# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 973f49b0-22ca-56b0-a5a4-f0a0057a9edf
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-17
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 17.11.2022 SK2 2022 39
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_SK2-2022-39_2022-11-17.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Beschluss vom 17. November 2022

Referenz SK2 22 39

Instanz II. Strafkammer 

Besetzung Hubert, Vorsitzender
Nydegger und Bergamin
Mosca, Aktuarin

Parteien A._____
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Michael Weltert
Advokatur am Rosenberg, Dufourstrasse 150, 9000 St. Gallen 

Gegenstand Fahren in fahrunfähigem Zustand

Anfechtungsobj. Abschreibungsverfügung Staatsanwaltschaft Graubünden vom 
19.08.2022, mitgeteilt am 22.08.2022 (Proz. Nr. VV.2022.1965)

Mitteilung 23. November 2022

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Sachverhalt

A. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 25. Juli 2022 wur-
de A._____ wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand gemäss Art. 31 Abs. 2 SVG 
und Art. 2 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG mit einer Gelds-
trafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 70.00, bedingt aufgeschoben bei einer Pro-
bezeit von 2 Jahren, und einer Busse von CHF 500.00, ersatzweise einer Frei-
heitsstrafe von 5 Tagen, bestraft.

B. Am 28. Juli 2022 (Valuta 2. August 2022) bezahlte der Ehemann von 
A._____ die seiner Frau auferlegte Busse und die Verfahrenskosten.

C. Am 3. August 2022 liess A._____ durch ihren Rechtsvertreter Einsprache 
gegen den Strafbefehl erheben und begründete diese am 11. August 2022. 

D. Mit Abschreibungsverfügung vom 19. August 2022, mitgeteilt am 22. Au-
gust 2022, schrieb die Staatsanwaltschaft das gemäss Art. 355 StPO geführte Un-
tersuchungsverfahren infolge Rückzugs der Einsprache ab. Kosten wurden keine 
erhoben.

E. Dagegen erhob A._____ am 26. August 2022 Beschwerde an das Kan-
tonsgericht von Graubünden mit folgenden Anträgen:

1. Die Abschreibungsverfügung vom 22. August 2022 sei aufzuheben;

2. Es sei festzustellen, dass die Einsprache nicht zurückgezogen wurde;

3. Die Staatsanwaltschaft sei anzuweisen, das Strafverfahren weiterzu-
führen;

4. Es seien die Vorakten beizuziehen;

5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.

Mit Stellungnahme vom 7. September 2022 beantragte die Staatsanwaltschaft die 
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.

Erwägungen

1.1. Die Beschwerdeführerin wendet sich mit ihrer Beschwerde gegen die von 
der Staatsanwaltschaft Graubünden erlassene Abschreibungsverfügung vom 19. 
August 2022. Gegen solche Verfügungen steht gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO 
die Beschwerde als ordentliches Rechtsmittel offen. Im Kanton Graubünden ist die 
II. Strafkammer des Kantonsgerichts zur Behandlung strafrechtlicher Beschwer-
den zuständig (vgl. Art. 22 Abs. 1 EGzStPO [BR 350.100] i.V.m. Art. 10 Abs. 1 
KGV [BR 173.100]). 

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1.2. Als beschuldigte Person ist die Beschwerdeführerin Partei (Art. 104 StPO) 
und – bei Vorliegen eines rechtlich geschützten Interesses (Art. 382 Abs. 1 StPO) 
– zur Ergreifung eines Rechtsmittels legitimiert. Mit ihrer Beschwerde verlangt die 
Beschwerdeführerin die Aufhebung der Abschreibungsverfügung vom 22. August 
2022 (recte: vom 19. August 2022) zwecks Weiterführung des Strafverfahrens. 
Durch die Abschreibung des Einspracheverfahrens würde der gegen die Be-
schwerdeführerin erlassene Strafbefehl vom 25. Juli 2022 in Rechtskraft erwach-
sen. Damit besitzt sie ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung der 
fraglichen Verfügung und ist zur Beschwerde legitimiert. 

1.3. Die vorliegende Beschwerde wurde mit Eingabe vom 26. August 2022 in-
nert der gesetzlichen Frist von 10 Tagen beim Kantonsgericht eingereicht (Art. 396 
Abs. 1 StPO). 

2.1. Die Staatsanwaltschaft moniert, die Eingabe der Beschwerdeführerin genü-
ge den gesetzlichen Begründungsanforderungen nicht. Der Rechtsvertreter der 
Beschwerdeführerin lege nicht ansatzweise dar, inwiefern die Staatsanwaltschaft 
mit der Abschreibungsverfügung vom 9. August 2022 eine Rechtsverletzung be-
gangen haben solle. Mit keinem Wort setze er sich mit der angefochtenen Verfü-
gung und der dieser zugrunde gelegten Begründung gemäss BGer 6B_254/2020 
auseinander. Damit sei er dem Begründungserfordernis der Beschwerde nicht 
nachgekommen.

2.2. Die Beschwerde ist schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz 
einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO; Art. 385 StPO). Dabei hat die Beschwerdefüh-
rerin genau anzugeben, welche Punkte des Entscheids sie anficht, welche Gründe 
einen anderen Entscheid nahelegen und welche Beweismittel sie anruft (Art. 385 
Abs. 1 lit. a-c StPO). 

2.3. Vorliegend kann – entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft – nicht ge-
sagt werden, die Beschwerde sei zu wenig substantiiert. Die Beschwerdeführerin 
legte dar, dass dem von der Staatsanwaltschaft zitierten Bundesgerichtsurteil nicht 
gefolgt werden könne, und sie verwies ihrerseits auf BGer 6B_152/2013 v. 27.5. 
2013 E. 4. In diesem Entscheid hatte das Bundesgericht einen konkludenten 
Rückzug negiert und die Beschwerde der beschuldigten Person entsprechend 
gutgeheissen. Dabei führte es aus, ein konkludenter Rückzug der gültig erhobe-
nen Einsprache dürfe nur angenommen werden, wenn sich aus dem gesamten 
Verhalten des Betroffenen der Schluss aufdränge, er verzichte mit seinem Desin-
teresse am weiteren Gang des Verfahrens bewusst auf den ihm zustehenden 
Rechtsschutz. Sodann legte die Beschwerdeführerin dar, aus welchen Gründen 

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die Staatsanwaltschaft vorliegend nicht von einem Desinteresse der beschuldigten 
Person hätte ausgehen dürfen. Schliesslich verwies sie auf den Grundsatz von 
Treu und Glauben und das Rechtsmissbrauchsverbot (Art. 3 StPO). Damit ist die 
Beschwerdeführerin ihrer Begründungspflicht zur Genüge nachgekommen. Sie hat 
sich in der gebotenen Kürze mit den ebenso kurzen Erwägungen des angefochte-
nen Entscheids auseinandergesetzt und aufgezeigt, welche Gründe einen ande-
ren Entscheid nahelegen. Auf die Beschwerde ist einzutreten.

3.1. Die Beschwerdeführerin rügt, ein konkludenter Rückzug der gültig erhobe-
nen Einsprache dürfe nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur ange-
nommen werden, wenn sich aus dem gesamten Verhalten der Betroffenen der 
Schluss aufdränge, sie habe mit ihrem Desinteresse am weiteren Gang des Ver-
fahrens bewusst auf den ihr zustehenden Rechtsschutz verzichtet (BGer 
6B_152/2013 v. 27.5. 2013 E. 4). Dies sei vorliegend nicht der Fall. Sie habe nie 
beabsichtigt, die Einsprache zurückzuziehen, ansonsten sie auch nicht einen 
Rechtsvertreter mandatiert hätte. Mit ihrer Einsprache sowie der wenige Tage 
später eingereichten Begründung der Einsprache habe sie klar signalisiert, dass 
sie sich gegen den Urteilsvorschlag wehren wolle. Die Rückzugsfiktion greife hier 
nicht. Komme hinzu, dass nicht sie selbst die Rechnung beglichen habe, sondern 
ihr Ehemann. Es werde bestritten, dass sie (die Beschwerdeführerin) Kenntnis von 
der Zahlung gehabt habe. Es sei daher verfehlt zu behaupten, sie habe ihre still-
schweigende Einwilligung zum Einspracherückzug erteilt, zumal sie die Zahlung 
weder selber vorgenommen habe noch vorgängig darüber informiert worden sei.

3.2. Eine Einsprache kann bis zum Abschluss der Parteivorträge zurückgezogen 
werden (Art. 356 Abs. 3 StPO). Art. 356 Abs. 3 StPO präzisiert nicht, welche Form 
der Rückzug der Einsprache aufweisen muss. Die Lehre bejaht im Allgemeinen, 
dass der Rückzug selbst durch konkludentes Verhalten, namentlich durch die Be-
zahlung der Busse oder der in diesem enthaltenen Busse oder Geldstrafe erfolgen 
kann. Eine teilweise Bezahlung der von der einsprechenden Person geltend ge-
machten Beträge wäre hingegen zweideutig und könnte die Staatsanwaltschaft 
beziehungsweise das Gericht dazu zwingen, diese aufzufordern, ihren Willen zu 
erklären (BGer 6B_254/2020 v. 10.8.2020 [Pra 2021 Nr. 12] E. 2.2 mit weiteren 
Hinweisen). 

Der Einsprecher, der freiwillig den gesamten im Strafbefehl enthaltenen Strafbe-
trag und die Gerichtskosten bezahlt, bekundet nach Ansicht des Bundesgerichts 
grundsätzlich nicht weniger klar sein Desinteresse an der Fortführung des Verfah-
rens als jener, der unentschuldigt einer Einvernahme (vgl. Art. 355 Abs. 2 StPO) 
beziehungsweise der Hauptverhandlung (vgl. Art. 356 Abs. 4 StPO), zu der er 

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rechtsgültig vorgeladen wurde, fernbleibt (BGer 6B_254/2020 v. 10.8.2020 [Pra 
2021 Nr. 12] E. 2.2 mit weiteren Hinweisen). Im Allgemeinen bleiben die Straf-
behörden jedoch gehalten, den Grundsatz von Treu und Glauben zu beachten 
(vgl. Art. 5 Abs. 3 und 9 BV sowie Art. 3 Abs. 2 lit. a StPO), so dass sie nicht an-
nehmen können, eine Person habe ihre Einsprache zurückgezogen, wenn ihr ge-
samtes Verhalten gegen ein Desinteresse an der Fortführung des Verfahrens 
spricht (BGer 6B_254/2020 v. 10.8.2020 [Pra 2021 Nr. 12] E. 2.2 mit weiteren 
Hinweisen).

3.3. Dem bei den Akten liegenden Zahlungsnachweis kann entnommen werden, 
dass der Betrag von CHF 1'723.95 (act. B.3) dem Konto von B._____ belastet 
wurde. B._____ ist der Ehemann der Beschwerdeführerin. Die Staatsanwaltschaft 
hat in ihrer Stellungnahme vom 7. September 2022 in diesem Zusammenhang 
ausgeführt, die Beschwerdeführerin müsse sich das Verhalten ihres Ehemannes 
anrechnen lassen. Das Bundesgericht habe in BGer 6B_254/2020 v. 10.8.2020 
[Pra 2021 Nr. 12] E. 2 festgehalten, dass sich der Beschuldigte sogar das Verhal-
ten seines Anwaltes anrechnen lassen müsse (act. A.2 Ziff. 3). 

Diese Argumentation überzeugt nicht. Sowohl der Anwalt wie auch der Ehegatte 
einer Person benötigen grundsätzlich eine Bevollmächtigung, um diese Person 
rechtsverbindlich vertreten zu können. Dies gilt unter Ehegatten jedenfalls für 
Rechtsgeschäfte und -handlungen, die wie vorliegend nicht die eheliche Gemein-
schaft betreffen. Ausserdem ist die Vertretung einer beschuldigten Person im 
Strafverfahren mit Ausnahme des Übertretungsstrafverfahrens Anwältinnen und 
Anwälten vorbehalten (Art. 127 Abs. 5 StPO; Art. 31 EGzStPO [BR 350.100]). 
Dafür, dass die Beschwerdeführerin ihren Ehemann damit beauftragt hätte, in ih-
rem Namen die Busse und Verfahrenskosten zu bezahlen oder gar die Einsprache 
zurückzuziehen, liegen keinerlei Anhaltspunkte vor. Die Beschwerdeführerin be-
streitet, dass die Zahlung in Absprache mit ihr erfolgt sei. Sie macht geltend, ihr 
Ehemann hätte im Zahlungszeitpunkt nicht um den Strafbefehl gewusst. Er habe 
die Rechnung bezahlt, da diese in seinen Augen fällig gewesen sei und er es sich 
gewohnt sei, Rechnungen anstandslos zu bezahlen. Wie es sich damit verhält, 
kann letztlich offen bleiben. Die Bezahlung der Rechnung durch B._____ durfte 
jedenfalls nicht ohne weitere Abklärungen der Beschwerdeführerin zugerechnet 
und schon gar nicht als konkludenter Rückzug der Einsprache gewertet werden. 
Dagegen spricht das gesamte Verhalten der Beschwerdeführerin, wie nachfolgend 
aufzuzeigen ist. 

3.4. Gegen die Annahme eines Desinteressens an der Fortführung des Strafver-
fahrens spricht insbesondere der chronologische Ablauf der Ereignisse:

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Am 28. Juli 2022 bezahlte der Ehemann der Beschwerdeführerin die seiner Ehe-
frau auferlegte Busse und die Verfahrenskosten. Gleichentags mandatierte die 
Beschwerdeführerin einen Rechtsanwalt mit der Wahrung ihrer Interessen. Am 3. 
August 2022, somit nach Bezahlung der Busse und Verfahrenskosten durch den 
Ehemann der Beschwerdeführerin, erhob der beigezogene Rechtsvertreter Ein-
sprache gegen den Strafbefehl. Mit der Einsprache reichte dieser die am 28. Juli 
2022 unterzeichnete Vollmacht bei der Staatsanwaltschaft ein (StA act. 28 und 
29). Mit Schreiben vom 5. August 2022 stellte die Staatsanwaltschaft dem Rechts-
vertreter der Beschwerdeführerin die Verfahrensakten zur Einsichtnahme zu. 
Gleichzeitig forderte sie diesen ausdrücklich auf, ihr mitzuteilen, ob an der Ein-
sprache festgehalten oder ob diese zurückgezogen werde (StA act. 30). Am 11. 
August 2022 begründete der Verteidiger aus "verfahrensökonomischen Überle-
gungen" die Einsprache, obwohl diese gemäss Art. 354 Abs. 2 StPO keiner Be-
gründung bedurft hätte (StA act. 31). 

Aus dem zeitlichen Ablauf der Ereignisse ergibt sich zunächst, dass die Bezahlung 
vom 28. Juli 2022 schon deshalb kein konkludenter Rückzug der Einsprache sein 
kann, weil diese erst fünf Tage später, nämlich am 3. August 2022 eingereicht 
wurde. Vielmehr würde ein Verzicht auf die Einspracheerhebung vorliegen (vgl. 
dazu Art. 386 Abs. 1 StPO, der analog auch bei der Einsprache zur Anwendung 
gelangen dürfte, obwohl diese kein eigentliches Rechtsmittel, sondern einen 
Rechtsbehelf darstellt). Ein solcher Verzicht hat jedoch gegenüber der entschei-
denden Behörde zu erfolgen. Ausserdem muss der Verzichtswille klar und un-
missverständlich zum Ausdruck kommen (vgl. zum Ganzen Viktor Lieber, in: Don-
tatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Straf-
prozessordnung, 3. Aufl., Zürich 2020, N 1 ff. zu Art. 386 StPO; Martin Zieg-
ler/Stefan Keller, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Schweizerische Strafpro-
zessordnung, 2. Aufl., Basel, 2014, N 1 ff. zu Art. 386 StPO). Beide Vorausset-
zungen sind vorliegend nicht gegeben. Die Bezahlung der Rechnung, aus welcher 
die Vorinstanz einen konkludenten Rückzug der Einsprache (recte: Verzicht auf 
die Erhebung einer Einsprache) ableiten will, erfolgte gegenüber der Finanzver-
waltung und nicht gegenüber der Staatsanwaltschaft. Bereits dargelegt wurde, 
dass die Bezahlung nicht durch die Beschwerdeführerin selbst, sondern durch de-
ren Ehemann ohne (nachgewiesene) Bevollmächtigung vorgenommen wurde. So-
dann beauftragte die Berufungsklägerin gleichentags einen Rechtsvertreter mit der 
Wahrung ihrer Interessen. Unter diesen Umständen konnte die Staatsanwaltschaft 
keineswegs von einer klaren und unmissverständlich abgegebenen Verzichtser-
klärung ausgehen. Wenn man das Verhalten ihres Ehemannes der Beschwerde-
führerin anrechnen wollte (quod non), wäre ihr Verhalten aufgrund der gleichzeiti-

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gen Mandatierung eines Anwaltes vielmehr äusserst widersprüchlich. Weiter gilt 
es zu beachten, dass die Staatsanwaltschaft den Rechtsvertreter der Beschwer-
deführerin nach Einspracheerhebung am 5. August 2022 aufforderte, ihr mitzutei-
len, ob an der Einsprache festgehalten oder ob diese zurückgezogen werde (StA 
act. 30). Auch wenn dies zu einem Zeitpunkt geschah, zu welchem die Staatsan-
waltschaft noch keine Kenntnis von der erfolgten Zahlung hatte, wäre sie nach 
Treu und Glauben aufgrund ihrer Aufforderung gehalten gewesen, die Rückmel-
dung der Beschwerdeführerin abzuwarten. Die Rückmeldung kam denn auch 
postwendend. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bestätigte am 11. Au-
gust 2022 die Absicht seiner Mandantin, an der Einsprache festzuhalten, indem er 
diese begründete. Gleichentags erhielt die Staatsanwaltschaft die Meldung der 
Finanzverwaltung über den Zahlungseingang. Unter diesen Umständen von einem 
Einspracherückzug oder -verzicht auszugehen, lässt sich nach Treu und Glauben 
nicht rechtfertigen. Das gesamte Verhalten der Beschwerdeführerin liess klar er-
kennen, dass sie an der Einsprache festhalten wollte. 

3.5. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Staatsanwaltschaft aufgrund der kon-
kreten Umstände nach Treu und Glauben nicht annehmen durfte, die Beschuldigte 
habe mit der Bezahlung der Busse und Verfahrenskosten durch ihren Ehemann 
konkludent ihre Einsprache zurückgezogen respektive darauf verzichtet, eine sol-
che zu erheben. Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen und die Sache ist zur 
Fortführung des Verfahrens an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen. 

4.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat nach Art. 428 Abs. 4 StPO der 
Kanton Graubünden die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen. In Anwen-
dung von Art. 8 der Verordnung über die Gerichtsgebühren in Strafverfahren 
(VGS; BR 350.201) werden die Kosten des Beschwerdeverfahrens auf CHF 
1'500.00 festgesetzt.

4.2. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren obsiegt die Beschwerdeführerin 
vollständig. Sie hat daher gestützt auf Art. 436 Abs. 3 StPO, welcher trotz Verweis 
auf das Berufungsverfahren auch im Beschwerdeverfahren Anwendung findet 
(Yvona Griesser, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schwei-
zerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. Auflage, Zürich 2014, N 4 zu Art. 436 
StPO) Anspruch auf eine Parteientschädigung, zumal eine solche von ihr bean-
tragt wurde. Mangels Einreichen einer Honorarnote wird die Entschädigung der 
Beschwerdeführerin praxisgemäss nach Ermessen festgesetzt. Angesichts der 
sich stellenden Sach- und Rechtsfragen erscheint eine Entschädigung von CHF 
1'000.00 (inkl. Spesen und MwSt.) angemessen.

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Demnach wird erkannt:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2. Die angefochtene Abschreibungsverfügung der Staatsanwaltschaft 
Graubünden (Proz. Nr. VV.2022.1965) wird aufgehoben, und die Sache 
wird zur Fortführung des Verfahrens an die Staatsanwaltschaft zurückge-
wiesen.

3.1. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von CHF 1'500.00 gehen zu Lasten 
des Kantons Graubünden.

3.2. Der Kanton Graubünden hat A._____ für das Beschwerdeverfahren eine 
Parteientschädigung von CHF 1'000.00 (inkl. Spesen und MwSt.) zu bezah-
len.

4. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. BGG Beschwerde in 
Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

5. Mitteilung an: