# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 980bfca4-beeb-58f4-80f5-a66a2a316847
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-05-10
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Zivilrecht 10.05.2022 400 22 36
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_001_400-22-36_2022-05-10.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Zivilrecht 

 

vom 10. Mai 2022 (400 22 36) 

____________________________________________________________________ 

 

 

Obligationenrecht 

 

 

Arbeitsrecht; Ferienabgeltungsverbot gemäss Art. 329d OR; ausnahmsweise Zulässig-

keit einer Ferienentschädigung bei unregelmässiger Beschäftigung, was auch bei einem 

Vollpensum der Fall sein kann (E. 4.7); Analysemethode zur Ermittlung einer unregel-

mässigen Beschäftigung im Einzelfall (E. 4.8); Lohnfortzahlung bei Krankheit gemäss 

Art. 324a OR; Arztzeugnis als «Anscheinsbeweis» (E. 5.7); Arztzeugnis aus ärztlicher Te-

lekonsultation (E. 5.8)  

 

 
Besetzung  Präsident Roland Hofmann,  

Richter Philippe Spitz (Ref.),  
Richterin Barbara Jermann Richterich;  
Gerichtsschreiber i.V. Nicolas Lehmann 

  
 Parteien  A. ____,  
vertreten durch Advokat Dr. Roberto Peduzzi,  
Heuberg 7, Postfach 2032, 4001 Basel,  
Klägerin und Berufungsbeklagte 

  gegen 

  B. ____ AG,  
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Alfred Blesi,  
Usteristrasse 10, Postfach 3921, 8021 Zürich 1,  
Beklagte und Berufungsklägerin 

   
Gegenstand  Arbeitsstreitigkeit  

Berufung gegen den Entscheid des Gerichtspräsidenten des Zivilkreis-
gerichts Basel-Landschaft West vom 5. November 2021 

 

A.  A. ____ wurde per 1. September 2003 bei der B. ____ AG als Betriebsarbeiterin Verpa-

ckung in einem Pensum von 100% angestellt. Der Arbeitsvertrag sah eine Arbeitszeit von 

45 Stunden pro Woche sowie einen Stundenlohn von CHF 18.00 brutto zzgl. einer Ferienent-

schädigung von 8,33% bzw. ab Januar 2019 von 10,64% vor. Am 16. März 2020 ordnete die 

B. ____ AG ihren Mitarbeitern aufgrund der Covid-19-Pandemie sowie gestützt auf die entspre-

chende Notverordnung des Bundesrates Zwangsferien an. Mittels Einschreiben vom 18. Juni 

 
 
Seite 2  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

2020 kündigte die B. ____ AG sodann das Arbeitsverhältnis mit A. ____ per 30. September 

2020 aus Gründen der Reorganisation und der Neustrukturierung der betrieblichen Abteilungen. 

B. Gegen diese Kündigung erhob A. ____ am 28. September 2020 Einsprache, machte eine 

missbräuchliche Kündigung gemäss Art. 336 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung 

des Schweizerischen Zivilgesetzesbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR, SR 220]) gel-

tend und verlangte von der B. ____ AG, ihre Kündigung bis zum 16. Oktober 2020 zu begrün-

den. Auf diese Einsprache reagierte die B. ____ AG indes nicht, woraufhin A. ____ mit Schlich-

tungsgesuch vom 2. März 2021 an die Schlichtungsbehörde für arbeitsrechtliche Streitigkeiten 

beim Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West (Zivilkreisgericht) gelangte. Da anlässlich der 

Schlichtungsverhandlung keine Einigung zwischen den Parteien erzielt werden konnte, wurde 

A. ____ am 20. April 2021 die Klagebewilligung ausgestellt. 

C. Mit Klage vom 4. Mai 2021 beantragte A. ____ (Klägerin) die Verurteilung der B. ____ AG 

(Beklagte) zur Bezahlung von CHF 1'186.25 zzgl. Zins zu 5% seit dem 6. April 2020 (Ersatzzah-

lung für die Dauer der Krankheit in Höhe der entgangenen Taggelder), CHF 6'845.10 zzgl. Zins 

zu 5% seit dem 20. Juni 2020 (Entschädigung wegen missbräuchlicher Kündigung), CHF 

17'340.70 unter Abführung der gesetzlich geschuldeten Sozialbeiträge zzgl. Zins zu 5% seit 

dem 1. September 2017 (Ferienentschädigung) sowie CHF 115.00 unter Abführung der gesetz-

lich geschuldeten Sozialbeiträge zzgl. Zins zu 5% seit dem 1. September 2017 (Feiertagsent-

schädigung) unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Beklagten. Des Weiteren sei der Klägerin die 

unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. Die Beklagte beantragte demgegenüber mit Kla-

geantwort vom 13. Juli 2021 die vollumfängliche Abweisung der Klage unter o/e-Kostenfolge. 

Nach durchgeführtem Schriftenwechsel wurden die Parteien zur erstinstanzlichen Hauptver-

handlung vom 5. November 2021 geladen, an welcher die Klägerin im Rahmen einer Klageän-

derung unter dem Titel "Ersatzzahlung für die Dauer der Krankheit in Höhe der entgangenen 

Taggelder" anstelle von CHF 1'186.25 neu CHF 1'518.00 und unter dem Titel "Feiertagsent-

schädigung" anstelle von CHF 115.00 neu CHF 230.00 geltend machte, ansonsten aber an 

ihren Rechtsbegehren festhielt. Die Beklagte hielt im Rahmen der vorinstanzlichen Hauptver-

handlung vollumfänglich an ihren Anträgen fest. 

D. Mit schriftlich eröffnetem Entscheid vom 5. November 2021 hiess der Gerichtspräsident 

des Zivilkreisgerichts die Klage teilweise gut und verurteilte die Beklagte, der Klägerin 

CHF 1'518.00 brutto, CHF 17'340.70 brutto sowie CHF 230.00 brutto nebst Zins zu 5% seit dem 

2. März 2021 zu bezahlen und von diesen Beträgen jeweils die gesetzlichen Sozialabzüge ab-

zuführen. Für die Mehrforderung wurde die Klage indes abgewiesen (Dispositiv-Ziffer 1). Es 

wurden sodann keine Gerichtskosten erhoben. Im Weiteren wurde die Beklagte verpflichtet, der 

Klägerin eine reduzierte Parteientschädigung von CHF 3'328.90 (inkl. Auslagen und Mehrwert-

steuer von CHF 256.30) zu bezahlen (Dispositiv-Ziffer 2). Auf die Erwägungen der Vorinstanz 

wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen des vorliegenden Entscheids eingegangen. 

E. Gegen den begründeten Entscheid des Gerichtspräsidenten des Zivilkreisgerichts vom 5. 

November 2021 erhob die B. ____ AG (fortan: Berufungsklägerin), vertreten durch Rechts-

anwalt Dr. Alfred Blesi, mit Eingabe vom 31. Januar 2022 Berufung beim Kantonsgericht Basel-

Landschaft, Abteilung Zivilrecht (Kantonsgericht). Sie begehrte, es seien die Ziffern 1 und 2 des 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 
 
Seite 3  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Entscheids der Vorinstanz unter Kosten und Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerin auf-

zuheben und die Klage mit Bezug auf die von der Vorinstanz gutgeheissenen Ferien-

entschädigung von CHF 17'340.70 brutto sowie Lohnfortzahlung während geltend gemachter 

Krankheit von CHF 1'518.00 brutto abzuweisen. Eventualiter sei das Verfahren an die Vor-

instanz zur Ergänzung des Sachverhaltes und Neuentscheidung zurückzuweisen. Unter Kos-

ten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin und Berufungsbeklagten. 

F. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 1. Februar 2022 forderte das Kantonsgericht die 

Gegenpartei zur Berufungsantwort innert 30 Tagen auf. 

G. A. ____ (fortan: Berufungsbeklagte), vertreten durch Advokat Dr. Roberto Peduzzi, reichte 

mit Eingabe vom 4. März 2022 ihre Berufungsantwort ein, mit welcher sie die Abweisung der 

Berufung und die vollumfängliche Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids vom 5. Novem-

ber 2021 unter o/e-Kostenfolge zu Lasten der Berufungsklägerin beantragte. 

H. Mit Verfügung vom 7. März 2022 wurde die Berufungsantwort vom 4. März 2022 inklusive 

Beilagen der Berufungsklägerin zur Kenntnisnahme und freiwilligen Replik zugestellt und der 

Schriftenwechsel geschlossen. Zudem wurde den Parteien der Entscheid der Dreierkammer 

des Kantonsgerichts aufgrund der Akten in Aussicht gestellt. 

I. Mit als "Nacheingabe zu rechtlichen Noven" überschriebener Eingabe vom 20. April 2022 

reichte die Berufungsklägerin dem Kantonsgericht das Urteil 4A_31/2021 des Bundesgerichts 

vom 30. März 2022 zum Thema Ferienentschädigung bei unregelmässiger Vollzeit-

beschäftigung ein.  

J. Mit Stellungnahme vom 22. April 2022 zur Noveneingabe der Berufungsklägerin vom 20. 

April 2022 führte die Berufungsbeklagte aus, die zusätzliche Eingabe der Berufungsklägerin sei 

unbeachtlich und inhaltlich unzutreffend. 

 

Erwägungen 

1. Gegen erstinstanzliche Endentscheide kann gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. a der Schweizeri-

schen Zivilprozessordnung (ZPO, SR 272) Berufung erhoben werden, wobei in vermögens-

rechtlichen Angelegenheiten die Berufung gemäss Art. 308 Abs. 2 ZPO nur zulässig ist, wenn 

der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren mindestens CHF 10'000.00 be-

trägt. Die Berufung ist schriftlich und begründet innert 30 Tagen seit Zustellung des begründe-

ten Entscheids bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Vorliegend hat 

das Kantonsgericht die Berufung vom 31. Januar 2022 gegen den Entscheid des Gerichtspräsi-

denten des Zivilkreisgerichts vom 5. November 2021 zu beurteilen. Mit diesem erstinstanzlichen 

Endentscheid bejahte die Vorinstanz den Anspruch der Berufungsbeklagten gegenüber der 

Berufungsklägerin auf Bezahlung von CHF 1'518.00 brutto, CHF 17'340.70 brutto sowie 

CHF 230.00 brutto nebst Zins zu 5% seit dem 2. März 2021 und hiess die Klage damit teilweise 

gut. Der Streitwert im vorliegenden Prozess nach den zuletzt bei der Vorinstanz aufrechterhal-

tenen Rechtsbegehren liegt bei CHF 25’933.80 (vgl. lit. C hievor) und damit über der für eine 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 
 
Seite 4  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Berufung erforderlichen Streitwertgrenze von CHF 10'000.00. Der begründete Entscheid des 

Gerichtspräsidenten des Zivilkreisgerichts vom 5. November 2021 wurde der Berufungsklägerin 

gemäss Rückschein der Schweizerischen Post am 14. Dezember 2021 zugestellt. Die 30-tägige 

Rechtsmittelfrist steht während den Gerichtsferien (18. Dezember 2021 bis und mit 2. Januar 

2022) still, weshalb die Frist gestützt auf Art. 145 Abs. 1 lit. c ZPO am Montag, 31. Januar 2022, 

endete. Die gleichentags bei der Post zum Versand aufgegebene Berufungsschrift erfolgte so-

mit fristgerecht (Art. 142 f. ZPO). Die Berufungsklägerin rügt mit ihrer Berufung vom 31. Januar 

2022 namentlich die rechtsfehlerhafte Anwendung des in Art. 329d OR normierten Abgeltungs-

verbots des Ferienlohns sowie des in Art. 324a OR und in Art. 33 Abs. 4 des Gesamtarbeitsver-

trags 2019 für die Schweizerische Bäcker-, Konditoren- und Confiseur-Branche (GAV) geregel-

ten Anspruchs auf Lohnfortzahlung bei Krankheit. Darüber hinaus macht sie die unrichtige 

Feststellung des Sachverhalts durch die Vorinstanz geltend, mithin allesamt zulässige Beru-

fungsgründe (Art. 310 ZPO). Da auch die weiteren Formalien und Prozessvoraussetzungen 

erfüllt sind (Art. 59 ZPO), ist auf die Berufung einzutreten. Gemäss § 6 Abs. 1 lit. c i.V.m. § 5 

Abs. 1 e contrario des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (EG 

ZPO, SGS 221) ist die Dreierkammer der Abteilung Zivilrecht des Kantonsgerichts für die Beur-

teilung von Berufungen gegen Entscheide der Präsidien der Zivilkreisgerichte sachlich zustän-

dig. 

Noven 

2.1 Nach Art. 317 Abs. 1 ZPO können neue Tatsachen und Beweismittel im Rechtsmittel-

verfahren nur noch berücksichtigt werden, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und trotz 

zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten. Neue rechtli-

che Begründungen sind von dieser Bestimmung nicht erfasst und können im kantonalen Beru-

fungsverfahren sowie vor Bundesgericht unbeschränkt vorgebracht werden, was sich insbeson-

dere aus dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen ergibt (BGer 4A_519/2011 

vom 28. November 2011 E. 2.1; KARL SPÜHLER, Basler Kommentar, Schweizerische Zivilpro-

zessordnung, 3. Aufl., 2017, Art. 317 N 12). Zum Vorbringen sog. unechter Noven, von Tatsa-

chenbehauptungen oder Beweismitteln zu einem Sachverhalt, welcher sich bereits vor Ab-

schluss des vorinstanzlichen Verfahrens verwirklicht hat, ist zudem auf die strenge Praxis des 

Bundesgerichts hinzuweisen, wonach der Rechtsmittelkläger die Gründe detailliert darzulegen 

habe, weshalb er die Tatsache oder das Beweismittel nicht schon vor erster Instanz habe vor-

bringen können (vgl. BGE 143 III 43 E. 4.1). 

2.2 Fraglich ist zunächst, ob die in den zweitinstanzlichen Rechtsschriften dargelegten Be-

rechnungstabellen betreffend die von der Berufungsbeklagten geleisteten Arbeitsstunden von 

Januar 2015 bis September 2020 als Noven zu betrachten sind. Die Berufungsklägerin führt in 

ihrer Berufungsschrift vom 31. Januar 2022 zwei Berechnungstabellen auf (Rz. 20 und Rz. 39), 

welchen die Berufungsbeklagte in ihrer Berufungsantwort vom 4. März 2022 zwei eigene tabel-

larische Aufstellungen der geleisteten Arbeitsstunden in besagtem Zeitraum gegenüberstellt 

(Rz. 32 und Anhang). Da diese Berechnungstabellen indes bereits im vorinstanzlichen Verfah-

ren bekannte Daten wiedergeben (siehe insb. Klagebeilage 34), sind sie nicht als Noven, son-

dern vielmehr als argumentationsbezogene Neustrukturierung zu bereits im vorinstanzlichen 

Verfahren vorgetragenen Tatsachen anzusehen, welche im Rechtsmittelverfahren zu berück-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 
 
Seite 5  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

sichtigen sind. Die in der Berufungsschrift aufgeführte Werktagstabelle des Kantons Basel-

Landschaft für die Jahre 2015 bis 2020 mit Korrekturfaktoren ist sodann gerichtsnotorisch und 

damit im vorliegenden Verfahren ebenfalls zu beachten. 

Des Weiteren gelangt die Bestimmung über die Novenschranke gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO 

im Hinblick auf den von der Berufungsklägerin mit Eingabe vom 20. April 2022 dem Kantonsge-

richt eingereichten Entscheid des Bundesgerichts 4A_31/2021 vom 30. März 2022 nicht zur 

Anwendung. Bei der rechtlichen Würdigung des festgestellten Sachverhalts hat das Gericht die 

in Betracht kommenden Rechtssätze gemäss Art. 57 ZPO von Amtes wegen anzuwenden (iura 

novit curia), wobei Prozessrecht und materielles Recht gleichermassen darunterfallen. Daraus 

ergibt sich, dass die Eventualmaxime nicht für die rechtliche Begründung der Parteistandpunkte 

gilt. Das Kantonsgericht ist vielmehr stets von Amtes wegen dazu verpflichtet, die Rechtsfragen 

zu prüfen und die richtigen Normen unter Berücksichtigung von Rechtsprechung und Lehre an-

zuwenden. Ausführungen zur Rechtslage können daher nicht als Noven im Sinne von Art. 317 

Abs. 1 ZPO bezeichnet werden. 

Gegenstand des Berufungsverfahrens 

3. Im vorliegenden Berufungsverfahren geht es lediglich noch um die von der Vorinstanz 

gutgeheissene Ferienentschädigung von CHF 17'340.70 brutto sowie die Lohnfortzahlung wäh-

rend geltend gemachter Krankheit von CHF 1'518.00 brutto. Gegen die der Berufungsbeklagten 

von der Vorinstanz zugesprochene Feiertagsentschädigung von CHF 230.00 brutto erhob die 

Berufungsklägerin indes keine Berufung, womit diesbezüglich der Entscheid des Gerichtspräsi-

denten des Zivilkreisgerichts vom 5. November 2021 e contrario Art. 315 Abs. 1 ZPO rechtskräf-

tig geworden ist. Der Antrag der Berufungsbeklagten auf Entschädigung zufolge missbräuchli-

cher Kündigung wurde von der Vorinstanz sodann abgewiesen. Nachdem die Berufungsbeklag-

te gegen diesen Teil des vorinstanzlichen Entscheids ihrerseits weder eine Berufung erhob, 

noch im vorliegenden Berufungsverfahren eine Anschlussberufung erklärte, ist die Abweisung 

des Antrags auf Entschädigung zufolge missbräuchlicher Kündigung bzw. Ziffer 1 Absatz 2 des 

Dispositivs des Entscheids des Gerichtspräsidenten des Zivilkreisgerichts vom 5. November 

2021 ebenfalls rechtskräftig geworden (Art. 315 Abs. 1 ZPO e contrario). 

Ferienentschädigung 

4.1 Hauptstreitpunkt des vorliegenden Verfahrens bilden die unterschiedlichen Ansichten der 

Parteien über die Zulässigkeit der Abgeltung der Ferien der Berufungsbeklagten mit ihrem lau-

fenden Monatslohn als Zuschlag zwischen März 2016 und September 2020. Nicht bestritten ist, 

dass die Berufungsbeklagte seit dem 1. September 2003 bis zum 30. September 2020 als Be-

triebsarbeiterin Verpackung für die Berufungsklägerin in einem vereinbarten Arbeitspensum von 

100% und zu einem Stundenlohn von CHF 18.00 brutto arbeitete. Der Berufungsbeklagten 

wurde zwischen März 2016 und Dezember 2018 als monatliche Ferienentschädigung ein Lohn-

zuschlag von 8,33% sowie ab Januar 2019 ein solcher von 10,64% ausgerichtet. Der für die 

Ferien bestimmte Lohnanteil ist dabei im Arbeitsvertrag zwischen der Berufungsklägerin und 

der Berufungsbeklagten vom 1. Januar 2017 resp. im Arbeitsvertrag vom 1. September 2003 

unter der Ziffer V. "Lohn" explizit aufgeführt. Des Weiteren ist auf den entsprechenden monatli-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 
 
Seite 6  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

chen Lohnabrechnungen unter der Position "E011 Ferienentschädigung" bzw. ab Januar 2019 

unter der Position "E103 Ferienentschädigung 5 Wo" die Ferienentschädigung mit dem Faktor, 

der Einheit und dem Betrag ausgewiesen. Zudem ist erstellt, dass die Berufungsbeklagte ihre 

Ferien im fraglichen Zeitraum auch tatsächlich beziehen konnte. 

4.2 Umstritten ist nach wie vor, ob die Erwerbstätigkeit der Berufungsbeklagten als unregel-

mässig qualifiziert werden kann. Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, die Berufungsklägerin 

habe, indem sie die Ferienentschädigung mit dem laufenden Lohn abgegolten habe, die absolut 

zwingende Norm von Art. 329d Abs. 2 OR verletzt. Sie erwog, nach bundesgerichtlicher Recht-

sprechung könne zwar grundsätzlich auch bei einer Vollzeiterwerbstätigkeit unregelmässig ge-

arbeitet werden, aus dem von der Berufungsklägerin angerufenen Entscheid 4A_619/2019 vom 

15. April 2020 könne aber nichts zu ihren Gunsten abgeleitet werden, zumal sich das Bundes-

gericht in diesem Entscheid nicht mit der Methodik zur Bestimmung der Unregelmässigkeit ei-

nes Arbeitsverhältnisses auseinandergesetzt habe. Im vorliegenden Fall habe die Berufungsbe-

klagte stets von Montag bis Freitag zu jeweils vergleichbaren Zeiten gearbeitet. Vor diesem 

Hintergrund erscheine ein Vergleich der Arbeitsstunden eines Monats mit denjenigen des Vor-

monats kaum zweckdienlich, insbesondere da die miteinander zu vergleichenden Monate eine 

unterschiedliche Anzahl Arbeitstage hätten und sich bereits daraus Differenzen ergeben wür-

den. Zudem könne es nicht Sinn und Zweck der Ausnahmeregelung des Bundesgerichts sein, 

in jeglichen Arbeitsverhältnissen durch Vergleich von monatlichen Arbeitsstunden etwaige Ab-

weichungen festzustellen, um ein unregelmässiges Arbeitsverhältnis zu kreieren. Ein solches 

Vorgehen heble die Ausnahmeregelung aus, da es einem Arbeitsverhältnis inhärent sei, dass 

nicht jederzeit die exakt gleiche Anzahl Stunden gearbeitet werde. Nach Ansicht des Zivilkreis-

gerichts wäre es für die Berufungsklägerin sodann ein Leichtes gewesen, den Anteil des Ferien-

lohns am Gesamtlohn zwar jeden Monat separat zu berechnen und auszuweisen, diesen je-

doch nicht monatlich auszuzahlen, sondern auf einem buchhalterischen Ferienkonto gutzu-

schreiben und erst beim effektiven Ferienbezug auszurichten. Von einer unüberwindbaren 

Schwierigkeit, das Abgeltungsverbot durchzusetzen, welche gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung die Ausrichtung einer Ferienentschädigung auch bei einer Vollzeiterwerbstä-

tigkeit zulässt, könne daher keine Rede sein. Die Berufungsbeklagte habe sich schliesslich 

auch nicht widersprüchlich verhalten, zumal der Widerspruch zwischen der Zustimmung zu ei-

ner Vereinbarung und der nachträglichen Geltendmachung ihrer Ungültigkeit unter Berufung auf 

zwingendes Recht nur dann als Rechtsmissbrauch anzusehen sei, wenn zusätzliche besondere 

Umstände gegeben seien. Derartige Umstände seien indes vorliegend nicht ersichtlich. 

4.3 Die Berufungsklägerin macht in ihrer Berufungsschrift zusammenfassend geltend, aus 

dem Vergleich der Anzahl Arbeitsstunden eines Monats mit der Anzahl Arbeitsstunden des 

Vormonats gehe hervor, dass das Arbeitsverhältnis zwischen ihr und der Berufungsbeklagten 

als unregelmässige Vollzeitbeschäftigung zu qualifizieren sei, weshalb die bezogenen Ferien 

mit einem klar vereinbarten und stets ausgewiesenen Lohnzuschlag hätten entschädigt werden 

dürfen. Selbst bei Berichtigung der geleisteten Arbeitsstunden um die Anzahl tatsächlich ver-

fügbarer monatlicher Werktage seien insgesamt 63 Veränderungen der monatlichen Arbeitszei-

ten auszumachen, wovon 36 Schwankungen 10% und mehr, 12 Schwankungen sogar über 

20% betragen würden. Eine anderweitige Analysemethode sei nicht ersichtlich. Der ständig 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 
 
Seite 7  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

variierende Arbeitsumfang der Berufungsbeklagten sei im Wesentlichen der schwankenden und 

unvorhersehbaren Auftragslage geschuldet gewesen, weshalb die monatlichen Schwankungen 

auch keiner Regelmässigkeit folgen würden. Es könne sodann keine Rolle spielen, dass die 

Berufungsbeklagte in der Regel von Montag bis Freitag gearbeitet habe. Entscheidend sei viel-

mehr, dass ihre Arbeitseinsätze von Tag zu Tag und von Monat zu Monat erheblich geschwankt 

hätten. Die Vorinstanz verkenne sodann, dass die Berechnung des Ferienlohns der Berufungs-

beklagten durchaus Schwierigkeiten bereitet hätten, die selbst mit einer geeigneten Lohnsoft-

ware nicht hätten behoben werden können. Die erstinstanzlich vorgeschlagene Vorgehenswei-

se, wonach die Berufungsklägerin den Ferienlohn hätte zurückbehalten und diesen während 

den Ferien der Berufungsbeklagten hätte auszahlen müssen, wäre nur dann korrekt, wenn die 

über das ganze Jahr geleistete Anzahl Arbeitsstunden der Berufungsbeklagten identisch gewe-

sen wären und der Ferienlohn damit konstant gleich hoch gewesen sei, was vorliegend aller-

dings nicht der Fall sei. Die Problematik der Ferienlohnberechnung bei unregelmässigen Be-

schäftigungsverhältnissen bestehe darin, dass unter dem Jahr unklar sei, wie viele Arbeitsstun-

den einer Ferienwoche entsprechen würden und welcher Betrag während diesen Ferien auszu-

zahlen sei. Schliesslich sei die Auszahlung des Ferienlohnzuschlags auch in Übereinstimmung 

mit den Gepflogenheiten der Bäcker-, Konditoren- und Confiseur-Branche erfolgt, was sich da-

ran zeige, dass der Einschluss von Ferien- und Feiertagszuschlägen für im Stundenlohn Ange-

stellte im GAV ausdrücklich vorgesehen sei. 

4.4 Die Berufungsbeklagte bringt demgegenüber in ihrer Berufungsantwort im Wesentlichen 

vor, der Entscheid der Vorinstanz sei sorgfältig begründet und sowohl in den Erwägungen wie 

auch im Endergebnis absolut korrekt. Die im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweis-

mittel würden aufzeigen, dass die Berufungsbeklagte einer regelmässigen Arbeitstätigkeit 

nachgegangen sei. Sie habe jahrelang im Stundenlohn in einem Pensum von 100% jeweils von 

Montag bis Freitag und zu vergleichbaren Zeiten gearbeitet. Zwar habe es immer wieder kleine-

re Abweichungen gegeben, diese seien jedoch nicht durch die Unvorhersehbarkeit der Tätigkeit 

oder die Unmöglichkeit der Arbeitsplanung zu begründen. Vielmehr handle es sich um kleinere 

Schwankungen, die bei einer Anstellung generell unvermeidbar seien und das Gesamtbild einer 

fest angestellten Mitarbeiterin mit regelmässigem Pensum, geregelten Arbeitszeiten und plan-

baren Einsätzen nicht ändern würden. Vor dem Hintergrund der bundesgerichtlichen Recht-

sprechung sei es sodann offensichtlich, dass sich eine Korrektur der umstrittenen Praxis zur 

Zulässigkeit der Abgeltung der Ferienentschädigung anbahne. Diese Praxis sei obsolet und – 

wenn überhaupt – nur noch äusserst restriktiv anzuwenden. Des Weiteren sei unbestritten, 

dass die zur Verpackung angestellte Berufungsbeklagte keine Tätigkeit ausgeübt habe, die mit 

nicht zu planenden Schwierigkeiten, unregelmässigen Schichten oder anderen Umständen ein-

hergegangen sei, welche einen regelmässigen Einsatz in unzumutbarem Mass erschwert hät-

ten. Zudem könne in der heutigen Zeit keinesfalls mehr von unüberwindbaren Schwierigkeiten 

für die Verwaltung des Ferienanspruchs von im Stundenlohn Angestellten gesprochen werden. 

Somit bestehe keine betriebliche Notwendigkeit mehr, auf das System der laufenden Auszah-

lung eines Ferienzuschlags zu bestehen. Selbst wenn die von der Berufungsklägerin ange-

wandte Analysemethode zur Bestimmung der Abweichungen in den monatlichen Arbeitszeiten 

angewendet werde, führe dies zum Ergebnis, dass das Arbeitsverhältnis der Berufungsbeklag-

ten regelmässig gewesen sei. Zunächst sei diesbezüglich darauf hinzuweisen, dass nach der 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 
 
Seite 8  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Vorstellung der Berufungsklägerin jede Abweichung der monatlichen Arbeitszeit doppelt gezählt 

werde. Die Berechnungsmethode sollte sich daher vielmehr am Monatsdurchschnitt orientieren 

und nicht am jeweiligen Vormonat. Zudem gebe die Berufungsklägerin die im Urteil des Bun-

desgerichts 4A_619/2019 vom 15. April 2020 zur Diskussion gestandene Methode falsch wie-

der. Schliesslich vergleiche die Berufungsklägerin die Arbeitszeiten seit Januar 2015, obschon 

die Ferienentschädigung erst ab März 2016 eingeklagt werde, womit die Arbeitszeiten vor die-

sem Zeitpunkt irrelevant seien. Wende man die vorgenannten Korrekturen an, so würden sich 

lediglich noch 15 Abweichungen von mehr als 10%, fünf davon von mehr als 25% ergeben. Zu-

dem sei darauf hinzuweisen, dass die meisten Abweichungen in den Monaten August und Sep-

tember zu verzeichnen seien, in denen die Berufungsbeklagte jeweils mindestens fünf Tage 

Ferien bezog und während der verbliebenen Zeit Mehrarbeit geleistet habe. Diese Mehrarbeit 

lasse sich dadurch erklären, dass die Berufungsbeklagte keine Ferienvertretung gehabt habe 

und entsprechend habe vorarbeiten müssen. Entsprechend seien die Abweichungen für die 

Berufungsklägerin einfach vorherzusehen gewesen. Vor einer Unvorhersehbarkeit oder Unbe-

rechenbarkeit der Arbeitslast der Berufungsbeklagten könne keine Rede sei. Wenn die Beru-

fungsklägerin darüber hinaus behaupte, die Jahresarbeitszeit schwanke erheblich, so unterlaufe 

ihr der Fehler, dass sie die erfassten Stunden pauschal vergleiche, ohne dabei die Differenzen 

an Anzahl Arbeitstage pro Jahr zu berücksichtigen. Werde dies gemacht, so würden sich die 

jährlichen Abweichungen von der Durchschnittsarbeitszeit in den Jahren 2016 bis 2020 zwi-

schen -3% und 3% bewegen. 

4.5 Die Berufungsklägerin führt mit Eingabe vom 20. April 2020 aus, im dem Urteil des Bun-

desgerichts 4A_31/2021 vom 30. März 2022 zugrundeliegenden Sachverhalt sei die monatliche 

Arbeitszeitveränderung mit derselben Methode analysiert worden wie im vorliegenden Fall. Da 

das Bundesgericht im vorgenannten Urteil einen dem vorliegenden Fall sehr ähnlichen Fall zu 

beurteilen gehabt habe, sei auch hier von einer unregelmässigen Vollzeitbeschäftigung auszu-

gehen.  

4.6 Die Berufungsbeklagte entgegnet in ihrer Stellungnahme vom 22. April 2022, die Ausfüh-

rungen der Berufungsklägerin über die vermeintliche Ähnlichkeit zwischen dem streitgegen-

ständlichen Sachverhalt und dem Sachverhalt, welcher dem Urteil des Bundesgerichts 

4A_31/2021 vom 30. März 2022 zu Grunde liege, ziele am Kern der entscheidungsrelevanten 

Frage vorbei. Die von der Berufungsklägerin verwendete mathematische Methode zur Fest-

stellung der vermeintlichen Unregelmässigkeit der Arbeitstätigkeit der Berufungsbeklagten sei 

nicht zielführend. Entscheidend sei eine Gesamtwürdigung aller Sachverhaltselemente und 

nicht etwa die Überschreitung von willkürlich festgelegten prozentualen Abweichungswerten. 

4.7 Gemäss Art. 329d Abs. 1 OR hat der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer für die Ferien den 

gesamten darauf entfallenden Lohn zu entrichten. Nach einhelliger Lehre und Rechtsprechung 

bedeutet diese Bestimmung, dass der Arbeitnehmer während den Ferien lohnmässig nicht 

schlechter gestellt werden darf, als wenn er in dieser Zeit gearbeitet hätte (BGE 136 III 283 E. 

2.3.5; ADRIAN STAEHELIN, Zürcher Kommentar, Der Arbeitsvertrag, 4. Aufl., 2006, Art. 329d N 1). 

Die Bestimmung ist relativ zwingend (Art. 362 Abs. 1 OR). Vereinbarungen, die den Arbeitneh-

mer schlechter stellen, sind nichtig (Art. 362 Abs. 2 OR). Die absolut zwingende Norm von 

Art. 329d Abs. 2 OR (Art. 361 OR) bestimmt zudem, dass die Ferien während der Dauer des 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 
 
Seite 9  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Arbeitsverhältnisses nicht durch Geldleistungen oder andere Vergünstigungen abgegolten wer-

den dürfen (BGE 129 III 493 E. 3.1). Zweck der Ferien ist die Erholung des Arbeitnehmers 

(BGE 128 III 271 E. 4.a/aa). Der Erholungszweck der Ferien macht deren Abgeltung durch eine 

blosse Geldleistung im Allgemeinen unzulässig (BGE 107 II 430 E. 3.a; STAEHELIN, a.a.O., 

Art. 329d N 12). Wird dennoch der Ferienlohn (neben dem Ferienbezug in natura) durch Lohn-

pauschalen oder Lohnzuschläge abgegolten, so riskiert die Arbeitgeberin die Doppelzahlung 

des Ferienlohns (ULLIN STREIFF/ADRIAN VON KAENEL/ROGER RUDOLPH, Praxiskommentar, Ar-

beitsvertrag, 7. Aufl., 2012, Art. 329d N 8). Da die Durchsetzung des Verbots der Abgeltung mit 

dem laufenden Lohn bei unregelmässigen Beschäftigungen gemäss bundesgerichtlicher Recht-

sprechung Schwierigkeiten bereiten kann, hat das Bundesgericht die Abgeltung des Ferien-

lohns mit dem laufenden Lohn in Abweichung vom Gesetzestext bei unregelmässiger Beschäf-

tigung ausnahmsweise zugelassen, dies aber an drei Voraussetzungen geknüpft (BGer 

4A_31/2021 vom 30. März 2022 E. 3.2.1). Voraussetzung ist erstens, dass es sich um eine un-

regelmässige Beschäftigung handelt. Diesbezüglich hat das Bundesgericht festgehalten, eine 

solche sei auch bei einer Vollzeitanstellung möglich (BGer 4A_619/2019 vom 15. April 2020 

E. 3.4; BGer 4C.90/2003 vom 7. Juli 2003 E. 2.4.3). Ob ein Beschäftigungsverhältnis als unre-

gelmässig zu qualifizieren ist, stellt eine Rechtsfrage dar (BGer 4A_31/2021 vom 30. März 2022 

E. 3.3.2). Als zweite Voraussetzung ist ein schriftlicher Arbeitsvertrag gefordert, in dem der für 

die Ferien bestimmte Lohnanteil klar und ausdrücklich ausgeschieden wird. Drittens ist erforder-

lich, dass auch in den einzelnen schriftlichen Lohnabrechnungen der für die Ferien bestimmte 

Lohnanteil in diesem Sinne ausgewiesen wird. Der blosse Hinweis, "Ferienlohn inbegriffen", 

genügt indes nicht. Erforderlich ist, dass der Ferienlohn durch Angabe eines bestimmten Be-

trags oder eines Prozentsatzes als solcher erscheint und zwar sowohl im Arbeitsvertrag als 

auch auf den einzelnen Lohnabrechnungen (BGE 129 III 493 E. 3.2; BGer 4A_616/2019 vom 

15. April 2020 E. 3.1). Die in der Lehre daran geübte Kritik aufnehmend, hat das Bundesgericht 

in Entscheiden die Zulässigkeit dieser laufenden Ausrichtung auch unter den genannten stren-

gen formellen Bedingungen in Frage gestellt. In BGE 129 III 493 liess das Bundesgericht gar 

offen, ob mit Blick auf den an sich klaren Wortlaut des Gesetzes und die in der Tat kaum jemals 

unüberwindbaren Schwierigkeiten bei der Berechnung des auf die Ferien entfallenden Lohnes 

an der Möglichkeit einer Abgeltung des Feriengeldes im laufenden Lohn überhaupt festgehalten 

werden könne (E. 3.3). Es konnte diese Frage aber jeweils offen lassen, da in den zu beurtei-

lenden Fällen bereits die genannten formellen Voraussetzungen für eine solche Abgeltung nicht 

erfüllt waren (vgl. BGer 4A_72/2018 vom 6. August 2018 E. 4.4.1). 

4.8 Im vorliegenden Fall ist der für die Ferien bestimmte Lohnanteil sowohl im schriftlichen 

Arbeitsvertrag wie auch in den einzelnen Lohnabrechnungen klar und ausdrücklich aufgeführt. 

Die beiden oben genannten (formellen) Voraussetzungen sind damit erfüllt, was von den Par-

teien auch nicht bestritten wird. Umstritten ist einzig, ob von einem unregelmässigen Beschäfti-

gungsverhältnis gesprochen werden kann. Hierzu führt die Berufungsklägerin in ihrer Beru-

fungsschrift vom 31. Januar 2022 eine Analyse der monatlich vergüteten Arbeitsstunden zwi-

schen Januar 2015 und September 2020 durch, wobei sie die Arbeitsstunden entsprechend der 

Anzahl tatsächlich verfügbarer Werktage gewichtet (Berufung Rz. 39). Aus der entsprechenden 

tabellarischen Übersicht gehen für die im vorliegenden Fall massbegliche Zeitspanne zwischen 

März 2016 und September 2020 49 Veränderungen der monatlichen Arbeitszeiten hervor, wo-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 
 
Seite 10  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

bei 27 dieser Veränderungen 10% und mehr sowie acht dieser Veränderungen über 20% be-

tragen. Zunächst ist festzuhalten, dass zur Ermittlung einer unregelmässigen Beschäftigung 

höchstrichterlich keine Analysemethode vorgegeben wird. Das Bundesgericht schützt zwar in 

seinem neuen Entscheid BGer 4A_31/2021 vom 31. März 2022 eine Berechnungsmethode, in 

der die jeweiligen Arbeitszeiten eines Monats mit denjenigen des Vormonats verglichen werden. 

Diesbezüglich hat das Bundesgericht festgehalten, wenn bei 35 von 56 analysierten Lohnab-

rechnungen eine Differenz von 10% oder mehr (bis 25%) zum Vormonat bestehen würden, 

könne von einer unregelmässigen Beschäftigung ausgegangen werden (BGer 4A_31/2021 vom 

31. März 2022 E. 3.3.2). Dennoch lässt sich aus diesem Entscheid keine konkrete Berech-

nungsmethode ableiten, zumal unklar ist, auf welche Basiswerte sich die genannte Methode 

stützt und ob bzw. inwiefern diese auf bereinigten Werten basiert. Sodann ist keine Intention 

des Bundesgerichts erkennbar, wonach mit dem neuen Entscheid eine Berechnungsmethode 

vorgeschrieben werden soll, womit das Kantonsgericht zur Beurteilung des vorliegenden Falls 

auch nicht an die in BGer 4A_31/2021 aufgeführte Berechnungsweise gebunden ist. Insofern 

kann die Berufungsklägerin aus dem vorgenannten Entscheid diesbezüglich nichts zu ihren 

Gunsten ableiten. Es bleibt im Einzelfall zu entscheiden, welche Analysemethode zur Bestim-

mung der Regelmässigkeit eines Arbeitsverhältnisses herangezogen werden sollte. Der Vor-

instanz ist dabei beizupflichten, wenn diese davon ausgeht, dass die von der Berufungsklägerin 

angewandte Berechnungsmethode für das vorliegend zu beurteilende Vollzeitbeschäftigungs-

verhältnis unzulänglich ist. Wie die Berufungsbeklagte zu Recht vorbringt, ist der Vergleich der 

monatlichen Arbeitszeiten mit jenen des Vormonats ungenau, da eine derartige Anknüpfung 

dazu führt, dass sich jede Schwankung doppelt auswirkt. Die Anwendung dieser Methode in 

Arbeitsverhältnissen mit Vollzeitpensa, in denen jeweils von Montag bis Freitag zu vergleichba-

ren Zeiten gearbeitet wird, würde den in Art. 329d OR normierten Grundgedanken aushebeln. 

Allein gestützt auf die von der Berufungsklägerin angewandte mathematische Berechnungsme-

thode kann daher nicht gesagt werden, es liege ein unregelmässiges Arbeitsverhältnis vor. Des 

Weiteren ist an dieser Stelle anzumerken, dass die grössten Abweichungen in den monatlichen 

Arbeitszeiten jeweils in den Zeitraum der Sommerferien, d.h. Juli und August, sowie in die 

Weihnachtszeit fallen. Die Berufungsbeklagte arbeitete in einem 100%-Pensum, wobei sich 

Abweichungen in den monatlichen Arbeitszeiten aufgrund saisonal bedarfsbezogener Spitzen 

sowie Ferienabsenzen ergaben. Derartige Schwankungen sind nachvollziehbar und für die Be-

rufungsklägerin auch vorhersehbar. Insofern greift ihr Vorbringen, wonach der variierende Ar-

beitsumfang im Wesentlichen der unvorhersehbaren Auftragslage geschuldet und infolgedes-

sen die monatlichen Schwankungen keiner Regelmässigkeit folgen würden, nicht. Darüber hin-

aus müsste nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung zur Anwendung der Ausnahmeregelung 

eine unregelmässige Beschäftigung vorliegen, welche es dem Arbeitgeber in unzumutbarer 

Weise erschwert, den jeweiligen Ferienanspruch über das Jahr fortlaufend zu berechnen oder 

ihn zwingt, eine komplizierte jährliche Abrechnung vorzunehmen (BGer 4A_31/2021 vom 

30. März 2022 E. 3.3.1). Diesbezüglich ist auf die vom Bundesgericht wie auch von der Vor-

instanz aufgeworfene Frage hinzuweisen, inwiefern in der heutigen Zeit der zunehmenden Digi-

talisierung überhaupt noch solche Schwierigkeiten bestehen können (vgl. BGE 129 III 493 

E. 3.3). Jedenfalls sind derartige praktische Schwierigkeiten im vorliegenden Fall nicht ersicht-

lich. Es bestehen durchaus EDV-Lösungen für die Lohnadministration, welche geeignet sind, 

bei vorliegend zu untersuchendem Beschäftigungsverhältnis den Ferienanspruch klar zu be-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 
 
Seite 11  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

stimmen und auszuweisen. Die Berufungsklägerin hätte sodann, wie bereits von der Vorinstanz 

festgehalten, buchhalterisch ein Ferienkonto führen können, auf dem sie den Anteil des Ferien-

lohns am Gesamtlohn hätte gutschreiben und diesen erst anlässlich des effektiven Ferienbe-

zugs der Berufungsbeklagten hätte auszahlen können. Dies wäre unproblematisch möglich ge-

wesen. Unter Berücksichtigung der vorgenannten Umstände kann vorliegend nicht von einem 

unregelmässigen Vollzeitarbeitsverhältnis gesprochen werden, welche eine Abgeltung der Feri-

en mit den laufenden Lohnzahlungen rechtfertigen würde, womit die Berufung in diesem Punkt 

abzuweisen ist. Die von der Vorinstanz festgesetzte Höhe der Ferienentschädigung von 

CHF 17'340.70 brutto nebst Zins zu 5% seit dem 2. März 2021 wurde nicht bestritten, weshalb 

der Entscheid des Gerichtspräsidenten des Zivilkreisgerichts in dieser Hinsicht vollumfänglich 

bestätigt wird. 

Lohnfortzahlung während geltend gemachter Krankheit 

5.1 Des Weiteren ist fraglich, ob die Berufungsklägerin der Berufungsbeklagten für die Zeit 

vom 26. März 2020 bis zum 9. April 2020 Lohn aufgrund geltend gemachter Krankheit nachzu-

zahlen hat bzw. ob Letztere rechtsgenüglich nachweisen konnte, dass sie zu dieser Zeit krank 

war. Unbestritten ist, dass die Berufungsbeklagte in vorgenannter Zeitspanne an der Arbeit ver-

hindert war und dieser Ausfall in die Wartefrist der Krankentaggeldversicherung fiel. 

5.2 Hinsichtlich der Lohnfortzahlung während geltend gemachter Krankheit erwog die Vor-

instanz, die Berufungsbeklagte habe für die Zeit vom 26. März 2020 bis 9. April 2020 ein Arzt-

zeugnis vom 26. März 2020 eingereicht. Erst nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses und 

anlässlich des vorinstanzlichen Verfahrens werde dieses bestritten. Sofern die Berufungskläge-

rin die Arbeitsunfähigkeit der Berufungsbeklagten in Frage gestellt habe, wäre ihr die Möglich-

keit der Anordnung einer vertrauensärztlichen Untersuchung zugestanden, wovon jedoch kein 

Gebrauch gemacht worden sei. Vielmehr habe die Berufungsklägerin erst vier Monate nach der 

geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit ein anderes Zeugnis vom Hausarzt der Berufungsbeklag-

ten in X. ____ verlangt. Durch diese Vorgehensweise habe es die Berufungsklägerin der Beru-

fungsbeklagten verunmöglicht, ein entsprechendes Arztzeugnis erhältlich zu machen, zumal ein 

ursprünglich nicht mit der Behandlung betrauter Arzt eine vier Monate zurückliegende Arbeits-

unfähigkeit hätte attestieren müssen. Zudem hätte auf ein solches Zeugnis gar nicht abgestellt 

werden dürfen. Aufgrund dessen und unter Berücksichtigung der Covid-19-bedingten Umstände 

seien keine begründeten Zweifel an der Richtigkeit des von der Berufungsbeklagten eingereich-

ten Arztzeugnisses vom 26. März 2020 ersichtlich, womit ihre Arbeitsunfähigkeit in der Zeit vom 

26. März 2020 bis und mit 9. April 2020 als erstellt zu gelten habe. Da die Berufungsklägerin 

der Berufungsbeklagten gemäss GAV während der Wartefrist 88% des Lohnes zu entrichten 

habe, sei die Berufungsklägerin zu verurteilen, der Berufungsbeklagten CHF 1'518.00 brutto 

nebst Zins zu 5% seit dem 2. März 2021 zu bezahlen. 

5.3 Die Berufungsklägerin bringt vor, die Vorinstanz vermische den Lohnfortzahlungsan-

spruch mit dem Anspruch auf Taggelder der Krankentaggeldversicherung, welche nach Art. 33 

Abs. 2 GAV erst nach einer Wartefrist von 30 Tagen einsetzen würde. Wenn die Berufungsbe-

klagte in ihrer Klage Schadenersatz für angeblich entfallene Taggelder der Krankentaggelder 

verlange, verkenne sie, dass ihr erster Krankheitsfall in die Wartefrist gefallen sei, womit ihr 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 
 
Seite 12  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

keine Taggelder entgangen und infolgedessen auch kein Schaden entstanden sei. In Bezug auf 

das von der Berufungsbeklagten eingereichte Arztzeugnis sei sodann festzuhalten, dass dieses 

unleserlich und nicht unterzeichnet sei. Die Berufungsbeklagte habe dies im vorinstanzlichen 

Verfahren zwar bestritten, hierzu indes mit Beilage 17 ein anderes Dokument eingereicht. Dem-

gemäss sei das von der Berufungsbeklagten eingereichte Dokument zum Nachweis einer an-

geblichen Arbeitsunfähigkeit in jeder Hinsicht ungenügend. Selbst wenn es leserlich gewesen 

wäre, ergäbe sich daraus nicht, dass die von der Berufungsbeklagten behauptete Arbeitsunfä-

higkeit durch einen Arzt aufgrund einer Konsultation nach medizinischer Begutachtung bestätigt 

worden sei, was die Berufungsbeklagte auch gar nicht behauptet habe. Die Vorinstanz habe 

sodann aktenwidrig festgestellt, die Berufungsklägerin habe nicht behauptet, die Berufungsbe-

klagte vor dem 1. August 2020 auf das Arztzeugnis angesprochen zu haben. Wie in Rz. 29 der 

Klageantwort angeführt, habe sie die Berufungsbeklagte aufgefordert, ihre Arbeitsunfähigkeit 

durch ein Zeugnis zu belegen. Wenn die Berufungsbeklagte erst Monate später ein lesbares 

Zeugnis einreichte, anhand dessen sich aber bestätigt habe, dass die Krankschreibung allein 

aufgrund einer telefonischen Patientenschilderung erfolgt sei, könne sie ihre Beweisnot nicht 

heilen. Des Weiteren habe die Vorinstanz eine unzulässige Verkehrung der Beweislastregeln 

vorgenommen. Selbst wenn die Berufungsklägerin die Berufungsbeklagte nicht aufgefordert 

hätte, ein korrektes Arztzeugnis einzureichen, was bestritten werde, würde dies nicht zu einer 

Beweislastumkehr führten. Der Berufungsbeklagten habe aufgrund der eigestellten Lohnzah-

lung klar sein müssen, dass die Berufungsklägerin das von einem Arzt in Paris ausgestellte 

Dokument nicht akzeptiere und die angebliche Arbeitsunfähigkeit für nicht erwiesen halte. An-

gesichts der ausgebliebenen Lohnzahlung sei auch die vorinstanzliche Feststellung unrichtig, 

die Berufungsklägerin habe die Arbeitsunfähigkeit der Berufungsbeklagten nicht moniert. Indem 

das Zivilkreisgericht die Berufungsklägerin verpflichtet habe, der Berufungsbeklagten für die 

Zeit vom 26. März 2020 bis 9. April 2020 Lohn nachzuzahlen, verletze sie Art. 324a OR sowie 

Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB, SR 210). 

5.4 Die Berufungsbeklagte erachtet dagegen die Ansicht der Vorinstanz als korrekt, wonach 

Anspruch auf Lohnersatz während der Krankheit bestehe. Sie habe mit Klagebeilage 8 sowie 

der inhaltlich identischen Klagebeilage 17 ein Arztzeugnis eingereicht, mit welchen ihr der All-

gemeinmediziner Dr. C. ____ nach erfolgter Untersuchung die Arbeitsunfähigkeit bestätigt ha-

be. Diese Bestätigung sei sodann vom begutachtenden Arzt unterzeichnet. Die Tatsache, dass 

ein zweites Arztzeugnis mit demselben Inhalt des ersten nachgereicht worden sei, habe keinen 

Einfluss auf die Gültigkeit der Bescheinigung. So sei auch ein an den "service médical" adres-

siertes Zeugnis ein valables Beweismittel für die Arbeitsunfähigkeit. Insofern beweise Klagebei-

lage 17 die Arbeitsunfähigkeit der Berufungsbeklagten für den Zeitraum zwischen dem 26. März 

2020 und dem 9. April 2020. Sie habe sich am 26. März 2020 einer Telekonsultation unterzo-

gen, womit das Arztzeugnis entgegen den Behauptungen der Berufungsklägerin auch nicht ein-

zig auf Parteischilderungen beruhe, sondern die Untersuchung dank der Videokonferenz auf 

objektiven Feststellungen des Arztes basiere. Zu beachten sei, dass die Konsultation während 

der Covid-19-Pandemie stattgefunden habe, während der das Recht zum Verlassen des eige-

nen Hauses in Frankreich stark eingeschränkt gewesen sei. Des Weiteren habe die Berufungs-

klägerin ihre Mitwirkungspflicht verletzt, indem sie die Berufungsbeklagte erst nach langem Zu-

warten zur Einreichung eines neuen Arztzeugnisses aufgefordert habe. Schliesslich habe die 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 
 
Seite 13  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Berufungsbeklagte aus dem Umstand, dass die Lohnzahlungen während ihrer Arbeitsunfähig-

keit eingestellt worden seien, nicht schliessen können, dass ihr Arztzeugnis nicht akzeptiert 

worden sei, zumal im Betrieb der Berufungsklägerin generell mit den Lohnzahlungen zugewar-

tet worden sei. 

5.5 Wird der Arbeitnehmer aus Gründen, die in seiner Person liegen, wie Krankheit, Unfall 

Erfüllung gesetzlicher Pflichten oder Ausübung eines öffentlichen Amtes, ohne sein Verschul-

den an der Arbeitsleistung verhindert, so hat ihm der Arbeitgeber gemäss Art. 324a Abs. 1 OR 

für eine beschränkte Zeit den darauf entfallenden Lohn zu entrichten, samt einer angemesse-

nen Vergütung für ausfallenden Naturallohn, sofern das Arbeitsverhältnis mehr als drei Monate 

gedauert hat oder für mehr als drei Monate eingegangen ist. Festzuhalten ist, dass vorliegen-

des Arbeitsverhältnis zwischen der Berufungsklägerin und der Berufungsbeklagten dem allge-

meinverbindlich erklärten GAV untersteht, was von den Parteien auch nicht bestritten wird. Ge-

mäss Art. 33 Abs. 4 GAV hat die Arbeitgeberin während der Wartefrist dem Arbeitnehmer 88% 

des Lohnes, maximal jedoch den bisherigen Nettolohn zu entrichten, wobei Art. 324a OR vor-

behalten bleibt. Die Wartefrist darf gemäss Art. 33 Abs. 2 GAV maximal 60 Tage betragen. 

5.6 Vorweg ist festzuhalten, dass das Vorbringen der Berufungsklägerin, wonach die Arbeits-

verhinderung der Berufungsbeklagten in die Wartefrist gefallen sei, womit ihr keine Taggelder 

entgangen und ihr deshalb kein Schaden entstanden sei, nicht zu hören ist. Die Vorinstanz hat 

der Berufungsbeklagten keine Taggelder der Krankentaggeldversicherung, sondern eine Lohn-

fortzahlung in der Höhe von CHF 1'518.00 brutto nebst Zins zu 5% seit dem 2. März 2021 zu-

gesprochen. 

5.7 Grundsätzlich liegt die Beweislast für die Arbeitsunfähigkeit beim Arbeitnehmer (Art. 8 

ZGB). Obwohl der Beweis der Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit oder Unfall in der Regel 

durch ein ärztliches Zeugnis erbracht wird (STAEHELIN, a.a.O., Art. 324a N 9), bewirkt dieses 

keine Beweislastumkehr (ROLAND MÜLLER, Arztzeugnisse in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten, 

AJP, 2010, S. 167 ff., S. 169). Das Arztzeugnis stellt kein absolutes Beweismittel dar (BGer 

4A_227/2009 vom 28. Juli 2009 E. 3.1.3; BGer 1C_64/2008 vom 14. April 2008 E. 3.4; 

STREIFF/VON KAENEL/RUDOLPH, a.a.O., Art. 324a–Art. 324b N 12). Vielmehr ist dieses als Par-

teibehauptung anzusehen (MÜLLER, a.a.O., S. 169). Ein Arztzeugnis verbessert aber die Be-

weislage des Arbeitnehmers entscheidend, da die Gerichte meist darauf abstellen ("Anscheins-

beweis"), solange nicht begründete Zweifel an dessen Richtigkeit geweckt wurden. Es genügt 

nicht, dass die Arbeitgeberin nur die Möglichkeit eines atypischen Ablaufs darlegt. Der Beweis 

des ersten Anscheins entfällt vielmehr erst dann, wenn ein Sachverhalt dargetan wird, welcher 

die ernsthafte Möglichkeit eines anderen als des erfahrungsmässigen Geschehensablaufs 

ergibt (MÜLLER, a.a.O., S. 169). Nicht beweisbildend sind grundsätzlich die Arztzeugnisse, die 

sich allein auf die Patientenschilderung abstützen und ohne eigene objektive Feststellungen 

abgegeben werden (MÜLLER, a.a.O., S. 172). Hat der Arbeitgeber begründete Zweifel an der 

Richtigkeit eines Arztzeugnisses oder ist es vertraglich vereinbart, so ist er berechtigt, auf eige-

ne Kosten eine vertrauensärztliche Untersuchung zu verlangen (THOMAS PIETRUSZAK, Kurz-

kommentar, Obligationenrecht, 2014, Art. 324a N 17; STREIFF/VON KAENEL/RUDOLPH, a.a.O., 

Art. 324a–Art. 324b N 12). Es bleibt damit im Ergebnis eine Frage der Beweiswürdigung, ob ein 

Gericht auf ein Arztzeugnis abstellt (FRANK EMMEL, Handkommentar zum Schweizer Privat-

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 
 
Seite 14  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

recht, Vertragsverhältnisse Teil 2: Arbeitsvertrag, Werkvertrag, Auftrag, GoA, Bürgschaft, 3. 

Aufl., 2016, Art. 324a N 3). Mit welchen Mitteln der Sachverhalt abzuklären ist und wie das Er-

gebnis davon zu würdigen ist, schreibt Art. 8 ZGB dem Gericht nicht vor. Diese Bestimmung 

schliesst selbst eine vorweggenommene Beweiswürdigung und Indizienbeweise nicht aus 

(BGer 4A_69/2011 vom 29. März 2011 E. 2.1). Erweist sich eine geltend gemachte Arbeitsver-

hinderung nicht als bestehend, ist für die Zeit der Arbeitsverhinderung kein Lohn geschuldet 

(STREIFF/VON KAENEL/RUDOLPH, a.a.O., Art. 324a–Art. 324b N 12 N 12). 

5.8 Gestützt auf die allgemeine Beweislastregel von Art. 8 ZGB obliegt es vorliegend der Be-

rufungsbeklagten, ihre Arbeitsunfähigkeit zu beweisen. Sie legte zum Beweis ihrer Arbeitsunfä-

higkeit zwei Arztzeugnisse ins Recht (Klagebeilagen 8 und 17), welche den Zeitraum zwischen 

dem 26. März 2020 und dem 9. April 2020 betreffen und von Dr. C. ____ ausgestellt sind. Fest-

zustellen ist, dass das als Klagebeilage 17 eingereichte Zeugnis besser leserlich ist als jenes, 

welches als Klagebeilage 8 eingereicht wurde. Ersteres ist sodann unterzeichnet. Wie die Beru-

fungsklägerin zu Recht festhält, unterscheiden sich die beiden Zeugnisse insofern, als dass auf 

dem einen Arztzeugnis rechts oben "volet 3, à adresser à votre EMPLOYEUR ou au POLE 

EMPLOI" (Klagebeilage 8), auf dem anderen demgegenüber "volet 1, à adresser au service 

médical" (Klagebeilage 17) vermerkt ist. Dies ändert indes nichts daran, dass die Zeugnisse 

den gleichen Sachverhalt beschlagen. Die Anmerkungen zeigen lediglich auf, dass verschiede-

ne Versionen des Arztzeugnisses angefertigt wurden, wobei eine Version für die Berufungsklä-

gerin als Arbeitgeberin, die andere Version für die Versicherung ausgestellt wurde. Die Beru-

fungsbeklagte reichte im vorinstanzlichen Verfahren sodann eine von Dr. C. ____ ausgestellte 

und unterzeichnete Bestätigung vom 8. November 2021 der am 26. März 2020 durchgeführten 

Telekonsultation (Klagebeilage 19) sowie eine SMS-Bestätigung des Telekonsultationstermins 

vom 26. März 2020 um 15:00 Uhr inklusive einer diesbezüglichen Zahlungsbestätigung über 

EUR 30.00 (Klagebeilage 20) ein. An dieser Stelle ist anzumerken, dass in Frankreich zum 

Zeitpunkt der ärztlichen Untersuchung im Zuge der Covid-19-Pandemie eine Ausgangssperre in 

Kraft war. Vor diesem Hintergrund erscheint es glaubhaft und nachvollziehbar, dass die ärztli-

che Untersuchung der Berufungsbeklagten via Telekonsultation erfolgte. Soweit sich die Vor-

bringen der Berufungsklägerin gegen die Art und Weise der am 26. März 2020 durchgeführten 

ärztlichen Untersuchung der Berufungsbeklagten richten, sind diese sodann nicht zu hören. Bei 

einer Telekonsultation kann sich der untersuchende Arzt auf objektive Eindrücke stützen, womit 

diese Form der Untersuchung gerade nicht auf reinen Patientenschilderungen basiert. Die Be-

rufungsklägerin muss sich zudem entgegenhalten lassen, dass sie von der Berufungsbeklagten 

erst mit E-Mail von F. ____ vom 12. August 2020 und damit rund vier Monate nach der fragli-

chen Arbeitsunfähigkeit ein Arztzeugnis ihres Hausarztes in X. ____ verlangte, ansonsten sie 

für die Zeit vom 26. März 2020 bis zum 9. April 2020 keine Lohnfortzahlungen erhalten werde 

(Klagebeilage 22). Aus der internen E-Mail von D. ____ an E. ____ vom 4. April 2020, wonach 

das eingereichte Arztzeugnis der Berufungsbeklagten "komisch", nicht gestempelt und auch 

nicht unterschrieben sowie der Arzt in Paris sei (Vorinstanzliche Beilage der Berufungsklägerin, 

nicht nummeriert) erhellt, dass bereits zu diesem Zeitpunkt bei der Berufungsklägerin Zweifel an 

der Richtigkeit des Arztzeugnisses bestanden haben. Der Berufungsklägerin als Arbeitgeberin 

obliegt es, zeitnah der Berufungsbeklagten als Arbeitnehmerin anzuzeigen, wenn Zweifel an 

einem Arztzeugnis bestehen, ansonsten sich die Arbeitgeberin treuwidrig verhält. Vorliegend 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 
 
Seite 15  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

erfolgte diese Mitteilung zu spät, zumal es für die Berufungsbeklagte unmöglich war, zu diesem 

Zeitpunkt noch ein ärztliches Zeugnis ihres Hausarztes in X. ____ für ihre Arbeitsunfähigkeit 

vom 26. März 2020 bis 9. April 2020 zu erhalten. Sofern die Berufungsbeklagte Zweifel an der 

Richtigkeit des Arztzeugnisses hatte, hätte sie zudem ohne Weiteres eine vertrauensärztliche 

Untersuchung der Berufungsbeklagten anordnen können. Diesbezüglich ist zudem anzumer-

ken, dass die Berufungsklägerin nichts aus den im März 2020 und April 2020 ausgebliebenen 

Lohnzahlungen ableiten kann. Aus der anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung getä-

tigten Aussage von F. ____ geht hervor, dass die Berufungsklägerin aufgrund vieler Arbeitsun-

fähigkeiten im Betrieb mit sämtlichen Lohnzahlungen in besagten Monaten abwartete, womit die 

Berufungsbeklagte daraus nicht schliessen konnte, dass das eingereichte Arztzeugnis nicht 

akzeptiert werde und damit die Arbeitsunfähigkeit für nicht erwiesen gelte (vgl. Protokoll der 

Gerichtsverhandlung vom 5. November 2021 zur Zeugeneinvernahme von F. ____, S. 23; vgl. 

auch vorinstanzlicher Entscheid E. II.B.20). Die Vorinstanz ist damit namentlich aufgrund der 

Covid-19-bedingten Umstände sowie der Tatsache, dass sich Telekonsultationen auf objektive 

Eindrücke des behandelnden Arztes stützten, zu Recht davon ausgegangen, dass keine be-

gründeten Zweifel an der Richtigkeit der von der Berufungsbeklagten eingereichten Arztzeug-

nisse vom 26. März 2020 bestehen, womit ihre unverschuldete Arbeitsunfähigkeit in der Zeit 

vom 26. März 2020 bis und mit 9. April 2020 rechtsgenügend bewiesen ist. Die Berufung er-

weist sich deshalb auch in diesem Punkt als unbegründet. 

Kosten des Berufungsverfahrens 

6. Abschliessend ist über die Verlegung der im Berufungsverfahren entstandenen Kosten zu 

befinden. Gemäss Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unterliegenden Partei 

auferlegt. Nach Art. 114 lit. c ZPO dürfen bei Streitigkeiten aus einem Arbeitsverhältnis bis zu 

einem Streitwert von CHF 30'000.00 keine Gerichtskosten gesprochen werden. Diese Vorschrift 

entfaltet auch im kantonalen Rechtsmittelverfahren Gültigkeit, weshalb mit dem vorliegenden 

Entscheid keine Gerichtsgebühr zu erheben ist. Da die Berufungsklägerin im vorliegenden Ver-

fahren vollständig unterliegt, hat sie antragsgemäss eine Parteientschädigung an die Beru-

fungsbeklagte auszurichten. Der Rechtsbeistand der Berufungsbeklagten hat mit Honorarnote 

vom 11. März 2022 die Zusprechung einer Parteientschädigung von total CHF 3'993.50 

(Grundhonorar von CHF 3'600.00 zuzüglich Spesen von CHF 108.00 und Mehrwertsteuer von 

CHF 285.00) beantragt. Die an die Berufungsbeklagte zu bezahlende Parteientschädigung be-

misst sich in Anwendung von § 2 Abs. 2 und § 10 Abs. 1 der Tarifordnung für die Anwältinnen 

und Anwälte (TO, SGS 178.112) nach dem zweitinstanzlichen Streitwert, welcher vorliegend 

CHF 25’933.80 beträgt. § 7 Abs. 1 lit. e TO sieht hierfür ein Honorar von CHF 3'300.00 bis 

CHF 6'450.00 vor. Für das zweitinstanzliche Verfahren bemisst sich das Grundhonorar nach 

denselben Grundsätzen wie für das erstinstanzliche Verfahren, wobei dieses jedoch ohne 

schriftliche Berufungsbegründung nur 50%, mit einer solchen bis zu 100% des jeweiligen 

Grundhonorars beträgt. Demgemäss erscheint das von der Berufungsbeklagten geltend ge-

machte Grundhonorar von CHF 3'600.00 als angemessen, wobei für die Bemessung desselben 

vorliegend nebst einem Grundhonorar keine Zuschläge gemäss § 10 Abs. 1 i.V.m. § 8 TO ge-

rechtfertigt sind. Zur Bemessung der Parteientschädigung ist vorliegend angesichts der von der 

Berufungsbeklagten eingereichten Berufungsantwort sowie der Tatsache, dass lediglich ein 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

 
 
Seite 16  http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Schriftenwechsel und keine Hauptverhandlung durchgeführt wurde, von 75% des obgenannten 

Grundhonorars auszugehen, was einen Betrag von CHF 2'700.00 ergibt. Hinzu kommen Ausla-

gen von CHF 108.00 für 71 Kopien à CHF 1.50 sowie die Mehrwertsteuer von 7,7%, womit eine 

Parteientschädigung von CHF 3'024.20 resultiert. 

 

Demnach wird erkannt: 

://: 1.  Die Berufung wird abgewiesen. 

 2.  Es werden keine Kosten erhoben. 

Die Berufungsklägerin hat der Berufungsbeklagten für das Berufungs-

verfahren eine Parteientschädigung von CHF 3'024.20 (inkl. Auslagen 

und MWSt) zu bezahlen. 

Präsident 
 
Roland Hofmann 

Gerichtsschreiber i.V. 
 
Nicolas Lehmann 

 

 

 

Gegen diesen Entscheid wurde beim Schweizerischen Bundesgericht Beschwerde erho-

ben (Verfahren 4A_357/2022). 

 

http://www.bl.ch/kantonsgericht