# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6813ec9e-e71e-51aa-a549-ee5417f1d3ed
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-09-17
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 17.09.2015 100 2013 285
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2013-285_2015-09-17.pdf

## Full Text

100.2013.285U
HER/KUN/RAP

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 17. September 2015

Verwaltungsrichterin Herzog, präsidierendes Mitglied 
Verwaltungsrichterin Arn De Rosa, Verwaltungsrichter Daum 
Gerichtsschreiberin Kummler 

A.________
vertreten durch Rechtsanwalt …
Beschwerdeführer

gegen

Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern
Kramgasse 20, 3011 Bern

betreffend Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung 
infolge Aufhebung der Ehegemeinschaft bzw. Straffälligkeit (Entscheid der 
Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern vom 4. Juli 2013; BD 189/12)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.09.2015, Nr. 100.2013.285U, 
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Sachverhalt:

A.

Der am … 1958 geborene A.________, tunesischer Staatsangehöriger, 
reiste im Jahr 1980 erstmals in die Schweiz ein, um hier ein Hotelfach-
praktikum zu absolvieren. Kurz nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes 
B.________ († 2001) heiratete er am 28. September 1981 die Schweizerin 
C.________ und erhielt gestützt auf die Ehe eine Aufenthaltsbewilligung. 
Nachdem diese Ehe am 17. Mai 1984 geschieden worden war, heiratete er 
am 17. Juli 1987 die damals hier niederlassungsberechtigte algerische 
Staatsangehörige D.________. Am 13. Mai 1992 wurde auch diese Ehe 
geschieden, wobei die gemeinsame Tochter E.________ (geb. ….1988) 
unter die elterliche Gewalt der Mutter gestellt wurde. Im August 1992 wurde 
A.________ die Niederlassungsbewilligung erteilt und am … 1994 kam aus 
der (fortgeführten) Beziehung mit der zweiten Exfrau sein weiterer Sohn 
F.________ zur Welt. Weil seine Niederlassungsbewilligung infolge eines 
mehr als sechsmonatigen Aufenthalts in Tunesien erloschen war und ihm 
wegen verschiedener strafrechtlicher Verurteilungen die erneute Erteilung 
einer Aufenthaltsbewilligung verweigert worden war, wurde er am 22. April 
1998 aus der Schweiz weggewiesen. Am 25. Februar 1999 verurteilte ihn 
das Bezirksgericht Zofingen wegen versuchten Raubes sowie Gewalt und 
Drohung gegen Beamte unter Anordnung einer unbedingten 
Landesverweisung von fünf Jahren zu einer Zuchthausstrafe von 
20 Monaten; das gegen die Landesverweisung eingelegte Rechtsmittel 
wies das Obergericht des Kantons Aargau ab. Am 18. Juli 1999 wurde 
A.________ unter Anordnung einer zeitlich unbefristeten Einreisesperre 
nach Tunesien ausgeschafft. 

Am 20. November 2004 reiste A.________ wiederum in die Schweiz ein 
und heiratete am 26. November 2004 zum zweiten Mal die mittlerweile hier 
eingebürgerte D.________. Gestützt auf die Ehe wurde ihm der Aufenthalt 
erneut bewilligt. Die Niederlassungsbewilligung wurde ihm im Februar 2008 
verweigert. Spätestens anfangs 2009 hob das Ehepaar den gemeinsamen 
Haushalt auf und am 12. September 2011 wurde die Ehe wiederum 
geschieden, wobei der Sohn F.________ unter die elterliche Sorge des 

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Vaters gestellt wurde. Nach einer vorübergehenden Sistierung des 
Verfahrens im Hinblick auf eine gegen ihn eröffnete Strafuntersuchung 
unter anderem wegen Vergewaltigung verweigerte das Amt für Migration 
und Personenstand des Kantons Bern (MIP), Migrationsdienst (MIDI), am 
31. Mai 2012 die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung von A.________ 
und wies diesen unter Ansetzung einer Ausreisefrist aus der Schweiz weg 
im Wesentlichen mit der Begründung, ein Anspruch auf Verbleib in der 
Schweiz nach gescheiterter Ehe bestehe nicht.

B.

Hiergegen erhob A.________ am 2. Juli 2012 Beschwerde bei der Polizei- 
und Militärdirektion des Kantons Bern (POM). Während hängigem 
Rechtsmittelverfahren wurde er am 29. Mai 2013 vom Regionalgericht 
Bern-Mittelland wegen Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von 30 Mo-
naten verurteilt, wogegen er beim Obergericht des Kantons Bern Berufung 
einlegte. Mit Entscheid vom 4. Juli 2013 wies die POM seine Beschwerde 
ab, soweit sie darauf eintrat, ohne auf das (nicht rechtskräftige) Strafurteil 
abzustellen, und setzte A.________ eine Ausreisefrist bis zum 16. August 
2013 an.

C.

Gegen den Entscheid der POM hat A.________ am 12. August 2013 
Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben mit den folgenden Anträgen: 

«1. Der Beschwerdeentscheid der Polizei- und Militärdirektion des Kan-
tons Bern vom 4. Juli 2013 sei aufzuheben und die Sache sei an 
die Vorinstanz zurückzuweisen.

2. Eventuell sei der Beschwerdeentscheid der Polizei- und Militär-
direktion des Kantons Bern vom 4. Juli 2013 aufzuheben und dem 
Beschwerdeführer sei die Aufenthaltsbewilligung B zu verlängern.

3. Eventuell sei der Beschwerdeentscheid der Polizei- und Militär-
direktion des Kantons Bern vom 5. April 2013 [richtig: 4. Juli 2013] 
im Punkt 2 [Ansetzung Ausreisefrist] aufzuheben und es sei die 
Unzulässigkeit evtl. Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 
festzustellen. Der Migrationsdienst des Kantons Bern sei anzu-
weisen, dem Bundesamt für Migration [heute Staatssekretariat für 
Migration; SEM] die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführen-

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den [richtig: des Beschwerdeführers] in der Schweiz zu beantra-
gen.»

Die POM hat mit Vernehmlassung vom 11. September 2013 die Abweisung 
der Beschwerde beantragt.

Die Instruktionsrichterin hat in der Folge u.a. die schriftliche Urteilsbegrün-
dung des Regionalgerichts Bern-Mittelland betreffend die Verurteilung von 
A.________ wegen Vergewaltigung (vgl. vorne Bst. B) zu den Akten 
erkannt und das Verfahren sistiert. Mit Urteil vom 1. Dezember 2014 bestä-
tigte das Obergericht des Kantons Bern den Schuldspruch wegen Ver-
gewaltigung und verurteilte A.________ zu einer Freiheitsstrafe von 
24 Monaten unter Aufschub des Strafvollzugs bei einer Probezeit von 
2 Jahren. Nachdem das Urteil schriftlich begründet und unangefochten in 
Rechtskraft erwachsen war, nahm die Instruktionsrichterin das Verfahren 
am 12. März 2015 wieder auf unter Edition der betreffenden Strafakten, 
welche sie am 20. März 2015 zu den Akten des vorliegenden Verfahrens 
nahm. 

A.________ hat von der Gelegenheit, sich im Licht des aktuellen Sach-
verhalts und der ergänzten Akten zu äussern, mit Eingabe vom 20. April 
2015 Gebrauch gemacht. Er hält an seiner Beschwerde und den dort 
gestellten Rechtsbegehren 1 und 2 fest. Sein Rechtsbegehren 3 modifiziert 
er dahingehend, dass er es nurmehr auf die Feststellung der Unzu-
lässigkeit des Wegweisungsvollzugs bezieht; am Antrag, es sei zumindest 
die vorläufige Aufnahme anzuordnen, hält er fest. Gleichzeitig hat er wei-
tere Unterlagen eingereicht. Die POM hält mit Stellungnahme vom 15. Mai 
2015 am Antrag auf Beschwerdeabweisung fest. 

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Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als 
letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des 
Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; 
BSG 155.21) zuständig. Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen 
Verfahren teilgenommen, ist durch den angefochtenen Entscheid beson-
ders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung 
oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Auf die form- und fristgerecht einge-
reichte Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist man-
gels Antragsrechts betreffend die vorläufige Aufnahme auf das Rechts-
begehren 3, eingeschlossen das Feststellungsbegehren (vgl. BVR 2013 
S. 543 E. 7.1 mit Hinweisen; VGE 2013/160 vom 24.7.2014, E. 1.2, be-
stätigt durch BGer 2C_740/2014 vom 27.4.2015). Auf diese Rechtspre-
chung, die auch zum Nichteintreten auf den entsprechenden Antrag im 
vorinstanzlichen Verfahren geführt hat, ist entgegen der Auffassung des 
Beschwerdeführers nicht zurückzukommen (vgl. Beschwerde S. 12 f.; Ein-
gabe vom 20.4.2015 S. 5).

1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG). 

2.

Im Streit liegt die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Be-
schwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz.

2.1 Dem Beschwerdeführer wurde nach fünfjährigem Landesverweis 
der Aufenthalt gestützt auf die am 26. November 2004 geschlossene Ehe 
mit seiner in jenem Zeitpunkt eingebürgerten (zweiten) Exfrau erneut ge-
stattet (vorne Bst. A; vgl. Akten MIDI pag. 22, 501 f., 504 und 506 f.). 
Spätestens seit 1. Januar 2009 ist der gemeinsame Haushalt aufgelöst und 
die Ehe wurde am 12. September 2011 geschieden (vgl. vorne Bst. A; 

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Akten MIDI pag. 605 ff., 649 und 656 f.; vgl. auch etwa pag. 568); eine 
Wiederaufnahme der Beziehung steht nicht zur Diskussion. Gemäss Art. 50 
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerin-
nen und Ausländer (AuG; SR 142.20) besteht der Anspruch auf Erteilung 
und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach gescheiterter Ehe unter 
anderem verselbständigt weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens 
drei Jahre gedauert hat und eine erfolgreiche Integration vorliegt (Bst. a). 
Der Beschwerdeführer macht einen solchen nachehelichen Anspruch gel-
tend; ausserdem beruft er sich aufgrund seiner Vaterschaft auf Art. 8 der 
Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; SR 0.101) bzw. den 
deckungsgleichen Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung (BV; SR 101). 

2.2 Die Vorinstanz verneinte einen Anspruch gestützt auf Art. 50 AuG, 
da die Ehe des Beschwerdeführers (spätestens) am 1. Januar 2009 defini-
tiv gescheitert und ein allfälliger nachehelicher Anspruch daher mangels 
«unmittelbar vorausgehender Anspruchskonstellation» bereits untergegan-
gen sei; abgesehen davon sei auch das Kriterium der erfolgreichen Integra-
tion nicht erfüllt (E. 4a). Hierzu ist Folgendes festzuhalten: Dem Beschwer-
deführer wurde die Aufenthaltsbewilligung letztmals bis am 25. November 
2009 verlängert (vgl. Akten MIDI pag. 575 und 627). Die letzte Be-
willigungsverlängerung erfolgte damit noch gestützt auf die Ehe, will man 
deren Scheitern mit der POM auf (spätestens) 1. Januar 2009 festlegen; 
andernfalls ist jedenfalls unklar, auf welche Rechtsgrundlage sich die Be-
willigungsverlängerung stützte. Unter diesen Umständen steht für das 
Verwaltungsgericht nicht ohne weiteres fest, dass ein nachehelicher An-
spruch von vornherein ausser Betracht fällt (die in BVR 2013 S. 73 beur-
teilte Konstellation ist mit vorliegender nicht vergleichbar: ermessensweise 
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung während mehrerer Jahre nach 
erfolgter Eheschliessung). Mit Blick auf die nachfolgenden Ausführungen – 
insoweit ist der Vorinstanz beizupflichten – dürfte jedoch für einen An-
spruch nach Art. 50 Abs. 1 Bst. a AuG die materielle Voraussetzung der 
erfolgreichen Integration nicht erfüllt sein (vgl. hinten E. 4.3). Auch ergibt 
sich aus der Beziehung zwischen dem Beschwerdeführer und seinen zwei 
erwachsenen Kindern kein Aufenthaltsanspruch nach Art. 8 EMRK bzw. 
Art. 13 Abs. 1 BV (vgl. hinten E. 4.4.3). Die strittige Massnahme kann im 
Übrigen selbst bei Bestehen eines gesetzlichen oder konventions- bzw. 

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verfassungsrechtlichen Anspruchs zulässig sein, sofern sie sich im Rah-
men der Rechtskontrolle als verhältnismässig erweist, da entsprechende 
Ansprüche diesfalls erlöschen (vgl. E. 2.3 hiernach; BVR 2011 S. 289 E. 4).

2.3 Ein allfälliger Anspruch nach Art. 50 AuG erlöscht unter anderem, 
wenn Widerrufsgründe nach Art. 62 vorliegen (Art. 51 Abs. 2 Bst. b AuG). 
Auch ein Eingriff in das verfassungs- und konventionsrechtlich geschützte 
Privat- und Familienleben durch Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilli-
gung und Wegweisung aus der Schweiz ist statthaft, wenn er gesetzlich 
vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig ist für die 
nationale oder öffentliche Sicherheit, für das wirtschaftliche Wohl des Lan-
des, zur Aufrechterhaltung der Ordnung, zur Verhütung von Straftaten, zum 
Schutz der Gesundheit oder der Moral oder zum Schutz der Rechte und 
Freiheiten anderer. Ein ausländerrechtlicher Widerrufsgrund und damit 
ein – unter Vorbehalt der Prüfung der Verhältnismässigkeit (vgl. hinten 
E. 3 ff.) – gerechtfertigter Eingriff in den Anspruch nach Art. 8 EMRK bzw. 
Art. 13 Abs. 1 BV liegt insbesondere dann vor, wenn eine ausländische 
Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe (vgl. Art. 62 Bst. b AuG), d.h. 
zu einer solchen von mehr als einem Jahr, verurteilt worden ist, wobei 
mehrere Strafen nicht kumuliert werden dürfen und keine Rolle spielt, ob 
die Sanktion (teil-)bedingt oder unbedingt ausgesprochen wurde 
(BGE 139 I 31 E. 2.1, 16 E. 2.1). Vorausgesetzt ist, dass das Strafurteil in 
Rechtskraft erwachsen ist (BVR 2013 S. 543 E. 3.1). 

2.4 Der Beschwerdeführer wurde am 1. Dezember 2014 vom Ober-
gericht des Kantons Bern zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Mona-
ten wegen Vergewaltigung verurteilt (vgl. hinten E. 3.2). Er hat dagegen 
kein Rechtsmittel eingelegt; das Strafurteil ist mithin rechtskräftig. Damit hat 
der Beschwerdeführer den Widerrufsgrund der längerfristigen Freiheits-
strafe im Sinn von Art. 62 Bst. b AuG gesetzt, was im vorliegenden 
Verfahren unbestrittenermassen zu berücksichtigen ist (Art. 20a Abs. 1 und 
Art. 25 VRPG; BVR 2011 S. 107 E. 4.3.2; zur Substitution der Motive statt 
vieler BVR 2015 S. 66 E. 2.3). Der Beschwerdeführer rügt allerdings die 
Unverhältnismässigkeit der Entfernungsmassnahme. – Die Nichtverlänge-
rung der Aufenthaltsbewilligung unter Anordnung der Wegweisung ist auch 
bei Vorliegen eines Widerrufsgrunds nach Art. 62 AuG nur dann zulässig, 

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wenn sie aufgrund der im Einzelfall vorzunehmenden Interessenabwägung 
als verhältnismässig erscheint (Art. 5 Abs. 2 BV und Art. 96 AuG). Im Rah-
men dieser Prüfung sind die öffentlichen Interessen an der Entfernungs-
massnahme aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung gegen 
die privaten Interessen der betroffenen Person am weiteren Verbleib in der 
Schweiz abzuwägen. Zu berücksichtigen ist die Gesamtheit der rechts-
wesentlichen Umstände im Einzelfall, namentlich die Schwere des Ver-
schuldens, das Verhalten gegenüber der öffentlichen Ordnung und Sicher-
heit im Allgemeinen, die Rückfallgefahr, die Dauer der bisherigen An-
wesenheit bzw. der Grad der Integration sowie die der betroffenen Person 
und ihrer Familie oder anderen Angehörigen drohenden Nachteile 
(BGE 135 II 377 E. 4.3 und 4.5; BVR 2013 S. 543 E. 4.1, 2011 S. 289 
E. 5.1). Wird durch die Entfernungsmassnahme die weitere Pflege familiä-
rer Beziehungen bzw. das Privatleben im Sinn von Art. 8 Ziff. 1 EMRK bzw. 
Art. 13 Abs. 1 BV beeinträchtigt, bilden Grundlage dieser Interessenab-
wägung Art. 8 Ziff. 2 EMRK und Art. 36 BV (vgl. etwa BGE 139 I 145 E. 2.2 
und 2.4, 31 E. 2.3.3, 16 E. 2.2.2, je mit Hinweisen auf die EGMR-Praxis, 
137 I 247 E. 4.1, 135 I 143 E. 1.3.1; BVR 2013 S. 543 E. 4.1, 2011 S. 289 
E. 5.1, 2008 S. 193 E. 5.3). 

3.

Zum öffentlichen Interesse an der Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewil-
ligung und Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz ist Fol-
gendes festzuhalten: 

3.1 Ausgangspunkt der Beurteilung des öffentlichen Interesses ist das 
Verschulden, welches die betroffene Person mit der längerfristigen Frei-
heitsstrafe auf sich geladen hat. Seine Schwere bemisst sich regelmässig 
nach der Höhe der vom Strafgericht verhängten Strafe (BGE 134 II 10 
E. 4.2 [Pra 97/2008 Nr. 87], 129 II 215 E. 3.1). Gemäss höchstrichterlicher 
Rechtsprechung sprechen Freiheitsstrafen ab 24 Monaten für ein schweres 
Verschulden, da diese Fälle bereits als so gravierend eingestuft werden, 
dass ein vollständiger Aufschub der Strafe nicht mehr in Frage kommt und 
mindestens ein Teil zwingend vollzogen werden muss. Auch aus fremden-

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polizeilicher Sicht bedeutet eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 
mehr als 24 Monaten in jedem Fall einen sehr schwerwiegenden Verstoss 
gegen die schweizerische Rechtsordnung (vgl. BGE 139 I 145 E. 2.3 und 
3.4, 135 II 377 E. 4.4 zur vorliegend wegen der nicht mehr kurzen Aufent-
haltsdauer zwar nicht anwendbaren «Reneja-Praxis»; in Bezug auf die 
Beurteilung des Verschuldens sind die Erwägungen dennoch massgeblich).

3.2 Der Beschwerdeführer wurde am 1. Dezember 2014 vom Ober-
gericht in zweiter Instanz wegen Vergewaltigung bei einer Probezeit von 
zwei Jahren zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten verurteilt 
(vgl. act. 20A). Wie der Beschwerdeführer zu Recht nicht bestreitet, spricht 
damit bereits das Strafmass im Licht der massgeblichen Rechtsprechung 
ohne weiteres für ein schweres Verschulden. Nichts anderes ergibt sich mit 
Blick auf die konkreten Tatumstände: Der Beschwerdeführer stiess am 
12. Juni 2009 nach Feierabend im Restaurant seiner damaligen Schwieger-
eltern, seinem Arbeitsort, eine Arbeitskollegin, welche sich zuvor gegen 
einen Kussversuch von ihm gewehrt hatte, in die Damentoilette und drückte 
sie dort gegen die Wand, zog ihr die Hose samt Unterhose hinunter und 
drang von hinten mit erigiertem Penis kurz vaginal in sie ein, bis es ihr ge-
lang, sich umzudrehen, ihn wegzustossen und wegzugehen (vgl. Begrün-
dung Obergericht vom 22.1.2015 [act. 22B; nachfolgend «Begründung 
Obergericht»] S. 28 und 30). Nach Ausführungen des Strafgerichts hatte 
der Vorfall für das Vergewaltigungsopfer schwere Folgen, fiel dieses doch 
angesichts der dadurch hervorgerufenen schweren Belastung in ein tiefes 
Loch, glitt in eine schwere Alkoholabhängigkeit ab und begab sich in 
psychiatrische Behandlung; der allgemein schlechte Gesundheitszustand 
der Betroffenen führte schliesslich auch zum Verlust ihrer Arbeitsstelle. 
Dem Beschwerdeführer ist besonders vorzuhalten, dass er den Übergriff 
am gemeinsamen Arbeitsplatz überfallartig beging und dabei den Über-
raschungsmoment der «völlig überrumpelten» Arbeitskollegin ausnutzte; 
ausserdem vollzog er den Beischlaf ungeschützt (Begründung Obergericht 
S. 32). Er handelte insgesamt direktvorsätzlich und aus rein egoistischen 
Gründen (Begründung Obergericht S. 33). Der Beschwerdeführer kann sich 
nicht damit entlasten, er sei unschuldig, im Strafverfahren sei eine unge-
schickte Verteidigungsstrategie gewählt worden und er habe das Urteil des 
Obergerichts nur aus finanziellen Gründen sowie mit Blick auf den Um-

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stand nicht weitergezogen, dass der Vollzug der Freiheitsstrafe aufgrund 
der Reduktion des Strafmasses auf 24 Monate nunmehr vollständig aufge-
schoben werden konnte (vgl. Eingabe vom 20.4.2015 S. 1 f.): Sowohl das 
Regionalgericht wie auch das Obergericht haben sich im Rahmen einer 
umfassenden Beweiswürdigung unter anderem gestützt auf den vom Be-
schwerdeführer in den Einvernahmen gewonnenen persönlichen Eindruck 
mit dessen Unschuldsbehauptung auseinandergesetzt und hielten diese für 
unbegründet (vgl. Urteilsbegründung des Regionalgerichts [act. 7A] S. 8 ff. 
und 60; Begründung Obergericht S. 6, 22 und 27 f.; Strafakten Obergericht 
SK 2013 274 [act. 24A] pag. 962 f.; Strafakten Regionalgericht Nr. 13 44 
Bd. 3 [act. 24D] pag. 654 ff.). Das (rechtskräftige) kantonale Straferkenntnis 
(implizit) als Fehlurteil zu bezeichnen, ist daher haltlos. Im vorliegenden 
ausländerrechtlichen Verfahren ist vielmehr ohne weiteres auf die Sachver-
haltsfeststellungen und rechtliche Würdigung des Obergerichts abzustellen, 
zumal der Beschwerdeführer zwar weiterhin seine Unschuld beteuert, die 
strafgerichtliche Beweiswürdigung aber nicht substantiiert in Frage stellt 
(vgl. etwa BGer 2C_717/2013 vom 5.9.2013, E. 2.2 mit Verweis auf 
BGE 124 II 103 E. 1c). Namentlich legt er nicht ansatzweise dar, inwiefern 
eine andere Verteidigungsstrategie (anstelle der «Verschwörungstheorie») 
bzw. «die Darlegung des selbst wahrgenommenen Ablaufs [des] Ereignis-
ses» zu einer abweichenden Einschätzung der Strafgerichte (vgl. dazu Be-
gründung Obergericht S. 13 und 18, 24 und 27) hätte führen können.

3.3 Weiter auferlegte die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern dem 
Beschwerdeführer am 6. September 2013 wegen Widerhandlung gegen 
das Bundesgesetz vom 3. Oktober 1951 über die Betäubungsmittel und die 
psychotropen Stoffe (Betäubungsmittelgesetz, BetmG; SR 812.121) durch 
Kauf und Konsum von Marihuana sowie Besitz von 1 Minigrip mit ca. 8,72 
Gramm Marihuana (begangen am 29.5.2013) eine Busse von Fr. 100.-- 
(act. 5A).

Für die Zeit vor seiner Ausschaffung aus der Schweiz im Jahr 1999 (vgl. 
vorne Bst. A und hinten E. 4.2) sind sodann folgende Verurteilungen akten-
kundig:

– Urteil vom 25. Februar 1999 (Bezirksgericht Zofingen) bzw. 28. Juni 
1999 (Obergericht des Kantons Aargau) wegen versuchten Raubes so-

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wie Gewalt und Drohung gegen Beamte (begangen 1998): Zuchthaus-
strafe von 20 Monaten und unbedingte Landesverweisung von fünf Jah-
ren (Akten MIDI pag. 50 ff., 69 ff. und 661);

– Urteil vom 7. Oktober 1996 wegen mehrfacher Verbotsübertretungen, 
verspäteter Angabe des Wohnungswechsels, Parkierens auf Haltever-
botslinie vor Fussgängerstreifen, Führens eines Personenwagens in an-
getrunkenem Zustand, grober Verletzung der Verkehrsregeln durch den 
örtlichen Verhältnissen nicht angepasstes Fahren, Überschreitens der 
Höchstgeschwindigkeit, Nichtmitführens des Führerausweises (began-
gen 1995/1996): unbedingte Gefängnisstrafe von drei Monaten und 
Busse von Fr. 400.-- (Akten MIDI pag. 176);

– Urteil vom 24. September 1993 wegen Führens eines Personenwagens 
in angetrunkenem Zustand, Missachtens der Abgaswartungspflicht nach 
zwölf Monaten und Beteiligung an einem Raufhandel (begangen 1989-
1991): Gefängnisstrafe von sieben Monaten bedingt bei einer Probezeit 
von drei Jahren (Akten MIDI pag. 177);

– Urteil vom 23. Februar 1984 wegen Führens eines Personenwagens 
trotz entzogenen Lernfahrausweises, unanständigen Benehmens, Nicht-
befolgens einer Weisung des Wirtes (begangen 1982/1983): bedingte 
Haftstrafe von 15 Tagen und Busse von Fr. 300.-- (Akten MIDI 
pag. 345);

– Urteil vom 15. April 1987 wegen illegalen Aufenthalts in der Schweiz, 
Ausübens einer Erwerbstätigkeit ohne Bewilligung der Fremdenpolizei 
(begangen 1987): Busse von Fr. 450.-- (Akten MIDI pag. 249); 

– Urteil vom 11. August 1981 wegen Beteiligung an einem Raufhandel 
(begangen 1981): bedingte Gefängnisstrafe von zwei Monaten (widerru-
fen am 16.10.1984; Akten MIDI pag. 281 und 285). 

3.4 Der Beschwerdeführer hat damit auch jüngst – während laufendem 
Verfahren u.a. wegen Vergewaltigung – gegen die Rechtsordnung verstos-
sen. Ausserdem ist für die Zeit seines früheren Aufenthalts in der Schweiz 
eine massive Delinquenz zu verzeichnen. Auch wenn die in E. 3.3 hiervor 
angeführten Verurteilungen zum grössten Teil bereits längere Zeit zurück-

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liegen und die mit der Zuchthausstrafe aus dem Jahr 1999 angeordnete 
unbedingte Landesverweisung vollzogen worden ist, ist die in diesem De-
liktskatalog zum Ausdruck kommende Missachtung der öffentlichen Sicher-
heit und Ordnung durch den Beschwerdeführer in die vorliegende Inte-
ressenabwägung miteinzubeziehen. Die Liste umfasst insbesondere auch 
ein schweres Gewaltdelikt, welches bereits einmal zu einer längerfristigen 
Freiheitsstrafe geführt hat; insgesamt resultierten allein aus den Verfehlun-
gen in den Jahren vor 1999 Freiheitsstrafen von mehr als 30 Monaten. 
Zwar verliert ein öffentliches Fernhalte- oder Entfernungsinteresse mit zu-
nehmendem Zeitablauf an Bedeutung (vgl. BVR 2013 S. 543 E. 4.3.1). 
Allerdings kann sich nicht entscheidend hierauf berufen, wer sich in der 
Folgezeit nicht wohl verhalten hat (vgl. auch BVR 2015 S. 391, bestätigt 
durch BGer 2C_714/2014 vom 15.5.2015, insb. E. 4.5). Der Beschwerde-
führer musste wegen seiner früheren Delinquenz im Jahr 1999 die Schweiz 
verlassen. Der Landesverweis führte ihm die möglichen Konsequenzen 
strafrechtlich relevanten Verhaltens vor Augen. Im Jahr 2004 wurde er wie-
der in die Schweiz zugelassen, nachdem er sich mit seiner in jenem Zeit-
punkt eingebürgerten (zweiten) Exfrau wiederverheiratet hatte (vgl. vorne 
Bst. A und E. 2.1). Indem er im Jahr 2009 erneut in einem äusserst sensib-
len Bereich (sexuelle Integrität) delinquiert hat, hat er gezeigt, dass er keine 
Lehren aus der Landesverweisung gezogen hat und weiterhin nicht willens 
oder fähig ist, die durch die Rechtsordnung geschützten Rechtsgüter Dritter 
zu respektieren (vgl. E. 3.5 hiernach). Sein früheres schweres Verschulden 
bleibt insofern auch für die aktuelle Einschätzung des öffentlichen Interes-
ses an der strittigen Entfernungsmassnahme von Belang. Das Bundes-
gericht verfolgt bei schweren Straftaten, darunter namentlich Gewalt- und 
Sexualdelikte, ausländerrechtlich eine strenge Praxis. Das Interesse an der 
Fernhaltung von Ausländern, die sich einer schweren Sexualstraftat schul-
dig gemacht haben, wird als bedeutend eingestuft (vgl. BGE 125 II 521 
E. 4a/aa; BGer 2C_733/2012 vom 24.1.2013, E. 7.2; BVR 2013 S. 543 
E. 4.2.3 a.E.). Insbesondere mit Blick auf die frühere Gewaltdelinquenz des 
Beschwerdeführers erhält dieses Interesse noch zusätzliches Gewicht. Es 
ist damit insgesamt von einem sehr schweren Verschulden des Beschwer-
deführers auszugehen. Vergewaltigungen gehören im Übrigen zu den 
Anlasstaten, die gemäss Art. 121 Abs. 3 Bst. a BV (in Kraft seit 28.11.2010) 
zum Verlust aller Rechtsansprüche auf Aufenthalt in der Schweiz führen. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.09.2015, Nr. 100.2013.285U, 
Seite 13

Auch wenn diese Bestimmung nicht unmittelbar anwendbar ist, ist den 
darin enthaltenen verfassungsrechtlichen Wertungen im Rahmen der 
Interessenabwägung insoweit Rechnung zu tragen, als dies zu keinem 
Widerspruch zu übergeordnetem Recht führt (BGE 139 I 31 E. 2.3.2; 
BGer 2C_551/2013 vom 24.2.2014, E. 2.3, 2C_844/2013 vom 6.3.2014, 
E. 5.6).

3.5 Zu berücksichtigen ist sodann das Verhalten des Beschwerdefüh-
rers gegenüber der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im Allgemeinen. 
Bei Personen, die mehrfach oder sogar regelmässig delinquiert haben, be-
steht aufgrund ihrer Einsichtslosigkeit ein erhebliches sicherheitspolizei-
liches Interesse, sie aus der Schweiz wegzuweisen. Wiederholte oder gar 
notorische Delinquenz zeigt in besonderer Weise, dass sich die betreffende 
Person von Strafurteilen nicht hat beeindrucken lassen, und führt zum 
Schluss, dass sie nicht willens oder fähig ist, sich an die hiesige Rechts-
ordnung zu halten (BGE 137 II 297 E. 3.3; BVR 2013 S. 543 E. 4.3 mit Hin-
weisen). – Der Beschwerdeführer wurde in der Zeit von 1981 bis 1999 ins-
gesamt sechs Mal wegen grösstenteils je mehreren voneinander unab-
hängigen Delikten, darunter ein schweres Gewaltdelikt, strafrechtlich verur-
teilt. Gut vier Jahre nach erneuter Zulassung in die Schweiz wurde er im 
Jahr 2009 mit der Begehung einer Vergewaltigung erneut schwer straffällig; 
ein weiterer, wenn auch deutlich weniger schwerer Rechtsverstoss folgte 
im Jahr 2013 (vgl. vorne E. 3.2 f.). Auch wenn es, soweit aktenkundig, in 
der Schweiz während mehrerer Jahre zu keinen weiteren Verurteilungen 
gekommen ist (vgl. aber hinten E. 3.7), liegt damit eine Mehrfachdelinquenz 
vor, welche ohne weiteres auf seine Uneinsichtigkeit und Unbelehrbarkeit 
schliessen lässt. Der Beschwerdeführer hat sich insbesondere weder durch 
die zahlreichen Verurteilungen, noch durch den Vollzug einer kürzeren 
unbedingten Freiheitsstrafe oder schliesslich durch die wegen ungünstiger 
Prognose unbedingt angeordnete Landesverweisung (vgl. Akten MIDI 
pag. 62) von erneuter Delinquenz abhalten lassen. Das Verhalten des Be-
schwerdeführers gegenüber der öffentlichen Ordnung und Sicherheit be-
kräftigt ein sicherheitspolizeiliches Interesse an der strittigen Massnahme. 

3.6 Mit Blick auf die Zukunft ist des Weiteren die Rückfallgefahr zu be-
urteilen. Aus fremdenpolizeilicher Sicht ist das Risiko eines Rückfalls umso 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.09.2015, Nr. 100.2013.285U, 
Seite 14

weniger hinzunehmen, je schwerer die Tat wiegt, welche die ausländische 
Person verübt hat (BGE 139 I 31 E. 2.3.2, 16 E. 2.2.1, 137 II 233 E. 5.2.2). 
Der konkreten Prognose über das Wohlverhalten (und somit der Rückfall-
gefahr) sowie dem Resozialisierungsgedanken des Strafrechts ist zwar im 
Rahmen der umfassenden fremdenpolizeilichen Interessenabwägung 
ebenfalls Rechnung zu tragen; die beiden Umstände geben aber nicht den 
Ausschlag (BGE 136 II 5 E. 4.2, 134 II 10 E. 4.3 [Pra 97/2008 Nr. 87], 
130 II 176 E. 4.2). Vielmehr dürfen generalpräventive Überlegungen mitbe-
rücksichtigt werden (BGE 136 II 5 E. 4.2 im Umkehrschluss; zum Ganzen 
auch BVR 2013 S. 543 E. 4.4.1, 2011 S. 289 E. 5.3.1 mit Hinweisen). – Die 
Vergewaltigung im Jahr 2009 lässt vor dem deliktischen Hintergrund der 
Zeit bis 1999 auf beträchtliche Uneinsichtigkeit und Unbelehrbarkeit 
schliessen (vorne E. 3.4 f.). Der Beschwerdeführer hat mit seiner Straffällig-
keit bereits vor seiner Ausschaffung gezeigt, dass es ihm schwerfällt, sich 
an die hiesige Rechtsordnung zu halten; diese Einschätzung hat sich nach 
einer soweit ersichtlich straffreien Episode von rund viereinhalb Jahren in 
Anbetracht des schweren Rückfalls im Jahr 2009 bestätigt. Wohl ist grund-
sätzlich positiv zu werten, dass seit Begehen der Vergewaltigung keine 
vergleichbar gravierenden Delikte mehr aktenkundig geworden sind (vgl. 
immerhin jüngste Verurteilung vom 6.9.2013, vorne E. 3.2). Auch ein tadel-
loses Verhalten seit diesem Delikt wäre aber angesichts des bis Ende 2014 
hängigen Strafverfahrens, der noch laufenden 2-jährigen Probezeit, bei 
deren Nichtbestehen der Vollzug der 24-monatigen Freiheitsstrafe droht, 
sowie des vorliegenden ausländerrechtlichen Verfahrens zu relativieren. 
Gutes Verhalten wird in der Probezeit und ähnlichen Situationen allgemein 
erwartet und erlaubt wenig Rückschlüsse auf die Bewährungsaussichten 
nach Ablauf der entsprechenden Zeitspannen (vgl. BGE 134 II 10 E. 4.3 
[Pra 97/2008 Nr. 87]; BGer 2C_768/2011 vom 4.5.2012, E. 4.3; vgl. auch 
BGE 137 II 233 E. 5.2.2; BGer 2C_466/2009 vom 13.1.2010, E. 5.2 mit 
Hinweis auf BGE 114 Ib 1 E. 3b; BGer 2A.605/2005 vom 28.2.2006, 
E. 2.5.2; BVR 2013 S. 543 E. 4.4.3). Es ist damit von einer nicht unerheb-
lichen Gefahr auszugehen, dass der Beschwerdeführer erneut (schwere) 
Straftaten begeht; dieses Risiko ist angesichts der Mehrfachdelinquenz in 
verschiedenen äusserst sensiblen Bereichen nicht hinzunehmen. Dies 
widerspräche auch generalpräventiven Gesichtspunkten. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.09.2015, Nr. 100.2013.285U, 
Seite 15

3.7 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers besteht damit 
insgesamt ein sehr gewichtiges öffentliches Interesse an der strittigen Ent-
fernungsmassnahme. Ob zusätzlich die in den Akten enthaltenen Straf-
anzeigen (unter anderem betreffend häusliche Gewalt) und sonstigen An-
haltspunkte für weitere Delinquenz in der Zeit ab 2009 zu Ungunsten des 
Beschwerdeführers gewürdigt werden dürfen, kann unter diesen Umstän-
den dahingestellt bleiben (vgl. hierzu insb. Akten MIDI pag. 532 ff., 548 ff., 
628 f., 631 f., 650 und 662; vgl. auch pag. 175 und 235 f.). 

4.

Hinsichtlich der privaten Interessen am Verbleib des Beschwerdeführers in 
der Schweiz sind die Dauer der Anwesenheit und die Integration in der 
Schweiz sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu berück-
sichtigen. 

4.1 An die Gründe für die Wegweisung aus der Schweiz sind umso 
strengere Anforderungen zu stellen, je länger eine Ausländerin oder ein 
Ausländer hier gelebt hat. Die Aufenthaltsdauer ist insofern zu relativieren, 
als die Jahre, welche Betroffene in der Illegalität, im Strafvollzug oder auf-
grund einer vorläufigen Duldung verbracht haben, für die Interessenabwä-
gung nicht ausschlaggebend sein können (BGE 137 II 1 E. 4.3, 134 II 10 
E. 4.3 [Pra 97/2008 Nr. 87]). Eine Entfernungsmassnahme ist auch nach 
längerem Aufenthalt in der Schweiz eher zulässig, wenn die ausländische 
Person in der Schweiz nicht integriert ist (vgl. betreffend Widerruf der 
Niederlassungsbewilligung BGer 2A.119/2001 vom 15.10.2001, E. 2b; zum 
Ganzen BVR 2013 S. 543 E. 5.1; VGE 2009/315 vom 13.10.2010, E. 5.1, 
bestätigt durch BGer 2C_893/2010 vom 24.3.2011).

4.2 Der heute 57-jährige Beschwerdeführer gelangte erstmals 1980 im 
Alter von 22 Jahren in die Schweiz (vgl. angefochtener Entscheid S. 2; Be-
schwerde S. 3; Begründung Obergericht S. 33 f.). Nachdem er bereits 
1997/98 von sich aus – unter Verlust der Niederlassungsbewilligung – für 
rund ein Jahr nach Tunesien zurückgekehrt war (Akten MIDI pag. 135 und 
140; vgl. auch pag. 6), wurde er 1999 zwecks Vollzugs der 5-jährigen Lan-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.09.2015, Nr. 100.2013.285U, 
Seite 16

desverweisung in sein Heimatland ausgeschafft (vgl. Akten MIDI pag. 19 
und 22). Ende 2004 kehrte er in die Schweiz zurück, und ihm wurde ge-
stützt auf die (erneute) Ehe mit seiner zweiten Exfrau wiederum eine Auf-
enthaltsbewilligung erteilt, welche letztmals bis November 2009 verlängert 
wurde (vgl. vorne E. 2.1). Sein zweiter Aufenthalt in der Schweiz belief sich 
damit auf bloss viereinhalb Jahre, als er seine Arbeitskollegin vergewal-
tigte. Die prägenden Abschnitte seiner Kindheit und Adoleszenz verbrachte 
er in Tunesien, wo er auch vier Jahre Primar- und sechs Jahre Sekundar-
schule absolvierte (Begründung Obergericht S. 33). Ausserdem lebte er 
auch als nicht mehr junger Erwachsener wiederholt, insgesamt während 
rund sechs Jahren, im Heimatland. Die Nichtverlängerung der Aufenthalts-
bewilligung ist daher umso eher zulässig. Im Übrigen ist die Aufenthalts-
dauer insbesondere auch mit Blick auf die Zeit zu relativieren, welche der 
Beschwerdeführer kraft aufschiebender Wirkung der gegen die Nichtver-
längerung der Aufenthaltsbewilligung (Mai 2012) ergriffenen Rechtsmittel 
und des infolge des Strafverfahrens über mehrere Monate sistierten verwal-
tungsgerichtlichen Verfahrens hier verbringt (vgl. E. 4.1 hiervor). 

4.3 Wie die Vorinstanz richtig erkannt hat (vgl. E. 6b), ist die Integration 
des Beschwerdeführers in die hiesigen Verhältnisse nicht gelungen: 

4.3.1 Der Beschwerdeführer – nach eigener Darstellung von Beruf Kellner 
(vgl. Akten MIDI pag. 158 und 472) – ging während seines Aufenthalts in 
der Schweiz bis zu seiner Ausreise im Jahr 1999 verschiedenen Erwerbs-
tätigkeiten nach, darunter hauptsächlich Anstellungen im Gastgewerbe (vgl. 
etwa Akten MIDI pag. 186, 192, 294 ff., 309, 327, 372 f. und 414). Da-
zwischen war er immer wieder (längere Zeit) arbeitslos und bezog Arbeits-
losentaggelder (vgl. etwa Akten MIDI pag. 6, 140, 158, 164 und 322; vgl. 
auch pag. 351). Nach seiner erneuten Einreise in die Schweiz im Jahr 2004 
war er im Restaurant … als Kellner tätig, bis er per August 2009 sofort 
freigestellt und Ende September 2009 entlassen wurde, weil er angeblich 
wiederholt in heftige verbale Auseinandersetzungen mit den Vorgesetzten 
und auch Gästen verwickelt gewesen war (vgl. Akten MIDI pag. 483 und 
556). Hierauf bezog er erneut Arbeitslosentaggelder; zudem wurde er im 
Rahmen der Sozialhilfe unterstützt (Akten MIDI pag. 651 und 720 f.; 
Beschwerde S. 7). Seit Juni 2012 ist er für ein Lebens-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.09.2015, Nr. 100.2013.285U, 
Seite 17

mittelspezialitätengeschäft im Verkauf und als Chauffeur tätig. Mit dem 
hierbei erzielten Nettoerwerbseinkommen von maximal Fr. 3'783.70 pro 
Monat kann er finanziell wieder auf eigenen Füssen stehen (vgl. Beilagen 
zur Eingabe vom 15.5.2013 [Akten POM]; Begründung Obergericht S. 34 
[Bruttoerwerbseinkommen Fr. 4'000.--]); das Einkommen ist aber offenbar 
starken saisonalen Schwankungen von bis Fr. 1'740.-- pro Monat unterwor-
fen (vgl. Eingabe vom 15.5.2013 inkl. Beilagen [Akten POM]) und er selbst 
beurteilt seine finanzielle Situation insgesamt als «knapp» (Strafakten 
Obergericht [act. 24A] pag. 962). Per 29. April 2013 ist er im Betreibungs-
register des Betreibungsamts Bern-Mittelland mit einer Betreibung von 
Fr. 1'800.-- sowie 13 offenen Verlustscheinen von total Fr. 62'690.45 regis-
triert (vgl. Beilagen zur Eingabe vom 15.5.2013 [Akten POM]). Aktenkundig 
sind sodann aufgelaufene Unterhaltszahlungen im Gesamtbetrag von 
Fr. 98'122.-- (Zeitperiode 1.11.1997-30.11.2004; vgl. Akten MIDI pag. 643) 
– davon sind Fr. 27'257.-- offenbar bereits in den erwähnten Verlust-
scheinen erfasst (vgl. Akten MIDI pag. 586 und 595; vgl. auch pag. 641 f.). 
Mit Strafurteil vom 1. Dezember 2014 verurteilte ihn das Obergericht zu-
dem u.a. zur Bezahlung einer Genugtuung von Fr. 13'000.-- zuzüglich Zins 
an das Opfer, eine Schuld, von der er nicht vorbringt, er habe sie zwischen-
zeitlich bezahlt. Selbst wenn der Beschwerdeführer seit 4. März 2005 die 
bevorschussten Unterhaltsbeiträge ratenweise zurückbezahlt und sich die 
Rückzahlung per April 2013 auf Fr. 23'119.-- belaufen hat (vgl. Schreiben 
Soziale Dienste G.________ vom 10.7.2012 [Beilagen zur Eingabe vom 
29.8.2012] und 29.4.2013 [Beilagen zur Eingabe vom 15.5.2013; je Akten 
POM]), ist vor diesem Hintergrund eine gelungene beruflich-wirtschaftliche 
Integration insgesamt zu verneinen (vgl. E. 6b/aa f.). Der Beschwerdeführer 
kann sich auch nicht allein mit dem Hinweis entlasten, er habe während 
seiner Arbeitslosigkeit zahlreiche Bewerbungen getätigt, welche 
ausschliesslich wegen seines unklaren ausländerrechtlichen Status 
gescheitert seien. Die Vorinstanz hätte damit insoweit auch keine weiteren 
Abklärungen tätigen müssen (vgl. Beschwerde S. 5 f.). Entsprechend wird 
der Beweisantrag auf Aktenedition bei der Arbeitslosenkasse auch vor 
Verwaltungsgericht abgewiesen, sollte der Beschwerdeführer sinngemäss 
an diesem Begehren festhalten. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.09.2015, Nr. 100.2013.285U, 
Seite 18

4.3.2 In sozialer Hinsicht macht der Beschwerdeführer zwar unter Hinweis 
auf eine nicht näher spezifizierte Nachbarin, das Arbeitsumfeld (Klientinnen 
und Klienten sowie Arbeitskollegen), langjährige Bekannte am ehemaligen 
Wohnort sowie rund «zehn engere Freunde» ein «breites soziales Netz» 
und «beste Integration» geltend (Beschwerde S. 8 mit Verweis auf Eingabe 
vom 15.5.2013 S. 2 f. [Akten POM]). Es sind jedoch keine konkreten ge-
festigten sozialen Kontakte und Freundschaften zur einheimischen Be-
völkerung dokumentiert, deren Abbruch ihn bei einer Rückkehr ins Heimat-
land hart treffen würde. Es wäre im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht 
(Art. 90 AuG; vgl. auch Art. 20 VRPG) insoweit an ihm, den relevanten 
Sachverhalt konkret darzulegen. Kommt er dieser Obliegenheit nicht nach, 
ist die Behörde nicht gehalten, von sich aus weitere Abklärungen zu treffen 
(vgl. BVR 2010 S. 541 E. 4.2.3 mit weiteren Hinweisen). Die POM hat da-
mit zu Recht auch eine gelungene sozial-gesellschaftliche Eingliederung 
verneint (E. 6b/cc). Schliesslich spricht insbesondere auch die erhebliche 
Delinquenz des Beschwerdeführers wesentlich gegen eine erfolgreiche 
Integration, stellt doch die Respektierung der rechtsstaatlichen Ordnung ein 
wichtiger Aspekt jeglicher Integration dar (Art. 4 Bst. a der Verordnung vom 
24. Oktober 2007 über die Integration von Ausländerinnen und Ausländer 
[VIntA; SR 142.205]). Dass der Beschwerdeführer offenbar nebst «perfek-
ten Französischkenntnissen», welche er sich noch im Heimatland angeeig-
net habe, sehr gut Berndeutsch spricht und auch über schriftliche Hoch-
deutschkenntnisse verfügt (vgl. Beschwerde S. 7; Eingabe vom 20.5.2013 
S. 4 [Akten POM]), ist zwar grundsätzlich positiv zu werten; unter den ge-
gebenen Umständen kann er daraus aber nichts Wesentliches zu seinen 
Gunsten ableiten, zumal gute Kenntnisse der Landessprache angesichts 
der mehrjährigen Aufenthaltsdauer auch ohne weiteres erwartet werden 
dürfen. 

4.3.3 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers muss damit ins-
gesamt seine Eingliederung in die hiesigen Verhältnisse als mangelhaft 
angesehen werden.

4.4 Zu würdigen sind weiter die dem Beschwerdeführer und seinen An-
gehörigen durch die Entfernungsmassnahme drohenden Nachteile: 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.09.2015, Nr. 100.2013.285U, 
Seite 19

4.4.1 Was seine Rückkehr nach Tunesien anbelangt, hat die POM zutref-
fend erwogen (E. 5c), dass der heute 57-jährige Beschwerdeführer seine 
gesamte Kindheit und Adoleszenz in seinem Heimatland verbracht hat und 
dort sozialisiert worden ist. Auch als Erwachsener hat er – teilweise aus 
freien Stücken und trotz gefestigtem Aufenthaltsrecht in der Schweiz – 
während längerer Zeit in der Heimat gelebt (vorne E. 4.2). Für die Jahre 
2014 und 2015 sind weiter gleich drei (teils auch längere) Reisen nach 
Tunesien aktenkundig (act. 16A, 19A und 30A2). Es ist bei dieser Sachlage 
ohne weiteres davon auszugehen, dass die Bindung zu seinem Heimatland 
nach wie vor sehr eng ist und der Beschwerdeführer nebst der Sprache 
auch mit den dortigen kulturellen und gesellschaftlichen Gepflogenheiten 
bestens vertraut ist. Es leben in Tunesien nach seinen Angaben seine Mut-
ter, der Bruder und dessen drei Kinder; der Beschwerdeführer kann damit 
bei einer Rückkehr ins Heimatland auch an eine enge familiäre Verbunden-
heit anknüpfen. Im Übrigen erscheint entgegen seinem Vorbringen durch-
aus realistisch, dass er in seiner Heimat über weitere soziale Kontakte ver-
fügt, hat er doch noch bis Ende 2004 während mehrerer Jahre dort gelebt 
(vgl. Eingabe vom 20.4.2015 S. 4). 

4.4.2 In wirtschaftlicher Hinsicht ist dem Beschwerdeführer darin beizu-
pflichten, dass für ihn auch angesichts seines Alters eine Wiedereingliede-
rung in der Heimat nicht einfach sein dürfte. Solche Schwierigkeiten hän-
gen aber, wie er selbst einräumt (Eingabe vom 20.4.2015 S. 5), nicht spezi-
fisch mit seinem Heimatland zusammen. Es ist jedenfalls nicht ersichtlich, 
inwiefern er diesbezüglich im Vergleich zur übrigen in Tunesien wohnhaften 
Bevölkerung in ähnlicher Situation wesentlich schlechter gestellt wäre; die 
im Rahmen seines Aufenthalts in der Schweiz gemachten Erfahrungen im 
Gastgewerbe und an seiner aktuellen Arbeitsstelle (vorne E. 4.3.1) sowie 
sein Spracherwerb dürften ihm im Gegenteil den (Wieder-)Einstieg ins 
Berufsleben vergleichsweise erleichtern. Der Beschwerdeführer gibt selbst 
zu erkennen, dass angesichts seiner Sprachkenntnisse und den in der 
Hotellerie gesammelten Berufserfahrungen immerhin ein Job in der Touris-
musbranche denkbar sei (vgl. Eingabe vom 20.4.2015 S. 4 f.). Dass dieser 
Wirtschaftszweig derzeit aufgrund der terroristischen Anschläge vom 
18. März und 26. Juni 2015 mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben soll, 
spielt unter den gegebenen Umständen keine entscheidende Rolle; abge-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.09.2015, Nr. 100.2013.285U, 
Seite 20

sehen davon kann sich die Situation auch wieder beruhigen. Im Übrigen ist 
weder dargelegt noch ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer seine 
Stellensuche auf seinen Heimatort ... sollte beschränken müssen. Wohl 
trifft zu, dass die Sicherheits- und Wirtschaftslage in der Schweiz allgemein 
besser ist als in seiner Heimat. Darin liegen freilich keine spezifischen per-
sönlichen Umstände, welche eine Ausreise als unzumutbar erscheinen 
liessen, zumal hiervon nicht allein der Beschwerdeführer, sondern die ge-
samte in Tunesien lebende Bevölkerung betroffen ist (vgl. BGer 
2C_801/2014 vom 23.9.2014, E. 3.2 [Tunesien], 2C_374/2013 vom 
8.1.2014, E. 2.6 [Kosovo]). Dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr 
ins Heimatland gegebenenfalls mit seinen Angehörigen in drei kleinen Zim-
mern zusammenleben muss (vgl. Eingabe vom 20.4.2015 S. 4), hat er sich 
selbst zuzuschreiben; jedenfalls droht damit oder aus der wirtschaftlichen 
Situation insgesamt keine konkrete Gefahr im Sinn der Rechtsprechung zu 
Art. 3 EMRK und Art. 10 Abs. 3 BV («real risk»; vgl. Beschwerde S. 12 f.; 
ferner Eingabe vom 20.4.2015 S. 5, s. dazu hinten E. 6). Der Rückkehr 
stehen mithin in beruflicher oder wirtschaftlicher Hinsicht keine unüber-
windbaren Hindernisse entgegen. In Tunesien herrscht schliesslich weder 
Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb auch das Bundes-
verwaltungsgericht in konstanter Praxis von der generellen Zumutbarkeit 
des Wegweisungsvollzugs ausgeht (vgl. etwa BVGer E-2684/2015 vom 
7.5.2015, E. 3.3).

4.4.3 In familiärer Hinsicht steht ausschliesslich die Beziehung des Be-
schwerdeführers zu seinen etwa 27- und 21-jährigen Kindern mit Schwei-
zer Bürgerrecht in Frage, von denen nicht anzunehmen ist, dass sie mit 
dem Vater nach Tunesien ausreisen würden. Art. 8 EMRK und Art. 13 
Abs. 1 BV schützen die Beziehungen zwischen Eltern und erwachsenen 
Kindern nur, wenn zwischen ihnen ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis 
besteht (namentlich Betreuungs- oder Pflegebedürfnisse wie bei körperli-
chen oder geistigen Behinderungen und schwerwiegenden Krankheiten; 
vgl. etwa BGE 129 II 11 E. 2, 120 Ib 257 E. 1d f.; BGer 2C_332/2009 vom 
16.11.2009, E. 3.1; BVR 2003 S. 289 E. 2b). Ein solches ist hinsichtlich der 
Tochter, welche in der Westschweiz lebt (vgl. Strafakten Regionalgericht 
pag. 656, Strafakten Obergericht pag. 933), weder geltend gemacht noch 
ersichtlich. Der Sohn war bereits volljährig, als der MIDI die strittige Mass-

http://links.weblaw.ch/BVGer-E-2684/2015

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.09.2015, Nr. 100.2013.285U, 
Seite 21

nahme verfügte. Zuvor war der Beschwerdeführer Inhaber der elterlichen 
Sorge (vgl. Akten MIDI pag. 605). Aktenkundig ist, dass der Sohn mittler-
weile seine Lehre als Informatiker abgeschlossen hat und eine Berufs-
maturitätsausbildung absolviert (vgl. Strafakten Obergericht pag. 962, Be-
gründung Obergericht S. 34; Akten MIDI pag. 784). Das mit Verwaltungs-
gerichtsbeschwerde vorgebrachte Argument, er sei wegen psychischer 
Probleme ohne die engmaschige Unterstützung seines Vaters nicht zum 
Abschluss der Lehre in der Lage (vgl. S. 4 und 7 f.), ist damit überholt; der 
Beschwerdeführer bringt denn auch in seiner jüngsten Eingabe selbst 
nichts Derartiges mehr vor. Ein eigentliches «Abhängigkeitsverhältnis» ist 
bei dieser Sachlage nicht erkennbar, auch wenn zutreffen mag, dass der 
Sohn derzeit aufgrund der Wohngemeinschaft mit dem Vater Kosten spa-
ren kann. Es dürfte angesichts seines Lehrabschlusses als Informatiker 
(voraussichtlich mit Berufsmaturität) bloss eine Frage der Zeit sein, dass er 
selbständig ein kostendeckendes Erwerbseinkommen erzielt; ausserdem 
erscheint es wahrscheinlich, dass ihm bereits heute gewisse Erwerbs-
möglichkeiten offenstehen, und ist es ihm unbenommen und zumutbar, in 
einer anderen Wohngemeinschaft zu leben. Selbst eine (vorübergehende) 
Sozialhilfeabhängigkeit des Sohnes (vgl. Beschwerde S. 7 und 8) könnte 
schliesslich weder ein bedeutendes privates noch öffentliches Interesse am 
Verbleib des Beschwerdeführers in der Schweiz begründen (vgl. etwa 
VGE 2013/210 vom 22.8.2014, E. 5.3.3, bestätigt durch BGer 2C_898/2014 
vom 6.3.2015, E. 4.2.4). Dasselbe gilt für den Umstand, dass der Be-
schwerdeführer von Tunesien aus der Gemeinde kaum mehr weiterhin 
Alimentenschulden würde zurückzahlen können (vgl. vorne E. 4.3.1; Be-
schwerde S. 8). 

4.4.4 Der Beschwerdeführer hat die ursprünglich geltend gemachten 
Gründe für das Vorliegen eines Abhängigkeitsverhältnisses – namentlich 
angebliche psychische Probleme des Sohnes – bereits im vorinstanzlichen 
Beschwerdeverfahren in keiner Weise belegt, obschon es auch insoweit im 
Rahmen seiner Mitwirkungspflicht an ihm gewesen wäre, sein Vorbringen 
zu substantiieren, zumal die eingereichten Zeugnisblätter der Schule gute 
Leistungen dokumentierten und keinerlei Anzeichen für ein mögliches 
Scheitern in der Lehre vorlagen. Er hat diesbezüglich einzig die Einver-
nahme seines Sohnes verlangt (vgl. Beschwerde S. 3, 6 f. [Akten POM]). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.09.2015, Nr. 100.2013.285U, 
Seite 22

Diese Beweismassnahme wäre jedoch für sich allein nicht geeignet ge-
wesen, den in Frage stehenden Sachverhalt zu belegen. Die Vorinstanz 
durfte bei dieser Sachlage von der Einvernahme absehen und hat den ent-
scheiderheblichen Sachverhalt insoweit nicht unvollständig festgestellt. Die 
vor Verwaltungsgericht erneut beantragte Einvernahme des Sohnes (Be-
schwerde S. 5) ist ebenfalls abzuweisen, besonders mit Blick auf die akten-
kundigen Entwicklungen (vgl. E. 4.4.3 hiervor).

4.4.5 Der Beziehung zu seinen beiden erwachsenen Kindern ist nach 
dem Erwogenen in der Interessenabwägung keine wesentliche Bedeutung 
beizumessen. Im Übrigen könnte der Beschwerdeführer aus der Vater-
Sohn-Beziehung selbst bei Annahme eines Abhängigkeitsverhältnisses 
nichts Wesentliches zu seinen Gunsten ableiten: Er müsste sich diesfalls 
namentlich entgegenhalten lassen, dass ihn gerade auch seine Verantwor-
tung als Vater nicht von erneuter erheblicher Delinquenz abhalten konnte; 
ausserdem stünde dem in der Schweiz verbleibenden Sohn bei allfälligen 
psychischen Problemen professionelle Hilfe zur Verfügung und kann die 
Vater-Sohn-Beziehung auch vom Ausland her mittels der herkömmlichen 
Kommunikationsmittel sowie durch gegenseitige Besuche weiterhin ge-
pflegt werden.

4.5 Mit Blick auf die privaten Interessen ist festzuhalten, dass die Zeit, 
während der sich der Beschwerdeführer insgesamt in der Schweiz auf-
gehalten hat, zwar trotz der zweimaligen Unterbrechungen relativ lang aus-
fällt, seine Integration aber insgesamt nicht gelungen ist. Es stehen der 
Rückkehr nach Tunesien zudem keine unüberwindbaren Hindernisse ent-
gegen, und den auf dem Spiel stehenden familiären Beziehungen kommt 
keine massgebende Bedeutung zu.

5.

Die Abwägung der massgeblichen öffentlichen und privaten Interessen 
ergibt Folgendes: Der Beschwerdeführer hat sich im Jahr 2009 mit der Ver-
gewaltigung einer Arbeitskollegin eines schweren Sexualdelikts schuldig 
gemacht. Er wurde deswegen zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten ver-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.09.2015, Nr. 100.2013.285U, 
Seite 23

urteilt, was für sich allein ein schweres Verschulden zum Ausdruck bringt. 
Diese Straftat zeigt angesichts der früheren schweren Mehrfachdelinquenz 
und der damit verbundenen strafrechtlichen Sanktionen eine inakzeptable 
Uneinsichtigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber den Rechtsgütern Dritter 
und dem Gaststaat, welcher dem Beschwerdeführer durch Wiederzu-
lassung im Jahr 2004 ausländerrechtlich eine zweite Chance bot, sich zu 
bewähren. Unter den gegebenen Umständen kann eine Rückfallgefahr 
nicht ausgeschlossen werden. Es besteht somit ein sehr gewichtiges 
öffentliches Interesse an der strittigen Massnahme. Dieses wird durch die 
vorgebrachten gegenläufigen (finanziellen) öffentlichen Interessen (vgl. 
vorne E. 4.4.3) nicht relativiert. Die privaten Interessen des nur über eine 
Aufenthaltsbewilligung und damit den schwächsten ausländerrechtlichen 
Status verfügenden Beschwerdeführers an einem Verbleib in der Schweiz 
haben vor diesem Hintergrund zurückzustehen, zumal bei den vorliegen-
den Gegebenheiten ausserordentliche Umstände vorliegen müssten, um 
die Beendigung des Aufenthalts als unverhältnismässig erscheinen zu las-
sen: Zwar erscheint die Zeit, welche der Beschwerdeführer insgesamt in 
der Schweiz verbracht hat, trotz zweimaliger Unterbrechungen insgesamt 
relativ lang; er konnte sich aber hierzulande nicht integrieren. Es ist dem 
Beschwerdeführer sodann die Rückkehr nach Tunesien zumutbar, wo er 
nicht nur aufgewachsen und sozialisiert worden ist, sondern auch als Er-
wachsener gelebt hat, teils sogar freiwillig trotz gefestigtem Aufenthalts-
recht in der Schweiz. Die hier gewonnenen beruflichen Erfahrungen und 
Sprachkenntnisse dürften ihm den (Wieder-)Einstieg erleichtern; jedenfalls 
ist er insoweit der einheimischen Bevölkerung gegenüber nicht wesentlich 
schlechter gestellt. Gründe, welche den Vollzug der Wegweisung als unzu-
mutbar erscheinen lassen könnten, liegen keine vor. In familiärer Hinsicht 
steht keine konventions- oder verfassungsmässig geschützte Beziehung 
zur Diskussion. Die zwei Kinder des Beschwerdeführers sind volljährig, der 
Sohn hat zudem entgegen früherer väterlicher Bedenken eine Berufsausbil-
dung abgeschlossen. Abgesehen davon hat sich der Beschwerdeführer die 
familiären Konsequenzen seines Verhaltens selbst zuzuschreiben und 
kann die Beziehung zu seinen erwachsenen Kindern auch vom Ausland 
her weiterhin gepflegt werden. Die Entfernungsmassnahme erweist sich 
damit auch im Licht eines allfälligen gesetzlichen oder konventions- bzw. 
verfassungsrechtlichen Bleiberechts als verhältnismässig. 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.09.2015, Nr. 100.2013.285U, 
Seite 24

Unter diesen Umständen scheidet angesichts des Widerrufsgrunds nach 
Art. 62 Bst. b AuG die ermessensweise Verlängerung der Aufenthalts-
bewilligung nach Art. 33 Abs. 3 AuG (vgl. Beschwerde S. 12) von vorn-
herein aus (vgl. BVR 2011 S. 289 E. 6; s. auch BVR 2013 S. 73).

Die Beschwerde erweist sich damit sowohl im Haupt- als auch im Eventual-
punkt als unbegründet. Sie ist demnach abzuweisen, soweit darauf einzu-
treten ist (vgl. vorne E. 1.1).

6.

Unter den gegebenen Umständen ist der Vollzug der Wegweisung auch 
nicht unzulässig im Sinn von Art. 83 Abs. 3 AuG i.V.m. Art. 3 EMRK (vgl. 
dazu BVR 2013 S. 543 E. 7.1 f.). Die erschwerten Lebensbedingungen und 
die schwierige Wirtschaftslage im Heimatland, welche teilweise auch durch 
Anschläge verursacht ist, lassen weder für sich allein noch mit Blick auf die 
persönliche Situation des Beschwerdeführers (vgl. Eingabe vom 20.4.2015, 
S. 2 ff.) auf eine unmenschliche oder erniedrigende Behandlung und damit 
eine Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegweisung schliessen (vgl. auch 
vorne E. 4.4.2). Andere Vollzugshindernisse sind weder vorgebracht noch 
erkennbar. Eine vorläufige Aufnahme fällt damit ausser Betracht.

7. 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer verfah-
renskostenpflichtig; Anspruch auf Parteikostenersatz hat er nicht (Art. 108 
Abs. 1 und 3 VRPG). 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 17.09.2015, Nr. 100.2013.285U, 
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Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. Dem 
Beschwerdeführer wird eine neue Ausreisefrist angesetzt auf den 2. No-
vember 2015. 

2. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine Pauschalgebühr von Fr. 2'500.--, werden dem Beschwerdeführer 
auferlegt.

3. Es werden keine Parteikosten gesprochen. 

4. Zu eröffnen:
- dem Beschwerdeführer
- der Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern 
- dem Staatssekretariat für Migration 

Das präsidierende Mitglied: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) oder, soweit es die Er-
messensbewilligung betrifft, subsidiäre Verfassungsbeschwerde gemäss Art. 39 ff. 
und 113 ff. BGG geführt werden.