# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3ae16389-21b3-539f-9577-5b0253c42d66
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-05-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.05.2024 D-915/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-915-2024_2024-05-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-915/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  M a i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

mit Zustimmung von Richterin Regina Derrer;   

Gerichtsschreiber Matthias Schmutz. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Anni Lanz, 

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug; beschleunigtes Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 2. Februar 2024 / N (…). 

 

 

 

D-915/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am (…) in der Schweiz um Asyl nach. 

A.b Am (…) beauftragte er die Mitarbeitenden des HEKS Rechtsschutzes 

Bundesasylzentren (…) mit der Wahrung seiner Interessen. 

A.c Mit Eingabe vom 23. Januar 2024 reichte der Beschwerdeführer eine 

afghanische Impfkarte und eine Tazkira (beides in Kopie) zu den Akten. 

A.d Am 29. Januar 2024 fanden die Erstbefragung für unbegleitete min-

derjährige Asylsuchende (EB UMA) sowie die Anhörung nach Art. 29 AsylG 

(SR 142.31) statt. 

Dabei brachte der Beschwerdeführer vor, er sei Tadschike und stamme aus 

dem Dorf B._______. Er habe sieben Jahre die Schule besucht, bis die 

Taliban ihre Region erobert hätten und er in der Folge illegal ausgereist sei. 

Sein Vater, seine Mutter, ein Bruder und seine Schwester würden noch in 

seiner Heimatregion leben. Zwei Brüder seien ebenfalls geflüchtet; einer 

sei in C._______ und einer im D._______. Er stamme aus einer Familie, 

die gegen die Taliban seien. Seine Brüder, sein Onkel und die Söhne seiner 

Tante seien in der Armee der ehemaligen Regierung gewesen. Einer seiner 

Brüder sei ein (…) gewesen und habe Mitglieder der Taliban befragt. Ein 

anderer Bruder habe für die Behörde für (…) der damaligen Regierung ge-

arbeitet. Der dritte Bruder sei ebenfalls Staatsangestellter gewesen. Sein 

Vater habe in der ersten Phase, in welcher gegen die Taliban gekämpft 

worden sei, mit den (…) gegen die Taliban gekämpft. Sein Onkel habe eine 

Weile als Diplomat im D._______ gearbeitet. Dieser unterrichte aktuell an 

der Universität E._______. Ein anderer Onkel sei ein Weissbärtiger seines 

Stammes gewesen und habe eine Gruppe im Kampf gegen die Taliban ge-

führt. Ihr Haus (des Beschwerdeführers und seiner Familie) liege an einem 

abgelegenen Ort. Als Afghanistan noch nicht von den Taliban gestürzt wor-

den sei, hätten Cousins von ihm einige Waffen zu ihnen gebracht. Als die 

Taliban ihre Region kontrolliert hätten, hätten sie ihr Haus durchsucht; das 

sei ungefähr vor (…) bis (…) Jahren respektive (…) bis (…) Monate vor 

seiner Ausreise gewesen, er sei damals (…) Jahre alt gewesen. Nur seine 

Mutter sei zu Hause gewesen. Ein Nachbar habe ihm gesagt, dass er nach 

Hause gehen müsse und dass die Taliban das Haus durchsuchen würden. 

So sei er die einzige männliche Person gewesen, die sich zu Hause auf-

gehalten habe. Seine Mutter habe sich gegen eine Hausdurchsuchung der 

Taliban gewehrt, weshalb sie von den Taliban gestossen worden und auf 

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den Boden gefallen sei. Weil er seine Mutter habe verteidigen wollen, hät-

ten die Taliban ihn geschlagen, wobei er am (…), (…) und (…) verletzt wor-

den und bewusstlos geworden sei. Nachträglich habe er erfahren, dass die 

Taliban das Haus verlassen hätten und er ins Spital gebracht worden sei. 

Als es ihm besser gegangen sei, sei er nach F._______ und, als Afghanis-

tan gestürzt worden sei, in den D._______ gegangen. Die Taliban seien bei 

ihnen gewesen, um zu schauen, ob sie zu Hause Waffen hätten. Soweit er 

wisse, hätten sie keine Waffen gefunden. Sein Vater habe trotzdem zwei 

Waffen kaufen und den Taliban geben müssen. Sein Vater werde zwar wei-

terhin von den Taliban belästigt, aber da er sehr alt sei, habe er keine ernst-

haften Probleme. Auch sein Bruder, der in Afghanistan lebe, müsse Beläs-

tigungen erdulden, da er für die Regierung gearbeitet habe. Weil er damals 

eine zivile Arbeit verrichtet habe und seine Augen schwach seien, habe er 

allerdings weniger Probleme, zumal die Taliban damals eine Amnestie ver-

kündet hätten. Es sei nicht so, dass sein Bruder verhaftet oder ins Gefäng-

nis gebracht worden sei, aber wenn er einen kleinen Fehler mache, werde 

er getreten oder geschlagen. Zudem sei Afghanistan seit der Machtüber-

nahme der Taliban anders. So dürften Mädchen nicht zur Schule gehen, 

die Jungen dürften nicht selber auswählen, was sie studieren wollten, es 

sei schwierig, Geld zu verdienen, und die Taliban würden eine Gesellschaft 

ohne Wissenschaft erzeugen wollen, damit sie Menschen zu Selbstmord-

attentätern ausbilden könnten. Er befürchte, dass sich nach seiner Rück-

kehr das, was ihm damals passiert sei, wiederhole. Die Taliban hätten ihn 

bis zum Tode geschlagen. Er habe Angst um sein Leben. Abgesehen da-

von könne er in Afghanistan nicht zur Schule gehen und nicht über seine 

Zukunft entscheiden. Er sei zudem jung, so dass die Taliban ihn auffordern 

könnten, sich ihnen anzuschliessen, was er aber nie machen würde. Des-

halb würde er Probleme bekommen. Ausserdem sei es wie eine Straftat, 

Farsi zu sprechen oder kein Paschtune zu sein. 

In gesundheitlicher Hinsicht hielt er fest, seine körperlichen Verletzungen 

seien verheilt, er habe einzig noch ein wenig Schmerzen am (…). Zudem 

sei er vergesslich geworden durch seine (…)verletzung.  

A.e Mit Schreiben vom 1. Februar 2024 nahm der Beschwerdeführer Stel-

lung zum ihm am 31. Januar 2024 zugestellten Entscheidentwurf des SEM. 

Er machte geltend, er sei mit einer vorläufigen Aufnahme nicht einverstan-

den. Als er sich den Taliban während der Hausdurchsuchung in den Weg 

gestellt habe, habe er diesen klar gezeigt, dass er ihr Feind sei. Sie hätten 

ihn sicher mitgenommen, wenn er bei Bewusstsein gewesen wäre. Er sei 

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nach jenem Vorfall lange Zeit im Krankenhaus gelegen, wo es im Umfeld 

keine Taliban gehabt habe. Andernfalls hätten sie ihn dort aufgesucht. Die 

Tätigkeiten seiner Angehörigen zeige zudem, dass seine Familie, so auch 

er, den Taliban klar feindlich gesinnt seien. Er werde in der nächsten Wo-

che Unterlagen einreichen, die seine Probleme belegen würden. Es sei 

schwierig gewesen, diese zu organisieren, weshalb diese verzögert ein-

treffen würden. Er ersuche das SEM um Zuteilung ins erweiterte Verfahren. 

B.  

Mit Verfügung vom 2. Februar 2024 – gleichentags eröffnet – verneinte das 

SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asyl-

gesuch ab und verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig 

ordnete es infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläu-

fige Aufnahme an und wies ihn dem Kanton G._______ zu. 

C.  

Gleichentags legte die damalige Rechtsvertretung ihr Mandat nieder. 

D.  

Am 12. Februar 2024 wurde dem Beschwerdeführer vom Amt für Migration 

und Integration des Kantons G._______ eine Vertrauensperson zugeord-

net. 

E.  

Der Beschwerdeführer focht den Entscheid des SEM vom 2. Februar 2024 

mit Beschwerde vom 12. Februar 2024 (Poststempel) beim Bundesverwal-

tungsgericht an. Er beantragt sinngemäss, die angefochtene Verfügung sei 

aufzuheben und ihm sei Asyl zu gewähren. In prozessualer Hinsicht er-

sucht er sinngemäss um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

F.  

Mit Eingabe vom 29. Februar 2024 reichte der Beschwerdeführer mehrere 

Kopien afghanischer Spitalberichte (in englischer Sprache) und Fotos zu 

den Akten.  

G.  

Mit Eingabe vom 8. März 2024 reichte der Beschwerdeführer einen Arzt-

bericht der (…) vom (…) zu den Akten. Zudem teilte er mit, dass er keine 

Beschwerde gegen die Kantonszuteilung einreichen wolle, er hoffe aber, 

nach dem definitiven Kantonswechsel seines Onkels nach E._______ 

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ebenfalls dorthin wechseln zu können. Seine vier minderjährigen Cousins 

seien ebenfalls dem Kanton E._______ zugewiesen worden. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch hier – end-

gültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer ist 

als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 

VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 

Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf 

Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-

sels verzichtet. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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4.2 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-

nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver-

folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Re-

flexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist (zum Begriff der Reflexverfolgung vgl. 

BVGE 2007/19 E. 3.3 m.H.a. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK 

[EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3h; EMARK 1994 Nr. 17). 

4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung 

aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen an 

die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten. Beim 

Vorfall anlässlich der Hausdurchsuchung durch die Taliban, als der Be-

schwerdeführer (…) gewesen sei, habe es sich um einen einmaligen Vor-

fall gehandelt. Der Beschwerdeführer sei zur falschen Zeit am falschen Ort 

gewesen. Die Taliban hätten nicht gezielt nach ihm gesucht, sondern das 

Haus nach Waffen durchsucht. Es sei nachvollziehbar, dass er wegen dem 

einmaligen Ereignis subjektiv Angst habe. Es sei objektiv aber nicht be-

gründet, dass er sich vor gezielten Verfolgungsmassnahmen durch die Ta-

liban fürchten müsse. Wenn sein älterer Bruder, der selbst für die ehema-

lige Regierung gearbeitet habe, und sein Vater, welcher ein ehemaliger (…) 

sei und einen Sohn habe, der (…) gewesen sei, keinen Verfolgungsmass-

nahmen ausgesetzt seien, obwohl sie noch in Afghanistan leben würden, 

sei auch der Beschwerdeführer nicht von einer Reflexverfolgung betroffen. 

Hinsichtlich der in Aussicht gestellten Beweismittel, aufgrund welcher der 

Beschwerdeführer eine Zuweisung ins erweiterte Verfahren verlange, sei 

festzuhalten, dass solche Beweismittel nichts am Entscheid ändern könn-

ten, da nicht die Glaubhaftigkeit der Vorbringen angezweifelt werde, son-

dern deren flüchtlingsrechtliche Relevanz nicht gegeben sei. Wenn der Be-

schwerdeführer mit Fotos seine Verletzungen vom Angriff der Taliban oder 

mit Unterlagen die Tätigkeiten seiner Brüder belegen würde, würde dies 

nichts daran ändern, dass aktuell sein Vater und ein älterer Bruder unbe-

helligt in Afghanistan in seinem Dorf leben könnten. 

5.2 In der Beschwerde wurde entgegnet, der Beschwerdeführer habe in 

der Schweiz einen als Flüchtling anerkannten Onkel sowie vier minderjäh-

rige Cousins, die bereits früher in die Schweiz gekommen seien. Alle seien 

zusammen am gleichen Ort in einer seit Generationen dem Widerstand 

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verpflichteten Grossfamilie aufgewachsen. Die Banden der angesehenen 

und wohlhabenden Familie seien sehr eng. Alle seine Onkel und alle älte-

ren Cousins hätten Afghanistan verlassen. Nur sein invalider Vater, sein 

blinder Bruder und sein invalider Grossonkel sowie die Mehrheit der weib-

lichen Familienangehörigen seien in Afghanistan geblieben. Die vier Cous-

ins und der Beschwerdeführer seien derselben Verfolgungs- und Bedro-

hungssituation entflohen. Während sein redegewandter Cousin ausführlich 

befragt worden sei und Asyl erhalten habe, sei der Beschwerdeführer in ein 

beschleunigtes Verfahren geraten. Wichtige Fragen, wie etwa zu seinen 

ihm von den Taliban zugefügten Stichwunden und Knochenbrüchen, seien 

ihm nicht gestellt worden. Die Befragung inklusive Begrüssung, Pause und 

Rückübersetzung habe bloss zwei Stunden gedauert. Zudem hätten kaum 

weiterführende Abklärungen stattgefunden, weil der Befrager eine feste 

Ansicht zu den bestehenden politischen Verhältnissen in Afghanistan ge-

habt habe. Die von der Vorinstanz angeführten Erwägungen und die 

Schlussfolgerung, wonach der Beschwerdeführer ähnlich wie seine invali-

den Angehörigen problemlos in seiner Heimat leben könne, ohne weitere 

Angriffe durch die Taliban in Kauf nehmen zu müssen, überschreite die zu-

lässige Interpretationsfreiheit der Vorinstanz und entspreche nicht den dor-

tigen reellen politischen und sozialen Verhältnissen. Der invalide Vater mit 

gekrümmtem Rücken und der blinde Bruder sowie deren Frauen würden 

für die Taliban keine Gefahr mehr darstellen, wohl aber die kräftigen Jüng-

linge und Männer, die zum Widerstand gerüstet seien. Die Taliban hätten 

die Absicht, den bewaffneten Widerstand zu eliminieren und nicht gebrech-

liche, wehrlose Menschen zu massakrieren. Die Taliban würden selbst be-

tagte, wehrlose und gebrechliche Personen immer wieder unter Druck set-

zen und mitnehmen, und im besonderen junge Männer als potenzielle Wi-

derstandskämpfer und deren Waffen aufspüren. Deshalb hätten sie im 

Haus des Beschwerdeführers auch nach Waffen gesucht und die Hausher-

rin umgestossen, die sie habe aufhalten und beschwichtigen wollen. Denn 

die Taliban hätten geglaubt, dass der Beschwerdeführer und insbesondere 

seine Brüder bewaffnet gewesen seien. Sie hätten den gebrechlichen Vater 

so unter Druck gesetzt, dass er zwei Waffen habe kaufen müssen, um sie 

den Taliban abzugeben, andernfalls hätten sie allenfalls den Vater ins Ge-

fängnis gebracht. Der Vater habe für den Waffenkauf ein Stück Land ver-

kaufen müssen. Der blinde Bruder lebe zudem nicht in B._______, sondern 

sei nach der Machübernahme mit seiner Frau nach H._______ geflohen. 

Der Beschwerdeführer befürchte, dass die Taliban ihn bei einer Rückkehr 

erneut zusammenschlagen und lebensgefährlich verletzen würden, denn 

die politische Situation habe sich nicht gebessert. Die Vorinstanz erachte 

diese Angst zu Unrecht als bloss subjektiv respektive als objektiv 

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unbegründet, da er nicht gezielten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt 

gewesen sei. Damit würden die vom Beschwerdeführer erlittenen folter-

ähnlichen Misshandlungen bagatellisiert. Der Vorfall habe nichts mit Zufall 

zu tun. Die Beachtung der medizinischen Unterlagen zeige die Intensität 

der erlittenen ernsthaften Nachteile. Er trage Narben von Stichwaffen am 

(…) und anderen Körperteilen sowie Spuren der zahlreichen Frakturen am 

(…) und Verletzungen am (…). 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht anerkennt, dass gewisse Personen, 

insbesondere solche, die den vormaligen afghanischen Behörden ange-

hörten oder für sie oder ausländische Akteure arbeiteten, ein erhöhtes Ri-

siko haben, in den Fokus der Taliban zu geraten. Zudem kann die familiäre 

Zugehörigkeit zu einer solchen Person zu einer Reflexverfolgung führen. 

Eine Einschätzung hat jedoch im jeweiligen Einzelfall zu erfolgen. Selbst 

wenn Familienmitglieder über ein entsprechendes Risikoprofil verfügen, 

vermag das per se noch keine Reflexverfolgung für die näheren Angehöri-

gen zu begründen. Um eine begründete Furcht vor einer Reflexverfolgung 

im Sinne von Art. 3 AsylG zu bejahen, muss ein begründeter Anlass zur 

Annahme bestehen, eine solche Verfolgung werde sich mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft auch in Bezug auf die Ange-

hörigen verwirklichen. Es müssen konkrete Indizien dargelegt werden, die 

die Furcht vor einer real drohenden Verfolgung nachvollziehbar erscheinen 

lassen (vgl. zum Ganzen: Urteil des BVGer E-1669/2024 vom 2. Mai 2024 

E. 6.3 f. m.w.H.). 

6.2 Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass gewisse Angehörige des Be-

schwerdeführers (vgl. oben E. A.d) zur Personengruppe gehören, welche 

ein erhöhtes Risiko hat, in den Fokus der Taliban zu geraten. Den Vorbrin-

gen des Beschwerdeführers sind aber keine hinreichenden Hinweise zu 

entnehmen, wonach auf eine nachvollziehbar erscheinende begründete 

Furcht vor Reflexverfolgung in Bezug auf seine Person zu schliessen ist. 

Insgesamt war der Beschwerdeführer vor seiner Ausreise offensichtlich 

nicht im Fokus der Taliban, obwohl die angebliche Reflexverfolgung bereits 

damals bestanden haben müsste. So hat es sich beim Übergriff durch die 

Taliban anlässlich der Hausdurchsuchung, bei welchem der Beschwerde-

führer seinen Angaben zufolge schwer verletzt wurde, er mithin ernsthafte 

Nachteile erlitten hat, nicht um eine geplante, gezielte Aktion gegen ihn 

persönlich gehandelt. Der Beschwerdeführer bestätigt auf Beschwerde-

ebene gerade selbst, dass die Taliban nicht nach ihm, sondern nach Waf-

fen gesucht haben. Zudem hat der Vater des Beschwerdeführers den 

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Taliban zwei Waffen kaufen müssen, damit die Taliban die Familie in Ruhe 

gelassen haben, nachdem die Taliban bei der Hausdurchsuchung keine 

gefunden haben (vgl. Beschwerde Ziff. B/2 und act. SEM 1299352-19/8 

F34). Weiter ging der Beschwerdeführer auf Zuruf des Nachbarkindes ins 

Haus, ohne Aufforderung durch die Taliban (vgl. Beschwerde Ziff. B/3 und 

act. SEM 1299352-19/8 F7). Das fehlende Interesse der Taliban am Be-

schwerdeführer deckt sich auch mit seinen Ausführungen in der Anhörung 

vom 29. Januar 2024, wonach die Taliban auf der Suche nach Waffen kom-

men, einen schlagen und danach wieder gehen würden (vgl. act. SEM 

1299352-19/8 F34). Insgesamt ist den Ausführungen in der Beschwerde 

und in der Anhörung vom 29. Januar 2024 nicht zu entnehmen, dass die 

Taliban ein Interesse am Beschwerdeführer gehabt haben. Sodann ist fest-

zustellen, dass auch die im Heimatstaat verbliebenen Familienangehöri-

gen, namentlich ein Bruder und der Vater des Beschwerdeführers, seitens 

der Taliban offenbar keine verfolgungsrelevanten Behelligungen erlitten ha-

ben (vgl. act. SEM 1299352-19/8 F15ff.), obwohl zumindest der Vater Kon-

takt zu den Taliban hatte. Die Begründung des Beschwerdeführers, die Ta-

liban hätten kein Interesse an seinem Vater und Bruder, da diese im Ge-

gensatz zu ihm aufgrund des Alters respektive der Invalidität keine poten-

ziellen Widerstandskämpfer mehr seien, vermag nicht zu überzeugen. Viel-

mehr bestätigt der Beschwerdeführer mit den diesbezüglichen Ausführun-

gen, dass er nicht eine Reflexverfolgung aufgrund anderer Familienange-

hörigen befürchtet, sondern vielmehr die allgemeine unsichere Lage für 

junge Männer in Afghanistan. Insgesamt gelingt es dem Beschwerdeführer 

weder eine bereits erlittene (Reflex-)Verfolgung noch eine objektiv begrün-

dete Furcht vor einer solchen glaubhaft darzulegen. 

6.3 Soweit der Beschwerdeführer auf die allgemeine Lage in Afghanistan 

verweist und befürchtet, aufgrund dieser erneut Nachteile zu erleiden, ist 

festzustellen, dass entsprechende Nachteile keine gezielten, individuellen 

Verfolgungshandlungen darstellen und daher grundsätzlich nicht asylrele-

vant sind; der allgemeinen Gefährdungssituation wurde bereits mit der An-

ordnung der vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs Rechnung getragen. 

6.4 Vor dem Hintergrund, dass der Übergriff anlässlich der Hausdurchsu-

chung durch die Taliban und die Verletzungen sowie deren Schwere nicht 

in Frage gestellt werden, vermögen die entsprechenden Fotos, die Spital-

berichte aus Afghanistan und der Arztbericht vom (…) nicht zu einer ande-

ren Schlussfolgerung zu führen. Gleiches gilt für die weiteren Fotos, zumal 

auch die Invalidität des Vaters des Beschwerdeführers nicht in Abrede 

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Seite 10 

gestellt wird und nicht ersichtlich ist, inwiefern der Beschwerdeführer aus 

dem Foto, in welchem er eine Tarnjacke trägt, seine Flüchtlingseigenschaft 

ableiten will. 

6.5 Schliesslich vermag der Beschwerdeführer allein aus dem Umstand, 

dass seinem Cousin in der Schweiz Asyl gewährt wurde, nichts zu seinen 

Gunsten abzuleiten, zumal sich die Situation des Cousins, wie der Be-

schwerdeführer selbst ausführt, von seiner Situation unterscheidet, bei-

spielsweise in Hinsicht auf die Kernfamilie. 

6.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Vor-

bringen nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich rele-

vante Verfolgung respektive eine entsprechende Verfolgungsfurcht zu be-

gründen. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde-

führers daher zutreffend verneint und sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

Nachdem das SEM in seiner Verfügung vom 2. Februar 2024 die Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festgestellt und die vorläufige Auf-

nahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeordnet hat, erübrigen 

sich praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Mög-

lichkeit des Wegweisungsvollzugs. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Insbesondere war das 

SEM auch nicht gehalten, weitere Abklärungen zu tätigen, weitere Beweis-

mittel abzuwarten oder eine weitere Anhörung durchzuführen sowie wei-

tere Fragen an der Anhörung zu stellen, zumal die Vorbringen des Be-

schwerdeführers offensichtlich nicht asylrelevant waren und die in Aussicht 

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Seite 11 

gestellten Beweismittel bereits zum vornherein nicht geeignet waren, zu 

einer anderen Schlussfolgerung zu führen (vgl. auch oben E. 6.4). Inwie-

fern dem Beschwerdeführer infolge der Durchführung des beschleunigten 

(anstatt des ordentlichen) Verfahrens Rechtsnachteile erwachsen sein soll-

ten, wird nicht dargelegt und ist auch nicht ersichtlich.  

Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Verzicht auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandlos geworden. 

10.2 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

(Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist abzuweisen, da sich die Beschwerdebegehren 

entsprechend den vorstehenden Erwägungen von vornherein als aus-

sichtslos erwiesen haben. 

10.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Gestützt auf Art. 6 

Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) 

ist indessen auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Matthias Schmutz