# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 56aff6b0-3ee7-5182-a2da-06c6ae4d8e74
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-15
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 15.11.2023 200 2021 131
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2021-131_2023-11-15.pdf

## Full Text

200 21 131 IV
KNB/BOC/STA

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 15. November 2023

Verwaltungsrichter Knapp, Kammerpräsident
Verwaltungsrichter Kölliker, Verwaltungsrichter Mauerhofer
Gerichtsschreiberin Bossert

A.________
vertreten durch B.________, Rechtsanwalt C.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 8. Januar 2021

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1976 geborene A.________ (nachfolgend: Versicherte bzw. Beschwer-
deführerin) meldete sich im Juli 2017 unter Hinweis auf eine Anpassungs-
störung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Akten der 
IV-Stelle Bern [nachfolgend: IVB bzw. Beschwerdegegnerin; act. II 1). Die 
IVB nahm in der Folge erwerbliche und medizinische Abklärungen vor (act. 
II 8 f., 13, 26, 28) und liess die Versicherte interdisziplinär durch die 
D.________ (MEDAS) begutachten (Expertise vom 17. Oktober 2018 [act. 
II 45.1]). Mit Vorbescheid vom 22. Oktober 2018 (act. II 46) stellte die IVB 
der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. 
Nachdem die Versicherte dagegen Einwände erhoben hatte (act. II 48 - 
55), wobei das psychiatrische Teilgutachten von Dr. med. E.________, 
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, beanstandet wurde, holte die 
IVB bei der MEDAS eine ergänzende Stellungnahme ein (act. II 56), wel-
che am 1. April 2019 erstattet wurde (act. II 58). Mit einem weiteren Vorbe-
scheid vom 9. April 2019 (act. II 60) stellte die IVB abermals die Abweisung 
des Leistungsbegehrens in Aussicht. Dagegen erhob die Versicherte wie-
derum Einwände (act. II 64), woraufhin die IVB die Versicherte auf Empfeh-
lung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD [act. II 68]) durch Dr. med. 
F.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachten 
liess (Expertise vom 20. September 2019 [act. II 82.1]). Nach Einholung 
einer Stellungnahme des RAD stellte die IVB am 21. Februar 2020 vorbe-
scheidweise erneut die Verneinung eines Leistungsanspruches in Aussicht 
(act. II 87). Im daran anschliessenden Einwandverfahren holte die IVB eine 
Stellungnahme des Gutachters Dr. med. F.________ ein, welche am 7. Ok-
tober 2020 erstattet wurde (act. II 90 - 109). Nach durchgeführtem Vorbe-
scheidverfahren (act. II 113 f.) verneinte die IVB mit Verfügung vom 8. 
Januar 2021 (act. II 120) abermals den Anspruch auf Leistungen der Invali-
denversicherung mangels eines Gesundheitsschadens mit invalidisierender 
Wirkung im Rechtssinne. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 3

B.

Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch die B.________ Rechts-
anwalt C.________, am 10. Februar 2021 Beschwerde. Sie beantragt, un-
ter Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei ihr eine ganze Rente 
zuzusprechen. Eventualiter sei eine gerichtliche Expertise zum Gesund-
heitszustand einzuholen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu-
lasten der Beschwerdegegnerin. Gleichzeitig stellt die Beschwerdeführerin 
ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von Rechts-
anwalt C.________ als amtlicher Anwalt.

Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 26. April 
2021 die Abweisung der Beschwerde.

Mit Stellungnahme vom 12. April 2022 (inklusive Beilagen) zur Beschwer-
deantwort hielt die Beschwerdeführerin vollumfänglich an den beschwer-
deweise gestellten Anträgen fest, hingegen zog sie – nachdem sie mit 
prozessleitender Verfügung vom 7. Januar 2022 aufgefordert worden war, 
zusätzliche Angaben zu ihren finanziellen Verhältnissen zu machen – das 
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung von Rechtsan-
walt C.________ als amtlicher Anwalt zurück. Gleichzeitig teilte sie ihre 
neue Wohnadresse in … mit. Diese Stellungnahme wurde der Beschwer-
degegnerin mit prozessleitender Verfügung vom 23. Dezember 2022 zur 
Kenntnisnahme zugestellt. Gleichzeitig wurden die eingereichten Beilagen 
zu den Akten erkannt. 

Die Beschwerdeführerin reichte mit Eingabe vom 27. Juli 2023 einen Be-
richt der Klinik G.________ vom 5. Juli 2023 im Zusammenhang mit dem 
Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der genannten Institution vom 10. 
März bis 5. Juni 2023 ein und machte zusätzliche Ausführungen. Diese 
Eingabe wurde der Beschwerdegegnerin mit prozessleitender Verfügung 
vom 8. August 2023 zur Kenntnisnahme zugestellt und die eingereichte 
Beilage wurde unter Hinweis darauf, dass der Sachverhalt bis zur ange-
fochtenen Verfügung massgebend sei, zu den Akten erkannt. 

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Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 
6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über 
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 
i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwal-
tungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Angefochten ist die Verfügung vom 8. Januar 2021 (act. II 120). 
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leis-
tungen – insbesondere eine Rente – der Invalidenversicherung.

1.3 Die Abteilungen urteilen gewöhnlich in einer Kammer bestehend 
aus drei Richterinnen oder Richtern (Art. 56 Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 
80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

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2.

2.1 Am 1. Januar 2022 sind die Änderung vom 19. Juni 2020 des IVG 
(Weiterentwicklung der IV; AS 2021 705, BBl 2017 2535) und die Änderung 
vom 3. November 2021 der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die In-
validenversicherung (IVV; SR 831.201 [AS 2021 706]) in Kraft getreten. 
Weil in zeitlicher Hinsicht – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher 
Regelungen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgeblich sind, die 
bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führen-
den Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1 S. 370, 144 V 
210 E. 4.3.1 S. 213) und die angefochtene Verfügung vom 8. Januar 2021 
(act. II 120) vor dem Inkrafttreten der genannten Änderungen datiert, ist der 
vorliegende Fall nach den bis zum 31. Dezember 2021 gültigen Bestim-
mungen zu prüfen.

2.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dau-
ernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Er-
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behand-
lung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Er-
werbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Massgebend ist – im Unterschied zur 
Arbeitsunfähigkeit – nicht die Arbeitsmöglichkeit im bisherigen Tätigkeitsbe-
reich, sondern die nach Behandlung und Eingliederung verbleibende Er-
werbsmöglichkeit in irgendeinem für die betroffene Person auf dem 
ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Frage kommenden Beruf. Der volle oder 
bloss teilweise Verlust einer solchen Erwerbsmöglichkeit gilt als Erwerbs-
unfähigkeit (BGE 130 V 343 E. 3.2.1 S. 346). Für die Beurteilung des Vor-
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der 
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun-
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind-
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

2.3 Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG sowie 
Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Befund-
lage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann an-
spruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 6

ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 215 E. 
5.1 S. 221).

Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht gesagt, dass 
dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft, beurteilt sich 
gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den der Gesund-
heitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Entscheidend ist, 
ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens nicht mehr zu-
mutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine objektivierte 
Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichtigung von Folgen 
der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106 E. 4.4 S. 110).  

2.4 Es ist dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss Art. 7 Abs. 2 
ATSG Rechnung zu tragen, wonach im Zuge einer objektivierten Betrach-
tungsweise von der grundsätzlichen "Validität" der versicherten Person 
auszugehen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2 S. 295).

Die Sachverständigen sollen die Diagnose so begründen, dass die Rechts-
anwender nachvollziehen können, ob die klassifikatorischen Vorgaben 
tatsächlich eingehalten sind (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 141 V 281 E. 
2.1.1 S. 285). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung erfolgt die Prü-
fung, ob ein psychischer Gesundheitsschaden eine rentenbegründende 
Invalidität zu bewirken vermag, schliesslich anhand eines strukturierten 
normativen Prüfungsrasters (BGE 143 V 418 E. 7 S. 427, 141 V 281 E. 4.1 
S. 296). Dies gilt für sämtliche psychischen Störungen (BGE 143 V 418 E. 
7.2 S. 429).

2.5

2.5.1 Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebliche Gesundheitsbeein-
trächtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rahmen einer Prüfung auf 
der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe 
nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regelmässig keine versicherte 
Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Ag-
gravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht (BGE 141 V 281 E. 2.2 
und 2.2.1 S. 287; SVR 2021 IV Nr. 76 S. 257 E. 4.2.1).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 7

2.5.2 Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine 
versicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt schliesslich auf der zweiten 
Ebene anhand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von 
Indikatoren eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter 
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer-
seits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich 
erreichbaren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6 S. 294). Es gilt 
im Regelfall nach gemeinsamen Eigenschaften systematisierte Standardin-
dikatoren zu beachten (E. 4.1.3 S. 297), welche sich in die Kategorien 
„funktioneller Schweregrad“ (E. 4.3 S. 298) und "Konsistenz" einteilen las-
sen (E. 4.4 S. 303). Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 S. 304). 
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur 
zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestell-
ten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Stan-
dardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) 
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat 
die Folgen der Beweislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte 
Person zu tragen (E. 6 S. 308).

2.6 Die sachverständige Person schätzt das Leistungsvermögen an-
hand der einschlägigen Indikatoren ein. Die Rechtsanwender überprüfen 
die betreffenden Angaben frei, insbesondere dahin, ob die Ärzte sich an die 
massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das 
heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, 
welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und ob die ver-
sicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grund-
lage erfolgt ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG; BGE 141 V 281 E. 5.2.2 S. 307). Eine 
davon losgelöste Parallelüberprüfung "nach besserem juristischen Wissen 
und Gewissen" darf jedoch nicht stattfinden. Vielmehr ist im Rahmen der 
Beweiswürdigung zu fragen, ob die funktionellen Auswirkungen medizi-
nisch im Lichte der normativen Vorgaben widerspruchsfrei und schlüssig 
mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. 
Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkun-
gen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts ab-
schliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann (BGE 145 
V 361 E. 3.2.2 S. 364, 144 V 50 E. 4.3 S. 54). 

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Zur Grenzziehung zwischen der freien Überprüfung durch die rechtsan-
wendende Stelle in Anwendung der Standardindikatoren gemäss BGE 141 
V 281 auf der einen und unzulässiger juristischer Parallelbeurteilung auf 
der anderen Seite hat das Bundesgericht Folgendes festgehalten: Von ei-
ner lege artis, normorientierten, d.h. nach Massgabe von BGE 141 V 281 
erfolgten medizinischen Schätzung ist aus triftigen Gründen abzuweichen. 
Solche liegen vor, wenn die medizinisch-psychiatrische Annahme einer 
Arbeitsunfähigkeit unter dem entscheidenden Gesichtswinkel von Konsis-
tenz und materieller Beweislast der versicherten, rentenansprechenden 
Person zu wenig gesichert ist und insofern nicht überzeugt. Dabei ist zu 
beachten, dass die ärztliche Beurteilung Ermessenszüge aufweist, die auch 
den Rechtsanwender begrenzen. Für die Prüfung der Frage, ob und inwie-
weit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beach-
tung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und 
nachvollziehbar begründet haben, ist erforderlich, dass die Sachverständi-
gen substanziiert darlegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen 
Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und 
die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hin-
sicht zu schmälern vermögen. Insbesondere hat der medizinisch-
psychiatrische Sachverständige darzutun, dass, inwiefern und inwieweit 
wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeits-
fähigkeit eingeschränkt ist, und zwar – zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- 
und Kontrollzwecken – unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, fami-
liären und sozialen Aktivitäten der rentenansprechenden Person. Kommen 
die Experten dieser Aufgabe unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 
281 normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird die medizinisch-
psychiatrische Folgenabschätzung auch aus der juristischen Sicht des 
Rechtsanwenders Bestand haben (BGE 145 V 361 E. 4.3 S. 367). Der Be-
weis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Ar-
beitsunfähigkeit kann somit als geleistet betrachtet werden, wenn die 
Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden 
Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Le-
bensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. 
Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was 
sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der 

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rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 145 V 361 E. 3.2.2 S. 364, 
144 V 50 E. 4.3 S. 54).

3.

Den Akten ist in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen das Folgende zu 
entnehmen:

3.1 Dr. med. H.________, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt 
im ärztlichen Zeugnis vom 1. Juni 2004 (act. II 55/4) fest, die Beschwerde-
führerin leide zur Zeit an erheblichen Beschwerden, welche ihre Ursache in 
einer ausgeprägten psychosozialen Problematik hätten. Eine psychothera-
peutische Betreuung sei deshalb dringend indiziert. 

3.2 Dr. med. I.________, Facharzt für Neurologie, führte im Bericht vom 
25. Januar 2011 (act. II 64/11 f.) die folgenden Diagnosen auf:

 V. a. leichtes Schädel-Hirn-Trauma mit Commotio cerebri am 30. Dezember 
2010
 Verbrühung Arm rechts, Unterbauch rechts, Oberschenkel rechts, vermut-

lich im Rahmen einer vasovagalen Synkope, DD epileptischen Anfalls

Während eines grippalen Infektes am 30. Dezember 2010 in der Nacht 
habe die Beschwerdeführerin wegen Übelkeit Wasser aufgesetzt, wegen 
des Gefühls erbrechen zu müssen sei sie ins Bad gegangen. Dann bestehe 
eine retrograde Amnesie für den Weg zurück in die Küche sowie für den 
Ablauf, der zu den Verbrühungen und der Schädelkontusion an der rechten 
Stirn geführt habe. Nach zwei Tagen Entfieberung habe sie wegen 
schmerzhafter Haut aber zehn weitere Tage vor allem im Liegen verbracht. 
Seither bestünden verschiedene Beschwerden wie Übelkeitsneigung, ver-
mehrtes Schwitzen, Kopfdruck (vom 20. - 23. Januar [2011] starke Kopf-
schmerzen), zusätzlich Überempfindlichkeit für Licht, Geräusche und 
Gerüche. Die von der Beschwerdeführerin berichteten Beschwerden ent-
sprächen am ehesten einem postcommotionellen Syndrom. Die Wahr-
scheinlichkeit eines epileptischen Anfalles oder einer Zweiterkrankung 
werde als gering erachtet.

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3.3

3.3.1 Im interdisziplinären Gutachten der MEDAS mit Beurteilungen in 
den Fachdisziplinen Psychiatrie und Psychotherapie, Orthopädie und All-
gemeine Innere Medizin vom 17. Oktober 2018 (act. II 45.1) wurden keine 
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (act. II 
45.1/4). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden 
die Folgenden angegeben (act. II 45.1/4):

 Allgemeine Bandlaxizität
 Allgemeine muskuläre Insuffizienz wegen Trainingsmangel
 Arthrose und Bewegungseinschränkung MTP-Gelenk Grosszehe links nach 

Pferdetritt als Jugendliche
 Schmerzen Handgelenke, Fussgelenke, Schulter links ohne fassbare somati-

sche Ursachen
 Chronisch geringgradige inaktive Duodenitis und leichte Typ C Gastritis unter 

Pantoprazol-Medikation
 Neigung zu Orthostase-Episoden ohne Stürze bei neurovegetativer Dystonie
 Neurasthenie (ICD-10: F48.0)

 DD: Burnout-Syndrom (ICD-10: Z73.0)
 Probleme mit Bezug auf Kindheitserlebnisse (ICD-10: Z61)

In der interdisziplinären Konsensbeurteilung hielten die Gutachter fest (act. 
II 45.1/3 f.), die Beschwerdeführerin sei in geordneten soziofamiliären Ver-
hältnissen aufgewachsen. Nach der Grundschulausbildung habe sie eine ... 
absolviert und anschliessend auf diesem Beruf gearbeitet. Zudem habe sie 
sich auf Fachhochschulen weitergebildet. Von Traumatisierungen in der 
Kindheit oder psychischen Folgen eines Unfalls 2009 sei nichts bekannt, 
sie habe in ihrer beruflichen Laufbahn Erfolg und auch das Privatleben 
samt Freizeitgestaltung sei zufriedenstellend gewesen. Nach einer Über-
forderungssituation bei der Arbeit infolge Abteilungswechsel habe sie sich 
(weiterhin) überfordert gefühlt und es seien sowohl psychische als auch 
somatische Symptome aufgetreten, weshalb sie sich in psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung begeben habe.

Bei der Beschwerdeführerin handle es sich aus psychiatrischer Sicht um 
eine neurasthenische Entwicklung (ICD-10: F48.0). Aus internistischer und 
orthopädischer Sicht ergäben sich keine pathologischen Befunde. Es be-

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stehe eine Dekonditionierung bei totaler Sportabstinenz, was muskulo-
skelettale Schmerzen prononcieren könne. 

Zu den funktionellen Auswirkungen der Befunde / Diagnosen hielten die 
Gutachter fest (act. II 45.1/4), die von der Beschwerdeführerin vorgebrach-
ten Beschwerden könnten somatisch nicht erklärt werden. Es liege eine 
ausgesprochen gute Beweglichkeit aller Gelenke vor (wegen nicht stören-
der allgemeiner Bandlaxizität) und eine muskuläre lnsuffizienz wegen kör-
perlicher Schonung. Es liege ebenso keine psychiatrische Diagnose vor, 
welche mit einer Beeinträchtigung der Willensanstrengung einhergehen 
könnte. Die Beschwerdeführerin sei gemäss Mini-ICF-App mehrheitlich 
nicht bzw. nur leicht beeinträchtigt (subjektive Beschwerden) und es zeig-
ten sich gute und erhaltene Funktionen sowie mentale und soziale Res-
sourcen.

Zur Konsistenzprüfung gaben die Gutachter an (act. II 45.1/5), die geltend 
gemachten Beschwerden, welche mit einer Abnahme der Leistungsfähig-
keit einhergingen, seien im Sinne einer neurasthenischen Entwicklung 
plausibel. Die Diagnosestellung einer posttraumatischen Belastungsstörung 
(PTBS) könne anhand der vorliegenden Exploration nicht bestätigt werden. 
Die subjektiven Funktionseinbussen seien nicht konsistent, denn die Be-
schwerdeführerin könne unter anderem nach … reisen, um dort an einem 
Yoga-Seminar teilzunehmen. Auch nehme sie längere Fahrzeiten (mit dem 
Zug) in Kauf, um die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung in … 
fortzusetzen.

Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit gaben die Gutachter an (act. 
II 45.1/5), die Beschwerdeführerin werde von der behandelnden Psychiate-
rin zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben und zwar anhaltend seit 16. De-
zember 2016, letzte Evaluation am 23. Januar 2018. Anhand der aktuellen 
Neubeurteilung desselben Sachverhalts sei sie aus polydisziplinärer Sicht 
spätestens ab dem jetzigen Begutachtungszeitpunkt (Ende August 2018) 
zu 100 % arbeitsfähig. Zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit 
wurde ausgeführt (act. II 45.1/5), in einer angepassten Verweistätigkeit 
bestehe aus polydisziplinärer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähig-
keit. Einer Unterstützung durch das Arbeitsmarktcenter der J.________ 
stehe nichts entgegen.

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3.3.2 Im psychiatrischen Teilgutachten (act. II 45.1/14 - 22) von Dr. med. 
E.________ wurde zur allfälligen Diagnose einer PTBS festgehalten (act. II 
45.1/19 Ziff. 6.1), die Angaben der Beschwerdeführerin seien in dieser Hin-
sicht vage, sie könne kein traumatisches Erlebnis angeben. Es werde an-
gedeutet, sie habe Traumatisierungen in der Kindheit erlebt. Gemäss 
Angaben der behandelnden Psychiaterin habe sie 2009 einen Unfall mit 
Verbrennungsfolge erlitten als Auslöser für die PTBS. Näheres darüber 
könne die Beschwerdeführerin nicht beschreiben. Somit könne aus psych-
iatrisch-versicherungsmedizinischer Sicht kein belastendes Ereignis oder 
eine Situation kürzer oder länger dauernd mit aussergewöhnlicher Bedro-
hung oder katastrophenartigem Ausmass als Auslöser für eine PTBS eru-
iert werden. Auch die Tatsache, dass sie trotz – geltend gemachten bzw. 
vermuteten – "Traumatisierungen" in der Kindheit und nach dem erlittenen 
Unfall 2009 keine funktionellen Einschränkungen erlitten habe bzw. ihre 
schulische und berufliche Ausbildung mit Erfolg habe abschliessen können 
und sich entsprechend in der Arbeitswelt habe behaupten können, 
sprächen gegen eine PTBS. Ausserdem spreche eine Latenzzeit von vielen 
Jahren auch gegen eine PTBS. Auch der seltene mögliche Verlauf einer 
PTBS über viele Jahre treffe bei der Beschwerdeführerin nicht zu, denn in 
den dazwischen liegenden Jahren bis zum Auftreten der ab 2016 geltend 
gemachten Beschwerden seien keine Symptome, die mit einer Traumati-
sierung einhergingen, eruierbar. Ganz davon abgesehen, dass eine daraus 
entwickelnde andauernde Persönlichkeitsänderung nicht eingetreten sei.

3.4 Dr. med. K.________, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothera-
pie, Chefärztin Psychosomatik Klinik G.________ (vormals Klinik 
L.________), führte in der E-Mail vom 17. Januar 2019 (act. II 53/17) zu 
Handen der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin die folgenden Dia-
gnosen auf:

1. Mittelschwere depressive Episode teilremittiert
2. PTBS im Sinne einer komplexen Traumafolgestörung
3. Z.n. geringgradiger Gastritis und Duodenitis (ED 1. Dezember 2016) - Gastro-

duodenoskopie 01/2016: geringgradige chronische inaktive Duodenitis, gering-
gradige chronische Pangastritis sowie an der Z-Linie Vorstufen des 
Barrettepithels - Beginn einer Therapie mit Pantoprazol 12/2016.

4. Periarthropathia humeroscapularis rechts -
DD bei myofaszialen Schmerzen des Schultergürtelbereichs

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 13

DD Impingementsituation
DD bei Supraspinatustendopathie und sonografisch Verdacht auf Mikroverkal-
kungen (intakte Rotatorenmanschette)

5. Allergie: Penicillin

Die Beschwerdeführerin sei sowohl in ihrer angestammten Tätigkeit als 
auch in einer angepassten Tätigkeit zurzeit zu 100 % arbeitsunfähig auf-
grund von Erschöpfung, innerer Anspannung, muskulärer Schmerzzustän-
de, Konzentrations- und Belastbarkeitsstörung, aufgrund dissoziativer 
Zustände bei multiplen Triggerfaktoren. Frühkindliche Traumata seien nicht 
formuliert worden, die Verhaltensweisen mit Anhäufung dissoziativer Zu-
stände bei Nähe-Distanz-Veränderung lasse dringend diesen Hintergrund 
vermuten. Bei noch deutlicher Instabilität sei es gerade gelungen, am 
24. April 2018 (über) ein Verbrennungstrauma mit Nahtoderlebnis 2005 
berichten zu können (vgl. act. II 45.2/9) mit der Bitte, dies nicht aufzu-
schreiben, um nicht beim Lesen dieses Berichtes unweigerlich in eine Re-
traumatisierung zu kommen.

3.5 In der ergänzenden Stellungnahme vom 1. April 2019 (act. II 58) 
gaben die Gutachter der MEDAS an, im Abschnitt 6.1 des psychiatrischen 
Gutachtens werde ausführlich zu den gestellten Diagnosen in den Vorakten 
bzw. im Austrittsbericht der Klinik L.________ vom 20. März 2017 wie auch 
zum Verlaufsbericht durch die behandelnde Psychiaterin (welche die Be-
schwerdeführerin während des Aufenthaltes in der Klinik L.________ be-
treut gehabt habe) Stellung genommen. Es werde ebenfalls begründet, 
weshalb keine PTBS nach der ICD-10 Klassifikation vorliege, mit dem Hin-
weis, dass "Traumatisierungen in der Kindheit" zwar angedeutet würden, 
jedoch nicht erinnerlich seien. Auch die Tatsache, dass sie trotz "Traumati-
sierungen" in der Kindheit und nach dem erlittenen Unfall 2009 keine funk-
tionellen Einschränkungen erlitten habe bzw. ihre schulische und berufliche 
Ausbildung mit Erfolg habe abschliessen können und sich entsprechend in 
der Arbeitswelt habe behaupten können, sprächen gegen eine PTBS. Aus-
serdem spreche eine Latenzzeit von vielen Jahren auch gegen eine PTBS. 
Die Diagnose Neurasthenie (ICD-10: F48.0) werde ausführlich begründet 
und sei kongruent zur Anamneseerhebung und zum psychopathologischen 
Befund. Differenzialdiagnostisch komme ein Burnout Syndrom (ICD-10: 
Z73.0) in Frage, dies sei ebenfalls unter 6.1 begründet. Probleme in Bezug 

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auf Kindheitserlebnisse (ICD-10: Z61) basierten auf vagen Angaben der 
Beschwerdeführerin bzw. seien subjektiver Natur. Weder die Ausführungen 
von Dr. med. M.________, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie 
(vgl. act. II 53/15 f.), noch von der behandelnden Psychiaterin Dr. med. 
K.________ (Klinik G.________; vgl. act. II 53/17) lieferten neue klinische 
Erkenntnisse, welche zu einer Diagnoseänderung führen würden. Hervor-
zuheben sei, dass zur Zeit der Begutachtung weder eine depressive Episo-
de noch eine PTBS vorgelegen habe, demzufolge habe keine psychische 
Störung vorgelegen, welche mit einer anhaltenden Einschränkung der Ar-
beitsfähigkeit einhergehen würde. In Zusammenarbeit mit den weiteren 
Gutachtern (Orthopädie, Innere Medizin) ergäben sich keine Änderungen 
an der interdisziplinären Gesamtbeurteilung.

3.6 Dr. med. F.________ führte im psychiatrischen Gutachten vom 
20. September 2019 (act. II 82.1) die folgende Diagnose mit Auswirkung 
auf die Arbeitsfähigkeit auf (act. II 82.1/31):

 Komplexe PTBS F62.0 nach ICD-10 (nach ICD-11: 6B41 Complex post 
traumatic stress disorder)

Der Gutachter gab an (act. II 82.1/30 f.), im vorliegenden Falle liege eine 
scheinbar ungestörte Entwicklung bis zu einer beruflichen Veränderung 
Anfang 2016 vor. Die Beschwerdeführerin sei bereits in der Kindheit von 
den Eltern zur Psychologin oder zum Psychiater geführt worden und seit 
ihrem 30. Lebensjahr nehme sie "ständig" Therapien und Coachings in An-
spruch. Es sei ihr nicht gelungen, eine Beziehung dauerhaft befriedigend 
zu gestalten; trotz hoher Leistungsbereitschaft und ständigem Weiterquali-
fizieren habe sie mit zahlreichen befristeten Arbeitsverhältnissen zurecht 
kommen müssen und sei dabei überfordert gewesen und habe versucht, 
Überforderungssituationen durch unbezahlten Urlaub zu kaschieren. Die 
Erwerbsbiografie erscheine gekennzeichnet von einem definitiven Einbruch 
ab Mitte/Ende 2016. Der soziale Kontext erscheine nicht in erwerbsrelevan-
tem Ausmass gestört. Psychosoziale Faktoren stünden nicht im Vorder-
grund. Diskutiere man das aktuelle Persönlichkeitsbild und die biografische 
Persönlichkeitsentwicklung sowie persönliche Ressourcen, so liessen sich 
durchaus erwerbsrelevante Defizite objektivieren. Psychiatrisch sei der 
Verlauf geprägt von kontinuierlichen, konsequenten und angemessenen 

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therapeutischen Massnahmen. Eine schwerwiegende somatische Komor-
bidität sei nicht zu beschreiben.

Laut Dr. med. F.________ sind die folgenden Funktionen wie folgt einge-
schränkt (act. II 82.1/32 f.): Stark eingeschränkt seien die Anpassung an 
Regeln und Routinen, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, die Anwendung 
fachlicher Kompetenzen, die Durchhaltefähigkeit, die Selbstbehauptungs- 
und Durchsetzungsfähigkeit, die Gruppenfähigkeit, familiäre bzw. intime 
Beziehungen. Mittelgradig bis schwer eingeschränkt sei die Mobilität / Ver-
kehrsfähigkeit. Mittelgradig eingeschränkt seien die Planung und Strukturie-
rung von Aufgaben, die Interaktions- und Kommunikationsfähigkeit / 
Kontaktfähigkeit zu Dritten und die Spontan-Aktivitäten. Leicht bis mittel-
gradig eingeschränkt sei die Selbstvorsorge. Teilweise eingeschränkt sei 
die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit. Schliesslich hielt der Gutachter fest 
(act. II 82.1/35 f.), in der bisherigen Tätigkeit sei gegenwärtig keine geld-
werte Leistung zu erwarten. Auch durch Anpassung gelinge es kurz- und 
mittelfristig nicht, eine geldwerte Tätigkeit zu beschreiben.

3.7 Der RAD-Arzt med. pract. N.________, Facharzt für Psychiatrie und 
Psychotherapie, gab in der Stellungnahme vom 5. Februar 2020 (act. II 84) 
an, es lägen von ihrem Ausgang her zwei extrem unterschiedliche Begut-
achtungsergebnisse vor. Das erste Gutachten gehe von voller Arbeitsfähig-
keit aus, das zweite von vollkommener Arbeitsunfähigkeit bei an sich relativ 
"gleichsinnig" beschriebenem Sachverhalt, der aber vollkommen unter-
schiedlich gewürdigt werde. Zum einen als nicht AUF-relevante Neurasthe-
nie, zum anderen als Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung, was 
z.B. eine angemessene Diagnose bei Überlebenden von Konzentrationsla-
gern sein könne. Für den RAD-Arzt als Leser beider Elaborate bleibe als 
überdauernder Eindruck aus beiden, dass die Beschwerdeführerin zwar 
eine psychische Problematik zu haben scheine, es offensichtlich aber 
schwierig sei, fundiert und mit ausreichend an Fakten orientiertem Beweis-
grad festzustellen, was an Erkrankung bestehe oder eben nicht bzw. die 
Gutachter hätten es nicht gewagt, wirklich in die Traumaexploration einzu-
steigen, d.h. das Faktische des Erlebens der Beschwerdeführerin einerseits 
zu hinterfragen, andererseits gegebenenfalls zu bestätigen anhand eventu-
ell dadurch ausgelöster Reaktionen oder Nicht-Reaktionen. 

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Letztlich sei hier also festzustellen, dass bei der Beschwerdeführerin das 
Vorliegen einer PTBS weder bewiesen noch widerlegt sei: Es erscheine 
einerseits wahrscheinlich, dass sie nicht "nichts hat" (dafür wirkten die Be-
handlerberichte – z.B. von Dr. med. K.________ – zu fundiert, die tatsäch-
liche Existenz eines Traumas belegten aber leider auch sie nicht), 
andererseits erfülle das, was sie laut Gutachter angeblich habe, aber nicht 
die Kriterien des ICD für diese gewählte Diagnose, sei also nicht sauber 
fachärztlich hergeleitet. Da insgesamt die Existenz einer Traumafolge-
störung, die sich in der Gegenwart noch auswirke, nicht belegt sei, könne 
auch nicht auf die Leistungsaussage des zweiten Gutachtens, die auf der 
Annahme der Existenz eines solchen Leidens basiere, abgestellt werden.

3.8 Dr. med. K.________ hielt in der Stellungnahme vom 16. April 2020 
(act. II 92/2 - 4) fest, bei der Beschwerdeführerin liege u.a. eine F62.00 vor, 
die laut O.________ und P.________ neben der PTBS eine von vielen 
psychischen Störungen sei, die in Reaktion auf traumatische Erlebnisse 
auftreten könnten. In diesem Zusammenhang sei wichtig zu betonen, dass 
sich die Indikation für eine traumafokussierte Behandlung dabei nicht aus 
der Anamnese eines traumatischen Erlebnisses ableite, sondern vielmehr 
aus der vorliegenden Symptomatik. Dies sei hier bei der Beschwerdeführe-
rin der Fall. Die Beschwerdeführerin sei in der Stabilität noch lange nicht so 
weit, dass man sich im gewohnten ambulanten Setting an eine Traumakon-
frontation wagen könnte, wie … beschreibe. Insgesamt liege die äussere 
Stabilität nicht vor, da die Arbeits- und Wohnungssituation in den letzten 
beiden Jahren äusserst fragil gewesen sei. Es fehle auch die innere Stabi-
lität, die eine diagnostische Konfrontation verhindere, da kleinste Fragen 
nach der Situation in der Kinderzeit in einer Dissoziation mündeten. Absch-
liessend könne angemerkt werden, dass im vorliegenden Fall eine Trau-
makonfrontation im vertrauten ambulanten Setting nicht möglich sei, eine 
Konfrontation im Gutachten zum Schutze der Patientin unbedingt verhin-
dert werden müsse und dies habe der Gutachter in der zweiten gutachterli-
chen Befragung dankenswerterweise fachlich äusserst kompetent, 
fürsorglich umgesetzt.

3.9 Der RAD-Arzt med. pract. N.________ hielt in der Stellungnahme 
vom 1. Juli 2020 (act. II 96) fest, die neu ins Dossier gelangten Unterlagen 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 17

seien nicht geeignet, das tatsächliche Vorliegen eines Traumas bzw. einer 
gravierenden Traumafolgestörung im Sinne des ICD-10 methodisch sicher 
nachzuweisen (act. II 96/4). Als Beweis für die Nichtkonfrontierbarkeit der 
Beschwerdeführerin mit Traumainhalten werde ausgerechnet eine E-Mail 
der Beschwerdeführerin zitiert (vgl. act. II 92/3), die zumindest aus Sicht 
des RAD das genaue Gegenteil belege, nämlich, dass die Beschwerdefüh-
rerin selber – und offensichtlich ausserhalb eines direkten therapeutischen 
Kontextes – eine bewusste zur Emotionsprovokation entwickelte Meditati-
onsmethode des früheren Sektenoberhauptes Q.________ (besser be-
kannt unter dem Namen R.________) anwende und dies offensichtlich 
ohne dass ihre Therapeutin vorher oder zumindest nachher warnend ein-
geschritten wäre. Man könnte hier geradezu von einem traumakonfrontati-
ven Risikoverhalten sprechen. Jemand der tatsächlich eine PTSD (bzw. 
PTBS) habe, dürfte kaum auf die Idee kommen, eine derartige Symptom-
provokation zu betreiben. Die provozierten emotionalen Inhalte hätten sich 
laut vorliegendem Eigenbericht der Beschwerdeführerin (wunschgemäss?) 
gezeigt und sie scheine es gut überstanden zu haben. Warum sie sich 
dann einer sachkundigen Traumaexploration nicht einmal näherungsweise 
unterziehen können sollte, erschliesse sich vor diesem Hintergrund umso 
weniger. Das Auftreten einer dosierten Dissoziation in einer ärztlich kontrol-
lierten Situation, wie es eine Begutachtung darstelle, könne und müsse als 
Risiko in Kauf genommen werden, wenn man auch nur ansatzweise eine 
tatsächlich stattgehabte Traumatisierung im Dienste der Erlangung von 
Versicherungsleistungen belegen wolle. 

Damit aus Sicht des RAD die Diagnose F62 bestätigt werden könnte, 
müsste der Sachverhalt soweit aufgeklärt werden, dass auch sach- bzw. 
ereignisbezogen Beweismittel existierten, die den Gebrauch der Diagnose 
ermöglichten bzw. erforderten. Bis dato lägen – ausser indirekten Hinwei-
sen – solche Beweismittel nicht vor. Sollte es dabei bleiben, so wäre zu-
mindest die Relevanz und Krankheitswertigkeit dieser "indirekten Hinweise" 
so plausibel darzustellen und klassifikatorisch möglichst widerspruchsfrei 
zuzuordnen, dass auch die Rechtsanwenderin dem anhand sorgfältiger 
Ausarbeitung der Indikatoren folgen könne (act. II 96/6). 

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Der psychiatrische Gutachter Dr. med. F.________ habe in einem Tele-
fonat mit dem RAD-Berichterstatter am 25. Juni 2020 (vgl. act. II 94) ein-
geräumt, dass seine Anamnesetiefe vielleicht nicht ausreichend gewesen 
sein könnte und man den Fall unter Umständen auch anders interpretieren 
könnte. Hinsichtlich dessen habe er sich zu einer Nachuntersuchung bereit 
erklärt (act. II 96/6). 

Es sei bis dato nicht auszuschliessen, dass es sich bei der Beschwerdefüh-
rerin um einen folgenden Fall handle: Aufgrund der definitorischen Mängel 
des ICD-10 falle die Beschwerdeführerin durch alle dort üblichen diagnosti-
schen Maschen, obwohl sie überwiegend wahrscheinlich tatsächlich krank 
sei. Gerade dies habe der Gutachter Dr. med. F.________ in einem Tele-
fonat mit dem berichterstattenden RAD-Arzt verdeutlichen können, indem 
er jenseits von definitorischen Vorgaben nochmal seinen klinischen Ein-
druck, sein persönliches Betroffensein, zum Ausdruck gebracht habe 
("wenn Sie die Frau sehen würden mit ihrer ganzen Fragilität … [sinn-
gemäss] würden Sie keinen Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit haben").

3.10 In der ergänzenden Stellungnahme vom 7. Oktober 2020 (act. II 
109) hielt Dr. med. F.________ (nach diagnosespezifischen Erörterungen) 
insbesondere fest, der Stellungnahme des RAD vom 1. Juli 2020 könne 
entnommen werden, dass man innerhalb des RAD zu der Einschätzung 
gekommen sei, dass das Thema Traumatisierung während seiner Begut-
achtung im August/September 2019 unzureichend angesprochen und ex-
ploriert worden sei. Im Rahmen der Exploration (Kap. 3) hätten sich viele 
Hinweise in der vertieften Befragung ergeben, etwa bei den aktuellen Be-
schwerden die Äusserung, dass die letzten Jahre wie ein Trauma gewesen 
seien, sie habe überhaupt keine Stabilität mehr erleben können. Oder im 
nachfolgenden Kapitel (Verlauf der Beeinträchtigung) zu den Äusserungen, 
dass es neben dem Nahtoderlebnis vor 10 Jahren und der Beförderung 
2016 noch eine weitere Ebene in der Kindheit gebe, die möglicherweise der 
Boden von dem Ganzen sei. Auch hier habe bereits die Erkenntnis gewon-
nen werden können, dass sie sich an sexuelle Gewalt zwar nicht erinnern 
könne, aber auch kaum mehr Erinnerungen an ihre Kindheit habe. Im Kapi-
tel "Eigene Krankheitskonzepte" sei formuliert worden, dass sie viele dunk-
le Flecken habe, nicht genau wisse, was in der Kindheit passiert sei und sie 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 19

davon ausgehe, dass sie letztlich traumatisiert worden sei. Auch relevante 
dissoziative Elemente hätten in der psychiatrischen Anamnese exploriert 
werden können (3.2.2.1: Verbrühungen, während sie wie danebengestan-
den sei). Die gestörte Situation in der Primärfamilie sei dargestellt worden 
(vgl. 3.2.4.3: Zur Mutter den Kontakt schon länger beendet, zum Vater nie 
echten Bezug gehabt). Kein Kontakt mehr mit der Schwester. Weder für die 
Kindheit noch für heute könne sie eine wichtige Bezugsperson benennen: 
Vor drei Jahren sei ihre Katze gestorben, das sei wohl der wichtigste Bezug 
für sie gewesen. Gesamthaft könne also jedem der Unterkapitel des Kapi-
tels 3.2 (vertiefte Befragung) der Begutachtung die Nähe zu einer schweren 
bis schwersten Störung aus dem Bereich der Psychiatrie entnommen wer-
den, was dann im Kapitel 6 in diagnostischen Zuordnungen verarbeitet 
worden sei.

Die behandelnde Psychiaterin weise drauf hin, wie schwierig es sei, die 
Beschwerdeführerin mit den "angenommenen Ereignissen" zu konfrontie-
ren. Konfrontation mit Situationen der Kindheit hätten zu Dissoziationen 
geführt. Dies sei wohl eindeutig als Hinweis (wenn auch nicht Beweis) auf 
entsprechende belastende Ereignisse zu werten (eine nicht traumatisierte 
Person reagiere auf die Frage nach einem möglichen Trauma in der Regel 
nicht mit Dissoziation). 

Gehe man – gemäss Dr. med. F.________ – provokativ der Hypothese 
nach oder von der Behauptung aus, dass eine Traumatisierung im Sinne 
von F43.1 oder gar F62 gar nicht stattgefunden habe, falle das im Gutach-
ten vertretene nosologische Konzept nicht wie ein Kartenhaus zusammen, 
da es auf unzähligen detaillierten Beobachtungen beruhe, die im Übrigen 
teilweise auch der vormaligen Begutachtung 2018 MEDAS entnommen 
seien und sich durch keine andere Störung aus dem Kapitel V der ICD-10 
besser erklärten. Die Symptomatik gehe weit über das hinaus, was man mit 
unangenehmen verdrängten psychischen Inhalten verbinden könnte.

Bereits in dem Standardlehrbuch "Psychiatrie, Psychotherapie und Psy-
chosomatik" mit über 3000 Seiten heisse es, dass die klinische Erfahrung 
unterstreiche, dass Kinder und Erwachsene mit chronischen interpersona-
len Traumatisierungen ein komplexeres syndromales Beschwerdebild ent-
wickeln könnten, als durch die diagnostischen Kriterien einer PTBS erfasst 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 20

sei. Hierfür sei das eigenständige theoretische Konzept einer komplexen 
PTBS oder Störung nach Extremtraumatisierung (disorder of extreme 
stress not otherwise specified, DESNOS) vorgeschlagen worden. Trauma-
erfahrungen während früher Entwicklungsjahre führten in einer höheren 
Wahrscheinlichkeit zu einer komplexen posttraumatischen Psychopatholo-
gie als im Erwachsenenalter. Ein analoger Zusammenhang stelle sich auch 
mit der Dauer der traumatischen Einwirkungen dar. Wenngleich nicht de-
ckungsgleich aber doch mit konzeptioneller Überschneidung diskutiere 
auch die ICD-10 die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung 
nach Extrembelastung, F62.0.

Gesamthaft werde niemand umhinkommen, einen relevanten Gesundheits-
schaden zu erkennen und formale oder methodische Kritikpunkte würden 
kaum Bestand haben, die Schwere der Auswirkungen auch auf die Arbeits-
fähigkeit zu relativieren. 

4.

4.1

4.1.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung 
(und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte 
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu 
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüg-
lich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren 
sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der 
Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden 
können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 195, 132 V 93 E. 4 S. 99; SVR 2021 IV 
Nr. 54 S. 181 E. 2.3).

4.1.2 Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der 
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der 
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 

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Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus-
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her-
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 
Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern 
dessen Inhalt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 126, 134 V 231 E. 5.1 S. 232, 
125 V 351 E. 3a S. 352).

4.1.3 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass 
das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, 
unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, 
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen 
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander 
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 
abstellt (BGE 143 V 124 E. 2.2.2 S. 127, 125 V 351 E. 3a S. 352).

4.2

4.2.1 Das interdisziplinäre Gutachten der MEDAS mit Beurteilungen in 
den Fachdisziplinen Psychiatrie und Psychotherapie, Orthopädie und All-
gemeine Innere Medizin vom 17. Oktober 2018 (act. II 45.1; inklusive er-
gänzender Stellungnahme vom 1. April 2019 [act. II 58]) erfüllt die an den 
Beweiswert einer medizinischen Expertise gestellten Anforderungen (vgl. 
E. 4.1.2 hiervor). Es ist voll beweiskräftig, da es – beruhend auf allseitigen 
Untersuchungen und unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden – 
die streitigen Punkte umfassend abhandelt und in Kenntnis der Vorakten 
abgegeben wurde. Weiter leuchtet es in der medizinischen Beurteilung ein 
und die darin gezogenen Schlussfolgerungen werden eingehend begrün-
det. 

So haben die MEDAS-Sachverständigen überzeugend und schlüssig dar-
gelegt, dass aus internistischer (act. II 45.1/29 f. Ziff. 7 und 8) und orthopä-
discher (act. II 45.1/12 f. Ziff. 7 und 8) Sicht keine pathologischen Befunde 
bestehen und eine 100%ige Arbeitsfähigkeit besteht.

Insbesondere wurde im psychiatrischen Teilgutachten von Dr. med. 
E.________ eine krankheitswertige psychische Störung mit Auswirkung auf 

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die Arbeitsfähigkeit und namentlich auch eine bloss vermutete PTBS über-
zeugend und schlüssig ausgeschlossen. Dr. med. E.________ führte dies-
bezüglich aus (act. II 45.1/19 Ziff. 6.1), die Angaben der Beschwerdeführe-
rin seien in dieser Hinsicht vage, sie könne kein traumatisches Erlebnis 
angeben. Es werde angedeutet, sie habe Traumatisierungen in der Kind-
heit erlebt. Gemäss Angaben der behandelnden Psychiaterin habe sie 
2009 einen Unfall mit Verbrennungsfolge erlitten als Auslöser für die PTBS. 
Näheres darüber könne die Beschwerdeführerin nicht beschreiben. Somit 
könne aus psychiatrisch-versicherungsmedizinischer Sicht kein belasten-
des Ereignis oder eine Situation – kürzer oder länger dauernd – mit aus-
sergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass als 
Auslöser für eine PTBS eruiert werden. Auch die Tatsache, dass sie trotz – 
geltend gemachter bzw. vermuteter – "Traumatisierungen" in der Kindheit 
und nach dem erlittenen Unfall 2009 keine funktionellen Einschränkungen 
erlitten habe bzw. ihre schulische und berufliche Ausbildung mit Erfolg ha-
be abschliessen können und sich entsprechend in der Arbeitswelt habe 
behaupten können, sprächen gegen eine PTBS. Ausserdem spreche eine 
Latenzzeit von vielen Jahren auch gegen eine PTBS. Auch der seltene 
mögliche Verlauf einer PTBS über viele Jahre treffe bei der Beschwerde-
führerin nicht zu, denn in den dazwischen liegenden Jahren bis zum Auftre-
ten der ab 2016 geltend gemachten Beschwerden seien keine Symptome 
eruierbar, die mit einer Traumatisierung einhergingen. Ganz davon abge-
sehen, dass eine daraus (sich) entwickelnde andauernde Persönlich-
keitsänderung nicht eingetreten sei.

Wie zudem der RAD-Psychiater med. pract. N.________ am 1. Juli 2020 
festhielt (vgl. vorstehend E. 3.9), stützt die von der Beschwerdeführerin aus 
eigener Initiative angewandte "Schüttelmeditation" (vgl. E-Mail vom 
16. April 2020; act. II 92/3) die Ausführungen des Gutachters 
Dr. med. E.________, wonach keine PTBS und auch keine daraus entwi-
ckelte Persönlichkeitsänderung bestehe. Der RAD-Arzt hielt diesbezüglich 
fest, dass jemand, der tatsächlich eine PTBS habe, kaum auf die Idee 
komme eine solche Symptomprovokation zu betreiben.

4.2.2 Auf das psychiatrische Gutachten von Dr. med. F.________ vom 
20. September 2019 (act. II 82.1) kann hingegen nicht abgestellt werden, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 23

es erfüllt die an den Beweiswert einer medizinischen Expertise gestellten 
Anforderungen (vgl. E. 4.1.2 hiervor) nicht. Die gutachterliche Einschätzung 
durch Dr. med. F.________ erfolgte nicht leitliniengerecht. Er hat sich of-
fenbar – nach den Untersuchungen – mit der behandelnden Psychiaterin 
Dr. med. K.________ "kurzgeschlossen" (act. II 82.1/5 Ziff. 1.3.5) und be-
richtete gegenüber dem RAD-Arzt von "persönlichem Betroffensein", so 
dass er die nötige gutachterliche Distanz zur Beschwerdeführerin verlor. Es 
überzeugt zudem nicht, wenn Dr. med. F.________ die bisherige, auf eine 
PTBS fixierte Therapie bei Dr. med. K.________ als "angemessen, konse-
quent und zielführend" bezeichnet (act. II 82.1/36 Ziff. 8.3.1). Er selbst führt 
aus, Art, Dosis und Intensität der (Pharmako-)Therapie würden nicht für ein 
schwerwiegendes Leiden sprechen (bei [geltend gemachter] Unverträglich-
keit) und nannte mögliche Medikament-Optionen; vom definitiven Scheitern 
einer indizierten, lege artis durchgeführten Therapie könne nicht gespro-
chen werden (act. II 82.1/28 Ziff. 6.2.1). Die bisherige Therapie sei nicht 
lege artis (act. II 82.1/36 Ziff. 8.3.1). Die Beschwerdeführerin selbst berich-
tete, dass es durch die Aufarbeitung der (vermuteten) Traumatisierung 
schlimmer geworden sei als sie sich habe vorstellen können (act. II 109/3 
Ziff. 3). Somit war der Gutachter Dr. med. F.________ bei der Begutach-
tung nach kurzer Zeit "nicht mehr ergebnisoffen", indem er die PTBS früh 
als erstellt erachtete, obschon dies in keiner Weise der Fall ist. Er hat denn 
auch in seinen weiteren Ausführungen blosse Vermutungen aufgestellt, 
ohne dies zu kontrollieren (er hielt beispielsweise fest, ein mehrstündiges 
Abrufen kontinuierlicher Leistung "sei nicht zu erwarten", mit ständigen 
Einbrüchen in den Bereichen Aufmerksamkeit und Konzentration "sei zu 
rechnen"; psychosenahes Erleben "sei nicht auszuschliessen" [act. II 
82.1/29 Ziff. 6.2.2]). Die Stellungnahme vom 7. Oktober 2020 (act. II 109) 
ändert daran nichts. Ausserdem hat der RAD-Arzt med. pract. N.________ 
in der Stellungnahme vom 1. Juli 2020 (act. II 96) festgehalten, Dr. med. 
F.________ habe in einem Telefonat eingeräumt, dass seine Anamnesetie-
fe vielleicht nicht ausreichend gewesen sein könnte und man den Fall unter 
Umständen anders interpretieren könnte; er habe sich zu einer Nachunter-
suchung bereit erklärt. Dieses Angebot kann als indirektes Zugeständnis 
gewertet werden, dass die Begutachtung des Dr. med. F.________ nicht 
"lege artis" erfolgte, sondern ergebnisorientiert. Eine erneute Begutachtung 

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bei Dr. med. F.________ ist jedoch – schon wegen der verlorenen Distanz 
zur Beschwerdeführerin – nicht zielführend. 

Nach dem Dargelegten ist der Beweiswert des Gutachtens von Dr. med. 
F.________ vom 20. September 2019 (act. II 82.1) reduziert und dieses 
vermag am überzeugenden Gutachten der MEDAS vom 17. Oktober 2018 
(act. II 45.1; inklusive ergänzender Stellungnahme vom 1. April 2019 [act. II 
58]) nichts zu ändern. Ebensowenig vermögen dies die Ausführungen der 
behandelnden Psychiaterin (vgl. act. II 53/17 und 92/2 - 4), welche eben-
falls von einer (nicht erstellten) PTBS ausgeht und ihre Therapieversuche – 
welche die Beschwerdeführerin (wie erwähnt) als schlimm empfand – allein 
danach richtete.

4.2.3 Auch die Ausführungen von Dr. med. S.________, Facharzt für All-
gemeine Innere Medizin und Gastroenterologie, vom 28. März 2019 (act. II 
64/8 f.), wonach auffallend gewesen sei, was ihm im Rahmen der 25'000 
Untersuchungen in der Praxis noch nicht widerfahren sei, dass nämlich die 
Beschwerdeführerin während der Gastroskopie im Schlaf geweint habe – 
sie scheine psychisch schwerst belastet zu sein –, ändern am Beweiswert 
des MEDAS-Gutachtens nichts. Denn aus dieser Feststellung lässt sich 
nichts hinsichtlich der Diagnose einer PTBS oder einer anderen psychi-
schen Krankheit ableiten, zumal das bei solchen Untersuchungen übli-
cherweise zur Sedierung verwendete Medikament Propofol zu meist lebhaft 
und angenehmen, hin und wieder aber auch zu schlechten Träumen, die 
real erlebt werden (sog. "bad trips"), führen kann (vgl. htt-
ps://de.wikipedia.org/wiki/Propofol).

4.3 Damit bedarf es für den hier massgebenden Zeitraum bis zur ange-
fochtenen Verfügung vom 8. Januar 2021 (act. II 120; BGE 131 V 242 E. 
2.1 S. 243, 130 V 138 E. 2.1 S. 140) keiner weiteren Abklärungen, lässt 
sich doch die Rentenfrage aufgrund des MEDAS-Gutachtens vom 17. Ok-
tober 2018 (act. II 45.1) beantworten; gemäss dem genannten Gutachten 
war die Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Tätigkeit stets voll 
arbeitsfähig (act. II 45.1/5 Ziff. 4.8). Zwar attestieren die Gutachter dies 
"spätestens ab dem Begutachtungszeitpunkt" (Ende August 2018); gleich-
zeitig bestätigen sie dies allerdings auch für die Zeit davor (seit der IV-
Anmeldung), indem sie erwähnen, denselben Sachverhalt zu beurteilen, 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 25

aufgrund dessen die behandelnde Psychiaterin (auch für die Zeit davor) 
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert habe. An der Einschätzung der 
Gutachter hat sich bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung 
vom 8. Januar 2021 (act. II 120) nichts geändert. Der von der Beschwerde-
führerin im vorliegenden Verfahren eingereichte Bericht der Klinik 
G.________ vom 5. Juli 2023 im Zusammenhang mit dem Aufenthalt der 
Beschwerdeführerin in der erwähnten Institution vom 10. März bis 5. Juni 
2023 (Akten der Beschwerdeführerin [act. I] 6) wurde lange nach dem für 
das Gericht massgebenden Überprüfungszeitpunkt der angefochtenen Ver-
fügung vom 8. Januar 2021 (act. II 120; BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243, 130 
V 138 E. 2.1 S. 140) verfasst und lässt keine Rückschlüsse auf die im Zeit-
punkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens bestehende Situation 
zu (SVR 2008 IV Nr. 8 S. 25 E. 3.4), weshalb nicht näher darauf einzuge-
hen ist.

5.

Selbst wenn auf das Gutachten von Dr. med. F.________ vom 20. Sep-
tember 2019 (act. II 82.1) abzustellen wäre, würde das strukturierte Be-
weisverfahren gemäss BGE 141 V 281 den Beweis einer rechtlich 
relevanten Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit – vorliegend gemäss 
Dr. med. F.________ eine solche von 100 % – nicht erbringen, wobei die 
versicherte Person die materielle Beweislast zu tragen hat (vgl. E. 2.5.2 
hiervor). Dies ist nachfolgend darzulegen und stellt keine unzulässige juris-
tische Parallelbeurteilung dar (vgl. E. 2.6 hiervor), zumal die entsprechen-
den Ausführungen von Dr. med. F.________ (vgl. act. II 82.1/35) den 
höchstrichterlichen Anforderungen nicht zu genügen vermögen. 

5.1 Dr. med. F.________ hielt im psychiatrischen Gutachten vom 
20. September 2019 (act. II 82.1/32) fest, Inkonsistenzen stünden nicht im 
Vordergrund, Simulation und Aggravation lägen nicht vor. Die Prüfung der 
ersten Ebene schliesst damit einen invalidisierenden Gesundheitsschaden 
nicht aus (vgl. E. 2.4.1 hiervor), womit auf der zweiten Ebene anhand der 
Standardindikatoren die ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 26

tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens zu erfolgen hat (vgl. E. 2.5.2 
hiervor).

5.2 Zu prüfen sind zunächst die einzelnen Komplexe der Kategorie 
"funktioneller Schweregrad" (BGE 141 V 281 E. 4.3 S. 298 ff.).

5.2.1 Mit Bezug auf den Komplex Gesundheitsschädigung (BGE 141 V 
281 E. 4.3.1 S. 298 ff.) ergibt sich Folgendes:

5.2.1.1 Beim Indikator der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde 
und Symptome gilt es unter anderem, die Schwere des Krankheitsgesche-
hens anhand aller verfügbaren Elemente aus der diagnoserelevanten Ätio-
logie und Pathogenese zu plausibilisieren (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1 S. 
298 f.).

Gemäss psychiatrischem Teilgutachten der MEDAS war der psychopatho-
logische Befund vom 28. August 2018 in gewissen Bereichen "einge-
schränkt". Es wurde festgehalten (act. II 45.1/18), das formale Denken sei 
leicht umständlich und zum Teil bleibe die Beschwerdeführerin in ihren 
Aussagen diffus, vage. Sie könne zwar auf die gestellten Fragen geordnet 
eingehen, vermeide aber das Thema Traumatisierungen in der Kindheit, 
könne Näheres darüber nicht erzählen. Sie wirke dabei blockiert und fange 
an zu weinen. Es mangle an Konzentrationsvermögen, zum Teil sei das 
Gedächtnis lückenhaft. Sie bemühe sich um Aufmerksamkeit, was ihr nicht 
immer gelinge. Derealisations- und Depersonalisationserlebnisse würden 
spontan vorgebracht und zwar in Zusammenhang mit den erlebten Trau-
matisierungen. Während der ganzen Untersuchung sei sie niedergestimmt, 
wenig modulationsfähig, zum Teil weinerlich. Zeitweise angespannt und 
einer neurovegetativen Dekompensation (Arousal) nahe. Der affektive 
Rapport lasse sich gut aufnehmen. Mimik und Gestik seien verhalten. Der 
Antrieb sei reduziert. Psychomotorisch sei sie etwas verlangsamt. 

Dr. med. F.________ hielt zum Ausmass der Psychopathologie als Kriteri-
um für die Schweregradeinschätzung fest (act. II 82.1/28 f. Ziff. 6.2.2), Be-
wusstseins- und Orientierungsstörungen könnten im Rahmen von 
Dissoziation durchaus immer wieder auftreten, auch im einfachen Ge-
spräch wirke die Beschwerdeführerin immer wieder blockiert und in ihren 
Antwortlatenzen retardiert. Die Beschwerdeführerin berichte, unter Druck 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 27

viele Kompetenzen zu verlieren, insbesondere nicht nur ihre Konzentration, 
sondern auch ihr Gedächtnis. Dies lasse sich auch im Untersuchungsge-
spräch reproduzieren. Ein mehrstündiges Abrufen kontinuierlicher Leistung 
"sei nicht zu erwarten", mit ständigen Einbrüchen in den Bereichen Auf-
merksamkeit, Konzentration "sei zu rechnen", auch mit der Abnahme von 
Gedächtnisleistung, Reaktionsgeschwindigkeit und Genauigkeit. Die kogni-
tive Flexibilität sei stark reduziert, Informationsaufnahme und Verarbei-
tungsqualität seien sehr schwankend. Psychosenahes Erleben "sei nicht 
auszuschliessen", im Vordergrund dürften aber eher dissoziative Elemente 
stehen. Die Emotionalität sei geprägt von Einschränkungen im Sinne von 
Labilität, aber auch von emotionaler Leere, Schwierigkeiten im Umgang mit 
emotionalen Problemen, Wut, Ärger, Verzweiflung. Darüber hinaus würden 
immer wieder depressive und Angst besetzte Affekte dominieren. Die emo-
tionale Belastbarkeit sei ebenso wie die Frustrationstoleranz stark einge-
schränkt. Der Antrieb sei über weite Strecken gehemmt, aufgrund 
chronischen Stresserlebens sei eine Dynamik nicht zu erwarten. Die Soma-
tisierung sei bei traumatisierten Patienten in der Regel stark erhöht, das sei 
auch hier der Fall. Manche Befunde liessen sich objektivieren, wie mögli-
cherweise Nahrungsmittelallergien, andere weniger. Hierzu gehörten oft 
Schmerzen, auch Menstruationsbeschwerden (die Beschwerdeführerin 
spreche von einem besonders starken PMS [Prämenstruellen Syndrom]). 
Geklagt würden oft auch Verstopfung, Übelkeit, sonstige Verdauungsbe-
schwerden. Die Probandin könne im Alltag insbesondere durch dissoziati-
ves Erleben oder Aussetzen kognitiver Fähigkeiten auffallen, im Rahmen 
eines Arbeitsumfeldes wäre dies kaum tolerierbar in dem zu erwartenden 
Ausmass. Die Beschwerdeführerin sei in den sozialen Interaktionen stark 
eingeschränkt, wenig belastbar, erlebe vieles als feindlich oder kränkend, 
was so nicht gemeint sei. Auf andere könne sie dabei abweisend wirken, 
sie selbst werde Situationen als ängstlich erleben. Sie sei dominiert von 
sozialvermeidendem Verhalten, ihre Anpassung könne bis zur Unterwürfig-
keit gehen, normales Teamverhalten sei gegenwärtig und in absehbarer 
Zukunft kaum zu erwarten. Die Beschwerdeführerin könne sich auf ihre 
körperlichen Funktionen kaum mehr verlassen, sie leide plötzlich unter 
Luftnot, sie beklage ihr Verdauungssystem, fühle sich "wie eine 85-jährige 
alte Frau". Sie habe das Gefühl, ihre Wunden würden nicht zeitgerecht hei-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 28

len, beklage genitale Psoriasis und habe Schwierigkeiten, Energie für kör-
perliche Aktivität aufzubringen.

Vorliegend ist eine schwere Symptomatik zu verneinen, dies insbesondere 
mit Blick auf die folgenden psychosozialen Belastungsfaktoren (vgl. Be-
schwerdeantwort S. 6 f. C./Ziff. 23): Die Arbeitsunfähigkeit hatte ihren Ur-
sprung in einer Überforderungssituation am Arbeitsplatz. Weiter wurde die 
finanzielle Situation immer schwieriger, was einen Wohnungswechsel zur 
Folge hatte. Ausserdem hat die Beschwerdeführerin den Kontakt zu ihrer 
Familie abgebrochen und sich aus ihrem sozialen Umfeld zurückgezogen. 
Sodann verweist die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die folgenden 
Punkte (vgl. Beschwerdeantwort S. 7 C./Ziff. 23): Der Umstand, dass die 
Beschwerdeführerin freiwillig an einer Meditationsmethode (ohne fachärzt-
liche Begleitung) teilgenommen hat, welche mit dem Risiko von Symptom-
provokationen einhergeht, legt den Schluss nahe, dass das Symptom eines 
Vermeidungsverhaltens nicht stark ausgeprägt ist. Sofern die Beschwerde-
führerin vom Nutzen einer Aktivität überzeugt scheint (Therapie in …, Yo-
ga, Meditation), lassen sich offenbar Kräfte mobilisieren (vgl. 
Beschwerdeantwort S. 8 C./Ziff. 23). Weiter hat die Beschwerdeführerin die 
Empathie voraussetzende Tätigkeit einer … ausgeübt und sie äusserte ihre 
Schuldgefühle gegenüber einer Freundin, welcher sie aktuell emotional 
nicht beistehen könne; all dies spricht gegen eine schwere Ausprägung der 
Symptome der emotionalen Stumpfheit, Gleichgültigkeit und Teilnahmslo-
sigkeit.

5.2.1.2 Sodann ist auf die Behandlungs- und Eingliederungserfolge oder
-resistenzen als wichtige Indikatoren für den funktionellen Schweregrad 
einzugehen (BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2 S. 299 f.).

Gegenüber Dr. med. F.________ gab die Beschwerdeführerin an (act. II 
82.1/20 Ziff. 3.2.10), sie sei zum Psychiater geschickt worden, als sie den 
Sprung nicht in die Sekundarschule geschafft habe. Seit dem 30. Lebens-
jahr habe sie selber nach Therapien nachgesucht, auch Paartherapie, als 
sie einen Partner gehabt habe, oder Coachingverhältnisse. Ab 2010 habe 
dann regelmässig eine ambulante psychiatrische Behandlung stattgefun-
den. Vom 16. Dezember 2016 bis 20. Februar 2017 fand eine stationäre 
Behandlung in der Klinik L.________ statt (act. II 13/8 ff.). Seither war die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 29

Beschwerdeführerin in ambulanter psychiatrischer Behandlung bei 
Dr. med. K.________, welche vorerst in der Klinik L.________ tätig war 
und sodann in der Klinik G.________ arbeitete. Dort war die Beschwerde-
führerin vom 23. März bis 2. Juni 2018 in stationärer Behandlung (act. II 
45.2/7 ff.). Von diesem Aufenthalt konnte die Beschwerdeführerin offenbar 
profitieren, gab sie doch im Rahmen der MEDAS-Begutachtung an (act. II 
45.1/15), dies habe ihr gut getan und sie habe etwas an Selbstständigkeit 
wiedererlangt. Gegenüber Dr. med. F.________ gab die Beschwerdeführe-
rin an (act. II 82.1/16 Ziff. 3.2.1.5), mit der nun in … tätigen Dr. med. 
K.________ habe sie jede Woche eine therapeutische Sitzung, alternierend 
mal auf Videobasis, mal in … (mit Übernachtung in … [vgl. act. II 45.1/15]). 
Zudem nimmt die Beschwerdeführerin ein bis zwei Mal pro Woche die Hilfe 
der Psychiatrie-Spitex in Anspruch (act. II 55/11 ff.). Gemäss Gutachten 
von Dr. med. F.________ nehme die Beschwerdeführerin seit Dezember 
2018 keine Medikamente, sie habe diese einfach nicht mehr "vertragen" 
aufgrund ihrer vielen somatischen Beschwerden. Zuletzt habe sie Cipralex 
fünf Tropfen gehabt und Trittico 25 mg zum Einschlafen. 2010 habe sie 
Valdoxan gehabt, das sei damals nützlich gewesen. Sie habe es im De-
zember 2016 nochmals damit versucht, dies aber nicht "vertragen" (act. II 
82.1/17 Ziff. 3.2.2.2).

Dr. med. F.________ hielt zum bisherigen Verlauf von Behandlungen und 
Rehabilitation fest (act. II 82.1/31 Ziff. 7.2.1), der Therapieverlauf sei kon-
sequent und angemessen. Auffälligkeiten oder Besonderheiten (etwa engs-
te Bindung bis Abhängigkeit von der Therapeutin, Angewiesensein auf 
Unterstützung durch psychiatrische Spitex) erklärten sich durch die Kom-
plexität und den hohen Ausprägungsgrad des Krankheitsbildes. Die 
Schwierigkeiten in der Pharmakotherapie seien bei diesen Krankheitsbil-
dern nicht ungewöhnlich, im vorliegenden Falle aber auch nicht verlaufs-
entscheidend. Die Kooperation der Beschwerdeführerin bei bisher erfolgten 
Therapien sei als gut zu bezeichnen.

Laut Dr. med. F.________ kann von einem definitiven Scheitern einer indi-
zierten, lege artis und mit optimaler Kooperation der Beschwerdeführerin 
durchgeführten Therapie nicht gesprochen werden und er nannte mögliche 
Medikament-Optionen. Art, Dosis und Intensität der Therapie würden nicht 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 30

für ein schwerwiegendes Leiden sprechen; mit anderen Worten sah er In-
tensivierungs- und Verbesserungsmöglichkeiten. Kurz- und mittelfristig sei 
jedoch bezüglich Arbeitsfähigkeit keine günstige Prognose zu stellen. The-
rapeutische Optionen würden in Anspruch genommen, der Leidensdruck 
sei hoch, unabhängig von einem laufenden Versicherungsverfahren (act. II 
82.1/28 Ziff. 6.2.1). 

Zum bisherigen Verlauf von Eingliederungsmassnahmen gab Dr. med. 
F.________ an (act. II 82.1/31 Ziff. 7.2.2), die Kooperation der Beschwer-
deführerin bei Eingliederungsbemühungen sei als gut zu bezeichnen. Ge-
meint hiermit seien nicht klassische berufliche Massnahmen der IV, 
sondern vormaliges Engagement der Beschwerdeführerin, immer wieder in 
den Beruf zurückzukommen oder Krisen durch unbezahlte Urlaubsanträge 
abzufedern. Letztlich habe die Beschwerdeführerin sich in der Vorgeschich-
te schon mehr als einmal "selbst wieder eingegliedert".

Die Beschwerdeführerin hat mit Einwand vom 26. März 2020 (act. II 90) 
eventualiter um berufliche Massnahmen ersucht, womit sie zum Ausdruck 
bringt, grundsätzlich bei der Eingliederung mitwirken zu wollen.

Mit Blick auf die vorstehenden Darlegungen kann nicht von einer Behand-
lungs- und Eingliederungsresistenz gesprochen werden.

5.2.1.3 Was den Indikator Komorbiditäten (BGE 143 V 418 E. 8.1 S. 429 
f., 141 V 281 E. 4.3.1.3 S. 300 ff.) anbelangt, ist festzuhalten, dass Dr. 
med. F.________ neben der Diagnose komplexe PTBS F62.0 nach ICD-10 
keine weitere Diagnose aufgeführt hat. Mithin bestehen keine Hinweise für 
eine ressourcenhemmende Komorbidität.

5.2.2 Betreffend den Komplex Persönlichkeit (BGE 141 V 281 E. 4.3.2 
S. 302) hielt Dr. med. F.________ im Gutachten vom 20. September 2019 
fest (act. II 82.1/23), frage man nach den sogenannten komplexen Ich-
Funktionen, ergäben sich auf der Persönlichkeitsebene teilweise Störungen 
in den Bereichen Realitätsprüfung und Urteilsbildung, erhebliche Störungen 
in den Bereichen Beziehungsfähigkeit oder Kontaktgestaltung, deutliche 
Störungen in den Bereichen Affektsteuerung oder Impulskontrolle, sichtba-
re Störungen in den Bereichen Intentionalität und Antrieb. Auch fänden sich 
Hinweise auf grundsätzliche Störungen der Abwehrsituation. Stelle man die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 31

Frage, ob es psychische Gründe gebe, die es der Beschwerdeführerin auf 
Persönlichkeitsebene verwehrten, trotz ihrer Beschwerden eine bestimmte 
Tätigkeit auszuüben, so ergäben sich deutliche Hinweise, die mit einer re-
duzierten Arbeitsfähigkeit einhergingen. Im MEDAS-Gutachten vom 17. Ok-
tober 2018 wurde allerdings festgehalten (act. II 45.1/5 Ziff. 4.5), die 
Beschwerdeführerin sei gemäss Mini-ICF-App mehrheitlich nicht bzw. nur 
leicht beeinträchtigt (subjektive Beschwerden) und es zeigten sich gute und 
erhaltene Funktionen sowie mentale und soziale Ressourcen. Ausserdem 
ist mit der Beschwerdegegnerin festzuhalten (Beschwerdeantwort S. 7 
C./Ziff. 23), dass die sehr gut ausgebildete Beschwerdeführerin mehrere 
Sprachen spricht und sich stets weitergebildet hat. Zudem kann eine Per-
sönlichkeitsstörung gemäss ICD-10 nicht komorbid zu einer andauernden 
Persönlichkeitsänderung bestehen (vgl. DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT 
[Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel 
V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 10. Aufl. 2015, S. 287). Sonstige 
ressourcenraubende, krankheitswertige Persönlichkeitsaspekte (Z-
Diagnose) liegen nicht vor.

5.2.3 Zum Komplex Sozialer Kontext (BGE 141 V 281 E. 4.3.3 S. 303) 
ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin gemäss Angaben im ME-
DAS-Gutachten den Kontakt zu den Eltern abgebrochen habe (act. II 
45.1/16 Ziff. 3.2.8). Im Rahmen der MEDAS-Begutachtung gab sie zudem 
an (act. II 45.1/17 Ziff. 3.2.10), ihr Bekanntenkreis habe sich auf ein paar 
Freundinnen reduziert. 

Gegenüber Dr. med. F.________ erwähnte die Beschwerdeführerin (act. II 
82.1/16 Ziff. 3.2.1.3), ihr Umfeld sei sehr reduziert. Sie habe keinen Kontakt 
mehr mit den Eltern und auch nicht mit ihrer drei Jahre älteren Schwester. 
Es gebe noch einen Mitpatienten vom letzten Aufenthalt in der … Klinik, mit 
dem sie ab und zu Kontakt habe. Wichtig seien für sie die Psychiatriespi-
tex, mit der sie mindestens einmal, oft zweimal pro Woche Kontakt habe 
und die Psychiaterin Dr. med. K.________, diese sei auch eine wichtige 
Stütze. Sie lebe isoliert, habe massive körperliche Beschwerden, könne 
deswegen oft nicht "raus". Im letzten Jahr habe sie ständig zu tun gehabt 
mit Magen, Darm, Rücken und habe Schmerzen gehabt, so dass es auch 
von daher kaum möglich sei, überhaupt Kontakte aufrecht zu erhalten. An 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 32

eine Partnerschaft sei gar nicht zu denken. Jetzt habe sie auch noch im 
Genitalbereich Psoriasis. Eine vormalige Freundin sei selber in einer Krise, 
sie selber habe aber nicht die Kraft, ihr zu helfen. Eine andere wichtige 
Freundin, die sie über Jahre lang in den Krisen begleitet habe, habe Brust-
krebs. Für sie, die Beschwerdeführerin, sei es schwer, dass sie ihr jetzt 
nicht beistehen könne, die Distanz sei gross geworden. Ein eigentliches 
Umfeld habe sie kaum. Zudem gab sie an (act. II 82.1/18 Ziff. 3.2.4.3), wer 
die wichtigste Bezugsperson in der Kindheit gewesen sei, wisse sie nicht, 
sie könne auch für heute keine benennen. Vor drei Jahren sei ihre Katze 
gestorben, das sei wohl der wichtigste Bezug für sie gewesen. 

Damit hat die Beschwerdeführerin zwar offenbar weniger Freundinnen als 
früher, aber doch einen gewissen Bekanntenkreis. Wenn sie beispielsweise 
in die Begutachtung fährt, übernachtet sie vorher bei einer Freundin (vgl. 
act. II 45.1/8 Ziff. 3.1). 

5.3 Beweisrechtlich entscheidend ist die Kategorie "Konsistenz". Dar-
unter fallen verhaltensbezogene Kategorien (BGE 141 V 281 E. 4.4 S. 303 
f.). 

5.3.1 Zum Indikator der gleichmässigen Einschränkung des Aktivitäten-
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1 
S. 303 f.) ist den Akten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin im 
Rahmen der orthopädischen MEDAS-Begutachtung angab (act. II 45.1/10 
Ziff. 3.2.10), sie fühle sich wie eine 80jährige Person – dies bei totaler 
Sportabstinenz (ausser Yoga; vgl. act. II 45.1/34). Sie versuche gelegent-
lich etwas zu spazieren, könne aber höchstens eineinhalb Stunden gehen, 
sonst sei sie körperlich überfordert. Sie mache selbst ihren Haushalt, lese 
etwas und brauche vor allem sehr viel Ruhe. 

Im Rahmen der psychiatrischen MEDAS-Begutachtung führte die Be-
schwerdeführerin aus (act. II 45.1/17 Ziff. 3.2.10), sie wohne alleine in einer 
Zweizimmerwohnung. Den Haushalt erledige sie je nach ihrer Befindlich-
keit. Sie bekomme zweimal pro Woche Besuch von einer Psychiatriefach-
frau, die teilweise auch im Haushalt helfe. Sie vertrage körperliche 
Anstrengung nicht, brauche anschliessend eine lange Erholungszeit. Sie 
stehe zwischen 06.30 Uhr und 08.00 Uhr auf, je nachdem wie sie geschla-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 33

fen habe. Sie mache zuerst Yogaübungen und Meditation, manchmal neh-
me sie ein kleines Frühstück zu sich, manchmal lasse sie es aus. Im Laufe 
des Morgens gehe sie zur Physiotherapie, nehme andere Termine wahr, 
gehe manchmal spazieren. Das Mittagessen sei ihr wichtig. Am Nachmittag 
erledige sie Anstehendes, gehe auch spazieren. Sie lese Fachzeitschriften 
über Yoga, "Psychologie heute" oder ähnliches. Autofahren könne sie 
zwar; seitdem sie krank sei, fahre sie aber nicht mehr, denn es sei ihr zu 
anstrengend. Ihr Bekanntenkreis habe sich auf ein paar Freundinnen redu-
ziert. Bis vor zwei Jahren habe sie Hobbys gehabt wie Tanzen, Sport, Velo-
fahren, Schwimmen, Inlineskating und sie habe viele Jahre … gespielt; an 
den Wochenenden habe sie Wanderungen unternommen. Von all diesen 
Hobbys sei nur noch Yoga geblieben. Ferien habe sie das letzte Mal im 
September 2016 in … gemacht und habe dort an einem Yogaseminar teil-
genommen. Früher sei sie gerne und oft im Ausland gewesen.

Gegenüber Dr. med. F.________ gab die Beschwerdeführerin zum Tages-
ablauf an (act. II 82.1/20 Ziff. 3.2.9), sie sei etwa um 09.00 Uhr aufgestan-
den, das dauere sehr lange, sie sei fast nur daheim gewesen. Die letzten 
Tage vor dieser Begutachtung habe sie schon sehr gelitten. Das Gutachten 
habe alles überschattet, sie habe schlecht geschlafen. Gestern Morgen 
habe sie über eine Stunde gebraucht, um halbwegs klar zu werden. Sie 
habe Schmerzen gehabt. Mittags habe sie etwas gegessen, auf Rückfrage 
was, könne sie sich daran nicht mehr erinnern. Nachmittags habe sie einen 
Spaziergang gemacht. Zum Znacht habe sie einen Salat gegessen. Viel-
mehr sei am gestrigen Tag nicht geschehen. Am Wochenende habe sie 
einen Kurs, eineinhalb Stunden Yoga geschafft. Kontakte zu Freunden
oder Bekannten habe sie kaum. Hobbys könne sie nicht mehr machen, 
etwa Joggen sei nicht mehr möglich. Heute sei sie zum Gutachten von ihrer 
Psychiatriespitex gebracht worden. Die letzte Ferienreise sei … 2016 ge-
wesen, das seien aber keine Ferien sondern eine "Verzweiflungstat" gewe-
sen, die dann in der psychiatrischen Klinik L.________ geendet habe. 
Dr. med. F.________ hielt ergänzend fest, vergleiche man das Aktivitätsni-
veau vor Eintritt der Gesundheitsschädigung mit gegenwärtig, so seien die 
Unterschiede im beruflichen wie im privaten Bereich evident.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 34

Die vorstehenden Ausführungen ergeben, dass die Beschwerdeführerin 
zwar weniger als früher (bzw. gar keinen) Sport betreibt – sie ist entspre-
chend dekonditioniert –, aber offenbar in der Lage ist, täglich Yoga und 
Meditation durchzuführen. Auch wenn sie ein Auto kaum benutzt und für 
weitere Strecken den Zug benutzt, ist sie grundsätzlich fahrfähig. Zudem 
steht die Beschwerdeführerin früh auf und ist in der Lage, das zu machen, 
was sie interessiert, d.h. Yoga und Meditation bzw. Fachzeitschriften lesen, 
daneben auch Termine wahrzunehmen, Anstehendes zu erledigen, zu 
spazieren und in die Physiotherapie zu gehen. Daraus kann sie Ressour-
cen gewinnen, auch wenn sie ihr Aktivitätenniveau – da sie sich u.a. zufol-
ge Dekonditionierung auch somatisch krank fühlt – reduziert hat. 

5.3.2 Bezüglich des behandlungs- und eingliederungsanamnestisch 
ausgewiesenen Leidensdrucks (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.4.2 S. 304) kann 
auf die Ausführungen zum Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder der 
-resistenz verwiesen werden (vgl. E. 5.2.1.2 hiervor), wo bezüglich der bis-
herigen Behandlung offenbar ein gewisser Leidensdruck besteht. Gegen 
einen schweren Leidensdruck spricht indessen der Umstand, dass die Be-
schwerdeführerin seit Dezember 2018 keine Medikamente mehr einnimmt.

Bezüglich Eingliederung führte die Beschwerdeführerin im August 2019 
gegenüber Dr. med. F.________ an (act. II 82.1/14 Ziff. 3.1), es gehe mo-
mentan nicht um Umschulung oder anderes, sondern um Existenzsiche-
rung, Rente. Im Einwand vom 26. März 2020 (act. II 90) ersuchte die 
Beschwerdeführerin eventualiter um Prüfung beruflicher Massnahmen, was 
zeigt, dass sie grundsätzlich gewillt ist, an solchen teilzunehmen. 

5.4 Im Rahmen der Beweiswürdigung ergibt die Gesamtbetrachtung, 
dass die geltend gemachten funktionellen Auswirkungen der vom Gutach-
ter F.________ attestierten psychischen Beeinträchtigungen anhand der 
Standardindikatoren nicht überwiegend wahrscheinlich erstellt sind (vgl. E. 
2.4 und 2.5 hiervor), weshalb der von Dr. med. F.________ festgehaltenen 
100%igen Arbeitsunfähigkeit unter rechtlichen Aspekten nicht gefolgt wer-
den kann (vgl. E. 2.6 hiervor). 

Da auch somatisch keine Einschränkungen bestehen (vgl. E. 4.2 hiervor), 
ist ein Rentenanspruch zu verneinen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 35

6.

Zusammenfassend erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens. 
Die Beschwerde ist abzuweisen. Die Akten sind an die Beschwerdegegne-
rin weiterzuleiten zur Behandlung der Eingabe vom 27. Juli 2023 als Neu-
anmeldung.

7.

7.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei 
Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab-
hängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festzule-
gen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 800.--, werden entspre-
chend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdeführerin zur Bezah-
lung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe 
entnommen.

7.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens besteht kein Anspruch auf eine 
Parteientschädigung (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 61 lit. g ATSG [Umkehr-
schluss]).

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- werden der Beschwerdeführerin 
zur Bezahlung auferlegt und dem geleisteten Kostenvorschuss in glei-
cher Höhe entnommen.

3. Es wird keine Parteientschädigungen zugesprochen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 15. Nov. 2023, IV/2021/131, Seite 36

4. Die Akten werden an die Beschwerdegegnerin weitergeleitet zur Be-
handlung der Eingabe vom 27. Juli 2023 als Neuanmeldung.

5. Zu eröffnen (R):
- B.________, Rechtsanwalt C.________ z.H. der Beschwerdeführerin
- IV-Stelle Bern  
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Der Kammerpräsident: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des 
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) 
geführt werden.