# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 82fa0ad6-9c2e-5424-8df9-759048d24934
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-10-26
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 26.10.2006 PZ 2006 123
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_PZ-2006-123_2006-10-26.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 26. Oktober 2006 Schriftlich mitgeteilt am: 
PZ 06 123

Verfügung
Kantonsgerichtspräsidium

Vorsitz Präsident Brunner
Aktuarin ad hoc Vanoni

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Im Rekurs

des X .  A .  u n d  Y .  A . , Gesuchsteller und Rekurrenten, vertreten durch Rechts-
anwalt lic. iur. Alexander R. Lecki, Postfach 370, Stadthausstrasse 39, 8402 Win-
terthur,

gegen

die Verfügung des Kreispräsidenten Fünf Dörfer vom 17. Juli 2006, mitgeteilt am 
18. Juli 2006, in Sachen der Gesuchsteller und Rekurrenten gegen B., Gesuchs-
gegner und Rekursgegner, X. C. und Y. C., Gesuchsgegner und Rekursgegner, und 
D., Gesuchsgegner und Rekursgegner, alle vertreten durch lic. iur. HSG Hermann 
Just, Postfach 414, Masanserstrasse 35, 7001 Chur,

betreffend Grenzfeststellung,

hat sich ergeben:

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A. X. A. und Y. A. sind Miteigentümer der mit einem Wohnhaus überbau-
ten Parzelle Nr. 3, Grundbuch der Gemeinde Ortschaft X.. B. (Parzelle Nr. 1), die 
Eheleute X. C. und Y. C. (Parzelle Nr. 4) sowie D. (Parzelle Nr. 2) sind Eigentümer 
der benachbarten, ebenfalls mit Wohnhäusern überbauten Parzellen.

Ursprünglich bildeten die eben erwähnten Parzellen eine einzige Parzelle. Im 
Jahre 1976 teilte die ehemalige Eigentümerin E. dieses Gesamtgrundstück in die 
vier genannten Parzellen auf. Die Parzelle Nr. 3 blieb vorerst in ihrem Eigentum und 
wurde später an X. A. und Y. A. weitergegeben. Die übrigen drei Parzellen wurden 
an die genannten Parteien verkauft. In den Kaufverträgen wurden die Grundstücks-
flächen nicht genau festgelegt, es wurden lediglich die ungefähren Flächen - mit ca.-
Massangaben - angegeben.

Nach jahrelangem Streit mit zahlreichen gerichtlichen Auseinandersetzun-
gen um eine über die Parzelle X. A. und Y. A. führende, zu Gunsten der anderen 
drei genannten Parzellen bestehende Dienstbarkeit (Fuss- und Fahrwegrecht) lies-
sen X. A. und Y. A. ihre Parzelle durch das Ingenieur- und Vermessungsbüro F. AG, 
I., neu ausmessen. Sie stellten offenbar fest, dass im Jahre 1976 insgesamt 87 m2 
mehr auf die übrigen Parzellen übertragen und im Jahre 1981 im Gelände vermes-
sen und vermarcht worden waren als in den Kaufverträgen an ca.-Massen angege-
ben war.

B. Dies nahmen die Eheleute X. A. und Y. A. zum Anlass, am 29. März 
2006 beim Kreisamt Fünf Dörfer eine mit Grenzkorrektur/Grenzrichtigstellung etc. 
nach Grundbuch und Verträgen von 1976 überschriebene Eingabe einzureichen. 
Sie verlangten damit offenbar die Durchführung eines Verfahrens auf Festlegung 
einer ungewissen Grenze gemäss Art. 669 ZGB und Art. 9 Ziff. 18 und Art. 109 
EGzZGB. Ihrer Ansicht nach müsste die Grundstücksgrenze so verschoben wer-
den, dass sich die Fläche ihrer Parzelle „wieder“ um 87 m2 vergrössern würde. Hie-
von betroffen wären die Anlieger B., X. C. und Y. C. sowie D..

C. Mit Schreiben vom 18. Mai 2006 forderte der Kreispräsident Fünf Dör-
fer X. A. und Y. A. zur ordnungsgemässen Eingabe auf. Er wies unter anderem 
darauf hin, dass aus dem Gesuch vom 29. März 2006 ihre Forderungen nicht klar 
hervorgehen würden.

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D. Mit Eingabe vom 15. Juni 2006 liessen X. A. und Y. A. durch ihren 
unterdessen eingesetzten Rechtsvertreter ein Gesuch um Erlass einer superprovi-
sorischen Verfügung einreichen und folgende Rechtsbegehren stellen:

„1. Es sei den Gesuchsgegnern B., Eigentümer der Liegenschaft 1, D., Ei-
gentümer der Liegenschaft 2, sowie X. C. und Y. C. Eigentümer der Lie-
genschaft 4 in X. eine Einladung zur Augenscheinverhandlung betref-
fend amtliche Vornahme der Abgrenzung gemäss Art. 109 EGzZGB zu-
kommen zu lassen. Zum Augenschein seien die Geometer G. (früher 
G.&Co., heute H.,) und F. AG, aufzubieten.

2. Bis zur rechtskräftigen Erledigung des amtlichen Abgrenzungsverfah-
rens gemäss Art. 109 EGzZGB sei den Gesuchsgegnern amtlich zu be-
fehlen, dass sie ab sofort die südwestliche Grenze der Liegenschaft der 
Gesuchsteller zur Liegenschaft 2 (Eigentümer: D.), also die als Zufahrt 
benützte Fläche, weder begehen noch befahren dürfen;

unter solidarischer Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Ge-
suchsgegner.“

E. Der Kreispräsident Fünf Dörfer hat am 29. Juni 2006 wie folgt ent-
schieden:

„1. Dem Gesuch um Erlass einer superprovisorischen Verfügung wird nicht 
stattgegeben. Es sind keine erkennbaren Gründe gegeben, um den Ge-
suchsgegnern, vor Erledigung des amtlichen Abgrenzungsverfahrens, 
die Durchfahrt über die umstrittene Fläche zu verbieten, zumal dies seit 
Jahrzehnten so gehandhabt wird. Zudem steht den Gesuchsbeklagten 
gemäss Kantonsgerichtsurteil vom 14. Juni 1999 das Recht zu, die Ser-
vitutsfläche zu begehen und zu befahren.

2. Der Gegenpartei wird das Gesuch mitgeteilt. Ihr wird Frist bis zum 15. 
Juli 2006 gegeben, Anträge und Beweismittel einzureichen.

3. Der Grundbuchgeometer der Gemeinde X., heute H., wird aufgefordert, 
dem Kreisamt einen zusammenfassenden Bericht über den Ablauf der 
dazumaligen Grenzfestlegung und der darauf folgenden Vermessungs-
arbeit im Zusammenhang mit der neu erstellten Grundbuchvermessung 
abzuliefern. Darin sind, sofern bekannt, alle an der Grenzfestsetzung 
beteiligten Personen anzugeben. Ebenfalls von Wichtigkeit ist der ge-
samte Ablauf der Grundbuchvermessung Ortschaft X. mit den entspre-
chenden Daten (Auftrag, Festlegung im Gelände, Aufnahmen, Auflage 
und Einführung des amtlichen Grundbuches).

4. Nach Eingang der entsprechenden Unterlagen werden die Parteien zu 
einer Augenscheinverhandlung eingeladen.“

F. Am 11. Juli 2006 reichte H. dem Kreisamt Fünf Dörfer einen Bericht 
über den Ablauf der Verpflockung, Vermarkung und Vermessung, X. Los 1, im All-
gemeinen und von den betroffenen Grundstücken im Besonderen, ein.

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G. Gleichentags liessen die Gesuchsgegner eine Stellungnahme betref-
fend das Gesuch um amtliche Vornahme der Abgrenzung einreichen und folgende 
Anträge stellen:

„1. Das Gesuch auf amtliche Festsetzung der Grenzen sei abzuweisen.

2. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge, letztere zuzüglich 
7.6% MwSt, zu Lasten der Gesuchsteller.“

H. Am 17. Juli 2006 erliess das Kreispräsidium Fünf Dörfer folgende Ver-
fügung betreffend amtliche Vornahme der Abgrenzung:

„1. Auf das vorliegende Gesuch wird nicht eingetreten. Die Gesuchsteller 
werden in das ordentliche Verfahren gewiesen.

2. Die Verfahrenskosten gehen zu Lasten der Gesuchsteller. Diese setzen 
sich wie folgt zusammen:

Kreisamtliche Kosten CHF   950.00

Kosten Bericht des Grundbuchgeometers CHF   710.15

Total Verfahrenskosten CHF 1660.15

3. Die Gesuchsteller haben die Gesuchsbeklagten ausseramtlich mit CHF 
600.00 zuzüglich 7.6% MwSt zu entschädigen.

4. Der Bericht des Grundbuchgeometers H. wird den Parteien zusammen 
mit dieser Verfügung zugestellt.

5. (Rechtsmittelbelehrung).

6. (Mitteilung).“

Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass vorliegend nicht 
von ungewissen Grenzen gesprochen werden könne. Damit seien die Vorausset-
zungen für ein Verfahren gemäss Art. 669 ZGB und Art. 109 EGzGB nicht gegeben. 
Folglich könne auf das Gesuch nicht eingetreten werden und es finde kein Augen-
schein statt. Weiter werde dem Gesuch um Erlass einer superprovisorischen Ver-
fügung nicht entsprochen, da keine erkennbaren Gründe gegeben seien, um den 
Gesuchsgegnern vor Erledigung einer allfälligen Eigentumsklage im ordentlichen 
Verfahren zu verbieten, die bestrittene Fläche zu begehen oder zu befahren.

I. Gegen diese Verfügung liessen X. A. und Y. A. am 21. Juli 2006 durch 
ihren Rechtsvertreter beim Kantonsgerichtspräsidium Graubünden Beschwerde 
(recte: Rekurs) erheben und folgenden Antrag stellen:

„Es sei die vom Kreispräsidenten Fünf Dörfer unter Prot. Nr. XX.XXXX am 
17. Juli 2006 gefällte Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurtei-
lung an die Vorinstanz zurückzuweisen;

unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegner.“

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Der Rechtsvertreter von X. A. und Y. A. rügte eine Verletzung des Anspruchs 
auf rechtliches Gehör. Zur Begründung wurde vorgebracht, die Vorinstanz habe auf 
den Bericht und die Unterlagen des Geometers H. abgestellt, ohne dass die Rekur-
renten Gelegenheit gehabt hätten, dazu Stellung zu nehmen.

J. Mit Datum vom 25. Juli 2006 reichte der Kreispräsident Fünf Dörfer 
eine Vernehmlassung ein, wobei er auf die Erwägungen im angefochtenen Ent-
scheid verwies. Die Beschwerdegegner liessen sich mit Eingabe vom 14. August 
2006 vernehmen und führten aus, dass die Voraussetzungen der Art. 669 ZGB und 
Art. 109 EGzZGB nicht vorlägen. Weiter könne eine allfällige Verletzung des An-
spruchs auf rechtliches Gehör aufgrund der vollen Kognition des Kantonsgerichts-
präsidenten im Rekursverfahren geheilt werden. Da die Gesuchsgegner aber nicht 
von sich aus materiell Stellung genommen hätten, hätten sie auf ihren Anspruch auf 
rechtliches Gehör verzichtet.

K. Mit Schreiben vom 28. August 2006 gab der Kantonsgerichtspräsident 
X. A. und Y. A. Gelegenheit, sich zum Bericht des  Geometers H. samt Beilagen zu 
äussern und darzulegen, inwieweit der Entscheid des Kreispräsidenten ihrer Auf-
fassung nach materiell unrichtig sei.

L. Mit Eingabe vom 7. September 2006 liessen X. A. und Y. A. eine Stel-
lungnahme einreichen. Darin wurde im Wesentlichen ausgeführt, der Bericht des 
Geometers äussere sich lediglich in formeller Hinsicht, also über den äusseren 
Gang des Verfahrens. Die Rekurrenten hätten aber Anspruch auf Durchführung ei-
nes Augenscheins, da ein Augenschein der materiellen Stellungnahme der Parteien 
diene. Da das Verfahren gemäss Art. 109 EGzZGB den Charakter eines Vermitt-
lungs- oder Sühneverfahrens habe, mache die Durchführung eines Augenscheins 
auch Sinn. Schliesslich ergebe sich aus dem Bericht des Geometers nicht, dass die 
Grenzpläne richtig seien; er zeige lediglich den Ablauf des Verfahrens auf, enthalte 
aber keine Aussagen über die Richtigkeit der Grundbuchvermessung.

M. Am 2. Oktober 2006 liessen sich die Rekursgegner zu den neuerlichen 
Ausführungen der Rekurrenten vernehmen. Sie brachten vor, dass die Grenzen ein-
zig von X. A. und Y. A. bestritten würden. Gleichwohl würden sie sich dem Begehren 
der Gegenpartei aber nicht grundsätzlich widersetzen und an einer allfälligen Ver-
handlung im Sinne von Art. 109 EGzZGB teilnehmen. Die Voraussetzungen von Art. 
669 ZGB und Art. 109 EGzZGB seien aber nicht gegeben; die Grenze sei nämlich 
nicht ungewiss, da eine gültige Grundbuchvermessung vorliege. Es handle sich vor-

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liegend also um einen gewöhnlichen Eigentumsanspruch, welcher auf dem Wege 
der Eigentumsklage geltend zu machen sei.

Das Kantonsgerichtspräsidium zieht in Erwägung:

1. a) Entscheide des Kreispräsidenten im Sinne von Art. 9 Ziff. 18 EGzZGB 
können gemäss Art. 12 Abs. 1 EGzZGB innert zwanzig Tagen durch schriftlich be-
gründeten Rekurs beim Kantonsgerichtspräsidenten angefochten werden. Auf den 
frist- und formgerecht eingereichten Rekurs ist somit einzutreten.

b) Der Kantonsgerichtspräsident kann von Amtes wegen Erhebungen 
vornehmen (Art. 12 Abs. 2 EGzZGB). Er würdigt die Beweise frei. Im Übrigen gelten 
die Vorschriften der Zivilprozessordnung (ZPO; BR 320.000) über die Beschwerde 
wegen Gesetzesverletzung nach Art. 232 ff. ZPO sinngemäss (Art. 12 Abs. 3 EGz-
ZGB).

2. a) Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst unter anderem das Recht 
auf Stellungnahme zum Vorbringen der Gegenpartei und zum Ergebnis des Beweis-
verfahrens (z.B. zu Gutachten) (Häfelin/Haller, Schweizerisches Bundesstaats-
recht, 6. Aufl., Zürich 2005, S. 240). Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist rein 
formeller Natur. Seine Verletzung führt ungeachtet der Erfolgsaussichten des 
Rechtsmittels in der Sache selbst zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides. 
Der Ansprecher muss nicht zusätzlich ein materielles Interesse nachweisen (Vo-
gel/Spühler, Grundriss des Zivilprozessrechts, 8. Aufl., Bern 2006, S. 178). Die Ver-
weigerung des rechtlichen Gehörs hat indessen nicht in jedem Falle die Aufhebung 
des angefochtenen Entscheides zur Folge. Sie kann im Rechtsmittelverfahren ge-
heilt werden, wenn die Kognition der Rechtsmittelinstanz gegenüber derjenigen der 
ersten Instanz nicht eingeschränkt ist und dem Rekurrenten mit der Heilung kein 
Nachteil erwächst (BGE 126 I 68 E. 2 S. 72; BGE 107 Ia 1 E. 1 S. 2 f.; PKG 1993 
Nr. 28). Die Heilung des Verfahrensmangels ist jedoch ausgeschlossen, wenn es 
sich um eine besonders schwerwiegende Verletzung der Parteirechte handelt, und 
sie soll die Ausnahme bleiben (vgl. BGE 124 V 180 E. 4.a) S. 183; Pra 2001 Nr. 
188). Sie darf zudem nur dann angenommen werden, wenn es sich aus verfahrens-
ökonomischen Gründen geradezu aufdrängt (vgl. auch PVG 1996 Nr. 107).

b) Der Kreispräsident hat in seinem Entscheid vom 17. Juli 2006 auf den 
durch den Geometer verfassten Bericht abgestellt, ohne dass die Rekurrenten vor-
gängig dazu hatten Stellung nehmen können. Zudem hatte er mit Verfügung vom 

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29. Juni 2006 angekündigt, dass die Parteien zu einer Augenscheinverhandlung 
eingeladen würden; eine solche wurde dann aber nicht durchgeführt. Durch diese 
Vorgehensweise der Vorinstanz wurde der Gehörsanspruch von X. A. und Y. A. 
verletzt. Da dem Kantonsgerichtspräsidenten im Rekursverfahren aber volle Kogni-
tion zukommt (PKG 2004 Nr. 23) und die Rekurrenten in diesem Verfahren Gele-
genheit erhielten, in Kenntnis des Berichts des Geometers zum Entscheid der Vor-
instanz materiell Stellung zu nehmen (act. 09), konnte die Verletzung des An-
spruchs auf rechtliches Gehör geheilt werden (vgl. BGE 129 I 129 E. 2.2.3 S. 135).

3. Gemäss Art. 669 ZGB ist jeder Grundeigentümer verpflichtet, auf das 
Begehren seines Nachbarn zur Feststellung einer ungewissen Grenze mitzuwirken, 
sei es bei Berichtigung der Grundbuchpläne oder bei Anbringung von Grenzzei-
chen. Verweigert ein Nachbar die Erfüllung dieser Mitwirkungspflicht, so kann der 
Eigentümer des benachbarten Grundstücks durch die zuständige Behörde die 
Grenze festlegen lassen (Rey, Basler Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, 
Zivilgesetzbuch II, Art. 457 - 977 ZGB, Art. 1 - 61 SchlT ZGB, 2. Aufl., 2003, N 1 zu 
Art. 669 ZGB). Gemäss Art. 9 Ziff. 18 EGzZGB obliegt die Abgrenzungspflicht 
gemäss Art. 669 ZGB dem Kreispräsidenten. Die in Art. 669 normierte Mitwirkungs-
pflicht eines Nachbarn zur Grenzfeststellung und der entsprechende Anspruch des 
benachbarten Grundeigentümers sind in einer gesetzlichen Realobligation begrün-
det (Rey, a.a.O., N 2 zu Art. 669 ZGB).

Der Abgrenzungsanspruch entsteht, wenn eine Grenze „ungewiss“ ist. Un-
gewissheit der Grenze kann vorliegen, wenn sie an sich unbestritten ist und es le-
diglich um die Neufestlegung einer Grenzlinie geht (z.B. sind die Grenzzeichen ver-
loren gegangen bzw. unkenntlich geworden; der Plan ist nicht richtig angefertigt 
oder nachgeführt worden). Ungewiss ist eine Grenze aber auch dann, wenn ein 
Grenzverlauf von beiden Nachbarn bestritten ist und keiner von beiden denselben 
zu beweisen vermag (Rey, a.a.O., N 3 zu Art. 669 ZGB). Falls der Grenzverlauf 
jedoch nur von einem Nachbar bestritten wird, liegt keine Ungewissheit vor. In die-
sem Fall handelt es sich um einen gewöhnlichen Eigentumsanspruch, der mittels 
Eigentumsklage geltend zu machen ist (Meier-Hayoz, Berner Kommentar zum 
schweizerischen Privatrecht, Bd. IV, 1. Abteilung, 2. Teilband, Art. 655 – 679 ZGB, 
1965, N 22 zu Art. 669 ZGB).

All dies ergibt sich auch aus der Systematik des Gesetzes. Art. 669 ZGB ist 
nämlich nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit Art. 668 ZGB zu betrachten. 
So werden diese beiden Bestimmungen auch unter dem Obertitel „Abgrenzung“ 

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(siehe Marginalie vor Art. 668 ZGB) zusammengefasst. Art. 668 ZGB bestimmt die 
Art und Weise, wie die Grenzen bestimmt werden; nämlich durch die Grundbuch-
pläne und die Abgrenzungen auf dem Grundstück selbst. Wenn in dieser Hinsicht 
kein Mangel vorliegt, besteht keine ungewisse Grenze und keine Abgrenzungs-
pflicht des Nachbarn im Sinne von Art. 669 ZGB. Eine Grenzfeststellung ist aber 
einerseits möglich, wenn die Grundbuchpläne aufgrund von Fehlern bei der Ver-
messung falsch erstellt bzw. nachgeführt wurden. Sind Grundbuchpläne in einem 
amtlichen Verfahren rechtsgültig erstellt worden, bleibt für Art. 669 ZGB nur Raum, 
wenn die Festlegung der sich aus den Plänen ergebenden Grenzen verlangt wird; 
dies ist vor allem bei Verlust, Verschiebung usw. der Grenzsteine der Fall.

4. Aufgrund des geschilderten Sachverhalts ist von einer zwischen der 
Verkäuferin und den Käufern einvernehmlich vollzogenen Grundstücksteilung (act. 
9/7 ff. Akten Kreisamt Fünf Dörfer), von rechtsgültigen Kaufverträgen und einer 
rechtskräftig durchgeführten Grundbuchvermessung mit Inkraftsetzung des eid-
genössischen Grundbuchs (act. 11 mit Belegen Akten Kreisamt Fünf Dörfer) aus-
zugehen.

X. A. und Y. A. machen im vorliegenden Fall weder geltend, dass die Grund-
buchpläne nicht mit der amtlichen Vermessung übereinstimmen würden, noch dass 
die Vermarkung nicht den Grundbuchplänen entspräche oder Grenzzeichen ent-
fernt, verschoben etc. worden wären.

Die Rekurrenten wollen vielmehr mehr Boden zugesprochen erhalten als sie 
jetzt besitzen. Begründet wird dies damit, dass die Nachbarn zu wenig Boden be-
zahlt hätten. Ziel des Rechtsstreits ist es offenbar, die eingangs erwähnte Servitut 
zu verlegen, was gemäss den Ausführungen des Rechtsvetreters der Rekurrenten 
dazu führen würde, dass die Servitut obsolet würde (act. 9/1 Akten Kreisamt Fünf 
Dörfer, S. 4). X. A. und Y. A. wollen somit nicht eine ungewisse Grenze bestimmen 
lassen, sondern sie möchten aufgrund eines angeblichen Rechtsanspruchs aus feh-
lerhafter Erfüllung eines Kaufvertrages die jetzt bestehenden Rechtsverhältnisse 
betreffend Umfang des Eigentums der Käufer ändern. Dies könnte allenfalls mit ei-
ner Eigentumsklage gemäss Art. 641 Abs. 2 ZGB (rei vindicatio) erreicht werden; 
eine Grenzfeststellung gemäss Art. 669 ZGB führt nicht zu diesem Ziel.

Da somit das Verfahren gemäss Art. 669 ZGB im vorliegenden Fall nicht an-
wendbar ist, hat der Kreispräsident Fünf Dörfer zu Recht auf die Durchführung eines 
Augenscheins verzichtet.

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5. X. A. und Y. A. sind mit ihrem Rekurs materiell nicht durchgedrungen. 
Gleichwohl rechtfertigt es sich nicht, ihnen die Kosten des Rekursverfahrens zu auf-
erlegen, da sie aufgrund von Verfahrensfehlern des Kreispräsidenten zur Ergreifung 
des Rechtsmittels veranlasst wurden (vgl. Art. 122 Abs. 1 ZPO). Da diese Verfah-
rensfehler noch nicht als krass im Sinne des in PKG 2004 Nr. 11 publizierten Ent-
scheides bezeichnet werden können, gehen die Kosten des Rekursverfahrens zu 
Lasten des Kantons Graubünden. Weiter ist unter diesen Umständen eine ausser-
gerichtliche Entschädigung an die Rekursgegner nicht gerechtfertigt, wobei ohnehin 
kein entsprechendes Begehren gestellt wurde. Eine aussergerichtliche Entschädi-
gung an X. A. und Y. A. entfällt ebenso, da sie mit ihrem Rekurs materiell nicht 
durchgedrungen sind.

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Demnach verfügt das Kantonsgerichtspräsidium:

1. Der Rekurs wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Rekursverfahrens gehen zu Lasten des Kantons Graubün-
den.

3. Mitteilung an:

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Für das Kantonsgerichtspräsidium von Graubünden 
Der Präsident: Die Aktuarin ad hoc: