# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7b1c6334-7b23-54b0-98fb-3afc3d2ecfeb
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-15
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Kantonsgericht Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) 15.07.2020 BO.2018.47
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_KG_002_BO-2018-47_2020-07-15.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: BO.2018.47

Stelle: Kantonsgericht

Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter)

Publikationsdatum: 24.09.2020

Entscheiddatum: 15.07.2020

Entscheid Kantonsgericht, 15.07.2020
Art. 29 Abs. 2 BV (SR 101); Art. 8 ZGB (SR 210); Art. 53, Art. 152 Abs. 1, Art. 
157, Art. 183 Abs. 1, Art. 191 f., Art. 247 Abs. 1, Art. 318 Abs. 1 lit. c ZPO (SR 
272); Allgemeine Verhaltensregeln des Internationalen Ski-Verbandes für 
Skifahrer und Snowboarder (FIS-Regeln). Bei Pistenunfällen gilt für den 
Nachweis des Unfallhergangs das Regelbeweismass. Recht auf Beweis und 
Kriterien für eine antizipierte Beweiswürdigung. Im besonderen Fall: 
Rückweisung der Streitsache an die Vorinstanz zur allfälligen Einholung 
eines biomechanischen Gutachtens nach vorgängiger Beweisaussage der 
Parteien sowie Abklärung der Vorfrage, ob – unter Berücksichtigung dessen, 
dass zwei sich völlig widersprechende Darstellungen zum Unfallhergang 
vorliegen – die bekannten/gesicherten Anknüpfungspunkte als Grundlage für 
ein solches Gutachten genügen. Hinweis, dass im Fall der Unaufklärbarkeit 
des Kollisionshergangs eine (widerlegbare) Vermutung der beidseitigen 
Unachtsamkeit in Betracht zu ziehen wäre (Kantonsgericht, III. Zivilkammer, 
15. Juli 2020, BO.2018.47).

Erwägungen (Auszug)

 

I.1.       Am […]  kam es im Skigebiet X […] zu einer Kollision zwischen A (Klägerin), 

welche die Piste auf Skiern befuhr, und B (Beklagter), der dort auf einem Snowboard 

unterwegs war. Umstritten ist, ob der Beklagte dabei, wie die Klägerin behauptet, von 

hinten rechts in diese hineingefahren ist, oder ob der Beklagte, wie er vorbringt, sich 

unmittelbar vor der Kollision links von der Klägerin befand und diese dann in seine 

rechte Schulter prallte.

 

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Aufgrund der Kollision erlitt die Klägerin einen komplizierten Bruch des rechten 

Unterschenkels (laterale Tibiaplateaufraktur mit metaphysärer Trümmerzone Knie 

rechts Schatzker Typ 6) und eine Schädigung des Meniskus im rechten Knie 

(Korbhenkelläsion lateraler Meniskus Knie rechts).

 

[…]

 

III.2.a)  Die ausservertragliche Haftung (Art. 41 ff. OR) setzt kumulativ einen Schaden, 

einen natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten des 

Schädigers und dem Schaden, die Widerrechtlichkeit der Schädigung sowie ein 

Verschulden des Schädigers voraus (s. anstelle Vieler: BSK OR I-Kessler, 7. Aufl., Art. 

41 N 2c ff.). Der natürliche Kausalzusammenhang ist zu bejahen, wenn das Verhalten 

des Schädigers unabdingbare Voraussetzung für das Schadensereignis war (BSK OR I-

Kessler, Art. 41 N 15; BK-Brehm, 4. Aufl., Art. 41 OR N 105 ff.). Nach der daneben 

geforderten Adäquanz der Kausalität – deren Aufgabe es ist, die sich aus der 

natürlichen Kausalität ergebende Ursachenpalette nach objektiven 

Zurechenbarkeitskriterien einzugrenzen – ist eine Ursache dann als 

haftungsbegründend anzusehen, wenn sie nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und 

der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet war, einen Erfolg wie den eingetretenen 

herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen (BSK OR I-Kessler, Art. 41 N 16 ff.; s. 

auch BK-Brehm, Art. 41 OR N 120 ff.). Widerrechtlichkeit liegt (vorbehältlich einer 

Rechtfertigung) vor, wenn die Schädigung in ein absolut geschütztes Rechtsgut des 

Geschädigten eingreift, wie unter anderem in seine körperliche Integrität (BSK OR I-

Kessler, Art. 41 N 30 ff., insb. N 33; s. auch BK-Brehm, Art. 41 OR N 33 ff.). Und 

schliesslich setzt ein Verschulden voraus, dass der Schädiger einerseits urteilsfähig ist 

(was bei Erwachsenen grundsätzlich zu vermuten ist [vgl. Art. 16 ZGB]) und dass er 

andererseits entweder vorsätzlich oder eventualvorsätzlich gehandelt (also den Erfolg 

bewusst herbeigeführt oder zumindest billigend in Kauf genommen) oder die unter den 

gegebenen Umständen gebotene Sorgfalt nicht beachtet (und sich daher zumindest 

fahrlässig verhalten) hat (BSK OR I-Kessler, Art. 41 N 45 ff.; BK-Brehm, Art. 41 OR N 

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169 ff., N 191 ff.). Die objektive Komponente des Verschuldens liegt im Verstoss des 

Schadensverursachers gegen eine Verhaltensnorm. Solche Normen sind in erster Linie 

in gesetzlichen Regeln statuiert, die der Unfallverhütung dienen. Daneben können sie 

sich auch aus anerkannten privatrechtlichen Richtlinien ergeben; zu diesen gehören 

auch die Allgemeinen Verhaltensregeln des Internationalen Ski-Verbandes für Skifahrer 

und Snowboarder (sog. FIS-Regeln; BSK OR I-Kessler, Art. 41 N 48a f.; BK-Brehm, Art. 

41 OR N 169 ff., N 174a)

 

b)         Nach Art. 8 ZGB hat, wo das Gesetz nichts anderes bestimmt, jene Partei das 

Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, die aus ihr Rechte ableitet. 

Ein Beweis gilt als erbracht, wenn das Gericht nach objektiven Gesichtspunkten von 

der Richtigkeit einer Sachbehauptung überzeugt ist. Absolute Gewissheit wird dabei 

nicht verlangt; es genügt, wenn das Gericht am Vorliegen der behaupteten Tatsache 

keine ernsthaften Zweifel mehr hat oder allenfalls verbleibende Zweifel als leicht 

erscheinen. Ausnahmen von diesem Regelbeweismass, in denen eine überwiegende 

Wahrscheinlichkeit genügt, ergeben sich einerseits aus dem Gesetz selbst und 

andererseits aus Rechtsprechung und Lehre. Den Ausnahmen liegt die Überlegung 

zugrunde, dass die Rechtsdurchsetzung nicht an Beweisschwierigkeiten scheitern darf, 

die bei bestimmten Sachverhalten typischerweise auftreten. Die Beweiserleichterung 

setzt demnach in dem Sinn eine Beweisnot voraus, dass ein strikter Beweis nach der 

Natur der Sache nicht möglich oder nicht zumutbar ist, was namentlich der Fall ist, 

wenn die von der beweisbelasteten Partei behaupteten Tatsachen typischerweise nur 

mittelbar durch Indizien beweisbar sind. Nach dem Beweismass der überwiegenden 

Wahrscheinlichkeit gilt ein Beweis dabei als erbracht, wenn für die Richtigkeit der 

Sachbehauptung nach objektiven Gesichtspunkten derart gewichtige Gründe 

sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten vernünftigerweise nicht massgeblich in 

Betracht fallen (BGE 128 III 271 E. 2.b/aa; BGE 130 III 321 E. 3; BGE 132 III 715 E. 3.1 

f.; Hasenböhler, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., 3. Aufl., 

Art. 157 N 22 ff., N 29, mit Verweisen). Im Haftpflichtrecht gilt für den Nachweis des 

natürlichen bzw. hypothetischen Kausalzusammenhangs zwischen der unerlaubten 

Handlung und dem Schaden nach ständiger Rechtsprechung das Beweismass der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 132 III 715 E. 3.2). Geht es indes um den 

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Nachweis der unerlaubten Handlung selbst, mithin des haftungsbegründenden 

Ereignisses als solchem, ist, obwohl dieses den Ausgangspunkt des 

Kausalzusammenhangs darstellt, grundsätzlich das Regelbeweismass anzuwenden 

(BK-Brehm, Art. 41 OR N 117, mit Verweis auf BGer 4A_633/2011 E. 2).

 

[…]

 

4.         Mit ihrer Berufung macht die Klägerin im Wesentlichen und zusammengefasst 

geltend, die Vorinstanz habe ein zu hohes Beweismass angewandt sowie zu Unrecht 

antizipierte Beweiswürdigungen vorgenommen und damit ihr Recht auf Beweisführung 

sowie ihren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Dazu fällt – auch im Lichte der 

weiteren Einwände der Klägerin in der Berufungsschrift – Folgendes in Betracht:

 

a/aa)    Es steht fest, dass die Klägerin die in E. I.1 dargelegten Verletzungen bei der 

Kollision mit dem Beklagten erlitt. Strittig ist der genaue Unfallablauf und insbesondere, 

ob der Beklagte, wie die Klägerin behauptet, dabei von hinten rechts in diese 

hineingefahren ist. Diese Sachverhaltsfrage ist zwar letztlich auch im Hinblick auf die 

Haftungsvoraussetzungen der Widerrechtlichkeit und des Verschuldens relevant (s. 

dazu sogleich). Sie beschlägt aber auch jene der Kausalität, indem in dieser Hinsicht 

vorab feststehen muss, welches Verhalten des Beklagten der Frage zugrunde zu legen 

ist, ob ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang zwischen diesem und dem 

eingetretenen Schaden besteht. Sollte der Klägerin der Nachweis ihrer 

Tatsachenbehauptung gelingen, dass die Verletzungen, welche sie aufgrund der 

Kollision erlitt, dadurch entstanden sind, dass der Beklagte – wie sie behauptet – von 

hinten rechts in sie hineingefahren ist, wären ein natürlicher wie auch ein adäquater 

Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten des Beklagten und dem Schaden zu 

bejahen; denn damit wäre dieses Verhalten unmittelbare Ursache der Verletzungen 

sowie nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung 

offensichtlich auch geeignet gewesen, einen Erfolg wie den eingetretenen 

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herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Zugleich wären in diesem Fall auch 

die Haftungsvoraussetzung der Widerrechtlichkeit und des Verschuldens erfüllt: 

Einerseits wäre dem Beklagten ein Eingriff in ein absolut geschütztes Rechtsgut der 

Klägerin (körperliche Integrität) vorzuwerfen. Andererseits läge eine subjektive 

Vorwerfbarkeit vor, indem dem Beklagten vorzuhalten wäre, dass er gegen allgemein 

anerkannte Verhaltensregeln (insb. FIS-Regel 1, wonach jeder Skifahrer und 

Snowboarder sich so verhalten muss, dass er keinen anderen gefährdet, schädigt oder 

in der Ausübung seiner Tätigkeit einschränkt, und FIS-Regel 3, wonach jeder Skifahrer 

und Snowboarder von hinten kommend seine Fahrspur so wählen muss, dass er vor 

ihm fahrende Skifahrer und Snowboarder nicht gefährdet) verstiess, womit ihm ein 

Mangel an Sorgfalt und damit Fahrlässigkeit anzulasten wäre.

 

bb/aaa) Den Nachweis für den von ihr behaupteten Unfallhergang kann die Klägerin 

offensichtlich nur durch Indizien erbringen. Dabei ist ihr zwar zuzugestehen, dass die 

damit verbundenen Beweisschwierigkeiten bei Pistenunfällen keine Ausnahme sind, da 

es hier nicht selten an tauglichen optischen Aufzeichnungen, greifbaren Augenzeugen 

und – im Gegensatz etwa zu Verkehrsunfällen – einer professionellen und umfassenden 

Spurensicherung fehlt. Es kann allerdings auch nicht gesagt werden, es liege in dem 

Sinne eine sachimmanente Beweisnot vor, als die von der Klägerin nachzuweisenden 

Tatsachen bei Skiunfällen typischerweise nur mittelbar durch Indizien beweisbar wären 

und daher ein strikter Beweis nach der Natur der Sache nicht möglich oder nicht 

zumutbar ist. Demnach ist hier der Nachweis des Unfallhergangs nach dem 

Regelbeweismass zu erbringen.

 

bbb)     Schon an dieser Stelle sei allerdings für den Fall, dass der Klägerin der 

Nachweis des von ihr behaupteten Unfallhergangs nicht gelingen sollte, auf einen 

möglicherweise richtungweisenden Entscheid des Landgerichts Bonn vom 21. März 

2005 (Az. 1 0 484/04) hingewiesen. Nach diesem spricht im Fall einer nicht näher 

aufklärbaren Kollision zweier Pistenbenutzer, von denen keiner der wesentlich 

schnellere und keiner der hintere und/oder obere Fahrer ist, eine widerlegbare 

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Vermutung dafür, dass jeder der beiden dem jeweils anderen nicht die nötige 

Aufmerksamkeit geschenkt und damit gleichermassen schuldhaft gegen die sich aus 

der FIS-Regel 1 ergebende allgemeine Sorgfaltspflicht und das sich aus der FIS-Regel 

2 ergebende Sichtfahrgebot bei angepasster Geschwindigkeit verstossen hat; dabei ist 

bei Beteiligung eines Snowboardfahrers zu dessen Lasten in Betracht zu ziehen, dass 

ein Snowboard im Vergleich zu regulären Skiern schwerer ist, dadurch wegen der 

höheren Aufpralldynamik bei Kollisionen höhere Verletzungsrisiken birgt, gleichzeitig 

aber schwerer zu steuern und bei jedem zweiten Schwung ("backside turn") ein toter 

Winkel zu berücksichtigen ist (zur Verpflichtung zu besonderer Vorsicht und 

Aufmerksamkeit in neuralgischen Pistenbereichen vgl. auch Entscheid des Obersten 

Gerichtshofs Österreich OGH 1 Ob 59/19m vom 30. April 2019).

 

cc)       Gemäss Art. 152 Abs. 1 ZPO hat jede Partei das Recht, dass das Gericht die 

von ihr form- und fristgerecht angebotenen tauglichen Beweismittel abnimmt. Dieses 

sogenannte Recht auf Beweis fliesst einerseits aus dem Anspruch auf rechtliches 

Gehör (Art. 29 BV; Art. 53 ZPO) und gründet andererseits in Art. 8 ZGB (Hasenböhler, 

ZPO Komm., Art. 152 N 9).

 

In der Regel lässt sich die Beweiskraft eines Beweismittels erst nach dessen Abnahme 

bestimmen. Allerdings schliesst die freie Beweiswürdigung auch die Möglichkeit einer 

antizipierten Beweiswürdigung ein (Hasenböhler, ZPO Komm., Art. 157 N 36 ff., mit 

Verweisen; Botschaft ZPO, S. 7312). Dabei kann das Gericht unter anderem von der 

Erhebung weiterer Beweise absehen, weil aus seiner Sicht das Beweisergebnis 

aufgrund schon erhobener Beweise bereits feststeht und es überzeugt ist, dass seine 

Meinung durch die Abnahme weiterer Beweise nicht mehr zu erschüttern ist 

(Hasenböhler, ZPO Komm., Art. 157 N 37). Möglich ist aber auch die Ablehnung von 

Beweismitteln, die das Gericht als zum Nachweis der in Frage stehenden 

Tatsachenbehauptung von vornherein untauglich oder ungeeignet hält (Hasenböhler, 

ZPO Komm., Art. 157 N 36 und Art. 152 N 18 ff., insb. N 22; s. auch Leuenberger/Uffer-

Tobler, Schweizerisches Zivilprozessrecht, 2. Aufl., N 156 ff.).

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[…]

 

ee)       Zum Unfallhergang offerierten beide Parteien schon erstinstanzlich ihre 

Parteibefragung (Art. 191 ZPO). Von der Abnahme dieser Beweismittel sah die 

Vorinstanz ohne nähere Begründung ab. Immerhin aber lud sie die Parteien […] zu 

Beginn der Hauptverhandlung in Ausübung ihrer Fragepflicht (Art. 247 Abs. 1 ZPO) ein, 

auf Fotos respektive einem Plan ihren Startpunkt, ihre Route und den Kollisionspunkt 

einzutragen, was der Beklagte tat, die Klägerin jedoch mit dem Hinweis, sie kenne sich 

"dort nicht aus", verweigerte.

 

Dass sich die Parteien über den genauen Unfallhergang uneinig sind, zeigte sich schon 

im Jahr 2014. Nach den einschlägigen (vorprozessualen) Parteiakten sowie den 

Parteivorbringen zu schliessen hielten seither beide Seiten im Wesentlichen konstant 

und unverändert an ihrer Darstellung fest. Dabei kann auch nicht gesagt werden, die 

eine Versionen sei plausibler als die andere. Nach der allgemeinen Lebenserfahrung 

erscheint es vor diesem Hintergrund eher unwahrscheinlich, dass die eine oder andere 

Partei im Rahmen einer Parteibefragung von ihrem Standpunkt abweichen würde. Es 

kommt hinzu, dass selbst dann, wenn die Fahrtrouten beider Parteien und/oder das 

beabsichtigte Ziel der Klägerin feststünden, darin allein keine auch nur annähernd 

hinreichenden Indizien für die Richtigkeit oder die Unrichtigkeit der beidseitigen 

Sachdarstellungen zur Kollision selbst lägen. Die Kollision als solche wiederum dauerte 

nur einen ganz kurzen Augenblick und bietet daher praktisch keine Möglichkeit, um 

durch sachgemässe Befragung allfällige Widersprüche oder Ungereimtheiten in der 

einen oder anderen Darstellung zu eruieren. Bei der Klägerin kommt hinzu, dass sie wie 

erwähnt im Rahmen ihrer Befragung nach Art. 247 Abs. 1 ZPO ihre Mitwirkung bei der 

Ermittlung ihrer Fahrtroute und des Kollisionspunkts verweigerte. Indessen fällt in 

Betracht, dass – wie sogleich zu zeigen ist – allenfalls noch ein biomechanisches 

Gutachten einzuholen ist. Im Hinblick darauf drängt es sich gleichwohl auf, beide 

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Parteien gestützt auf Art. 192 ZPO (Beweisaussage) noch persönlich zum Unfallablauf 

zu befragen, dies einerseits deshalb, weil nicht auszuschliessen ist, dass sich daraus 

noch zentrale Anhaltspunkte für die Gutachter ergeben könnten (was im Übrigen schon 

für die Vorfrage gilt, ob die Einholung eines Gutachtens überhaupt sinnvoll ist [s. zur 

Bewandtnis dieser Vorfrage sogleich]), und andererseits auch, weil den beidseitigen 

Parteidarstellungen in Verbindung mit dem Gutachten – so es denn eingeholt wird – 

möglicherweise ein veränderter Stellenwert zukommen wird.

 

ff)        Im Raum bleibt die Frage, ob die Vorinstanz, wie die Klägerin geltend macht, zu 

Unrecht von der Einholung der/des von ihr beantragten Gutachten/s absah.

 

Die Verletzungen der Klägerin als solche sind in den klägerischen Parteiakten 

medizinisch umfassend dokumentiert. Die Klägerin vertritt den Standpunkt, diese 

Verletzungen könnten nur dadurch entstanden sein, dass der Beklagte von hinten 

rechts in sie hineingefahren sei. Ihre Anträge, in diesem Zusammenhang seien ein 

biomechanisches Gutachten und ein Gutachten eines Facharztes für Traumatologie 

und orthopädische Chirurgie einzuholen, wies die Vorinstanz […] im Wesentlichen 

deshalb ab, weil die medizinischen Befunde bei der Klägerin schon umfassend 

dokumentiert seien, weshalb ein rein medizinisches Gutachten nicht weiter helfe, und 

da es für ein biomechanisches Gutachten an hinreichenden Anknüpfungspunkten wie 

Kenntnis von Fahrtrouten, Kollisionsstelle und Endlage der Beteiligten, Unterlagen zu 

den Verletzungen des Beklagten und sichergestellten Sportgeräten fehle, weshalb dem 

Gutachten in dieser Hinsicht zwangsläufig Annahmen zugrunde zu legen wären und 

dieses daher letztlich nicht beweistauglich wäre. Dazu fällt Folgendes in Betracht:

 

Die Trauma- oder Verletzungsbiomechanik analysiert die Effekte von mechanischen 

Einflüssen auf den (menschlichen) Körper. Dabei wird in einer inter- oder 

multidisziplinären Zusammenarbeit von Spezialisten aus Medizin und Ingenieurwesen 

geklärt, ob ein Verletzungsbild auf Art und Heftigkeit eines Anpralls oder einer anderen 

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Krafteinwirkung schliessen lässt (vgl. dazu insb. Muser, Biomechanische Gutachten bei 

Sportunfällen, in: Tagungsunterlagen AGU Seminar 2008 "Biomechanische Gutachten 

in Strassenverkehr und Sport" [abrufbar unter http://agu.ch/1.0/pdf/agu-

seminar08.pdf], S. 3; Walz, Biomechanische Gutachten im Strassenverkehr, in: 

Tagungsunterlagen AGU Seminar 2008 "Biomechanische Gutachten in 

Strassenverkehr und Sport", S. 1; Niederer, Qualität von technischen und 

biomechanischen Gutachten, in: Tagungsunterlagen AGU Seminar 2008 

"Biomechanische Gutachten in Strassenverkehr und Sport", insb. S. 1 f. und 6). Unter 

diesem inter-/multidisziplinären Aspekt ist denn auch offensichtlich der Doppelantrag 

der Klägerin um Einholung eines biomechanischen Gutachtens und eines Gutachtens 

eines Facharztes für Traumatologie und orthopädische Chirurgie zu verstehen.

 

Es trifft zu, dass für die Erstellung eines biomechanischen Gutachtens nebst genauen 

medizinischen Berichten (möglichst von der Erstversorgung sowie auch zu 

Verletzungen, die bei der medizinischen Behandlung nicht im Vordergrund standen) 

weitere Anknüpfungspunkte, wie namentlich Kenntnis von Kollisionsort und Endlage 

der Beteiligten sowie sichergestellte Sportgeräte, von Vorteil sind; unter Umständen 

hängen die Aussagemöglichkeiten des Experten von solchen zusätzlichen 

Informationen ab (Muser, a.a.O., insb. S. 3 f.; vgl. auch Boll, Anforderungen an 

Biomechanische Gutachten, in: Tagungsunterlagen AGU Seminar 2008 

"Biomechanische Gutachten in Strassenverkehr und Sport", S. 4). Allgemeingültige 

Voraussetzungen oder Vorbedingungen für die Erstellung biomechanischer Gutachten 

zu Sportunfällen lassen sich allerdings nicht definieren (Muser, a.a.O., S. 2). In Betracht 

zu ziehen ist zudem, dass die Aufgabe der mit der Erstellung eines biomechanischen 

Gutachtens betrauten Experten unter Umständen vereinfacht wird, wenn – was hier der 

Fall ist – zwei völlig widersprüchliche Darstellungen zum Unfallhergang vorliegen (Boll, 

a.a.O., S. 2). Ob vorliegend die bekannten/gesicherten Anknüpfungspunkte, im 

Wesentlichen also die medizinischen Befunde bei der Klägerin, in Verbindung mit 

Letzterem (die Frage, ob sich das Unfallereignis so zugetragen hat, wie die Klägerin 

behauptet, lässt sich unter Umständen auch daraus folgern, dass sich der Unfall nicht 

so ereignet haben kann, wie dies der Beklagte darstellt) als Grundlage für ein 

biomechanisches Gutachten genügen, mag zwar ungewiss sein. Eine zuverlässige 

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Beurteilung dieser Frage setzt allerdings einschlägige Fachkenntnisse voraus, weshalb 

es, nachdem die Klägerin den fraglichen Beweisantrag form- und fristgerecht stellte, 

unumgänglich ist, unter vorgängiger Anhörung der Parteien (Art. 183 ZPO) einen 

geeigneten Gutachter respektive ein geeignetes Gutachterteam zu bestimmen, der/das 

sich vorab mit dieser Vorfrage befasst und in der Folge – je nachdem, wie die 

Aussagemöglichkeiten sind – gegebenenfalls das von der Klägerin beantragte 

biomechanische Gutachten zu erstatten hat.

 

5.         Aus dem Gesagten folgt, dass die Vorinstanz möglicherweise die angebotenen 

Beweise unvollständig abnahm und – je nach Ausgang des demnach gegebenenfalls 

noch zu ergänzenden Beweisverfahrens – einen wesentlichen Teil der Klage nicht 

beurteilte, weshalb die Streitsache gestützt auf Art. 318 lit. c ZPO im Sinne der 

Erwägungen zur Beweisergänzung und neuen Entscheidung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen ist (s. dazu anstelle Vieler: Reetz/Hilber, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/

Leuenberger, ZPO Komm., 3. Aufl., Art. 318 N 32 ff.).

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		2025-07-19T03:40:51+0200
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