# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 75b29030-6f17-57ad-81bf-3cbdea79a8d6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-03
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 03.02.2012 D-2604/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-2604-2010_2012-02-03.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­2604/2010

U r t e i l   v om   3 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz),
Richter Kurt Gysi, Richter Bendicht Tellenbach,   
Gerichtsschreiber Patrick Weber.

Parteien A._______, geboren am _______,
Sri Lanka,  
vertreten durch _______ 
_______,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 15. März 2010 / _______.

D­2604/2010

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
A.a. Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer Sri Lanka 
am  _______  September  2009  auf  dem  Luftweg  und  gelangte  _______ 
am 13. Oktober 2009 in die Schweiz, wo er am 14. Oktober 2009 um Asyl 
nachsuchte.  Am  16.  Oktober  2009  führte  das  BFM  eine 
Summarbefragung  durch.  Am  24.  November  2009  zeigte  die 
Rechtsvertretung  des  Beschwerdeführers  ihre  Mandatsübernahme  an. 
Die Anhörung fand am    25. November 2009 statt.

A.b. Der Beschwerdeführer – ein Tamile aus _______ – machte geltend, 
in seinem Wohnort als Rikscha­Fahrer gearbeitet zu haben. Er und seine 
Kollegen seien durch Soldaten der Armee beobachtet worden. Die LTTE 
hätten die Rikscha­Fahrer unter Drohungen zu einem Training unter ihrer 
Obhut  in  _______ aufgefordert. Nach  anfänglicher Weigerung  hätten  er 
und seine Kollegen an einem solchen eintägigen Training im August 2006 
teilgenommen.  Auf  dem  Heimweg  seien  sie  durch  Armeeangehörige 
gefilmt  worden.  Später  habe  man  sie  aufgefordert,  im  Armeelager 
vorzusprechen.  Dort  habe  man  sie  der  LTTE­Mitgliedschaft  bezichtigt. 
Ihren  Aussagen,  zum  Training  gezwungen  worden  zu  sein,  hätten  die 
Soldaten nicht geglaubt. Sie seien gleichentags wieder entlassen und am 
späteren Nachmittag beim Rikscha­Stand durch bewaffnete Personen auf 
Motorrädern  eingeschüchtert  worden.  In  der  Folge  seien  vier  Rikscha­
Fahrer  getötet  worden.  Er  selbst  habe  wiederholt  Drohungen  erhalten; 
zudem  sei  durch  Angehörige  verschiedener  Gruppierungen  nach  ihm 
gesucht  worden.  Seinen  Eltern  sei  gesagt  worden,  er  solle  zwecks 
Befragung  zu Hause bleiben. Seine Familie besitze  zwei Häuser. Eines 
Tages  im  Jahre  2006  habe  er  die  Auto­Rikscha  bei  dem  einen  Haus 
parkiert und  im anderen geschlafen.  In der Nacht hätten Armeesoldaten 
eine  Handgranate  ins  erstgenannte  Haus  geworfen.  Seine  Eltern  und 
seine  Schwestern  seien  dabei  verletzt  worden.  Aus  Angst  vor 
Behelligungen habe er daraufhin bis  ins Jahr 2008 in _______ versteckt 
gelebt. Seinen älteren Bruder hätten die Sicherheitskräfte wegen dessen 
Beziehungen  zu  einem  LTTE­Mitglied  und  Parlamentsabgeordneten 
ebenfalls  der  LTTE­Mitgliedschaft  verdächtigt.  Auch  wegen  dieser 
Umstände seien er  (der Beschwerdeführer) und sein  jüngerer Bruder  im 
Fokus der Armee gestanden. Auf  der  anderen Seite  führte  er  aus,  sein 
älterer  wie  auch  sein  jüngerer  Bruder  hätten  seinetwegen  Probleme 
erhalten.  Durch  den  erwähnten  Parlamentsabgeordneten,  welcher  als 
Armeeangehöriger die LTTE unterstützt habe, sei es ihm gelungen, einen 

D­2604/2010

Seite 3

Clearance­Schein  zu  erlangen  und  er  zusammen mit  seiner Mutter  und 
dem jüngeren Bruder zu einer Tante nach _______ gereist, wo sie fortan 
gewohnt hätten. Zeitweise habe er  sich aus Angst  vor einer Verhaftung 
bei Bekannten der Tante aufgehalten. Am _______ Oktober 2008 hätten 
die  Sicherheitsbehörden  ihn  und  seinen  jüngeren  Bruder  im  Haus  der 
Tante  festgenommen.  Sie  seien  durch  Angehörige  verschiedener 
Organisationen der LTTE­Mitgliedschaft beschuldigt und gefoltert worden. 
Die erlittenen Folterungen hätten bei  ihm zu Narben geführt. Durch eine 
Geldzahlung  sei  es  seiner  Tante  mit  Unterstützung  eines  Anwalts  am 
_______  Januar  2009  gelungen,  ihre  Neffen  freizubekommen.  Am 
_______  Januar  2009  seien  er  und  sein  Schlepper  bei  der  versuchten 
Ausreise  durch  das  Criminal  Investigation  Department  (CID)  am 
Flughafen  festgenommen  worden.  Sie  seien  in  ein  Lager  gebracht  und 
misshandelt worden. Man habe ihn gefragt, wie er die Entlassung aus der 
vorherigen Haft habe bewirken können, und Fragen zu seinem jüngeren 
und  seinem  älteren  Bruder  gestellt.  Die  Sicherheitskräfte  hätten  seinen 
älteren  Bruder  als  LTTE­Mitglied  bezeichnet,  das  sich  stellen  müsse. 
Dem  Schlepper  sei  es  durch  seine  Mittelsmänner  am  _______ 
September  2009  gelungen,  die  Freilassung  zu  bewirken.  Sie  seien  in 
einem  weissen  Van  des  CID  zu  einem  Spital  gebracht  worden.  In 
Anbetracht der geschilderten Situation sei er wenig später nach _______ 
geflogen. 

A.c.  Als  Beweismittel  gab  der  Beschwerdeführer  eine  Bestätigung  für 
eine  ärztliche  Behandlung  im  Heimatland,  eine  Bestätigung  für  die 
Beschädigung  des  einen  elterlichen  Hauses,  entsprechende 
Bildaufnahmen, eine anwaltliche Bestätigung  für die erste Festnahme  in 
_______, einen Brief seiner Mutter, einen Internet­Artikel  (Schreiben der 
Schweizer  Behörden  an  einen  Landsmann)  und  ein  ärztliches 
Überweisungsformular (HMO Gesundheitsplan) zu den Akten. 

A.d. Am 4. Dezember 2009 übermittelte die Rechtsvertretung dem BFM 
die Vollmacht ihres Mandanten im Original. 

B. 
Mit Verfügung vom 15. März 2010 – eröffnet am 17. März 2010 – stellte 
das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft 
nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  den  Wegweisungsvollzug.  Die 
Vorinstanz erachtete die Verfolgungsvorbringen für unglaubhaft. 

D­2604/2010

Seite 4

C. 
Mit  Eingabe  vom  16.  April  2010  (Fax­Übermittlung;  Datum  der 
Postaufgabe:  17.  April  2010)  beantragte  der  Beschwerdeführer  beim 
Bundesverwaltungsgericht  durch  seine  Rechtsvertretung  die  Aufhebung 
des  vorinstanzlichen  Entscheids,  die  Feststellung  seiner 
Flüchtlingseigenschaft  und  die  Asylgewährung,  eventualiter  die 
Feststellung  der  Unzulässigkeit  respektive  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  verbunden  mit  der  vorläufigen  Aufnahme  in  der 
Schweiz  sowie  in  prozessualer  Hinsicht  die  unentgeltliche 
Prozessführung samt Entbindung von der Vorschusspflicht (Art. 65 Abs. 1 
des  Verwaltungsverfahrensgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  [VwVG, 
SR 172.021])  und  die  allfällige  Einräumung  eines  Replikrechts. 

Für die – teilweise bereits im erstinstanzlichen Verfahren eingereichten – 
Beweismittel  kann  auf  die  entsprechende  Auflistung  verwiesen  werden 
(vgl.  S.  23  f.  der  Beschwerdeschrift).  Weitere  Beweismittel  wurden  in 
Aussicht gestellt. 

D. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  21.  April  2010  verzichtete  das 
Bundesverwaltungsgericht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses 
und hiess das Gesuch im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut.

E. 
Am  6.  Mai  2010  ging  beim  Bundesveraltungsgericht  ein  den 
Beschwerdeführer  betreffender  psychiatrischer Arztbericht  vom 19. April 
2010 samt Begleitschreiben ein. 

F. 
Mit  Eingabe  vom  14.  Mai  2010  (Datum  der  Postaufgabe)  gab  der 
Beschwerdeführer  Beweismittel  im  Zusammenhang  mit  der 
verwandtschaftlichen  Beziehung  seiner  Angehörigen,  den  unter  Bst.  E 
erwähnten  Arztbericht  und  einen  weiteren  Arztbericht  vom  7. Mai  2010 
(nochmals) zu den Akten. 

G. 
Nach  gewährter  Fristerstreckung  beantragte  das  BFM  mit 
Vernehmlassung vom 25. Mai 2010 die Abweisung der Beschwerde. 

D­2604/2010

Seite 5

H. 
Mit  Replik  vom  11.  Juni  2010  hielt  der  Beschwerdeführer  an  seinen 
bisherigen Vorbringen fest. 

I. 
Am 6. Juli 2010 gab der Beschwerdeführer zwei bereits in anderer Form 
eingereichte Schreiben des Friedensrichters (nochmals) zu den Akten. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

D­2604/2010

Seite 6

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen  (Art.  7  Abs.  1  AsylG). 
Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in sich 
schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilderungen 
erschöpfen  oder  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung 
widersprechen und sie dürfen nicht widersprüchlich sein oder der inneren 
Logik  entbehren.  Darüber  hinaus  muss  die  asylsuchende  Person 
persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall 
ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel 
abstützt  (Art. 7  Abs. 3  AsylG),  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder 
bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen 
auswechselt  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am 
Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert. Glaubhaftmachung 
bedeutet  –  im  Gegensatz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes 
Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel 
an den Vorbringen des Beschwerdeführers. Eine Behauptung gilt bereits 
als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von  ihrer Wahrheit nicht völlig 
überzeugt  ist,  sie  aber  überwiegend  für  wahr  hält,  obwohl  nicht  alle 
Zweifel  beseitigt  sind.  Für  die  Glaubhaftmachung  reicht  es 
demgegenüber  nicht  aus, wenn  der  Inhalt  der Vorbringen  zwar möglich 
ist,  aber  in  Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und 
überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte 
Sachverhaltsdarstellung  sprechen.  Entscheidend  ist  im  Sinne  einer 
Gesamtwürdigung,  ob  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der 
Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder  nicht;  dabei  ist  auf 
eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  die  von  der  vormaligen 
Beschwerdeinstanz  begründete Rechtsprechung  in Entscheidungen und 
Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2005 
Nr.  21  E.  6.1  S.  190  f.  mit  weiteren  Hinweisen,  welche  vom 
Bundesverwaltungsgericht weitergeführt wird).

D­2604/2010

Seite 7

4. 
4.1.  Die  Vorinstanz  hat  die  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers verneint. Der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage 
gewesen, bei der Summarbefragung das genaue Datum der Entlassung 
aus  der  zweiten  Haft  anzugeben.  Die  Beendigung  seiner  Tätigkeit  als 
Rikscha­Fahrer  habe  er  in  zeitlicher  Hinsicht  widersprüchlich  dargelegt. 
Die  Umstände  der  ersten  Haft  habe  er  nicht  übereinstimmend  mit  den 
diesbezüglichen Ausführungen seines  jüngeren Bruders geschildert. Die 
angebliche  Vorladung  auf  den  Militärposten  nach  erfolgtem  LTTE­
Training habe er erst bei der Anhörung geltend gemacht. Der Umstand, 
wonach ihn nach diesem Training Armeeangehörige zuerst gefilmt hätten 
und nicht sofort gegen ihn vorgegangen seien, mute realitätsfremd an. Es 
wäre zu erwarten gewesen, dass die Armee sofort Massnahmen gegen 
ihn  ergriffen  hätte,  statt  ihn  erst  später  zu  suchen  beziehungsweise  zu 
inhaftieren.  Im  Weiteren  sei  er  gemäss  seinen  Schilderungen  nach 
erfolgter  Befragung  durch  die  Armee  wieder  freigelassen  worden.  Es 
könne entsprechend auch in diesem Lichte besehen nicht nachvollzogen 
werden,  weshalb  man  ihn  später  wieder  suchen  und  monatelang 
inhaftieren sollte. Ausserdem habe er keine behördlichen Beweismittel für 
die geltend gemachte  Inhaftierung eingereicht. Die eingereichten Belege 
seien  mangels  hinreichenden  Beweiswertes  nicht  geeignet,  die 
Kernvorbringen zu untermauern, und den Granatangriff auf das elterliche 
Haus habe er nicht substanziiert vorgebracht.

4.2. In der Beschwerde vom 16. April 2010 machte der Beschwerdeführer 
unter Hinweis auf die Akten geltend, er stamme aus einer Familie, welche 
– so namentlich auch wegen der Verbindungen seines älteren Bruders zu 
einem  die  LTTE  unterstützenden  Parlamentsabgeordneten  –  in  den 
Fokus der gegnerischen Seite geraten sei. Er sei  inhaftiert und gefoltert 
worden.  Seine  Schilderungen  seien  glaubhaft.  Er  leide  aufgrund  des 
Erlebten  mutmasslich  an  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung, 
welche  sein  Aussageverhalten  beeinflusse.  Entsprechend  habe  er  das 
Datum  der  Entlassung  aus  der  ersten  Haft  nicht  bereits  in  der 
Erstbefragung nennen können. Die unterschiedlichen Angaben zur Dauer 
der  Tätigkeit  als  Rikscha­Fahrer  beruhten  auf  einem  Missverständnis. 
Auch  die  unterschiedlichen  Angaben  der  Brüder  zur  Unterbringung 
während  der  Haft  seien  erklärbar.  Dass  er  das  Aufgebot  der 
Militärbehörde  nach  dem  LTTE­Trainingstag  nicht  bereits  bei  der 
Erstbefragung  erwähnte,  sei  auf  deren  summarischen  Charakter 
zurückzuführen.  Nicht  geteilt  werden  könne  ferner  die  Auffassung  des 
BFM, das angebliche Verhalten der srilankischen Sicherheitskräfte nach 

D­2604/2010

Seite 8

dem  LTTE­Training  beziehungsweise  die  Festnahme  in  _______  seien 
logisch  nicht  nachvollziehbar.  Entgegen  der  vorinstanzlichen Sichtweise 
sei  es  ihm  ferner  gelungen,  ein  behördliches  Beweismittel  –  eine 
Haftbestätigung  durch  einen  Friedensrichter  –  als  Beleg  für  diese 
Inhaftierung  beizubringen.  Die  Vorinstanz  gehe  im  angefochtenen 
Entscheid  im  Übrigen  –  wie  auch  irrtümlich  der  Beschwerdeführer 
anlässlich  der  Anhörung  –  fälschlicherweise  davon  aus,  es  handle  sich 
lediglich  um  ein  Anwaltsschreiben.  Es  treffe  sodann  zu,  dass  er  den 
Zeitpunkt  der  Zerstörung  des  einen  elterlichen  Hauses  nur  vage  habe 
bezeichnen  können.  Dies  sei  aber  durch  die  bereits  erwähnte 
Traumatisierung erklärbar. Abgesehen davon habe er Beweismittel für die 
Zerstörung  beigebracht.  Nach  dem  Gesagten  sei  die  Vorinstanz  nicht 
aufgrund  widersprüchlicher  oder  realitätsfremder  Angaben,  sondern 
mangels Berücksichtigung sämtlicher  relevanter Umstände und mithin  in 
Verletzung  der  Untersuchungsmaxime  zum  nicht  haltbaren  Schluss 
gekommen, die Asylvorbringen würden sich als unglaubhaft erweisen. In 
Anbetracht  seiner  glaubhaften  Situation  müsse  er  vielmehr  wegen 
behördlich  vermuteter  LTTE­Unterstützung  landesweit mit  asylrelevanter 
Verfolgung rechnen. Einer seiner Cousins sei erst nach Beendigung des 
Krieges  festgenommen  worden.  Dieser  habe  aus  Angst  vor  weiteren 
Folterungen den Behörden über die Tätigkeit des Beschwerdeführers für 
die  LTTE  Auskunft  gegeben,  was  die  Gefahr  erneuter  Verfolgung 
akzentuiere.  Als  Folteropfer  leide  er  aktuell  an  psychischen  und 
physischen Beschwerden.

Im Zusammenhang mit den am 14. Mai 2010 nachgereichten Unterlagen 
führte  der  Beschwerdeführer  aus,  daraus  ergebe  sich  unter  anderem, 
dass  der  in  der  Beschwerde  erwähnte  LTTE­Kämpfer,  welcher  den 
Beschwerdeführer belastende Aussagen gemacht habe, tatsächlich einer 
seiner  Cousins  sei.  Die  medizinischen  Zeugnisse  belegten  die 
posttraumatische  Belastungsstörung,  welche  sein  Aussageverhalten 
beeinflusst  haben  könnte.  Entsprechend  sollte  die  Bedeutung  von 
gewissen  unterschiedlichen  Aussagen  im  Verlaufe  des  Asylverfahrens 
relativiert werden. In den Berichten werde von wiederholten Folterungen, 
welche  er  erlitten  habe,  ausgegangen.  Eine  Therapie  werde  dringend 
empfohlen.

4.3. In der Vernehmlassung vom 25. Mai 2010 führte die Vorinstanz aus, 
die eingereichte Bestätigung eines Friedensrichters liege nur in Kopie vor, 
was  alle  Möglichkeiten  offen  lasse;  gerichtliche  Dokumente  seien  nach 
wie  vor  nicht  eingereicht  worden.  Die  Spitalkarte  belege  lediglich  einen 

D­2604/2010

Seite 9

dortigen  Aufenthalt,  und  die  medizinischen  Berichte  stützten  sich 
erklärtermassen  auf  die  Darstellungen  des  Beschwerdeführers.  Die  im 
BFM­Entscheid  dargelegten  Argumente  für  die  Unglaubhaftigkeit  der 
Vorbringen würden so nicht entkräftet.

4.4. Dazu replizierte der Beschwerdeführer, entgegen der Sichtweise des 
BFM  liege  mit  der  Bestätigung  des  Friedensrichters  sehr  wohl  ein 
behördliches  Beweismittel  für  die  Haft  vom  _______  Oktober  2008  bis 
zum  _______  Januar  2009  vor.  Eine  erneute  Bestätigung  des 
Friedensrichters werde nachgereicht. Im Weiteren würden in Sri Lanka im 
Rahmen  von  willkürlichen  und  missbräuchlichen  Polizeimassnahmen 
kaum  gerichtliche  Dokumente  ausgestellt.  Zudem  habe  ein  Arzt  in  der 
Schweiz  eine  Narbenbildung  im  Bereich  der  Bauchwand,  welche 
wahrscheinlich  durch  glühendes  Metall  verursacht  worden  sei, 
festgestellt. Der entsprechende Bericht sei demnach ein Beweismittel für 
die erlittene Folter. Die  ferner diagnostizierte PTBS sei unbestritten und 
könne  durch  die  geschilderte  Folter  ausgelöst  worden  sein. 
Unstimmigkeiten  im  Aussageverhalten  des  Beschwerdeführer  seien 
durch dieses Leiden erklärbar.

5.  Vorliegend  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht  in  Abwägung 
sämtlicher Aussagen zum Schluss, dass die Vorinstanz zur Recht von der 
fehlenden Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt der Ausreise ausging.

5.1.    Zunächst  ist  zu  den  Gründen,  weshalb  er  seine  Heimatregion  im 
Jahre 2008 verlassen habe, Folgendes festzustellen:

5.1.1.  Der  Beschwerdeführer  machte  geltend,  aufgrund  der  früheren 
Tätigkeit  des  Bruders  und  der  Nähe  eines  sich  seit  2005  im 
Familienbesitz  befindenden  Hauses  zu  einem  Friedhof  sowie 
Räumlichkeiten  der  LTTE,  sei  seine  Familie  besonders  unter 
Beobachtung  gestanden  und  habe  als  LTTE­freundlich  gegolten.  Dies 
kann  letztlich  nicht  ausgeschlossen  werden.  Auch  dass  das  Haus  im 
Jahre  2006  durch  eine  Granate  in  Mitleidenschaft  gezogen  und  seine 
Eltern  und  Schwestern  dabei  verletzt  worden  seien,  kann  aufgrund  der 
kriegerischen  Auseinandersetzungen  im  damaligen  Zeitpunkt  zutreffen. 
Hingegen  kann  nicht  geglaubt  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  im 
vorgebrachten  Sinne  einer  gezielten  und  intensiven  Verfolgung 
ausgesetzt war. 

D­2604/2010

Seite 10

5.1.2.  So  hat  die  Vorinstanz  zu  Recht  ausgeführt,  dass  der 
Beschwerdeführer zu dem angeblichen Trainingstag bei der LTTE, der für 
die  Verfolgung  auslösend  gewesen  sein  soll,  wie  auch  zu  der 
nachfolgenden  Verfolgung  äusserst  unsubstanziierte  und  vage 
Ausführungen gemacht hat. So bereitet es bereits Mühe, den Vorteil  für 
die  LTTE  eines  eintägigen  Waffentrainings  von  Rikschafahrern  zu 
erkennen. Vor allem aber ist, wie von der Vorinstanz zu Recht ausgeführt 
wurde, nicht nachvollziehbar, dass die Behörden den Beschwerdeführer 
nur kurz befragen und danach wieder gehen lassen sollten, wenn sie, wie 
dies  implizit  geltend  gemacht  wird,  davon  ausgehen,  der 
Beschwerdeführer würde sich aktiv für die LTTE einsetzen. 

5.1.3. Auch ist davon auszugehen, dass die Angreifer auf das Haus des 
Beschwerdeführers  sich  über  dessen  Aufenthaltsort  besser  kundig 
gemacht hätten, hätten sie mit der Granate tatsächlich ihn treffen wollen, 
zumal sie ja offenbar bereits mehrmals dort vorgesprochen haben sollen, 
ohne  den  Beschwerdeführer  anzutreffen.  Immerhin  habe  er  sich  zu 
diesem Zeitpunkt  "wie gewohnt"  im anderen Familienhaus, wo auch die 
Grossmutter  wohne,  aufgehalten  (vgl.  Beschwerde  S.  7).  Es  erscheint 
denn  auch  nicht  glaubhaft,  dass  der  Beschwerdeführer  sich  daraufhin 
über  ein  Jahr  in  einem  nur  wenige  Kilometer  entfernten  Ort  hätte 
verstecken können, ohne dass er gefunden worden wäre. 

5.1.4.  Diese  Zweifel  werden  schliesslich  darin  bestätigt,  dass  der 
Beschwerdeführer sich widersprüchlich dazu geäussert hat, bis wann er 
als  Rikschafahrer  tätig  gewesen  sei  (2006  beziehungsweise  2008).  Die 
diesbezüglichen Ausführungen  in der Beschwerde, es habe sich um ein 
Missverständnis  gehandelt,  vermögen  dabei  nicht  zu  überzeugen.  Dies 
umso weniger  als  er  ja  erst  im  Jahr  2006 mit  Rikschafahren  begonnen 
haben  will  und  es  wohl  deutlicher  geworden  wäre,  wenn  er  noch  im 
selben Jahr bereits wieder aufgehört haben soll. 

5.1.5. Ausserdem ergeben sich Ungereimtheiten bezüglich des Erlangens 
des Passierscheines im Jahre 2008, mit dem er zusammen mit der Mutter 
und  dem  Bruder  nach  _______  gereist  sei.  So  führte  er  diesbezüglich 
aus,  dies  sei  ihm  durch  einen  Armeeangehörigen  gelungen,  der  später 
erschossen worden  sei  (vgl. A1 S.  4). Weiter  unten  konkretisiert  er,  bei 
dem erwähnten Armeeangehörigen habe es sich um den Parlamentarier 
_______  gehandelt  (A1  S.  6).  Dies  kann  jedoch  nicht  stimmen,  da  der 
Parlamentsabgeordnete  _______  bereits  im  Jahr  _______  –  und  damit 
lange vor der Reise des Beschwerdeführers nach _______ – erschossen 

D­2604/2010

Seite 11

worden  war.  Schliesslich  führt  der  Beschwerdeführer  an  gleicher  Stelle 
aus,  sein  älterer  wie  auch  sein  jüngerer  Bruder  seien  seinetwegen 
behelligt  worden,  was  sich  ebenfalls  in  keiner Weise mit  der  Aktenlage 
deckt,  war  doch  sein  älterer  Bruder  längst  ausgereist,  als  der 
Beschwerdeführer Probleme bekam. 

5.1.6. Insgesamt ist daraus zu schliessen, dass der Beschwerdeführer im 
Zeitpunkt  des  Verlassens  seiner  Heimatregion  im  Jahre  2008  keinen 
gezielten  und  intensiven  Behelligungen  ausgesetzt  gewesen  ist,  auch 
nicht aufgrund der Tätigkeiten seines bereits im Jahre 2005 ausgereisten 
Bruders.  Der  Beschwerdeführer  führte  diesbezüglich  selbst  aus,  die 
entsprechenden  Nachteile  seien  nicht  wesentlich  gewesen  (vgl. 
Beschwerdeeingabe  S.  18)  und  diese  hätten  andernfalls  wohl  auch  zu 
einer früheren Ausreise geführt. 

5.2.    Weiter  macht  der  Beschwerdeführer  geltend,  während  seines 
Aufenthaltes  in  _______ mehrfach  verhaftet,  über  längere Zeit  inhaftiert 
und  gefoltert  worden  zu  sein.  Auch  diese  Ausführungen  vermögen 
letztlich jedoch nicht zu überzeugen.

5.2.1.  Zum  einen  bringt  der  Beschwerdeführer  die  lange  Haftdauer  mit 
der  bereits  in  der  Heimatregion  erfolgten  Verfolgungssituation  in 
Zusammenhang,  die  ihm  jedoch  wie  oben  ausgeführt  nicht  geglaubt 
werden konnte. 

5.2.2. Weiter kann der Widerspruch zu den Aussagen des Bruders nicht 
wie  in  der  Beschwerde  geltend  gemacht  als  nicht wesentlich  betrachtet 
werden. So hat der Beschwerdeführer sehr ausführlich darüber berichtet, 
wie  er  eben  zusammen mit  seinem Bruder  inhaftiert  war  und  diesen  in 
den  Befragungen  sogar  beschützt  habe.  Während  der  Bruder  darüber 
kein  Wort  verliert,  vielmehr  in  der  freien  Erzählung  ausführt,  sie  seien 
getrennt  befragt worden,  und  später  auf Nachfrage ausdrücklich angab, 
er  sei  mit  acht  weiteren  Personen  inhaftiert  gewesen,  sein  Bruder  sei 
jedoch nicht dabei gewesen. Selbst wenn die Brüder später während der 
drei Monate zeitweise getrennt inhaftiert gewesen wären, lässt sich diese 
Diskrepanz dennoch nicht erklären. 

5.2.3. Weiter  ist auch  festzuhalten, dass entgegen den Ausführungen  in 
der Beschwerde Gesuchstellende aus Sri Lanka in der Regel in der Lage 
sind,  offizielle  Dokumente  für  eine  erlittene  Haft  einzureichen.  Der 
Beschwerdeführer  hat  dies  bis  anhin  unterlassen.  Entgegen  den 

D­2604/2010

Seite 12

entsprechenden  Ausführungen  in  der  Beschwerde  können  die 
Bestätigungsschreiben  des  Friedensrichters  nicht  als  ein  solches 
offizielles Dokument gelten, zumal der Friedensrichter diese offensichtlich 
nicht in seiner Funktion als Behördenvertreter, sondern als Bekannter der 
Familie auf deren Anfrage hin ausgestellt hat. 

5.2.4.  Auch  bezüglich  der  letzten  achtmonatigen  Haft  lassen  die 
Ausführungen des Beschwerdeführer schliesslich an Substanz vermissen 
und  es  finden  sich  auch  keine  Realkennzeichen,  die  darauf  hindeuten 
würden, der Beschwerdeführer habe das Vorgebrachte tatsächlich erlebt. 
Hinzu  kommt,  dass  im  Schreiben  des  Friedensrichters  vom  7.  Oktober 
2009  zwar  die  erste  Haft,  nicht  jedoch  die  zweite,  viel  längere  Haft 
angegeben wird. Dies obwohl er aus der zweiten Haft angeblich erst kurz 
vor  Ausstellung  dieses  Schreibens  entkommen  konnte.  Hätte  diese 
tatsächlich  stattgefunden  und  wäre  er  unter  den  angegebenen 
Umständen  entkommen,  hätte  dies  zweifellos  im  Schreiben  des 
Friedensrichters  seinen  Niederschlag  finden  müssen.  Auch  hier  finden 
sich  sodann  Widersprüche,  die  sich  nicht  erklären  lassen.  So  gab  der 
Beschwerdeführer  anlässlich  der  ersten  Anhörung  zu  Protokoll,  er  sei 
_______ Tage  nach  der Haftentlassung bereits  ausgereist. Wann diese 
aber genau gewesen sei, wisse er nicht (A1 S. 5). Anlässlich der direkten 
Anhörung  wusste  er  dann  aber  das  genaue  Datum  seiner  Entlassung, 
nämlich  der  _______  September.  Dies  lässt  Zweifel  aufkommen  und 
widerspricht  zudem  der  Aussage,  dass  er  _______  Tage  danach 
ausgereist  sei,  datierte  er  doch  die  Ausreise  stets  auf  den  _______ 
September. Ob  sich  jedoch  eine  angeblich  verfolgte  Person  nach  einer 
Haftentlassung  _______  Tage  oder  nur  _______  Tage  noch  im 
Heimatstaat  aufhält,  erscheint  sehr  wesentlich  und  der  entsprechende 
Widerspruch  nicht  nachvollziehbar.  Schliesslich  lässt  sich  auch  nicht 
erklären,  wie  der  Beschwerdeführer,  der  ja  im  Januar  2009  anlässlich 
eines  Ausreiseversuches  verhaftet  worden  sein  soll,  trotzdem  noch 
weiterhin  im  Besitz  seiner  Identitätskarte  sein  soll,  wäre  doch  zu 
vermuten,  dass  ihm  diese  bei  seiner  Verhaftung  abgenommen  worden 
wäre. 

5.2.5.  In  der  Beschwerde  wird  geltend  gemacht,  die Widersprüche  und 
Ungereimtheiten  seien  auf  eine  bestehende  posttraumatische 
Belastungsstörung  zurückzuführen  und  liessen  sich  durch  die  erlebte 
Folter erklären. Diesem Argument kann jedoch nicht gefolgt werden. Die 
Unglaubhaftigkeitselemente  sind  dafür  zu  umfassend  und  lassen  sich 
auch  nicht  allein  durch  verdrängte  oder  vergessene 

D­2604/2010

Seite 13

Sachverhaltsumstände  beziehungsweise  Hemmungen  in  den 
Schilderungen  erklären.  Es  wird  zwar  nicht  ausgeschlossen,  dass  der 
Beschwerdeführer  unter  psychischen  Problemen  leidet,  dass  diese 
jedoch  auf  eine  gezielte  Verfolgung  beziehungsweise  auf  in  der  Haft 
erlittene Folter zurückzuführen sind, vermag sich aus den Akten nicht zu 
ergeben.  Vielmehr  ist  aufgrund  des  eingereichten  Arztzeugnisses  aus 
dem Heimatstaat davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bereits 
im  Jahre  2006  allenfalls  durch  den Granatenangriff  auf  das  von  seinen 
Eltern  und  Schwestern  bewohnte  Haus  traumatisiert  worden  ist. 
Schliesslich  können unter  den  gegebenen Umständen  auch  die Narben 
des  Beschwerdeführers  an  der  linken  Bauchwand  nicht  als  Indiz  für 
erlittene  Folter  qualifiziert  werden,  zumal  die  Ursache  der  Narben  nicht 
mit Sicherheit bestimmt werden kann.

5.3.  Zusammenfassend  vermochte  der  Beschwerdeführer  weder  die 
Probleme in der Heimatregion, soweit sie über generelle Kriegsereignisse 
hinausgehen,  noch  mehrmonatige  Haft  und  Folter  während  seines 
Aufenthaltes in _______ glaubhaft zu machen. Daran vermögen auch die 
übrigen  eingereichten  Beweismittel  etwas  zu  ändern,  zumal  sie  die 
angeführten  Unglaubhaftigkeitselemente  nicht  zu  entkräften  vermögen. 
Diesen  Erwägungen  gemäss  war  der  Beschwerdeführer  demnach  im 
Zeitpunkt der Ausreise nicht einer gezielten und intensiven Verfolgung im 
Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt. 

6. 

6.1. Darüber hinaus ist an dieser Stelle auf die markant veränderte Lage 
im Heimatland  des Beschwerdeführers  seit  seiner  Ausreise  einzugehen 
(vgl.  Urteil  E­6620/2008  vom  27.  Oktober  2011),  macht  doch  der 
Beschwerdeführer  ausserdem  geltend,  einer  seiner  Cousins  habe  neu 
unter  Folter  auf  die  Tätigkeiten  des  Beschwerdeführers  für  die  LTTE 
hingewiesen:

Am 19. Mai 2009 verkündete die Regierung Sri Lankas offiziell den Sieg 
der Regierungstruppen über die LTTE, und Präsident Rajapakse erklärte 
den seit 26 Jahren dauernden Krieg für beendet. Das Führungskader der 
LTTE  ist  der  Medienberichterstattung  zufolge  komplett  ausgelöscht 
worden. Hinweise  auf  aktive  LTTE­Kader  im Norden Sri  Lankas  gibt  es 
laut  SFH  keine.  Die  höchstrangigen  LTTE­Kader  waren  entweder 
gefangen  genommen  oder  getötet  worden  (so  auch  der  LTTE­Chef 
Velupillai  Prabhakaran),  oder  sie  konnten  das  Land  verlassen.  Trotz 

D­2604/2010

Seite 14

dieser Veränderungen gibt  es Personenkreise,  die  seit  Beendigung  des 
militärischen  Konfliktes  immer  noch  einer  erhöhten  Verfolgungsgefahr 
ausgesetzt sind. Dazu gehören unter anderem Personen, die auch nach 
Beendigung  des  Bürgerkriegs  verdächtigt  werden,  mit  den  LTTE  in 
Verbindung zu stehen oder gestanden zu haben, ebenso Anhänger des 
Ex­Generals Sarath Fonseka,  Journalisten  und  andere  in  der 
Medienbranche  tätige  Personen,  international  und  lokal  tätige  Vertreter 
von  NGOs,  die  sich  für  die  Menschenrechte  einsetzen  oder  Verstösse 
kritisieren,  Opfer  und  Zeugen  von  Menschenrechtsverletzungen  sowie 
Personen,  die  solche  Übergriffe  bei  den  Behörden  anzeigen, 
abgewiesene Asylbewerber mit Verdacht zu Kontakten zum LTTE­Kader 
oder  Personen,  die  über  beträchtliche  finanzielle  Mittel  verfügen  (siehe 
die ausführliche Darstellung der Personengruppen im erwähnten Urteil E­
6220/2006, E. 8)

6.2.  Aus  den  Akten  gehen  nach  dem  Gesagten  keine  glaubhaften 
Anhaltspunkte  dafür  hervor,  dass der Beschwerdeführer  seitens der  sri­
lankischen Behörden heute als oppositionell aktiv wahrgenommen würde 
oder sonst einer dieser Risikogruppen zugehörig erklärt werden müsste. 
Der Beschwerdeführer hat nie geltend gemacht, bedeutend für die LTTE 
tätig gewesen zu sein und selbst die angebliche Vernetzung des Bruders 
mit  der  LTTE  (Kontakte  zu  einem  Abgeordneten,  der  bereits  im  Jahre 
______  ermordet  worden  war)  kann  nicht  als  besonders  wichtig 
qualifiziert werden. Es erweist sich daher auch als unglaubhaft, dass ein 
Cousin  der  Regierung  gegenüber  über  die  Tätigkeit  des 
Beschwerdeführers  bei  der  LTTE,  die  ja  im  Wesentlichen  aus  einem 
eintägigen Trainingskurs bestanden haben soll, Auskunft  gegeben habe 
und dies  für die Regierung von  Interesse sein  soll. Die entsprechenden 
dazu eingereichten Beweismittel vermögen diese Einschätzung ebenfalls 
nicht  in  einem  anderen  Licht  erscheinen  zu  lassen.  Somit  erweist  sich 
auch eine heutige Gefährdung als nicht wahrscheinlich. 

7. 
Zusammenfassend  ist  somit  nicht  davon  auszugehen,  dass  der 
Beschwerdeführer  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  von  den  sri­lankischen 
Sicherheitskräften  landesweit gesucht wurde oder  in naher Zukunft eine 
Verfolgung  zu  befürchten  hätte.  Alleine  der Umstand,  dass  er  seit  zwei 
Jahren landesabwesend gewesen ist und in der Schweiz ein Asylgesuch 
eingereicht  hat,  vermag  seine  Flüchtlingseigenschaft  ebenfalls  nicht  zu 
begründen. Ebenso wenig der Umstand, dass sich seine Brüder nach wie 
vor  in  einem Asylverfahren  befinden,  zumal  eine Reflexverfolgung  auch 

D­2604/2010

Seite 15

für  die  Vergangenheit  nicht  glaubhaft  gemacht  werden  konnte  und  die 
Brüder auch keine exponierte Tätigkeit für die LTTE geltend machen. Das 
Gericht  geht  davon  aus,  dass  der  Beschwerdeführer  Sri  Lanka  aus 
anderen, als den von ihm geltend gemachten Gründen verliess und auch 
im  heutigen  Zeitpunkt  muss  nicht  angenommen  werden,  dass  ihm  bei 
einer  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  ernsthafte  Nachteile  im  Sinne  des 
Asylgesetzes  drohen  würden.  Damit  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren 
Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  einzugehen,  weil  diese  am 
Ergebnis des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern vermögen. 

Unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  folgt  somit,  dass  der 
Beschwerdeführer  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder 
glaubhaft machen konnte. Das BFM hat das Asylgesuch damit zu Recht 
abgewiesen. Die Beschwerde ist folglich im Asylpunkt abzuweisen.

8. 
Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG).

Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet  (vgl. 
EMARK 2001 Nr. 21).

9. 

9.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR  142.20]). 

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungsvollzugshindernissen 
gilt  gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 

D­2604/2010

Seite 16

Walter  Stöckli,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 

9.2.  Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

9.2.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 
5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss 
Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. 
November  1950  zum  Schutz  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

9.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

9.2.3.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des 
Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für 
den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Sri  Lanka  dort  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen 
Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des 
Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener 
des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine 
konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass 

D­2604/2010

Seite 17

ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung 
drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil 
vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 ­ 127,  mit 
weiteren  Hinweisen). Weder  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in 
Sri  Lanka  noch  individuelle  Faktoren  in  Bezug  auf  die  Situation  des 
Beschwerdeführers  lassen  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen 
Zeitpunkt als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug 
der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

9.3.  Gemäss  Art.  83  Abs.  4  AuG  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung 
insbesondere  dann  nicht  zumutbar,  wenn  die  beschwerdeführende 
Person  bei  einer  Rückkehr  in  ihren  Heimatstaat  einer  konkreten 
Gefährdung ausgesetzt wäre. 

9.3.1.  Diese  Bestimmung  wird  vor  allem  bei  Gewaltflüchtlingen 
angewendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels 
persönlicher  Verfolgung  weder  die  Voraussetzungen  der 
Flüchtlingseigenschaft noch jene des völkerrechtlichen Non­Refoulement­
Prinzips  erfüllen,  jedoch wegen  der  Folgen  von Krieg,  Bürgerkrieg  oder 
einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  nicht  in  ihren  Heimatstaat 
zurückkehren  können.  Im  Weiteren  findet  sie  Anwendung  auf  andere 
Personen,  die  nach  ihrer  Rückkehr  ebenfalls  einer  konkreten  Gefahr 
ausgesetzt  wären,  weil  sie  die  absolut  notwendige  medizinische 
Versorgung nicht  erhalten  könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen 
der  vorherrschenden  Verhältnisse  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit 
unwiederbringlich  in  völlige  Armut  gestossen  würden,  dem  Hunger  und 
somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der 
Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2009/28 E. 
9.3.1, mit weiteren Verweisen).

9.3.2. In der angefochtenen Verfügung vom 15. März 2010 hielt das BFM 
zur  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  fest,  eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers  in _______ Sri  Lankas  sei  angesichts der – damals 
herrschenden  –  Lage  nicht  zumutbar.  Von  einer  generellen 
Unzumutbarkeit einer Wohnsitznahme im Süden und Westen des Landes 
könne  jedoch  nicht  gesprochen  werden.  Zudem  gebe  es  auch  keine 
individuellen  Gründe,  welche  gegen  die  Zumutbarkeit  eines 
Wegweisungsvollzuges  sprechen  würden.  Der  Beschwerdeführer  habe 
vor  der  Ausreise  längere  Zeit  in  _______  gelebt  und  verfüge  dort  über 
familiäre  Beziehungen.  Vor  diesem  Hintergrund  ergäben  sich  keine 

D­2604/2010

Seite 18

Hinweise  darauf,  dass  er  in  eine  existenzbedrohende  Lage  geraten 
könnte. 

9.3.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  im  erwähnten  Urteil  E­
6220/2006 vom 27. Oktober 2011 eine neue Beurteilung der allgemeinen 
Lage  sowie  der  Nord­  und  Ostprovinzen  Sri  Lankas  unter  dem 
Sicherheitsaspekt  vorgenommen  und  hat  dazu  im  Wesentlichen  das 
Folgende  festgehalten: 

Gemäss übereinstimmenden Berichten ist heute von einer seit Ende des 
bewaffneten Konflikts zwischen der sri­lankischen Armee und den LTTE 
im  Mai  2009  erheblich  verbesserten  Sicherheitslage  in  Sri  Lanka 
auszugehen,  auch  wenn  sich  das  Land  immer  noch  in  einem 
Entwicklungsprozess  befindet.  Auch  vom  UNHCR  wird  diese 
Einschätzung  bestätigt.  Die  Lage  präsentiert  sich  jedoch  nicht  in  allen 
Landesteilen gleich:  In  den Nord­  und Ostprovinzen hat  sich  jedoch die 
Lage  nach  übereinstimmenden  Quellen  weitgehend  stabilisiert  und 
normalisiert.  Die  seit  2009  erfolgte  Entspannung  der  Sicherheitslage  ist 
auch für die lokale Bevölkerung spürbar, und der Fortschritt ist erkennbar 
geworden: Die  Infrastruktur wird ausgebaut  (Aufbau neuer Strassen und 
Brücken  sowie  Elektrizitäts­  und  Fernmeldeleitungen).  Beobachter 
sprechen  in  diesem  Zusammenhang  von  grossangelegten 
Entwicklungsprojekten  (vgl. BVGE 6220/2006 vom 27. Oktober 2011, E. 
13.1, mit weiteren Hinweisen).

9.3.4. Angesichts der neusten Lagebeurteilung erscheint der Vollzug der 
Wegweisung  des  Beschwerdeführers  selbst  nach  _______,  wo  er  noch 
über  verschiedene  familiäre  Anknüpfungspunkte  verfügt,  wieder 
zumutbar. Ohnehin verfügt der Beschwerdeführer aber auch  in _______ 
über  die  Möglichkeit,  sich  dort  niederzulassen,  zumal  er  vor  seiner 
Ausreise  längere  Zeit  dort  gelebt  hat  und  dort  auch  über  familiäre 
Anknüpfungspunkte verfügt. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug 
der  Wegweisung  auch  als  zumutbar.  Daran  vermag  auch  nichts  zu 
ändern, dass sich der Beschwerdeführer wegen einer posttraumatischen 
Belastungsstörung in der Schweiz behandeln lassen musste. Eine solche 
Behandlung könnte der Beschwerdeführer im Bedarfsfall vielmehr auch in 
seinem Heimatstaat in Anspruch nehmen, wie er dies im Übrigen offenbar 
auch  bereits  getan  hat.  An  dieser  Stelle  ist  auch  darauf  hinzuweisen, 
dass der Beschwerdeführer verschiedene Verwandte im Ausland hat, mit 
deren finanzieller Unterstützung er notfalls wohl rechnen könnte.

D­2604/2010

Seite 19

9.4.  Dem  Beschwerdeführer  obliegt  es  schliesslich,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl. Art.  8 Abs.  4 AsylG), 
weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

9.5. Zusammenfassend ist festzustellen, dass das BFM im Ergebnis den 
Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich 
qualifiziert hat. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung der vorläufigen 
Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG).

10. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

11. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  wären  die 
Verfahrenskosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1 
VwVG).  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  jedoch  das  Gesuch  des 
Beschwerdeführers  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung 
mit  Instruktionsverfügung  vom  21.  April  2010  gutgeheissen  und  es 
besteht  aufgrund  der  Akten  kein  Anlass,  auf  diesen  Entscheid 
zurückzukommen.

(Dispositiv nächste Seite)

D­2604/2010

Seite 20

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Patrick Weber

Versand: