# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 230ae7d9-f196-5673-8250-fbe26e1f0a42
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1999-09-07
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Rekurskommission Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement 07.09.1999 JAAC 64.106
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_028_JAAC-64-106--_1999-09-07.pdf

## Full Text

JAAC 64.106

Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der
Rekurskommission EVD vom 7. September 1999

in Sachen L. gegen die Prüfungskommission der
höheren Fachprüfung für Bücherexperten und
Bundesamt für Berufsbildung und Technologie;

98/HB-012

Examen professionnel supérieur. Déni de justice formel (art. 4 Cst.).
Etablissement incomplet des faits pertinents. Inégalité de traitement
dans l’appréciation (étendue de l’obligation de motiver). Obligation de
conserver les pièces du dossier. Absence de preuves.

Devoir d’examen de l’autorité inférieure. Motivation du grief d’inégalité
de traitement.

- Lorsqu’il existe des indices concrets indiquant qu’une inégalité de
traitement a été commise, l’instance inférieure doit examiner les
allégués pertinents. Le devoir d’examen porte sur tous les éléments
de fait susceptibles d’apporter des éclaircissements sur l’inégalité de
traitement invoquée et peut donc impliquer une comparaison avec
d’autres travaux (consid. 6.3).

- Le grief d’inégalité de traitement est suffisamment motivé lorsque
le recourant indique les points sur lesquels il aurait fait l’objet d’un
traitement discriminatoire comparé aux autres candidats qu’il cite, et
qu’il expose brièvement les raisons justifiant un relèvement de sa note
(consid. 6.4.2).

Obligation de conserver les pièces du dossier. Conséquences d’une
absence de preuves.

- La Commission d’examen doit conserver les moyens de preuves
allégués par le recourant devant l’autorité inférieure aussi longtemps
qu’un recours est pendant (consid. 6.6.1).

1

- Il serait inéquitable de faire supporter au recourant les conséquences
de l’absence de preuves, lorsque la destruction des travaux comparatifs
est imputable aux instances inférieures. Il doit dès lors avoir la
possibilité de se présenter une nouvelle fois à l’examen dans la matière
contestée (consid. 6.6.2).

Höhere Fachprüfung. Formelle Rechtsverweigerung (Art. 4 BV).
Unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts.
Rechtsungleiche Bewertung (Umfang der Substanziierungspflicht).
Aktenaufbewahrungspflicht. Beweisnotstand.

Prüfungspflicht der Vorinstanz. Substanziierung der Rüge
rechtsungleicher Bewertung.

- Werden konkrete Anhaltspunkte vorgebracht, die auf eine
rechtsungleiche Prüfungsbewertung hindeuten, erstreckt sich die
Prüfungspflicht auf sämtliche Sachverhaltselemente, die Aufschluss
über die behauptete rechtsungleiche Bewertung geben können; dies
kann einen Quervergleich mit andern Arbeiten einschliessen (E. 6.3).

- Die Rüge rechtsungleicher Behandlung ist genügend substanziiert,
wenn diejenigen Aufgabenteile genannt werden, welche im Vergleich
zu den Arbeiten namentlich genannter Mitkandidaten rechtsungleich
tief bewertet erscheinen, und jeweils kurz angegeben wird, weshalb die
Bewertung anzuheben ist (E. 6.4.2).

Aktenaufbewahrungspflicht. Folgen eines unverschuldeten
Beweisnotstandes.

- Solange ein Rechtsmittelverfahren hängig ist, hat die
Prüfungskommission die vom Beschwerdeführer vor der Vorinstanz
als Beweismittel beantragten Vergleichsunterlagen aufzubewahren
(E. 6.6.1).

- Haben allein die Vorinstanzen die Vernichtung von Vergleichsarbeiten
zu vertreten, wäre es unbillig, den Beschwerdeführer die Folgen
des Beweisnotstandes tragen zu lassen. Ihm ist Gelegenheit zur
nochmaligen Ablegung der entsprechenden Fachprüfung zu geben
(E. 6.6.2).

Esami professionali superiori. Diniego di giustizia formale (art. 4 Cost.).
Accertamento incompleto della fattispecie giuridicamente rilevante.
Apprezzamento disuguale (entità dell’obbligo di sostanziare). Obbligo
di conservazione degli atti. Difficoltà di prova.

Obbligo d’esame dell’autorità precedente. Obbligo di sostanziare la
censura concernente un apprezzamento disuguale.

2

- Se vengono addotti degli indizi concreti, indicanti una valutazione
disuguale dell’esame, l’obbligo di verifica si estende a tutti gli elementi
della fattispecie, che potrebbero portare al chiarimento del preteso
apprezzamento disuguale; questo può comprendere una comparazione
trasversale con altri lavori (consid. 6.3).

- La censura di trattamento disuguale è sufficientemente motivata
quando vengono indicate le parti dell’elaborato che, in confronto con
lavori di altri candidati citati nominalmente, risultano ingiustamente
sottovalutate, e quando viene brevemente indicato il motivo per il quale
l’apprezzamento deve essere aumentato (consid. 6.4.2).

Obbligo di conservazione degli atti. Conseguenze di una difficoltà di
prova senza colpa del ricorrente.

- Fintanto che una procedura di ricorso è pendente, la commissione
d’esame deve conservare la documentazione comparativa richiesta dal
ricorrente alla prima istanza quale mezzo di prova (consid. 6.6.1).

- Se la distruzione di lavori comparativi è imputabile esclusivamente
all’autorità di prima istanza, sarebbe ingiusto addossare al ricorrente
le conseguenze della difficoltà di raccogliere le prove. Al ricorrente
deve essere data la possibilità di sostenere ancora una volta il relativo
esame professionale (consid. 6.6.2).

L. bestand im Herbst 1996 die höhere Fachprüfung für Bücherexperten nicht.

Gegen die Verfügung der Prüfungskommission der höheren Fachprüfung
für Bücherexperten (hiernach: Prüfungskommission) erhob L. am
9. Januar 1997 Verwaltungsbeschwerde beim Bundesamt für Industrie,
Gewerbe und Arbeit (hiernach: Bundesamt[22]) und beantragte, der
Entscheid der Prüfungskommission sei aufzuheben, und es sei ihm das
Bücherexpertendiplom zu verleihen. Unter anderem rügte L., seine Leistungen
seien in den Fächern «Revision» und «Betriebswirtschaft, Rechnungswesen,
Organisation und Informatik» teilweise rechtsungleich zu tief bewertet
worden. Zum Vergleich seien die Arbeiten von bestimmten Mitkandidaten
beizuziehen.

Mit Entscheid vom 6. April 1998 wies das Bundesamt die Beschwerde ab.
Zur Begründung wurde unter anderem festgehalten, die Antworten des
Beschwerdeführers seien nicht mit solchen anderer Kandidaten verglichen
worden, da es an konkreten Anhaltspunkten für eine rechtsungleiche
Beurteilung fehle.

Mit Eingabe vom 29. April 1998 erhebt L. gegen diesen Entscheid des
Bundesamtes Beschwerde bei der Rekurskommission EVD (REKO/EVD) und
beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und ihm sei das Diplom
eines Bücherexperten zu erteilen.

Aus den Erwägungen:

6.2. Somit bleibt der als Verletzung des rechtlichen Gehörs gerügte
Verfahrensfehler der Vorinstanz zu prüfen.

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Das Bundesamt hält im angefochtenen Entscheid wie auch in seiner
Vernehmlassung fest, es wäre nur dann angezeigt gewesen, die
Prüfungsarbeiten von Mitkandidaten beizuziehen, wenn konkrete
Anhaltspunkte darauf hingewiesen hätten, dass eine rechtsungleiche
Behandlung vorliegen könnte. Der Beschwerdeführer habe lediglich
behauptet, ohne dies näher zu begründen, er sei strenger bewertet worden als
andere Kandidaten.

Demgegenüber kritisiert der Beschwerdeführer, er habe konkret auf
rechtsungleiche Bewertungen gewisser Teilaufgaben hingewiesen. In
seiner Beschwerde vom 9. Januar 1997 an das Bundesamt sowie in weiteren
Schreiben vom 1. Juli 1997, 25. Oktober 1997 und 10. Dezember 1997
habe er sehr detailliert dargelegt, bei welchen Aufgaben und in welchen
Punkten seine Lösungen anders bewertet worden seien als diejenigen seiner
Mitkandidaten, mit denen er seine Antworten verglichen habe. Die Vorinstanz
hätte daher von der Prüfungskommission die von ihm spezifizierten
Originalprüfungsunterlagen der genannten Kandidaten herausverlangen
sollen und einen Sachverständigen beauftragen müssen, den Vorwurf der
ungleichen Bewertung zu prüfen.

Nachfolgend sind zunächst die für die Rekurskommission EVD wegleitenden
Grundsätze bei der richterlichen Überprüfung des gerügten Vorgehens der
Vorinstanz darzustellen.

6.3. Werden Verfahrensmängel geltend gemacht, muss die Rechtsmittelinstanz
die erhobenen Rügen mit voller Kognition prüfen (BGE 106 Ia 1 E. 3c;
VPB 45.43 E. 2; René A. Rhinow / Beat Krähenmann, Schweizerische
Verwaltungsrechtsprechung, Basel 1990, Nr. 80 B I f, S. 257). Eine
Verfahrensfrage betrifft auch die Rüge, bei der Notengebung sei in
rechtsungleicher Weise von den Grundsätzen abgewichen worden, die in
allen andern Fällen befolgt worden seien.

Werden konkrete Anhaltspunkte vorgebracht, die auf eine rechtsungleiche
Prüfungsbewertung hindeuten, muss die Rechtsmittelinstanz die
entsprechenden Vorbringen sorgfältig und ernsthaft prüfen (vgl. BGE 121 I 225
E. 2c; BGE 105 Ia 190 E. 2a). Die Prüfungspflicht erstreckt sich auf sämtliche
Sachverhaltselemente, welche Aufschluss über die behauptete rechtsungleiche
Bewertung geben können; dies kann einen Quervergleich mit andern Arbeiten
einschliessen (vgl. BGE 112 Ia 107 E. 2; REKO/EVD 95/4K-037 E. 3.1.1, publiziert
in: VPB 61.31; unveröffentlichter Beschwerdeentscheid der REKO/EVD vom
21.9.1998 i. S. S. [97/HB-007 E. 6.2]; REKO/EVD 94/4K-016 [unveröffentlichte]
E. 8.1, publiziert in: VPB 60.41).

Sieht eine Beschwerdeinstanz trotz hinreichend substanziierter Rügen
von einem Vergleich der beanstandeten Arbeit mit den Arbeiten anderer
Kandidaten ab, so verletzt sie ihre Prüfungs- und Begründungspflicht und
begeht insofern eine formelle Rechtsverweigerung (vgl. auch BGE 112 Ia 107
E. 2b; vgl. zum rechtlichen Gehör auch: BGE 106 Ia 1 E. 3c; VPB 56.16 E. 4).

6.4. Das Bundesamt erachtete die Rüge rechtsungleicher Bewertung nicht
als genügend substanziiert. Deshalb verzichtete es darauf, die zum Vergleich
beantragten Prüfungsarbeiten von der Prüfungskommission beizuziehen und
ging inhaltlich nicht näher auf die Rüge ein.

4

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_106_Ia_1&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_121_I_225&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_105_Ia_190&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_112_Ia_107&resolve=1
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003446.pdf?ID=150003446
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003071.pdf?ID=150003071
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_112_Ia_107&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_106_Ia_1&resolve=1
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150001499.pdf?ID=150001499

Im Folgenden ist zu prüfen, ob der Auffassung des Bundesamtes gefolgt
werden kann.

6.4.1. Im Verfahren vor der Vorinstanz legte der Beschwerdeführer in
seiner Eingabe vom 9. Januar 1997 die rechtsungleiche Behandlung im Fach
«Revision» wie folgt dar:

Begründung / Antrag Punkte Punkte

Position Begründung IST Antrag

Aufgabe 2 (...) II Stille Reserven 0.75 5

Fragen a-b Der Vergleich meiner Lösung mit
Lösungen von Dritten (H. S., G., Nr. xxx; M.
H., M., Nr. yyy), die die Prüfung ebenfalls
nicht bestanden haben, hat gezeigt, dass
diesen für die identischen Antworten die
volle Punktzahl zuerkannt wurde.
Der Unterschied in meiner Lösung besteht
lediglich darin, dass ich eine andere
Darstellungsform gewählt habe.
Ich beantrage, dass diese Bonifikation
auch mir zugestanden wird.

(...) III

Lagerbewertung

Fragen 1 - 4 Auch hier habe ich feststellen müssen,
dass meine Antworten im Drittvergleich
( H. S., G., Nr. xxx; M. H., M., Nr. yyy)
mehrheitlich richtig sind, aber nicht im
gleichen Ausmass bewertet wurden.
Wie aus meiner Lösung ersichtlich
ist, habe ich im ersten Teil die
Wertbasis festgelegt und im zweiten
Teil die notwendigen Berechnungen
durchgeführt.
Auch in diesem Bereich beantrage ich eine
angemessene Punktekorrektur.

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(...) IV

Konzernrechnung

Teile I + II V Die vorgängig geschilderte Problematik
wiederholt sich auch in diesem Bereich.
Daher beantrage ich ebenfalls in diesem
Teil der Aufgabe eine Korrektur der mir
zuerkannten Punkte.

1 3

5

Begründung / Antrag Punkte Punkte

Position Begründung IST Antrag

Frage7 Grundsätze der Abschlussprüfung
Auch bei dieser Frage wiederholte sich
die Problematik der abweichenden
Beurteilung gleicher Antworten (vgl. dazu
Lösung von S. K., B., Nr. zzz).
Daher beantrage ich auch hier eine
entsprechende Korrektur.

0 0.5

Begründung / Antrag Punkte Punkte

Position Begründung IST Antrag

Aufgabe 5 II

3 Beim Drittvergleich meiner Antwort
habe ich festgestellt, dass bei einem
anderen Kandidaten (H. S., G., Nr. xxx)
die Ausführung zu Punkt 3.6 meiner
Lösung (vgl. S. 4) mit einem halben Punkt
bewertet wurde.
Da ich für diese Antwort keine
Punktegutschrift erhalten habe,
beantrage ich, mir den für diese Position
zuerkannten Punkt gutzuschreiben.

Mit Stellungnahme vom 1. Juli 1997 zum Bericht der Examinatoren der
Prüfungskommission hielt der Beschwerdeführer an seinem bisher
vertretenen Standpunkt fest und nannte erneut jene Mitkandidaten, deren
Aufgabenlösungen zum Vergleich beizuziehen seien.

6.4.2. Mit der vorstehenden Aufstellung umschrieb der Beschwerdeführer
sehr präzis diejenigen Aufgabenteile, welche seiner Auffassung nach
im Vergleich zu den Arbeiten der namentlich genannten Mitkandidaten
rechtsungleich tief bewertet worden seien. Ferner deutet er jeweils kurz
an, weshalb die Bewertung um insgesamt 11,25 Punkte anzuheben sei.

Mit diesen detaillierten Hinweisen hat der Beschwerdeführer dargelegt, dass
die genannten Vergleichsarbeiten geeignet sein könnten, um die von ihm
behauptete Unterbewertung zu belegen. Insofern hat er die Anforderungen an
die Substanziierung seiner Rüge ohne Zweifel erfüllt (vgl. beispielsweise die
in BGE 121 I 225 E. 2d [am Ende] geschilderte Situation). Denn hierfür genügt
es, dass er die Ungleichbehandlung behauptet und die Beweismittel nennt,
welche das Bundesamt in die Lage versetzen sollen, sich von der Richtigkeit
der Behauptung zu überzeugen. Die Rekurskommission EVD vermag daher
nicht nachzuvollziehen, wie das Bundesamt zur Auffassung gelangen konnte,
der Beschwerdeführer habe keine «konkreten Anhaltspunkte» für eine
rechtsungleiche Behandlung geliefert.

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_121_I_225&resolve=1

Somit lagen genügend konkrete Hinweise seitens des Beschwerdeführers
vor (vgl. Art. 13 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das
Verwaltungsverfahren [VwVG], SR 172.021), dass das Bundesamt im Rahmen
seiner Pflicht zur Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen (Art. 12 VwVG)
verpflichtet gewesen wäre, die zum Beweis angebotenen Vergleichsarbeiten
beizuziehen und sich damit auseinander zu setzen.

Dazu hätte es im Übrigen auch deshalb Anlass gehabt, weil die
Prüfungskommission im Rahmen des vorinstanzlichen Beschwerdeverfahrens
bei verschiedenen Teilaufgaben Aufwertungen vorgenommen hatte.
Deshalb waren gewisse Zweifel an der Korrektheit der Bewertung nicht von
vornherein von der Hand zu weisen.

Von einem Vergleich hätte das Bundesamt nur absehen dürfen, wenn die auf
Grund der gerügten Mängel beantragte Aufwertung nicht mindestens zu einer
Notenkorrektur auf 4,0 hätte führen können. Denn es ist nur zur Prüfung der
für den Entscheid wesentlichen Sachverhaltselemente verpflichtet.

Der Beschwerdeführer erwartet unter dem Gesichtspunkt der
rechtsungleichen Bewertung im Fach «Revision» eine Aufwertung um 11,25
Punkte. Damit würde sich die Gesamtpunktzahl zumindest auf 58,75 Punkte
(= 47,5 + 11,25) erhöhen. In diesem Fall ergäbe sich die Note 4,0, da nach der
Notenskala hierfür 55 Punkte ausreichen. Somit vermöchte sich eine positive
Beurteilung der gerügten rechtsungleichen Bewertung im Fach «Revision» auf
das Prüfungsergebnis im Sinne einer Gutheissung und Erteilung des Diplomes
auszuwirken.

Unter diesen Umständen wäre die Vorinstanz verpflichtet gewesen, die
zum Beweis angebotenen Vergleichsarbeiten beizuziehen und sich damit
auseinander zu setzen.

6.5. Soweit dem Bundesamt in diesem Zusammenhang eine Verletzung
des rechtlichen Gehörs vorgeworfen wird, braucht darauf nicht weiter
eingegangen zu werden. Denn ausschlaggebend ist hier, dass die Vorinstanz
den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig festgestellt hat. Da dies nach
Art. 49 Bst. b VwVG einen Beschwerdegrund bildet, ist die Rekurskommission
EVD gehalten, dieser Rüge nachzugehen und die Sachverhaltsabklärung zu
vervollständigen.

Dementsprechend forderte die Rekurskommission EVD im Rahmen der
Instruktion des Verfahrens (Art. 12 VwVG) die Prüfungskommission auf,
die vom Beschwerdeführer genannten Vergleichsarbeiten der Kandidaten
M. H., S. K. und H. S. einzureichen und zur Bewertung dieser Prüfungsarbeiten
Stellung zu nehmen.

Mit Schreiben vom 12. April 1999 teilte die Prüfungskommission jedoch mit,
die verlangten Prüfungsarbeiten seien bereits vernichtet worden. Nach
dem Reglement vom 30. September 1992 über die höhere Fachprüfung für
Bücherexperten (Reglement; vgl. BBl 1992 433; Art. 5 Abs. 7) würden nach
jeweils zwei Jahren die Prüfungsarbeiten jener Kandidaten vernichtet, welche
keinen «Rekurs» eingelegt hätten.

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Damit bleibt zu prüfen, welche rechtlichen Konsequenzen aus der
Aktenvernichtung zu ziehen sind.

6.6. Da die Beweismittel nicht mehr existieren, ist die Rekurskommission EVD
nicht in der Lage, die Lücken in der Sachverhaltsabklärung der Vorinstanz
zu schliessen. Unter diesen Umständen kann der vom Beschwerdeführer
angestrebte Beweis, dass seine Prüfungsarbeit im Fach «Revision» im Vergleich
zu andern Kandidaten zu tief bewertet worden sei, nicht erbracht werden.

Daher stellt sich die Frage, wie sich dieser Sachumstand auswirkt.

6.6.1. Dazu ist festzuhalten, dass das Bundesamt die Verantwortung für eine
ordnungsgemässe Leitung des verwaltungsinternen Beschwerdeverfahrens
trägt (vgl. René A. Rhinow / Heinrich Koller / Christina Kiss, Öffentliches
Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bundes, Basel und Frankfurt
am Main 1996, Rz. 655, 658, 816, 1349 ff.). Seine Verpflichtung zur
Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen (Art. 12 VwVG), erstreckt sich auch
auf die Einholung der vom Beschwerdeführer bezeichneten Beweismittel
(Art. 19 VwVG in Verbindung mit Art. 37 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember
1947 über den Bundeszivilprozess [BZP], SR 273), soweit sie sich als
rechtserheblich erweisen.

Dass heute der Beweis betreffend die allfällige rechtsungleiche Behandlung
bei der Prüfungsbewertung objektiv nicht mehr geführt werden kann, haben
alleine das Bundesamt sowie die Prüfungskommission zu vertreten. Das
Bundesamt versäumte, rechtzeitig die bezeichneten Prüfungsaufgaben von
der Prüfungskommission beizuziehen. Diese vernichtete die genannten
Prüfungsarbeiten in Kenntnis des Antrages des Beschwerdeführers auf Edition
dieser Arbeiten als Beweismittel.

Die Prüfungskommission wusste genau, welche Prüfungsarbeiten der
Mitkandidaten von Bedeutung waren. Solange der vorinstanzliche
Entscheid noch nicht in Rechtskraft erwachsen war, durfte sie nicht
davon ausgehen, diese Arbeiten würden auch im Verfahren vor der
Rekurskommission EVD als unerheblich betrachtet werden. Vielmehr
hätte sie diese potenziellen Beweismittel vorsorglich bis zum Abschluss
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens aufbewahren müssen, um den
vom Beschwerdeführer angestrebten Vergleich zu ermöglichen. Die
damit verbundenen Umtriebe organisatorischer Art hätten den Rahmen
verhältnismässiger Mitwirkung nicht gesprengt und wären im Interesse des
Rechtsschutzes zumutbar gewesen.

Da sich der Beschwerdeführer infolge des Vorgehens der Vorinstanzen
unverschuldet in einem Beweisnotstand befindet, wäre es unbillig, ihn die
Folgen des verunmöglichten Beweises tragen zu lassen (vgl. dazu eingehend:
Peter Sutter, Die Beweislastregeln unter besonderer Berücksichtigung des
verwaltungsrechtlichen Streitverfahrens, Diss. St. Gallen 1988, S. 209 u. 215 f.,
mit weiteren Verweisen; sowie Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege,
Bern 1983, S. 50 f.; vgl. allgemein zur Verpflichtung des Staates auf Loyalität

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und Korrektheit im Verhalten: Beatrice Weber-Dürler, Vertrauensschutz im
öffentlichen Recht, Basel und Frankfurt am Main 1983, § 2/II sowie 2/VI, S. 15
und 20 ff.).

6.6.2. Somit ist es nicht angebracht anzunehmen, die Arbeit des
Beschwerdeführers im Fach «Revision» sei richtig bewertet worden.
Anderseits ginge es auch nicht an, zu Gunsten des Beschwerdeführers
anzunehmen, der Beweis der rechtsungleichen Unterbewertung seiner
Arbeit wäre im Sinne seines Antrages gelungen und dementsprechend die
Note auf 4,0 anzuheben. Bei der gegebenen Verfahrenslage muss somit offen
bleiben, ob die von der Prüfungskommission erteilte Note 3,5 oder allenfalls
die vom Beschwerdeführer angestrebte Note von mindestens 4,0 das gültige
Prüfungsresultat darstellt.

Voraussetzung der Diplomerteilung ist ein gültiges Prüfungsresultat.
Der Nachweis einer genügenden Leistung im Fach «Revision» kann dem
Beschwerdeführer nicht erspart werden. Daher kommt eine Diplomerteilung
- trotz eindeutiger Fehler der Vorinstanzen - nicht in Frage (vgl. REKO/EVD
95/4K-037 E. 8.1, publiziert in: VPB 61.31). Denn Voraussetzung der
Diplomerteilung ist ein gültiges Prüfungsresultat. Der Nachweis einer
genügenden Leistung im Fach «Revision» kann dem Beschwerdeführer nicht
erspart werden.

Demzufolge ist dem Beschwerdeführer die Möglichkeit zu gewähren, den
geforderten Nachweis genügender Leistungen zu erbringen und ihm
daher Gelegenheit einzuräumen, die Prüfung im Fach «Revision» nochmals
abzulegen. Danach wäre die Prüfungskommission in der Lage, unter Einbezug
der neu ermittelten Note im Fach «Revision» über die Diplomerteilung erneut
zu entscheiden.

(Die Rekurskommission EVD heisst die Beschwerde teilweise gut und weist
die Streitsache zurück an die Prüfungskommission mit der Weisung, dem
Beschwerdeführer unentgeltlich die nochmalige Ablegung der Prüfung im
Fach «Revision» zu ermöglichen und nach Einbezug der neu ermittelten Note
unter Berücksichtigung der von der Vorinstanz ermittelten Noten in den
übrigen Prüfungsfächern erneut über die Diplomerteilung zu entscheiden)

[22] Heute: Bundesamt für Berufsbildung und Technologie.

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003446.pdf?ID=150003446

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 64.106 - Auszug aus dem Beschwerdeentscheid der Rekurskommission EVD vom 7.

September 1999 in Sachen L. gegen die Prüfungskommission der höheren Fachprüfung für

Bücherexperten und Bundesamt für Berufsbildung und Technologie; 98/HB-012

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2000
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Band 64
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