# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6fdbe500-9fe4-5fb2-b30d-6c2f7e595654
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-06-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.06.2024 F-3048/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-3048-2024_2024-06-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-3048/2024, F-3054/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  J u n i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Basil Cupa (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti,  

Richterin Susanne Genner,    

Gerichtsschreiber Mathias Lanz. 

   

Parteien 

 
1. A._______, geboren (…), 

2. B._______, geboren (…), 

beide Afghanistan,   

beide vertreten durch MLaw Mara Todeschini,  

HEKS Rechtsschutz (…),  

Beschwerdeführende,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügungen des SEM vom 7. Mai 2024. 

 

 

 

F-3048/2024, F-3054/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A._______ und B._______ ersuchten am 8. November 2023 in Bulgarien 

um Asyl. Sie reisten am 17. Dezember 2023 in die Schweiz weiter und 

stellten hierzulande ein weiteres Asylgesuch.  

B.  

Am 15. Januar 2024 führte das SEM mit den beiden Brüdern je eine Erst-

befragung als unbegleitete minderjährige Asylsuchende durch, nachdem 

sie sich in der Schweiz mit Geburtsdaten vom (…) 2008 (A._______) be-

ziehungsweise vom (…) 2006 (B._______) hatten registrieren lassen. 

C.  

Auf Ersuchen des SEM hin informierten die bulgarischen Behörden am 

26. Januar 2024, die beiden Brüder hätten am 8. November 2023 gemein-

sam in Bulgarien Asylgesuche eingereicht. A._______ sei als unbegleiteter 

minderjähriger Asylsuchender mit dem Geburtsdatum (…) 2008 registriert. 

B._______ sei mit dem Geburtsdatum (…) 2003 erfasst. Am 24. November 

2023 sei A._______ und am 28. November 2023 sein Bruder unterge-

taucht. Die Verfahren seien geschlossen worden, ohne dass eine Anhö-

rung («interview») durchgeführt worden sei. Persönliche Dokumente hät-

ten sie keine eingereicht. 

D.  

In einer forensischen Altersschätzung vom 30. Januar 2024 gelangten die 

begutachtenden Arztpersonen zum Schluss, dass B._______ mit an Si-

cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das 18. Lebensjahr vollendet und 

die Volljährigkeit erreicht habe. Sein Mindestalter betrage 21.6 Jahre.  

E.  

Mit Schreiben vom 14. Februar 2024 nahm B._______ zum Ergebnis des 

rechtsmedizinischen Gutachtens sowie zur beabsichtigten Anpassung der 

Daten im Zentralen Migrationsinformationssystem (ZEMIS) und zur Weg-

weisung nach Bulgarien Stellung. A._______ äusserte sich am 14. Februar 

2024 ebenfalls schriftlich zur geplanten Überstellung nach Bulgarien zu-

sammen mit seinem Bruder.  

F.  

Das SEM ersuchte die bulgarischen Behörden am 16. Februar 2024 um 

Wiederaufnahme von B._______ gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Verord-

nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

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des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). Das Aufnah-

megesuch betreffend A._______ vom 16. Februar 2024 stützte das SEM 

auf Art. 8 in Verbindung mit Art. 11 Bst. b und Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-

III-VO. Gleichzeitig ersuchte das SEM die bulgarischen Behörden darum, 

zu garantieren, dass die beiden Brüder angemessen und dem Kindeswohl 

entsprechend untergebracht und nicht getrennt würden.  

G.  

Die bulgarischen Behörden stimmten den Gesuchen am 22. Februar 2024 

gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO (A._______) beziehungs-

weise gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. c Dublin-III-VO (B._______) zu.  

H.  

Am 26. Februar 2024 verfügte das SEM die Anpassung des Geburtsda-

tums von B._______ im ZEMIS auf (…) 2002. Die Verfügung blieb unan-

gefochten. 

I.  

A._______ und B._______ liessen am 25. März 2024 beim SEM gestützt 

auf Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, 

SR 142.311) beantragen, aus humanitären Gründen vom Selbsteintritts-

recht nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO Gebrauch zu machen. 

J.  

Mit separaten Verfügungen vom 7. Mai 2024 – gleichentags elektronisch 

eröffnet – trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG 

(SR 142.31) auf die Asylgesuche nicht ein, ordnete die Überstellung nach 

Bulgarien an und forderte A._______ und B._______ auf, die Schweiz am 

Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wies sie 

auf die einer allfälligen Beschwerde von Gesetzes wegen fehlende auf-

schiebende Wirkung hin und beauftragte den Kanton Zürich mit dem Voll-

zug der Wegweisung. 

K.  

Gegen die vorinstanzlichen Entscheide erhoben A._______ (F-3048/2024) 

und B._______ (F-3054/2024) mit separaten Eingaben vom 15. Mai 2024 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie beantragten, die Verfü-

gungen vom 7. Mai 2024 seien aufzuheben und die Vorinstanz sei anzu-

weisen, auf ihre Asylgesuche einzutreten und in der Schweiz ein materiel-

les Asylverfahren durchzuführen. Eventualiter seien die vorinstanzlichen 

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Verfügungen aufzuheben und die Sache sei zur rechtsgenüglichen Sach-

verhaltsabklärung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

L.  

Am 16. Mai 2024 setzte der Instruktionsrichter den Vollzug der Überstel-

lungen der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen 

aus. Mit Zwischenverfügung vom 23. Mai 2024 erkannte er der Be-

schwerde die aufschiebende Wirkung zu und hiess das Gesuch um unent-

geltliche Prozessführung vom 7. Mai 2024 gut. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Aus prozessökonomischen Gründen rechtfertigt es sich, die in engem per-

sönlichem und sachlichem Zusammenhang stehenden Rechtsmittelverfah-

ren F-3048/2024 und F-3054/2024 zu vereinigen. 

2.  

2.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 6 AsylG). 

2.2. Die Beschwerden sind zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Die 

Beschwerdeführenden sind zur Einreichung der Beschwerde legitimiert 

(Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die im Übrigen frist- und 

formgerecht eingereichten Beschwerden ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 

AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

3.  

Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

4.  

Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem einzi-

gen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als zustän-

diger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen 

Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein 

Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines soge-

nannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind die in Kapitel III 

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(Art. 8-15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten Rang-

folge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 

Dublin-III-VO) anzuwenden. Auszugehen ist von der Situation im Zeitpunkt, 

in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat ge-

stellt hat (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rahmen eines Wiederaufnahme-

verfahrens (engl.: take back) findet demgegenüber grundsätzlich keine (er-

neute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen 

BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 

5.  

Strittig ist vorliegend die Zuständigkeit für die Wiederaufnahme der Be-

schwerdeführenden zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfah-

rens. 

5.1. Die Beschwerdeführenden ersuchten am 8. November 2023 zusam-

men in Bulgarien um Asyl. Die bulgarischen Behörden stimmten ihrer Wie-

deraufnahme am 22. Februar 2024 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b und 

Bst. c Dublin-III-VO zu. Vom Wiederaufnahmeverfahren ausgenommen 

sind unbegleitete minderjährige Asylsuchende rechtsprechungsgemäss je-

doch dann, wenn sie keine familiären Anknüpfungspunkte zu einem ande-

ren Mitgliedstaat aufweisen (vgl. BVGE 2016/1 E. 4.2.1; Urteile des BVGer 

D-1748/2024 vom 10. Mai 2024 E. 7.1; D-1810/2024 vom 2. April 2024 

E. 4.3; E-51/2020 vom 6. Februar 2020 E. 6.2.1; Urteil des EuGH vom 

6. Juni 2013 C-648/11 M.A., B.T. und D.A. gegen Vereinigtes Königreich, 

Rz. 55 ff.; CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin-III-VO, 2014, 

K15 f. zu Art. 8 m.H.). Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob der Beschwer-

deführer 1 als unbegleiteter Minderjähriger zu gelten hat. 

5.2. Unbegleitete Minderjährige im Sinne von Art. 2 Bst. j Dublin-III-VO sind 

Personen unter 18 Jahren, die ohne Begleitung eines für sie nach dem 

Recht oder nach den Gepflogenheiten des betreffenden Mitgliedstaates 

verantwortlichen Erwachsenen in das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten 

einreisen, solange sie sich nicht tatsächlich in der Obhut eines solchen Er-

wachsenen befinden.  

5.3. Die Beschwerdeführenden machen geltend, dass der Beschwerdefüh-

rer 2 gegenüber dem Beschwerdeführer 1 eine elterliche Rolle einnehme 

respektive diese seit der Trennung von der Restfamilie in der Türkei über-

nommen habe. Der Beschwerdeführer 1 sei auf die Unterstützung seines 

Bruders angewiesen. Eine für das Kind verantwortliche Person umschreibe 

das Übereinkommen über die Rechte des Kindes vom 20. November 1989 

(SR 0.107; Kinderrechtskonvention; KRK) als eine Person, welche das 

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Kind bei der Ausübung der in der KRK anerkannten Rechte in einer seiner 

Entwicklung entsprechenden Weise angemessen zu leiten und zu führen 

vermöge. Der Beschwerdeführer 2 stelle ohne Weiteres eine solche Per-

son dar. Damit liege zwischen ihnen eine besondere, schützenswerte fa-

miliäre Beziehung und ein Abhängigkeitsverhältnis vor. 

5.4. Mit diesen Ausführungen betonen die rechtlich vertretenen Beschwer-

deführenden, dass der 22-jährige Beschwerdeführer 2 seit der Trennung 

von der Restfamilie in der Türkei für seinen 16-jährigen Bruder die elterli-

che Verantwortung übernommen hat. Daraus ist zu schliessen, dass dem 

Beschwerdeführer 2 bezüglich seines jüngeren Bruders eine zumindest 

obhutsähnliche Funktion beziehungsweise in weiten Teilen die altersent-

sprechende Befugnis zur täglichen Betreuung sowie entsprechende 

Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit der Pflege und der laufenden 

Erziehung zukommen (vgl. hierzu BGE 147 III 121 E. 3.2.2; 142 III 612 

E. 4.1; KURT AFFOLTER/URS VOGEL, Berner Kommentar zum schweizeri-

schen Privatrecht, Die elterliche Sorge / der Kindesschutz, Art. 296-317 

ZGB, 2016, Art. 300 N. 12 ff.; INGEBORG SCHWENZER/MICHELLE COTTIER, 

in: Thomas Geiser/Christiana Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar 

ZGB I, Art. 1-456 ZGB, 7. Aufl. 2022, Art. 296 N. 6). Der Beschwerdefüh-

rer 2 vertritt mit anderen Worten die Eltern (zum weitgefassten Pflegever-

hältnis siehe Art. 300 Abs. 1 ZGB; AFFOLTER/VOGEL, a.a.O., Art. 300 N. 13 

ff.; SCHWENZER/COTTIER, a.a.O., Art. 300 N. 2 und Art. 306 N. 3b). Daraus 

wiederum erhellt, dass der Beschwerdeführer 2 nach dem Recht und den 

hiesigen Gepflogenheiten für den Beschwerdeführer 1 verantwortlich ist, 

wie sie selber ausdrücklich geltend machen (vgl. E. 5.2 hiervor; siehe fer-

ner auch Urteile des BVGer F-974/2024 vom 20. Februar 2024 E. 5.3;  

F-1748/2022 vom 20. Juni 2022 E. 3.5; Urteil des EuGH vom 12. April 2018 

C-550/16 A. und S. gegen Niederlande, Rz. 38; CONSTANTIN 

HRUSCHKA/FRANCESCO MAIANI, Dublin III Regulation [EU] No 604/2013, in: 

Thym/Hailbronner [Hrsg.], EU Immigration and Asylum Law, 3. Aufl. 2022, 

Kap. 23, Art. 2 N. 13). Der Beschwerdeführer 1 gilt somit nicht als «unbeg-

leitet» im Sinne von Art. 2 Bst. j und Art. 8 Dublin-III-VO (vgl. auch Urteil 

des BVGer E-3288/2016 vom 1. Juni 2016 E. 4.2). Folglich ist er vom Wie-

deraufnahmeverfahren nicht auszunehmen (vgl. dazu E. 5.1 hiervor). 

Diese Auffassung teilen im Übrigen (implizit) auch die bulgarischen Behör-

den, indem sie den Überstellungsgesuchen der Vorinstanz gestützt auf die 

Bestimmungen des Wiederaufnahmeverfahrens zustimmten. Die grund-

sätzliche Wiederaufnahmezuständigkeit der bulgarischen Behörden zur 

Durchführung der Asyl- und Wegweisungsverfahren der Beschwerdefüh-

renden gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b und Bst. c Dublin-III-VO ist dem-

nach gegeben. 

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Seite 7 

6.  

6.1. An der Zuständigkeit der bulgarischen Behörden würde sich übrigens 

auch dann nichts ändern, wenn der Beschwerdeführer 1 als Minderjähriger 

ohne Begleitung zu betrachten und vom Wiederaufnahmeverfahren aus-

genommen wäre. Die Zuständigkeitsbestimmung gestützt auf Art. 8 Abs. 1 

Dublin-III-VO – sie geht derjenigen von Art. 11 Dublin-III-VO vor (vgl. Art. 7 

Abs. 1 Dublin-III-VO) – hängt nämlich vom (rechtmässigen) Aufenthaltsort 

des Beschwerdeführers 2 im Zeitpunkt der Erstantragstellung ab, und nicht 

von dessen aktuellem Aufenthaltsort in der Schweiz (vgl. Art. 7 Abs. 2 Dub-

lin-III-VO; BVGE 2016/1 E. 4.2.3). Anhaltspunkte dafür, dass der Aufenthalt 

des Beschwerdeführers 2 in Bulgarien während des Asylverfahrens nicht 

rechtmässig im Sinne von Art. 8 Abs. 1 Dublin-III-VO gewesen wäre, sind 

keine ersichtlich (vgl. BVGE 2016/1 E. 4.2.2 m.w.H.; ferner: Art. 9 Abs. 1 

der Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU 

vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und 

Aberkennung des internationalen Schutzes [sog. Verfahrensrichtlinie]). Die 

bulgarischen Behörden informierten am 26. Januar 2024 denn auch, die 

Beschwerdeführenden seien nicht aus Bulgarien ausgewiesen worden. 

Aus Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO oder aus Art. 7 Abs. 3 Dublin-III-VO können 

die Beschwerdeführenden nichts für sich ableiten, da mit dem Beschwer-

deführer 2 ein Geschwister des Beschwerdeführers 1 seit der Erstantrag-

stellung in Bulgarien im Dublin-Raum anwesend ist (vgl. BVGE 2019 VI/7 

E. 6.4.1.3). Somit könnte gestützt auf Art. 8 Abs. 1 Dublin-III-VO von einer 

Überstellung des Beschwerdeführers 1 nach Bulgarien nur dann abgese-

hen werden, wenn das Kindeswohl gegen die Zusammenführung mit sei-

nem Bruder sprechen würde. Wie nachfolgend aufgezeigt, ist dies aber 

nicht der Fall. 

6.2. Einig sind sich die Parteien nämlich darüber, dass das Zusammenle-

ben der beiden Brüder für das Wohlergehen des Beschwerdeführers 1 

zentral ist, weil dem Beschwerdeführer 2 eine stellvertretende Elternrolle 

zukommt (vgl. auch Art. 6 Abs. 1 und Abs. 3 Bst. a Dublin-III-VO; 

BVGE 2016/1 E. 4.2.2; FILZWIESER/SPRUNG, a.a.O., K6 zu Art. 8). Inwiefern 

andere Aspekte des Kindeswohls ihrer Zusammenführung vorgehen sol-

len, legen die Beschwerdeführenden nicht dar. Die bulgarischen Behörden 

werden dafür Sorge tragen, dass die Beschwerdeführenden auch in Bul-

garien zusammenbleiben (vgl. Art. 23 Abs. 5 und Art. 24 Abs. 2 der Richtli-

nie des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/33/EU vom 26. Juni 

2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen, die in-

ternationalen Schutz beantragen [sog. Aufnahmerichtlinie]). Eine Trennung 

der beiden Brüder steht vorliegend daher nicht zur Diskussion. Vielmehr 

fordern diese in Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO sowie der 

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Souveränitätsklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive der – das 

Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung von 

Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 ein Asylverfahren in der Schweiz. Zur Begründung 

führen sie im Wesentlichen systemische Mängel des bulgarischen Asyl- 

und Aufnahmeverfahrens sowie eine Gefährdung des Kindeswohls des Be-

schwerdeführers 1 bei einer Überstellung nach Bulgarien an. 

7.  

Das Bundesverwaltungsgericht geht derzeit nicht von systemischen Män-

geln im bulgarischen Asylverfahren aus (vgl. Referenzurteil F-7195/2018 

vom 11. Februar 2020 E. 6.6.1 und 6.6.7). Sodann haben die Beschwerde-

führenden kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, die bulgari-

schen Behörden würden sich weigern, sie (wieder) aufzunehmen und ihren 

Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfah-

rensrichtlinie zu prüfen. Übereinstimmend führten die Beschwerdeführen-

den in ihren Anhörungen am 15. Januar 2024 an, die bulgarischen Behör-

den hätten ihnen Dolmetscher zur Seite gestellt. Im Weiteren sind keine 

konkreten Hinweise für die Annahme erkennbar, Bulgarien würde ihnen 

dauerhaft die ihnen gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen 

Lebensbedingungen vorenthalten. Die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dub-

lin-III-VO ist daher nicht angezeigt. 

8.  

8.1. Bulgarien ist Signatarstaat der Kinderrechtskonvention und hat seinen 

daraus erwachsenden Verpflichtungen grundsätzlich nachzukommen. 

Eine Überstellung des 16-jährigen, gesunden Beschwerdeführers 1 nach 

Bulgarien führt deshalb nicht ohne Weiteres zu einer Verletzung von Art. 3 

KRK oder von Art. 3 EMRK. 

8.2. Die Aussagen der Beschwerdeführenden zu Gewalterfahrungen in 

Bulgarien fallen unsubstantiiert und stereotyp aus. Darauf kann vorliegend 

nicht abgestellt werden. Eine Traumatisierung des Beschwerdeführers 1 ist 

medizinisch nicht erstellt. Alsdann ist darauf hinzuweisen, dass die Be-

schwerdeführenden im Rahmen eines Dublin-Verfahrens nach Bulgarien 

überstellt werden. Von den Abläufen im Zusammenhang mit einem Grenz-

übertritt aus einem Drittland werden sie nicht betroffen sein (vgl. Urteil des 

BVGer E-328/2024 vom 25. Januar 2024 E. 9.2). Bulgarien gilt rechtspre-

chungsgemäss als Rechtsstaat mit einem funktionierenden Justizsystem, 

sodass sich die Beschwerdeführenden bei allfälligen Sicherheitsproblemen 

an die grundsätzlich schutzwilligen und schutzfähigen bulgarischen Behör-

den wenden können (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer E-7043/2023 und 

E-6966/2023 vom 4. April 2024 E. 5.2.2 m.w.H.).  

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Seite 9 

8.3. Das Vorbringen, wonach der Beschwerdeführer 1 in der Schweiz nun-

mehr mit dem Erlernen der deutschen Sprache begonnen und sich hier 

eingelebt habe, kann für eine Übernahme der Asylzuständigkeit durch die 

Schweiz nicht ausschlaggebend sein, insbesondere nicht nach so kurzer 

Zeit seit der Gesuchstellung. Der Beschwerdeführer 1 wird auch in Bulga-

rien eine altersgemässe und adäquate Fürsorge erfahren und ein Bildungs-

angebot in Anspruch nehmen können (vgl. Art. 14 und Art. 23 f. Aufnahme-

richtlinie sowie Asylum Information Database [AIDA], Country Report Bul-

garia, 2023 Update, S. 85 f.; < https://asylumineurope.org/re-

ports/country/bulgaria/ >, abgerufen am 11.06.2024). Da er in Bulgarien 

zudem auf die Unterstützung seines volljährigen Bruders zählen kann, ist 

seine soziale Entwicklung gewährleistet. Das Bundesverwaltungsgericht 

erachtet die Überstellung begleiteter, minderjähriger Kinder nach Bulgarien 

als mit den übergeordneten Kindesinteressen grundsätzlich und auch im 

konkret zu beurteilenden Einzelfall vereinbar (vgl. Urteil E-7043/2023 und 

E-6966/2023 E. 5.2.6).  

8.4. Das Kindeswohl steht einer Überstellung des Beschwerdeführers 1 zu-

sammen mit seinem volljährigen Bruder nach Bulgarien somit nicht entge-

gen. Einen unmittelbaren Anspruch auf die Erteilung einer ausländerrecht-

lichen Bewilligung, a fortiori also auch einen Anspruch auf Aufenthalt im 

Staat mit den für ein Kind vorteilhaftesten Bedingungen, gewährt die KRK 

nicht (vgl. BGE 143 I 21 E. 5.5.2; 139 I 315 E. 2.4; Urteil des BVGer  

F-2162/2024 vom 15. April 2024 E. 6.1; je m.w.H.; E-6402/2023 vom 

30. November 2023 E. 6.4). Die Vorinstanz hat den konkreten Interessen 

des minderjährigen Beschwerdeführers 1 im angefochtenen Entscheid hin-

reichend Rechnung getragen. Eine Verletzung des Untersuchungsgrund-

satzes oder der Begründungspflicht liegen nicht vor. Der Eventualantrag 

auf Rückweisung an die Vorinstanz zur rechtsgenüglichen Sachverhalts-

abklärung und Neubeurteilung ist abzuweisen.  

8.5. Weder beim volljährigen Beschwerdeführer 2 noch beim bereits 16-

jährigen, unter der Verantwortung seines Bruders stehenden Beschwerde-

führer 1 handelt es sich um besonders vulnerable Personen. Die Einholung 

individueller Zusicherungen von den bulgarischen Behörden ist demnach 

nicht erforderlich und wird von den vertretenen Beschwerdeführenden 

denn auch nicht beantragt (vgl. Referenzurteil F-7195/2018 E. 7.4.1 ff.; Ur-

teile des BVGer F-2093/2024 vom 18. April 2024 E. 4.8; E-328/2024 E. 8.2; 

zur Unterbringung von Minderjährigen ab 16 Jahren siehe auch Art. 23 

Abs. 5 und Art. 24 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). 

F-3048/2024, F-3054/2024 

Seite 10 

9.  

Es ergibt sich, dass der angefochtene Entscheid Art. 3 EMRK, Art. 3 KRK 

oder eine andere völkerrechtliche Bestimmung nicht verletzt. Soweit der 

Beschwerdeführer 2 anführt, zu seinem Bruder eine besondere Beziehung 

im Sinne eines von Art. 8 EMRK umfassten Abhängigkeitsverhältnisses zu 

haben, zielt er damit ins Leere. Die Beschwerdeführenden sind zusammen 

nach Bulgarien zu überstellen, weshalb Art. 8 EMRK nicht tangiert wird. Es 

ist daher nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz die Souveränitätsklau-

sel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO respektive die Bestimmung von Art. 29a 

Abs. 3 AsylV 1 nicht angewandt hat. Das ihr im Übrigen zustehende Er-

messen hat die Vorinstanz rechtskonform ausgeübt (vgl. BVGE 2015/9 

E. 8). Damit bleibt es bei der Zuständigkeit Bulgariens für die Durchführung 

des Asyl- und Wegweisungsverfahrens. Zu Recht ist die Vorinstanz auf das 

Asylgesuch nicht eingetreten und hat sie die Überstellung der Beschwer-

deführenden nach Bulgarien verfügt. Die Beschwerden sind abzuweisen.  

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den 

unterliegenden Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 

VwVG). Nachdem ihnen aber mit Zwischenverfügung vom 23. Mai 2024 

die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt 

wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 

11.  

Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

F-3048/2024, F-3054/2024 

Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerdeverfahren F-3048/2024 und F-3054/2024 werden verei-

nigt. 

2.  

Die Beschwerden werden abgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Basil Cupa Mathias Lanz 

 

 

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