# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 09deb98d-f05e-5175-b98a-d61506be9fcb
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-09-06
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 06.09.2016 BB.2016.276
**Docket/Reference:** BB.2016.276
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BB-2016-276_2016-09-06

## Full Text

Übersetzungen (Art. 68 StPO). Aufschiebende Wirkung (Art. 387 StPO).;;Übersetzungen (Art. 68 StPO). Aufschiebende Wirkung (Art. 387 StPO).;;Übersetzungen (Art. 68 StPO). Aufschiebende Wirkung (Art. 387 StPO).;;Übersetzungen (Art. 68 StPO). Aufschiebende Wirkung (Art. 387 StPO).

Beschluss vom 6. September 2016   
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Stephan Blättler, Vorsitz, 

Cornelia Cova und Patrick Robert-Nicoud,  

Gerichtsschreiber Yves Clerc  

   
 

Parteien 

  

A., vertreten durch Rechtsanwalt Luke H. Gillon und 

Rechtsanwältin Suat Ayan, L'Etude,  

 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

BUNDESANWALTSCHAFT,  

 

Beschwerdegegnerin 

 

Gegenstand  Übersetzungen (Art. 68 StPO) 

Aufschiebende Wirkung (Art. 387 StPO) 

 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2016.276; BP.2016.48 

 

 

 

- 2 - 
 
 

Sachverhalt: 

 

 Die Bundesanwaltschaft (nachfolgend "BA") eröffnete am 25. Juli 2012 im 

Zusammenhang mit einem Rechtshilfeersuchen des U.S. Department of 

Justice (nachfolgend "DOJ") ein Strafverfahren gegen Unbekannt wegen 

Verdachts der Geldwäscherei (SV.12.0937; act. 1.6). Die BA dehnte die Un-

tersuchung am 20. Juni 2013 auf A. aus (vgl. auch die Beschlüsse des Bun-

desstrafgerichts BB.2014.22 vom 27. März 2014 bzw. BB.2016.23 vom 

25. Mai 2016). Das Bundesstrafgericht bestätigte mit den Beschlüssen 

BB.2014.22 vom 27. März 2014 sowie BB.2016.23 vom 25. Mai 2016 

Deutsch als Verfahrenssprache. 

 

 

 Die zur BA gehörende Einheit der Forensischen Finanzanalyse (FFA) reichte 

am 18. Mai 2016 bei der BA den auf Deutsch abgefassten Bericht „Analyse 

der Unternehmsadministration sowie des Compliance Managementsystems 

der B. S.A.“ (nachfolgend "FFA-Bericht") ein. Der FFA-Bericht wurde dem 

Verteidiger A., RA Luke H. Gillon, mit Schreiben vom 23. Mai 2016 durch die 

BA zugestellt (act. 1.11). Dieser verlangte mit Schreiben vom 3. Juni 2016 

die integrale Übersetzung des besagten FFA-Berichtes auf Französisch 

(act. 1.12). Die BA zeigte mit Schreiben vom 13. Juni 2016 bzw. 

17. Juni 2016 an, die wesentlichen, A. betreffenden Teile des FFA-Berichts 

in die französische Sprache zu übersetzen (act. 1.13 und 1.14). Darauf ge-

langte A., vertreten durch RA Luke H. Gillon erneut an die BA mit dem Antrag 

um integrale Übersetzung des FFA-Berichts in die französische Sprache 

(act. 1.15). Am 27. Juni 2016 verfügte die BA, der FFA-Bericht vom 18. Mai 

2016 werde nicht ins Französische übersetzt (act. 1.2). 

 

 

 Dagegen gelangt A., vertreten durch RA Luke H. Gillon und RA Suat Ayan 

mit Beschwerde vom 7. Juli 2016 an die Beschwerdekammer und beantragt 

Folgendes (act. 1): 

 
"A)    Procéduralement 
 

L’effet suspensif est accordé au recours 
 
 B)    Sur le fond   
  

1. Le recours est admis. 
 

2. a) Principalement : 
 
 Le MPC fera procéder à la traduction intégrale, en langue française, du rapport 

« FFA » du 18. Juin 2016 intitulé «Analyse der Unternehmsadministration sowie 
des Compliance-Managementsystems der B. S.A. »  

 
 b) Subsidiairement 
 

- 3 - 
 
 

 Le MPC fera procéder à la traduction en langue française, des parties 1 à 3 du 
rapport « FFA » du 18. Juin 2016 intitulé «Analyse der Unternehmsadministration 
sowie des Compliance-Managementsystems der B. S.A. » ainsi qu’à un résumé 
en français de la partie 4 dudit rapport.  

 
 b) Plus subsidiairement 
 
 Le MPC fera procéder à la traduction en langue française, des parties 1 à 3 du 

rapport « FFA » du 18. Juin 2016 intitulé «Analyse der Unternehmsadministration 
sowie des Compliance Managementsystems der B. S.A. »  

 
 

3.  Les frais et les dépens sont mis à la charge du Ministère public de la Confédé-
ration." 

 

Mit Beschwerdeantwort vom 20. Juli 2016 beantragt die BA, die Beschwerde 

sei abzuweisen und die Kosten seien dem Beschwerdeführer aufzuerlegen 

(act. 3). 

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men. 

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft 

kann bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde 

nach den Vorschriften der Art. 393 ff. StPO erhoben werden (Art. 393 

Abs. 1 lit. a StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG [Bundesgesetz über die Orga-

nisation der Strafbehörde des Bundes, Strafbehördenorganisationsgesetz, 

SR 173.71]). Zur Beschwerde berechtigt ist jede Partei oder jeder andere 

Verfahrensbeteiligte, welche oder welcher ein rechtlich geschütztes Inte-

resse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheides ha-

ben (Art. 382 Abs. 1 StPO; Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Verein-

heitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 S. 1308). Die Beschwerde ge-

gen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist innert zehn Tagen 

schriftlich und begründet einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit ihr gerügt 

werden können gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO Rechtsverletzungen, ein-

schliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverwei-

gerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige 

Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie die Unangemessenheit (lit. c). 

 

1.2 Der Beschwerdeführer ist beschuldigte Person und damit Partei 

(Art. 104 Abs. 1 lit. a StPO) im Rahmen des der angefochtenen Verfügung 

zu Grunde liegenden Strafverfahrens. Er ist durch den Entscheid der BA den 

FFA-Bericht nicht ins Französische zu übersetzen in seinen Parteirechten 

- 4 - 
 
 

betroffen und diesbezüglich zur Beschwerde legitimiert. Auf seine im Übrigen 

frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist diesbezüglich einzutre-

ten. 

 

 

2.  

2.1  

2.1.1 Der Beschwerdeführer rügt die Verletzung von Art. 68 StPO. Dieser räume 

dem Beschuldigten in Abs. 2 insbesondere das Recht auf Übersetzung der 

wichtigsten Verfahrenshandlungen in schriftlicher oder mündlicher Form ein. 

Der Beschwerdeführer bestreitet im Wesentlichen die Ausführungen der Be-

schwerdegegnerin, wonach er (der Beschwerdeführer) über genügend 

Deutschkenntnisse verfüge, um den Inhalt des FFA-Berichts zu verstehen 

(act. 1, S. 6), weshalb eine integrale Übersetzung ins Französische erforder-

lich sei. 

 

2.1.2 Gemäss Art. 68 Abs. 2 StPO hat die beschuldigte Person neben dem An-

spruch auf unverzügliche und detaillierte Information über die vorgehaltenen 

Deliktsvorwürfe in einer ihr verständlichen Sprache auch Anspruch auf Über-

setzung jener Verfahrensvorgänge, auf deren Verständnis sie angewiesen 

ist, um ihr ein faires Verfahren zu gewährleisten. Dazu gehören grundsätzli-

che Informationen wie die Orientierung über den wesentlichen Inhalt von 

Zeugenaussagen, Gutachten und anderen erheblichen Beweismitteln, der 

Anklage, der Parteivorträge mit den Hauptanträgen sowie des Wortlauts des 

Dispositivs und allenfalls wesentlicher Teile des gefällten Entscheids (UR-

WYLER, Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl., 

Basel 2014, Art. 68 StPO N. 5). 

 

2.1.3 Ob es sich bei den Ausführungen im FFA-Bericht überhaupt um grundsätzli-

che Information i.S.v. Art. 68 Abs. 2 StPO handelt, kann vorliegend offen 

bleiben. Die Personalie des Beschwerdeführers zeigt, dass dieser als Direk-

tor der Handels- und Industriekammer eines zweisprachigen Kantons – na-

mentlich Freiburg – der deutschen Sprache ebenso mächtig sein musste, 

wie der französischen. Ein in dieser Funktion deutsch geführtes SRF-Inter-

view aus dem Jahre 2013 des Beschwerdeführers bestätigt diese Annahme. 

Darüber hinaus handelt es sich insbesondere beim Compliance-Teil des 

FFA-Berichts um rechtliche Inhalte, welche zu ergründen der Angeklagte we-

niger befähigt ist als seine gemäss Homepage ihrer Anwaltskanzlei offiziell 

auch deutsch- und französischsprachigen Anwälte, weshalb der Beschwer-

deführer durch die nicht vorgenommene Übersetzung ins Französische in 

seiner Verteidigung nicht eingeschränkt wird (vgl. dazu auch 

TPF 2009 3 E. 1.4.3). Das für ein faires Verfahren erforderliche Verständnis 

- 5 - 
 
 

des Beschwerdeführers im Hinblick auf den zur Debatte stehenden Bericht 

ist zu bejahen. Eine Verletzung von Art. 68 StPO liegt mithin nicht vor. 

 

2.2  

2.2.1 Es stellt sich sodann die Frage, ob und inwiefern die Schreiben der Be-

schwerdegegnerin vom 13. Juni bzw. 17. Juni 2016 einen unbedingten An-

spruch auf Übersetzung des FFA-Berichts in die französische Sprache aus-

gelöst hatten. Mit Schreiben vom 13. Juni 2016 stellte die Beschwerdegeg-

nerin dem Beschwerdeführer in Aussicht, die wesentlichen Teile des Berichts 

in die französische Sprache zu übersetzen (act. 1.13). Bezugnehmend auf 

das eben erwähnte Schreiben, zeigte die Beschwerdegegnerin anschlies-

send mit Schreiben vom 17. Juni 2016 an, nur die wichtigsten, den Be-

schwerdeführer betreffenden Berichtsteile in die französische Sprache zu 

übersetzen, worunter insbesondere die in erster Linie das beschuldigte Un-

ternehmen B. SA betreffenden Berichtsteile, wie beispielsweise die Ausfüh-

rungen zum Compliance System nicht gehörten (act. 1.14). In Abweichung 

zu den besagten Schreiben verfügte die Beschwerdegegnerin schliesslich 

am 27. Juni 2016, den FFA-Bericht überhaupt nicht ins Französische zu 

übersetzen (act. 1.2, S. 3). 

 

2.2.2 Gemäss Art. 3 Abs. 2 lit. a StPO beachten die Strafbehörden namentlich den 

Grundsatz von Treu und Glauben. Widersprüchliches Staatshandeln 

verstösst gegen Treu und Glauben (THOMMEN, Kommentar zur Schweizeri-

schen Strafprozessordnung [StPO], 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, 

Art. 3 StPO N. 54; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungs-

recht, 7. Aufl., Zürich/St. Gallen 2016, S. 162). Die am Verfahren beteiligten 

Personen haben einen Anspruch darauf, dass ihnen keine Nachteile dadurch 

erwachsen, dass sie auf ein bestimmte Erwartungen begründendes Verhal-

ten der Strafbehörden vertraut haben (WOHLERS, Basler Kommentar, 

Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 3 StPO N. 8). 

 

2.2.3 Die von der Beschwerdegegnerin verfassten Schreiben vom 13. Juni bzw. 

17. Juni 2016 haben beim Beschwerdeführer zweifelsohne die Erwartung, 

dass zumindest die wesentlichen Teile des FFA-Berichts durch die Be-

schwerdegegnerin ins Französische übersetzt werden, geweckt. Daraus re-

sultierende Benachteiligungen des Beschwerdeführers sind jedoch – insbe-

sondere aufgrund der vorliegenden Zweisprachigkeit des Beschwerdefüh-

rers bzw. seiner Vertreter (siehe oben E. 2.1.3) – nicht ersichtlich. Obwohl 

sich die Beschwerdegegnerin nicht entsprechend ihrer ursprünglich geäus-

serten Absicht verhielt, geht auch diese Rüge fehl. 

 

 

- 6 - 
 
 

3. Insgesamt gehen die erhobenen Rügen fehl, weshalb die Beschwerde ab-

zuweisen ist.  

 

4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Gerichts-

kosten zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr ist auf 

Fr. 2'000.-- festzusetzen (Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reg-

lements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Ge-

bühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; 

SR 173.713.162]). 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Das Gesuch um aufschiebende Wirkung wird als erledigt abgeschrieben.  

 

3. Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt. 

 

 

Bellinzona, 6. September 2016 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwälte Luke H. Gillon und Suat Ayan, L'Etude 

- Bundesanwaltschaft 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.