# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f566ad7d-d32d-59bd-8e34-a35669937d93
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-06-15
**Language:** de
**Title:** Würdigung eines MEDAS-Gutachten. Kein invalidisierender Gesundheitsschaden.
**Docket/Reference:** IV.2014.00141
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00141.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00141
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Gerichtsschreiberin Meier-Wiesner
Urteil
vom
15. Juni 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Stadt Zürich Soziale Dienste
lic
.
iur
.
Y.___
, Sozialversicherungsrecht Recht
Hönggerstrasse
24, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Am 10. November 2008 meldete sich der 1968 geborene und als Hilfsarbeiter erwerbstätig gewesene
X.___
unter Hinweis auf schwere chronische Rückenschmerzen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/9). Mit Verfügung vom 11. November 2010 (Urk. 8/50) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab 1. November 2007
(rückwirkend)
eine halbe, vom 1. Juni 2009 bis 28. Februar 2010 eine
befristete
ganze und anschliessend wieder eine halbe Rente zu. Mit Urteil IV.2010.01207 vom 31. Mai 2012 (Urk. 8/62) hob das hiesige Gericht in Gutheissung der vom Versicherten erhobenen Beschwerde die
rentenzuspre
chende
Verfügung vom 11. November 2010
auf
und wies die Sache an die Ver
waltung zur weiteren Abklärung
und anschliessender neuer Verfügung
zurück. Daraufhin beauftragte die IV
Stelle die über
SuisseMED@P
zugeteilte MEDAS
Z.___
mit einer polydisziplinären Begutachtung (Gutachten vom 26. April 2013, Urk. 8/74).
Na
ch Durchführung des
Vorbescheid
verfahrens
(Urk. 8/76 ff.) verneinte sie mit Verfügung vom
6. Januar 2014
den
Leistungs
a
nspruch
des Versicherten
(Urk. 2)
.
2.
Dagegen erhob
X.___
am
5. Februar 2014
Beschwerde
(Urk. 1)
mit de
n
Anträgen, es sei die angefochtene IV-Verfügung aufzuheben und dem Beschwerdeführer eine Rente auszurichten; eventualiter sei nach einer psychi
atrischen Ober
b
egutachtung über den Anspruch neu zu entscheiden.
Daneben ersuchte er
um Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels
, unter
Kosten
folge
zulasten der Beschwerdegegnerin und
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Nachdem die Verwaltung mit
Beschwerde
antwort
vom
11. März 2014
(Urk. 7)
auf Abweisung der Beschwerde schloss, wurde dem Beschwerde
führer mit Verfügung vom 10. April 2014 (Urk. 9) die unentgeltliche Prozessführung gewährt und eine Kopie der Beschwerdeantwort zugestellt unter Hinweis darauf, dass sich vorliegend die förmliche Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels erübrig
e
.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
In
Bezug auf die
massgebenden
rechtlichen Grundlagen kann auf die Erwä
gungen 1.1 b
is 1.3 im Urteil IV.2010
.0
1207
des hiesigen Gerichts vom
31. März 2012
(Urk. 8/
62
) verwiesen werden.
2.
Die Beschwerdegegnerin begründet die Leistungsablehnung damit, dass kein die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden ausgewiesen sei. Dem Beschwerdeführer sei die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Chauffeur weiterhin zu 100 % zumutbar (Urk. 2).
Demgegenüber stellt sich der Beschwerdeführer
im Wesentlichen
auf den Standpunkt, dass
von einer schweren psychischen Stö
rung mit Krankheitswert auszugehen sei, deren
willentliche
Überwindung ihm mangels Ressourcen nicht zumutbar sei (Urk. 1 S. 7).
3.
3.1
Hinsichtlich der älteren ärztlichen Stellungnahmen kann auf die Zusammen
fassungen in den
Erwägungen 4
.1 bis
4.4
im Urteil IV.201
0
.01207 des hiesigen Gerichts vom 31. März 2012 (Urk. 8/62) verwiesen werden
.
3.2
Im
neu eingeholten
MEDAS-Gutachten vom
26. April 2013 (Urk. 8/74
/1-41
)
wurden folgende
Diagnosen
aus allen Fachgebieten („E. Zusammenfassung [interdisziplinär]“)
gestellt (S.
14
):
Diagnosen mit Relevanz für die
Arbeisfähigkeit
(angestammte Tätigkeit als Chauffeur)
-
keine
Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit
-
Chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits
-
Osteochondrose
und Spondylose L4/5 und L5/S1
-
klinisch fehlende Hinweise auf aktuelle
radikuläre
Kompression/Irritation
-
muskuläre
Dysbalance
-
Psoriasis
vulgaris
ohne Verdacht auf hiermit assoziierte Arthritiden
-
C
hronisch wiederkehrende
Zervikalgien
bei diskret beginnenden degenerativen Wirbelveränderungen und angedeuteter Wirbelsäulenfehlstatik
-
Diskrete Sprunggelenkarthrose rechts
-
Osteosynthetisch versorgte knöchern fest konsolidierte Fersenbein-Fraktur links
-
Spreizfuss beidseits mit beginnender Grosszehengrundgelenk-Arthrose links
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig überwiegend leichte Episode, phasenweise mittelgradige Episode mit fraglich psychotischen Symptomen (ICD
10 F33.0/F33.2)
-
P
rädisponierende Persönlichkeit mit dissozialen und emotional instabilen Elemen
ten, Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung (ICD-10 F60.3)
Weiter führten die Gutachter aus, der Beschwerdeführer habe über Schmerzen im lumbalen Bereich mit Ausstrahlungen ins linke Bein und teilweise nach oben bis zum Nackenbereich sowie über Missempfindungen in der Grosszehe links geklagt
.
Bisweilen trete auch eine Schmerzausstrahlung ins rechte Bein auf.
Ausserdem
leide
er
unter
Schlafstörungen, manchmal auch
unter
Kopfschmer
zen und Schwindel
. Er
sei nervös und seine Stimmung sei schlecht. Er höre
auch Stimmen
. Die Rückenschmerzen seien erstmals 1993, dann wieder 2003 und gehäuft seit 2006 aufgetreten
(S. 7, S. 12,
S. 16,
S. 21,
S.
29
,
S. 34
)
.
Zum Tagesverlauf habe der Beschwerdeführer angegeben, überwiegend zu Hause zu sein, wegen der Müdigkeit viel zu liegen oder zu schlafen. Teilweise gehe er aber auch etwas spazieren. Manchmal erhalte er Besuch oder gehe zu Kollegen.
Er helfe
,
die Kinder zur Schule und in die Kinderkrippe zu bringen. Im Sommer gehe er öfter an den See.
Den Einkauf
mache
er
mit seiner Frau zusammen. Der Haushalt werde von der Frau geführt (S. 8, S. 17
, S. 21
, S. 34
).
Bei der
klinische
n
Untersuchung der Lendenwirbelsäule durch den neurologi
schen Gutachter
habe
d
er
Beschwerdeführer
eine eher geringe
Druckempfind
lichkeit
über den Nervenaustrittspunkten, respektive nur ein
en
geringe
n
K
lopf
schmerz
tief lumbal angegeben. Auch während der gesamten einstündigen Anamnese
sei
er ruhig unter Vermeidung von Bewegung und mit steif gehalte
nem Rücken auf dem Stuhl
gesessen
. In der
Lasègue
-Probe habe keine
radiku
läre
Reizsymptomatik ausgelöst werden können
(S. 10)
.
Sodann bemerkte der neurologische Gutachter, a
us dem Gutachten von Dr. med.
A.___
, Chefarzt an der Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation des
B.___
(damals Leitender Arzt)
, vom 2. Juni 2009 (Urk. 8/26
; vgl.
auch
E. 4.3 des Urteils IV.2010.01207
) seien MRI-Befunde vom 27. Februar 2007 sowie vom 27. Mai 2009 referiert worden, welche u
nter anderem eine
Dis
kusprotrusion
L5/S1
mediolateral
rechts mit Kontakt zur Nervenwurzel S1 rechts zeigten. Die klinische Symptomatik sei aber auf das linke Bein projiziert angegeben worden. Dr.
A.___
beschreibe in seinem neurologischen Status schon beim Eintreten des Beschwerdeführers ins Sprechzimmer ein groteskes Gangbild mit Schonung des linken Beines, welches abgespreizt werde. Dieses habe in der
aktuellen
Untersuchung nicht mehr gesehen werden können.
Hin
sichtlich der ehemals diffusen Sensibilitätsstörung gebe der Versicherte heute eine Taubheit im Grosszehenbereich links, dem L5-Segment entsprechend, hin
gegen eine normale Sensibilität im S1-Segment an Insgesamt könne man, ins
besondere in Korrelation mit den Bildbefunden, die aktuellen Beschwerden des Versicherten nur teilweise nachvollziehen. Objektiv bestehe zwar eine
Dis
kuspathologie
in den Etagen L4/5 und L5/S1, jedoch erscheine eine relevante
neurokompressive
Symptomatik nicht vorzuliegen. Auch sei gemäss der aktuel
len Anamnese eine typische
radikuläre
Schmerzausstrahlung L5 oder S1 seg
mental nicht bes
chrieben worden. Eine ältere L5-
radikuläre Defizitsymptomatik am
Grosszeh
scheine, wenn man den heutigen Sensibilitätsbefund heranziehe, jedoch wahrscheinlich
(S. 10 f.)
.
Die Einschätzung von Dr.
A.___
, dass er aus rheumatologischer Sicht keine strukturellen Befunde vorfinde, welche eine übliche Tätigkeit verunmöglichten, erscheine korrekt. Die Ausübung der letzten Tätigkeit als Chauffeur sei theore
tisch vollumfänglich möglich.
Dagegen sei die
sehr ausgeprägt erscheinende
Beschwielung
an Handflächen und Fusssohlen mit dem vom Versicherten ange
gebenen Tagesprofil nicht vereinbar
(S. 1
1
).
Inter
n
medizinisch
liessen sich bei der klinischen Untersuchung keine pathologi
schen Befunde erheben (S. 19).
Unter Würdigung der dem Dossier
zur Verfügung stehenden Vorbefunde und der anamnestischen Angaben sowie der Ergebnisse der Untersuchung des Versi
cherten sei eine psychiatrisch relevante Problematik frühestens seit 2007 bekannt, gesichert seit Ende 2007, Anfang 2008
(S. 25)
.
Auch in der psychiatrischen Untersuchung hätten sich deutliche Indizien für demonstrative, teilweise in der Tat grotesk anmutende Ve
rhaltensweisen
gezeigt
.
Es seien Inkonsistenzen aufgetreten. So habe
d
er
Beschwerdeführer
immer wieder die Meinung vertreten,
sich an
Sachverhalte nicht zu erinnern. Andererseits habe er diverse Details gut und folgerichtig wiedergeben können. Ausserdem habe er in der Begutachtungssituation prompt und folgerichtig reagieren können. Nichtbeantwortungen seien aus Sicht des Gutachters keines
falls als Einschränkungen der Konzentration oder des Gedächtnisses zu inter
pretieren gewesen, sondern vielmehr als Produkt einer gereizten, innerlich abwehrenden, kaum von Kooperation getragenen Grundhaltung, welche am ehesten seiner prädisponierenden, emotional instabilen, dissozialen Persönlich
keitsstruktur
geschuldet
sein dürfte. Dieses Verhalten bedinge allerdings leider eine Einschränkung des psychiatrischen Erkenntnisgewinnes. Der Beschwerde
führer habe
weiter
akustische Halluzinationen beschrieben und auf Nachfrage Verfolgungs- sowie Beeinträchtigungserleben bestätigt. Die dargelegten Symp
tome deckten sich mit den in den Berichten aus dem Jahr 2009 von Dr. med.
C.___
, Leitender Arzt beim
D.___
(damals
Stv
. Oberarzt),
dargestellten psychopathologischen Beschreibun
gen
(vgl. Urk. 8/29 und Urk. 8/32; ferner E. 4.4 im Urteil IV.2010.01207)
.
Auf
fällig
für den Untersucher sei gewesen, dass der Beschwerdeführer während des Vortragens der Symptome keine spürbare emotionale Beteiligung gezeigt habe
. Er habe eine depressive Herabgestimmtheit und resignative Haltung sowie Impulsdurchbrüche beschrieben
. B
ei deren Schilderung
sei
ein mangelndes Bewusstsein für soziale Normen deutlich geworden
(S. 26).
Bezogen auf die
angegebene
psychisch beeinträchtigende Symptomatik falle eine erhebliche Widersprüchlichkeit zum
beschriebenen
alltäglichen
Funktions
niveau
des Beschwerdeführers auf. So liessen sich bei der Schilderung des Alltages keine hinreichenden Indizien für einen relevanten sozialen Rückzug erkennen.
Fraglich bleibe, ob die akustischen Halluzinationen und paranoiden Ideen tatsächlich noch hinreichend ausgeprägt vorhanden seien, oder letztlich nur zweckgebunden Erwähnung fänden. Selbst bei wohlwollender Würdigung der vorgetragenen Symptomatik sei k
ein handlungsbestimmender,
den
Lebens
erfolg
signifikant
einschränkender Charakter der akustischen Halluzinationen vor
handen, was durch das Aktivitätsniveau, welches der Beschwerdeführer bei Nachfrage nach seinem Lebensalltag schildere, gut verdeutlicht werde
(S. 26)
.
Die psychischen Beeinträchtigunge
n seien bei gegebenen therapeutischen Mög
lich
k
e
iten, unter Aufbringung eines entsprechenden Willens und unter Berück
sichtigung der inzwischen moderaten Ausprägung, überwindbar. Voraussetzung sei eine aktive Mitarbeit im therapeutischen Prozess. Aus fachärztlicher Sicht sei die beschriebene depressive Störung in der geschilderten Ausprägung nicht medizinisch invalidisierend. Eine
somatoforme
Schmerzstörung könne weder hinreichend diagnostiziert, noch hinreichend ausgeschlossen werden, da der Beschwerdeführe
r
hierzu notwendige Angaben, auch bei insistierender Nach
frage, unterlassen habe. Selbst bei Vorhandensein einer
somatoformen
Störung oder
einer
chronischen Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Fak
toren, bestehe kein sozialer Rückzug. Es sei kein primärer Krankheitsgewinn im Sinne eines unlösbaren Konfliktes zu erkennen. Weiterhin bestehe keine anhal
tende tiefgreifende Komorbidität, welche nicht unter Ausschöpfung sämtlicher Massnahmen und vor allem beim Vorhandensein einer ausreichenden Motiva
tion überwindbar wäre. Ebenso
fehle
eine ausgeprägte, permanente, chronische, relevante, körperliche Erkrankung (S. 27)
.
Aus rheumatologischer Sicht seien die seit 1993 rezidivierenden
lumboischial
gie
formen
Schmerzepisoden angesichts
der degenerativen
Verän
derung der Lendenwirbelsäule erklärbar. Bei kernspintomographisch nachge
wiesener medianer Diskushernie L4/5 beidseits sowie
Diskusprotrusionen
L5/S1
medio
lateral
rechts mit
K
ontakt zur Nervenwurzel S1 rechts
fänden
sich bei der aktuellen Untersuchung klinisch keine Hinweise auf eine aktuelle
lumboradiku
läre
Kompression/Irritation. Die ursprünglich episodisch auftretende
Beschwer
desymptomatik
habe sich seit zirka 2006
offensichtlich
chronifiziert
. Seit Jahren bestehe zudem eine chronisch persistierende psychosoziale Problematik. Auffäl
lig sei eine starke Diskrepanz zwischen dem subjektiven, invalidisierenden Beschwerdeausmass und den objektivierbaren Befunden mit entsprechend wenig ausgeprägtem Schaden an der Lendenwirbelsäule. Dieser Umstand, zusammen mit nicht stimmigen Befunden bei der klinischen Untersuchung des Versicherten liessen eine Schmerzverarbeitungsstörung vermuten, die wie die
oben erwähnte
Schmerzchronifizierung
in stärkerem Ausmass mit psychoso
zialen Faktoren zusammenhängen dürfte.
Die
Dolenz
an der linken Ferse ent
spreche sehr wahrscheinlich einem mechanisch bedingten Reizzustand durch vorstehenden Schraubenkopf nach Osteosynthese einer
Kalkaneusfraktur
im 201
2.
Der klinische und radiologische Befund spreche gegen das Vorliegen einer chronischen
Enthesitis
respektive einer Sprunggelenkarthritis im Rahmen der Psoriasis. Anamnestisch, klinisch und radiologisch lägen keine Hinweise vor, die eine primär entzündliche Affektion des Achsenskelettes, zum Beispiel im Rahmen der Psoriasis, vermuten liessen (S. 31).
Anlässlich der orthopädischen Untersuchung hätten die vom Beschwerdeführer angegebenen Schmerzen in der Wirbelsäule, in den Sprunggelenken und im linken
Vorfuss
nicht durch objektivierbare, pathologische Befunde erklärt wer
den können.
Insbesondere nicht objektivierbar
seien das linksseitige
Schonhin
k
en
und die Schmerzen bei
m
Betasten
der Wirbelsäule, der Sprunggelenke und des linken Fusses. Zu bemerken sei, dass der Beschwerdeführer sich beim Ent
kleiden Hosenbein und Strumpf jeweils im sicheren
Einbeinstand
ausziehe. Hinweise auf
das
Vorliegen einer
radikulären
Reizsymptomatik seitens der Wir
belsäule fänden sich bei der aktuellen Begutachtung nicht. Dies stehe im guten Einklang mit den Befunden in den Akten (S. 37).
In der interdisziplinären Beurteilung kamen die
MEDAS-
Gutachter zum Schluss, dass aufgrund der degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule keine körperlich schweren Arbeiten verrichtet werden könnten. Hingegen sei eine angepasste Tätigkeit in einer leichten bis kurzfristig mittelschweren Arbeit medizinisch-theoretisch zumutbar. Die
Gewichtslimite
werde bei 15 kg definiert. Zu vermeiden seien Zwangshaltungen mit nach vorne geneigter oder gebeugter Arbeitshaltung sowie Tätigkeiten in Nässe, Kälte oder Zugluft. Ideal seien Tätig
keiten im Wechselrhythmus.
D
ie zuletzt aus
geübte Tätigkeit als Chauffeur
sei
unter Einhaltung dieser Bedingungen und bei entsprechender Einhaltung rückendisziplin
a
rischer Massnahmen theoretisch medizinisch vollzeitig
ohne Leistungsminderung zumutbar.
Die davor ausgeübte Tätigkeit im
Reinigungs
team
würde jedoch das Rückenleistungsvermögen überfordern.
Die Beschwerden im rechten
R
u
ckfuss
seien bei Berücksichtigung des oben genannten
Fähigkeits
profils
und bei Gebrauch geeigneter Schuhe mit Pufferabsatz, genügender Polsterung der Ferse dorsal und in einer festen Sohle ebenfalls nicht relevant
(S. 13
f.
).
Auch retrospektiv sei seit 2007 von keiner längerdauernden Arbeits
unfähigkeit für eine angepasste Tätigkeit auszugehen (S. 15).
3.3
Der Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Allgemeinmedi
zin,
nannte
im Bericht vom 2
8.
August 2013 (Urk.
8/85
/1
)
folgende
Diagnosen:
-
Lumbovertebrales
Schmerzsyndrom bei/mit
-
Diskushernie L4/5 medial links betont mit
Duralsackimpression
und inter
mittierend leichtem sensomotorische
m
Ausfall L5 und fraglich sensorischem Ausfall S1 links
-
Diskusprotrusion
L5/S1
mediolateral
rechts mit rechtsbetonter
Spondylarthrose
-
Psoriasis
vulgaris
-
Rezidivierende depressive Episoden
Weiter führte er aus, das am 10. Juli 2013 durchgeführte
aktuelle
MRI der Lendenwirbelsäule (Urk. 8/85/2) zeige
-
im Vergleich zur Untersuchung am 27. Februar 2007
-
eine
leicht progrediente
Arthrose
L4/5
, rechts auch auf Höhe L5/S1 sowie eine leichte
Progredienz der
Duralsackquerschnittseinengung
und Berührung der Nervenwurzel L5 links. Die Einengung und Tangierung der Nervenwurzel L5 rechts sei gegenüber den Voraufnahmen vom 27.
Februar 2007 stationär.
Insgesamt seien die Beschwerde
angaben im Verlauf der letzten fünf Jahre korrelierend mit dem MRI-Befund und durchaus nachvollziehbar. Aus seinen klinischen Untersuchungen und dem Verlauf insgesamt
entspre
chend
, unter Berücksichtigung der psychosozialen Faktoren, sehe er eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50 % in leicht
en
bis mittelschweren Tätigkeiten. Eine erneute Beschäftigung als
Chauffeur
sei
aus medizinischer Sicht
jedoch nicht sinnvoll.
3.4
Im
Bericht
der
D.___
vom 3. September 2013 (Urk. 8/86)
übernahmen Dr.
C.___
und Assistenzarzt Dr. med.
F.___
die im MEDAS-Gutachten vom 26. April 2013
gestellte Diagnose einer r
ezidivierende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig leichte Epi
sode, phasenweise mittelgradige Episode mit fraglich psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.0 und F33.2)
. Daneben diagnostizierten sie eine k
ombinierte
Per
sönlichkeitsstörung
, dissozial und emotional instabil (ICD-10 F61.0)
.
Laut Bericht zeigt sich beim Beschwerdeführer
in der Langzeitbeobachtung eine deutlich reduzierte Kontaktfähigkeit. Sämtliche Arbeitsversuche seien auch auf
grund seiner stark eingeschränkten sozialen Umgangsformen und
Beziehungs
möglichkeiten
gescheitert. Bei den genannten Besuchen handle es sich um Treffen mit Kollegen aus dem gleichen kulturellen Umfeld.
E
in sozialer Kontakt mit Austausch und Gespräch
scheine
wenig möglich zu sein.
Dies zeige sich auch in der desolaten Familiensituation. Im Weiteren sei die „reduzierte Moti
vation“, die Fragen während der Begutachtung ausführlich zu beantworten, nicht einer fehlenden Motivation zuzuordnen, sondern eher starken struktu
rellen Defiziten. Die
Defizite in Kommunikation, im alltäglichen Umgang und
in
der Umsetzung geplanter Massnahmen
zeigten sich auch regelmässig in der Behandlung. Eine Arbeitsfähigkeit sei aktuell
nicht gegeben
.
3.5
V
om 25. September bis 31. Oktober 2013
war der Beschwerdeführer in der
G.___
hospitalisiert. Seit dem 4. November 2013 befindet er sich in teilstationärer Behandlung im dortigen
Zentrum für Depres
sionen, Angsterkrankungen und Psychotherapie, Tagesklinik
H.___
. Im Bericht vom
13. Januar 2014 (Urk. 3/5)
wurden
folgende
Diagnosen
gestellt
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychoti
schen Symptomen (ICD-10 F33.3)
-
Störendes
Osteosynthesematerial
bei Status nach perkutaner
Schraubenosteosyn
these
Calcaneus
links vom 12. Juni 2013 bei dislozierter
Calcaneusfraktur
-
G
astroösophageale
Refluxbeschwerden
Der freiwillige
Eintritt sei auf Zuweisung des ambulanten Behandlers bei einer schweren und anhaltenden depressiven Symptomatik erfolgt. Beim Beschwer
deführer zeige sich eine ausgeprägte depressive Symptomatik, die aktuell als schwer einzuschätzen sei. Das Ausmass der fraglichen psychotischen
Sympto
matik sei erst im Verlauf ersichtlich geworden. Die depressive Erkrankung habe sich seit 2007
chronifiziert
und sei nicht alleinig auf die Schmerzsymptomatik und die psychosozialen Schwierigkeiten des Beschwerdeführers zurückzuführen. Es bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bedingt durch die affektive Symptomatik und die Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit.
4
.
4
.1
Gegen
die Beweiskraft des
MEDAS-Gutachten
s
vom 26. April 2013 wendet der Beschwerdeführer
zunächst
ein,
es könne
aufgrund des am 10. Juli 2013 aufge
nommenen MRI der Lendenwirbelsäule sowie der
Angaben des Hausarztes Dr.
E.___
eine Verschlechterung des somatischen Gesundheitszustandes objekti
viert werden
(Urk. 1 S. 4).
Es trifft z
war
zu, dass
sich die gesundheitliche Situa
tion namentlich im lumbalen Bereich
seit
dem letzten
von den Gutachtern berücksichtigten (Urk. 8/74 S. 31, S. 36)
,
im Mai 2009 durchgeführten MRI der Lendenwirbelsäule
verändert
hat
. Die dokumentierte Verschlimmerung ist jedoch lediglich leichten Ausmasses, was
als übliche
Progredienz
degenerativer Veränderungen des Bewegungsapparates
im Rahmen des Alterungsprozesses
zu interpretieren ist
und keineswegs für eine richtunggebende Einschränkung in der Ausübung einer
angepasste
n
leichten bis kurzfristig mittelschweren Tätig
keit
spricht
(vgl. dazu auch die nachvollziehbare Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes vom 18. Dezember 2013; Urk. 8/88 S. 2)
.
4
.2
Weiter rügt der Beschwerdeführer
,
die Gutachter hätten seine Angaben, wonach er in der Lage sein solle
,
normal zu funktionieren, nicht hinterfragt, obwohl
sie
sein auffälliges Kontaktverhalten während der Begutachtung festgestellt
hätten
.
Deren Beurteilung sei daher weder schlüssig noch nachvollziehbar (Urk. 1 S. 6).
Dem ist zu entgegnen, dass der Beschwerdeführer seinen Tagesverlauf gegen
über mehreren Gutachtern weitgehend konstant geschildert hat
(
Urk. 8/74
S. 8, S. 17, S. 21, S. 34
), weshalb kein Grund
besteht, diese Aussagen in Zweifel zu ziehen
.
Darüber hinaus stellten die Gutachter Hand- und
Fussbeschwielungen
fest, welche auf ein grösseres Aktivitätsniveau hinweisen
. Dass der Beschwer
deführer hauptsächlich Kontakte zu Menschen aus dem gleichen kultur
ellen Umfeld pflegt (Urk. 8/86; vgl. auch E. 3.4
),
ist
schliesslich
kein
Hinweis
auf einen sozialen Rückzug
.
4.3
Das MEDAS-Gutachten
vom 26. April 2013
erfüllt sämtliche Anforderungen an eine beweistaugliche beziehungsweise beweiskräftige medizinische
Ent
schei
dungs
grundlage
: Es beruht auf einer eingehenden neurologischen, psychiatri
schen, internistischen, rheumatologischen und orthopädischen Untersuchung, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, setzt sich mit diesen und dem Ver
halten des Beschwerdeführers auseinander
was gerade bei den festgestellten Inkonsistenzen von Bedeutung ist
und leuchtet in der Darlegung der medizi
nischen Zustände und Zusammenhänge sowie in Bezug auf die gezogenen Schlussfolgerungen ein.
Die Schlussfolgerungen der Gutachter entsprechen mit Bezug auf die Beurteilung des Zustandes aus somatischer Sicht den medizini
schen
Vorakten
, insbesondere dem Gutachten von
Dr.
A.___
vom 2. Juni 2009 (Urk. 8/26; vgl. auch E. 4.3 des Urteils IV.2010.01207)
.
Aber auch aus psy
chiatrischer Sicht
wurde
die im
MEDAS-
Gutachten
vorgenommene Klassifi
zierung der depressiven Störung
von den behandelnden
Dres
.
C.___
und
F.___
übernommen (Urk. 8/86
; vgl. auch E. 3.4
). Mit Bezug auf
das Vor
liegen einer
Persönlichkeitsstörung
mit dissozial und emotional instabilen Elementen liegen ebenfalls weitgehend übereinstimmende Meinungen
vor
.
Zu beachten ist allerdings, dass
das MEDAS-Gutachten vom 26. April 2013
auf Untersuchungen beruht, welche
Ende
Januar bis Anfang Februar 2013 durch
geführt wurden. Der Bericht der
G.___
vom 13. Januar 2014
(Urk. 3/5
; vgl. auch E. 3.5
) liefert Anhaltspunkte für eine Ver
schlechterung des psychischen Gesundheitszustandes
,
denn
der Beschwerde
führer
war
offenbar
vom
25. September 2013
bis 3
1.
Oktober 2013
wegen einer schweren depressiven Episode hospitalisiert
.
Zwecks „Einrichtens“ einer Tages
struktur wird die Behandlung im teilstationären Setting seit 4. November 2013 fortgeführt. Da jedoch
die behandelnden Ärzte
im Bericht vom 3. September 2013
(Urk. 8/86;
vgl. auch
E. 3.4) noch von einer
leichten bis phasenweise mittelgradigen
Episode ausgingen
,
liegt nur
eine
einstweilige
Verschlechterung
vor
und
es kann
unter diesen Umständen im hier massgeblichen Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom
6.
Januar 2014 (noch)
nicht von
einer länger
dauernden schweren depressiven Störung
aus
gegange
n
werden (vgl. E. 1.1 und 1.2 des Urteils IV.2010.01207)
.
4.4
Zusammenfassend ist ein invalidisierender Gesundheitsschaden gestützt
auf dem MEDAS-Gutachten vom 26. April
2013
nicht erstellt, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist
.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
6
00
.-- fes
tzulegen und ausgangsgemäss vo
m Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichts
kasse
zu nehmen
.
Der Beschwerdeführer wird auf § 16 Abs.
4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hingewiesen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich Soziale Dienste
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
-
Stiftung Auffangeinrichtung BVG, Zweigstelle Deutschschweiz, Erlenring 2, Postfach 664, 6343
Rotkreuz
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still:
vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubMeier-Wiesner