# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7e55102a-bdf6-5236-abc1-da99c3c031f7
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-10-27
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 27.10.2014 IV 2012/408
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-408_2014-10-27.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/408

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 08.06.2020

Entscheiddatum: 27.10.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 27.10.2014
Art. 28 IVG. Rentenanspruch. Vorliegen der Unmöglichkeit der willentlichen 
Schmerzüberwindung gestützt auf MEDAS-Gutachten bejaht. Zusprache 
einer ganzen Rente (Entscheid des Versicherungsgericht des Kantons St. 
Gallen vom 27. Oktober 2014, IV 2012/408). Teilweise aufgehoben durch 
Urteil des Bundesgerichts 9C_822/2014.

Entscheid Versicherungsgericht, 27.10.2014

Versicherungsrichterin Marie Löhrer (Vorsitz), Versicherungsrichter Joachim Huber,

Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Daniel Furrer

Entscheid vom 27. Oktober 2014

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Christine Kessi, c/o Procap Schweiz, 

Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

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betreffend

Rente

Sachverhalt:

A.    

A.a  A.___ meldete sich am 21. April 2010 wegen einer "Blutkrankheit, nicht heilbar" 

zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. 

Gallen an (IV-act. 1).

A.b  Der Versicherte hatte vom 1. April 2008 bis 24. Juni 2008 als Betriebsmitarbeiter 

Wursterei bei der B.___ AG gearbeitet. Er hatte das Arbeitsverhältnis aufgrund 

gesundheitlicher Probleme gekündigt (IV-act. 24).

A.c  Im Bericht der Augenklinik des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 16. April 

2009 wurde beim Versicherten eine rezidivierende Uveitis posterior bei HLA-B51-

negativem Morbus Behçet diagnostiziert (IV-act. 7-3). Im Bericht des Departements

Innere Medizin, Rheumatologie des KSSG vom 16. April 2010 wurde die Diagnose des 

Morbus Behçet bestätigt und zudem eine Depression diagnostiziert (IV-act. 7-4). Im 

Bericht der Rheumatologie des KSSG vom 15. Juni 2010 wurde zudem der Verdacht 

auf eine schizotype Störung und eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert (IV-

act. 16). Der Hausarzt Dr. med. C.___, Allgemeine Medizin / Tropenmedizin FMH, 

bestätigte im Bericht vom 29. Juni 2010 die Diagnosen des KSSG. Der Versicherte 

leide unter einer beidseitigen Einschränkung des Visus, unklaren Schmerzen im ganzen 

Bewegungsapparat und depressiver Verstimmung. Dr. C.___ attestierte dem 

Versicherten eine Arbeitsunfähigkeit von 100% seit dem 15. Juli 2008 (IV-act. 17). Im 

Arztbericht vom 27. Juli 2010 diagnostizierte Dr. med. D.___, Psychiatrie Zentrum E.___ 

zudem eine mittelschwere depressive Episode (ICD-10: F 32.1, IV-act. 20).

 

A.d  Im Auftrag der IV-Stelle (IV-act. 44) wurde der Versicherte am 5. und 7. Dezember 

2011 in der MEDAS Ostschweiz polydisziplinär untersucht (internistisch/psychiatrisch). 

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Im Gutachten vom 14. Juni 2012 stellten die Experten folgende Diagnosen mit 

Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit: mittelgradige depressive Störung mit 

somatischem Syndrom (ICD-10: F 32.11); chronische Schmerzstörung mit psychischen 

und körperlichen Faktoren (ICD-10: F 45.41); vordiagnostizierter Behçet ED 04/07 

(ICD-10: M 35.2), HLA B51 negativ, rezidivierende retinale okklusive Vaskulitiden OS > 

OD; Remicade-Pause bei stabilem Augenbefund; Visus aktuell mit Korrektur 0.6-0.7 

rechts, 0.3-0.4 links, aktenanamnestisch rezidivierende Aphten genital und oral, 

Therapiestand: Imurek seit 06/08, Glukokortikoide seit 06/08, Remicade 12/08 bis 

11/10. Psychiatrischerseits werde von einer rund 70% eingeschränkten Arbeitsfähigkeit 

sowohl in der zuletzt ausgeübten als auch in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen. 

Somatischerseits seien infolge des ausgeprägten chronifizierten 

Ganzkörperschmerzsyndroms lediglich noch leichte bis höchstens mittelschwere 

Tätigkeiten zumutbar. Bei eingeschränktem Visus würden Tätigkeiten mit diesbezüglich 

entsprechend hohen Anforderungen entfallen, dies aufgrund des vordiagnostizierten 

Morbus Behçet. Das Ausmass dieser Arbeitsfähigkeit bestehe ab dem letzten 

effektiven Arbeitstag am 24. Juni 2008 (IV-act. 46). Gemäss Stellungnahme des RAD-

Arztes Dr. med. F.___, Facharzt für allgemeine Medizin FMH, könne vollumfänglich auf 

das MEDAS-Gutachten abgestellt werden, es sei konsistent, nachvollziehbar und in 

sich widerspruchsfrei (IV-act. 47).

A.e  Mit Vorbescheid vom 9. Juli 2012 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die 

Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Es liege weder eine psychische 

Komorbidität im Sinne der Rechtsprechung vor, noch seien die Foerster-Kriterien 

erfüllt. Gesamthaft werde von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen (IV-act. 

51).

A.f   Mit Einwand vom 7. September 2012 beantragte der Versicherte die Zusprache 

einer Rente. Es sei auf das MEDAS-Gutachten abzustellen. Es bestehe eine 

mehrjährige chronische körperliche Begleiterkrankung, welche eine gewisse Schwere 

aufweise, und es habe ein sozialer Rückzug stattgefunden. Die Foerster-Kriterien seien 

erfüllt (IV-act. 55).

A.g  Mit Verfügung vom 2. Oktober 2012 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des 

Versicherten ab. Zum Einwand hielt sie fest, dass ein sozialer Rückzug in allen 

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Belangen des Lebens nicht gegeben sei und die mehrjährige chronische 

Begleiterkrankung nicht im notwendigen Schweregrad vorliege. Der Versicherte sei nur 

qualitativ und nicht quantitativ in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, was nicht zu einer 

Bejahung der Foerster-Kriterien führen könne (IV-act. 58).

B.    

B.a  Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde 

vom 31. Oktober 2012. Der Beschwerdeführer beantragt unter Kosten- und 

Entschädigungsfolge, die Verfügung vom 2. Oktober 2012 sei aufzuheben und ihm sei 

mit Wirkung ab 1. Oktober 2010 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Er begründet 

dies im Wesentlichen damit, dass gemäss MEDAS-Gutachten und RAD-Stellungnahme 

eine chronische körperliche Begleiterkrankung mit mehrjährigem Krankheitsverlauf mit 

unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission bestehe 

sowie ein deutlicher sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens gegeben sei. Es sei 

folglich von einer Unüberwindbarkeit der Schmerzstörung und von einer 

Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 70% auszugehen (act. G1).

B.b  Mit Beschwerdeantwort vom 22. November 2012 beantragt die 

Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie begründet dies damit, dass 

kein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens stattgefunden habe, da der 

Beschwerdeführer nach wie vor eine Ehe führe und sich regelmässig mit Kollegen treffe 

und mit diesen telefoniere. Die die Arbeitsfähigkeit einzig qualitativ einschränkende 

körperliche Begleiterkrankung weise nicht ein erhebliches Ausmass auf und könne 

nicht als relevantes Zusatzkriterium berücksichtigt werden (act. G 5).

B.c  Am 26. November 2012 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen 

Rechtspflege (Befreiung von Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 6).

B.d  Mit Replik vom 29. Januar 2013 hält der Beschwerdeführer vollumfänglich am 

Rechtsbegehren gemäss Beschwerdeschrift fest (act. G 10). Die Beschwerdegegnerin 

verzichtete auf die Einreichung einer Duplik

Erwägungen:

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1.

Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch 

des Beschwerdeführers.

1.1   Invalidität ist die voraussichtlich  bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder 

teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen 

Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von 

Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über 

die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch 

Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 

und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 

Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).

1.2   Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn 

die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn 

sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% 

besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.

2.     

Der Beschwerdeführer stützt sich bei seinem Rentenbegehren auf das von der 

Beschwerdegegnerin eingeholte polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 14. Juni 2012 

(IV-act. 46). Nach Auffassung des RAD kann auf das MEDAS-Gutachten 

"vollumfänglich" abgestellt werden (Stellungnahme vom 3. Juli 2012, IV-act. 47-2). 

Tatsächlich beruht es auf eigenständigen Abklärungen und ist für die streitigen Belange 

umfassend. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und die vom 

Beschwerdeführer geklagten Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt. Es bestehen 

keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt 

worden wären. Vor diesem Hintergrund ist ein weiterer medizinischer Abklärungsbedarf 

nicht ersichtlich, zumal auch die Beschwerdegegnerin keine Mängel am Gutachten 

benennt. Gestützt auf das MEDAS-Gutachten ist daher beim Beschwerdeführer 

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psychiatrischerseits von einer mittelgradigen depressiven Störung mit somatischem 

Syndrom (ICD-10: F 32.11) sowie einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen 

und körperlichen Faktoren (ICD-10: F 45.41) auszugehen. In somatischer Hinsicht 

bestätigt das Gutachten die Diagnose eines Morbus Behçet (ICD-10: M 35.2) mit 

erforderlicher Dauermedikation mit Immunsuppressiva (Imurek) sowie als 

Folgeerkrankung eine erhebliche Visusminderung nach rezidivierenden retinalen 

okklusiven Vaskulitiden. Gemäss Gutachten ist von einer um 70% eingeschränkten 

Arbeitsfähigkeit auszugehen. Somatischerseits sind dem Beschwerdeführer infolge des 

ausgeprägten chronifizierten Ganzkörperschmerzsyndroms lediglich noch leichte bis 

höchstens mittelschwere Tätigkeiten zumutbar. Bei eingeschränktem Visus aufgrund 

des Morbus Behçet entfallen Tätigkeiten mit diesbezüglich entsprechend hohen 

Anforderungen (IV-act. 46-30).

3.       

Zu beantworten ist nachfolgend die umstrittene Frage, ob der Beschwerdeführer in der 

Lage ist, die Folgen der gutachterlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeit zu überwinden.

3.1   Grundsätzlich bedarf es für die Annahme eines invalidisierenden 

Gesundheitsschadens einer fachärztlichen, lege artis auf die Vorgaben eines 

Klassifikationssystems abgestützten Diagnose. Im Rahmen der freien 

Beweiswürdigung darf sich dabei die Verwaltung – und im Streitfall das Gericht – weder 

über die den beweisrechtlichen Anforderungen genügenden medizinischen 

Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sich die ärztlichen Einschätzungen und 

Schlussfolgerungen zur (Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten 

sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen (Urteil des 

Bundesgerichts vom 30. März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.1 mit Hinweisen). 

Somatoforme Schmerzstörungen und ähnliche ätiologisch-pathogenetisch unklare 

syndromale Leidenszustände vermögen rechtsprechungsgemäss in der Regel keine 

lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG führende 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken (BGE 136 V 281 E. 3.2). Die – nur in 

Ausnahmefällen anzunehmende – Unzumutbarkeit einer willentlichen 

Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess setzt das 

Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komorbidität von erheblicher 

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Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhandensein  anderer 

qualifizierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien wie chronische 

körperliche Begleiterkrankungen und mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter 

oder progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission, ein ausgewiesener 

sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens, ein verfestigter, therapeutisch nicht 

mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten psychisch aber 

entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn) oder schliesslich 

unbefriedigende Behandlungsergebnisse trotz konsequent durchgeführter 

Behandlungsbemühungen (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und 

gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und 

Eigenanstrengung der versicherten Person voraus (BGE 130 V 354 f. E. 2.2.3). Je mehr 

diese Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde 

darstellen, desto eher sind die Voraussetzungen für eine zumutbare 

Willensanstrengung zu verneinen (BGE 131 V 50 F. E. 1.2; vgl. zum Ganzen Urteil des 

Bundesgerichts vom 14. Juli 2011, 9C_412/2011, E. 4.1).

3.2   Umstritten ist, ob eine chronische körperliche Begleiterkrankung und ein 

mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik 

ohne längerfristige Remission vorliegt, sowie ob ein sozialer Rückzug in allen Belangen 

des Lebens ausgewiesen ist.

3.2.1         Nach der Sichtweise der Beschwerdegegnerin sind die Foerster-Kriterien 

nicht erfüllt. Sie macht geltend, dass eine chronische körperliche Begleiterkrankung ein 

erhebliches Ausmass aufweisen müsse, um als relevantes Zusatzkriterium 

Berücksichtigung zu finden. Einzig qualitativ die Arbeitsfähigkeit einschränkende 

körperliche Begleiterkrankungen vermöchten diese Kriterien nicht zu erfüllen. Solche 

Einschränkungen, welche lediglich die Aufnahme bestimmter Tätigkeiten 

verunmöglichten, seien nicht geeignet, eine psychische Beeinträchtigung von 

erheblichem Ausmass zu begründen. Weiter hält die Beschwerdegegnerin fest, dass 

ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens stattzufinden habe. Der 

Beschwerdeführer führe jedoch nach wie vor eine Ehe, telefoniere und treffe sich 

regelmässig mit Kollegen und scheine im Stande zu sein, Behördengänge zu verrichten 

und Hilfe in finanziellen Angelegenheiten selbständig anfordern zu können. Solange 

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eine Person nicht verbeiständet sei, sei das Kriterium des sozialen Rückzugs in allen 

Belangen des Lebens nicht erfüllt (act. G 5, III Ziff. 4).

3.2.2         Der Beschwerdeführer stützt sich auf das MEDAS-Gutachten, welches sich 

explizit mit den Foerster-Kriterien auseinandersetzt. Gemäss den Gutachtern bestehe 

eine chronische körperliche Begleiterkrankung mit mehrjährigem Krankheitsverlauf mit 

unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission. Zudem 

zeige der Beschwerdeführer einen deutlichen sozialen Rückzug in allen Belangen des 

Lebens, er habe sich auch schon von seiner Frau trennen wollen. Deshalb sei beim 

Beschwerdeführer ausnahmsweise eine anzunehmende Unzumutbarkeit einer 

willentlichen Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess 

vorhanden und die Diagnose somit IV-relevant (IV-act. 46-31). In der Stellungnahme 

vom 3. Juli 2012 beurteilte der RAD-Arzt Dr. F.___, dass vollumfänglich auf das 

MEDAS-Gutachten abgestellt werden könne, es sei konsistent, nachvollziehbar und in 

sich widerspruchsfrei. Die chronische körperliche Begleiterkrankung sowie die 

mehrjährige Progredienz/Chronifizierung wird bejaht, wobei es sich beim Morbus 

Behçet um eine arbeitsfähigkeitsrelevante schmerzbegründende Begleiterkrankung 

handle. Auch der ausgeprägte soziale Rückzug wird von Dr. F.___ bestätigt (IV-act. 

47-2).

3.2.3         Entgegen der Ausführung der Beschwerdegegnerin, dass chronische körper­

liche Begleiterkrankungen ein erhebliches Ausmass aufweisen müssten und eine einzig 

qualitativ die Arbeitsfähigkeit einschränkende körperliche Begleiterkrankung dieses 

Kriterium nicht zu erfüllen vermöge, heisst es in der zitierten Rechtsprechung des 

Bundesgerichtes, dass chronische körperliche Begleiterkrankungen ein erhebliches 

Ausmass aufweisen müssten und dass dies mit Blick auf die nur bescheidenen 

organischen Befunde und den Umstand, dass körperlich leichte bis mittelschwere 

Arbeiten aus somatischer Sicht vollumfänglich zumutbar seien, zumindest fraglich 

erscheine (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2009, 8C_348/2008, E. 4.2). Im 

Urteil des Bundesgerichts vom 25. Februar 2011 wurde eine hinreichend ausgeprägte 

körperliche Begleiterkrankung verneint, da die vorliegenden Beschwerden ausdrücklich 

den Nebendiagnosen "ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit" zugerechnet worden 

seien (BGE 137 V 64 E. 5.2). Im Urteil des Bundesgerichts vom 27. September 2012 

wurde das Vorliegen einer körperlichen Begleiterkrankung von erheblicher Schwere, 

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Intensität und Ausprägung verneint, da keine Einschränkungen für angepasste 

Tätigkeiten gegeben seien (9C_398/2012, E. 4.1). Im Gegensatz zu diesen 

Bundesgerichtsurteilen liegt im vorliegenden Fall mit dem Morbus Behçet eine 

wesentliche und chronische körperliche Begleiterkrankung vor, welche der 

Hauptdiagnose mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit zugeordnet wird 

und auch zu Einschränkungen bei angepassten Tätigkeiten führt.

3.2.4         Wie der Beschwerdeführer zu Recht vorbringt (act. G 10, S. 2), ist die 

Verbeiständung kein notwendiges Kriterium für den Nachweis eines sozialen Rückzugs 

in allen Belangen des Lebens. Von einer guten Beziehungssituation innerhalb der 

Familie kann zudem nicht gesprochen werden, da der Beschwerdeführer angibt, seine 

Ehefrau kaum mehr auszuhalten, und sich gerne von ihr trennen würde, was aber 

aufgrund seiner Situation nicht in Frage komme (IV-act. 46-19). Auch dies deutet auf 

einen klaren sozialen Rückzug hin. Insgesamt erscheint ein sozialer Rückzug in allen 

Belangen des Lebens als ausgewiesen, denn auch die seltenen sozialen Kontakte mit 

Freunden und Bekannten (sehr seltenes Telefonieren mit Kollegen sowie Besuche von 

zwei befreundeten Familien alle 2-3 Wochen bzw. alle 5-6 Monate, IV-act. 46-19) 

reichen nicht aus, um den sozialen Rückzug in allen Belangen des Lebens zu 

verneinen.

3.2.5         Bei der Würdigung der Beurteilung der Foerster-Kriterien durch die MEDAS 

Gutachter fällt zudem ins Gewicht, dass der RAD in der Stellungnahme vom 3. Juli 

2012 keine Zweifel an diesem Gutachten hegte und vollumfänglich darauf abstellte (IV-

act. 47-2; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 8. April 2013, 8C_651/2012, E. 5.2). 

Insgesamt ist nicht nur in medizinischer, sondern auch in rechtlicher Hinsicht vom 

Vorliegen einer ausnahmsweise anzunehmenden Unzumutbarkeit einer willentlichen 

Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess beim 

Beschwerdeführer auszugehen.

4.     

4.1   Die Beschwerdegegnerin macht weiter geltend, dass die psychische Problematik 

sowie die chronische Schmerzstörung einzig auf psychosoziale Faktoren zurückzu­

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führen seien, welche im Hinblick auf eine invalidisierende Wirkung ausgeklammert 

werden müssten (act. G 5, III Ziff. 5).

4.2   Zwar sind psychosoziale Faktoren (soziokulturelle Entwurzelung, fehlende Familie, 

fehlende Sprachkenntnisse und prekäre finanzielle Situation, vgl. IV-act. 46-21) 

vorhanden, hingegen schliesst dies für sich allein einen invalidisierenden Befund nicht 

aus. Gemäss Rechtsprechung trifft dies nur dann zu, wenn die festgestellte psychische 

Krankheit ihre hinreichende Erklärung in psychosozialen und soziokulturellen 

Umständen findet und gleichsam in ihnen aufgeht (Urteil des Bundesgerichts vom 30. 

März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.2 mit Hinweisen). Dies ist vorliegend indessen nicht der 

Fall. Der Beschwerdeführer war Opfer von traumatischen Erlebnissen im G.___ und 

H.___ wo er lange Zeit in einem Asylcamp lebte, unter physischer Gewalt und vor allem 

unter psychischer Belastung litt (vgl. IV-act. 46-20). Diese sehr schwierige 

Lebensgeschichte stellt keinen veränderbaren psychosozialen Faktor dar. Zudem wird 

die psychische Störung auch durch die Folgen des Morbus Behçet erklärt (IV-act. 20-2 

und 46-20). Im Zusammenhang mit dieser Erkrankung besteht insbesondere die Angst 

des Beschwerdeführers vor dem Verlust des Augenlichts (vgl. IV-act. 46-21).

5.     

Zusammenfassend sind vorliegend die Foerster-Kriterien der chronischen, körperlichen 

Begleiterkrankung mit mehrjährigem Krankheitsverlauf bei unveränderter oder 

progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission sowie ein ausgewiesener 

sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens gegeben. Deshalb ist bei einer 

Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 70% von einer ausnahmsweisen 

Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung und eines Wiedereinstiegs in 

den Arbeitsprozess auszugehen. Unter Berücksichtigung der sechsmonatigen Frist seit 

der im April 2010 erfolgten Anmeldung gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG hat der 

Beschwerdeführer ab 1. Oktober 2010 Anspruch auf eine ganze Rente. Gemäss 

MEDAS-Gutachten besteht die Arbeitsunfähigkeit seit dem 24. Juni 2008 (vgl. IV-act. 

46-30), womit auch die Voraussetzung des Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG 

erfüllt ist.

6.     

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6.1   Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 2. Oktober 2012 

aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Oktober 2010 eine ganze 

Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

6.2   Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des 

Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin 

aufzuerlegen.

6.3   Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom 

Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der 

Bedeutung der Steitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der 

Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 

Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu 

beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- 

(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Die Festlegung einer 

Entschädigung aus unentgeltlicher Rechtsverbeiständung erübrigt sich bei diesem 

Prozessausgang.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.      In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 2. Oktober 2012 aufge­

hoben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Oktober 2010 eine ganze Rente 

zugesprochen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe wird die Sache an die

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.      Die Beschwerdegegnerin bezahlt eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--.

bis

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3.      Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

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