# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 12dfa510-f517-5a4f-9149-7c28f942517e
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-12-15
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 15.12.2021 SB200219
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB200219_2021-12-15.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 
 

Geschäfts-Nr.: SB200219-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. Ch. Prinz, Präsident, lic. iur. B. Gut und die 

Oberrichterin lic. iur. M. Knüsel sowie die Gerichtsschreiberin 

MLaw A. Donatsch 

Urteil vom 15. Dezember 2021 

 
in Sachen 

 

1. A._____,  
2. B._____,  
Beschuldigte und I. Berufungskläger 

3. C._____,  
Beschuldigter und Berufungsbeklagter 

1 amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____,  

1 verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X2._____,  

2 amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. Y._____,  

3 amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin lic. iur. Z1._____,  

 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. M. Stammbach,  

Abt. für schwere Gewaltkriminalität,  

Anklägerin und II. Berufungsklägerin (Rückzug betr. Beschuldigter 3) 

 

sowie 

 

4. D._____,  
Privatkläger und Anschlussberufungskläger 

- 2 - 

4 unentgeltlich vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Z2._____,  

 

betreffend Mord etc. 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 9. Abteilung,  
vom 9. März 2020 (DG180309) 
 

sowie 
 

X1._____, lic. iur.  
Beschwerdeführer 

 

 
Beschwerde gegen Dispositivziffern 31 und 35 des Urteils des Bezirksge- 
richts Zürich, 9. Abteilung, vom 9. März 2020, DG180309-L 
  

- 3 - 

Inhaltsverzeichnis 
 
Anklage 7 
Urteil der Vorinstanz 7 
 
Berufungsanträge 
Beschuldigter A._____ 14 
Beschuldigter B._____ 14 
Staatsanwaltschaft 15 
Privatkläger D._____ 16 
 
 
I. Verfahrensgang 
 1. Erstinstanzliches Verfahren 17 
 2. Berufungsverfahren 18 
 2.1. Berufungserklärungen 18 
 2.2. Weitere Parteien 18 
 2.3. Anschlussberufungserklärung 19 
 
II. Umfang der Berufungen 
 1. Beschuldigter A._____ 19 
 2. Beschuldigter B._____ 19 
 3. Staatsanwaltschaft 20 
 4. Anschlussberufung des Privatklägers D._____ 20 
 5. Rechtskraft 20 
 

A. Tötungsdelikt (Dossier 1) 
 
III. Kernsachverhalt und Parteistandpunkte 
 1. Sachverhalt 21 
 2. Vorbemerkungen 21 
 3. Standpunkte der Parteien 22 
 3.1. Staatsanwaltschaft 22 
 3.2. Beschuldigter A._____ 22 
 4. Täterschaft 23 
 
IV. Prozessuale Einwendungen und Anträge 
 1. Einschränkung der Öffentlichkeit des Verfahrens 26 
 2. Verletzung des rechtlichen Gehörs (Verweigerung d. Akteneinsicht) 26 
 3.  Ergänzung der Anklage bzw. Rückweisung zur Ergänzung der Unter-

suchung 27 
 4. Unverwertbarkeit der Einvernahme A._____ wegen Täuschung 28 
 5. Verspätete schriftliche Delegationsverfügung 29 
 6. Verletzung von Teilnahmerechten 30 
 7. Fehlendes Logbuch betreffend der Überwachungsmassnahmen 30 

8. Tatrekonstruktion mit einer 3D-Visualisierung 32 

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9. Unverwertbarkeit des psychiatrischen Gutachtens 33 
10. Unmittelbare Einvernahme von Auskunftspersonen und Zeugen 34 
10.1. Befragung von Zeuge E._____ und Zeuge F._____ 34 
10.2. Befragung von Zeuge G._____ 35 
10.3. Befragung der Zeugen H._____ und I._____ 36 
10.4. Befragung der Auskunftsperson D._____ (Privatkläger) 37 
10.5. Befragung des Schusswaffen-Sachverständigen Dr. J._____ 37 
10.6. Befragung des vormaligen fallführenden Staatsanwaltes K._____ 38 
10.7. Befragung der Tatzeugin L._____ 39 

 11. Verwertbarkeit der polizeilichen Aussagen der Tatzeugin L._____ 39 
 12. Entfernung unverwertbarer Aussagen aus den Akten 41 
 13. Zweiteilung der Hauptverhandlung (Tatinterlokut) 41 
 14. Ausstandsbegehren 42 
 
V. Weiterer Sachverhalt 
 1. Facebook-Posts und SMS-Kontakte 42 
 2. Mitnahme der Schusswaffe 43 
 3. Bewaffnung der Gegenseite 45 
 4. Übernahme der Schusswaffe von B._____ durch A._____ 46 
 5. Pfefferspray 46 
 6.  Schussabgabe durch A._____ 49 
 7. Vorsatz von A._____ bezüglich der Schüsse auf M._____ 50 
 8. Eventualvorsatz von A._____ bezüglich der Schüsse auf D._____ 52 
 9 Eventualvorsatz von B._____ 52 
 10. Fazit Sachverhalt 55 
 
VI. Rechtliche Würdigung  
 1. Beschuldigter A._____ 56 
 1.1.  Notwehr 56 
 1.2.  Qualifikation als Mord 56 
 2. Beschuldigter B._____ 59 
 

B.  Weitere Delikte (Dossiers 2 - 6) 
 
VII.  Weitere Delikte des Beschuldigten A._____ 60 
 
VIII.  Weitere Delikte des Beschuldigten B._____ 60 
 

C.  Sanktion 
 
IX. Strafzumessung Beschuldigter A._____ 
1. Strafrahmen und Strafschärfung 60 
2. Tatverschulden und Einsatzstrafe 61 
3. Versuchte eventualvorsätzliche Tötung von D._____ 63 
4. Strafe gemäss Urteil des Obergerichts vom 23. Okt. 2015 64 
5. Strafart in Bezug auf die weiteren Delikte 64 

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6. Widerhandlungen gegen das Waffengesetz 65 
7. Beteiligung am Angriff auf N._____ 66 
8. Führen eines Motorfahrzeuges trotz Entzug des Führerausweises 66 
9. Fahren in fahrunfähigem Zustand 67 
10. Falsche Anschuldigung 67 
11. Strafschärfung 68 
12. Hinderung einer Amtshandlung 68 
13. Täterkomponenten 68 
13.1. Geständnis, Reue und Einsicht 68 
13.2. Vorstrafen 69 
13.3. Persönliche Verhältnisse 70 
13.3.1. Lebenslauf 70 
13.3.2. Psychiatrisches Gutachten 70 
13.3.3. Finanzielle und berufliche Verhältnisse 71 
13.3.4. Verhalten im Strafvollzug 73 
13.3.5. Zusammenfassung der persönlichen Verhältnisse 74 
14. Strafhöhe 74 
15. Anrechnung Haft 75 
16. Vollzug 75 
 
X. Strafzumessung Beschuldigter B._____ 
1. Strafrahmen für die Gehilfenschaft zur Tötung 75 
2. Tatverschulden und Einsatzstrafe 75 
3. Strafart in Bezug auf die weiteren Delikte 76 
4. Mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz 78 
5. Mehrfache Drohung 79 
6. Falsche Anschuldigung 80 
7. Hehlerei 81 
8. Mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz 81 
9. Beschimpfung 82 
10. Strafbefehl vom 21. Dezember 2015 82 
11. Täterkomponenten 83 
11.1. Geständnis, Reue und Einsicht 83 
11.2. Vorstrafen 83 
11.3. Persönliche Verhältnisse 84 
12. Strafhöhe 84 
13. Anrechnung Haft 85 
14. Höhe des Tagessatzes 85 
15. Vollzug 86 
 
XI. Verwahrung des Beschuldigten A._____ 86 
 

D. Zivilforderungen 
 
XII.  Privatkläger D._____ 87 
1. Genugtuung 87 
2. Gesetzliche Grundlagen 87 

- 6 - 

3. Würdigung 88 
 
XIII.  Privatkläger T._____ 89 
1. Schadenersatz 89 
2. Genugtuung 90 
 
XIV  Privatkläger O._____, P._____ und Q._____ 90 
1. Schadenersatz 90 
2. Genugtuung 91 
 

E. Kosten- und Entschädigungsfolgen 
 
XV.  Verfahrenskosten 
1. Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens 91 
2. Kosten des Berufungsverfahrens 91 
 
XVI.  Entschädigungen 93 
 

F. Honorarbeschwerde 
 
1. Höhe der Honorarforderung 94 
2. Beschwerde 94 
3. Honorar für das Vorverfahren 95 
4. Entschädigung für das erstinstanzliche Gerichtsverfahren 96 
5. Fazit 99 

- 7 - 

Anklage:  

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I (vormals Staatsanwaltschaft IV) des 

Kantons Zürich vom 30. November 2018 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 192 

b). 

Urteil der Vorinstanz:  
(Urk. 368 S. 363 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Das Verfahren gegen den Beschuldigten C._____ wegen Raufhandels im Sinne 

von Art. 133 Abs. 1 StGB gemäss Dossier 14 wird eingestellt. 

2. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der mehrfachen, teilweise versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von 
Art. 111, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, 

− des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB, 
− der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 in Verbindung mit 

Ziff. 2 StGB, 
− der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 Abs. 1 StGB, 
− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 

33 Abs. 1 lit. a WG, 
− des mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b 

in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 SVG und 
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG. 

3. Der Beschuldigte B._____ ist schuldig 

− der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit mit Waffen im Sinne von Art. 260 
quater StGB, 

− der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB, 
− der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 StGB, 
− der Beschimpfung im Sinne von Art. 177 StGB, 
− der Hehlerei im Sinne von Art. 160 StGB, 
− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 

33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 WG und Art. 12 Abs. 1 lit. 
g WV und  

− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne 
von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG. 

- 8 - 

4. Der Beschuldigte B._____ ist nicht schuldig und wird freigesprochen von den Vor-

würfen 

− der Gehilfenschaft zu mehrfacher, teilweise versuchter vorsätzlicher Tötung 
im Sinne von Art. 111 in Verbindung mit Art. 25 und teilweise Art. 22 Abs. 1 
StGB gemäss Dossier 1, 

− der Begünstigung im Sinne von Art. 305 StGB gemäss Dossier 9, 
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB gemäss 

Dossier 12/3, 
− des Angriffs im Sinne von Art. 134 gemäss Dossier 12/4, 
− der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a 

WG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 WG und Art. 12 Abs. 1 lit. g WV gemäss 
Dossier 12/4 und 

− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne 
von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG gemäss Dossier 13 Randziffer 86 der 
Anklageschrift. 

5. Der Beschuldigte C._____ ist schuldig 

− des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB, 
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB und 
− der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a 

WG. 

6. Der Beschuldigte C._____ ist nicht schuldig und wird freigesprochen vom Vorwurf 

der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB gemäss Dossier 

1. 

7. Der Beschuldigte A._____ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 16 ½ Jahren 

als Zusatzstrafe zum Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom 23. Oktober 

2015, wovon 836 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind, sowie mit einer 

Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu CHF 10. 

 Es wird vorgemerkt, dass sich der Beschuldigte A._____ seit dem 20. Juni 2017 im 

vorzeitigen Strafvollzug befindet. 

8. Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe des Beschuldigten A._____ werden voll-

zogen. 

9. Der Beschuldigte B._____ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren, wo-

von 286 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe 

- 9 - 

von 300 Tagessätzen zu CHF 100 als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 21. Dezember 2015. 

10. Der Vollzug der Freiheitsstrafe des Beschuldigten B._____ wird im Umfang von 18 

Monaten aufgeschoben unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren. Im Umfang 

von 18 Monaten wird die Freiheitsstrafe vollzogen. Der Vollzug der Geldstrafe wird 

aufgeschoben unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren. 

11. Der Beschuldigte C._____ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten, 

wovon 167 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind, sowie mit einer Geld-

strafe von 60 Tagessätzen zu CHF 30.–. 

12. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe des Beschuldigten C._____ wird 

aufgeschoben unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren. 

13. Von der Anordnung einer Verwahrung im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB des 

Beschuldigten A._____ wird abgesehen. 

14. Von der Anordnung einer Landesverweisung im Sinne von Art. 66abis StGB des 

Beschuldigten B._____ wird abgesehen. 

15. Auf das Genugtuungsbegehren des Privatklägers R._____ wird nicht eingetreten. 

16. Der Privatkläger N._____ wird mit seinem Schadenersatzbegehren gegen die Be-

schuldigten A._____ und C._____ auf den Zivilweg verwiesen, soweit darauf einge-

treten wird. 

17. Der Beschuldigte C._____ wird verpflichtet, dem Privatkläger N._____ CHF 1'000 

als Genugtuung zu bezahlen. Im weiteren Betrag wird das Genugtuungsbegehren 

des Privatklägers N._____ gegen den Beschuldigten C._____ abgewiesen. Bezüg-

lich des Beschuldigten A._____ wird darauf nicht eingetreten. 

18. Der Privatkläger S._____ wird mit seinem Schadenersatzbegehren gegen den Be-

schuldigten B._____ auf den Zivilweg verwiesen.  

19. Der Beschuldigte B._____ wird verpflichtet, dem Privatkläger S._____ CHF 1'000 

zuzüglich 5% Zins seit 12. November 2016 als Genugtuung zu bezahlen. Im weite-

ren Betrag wird das Genugtuungsbegehren des Privatklägers S._____ abgewiesen. 

- 10 - 

20. Der Beschuldigte A._____ wird dem Grundsatz nach verpflichtet, den Privatklägern 

T._____, O._____, P._____ und Q._____ Schadenersatz zu leisten. Zur genauen 

Bezifferung ihrer Schadenersatzbegehren sowie vollumfänglich bezüglich der Be-

schuldigten B._____ und C._____ werden die Privatkläger auf den Zivilweg verwie-

sen.  

21. Der Beschuldigte A._____ wird verpflichtet, den nachfolgenden Privatklägern 

Genugtuung wie folgt zu bezahlen: 

- D._____ CHF 10'000 zuzüglich 5% Zins seit tt. März 2015; 
- T._____ CHF 8'000 zuzüglich 5% Zins seit tt. März 2015; 
- O._____ CHF 20'000 zuzüglich 5% Zins seit tt. März 2015; 
- P._____ CHF 20'000 zuzüglich 5% Zins seit tt. März 2015. 

In den weiteren Beträgen werden die Genugtuungsbegehren abgewiesen.  

22. Das Genugtuungsbegehren von Q._____ gegenüber dem Beschuldigten A._____ 

wird abgewiesen.  

23. Die Genugtuungsbegehren gegenüber den Beschuldigten B._____ und C._____ 

werden auf den Zivilweg verwiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

24. Die polizeilich sichergestellten Kleidungsstücke des Beschuldigten A._____, 

1 Pullover "Nike", 1 Jeanshose "Philipp Plein", sowie die mit Verfügung der Staats-

anwaltschaft vom 4. Oktober 2017 beschlagnahmten Gegenstände des Beschuldig-

ten A._____, ein Mobiltelefon Samsung und ein Mobiltelefon iPhone 6 Plus, werden 

dem Beschuldigten A._____ nach Eintritt der Rechtskraft auf erstes Verlangen zu-

rückgegeben. Werden die Gegenstände nicht innert drei Monaten seit Eintritt der 

Rechtskraft herausverlangt, werden sie der Lagerbehörde zur Vernichtung überlas-

sen. 

25. Das polizeilich vom Beschuldigten A._____ sichergestellte Minigrip, enthaltend 3.4 

Gramm Marihuana (Asservate-Nr. A4006'215'743, BM-Lager-Nr. 803572-2013, 

Dossier 4) und das polizeilich vom Beschuldigten A._____ sichergestellte Kokain 

(0.25 Gramm) aus dessen Portemonnaie (Asservate-Nr. A008'019'043, Lager-

Nr. B00980-2015, Dossier 7) wird eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt 

der Rechtskraft zur Vernichtung überlassen. 

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26. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 4. Oktober 2017 beschlagnahmte 

SIM-Karte, Rufnummer 1, von U._____ wird nach Eintritt der Rechtskraft U._____ 

auf erstes Verlangen herausgegeben. Wird die SIM-Karte nicht innert drei Monaten 

seit Eintritt der Rechtskraft herausverlangt, wird sie der Lagerbehörde zur Vernich-

tung überlassen. 

27. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 4. Oktober 2017 beschlagnahmten 

Gegenstände von †M._____, ein Mobiltelefon Nokia, Rufnummer 2, ein Mobiltele-

fon iPhone 6, Rufnummer 3, ein Mobiltelefon Nokia Rufnummer, 4, ein Mobiltelefon 

iPhone 5S, ebenfalls Rufnummer 3, ein Messer und ein Dolch, sowie die polizeilich 

sichergestellten Kleidungsstücke von †M._____, 1 Kapuzenjacke, 1 Pullover "Clo-

ckhouse", 1 Cargohose H&M, 1 Ledergurt dunkelbraun, 1 Unterhose "Ronaldinjo", 

1 Paar Schuhe "converse", 1 Paar schwarze Socken, werden den Hinterbliebenen 

von †M._____ auf erstes Verlangen herausgegeben. Werden die Gegenstände 

nicht innert drei Monaten seit Eintritt der Rechtskraft herausverlangt, werden sie der 

Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen. 

28. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft am 3. November 2017 beschlagnahmte 

Klappmesser, Marke "Marine", des Beschuldigten C._____ wird eingezogen und 

der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft zur Vernichtung überlassen. 

29. Der mit Verfügung vom 3. Oktober 2017 beschlagnahmte Pfefferspray 400 ml 

(Sachkaution 10495) von I._____ wird eingezogen und der Lagerbehörde nach 

Eintritt der Rechtskraft zur Vernichtung zu überlassen. 

30. Der polizeilich sichergestellte und beim Forensischen Institut Zürich gelagerte 

Revolver der Marke "Webley&Scott", Modell MK 4, Serien-Nr. 5 (Asservate-Nr. 

A009'994'934, Dossier 11) wird V._____, ... [Adresse] auf erstes Verlangen her-

ausgegeben. Wird der Revolver nicht innert drei Monaten seit Eintritt der Rechts-

kraft herausverlangt, wird er der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen. 

31. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

- 12 - 

CHF 45'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen: 

CHF 70'000.00   Gebühr Strafuntersuchung §4 GebStrV (Beschuldigter 1), 

CHF 40'000.00   Gebühr Strafuntersuchung §4 GebStrV (Beschuldigter 2 ), 

CHF 10'000.00   Gebühr Strafuntersuchung §4 GebStrV (Beschuldigter 3), 

CHF 39'193.00   Kosten Kantonspolizei Zürich, 

CHF 116'517.90   amtliche Verteidigung (Beschuldigter 1), 

CHF 78'847.35   amtliche Verteidigung (Beschuldigter 2), 

CHF 53'769.85   amtliche Verteidigung (Beschuldigter 3), 

CHF 121'427.70   Gutachten/Expertisen etc., 

CHF 123'055.15   Auslagen Untersuchung, 

CHF 70.00   ausserkantonale UKO, 

CHF 3'862.65   Vertreter Privatkläger 3, 

CHF 33'313.00   Vertreter Privatkläger 4, 

CHF 78'153.30   Vertreter Privatkläger 5, 6, 8, 

CHF 59'208.60   Vertreterin Privatkläger 7. 

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.  

32. Die separat ausgewiesenen Kosten der Untersuchung werden den jeweiligen 

Beschuldigten auferlegt, dem Beschuldigten A._____ vollumfänglich, den 

Beschuldigten B._____ und C._____ je zur Hälfte. Im weiteren Betrag werden die 

Untersuchungskosten auf die Gerichtskasse genommen. 

33. Die Kosten des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen ihrer amtlichen 

Verteidigung und diejenigen der unentgeltlichen Rechtsvertretungen der Geschä-

digten, werden dem Beschuldigten A._____ zur Hälfte, dem Beschuldigten B._____ 

zu einem Sechstel und dem Beschuldigten C._____ zu einem Zwölftel auferlegt. Im 

weiteren Betrag werden die Kosten des gerichtlichen Verfahrens auf die Gerichts-

kasse genommen. 

34. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen und der unentgeltlichen Rechtsvertretun-

gen der Geschädigten werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt 

eine Nachforderung für die Kosten der jeweiligen amtlichen Verteidigungen gemäss 

Art. 135 Abs. 4 StPO, beim Beschuldigten A._____ vollumfänglich, bei den 

Beschuldigten B._____ und C._____ je zur Hälfte. 

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35. Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ wird für seine Bemühungen und Barauslagen als 

amtlicher Verteidiger des Beschuldigten A._____ mit CHF 67'688.95 (inkl. Mehr-

wertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

36. Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ wird für ihre Bemühungen und Barauslagen als 

amtliche Verteidigerin des Beschuldigten B._____ mit CHF 78'847.35 

(inkl. Mehrwertsteuer und Akontozahlung in der Höhe von CHF 30'000) aus der 

Gerichtskasse entschädigt. 

37. Rechtsanwältin lic. iur. Z1._____ wird für ihre Bemühungen und Barauslagen als 

amtliche Verteidigerin des Beschuldigten C._____ mit CHF 51'611.65 (inkl. Mehr-

wertsteuer und Akontozahlung in der Höhe von CHF 15'112.20) aus der Gerichts-

kasse entschädigt. 

38. Rechtsanwalt lic. iur. W._____ wird für seine Bemühungen und Barauslagen als 

unentgeltlicher Rechtsvertreter des Privatklägers S._____ mit CHF 3'862.65 (inkl. 

Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

39. Rechtsanwalt lic. iur. Z2._____ wird für seine Bemühungen und Barauslagen als 

unentgeltlicher Rechtsvertreter des Privatklägers D._____ mit CHF 33'313 (inkl. 

Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt. 

40. Rechtsanwalt lic. iur. AA._____ wird für seine Bemühungen und Barauslagen 

als unentgeltlicher Rechtsvertreter der Privatkläger/innen T._____, O._____ und 

Q._____ mit CHF 78'153.30 (inkl. Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschä-

digt. 

41. Rechtsanwältin lic. iur. AB._____ wird für ihre Bemühungen und Barauslagen als 

unentgeltliche Rechtsvertreterin des Privatklägers P._____ mit CHF 59'208.50 (inkl. 

Mehrwertsteuer und Akontozahlung von CHF 16'820) aus der Gerichtskasse ent-

schädigt. 

42. (Mitteilungen) 

43. (Rechtsmittel)" 

- 14 - 

Berufungsanträge: 
(Prot. II S. 10 ff.) 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._____: 

 (Urk. 453 S. 2) 

1. A._____ sei vom Vorwurf der mehrfachen, teilweise versuchten vorsätz-

lichen Tötung im Sinne von Art. 111, teilweise in Verbindung mit Art. 22 

Abs. 1 StGB freizusprechen; 

2. A._____ sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von höchstens 4 Jahren, 

dies teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil des Obergerichts vom 23. Oktober 

2015, sowie einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 10.00, unter An-

rechnung der bereits erstandenen Haft; 

3. Auf die Anordnung einer Massnahme, insbesondere einer Verwahrung sei 

zu verzichten; 

4. Die Zivilforderungen der Privatkläger seien allesamt abzuweisen, eventuali-

ter auf den Zivilweg zu verweisen; 

5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) gemäss dem Aus-

gang des Verfahrens. 

b) Der Verteidigung des Beschuldigten B._____: 

 (Urk. 452 S. 2) 

1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Gefährdung der öffentlichen Sicher-

heit mit Waffen im Sinne von Art. 260quaterStGB freizusprechen. 

2. Der Beschuldigte sei mit einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu Fr. 100.–, 

wovon 313 Tage durch Haft (Untersuchungshaft und Auslieferungshaft) 

erstanden sind, als teilweise Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwalt-

schaft IV des Kantons Zürich vom 21. Dezember 2015 zu bestrafen. 

3. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probe-

zeit von 2 Jahren. 

- 15 - 

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Gerichtskasse zu neh-

men. 

5. Die Entschädigung für die amtliche Verteidigung für das Berufungsverfahren 

sie gemäss den eingereichten Honorarnoten festzusetzen. 

c) Der Staatsanwaltschaft: 

 (Urk. 455 S. 1 f.) 

1. Dispositiv Ziff. 2, erster Schuldspruch (A._____) sei wie folgt zu ändern: 

"Der Beschuldigte A._____ ist schuldig des mehrfachen, teilweise 

versuchten vorsätzlichen Mords im Sinne von Art. 112 StGB, teilweise in 

Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB." 

2. Dispositiv Ziff. 7 (A._____) sei wie folgt zu ändern: 

"Der Beschuldigte A._____ wird bestraft mit einer lebenslänglichen 

Freiheitsstrafe und einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 10.–." 

3. Dispositiv Ziff. 13 (A._____) sei wie folgt zu ändern: 

"Der Beschuldigte A._____ wird im Sinne von Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB ver-

wahrt." 

4. Dispositiv Ziff. 4 (B._____) sei wie folgt zu ändern bzw. zu ergänzen: 

"Der Beschuldigte B._____ ist schuldig der Gehilfenschaft zu mehrfacher, 

teilweise versuchter vorsätzlicher Tötung im Sinne von Art. 111 in 

Verbindung mit Art. 25 und teilweise Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 1)." 

5. Für den Fall des Schuldspruchs wegen Gehilfenschaft zur mehrfachen Tö-

tung (Ziff. 1) sei Dispositiv Ziff. 3 bzw. Dispositiv Ziff. 4 des Urteils wie folgt 

zu ändern bzw. zu ergänzen: 

- 16 - 

"Der Beschuldigte B._____ ist hinsichtlich des Eventualantrags der 

Gefährdung der öffentlichen Sicherheit mit Waffen im Sinne von Art. 250quater 

StGB freizusprechen." 

6. Dispositiv Ziff. 9 sie wie folgt zu ändern: 

"Der Beschuldigte B._____ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 

5 Jahren und einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu Fr. 100.– als teilwei-

se Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zü-

rich vom 21. Dezember 2015." 

d) Der Vertretung des Privatklägers D._____: 

 (Urk. 456 S. 2 f.) 

1. Die Berufungsanträge (Vorfragen, Beweisanträge und Anträge in der Haupt-

sache) des Beschuldigten A._____ seien vollumfänglich abzuweisen und die 

Ziffer 2 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März 

2020 (DG180309) sei umfassend zu bestätigen. 

2. Es seien die Ziffer 2, 1. Aufzählungszeichen, und Ziff. 3, 1. Aufzählungs-

zeichen, des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 9. März 

2020 (DG180309) aufzuheben und der Beschuldigte B._____ sei der Gehil-

fenschaft zur mehrfacher. teilweise versuchter vorsätzlicher Tötung im Sinne 

von Art. 111 in Verbindung mit Art. 25 und teilweise mit Art. 22 Abs. 1 StGB 

(Dossier 1) schuldig zu sprechen und entsprechend zu verurteilen. 

3. Der Beschuldigte A._____, B._____ und C._____ seien solidarisch zu ver-

pflichten, dem Privatkläger D._____ eine Genugtuung von Fr. 20'000.–, zu-

züglich 5% Zins seit dem tt. März 2015, zu bezahlen. 

4. Die Kosten dieses Berufungsverfahrens seien den Beschuldigten aufzuer-

legen. 

5. Die Kosten (zuzüglich der gesetzlichen MwSt.) der unentgeltlichen Vertre-

tung des Privatklägers und Anschlussberufungskläger D._____ seien, nach 

- 17 - 

Genehmigung der eingereichten Kostennote, ebenso den Beschuldigten 

aufzuerlegen, jedoch vorab aus der Staatskasse zu entschädigen. 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang     

1. Erstinstanzliches Verfahren 

1.1. Am 7. Dezember 2018 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage beim Be-

zirksgericht Zürich (Urk. 95, Datum Eingang). Die vorinstanzliche Ansetzung eines 

Termins für die Hauptverhandlung mit allen Parteien und Parteivertretern erwies 

sich als schwierig. So erklärte beispielsweise der amtliche Verteidiger des Be-

schuldigten A._____, dass ihm ein halbes Jahr für die Vorbereitung des Plädoyers 

für die Hauptverhandlung nicht ausreiche (Urk. 99). Weiter musste die Vorinstanz 

über mehrere prozessuale Anträge, die jeweils der Gegenpartei zur Stellungnah-

me zugestellt werden mussten, entscheiden (Urk. 368 S. 18). Um Wiederholun-

gen zu vermeiden, wird auf die mehrseitige Darstellung der Vorinstanz verwiesen 

(Urk. 368 S. S. 18 - 23). Am 9. März 2020 fällte die Vorinstanz das eingangs auf-

geführte Urteil.  

1.2. Die Verteidigung des Beschuldigten A._____ (Urk. 352 und 353) und jene 

des Beschuldigten B._____ (Urk. 356), die Vertretung der Privatkläger 5, T._____, 

und 7, P._____, (Urk. 360), und der Privatklägerinnen 6, O._____ und 8, Q._____ 

(Urk. 354), sowie die Staatsanwaltschaft (Urk. 357 - 359) meldeten innert der 10-

tägigen Frist von Art. 399 Abs. 1 StPO Berufung an. Sodann reichte der amtliche 

Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ gegen die Festsetzung seines Hono-

rars durch die Vorinstanz eine Beschwerde ein (Urk. 411/2), welche mit Beschluss 

der III. Strafkammer des Obergerichts vom 13. Juli 2020 zur Erledigung im Zu-

sammenhang mit dem Berufungsverfahren der I. Strafkammer des Obergerichts 

überwiesen wurde (Urk. 411/1). 

- 18 - 

2. Berufungsverfahren 

2.1. Berufungserklärungen 

Alle Berufungserklärungen gingen rechtzeitig innert der 20-tägigen Frist von 

Art. 399 Abs. 3 StPO ein (Empfang des begründeten vorinstanzlichen Urteils 

jeweils in Klammern): 

- Staatsanwaltschaft am 4. Mai 2020 (Urk. 371, 373; Empfang 20. April 2020, 

Urk. 367/1), 

- Beschuldigter 1, A._____, am 12. Mai 2020 (Poststempel 11. Mai 2020, 

Urk. 382; Empfang 20. April 2020, Urk. 367/2) 

- Beschuldigter 2, B._____, am 11. Mai 2020 (Poststempel 8. Mai 2020, Urk. 

378; Empfang am 20. April 2020, Urk. 367/3), 

2.2. Weitere Parteien 

2.2.1. Der Beschuldigte 3, C._____, meldete keine Berufung an. Die Staatsan-

waltschaft zog ihre Berufung gegen den Beschuldigten C._____ zurück, was vor-

zumerken ist (Urk. 369). Die Rechtskraft des vorinstanzlichen Urteils hinsichtlich 

des Beschuldigten C._____ ist mit diesem Entscheid festzustellen, zumal einzelne 

Dispositivziffern auch die anderen Beschuldigten betreffen (vgl. Urk. 390). 

2.2.2. Die Privatkläger 5, T._____, 6, O._____, und 8, Q._____, meldeten zwar 

Berufung an, verzichteten aber ausdrücklich auf Berufungserklärungen (Urk. 380). 

Gleichzeitig hielten sie fest, dass daraus nicht geschlossen werden dürfe, dass 

sie keine härtere Bestrafung der Beschuldigten wünschten (Urk. 380). Da die Er-

klärung innert Frist für die Berufungserklärung erfolgte, sind den Privatklägern 

keine Kosten aufzuerlegen. Von den Rückzügen ist Vormerk zu nehmen (vgl. Urk. 

390 S. 3). 

2.2.3. Auf die Berufung des Privatklägers 7, P._____, wurde mit Beschluss der 

hiesigen Kammer vom 5. Juni 2020 nicht eingetreten (Urk. 394).  

 

- 19 - 

2.3. Anschlussberufungserklärung 

Mit Präsidialverfügung vom 3. Juni 2020 wurde den Parteien Frist zur Anschluss-

berufung angesetzt (Urk. 390). Am 25. Juni 2020 ging die Anschlussberufungs-

erklärung des Privatklägers 4, D._____, rechtzeitig ein (Poststempel 24. Juni 

2020, Urk. 402; Empfang 4. Juni 2020, Urk. 391). 

Der Vertreter des Privatklägers D._____ erklärte "bezüglich der Berufungen der 

Gegenparteien" Anschlussberufung (Urk. 402). Da diese Erklärung zu unbestimmt 

war, wurde ihm mit Verfügung vom 16. Juli 2020 eine Frist zur Präzisierung seiner 

Anschlussberufungserklärung angesetzt (Urk. 408). In der Folge verzichtete er 

jedoch auf eine Stellungnahme bzw. eine Präzisierung (Urk 412). Soweit es die 

Sanktionen betrifft, ist ein Privatkläger gemäss Art. 382 Abs. 2 StPO nicht zu ei-

nem Rechtsmittel befugt. Ist unklar, ob eine Berufungserklärung auf einzelne 

Punkte beschränkt wird, ist diese dahingehend auszulegen, dass das vorinstanz-

liche Urteil als gesamthaft angefochten gilt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 

12. April 2007, 1P.69/2007). 

II. Umfang der Berufungen 

1. Beschuldigter A._____ 
Der Beschuldigte A._____ liess mit der Berufungserklärung das gesamte Urteil 

vollumfänglich anfechten (Urk. 382 Rz 6). Mit Eingaben von 7. und 10. Dezember 

2021 bzw. anlässlich der Berufungsverhandlung zog er die Berufung in folgenden 

Punkten zurück: Dispositivziffern 1, 2 Lemma 2-7, Ziff. 3-6, 9-19, 22-30, 36-41 

(Urk. 444, Urk. 446; Prot. II S. 15; Urk. 453 S. 2). Davon ist Vormerk zu nehmen. 

2. Beschuldigter B._____ 
Der Beschuldigte B._____ beschränkte seine Berufung auf den Schuldpunkt 

betreffend Gefährdung der öffentlichen Sicherheit mit Waffen (Dispositivziffer 3, 

erster Spiegelstrich) sowie auf die Bemessung der Strafe und der Anzahl anzu-

rechnender Hafttage (Dispositivziffern 9 und 10). In den übrigen Schuldpunkten ist 

das Urteil der Vorinstanz vom Beschuldigten B._____ nicht angefochten worden 

(Urk. 378 S. 2; Prot. II S. 15; Urk. 452 S. 2).  

- 20 - 

3. Staatsanwaltschaft 

3.1. Hinsichtlich des Beschuldigten A._____ verlangt die Staatsanwaltschaft 

anstelle des Schuldspruchs wegen mehrfacher, teilweise versuchter vorsätzlicher 

Tötung einen solchen wegen mehrfachen, teilweise versuchten vorsätzlichen 

Mordes. Beantragt wird anstelle der 16-1/2-jährigen Freiheitsstrafe eine lebens-

längliche Freiheitsstrafe. Schliesslich verlangt sie eine Verwahrung (Urk. 371; 

Prot. II S. 16; Urk. 455 S. 1 f.).  

3.2. Hinsichtlich des Beschuldigten B._____ wird der Freispruch von der Gehil-

fenschaft zu mehrfacher, teilweise versuchter vorsätzlicher Tötung angefochten. 

Anstelle der 3-jährigen Freiheitsstrafe wird eine solche von 5 Jahren gefordert 

(Urk. 373; Prot. II S. 16; Urk. 455 S. 1 f.). 

4. Anschlussberufung des Privatklägers D._____ 
Der Privatkläger D._____ erhob Anschlussberufung hinsichtlich der Berufungen 

der Gegenparteien (Urk. 402, 408 und 412). Anlässlich der Berufungsverhandlung 

zog der Vertreter des Privatklägers D._____ seine Anschlussberufung in den fol-

genden Punkten zurück bzw. die Anschlussberufung ist in diesen Punkten infolge 

Rückzugs der Berufung der Staatsanwaltschaft und des Beschuldigten A._____ 

gegenstandslos geworden: Dispositivziffern 1, Ziff. 2 Lemma 2-7, Ziff. 3 Lemma 2-

7, Ziff. 4 Lemma 2-6, Ziff. 5-20, Ziff. 21 Lemma 2-4, Ziff. 22-41 (Prot. II S. 15 f.). 

Davon ist Vormerk zu nehmen. Sodann ist auf den Antrag des Privatklägers 

D._____, der Beschuldigte C._____ sei zu einer Genugtuungszahlung zu ver-

pflichten, nicht einzutreten. 

5. Rechtskraft 

5.1. Entsprechend ist der erstinstanzliche Entscheid in den Dispositiv-Ziff. 1, 

Ziff. 2 Lemma 2-7, Ziff. 3 Lemma 2-7, Ziff. 4 Lemma 2-6, Ziff. 5-6, Ziff. 11-12, 

Ziff. 14-19, Ziff. 22-30, Ziff. 31 (mit Ausnahme der Entschädigung der amtlichen 

Verteidigung des Beschuldigten 1) und Ziff. 36-41 nicht angefochten und damit in 

Rechtkraft erwachsen, was vorab mittels Beschlusses vorzumerken ist (Art. 399 

Abs. 3 in Verbindung mit Art. 437 StPO).  

5.2. Im Übrigen steht der angefochtene Entscheid zur Disposition. 

- 21 - 

A. Tötungsdelikt (Dossier 1) 

III. Kernsachverhalt und Parteistandpunkte  

1. Sachverhalt 

Am Sonntagmorgen des tt. März 2015 um ca. 5:00 Uhr kam es in der Nähe der 

AC._____-Tankstelle in Zürich AD._____, genauer gesagt an der AE._____-

strasse ... gegenüber dem Autocenter AF._____ (Urk. 5/1 S. 29), zu einer Ausei-

nandersetzung zwischen zwei feindseligen Gruppierungen, in deren Verlauf Pfef-

fersprays und eine Schusswaffe eingesetzt wurden. M._____ wurde von einer 

Kugel tödlich in den Rücken getroffen. Als Täter erachtet die Anklagebehörde den 

Beschuldigten A._____. Den Revolver nahm der Beschuldigte B._____ zum Tref-

fen der feindseligen Gruppen mit. Nachdem der Streit eskalierte und B._____ ei-

nen Warnschuss in die Luft abgegeben hatte, behändigte A._____ die Waffe von 

diesem und schoss auf die flüchtenden M._____ und D._____. Die beiden Grup-

pen setzten sich wie folgt zusammen: auf der einen Seite die Beschuldigten 

A._____, B._____, C._____ und G._____, auf der andere Seite M._____, 

D._____, H._____ und I._____ (Urk. 5/1 Antworten 126 und 137, 8/1 S. 6). 

2. Vorbemerkung 

Die Verteidigung des Beschuldigten A._____ stellte im Laufe des Verfahrens im-

mer wieder zahlreiche prozessuale Anträge, einschliesslich einem 47-seitigen 

Ausstandsbegehren gegen die Mitglieder des vorinstanzlichen Spruchkörpers, 

welches von der III. Strafkammer des Obergerichts abgewiesen wurde (Urk. 267). 

Ebenso beantragte sie die Abnahme verschiedener zusätzlicher Beweismittel. Sie 
äusserte sich dabei wenig zur Sache selbst, sondern stellte umso mehr theore-

tisch denkbare Hypothesen in den Raum, teilweise losgelöst vom 

Untersuchungsergebnis (Urk. 258 S. 14 - 32), oder machte Ausführungen über 

den Zustand der schweizerischen Strafjustiz und allgemeine Feststellungen über 

Verfahrensrechte nach EMRK und UNO Pakt II (Urk. 260). Deshalb ist es nötig, 
vorab die Parteistandpunkte und den rechtsgenügend erwiesenen Sachverhalt 

darzustellen, um den Fokus nicht zu verlieren, worum es materiell in diesem 

- 22 - 

Strafprozess geht, und um die Tragweite der Anträge der Verteidigung im konkre-

ten Fall vor Augen zu führen.  

Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die Berufungs-

instanz auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken kann 

(vgl. BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 S; BGE 141 III 28 

E. 3.2.4; je mit Hinweisen). 

3. Standpunkte der Parteien 

3.1. Staatsanwaltschaft 

Die Staatsanwaltschaft hält im Berufungsverfahren an der Darstellung in der 

Anklageschrift fest und qualifiziert das Handeln des Beschuldigten A._____, der 

das flüchtende Opfer M._____ kaltblütig von hinten erschossen habe, als beson-

ders skrupellos. Deshalb sei der Beschuldigte A._____ des mehrfachen, teilweise 

versuchten Mordes schuldig zu sprechen, da er auch in Kauf genommen habe, 

den zusammen mit M._____ wegrennenden Privatkläger D._____ tödlich zu tref-

fen. Der Beschuldigte B._____ sei aufgrund der Mitnahme des Revolvers der Ge-

hilfenschaft zur mehrfachen, teilweise versuchten Tötung schuldig zu sprechen 

(Urk. 371; Urk. 373; Urk. 455).  

3.2. Beschuldigter A._____ 

Die Verteidigung des Beschuldigten A._____ verlangt einen Freispruch. A._____ 

selbst stellte sich im Laufe der Untersuchung auf den Standpunkt, er habe die 

Waffe B._____ weggenommen und einfach blind zwei- bis dreimal in Richtung 

von M._____ geschossen (Urk. 5/24 Antworten 83, 96 und 104). Er habe Todes-

angst gehabt und nicht mehr klar denken können (Urk. 5/24 Antwort 105). Vor Vo-

rinstanz wie auch anlässlich der Berufungsverhandlung verweigerte er jegliche 

Aussagen zur Sache (Urk. 268; Urk. 451A/1). 

4. Täterschaft 

4.1. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten A._____ machte vor Vo-

rinstanz zunächst geltend, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass der 

- 23 - 

tödliche Schuss durch einen Dritten abgegeben worden sei (Urk. 335 S. 6 - 9). 

Daran hielt er auch im Rahmen des Berufungsverfahrens fest (Urk. 450 S. 35 ff.; 

Urk. 453 S. 49 ff.). Damit plädierte er an seinem eigenen Klienten vorbei, der die 

Schussabgabe im Laufe der Untersuchung zugab. Einvernahme vom 31. Januar 

2017, Frage des Staatsanwaltes: "Wer hat geschossen?"; Antwort des Beschul-

digten A._____: "Ich" (Urk. 5/24 Antwort 5). A._____ machte dann im weiteren 

Verlauf der Untersuchung geltend, er habe M._____ nicht töten wollen, aber we-

gen Pfeffersprays in den Augen nicht gesehen, wohin er schiesse (Urk. 5/6 Ant-

worten 13 und 17), und er habe Angst gehabt, attackiert zu werden, und aus Pa-

nik geschossen (Urk. 5/6 Antwort 15). "Die Situation war einfach Scheiss. Er 

[M._____] hatte mir schon genügend Gründe dafür gegeben" (Urk. 5/6 Antwort 

15). Er habe blind in Richtung M._____ geschossen, ungefähr dahin, wo er ge-

standen habe (Urk. 5/24 Antworten 96 und 97). In der Konfrontationseinvernahme 

vom 18. August 2015 gab der Beschuldigte A._____ zu Protokoll: "Es ist etwas 

passiert und ich gehe zu 100 Prozent aus, dass ich es gewesen bin. Ich habe in 

die Richtung gezielt, wo sich die anderen befunden haben. Ich habe ganz klar 

dorthin geschossen" (Urk. 5/10 S. 25).  

4.2. Darüber hinaus liegen die glaubhaften Aussagen des Beschuldigten 

B._____ vor. Er gab zu Protokoll, dass er die Waffe zur Sicherheit mitgenommen 

habe, falls es brenzlig würde. "Ich nahm die Waffe dann hervor und schoss direkt 

nach oben in die Luft. Danach kam A._____ und nahm mir die Waffe weg. Ich 

wollte niemanden umbringen" (Urk. 6/1 Antwort 118). "Ich schoss einmal in die 

Luft. Danach schoss A._____ zweimal. Ein Schuss ging ins Auto und einer hatte 

M._____ getroffen" (Urk. 6/1 Antwort 127). "Ich dachte, es sei vorbei. Nachdem 

ich geschossen hatte, wollte ich den Revolver wieder in meine Jacke nehmen. Er 

[A._____] nahm mir dann die Waffe weg. Niemand rechnete damit, dass er damit 

schiessen würde." (Urk. 6/1 Antwort 117). Und auf die Frage, wo die Waffe ge-

blieben sei, erwiderte B._____: "Das weiss ich nicht. Das müssen Sie Herrn 

A._____ fragen" (Urk. 6/1 Antwort 108). Seine Aussagen bestätigte er auch an-

lässlich der Berufungsverhandlung (Urk. 451A/2 S. 8 ff.). 

- 24 - 

4.3. Schliesslich wird das Bild abgerundet durch die Aussage der völlig unbe-

teiligten und deshalb neutralen Augenzeugin L._____, einer Nachbarin, welche 

die Auseinandersetzung vom Fenster aus beobachtete (Urk. 12/44 S. 3 f.). Sie 

gab zu Protokoll: "Er schoss in die Richtung, in welche die anderen Männer ge-

rannt waren. Nicht in die Luft. Nach vorne, wobei ich die anderen wie gesagt zum 

Zeitpunkt der Schussabgabe nicht sah. (…) Der Schütze trug keine Mütze. Er hat-

te ein Glatze. Keine Vollglatze meiner Meinung nach, nur oben kahl. (…) Er war in 

Bewegung. Er war ja zuvor den anderen nachgerannt. Möglich, dass er zur 

Schussabgabe etwas verzögert hat oder vielleicht ganz kurz stehen geblieben ist. 

Das ging so schnell. Er hielt die Waffe bereits in der Hand, als ich ihn bemerkte. 

Er musste sie nicht erst auf der Strasse irgendwo hervorziehen."(Urk. 12/44 S. 4). 

Weder der Beschuldigte B._____ noch der Beschuldigte C._____ hatten eine 

Glatze. Die Beschreibung passt einzig auf den Beschuldigten A._____ (vgl. Foto 

des Beschuldigten A._____ anlässlich seiner Verhaftung, Urk. 73/4).  

4.4. Dafür, dass irgendwelche anderen Schusswaffen im Laufe der Auseinan-

dersetzung im Spiel waren, liegen – entgegen der Verteidigung des Beschuldigten 

A._____ – weder objektive Beweismittel noch glaubhafte Aussagen vor. So gab 

der Beschuldigte A._____ zunächst an: "Ich sah eine Waffe in unserer Gruppe. 

(…) Ich kann sagen, es war ein Revolver da." und "Es war eine Schusswaffe da, 

es war klar eine da. Ich habe es einfach nicht gesehen. Ich habe nicht gesehen, 

wer geschossen hat. Ich weiss aber, wer eine Waffe hatte. (…) Ob eine zweite 

Waffe dabei war, weiss ich nicht." (Urk. 5/1 S. 13 f.). In einer späteren Einver-

nahme stellte A._____ die Möglichkeit weiterer Schüsse in den Raum, indem er 

aussagte: "Ich hatte einfach das Gefühl, dass B._____ geschossen hat, weil der 

Schuss unmittelbar von dort tönte, wo B._____ war." (Urk. 5/2 S. 5). "Danach tön-

te es noch ein bis drei weitere Male. Diese Töne kamen mir nicht so nahe vor. Ich 

weiss es nicht. Ich habe das Gefühl, sie seien nicht von B._____" (Urk. 5/2 S. 5). 

So tönt keine realitätsbezogene Aussage. Bereits die völlig schwammige Formu-

lierung entlarvt die Aussage von A._____ als blosse Schutzbehauptung. Auch in 

der gemeinsamen Konfrontationseinvernahme erwähnte keiner der Mitbeschuldig-

ten B._____, G._____ und C._____, dass eine weitere Schusswaffe im Spiel ge-

wesen sei, nicht einmal der Beschuldigte A._____ selbst (Urk. 6/12). Erst im Ver-

- 25 - 

laufe der weiteren Einvernahmen, nachdem A._____ zugegeben hatte, zwei bis 

viermal kurz nacheinander geschossen zu haben (Urk. 5/2 S. 7, 5/3 S. 3, 5/4 S. 3, 

19 ff., 5/19 S. 6), verlegte sich A._____ dann auf vage Behauptungen, wonach 

weitere Schüsse gefallen seien: "Dann habe ich noch weitere Schüsse gehört. 

Die sind nicht von mir gewesen. Die einen sagten, mein Bruder habe geschossen. 

Von der anderer Seite her hiess es, M._____ habe geschossen." (Urk. 5/24 S. 3). 

Auf die Frage, wer dies denn gesagt habe, verfiel der Beschuldigte A._____ wie-

der in Unverbindlichkeit: "Unabhängige Personen" (Urk. 5/24 S. 3). Kommt hinzu, 

dass die Aussagen des Beschuldigten A._____ aufgrund seines anfänglichen Ab-

streitens der Tat (Urk. 5/1 S. 22) und seiner zahlreichen ausweichenden Antwor-

ten unglaubhaft erscheinen. Bereits der Umstand, dass er den Revolver, mit wel-

chem er in der Tatnacht geschossen hatte, verschwinden liess, spricht Bände. Ei-

ne ballistische Analyse hätte schnell und klar ergeben können, ob der tödliche 

Schuss aus dieser Waffe abgefeuert wurde oder nicht. Kein Unschuldiger lässt 

die Waffe verschwinden, mit welcher er seine Unschuld hätte beweisen können. 

Auch die Weigerung des Beschuldigten A._____ kund zu tun, wem er die Waffe 

nach seiner Flucht vom Tatort übergeben habe (Urk. 5/2 S. 7), sowie seine Flucht 

nach Deutschland, um sich der polizeilichen Verhaftung zu entziehen, beeinträch-

tigt die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Gleiches gilt für die Feststellung des 

psychiatrischen Gutachters, wonach es dem Beschuldigten A._____ leicht falle, 

die Unwahrheit zu sagen und Dinge zu erfinden (Urk. 83/11 S. 126). Bei gesamt-

hafter Würdigung der vorliegenden Beweise bestehen an der Täterschaft des Be-

schuldigten A._____ deshalb keine ernsthaften Zweifel. Die Vorinstanz hat den 

entsprechenden Sachverhalt auf über 130 Seiten mehr als ausführlich dargelegt. 

Auf ihre zutreffenden Erwägungen kann verwiesen werden (Urk. 368 S. 73 - 200; 

Art. 82 Abs. 4 StPO). Sachverhaltsmässig gilt es im Wesentlichen einzig zu ent-

scheiden, ob der Beschuldigte A._____ "sehenden Auges" bzw. mit direktem Vor-

satz das Opfer, M._____, erschossen hat oder nicht und ob das Tatbestandsele-

ment der besonderen Skrupellosigkeit gegeben ist oder nicht. 

- 26 - 

IV. Prozessuale Einwendungen und Anträge 

1. Einschränkung der Öffentlichkeit des Verfahrens 

1.1. Der unentgeltliche Vertreter der Privatkläger T._____, O._____ und 

Q._____, Rechtsanwalt lic. iur. AA._____ stellte im Rahmen der Vorfragen den 

Antrag, den Medien beziehungsweise den anwesenden Gerichtsberichterstattern 

sei die Auflage zu erteilen, so vom Fall zu berichten, dass keinerlei Rückschlüsse 

auf die Person des Getöteten möglich seien (Prot. II S. 14 f.). 

1.2. Die Namen der Beteiligten im Berufungsverfahren sind öffentlich bekannt. 

Es wurde bereits über viele Jahre ausgiebig über den Prozess berichtet, wobei 

auch Familienangehörige von Beteiligten medial präsent waren. Die Medienschaf-

fenden sind gestützt auf die Informations- und Akteneinsichtsverordnung der 

obersten kantonalen Gerichte (IAV) verpflichtet, in sachlicher, angemessener 

Weise und unter gebührender Rücksichtnahme auf die schutzwürdigen Interessen 

der Verfahrensbeteiligten zu berichten (vgl. § 37 Abs. 1 IAV). Es besteht keine 

Notwendigkeit, den Gerichtsberichterstattern unter den gegebenen Umständen 

weitere Auflagen zu erteilen. 

2. Verletzung des rechtlichen Gehörs (Verweigerung der Akteneinsicht) 
[Urk. 450 S. 2, 10 ff.] 

2.1. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten A._____ rügt, ihm sei die Ak-

teneinsicht verweigert worden (Urk. 450 S. 10 ff.). Die amtliche Verteidigung des 

Beschuldigten A._____ hat mit Schreiben vom 3. November 2021 ein Aktenein-

sichtsgesuch gestellt (Urk. 429). Mit Schreiben vom 4. November 2021 wurde 

dieses Akteneinsichtsgesuch beantwortet und mitgeteilt, dass der Aktenversand 

in diesem Zeitpunkt nicht mehr in Frage komme, da die Akten dem Gericht zur 

Vorbereitung der Berufungsverhandlung zur Verfügung stehen müssten. Gleich-

zeitig wurde der Verteidigung die Möglichkeit eingeräumt, die Akten am Oberge-

richt einzusehen und Kopien zu machen (Urk. 431). Von dieser Möglichkeit wurde 

kein Gebrauch gemacht. Zweifelsfrei waren der Verteidigung im damaligen Zeit-

punkt die Untersuchungsakten sowie die vorinstanzlichen Akten bereits bestens 

bekannt und sie hatte davon zumindest von den gesamten wesentlichen Akten-

- 27 - 

stücken Kopien angefertigt, zumal sie in ihrer Honorarnote vor Vorinstanz gut 

16'000 Kopien geltend machte (Urk. 330). Die Akten des Berufungsverfahrens 

sind sodann sehr überschaubar, was auch aus dem der Verteidigung zugestellten 

aktuellen Aktenverzeichnis ersichtlich war. Diese hätte man innert kürzester Zeit 

kopieren können. Entsprechend ist der Einwand der Verletzung des Rechts auf 

Akteneinsicht unbehilflich, zumal dem Verteidiger zu keiner Zeit eine wirksame 

Akteneinsicht verwehrt wurde und sachlich begründet war, weshalb die Akten fünf 

Wochen vor der Berufungsverhandlung nicht mehr ausser Haus gegeben wurden. 

2.2. Des Weiteren rügt die Verteidigung des Beschuldigten A._____, das Ober-

gericht habe den Beizug der Tonträger der erstinstanzlichen Verhandlung zu den 

Verfahrensakten verweigert (Urk. 450 S. 14 ff.). Wie bereits in den Schreiben vom 

22. bzw. 30. Dezember 2020 an die Verteidigung darauf hingewiesen wurde, bil-

det das Tonprotokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung nicht Bestandteil der 

Akten des Berufungsverfahrens (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Februar 

2012, 6B_676/2011, Erw. 1.2.2; Urk. 418, Urk. 421) und wäre insofern bei der 

Vorinstanz einzufordern gewesen – worauf ebenfalls hingewiesen wurde 

(Urk. 418, Urk. 421) –, was die Verteidigung indes unterliess. Die Rüge ist ent-

sprechend ebenfalls unbegründet. Nachdem auch kein Protokollberichtigungsbe-

gehren gestellt wurde, ist das ausgearbeitete beurkundete Protokoll massgebend. 

Dass das Protokoll inhaltlich nicht korrekt abgefasst worden wäre, wurde denn 

bezeichnenderweise von der Verteidigung auch nie behauptet. 

3. Ergänzung der Anklage bzw. Rückweisung zur Ergänzung der Untersu-
chung zwecks Ermittlung eines anderen Schützens [Urk. 258 S. 14 - 32; 
Urk. 368 S. 29 f.; Urk. 450 S. 19 ff., S. 35 ff.] 

Die Verteidigung von A._____ stellte erneut den Antrag, das Verfahren sei 

zwecks Beweisergänzung bzw. zwecks Abklärung einer möglichen Schussabga-

be durch einen Dritten an die Vorinstanz, eventualiter an die Staatsanwaltschaft, 

zurückzuweisen (Urk. 450 S. 19 ff.). Der Beschuldigte A._____ hat zugegeben, 

mit dem Revolver geschossen zu haben (Urk. 5/24 Antwort 5). Es bestehen kei-

nerlei objektiven Hinweise, insbesondere nicht aufgrund der Aussagen der Mitbe-

schuldigten oder dem Gutachten des Forensischen Instituts (Urk. 18), dass im 

- 28 - 

Laufe der Auseinandersetzung eine weitere Schusswaffe im Spiel war oder abge-

feuert wurde. Deshalb spielt auch die exakte Anzahl der Schüsse keine Rolle 

(Urk. 258 S. 15). Dass insbesondere der Privatkläger D._____ den aus seiner 

Gruppe stammenden und mit ihm gemeinsam flüchtenden M._____ in den Rü-

cken geschossen haben soll, wie die Verteidigung unterstellt, ist abwegig. Die 

Schmauchspurenuntersuchung bei D._____ ergab ein negatives Resultat (Urk. 18 

S. 15). Selbst A._____ führte lediglich aus, es könne sein, dass D._____ eine 

Waffe getragen habe, aber mit dieser nicht geschossen habe (Urk. 5/19 Antwort 

29). Es kann auf die Erwägungen der Vorinstanz sowie auf die nachfolgenden 

Ausführungen im Rahmen der Sachverhaltes verwiesen werden. Art. 6 Abs. 2 

StPO verpflichtet die Untersuchungsbehörde nicht, entlastenden Momenten 

nachzugehen, welche rein theoretischer Natur sind. Der Antrag auf Rückweisung 

zwecks Ergänzung der Untersuchung ist deshalb abzuweisen. 

4. Unverwertbarkeit der Einvernahme des Beschuldigten A._____ wegen Täu-
schung [Urk. 258 S. 20 f. und 32; Urk. 368 S. 30 f.; Urk. 450 S. 42 f.] 

Die Verteidigung des Beschuldigten A._____ rügt, dass der ehemals fallführende 

Staatsanwalt in seiner Einvernahme vom 15. März 2016 dem Beschuldigten 

A._____ gegenüber geäussert habe, dass die Schmauchspurenuntersuchung an 

den Händen der vor Ort verhafteten Personen negativ verlaufen sei, weshalb die-

sen Personen eine Schussabgabe nicht nachgewiesen werden könne (Urk. 5/19 

Frage 29). Dies sei eine Täuschung gewesen, weil bis in jenem Zeitpunkt noch 

andere Personen als Täter in Frage gekommen seien, bei welchen (noch) gar 

keine Schmauchspurenuntersuchung stattgefunden habe. Die Einvernahme des 

Beschuldigte A._____ sei aus diesem Grund gestützt auf Art. 140 Abs. 1 StPO 

prozessual absolut unverwertbar (Urk 258 S. 20 f. und 32; Urk. 450 S. 42 f.). Dass 

die Aussage des damaligen Staatsanwaltes falsch gewesen sei, behauptet selbst 

der amtliche Verteidiger nicht. Er vertritt vielmehr die Auffassung, dass der 

Staatsanwalt den Beschuldigten A._____ hätte darauf hinweisen müssen, dass 

auch noch eine andere Person den tödlichen Schuss hätte abgegeben haben 

können, bei welcher noch keine Schmauchspurenuntersuchung stattgefunden 

habe. Eine solche Pflicht, den Beschuldigten auf theoretisch denkbare andere 

Handlungsabläufe oder Täter hinzuweisen, lässt sich aus der Strafprozessord-

- 29 - 

nung nicht ableiten. Von einer Täuschung kann keine Rede sein. Ergänzend ist 

darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte A._____ zum Zeitpunkt dieser Einver-

nahme am 15. März 2016 bereits sieben Mal befragt worden war, die Einvernah-

me im Beisein seines Verteidigers stattfand und aus dem Protokoll nicht erkenn-

bar ist, inwieweit besagte Bemerkung des Staatsanwaltes den Beschuldigten 

A._____ veranlasst hat, eine für ihn nachteilige Aussage zu machen. 

5. Verspätete schriftliche Delegationsverfügung für von der Polizei durchge-
führte Einvernahmen [Urk. 258 S. 32 - 35; Urk. 368 S. 31; Urk. 450 S. 54 ff.] 

Die Verteidigung des Beschuldigten A._____ rügt, dass die schriftliche Delegati-

onsverfügung, womit die Staatsanwaltschaft die Durchführung von Einvernahmen 

an die Polizei delegierte, erst am 3. November 2016 erfolgt sei. Sämtliche vorher-

gehenden delegierten Einvernahmen seien deshalb prozessual unverwertbar 

(Urk. 258 S. 32 - 35; Urk. 450 S. 54 - 57).  

Bei der Vorschrift von Art. 312 StPO geht es darum, dass die Parteien überprüfen 

können, dass die delegierte Einvernahme im Rahmen der staatsanwaltlichen 

Strafuntersuchung erfolgt (Cornu, Commentaire romand CP, N 5 zu Art. 312). Die 

Dokumentationspflicht ist zwar wichtig, aber durch das Fehlen einer rechtzeitigen 

schriftlichen Delegationsverfügung wurden die Verteidigungsrechte des Beschul-

digten vorliegend in keiner Weise tangiert. Die Polizei befragte nicht auf eigene 

Faust, sondern es gab vor der ersten delegierten Einvernahme durch die Polizei 

am 20. April 2016 (Urk. 5/21) bereits deren neun staatsanwaltlich geleitete Ein-

vernahmen des Beschuldigten A._____, und zwar mit Ausnahme der ersten 

Hafteinvernahme, alle im Beisein seines Verteidigers (Urk. 5/1, 5/2, 5/6, 5/7, 5/9, 

5/10, 5/18, 5/19, 5/20). Der Beschuldigte A._____ wusste deshalb, dass auch je-

ne delegierten Einvernahmen im Rahmen der Strafuntersuchung der Staatsan-

waltschaft erfolgten. Gemäss herrschender Lehrmeinung ist das Vorliegen einer 

schriftlichen Delegationsverfügung bloss eine Ordnungsvorschrift (ZK-

Landshut/Bosshard, N 1 zu Art. 312; BSK StPO-Omlin, N 14 zu Art. 312; 

Schmid/Jositsch, Praxiskommentar, 3. Aufl., Zürich 2017, N 6 zu Art. 312; vgl. 

auch BGE 139 IV 128 E. 1.7 und das Urteil des Bundesgerichts vom 5. November 

2015, 6B_17/2015 Erw. 2.3.). Insofern spielt es auch keine Rolle, wenn der amtli-

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=str&query_words=delegation+schriftlich+312&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-IV-128%3Ade&number_of_ranks=0#page128

- 30 - 

che Verteidiger die delegierten Einvernahmen von Dritten mangels rechtzeitiger 

Delegationsverfügung als unverwertbar aus dem Recht weisen will (Urk. 258 S 

34; Urk. 450 S. 54 ff.). Der vorliegende Fall zeigt exemplarisch, dass die Vorschrift 

der Schriftlichkeit der Delegationsverfügung nicht eine derart grundlegende, für 

die Verteidigungsrechte wichtige Norm ist, deren Nichteinhaltung absolute Un-

verwertbarkeit erheischen würde. Es ist auch nicht so, dass sich Untersuchungs-

behörden um strafprozessuale Vorschriften foutieren, wenn diese vom Bundesge-

richt nicht als Gültigkeitsvorschrift qualifiziert werden. Der Einwand der Verteidi-

gung ist deshalb zu verwerfen. 

6. Verletzung von Teilnahmerechten [Urk. 258 S. 35 - 39; Urk. 450 S. 57 ff.] 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten A._____ bringt vor, wenn die Einver-

nahmen nicht wegen der fehlenden Delegationsverfügung unverwertbar seien, so 

doch aufgrund der Verletzung von Teilnahmerechten (Urk. 258 S. 35; Urk. 450 

S. 57). Welche Einvernahmen und welche Teilnehmer er damit meinte, benannte 

er nicht. Soweit er sich auf die polizeilichen Einvernahmen des Beschuldigten 

A._____ vor der schriftlichen Delegationsverfügung bezieht, ist der Einwand 

grundlos. Der Beschuldigte A._____ war bei diesen Einvernahmen anwesend, 

weshalb seine Teilnahmerechte von vornherein nicht verletzt wurden. Soweit der 

Verteidiger andere Mitbeschuldigte meint, ist der Einwand ebenfalls grundlos, da 

ein Beschuldigter nur die Verletzung eigener Teilnahmerechte rügen kann. 

7. Fehlendes Logbuch betreffend der Überwachungsmassnahmen [Urk. 258 
S. 39 - 46; Urk. 368 S. 32 ff.; Urk. 450 S. 61 ff.] 

7.1. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten A._____ macht geltend, die 

Überwachungen des Fernmeldeverkehrs seien ungenügend in den Akten doku-

mentiert (Urk. 258 S. 39; Urk. 450 S. 61 ff.). Er verlangt eine lückenlose Aufstel-

lung der Gespräche mit Angabe von Ort, Zeit, Datum, Gesprächsteilnehmer und 

Gesprächsthema sowie Angaben dazu, wie und von wem die Überwachungs-

massnahme in welcher Art und wo und mit welchem Resultat produziert worden 

seien, in Form eines Logbuches (Urk. 258 S. 40 und 41.; Urk. 450 S. 69).  

- 31 - 

Die Staatsanwaltschaft entgegnete diesem Einwand, die Überwachungen seien 

ergebnislos geblieben und hätten im Wesentlichen lediglich den Zweck gehabt, 

der nach der Tat flüchtigen und unter Tatverdacht stehenden verschiedenen Be-

schuldigten habhaft zu werden. Auf eine Einverleibung der Aufzeichnungen in die 

Akten hätte deshalb auch verzichtet werden können (Urk. 192 S. 1 f.). Vom auf-

gezeichneten Fernmeldeverkehr seien lediglich zwei Gespräche verschriftlicht 

worden, welche dann auch zur Verhaftung des Beschuldigten A._____ beigetra-

gen hätten (Urk. 150 1 S. 2 und Urk. 40/2). Diese beiden Aufzeichnungen spielen 

für die Entscheidfindung vorliegend keine Rolle. Wenn der Verteidiger somit vor-

bringt, die Staatsanwaltschaft habe die Aufzeichnungen der Überwachungsmass-

nahmen nicht mit gleicher Sorgfalt auf belastende und entlastende Momente hin 

untersucht und damit gegen Art. 6 Abs. 2 StPO verstossen, so ist dies eine aus 

der Luft gegriffene Vermutung. Auch der Verteidiger hat nicht geltend gemacht, er 

sei bei der Sichtung dieses Materials durch die Untersuchungsbehörden präsent 

gewesen. 

7.2. Die Aufzeichnungen der Überwachungsmassnahmen wurden auf 54 DVD's 

samt 172-seitigem Verzeichnis zu den Akten genommen (Urk. 40/2 und 150/2). 

Das Verzeichnis listet die Tonaufzeichnungen auf nach abgehörter Mobiltelefon-

nummer samt IMEI-Nummer, Abonnent, Standort, Ort- und Zeitangabe sowie 

Dauer des Gesprächs. Die DVD's sind einzeln beschriftet, unter anderem nach 

der abgehörten Mobiltelefonnummer, der IMEI-Nummer und dem Zeitraum 

(Urk. 150/2). Es ist somit problemlos möglich, die einzelnen aufgelisteten Gesprä-

che auf den DVD's zu finden. Das erste auf der Liste aufgeführte Gespräch von 

Montag, den 2. März 2015 um 11:01, auf der Mobiltelefonnummer 6, Abon-

nent/Benutzer … A._____, findet sich beispielsweise auf der ersten DVD, welche 

mit 02.03.2015 - 09.03.2015 und der Mobiltelefonnummer 6 angeschrieben ist. 

Daran ändert nichts, dass die Bezeichnung der polizeilichen Ermittlungsaktionen 

(z.B. AC._____ - A1a oder AC._____-D) teilweise auf der Liste und den DVD's 

nicht übereinstimmt. Die gesamte Aktion lief unter dem Codewort "Aktion 

AC._____" und die rein interne Unterteilung durch die Polizei in AC._____-A bis 

AC._____-D spielt keine Rolle. Die Unterbezeichnung der Aktionsbezeichnung 

- 32 - 

wird gar nicht benötigt, um die entsprechenden Gespräche auf den DVD's aufzu-

finden.  

7.3. Tatsache ist, dass sich die einzelnen Gespräche auf den DVD's nicht 

schnell auffinden lassen. Das liegt aber naturgemäss in der sequentiellen Auf-

zeichnung von Daten auf einem Datenträger. Wenn der Verteidiger verlangt, dass 

die DVD Marker oder Kapitel enthalten müssten, damit er zielgenau auf das ent-

sprechende abgehörte Gespräche gemäss Liste springen könne, dann verkennt 

er, dass die Staatsanwaltschaft trotz Art. 6 Abs. 2 StPO nicht der Gehilfe der Ver-

teidigung ist. Es wird nochmals daran erinnert: die Staatsanwaltschaft erachtet 

sämtliche abgehörten Gespräche als ohne Beweiswert für ihre Anklage. Irgendei-

nen Anhaltspunkt oder einen halbwegs konkreten Verdacht, dass eines der Ge-

spräche für den Beschuldigten A._____ entlastendes Material enthielte, lieferte 

auch der Verteidiger nicht. Wenn er mit Nichtwissen geltend macht, eines der Ge-

spräche könnte den Beschuldigten A._____ entlasten, müsste er ohnehin auch al-

le Aufzeichnungen abhören und mit der DVD Nr. 1 beginnen und mit der DVD Nr. 

54 aufhören. Ein detailliertes Verzeichnis der Speicherorte der aufgelisteten Ge-

spräche wäre dazu jedenfalls nicht nötig.  

8. Tatrekonstruktion mit einer 3D-Visualisierung [Urk. 258 S. 46 - 65; Urk. 450 
S. 70 ff.] 

Die Verteidigung des Beschuldigten A._____ verlangt eine Tatrekonstruktion mit 

einer 3D-Visualisierung (Urk. 258 S. 46 - 65; Urk. 450 S. 70 ff.). Eine solche Un-

tersuchungsmassnahme ist unnütz bzw. kann nicht mehr Erkenntnisse liefern, als 

die 3D-Visualisierung des forensischen Instituts Zürich bereits ergab (Urk. 18 S. 

31 - 35). Der Gutachter hielt fest: "Allein anhand dieser Daten kann weder der 

räumliche Standort noch die genaue Körperposition von M._____ zum Zeitpunkt 

dargestellt werden, als die tödliche Schussabgabe erfolgte" (Urk. 18 S. 31). Der 

Beschuldigte A._____ hat die Schussabgabe zugegeben und die Aussagen der 

Beteiligten blieben hinsichtlich der exakten Positionen und Bewegungen der Be-

teiligten im Laufe des Vorfalles völlig unbestimmt, insbesondere jene des Be-

schuldigten A._____ selbst. Da die exakte Körperstellung von M._____ im Mo-

ment, als er vom Projektil in den Rücken getroffen wurde, nie mehr rückwirkend 

- 33 - 

festgestellt werden kann, sind auch irgendwelche Mutmassungen über Schuss-

bahnen rein spekulativ und deshalb sinnlos. Das Gutachten äusserte sich klar da-

hingehend, dass die Schützenposition nicht genau bestimmt werden könne und 

die Schussdistanz im Bereich von einigen Metern bis zu 30 Metern liege (Urk. 18 

S. 35). Der Verteidiger plädiert an den Aussagen seines Klienten und den Er-

kenntnissen des Gutachters vorbei und stützt sich allein auf theoretische Hypo-

thesen. Es wäre im konkreten Fall denn auch völlig lebensfremd, wenn die Kon-

trahenten Positionsangaben von Mitbeteiligten auf Meter genau und während des 

ganzen Ablaufes hätten machen können. Es war ein hochdynamisches, emoti-

onsgeladenes dramatisches Geschehen. Es bestehen keine vernünftigen Zweifel 

an der Täterschaft des Beschuldigten A._____. Auch die Vorinstanz hat in Bezug 

auf die räumlichen Verhältnisse nur soweit darauf abgestellt, wie sie sich aufgrund 

der Aussagen der Parteien und der Endlage des Opfers rechtsgenügend erstellen 

lassen, und nicht blosse Vermutungen angestellt. Eine Tatrekonstruktion, die sich 

auf so spekulative Grundlagen stützt, kann im vorliegenden Fall auch von vornhe-

rein nicht ergeben, wie stark der Beschuldigte A._____ durch den Pfefferspray in 

seiner Sicht- und Handlungsfähigkeit beeinträchtigt worden war (Urk. 258 S. 60-

65; Urk. 450 S. 84). Ebenso sinnlos sind Versuche im Rahmen eines medizini-

schen Gutachtens (vgl. Urk. 450 S. 84 ff.), wenn völlig unbestimmt ist, wie gross 

die Distanz war, aus welcher Richtung gesprüht wurde, welches Fabrikat der Pfef-

ferspray war und wie viel von der Substanz eine Person abbekommen hat (Urk. 

106 S. 2).  

9. Unverwertbarkeit des psychiatrischen Gutachtens [Urk. 258 S. 68 - 76; 
Urk. 450 S. 92 ff.] 

Der Verteidiger des Beschuldigten A._____ moniert, dass nicht ersichtlich sei, 

welche Akten dem Gutachter vorgelegen hätten (Urk. 258 S. 69 ff.; Urk. 450 S. 93 

ff.). Dem Gutachtensauftrag ist zu entnehmen, dass dem Gutachter sämtliche Un-

tersuchungsakten und Beizugsakten zugestellt wurden (Urk. 81/1 S. 5). Der Gut-

achter erhielt auch die alternative Sachdarstellung der Verteidigung (Urk. 83/7 

und 83/10). Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bestätigte der 

Gutachter zudem, dass er sämtliche ihm zugestellten Akten studiert habe (Urk. 

272 S. 14 und 17 f.). Von der Verletzung des Grundsatzes eines fairen Verfahrens 

- 34 - 

kann entgegen der Meinung des Verteidigers keine Rede sein. Sinngemäss ver-

tritt der Verteidiger den Standpunkt, dass einem Gutachter gar keine nicht rechts-

genügend erwiesene Sachdarstellung bzw. nur die Sachverhaltsdarstellung der 

Verteidigung unterbreitet werden dürfe (Urk. 258 S. 74 f.; Urk. 450 S. 95 ff.). Eine 

solche Auffassung würde jedoch bedeuten, dass bis zur rechtskräftigen Feststel-

lung eines Sachverhaltes nie ein Gutachter beauftragt werden dürfte. Davon ist in 

der Strafprozessordnung keine Rede. Ebenso unzutreffend bzw. unbelegt ist die 

Unterstellung der Verteidigung, dass der Gutachter die von ihr unterbreitete alter-

native Variante des Tatablaufs nicht geprüft habe. Dieser Schluss kann nicht ge-

zogen werden, bloss weil der Gutachter nicht in ihrem Sinne entschieden und ei-

ne affektähnliche Situation verneint hat (Urk. 258 S. 75; Urk. 450 S. 97 ff.).  

10. Unmittelbare Einvernahme verschiedener Auskunftspersonen und Zeugen 
[Urk. 258 S. 76 - 93; Urk. 450 S. 101 ff.] 

10.1. Befragung von Zeuge E._____ und Zeuge F._____ 

Die Verteidigung des Beschuldigten A._____ beantragte eine erneute Einvernah-

me des Zeugen E._____ (Urk. 450 S. 107 ff.). Gemäss Art. 343 Abs. 3 StPO er-

hebt das Gericht im Vorverfahren erhobene Beweise nochmals, sofern deren un-

mittelbare Kenntnis für die Urteilsfällung notwendig ist. Der Zeuge E._____ sagte 

in seiner polizeilichen Befragung aus, er sei ein Kollege von M._____ und 

A._____ und er habe den Streit zwischen den beiden entschärfen wollen. Er sage 

absichtlich entschärfen, weil schlichten nicht mehr möglich gewesen sei. Jeder 

der beiden Kontrahenten sei über den anderen "hergezogen" (Urk. 12/15 S. 1 ff.). 

Er bestätigte den Vorhalt, dass der Beschuldigte A._____ am Vorabend der Tat 

bei ihm zuhause vorbei gekommen und eine Waffe auf den Tisch gelegt habe 

(Urk. 12/15 Antworten 33 und 34). In seiner späteren staatsanwaltlichen Einver-

nahme rund ein Jahr nach besagter polizeilicher Befragung gab er dann vor, er 

könne sich nicht mehr an den Vorfall erinnern oder er wolle dazu nichts aussagen 

(Urk. 12/16). Der Polizeibeamte habe anlässlich der polizeilichen Befragung ein-

fach Dinge ins Protokoll geschrieben und er sei ein "Tubel" gewesen, dass er das 

Protokoll unterschrieben habe (Urk. 12/15 S. 6). Dies obschon der Polizeibeamte 

F._____ als Zeuge bestätigte, dass E._____ seinerzeit genau dies ausgesagt ha-

- 35 - 

be, was im Polizeiprotokoll stehe und keinerlei Missverständnisse vorgelegen hät-

ten (Urk. 12/12). Bei dieser Ausgangslage kann in antizipierter Beweiswürdigung 

und zu Gunsten des Beschuldigten A._____ davon ausgegangen werden, dass 

sich E._____ auch bei einer erneuten Einvernahme auf sein fehlendes Erinne-

rungsvermögen und eine falsche Protokollierung berufen würde. Seine Aussage 

ist zudem kein entscheidendes Beweismittel, zumal zweifelsfrei erwiesen ist, dass 

der Beschuldigte B._____ eine Schusswaffe zur angeklagten Auseinandersetzung 

mitgenommen hatte und der Beschuldigte A._____ zugab, diese Schusswaffe 

auch mehrfach in Richtung des Opfers abgefeuert zu haben. Insofern kann auf 

eine Wiederholung der Einvernahme sowohl des Zeugen E._____ als auch des 

Zeugen F._____ verzichtet werden. Es kann zwanglos davon ausgegangen wer-

den, dass nicht erwiesen ist, dass der Beschuldigte A._____ seinem Kollegen 

E._____ am Vorabend eine Waffe gezeigt hat.  

10.2. Befragung von Zeuge G._____ 

Der Verteidiger des Beschuldigten A._____ beantragte die erneute Befragung von 

G._____ (Urk. 258 S. 80; Urk. 450 S. 106 f.), wobei er dies einzig damit 

begründete, dass dieser aufgrund seines nahen Verhältnisses zum Beschuldigten 

als "problematischer Zeuge" gelte und vom urteilenden Gericht persönlich einver-

nommen werden müsse, um sich ein Bild der Aussagen aller Beteiligten machen 

zu können. Es sind weder Anhaltspunkte ersichtlich noch wurde vorgebracht, 

inwiefern eine erneute Befragung von G._____ – nach so vielen Jahren – neue 

Erkenntnisse bringen könnte. Sodann war ein Verteidiger des Beschuldigten 

A._____ bei der Konfrontationseinvernahme vom 18. August 2015 mit A._____, 

B._____, C._____, G._____, D._____, I._____ und H._____ bzw. bei der Kon-

frontationseinvernahme vom 19. Juni 2017 mit A._____, B._____, C._____ anwe-

send und hatte die Möglichkeit, G._____ Ergänzungsfragen zu stellen, was er bei 

der ersteren denn auch tat (Urk. 5/10 S. 39 ff.; Urk. 5/27). Des Weiteren kann auf 

die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden, wonach bei 

G._____ eine eklatante Tendenz der Anpassung seiner Aussagen an die späte-

ren Aussagen des Beschuldigten A._____ festzustellen ist, weshalb diese späte-

ren Aussagen als Schutzbehauptungen zugunsten des Beschuldigten A._____ 

- 36 - 

entlarvt werden konnten und entsprechend nicht zu überzeugen vermögen (vgl. 

Urk. 368 S. 116, S. 156). Insofern ist eine erneute Einvernahme von G._____ 

nicht angezeigt. 

10.3. Befragung der Zeugen H._____ und I._____ 

Der Verteidiger des Beschuldigten A._____ stellte den Antrag, H._____ und 

I._____ seien erneut zu befragen, ohne dies allerdings konkret zu begründen 

(Urk. 450 S. 105 f.). Die Verteidigung des Beschuldigten A._____ war bei der 

Konfrontationseinvernahme mit H._____ und I._____ anwesend und hatte die 

Möglichkeit, Ergänzungsfragen zu stellen, was sie denn in Bezug auf I._____ 

auch tat (Urk. 5/10 S. 39 f.). Wie bereits die Vorinstanz feststellte, glänzten 

H._____ und I._____, welche beide an der Auseinandersetzung beteiligt waren, 

während der gesamten Untersuchung mit Nichtwissen und ihrem offenkundigen 

Bestreben, niemand anderen belasten zu wollen (Urk. 5/10, Urk. 368 S. 82 ff.). 

Wenn diese beiden nun Jahre nach dem Vorfall vorgeben würden, sich plötzlich 

wieder an Details zu erinnern, wären solche Aussagen von vornherein unglaub-

haft. Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass das Gedächtnis mit der Zeit 

nachlässt und nicht zunimmt. Da I._____ und H._____ der Gruppe um das Opfer 

M._____ angehörten, ist auch nicht wahrscheinlich, dass sie den Beschuldigten 

A._____ nun plötzlich entlasten würden, es sei denn, sie seien aus dem Umfeld 

des Beschuldigten A._____ beeinflusst, massiv bedroht oder unter Druck gesetzt 

worden. Es handelt sich beim Antrag der Verteidigung um blindes Fischen nach 

Entlastungen für seinen Mandanten, obschon er selbst keinerlei Anhaltspunkte 

vorbringen kann, weshalb eine erneute Befragung neue Erkenntnisse bringen 

könnte. Tatsache bleibt, dass H._____ und I._____ keine Aussagen machten, 

welche im Widerspruch zum Anklagesachverhalt stünden oder diesen in Frage 

stellten. Zu bemerken ist einzig, dass I._____ zugegeben hat, einen Pfefferspray 

eingesetzt zu haben, allerdings nach seiner Version erst, nachdem der Beschul-

digte A._____ zuerst Pfefferspray gesprüht habe (Urk. 5/10 S. 5 f). Davon wird al-

lerdings ohnehin zugunsten des Beschuldigten A._____ nicht ausgegangen, wes-

halb es auch diesbezüglich nichts zu klären gilt. 

- 37 - 

10.4. Befragung der Auskunftsperson D._____ (Privatkläger) 

Die Ausführungen zu H._____ und I._____ können sinngemäss auch dem Antrag 

des Verteidigers des Beschuldigten A._____ auf erneute Einvernahme des Privat-

klägers D._____ (Urk. 450 S. 105 f.) entgegen gehalten werden. Seiner Aussage 

kommt im vorliegenden Verfahren keine ausschlaggebende Bedeutung zu. Da er 

zusammen mit M._____ ebenfalls vor dem Beschuldigten A._____ flüchtete, 

konnte er dessen Schussabgabe auch kaum beobachten. Im Übrigen hat bereits 

die Vorinstanz festgehalten, dass zugunsten des Beschuldigten A._____ davon 

auszugehen ist, dass D._____ den Vorfall etwas tendenziös bzw. übersteigert ge-

schildert hat (Urk. 368 S. 82). Auch hier wurde zugunsten des Beschuldigten 

A._____ davon ausgegangen, dass die Aussagen von D._____ in gewissen 

Punkten nicht rechtsgenügend verlässlich sind. Deshalb braucht auch nicht auf 

sie abgestellt werden, sondern es reicht die Feststellung, dass D._____ Aussage 

nicht im Widerspruch zum Anklagesachverhalt steht. 

10.5. Befragung des Schusswaffen-Sachverständigen Dr. J._____ 

Auch der Antrag des Verteidigers des Beschuldigten A._____, der Schusswaffen-

sachverständige J._____ sei nochmals zu befragen, ist ohne Grundlage. Allein 

mit seiner pauschalen Feststellung, wonach noch einige Fragen zu den Schuss-

bahnen und zu einem möglichen anderen Schützen zu klären seien, lässt sich der 

Antrag nicht begründen (Urk. 258 S. 85 - 87). Da die exakten örtlichen Positionen 

der Beteiligten im Moment der Schussabgaben gar nicht feststehen, kann auch 

ein Ballistiker anhand der untersuchten Projektilteile nicht mehr über die konkre-

ten Schussbahnen aussagen, als im Gutachten bereits dargelegt wurde (Urk. 18 

S. 29 - 31), und entsprechend auch nicht die im Rahmen des Vorfragenplädoyers 

aufgeworfenen Fragen in diesem Zusammenhang (Urk. 450 S. 112 ff.) klären.  

Auch der Vorschlag des Verteidigers des Beschuldigten A._____, die metallurgi-

sche Zusammensetzung der aufgefundenen Projektile sei zu untersuchen, denn 

wenn eines der Projektile eine andere metallurgische Zusammensetzung aufwei-

se, sei dies ein Indiz, dass noch eine weitere Waffe im Spiel gewesen sei, über-

zeugt nicht (Urk. 258 S. 87 f.; Urk. 450 S. 112). Die metallurgische Zusammen-

setzung von Projektilen hängt nicht von der Waffe ab, aus welcher sie abgefeuert 

- 38 - 

wurden. Es können auch Projektile unterschiedlicher Art mit derselben Waffe ver-

schossen werden. Das sehr sorgfältig verfasste und rund 60-seitige Gutachten 

des Forensischen Instituts Zürich vom 1. Juni 2017 hat die sichergestellten Pro-

jektilteile minutiös untersucht und festgehalten, dass der Geschossmantel aus der 

Kupferlegierung Tombak bestehe und der Kern aus Blei (Urk. 18 S. 7). Ob die 

beiden Mantelteile durch denselben Waffenlauf getrieben worden seien, könne 

nicht festgestellt werden (Urk. 18 S. 8 Erw. 4.3). Als Hersteller der Munition ver-

mutete der Gutachter Sellier & Bellot, wobei für diese Angabe keine absolute Ge-

währ geboten werden könne (Urk. 18 S. 8). Es kann deshalb ausgeschlossen 

werden, dass weitere metallurgische Analysen mehr Erkenntnisse zur rein hypo-

thetischen Frage erbringen könnten, ob zwei Waffen abgefeuert worden seien.  

Wiederum versucht der Verteidiger des Beschuldigten A._____ erfolglos einen 

ominösen weiteren Schützen herbeizureden. Zum einen steht fest, dass M._____ 

von einem Projektil tödlich getroffen wurde, zum andern gibt der Beschuldigte 

A._____ die Schussabgabe zu, wobei die Schussabgaben durch den Beschuldig-

ten A._____ auch vom Mittäter und ebenfalls Beschuldigten B._____ bestätigt 

wurden, und schliesslich kann keiner der Tatbeteiligten auch nur halbwegs ernst-

hafte Angaben zu einem weiteren Schützen oder einer weiteren Schusswaffe ma-

chen, welche über eine bloss spekulative Vermutung hinausgingen. 

10.6. Befragung des vormaligen fallführenden Staatsanwaltes K._____ 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten A._____ stellte den Antrag auf Ein-

vernahme des früheren fallführenden Staatsanwalts, weil ihm unerklärlich sei, 

weshalb dieser gewisse sich aufdrängende Verfahrenshandlungen nicht bzw. 

nicht rechtzeitig vorgenommen habe (Urk. 258 S. 91; Urk. 450 S. 116). Dieser An-

trag ist abzuweisen. Die Einvernahme des vormaligen Staatsanwalts erscheint 

nicht angezeigt (Art. 343 Abs. 1 StPO). Der vormalige fallführende Staatsanwalt 

kann keinerlei Aussagen zum Tathergang machen und ist entgegen der Auffas-

sung der Verteidigung auch nicht verpflichtet, der Verteidigung vor Obergericht 

Red und Antwort zu stehen und sich zu rechtfertigen, weshalb und wann er ge-

wisse Untersuchungsmassnahmen vorgenommen hat und weshalb gewisse nicht. 

- 39 - 

Abgesehen vom aufgezeigten pauschalen Vorwurf hat die Verteidigung keine 

konkrete Begründung für diesen Antrag vorgebracht.  

10.7. Befragung der Tatzeugin L._____ 

Die Verteidigung des Beschuldigten A._____ beantragte sodann anlässlich der 

Berufungsverhandlung eine erneute Befragung der Zeugin L._____ (Urk. 450 

S. 109 f.), worauf nachfolgend (Ziff. IV 11.4.) einzugehen ist. 

11. Verwertbarkeit der polizeilichen Aussagen der Tatzeugin L._____ 

11.1. Die Tatzeugin L._____ wurde lediglich polizeilich und ohne Anwesenheit 

des Beschuldigten A._____ befragt (Urk. 12/44). Auf Vorladung zur staatanwaltli-

chen Befragung (Urk. 12/45) reichte sie ein Arztzeugnis von Dr. med. AG._____ 

vom 3. April 2017 ein, welcher sie aus psychischen Gründen als nicht einvernah-

mefähig taxierte (Urk. 12/46). Der Arzt hielt auf telefonische Anfrage des Staats-

anwalts fest, dass es für die Zeugin aus psychischen Gründen auch in Zukunft 

nicht zumutbar sein werde, im Prozess auszusagen (Urk. 12/46).  

11.2. Die Vorinstanz hat zur Frage der prozessualen Verwertbarkeit der Aussage 

der Tatzeugin L._____ trotz fehlender Konfrontation mit dem Beschuldigten 

A._____ folgende Ausführungen gemacht, denen uneingeschränkt zuzustimmen 

ist (Urk. 368 S. 63 - 66): 

Dem Anspruch, den Belastungszeugen Fragen zu stellen, kommt grundsätzlich 

absoluter Charakter zu (BGE 131 I 476 E. 2.2 S. 481; 129 I 151 E. 3.1 S. 154). 

Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte 

(EGMR) kann jedoch auf eine Konfrontation des Angeschuldigten mit dem Belas-

tungszeugen oder auf die Einräumung der Gelegenheit zu ergänzender Befra-

gung des Zeugen unter besonderen Umständen verzichtet werden. So unter an-

derem, wenn der Belastungszeuge berechtigterweise das Zeugnis verweigerte, in 

der Zwischenzeit stirbt oder einvernahmeunfähig wird und daher nicht mehr be-

fragt werden kann (BGE 105 Ia 396 S. 397; BGE 124 I 274 E. 5b S. 285 f.). Erfor-

derlich war in diesen Fällen jedoch, dass der Angeschuldigte zu den belastenden 

Aussagen hinreichend Stellung nehmen konnte, die Aussagen sorgfältig geprüft 

- 40 - 

wurden und ein Schuldspruch nicht allein darauf abgestützt wurde (EGMR vom 

26. März 1996, Doorson gegen die Niederlande, § 76; BGE 131 I 476 E. 2.2 

S. 481 f. mit Hinweisen). Sowohl der EGMR als auch das Bundesgericht relativier-

ten ihre Rechtsprechung hinsichtlich des Kriteriums, dass ein Zeugnis, das unter 

Verletzung des Konfrontationsanspruchs zustande gekommen ist, nicht alleinige 

oder ausschlaggebende Bedeutung haben darf. So entschied der EGMR Im Urteil 

i.S. Al-Khawaja und Tahery gegen Grossbritannien vom 15. Dezember 2011, 

dass unter Umständen auch ein streitiges Zeugnis von ausschlaggebender Be-

deutung ("preuve unique ou déterminante") ohne Konfrontation mit dem Belas-

tungszeugen verwertbar sein kann, wenn ausreichend kompensierende Faktoren 

gegeben sind, um den Anspruch des Angeschuldigten auf ein faires Verfahren 

und die Überprüfung der Verlässlichkeit des Beweismittels zu gewährleisten (Al-

Khawaja und Tahery gegen Grossbritannien, a.a.O., § 147; vgl. auch BGer 

6B_75/2013 E. 3.3.1 mit zahlreichen Hinweisen auf die Literatur). 

11.3. Wie aus den oben aufgeführten Erwägungen zur Täterschaft bereits her-

vorgeht, kommt der Aussage der Tatzeugin L._____ keine ausschlaggebende 

Bedeutung zu, da der Beschuldigte A._____ die Schussabgabe in Richtung der 

Flüchtenden selbst zugegeben hat. Das Geschehen davor hat die Tatzeugin nur 

akustisch in dem Sinne wahrgenommen, dass auf der Strasse gestritten worden 

sei. Ihre Aussage ist deshalb prozessual im Lichte der vorstehenden Erwägungen 

der Vorinstanz voll verwertbar.  

11.4. Die Verteidigung des Beschuldigten A._____ beantragte sodann anlässlich 

der Berufungsverhandlung eine erneute Befragung der Zeugin L._____, um an-

gesichts ihrer psychischen Probleme ihre allgemeine Glaubwürdigkeit zu prüfen 

(Urk. 450 S. 109 f.). Es ist – wie bereits ausgeführt – ärztlich attestiert, dass 

L._____ aus psychischen Gründen nicht einvernahmefähig ist und das auch in 

Zukunft nicht sein wird (Urk. 12/46). Daher kommt eine neue Einvernahme schon 

aufgrund dieser medizinischen Erkenntnisse nicht in Frage. Anzeichen dafür, 

dass die Tatzeugin im Tatzeitpunkt in ihrer Wahrnehmung eingeschränkt gewe-

sen wäre, liegen sodann keine vor. Entgegen der Ansicht der Verteidigung kann 

aufgrund der ärztlich attestierten Einvernahmeunfähigkeit für die Zukunft mitnich-

- 41 - 

ten geschlossen werden, dass dieser Umstand ihren detaillierten und lebensna-

hen Schilderungen noch am Tattag (Urk. 12/44; vgl. auch Urk. 368 S. 128 f., 

S. 167 ff.) einen Abbruch täte bzw. deren Glaubhaftigkeit in Frage zu stellen oder 

an der Glaubwürdigkeit ihrer Person Zweifel zu wecken vermöchte. Ihre Aussa-

gen sind des Weiteren – wie bereits ausgeführt – nicht das alleinige entscheiden-

de Beweismittel, sondern bloss weiteres Indiz in einer Reihe von Indizien und 

Beweismitteln. Entsprechend konnte auch unter diesem Gesichtspunkt auf eine 

weitere Einvernahme verzichtet werden, ohne die Verwertbarkeit der ersten Ein-

vernahme zu tangieren. Zudem ist an dieser Stelle erneut in Erinnerung zu rufen, 

dass der Glaubwürdikeit einer Person im Vergleich zur Glaubhaftigkeit derer Aus-

sagen nach ständiger bundesgerichtlicher Praxis eine lediglich marginale Bedeu-

tung zukommt. 

12. Entfernung unverwertbarer Aussagen aus den Akten 

Nachdem die Einwendungen der Verteidigung des Beschuldigten A._____ betref-

fend Unverwertbarkeit von Beweismitteln zu verwerfen sind, wird auch der Antrag 

auf Entfernung aus den Akten gestützt auf Art. 141 Abs. 5 StPO gegenstandlos. 

Im Übrigen geht es rechtsstaatlich auch nicht an, Beweismittel, deren (Un-

)verwertbarkeit umstritten ist, einseitig zu Gunsten der rügenden Partei aus den 

Akten zu entfernen, ohne dass über deren prozessuale Verwertbarkeit rechtskräf-

tig entschieden worden ist.  

13. Zweiteilung der Hauptverhandlung (Tatinterlokut) 

Für die von der Verteidigung des Beschuldigten A._____ beantragte Zweiteilung 

der Hauptverhandlung (Urk. 450 S. 89 ff.) gibt es keine Veranlassung, nachdem 

keine weiteren Beweismittel zu erheben sind und die aufgeworfenen Vorfragen 

der Verteidigung keine ernsthaften Zweifel an der prozessualen Rechtmässigkeit 

der erhobenen Beweise geweckt haben. Nach dem Gesagten ist es gestützt auf 

das vorliegende Akten- und Beweisfundament ohne weiteres möglich, die Ankla-

ge einer Würdigung zu unterziehen. 

- 42 - 

14. Ausstandsbegehren 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten A._____ stellte anlässlich der Beru-

fungsverhandlung, nachdem seine Anträge im Rahmen der Vorfragen durch das 

Gericht abgewiesen worden waren, ein Ausstandsbegehren gegen das Gericht 

(Prot. II S. 24 f.). Dieses Ausstandsbegehren zog er in der Folge mit Eingabe vom 

16. Dezember 2021 zurück (Urk. 460), weshalb nicht weiter darauf einzugehen 

ist. 

V. Weiterer Sachverhalt 

Der weitere Sachverhalt ist vor allem für das subjektive Tatverschulden von Be-

deutung, ändert aber nichts am rechtsgenügenden Nachweis der Tötung von 

M._____ durch den Beschuldigten A._____. 

1. Facebook-Posts und SMS-Kontakte 

1.1. Im Oktober 2014 schrieb der Beschuldigte A._____ auf Facebook, wobei 

die Mitteilung an die Gruppe um M._____ gerichtet war: "(…) ich ficke am 

M._____ nöd nur sini qetnik muetter ich fick ihm sine welt ta qifsha familien ich bi 

überall zum atreffe meischtens allei nöd mit 5bis 10 lüt mit mir ihr huren. ich ha ei-

sen für eu ihr kinderschänder ich trinke eues bluet wie wasser ihr hunde. ich bin 

es immer noch eure albtraum vergesse…" (Urk. 5/32 S. 4). Weiter ist erwiesen, 

dass der Beschuldigte A._____ am tt. Februar 2015, einen Tag vor der Tötung 

von M._____, auf Facebook folgende, an M._____ gerichtete Mitteilung schrieb: 

"M._____ ich fick dis läbe du gasch uf AH._____ los du ehrelose hund chum zu 

mir chum zu dim albtraum ich wird die letzte sekunde si wo du i dim läbe wirsch 

ha du hundesohn" (Urk. 5/6 S. 23, 31). Um 20:22 Uhr schrieb er an M._____ u.a. 

eine SMS mit folgendem Text: "du drohsch mir du bisch tod" (Urk. 5/32 S. 26). 

Um 20:33 Uhr am selben Abend schrieb er in einer SMS-Kommunikation mit 

AI._____, der sich danach erkundigte, was zwischen dem Beschuldigten A._____ 

und M._____ laufe, die Antwort: "er will sterbe" (Urk. 5/6 S. 32). AI._____ bestä-

tigte in seiner Zeugeneinvernahme vom 15. März 2016, dass der Beschuldigte 

A._____ wütend gewesen sei und gedroht habe, M._____ umzubringen (Urk. 

12/16 S. 5). Der Beschuldigte A._____ gab an, er habe M._____ mit dem Face-

- 43 - 

book-Post imponieren wollen, damit er sich bedroht fühle und von ihm – dem Be-

schuldigten A._____ – ablasse (Urk. 5/32 S. 26). So eine Erklärung ist völlig le-

bensfremd und deshalb eine reine Schutzbehauptung. Es gibt keinen Grund, 

weshalb eine solche Drohung und Beleidigung deeskalierend wirken sollte. Das 

Gegenteil ist der Fall. Auch wenn Worte nicht immer auf die Goldwaage zu legen 

sind, belegen diese Facebook-Mitteilungen und SMS des Beschuldigten A._____ 

vor dem Hintergrund der seit Monaten schwelenden, tiefen Feindschaft, dass der 

Hass des Beschuldigten A._____ auf sein späteres Opfer gross war. Dies wiede-

rum entlarvt seine Behauptung, er habe M._____ nicht mit Absicht getötet, als 

wenig glaubhaft. Dafür sprechen auch die schwachen Ausreden, mit welchen der 

Beschuldigte A._____ seine Facebook-Mitteilung vom Vorabend der Tat in Abre-

de stellen oder abschwächen wollte. Zu seinem bedenklichen Aussagenverhalten 

kann auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden 

(Urk. 368 S. 85 Erw, 3.2.2.; Urk. 5/1 S. 17).  

1.2. Nicht überzeugend ist der Einwand der Verteidigung, dass es sich bei den 

verbalen Drohungen von A._____ gegenüber M._____ bloss um szenenübliches 

Geschwätz handle, die nicht auf Verwirklichung abzielten (Urk. 335 S. 11; 

Urk. 453 S. 11). Nicht nur der vorliegende Fall, sondern auch pressebekannte 

schwere Auseinandersetzungen zwischen Gangs belegen eindrücklich, dass die 

Verteidigung hier erfolglos zu verharmlosen versucht. Zudem wurde für den 

Showdown eine geladene Schusswaffe mitgenommen, was beweist, dass zumin-

dest die Beschuldigten A._____ und B._____ mit einer Eskalation rechneten, was 

wiederum die Ernsthaftigkeit der gegenseitigen Drohungen untermauert.  

2. Mitnahme der Schusswaffe 

2.1. Der Beschuldigte B._____ sagte in mehreren Einvernahmen stets aus, 

dass der Revolver dem Beschuldigten A._____ gehört habe (Urk. 6/1 Antwort 30). 

Bevor sie zum Tatort gegangen seien, habe der Beschuldigte A._____ die Waffe 

aus dem schwarzen Sofa im Tattoo-Studio genommen, wo sie versteckt gewesen 

sei, und ihm übergeben (Urk. 5/18 S. 7, Urk 6/1 S. 9; Urk. 6/24 S. 4). Dieses Stu-

dio führte der Beschuldigte A._____ zusammen mit seinem Bruder (Urk. 5/1 S. 

13). Angesichts dieser Belastung erscheint die vage Aussage des Beschuldigten 

- 44 - 

A._____ nicht glaubhaft, wonach die Waffe einem Dritten gehört habe, dessen 

Namen er nicht nennen wolle (Urk. 5/22 S. 4). Wenn er dann weiter ausführte, er 

habe die Waffe zwei bis drei Tage nach dem Vorfall jenem Dritten zurückgege-

ben, der sie im Tattoo-Studio gelassen habe, belegt dies zumindest, dass er zu-

mindest der vorübergehende Besitzer der Waffe war, ansonsten er nicht persön-

lich die Rückgabe besorgt hätte. Ebenso unglaubhaft ist seine spätere Wendung 

in der Einvernahme vom 6. April 2017, mehr als zwei Jahre nach der Tat, als er 

plötzlich geltend machte, die Waffe habe B._____ gehört (Urk. 5/26 S. 2). Wer 

Aussagen so spät in der Untersuchung macht und im Widerspruch zu ersten Be-

hauptungen abändert, ist unglaubwürdig, seine Aussagen unglaubhaft. Wenn er 

zudem ausführte, B._____ habe die Waffe aus Angst mitgenommen, belegt dies, 

dass er von der Mitnahme der Waffe Kenntnis hatte (Urk. 5/2 Antwort 41). Dies 

gestand A._____ in seiner Einvernahme vom 7. März 2015 auch ausdrücklich ein 

(Urk. 5/1 Antworten 60 und 65). Er habe B._____ noch ermahnt, mit dem Revol-

ver nicht so herumzufuchteln (Urk. 5/1 Antwort 65).  

2.2. Im Laufe der Untersuchung wurde Bildmaterial vom Beschuldigten A._____ 

sichergestellt, auf welchem er mit Schusswaffen posierte. Das Forensische Insti-

tut hielt fest, dass es sich bei der Waffe auf zwei Bildern mutmasslich um das 

Fabrikat Smith & Wesson handle (Urk. 18 S. 11 f.). Die Untersuchung der Projek-

tilteile ergab, dass als Hersteller der Tatwaffe Smith & Wesson oder Taurus im 

Vordergrund stehe (Urk 18 S. 8). Mit Sicherheit konnte der Gutachter eine Über-

einstimmung der Tatwaffe mit jener auf dem Foto des Beschuldigten A._____ 

nicht feststellen. Immerhin sagte B._____ aber aus, bei der Waffe, welche der 

Beschuldigte A._____ auf dem Foto in der Hand halte, handle es sich um die 

Tatwaffe (Urk. 6/21 S. 15). Eine bemerkenswerte Übereinstimmung, welche den 

Besitz der Waffe durch den Beschuldigten A._____ untermauert. Dies vor allem 

deshalb, weil der Beschuldigte A._____ zur Herkunft der Waffe auf besagten Bil-

dern nur schwammige, unbestimmte Aussagen machte, welche zum Vornherein 

nicht überprüfbar waren (Urk. 5/1 S. 15). Kein typisches Aussageverhalten eines 

Unschuldigen. 

- 45 - 

2.3. Erwiesen ist, dass der Beschuldigte B._____ die Waffe mit sich trug, als 

sich die Gruppe um den Beschuldigten A._____ an den Tatort begeben hatte. 

Nicht bewiesen werden kann demgegenüber, dass der Beschuldigte A._____ den 

Beschuldigten B._____ verbal zur Mitnahme der Waffe aufgefordert hat, weil das 

Aussageverhalten des Beschuldigten B._____ diesbezüglich schwankend war. Es 

kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 368 S. 89 ff.). 

3. Bewaffnung der Gegenseite 

Dass die Gegenseite bewaffnet gewesen sei, behauptete niemand ausser der 

Beschuldigte A._____ (Urk. 5/10 S. 10). Dabei waren seine Aussagen aber derart 

wechselhaft und schwammig, dass ihnen kein Glauben geschenkt werden kann. 

So behauptete er in seiner ersten Einvernahme vom 7. März 2015 zunächst, einer 

der Kollegen von M._____ habe ein offenes Messer in der Hand gehabt (Urk. 5/1 

S. 4). Er kenne diesen anderen aber nicht. Jener sei grösser als er und habe 

schwarze Haare (Urk. 5/1 Antwort 28 ff.). Eine Schusswaffe erwähnte er zunächst 

nicht. Im Laufe seiner Befragung brachte er dann vor: "M._____ hatte auch ein 

Messer. (…) Ich habe das gesehen" (Urk. 5/1 S. 9). Völlig unglaubhaft erscheint 

dann seine kurz darauf folgende Aussage: "I._____ erzählte uns, dass M._____ 

ein Messer dabei gehabt habe und uns habe abstechen wollen." (Urk. 5/1 S. 10). 

Wenn man etwas mit eigenen Augen gesehen hat, erweckt es Zweifel, wenn man 

sich kurz darauf auf "Hörensagen" berufen muss. Nicht weniger diffus dann das 

folgende Statement von A._____: "Vielleicht war es auch eine kleine Pistole, es 

war auf jeden Fall kantig. (…). Ich sah aber das Messer nicht in seinem Hosen-

sack und auch die Pistole nicht. Ich sah einfach etwas Kantiges. Ich bin über-

zeugt, dass er ein Messer hatte, wenn nicht eine kleine Pistole" (Urk. 5/1 S. 10). 

In seiner Einvernahme vom 19. Mai 2015 gab der Beschuldigte A._____ dann an, 

er selbst habe einen Pfefferspray im Hosenbund versteckt und seine Jacke offen 

gehalten, damit er den Pfefferspray schnell habe einsetzen können (Urk. 5/2 S. 

4). Nachdem er vom Pfefferspray getroffen worden sei, habe er mit seinem Spray 

zurückgespritzt (Urk. 5/2 S. 4). Zudem gab er an: "als ich in die Jacke griff, hatte 

einer der anderen eine Pistole bereit" (Urk. 5/2 S 4). Später in dieser Einvernah-

me gab er dann wieder eine neue Version über das Messer zu Protokoll: "Was ich 

- 46 - 

vergessen habe zu sagen ist, dass M._____ ein Messer hatte. Ich habe dieses 

Messer gesehen. Die haben ihm das weggenommen. Ich sah den Griff des Mes-

sers. Man sah, dass ein Klappmesser dort war." (Urk. 5/2 S. 7). Sehr verräterisch 

tönt hier die Formulierung "die haben ihm das weggenommen". Dafür gibt es nur 

eine vernünftige Erklärung: Der Beschuldigte A._____ passte sein Aussagever-

halten an, nachdem er erfahren hatte, dass beim Opfer ein Messer in der Jacken-

tasche sichergestellt worden war. In der Konfrontationseinvernahme vom 18. Au-

gust 2015 erklärte der Beschuldigte A._____ dann: "M._____ hatte ein Messer 

dabei und D._____ den Abdruck eines Revolvers. Dieser Abdruck war im Hosen-

bund. Es hat leicht geblitzt. Er hat es eigentlich versteckt." (Urk. 10/5 S. 10). Be-

merkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass von den anderen Beteiligten 

niemand eine Waffe gesehen hat, abgesehen von der späteren Tatwaffe 

(B._____, Urk. 5/10 S. 10; C._____, Urk. 5/10 S. 10; G._____, Urk. 5/10 S. 10; 

I._____, Urk. 5/10 S. 10; H._____ Urk. 5/10 S. 10). Es ist somit erwiesen, dass 

die Gegenseite der Beschuldigten A._____ und B._____ – entgegen der Behaup-

tungen der Verteidigung des Beschuldigten A._____ (Urk. 453 S. 39 ff., S. 49 ff.) 

– keine Waffe, weder ein Messer noch eine Schusswaffe, einsetzten. 

4. Übernahme der Schusswaffe von B._____ durch A._____ 

B._____ sagte aus: "Er [Beschuldigter A._____] kam zu mir, riss mir die Waffe 

aus der Hand und das wars." (Urk. 5/10 S. 27). Auch in anderen Einvernahmen 

verwendete er die Formulierung, dass A._____ ihm die Waffe "genommen" habe 

(Urk. 6/1 Antwort 53; Urk. 5/32 S. 32; vgl. auch Urk. 5/10 S. 28). Die Frage, wes-

halb er sich nicht gegen die Wegnahme der Waffe durch A._____ gewehrt habe, 

erwiderte B._____ mit den Worten: "Ich dachte, es sei vorbei. Nachdem ich ge-

schossen hatte, wollte ich den Revolver wieder in meine Jacke nehmen. Er nahm 

mir dann die Waffe weg. Niemand rechnete damit, dass er damit schiessen wür-

de." (Urk. 6/1 Antwort 117). Der Beschuldigte A._____ gab in seiner Einvernahme 

vom 19. Mai 2015 zu Protokoll: "Ich griff auf die Pistole, die er in der Hand hatte 

und nahm sie ihm weg." (Urk. 5/2 S. 5).  

- 47 - 

5. Pfefferspray 

5.1. Der Beschuldigte A._____ machte geltend, er sei vom Pfefferspray so ge-

troffen worden, dass es ihn auf den Boden geworfen und er kaum mehr etwas ge-

sehen habe (Urk. 5/1 S. 19). Er sei fast ohnmächtig geworden und kurz auf die 

Knie gegangen (Urk. 5/2 S. 4). In der Konfrontationseinvernahme vom 18. August 

2015 zwischen A._____, B._____, G._____, C._____, D._____, I._____ und 

H._____ wurden diese ausdrücklich danach gefragt, ob sie gesehen hätten, dass 

A._____ nach dem Pfeffersprayeinsatz zu Boden gegangen sei, doch niemand 

meldete sich auf diese Frage (Urk. 5/10 S. 7). Die Aussage von A._____, wonach 

er fast ohnmächtig zu Boden gegangen sei, ist deshalb eine blosse Dramatisie-

rung und lässt darauf schliessen, dass er in diesem Zusammenhang auch bei 

seiner weiteren Schilderung, insbesondere in Bezug auf die angebliche Blindheit, 

übertrieben hat. Dies umso mehr, als nicht nachvollziehbar wäre, wie er fast blind 

oder beinahe bewusstlos gezielt nach der Waffe hätte greifen und diese dem Be-

schuldigten B._____ entreissen können. Entsprechend ist auf die weiteren Aus-

führungen seiner Verteidigung diesbezüglich nicht näher einzugehen (vgl. 

Urk. 453 S. 44 ff.). Es ist denn auch nicht bekannt, dass Pfeffersprays Bewusstlo-

sigkeit verursachen können.  

5.2. Dann fuhr A._____ fort, er habe "B._____ [gemeint ist B._____] hilf mir" 

gerufen, und habe mit seinem Pfefferspray zurück gesprayt, was er auch im 

Rahmen des Berufungsverfahrens anerkannte (vgl. auch Urk. 453 S. 46 und 

S. 63). Er habe nichts mehr gesehen und sich blind orientiert. Als dieser ihm ge-

holfen habe, habe er "auf die Pistole gegriffen", welche B._____ in der Hand ge-

habt habe, und habe sie ihm weg genommen (Urk. 5/2 S. 5). Er habe dann in die 

Richtung geschossen, wo er das Gefühl gehabt habe, die anderen seien dort ge-

wesen (Urk. 5/2 S. 5). Diese Aussage ist bereits deshalb nicht glaubhaft, weil 

M._____ und D._____ nach dem Schuss durch B._____ weggerannt waren, mit 

anderen Worten gar nicht mehr dort standen, wo der Pfeffersprayeinsatz erfolgte. 

Der Beschuldigte A._____ musste mit anderen Worten gesehen haben, wohin 

M._____ und D._____ gerannt waren, nämlich auf die andere Strassenseite. Ge-

stützt auf die glaubhafte Aussage des Beschuldigten B._____ steht fest, dass der 

- 48 - 

Beschuldigte A._____ diesen ein paar Schritte nachgeilt ist (vgl. Urk. 451A/2 

S. 14), was in Einklang mit den Erkenntnissen des FOR-Gutachten steht (Urk. 

18). Dies korreliert mit der Aussage der Tatzeugin L._____, die erwähnte, dass 

der Schütze den Flüchtenden vor den Schussabgaben auf die Strasse nachge-

rannt sei (Urk. 12/44 Antworten 15 und 21). Nach ihrer präzisen Darstellung fand 

der Streit auf der rechten Seite der AE._____-strasse (stadtauswärts gesehen) 

vor dem Garagenanbau der Liegenschaft … statt und die beiden Flüchtenden 

rannten in der Folge auf die andere Seite der AE._____-strasse (Urk. 12/44). Der 

Fundort der Leiche lag denn auch ca. 50 Meter vom ursprünglichen Ort der Aus-

einandersetzung auf der anderen Strassenseite bei der Liegenschaft … (Urk. 4/1). 

Bemerkenswert ist an der Darstellung der Augenzeugin L._____, dass auf dem 

Foto, welches vom Ort ihrer Schilderung gemacht und ihr vorgehalten wurde, 

auch das Mäuerchen erkennbar ist, welches der Beschuldigte A._____ erwähnte, 

auf welchem er gesessen habe vor dem Pfeffersprayeinsatz (Urk. 12/44 S. 7; Urk. 

5/1 Antwort 38 und Foto S. 29). Die örtliche Beschreibung stimmt mit jener von 

A._____ überein, was auf eine hohe Glaubhaftigkeit der Aussage von L._____ 

hinweist. Auch dies belegt in Kombination mit den Gutachten des FOR, dass der 

Beschuldigte A._____ rund zehn bis zwanzig Meter auf die Strasse gerannt ist, 

bevor er auf die Flüchtenden schoss. Auch wenn zu dieser Nachtzeit die Strasse 

nicht intensiv befahren worden sein dürfte, so handelt es sich bei der mehrspuri-

gen AE._____-strasse immerhin um die Hautverkehrsachse von Zürich Richtung 

Autobahneinfahrt AJ._____-tunnel. Auf eine solche Strasse rennt man nicht hin-

aus, wenn man überhaupt nichts sieht. Es kann deshalb ausgeschlossen werden, 

dass der Beschuldigte A._____ wegen des Pfeffersprays nichts mehr gesehen 

hat. Glaubhaft ist einzig, dass ihm die Augen vom Pfefferspray etwas gebrannt 

haben und diese wohl tränten.  

5.3. Sodann gab A._____ auch an, G._____ habe ihm nach den Schüssen ge-

holfen und er habe sich an ihm gehalten (Urk. 5/24 S. 12 f.). Eine Version, wel-

che notabene im Widerspruch zu seiner Darstellung steht, wonach er nach 

B._____ gerufen habe und dieser ihm nach dem Pfeffersprayeinsatz geholfen ha-

be (Urk. 5/2 S. 4). Dann sei er mit G._____ joggenderweise weggerannt, wobei er 

sich an G._____ gehalten und dieser ihn gezogen habe (Urk. 5/24 S. 12 f.). 

- 49 - 

Merkwürdigerweise stimmt diese Darstellung überhaupt nicht überein mit der 

ersten Schilderung von G._____. Dieser gab nämlich an: "Als "klöpft" hat, bekam 

ich es mit der Angst und rannte rechts am Tattoo-Studio vorbei in den Hinterhof. 

Ich war sehr geschockt und rannte weiter. Ich merkte, dass hinter mir auch zwei 

Personen rannten." (Urk. 8/1 Antwort 46). Das deckt sich im Wesentlichen auch 

mit seiner Aussage anlässlich seiner Einvernahme am 3. März 2015, als er aus-

führte, er sei wie ein Irrer recht weit weggerannt und dann langsam nach Hause 

gegangen (Urk. 8/2 Antwort 29). Er habe gesehen, dass noch Leute in seiner Nä-

he gestanden seien, aber er habe nicht mehr nach hinten geschaut (Urk. 8/2 Ant-

wort 30). Solch eine Darstellung wirkt erlebnisbasiert und es kann deshalb ausge-

schlossen werden, dass er gegenüber dem "blinden" Beschuldigten A._____ den 

barmherzigen Samariter gespielt hat, wie dieser es glaubhaft machen will. Daran 

ändert nichts, dass G._____ dann ein halbes Jahr später, in der Konfrontations-

einvernahme vom 18. Dezember 2015 plötzlich und im Widerspruch zu seinen 

früheren Aussagen vorbrachte, er habe A._____ nach AK._____ geführt, weil die-

ser nichts mehr gesehen habe (Urk. 5/18 S. 5). Diese Aussage machte er nota 

bene direkt nach seinem Hinweis, dass der Vater von A._____ ihm gegenüber 

geäussert habe, dass er [der Vater des Beschuldigten A._____] enttäuscht von 

dessen [G._____'s] Aussage gewesen sei (Urk. 5/18 S. 5).  

5.4. Wahr ist an der Darstellung von A._____ deshalb, dass er in derselben 

Richtung floh wie G._____, allerdings einige Meter hinter diesem und ohne dass 

er wie ein Blinder hätte geführt werden müssen. Nicht ausgeschlossen werden 

kann einzig, dass A._____ durch den Pfeffersprayeinsatz allgemein bekannte 

Symptome hatte, brennende und tränende Augen, aber keinesfalls, dass er völlig 

blind gewesen wäre.  

6. Schussabgabe durch A._____ 

6.1. Das Gutachten erachtet es aufgrund der Analyse der sichergestellten 

Projektilteile als erwiesen, dass – in Abweichung von der Anklage, welche fälsch-

licherweise von drei Schussabgaben ausgeht (Urk. 192b S. 9; Urk. 275 S. 26) –

 insgesamt vier Schussabgaben in Richtung des Flüchtenden M._____ erfolgten 

(Urk. 18 S. 29 Erw. 6.3). Auf diesen Standpunkt stellt sich auch die Verteidigung 

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(Urk. 258 S. 14; Urk. 450 S. 35 ff.; Urk. 453 S. 34 ff., 57). Es kann deshalb als 

nachgewiesen erachtet werden, dass A._____ insgesamt vier Schüsse abgefeu-

ert hat (vgl. Ziff. III. 4.4). Der Umstand, dass nicht das gesamte Material, insbe-

sondere keine Projektilteile des Geschosses, welches M._____ getroffen hat, si-

chergestellt werden konnt