# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5c1ef2dc-1961-5807-89fe-494ce9fe49e8
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-07-25
**Language:** de
**Title:** Berufliche Massnahmen: Keine invaliditätsbedingten Mehrkosten für das Studium der Rechtswissenschaft bis zum angestrebten Bachelor-Abschluss ausgewiesen. (BGE 9C_590/2016)
**Docket/Reference:** IV.2016.00362
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2016.00362.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2016.00362
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiberin Meier-Wiesner
Urteil
vom
25. Juli 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Lotti Sigg
Sigg Schwarz
Advokatur
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
D
ie 1983 geborene
X.___
erlangte
im Jahre
2002 die
Matur
a
(Urk. 7/32/12)
und begann nach einer einjährigen Auszeit
ein
Studium der Rechtswissenschaft
an der
Universität Y.___
.
Daneben
war
s
ie zu unter
schiedli
chen
Teilpensen
erwerbstätig (vgl.
verschiedene Arbeitszeugnisse,
Urk. 7/32/4-11).
Die Versicherte
war noch Jus-Studentin auf Bachelorstufe
,
als
bei ihr
i
m
Mai 2013
ein
Knochentumor im linken Knie diagnostiziert
wurde;
e
s folgte
eine
bis April 2014 dauernde
onkologische
Behandlung
mit Resektion des distalen Femur
s
links sowie Rekonstruktion mittels Tumor-Endo-Prothese
und Chemo
therapie
.
Nach einer psychotischen Episode wurde sie vom 1
4.
bis 28. Oktober 2013 in der Psychiatrischen Universitätsklinik
zum ersten Mal
sta
tionär be
handelt.
1.2
Am 20. Mai 2013 meldete
sie
sich
bei der
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zur Früherfassung
an
(Urk. 7/5)
. A
m 6. Juni 2013
ersuchte sie
um Kostengu
t
sprache für eine Perücke und Kopftücher (Urk. 7/8, Urk. 7/11)
, welche
mit Mitteilung vom 12. Juni 2013
erteilt wurde
(Urk. 7/12).
Am 11. Juli 2013 folgte die Anmeldung zum Bezug von beruflichen Einglie
derungsmassnahmen beziehun
gsweise einer Rente (Urk. 7/15), worauf
die IV-Stelle Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht
tätigte
. Am 23. April 2014 erteilte sie Kostengutsprache für ein dreimonatiges Aufbautrai
ning
(u.a. kaufmännische Pra
xis, ECDL und Tastaturschreiben;
vgl. Urk. 7/43 und Urk. 7/75/3)
ab dem 7. April 2014 (Urk.
7/39) und verlängerte
am 18. Juni 2014 die Massnahme
bis zum 7. Oktober 2014 (Urk. 7/47). Mit Mitteilung vom 8. Oktober 2014 erteilte die IV-Stelle
sodann
unter dem Titel erstmaliger beruf
licher Ausbildung
Kostengutsprache für
eine
vom 13. Oktober 2014 bis 27. März
2015
dauernde Handelsausbildung an der Schule
Z.___
(Urk. 7/56).
1.3
Am 1. März 2015 ersuchte die Versicherte um
Gewährung von
weiteren
berufli
chen Massnahmen zwecks
Wiederaufnahme des Studiums
der Rechtswissen
schaft
und dessen
Abschluss
mit dem Bachelor
im Juni 2016
(Urk. 7/72).
Mit Mitteilung vom 7. April 2015 schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen infolge Erlangung des Handelsdiploms ab (Urk. 7/74)
. Nach Interventionen der Versicherten (Urk. 7/86) und ihrer Rechtsvertreterin (Urk. 7/89)
führte
die Ver
waltung
das
Vo
r
bescheid
verfahren
durch und verneinte
den Anspruch auf be
rufliche Massnahmen unter dem Hinweis, dass die erstmalige berufliche Ausbil
dung mit der Erlangung des Handelsdiploms abgeschlossen sei beziehungsweise die beabsichtigte Weiterführung des Jus-Studiums aufgrund des bisherigen Verlaufs nicht geeignet erscheine
(Urk. 7/91).
Nachdem die Versicherte am 16. November
2015 und 12. Januar
2016 dazu Stellung genommen hatte (Urk. 7/95),
verfügte die IV-Stelle am
16. Februar 2016
im angekündigten Sinne (Urk. 2). Gleichentags erliess sie einen Vorbescheid, worin sie einen Rentenan
spruch der Versicherten verneinte (Urk. 7/109).
2.
Gegen die Abweisungsverfügung betreffend berufliche Massnahmen
erhob
X.___
am 18. März 2016 Beschwerde mit dem
Rechts
begeh
ren
, es sei ihr
(
im Rahmen von Art. 16 IVG
)
Kostengutsprache für den
Bachelor-
Abschluss rückwirkend
ab
Wiederaufnahme des
Jus-
Studiums 201
5
zu gewäh
ren
(Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2. Mai
2016 schloss die Ver
wal
tung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), worüber die Beschwerde
führerin am 3. Mai 2016 orientiert wurde (Urk. 8). Am 28. Juni 2016 legte die Beschwer
deführerin wei
tere Unterlagen zum aktuellen Studienverlauf
ins Recht (Urk. 9, Urk. 10/1-2).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
des Bundesgesetzes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
;
ATSG
) bedrohte Versicherte haben ge
mäss Art. 8
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit (Abs. 1):
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1
.
2
Versicherte, die noch nicht erwerbstätig waren und denen infolge Invalidität bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung in wesentlichem Umfange zusätzliche Kosten entstehen, haben Anspruch auf Ersatz dieser Kosten, sofern die Ausbil
dung den Fähigkeiten des Versic
herten entspricht (Art. 16 Abs.
1
IVG
).
Als erstmalige berufliche Ausbildung gilt die berufliche Grundbildung nach dem Berufsbildungsgesetz sowie, nach Abschluss der Volks- oder Sonderschule, der Besuch einer Mittel-, Fach oder Hochschule und die berufliche Vorbereitung auf eine Hilfsarbeit oder auf die Tätigkeit in einer geschützten Werkstätte (Art. 5
Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV).
Aus der erstmali
ge
n beruflichen Ausbildung oder Weiterbildung
entstehen einer v
er
sicherten Person
"im wesentlichen Umfang
e zusätzliche Kosten" (Art. 16 Abs.
1 IVG), wenn
ihre
Aufwendungen für die Ausbildung wegen der Invalidität jährlich um 400 Fran
ken höher sind, als sie ohne Invalidität gewesen wären
(Abs. 2)
. Nach
Abs.
3 der Bestimmung werden die zusätzlichen Kosten ermittelt, indem die Kosten der Ausbildung der invaliden Person den
mutmasslichen
Aufwendungen gegen
über
gestellt werden, die bei der Ausbildung eine
r nicht invaliden Person
zur Erreichung des gleichen beruflichen Zieles notwendig wären. Hat
te die
ver
si
cherte Person vor Eintritt der Invalidität schon eine Ausbildung begonnen oder hätte sie ohne Invalidität offensichtlich eine weniger kostspielige Ausbil
dung erhalten, so bilden die Kosten dieser Ausbildung die Vergleichsgrundlage für die Berechnung der invaliditätsbedingten zusätzlichen Aufwendungen.
1.3
Als invalid im Sinne von Art. 16 IVG gilt
somit
, wer aufgrund einer bleibenden oder längere Zeit dauernden gesundheitlichen Beeinträchtigung bei der Ausbil
dung erhebliche Mehrkosten auf sich nehmen muss (
BGE 126 V 461
E. 1; SVR 2008 IV Nr. 14 S. 41, I 659/06 E. 4.1).
Für die Beurteilung der Invalidität sind Verwaltung und Gerichte auf Unterlagen angewiesen, die der Arzt und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auch wenn eine erstmalige berufliche Ausbildung
nach Art. 16 Abs.
1 IVG in Frage steht, hat der Arzt den Gesundheitszustand zu diagnostizieren und zu dem sich daraus ergebenden Ausmass der Einschränkung Stellung zu nehmen. Solche ärztliche Auskünfte sind auch dann
erforderlich, wenn die versicherte Person aus eigener Initiative einen Lehrgang begonnen hat und dafür die Invalidenversicherung in Anspruch nehmen will
(
Urteile des Bundesgerichts 9C_745/2008 vom 2. Dezem
ber 2008 und 9C_796/2007 vom 20. Mai 2008
, jeweils
E. 3.2
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründe
t
die Leistungsablehnung damit, dass die be
ruf
liche Ausbildung abgeschlossen sei, weil die Beschwerdeführerin mit Er
lang
ung des Handelsdiploms hervorragende Chancen auf dem Arbeitsmarkt habe und sich gegen die Möglichkeit eines KV-Abschlusses entschieden habe.
D
as angestrebte Studium
sei
weder geeignet noch angemessen
. In Anbetracht des bisherigen Studienverlaufs lägen
zur Zeit
keine
ausreichende
n
Hinw
ei
se vor, die konstant gute Studienleistungen erwarten liessen. Sollten die letzten vier im Juni 2016 geplanten Bachelorprüfungen erfolgreich abgelegt werden, könne die Unterstützung beim weiteren Studium geprüft werden (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber
stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, dass
sie nebst dem Studium immer als Werkstudentin im Umfang von 30 % bis 55 % erwerbstätig gewesen sei. Seit dem Wechsel
zum
Bologna-System habe sie bereits 138 ECTS erlangt. Bis zum Abschluss benötige sie nur noch 42 ECTS, was be
lege, dass sie die Voraussetzungen für
das Studium
grundsätzlich
erfülle und fähig sei, dieses abzuschliessen (Urk. 1 S. 5). Bereits 2014 habe Prof. Dr.
A.___
, Facharzt für Pädiatrie,
namens
des Regionalen Ärztlichen Dienstes eine Unterstützung des Studiums befürwortet. Unterdessen habe sich ihr Ge
sundheitszustand nochmals massiv verbessert
.
A
uch der
behandelnde Psychiater Dr.
B.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, empfehle die Weiter
führung des Studiums. Mit dem Bachelor werde ihr in Zukunft die Aufnahme einer rentenausschliessenden Tätigkeit möglich sein. Mehrkosten ergäben sich aufgrund der längeren Ausbildungszeit wegen der Erkrankung und weil keine Nebenbeschäftigung mehr ausgeübt werden könne (Urk. 1 S. 6 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf weitere
berufliche Massnahmen bis zum Bachelora
bschluss
in Rechtswissenschaft hat;
i
n
diesem Zusammenhang stellt sich
unter an
derem die Frage nach den
inva
li
di
tätsbedingten
Mehrkosten
(vgl. E. 1.3
hievor
)
.
3.
3.1
3.1
.1
Zur Vorgeschichte ergibt sich aus den Akten Folgende
s:
Die
Beschwerdeführerin
begann nach einer einjährigen Auszeit im Anschluss an d
i
e
2002 erlangte
Matur
a
das
Studium der Rechtswissenschaft an der
Universität Y.___
.
Daneben hatte sie seit 1999 eine Anstellung
als
Aushilfe in einem Kleidergeschäft
inne
(Urk. 7/32/11). Zusätzlich zu dieser Arbeit trat sie i
m Februar 2004 eine
Teil
zeitstelle
als Luftverkehrsangestellte bei der
C.___
an (Urk. 7/32/10).
Mit Bezug auf das Studium wurde
nach Lage der Akten
e
ine erste, im Wintersemester 2004/2005 abgegebene Fallbearbeitung abgenommen
(Leistungsausweis der
Universität Y.___
vom 23. Februar 2016
,
Urk. 3).
Ab
Mai 2005
erlebte
die Be
schwerdeführerin
einen Einbruch der Leistungsfähigkeit mit Prüfungs
ängsten und depressiver Symptomatik, weshalb sie sich im Juli 2005 in ambu
lant
e
psychiatrische
Behandlung begab.
Per Ende Juli
2005
gab sie
ausserdem
die
Stelle
im
Kleidergeschäft auf
(Urk. 7/32/11).
In der Folge erlitt die Be
schwerdeführerin eine psychotische
Episode
, weshalb
sie Ende August 2005 ins Kriseninterventionszentrum der
D.___
zur Abklärung und teilstationären Be
handlung überwiesen
wurde
(undatierter Bericht der D.___
,
aus dem Jahr 20
05;
Urk. 7/28 S. 2).
Im Jahre
2007
folgte
eine zweite psychotische Episode mit depressiver Ver
stimmung.
Trotz
dem
gelang es
der Beschwerdeführerin
,
im Sommersemester 2007 zwei Prüfungen erfolgreich abzulegen. Eine dritte Prü
fung wiederholte sie mit Erfolg im Herbstsemester 2007 nach dem Wechsel
zum
Bologna-System
.
Ab
2008
waren
nur noch vereinzelte
Prüfungserfolge
zu verzeichnen
. Die Beschwerdeführerin bestand im
Frühjahrsemester
2008 lediglich
eine von fünf Prüfungen
und
scheiterte
im
Herbstsemester bei b
eiden abgelegten Prüfungen
(Urk. 3)
.
Ende Feb
ruar 2008
gab sie ihre Anstellung bei
C.___
auf
(Urk. 7/32/10)
und half
a
nschliessend bis Ende Jahr beim
E.___
im Telefondienst und Empfang aus (Urk. 7/32/9).
Dane
ben arbeitete sie a
b 1. Juni 2008 mit einem Pensum von zirka 10-20 % in einer Anwaltskanzlei (Urk. 7/32/7-8).
Im Frühjahrs
emester 2009 bestand sie von drei Wiederholungsprüfungen lediglich eine. Eine weitere,
erstmals
abgelegte Prü
fung bestand sie ebenfalls nicht
.
Im Juni 2009 trat
die Beschwerdeführerin
eine Stelle bei der
F.___
zu einem Pensum von 55 %
an
.
In der Folge
erwarb s
ie keine ECTS mehr (Urk. 3).
U
m sich ganz dem Studium zu widmen, kündigte die Beschwerdefüh
rerin p
er Ende Februar 2010
die
Anstellung
bei der
F.___
(Urk. 7/32/6)
.
Im Früh
jahrs
emester 2010 bestand
die Beschwerdeführerin
alle drei abgelegten Wie
derholungsprüfungen
(Urk. 3)
.
Nach Antritt einer Teilzeitstelle als Anwaltsassistentin mit einem Pensum von 40-50 % i
m Juni 2010 (Urk. 7/24, Urk. 7/32/4-5)
verzeichnete
die
Beschwerde
führerin
einen einzigen Prüfungserfolg
i
m Herbstsemester 201
0.
B
ei zwei Wie
derholungs
prüfungen
fiel
sie
dagegen
durch.
Ab
2011
bestand
sie
im
Früh
jahr
semes
ter
beide abgelegten Prüfungen
. Im
Herbstsemester
war sie mit
einer
Fall
b
ear
beitung
und zwei
Wiederholungsprü
fungen erfolgreich. Im Frühjahr
semester
2012 bestand sie eine weitere Prüfung sowie eine Bachelorarbeit. Von drei im Herbstsemester
2012
abgelegten Prüfungen
waren
zwei
genügend
. Im
Früh
jahr
semester
2013 wurde schliesslich eine weitere Fallbearbeitung abgenom
men (Urk. 3).
Im Zuge
der
Krebsdiagnose im Mai 2013 brach
die Beschwerdeführe
rin das Studium
(
vorläufig
)
ab.
3.
1.
2
D
er
Verlauf des Studiums
bi
s zur Krebsdiagnose im Mai 2013
zeigt, dass
w
iederholte Prüfungsmisserfolge zu
beträchtlichen
Verzögerungen in der Aus
bildung
führten
.
Die aufgezeigte Chronologie
deutet
v
erschiedentlich
auf
einen
Zusammenhang
zwischen
der
B
elastung als Werkstudentin
und dem zeitweise geringen
Prü
fungserfolg
hin
.
Auch
dürfte
der Umstand, dass die Beschwerde
führerin bereits 2005 während der Behandlung in der
D.___
an der getroffenen Studienwahl zweifelte und über mangelnde Begeisterung für die Rechtswissen
schaft klagte (Urk. 7/28 S. 4)
, eine Rolle gespielt haben
.
Zwar ist
nicht auszuschliessen
, dass neben der Erwerbstätigkeit
und der frag
lichen Lern
motivation
auch die 2005 und 2007
aufgetretenen psychischen Prob
leme
zu einer (zusätzlichen) Verzögerung der Ausbildung geführt haben könnten.
D
ie beiden psycho
tischen Episoden
waren indes
entsprechend
ihrer Bezeichnung
nur vorübergehend
.
So
schien sich die Beschwerdeführerin nach der
ersten
Krise im Mai 2005 spätes
tens Mitte Oktober 2005
,
nach
ihrer Rück
kehr
von
einer Reise nach Nepal mit ihrem Vater
,
wieder weitgehend erholt zu haben (undatierter Bericht der
D.___
aus dem Jahre 2005; Urk.
7/28 S. 6).
Dem Bericht
des behandelnden Psychiaters Dr. med.
B.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 28. September
2015
lässt sich sodann entnehmen, dass die Beschwerdeführerin mit Ausnahme der psychotischen Episoden
von
2005
und
2007
(
und zuletzt 2013-2015
)
unter Langzeittherapie mit Psycho
pharmaka stets beschwerdefrei und aus psy
chiatrischer Sicht
als Studentin
voll leistungsfähig war
(Urk. 7/92 S. 2).
D
ie Be
schwerdeführerin
meldete sich
erstmals 2013
– nach erfolgter
Krebs
diag
nose
-
bei der Invalidenversicherung zum
Leistungs
bezug
an
.
3.2
3.2.1
Mit Bezug auf die Zeit nach Mai 2013
wurden
bei der Beschwerdeführerin
im
Wesentlichen
folgende Diagnosen
gestellt
(Be
richte des
Universitätsspitals G.___
, Klinik für Onkologie, vom 26. Mai 2015 [Urk. 7/103/1-3] sowie vom 29. Januar 2016 [Urk. 7/102], Bericht
von Dr.
B.___
vom 28. September 2015 [Urk. 7/92])
:
-
Fibroplastisches
Osteosarkom high grade, Knie links distaler Femur, ED 04/2013
-
aktuell: klinisch und bildgebend anhaltende Remission
-
Schizo
phrenie, paranoid episodisch aktuell vollständig remittiert (ICD-10 F20.05)
-
Zustand nach schwerer Depression, rezidivierend, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F32.4)
3.2
.2
Hinsichtlich der
nach Abschluss der Krebsbehandlung im April 2014 ver
bl
ie
benen
körperlichen
Einschränkungen lässt sich dem
Bericht
des
Universitätsspitals G.___
, Klinik für Onkologie, vom 26. Mai 2015
(
Urk. 7/103/1-3
)
ent
nehmen, dass
die Beschwerdeführerin
über Einschränkungen
im Alltag durch Knieschmerzen
,
insbesondere bei Belastung und Flexion
,
klagt
. Sie könne nur noch wenigen sportlichen Tätigkeiten nach
gehen
und
eine beschränkte Stun
denzahl
pro Tag am Pult sitzen.
D
ie kognitive Leistungsfähigkeit
sei dagegen
ordentlich. Die Beschwerdeführerin könne bis zu
sieben
Stunden am Tag lernen. Allerdings bemerke sie eine eingeschränkte Kapazität, am ehesten als Folge der
Medikamenten
einnahme
(Opiate)
.
3.2
.3
Zu den psychischen Beschwerden gab
Dr.
B.___
im Bericht vom 6. Januar 2014
(Urk. 7/29)
an,
e
s
bestehe
bei der Beschwerdeführerin
ein starkes
Krankheitsbe
wusstsein
sowie die
Einsicht in
ihre
Behandlungsbedürftigkeit. Die Compliance sei unproblematisch. Prognostisch müsse davon ausgegangen werden, dass bei der Beschwerdeführerin, welche mittlerweile die dritte psychotische Episode durchgemacht habe, über den 31. Mai 2014 hinaus eine eingeschränkte Ar
beits
fähigkeit persistieren werde. Dies sei begründet in den aktuell auch nach Ab
klingen der psychologischen Phase deutlich ausgeprägten sogenannten
Ba
sis
störungen
(kognitive Störungen, Auffassungsstörung), welche unabhängig von der psychotischen Symptomatik krankheitsassoziiert persistierten, wie auch in der nun klar
dokumentierten psychischen Vul
n
e
rabilität, die infolge
Stress
empfindlichkeit
ein erhöhtes
Rezidivrisiko
betreffend die psychotische Störung anzeige.
Aufgrund dieser
Überlegungen empfahl Dr.
B.___
eine Reintegration in den Arbeitsprozess mit einem um mindestens 50 % reduzierten Arbeitspensum.
Mit Blick
darauf ging RAD-Arzt Prof. Dr.
A.___
in seiner Stellungnahme vom 7. Februar 2014 (Urk. 7/36) von einer Arbeitsfähigkeit von maximal 50 %
aus, welche durch die (damals) noch nicht abgeschlossene Chemotherapie er
schwert sein könne. Weiter führte er aus, aufgrund der vorliegenden
Arztbe
richte
seien
berufliche
Massnahmen erschwert. Grundsätzlich erlaube ein Studium eine ge
wisse akademische Freiheit und die Arbeitszeit könne selbständiger eingeteilt werden. Es bestehe aber ein erheblicher Leistungsdruck, der theoretisch bei einer Person mit einer
schizo
-affektiven Störung und geringer Krankheitseinsicht vermehrt zur Dekompensation führen könne. Das Belastungsprofil setze voraus, dass die Stelle eine geregelte und überschaubare Aufgabenteilung beinhalte und relativ integrationsarm sei.
3.2
.4
Aufgrund dieser Entwicklung erteilte die Beschwerdegegnerin der Beschwerde
füh
rerin nach Abschluss der Krebsbehandlung im Rahmen von
In
tegrations
mass
n
ahmen
Kostengutsprache für ein Aufbautraining
in der
Praxis
firma
H.___
, Verein für Bildung,
ab 7. April 2014 (Mitteilung vom 23. April 2014, Ur
k. 7/39). Angesichts des erfolg
versprechenden Verlaufs der Massnahme verläng
erte sie mit Mitteilung vom 18. Juni
2014 die Kosten
gutsprache bis 7. Okto
ber 2014 (Urk. 7/47). In dieser Zeit konnte die
Beschwer
deführerin
ihre
Leistungs
fähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
bis
zu
60 %
80 %
steigern
(Abschlussbericht vom 15. Oktober 2014, Urk. 7/60).
Anschliessend
erteilte die Beschwerdegegnerin unter dem Titel erstmalige
r beruflicher
Ausbildung Kostengutsprache für
eine intensive
Handelsausbildung an der
Schule
Z.___
(Mitteilung vom 8. Oktober 2014, Urk. 7/56). Diese Ausbildung erschien aus damaliger Sicht in Anbetracht
der gesundheitlichen
Verfassung
der Beschwerdeführerin
, ihrer
Ausbildung und
des bisherigen
Studi
um
sverlaufs
zweifellos als
geeignete und notwendige bzw. angemessene
beruf
liche
Massnahme.
Damit berücksichtigte
d
ie
Beschwerdegegnerin
zudem die von der Beschwerdeführerin
im Rahmen eines Standortgesprächs
geäusserte Sorge
bezüglich
des noch fehlenden beruflichen Ab
schlusses (
vgl. Protokoll des
Stan
d
ortgesprächs
vom 6. Februar
2014,
Urk. 7/31 S. 2).
D
ie Beschwerdefüh
rerin
ver
mochte
die
gewährte
Ausbildung bereits
im April 2015 mit dem Handelsdiplom VSH
erfolgreich abzuschliessen
(Urk. 7/76).
3.3
3.3.1
Anstatt den von der Beschwerdegegnerin
in Betracht gezogenen
KV-Abschluss
anzustreben
(vgl. Verlaufsprotokoll Berufsberatung vom 16. Februar 2016, Urk. 7/107
S. 1 f.)
, entschied sich
die Beschwerdeführerin im März 2015
für die sofortige Wiederaufnahme des
Bachelor-Studiums
in Rechtswissenschaft
und teilte dies der Beschwerdegegnerin per Mail mit
(Urk. 7/72-73)
.
Bereits i
m Juni 2015
legte sie
die Prüfung im
Handels- und Wirtschaftsrecht sowie eine
S
prach
p
rüfung
ab
(
vgl. Leistungsausweis der
Universität Y.___
vom 23. Februar 2016,
Urk. 3).
D
iese
Leistungen dokumentieren
laut
dem behandelnden Psychiater Dr.
B.___
die bestehende Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
gut
(
dazu den ein
lässlichen
Bericht vom 28. September 2015, Urk. 7/92)
.
Weiter schätzte
dies
er
d
ie aktuelle
Leistungs
fähig
keit als Studentin aus psychiatrischer Sicht aufgrund des erhöhten
Erholungs
bedürfnisses
auf
80 %.
Zur
somatische
n
Arbeitsfähigkeit
gab er
zu
folge der Funktionseinschränkung und der Schmerzen im Bereich des linken Knies
einen Wert von 60 % an und fügte hinzu, dass
die
s
omatische und
die
psychiatrische Arbeitsunfähigkeit
„
nicht kumulativ definiert
“
seien
. Von einer
Teilerwerbs
tä
t
igkeit
nebst dem Studium sei aus medizinischer Sicht abzuraten. Die
„
berufli
che Massnahme zur Fortsetzung und zum Abschluss der
Erstaus
bil
dung
“
könne aus psychiatrischer Sicht empfohlen werden. Es bestehe
„
aktuell und prognos
tisch hierzu innerhalb des beschriebenen Rahmens keine Einschrän
kung der Leistungsfähigkeit
“
.
3.3
.2
Nach Lage der Akten dauert d
ie
geschilderte
,
seit Ende der Krebsbehandlung ein
getretene
positive Entwick
lung
offenbar
fort. So legte die Beschwerde
füh
re
rin im Herbstsemester 2015 eine Prüfung im Militärstrafrecht sowie zwei
Sprach
prüfungen
erfolgreich ab (vgl.
Leistungsausweis der
Universität Y.___
vom 23. Februar 2016
,
Urk. 3)
.
Laut
den
Abklärungen
der Beschwerdeführerin
(vgl. dazu
deren
Mail vom 3. Februar 2016 an die Beschwerdegegnerin, Urk. 7/104) hätte sie
nach der Stu
dienordnung
offenbar
keine weiteren Prüfungen
ab
legen dürfen
.
Weiter
sei
sie
an zwei Fallbearbeitungen und
an
ein
em weiteren
Modul
, die
sie bald
ab
schliessen
werde
. Im Juni 2016
werde
sie dann die letzten vier
Bachelorprüfun
gen
schreiben und
den
Bachelor bei Bestehen abschliessen können
.
3.3
.3
Aufgrund der Ausführungen der Beschwerdeführerin ist davon auszugehen, dass
s
ie
den
Bachelor
nach der Wiederaufnahme
des
Studium
s
im Verlauf des Frühjahrssemesters 2015
vor dem Frühjahrssemester 2016
gar nicht hätte
ab
schliessen
können.
Es ist somit nicht
ersichtlich, inwiefern sie in
diesem letzten Teil des
Studium
s
konkret behindert
ist bzw.
ihr
invaliditätsbedingt
gegenüber gesunden Mitstudentinnen und Mitstudenten in wesentlichem Umfange (E
.
1.2
hievor
) zusätzliche Kosten
entst
eh
en
(für welche allein die In
validen
ver
siche
rung
gegebenenfalls aufzukommen hat).
Wie bereits darge
legt (E. 3
.1
hievor
)
ist
für die Zeit vor der Krebsdiagnose im Mai 2013 keine
invaliditätsbedingte Verzögerung
der Ausbildung ausgewiesen. N
ach Wiederaufnahme des Studiums im Frühjahr 2015
strebte die Beschwerde
führerin den Bachelor-Abschluss
im Frühjahrssemester 2016
an (Urk. 7/104).
Ein früherer
Studienab
schluss
wäre auch
Gesunden
mit der gleichen Anzahl ECTS nicht möglich gewesen (E.
3.3.2
hievor
).
Bezogen auf den
Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung (16. Februar 2016, Urk. 2)
, waren
keine gesundheits
- bzw. invaliditäts
bedingte
n
Mehrkosten zu erwarten
.
In diesem Sinne kann die in der Beschwerde vom 18. März 2016 als Mehrkosten genannte längere
Aus
bildungszeit
(Urk. 1 S. 7) nicht
berücksichtigt werden.
Aber auch
das Ausfallen einer Nebenbeschäftigung (Urk. 1 S. 7) vermag keine Mehrkosten zu begründen.
E
in
gesundheitsbedingt entfallender
Verdienst, der ohne Invalidität neben dem Studium erzielt würde,
würde gegebenenfalls
im Rahmen des kleinen Taggelds entschädigt (Art. 22 Abs. 1
bis
IVG; vgl. dazu auch Bucher, Leistungen der Invalidenversicherung im Rahmen der erstmaligen be
ruflichen Ausbildung, der Umschulung und der beruflichen Weiterausbildung, insbeson
dere für ein Universitätsstudium, in Ackermann/Bommer, Liber
Amico
rum
für Dr. Martin
Vonplon
, Zürich 2009, S. 74 f.).
3.
4
3
.4.1
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwaltungsaktes gegeben war. Tat
sachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, be
rück
sichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des angefochtenen
Ent
scheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus prozessökonomischen Grün
den
unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar feststehen (BGE 105 V 156 E.
2d; ZAK 1984 S.
349 E.
1b). Dies ist der Fall, wenn sie mit dem Streitgegen
stand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 99 V 98 E. 4 mit Hin
weisen).
3
.4.
2
Offenbar verzögert sich nun der
Studiena
bschluss um ein Jahr. Gemäss Eingabe der Beschwerdeführerin vom 28. Juni 2016 (Urk. 9)
wird
der Bachelor
neu erst im
Frühjahrssemester 2017
abgeschlossen sein
. Der beigelegten Einschätzung des weiteren Studienverlaufs durch die Fachstelle Studium und Behinderung der
Universität Y.___
vom 16. Juni 2016 (Urk. 10/1) lässt sich sodann entnehmen, dass
die
Beschwerdeführerin
v
on den fehlenden 45 ECTS 15 im Frühjahr
s
e
mester 2016 und 30 im Frühjahr
semester 2017 erwerben werde.
Weder dem Schreiben der Fachstelle Studium und Behinderung der
Universität Y.___
(Urk. 10/1)
noch dem gleichzeitig ins Recht gelegten Attest des behan
delnden Psychiaters Dr.
B.___
vom 27. Mai 2016 (Ur
k. 102)
worin dieser auf einen
stabilen und vollkommen remittierten Zustand hinwies
fin
den sich An
haltspunkte für eine gesundheitsbedingte Verzögerung des
Studien
abschlusses
bzw. auf
gesundheitsbedingte
von der In
validenversicherung zu tragende Mehr
kosten
.
3.
5
Nach dem Gesagten ist die
angefochtene Verfügung vom 16. Februar 2016
i
m Ergebnis zu bestätigen
und es
kann offen bleiben, ob die Fortführung des Studiums
der Rechtswissenschaft
bis zum Bachelor
als
notwendige und
geeig
nete
M
assnahme
zu betrachten wäre
, um die Erwerbsfähigkeit der Be
schwerde
führerin wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern.
4
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
4
00
.--
festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
400
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zuge
stellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Lotti Sigg
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von Urk. 9 und 10/1-2 zur Orientierung
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubMeier-Wiesner