# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2b480d89-64c4-57f5-9a0b-a0dfb773e7c6
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-30
**Language:** de
**Title:** Rückweisung auf Antrag der Beschwerdegegnerin.
**Docket/Reference:** IV.2023.00409
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2023.00409.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2023.00409
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Kobel
Urteil
vom
30. November 2023
in Sac
hen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG
MLaw
Y.___
, Kundenrechtsdienst Zürich
Postfach, 8010 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1979, arbeitete ab dem 1. September 2018 vollzeitlich als Fachleiterin und stellvertretende Teamleiterin in der Take-
a
way-Abteilung eines Betriebs der
Z.___
(Angaben vom 15. Dezember 2020 im Fragebogen für
Arbeitgebende
, Urk. 13/15).
Im Herbst 2019 traten Beschwerden in der Lendenwirbelsäule mit Ausstrahlung in das rechte Bein auf, welche die konsultierten Ärzte des
Zentrums A.___
auf eine Diskushernie auf der Höhe L5/S1 zurückführten
.
Ab Mitte März 2020 war
X.___
zu 100 % arbeitsunfähig
, und am
27.
April 2020
unterzog sie sich
dem
Eingriff einer mikrochirurgischen
Isthmotomie
mit
Sequestrektomie
und Dis
k
ektomie
(vgl. den Operationsbericht in Urk. 13/3/9 und die weiteren
Berichte
der Ärzte des
Zentrums A.___
,
Dr. med.
B.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, speziell Wirbelsäulenchirurgie,
und Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Neurochirurgie, in Urk. 13/3/1-15).
Im Juni 2020 nahm sie ihre berufliche Tätigkeit in reduziertem Pensum wieder auf
(vgl.
die Gesprächsnotiz der IV-Stelle vom 30. November 2020, Urk. 13/1
3/1
)
; wegen
fort
dauernder Beschwerden
wurde jedoch am 17. Februar 2021 die
weitere
Operation einer Re-Dekompression auf der Höhe L5/S1 und einer Spondylodese durchgeführt (vgl. den Operationsbericht in Urk. 13/26/7 und die weiteren Berichte von Dr.
B.___
und Dr.
C.___
in Urk. 13/26/1-26).
1.2
Am 20. Oktober 2020
hatte sich
X.___
bei
der Invalidenversicherung an
gemeldet
(Urk. 13/4).
Die S
ozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle,
holte zusätzlich zu
den
Berichte
n
der Ärzte des
Zentrums A.___
und de
n
Akten des Krankentaggeldversicherers SWICA (Urk.
13/12/1
106) den Bericht von Dr. med.
D.___
, Fachärztin für Anäs
thesiologie und Interventionelle Schmerztherapie,
E.___
AG, vom 11. August 2021 über die Behandlung seit Juni 2021 ein (Urk.
13/30)
und nahm den Austrittsbericht der Rehaklinik
F.___
vom 8.
November 2021 zu einem stationären Rehabilitationsaufenthalt von Oktober/
November 2021 zu den Akten (Urk. 13/36). Anschliessend
sprach sie
der Ver
sicherten mit Entscheid vom 24. November 2021 die Übernahme der Kosten eines sechs
monatigen Supportes
bei der
Eingliederung
am
bisherigen Arbeitsplatz
zu
(Urk.
13/33 und Urk. 13/34; Zielvereinbarung in Urk. 13/37).
Mitte Juni 2022 wurde der Eingliederungssupport plangemäss beendet, nachdem die Versicherte ein Arbeitspen
s
um von 50 % hatte erreichen können (Abschluss
bericht der
Durchführungsstelle
G.___
GmbH vom 21. Ju
l
i 2022, Urk.
13/50).
Die IV-Stelle hatte während des laufenden Supports Gespräche mit de
n Verantwortlichen der
Durchführungsstelle
,
der Arbeitgeberin
und der SWICA
geführt (vgl. die Notizen in Urk. 13/53/8-10), d
ie Verlaufsberichte des
Zentrums A.___
vom 14. Januar und vom 12. April 2022 entge
gen
ge
nommen (Urk. 13/39 und Urk. 13/41) und durch Dr.
D.___
den Bericht vom 1.
Juni 2022 verfassen lassen (Urk. 13/45)
; danach hatte sie am 7.
Juni 2022 von der RAD-Ärztin Dr. med.
H.___
, Fachärztin für Ur
o
logie und Chirurgie (vgl.
Urk. 12)
,
eine Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit eingeholt (Urk.
13/53/10-11).
Mit Schreiben vom 30. August 2022 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die Eingliederungsmassnahmen abgeschlossen würden, da eine weitere Stei
gerung der Arbeitsfähigkeit zurzeit nicht möglich sei, und stellte den Entscheid über den
Anspruch auf eine Rente
in Aussicht (Urk. 13/52).
1.3
Im Rahmen der Prüfung des Rentenanspruchs zog die IV-Stelle die aktuellen Akten der SWICA bei (Urk. 13/55/1-281), erhielt die
weiteren Berichte des
Zentrums A.___
vom 22. September
und vom 24. November 2022
sowie vom 10. Februar 2023
(Urk. 13/56
,
Urk. 13/
64
und Urk. 13/70
)
und liess durch Dr.
D.___
den Bericht vom 22. September 2022 erstellen (Urk. 13/59).
Mit Vorbescheid vom 13. Februar 2023 eröffnete die IV-Stelle der Versicherten, dass sie ihren Rentenanspruch zu verneinen gedenke
,
und begründete dies damit, dass die Versicherte in einer gesundheitlich optimal angepassten Tätigkeit – über das bei der bisherigen Arbeitgeberin verrichtete Pensum von 50 % hinaus – zu 80 % arbeitsfähig wäre und mit der Verwertung dieser Arbeitsfähigkeit bei einem Invaliditätsgrad von 31 % ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen in der Lage wäre (Urk. 13/68
; Einkommensvergleich und Feststellungs
blatt in Urk. 13/66 und Urk. 13/67
).
Die Versicherte, vertreten durch
MLaw
Y.___
, CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG, liess mit den Eingaben vom 9. März und vom 2. Mai 2023 Einwen
d
ungen erheben (Urk.
13/72 und Urk.
13/96) und in erster Linie um die Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen ersuchen (Urk. 13/96/2).
Mit Verfügung vom 20. Juni 2023 ent
schied die
IV-Stelle
im Sinne ihres Vorbescheids und verneinte den Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente (Urk. 2 = Urk. 13/99).
2.
Gegen die Verfügung vom 20. Juni 2023 liess die Versicherte mit Eingabe vom 22. August 2023 durch
MLaw
Y.___
Beschwerde erheben (Urk. 1) und beantragen, die Verfügung sei aufzuheben, es seien die vollständigen Erhebungen zum Gesundheitszustand zu treffen und alsdann
seien Integrationsmassnahmen zu prüfen, eventualiter sei ihr mindestens eine
Viertelsrente
der Invaliden
ver
sicherung zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Zusätzlich liess sie neue
Unterlagen
einreichen, nämlich
Bericht
e
der Universitätsklinik
I.___
über konsiliarische
Abklärungen von Ende 2022/Anfang 2023 (Urk. 4/1-5), einen Bericht
von Dr.
C.___
, neu tätig in der
Praxis J.___
, vom 11. August 2023 (Urk. 3/4;
einschliesslich eines Berichts der Radiologie
K.___
über eine
SPECT/CT-Untersuchung
der Lendenwirbelsäule vom 1. Juni 2023)
und
einen Bericht von Dr.
D.___
, neu tätig im Zentrum
L.___
, vom 12.
August 2023 (Urk. 3/3)
. Ausserdem liess sie im Nachgang zur Beschwer
d
e
schrift mit Eingabe vom 28. September 2023 (Urk. 7) einen Bericht von PD Dr.
med. PhD
M.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Ambulatorium
N.___
, vom 13. September 2023 beibringen (Urk. 8). Am 26.
Oktober 2023 erstattete die IV-Stelle die Beschwerdeantwort und beantrag
t
e
unter Berufung auf
eine Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr.
H.___
vom 28.
September 2023
(Urk. 12), die Sache sei zu weiteren Abklärungen an sie zurückzuweisen (Urk. 11 und die damit eingereichten Unterlagen, Urk. 13/1-102). Mit Verfügung vom 30. Oktober 2023 wurden der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort und die Stellungnahme von Dr.
H.___
zur Kenntnis gebracht
(Urk. 14)
.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist nach Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit; Erwerbsunfähigkeit ist nach Art. 7 Abs. 1 ATSG der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglich
keiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt.
1.2
Bis Ende 2021 bestand nach Art. 28 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % Anspruch auf eine ganze Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invali
ditätsgrad von mindes
tens zu 40 % Anspruch auf eine
Viertelsrente
. Nach der Regelung in Art. 28b IVG, wie sie seit Anfang 2022 in Kraft steht, wird die Höhe der Rente, die bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % beansprucht werden kann, in prozentualen Anteilen an einer ganzen Rente festgelegt.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG (in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalidenein
kommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
Der Rentenanspruch entsteht nach Art. 28 Abs. 1 IVG frühestens in dem Zeit
punkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig war (
lit
. b), sofern sie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (
lit
. c)
und ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich in ihrem nichterwerblichen Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungs
massnah
men wiederherstellen, erhalten oder verbessern k
ann
(
lit
.
a).
Zusätzlich kann der Rentenanspruch gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG nicht vor Ablauf von sechs Monaten nach der Geltendmachung entstehen
.
1.3
Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben nach Art. 8 Abs.
1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen. Zu diesen Massnahmen gehören die Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung nach Art. 14a IVG (Art. 8 Abs. 3
lit
.
a
ter
IVG) und die in Art. 15 ff. IVG geregelten Massnahmen beruflicher Art (Art. 8 Abs. 3
lit
. b IVG).
Seit dem 1. Januar 2022 sind die Kriterien für die Festlegung und der Zusprechung von Eingliederungs
massnahmen in Art. 8 Abs. 1
bis
und Abs. 1
ter
IVG näher geregelt.
Nach dem Prinzip «Eingliederung vor Rente» kann vor der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen, insbesondere derjenigen beruflicher Art, eine Rente grundsätzlich nur gewährt werden, wenn die versicherte Person wegen ihres Gesundheitszustandes (noch) nicht eingliederungsfähig ist (Urteil des Bundes
gerichts 9C_186/2009 vom 29. Juni 2009 E. 3.2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 121 V 190 E. 4a und c).
Dieses Prinzip hat bereits mit der Regelung in Art.
28 Abs. 1
lit
. a IVG Eingang in das Gesetz gefunden und hat mit der Statuierung von Art. 28 Abs. 1
bis
IVG auf den 1. Januar 2022 hin zusätzliche
n Nachdruck erfahren.
In dieser Bestimmung wird
nunmehr
explizit fest
gehalten
, dass
eine
Rente
solange nicht zugesprochen
wird
, als
die Möglichkeiten zur Eingliederung im Sinne von Art
.
8
Abs. 1
bis
und
Abs.
1
ter
IVG
nicht ausgeschöpft sind
(vgl.
hierzu auch
die Botschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [Weiterentwicklung der IV] vom 15. Februar 2017,
BBl
2017 2647 und 2668).
1.4
Im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren
gilt
der Untersuchungsgrundsatz. Der Versicherungsträger prüft nach Art. 43 Abs. 1 ATSG die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein, wobei mündlich erteilte Auskünfte schriftlich festzuhalten sind.
Für die Beurteilung von Rechtsfragen, denen medizinische Sachverhalte zugrunde liegen, ist das Gericht auf Angaben und Unterlagen von medizinischen Fach
personen, namentlich von Ärztinnen und Ärzten, angewiesen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist nach höchstrichterlicher Praxis entschei
dend, ob der Bericht für die strittigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt
nis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Gegenstand der angefochtenen Verfügung vom 20. Juni 2023 (Urk. 2) ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente. Da dieser Anspruch erst entstehen kann, wenn
die Möglichkeiten zur Eingliederung
ausgeschöpft worden sind, ist im Sinne einer Vorfrage auch dies zu prüfen.
2.2
Aufgrund der Angaben der behandelnden medizinischen Fachpersonen steht fest, dass die Beschwerdeführerin nach den beiden Operationen vom April 2020 und vom Februar 2021 weiterhin an Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule litt
. Diese erfuhren zwar
im Zuge der Schmerzbehandlung durch Dr.
D.___
und des Rehabilitationsaufenthaltes in der Rehaklinik
F.___
eine gewisse Linderung (vgl. Urk. 13/30/2+3 und Urk. 13/36/2),
erlaubten es der Beschwerde
führerin aber nicht, ihr Pensum am angestammten Arbeitsplatz über 50 % hinaus zu steigern. Vielmehr hielt die Verfasserin des Abschlussberichts der
G.___
GmbH vom 21. Juli 2022 fest, die Beschwerdeführerin habe das Pensum von 50 % nur dank einer grossen Motivation und einer hohen Schmerzakzeptanz erreicht
(Urk. 13/50/3)
, und unter den medizinischen Fachpersonen bestand grundsätzlich Einigkeit darüber, dass
sie
mit diesem Pensum
an der
Grenze der Belastbarkeit
angelangt war
.
Dr.
B.___
und Dr.
C.___
des
Zentrums A.___
hatten im April 2022 zwar noch auf eine weitere Steigerung gehofft (vgl. Urk. 13/41), stellten in der Folge aber
die Berichte der Beschwerde
führerin über eine zu starke Schmerzzunahme bei entsprechenden Versuchen nicht in Frage (vgl. Urk. 13/56, Urk. 13/64
sowie Urk.
3/4 S. 3 und S. 4)
. Desgleichen hielt
Dr.
D.___
im Bericht vom 1. Juni 2022
eine Steigerung
des Pensums zurzeit nicht für
realistisch
(Urk. 13/45
/5)
.
2.
3
Noch nicht als
ausreichend
geklärt erscheinen
demgegenüber
die Ursachen der fortbestehenden Beschwerden
und die Möglichkeiten der weiteren Behandlung
.
Zunächst hatten
Dr.
B.___
und Dr.
C.___
im Januar 2022 neben einer noch nicht vollständigen ossären Fusion im Bereich L5/S1 eine gewisse
Schmerzchro
nifizierung
als
Hintergrund des Schmerzbildes
vermutet (Urk. 13/39)
. S
päter
zogen sie
eine Pseudoarthrose als zusätzliche beziehungsweise vorwiegende Ursache der Beschwerden in Betracht (Urk. 13/56, Urk. 13/64
und
Urk. 13/70
), und Dr.
C.___
veranlasste im Hinblick auf diese Diagnose eine (erneute)
SPECT/CT-Untersuchung
und machte seine Empfehlung für das weitere Vorgehen und insbesondere für eine Operation
vom Ergebnis dieser Untersuchung
abhängig (vg
l
. Urk. 3/4 S. 3).
Der
Radiologieb
ericht
vom 1. Juni 2023
(Urk. 3/4 S. 2)
erlaubt den medizinischen Laien jedoch keine Interpretation des darin festgehaltenen Untersuchungsergebnisses, dies auch nicht unter Berücksichtigung der Ausfüh
rungen der behandelnden medizinischen Fachpersonen hierzu
.
Dr.
D.___
nahm im Bericht vom 12.
August 2023 zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwer
deführerin zwar Bezug
darauf
und
äusserte sich
mit Hinweis
auf die
Beurteilung
der
Ärzte der Universitätsklinik
I.___
zurückhaltend zu einer nochmaligen Operation (Urk.
3/3 S. 2); d
ie
Berichte der Universitätsklinik
I.___
, welche die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren einreichen liess
(Urk. 4/1-5)
,
sind jedoch
teilweise
lückenhaft
beziehungsweise ungeordnet
und
es können ihnen
erst vorläufige, durch zusätzliche Untersuchungen zu ver
vollständige
nde Angaben entnommen werden.
Auch die Unterlagen der SWICA, die
nur die Zeit bis September 2022 umfassen (Urk. 13/55/1-281), bringen keine
weitere
Klärun
g
.
Wie die RAD-Ärztin Dr.
H.___
richtig bemerkte
(Urk. 12 S. 2), stand sodann auch der Einfluss einer psychischen Problematik auf das Schmerzbild zur Diskussion. Dr.
D.___
hatte schon
im August 2021 eine Psychotherapie zur Erarbeitung von Schmerzbewältigungsstrategien
empfohlen
(Urk. 13/30/3)
, und Dr.
C.___
berichtete i
m November 2022, dass er der Beschwerdeführerin eine psycholo
gisch-psychiatrische Abklärung nahegelegt habe (Urk. 13/64).
Entsprechend begab sich die Beschwerdeführerin im Juli 2023 denn auch in die Behandlung des Ambulatoriums
N.___
, wo
PD Dr. PhD
M.___
im September 2023 ein mittelgradig ausgeprägtes depressives Syndrom bei deutlich vermindertem Antrieb
diagnostizierte
(Urk. 8)
. Allerdings enthält der kursorisch gehaltene Bericht
von PD Dr. PhD
M.___
keine Analyse des
Zusammenspiel
s
von
psychischen und physischen Faktoren
, und der Psychiater konnte auch noch kein
darauf ausgerichtetes Behandlungskonzept
vorlegen.
2.
4
Angesichts der dargelegten offenen Fragen zu den Hintergründen des Beschwer
de
bildes
bleiben a
uch Fragen zu dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
offen
.
Wohl hielten
D
r.
B.___
und Dr.
C.___
in Übereinstimmung mit Dr.
D.___
(Urk. 13/30/4)
bereits zu Beginn der Integrationsvorkehren fest, dass es sich bei der angestammten Arbeit im Take-away-Bereich um eine dem Rückenleiden nicht optimal angepasste Tätigkeit handle (Urk. 13/39
)
, und Dr.
C.___
blieb auch im weiteren Verlauf bei dieser Beurteilung, wenngleich er
– anders als Dr.
D.___
(vgl. Urk. 13/59/3) –
keinen
unmittelbar
negativen Einfluss der angestammten Arbeit bei der
Z.___
auf die Gesundheit
erkannte
(vgl. Urk. 3/4 S. 4)
.
Es leuchtet daher grundsätzlich ein, dass a
uch
die RAD-Ärztin Dr.
H.___
zu dieser Einschätzung
gelangte
und
deshalb
in der Stellungnahme vom 7. Juni 2022 das Zumutbarkeitsprofil einer
angepassteren
leichten und wechselbelasten
den Tätigkeit
formulierte (Urk. 13/53/10). Wenn sie jedoch weiter ausführte, dass bei der Verrichtung einer solchen Tätigkeit
eine Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 70-80 %
zu erwarten sei
(Urk.
13/53/11)
, so kann diese Beurteilung a
nhand der Akten
a
ngesichts der dargelegten offenen medizinischen Fragen nicht als abschliessende, die Festlegung des Invaliditätsgrades ermög
lichende
B
eurteilung verstanden werden
, wie dies die Beschwerdegeg
n
erin mit der Annahme einer 80%igen Arbeitsfähigkeit für eine gesundheitlich angepasste Tätigkeit getan hatte (Urk. 2 S. 1; vgl. Urk. 13/67/7).
Vielmehr hielt Dr.
H.___
in ihrer im Beschwerdeverfahren beigebrachten Stellungnahme vom 28. September 2023 zu Recht weitere medizinische Abklärungen für erforderlich (vgl. Urk. 12 S.
2)
, und zu Recht schloss sich die Beschwerdegegnerin mit ihrem Antrag auf Rückweisung dieser
Einschätzung nunmehr
an (vgl. Urk. 11).
2.5
Diesem Antrag, der in Bezug auf das Erfordernis weiterer Abklärungen mit demjenigen der Beschwerdeführerin übereinstimmt, ist daher stattzugeben. Darüber hinaus ist festzulegen, dass die weiteren Abklärungen in Form eines polydisziplinären
Gutachtens zu erfolgen haben, an dem die Disziplinen der Orthopädie oder
der
Orthopädischen Chirurgie, der Neurologie und der Psy
chiatrie zu beteiligen sind.
Erst nach Vorliegen des Gutachtens kann entschieden werden, ob weitere Eingliederungsmassnahmen durchzuführen sind und auf
grund welcher Feststellungen die Invaliditätsbemessung vorzunehmen ist.
Auf die Vorbringen
hierzu in der Beschwerdeschrift braucht daher an dieser Stelle noch nicht eingegangen zu werden. Es ist lediglich dar
auf hinzuweisen, dass eine – gegebenenfalls vorübergehende – Rentenzusprechung dort bereits vor der
Durchführung von Eingliederungsmassnahmen in Betracht kommt, wo die Ein
glie
derungsfähigkeit noch nicht wiedererlangt ist. Unter diesem Gesichtspunkt wäre
namentlich
der Rentenanspruch in der ersten Zeit nach Ablauf des Wartejahres (Art. 28 Abs. 1
lit
. b
IVG
) im März 2021 näher zu prüfen.
2.
6
Zusammengefasst ist die Beschwerde
damit
in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 20. Juni 2023 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie im Sinne der Erwägungen verfahre und hernach über
den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin sowie
über
allfällige weitere Ansprüche
neu verfüge.
3.
3.1
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende Beschwerdegegnerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) ermessensweise auf Fr. 500.-- festzusetzen.
3.2
Nach Art. 61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskriterien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] sowie § 7 der Verordnung über die Gebüh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Aufgrund dieser Kriterien rechtfertigt es sich, der obsiegenden Beschwerde
führerin eine Parteientschädigung von Fr.
2'100.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wir
d in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 20. Juni 2023
aufgehoben und
die Sache an die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird,
damit sie im Sinne der Erwägungen verfahre und hernach über
den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin sowie
über
allfällige weitere Ansprüche
neu verfüge
.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
500
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine Parteientschädigung von Fr.
2'100.--
(inkl
usive
Barauslagen und M
ehrwertsteuer
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
CAP Rechtsschutz-Versicherungsgesellschaft AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
-
Pensionskasse
der Z.___
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrKobel