# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 109f6b0d-5d31-5a55-8057-b0655400c2e6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-07-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.07.2010 D-5027/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5027-2010_2010-07-15.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5027/2010
law/mah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 5 .  J u l i  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richter Martin Zoller;
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

A.__________, geboren (...),
Togo,
(...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 30. Juni 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5027/2010

,

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass das BFM mit Verfügung vom 30. Juni 2010 – eröffnet am 6.  Juli 
2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  Asylgesuch  des  Be-
schwerdeführers  vom  22. März  2010  nicht  eintrat,  die  Wegweisung 
nach Italien  verfügte,  den Beschwerdeführer  –  unter  Androhung von 
Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – aufforderte, die Schweiz spätes-
tens  am  Tag  nach  Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den 
Kanton  B.________  verpflichtete,  die  Wegweisungsverfügung  zu 
vollziehen,  feststellte,  eine  allfällige  Beschwerde  gegen  die 
vorliegende Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung,  und dem 
Beschwerdeführer  die  editionspflichtigen  Akten  gemäss 
Aktenverzeichnis aushändigte,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  12.  Juli  2010  gegen 
diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  ein-
reichte  und  beantragte,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben 
und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihr Recht auf Selbsteintritt auszu-
üben  und  sich  für  das  vorliegende  Asylverfahren  zuständig  zu  er-
klären,  der Beschwerde sei  im Sinne vorsorglicher  Massnahmen die 
aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  die  Vollzugsbehörden  seien 
anzuweisen,  von einer Überstellung nach Italien abzusehen, bis  das 
Bundesverwaltungsgericht über die vorliegende Beschwerde entschie-
den habe,  und das BFM sei,  sollte  er  bereits  nach Italien  überstellt 
worden sein, anzuweisen, seine Rückführung in die Schweiz zu ver-
anlassen, 

dass er ferner in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte, es sei auf 
die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unent-
geltliche Prozessführung zu gewähren,

dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung ge-
stützt auf Art. 56  des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  mit  Verfügung  vom 
13. Juli 2010 vorsorglich aussetzte,

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am 14.  Juli  2010  beim  Bundesver-
waltungsgericht eingingen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

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und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM 
entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art. 108  Abs.  2  AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG  und  Art. 52 
VwVG), 

dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  einzig  zu  prüfen  ist,  ob 
das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist  und  infolge-
dessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive 
einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und 
es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a 
Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass sich aus den Akten ergibt, dass der Beschwerdeführer in Italien 
am 12. Oktober 2009 ein Asylgesuch einreichte und entsprechend  in 
der EURODAC Datenbank erfasst worden ist,

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dass das BFM bei dieser Sachlage und der innert Frist seitens Italiens 
unbeantwortet  gebliebenen  (Art. 20  Abs. 1  Bst.  c  Verordnung 
Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Krite-
rien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die 
Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat 
gestellten Asylantrags zuständig ist [Dublin-II-VO]), gestützt auf Art. 16 
Abs. 1 Bst. c Dublin-II-VO erfolgten Anfrage um Wiederaufnahme des 
Beschwerdeführers  vom  3. Mai  2010,  Italien  zu  Recht  als  für  die 
Durchführung des Asylverfahrens zuständig erachtet hat,

dass  in  der  Beschwerde  nichts  Stichhaltiges  geltend  gemacht  wird, 
das in Bezug auf die Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des 
Asylverfahrens zu einer anderen Beurteilung führen könnte, 

dass Italien unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom 28. Juli 
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), der 
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und des Übereinkommens vom 
10. Dezember  1984 gegen Folter  und andere grausame,  unmensch-
liche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist, 

dass mithin der sinngemässe Einwand des Beschwerdeführers, es er-
warte  ihn  in  Italien  kein  faires  Asylverfahren  und  es  drohe  ihm  bei 
einer  Überstellung nach Italien früher  oder  später  eine Abschiebung 
nach  Libyen  (und  –  im  Sinne  einer  Kettenabschiebung  –  in  den 
Heimatstaat), nicht  zu  überzeugen  vermag,  da  keine  konkreten  An-
haltspunkte vorliegen, die darauf hinweisen, dass sich Italien im Allge-
meinen oder in Bezug auf die Person des Beschwerdeführers nicht an 
seine völkerrechtlichen Verpflichtungen hält,

dass  das  italienische  Fürsorgesystem für  Asylsuchende  zwar  in  der 
Kritik  steht,  in  den Aufenthalts-  und Verfahrensbedingungen für  Per-
sonen,  welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  auf-
halten, indessen kein Vollzugshindernis zu erkennen ist,

dass Dublin-Rückkehrende und verletzliche Personen bezüglich Unter-
bringung von den italienischen Behörden bevorzugt behandelt werden 
und sich – neben den staatlichen Strukturen – auch zahlreiche private 
Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flücht-
lingen annehmen,

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dass  beispielsweise  die  Organisation  Arciconfraternita  seit  dem 
1. Januar 2009 die Betreuung der Flüchtlinge im Flughafen Fiumicino 
(Rom)  organisiert  und  dort  den  Asylsuchenden  kostenlose  Rechts-
beratung anbietet,

dass  unter  diesen  Umständen  ungeachtet  der  Einwände  des  Be-
schwerdeführers,  wonach es  in  Italien  nichts  zu  Essen gebe und er 
dort  keine  Arbeit  und  kein  Zuhause  habe,  keine  konkreten  Anhalts-
punkte dafür ersichtlich sind, die darauf  hindeuten, der Beschwerde-
führer würde im Falle einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle 
Notlage geraten,

dass aufgrund der Akten auch sonst keine Gründe zur Ausübung des 
Selbsteintrittsrechts der  Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO) ersicht-
lich sind,

dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung aus der  Schweiz zur  Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  vor-
liegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem 
kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 
[EMARK] 2001 Nr. 21), weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang 
mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom Bundes-
amt zu Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren  in  den für  die  Prüfung des  Asylgesuches  zustän-
digen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für  Ersatz-
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Auslände-
rinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20),

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet 
hat,

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und der Antrag auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung und das Ge-
such um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses aufgrund 
des  direkten  Entscheids  in  der  Hauptsache  im  vorliegenden  Urteil 
gegenstandslos geworden sind,

dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, da das Begehren – wie sich 
aus den vorstehenden Erwägungen ergibt  –  als  aussichtslos  zu be-
zeichnen sind, weshalb die kumulativen Voraussetzungen für die Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind, 

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder  unangemessen  ist  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist, 

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird 
abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (die zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

Versand: 

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