# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8f58bcad-e464-5c7a-8de7-f9ecae4023d9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.10.2011 E-5795/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5795-2011_2011-10-24.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­5795/2011

U r t e i l   v om   2 4 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi,
mit Zustimmung von Richter Pietro Angeli­Busi;  
Gerichtsschreiber Christoph Berger.

Parteien A._______, geboren am (…),  
B._______, geboren am (…),
C._______, geboren am (…),
D._______, geboren am (…),
Afghanistan, 
(…),  
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­
Verfahren); 
Verfügung des BFM vom 12. Oktober 2011 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  die  Beschwerdeführenden  am  29.  August  2011  in  der  Schweiz 
Asylgesuche stellten, auf welche das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. 
d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) mit Verfügung 
vom 12. Oktober 2011 nicht eintrat,

dass  das  Bundesamt  den  Beschwerdeführenden  anlässlich  der 
summarischen Befragung im Empfangs­ und Verfahrenszentrum vom 19. 
September  2011  das  rechtliche  Gehör  bezüglich  der  Zuständigkeit 
Italiens für die vorliegenden Asylverfahren, zum Nichteintretensentscheid 
und zu einer Wegweisung dorthin gewährte,

dass  die  Beschwerdeführenden  vorbrachten,  sie  hätten  sich  nicht  in 
Italien  aufgehalten  und  wollten  nicht  dorthin  gehen,  und  die 
Beschwerdeführerin zudem Herzprobleme beklagte,

dass das Bundesamt zur Begründung seiner Verfügung ausführte, dass 
sich  die Schweiz mit  der Umsetzung des Abkommens  vom 26. Oktober 
2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der 
Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur 
Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem 
Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­
Assoziierungsabkommen [DAA], SR 0.142.392.689) verpflichtet habe, die 
Dublin­II­Verordnung  (Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  vom 
18. Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur 
Bestimmung  des  Mitgliedstaates,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrages 
zuständig ist [Dublin­II­VO]) anzuwenden,

dass  ein  Abgleich  mit  der  europäischen  Fingerabdruck­Datenbank 
(Zentraleinheit  Eurodac)  ergeben  habe,  dass  die  Beschwerdeführenden 
am 28. August 2011 in Italien um Asyl ersucht hätten,

dass  das  BFM  am  26.  September  2011  die  Behörden  Italiens  um  die 
Übernahme der Beschwerdeführenden im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Bst. c 
Dublin­II­VO ersucht habe,

dass die  italienischen Behörden zum Übernahmeersuchen  innerhalb der 
festgelegten  Frist  nicht  Stellung  genommen  hätten  und  somit  unter 
Anwendung von Art.  20 Abs. 1 Bst.  c Dublin­II­VO die Zuständigkeit  für 
die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  an  Italien 
übergegangen sei,

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dass gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf ein Asylgesuch nicht einge­
treten werde, wenn Asylsuchende  in einen Drittstaat ausreisen könnten, 
der  für die Durchführung des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staats­
vertraglich zuständig sei,

dass die Beschwerdeführerin in Italien medizinische Hilfe erhalten würde, 
soweit sie diese nötig habe,

dass die Überstellung nach  Italien  ­  vorbehältlich einer  allfälligen Unter­
brechung  oder  Verlängerung  der  Überstellungsfrist  ­  bis  spätestens  am 
11. April 2012 zu erfolgen habe,

dass mithin auf die Asylgesuche nicht eingetreten werde,

dass  die  Folge  eines  Nichteintretensentscheides  gemäss  Art.  44 
Abs. 1 AsylG in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz sei und die 
Beschwerdeführenden  in  einen  Drittstaat  reisen  könnten,  in  dem  sie 
Schutz  vor  Rückschiebung  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  1  AsylG  finden 
würden,  weshalb  das  Non­Refoulement­Gebot  nicht  zu  prüfen  sei,  und 
auch keine Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der Konvention vom 
4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten  (EMRK, SR 0.101)  im Falle  einer Rückkehr  nach  Italien 
bestehen würden,

dass die Wegweisung nach Italien zulässig sei und keine Gründe gegen 
die Zumutbarkeit der Wegweisung nach Italien sprächen,

dass der Vollzug der Wegweisung auch technisch möglich und praktisch 
durchführbar sei,

dass  den  Beschwerdeführenden  die  vorinstanzliche  Verfügung  vom      
12. Oktober 2011 am 14. Oktober 2011 eröffnet wurde,

dass  die  Beschwerdeführenden  mit  Eingabe  vom  20.  Oktober  2011 
(Postaufgabe) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und 
beantragen,  die  Verfügung  des  BFM  vom  12.  Oktober  2011  sei 
aufzuheben  und  es  sei  zu  entscheiden,  dass  die  Schweiz  für  ihr 
Asylverfahren zuständig sei,

dass  sie  darum  ersuchen,  die  Ausweisung  nach  Italien  sei  für  den 
Moment zu stoppen,

dass (für das vorliegende Verfahren) keine Kosten aufzuerlegen seien,

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dass die vollständigen vorinstanzlichen Akten am 24. Oktober 2011 beim 
Bundesverwaltungsgericht eingingen,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig 
über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes über 
das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 [VwVG, SR 172.021]) 
des BFM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens 
des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht 
(Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  die  Beschwerdeführenden  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen  haben,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  sind,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  haben  und  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde  legitimiert  sind  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und 
Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass die Beschwerde  frist­  und  formgerecht eingereicht wurde  (Art.  108 
Abs. 2 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten 
Richterin  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich 
vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 
der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a 
Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften­
wechsel verzichtet wurde,

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über­
prüfen  (Art. 32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerde­
instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt  ist, ob die Vorinstanz zu 
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

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dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn 
Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die 
Durchfüh­  rung  des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich 
zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  das  BFM  an  Italien  ein  Ersuchen  um  Übernahme  der 
Beschwerdeführenden gestellt hat, 

dass dieses bis zum Ablauf der  festgelegten Frist unbeantwortet geblie­
ben und demnach die Zuständigkeit für das vorliegende Verfahren auf Ita­
lien übergegangen ist,

dass  die  Beschwerdeführenden  somit  ohne  weiteres  in  einen  Drittstaat 
(vorliegend  Italien)  ausreisen  können,  welcher  für  die  Prüfung  ihrer 
Asylanträge staatsvertraglich zuständig ist,

dass  keine  Hinweise  dafür  bestehen,  Italien  würde  sich  nicht  an  die 
massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das 
Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, halten,

dass  Italien  unter  anderem  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Ju­
li 1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der 
EMRK und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter 
oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung 
oder Strafe (FoK, SR 0.105) ist,

dass  für  das  Bundesverwaltungsgericht  insbesondere  keine  Gründe 
ersichtlich sind, die das BFM zur Ausübung des Selbsteintrittsrechts der 
Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) hätten veranlassen sollen,

dass  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Dublin­Rückkeh­
rende  und  verletzliche  Personen  bezüglich  Unterbringung  von  den  ita­
lienischen Behörden bevorzugt behandelt werden und sich  ­ neben den 
staatlichen  Strukturen  ­  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der 
Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen,

dass  gemäss  der  EU­Richtlinie  2003/9/EG  vom  27.  Januar  2003  zur 
Festlegung von Mindestnormen  für die Aufnahme von Asylbewerbern  in 
den  Mitgliedstaaten  den  Asylsuchenden  bei  besonderen  Bedürfnissen 
eine entsprechende medizinische Versorgung angeboten wird und diese 
Richtlinie auch in Italien umgesetzt worden ist,

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dass  die  Beschwerdeführerin  demzufolge  auch  in  Italien  eine  allfällig 
benötigte  Behandlung  ihres  geltend  gemachten  Herzleidens  erhalten 
kann,

dass  die  Beschwerdeführenden  in  ihrer  Rechtsmitteleingabe  in 
entscheidwesentlicher Hinsicht nichts Stichhaltiges vorbringen, wenn sie 
geltend machen,  die Beschwerdeführerin  fühle  sich  im Moment  nicht  in 
der  Lage,  nach  Italien  auszureisen  und möchte  jedenfalls  die Resultate 
der medizinischen Abklärungen (in der Schweiz) abwarten,

dass  die  Reise  nach  Italien  mit  geeigneten  Medikamenten  begleitet 
werden kann und eine adäquate Behandlung in Italien sichergestellt ist,

dass das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss kommt, dass das BFM 
zu  Recht  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  auf  das 
Asylgesuch der Beschwerdeführenden nicht eingetreten ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung 
aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), 

dass die Beschwerdeführenden  keine Aufenthaltsbewilligung oder  einen 
Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  haben,  weshalb  die  verfügte 
Wegweisung zu bestätigen ist,

dass  in Verfahren  nach Art. 34 Abs. 2  Bst. d  AsylG  die  Frage  nach  der 
Zulässigkeit  und  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  bereits 
Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des 
Nichteintretensentscheides ist,

dass sich die Frage nach der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs in 
Verfahren nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG nicht  unter  dem Aspekt  von 
Art. 83 Abs. 1 und 4 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über 
die Ausländerinnen und Ausländer  (AuG, SR 142.20)  stellt,  sondern vor 
der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen der Ausübung des Selbstein­
trittsrechts  (Art. 3  Dublin  II­VO)  oder  gegebenenfalls  ­  wenn  sich  Fami­
lienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin­Mitgliedstaaten  befinden  und  zu­
sammengeführt  werden  sollen  ­  bei  der  Ausübung  der  sogenannten 
Humanitären Klausel (Art. 15 Dublin II­VO),

dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­
weisung zu bestätigen ist,

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dass die Beschwerdeführenden mit ihrer Beschwerde nicht darzutun ver­
mögen,  inwiefern die angefochtene Verfügung Bundesrecht verletzt, den 
rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder 
unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde  abzuwei­
sen ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­­ 
(Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 VwVG)  und  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  angesichts  der  aussichtlosen  Rechtsbegehren  von 
Gesetzes wegen abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3. 
Die Verfahrenskosten von Fr. 600.­­  werden den Beschwerdeführenden 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils 
zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Christoph Berger

Versand: