# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 254a25be-53a7-5012-9962-2193ec2ef438
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-03-10
**Language:** de
**Title:** Das psychiatrische Gutachten überzeugt nicht, medizinischer Sachverhalt ungenügend abgeklärt; Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2022.00243
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2022.00243.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2022.00243
II. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichterin Sager
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Meierhans
Urteil
vom
10. März 2023
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Markus Loher
schadenanwaelte
AG
Alderstrasse
40, Postfach, 8034 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1984, gelernte Augenoptikerin
(
Urk.
7/1)
, meldete sich erstmals am 2
4.
Februar 2011 unter Hinweis
auf mehrere psychische
Leiden
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/7). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische sowie erwerb
liche Situation ab
und veranlasste eine psychiatrische Begutachtung, über welche am 2
3.
April 2012 berichtet wurde (
Urk.
7/43
/5-29
).
Aufgrund
eines
am 2
7.
Dezember 2011 von der Versicherten gestellten Umschulungsgesuchs (
Urk.
7/35) gewährte ihr die
IV-Stelle mit Mitteilung vom 1
4.
Juni 2012 (
Urk.
7/51) Kostengutsprache für ein Aufbautraining für die Zeit vom
6.
August 2012 bis
3.
Februar 201
3.
Dieses wurde
per 3
0.
September 2012 abgebrochen
(vgl.
Urk.
7/61;
Urk.
7/64).
D
ie IV-Stelle
tätigte daraufhin
weitere Abklärungen.
Im
Dezember 2012
zog die Versicherte
nach Deutschland (vgl.
Urk.
7/70).
Am
2
6.
März 2013 teilte
sie
der IV-Stelle
per E-Mail
mit, dass
sich ihr psychischer Gesundheitszustand gebessert habe und sie sich wieder im Arbeitsprozess befinde, weshalb ihre Akte zu
schliessen sei
(
Urk.
7/77). Mit Verfügung vom 2
5.
Mai 2013 (
Urk.
7/79) verneinte die IV-Stelle infolge nicht eingereichter Unterlagen sowie fehlendem Wohnsitz in der Schweiz einen Leistungsanspruch der Versicherten.
1.2
Am
1
5.
Juli 2019 nahm
die Versicherte wieder Wohnsitz in der Schweiz und meldete sich am
2
5.
März 2020 unter Hinweis auf eine schwere Depression erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/85
Ziff.
4.1,
Ziff.
10
). Die IV-Stelle tätigte
erneut
Abklärungen der medizinischen
sowie
erwerblichen Situation
und erachtete mit Mitteilung vom 2
7.
Oktober 2020 (
Urk.
7/105) Eingliederungsmassnahmen
auf
grund des Gesundheitszustandes der Versicherten
als derzeit nicht angezeigt.
Nach
weitere
n
Abklärungen veranlasste
die IV-Stelle
eine psychiatrische Begut
achtung der Versicherten, über welche am 3
0.
Juli 2021 und ergänzend am
8.
Oktober 2021 berichtet wurde (
Urk.
7/119;
Urk.
7/122-123).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/127;
Urk.
7/132) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
6.
März 2022 (
Urk.
7/135 =
Urk.
2) einen Ren
tenanspruch der V
ersicherten.
2.
Die Versicherte erhob am
2.
Mai 2022 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
6.
März 2022 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr ab September 2020 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei der
Sachverhalt weiter abzuklären. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die unent
geltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Juni 2022 (
Urk.
6) die Abweisung der B
eschwerde
. Am 1
0.
Oktober 2022 reichte die Beschwerdeführerin die Replik ein (
Urk.
14).
M
it Schreiben vom 2
7.
Oktober 2022 (
Urk.
16)
verzichtete die Beschwerdegegnerin
auf eine Duplik, was der Beschwerdeführerin mit Verfü
gung vom 3
1.
Oktober 2022 (
Urk.
17) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (
vgl.
Rz
. 1008 des Kreisschreibens zu den Übergangsbe
stimmungen zur Einführung des linearen Rentensystems, KS ÜB WE IV, gültig ab 1. Januar 2022).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Da die Entstehung eines Rentenanspruchs vorliegend bereits vor dem 1. Januar 2022 in Betracht fällt, sind die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichk
eitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivi
tätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsana
mnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E.
5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rah
men des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine
lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_529/2021 vom 26. Juli 2022 E. 3.2.1).
1.8
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
des Gesetzes über das Soz
ialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend reformatorisch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen mög
lich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig unge
klärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterli
chen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 139 V 99 E. 1.1, 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_354/2020 vom 8. September 2020 E. 2.1)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte einen Rentenanspruch der Beschwerdeführe
rin mit der Begründung,
dass zwar gesundheitliche Einschränkungen vorlägen, diese die Arbeitsfähigkeit allerdings nicht schwerwiegend beeinflussen würden. Auch seien die Therapieoptionen noch nicht ausgeschöpft
, was auf einen fehlen
den beziehungsweise geringen Leidensdruck hinweise
. Eine mittelgradige depres
sive Störung sei in der Regel gut therapeutisch behandelbar und führe somit zu keinem Anspruch auf Leistungen der Invalidenver
sicherung. Auf das Gutachten der
Y.___
sei abzustellen. Unter Berücksichtigung der Standardindikatoren sei allerdings aus
rechtsanwenderischer
Sicht eine volle Arbeitsunfähigkeit trotz geregeltem Tagesablauf und zahlreichen Re
ssourcen nicht nachvollziehbar
(vgl.
Urk.
2 S. 1 f.).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
6) führte die Beschwerdegegnerin ergänzend aus, dass im Gutachten nicht nachvollziehbar und schlüssig dargelegt worden sei, inwiefern wegen der erhobenen objektiven Befunde und unter Beachtung der massgebenden Indikatoren die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin einge
schränkt sei.
E
in Abweichen von der medizinisch-psychiatrischen Arbeitsunfä
higkeitsschätzung
stelle deshalb
keine unzulässige juristisc
he Parallelüberprü
fung dar
. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb trotz der zahlreich ausgewiesenen Ressourcen eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit bestehe. Es seien aus
reichend Ressourcen vorhanden, welche mobilisiert werden könnten.
Auch seien mit einer
Anpassung der medikamentösen und psychotherapeutischen Behand
lung
noch
Therapieoptionen vorhanden (S. 1 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf den Standpunkt (
Urk.
1),
der
Regionale Ärztliche Dienst (
RAD
)
habe das Gutachten
, wonach sie vollständig arbeitsunfähig sei,
als beweiskräftig qualifiziert. Die Beschwerdegegnerin habe eine verbotene Parallel
über
prüfung vorgenommen
und nicht aufgezeigt,
weshalb die S
chlussfolgerungen des
G
utachtens
nicht stich
haltig wär
en oder auf nicht objektivierten
Grundlage
n
beruhen würden.
S
ämt
liche Standardindikatoren
würden im Gutachten
abgehandelt
, weshalb kein Anlass für eine
Neuevaluierung der Indikatoren durch den Rechtsanwender
bestehe
.
I
n sämtlichen Lebensbereichen
bestünden
Einschränkungen
. Sie nehme
Therapien bei bestehendem Leidensdruck wahr und
neige
in Bezug auf ihre gesundheitsbedingten Einschränkungen zu
Untertreibungen
(S. 4 f.).
Das Gutach
ten
attestiere
rückwirkend ab dem Jahr 2019 eine vollständige Arbeitsunfähig
keit. Demnach bestehe ab September 2020 Anspruch auf eine ganze I
nvaliden
rente
.
Eventualiter
sei der Sachverhalt weiter abzuklären (S. 8).
In der Replik (
Urk.
14)
führte
die Beschwerdeführerin a
us
,
im Gutachten
werde
erklärt, dass zwar Ressourcen vorhanden seien, diese
jedoch
wegen der gesund
heitlichen Störung nicht abgerufen werden könnten. Auch habe sich die Gutach
terin mit dem Aktivitätsniveau sowie mit den therapeutischen Optionen ausei
nandergesetzt. Die objektiven Befunde würden beschrieben und die Diagnosen gestützt hierauf hergeleitet. Der Indikator der Konsistenz sei aufgegriffen und es sei begründet worden, weshalb die Befunde eine Arbeitsfähigkeit dennoch ver
unmöglichen würden. Die Beschwerdegegnerin erwähne einzig Indikatoren, welche im Gutachten bereits abgehandelt worden seien. Damit verletze sie das Verbot der juristischen Parallelüberprüfung (S. 1 ff.).
2.3
Die Beschwerdeführerin
meldete
sich
erstmals
im Februar 2011 bei der
Invaliden
versicherung
zum Leistungsbezug an
(
Urk.
7/7)
.
I
m März 2013
– während noch laufenden Abklärungen der medizinischen und erwerblichen Situation -
bat die
zwischenzeitlich in Deutschland wohnhafte
Beschwerdeführerin um Schliessung ihrer Akte und teilte der Beschwerdegegnerin mit,
dass sich
ihr psychischer Gesundheitszustand gebessert habe und sie sich wi
eder im Arbeitsprozess befinde
(
vgl. E-Mail in
Urk.
7/77).
Sie war in der Folge nach eigenen Angaben in einem Pensum von 80
%
als Ergotherapeutin tätig (vgl.
Urk.
7/85
Ziff.
5.4;
Urk.
7/84/1).
Die Beschwerdegegnerin verneinte
daraufhin
mit
Verfügung vom 2
5.
Mai 2013 (
Urk.
7/79) infolge nicht eingereichter Unterlagen sowie fehlendem Wohnsitz in der Schw
eiz einen Leistungsanspruch. Vor diesem Hintergrund ist das erneute Leistungsgesuch vom 2
5.
März 2020 (
Urk.
7/85) nicht als Neuanmeldung im Sinne von
Art.
87
Abs.
3
IVV
, sondern wie eine ers
tmalige Anmeldung zu behandeln
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_876/2017 vom 1
5.
Mai 2018 E. 4.1).
Strittig und zu prüfen ist
somit, ob die Beschwerdeführerin unter dem Blickwinkel einer erstmaligen Anmeldung Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
3.
3.1
In den Akten finden sich die folgenden, wesentlichen medizinischen Berichte:
3.2
Dr.
med.
Z.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte mit Bericht vom 1
3.
Mai 2020 (
Urk.
7/92) eine Major Depression (ICD-10 F33.2) als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3
Ziff.
2.5). Weiter gab sie an, dass die Behandlung vom 1
7.
Februar bis 1
2.
Mai 2020 erfolgt sei und sie die Beschwerdeführerin gegenwärtig nicht mehr behandle (S. 2
Ziff.
1.1-1.2).
Sie sei auf eigenen Wunsch an die
Psychiatrische Universitätsklinik
A.___
überwiesen worden (S. 3 f.
Ziff.
2.1, 2.8).
Die Beschwerdeführerin sei vom 1
7.
Februar bis 3
1.
Mai 2020 vollständig arbeitsunfähig
gewesen
(S. 2
Ziff.
1.3).
Die bisherige Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin ein bis zwei Stunden pro Tag zumutbar. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei ihr vier bis fünf Stunden pro Tag zumutbar (S. 6
Ziff.
4.1-4.2).
3.3
Mit Bericht vom 3
1.
Juli 2020 (
Urk.
7/99) führten die Ärzte
der Psychiatrischen Universitätsklinik A.___
eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2), als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit auf. Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erwähnten sie eine nicht näher bezeichnete Hypothyreose sowie anamnestisch eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (
ADHS,
ICD-10 F90.0)
, wobei die Symp
tome seit der Kindheit vorlägen (S. 6
Ziff.
2.5-2.6). Die Beschwerdeführerin sei in jeglicher Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig (S. 2 f.
Ziff.
1.3). Die
antidepressive Medikation sei wegen Nebenwirkungen auf Wunsch der Beschwerdeführerin sistiert worden (S. 5
Ziff.
2.3). Die rezidivierende depressive Symptomatik sei nicht therapieresistent, allerdings als schwer ausgeprägt einzustufen (S. 7
Ziff.
2.8).
Die
Beschwerdeführerin
leide
seit mindestens zehn Jahren
an
eine
r
rezid
ivierenden depressiven Störung
,
welche
seit mehr als zwei Jahren
in einem
schweren Ausprägungsgrad
vorliege
. Sie zeige sich durch die depressiven Symp
tome in ihrer Alltagsgestaltung stark eingeschränkt. Es sei nicht von einer zeit
nahen deutlichen Reduktion der Symptomatik auszugehen
.
Die bisherige sowie jegliche angepasste Tätigkeit seien nicht zumutbar (S. 10 f.
Ziff.
4.1-4.2)
.
3.4
Die Ärzte
der Psychiatrischen Universitätsklinik A.___
bestätigten mit Bericht vom
2.
November 2020 (
Urk.
7/107) die bisher von ihnen gestellten Diagnosen sowie die attestierte vollst
ändige Arbeitsunfähigkeit (S. 2
Ziff.
1.3, S. 5 f.
Ziff.
2.5-2.6). Die psychotherapeutischen Sitzungen würden wöchentlich erfolgen (S. 2
Ziff.
1.2). Die Beschwerdeführerin habe p
robeweise für einen Monat eine Arbeitss
telle in einem Pensum von 50
%
als Büroangestellte angenommen.
Es
habe sich schnell eine Über
forderung und zunehmende
V
ers
chlechterung der Depression
ge
zeigt
, weshalb die Tätigkeit wie
der
habe
aufge
ge
ben
werden müssen
(S. 8
Ziff.
3.3). Aufgrund der Schwere der depressiven Störung sei kurz- bis mittelfristig nicht von einer Rückgewinnung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die bisherige Tätigkeit sowie jegliche angepass
ten Tätigkeiten seien der Beschwerdeführerin nicht zumutbar (S. 9 f.
Ziff.
4.1-4.2).
3.5
Am 1
4.
Juli 2021 erfolgte eine psychiatrische Begutachtung der Beschwerdefüh
rerin durch
Dr.
med.
B.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psy
chotherapie. Mit Gutachten vom 3
0.
Juli 2021 (
Urk.
7/119)
nannte
sie
die folgen
den Diagnosen mit Auswirkungen au
f die Arbeitsfähigkeit (S. 13
Ziff.
6):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mindestens mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1/2), und Dysthymie (ICD-10 F34.1), sogenannte
Douple
Depression, mit Beginn in der Kindheit «
early
onset
»
-
komplexe posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, ICD-10 F43.1)
Als ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit führte sie Folgendes auf (S. 14
Ziff.
6):
-
akzentuierte emotional-instabile und einzelne ängstlich-abhängige und
dependente
Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1; auf dem Hintergrund der komplexen PTBS)
-
Verdacht auf ADHS, vorwiegend unaufmerksamer Typ (ICD-10 F90.0)
-
anamnestisch Essstörung, nicht näher bezeichnet (ICD-10 F50.9)
Das bei der Untersuchung gezeigte Symptombild sowie die eigen- und akten
anamnestischen Angaben würden das Vorliegen einer rezidivierenden depressi
ven Störung belegen. Es gebe keine Hinweise auf eine bipolare Störung. Die Beschwerdeführerin habe in der Kindheit eine über viele Jahre anhaltende kom
plexe Traumatisierung durch physische und psychische Gewalt sowie emotionale Vernachlässigung durch die Eltern erlebt. Langzeitfolgen solcher Traumatisierun
gen seien als komplexe Traumafolgestörung beschrieben und lägen bei der Beschwerdeführerin vor. Die vorliegenden akzentuierten Persönlichkeitszüge würden die Kriterien für eine Persönlichkeitsstörung nicht erfüllen. Ein ADHS sei als Verdachtsdiagnose zu erwähnen. Sodann habe früher eine Essstörung vorge
legen. Aktuell sei dies nicht beurteilbar, da die Beschwerdeführerin ein entspre
chendes Verh
alten verneine
(S. 14 f.
Ziff.
6).
Die Beschwerdeführerin
nehme die Behandlung wahr
. Es bestünden hinsichtlich antidepressiver Substanzen noch Optionen. Depressive Störungen, welche sich auf dem Hintergrund einer komple
xen Traumafolgestörung entwickeln würden, seien einer Medikation oft weniger gut zugänglich. Zudem bleibe die erhöhte Vulnerabilität/verminderte Belastbar
keit bestehen, sodass das Erreichen einer vollen Arbeitsfähigkeit bei dem vorlie
genden Verlauf unrealistisch erscheine (S. 16
Ziff.
7.2). Die Beschwerden seien bei den gestellten Diagnosen plausibel und würden konsistent geschildert. Die Beschwerdeführerin neige dazu, ihre Einschränkungen eher zu unterschätzen. Die Einschränkungen
bestünden in
sämtliche
n Lebensbereichen
. Therapien würden bei bestehendem Leidensdruck durchgeführt (S. 16 f.
Ziff.
7.3). Ressourcen bestünden in Form der mehrfachen Ausbildung
sowie
der Zweisprachigkeit. Die Belastungen seien vorwiegend störungsbedingt und die Symptomatik verunmög
liche, die Ressourcen zu nutzen (S. 17
Ziff.
7.4). Die Beschwerdeführerin sei in den bisherigen Tätigkeiten als Optikerin und Ergotherapeutin sowie in jeglicher angepassten Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig. Diese Einschätzung gelte ab dem Jahr 201
9.
Zuvor habe ab
dem Jahr 2009 eine teils volle Arbeitsunfähigkeit und ab dem Jahr 2013 eine Teilarbeitsfähigkeit von 60
%
bestanden.
Es sei anzunehmen, dass
die Arbeitsfähigkeit
bereits bei Ausbildungsbeginn einge
schränkt gewesen sei (S. 18
Ziff.
8.1-8.2).
Eine
weitere medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung sei notwendig, allenfalls mit Anpassungen gemäss Behandlungsleitlinien. Die Prognose sei beim bisherigen Verlauf zurück
haltend. Eine Überprüfung in zirka zwei Jahren werde empfohlen (S. 19
Ziff.
8.3).
3.6
Am
8.
Oktober 2021 beantwortete
Dr.
B.___
die vom RAD gestellte Rück
frage in dem Sinne, dass für die Diagnose einer mindestens mittelschweren depressiven Episode,
welche
für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Vor
dergrund stehe, die folgenden Kriterien erfüllt seien: gedrückte Stimmung, nicht schwingungsfähig, Interessensverlust, Freudlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, deutli
che Verminderung des Antriebs, deutliche psychomotorische Hemmung, erhöhte Ermüdbarkeit, verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit sowie Schlaf
störungen. Aufgrund des
bisherigen
Verlaufs
sei
eine rezidivierende depressive Störung
zu diagnostizieren
. Die Diagnose einer Dysthymie
mit
«
early
onset
» bestehe
aufgrund der
anamnestisch schon früh
eingesetzten
depressiven Verstim
mungen, ohne eindeutigen Nachweis damaliger depressiver Episoden. Zur Diag
nose
der
komplexen PTBS sei anzumerken, dass die Beschwerdeführerin in der Kindheit über Jahre
hinweg
schwerer körperlicher Gewalt ausgesetzt gewesen sei und bereits als Kind an depressiven Verstimmungen sowie Albträumen gelitten habe. Als Jugendliche hätten eine anorektische Essstörung und selbstverletzendes Verhalten vorgelegen. Als Erwachsene seien ein andauerndes Misstrauen,
eine
erhöhte Schreckhaftigkeit, dissoziative Symptome, intrusive Erinnerungen, soma
tisch nicht erklärbare körperliche Schmerzen mit auf frühere Misshandlungen bezogene
r
Lokalisation,
eine
veränderte Selbstwahrnehmung, Affektregulations
störung
en
und depressive Störung
en
aufgetreten. Die Diagnose einer komplexen PTBS könne auch dann gestellt werden, wenn das Vollbild einer klassischen PTBS
nicht
vorliege. Der vorliegende typische Symptom- beziehungsweise Störungs
komplex auf dem Hintergrund der Typ II-Traumatisierung führe zur genannten Diagnose. Sie sei in der ICD-10 unter F43.1 zu kodieren (vgl.
Urk.
7/122-123).
3.7
Mit RAD-Stellungnahme vom 2
9.
November 2021 erachtete
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, das Gutachten von
Dr.
B.___
als mit Einschränkungen
für
schlüssig und nachvollziehbar. Die
Gutachterin habe die vorbestehenden Berichte gewürdigt sowie die Anamnese erhoben und sei auf die Klagen der Beschwerdeführerin eingegangen.
Die in der Untersuchung erhobenen Befunde seien zunächst nicht nachvollziehbar darge
stellt worden. Im knapp gehaltenen Gutachten seien verschiedene Diagnosen gestellt worden
,
ohne diese anhand von objektiven Befunden und ohne hinrei
chende Auf
listung
zugehöriger Symptome zu belegen.
In der beantworteten Rückfrage
gelinge dies teilweise. Eine andere Beurteilungsgrundlage als das vor
liegende Gutachten stehe nicht zur Verfügung. Die gezogenen Schlussfolge
rungen, insbesondere zur Arbeitsfähigkeit, seien unter Berücksichtigung der gestellten Diagnosen weitgehend nachvollziehbar.
E
in Gesundheitsschaden,
wel
cher
die Arbeitsfähigkeit mittel- und langfristig einschränke
, sei vorhanden
. Als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit lägen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), eine Dysthymie (I
CD-10 F34.1) sowie eine komplexe PTBS (ICD-10 F43.1; keine gültige Diagnose gemäss ICD-10) vor. Als ohne Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit bestünden akzentuierte Persönlichkeitszüge (
ICD-10
Z73.1). Es bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit
seit dem Jahr
201
9.
Eine weitere medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung sei notwendig. Eine Schadenminderungspflicht könne in Betracht gezogen werden. Eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
könne überwiegend wahrscheinlich erreicht wer
den (vgl.
Urk.
7/126 S. 7 f.).
3.8
In dem im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Bericht von PD
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
4.
August 2022 (
Urk.
12/7) gab dieser an, dass er die Beschwerdeführerin seit Juli 2021 behandle und folgende Diagnosen stellen könne (S. 1):
-
komplexe PTBS (ICD-10 F43.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.0)
-
Dysthymie (ICD-10 F34.1)
-
ADHS (ICD-10 F90.0)
Die Beschwerdeführerin sei aktuell an mehreren
Orten
für eine spezifische Behandlung der komplexen PTBS angemeldet, leider bestünden sehr lange War
tezeiten (S. 1). Sie sei seit Juli 2021 sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 2).
3.9
Dem im Rahmen des Beschwerdeverfahrens ebenfalls eingereichten Bericht der Ärzte der
Integrierten Psychiatrie E.___
vom 2
4.
August 2022 (
Urk.
12/14) ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin zum Vorgespräch für eine
traumaspezifische
stationäre Therapie zugewiesen worden sei. Die Ärzte stellten dabei folgende Diagnosen (S. 1
f.
):
-
PTBS, nach ICD-11 komplexe PTBS (ICD-10 F43.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
anamnestisch Dysthymie
(ICD-10 F34.1)
-
anamnestisch einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
Bei der Beschwerdeführerin lägen Symptome einer PTBS vor, dies vor dem Hin
tergrund physischer Gewalt und emotionaler Vernachlässigung in der Kindheit und Jugend sowie langjährig depressives Erleben, welches bisher im Vordergrund gestanden habe. Es bestünden Einschränkungen in der Emotionsregulation, der Beziehungsgestaltung und im Selbstbild. Ob diese im Sinne von Einschränkungen der Selbstorganisation der komplexen PTBS oder einer interaktionellen Störung einzuordnen seien, habe im Rahmen des Vorgesprächs nicht abschliessend beant
wortet werden können. Eine
traumaspezifische
Therapie sei indiziert. Die Beschwerdeführerin wünsche ein teilstationäres Setting und sei auf die Warteliste aufgenommen worden (S. 3).
4.
4.1
Zur Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin liegt insbesondere
das
psychiatrische Gutac
hten von
Dr.
B.___
vom 3
0.
Juli 2021
(vorstehend E. 3.5
)
vor
.
D
as
knapp gehaltene
Gutachten
beruht zwar auf
eigenen
Untersuchungen, wurde
in Kenntnis der
Vorakten
erstellt und
berück
sichtigt
die von der Beschwerdeführerin geklagten B
eschwerden. Allerdings erweist es sich – auch nach Beantw
ortung der gestellten Rückfrage
(vorstehend E. 3.6) -
aus nachfolgend genannten Gründen
weder in diagnostischer Hinsicht noch bezüglich der gezogenen Schlussfolgerungen als schlüssig und nachvoll
ziehbar
. F
ür die vorliegende Beurteilung
kann daher nicht darauf abgestellt wer
den
.
4.2
So
vermag
bereits
die
durch
Dr.
B.___
vorgenommene
diag
nostische
Einordnung
im Gutachten
nicht
vollends
zu überzeugen
.
Zwar ist d
as
Vorhandensein eines
depressive
n
Leiden
s
-
vorliegend eine rezidivierende depres
sive Störung, gegenwärtig mindestens mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1/2), sowie eine Dysthymie (ICD-10 F34.1) und damit eine sogenannte Double Depr
es
sion (vgl.
Urk.
7/119 S. 13 f.
Ziff.
6)
–anhand des erhobenen psychopathologi
schen Befundes
nachvollziehbar
und
lässt sich
mit den
übrigen
aktenkundigen medizinischen
Beurteilungen
(vorstehend E. 3.2-3.4, E. 3.8-3.9)
grundsätzlich
vereinbaren.
Dr.
B.___
kam
jedoch
des Weiteren
zum Schluss, dass die Beschwerdefüh
rerin
an einer komplexen PTBS leide
(vgl.
Urk.
7/119 S. 13 f.
Ziff.
6
)
.
Diese Diag
nose ist in der im Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens geltenden Klassifika
tion ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation nicht aufgeführt. Zwar wird eine solche in der
ICD-11 aufgelistet (vgl.
https://icd.who.int/browse11/l-m/en#/http://id.who.int/icd/entity/585833559
, zuletzt besucht am 1
7.
Januar 2023
), doch haben die Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation beschlos
sen, da
ss diese
erst am
1.
Januar 2022 und damit nach der Erstellung des Gut
achtens i
n Kraft treten wird (
https://www.who.int/news-room/detail/25-05-2019-world-health-assembly-update
, zuletzt besucht am 1
7.
Januar 2023
).
Zudem ist die ICD-11 mangels einer offiziellen deutschen Übersetzung in der Schweiz
auch
zum jetzigen Zeitpunkt
weiterhin
noch
nicht verbindlich
, was
Dr.
C.___
mit dem Hinweis «
keine gültige Diagnose gemäss ICD-10
» (vgl. vor
stehend E. 3.7) erkannte
. Ungeachtet dessen lässt sich
die Diagnose selbst anhand der Angaben im Gutachten
nicht
zweifelsfrei
nachvollziehen.
D
em Gutachten
ist zwar
zu entnehmen, dass die Diagnose auf
eine in der Kindheit über viele Jahre anhaltende komplexe Traumatisierung durch physische und psychische Gewalt und emotionale Vernachlässigung durch die Eltern zurückzuführen
sein solle
(vgl.
Urk.
7/119 S. 14).
Die Beschwerdeführerin ber
ichtete
indessen
– abgesehen von in der Kindheit erlebten Albträumen
(
Urk.
7/119 S. 9
Ziff.
3.2.2)
–
von
keine
n
diesbezüglichen
Flashbacks
sowie von keinen
A
lbträume
n
oder
dadurch verur
sachten
Schlafstörungen (vgl.
Urk.
7/119 S. 10 ff.
Ziff.
3.2.3). A
uch im erhobenen Untersuchungsbefund
werden
diese Symptome nicht
erwähnt
(vgl.
Urk.
7/119 S.
13
Ziff.
4.3). Erst auf Nachfrage des RAD hin
nannte
Dr.
B.___
Schlaf
störungen
sowie
intrusive Erinnerungen (vgl.
Urk.
7/122-123)
, was mangels Erwähnung im Gutachten
und dementsprechend fehlender echtzeitlicher Prüfung
jedoch
nicht
ohne Weiteres
überzeugt.
Zwar
gab
die Beschwerdeführerin
anläss
lich der Begutachtung an,
dass vor allem Blicke anderer Menschen die Erinne
rungen an schlimme erlebte Situationen wecken könnten. Auf Nachfrage
der Gut
achterin hin erwähnte
die Beschwerdeführerin
jedoch
ausdrücklich
, dass diese weniger die Kindheit beträfen, sondern die in der früheren Beziehung erlebte Gewalt (vgl.
Urk.
7/119 S. 11 unten)
.
Schliesslich
ist
bei der Beschwerdeführerin, welche zwei Ausbildungen
erfolgreich
abgeschlossen
hat
und während Jahren
(t
eil)
e
rwerbstätig
war,
sowie nun mit einem neuen Partner in einer stabilen Part
nerschaft lebt
und ein Zusamme
nziehen geplant ist (vgl.
Urk.
7/119
S. 7 f.
Ziff.
3.2.1,
S. 12
Ziff.
3.2.4
)
, die diagnostische Voraussetzung erheblicher Beein
trächtigungen persönlicher oder beruflicher Natur nicht
augenscheinlich
erfüllt
und hätte einer eingehenderen
und differenzierten
Begründung bedurft
(vgl.
zu den
Diagnosekriterien einer komplexen PTBS:
https://icd.who.int/browse11/l-m/en#/http://id.who.int/icd/entity/585833559
, zuletzt besucht am 1
7.
Januar 2023).
Dies
soll
die Erfahrungen der Beschwerdeführerin
nicht schmälern, ist aber dennoch zur objektiven Beurteilung einer Arbeitsunfähigkeit zu berücksichtigen.
D
ie
durch
Dr.
B.___
gestellte
Diagnose einer komplexen PTBS vermag
folglich
unabhängig von der Inkraftsetzung der Klassifikation ICD-11 nicht
voll
ends
zu überzeugen.
Dem Gutachten fehlt es insgesamt an einer sorgfältigen Unterscheidung von Anamnese, Befunderhebung und eigener Beurteilung.
4.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
- was vorliegend nicht erfüllt ist -
eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikati
onssystems abgest
ützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6).
Selbst e
ine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivier
ten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Ar
beitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Der Beweiswert eines Gutachtens wird nicht beeinträchtigt, sofern es hinrei
chende Ausführungen zu den funktionellen Auswirkungen eines psychischen Gesundheitsschadens enthält (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_345/2019 vom 2
5.
September 2019 E. 4.2.1). Dies ist vorliegend allerdings
ebenfalls
nicht der Fall.
Dr.
B.___
erachtete die Beschwerdeführerin – nach einer zuvor teil
weise bestehenden
Arbeitsfähigkeit
von
bis zu 80
%
- als
rückwirkend
seit dem Jahr 2019 vollständig arbeitsunfähig in jeglicher Tätigkeit (vgl.
Urk.
7/119 S. 18
Ziff.
8.1-8.2).
Dabei lässt sich dem Gutachten keine umfassende und hinreichende Beurteilung nach Massgabe der relevanten Indikatoren (vorstehend E. 1.5) ent
nehmen.
Dr.
B.___
hielt lediglich fest,
d
ie Beschwerden seien bei den gestellten Diagnosen plausibel und würden konsistent geschildert. Die Beschwer
deführerin neige dazu, ihre Einschränkungen eher zu unterschätzen. Die Ein
schränkungen bestünden in sämtlichen Lebensbereichen.
Ressourcen bestünden in Form der mehrfachen Ausbildung sowie der Zweisprachigkeit. Die Belastungen seien vorwiegend störungsbedingt und die Symptomatik verunmögliche, die Ressourcen zu nutzen
(vgl. vorstehend E. 3.5).
Dabei ist nicht genügend klar ersichtlich, ob es sich dabei um eine eigene Beurteilung oder eine Wiedergabe der anamnestischen Angaben handelt.
Eine
summarische
Indikatorenprüfung
bildet keine ausreichende Beurteilungsgrundlage
(
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_84/2022 vom 1
9.
Mai 2022 E. 6.2.2
)
und
die attestierten Arbeitsunfähigkeiten
können folglich
auch nicht
schlüssig
nachvollzogen werden
.
Soweit
Dr.
B.___
der Beschwerdeführerin
während der Zeit in Deutschland
ab dem Jahr 2013
sodann
eine 60%ige Arbeitsfähigkeit
in jeglicher Tätigkeit
attestierte (vgl.
Urk.
7/119 S. 17 f.
Ziff.
7.3,
Ziff.
8.1-8.2
),
ist dies mit der Tatsache
, dass die Beschwerdeführerin
im Jahr 2016 die
Ausbildung als Ergotherapeutin
erfolgreich abschloss
(
Urk.
7
/83/3
) und
bis im Jahr 2018 als Ergotherapeutin,
zuletzt
für ein Jahr
in einem Pensum von 80
%
,
tätig war (vgl.
Urk.
7/85 S. 6
Ziff.
5.4)
,
nicht ohne Weiteres
zu vereinbaren
und hätte
zumindest
einer
näheren
Begründung bedurft
.
4.4
Die aufgezeigten Mängel des Gutachtens
erkannte
auch
RAD-Psychiater
Dr.
C.___
, indem er festhielt,
dass die in der Untersuchung erhobenen Befunde zunächst nicht nachvollziehbar dargestellt worden seien. Es seien verschiedene Diagnosen gestellt worden, ohne diese anhand von objektiven Befunden sowie ohne hinreichende Aufführung zugehöriger Symptome zu belegen und in den beantworteten Rückfragen gelinge dies lediglich teilweise. Die gezogenen Schlussfolgerungen seien weitgehend nachvollziehbar. Er erachtete das Gutach
ten folglich auch nur als mit Einschränkungen für schlüssig und nachvollziehbar (vorstehend E. 3.7). Soweit
Dr.
C.___
in seiner Beurteilung dennoch auf das Gutachten abstellte, kann dem
nach dem Gesagten
nicht gefolgt werden.
4.
5
Soweit die Beschwerdegegnerin – abweichend von der gutachterlichen Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit – auf Grundlage ihrer Ressourcenprüfung
(
Urk.
7/126 S. 8 f.)
zum Schluss gelangte, dass eine volle Arbeitsunfähigkeit aufgrund des g
eregelten Tagesablaufs sowie der
zahlreichen Ressourcen nicht nachvollziehbar sei und
daher
einen invalidisierenden Gesundheitsschaden verneinte (vgl.
Urk.
2 S. 1 f.;
Urk.
6 S. 1 f.)
,
vermag dies
es Vorgehen
ebenfalls nicht zu überzeugen.
Dem Hinweis der Beschwerdegegnerin, wonach leichte bis mittelgradige psychi
sche Störungen aus dem depressiven Formenkreis grundsätzlich als therapeutisch behandelbar gälten und die ausnahmsweise Annahme einer invalidisierenden Wirkung eine konsequente Depressionstherapie voraussetze (vgl.
Urk.
2 S. 1;
Urk.
7/126 S. 8), ist entgegenzuhalten, dass
bereits
seit mehreren Jahren
grund
sätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren
nach BGE 141 V 281
zu unterziehen sind (
vorstehend E. 1.4
).
Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht
fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapiere
sistenz auszuschliessen sei (BGE 143 V 409 E.
5.1).
B
ei Betrachtung sämtlicher
von der Beschwerdeführerin
bisher
unternommenen Therapieversuche
ergibt sich sodann, dass sie
durchgehend
seit
dem Jahr 2009 in psychiatrisch-
ambulanter Behandlung steht und
bisher
schon
mehr als
zehn
stationäre Aufenthalte erfolgten
, auch wenn diese
bereits
längere Zeit zurück
liegen
(in
den
Jahren
2009 bis 2012
;
Urk.
7/20-21,
Urk.
7/24,
Urk.
7/32,
Urk.
7/40/6-12
,
Urk.
7/43/5-18,
Urk.
7/50/5-18,
Urk.
7/65
). Auch wurden ver
schiedene Antidepressiva
versucht
, wobei diese teilweise infolge
starker
Neben
wirkungen abgesetzt werden mussten (vgl.
Urk.
7/99 S. 5
Ziff.
2.3;
Urk.
7/119 S.
16
Ziff.
7.2
).
Allein i
m Bericht von PD
Dr.
D.___
werden 15
Medikationsversuche aufgelistet (vgl.
Urk.
12/7 S. 2 oben).
Eine mangelnde Compliance
der Beschwer
deführerin wird – soweit ersichtlich – von keinem Arzt erwähnt
. Der Umstand, dass die Therapieoptionen gemäss gutachterlicher Einschätzung noch nicht aus
geschöpft s
eien
(vgl.
Urk.
7/119 S. 16
Ziff.
7.2
), lässt somit
entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
nicht auf einen geringen Leidensdruck der Beschwerde
führe
rin schliessen, bemüht sich diese
offensichtlich um Therapie.
4.
6
Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass das Vorhandensein eines psychischen Gesundheitsschadens anhand der vorhandenen Akten zweifelsfrei ausgewiesen ist,
d
essen Auswirkungen
auf die Erwerbsfähigkeit
jedoch
weiterhin unk
lar blei
ben. D
ie vorliegende Aktenlage
erweist sich somit
für eine abschliessende Beur
teilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt als unzulänglich, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese nach erneuter Abklä
rung eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
5
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung sowohl für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollständi
ges Obsiegen (BGE 137 V 57; vgl. auch BGE 141 V 281 E. 11.1 mit Hinweis), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädi
gung hat.
Diese ist gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
GSVGer
– ohne Rücksicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu messen.
Mit Honorarnote vom 2
1.
Februar 2023 (
Urk.
19) machte Rechtsanwalt Markus Loher bei einem Aufwand von 15.60 Stunden sowie Barauslagen von
Fr.
140.40 und einer Zahlung an die Praxis
F.___
im Betrag von
Fr.
125.
--
eine Ent
schädigung von insgesamt
Fr.
5'316.55 (inkl.
MWSt
und Barauslagen) geltend
.
Angesichts der Tatsache, dass vorliegend keine
komplexen
Rechtsfragen zu klären waren und es hauptsächlich um die Frage der Beweiskraft des psychiatri
schen Gutachtens von
Dr.
B.___
ging, erscheint dieser Aufwand
, insbe
sondere die 5.5 Stunden für die Ausarbeitung der Beschwerdeschrift sowie die knapp 6 Stunden im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechts
pflege,
als übersetzt.
Zudem waren die Akten bereits im Verwaltungsverfahren bekannt.
Der praxisgemässe Stundenansatz beträgt
weiter
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) und nicht
Fr.
300.--.
Die geltend gemachten Kosten für den Ver
laufsbericht der Praxis
F.___
in der Höhe von
Fr.
125.-- sind
nicht zu ent
schädigen, erwies sich dieser Bericht
für die
Entscheidfindung
nicht als notwen
dig.
Dementsprechend ist der Aufwand für die Ausarbeitung der Beschwerdeschrift um eine Stunde auf 4.5 Stunden zu kürzen.
Der
Aufwand im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
ist um drei Stunden zu kürzen.
Der Aufwand für die Replik in Höhe von insgesamt einer Stunde und 48 Minuten ist nicht zu entschädigen, hat das Gericht doch keinen zweiten Schriftenwechsel angeordnet. Damit ergibt sich ein Gesamtaufwand von 9 Stunden 48 Minuten, was in Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüg
lich
MWSt
) zuzüglich 3
%
Kleinspesenpauschale den Betrag von
Fr.
2'391.70 (inkl.
MWSt
) ergibt.
5
.3
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung (vgl.
Urk.
1 S. 2) als gegenstandslos.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 1
6.
März 2022 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Prozessent
schädigung von
Fr.
2'391.70
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Markus Loher
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
19
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
Grieder-MartensMeierhans