# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3d18cc17-c92f-567b-b1d4-d5467274d78d
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-11-04
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 5. Kammer 04.11.2016 R 2016 35
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_005_R-2016-35_2016-11-04.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

R 16 35

5. Kammer 

Vorsitz Meisser
RichterIn Audétat, Moser 

Aktuar Gross

URTEIL

vom 4. November 2016

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____,

Beschwerdeführer

gegen 

Gemeinde X._____,

Beschwerdegegnerin

betreffend Baugesuch

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1. Am 22. Oktober 2013 erwarb A._____ Parzelle 10297 in Y._____ im Halte 

von 96 m² Gebäudegrundfläche und Umschwung mit dem darauf stehen-

den Einfamilienhaus. Das Haus bildet zusammen mit dem auf Parzelle 

10'298 stehenden Einfamilienhaus ein Doppelhaus. Die Parzelle liegt in 

der Dorfzone/Gefahrenzone 2/Gewässerraum am Dorfplatz.

2. Am 3. Januar 2016 stellte A._____ das Gesuch, vor dem Dachgeschoss 

auf der Haupt- respektive Südwestfassade einen Balkon aus Altholz, 1.5 

m tief und 4.75 m breit, anzubauen.

3. Die Gemeinde X._____ unterbreitete das Baugesuch darauf der Denk-

malpflege Graubünden. Diese nahm am 29. April 2016 dazu Stellung.

Das 1801 erbaute Doppelwohnhaus am Platz im Ortskern von Y._____ 

besitze nicht nur aufgrund seiner Lage in unmittelbarer Nähe der unter 

Bundes- und Kantonsschutz stehenden Pfarrkirche, sondern auch wegen 

seines noch heute intakten äusseren Erscheinungsbildes grosse Bedeu-

tung für das Ortsbild von Y._____. Entsprechend würdige das Inventar 

der schützenswerten Ortsbilder (ISOS) den Ortskern mit dem Erhaltungs-

ziel A. Das Projekt sehe einen Balkonaustritt an der Südfassade vor, 

wofür aus dem Kantholzstrick eine entsprechende Öffnung herausge-

schnitten werden müsste. Neben diesem beträchtlichen Substanzverlust 

spreche auch die Verunstaltung der malerischen Hauptfassade durch ei-

nen an Walserbauten untypischen Balkonvorbau gegen das Vorhaben. Im 

Sinne des Ortsbildschutzes empfehle sie der Gemeinde, das Vorhaben 

zurückzuweisen. Zudem widerspreche das Vorhaben Art. 18 Abs. 1 BG, 

wonach Bauten und Anlagen architektonisch gut zu gestalten seien und 

sich ihrer Umgebung anzupassen hätten. Eine alternative Lösung, etwa 

den Ausbau des bereits bestehenden Sitzplatzes vor dem Haus, der 

frontseitig bereits über einen ebenerdigen Eingang (vermutlich ehemalige 

Kellertür) verfüge, sei jedoch aus denkmalpflegerischer Sicht denkbar.

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4. Am 10., mitgeteilt am 12. Mai 2016, lehnte die Gemeinde X._____ das 

Baugesuch ab.

Sie erwog, die minimalen Grenzabstände von 1.5 m sowie von 3.5 m 

gemäss Art. 46 BG in Verbindung mit Art. 75 Abs. 3 KRG würden nicht 

eingehalten und es seien entsprechende Näherbaurechte zu den Nachba-

rparzellen 10273, 10296 und 10298 einzuholen bzw. im Grundbuch einzu-

tragen. Der Eigentümer von Parzelle 10196 habe sich mit dem Bauvorha-

ben einverstanden erklärt. Der benötigte Grundbucheintrag sei noch 

ausstehend. Das Bauvorhaben befinde sich im Gewässerraum. Das ANU 

habe am 31. März 2016 das Bauvorhaben als bewilligungsfähig erachtet. 

Dem könne sich die Baubehörde anschliessen. Ausstehend sei der Vor-

prüfungsentscheid des zuständigen Prüfingenieurs betreffend der Lage 

des Bauvorhabens in der G2. Das Gebäude liege gemäss ISOS in einem 

Ortsbild von regionaler Bedeutung mit höchstem Erhaltungsziel. Zudem 

sei es im Inventar der Denkmalpflege Graubünden aufgelistet und sei auf-

grund der prominenten Lage von grösster Bedeutung für das Ortsbild. Die 

beigezogene Denkmalpflege habe empfohlen, das Bauvorhaben zurück-

zuweisen. Das Erbauungsjahr sei auf 1801 datiert worden. Um die Jahr-

hundertwende seien Laubengänge oder Balkone unter der Traufe üblich 

gewesen. Den Hauptfassaden seien repräsentative Aufgaben zugekom-

men. So seien Balkone an den Hauptfassaden zur damaligen Zeit unüb-

lich. Des Weiteren würde der Balkon die Symmetrie der Baute beeinflus-

sen und diese aus dem Gleichgewicht bringen. Das Vorhaben sei mit dem 

Walserbaustil aus der Jahrhundertwende nicht vereinbar, somit würde 

dieses die Gestaltung sowie die Architektur des Gebäudes stören. Das 

Bauvorhaben erfülle die hohen Anforderungen, die an die Gestaltung so-

wie an die Architektur gemäss Art. 3 Abs. 2 lit. b RPG, Art. 73 Abs. 1 KRG 

und Art. 18 Abs. 1 BG gestellt würden, nicht. Somit könne es bezüglich 

Gestaltung und Architektur nicht bewilligt werden. Die feuerpolizeiliche 

Bewilligung sei noch ausstehend. Diese sei von der Gemeinde nicht ein-

geholt worden, um der Bauherrschaft weitere Kosten zu ersparen. Das 

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Departement Hochbau habe das Bauprojekt am 29. April 2016 geprüft. 

Die gesetzlichen Bestimmungen seien nicht eingehalten.

5. Dagegen erhob A._____ (Beschwerdeführer) am 11. Juni 2016 Einspra-

che (recte: Beschwerde) an das Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden und beantragte die Aufhebung der Verfügung der Gemeinde 

X._____ vom 10./12. Mai 2016.

Die im angefochtenen Entscheid enthaltenen Begründungen seien nicht 

nachvollziehbar und beruhten auf Vermutungen und Widersprüchen. Die 

Ausführungen betreffend Vorprüfungsentscheid G2 sei nicht nachvollzieh-

bar. Es sei nicht bewiesen, dass das Haus im Inventar der Denkmalpflege 

Graubünden aufgelistet sei. Es stehe nicht unter Schutz. Die Begründun-

gen im Schreiben der Denkmalpflege vom 29. April 2016 seien nicht 

nachvollziehbar. Für den Ausschnitt der Balkontüre im Kantholzstrick 

benötige er ca. 0.55 m², was in keinem Verhältnis zur gesamten Fassade 

stehe. Sie seien auch nie zur Architektur befragt worden. Der Balkon wür-

de in Altholz gebaut, um der alten Fassade Rechnung zu tragen. Für das 

Nachbargebäude seien von der Denkmalpflege und vom Gemeindevor-

stand sogar zwei übereinanderliegende Balkone bewilligt worden. Es fra-

ge sich, ob hier nicht mit gleichen Ellen gemessen werde. Das Bauamt 

habe ihnen schriftlich mitgeteilt, es solle eine Begehung stattfinden. Sie 

hätten darum gebeten, an dieser teilzunehmen. Sie hätten nie eine Einla-

dung dazu erhalten. Es seien schon früher Balkone an Walserhäuser an-

gebaut worden, wie die beiliegende Fotodokumentation zeige. Sie seien 

nie aufgefordert worden, eine architektonische Darstellung abzugeben. 

Bei der Nichteinholung der feuerpolizeilichen Bewilligung liege ein Ver-

säumnis oder eine Bevormundung vor. Sie könnten nicht feststellen, wel-

che gesetzlichen Bestimmungen nicht eingehalten worden seien. Es fehle 

die schriftliche Zustimmung des einen Nachbarn. Indessen seien keine 

Einsprachen eingegangen, weswegen eine stillschweigende Zustimmung 

vorliege. Zudem sei die Erteilung der Bewilligung unter Auflage, die Zu-

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stimmung des Nachbarn einzuholen, möglich. Bei ihren Nachbarn sei die 

Fassade komplett abgeändert worden, ohne Baubewilligung.

6. Am 27. Juni 2016 schrieb die Denkmalpflege, der historische Dorfkern 

von Y._____, wo sich das fragliche Wohnhaus befinde, sei im ISOS in der 

Aufnahmekategorie AB mit Erhaltungsziel A aufgenommen worden. Für 

Gebiete mit Erhaltungsziel A empfehle das ISOS, alle Bauten, Anlagentei-

le und Freiräume seien integral zu erhalten und störende Eingriffe zu be-

seitigen. In der noch immer gültigen Ortsplanung der Gemeinde Y._____ 

befinde sich das Doppelwohnhaus in der Dorfzone. Gemäss Art. 39 Abs. 

2 BG hätten sich Neubauten, Umbauten und Erweiterungen bestehender 

Bauten bezüglich Stellung, Proportionen, Dachform und Gestaltung in die 

bestehende Siedlung einzufügen. Art. 18 BG sage, Bauten und Anlagen 

seien architektonisch gut zu gestalten und müssten auf ihre Umgebung 

Bezug nehmen. Auch Art. 73 KRG mache eine Aussage in diesem Sinn. 

Das Objekt befinde sich auf der Inventarliste der Denkmalpflege. Auf-

grund seiner Lage in unmittelbarer Nähe der unter Bundes- und Kantons-

schutz stehenden Pfarrkirche und wegen seines noch heute intakten äus-

seren Erscheinungsbildes habe das Doppelwohnhaus grosse Bedeutung 

für das Ortsbild von Y._____. Das Projekt sehe einen Balkonaustritt an 

der Südfassade vor, wofür aus dem Kantholzstrick eine entsprechende 

Öffnung herausgeschnitten werden müsste. Neben diesem Substanzver-

lust werde die malerische Hauptfassade durch einen das 1801 erbaute 

Doppelwohnhaus im Ortskern von Y._____ mit einem für Walserbauten 

untypischen Balkonvorbau verunstaltet. Balkone befänden sich bei sol-

chen Wohnbauten typischerweise traufseitig, vom Dachgeschoss her 

zugänglich. Die typischen Lauben seien auch bei diesem Gebäude vor-

handen. Weil es sich um ein Doppelwohnhaus handle, finde man hier so-

gar zwei, je eine an der Ost- und eine an der Westfassade. Vorbauten an 

der Giebel-, Haupt- oder Platzfassade seien unüblich gewesen und seien 

es noch. Durch die Erstellung eines Balkons ergänzte man das Gebäude 

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mit einem neuen, untypischen und störenden Element aus Altholz. Das 

Projekt entspreche weder den Vorgaben des geltenden Baugesetzes 

noch den Empfehlungen des ISOS. Der Balkonvorbau verändere das Er-

scheinungsbild des Doppelwohnhauses stark und verunstalte vor allem 

dessen Hauptfassade. Deswegen habe die Denkmalpflege im Sinne des 

Ortsbildschutzes empfohlen, das Bauvorhaben zurückzuweisen. Der 

Ausbau des bestehenden Sitzplatzes vor dem Haus als Alternativlösung 

wäre indessen denkbar.

7. Am 5. Juli 2016 verzichtete die Gemeinde X._____ (Beschwerdegegne-

rin) auf die Einreichung einer Vernehmlassung und teilte mit, sie halte an 

ihrem ablehnenden Beschluss fest. Weiter verweise sie auf die Stellung-

nahmen der Denkmalpflege vom 29. April 2016 und vom 27. Juni 2016, 

mit welchen der Beschwerdegegnerin deutlich die Ablehnung des Vorha-

bens empfohlen worden sei.

8. Am 18. August 2016 reichte der Beschwerdeführer eine nicht unterzeich-

nete Replik ein. Zur Einreichung einer korrigierten Replik aufgefordert, 

reichte der Beschwerdeführer am 24. August eine unterzeichnete Replik 

ein. Er ergänzte, er habe beim Kauf der Liegenschaft den Grundbuchver-

walter gefragt, ob Haus oder Kaufparzelle denkmalgeschützt seien. Die-

ser habe das verneint. Er gehe davon aus, dass der Denkmalschutz für 

sein Haus im Grundbuch erwähnt sein müsste. Die Nutzung der Fläche 

vor dem Haus sei als Sitzplatz nicht möglich. Alle Häuser um den Dorf-

platz wiesen in ihrer Front Balkone auf. Das Verwaltungsgericht solle 

klären, ob es für Eingriffe in die Fassadenkonstruktion und den Einbau 

von neuen Fenstern beim Nachbarn eine Baubewilligung brauche. Wenn 

es eine brauche, müsste er wohl sein Einverständnis dazu geben. Die 

Bewilligung sei unter dem Vorbehalt der Einwilligung seines Nachbarn 

und den Einträgen der beiden Nachbarsliegenschaften und dem entspre-

chenden Grundbucheintrag zu erteilen.

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9. Am 6. September 2016 verzichtete die Denkmalpflege auf die Einreichung 

einer Duplik. Von der Beschwerdegegnerin ging innert gesetzter Frist kei-

ne Duplik ein.

10. Am 12. Oktober 2016 führte das Verwaltungsgericht (5. Kammer) einen 

Augenschein durch, an welchem der Beschwerdeführer persönlich in Be-

gleitung seiner Ehefrau teilnahm. Die Beschwerdegegnerin war durch den 

Departementsvorsteher ‚Hochbau und Planung‘ und einen Vertreter des 

Bauamtes vertreten. Als Auskunftsperson war ein Vertreter der Denkmal-

pflege Graubünden eingeladen worden und vor Ort auch präsent. Allen 

Anwesenden wurde sodann vor dem Doppelhaus auf der Parzelle 10297 

(Hausteil des Beschwerdeführers) im Dorfkern die Möglichkeit geboten, 

sich zu den gegenwärtig bestehenden und den bauhistorisch gewachse-

nen Baustilen bei Walserhäusern (massive und grossvolumige Kantholz-

strickbauten) sowie den umliegenden Wohnbauten samt Dorfplatzgestal-

tung zu äussern. Seitens des Gerichts wurden überdies noch vier Farbfo-

tos vom Bauprojekt (profilierter Anbau Balkon bei Hausteil Parzelle 10297 

auf der Südfassade des Doppelhauses) und den Nachbarhäusern auf der 

Parzelle 10291 (Dorfladen mit Kreuzgiebeldach und Balkonen beidseits) 

und der Parzelle 10303 (Südfassade Haupthaus ohne Balkonvorrichtun-

gen entlang Kantonsstrasse) erstellt und dem Protokoll des Augenscheins 

beigefügt. Auf Wunsch des Beschwerdeführers wurde das Protokoll des 

Augenscheins noch allen Parteien zur Kenntnisnahme und (freiwilligen) 

Stellungnahme zugestellt.

Auf die weiteren Vorbringen und Argumente der Parteien wird, soweit 

erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

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Das Gericht zieht in Erwägung:

1. a) Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Entscheid vom 10./12. Mai 2016 der 

Beschwerdegegnerin, worin sie das Gesuch des Beschwerdeführers (Ei-

gentümer des Hausteils auf Parzelle 10297) um Anbau eines Holzbalkons 

(1.5 m tief und 4.75 m breit) auf der Haupt- bzw. Südfassade aus bau-

ästhetischen und ortsbildschützerischen Gründen ablehnte, wogegen sich 

der Beschwerdeführer mit Beschwerde vom 11. Juni 2016 zur Wehr setz-

te und die Aufhebung des angefochtenen Entscheids beantragte. Be-

schwerdethema bildet somit die Frage, ob die Beschwerdegegnerin dem 

Bauvorhaben – gestützt auf die Stellungnahmen der Denkmalpflege 

Graubünden vom 29. April 2016 (im Sachverhalt Ziff. 3, hievor) und 27. 

Juni 2016 (Sachverhalt Ziff. 6) – die nachgesuchte Bewilligung zu Recht 

verweigerte oder nicht. Die übrigen Themata Gefahrenzone G2, Feuerpo-

lizei und Gewässerraum würden alle nicht zu einer Abweisung des Bau-

gesuchs vom 3. Januar 2016 (Sachverhalt Ziff. 2) führen, weshalb die 

diesbezüglichen Ausführungen des Beschwerdeführers (Sachverhalt Ziff. 

4) mangels Beschwer unerheblich sind. Es fehlt dem Beschwerdeführer 

für diese Rügen – im Gegensatz zum verweigerten Balkonprojekt – die 

Legitimation zur Beschwerdeerhebung gemäss Art. 50 des Gesetzes über 

die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100).

b) Nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit trifft es zu, dass eine Bau-

bewilligung auch mit einer Auflage verknüpft werden könnte, sofern ledig-

lich leicht zu beseitigende Mängel – wie hier die fehlende Zustimmung zu 

einem Näherbaurecht (durch den Eigentümer des Hausteils auf Parzelle 

10298 (vgl. Beilage B.5 der Beschwerdeführer [Bf-act.5]) – eine vorbehalt-

lose Bewilligung des Bauprojekts verhindern würden. Die Auflage, die be-

treffenden Zustimmungserklärungen seien noch vor Baubeginn einzuho-

len, wäre verhältnismässig und entspräche Art. 90 Abs. 1 des Raumpla-

nungsgesetzes für den Kanton Graubünden (KRG; BR 801.100). Im kon-

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kreten Fall geht es aber gar nicht um das Vorliegen eines gültigen Näher-

baurechts, sondern um die Rechtsfrage, ob der geplante Balkonanbau im 

1. Stock an der Haupt-/Südfassade (Parzelle 10297) aus bauästhetischen 

sowie ortsbildschützerischen Gründen bewilligungsfähig ist oder nicht. 

2. a) In materieller Hinsicht gilt es aus tatsächlicher Sicht zuerst festzuhalten, 

dass die grosse und voluminöse Holzstrickbaute (typisches Walserhaus) 

direkt am Dorfplatz auf den Parzellen 10297 sowie 10298 liegt und somit 

heute faktisch als Doppelhaus bewohnt wird. Laut Inventarblatt Y._____ 

des ISOS (Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz 

von nationaler Bedeutung) liegt das betreffende Gebäude im historischen 

Dorfkern des Dorfs Y._____. Der historische Dorfkern liegt in der Auf-

nahmekategorie AB, die inhaltlich wie folgt umschrieben wird: Aufnahme-

kategorie A hat ursprüngliche Substanz, d.h. die Mehrheit der Bauten und 

Räume hat historisch die gleiche epochenspezifische oder regionaltypi-

sche Prägung; Aufnahmekategorie B hat ursprüngliche Struktur, d.h. das 

historische Gefüge der Räume besteht, die Mehrheit der Bauten hat ähn-

liche epochenspezifische oder regionaltypische Merkmale. Es gilt das Er-

haltungsziel A (Erhalten der Substanz, alle Bauten, Anlagenteile und Frei-

räume integral erhalten, störende Eingriffe beseitigen, Abbruchverbot, 

keine Neubauten, Detailvorschriften für Veränderungen). Im Übrigen ist 

der historische Dorfkern laut Inventarblatt Y._____ des ISOS von hoher 

architekturhistorischer Qualität und Bedeutung sowie von gewisser räum-

licher Qualität. Im Bauinventar der Denkmalpflege Graubünden wird das 

Wohnhaus auf den Parzellen 10297 und 10298 wie folgt charakterisiert: 

"Aufgrund der prominenten Lage von grösster Bedeutung für das Ortsbild. 

Bis auf die Fenster äusserlich weitgehend original erhalten." Im Lichte 

dieser Feststellungen und der nachfolgenden Vorschriften auf Gesetzes- 

und Verordnungsstufe gilt es auch den konkreten Fall zu beurteilen.

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b) Laut Art. 4a der Verordnung über das Bundesinventar der schützenswer-

ten Ortsbilder der Schweiz (VISOS; SR 451.12) haben die Kantone das 

ISOS bei der Erstellung ihrer Richtpläne nach den Art. 6-12 des Bundes-

gesetzes über die Raumplanung (RPG; SR 700) zu berücksichtigen (s. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] R 14 103 

vom 30. August 2016 E.4a). Dies ist hier noch nicht geschehen. Der Dorf-

kern von Y._____ ist noch nicht in den Kantonalen Richtplan (KRIP 2000) 

eingeflossen (vgl. dazu Auszug aus dem KRIP 2000, Kapitel 5.6.1). Das 

ISOS entfaltet hier somit keine unmittelbare Schutzwirkung. Gemäss der 

neuesten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die Unterscheidung 

zwischen bereits eingetragenen Inventarobjekten und Inventarkandidaten 

jedoch insofern zu relativieren, als die bereits bestehenden Verhältnisse 

bis zum Abschluss des Inventarisierungsverfahrens grundsätzlich nicht 

verschlechtert werden dürfen. Es gilt somit ein generelles Verschlechte-

rungsverbot, unabhängig davon, ob der Eintrag im ISOS schon erfolgt ist 

oder erst noch erfolgen wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_526/2015, 

1C_528/2015 vom 12. Oktober 2016 E.5.5 S. 19 und E.5.6 S. 20). 

c) Nach Art. 4 des Gesetzes über den Natur- und Heimatschutz im Kanton 

Graubünden (KNHG; BR 496.000) erstellt und führt der Kanton nach An-

zeige an die betreffenden Körperschaften kantonale Inventare der schutz-

würdigen Objekte (Schutzobjekte). Die Inventare werden periodisch nach-

geführt und den veränderten Verhältnissen angepasst (Abs. 1). Die Auf-

nahme eines Objektes in ein kantonales Inventar stützt sich auf Kriterien 

wie Seltenheit, Vielfalt, Gefährdung, Eigenart, ästhetische Werte, Lage, 

Grösse, ökologische Funktion und wissenschaftliche Bedeutung (Abs. 2). 

Die Inventare enthalten eine Umschreibung der Objekte, der Schutzziele, 

der massgeblichen Kriterien für ihre Einstufung sowie ihres Schutzstatus 

(Abs. 3). Allerdings entfalten die Inventare ausschliesslich amtsinterne 

Wirkung und bilden die Grundlagen im Sinne der Raumplanungsgesetz-

gebung (Art. 6 Abs. 1 KNHG). Im Baubewilligungsverfahren entfalten sie 

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keine Wirkung (Art. 6 Abs. 2 KNHG). Der rechtlich verbindliche Schutz der 

inventarisierten Objekte, die Abwägung mit entgegenstehenden Interes-

sen und der individuelle Rechtsschutz der betroffenen Grundeigentüme-

rinnen und Grundeigentümer erfolgen im Rahmen der planerischen Ver-

fahren (Art. 6 Abs. 3 KNHG). Das Inventar der Denkmalpflege Graubün-

den entfaltet daher auch hier - unter Vorbehalt des höchstrichterlichen 

"Verschlechterungsverbots" (s. E.2b, hievor) - keine Rechtswirkungen. 

d) Das umstrittene Bauvorhaben ist demnach – unter Vorbehalt dieses Ver-

schlechterungsverbots - auf der Basis der bestehenden Bestimmungen 

über die Ästhetik zu beurteilen. Art. 18 des kommunalen Baugesetzes 

(BG) bestimmt unter dem Titel 'Architektur' in Absatz 1 was folgt: "Bauten 

und Anlagen sind architektonisch gut zu gestalten und haben auf ihre 

Umgebung Bezug zu nehmen." Zur Bauweise in der Dorfkernzone wird in 

Art. 39 Abs. 2 BG bestimmt: "Neubauten, Umbauten und Erweiterungen 

bestehender Bauten haben sich bezüglich Stellung, Proportionen, Dach-

form und Gestaltung in die bestehende Siedlung einzufügen." Diese 

kommunalen Gestaltungsvorschriften sind nicht strenger bzw. gehen nicht 

über die kantonale Vorschrift bezüglich Ästhetik hinaus, weshalb das ge-

plante Balkonprojekt hier den Anforderungen laut Art. 73 Abs. 1 KRG zu 

genügen hat, welcher vorschreibt: "Siedlungen, Bauten und Anlagen sind 

nach den Regeln der Baukunst so zu gestalten und einzuordnen, dass mit 

der Umgebung und der Landschaft eine gute Gesamtwirkung entsteht." 

Zur Frage der Ästhetik des nicht bewilligten Balkonanbaus in der fragli-

chen Dorfkernzone bzw. seiner (guten) Einfügung ins bestehende Orts- 

und Landschaftsbild hat der gerichtliche Augenschein vom 12. Oktober 

2016 gezeigt, dass die Stellungnahmen der Denkmalpflege Graubünden 

vom 29. April 2016 und 27. Juni 2016 ein zutreffendes Bild über die sub-

stantielle Schutzwürdigkeit und die besondere Charakteristik der vor Ort 

typischen Walserhäuser vermittelt haben, weil im Grundsatz tatsächlich 

keine Balkonvorrichtungen an den Haupt- und Südfassaden der grossvo-

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lumigen Kantholzstrickbauten auf dem Gemeindegebiet üblich sind, son-

dern allfällige Lauben und Balkone – historisch bedingt – jeweils nur auf 

den West- und Ostseiten der Häuser unterhalb der Dachtraufen erstellt 

wurden. Sind Frontbalkone bei solchen Walserhäusern bzw. Holzstrick-

bauten aber tatsächlich bauhistorisch völlig ortsuntypisch und artfremd, so 

ist auch nicht einzusehen, wieso ausgerechnet an derart exponierter Stel-

le am Dorfplatz – wie auf der Südfassade am Hausteil des Beschwerde-

führers auf Parzelle 10297 – bei einem entsprechenden Gebäude (Bau-

jahr 1801) eine Ausnahme von der bisher seit Jahrhunderten bestehen-

den Bautradition balkonfreier Haupt-/Südfassen bei Walserhäusern ge-

macht werden sollte. Dem ist vorliegend umso mehr zuzustimmen, als der 

geplante Aussenbalkon im 1. Stock (Breite 4.75 m; Tiefe 1.5 m) bloss auf 

der einen Fassadenseite des Doppelhauses (Parzelle 10297) erstellt wer-

den soll und damit die Harmonie und Einheitlichkeit der Südfassade un-

terbrochen bzw. massiv gestört würde, da dadurch optisch ein unschönes 

Ungleichgewicht zwischen den beiden Hälften des Doppelhauses ge-

schaffen und so ein Symmetriebruch entstehen würde. Der geplante Bal-

kon würde damit offensichtlich die Wirkung eines störenden Fremdkör-

pers mit asymmetrischer Hausfront erlangen (vgl. dazu die Gerichtsfotos 

1 und 2). An den soeben gemachten Feststellungen ändert auch nichts, 

dass im Westen des Dorfplatzes auf Parzelle 10291 (mit Dorfladen) be-

reits ein ähnliches, dreistöckiges Holzgebäude besteht, welches sowohl 

gegen Osten über zwei Balkone (1./2. OG) verfügt sowie auf der Südseite 

unterhalb des Dachgiebels (3. OG) ebenfalls noch einen Balkon aufweist, 

da dieses Gebäude mit einem Kreuzgiebeldach gebaut wurde und folglich 

nicht eindeutig bestimmt werden kann, welche Fassadenseite bei diesem 

Wohnhaus ursprünglich die Hauptfront war (vgl. Gerichtsfoto 3). Aufgrund 

der identischen Gebäudeausrichtung ist der Hausteil des Beschwerdefüh-

rers auf Parzelle 10297 denn auch korrekterweise viel eher mit dem öst-

lich davon auf Parzelle 10303 gelegenen Haupthaus am Dorfplatz unmit-

telbar entlang der Kantonsstrasse zu vergleichen, welches ortstypisch 

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ebenfalls absolut ohne Balkonvorrichtungen auf der gegen Süden ausge-

richteten Hauptfassade dasteht (vgl. Gerichtsfoto 4). Bei einer umfassen-

den und objektiven Betrachtungsweise muss deshalb gesagt werden, 

dass sich das geplante Bauvorhaben nicht gut ins bestehende Orts- und 

Landschaftsbild einfügt und daher zu Recht nicht bewilligt wurde. Der nur 

für eine Doppelhaushälfte geplante Balkon passt nicht in die historisch 

gewachsene Umgebung und der Kantholzstrick des Doppelhauses mit 

zahlreichen Fenstern (insgesamt 10 Stück auf der Südfrontseite) würde 

zweifelsfrei stark leiden. Daran vermag auch die Berufung des Beschwer-

deführers auf den Grundsatz der Gleichbehandlung aller Hauseigentümer 

vor Ort nichts zu ändern, da die Beschwerdegegnerin – mit Unterstützung 

der Denkmalpflege Graubünden – keinen Zweifel aufkommen liess, dass 

sie inskünftig solche Frontbalkone in vergleichbaren Lagen bestimmt nicht 

(mehr) dulden werde und ihre Bewilligungspraxis diesbezüglich einheitlich 

und beständig sein werde. Allfällig früher gemachte Zugeständnisse oder 

Fehler würden sich damit aus baugestalterischer Sicht nicht wiederholen. 

Das Gericht hat keine Veranlassung an diesen Beteuerungen zu zweifeln. 

Im Übrigen sei noch auf die gefestigte Rechtsprechung des streitberufe-

nen Gerichts hingewiesen, wonach den mit den lokalen Verhältnissen und 

den historischen Gegebenheiten am besten vertrauten Gemeinden in

Ästhetikfragen grundsätzlich ein weites Ermessen eingeräumt wird, in den 

das Gericht nicht ohne Not eingreift bzw. nur bei Ermessensmissbrauch 

oder Ermessensüberschreitung einschreitet (vgl. statt vieler: VGU R 16 5 

vom 8. September 2016 E.2r, R 15 12 vom 11. Juni 2015 E.3b; PVG 1995 

Nr. 25, 1994 Nrn. 19/20, 1991 Nr. 75, 1990 Nr. 18; Urteile des Bundesge-

richts 1C_434/2012 vom 28. März 2013 E.3, 3.2 und 3.3, 1C_115/2011 

vom 17. Mai 2011 E.3, 3.1-3.3, 1A.9/2007 vom 4. Dezember 2007 

E.2.2.1, 2.2.2, 3.4 am Ende, 1A.174/2003 vom 4. Mai 2004 E.3.2). Vorlie-

gend ist dies nicht der Fall, weshalb auch keine Korrekturen notwendig 

sind. 

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3. a) Der angefochtene Entscheid vom 10./12. Mai 2016 ist damit rechtmässig, 

was zu seiner Bestätigung und zur Abweisung der Beschwerde führt.

b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf 

Art. 73 Abs. 1 VRG dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der Beschwer-

degegnerin steht gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG keine aussergerichtliche 

Entschädigung zu, da sie lediglich in ihrem amtlichen Wirkungskreis ob-

siegte.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 1'500.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 333.--

zusammen Fr. 1'833.--

gehen zulasten von A._____ und sind innert 30 Tagen seit Zustellung die-

ses Entscheids an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, 

zu bezahlen.

3. [Rechtsmittelbelehrung]

4. [Mitteilungen]