# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3e79a5dd-8967-5714-9be6-360482da76a1
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-03
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 03.07.2020 SB180365
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB180365_2020-07-03.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 
 

Geschäfts-Nr.: SB180365-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: Die Oberrichter lic. iur. R. Naef, Präsident, lic. iur. M. Langmeier und 

Ersatzoberrichter lic. iur. Th. Vesely sowie die Gerichtsschreiberin 

lic. iur. S. Maurer 

 

Urteil vom 3. Juli 2020 

 

in Sachen 

 

A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt Dr. iur. M. Oertle,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin 

 

betreffend schwere Körperverletzung etc. und Widerruf  
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung,  
vom 24. April 2018 (DG170316) 

  

-   2   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

27. November 2017 (Urk. 39) sowie das Privatklägerverzeichnis vom 24. Oktober 

2017 (D1 Urk. 37) sind diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 94 S. 80 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Das Verfahren betreffend den Vorwurf der mehrfachen Drohung (Dossier 1) wird eingestellt. 

2. Der Beschuldigte ist schuldig 

− des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB; 

− der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB. 

3. Von den Vorwürfen der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von 

Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, des Raubes im Sinne von Art. 140 

Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB wird der Beschuldigte 

freigesprochen. 

4. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 

30. September 2015 ausgefällten Freiheitsstrafe von 6 Monaten wird widerrufen. 

5. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der widerrufenen Strafe bestraft mit 40 Monaten Frei-

heitsstrafe als Gesamtstrafe, wovon 550 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft 
erstanden sind. 

6. Es wird eine Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB angeordnet. Der 

Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu diesem Zweck aufgeschoben.  

7. Die Privatkläger B._____ und C._____ werden mit ihren Zivilansprüchen (Schadenersatz, 

Genugtuung und Parteientschädigung) auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

8. Das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren des Privatklägers D._____ wird abgewie-

sen. 

9. Die folgenden, polizeilich sichergestellten Gegenstände werden durch die Lagerbehörde 

vernichtet: 

-   3   - 

Tatort-Fotografie (A009'752'958), Flasche (A009'753'019), DNA-Spur - Wattetupfer 

(A009'753'020), Flasche (A009'753'031), Uhren/Schmuck (A009'753'042), DNA-Spur -     

Wattetupfer (A009'756'596), Mikrospuren - Klebbandasservat (A009'757'373), Flasche 

(A009'753'053), Messer (A009'753'064), DNA-Spur - Wattetupfer (A009'756'541), DNA-

Spur - Wattetupfer (A009'756'552), Mikrospuren - Klebbandasservat (A009'757'408), Ande-

re  

Fotografie (A009'755'059), DNA-Spur - Wattetupfer (A009'755'093), DNA-Spur - Wattetup-

fer (A009'755'106), Vergleichs-WSA (A009'755'117). 

10. Die folgenden, polizeilich sichergestellten Gegenstände werden den Berechtigten auf erstes 

Verlangen herausgeben:  

Kleider (A009'752'787), Kleider (A009'752'878), Kleider (A009'752'903), Kleider 

(A009'752'925), Kleider (A009'752'936), Kleider (A009'752'947), Kleider (A009'752'969), 

Kleider (A009'754'136). 

Stellen die Berechtigten nicht innert drei Monaten ab Rechtskraft des Urteils ein entspre-

chendes Herausgabebegehren bei der Lagerbehörde, werden die Gegenstände vernichtet. 

11. Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger aus 

der Gerichtskasse mit Fr. 31'000.– (inkl. Barauslagen und MwSt) entschädigt, wovon 

Fr. 8'800.– bereits bezahlt wurden. 

12. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 6'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 4'000.00   Gebühr für das Vorverfahren 

Fr. 11'255.00   Gutachten Dr. med. E._____ 

Fr. 814.45   Gutachten IRM betr. B._____ 

Fr. 48.00   Entschädigung Zeugen 

Fr. 2'257.20   amtliche Verteidigung RA X2._____ 

Fr. 31'000.00   amtliche Verteidigung RA X1._____ 

13. Die Kosten des Gutachtens von Dr. med. E._____ werden dem Beschuldigten auferlegt. Die 

übrigen Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejeni-

gen der amtlichen Verteidigung, werden zu vier Fünfteln dem Beschuldigten auferlegt und 

zu einem Fünftel auf die Gerichtskasse genommen.  

-   4   - 

14. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse genom-

men. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von 

Fr. 26'605.60. 

15. (Mitteilung) 

16. (Rechtsmittel)" 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 128 S. 2 f.) 

1. Es sei festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts 

Zürich vom 24. April 2018 hinsichtlich Dispositivziffer 1 (Einstellung des 

Verfahrens wegen Drohung), Dispositivziffer 2 (soweit es um die Ver-

urteilung wegen Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB geht), 

Dispositivziffer 4 (Widerruf), Dispositivziffer 6 (Anordnung einer Mass-

nahme), Dispositivziffer 7 (Verweisung des Privatklägers B._____ mit 

seinen Zivilforderungen auf den Zivilweg), Dispositivziffer 8 (Abweisung 

der Zivilansprüche des Privatklägers D._____), Ziff. 9 und 10 (Rege-

lung der Herausgabe bzw. Vernichtung von Sachgegenständen) sowie 

Ziff. 11 und 12 (Festsetzung des Honorars der amtlichen Verteidigung) 

in Rechtskraft erwachsen ist. 

2. Von den Vorwürfen der mehrfach versuchten schweren Körperverlet-

zung (Anklageziffer 1), der schweren Körperverletzung (Anklagezif-

fer 2) sowie des Angriffs und Raubs (Anklageziffer 3) sei der Beschul-

digte freizusprechen. 

 

Eventualiter seien die Strafverfahren gemäss Anklageziffer 1 und 2 

einzustellen. 

3. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 

30. September 2015 für eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten gewährte 

bedingte Strafvollzug sei zu widerrufen. Unter Einbezug dieser Vorstra-

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fe sei der Beschuldigte unter Anrechnung der bisher erstandenen Haft 

mit einer vollziehbaren Gesamtstrafe von 12 Monaten zu belegen. Es 

sei festzustellen, dass der Beschuldigte diese Strafe bereits abgeses-

sen hat. 

4. Auf Schadenersatzbegehren sei nicht einzutreten bzw. seien diese ab-

zuweisen. 

5. Für die erstandene Überhaft sei der Beschuldigte angemessen zu ent-

schädigen. 

b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 101 S. 1 f. und Urk. 129 S. 1 sinngemäss) 

1. Der vorinstanzliche Schuldspruch betreffend die schwere Körperver-

letzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB und Raufhandel im Sinne 

von Art. 133 Abs. 1 StGB sei zu bestätigen. 

2. Der Beschuldigte sei der mehrfachen versuchten schweren Körperver-

letzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 

StGB, des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie. 

des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB schuldig zu sprechen. 

3. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 56 Monaten als Ge-

samtstrafe zu bestrafen.  

Erwägungen: 

I. Prozessuales     

1. Verfahrensgang 

1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-

meidung von unnötigen Wiederholungen auf die Erwägung der Vorinstanz im an-

gefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 94 S. 6). 

-   6   - 

1.2. Gegen das vorstehend wiedergegebene mündlich eröffnete Urteil des Be-

zirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, vom 24. April 2018 (Prot. I S. 32 ff.) liess der 

Beschuldigte durch seine amtliche Verteidigung am 4. Mai 2018 (Datum Post-

stempel) fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 77). Nach Zustellung des begrün-

deten Urteils (Urk. 90) am 27. Juli 2018 (Urk. 93/2) reichte die Verteidigung mit 

Eingabe vom 30. Juli 2018 – ebenfalls fristgerecht – dem Obergericht die Beru-

fungserklärung ein (Urk. 95). Mit Präsidialverfügung vom 6. September 2018 wur-

de die Berufungserklärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO der 

Staatsanwaltschaft sowie den Privatklägern zugestellt, um gegebenenfalls An-

schlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantra-

gen (Urk. 99). Mit Eingabe vom 17. September 2018 erhob die Staatsanwaltschaft 

Anschlussberufung (Urk. 101). Mit Präsidialverfügung vom 8. Oktober 2018 wurde 

die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft den Privatklägern sowie dem Be-

schuldigten zugestellt (Urk. 103). 

1.3. Am 16. Mai 2019 fand die Berufungsverhandlung statt, anlässlich welcher 

der Beschuldigte zur Person und zur Sache einvernommen wurde (Urk. 127). So-

dann wurden die Parteivorträge entgegengenommen. Ein Entscheid in der Sache 

wurde nicht gefällt, da sich die Sache noch nicht als spruchreif erwies (Prot. II S. 5 

ff.). Mit Beschluss vom 16. Mai 2019 wurden die Akten sodann zur Ergänzung der 

Untersuchung, namentlich der Einvernahme von F._____ und G._____ als Zeu-

gen, an die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich zurückgewiesen (Urk. 130). 

1.4. Die Zeugeneinvernahmen wurden von der Staatsanwaltschaft am 

3. Oktober 2019 durchgeführt und die Protokolle der betreffenden Einvernahmen 

gingen am 7. Oktober 2019 am hiesigen Gericht ein (Urk. 138; Urk. 139; 

Urk. 140). Sie wurden dem Beschuldigten sowie dem Privatkläger C._____ zur 

freigestellten Vernehmlassung zugestellt (Urk. 147). Die Stellungnahme des Ver-

teidigers des Beschuldigten ging am 12. Mai 2020 (Poststempel 11. Mai 2020) 

fristgerecht am hiesigen Gericht ein (Urk. 153). Die Sache erweist sich nunmehr 

als spruchreif. 

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2. Umfang der Berufung 

2.1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldspruch we-

gen schwerer Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB, den Straf-

punkt, den Entscheid über die Zivilforderungen von C._____ sowie die Kostenauf-

lage (Urk. 95). Zwar wurde die Dispositiv-Ziffer 14 des vorinstanzlichen Urteils 

nicht explizit angefochten. Die Verteidigung ficht aber – wie soeben erwähnt – die 

Kostenauflage gemäss Dispositiv-Ziffer 13 des vorinstanzlichen Urteils an, wes-

halb auch die Dispositiv-Ziffer 14 als mitangefochten gilt. Die Anschlussberufung 

der Staatsanwaltschaft richtet sich gegen den Freispruch betreffend mehrfache 

versuchte schwere Körperverletzung, Raub und Angriff. Sodann verlangt sie eine 

schärfere Bestrafung des Beschuldigten (Urk. 101). 

2.2. Dementsprechend ist das vorinstanzliche Urteil in den Dispositiv-Ziffern 1, 

2 (soweit den Schuldspruch wegen Raufhandel betreffend), 4, 6, 7 (soweit die Zi-

vilforderungen von B._____ betreffend) sowie die Dispositiv-Ziffern 8-12 nicht an-
gefochten und damit in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschlusses 

festzustellen ist (Art. 404 Abs. 1 StPO; Prot. II S. 7). Im übrigen Umfang steht der 

angefochtene Entscheid im Rahmen des Berufungsverfahrens zur Disposition. 

3. Formelles 

3.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies 

in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-

wähnung findet. 

3.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende 

Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-

des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 

mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid 

wesentlichen Punkte beschränken. 

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II. Schuldpunkt 

1. Grundsätze der Sachverhaltserstellung 

Was die Vorinstanz zu den massgebenden Grundsätzen der Sachverhalts-

erstellung sowie den Beweiswürdigungsregeln (dabei insbesondere zur Aussa-

gewürdigung) ausführt, ist nicht zu beanstanden (Urk. 94 S. 10 f.). Zur Vermei-

dung von Wiederholungen kann darauf verwiesen werden. 

2. Tatvorwurf der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung 

Gemäss Anklageschrift habe sich – soweit im vorliegenden Verfahren noch rele-

vant – am 21. Oktober 2016, ca. 22:00 Uhr, an der H._____-strasse … in … Zü-

rich Folgendes zugetragen: Zwischen mehreren Personen, darunter auch der 

Beschuldigte, sei es zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen. Der 

Beschuldigte habe I._____ zunächst mit der Faust gegen dessen Hinterkopf ge-

schlagen, wodurch dieser aber nicht verletzt worden sei. Als I._____ den Be-

schuldigten von sich weggestossen habe, habe der Beschuldigte ein Klappmes-

ser hervorgenommen, die Klinge geöffnet und diese gegen I._____ gerichtet. Als 

der Beschuldigte das Messer gegen I._____ gerichtet habe, habe er mit dem 

Messer eine Stichbewegung in die Richtung von I._____ ausgeführt, der ca. 1 

Meter vom Beschuldigten entfernt gestanden sei. Da I._____ dem Messer habe 

ausweichen können, sei dieser nicht getroffen und nicht verletzt worden. Wäre 

I._____ dem Stich nicht ausgewichen, so hätte ihn gemäss Anklageschrift das 

Messer mit grosser Wahrscheinlichkeit am Körper getroffen und verletzt. Der Be-

schuldigte habe gewusst, dass Messerstiche gegen einen Menschen schwere bis 

lebensgefährliche Verletzungen hervorrufen könnten und er habe dies in Kauf ge-

nommen. 

Weiter sei der Beschuldigte mit dem Klappmesser in der Hand auf J._____ zuge-

gangen und habe mit dem geöffneten Klappmesser ca. 2-3 Mal Stichbewegungen 

gegen den Oberkörper von J._____ ausgeführt, als dieser ca. 1 Meter von ihm 

entfernt gestanden sei. Da J._____ dem Messer habe ausweichen können, sei 

dieser nicht getroffen und nicht verletzt worden. Wäre J._____ dem Stich nicht 

ausgewichen – so die Anklageschrift –, hätte ihn das Messer mit grosser Wahr-

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scheinlichkeit am Körper getroffen und verletzt. Der Beschuldigte habe gewusst, 

dass Messerstiche gegen einen Menschen schwere bis lebensgefährliche Verlet-

zungen hervorrufen könnten und er habe dies in Kauf genommen. 

Als sodann B._____ den Beschuldigten von J._____ habe trennen wollen, habe 

der Beschuldigte den Geschädigten B._____ mit einer Glasflasche gegen den 

Kopf im Bereich des linken Ohrs geschlagen, wobei die Flasche zersplittert sei. 

B._____ habe dadurch eine Schnittwunde an der linken Ohrmuschel sowie eine 

Schnittwunde hinter dem Ohr erlitten. Der Geschädigte sei dadurch zwar nicht le-

bensgefährlich oder bleibend verletzt worden, jedoch habe aufgrund der Lokalisa-

tion der Verletzung die konkrete Gefahr der Eröffnung der linken Halsschlagader 

bzw. Halsvene bestanden, was zu einem lebensbedrohlichen Blutverlust oder ir-

reversiblen Schädigungen habe führen können. Ebenfalls habe ein Gesichtsnerv 

beeinträchtigt werden können, was ebenfalls zu bleibenden Schäden hätte führen 

können. Der Beschuldigte habe gewusst, dass Schläge mit Flaschen gegen den 

Kopf eines Menschen schwere bis lebensgefährliche Verletzungen hätten hervor-

rufen können und er habe dies in Kauf genommen (Urk. 39 S. 2 ff.). 

2.1. Vorinstanzliches Urteil  

Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, es sei vom Beschuldigten sowie den üb-

rigen Beteiligten unbestritten und als erstellt zu erachten, dass es am 21. Oktober 

2016 an der H._____-strasse … zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwi-

schen mehreren Personen gekommen sei. Dabei seien dem Beschuldigten, 

K._____ und L._____ die Kontrahenten I._____, J._____, B._____, M._____ und 

N._____ gegenüber gestanden. Weiter unbestritten und erstellt sei, dass es im 

Zuge dieser Auseinandersetzung zu gegenseitigen Schlägen und Tritten gekom-

men sei, wobei auch Glasflaschen und Steine eingesetzt worden seien. Auch sei 

der Beschuldigte geständig, im Verlauf der Auseinandersetzung ein Messer ge-

zogen zu haben und dieses sichtbar in der Hand gehalten zu haben. Schliesslich 

sei erstellt, dass sich im Zuge dieser Auseinandersetzung mindestens zwei Per-

sonen verletzt hätten. Mit Bezug auf den Schlag gegen B._____ seien anlässlich 

der Konfrontationseinvernahme vom 13. Dezember 2016 sämtliche Beteiligten ge-

fragt worden, von wem B._____ mit der Flasche verletzt worden sei. Dabei hätten 

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alle angegeben, dazu keine Angaben machen zu können. Auch die beiden Zeu-

gen hätten bezüglich des Entstehens der Verletzungen von B._____ keine nähe-

ren Angaben machen können. Entscheidend sei die Aussage von B._____ selbst, 

der zwar angegeben habe, er wisse nicht, wer ihm die Flasche über den Kopf ge-

schlagen habe. Er könne aber I._____ und den Beschuldigten ausschliessen, da 

diese beiden Personen etwas abseits gestanden seien. Diese Äusserung würde 

unter anderem durch die Ausführungen von I._____ und dem Beschuldigten ge-

stützt, die übereinstimmend ausgesagt hätten, am Anfang der Auseinanderset-

zung etwas abseits miteinander diskutiert zu haben. 

Die Vorinstanz schloss, es könne als erstellt betrachtet werden, dass dem Be-

schuldigten die Rolle des Initiators für die Auseinandersetzung zukomme, habe er 

sich doch von den Zurufen provozieren lassen, sei daraufhin auf die gegnerische 

Gruppe zugetreten und habe bewusst die Konfrontation gesucht. Sodann sei er-

stellt, dass der Beschuldigte sein Messer aktiv in der Auseinandersetzung einge-

setzt habe. Er habe sich mit dem Messer im dynamischen Tatgeschehen bewegt 

und mit dem Messer rumgefuchtelt. Weitergehende Tathandlungen des Beschul-

digten liessen sich hingegen nicht erstellen. Dies gelte zunächst für den Faust-

schlag gegen den Hinterkopf von I._____. Sodann würden auch die Stichbewe-

gungen gegen I._____ und J._____ nicht erstellt werden können, zu widersprüch-

lich und vage gehalten seien die einzelnen Aussagen diesbezüglich. Namentlich 

bleibe unklar, wie und wohin der Beschuldigte gestochen haben soll. Zu vermuten 

sei, dass die Bewegungen des Beschuldigten mit dem Messer im dynamischen 

Tatgeschehen fälschlicherweise als Stichbewegungen gedeutet worden seien. 

Schliesslich könne auch nicht erstellt werden, dass der Beschuldigte den Schlag 

mit der Glasflasche auf den Kopf von B._____ ausgeführt habe. Zwar sei gestützt 

auf das rechtmedizinische Gutachten vom 16. November 2016 erstellt, dass die 

Verletzungen von B._____ von einer Glasflasche stammen würden. Da aber so-

gar der Geschädigte selbst, der keinerlei Interesse daran habe, den Schuldigen 

zu entlasten, den Beschuldigten als Täter ausschliesse, und zudem keiner der 

Beteiligten den Beschuldigten als Täter nenne, sei dieser Anklagepunkt in klarer 

Weise nicht erstellt (Urk. 94 S. 32 ff.). 

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2.2. Standpunkt der Staatsanwaltschaft 

2.2.1. Die Staatsanwaltschaft brachte vor Vorinstanz zusammengefasst vor,  

I._____ habe anlässlich der Konfrontationseinvernahme zu Protokoll gegeben, 

dass der Beschuldigte mit dem Messer gegen ihn gestochen habe, als dieser nur 

ca. 1 Meter von ihm entfernt gewesen sei. Wenn er nicht ausgewichen wäre, hätte 

ihn der Beschuldigte mit dem Messer getroffen. Es sei kein Grund ersichtlich, 

weshalb I._____ eine absichtliche Falschaussage hätte machen sollen. Der Be-

schuldigte hingegen habe allen Grund, diesen Vorwurf zu bestreiten, sei es ja nur 

dem Zufall zu verdanken, dass I._____ durch die Stichbewegungen mit dem Mes-

ser nicht schwer verletzt worden sei. Ebenfalls gesehen worden seien die Stich-

bewegungen durch J._____. Dieser habe sogar gemeint, dass I._____ vom Mes-

ser gestochen worden sei, so nahe sei der Beschuldigte offenbar an I._____ ge-

standen. Auch J._____ habe angegeben, dass der Beschuldigte mit dem Messer 

Stichbewegungen gegen ihn ausgeführt habe. Es sei nur dem Zufall zu verdanken 

gewesen, dass er nicht verletzt worden sei. Bei J._____ sei ebenfalls nicht er-

sichtlich, weshalb er diesbezüglich eine absichtliche Falschaussage hätte machen 

sollen. Auch M._____ habe gesehen, wie der Beschuldigte gegen J._____ gesto-

chen habe und J._____ zurückgewichen sei. Die Aussagen von I._____, J._____ 

und M._____ würden zudem durch O._____ bestätigt, der angegeben habe, dass 

der Beschuldigte Stichbewegungen mit dem Messer gegen eine andere Person 

ausgeführt habe. Bei ihm handle es sich um einen unabhängigen Tatzeugen, der 

absolut keinen Grund habe, diesbezüglich falsche Angaben zu machen. Gemäss 

der Aussage von O._____ habe das Opfer auch sofort nach dem Stich seine 

Hand an den Bauch gehalten. Er sei davon ausgegangen, dass das Opfer verletzt 

worden sein könnte. Dies zeige, dass auch gemäss einer unabhängigen und ob-

jektiven Einschätzung von aussen klar davon ausgegangen werden müsse, dass 

das Verletzungsrisiko sehr hoch gewesen sei, als der Beschuldigte Stichbewe-

gungen mit dem Messer gegen Personen ausgeführt habe. 

Der weitere Vorwurf, dass der Beschuldigte B._____ mit einer Glasflasche am 

Hals verletzt habe, basiere auf den belastenden Aussagen von M._____. Dieser 

habe anlässlich der Konfrontationseinvernahme ausgeführt, dass derjenige, wel-

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cher das Messer gegen J._____ eingesetzt habe, eine beige Jacke getragen ha-

be. Es sei ein grosser Mann gewesen. Der Beschuldigte sei der einzige gewesen, 

der gemäss eigener Angabe eine braun-beige Jacke getragen habe. M._____ sei 

sich sicher, dass derjenige, welcher mit dem Messer gegen J._____ gestochen 

habe, auch gegenüber von B._____ gestanden habe, als dieser mit der Glasfla-

sche verletzt worden sei. Bei M._____ sei kein Grund erkennbar, weshalb dieser 

den Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte. Die Angabe von M._____ mache 

auch Sinn, wenn man sich vor Augen führe, dass das eigentliche Problem ur-

sprünglich zwischen dem Beschuldigten und B._____ bestanden habe. Der Be-

schuldigte weise deshalb klar ein Motiv auf, in dieser Art und Weise gegen 

B._____ vorzugehen. 

B._____ selbst habe angeblich nicht gesehen, wer ihm die Flasche an den Kopf 

geschlagen habe. Den Beschuldigten habe er aber dann trotzdem ausgeschlos-

sen, weil dieser angeblich etwas entfernt gestanden sei. Anlässlich der Befragung 

sei bei ihr – der Staatsanwältin – und auch bei der zuständigen Jugendanwältin 

der Eindruck entstanden, dass B._____ sehr wohl wisse, wer ihn mit der Flasche 

geschlagen habe. Aus welchem Grund er dies nicht preisgeben wolle, sei unklar. 

Fakt sei aber, dass mehrere Personen in der Konfrontationseinvernahme sehr da-

rum bemüht gewesen seien, den Beschuldigten möglichst zu schützen. Es habe 

sich im Verlauf der Untersuchung gezeigt, dass sich diverse Zeugen und Aus-

kunftspersonen vor Repressalien seitens des Beschuldigten oder dessen Umfeld 

fürchten würden. Diese Angst werde sicherlich berechtigt sein, wenn man sich vor 

Augen führe, dass in der tamilischen Subkultur häufig unter Anwendung von 

schwerster Gewalt Rache geübt werde. Allenfalls erkläre dies das Aussageverhal-

ten von B._____. Verlässlich sei die Angabe von B._____, dass er den Beschul-

digten in Bezug auf den Einsatz der Flasche ausschliessen könne, jedenfalls si-

cher nicht (Urk. 69 S. 2 ff.). 

2.2.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung wiederholte die Staatsanwaltschaft, 

dass sich die Beteiligten an der Konfrontationseinvernahme schwer getan hätten, 

gegen den Beschuldigten auszusagen. Allerdings habe sich deutlich ergeben, 

dass die Auseinandersetzung vom Beschuldigten ausgegangen sei. Dies habe 

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sich sogar den Angaben des sonst wenig gesprächigen Mitbeschuldigten K._____ 

entnehmen lassen, welcher angegeben habe, dass eine Person aus der anderen 

Gruppe der Gruppe mit dem Beschuldigten etwas zugerufen habe, was den Be-

schuldigten erzürnt und worauf dieser sich angegriffen gefühlt habe. Der Beschul-

digte habe sich mit dem Beteiligten mit der dunkelroten Jacke (dabei handle es 

sich um B._____) aus der anderen Gruppe unterhalten und schon hätten die bei-

den angefangen, sich herumzustossen und aufeinander einzuschlagen.  

I._____ habe bei der Konfrontationseinvernahme ausgesagt, der Beschuldigte 

habe mit dem Messer gegen ihn gestochen, als dieser nur ca. 1 Meter von ihm 

entfernt gewesen sei, und falls es ihm nicht gelungen wäre, noch auszuweichen, 

hätte der Beschuldigte ihn mit dem Messer getroffen. Von dieser Angabe dürfe 

und müsse ausgegangen werden. So fehlten Gründe für eine absichtliche Falsch-

aussage. Anders beim Beschuldigten; bei diesem gebe es unzählige Gründe zur 

Bestreitung dieses Vorwurfs. Schliesslich sei es ausschliesslich eine glückliche 

Fügung gewesen, dass I._____ durch die Stichbewegung mit dem Messer nicht 

schwere Verletzungen erlitten habe. Gestützt würden diese Angaben vom Mitbe-

schuldigten J._____, der die Stichbewegungen genau gleich gesehen habe und 

sogar damals davon ausgegangen sei, dass I._____ vom Messer gestochen wor-

den sei. Auch J._____ habe angegeben, dass der Beschuldigte mit dem Messer 

Stichbewegungen gegen ihn ausgeführt habe. Auch bei ihm sei es nur dem Zufall 

zu verdanken, dass er nicht verletzt worden sei (Urk. 129 S. 3). J._____ fehle 

ebenfalls jedes Motiv für eine absichtliche Falschaussage. Zudem habe auch der 

weitere Mitbeschuldigte M._____ gesehen, wie der Beschuldigte gegen J._____ 

gestochen habe und dieser zurückgewichen sei. Die Aussagen von I._____, 

J._____ und M._____ würde schliesslich auch von einem Türsteher des 

"P._____", von O._____, bestätigt. Dieser habe ausgeführt, dass der Beschuldig-

te mit einem Messer Stichbewegungen gegen eine andere Person ausgeführt ha-

be. O._____ sei ein unabhängiger Tatzeuge, dem jeder Grund für eine falsche 

Aussage fehle. Auch O._____ sei der Ansicht gewesen, dass das Opfer verletzt 

worden sei. Somit müsse auch entsprechend einer unabhängigen und objektiven 

Einschätzung davon ausgegangen werden, dass das Verletzungsrisiko sehr hoch 

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gewesen sei, als der Beschuldigte Stichbewegungen mit dem Messer gegen Per-

sonen ausgeführt habe. 

Der Vorwurf, wonach der Beschuldigte B._____ mit einer Glasflasche am Hals 

verletzt habe, ergebe sich aus den Aussagen von M._____. Dieser habe anläss-

lich der Konfrontationseinvernahme ausgeführt, dass derjenige, welcher das Mes-

ser gegen J._____ geführt habe, eine beige Jacke getragen habe. Es habe sich 

um einen grossen Mann gehandelt. Eine braun-beige Jacke sei dabei aus-

schliesslich vom Beschuldigten getragen worden. M._____ sei sich zudem auch 

sicher gewesen, dass derjenige, der mit dem Messer gegen J._____ gestochen 

habe, auch gegenüber von B._____ gestanden sei, als dieser verletzt geworden 

sei. Auch bei M._____ fehle es an einem erkennbaren Grund für eine Falschbe-

lastung. Die Angabe von M._____ ergäben auch Sinn, wenn man bedenke, dass 

das eigentliche Problem ursprünglich zwischen dem Beschuldigten und B._____ 

bestanden habe. Der Beschuldigte habe deshalb klar ein Motiv gehabt, in dieser 

Art und Weise gegen B._____ vorzugehen. B._____ wolle selber zwar nicht ge-

sehen haben, wer ihm die Flasche auf den Kopf geschlagen habe, den Beschul-

digten habe er dann aber trotzdem ausgeschlossen, weil dieser angeblich etwas 

entfernt gestanden sei. Es scheine allerdings so, dass B._____ sehr wohl ge-

wusst habe, wer ihn mit der Flasche geschlagen habe und er dies einfach nicht 

habe sagen wollen – weshalb wisse man nicht. Sicher sei aber, dass mehrere 

Personen in der Konfrontationseinvernahme sehr darum bemüht gewesen seien, 

den Beschuldigten möglichst zu schützen – möglicherweise aus Angst vor Re-

pressalien seitens des Beschuldigten oder dessen Umfeld. Die Angst sei ange-

sichts des Umstands, dass in der tamilischen Subkultur häufig mit der Anwendung 

von schwerster Gewalt Rache ausgeübt werde, sehr gut nachvollziehbar (Urk. 

129 S. 4 f.).  

Gemäss dem Gutachten des Institutes für Rechtsmedizin hätte es beim vorlie-

genden Vorfall zu schwerwiegenden oder gar tödlichen Verletzungen kommen 

können. Dass dies nicht geschehen sei, sei auch hier nur dem Zufall zu verdan-

ken. Der Beschuldigte habe diese bei seinem Handeln aber in Kauf genommen 

(Urk. 129 S. 5). 

-   15   - 

 

 

2.3. Standpunkt der Verteidigung 

Die Verteidigung machte in Bezug auf den Anklagesachverhalt bezüglich des 

Schlags mit einer Glasflasche gegen B._____ anlässlich der Berufungsverhand-

lung geltend, dass anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 13. Dezember 

2016 sämtliche Beteiligten gefragt worden seien, von wem B._____ mit der 

Flasche verletzt worden sei, wobei alle angegeben hätten, dazu keine Angaben 

machen zu können. Auch die beiden Zeugen hätten dazu keine Angaben machen 

können (Urk. 128 S. 4). Da sogar der Geschädigte selbst den Beschuldigten als 

Täter ausschliesse und zudem keiner der Beteiligten den Beschuldigten als Täter 

nenne, sei dieser Anklagepunkt in klarer Weise nicht erstellt. Zudem sei im Sach-

verhalt nicht umschrieben, wie der Beschuldigte, der ein Messer in der Hand ge-

halten habe, plötzlich in den Besitz einer Glasflasche hätte gelangen sollen. Zu-

dem habe für den Beschuldigten, welcher bereits mit einem Messer bewaffnet 

gewesen sei, keine Veranlassung bestanden, dieses Messer zugunsten einer 

Flasche wegzulegen (Urk. 128 S. 5). 

In Bezug auf die dem Beschuldigten zur Last gelegten Stichbewegungen in 

Richtung von I._____ und J._____ stelle die Anklage die Hypothese einer Verlet-

zung auf und behaupte, dass die beiden mit dem "Messer mit grosser Wahr-

scheinlichkeit am Körper getroffen und verletzt" worden wären, wenn sie den 

Stichbewegungen nicht hätten ausweichen können. Diese Formulierung lasse ei-

ne Verurteilung des Beschuldigten schon selbst dann nicht zu, wenn ihm die ein-

geklagten gezielten Stichbewegungen nachzuweisen wären. Einerseits lasse der 

Anklagetext die Möglichkeit offen, dass der Messereinsatz auch ohne Ausweich-

bewegungen von I._____ und J._____ folgenlos geblieben wäre, andererseits wä-

re zu fordern, dass die Anklage Art und Ziel der vom Beschuldigten vorgenomme-

nen Stichbewegungen genau umschreibe, da nicht jede Stichbewegung zu einer 

schweren Körperverletzung führe. Die Anklageschrift müsste hier einen konkreten 

Lebenssachverhalt umschreiben, was aber nicht der Fall sei (Urk. 128 S. 6). In 

-   16   - 

dieser Hinsicht sei das Verfahren wegen Verletzung des Anklagegrundsatzes ein-

zustellen. Ohnehin scheitere die Anklage aber auch daran, dass das vom Be-

schuldigten verwendete Messer nicht sichergestellt worden sei. Vom Messer exis-

tiere lediglich eine Übersichtsaufnahme, welche ein Messer mit einer ganz kurzen 

Klingenlänge von wenigen Zentimetern zeige, so wie es für Rüstzwecke beim 

Camping oder Grillieren benutzt werde. Ob es sich um ein Klappmesser handle, 

könne nicht nachgeprüft werden (Urk. 128 S. 7). Man könne sich fragen, ob mit 

einem derartig kurzen und sicher stumpfen Messer die Beibringung schwerer Ver-

letzungen überhaupt möglich sei, dies zumal alle Beteiligten Lederjacken oder 

ähnlich dicke Oberkleider getragen hätten. Lebensgefährliche Verletzungen seien 

mit einem solchen Messer wohl nur möglich, wenn es gezielt gegen den Hals ei-

ner Person eingesetzt werde, was sich aber nicht aus der Anklageschrift ergebe 

(Urk. 128 S. 8). In den Aussagen von J._____ und I._____ würden zudem Über-

treibungstendenzen auffallen. Sei ursprünglich von einem Abstand von 1.5 Metern 

zum Beschuldigten die Rede gewesen, sei der Beschuldigte in späteren Einver-

nahmen der beiden immer näher gerückt. Zudem sei in früheren Einvernahmen 

von einem Umherfuchteln die Rede gewesen, in späteren Befragungen dann von 

"abstechen" und "sterben können". Diese Übertreibungstendenzen würden gegen 

die Qualität und Glaubhaftigkeit der von I._____ und J._____ gemachten Aussa-

gen sprechen (Urk. 128 S. 10). Letztlich würden beide einen Abstand zwischen 

sich und dem Beschuldigten beschreiben, der vom Beschuldigten offenbar stets 

eingehalten worden sei. Hätte der Beschuldigte zustechen wollen, hätte er das mit 

seiner sportlichen Statur auch geschafft. Somit sei allerhöchstens von einem 

Drohgehabe des Beschuldigten auszugehen (Urk. 128 S. 11). 

Der Beschuldigte werde zudem durch die Aussagen von Q._____ wesentlich ent-

lastet, welcher ausgesagt habe, dass er das Gefühl gehabt habe, der Beschuldig-

te habe sich mit dem Messer in der Hand nicht sehr wohl gefühlt und dass es so 

ausgesehen habe, als er sich damit verteidigen und nicht jemanden habe stechen 

wollen. Der Beschuldigte habe auf ihn defensiv gewirkt. Er habe nicht den Ein-

druck gehabt, dass der Mann mit dem Messer dieses aktiv gegen jemanden habe 

einsetzen wollen, sondern mehr zur Abwehr der Gruppe. Der Mann mit dem Mes-

-   17   - 

ser habe sich im Hintergrund aufgehalten. Er sei nicht vorne gestanden und habe 

das Messer gezeigt, um zu provozieren (Urk. 128 S. 12).  

Es könne – so die Verteidigung abschliessend – dem Beschuldigten somit nicht 

oder zumindest nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden, dass er versucht 

habe, I._____ und J._____ im Sinne des Gesetzes schwer zu verletzen, bzw. 

dass er solche Verletzungen in Kauf genommen habe.  

2.4. Würdigung 

Es kann vorweggenommen werden, dass den Erwägungen der Vorinstanz mit 

Bezug auf die mehrfache versuchte schwere Körperverletzung vollumfänglich ge-

folgt werden kann. Die nachfolgenden Erwägungen sollen dies nur noch verdeut-

lichen und ergänzen. 

2.4.1. Unstrittig ist, dass der Beschuldigte im Laufe der Auseinandersetzung am 

21. Oktober 2016 vor dem Club "P._____" ein Messer hervorgenommen und die-

ses auch für die anderen sichtbar vor seinem Körper gehalten hat. Was nun aber 

den Vorwurf angeht, der Beschuldigte habe mit dem Messer Stichbewegungen in 

Richtung von I._____ und J._____ gemacht, so erweisen sich die diesbezüglichen 

Aussagen der befragten Personen mit der Vorinstanz als zu vage und wider-

sprüchlich (Urk. 94 S. 35). 

2.4.2. Der Beschuldigte sagte bei der Polizei am 22. Oktober 2016 aus, er habe 

das Messer aufgeklappt und senkrecht in die Höhe gehalten, so dass die Anderen 

es hätten sehen können (D1 Urk. 3/1 S. 4 F/A 32 f.). Er habe keine Stossbewe-

gungen mit dem Messer gemacht (D1 Urk. 3/1 S. 6 F/A 55). Er sei mit dem Mes-

ser auch nie in der Nähe von anderen Personen gestanden (D1 Urk. 3/1 S. 8 F/A 

64). Anlässlich seiner Hafteinvernahme am 22. Oktober 2016 erklärte er erneut, 

er sei nicht in der Nähe einer Person gestanden, so dass er diese auch nicht hätte 

verletzen können (D1 Urk. 3/3 S. 2 F/A 4). Er habe das Messer nur hervorge-

nommen, um es zu zeigen und die anderen abzuschrecken (D1 Urk. 3/3 S. 3 und 

S. 5 F/A 6 und 2). Er habe das Messer in der Faust seines ausgestreckten rech-

ten Arms gehalten. Die Messerklinge habe nach oben gezeigt (D1 Urk. 3/3 S. 3 

-   18   - 

F/A 13). Die anderen (gemeint Personen der anderen Gruppe) seien in der Mitte 

der Strasse stehen geblieben und nicht weiter auf sie zugekommen. Er sei mit 

dem Messer auf niemanden zugerannt oder habe mit dem Messer in der Hand 

jemanden verfolgt (D1 Urk. 3/3 S. 3 f. F/A 14 ff.). Anlässlich der staatsanwalt-

schaftlichen Einvernahmen vom 13. Dezember 2016 respektive vom 20. April 

2017 sagte der Beschuldigte, er habe die Strassenseite gewechselt und das Mes-

ser hervorgenommen. Die anderen seien auf der anderen Strassenseite geblie-

ben. Er habe wegen des Blutes (aufgrund seiner Verletzung an der Stirn) nicht 

genau sehen können. Er habe nur gewollt, dass sie sehen, dass er ein Messer 

habe (D1 Urk. 12/1 S. 4 und S. 6). Er habe keine Stichbewegungen mit Absicht 

gemacht (D1 Urk. 12/1 S. 7). Er habe die Personen nur auf Distanz halten wollen 

(D1 Urk. 11/8 S. 2 F/A 6). Er habe das Messer mit ausgestrecktem Arm vor sich 

gehalten. Er habe das Messer gezeigt, aber keine Bewegungen damit gemacht 

(D1 Urk. 11/8 S. 2 F/A 7). Bei der Vorinstanz sagte der Beschuldigte aus, er habe 

mit dem Messer nur in Richtung von I._____ gezeigt und habe ihn so auf Distanz 

halten wollen. Er habe keine Stichbewegungen gemacht. Er sei ganz still auf der 

anderen Strassenseite gestanden, weit weg von der anderen Gruppe (Prot. I 

S. 14 ff.). In der Einvernahme anlässlich der Berufungsverhandlung bliebt der Be-

schuldigte dabei, das Messer lediglich zur Abschreckung gezeigt zu haben (Urk. 

127 S. 10/11). 

2.4.3. Sowohl L._____ als auch B._____ gaben an, sie hätten bis zu deren Aus-

scheiden aus der Auseinandersetzung kein Messer wahrgenommen (D1 Urk. 4/1; 

D1 Urk. 11/5 S. 6). R._____ sagte aus, er sei erst dazugestossen, als die Ausei-

nandersetzung schon zu Ende gewesen sei. Er habe kein Messer gesehen (D1 

Urk. 5/1 S. 2 f. F/A 8 f., 13, 16 und 18). Auch N._____, der zwar gemäss eigenen 

Angaben die Auseinandersetzung habe schlichten wollen (D1 Urk. 6/1 S. 2 F/A 9) 

und damit die Schlägerei beobachten konnte, gab zu Protokoll, er habe keine 

Waffe gesehen (D1 Urk. 6/1 S. 2 F/A 13; D1 Urk. 6/3 S. 4 F/A 15). Der direkt in-

volvierte K._____ führte aus, er habe gewusst, dass der Beschuldigte eine Waffe 

gehabt habe. Ob dieser sie benutzt habe, wisse er nicht. Ein Messer habe er nicht 

gesehen (D1 Urk. 7/1 S. 4 und S. 6 F/A 30, 35 und 52; D1 Urk. 7/3 S. 5 F/A 27 

-   19   - 

und 28). Die Aussagen dieser Personen können damit nichts zur Erhellung des 

Sachverhaltes beitragen. 

2.4.4. Belastet wird der Beschuldigte hingegen von I._____: Bei der Polizei führte 

dieser am 22. Oktober 2016 aus, er habe gesehen, wie einer aus der anderen 

Gruppe (gemeint Gruppe des Beschuldigten) einen Schlag erhalten habe. Er ha-

be sich umgedreht und der Beschuldigte habe ihm dann einen Schlag und einen 

Kick verpasst. Er habe dem Beschuldigten dann seinerseits einen Kick gegeben. 

Die Situation sei eskaliert. Alle hätten wild um sich getreten und geschlagen. Der 

Beschuldigte habe ein Messer gezogen und sei ihm nachgerannt, er habe ihn 

aber nicht eingeholt (D1 Urk. 8/1 S. 2 F/A 14 f.). Der Beschuldigte habe ihn abste-

chen wollen (D1 Urk. 8/1 S. 3 F/A 16). Dieser habe mit dem Messer rumgefuchtelt 

(D1 Urk. 8/1 S. 3 F/A 22). Anlässlich seiner Hafteinvernahme führte I._____ am 

23. Oktober 2016 aus, einer (aus ihrer Gruppe) habe einen aus der anderen 

Gruppe geschlagen (D1 Urk. 8/3 S. 3 F/A 7). Er – I._____ – habe sich umgedreht 

und der Beschuldigte habe ihm einen Faustschlag und einen Kick gegeben. Er 

habe dem Beschuldigten daraufhin auch einen Kick gegeben, dann sei er in die 

Massenschlägerei gegangen. Dort sei dann ein Messer gezogen worden 

(D1 Urk. 8/3 S. 3 F/A 8). Der Beschuldigte habe ihn stechen wollen. Auf die Frage 

des Staatsanwaltes, woran er das festmache, erklärte I._____: "Erstens rannte er 

uns nach. Wenn jemand das Messer zieht und ausholt, dann will er jemanden 

stechen" (D1 Urk. 8/3 S. 3 F/A 10). Bei der Konfrontationseinvernahme vom 

13. Dezember 2016 sagte I._____ aus, er und der Beschuldigte seien abseits ge-

standen. In der Gruppe sei etwas los gewesen. Er habe reingehen wollen. In die-

sem Moment habe ihm der Beschuldigte mit der Faust an den Hinterkopf ge-

schlagen. Er habe sich dann umgedreht und dem Beschuldigten einen Kick gege-

ben, um ihn wegzuschubsen. In diesem Moment habe der Beschuldigte das Mes-

ser hervorgezogen. Er selber sei zurückgewichen. Der Beschuldigte sei mit dem 

Messer in der Hand die Klinge voraus auf ihn zugegangen. Der Beschuldigte ha-

be eine Stichbewegung gegen ihn gemacht. Der Beschuldigte sei mit dem Messer 

vielleicht auf eine Distanz von einem Meter auf ihn zugekommen. Er sei der Mei-

nung, dass der Beschuldigte ihn habe stechen wollen. Dies weil der Beschuldigte 

das Messer gezogen und eine Stichbewegung gemacht habe. Wenn der Be-

-   20   - 

schuldigte den Arm herausgestreckt hätte, wäre es nicht mehr weit zu seinem 

Körper gewesen. Er sei nach hinten gegangen. Wenn er stehen geblieben wäre, 

so hätte ihn der Stich – so I._____ weiter – wahrscheinlich getroffen (D1 Urk. 12/1 

S. 10 f.). 

2.4.5. J._____ gab bei der Polizei am 22. Oktober 2016 zu Protokoll, während sie 

mit der anderen Gruppe am Diskutieren gewesen seien, habe plötzlich einer ein 

Messer gezogen. Einer habe gerufen "Messer, Messer". Sie seien ein paar Schrit-

te zurückgegangen und jene Person mit dem Messer habe sie stechen wollen. Er 

habe gedacht, dass I._____ mit dem Messer getroffen worden sei (D1 Urk. 9/1 

S. 6 F/A 58). Anlässlich seiner Hafteinvernahme am 22. Oktober 2016 führte 

J._____ aus, jene Person, welche sie die ganze Zeit angegriffen habe, habe ein 

Messer gehabt (D1 Urk. 9/3 S. 4). Plötzlich habe jemand geschrien: "Messer, 

Messer". Jener mit dem Messer habe so getan, als ob er I._____ niederstechen 

möchte (D1 Urk. 9/3 S. 6). Jener mit dem Messer sei ihm zwei-, dreimal gegen-

über gestanden. Manchmal habe er das Messer in der Hand gehabt, manchmal 

habe er dieses in der Jacke versteckt. Er habe jedenfalls mit dem Messer herum-

gefuchtelt (D1 Urk. 9/3 S. 7). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernah-

me vom 15. November 2016 gab J._____ zu Protokoll, als sie sich gegenüber ge-

standen seien, hätten alle angefangen zu diskutieren und zu schreien. Er habe 

gesehen, wie einer der anderen Gruppe ein Messer hervorgenommen habe. Es 

seien dann alle am Boxen gewesen, er sei nach hinten ausgewichen. Er habe in 

diesem Moment gedacht, I._____ sei mit dem Messer getroffen worden. Er habe 

dann einfach links und rechts geschlagen, er habe "richtig Paranoia" gehabt (D1 

Urk. 9/4 S. 3). Der mit dem Messer sei auf ihn zugekommen und habe ihn die 

ganze Zeit stechen wollen (D1 Urk. 9/4 S. 4). Er sei mit dem Messer angegriffen 

worden und er glaube, auch I._____ sei mit dem Messer angegriffen worden (D1 

Urk. 9/4 S. 7). Der Beschuldigte habe zustechen wollen und er sei zurückgewi-

chen. Sie seien nah gewesen, ca. 1 oder 1.5 Meter (D1 Urk. 9/4 S. 8). Anlässlich 

der Konfrontationseinvernahme vom 13. Dezember 2016 führte J._____ aus, er 

habe gesehen, dass der Beschuldigte ein Messer in der Hand gehabt habe. Er 

habe sodann gesehen, wie der Beschuldigte I._____ habe stechen wollen. Er ha-

be auch gemeint, dass dieser I._____ getroffen habe. Der Beschuldigte habe 

-   21   - 

I._____ in die rechte Seite stechen wollen. Sie seien vielleicht einen halben Meter 

voneinander entfernt gewesen (D1 Urk. 12/1 S. 12). Der Beschuldigte habe das 

Messer auch gegen ihn eingesetzt und versucht, ihn damit zwei-, dreimal zu ste-

chen. Sie seien dabei in einem Abstand von etwa einem Meter gestanden. Der 

Beschuldigte habe ihn in den Oberkörper stechen wollen. Dieser habe ausgeholt 

und gestochen, er sei zurückgewichen. Er wäre vielleicht verletzt worden, wenn er 

nicht ausgewichen wäre (D1 Urk. 12/1 S. 13). 

2.4.6. M._____ gab bei der Polizei am 22. Oktober 2016 zu Protokoll, ihre beiden 

Gruppen seien immer lauter geworden. Sie hätten begonnen sich zu schubsen, 

es sei gekickt und geschlagen worden. Es seien Flaschen geflogen. Der Beschul-

digte habe dann ein Messer gezogen (D1 Urk. 10/1 S. 3 F/A 17). Er sei mit dem 

Messer rumgelaufen und habe damit Stichbewegungen in die Luft gemacht 

(D1 Urk. 10/1 S. 3 F/A 21). Bei der Hafteinvernahme vom 22. Oktober 2016 führte 

M._____ aus, sie seien draussen (gemeint vor dem Club "P._____") gewesen, 

dann seien die Tamilen gekommen. Beiden Gruppen seien laut geworden und 

hätten sich geschubst. Dann habe es angefangen mit Kicks und Schlägen. Der 

Beschuldigte habe das Messer hervorgenommen und damit gegen die Leute 

rumgefuchtelt, die vor ihm gewesen seien. Er sei auf die Personen zugegangen. 

Er habe aber nicht gesehen, wie der Beschuldigte den Leuten hinterher gegangen 

sei (D1 Urk. 10/3 S. 5 f.). Anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 

13. Dezember 2016 führte M._____ aus, er habe gesehen, wie der Beschuldigte 

gegen J._____ gestochen habe (D1 Urk. 12/1 S. 14). 

2.4.7. Q._____ sagte aus, jemand habe gerufen, dass einer ein Messer habe und 

auf jemanden einstechen würde (D1 Urk. 11/1 S. 2 F/A 7). Er habe gesehen, wie 

Fäuste und zwei Flaschen geflogen seien (D1 Urk. 11/1 S. 1, S. 2 F/A 12). So-

dann habe er gesehen, wie der Beschuldigte ein Messer in der Hand gehalten 

habe (D1 Urk. 11/1 S. 3 F/A 20). Der Beschuldigte sei mit dem Messer in der 

rechten Hand auf der anderen Strassenseite gestanden. Die Klinge habe waag-

recht nach vorne geschaut. Er habe den Eindruck gehabt, dass der Beschuldigte 

sich mit dem Messer in der Hand nicht besonders wohl gefühlt habe (D1 Urk. 11/1 

S. 3 F/A 23). Anlässlich seiner Zeugeneinvernahme vom 20. April 2017 gab  

-   22   - 

Q._____ zu Protokoll, er habe gehört, wie die Gäste "Messer" geschrien hätten 

(D1 Urk. 11/6 S. 3 F/A 10). Er habe gesehen, wie der Beschuldigte mit dem Mes-

ser in der Hand auf der Insel des Fussgängerstreifens der Hauptstrasse gestan-

den sei. Es habe nicht ausgesehen, als ob der Beschuldigte aggressiv gewesen 

sei. Es habe so ausgesehen, als ob er sich damit verteidigen wolle und nicht je-

manden aktiv habe stechen wollen. Er habe defensiv gewirkt (D1 Urk. 11/6 S. 3 

F/A 12). Der Arm des Beschuldigten sei nach unten gehangen, die Klinge des 

Messers habe nach vorne geschaut. Er wisse nicht mehr, ob der Beschuldigte 

Bewegungen gemacht habe. Die Gegner seien auf dem Trottoir in einem Abstand 

von fünf bis sechs Metern gestanden (D1 Urk. 11/6 S. 5 F/A 15 ff.). Der Beschul-

digte sei nicht nach vorne gestanden und habe das Messer gezeigt und provoziert 

(D1 Urk. 11/6 S. 4 F/A 24). Der Beschuldigte habe eingeschüchtert, aber nicht 

panisch gewirkt (D1 Urk. 11/6 S. 6 F/A 39). Er habe nicht gesehen, dass Flaschen 

geflogen seien (D1 Urk. 11/6 S. 5 F/A 28). 

2.4.8. O._____ sagte bei der Polizei aus, der Beschuldigte habe ein Messer ge-

zogen und er habe dann auch eine Stichbewegung gegen eine andere Person 

gemacht. Er habe nicht gesehen, gegen welche Person gestochen worden sei 

(D1 Urk. 11/2 S. 2 F/A 4). Bei der Staatsanwaltschaft sagte O._____ als Zeuge 

befragt aus, er habe gesehen, wie der Beschuldigte ein Messer gezogen habe. Er 

habe auf einen anderen zugestochen (D1 Urk. 11/7 S. 4 F/A 18). Als er das Mes-

ser hervorgenommen habe, habe jeder geschrien "Messer". Einer aus der ande-

ren Gruppe habe seine Hand an seinen Bauch gehalten (D1 Urk. 11/7 S. 4 F/A 

20). Er sei sich nicht sicher, wie der Beschuldigte das Messer gehalten habe (D1 

Urk. 11/7 S. 4 F/A 22). Er sei in Reichweite anderer Personen in einem Abstand 

von einem bis eineinhalb Metern gestanden. Die Stichbewegung sei in den Ober-

körperbereich gegangen (D1 Urk. 11/7 S. 5 F/A 25 f.). Er wisse nicht mehr, ob die 

betroffene Person dem Messerstich ausgewichen sei (D1 Urk. 11/7 S. 5 F/A 29). 

Sofort nach dem Stich habe die betroffene Person die Hand an den Bauch gehal-

ten (D1 Urk. 11/7 S. 6 F/A 31). Im Moment des Messereinsatzes sei der Beschul-

digte schon verletzt gewesen und habe am Kopf geblutet (D1 Urk. 11/7 S. 6 F/A 

37 f.). 

-   23   - 

2.4.9. Zu den Aussagen von I._____ ist zu erwähnen, dass dieser zwar bei der 

Polizei ausführte, der Beschuldigte habe ihn abstechen wollen. Allerdings be-

schrieb er bei der Polizei nicht, dass der Beschuldigte direkte Stichbewegungen 

gegen ihn ausgeführt habe, sondern nur, dass dieser mit dem Messer rumgefuch-

telt habe. Auf die Frage des Polizisten, weshalb I._____ davon ausgehe, dass der 

Beschuldigte ihn habe abstechen wollen, antwortete I._____: "Wenn einer schon 

ein Messer zieht und dann Anlauf holt und mir dann nachrennt. Der will zuste-

chen." I._____ erklärte somit nur, dass er davon ausgehe, dass der Beschuldigte 

mit dem Messer habe zustechen wollen. Auch anlässlich der Hafteinvernahme 

beschrieb I._____ keine Stichbewegungen in seine Richtung. Vielmehr ergibt sich 

aus den Aussagen von I._____, dass er aufgrund des beschriebenen Verhaltens 

des Beschuldigten in subjektiver Hinsicht davon ausgeht, dass dieser ihn habe 

stechen wollen. Zu Protokoll gab I._____ anlässlich seiner Hafteinvernahme ledig-

lich, dass der Beschuldigte ausgeholt habe, nicht aber, dass der Beschuldigte 

dieser Ausholbewegung auch einen Stich in seine Richtung hätte folgen lassen. 

Erst bei der Konfrontationseinvernahme sagte er dann, der Beschuldigte habe ei-

ne Stichbewegung ausgeführt. Damit sind überdies klare Dramatisierungstenden-

zen in den Aussagen von I._____ auszumachen. Aber auch sonst weisen seine 

Angaben – insbesondere auch im Kerngehalt – Widersprüche auf. Während er bei 

der Polizei und anlässlich seiner Hafteinvernahme noch aussagte, der Beschul-

digte sei ihm respektive ihnen mit dem Messer nachgerannt, sagte er bei der Kon-

frontationseinvernahme, der Beschuldigte sei auf ihn zugegangen. Von einem 

Rennen mit dem Messer war keine Rede mehr. Schliesslich divergieren seine 

Aussagen betreffend den Zeitpunkt, in welchem der Beschuldigte das Messer 

hervorgenommen haben soll. Einmal schilderte I._____, dies sei geschehen, 

nachdem er dem Beschuldigten einen Kick verpasst habe. Die anderen Male er-

klärte er, dies sei während der Massenschlägerei geschehen. Ungenauigkeiten 

ergeben sich sodann im Hinblick darauf, wie ihn der Beschuldigte attackiert habe 

(einmal Schlag auf Hinterkopf, ein andermal Schlag und Kick). Die Aussagen von 

I._____ erweisen sich als zu widersprüchlich, als dass hinsichtlich des dem Be-

schuldigten vorgeworfenen Stichs mit dem Messer darauf abgestellt werden könn-

te. 

-   24   - 

Nur der Vollständigkeit halber ist das Folgende festzuhalten: Selbst wenn man in 

diesem Zusammenhang auf die Aussagen von I._____ abstellen würde, so liesse 

sich der Sachverhalt aufgrund dieser Aussagen nicht erstellen. Wie oben gese-

hen, führte I._____ anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 13. Dezember 

2016 aus, wenn der Beschuldigte den Arm herausgestreckt hätte, wäre es nicht 

mehr weit zu seinem Körper gewesen (D1 Urk. 12/1 S. 10 f.). Daraus lässt sich 

zweierlei ableiten: Einerseits streckte der Beschuldigte gemäss den Angaben von 

I._____ seinen Arm gerade nicht vollständig aus, so dass er nicht die ganze 

Reichweite seines Armes ausnutzte. Andererseits wäre der Beschuldigte auch 

"nur" in die Nähe des Körpers von I._____ gekommen, selbst wenn er seinen Arm 

komplett ausgestreckt hätte. Dass er I._____ dann getroffen hätte, konnte auch 

dieser selber nicht mit Sicherheit sagen, sondern führte lediglich aus, er hätte ihn 

wahrscheinlich getroffen. Auch so liesse sich folglich nicht erstellen, dass der Be-

schuldigte I._____ nur deswegen nicht getroffen hat, weil dieser ihm ausweichen 

konnte. Sodann liesse sich auch nicht erstellen, wo der Beschuldigte I._____ ge-

troffen hätte. Dies ist für den Tatbestand der schweren Körperverletzung aber 

mitunter entscheidend. Dies hat umso mehr zu gelten, wenn man sich die konkre-

te Beschaffenheit des Messers des Beschuldigten vor Augen führt. Es handelt 

sich dabei um ein Messer mit einer relativ kurzen Klinge (vgl. D1 Urk. 1/5 S. 1), 

mit welcher grundsätzlich nur Stiche mit geringer Stichtiefe verursacht werden 

könnten. Gefährlich wären somit vor allem Stich- und Schnittverletzungen im Be-

reich von nahe an der Hautoberfläche verlaufenden Blutgefässen gewesen, was 

in erster Linie auf die Blutgefässe im Halsbereich zutrifft. Dass der Beschuldigte in 

Richtung Hals gestochen hätte, wurde aber – wie von der Verteidigung zu Recht 

geltend gemacht (Urk. 128 S. 6) – so von niemandem behauptet. Vielmehr ist von 

einem Stich in Richtung Oberkörper die Rede (D1 Urk. 11/7 S. 5 F/A 26), ohne 

dass die genaue Region näher bezeichnet worden wäre. 

2.4.10. Die Aussagen von J._____ erscheinen hinsichtlich der dem Beschuldigten 

vorgeworfenen Messerstiche ebenfalls nicht glaubhaft. So fällt auf, dass  

J._____ erst anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 

15. November 2016 ausführte, der Beschuldigte habe auch ihn stechen wollen, 

während er dies in seinen tatnächsten Einvernahmen bei der Polizei und der 

-   25   - 

Staatsanwaltschaft am 22. Oktober 2016 noch nicht so sagte. Sodann sprach er 

am 15. November 2016 noch pauschal davon, der Beschuldigte habe aus einem 

Abstand von einem bis eineinhalb Metern zustechen wollen. Wie viele Stichbewe-

gungen der Beschuldigte gemacht habe, sagte J._____ damals nicht. Bei der 

Konfrontationseinvernahme vom 13. Dezember 2016 führte J._____ dann aus, 

der Beschuldigte solle zwei- bis dreimal zugestochen haben. Dies aus einer Dis-

tanz von nur einem Meter. Damit weisen auch seine Aussagen – wie von der Ver-

teidigung ebenfalls vorgebracht (Urk. 128 S. 10 f.) – deutliche Widersprüche res-

pektive Dramatisierungstendenzen auf. Markant ist dabei, dass er oftmals just in 

den Passagen die Dinge betont dramatisch darstellte, bevor er eingestand, wie er 

selber Schläge austeilte oder sich selber eines Steins als potentielle Waffe be-

diente. Der Schluss liegt nahe, dass J._____ so sein eigenes Fehlverhalten zu 

rechtfertigen versuchte. Dramatisierungstendenzen sind auch mit Bezug auf die 

angebliche Stichbewegung des Beschuldigten gegen I._____ auszumachen. 

Während J._____ bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 

15. November 2016 noch ausführte, er glaube, dass der Beschuldigte auch 

I._____ habe stechen wollen, stellte er dies anlässlich der Konfrontationseinver-

nahme vom 13. Dezember 2016 als Tatsache dar und erklärte gar, der Beschul-

digte habe I._____ in die rechte Seite stechen wollen. Weiter sind seine Angaben 

teilweise nicht nachvollziehbar und nur schwer verständlich, so beispielsweise 

seine Erklärung, weshalb er gedacht habe, dass I._____ vom Messer getroffen 

worden sei ("Wenn ich unter Adrenalin bin und jemanden sehe, der ein Messer in 

der Hand hält, dann gehe ich davon aus, dass er den anderen getroffen haben 

könnte" D1 Urk. 12/1 S. 12). Lebensfremd mutet die Aussage von J._____ an, der 

Beschuldigte habe das Messer während der Auseinandersetzung abwechselnd 

offen getragen und dann wieder in der Jacke versteckt. Nicht unerwähnt zu lassen 

ist schliesslich, dass J._____ einräumen musste, dass er sich mit I._____ im 

Nachgang zum Vorfall über diesen austauschte. Er habe I._____ per Zufall getrof-

fen und gesagt, dieser solle ihm helfen, da er sich nicht mehr an alles erinnern 

könne. Ihre Erinnerungen hätten sich dabei nicht gedeckt (D1 Urk. 9/4 S. 7). Dies 

lässt an der Zuverlässigkeit seiner Angaben doch zweifeln und es kann mit Fug 

angenommen werden, dass sich dieser Austausch über den Vorfall auf die späte-

-   26   - 

ren Aussagen sowohl von J._____ als auch von I._____ auswirkte, selbst wenn 

sie nicht die Absicht gehabt haben sollten, sich abzusprechen. Auf die Aussagen 

von J._____ kann nicht abgestellt werden. 

2.4.11. Zu den Aussagen von M._____ ist zunächst zu sagen, dass er offensicht-

lich unrichtige Angaben über die Anwesenheit von B._____ beim inkriminierten 

Vorfall machte. So führte er bei der Polizei aus, B._____ sei gegangen bevor die 

Auseinandersetzung losgegangen sei (D1 Urk. 10/1 S. 5 F/A 46). Später hinge-

gen führte er aus, er habe gar gesehen, wie dieser mit einer Flasche auf den Kopf 

geschlagen worden sei (D1 Urk. 12/1 S. 13). Sodann fällt auf, dass M._____ zu-

nächst aussagte, er habe nur gesehen, wie der Beschuldigte Stichbewegungen in 

die Luft gemacht habe bzw. wie er mit dem Messer gegen Leute rumgefuchtelt 

habe, die vor dem Beschuldigten gewesen seien. Von konkreten Stichbewegun-

gen gegen eine einzelne Person spricht er dann erst anlässlich der Konfrontati-

onseinvernahme vom 13. Dezember 2016. Dies vermag nicht zu überzeugen. 

Auch bei ihm sind damit Dramatisierungstendenzen erkennbar, indem der Be-

schuldigte zunächst nur in die Luft, dann in Richtung Personen und schliesslich 

konkret gegen eine Person Stichbewegungen gemacht haben soll. Seine Aussa-

gen erscheinen nicht glaubhaft. Darauf kann nicht abgestellt werden. 

2.4.12. Entlastend wirken die – durch die Verteidigung ebenfalls zitierten (Urk. 

128 S. 11 f.) – Aussagen von Q._____. Dessen Angaben weisen nur kleine Un-

genauigkeiten auf, so zum Beispiel den Umstand, dass er seine bei der Polizei 

gemachte Aussage, es seien zwei Flaschen geflogen, bei der Staatsanwaltschaft 

nicht bestätigte (D1 Urk. 11/6 S. 5 F/A 28). Im Übrigen sagte er bei seinen Ein-

vernahmen aber gleichlautend aus, der Beschuldigte sei – wie der Beschuldigte 

dies auch selber geltend macht – in defensiver Haltung in einiger Entfernung der 

anderen Gruppe gestanden und habe das Messer lediglich für alle sichtbar in sei-

ner Hand gehalten. Allerdings muss man hierzu relativierend bemerken, dass  

Q._____ offenbar zunächst damit beschäftigt war, den Eingangsbereich des 

Clubs "P._____" zu sichern, sobald er gehört hatte, wie jemand "Messer" rief (D1 

Urk. 11/1 S. 2 F/A 7 ff.). In dieser Zeit war seine Aufmerksamkeit damit nicht auf 

die Auseinandersetzung gerichtet und er kann deshalb auch keine Aussagen da-

-   27   - 

zu machen, was in jenem Zeitraum passierte. Mit der Staatsanwaltschaft ist somit 

davon auszugehen, dass der Zeuge Q._____ nur einen Teil der Auseinanderset-

zung mitverfolgte. Es liegt damit durchaus im Rahmen des Möglichen, dass der 

Beschuldigte Stichbewegungen gegen konkrete Personen hätte ausführen kön-

nen, welche dem Zeugen entgangen wären. Dass solche aber effektiv stattgefun-

den hätten, kann aus den Aussagen des Zeugen nicht abgeleitet werden. 

2.4.13. Die Angaben von O._____ weisen gesamthaft betrachtet keine grösseren 

Widersprüche auf und fallen zurückhaltend aus. Dies spricht für deren Glaubhaf-

tigkeit. Er sagte sowohl bei der Polizei als auch anlässlich seiner Zeugeneinver-

nahme aus, er habe gesehen, dass der Beschuldigte mit dem Messer eine Stich-

bewegung gemacht habe. Der Stich sei in Richtung Oberkörper der betroffenen 

Person gegangen. Als einziger berichtet er allerdings davon, dass sich die Person 

im Anschluss an die Stichbewegung die Hand an den Bauch gehalten habe. Ins-

besondere sagen aber weder J._____ noch I._____, welche vorliegend vom Be-

schuldigten mit einem Messer angegriffen worden sein sollen, dass sie sich nach 

dem Angriff an den Bauch gegriffen hätten. Was der Grund für den von O._____ 

beobachteten Griff der betroffenen Person an den Bauch war, bleibt im Übrigen 

unklar. Nicht mit genügender Sicherheit gesagt werden kann, dass die betreffen-

de Person sich an den Bauch gegriffen hat, weil sie gemeint hat, sie sei vom 

Messer getroffen worden. Immerhin war eine Schlägerei im Gange, weshalb 

sich die Person auch an den Bauch gegriffen haben könnte, weil sie im Laufe des 

dynamischen Geschehens – von O._____ unbemerkt – einen Schlag oder Kick an 

den Bauch erhalten hatte. Sodann ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die 

Schilderung von O._____ betreffend die Stichbewegung nur wenig konkret aus-

fällt (Urk. 94 S. 34). So beschreibt O._____ den Abstand zwischen Angreifer und 

betroffener Person zwar mit einem bis eineinhalb Metern. Keine Angaben machte 

er jedoch dazu, wie nahe die Messerklinge dem Körper der betreffenden Person 

gekommen ist. Ebenfalls nicht sagen konnte O._____, ob die Person dem Mess-

erstich habe ausweichen müssen oder nur schon, wer die angegriffene Person 

war. Gemäss Angaben von O._____ habe sich diese Person auch nicht unter 

Festgenommenen befunden, sondern sei nach dem Vorfall weg gewesen 

(D1 Urk. 11/7 S. 4 F/A 18). Dies spricht aber dagegen, dass der Messereinsatz 

-   28   - 

gegenüber I._____ oder J._____ erfolgt wäre, wurden diese doch durch die 

Stadtpolizei Zürich im Anschluss an den Vorfall verhaftet. Als erstellt betrachtet 

werden kann damit nur, dass der Beschuldigte das Messer nicht nur passiv getra-

gen, sondern dieses auch aktiv vorgezeigt respektive damit herumgefuchtelt hat, 

was von O._____ im dynamischen Tatgeschehen wohl als Stichbewegung wahr-

genommen wurde. 

2.4.14. Sodann kann mit der Vorinstanz auch nicht rechtsgenügend erstellt wer-

den, dass B._____ durch einen Schlag des Beschuldigten mit einer Glasflasche 

verletzt wurde. K._____, L._____, N._____, J._____ und I._____ gaben alle zu 

Protokoll, sie hätten nicht gesehen, wie B._____ mit einer Glasflasche verletzt 

worden sei. M._____ gab zunächst zu Protokoll, er habe B._____ bei der Schlä-

gerei nicht mehr gesehen (D1 Urk. 10/3 S. 4). Davon abweichend gab er anläss-

lich der Konfrontationseinvernahme vom 13. Dezember 2016 zu Protokoll, er ha-

be gesehen, wie jemand B._____ eine Glasflasche über den Kopf geschlagen 

habe (D1 Urk. 12/1 S. 13). Er wisse nicht, wer es gewesen sei. Er wisse nur, dass 

jemand mit einer braunen Jacke vor B._____ gestanden sei (D1 Urk. 12/1 S. 14). 

Er habe noch gehört, wie B._____ "Stopp" gerufen habe. Dann habe dieser den 

Flaschenschlag an den Kopf erhalten. Er habe dann gesehen, wie B._____ weg-

gelaufen sei (D1 Urk. 12/1 S. 18 und S. 34). Der Zeuge O._____ sagte aus, er 

habe gesehen, dass eine Person eine andere Person mit einer Flasche an den 

Kopf geschlagen habe. Welche Personen dies gewesen seien, könne er jedoch 

nicht sagen (D1 Urk. 11/2 S. 1 f. F/A 4 und 9 f.). Der Beschuldigte selber stellte 

konstant in Abrede, B._____ mit einer Glasflasche verletzt zu haben (D1 Urk. 3/5 

S. 3 F/A 4; Prot. I S. 16 f.). Die Bestreitungen des Beschuldigten werden auch 

durch die Angaben von K._____ und I._____ gestützt. K._____ gab zu Protokoll, 

der Beschuldigte sei etwas entfernt von ihm selber mit einem der anderen Seite 

am Sprechen gewesen. Diese hätten dann ein Wortgefecht miteinander gehabt, 

dann sei um ihn herum zu viel passiert und er habe nichts mehr mitbekommen 

(D1 Urk. 7/1 S. 4 F/A 29; D1 Urk. 12/1 S. 7 und S. 9). Als es losgegangen sei, sei 

der Beschuldigte auf der anderen Strassenseite gestanden und habe sich mit je-

mand anderem geschlagen (D1 Urk. 7/1 S. 4 F/A 29). I._____ sagte aus, jemand 

(gemeint: der Beschuldigte) habe ihn gepackt, nach hinten respektive zur Seite 

-   29   - 

gezogen und gesagt, sie sollten reden. Sie seien dann alleine gestanden. Der Be-

schuldigte habe ihn an den Hinterkopf geschlagen, er selber habe dem Beschul-

digten daraufhin einen Kick gegeben (D1 Urk. 8/1 S. 2 F/A 8; D1 Urk. 8/3 S. 3 F/A 

7; D1 Urk. 12/1 S. 10). Der durch den Flaschenschlag direkt betroffene B._____ 

führte in der Untersuchung aus, es sei "losgegangen" und er habe sich daraufhin 

in Richtung J._____ bewegt. Dann sei schon die Flasche gegen seine linke Kopf-

seite geschlagen worden. Es habe "mega geklöpft" und er sei zu Boden gegan-

gen (D1 Urk. 11/4 S. 2 F/A 14; D1 Urk. 11/5 S. 3 f.). Er könne sich nicht erinnern, 

dass bei der Auseinandersetzung jemand neben ihm gestanden sei (D1 Urk. 11/5 

S. 6). An den Beschuldigten könne er sich nicht erinnern (D1 Urk. 11/4 S. 4 F/A 

33). Auch anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 13. Dezember 2016 

führte B._____ aus, er sei reingegangen (gemeint in den Tumult), als die anderen 

noch am Schubsen gewesen seien. Dann habe er die Flasche an den Kopf be-

kommen (D1 Urk. 12/1 S. 26 und S. 30). Er habe nicht gesehen, wer ihn geschla-

gen habe. Den Beschuldigten könne er jedoch ausschliessen, als jenen welcher 

ihn geschlagen habe. Diese (I._____ und der Beschuldigte) seien von der Gruppe 

entfernt gestanden (D1 Urk. 12/1 S. 31 f.). 

2.4.15. Aus diesen Aussagen erhellt, dass die involvierten Personen überwiegend 

davon berichteten, dass der Beschuldigte im Moment des Flaschenschlages zu-

sammen mit I._____ etwas abseits der Gruppen stand. Explizit belastet, den Fla-

schenschlag gegen B._____ ausgeführt zu haben, wurde der Beschuldigte von 

keiner der involvierten Personen. Nur M._____ berichtete, dass eine Person in ei-

ner beigen Jacke B._____ im Moment des Flaschenschlages gegenüber gestan-

den sei. Es handle sich um dieselbe Person, welche später das Messer behändigt 

habe. Allerdings erweisen sich die Aussagen von M._____ – wie bereits erwähnt 

– als wenig verlässlich, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann. Und auch 

wenn man auf diese Angaben abstellen würde, liesse sich der Sachverhalt nicht 

mit rechtsgenügender Sicherheit erstellen. Denn selbst wenn der Beschuldigte im 

Moment des Flaschenschlages B._____ gegenüber gestanden hätte, so wäre 

damit für den anklagemassgeblichen Sachverhalt noch nichts gewonnen. Alleine 

dieser Umstand sagt offenkundig nichts darüber aus, ob der Beschuldigte auch 

mit einer Flasche zugeschlagen hat. Kommt noch hinzu, dass B._____ berichtete, 

-   30   - 

er könne sich nicht erinnern, dass bei der Auseinandersetzung jemand neben ihm 

gestanden sei respektive er den Angreifer gesehen habe. Dass B._____ aber sei-

nen Angreifer nicht wahrgenommen hat, spricht bei lebensnaher Betrachtung ge-

rade dafür, dass der Angriff von der Seite oder hinten, jedenfalls aber nicht von 

einer sich in seinem Blickfeld befindlichen Person erfolgte. Aufgrund des Gesag-

ten ist nicht erstellt, dass der Beschuldigte B._____ mit einer Flasche über den 

Kopf geschlagen hat. 

2.4.16. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich mit der Vorinstanz nur er-

stellen lässt, dass der Beschuldigte sich an einer körperlichen Auseinanderset-

zung beteiligt hat, in deren Verlauf er ein Messer hervorgeholt und dieses auch 

aktiv den anderen Person vorgezeigt respektive damit herumgefuchtelt hat. Nicht 

erstellen lässt sich hingegen, dass der Beschuldigte mit dem Messer Stichbewe-

gungen gegen J._____ und I._____ ausführte, welche diese nur deshalb nicht tra-

fen, weil diese den Stichen ausweichen konnten. Nicht erstellen lässt sich so-

dann, dass der Beschuldigte B._____ eine Glasflasche über den Kopf geschlagen 

hat, so dass dieser die – durch das Gutachten vom 16. November 2016 (D1 

Urk. 3/6/2) belegten – Verletzungen erlitt. 

3. Tatvorwurf der schweren Körperverletzung 

Dem Beschuldigten wird weiter vorgeworfen, er habe am 3. Juli 2016 am 

S._____-platz in … Zürich dem Geschädigten C._____ mit der Faust, an welcher 

er einen Schlagring getragen habe, ins Gesicht unterhalb des rechten Auges ge-

schlagen. Der Geschädigte sei daraufhin bewusstlos zu Boden gestürzt, wo er 

liegen geblieben sei. Aufgrund des Schlages des Beschuldigten habe der Ge-

schädigte eine Orbitaboden-Fraktur auf der rechten Gesichtshälfte, ein Retrobul-

bärhämatom sowie eine Nasenbeinfraktur erlitten. Der Geschädigte habe sich 

deshalb einer Operation unterziehen müssen, wobei ihm ein Titanimplantat zur 

Wiederherstellung des Orbitabodens eingesetzt worden sei. Der Geschädigte ha-

be eine Zeit lang nach der Operation Doppelbilder gesehen und sei vom 3. Juli 

2016 bis zum 31. Juli 2016 zu 100% arbeitsunfähig gewesen. Weiter schiele der 

Geschädigte seit der erlittenen Verletzung auf seinem rechten Auge, wobei dieses 

Schielen auch ca. 1 Jahr nach dem Vorfall noch gut sichtbar gewesen sei. Der 

-   31   - 

Beschuldigte habe gewusst, dass Faustschläge gegen den Kopf eines Menschen 

schwere bis lebensgefährliche Verletzungen hervorrufen können, und er habe 

dies in Kauf genommen (Urk. 39 S. 4 f.). 

3.1. Vorinstanzliches Urteil 

Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, dass sich der Beschuldigte unbe-

strittenermassen zusammen mit T._____ zum Tatzeitpunkt am S._____ aufgehal-

ten habe. Es stelle sich aber die Frage, ob der Beschuldigte oder T._____ den 

Schlag gegen den Geschädigten ausgeführt habe, und – wenn man zum Schluss 

käme, beim Täter handle es sich um den Beschuldigten – ob er beim Schlag ei-

nen Schlagring verwendet habe. Die Vorinstanz würdigte die Aussagen des Be-

schuldigten sowie die Aussagen von T._____ und qualifizierte diese als unglaub-

haft. Demgegenüber würden sich die den Beschuldigten belastenden Aussagen 

des Geschädigten als konstant und schlüssig erweisen. Dieser habe ausgesagt, 

der Beschuldigte habe ihm einen Schlag auf die rechte Seite seines Gesichts ver-

passt, wonach er bewusstlos zu Boden gegangen sei. Es seien keinerlei Gründe 

ersichtlich, wieso der Geschädigte den Beschuldigten falsch belasten bzw. 

T._____ schützen sollte. Es sei auf die Aussage des Geschädigten, der Beschul-

digte habe ihn geschlagen, abzustellen. Bezüglich der Verwendung eines Schlag-

ringes seien die Aussagen des Geschädigten vage. So bleibe unklar, ob dieser 

den Schlagring auch wirklich gesehen habe oder lediglich aufgrund des Verlet-

zungsbildes auf die Verwendung eines solchen schliesse. Weder auf die Aussa-

gen von K._____, U._____, V._____, W._____, AA._____ noch auf die Aussagen 

von AB._____ und AC._____ könne – unabhängig davon, ob diese den Beschul-

digten belasten oder entlasten – abgestellt werden. Diese seien allesamt un-

glaubhaft. Die Vorinstanz schloss, es könne als erstellt erachtet werden, dass der 

Beschuldigte dem Geschädigten mit der Faust ins Gesicht unterhalb des rechten 

Auges geschlagen habe und dieser sodann bewusstlos zu Boden gestürzt sei. 

Durch den Schlag habe der Geschädigte die in der Anklageschrift aufgeführten 

Verletzungen erlitten. Demgegenüber könne der Einsatz eines Schlagrings nicht 

erstellt werden (Urk. 94 S. 51 ff.). 

-   32   - 

3.2. Wie bereits erwähnt, erwies sich diese Sache nach durchgeführter Beru-

fungsverhandlung noch nicht als spruchreif. Dies lag primär daran, dass der amt-

liche Verteidiger mit Beweisantrag vom 13. April 2019 geltend machte, er habe 

nach der Hauptverhandlung am Bezirksgericht erfahren, dass zwei bisher nicht 

einvernommene Personen die Aussagen des Beschuldigten stützen würden. Da-

bei handle es sich um F._____ (genannt "F'._____"), einen Augenzeugen der 

Auseinandersetzung, und um G._____, einen Gefängnisseelsorger, welchem 

F._____ von der Unschuld der Beschuldigten berichtet habe (Urk. 117 S. 1 ff.). 

Beide wurden im Nachgang der Berufungsverhandlung als Zeugen einvernom-

men (vgl. Urk. 130; Urk. 139; Urk. 140).  

3.3. Der Zeuge F._____ gab anlässlich seiner Einvernahme vom 3. Oktober 

2019 zu Protokoll, dass er den Beschuldigten vom Sehen her kenne. Er sei ihm 

zwei bis drei Mal begegnet. Er sei mit diesem nicht befreundet und sie würden 

keinen telefonischen Kontakt zueinander pflegen. Den Privatkläger C._____ ken-

ne er nicht (Urk. 139 S. 2). Das letzte Mal habe er vor drei oder vier Jahren Kon-

takt zum Beschuldigten gehabt. Wer dessen Kollegen seien, wisse er nicht. Auf 

entsprechende Nachfrage bestätigte er zudem, dass es zutreffe, dass er, als er im 

Gefängnis gewesen sei, zweimal mit einem Priester gesprochen habe (Urk. 139 

S. 3). Damals habe er sehr schnell seine Zelle wechseln müssen, da Kollusions-

gefahr mit einem anderen Gefangenen bestanden habe. Der Pfarrer habe eine 

Liste mit Gefangenen mitgebracht und ihm erzählt, dass ein Gefangener namens 

A._____ im Gefängnis sei. Sie hätten oberflächlich über Probleme gesprochen 

und er habe dem Priester gesagt, dass er diesen Herrn (den Beschuldigten) ken-

ne (Urk. 139 S. 4). Er habe dem Priester erzählt, dass er an einem Tag mit einem 

Kollegen ans S._____ gegangen sei und dort den Beschuldigte mit einem weite-

ren Kollegen gesehen habe. Sein Kollege AE._____ (der Kollege des Zeugen  

F._____) habe ihn gekannt, er habe ihn damals nicht so richtig gekannt. Der Be-

schuldigte sei mit vier oder fünf Personen unterwegs gewesen. Sein Kollege 

AE._____ habe jemanden geschlagen. Als AE._____ ihn geschlagen habe, sei 

dessen Kontrahent auf den Boden gestürzt, er glaube, auf einen Abfallkübel oder 

etwas Ähnliches. Er habe dies mit dem Pastor besprochen. Auf entsprechende 

Nachfrage präzisierte der Zeuge F._____, dass er an der Tramhaltestelle gestan-

-   33   - 

den sei, als er das beobachtet habe. Er sei zum Kiosk gegangen und habe dort 

Zigaretten gekauft. Dann plötzlich seien zwei Personen gekommen. AE._____ 

habe diese beiden Personen geschlagen, quasi attackiert. Einer der beiden sei zu 

Boden gestürzt. Für ihn (den Zeugen F._____) sei das nicht eine interessante Sa-

che gewesen. Er sei so schnell wie möglich von dort verschwunden. Er kenne 

diese beiden Personen auch, aber weshalb sie sich geschlagen hätten, wisse er 

nicht. Er brauche keine Probleme und sei deshalb so schnell wie möglich von dort 

verschwunden (Urk. 139 S. 5). Der Beschuldigte sei während dem einige Meter 

entfernt vom Tatort gestanden (Urk. 139 S. 5 f.). 

3.4. Am 3. Oktober 2019 wurde der Gefängnisseelsorger G._____ ebenfalls als 

Zeuge befragt. Er gab zu Protokoll, dass er den Beschuldigten ungefähr zwei Jah-

re lang als Gefängnisseelsorger während der Untersuchungshaft betreut habe. 

Den Privatkläger C._____ kenne er nicht. Auf die Frage hin, ob er den Zeugen 

F._____ kenne, entgegnete er, dass er einen Insassen getroffen habe, der vehe-

ment bestritten habe, dass der Beschuldigte in diese versuchte Tötung (sic.) in-

volviert gewesen sei (Urk. 140 S. 2). Auf entsprechende Frage bestätigte der 

Zeuge, dass es sich dabei um den Zeugen F._____ gehandelt habe. Der Zeuge 

habe ihm erzählt, dass er beim versuchten Tötungsdelikt als Zeuge gegenwärtig 

gewesen sei und habe gesagt, der Beschuldigte sei nicht der Täter gewesen. Er 

habe gesagt, dass er als Augenzeuge bei der Schlägerei anwesend gewesen sei 

und habe ihm bestätigt, dass der Beschuldigte nicht der Täter gewesen sei. Der 

Täter sei ein anderer Tamile gewesen. Er (der Zeuge G._____) sei so empört ge-

wesen, dass er den Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt X1._____, an-

gerufen habe. Der Beschuldigte habe ihm nämlich geschildert, dass er in diesem 

Fall unschuldig sei. Deshalb habe er dessen Verteidiger informiert. Er mache das 

sonst nie, er müsse sich da ganz sicher sein, und dies sei er in diesem Fall gewe-

sen. Er sei schon lange tätig und verfüge über Menschenkenntnis. Der Beschul-

digte habe ihm schon immer gesagt, dass er in diesem Fall unschuldig sei 

(Urk. 140 S. 3 f.). 

-   34   - 

3.5. Standpunkt der Staatsanwaltschaft 

Die Staatsanwaltschaft machte vor Vorinstanz geltend, bei den jeweiligen Aus-

sagen des Beschuldigten und T._____ handle es sich um einen offensichtlichen 

Versuch, die Behörden für dumm zu verkaufen. Sie – die Staatsanwältin – sei da-

von überzeugt, dass abgesprochen worden sei, dass T._____ den Schlag auf sich 

nehme und man dafür übereinstimmend behaupten werde, dass man nicht ein-

schätzen könne, wer nun für die schweren Verletzungen verantwortlich sei. Der 

Grund hierfür sei, dass T._____ einiges weniger zu befürchten habe als der mehr-

fach vorbestrafte Beschuldigte. Alle hätten gewusst, dass dem Beschuldigten die-

ses Mal sehr ernsthafte Konsequenzen drohen würden, nachdem er bereits einige 

Zeit in Untersuchungshaft verbracht habe und keine Entlassung in Sicht gewesen 

sei. In der tamilischen Subkultur sei es erfahrungsgemäss leider sehr weit verbrei-

tet, dass Angehörige und Freunde beschuldigten Personen helfen und sie vor 

Strafen schützen, indem sie behaupten würden, nichts gesehen oder gehört zu 

haben, oder im schlimmsten Fall eben sogar falsche Aussagen bis hin zu falschen 

Geständnissen machen würden. So habe beispielsweise K._____ versucht, die 

Staatsanwaltschaft anzulügen, um dem Beschuldigten und T._____ zu helfen, 

was für ihn in einem Strafbefehl wegen falschen Zeugnisses geendet habe. 

Fakt sei, dass der Geschädigte klar angegeben habe, dass er vom Beschuldigten 

und nicht von T._____ geschlagen worden sei. Der Zeuge AB._____ habe bestä-

tigt, dass T._____ im Streit mit dem Geschädigten den Beschuldigten dazu geholt 

habe, so wie es der Geschädigte selbst auch ausgeführt habe. Er habe dann ge-

sehen, wie der Beschuldigte einen Schlagring in der Hand gehalten und einen 

Schlag angedeutet habe. Den Schlag selbst habe er nicht gesehen. Diesbezüg-

lich sei sie – die Staatsanwältin – überzeugt, dass der Zeuge den Schlag sehr 

wohl gesehen habe, er aber aufgrund seiner Furcht vor Repressalien diesbezüg-

lich keine Aussagen machen wolle. Er habe nach der Einvernahme Hilfe bei ihr 

gesucht. Auch dies zeige, dass in der vorliegenden Strafuntersuchung davon 

ausgegangen werden müsse, dass diverse Personen zu Gunsten des Beschuldig-

ten gelogen oder gewisse Tatsachen verschwiegen hätten. Der Zeuge AC._____ 

äussere sich ihr gegenüber ebenfalls, dass er sich vor Repressalien fürchte. We-

-   35   - 

nigstens habe er bestätigt, dass der Geschädigte von einem grossen, schlanken 

Mann geschlagen worden sei. Diese Beschreibung passe auf den Beschuldigten, 

aber sicher nicht auf T._____. Die weiteren befragten Personen hätten zu Proto-

koll gegeben, dass sie nichts gesehen hätten. Aufgrund der belastenden Aussa-

gen des Geschädigten sowie der Zeugen AC._____ und AB._____ sei der Sach-

verhalt aber erstellt (Urk. 69 S. 5 ff.). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung machte die Staatsanwaltschaft geltend, 

dass auch bezüglich Dossier 2 ein Geständnis fehle. Dies lasse Rückschlüsse zu, 

wonach der Beschuldigte offenbar weder willens noch in der Lage sei, ein Fehl-

verhalten einzugestehen. Zu dieser Tat könne weitgehend auf die Ausführungen 

der  

Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 129 S. 5). 

Zu den im Nachgang der Berufungsverhandlung erhobenen Einvernahmen der 

Zeugen G._____ und F._____ liess sich die Staatsanwaltschaft nicht mehr ver-

nehmen. 

3.6. Standpunkt der Verteidigung 

Die Verteidigung brachte an der Berufungsverhandlung zunächst vor, dass der 

Beschuldigte das Tatgeschehen zwar nicht von Anfang an einheitlich geschildert 

habe, sein Kollege T._____ seine Tatbeteiligung jedoch eingestanden und ein 

Geständnis abgelegt habe (Urk. 128 S. 13 f.). Sie rügte zudem, dass die Vo-

rinstanz im Rahmen ihrer Beweiswürdigung sowohl die Aussagen des Beschul-

digten, wie auch diejenigen von T._____ als konstruiert, nicht nachvollziehbar und 

unglaubhaft taxiere, und letztlich in völlig einseitiger Weise auf die – ebenso zwei-

felhaften – Aussagen des Geschädigten abstelle und diese dort, wo sie geradezu 

absurd wirken würden, nämlich im Zusammenhang mit einem behaupteten 

Schlagringeinsatz, einfach übergehe mit dem lapidaren Schlusssatz, wonach der 

Einsatz eines Schlagringes nicht erstellt werden könne. 

Auch unabhängig von den Aussagen des Beschuldigten bzw. von T._____ erwie-

sen sich die Depositionen der übrigen befragten Personen, einschliesslich des 

-   36   - 

Geschädigten, als höchst widersprüchlich und würden sich teilweise diametral 

gegenüberstehen. Diese Pattsituation müsse im Resultat dazu führen, dass der 

Beschuldigte nach dem "in dubio pro reo"-Grundsatz freizusprechen sei (Urk. 128 

S. 16). 

Zudem seien viele Gründe denkbar, weshalb der Geschädigte den Beschuldigten 

falsch belasten könnte. Dies insbesondere, wenn man bedenke, dass sich die ta-

milische Gemeinschaft in der Schweiz in einer Parallelwelt bewege, welche nach 

eigenen Gesetzen funktioniere und für die hiesigen Behörden nur schwer zu 

durchdringen sei.  

Zudem habe die Vorinstanz die Aussagen von K._____, U._____ und V._____ 

pauschal als Gefälligkeiten zugunsten des Beschuldigten taxiert, während die 

teilweise ebenso absurden wie widersprüchlichen Aussagen der Entourage des 

Geschädigten damit erklärt worden seien, dass diese sich vor Repressalien des 

Beschuldigten fürchten würden. Die Anklage und die Vorinstanz würden diesbe-

züglich völlig einseitig auf die reichlich tendenziösen und konstruierten Aussagen 

des Privatklägers abstellen. Dabei würden die Depositionen des Privatklägers 

nicht nur der Darstellung des Beschuldigten widersprechen, sondern auch weite-

ren Zeugenaussagen teilweise diametral gegenüberstehen (Urk. 128 S. 17 f.). 

Zu den nachträglichen Einvernahmen der Zeugen G._____ und F._____ erklärte 

die amtliche Verteidigung, dass der Zeuge F._____ mit seinen Aussagen, welche 

vom Zeugen G._____ gestützt würden, die Version des Beschuldigten stützen 

würde, wonach nicht er, sondern "AF._____" das Opfer traktiert habe. Ziehe man 

in Betracht, dass es einer zufälligen Begegnung zwischen F._____ und dem Ge-

fängnispfarrer, dem Zeugen G._____, zuzuschreiben sei, dass es überhaupt zu 

dieser Entlastung des Beschuldigten gekommen sei, scheide eine Gefälligkeits-

aussage des Zeugen F._____ zugunsten des Beschuldigten vollends aus. An ei-

nem Freispruch des Beschuldigten im massgeblichen Anklagepunkt führe nichts 

mehr vorbei (Urk. 153 S. 2). 

-   37   - 

3.7. Würdigung 

3.7.1. Unstrittig ist, dass der Geschädigte die im Anklagesachverhalt beschriebe-

nen Verletzungen erlitten hat. Dies ergibt sich ohne Weiteres aus dem Austritts-

bericht des Universitätsspitals Zürich vom 19. Juli 2016 (D2/11) sowie aus dem 

Bericht des Zentrums für Zahnmedizin zum ärztlichen Befund betreffend den Ge-

schädigten (D2/21). Strittig und demzufolge zu erstellen ist, ob es der Beschuldig-

te war, der dem Geschädigten die betreffenden Verletzungen zugefügt hat, und 

wenn ja, ob sich der Beschuldigte hierfür eines Schlagringes bedient hat. Hierfür 

ist auf die einzelnen Aussagen der befragten Personen näher einzugehen.  

3.7.2. Vorab festzuhalten ist, dass W._____, AA._____ und   AG._____ (D2 

Urk. 26/11, D2 Urk. 26/12 und D2 Urk. 26/13) nur  

polizeilich einvernommen und nie mit dem Beschuldigten konfrontiert wurden, 

weshalb deren Aussagen nicht zu Lasten des Beschuldigten verwertet werden 

können (vgl. Art. 147 Abs. 4 StPO). Auf eine Würdigung dieser Aussagen kann 

verzichtet werden. Ebenfalls nicht weiter einzugehen ist auf die Aussagen von 

C._____ (D2 Urk. 26/7). Sie war beim betreffenden Vorfall nicht anwesend und 

kann deshalb nicht aus eigener Wahrnehmung vom Vorfall berichten. Nichts zur 

Erhellung des Sachverhaltes beitragen kann auch AH._____. Er gab bei der Poli-

zei zu Protokoll, er sei zwar in der Gruppe unterwegs gewesen, habe den Schlag 

aber nicht beobachten können (D2 Urk. 9 S. 2 F/A 7; D2 Urk. 26/6 S. 3 F/A 11 f.). 

Auch bei seiner Zeugeneinvernahme vom 18. Juli 2017 sagte er aus, er könne 

nicht sagen, wer der Täter gewesen sei (D2 Urk. 26/6 S. 3 F/A 11). Er habe den 

Geschädigten erst auf dem Boden liegen sehen (D2 Urk. 26/6 S. 4 F/A 13). Er 

kenne den Beschuldigten nicht und habe diesen noch nie gesehen (D2 Urk. 26/6 

S. 6 F/A 26). 

3.7.3. Der Beschuldigte sagte anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 

8. August 2016 aus, er sei (in dieser Nacht) nicht am S._____ gewesen (D2 

Urk. 2 S. 3 F/A 19). Anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 14. Septem-

ber 2016 erklärte er abweichend davon, er sei zwar am S._____ gewesen. Er ha-

be den Geschädigten aber nicht geschlagen (D2 Urk. 5 S. 2). Er habe T._____ 

auf der anderen Strassenseite gesehen. Es sei eine grosse Person dazu gekom-

-   38   - 

men mit einem Sack in der Hand. Diese Person habe T._____ mit der Faust ge-

schlagen. T._____ habe zurückgestossen und der andere sei hingefallen. Danach 

sei T._____ weggerannt (D2 Urk. 5 S. 3). T._____ sei alleine mit den Personen 

am Sprechen gewesen (D2 Urk. 5 S. 5). Bei der Konfrontationseinvernahme vom 

14. März 2017 machte der Beschuldigte geltend, der Geschädigte lüge, wenn er 

sage, von ihm – dem Beschuldigten – geschlagen worden zu sein (D2 Urk. 25/1 

S. 2 f.). Er sei vor Ort, aber nicht involviert gewesen. Der Geschädigte und 

T._____ hätten zusammen gesprochen. Der Geschädigte habe eine Tasche in 

der Hand gehabt. Diese habe er auf den Boden gestellt und begonnen, T._____ 

zu schlagen. T._____ habe zurückgeschlagen und der Geschädigte sei zu Boden 

gegangen. T._____ habe mit der linken Hand geschlagen. Der andere sei betrun-

ken gewesen. Er – der Beschuldigte – sei zwei Meter entfernt gestanden. Er kön-

ne nicht sagen, wie fest T._____ geschlagen habe oder wohin der Schlag gegan-

gen sei. Ein Schlagring sei aber nicht zum Einsatz gekommen (D2 Urk. 25/1 S. 3 

f.). Anlässlich der Hauptverhandlung vor Vorinstanz bestritt der Beschuldigte den 

Vorwurf erneut. Er räumte zwar ein, den Geschädigten C._____ gesehen zu ha-

ben. Er sei jedoch auf der anderen Strassenseite gestanden und habe gesehen, 

wie dieser eine Auseinandersetzung mit T._____ gehabt habe. Nach dem Motiv 

für eine falsche Belastung durch den Geschädigten befragt, antwortete der Be-

schuldigte, er wisse es nicht. Entweder habe der Geschädigte Angst vor T._____ 

oder aber der Geschädigte irre sich (Prot. I S. 18 f.). Anlässlich der Berufungsver-

handlung blieb der Beschuldigte sodann dabei, dass er den Geschädigten 

C._____ nicht geschlagen habe. Dieser habe eine Auseinandersetzung mit einer 

anderen Person gehabt und er (der Beschuldigte) habe sich nicht eingemischt. 

Der Geschädigte sei von T._____, genannt AF._____, geschlagen worden. An 

der Auseinandersetzung sei nur AF._____ und der Geschädigte beteiligt gewesen 

(Prot. II S. 12). 

Es trifft – wie von der Vorinstanz in Ziffer II.B.5.2.2. ausgeführt – zwar zu, dass 

der Beschuldigte offensichtlich log, als er bei der Polizei noch behauptete, er sei 

in dieser Nacht nicht am S._____ gewesen. Ebenso fallen seine Aussagen zum 

Vorfall nicht besonders lebensnah aus. So behauptete der Beschuldigte einer-

seits, er sei zwei Meter neben T._____ gestanden und habe gesehen, dass dieser 

-   39   - 

mit der linken Hand geschlagen und dabei keinen Schlagring getragen habe. 

Gleichzeitig konnte er aber nicht sagen, wohin der Schlag gegangen sei und wie 

fest T._____ zugeschlagen habe. Sodann fällt auf, dass der Beschuldigte zu-

nächst davon sprach, dass T._____ den Geschädigten nur weggestossen habe. 

Später dann spricht er von einem Schlag mit der linken Hand. Etwas gar streng 

fällt die Würdigung der Vorinstanz trotzdem aus, wonach die Aussagen des Be-

schuldigten konstruiert und nicht nachvollziehbar seien. So blieben seine Aussa-

gen mit Bezug auf das Kerngeschehen doch insoweit konstant, als er – mit Aus-

nahme der ersten Einvernahme – stets dabei blieb, dass T._____ der Täter sei 

und er selbst mit der Auseinandersetzung nichts zu tun gehabt habe. Alles in al-

lem sind die Aussagen des Beschuldigten zwar nicht besonders glaubhaft, jedoch 

auch nicht dermassen widersprüchlich, dass sie – auch in Bezug auf deren Kern-

gehalt – zwingend als unwahr zu qualifizieren wären. 

3.7.4. T._____ sagte am 15. August 2016 bei der Polizei aus, er sei um 

23.00/23.30 Uhr mit vielen anderen Personen in den AI._____-park gekommen 

(D2 Urk. 2 S. 2 ff. und S. 8 F/A 7, 20 ff. und 85). Der Beschuldigte sei vom 

S._____ aus zu ihnen gekommen (D2 Urk. 3 S. 2 F/A 11 und 15). Er selber sei 

nicht am S._____ gewesen (D2 Urk. 3 S. 2 F/A 14). Er kenne den Geschädigten 

nicht (D2 Urk. 3 S. 4 F/A 33). Bei der Staatsanwaltschaft am 14. September 2016 

präsentierte T._____ dann eine neue Version und räumte ein, am S._____ gewe-

sen zu sein. Der Geschädigte habe ihn mehrmals geschlagen, wobei ihn ein 

Schlag getroffen habe. Den Rest der Schläge habe er mit den Armen abwehren 

können. Er sei zu Boden gegangen. Danach habe er einmal zurückgeschlagen 

und der Geschädigte sei umgefallen. Er habe sich anschliessend entfernt (D2 

Urk. 4 S. 4 F/A 10). Abweichend zu seiner polizeilichen Einvernahme vom 

15. August 2016 erklärte er auch, den Geschädigten zu kennen (D2 Urk. 4 S. 4 

F/A 11). Der Beschuldigte sei auch am S._____ gewesen. Dieser habe nichts 

gemacht (D2 Urk. 4 S. 4 F/A 13 f.). Anlässlich der Konfrontationseinvernahme 

vom 14. September 2016 sagte T._____ erneut, der Geschädigte habe ihn ge-

schlagen, er habe zurückgeschlagen (D2 Urk. 5 S. 4). Bei der Konfrontationsein-

vernahme vom 14. März 2017 sagte T._____ aus, er sei mit Personen am Disku-

tieren gewesen. Der Geschädigte sei dazu gekommen und habe ihn schlagen 

-   40   - 

wollen. Er sei ausgewichen und habe sich geduckt. Ein Schlag habe ihn getroffen. 

Er habe zurückgeschlagen (D2 Urk. 25/1 S. 6). 

Auch T._____ machte bei der Polizei zunächst offensichtlich falsche Angaben, in-

dem er in Abrede stellte, sich am S._____ aufgehalten zu haben. In Bezug auf die 

Auseinandersetzung mit C._____ sind seine Aussagen zudem auch nicht wider-

spruchsfrei. So führte er zunächst aus, dieser habe ihn geschlagen. Er sei einmal 

getroffen worden, den Rest der Schläge habe er mit seinen Armen abgewehrt. Er 

sei zu Boden gegangen. Später hingegen erklärte er, er sei von einem Schlag ge-

troffen worden. Den übrigen Schlägen sei er ausgewichen und er habe sich ge-

duckt. Dass er zu Boden gegangen sei, beschreibt er nicht mehr. Festzuhalten ist 

aber auch hier, dass er – nach anfänglicher Falschaussage – im Laufe des Ver-

fahrens nie mehr bestritt, dass er es sei, der den Geschädigten geschlagen und 

dass der Beschuldigte damit nichts zu tun habe. Dass er seine Präsenz am Tatort 

zunächst abstritt, ändert dabei nichts daran, dass sein grundsätzliches Schuldein-

geständnis nicht von vornherein unglaubhaft ist. Immerhin hat ja – wie gesehen – 

auch der Beschuldigte zunächst seine Anwesenheit am S._____ abgestritten.  

3.7.5. K._____ sagte bei der Polizei am 12. August 2016 aus, er habe den Be-

schuldigten beim AJ._____-platz getroffen (D2 Urk. 10 S. 1 F/A 6). Sie seien dann 

vor Mitternacht auf das AI._____-areal gegangen (D2 Urk. 10 S. 2 F/A 11). Sie 

seien die ganze Nacht dort gewesen und am Morgen sei er zusammen mit dem 

Beschuldigten auf den Zug gegangen (D2 Urk. 10 S. 2 F/A 17). Er habe den Ge-

schädigten an jenem Abend nicht gesehen (D2 Urk. 10 S. 4 F/A 34). T._____ und 

der Beschuldigte seien nicht beim S._____ gewesen (D2 Urk. 10 S. 4 und S. 6 

F/A 35 f. und 56). Sie hätten keine Auseinandersetzung gehabt beim S._____ (D2 

Urk. 10 S. 5 F/A 39 ff.). Seine Angaben bestätigte er auf entsprechende Zusam-

menfassung des befragenden Polizisten gegen Ende der Einvernahme (D2 Urk. 

10 S. 6 F/A 51). Bei der Einvernahme als Zeuge am 18. Juli 2017 sagte K._____ 

aus, ihre Gruppe hätte sich ca. 23.00 Uhr zwischen dem AJ._____-platz und dem 

S._____ aufgehalten. Dann seien sie in Richtung AI._____ gegangen, wo sie kurz 

vor Mitternacht angekommen seien (D2 Urk. 26/8 S. 3 F/A 11 und 13). T._____ 

habe er den ganzen Abend nicht gesehen (D2 Urk. 26/8 S. 3 F/A 16). Der Be-

-   41   - 

schuldigte sei immer bei ihm gewesen und habe niemanden geschlagen (D2 Urk. 

26/8 S. 6 F/A 40 ff.). Nachdem er auf den Widerspruch hingewiesen worden war, 

dass er anlässlich der polizeilichen Einvernahme behauptet habe, dass er nicht 

mit dem Beschuldigten am S._____ gewesen sei, antwortete K._____, dann habe 

er da sicher gelogen (D2 Urk. 26/8 S. 7 F/A 47 f.). Abweichend von seinen bishe-

rigen Aussagen erklärte er dann, T._____ sei ebenfalls dort (am S._____) gewe-

sen (D2 Urk. 26/8 S. 9 F/A 63 ff.). Anschliessend beteuerte K._____, dass der 

Beschuldigte immer neben ihm gewesen sei und nicht geschlagen habe 

(D2 Urk. 26/8 S. 8 f. F/A 58, 62 und 71). 

Die Angaben von K._____ weisen massive Widersprüche auf. So behauptete er 

beispielsweise – auch entgegen den späteren Zugeständnissen des Beschuldig-

ten selber (vgl. D2 Urk. 25/1 S. 2) –, dass er den Beschuldigten um ca. 22:00 Uhr 

am AJ._____-platz getroffen und sich dann mit diesem sowie weiteren Personen 

zusammen zum AI._____-areal aufgemacht habe, wo sie vor Mitternacht T._____ 

getroffen hätten. Sodann bestritt er bei der Polizei zunächst, dass T._____ am 

S._____ gewesen sei, obwohl dieser selber ausführte, er sei dort gewesen. Auch 

über seine eigene Anwesenheit am S._____ machte K._____ widersprüchliche 

Angaben. So musste er schliesslich auch einräumen, dass er bei seiner Einver-

nahme bei der Polizei gelogen hatte (D2 Urk. 26/8 S. 7 F/A 47 f.). Augenschein-

lich ist K._____ darum bemüht, den Verdacht sowohl von T._____ als auch vom 

Beschuldigten abzulenken. Auf die Aussagen von K._____ kann nicht abgestellt 

werden. 

3.7.6. Der Geschädigte C._____ sagte am 20. Juli 2016 bei der Polizei, drei Män-

ner seien auf der anderen Strassenseite beim Coop City gewesen. Diese hätten 

ihn angepöbelt. Sie seien zunächst weiter gelaufen, dann aber stehen geblieben, 

weil einer der anderen Gruppe nach Alkohol gefragt habe. Er habe sich umge-

dreht und schon Faustschläge erhalten. Er sei zu Boden gegangen (D2 Urk. 6 S. 

1 F/A 4). Es seien drei Männer gewesen: T._____, der Beschuldigte und eine 

Person namens "F'._____" (D2 Urk. 6 S. 3 F/A 25). Der Beschuldigte habe mit 

dem Schlagring zugeschlagen, das wisse er genau (D2 Urk. 6 S. 3 f. F/A 26). Der 

Beschuldigte habe ausgeholt, mehr wisse er nicht. Er habe sich nach rechts ge-

-   42   - 

dreht, dann sei der Schlag auf seine rechte Gesichtshälfte erfolgt. Er sei bewusst-

los geworden (D2 Urk. 6 S. 4 F/A 28). Bei seiner Einvernahme vom 14. März 

2017 sagte der Geschädigte C._____ aus, er sei zum S._____-platz gegangen. 

Der Beschuldigte und T._____ seien dort gewesen und hätten seine Gruppe an-

gepöbelt. Er habe dann einen Schlag mit einem Schlagring auf die rechte Seite 

unterhalb des Auges bekommen. Diesen Schlag habe er vom Beschuldigten er-

halten (D2 Urk. 26/1 S. 4 f. F/A 12). Auf  

entsprechende Nachfrage führte der Geschädigte aus, es sei eine Person 

gekommen und habe ihnen die Whiskey-Flaschen wegnehmen wollen. T._____ 

habe ihn gefragt, weshalb er so "schief" schaue. Dann sei der Beschuldigte ge-

kommen und habe ihn von der Seite geschlagen (D2 Urk. 26/1 S. 6 F/A 21). Er 

habe einen Schlagring gesehen (D2 Urk. 26/1 S. 6 F/A 26). Er sei sich diesbezüg-

lich sicher (D2 Urk. 26/1 S. 7 F/A 28 ff.).  

Die Aussagen des Geschädigten erweisen sich (wie diejenigen der restlichen Be-

teiligten) nicht als vollends kohärent. Wie auch die Verteidigung dies vorbringt, 

sprach C._____ bei der Polizei zunächst von "Fäusten", also einer Mehrzahl von 

Schlägen, während er später nur noch von einem Schlag sprach. Dabei mag es 

sich aber auch lediglich um eine ungenaue Formulierung handeln, die der Ge-

schädigte in seiner spontanen Schilderung des Ereignisses wählte. Entscheidend 

ist vielmehr, dass der Geschädigte von Beginn weg gleichbleibend konkret nur 

davon gesprochen hat, dass der Beschuldigte ihm einen Schlag ins Gesicht ge-

geben habe. Weitere Schläge wurden von ihm nicht beschrieben. Zu vage erwei-

sen sich aber in diesem Zusammenhang seine Angaben darüber, ob der Be-

schuldigte sich dabei eines Schlagringes bedient hat. Der Geschädigte erklärte 

zwar, dass er sich sicher sei, dass der Beschuldigte einen Schlagring benutzt ha-

be. Allerdings fällt auf, dass er diesen Umstand zunächst damit begründete, dass 

er nicht so schnell "runter gehe" (D2 Urk. 26/1 S. 6 F/A 26). Auch auf Nachfrage 

der Staatsanwältin begründete er dies nicht einfach damit, dass er einen Schlag-

ring gesehen habe, sondern zog vielmehr den Schluss, dass es aufgrund seines  

Verletzungsbildes und seiner Bewusstlosigkeit so gewesen sein müsse 

(vgl. D2 Urk. 26/1 S. 7 F/A 34). Ebenfalls nicht lebensnah ist es, dass der Ge-

schädigte einen Schlagring gesehen haben will, dann aber nicht sagen konnte, 

-   43   - 

mit welcher Hand der Beschuldigte geschlagen habe und ob dies mit der offenen 

Hand oder mit der Faust passiert sei (D2 Urk. 26/1 S. 7 F/A 29 ff.). Die Aussagen 

des Geschädigten in Bezug auf die Auseinandersetzung als solche erweisen sich 

alles in allem als konsistent und glaubhaft. Der Umstand, dass er geschlagen 

wurde (und die entsprechenden Verletzungen davontrug), ist dabei aber auch 

nicht strittig. Fraglich ist vielmehr, ob es sich beim Angreifer um den Beschuldig-

ten oder um T._____ gehandelt hat. Diesbezüglich lässt sich aus den Angaben 

des Geschädigten mit rechtsgenügender Sicherheit nur wenig ableiten, würde es 

für eine – bewusste oder unbewusste – Falschbelastung doch genügen, einfach 

den Namen des Angreifers auszutauschen. Seine explizite Belastung des Be-

schuldigten lässt sich denn auch nicht näher überprüfen; namentlich liegen keine 

weiteren Beschreibungen des Täters oder sonstiger Umstände vor, welche als 

Realkennzeichen erlauben würden, die Täterschaft des Beschuldigten zu plausibi-

lisieren. Schliesslich wurde der Geschädigte zu keinem Zeitpunkt mit dem Ge-

ständnis von T._____ konfrontiert, womit auch nicht bekannt ist, ob er seine Aus-

sagen vor diesem Hintergrund relativiert hätte. 

3.7.7. AB._____ gab bei der Polizei am 25. Juli 2016 zu Protokoll, sie seien beim 

Coop City am S._____ über den Fussgängerstreifen gelaufen. Dort seien sie auf 

T._____ getroffen. Er – AB._____ – habe Alkohol in einer Tasche getragen. Eine 

Person namens F'._____ habe nach dem Alkohol gefragt. T._____ habe mit dem 

Geschädigten gesprochen. T._____ habe dann den Beschuldigten gerufen, dieser 

sei gekommen und habe den Geschädigten mit der rechten Faust geschlagen. 

Einen Schlagring habe er nicht gesehen. Auf entsprechende Frage gab AB._____ 

dann zu Protokoll, er selber habe den Schlag nicht gesehen. Dies habe ihm nur 

der Geschädigte so gesagt (D2 Urk. 7 S. 2 F/A 6 ff.). Der Beschuldigte habe nur 

einmal geschlagen (D2 Urk. 7 S. 2 f. F/A 10 und 17). Der Vorfall habe sich zwi-

schen 0.00 Uhr und 1.00 Uhr zugetragen (D2 Urk. 7 S. 3 F/A 22). Anlässlich sei-

ner Zeugeneinvernahme vom 14. März 2017 sagte AB._____ aus, sie seien beim 

Zebrastreifen auf T._____ und eine Person namens F'._____ getroffen. F'._____ 

habe nach dem Whiskey gefragt. Der Geschädigte und T._____ hätten sich un-

terhalten. Das Gespräch zwischen diesen beiden habe gerade neben ihm stattge-

funden. T._____ habe den Geschädigten gefragt, weshalb dieser ihn so komisch 

-   44   - 

anschaue. T._____ sei gegangen und habe einen Kollegen geholt. Er selber habe 

dann wieder mit F'._____ diskutiert. Als er sich umgedreht habe, habe er den Ge-

schädigten am Boden liegen sehen. Die anderen seien weggerannt (D2 Urk. 26/3 

S. 3 f. F/A 12). Er habe nicht gesehen, wie der Geschädigte auf den Boden gefal-

len sei (D2 Urk. 26/3 S. 6 F/A 25). Der Beschuldigte habe eine Geste mit einem 

Metall in der linken Hand gemacht (D2 Urk. 26/3 S. 6 F/A 26 ff.). Der Beschuldigte 

sei dem Geschädigten gegenüber gestanden (D2 Urk. 26/3 S. 6 F/A 34). Er sei in 

dem Moment, als der Beschuldigte die Geste gemacht habe, weggerannt (D2 Urk. 

26/3 S. 7 F/A 41). 

Auch die Aussagen von AB._____ erweisen sich teilweise als nicht kohärent und 

vage. Insbesondere schilderte er den Schlag zunächst so, als hätte er diesen sel-

ber wahrgenommen. Erst auf die Frage der Polizei präzisierte er, er habe den 

Schlag nicht selber gesehen, sondern der Geschädigte habe ihm das so gesagt. 

Widersprüchlich sagte er auch dahingehend aus, ob er einen Schlagring  

gesehen habe oder nicht. Nicht besonders lebensnah ist es weiter, wenn 

AB._____ sodann behauptete, dass er zwar eine Geste des Beschuldigten und 

gar einen Schlagring an der Hand des Beschuldigten gesehen habe, den Schlag 

selber aber nicht mitbekommen habe. Mit Fug kann davon ausgegangen werden, 

dass der Schlag unangekündigt und in einer schnellen Bewegung ausgeführt 

wurde. Ansonsten hätte der Geschädigte auf diesen wohl in irgendeiner Art rea-

gieren können, was gerade nicht geschah. Es hätte deshalb schon einer beson-

deren Auffassungsgabe von AB._____ bedurft, die Situation derart schnell zu er-

fassen, dass er einerseits einen Schlagring erkennen, sich dann aber dennoch 

blitzartig abwenden konnte, sodass er den eigentlichen Schlag nicht gesehen hät-

te. Schliesslich zeigt die allgemeine Lebenserfahrung weiter, dass in solchen Si-

tuationen viel eher die Tendenz besteht, das Geschehen zu beobachten als sich 

bereits vor einem drohenden Schlag, welcher sein Ziel noch nicht getroffen hat, 

abzuwenden. Schliesslich ergibt sich auch ein Widerspruch in Bezug auf die 

Hand, mit welcher der Beschuldigte zugeschlagen haben soll. Bei der Polizei 

schilderte AB._____, der Beschuldigte habe mit der rechten Faust zugeschlagen. 

Anlässlich seiner Zeugeneinvernahme führte AB._____ hingegen aus, der Be-

schuldigte habe mit der linken Hand eine Geste gemacht und dort auch den 

-   45   - 

Schlagring getragen. Vom Verteidiger von T._____