# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 83e5ddea-d73a-558a-b5e9-e03e8c4f1605
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2003-01-29
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 29.01.2003 BK 2003 3
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2003-3_2003-01-29.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
  Tribunale cantonale dei Grigioni
  Dretgira chantunala dal Grischun

Ref.: Chur, 29. Januar 2003 Schriftlich mitgeteilt am: 
BK 03 3 

Entscheid
Beschwerdekammer

Vizepräsident Bochsler, Kantonsrichter Heinz-Bommer und Rehli, Aktuarin ad hoc 
Thöny.

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In der strafrechtlichen Beschwerde

der L., Beschwerdeführerin, vertreten durch die Mutter V.,

gegen

die Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 17. Dezember 
2002, mitgeteilt am 20. Dezember 2002, in Sachen gegen X.,

betreffend Verletzung durch Hundebiss z.N. von L.,

hat sich ergeben:

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A.  Am Donnerstag des 22. August 2002 um ca. 17.15 Uhr wurde die 14-
jährige L. auf der Alp Y., Gemeindegebiet X., von einem Hirtenhund ins Gesicht 
gebissen. Dabei erlitt sie eine ausgedehnte Rissquetschwunde quer über das Ge-
sicht. Gemäss Arztbericht von Arzt Z., muss mit einem bleibenden Nachteil, nament-
lich mit einer Narbenbildung, gerechnet werden. 

Gemäss Angaben von L. sowie ihres Stiefvaters M. machte die Familie vor 
der Alphütte einen Halt. L. habe die Hunde, welche sich frei vor der Alphütte bewegt 
hätten, gestreichelt. Die Hunde hätten sich sehr anhänglich verhalten. Nach einer 
Weile seien sie hinter die Hütte gelaufen. L. habe sich von den Hunden verabschie-
den wollen und sei ebenfalls hinter die Hütte gegangen. Als sie sich gebückt habe, 
um den ersten Hund zu streicheln, habe dieser sie angesprungen und ins Gesicht 
gebissen. 

Die Hundehalterin B., welche sich in den Ferien auf der Alp Y. aufhielt, war 
zum Zeitpunkt des Vorfalles nicht anwesend. Sie hielt in der polizeilichen Einver-
nahme fest, dass ihr Hund ungefährlich sei und bis zum fraglichen Vorfall noch nie 
jemanden gebissen habe. Er sei zusammen mit anderen Hirtenhunden auf der Alp 
Y. frei herumgelaufen. 

B. Am  24. September 2002 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubün-
den eine Strafuntersuchung zur Abklärung der Unfalldynamik und eines allfälligen 
Drittverschuldens. 

C. Mit Verfügung vom 17. Dezember 2002, mitgeteilt am 20. Dezember 
2002, stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden die Strafuntersuchung ein; die ent-
sprechenden Verfahrenskosten gingen zu Lasten des Kantons Graubünden. Zur 
Begründung führte die Staatsanwaltschaft im Wesentlichen aus, dass die Hunde-
halterin keine weiteren Massnahmen treffen musste, da sich das Tier auf seinem 
Liegeplatz befunden habe. Auch hätte sie davon ausgehen dürfen, dass die Eltern 
das Kind beaufsichtigen und es nicht zu nahe an den Hund und seine Schlafstätte 
heranlassen würden. Es dürfe als allgemeine Kenntnis vorausgesetzt werden, dass 
Hunde ihre Schlafstätten als Territorium verteidigen würden. Daher könne der Hun-
dehalterin kein strafrechtlich relevantes Verschulden vorgeworfen werden. 

D. Gegen diese Einstellungsverfügung liess L. am 6. Januar 2003 straf-
rechtliche Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von 
Graubünden erheben mit dem sinngemässen Begehren, die angefochtene Verfü-
gung aufzuheben und B. angemessen zu bestrafen.

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E. Mit Schreiben vom 20. Januar 2003 verzichtete die Staatsanwaltschaft 
Graubünden auf die Einreichung einer Vernehmlassung. Auf die Einholung einer 
Vernehmlassung der Hundehalterin B. wurde verzichtet. 

Auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid und auf die Begründung 
der Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung :

1.  Gemäss Art. 138 StPO kann gegen Verfügungen und Beschwerde-
entscheide des Staatsanwaltes wegen Rechtswidrigkeit oder Unangemessenheit 
bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichtes Beschwerde geführt werden. Zur 
Beschwerdeführung ist berechtigt, wer durch den angefochtenen Entscheid berührt 
ist und ein schutzwürdiges Interesse an seiner Aufhebung oder Änderung geltend 
macht. Insbesondere kann sich der Geschädigte gegen Einstellungsverfügungen 
beschweren (Art. 139 Abs. 1 StPO). Die Beschwerde ist innert 20 Tagen, seit der 
Betroffene vom angefochtenen Entscheid Kenntnis erhalten hat, schriftlich einzurei-
chen (Art. 139 Abs. 2 StPO) und muss den Antrag sowie eine kurze Begründung 
enthalten (Art. 20 VVG). 

L. wurde beim fraglichen Vorfall verletzt und ist somit als Geschädigte zur 
Anfechtung der Einstellungsverfügung vom 17. Dezember 2002, mitgeteilt am 20. 
Dezember 2002, legitimiert. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde 
ist somit einzutreten. 

2. Gemäss Art. 138 StPO steht der Beschwerdekammer nicht bloss eine 
Rechts-, sondern auch eine Ermessenskontrolle zu. Bei der Überprüfung der Ange-
messenheit eines Entscheides soll aber die Beschwerdekammer ihr Ermessen nur 
dort an die Stelle desjenigen der Vorinstanz setzen, wo sich deren Verfügung nicht 
mit triftigen Gründen vertreten lässt. Eine Einstellungsverfügung ist angemessen, 
wenn aufgrund des Untersuchungsergebnisses objektiv und subjektiv nicht genü-
gend Anhaltspunkte für das Vorliegen einer straf- und verfolgbaren Handlung gege-
ben sind und somit ein Freispruch erwartet werden müsste und wenn keine neuen 
Beweismittel ersichtlich sind, die das Beweisergebnis beeinflussen könnten 
(Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Auf-
lage 1996, S. 347). Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob 
die Einstellung der Untersuchung in Sachen X. betreffend Verletzung durch Hunde-
biss zum Nachteil von L. zu Recht erfolgt ist oder ob genügend Indizien dafür vor-

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liegen, dass die Hundehalterin B. Sorgfaltspflichten verletzt und damit eine strafbare 
Handlung begangen hat. 

3. Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass die Hundehalterin B. 
zum Zeitpunkt des Zwischenfalls nicht am Unfallort gewesen sei. Dies sei dem Ein-
vernahmeprotokoll zu entnehmen und daher unbestritten. Der Hund von B. sei un-
beaufsichtigt auf dem Gelände der Alphütte umhergelaufen. Damit sei der Einhal-
tung der notwendigen Sorgfaltspflicht in keiner Weise Genüge getan worden. 

a) Das Halten eines Hundes birgt unbestrittenermassen ein gewisses 
Gefahrenpotential, da Tiere in ihrem Verhalten nicht vernunftgesteuert und deshalb 
bisweilen unberechenbar sind. Dementsprechend ist ein Hundebesitzer verpflichtet, 
seinen Hund ausreichend zu überwachen, und er hat dafür zu sorgen, dass Dritte 
durch den Hund nicht verletzt oder auf andere Weise geschädigt werden. Wird die 
Überwachung des Hundes sorgfaltswidrig unterlassen, kann der Halter strafrecht-
lich zur Verantwortung gezogen werden. Dabei kann die massgebende Sorgfalts-
pflicht nicht generell umschrieben werden. Sie bemisst sich je nach den Umständen 
und den persönlichen Erfahrungen (PKG 1996 Nr. 38). Es ist im Folgenden zu prü-
fen, ob die Hundehalterin sorgfaltswidrig handelte, indem sie ins Dorf ging und ihren 
Hund auf der Alp zurückliess.

b) B. hielt sich zusammen mit ihrem Hund schon während längerer Zeit 
in der von einem Alphirten mit Hirtenhunden bewohnten Alphütte auf der Alp Y. auf. 
Nach den übereinstimmenden Aussagen der polizeilich befragten Personen gehen 
dort täglich viele Wanderer vorbei und schalten einen Halt ein. Dabei würden der 
Hund von B. und die weiteren dort anwesenden Hirtenhunde oft gestreichelt, ohne 
dass es bis zum hier zu beurteilenden Ereignis je zu einem Zwischenfall kam. B. 
gab denn auch zu Protokoll, dass ihr Hund bis dahin noch nie jemanden gebissen 
habe; er sei sehr schön und anhänglich, weshalb er auch oft gestreichelt werde. Der 
Hund von B. war demnach mit der Umgebung und dem Aufenthalt von Besuchern 
bei der Alphütte vertraut. Insbesondere war er auch gewöhnt, dass er von Besu-
chern oft gestreichelt wird, wobei er sich nie abweisend verhielt. Von wesentlicher 
Bedeutung ist sodann, dass der Alphirt selbst Hirtenhunde hielt und er somit im 
Umgang mit Hunden erfahren war. Anhaltspunkte dafür, dass ihm der Hund von B., 
der mit seinen Hunden zusammen war, nicht gehorchte, sind aus den Akten nicht 
ersichtlich. Hingegen lässt sich der Aussage des Stiefvaters der Beschwerdeführe-
rin entnehmen, dass der Alphirt sofort zu Hilfe eilte und den Hund wegnahm. Auf-
grund all dieser Umstände kann im Verhalten von B., dass sie ihren Hund nicht 

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mitnahm, als sie sich hinunter ins Dorf zum Einkaufen begab, sondern diesen 
während ihrer Abwesenheit  dem Alphirten anvertraute, keine Sorgfaltspflichtverlet-
zung erblickt werden.

4. Des Weiteren rügt die Beschwerdeführerin, dass der Bezirk rund um 
die angebliche Schlafstelle der Hunde nicht eingezäunt gewesen war. Ihrer Ansicht 
nach wäre es geboten gewesen, ein entsprechendes Warnschild aufzustellen sowie 
den Hund an die Leine zu legen. Dies umso mehr, da es sich um einen Ort handle, 
wo ständig fremde Besucher mit Kindern vorbeikommen würden. 

Grundsätzlich besteht keine generelle Pflicht, Hunde stets angeleint zu hal-
ten. Vielmehr ist darauf abzustellen, ob diese Vorsichtsmassnahme nach den kon-
kreten Umständen und den persönlichen Erfahrungen als geboten erscheint. Insbe-
sondere ist von der Gefährlichkeit des Hundes, wie sie dem Hundehalter schon vor 
einem Vorfall bekannt war oder hätte bekannt sein sollen, auszugehen (vgl. PKG 
1996 Nr. 37). Eine Anleinung ist dann geboten, wenn ein Hund aufgrund seines 
bisherigen Verhaltens dazu Anlass gibt oder wenn es sich um eine Hunderasse 
handelt, bei der mit einem aggressiven Verhalten gerechnet werden muss. Beides 
war vorliegend aus den dargelegten Gründen jedoch nicht der Fall. Es bestand da-
her für die Hundehalterin kein Anlass, ihren Hund anzuleinen oder weitere Vor-
sichtsmassnahmen zu treffen. Im Übrigen ist allgemein bekannt, dass Hunde, die 
an einer zu kurzen Leine gehalten werden, aggressiv werden können. Die Länge 
einer Leine wird daher stets so bemessen, dass sie einerseits dem Hund noch eine 
genügende Bewegungsfreiheit gewährleistet und sie ihm andererseits verunmög-
licht, einer Person nachzurennen. Geht jedoch eine Person - wie vorliegend - auf 
einen Hund zu und beugt sich vor diesem nieder, kann eine Reaktion des Hundes, 
selbst wenn er angeleint ist, nicht vermieden werden. Der Unfall hätte sich daher 
aller Voraussicht nach auch nicht verhindern lassen, wenn der Hund der Beschwer-
degegnerin während seines Aufenthaltes hinter der Alphütte jeweils angeleint wor-
den wäre. Schliesslich liegen auch keine Anhaltspunkt dafür vor, dass dieser Hund 
dort schon zuvor bei Fremdbesuchen ein für ihn atypisches Verhalten zeigte, so 
dass die Besucher daher mündlich oder durch eine Hinweistafel hätten gewarnt wer-
den müssen.

5. Nach dem Gesagten hat die Hundehalterin keine Sorgfaltspflichtver-
letzung begangen, indem sie den Hund unangeleint auf der Alp zurückliess. Die 
Frage, ob es sich beim Ort des Zwischenfalles um den Schlafplatz der Hunde ge-
handelt hatte, was die Beschwerdeführerin ausdrücklich bestreitet, ist für die vorlie-

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gende Beurteilung irrelevant und kann somit offen bleiben. Denn selbst wenn sich 
der Einwand der Beschwerdeführerin als richtig erweisen würde und es sich nicht 
um den Schlafplatz des Hundes gehandelt hätte, könnte der Hundehalterin kein 
strafrechtlich relevantes Verhalten vorgeworfen werden.

Zusammenfassend gilt festzuhalten, dass keiner der vorgebrachten Einwen-
dungen durchzudringen vermag. Aufgrund des Untersuchungsergebnisses kommt 
die Beschwerdekammer zum Schluss, dass objektiv und subjektiv nicht genügend 
Anhaltspunkte für das Vorliegen einer straf- und verfolgbaren Handlung gegeben 
sind. Die von der Staatsanwaltschaft Graubünden erlassene Einstellungsverfügung 
ist damit weder unangemessen, noch verletzt sie Gesetzesbestimmungen. Im Falle 
einer Anklage wäre aller Voraussicht nach mit einem Freispruch zu rechnen, wes-
halb die Staatsanwaltschaft Graubünden, ohne ihr Ermessen zu überschreiten, die 
geführte Untersuchung zu Recht eingestellt hat. Die Beschwerde ist somit abzuwei-
sen. 

6. Für das Beschwerdeverfahren werden gestützt auf Art. 160 Abs. 2 
StPO keine Kosten erhoben.

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Für das Beschwerdeverfahren werden keine Kosten erhoben.

3. Mitteilung an:

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Für die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
  Der Vizepräsident                    Die Aktuarin ad hoc