# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 261e91a0-90f5-5085-a9cb-e443f09cba72
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-12-14
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 14.12.2011 SB110476
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB110476_2011-12-14.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr. SB110476-O/U/jv 

 

Mitwirkend: die Oberrichter Dr. F. Bollinger, Präsident, und lic. iur. M. Langmeier, 

Ersatzoberrichterin lic. iur. M. Bertschi sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. S. Schwarzwälder 

 

Urteil vom 14. Dezember 2011 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigte und I. Berufungsklägerin 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. A. Knauss,  

Anklägerin und II. Berufungsklägerin 

betreffend 

versuchte vorsätzliche Tötung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon, 1. Abteilung,  
vom 22. März 2011 (DG100018) 

-   2   - 

Anklage und Nachtragsanklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 21. Juni 

2010 sowie die Nachtragsanklage der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 

24. Januar 2011 sind diesem Urteil beigeheftet (Urk. 18/2 und Urk. 53/14). 

 

Urteil der Vorinstanz: 
 

Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte ist schuldig 

− der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 in Verbin-

dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie 

− der Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB. 

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 5 Jahren Freiheitsstrafe (wovon 427 Tage 

durch Untersuchungshaft sowie 163 Tage durch vorzeitigen Massnahme-

vollzug bis und mit heute erstanden sind). 

3. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von 

Art. 59 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet. Der 

Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu diesem Zweck aufgeschoben. 

4. Das mit Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 7. Juni 

2010 sichergestellte Taschenmesser wird eingezogen und der Gerichts-

kasse zur Vernichtung überlassen. 

5. Die Beschuldigte wird gemäss ihrer Anerkennung verpflichtet, dem Geschä-

digten B._____ Fr. 4'814.90 nebst 5 % Zins ab 1. Juli 2009 als Schadener-

satz und Fr. 30'000.– nebst 5 % Zins ab 1. Juli 2009 als Genugtuung zu be-

zahlen. 

6. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Geschädigten Kantonspolizei Zürich 

Fr. 500.– als Schadenersatz zu bezahlen. 

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7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 6'000.–.  

Die weiteren Kosten betragen:  

Fr. 19'049.10 amtliche Verteidigung  

Fr.   3'105.70 unentgeltlicher Geschädigtenvertreter  

Fr. 30'132.80 Untersuchungskosten 

Fr.   1'000.--      Gebühr Strafuntersuchung   

Fr.      385.80 Gutachten Universität C._____  

Fr.      285.40 Kosten Kantonspolizei Zürich 

8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der 

Beschuldigten auferlegt, aber abgeschrieben. Die Kosten der amtlichen Ver-

teidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung des Geschädigten B._____ 

werden auf die Gerichtskasse genommen. 

9. Mitteilungen 

10. Rechtsmittel 

 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung der Beschuldigten: 

 (schriftlich, Urk. 109) 

1. Ziff. 1 des Dispositivs des Urteils vom 22. März 2011 sei aufzuheben und die 

Beschuldigte sei des versuchten Totschlags im Sinne von Art. 113 i.V.m. 

Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 

Abs. 1 StGB für schuldig zu sprechen. 

2. Ziff. 2 des Dispositivs des Urteils vom 22. März 2011 sei ebenfalls aufzuhe-

ben und die Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten als 

Gesamtstrafe zu bestrafen, unter Anrechnung von Polizeiverhaft, Untersu-

chungshaft, Sicherheitshaft und vorzeitigem Massnahmevollzug. 

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b) Der Staatsanwaltschaft: 

(schriftlich, Urk. 110) 

1. Es sei die Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren zu bestrafen, 

unter Anrechnung der erstandenen Haft.  

2. Es sei das vorinstanzliche Urteil im Schuldpunkt zu bestätigen und die Beru-

fung der Beschuldigten diesbezüglich abzuweisen. 

3. Es seien der Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerle-

gen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Staatskasse zu 

nehmen.  

 

Das Gericht erwägt: 

I. Prozessuales 

1. Verfahrensgang 

Mit Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon, 1. Abteilung, vom 22. März 2011 wurde 

die Beschuldigte der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 in 

Verbindung mit Art. 22 StGB sowie der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 

Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Sie wurde bestraft mit 5 Jahren Freiheitsstrafe 

unter Anrechnung von 427 Tagen Untersuchungshaft und 163 Tagen vorzeitigem 

Massnahmeantritt. Es wurde eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne 

von Art. 59 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet und der 

Vollzug der Freiheitsstrafe zu diesem Zweck aufgeschoben. Die Beschuldigte 

wurde verpflichtet, dem Geschädigten B._____ Fr. 4'814.90 Schadenersatz und 

Fr. 30'000.-- Genugtuung zu bezahlen je zuzüglich 5 % Zins ab 1. Juli 2009. Sie 

wurde ferner verpflichtet, der Geschädigten Kantonspolizei Zürich Fr. 500.-- als 

Schadenersatz zu bezahlen (Urk. 92). 

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Gegen das Urteil haben die Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft fristgerecht 

Berufung angemeldet (Urk. 75 und Urk. 81). Sowohl die Berufungserklärung der 

Beschuldigten wie auch diejenige der Staatsanwaltschaft gingen innert Frist ein 

(Urk. 93 und Urk. 95). Anschlussberufung wurde von keiner Seite erhoben.  

Am 28. November 2011 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher die Be-

schuldigte, ihr amtlicher Verteidiger sowie der Vertreter der Staatsanwaltschaft 

erschienen (Prot. II S. 4). Anlässlich dieser Verhandlung machte der Verteidiger 

geltend, dass das bei den Akten liegende Gutachten vom 5. März 2010 formell 

nicht verwertbar sei, zumal mangels Akten nicht erstellt sei, dass die Beschuldigte 

die betreffenden Institutionen und Ärzte vom Arztgeheimnis entbunden habe 

(Urk. 109 S. 2). Da dieser Einwand weitere Abklärungen nötig machte, wurde im 

Anschluss an die Berufungsverhandlung kein Urteil gefällt. Die Parteien erklärten 

sich mit der schriftlichen Fortsetzung des Berufungsverfahrens einverstanden 

(Prot. II S. 9). In der Folge ersuchte die erkennende Kammer den Gutachter 

Dr. med. D._____, zu dieser Frage Stellung zu nehmen und die von der Beschul-

digten unterzeichneten Entbindungserklärungen zu den Akten zu reichen (Urk. 

111). Mit Eingabe vom 1. Dezember 2011 reichte der Gutachter die fraglichen 

Entbindungserklärungen – allesamt von der Beschuldigten unterzeichnet – beim 

Berufungsgericht ein (Urk. 113 und 114/1-3). Sodann wurde dem Verteidiger so-

wie der Staatsanwaltschaft mit Präsidialverfügung vom 2. Dezember 2011 Gele-

genheit zur Stellungnahme gegeben (Urk. 116). Mit Eingaben vom 5. bzw. 

6. Dezember 2011 erklärten beide Parteien Verzicht auf Vernehmlassung bzw. 

Stellungnahme (Urk. 117 und 118). Das Verfahren ist somit spruchreif. 

2. Gegenstand des Berufungsverfahrens 

Die Berufung der Staatsanwaltschaft bezieht sich auf das Strafmass. Sie be-

antragt die Bestrafung der Beschuldigten mit 9 Jahren Freiheitsstrafe (Urk. 93 und 

Urk. 110). Die Berufung der Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldspruch 

betreffend versuchte vorsätzliche Tötung und gegen das Strafmass. Die Beschul-

digte beantragt, sie sei des versuchten Totschlags im Sinne von Art. 113 StGB in 

Verbindung mit Art. 22 StGB schuldig zu sprechen und mit 24 Monaten Freiheits-

strafe zu bestrafen (Urk. 95 und Urk. 109). 

-   6   - 

Der Schuldspruch betreffend Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 

StGB (Dispositiv-Ziffer 1), die Anordnung einer stationären Massnahme im Sinne 

von Art. 59 StGB (Dispositiv-Ziffer 3), die Einziehung des Taschenmessers (Dis-

positiv-Ziffer 4) sowie der Entscheid betreffend die Zivilansprüche des Geschädig-

ten B._____ (Dispositiv-Ziffer 5) und der Geschädigten Kantonspolizei Zürich 

(Dispositiv-Ziffer 6) und die Kostenregelung (Dispositiv-Ziffern 7 und 8) wurden 

nicht angefochten und sind in Rechtskraft erwachsen.  

3. Beweisanträge  

Die Beschuldigte beantragte, es sei ein neues Gutachten betreffend ihre Schuld-

fähigkeit einzuholen (Urk. 95). Dieser Antrag wurde durch die Verfahrensleitung 

mit Präsidialverfügung vom 23. September 2011 abgewiesen (Urk. 104). Anläss-

lich der Berufungsverhandlung erklärte der Verteidiger, an seinem diesbezügli-

chen Antrag festzuhalten (Urk. 109 S. 2). 

Auf diesen Beweisantrag ist nachfolgend im Zusammenhang mit der materiellen 

Beurteilung und der Würdigung des Gutachtens von Dr. med D._____ einzuge-

hen.  

II. Schuldpunkt 

1.  Sachverhalt betreffend versuchte Tötung 

Die Vorinstanz hat mit sorgfältigen Erwägungen dargelegt, dass der äussere 

Sachverhalt erstellt ist. Das Gutachten des Zentrums für forensische Physik der 

Universität C._____ hält fest, dass die Energie, welche zu einem Einstich in der 

Tiefe wie sie beim Geschädigten vorliegt, nicht mit einem Wurf des fraglichen 

Messers erreicht werde. Entgegen der Darstellung der Beschuldigten, welche das 

Messer gegen den Geschädigten geworfen haben will, ist daher erstellt, dass sie 

aktiv mit dem Messer in die Brust des Geschädigten gestochen hat. Der Anklage-

sachverhalt ist erstellt, es kann diesbezüglich vollumfänglich auf die zutreffenden  

Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 92 S. 11 - 17; Art. 82  

Abs. 4 StPO).  

-   7   - 

Da die Verletzung durch aktives Einstechen in den Brustbereich des Geschädig-

ten erfolgte, ist auch der Vorsatz mindestens im Sinne eines Eventualvorsatzes 

zu bejahen. Wer mit einem Messer im Bereich des Herzens so tief in die Brust  

eines Menschen einsticht, wie es die Beschuldigte tat, nimmt eine Verletzung  

lebenswichtiger Organe, insbesondere des Herzens, mindestens in Kauf. Damit 

ist auch der innere Sachverhalt erstellt. 

Indem die Verteidigung im Berufungsverfahren Schuldspruch betreffend versuch-

ten Totschlag im Sinne von Art. 113 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

beantragt, stellt sie einen (eventual-) vorsätzlichen Tötungsversuch nicht mehr in 

Frage. Sie macht jedoch geltend, die Beschuldigte habe in einer nach den Um-

ständen entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung im Sinne von Art. 113 StGB 

gehandelt. Darauf ist nachfolgend einzugehen. 

2. Vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB / Totschlag im Sinne von 

Art. 113 StGB 

2.1. Allgemeines 

2.1.1. Totschlag als privilegierter Tatbestand eines Tötungsdeliktes 

Totschlag im Sinne von Art. 113 StGB ist ein privilegierter Tatbestand eines  

Tötungsdeliktes. Dieser Tatbestand unterscheidet sich vom Grundtatbestand des 

Art. 111 StGB dadurch, dass der Täter in einer nach den Umständen entschuld-

baren heftigen Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung han-

delt.  

Totschlag setzt ein psychologisches Merkmal (Affekt) und ein normatives,  

ethisches Kriterium (Entschuldbarkeit) voraus (S. Trechsel, Schweizerisches 

Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, N 1 zu Art. 113). 

2.1.2. grosse seelische Belastung / heftige Gemütsbewegung 

Grosse seelische Belastung stellt einen Druckzustand dar, welcher sich über  

längere Zeit entwickelt hat, im Gegensatz zur heftigen Gemütsbewegung, welche 

plötzlich auftritt (Donatsch in Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches 

-   8   - 

Strafgesetzbuch mit Kommentar,18. A., Zürich 2010, N 5 zu Art. 113). Vorliegend 

steht lediglich eine heftige Gemütsbewegung zur Diskussion. 

Eine heftige Gemütsbewegung ist eine starke Gefühlserregung, welche die  

Fähigkeit beeinträchtigt, sich zu beherrschen oder die Situation zu analysieren 

(Donatsch, a.a.O, N 2 zu Art. 113; BGE 118 IV 236). Dabei handelt es sich um  

einen psychologischen Ausnahmezustand emotionaler und nicht pathologischer 

Natur (BGE 118 IV 236), eine normalpsychologische Einengung des Bewusst-

seins nicht krankhafter Art (Ch. Schwarzenegger in: Niggli/Wiprächtiger, Basler 

Kommentar, Strafrecht II, 2. A., N 6 zu Art. 113 mit Hinweisen). Indikatoren, wel-

che auf eine Affekttat hinweisen, sind z.B. Fehlen von Vorbereitungshandlungen, 

nicht zielgerichtete Gestaltung des Tatablaufes, nicht lang hingezogenes, sondern 

plötzliches Tatgeschehen etc. (Schwarzenegger, a.a.O., N 6 zu Art. 113). 

2.1.3. Entschuldbarkeit der heftigen Gemütsbewegung 

Ausserdem muss Entschuldbarkeit der heftigen Gemütsbewegung gegeben sein. 

Die Bewertung ist eine objektive nach ethischen normativen Gesichtspunkten 

(Schwarzenegger, a.a.O., N 9 zu Art. 113). 

Die Gemütsbewegung darf nicht ausschliesslich oder vorwiegend egoistischen, 

gemeinen Trieben entspringen, sondern muss durch eine Provokation, eine unge-

rechte Kränkung oder durch eine Notlage verursacht worden sein, und sie darf 

nicht ausschliesslich oder überwiegend selbstverschuldet sein (Schwarzenegger, 

a.a.O., N 10 zu Art. 113). 

Die heftige Gemütsbewegung (nicht die Tat) muss in Anbetracht der gesamten 

äusseren Umständen menschlich verständlich sein, es muss angenommen wer-

den können, auch ein anderer, an sich anständig gesinnter Mensch wäre in der 

betreffenden Situation leicht in einen solchen Affekt geraten (Trechsel, a.a.O., N 9 

zu Art. 113 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtes). Abzu-

stellen ist darauf, ob auch ein Durchschnittsmensch mit einer mit derjenigen des 

Täters vergleichbaren Herkunft, Erziehung und täglichen Lebensführung unter 

den gleichen Umständen leicht in einen solchen Affekt geraten wäre  

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(Schwarzenegger, a.a.O., N 11 zu Art. 113). Ist die Tat durch krankhafte Veranla-

gung oder Persönlichkeitsstörung bedingt, begründet dies nicht Entschuldbarkeit 

im Sinne von Art. 113 StGB, vielmehr ist dies bei der Strafzumessung im Rahmen 

der Verschuldensbewertung zu berücksichtigen (Schwarzenegger, a.a.O., N 11 

zu Art. 113 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). 

Es ist demzufolge auch im Hinblick auf den Antrag der Verteidigung auf Erstellung 

eines neuen Gutachtens über die Beschuldigte festzustellen, dass eine erneute 

Begutachtung zum Vornherein nur im Hinblick auf die Frage der Schuldfähigkeit 

der Beschuldigten in Betracht zu ziehen ist. Dagegen beurteilt sich die Frage nach 

dem Vorliegen einer entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung nach normativen 

ethischen und normalpsychologischen Gesichtspunkten. Dazu ist das Gericht be-

rufen und bedarf es keiner psychiatrisch fachkundigen Begutachtung. 

Kurz zusammengefasst ist festzuhalten, dass die Frage, ob der Grundtatbestand 

des Art. 111 StGB oder der privilegierte Tatbestand des Art. 113 StGB erfüllt ist, 

nicht gestützt auf ein psychiatrisches Gutachten zu beurteilen ist. Dagegen ist für 

die Frage der Schuldfähigkeit der Beschuldigten auf ein entsprechendes Gutach-

ten zurückzugreifen.  

3. Standpunkte betreffend die rechtliche Würdigung 

3.1. Anklagebehörde und Vorinstanz 

Die Ausführungen der Anklagebehörde beschränken sich im Wesentlichen auf die 

Sachverhaltserstellung und rechtliche Würdigung betreffend versuchte vorsätzli-

che Tötung (Urk. 72 S. 2 ff.). Betreffend Affekttat führte sie lediglich aus, das Gut-

achten sei schlüssig, die Handlung der Beschuldigten entspreche einem für sie 

typischen Handlungsmuster (Prot. I S. 15). Im Rahmen der Berufungsverhandlung 

wiederholte der Vertreter der Anklagebehörde, dass keine einmalige Affekttat vor-

gelegen habe, sondern die Tat dem damaligen Charakter der Beschuldigten ent-

sprochen habe: Bei der gutachterlichen Exploration habe die Beschuldigte wie-

derholt das "Zurückgeben" als Intention beschrieben, so dass der Eindruck eines 

Interaktionsmusters entstanden sei. Sodann habe sie beschrieben, dass sie sich 

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dem Geschädigten nur scheinbar gefügt habe, um ein Loslassen zu bewirken 

(Prot. II S. 7). Schliesslich machte der Vertreter der Anklagebehörde geltend, 

dass das Verhalten der Beschuldigten nicht als entschuldbar angesehen werden 

könne (Prot. II S. 8).  

Die Vorinstanz hat festgehalten, die Aussagen der Beteiligten würden nicht darauf 

hindeuten, dass sich die Beschuldigte in einer derart heftigen Gemütsbewegung 

befunden habe, dass der Tatbestand des Totschlages erfüllt sei. Die Beschuldigte 

und der Geschädigte hätten während ihrer Beziehung oft Streit gehabt. Der Streit, 

welcher der Tat vorausging, sei nicht aussergewöhnlich gewesen, der Drogen-

konsum der Beschuldigten sei schon vor der Tat wiederkehrendes Thema  

zwischen der Beschuldigten und dem Geschädigten gewesen, ebenso das  

Vorenthalten bzw. Hinauszögern der Drogenabgabe (Urk. 92 S. 19). Ferner stellte 

die Vorinstanz auf die Feststellungen des Gutachters ab, wonach eine deutlich  

affektive Erregung der Beschuldigten auszumachen sei, bei der Beschuldigten 

bestehe jedoch die ausgeprägte Tendenz zu impulsiven Handlungen, impulsive 

Reaktionen seien auch gegenüber früheren Partnern aufgetreten (Urk. 92 S. 19). 

3.2. Beschuldigte 

Die Verteidigung machte vor Vorinstanz geltend, der Geschädigte habe die von 

der Beschuldigten verlangte Herausgabe des Heroins hinausgezögert. Sie habe 

unter ihrem immer stärker werdenden Bedürfnis nach Drogen und auch unter der 

Abhängigkeit des Geschädigten bzw. dessen Machtausübung gelitten. Der Ge-

schädigte habe sie an den Armen ergriffen, sie geschüttelt und sie angeschrien, 

sie sei eine "Schlampe" und "Fuzze". Er habe sich wieder auf das Sofa gesetzt 

und habe weiter geschimpft. Sie habe nur noch an das Heroin denken können 

und habe nicht weiter zuhören wollen, so sei es zur tragischen Handlung ge-

kommen. Ausser sich vor Wut wegen den Handgreiflichkeiten und gedemütigt 

durch die dadurch erfahrene Machtlosigkeit habe sie reflexartig einen Gegenstand 

nach ihm werfen wollen (Urk. 73 S. 3 f.). Sodann zählte die Verteidigung ver-

schiedene Faktoren auf, welche für eine Affekttat sprechen (Urk. 73 S. 11 ff.). An 

der Berufungsverhandlung stellte sich der Verteidiger entschieden gegen die  

Argumentation der Vorinstanz, wonach der Streit zwischen der Beschuldigten und 

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dem Geschädigten vor der Tat nicht aussergewöhnlich gewesen sei: Alle Zeugen, 

auch der Geschädigte, hätten bekräftigt, dass die Beschuldigte keiner Fliege  

etwas zu Leide tun würde. Es sei unbestritten, dass die Beschuldigte impulsiv sei, 

sie habe sich jedoch nie zu echter Gewalt hinreissen lassen (Urk. 109 S. 3 f.).  

4. Würdigung 

4.1. Vorbemerkung 

Im Hinblick auf die Prüfung der Frage, ob eine heftige Gemütsbewegung die Be-

schuldigte dazu veranlasste, mit dem Messer in die Brust des Geschädigten zu 

stechen und ob diese Gemütsbewegung entschuldbar war, ist zuerst festzu-

stellen, was sich vor der Tathandlung ereignete und unter welchen äusseren Um-

ständen der Tatentschluss gefällt wurde. Dies kann nur anhand der Aussagen der 

Beschuldigten und des Geschädigten erfolgen. Auf die diesbezüglichen Aussagen 

der beiden Beteiligten ist daher einzugehen. Die Aussagen des Polizeibeamten, 

E._____, welcher an den Tatort ausrückte und mit welchem die Beschuldigte vor 

Ort sprach, können als Indizien herangezogen werden. 

4.2. Darstellung der Tatumstände durch die Beteiligten 

4.2.1. Aussagen des Geschädigten 

Der Geschädigte konnte sich nicht mehr an die Vorfälle in der Wohnung nach 

dem Eintreffen der Beschuldigten erinnern (Urk. 3/2 S. 4). Er verneinte, dass es 

beim Treffen mit der Beschuldigten am Bahnhof F._____ am Abend zu Streit ge-

kommen sei (Urk. 3/1 S. 7). Er bestätigte, dass ihm die Beschuldigte auch schon 

vorgeworfen habe, er übe Macht mit dem Tresor aus, er erkläre ihr dann, dass 

dies zu ihrem Schutze sei, da sie sonst zu viel Dormicum in kurzer Zeit aufbrau-

chen würde (Urk. 3/1 S. 17; Urk. 3/2 S. 6). In der Einvernahme als Auskunftsper-

son sagte der Geschädigte aus, es habe in der Beziehung kleinere Streitigkeiten 

gegeben, meistens sei es um Drogen gegangen (Urk. 3/2 S. 2). Es sei auch 

zweimal zu tätlichen Auseinandersetzungen gekommen. Die Beschuldigte habe 

ihm zwei- bis dreimal Gegenstände angeworfen (Urk. 3/2 S. 3). 

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4.2.2. Aussagen der Beschuldigten 

In der Hafteinvernahme vom 8. Mai 2009 (Urk. 2/1) sagte die Beschuldigte aus, 

der Geschädigte habe ihr am Abend des Vorfalles vorgeworfen, dass sie die ge-

meinsame Tochter nicht besucht habe. Zuerst habe er geweint, dann sei bei ihm 

Wut aufgekommen. Er habe gesagt, dass er es nicht begreife, dass eine Mutter 

das nicht mache und wegen Valium auf die Strasse gehe. Er werfe ihr auch vor, 

dass die Tochter jetzt im Entzug sei, weil sie während der Schwangerschaft mit 

Heroin und Dormicum nicht aufgehört habe. Er besuche die Tochter jeden Tag im 

Spital und sehe, wie sie leide. Deswegen sei der Streit entstanden (Urk. 2/1 S. 2). 

Zuerst hätten sie sich angeschrien. Er habe sie dann am Arm gepackt, um sie zu 

sich zu ziehen, was sie nicht wollte. Dann habe er sich auf ihre Beine gesetzt als 

sie auf dem Sofa gesessen sei, habe sie an beiden Handgelenken gepackt und 

geschüttelt. Sie sei dann auch wütend geworden und habe versucht, sich loszu-

reissen, dies sei nicht gelungen. Er sei aufgestanden und habe sich wieder auf 

sein Sofa gesetzt, sie habe etwas vom Tisch genommen und ihm angeworfen. Er 

habe auf seine Brust geschaut und gesehen, dass das Messer stecke, habe es 

herausgezogen und gesagt, sie solle 144 wählen, was sie getan habe (Urk. 2/1 

S. 3). Der Streit habe angefangen, als sie ihm den Tresor gebracht habe und ver-

langt habe, dass er diesen aufmache, damit sie das Heroin herausnehmen könne 

(Urk. 2/1 S. 4). Er habe den Code vom Tresor, sie hätten immer Streit, er wolle sie 

schützen (Urk. 2/1 S. 4). Er zögere das Öffnen des Tresors hinaus, dann werde 

sie wütend (Urk. 2/1 S. 4). Wenn beide wütend seien, dann "tätsche" es einfach. 

Sie hätten sich angeschrien. Normalerweise komme sie immer wieder herunter, 

sie wisse nicht, was beim angeklagten Vorfall gewesen sei (Urk. 2/1 S. 5). Sie ha-

be einfach die Schnauze voll gehabt, unterdrückt zu werden, dass er immer die 

Macht habe und sie als Böse, als "Fuzze" hinstelle (Urk. 2/1 S. 5). Der Geschä-

digte sei aggressiv geworden als sie den Tresor geholt habe und wollte, dass er 

ihn aufmache. Er habe es hinausgezögert und angefangen wegen der Tochter zu 

weinen, dann sei er aggressiv geworden (Urk. 2/1 S. 6). 

In der polizeilichen Einvernahme erklärte sie, der Geschädigte habe die Drogen 

für sie gekauft und in Portionen abgepackt, welche sie bis zum Beginn der  

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Therapie, welche auf 11. Mai 2009 vorgesehen gewesen sei, hätte einnehmen 

können. Er habe ihr jeweils Geld gegeben und sie habe die Drogen eingekauft. 

Auch am Tattag habe er ihr Geld gegeben, sie habe damit 4 Gramm gekauft 

(Urk. 2/2 S. 3 f.). Zu Hause habe sie ihm das Heroin gegeben. Während sie ge-

duscht habe, müsse er die Portionen gemacht haben. Als sie ins Wohnzimmer 

gekommen sei, sei das Heroin bereits im Tresor gewesen. Er habe begonnen zu 

diskutieren, weshalb sie nicht bei der Tochter im Spital gewesen sei. Er habe ge-

sagt, das sei das letzte Mal gewesen, dass er ihr Heroin bezahlt habe, er hoffe, 

dass sie am 11. Mai pünktlich die Therapie beginne. Sie habe sich beruhigen  

wollen und einen Schnupf Heroin nehmen wollen. Er habe mit ihr diskutieren  

wollen, weshalb sie nicht zu G._____ gehe. Der Streit habe angefangen, er sei zu 

ihr gekommen und habe sich auf ihre Beine gesetzt als sie auf dem Sofa geses-

sen sei. Er habe sie an beiden Armen gefasst und geschüttelt. Sie hätten sich ge-

genseitig angeschrien. Er habe ihr schlimme Wörter an den Kopf geworfen, sie 

sei eine Schlampe oder "Fuzze": Er habe sich dann wieder auf das andere Sofa 

begeben und habe immer noch lautstark geschimpft (Urk. 2/2 S. 11). Sie habe 

dann den Gegenstand geworfen. Während des Streites habe sie den Tresor ge-

holt und habe gesagt, er solle ihr ein Briefchen geben, er habe geantwortet, sie 

würden jetzt diskutieren (Urk. 2/2 S. 13). Beim Werfen des Gegenstandes sei sie 

sauer gewesen, verärgert (Urk. 2/2 S. 14). 

Die Beschuldigte sagte in der Einvernahme vom 23. Juli 2009 aus, es sei schon 

früher vorgekommen, dass sie Gegenstände gegen den Geschädigten geworfen 

habe, meist wegen Drogen, wenn er den Tresor verschlossen habe und gesagt 

habe, er gebe ihr nichts (Urk. 2/4 S. 3). Sie sagte, am fraglichen Abend sei sie 

schon ein bisschen sauer geworden als er den Tresor geschlossen habe. Dass er 

ihr vorgeworfen habe, dass sie ihre Tochter für ein oder zwei Tage nicht besucht 

habe, habe ihr ziemlich weh getan. Deswegen sei sie wütend geworden, dann sei 

noch das Schütteln dazugekommen (Urk. 2/4 S. 7). Am fraglichen Abend sei sie 

ziemlich verletzt worden psychisch (Urk. 2/4 S. 8). Auf die Frage des Verteidigers, 

ob der Anfall deshalb stärker gewesen sei als sonst, erwiderte sie "Nein. Es war 

ein Affekt." (Urk. 2/4 S. 8). 

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Auf die Frage, ob der Umstand, dass der Geschädigte ihren Drogenkonsum kon-

trolliert habe, generell zu inneren Spannungen geführt habe und speziell am frag-

lichen Abend als er ihr den Tresor nicht geöffnet habe, antwortete die Beschuldig-

te in der Schlusseinvernahme, es sei nicht nur wegen des Tresors gewesen, es 

sei einfach allgemein gewesen wegen der Probleme mit dem Kind, ihren Proble-

men, dem Ex-Freund, sie habe gespürt, dass sie in einer Sackgasse sei und sei 

explodiert (Urk. 2/10 S. 5). Sie hätten einfach immer Streit bekommen, wenn er 

gesagt habe, sie bekomme kein Heroin mehr (Urk. 2/10 S. 6). 

4.2.3. Zeugenaussage E._____ 

Der Polizeibeamte E._____, welcher an den Tatort ausgerückt war, schilderte, die 

Beschuldigte sei eher verwirrt und ängstlich gewesen betreffend das, was mit ih-

rem Lebenspartner geschieht. Bei der Arretierung sei sie vor allem besorgt um ihn 

gewesen, später habe er (E._____) bemerkt, dass ihr ebenfalls ihr Drogenkonsum 

wichtig war (Urk. 4/11 S. 4). 

5. Fazit 

Aufgrund der übereinstimmenden Aussagen des Geschädigten und der Beschul-

digten ist erstellt, dass ihre Beziehung im Tatzeitpunkt durch verschiedene Um-

stände belastet war. Die Beschuldigte hatte rund zwei Monate vor der Tat die ge-

meinsame Tochter zur Welt gebracht. Das Kind hielt sich im …spital auf, da es 

aufgrund der Drogensucht der Beschuldigten und dem Konsum während der 

Schwangerschaft einen Entzug durchmachte. Der Geschädigte besuchte das 

Kind täglich im Spital. Die Beschuldigte konnte sich teilweise aufgrund ihrer Dro-

genprobleme nicht dazu aufraffen, das Kind regelässig zu besuchen, was ihr der 

Geschädigte vorwarf. Die Drogensucht der Beschuldigten führte schon vor der Tat 

immer wieder zu Streit zwischen ihnen. Es war geplant, dass die Beschuldigte am 

11. Mai 2009 (also wenige Tage nach der Tat) eine ambulante Drogentherapie 

anfangen würde. Die Beschuldigte bestätigte, dass der Geschädigte ihr jeweils 

Geld für die Drogenbeschaffung gegeben habe, so auch am Abend vor der Tat. 

Sie bestätigte auch, dass der Geschädigte die Drogen zu ihrem Schutz im Tresor 

verwahrte, damit sie nicht zu viel Drogen auf einmal konsumiere. Die Beschuldig-

-   15   - 

te wusste demzufolge, dass der Geschädigte dies zu ihrem eigenen Schutz tat 

und dass es ihm nicht darum ging, Macht über sie auszuüben. Betreffend Verzö-

gerung der Drogenherausgabe und wegen Vorwürfen des Geschädigten an die 

Beschuldigte im Zusammenhang mit unterbliebenen Spitalbesuchen bei der Toch-

ter war es bereits mehrmals zu auch tätlichen Auseinandersetzungen zwischen 

ihnen gekommen.  

Der Geschädigte konnte betreffend den Tatablauf und die Geschehnisse vor der 

Verletzungshandlung durch die Beschuldigte keine Auskunft geben. Diesbezüg-

lich liegt einzig die Darstellung der Beschuldigten vor. Sie schilderte den Ablauf im 

Kerngehalt gleichbleibend und widerspruchslos. Gestützt auf ihre Darstellung hat-

te sie am fraglichen Abend vom Geschädigten Geld für Drogenbeschaffung erhal-

ten. Während er die Tochter im Spital besuchte, hat die Beschuldigte die Tochter 

an diesem Tag nicht besucht. Der Geschädigte begab sich nach dem Spital-

besuch nach Hause. Die Beschuldigte erwarb auf der Gasse Drogen und kam 

damit erst später nach Hause. Als sie zu Hause eintraf, übergab sie die erwobe-

nen Drogen dem Geschädigten und ging zuerst duschen. In der Zwischenzeit  

legte der Geschädigte die Drogen in den Tresor und verschloss diesen. Die Be-

schuldigte kam aus der Dusche. Der Geschädigte warf ihr vor, sie habe die Toch-

ter nicht besucht, zuerst weinte er, dann wurde er aggressiv. Als die Beschuldigte 

den Tresor holte und von ihm verlangte, dass er ihr Drogen herausgebe, sagte er, 

sie würden jetzt über die Tochter diskutieren. Daraufhin schrien sich beide an, der 

Geschädigte packte die Beschuldigte an beiden Armen und schüttelte sie.  

Ausserdem beschimpfte er sie mit "Schlampe" und "Fuzze". Nachdem er sie los-

gelassen hatte und sich wieder auf das Sofa gesetzt hatte, griff die Beschuldigte 

zum offen auf dem Tisch liegenden Taschenmesser. Aufgrund des Untersu-

chungsergebnisses ist erstellt, dass sie dieses nicht nach dem Geschädigten 

warf, sondern auf ihn einstach.  

Der von der Beschuldigten geschilderte Ablauf zeigt deutlich, dass kein geplantes 

und zielgerichtetes Handeln der Beschuldigten vorlag. Sie handelte spontan aus 

der Situation heraus und ergriff das bereits offen auf dem Tisch liegende  

Taschenmesser, welches für das Portionieren und Konsumieren von Drogen  

-   16   - 

verwendet wurde. Auch das Verhalten der Beschuldigten nach der Tatausübung  

– sie rief die Sanität und machte sich um den Zustand des Geschädigten  

Sorgen – deutet darauf hin, dass die Beschuldigte aus einer momentanen Ge-

mütsbewegung heraus und nicht rational und geplant handelte. Unklar ist auf-

grund der Aussagen der Beschuldigten, wie heftig diese Gemütsbewegung war. 

Ihre Aussagen gingen dahin, sie sei sauer, verärgert gewesen, sie sei psychisch 

ziemlich verletzt gewesen, weil der Geschädigte ihr vorgeworfen habe, dass sie 

die Tochter zwei Tage nicht besucht habe. Diese Darlegungen deuten nicht auf 

eine starke, heftige Gefühlsaufwallung hin. Es erscheint daher schon als fraglich, 

ob überhaupt eine heftige Gemütsbewegung im Sinne von Art. 113 StGB vorlag. 

Der Gutachter verneint in seiner ergänzenden gutachterlichen Stellungnahme 

klar, dass es sich um eine Affekttat handle (Urk. 10/18 S. 3 f.). Diese Frage kann 

indessen offen bleiben, da die heftige Gemütsbewegung gemäss Art. 113 StGB 

auch entschuldbar sein muss. 

Entschuldbarkeit ist vorliegend klar zu verneinen. Die Beschuldigte selber sagte 

aus, dass das Verschliessen der Drogen im Tresor und das Hinauszögern des 

Konsums durch den Geschädigten zu ihrem Schutze erfolgten. Auch am fragli-

chen Abend hatte sie vom Geschädigten Geld für den Erwerb von Drogen erhal-

ten, hatte ihm nach ihrer Heimkehr die Drogen ausgehändigt und ging duschen. 

Wenn sie behauptet, sie habe die Machtausübung nicht mehr ertragen, erweist 

sich dies als blosse Schutzbehauptung, die Beschuldigte wusste, dass es darum 

ging zu verhindern, dass sie zu viel konsumierte. Der Geschädigte weinte am An-

fang der Auseinandersetzung. Dass die gemeinsame Tochter nach der Geburt im 

Spital war und einen Entzug durchmachen musste, beschäftigte ihn sehr, was die 

Beschuldigte ebenfalls wusste, sie sagte selber aus, der Geschädigte habe die 

Tochter jeden Tag im Spital besucht und habe sie leiden sehen. Der Streit begann 

damit, dass der Geschädigte ihr vorwarf, sie habe die Tochter nicht besucht. Der 

Streit dauerte an und der Geschädigte schüttelte die Beschuldigte indem er sie an 

beiden Armen packte und beschimpfte sie mit "Schlampe" und "Fuzze". Dieses 

Verhalten des Geschädigten stellte eine gewisse Provokation dar, ist jedoch nicht 

dergestalt, dass es unter den gegebenen Umständen und aufgrund der Vorge-

schichte eine heftige Gefühlaufwallung als entschuldbar erscheinen liesse. Zu  

-   17   - 

beachten ist dabei, dass es keine für die Beschuldigte überraschende einmalige 

Situation war. Gemäss übereinstimmender Darstellung beider Beteiligten war es 

auch vorgängig wiederholt zu derartigen Auseinandersetzungen gekommen um 

den Drogenkonsum der Beschuldigten.  

Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass aufgrund der eigenen Darstellung 

der Beschuldigten schon das Vorliegen einer heftigen Gemütsbewegung fraglich 

erscheint, selbst bei Bejahung einer solchen erweist sich diese aufgrund der  

konkreten Umstände nicht als entschuldbar im Sinne von Art. 113 StGB.  

Die Beschuldigte ist daher der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von 

Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

III. Strafzumessung 

1. Allgemeines und Strafrahmen 

Der Strafrahmen für vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB beträgt Frei-

heitsstrafe nicht unter 5 Jahre bis 20 Jahre (Art. 111 StGB i.V. mit Art. 40 StGB). 

Derjenige für Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB Freiheits-

strafe bis zu drei Jahre oder Geldstrafe. 

Betreffend das für die Strafzumessung bei Deliktsmehrheit zur Anwendung ge-

langende Asperationsprinzip sowie die Grundsätze für die Strafzumessung inner-

halb des Strafrahmens kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz 

verwiesen werden (Urk. 92 S. 21 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). 

2. Strafzumessung innerhalb des Strafrahmens 

2.1. Tötungsdelikt 

2.1.1. Tatschwere 

2.1.1.1. objektive Tatschwere 

In objektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass die Beschuldigte den Geschädigten 

unter Einsatz eines Taschenmessers als Stichwerkzeug durch einen gezielten 

-   18   - 

Stich in die Brust im Bereich des Herzens verletzt hat. Der tatbestandsmässige 

Erfolg des Todeseintrittes war sehr nahe und konnte nur durch sofortigen operati-

ven Eingriff abgewendet werden. Der Geschädigte hat schwere Verletzungen er-

litten und befand sich in unmittelbarer Lebensgefahr. Das Verschulden wiegt in 

objektiver Hinsicht erheblich. 

2.1.1.2. subjektive Tatschwere 

Die Beschuldigte handelte eventualvorsätzlich. Es lag keine planmässige Tatbe-

gehung vor, vielmehr griff sie spontan im Rahmen eines Streites mit dem Ge-

schädigten zu dem zufällig offen auf dem Tisch liegenden Taschenmesser. Die 

Beschuldigte befand sich in einer Situation der Anspannung und Überforderung. 

Aufgrund ihrer Drogensucht war sie nicht in der Lage, ihre knapp zwei Monate  

alte Tochter, welche im …spital war, regelmässig zu besuchen. Die Mutterrolle 

und die Erwartungen des Geschädigten, aber auch der bevorstehende Beginn ei-

ner ambulanten Drogentherapie sowie die Beziehungssituation überforderten die 

Beschuldigte, welche schon ihr erstes Kind nicht selbst betreuen konnte. Ihr Zu-

stechen auf die relativ geringe Provokation seitens des Geschädigten durch Be-

schimpfen als "Schlampe" und "Fuzze" sowie Vorwürfe betreffend die gemeinsa-

me Tochter ist aber auch vor dem Hintergrund dieser schwierigen Lebenssituation 

normalpsychologisch nicht nachvollziehbar. Das Motiv für das Zustechen der Be-

schuldigten kann nur Wut und Verärgerung über den Geschädigten gewesen 

sein, denn die Tat war in keiner Weise geeignet, die Lebenssituation der Beschul-

digten positiv zu beeinflussen, insbesondere konnte die Beschuldigte durch Tö-

tung des Geschädigten auch nicht rascher auf die Drogen greifen, denn sie kann-

te den vom Geschädigten eingegebenen Code des Tresors nicht. Die sinnlose Tat 

lässt sich nur im Zusammenhang mit ihrer Persönlichkeitsstörung erklären.  

Das auch in subjektiver Hinsicht erhebliche Verschulden wird aufgrund der ver-

minderten Schuldfähigkeit relativiert. Darauf ist nachfolgend im Einzelnen einzu-

gehen: 

 

-   19   - 

2.1.1.3. verminderte Schuldfähigkeit 

a) Verwertbarkeit des Gutachtens von Dr. med. D._____ vom 5. März 2010 

Betreffend das Vorliegen einer psychischen Störung, die Schuldfähigkeit, die 

Rückfallgefahr und die Massnahme wurde durch die Staatsanwaltschaft ein  

psychiatrisches Gutachten eingeholt. In seinem Gutachten vom 5. März 2010 hat 

Dr. med. D._____ zu diesen Fragen Stellung genommen. Betreffend die hier  

interessierende Frage der Schuldfähigkeit der Beschuldigten kam der Gutachter 

zum Schluss, bei der Beschuldigten liege eine emotional instabile Persönlich-

keitsstörung vom Borderline-Typus mit dissozialen Merkmalen sowie eine Heroin- 

und Benzodiazepinabhängigkeit vor (Urk. 10/16 S. 40 ff.). Die Einsichtsfähigkeit 

war nach Einschätzung des Gutachters gegeben, die Steuerungsfähigkeit leicht-

gradig eingeschränkt (Urk. 10/16 S. 46).  

Die Verteidigung stellt das Gutachten in Frage. Sie macht geltend, das Gutachten 

gehe nicht von anerkannten wissenschaftlichen Methoden aus. Insbesondere ge-

he der Gutachter von einer in der Lehre nicht anerkannten Unterscheidung von 

Impulstaten und Affekttaten aus. Zudem habe der Gutachter, entgegen dem An-

trag der Beschuldigten, die für das Gutachten beigezogenen und verwendeten 

Akten nicht zur Verfügung gestellt, diese Grundlagen seien weder für die Be-

schuldigte noch für das Gericht noch für einen Obergutachter überprüfbar. Diese 

offenkundigen Mängel des Gutachtens würden dazu führen, dass es nicht ver-

wertbar sei. Es sei ein neues Gutachten über die Schuldfähigkeit der Beschuldig-

ten einzuholen (Urk. 95 S. 2 f.). An der Berufungsverhandlung machte die Ver-

teidigung sodann erstmals geltend, dass die Beschuldigte die betreffenden Institu-

tionen und Ärzte – es betrifft dies die psychiatrischen Kliniken H._____ und 

I._____ sowie das Psychiatriezentrum J._____, bei welchen der Gutachter Berich-

te zur Erstellung des Gutachtens beigezogen hatte – nicht vom Arztgeheimnis 

entbunden habe (Urk. 109 S. 2). Dr. med. D._____ hat die von der Beschuldigten 

unterzeichneten Entbindungserklärungen im Anschluss an die Berufungsverhand-

lung auf Ersuchen der erkennenden Kammer zu den Akten gereicht (Urk. 113 und 

114/1-3), womit das Vorbringen der Verteidigung widerlegt ist. Es kann hierzu auf 

die Ausführungen unter I.1. verwiesen werden.  

-   20   - 

Die Argumentation der Verteidigung ist betreffend die vom Gutachter beigezoge-

nen Akten nicht stichhaltig. Im Gutachten werden die beigezogenen Akten, insbe-

sondere die Berichte der psychiatrischen Kliniken H._____ und I._____ und des 

Psychiatriezentrums J._____, aufgeführt (Urk. 10/16 S. 3), es wird darauf Bezug 

genommen und die daraus entnommenen Angaben werden ausführlich wieder-

gegeben (Urk. 10/16 S. 15 ff.). Es handelt sich um Patientenakten der Beschuldig-

ten, welche von ihr und mit ihrem Einverständnis auch von der Verteidigung bei-

gezogen und eingesehen werden können. Der Gutachter hat zu dieser Frage 

nachvollziehbar dargelegt, dass von Drittstellen unter Nutzung der Schweige-

pflichtsentbindung eingeforderte Dokumente gemäss den Empfehlungen der 

Schweizerischen Gesellschaft für Forensische Psychiatrie (SGFP) nach Abgabe 

des Gutachtens vernichtet werden (Urk. 10/18). Diese Empfehlung der SGFP be-

ruhe auf der Überlegung, dass so verhindert werden könne, dass die Dokumente 

der Kliniken weitergereicht werden an Stellen, gegenüber welchen sie nicht von 

der Schweigepflicht entbunden worden seien (Urk. 10/18 S. 2).  

Da die beigezogenen Akten von der Beschuldigten durchaus eingesehen werden 

können und die Ausführungen des Gutachters betreffend die Empfehlungen der 

SGFP einleuchtend erscheinen, steht einer Verwertbarkeit des Gutachtens unter 

diesem Gesichtspunkt nichts entgegen.  

Die Verteidigung bemängelt sodann, dass der Gutachter zwischen Impulstaten 

und Affekttaten unterscheide, was nicht anerkannten wissenschaftlichen  

Methoden entspreche (Urk. 109 S. 2 f). Diesbezüglich wurde bereits festgehalten, 

dass die Frage, ob eine entschuldbare heftige Gemütsbewegung (Affekt) im Sinne 

von Art. 113 StGB vorliegt, vom Gericht nach normalpsychologischen, ethischen 

Kriterien zu beurteilen ist und keine gutachterliche Fragestellung ist. Vom Gutach-

ter zu beurteilen ist die Frage nach dem Vorliegen einer psychischen Störung und 

der Schuldfähigkeit. Dass bezüglich dieser vom Gutachter zu beurteilenden  

Fragen oder bezüglich der Verwertbarkeit des Gutachtens die Unterscheidung 

zwischen Impulstaten und Affekttaten von Bedeutung sein soll, ist nicht nachvoll-

ziehbar.  

Das Gutachten von Dr. med. D._____ vom 5. März 2010 ist daher verwertbar. 

-   21   - 

b) Inhaltliche Prüfung des Gutachtens 

Das Gutachten erweist sich als inhaltlich klar, nachvollziehbar und schlüssig:  

Schon im Verlaufsbericht der Klink H._____ aus dem Jahre 1994 wurde festge-

halten, die Patientin müsse an ihrer schwer zu kontrollierenden Wut arbeiten. Es 

wurde schon damals eine Polytoxikomanie, Aggressionsproblematik und depres-

sive, suizidale Symptomatik diagnostiziert (Urk. 10/16 S. 16), im September 1994 

sei es zu sehr häufigen Ausbrüchen mit emotionaler und körperlicher Gewalt ge-

kommen (Urk. 10/16 S. 18). Dr. med. D._____ hielt entsprechend fest, es sei in 

der frühen Jugend der Beschuldigten zu Aggressionsdurchbrüchen mit massiver 

affektiver Erregung gekommen und dass diese affektiven Erregungszustände mit 

Auto- und Fremdaggressionen auch im Erwachsenenalter weiterhin auftraten und 

dazu führten, dass es je nach Partner auch zu ausgeprägten Auseinandersetzun-

gen gekommen sei (Urk. 10/16 S. 39). Diese Feststellungen entsprechen auch 

den Angaben der Beschuldigten im Vorverfahren. Im Gutachten wird schlüssig 

dargelegt, dass die Tendenz impulsiv zu handeln ohne Berücksichtigung von 

Konsequenzen und Ausbrüche intensiven Ärgers mit gewalttätigem,  

explosivem Verhalten, Kennzeichen einer emotional instabilen Persönlichkeits-

störung darstellen (Urk. 10/16 S. 40). Die Diagnose einer emotional instabilen 

Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus mit dissozialen Merkmalen ist auf-

grund der Lebensgeschichte der Beschuldigten, der Geschichte ihrer psychiatri-

schen Hospitalisationen und ihrer Schilderungen betreffend ihr Erleben in der 

Tatnacht nachvollziehbar. Ebenso schlüssig sind die Ausführungen des Gutach-

ters, wonach die Einsichtsfähigkeit mit Bezug auf ein Tötungsdelikt nicht einge-

schränkt war, dagegen von einer Verminderung der Steuerungsfähigkeit im Rah-

men von aggressiven Impulsdurchbrüchen bei affektiven Erregungszuständen 

auszugehen ist. Nach gutachterlicher Beurteilung ist von einer leichtgradigen Ein-

schränkung der Steuerungsfähigkeit auszugehen (Urk. 10/16 S. 45). Es besteht 

keine Veranlassung von dieser Einschätzung des Gutachters abzuweichen. 

Ausser Frage steht, dass die Beschuldigte gemäss Gutachten neben der emotio-

nal instabilen Persönlichkeitsstörung an einer Heroin- und Benzodiazepin-

abhängigkeit leidet. Der Einwand der Verteidigung, das Gutachten gehe nicht auf 

-   22   - 

den Einfluss der Drogen auf die Schuldfähigkeit ein, erweist sich als nicht zu-

treffend. Der Gutachter hält vielmehr fest, das Konsummuster im Tatzeitraum 

bzw. die Suchtproblematik habe nicht zu einer Einschränkung der Schuldfähigkeit 

geführt (Urk. 10/16 S. 43 ff.). Zur Begründung führt er an, am Vortag der Tat-

handlung sei es zu Unregelmässigkeiten bzw. Verzögerungen in der gewohnten  

Frequenz und Dosis von Heroin und Dormicum (Benzodiazepin) gekommen. Der 

Konsum habe aber auch zuvor mehr oder weniger starken Unregelmässigkeiten 

unterlegen. An eigentlichen Entzugserscheinungen habe die Beschuldigte nicht 

gelitten. Dass sie nach der Heimkehr zuerst duschte, deute darauf hin, dass der 

Drang für einen unmittelbaren Konsum nicht bestanden habe und sich nicht sofort 

aufgebaut habe, dagegen habe die Ungeduld und fehlende Bedürfnisbefriedigung 

zu einer inneren Anspannung geführt und die aggressive Ladung gefördert 

(Urk. 10/16 S. 43 f.). Die Darlegungen des Gutachters stimmen mit den Angaben 

der Beschuldigten überein und sind schlüssig und nachvollziehbar. Insbesondere 

sprach die Beschuldigte selber nie von Entzugserscheinungen, die sie zur Tat ge-

trieben hätten. Sie selber sprach von Wut, psychischer Verletzung, sie sei sauer, 

verärgert gewesen, habe die "Schnauze voll" gehabt von der Unterdrückung. Ein 

direkter Zusammenhang zwischen der versuchten Tötung und der Drogen-

abhängigkeit der Beschuldigten ist nicht erkennbar, ein solcher wäre z.B. bei einer 

Bedrohung des Geschädigten mit dem Messer unter Aufforderung, den Code für 

den Tresor bekanntzugeben, zu erblicken. Bei einer Tötung des Geschädigten 

hätte die Beschuldigte immer noch keinen Zugang zu den Drogen im Tresor ge-

habt. Die Feststellung des Gutachters, der Drang Drogen zu konsumieren habe 

die ohnehin bei der Beschuldigten aufgrund ihrer damaligen Probleme bestehen-

de Anspannung, Reizbarkeit und die affektive Ladung erhöht, erscheint als  

plausibel. Der Drang nach Drogen war einer von verschiedenen Stressfaktoren, 

welche zusammen mit der insgesamt bestehenden Überforderungssituation der 

Beschuldigten zu einem aggressiven Impulsdurchbruch führten. Letzterer  

wiederum ist in Zusammenhang mit ihrer emotional instabilen Persönlichkeits-

störung zu sehen.  

Wenn die Verteidigung ausführt, die verschiedenen Einflüsse einzeln betrachtet 

hätten möglicherweise nicht zu einer stärkeren als leichten Einschränkung der 

-   23   - 

Schuldfähigkeit geführt, jedoch seien die Einflüsse in Kombination wesentlich 

stärker zu werten (Urk. 51 S. 3), so stellt sie ihre Bewertung an die Stelle derjeni-

gen des Gutachters, was aufgrund der schlüssigen Ausführungen des Gutachters 

nicht angezeigt ist. Es ist nochmals festzuhalten, dass zwar verschiedene Um-

stände wie belastete Beziehungssituation und Streit, schwierige Situation mit dem 

Kind im Spital, bevorstehender Therapiebeginn und Konsumdrang der Be-

schuldigten aufgrund ihrer Drogensucht die Anspannung bei der Beschuldigten 

aufbauten, dass aber einzig ihre Persönlichkeitsstörung dazu führte, dass die 

Steuerungsfähigkeit in dieser angespannten Situation eingeschränkt war. Eine 

von derjenigen des Gutachter abweichende Gewichtung des Ausmasses der Ein-

schränkung der Steuerungsfähigkeit ist daher nicht gerechtfertigt. 

c) Schlussfolgerung 

Es ist von einer leichtgradigen Verminderung der Steuerungsfähigkeit auszuge-

hen. 

2.1.1.4. Fazit Tatschwere 

Insgesamt ist unter Berücksichtigung der leichtgradigen Verminderung der 

Schuldfähigkeit von einer nicht mehr leichten bis erheblichen Tatschwere auszu-

gehen. Entsprechend ist die der Tatschwere entsprechende Strafe im Bereich von 

9 Jahren festzulegen. 

2.1.2. Versuch 

Bei einem Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB kann das Gericht die Strafe 

mildern. Der ordentliche Strafrahmen ist jedoch nur zu unterschreiten (dazu 

Art. 48a StGB), wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen (BGE 136 IV 63). 

Das ist vorliegend nicht der Fall. Die Beschuldigte hat alles getan, um ihre Tat 

dem Erfolg zuzuführen, und dieser ist nur deshalb nicht eingetreten, weil sie sofort 

die Ambulanz verständigte und der Geschädigte rechtzeitig operiert wurde. Es 

liegt damit ein vollendeter Versuch vor. Auch in einem solchen Fall ist aber die 

Strafe jedenfalls (innerhalb des Strafrahmens) zu mindern, wie das Bundesgericht 

in BGE 121 IV 55 nach eingehender Auseinandersetzung mit verschiedenen 

-   24   - 

Lehrmeinungen hergeleitet hat (vgl. auch H. Wiprächtiger, in: Niggli/Wiprächtiger, 

Basler Kommentar, Strafrecht I, 2. A., N 13 zu Art. 48a).  

Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe bei einem vollendeten Versuch 

hängt unter anderem von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs und von den 

tatsächlichen Folgen der Tat ab (BGE 121 IV 54). So fällt ins Gewicht, dass die 

Beschuldigte "lediglich" einmal auf den Geschädigten eingestochen hat. Sodann 

hat sie erheblich dazu beigetragen, dass der Erfolg nicht eintrat, bemühte sie sich 

nach der Tat doch sofort, dass dem Geschädigten geholfen werde. Der tatbe-

standsmässige Erfolg lag damit zwar nahe, wurde jedoch insbesondere durch 

Faktoren vermindert, die der Beschuldigten zuzurechnen sind. Die tatsächlichen 

Folgen der Tat sind nicht mehr gering ausgefallen: Der Geschädigte B._____ be-

fand sich durch die direkte Verletzung des Herzens in unmittelbarer Lebens-

gefahr, welche durch eine zügige operative Therapie jedoch abgewendet werden 

konnte; daraufhin befand er sich rund zwei Wochen im künstlichen Koma 

(Urk. 5/7 S. 2 und Urk. 3/2 S. 5). In der Folge musste er Ende Mai 2009 nochmals 

operiert werden, da er Probleme mit der Atmung hatte (Urk. 5/8). Der Geschädig-

te war bis gegen Ende Juni 2009 hospitalisiert, anschliessend folgte ein Aufent-

halt in einer Reha-Klinik (Urk. 5/10). Es ist demnach festzustellen, dass die tat-

sächlichen Folgen der Tat als nicht mehr unerheblich zu bezeichnen sind. 

Das schnelle Benachrichtigen der Ambulanz durch die Beschuldigte nach der Tat, 

womit dem Geschädigten raschmöglichst geholfen werden konnte, rechtfertigt 

trotz der schweren Verletzung eine deutliche Reduktion der oben festgesetzten 

Einsatzstrafe.  

2.1.3. Täterkomponenten 

2.1.3.1. Nachtatverhalten 

Die Beschuldigte hat die Tat zwar zu Ende geführt, danach aber umgehend die 

Sanität verständigt und hat sich sehr besorgt um den Zustand des Geschädigten 

gezeigt. In der Folge hat sie sich mehrmals schriftlich beim Geschädigten ent-

-   25   - 

schuldigt (Urk. 71 S. 5). Dieses Verhalten zeugt von Einsicht und Reue, was 

strafmindernd zu berücksichtigen ist. 

Die Beschuldigte anerkannte im ganzen Vorverfahren, dass sie die Verletzung 

verursacht hatte, jedoch versuchte sie ihr Verhalten herunterzuspielen, indem sie 

stets davon sprach, sie habe das Messer geworfen und sogar ins Spiel brachte, 

der Geschädigte könnte das Messer beim Herausziehen noch tiefer hineingesto-

chen haben. Ihr Teilgeständnis fällt angesichts der Tatsituation und des Umstan-

des, dass vernünftigerweise nur sie als Verursacherin der Verletzung in Frage 

kam, nicht strafmindernd ins Gewicht  

2.1.3.2. Vorleben und persönliche Verhältnisse 

Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse der Beschuldigten zutreffend 

dargelegt, es kann darauf verwiesen werden (Urk. 92 S. 26 f.; Art. 82 Abs. 4 

StPO). Mit der Vorinstanz ist die belastete Lebenssituation der Beschuldigten 

strafmindernd zu berücksichtigen. Soweit die Verteidigung geltend macht, dass 

die Vorinstanz den Umstand, dass die Beschuldigte zwei verschiedene Drogen, 

welche sich gegenseitig verstärkten, konsumiert habe, nicht berücksichtigt habe 

(Urk. 109 S. 8), ist sie darauf hinzuweisen, dass dies im Rahmen der Schuldfä-

higkeit zu beachten ist. Es kann auf die dortigen Ausführungen verwiesen werden.  

Die Beschuldigte hat eine Vorstrafe erwirkt. Mit Strafmandat der Bezirksanwalt-

schaft Pfäffikon vom 28. Januar 2002 wurde sie wegen Hehlerei, Diebstahl, Haus-

friedensbruch und Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz mit einer 

bedingten Freiheitsstrafe von 3 Monaten und einer Busse von Fr. 200.-- bestraft, 

Die Vorstrafe ist nicht einschlägig und liegt lange zurück, sie fällt nur leicht straf-

erhöhend ins Gewicht. 

2.1.3.3. Strafempfindlichkeit 

Die Verteidigung bemängelte im Rahmen des Berufungsverfahrens, dass der  

Beschuldigten eine besondere Strafempfindlichkeit abgesprochen worden sei, 

welche daher rühre, dass die Beschuldigte zwei Töchter habe, zu denen sie in der 

Anstalt K._____ nur einen minimalen Kontakt haben könne, wobei insbesondere 

-   26   - 

bei G._____, der jüngeren Tochter, die Gefahr der Entfremdung bestehe (Urk. 

109 S. 8).  

Wie das Bundesgericht festhielt, stellt selbst die Verbüssung einer langjährigen 

Freiheitsstrafe für jeden in ein familiäres oder soziales Umfeld eingebetteten An-

geklagten eine gewisse Härte dar; trotzdem darf dies nur zurückhaltend und nur 

bei aussergewöhnlichen Umständen berücksichtigt werden (Wiprächtiger, a.a.O., 

N 118 zu Art. 47; BGE 6P.39/2004 vom 23. Juli 2004 E. 7.4).  

Eine deutlich erhöhte Strafempfindlichkeit ist vorliegend nicht ersichtlich: Die Be-

schuldigte ist nicht in den Arbeitsprozess integriert, hat sie doch nach eigenen 

Angaben noch nie eine Arbeitsstelle gehabt, und ihre beiden Töchter sind seit der 

Geburt bzw. seit ihren ersten Lebensjahren fremdplatziert (Urk. 17/4 S. 2). Damit 

liegt keine Konstellation mit aussergewöhnlichen Umständen vor, welche heute 

irgendeine besondere Strafempfindlichkeit – aus beruflichen oder persönli-

chen/familiären Gründen – zu begründen vermöchte.  

2.1.4  Strafe für das Tötungsdelikt 

Die der Tatschwere angemessene Freiheitsstrafe ist unter Berücksichtigung des 

Versuchs sowie der strafmindernden Faktoren der Reue und der schwierigen  

persönlichen Verhältnisse zu reduzieren auf eine Strafe im Bereich von knapp  

6 1/2 Jahren.  

2.2. Sachbeschädigung 

2.2.1. Tatschwere 

Das Verschulden wiegt in objektiver Hinsicht nicht mehr leicht. Die Beschuldigte 

hat am Fahrzeug der Polizei unter Zuhilfenahme eines Schlüssels als Werkzeug 

einen Schaden von Fr. 500.-- verursacht, welcher eher noch gering wiegt. 

In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass sie mit direktem Vorsatz handelte. Es 

liegt kein planmässiges Handeln vor. Das Motiv war Verärgerung und Wut über 

die Verbringung auf den Polizeiposten wegen Drogenbesitzes. 

-   27   - 

Auch diese Delinquenz steht im Zusammenhang mit der Persönlichkeitsstörung 

der Beschuldigten. Sie war wütend, da sie von der Polizei wegen Übertretung des 

Betäubungsmittelgesetzes verzeigt worden war. Nach eigenen Angaben war sie 

sauer, weil ihr die Polizei die Drogen weggenommen hatte und sie nochmals auf 

die Gasse gehen musste (Urk. 53/3 S. 3). Auch bezüglich dieses Deliktes ist von 

einer leichtgradigen Verminderung der Steuerungsfähigkeit auszugehen. 

Das Verschulden wiegt insgesamt noch leicht.  

2.2.2. Täterkomponente 

Die Beschuldigte zeigte sich geständig, was leicht strafmindernd zu berücksichti-

gen ist, zumal sie aufgrund der Videoaufnahmen überführt war und sich auf Vor-

halt dieser Aufnahmen als geständig erklärte. 

Strafmindernd wirken sich die schwierigen persönlichen Verhältnisse der  

Beschuldigten aus, straferhöhend dagegen die Vorstrafe und ihre Delinquenz 

während hängigem Verfahren betreffend das Tötungsdelikt. 

2.3. Fazit 

Die für das Tötungsdelikt auszufällende Strafe ist unter Einbezug der Sach-

beschädigung und unter Berücksichtigung des Asperationsprinzipes auf 6 Jahre 

und 6 Monate Freiheitsstrafe festzulegen.  

Auf die Strafe anzurechnen sind 427 Tage erstandene Haft – wobei es sich ent-

gegen dem im Anschluss an die Urteilsfällung versandten Urteilsdispositiv nur um 

Untersuchungshaft handelt – sowie 429 Tage vorzeitiger Massnahmevollzug bis 

und mit heute.  

IV. Kostenfolge 

Die Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren. Entsprechend sind ihr die 

Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO), jedoch 

aufgrund ihrer schlechten finanziellen Verhältnisse sofort definitiv abzuschreiben 

-   28   - 

(Art. 425 StPO). Dasselbe gilt für die Kosten des unentgeltlichen Vertreters des 

Privatklägers B._____. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren sind auf die 

Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 StPO), wobei die Rückzahlungspflicht 

gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt. 

 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon, 1. Abtei-

lung, vom 22. März 2011 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:  

"Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte ist schuldig 

- … 

- der Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB. 

2. … 

3. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB (Be-
handlung von psychischen Störungen) angeordnet. Der Vollzug der Freiheitsstrafe 
wird zu diesem Zweck aufgeschoben. 

4. Das mit Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 7. Juni 2010  
sichergestellte Taschenmesser wird eingezogen und der Gerichtskasse zur Vernich-
tung überlassen. 

5. Die Beschuldigte wird gemäss ihrer Anerkennung verpflichtet, dem Geschädigten 
B._____ Fr. 4'814.90 nebst 5 % Zins ab 1. Juli 2009 als Schadenersatz und 
Fr. 30'000.– nebst 5 % Zins ab 1. Juli 2009 als Genugtuung zu bezahlen. 

6. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Geschädigten Kantonspolizei Zürich Fr. 500.– 
als Schadenersatz zu bezahlen. 

7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 6'000.–.  

 Die weiteren Kosten betragen:  

Fr. 19'049.10 amtliche Verteidigung  
Fr.   3'105.70 unentgeltlicher Geschädigtenvertreter  
Fr. 30'132.80 Untersuchungskosten 
Fr.   1'000.00 Gebühr Strafuntersuchung   
Fr.      385.80 Gutachten Universität C._____  
Fr.      285.40 Kosten Kantonspolizei Zürich 

-   29   - 

8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschul-
digten auferlegt, aber abgeschrieben. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie 
der unentgeltlichen Vertretung des Geschädigten B._____ werden auf die Gerichts-
kasse genommen. 

9. Mitteilungen 

10. Rechtsmittel" 

2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

 

Es wird erkannt: 

1. Die Beschuldigte ist ferner schuldig der versuchten vorsätzlichen Tötung im 

Sinne von Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB. 

2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 6 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe, 

wovon 856 Tage durch Untersuchungshaft sowie vorzeitigen Massnahme-

vollzug bis und mit heute erstanden sind. 

3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'000.-- ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 6'237.85   amtliche Verteidigung 

Fr.     unentgeltliche Vertretung Privatklägerschaft 

   

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive derjenigen der unentgeltli-

chen Vertretung des Privatklägers B._____, werden der Beschuldigten auf-

erlegt, jedoch definitiv abgeschrieben. Die Kosten der amtlichen Verteidi-

gung werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen, vorbehalten 

bleibt die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. 

5. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die amtliche Verteidigung (im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten) 

− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich 

-   30   - 

− den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 
Vollzugsdienste  

− Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ (im Doppel für sich und zuhanden des 
Privatklägers B._____)  

− die Privatklägerin L._____ 
− den Privatkläger M._____ 
− die Privatklägerin Kantonspolizei Zürich, Kommandobereich … 

 (Eine begründete Urteilsausfertigung wird den Privatklägern nur 
zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach Erhalt des Dispositivs 
verlangen [Art. 84 Abs. 4 StPO].) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die amtliche Verteidigung (im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten)  

− die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich  
− Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ (im Doppel für sich und zuhanden des 

Privatklägers B._____)  

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 

Vollzugsdienste 
− das Migrationsamt des Kantons Zürich  
− die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A  

6. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

 

-   31   - 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer 

 
 

Zürich, 14. Dezember 2011 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

Oberrichter Dr. F. Bollinger 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

lic. iur. S. Schwarzwälder 
 

	Urteil vom 14. Dezember 2011
	Es wird erkannt:
	1. Die Beschuldigte ist schuldig
	 der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie
	 der Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB.

	2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 5 Jahren Freiheitsstrafe (wovon 427 Tage durch Untersuchungshaft sowie 163 Tage durch vorzeitigen Massnahmevollzug bis und mit heute erstanden sind).
	3. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu diesem Zweck aufgeschoben.
	4. Das mit Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 7. Juni 2010 sichergestellte Taschenmesser wird eingezogen und der Gerichtskasse zur Vernichtung überlassen.
	5. Die Beschuldigte wird gemäss ihrer Anerkennung verpflichtet, dem Geschädigten B._____ Fr. 4'814.90 nebst 5 % Zins ab 1. Juli 2009 als Schadenersatz und Fr. 30'000.– nebst 5 % Zins ab 1. Juli 2009 als Genugtuung zu bezahlen.
	6. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Geschädigten Kantonspolizei Zürich Fr. 500.– als Schadenersatz zu bezahlen.
	7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 6'000.–.  Die weiteren Kosten betragen:  Fr. 19'049.10 amtliche Verteidigung  Fr.   3'105.70 unentgeltlicher Geschädigtenvertreter  Fr. 30'132.80 Untersuchungskosten Fr.   1'000.--      Gebühr Strafunters...
	8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschuldigten auferlegt, aber abgeschrieben. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung des Geschädigten B._____ werden auf die Gerichtskasse ge...
	9. Mitteilungen
	10. Rechtsmittel
	Berufungsanträge:
	1. Ziff. 1 des Dispositivs des Urteils vom 22. März 2011 sei aufzuheben und die Beschuldigte sei des versuchten Totschlags im Sinne von Art. 113 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB für schuldig zu sp...
	2. Ziff. 2 des Dispositivs des Urteils vom 22. März 2011 sei ebenfalls aufzuheben und die Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten als Gesamtstrafe zu bestrafen, unter Anrechnung von Polizeiverhaft, Untersuchungshaft, Sicherheitshaft ...
	1. Es sei die Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren zu bestrafen, unter Anrechnung der erstandenen Haft.
	2. Es sei das vorinstanzliche Urteil im Schuldpunkt zu bestätigen und die Berufung der Beschuldigten diesbezüglich abzuweisen.
	3. Es seien der Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Staatskasse zu nehmen.
	Das Gericht erwägt:
	Bei einem Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB kann das Gericht die Strafe mildern. Der ordentliche Strafrahmen ist jedoch nur zu unterschreiten (dazu Art. 48a StGB), wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen (BGE 136 IV 63). Das ist vorliegend ni...
	Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe bei einem vollendeten Versuch hängt unter anderem von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs und von den tatsächlichen Folgen der Tat ab (BGE 121 IV 54). So fällt ins Gewicht, dass die Beschuldigte "ledig...
	Das schnelle Benachrichtigen der Ambulanz durch die Beschuldigte nach der Tat, womit dem Geschädigten raschmöglichst geholfen werden konnte, rechtfertigt trotz der schweren Verletzung eine deutliche Reduktion der oben festgesetzten Einsatzstrafe.
	Eine deutlich erhöhte Strafempfindlichkeit ist vorliegend nicht ersichtlich: Die Beschuldigte ist nicht in den Arbeitsprozess integriert, hat sie doch nach eigenen Angaben noch nie eine Arbeitsstelle gehabt, und ihre beiden Töchter sind seit der Gebur...

	Es wird beschlossen:
	1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon, 1. Abteilung, vom 22. März 2011 wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist:
	"Es wird erkannt:
	1. Die Beschuldigte ist schuldig
	- …
	- der Sachbeschädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB.
	2. …
	3. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB (Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu diesem Zweck aufgeschoben.
	4. Das mit Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 7. Juni 2010  sichergestellte Taschenmesser wird eingezogen und der Gerichtskasse zur Vernichtung überlassen.
	5. Die Beschuldigte wird gemäss ihrer Anerkennung verpflichtet, dem Geschädigten B._____ Fr. 4'814.90 nebst 5 % Zins ab 1. Juli 2009 als Schadenersatz und Fr. 30'000.– nebst 5 % Zins ab 1. Juli 2009 als Genugtuung zu bezahlen.
	6. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Geschädigten Kantonspolizei Zürich Fr. 500.– als Schadenersatz zu bezahlen.
	7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 6'000.–.
	Die weiteren Kosten betragen:
	Fr. 19'049.10 amtliche Verteidigung  Fr.   3'105.70 unentgeltlicher Geschädigtenvertreter  Fr. 30'132.80 Untersuchungskosten Fr.   1'000.00  Gebühr Strafuntersuchung   Fr.      385.80 Gutachten Universität C._____  Fr.      285.40 Kosten Kantonspolize...
	8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschuldigten auferlegt, aber abgeschrieben. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung des Geschädigten B._____ werden auf die Gerichtskasse ge...
	9. Mitteilungen
	10. Rechtsmittel"

	2. Schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil.
	Es wird erkannt:
	1. Die Beschuldigte ist ferner schuldig der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
	2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 6 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 856 Tage durch Untersuchungshaft sowie vorzeitigen Massnahmevollzug bis und mit heute erstanden sind.
	3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
	4. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive derjenigen der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers B._____, werden der Beschuldigten auferlegt, jedoch definitiv abgeschrieben. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die ...
	5. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
	 die amtliche Verteidigung (im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten)
	 die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
	 den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste
	 Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ (im Doppel für sich und zuhanden des Privatklägers B._____)
	 die Privatklägerin L._____
	 den Privatkläger M._____
	 die Privatklägerin Kantonspolizei Zürich, Kommandobereich …
	(Eine begründete Urteilsausfertigung wird den Privatklägern nur zugestellt, sofern sie dies innert 10 Tagen nach Erhalt des Dispositivs verlangen [Art. 84 Abs. 4 StPO].)
	 die amtliche Verteidigung (im Doppel für sich und zuhanden der Beschuldigten)
	 die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
	 Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ (im Doppel für sich und zuhanden des Privatklägers B._____)
	 die Vorinstanz
	 den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und Vollzugsdienste
	 das Migrationsamt des Kantons Zürich
	 die Koordinationsstelle VOSTRA mit Formular A

	6. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.