaillierten  Abläufe  im  Gartenhaus,  insbesondere  der  Frage,  wer  wann  und 

allenfalls gleichzeitig mit wem welche sexuellen Handlungen ausgeführt hat. We-

sentlich ist einzig, dass der Beschuldigte hierbei weder persönlich involviert war, 

noch sich dabei in unmittelbarer Nähe vor dem Gartenhaus aufhielt, wie dies bei 

C._____ (der überdies zeitweise heimlich durch das Gartenhausfenster filmte) und 

G._____ bzw. F._____ der Fall war. Vielmehr scheint er die Zeit Bier trinkend im 

offenen  Anbau  des  Gartenhauses  (vgl.  die  Fotodokumentation,  Urk. 1/3  S. 3-5) 

verbracht zu haben, wobei ihm gemäss eigener Zugabe allerdings klar war, dass 

es derweil im Gartenhaus drinnen zu sexuellen Handlungen der anderen Männer 

mit  der  Privatklägerin  kam,  was  ihn  – wohl  vor  dem  Hintergrund  seiner  eigenen 

Erfahrungen vom Vortag – nicht weiter irritiert zu haben scheint. 

Anschliessend seien alle zusammen im Gartenhaus gesessen, wobei es zu einem 

emotionalen  Ausbruch  der  Privatklägerin  und  reagierender,  tätlicher  Aggression 

von  C._____  gegen  sie  gekommen  sei,  nachdem  sie  die  Feststellung  F._____s, 

dies (die sexuellen Handlungen mit F._____ und G._____) nur wegen C._____ ge-

macht zu haben, bejaht habe und in Tränen ausgebrochen sei. Dass sich die Aus-

einandersetzung  an  einer  Sprachnachricht  der  Mutter  der  Privatklägerin  entzün-

dete, wie von C._____ geltend gemacht, ist aufgrund der Aussagen des Beschul-

digten auszuschliessen, der diese Sprachnachricht auf den Vortag verortete, zumal 

weder F._____ noch G._____ Derartiges erwähnt haben. Dass die Privatklägerin 

die Darstellung des Anhörens einer Sprachnachricht bestätigte (Prot. I S. 203), ver-

mag für die Richtigkeit der Angaben von C._____ nicht den Beweis zu erbringen, 

nachdem sie sich an den Vortag, auf welchen der Beschuldigte diesen Vorfall ver-

ortete, gar nicht zu erinnern vermochte, weshalb eine Verwechslung ihrerseits hier 

nicht ausgeschlossen werden kann. Gemäss Darstellung der Privatklägerin inter-

venierten sowohl der Beschuldigte als auch F._____ unverzüglich gegen die Ge-

waltanwendung von C._____, wobei sich der Beschuldigte zur Verhinderung wei-

terer Tätlichkeiten zwischen die Privatklägerin und C._____ setzte und so die Si-

tuation beruhigte. 

- 18 -

Sodann schilderte die Privatklägerin eine Zwischenphase, wo sie mit dem Beschul-

digten allein im Gartenhaus gewesen sei, aber (in sexueller Hinsicht) nichts passiert 

sei. Ihre Schilderung wurde von keinem der Männer bestätigt, allerdings wurden sie 

auch nicht explizit danach befragt. Immerhin kann festgehalten werden, dass ihren 

Aussagen nicht entnommen werden kann, dass der Beschuldigte selbst in dieser 

Phase in irgendeiner Hinsicht aktiv gewesen und von ihr sexuelle Handlungen oder 

gar  Geschlechtsverkehr  gefordert  hätte.  Vielmehr  schilderte  sie,  "sie"  hätten  sie 

dann mit dem Beschuldigten alleine gelassen und sie hätte "ihnen" erklärt, dass sie 

nicht  wolle,  als  jene  beim  späteren  Öffnen  der  Türe  bemerkt  hätten,  dass  nichts 

laufe bzw. gelaufen sei (Urk. 6/18 S. 7 und S. 19; Prot. I S. 194). Damit ist weiter 

festzuhalten,  dass  der  Beschuldigte  –  sollte  er  ihr  in  jenem  Zeitpunkt  überhaupt 

sexuelle Avancen gemacht haben – ihre Zurückweisung ohne Weiteres akzeptiert 

hat. 

Später verliessen C._____ und F._____ zusammen mit G._____ das Gartenhaus. 

Die Privatklägerin, die zunächst hätte mitfahren sollen, blieb auf Bitte des Beschul-

digten, der nicht allein zurückbleiben wollte, vor Ort, wobei der Beschuldigte aller-

dings nicht explizit nach der Privatklägerin fragte, sondern einfach verlangte, dass 

"jemand" bei ihm bleibe, weil er befürchtete, von den anderen verarscht bzw. alleine 

zurückgelassen zu werden (wie es sich ja dann auch ergeben hat). Hieraus kann 

somit nicht abgeleitet werden, dass er die Privatklägerin zwecks zu erzwingendem 

Geschlechtsverkehr im Gartenhaus zurückhalten wollte. Hierauf forderte C._____, 

der wie die Privatklägerin bereits im Fahrzeug von G._____ sass, diese auf, den 

Wagen wieder zu verlassen und dem Beschuldigten Gesellschaft zu leisten. Sollte 

er  sie  dabei  angewiesen  haben,  "lieber  machst  du  es,  weil  er  ist  besoffen,  wer 

weiss,  was  er  dir  antut"  bzw.  "du  muesch,  wer  weiss,  was  er  suscht  macht.  Ich 

weiss,  wie  er  isch,  wenn  er  bsoffe  isch",  so  ist  glaubhaft,  dass  der  Beschuldigte 

solches nicht hörte bzw. gar nicht hören konnte, befand er sich zu diesem Zeitpunkt 

doch selber nicht im Fahrzeug, sondern wartete ausserhalb desselben. Die Privat-

klägerin hat eine derartige Aussage von C._____ allerdings nur während der Ein-

vernahme vom 29. Oktober 2019 zu Protokoll gegeben (Urk. 6/3 S. 21 und S. 47) 

und vor Vorinstanz gar explizit bestritten, dass ihr Anweisungen gegeben worden 

seien (Prot. I S. 193), womit Zweifel bestehen bleiben, dass dies derart erfolgt ist. 

- 19 -

Offenbar gingen die Privatklägerin und der Beschuldigte zunächst davon aus, dass 

die anderen lediglich Zigaretten kaufen und danach wieder zurückkommen würden. 

Das  war  aber  nicht  der  Fall.  Bis  am  Morgen  kam  keiner  zurück.  Auch  reagierte 

C._____ nicht auf wiederholte WhatsApp-Nachfragen der Privatklägerin.

Allein gelassen mit dem Beschuldigten im Gartenhaus kam es auch zwischen ihm 

und der Privatklägerin zu Geschlechtsverkehr. Dabei ist davon auszugehen, dass 

der  Beschuldigte  in  jener  Phase  merkbar  angetrunken  war,  machte  er  doch  ver-

schiedene diesbezügliche Andeutungen (er habe vorab in einer Bar schon getrun-

ken, er habe vor Ort Bier getrunken, er sei "nicht in der Lage gewesen, etwas zu 

machen", es sei ihm nicht gut gegangen, er sei angetrunken gewesen etc.), zumal 

die Privatklägerin ihrerseits mehrfach betonte, wie stark betrunken er gewesen sei 

und dass er nach Alkohol gestunken habe und sie deshalb Angst gehabt habe, da 

man halt nie wisse, was ein Besoffener mache. Zur Glaubhaftigkeit der Aussagen 

des Beschuldigten ist in diesem Zusammenhang anzumerken, dass er verhältnis-

mässig früh im Verfahren, nämlich schon im Rahmen seiner zweiten Einvernahme 

hinsichtlich der Frage, ob er mit der Privatklägerin Geschlechtsverkehr gehabt hat, 

ein  Geständnis  ablegte  und  eine  eigenständige  Schilderung,  auch  des  von  der 

Privatklägerin gar nie thematisierten Vorabends, deponierte. Mithin machte er – an-

ders  als  insbesondere  die  anderen  (Mit-)Beschuldigten  C._____  und  F._____  – 

nicht stückchenweise Zugeständnisse, basierend auf dem jeweiligen Verfahrens-

stand. Dies spricht für ihn, auch wenn er dabei sichtlich bemüht war, im Rahmen 

seiner Zugaben keine Drittpersonen zu belasten. Allerdings ist der Vorinstanz bei-

zupflichten, wenn sie zum Schluss kommt, er bleibe zuweilen in seiner Darstellung 

anpasserisch,  oberflächlich  und  detailarm  (Urk. 136  S. 63).  Allerdings  kann  eine 

gewisse Erinnerungsschwäche bei ihm zwanglos durch die erstellte Alkoholintoxi-

kation erklärt werden, zumal die erste materielle Aussage knapp zwei Jahre nach 

dem Ereignis datiert, was ebenfalls Erinnerungslücken nachvollziehbar zu begrün-

den vermag. 

Dass C._____ oder der Beschuldigte selbst sie in dieser späten Phase durch klar 

erkennbare  Nötigungshandlungen  zum  Sex  gezwungen  hätten,  machte  die 

Privatklägerin  nie  explizit  geltend.  Vielmehr  nannte  sie  als  Grund,  warum  sie 

- 20 -

schliesslich  dem  Bitten  des  Beschuldigten  nachgegeben  und  den  Geschlechts-

verkehr  mit  ihm  vollzogen  habe,  verschiedene  Argumente:  Sie  habe  gedacht, 

C._____  komme  wieder  zurück  (Urk. 6/3  S. 21);  der  Beschuldigte  habe  sie 

angebettelt und nachher habe sie es gemacht (Urk. 6/18 S. 7, Prot. I S. 195); sie 

habe  zuerst  nein  und  dann  ja  gesagt,  sie  habe  "keine  Ahnung  wie  es  dazu  ge-

kommen ist" (Urk.  6/18 S. 20); sie habe Schiss gehabt, weil er "mega besoffen" 

gewesen sei und "richtig gestunken" habe, "man weiss halt nie, was ein Besoffener 

macht"  und  darum  habe  sie  es  halt  einfach  gemacht  (Urk.  6/3  S. 25,  Urk.   6/18 

S. 20, Prot. I S. 196). In all diesen Varianten spielt das Verhalten von C._____ nach 

der Perzeption der Privatklägerin – mit der Verteidigung (Urk. 157 S. 10) – keine 

kausale  Rolle  dafür,  dass  sie  schlussendlich  auch  noch  mit  dem  Beschuldigten 

Geschlechtsverkehr  hatte.  Zwar  sagte  sie  –  wie  bereits  erwähnt  –  früh  in  der 

Untersuchung  einmal,  C._____  habe  ihr,  als  sie  wieder  aus  dem  Fahrzeug  von 

G._____ ausstieg, gesagt: "du muesch, wer weiss, was er suscht macht. Ich weiss, 

wie er isch, wenn er bsoffe isch" (Urk. 6/3 S. 47). Jedoch erwähnte sie dies später 

in  den  detaillierteren  Befragungen,  wie  gerade  dargestellt,  nicht  mehr,  sondern 

nannte eine Vielzahl anderer Gründe. Vor Vorinstanz verneinte sie gar explizit, dass 

C._____ ihr hinsichtlich des Beschuldigten irgendwelche Vorgaben gemacht oder 

Anweisungen gegeben hätte, ausser dass sie bei ihm bleiben sollte, während die 

anderen Zigaretten holen würden (Prot. I S. 193). Mithin kann nicht erstellt werden, 

dass C._____ die Privatklägerin deswegen im Gartenhaus zurückgelassen hätte, 

damit nun auch der Beschuldigte Sex mit ihr haben kann und er ihr dies sinngemäss 

entsprechend befohlen hätte. Dass sie einzig aufgrund einer zumindest impliziten 

Erwartung von C._____ mit dem Beschuldigten geschlafen hat, liesse sich auch vor 

dem  Hintergrund, 

dass 

für 

den  Vorabend 

von 

einvernehmlichem 

Geschlechtsverkehr  zwischen  den  beiden  auszugehen 

ist 

(vgl.  Ziff. 3.4 

vorstehend), nur schwer begründen, zumal auch für den Abend des 10. April 2019 

eine direkte Kontaktaufnahme zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten 

erstellt  ist,  bei  welcher  es  um  eine  Wiederholung  des  Vorabends  und  damit 

offenkundig  auch  um  sexuelle  Handlungen  zwischen 

ihnen  beiden  ging. 

Schliesslich  wurde  von  der  Privatklägerin  auch  zu  keinem  Zeitpunkt  geltend 

gemacht, der Beschuldigte habe sich in irgendeiner Weise auf C._____ und eine 

- 21 -

mit  diesem  getroffene  Vereinbarung  bezogen,  um  von  ihr  Geschlechtsverkehr 

einzufordern. Ebenso wenig hat er sie gemäss ihrer Darstellung – anders als etwa 

F._____ und G._____ – einfach vor vollendete Tatsachen gestellt, indem er sich 

ausgezogen und "einfach gemacht" hätte bzw. seinen Penis entblösst und ihr zur 

oralen  Befriedigung  hingehalten  hätte,  ohne  sie  zu  fragen.  Vielmehr  habe  er 

solange gebettelt, bis sie ja gesagt habe. Mithin hat er sich gerade nicht über ihre 

Abweisung  hinweggesetzt,  sondern,  wenn  auch  äusserst  hartnäckig,  auf  ihre 

Einwilligung  hingewirkt.  Der  Beschuldigte  bestreitet  dieses  Anbetteln  zwar, 

allerdings  erscheint  die  Darstellung  der  Privatklägerin  gerade  auch  vor  dem 

Hintergrund der erstellten, hohen Alkoholisierung des Beschuldigten sehr glaubhaft 

und passt insgesamt in die geschilderte Atmosphäre. Dass er bemerkt hätte, dass 

die  Privatklägerin  sich  vor  seiner  alkoholbedingt  für  sie  nicht  abschätzbaren 

Reaktion  im  Fall  einer  definitiven  Verweigerung  fürchtete  und  (nur)  deshalb 

schlussendlich  kooperierte,  machte  die  Privatklägerin  nicht  geltend.  Es  ergeben 

sich  aus 

ihrer  Schilderung  auch  keine  Anhaltspunkte  hierfür,  zumal  der 

Beschuldigte  in  seinem  sonstigen  Verhalten  keinerlei  Rücksichtslosigkeit,  ihren 

Wünschen oder ihrer Person gegenüber, offenbarte, sondern im Gegenteil sogar 

körperlich  intervenierte,  als  C._____  gegen  sie  tätlich  wurde,  weshalb  nicht  zu 

seinen  Lasten  davon  ausgegangen  werden  kann,  er  habe  ihre  latente  Angst 

wahrgenommen und zu seinem Vorteil ausgenutzt. 

Nach  dem  Geschlechtsverkehr  verbrachten  die  beiden  die  Stunden  bis  zum 

Morgengrauen  im  Gartenhaus,  wobei  die  Privatklägerin  das  Angebot  des  Be-

schuldigten, mit ihm zusammen auf der Pritsche zu schlafen, ausgeschlagen und 

sich  auf  dem  Boden  eingerichtet  hatte.  Vor  dem  Einschlafen  hatte  ihr  der 

Beschuldigte  offenbar  noch  vertrauliche  Details  aus  seinem  Beziehungsleben 

anvertraut, während sie ihm offenbarte, dass sie C._____ liebe und – auf Nachfrage 

des Beschuldigten, warum sie "so Sachen" mache – erklärte, dies nur für C._____ 

zu machen. Offenbar war dem Beschuldigten ab diesem Moment klar, dass "etwas 

nicht gut" ist (Urk. 5/3 S. 6). Nachdem der Beschuldigte eingeschlafen war, machte 

sich  die  Privatklägerin  frühmorgens  auf  den  Weg  an  den  nächsten  Bahnhof  und 

fuhr mit dem Zug nach Hause.

- 22 -

3.6. Schliesslich wird dem Beschuldigten in zwei Fällen verbotene Pornografie 

vorgeworfen:  Einerseits  habe  er  am  14. April  2020  ein  ihm  per  WhatsApp  von 

einem  Kollegen  namens  M._____  in  einem  Gruppenchat  zugesandtes  Video  mit 

sexueller Gewalt (Treten gegen Genitalien) und anderseits am 15. Juni 2020 ein 

von  seinem  in  Kosovo  lebenden  Cousin  "N._____"  zugesandtes  Video  mit 

kinderpornografischem  Inhalt  (Kleinkind  mit  erigiertem  Penis)  je  zumindest  teil-

weise angeschaut und die Dateien durch das Öffnen innerhalb der App gespeichert, 

was  er  gewusst  habe  und  wo  sie  bis  zu  seiner  Verhaftung  am  22. Juni  2020 

verblieben seien (Urk. 29 S. 10).

Beide Vorwürfe beruhen auf der Auswertung des Mobiltelefons des Beschuldigten, 

wobei  die  Anhangvorschaubilder  und  verschiedene  Screenshots  der  Videos  bei 

den Akten liegen (Urk. 1/11 S. 3, Urk. 1/18 S. 2 f., Urk. 18/1-2). Gemäss Ergebnis-

bericht  zur  EDV-Datenanalyse  vom  6. April  2021  (Urk. 1/22)  wurden  die  Dateien 

nicht automatisch in den Aufnahmen des Mobiltelefons (Galerie) gespeichert, je-

doch  waren  sie  in  der  App  selbst  nach  wie  vor  abrufbar,  da  sie  durch  Antippen 

automatisch innerhalb der fraglichen App auf dem betroffenen Mobiltelefon gespei-

chert werden. Damit kongruent ist der Status als "gelesen" registriert. Eine Weiter-

leitung  der  Dateien  fand  nicht  statt,  jedoch  kommentierte  der  Beschuldigte  die 

kinderpornografische Aufnahme gegenüber dem Absender. Dies bestätigte er auch 

ausdrücklich  in  der  Schlusseinvernahme  und  vor  Vorinstanz.  Er  habe  aber  das 

Video  gar  nicht  richtig  angeschaut  (Urk. 5/7  S. 30 f.,  Prot. I  S. 209).  Allgemein 

machte er geltend, er könne nicht alles löschen, was ihm unverlangt von Dritten 

zugesandt werde, bzw. er habe vergessen, es zu löschen. Das Gewaltvideo habe 

er angeklickt, aber nicht angeschaut. Da so viel geschrieben werde in dem Grup-

penchat,  sei  es  nachher  nicht  mehr  sichtbar  gewesen,  weswegen  er  vergessen 

habe, es zu löschen (Urk. 5/7 S. 31).

Mithin  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschuldigte  gemäss  eigener  Aussage  die  ihm 

unverlangt zugeschickte kinderpornografische Aufnahme klar (bis zum Schluss) zur 

Kenntnis  genommen  und  das  Video  –  statt  es  zu  löschen  –  gar  noch  positiv 

kommentiert hat. Aktiv in seiner persönlichen Galerie gespeichert oder gar weiter-

versandt hat er es demgegenüber nicht.

- 23 -

Per 1. Juli 2024 ist das neue Sexualstrafrecht in Kraft getreten. Es sieht vor, dass 

Pornografie,  welche  Gewalt  beinhaltet,  neu  nicht  mehr  strafbar  ist  (vgl.  Art. 197 

Abs.  5  StGB).  Dies  hat  zur  Folge,  dass  der  Beschuldigte  in  Anwendung  des 

milderen Rechts (Art. 2 Abs. 2 StGB) vom Vorwurf der Pornografie im Sinne von 

Art. 197  Abs. 5  Satz 1  aStGB  betreffend  Gewaltdarstellung  mangels  Strafbarkeit 

freizusprechen ist. 

4.

Rechtliche Würdigung

4.1. Seit Erlass des vorinstanzlichen Urteils ist per 1. Juli 2024 – wie soeben er-

wähnt – die breit diskutierte Revision des Sexualstrafrechts in Kraft getreten. Diese 

hat  die  unter  den  Titel  "Strafbare  Handlungen  gegen  die  sexuelle  Integrität"  ge-

hörenden Straftatbestände neu gefasst und die Grenzen strafbaren Verhaltens er-

weitert. Im Ergebnis ermöglicht die neue Gesetzeslage jedoch – mit der erwähnten 

Ausnahme des Freispruchs aufgrund des geänderten Pornografieartikels – keine 

mildere Beurteilung des Beschuldigten, weshalb in Anwendung von Art. 2 Abs. 2 

StGB von der Weitergeltung der bisherigen Normen, im Folgenden bezeichnet als 

"Art. X aStGB", auszugehen ist. Ebenfalls ohne Einfluss auf die konkret in Frage 

kommenden Strafnormen blieb im Übrigen die bereits per 1. Juli 2023 in Kraft ge-

tretene Strafrahmenharmonisierung. 

4.2. Nachfolgend werden die erstellten Vorfälle rechtlich zu würdigen sein. Die 

Vorinstanz hat die in Frage kommenden Tatbestände beschrieben und aufgezeigt, 

welche  Tatbestandsmerkmale  jeweils  konkret  zu  erfüllen  sind,  damit  ein  Schuld-

spruch  erfolgen  kann  (Urk. 136  S. 89 f.,  S. 100  und  S. 101 f.).  Auf  diese  theore-

tischen Ausführungen wird – um Wiederholungen zu vermeiden – vorweg verwie-

sen (Art. 82 Abs. 4 StPO). Entsprechend kann nachfolgend sogleich zur konkreten 

rechtlichen Subsumtion geschritten werden.

4.3. Hinsichtlich der Ereignisse vom 9. April 2019 wurde der Beschuldigte bereits 

rechtskräftig  vom  Vorwurf  der  gemeinsam  mit  C._____  begangenen  Ver-

gewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB 

freigesprochen  (vgl.  Ziff. 3.1  hiervor  sowie  Urk. 136  S. 91  und  S. 97).  Unbe-

strittenermassen kam es damals jedoch zu Geschlechtsverkehr zwischen der erst 

- 24 -

13 ½ Jahre alten Privatklägerin und dem kurz vor seinem 26. Geburtstag stehen-

den  Beschuldigten  und  damit  zu  sexuellen  Handlungen  mit  einer  im  Schutzalter 

stehenden  Jugendlichen  (vgl.  hierzu  Art. 187  aStGB).  Wie  die  Sachverhalts-

erstellung ergeben hat, war der Beschuldigte dabei der Meinung, die Privatklägerin 

sei  16  Jahre  alt.  So  war  es  ihm  von  ihr  und/oder  C._____  vorgängig  mitgeteilt 

worden, was er – auch aufgrund ihrer physischen Erscheinung und der Tatsache, 

dass  sie  spätnachts  noch  alleine  mit  den  öffentlichen  Verkehrsmitteln  unterwegs 

war –  nicht  weiter  hinterfragte  (vgl.  dazu  Ziff. 3.3.2  hiervor).  Entgegen  der  Vor-

instanz kann ihm bei dieser Ausgangslage keine eventualvorsätzliche Tatbegehung 

im  Sinne  von  Art. 187  Ziff. 1  aStGB  vorgeworfen  werden.  Jedoch  ist  eine  fahr-

lässige  Begehung  gemäss  Art. 187  Ziff. 4  aStGB  zu  prüfen.  Demgemäss  macht 

sich  strafbar,  wer  in  der  irrigen  Vorstellung  handelt,  das  Opfer  sei  mindestens 

16 Jahre  alt,  diesen  Irrtum  bei  pflichtgemässer  Vorsicht  aber  hätte  vermeiden 

können. Während die Praxis in Fällen von sogenannter Jugendliebe die Sorgfalts-

anforderungen  nicht  allzu  hoch  ansetzt,  gilt  dies  explizit  nicht,  wenn  eine  klar 

erwachsene  Person  davon  ausgeht,  dass  das  Alter  des  Opfers  in  der  Nähe  des 

Schutzalters  liegt.  In  dieser  Konstellation  wird  vielmehr  besondere  Vorsicht  ver-

langt. So neigten – gemäss dem Bundesgericht – gemäss allgemeiner Erfahrung 

junge  Mädchen  dazu,  sich  älter  auszugeben,  als  sie  seien,  um  von  reiferen 

Männern  ernst  genommen  zu  werden  (BSK  StGB-Maier,  2019,  Art.  187  N 35 ff. 

m. H.). Diese Feststellung, wenn auch klischeehaft anmutend, bewahrheitet sich im 

vorliegenden  Fall,  wo  die  Privatklägerin  sogar  explizit  zu  Protokoll  gab,  sich  für 

16 Jahre alt ausgegeben zu haben, um nicht als Kind zu gelten und damit es für 

C._____  nicht  so  peinlich  sei  (Prot. I  S. 198).  Sodann  konnte  ein  (grundsätzlich 

mögliches  und  vom  Beschuldigten  geltend  gemachtes)  Nachfragen  bei  C._____ 

von  vornherein  nicht  geeignet  sein,  der  Sorgfaltspflicht  zu  genügen,  wusste  der 

Beschuldigte doch aktenkundig, dass jener es mit Altersangaben nicht so genau 

nimmt, wenn ihm dies zweckdienlich erscheint (vgl. den Chat vom 8. April 2019, 

Urk. 18/6 S. 4). Kommt hinzu, dass die Privatklägerin zwar durchaus aussah, wie 

eine 16-jährige junge Frau (vgl. Urk. 1/17). Damit verblieb sie jedoch genau in der 

heiklen  Alterskategorie,  welche  von  Männern  wie  dem  fast  doppelt  so  alten 

Beschuldigten,  zumal  wenn  sie  ohne  eigentliche  Kennenlernphase  sexuell  mit 

- 25 -

besagten jungen Frauen verkehren wollen, besondere Sorgfalt in der Abklärung der 

Schutzaltersfrage  verlangt.  Dass  der  Beschuldigte  diesen  Ansprüchen  nicht 

nachgekommen ist, ist augenscheinlich. Gegenteiliges wird von ihm auch gar nicht 

fundiert  geltend  gemacht.  Dass  die  Privatklägerin,  obwohl  dafür  zu  jung,  einge-

standenermassen zeitweise im Club O._____ verkehrte, woraus er – so die Ver-

teidigung (Urk. 157 S. 23) – gar auf ihre Mündigkeit habe schliessen dürfen, ist eine 

nachgeschobene Begründung und konnte ihm  im  Tatzeitpunkt  gar  nicht bekannt 

sein,  machte  er  doch  geltend,  sie  vorab  nicht  gekannt  zu  haben  (Prot. I  S. 110). 

Auch ihre demonstrierte Selbständigkeit, spätnachts alleine mit dem Zug bzw. auch 

nachdem  keine  öffentlichen  Verkehrsmittel  mehr  fuhren  unterwegs,  war  nicht 

geeignet  auszuschliessen,  dass  sie  noch  nicht  16  Jahre  alt  sein  könnte,  ist  der-

artiges  doch  durchaus  auch  Fünfzehnjährigen  ohne  Weiteres  zuzutrauen,  zumal 

angesichts der flächendeckend verfügbaren Fahrdienste. Mithin ist davon auszu-

gehen,  dass  er  den  Irrtum  über  ihr  Alter  bei  pflichtgemässer,  den  Vorgaben  des 

Bundesgerichts  entsprechender  Vorsicht  hätte  vermeiden  können  und  müssen, 

indem er vorab Einsicht in einen amtlichen Ausweis genommen hätte, bevor er sich 

in  dieser  äussert  heiklen  Konstellation  auf  einen  One-Night-Stand  mit  einer  ihm 

zuvor  unbekannten,  gemäss  ihren  Angaben  erst  16 Jahre  alten  und  (nur)  alters-

entsprechend aussehenden jungen Frau einliess. 

Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe sind nicht ersichtlich (insbesondere 

aus der Einvernehmlichkeit kann keine Rechtfertigung gezogen werden, vgl. Urteil 

6B_93/2022  vom  24.  November  2022  E.  1.4.4;  BGE  120  IV  6  E.  2c/aa)  und  es 

liegen auch keine Anwendungsfälle von Art. 187 Ziff. 2 und 3 aStGB vor. Entspre-

chend ist der Beschuldigte hinsichtlich des Geschlechtsverkehrs vom 9. April 2019 

der  fahrlässigen  sexuellen  Handlungen  mit  Kindern  im  Sinne  von  Art. 187  Ziff. 4 

aStGB schuldig zu sprechen.

Eine  gemeinsame  Tatbegehung  zusammen  mit  C._____  im  Sinne  von  Art. 200 

aStGB  liegt  demgegenüber  –  entgegen  der  erstinstanzlichen  Einschätzung 

(Urk. 136 S. 101) – nicht vor, nachdem beim Geschlechtsverkehr ein Mindestmass 

an Privatsphäre gewahrt wurde, indem sich der Beschuldigte dabei mit der Privat-

klägerin alleine im Gartenhaus befand, was durch die (von der Privatklägerin grund-

- 26 -

sätzlich  erwünschte)  Anwesenheit  von  C._____  draussen  vor  dem  Gartenhaus 

nicht negativ beeinträchtigt wurde.

4.4. Auch hinsichtlich des Geschlechtsverkehrs vom 10. April 2019 hat sich der 

Beschuldigte  der  fahrlässigen  sexuellen  Handlungen  mit  Kinder  im  Sinne  von 

Art. 187 Ziff. 4 aStGB schuldig gemacht, wobei zur Begründung vollumfänglich auf 

oben stehende Ausführungen verwiesen werden kann. 

Was den weiteren Vorwurf der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB 

angeht, ergab die Sachverhaltserstellung, dass die Privatklägerin weder aufgrund 

einer expliziten oder impliziten Aufforderung von C._____ und damit im Zusammen-

hang mit dem zu ihm bestehenden Abhängigkeitsverhältnis in die sexuellen Hand-

lungen mit dem Beschuldigten eingewilligt hat, noch weil der Beschuldigte selbst 

diesbezüglich  Drohungen,  Gewalt  oder  psychischen  Zwang  ausgeübt  hätte,  was 

ihm anklageseitig allerdings auch gar nicht vorgeworfen wurde. Vielmehr gab sie 

schlussendlich  dem  hartnäckigen  Drängen  und  Betteln  des  Beschuldigten  nach, 

weil er stark betrunken war und sie deshalb seine Reaktion bei einer Ablehnung 

nicht einschätzen konnte bzw. fürchtete. Dafür, dass er diese Angst der Privatklä-

gerin  bemerkt  und  bewusst  ausgenützt  hätte,  ergeben  sich  keinerlei  Hinweise. 

Auch nicht dafür, dass er aufgrund seiner Angetrunkenheit tatsächlich unberechen-

bar und gewalttätig geworden wäre, hätte sie sich schlussendlich nicht erweichen 

lassen. Vielmehr liegt aufgrund seines übrigen Verhaltens an jenem Abend (Inter-

vention gegen C._____, als dieser die Privatklägerin schlug; kein Drängen auf Ge-

schlechtsverkehr  beim  erstmaligen  alleinigen  Aufenthalt  mit  ihr  im  Gartenhaus; 

keine Forderung, sie, und nur sie, müsse bei ihm bleiben und nun auch Sex mit ihm 

haben etc.) der Schluss nahe, dass er die Persönlichkeit der Privatklägerin durch-

aus wahrnahm und respektierte, was damit kongruent geht, dass er vorgängig zum 

Treffen vom 10. April 2019 direkt mit der Privatklägerin im Kontakt stand und mit ihr 

ein weiteres Treffen (zumindest implizit zwecks sexueller Handlungen) vereinbarte, 

und dies nicht bloss mit C._____ ausmachte. Mithin kann ihm zumindest auf der 

subjektiven Seite kein (Eventual-)Vorsatz nachgewiesen werden, selbst wenn sich 

die Privatklägerin in einer Zwangslage wähnte und sich tatsächlich vor einer nega-

tiven, tätlichen Reaktion des Beschuldigten bei Ablehnung gefürchtet haben sollte.

- 27 -

Mithin ist der Beschuldigte vom Vorwurf der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 

Abs. 1 aStGB freizusprechen.

4.5. Pornografische Darstellung vom 15. Juni 2020 (Kinderpornografie)

Was  sodann  die  kinderpornografische  Aufnahme,  zeigend  ein  Kleinkind  mit  ent-

blösstem,  erigiertem  Penis,  angeht,  zeigt  sich  die  Sachlage  insofern  anders,  als 

hier  auch  von  tatsächlich  erfolgten  Konsum  auszugehen  ist.  Zwar  wurde  dem 

Beschuldigten  auch  dieses  Video  von  seinem  Cousin  N._____  unverlangt 

zugestellt. Jedoch hat er es gemäss eigenen Angaben – auch nach Bemerken des 

kinderpornografischen Charakters – bis zum Ende angeschaut und anschliessend 

sogleich positiv beantwortet. Allerdings geht diese einmalige Konsumhandlung im 

nachfolgenden  Besitz  –  wozu  auf  obenstehende  Begründung  verwiesen  werden 

kann – auf. Entsprechend ist der Beschuldigte in diesem Punkt des Besitzes zum 

Eigenkonsum im Sinne von Art. 197 Abs. 5 Satz 2 aStGB schuldig zu sprechen, da 

wiederum Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe fehlen.

4.6.

Zusammenfassend ist der Beschuldigte ergänzend zum bereits rechtskräfti-

gen Freispruch vom Vorwurf der gemeinschaftlich begangenen Vergewaltigung im 

Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB in Verbindung mit Art. 200 aStGB auch vom Vor-

wurf der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB (Vorfall vom 10. April 

2019)  sowie  vom  Vorwurf  der  Pornografie  im  Sinne  von  Art. 197  Abs. 5  Satz  1 

aStGB (Gewaltdarstellung) freizusprechen.

Schuldig zu sprechen ist er sodann der mehrfachen fahrlässigen sexuellen Hand-

lungen mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 4 aStGB sowie der Pornografie im 

Sinne von Art. 197 Abs. 5 Satz 2 aStGB (Kinderpornografie). 

5.

Strafzumessung und Vollzug

5.1. Die Vorinstanz hat die anwendbaren Grundsätze der Strafzumessung nach 

Art. 47 StGB und der Gesamtstrafenbildung nach Art. 49 Abs. 1 StGB zutreffend 

und überzeugend dargelegt (Urk. 136 S. 103 ff.). Hierauf kann verwiesen werden. 

- 28 -

5.2. Bei den vom Beschuldigten begangenen Delikten handelt es sich allesamt 

um Vergehen mit einer Strafandrohung von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder 

Geldstrafe (vgl. Art. 187 Ziff. 4 aStGB und Art. 197 Abs. 5 Satz 2 aStGB). Bereits 

angesichts der Art der konkreten sexuellen Handlung (Beischlaf, die schwerstmög-

liche  sexuelle  Handlung  überhaupt)  ist  augenscheinlich,  dass  für  diese  beiden 

Übergriffe je nur eine Freiheitsstrafe verhaltensadäquat sein kann (vgl. auch nach-

folgende Ausführungen zu den isoliert zuzumessenden Einzelstrafen), während für 

den  Verstoss  gegen  Art. 197  Abs. 5  Satz 2  aStGB  (Kinderpornografie)  –  mit  der 

Vorinstanz  (Urk. 136  S. 113)  –  eine  Geldstrafe  als  genügend  bzw.  angemessen 

erscheint. Damit wird nachfolgend einerseits eine Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe 

im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB und anderseits kumulativ eine Geldstrafe auszu-

fällen sein.

5.3.

Freiheitsstrafe

5.3.1. Der damals kurz vor seinem 26. Geburtstag stehende Beschuldigte vollzog 

am 9. und am 10. April 2019 je den Beischlaf bzw. vaginalen Geschlechtsverkehr 

mit  der  damals  rund  13  ½  Jahre  alten,  und  damit  noch  deutlich  im  Schutzalter 

stehenden Privatklägerin, womit er – wie oben erwähnt – die schwerwiegendsten 

sexuellen Handlungen vollzog, die überhaupt in Frage kommen. Bereits vor diesem 

Hintergrund ist die Tatschwere zumindest im mittleren Rahmen anzusetzen, auch 

wenn  es  sich  bei  der  Privatklägerin  nicht  um  ein  (Klein-)Kind,  sondern  um  eine 

pubertierende  und  sexuell  erfahrene  Jugendliche  handelte.  Zu  seinen  Gunsten 

kann  sodann  berücksichtigt  werden,  dass  von  einvernehmlichem  Geschlechts-

verkehr auszugehen ist und der Beschuldigte weder besonders raffiniert vorging, 

noch irgendwie gearteten Zwang ausübte. Auch erfolgte der Geschlechtsverkehr 

jeweils geschützt und dauerte nur kurze Zeit. Was den konkreten Grad der Fahr-

lässigkeit  angeht,  kann  angesichts  der  dem  Beschuldigten  bekannten,  heiklen 

Umstände (Geltendmachung eines Alters genau über dem Schutzalter und dazu 

passendes,  nicht  deutlich  älter  wirkendes  Aussehen,  zumal  der  den  Kontakt  zur 

Privatklägerin herstellende C._____ damals auch erst 17 Jahre alt war; One-Night-

Stand  ohne 

jegliche  Kennenlernphase  oder  nähere  Kenntnisse  um  die 

Lebensumstände  der  Privatklägerin)  nicht  von  einer  nachvollziehbaren  Unvor-

- 29 -

sichtigkeit ausgegangen werden. Vielmehr ist ihm ein geradezu leichtfertiges, an 

Gleichgültigkeit grenzendes Verhalten vorzuwerfen. Insgesamt ist damit von einem 

nicht  mehr  leichtem  Verschulden  auszugehen,  was  Einsatzstrafen  von  je  zwölf 

Monaten nach sich zieht. 

5.3.2. Betreffend Vorleben und persönlicher Verhältnisse kann den Akten (Urk. 5/1 

S. 4 f., Urk. 5/3 S. 2 ff., Urk. 5/7 S. 34 ff., Prot. I S. 210 ff.) und dem angefochtenen 

Urteil (Urk. 136 S. 108) Folgendes entnommen werden: Der Beschuldigte wurde in 

der Republik Kosovo geboren, deren Staatsangehöriger er ist. In der Schweiz ver-

fügt er über die Aufenthaltsbewilligung B. Er kam im Alter von rund einem Jahr nach 

I._____, wo er bei seinen Eltern und mit seinen beiden Brüdern aufwuchs und auch 

die üblichen Schulen besuchte. Er verfügt über einen Sekundarschulabschluss Typ 

C. Eine Berufslehre absolvierte er nicht, arbeitete aber fortwährend – so auch be-

reits kurz nach der Haftentlassung wieder – in verschiedenen Funktionen im Bau-

gewerbe. Er ist dabei im Stundenlohn tätig und quellensteuerpflichtig. Seinen mo-

natlichen Durchschnittsnettoverdienst bezifferte er vor Vorinstanz auf Fr. 3'200.–. 

Er ist geschieden und hat keine Kinder. Im Zeitpunkt der erstinstanzlichen Verhand-

lung wohnte er bei seiner Mutter und war bemüht, seine Schulden von insgesamt 

ca. Fr. 30'000.– abzuzahlen. An der Berufungsverhandlung machte der Beschul-

digte  grundsätzlich  keine  Aussagen  und  ergänzte  lediglich  auf  Ergänzungsfrage 

des  Verteidigers,  dass  er  im  Restaurant  seines  Bruders  als  Aushilfe  arbeite 

(Urk. 156 S. 2 f.). Dies alles bleibt ohne Auswirkung auf die Strafzumessung.

Strafmindernd  sind  jedoch  seine  Geständnisse  zu  würdigen.  Der  Übergriff  vom 

9. April  2019  kam  einzig  aufgrund  des  Zugeständnisses  des  Beschuldigten  ans 

Licht,  was  eine  deutliche  Strafreduktion  um  vier  Monate  rechtfertigt.  Hinsichtlich 

des  Vorfalls  vom  10. April  2019  bestätigte  der  Beschuldigte  die  Darstellung  der 

Privatklägerin, was die Beweisführung ebenfalls vereinfachte und mit einer Strafre-

duktion von zweieinhalb Monaten zu würdigen ist. Die Jahre zurück liegende, nicht 

einschlägige Vorstrafe (Urk. 154) kann – mit der Vorinstanz (Urk. 136 S. 108) – un-

berücksichtigt bleiben. 

Schliesslich  ist  zugunsten  des  Beschuldigten  auch  dem  insgesamt  überlangen 

Verfahrensgang Rechnung zu tragen. Einerseits ist in diesem Zusammenhang die 

- 30 -

bundesgerichtlich  festgestellte  Verletzung  des  Beschleunigungsgebotes  in  Haft-

sachen zu monieren (vgl. Urk. 76 und Urk. 136 S. 109). Anderseits benötigte die 

Vorinstanz zwischen Urteilseröffnung und Versand des begründeten Urteils rund 

achteinhalb Monate für die Erstellung der schriftlichen Begründung. Dies erscheint 

angesichts des Aktenumfangs (sechs Bundesordner sowie zwei Aktentheke) selbst 

mit Blick darauf, dass das Verfahren in einen gesamten Verfahrenskomplex, um-

fassend sieben getrennte Verfahren, eingebunden war, und das Urteil schliesslich 

137 Seiten  umfasste,  doch  als  eher  lang.  Diesem  Aspekt  ist  deshalb  durch  eine 

weitere Strafreduktion von je eineinhalb Monaten Rechnung zu tragen. 

Mithin  sind  die  isolierten  Einzelstrafen  auf  sechseinhalb  und  acht  Monate  anzu-

setzen.

5.3.3. Im Rahmen der Gesamtstrafenbildung sind die Einzelstrafen nicht zu kumu-

lieren. Vielmehr ist die Einsatzstrafe der schwersten Tat angemessen zu erhöhen 

(Art. 49 Abs. 1 StGB). Dabei sind namentlich das Verhältnis der einzelnen Taten 

untereinander,  ihr  Zusammenhang,  ihre  grössere  oder  geringere  Selbständigkeit 

sowie die Gleichheit oder Verschiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Bege-

hungsweisen zu berücksichtigen. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Delikts 

wird dabei geringer zu veranschlagen sein, wenn die Delikte zeitlich, sachlich und 

situativ in einem engen Zusammenhang stehen (Urteil 6B_1176/2021 vom 26. April 

2023 E. 4.5.2 m.w.H.).

Vorliegend richteten sich die Delikte gegen dasselbe Opfer und dieselben Rechts-

güter,  bei  identischer  Vorgehensweise.  Auch  zeitlich  und  situativ  liegt  ein  enger 

Zusammenhang vor. Vor diesem Hintergrund ist die Strafe von acht Monaten für 

die sexuellen Handlungen vom 10. April 2019 aufgrund der Tat vom 9. April 2019 

um (bloss) zwei Monate auf zehn Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen. 

5.4. Sodann  ist  der  Verstoss  gegen  Art. 197  Abs. 5  aStGB  (Besitz  verbotener 

Pornografie)  zu  würdigen,  wobei  der  Besitz  einer  Aufnahme  verbotener  Kinder-

pornografie mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bedroht ist.

- 31 -

Das  kinderpornografische  Video  zeigt  ein  Kleinkind,  das  bekleidet,  jedoch  mit 

entblösstem, erigierten Penis auf einem Sofa sitzt. Weitergehende Manipulationen 

am  Geschlechtsorgang,  insbesondere  durch  Dritte,  finden  keine  statt.  Insofern 

handelt  es  sich  nicht  um  eine  sehr  schwerwiegende  Verletzung  der  kindlichen 

Selbstbestimmung  und  sexuellen  Integrität,  welche  durch  das  Video  perpetuiert 

wurde. Allerdings kann – wie generell bei kinderpornografischen Aufnahmen – auch 

nicht  von  einer  Bagatelle  gesprochen  werden,  ist  doch  dem  Vorgang  der  unge-

fragten kindlichen, sexuell konnotierten Blossstellung immer eine gewisse Schwere 

immanent, an welcher der Konsument teilhat. Der Beschuldigte hat dieses Video 

weder gezielt gesucht, noch um dessen Zusendung gebeten. Es war – aufgrund 

seiner Verhaftung – auch nur wenige Tage in seinem Besitz, wobei auch lediglich 

von eventualvorsätzlichem Handeln auszugehen ist. Zudem ergab die Durchsicht 

seines  Mobiltelefons  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  generell  pornografische 

und  insbesondere  kinderpornografische  Produkte  konsumieren  würde.  Mithin  ist 

eine pädophile Motivation auszuschliessen. Somit kann insgesamt von einem sehr 

leichten Verschulden gesprochen und die Einsatzstrafe auf 30 Tagessätze festge-

setzt werden.

Hinsichtlich Vorleben und persönlichen Verhältnissen kann auf Vorstehendes ver-

wiesen  werden.  Sie  bleiben  ohne  Auswirkung  auf  die  Strafzumessung.  Die  Vor-

strafe stammt aus einem gänzlich anderen Bereich und liegt Jahre zurück, weshalb 

sie  sich  nicht  negativ  auszuwirken  vermag.  Sodann  war  der  Beschuldigte  ge-

ständig, sich das gesamte kinderpornografische Video angeschaut und es sodann 

kommentiert zu haben, wobei Letzteres ohnehin aufgrund des gesicherten Chat-

verlaufs erstellt war, weshalb das Geständnis insgesamt nur leicht strafmindernd 

zu berücksichtigen ist. Spürbar strafmindernd ist sodann auch hier die Verletzung 

des  Beschleunigungsgebots  zu  würdigen,  womit  die  Geldstrafe  insgesamt  auf 

25 Tagessätze festzusetzen ist.

Der  Tagessatz  ist  unter  Verweis  auf  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  (Urk. 136 

S. 113) auf Fr. 30.– festzusetzen, nachdem sich die finanziellen Verhältnissen des 

Beschuldigten seit Erlass des erstinstanzlichen Urteils nicht wesentlich verändert 

- 32 -

haben. Es ist davon auszugehen, dass sein monatliches Einkommen nach wie vor 

ca. Fr. 3'200.– beträgt. 

5.5.

Zusammenfassend  ist  der  Beschuldigte  mit  zehn  Monaten  Freiheitsstrafe 

sowie mit 25 Tagessätzen Geldstrafe zu je Fr. 30.– zu bestrafen. 

5.6. Da eine schlechte Legalprognose beim Beschuldigten weder in Anwendung 

von Art. 42 Abs. 2 StGB zu vermuten noch aufgrund der Aktenlage zu erstellen ist, 

kann ihm unter Verweis auf Art. 42 Abs. 1 StGB, welcher von der Vermutung einer 

guten  Prognose  ausgeht,  für  beide  Strafarten  der  bedingte  Vollzug  gewährt 

werden. Aufgrund der Vorstrafe ist die Probezeit auf drei Jahre anzusetzen. 

Nachdem  der  Beschuldigte  allerdings  im  Verlaufe  des  Verfahrens  vom  22. Juni 

2020 bis 12. Januar 2022 (vgl. Urk. 23/2 und Urk. 80/3) 570 Tage Polizei-, Unter-

suchungs- und Sicherheitshaft erstanden hat, sind die Strafen bereits vollständig 

verbüsst, was in Anwendung von Art. 51 StGB festzuhalten ist.

6.

Landesverweisung

6.1. Nachdem  sich  der  Beschuldigte  keiner  Katalogtat  im  Sinne  von  Art. 66a 

Abs. 1  StGB  schuldig  gemacht  hat  (vgl.  Art. 66a  Abs. 1  lit. h  StGB,  welcher  ein-

schränkend auf sexuelle Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB und 

auf Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 Satz 2 StGB verweist, welche Qualifikatio-

nen  der  Beschuldigte  vorliegend  beide  nicht  erfüllt),  scheidet  eine  obligatorische 

Landesverweisung von vornherein aus. 

6.2. Auch wenn die vom Beschuldigten erfüllten Delikte als Vergehen qualifizie-

ren  und  somit  Grundlage  für  eine  fakultative  Landesverweisung  im  Sinne  von 

Art. 66abis StGB sein können, scheint solches vorliegend weder verhältnismässig 

noch zum Schutz der öffentlichen Ordnung und Sicherheit notwendig. Denn es ist 

davon  auszugehen,  dass  das  vorliegende  Strafverfahren  und  insbesondere  die 

äusserst  lange  Untersuchungs-  und  Sicherheitshaft  genügend  abschreckend 

wirken,  dass  sich  der  Beschuldigte  inskünftig  an  die  Gesetze  halten  wird.  Hinzu 

kommt, dass der Beschuldigte glaubhaft versichert hat, dass ihm die Problematik 

(zu) junger Sexualpartnerinnen heute klar bewusst ist und er heute wisse, was er 

- 33 -

machen  müsse  (Prot. I  S. 114).  Sodann  trete  er  aus  Chatgruppen,  in  welchen 

pornografische Filme verschickt werden, lieber aus (Prot. I S. 209).

6.3. Damit ist von einer Landesverweisung des Beschuldigten unter jedem Titel 

abzusehen. 

7.

Tätigkeits-, Kontakt- und Rayonverbot

7.1. Was das beantragte Tätigkeitsverbot gemäss Art. 67 StGB angeht, so findet 

dieses in Art. 67 Abs. 3 lit. b StGB seine Grundlage, nachdem aus der konkreten 

Strafhöhe  erhellt,  dass  hinsichtlich  der  fahrlässigen  sexuellen  Handlungen  mit 

Kindern jedenfalls nicht von einem leichten Fall im Sinne von Art. 67 Abs. 4bis StGB 

ausgegangen  werden  kann,  auch  wenn  dem  Beschuldigten  keine  pädophile 

Motivation anzulasten ist (vgl. zur Definition des leichten Falles BGE 149 IV 161 

E. 2.5 sowie Urteil 7B_479/2023 vom 21. November 2023 E. 2.2-3). 

Entsprechend  ist  dem  Beschuldigten  in  Anwendung  von  Art.  67  Abs.  3  StGB 

lebenslänglich jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die 

einen regelmässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, zu verbieten. Damit kann 

offen  bleiben,  ob  auch  der  Verstoss  gegen  Art. 197  Abs. 5  StGB  betreffend  das 

Video  mit  kinderpornografischem  Inhalt  als  Grundlage  für  ein  Tätigkeitsverbot 

genügen würde oder ob diesbezüglich von einem besonders leichten Fall im Sinne 

von Art. 67 Abs. 4bis StGB auszugehen wäre.

7.2. Weiter ordnete die Vorinstanz auf Antrag der Privatklägerin ein auf Art. 67b 

StGB fussendes Kontakt- und Rayonverbot an, womit sie dem Beschuldigten für 

die Dauer von fünf Jahren verbot, sich der Privatklägerin anzunähern oder mit ihr 

direkt oder über Drittpersonen Kontakt aufzunehmen. Sie führte dazu aus, es sei 

insbesondere  dem  Umstand  Rechnung  zu  tragen,  dass  sich  die  Privatklägerin 

bereits  mehrfach  mit  Kontaktaufnahmen  und  Beeinflussungsversuchen  von 

aussenstehenden  Personen  konfrontiert  gesehen  habe.  So  habe  sie  sowohl  im 

Untersuchungsverfahren  als  auch  anlässlich  der  Hauptverhandlung  ausgeführt, 

dass  sie  mehrfach  und  von  verschiedenen  Personen  angesprochen  worden  sei, 

weshalb  sie  gewisse  Personen  in  das  vorliegende  Verfahren  miteinbeziehe  und 

- 34 -

Vorwürfe  gegen  diese  erhebe.  Zudem  sei  sie  auch  schon  mehrfach  bedrängt 

worden,  keine  Aussagen  zu  tätigen  bzw.  eine  Person  habe  ihr  sogar  Geld 

angeboten,  um  anlässlich  der  gerichtlichen  Hauptverhandlung  die  Vorwürfe 

zurückzunehmen.  Allgemein  hätten  verschiedene  Personen  versucht,  ihr  ein 

schlechtes  Gewissen  einzureden  (Urk. 136  S. 122 f.).  Gegenüber  der  Kammer 

erklärte die Privatklägerin hierzu, dass es seit der erstinstanzlichen Verhandlung 

zu keinen Kontaktversuchen mehr gekommen sei (Urk. 155 S. 7 f.).

7.3. Die  Verteidigung äusserte sich vor  Vorinstanz und im  Berufungsverfahren 

nicht zum beantragten Kontaktverbot (Urk. 115 und Urk. 157). 

7.4. Gemäss den Angaben der Privatklägerin in ihrer Einvernahme vom 15. Sep-

tember  2020  hatte  eine  Freundin  der  damaligen  Freundin  des  Beschuldigten, 

P._____,  sie  zuhause  gesucht  und  sodann  per  Textnachricht  und  telefonisch 

kontaktiert, um zugunsten des Beschuldigten Einfluss auf sie zu nehmen (Urk. 6/18 

S. 6;  vgl.  auch  deren  eigene  Darstellung,  sie  habe  nur  wissen  wollen,  ob  der 

Beschuldigte habe wissen können, wie alt die Privatklägerin gewesen sei, Urk. 10/8 

S. 5 ff.). Sodann habe auch ein Q._____ sie über Instagram kontaktiert und gefragt, 

ob  sie  nicht  irgendetwas  machen  könne,  damit  die  –  gemeint  gewesen  seien 

F._____  und  der  Beschuldigte  –  eine  mildere  Strafe  hätten.  Er  habe  dabei 

anständig gesprochen und sie gebeten, dies für sich zu behalten (Urk. 6/18 S. 18). 

Beide Vorfälle geschahen, als der Beschuldigte bereits inhaftiert war, und erfolgten 

offensichtlich  ohne  seine  Kenntnis  und  Instruktion.  Soweit  die  Privatklägerin  von 

später  versuchten  Einflussnahmen  berichtete,  erwähnte  sie  weder  den 

Beschuldigten noch Personen aus dessen Umfeld. Auch seit seiner Haftentlassung 

am  12. Januar  2022  und  dem  Ablauf  des  als  Ersatzmassnahme  angeordneten 

Kontaktverbotes per erstinstanzlicher Urteilseröffnung (vgl. Urk. 80/1) wurden keine 

Kontaktversuche oder Ähnliches aktenkundig gemacht. Die von der Privatklägerin 

gegenüber der Vorinstanz geschilderten Versuche der Einflussnahme im Vorfeld 

der Gerichtsverhandlung können damit nicht auf den Beschuldigten zurückgeführt 

werden  und  bieten  entsprechend  keine  Grundlage  für  ein  straf-  (oder  zivil-

rechtliches)  Kontakt-  und  Rayonverbot.  Hinzu  kommt,  dass  weder  durch  den 

Beschuldigten ausgeübte Gewalt, noch Drohungen oder Nachstellungen zulasten 

- 35 -

der  Privatklägerin  im  vorliegenden  Verfahren  je  Thema  gewesen  sind,  was  aber 

Voraussetzung für ein zivilrechtliches Kontaktverbot wäre (vgl. Art. 28b ZGB) und 

auch  nicht  einsichtig  ist  oder  substantiiert  geltend  gemacht  wurde,  welche 

Verbrechen oder Vergehen des Beschuldigten nach Abschluss des vorliegenden 

Verfahrens zum Nachteil der Privatklägerin zu befürchten wären, wie dies Art. 67b 

StGB voraussetzt (vgl. hierzu BSK StGB-Hagenstein, 2019, Art. 67b N 28 f.). 

Damit ist von einem Kontakt- und Rayonverbot abzusehen. 

8.

Zivilansprüche

8.1. Die Privatklägerin stellte vor Vorinstanz Antrag auf Feststellung der Scha-

denersatzpflicht  des  Beschuldigten  dem  Grundsatze  nach  sowie  Vormerknahme 

eines  Nachklagevorbehalts.  Weiter  seien  Genugtuungsleistungen  in  Höhe  von 

Fr. 15'000.–  sowie  von  Fr. 30'000.–,  letztere  in  solidarischer  Haftbarkeit  mit 

F._____ und G._____ mit einem internen Anteil des Beschuldigten von Fr. 2'000.–, 

eventualiter von insgesamt Fr. 17'000.–, je zuzüglich 5 % Zins seit 10. April 2019 

zuzusprechen (Urk. 113 S. 1). 

Betreffend Schadenersatzforderung dem Grundsatz nach verwies sie zur Begrün-

dung darauf, dass die genaue Höhe des Schadens noch nicht feststehe, da sie erst 

am  Anfang  der  traumatherapeutischen  Aufarbeitung  stehe  (Urk. 101  S. 8  sowie 

Urk. 113 S. 22). 

Was die Höhe der geforderten Genugtuung angeht, so bezog sich die Rechtsbei-

ständin der Privatklägerin in ihren Ausführungen primär auf gewaltsam ausgeübten 

sexuellen Missbrauch bei Mehrfachtäterschaft, wobei ihren Ausführungen für alle 

drei erwachsenen Täter Geltung zukam. Gleichzeitig stellte sie unter Verweis auf 

die dazu eingereichten medizinischen Berichte aber auch die subjektiven Auswir-

kungen  auf  die  Privatklägerin  dar.  Die  sexuellen  Handlungen  mit  verschiedenen 

Kollegen  von  C._____  hätten  an  ihrem  Wohnort  und  in  ganz  I._____  die  Runde 

gemacht. Fotos davon kursierten immer noch. Die Privatklägerin sei aufgrund der 

fast unermesslich schwierigen Situation nicht in der Lage gewesen, die Schule or-

dentlich abzuschliessen. Wenn auch nicht zu verkennen sei, dass der grösste Anteil 

- 36 -

der Verursachung des Leidens bei C._____ liege, hätten doch die Taten der erheb-

lich älteren Täter für die Privatklägerin etwas ganz besonders Abscheuliches und 

sie sei dadurch massiv belastet, wie die Befragung gezeigt habe. Sollte die Taten 

"lediglich" als sexuelle Handlungen mit einem Kind gewürdigt werden, dürften die 

Genugtuungen nicht wesentlich tiefer liegen als bei Vergewaltigung/sexueller Nöti-

gung, da aus genugtuungsrechtlicher Sicht die immaterielle Unbill beim Opfer nicht 

tiefer liege und sich die Tatschwere und die dadurch entstehende Belastung nicht 

in  erster  Linie  an  der  rechtlichen  Qualifikation  der  Taten  bemesse.  Gemäss 

Hütte/Landolt belaufe sich diesfalls die Durchschnitts-Basisgnugtuung selbst ohne 

orale oder vaginale Penetration auf Fr. 5'000.– bis Fr. 10'000.– (Urk. 113 S. 15 ff., 

S. 19 in Verbindung mit Urk. 101 S. 4 ff.).

8.2. Der Beschuldigte beantragt im Berufungsverfahren die Abweisung der Zivil-

forderungen bzw. deren Verweisung auf den Zivilweg (Urk. 139 S. 2). Im Rahmen 

der  Parteivorträge  hat  sich  die  Verteidigung  nicht  zu  den  Zivilforderungen  der 

Privatklägerin geäussert. 

8.3. Dem  Abschlussbericht  der  Psychiatrischen  Dienste  des  Spitals  Thurgau 

vom  15. April  2020  über  die  vom  1. Oktober  2019  bis  30. Januar  2020  durchge-

führte,  schon  vor  der  Heimeinweisung  der  Privatklägerin  begonnene  Multisyste-

mische  Therapie  (MST)  ist  zu  entnehmen,  dass  bei  der  stark  traumatisierten 

Privatklägerin der Verdacht auf eine Posttraumatische Belastungsstörung vorliege, 

weshalb  eine  weiterführende  diagnostische  Abklärung  sowie  eine  enge  trauma-

therapeutische Begleitung zwingend notwendig erscheine (Urk. 107/3).

Gemäss dem Therapiebericht der in der Folge beigezogenen Psychotherapeutin 

vom 8. Mai 2022 zeige die Privatklägerin deutliche Zeichen einer komplexen post-

traumatischen Belastungsreaktion (ICD-11 6B41). Sie zeige eine tiefe Traurigkeit. 

Ausserdem fielen im Kontakt mit ihr dissoziative Symptome auf. Zudem schildere 

sie  eindrücklich  Gefühle  tiefer  Hilflosigkeit  und  Ohnmacht.  Sie  befinde  sich  trau-

mabedingt  in  einer  ständigen  Übererregung  (zu  hoher  Stress  im  Körper/Gehirn), 

was  ihre  Belastbarkeit  einschränke  und  sich  u.a.  in  erhöhter  Schreckhaftigkeit, 

Konzentrationsstörungen  und  Schlafstörungen  zeige.  Ausserdem  werde  sie  von 

stetigen "Flashbacks" in Form von Affekten, Albträumen, Bildern und Körperemp-

- 37 -

findungen belastet. Die Privatklägerin sei durch die über viele Monate andauernden 

und zahlreichen traumatischen Ereignisse schwer belastet. In der Traumatherapie 

konzentriere man sich deshalb vorerst auf Krisenintervention, psychische Stabili-

sierung und die Festigung ihres Alltags. Die eigentliche Verarbeitung in Form einer 

Konfrontation  mit  den  traumatischen  Erlebnissen  werde  in  absehbarer  Zeit  nicht 

möglich bzw. nicht angebracht sein (Urk. 102/1).

8.4. Mit der Vorinstanz, auf deren Ausführungen – um Wiederholungen zu ver-

meiden  –  verwiesen  wird,  sind  die  Voraussetzungen  für  die  Feststellung  einer 

grundsätzlichen  Schadenersatzpflicht  betreffend  aus  den  vorliegenden  sexuellen 

Handlungen mit Kindern resultierende finanzielle Schäden erfüllt (Urk. 136 S. 126), 

weshalb dieser Antrag gutzuheissen ist. Die Festsetzung der genauen Schadens-

höhe wird dabei den zuständigen Zivilgerichten vorbehalten sein, soweit sich die 

Parteien nicht aussergerichtlich einigen können. Einer Vormerknahme eines Nach-

klagevorbehalts bedarf es dafür, wie bereits von der Vorinstanz erwogen, nicht.

8.5. Betreffend  die  geforderte  Genugtuungsleistung  ist  vorab  darauf  zu  ver-

weisen,  dass  der  Beschuldigte  gemäss  heutigem  Urteilsspruch  seine  Delikt  zum 

Nachteil  der  Privatklägerin  nicht  in  Mittäterschaft  mit  C._____  und  F._____  bzw. 

G._____ begangen hat, womit eine solidarische Haftbarkeit (vgl. zu den entspre-

chenden Voraussetzungen die Vorinstanz in Urk. 136 S. 127) von vornherein aus-

ser Betracht fällt und sich diesbezüglich auch ein Verweis der Forderung auf den 

Zivilweg als nicht statthaft erweist. 

Sodann kann ihm auch nicht angelastet werden, eine psychische Zwangssituation 

der Privatklägerin zu seinem Vorteil ausgenutzt zu haben. Dass er aber durch den 

zweimaligen Geschlechtsverkehr mit der doch recht deutlich noch im Schutzalter 

stehenden  Privatklägerin  schuldhaft  in  deren  sexuelle  Integrität  und  Entwicklung 

eingegriffen  hat,  steht  gleichwohl  ausser  Frage.  Auch  wenn  die  von  ihr  belegten 

psychischen Probleme (komplexe posttraumatische Belastungsstörung, kPTBS) im 

Wesentlichen durch die nötigenden Übergriffe von C._____ und weiteren Mittätern 

verursacht  worden  sein  dürften  (gemäss  den  vorliegenden  Einvernahmen  von 

C._____ gab es noch zahlreiche sexuelle Nötigungsdelikte zum Nachteil der Pri-

vatklägerin), ist doch davon auszugehen, dass auch der zweimalige Geschlechts-

- 38 -

verkehr mit dem erwachsenen Beschuldigten die Psyche der Privatklägerin tangiert 

und ihr seelisches Leiden vergrössert hat, zumal sie hier erstmals mit einem deut-

lich älteren, ja fast doppelt so alten Mann, der nicht ansatzweise ihrem Kollegen-

kreis angehörte, Geschlechtsverkehr hatte. Wie prägend und schwer zu verarbei-

ten insbesondere die Ereignisse vom 10. April 2019 für die Privatklägerin waren, 

zeigt sich einerseits darin, dass sie diese gar dazu bewegen konnten, (endlich) eine 

Anzeige gegen C._____ zu erstatten und wahrheitsgetreue Aussagen zu machen 

(Urk. 6/3 S. 22). Anderseits zeugt auch ihre tiefgreifende emotionale Reaktion an-

lässlich  der  entsprechenden  Befragungen  (Urk. 6/3  S. 21  in  Verbindung  mit 

Urk. 6/4 S. 1; Prot. I S. 181), wie sehr die Ereignisse sie noch Jahre danach belas-

ten. Damit sind die Voraussetzungen einer durch die Taten des Beschuldigten ver-

ursachten  schweren  Persönlichkeitsverletzung  sowie  immaterieller  Unbill  erfüllt 

(vgl. dazu Landolt, Genugtuungsrecht, 2. Auflage 2021, S. 203). Unter Verweis auf 

die obzitierten Ausführungen der Rechtsbeiständin der Privatklägerin scheint hier 

eine Basisgenugtuung am unteren Rand  der genannten Bandbreite, konkret von 

Fr. 5'000.–, den Tatumständen angemessen, welche aufgrund der zweifachen Tat-

begehung auf Fr. 7'000.– zu erhöhen ist (dies hält auch einem Quervergleich mit 

anderen  Urteilen  stand,  vgl.  Landolt,  Genugtuungsrecht,  Datenbank,  Urteile 

Nr. 517, 1224, 1331, 1380, 2281 und 2346). So waren die sexuellen Akte von kur-

zer Dauer und erfolgten geschützt und gewaltfrei. Auch war die Privatklägerin kein 

vorpubertäres, sexuell unerfahrenes Kind, sondern ein diesbezüglich durchaus er-

fahrener Teenager, welcher gemäss erstelltem Sachverhalt in die sexuellen Hand-

lungen eingewilligt hat, auch wenn sich in zivilrechtlicher Hinsicht durchaus in Frage 

stellen  lässt,  ob  sie  dabei  aufgrund  der  –  dem  Beschuldigten  nicht  bekannten  – 

Vorgeschichte überhaupt urteilsfähig war. Gleichzeitig benötigte die Privatklägerin 

jahrelang Therapie, um die Übergriffe in ihrer Gesamtheit verarbeiten zu können. 

Die Therapie hat sie zudem mangels Finanzierbarkeit beendet (Urk. 135 S. 4 und 

S.  14  f.).  Die  dem  Beschuldigten  auferlegte  Genugtuungsleistung  vermag  denn 

auch nur einen Bruchteil der gesamten immateriellen Unbill zu entschädigen, wie 

es seinem bei Gesamtbetrachtung bloss beschränkten Tatbeitrag angemessen ist. 

Die Genugtuungsleistung ist antragsgemäss zu verzinsen. 

- 39 -

Im  diese  Summe  übersteigenden  Umfang  ist  die  Genugtuungsforderung  abzu-

weisen.

9.

Kosten- und Entschädigungsfolgen

9.1. Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird 

(Art. 426 Abs. 1 StPO). Nach der Rechtsprechung sind der beschuldigten Person, 

die  bei  mehreren  angeklagten  Straftaten  nur  teilweise  schuldig  gesprochen,  im 

Übrigen aber freigesprochen wird, die Verfahrenskosten grundsätzlich anteilsmäs-

sig aufzuerlegen.

Die Kosten des Berufungsverfahrens sind den Parteien nach Massgabe ihres Ob-

siegens und Unterliegens aufzuerlegen (Art. 426 StPO bzw. Art. 428 Abs. 1 StPO). 

9.2. Die Kostenfestsetzung für das Vorverfahren und das Gerichtsverfahren vor 

erster  Instanz  gemäss  Dispositivziffer  11  des  Urteils  vom  7. Juli  2022  (Urk. 136 

S. 134) und Dispositivziffer 1 des Nachtragsurteils vom 5. April 2023 (Urk. 134 S. 4) 

wurde keinerseits beanstandet und ist entsprechend zu bestätigen. 

Aufgrund der zusätzlichen Freisprüche sind die Kosten – exklusive diejenigen der 

amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin – je-

doch neu bloss zur Hälfte dem Beschuldigten aufzuerlegen und zur Hälfte auf die 

Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unent-

geltlichen Vertretung der Privatklägerin sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu 

nehmen,  unter  Vorbehalt  der  Rückforderung  der  Hälfte  dieser  Kosten  beim  Be-

schuldigten  gemäss  Art. 135  Abs.  4  StPO,  teilweise  in  Verbindung  mit  Art. 138 

Abs. 1 StPO. 

9.3.

Für das Berufungsverfahren ist eine Gerichtsgebühr von Fr. 3'600.– zu er-

heben (§ 14 Abs. 1 lit. b GebV OG in Verbindung mit § 16 Abs. 1 GebV OG).

Der  Beschuldigte  obsiegt  mit  seiner  Berufung,  was  die  Vorwürfe  der  Vergewalti-

gung  und  des  Konsums  verbotener  Gewaltpornografie  sowie  die  Landesverwei-

sung angeht. Sodann fällt die Qualifikation der sexuellen Handlungen mit Kindern 

und entsprechend auch die Strafe deutlich milder aus, als vor Vorinstanz, und ist 

- 40 -

von  einem  Kontakt-  und  Rayonverbot  abzusehen.  Demgegenüber  unterliegt  die 

Staatsanwaltschaft mit ihrer auf die Frage der Landesverweisung beschränkten An-

schlussberufung vollumfänglich. Mithin kann von einem mehrheitlichen Obsiegen 

des Beschuldigten gesprochen werden, weshalb ihm die Kosten des Berufungsver-

fahrens – ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgelt-

lichen Vertretung der Privatklägerin – lediglich zu einem Viertel aufzuerlegen und 

im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen sind. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche ausgehend von der eingereichten 

Honorarnote und des zusätzlichen Aufwandes für die Urteilseröffnung (inkl. Weg), 

das Urteilsstudium und eine Nachbesprechung auf insgesamt Fr. 19'500.– festzu-

setzen sind (Urk. 161; § 23 in Verbindung mit § 17 f. AnwGebV), und die Kosten 

der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin von Fr. 4'444.15 (vgl. die 

entsprechende Honorarnote, Urk. 162; § 23 in Verbindung mit § 17 f. AnwGebV), 

sind sodann einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter Vorbehalt der Rü-

ckforderung  von  einem  Viertel  der  Kosten  beim  Beschuldigten  (Art. 135  Abs. 4 

StPO, teilweise in Verbindung mit Art. 138 Abs. 1 StPO). 

9.4. Mit  dem  vorliegenden  Urteil  wird  gegen  den  Beschuldigten  eine  Freiheits-

strafe von zehn Monaten ausgesprochen, welche durch die bis zum 21. April 2021 

erstandene Haft (vgl. Art. 110 Abs. 6 StGB), mithin nach 304 Tagen, verbüsst war. 

Sodann entspricht ein Tag Haft gemäss Art. 51 StGB einem Tagessatz Geldstrafe, 

womit  weitere  25  Tage  der  Haft  auf  die  Strafverbüssung  anzurechnen  sind.  Die 

verbleibenden  241  Tage,  welche  nicht  an  die  mit  dem  vorliegenden  Urteil  aus-

zusprechenden  Strafen  angerechnet  werden  können,  sind  praxisgemäss  mit 

Fr. 200.– zu entschädigen (Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO). Entsprechend resultiert ein 

Anspruch von total Fr. 48'200.–. Zins wurde nicht gefordert und ist somit auch nicht 

zuzusprechen (Entscheid 6B_502/2020 vom 5. Mai 2021, E. 3).

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 

7. Juli 2022 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

- 41 -

"Es wird erkannt:

 1.

 2.

(…)

Der Beschuldigte A._____ wird freigesprochen vom Vorwurf der Vergewaltigung 

im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 200 StGB (hinsichtlich 

9. April 2019).

 3.-8.

(…)

 9.

Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 18. Septem-

ber 2020 beschlagnahmte und bei der Kantonspolizei Zürich, Asservate-Triage, la-

gernde I-Phone Apple mit SIM-Karte (A013'913'310) wird eingezogen und der La-

gerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur Vernichtung bzw. gut-

scheinenden Verwendung überlassen.

10.-13.

(…)

14.

15.

(Schriftliche Mitteilung)

(Rechtsmittel)"

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.

- 42 -

Es wird erkannt:

1.

Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 





der mehrfachen fahrlässigen sexuellen Handlungen mit Kindern im 
Sinne von Art. 187 Ziff. 4 aStGB sowie 

der Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 5 Satz 2 aStGB (Kinder-
pornografie). 

2.

Der Beschuldigte wird zusätzlich freigesprochen vom Vorwurf 





der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 aStGB (Vorfall vom 
10. April 2019) sowie

der Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 5 Satz 1 aStGB (Gewalt-
darstellung).

3.

Der Beschuldigte wird bestraft mit 10 Monaten Freiheitsstrafe sowie mit 

einer Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu Fr. 30.–. Die Freiheits- und die 

Geldstrafe werden bei einer Probezeit von 3 Jahren bedingt aufgeschoben, 

sind jedoch durch Polizei-, Untersuchungs- und Sicherheitshaft bereits 

vollumfänglich erstanden bzw. geleistet.

4.

Von einer Landesverweisung im Sinne von Art. 66a bzw. 66abis StGB wird 

abgesehen. 

5.

Dem Beschuldigten wird lebenslänglich jede berufliche und jede organisierte 

ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt zu Minderjähri-

gen umfasst, verboten.

6.

Von der Anordnung eines Kontakt- und Rayonverbotes gegenüber der 

Privatklägerin wird abgesehen. 

7.

Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus 

den sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Dispositivziffer 1 dem 

Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des 

Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin auf den Weg des Zivil-

prozesses verwiesen.

- 43 -

8.

Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung von 

Fr. 7'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 10. April 2019 zu bezahlen. Im 

Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.

9.

Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung gemäss Ziffer 11 des Urteils des Be-

zirksgerichts Winterthur vom 7. Juli 2022 und Ziffer 1 des Nachtragsurteils 

des Bezirksgerichts Winterthur vom 5. April 2023 wird bestätigt.

10. Die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens 

– ausgenommen die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltli-

chen Vertretung der Privatklägerin – werden dem Beschuldigten zur Hälfte 

auferlegt und zur Hälfte auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der 

amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin 

werden zur Hälfte definitiv und zur Hälfte einstweilen auf die Gerichtskasse 

genommen, unter Vorbehalt einer Rückzahlungspflicht des Beschuldigten im 

Umfang der Hälfte gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO, teilweise in Verbindung mit 

Art. 138 Abs. 1 StPO.

11. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

19'500.–   amtliche Verteidigung

4'444.15   unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin.

12. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtli-

chen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin, 

werden dem Beschuldigten zu einem Viertel auferlegt und zu drei Vierteln 

auf die Gerichtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung 

und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin werden zu drei Vierteln 

definitiv und zu einem Viertel einstweilen auf die Gerichtskasse genommen, 

unter Vorbehalt einer Rückzahlungspflicht des Beschuldigten im Umfang 

eines Viertels gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO, teilweise in Verbindung mit 

Art. 138 Abs. 1 StPO.

- 44 -

13. Dem Beschuldigten wird für zu Unrecht erlittene Haft (Überhaft von 

241 Tagen) eine Genugtuung von Fr. 48'200.– aus der Gerichtskasse zuge-

sprochen. 

14. Mündliche Eröffnung (am 29. Januar 2025) und schriftliche Mitteilung im 

Dispositiv an











die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten (übergeben)

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (versandt)

die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft (übergeben)

das Bundesamt für Polizei, Bundeskriminalpolizei, 3003 Bern 
(versandt)

das Migrationsamt des Kantons Zürich (versandt)

sowie in vollständiger Ausfertigung an









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des 
Beschuldigten 

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich

die Vertretung der Privatklägerin im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft

das Bundesamt für Polizei, Bundeskriminalpolizei, 3003 Bern

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an













die Vorinstanz

den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste 

das Migrationsamt des Kantons Zürich 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks 
Bestimmung der Vernichtungs- und Löschungsdaten

die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 
Abs. 1 PolG) betr. erstinstanzliche Disp. Ziff. 2 und zweitinstanzliche 
Disp. Ziff. 2. 

- 45 -

15. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 18. Dezember 2024

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. S. Volken

MLaw T. Künzle