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**Case Identifier:** 145f7500-f289-5b2a-a9f5-d6ca0162e767
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-11-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.11.2015 BVGE 2016/23
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2016-23_2015-11-11.pdf

## Full Text

Mehrwertsteuer (Managed-Care-Organisation) 2016/23 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 367 

 

6 Finanzen 
Finances 
Finanze 

23 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung I 
i.S. A. AG gegen Eidgenössische Steuerverwaltung 

A‒2464/2015 vom 11. November 2015 

Mehrwertsteuer. Leistungen einer Managed-Care-Organisation an 

Krankenkassen. 

Art. 18 Ziff. 3 MWSTG von 1999. Art. 21 Abs. 2 Ziff. 3 und Art. 21 

Abs. 3 und 4 MWSTG. 

1. Mehrwertsteuerliches Leistungsverhältnis zwischen einer Man-
aged-Care-Organisation und Krankenkassen (E. 3.2). 

2. Die Zurverfügungstellung eines Ärztenetzwerks und das Erbrin-
gen damit zusammenhängender Dienstleistungen sind steuerbar. 

Sie stellen insbesondere keine von der Steuer ausgenommenen 

Heilbehandlungen dar. Auch handelt es sich nicht um von der 

Steuer ausgenommene Vorleistungen nach dem MWSTG (E. 3.3). 

Taxe sur la valeur ajoutée. Prestations d'une organisation de soins 

intégrés (« Managed-Care ») fournies à des caisses-maladie. 

Art. 18 ch. 3 LTVA de 1999. Art. 21 al. 2 ch. 3 et art. 21 al. 3 et 4 LTVA. 

1. Echange de prestations au sens du droit de la TVA entre une 
organisation de soins intégrés (« Managed-Care ») et des caisses-

maladie (consid. 3.2). 

2. La mise à disposition d'un réseau de médecins et la fourniture de 
services en relation avec ce réseau sont imposables. Ces services ne 

sont pas assimilables à des traitements médicaux exemptés de la 

TVA. Il ne s'agit pas non plus de prestations préalables non 

imposables au sens de la LTVA (consid. 3.3). 

2016/23 Mehrwertsteuer (Managed-Care-Organisation) 

 

 

368 BVGE / ATAF / DTAF 

 

Imposta sul valore aggiunto. Prestazioni di un'organizzazione man-

aged care alle casse malati. 

Art. 18 n. 3 LIVA del 1999. Art. 21 cpv. 2 n. 3 e art. 21 cpv. 3 e cpv. 4 

LIVA. 

1. Rapporto di prestazione ai sensi della LIVA tra un'organizzazione 
managed care e le casse malati (consid. 3.2). 

2. La messa a disposizione di una rete di medici e la fornitura delle 
prestazioni di servizi ad essa connessa sono imponibili. In par-

ticolare, tali servizi non configurano prestazioni di cura escluse 

dall'imposta. Non si tratta nemmeno di prestazioni preliminari 

escluse dall'imposta ai sensi della LIVA (consid. 3.3). 

 

Bei der A. AG (nachfolgend: Beschwerdeführerin) handelt es sich um eine 

Netzwerkorganisation, der eine Vielzahl von Ärzten angeschlossen ist. Sie 

arbeitet mit Krankenkassen im Rahmen von Managed-Care-Modellen 

(Hausarzt- oder HMO-Modelle) zusammen. Letztere verpflichten sich, 

ihren Versicherten zu einer vergünstigten Prämie eine Managed-Care-Ver-

sicherung anzubieten. Im Gegenzug hält die Beschwerdeführerin ein 

Ärztenetzwerk zur Verfügung, übernimmt Koordinationsaufgaben und 

trifft Massnahmen zur Qualitätssicherung und Kostenlenkung. Die Kran-

kenkassen gelten die von der Steuerpflichtigen erbrachten Dienstleistun-

gen mit einer Systemkostenpauschale und einem Anteil am sogenannten 

Netzergebnis ab. 

Der Anschluss der Ärzte an die Beschwerdeführerin erfolgt mittels Grund-

versorgerleistungsverträgen. Sie regeln die gegenseitigen Rechte und 

Pflichten insbesondere in den Bereichen Qualitätssicherung, Beschaffung, 

« Gatekeeping », Kommunikation, Administration und Kosteneffizienz.  

Mit zwei Einschätzungsmitteilungen/Verfügungen (nachfolgend: EM) 

vom 28. März 2013 forderte die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) 

von der Beschwerdeführerin für die Steuerjahre 2008/2009 beziehungs-

weise 2010/2011 Mehrwertsteuern betreffend an Krankenkassen erbrachte 

Managed-Care-Leistungen nach. Die Beschwerdeführerin bestritt die bei-

den EM, worauf die ESTV am 4. Juni 2014 verfügungsweise an der Nach-

forderung festhielt.  

Am 21. April 2015 überwies die ESTV dem Bundesverwaltungsgericht 

die Einsprachen der Beschwerdeführerin zur Behandlung als Sprungbe-

schwerden. Die Beschwerdeführerin beantragte die Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügungen.  

Mehrwertsteuer (Managed-Care-Organisation) 2016/23 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 369 

 

Das Bundesverwaltungsgericht weist die Beschwerde ab. 

[Das Bundesgericht bestätigt diesen Entscheid mit Urteil vom 12. Sep-

tember 2016 (2C_1139/2015).] 

Aus den Erwägungen: 

2. Streitig und zu prüfen ist, ob die von der Beschwerdeführerin an 
die Krankenkassen erbrachten Dienstleistungen (nachfolgend: Managed-

Care-Leistungen) beziehungsweise die entsprechenden Umsätze von der 

Steuer ausgenommen sind. 

2.1 Der Mehrwertsteuer unterliegen unter anderem die im Inland 
durch steuerpflichtige Personen gegen Entgelt erbrachten Lieferungen von 

Gegenständen und Dienstleistungen (Art. 5 Bst. a und b aMWSTG [AS 

2000 1300]; Art. 1 Abs. 2 Bst. a i.V.m. Art. 3 Bst. d und e sowie Art. 18 

Abs. 1 MWSTG [SR 641.20]). Sie sind steuerbar, soweit das Gesetz keine 

Ausnahme vorsieht (vgl. Art. 18 f. aMWSTG; Art. 21 und 23 MWSTG).  

2.2  
2.2.1 Als im mehrwertsteuerlichen Sinn « gegen Entgelt » erbracht gilt 
eine Lieferung oder Dienstleistung, wenn sie im Austausch mit einer Ge-

genleistung erfolgt (sog. « Leistungsaustausch » oder « Leistungsverhält-

nis »; vgl. dazu: Urteil des BVGer A‒4786/2012 vom 12. September 2013 

E. 2.2 m.H.).  

2.2.2 Wer als Leistungserbringer zu gelten hat, bestimmt sich laut 
Art. 20 Abs. 1 MWSTG und nach konstanter Rechtsprechung in erster 

Linie nach dem Aussenauftritt. Das mehrwertsteuerlich relevante Han- 

deln wird demgemäss grundsätzlich demjenigen zugeordnet, der gegen-

über Dritten im eigenen Namen auftritt (statt vieler: Urteile des BVGer  

A‒555/2013 vom 30. Oktober 2013 E. 2.3.2.1; A‒6367/2011 vom 14. Au-

gust 2012 E. 2.2.4 m.H.; RALF IMSTEPF, Die Zuordnung von Leistungen 

gemäss Art. 20 des neuen MWSTG, ASA 78 S. 772).  

2.2.3 (…) 

2.3  
2.3.1 Die in Art. 18 aMWSTG beziehungsweise Art. 21 MWSTG auf-
geführten Steuerausnahmen gelten als sogenannte « unechte » Steuer-

befreiungen. Dies bedeutet, dass derjenige, welcher den Umsatz erbringt, 

infolge der fehlenden Vorsteuerabzugsmöglichkeit mit der Steuer auf den 

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Eingangsleistungen belastet bleibt oder diese verdeckt auf die Leistungs-

empfänger überwälzt. Es wird aufgrund der Systemwidrigkeit dieser in 

Art. 18 aMWSTG beziehungsweise Art. 21 MWSTG genannten Steuer-

ausnahmen davon ausgegangen, dass diese « eher restriktiv » beziehungs-

weise zumindest nicht extensiv zu handhaben sind (BGE 124 II 372 E. 6a; 

124 II 193 E. 5e; Urteil des BGer 2A.305/2002 vom 6. Januar 2003 E. 3.2; 

Urteil des BVGer A‒2999/2007 vom 12. Februar 2010 E. 2.4). Primär sind 

die Ausnahmebestimmungen nach Art. 18 aMWSTG beziehungsweise 

Art. 21 MWSTG (wie andere Rechtsnormen auch) aber weder extensiv 

noch restriktiv, sondern nach ihrem Sinn und Zweck « richtig » auszulegen 

(statt vieler: BGE 138 II 251 E. 2.3.3; Urteile des BVGer A‒3112/2015 

vom 22. Oktober 2015 E. 3.3.1; A‒5906/2013 vom 1. April 2014 E. 3.4; 

MICHAEL BEUSCH, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 

Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer, 2015, Auslegung N. 27 f., nach-

folgend: MWSTG-Kommentar 2015). 

2.3.2 Im Gesundheitsbereich von der Steuer ausgenommen sind ‒ so-
weit hier von Interesse ‒ insbesondere die von Ärzten und Ärztinnen er-

brachten Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin (objektive 

Voraussetzung), soweit die Leistungserbringer und Leistungserbringe-

rinnen über eine Berufsausübungsbewilligung verfügen (subjektive Vo-

raussetzung). Der Bundesrat bestimmt die Einzelheiten (vgl. Art. 18 

Ziff. 3 aMWSTG; Art. 21 Abs. 2 Ziff. 3 MWSTG).  

Gemäss bundesrätlicher Verordnung gelten als Heilbehandlungen die Fest-

stellung und Behandlung von Krankheiten, Verletzungen und anderen Stö-

rungen der körperlichen und seelischen Gesundheit des Menschen sowie 

Tätigkeiten, die der Vorbeugung von Krankheiten und Gesundheitsstörun-

gen des Menschen dienen (Art. 2 Abs. 1 Verordnung vom 29. März 2000 

zum Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer [MWSTGV, AS 2000 1347]; 

Art. 34 Abs. 1 MWSTV [SR 641.201]). 

Nach konstanter Rechtsprechung folgt aus dem Begriff der Heilbehand-

lung (objektive Voraussetzung), dass nur die direkt am Patienten oder der 

Patientin vorgenommenen Behandlungen von der Steuer ausgenommen 

sind (BGE 124 II 193 E. 7a.aa; Urteil des BVGer A‒3395/2007 vom 

24. Februar 2009 E. 2.3 f.; A‒1204/2012 vom 14. Februar 2013 E. 3.4 f.). 

Keine Heilbehandlungen in diesem Sinn stellen etwa Dienstleistungen 

eines medizinischen Call Centers oder einer Telefonzentrale für medizi-

nische Notfälle (Notfallnummern) dar (Urteile des BVGer A‒3395/2007 

E. 3; A‒1204/2012 E. 4.4.1). 

Mehrwertsteuer (Managed-Care-Organisation) 2016/23 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 371 

 

2.3.3 Die im aMWSTG aufgeführten sogenannten unechten Steuerbe-
freiungen gelten nach ständiger Rechtsprechung grundsätzlich, das heisst 

unter Vorbehalt einer abweichenden gesetzlichen Regelung, nur für dieje-

nigen Leistungen, die direkt an die Endverbraucher erbracht werden. Steu-

erausnahmen nach Art. 18 aMWSTG sind also grundsätzlich auf die Stufe 

des Endverbrauchs beschränkt. Entsprechend sind die Geschäfte, welche 

der Steuerbefreiung vorausgehen, die sogenannten « Vorumsätze », nicht 

unecht steuerbefreit (zur « Vorumsatztheorie »: BGE 124 II 193 E. 5e, 7; 

ausführlich: Urteil des BVGer A‒1470/2006 vom 5. Februar 2009 

E. 3.4.2).  

Mit Art. 21 Abs. 3 und 4 MWSTG hat der Gesetzgeber diesbezüglich 

einen Systemwechsel eingeführt und damit der auf der Vorumsatztheorie 

basierenden Praxis die weitere Anwendung versagt. Ziel dieser Bestim-

mungen ist es, durch die Vorumsatztheorie verursachte Wettbewerbsver-

zerrungen zwischen unterschiedlich gestalteten Wertschöpfungsketten zu 

vermeiden (vgl. Botschaft vom 25. Juni 2008 zur Vereinfachung der Mehr-

wertsteuer, BBl 2008 6885, 6965). Im Sinne der Neutralität der Mehr-

wertsteuer sollen die Wirtschaftsteilnehmer in die Lage versetzt werden, 

dasjenige Organisationsmodell zu wählen, das ihnen, rein wirtschaftlich 

betrachtet, am besten zusagt, ohne Gefahr zu laufen, dass ihre Umsätze 

von der in Art. 21 Abs. 2 MWSTG vorgesehenen Befreiung ausgeschlos-

sen werden (REGINE SCHLUCKEBIER, in: MWSTG Kommentar, 2012, 

Art. 21 N. 154).  

Nach Art. 21 Abs. 3 MWSTG bestimmt sich die Frage, ob eine Leistung 

von der Steuer ausgenommen ist, ausschliesslich nach deren Gehalt und 

unabhängig davon, wer die Leistung erbringt oder empfängt. Vorbehalten 

bleiben nach Art. 21 Abs. 4 MWSTG jene Ausnahmetatbestände, die an 

eine subjektive Eigenschaft von Leistungserbringer oder -empfänger an-

knüpfen. In diesen Fällen gilt die Ausnahme nur für Leistungen, die von 

einer Person mit diesen Eigenschaften erbracht oder empfangen werden. 

Art. 21 Abs. 3 und 4 MWSTG greifen somit nur dann, wenn es sich um 

Vorleistungen handelt, die ebenfalls unter die Steuerausnahmen von 

Art. 21 Abs. 2 MWSTG fallen. Nicht erfasst sind namentlich Verwaltungs- 

und Organisationsdienstleistungen, die als selbstständige Leistungen er-

bracht werden (ALOIS CAMENZIND et al., Handbuch zum Mehrwertsteuer-

gesetz [MWSTG], 3. Aufl. 2012, Rz. 1380; vgl. auch ANNE TISSOT 

BENEDETTO, in: MWSTG-Kommentar 2015, a.a.O., Art. 21 N. 454). 

  

2016/23 Mehrwertsteuer (Managed-Care-Organisation) 

 

 

372 BVGE / ATAF / DTAF 

 

2.4  
2.4.1 Im Mehrwertsteuerrecht stellt jede einzelne Leistung grundsätz-
lich ein selbstständiges Steuerobjekt dar und wird für sich besteuert (vgl. 

Urteil des BGer 2A.756/2006 vom 22. Oktober 2007 E. 2.4; Art. 19 Abs. 1 

MWSTG). 

2.4.2 Leistungen sind steuerlich jedoch dann einheitlich zu beurteilen, 
wenn sie wirtschaftlich derart eng zusammengehören und ineinander grei-

fen, dass sie ein unteilbares Ganzes bilden (sog. Gesamtleistung; vgl. 

Art. 36 Abs. 4 aMWSTG; Art. 19 Abs. 3 MWSTG) oder wenn sie zuei-

nander im Verhältnis von Haupt- und untergeordneter (akzessorischer) Ne-

benleistung stehen (Art. 36 Abs. 4 aMWSTG; Art. 19 Abs. 4 MWSTG). 

Die Annahme einer Gesamtleistung oder Haupt- mit Nebenleistung setzt 

jedoch in jedem Fall voraus, dass die jeweiligen Leistungen vom selben 

Leistungserbringer stammen (Urteil des BGer 2C_982/2014 vom 1. Sep-

tember 2015 E. 5.1.2; Urteil des BVGer A‒2628/2012 vom 5. Februar 

2013 E. 2.5 m.H.).  

2.5 (…) 

3.  
3.1 Im vorliegenden Fall ist in sachverhaltsmässiger Hinsicht gestützt 
auf die Akten und die Vorbringen der Parteien zunächst festzuhalten, dass 

die Beschwerdeführerin als Managed-Care-Organisation selbst keine me-

dizinischen Behandlungen an Patienten durchführt, sondern dass diese 

ausschliesslich durch die vertraglich angeschlossenen Netzwerkärzte er-

folgen. Die wesentliche Dienstleistung der Beschwerdeführerin gegenüber 

den Krankenkassen besteht darin, ein Ärztenetzwerk zur Verfügung zu 

stellen, welches Kosteneinsparungen im Gesundheitsbereich zum Ziel  

hat. Dabei erbringt sie die im Rahmen eines Managed-Care-Modells 

notwendigen Koordinationsdienstleistungen, trifft Massnahmen zur Qua-

litätssicherung und Kostenlenkung und übernimmt administrative und or-

ganisatorische Aufgaben. Die Krankenkassen gelten die von den Steuer-

pflichtigen erbrachten Dienstleistungen mit einem Anteil am Netzergebnis 

und der pauschalen Systemkostenentschädigung ab. Im Folgenden ist zu 

prüfen, wie diese ‒ gegenüber den Krankenkassen erbrachten ‒ Managed-

Care-Dienstleistungen mehrwertsteuerlich zu qualifizieren sind.  

3.2  
3.2.1 Während sich das herkömmliche Behandlungsmodell durch ein 
Dreiparteienverhältnis (Patient/Arzt/Versicherung) auszeichnet, liegt im 

vorliegenden Managed-Care-Modell ein Vierparteienverhältnis vor, wobei 

Mehrwertsteuer (Managed-Care-Organisation) 2016/23 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 373 

 

die Beschwerdeführerin als Bindeglied zwischen den Ärzten und den Ver-

sicherungen fungiert. Diese Zwischenschaltung der Beschwerdeführerin 

führt dazu, dass zu den Leistungsverhältnissen Patient-Arzt und Patient-

Versicherung eine dritte Beziehung, nämlich diejenige zwischen der Versi-

cherung und der Beschwerdeführerin als Managed-Care-Organisation 

hinzutritt. Dies ändert jedoch am Gehalt und damit an der mehrwertsteuer-

lichen Qualifikation der vorbestehenden Leistungsverhältnisse Arzt-Pa-

tient und Patient-Versicherung nichts. Dabei dürften regelmässig die Vo-

raussetzungen einer von der Steuer ausgenommenen Heilbehandlung im 

Verhältnis Arzt-Patient erfüllt sein, wobei die Leistungen der Ärzte auch 

im hier zu beurteilenden Managed-Care-Modell nach dem Einzelleis-

tungsprinzip auf der Basis des KVG-Tarifs erbracht und abgerechnet wer-

den. Im Verhältnis Patient-Versicherung liegt nach wie vor eine von der 

Steuer ausgenommene Versicherungsleistung vor.  

3.2.2 Vorliegend stellt die Beschwerdeführerin den Krankenkassen ein 
Ärztenetzwerk zur Verfügung und erbringt Koordinationsdienstleistungen. 

Im Gegenzug erhält sie von den Krankenkassen, die letztlich von den Kos-

teneinsparungen im Managed-Care-Modell profitieren, ein Entgelt, näm-

lich eine Beteiligung am Netzergebnis und eine Systemkostenentschädi-

gung. Die Beschwerdeführerin ist eine eigenständige juristische Person in 

der Organisationsform einer Aktiengesellschaft. Sie schliesst im eigenen 

Namen Rahmenvereinbarungen mit den Krankenkassen und verpflichtet 

sich, die hier strittigen Dienstleistungen zu erbringen. Die Beschwerde-

führerin ist also aufgrund ihres Aussenauftritts als Leistungserbringerin zu 

betrachten, während die Krankenkassen Leistungsempfängerinnen sind 

(E. 2.2.2). Es ist somit ohne Weiteres von einem mehrwertsteuerlichen 

Leistungsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und den Kranken-

kassen auszugehen (E. 2.2.1).  

3.3 Zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin im Rahmen dieses Leis-
tungsverhältnisses einen von der Steuer ausgenommenen Umsatz erzielt. 

Die Beschwerdeführerin bringt vor, ihre Dienstleistungen seien als Heil-

behandlungen im Sinne von Art. 18 Ziff. 3 aMWSTG beziehungsweise 

Art. 21 Abs. 2 Ziff. 3 MWSTG zu qualifizieren.  

3.3.1 Die unmittelbare Anwendung von Art. 18 Ziff. 3 aMWSTG be-
ziehungsweise Art. 21 Abs. 2 Ziff. 3 MWSTG setzt in objektiver Hinsicht 

voraus, dass die Heilbehandlung direkt, das heisst grundsätzlich am phy-

sisch anwesenden Patienten oder der Patientin, vorgenommen wird. In 

subjektiver Hinsicht ist verlangt, dass der Leistungserbringer über eine Be-

rufsausübungsbewilligung verfügt (E. 2.3.2).  

2016/23 Mehrwertsteuer (Managed-Care-Organisation) 

 

 

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Es ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin selbst keine Patienten 

behandelt. Die unmittelbar am Patienten erbrachten medizinischen Be-

handlungen erfolgen ausschliesslich durch die Ärzte. Die Netzwerkärzte 

stellen unabhängig von vertraglichen Bindungen mit der Beschwerdefüh-

rerin selbstständige und von der Beschwerdeführerin unabhängige Rechts-

subjekte dar. Sie führen die medizinischen Behandlungen in eigenem 

Namen durch und rechnen diese nach KVG-Tarifen mit den Kassen bezie-

hungsweise den Patienten ab. Es ist daher nicht ersichtlich, inwiefern die 

medizinischen Leistungen der einzelnen Ärzte der Beschwerdeführerin 

zugerechnet werden könnten. Die von der Beschwerdeführerin erbrachten 

Dienstleistungen stellen somit keine Heilbehandlungen im Sinn von 

Art. 18 Ziff. 3 aMWSTG und ‒ unter Vorbehalt der Prüfung von Art. 21 

Abs. 3 und 4 MWSTG (dazu E. 3.3.2) ‒ im Sinn von Art. 21 Abs. 2 Ziff. 3 

MWSTG dar.  

3.3.2 Es stellt sich, soweit vorliegend die Steuerperioden 2010 und 
2011 betroffen sind, weiter die Frage, ob es sich bei den Managed-Care-

Leistungen um Vorleistungen im Sinn der Art. 21 Abs. 3 und 4 MWSTG 

handelt. Es ist also zu beantworten, ob die Leistungen der Beschwerde-

führerin ihrem Gehalt entsprechend als Heilbehandlungen zu qualifizieren 

sind. 

Vorliegend erschöpfen sich die Dienstleistungen der Beschwerdeführerin 

‒ verkürzt gesagt ‒ darin, den Krankenkassen ein Ärztenetzwerk zur Ver-

fügung zu stellen und organisatorische Aufgaben zu übernehmen. Zwar 

dienen diese Tätigkeiten letztlich einer effizienten und kostengünstigen 

Abwicklung der medizinischen Behandlungen. Sie bilden aber nicht Teil 

solcher Behandlungen. Denn sie bestehen weder darin, Krankheiten, Ver-

letzungen oder andere Störungen der körperlichen und seelischen Gesund-

heit des Menschen festzustellen und zu behandeln, noch Gesundheits-

störungen vorzubeugen. Ihre Dienstleistungen sind vielmehr allgemeiner 

organisatorischer Natur in dem Sinn, dass sie gegebenenfalls optimale 

Rahmenbedingungen für die Leistungserstellung der Ärzte schaffen; sie 

dienen aber als solche nicht der medizinischen Diagnose, Behandlung oder 

Prävention. Sie stellen folglich auch von ihrem Gehalt her keine Heilbe-

handlungen dar. Art. 21 Abs. 3 MWSTG kommt damit vorliegend nicht 

zur Anwendung. Somit ist mit Blick auf Art. 21 Abs. 4 MWSTG auch un-

erheblich, ob der Geschäftsführer der Beschwerdeführerin über eine ärzt-

liche Berufsausübungsbewilligung verfügt oder nicht.  

Mehrwertsteuer (Managed-Care-Organisation) 2016/23 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF 375 

 

Nicht gefolgt werden kann in diesem Zusammenhang der Ansicht der Be-

schwerdeführerin, wonach es sich bei ihren Dienstleistungen um « berufs-

typische » Leistungen handle, wie sie durch jeden Arzt erbracht würden. 

Zwar trifft es zu, dass in einer Arztpraxis auch administrative Aufgaben zu 

bewältigen sind. Solche Leistungen stellen aber regelmässig nur Neben-

leistungen zur Hauptleistung « Heilbehandlung » oder nicht charakteris-

tische Leistungen bei Gesamtleistungen dar (E. 2.4). Entsprechend sind 

diese mit den medizinischen Behandlungen eng verbundenen administra-

tiven Aufwendungen auch im TARMED-Tarif berücksichtigt und werden 

von den Patienten beziehungsweise den Versicherungen vergütet. Solche 

mit einer Haupttätigkeit eng verknüpften administrativen Tätigkeiten fal-

len nicht nur in Betrieben des Gesundheitsbereichs an, sondern sind prak-

tisch in jedem Dienstleistungsbetrieb anzutreffen. Sie können deshalb 

nicht als « berufstypisch » oder charakteristisch bezeichnet werden. Aber 

ohnehin geht der von der Beschwerdeführerin herangezogene Vergleich 

fehl: Die von der Beschwerdeführerin gegenüber den Krankenkassen er-

brachten Dienstleistungen ergeben sich spezifisch aus dem Managed-

Care-Modell und werden somit grundsätzlich nicht von einer Arztpraxis 

erbracht, die keinem vergleichbaren Netzwerk angeschlossen ist. Sie stel-

len somit keine Vorleistungen im Sinn von Art. 21 Abs. 3 und 4 MWSTG 

dar. 

3.3.3 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass die Managed-Care-
Leistungen der Beschwerdeführerin keine Heilbehandlungen im Sinn von 

Art. 18 Ziff. 3 aMWSTG beziehungsweise Art. 21 Abs. 2 Ziff. 3 

MWSTG, auch nicht in Verbindung mit Art. 21 Abs. 3 und 4 MWSTG, 

darstellen. 

3.3.4 Der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass die hier strittigen 
Dienstleistungen auch nicht als von der Steuer ausgenommene Versi-

cherungsleistungen nach Art. 18 Ziff. 18 aMWSTG beziehungsweise 

Art. 21 Abs. 2 Ziff. 18 MWSTG (gegebenenfalls i.V.m. Art. 21 Abs. 3 

MWSTG) zu qualifizieren sind. Denn die Zurverfügungstellung eines 

Ärztenetzwerks und das Erbringen entsprechender Koordinationsdienst-

leistungen stellen, von ihrem Gehalt her gesehen, ebenso wenig charak-

teristische Versicherungsleistungen dar (zum aMWSTG: Urteil des BVGer 

A‒1639/2006 vom 27. Juni 2007 E. 3).  

3.4 Soweit die Beschwerdeführerin sinngemäss geltend machen 
wollte, die hier strittigen Dienstleistungen bildeten einen nicht prägenden 

oder untergeordneten Teil einer Gesamt- oder Hauptleistung « Heilbe-

2016/23 Mehrwertsteuer (Managed-Care-Organisation) 

 

 

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handlung », wäre ihr nicht zuzustimmen. Vorliegend sind die Netzwerk-

ärzte als Leistungserbringer der Heilbehandlungen anzusehen, während 

die Beschwerdeführerin Leistungserbringerin der Managed-Care-Leis-

tungen ist (E. 3.2.2). Eine einheitliche mehrwertsteuerliche Behandlung 

bei Leistungskomplexen ist jedoch von vornherein nur dann möglich, 

wenn die jeweiligen Leistungserbringer identisch sind (E. 2.4.2).  

3.5‒3.6 (…) 

3.7 Zusammenfassend stellen die hier zu beurteilenden Managed-
Care-Leistungen keine Heilbehandlungen dar und sind deshalb steuerbar. 

(…) Damit erweist sich der vorinstanzliche Entscheid als rechtmässig. Die 

Beschwerde ist abzuweisen.