# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ad01aaa1-ec27-53a0-83f1-506002ab3314
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-09-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.09.2008 D-5146/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5146-2006_2008-09-26.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5146/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 6 .  S e p t e m b e r  2 0 0 8

Richter Hans Schürch, 
Richter Walter Lang, Richter Blaise Pagan;
Gerichtsschreiberin Eva Zürcher.

Z._______, geboren _______,
Türkei,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, 
_______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. Juni 
2006 / N _______,

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5146/2006

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer  verliess  seinen  Heimatstaat  gemäss  eigenen 
Angabe  am  3.  Januar  1997  und  reiste  nach  A._______,  wo  er  ein 
Asylgesuch  einreichte,  das  am 20. November  1997  vom B._______ 
abgewiesen  wurde.  Am  31.  März  2003  verliess  er  A._______  und 
reiste in  die Schweiz,  wo er  am 7. April  2003 das erste Asylgesuch 
stellte. 

Mit Zwischenverfügung vom 14. April 2003 verfügte das Bundesamt für 
Flüchtlinge  (BFF)  eine  vorsorgliche  Wegweisung  nach  A._______, 
worauf  der  Beschwerdeführer  am  folgenden  Tag  den  A._______ 
Behörden übergeben wurde. Am 21. Mai 2003 wurde das Asylgesuch 
des Beschwerdeführers vom 7. April 2003 vom BFF abgeschrieben.

B.
Am 24. April 2006 reichte der Beschwerdeführer in der Schweiz erneut 
ein Asylgesuch ein. Er  wurde am 4. Mai  2006 im Empfangszentrum 
C._______ befragt und am 31. Mai 2006 führte das BFM eine direkte 
Anhörung durch. Mit Zwischenverfügung vom 16. Juni 2006 wurde er 
für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton D._______ zugewiesen.

C.
Der Beschwerdeführer machte geltend, er sei  alevitischer Kurde und 
stamme aus dem Dorf E._______ in der Provinz F._______. Sein Vater 
habe die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) unterstützt und er habe dabei 
einige  Male  geholfen.  Später  sei  der  Vater  festgenommen  und 
während einem Jahr inhaftiert  worden. Seit Sommer 2003 sei er von 
Soldaten unter Beschimpfungen und Schlägen immer wieder nach den 
Verstecken  der  Guerilla  gefragt  worden.  Deshalb  und  um  dem 
Militärdienst zu entgehen habe er anfangs 1997 die Türkei verlassen 
und in A._______ ein Asylgesuch gestellt. Anfang Juni 2003 sei er in 
sein Heimatland zurückgeschafft worden, wo er bei seiner Ankunft in 
G._______  festgehalten  worden  sei.  Nach  der  Überstellung  an  die 
Militärbehörden  habe  er  bis  September  2004  den  Militärdienst 
absolviert. Dabei habe man ihn als Terroristen betrachtet und beleidigt, 
weshalb er zwei Mal zu desertieren versucht habe. Nach der Rückkehr 
ins  Dorf  sei  er  auf  dem  Militärposten  in  H._______  über  allfällige 
politische Aktivitäten im Ausland und nach dem Aufenthaltsort  seiner 
Eltern  gefragt  worden. Dabei  sei  sein  Vater  als  Terrorist  beschimpft 

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worden und man habe mit dessen Tötung gedroht. Für den Fall einer 
Zusammenarbeit sei ihm Geld offeriert worden. In der Folge sei er bis 
Mitte  März  2006  zwischen  15  und  20  Mal  auf  den  Posten 
mitgenommen,  beleidigt,  beschimpft,  geschlagen  und  noch  am 
gleichen Tag wieder freigelassen worden. Mitte März 2006 habe man 
ihn unter Drohungen erneut zur Zusammenarbeit aufgefordert und ihm 
eine  Bedenkzeit  von  einem Monat  eingeräumt.  Aus  Furcht  um  sein 
Leben habe er sich deshalb erneut zur Ausreise entschlossen. 

Der  Beschwerdeführer  reichte  eine  türkische  Identitätskarte  zu  den 
Akten.  Den  bis  ins  Jahr  2007  gültigen  Reisepass  habe  er  im  Dorf 
zurückgelassen. 

Das BFM überprüfte bei  den deutschen Behörden die Angaben des 
Beschwerdeführers  hinsichtlich  seiner  Rückkehr  in  die  Türkei.  Im 
Übrigen verzichtete es auf weitere Abklärungen.

D.
Mit Verfügung vom 14. Juni 2006 – eröffnet am folgenden Tag – wies 
das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 24. April 2006 
ab  und  ordnete  die  Wegweisung  sowie  deren  Vollzug  an.  Im 
Wesentlichen  legte  es  dar,  dass  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  teilweise  den  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftigkeit und teilweise denjenigen an die Flüchtlingseigenschaft 
nicht  genügten. Insbesondere  habe  der  Beschwerdeführer  nicht  von 
Anfang an erwähnt, dass er unter Drohungen zur Zusammenarbeit mit 
den  türkischen  Behörden  aufgefordert  worden  sei,  weshalb  dieses 
zentrale  Vorbringen  als  nachgeschoben  gelte  und  nicht  geglaubt 
werden  könne.  Zudem  habe  er  nur  stereotype  Angaben  darüber 
gemacht,  was  auf  dem Posten  jeweils  geschehen  sein  soll.  Da  der 
Beschwerdeführer nicht glaubhaft habe dargelegt habe, dass er nach 
seiner Rückkehr in die Türkei asylrelevanten Massnahmen ausgesetzt 
gewesen  sei,  und  die  deutschen  Behörden  sein  Asylgesuch 
abgewiesen  hätten,  müsse  auch  eine  allfällige  Reflexverfolgung  im 
Zusammenhang  mit  der  Unterstützung  der  PKK durch  seinen  Vater 
verneint werden. Den Vollzug der Wegweisung erachtete das BFM als 
zulässig, zumutbar und möglich.

E.
Mit  Eingabe  vom  14.  Juli  2006  (Datum  Poststempel)  liess  der 
Beschwerdeführer  eine  Beschwerde  gegen  die  Verfügung  der 

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Vorinstanz einreichen und beantragte die vollumfängliche Aufhebung 
der angefochtenen Verfügung sowie die Gewährung von Asyl und der 
vorläufigen  Aufnahme.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  er 
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Erlass des 
Kostenvorschusses sowie  um die  Gewährung einer  Nachfrist  für  die 
Einreichung  einer  Beschwerdeergänzung.  Der  Beschwerdeführer 
machte  geltend,  es  sei  ihm allein  schon  infolge  der  ihm drohenden 
Reflexverfolgung in der Schweiz Asyl zu gewähren, da sein Vater und 
sein  Bruder  hier  als  anerkannte  Flüchtlinge  leben  würden.  Zudem 
seien seine Aussagen als glaubhaft zu bewerten.

F.
Mit Zwischenverfügung vom 21. Juli 2006 teilte die damals zuständige 
Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) dem Beschwerdeführer 
mit, er könne den Ausgang des Beschwerdeverfahrens in der Schweiz 
abwarten.  Ausserdem  wurde  er  aufgefordert,  innert  Frist  einen 
Nachweis der Fürsorgeabhängigkeit  einzureichen, verbunden mit  der 
Androhung, im Unterlassungsfall werde davon auszugehen sein, er sei 
nicht bedürftig. Die ARK teilte ihm zudem mit, dass über das Gesuch 
um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege zu einem späteren 
Zeitpunkt entschieden und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 
einstweilen verzichtet werde. Das Gesuch um Gewährung einer Frist 
für  eine  ergänzende  Beschwerdebegründung  wies  die  ARK  unter 
Hinweis  auf  Art.  32  Abs. 2  des  Bundesgesetzes  vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) ab.

G.
Mit Eingabe vom 28. Juli 2006 reichte der Beschwerdeführer die Kopie 
einer Fürsorgebestätigung der I._______ vom 26. Juli 2006 ein.

H.
Am  17.  August  2006  überwies  das  BFM  der  ARK  Kopien  einer 
Wohnsitzbescheinigung,  eines  Geburtsregisterauszuges  und  eines 
Familienregisterauszuges,  welche  der  Beschwerdeführer  angesichts 
eines Gesuches um Trauung den zuständigen Behörden abgab.

I.
Mit  Schreiben  vom  4.  Januar  2007  überwies  J._______  dem 
Bundesverwaltungsgericht  den  A._______  Führerschein  des 
Beschwerdeführers.

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J.
Mit  Zwischenverfügung  vom  10.  Mai  2007  teilte  das 
Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  mit,  dass  es  das 
bei der ARK eingeleitete Beschwerdeverfahren weiterführe.

K.
Mit Zwischenverfügung vom 11. August 2008 wurde das Dossier der 
Vorinstanz  übermittelt,  verbunden  mit  der  Einladung  zu  einer 
Vernehmlassung  bis  am  26.  August  2008.  Am  25.  August  2008 
ersuchte  das  BFM um eine Fristerstreckung für  die  Einreichung der 
Vernehmlassung mit  der  Begründung,  die administrative Verbuchung 
der  Heirat  des  Beschwerdeführers  im  elektronischen  Verzeichnis 
müsse  noch  vorgenommen  werden.  Das  Bundesverwaltungsgericht 
gewährte eine Fristerstreckung bis am 1. September 2008.

L.
Mit Verfügung vom 1. September 2008 zog das BFM seine Verfügung 
vom  14.  Juni  2006  in  Wiedererwägung  und  nahm  den 
Beschwerdeführer infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges 
vorläufig auf. Die Ziff. 4 und 5 der Verfügung vom 14. Juni 2006 wurden 
aufgehoben. Anschliessend  übermittelte  das  BFM  das  Dossier  dem 
Bundesverwaltungsgericht.  Auf  eine  einlässliche  Vernehmlassung 
wurde verzichtet. 
 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach 
Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 
ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art.  32  VGG  liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

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1.2 Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  am  1.  Januar  2007  die 
Beurteilung der bei der ARK hängigen Rechtsmittel übernommen. Das 
neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer  ist durch die angefochtene Verfügung berührt  und 
hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer ist daher  zur 
Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  6  AsylG  i.V.m. Art.  48 
Abs. 1 und 50 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  

3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn sie in ihrem Heimatstaat  oder im Land,  in  dem sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität, 
Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder 
begründete Furcht hat, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 
ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib, 
Leben  oder  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen 
psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Nach  der  weiterhin 
zutreffenden Praxis  der  ARK ist  die  Flüchtlingseigenschaft  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben hält. Vorbringen sind dann glaubhaft, 
wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; 
sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in 
wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren 
Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen 
Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss der Beschwerdeführer 
persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der 
Fall  ist,  wenn  er  seine  Vorbringen  auf  gefälschte  oder  verfälschte 
Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann, wenn 

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er  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im 
Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt  oder  unbegründet 
nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige 
Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachen  bedeutet  ferner  –  im 
Gegensatz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes  Beweismass  und 
lässt  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen. 
Indessen  reicht  es  für die  Glaubhaftmachung  nicht  aus,  wenn  der 
Inhalt  der  Vorbringen  zwar  möglich  ist,  aber  in  Würdigung  der 
gesamten  Aspekte  wesentliche  und  überwiegende  Umstände  gegen 
die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen. Entscheidend ist 
im  Sinne  einer  Gesamtwürdigung,  ob  die  Gründe,  die  für  die 
Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder 
unterliegen;  dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen 
(vgl. Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 21  E. 6.1 S. 190  f., 1996 
Nrn. 27 und 28,  1994 Nr. 5 und 1993 Nrn. 11 und 21 sowie  WALTER 
KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a.M. 1990, S. 304 
ff.).

4.  

4.1 Die  Argumentation  der  Vorinstanz,  wonach  die  vom 
Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Bedrohungen  durch  die 
türkischen  Sicherheitskräfte  für  den  Fall  der  Verweigerung  der 
Zusammenarbeit nicht glaubhaft ausgefallen seien, ist zu bestätigen.

4.1.1  Der  Beschwerdeführer  brachte  im Rahmen der  Befragung im 
Empfangszentrum zunächst  vor,  er  habe sein  Heimatland verlassen, 
weil er oft mitgenommen und nach seinen Angehörigen gefragt worden 
sei (Akte B1/10 S. 5). Die anschliessende Frage, ob er alle Gründe für 
sein  Asylgesuch  erwähnt  habe,  bejahte  er  mit  der  Ergänzung,  die 
Details  habe  er  noch  nicht  vorgebracht  (Akte  B1/10  S.  5).  Später 
ergänzte er seine diesbezüglichen Vorbringen dahingehend, dass man 
ihn  auf  dem  Posten  ständig  beleidigt  habe  und  dass  man  habe 
erfahren  wollen,  mit  wem er  im Ausland  zusammengearbeitet  habe. 
Ausserdem  sei  er  eingeschüchtert  worden  (Akte  B1/10  S.  6). 
Schliesslich gab er zu Protokoll, man habe ihn auch geschlagen (Akte 
B1/10  S. 6).  Die  Frage,  ob  es  noch  andere  Gründe  gegeben  habe, 
verneinte er (Akte B1/10 S. 7). 

4.1.2 Demgegenüber legte er anlässlich der direkten Anhörung dar, es 
gebe noch weitere Gründe, welche ihn zur Ausreise veranlasst hätten. 

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So  sei  ihm  beispielsweise  auch  die  Zusammenarbeit  angeboten 
worden, was er im Empfangszentrum nicht erwähnt habe (Akte B11/15 
S.  3).  Er  hätte  den  türkischen  Behörden  mitteilen  sollen,  wer  was 
unternehme und ins Dorf komme. Da er das Angebot abgelehnt habe, 
sei er schlecht behandelt worden. Schliesslich habe man ihm bei der 
Festnahme am 15. März 2006 einen Monat Bedenkzeit  gewährt  und 
ihm  gedroht,  dass  es  für  ihn  schlecht  enden  werde,  wenn  er  das 
Angebot der Zusammenarbeit nicht annehme (Akte B11/15 S. 8). Aus 
diesem Grund habe er sein Heimatland erneut verlassen (Akte B11/15 
S. 9). 

4.1.3 Der  Vorfall,  der  den  Beschwerdeführer  schliesslich  dazu 
veranlasst  haben  soll,  sein  Heimatland  erneut  zu  verlassen,  wurde 
nicht von Anfang an, sondern erst im Rahmen der direkten Anhörung 
erwähnt. Zwar kommt der ersten Befragung im Empfangszentrum nur 
summarischer  Charakter  zu,  weshalb  in  den  nachfolgenden 
Anhörungen  grundsätzlich  Raum  und  Zeit  für  Ergänzungen  zur 
Verfügung  steht  und  bei  der  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  den 
Aussagen  im  Erstprotokoll  nur  ein  beschränkter  Beweiswert 
beizumessen ist. Dies bedeutet indessen nicht, dass die Aussagen der 
Erstbefragung  für  die  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  keine  Rolle 
spielten. Sofern  die  Aussagen  im  Erstprotokoll  klar  ausgefallen  sind 
und in wesentlichen Punkten der Asylbegründung von den später im 
Rahmen  der  kantonalen,  direkten  oder  ergänzenden  Anhörung  zu 
Protokoll gegebenen Angaben diametral abweichen oder nicht einmal 
ansatzweise erwähnt worden sind, können sie für die Beurteilung der 
Glaubhaftigkeit massgeblich sein. Bloss geringfügige Ungereimtheiten 
zwischen  den  Aussagen  in  der  Erstbefragung  und  den  später 
folgenden  Anhörungen  genügen  jedoch  für  die  Begründung  der 
Unglaubhaftigkeit  nicht  und  verspätete  respektive  nachgeschobene 
Vorbringen  beeinträchtigen  die  Glaubhaftigkeit  nicht,  wenn  plausible 
Erklärungen für  das  Nachschieben vorgebracht  werden können (vgl. 
EMARK 1998 Nr. 4 und 1993 Nr. 12). 

4.1.4 Vorliegend  vermag  der  summarische  Charakter  des  Protokolls 
der Erstbefragung im Empfangszentrum nichts daran zu ändern, dass 
der  Beschwerdeführer  erst  anlässlich  der  direkten  Anhörung 
vorbrachte, er habe sich zur erneuten Flucht aus seinem Heimatland 
entschlossen,  nachdem  ihm  unter  Drohungen  eine  einmonatige 
Bedenkzeit  zur  Zusammenarbeit  mit  den  türkischen  Behörden 
angeboten worden sei. Er gab klare Aussagen zu Protokoll und seine 

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Aussage, er habe eine Bedenkzeit von einem Monat erhalten und es 
seien ihm für den Fall der Ablehnung der Zusammenarbeit Nachteile 
angedroht  worden,  ist  als  eines  der  wesentlichsten Elemente  seiner 
Vorbringen  aufzufassen.  Unter  diesen  Umständen  hätte  er  diesen 
Sachverhalt  von  Anfang  an  –  respektive  bereits  anlässlich  der 
Erstbefragung  im  Empfangszentrum  –  wenigstens  ansatzweise 
erwähnen müssen, damit er als glaubhaft gelten könnte. Eine plausible 
Erklärung für das verspätete Vorbringen brachte der Beschwerdeführer 
nicht vor. 

4.1.5 Somit  vermochte  der  Beschwerdeführer  nicht  glaubhaft 
darzustellen, dass er sein Heimatland infolge der von den türkischen 
Behörden  angedrohten  Nachteile  für  den  Fall,  dass  er  die 
angebotenen  Zusammenarbeit  ablehnen  werde,  verlassen  habe. 
Daran vermag der pauschale Einwand in der Beschwerdeschrift,  die 
Aussagen  des  Beschwerdeführers  würden  die  üblichen 
Realkennzeichen aufweisen und seien glaubhaft, nichts zu ändern. 

4.2 Auch  das  Argument  der  Vorinstanz,  die  Aussagen  des 
Beschwerdeführers hinsichtlich der Ereignisse auf dem Posten seien 
substanzlos und stereotyp ausgefallen, sind zu bestätigen.

4.2.1 Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, wird vorab auf die 
zutreffenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen. 
In  Ergänzung  dazu  ist  festzuhalten,  dass  dem  Beschwerdeführer 
zahlreiche  Möglichkeiten  eingeräumt  wurden,  in  detaillierter  Weise 
vorzutragen,  was  im  Einzelnen  während  seiner  Mitnahmen  auf  den 
Posten  oder  der  Festnahmen  im  Bus  geschehen  sein  soll. 
Beispielsweise  wurde  er  gefragt,  wie  denn  eine  solche  Kontrolle  im 
Bus  ablaufe,  worauf  er  zur  Antwort  gab,  es  werde  jeder  im  Bus 
kontrolliert  (Akte  B11/15  S. 8).  Mit  dieser  knappen  und  stereotypen 
Antwort  ist  er  jedoch  der  gestellten  Frage  ausgewichen.  Auch  die 
Erklärung  des  Beschwerdeführers,  auf  dem  Posten  sei  es  immer 
gleich  gewesen,  weshalb  er  immer das  Gleiche sagen müsse (Akte 
B11/15.  S.  9),  vermag  nicht  zu  überzeugen.  Vielmehr  ist  davon 
auszugehen, dass sich die einzelnen Festnahmen durch verschiedene 
Handlungsweisen,  unterschiedliche  Details  im  Ablauf  oder  andere 
Zwischen- oder  Vorfälle  unterscheiden. Dem Beschwerdeführer kann 
nicht geglaubt werden, dass er 15 oder 25 Mal in genau der gleichen 
Art  von  den  gleichen  Personen  unter  den  gleichen  Umständen 
festgenommen, befragt,  behandelt  und dann freigelassen worden ist. 

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Seine  diesbezüglichen  Aussagen  entbehren  somit  der  nötigen 
Realkennzeichen  und  vermitteln  den  Eindruck,  er  habe  die  geltend 
gemachten  Festnahmen nicht  oder  nicht  in  der  behaupteten  Anzahl 
erlebt.  Es  kann  ihm  deshalb  mangels  Substanziierung  seiner 
Aussagen nicht geglaubt werden, er sei zwischen 15 und 20 Mal auf 
den Posten mitgenommen und wiederholt  im Rahmen einer Busfahrt 
an der Weiterreise gehindert worden.

4.2.2 Zwar  mag  es  sein,  dass  der  Beschwerdeführer  nach  seiner 
Rückkehr  ins  Dorf  im  September  2004  zur  Überprüfung  seiner 
Personalien auf den Posten vorgeladen und dort im Rahmen einer mit 
Schikanen,  Beleidigungen  und  Schlägen  verbundenen  Behandlung 
über  den  Aufenthaltsort  seiner  Eltern  befragt  worden  ist.  Nachteile 
dieser  Art  vermögen indessen  aufgrund ihrer  Art  und Intensität  den 
Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  zu  genügen. Das 
vom Beschwerdeführer  dargestellte  Ausmass der   Mitnahmen sowie 
die  geltend  gemachte  Bedrohung  und  das  Angebot  zur 
Zusammenarbeit  sind  jedoch  –  wie  bereits  erwähnt  –  nicht  als 
glaubhaft zu qualifizieren.

4.3 Zudem ist  das vom Beschwerdeführer dargelegte Verhalten nicht 
nachvollziehbar: Gemäss seinen Aussagen will er während eineinhalb 
Jahren  im  Herkunftsdorf  geblieben  sein,  wo  er  immer  wieder 
unerträglichen  behördlichen  Massnahmen  ausgesetzt  gewesen  sei, 
welche  ihn  letztendlich  zum Verlassen  des  Heimatlandes  veranlasst 
haben  sollen.  Trotz  der  Unerträglichkeit  dieser  behördlichen 
Massnahmen  unterliess  er  es,  die  zunächst  naheliegendste 
Massnahme zu seinem Schutz zu ergreifen und – gestützt auf die in 
der Türkei bestehende Niederlassungsfreiheit – an einem andern Ort 
innerhalb  seines  Heimatlandes  Wohnsitz  zu  nehmen,  um  den 
Widrigkeiten  ausweichen  zu  können.  Da  der  Beschwerdeführer  den 
obligatorischen Militärdienst in seinem Heimatland geleistet und sich 
politisch  nicht  in  exponierter  Weise engagiert  hat,  hätte  er  nicht  mit 
einer  landesweiten  Suche  nach  seiner  Person  rechnen  müssen, 
weshalb  nicht  nachvollzogen  werden  kann,  dass  er  nicht  einmal 
versucht  hat,  an  einem  andern  Ort  innerhalb  seines  Heimatlandes 
leben zu können.

4.4 Ebenso  wenig  plausibel  erscheint  im  Hinblick  auf  die  geltend 
gemachten zahlreichen Festnahmen aus immer dem gleichen Grund 
die späte Ausreise aus seinem Heimatland. Vielmehr wäre in diesem 

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Zusammenhang zu erwarten gewesen,  dass  er  –  als  ungebundener 
junger Mann – den ständig wiederkehrenden Festnahmen nicht ohne 
guten Grund während eineinhalb Jahren getrotzt und sein Heimatland 
früher verlassen hätte. 

4.5 Im  Sinne  eines  Zwischenergebnisses  ist  festzustellen,  dass  die 
Vorbringen  des  Beschwerdeführers  von  Unstimmigkeiten 
gekennzeichnet  sind  und  damit  ernsthafte  Zweifel  an  der 
Glaubhaftigkeit  des  von  ihm  geltend  gemachten  Sachverhalts 
bestehen. 

4.6 In Ergänzung dazu ist festzustellen, dass die geltend gemachten 
kurzzeitigen  Festnahmen,  welche  nicht  mehr  als  ein  paar  Stunden 
gedauert haben sollen, in ihrer Art  und Intensität den Anforderungen 
an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen vermöchten, weshalb 
sie nicht als asylrelevant zu qualifizieren sind.

4.7 Auch die im Zusammenhang mit der Wiedereinreise in die Türkei 
geltend gemachte Festnahme und Festhaltung von drei  Tagen sowie 
die  Übergabe  des  Beschwerdeführers  an  die  für  ihn  zuständige 
Militäreinheit  sind  asylrechtlich  nicht  relevant,  da  in  der  Türkei  die 
allgemeine  Wehrpflicht  herrscht  und  die  türkischen  Behörden  diese 
durchzusetzen  haben.  Die  dreitägige  Festnahme  in  diesem 
Zusammenhang  am  Flughafen  von  G._______  erscheint  somit  als 
legitim.  Zudem  bestehen  keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  die 
türkischen  Behörden  den  Beschwerdeführer  aus  andern  Gründen 
festgehalten  haben.  Die  in  diesem  Zusammenhang  geltend 
gemachten  Beleidigungen  sowie  die  Einteilung  des 
Beschwerdeführers bei der Putzeinheit und der Entzug der Militärwaffe 
sind nicht als asylrelevant zu qualifizieren, da sie die Anforderungen 
an  die  Intensität  einer  Verfolgung  im  Sinne  des  Gesetzes  nicht  zu 
erfüllen  vermögen.  Weitergehende  Nachteile  in  diesem 
Zusammenhang machte der Beschwerdeführer nicht geltend. 

4.8 In  der  Beschwerdeschrift  wird  ferner  geltend  gemacht,  dem 
Beschwerdeführer  müsse  aufgrund  einer  befürchteten 
Reflexverfolgung  Asyl  gewährt  werden,  da  er  Mitglied  einer  Familie 
sei,  welche  im  Zusammenhang  mit  den  Auseinandersetzungen 
zwischen der PKK und den türkischen Sicherheitskräften wegen des 
Verdachts,  die  PKK  zu  unterstützen,  unter  ständigem  behördlichen 
Druck gestanden und sein Vater aus diesem Grund verurteilt worden 
sei.

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4.8.1 Unter Reflexverfoglung werden behördliche Massnahmen in der 
Form  von  Belästigungen  und  Behelligungen  von  Angehörigen 
aufgrund  des  Umstandes,  dass  die  Behörden  einer  gesuchten, 
politisch unbequemen Person nicht  habhaft  werden oder schlechthin 
von deren Polit-Malus auf einen solchen bei Angehörigen schliessen, 
verstanden.  Der  Zweck  einer  solchen  Reflexverfolgung  kann 
insbesondere  darin  liegen,  Informationen  über  effektiv  gesuchte 
Personen zu erlangen beziehungsweise Geständnisse von Inhaftierten 
zu erzwingen. Eine „Sippenhaft“ in diesem weiteren Sinn ist von den 
türkischen Behörden etwa in den Süd- und Ostprovinzen nicht selten 
angewandt  worden,  wenn es galt,  den Aufenthaltsort  von flüchtigen 
Angehörigen  der  PKK oder  anderer  staatsfeindlicher  Organisationen 
zu ergründen. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Reflexverfolgung zu 
werden,  ist  vorallem  dann  gegeben,  wenn  nach  einem  flüchtigen 
Familienmitglied  gefahndet  wird  und  die  Behörde  Anlass  zur 
Vermutung  hat,  dass  jemand  mit  der  gesuchten  Person  in  engem 
Kontakt  steht.  Diese  Wahrscheinlichkeit  erhöht  sich,  wenn  ein  nicht 
unbedeutendes  politisches  Engagement  der  reflexverfolgten  Person 
für illegale politische Organisationen hinzukommt beziehungsweise ihr 
seitens der Behörden unterstellt wird (vgl. EMARK 2005 Nr. 21) oder 
wenn  der  Reflexverfolgte  aus  einer  den  türkischen  Behörden  als 
„staatsfeindlich“  bekannten  Familie  stammt  respektive  die  Familie 
mehrere illegal politisch tätige Verwandte aufweist. Im erwähnten Urteil 
hielt die ARK  zur Lageentwicklung in der Türkei fest, dass die Gefahr 
allfälliger  Repressalien  gegen  Familienangehörige  mutmasslicher 
Aktivisten  der  PKK  (beziehungsweise  einer  ihrer 
Nachfolgeorganisationen)  oder  anderer  von  den  Behörden  als 
separatistisch  eingestufter  kurdischer  Gruppierungen  nicht 
auszuschliessen  sei.  Zwar  habe  sich  die  Verfolgungspraxis  der 
türkischen Behörden im Zuge des Reformprozesses zur Annäherung 
an  die  Europäische  Union  insofern  geändert,  als  Fälle,  in  denen 
Familienangehörige  kurdischer  Aktivisten  gefoltert  oder  misshandelt 
worden  seien,  abgenommen  hätten.  Dagegen  müssten 
Familienangehörige auch gegenwärtig noch mit Hausdurchsuchungen 
und kürzeren Festnahmen rechnen,  die oft  mit  Beschimpfungen und 
Schikanen verbunden seien (vgl. EMARK 2005 Nr. 21). 

4.8.2 Der  Beschwerdeführer  hat  sich  durch  eigene  politische 
Tätigkeiten nicht exponiert. Zwar hat er gemäss seinen Aussagen ab 
und zu das Parteilokal  der Kurdischen Volkspartei  (HADEP) besucht 
und Plakate aufgehängt (vgl. Akte B1/10 S. 6 f.). Indessen wurde nicht 

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geltend  gemacht,  diese   Aktivitäten  hätten  zu  behördlichen 
Verfolgungsmassnahmen  geführt.  Vielmehr  sagte  der 
Beschwerdeführer  aus,  er  habe  deswegen  keine  Probleme  erlitten 
(Akte B11/15 S. 11).

4.8.3 Aufgrund  der  Akten  steht  jedoch  fest,  dass  der 
Beschwerdeführer ein Mitglied der Familie Z._______ aus E._______ 
im Kreis K._______ der Provinz F._______ ist und diese Familie von 
den  türkischen  Sicherheitskräften  in  Verbindung  mit  der  illegalen 
ehemaligen PKK gebracht wird.

4.8.4 Die  Durchsicht  der  Akten  des  Vaters  des  Beschwerdeführers 
ergibt, dass dieser am 10. Juli 1998 zum zweiten Mal in die Schweiz 
einreiste  und  ein  Asylgesuch  stellte,  nachdem  er  vom 
Staatssicherheitsgericht  L._______  am  3.  November  1994  und  am 
1. uli 1997 wegen Unterstützung und Beherbergung der PKK zu einer 
viereinhalbjährigen  respektive  dreijährigen  Gefängnisstrafe  verurteilt 
worden war. Am 24. August  1999 wurde er  in  der  Schweiz in  erster 
Instanz als Flüchtling anerkannt.

4.8.5 Das  Asylgesuch  des  Bruders  M._______  des 
Beschwerdeführers  wurde  mit  Verfügung  vom 21.  August  2003  vom 
damals  zuständigen  BFF  abgewiesen,  weil  das  BFF  trotz  der 
Verurteilung  des  Vaters  davon  ausging,  dem  Bruder  des 
Beschwerdeführers drohten keine asylrelevanten Nachteile, da er sich 
einer  allfälligen  Reflexverfolgung  durch  einen  Wohnortswechsel 
entziehen  könne. Diese  Einschätzung  teilte  die  ARK in  ihrem Urteil 
vom  25.  August  2005  nicht.  Sie  ging  davon  aus,  der  Bruder  des 
Beschwerdeführers  habe  als  Mitglied  einer  verdächtigen  Familie 
insbesondere wegen der Verurteilung seines Vaters Folter erlitten, weil 
die Familie immer wieder behelligt worden sei. Auch die im Heimatland 
verbliebenen  Brüder  seien  gestützt  auf  die  übereinstimmenden 
Angaben  der  Familienmitglieder  öfters  verhaftet  und  teils  schwer 
misshandelt  worden.  Die  Verurteilung  des  Vaters  und  dessen 
Datenblatt  indiziere,  dass  die  Familie  den türkischen Behörden über 
die lokalen Grenzen hinaus bekannt sei, weshalb die Möglichkeit einer 
innerstaatlichen  Wohnsitznahme  verneint  werden  müsse.  Zudem 
könne das Risiko, bereits bei der Einreise in die Türkei aufgrund des 
Namens  und  der  Herkunft  erheblichen  behördlichen 
Beeinträchtigungen ausgesetzt zu sein, nicht abgeschätzt werden.

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4.8.6 Die  Schwester  N._______  des  Beschwerdeführers  verzichtete 
auf eine Asylgewährung. Das am 2. Februar 2000 gestellte Asylgesuch 
zog  sie  am  3.  September  2002  zurück,  um  in  A._______  ihren 
zukünftigen Ehemann heiraten zu können. 

4.8.7 Ohne  eine  abschliessende  Würdigung  vorzunehmen,  ist  an 
dieser  Stelle  festzustellen,  dass  vor  dem  Hintergrund  der 
Auseinandersetzungen der PKK mit den türkischen Sicherheitskräften 
in  den  Neunziger  Jahren  des  letzten  Jahrhunderts  und  der  daraus 
folgenden prekären Situation für  die Bevölkerung im Heimatdorf  des 
Beschwerdeführers  Kontrollen,  Befragungen,  Schikanen, 
Beleidigungen und allgemein eine schlechte Behandlung der Familie 
des  Beschwerdeführers  durch  türkische  Sicherheitskräfte 
nachvollziehbar  erscheinen.  Die  Gefahr,  dabei  auch  Opfer  von 
Schlägen  und  Misshandlungen  geworden  zu  sein,  ist  in 
Berücksichtigung  der  damaligen  Verhältnisse  naheliegend.  Es  ist 
davon auszugehen, dass die Familie Z._______ den lokalen Behörden 
als  regimekritische,  oppositionelle  Familie  bekannt  ist  und  ihre 
Mitglieder  das  besondere  Augenmerk  der  türkischen  Behörden  auf 
sich gezogen haben und möglicherweise immer noch ziehen. Dass die 
Eltern  des  Beschwerdeführers,  ein  Teil  seiner  Geschwister  und  ein 
Cousin in der Schweiz sowie ein Onkel und eine Tante in A._______ 
und ein Cousin in O._______ als anerkannte Flüchtlinge leben, gilt als 
gewichtiges  Indiz  für  eine  zumindest  in  der  Herkunftsgegend  der 
Familie  bestandene  Verfolgung  gegen  deren  Mitglieder.  Ob  diese 
indessen  im heutigen Zeitpunkt  für  den Beschwerdeführer  nach  wie 
vor  besteht,  muss  unter  Abwägung  der  dafür  und  der  dagegen 
sprechenden Indizien genauer untersucht werden. Zwar erscheint es 
im  Hinblick  auf  die  Verurteilung  des  Vaters  des  Beschwerdeführers 
unter  dem Vorwurf  der  PKK-Unterstützung und dessen Suche durch 
die  türkischen  Behörden  als  nachvollziehbar,  dass  der 
Beschwerdeführer  nach  seiner  Rückkehr  in  die  Türkei  im Juni  2003 
bei  der  Einreise  am  Flughafen  Istanbul  genauer  überprüft  wurde. 
Indessen hat sich gezeigt, dass er anlässlich dieser Wiedereinreise in 
die  Türkei  keinen  asylerheblichen  Massnahmen  ausgesetzt  war, 
welche auf die behördliche Suche nach seinem Vater zurückzuführen 
gewesen  wären,  da  er  ausser  der  dreitägigen  Festhaltung  am 
Flughafen keine Nachteile im Sinne des Asylgesetzes geltend machte 
und die Festhaltung durch die türkischen Behörden offensichtlich nur 
dazu  diente,  Informationen  im  Zusammenhang  mit  dem  nicht 
geleisteten  Militärdienst  zu  gewinnen,  den  Beschwerdeführer  als 

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diensttauglich zu erklären und ihn der zuständigen Militärbehörde zu 
übergeben  (vgl.  E.  4.7).  Derartige  Routinekontrollen  werden 
praxisgemäss, sofern – wie vorliegend – keine zusätzlichen Nachteile 
im  Sinne  des  Asylgesetzes  glaubhaft  vorgebracht  werden,  nicht  als 
asylrelevante Verfolgung betrachtet. Damit spricht bereits diese unter 
dem  Gesichtspunkt  der  asylrechtlichen  Relevanz  unproblematische 
Wiedereinreise  des  Beschwerdeführers  gegen  die  Befürchtung,  bei 
einer  allfälligen  weiteren  Wiedereinreise  aufgrund  der  Suche  nach 
seinem  Vater  asylerheblichen  Massnahmen  ausgesetzt  zu  sein.  Die 
zwangsweise Überstellung an die Militärbehörden ist – wie unter E. 4.7 
bereits  festgehalten  –  aufgrund  der  in  der  Türkei  bestehenden 
allgemeinen Wehrdienstpflicht flüchtlingsrechtlich nicht relevant. 

Der  Beschwerdeführer  machte  zudem  geltend,  er  sei  während  der 
Absolvierung  seines  Militärdienstes  schikaniert  und  als  Terrorist 
beschimpft worden. Man habe ihn zu Putzdiensten eingesetzt und ihm 
die Waffe abgenommen, nachdem man erfahren habe, dass sein Vater 
aus  politischen  Gründen  gesucht  werde.  Auch  wenn  diese 
Behandlungsweise den Beschwerdeführer in seinen Gefühlen verletzt 
haben mag, kann sie aufgrund ihrer Art nicht als ernsthafter Nachteil 
oder als unerträglicher psychischer Druck im Sinne von Art. 3 AsylG 
betrachtet  werden.  Ebenso  wenig  impliziert  diese  Behandlung  eine 
begründete Furcht vor zukünftigen asylrelevanten Nachteilen, welche 
ihren  Grund  in  der  behördlichen  Suche  nach  dem  Vater  des 
Beschwerdeführers hätte. 

Schliesslich ist das geltend gemachte Ausmass der Behelligungen und 
die  behaupteten  Drohungen,  welche  sich  nach  der  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers  in  sein  Heimatdorf  ereignet  haben  sollen,  nicht 
glaubhaft ausgefallen, wie unter E. 4.1. ff. bereits erörtert worden ist. 
Allein  daraus,  dass  der  Beschwerdeführer  zur  Befragung  über  den 
Aufenthaltsort  seiner  Angehörigen – insbesondere seines behördlich 
gesuchten Vaters – auf den Posten vorgeladen und während einigen 
Stunden  festgehalten  wurde,  kann  weder  auf  eine  erlittene 
asylrechtlich  relevante  Verfolgung  noch  auf  die  Befürchtung  einer 
solchen geschlossen werden. Daran vermag die Tatsache, dass er aus 
der  Familie  Z._______,  von  der  einige  Mitglieder  der  PKK-
Unterstützung verdächtigt respektive deswegen verurteilt worden sind, 
nicht  zu  ändern.  Es  wäre  für  die  türkischen  Behörden  einfach 
gewesen,  den  zuerst  den  Militärdienst  absolvierenden  und 
anschliessend  sich  im  Dorf  aufhaltenden  Beschwerdeführer 

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festzunehmen und ihm – unter dem Blickwinkel der Reflexverfolgung – 
in asylrechtlich relevanter Weise Nachteile zuzufügen. Dies ist jedoch 
nicht geschehen. Zudem spricht die Aufenthaltsdauer von  eineinhalb 
Jahren  im  Dorf  gegen  das  Erleiden  von  immer  wiederkehrenden 
asylrechtlich  relevanten  Nachteilen  oder  einer  zermürbenden,  Angst 
auslösenden  Behandlung,  welche  sich  zu  einem  unerträglichen 
psychischen  Druck  hätte  entwickeln  können.  Der  Beschwerdeführer 
brachte denn auch keine überzeugende Erklärung für die – in diesem 
Zusammenhang als lang zu bezeichnende – Aufenthaltsdauer im Dorf 
vor. Vielmehr  liess  er  mit  seiner  Aussage,  die  im  Dorf  verbliebenen 
Brüder  hätten  im  Gegensatz  zu  ihm  wegen  ihren  Familien  nicht 
wegziehen  können,  durchblicken,  dass  ihn  weder  familiäre  noch 
andere Verpflichtungen an einer früheren Ausreise verhindert  hätten. 
Unter diesen Umständen kann nicht nachvollzogen werden, warum der 
Beschwerdeführer  –  wäre  er  tatsächlich  im  Rahmen  einer 
Reflexverfolgung  einem unerträglichen  Druck  ausgesetzt  gewesen  – 
sein  Dorf  nicht  früher  verlassen  hat,  sei  es,  um  in  einem  andern 
Landesteil Wohnsitz zu nehmen oder um sich ins Ausland zu begeben. 
Aufgrund der Aktenlage kann nicht davon ausgegangen werden, dass 
gegen den Beschwerdeführer, der seinen Militärdienst absolviert  hat, 
etwas  vorgelegen  hätte,  das  ihm  bei  der  Wohnsitznahme  in  einem 
andern Teil der Türkei zum Nachteil gereicht hätte. 

4.8.8 Gestützt auf die vorangehenden Erwägungen kann deshalb nicht 
davon  ausgegangen  werden,  dass  er  –  abgesehen  von  einer 
Routinekontrolle  und einer  Befragung über den Aufenthaltsort  seiner 
Angehörigen  –  bei  der  erneuten  Wiedereinreise  in  die  Türkei 
ernsthaften  Benachteiligungen  ausgesetzt  sein  wird.  Gegen  die 
Annahme einer drohenden Reflexverfolgung spricht im Übrigen, dass 
der  Vater  des  Beschwerdeführers  infolge  Unterstützung  und 
Beherbergung  der  PKK,  und  nicht  wegen  Zugehörigkeit  zur  PKK, 
verurteilt  wurde,  wie  die  Vorinstanz  zutreffend  festgestellt  hat.  Zwar 
wurden  in  den  Neunzigerjahren  des  letzten  Jahrhunderts  viele 
Personen kurdischer Herkunft aus dem gleichen Grund wie der Vater 
des Beschwerdeführers verurteilt, weil die PKK mit allen zur Verfügung 
stehenden  Mitteln  –  auch  mit  drastischen  Massnahmen  gegenüber 
Zivilpersonen  –  bekämpft  wurde;  indessen  ist  auch  den  türkischen 
Behörden  bewusst,  dass  viele  Zivilpersonen  –  wie  der  Vater  des 
Beschwerdeführers – zur Unterstützung der PKK im erwähnten Sinn 
gezwungen worden sind. Diese Einschätzung dürfte das Risiko einer 
Reflexverfolgung ebenso wie die im Vergleich zu den Neunzigerjahren 

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etwas ruhigere Lage in der Türkei zusätzlich vermindern. Die Rückkehr 
des  Beschwerdeführers  im  Jahr  2003  hat  denn  auch  gezeigt,  dass 
Familienmitglieder  von  gesuchten  und  im  Zusammenhang  mit  der 
Unterstützung der PKK verurteilten Personen nicht  in jedem Fall  mit 
einer  asylerheblichen  Verfolgung  zu  rechnen  haben.  Vielmehr  ist  im 
Einzelfall  zu  unterscheiden,  ob  zusätzliche  Risikofaktoren  für  ein 
erhöhtes  Verfolgungsrisiko  sprechen  oder  ob  –  wie  im  vorliegenden 
Fall – begünstigende Faktoren das Risiko massgeblich vermindern. Im 
Fall  des  Beschwerdeführers,  der  inzwischen  seinen  Militärdienst 
ordentlich  abgeleistet  hat,  politisch  nicht  aktiv  ist  und  seit  der 
Verurteilung seines Vaters bereits  einmal  während einigen Jahren in 
der Türkei gelebt hat, liegen keine überzeugenden Anhaltspunkte vor, 
dass  ihm  bei  der  erneuten  Wiedereinreise  in  die  Türkei  eine 
Reflexverfolgung droht. An diesem Schluss vermag der Umstand, dass 
seine  Geschwister  im  Jahr  2005  wegen  drohender  Reflexverfolgung 
als Flüchtlinge anerkannt worden sind,  nichts zu ändern,  zumal sich 
der  von  diesen  geltend  gemachte  Sachverhalt  von  demjenigen  des 
zwischenzeitlich  in  die  Türkei  zurückgekehrten  Beschwerdeführers 
wesentlich unterscheidet. 

4.9 Insgesamt ist somit festzuhalten, dass die vom  Beschwerdeführer 
vorgetragenen  Asylgründe  teilweise  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht  genügen  und  teilweise  nicht  geglaubt 
werden  können.  Die  Voraussetzungen  für  die  Zuerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft  und die Gewährung von Asyl  sind somit  nicht 
erfüllt.  Die  Vorinstanz  hat  sein  Asylgesuch  demnach  zu  Recht 
abgelehnt. 

5.  

5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2 Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine 
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch 
auf  Erteilung  einer  solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu 
Recht  angeordnet  (Art.  44  Abs.  1  AsylG;  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 
2001 Nr. 21). 

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6.
Die  Vorinstanz  hat  den  Beschwerdeführer  mit  Verfügung  vom 
1. September  2008  infolge  fehlender  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzuges  vorläufig  aufgenommen.  Unter  diesen 
Umständen  erübrigen  sich  im  heutigen  Zeitpunkt  Erwägungen  zur 
Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzuges. 

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

8.
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da sich 
die Beschwerde nicht als zum vorneherein aussichtslos erwiesen hat, 
ist  in  Gutheissung des Gesuchs um Gewährung der  unentgeltlichen 
Rechtspflege auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. 

(Dispositiv nachfolgende Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nach 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das  BFM,  Abteilung  Aufenthalt  und  Rückkehrförderung,  mit  den 

Akten Ref.-Nr. N _______ (per Kurier; in Kopie)
- _______ (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Hans Schürch Eva Zürcher

Versand: 

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