# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e5330aca-28dd-5765-b2a8-f6f965451a5f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-04-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.04.2024 D-817/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-817-2024_2024-04-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-817/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  A p r i l  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richter Walter Lang, Richter Simon Thurnheer, 

Gerichtsschreiber Jonas Perrin. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Pakistan,   

vertreten durch MLaw Naomi Adotsang,  

Rechtsschutz für Asylsuchende,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung (beschleunigtes Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 30. Januar 2024 / N (…). 

 

 

 

D-817/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein minderjähriger pakistanischer Staatsangehö-

riger – verliess gemäss eigenen Angaben seinen Heimatstaat ungefähr im 

Juli 2022 und gelangte über den Iran, die Türkei, Griechenland oder Libyen 

und Italien in die Schweiz, wo er am 25. Oktober 2023 um Asyl nachsuchte.  

B.  

Am 27. Oktober 2023 stellte das SEM bei den italienischen Behörden ein 

Begehren um Informationsaustausch gestützt auf Art. 34 der Verordnung 

(EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO). 

C.  

Am 9. November 2023 beantworteten die italienischen Behörden das Be-

gehren um Informationsaustausch des SEM vom 27. Oktober 2023. 

D.  

Anlässlich der Erstbefragung für unbegleitete minderjährige Asylsuchende 

(EB UMA) vom 12. November 2023 und der Anhörung vom 19. Januar 

2024 erklärte der Beschwerdeführer im Wesentlichen, er stamme aus dem 

Dorf «B._______» beziehungsweise «C._______» (phon.) im Disktrik 

Gujrat (Provinz Punjab), wo er mit seinen Eltern, seinen beiden Brüdern 

und einer Schwester bis zu seiner Ausreise gelebt habe. Er habe die 

Schule bis zur siebten Klasse besucht. Sein Vater habe als Tagelöhner, 

seine Mutter als Haushaltshilfe gearbeitet; seine beiden Brüder würden 

Drogen konsumieren, eine weitere Schwester sei verheiratet und lebe an 

einem anderen Ort. 

Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend, 

er sei aufgrund eines Konflikts zwischen seiner Familie und einer anderen 

über ein Stück Land ausgereist. Seine Familie habe im benachbarten Dorf 

ein Stück Land gekauft, welches sie aber aufgrund der eigenen Arbeit für 

zwei Jahre nicht bewirtschaftet hätten. Als sie sich in das benachbarte Dorf 

begeben hätten, sei das Stück Land bereits von einer anderen Familie be-

setzt gewesen. Diese Familie habe das Stück Land nicht herausgeben wol-

len, weshalb es zu einem Konflikt gekommen sei. Diese andere Familie 

habe die örtliche Polizei bestochen, woraufhin Mitglieder seiner Familie 

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Seite 3 

wiederholt verhaftet, geschlagen und ihnen mitgeteilt worden sei, sie soll-

ten sich dem Grundstück nicht mehr nähern. Er – der Beschwerdeführer – 

sei auf dem Schulweg von den Kindern der verfeindeten Familie mehrfach 

abgefangen und geschlagen worden, von der Polizei sei er jedoch nie an-

gehalten oder verhaftet worden. Ein paar Tage nach dem letzten Vorfall 

habe ihn der Bruder eines Freundes aus Spass gefragt, ob er nicht nach 

Europa gehen wollte. Er – der Beschwerdeführer – habe zugestimmt, ohne 

dass seine Eltern davon gewusst hätten. Der Bruder seines Freundes habe 

die Kosten für die Reise vorerst übernommen; sobald er – der Beschwer-

deführer – in Europa ankommen würde, müsse seine Familie das Geld je-

doch zurückzahlen. Seit seiner Ankunft habe er lediglich zweimal kurz mit 

seiner Mutter und seiner Schwester telefoniert. Er wisse nicht, ob seit sei-

ner Ausreise etwas Besonderes vorgefallen sei beziehungsweise, ob sich 

Mitglieder seiner Familie in Haft befinden würden. Als er zuletzt mit seiner 

Mutter und seiner Schwester telefoniert habe, seien diese bei einem seiner 

Onkel gewesen. 

Im Verlauf des Asylverfahrens reichte der Beschwerdeführer eine Kopie ei-

nes Auszugs aus einem Schulformular zu den Akten; Identitätspapiere 

reichte er keine ein. 

E.  

Am 12. Dezember 2023 stellte das SEM bei den griechischen Behörden 

ein Begehren um Informationsaustausch gestützt auf Art. 34 Dublin-III-VO. 

F.  

Am 26. Januar 2024 übermittelte das SEM der zugewiesenen Rechtsver-

tretung des Beschwerdeführers seinen Entscheidentwurf zur Stellung-

nahme. 

G.  

Am 29. Januar 2024 stellte die zugewiesene Rechtsvertretung des Be-

schwerdeführers dem SEM ihre Stellungnahme zum Entscheidentwurf zu. 

H.  

Mit Verfügung vom 30. Januar 2024 – gleichentags eröffnet – lehnte das 

SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, ordnete die Wegweisung 

aus der Schweiz an und verfügte den Vollzug derselben. 

I.  

Am 4. Januar 2023 beantworteten die griechischen Behörden das Begeh-

ren um Informationsaustausch des SEM vom 12. Dezember 2023. 

D-817/2024 

Seite 4 

J.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 7. Februar 2024 erhob der Be-

schwerdeführer Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Darin wurde 

beantragt, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei die Unzu-

mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die Vorinstanz sei 

anzuweisen, den Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen; eventualiter 

sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und die Sache zur vollstän-

digen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz 

zurückzuweisen. 

In prozessualer Hinsicht wurde beantragt, dem Beschwerdeführer sei die 

unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, insbesondere sei von der Erhe-

bung eines Kostenvorschusses abzusehen. 

K.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

8. Februar 2023 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG).  

L.  

Am 9. Februar 2024 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Ein-

gang der Beschwerde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsge-

richt endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

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Seite 5 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1 Die Dispositivziffern 1–3 der angefochtenen Verfügung sind mangels 

Anfechtung in Rechtskraft erwachsen. Gegenstand des vorliegenden Ver-

fahrens bildet somit einzig der Vollzug der Wegweisung. 

2.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG. 

3.  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-

zichtet. 

4.  

4.1 In der Beschwerde wird zunächst geltend gemacht, die Vorinstanz 

habe den rechtserheblichen Sachverhalt nicht vollständig festgestellt, in-

dem sie nur ungenügende Abklärungen in Bezug auf das Kindeswohl im 

Rahmen der Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorge-

nommen habe. Diese formelle Rüge ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls 

geeignet ist, eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu bewirken. 

4.2  

4.2.1 Im Asylverfahren gilt – wie in anderen Verwaltungsverfahren – der 

Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG), gemäss dem 

die entscheidende Behörde den Sachverhalt von sich aus abklärt, was 

heisst, dass sie verantwortlich für die Beschaffung der für den Entscheid 

notwendigen Unterlagen und das Abklären sämtlicher rechtsrelevanter Tat-

sachen ist (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwal-

tungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 142; KOPF/EMMENEG-

GER/BABEY, Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 

2016, Rz. 20 ff. zu Art. 12 VwVG). Das bedeutet, dass die Sachverhalts-

feststellung unvollständig ist, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-

SCHI, a.a.O., Rz. 1043).  

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Seite 6 

4.2.2 Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

verpflichten Art. 3 und Art. 22 des Übereinkommens vom 20. November 

1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107) die asylrechtlichen Be-

hörden, das Kindeswohl im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung als gewich-

tigen Aspekt zu berücksichtigen. Das SEM ist bezüglich unbegleiteter min-

derjähriger Asylsuchender verpflichtet, abzuklären, ob Minderjährige zu ih-

ren Eltern oder anderen Angehörigen zurückgeführt werden können und 

ob diese in der Lage sind, ihre Bedürfnisse abzudecken. Können die An-

gehörigen nicht ausfindig gemacht werden oder ergibt sich, dass die Rück-

kehr zu diesen dem Kindeswohl nicht entspricht, ist weiter abzuklären, ob 

das Kind in der Heimat allenfalls in einer geeigneten Anstalt oder bei einer 

Drittperson untergebracht werden kann. Auch gemäss Art. 69 Abs. 4 AIG 

hat die Vorinstanz vor der Ausschaffung einer unbegleiteten minderjähri-

gen Person sicherzustellen, dass diese im Rückkehrstaat einem Familien-

mitglied, einem Vormund oder einer Aufnahmeeinrichtung übergeben wer-

den kann, welche den Schutz des Kindes gewährleistet. Diese Norm über-

nimmt, mit einigen redaktionellen Änderungen, den Art. 10 Abs. 2 der 

Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Verfahren in den Mit-

gliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Drittstaatsangehöriger, 

ABl. L 348/98 vom 24.12.2008 (nachfolgend: Rückführungsrichtlinie; 

s. auch Notenaustausch vom 30. Januar 2009 [SR 0.362.380.042]). Dem-

nach behält die Rechtsprechung der Asylrekurskommission (vgl. Ent-

scheide und Mitteilungen der Asylrekurskommission [EMARK] 1998 Nr. 13 

E. 5e/bb; 1999 Nr. 2 E. 6b-6d und 2006 Nr. 24 E. 6.2.4), wonach der Voll-

zug von Wegweisungen minderjähriger Asylsuchender voraussetzt, dass 

bei der Abklärung des Sachverhalts klargestellt worden ist, inwiefern die 

minderjährige Person nach ihrer Rückkehr unter die Obhut eines Familien-

mitglieds oder einer besonderen Institution genommen werden kann, wei-

terhin Gültigkeit (vgl. BVGE 2021 VI/3 E. 11.5.2 m.w.H.). Zur Feststellung 

des Sachverhalts gehört auch die Abklärungen in Bezug auf die Modalitä-

ten einer Rückkehr in den Heimatstaat (vgl. Urteil des BVGer E-2488/2020 

vom 18. November 2021 E. 5.5.3). Die Umstände der Rückkehr sind somit 

Voraussetzung und Teil der anfechtbaren Verfügung, und stellen nicht etwa 

von der Rechtsmittelinstanz nicht mehr überprüfbare Vollzugsmodalitäten 

dar (vgl. Urteil E-2488/2020 E. 5.5.5 m.V.a. BVGE 2015/30 E. 7.3 m.w.H.). 

4.3  

4.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass es sich beim Be-

schwerdeführer unbestrittenermassen um einen minderjährigen Asylsu-

chenden handelt. Folglich ist das Kindeswohl als vorrangiges Interesse des 

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Beschwerdeführers in den Mittelpunkt der Erwägungen im Rahmen der 

Prüfung des Wegweisungsvollzugs zu stellen und ihm wesentliches Ge-

wicht beizumessen (vgl. zum Kindeswohl BVGE 2021 VI/1 E. 15.4 m.V.a. 

EGMR El Ghatet gegen die Schweiz vom 8. November 2016, Nr. 56971/10 

Ziff. 46 f.; EGMR [Grosse Kammer] Jeunesse gegen Niederlande vom 3. 

Oktober 2014, Nr. 12738/10 Ziff. 118; zum Ganzen  PHILIP CZECH, Das 

Recht auf Familienzusammenführung nach Art. 8 EMRK in der Rechtspre-

chung des EGMR, EuGRZ 2017 S. 231 ff., 237 f.; EGMR Nunez gegen 

Norwegen vom 28. Juni 2011, Nr. 55597/09 Ziff. 84). 

4.3.2 Entgegen der Argumentation in der Beschwerde sind die vorinstanz-

lichen Abklärungen in Bezug auf die Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs des Beschwerdeführers in seinen Heimatstadt Pakistan als hinrei-

chend zu bezeichnen. Auch wenn die Umstände seiner Ausreise nicht rest-

los geklärt sein dürften, gab der Beschwerdeführer an, seine Familie zu 

vermissen (vgl. SEM-eAkte […]-27/14 [nachfolgend A27/14] F35) und mit 

ihnen in Kontakt zu stehen (vgl. A27/14 F22 ff. und 95). Auch ist davon 

auszugehen, dass sich seine Familie weiterhin in seinem Heimatdorf auf-

hält (vgl. SEM-eAkte […]-20/10 [nachfolgend A20/10] F3.01).Obwohl der 

Beschwerdeführer seinen exakten Herkunftsort nur phonetisch und mittels 

Verweises auf eine umliegende Stadt darzulegen vermochte (vgl. A20/10 

F.2.01) und auch keine Kenntnis der exakten Wohnadresse seiner Familie 

haben dürfte (vgl. A27/14 F11), ist aufgrund des bestehenden Kontakts zu 

seiner Familie dennoch davon auszugehen, dass diese in der Lage ist, ihn 

an einem Flughafen in Pakistan abzuholen, eine Rückkehr zu seinen Eltern 

mithin gewährleistet und eine angemessene Betreuung durch diese gesi-

chert ist. 

4.4 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz den rechtserheblichen Sach-

verhalt – mit Blick auf ihre erhöhte Abklärungspflicht – hinreichend festge-

stellt. Insofern war – entgegen dem Vorbringen in der Beschwerde – im 

konkreten Fall auch keine Botschaftsabklärung angezeigt. Die formelle 

Rüge erweist sich somit als unbegründet, weshalb der Antrag auf Rückwei-

sung der Sache abzuweisen ist. 

5.  

5.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG). 

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Seite 8 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

5.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

5.2.1 Zur Begründung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs führte 

die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung an, aus dem Prinzip des 

übergeordneten Kindeswohls lasse sich zwar kein Recht auf eine Aufent-

haltsbewilligung oder eine vorläufige Aufnahme ableiten, jedoch müsse 

das Kindeswohl bei der Interessensabwägung im Rahmen der Prüfung der 

Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs berücksichtigt werden. Vorliegend 

sei – aufgrund der Minderjährigkeit des Beschwerdeführers – daher zu prü-

fen, ob er bei einer Rückkehr in angemessener Weise von einem Famili-

enmitglied oder subsidiär von Dritten beziehungsweise durch eine adä-

quate Einrichtung angemessene Betreuung erhalten würde. Vorliegend sei 

vom Bestehen eines tragfähigen familiären Netzwerks in Pakistan auszu-

gehen, welches den Beschwerdeführer bei der Rückkehr unterstützen und 

Hilfe gewähren könne. So seien seine Eltern weiterhin in seinem Heimat-

dorf wohnhaft, zudem würden verschiedene Onkel und Tanten ebenfalls in 

Pakistan leben. Es bestünde ein enges Verhältnis zu seinen Eltern und den 

Onkeln, die in seinem Heimatdorf wohnhaft seien; auch habe der Be-

schwerdeführer seit seiner Ankunft in Europa bereits mit seinen Eltern in 

Pakistan Kontakt aufgenommen. Ferner lebe eine seiner Schwestern in ei-

nem anderen Dorf, zu welcher ebenfalls ein grundsätzlich normales Ver-

hältnis bestehe. In der Folge sei der Vollzug der Wegweisung zumutbar, 

zumal auch keine Hinweise auf eine medizinische Notlage bestünden. 

5.2.2 In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, der Be-

schwerdeführer habe seit seiner Ankunft in der Schweiz erst zweimal Kon-

takt zu seiner Familie gehabt. Er habe den Kontakt jedoch nur zufälliger-

weise und über eine Drittperson herstellen können; da zu dieser Person 

inzwischen kein Kontakt mehr bestehe, sei auch nicht klar, ob er erneut 

Kontakt zu seiner Familie aufnehmen könne. Ferner verfüge er – entgegen 

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der Annahme der Vorinstanz – nicht über ein tragfähiges familiäres Netz-

werk. So habe er seit seiner Ausreise keinen Kontakt mehr zu seinem Vater 

mehr gehabt, auch sei unklar, ob sich dieser weiterhin in Haft befinde. Des 

Weiteren sei alleine aus dem Umstand, dass seine Eltern ihn als Zwölfjäh-

rigen nach Europa geschickt hätten, auf eine Kindeswohlgefährdung zu 

schliessen. Vor dem Hintergrund der schwierigen finanziellen Situation sei-

ner Familie habe massiver Druck auf ihn bestanden; dies drücke sich auch 

in seinen suizidalen Absichten aus. Auch bestehe kein – wie von der Vor- 

instanz behauptet – enges Verhältnis zu seinen beiden in Pakistan leben-

den Onkel; diesbezüglich habe er angegeben, diese lediglich gelegentlich 

besucht zu haben. Ferner bestehe auch kein normales Verhältnis zu seiner 

Schwester, zumal diese verheiratet sei und er deren Aufenthaltsort nicht 

kenne. Schliesslich könne er auch von seinen Brüdern keine Unterstützung 

erwarten, mithin diese drogenabhängig seien. Vor diesem Hintergrund er-

scheine der Wegweisungsvollzug insgesamt als unzumutbar. 

5.2.3 Nach Durchsicht der Akten stellt das Bundesverwaltungsgericht fest, 

dass die vorinstanzlichen Erwägungen nicht zu beanstanden sind. Es ist 

davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer den Kontakt zu seinen El-

tern Aufrecht erhalten kann, zumal er anlässlich der Befragungen jedenfalls 

nichts Gegenteiliges angegeben hat (vgl. A20/10 F3.01; 27/14 F22 ff. und 

95). Auch ist davon auszugehen, dass – entgegen dem Vorbringen in der 

Beschwerde – der Beschwerdeführer nicht von seiner Familie wegge-

schickt worden ist, sondern ohne die Zustimmung seiner Eltern und in de-

ren Unkenntnis ausgereist ist, weil ihm in Europa ein besseres Leben ver-

sprochen worden ist (vgl. A27/14 F92 ff.). In der Folge ist mit der Vorinstanz 

vom Bestehen eines tragfähigen familiären Netzes in Pakistan auszuge-

hen; Hinweise auf eine konkrete Gefährdung des Kindeswohls sind hinge-

gen nicht ersichtlich. 

Schliesslich besteht auch keine medizinische Notlage, zumal der Be-

schwerdeführer angab, es sei zwar manchmal schwierig für ihn, wenn er 

an seine Vergangenheit und seine Familie denke, er ansonsten aber an 

keinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen leide (vgl. A20/10 F8.02; 

A27/14 F5 und 60). An dieser Einschätzung vermögen auch die anlässlich 

der Stellungnahme zum Entscheidentwurf vorgebrachten suizidalen Ab-

sichten aufgrund des ablehnenden Asylentscheids nichts zu ändern, zumal 

Pakistan grundsätzlich über eine hinreichende Gesundheitsversorgung 

verfügt (vgl. Urteil des BVGer E-4623/2020 vom 23. Juni 2021 E. 9.3.3) 

und einer allfälligen Suizidalität im Rahmen der Vollzugsmodalitäten Rech-

nung getragen werden kann, und er zumindest vorübergehend 

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Seite 10 

medizinische Rückkehrhilfe – beispielsweise in Form der Mitgabe von Me-

dikamenten oder der Übernahme von Kosten für notwendige Therapien – 

in Anspruch nehmen kann (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asyl-

verordnung 2 über Finanzierungsfragen vom 11. August 1999 [AsylV 2,  

SR 142.312]). 

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 

zumutbar. 

5.3 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Wegweisungs-

vollzug zu Recht als zumutbar bezeichnet. Eine Anordnung der vorläufigen 

Aufnahme gestützt auf Art. 83 Abs. 1 und 4 AIG fällt somit ausser Betracht. 

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

7.  

7.1 Angesichts des vorliegenden, direkten Entscheids in der Sache erweist 

sich der Antrag auf Verzicht der Erhebung eines Kostenvorschusses als 

gegenstandslos. 

7.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem 

Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sein Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 

VwVG ist aber gutzuheissen, da von seiner Mittellosigkeit auszugehen ist 

und seine Beschwerdebegehren nicht von vornherein aussichtslos im 

Sinne dieser Bestimmung waren. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten 

ist entsprechend zu verzichten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Contessina Theis Jonas Perrin 

 

 

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