# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1fd08f8a-c972-52f3-96ed-fb7eface8984
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-18
**Language:** de
**Title:** Kein Anspruch auf medizinische Massnahmen (Art. 12 und 13 IVG); Kriterien Ziff. 390 GgV-EDI-Anhang nach Vollendung des 2. Lebensjahres nicht sicher erfüllt
**Docket/Reference:** IV.2022.00448
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2022.00448.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2022.00448
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Fankhauser
Gerichtsschreiberin Hediger
Urteil
vom
1
8.
November 2022
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gesetzlich vertreten durch den Vater
Y.___
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Bei der am
1
4.
Januar 2020
geborenen
X.___
bestehen
anerkannte
Geburts
gebrechen nach Ziffer
395
(
leichte cerebrale Be
wegungsstörungen
)
und Ziffer
274
(
Atresia
et
stenosis
ventriculi,
intestini
,
recti
et
ani
congenita
;
a
ngeborene Stenose und Atresie des
Magens, des Darms, des Rek
tums und des Anus
)
im Sinne
von Art. 13 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in Ver
bindung mit der gestützt auf Art. 1 Abs. 2
der
bis 3
1.
Dezember 2021 gültig ge
wesenen
Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
)
erlassenen Liste im Anhang der
GgV
(resp. i. V. m.
der gestützt auf
Art.
1 der ab
1.
Januar 2022 geltenden
GgV
-EDI
erlassenen Liste im Anhang der
GgV
-EDI
)
. Aufgrund
d
er
am
1
6.
April 2020 (Eingang
) erfolgten Anmeldung (Urk.
12
/
2
)
sowie des Zusatzgesuchs vom 1
1.
Juni 2020 (vgl.
Urk.
12/13 ff.)
und nach medizinischen Abklärungen
erteilte die Sozialversicherungsanstalt des
Kan
tons Zürich, IV-Stelle, der Versicherten Kostengutsprache für die medizinische Behandlung des Geburtsgebrechens nach Ziff.
395
GgV
-Anhang und die in diesem Zusammenhang ärztlich verordneten Behandlungsgeräte
ab
1
4. Januar 2020,
l
ängstens bis zum vollendeten 2.
Alters
jahr
; ebenso
für eine ambulante Physiotherapie
vom
1
1.
Februar 2020 bis 3
1.
Januar 2022
(
vgl. Mitteilu
ng
en
vom
9.
Juni 2020, Urk. 12/11
f.)
.
Zudem
finanzierte
die IV-Stelle
eine Physiotherapie in Domizilbehandlung (einmal pro Woche) nach ärztlicher Verordnung vom 22. September
2020 bis 3
1.
Januar 2022 (
vgl. Mitteilung vom
4.
Mai 2021,
Urk.
12/67
).
Alsdann übernahm die IV-Stelle die Kosten f
ür die medizinische Behandlung des Geburtsgebrechens nach Ziff.
274
GgV
-Anhang
und die in diesem Zusammenhang ärztlich verordneten Behandlungsgeräte
vom 2
0.
Januar 2020 bis 3
1.
Januar 2040 (Vollendung des 2
0.
Altersjahrs,
vgl.
Mitteilung
vom 2
9.
Juli 2020,
Urk.
12/19
; ergän
zt durch die Mitteilung vom 20.
August 2020, wom
it auch die Kosten
für
die
– näher um
schriebene
n
-
Leistungen
der
Kinderspitex
vom 7.
A
ugust 2020 bis 6.
November 2020
übernommen wurden
, vgl.
Urk.
12/29
)
.
Die
am
1
5.
Juni 2020
beantragte
Kostengutsprache für eine genetische Diagnostik (
Urk.
12/
16
)
hatte
die IV-Stelle
nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
12/
54
) mit Verfügung vom
3.
Februar 2021
ab
gewiesen
(
Urk.
12/59).
Diese Verfügung verblieb unangefochten.
Hinsichtlich des erneuten Gesuchs vom 1
0.
Mai 2022 (
Urk.
12/84) erging am 2
0.
Juli 2022 ein abschlägiger Vorbescheid (
Urk.
12/91).
Am 1
5.
Februar 2022
(Eingang) ersuchte die Versicherte um Verlängerung der Kostengutsprache für die bisher gewährte
ambulante
Physiotherapie sowie zu
sätzlich für eine Wassertherapie (
Urk.
12/69). Nach entsprechenden Abklärungen
und durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
12/88) wies die IV-Stelle das Gesuch mit Verfügung vom 1
2.
Juli 2022 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am
2.
August 2022
bei der IV-Stelle
Einwände
und beantragte sinngemäss, es sei ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 1
2.
Juli 2022
über den 3
1.
Januar 2022 hinaus
Kostengutsprache für eine ambulante Physio- sowie
zusätzlich
für eine Wassertherapie zu e
rteilen (
Urk.
1).
Die IV-Stelle teilte der Beschwerdeführerin m
it Schreiben vom
26.
August 2022
mit, dass sie an der angefochtenen Verfügung
fest
halte (
Urk.
4) und
überwies die Sache am 31.
August 2022
zuständigkeitshalber an das hiesige Gericht
(
Urk.
3). Mit Verfügung vom 12.
September 2022 setzte das Gericht der Beschwerde
führerin Frist an, um mitzuteilen
,
ob sie
mit ihrer Eingabe vom
2.
August 2022 Beschwerde erheben wolle respektive ob sie
mit Blick auf die Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 2
6.
August 2022 an der Beschwerde festhalte und falls ja, mit welchem Antrag und welcher Begründun
g (
Urk.
5). Mit Eingabe vom 19.
September 2022
(Eingang)
ersuchte die Beschwerdeführerin innert Frist erneut (sinngemäss) um Aufhebung
der angefochtenen Verfügung vom 1
2.
Juli 2022
und
Kostengutsprache für eine ambulante Physio- sowie für eine Wassertherapie
(
Urk.
7). Mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
Oktober 2022 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der
Beschwerde (
Urk.
11), was der Beschwerdeführerin am 1
8.
Oktober 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsre
chts (ATSV), des IVG
sowie der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen).
Da die angefochtene Verfügung
nach dem 1. Januar 2022
erging und ein Leistungsanspruch ab dem
1.
Februar 2022 zu prüfen ist,
sind die ab 1. Januar 2022 gültigen Rechtsvorschriften anwendbar.
1.2
Versicherte haben gemäss Art. 12 IVG bis zum vollendeten 20. Altersjahr An
spruch auf medizinische Eingliederungsmassnahmen, die nicht auf die
Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung in die obligatorische Schule, in die berufliche Erstausbildung, ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet sind (Abs. 1).
Versicherte, die im Zeitpunkt der Vollendung ihres 20. Altersjahres an Mass
nahmen beruflicher Art nach den Artikeln 15-18c teilnehmen, haben bis zum Ende dieser Massnahmen, höchstens aber bis zum vollendeten 25. Altersjahr, An
spruch auf medizinische Eingliederungsmassnahmen, die unmittelbar auf die Ein
gliederung ins Erwerbsleben gerichtet sind (Abs. 2)
.
Die medizinischen Eingliederungsmassnahmen müssen geeignet sein, die Schul-, Ausbildungs- oder Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauerhaft und wesentlich zu verbessern oder eine solche Fähigkeit vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren. Der Anspruch besteht nur, wenn die behandelnde Fachärztin oder der behandelnde Facharzt unter Berück
sichtigung der Schwere des Gebrechens der versicherten Person eine günstige Prognose stellt (Abs. 3).
1.3
Versicherte haben gemäss Art. 13 Abs. 1 IVG bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf medizinische Massnahmen zur Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 ATSG). Medizinische Massnahmen nach Absatz 1 werden gewährt für die Behandlung angeborener Missbildungen, genetischer Krankheiten sowie prä- und perinatal aufgetretener Leiden, die:
a.
fachärztlich diagnostiziert sind;
b.
die Gesundheit beeinträchtigen;
c.
einen bestimmten Schweregrad aufweisen;
d.
eine langdauernde oder komplexe Behandlung erfordern; und
e.
mit medizinischen Massnahmen nach Artikel 14 behandelbar sind.
Für medizinische Massnahmen zur Behandlung der Trisomie 21 gilt Absatz 2 Buchstabe e nicht (Art. 13 Abs. 3 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 IVV). Der Zeitpunkt, in dem ein Geburts
gebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (Art. 3 Abs. 3 IVV). Der An
spruch auf Behandlung eines Geburtsgebrechens beginnt mit der Einleitung von medizinischen Massnahmen, frühestens jedoch nach vollendeter Geburt (Art. 3
ter
Abs. 1 IVV). Er erlischt am Ende des Monats, in dem die versicherte Person das 20. Altersjahr vollendet hat (Art. 3
ter
Abs. 2 IVV). Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) erstellt die Liste nach Artikel 14
ter
Absatz 1 Buch
stabe b IVG mit den Geburtsgebrechen, für die medizinische Massnahmen nach
Artikel 13 IVG gewährt werden (Art. 3
bis
Abs. 1 IVV). Es kann nähere Vor
schriften über die Liste erlassen (Art. 3
bis
Abs. 2 IVV).
1.4
Gemäss
Rz
.
2
des Kreisschreibens über die medizinischen Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung (KSMW, Stand:
1.
Januar 2022)
kann die IV nur dann Leistungen nach
Art.
13 IVG erbringen, wenn es sich um
Geburts
gebrechen handelt, die im Anhang zur
GgV
-EDI enthalten sind. Die Liste der Geburtsgebrechen hat abschliessenden Charakter (BGE 122 V 113 E. 3a/cc).
M
edizinische Massnahm
en im Rahmen der Ziffer 395
GgV
-EDI können
maximal bis zum vollendeten
2.
Lebensjahr übernommen werden. Bestehen zu diesem Zeitpunkt weiterhin behandlungsbedürftige Befunde,
ist die Kostenübernahme der Behandlung unter einer anderen Ziffer der
GgV
-EDI
zu prüfen
, beispielsweise Ziffer 390
GgV
-EDI
. Die für die betreffende Ziffer geltenden Kriterien sind ein
zuhalten
(
Rz
.
395.1 KSME)
.
1.5
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner
Ent
schei
dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zu
lassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungs
weisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 133 V 587 E. 6.1; 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 133 II 305 E. 8.1).
1.6
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung erwog die Beschwerdegegnerin, sie habe bis am 3
1.
J
anuar 2022 (Vollendung
2.
Lebens
jahr) die Kosten für das Geburtsgebrechen nach
Ziff.
39
5
inklusive Therapien übe
rnommen. Nach Vollendung des 2. Lebens
jahres werde das Geburtsgebrechen Ziffer 390 geprüft
. Es sei daher für das Geburtsgebrechen
Ziff.
390 die Kostenübernahme für eine Physiotherapie
(ambulant, Domizil und im Wasser) geprüft worden. Gemäss den medizinischen Unterlagen des
Kinderspitals
Z.___
vom
7.
April 2022 seien die Kriterien für die Anerkennung des Geburtsgebrechens nach
Ziff.
390 nicht sicher erfüllt. So sei keine spastische, ataktische oder
dyskinetische
Bewegungsst
örung dokumentiert worden. Mithin
seien die Kriterien gemäss
Rz
. 390.1
KSME
nicht erfüllt. Eine Kostenübernahme sei auch im Lichte von
Art.
12 IVG nicht möglich. So diene die Physiotherapie primär der Leidensbehandlung
; eine stabilisierte Gesundheits
situation sei nicht gegeben
(
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich auf den Standpunkt, sie sei weiterhin in ärzt
licher Kontrolle und physiotherapeutischer Behandlung. Die Wassertherapie ermögliche es ihr, ihre Motorik zu verbessern sowie die hohe Spannung (Hyper
tonus/
Spastizität
) und versteiften Glieder zu entspannen und koordiniert einzu
setzen (
Urk.
1).
3.
3.
1
Es ist unbestritten, dass
eine
Leistungszusprache
im Rahmen
des
anerkannten Geburtsgebrechens nach
Ziff.
395
GgV
-EDI
-Anhang
nach Abschluss des 2.
Lebensjahr
es
(
3
1.
Januar
2022)
ausser Betracht fällt
(vgl. E. 1.4)
. Strittig und zu prüfen ist
, ob die Beschwerdeführer
in
aufgrund der weiterhin bestehenden Befunde (
allgemeiner, insbesondere
motorischer Entwicklungsrückstand mit
Spitzfüssigkeit
und häufig erhöhter Spannung in den Beinen)
über diesen
Zeit
punkt
hinaus
Anspruch
hat
auf medizinische M
assnahmen und in diesem Zusammenhang
die Frage ob
ein anderes
G
eburtsgebrechen
, insbesondere
eine
a
ngeb
orene infantile
Zerebralparese (
spastisch,
dyskinetisch
, ataktisch
) im Sinne von Zi
ffer 390
GgV
-EDI
-Anhang
,
vorliegt
.
3.2
Gestützt auf
Rz
.
390.1 KSME stellt die angeborene infantile Zerebralparese (oft auch als zerebrale Bewegungsstörung
oder Zerebralparese [CP] bezeichnet) kein einheitliches Krankheitsbild dar, sondern bildet einen Symptomenkomplex, der eine Gruppe von statischen Enzephalopathien zusammenfasst. Diese sind gekenn
zeichnet durch:
-
e
ine neurologisch klar definierte Störung,
-
j
e nach Form vorherrschend
Spa
s
tizität
, Dyskinesie oder Ataxie
,
-
e
ine Entstehung vor dem Ende der
Neonatalperiode
,
-
d
as Fehlen einer Progredienz des zugrundeliegenden Prozesses
,
-
h
äufig assoziierten auftretenden zusätzlichen Störungen wie Lern
behinder
ung, geistiger Behinderung, Seh
störungen, Epilepsie
als Folge derselben Ursache
.
Als Geburtsgebrechen nach Ziffer 390
GgV
-EDI anzuerkennen sind demzufolge nur angeborene, spastische, ataktische und/oder
dyskinetische
Bewegungs
störungen. Die zusätzlich assoziierten Störungen, wie oben aufgeführt, sind nicht eine Folge der Zerebralparese, sondern einer gemeinsamen übergeordneten Ur
sache (Enzephalopathie), die ihrerseits nicht einem Geburtsgebrechen im Sinne der IV entspricht. Demzufolge sind diese assoziierten Störungen nicht unter Ziffer 390
GgV
-EDI
versichert
.
3.3
Dr.
med.
A.___
, Fachärztin FMH für Kinder- und Jugendmedizin sowie O
ber
ärztin der
Neuropädiatrie des Kinderspitals
Z.___
,
und
Dr.
med.
B.___
, Fach
arzt FMH für Kinder- und Jugendmedizin sowie leitender Arzt des Kinderspitals
Z.___
,
hielten im Bericht vom
7.
April 2022
fest
,
bei der Beschwerdeführerin bestehe ein allgemeiner
,
ab
er
eben auch motorischer Entwicklungsrückstand mit
Spitz
füssigkeit
und häufig erhöhter Spannung in den B
einen
mit auch
in Ruhe wechselndem Muskeltonus. Das T
herapieziel sei
primär das Erlernen physiologischer Bewegungsmuster sowie die Reduktion der wiederholt erhöhten Spannung in den Beinen.
Die Physiotherapie sei mindestens wöchentlich durch
zuführen bis zum Erreichen des freien Laufens.
Bisher habe die Beschwerde
führerin stetige – näher umschriebene - motorische Fortschritte in ihrem Ent
wicklungstempo gemacht.
Die Symptome seien aktuell schwer einzuordnen; die Kriterien ein
es Geburtsgebrechens nach
Ziff.
390
GgV
-EDI
-Anhang
seien nicht sicher erfüllt. Laut der behandelnden Physiotherapeutin zeige die Beschwerde
führerin wechselnde Tonuserhöhungen der Beine mit wiederholter
Tonus
zunahme
insbesondere im OSG. Klinisch-neuropädiatrisch zeige sich eine Spitz
fussstellung und bei Berührung sehr schnell eine aktive Anspannung der Beine beidseits. Die passive OSG-Dorsalextension
sei bis mindestens 0° möglich
(
Urk.
12/83).
3.4
Im Bericht vom 1
0.
Mai 2022 diagnostizierte
Dr.
B.___
(1) einen hochgradigen Verdacht auf eine
syndromale
Erkrankung, (2) eine anorektale Fehlbildung mit
peria
n
aler
Fistel (ED nach Geburt),
einen
Status nach
posteriorer
sagittaler
Anorektalplastik
am 2
9.
J
uli 2020,
(3) einen allgemeinen Entw
i
cklungsrückstand sowie Mikrozephalie
. Es liege
ein Geburtsgebrechen nach
Ziff.
274
GgV
-EDI-
Anhang
vor. Im Stehen zeige
die Beschwerdeführerin
häufig eine Spitzfuss
stellung, wobei aber auch ein
plantigrades
Abstellen wiederholt möglich sei. Bei Berührung
komme es
immer wieder
zu
eine
r
sehr aktive
n
Anspannung der Beine. In Ruhe zeige sich aber kein Catch im OSG. Die Reflexe seien seitengleich lebhaft, aber nicht verbreitert auslösbar. Während feinmotorischen Tätigkeiten bestünden keine Hinweise auf eine Dysmetrie oder einen Intensionstremor.
Bekannte
Dys
morphiezeichen
seien eine okzipital
beidseits deutliche Abflachung
, breite
Augenbrauen, eine kleine spitze Nase, ein flaches Philtrum, eine dünne Oberlippe,
Retrognathie
un
d invertierte Brustwarzen (Urk.
12/84).
3.5
Dr.
med.
C.___
, Fachärztin für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD)
,
hielt mit Stellungnahme vom
1.
Juni 2022 fest,
gestützt auf den Bericht der behandelnden Neuropädiater vom
7.
April 2022 seien die Kriterien d
es Geburtsgebrechens nach
Ziff.
390
[
GgV
-EDI-Anhang]
nicht sicher erfüllt. Es werde eine wechselnde Tonuserhöhung der Beine und intermittierende Spitzfuss
stellung erwähnt, hingegen keine spastische, ataktische oder
dyskinetische
Bewegungsstörung. Die Kriterien gemäss
Rz
390.1 KSME seien damit nicht erfüllt. Eine Kostenübernahme nach
Art.
12 IVG bedinge eine stabilisierte Gesundheits
situation und eine auf die Eingliederung gezielte Behandlung. Gemäss den vor
liegenden Berichten seien diese Voraussetzungen
ebenfalls
nicht gegeben. Die Physiotherapie entspreche primär der Leidensbehandlung. Damit könne eine Kostenübernahme auch nicht gestützt auf
Art.
12 IVG empfohlen werden (
Urk.
12/87/2).
4.
4.1
Die
IV-Stelle stützte die abschlägige Verfügung
vom
1
2.
Juli 2022
(Urk. 2)
auf die Stellungnahme von
RAD-Ärzt
in Dr.
C.___
vom 1. Juni 2022
ab
, was nicht zu beanstanden ist.
Aufgrund
der zitierten Berichte sind die
Symptome
eines Geburtsgebrechens
nach
Ziff.
390
GgV
-
EDI-
Anhang
(vgl. E. 3.2)
nicht gegeben
.
Insbesondere fehlt es an einer
spastische
n
, ataktische
n
und/oder
dys
kinetische
n
Bewegungsstörung
.
Zur Diagnose einer
spastischen Bewegungs
störung mü
ss
en
nebst
einem erhöhten Muskeltonus
pathologische Ref
lexe (gesteigerte Muskeleigenre
flexe,
Babinskizeichen
) und abnorme Haltungs- und Bewegungsmuster
vorliegen (vgl.
Rz
. 390.1.1)
und
eine nach dem zweiten Lebensjahr bestehende isolierte muskuläre Hypotonie
begründet
versicherungs
medizinisch kein Geburtsgebrechen nach
Ziff.
390
GgV
-EDI
-Anhang
(vgl.
Rz
. 395.2 KSME).
Dementsprechend
hielten
die
behandelnden N
europädiater aus
drücklich fest,
die Kriterien eines Geburtsgebrechens nach Ziffer 390
GgV
-
EDI-
Anhang
seien nicht sicher gegeben; die Symptome seien schwer einzuordnen.
I
m Zusammenhang mit dem
allgemeinen und insbesondere
motorischen Ent
wicklungsrückstand mit
Spitzfüssigkeit
und erhöhtem Muskeltonus der Beine wurde auch kein
anderes, konkretes
Geburtsgebrechen
festgehalten
. Daran ändert auch nichts, wenn
Dr.
B.___
einen hochgradigen Verdacht auf eine
syndromale
Erkrankung festhielt.
Beim Fehlen eines Geburtsgebrechens nach
GgV
-EDI-Anhang
fällt
ein Leistungsanspruch gestützt auf
Art.
13 IVG
ausser Betracht
(vgl.
E. 1.4). Darauf hinzuweisen
ist auch, dass e
in Entwicklungsrückstan
d
nicht als Geburtsgebrechen im Sinne der IV
gilt
. Eine Physiotherapie mit dem Ziel der Ent
wicklungsförderung oder der Behandlung eines Entwicklungsrückstandes kann folglich nicht von der IV über
nommen wer
den (
Rz
. 395.3 KSME).
Alsdann
ergibt sich sowohl aus den ärztlichen Berichten als auch
der
beschwerdeweisen Argumentation
, dass die beantragte Physio- und Wassertherapie der L
eidens
behandlung dient. Damit entfällt
eine Kostengutsprache auch unter dem Aspekt von
Art.
12 IVG
(vgl. E. 1.2
)
.
4.2
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf medizinische Massnahmen im Zusammenhang mit den beschriebenen Befunden
über den 31.
Januar 2022 hinaus zu Recht verneint.
Die Beschwerde erweist s
ich damit als unbegründet, weshalb
sie abzuweisen ist.
5.
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von L
eistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unab
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr.
200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
legt.
Vorliegend erweist sic
h eine Kostenpauschale von Fr. 4
00.-- als angemessen.
Ausgangsgemäss
ist diese der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
400
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind bei
zulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstHediger