# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f7d8c777-b3c3-52b7-a71c-be1eabe605ad
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-01-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.01.2022 E-2888/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2888-2019_2022-01-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2888/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  J a n u a r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richter David R. Wenger (Vorsitz), 

Richter Walter Lang, 

Richterin Camilla Mariéthoz Wyssen, 

Gerichtsschreiber Michal Koebel. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Pakistan,   

vertreten durch lic. iur. Ruth Eigenmann,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 15. Mai 2019 / N (…). 

 

 

 

E-2888/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 26. Oktober 2015 in der Schweiz um Asyl 

nach. Am 2. November 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) und am 

11. September 2017 die Anhörung statt. Hierbei machte er geltend, er sei 

afghanischer Staatsbürger, in Pakistan geboren und aufgewachsen. Er 

habe eine iranische Staatsbürgerin geheiratet und mit ihr einen Sohn ge-

zeugt; beide würden sich seit seiner Ausreise aus Pakistan bei seiner 

Schwiegermutter im Iran aufhalten. Afghanische Migranten erhielten in Pa-

kistan keine Dokumente, weshalb er weder Identitätsdokumente noch ei-

nen Aufenthaltstitel einreichen könne. Als Schiite und Hazara werde man 

in Pakistan umgebracht. So gebe es in Quetta viele Attentate gegen Schii-

ten. Sowohl sein Bruder als auch sein Cousin seien im Jahr (…) bei einem 

Attentat auf eine Moschee getötet worden. (…) sei er wiederholt durch den 

«Daesh» (arabische Bezeichnung für den sog. Islamischen Staat, IS) in 

seinem Geschäft bedroht worden, weshalb er aus Angst ungefähr drei Mo-

nate später ausgereist sei.  

B.  

Aufgrund von Zweifeln an der Herkunft des Beschwerdeführers gab das 

SEM am 15. September 2017 eine LINGUA-Analyse in Auftrag. Das Ge-

spräch zwischen dem Beschwerdeführer und dem LINGUA-Experten er-

folgte am 13. November 2017. Der LINGUA-Bericht vom 23. März 2018, 

der sich sowohl auf eine landeskundlich-kulturelle als auch auf eine lingu-

istische Analyse stützt, kommt zum Schluss, es liege eindeutig eine pri-

märe Sozialisation im Milieu der einheimischen Hazara von Quetta und 

eine sekundäre Sozialisation im Iran vor. Beim Beschwerdeführer bestehe 

keine Verbundenheit mit den sprachlichen Gegebenheiten Afghanistans, 

wie sie bei einem Hazara zu erwarten wären, dessen Eltern von Afghanis-

tan nach Quetta emigriert seien und der dort im Milieu rezenter afghani-

scher Hazara sozialisiert worden sei. Vielmehr sei sein Dialekt den einhei-

mischen Hazara von Quetta zuzuordnen. Aus Sicht der landeskundlich-

kulturellen Kenntnisse gebe es ebenfalls keine Hinweise auf eine Soziali-

sation im Milieu rezenter Hazara-Emigranten aus Afghanistan.  

C.  

Mit Schreiben vom 24. Dezember 2018 gewährte das SEM dem Beschwer-

deführer das rechtliche Gehör zum Inhalt und Resultat des LINGUA-Be-

richts; der Beschwerdeführer nahm hierzu mit Eingabe vom 10. Januar 

2019 Stellung und hielt an seinen geltend gemachten Angaben fest. 

E-2888/2019 

Seite 3 

D.  

Mit Verfügung vom 15. Mai 2019 änderte das SEM die Staatsangehörigkeit 

des Beschwerdeführers auf Pakistan (Dispositivziffer 1) und stellte fest, 

dieser erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht (Dispositivziffer 2), lehnte das 

Asylgesuch ab (Dispositivziffer 3), verfügte die Wegweisung aus der 

Schweiz (Dispositivziffer 4) und beauftragte den zuständigen Kanton mit 

dem Vollzug der Wegweisung (Dispositivziffer 5).  

Zur Begründung führt das SEM aus, der Beschwerdeführer habe über 

seine Identität getäuscht. Er habe widersprüchliche Angaben zur Übersied-

lung seiner Eltern von Afghanistan nach Pakistan gemacht. Zudem bestä-

tige das LINGUA-Gutachten, dass er eindeutig nicht zu den rezenten Ha-

zara, sondern zu den einheimischen Hazara von Quetta gehöre. Zudem 

habe er keine Identitätspapiere eingereicht. Vor diesem Hintergrund sei 

von einer Herkunft aus Pakistan auszugehen. Dort herrsche zwar tatsäch-

lich ein hohes Mass an religiös motivierter Gewalt. Es sei jedoch nicht von 

einer Kollektivverfolgung der ethischen Hazara schiitischer Religionszuge-

hörigkeit auszugehen. Schliesslich seien die Bedrohungen durch Daesh 

unglaubhaft und stereotyp ausgefallen, habe er diese doch nicht überzeu-

gend vertiefen können und namentlich unterschiedliche Angaben zur An-

zahl der Personen sowie zum Inhalt der Bedrohungen gemacht. 

E.  

Mit Eingabe vom 11. Juni 2019 reichte der Beschwerdeführer unter Beilage 

zweier Arztberichte (Ärztliches Zeugnis von B._______ vom 21. Mai 2019 

und Austrittsbericht des (…) vom 15. Januar 2019) beim Bundesverwal-

tungsgericht Beschwerde ein und beantragte, es sei die angefochtene Ver-

fügung aufzuheben, die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu 

gewähren. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft festzustellen und die 

vorläufige Aufnahme anzuordnen. Es sei die Ziffer 1 des Dispositivs aufzu-

heben und seine afghanische Staatsangehörigkeit anzuerkennen. Sube-

ventualiter sei aufgrund der Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit oder Unmög-

lichkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

In prozessualer Hinsicht sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ein unent-

geltlicher Rechtsbeistand beizuordnen. 

Zur Begründung führte der Beschwerdeführer aus, die Vorinstanz habe 

zahlreiche Glaubhaftigkeitselemente unbeachtet gelassen. Es seien keine 

Widersprüche in seinen Aussagen vorgekommen, habe er doch gesagt, 

dass er – beziehungsweise seine Familie – aus Afghanistan stamme und 

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Seite 4 

seine Muttersprache Dari sei. Die Feststellung in der LINGUA-Analyse, wo-

nach er namentlich mehrere Jahre im Iran gelebt haben solle, treffe eben-

falls nicht zu. Er habe zwar mehrere Jahre mit seiner Frau aus dem Iran 

zusammengelebt, dies allerdings immer illegal in Pakistan. Dort habe er 

einen Lebensmittelladen gehabt, in welchem er zweimal von Daesh be-

droht worden sei. Zudem habe die Vorinstanz seine militärische Ausbildung 

und den aktiven Dienst nicht geglaubt. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 20. Juni 2019 stellte der Instruktionsrichter 

fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten und hiess die Gesuche um Erlass der Prozesskosten 

gut. Gleichzeitig forderte er den Beschwerdeführer auf, eine Rechtsvertre-

tung zu bezeichnen. 

G.  

Mit Schreiben vom 25. Juni 2019 reichte die rubrizierte Rechtsvertreterin 

eine Vollmacht zu den Akten und ersuchte um Beiordnung als amtliche 

Rechtsvertreterin.  

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 5. August 2019 setzte der Instruktionsrichter 

die bevollmächtigte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin ein 

und lud das SEM zur Vernehmlassung ein. 

I.  

In der Vernehmlassung vom 8. August 2019 führte das SEM aus, die Be-

schwerde enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, 

die eine Änderung des bereits dargelegten Standpunktes rechtfertigen 

würden. Die erstmalig auf Beschwerdeebene geltend gemachten psychi-

schen Probleme könnten in Pakistan behandelt werden, wo der Beschwer-

deführer über ein soziales Netz verfüge. 

J.  

In der Replik vom 29. August 2019 führte der Beschwerdeführer aus, er 

sehe sich mit der bereits gefestigten Überzeugung der Vorinstanz, wonach 

er über seine Identität getäuscht habe, konfrontiert. Diese habe es unter-

lassen, in der Entscheidfindung auch jene Elemente zu würdigen, die für 

ihn sprechen würden. Zudem gebe es keine Hinweise darauf, dass er meh-

rere Jahre im Iran gelebt habe. Es könne nicht mit Sicherheit festgestellt 

werden, dass er bezüglich seiner Sprache nicht die Wahrheit gesagt habe 

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Seite 5 

und sein Gebrauch persischer Begrifflichkeiten nicht vom Zusammenleben 

mit einer Iranerin herrühre. Auf ein soziales Netzwerk könne er im Übrigen 

nicht zurückgreifen.  

K.  

Mit Eingabe datiert vom 29. Oktober 2020 (recte: Dezember 2020) reichte 

der Beschwerdeführer ein ärztliches Schreiben von C._______ vom 7. De-

zember 2020, eine E-Mail der (…) vom 18. November 2020 sowie ein Auf-

gebot zur ambulanten Untersuchung der (…) vom 18. November 2020 zu 

den Akten und führte aus, der Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt, wes-

halb die Sache sub-subeventualiter an die Vorinstanz zurückzuweisen sei. 

Er leide unter einer erheblichen depressiven Episode, einer posttraumati-

schen Belastungsstörung und einem psychoreaktiven Trauma. Zudem 

würden in den nächsten Tagen weitere kardiologische Tests durchgeführt. 

L.  

Mit Eingabe vom 27. Oktober 2021 erkundigte sich der Beschwerdeführer 

nach dem Verfahrensstand. Mit Schreiben vom 29. Oktober 2021 beant-

wortete der Instruktionsrichter dieses Schreiben. 

M.  

Mit Eingabe vom 21. Dezember 2021 reichte das Ärztezentrum D._______ 

beim Bundesverwaltungsgericht ein ärztliches Schreiben vom 20. Dezem-

ber 2021 ein. Mit Eingabe vom 5. Januar 2022 reichte der Beschwerdefüh-

rer dieses ärztliche Schreiben in Kopie erneut zu den Akten und führte aus, 

seine Ehefrau habe einen Suizidversuch begangen, weshalb er sich 

grosse Sorgen um sie und seinen Sohn im Iran mache. Zudem habe die 

Ärztin festgestellt, dass er depressiv und psychisch dekompensiert sei.   

 

E-2888/2019 

Seite 6 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes 

vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-

gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-

stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden 

Gesetzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG 

ins AIG übernommen worden.  

2.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer 

ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 

VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-

treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

4.  

Insoweit in der Eingabe vom 29. Oktober 2020 (recte: Dezember 2020) von 

der Rechtsvertretung neu beantragt wird, die angefochtene Verfügung sei 

infolge mangelhafter Sachverhaltsfeststellung zu kassieren, wäre grund-

sätzlich auf den Kassationsantrag nicht einzutreten, da dieser über die ur-

sprünglichen, innerhalb der Beschwerdefrist gestellten Rechtsbegehren 

hinausgeht und damit eine unzulässige Erweiterung respektive qualitative 

Änderung des Prozessgegenstandes darstellt. Jedoch hat der Beschwer-

deführer bereits in seiner Beschwerde sinngemäss Verletzungen sowohl 

des rechtlichen Gehörs als auch der Sachverhaltsfeststellung gerügt, wes-

halb vorliegend auf den entsprechenden Kassationsantrag einzutreten ist. 

Die formellen Rügen sind vorab zu prüfen, da sie zu einer Kassation der 

angefochtenen Verfügung führen können.  

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Seite 7 

5.  

5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör. Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die 

Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheid-

findung angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristge-

rechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkre-

ten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss 

so abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls 

sachgerecht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegun-

gen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie 

ihren Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit 

allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne 

Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).  

5.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel (Ur-

kunden, Auskünfte der Parteien, Auskünfte oder Zeugnis von Drittperso-

nen, Augenschein und Gutachten von Sachverständigen). Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-

den sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demgegenüber unvollständig, 

wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be-

rücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren 

und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 630). Der 

Amtsgrundsatz zur Feststellung des Sachverhalts findet seine Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der Partei (Art. 8 AsylG). 

5.3 Soweit der Beschwerdeführer zunächst moniert, die Vorinstanz habe 

wichtige Sachverhaltselemente, die für ihn sprechen würden, in ihrer Argu-

mentation unbeachtet gelassen, ist keine Verletzung der Begründungs-

pflicht beziehungsweise des rechtlichen Gehörs erkennbar. Vielmehr übt 

er mit dieser Argumentation inhaltliche Kritik an den materiellen Erwägun-

gen der angefochtenen Verfügung. Die Vorinstanz hat sämtliche Akten, na-

mentlich die Anhörungsprotokolle, das LINGUA-Gutachten sowie die Stel-

lungnahme hierzu berücksichtigt und ausreichend dargelegt, aus welchen 

Gründen sie zur Einschätzung gelangt, dass der Beschwerdeführer nicht 

wie angegeben sozialisiert wurde und weshalb sie dessen Asylvorbringen 

als den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nach Art. 7 AsylG bezie-

hungsweise die Asylrelevanz nach Art. 3 AsylG nicht genügend erachtet. 

Dabei musste sie sich nicht ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Be-

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Seite 8 

hauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen. Dem Be-

schwerdeführer war es denn auch ohne Weiteres möglich, die vorinstanz-

liche Verfügung sachgerecht anzufechten.  

5.4 Was den Bericht der Fachstelle LINGUA anbelangt, wurde sowohl eine 

Evaluation der landeskundlich-kulturellen Kenntnisse als auch eine lingu-

istische Analyse durchgeführt. Bei einer solchen LINGUA-Analyse handelt 

es sich nicht um ein Sachverständigengutachten (Art. 12 Bst. e VwVG; 

Art. 57 ff. des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bundes-

zivilprozess [BZP, SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern um eine schrift-

liche Auskunft einer Drittperson (Art. 12 Bst. c VwVG; Art. 49 BZP i.V.m. 

Art. 19 VwVG). Sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche Qualifi-

kation, Objektivität und Neutralität des Experten, wie auch an die inhaltliche 

Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analyse erfüllt sind, misst ihr das 

Bundesverwaltungsgericht einen erhöhten Beweiswert bei (vgl. 

BVGE 2014/12 E. 4.2.1 m.w.H.). Vorliegend liegen keine Anhaltspunkte 

vor, die Zweifel an der Qualifikation der LINGUA-Experten oder an einer 

korrekten sowie fachkundigen Erstellung der Analyse zulassen würden. 

Zudem wurde dem Beschwerdeführer der wesentliche Inhalt der Her-

kunftsabklärung zur Kenntnis gebracht und ihm hierzu korrekt das rechtli-

che Gehör gewährt (vgl. BVGE 2015/10 E. 5.1 mit Hinweis auf Entschei-

dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission  

[EMARK] 1998 Nr. 34 E. 9b). Die im Rahmen des rechtlichen Gehörs (vgl. 

SEM-Akten A41 S. 1 f.) sowie in der Beschwerde oberflächlich geäusserte 

Kritik namentlich an den Experten der Fachstelle LINGUA wurde in der 

Replik nicht ansatzweise vertieft und ist auch nicht geeignet, zu einem an-

deren Schluss zu führen. 

5.5 Schliesslich erweist sich die Rüge, die gesundheitlichen Probleme des 

Beschwerdeführers seien nicht vollständig abgeklärt worden, ebenfalls als 

unbegründet. Die Vorinstanz hat den damaligen Gesundheitszustand des 

Beschwerdeführers ausreichend gewürdigt. In der angefochtenen Verfü-

gung stützte sie sich zutreffend auf dessen Angaben in den Befragungen 

(hoher Cholesterinwert, hoher Blutdruck, Infarkt), die mit dem damals ins 

Recht gelegten ärztlichen Zeugnis übereinstimmen (vgl. SEM-Akten A22) 

und bereits in Pakistan behandelt werden konnten (vgl. SEM-Akten A5 

S. 10 und A17 F11). Es trifft zwar zu, dass die Vorinstanz die damals zudem 

bereits bekannten psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers in 

der angefochtenen Verfügung unerwähnt liess. Vor dem Hintergrund je-

doch, dass der Beschwerdeführer letztere in den Befragungen unerwähnt 

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liess und die entsprechenden aktenkundigen Behandlungen jeweils auf ei-

genen Wunsch hin abbrach, ist dies nicht zu beanstanden (vgl. SEM-Akten 

A32 S. 5 bzw. Bericht des (…) vom 26. Oktober 2018 S. 4, vgl. auch Be-

schwerdebeilage Austrittsbericht vom 15. Januar 2019 S. 3). Das protokol-

lierte Aussageverhalten des Beschwerdeführers lässt ferner nicht darauf 

schliessen, dass er gesundheitlich nicht in der Lage gewesen wäre, den 

Befragungen zu folgen. Allein aus einer repetitiven Erzählweise mit wenig 

Augenkontakt ergeben sich jedenfalls noch keine Hinweise auf derartige 

gesundheitliche Probleme, dass von Amtes wegen ärztliche Abklärungen 

veranlasst werden müssten. Auch auf Beschwerdeebene ergeben sich 

keine Hinweise darauf, dass der Sachverhalt bezüglich des Gesundheits-

zustandes des Beschwerdeführers ungenügend erstellt wäre (vgl. hierzu 

auch E. 9.4). Im Übrigen liegen auch keine anderen Hinweise auf eine 

rechtsfehlerhafte Sachverhaltsfeststellung vor. Eine selbst durchlaufene 

militärische Ausbildung oder einen aktiven Dienst hat der Beschwerdefüh-

rer weder im vorinstanzlichen Verfahren erwähnt noch auf Beschwerde-

ebene – bis auf einen Satz in der Beschwerde – vertieft.  

5.6 Die formellen Rügen erweisen sich somit als unbegründet, weshalb 

keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben 

und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Begehren ist 

abzuweisen.  

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG). 

6.2 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft 

machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 AsylG). Glaubhaft gemacht ist die 

Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwie-

gender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbeson-

dere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in 

sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massge-

blich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden 

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(Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an 

das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dar-

gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden 

(vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3).  

6.3 Asylsuchende sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts 

mitzuwirken. Sie müssen insbesondere ihre Identität offenlegen (Art. 8 

AsylG und Art. 2a Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen [Asylverord-

nung 1, AsylV 1, SR 142.311]). Der Untersuchungsgrundsatz findet unter 

anderem seine Grenzen an der Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG, vgl. 

BVGE 2014/12 E. 6). 

7.  

7.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit 

der Vorinstanz festzustellen, dass der Beschwerdeführer über seine Iden-

tität getäuscht hat und seine Vorbringen weder den Anforderungen an die 

Flüchtlingseigenschaft noch an das Glaubhaftmachen standzuhalten ver-

mögen. Die Rechtsmitteleingabe ist auch in materieller Hinsicht nicht ge-

eignet, zu einer anderen Einschätzung zu gelangen, da der Beschwerde-

führer lediglich an der Glaubhaftigkeit der gemachten Aussagen festhält, 

indem er entweder das bereits bei den Befragungen Dargelegte wiederholt 

oder die von der Vorinstanz aufgeführten Ungereimtheiten nicht nachvoll-

ziehbar zu erklären vermag.  

7.2 Der Beschwerdeführer ist weder in der Lage, die geltend gemachte af-

ghanische Staatsangehörigkeit zu belegen noch glaubhaft darzulegen. Er 

machte in der BzP geltend, seine Mutter sei mit ihm schwanger gewesen, 

als seine Familie Afghanistan verlassen habe und er sei (…) in Pakistan 

geboren, wo er sich seither illegal aufgehalten habe. Bei der Anhörung 

führte er aus, seine Eltern seien bereits während der Abdurrahman Khan-

Zeit (1881 bis 1901) aus Afghanistan geflohen. Diese zweite Version 

machte er zunächst auch anlässlich des LINGUA-Gesprächs geltend (vgl. 

LINGUA-Bericht SEM-Akten A30 S. 3 Ziff. 2.1, wonach er diesen Ausreise-

zeitpunkt im Verlauf des LINGUA-Gesprächs abermals änderte). Zudem 

führte er im LINGUA-Gespräch aus, dass seine Grossmutter bereits früher 

in Quetta gelebt habe (vgl. ebd. S. 3 Ziff. 2.1). Seit Ende des 19. Jahrhun-

derts migrieren afghanische Hazara in die Stadt Quetta. Diese Migration 

begann noch vor der Staatsgründung Pakistans 1947. Es wird zwischen 

zwei Gruppen von Hazaras in Quetta unterschieden. Zur ersten gehören 

die Nachkommen der im letzten Jahrhundert aus Afghanistan migrierten 

Hazara, welche pakistanische Staatsangehörige sind. Zur zweiten Gruppe 

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Seite 11 

gehören die in den letzten Dekaden aus Afghanistan migrierten Hazara, 

welche immer noch die afghanische Staatsangehörigkeit besitzen (vgl. 

Landinfo, Temanotat Pakistan: Opprør, sekterisk vold og lokale konflikter i 

Baluchistan, vom 26. Oktober 2018; ALESSANDRO MONSUTTI, Image of the 

Self, Image of the Other: Social Organization and the Role of 'Ashura' 

among the Hazaras of Quetta [Pakistan], In: MONSUTTI, A., et NAEF, S. The 

Other Shiites – From the Mediterranean to Central Asia, 2007, S. 178 und 

Schnellrecherche der SFH-Länderanalyse vom 12. März 2018 zu Pakistan: 

Afghan_innen der Hazara-Ethnie und pakistanische Staatsbürgerschaft, 

S. 3). Was den Beschwerdeführer anbelangt, so wäre bei der zweiten Ver-

sion seines Sachverhaltsvortrages davon auszugehen, dass er als Nach-

komme der ersten Generation pakistanischer Staatsbürger wäre. Die 

Schlussfolgerung, wonach er in eine Familie pakistanischer Hazara gebo-

ren wurde, wird durch den LINGUA-Bericht untermauert. Dieser kommt in 

einer landeskundlich-kulturellen Analyse zum Schluss, der Wissensstand 

des Beschwerdeführers entspreche nicht demjenigen eines rezenten Ha-

zara-Migranten, sondern der Gruppe Hazara, die bereits mehr als hundert 

Jahre in Quetta ansässig sei (vgl. ebd. insb. S. 3 Ziff. 2.2 und S. 17 Ziff. 4). 

Weiter kommt der Bericht in einer linguistischen Analyse zum Schluss, 

dass die primäre sprachliche Sozialisation des Beschwerdeführers in 

Quetta im Milieu der einheimischen Hazara von Quetta erfolgt sein müsse 

(vgl. ebd. insb. S. 17 Ziff. 4 f.). Neben den widersprüchlichen Angaben zur 

Emigration seiner Vorfahren aus Afghanistan, dem Fehlen afghanischer 

Identitätsdokumente und dem klaren Resultat des LINGUA-Berichts, 

spricht im Übrigen auch das Betreiben eines eigenen Geschäftes in Pakis-

tan gegen einen dortigen illegalen Aufenthalt. Vor diesem Hintergrund ist 

zusammen mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass es sich beim Be-

schwerdeführer um einen pakistanischen Staatsbürger handelt, der folglich 

die Behörden über seine Identität getäuscht hat. Der Beschwerdeführer 

stellt dieser Schlussfolgerung weder im Rahmen des ihm hierzu gewährten 

rechtlichen Gehörs noch auf Beschwerdeebene etwas Stichhaltiges entge-

gen. Vielmehr erschöpfen sich seine Erklärungsversuche insbesondere 

zum Aufenthalt im Iran, was jedoch vorliegend unbeachtlich ist. Die im vo-

rinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel (Heiratsurkunde ohne 

Registernummer, allgemeiner Dokumentarfilm und Schreiben «To whom it 

may concern») sind nicht geeignet, die behauptete Nationalität zu belegen. 

Im Übrigen können diese – vor dem Hintergrund, dass der Beschwerde-

führer bis heute keine rechtsgenüglichen Identitätspapiere eingereicht hat 

– nicht zweifelsfrei seiner Person zugeordnet werden. Zudem handelt es 

sich bei der Heiratsurkunde nicht um ein fälschungssicheres Dokument, 

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Seite 12 

weshalb deren Beweiswert – wie die Vorinstanz bereits zutreffend festge-

stellt hat – ohnehin als gering zu erachten ist. Der Antrag, es sei die Ziffer 

1 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung aufzuheben und die afgha-

nische Staatsangehörigkeit anzuerkennen, ist folglich abzuweisen. 

7.3 Bei Personen, die ihre Mitwirkungspflicht in grober Weise verletzen, ist 

vermutungsweise davon auszugehen, dass keine flüchtlingsrelevanten 

Gründe vorliegen. Dennoch hat die Vorinstanz die Asylvorbringen sowohl 

auf ihre Asylrelevanz als auch auf ihre Glaubhaftigkeit hin überprüft und ist 

zutreffend zum Schluss gelangt, dass die Vorbringen im Zusammenhang 

mit den Drohungen durch Daesh unglaubhaft und stereotyp ausgefallen 

sind und dass in Pakistan trotz der religiös angespannten Lage nicht von 

einer kollektiven Verfolgung von Hazara schiitischer Religionszugehörig-

keit auszugehen ist; beim Beschwerdeführer ist kein zusätzliches Gefähr-

dungsindiz ersichtlich (vgl. hierzu auch E. 9.4). Auch die diesbezüglichen 

Beschwerdeausführungen sind nicht geeignet, am Beweisergebnis etwas 

zu ändern. Um Wiederholungen zu vermeiden, ist auf die zutreffenden Aus-

führungen der Vorinstanz zu verweisen, die folgerichtig feststellte, der Be-

schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und das Asylge-

such zu Recht abgelehnt hat.  

8.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. 

Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. 

BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 

9.  

9.1 Die Untersuchungspflicht findet zwar ihre Grenzen an der Mitwirkungs-

pflicht des Asylsuchenden, der auch die Substanziierungspflicht trägt 

(Art. 7 AsylG). Da jedoch vorliegend sowohl von der Herkunft aus Pakistan 

als auch der pakistanischen Nationalität des Beschwerdeführers auszuge-

hen ist, ist nachfolgend – trotz der Verletzung der Mitwirkungspflicht (Nati-

onalität) – der Vollzug der Wegweisung nach Pakistan zu prüfen.  

9.2 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).  

E-2888/2019 

Seite 13 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

9.3 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-

rechtliche Verpflichtungen der Schweiz eine Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlings-

eigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von 

Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung 

der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend-

bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge-

meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 

BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und 

andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).  

Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der 

Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung nach Pakistan dort mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK 

verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Vollzug der 

Wegweisung ist zulässig. 

9.4 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-

länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf 

Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 

In Pakistan herrscht nach konstanter Rechtsprechung, trotz teilweise an-

gespannter Lage, keine landesweite Situation allgemeiner Gewalt, die zur 

Annahme führen müsste, jede dorthin zurückkehrende Person sei mit er-

heblicher Wahrscheinlichkeit konkret gefährdet. Der Wegweisungsvollzug 

ist daher nicht generell unzumutbar (vgl. dazu das Referenzurteil des 

BVGer E-3258/2018 vom 2. Juni 2020 E. 12.4.1 sowie das Urteil des 

BVGer D-2534/19 vom 7. April 2021 E. 8.4.2). 

Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen ethnischen Hazara schi-

itischen Glaubens aus Quetta. Das Bundesverwaltungsgericht schätzt die 

Lage in Quetta für schiitische Hazara als problematisch ein und bezeichnet 

E-2888/2019 

Seite 14 

die Sicherheitslage als bedrohlich und instabil. Es bestehe für Schiiten die 

ernstzunehmende Gefahr von religiös motivierten Anschlägen, wobei diese 

Gefahr für Hazara zusätzlich gesteigert sei. Es sei zwar nicht von einer 

Situation allgemeiner Gewalt auszugehen; die Zugehörigkeit zur ethnisch-

religiösen Minderheit der schiitischen Hazara sei aber als starkes Indiz für 

die Annahme der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu qualifizie-

ren. Ergebe sich aus der persönlichen Situation ein zusätzliches Gefähr-

dungsindiz, das über die schwierige generelle Lage der Hazara in Quetta 

hinausgehe, sei der Wegweisungsvollzug unzumutbar (vgl. BVGE 2014/32 

E. 9.4). 

Dies ist im Falle des Beschwerdeführers zu verneinen. Aufgrund seiner 

Ausführungen ist davon auszugehen, dass der Anschlag, bei dem Ver-

wandte von ihm umgekommen sein sollen, weder gezielt gegen diese noch 

gegen ihn selbst gerichtet war. Zudem ist festzustellen, dass der Beschwer-

deführer Dari, Urdu sowie Englisch kann und bis zu seiner Ausreise ein 

Lebensmittelgeschäft vor Ort betrieben hatte. In der Replik wird zwar gel-

tend gemacht, er verfüge inzwischen in Quetta über kein soziales Netzwerk 

mehr. Gleichzeitig wird jedoch bestätigt, dass seine Schwester mit vier ihrer 

Kinder unlängst nach Quetta gezogen ist (Replik S. 2). Ferner ist es dem 

Beschwerdeführer zumutbar, seine engste Familie, die nach seiner Aus-

reise aus Pakistan weggezogen ist, nach Quetta zurückzuholen. Im Übri-

gen war der Beschwerdeführer bereits vor seiner Ausreise selbständig und 

es ist – wie aufgezeigt (vgl. E. 7.2) – davon auszugehen, dass er zu den 

Nachkommen der Hazara erster Generation gehört, die sich gegenseitig 

unterstützen und zu den wohlhabenden Hazara in Quetta zählen (vgl. A-

LESSANDRO MONSUTTI, Image of the Self, Image of the Other: Social Orga-

nization and the Role of 'Ashura' among the Hazaras of Quetta [Pakistan], 

In: MONSUTTI, A., et NAEF, S. The Other Shiites – From the Mediterranean 

to Central Asia, 2007, insb. S. 178).  

Der Beschwerdeführer leidet unter verschiedenen gesundheitlichen Be-

schwerden, die in der Schweiz medikamentös behandelt wurden (insb. de-

pressive Episode, posttraumatische Belastungsstörung, psychoreaktives 

Trauma, Diabetes mellitus Typ 2, Hypercholesterinämie, hypertensive 

Herzerkrankung). Diese erreichen jedoch nicht die erforderliche Schwere, 

um die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in Frage zu stellen. Pra-

xisgemäss ist bei einer Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen 

Problemen nur dann von einer medizinisch bedingten Unzumutbarkeit aus-

zugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit einer Weiterbehandlung eine 

E-2888/2019 

Seite 15 

drastische und lebensbedrohliche Verschlechterung des Gesundheitszu-

stands nach sich zöge. Diese Schwelle ist vorliegend nicht erreicht. Die 

notwendige medizinische Versorgung in Pakistan ist für den Beschwerde-

führer zudem gewährleistet. Dass er bereits in Pakistan wiederholt medizi-

nische Hilfe (auch im Spital) in Anspruch nehmen konnte, bestätigte er 

selbst (vgl. SEM-Akten A5 S. 10 und A17 F11). Auch wenn der Zugang zu 

einer adäquaten Gesundheitsversorgung insbesondere für psychisch er-

krankte Personen in Pakistan erheblich erschwert ist, ist davon auszuge-

hen, dass ein solcher für den Beschwerdeführer – auch vor seinem finan-

ziellen Hintergrund – dennoch besteht (vgl. Urteil des BVGer D-1730/2018 

vom 14. Juli 2020 E. 8.3.3). Im Übrigen lässt der wiederholte Abbruch der 

Behandlungen – stets auf Wunsch des Beschwerdeführers – darauf 

schliessen, dass sich dessen Beschwerden nicht verschlechtert haben 

(vgl. z. B. Beschwerdebeilage Austrittsbericht vom 15. Januar 2019 S. 3  

oder SEM-Akten A32 Austrittsbericht vom 26. Oktober 2018 S. 4 bzw. S. 5). 

Als psychosoziale Belastungsfaktoren und genesungserschwerende Fak-

toren werden insbesondere die Migration mit Trennung von der Familie 

vermutet, weshalb davon auszugehen ist, dass sich das baldige wieder 

Zusammenleben mit seiner Familie vor Ort überdies positiv auf die gesund-

heitliche Entwicklung des Beschwerdeführers auswirken wird (vgl. insb. 

ebd. S. 3 bzw. S. 4). Die weiteren auf Beschwerdeebene eingereichten 

ärztlichen Berichte lassen keinen anderen Schluss zu. Im Übrigen steht es 

dem Beschwerdeführer offen, bei der Vorinstanz einen Antrag auf medizi-

nische Rückkehrhilfe zu stellen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG). Der Voll-

zug der Wegweisung ist folglich sowohl in genereller als auch in individu-

eller Hinsicht zumutbar. 

9.5 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen, 

weil es dem Beschwerdeführer obliegt, sich die für eine Rückkehr notwen-

digen Reisedokumente bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaats 

zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu BVGE 2008/34 E. 12). Der 

Vollzug der Wegweisung ist möglich. 

9.6 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-

bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung einer vorläufigen Auf-

nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). Das entsprechende Sub-

eventualbegehren ist abzuweisen. 

E-2888/2019 

Seite 16 

10.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit 

Zwischenverfügung vom 20. Juni 2019 die unentgeltliche Prozessführung 

gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und keine massgeblichen Ver-

änderungen der finanziellen Verhältnisse ersichtlich sind, sind keine Ver-

fahrenskosten zu erheben. 

11.2 Mit Zwischenverfügung vom 5. August 2019 wurde die Rechtsvertre-

terin des Beschwerdeführers als amtliche Rechtsbeiständin gemäss 

aArt. 110a Abs. 1 AsylG beigeordnet, weshalb dieser ein entsprechendes 

Honorar auszurichten ist. Die Rechtsvertreterin hat keine Kostennote ein-

gereicht. Auf entsprechende Nachforderung kann verzichtet werden, da 

sich die Vertretungskosten aufgrund der Akten abschätzen lassen (Art. 14 

Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

Bei amtlicher Vertretung geht das Gericht in der Regel von einem Stunden-

ansatz von Fr. 100.‒ bis Fr. 150.‒ für nicht-anwaltliche Vertreterinnen und 

Vertreter aus. Unter Berücksichtigung der massgebenden Berechnungs-

faktoren (Art. 8, 9 und 11 VGKE) und der Tatsache, dass die Beschwerde 

vom 11. Juni 2019 nicht von der Rechtsvertreterin verfasst wurde, ist das 

amtliche Honorar auf Fr. 450.– festzusetzen und der rubrizierten Rechts-

vertreterin zu Lasten der Gerichtskasse auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2888/2019 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Der rubrizierten Rechtsvertreterin wird vom Bundesverwaltungsgericht ein 

Honorar von Fr. 450.– ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

David R. Wenger Michal Koebel 

 

 

Versand:  

E-2888/2019 

Seite 18