# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d5bc63e0-1be1-5497-9ed4-9e1eaceacfa0
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-02-27
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 27.02.2015 SB140425
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB140425_2015-02-27.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    
 

 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB140425-O/U/gs 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Ersatzoberrichterinnen lic. iur. 

Knüsel und lic. iur. Mathieu sowie Gerichtsschreiberin MLaw Hässig 

 

Urteil vom 27. Februar 2015 

 

in Sachen 

 
A._____, 

Privatklägerin, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagte 

 

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. X._____ 

 

sowie 

 
Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich,  

Anklägerin und Anschlussberufungsbeklagte 

 

gegen 

 
B._____, 

Beschuldigter, Berufungsbeklagter und Anschlussberufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

 
betreffend Schändung etc. 

 

Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Bülach, Jugendgericht, vom 
8. April 2014 (DJ140001) 

- 2 - 

 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Unterland vom 30. Dezember 2013 

(Urk. 9) ist diesem Urteil beigeheftet. 

 

Urteil der Vorinstanz: 

(Urk. 30) 

1. Der beschuldigte Jugendliche wird vollumfänglich freigesprochen. 

2. Dem beschuldigten Jugendlichen wird eine Umtriebsentschädigung von 

Fr. 4'502.60 aus der Gerichtskasse zugesprochen. 

3. Dem beschuldigten Jugendlichen werden Fr. 600.– als Genugtuung aus der 

Gerichtskasse zugesprochen. 

 Das Verrechnungsrecht des Staates bleibt vorbehalten. 

4. Das Schadenersatz- sowie das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin  

A._____ werden abgewiesen. 

5. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten, einschliesslich 

derjenigen der amtlichen Verteidigung in der Höhe von Fr. 13'400.–, werden 

auf die Gerichtskasse genommen. 

Berufungsanträge 

a) Der Vertreterin der Privatklägerin: 

(Urk. 46 S. 1) 

 1. Es sei der Beschuldigte im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen 

und angemessen zu bestrafen; 

 2.  Es seien die Beweisanträge des Beschuldigten bzw. von dessen amtli-

cher Verteidigung vom 24. Oktober 2014 abzuweisen; 

- 3 - 

 3. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin A._____ ei-

ne Umtriebsentschädigung in der Höhe von CHF 300.00 zu bezahlen. 

  Im Übrigen sei festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber der Pri-

vatklägerin dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist, soweit die 

dieser entstandenen und in Zukunft entstehenden Kosten nicht von ei-

nem anderen Kostenträger übernommen werden und soweit sie kausa-

le Folge der strafbaren Handlungen des Beschuldigten sind; 

 4. Es sei der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin eine Genug-

tuung in der Höhe von CHF 10'000.00, zuzüglich 5 % Zins seit dem 

19. August 2011, zu bezahlen; 

 5.  Es seien die gesamten Kosten für das erst- und zweitinstanzliche Ver-

fahren dem Beschuldigten aufzuerlegen. 

 

b) Des Vertreters der Oberjugendanwaltschaft: 

(Urk. 35) 

 Verzicht auf Anschlussberufung  

 

c) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 47 S. 1 f.) 

 1. Die Berufung sei abzuweisen und das vorinstanzliche Urteil sei mit 

Ausnahme der in der Anschlussberufung geltend gemachten Position 

vollumfänglich zu bestätigen. 

 2. Der Antrag auf Ablehnung des Beweisantrages der Verteidigung durch 

die Berufungsklägerin sei abzuweisen. 

- 4 - 

 3. In Gutheissung der Anschlussberufung sei B._____ für das erstinstanz-

liche Verfahren eine höhere als die von der Vorinstanz zugesprochene 

Genugtuung nach Ermessen des Gerichts zuzusprechen. 

 4. Es sei vorzumerken, dass B._____ für das Berufungsverfahren keine 

Auslagen entstanden sind, es sei ihm jedoch eine angemessene Ge-

nugtuung nach Ermessen der Kammer zuzusprechen. 

 5. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien der Privatklägerschaft auf-

zuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien einstweilen auf 

die Gerichtskasse zu nehmen. Eventualiter sei B._____ die unentgeltli-

che Prozessführung zu bewilligen unter Übernahme der Kosten der 

amtlichen Verteidigung auf die Gerichtskasse. 

- 5 - 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang 

 1. Zum Verfahrensgang vor erster Instanz kann auf das angefochtene Urteil 

verwiesen werden (Urk. 27 S. 4 = Urk. 30 S. 4 [nachfolgend: Urk. 30]). 

 2. Der jugendliche Beschuldigte B._____ (Berufungsbeklagter und An-

schlussberufungskläger; nachfolgend "Beschuldigter") wurde am 30. Dezember 

2013 angeklagt wegen Schändung im Sinne von Art. 191 StGB, eventuell wegen 

sexueller Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, sowie wegen Vergehen 

gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 Buchstabe d 

BetmG (Urk. 9). Das Bezirksgericht Bülach, Jugendgericht, sprach ihn mit Urteil 

vom 8. April 2014 vollumfänglich frei. Dem Beschuldigten wurden eine Umtriebs-

entschädigung von Fr. 4'502.60 und eine Genugtuung von Fr. 600.– aus der Ge-

richtskasse zugesprochen. Das Schadenersatz- sowie das Genugtuungsbegeh-

ren der Privatklägerin A._____ (Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbe-

klagte; nachfolgend "Privatklägerin") wurden abgewiesen. Eine Entscheidgebühr 

wurde nicht erhoben und die übrigen Kosten, einschliesslich derjenigen der amtli-

chen Verteidigung in der Höhe von Fr. 13'400.–, wurden auf die Gerichtskasse 

genommen (Urk. 30). 

 3. Gegen das mündlich eröffnete Urteil meldete die Vertreterin der Privatklä-

gerin am 9. April 2014 Berufung an (Urk. 24).  

 4. Das begründete Urteil der Vorinstanz wurde von der Privatklägerin am 

9. September 2014 in Empfang genommen (Urk. 29). Mit Eingabe vom 29. Sep-

tember 2014 reichte sie fristgerecht ihre Berufungserklärung ein (Urk. 32).  

 5. Mit Präsidialverfügung vom 30. September 2014 wurde dem Beschuldig-

ten und der Oberjugendanwaltschaft Frist zur Erhebung einer Anschlussberufung 

bzw. zum Antrag auf Nichteintreten auf die Berufung angesetzt. Gleichzeitig wur-

- 6 - 

de der Privatklägerin Frist für Erklärungen im Sinne von Art. 335 Abs. 24 StPO, 

Art. 153 Abs. 1 StPO und Art. 68 Abs. 4 StPO betr. Besetzung des urteilenden 

Gerichts mit einer Person gleichen Geschlechts etc. angesetzt (Urk. 33). Mit 

Schreiben vom 8. Oktober 2014 verzichtete die Oberjugendanwaltschaft aus-

drücklich auf die Erhebung einer Anschlussberufung (Urk. 35). Der Beschuldigte 

erklärte mit Eingabe vom 24. Oktober 2014 Anschlussberufung mit den obge-

nannten Anträgen (Urk. 36 S. 1 f.). Sodann stellte er zwei Beweisanträge (Urk. 36 

S. 2 i.V.m. Urk. 37/2) und übermittelte er das Datenerfassungsblatt (Urk. 37/1). 

Die Anschlussberufungserklärung des Beschuldigten wurde mit Präsidialverfü-

gung vom 27. Oktober 2014 der Privatklägerin und der Oberjugendanwaltschaft 

zugestellt (Urk. 38). Mit Schreiben vom 31. Oktober 2014 stellte die Privatklägerin 

Anträge im Hinblick auf die personelle Zusammensetzung des Gerichts (Urk. 40).  

 6. Am 7. November 2014 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 27. Feb-

ruar 2015 vorgeladen (Urk. 41). Zu dieser erschienen der Beschuldigte in Beglei-

tung seines amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ sowie seiner El-

tern und Rechtsanwältin lic. iur. X._____ namens und in Vertretung der Privatklä-

gerin (Prot. II S. 4). 

 7. Zu Beginn der Verhandlung waren keine Vorfragen zu klären (Prot. II 

S. 6). Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ reichte dem Gericht zwei Duplikate von 

Urk. 2/18 zur Vervollständigung der Akten ein. Diese wurden formlos zu den Ak-

ten genommen (Prot. II S. 6). 

II.  Prozessuales 

 1. Der am tt.mm.1996 geborene und somit heute mündige Beschuldigte soll 

die zur Anklage gebrachten Taten am 18./19. August 2011 begangen haben (Urk. 

9 S. 2), mithin vor Vollendung seines 15. Altersjahres. Gemäss Art. 1 des Bun-

desgesetzes über das Jugendstrafrecht vom 20. Juni 2003 (JStG) regelt dieses 

Gesetz die Sanktionen, welche gegenüber Personen zur Anwendung kommen, 

die vor Vollendung des 18. Altersjahres eine nach dem Strafgesetzbuch (StGB) 

oder einem anderen Bundesgesetz mit Strafe bedrohte Tat begangen haben. An-

- 7 - 

wendbar sind somit das Jugendstrafgesetz (JStG) sowie die Jugendstrafprozess-

ordnung (Art. 1 JStPO).  

 2. Die zu beurteilende Tat liegt innerhalb der Verfolgungsverjährungsfrist 

gemäss Art. 36 JStG. 

 3. Gemäss Art. 40 JStPO entscheidet die Berufungsinstanz über Berufungen 

gegen erstinstanzliche Urteile des Jugendgerichts. Da keine weiteren Regelungen 

zur Berufung vorgesehen sind, gelten gemäss Art. 3 JStPO überdies die  

Bestimmungen der StPO sinngemäss für das Jugendstrafverfahren 

(vgl. Jositsch/Riesen-Kupper/Brunner/Murer Mikolásek, Kommentar Schweizeri-

sche Jugenstrafprozessordnung, Art. 40 JStPO N 4). 

 4.1. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung 

(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in 

Rechtskraft (SCHMID, StPO Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2013, 2. Aufla-

ge, Art. 402 N 1; Art. 437 StPO). 

 4.2. Die Privatklägerin lässt das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich anfech-

ten (Urk. 32 S. 2), wohingegen der Beschuldigte lediglich eine höhere Genugtu-

ung (Dispositiv-Ziffer 3) und im Übrigen die Bestätigung des angefochtenen Ur-

teils verlangte (Urk. 36 S. 2 f.). Die Oberjugendanwaltschaft erklärte weder Beru-

fung noch Anschlussberufung (Urk. 35). Dementsprechend ist das Urteil der  

Vorinstanz vom 8. April 2014 (Urk. 30) in keinem Punkt in Rechtskraft erwachsen 

und bildet in seiner Gesamtheit Berufungsgegenstand. 

 5.1. Im Rahmen seiner Anschlussberufungserklärung vom 24. Oktober 2014 

stellte der Beschuldigte gestützt auf Art. 399 Abs. 3 lit. c StPO folgende Beweis-

anträge im Berufungsverfahren (Urk. 36 S. 2), an welchen er anlässlich der Beru-

fungsverhandlung festhielt (Urk. 47 S. 7, 9): 

 
  1.  Psychiatrisches Gutachten zu den Fragestellungen, 
 

a  ob in der Vergangenheit der Berufungsklägerin traumatisie-
rende Vorfälle bestanden, welche und wie sie sich auf die 
Psyche der Berufungsklägerin ausgewirkt haben, 

https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/a4dfedfd-e87c-4dc8-9bbb-2cde1122ade0/e005e12e-a801-49ec-b774-17816ffbea20?source=document-link&SP=11|11arc1
https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/a4dfedfd-e87c-4dc8-9bbb-2cde1122ade0/c68e08c3-6f57-4c65-a5b9-bdc1c74ac576?source=document-link&SP=11|11arc1
https://swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/315c575f-b12a-4355-a1ad-3474409d0494/00000000-0000-0000-0000-000000000000?source=document-link&SP=11|11arc1

- 8 - 

b) welche Umstände kausal für den schulischen Leistungsab-
fall der Berufungsklägerin nach dem 19. August 2011 waren. 

 
 2. Es sei der Ausdruck der Debatte "Können befruchtungsfähige 

Spermien durch Stoff gelangen?" der Website www.gutefrage.de 
zu den Akten zu nehmen. 

 

 Zur Begründung von Antrag Ziffer 1 führte er an, eine für den Ausgang des 

vorliegenden Verfahrens wesentliche Frage stelle jene dar, ob die von der Privat-

klägerin im Verfahren vor Vorinstanz geltend gemachte starke Verhaltensände-

rung auf den angeklagten Vorfall oder auf andere Faktoren zurückzuführen sei. 

Für Letztere ergäben sich in den Akten mehrere Hinweise. Zu Antrag Ziffer 2 

machte er geltend, die im offerierten Dokument ersichtlichen Statements würden 

eine weit verbreitete Angst belegen, dass Spermien durch Kleidungsstücke hin-

durch gelangen und zu einer Befruchtung führten, womit die von ihm angegebe-

ne, von der Privatklägerin im vorinstanzlichen Verfahren als Schutzbehauptung 

qualifizierte Motivation, auf die Einnahme der "Pille danach" durch die Privatkläge-

rin hinzuwirken, vor allem für einen unerfahrenen Jugendlichen nachvollziehbar 

sei. 

 5.2. Das Gericht ist zwar grundsätzlich verpflichtet, von den Parteien frist- 

und formgerecht gestellten Beweisanträgen zu entsprechen. Ein solcher Beweis-

antrag kann jedoch unter anderem mit der Begründung abgelehnt werden, die 

behauptete Tatsache sei unerheblich, dem Gericht bereits offenkundig bekannt 

oder bereits rechtsgenügend erwiesen. Insoweit verlangt Art. 343 StPO nicht die 

Abnahme aller Beweise durch das Gericht. Eine solche Pflicht ergibt sich auch 

nicht aus der BV, der EMRK oder dem IPBPR (Gut/Fingerhuth, in:  

Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-

nung [StPO], 2. Auflage, Zürich 2014, Art. 343 N 12 f.). 

 Was das Einholen eines psychiatrischen Gutachtens betrifft, wird nachfol-

gend noch zu zeigen sein, dass das Beweisergebnis genügend klar ist, so dass 

eine Exploration der Privatklägerin im Sinne einer antizipierten Beweiswürdigung 

nicht notwendig erscheint. Dazu ist zu bemerken, dass die fehlende Nachweis-

- 9 - 

barkeit gewisser Tatsachen dem Beschuldigten aufgrund der in Art. 6 Abs. 1 

StPO verankerten Untersuchungsmaxime nicht zum Nachteil gereichen darf.  

 Die von der Verteidigung offerierten Urkunden (Urk. 37/2) wurden formlos zu 

den Akten genommen (Prot. II S. 6). 

 6.1. Der Verteidiger rügte eine Verletzung des Anklageprinzips. Die Anklage 

sei mit der unbestimmten Zeitformulierung, obwohl die Zeit aktenmässig einzu-

grenzen sei und durch die Voruntersuchung noch mehr hätte eingegrenzt werden 

können, zu wenig präzise. Der Beschuldigte könne sich nicht gegen den Vorwurf 

eines Übergriffs zu unbestimmter Zeit zur Wehr setzen (Urk. 21 S. 6, Urk. 47 

S. 7).  

 6.2. Gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO hat die Anklageschrift neben den formel-

len Angaben (lit. a-e) sowie den angeblich verletzten Gesetzesbestimmungen (lit. 

g) "möglichst kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Ta-

ten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung" (lit. 

f) zu bezeichnen. Als ungültig muss die Anklage erst dann angesehen werden, 

wenn sie wegen einer entsprechenden Formulierung ihre Umgrenzungs- und/oder 

Informationsfunktion nicht mehr zu erfüllen vermag. Solange der Beschuldigte aus 

der Anklage also ersehen kann, was ihm konkret vorgeworfen wird, und er sich 

gestützt auf die Informationen auch effektiv (oder wirksam) verteidigen kann, be-

steht keine Verletzung des Anklageprinzips (vgl. OGer SB140078, II. Strafkam-

mer, Urteil vom 4. Juli 2014 mit Verweis auf Kass.Nr. 99/249S, Entscheid vom 5. 

Juli 2000, Erw. II/1/5/f; Kass.Nr. 98/280S, Entscheid vom 5.7.1999, Erw. II/6/4; 

vgl. bereits BGE 103 Ia 6, ZR 60 Nr. 43; zum Ganzen vgl. Kass.Nr. 2000/330S, 

Entscheid vom 17. Dezember 2001, Erw. II/3/2/b). 

 6.3. Die Anklageschrift umschreibt die Tatzeit wie folgt (Urk. 9 S. 2): "In der 

Nacht, also von Donnerstag, 18. August 2011, auf Freitag, 19. August 2011, ge-

naue Uhrzeit ist nicht bestimmbar, …". Damit besteht zwar in der Tat eine gewis-

se Ungenauigkeit in zeitlicher Hinsicht, da sich diese nicht genau rekonstruieren 

lässt. Diese führt aber nicht zu einer Rückweisung oder Einstellung, da in der An-

klageschrift im Übrigen sämtliche Sachverhaltselemente genannt sind, um eine 

- 10 - 

genügende Verteidigung sicherzustellen. Die Verteidigung nahm denn auch in 

angemessener Form zum Vorwurf Stellung. Ob sich die in der Anklage enthalte-

nen Behauptungen und Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht rechtsge-

nügend erstellen lassen, ist eine Frage der nachfolgenden Beweiswürdigung. 

 7.1. Die Verteidigung machte vor Vorinstanz sowie anlässlich der Beru-

fungsverhandlung fehlende Verwertbarkeit von Aussagen des Beschuldigten gel-

tend, soweit ein Geständnis des Beschuldigten gegenüber der Mutter der Privat-

klägerin im Raum stehe. Der Beschuldigte sei von ihr sehr bedrängt worden. Die 

Mutter der Privatklägerin sei "…" bei der Kantonspolizei Zürich. Der Beschuldigte 

habe dies gewusst und sich damals also quasi in einer Verhörsituation befunden, 

in der auf seine Willensbildung unzulässig eingewirkt worden sei. Das Gleiche 

gelte mit Bezug auf die SMS-Entschuldigungen vom Beschuldigten gegenüber 

der Privatklägerin, welche diese offensichtlich im Hinblick auf ein Geständnis des 

Übergriffs zu entlocken versucht habe. Dieses Vorgehen sei mit Art. 140 StPO 

nicht vereinbar (Urk. 21 S. 3 f.; Urk. 47 S. 8).  

 7.2. Hierzu hat bereits die Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen, dass es 

sich vorliegend nicht um eine Beweiserhebung durch die Strafverfolgungsbehör-

den handelte (Urk. 30 S. 18). Art. 140 Abs. 1 StPO ist in diesem Kontext somit 

nicht massgebend. Zudem wurden die Ausführungen des Beschuldigten gegen-

über der Mutter der Privatklägerin und nachmaligen Auskunftsperson nicht tel 

quel als Geständnis gewertet. Auf allfällige Versuche, den Beschuldigten einzu-

schüchtern oder unter Druck zu setzen, ist im Rahmen der Beweiswürdigung ein-

zugehen.  

 8. Auf die übrigen Argumente des Beschuldigten bzw. der Verteidigung und 

der Vertretung der Privatklägerin zur Sache ist im Rahmen der nachstehenden 

Erwägungen einzugehen. Dabei muss sich das Gericht nicht ausdrücklich mit je-

der tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinanderset-

zen; vielmehr kann es sich auf die für die Entscheidfindung wesentlichen Ge-

sichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1 mit Hinweisen; Urteile 

6B_526/2009 vom 2. September 2009 E. 3.2 sowie 6B_678/2009 vom 3. Novem-

ber 2009 E. 5.2). 

- 11 - 

III. Sachverhalt 

 A Anklagevorwurf  

 1.1. Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten zusammengefasst vor, er 

habe die Privatklägerin und Ex-Freundin, A._____, in der Nacht vom 18. auf den 

19. August 2011 zum Beischlaf oder einer beischlafähnlichen Handlung miss-

braucht, als sich diese in einem Zustand der Widerstandsunfähigkeit befunden 

habe.  

 1.2. Konkret wird geltend gemacht, der Beschuldigte und die Privatklägerin 

seien von ca. Juni 2010 bis ungefähr in der zweiten Woche der Sommerferien 

2011, ca. Ende Juli 2011, ein Paar gewesen. Am Donnerstag, 18. August 2011, 

habe der Beschuldigte die Privatklägerin zu einer Aussprache in der elterlichen 

Wohnung der Privatklägerin, C._____-Strasse ..., D._____, getroffen, nachdem 

sie die Tage zuvor wiederholt heftig gestritten hätten. Die Privatklägerin habe sich 

und dem Beschuldigten in separaten Gläsern "Sprite" serviert. Wiederum sei es 

zu Streit gekommen, als sich der Beschuldigte über den Kollegenkreis und über 

die Hobbys der Privatklägerin abschätzig geäussert habe. Die Privatklägerin habe 

Bauchschmerzen bekommen und es sei ihr übel geworden. Sie sei damals in 

ärztlicher Behandlung gewesen wegen eines viralen Infekts, der sich als unspezi-

fische Lymphknotenentzündung bemerkbar gemacht habe. Der behandelnde Arzt 

habe ihr Novalgin Tropfen verschrieben. Die Privatklägerin habe die doppelte 

Menge der verschriebenen Dosis genommen, wovon der Beschuldigte Kenntnis 

genommen habe.  

 1.3. Zudem habe der Beschuldigte dem Getränk der Privatklägerin sog. KO-

Tropfen oder Liquid-Ecstasy (Gammahydroxybutyrat oder Gammabutyrolacton) 

ins Glas beigemischt, welche er sich zuvor beschafft oder welche er selber herge-

stellt gehabt habe.  

 1.4. Nachdem sich die beiden im Laufe des Abends versöhnt hätten, habe 

die Privatklägerin den Beschuldigten in der Folge gebeten, er möge die Nacht bei 

ihr verbringen, da sie sich unwohl fühle, ihre Eltern nicht zuhause gewesen seien 

- 12 - 

und sie Angst vor dem Alleinsein gehabt habe. Der Beschuldigte habe eingewil-

ligt. Beide hätten sich im Bett der Privatklägerin schlafen gelegt, Seite an Seite, 

wie sie es zuvor schon mehrere Male getan hätten.  

 1.5. ln der Nacht, also von Donnerstag, 18. August 2011, auf Freitag, 

19. August 2011, die genaue Uhrzeit sei nicht bestimmbar, habe sich der Be-

schuldigte im Zustand sexueller Erregung nackt auf die Privatklägerin gelegt, wel-

che schlafend auf dem Rücken gelegen sei, und sich zur Steigerung seiner Erre-

gung auf und ab bewegt. Dann habe er ihre knielange Pyjamahose sowie ihre 

Panty-Unterhose nach unten gezogen und dabei die Auf- und Ab-Bewegung fort-

geführt, so dass sein steifer Penis mindestens wiederholt die Schamlippen der 

Privatklägerin berührt oder weiter bis zum Vaginaleingang vorgestossen oder so-

gar in deren Vagina eingedrungen sei. Dabei habe er etwas Präejakulat (sog. 

Lusttropfen) abgesondert, von welchem er in den folgenden Tagen angenommen 

habe, dass es in die Vagina und weiter in die Gebärmutter der Privatklägerin ge-

flossen sei.  

 1.6. Im Anschluss an die an der Privatklägerin vorgenommenen sexuellen 

Handlungen habe der Beschuldigte das WC aufgesucht, wo er ein Kondom über-

gezogen, bis zur Ejakulation masturbiert und dann das Kondom mit dem Sperma 

darin in Toilettenpapier eingewickelt und in seinen Hosen verstaut habe. 

 1.7. Die Privatklägerin sei infolge ihres allgemein erschöpften Zustandes und 

der doppelten Menge des eingenommenen Medikaments während des ganzen 

Vorgangs nicht wach gewesen, d.h. im Schlafzustand, was der Beschuldigte aus-

genützt habe. Dieser ohnehin schon an Bewusstlosigkeit grenzende Zustand sei 

durch die gegen ihren Willen und ohne ihre Kenntnis eingenommenen KO-

Tropfen noch verstärkt worden. Deshalb sei sie nicht in der Lage gewesen wahr-

zunehmen, dass der Beschuldigte sexuelle Handlungen an ihr vollzogen habe, 

und ausserstande, sich gegen das, was mit ihr geschehen sei, zur Wehr zu set-

zen, was sie im wachen Zustande sofort getan hätte. 

 1.8. Gemäss Jugendanwaltschaft hat sich der Beschuldigte mit seinem Ver-

halten der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB, eventualiter der sexuellen Nö-

- 13 - 

tigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB, sowie der Widerhandlung gegen das 

Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG schuldig ge-

macht (Urk. 9 S. 3 f.). 

 2. Der Beschuldigte bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Er räumt 

zwar ein, dass er im Verlauf der Nacht seinen Arm um die Privatklägerin und sich 

zu einem späterem Zeitpunkt auch noch auf sie gelegt habe, und zwar beides auf 

ihren Wunsch hin. Als er erwacht sei, sei er erregt gewesen, worauf er auf die Toi-

lette gegangen sei, wo er sich ein Kondom übergezogen und masturbiert habe. 

Hernach habe er das gebrauchte Kondom eingepackt und sich wieder zur Privat-

klägerin ins Bett gelegt. Tags darauf habe er der Privatklägerin gesagt, sie solle 

die "Pille danach" nehmen, weil er Angst gehabt habe, dass ihm ein sogenannter 

"Lusttropfen" abgegangen sein könnte, der durch den Slip der Privatklägerin in 

deren Vagina und Gebärmutter hätte eingedrungen sein und eine Schwanger-

schaft verursachen können. Eine Verabreichung von KO-Tropfen wird gänzlich 

bestritten (Urk. 1/11, Urk. 1/17, Urk. 2/14, Urk. 2/66, Urk. 21, Prot. I S. 7 ff., Prot. II 

S. 13 ff.). 

 3. Die Vorinstanz hat sexuelle Handlungen des Beschuldigten als erstellt er-

achtet (Urk. 30 S. 9), nicht jedoch eine Widerstandsunfähigkeit der Privatklägerin 

(Urk. 30 S. 21 f.). Sie sprach den Beschuldigten demnach vollumfänglich frei 

(Urk. 30). Da die Privatklägerin hingegen Berufung erhoben und sich der Be-

schuldigte auch heute nicht im Sinne der Anklage geständig gezeigt hat (Prot. II 

S. 13 ff., S. 27), ist nachfolgend zu prüfen, ob der zur Anklage gebrachte Sach-

verhalt erstellt werden kann. 

 B Beweiswürdigung 

 1. Allgemeines zur Beweiswürdigung 

 1.1. In einem Strafprozess sind an den Beweis von Täterschaft und Schuld 

hohe Anforderungen zu stellen. Gemäss der aus Art. 8 und 32 Abs. 1 BV flies-

senden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime 'in dubio pro reo' ist bis 

zum gesetzlichen Nachweis ihrer Schuld zu vermuten, dass die wegen einer 

- 14 - 

strafbaren Handlung beschuldigte Person unschuldig ist (BGE 127 I 40, BGE 120 

Ia 31 E. 2b). Angesichts der Unschuldsvermutung, die auch in Art. 10 Abs. 1 der 

neuen Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO) statuiert ist, besteht somit 

Beweisbedürftigkeit, das heisst, der verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle 

objektiven und subjektiven Tatbestandselemente nachzuweisen, woraus folgt, 

dass der Beschuldigte seine Unschuld nicht zu beweisen hat (BGE 127 I 40 f.). 

 1.2. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, sind die 

Depositionen frei zu würdigen (vgl. Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist anhand sämtlicher 

Umstände, die sich aus den Akten und den Verhandlungen ergeben, zu untersu-

chen, welche Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den in-

neren Gehalt der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die 

Angaben erfolgen. Beim Abwägen von Aussagen ist zwischen der Glaubwürdig-

keit einer Person und der Glaubhaftigkeit ihrer Angaben zu unterscheiden.  

 Während Erstere die Grundlage dafür liefert, ob einer Person getraut werden 

kann, ist Letztere für die im Prozess massgebende Entscheidung bedeutungsvoll, 

ob sich der behauptete Sachverhalt zur Hauptsache so zugetragen hat oder nicht. 

Die allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person ergibt sich nebst ihrer prozessualen 

Stellung auch aus ihrem wirtschaftlichen Interesse am Ausgang des Verfahrens 

sowie vor allem aus deren persönlichen Beziehungen und Bindungen zu den üb-

rigen Prozessbeteiligten. Bei der Würdigung von Aussagen darf jedoch nicht ein-

fach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaubwürdigkeit von Aussagenden 

abgestellt werden, denn dies lässt nach neueren Erkenntnissen keinen allgemei-

nen Rückschluss auf die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu. Massgebend ist viel-

mehr die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Äusserungen. Bei 

der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist generell auf Strukturbrüche 

innerhalb einer Aussage, auf Über- oder Untertreibungen, auch auf Widersprüche, 

vor allem aber auf das Vorhandensein einer hinreichenden Zahl von Realitätskri-

terien und das Fehlen von Lügensignalen zu achten (Bender/Nack/Treuer, Tatsa-

chenfeststellung vor Gericht, 3. Auflage, München 2007, S. 72 ff.; vgl. auch Rolf 

Bender, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, SJZ 81, 

1985, S. 53 ff.).  

- 15 - 

 1.3. Im Bereich rechtfertigender Tatsachen trifft den Beschuldigten indes ei-

ne gewisse Beweislast. Seine Behauptungen müssen plausibel sein; es muss 

ihnen eine gewisse Überzeugungskraft zukommen. Zumindest bedarf die Be-

hauptung des Beschuldigten gewisser Anhaltspunkte, sei es in Form konkreter 

Indizien oder einer natürlichen Vermutung für seine Darstellung, damit sie als Ent-

lastungstatsache dem Urteil zugrunde gelegt wird. Ein strikter Beweis kann hin-

gegen vom Beschuldigten nicht verlangt werden; doch muss seine Behauptung 

glaubhaft sein. Wenn die belastenden Beweise nach einer Erklärung rufen, wel-

che der Beschuldigte geben können müsste, dies jedoch nicht tut, darf nach Mas-

sgabe des gesunden Menschenverstandes der Schluss gezogen werden, es gebe 

keine mögliche Erklärung und er sei schuldig. Nichts anderes kann gelten, wenn 

er zwar eine Erklärung gibt, diese aber unglaubhaft oder gar widerlegt ist. Der 

Grundsatz "in dubio pro reo" zwingt somit nicht dazu, jede entlastende Angabe 

des Beschuldigten, für deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit kein spezifischer Be-

weis vorhanden ist, als unwiderlegt zu betrachten. Nicht jede aus der Luft gegrif-

fene Schutzbehauptung braucht durch einen hieb- und stichfesten Beweis wider-

legt zu werden (Bundesgerichtsentscheide 6B_453/2011 vom 20. Dezember 

2011, E. 1.6, und 6B_562/2010 vom 28. Oktober 2010, E. 2.1; vgl. auch Be-

schlüsse des Kassationsgerichts des Kantons Zürich vom 5. Oktober 2005, 

AC050005, S. 10 f.; Pra 90 (2001) Nr. 110 S. 43, und vom 3. September 1991, 

91/177S, S. 5 f.). 

 2. Verwertbarkeit von Beweismitteln 

 Die Teilnahmerechte des Beschuldigten bei den Beweiserhebungen wurden 

gewahrt und die nachgenannten Beweismittel sind uneingeschränkt verwertbar. 

 3. Konkrete Beweismittel 

 3.1. Die Anklagebehörde stützt den eingeklagten Sachverhalt im Wesentli-

chen auf die Aussagen der Privatklägerin im Rahmen der Videobefragung vom 

1. März 2012, welche samt Bericht und DVDs dazu vorliegt (Urk. 1/4-6), sowie je-

ne, die sie als Auskunftsperson deponiert hat (inkl. Videoübertragung Urk. 2/39-

40). Als Beweismittel angerufen wurden sodann die Aussagen des Beschuldigten 

- 16 - 

selber (Urk. 1/11, Urk. 1/17, Urk. 2/14, Urk. 2/66). Weiter liegen Aussagen der 

Auskunftspersonen E._____ (Mutter der Privatklägerin; Urk. 1/9 und Urk. 2/11), 

F._____ (Mutter des Beschuldigten; Urk. 2/41) und G._____ (Kollegin und Ex-

Freundin des Beschuldigten; Urk. 2/44) sowie der Zeugen H._____ (Lehrer der 

Privatklägerin; Urk. 2/43) und I._____ (Kollegin des Beschuldigten; Urk. 2/42) vor. 

Ferner holte die Anklagebehörde Berichte bei den die Privatklägerin - wegen des 

Virusinfektes - behandelnden Ärzten (Urk. 2/56-58 und Urk. 2/72) und der Psy-

chotherapeutin ein (Urk. 3/4). An Urkunden sind im Wesentlichen die folgenden 

zu erwähnen: Die beiden Rechtsvertretungen produzierten Informationen über die 

"Pille danach" (Urk. 2/3) und über die allenfalls eingenommenen oder verabreich-

ten Medikamente/Substanzen (Urk. 1/15-16 und Urk. 2/4-6) zu den Akten. Es liegt 

schliesslich ein Auszug über eine "What's app"-Kommunikation zwischen der Pri-

vatklägerin und dem Beschuldigten vor, ebenso die vom Beschuldigten im Beru-

fungsverfahren eingereichten Unterlagen betreffend "www.gutefrage.de" (Urk. 36-

37). 

 3.2. Direkte Beobachtungen des Vorfalls durch unbeteiligte Dritte liegen 

nicht vor. Ein objektiver Sachbeweis für den tatsächlichen Zustand der Privatklä-

gerin im Zeitpunkt der Tat oder auch nur kurze Zeit danach existiert ebenfalls 

nicht. Der Vorfall, der sich in der Nacht vom 18. auf den 19. August 2011 zugetra-

gen haben soll, wurde erst am 25. Januar 2012 zur Anzeige gebracht (Urk. 1/3).  

 4. Sexuelle Handlungen  

 4.1. Die Anklagebehörde qualifizierte den eingeklagten Sachverhalt in recht-

licher Hinsicht als Schändung im Sinne von Art. 191 StGB, eventualiter als sexu-

elle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB (nebst des Vergehens gegen 

das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG; Urk. 9 S. 3). 

Wie die Vorinstanz dargelegt hat, bildet bei beiden Bestimmungen objektives Tat-

bestandsmerkmal, dass es zu einer beischlafsähnlichen oder einer anderen     

sexuellen Handlung bekommen ist. Bei der Schändung wird zusätzlich der Bei-

schlaf sanktioniert. 

- 17 - 

 4.2. Die für die Erfüllung beider Tatbestände erforderliche sexuelle Handlung 

besteht gemäss Anklagesachverhalt darin, dass sich der Beschuldigte nackt auf 

die auf dem Rücken liegende Privatklägerin gelegt und sich auf ihr auf und ab 

bewegt habe – und zwar nachdem er ihre Pyjama- und Unterhose nach unten ge-

schoben habe. Dabei soll er mit seinem steifen Penis wiederholt die Schamlippen 

berührt oder bis zum Vaginaleingang vorgestossen oder sogar in die Vagina der 

Privatklägerin eingedrungen sein (Urk. 9 S. 2). 

 4.3. Der Beschuldigte führte in der ersten polizeilichen Einvernahme vom 

14. März 2012 aus, er habe ihm Bett zunächst auf Wunsch der Privatklägerin den 

Arm um sie gelegt. Später habe sie ihn gebeten, sich auf sie zu legen, was er 

auch getan habe. Er sei nackt gewesen, was die Privatklägerin gewusst habe 

(Urk. 1/11 S. 4). Er sei nur auf sie gelegen, es stimme nicht, dass er sexuelle Be-

wegungen "vollbracht" habe (Urk. 1/11 S. 6). Er sei nicht in sie eingedrungen 

(Urk. 1/11 S. 6). Beim zweiten Mal sei er ca. 15 Minuten auf ihr gelegen (Urk. 1/11 

S. 7). Und dann sagte er aus: "Ich lag also auf ihr und war stark erregt. Nach einer 

Weile wollte ich meiner Erregung Abhilfe verschaffen und ging mit dem Kondom, 

welches ich mitbrachte, auf die Toilette. Dort befriedigte ich mich selber und ging 

zurück ins Bett" (Urk. 1/11 S. 4).  

 Diese Darstellung bestätigte der Beschuldigte im Kern in den nachfolgenden 

Einvernahmen. So erklärte er in der Einvernahme vom 10. Juli 2012 beim Ju-

gendanwalt, er habe sich auf Wunsch der Privatklägerin auf diese gelegt und sei 

eingeschlafen. Er sei etwa 10 Minuten im Schlaf gewesen, dann aber wieder auf-

gewacht und habe gemerkt, dass er erregt sei. Er sei dann von ihr runter. Er habe 

einen steifen Penis gehabt. Er habe auch sonst immer am Morgen einen steifen 

Penis (Urk. 2/14 S. 6). Auf die Frage, was denn Erregung für ihn genau sei, ant-

wortete er: "Also, einfach wenn Blut in den Penis gepumpt wird und er versteift 

wird." Auf die weitere Frage "Und sonstige Körperempfindung? Und Gefühle? 

Keine Erregung?", gab er zu Protokoll: "Nein, weil es eine nächtliche Erregung 

war. Bei mir ist es so, wenn ich über längere Zeit erregt bin, dann bekomme ich 

heftige Schmerzen in den Hoden." Es sei ohne Lustgefühle gewesen (Urk. 2/14 

S. 6). Tags darauf will er der Privatklägerin gesagt haben, dass sie Sex gehabt 

- 18 - 

hätten (Urk. 1/11 S. 5; Urk. 2/14 S. 8). Anlässlich der Hauptverhandlung vor      

Vorinstanz relativierte der Beschuldigte diese Aussagen insofern, als er auf die 

Frage, ob es in jener Nacht zu sexuellen Handlungen gekommen sei, ausführte: 

"Wir küssten uns nur.", und auf die Frage, ob es auch zu Berührungen gekommen 

sei in jener Nacht: "Das kann sein." Er habe sich auf die Privatklägerin gelegt, weil 

sie ihn darum gebeten habe. Er sei dabei nackt gewesen (Prot. I S. 8). Das sei für 

ihn normal gewesen, da er meist nackt schlafe (Prot. I S. 10). In der Berufungs-

verhandlung wiederholte der Beschuldigte, dass sie sich geküsst hätten (Prot. II 

S. 13). Es sei aber nicht zu Geschlechtsverkehr gekommen (Prot. II S. 13), er ha-

be die Privatklägerin weder gestreichelt noch auf ihr irgendwelche Bewegungen 

gemacht (Prot. II S. 18). Er habe sich auf Wunsch der Privatklägerin auf sie ge-

legt, da sie Angst gehabt habe. Er sei dabei nackt gewesen. Er sei auf der Privat-

klägerin eingedöst und als er wieder aufgewacht sei, sei er sexuell erregt gewe-

sen. Dies sei aber bei einem 15-jährigen Knaben nichts Spezielles (Prot. II S. 17 

f.). Er habe befürchtet, dass ein wenig Sperma vom Lusttropfen durch die Kleider 

von der Privatklägerin hindurchgedrungen sein könnte. Deshalb habe er die Pri-

vatklägerin dazu gedrängt, die "Pille danach" zu nehmen (Prot. II S. 20 f.). 

 4.4. Sexuelle Handlungen sind Verhaltensweisen, die für den Aussenste-

henden nach ihrem äusseren Erscheinungsbild eindeutig einen unmittelbaren se-

xuellen Bezug aufweisen. Als sexuelle Handlung ist eine körperliche Betätigung 

am eigenen Körper oder demjenigen eines andern Menschen zu verstehen, die 

unmittelbar auf die Erregung oder Befriedigung geschlechtlicher Lust gerichtet ist. 

Die sexuelle Bedeutung des Verhaltens ist anhand der konkreten Umstände und 

des Gesamtumfelds zu würdigen. Sie muss vom Standpunkt eines objektiven Be-

trachters aus klar erkennbar sein (BGer 6B_1008/2010, Urteil vom 8. September 

2011). Sind die Handlungen objektiv eindeutig sexualbezogen, kommt es nicht 

mehr auf das subjektive Empfinden, die Motive oder die Bedeutung an, die das 

Verhalten für den Täter oder das Opfer hat.  

 Die Vorinstanz hat zu Recht darauf hingewiesen, dass der Akt, sich nackt 

auf jemanden zu legen, objektiv betrachtet eindeutig ein auf sexuelle Erregung 

gerichtetes Tun ist und nicht bloss eine vertraute Geste unter Freunden darstellt 

- 19 - 

(Urk. 30 S. 9). An dieser Einschätzung ändert sich auch nichts aufgrund des Um-

stands, dass die Privatklägerin in diesem Zeitpunkt bekleidet war. Entgegen der 

Ansicht der Verteidigung (Urk. 47 S. 10) ist nicht von Bedeutung, ob der Beschul-

digte mit oder ohne Lustgefühle erregt war. Damit ist bereits mit dem vom Be-

schuldigten konzedierten Verhalten das objektive Tatbestandsmerkmal einer    

sexuellen Handlung gegeben. Auf die Frage der Intensität der sexuellen Hand-

lung, d.h. wie weit der Beschuldigte dabei gegangen ist, ist im Rahmen der Prü-

fung der Widerstandsunfähigkeit und allenfalls der Strafzumessung einzugehen, 

wo diese zu berücksichtigen wäre (BSK II-Maier, Art. 191 StGB N 9).  

 5. Widerstandsunfähigkeit und Ausnutzen der Widerstandsunfähigkeit  

 5.1.1. Beim vorliegend zur Anklage gebrachten Delikt handelt es sich um ein 

sogenanntes Vier-Augen-Delikt, also um ein Delikt, bei dem sich Täter und Opfer 

- wie hier - allein gegenüber stehen. Entsprechend stützt sich der Anklagesach-

verhalt denn auch vornehmlich auf die Schilderungen der Privatklägerin, welche 

teilweise in diametralem Widerspruch zu den Aussagen des Beschuldigten ste-

hen. Allfällige weitere direkte Tatzeugen gibt es nicht. Im Fokus der nachfolgen-

den Beweiswürdigung steht daher, die Aussagen der Privatklägerin und des Be-

schuldigten auf deren Glaubhaftigkeit zu überprüfen und eine entsprechende Ge-

genüberstellung vorzunehmen, wobei in einer solchen Konstellation erhöhte An-

sprüche an die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin und die Glaubhaftigkeit ihrer 

Aussagen zu stellen sind (vgl. Urteile des Obergerichts Zürich SB130458 vom 

17. Februar 2014, E. 7.1.2.; SB110668 vom 5. Februar 2013, E. II./4.2.; 

SB110678 vom 2. Februar 2012, E. 3.2.). 

 5.1.2. Die Privatklägerin und der Beschuldigte gaben übereinstimmend an, 

dass der Beschuldigte die Privatklägerin am 18. August 2011 zu Hause besucht 

habe. Sie hätten miteinander abgemacht (Urk. 1/4 S. 3, Urk. 1/11 S. 4). Beide er-

klärten sodann, dass bei jenem Treffen ein Streit zwischen ihnen ausgebrochen 

sei; der Beschuldigte habe die Privatklägerin wegen ihren Kollegen beschimpft 

(Urk. 1/4 S. 4, Urk. 1/11 S. 4). Die Privatklägerin habe deswegen zu weinen be-

gonnen und habe auch starke Bauchschmerzen bekommen (Urk. 1/4 S. 4, Urk. 

1/11 S. 4). Schliesslich habe der Beschuldigte die Privatklägerin getröstet und 

- 20 - 

sich bei ihr entschuldigt (Urk. 1/5 S. 5, Urk. 1/11 S. 4). Die Privatklägerin habe 

den Beschuldigten daraufhin gebeten, bei ihr zu übernachten. Der Beschuldigte 

habe dies eine gute Idee gefunden (Urk. 1/11 S. 4). Die beiden hätten sich in der 

Folge nebeneinander ins Bett gelegt. Mit Bezug auf die Ereignisse zwischen dem 

Einschlafen und dem Aufwachen gehen die Darstellungen auseinander, ebenso 

hinsichtlich der späteren Kommunikation zwischen dem Beschuldigten und der 

Privatklägerin.  

 5.2.1. Die Privatklägerin wurde am 1. März 2012 bei der Polizei (Urk. 1/5) 

und am 18. März 2013 bei der Jugendanwaltschaft befragt (Urk. 2/39). In der ers-

ten Einvernahme sagte sie aus, der Beschuldigte sei einmal bei ihr gewesen und 

sie sei dann eingeschlafen; mehr wisse sie eben auch nicht (Urk. 1/5 S. 1). Grund 

des Treffens sei ein vorgängiger Streit gewesen. Sie habe die Sache bei sich zu 

Hause klären wollen (Urk. 1/5 S. 4). Der Beschuldigte sei dann zu ihr gekommen 

und habe sie aufs Übelste beschimpft. Das sei gegen Abend gewesen. Sie habe 

"mega Bauchschmerzen bekommen". Sie habe wegen den Schmerzen Medika-

mente genommen. Welche, wisse sie nicht mehr. Ab diesen Medikamenten sei 

sie immer ein wenig müde geworden. Sie habe solche Schmerzen bekommen, 

dass sie sich nur noch gekrümmt habe. Der Beschuldigte habe sich dann ent-

schuldigt und um sie gesorgt. Daraufhin hätten sie es wieder gut gehabt. Weil sie 

ja alleine zu Hause gewesen sei, habe sie ihn gefragt, ob er bei ihr bleiben wolle. 

Sie sei dann in ihrem Bett eingeschlafen, das sei so um 21 Uhr gewesen. Der Be-

schuldigte sei neben ihr gelegen. Sie habe ein Pyjamaoberteil und lange Boxer-

shorts angehabt. Der Beschuldigte habe eine Pyjamahose getragen. Am nächs-

ten Tag sei sie aufgewacht und habe sich schlecht gefühlt und Unterleibsschmer-

zen gehabt. Es seien nicht die gleichen Schmerzen wie am Vorabend gewesen, 

sondern solche Schmerzen, wie sie sie kenne, nachdem sie Sex gehabt habe. Sie 

habe den Beschuldigten gefragt, was passiert sei, ob etwas passiert sei. Er habe 

dies verneint. Sie sei so um ca. 10 Uhr aufgewacht. Ihre Kleider seien ganz nor-

mal gewesen und er sei glaublich schon wieder angezogen gewesen. Neben den 

Unterleibsschmerzen habe sie einfach so ein komisches Gefühl gehabt, "so ein 

Gefühl, wie als ob etwas passiert sei" (Urk. 1/5 S. 5). Sie habe am Vorabend eine 

Tablette genommen, normalerweise habe sie nur eine halbe genommen. Am Vor-

- 21 - 

abend hätten weder sie noch der Beschuldigte etwas gegessen; sie hätten nur 

"Sprite" getrunken und weder Alkohol noch irgendwelche Drogen konsumiert. 

Weil sie sich dauernd schlecht gefühlt habe, habe sie den Beschuldigten immer 

wieder telefonisch gefragt, was in dieser Nacht passiert sei. Irgendwann habe ihr 

der Beschuldigte gesagt, dass er Sex mit ihr gehabt habe, während sie geschla-

fen habe. Er hätte ein gebrauchtes Kondom in seiner Hosentasche gefunden, und 

sie solle die "Pille danach" holen. Er habe dies so erzählt, als ob er es auch nicht 

mehr wissen würde. Dieses Gespräch sei am gleichen Tag gewesen. Am nächs-

ten Tag sei sie diese Pille holen gegangen und habe diese eingenommen. Sie 

habe zu diesem Zeitpunkt die Pille nicht mehr genommen, was der Beschuldigte 

gewusst habe. Obwohl sie ihm geglaubt habe, dass er mit ihr Sex gehabt habe, 

habe sie nicht glauben wollen, dass der Beschuldigte das gemacht habe (Urk. 1/5 

S. 5). Vor ca. einem oder zwei Monaten habe sie eine kleine Erinnerung gehabt: 

Der Beschuldigte sei auf ihr gelegen. Sie habe immer wieder versucht sich abzu-

drehen und der Beschuldigte habe immer versucht, vorne und hinten in sie einzu-

dringen. Diese Erinnerung sei ihr einmal in einer gemeinsamen Schulstunde ge-

kommen. Der Beschuldigte habe etwas Lautes zu jemand anderen gesagt und da 

habe sie diese Erinnerung plötzlich gehabt. Sie habe diese Erinnerung nur einmal 

gehabt (Urk. 1/5 S. 6). 

 5.2.2. Diese Darstellung bestätigte die Privatklägerin im Kern anlässlich der 

Einvernahme bei der Jugendanwaltschaft am 18. März 2013. Präzisierend führte 

sie an, dass ihre damaligen Bauchschmerzen (am Vorabend) teils auf den Streit 

und teils auf den Virus zurückzuführen gewesen seien. Sie wisse nicht mehr ge-

nau, welches Medikament sie damals genommen habe. Sie habe daneben noch 

Novalgin-Tropfen gegen Schmerzen und ein weiteres Medikament genommen 

(Urk. 2/39 S. 3). An jenem Abend habe sie das andere Medikament genommen, 

aber in doppelter Menge. Der Beschuldigte habe gemerkt, dass es ihr schlechter 

gegangen sei und sie das Medikament genommen habe. Sie sei dann müde ge-

worden und auch sonst schon angeschlagen gewesen. Sie seien ins Bett gegan-

gen. Sie habe ihre Seite und er seine Seite gehabt. Sie wisse nicht mehr viel.  

- 22 - 

 Am nächsten Tag habe sie nicht mehr viel gewusst. Später seien ihr Erinne-

rungen gekommen: Sie sei am Schlafen gewesen und habe gemerkt, wie er auf 

ihr liege und sexuelle Bewegungen mache, sie sich abdrehe und nicht wirklich et-

was sage, sondern nur murmle, wobei er nicht aufgehört habe. Er habe auch im-

mer wieder versucht einzudringen. Wenn sie sich weggedreht habe, habe er ver-

sucht hinten einzudringen. Ab da würden ihr die Erinnerungen fehlen. Sie habe 

Boxershorts, Unterhosen und ein schlabbriges Oberteil getragen (Urk. 2/39 S. 5). 

Sie sei mit einem schlechten Gefühl und Unterleibsschmerzen aufgewacht, wie 

sie die Schmerzen jeweils nur nach dem Sex gehabt habe. Sie habe ihn darauf 

angesprochen. Er habe gesagt, es sei nichts passiert. Später hätten sie telefoni-

schen Kontakt gehabt, wobei sie nicht wisse, wer wen angerufen habe. Es sei da-

rum gegangen, wieso sie am Morgen Unterleibsschmerzen gehabt habe und sich 

so schlecht gefühlt habe. Er habe geantwortet, dass in dieser Nacht etwas pas-

siert sei und dass er sich "mega schlecht" fühle deswegen. Er habe nicht sagen 

wollen, was passiert sei. Das einzige, was er gesagt habe, sei, dass er möchte, 

dass sie die "Pille danach" kaufen gehe (Urk. 2/39 S. 6 f.). Von Masturbieren habe 

er ihr nichts erwähnt, nur dass er ein gebrauchtes Kondom im Hosensack gefun-

den habe. Er habe nur gesagt, dass er erregt gewesen sei. Er habe nicht gesagt, 

dass er auf ihr gelegen sei. Er habe vom Lusttropfen gesprochen und gewollt, 

dass sie die "Pille danach" kaufen gehe (Urk. 2/39 S. 9). Sie habe "in keinster 

Weise" Sex mit ihm gewollt, weil für sie alles beendet gewesen sei, als sie mit ihm 

Schluss gemacht habe (Urk. 2/39 S. 7). Im Klassenlager nach den Sommerferien 

hätten sie ein besseres Verhältnis gehabt als vorher. Es sei nie zu Küssen ge-

kommen. Sie habe sich auch neu verliebt im Lager, allerdings sei dann nichts da-

raus geworden (Urk. 2/39 S. 12).  

 5.3.1. Der Beschuldigte wurde am 14. März 2012 polizeilich befragt 

(Urk. 1/11 und Urk. 1/17). Sodann wurde er von der Jugendanwaltschaft am 

10. Juli 2012 (Urk. 2/14) und 14. Oktober 2013 (Urk. 2/66) einvernommen. 

Schliesslich wurde der Beschuldigte im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptver-

handlung vom 8. April 2014 (Prot. I S. 7 f.) und im Rahmen der Berufungsver-

handlung vom 27. Februar 2015 (Prot. II S. 7 ff.) befragt. In der ersten polizeili-

chen Einvernahme (die zweite befasste sich mit den persönlichen Verhältnissen 

- 23 - 

des Beschuldigten) führte er zum Grund des Treffens aus, er sei in der vierten Fe-

rienwoche von seinem Kollegen nach Hause gekommen. Die Privatklägerin habe 

vor seinem Haus wie abgemacht gewartet. Sie hätten dann "rumgemacht" und 

man sei auf das Thema Sex zu sprechen gekommen. Die Privatklägerin hätte Sex 

an einem speziellen Ort gewünscht. Sie hätten sich auf den darauffolgenden 

Abend verabredet (Urk. 1/11 S. 3). Als er an jenem Abend des 18. August 2011 

bei ihr eingetroffen sei, hätten sie zunächst etwas geschmust. Er habe sie dann 

gefragt, ob sie Sex haben wolle. Sie habe dies verneint. Er sei deswegen verwirrt 

gewesen (Urk. 1/14 S. 3). Deswegen sei es zum Streit gekommen (Urk. 1/14 S. 

18). Er habe sie auch wegen ihren Kollegen angegriffen, welche sowieso nie hin-

ter ihr stehen würden, wenn es darauf ankomme (Urk. 1/11 S. 4). Als er mit dem 

"Zusammenschiss" über ihre Kollegen fertig gewesen sei, habe er gehen wollen. 

Sie habe aber im Bett geweint und er habe sie getröstet. Nach ca. einer Stunde 

habe sie ihn gefragt, ob er bei ihr schlafen wolle, was er eine gute Idee gefunden 

habe, damit er sich um sie habe kümmern können. Sie habe nämlich Magen-

schmerzen gehabt (Urk. 1/11 S. 4). Sie hätten dann im Bett ferngesehen und sei-

en nach ca. einer Stunde eingeschlafen. Irgendwann habe A._____ angefangen, 

sich im Bett zu räkeln und komische Sachen zu sagen. Er habe dann auf ihren 

Wunsch seinen Arm um sie gelegt. Sie sei dann wieder eingeschlafen. Nach kur-

zer Zeit habe sie sich wieder geräkelt und gesagt, sie habe Angst. Auf seine 

Nachfrage hin habe sie ihn gebeten, sich auf sie zu legen, was er auch getan ha-

be. Dann führte er aus: "Ich lag also auf ihr und war stark erregt. Nach einer Weile 

wollte ich meiner Erregung Abhilfe verschaffen und ging mit dem Kondom, wel-

ches ich mitbrachte, auf die Toilette. Dort befriedigte ich mich selber und ging zu-

rück ins Bett" (Urk. 1/11 S. 4). Er habe das gebrauchte Kondom in WC-Papier ge-

packt und in seinen Hosensack genommen (Urk. 1/11 S. 9). Auf Nachfrage sagte 

er, er sei ca. 15 Minuten auf ihr gelegen, bevor er ins Bad masturbieren gegangen 

sei (Urk. 1/11 S. 7). Am nächsten Morgen sei er erwacht. Es sei ihm unangenehm 

gewesen, bei ihr zu sein. Als sie um ca. 9.30 Uhr erwacht sei, habe sie ihn ge-

fragt, wie er geschlafen habe. Er habe gesagt "nicht gut". Danach habe er sich 

angezogen und sei nach Hause gelaufen. Weiter gab er zu Protokoll: "Auf dem 

Nachhauseweg fing ich dann an darüber nachzudenken. Ich rief sie dann an und 

- 24 - 

sagte ihr, dass wir Sex hatten. Sie sagte, dass dies nicht möglich sei, weil sie 

sonst wie üblich Scheidenschmerzen gehabt hätte. Ich erklärte ihr dann, wie sie 

sich geräkelt habe und er sich auf ihren Wunsch auf sie gelegt habe." Danach sei 

er ins Bad zum "Wixen" gegangen. Ausserdem habe er ihr gesagt, dass sie doch 

die 'Pille danach' kaufen soll, weil ihm ein Lusttropfen abgegangen sein könne 

(Urk. 1/11 S. 5). Er habe sich später bei der Privatklägerin entschuldigt, weil er im 

Bad masturbiert habe. Sie habe ihm während der Beziehung ein Masturbierverbot 

gegeben. Deshalb habe er sich bei ihr entschuldigt (Urk. 1/11 S. 5 und S. 9). Er 

bestritt sodann, sexuelle Bewegungen an der Privatklägerin vollbracht zu haben. 

Er sei nur auf sie drauf gelegen (Urk. 1/11 S. 6), wie sie es verlangt habe (Urk. 

1/11 S. 7). Er habe sich auch immer zurückversichert und sie gefragt, "ob ich das 

gut machen würde, was sie mit 'Ja' bestätigte." (Urk. 1/11 S. 8). Zu jenem Zeit-

punkt habe er nicht gewusst, dass die Privatklägerin eine Schmerztablette ge-

nommen habe (Urk. 1/11 S. 11). Auf entsprechende Frage bestritt der Beschuldig-

te, der Privatklägerin KO-Tropfen verabreicht zu haben (Urk. 1/11 S. 10).  

 5.3.2. Bei der jugendanwaltschaftlichen Einvernahme vom 10. Juli 2012 hielt 

er im Wesentlichen an dieser Darstellung fest (Urk. 2/14 S. 3). Präzisierend führte 

er aus, er habe sich an besagtem Abend für den Streit dafür entschuldigt, dass er 

gemein gewesen sei und ihre Kollegen fertig gemacht habe. Er sei dann nach der 

Entschuldigung zu ihr aufs Bett gegangen. Sie habe ihm gesagt, sie habe starke 

Bauchschmerzen. Und dann führte er aus: "Ich fragte wieso. Sie sagte, sie habe 

irgendein Problem mit dem Magen. Ich fragte, was man dagegen machen könne. 

Sie sagte, sie nehme immer so eine Tablette." Auf die Frage, ob dies das erste 

Mal gewesen sei, dass er von den Magenproblemen erfahren habe, erwiderte er: 

"Indirekt, sie hat immer angedeutet, dass sie Bauchweh hat. Aber ich habe nie 

nachgefragt. Sie sagte mir erst dann, dass sie etwas mit der Bauchhöhle hat." 

(Urk. 2/14 S. 3). Zum Aufwachen in der Nacht führte der Beschuldigte ergänzend 

aus, er sei später in der Nacht erwacht und habe den Fernseher abgestellt. Auf 

dem Digitalwecker habe er gesehen, dass es morgens um zwei Uhr gewesen sei. 

Er sei aufgewacht, weil sie "so ein bisschen Schlafstörungen" gehabt habe. Zu ei-

nem späteren Zeitpunkt, immer noch früh am Morgen, sei er aufgewacht, weil sie 

wieder so komische Schlafstörungen gehabt habe. Sie habe im Schlaf geredet. 

- 25 - 

Dies sie der erste Vorfall gewesen. Nach der Bitte, er solle sich auf sie legen, ha-

be er immer wieder nachgefragt, ob sie das wolle. Sie habe "Ja" gesagt, ihm sei 

das komisch vorgekommen, weil er nackt gewesen sei. Die Privatklägerin habe 

eine enge Unterhose und ein luftiges Oberteil getragen, so eine Art "Trägerliebli". 

Er sei dann auf ihr eingeschlafen und nach etwa 10 Minuten wieder erwacht. Er 

habe gemerkt, dass er erregt sei und einen steifen Penis habe (Urk. 1/14 S. 5). Er 

sei dann aufs WC gegangen und habe sich selber befriedigt, mit dem Kondom 

(Urk. 1/14 S. 7). Er habe vorher weder der Privatklägerin den Slip abgezogen, 

noch sexuelle Handlungen vorgenommen, sei weder in ihre Vagina eingedrungen 

noch habe er sich zur Stimulierung des Penis hin und her bewegt (Urk. 2/14 S. 7). 

Auf die spätere Frage, weshalb er zuhause ein schlechtes Gewissen bekommen 

habe, sagte er, weil er auf der Toilette masturbiert habe. Sie habe ihm ja ein Mas-

turbierverbot gegeben. Konkret sagte der Beschuldigte hierzu: "Ich sagte ihr, dass 

ich ihr etwas sagen müsse, dass ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe. 

Ich habe mich zuerst voll geschämt, es ihr direkt zu sagen, dass ich ihre Toilette 

zum Masturbieren genutzt habe. Ich habe ihr dann gesagt: 'Ja, wir haben gestern 

Sex gehabt.' Sie sagte: 'Nein, voll nicht. Das kann gar nicht sein.' Sie sagte, im-

mer wenn wir Sex gehabt hätten, hätte ihre Scheide danach weh getan." Sie hät-

ten dann über das Thema Lusttropfen gesprochen. Er habe sie gefragt, ob sie 

sich die "Pille danach" besorgen soll. Sie habe zuerst so reagiert, dass ja gar 

nichts passiert sei. Am nächsten Tag habe sie sich diese Pille besorgt (Urk. 2/14 

S. 9 f.). Auf den Vorhalt, wonach sich die Privatklägerin am Tag nach der besag-

ten Nacht sehr schlecht gefühlt und Unterleibsschmerzen gehabt habe, meinte 

der Beschuldigte, er könne nichts dazu sagen, er habe davon nichts mitbekom-

men (Urk. 2/14 S. 10). Er bestritt abermals, der Privatklägerin KO-Tropfen gege-

ben zu haben (Urk. 2/14 S. 13).  

 5.3.3. Im Rahmen der Einvernahme bei der Jugendanwaltschaft sagte er am 

14. Oktober 2013 auf den Schlussvorhalt: "Es stimmt nicht. Ich habe es nicht ge-

macht." Auf Vorhalt des von der Vertreterin der Privatklägerin eingereichten Aus-

zugs der SMS-Kommunikation zwischen ihm und der Privatklägerin nannte er als 

Grund für seine dort enthaltene Entschuldigung: "Ich entschuldigte mich dafür, 

dass ich auf dem WC masturbiert hatte und dass ich auf ihr oben lag." (Urk. 2/66 

- 26 - 

S. 5). Er habe sich schon "mega viele Male" entschuldigen müssen. Mit dieser 

SMS (vom 19.11.2011) habe er abschliessen und wirklich nichts mehr mit ihr zu 

tun haben wollen (Urk. 2/66 S. 6).  

 5.3.4. An der Hauptverhandlung vom 8. April 2014 vor Vorinstanz bestritt er, 

die Privatklägerin in der Nacht vom 18. auf den 19. August 2011 zuerst mittels 

Einsatzes sog. KO-Tropfen "eingeschläfert" und daraufhin sexuelle Handlungen 

an ihr vorgenommen zu haben (Prot. I S. 7 f.). Sie hätten sich nur geküsst. Es 

könne sein, dass es auch zu Berührungen gekommen sei. Er habe sich nackt auf 

die Privatklägerin gelegt, weil sie ihn mehrmals darum gebeten habe. Er habe sie 

auch gefragt, ob das für sie wirklich in Ordnung sei, was sie bestätigt habe. Er 

habe sie gefragt, weil sie sonst immer ein Problem damit gehabt habe, wenn er 

sich auf sie gelegt habe. Als sie noch zusammen gewesen seien, habe sie immer 

ein Problem mit körperlicher Nähe gehabt. Auf die Frage, in welchem Zustand die 

Privatklägerin sich befunden habe, erklärte der Beschuldigte: "Mir kam es normal 

vor, aber sie halluzinierte und begann, plötzlich Sachen zu erzählen", und führte 

weiter aus: "Sie fuchtelte mit den Armen herum und sagte, dass sie Angst habe 

und ich sie halten solle. Also tat ich das. Dann sagte sie, ich solle mich auf sie le-

gen, was ich nach mehrmaligem Nachfragen dann auch tat." (Prot. I S. 8). Auf die 

Frage, ob er Zweifel gehabt habe, dass die Privatklägerin realisierte, was ge-

schah, sagte er: "Zu jenem Zeitpunkt nicht." (Prot. I S. 9). Auf die weitere Frage, 

ob er irgendwelche Zweifel gehabt habe, dass er mehrfach nachgefragt habe, ob 

er sich auf sie legen sollte, sagte der Beschuldigte: "Ich fand es schon seltsam, 

dass sie so etwas sagte. Ich bin dann eben auf ihre Wünsche eingegangen." 

(Prot. I S. 9). Dass er der Privatklägerin in jener Nacht eine bewusstseinstrübende 

Substanz gegeben habe, stimme auf jeden Fall nicht (Prot. I S. 10). Die Frage, ob 

die Privatklägerin Medikamente eingenommen habe, beantwortete er mit: "Nicht, 

dass ich wüsste." (Prot. I S. 11).  

 5.3.5. Anlässlich der Berufungsverhandlung hielt der Beschuldigte - soweit 

er sich erinnern konnte - an seinen bisherigen Darstellungen fest (Prot. II S. 7 ff.). 

Er sagte erneut aus, dass sie sich zwar geküsst hätten, es jedoch zu keinem Ge-

schlechtsverkehr gekommen sei (Prot. II S. 12 f.). Zum Gesundheitszustand der 

- 27 - 

Privatklägerin konnte er keine Aussagen mehr machen. Ebenso wenig konnte er 

sich daran erinnern, ob die Privatklägerin an jenem Abend über Schmerzen ge-

klagt habe (Prot. II S. 13). Er sei in der Nacht aufgewacht und habe komische Ge-

räusche gehört und komische Bewegungen der Privatklägerin bemerkt. Die Pri-

vatklägerin habe ihn dann aufgefordert, sich auf sie zu legen. Dies habe er ge-

macht. Er sei auf ihr liegend eingedöst (Prot. II S. 15, 17). Er wisse nicht, ob die 

Privatklägerin wach gewesen sei, als sie ihn gebeten habe, sich auf sie zu legen. 

Sie habe einfach mit ihm gesprochen. Es habe ihn erstaunt, dass sie ihn dazu 

aufgefordert habe. Soweit er sich erinnern könne, habe sie gesagt, sie habe 

Angst (Prot. II S. 16). Es sei reiner Beschützerinstinkt gewesen (Prot. II S. 17). 

Später sei er wieder aufgewacht und sexuell erregt gewesen. Dies sei bei einem 

15-jährigen Knaben jedoch nichts Aussergewöhnliches, da erwache man manch-

mal erregt in der Nacht (Prot. II S. 17 f.). Am nächsten Morgen habe die Privatklä-

gerin nicht über Unterleibsschmerzen geklagt. Auf entsprechenden Vorhalt bestä-

tigte der Beschuldigte, dass er Angst gehabt habe, dass ihm eine kleine Menge 

Sperma in Form eines Lusttropfens abgegangen und diese durch die Kleider in 

die Privatklägerin gegangen sei (Prot. II S. 21). Als er der Privatklägerin mitgeteilt 

habe, sie solle sich die "Pille danach" besorgen, habe diese erwidert, es sei ja 

nichts passiert. Daraufhin habe er zu ihr gesagt, dass sie Sex gehabt hätten. 

Wieso er das gesagt habe, wisse er nicht mehr. Sie habe darauf geantwortet, 

dass dies nicht sein könne, da sie sonst nach dem Sex jeweils starke Unterleibs-

schmerzen gehabt habe (Prot. II S. 22). 

 6. Würdigung der Aussagen der Privatklägerin und des Beschuldigten 

 6.1.1. Zur allgemeinen Glaubwürdigkeit der Privatklägerin ist darauf hinzu-

weisen, dass diese zweimal befragt wurde. Bei der ersten Befragung handelte es 

sich um eine Videobefragung, die nur zusammengefasst wiedergegeben wurde 

(Urk. 1/5). Es gibt mithin kein reines Wortprotokoll mit Fragen und Antworten, wie 

die Einvernahme effektiv abgehalten wurde (vgl. die DVDs dazu gemäss Urk. 

1/4). Dem Bericht ist zu entnehmen, dass die Privatklägerin in altersadäquater 

Form auf die Bestimmungen von Art. 303-305 StGB hingewiesen wurde (Urk. 1/5 

S. 2). Über diese Bestimmungen wurde sie auch als Auskunftsperson vor der Ein-

- 28 - 

vernahme bei der Jugendanwaltschaft aufgeklärt (Urk. 2/39 S. 2). Die Kenntnis 

der strengen Strafandrohungen spricht zwar nicht generell für eine erhöhte 

Glaubwürdigkeit der Privatkläglerin, wohl aber für einen Anreiz, wahrheitsgemäss 

auszusagen. Zu beachten gilt, dass die Privatklägerin die Direktgeschädigte ist, 

weshalb sie in gewisser Hinsicht auch emotional am Verfahren beteiligt ist. So-

dann liess sie in der Hauptverhandlung und auch im Berufungsverfahren (nebst 

einer Umtriebsentschädigung) Schadenersatz dem Grundsatz nach sowie eine 

Genugtuung im Umfang von Fr. 10'000.– beantragen (Urk. 19 S. 1; Urk. 32 S. 2; 

Urk. 46 S. 1). Damit ist ein gewisses - jedoch nicht im Vordergrund stehendes - fi-

nanzielles Interesse am Ausgang des Verfahrens gegeben. Es ist jedoch zu be-

rücksichtigen, dass ihre Aussagen zu einem Zeitpunkt erfolgten, als sie schwer-

lich wissen konnte, dass sie vom Beschuldigten allenfalls eine finanzielle Ent-

schädigung für das durch ihn erlittene Unrecht verlangen könnte. Diesbezügliche 

Hinweise bestehen nicht. Finanzielle Interessen dürften daher bei ihren Aussagen 

keine Rolle gespielt haben. Konkrete Hinweise, weshalb sie den Beschuldigten zu 

Unrecht belasten und selber das Risiko einer Bestrafung auf sich nehmen sollte, 

sind nicht ersichtlich. Gegenteils ergibt sich aus ihren Einvernahmen und den Ak-

ten, dass es nur schon fast drei Monate dauerte, bis sich die Privatklägerin ihrer 

Mutter anvertraute (Urk. 1/9 S. 2) und dann vorerst auf der Elternbasis das Ge-

spräch gesucht wurde, bevor der schulpsychologische Dienst involviert wurde. 

Und dann war es nicht zuletzt auch die Schule, die einen Input für eine Strafan-

zeige gegeben hat, indem sie dem Wunsch der Privatklägerin auf eine Verset-

zung des Beschuldigten in ein anderes Schulhaus nur nach erfolgter Anzeige ent-

sprechen wollte (vgl. Urk. 2/11 S. 7).  

 6.1.2. Im Rahmen der Beweiswürdigung steht aber nicht die Glaubwürdigkeit 

der betroffenen Personen im Vordergrund, sondern die Glaubhaftigkeit ihrer Aus-

sagen. Die Privatklägerin hat im Kern stets gleichlautende Aussagen gemacht. 

Geringfügige Abweichungen ergeben sich mit Bezug auf ihre Bekleidung, indem 

sie in der ersten Nacht bloss ein Pyjamaoberteil und lange Boxershorts getragen 

haben will (Urk. 5 S. 5), wohingegen sie bei der Jugendanwaltschaft ausführte, sie 

habe unter den Boxershorts noch Unterhosen getragen (Urk. 2/39 S. 5). Im Übri-

gen aber hat sie den Streit und die Versöhnung mit dem Beschuldigten vor dem 

- 29 - 

Zubettgehen in den beiden Einvernahmen gleich beschrieben, ebenso ihre 

Müdigkeit und das Erwachen am Morgen mit "schlechtem Gefühl" und Unterleibs-

schmerzen, wie sie sie jeweils nur nach dem Sex gehabt habe (Urk. 2/39 S. 5). 

Auch ihre Schilderung über die telefonische Kommunikation tags darauf hat sie 

gleichlautend beschrieben, wonach sie nachgefragt habe, was passiert sei, der 

Beschuldigte zuerst nicht habe rausrücken wollen und dann schliesslich gesagt 

habe, dass sie Sex gehabt hätten. Sie hat nachvollziehbar dargelegt, dass die Er-

innerungslücken für sie sehr besorgniserregend waren und sie nach Antworten 

suchte. Die Aussagen der Privatklägerin sind konstant und wirken lebendig. Ihre 

Betroffenheit ist vor allem in der ersten Videobefragung zu sehen (Urk. 1/4). Die 

Privatklägerin hat trotz der in der Beziehung offenbar dominierenden Eifersucht 

des Beschuldigten, welche dieser bestätigte (Urk. 1/11 S. 3, Prot. II S. 10) und der 

damit einhergehenden Belastung, durchaus auch positive Seiten des Beschuldig-

ten erwähnt, so etwa dass er sich entschuldigt und er sie getröstet habe und ins-

besondere, dass sie es ihm nicht zutrauen würde, dass er ihr KO-Tropfen gege-

ben habe (Urk. 1/5 S. 6). Sie verzichtete auch auf Übertreibungen oder auf Ag-

gravierungen betreffend ihre Befindlichkeit. So sagte sie in der ersten Videoein-

vernahme aus, der Beschuldigte habe sie nie bedroht und sei ihr gegenüber auch 

nie tätlich geworden (Urk. 1/5 S. 3). Es mag eigenartig wirken, dass sie später 

einmalig eine Erinnerung gehabt haben will, bei der ihre Abwehrversuche und die 

Penetrationsversuche des Beschuldigten zu Tage gefördert sein sollen. Es kann 

hingegen durchaus sein, dass diese angeblich spätere Erinnerung mehr im Zu-

sammenhang mit dem Verarbeiten bzw. dem Suchen nach Antworten stand und 

daher eher ein Rekonstruktionsversuch darstellt, da ihr die Ungewissheit darüber, 

was genau passiert war, und ihr die Gedächtnislücken offenbar sehr zu schaffen 

machten. Naheliegender ist wohl, dass zu einem noch späteren Zeitpunkt die zu-

rückliegenden Ereignisse in der Regel noch weniger abrufbar sind. Diese spätere 

"einmalige Erinnerung" ist daher mit Vorsicht zu würdigen. Nichts desto trotz und 

wenn es auch gewisse Widersprüche oder Erinnerungslücken mit Bezug auf die 

Zeit vor dem Zubettgehen gibt (so bezüglich von ihr getragener Kleidung, einge-

nommener Medikamente) erweisen sich die Aussagen der Privatklägerin selber 

im Kernbereich als glaubhaft. Zu beachten ist auch, dass sich der eingeklagte 

- 30 - 

Vorfall in der Nacht vom 18. auf den 19. August 2011 ereignet haben soll, die 

Strafanzeige am 25. Januar 2012 (Urk. 1/3) und die erste Einvernahme der Pri-

vatklägerin erst am 29. Februar 2012 (Urk. 1/5) und die zweite über ein Jahre 

später am 18. März 2013 (Urk. 2/39) stattgefunden hat. Gewisse Widersprüche 

lassen sich daher durchaus auch mit dem Zeitablauf erklären, was - um das vor-

weg zu sagen - selbstredend auch für die anderen einvernommenen Personen 

gilt.  

 6.2.1. Hinsichtlich der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist 

festzuhalten, dass er im vorliegenden Verfahren nicht unter Strafandrohung zu 

wahrheitsgemässen Aussagen verpflichtet war und als direkt vom vorliegenden 

Strafverfahren Betroffener ein - insoweit legitimes - Interesse daran haben dürfte, 

die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Allerdings liegen 

keine Anhaltspunkte vor, die von vornherein gegen die Glaubwürdigkeit des Be-

schuldigten sprechen würden.  

 6.2.2. Auch hier kommt der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten 

eine zentrale Rolle zu. Der Beschuldigte bestritt den Tatvorwurf betreffend sexuel-

le Handlungen mit der Privatklägerin unter Ausnutzung einer durch ihn verursach-

ten oder sonst vorhandenen Widerstandsunfähigkeit als Ganzes konsequent. Der 

Beschuldigte sagte konstant und gleichbleibend aus, er habe sich auf Wunsch der 

Privatklägerin auf diese gelegt. Dann sei er erregt erwacht und habe seiner Erre-

gung auf der Toilette durch Masturbieren Abhilfe verschafft. Sexuelle Handlungen 

hätten keine stattgefunden. Ob das vom Beschuldigten konzedierte Verhalten 

(sich nackt auf die Privatklägerin zu legen) bereits eine sexuelle Handlung dar-

stellt, ist eine Rechtsfrage, die oben bejaht wurde. Damit ist aber die Frage der In-

tensität dieser Handlung noch nicht beantwortet, die im Zusammenhang mit der 

geltend gemachten Widerstandsunfähigkeit und gegebenenfalls dem Verschulden 

eine Rolle spielen kann, wie oben dargelegt wurde (vgl. Ziff. 4.4.).  

 6.2.3. Der Beschuldigte setzt sich in einen Widerspruch, wenn er einerseits 

vehement und immer wieder darauf hinweist, er habe keine sexuellen Handlun-

gen vorgenommen, er habe sich "nur" auf die Privatklägerin gelegt, ohne sich hin 

und her zu bewegen, und er sei hernach ohne Lustgefühle erregt gewesen, also 

- 31 - 

ein passives, unbeteiligtes Verhalten beschreibt, und andererseits sowohl bei der 

Polizei als auch bei der Jugendanwaltschaft und vor dem Berufungsgericht klar zu 

Protokoll gab, er habe der Privatklägerin am Tag darauf am Telefon gesagt, 

"…dass wir Sex hatten" (Urk. 1/11 S. 5), "Wir hatten gestern Sex gehabt." (Urk. 

2/14 S. 8) bzw. "Wir hatten miteinander Sex" (Prot. II S. 22), welchen Gesprächs-

inhalt die Privatklägerin auch bestätigte (Urk. 1/5 S. 5). Auf die Frage, was er un-

ter "Umemache" und sodann unter "Sex" verstehe, erklärte er bei der Polizei am 

14. März 2012: "Was ich unter Sex verstehe? Ja… Also wenn ich mit meinem Pe-

nis in ihre Vagina eindringe." (Urk. 1/11 S. 6).  

 Lebensfremd erscheint die Aussage des Beschuldigten, sich nackt auf die 

Privatklägerin gelegt zu haben und dabei völlig passiv gewesen zu sein. Es ist 

vielmehr davon auszugehen, dass der Beschuldigte eine minimale Handlung vor-

nahm, indem er sich auf die Privatklägerin legte, sodass sein Penis die Vagina 

der Privatklägerin berühren oder gar ein bisschen an der Vagina reiben konnte, 

wobei die Vagina der Privatklägerin nicht mehr durch eine Pyjamahose bzw.   

Panty-Unterhose bedeckt war. Dies erklärt auch das intensive Insistieren und 

Einwirken des Beschuldigten auf die Privatklägerin, sie solle sich die "Pille da-

nach" besorgen. Der Beschuldigte befürchtete demnach ernsthaft, die Privatklä-

gerin geschwängert zu haben. Diese Befürchtung passt nicht mit dem - vom Be-

schuldigten geltend gemachten - bloss passiven Draufliegen auf die angezogene 

Privatklägerin zusammen. Die Angst des Beschuldigten, ihm könnte ein soge-

nannter "Lusttropfen" abgegangen sein und dadurch die Privatklägerin ge-

schwängert haben, wird auch von der Privatklägerin bestätigt. So führte sie aus, 

der Beschuldigte habe ihr am Telefon gesagt, dass er erregt gewesen sei. Er ha-

be von Lusttropfen gesprochen und deshalb gewollt, dass sie die "Pille danach" 

kaufe (Urk. 2/39 S. 9). Der Beschuldigte wusste, dass die Privatklägerin nicht 

mehr mit der (normalen) Pille verhütete (Urk. 1/5 S. 5). Dass der Beschuldigte 

versuchte seiner Aufforderung, die Privatklägerin solle sich die "Pille danach" be-

sorgen (Urk. 2/14 S. 9 f.), Nachdruck zu verleihen, indem er ihr sagte "Wir hatten 

miteinander Sex", ist zwar eher ungeschickt, jedoch mit der Angst eines 14-

jährigen Jungen vor einer möglichen Schwangerschaft auch ein wenig nachvoll-

ziehbar. Entgegen der Ansicht der Vertreterin der Privatklägerin sprechen weder 

- 32 - 

die Befürchtung des Beschuldigten, die Privatklägerin geschwängert zu haben 

noch die Erstattung der Auslagen für die "Pille danach" durch den Beschuldigten 

zwangsläufig für den Vollzug von Geschlechtsverkehr (Urk. 46 S. 7). Der mögli-

che Umstand, dass sich die Angst der Durchdringung von Ejakulat durch Kleider 

auch bei Erwachsenen hartnäckig halte - so der Hinweis der Verteidigung (Urk. 21 

S. 2; Urk. 37/2) -, vermag an den obigen Ausführungen nichts zu ändern (vgl. 

auch Urk. 46 S. 11).  

 6.2.4. Mit Bezug auf die Befindlichkeit der Privatklägerin am Abend des 

18. August 2011 sind die Aussagen des Beschuldigten teilweise uneinheitlich. So 

sagte er in der polizeilichen Einvernahme vom 14. März 2012 zunächst aus, er 

habe es eine gute Idee gefunden, bei der Privatklägerin zu übernachten. "Diese 

hatte nämlich Bauchschmerzen." (Urk. 1/11 S. 4). In der gleichen Einvernahme 

behauptete er, sie habe später eine Schmerztablette genommen. Davon habe er 

aber zu jenem Zeitpunkt nichts gewusst (Urk. 1/11 S. 11). Bei der Jugendanwalt-

schaft gab der Beschuldigte hingegen zu Protokoll: "Sie sagte mir, sie habe starke 

Bauchschmerzen. Ich fragte, wieso. Sie sagte, sie habe irgendein Problem mit 

dem Magen. Ich fragte, was man dagegen machen könne. Sie sagte, sie nehme 

immer so eine Tablette." (Urk. 2/14 S. 3). Auf die Frage, ob er da das erste Mal 

von den Magenproblemen erfahren habe, sagte er: "Indirekt. Sie hat immer ange-

deutet, dass sie Bauchweh habe. Aber ich habe nie nachgefragt. Sie sagte mir 

erst dann, dass sie etwas mit der Bauchhöhle hat." Vor Vorinstanz und dem Beru-

fungsgericht vermochte sich der Beschuldigte nicht mehr daran zu erinnern, ob 

die Privatklägerin (an jenem Abend) Medikamente genommen hat (Prot. I S. 11, 

Prot. II S. 15 f.). Folglich hatte der Beschuldigte offenbar Kenntnis von den Be-

schwerden der Privatklägerin. Er wusste demnach, dass die Privatklägerin dage-

gen Medikamente nahm, auch wenn er die Einnahme der Medikamente allenfalls 

nicht konkret sah.  

 6.2.5. Was die Verfassung der Privatklägerin in der Nacht vom 18. auf den 

19. August 2011 angeht, machte der Beschuldigte nicht konstante Aussagen, wo-

rauf auch die Vertreterin der Privatklägerin hinwies (Urk. 46 S. 9 f.). Auf die Frage, 

in welchem Zustand sich die Privatklägerin befunden habe, als er sich auf sie ge-

- 33 - 

legt habe, antwortete er mit "Sie hatte geschlafen." (Urk. 1/11 S. 8) bzw. "Oder 

vielleicht war sie auch im Halbschlaf" (Urk. 1/11 S. 5) bzw. "Sie war halbwach. Ich 

konnte es nicht richtig einschätzen." (Urk. 1/11 S. 8) bis zu "Mir kam es normal 

vor, aber sie halluzinierte und begann plötzlich, Sachen zu erzählen." (Prot. I 

S. 8). Sie habe mit den Armen rumgefuchtelt und gesagt, dass sie Angst habe 

und er sie halten solle, was er getan habe. Dann habe sie gesagt, er solle sich auf 

sie legen, was er nach mehrmaligem Nachfragen denn auch getan habe (Prot. I 

S. 9). Die Frage, ob die Privatklägerin die Augen offen gehabt habe, beantwortet 

der Beschuldigte bei der Jugendanwaltschaft mit "Nein, ich mag mich nicht mehr 

erinnern. Es war auch dunkel." (Urk. 2/14 S. 4). In der Berufungsverhandlung 

führte er aus, er wisse nicht, ob die Privatklägerin wach gewesen sei, als sie ihn 

aufgefordert habe, sich auf sie zu legen. Sie habe einfach mit ihm gesprochen. 

Sie habe komische Bewegungen gemacht und gesagt, dass sie Angst habe (Prot. 

II S. 16).  

 Diese Aussagen des Beschuldigten sprechen eher für die Darstellung der 

Privatklägerin, wonach sie in einem derartigen Schlafzustand war, dass sie nicht 

mitbekam, was in der Nacht passierte. Wenn der Beschuldigte ausführt, dass die 

Privatklägerin gesprochen bzw. mit ihm gesprochen und ihn gar gebeten habe, 

auf sie zu liegen, woran sich die Privatklägerin überhaupt nicht zu erinnern moch-

te, dann mag das durchaus zutreffen. So sagte die Privatklägerin selber aus: "Ich 

bin zwar jemand, der in der Nacht redet, aber ich murmle und es ist nicht ver-

ständlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich solche Sachen sage." (Urk. 2/39 

S. 8). Allerdings konnte der Beschuldigte das Gemurmel nicht für bare Münze 

nehmen, sagte er doch selber aus, dass die Privatklägerin "so ein bisschen 

Schlafstörungen hatte" (Urk. 2/39 S. 4) bzw. sie halluziniert habe (Prot. I S. 9). Er 

selber gab zu Protokoll, dass er mehrmals nachgefragt und sich ein paar mal zu-

rückversichert habe, ob sie das wirklich wolle (Urk. 1/11 S. 4, S. 8; Urk. 2/14 S. 5). 

Vor Vorinstanz sagte er auf die Frage des Vorsitzenden nach Zweifeln schliess-

lich aus: "Ich fand es schon seltsam, dass sie so etwas sagte." (Prot. I S. 9). Auch 

in der Berufungsverhandlung bestätigte der Beschuldigte, dass es ein eher aus-

sergewöhnlicher Wunsch der Privatklägerin gewesen sei (Prot. II S. 16). Das 

mehrmalige Rückversichern impliziert Zweifel des Beschuldigten und spricht da-

- 34 - 

für, dass die Privatklägerin möglicherweise redete, aber im Schlaf bzw. sie gar 

halluzinierte, wie der Beschuldigte selber beschrieb (Prot. I S. 9). Damit hatte der 

Beschuldigte aber mehr als genug Anhaltspunkte dafür, dass das allenfalls Ge-

murmelte oder Ausgesprochene - wonach sich der Beschuldigte, angeblich nackt, 

auf die Privatklägerin legen solle - nicht wirklich dem Willen der Privatklägerin 

entsprach. Der Beschuldigte musste bei der Jugendanwaltschaft denn selber 

konzedieren, dass die Aufforderung der Privatklägerin, sie zu beschützen, nicht 

wirklich Sinn machte ("Direkt nicht, nein." Urk. 2/14 S. 6). Die Geschichte um den 

Cousin der Privatklägerin, wonach dieser die Privatklägerin, als sie kleiner gewe-

sen sei, aufgefordert habe, ihn oral zu befriedigen (Urk. 2/14 S. 6), wurde bestrit-

ten (Urk. 2/39 S. 12) bzw. nicht erhärtet (Urk. 2/11 S. 13). Daraus kann nichts zu-

gunsten des Beschuldigten abgeleitet werden.  

 6.2.6. Dass der Beschuldigte mehr als Zweifel haben musste an der (allfälli-

gen) Aufforderung der Privatklägerin, wonach er sich auf sie legen solle, ergibt 

sich weiter aus den mehrheitlich eigenen Beobachtungen und Aussagen des Be-

schuldigten bzw. nachfolgenden Umständen, wonach  

 - die Privatklägerin am fraglichen Abend gesundheitlich angeschlagen 

war und Bauchschmerzen hatte, was der Beschuldigte gemäss obigen 

Ausführungen wusste,  

 - die Privatklägerin gegen ihre Bauchschmerzen Medikamente nahm, 

was der Beschuldigte gemäss obigen Ausführungen ebenfalls wusste, 

er dies sogar seiner Mutter als Grund fürs Übernachten angab (Urk. 

2/41 S. 7),  

 - der Beschuldigte sich deshalb um sie kümmern wollte (Urk. 1/11 S. 4),  

 - er aufgrund der angeschlagenen Verfassung der Privatklägerin nicht 

davon ausgehen konnte, die Übernachtung beinhalte sexuelle Absich-

ten der Privatklägerin,  

- 35 - 

 -  sich der Beschuldigte dachte, dass die Privatklägerin anders sei, dass 

sie auf einmal wolle, dass er sich auf sie lege und dass sie Angst habe 

(Urk. 1/11 S. 7),  

 - es für den Beschuldigten nicht normal war, sich auf die Privatklägerin 

zu legen, und er das früher noch nie gemacht habe (Urk. 1/11 S. 7), 

 - die Privatklägerin sonst eigentlich gar nicht wollte, dass er sie berührte, 

wenn sie schliefen, und er jeweils nur den Arm um sie legen durfte 

(Urk. 1/11 S. 7),  

 - es ihm komisch vorkam, sich auf sie zu legen, da er nackt war (Urk. 

2/14 S. 5),  

 - die Privatklägerin immer ihre Betthälfte für sich brauchte, wenn er bei 

ihr übernachtete, da sie es nicht so mochte, wenn sie zu nahe beiei-

nander lagen (Urk. 2/14 S. 5), 

 - die Privatklägerin selber ausführte, es sei während der Beziehung nie 

vorgekommen, dass der Beschuldigte sie mitten in der Nacht geweckt 

und Sex gewollt habe (Urk. 2/23 S. 9 f.). 

 Kommt hinzu, dass der Beschuldigte rund 10 bis 15 Minuten auf der Privat-

klägerin gelegen haben will (Urk. 1/11 S. 7 bzw. Urk. 2/14 S. 5) und die Privatklä-

gerin sich in keiner Form zur Wehr setzte (Urk. 1/11 S. 9) bzw. sich nicht bewegt 

habe (Urk. 2/14 S. 6) bzw. sie "… ganz normal friedlich geschlafen hat" (Urk. 2/14 

S. 6). Das erscheint vor dem Hintergrund, dass der Beschuldigte sein Gewicht mit 

"zwischen 50 und 55 Kg" bezeichnete (Urk. 2/14 S. 16), doch eher ungewöhnlich 

bzw. spricht viel mehr für die Darstellung der Privatklägerin, wonach sie keine Er-

innerungen an jene Nacht hat bzw. sie im Tiefschlaf war.  

 6.2.7. Die Vermutung der Verteidigung, es sei allenfalls in der Folgenacht, 

d.h. vom 19. auf den 20. August 2011, als der Beschuldigte nicht anwesend ge-

wesen sei, zu einer sexuellen Handlung zwischen der Privatklägerin und einem 

Dritten gekommen, weshalb sie erst am 20. August 2011 die "Pille danach" ge-

- 36 - 

nommen habe (Urk. 21 S. 2, Urk. 47 S. 3 f.), überzeugt überhaupt nicht, da es 

doch der Beschuldigte selber war, der die Privatklägerin am 19. August 2011 da-

zu aufgefordert hatte, diese zu besorgen. Dies indiziert, dass zwischen der Privat-

klägerin und ihm sexuelle Handlungen stattgefunden haben.  

 6.2.8. Die Privatklägerin führte gleichbleibend aus, dass sie am Morgen des 

19. August 2011 Unterleibsschmerzen verspürt habe. Solche Schmerzen habe sie 

jeweils nur nach dem Geschlechtsverkehr gehabt, es seien nicht die gleichen 

Schmerzen wie am Vorabend gewesen seien (Urk. 1/5 S. 5; Urk. 2/39 S. 5, 8). 

Die Privatklägerin litt zu diesem Zeitpunkt an einem viralen Infekt, sodass sie u.a. 

postprandiale Oberbauchschmerzen sowie intermittierend Schmerzen im rechten 

Oberbauch beim Wasserlösen beklagte (Urk. 2/57, Urk. 2/58). Eine objektive Be-

weissicherung in Form von beispielsweise ärztlichen Untersuchungen war zum 

Zeitpunkt der Anzeigeerstattung - rund ein halbes Jahr nach dem zur Anklage ge-

brachten Vorfall - nicht mehr möglich. Die Schmerzen der Privatklägerin lassen 

sich demnach nicht objektivieren, sodass nicht ausgeschlossen werden kann, 

dass die von der Privatklägerin verspürten Schmerzen am 19. August 2011 nicht 

auch von dem viralen Infekt herrühren könnten. Dass der Beschuldigte mit seinem 

Penis in die Vagina der Privatklägerin eingedrungen ist, kann aufgrund der gel-

tend gemachten Unterleibsschmerzen nicht erstellt werden.  

 7. Die Würdigung der Aussagen des Beschuldigten führt zum Zwischener-

gebnis, dass die Sachverhaltsdarstellung des Beschuldigten in Bezug auf das 

Kerngeschehen grundsätzlich gleichbleibend war. Die mit zunehmenden Verfah-

rensverlauf ungenaueren und abgeschwächten Ausführungen lassen sich auf die 

lange Verfahrensdauer zurückführen und dürfen nicht zu seinen Lasten berück-

sichtigt werden. In Bezug auf die sexuelle Handlung, die Befindlichkeit der Privat-

klägerin an jenem Abend und die Widerstandsfähigkeit weisen die Aussagen des 

Beschuldigten aber teilweise erhebliche Widersprüche auf. Die Privatklägerin ih-

rerseits sagte konstant aus, nicht zu wissen, was in jener Nacht passiert war. Die 

Aussagen der Privatklägerin in Bezug auf die Schmerzen, welche sie am Morgen 

des 19. August 2011 verspürt haben will, lassen sich nicht objektivieren. Mangels 

objektiver Beweissicherung bestehen erhebliche Zweifel, dass der Beschuldigte 

- 37 - 

mit seinem steifen Penis in die Vagina der Privatklägerin eingedrungen ist. Beim 

Vorwurf des Verabreichens von KO-Tropfen handelt es sich um einen Erklärungs-

versuch seitens der Privatklägerin, um eine Vermutung, auf welche Thematik 

noch speziell einzugehen ist. Im übrigen sind die Aussagen der Privatklägerin im 

Kern plausibel und nachvollziehbar. 

 8. Damit stellt sich noch die Frage, ob die weiteren Beweismittel geeignet 

sind, an dieser Einschätzung etwas zu ändern.  

 8.1.1. Die Auskunftsperson und Mutter der Privatklägerin, E._____, welche 

bei der Polizei und der Jugendanwaltschaft einvernommen wurde, berichtete über 

die Emotionen, die die Privatklägerin zeigte, als sie ihr ca. drei Monate später den 

Vorfall anvertraut habe (Urk. 1/9 S. 3: "Sie hat die ganze Zeit geweint."). Sodann 

gab sie zu Protokoll, dass die Privatklägerin vor dem Übergriff ein normales 

Schlafverhalten gezeigt habe. Vom Reden im Schlaf wusste sie nichts (Urk. 2/11 

S. 8). Wenn diese schlafe, dann habe sie sicher einen guten und tiefen Schlaf, vor 

allem am Morgen. So könne der Wecker lange läuten, bis sie ihn höre (Urk. 1/9 S. 

8). Seit den Sommerferien (2011) habe die Privatklägerin dann kaum mehr ge-

schlafen, was sie - die Mutter - als Pubertätsproblem abgetan habe (Urk. 2/11 S. 

5). Es habe deswegen auch Streitereien gegeben (Urk. 2/11 S. 5). So sagte die 

Mutter bei der Polizei aus: "Das mit dem Schlafen machte mich halb wahnsinnig." 

(Urk. 1/9 S. 4). Früher habe die Privatklägerin keine Schlafprobleme gehabt (Urk. 

1/11 S. 12). Die Privatklägerin habe sich auch von Kollegen und Kolleginnen sehr 

zurückgezogen und sei nicht mehr ausgegangen. Sie meinte dazu: "Ich dachte, 

sie habe 'Tussi-Probleme', also Streitereien unter pubertierenden Mädchen." (Urk. 

2/11 S. 5). Die schulischen Leistungen der Privatklägerin seien stark zurückge-

gangen (Urk. 1/9 S. 4). Die Auskunftsperson E._____ hat sodann wiedergegeben, 

was sie vom Beschuldigten zu den Themen sexuelle Handlungen und KO-Tropfen 

gehört haben will (Urk. 1/9 und Urk. 2/11).  

 8.1.2. Bezüglich Glaubwürdigkeit von E._____ ist zu beachten, dass diese 

als Mutter der Privatklägerin wohl eher dazu neigt, zugunsten der Privatklägerin 

als zugunsten des Beschuldigten auszusagen. Andererseits hat sie vom Beschul-

digten ein grundsätzlich positives Bild gezeichnet: "B._____ [der Beschuldigte] ist 

- 38 - 

kein 'schräger' Junge. Er ist ein ruhiger und freundlicher junger Mann. Mein Ein-

druck war positiv von ihm, ansonsten hätten wir ihn auch nicht mit in den Urlaub 

an Weihnachten/Neujahr 2010/2011 mitgenommen." (Urk. 1/9 S. 10).  

 Was die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen angeht, so sind diese das Verhalten 

und die Verfassung der Privatklägerin betreffend konstant und anschaulich rüber-

gekommen. E._____ hat klare negative Verhaltensänderungen der Privatklägerin 

nach den Sommerferien 2011 beschrieben. Diese stellen aber keinen Beweis für 

einen sexuellen Missbrauch im Sommer 2011 durch den Beschuldigten dar. So-

weit der Beschuldigte der Auskunftsperson gegenüber "Zugeständnisse" gemacht 

haben soll - er sei nackt auf die Privatklägerin gelegen und habe sexuelle Bewe-

gungen auf ihr gemacht, sei aber nicht in sie eingedrungen (Urk. 2/11 S. 6) -, ist 

auf diese Thematik nicht weiter einzugehen, zumal die vom Beschuldigten selber 

deponierten Aussagen in der Untersuchung schon ein klares Bild ergeben. Auf 

das Thema "KO-Tropfen" ist später näher einzugehen.  

 8.2.1. Der Zeuge und Lehrer der Privatklägerin, H._____, wurde bei der Ju-

gendanwaltschaft einvernommen. Er war (insgesamt) drei Jahre der Sekundarleh-

rer der Privatklägerin (Urk. 2/43), damals schon mehr als zwei Jahre. Er beschrieb 

die Privatklägerin für die Zeit ab Beginn 2011 bis zum Schulende Frühsommer 

2012 als grundsätzlich seriös arbeitend. Sie sei fröhlich, impulsiv und extravertiert 

gewesen. Auf die Frage, wie der Verlauf der Leistungen 2011 gewesen seien, er-

widerte er, dass es einen markanten Einbruch gegeben habe, auch in ihrem We-

sen. Dies sei nach den Sommerferien gewesen und auch der Parallellehrerin auf-

gefallen. Sie habe sich zurückgezogen. Auch die Fröhlichkeit sei weg gewesen. 

Dies sei nach dem Klassenlager 2011 gewesen. "Es war ein Rückgang auf der 

ganzen Linie. Auch das Verhalten im Schulzimmer fiel uns Lehrern auf. Zurück-

gezogen, abwesend, traurig." (Urk. 2/43 S. 4). Mitte November 2011 habe die Pri-

vatklägerin ihn informiert, dass es einen Vorfall gegeben habe (Urk. 2/43 S. 4). 

Der schlechte Zustand habe mehrere Wochen angehalten. Die Schulleitung habe 

vorgeschlagen, dass die Privatklägerin eine Anzeige erstatten solle. Erst danach 

werde die Schulleitung eine Versetzung des Beschuldigten in ein anderes Schul-

haus veranlassen. Er habe das Gefühl gehabt, dass es danach im letzten Semes-

- 39 - 

ter wieder bergauf gegangen sei, dass sie wieder habe lachen und das Wellental 

verlassen können (Urk. 2/43 S. 5). Mit Bezug auf das Klassenlager sagte der 

Zeuge aus, soweit er sich erinnere, habe ihm die Privatklägerin mitgeteilt, dass 

sie nicht mehr mit dem Beschuldigten befreundet sei. Er und ein Kollege hätten 

festgestellt, dass die zwei einen kollegialen und normalen Umgang gehabt hätten. 

Er habe bei ihnen kein Animositäten gespürt (Urk. 2/43 S. 6).  

 8.2.2. Der Zeuge kennt als Lehrer sowohl den Beschuldigten als auch die 

Privatklägerin, den Beschuldigten allerdings bloss vom Schulhaus und vom Klas-

senlager (Urk. 2/43 S. 2). Eine irgendwie geartete Voreingenommenheit gegen-

über einer der beiden Personen ist nicht auszumachen. 

 Die Aussagen des Zeugen wirken grundsätzlich schlüssig. Er beschrieb eine 

Veränderung der Privatklägerin im Verhalten und in Bezug auf die schulischen 

Leistungen seit dem Klassenlager 2011. Der vom Zeugen beschriebene schuli-

sche Leistungsabfall lässt sich aber aufgrund der Zeugnisse (Urk. 2/54) nicht oh-

ne weiteres belegen. Auf die Zeugnisse wird nachfolgend separat eingegangen. 

Aufgrund der vom Zeugen wahrgenommenen Wesensveränderung der Privatklä-

gerin seit dem Klassenlager kann nichts zu Lasten des Beschuldigten abgeleitet 

werden. Dass sich die Privatklägerin mit jener Nacht auseinander setzte und sich 

aufgrund der Ungewissheit in Bezug auf das tatsächlich Vorgefallene vom sozia-

len Leben zurückzog, ist aber durchaus nachvollziehbar. Der Zeuge stellte so-

dann im Klassenlager einen kollegialen Umgang und keine Animositäten zwi-

schen dem Beschuldigten und der Privatklägerin fest.  

 8.3.1. Die Zeugin und Mutter des Beschuldigten, F._____, war beim Ge-

spräch zwischen dem Beschuldigten und der Mutter der Privatklägerin zugegen 

(Urk. 2/41). Sie sagte bei der Jugendanwaltschaft aus, dass sie geschockt gewe-

sen sei und geweint habe (Urk. 2/41 S. 4). Die Mutter der Privatklägerin habe den 

Beschuldigten sehr bedrängt, dieser habe keine grosse Chance gehabt, sich zu 

rechtfertigen (Urk. 2/41 S. 4). Sie vermochte nicht zeitlich einzuordnen, wann der 

Beschuldigte gesagt habe, dass er der Privatklägerin nichts gegeben habe (Urk. 

2/41 S. 6). Dass der Beschuldigte bei diesem Gespräch gesagt habe, er habe 

sich nackt auf die Privatklägerin gelegt und sexuelle Bewegungen ausgeführt, sei 

- 40 - 

aber nicht in sie eingedrungen, vermochte die Zeugin nur als teils richtig zu bestä-

tigen (Urk. 2/41 S. 3). 

 8.3.2. F._____ hat als Mutter des Beschuldigten in Anbetracht des im Raum 

stehenden massiven Vorwurfs durchaus ein Interesse, im Sinne ihres Sohnes 

auszusagen. Sie reagierte emotional, wobei der Schock nicht zwingend damit zu 

erklären ist - entgegen der Ansicht der Vertretung der Privatklägerin (Urk. 19 S. 

11; Urk. 46 S. 10) -, dass ihr Sohn bzw. der Beschuldigte gerade einen Miss-

brauchsfall geschildert hatte, sondern überhaupt mit der Botschaft und den Vor-

würfen von E._____ konfrontiert zu sein und sich dabei auch alle (möglichen) In-

timitäten ihres minderjährigen Sohnes anzuhören zu müssen. Die emotionale Re-

aktion kann mithin auch bloss Ausdruck ihrer Überforderung in dieser Situation 

sein. Die Verteidigung weist zudem darauf hin, dass die Ängste der Mutter des 

Beschuldigten mit Hinblick auf das jahrelange Verfahren mit schwersten Belas-

tungen und Beschuldigungen durchaus ihre Berechtigung gehabt haben (Urk. 47 

S. 5, Prot. II S. 29). Die Zeugin war in ihren Aussagen eher zurückhaltend und 

vermochte sich teilweise nicht mehr zu erinnern, was am damaligen Sonntag-

abend wann gesprochen wurde. Insgesamt sind ihre Aussagen zu vage, als dass 

sie beweismässig wirklich ins Gewicht fallen.  

 8.4. Die Zeugin und Kollegin des Beschuldigten, I._____, hat ebenso ausge-

sagt wie die Auskunftsperson, Kollegin und Ex-Freundin des Beschuldigten, 

G._____ (Urk. 2/42 und Urk. 2/44). Die zwei jungen Frauen stehen offensichtlich 

auf der Seite des Beschuldigten. Sie zeichnen von ihm einen positiven Charakter, 

wohingegen die Privatklägerin vorwiegend negativ beschrieben wird. Die Zeugin 

I._____ bezeichnete die Privatklägerin als "nicht ehrlich" (Urk. 2/42 S. 3). Der 

Auskunftsperson G._____ will zu Ohren gekommen sein, dass die Privatklägerin 

"eine falsche Schlange", eifersüchtig, "eine Schlampe", "eine Ratte" sei (Urk. 2/44 

S. 9 f.). Die zwei Kolleginnen des Beschuldigten vermögen allerdings von der 

Tatnacht nur vom Hörensagen (primär vom Beschuldigten) zu berichten und da-

her nichts Relevantes zur Sachverhaltserstellung beizutragen. 

 8.5. Die Schulzeugnisse der Privatklägerin der ersten bis dritten Klasse der 

Sekundarschule (Urk. 2/54) vermögen den vom Lehrer und der Mutter beschrie-

- 41 - 

benen Leistungsabfall in der Schule nicht ohne weiteres zu bestätigen. Allerdings 

ist nicht ersichtlich, inwieweit die Strafuntersuchung bei der Benotung wohlwol-

lend berücksichtigt wurde, welche Stossrichtung sich auch aus dem Begleit-

schreiben der Schule vom 13. Juli 2012 zum Zeugnis ergibt (Urk. 2/20) und die 

auch den Aussagen des Lehrers zu entnehmen sind, der darauf bedacht war, 

dass die Privatklägerin bei der Lehrstellensuche eine faire Chance bekam 

(Urk. 2/43 S. 5).  

 8.6.1. In den Akten findet sich auch ein Ausdruck eines SMS-Verkehrs zwi-

schen dem Beschuldigten und der Privatklägerin (Urk. 2/67). Der Beschuldigte 

machte geltend, er habe sich darin für das Masturbieren in der fraglichen Nacht 

entschuldigt. Daraus ergibt sich implizit, dass er nicht bestreitet, mit der Privatklä-

gerin die Nachrichten wie abgedruckt ausgetauscht zu haben. Ebenfalls bestätigte 

er ausdrücklich, dass diese Nachrichten aus der Zeit nach dem angeblichen Vor-

fall stammen. Es ist daher nur bedingt von Bedeutung, dass der genaue Zeitpunkt 

aufgrund des (angeblich) kaputten iPhones nicht mehr eruiert werden kann 

(Urk. 2/66 S. 5).  

 8.6.2. Im Übrigen kann aus der Bezeichnung des Beschuldigten im Adress-

buch als "…" entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 47 S. 5) aus den 

von der Vorinstanz schon genannten Gründen (Urk. 30 S. 19) nichts zu seinen 

Gunsten abgeleitet werden. Ebenso hat die Vorinstanz zu Recht darauf hingewie-

sen, dass eine seriöse Würdigung des Inhalts der Nachrichten kaum möglich ist, 

da es sich um einen nicht aussagekräftigen Zusammenschnitt von Nachrichten 

handelt. So weisen insbesondere die letzten beiden abgedruckten Nachrichten 

zeitlich und inhaltlich keinerlei direkten Bezug auf. Ob und wie der beschuldigte 

Jugendliche auf den Vorwurf der Privatklägerin reagierte, er habe sie "vergewal-

tigt" und "alles", ist nicht ersichtlich. Vielmehr wurden dazwischen offenbar weitere 

Nachrichten oder anderweitigen Kontakte ausgetauscht. Ebenso unklar ist, in 

welchem Zusammenhang der Beschuldigte erklärte, "meeh blamiiere chann siich 

echt niiemert hahahahaha.. nc hahahahahaah…" (Urk. 2/67) und ob er damit sich 

selbst meinte. Offenbar hatte er ein schlechtes Gewissen, was aber nicht bedeu-

- 42 - 

tet, dass er sich für eine Vergewaltigung entschuldigen wollte. Für sich alleine ist 

der SMS-Verkehr daher nicht beweisgeeignet.  

 8.7.1. Gemäss Bericht der Psychotherapeutin dipl. Psych. J._____ vom 10. 

Februar 2013 behandelte diese die Privatklägerin vom 17. Januar 2012 bis zum 

22. Mai 2012 (Urk. 3/4). Im genannten Bericht hielt sie fest, dass insgesamt 12 

Therapiesitzungen stattgefunden hätten. Zu Beginn sei es fast ausschliesslich um 

den sexuellen Übergriff gegangen, in weiteren Stunden auch um Themen, die 

mehr schulische Schwierigkeiten oder das soziale Umfeld der Privatklägerin be-

troffen hätten. Die Privatklägerin habe den Vorfall bereits in der ersten Stunde 

thematisiert und aufgrund des Übergriffs Anzeichen einer posttraumatischen Be-

lastungsstörung mit vegetativer Ausprägung gezeigt. Sie habe eine ausgeprägte 

Schlafstörung gezeigt. Ebenfalls seien Ängste im Vordergrund gewesen. In der 

Erhebung des Befundes hätten keine anderen Zusammenhänge zur vorliegenden 

Symptomatik erkannt werden können. Grundsätzlich gelte die Phase der Pubertät 

auch als destabilisierend und mit möglichen Krisen einhergehend, traumatisieren-

de Ereignisse hätten aber keine anderen festgestellt werden können (Urk. 3/4). 

 8.7.2. Der Therapiebericht ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Pri-

vatklägerin aufgrund ihrer eigenen Erzählungen vom Hausarzt Dr. med. K._____ 

an die Psychotherapeutin überwiesen wurde (Urk. 3/4 S. 1) und die Therapeutin 

auf die Anliegen der Privatklägerin als Patientin einzugehen hatte und dies offen-

bar auch tat. Weitere objektivierende Abklärungen wurden nicht getätigt. Der Be-

richt gibt daher inhaltlich vor allem das wieder, was die Privatklägerin subjektiv 

empfunden hat, womit ihm das Gewicht einer Parteidarstellung zukommt und er 

als massgebliches Beweismittel nicht geeignet ist. Auf das Einholen eines psychi-

atrischen Gutachtens zu den Fragen, ob in der Vergangenheit der Privatklägerin 

traumatisierende Vorfälle bestanden, welche und wie sie sich auf die Psyche der 

Berufungsklägerin ausgewirkt haben, und welche Umstände kausal für den schu-

lischen Leistungsabfall der Berufungsklägerin nach dem 19. August 2011 waren, 

kann in Anbetracht der übrigen Beweismittel jedoch verzichtet werden. Dem ent-

sprechenden Beweisantrag des Beschuldigten ist daher nicht zu entsprechen 

(Urk. 36, Urk. 46 S. 9).  

- 43 - 

 8.8.1. Bezüglich der von der Privatklägerin mutmasslich eingenommenen 

Medikamente gibt es Aussagen von ihr selber, vom Beschuldigten und von der 

Auskunftsperson E._____. Die Privatklägerin sprach von einer Tablette, welche 

sie in der doppelten Menge eingenommen habe (Urk. 2/39 S. 3 f.). Die Mutter der 

Privatklägerin ging zuerst von "Dafalgan" aus. Auf Hinweis, dass in den Unterla-

gen "Novalgin" vermerkt sei, erklärte sie alsdann, dies sei das richtige, von der 

Klinik verschriebene Medikament. Die Privatklägerin habe ihr gegenüber erwähnt, 

dieses mache sie immer müde (Urk. 1/9 S. 8). Bei der Jugendanwaltschaft bestä-

tigte E._____ ihre Aussagen. Sie erklärte, die Privatklägerin habe damals eine 

Bauchfellentzündung gehabt und "Dafalgan" sowie ein weiteres Medikament ge-

nommen (Urk. 2/11 S. 3). Bei Letzterem habe es sich um Tropfen gehandelt, die 

man ins Wasser getan habe und nach deren Einnahme die Schmerzen besser 

geworden seien. Die Privatklägerin habe ihr zudem gesagt, dieses Medikament 

mache sie müde (Urk. 1/11 S. 9). Der Beschuldigte konnte nichts zur Klärung bei-

tragen.  

 8.8.2. Die Jugendanwaltschaft liess medizinische Unterlagen betreffend die 

Behandlung der Privatklägerin durch Dr. med. L._____ vom … Zentrum der Klinik 

M._____ edieren. Diesen ist zu entnehmen, dass bei der Privatklägerin im Juni 

2011 ein viraler Infekt - eine unspezifische virale Lymphadentitis - diagnostiziert 

wurde (Urk. 2/57 und Urk. 2/58). Im zuhanden der Jugendanwaltschaft verfassten 

Schreiben vom 4. Oktober 2013 hielt der vorgenannte Arzt des Weiteren fest, 

dass er der Privatklägerin einzig ein Rezept für "Novalgin"-Tropfen ausgestellt 

habe, wobei eine doppelte Dosierung unproblematisch sei und die Dosierung bis 

zu acht Mal pro 24 Stunden eingenommen werden könne (Urk. 2/64). Die Haus-

ärztin der Privatklägern, Dr. med. N._____, teilte der Jugendanwaltschaft am 13. 

Dezember 2013 alsdann schriftlich mit, dass die Krankenakten aus der Zeit vor 

dem Jahr 2012 am 29. März 2012 der Privatklägerin ausgehändigt worden seien. 

Sie könne somit keine Auskunft betreffend August 2011 geben (Urk. 2/72).  

 8.8.3. Die obgenannten Abklärungsergebnisse sprechen eher dafür, dass 

die Privatklägerin an jenem Abend gegen die Bauchschmerzen "Dafalgan" in 

doppelter Menge als für sie üblich eingenommen hatte. Dieses Medikament wirkt - 

- 44 - 

wie das verschriebene "Novalgin" - schmerzstillend, wobei extreme Mündigkeit 

jedoch nicht zu seinen allgemein bekannten Nebenwirkungen zählt. Welches Me-

dikament die Privatklägerin nun tatsächlich eingenommen hatte – und damit auch 

die möglichen Nebenwirkungen auslöste – ist angesichts des Untersuchungser-

gebnisses nicht mehr mit genügender Wahrscheinlichkeit feststellbar, wie die   

Vorinstanz zu Recht befand (Urk. 30 S. 16).  

 8.9.1. Bezüglich des Vorwurfs des Verabreichens von KO-Tropfen sagte die 

Auskunftsperson E._____ in beiden Einvernahme aus, der Beschuldigte habe ihr 

gegenüber während der Aussprache von sich aus erwähnt, dass er der Privatklä-

gerin "nichts gegeben" habe, was sie sehr beschäftigt habe (Urk. 1/9 S. 7; Urk. 

2/11 S. 6). Der vorgenannte Wortlaut wurde alsdann von der Mutter des Beschul-

digten, der Zeugin F._____, bestätigt, wobei sich diese nicht daran erinnern konn-

te, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Zusammenhang ihr Sohn - der Be-

schuldigte - dies erwähnt habe (Urk. 2/41 S. 3 f. und 6). Der Beschuldigte bestritt 

konstant, der Privatklägerin KO-Tropfen gegeben zu haben, ebenso, dass er da-

mals im Gespräch mit E._____ von sich aus gesagt habe, er habe der Privatklä-

gerin nichts gegeben. Er wisse auch nicht, wie er an KO-Tropfen hätte kommen 

sollen (Urk. 1/11; Urk. 2/14 S. 13; Prot. I. S. 10 f.). Er habe jedoch schon damals 

aus den Medien etwas über KO-Tropfen gewusst (Prot. I S. 11). 

 8.9.2. Die Privatklägerin schilderte, dass sie und der Beschuldigte am fragli-

chen Abend "Sprite" getrunken hätten. Das "Sprite" sei im Kühlschrank gestanden 

und sie habe es in der Küche in die Gläser eingeschenkt. Einmal sei sie aufs WC 

gegangen und habe ca. fünf Minuten ihr Glas unbeaufsichtigt stehen lassen. Am 

"Sprite" habe sie aber nichts gemerkt und sie würde es dem Beschuldigten auch 

nicht zutrauen, dass er ihr KO-Tropfen gegeben habe (Urk. 1/5 S. 6). In der zwei-

ten Einvernahme erklärte sie, sie sei müde geworden und auch sonst angeschla-

gen gewesen. Sie wisse nicht, ob es durch etwas verstärkt worden sei bzw. wes-

halb sie so weggetreten gewesen sei. Die KO-Tropfen seien erstmals mit der 

Rechtsbeiständin und der Opferberatungsstelle im Zusammenhang mit der Frage, 

weshalb sie so weggetreten sei, thematisiert worden (Urk. 2/39 S. 4 f.). 

- 45 - 

 8.9.3. Beim Vorwurf des Verabreichens von KO-Tropfen ist es allseitig bei 

Vermutungen geblieben. Es gibt - wie die Vorinstanz richtigerweise festhielt 

(Urk. 30 S. 17 f.) - weder für einen Bezug noch für ein Verabreichen dieser Trop-

fen einen Nachweis, wie etwa Belege für Einkäufe im Internet, sichergestellte 

Chemikalien, einen Bluttest oder dergleichen. Auch lässt sich nicht im Detail re-

konstruieren, in welchem Kontext der Beschuldigte in der Aussprache mit 

E._____ erwähnte, der Privatklägerin nichts gegeben zu haben. Sodann war es 

die Privatklägerin, die den Beschuldigten an jenem Abend spontan bat, er möge 

bei ihr übernachten. Dieser Umstand spricht richtigerweise (so die Vorinstanz in 

Urk. 30 S. 17) gegen ein organisiertes Vorgehen des Beschuldigten. Die Zeugin 

I._____ und die Auskunftsperson G._____ haben auch betreffend KO-Tropfen nur 

geringfügige Kenntnisse und diese nur vom Hörensagen, vermögen also nichts 

zur Klärung beizutragen. Nicht unbeachtlich ist der Einwand des Verteidigers, wo-

nach die Wirkungsdauer von KO-Tropfen eine bis drei Stunden beträgt (Urk. 47 S. 

7, Urk. 2/6 S. 2). Wären die KO-Tropfen am frühen Abend verabreicht worden 

(Urk. 1/5 S. 5, Prot. II S. 12), hätten diese zum Tatzeitpunkt (Mitten in die Nacht, 

Urk. 2/14 S. 4) bereits keine Wirkung mehr gehabt. Unbehelflich ist hingegen die 

vom Verteidiger vorgebrachte Behauptung, die Privatklägerin habe den Zeitpunkt 

der Einnahme der "Pille danach" so gewählt, dass ein Nachweis von KO-Tropfen 

in deren Urin nicht mehr möglich gewesen wäre (Urk. 47 S. 4, 6). Wie die Vertei-

digung selbst ausführte, vertraute sich die Privatklägerin erst Monate später ihrer 

Mutter an (Urk. 47 S. 5), mithin zu einem Zeitpunkt als ein Nachweis ohnehin 

nicht mehr möglich gewesen wäre. Ausserdem scheint es mehr als fraglich, dass 

die damals 14-jährige Privatklägerin über ein solch detailliertes Wissen in Bezug 

auf die Wirkungen von KO-Tropfen und der "Pille danach" hatte. Hierfür liegen 

keinerlei Anhaltspunkte vor. Die Verte