# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 93613846-e90f-5ed1-b23a-3ac2af9cf2e3
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-01-28
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 28.01.2004 BK 2004 1
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2004-1_2004-01-28.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 28. Januar 2004 Schriftlich mitgeteilt am: 
BK 04 1

Entscheid
Beschwerdekammer

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Heinz-Bommer und Rehli 
Aktuarin Duff Walser

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In der strafrechtlichen Beschwerde

des A. und der Z., Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Mar-
tina Zarn, c/o Bardill Advokatur & Notariat, Reichsgasse 71, 7002 Chur,

gegen

die Einstellungsverfügung des Kreispräsidenten Luzein vom 13. Dezember 2003, 
mitgeteilt am 15. Dezember 2003, in Sachen gegen die Beschwerdeführer, 

betreffend Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung (ausseramtliche Ent-
schädigung),

hat sich ergeben:

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A. Auf Gesuch von X. vom 13. November 2003 um Erlass eines Amts-
befehls wegen Besitzesstörung untersagte der Kreispräsident Luzein mit super-
provisorischer (recte: provisorischer) Verfügung vom 17. November 2003 Z. und 
A. unter Hinweis auf Art. 292 StGB das Parkieren und Stationieren von Fahrzeu-
gen aller Art auf den Parzellen Nrn. 1373 und 1374 sowie die Behinderung der 
Zufahrt auf die betreffenden Grundstücke. 

B. Am 27. November 2003 stellte X. Strafanzeige gegen Z. und A. we-
gen Ungehorsams gegen eine amtliche Verfügung gemäss Art. 292 StGB und 
Ruhestörung gemäss Art. 32 StPO. In der Folge eröffnete der Kreispräsident 
Luzein ein Strafverfahren gegen Z. und A..

Auf Aufforderung des Kreispräsidenten Luzein liessen sich Z. und A. am 
9. Dezember 2003 zur Strafanzeige vernehmen. Sie beantragten:

„1. Das vorliegende Strafverfahren sei einzustellen.

2. Kostenfolge sei die gesetzliche.

3. Es sei den Verzeigten eine Entschädigung von Fr. 1'000.-- zuzüglich 
7,6 % Mehrwertsteuer sowie eine Genugtuung von je Fr. 500.-- 
gemäss Art. 161 StPO zu entrichten.“ 

C. Mit Entscheid vom 13. Dezember 2003, mitgeteilt am 15. Dezember 
2003, erkannte der Kreispräsident Luzein: 

„1. Das Ersuchen um einen Amtsbefehl aus Besitzesstörung wird abge-
wiesen.

2. Der superprovisorische Amtsbefehl vom 17. 11. 2003 wird aufgeho-
ben.

3. Das Strafverfahren Pr. Nr. 080-2003 wird eingestellt, Kosten werden 
keine erhoben.

4. Die Forderungen der Parteien für ausseramtliche Entschädigungen 
werden abgewiesen.

5. (Kosten Amtsbefehlsverfahren).

6. (Rechtsmittelbelehrung).

7. (Mitteilung).“

D. Dagegen liessen Z. und A. mit Eingabe vom 5. Januar 2004 Be-
schwerde bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden er-
heben. Ihre Rechtsbegehren lauten:

„1. Ziffer 4 des Dispositivs der angefochtenen Einstellungsverfügung sei 
aufzuheben.

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2. Es seien die Beschwerdeführer für das Verfahren vor dem Kreisprä-
sidenten Luzein (Proz. Nr. 080-2003) zu Lasten der Kreiskasse 
Luzein mit Fr. 1'000.-- zuzüglich 7,6% Mehrwertsteuer zu entschädi-
gen.

3. Eventualiter sei die Sache mit verbindlichen Anordnungen im Sinne 
der vorgenannten Ziffern zur Neuentscheidung an die Vorinstanz 
zurückzuweisen.

4. Unter vollumfänglicher gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- 
und Entschädigungsfolge zuzüglich 7,6% Mehrwertsteuer auf die 
ausseramtliche Entschädigung für das Beschwerdeverfahren zulas-
ten der Beschwerdegegnerin.“

In seiner Stellungnahme vom 8. Januar 2004 beantragt der Kreispräsident 
Luzein die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde.

Auf die Begründung in den Rechtsschriften sowie auf die Erwägungen im 
angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, im folgenden eingegangen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung :

1. Wird das gegen den Angeschuldigten geführte Verfahren eingestellt, so 
ist ihm auf sein Begehren eine durch den Staat auszurichtende Entschädigung 
für Nachteile zuzusprechen, die er durch Untersuchungsmassnahmen erlitten hat 
(Art. 161 Abs. 1, Satz 1 StPO). Das ungerechtfertigte Handeln der Strafverfol-
gungsbehörden muss zu einem spürbaren Nachteil geführt haben. Zu den in Art. 
161 StPO erwähnten Nachteilen gehören grundsätzlich auch Verteidigungskos-
ten. Die Ausrichtung einer Entschädigung für anwaltliche Bemühungen setzt al-
lerdings voraus, dass der Beizug eines Rechtsanwaltes nach der Sachlage ge-
rechtfertigt und dessen Bemühungen angemessen waren (vgl. Willy Padrutt, 
Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Aufl., Chur 
1996, S. 413 - 415 mit Hinweisen). Ist dies der Fall, kommt eine Verweigerung 
oder Herabsetzung der Entschädigung nur dann in Frage, wenn der Angeschul-
digte durch verwerfliches oder leichtfertiges Verhalten die Untersuchung veran-
lasst oder erschwert hat (Art. 161 Abs. 1, 2. Satz StPO). 

a) Das Strafverfahren gegen Z. und A. wegen Ungehorsams gegen eine 
amtliche Verfügung sowie Ruhestörung wurde mit Verfügung vom 13. Dezember 
2003 eingestellt. Im Verfahren vor Vorinstanz ging es unter anderem insbeson-
dere um die Frage, ob der provisorische Amtsbefehl des Kreispräsidenten Luzein 
vom 17. November 2003 eine hinreichende Grundlage für eine Bestrafung 

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gemäss Art. 292 StGB bildete. Für eine zuverlässige Beurteilung dieser Proble-
matik sowie eine darauf gestützte sachgemässe Interessenvertretung der Ange-
schuldigten im Strafverfahren bedurfte es einer eingehenden Auseinanderset-
zung mit verschiedenen verfahrensrechtlichen Grundsätzen und gesetzlichen 
Voraussetzungen, welche einem Laien ohne Zuhilfenahme eines Anwalts nicht 
zugemutet werden kann. Der Beizug eines Rechtsanwalts war mithin nach der 
Komplexität des Falles sachlich geboten. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass 
nebst dem zur Diskussion stehenden Strafverfahren weitere Verfahren zwischen 
X. und den Beschwerdeführern respektive deren Vermietern hängig sind. Ange-
sichts dessen sowie des Umstands, dass die Aufhebung des im zivilrechtlichen 
Verfahren anbegehrten Amtsbefehls und die Einstellung des Strafverfahrens sei-
tens des Kreispräsidenten in ein und demselben Entscheid erfolgten, hätten die 
Beschwerdeführer ohne juristischen Beistand kaum die Übersicht behalten und 
ihre Verteidigungsmöglichkeiten wahrnehmen können. Der Beizug eines rechts-
kundigen Vertreters war mithin auch unter diesem Gesichtspunkt betrachtet zur 
Interessenwahrung der Beschwerdeführer notwendig. Die Sache wäre von den 
Beschwerdeführern als rechtliche Laien nicht alleine zu meistern gewesen (vgl. 
zum Ganzen auch PKG 2001 Nr. 20). 

b) Die Beschwerdeführer haben bereits anlässlich des vor dem Kreisprä-
sidenten gegen sie geführten Amtsbefehlsverfahrens in ihrer Stellungnahme vom 
29. November 2003 zu Recht auf die Mängel des provisorischen Amtsbefehls 
vom 17. November 2003 hingewiesen und dabei unter anderem deutlich ge-
macht, dass aufgrund der fehlenden Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB keine 
Bestrafung erfolgen könne. Folglich kann den Beschwerdeführern nicht vorge-
worfen werden, sie hätten die gegen sie geführte Strafuntersuchung durch ein 
verwerfliches oder leichtfertiges Verhalten veranlasst. Die Ursache für die unge-
rechtfertigte Strafuntersuchung gegen Z. und A. liegt vielmehr in der mangelhaf-
ten Strafandrohung von Art. 292 StGB durch den Kreispräsidenten. 

Steht nach dem Gesagten somit fest, dass der Beizug eines Anwalts ge-
rechtfertigt war und die Beschwerdeführer nicht durch leichtfertiges oder verwerf-
liches Verhalten Anlass zur Strafuntersuchung geboten haben, so sind Z. und A. 
für die ihnen im kreisamtlichen Verfahren erwachsenen anwaltlichen Aufwendun-
gen zu entschädigen. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen und Ziffer 4 der 
angefochtenen Verfügung aufzuheben. Zwar kommt der Beschwerde in der Re-
gel nur kassatorische Wirkung zu. Davon kann jedoch aus prozess-ökonomi-
schen Gründen abgewichen werden, wenn es die Verhältnisse in tatsächlicher 

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und rechtlicher Hinsicht zulassen, dass ohne weiteres ein Entscheid in der Sache 
selbst getroffen wird. Dies ist insbesondere bei Entscheiden über Kosten und 
Entschädigungen der Fall (vgl. Willy Padrutt, a.a.O., S. 341 Ziff. 3 mit Hinweisen). 
Vorliegend ist daher auf eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu ver-
zichten. Die von Z. und A. für das kreisamtliche Verfahren geltend gemachten 
und detailliert aufgeführten anwaltlichen Aufwendungen von total Fr. 1'000.-- zu-
züglich Mehrwertsteuer erscheinen der Beschwerdekammer angemessen. Den 
Beschwerdeführern ist daher für das vorinstanzliche Verfahren zu Lasten des 
Kreisamts Luzein eine ausseramtliche Entschädigung in entsprechender Höhe 
zuzusprechen.  

2. Für das Beschwerdeverfahren werden keine Kosten erhoben. Der Kan-
ton Graubünden hat die Beschwerdeführer für ihre Aufwendungen im Beschwer-
deverfahren angemessen ausseramtlich zu entschädigen (Art. 160 Abs. 4 StPO).

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer :

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen und Ziff. 4 des angefochtenen Ent-
scheids aufgehoben.  

2. Das Kreisamt Luzein hat die Beschwerdeführer für das kreisamtliche Ver-
fahren ausseramtlich mit Fr. 1'000.-- zuzüglich 7.6 % Mehrwertsteuer zu 
entschädigen.

3. Für das Beschwerdeverfahren werden keine Kosten erhoben.

4. Die Beschwerdeführer werden für das Beschwerdeverfahren ausseramt-
lich mit Fr. 500.-- zu Lasten des Kantons Graubünden entschädigt. 

5. Mitteilung an:

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Für die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident Die Aktuarin