# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6427f87d-80b2-56f1-9128-084620764a8f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-05-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.05.2019 F-1199/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-1199-2019_2019-05-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-1199/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  M a i  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), 

Richter Daniele Cattaneo, Richter Gregor Chatton,    

Gerichtsschreiber Daniel Grimm. 
 

 
 

Parteien 
 A._______,  

Beschwerdeführerin,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM,  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 Kantonszuweisung. 

 

 

 

F-1199/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die aus Syrien stammende Beschwerdeführerin (geb. […]) gelangte am 

8. Mai 2018 mit einem von der Schweizer Botschaft in Beirut ausgestellten 

humanitären Visum in die Schweiz und fand zunächst Unterkunft bei ihrem 

in Winterthur ansässigen Sohn B._______. Zu einem nicht mehr genau be-

stimmbaren Zeitpunkt begab sie sich anschliessend nach Deutschland. Am 

19. Juli 2018 stellte sie in Berlin, wo sich ein weiteres ihrer Kinder nieder-

gelassen hat, ein Asylgesuch. Im Rahmen des Dublin-Verfahrens wurde 

sie am 13. Februar 2019 von Deutschland an die Schweiz rücküberstellt, 

worauf das SEM ein nationales Asylverfahren eröffnete. Anlässlich der Be-

fragung zur Person (BzP) vom 25. Februar 2019 gab die Beschwerdefüh-

rerin mit Blick auf ihre Unterbringung an, sie würde gerne mit ihrem Sohn 

C._______ (wohnhaft im Kanton Solothurn) zusammenleben. Wenn er 

schon früher ein Logis gehabt hätte, wäre sie sofort zu ihm und nicht nach 

Deutschland gegangen (vgl. Akten der Vorinstanz [SEM act.] A7). 

B.  

Mit Verfügung vom 27. Februar 2019 wies die Vorinstanz die Beschwerde-

führerin in Anwendung von Art. 27 AsylG (SR 142.31) sowie Art. 21 und 

Art. 22 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) 

für die Dauer des Verfahrens dem Kanton Zug zu und entzog einer allfälli-

gen Beschwerde die aufschiebende Wirkung. Das Staatssekretariat hielt 

im Zuweisungsentscheid fest, dieser könne nur mit der Begründung ange-

fochten werden, er verletze den Grundsatz der Einheit der Familie. 

C.  

Mit Rechtsmitteleingabe vom 11. März 2019 an das Bundesverwaltungs-

gericht beantragt die Beschwerdeführerin, aufgrund der Einheit der Familie 

in den Kanton Zürich oder den Kanton Solothurn zugewiesen zu werden. 

Der Beschwerdeschrift waren Unterlagen aus dem im Januar 2018 einge-

leiteten Verfahren um Erteilung eines Visums aus humanitären Gründen, 

eine «Voranmeldung Spezialfall an Kanton» vom 22. Februar 2019 und 

eine ärztliche Bestätigung vom 8. März 2019 beigelegt.  

D.  

Am 13. März 2019 legte die Beschwerdeführerin eine wiederum als «Be-

schwerde» bezeichnete Ergänzung der Rechtsmitteleingabe ein. Darin er-

suchte sie um Aufhebung der angefochtenen Verfügung, eventualiter 

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Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen 

Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. 

Dazu reichte sie u.a. Kopien der Ausländerausweise ihrer drei in den Kan-

tonen Zürich bzw. Solothurn lebenden Kinder ein. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 21. März 2019 hiess das Bundesverwaltungs-

gericht das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gut. 

F.  

Das SEM schliesst in seiner Vernehmlassung vom 15. April 2019 auf Ab-

weisung der Beschwerde.  

G.  

Von dem ihr am 24. April 2019 eingeräumten Replikrecht machte die Be-

schwerdeführerin keinen Gebrauch. 

H.  

Auf den weiteren Akteninhalt wird, soweit rechtserheblich, in den Erwägun-

gen eingegangen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Beim Entscheid des SEM über die Zuweisung einer asylsuchenden 

Person an einen Kanton handelt es sich um eine selbständig anfechtbare 

Zwischenverfügung (Art. 27 Abs. 3 i.V.m. Art. 107 Abs. 1 AsylG, Art. 46 

VwVG).  

1.2 Die Zuständigkeit zur Behandlung von Beschwerden gegen Zuwei-

sungsentscheide des SEM liegt beim Bundesverwaltungsgericht (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 31 ff. VGG). 

1.3 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet 

sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 

VGG, Art. 2 Abs. 4 VwVG, Art. 6 AsylG). 

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1.4 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Ergreifung 

des Rechtsmittels legitimiert. Auf die frist- und formgerecht eingereichte 

Beschwerde ist einzutreten (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 

Abs. 1 VwVG). 

1.5 Entscheide über die Zuweisung der asylsuchenden Person an einen 

Kanton oder über den Kantonswechsel können gemäss Art. 27 Abs. 3 

AsylG nur mit der Begründung angefochten werden, sie verletzten den 

Grundsatz der Einheit der Familie. Formelle Rügen sind insoweit zulässig, 

als sie im Zusammenhang mit der Frage des Grundsatzes der Einheit der 

Familie stehen (BVGE 2008/47 E. 1.3). 

1.6 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Ange-

legenheit endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

2.  

Für das vorliegende Verfahren gelangt das bisherige Asylgesetz und nicht 

das am 1. März 2019 in Kraft getretene geänderte Gesetz zur Anwendung 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 27 Abs. 3 AsylG weist das SEM die Asylsuchenden den 

Kantonen zu und trägt dabei den schützenswerten Interessen der Kanto-

ne und der Asylsuchenden Rechnung. Die Verteilung erfolgt nach einem 

Schlüssel gemäss Art. 21 AsylV 1, wobei das SEM bei der Verteilung be-

reits in der Schweiz lebende Familienangehörige, die Staatsangehörigkeit 

der Asylsuchenden und besonders betreuungsintensive Fälle berücksich-

tigt (Art. 22 Abs. 1 AsylV 1). 

3.2 Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts wird der 

Begriff "Einheit der Familie" im Asylgesetz einheitlich verwendet und ent-

spricht dem Schutzbereich von Art. 8 EMRK. Demnach fallen in der Regel 

Ehegatten, eingetragene Partnerinnen und Partner, die in dauernder ehe-

ähnlicher Gemeinschaft zusammenlebenden Personen sowie deren min-

derjährige Kinder in diesen Schutzbereich (vgl. Art. 1a Bst. e AsylV 1). An-

dere familiäre Beziehungen stehen nur in besonderen Fällen unter dem 

Schutz dieser Bestimmung. Hinsichtlich Beziehungen zwischen nahen Ver-

wandten ausserhalb der Kernfamilie, namentlich solchen von erwachsenen 

Kindern zu ihren Eltern oder Geschwistern, setzt die Berufung auf Art. 8 

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Seite 5 

Abs. 1 EMRK voraus, dass sich die ausländische Person in einem beson-

deren, über die normalen affektiven Bindungen hinausgehenden Abhän-

gigkeitsverhältnis zum anwesenheitsberechtigten Elternteil bzw. Ge-

schwister befindet (vgl. BGE 137 I 154 E. 3.4.2). Erforderlich für die An-

wendung des erweiterten Familienbegriffs ist somit in jedem Fall ein beste-

hendes, familienähnliches Zusammenleben (Urteil des BGer 2C_867/2016 

vom 30. März 2017 E. 2.2). Das darüber hinausgehende Abhängigkeitsver-

hältnis kann sich unabhängig vom Alter namentlich aus besonderen Be-

treuungs- oder Pflegebedürfnissen wie bei körperlichen oder geistigen Be-

hinderungen und schwerwiegenden Krankheiten ergeben. Liegen keine 

solchen Umstände vor, hängt die Abhängigkeit regelmässig vom Alter be-

ziehungsweise Entwicklungsstand der betreffenden Person ab (vgl. BGE 

120 Ib 257 E. 1e). Die Beschwerdeführerin bildet mit ihren drei hierzulande 

ansässigen, allesamt volljährigen Kindern keine Kernfamilie, so dass ein 

Abhängigkeitsverhältnis zu prüfen ist. 

3.3 In der Rechtsmitteleingabe vom 11. März 2019 erklärte die Beschwer-

deführerin hierzu, die Behörden hätten genau gewusst, dass ihre gesamte 

Familie in den Kantonen Zürich und Solothurn lebe, dies sei auch anläss-

lich der Anhörung thematisiert worden. Sowohl aus gesundheitlichen Grün-

den als auch generell (sie könne weder lesen noch schreiben) sei sie auf 

die Unterstützung durch ihre dort wohnhaften Söhne und die Tochter an-

gewiesen. Die Zuweisung in den Kanton Zug, wo sie überhaupt keine Be-

zugspersonen habe, erscheine daher nicht nachvollziehbar. In der Eingabe 

vom 13. März 2019 liess sie ergänzen, sie möchte am liebsten mit dem 

jüngsten Sohn C._______ zusammenwohnen. Jener leide an psychischer 

Ermüdung, weshalb sie sich gegenseitig helfen könnten. Eine Zuweisung 

in der Nähe ihrer Familie würde ihr sodann erlauben, sich in der Schweiz 

zu integrieren. 

3.4 Den Akten kann entnommen werden, dass B.______ und D._______, 

die beiden im Kanton Zürich ansässigen Kinder, bereits im Februar 2014 

in die Schweiz gelangten. Sie sind inzwischen im Besitze einer Jahresauf-

enthaltsbewilligung. Der jüngste Sohn C._______ hält sich im Kanton So-

lothurn auf. Er kam 15. April 2017 als Asylsuchender in die Schweiz (vgl. 

Beilagen zu BVGer act. 3 und SEM act. A7). Sein Asylgesuch ist noch hän-

gig (N-Ausweis gemäss ZEMIS gültig bis zum 7. August 2019). Die Be-

schwerdeführerin selbst weilte erstmals im Mai 2018 mit einem Visum aus 

humanitären Gründen für kurze Zeit im Kanton Zürich. Daraus ist zu 

schliessen, dass sie in den fraglichen Zeitspannen von mehr als vier Jah-

ren bzw. dreizehn Monaten keinen über die üblichen Kommunikationsmittel 

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hinausgehenden persönlichen Kontakt zu ihren nächsten Angehörigen 

pflegte. Es kann vorliegend mithin nicht von nahen, tatsächlich gelebten 

Beziehungen ausgegangen werden. Kommt hinzu, dass die Beschwerde-

führerin zwar im Frühjahr 2018 – wie eben angetönt – mit einem humani-

tären Visum in die Schweiz reiste, das Land aber alsbald in Richtung 

Deutschland verliess, wo sie am 19. Juli 2018 um Asyl nachsuchte. Sie 

hätte es damals in der Hand gehabt, bei ihren Angehörigen zu bleiben und 

hierzulande einen Asylantrag zu stellen. Insofern erstaunt das nunmehrige 

Beharren auf dem Grundsatz der Familieneinheit. Ein Abhängigkeitsver-

hältnis ist bei dieser Sachlage jedenfalls nicht anzunehmen.   

3.5 Vor diesem Hintergrund zu keinem anderen Ergebnis führen können 

die geltend gemachten gesundheitlichen Gründe. Die Beschwerdeführerin 

befindet sich gemäss den eingereichten Unterlagen in einem schlechten 

medizinischen Allgemeinzustand (Diabetes, Bluthochdruck, Herzrasen, 

Lymphödem, Übergewicht, siehe Beilagen zu BVGer act. 1). Ungeachtet 

dieser gesundheitlichen Probleme hat sie sich im Frühjahr 2018 indes ent-

schieden, nach Deutschland weiterzureisen und sich damit freiwillig und 

bewusst von den in der Schweiz lebenden Kindern wegbegeben, was ge-

gen besondere Abhängigkeiten spricht. Soweit die Beschwerdeführerin an-

lässlich der BzP vom 25. Februar 2019 zu Protokoll gab, sie hätte von An-

fang an bei C._______ logiert und wäre nicht nach Deutschland gegangen, 

wenn er eine Wohnung gehabt hätte, kann wiederum auf die gestaffelte 

Einreise der Kinder und ihrer Mutter verwiesen werden. Abgesehen davon 

ist der jüngste Sohn psychisch angeschlagen, benötigte laut Beschwerde-

ergänzung eine Therapie und ist momentan in einer kommunalen Gemein-

schaftsunterkunft für Asylsuchende untergebracht. Es erscheint daher frag-

lich, ob eine adäquate Betreuung durch ihn überhaupt möglich wäre. Der 

krankheitsbedingten Unterstützungsbedürftigkeit der Beschwerdeführerin 

(auf dem Formular «Voranmeldung Spezialfall an Kanton» figurieren die 

obgenannten körperlichen Beeinträchtigungen sowie Hinweise auf abge-

gebene Medikamente) und den damit einhergehenden erhöhten Betreu-

ungsbedürfnissen kann von den entsprechenden Institutionen im Zuwei-

sungskanton, vorliegend dem Kanton Zug, hinreichend Rechnung getra-

gen werden. Im Übrigen steht es den Betroffenen offen, sich zu besuchen. 

Zwei ihrer Kinder wohnen im angrenzenden Kanton Zürich, weswegen sich 

regelmässige Kontakte ohne weiteres bewerkstelligen lassen. Auch die 

Distanz zum Domizil des jüngsten Sohnes bewegt sich in vertretbarem 

Rahmen. Jeglicher Grundlage entbehrt aufgrund des Gesagten schliess-

lich der Vorwurf, es sei absurd, die Beschwerdeführerin an einem Ort fern 

ihrer Familie zu platzieren. 

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Seite 7 

3.6  Zusammenfassend hat die Zuweisung der Beschwerdeführerin in den 

Kanton Zug den Grundsatz der Familie im Sinne von Art. 27 Abs. 3 AsylG 

nicht verletzt. 

4.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

nicht zu beanstanden ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist daher abzu-

weisen. 

5.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens würde die Beschwerdeführerin kos-

tenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit Zwischenverfügung vom 21. März 

2019 hat das Bundesverwaltungsgericht indessen dem Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG stattgegeben. Demzufolge ist die Beschwerdeführerin von der Be-

zahlung der Verfahrenskosten befreit. 

 

 

(Dispositiv Seite 8) 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Seite 8 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführerin (Einschreiben) 

– die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. ZEMIS […] und […] retour) 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Regula Schenker Senn Daniel Grimm 

 

 

 

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