# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d1bfcb18-fe77-50b1-9fe4-a80c1d3aa461
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-01-20
**Language:** de
**Title:** Umgebungsgestaltung. Bewilligungspflicht. Änderung der Gartenbegrünung. Allgemein und bei Arealüberbauungen.
**Docket/Reference:** BRGE II Nr. 0006/2015
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_II_0006_2015_906.pdf

## Full Text

BRGE II Nr. 0006/2015 vom 20. Januar 2015 in BEZ 2015 Nr. 20 

Die  Baubehörde  befahl  den  nachmaligen  Rekurrierenden  die  Wieder-

anpflanzung einer eigenmächtig entfernten Thujahecke.  

Aus den Erwägungen: 

2. Das  Baugrundstück  im  Halte  von  234  m2  liegt  in  der  Wohnzone
W2/1,75. Es ist überstellt mit einem Reiheneinfamilienhaus (Eckhaus) und wird 
auf  drei  Seiten 
(Westen,  Norden  und  Osten)  durch  Fusswege  der 
Wohnsiedlung begrenzt. 

3.

Im  Februar  2013  entfernten  die  Rekurrierenden  die  Thujahecke  im
Garten  auf  der  Westseite  und  vor  dem  Hauseingang  auf  der  Ostseite  ihres 
Wohnhauses und ersetzten sie durch andere Pflanzen. In der Folge erliess die 
Vorinstanz  den  angefochtenen  Befehl  zur  Wiederanpflanzung  der  Thujahecke 
mit  der  Begründung,  die  Wohnsiedlung  sei  eine  Arealüberbauung,  deren 
Umschwung  nach  dem  am  2.  Juni  2003  bewilligten  Umgebungsplan  gestaltet 
sei.  Darin  sei  die  Lage  der  Hecken  eingetragen  und  die  Pflanzenart  mit  Thuja 
bezeichnet.  Der  Stammbaubewilligung  vom  3.  Juni  1997  sei  zu  entnehmen, 
dass  die  differenzierte  Nutzung  der  Freiflächen  den  unterschiedlichen  Wohn-
formen  entspreche  und  –  zusammen  mit  den  Trenn-Hecken  –  eine  gute 
äussere  Wohnqualität  verspreche  und  abgeschirmte  Privatbereiche  ge-
währleiste.  Die  Hecken  im  Bereich  der  Fusswege  würden  eine  Raumwirkung 
erzeugen.  Das  Fehlen  der  Hecke  auf  dem  streitbetroffenen  Grundstück  werde 
als Lücke im Gewebe erlebt. (…) 

5.1 Die Rekurrierenden vertreten die Auffassung, das Ersetzen der Hecke 
sei  nicht  bewilligungspflichtig  und  es  bestehe  gemäss  der  Stammbaube-
willigung  keine  Pflicht,  auf  dem  gesamten  Gebiet  der  Arealüberbauung 
Thujahecken  beizubehalten.  Der  Umgebungsplan  vom  8.  April  2002  enthalte 
zwar  verschiedentlich  die  Bezeichnungen  «Thujahecke»  und  «Lorbeer», 
äussere  sich  jedoch  nicht  zur  rekurrentischen  Liegenschaft.  Mit  der  neuen 
Hecke werde weder von der ursprünglichen Grundkonzeption im Sinne von Art. 
45  BZO  abgewichen  noch  werde  das  Gesamtbild  beeinträchtigt.  Auf  die 
Pflanzenart komme es in dieser Hinsicht nicht an. Die neue Hecke befinde sich 
am selben Ort und erziele ebenfalls die gewünschte Trennwirkung; ausserdem 
werde  sie  noch  wachsen.  Sie  bestehe  zumindest  teilweise  aus  immergrünen 
Sträuchern, womit ein hinreichender Sichtschutz gewährleistet sei. Schliesslich 
sei sie gegenüber einer Thujahecke ökologisch und biologisch wertvoller. (…) 

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5.3.2  Das  Planungs-  und  Baugesetz  kennt  für  Pflanzen  allein  keinen 
Bewilligungsvorbehalt.  Das  ändert  aber  nichts  daran,  dass  Pflanzen  für  das 
Erscheinungsbild des Umschwungs von Bauten und Anlagen entscheidend sein 
können  und  in  diesem  Zusammenhang  nach  §  238  PBG  zu  beurteilen  sind. 
Denn  zu  einer  befriedigenden  Gestaltung  des  Umschwungs  gehört  nach 
landläufiger Auffassung auch eine angemessene, das heisst der baulichen und 
landschaftlichen Umgebung angepasste Begrünung. Demgemäss kann gemäss 
§ 238 Abs. 3 PBG dort, wo die Verhältnisse es zulassen, mit der baurechtlichen 
Bewilligung  verlangt  werden,  das  vorhandene  Bäume  und  Sträucher bestehen 
bleiben sowie neue Bäume und Sträucher gepflanzt werden. Daraus lässt sich 
wohl keine Bewilligungspflicht für Pflanzen als solche ableiten, jedoch zwanglos 
die  Befugnis  der  Baubehörden,  gegen  Verunstaltungen  des  Umschwungs 
einzuschreiten,  die  nicht  auf  bauliche  Massnahmen  im  engeren  Sinn,  sondern 
auf Änderungen an der Bepflanzung zurückzuführen sind (RB 1984 Nr. 106, E. 
1, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung).  

Im  baurechtlichen  «Normalfall»  –  Regelüberbauung  in  einer  nicht  dem 
Ortsbildschutz  dienenden  Zone  –  muss  mit  dem  Umgebungsplan  für  eine 
Neuüberbauung  eine  auch  punkto  Bepflanzung  befriedigende  Umgebungs-
gestaltung nachgewiesen werden (vgl. § 238 Abs. 1 PBG). Werden demgegen-
über Änderungen an der Bepflanzung nach Abschluss der bewilligten Bau- und 
Umgebungsarbeiten  vorgenommen,  kann  –  jedenfalls  nach  der  vorstehend 
zitierten Rechtsprechung – nur mehr verlangt werden, dass keine Verunstaltung 
eintritt. Zudem dürfte für solche späteren Änderungen kaum eine förmliche Be-
willigungspflicht  im  Sinne  von  §  309  Abs.  1  PBG  gelten.  Hingegen  kann  (und 
muss) gegebenenfalls gestützt auf § 2 Abs. 2 BVV von der Baubehörde nach-
träglich  geprüft  werden,  ob  die  Umgebungsgestaltung  den  materiellen  Anfor-
derungen noch genüge oder nicht. 

Bei Arealüberbauungen gelten erhöhte Anforderungen an die Umgebungs-
gestaltung  (§  71  Abs.  2  PBG),  weshalb  zur  vollständigen  Baueingabe  (§  73 
Abs.  1  PBG)  auch  ein  Umgebungsplan  gehört  (vgl.  RB  2000,  Nr.  95).  Der 
bewilligte  Umgebungsplan  bleibt  auch  nach  vollständiger  Ausführung  der 
Arealüberbauung  verbindlich.  Damit  stehen  nachträgliche  Änderungen  der 
Bepflanzung  nicht  etwa  bloss  unter  dem  Vorbehalt  eines  Verunstaltungs-
verbotes. Vielmehr muss die arealüberbauungswürdige Gestaltung einwandfrei 
gewahrt  bleiben.  Änderungen,  mit  denen  ein  einziges  Grundstück  aus  dem 
Gesamtkonzept  herausgebrochen  wird,  können  unter  diesem  Aspekt  ge-
stalterisch  problematisch  sein,  während  konzeptionelle 
(Gesamt-)  Er-
neuerungen  der  Bepflanzung  die  erhöhten  Gestaltungsanforderungen  wahren 
können.  Zumindest  solche  Änderungen  unterliegen  einer  förmlichen  Be-
willigungspflicht. 

Die vorliegend im Revisionsplan vom 8. April 2002 festgelegte Vegetation 
ist demnach nicht unabänderlich, die baurechtlichen Vorschriften müssen aber 
wiederum eingehalten werden. Nicht entscheidend ist im vorliegenden Fall, ob 
für  die  partielle  Umgestaltung  eine  förmliche  Bewilligungspflicht  besteht  oder 
nicht. Fest steht, dass die Vorschriften des materiellen Rechts einzuhalten sind 
(§  2  Abs.  2  BVV).  Somit  ist  zu  prüfen,  ob  die  streitbetroffene  Neubepflanzung 
dem  geltenden  Umgebungsplan  (Revisionsplan  vom  8.  April  2002)  entspricht 

 
 
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bzw.  im  Kontext  der  Umgebungsgestaltung  der  übrigen  Arealüberbauung  den 
erhöhten Anforderungen von § 71 PBG genügt. 

5.3.3  Entsprechend  dem  Umgebungsplan  vom  8.  April  2002  wird  der 
Umschwung  der  Arealüberbauung  von  immergrünen,  kastenförmig  streng 
geschnittenen  Hecken  geprägt,  die  die  einzelnen  Parzellen  untereinander  und 
zu den öffentlichen Bereichen hin abgrenzen. Als Pflanzenart vorherrschend ist 
Thuja,  namentlich  in  der  Häuserzeile  mit  dem  rekurrentischen  Reihenein-
familienhaus. Vereinzelt ist auch Kirschlorbeer anzutreffen, wie im Umgebungs-
plan vorgesehen. Das repetitive, formale und ruhige Bepflanzungsmuster ist ein 
augenfälliges  Gestaltungselement  der  Arealüberbauung.  Dass  die  Hecken 
teilweise höher sind als die gemäss Grunddienstbarkeit erlaubten 1,5 m, ist für 
die  nachfolgende  Beurteilung  nicht  massgebend.  Die 
rekurrentische 
Liegenschaft  ist  eng  eingebunden  in  die  Arealüberbauung,  so  dass  für  eine 
individuelle Gestaltung des Äusseren mit Blick auf die erhöhten Anforderungen 
(§  71  PBG)  und  das  zu  wahrende  gesamtheitliche  Erscheinungsbild  nur  ein 
sehr  beschränkter  Spielraum  bleibt.  Sodann  sind  die  von  den  Rekurrierenden 
mit  den  neuen  Pflanzen  verfolgten  ökologischen  Ziele  zweifelsohne  an-
erkennenswert. Der ökologische Wert der Vegetation ist aber kein baurechtlich 
relevantes Kriterium hinsichtlich der Gestaltung des Gebäudeumschwungs. Die 
Frage  nach  dem  Verbot  bestimmter  Pflanzen  gemäss  Anhang  2  der  Ver-
ordnung  über  den  Umgang  mit  Organismen  in  der  Umwelt  (Freisetzungs-
verordnung [FrSV]) stellt sich vorliegend nicht. 

In  der  betreffenden  Häuserzeile  sieht  der  Umgebungsplan  durchgehend 
Thujahecken  vor,  auch  wenn  die  Pflanzenart  nicht  bei  jedem  einzelnen 
Gebäude  explizit  bezeichnet  ist.  Dementsprechend  besteht  die  tatsächlich 
vorhandene  Bepflanzung  aus  Thujahecken.  Diese  werden  nur  beim  Haus  Nr. 
46  (Ostseite:  Buchs)  und  beim  Haus  Nr.  34  (Westseite:  Mischhecke) 
unterbrochen,  zumindest  bei  letztgenanntem  Garten  offensichtlich  abweichend 
vom Umgebungsplan. Die neue, anstelle einer gerodeten Thujahecke tretende 
Bepflanzung mit einer Hecke aus locker wachsenden Sträuchern verschiedener 
Art  und  Aussehen  negiert  das  bestehende,  einheitliche  Gestaltungskonzept 
grundlegend. Ihr jahreszeitlich änderndes Erscheinungsbild ist in Form, Struktur 
und  Farbe  ein  völlig  anderes  und  vermag  nicht  dieselbe  Wirkung  zu  erzielen. 
Sie ist für sich allein betrachtet nicht zu beanstanden, steht aber in störendem 
Widerspruch zum Bepflanzungskonzept der Arealüberbauung, insbesondere in 
der  betreffenden  Häuserzeile.  Für  eine  derartige,  individuelle  Heckenbe-
pflanzung  auf  dem  Grundstück  der  Rekurrierenden  besteht  im  Rahmen  der 
Arealüberbauung  kein  Raum.  Die  Vorinstanz  spricht  ihr  die  Bewilligungs-
fähigkeit somit zu Recht ab.