# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5e7cdf50-3b37-594b-958e-ae0b46096cfa
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-09-23
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 23.09.2010 UV 2009/102
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2009-102_2010-09-23.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2009/102

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 08.04.2020

Entscheiddatum: 23.09.2010

Entscheid Versicherungsgericht, 23.09.2010
Art. 4 ATSG, Art. 9 Abs. 2 UVV: Achillessehnenriss beim Vorzeigen einer 
Turnübung auf dem Minitrampolin. Verneinung eines Unfalls bzw. eines 
ungewöhnlichen äusseren Faktors sowie einer unfallähnlichen 
Körperschädigung bzw. eines unfallähnlichen Ereignisses (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. September 2010, UV 
2009/102).

Präsident Martin Rutishauser, Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider und 

Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiberin Vera Holenstein Werz

Entscheid vom 23. September 2010

in Sachen

W.___,

Beschwerdeführer,

gegen

AXA Versicherungen AG, General Guisan Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur,

Beschwerdegegnerin,

betreffend

Versicherungsleistungen

Sachverhalt:

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A.       

Der 1946 geborene W.___ ist bei der Schulgemeinde A.___ als Primarlehrer tätig und 

dadurch bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend: AXA) gegen die Folgen von 

Unfällen versichert. Laut Unfallmeldung vom 2. Dezember 2008 hat sich der Versicherte 

am 21. November 2008 beim Springen auf dem Minitrampolin während des 

Turnunterrichts einen Riss der linken Achillessehne zugezogen, der gleichentags im 

Spital Grabs durch Dr. med. B.___, Oberarzt Orthopädie, operativ versorgt wurde (act. 

A1, M7). Nach Vornahme entsprechender Abklärungen - Einholung von Arztberichten 

beim Spital Grabs und dem Hausarzt des Versicherten, Dr. med. C.___, 

Allgemeinmedizin FMH, (act. M5-8), sowie ergänzenden Erkundigungen beim 

Versicherten zum Unfallablauf (act. A2) - teilte ihm die AXA mit Schreiben vom 8. Juli 

2009 mit, sie müsse einen Leistungsanspruch aus der Unfallversicherung mit der 

Begründung ablehnen, dass weder ein Unfall noch eine unfallähnliche 

Körperschädigung vorliege. Die erlittene Gesundheitsschädigung gelte als "Krankheit" 

und falle somit in den Zuständigkeitsbereich der Krankenversicherung. 

Irrtümlicherweise habe sie zuerst gewisse Heilbehandlungen übernommen, 

entgegenkommenderweise würden jedoch die zu Unrecht erbrachten Leistungen nicht 

zurückgefordert (act. A3). Mit E-Mail vom 17. Juli 2009 nahm der Versicherte zur 

Leistungsablehnung Stellung (act. A4), worauf die AXA am 21. Juli 2009 

verfügungsweise an dieser festhielt (act. A5).

B.       

B.a   Gegen diese Verfügung erhoben sowohl die Sansan Versicherungen AG als 

Krankenversicherer des Versicherten (act. A6, A8) als auch dieser selbst (act. A10) 

Einsprache.

B.b   Mit Einspracheentscheid vom 2. September 2009 wies die AXA beide 

Einsprachen ab.

B.c   Mit E-Mail vom 9. September 2009 nahm der Versicherte zum 

Einspracheentscheid Stellung (act. A15), worauf ihn der zuständige Sachbearbeiter der 

AXA auf den Rechtsweg der Beschwerde an das zuständige Gericht verwies (act. A16).

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C.       

C.a   Mit Eingabe vom 30. September 2009 erhob der Versicherte gegen den 

Einspracheentscheid vom 2. September 2009 Beschwerde mit dem sinngemässen 

Antrag, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und es seien ihm für 

das Ereignis vom 21. November 2008 die gesetzlichen Leistungen auszurichten.

C.b   Mit Beschwerdeantwort vom 29. Januar 2010 beantragte die 

Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde.

C.c   Mit Replik vom 20. Februar 2010 und Duplik vom 10. Mai 2010 hielten die 

Verfahrensbeteiligten an ihren Anträgen fest.

C.d   Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die weiteren 

Ausführungen in den medizinischen Akten wird, soweit erforderlich, in den 

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:

1.        

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin als obligatorischer 

Unfallversicherer für die Folgen des Vorfalls vom 21. November 2008 leistungspflicht 

ist.

2.        

2.1    Die Beschwerdegegnerin hat den Unfallbegriff (Art. 4 des Bundesgesetzes über 

den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1; bis 31. 

Dezember 2002 war der Unfallbegriff mit gleichem Wortlaut im bis damals gültigen Abs. 

1 von Art. 9 der Verordnung über die Unfallversicherung {aUVV; AS 1983 38} 

umschrieben worden.]) sowie die Rechtsprechung zum Unfallbegriffsmerkmal der 

Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors (BGE 134 V 72, 130 V 117) zutreffend 

dargelegt. Gleiches gilt bezüglich des Begriffs der unfallähnlichen Körperschädigungen, 

die auch ohne ungewöhnliche äussere Einwirkung Unfällen gleichgestellt sind (Art. 6 

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Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20] in 

Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV), wobei am Erfordernis des äusseren Faktors 

festzuhalten ist (BGE 129 V 466; Urteil 8C_532/2007 vom 9. Juni 2008 E. 5, aufgeführt 

in SZS 2009 S. 153 f.). Darauf wird verwiesen.

2.2    Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. 

Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung 

des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Der Grundsatz gilt jedoch nicht 

uneingeschränkt. Er findet sein Korrelat in der Mitwirkungspflicht der Parteien. Der 

Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast 

begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen eine Beweislast aber insofern, als im Fall 

der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem 

unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Das Gericht stellt auf jene 

Sachverhaltsdarstellung ab, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die 

wahrscheinlichste würdigt. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts 

genügt den Beweisanforderungen nicht (BGE 126 V 360 E. 5b; 117 V 360 E. 4a; je mit 

Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin hat die Beweismaxime der "Aussage der ersten 

Stunde", die eine im Rahmen der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) zu 

berücksichtigende Entscheidungshilfe darstellt (BGE 121 V 47 E. 2a; RKUV 2004 Nr. U 

524 S. 546), richtig wiedergegeben. Darauf wird ebenfalls verwiesen.

3.        

Gemäss Unfallmeldung vom 2. Dezember 2008 erlitt der Beschwerdeführer am 21. 

November 2008 beim Springen auf dem Minitrampolin während des Turnunterrichts 

eine Achillessehnenruptur links (act. A1). Am 24. Dezember 2008 schilderte er den 

Vorfall dahingehend, dass der Achillessehnenriss auf dem Minitrampolin passiert sei, 

als er seinen Schülern und Schülerinnen eine Übung gezeigt habe. Das Minitrampolin 

habe vor einem Schwedenkasten gestanden. Auf diesen habe er sich mit beiden 

Händen abgestützt und dann gezeigt, wo auf dem Trampolin die Füsse aufgesetzt 

werden müssten. Nach dem dritten Abheben habe die linke Achillessehne gerissen. 

Der Beschwerdeführer bejahte, dass es sich dabei um eine gewohnte Tätigkeit 

gehandelt habe. Im Turnverein habe diese Übung zum normalen Training gehört. In den 

letzten zehn Jahren habe er sie zwar nicht mehr regelmässig gemacht. Die äusseren 

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Bedingungen seien normal gewesen. Ein Ausgleiten oder ein Sturz habe sich nicht 

zugetragen (act. A2). In der Einsprache vom 17. August 2009 machte der 

Beschwerdeführer keine konkreten Ausführungen zum Vorfall vom 21. November 2008 

(act. A10), worauf am 2. September 2009 der ablehnende Einspracheentscheid erging 

(act. A14). Erstmals in der dem Sachbearbeiter der Beschwerdegegnerin per E-Mail am 

9. September 2009 zugesandten Stellungnahme zum Einspracheentscheid folgte dann 

der Einwand des Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin habe nicht erwähnt, 

dass er vom Handstand aus auf das Minitrampolin aufgesetzt habe (act. A15).

4.        

Die Beschwerdegegnerin hat im Einspracheentscheid vom 2. September 2009 sowie in 

ihren Rechtsschriften ausführlich begründet dargelegt, dass in Bezug auf alle 

Sachverhaltsschilderungen des Beschwerdeführers (vgl. dazu Erwägung 3) das 

Tatbestandsmerkmal der Ungewöhnlichkeit bzw. das Geschehen einer eindeutig 

programmwidrigen körpereigenen Bewegung nicht erfüllt ist und somit kein Unfall im 

Sinn von Art. 4 ATSG vorliegt. Aus dem Umstand, dass sich der Beschwerdeführer 22 

Jahre zuvor, bei der Ausübung eines sogenannten "Arabers" eine Achillessehnenruptur 

rechts zugezogen hat (act. G 3.3, act. A15), die als Folge eines Unfalls bewertet wurde, 

vermag der Beschwerdeführer nichts für den vorliegenden Fall abzuleiten. Laut 

Krankengeschichte des Spitals Grabs lag nämlich damals ein ungewöhnlicher äusserer 

Faktor vor, indem der Beschwerdeführer bei der fraglichen Turnübung mit dem rechten 

Fuss unglücklich zwischen zwei Matten gelandet war. Ebenfalls keinen 

Unfalltatbestand vermag schliesslich die Tatsache zu begründen, dass von den Ärzten 

als Ursache für die Achillessehnenruptur ein Unfall angegeben wurde (act. M5, M6, 

M8). Allgemein ist festzuhalten, dass sich der mangelnde Nachweis eines die Merkmale 

des Unfalls erfüllenden Ereignisses nur selten durch medizinische Feststellungen 

ersetzen lässt. Diesen kommt im Rahmen der Beweiswürdigung für oder gegen das 

Vorliegen eines Unfallgeschehens in der Regel nur die Bedeutung von Indizien zu 

(RKUV 1990 Nr. U 86 S. 51 E. 2). Zu beachten ist ausserdem, dass sich der 

medizinische Begriff des Traumas nicht mit dem rechtlichen Unfallbegriff deckt. Ein 

traumatisches Ereignis schliesst zwar eine krankhafte Ursache aus, umfasst jedoch 

neben dem eigentlichen Unfall im Rechtssinn auch Ereignisse, denen der Charakter der 

Ungewöhnlichkeit und/oder der Plötzlichkeit abgeht (vgl. Urteil des Eidgenössischen 

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Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des 

Bundesgerichts] vom 3. Januar 2000 i/S S. [U 236/98], E. 2d; Alfred Maurer, 

Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 1989, S. 175 f.). So obliegt es 

dem Richter, die Frage zu beurteilen, ob die Merkmale des Unfallbegriffs erfüllt sind 

bzw. ein Ereignis als Unfall anzuerkennen ist, während es Aufgabe des Arztes ist, den 

konkreten Körperschaden zu diagnostizieren und, bei Bejahung eines 

Unfallereignisses, den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen Unfallereignis und 

konkretem Körperschaden zu beurteilen.

5.        

5.1    Somit bleibt die Frage zu beantworten, ob eine unfallähnliche Körperschädigung 

im Sinn von Art. 9 Abs. 2 UVV vorliegt. Als unbestritten hat zu gelten, dass die vom 

Beschwerdeführer am 21. November 2008 erlittene und gleichentags operativ 

behandelte Achillessehnenruptur links mit der in Art. 9 Abs. 2 lit. f UVV erwähnten 

Diagnose (Sehnenrisse) vereinbar ist und somit grundsätzlich unfallähnlichen Charakter 

haben kann. Streitig ist einzig, ob ein Geschehen entsprechend einem unfallähnlichen 

Ereignis im Sinn der im angefochtenen Einspracheentscheid und in den 

Rechtsschriften der Beschwerdegegnerin korrekt dargelegten Praxis, d.h. ein 

Geschehen, dem ein gewisses gesteigertes Gefährdungspotential innewohnt bzw. das 

mit einer plötzlich erhöhten Krafteinwirkung auf den menschlichen Körper verbunden 

ist, stattgefunden hat (BGE 129 V 467 E. 2.2).

5.2    Ein Geschehen mit einem gesteigerten Gefährdungspotential ist bei einer 

sportlichen Übung, die von einem als Absprunghilfe an einen Schwedenkasten 

gestellten Minitrampolin aus geturnt wird, nicht möglich. Bei der durch das federnde 

Minitrampolin und den Schwedenkasten begrenzten Bewegung ist es nicht möglich - 

schon gar nicht bei einem geübten Turner – dass sich Kräfte aufbauen, die das 

physiologisch Normale überschreiten, zumal die zusätzlichen Angaben des 

Beschwerdeführers vom 24. Dezember 2008 zur Schadenmeldung (act. A2) einen 

vollständig kontrollierten Bewegungsablauf auf dem Minitrampolin ohne Misstritt, 

Ausrutscher, Verdrehung oder dergleichen beschreiben. Dieselbe Beurteilung ergibt 

sich auch, wenn man von der Sachverhaltsschilderung ausgehen würde, wonach der 

Beschwerdeführer aus dem Handstand vom Schwedenkasten aus auf das 

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Minitrampolin gelandet wäre, worauf die Beschwerdegegnerin aber gestützt auf die 

Beweismaxime der "Aussage der ersten Stunde" zu Recht nicht abgestellt hat. Dass im 

vorliegenden Fall von einer Gesundheitsschädigung ohne Einwirkung eines 

unfallähnlichen Ereignisses auszugehen ist, zeigt auch der Umstand, dass der 

Beschwerdeführer die Turnübung vor dem Achillessehnenriss bereits zweimal in 

derselben Art und Weise vorgeführt hatte. In Anbetracht des Gesagten ist 

zusammenfassend festzuhalten, dass beim Ereignis vom 21. November 2008 keine 

Belastungssituation entstehen konnte, die einer sinnfälligen Einwirkung auf den Körper 

bzw. einem erhöhten Kraftaufwand oder dem Hinzutreten einer belastenden 

Bewegung, eben einem unfallähnlichen Ereignis, entspricht. Die Beschwerdegegnerin 

hat damit das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung im Sinn von Art. 9 Abs. 

2 UVV zu Recht verneint. Der Beschwerdeführer bringt nichts vor, was zu einer anderen 

Sichtweise führen könnte.

5.3    Obwohl die Beschwerdegegnerin in Bezug auf den vorliegenden Schadenfall 

anfänglich gewisse Leistungen für Heilbehandlungen erbracht hat, durfte sie 

schliesslich mit Verfügung vom 21. Juli 2009 feststellen, dass kein versichertes Ereignis 

im Sinn von Art. 4 ATSG oder Art. 9 Abs. 2 UVV vorliege. Den Akten sind keinerlei 

Hinweise dafür zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht 

ausdrücklich anerkannt hätte. Es handelte sich offensichtlich um vorläufige, ohne 

weitere Sachverhaltsabklärungen erbrachte Zahlungen. Hinzu kommt, dass die 

Beschwerdegegnerin keinerlei Rückforderungsansprüche geltend macht (vgl. dazu 

auch BGE 130 V 380).

6.   

Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten 

sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG

entschieden:

1.       Die Beschwerde wird abgewiesen.

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2.       Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

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