# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f8ae4426-2f31-57c9-bb04-45c7cc83c523
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2001-12-04
**Language:** de
**Title:** Zürich Verwaltungsgericht 04.12.2001  VB.2001.00298
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Verwaltungsgericht/ZH_VG_001_-VB-2001-00298_2001-12-04.html

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				Geschäftsnummer: 	VB.2001.00298	 
	Entscheidart und -datum: 	Endentscheid vom 04.12.2001
	Spruchkörper: 	1. Abteilung/1. Kammer
	Weiterzug: 	Dieser Entscheid ist rechtskräftig.
	Rechtsgebiet: 	Raumplanungs-, Bau- und Umweltrecht
	Betreff: 

	Baubewilligung

	
Einordnung und Stellung eines Gebäudes in einer Kernzone II.
Keine Anschlussbeschwerde nach VRG (E. 1). Einordnung (E. 2). Auslegung einer kommunalen Norm betreffend Stellung der Gebäude (E. 3).
Abweisung.

			 	
				Stichworte:
	
						BAUBEWILLIGUNG UND BAUBEWILLIGUNGSVERFAHREN
BAUVOLUMEN
EINORDNUNG
FIRSTRICHTUNG
GEBÄUDEHÖHE
HÖHENKURVEN
PARTEIENTSCHÄDIGUNG
STELLUNG DES GEBÄUDES

					
	
	Rechtsnormen:
	
						§ 238 Abs. I PBG
Art./§ 14 lit. II BZO Uitikon
§ 17 Abs. II lit. a VRG

					
	
	Publikationen:
	
						- keine -
					
	Gewichtung:

					(1 von hoher / 5 von geringer Bedeutung)
	
						Gewichtung: 4
					

			 

	 	
			

			

I. Am 18. Dezember 2000 erteilte der
Gemeinderat X an C, D, F und G die baurechtliche Bewilligung für den Neubau
eines Doppeleinfamilien- und eines Mehrfamilienhauses mit gemeinsamer
Tiefgarage auf dem Grundstück Kat.Nr. 1 an der P-/Q-strasse in X. Das Baugrundstück
liegt in der Kernzone II gemäss Bau- und Zonenordnung der Gemeinde X vom 23.
Mai 1995 (BZO).

 

II. Den hiergegen von A und B erhobenen
Rekurs wies die Baurekurskommission I am 24. August 2001 ab.

 

III. Mit Beschwerde vom 27. September 2001
beantragten A und B dem Verwaltungsgericht Aufhebung der Baubewilligung und des
Rekursentscheids. Zur Begründung brachten sie im Wesentlichen vor, die
Baukörper seien überdimensioniert und passten deshalb nicht zu zum
kleinmassstäblichen Erschei­nungsbild der vorwiegend ein- bis zweigeschossigen
Häuser in der benachbarten Wohnzone E. Sodann verletze das Bauvorhaben Art. 14
Abs. 2 BZO, wonach im fraglichen Gebiet die Hauptfirstrichtung parallel zum
Hang verlaufen müsse. Der First der geplanten Gebäude weiche um 200 von
dieser vorgeschriebenen Richtung ab.

 

Die privaten Beschwerdegegner beantragten am
15. Oktober 2001 Abweisung der Beschwerde und die Zusprechung einer
Umtriebsentschädigung auch für das vorinstanzliche Verfahren. Die Vorinstanz am
12. und der Gemeinderat X am 22. Oktober 2001 schlos­sen ebenfalls auf
Abweisung der Beschwerde, letzterer zudem auf Zusprechung einer
Parteientschädigung.

Das
Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:

 

 

1. Die privaten Beschwerdegegner haben den
Rekursentscheid nicht angefochten. Auf ihren Antrag, es sei ihnen eine
Parteientschädigung auch für das Rekursverfahren zuzusprechen, ist deshalb
wegen Verspätung nicht einzutreten. Die Möglichkeit einer Anschlussbeschwerde
kennt das zürcherische Verwaltungsverfahren nicht.

 

2. Anders als das Baugrundstück liegen die
kleinmassstäblichen ein- und zweigeschos­sigen Bauten, gegenüber denen die
projektierten Neubauten nach Auffassung der Beschwerdeführenden
überdimensioniert erscheinen, nicht in einer Kern- sondern in einer Wohn­zone.
Die Baurekurskommission I hat deshalb insofern die Einordnung in die bauliche
Umgebung zutreffend nach der allgemeinen Bestimmung von § 238 Abs. 1 des
Planungs- und Baugesetzes vom 7. September 1975 (PBG) beurteilt. Mit der
Kommission ist sodann davon auszugehen, dass zwar allein gestützt auf §
238 PBG nicht generell der Verzicht auf ein nach der Bau- und Zonenordnung
zulässiges Geschoss oder die zonengemässe Ausnützung verlangt oder be­stimmte
Dachformen oder eine einheitliche Ausrichtung der Bauten durchgesetzt werden
können; nur in Ausnahmefällen, nämlich wenn der Widerspruch
zur baulichen Umgebung klar und krass ist, kann ein Verzicht auf die
Realisierung des auf dem betreffenden Grund­stück zulässigen Volumens verlangt
werden (RB 1990 Nr. 78; VGr, 6. Februar 1992, VB 91/0115; vgl.
auch BGE 114 Ia 343 E. 4b). Hierfür sind besonders triftige Gründe er­forderlich,
wie eine besondere Qualität der bestehenden Überbauung, eine weitherum zu­rückhaltend
ausgeschöpfte Ausnützung oder eine qualifizierte landschaftliche Empfindlich­keit.
Auch wenn keine solchen Gründe gegeben sind, kann aber die durch § 238 Abs. 1
PBG geforderte Rücksichtnahme eine auf die bauliche Umgebung abgestimmte
Gliederung des zulässigen Bauvolumens verlangen oder ist ein Gebäude, das
aufgrund seines Volu­mens sich aus dieser Umgebung heraushebt, besonders
sorgfältig zu gestalten.

 

Die Kernzone II, welcher das Baugrundstück
zugewiesen ist, bildet den Übergang zwischen dem tiefer gelegenen, der Kernzone
I zugewiesenen Ortskern und der südlich gelegenen 2-geschossigen Wohnzone E,
deren Bauten gemäss Art. 18 BZO Einfamilienhauscharakter aufweisen sollen.
Nördlich des Baugrundstücks liegt zwischen diesen beiden Zonen eine
Schulzwecken dienende Zone für öffentliche Bauten. Östlich des Baugrundstücks
und nördlich ebenfalls an diese Zone für öffentliche Bauten angrenzend befinden
sich zwei mit Einfamilienhäusern überbaute Parzellen, die – von drei Seiten
durch die noch weitgehend unüberbaute Kernzone II umfasst – der Wohnzone E
zugewiesen sind.

 

Aufgrund dieser planerischen Festlegungen und
der heutigen Überbauungsverhältnisse besteht die Gefahr eines Widerspruchs zur
bestehenden baulichen Umgebung von vornherein nur hinsichtlich der beiden
östlich des Baugrundstücks liegenden Einfamilienhausparzellen. Die nördlich des
Baugrundstücks liegende Zone für öffentliche Bauten ist mit grossvolumigen
Schulgebäuden überbaut und erfordert aus dieser Sicht keine besondere
Rücksichtnahme; dass es sich dabei um Flachdachbauten handelt, rechtfertigt
keine andere Betrachtungsweise. Die in der Kernzone II liegenden Grundstücke
sind noch weitgehend unüberbaut, so dass dort insgesamt mit einem Bauvolumen zu
rechnen ist, das dem auf der Bauparzelle geplanten entspricht. Ein deutliche
Volumendifferenz wird deshalb nur bezüglich der östlich gelegenen
Einfamilienhausparzellen entstehen (vgl. Art. 11 und 17 BZO). Abgesehen davon,
dass diese Differenz bereits durch die Zonenordnung angelegt ist, wir sie zwar
erkennbar sein, doch kann von einem klaren und krassen Widerspruch zur baulichen
Umgebung keine Rede sein. Trotz des grösseren Volumens werden die benachbarten
Einfamilienhäuser optisch keineswegs erdrückt und auch die Gestaltung der
Neubauten verträgt sich mit den in der Umgebung vorhandenen Bauten, denen von
keiner Partei eine herausragende architektonische Qualität zugeschrieben wird.

 

Die Würdigung der Vorinstanzen, dass sich das
Bauvorhaben befriedigend in die bau­liche Umgebung einordnet, ist deshalb
jedenfalls nicht rechtsverletzend. Dass sich auch eine andere Gestaltung der
Neubauten mit einer geringeren Firsthöhe machen liesse, wie die
Beschwerdeführenden unter Hinweis auf von ihnen eingereicht Überbauungstudien
gel­tend machen, vermag daran nichts zu ändern. 

 

3. Das Baugrundstück liegt in einem im
Zonenplan bezeichneten Gebiet, wo gemäss Art. 14 Abs. 2 BZO die
Hauptfirstrichtung parallel zum Hang verlaufen muss, ausgenommen bei einzelnen
kürzeren, vom Hauptfirst nach unten deutlich abgesetzten Gebäude­teilen. Die
Baurekurskommission I hat eine Verletzung dieser Vorschrift verneint mit der Be­gründung,
sie müsse flexibel angewendet werden, weil sich die verlangte Parallelität bei
einem unregelmässigen Verlauf der Höhenkurven gar nicht einwandfrei herstellen
lasse. Ein solcher Verlauf bestehe beim Baugrundstück. Die Q-strasse münde in
einem stumpfen Winkel in die P-strasse. Im Bereich oberhalb der Strassen würden
die Höhenkurven mehr oder weniger parallel zu den Strassen verlaufen und damit
ihre Richtung ändern. Im hangseitigen Bereich des Grundstückes, wo die Bauten
geplant seien, würden dagegen die Höhen­kurven über das ganze Grundstück etwa
in der gleichen Richtung verlaufen, nämlich von Südosten nach Nordwesten. Von
diesem Verlauf weiche die First­richtung der Neubau­ten um rund 20° ab, was
zulässig sei. Namentlich würden die beiden Gebäude gleichsam in die oberhalb
der beiden Strassen auseinander strebenden Hangneigungen eingemittet und damit
dem Normzweck, die Stellung der Gebäude auf die Topo­graphie auszurichten, am
bes­ten entsprochen. Diese Betrachtungsweise liege jedenfalls in­nerhalb des
der Baubehörde bei der Auslegung einer Vorschrift des kommunalen Rechts
zustehenden Spielraums. 

 

Was die
Beschwerdeführenden vorbringen, lässt diese Betrachtungsweise nicht als
rechtsverletzend erscheinen. Insbesondere ist die Baurekurskommission
zutreffend davon ausgegangen, dass mit Art. 14 Abs. 2 BZO eine auf die
Topographie ausgerichtete Stellung der Bauten erreicht, und nicht deren Höhe
bestimmt werden soll, wie die Beschwerdeführen­den anzunehmen scheinen. Ebenso
trifft es zu, dass die Höhenkurven im unteren Teil des Baugrundstücks anders
verlaufen als im oberen, sodass die Stellung der Bauten gleichsam einem
mittleren Terrainverlauf entspricht. Wenn die Vorinstanzen für die Bestimmung
der Firstrichtung von einem dergestalt ermittelten Terrainverlauf ausgehen,
stehen einer sol­chen Auslegung weder Wortlaut noch Sinn und Zweck von Art. 14
Abs. 1 BZO entgegen.

 

4. Damit erweist sich die Beschwerde als
unbegründet und ist abzuweisen. ...

 

 

Demgemäss
entscheidet das Verwaltungsgericht:

 

 

1.    Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.    ...