# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dd8f099e-f800-592c-85a2-6e931e6d59a8
**Source:** Appenzell Ausserrhoden (AR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1999-06-30
**Language:** de
**Title:** Appenzell Ausserrhoden Kantonsgericht Sammlung ARGVP 30.06.1999 OG ARGVP 1999 2181
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AR_Gerichte/AR_KG_005_OG-ARGVP-1999-2181_1999-06-30.pdf

## Full Text

B. Gerichtsentscheide 2181

2181

Änderung eines Quartierplanes. Der Regierungsrat ist auch dann 
zuständige Rekursinstanz, wenn der Gemeinderat ein Planänderungs­
begehren nach einer Überprüfung eines bestehenden Quartierplanes 
von sich aus und nicht erst auf eine Einsprache hin abweist (Art. 51 
Abs. 2 in Verbindung mit Art. 49 Abs. 3 EG zum RPG).

Ein Grundeigentümer gelangte mit einem Planänderungsbegehren 
an den Gemeinderat. Der Gemeinderat trat auf dieses Begehren ein 
und wies dieses ab. Obwohl in der Rechtsmittelbelehrung der Regie­
rungsrat als Rechtsmittelinstanz bezeichnet wurde, liess der Eigentü­
mer bei der Baudirektion Rekurs erheben. Diese trat darauf ein und 
wies den Rekurs ab.

Aus den Erwägungen:
Die Zuständigkeit ist von Amtes wegen zu prüfen, bevor eine Be­

hörde auf die Behandlung einer Sache eintritt (Art. 2 des Gesetzes 
über das Verwaltungsverfahren, VwVG, bGS 143.5). In einem auf die 
Zuständigkeitsfrage beschränkten Schriftenwechsel haben die Baudi­
rektion, der Gemeinderat Heiden und auch der Beschwerdeführer 
übereinstimmend beantragt, auf die Beschwerde sei einzutreten und 
von einer Überweisung an den Regierungsrat sei abzusehen. Die 
Baudirektion hielt im wesentlichen dafür, die Generalklausel in Art. 90 
Abs. 1 lit. a EG zum RPG werde deshalb nicht durch die Spezialbe­
stimmung in Art. 49 Abs. 3 EG zum RPG überspielt, weil der Wortlaut 
dieser Bestimmung den Anwendungsbereich ausschliesslich auf Fälle 
beschränke, bei denen nach Durchführung einer öffentlichen Auflage 
ein Einspracheentscheid ergehe. Weil im vorliegenden Fall weder eine 
öffentliche Auflage noch ein Einspracheverfahren durchgeführt wurde, 
sei die Zuständigkeit des Regierungsrates durch Umkehrschluss aus­
geschlossen.

a) Art. 90 Abs. 1 lit. a EG zum RPG sieht im Sinne einer 
Generalklausel vor, dass gegen Verfügungen und Beschlüsse, die in 
Anwendung dieses Gesetzes und der Ausführungserlasse ergehen, 
innert 20 Tagen Rekurs an die Baudirektion erhoben werden kann. 
Davon abweichend sieht Art. 49 Abs. 3 EG zum RPG als Sondernorm 
in Kap. C./2. für den Erlass von Nutzungsplänen und Bauregiementen

50

B. Gerichtsentscheide 2181

vor, dass gegen Einspracheentscheide des Gemeinderates innert 
20 Tagen an den Regierungsrat rekurriert werden kann. Im gleichen 
Kapitel wird in Art. 51 unter dem Randtitel "Änderungen" bestimmt, 
dass Bauregiemente und Nutzungspläne zu überprüfen und allenfalls 
zu revidieren sind, wenn sich die tatsächlichen oder rechtlichen Ver­
hältnisse wesentlich geändert haben, wenn sich neue Aufgaben stel­
len oder es aus wichtigen öffentlichen Interessen geboten erscheint 
(Abs. 1). Nach Abs. 2 dieser Bestimmung ist für Änderungen an Nut­
zungsplänen und Bauregiementen das gleiche Verfahren durchzufüh­
ren wie für deren Aufstellung. Unter dem Randtitel "Änderungen" wird 
unter den in Art. 51 Abs. 1 genannten Voraussetzungen immer eine 
Überprüfung der geltenden Pläne oder Regiemente verlangt, jedoch 
nur "allenfalls", oder nach Art. 21 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die 
Raumplanung (RPG, SR 700) "nötigenfalls", deren Revision (vgl. 
EJPD/BRP, Erläuterungen zum RPG, N 9 zu Art. 21). Daraus erhellt, 
dass eine "Änderung" im Sinn von Art. 51 EG zum RPG jedenfalls eine 
Überprüfung, aber nicht notwendigerweise auch eine Plan- oder Bau­
reglementsrevision mit Auflage- und Einspracheverfahren umfasst. 
Wenn in Abs. 2 generell für Änderungen an Nutzungsplänen und Bau- 
reglementen das gleiche Verfahren wie für deren Aufstellung verlangt 
ist, so kann dies nur bedeuten, dass für Änderungen im Sinn einer 
blossen Überprüfung (ohne nachfolgende Revision) genauso wie für 
eine eigentliche Revision der gleiche Rechtsmittelweg wie beim erst­
maligen Planerlass einzuhalten ist. Demgegenüber regelt Art. 49 nur 
den erstmaligen Planerlass, welcher im Unterschied zur Planänderung 
bzw. Planüberprüfung immer mit einem Auflage- und Einsprachever­
fahren verbunden ist. Deshalb kann Art. 49 Abs. 3 für das Änderungs­
verfahren lediglich sinngemäss und nicht wörtlich massgebend sein, 
und zwar in dem Sinne, dass gemeinderätliche Entscheide betreffend 
Planänderungsgesuche immer wie der Einspracheentscheid beim 
erstmaligen Planerlass mit Rekurs an den Regierungsrat weitergezo­
gen werden können. Dies gilt auch dann, wenn der Gemeinderat auf­
grund einer Überprüfung der geltenden Pläne oder Regiemente die 
Auflage einer revidierten Plan- oder Reglementsvorlage nicht für nötig 
befindet und dies von sich aus verweigert, ohne ein Auflage- und Ein­
spracheverfahren durchzuführen. Der von der Vorinstanz aus dem 
Wortlaut von Art. 49 Abs. 3 EG zum RPG abgeleitete Umkehrschluss

51

B. Gerichtsentscheide 2181

ist mit dem für Änderungen vorab massgebenden Art. 51 EG zum 
RPG nicht zu vereinbaren. Dass bei einer Planüberprüfung der gleiche 
Rechtsmittelweg wie bei einer eigentlichen Planrevision gegeben sein 
muss, ist sachlich und nicht zuletzt auch aufgrund der im Nutzungs­
planverfahren geltenden Koordinationspflicht geboten (Art. 25a Abs. 4 
RPG). Wird eine Überprüfung nach den Voraussetzungen in Art. 51 
Abs. 1 EG zum RPG erforderlich, bedarf es jedenfalls einer Interes­
senabwägung. Ergibt sich daraus kein Planänderungsbedarf, unter­
scheidet sich die Interessenabwägung nur im Ergebnis von der eigent­
lichen Revision. Wäre im ersten Fall die Baudirektion und im zweiten 
Fall der Regierungsrat Rekursinstanz, bestünde die Gefahr wider­
sprüchlicher Rechtsmittelentscheide. Dies wäre namentlich dann der 
Fall, wenn die Baudirektion im Überprüfungsverfahren den Ände­
rungsbedarf bejaht und der Regierungsrat nach der Auflage im 
Rechtsmittel- und Genehmigungsverfahren die Notwendigkeit der Re­
vision verneint. Der Gemeinderat kann nach einer Überprüfung ein 
Planänderungsgesuch von sich aus ohne Auflage- und Einsprache- 
verfahren abweisen, oder in anderen Fällen kann er auch erst nach 
Auflage einer revidierten Planvorlage auf Einsprache hin eine Planän­
derung verweigern. Es besteht kein sachlicher Grund für die Ausle­
gung der Vorinstanz, wonach im ersten Fall die Baudirektion und im 
zweiten Fall der Regierungsrat Rekursinstanz sein soll. Art. 51 
Abs. 2 EG zum RPG kann in Verbindung mit Art. 49 Abs. 3 EG zum 
RPG vernünftigerweise nur dahingehend ausgelegt werden, dass der 
Regierungsrat abweichend von der Generalklausel in Art. 90 Abs. 1 
lit. a EG zum RPG in allen Plan- und Baureglementsänderungsverfah­
ren Rekursinstanz ist und bleibt, wie dies der bisherigen Praxis des 
Regierungsrates entspricht. Die ordentliche Rekurszuständigkeit der 
Baudirektion wird in allen Erlass- und Änderungsverfahren betreffend 
Nutzungspläne und Bauregiemente durch die spezielle Zuständigkeit 
des Regierungsrates abgelöst, und zwar auch dann, wenn ein Planän­
derungsbegehren nicht erst auf Einsprache hin abgewiesen wird.

b) Dass im konkreten Fall das Änderungsbegehren betreffend den 
Quartierplan Nord in Zusammenhang mit einem Baubewilligungsver­
fahren gestellt wurde, vermag entgegen der Stellungnahme der Ge­
meinde nun erst recht nichts an der Rekurszuständigkeit des Regie­
rungsrates zu ändern. Die Nutzungsplanung hat in Übereinstimmung

52

B. Gerichtsentscheide 2182

mit dem kant. Richtplan die für jedermann verbindliche Nutzungsord­
nung festzulegen. Das Baubewilligungsverfahren dient dagegen der 
Abklärung, ob Bauten der im Plan vorgesehenen Nutzung entspre­
chen. Es bezweckt einzelfallweise Planverwirklichung und soll nicht 
selbständige Planungsentscheide hervorbringen. Es ist auch hinsicht­
lich Rechtsschutz und demokratischer Mitwirkung nicht geeignet, den 
Nutzungsplan im Ergebnis zu ergänzen oder zu ändern (BGE 
1151b 151). Das Baubewilligungsverfahren hat sich in den planeri­
schen Stufenbau einzufügen und nicht umgekehrt. Daher kann auch 
aus der zufälligen Erstbefassung seitens der Baudirektion (im Baure­
kursverfahren) nicht auf eine Entscheidkonzentration bei dieser Be­
hörde geschlossen werden.

c) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Baudirektion mangels 
Zuständigkeit zu Unrecht auf den Rekurs betreffend das Planände­
rungsbegehren eingetreten ist. Die Rekurseingabe vom 14. April 1998 
ist zuständigkeitshalber an den Regierungsrat zur Behandlung zu 
überweisen. Weil kein beim Verwaltungsgericht anfechtbarer Ent­
scheid der für Planänderungen zuständigen Rekursinstanz (Regie­
rungsrat) vorliegt, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.

VGer 30.6.1999

2182

Quartierplan. Zulässigkeit und Grenzen allfälliger Abweichungen von 
den Regelbauvorschriften gemäss Zonenplan und Baureglement.

Das Planungsamt stellte zuhanden der Vorinstanz fest, dass in 
einem nach Norden exponierten Hanggebiet durch den zuoberst im 
Quartierplangebiet maximal zulässigen Baukörper B2 (Länge bis 38 m, 
Höhe bis 10 m) eine wohnhygienisch sehr einschneidende Beschat­
tung im darunterliegenden Baubereich B1 resultiert. Die Vorinstanz 
stellte dazu fest, das Baureglement der Gemeinde Herisau (BauR) 
lasse die Reihenbauweise zu und sehe dafür Gebäudelängen bis 40 m 
vor. Der Quartierplan weiche von dieser Regelbauweise kaum ab und 
verlange zu den nördlich angrenzenden Bauten im Bereich B1 insbe­

53