# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 97c3e41c-3d9d-5e96-8786-9a8321d06608
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.07.2020 E-119/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-119-2018_2020-07-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-119/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  J u l i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richterin Esther Marti (Vorsitz), 

Richter Hans Schürch, Richterin Roswitha Petry,    

Gerichtsschreiberin Nina Klaus. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch MLaw El Uali Emmhammed Said, 

Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Aargau, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 7. Dezember 2017 / N (…). 

 

 

 

E-119/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein eritreischer Staatsangehöriger tigrinischer 

Ethnie mit letztem Aufenthalt in B._______ (Zoba C._______), verliess Erit-

rea gemäss eigenen Angaben am (…) 2015 illegal und gelangte über den 

Sudan, Libyen und Italien am 16. August 2015 in die Schweiz. Am darauf-

folgenden Tag reichte er ein Asylgesuch ein. Am 21. August 2015 fand eine 

– aufgrund der hohen Belegung verkürzte – Befragung zur Person statt 

(BzP; Protokoll in den SEM-Akten A4/11; nachfolgend: A4). Am 27. März 

2017 wurde der Beschwerdeführer zu den Asylgründen angehört (Protokoll 

in den SEM-Akten A17/20; nachfolgend: A17). 

A.b Als Beweismittel reichte er seine Identitätskarte und die Admission 

Card der D._______ Secondary School von 2012 im Original ein, sowie ein 

Foto von ihm als Schüler in E._______.  

B.  

Mit Verfügung vom 7. Dezember 2017 – eröffnet am 9. Dezember 2017 – 

verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und 

lehnte sein Asylgesuch vom 17. August 2015 ab. Gleichzeitig ordnete es 

seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. 

C.  

Der Beschwerdeführer gelangte mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 

5. Januar 2018 an das Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt die Aufhe-

bung der vorinstanzlichen Verfügung und die Feststellung der Flüchtlings-

eigenschaft sowie die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die angefoch-

tene Verfügung aufzuheben und wegen Unzulässigkeit und Unzumutbar-

keit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Sub-

eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache 

zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses, und um unentgeltliche Rechtsverbeiständung in der Person sei-

nes Rechtsvertreters. 

Als Beilagen liess er die im separaten Verzeichnis aufgeführten Dokumente 

zu den Akten reichen. 

E-119/2018 

Seite 3 

D.  

Mit Schreiben vom 8. Januar 2018 bestätigte der kantonale Sozialdienst 

die Fürsorgeabhängigkeit des Beschwerdeführers.  

E.  

Am 11. Januar 2018 bestätigte die zuständige Instruktionsrichterin des 

Bundesverwaltungsgerichts den Eingang der Beschwerde und stellte das 

einstweilige Anwesenheitsrecht des Beschwerdeführers in der Schweiz 

fest. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 1. Februar 2018 stellte die Instruktionsrichte-

rin fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten, und hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung, Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

sowie um Einsetzung des Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand 

gut.  

G.  

Eine Anfrage nach dem Stand des Verfahrens vom 12. Juni 2019 beant-

wortete die Instruktionsrichterin am 13. Juni 2019.  

H.  

H.a Mit Verfügung vom 20. März 2020 wurde die Vorinstanz zum Schriften-

wechsel eingeladen.  

H.b In ihrer Vernehmlassung vom 27. März 2020 hält die Vorinstanz mit 

ergänzenden Bemerkungen an ihrer Verfügung vom 7. Dezember 2017 

fest und beantragt implizit die Abweisung der Beschwerde. 

H.c Innert erstreckter Frist replizierte der Beschwerdeführer am 29. Ap-

ril 2020. Er verweist ergänzend auf seine Beschwerde und beantragt deren 

Gutheissung.  

I.  

Mit Eingabe vom 6. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer eine aktuali-

sierte Kostennote vom 29. April 2020 zu den Akten. 

  

E-119/2018 

Seite 4 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015 [SR 142.31]). 

1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht (in der Folge: 

BVGer) zur Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 

VwVG zuständig und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – 

und auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (vgl. aArt. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten. 

2.  

Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Soweit das Ausländerrecht anzuwenden 

ist, kann zudem die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 112 Abs. 1 AIG 

[SR 142.20] i.V.m. Art. 49 VwVG). 

3.  

Streitig und zu prüfen ist die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-

rers und gegebenenfalls die Asylgewährung. Falls kein Asyl zu gewähren 

ist, sind im Weiteren die Wegweisung und der Wegweisungsvollzug zu prü-

fen. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

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Seite 5 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A des Abkom-

mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 

0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer 

Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten 

muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt 

zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen 

Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils 

m.w.H.). Die in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Verfolgungsmotive sind 

über die sprachlich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus 

so zu verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merk-

male, die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers ver-

bunden sind, erfolgt ist beziehungsweise droht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.3). 

Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-

erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-

troffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichen-

den Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2; 2008/4 E. 5.2). 

Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation 

im Zeitpunkt des Entscheides, wobei allerdings erlittene Verfolgung oder 

im Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfolgung 

auf andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen der Situation 

zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der 

asylsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2; 

2010/9 E. 5.2; 2007/31 E. 5.3 f., jeweils m.w.H.). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-

hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-

ben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Glaubhaftmachung bedeutet im Ge-

gensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt durch-

aus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen. Eine Be-

hauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Gericht von ihrer 

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Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für wahr hält, ob-

wohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Demgegenüber reicht es für die 

Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich 

ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwie-

gende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung spre-

chen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die Gründe, 

die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen 

oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (BVGE 

2015/3 E. 6.5.1). Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in we-

sentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, 

den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder 

verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 3 AsylG). 

5.  

5.1 Als erstes ist der rechtserhebliche Sachverhalt festzustellen. Das SEM 

qualifiziert die Sachdarstellung des Beschwerdeführers aus den nachfol-

gend aufgezeigten Gründen (E. 5.3) als mehrheitlich unglaubhaft, letzterer 

hält erläuternd an seinen Vorbringen fest (E. 5.4). Demzufolge ist vorab zu 

prüfen, ob das SEM die Sachdarstellung zu Recht als unglaubhaft im Sinne 

von Art. 7 AsylG qualifiziert hat (E. 5.5). 

5.2 Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, von (…) 2011 bis 

(…) 2012 habe er das zwölfte Schuljahr und die militärische Grundausbil-

dung in E._______ absolviert. Danach sei er nach Hause zurückgekehrt 

und habe im (…) seiner Eltern gearbeitet. Im (…) 2013 habe er nach 

E._______ zurückkehren müssen und sei etwa zwei Monate später bei der 

(…)behörde (F._______) in B._______ eingeteilt worden. Seine Aufgaben 

seien verschiedener Art gewesen. Sein Vorgesetzter G._______ (nachfol-

gend W.) habe insbesondere auch von ihm verlangt, im (…) und in (…) 

Informationen über Gesprächsthemen der Bevölkerung zu sammeln und 

ihm zu übermitteln. Allerdings habe er diesbezüglich Schwierigkeiten ge-

habt, es habe ihm widerstrebt, diese Aufgabe zu erfüllen. Auch sei rasch 

bekannt geworden, für welche Behörde er arbeite und die Bevölkerung 

habe ihn gemieden, man habe ihm vorgeworfen, für die Verhaftung von 

Angehörigen verantwortlich zu sein; auch seine Familie habe Nachteile zu 

spüren bekommen. Er sei immer stärker stigmatisiert und isoliert worden, 

worunter er gelitten habe. Die Leute im (…) hätten jeweils mit ihrer Unter-

haltung aufgehört, wenn sie ihn gesehen hätten, ihn nicht gegrüsst oder 

manchmal hätten sie sogar das (…) verlassen, nachdem er es betreten 

habe. Auf der anderen Seite habe W. ihm immer wieder Druck aufgesetzt, 

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er müsse Informationen beschaffen. Im Übrigen habe er für seinen Vorge-

setzten beispielsweise Briefe ausgetragen, das Büro gehütet oder (…)sar-

beiten ausgeführt.  

Anfangs (…) 2014 sei er für etwa einen Monat auf der Polizeistation in 

B._______ inhaftiert worden. Ihm sei vorgeworfen worden, Kenntnis über 

illegal Ausreisende – welche sich zuvor im (…) seiner Familie getroffen 

hätten – gehabt und diese Informationen nicht weitergeleitet zu haben. Am 

(…) 2014 sei er erneut inhaftiert worden, weil er sich geweigert habe, Per-

sonen, die desertiert seien und auf dem Land gearbeitet hätten, ausfindig 

zu machen. Anfangs (…) 2015 sei er aus der Haft wieder entlassen worden 

und habe seine Arbeit bei der (…)behörde wiederaufgenommen. Er habe 

aber unter der Situation immer stärker gelitten und als er einmal auf dem 

Heimweg auch tätlich angegriffen und beschuldigt worden sei, für die Ver-

haftung eines Bruders der Angreifer verantwortlich zu sein, habe er sich 

zur Ausreise entschlossen. Am (…) 2015 sei er mit einem Freund (nachfol-

gend F.) über H._______ und I._______ nach J._______ gereist. Dort 

seien sie über den Fluss K._______ und die Ortschaft L._______ in den 

Sudan gelangt.   

5.3 Die Vorinstanz bezweifelt nicht, dass der Beschwerdeführer die zwölfte 

Klasse in E._______ abgeschlossen und dort auch die militärische Ausbil-

dung absolviert habe. Seine Vorbringen, er sei im Rahmen des National-

dienstes bei der (…)behörde tätig gewesen, zwei Mal inhaftiert worden und 

schliesslich aus dem Nationaldienst desertiert, qualifiziert sie aber als nicht 

glaubhaft. 

Dazu führt sie im Wesentlichen aus, die Aussagen des Beschwerdeführers 

während der Anhörung seien unsubstantiiert und stereotyp ausgefallen und 

wiesen kaum Realkennzeichen auf. Hinsichtlich den angeblichen Inhaftie-

rungen habe er sich bei seinen Angaben auf Allgemeinheiten beschränkt, 

die sich jedermann ausdenken könne. Wäre er tatsächlich über zwei Mo-

nate lang inhaftiert gewesen, wäre zu erwarten gewesen, dass er anschau-

lich und detailliert über diese zweifellos schwierigen und einprägsamen Er-

fahrungen berichtet hätte. Darüber hinaus habe er sich in einen Wider-

spruch verstrickt. So habe er anlässlich der BzP zu Protokoll gegeben, er 

sei nur einmal, nämlich am (…) 2014 inhaftiert worden. Am (…) 2014 sei 

er aus der Haft entlassen worden und wieder zur Arbeit zurückgekehrt. 

Demgegenüber habe er bei der Anhörung angegeben, er sei am (…) 2014 

für einen Monat und am (…) 2014 erneut während eines Monates inhaftiert 

worden.  

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Seite 8 

Auch seine Schilderungen zum geltend gemachten Nationaldienst seien 

vage, kurz und unsubstantiiert ausgefallen. Trotz mehrmaliger Gelegen-

heit, über die angebliche Tätigkeit bei der (…)behörde zu erzählen, habe 

er dazu nur oberflächliche Angaben gemacht. Auch auf gezieltere Fragen 

hin seien seine Antworten unbestimmter und stereotyper Natur geblieben. 

Aufgefordert, über seine konkreten Aufgaben zu berichten, habe er ange-

geben, dass er Informationen über Gesprächsthemen der Bevölkerungen 

sowie über Desertierte oder illegal Ausreisende hätte sammeln müssen. 

Diese Schilderung sei oberflächlich und enthalte keinerlei inhaltliche Be-

sonderheiten. Darum gebeten, seinen Arbeitsalltag detaillierter zu schil-

dern, habe er bloss erklärt, er habe sich im Büro mit W. getroffen und mit 

ihm über Bedrohungen gegen die Behörden gesprochen. Er habe dann 

Informationen in (…) oder (…) gesammelt. Auch diese Angaben gingen 

nicht über allgemeine Aussagen hinaus. Im Weiteren habe der Beschwer-

deführer auf Nachfragen zu seinen Tätigkeiten ausweichende Antworten 

gegeben. So habe er – als er gefragt worden sei, wie er beim Einholen von 

Informationen vorgegangen sei – gesagt, jene, deren Tätigkeit bei der 

(…)behörde im Dorf bekannt gewesen seien, hätten keine Informationen 

sammeln können. Man habe unbekannte Leute dafür engagiert. Auf er-

neute Nachfrage hin, habe er nur angegeben, dass er nicht viele Informa-

tionen habe sammeln können, da bekannt gewesen sei, dass er für die 

(…)behörde arbeite, und deshalb niemand mit ihm habe sprechen wollen. 

Diese Angaben seien stereotyper Natur. So sei insbesondere nicht nach-

vollziehbar, dass der Beschwerdeführer zwecks Sammlung von Informati-

onen eingesetzt worden sei, da seine Funktion gemäss seinen Angaben 

schnell bekannt gewesen sei. Als er gebeten worden sei, über die Einfüh-

rung in das Tätigkeitsgebiet zu erzählen, habe er ausweichend zu Protokoll 

gegeben, dass W. ihn bloss damit beauftragt habe, Informationen über die 

Einheimischen zu sammeln. Kurse habe es erst nach sechs Monaten oder 

einem Jahr gegeben. Aufgefordert, über die Kurse zu berichten, sei er 

abermals ausgewichen und habe geantwortet, er sei ausgereist, bevor er 

einen Kurs habe besuchen können. Unmittelbar daraufhin habe er ange-

geben, er habe deshalb nicht viele Kurse besuchen können und er sei so-

dann in der Beschreibung des Inhalts vage geblieben.   

Die Frage der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten illegalen Ausreise 

liess das SEM offen.  

5.4 Der Beschwerdeführer hält dem im Wesentlichen entgegen, die Vor-

instanz verkenne, dass seine Aussagen sehr wohl Realkennzeichen auf-

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wiesen und er aufgrund seiner Tätigkeit bei der (…)behörde Anzeichen ei-

ner Traumatisierung zeige. Wenn er teilweise Mühe gehabt habe, offene 

Fragen ausführlich zu beantworten, sei dies mit seiner zurückhaltenden 

Persönlichkeit und der sozialen Isolation zu erklären, die er durch seine 

Arbeit erlebt habe. Er sei weder besonders geschult worden noch ausser-

ordentlich begabt für diese Tätigkeit gewesen. Dies habe er authentisch 

und glaubhaft geschildert, seine Unbeholfenheit sei klar erkennbar. Zudem 

seien ihm viele Menschen aus dem Weg gegangen, nachdem bekannt ge-

worden sei, wo er arbeite. Aufgrund seiner Schwierigkeit an Informationen 

zu gelangen, habe er regelmässig Auseinandersetzungen mit W. gehabt 

und sei schliesslich nur noch als Postbote und im Büro eingesetzt worden. 

Deshalb erstaune es auch nicht, wenn er auf wiederholtes Nachfragen der 

Vorinstanz keine neuen Ausführungen mehr zu seinem eigentlichen Auf-

trag habe machen können. Trotzdem sei er in der Lage gewesen, die Tä-

tigkeit für die (…)behörde und die damit zusammenhängenden Vorfälle 

nachvollziehbar und kongruent darzulegen sowie alle relevanten Fragen, 

dort wo sie konkret gewesen seien, zu beantworten.  

Auch zu seinen Inhaftierungen habe er Details angeben können. Bezüglich 

des ihm vorgehaltenen Widerspruchs zur Haftzeit handle es sich offen-

sichtlich um ein Missverständnis beziehungsweise um einen Überset-

zungsfehler. Trotz Rückübersetzung könnten Fehler unterlaufen, vor allem 

wenn es sich – wie vorliegend – um eine verkürzte BzP handle. Zumal er 

bei der BzP nicht zu seinen Asylgründen befragt worden sei, erstaune es, 

dass die Vorinstanz nun diesen einzigen angeblichen Widerspruch gegen 

die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen verwende. In derselben Antwort, in 

welcher er die Haftdaten erwähnt habe, habe er bei der Rückübersetzung 

bereits eine Korrektur anbringen müssen. Es sei deshalb gut möglich, dass 

er den weiteren Ausführungen des Dolmetschers nicht mehr habe folgen 

können oder eine weitere Korrektur vergessen gegangen sei. Die Tatsa-

che, dass er sowohl bei der BzP als auch bei der Anhörung explizit den (…) 

2014 erwähnt habe, weise vielmehr auf die Glaubhaftigkeit seiner Aussa-

gen hin. Dies insbesondere angesichts dessen, dass zwischen der BzP 

und der Anhörung eineinhalb Jahre gelegen seien. Auch die weiteren zeit-

lichen Angaben, die er anlässlich der BzP und Anhörung geltend gemacht 

habe, stimmten überein und seien logisch konsistent (Datum der ersten 

Haft, gesamte Haftdauer, Ende der zweiten Haft und Zeitraum zwischen 

zweiter Haft bis Ausreise). 

Zumal seine Ausführungen zur Zeit in E._______ ein ähnliches Mass an 

Realkennzeichen und Details beinhalteten wie seine übrigen Aussagen, sei 

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Seite 10 

nicht ersichtlich, weshalb die einen Aussagen glaubhaft sein sollten und die 

anderen nicht.  

Die Glaubhaftigkeitsprüfung habe im Sinne einer Gesamtwürdigung zu er-

folgen. Die Vorinstanz habe es jedoch vernachlässigt alle Elemente zu be-

rücksichtigen. Sie habe sich auf einzelne ausgewählte Punkte beschränkt 

und nur daraus eine Gesamtschlussfolgerung gezogen.  

5.5 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach einer eingehenden Prü-

fung der Akten zu folgenden Schlüssen:  

5.5.1 Vorab gilt es festzuhalten, dass der Beschwerdeführer persönlich 

glaubwürdig und authentisch erscheint. Er ist von Beginn an seiner Mitwir-

kungspflicht nachgekommen, hat seine persönlichen Lebensumstände 

umfassend dargelegt und sich mit einer echten Identitätskarte ausgewie-

sen. Wie zu zeigen sein wird, ist seinen Aussagen in Berücksichtigung 

sämtlicher wesentlicher Umstände eine schlüssige Sachdarstellung zu ent-

nehmen, die sich ohne weiteres in den eritreischen Kontext einfügt. Auch 

wenn seine Antworten teilweise tatsächlich kurz und auf Anhieb oberfläch-

lich ausfallen, enthalten sie immer wieder Details und sogenannte Real-

kennzeichen (vgl. nachstehende Ausführungen). Letztere ermöglichen 

eine Differenzierung zwischen erlebnisbasierten und erfundenen respek-

tive verfälschten Aussagen (vgl. dazu ANGELIKA BIRCK, Traumatisierte 

Flüchtlinge, Wie glaubhaft sind ihre Aussagen?, Heidelberg 2002, S. 82 ff. 

und S. 139 ff.; REVITAL LUDEWIG/DAPHNA TAVOR/SONJA BAUMER, Wie kön-

nen aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern, Staatsanwälten und 

Anwälten helfen?, in: AJP 11/2011, S. 1423 ff.; vgl. auch BGE 129 I 49 E. 5 

sowie BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1 und 2012/5 E. 2.2, jeweils 

m.w.H.). Zudem gab der Beschwerdeführer auch auf Fragen, deren Glaub-

haftigkeit nicht in Frage steht, eher kurze Antworten, so zum Beispiel be-

treffend den Kontakt mit der Familie in Eritrea und den dortigen Lebensver-

hältnissen (A17 F15 ff.). Gleiches kann gesagt werden hinsichtlich der ab-

gefragten Schilderung seiner Empfindungen im Zusammenhang mit einem 

Festival, das er in E._______ erlebt habe (ebd. F97). Als weiteres Beispiel 

kann etwa auch auf die Beschreibung der Strapazen während der illegalen 

Ausreise verwiesen werden (ebd. F129); auch sie wirkt nur auf Anhieb 

oberflächlich, im Rahmen der Erzählungen des Beschwerdeführers aber 

authentisch, auch, weil er spontan die Verbrennungen anfügt. Eine ge-

wisse Knappheit scheint insgesamt eher in der Erzählweise des Beschwer-

deführers zu liegen, sei es bedingt durch seine Persönlichkeit und/oder 

aufgrund kulturell bedingter Angewohnheiten, als dass sie Hinweis auf eine 

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Seite 11 

von ihm konstruierte Sachdarstellung wäre. Dies ist in die Gesamtbeurtei-

lung der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschwerdeführers miteinzu-

beziehen.  

5.5.2 Was die einzelnen, dem Beschwerdeführer vom SEM entgegenge-

haltenen Argumente betrifft, ist folgendes festzuhalten: 

Die Schilderungen im Zusammenhang mit seiner Arbeit für die (…)behörde 

sind zwar teilweise oberflächlich ausgefallen. Demgegenüber sind sie 

durchwegs übereinstimmend und konsistent geltend gemacht worden. Be-

reits an der BzP gab der Beschwerdeführer an, dass er in E._______ die 

militärische Grundausbildung absolviert habe und später, (…) 2013, dem 

(…) zugewiesen worden sei (A4 Ziff. 1.17.05). In der Anhörung schildert er 

dann, übereinstimmend und detailliert, wie diese Zuteilung im (…) 2013 

von statten gegangen sei (A17 F47ff.). Entgegen dem Vorhalt des SEM ist 

gerade der spontane Einschub in der freien Rede, er wäre lieber der Mili-

tärpolizei zugeteilt worden (ebd. F45) als Realkennzeichen zu werten. Der 

Beschwerdeführer beschrieb aber insbesondere auch nachvollziehbar, wie 

die Anfeindungen der Dorfbevölkerung sowie der Druck von W. ihn psy-

chisch belastet hätten und auch seine Familie deswegen Probleme erhal-

ten habe, was ihn schliesslich, zum Entschluss für die illegale Ausreise aus 

Eritrea bewogen habe (ebd. F42 f., F45, F47, F84, F110 und F153). Diese 

psychische Belastung des Beschwerdeführers wird auch deshalb deutlich 

spürbar, weil er sie ins Zentrum seiner Begründung stellt und gleich damit 

beginnt in seiner freien Rede (ebd. F42f.), später kommt er immer wieder 

auf diese Not zurück, und die Schilderungen wirken in der dem Beschwer-

deführer eigenen Erzählweise authentisch. Im Weiteren legte der Be-

schwerdeführer die Gründe für die Probleme mit W. nachvollziehbar dar, 

und es ergibt sich aus seinen Schilderungen sehr wohl ein stimmiges Bild 

mit Inhalt. Beispielsweise wirkt es durchaus lebensnah, wenn er ausführt, 

das Problem sei gewesen, dass er keine Informationen gebracht habe. W. 

habe gesagt, dass er nicht fleissig arbeite, weil er in seinem Heimatdorf sei 

und seine Landsleute nicht verraten wolle. Seine darauffolgende neben-

sächliche Ergänzung, dies sei aber nicht die Tatsache gewesen, sondern 

vielmehr habe er gar keine Bekanntschaften gehabt, mit denen er sich 

hätte unterhalten können, weil die Leute sofort das Thema gewechselt hät-

ten, wenn er zu ihnen gegangen sei, trägt unter anderem zu diesem lebens-

nahen Eindruck bei (A17 F58). Soweit die Vorinstanz es als nicht nachvoll-

ziehbar erachtet, dass der Beschwerdeführer zur Sammlung von Informa-

tionen über die Bevölkerung eingesetzt gewesen sei, zumal seine Tätigkeit 

für die (…)behörde gemäss seinen Angaben schnell bekannt gewesen sei, 

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Seite 12 

überzeugt ihre Argumentation nicht. So wird etwa vom SEM zu Recht nicht 

in Frage gestellt, dass die Familie des Beschwerdeführers ein (…) besitze. 

Dass gerade dieser Umstand ein Zuteilungskriterium des Beschwerdefüh-

rers zu dieser Abteilung gewesen sein könnte, weil die eritreischen Behör-

den damit von einem leichten Zugang des Beschwerdeführers zu zahlrei-

chen Personen ausgingen – zumal er vor seiner Zuteilung in diesem (…) 

gearbeitet hatte – ergibt sich nicht nur aus den Schilderungen des Be-

schwerdeführers (ebd. u.a. F67), sondern liegt ohnehin nahe und wird vom 

SEM als Element, das ebenfalls für die Sachdarstellung des Beschwerde-

führers spricht, verkannt. Nicht beachtet hat das SEM in der Gesamtwürdi-

gung auch, dass der Beschwerdeführer auch für andere Aufgaben einge-

setzt worden war. So führte er aus, er habe Briefe zwischen H._______ 

und B._______ transportiert (ebd. F101, F103) oder habe Leute im Büro 

empfangen und mit ihnen Termine für W. vereinbart (ebd. F104). Ausser-

dem habe er (…)arbeiten ausgeführt und das Gebäude bewacht (ebd. 

F145). Auch gab er spontan und offen zu, er habe auch heute noch nicht 

viel Ahnung über die (…)behörde (ebd. F47), dennoch ergibt sich aus sei-

nen Antworten, wie in der Beschwerde zu Recht ausgeführt, ein in sich 

stimmiges Bild zum Funktionieren dieser Behörde (dort Ziff. 16 S. 6 m.w.H. 

auf das Anhörungsprotokoll). Bei Berücksichtigung aller genannten Um-

stände ist aber davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nicht als 

hochrangiger (…) eingesetzt worden war, sondern vielmehr nebst seinen – 

auch sonst offensichtlich untergeordneten Aufgaben – primär Informatio-

nen sammeln sollte, weil die Behörde davon ausgegangen war, aufgrund 

seiner Herkunft aus diesem Dorf vertrauten ihm die Leute und angesichts 

des (…) habe er noch einfacheren Zugang zu ihren Gesprächen. Zwar ist 

dem Anhörungsprotokoll tatsächlich nicht klar zu entnehmen, ob der Be-

schwerdeführer Kurse im Rahmen seiner Tätigkeit bei der (…)behörde be-

suchte oder nicht (A17 F51 f.). Allerdings kann eine ungenaue Übersetzung 

oder Protokollierung nicht ausgeschlossen werden – insbesondere zur 

Frage, was der Beschwerdeführer unter der Frage 52 mit "wenige Kurse" 

gemeint hatte. Dass er sich dabei auf die Einführungen von W. bezogen 

hatte, ist durchaus möglich. Schliesslich hat das SEM auch einen weiteren 

entscheidenden Punkt nicht beachtet: der Beschwerdeführer vermag nicht 

nur die psychische Belastung, unter der er aufgrund seiner Situation zwi-

schen zunehmender sozialer Isolation einerseits und Druck seitens W. an-

dererseits gestanden habe, nachvollziehbar zu schildern, sondern er nennt 

auch stimmig ein konkretes Ereignis, das schliesslich den Auslöser für 

seine Ausreise gewesen sei, nämlich der versuchte Übergriff auf ihn (ebd. 

F46, F107). 

E-119/2018 

Seite 13 

Was die beiden Inhaftierungen betrifft, fügen sich diese ebenfalls problem-

los in die gesamten Schilderungen des Beschwerdeführers ein, und es gibt 

keinen Grund daran zu zweifeln. Der Beschwerdeführer weist zunächst 

einmal zu Recht darauf hin, dass dem angeblichen Widerspruch bezüglich 

seiner Aussagen zu den Haftdaten zwischen der BzP und Anhörung schon 

deshalb kein Gewicht zukommen könne, weil er bei der BzP nicht zu seinen 

Asylgründen befragt worden sei (Replik S. 1). Dass er die Inhaftierung 

trotzdem bereits anlässlich der BzP erwähnt hatte und sowohl bei der BzP 

als auch bei der Anhörung übereinstimmende Angaben zur gesamten Haft-

dauer, dem Datum der Entlassung aus der zweiten Haft und dem Zeitraum 

zwischen der zweiten Haft und seiner Ausreise machte (A4 Ziff. 1.17.05 

und A17 F69 ff.), spricht vorliegend vielmehr für die Glaubhaftigkeit der Vor-

bringen. Zudem sind seine Ausführungen in der Replik, er habe hinsichtlich 

der selben Antwort, in welcher er die Haftdaten angegeben habe, bereits 

eine Korrektur angebracht, weshalb es möglich sei, dass er den weiteren 

Ausführungen des Dolmetschers nicht mehr habe folgen können oder eine 

weitere Korrektur vergessen gegangen sei, nicht abwegig (Replik S. 2). Im 

Weiteren zählt der Beschwerdeführer in der Beschwerde (S. 6 f.) zu Recht 

diverse Details auf, die er anlässlich der Anhörung zu seinen Inhaftierun-

gen vorgebracht habe: So etwa zum Essen, zum Verrichten der Notdurft, 

zur Dunkelheit in der Zelle (A17 F73), zu zwei Mitgefangenen (ebd. F74 ff.) 

und zu den Unterschieden zwischen der ersten und zweiten Haft (ebd. 

F79), die gerade nicht stereotyp wirken. Ausserdem schilderte er an meh-

reren Stellen spontan und lebensnah, dass die Polizisten den Grund für 

seine Inhaftierung nicht gekannt hätten und erkennbar wird aus seiner 

Schilderung auch, dass der Umstand, dass er nicht nach H._______ trans-

feriert worden sei, für ihn positiv war (ebd. F68, F73, F77, F80). Soweit die 

Vorinstanz dem Beschwerdeführer vorhält, es wäre zu erwarten gewesen, 

dass er über die schwierigen Erfahrungen hinsichtlich seiner Inhaftierun-

gen berichtet hätte, verkennt sie, dass er einerseits sehr wohl von den har-

ten Haftbedingungen erzählte (ebd. F73). Andererseits ist seine Aussage, 

es sei möglich, dass die Polizisten seine Mitgefangenen geschlagen und 

unterdrückt hätten, er persönlich habe aber während der Haft keine Prob-

leme gehabt (ebd. F77) gerade zu seinen Gunsten zu werten, indem er 

relativiert und nicht etwa versucht, einen Sachverhalt übersteigert darzu-

stellen. Nicht berücksichtigt hat das SEM im Übrigen, dass der Beschwer-

deführer konkret den jeweiligen Anlass der Haft benannte. So stellte er 

auch da die Verbindung zum (…) her, indem er angab, Personen, die das 

(…) besucht hätten, seien später ausgereist, weshalb er zum Amt bestellt 

worden und ihm vorgeworfen worden sei, er hätte von der geplanten Aus-

reise wissen müssen (ebd. F67). Nachvollziehbar schildert er, wie er nach 

E-119/2018 

Seite 14 

der Entlassung aus der ersten Haft seine Tätigkeit wieder habe aufnehmen 

und insbesondere Personen hätte erwischen sollen, die desertiert seien 

und in der Landwirtschaft arbeiteten. Er habe dies abgelehnt, weshalb er 

eigentlich nach H._______ ins Gefängnis hätte gebracht werden sollen 

(ebd. F68). Seine spätere Aussage, das erste Mal sei es wegen den illega-

len Ausreisenden gewesen und das zweite Mal wegen den desertierten 

Personen, W. habe ihn aufgefordert, diese Leute abzuholen, was er aber 

abgelehnt habe mit der Behauptung, dass er nicht in der Lage sei, diese 

Leute zu erwischen, weswegen er ihn habe inhaftieren lassen (ebd. F82), 

wirkt authentisch und stimmt in jeder Hinsicht mit den früheren Angaben 

überein. 

Schliesslich enthalten auch die Erzählungen des Beschwerdeführers zur 

illegalen Ausreise zahlreiche Details. So erklärte er nachvollziehbar, er 

habe seinem Freund F. erzählt, dass er vorhabe illegal aus Eritrea auszu-

reisen. Dieser sei zunächst misstrauisch gewesen und habe ihn gefragt, 

ob er ihn testen wolle. Nachdem er F. dann von seinen Problemen berichtet 

habe, habe dieser ihm anvertraut, dass er ebenfalls bereits über Ausreise-

pläne verfüge, und sie seien danach zusammen ausgereist (A17 F108 f.). 

Im Weiteren schilderte der Beschwerdeführer diverse Orte, die er passiert 

habe (ebd. F113), landschaftliche Begebenheiten (ebd. F141 f.), die durch 

den Fussmarsch verursachten körperlichen Leiden (ebd. F129 f.) und war 

im Stande etliche exakte Zeitangaben zu machen (ebd. F116, F122 f., F127 

und F144). Auch die Erklärung, die Bekannten von F. in I._______, bei wel-

chen sie für zwei Tage geblieben seien, hätten nichts von ihrer illegalen 

Ausreise geahnt, sondern sie hätten gedacht, dass er lediglich nach 

I._______ gereist sei, wirkt nicht nacherzählt (ebd. F135 f.). Zudem er-

scheint auch der spontan geschilderte Angriff von Hidareb nahe der eritre-

isch-sudanesischen Grenze realitätsnah (ebd. F127 f. und F130).  

5.5.3 Zusammenfassend kommt das Bundesverwaltungsgericht nach ei-

ner Gesamtwürdigung der für und gegen die Sachdarstellung des Be-

schwerdeführers sprechenden Elemente zum Schluss, dass der Be-

schwerdeführer seine Asylgründe (vgl. Sachverhalt E. 5.2) glaubhaft im 

Sinne von Art. 7 AsylG gemacht hat. 

6.  

6.1 Damit ist als nächstes zu prüfen, ob der Beschwerdeführer aufgrund 

des glaubhaft gemachten Sachverhaltes die Flüchtlingseigenschaft erfüllt 

und ihm, gegebenenfalls Asyl zu gewähren ist (vgl. E. 4.1). 

E-119/2018 

Seite 15 

6.2 Dienstverweigerung und Desertion werden in Eritrea unverhältnismäs-

sig streng bestraft. Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweige-

rung oder Desertion ist dann begründet, wenn die betroffene Person in ei-

nem konkreten Kontakt zu den Militärbehörden stand. Ein solcher Kontakt 

ist regelmässig anzunehmen, wenn die betroffene Person im aktiven 

Dienst stand und desertierte (vgl. dazu u.a. Urteil des BVGer D-1359/2015 

vom 22. August 2017 E. 6.1 mit Hinweis auf die weitergeführte Rechtspre-

chung der vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [ARK] in 

Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 2006 Nr. 3). In diesen 

Fällen droht nicht allein eine Haftstrafe, sondern eine Inhaftierung unter 

unmenschlichen Bedingungen und Folter, wobei Deserteure regelmässig 

der Willkür ihrer Vorgesetzten ausgesetzt sind. Die Desertion wird von den 

eritreischen Behörden als Ausdruck der Regimefeindlichkeit aufgefasst. 

6.3 Der Beschwerdeführer hat seine Desertion aus dem Nationaldienst 

glaubhaft gemacht (vgl. E. 5.5). Es ist nach dem Gesagten davon auszu-

gehen, dass die ihm drohende Strafe nicht allein der Sicherstellung der 

Wehrpflicht dienen würde, was ‒ unter der Voraussetzung rechtsstaatlicher 

und völkerrechtskonformer Rahmenbedingungen ‒ grundsätzlich als legi-

tim zu erachten wäre. Sondern es ist damit zu rechnen, dass der Be-

schwerdeführer aufgrund seiner Desertion als politischer Gegner qualifi-

ziert und als solcher unverhältnismässig schwer bestraft würde. Mit ande-

ren Worten hätte er eine politisch motivierte Bestrafung und eine Behand-

lung zu erwarten, die eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung im 

Sinne von Art. 3 AsylG darstellt. Aufgrund der glaubhaft gemachten Deser-

tion hat der Beschwerdeführer damit eine begründete Furcht vor einer asyl-

relevanten Verfolgung im Falle einer Rückkehr nach Eritrea. Eine inner-

staatliche Fluchtalternative ist nicht ersichtlich. Er erfüllt die Flüchtlingsei-

genschaft und es sind auch keine Asylausschlussgründe im Sinne von 

Art. 53 AsylG ersichtlich, weshalb ihm Asyl zu gewähren ist. 

6.4 Die angefochtene Verfügung verletzt nach dem Gesagten Bundes-

recht. Sie ist in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und das SEM ist 

anzuweisen, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers anzuer-

kennen und ihm Asyl zu gewähren. 

7.  

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

E-119/2018 

Seite 16 

7.2 Dem obsiegenden und vertretenen Beschwerdeführer ist zulasten der 

Vorinstanz eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen notwendi-

gen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 

VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 

173.320.2]). Der Rechtsvertreter reichte am 6. Mai 2020 eine Kostennote 

zu den Akten, die einen Arbeitsaufwand von 12.5 Stunden zu einem Stun-

denansatz von Fr. 250.– sowie Spesen von Fr. 48.– ausweist, was ange-

messen erscheint. Die von der Vorinstanz auszurichtende Parteientschä-

digung beträgt somit insgesamt Fr. 3’173.– (inklusive Auslagen). Die Par-

teientschädigung umfasst keinen Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von 

Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-119/2018 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutheissen. Die angefochtene Verfügung wird aufge-

hoben und das SEM wird angewiesen, die Flüchtlingseigenschaft des Be-

schwerdeführers anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 3’173.– 

auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Nina Klaus 

 

 

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