# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5c83709f-e3cf-54e7-944d-441c0924bb4d
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-01-19
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 19.01.2024 BG.2023.43
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BG-2023-43_2024-01-19.pdf

## Full Text

Beschluss vom 19. Januar 2024 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Roy Garré, Vorsitz, 

Miriam Forni und Felix Ulrich, 

Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja 

 

   
Parteien  KANTON APPENZELL I.RH., Staatsanwaltschaft, 

Gesuchsteller 

 

 gegen 

   

KANTON AARGAU, Oberstaatsanwaltschaft, 

Gesuchsgegner 

 

 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2023.43 

 

 

 

 

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Sachverhalt: 

 

A. Die Staatsanwaltschaft Appenzell I.Rh. führt seit September 2022 gestützt 

auf eine Strafanzeige der A. AG vom 9. September 2022 unter der Verfah-

rensnummer ST.2022.380 eine Strafuntersuchung gegen B. wegen Betrugs 

im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB und eventuell ungetreuer Geschäftsbe-

sorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. B. wird vorgeworfen, in 

seiner Funktion als Vertriebsleiter der A. AG in Z./AI zwischen dem 7. Juli 

und 31. August 2022 mutmasslich sieben falsche Rechnungen zugunsten 

seiner eigenen Gesellschaft, der C. AG, sowie der D. GmbH und der E. AG 

ausgestellt zu haben (Verfahrensakten Staatsanwaltschaft Appenzell I.Rh. 

[nachfolgend «Verfahrensakten Kt. AI»], Ordner 1/2, Lasche A, Urk. A1 ff.; 

Lasche S1, Urk. S1/1). 

 

 

B. Aktenkundig ist ferner, dass die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm am 

2. September 2022 gestützt auf eine Strafanzeige der Eidgenössischen 

Steuerverwaltung vom 11. Mai 2022 unter der Verfahrensnummer KSTA 

ST.2021.287 gegen die (ehemalige) Ehefrau von B., F., eine Strafuntersu-

chung wegen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB eröffnet hat. Die 

Aargauer Strafverfolgungsbehörden haben den Verdacht, dass F. mittels 

unwahrer Angaben einen COVID-19-Kredit für die Gesellschaft G. GmbH 

erwirkt habe (Verfahrensakten Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm [nachfol-

gend «Verfahrensakten Kt. AG»], Ordner 1-2.5, Lasche 1.6). Am 

10. März 2023 dehnte die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm das Verfahren 

KSTA ST.2021.287 auf B. aus (Verfahrensakten Kt. AG, Ordner 1-2.5, La-

sche 1.9).  

 

 

C. Ebenso kann den Akten entnommen werden, dass am 29. März 2023 die 

H. AG bei der Kantonspolizei Aargau eine Strafanzeige gegen B. wegen 

Veruntreuung, eventualiter Sachenziehung und weiterer Delikte erhob. B. 

wird vorgeworfen, die monatlichen Zahlungen der Raten für das Leasing 

eines Personenwagens Mercedes-Benz AMG GT S bei der H. AG nur unre-

gelmässig geleistet und das Fahrzeug nach Vertragsauflösung nicht zurück-

gegeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm eröffnete unter 

der Verfahrensnummer STA2 ST.2023.3092 eine Strafuntersuchung gegen 

B. wegen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB. Mit Schreiben 

vom 4. Juni 2023 ersuchte die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm die Staats-

anwaltschaft des Kantons Appenzell A.Rh. um Übernahme des Verfahrens 

STA2 ST.2023.3092, da gemäss Strafregisterauszug im Kanton Appen-

zell A.Rh. bereits seit dem 19. Juli 2022 gegen B. ein Verfahren wegen 

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Veruntreuung hängig sei. Soweit ersichtlich blieb das Gesuch unbeantwortet 

(zum Ganzen: Verfahrensakten Kt. AG, Ordner «Akten, Gerichtsstandsver-

fahren», Lasche ST.2023.3092). 

 

 

D. Am 27. Juni 2023 erstattete sodann die Kantonspolizei Solothurn bei der 

Staatsanwaltschaft Solothurn gegen B. Strafanzeige wegen Nichtabgabe 

von Ausweisen und/oder Kontrollschildern. Die Staatsanwaltschaft des Kan-

tons Solothurn eröffnete in der Folge gegen B. unter der Verfahrensnummer 

STA.2023.3914 eine Strafuntersuchung wegen Widerhandlung gegen das 

Strassenverkehrsgesetz (zum Ganzen: Verfahrensakten Kt. SO, Ordner, 

nicht paginiert). 

 

 

E. Mit Schreiben vom 28. Juni 2023 richtete die Staatsanwaltschaft des 

Kantons Appenzell I.Rh. im Verfahren ST.2022.380 (vgl. supra lit. A) eine 

Gerichtsstandsanfrage an die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm und er-

suchte um Übernahme der Strafuntersuchung gegen B., da im Kanton 

Aargau bereits seit mindestens Mai 2022 gegen B. und F. eine Untersuchung 

wegen Betrugs sowie Urkundenfälschung geführt werde (vgl. supra lit. B). 

 

 

F. Am 17. Juli 2023 ersuchte die Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn die 

Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau um Übernahme des Verfahrens 

STA.2023.3914 (vgl. supra lit. D; Verfahrensakten Kt. SO, Ordner, nicht 

paginiert).  

 

 

G. Mit Schreiben vom 7. August 2023 lehnte die Staatsanwaltschaft Zofingen-

Kulm die Anfrage der Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell I.Rh. um 

Übernahme des Verfahrens ST.2022.380 ab (vgl. supra lit. E). Sie war 

insbesondere der Ansicht, dass die B. im Kanton Appenzell I.Rh. vorgewor-

fenen Straftaten den qualifizierten Tatbestand des gewerbsmässigen Betru-

ges im Sinne von Art. 146 Abs. 2 StGB erfüllen würden, womit die mit der 

schwersten Strafe bedrohte Tat im Kanton Appenzell I.Rh. begangen worden 

sei und die Zuständigkeit zur Verfolgung und Beurteilung der B. vorgeworfe-

nen Straftaten daher im Kanton Appenzell I.Rh. liege. Mit Schreiben vom 

29. August 2023 hielt der Leitende Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft des 

Kantons Appenzell I.Rh. fest, dass keine Hinweise für ein gewerbsmässiges 

Handeln von B. im Kanton Appenzell I.Rh. vorliegen würden, hingegen die 

ersten Verfolgungshandlungen im Kanton Aargau vorgenommen worden 

seien, weshalb gestützt auf Art. 34 Abs. 1 StPO der Kanton Aargau für 

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die Verfolgung und Beurteilung der B. vorgeworfenen zuständig sei. Die 

Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau lehnte das Ersuchen mit 

Schreiben vom 4. September 2023 ab (zum Ganzen: Verfahrensakten 

Kt. AG, Ordner «Akten, Gerichtsstandsverfahren», Lasche ST.2021287, 

ST.2022.380). 

 

 

H. Am 21. September 2023 teilte die Kantonale Staatsanwaltschaft Aargau 

der Staatsanwaltschaft Solothurn telefonisch mit, dass deren Gerichts-

standsanfrage vom 17. Juli 2023 (vgl. supra lit. F) mit einer Ablehnung und 

gleichzeitigem Ersuchen um Verfahrensübernahme der Staatsanwaltschaft 

Appenzell I.Rh. weitergeleitet worden sei. Derzeit laufe diesbezüglich ein 

Meinungsaustausch zwischen den beiden Oberstaatsanwaltschaften. An-

schliessend werde über die Übernahme des solothurnischen Verfahrens ent-

schieden (act. 3). 

 

 

I. Mit Eingabe vom 12. Oktober 2023 an die Beschwerdekammer des Bun-

desstrafgerichts beantragt der Leitende Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft 

Appenzell I.Rh., es sei die Staatsanwaltschaft Aargau für zuständig zu erklä-

ren, das Strafverfahren ST.2022.380 der Staatsanwaltschaft Appenzell I.Rh. 

gegen B. wegen mehrfachen Betruges zu übernehmen (act. 1). In ihrer Ge-

suchsantwort vom 24. Oktober 2023 beantragt die Oberstaatsanwaltschaft 

des Kantons Aargau, auf das Gesuch sei nicht einzutreten. Eventuell sei es 

abzuweisen, und es sei der Kanton Appenzell I.Rh. berechtigt und verpflich-

tet zu erklären, die Strafverfahren ST.2022.380, KSTA ST.2021.287, STA 

ST.2023.3092 und STA.2023.3914 gegen B. und F. zu übernehmen (act. 3). 

Die Gesuchsantwort wurde dem Kanton Appenzell I.Rh. am 25. Oktober 

2023 zur Kenntnis übermittelt (act. 4). 

 

 Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

 

 

 

 Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten 

einen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). 

Erscheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren sich 

die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentlichen 

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Elemente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Einigung 

(Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden verschie-

dener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbreitet die 

Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst war, 

die Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der 

Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40 Abs. 2 

StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1StBOG). Voraussetzung für die Anrufung der 

Beschwerdekammer ist allerdings, dass mit allen ernsthaft in Frage kom-

menden Kantonen ein Meinungsaustausch durchgeführt wurde (Beschluss 

des Bundesstrafgerichts BG.2013.32 vom 27. Februar 2014 E. 1.1 und 2.3; 

SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in Strafsa-

chen, 2. Aufl. 2004, N. 599). Hinsichtlich der Frist, innerhalb welcher die 

ersuchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, ist im Normalfall die Frist 

von zehn Tagen gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO analog anzuwenden 

(TPF 2011 94 E. 2.2). Ein Abweichen von dieser Frist ist ausnahmsweise in 

begründeten Fällen zulässig, so zum Beispiel, wenn die schriftliche Stellung-

nahme des ersuchten Kantons noch Verhandlungsspielraum bietet, der Fall 

aufgrund noch unklarer Faktenlage weiterer Erörterung bedarf oder aber 

während laufender Frist neue Fakten bekannt werden (Beschluss des Bun-

desstrafgerichts BG.2012.20 vom 12. März 2014 E. 1.4; SCHLEGEL, Zürcher 

Kommentar, 3. Aufl. 2020, N. 6 zu Art. 40 StPO). 

 

1.2 Die Parteien gehen zu Recht davon aus, dass gerichtsstandbestimmend die 

Frage ist, ob die im Kanton Appenzell I.Rh. beanzeigten und B. vorgeworfe-

nen Betrugshandlungen das Merkmal der Gewerbsmässigkeit aufweisen. 

Dabei gehen die beteiligten Kantone offenbar stillschweigend davon aus, 

dass die Tathandlungen des im Kanton Appenzell I.Rh. zur Anzeige ge-

brachten Betrugs in diesem Kanton verübt worden sind. Ein Betrug gilt als 

dort ausgeführt, wo der Täter jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrü-

ckung von Tatsachen zu einem Verhalten bestimmt, das den sich Irrenden 

oder einen Dritten am Vermögen schädigt (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., 

N. 106). B. wird vorgeworfen, als Vertriebsleiter der in Z./AI ansässigen A. 

AG zwischen dem 7. Juli und 31. August 2022 zum Nachteil der A. AG mut-

masslich sieben fiktive Rechnungen zugunsten seiner eigenen Gesellschaft, 

der C. AG, sowie zugunsten der D. GmbH und der E. AG ausgestellt zu 

haben. Die Rechnungen habe er in der Folge per E-Mail der I. AG geschickt, 

welche die Zahlungen für die A. AG vorgenommen habe. Auch habe er 

verschiedentlich telefonisch bei der I. AG um Begleichung der fiktiven Rech-

nungen gebeten (vgl. supra lit. A; zum Ganzen: Verfahrensakten Kt. AI, 

Ordner 1/2, Lasche S1). Gemäss Sammelbericht der Kantonspolizei des 

Kantons Appenzell I.Rh. vom 30. Mai 2023 befindet sich das Domizil der 

A. AG in Z./AI bei der I. AG. J., Geschäftsführer des österreichischen 

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Mutterhauses der A. AG, hatte anlässlich der Einvernahme durch die Lan-

despolizeidirektion Oberösterreich vom 9. September 2022 ausgesagt, dass 

sich die Büros der A. AG hingegen an der […]-Strasse in Y./ZH befänden. J. 

hielt ausserdem im Rahmen einer E-Mail-Korrespondenz vom Septem-

ber 2022 mit dem in der Strafuntersuchung des Kantons Appenzell I.Rh. zu-

ständigen polizeilichen Sachbearbeiter fest, dass am Rande noch weitere 

Personen involviert gewesen seien, die mit B. im Büro in Y./ZH gearbeitet 

hätten. Aufgrund der heutigen Aktenlage ist daher davon auszugehen, dass 

B. von Y./ZH aus für die A. AG tätig war. So sind denn auch die von B. aus-

gestellten Rechnungen jeweils an die A. AG, […]-Strasse in Y./ZH (bzw. 

X./ZH) adressiert worden (vgl. zum Ganzen: Verfahrensakten Kt. AI, Ordner 

1/2, Lasche S1). An welchem Ort B. die fingierten Rechnungen erstellt und 

von wo aus er die E-Mails an die I. AG mit den Zahlungsanweisungen ge-

schickt bzw. die entsprechenden Telefonate mit der I. AG geführt hat, ist auf-

grund der vorliegenden Aktenlage unklar. In Betracht kommt sein Arbeitsort 

an der […]-Strasse in Y./ZH. Nicht auszuschliessen sind auch sein Wohnort 

in W./SO oder der Sitz der C. AG in V./ZG. Ein Meinungsaustausch mit den 

Kantonen Zürich, Solothurn oder Zug hinsichtlich der im Kanton Appenzell 

I.Rh. beanzeigten Delikte hat jedoch nicht stattgefunden. Entsprechend ist 

der Meinungsaustausch nicht vollständig durchgeführt worden.  

 

1.3 Daraus ergibt sich, dass mangels eines vollständigen Austauschs über den 

Gerichtsstand mit sämtlichen in Frage kommenden Kantonen auf das 

Gesuch nicht einzutreten ist. Vor diesem Hintergrund braucht der Frage nach 

der Rechtzeitigkeit des Gesuchs nicht weiter nachgegangen zu werden.  

 

 

2. Praxisgemäss ist bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten keine Ge-

richtsgebühr zu erheben (vgl. Art. 423 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 66 Abs. 4 BGG 

per analogiam; vgl. schon BGE 87 IV 145). 

  

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Auf das Gesuch des Kantons Appenzell I.Rh. wird nicht eingetreten. 

 

2. Es werden keine Kosten erhoben.  

 

 

Bellinzona, 19. Januar 2024 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell I.Rh. 

- Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.