# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ecbc9590-d934-555c-8968-a562a0067ca9
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-06
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 06.01.2023 200 2022 438
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2022-438_2023-01-06.pdf

## Full Text

200 22 438 IV
KNB/REL/WSI

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 6. Januar 2023

Verwaltungsrichter Knapp, Kammerpräsident
Verwaltungsrichterin Wiedmer, Verwaltungsrichterin Mauerhofer 
Gerichtsschreiberin Bischof

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 28. Juni 2022

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/2022/438, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1999 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
war im 3. Lehrjahr ihrer Ausbildung zur ... EFZ, als sie sich am 2. Oktober 
2018 unter Hinweis auf eine Depression und ein Asperger-Syndrom bei der 
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug anmeldete (Akten der IV-
Stelle Bern [IVB bzw. Beschwerdegegnerin], Antwortbeilage [AB] 1). Die 
IVB führte Erhebungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht durch 
und veranlasste auf Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD 
[AB 107 und AB 116]) eine psychiatrische Begutachtung (Gutachten vom 
14. März 2022 [AB 173.1]). Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens 
(AB 178, AB 182, AB 184 und AB 185) verneinte die IVB mit Verfügung 
vom 28. Juni 2022 (AB 188) bei einem Invaliditätsgrad (IV-Grad) von 20 % 
den Anspruch auf eine Invalidenrente (IV-Rente).

B.

Dagegen erhoben die behandelnde Psychiaterin und die behandelnde Psy-
chologin zusammen mit Schreiben vom 25. Juli 2022 Beschwerde beim 
Verwaltungsgericht des Kantons Bern. Sie verlangen sinngemäss die Aus-
richtung einer Rente. Mit Eingabe vom 27. Juli 2022 machte die Versicherte 
selber Beschwerde gegen die Verfügung vom 28. Juni 2022 (AB 188). 

Am 12. August 2022 teilte die behandelnde Psychiaterin dem Gericht mit, 
dass sie die Vertretung der Beschwerdeführerin nicht übernehme. 

Die Beschwerdeführerin liess dem Gericht am 16. August 2022 eine ver-
besserte Beschwerde samt Originalunterschrift und Begründung zukom-
men. Gleichzeitig stellte sie klar, dass sie selbstständig Beschwerde führe.

Mit Beschwerdeantwort vom 19. September 2022 beantragt die Beschwer-
degegnerin die Abweisung der Beschwerde.

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Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 28. Juni 2022 
(AB 188). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin 
auf eine IV-Rente.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG). 

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG). 

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2.

2.1 Am 1. Januar 2022 ist die Änderung vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV; AS 2021 705) in Kraft getreten. In zeitlicher Hin-
sicht sind – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen – 
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich, die bei der Erfüllung 
des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes 
Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213). 
Die angefochtene Verfügung datiert vom 28. Juni 2022 (AB 188), womit sie 
nach dem Inkrafttreten der IVG-Änderung vom 19. Juni 2020 erging. Indes-
sen liegt der frühest mögliche Zeitpunkt der potentiellen Entstehung des 
Rentenanspruchs vor dem 1. Januar 2022 (vgl. E. 4.2 hiernach), weshalb 
hinsichtlich der Rente als Dauersachverhalt grundsätzlich die Bestimmun-
gen des IVG nach altem, in der bist 31. Dezember 2021 gültig gewesenen 
Fassung Recht (nachfolgend aArt.) massgeblich sind.

2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 

2.3 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden kön-
nen auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. 
Art. 7 ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 
IVG sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizini-
sche Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer 
nur dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeein-
trächtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 
145 V 215 E. 5.1 S. 221). Die Sachverständigen sollen die Diagnose so 
begründen, dass die Rechtsanwender nachvollziehen können, ob die klas-
sifikatorischen Vorgaben tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 
E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher 
Rechtsprechung erfolgt die Prüfung, ob ein psychischer Gesundheitsscha-
den eine rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich 

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anhand eines strukturierten normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 
E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen 
Störungen (BGE 143 V 418 E. 7.2 S. 429).

2.4 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Ren-
te, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbe-
reich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen 
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines 
Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % 
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses 
Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (lit. c).

Gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, 
wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem IV-Grad von 
mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-
Grad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.

2.5 Für die Bestimmung des IV-Grades wird bei einer erwerbstätigen 
versicherten Person das Erwerbseinkommen, das sie nach Eintritt der Inva-
lidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausge-
glichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Er-
werbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden 
wäre ([Einkommensvergleich] Art. 16 ATSG). 

2.6 Um den IV-Grad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und 
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. 
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be-
urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich 
welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind 
ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, 
welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden können 
(BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV Nr. 54 
S. 181 E. 2.3).

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3.

3.1 Bezüglich des Gesundheitszustandes sowie der Arbeits- und Leis-
tungsfähigkeit der Beschwerdeführerin ist den Akten im Wesentlichen das 
Folgende zu entnehmen:

3.1.1 Die behandelnde Psychiaterin Dr. med. B.________, Fachärztin für 
Psychiatrie, und die behandelnde Psychologin M. Sc. C.________, Fach-
psychologin für Psychotherapie, nannten im Bericht vom 24. März 2021 
(AB 104) die Diagnosen eines Asperger-Syndroms (ICD-10: F84.5), einer 
emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typ (ICD-10: 
F60.31) und einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33 
[S. 3]). Sowohl die bisherige, wie auch eine dem Leiden angepasste Tätig-
keit in einem kleinen Team mit empathischem Vorgesetzten sei zu vier bis 
sechs Stunden pro Tag zumutbar (S. 6 Ziff. 4.1 f.).

3.1.2 Im Gutachten vom 14. März 2022 (AB 173.1) diagnostizierte 
Dr. med. D.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, eine 
emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline Typ (ICD-10: F60.31) 
sowie eine rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-
10: F33.4 [S. 64 Ziff. 6.3]). Bei der Beschwerdeführerin würden einerseits 
klare Psychopathologien beziehungsweise Defizite sichtbar, andererseits 
genauso klare, sich im Verlauf auch verstärkende Ressourcen (S. 66). Sie 
sei emotional instabil und die Depressionen erreichten phasenweise ein 
schwergradiges Ausmass, insgesamt sei es zu einer Stabilisierung ge-
kommen und die Krisen erfolgten jeweils im Zusammenhang mit erhöhten 
psychosozialen Belastungssituationen (S. 67). Es seien erhebliche Res-
sourcen erkennbar, die Beschwerdeführerin sei sozial vernetzt, kooperativ 
und leistungsbereit und verfüge über eine gute Willensbildung, habe Ziele 
vor Augen, zum Teil überhöhte. Erfüllt seien die Kriterien für das Stellen 
einer Persönlichkeitsstörung: es bestünden deutliche Unausgeglichenhei-
ten in mehreren Funktionsbereichen und Affektivität, nachweisbar sei ein 
ausdauerndes, gleichförmiges, tiefgreifendes, auffälliges Verhaltensmuster, 
die Störungen seien bis in die Jugend zurück verfolgbar, nachweisbar sei 
ein deutlich subjektives Leiden und die Störungen seien mit Einschränkun-
gen in der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit verbunden. Das 
Ausmass der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typ, 

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sei anlässlich der Lehre zur ... als mittelgradig, nun als leicht bis maximal 
mittelgradig einzuschätzen, womit eine Stabilisierung eingetreten sei. In 
den Akten seien nachvollziehbar depressive Phasen beschrieben, anläss-
lich der aktuellen Exploration habe sich die Beschwerdeführerin in ausge-
glichener Stimmung befunden, weshalb die Diagnose einer rezidivierend 
depressiven Störung, gegenwärtig remittiert, gestellt werde (S. 68). Nicht 
mit der geforderten überwiegenden Wahrscheinlichkeit könne die Diagnose 
eines Asperger-Syndroms (ICD-10: F84.5) gestellt werden. Es zeigten sich 
ab früher Kindheit soziale Interessen und eine soziale Vernetzung. Aus der 
Sicht des Gutachters seien die sozialen Probleme Teil der emotional insta-
bilen Persönlichkeitsstörung und nicht als Ausdruck eines Asperger-
Syndroms zu werten. Gegen diese Diagnose spreche auch, dass die Be-
schwerdeführerin weiche ... als Übergangsobjekt benutze, wobei Autisten 
sich eher an ungewöhnliche, typischerweise nicht weiche Objekte bänden. 
Der testpsychologische Abklärungsbericht entspreche einem normalen 
Mass an sozialer Reaktivität, einzig im Bereich soziale Kommunikation lie-
ge der Wert im Bereich schwache bis mittlere Beeinträchtigung. Nicht mit 
überwiegender Wahrscheinlichkeit könne zudem die Diagnose eines ADHS 
(ICD-10: F90) gestellt werden. Weder die Exploration noch die Akten 
sprächen diesbezüglich eine klare Sprache. Gut nachvollziehbar sei ein 
eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck und die der Be-
schwerdeführerin nur zum Teil entsprechende Ausbildung zur ... habe zu 
einer protrahierten Eingliederung geführt (S. 70 Ziff. 7.1.2). Aus medizini-
schen Gründen sei der Beschwerdeführerin der Beruf der ... zumutbar, ihr 
kämen aber administrative Arbeiten oder überschaubare handwerkliche 
Tätigkeiten mehr entgegen als vielfältige, auch körperlich anstrengende 
Aktivitäten wie der Beruf als .... Die bisherige Tätigkeit als ... sei der Be-
schwerdeführerin zu 6,7 Stunden pro Tag zumutbar, in dieser Anwesen-
heitszeit bestünden keine Einschränkungen; die Arbeitsunfähigkeit betrage 
20 % (S. 74 Ziff. 8.1) seit Erreichen der Berufsmaturität im Juni 2021 
(S. 75). Die gleiche Einschätzung gelte auch für eine angepasste Tätigkeit 
(wohlwollende Arbeitsplatzatmosphäre, überschauliche Arbeit, einfache 
Anweisungen, Einarbeitungszeit von ca. sechs Monaten mit schrittweiser 
Erhöhung des Pensums [Ziff. 8.1 und Ziff. 8.2]). Langfristig dürfe mit einer 
weiteren Stabilisierung der Persönlichkeitsstörung gerechnet werden, kurz-
fristig dürfe von therapeutischen Massnahmen keine Veränderung erwartet 

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werden, nur dann, wenn es im Rahmen erschwerter psychosozialer Um-
stände zu vorübergehenden Krisen komme, sei von intensivierten Mass-
nahmen kurz- bis mittelfristig eine relevante Besserung zu erwarten.

3.1.3 Dr. med. B.________ und die Psychologin M. Sc. C.________ hiel-
ten in ihrem "Antrag auf Wiedererwägung einer Teilrente" vom 19. Mai 
2022 (AB 184) fest, dass die Hauptkritik am Gutachten in der Einschätzung 
der Belastbarkeit bzw. der Durchhaltefähigkeit der Beschwerdeführerin 
bestehe. Diese dekompensiere in belastenden beruflichen, schulischen und 
auch zwischenmenschlichen Situationen mit Selbstverletzung, Überforde-
rungsgefühlen, starken Stimmungsschwankungen und Handlungsblocka-
den. Die erworbene Stabilität komme aktuell schnell ins Wanken und be-
dürfe oftmals psychotherapeutischer oder medikamentöser Behandlung. In 
der Wiedereingliederung habe die Beschwerdeführerin das Pensum zu 
80 % zwar ohne Krankschreibungen geschafft, dies aber nur aufgrund des 
empathischen Vorgesetzten und weil sie bei Überforderungsgefühlen stets 
auch früher habe gehen können (S. 2). Die Behandlerinnen gingen mit dem 
Gutachter einig, dass diagnostische Unsicherheiten bezüglich der Abgren-
zung der Diagnosen einer emotionalen-instabilen Persönlichkeitsstörung, 
einer Autismus-Spektrums-Störung und einem ADHS bestünden. Trotz der 
vorhandenen Ressourcen und Verbesserung der psychischen Gesundheit 
schätzten sie die Belastbarkeit bei einer Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt 
bei 60 % ein. Die Beschwerdeführerin bleibe bei diesem Pensum stabil und 
könne ihren privaten Alltag mit Haushalt und den einzelnen sozialen Kon-
takten bewältigen.

3.1.4 Im Bericht vom 15. Juni 2022 (AB 187 S. 3) hielt der RAD-
Psychiater Dr. med. E.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe-
rapie, fest, dass die Behandler im Einwand vom 19. Mai 2022 (AB 184) 
keine neuen medizinischen Fakten aufgeführt hätten, die dem Gutachter 
nicht bekannt gewesen seien und die er nicht berücksichtigt habe, so dass 
auf das Gutachten weiterhin abgestellt werden könne.

3.1.5 Im Untersuchungsbericht "Ambulante Untersuchung in der Sprech-
stunde für Autismus-Spektrum-Störung (ASS) im Erwachsenenalter" vom 
30. Juni 2022 (Beschwerdebeilage [BB] 1) nannten M. Sc. F.________, 
Fachpsychologin für Psychotherapie, Dr. phil. G.________, Fachpsycholo-

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ge für Psychotherapie, sowie die behandelnde Psychologin M. Sc. 
C.________ nach Durchführung verschiedener Testungen im Autismusbe-
reich (S. 5 f.) die Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung im Sinne 
eines Asperger-Syndroms (ICD-10: F84.5 [S. 1]).

3.2 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht 
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag 
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen 
Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 125 V 351 
E. 3a S. 352). Den im Verwaltungsverfahren eingeholten Gutachten von 
externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und 
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei 
der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei 
der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht kon-
krete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 
V 210 E. 1.3.4 S. 227, 135 V 465 E. 4.4 S. 470, 125 V 351 E. 3b bb S. 353; 
SVR 2019 IV Nr. 40 S. 128 E. 3, 2018 IV Nr. 27 S. 87 E. 4.2.2).

3.3 Das monodisziplinäre Gutachten von Dr. med. D.________ vom 
14. März 2022 (AB 173.1) ist für die streitigen Belange umfassend, beruht 
auf einer einlässlichen fachärztlichen Exploration, wurde unter Berücksich-

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tigung der geklagten Beschwerden und in Kenntnis der Vorakten und der 
gesamten medizinischen Geschichte der Beschwerdeführerin erstattet. Es 
überzeugt inhaltlich, indem die darin dargelegten medizinischen Zusam-
menhänge sowie die Beurteilung der medizinischen Situation einleuchten 
und die Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet sind. Die Ergebnis-
se der fachärztlichen Untersuchung fanden sodann Eingang in die umfas-
sende Beurteilung. Gestützt darauf hat der Sachverständige die medizini-
sche Befundlage nachvollziehbar und überzeugend dargestellt. Damit er-
füllt das psychiatrische Gutachten von Dr. med. D.________ die vorer-
wähnten höchstrichterlichen Beweisanforderungen und erbringt vollen Be-
weis (vgl. E. 3.2 hiervor). Keinen Zweifel an der Beweiskraft des Gutach-
tens zu wecken vermag der Vorwurf der Beschwerdeführerin in der Be-
schwerdebegründung, im Gutachten sei eine falsche Diagnose gestellt 
worden, da der Gutachter keine Fragen zu den Symptomen des Asperger-
Syndroms gestellt habe, sondern sich auf eine Borderline-
Persönlichkeitsstörung "versteift" habe. Die Beschwerdegegnerin legt in der 
Beschwerdeantwort (S. 2 Ziff. 7) zutreffend dar, dass es invalidenversiche-
rungsrechtlich grundsätzlich nicht auf die Diagnose, sondern einzig darauf 
ankommt, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit 
hat (BGE 136 V 279 E. 3.2.1 S. 281). Massgebend sind in erster Linie der 
lege artis erhobene psychopathologische Befund und der Schweregrad der 
Symptomatik sowie die damit verbundenen Funktionseinschränkungen 
(Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 28. Juni 2018, 9C_273/2018, 
E. 4.2). Die Befunde sind im Gutachten einleuchtend dargetan und der 
Gutachter hat sich eingehend mit dem vordiagnostizierten Asperger-
Syndrom und der schwierigen Abgrenzung der Diagnosen Autismus-
Spektrum-Störung, ADHS und emotional-instabile Persönlichkeitsstörung 
befasst (AB 173.1 S. 68). So legte Dr. med. D.________ beispielsweise 
dar, dass die sozialen Probleme der Beschwerdeführerin als Teil der emo-
tional instabilen Persönlichkeitsstörung und nicht als Ausdruck des Asper-
ger-Syndroms zu werten sind. Zudem zeigte der testpsychologische Ab-
klärungsbericht der Kinder- und Jugendpsychiatrie vom 4. Januar 2018 
(AB 173.3 S. 23) ein normales Mass an sozialer Reaktivität und der Gut-
achter konnte die Diagnose eines ADHS klar verneinen, da sowohl seine 
eigene Untersuchung, wie auch die Akten diesbezüglich eine deutliche 
Sprache sprechen. Diese Beurteilung und insbesondere auch die Einschät-

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zung bezüglich der damit verbundenen Funktionseinschränkungen von 
20 % sowohl in der angestammten, wie auch einer angepassten Tätigkeit 
(AB 173.1 S. 74 f. Ziff. 8.1 f.) überzeugen und die Kritik daran und an den 
vom Gutachter Dr. med. D.________ gestellten Diagnosen verfängt nicht. 
Vielmehr ist die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit einleuchtend begrün-
det worden (S. 74) und es sprechen keine konkreten Indizien gegen die 
Zuverlässigkeit der Expertise (vgl. E. 3.2 hiervor). So hat denn auch der 
RAD-Psychiater am 15. Juni 2022 (AB 187) das Gutachten als nachvoll-
ziehbar bezeichnet und festgehalten, dass darauf abgestellt werden kann. 
In Bezug auf die divergierende Einschätzung der behandelnden Ärztin und 
der behandelnden Psychologin vom 19. Mai 2022 (AB 184) darf und soll 
das Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass behandelnde 
Fachpersonen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens-
stellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 
125 V 351 E. 3b cc S. 353; SVR 2015 IV Nr. 26 S. 80 E. 5.3.3.3, Entscheid 
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG, heute: BGer] vom 
20. März 2006, I 655/05, E. 5.4). Dies ist vorliegend besonders ausgeprägt, 
haben doch die behandelnde Psychiaterin Dr. med. B.________ und die 
behandelnde Psychologin M. Sc. C.________ sowohl im Vorbescheidver-
fahren mit dem Schreiben vom 19. Mai 2022 (AB 184) als auch mit der 
Eingabe an das Gericht vom 25. Juli 2022 Partei für die Beschwerdeführe-
rin ergriffen und damit ihre Aufgabe der medizinischen Einschätzung und 
den Weg der Behandlung verlassen und eine advokatorische Stellung ein-
genommen.

3.4 Soweit die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdebegründung 
vom 16. August 2022 weitere Kritikpunkte am Gutachten von Dr. med. 
D.________ vorbringt und geltend macht, das Gutachten enthalte viele 
Fehler (vgl. Auflistung in BB 3), ist festzuhalten, dass viele dieser "Fehler" 
Details betreffen, welche der Gutachter nach Meinung der Beschwerdefüh-
rerin falsch verstanden, aufgefasst oder festgehalten habe. Dies ist jedoch 
nicht geeignet, die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters und die 
von ihm gestellten Diagnosen sowie namentlich die von ihm überzeugend 
vorgenommene Einschätzung des funktionellen Leistungsvermögens in 
Zweifel zu ziehen. Die Diagnosen sind zudem rechtsprechungsgemäss 
nicht ausschlaggebend (vgl. BGer vom 28. Juni 2018, 9C_273/2018, E.4.2 

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sowie vorstehend E. 3.3). Soweit die Beschwerdeführerin rügt, es seien 
(angeblich) Angaben von Dritten und insbesondere der behandelnden 
Fachpersonen nicht eingeholt worden (BB 3 S. 3), ist auf den ersten Teil 
des Gutachtens zu verweisen, wo der Gutachter die zur Verfügung gestell-
ten und berücksichtigten Akten aufgelistet (S. 2 ff.) und danach zusam-
mengefasst hat (AB 173.1 S. 7 ff. Ziff. 2.1). Darin enthalten sind verschie-
dene aktuelle Berichte der behandelnden Psychologin M. Sc. C.________ 
(S. 5 f., S. 19 f. sowie auch S. 58 f.), mit welchen sich der Gutachter aus-
einandersetzte ("Anmerkungen" S. 63), weshalb diese Rüge ins Leere zielt.

Im Übrigen berichtete auch die behandelnde Psychiaterin Dr. med. 
B.________ (AB 184 S. 1) – übereinstimmend mit dem Gutachter 
(AB 173.1 S. 67 unten) – von einer Stabilisierung bzw. erworbenen Stabi-
lität. Die behandelnde Ärztin ergänzte diesbezüglich allerdings, die Stabi-
lität komme bei Überforderungssituationen "schnell ins Wanken" und be-
dürfe psychotherapeutischer oder medikamentöser Behandlung. Dies ist 
der Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Pflicht zur Schadenminderung 
nach Art. 7 Abs. 1 IVG denn auch zumutbar; die entsprechende Psychothe-
rapie liesse sich zudem auch intensivieren und optimieren, namentlich auch 
vorbeugend, mit dem Ziel des frühzeitigen Erkennens und Verhinderns 
bzw. des besseren Bewältigens einer drohenden bzw. eingetretenen Über-
forderungssituation.

3.5 Nach dem Dargelegten ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin an 
einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typ (ICD-10: 
F 60.31) sowie an einer rezidivierend depressiven Störung, gegenwärtig 
remittiert (ICD-10: F33.4), leidet und dabei eine Arbeitsfähigkeit von 80 % 
ohne zusätzliche Leistungseinschränkung in der angestammten sowie in 
einer angepassten überschaubaren Tätigkeit bei wohlwollender Arbeits-
platzatmosphäre besteht (AB 173.1 S. 74 f. Ziff. 8.1 f.), wobei sich solche 
Tätigkeiten bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage finden lassen. Diese Ein-
schätzung hat ihre Gültigkeit ab Erreichen der Berufsmaturität, das heisst 
ab Juni 2021 (S. 75). Ob diese Einschränkung von maximal 20 % auch aus 
rechtlicher Sicht zu berücksichtigen ist, kann letztlich offen bleiben, da so 
oder anders kein Rentenanspruch besteht (vgl. E. 4.3 hiernach). Die Durch-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/2022/438, Seite 13

führung eines strukturierten Beweisverfahrens gemäss BGE 145 V 215 
(vgl. E. 2.3 hiervor) ist somit entbehrlich.

4.

Auf der Grundlage dieses Zumutbarkeitsprofils ist der IV-Grad anhand ei-
nes Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. E. 2.5 hiervor).

4.1

4.1.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was 
die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde 
tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, 
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung ange-
passten Verdienst angeknüpft. Die Ermittlung des Valideneinkommens hat 
so konkret wie möglich zu erfolgen (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110, 134 V 
322 E. 4.1 S. 325; SVR 2021 UV Nr. 26 S. 125 E. 6.1). Lässt sich aufgrund 
der tatsächlichen Verhältnisse das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung 
realisierbare Einkommen nicht hinreichend genau beziffern, ist auf statisti-
sche Werte wie die vom Bundesamt für Statistik (BFS) herausgegebenen 
Lohnstrukturerhebungen (LSE) abzustellen. Auf sie darf jedoch im Rahmen 
der Invaliditätsbemessung nur unter Mitberücksichtigung der für die Entlöh-
nung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen 
Faktoren abgestellt werden (BGE 144 I 103 E. 5.3 S. 110; SVR 2019 UV 
Nr. 40 S. 153 E. 6.2.3).

4.1.2 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der 
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte 
Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 296). Hat die versicherte 
Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine 
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können 
nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom BFS herausge-
gebenen LSE herangezogen werden (BGE 143 V 295 E. 2.2 S. 297; SVR 
2021 Nr. 51 S. 168 E. 3.2).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/2022/438, Seite 14

4.2 Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt 
des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei 
Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erhe-
ben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen 
bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3 
S. 300, 129 V 222). 

Vorliegend ist aufgrund der attestierten Leistungsminderung seit Juni 2021 
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 % sowohl in der ange-
stammten als auch in einer angepassten Tätigkeit ausgewiesen (vgl. E. 3.5 
vorstehend). Für die Zeit davor – das heisst seit der Anmeldung zum Leis-
tungsbezug im Oktober 2018 – haben die behandelnden Fachpersonen 
vorübergehende Phasen mit unterschiedlich hoher Arbeitsunfähigkeit attes-
tiert (vgl. Zusammenstellung im psychiatrischen Gutachten [AB 173.1 S. 32 
ff. Ziff. 2.3]). Es war der Beschwerdeführerin jedoch möglich, während die-
ses Zeitraums ihre Lehre zur ... EFZ erfolgreich abzuschliessen (Sommer 
2019 [vgl. AB 33]), anschliessend die Berufsmaturitätsschule mit einem 
begleitenden Praktikum (in einem Pensum von 40 %) zu absolvieren und 
schliesslich die Berufsmatur erfolgreich abzuschliessen (vgl. AB 126). Eine 
längere Zeit dauernde, höhere als die gutachterlich attestierte 20 %ige Ein-
schränkung in der Arbeitsfähigkeit ist nicht ausgewiesen. Selbst wenn vor 
Erreichen der Berufsmaturität im Juni 2021 phasenweise – und damit vorü-
bergehend – eine mehr als 20 %ige Arbeitsunfähigkeit bestanden haben 
sollte, ist eine durchschnittlich 40 %ige Arbeitsunfähigkeit während eines 
Jahres im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG nicht erstellt. Diese Frage 
braucht vorliegend jedoch nicht abschliessend beurteilt zu werden, denn 
selbst wenn ein Einkommensvergleich vorgenommen wird, entstand und 
besteht – wie nachfolgend darzulegen ist (vgl. E. 4.3 sogleich) – zu keiner 
Zeit ein Rentenanspruch.

4.3 Wie soeben festgehalten (vgl. E. 4.2 hiervor), hat die Beschwerde-
führerin ihre Ausbildung zur ... EFZ im Sommer 2019 abgeschlossen. Dass 
sie im Gesundheitsfalle nach wie vor in diesem Beruf arbeiten würde, ist 
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, weshalb zur Ermittlung 
des Valideneinkommens nicht auf den zuletzt erzielten Lohn, sondern auf 
die statistischen Lohnangaben der LSE abzustellen ist (vgl. E. 4.1.1 vorste-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/2022/438, Seite 15

hend). Einer exakten Ermittlung des Validen- und Invalideneinkommens 
bedarf es vorliegend allerdings nicht, ist doch bei der Beschwerdeführerin 
für die Zeit vor Juni 2021 nie eine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit von 
mindestens 40 % in jeglicher Tätigkeit ausgewiesen (vgl. E. 4.2 soeben) 
und besteht seit spätestens Juni 2021 eine 80 %ige Arbeitsfähigkeit sowohl 
in einer angepassten als auch in der angestammten Tätigkeit (vgl. E. 3.5 
vorstehend). Zur Festlegung des Invalideneinkommens ist folglich auf den-
selben Tabellenwert abzustellen. Sind Validen- und Invalideneinkommen 
ausgehend vom selben Tabellenlohn zu ermitteln, entspricht der IV-Grad 
dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allfälligen 
Abzuges vom Tabellenlohn (SVR 2018 UV Nr. 29 S. 103 E. 5.2). Vorlie-
gend rechtfertigt sich ein solcher Abzug nicht, denn die leidensbedingten 
Einschränkungen sind bereits in der attestierten Arbeitsunfähigkeit enthal-
ten. Invaliditätsfremde Faktoren wie Alter, Dienstjahre, Nationa-
lität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad rechtfertigen ebenfalls 
keinen Abzug, zumal ein solcher auch beim Valideneinkommen vorzuneh-
men wäre (Entscheide des BGer vom 19. Januar 2009, 8C_42/2008, E. 5 
und vom 10. November 2015, 8C_300/2015, E. 7.3.3). Der IV-Grad erreicht 
damit in der Zeit von März 2019 bis im Juni 2021 die Grenze von 40 % 
nicht und beträgt für die Zeit ab Erreichen der Berufsmatur höchstens 
20 %, weshalb die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine IV-Rente 
hat (vgl. E. 2.4 hiervor).

5.

Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung vom 28. Juni 2022 
(AB 188) nicht zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde 
abzuweisen.

6.

6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 6. Jan. 2023, IV/2022/438, Seite 16

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.– bis Fr. 1'000.– festzulegen.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die unterliegende Beschwerdefüh-
rerin die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.–, zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden dem geleisteten Kostenvorschuss in 
gleicher Höhe entnommen.

6.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine 
Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehr-
schluss]).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.– werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Zu eröffnen (R):
- A.________
- IV-Stelle Bern
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.