# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8a3db46c-9b70-5fc7-8596-26206d5b0552
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-08-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.08.2017 D-3474/2017
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3474-2017_2017-08-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3474/2017 
mel 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  A u g u s t  2 0 1 7  

Besetzung 
 Richter Hans Schürch (Vorsitz), 

Richterin Barbara Balmelli, Richter Yanick Felley,    

Gerichtsschreiberin Regula Aeschimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch lic. iur. Dominik Löhrer,  

Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 1. Juni 2017 / N (…). 

 

 

 

D-3474/2017 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat nach eigenen An-

gaben Ende Oktober 2015 und reiste am 7. Dezember 2015 in die Schweiz 

ein. Er stellte gleichentags ein Asylgesuch und wurde am 12. Dezember 

2015 zur Person befragt (BzP). Am 23. Februar 2017 hörte ihn das SEM 

zu seinen Asylgründen an. Für die Dauer des Verfahrens wurde er dem 

Kanton Zürich zugewiesen.  

A.b Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, 

dass er im Heimatland von den Taliban bedroht worden und sein Leben in 

Gefahr gewesen sei. Er sei ethnischer Hazara und stamme aus dem Dorf 

B._______ im Bezirk C._______, Provinz D._______, wo er zusammen mit 

seinen Eltern und seinen Geschwistern gewohnt habe. Seine Familie lebe 

von der Landwirtschaft, er selbst sei bis kurz vor der Ausreise Schüler ge-

wesen und habe die 11. Klasse besucht.   

Auf dem Weg zur Schule hätten ihn die Taliban angesprochen und aufge-

fordert, sich ihnen anzuschliessen. Die Taliban würden alle jungen Männer 

anfragen, die die alt genug seien, um ihnen nützlich zu sein. Sie würden 

die Leute bedrohen und diese, wenn sie ihren Forderungen auch nach dem 

dritten oder vierten Mal nicht nachkämen, töten. Etwa drei Monate vor sei-

ner Ausreise sei deshalb auch sein Bruder von den Taliban umgebracht 

worden. Er sei zuvor mehrmals aufgefordert worden, sich ihnen anzu-

schliessen, habe darauf aber nicht reagiert. Auch sein Vater sei bedroht 

worden, und man habe ihm gesagt, dass er seinen Sohn zu den Taliban 

schicken solle. Als sein Bruder sich auf einer Fahrt mit einem Kleinbus nach 

D._______ befunden habe, sei das Fahrzeug von Talibankämpfern ange-

halten worden. Sie hätten ihn aus dem Fahrzeug herausgeholt und er-

schossen. Dies habe der Chauffeur des Kleinbusses erzählt, welcher ihnen 

die Leiche nach Hause gebracht habe. Die Taliban hätten den Bruder zu-

dem enthauptet.  

Nachdem er selbst erneut von den Taliban angesprochen worden sei, habe 

er sich zur Ausreise entschlossen. Er habe befürchtet, dass mit ihm an-

sonsten dasselbe geschehe wie mit seinem Bruder und er ebenfalls getötet 

werde. Es gebe keinen Weg, um dem zu entkommen, entweder schliesse 

man sich den Taliban an oder man werde umgebracht. An die Behörden 

habe er sich nicht gewendet, weil diese ohnehin nichts tun könnten. Zwar 

gebe es in einer Ortschaft etwa 20 Minuten von seinem Wohnort entfernt 

einen Polizeiposten. Dort befänden sich aber nur zehn Leute, während es 

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hunderte von Taliban in der Umgebung habe. Die Regierung könne nichts 

unternehmen und ausserdem arbeiteten viele Regierungsleute mit den Ta-

liban zusammen.  

Mit einem Schlepper sei er deshalb via Pakistan in den Iran gereist, dann 

über Istanbul weiter nach Griechenland und über Mazedonien, Serbien, 

Kroatien, Slowenien, Österreich und Deutschland in die Schweiz gekom-

men.  

A.c Der Beschwerdeführer reichte als Identitätsdokument eine Tazkira im 

Original ein.  

B.  

Mit Verfügung vom 1. Juni 2017 – eröffnet am 6. Juni 2017 – stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung 

aus der Schweiz, schob deren Vollzug aber zugunsten einer vorläufigen 

Aufnahme auf.  

C.  

Mit Eingabe vom 19. Juni 2017 an das Bundesverwaltungsgericht liess der 

Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter die Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügung im Asylpunkt und die Gewährung von Asyl oder je-

denfalls die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft beantragen. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht wurde um Edition der Asylakten, Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung und Bestellung des Unterzeichnenden als unentgelt-

licher Rechtsbeistand ersucht.  

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 27. Juni 2017 wurde dem Beschwerdeführer 

die unentgeltliche Rechtspflege gewährt und auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses verzichtet. Das Gesuch um Bestellung eines unentgeltli-

chen Rechtsbeistandes wurde gutgeheissen und lic. iur. Dominik Löhrer 

als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. Gleichzeitig wurde dem Be-

schwerdeführer eine Frist angesetzt, um eine allfällige Beschwerdeverbes-

serung einzureichen und insbesondere den Antrag auf Aktenedition zu be-

gründen. Diese Frist liess er ungenutzt verstreichen.  

E.  

Am 13. Juli 2017 wurde der Vorinstanz die Gelegenheit eingeräumt, eine 

Vernehmlassung einzureichen. Das SEM liess sich mit Schreiben vom 

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24. Juli 2017 vernehmen, welches dem Beschwerdeführer am 27. Juli 

2017 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG, 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

Mit Beschwerde kann im Asylbereich die Verletzung von Bundesrecht (ein-

schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un-

richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Asylentscheid im We-

sentlichen damit, dass der mutmasslichen Zwangsrekrutierung des Be-

schwerdeführers durch die Taliban kein Verfolgungsmotiv im Sinne von 

Art. 3 Abs. 1 AsylG zugrunde liege. Die Anforderungen an die Flüchtlings-

eigenschaft seien deshalb nicht erfüllt. Von der geltend gemachten 

Zwangsrekrutierung seien alle jungen Männer im Heimatdorf des Be-

schwerdeführers betroffen, womit es an der Gezieltheit der Verfolgung 

fehle. Er sei zufällig ausgewählt worden, weil er gerade der einzige Junge 

im Dorf gewesen sei, der ein Alter erreicht gehabt habe, in welchem er den 

Taliban allenfalls hätte nützlich sein können. Die Rekrutierung knüpfe an 

Alter und Geschlecht an und damit nicht an ein in Art. 3 Abs. 1 AsylG er-

wähntes Motiv. Des Weiteren wäre eine allfällige künftige Verfolgung durch 

die Taliban ein Racheakt für den verweigerten Beitritt im Sinne eines ge-

meinrechtlichen Delikts und nicht auf eine Ideologieverweigerung zurück-

zuführen.  

4.2  

4.2.1 In seiner Beschwerdeeingabe macht der Beschwerdeführer geltend, 

die Argumentation des SEM sei widersprüchlich. Einerseits stelle sich die 

Vorinstanz auf den Standpunkt, dass der Beschwerdeführer nur zufällig für 

die Zwangsrekrutierung ausgewählt worden sei, anderseits seien alle jun-

gen Männer im Dorf gleichermassen betroffen. Wenn aber alle jungen 

Männer betroffen seien, könne auch nicht mehr von einer „zufälligen“ 

Zwangsrekrutierung gesprochen werden. Angesichts der Tatsache, dass 

der Bruder des Beschwerdeführers aufgrund der Weigerung, sich den Ta-

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liban anzuschliessen, von diesen ermordet worden sei, bestehe ausser-

dem eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass den Beschwerdeführer das-

selbe Schicksal ereilt hätte.  

4.2.2 Des Weiteren schreibe die Vorinstanz, dass die Rekrutierung durch 

die Taliban an Alter und Geschlecht geknüpft sei. „Männer“ müssten bereits 

als soziale Gruppe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG erachtet werden. Diese 

lasse sich vorliegend noch weiter eingrenzen, da nur gesunde, zum Kämp-

fen fähige Männer rekrutiert würden. Der Beschwerdeführer gehöre aber 

zu einer bestimmten Gruppe – die man als „junge, gesunde Männer“ be-

zeichnen könne – und sei aufgrund seiner Zugehörigkeit zu dieser einer 

asylrelevanten Verfolgung durch die Taliban ausgesetzt. Die Gezieltheit der 

Verfolgung ergebe sich schon daraus, dass alle anderen im Dorf nicht 

durch die Taliban bedrängt würden.  

4.2.3 Zudem führe die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung aus, 

dass alle jungen Männer im Dorf früher oder später von der Zwangsrekru-

tierung betroffen seien. In diesem Fall müsste das SEM eigentlich von einer 

Kollektivverfolgung ausgehen, da demzufolge auch alle jungen Männer 

des Dorfes asylrelevant kollektiv verfolgt würden.  

4.2.4 Sodann werde die Verfolgung durch die Taliban in der Praxis immer 

als quasi-staatliche Verfolgung gewertet, weil die Taliban auf dauerhafte, 

stabile und effektive Weise in den von ihnen kontrollierten Teilen Afghanis-

tans die faktische Herrschaft ausübten. Eine Verfolgung durch diese könne 

damit nicht als gemeinrechtliches Delikt erachtet werden.  

5.  

Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingsei-

genschaft des Beschwerdeführers verneint und das Asylgesuch abgelehnt 

hat.  

5.1 Die Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft setzt voraus, dass die asylsu-

chende Person wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu 

einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschau-

ung verfolgt wird und von ihrem Verfolger in einer dieser (in Art. 3 AsylG 

genannten) Eigenschaften getroffen werden will. Der Beschwerdeführer 

bringt nun vor, er sei von den Taliban aufgefordert worden, sich ihnen an-

zuschliessen, weil er gerade „der einzige grosse Junge“ im Dorf gewesen 

sei. Zwar trifft es zu, dass von dieser Art von Rekrutierung alle jungen Män-

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ner eines Dorfes ab einem bestimmten Alter betroffen sein können. An-

knüpfungspunkt ist dabei jedoch der Wohnort, das Alter sowie das Ge-

schlecht der Betroffenen. Bei diesen handelt es sich nicht um in Art. 3 

Abs. 1 AsylG erwähnte Eigenschaften, weshalb auch eine Zwangsrekrutie-

rung von „allen gesunden jungen Männern“ – analog zu einer allgemeinen 

Wehrpflicht – nicht als Verfolgung aus einem flüchtlingsrechtlich relevanten 

Motiv zu qualifizieren ist (vgl. Urteil des BVGer D-7294/2014 vom 16. No-

vember 2015 E. 7.3.3; Urteil des BVGer E-1263/2015 vom 20. April 2015 

E. 6.1.2). Das Vorgehen der Taliban verfolgt nicht das Ziel, die von ihnen 

angesprochenen Personen in ihrer Eigenschaft als junge Männer zu treffen 

beziehungsweise sie als solche zu verfolgen. Die Folgen einer Weigerung, 

sich ihnen anzuschliessen, sind möglicherweise in der Tat drastisch und 

können gegebenenfalls sogar zu einer Gefährdung von Leib und Leben der 

Betroffenen führen. Bei den Taliban handelt es sich jedoch um eine nicht-

staatliche Organisation, die gemäss Angaben des Beschwerdeführers ge-

gen Personen vorgeht, die sich ihren Forderungen widersetzen. Wie das 

SEM zutreffend festhält, ist ein derartiger Racheakt als gemeinrechtliches 

Delikt anzusehen und nicht als eine Verfolgung aus einem der in Art. 3 

Abs. 1 AsylG genannten Motive.  

5.2 Der Beschwerdeführer bringt vor, dass junge, gesunde Männer aus sei-

ner Heimatregion als soziale Gruppe im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG an-

gesehen werden müssten. Diese Frage kann jedoch offen bleiben, da der 

Beschwerdeführer mit seiner Argumentation verkennt, dass er von den Ta-

liban nicht wegen seiner Zugehörigkeit zu dieser Gruppe verfolgt wird. Er 

erfüllt einfach die von den Taliban gewünschten Eigenschaften – männlich 

und in einem bestimmten Alter – und kommt deshalb für eine Rekrutierung 

in Frage. Dass er im Falle einer Weigerung, sich den Taliban anzuschlies-

sen, möglicherweise mit erheblichen Konsequenzen zu rechnen hat, ist 

nicht unter dem Aspekt der Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft zu prüfen. 

Die allenfalls drohende Gefahr für Leib und Leben durch die Hand der Ta-

liban wäre vielmehr relevant im Hinblick auf die Unzulässigkeit des Weg-

weisungsvollzugs. Unter diesem Gesichtspunkt wäre auch zu beurteilen, 

ob der afghanische Staat in der Lage und willens ist, seinen Bürgern 

Schutz vor allfälligen Vergeltungsmassnahmen durch die Taliban zu ge-

währen. Nachdem mit der angefochtenen Verfügung aber die vorläufige 

Aufnahme angeordnet wurde, ist dies im vorliegenden Fall nicht Prozess-

gegenstand.  

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5.3 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, es müsste von einer Kol-

lektivverfolgung von allen jungen Männern aus seinem Heimatdorf ausge-

gangen werden, da sie gemäss den Ausführungen des SEM alle früher o-

der später von einer Zwangsrekrutierung durch die Taliban betroffen seien. 

Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes sind an die 

Feststellung einer Kollektivverfolgung sehr hohe Anforderungen zu stellen. 

Es ist namentlich erforderlich, dass eine relativ grosse Anzahl von Perso-

nen eines bestimmten Kollektivs einer flüchtlingsrelevanten Verfolgung 

ausgesetzt werden (vgl. zum Ganzen BVGE 2014/32 E. 7.2 m. H.). Diese 

Voraussetzungen sind hier nicht erfüllt, weil die vom Beschwerdeführer 

dargelegte Verfolgung – Zwangsrekrutierung durch die Taliban – nicht aus 

einem flüchtlingsrelevanten Verfolgungsmotiv erfolgt. Weitere Massnah-

men der Taliban gegen das beschriebene Kollektiv, bestehend aus jungen 

Männern aus dem Heimatdorf des Beschwerdeführers, werden nicht ge-

schildert. Damit fehlt es überhaupt an einer Grundlage für eine Kollektiv-

verfolgung und es erübrigt sich, deren weitere Kriterien zu prüfen.  

5.4 Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers wird eine Verfolgung 

durch die Taliban auch nicht generell als „quasi-staatliche Verfolgung“ ge-

wertet. Von einer solchen wäre auszugehen, wenn eine Gruppierung die 

faktische Herrschaft über ein gewisses Gebiet ausüben würde und in die-

sem über die Hoheitsgewalt verfügte (vgl. hierzu ACHERMANN/HAUSAMMAN, 

Handbuch des Asylrechts, 2. Aufl. 1991, S. 84 f.). Auch wenn die Taliban in 

letzter Zeit eher an Stärke und Einfluss gewonnen haben, so üben sie doch 

nicht in einem Mass die Kontrolle in der Provinz D._______ aus, dass von 

einer faktischen Herrschaft gesprochen werden könnte. Gemäss Angaben 

des Beschwerdeführers befindet sich etwa 20 Minuten von seinem Woh-

nort entfernt ein Polizeiposten (A23, F45). Dies stellt einen Hinweis dafür 

dar, dass die staatlichen Aufgaben von den afghanischen Behörden wahr-

genommen werden und entsprechende Institutionen vorhanden sind. So-

dann gehen im Internet verfügbare Übersichtskarten, welche die von den 

Taliban kontrollierten Gebiete darstellen, davon aus, dass der Bezirk 

C._______ nicht von den Taliban kontrolliert wird beziehungsweise im Zeit-

punkt der Ausreise des Beschwerdeführers von diesen kontrolliert wurde 

(vgl. Aljazeera, „Afghanistan: Who controls what“ vom 24. Januar 2017, 

http://www.aljazeera.com/indepth/interactive/2016/08/afghanistan-con-

trols-160823083528213.html; Long war Journal, „Taliban control or con-

tests nearly all of southern Afghan provinces” vom 21. Dezember 2015, 

http://www.longwarjournal.org/archives/2015/12/taliban-controls-or-con-

tests-nearly-all-of-southern-afghan-province.php, beide abgerufen am 

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21. August 2017). Die Taliban sind im Heimatdistrikt des Beschwerdefüh-

rers offenbar präsent, sie üben dort jedoch nicht die Hoheitsgewalt aus. Es 

kann damit vorliegend bei der geltend gemachten Verfolgung durch die Ta-

liban nicht von einer „quasi-staatlichen Verfolgung“ gesprochen werden.  

5.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer von 

den Taliban nicht aus einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv verfolgt 

wird und auch nicht von einer Kollektivverfolgung aller gesunden jungen 

Männer aus dessen Heimatdorf auszugehen ist. Der Beschwerdeführer er-

füllt folglich die Flüchtlingseigenschaft nicht. Die Vorinstanz hat diese zu 

Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt sowie die Wegweisung ver-

fügt.  

6.  

6.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG SR 142.20]).  

7.2 Die Vorinstanz hat infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs 

die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers angeordnet. Da die Weg-

weisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind (vgl. Urteil des BVGer 

D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 8.4 [als Referenzurteil publiziert]; 

BVGE 2009/51 E. 5.4), erübrigen sich weitere Ausführungen zur Frage der 

Durchführbarkeit des Vollzugs.  

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

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Seite 10 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Auf die Erhebung ist indes 

angesichts des mit Zwischenverfügung vom 27. Juni 2017 gutgeheissenen 

Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zu verzichten.  

9.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde dem Beschwerdeführer die 

unentgeltliche Rechtsverbeiständung gemäss Art. 110a Abs. 1 AsylG be-

willigt und lic. iur. Dominik Löhrer als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzt. 

Folglich ist ihm ein entsprechendes Honorar auszurichten (vgl. für die 

Grundsätze der Parteientschädigung Art. 7 ff. des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Eine Kostennote wurde nicht 

eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen kann indes verzichtet 

werden, da sich der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Akten 

hinreichend zuverlässig abschätzen lässt (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE). Ge-

stützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 – 13 

VGKE) und die Tatsache, dass neben der Beschwerdeschrift keine weite-

ren Eingaben erfolgt sind, ist das amtliche Honorar pauschal auf Fr. 600.– 

(inklusive Auslagen) festzusetzen.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

3.  

Dem als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzten Rechtsvertreter wird ein 

amtliches Honorar von Fr. 600.– zugesprochen.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Hans Schürch Regula Aeschimann 

 

 

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