# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c0b669a8-8709-5ac7-a648-557b85ff0ece
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-05-11
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 11.05.2017 IV 2014/53
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2014-53_2017-05-11.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2014/53

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 07.04.2020

Entscheiddatum: 11.05.2017

Entscheid Versicherungsgericht, 11.05.2017
Art. 16 ATSG. Art. 28 IVG. Rentenanspruch. Würdigung eines 
polydisziplinären Gutachtens (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St. Gallen vom 11. Mai 2017, IV 2014/53).

Entscheid Versicherungsgericht, 11.05.2017

Entscheid vom 11. Mai 2017

Besetzung                                                                      

Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und Marie 

Löhrer; Gerichtsschreiber Tobias Bolt             

Geschäftsnr.                                                                                                                    

IV 2014/53            

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Tanja Strauch-Frei,

Kriessernstrasse 40, 9450 Altstätten SG,

gegen

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IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand                                                                   

Rente

Sachverhalt

A.   

A.a  A.___ meldete sich am 18. Mai 2010 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe im Jahr 1990 eine dreijährige 

Berufslehre zur Zahnarztgehilfin abgeschlossen. In den Jahren 1997–2008 habe sie vier 

Kinder geboren. In den letzten Jahren habe sie Zeitungen vertragen und in zwei 

Haushalten geputzt. Der Hausarzt Dr. med. B.___ berichtete am 4. Juni 2010 

telefonisch (IV-act. 16), die Versicherte habe sich als Kind eine Steissbeinfraktur 

zugezogen, die mehrere Jahre unentdeckt geblieben sei. Zudem leide sie an einer 

schweren Kreuzbein-Deformität, die auch nach zwei Operationen (in den Jahren 1991 

und 1995) nicht behoben sei. Im Jahr 2005 sei eine lumbale und im März 2010 eine 

cervicale Discushernie operiert worden. Momentan bestehe eine vollständige 

Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten. Am 20. September 2010 berichtete Dr. 

B.___ (IV-act. 19), die Beschwerden der Versicherten hätten sich zwar insgesamt in den 

letzten sechs Monaten als therapieresistent erwiesen. Infolge der Operation vom März 

2010 hätten sich die cervicalen Beschwerden aber seit Juli 2010 gebessert, sodass für 

den erlernten Beruf als Zahnarztgehilfin nun wieder eine Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent 

attestiert werden könne. Eine Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 8. 

Februar 2011 (IV-act. 28), die Versicherte arbeite zurzeit auf Stundenbasis in einem 

Pensum von etwa 40 Prozent als Zahnarztgehilfin. Am 24. Mai 2011 notierte eine 

Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle (IV-act. 31), die Versicherte habe die 

Arbeitszeiten zwischenzeitlich besser auf ihre gesundheitlichen Beschwerden 

abstimmen können. Sie benötige einen speziellen Stuhl für den Behandlungsraum und 

zwei Steissbeinkissen, um ihr Steissbein während der Arbeit optimal entlasten zu 

können. Am 3. Juni 2011 vergütete die IV-Stelle die Kosten für den Stuhl und die 

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beiden Kissen als Frühinterventionsmassnahmen zur Anpassung des Arbeitsplatzes 

(IV-act. 34).

A.b  Am 31. August 2011 teilte die Versicherte der IV-Stelle mit, dass sie nicht mehr 

arbeiten könne (IV-act. 36). Am 7. September 2011 wies sie darauf hin, dass Dr. B.___ 

ihr geraten habe, ihre Arbeitsstelle aufzugeben, da ihr die Tätigkeit als Zahnarztgehilfin 

nicht mehr zumutbar sei (IV-act. 37). Am 3. Oktober 2011 teilte die IV-Stelle der 

Versicherten mit, dass angesichts der Verschlechterung des Gesundheitszustandes 

zurzeit keine beruflichen Massnahmen möglich seien, weshalb das Leistungsbegehren 

um berufliche Massnahmen abgewiesen werde (IV-act. 39). Am 14. Oktober 2011 

berichtete Dr. B.___ (IV-act. 41), die Versicherte habe im März 2011 eine Distorsion der 

Halswirbelsäule erlitten. Im Sommer 2011 seien die Schmerzen exacerbiert. In der 

Folge habe die Versicherte ihre Arbeitsstelle kündigen müssen. Zwischenzeitlich habe 

sich – „nicht ganz unerwartet“ – eine depressive Entwicklung eingestellt. Am 27. Januar 

2012 berichtete die Psychiaterin Dr. med. C.___ vom Kantonsspital St. Gallen (IV-act. 

44), die Versicherte leide an einer mittelschweren depressiven Anpassungsstörung, die 

sich allerdings bereits wieder in Remission befinde. Nach einer Abklärung im Haushalt 

der Versicherten notierte die Abklärungsbeauftragte im August 2012, die Versicherte 

sei als voll erwerbstätig zu qualifizieren (IV-act. 58). Am 19. September 2012 berichtete 

Dr. med. D.___ vom Kantonsspital St. Gallen (IV-act. 60), die Versicherte leide an einer 

rezidivierenden depressiven Störung, die bis mittelgradig ausgeprägt sei. Aktuell sei sie 

maximal zu 50 Prozent arbeitsfähig. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische 

Abklärungsstelle (MEDAS) Bern am 27. Mai 2013 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-

act. 68). Der orthopädische Sachverständige Dr. med. E.___ hielt fest, die von der 

Versicherten angegebenen Schmerzen in der Lendenwirbelsäule seien durch 

objektivierbare, pathologische Befunde zu erklären. Für die permanenten Schmerzen in 

der Hals- und Brustwirbelsäule sowie im Kreuzbein- und Steissbeinbereich habe 

dagegen kein hinreichender objektivierbarer organischer Befund erhoben werden 

können. Die Versicherte könne die angestammte Tätigkeit als Zahnarztgehilfin 

angesichts der objektiven klinischen Befunde zwar nur noch zu 50 Prozent ausüben. 

Eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit sei dagegen aus orthopädischer Sicht 

uneingeschränkt zumutbar. Die neurochirurgische Sachverständige Dr. med. F.___ 

führte aus, der Versicherten könne eine körperlich belastende Tätigkeit keinesfalls mehr 

zugemutet werden. Da die bisherige Tätigkeit als Zahnarztgehilfin mit nicht zu 

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umgehenden gelegentlichen Zwangshaltungen respektive mit der Unmöglichkeit eines 

regelmässigen Positionswechsels verbunden sei, sei auch diese nicht mehr 

uneingeschränkt zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit für diese Tätigkeit betrage 50 Prozent. 

Eine leichte, angepasste Tätigkeit sei der Versicherten dagegen ganztags ohne 

Leistungseinbusse zumutbar. Der neurologische Sachverständige Dr. med. G.___ 

führte aus, angesichts der während der persönlichen Untersuchung der Versicherten 

erhobenen objektiven Befunde müsse von einer vorrangig funktionellen sensiblen 

Störung ausgegangen werden. Auch ein aktuelles MRI habe keine Befunde gezeigt, die 

die Beschwerden der Versicherten hinreichend organisch erklären könnten. Aus 

neurologischer Sicht könne keine über die vom Orthopäden und der Neurochirurgin 

attestierten Einschränkungen hinausgehende Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Der 

psychiatrische Sachverständige Dr. med. H.___ hielt fest, die Persönlichkeit der 

Versicherten sei anankastisch strukturiert. Sie habe in der Vergangenheit an einer 

Essstörung gelitten. Diese liege aber aktuell nicht mehr vor. Eine depressive Störung 

oder eine sonstige psychische Störung von Krankheitswert habe nicht festgestellt 

werden können. Nach einer interdisziplinären Beurteilung führten die Sachverständigen 

chronische Lumbalgien, chronisch wiederkehrende Cervico-Cephalgien und Cervico-

Dorsalgien, Sakralgien und eine Coccygodynie sowie degenerative Veränderungen an 

der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule als Diagnosen mit Relevanz für die 

Arbeitsfähigkeit an. Sie attestierten für die angestammte Tätigkeit als Zahnarztgehilfin 

eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent (mit vorübergehenden Phasen einer 

vollständigen Arbeitsunfähigkeit im Zusammenhang mit den Operationen an der 

Wirbelsäule in den Jahren 2005 und 2010). Für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit 

attestierten sie eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Im Juni 2013 notierte Dr. med. 

I.___ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), das Gutachten der MEDAS 

Bern sei überzeugend (IV-act. 69).

A.c  Die IV-Stelle verglich das Jahreseinkommen einer vollzeitlich beschäftigten 

Dentalassistentin im Jahr 2011 von 56'400 Franken mit einem statistischen 

Hilfsarbeiterinneneinkommen von 53'255 Franken. Das ergab einen Invaliditätsgrad von 

5,58 Prozent (IV-act. 70). Mit einem Vorbescheid vom 20. Juni 2013 kündigte sie der 

Versicherten an, dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines 

rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 72). Dagegen liess die nun 

anwaltlich vertretene Versicherte am 11. September 2013 einwenden (IV-act. 78), der 

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Hausarzt Dr. B.___ und die behandelnden Ärzte des Zentrums J.___ des Kantonsspitals 

St. Gallen seien zu einer völlig anderen Arbeitsfähigkeitsschätzung als die 

Sachverständigen der MEDAS Bern gelangt. Der Hausarzt habe ausgeführt, dass er 

sich vor wenigen Jahren noch der Einschätzung der Sachverständigen angeschlossen 

hätte. Nach mehreren gescheiterten Wiedereingliederungsversuchen sei er aber heute 

der Ansicht, dass eine Rückkehr in den Arbeitsprozess nicht mehr möglich sei. Die 

behandelnde Psychotherapeutin habe eine Angst- und Panikstörung, eine 

Anpassungsstörung und eine dissoziative Störung mit Stupor und Fugue diagnostiziert 

und festgehalten, dass der Versicherten nicht einmal mehr die Bewältigung des 

Alltages uneingeschränkt möglich sei. Der psychiatrische Sachverständige Dr. H.___ 

habe diese Störungen nicht erkennen können, da er die Versicherte nur einmal – dazu 

an einem „guten“ Tag – untersucht habe. Abgesehen davon existiere keine 

Arbeitsstelle, die sämtlichen Voraussetzungen gerecht werde, die von den 

Sachverständigen der MEDAS Bern für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit genannt 

worden seien. In einer Stellungnahme vom 5. November 2013 führte der psychiatrische 

Sachverständige Dr. H.___ aus (IV-act. 82), die behandelnden Ärzte erachteten die 

depressive Störung ebenfalls als remittiert. Offenbar werde im Rahmen der Behandlung 

leider nicht hinreichend auf die anankastischen Tendenzen und auf eine frühere 

Essstörung eingegangen. Ein Angstgefühl komme nur auf, wenn die Versicherte ihre 

Rituale nicht durchführen könne. Das erfülle die Kriterien für die Diagnose einer Angst- 

und Panikstörung nicht. Eine Anpassungsstörung komme schon aufgrund der langen 

Dauer der subjektiven Beschwerden nicht in Frage. In den Akten fänden sich keine 

Hinweise auf eine dissoziative Fugue oder auf einen dissoziativen Stupor. Die 

behandelnde Psychologin habe eventuell das anankastische, ritualisierende Verhalten 

und die subjektiv angegebene Vergesslichkeit fehlinterpretiert. Indizien dafür, dass die 

einmalige Untersuchung durch Dr. H.___ für die zuverlässige Befunderhebung und 

Beurteilung nicht ausreichend gewesen sein sollte, seien nicht ersichtlich. Der RAD-

Arzt Dr. I.___ erachtete diese Stellungnahme als überzeugend, so dass keine weiteren 

medizinischen Abklärungen notwendig seien (IV-act. 83). Die IV-Stelle räumte der 

Versicherten am 20. November 2013 die Gelegenheit zur Stellungnahme zu den 

Ausführungen von Dr. H.___ ein (IV-act. 84). Diese liess am 5. Dezember 2013 geltend 

machen (IV-act. 85), sie sei schon aufgrund der organischen Beschwerden vollständig 

arbeitsunfähig. Entgegen der Angabe von Dr. H.___ reiche eine einmalige zweistündige 

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Untersuchung nicht aus, um sich ein umfassendes Bild vom psychischen 

Gesundheitszustand zu machen. Die Psychotherapeutin behandle die Versicherte 

schon seit Monaten und habe sich deshalb ein weit zuverlässigeres Bild vom wahren 

Gesundheitszustand der Versicherten machen können. Mit einer Verfügung vom 9. 

Dezember 2013 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-act. 87).

B.   

B.a  Am 27. Januar 2014 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) 

eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 9. Dezember 2013 erheben (act. G 1). Ihre 

(neue) Rechtsvertreterin beantragte die Zusprache einer Rente der 

Invalidenversicherung per 1. März 2011, eventualiter die Einholung eines neuen 

medizinischen Gutachtens, verbunden mit einer anschliessenden Rückweisung zur 

Neubeurteilung an die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin), und 

subeventualiter die Durchführung einer beruflichen Abklärung zur Beantwortung der 

Frage nach der Verwertbarkeit der Resterwerbsfähigkeit. Zur Begründung führte sie 

aus, die Sachverständigen der MEDAS Bern und die Beschwerdegegnerin hätten keine 

Tätigkeit nennen können, die die von den Sachverständigen definierten 

Voraussetzungen an eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit erfüllen würde. Eine 

Verwertung der Restarbeitsfähigkeit sei unrealistisch. Das psychiatrische Teilgutachten 

sei nicht überzeugend. Aktuell befinde sich die Beschwerdeführerin in einer stationären 

psychiatrischen Behandlung in der Klinik K.___. Die Ausführungen der 

Sachverständigen der MEDAS Bern hinsichtlich der somatischen Beschwerden seien 

ebenfalls nicht überzeugend, denn sie stünden im Widerspruch zu den Angaben der 

behandelnden Ärzte.

B.b  Die Beschwerdegegnerin beantragte am 17. März 2014 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung führte sie an, die Ausführungen der 

Beschwerdeführerin zur Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit seien nicht 

nachvollziehbar, denn die von den Sachverständigen der MEDAS Bern definierten 

Voraussetzungen für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit seien nicht ungewöhnlich. 

Die Berichte der behandelnden Ärzte seien nicht geeignet, wesentliche Zweifel an der 

Überzeugungskraft des Gutachtens der MEDAS Bern zu wecken.

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B.c  Am 18. März 2014 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege 

bewilligt (act. G 8).

B.d  Die Beschwerdeführerin liess am 2. Juni 2014 an ihren Anträgen festhalten und 

einen Austrittsbericht der Klinik K.___ vom 3. März 2014 einreichen (act. G 12 und G 

12.1). Laut diesem hatte sie sich vom 10. Dezember 2013 bis zum 20. Februar 2014 in 

stationärer Behandlung befunden. Die behandelnden Ärzte hatten eine mittelgradige 

depressive Störung mit einem somatischen Syndrom sowie eine dissoziative Störung 

mit Stupor und Fugue diagnostiziert.

B.e  Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 15).

B.f  Am 3. Dezember 2014 liess die Beschwerdeführerin zwei Arztzeugnisse des 

Fachbereichs Psychosomatik des Kantonsspitals St. Gallen einreichen, laut denen sie 

bis zum 31. Dezember 2014 vollständig arbeitsunfähig war (act. G 17). Am 30. April 

2015 liess sie ein weiteres Arztzeugnis einreichen, in dem ihr eine Arbeitsunfähigkeit bis 

zum 31. Juli 2015 attestiert worden war (act. G 19). Die Beschwerdegegnerin liess sich 

nicht vernehmen.

Erwägungen

1.   

Eine versicherte Person hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine 

Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, wenn sie 

während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf 

dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität 

einer erwerbstätigen versicherten Person (was in Bezug auf die Beschwerdeführerin 

zutrifft, wie die Beschwerdegegnerin zu Recht angenommen hat) wird für die 

Bemessung der Invalidität das Erwerbseinkommen, das diese nach dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 

Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu 

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jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben 

wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).

2.   

2.1  Die Beschwerdeführerin hat eine Berufsausbildung zur Zahnarztgehilfin absolviert. 

Nachdem sie – augenscheinlich vor allem familiär bedingt – lange Jahre nicht mehr im 

erlernten Beruf tätig gewesen war, hat sie trotz der dann bereits bestehenden 

gesundheitlichen Beeinträchtigungen und obwohl es die ursprünglich absolvierte 

Ausbildung nicht mehr gegeben hat (heute wird eine solche Ausbildung mit dem 

Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis Dentalassistentin abgeschlossen) wieder eine 

Arbeitsstelle im erlernten Beruf gefunden und ihre Tätigkeit offenbar zur vollsten 

Zufriedenheit ihres Arbeitgebers verrichtet (vgl. IV-act. 57–8). Das belegt, dass die 

Beschwerdeführerin ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung ohne Weiteres als 

Dentalassistentin hätte arbeiten können, ohne das ursprünglich erlernte Wissen zuerst 

wieder auffrischen respektive eine weitere Ausbildung absolvieren zu müssen. Die 

Validenkarriere besteht folglich in der Arbeit als Dentalassistentin, weshalb sich das 

Valideneinkommen auf den zuletzt erzielten, dem durchschnittlichen Lohn einer 

Dentalassistentin entsprechenden Lohn von 56'400 Franken (im Jahr 2011) beläuft.

2.2  Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens 

kommt der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung eine entscheidende Bedeutung 

zu. Zur Beantwortung der Frage nach der zumutbaren Arbeitsfähigkeit der 

Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin die MEDAS Bern mit einer 

polydisziplinären Begutachtung beauftragt. Deren Sachverständige haben die 

Beschwerdeführerin persönlich internistisch, orthopädisch, neurologisch, 

neurochirurgisch und psychiatrisch untersucht, neue MRI angefertigt und die 

medizinischen Vorakten gewürdigt. Gestützt auf die von ihnen erhobenen klinischen 

Befunde, auf die bildgebenden Befunde und auf die Ergebnisse der Aktenwürdigung 

haben sie mit einer überzeugenden Begründung aufgezeigt, dass die Arbeitsfähigkeit 

der Beschwerdeführerin in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit nicht eingeschränkt 

sei. Ebenso überzeugend begründet haben sie dargelegt, dass die erlernte Tätigkeit als 

Dentalassistentin nicht als ideal leidensadaptiert qualifiziert werden könne, weil sie die 

notwendige regelmässige Entlastung durch Bewegung nicht uneingeschränkt zulasse 

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beziehungsweise weil die Beschwerdeführerin als Dentalassistentin regelmässig über 

längere Zeit Zwangspositionen einnehmen müsse. Den Anteil der nicht zumutbaren 

Tätigkeiten haben die Sachverständigen auf 50 Prozent eines Vollpensums geschätzt, 

was als überzeugend erscheint. Die Berichte der behandelnden Ärzte enthalten in 

somatischer Hinsicht keine Anhaltspunkte, die gegen die Zuverlässigkeit dieser 

Arbeitsfähigkeitsschätzungen für den erlernten Beruf und für eine ideal 

leidensadaptierte Tätigkeit sprechen würden. Namentlich finden sich in den 

medizinischen Berichten keine objektiven Befunde, die gegen die uneingeschränkte 

Zumutbarkeit einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit oder gegen die Zumutbarkeit der 

Ausübung des erlernten Berufs im eingeschränkten Rahmen von 50 Prozent sprechen 

würden. Der Hausarzt Dr. B.___ hat explizit darauf hingewiesen, dass er sich noch im 

Sommer 2010 der Zumutbarkeitsbeurteilung der Sachverständigen der MEDAS Bern 

angeschlossen hätte. Zwar hat er geltend gemacht, rund drei Jahre später (also im 

Zeitpunkt der Begutachtung) falle seine Arbeitsfähigkeitsschätzung völlig anders aus. 

Das hat er aber nur mit den erfolglosen Wiedereingliederungsversuchen, denen in 

medizinischer Hinsicht keine Relevanz zukommt, und mit der Erfahrungstatsache, dass 

ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäule bei einer vorgeschädigten Wirbelsäule 

massivere Auswirkungen zeitige als bei einer nicht vorgeschädigten Wirbelsäule, 

begründet, ohne jedoch objektive Befunde nennen zu können, die belegt hätten, dass 

der konkrete Fall dieser allgemeinen Erfahrungstatsache entsprechen würde. Der 

psychiatrische Sachverständige der MEDAS Bern hat auch das Vorliegen einer 

relevanten psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung, die sich auf die Arbeitsfähigkeit 

der Beschwerdeführerin auswirken würde, verneint. Die Beschwerdeführerin hat 

nachträglich vorbringen lassen, der Sachverständige habe einen falschen Eindruck von 

ihrer psychischen Verfassung gewonnen, weil sie am Untersuchungstag einen „guten 

Tag“ gehabt habe. Da der Sachverständige sie nur einmal untersucht habe, sei es ihm 

nicht möglich gewesen, sich ein ausreichendes Bild von ihrem psychischen Zustand zu 

machen, denn nur mit mehreren Untersuchungen hätte er einen 

„Durchschnittseindruck“ von ihr – an „guten“, „mittelmässigen“ und „schlechten“ 

Tagen – gewinnen können. Dieser Einwand überzeugt nicht, denn von einem 

psychiatrischen Sachverständigen ist zu erwarten, dass er durch den „Vorhang“ der 

Tagesverfassung hindurch erkennen kann, ob und gegebenenfalls welche relevanten 

psychischen Beeinträchtigungen vorliegen und wie diese ausgeprägt sind. Zudem 

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haben dem psychiatrischen Sachverständigen Dr. H.___ die Akten der behandelnden 

Fachärzte vorgelegen, anhand derer er sich einen Eindruck vom gesamten bisherigen 

Verlauf hat verschaffen können. Es besteht folglich kein Anlass zur Befürchtung, er 

habe sich von einem nicht repräsentativen Eindruck der Beschwerdeführerin täuschen 

lassen. Zudem haben auch die übrigen Sachverständigen, insbesondere der Neurologe 

Dr. G.___, über einen unauffälligen, nicht depressiven Eindruck der Beschwerdeführerin 

berichtet, obwohl sie diese teilweise an einem anderen Tag als Dr. H.___ untersucht 

hatten. Die behandelnde Psychiaterin hatte schon vor der Begutachtung über eine 

Remission der depressiven Störung berichtet. Die Psychotherapeutin hat zwar nach 

der Begutachtung neue Diagnosen genannt, aber Dr. H.___ hat in seiner nachträglichen 

Stellungnahme überzeugend dargelegt, dass die entsprechenden Diagnosekriterien gar 

nicht erfüllt seien. Auch der Austrittsbericht der Klinik K.___ enthält keine objektiven 

Befunde, die Zweifel an der Zuverlässigkeit oder an der Aktualität der 

Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. H.___ im Verfügungszeitpunkt wecken würden. 

Zudem haben die behandelnden Ärzte der Klinik K.___ die von der behandelnden 

Psychotherapeutin gestellten Diagnosen einer dissoziativen Störung mit Stupor und 

Fugue übernommen, obwohl der Sachverständige Dr. H.___ diese Diagnose mit einer 

überzeugenden Begründung als unzutreffend qualifiziert hatte. Der Austrittsbericht der 

Klinik K.___ ist deshalb nicht geeignet, die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. H.___ zu 

erschüttern. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ist die Beschwerdeführerin also im 

massgebenden Zeitraum zwischen der Anmeldung zum Leistungsbezug und der 

Eröffnung der angefochtenen Verfügung nicht längerfristig aus psychischen Gründen in 

ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt gewesen. Folglich steht mit dem erforderlichen 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin 

in jenem Zeitraum ihren erlernten Beruf als Dentalassistentin in einem Pensum von 50 

Prozent oder eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit ohne jede Einschränkung hätte 

ausüben können.

2.3  Weil die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer ideal leidensadaptierten 

Tätigkeit wesentlich höher als jene im erlernten Beruf ist, würde die 

Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit nicht optimal ausnutzen, wenn sie wieder als 

Dentalassistentin tätig wäre. Bei der Anwendung des Art. 16 ATSG ist deshalb ein 

Wechsel in eine leidensadaptierte Tätigkeit und folglich die Erzielung eines 

Invalideneinkommens zu fingieren, das höher als das Einkommen ist, den die 

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Beschwerdeführerin erzielen könnte, wenn sie zu 50 Prozent als Dentalassistentin 

arbeiten würde. In ihrer aktuellen Situation bliebe der Beschwerdeführerin allerdings 

nichts anderes übrig, als eine leidensadaptierte Hilfsarbeit zu verrichten, denn sie hat 

keinen andern Beruf erlernt, in den sie nun wechseln könnte. Jedoch kann diese 

Ausgangslage mit einer Umschulung grundlegend verändert werden. Gemäss dem Art. 

17 Abs. 1 IVG besteht ein entsprechender Anspruch, denn in ihrem erlernten Beruf ist 

die Beschwerdeführerin zu mehr als 20 Prozent arbeitsunfähig. Wenn sie also einen 

neuen Beruf erlernt, der ihr die Verrichtung von ideal leidensadaptierten Tätigkeiten als 

Berufsfrau erlaubt, wird sie ihre verbliebene Arbeitsfähigkeit nicht nur auf dem 

Arbeitsmarkt für Hilfsarbeiten, sondern zusätzlich auch auf dem Arbeitsmarkt für jene 

Tätigkeiten verwerten können, für die sie die nötigen beruflichen Kenntnisse erlangt 

haben wird. Mit einer Umschulung kann die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin 

folglich noch wesentlich verbessert werden, weshalb die im Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG 

enthaltene Voraussetzung für den Bezug einer Rente der Invalidenversicherung nicht 

erfüllt ist. Aber auch die im Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG enthaltene Voraussetzung eines 

Invaliditätsgrades von mindestens 40 Prozent ist nicht erfüllt, und zwar unabhängig 

davon, ob von einer Invalidenkarriere als Hilfsarbeiterin oder von einer Invalidenkarriere 

als (umgeschulte) Berufsfrau ausgegangen wird. Im Jahr 2011 haben Hilfsarbeiterinnen 

statistisch nämlich einen Jahreslohn von 53'367 Franken erzielt (vgl. Anhang 2 in der 

AHV/IV-Textausgabe des IVG für das Jahr 2015), was 94,62 Prozent des 

Valideneinkommens von 56'400 Franken entspricht. Da die Beschwerdeführerin für 

ideal leidensadaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt arbeitsfähig ist und da es sich vor 

diesem Hintergrund nicht rechtfertigt, einen Tabellenlohnabzug (vgl. BGE 126 V 75) zu 

berücksichtigen, betrüge ihr Invaliditätsgrad lediglich 5,38 Prozent, wenn sie ihre 

Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Markt für Hilfsarbeiten 

verwerten würde. Mit einer Umschulung würde sie in die Lage versetzt, mindestens ein 

gleich hohes, erwartungsgemäss aber eher ein höheres Erwerbseinkommen zu 

erzielen, wodurch ein noch tieferer Invaliditätsgrad resultieren würde. So oder anders 

kann also kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent 

resultieren. Daran ändert der Umstand, dass die Sachverständigen der MEDAS Bern 

sehr detailliert definiert haben, was sie unter einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit 

verstehen (wechselbelastende, leichte körperliche Tätigkeiten ohne fixierte 

Körperhaltungen, ohne Belastungen ausserhalb der Körperachse, ohne Nässe, Kälte 

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und Zugluft, mit einer Hebelimite von fünf Kilogramm ausschliesslich körpernah) nichts, 

denn entgegen der Ansicht der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin fallen 

zahlreiche Tätigkeiten in Betracht, in denen die Beschwerdeführerin ihre verbliebene 

Arbeitsfähigkeit realistischerweise verwerten könnte, namentlich leichtere 

Produktionsarbeiten, Überwachungstätigkeiten oder – nach einer entsprechenden 

Umschulung – eine Tätigkeit im administrativen Bereich. Die Beschwerdeführerin hat 

folglich keinen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung, weshalb sich die 

angefochtene Verfügung, die nur den Rentenanspruch, aber nicht auch den Anspruch 

auf berufliche Massnahmen (insb. Umschulung) zum Gegenstand hat, im Ergebnis als 

rechtmässig erweist.

3.   

Die Beschwerde ist somit abzuweisen. An sich müsste die unterliegende 

Beschwerdeführerin die Gerichtskosten von 600 Franken bezahlen. Zufolge der 

Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege ist sie von der Bezahlung dieser Kosten 

zu befreien. Zudem hat der Staat ihrer Rechtsvertreterin eine Entschädigung 

auszurichten. Diese wird angesichts des insgesamt als leicht unterdurchschnittlich zu 

qualifizierenden notwendigen Vertretungsaufwandes (bei einem verhältnismässig 

dünnen Aktendossier und einem entsprechend unterdurchschnittlichen zeitlichen 

Aufwand für das Studium der Akten) auf 80 Prozent von 3'000 Franken, das heisst auf 

2'400 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer), festgesetzt. Sollten 

es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird die Beschwerdeführerin 

zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Entschädigung für die 

unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können (Art. 99 Abs. 2 VRP 

i.V.m. Art. 123 ZPO).

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.   

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.   

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/13

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St.Galler Gerichte

Die Beschwerdeführerin wird von der Pflicht zur Bezahlung der Gerichtskosten von Fr. 

600.-- befreit.

3.   

Der Staat hat die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin mit Fr. 2'400.-- 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 11.05.2017
	Art. 16 ATSG. Art. 28 IVG. Rentenanspruch. Würdigung eines polydisziplinären Gutachtens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11. Mai 2017, IV 2014/53).

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