# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a909477e-b644-525e-9585-9041ff9149b8
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2005-01-12
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 12.01.2005 BK 2004 65
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2004-65_2005-01-12.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 12. Januar 2005 Schriftlich mitgeteilt am: 
BK 04 65

Entscheid
Beschwerdekammer

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Rehli und Hubert 
Aktuarin ad hoc Thöny

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In der strafrechtlichen Beschwerde

des C., Beschwerdeführer,

gegen

die Ablehnungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 7. Dezember 
2004, mitgeteilt am 9. Dezember 2004, in Sachen gegen D., Beschwerdegegne-
rin, 

betreffend Unterdrückung von Urkunden,

hat sich ergeben:

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A. Am 31. März 2004 überbrachte C. der Staatsanwaltschaft Graubün-
den ein als Anzeige entgegengenommenes Schreiben, mit welchem er bean-
tragte, es seien die ihn betreffenden Handakten und die Datenfiles der Datenbank 
VIS beim Sozialdienst der Stadt A. zu beschlagnahmen. Er begründete diesen 
Antrag im Wesentlichen damit, die vom Sozialdienst veranlasste Verschiebung 
des Termins zur Akteneinsichtnahme auf den 7. April 2004 eröffne diesem die 
Möglichkeit, die Datenbank und die Handakten zu manipulieren. Diese seien da-
her zu beschlagnahmen und zu versiegeln. Auch bestehe der dringende Ver-
dacht, dass es zu unzulässigen Absprachen zwischen dem Sozialdienst und der 
Krankenkasse B. gekommen sei. Zudem liege bei den kopierten Handakten ein 
Mietvertrag ohne Eingangsstempel. Nachdem der Rechtskonsulent der Stadt A. 
beim Beschwerdeführer zusätzlich eine Kopie des zweiten Mietvertrages zum 
gleichen Mietobjekt einverlangt habe, bestehe der Verdacht, dass die beiden Ver-
tragskopien mit demselben Eingangsstempel versehen worden seien, worin eine 
Urkundenfälschung zu sehen wäre. 

B. Mit Verfügung vom 6. April 2004 lehnte die Staatsanwaltschaft 
Graubünden die Eröffnung einer Strafuntersuchung sowie den Antrag um Be-
schlagnahme ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, es sei nicht nachvollzieh-
bar, weshalb die blosse Verschiebung eines Termins zur Akteneinsichtnahme die 
Vermutung begründen könne, dass Akten und Daten manipuliert würden. Des 
Weiteren lägen auch keine Anhaltspunkte für eine Urkundenfälschung oder ein 
anderes Delikt vor. 

C. Gegen diese Ablehnungsverfügung erhob C. am 10. April 2004 bei 
der Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden Beschwerde. Er 
führte aus, er habe weder einen Strafantrag noch einen Antrag auf Einleitung 
eines Strafverfahrens, sondern lediglich Antrag auf die Beschlagnahme der seine 
Person betreffenden Handakten und Datenfiles beim Sozialamt gestellt. Die Be-
schwerdekammer trat mit Entscheid vom 28. April 2004, mitgeteilt am 26. Juli 
2004 auf die Beschwerde nicht ein mit der Begründung, C. habe nicht dargelegt, 
ob er bei der Ausübung des Akteneinsichtsrechts in der über ihn vorliegenden 
Dokumentation irgendwelche verdächtige Veränderungen feststellen konnte. Der 
Beschwerdekammer fehle es daher an der Möglichkeit, entsprechende Vorbrin-
gen auf ihre Stichhaltigkeit hin zu überprüfen. 

D. Am 29. April 2004 reichte C. bei der Staatsanwaltschaft Graubün-
den Strafanzeige wegen Unterdrückung von Urkunden und wegen Betrugs ein. 

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Die Anzeige richtete sich gegen den Rechtskonsulenten der Stadt A. sowie ge-
gen diverse Personen des Sozialdienstes der Stadt A., unter anderem auch ge-
gen D.. C. machte in diesem Zusammenhang geltend, D. habe den fraglichen 
Mietvertrag ohne Eingangsvermerk ins Dossier gelegt und damit als Beweismittel 
unbrauchbar gemacht. Auch sei der Datenbankauszug in der zugestellten Dos-
sierkopie nicht enthalten gewesen. Damit hätten D. und die anderen verzeigten 
Personen die Straftatbestände der Unterdrückung von Urkunden gemäss Art. 
254 StGB und des Betrugs gemäss Art. 146 StGB erfüllt. 

E. Mit Verfügung vom 19. Juli 2004 lehnte die Staatsanwaltschaft 
Graubünden die Eröffnung einer Strafuntersuchung ab. Zur Begründung führte 
sie aus, das Vorgehen der verzeigten Personen sei in keiner Art zu beanstanden. 
Insbesondere seien keine für das Verwaltungsgerichtsverfahren relevanten Do-
kumente vorenthalten oder mit falschen Dokumenten eine Irreführung des Ge-
richts bewirkt worden. Daher läge auch nicht der geringste Verdacht dafür vor, 
dass die Tatbestände der Unterdrückung von Urkunden oder des (Pro-zess-)Be-
trugs erfüllt worden sein könnten. Gegen diese Ablehnungsverfügung erhob C. 
am 5. August 2004 bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von 
Graubünden Beschwerde. Die Beschwerdekammer trat mit  mit Entscheid vom 
15. September 2004, mitgeteilt am 4. November 2004, soweit die Beschwerde 
das Verhalten von D. betraf, nicht darauf ein, weil die Vorwürfe nicht genügend 
substantiiert waren.

F. Am 5. November 2004 reichte C. bei der Staatsanwaltschaft 
Graubünden erneut eine Strafanzeige gegen D. wegen Urkundenunterdrückung 
gemäss Art. 254 StGB ein. Er machte geltend, D. habe weder die Kopie des Miet-
vertrages mit einem Eingangsvermerk versehen noch einen entsprechenden Ein-
trag in der Datenbank VIS vorgenommen. Damit habe sie ein wesentliches Be-
weismittel in der strittigen Sache vor Verwaltungsgericht beiseite geschafft. 

G. Die Staatsanwaltschaft Graubünden nahm die Anzeige von C. als 
Wiederaufnahmegesuch entgegen und lehnte dieses mit Verfügung   vom 7. De-
zember 2004, mitgeteilt am 9. Dezember 2004 ab. Da die Anzeige vom 5. No-
vember weder neue Tatsachen noch Beweismittel enthalte, seien die Vorausset-
zungen für eine Wiederaufnahme nicht erfüllt. 

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H. Mit Schreiben vom 11. Dezember 2004 erhob C. bei der Beschwer-
dekammer des Kantonsgerichts von Graubünden Beschwerde mit folgenden An-
trägen:

„1. Die Staatsanwaltschaft Graubünden sei anzuweisen, die Strafan-
zeige vom 5. November 2004 gegen D. als Neuanzeige entgegenzu-
nehmen.

2. Die Staatsanwaltschaft Graubünden sei anzuweisen, gegen D. eine 
Strafuntersuchung betreffend Unterdrückung einer Urkunde (Mietver-
tragskopie) zu eröffnen.

3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge für die Beschwerdegeg-
nerin Staatsanwaltschaft Graubünden.

Die Staatsanwaltschaft Graubünden beantragte mit Schreiben vom 
22. Dezember 2004 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde.

Auf die Begründung der Anträge und die Ausführungen im angefochtenen 
Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen einge-
gangen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung :

1.a) Der Beschwerdeführer beanstandet, dass die Staatsanwaltschaft 
Graubünden in der angefochtenen Ablehnungsverfügung seine Anzeige nicht als 
Strafanzeige, sondern als Wiederaufnahmegesuch qualifizierte. Die Strafanzeige 
vom 29. April 2004 habe sich auf die Straftat des Beiseiteschaffens der Kopie 
des Mietvertrages bezogen, während die Anzeige vom 5. November 2004 die 
Straftat des Beiseiteschaffens der Datenbank VIS betraf. Damit seien die ange-
zeigten Straftaten nicht identisch, weshalb die Anzeige vom 5. November 2004 
als Neuanzeige entgegenzunehmen sei. Die Staatsanwaltschaft wendet dage-
gen ein, der Beschwerdeführer habe in der zweiten Anzeige geltend gemacht, 
„das Beweismittel Mietvertrag“ sei von der Verzeigten beiseite geschafft worden. 
Begründet werde dieser Vorwurf damit, D. habe weder die Kopie des Mietvertra-
ges mit einem Eingangsvermerk versehen noch einen entsprechenden Eintrag in 
die Datenbank VIS vorgenommen. Damit habe der Beschwerdeführer mit fast 
den gleichen Worten den denselben Vorwurf gegen D. erhoben wie in der Straf-
anzeige vom 29. April 2004. Die diesbezügliche Ablehnungsverfügung sei durch 
den Nichteintretensentscheid der Beschwerdekammer vom 15. September 2004 
in Rechtskraft erwachsen.

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b) Die formelle Rechtskraft bedeutet die Unabänderlichkeit der Ent-
scheidung und damit den Abschluss des Verfahrens, in dem sie ergangen ist. 
Formell rechtskräftig wird ein Urteil mit der Beurteilung in letzter kantonaler In-
stanz oder nach ungenutztem Ablauf der Frist der ordentlichen kantonalen 
Rechtsmittel. Die von der Staatsanwaltschaft Graubünden erlassene Ableh-
nungsverfügung vom 19. Juli 2004 wurde vom Beschwerdeführer mit Datum vom 
5. August 2004 angefochten. Die Beschwerdekammer des Kantons Graubünden 
wies diese Beschwerde jedoch mit Entscheid vom 15. September 2004 (BK 04 
42) ab. Dieser Entscheid formell in Rechtskraft erwachsen.

c) Die materielle Rechtskraft äussert sich in der Verbindlichkeit des 
Urteilsspruches für jedes spätere Verfahren. Sie sorgt dafür, dass die entschie-
denen Punkte in einem späteren Verfahren nicht noch einmal untersucht und be-
urteilt werden dürfen. Die Sperrwirkung der materiellen Rechtskraft bewirkt, dass 
wegen der beurteilten Tat gegenüber derselben Person nicht noch einmal ein 
Strafverfahren durchgeführt werden darf. Im Interesse des Rechtsfriedens und 
der Rechtssicherheit gilt das Verbot der mehrfachen Verfolgung derselben Tat 
und des gleichen Beschuldigten. Voraussetzungen für die Sperrwirkung sind da-
bei die Identität der Person, die Identität der Tat und die Beurteilungskompetenz 
des Gerichts im ersten Verfahren (vgl. Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., S. 424 
ff.). 

Die Strafanzeige vom 29. April 2004 richtete sich gegen den Rechtskon-
sulenten der Stadt A. sowie gegen mehrere Mitarbeiter der Sozialen Dienste A., 
wobei D. namentlich aufgeführt wurde. Die hier zu beurteilende Strafanzeige vom 
5. November 2004 richtet sich einzig gegen D.. Damit steht zweifellos fest, dass 
die erste Voraussetzung, nämlich die Identität der Person in den beiden Verfah-
ren, erfüllt ist. Des Weiteren muss im neuen Verfahren derselbe geschichtliche 
Vorgang vorliegen, der Gegenstand der früheren Urteilsfindung bildete. In der 
früheren Strafanzeige vom 29. April 2004 machte der Beschwerdeführer geltend, 
er habe festgestellt, dass der D. zur Archivierung übergebene Mietvertrag wohl 
in kopierter Form im Dossier vorhanden, jedoch mit keinem Eingangsvermerk 
versehen war. In der vorliegenden Strafanzeige vom 5. November 2004 führt der 
Beschwerdeführer aus, D. habe weder die Kopie des Mietvertrages mit einem 
Eingangsvermerk versehen, noch einen entsprechenden Eintrag in der Daten-
bank VIS, Dossier 2645 C., vorgenommen. Obwohl D. gemäss Datenbank tele-
fonisch über den Abschluss des Mietvertrages orientiert wurde, ohne dass sie 
gemäss eigener Behauptung eine Kopie davon erhalten habe, habe sie dies nicht 

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beim Beschwerdeführer reklamiert. Allein dieser Umstand weise die Machen-
schaft der Beschuldigten, das Beweismittel Mietvertrag beiseite zu schaffen, um 
eine Beweisführung zu verunmöglichen, nach. Damit steht fest, dass der identi-
sche Vorwurf der Unterdrückung von Urkunden gemäss Art. 254 StGB in beiden 
Anzeigen damit begründet wird, dass D. die Kopie des Mietvertrages weder mit 
einem Eingangsvermerk versehen noch einen entsprechenden Eintrag in der Da-
tenbank VIS vorgenommen habe. Der Mietvertrag war bereits im ersten Verfah-
ren Gegenstand der Abklärungen. Der geschichtliche Vorgang ist somit in beiden 
Verfahren identisch. Da auch die Beurteilungskompetenz der Staatsanwaltschaft 
nicht in Frage steht, ist die Ablehnungsverfügung vom 19. Juli 2004 formell und 
materiell in Rechtskraft erwachsen. Damit sind auch die Voraussetzungen für das 
Eintreten der Sperrwirkung der materiellen Rechtskraft ohne Zweifel erfüllt, wes-
halb eine neuerliche Strafuntersuchung gegen Alice in der bereits beurteilten Sa-
che ausgeschlossen ist. Somit handelte die Staatsanwaltschaft Graubünden 
rechtmässig, indem sie die Strafanzeige von C. als Wiederaufnahmegesuch ent-
gegennahm. 

2. Die Wiederaufnahme eines durch rechtskräftigen Entscheid abge-
schlossenen Strafverfahrens kann gemäss Art. 147 StPO verlangt werden auf-
grund neuer, erheblicher Tatsachen oder Beweismittel, die dem Richter zur Zeit 
des früheren Verfahrens nicht bekannt waren. Die Voraussetzungen für die Wie-
deraufnahme eines Verfahrens gelten grundsätzlich auch im Falle von Ableh-
nungsverfügungen. Dabei genügt, dass die neuen Tatsachen und Beweismittel 
den Schluss zulassen, dass bei vorheriger Kenntnis dieser neuen Umstände eine 
Untersuchung eröffnet worden wäre (Padrutt, a.a.O., S. 162 mit Hinweisen) Nur 
Nova können Grundlage für ein Revisionsgesuch sein, nicht aber die Rüge un-
genügender Würdigung bekannter Tatsachen. Neu ist indessen, was im ur-
sprünglichen Verfahren überhaupt nicht zur Beurteilung vorlag oder eine Tatsa-
che, die im Zeitpunkt des Urteils schon bestand, dem Richter aber unbekannt 
war. Erheblich sind neue Tatsachen und Beweismittel, wenn es sich dabei um für 
die rechtliche Qualifikation oder Strafzumessung bedeutende Umstände handelt, 
die vom Gericht nicht berücksichtigt wurden und die wahrscheinlich zu einer Än-
derung des früheren Urteils führen (Padrutt, a.a.O., S. 379 ff.). Im vorliegenden 
Fall bringt der Beschwerdeführer weder neue Beweismittel noch neue Tatsachen 
vor. Vielmehr gibt er genau das wieder, was er bereits im ersten Verfahren gel-
tend gemacht hatte. Auch bringt er nicht vor, inwiefern ein Revisionsgrund nach 
Art. 147 StPO vorliegen sollte. Die Voraussetzungen für die Wiederaufnahme des 
Verfahrens sind damit nicht gegeben. 

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3. Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet und ist daher 
abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten des Be-
schwerdeverfahrens gestützt auf Art. 160 Abs. 1 StPO zu Lasten des Beschwer-
deführers.

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer :

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Verfahrens von Fr. 500.-- gehen zu Lasten des Beschwer-
deführers. 

3. Mitteilung an:

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Für die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident: Die Aktuarin ad hoc: