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**Case Identifier:** 1bee026c-c7ca-537c-a451-885a3d1ec484
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2006-09-11
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Eidgenössische Personalrekurskommission 11.09.2006 JAAC 70.97
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_012_JAAC-70-97--_2006-09-11.pdf

## Full Text

JAAC 70.97

Entscheid PRK 2006-009 der Eidgenössischen
Personalrekurskommission vom 11. September 2006

in Sachen X.

Rapports de travail de droit public. Retenue sur le salaire en raison de
primes de l’assurance militaire. Base légale. Rétroactivité impropre.
Droits acquis.

Art. 6 LPers. Art. 2 al. 1 LAM. Art. 8 Cst.

- Admissibilité de la rétroactivité impropre dans les rapports de travail
de droit public de durée indéterminée (consid. 2c).

- Dans le cadre des rapports de travail de droit public, il n’y a de la
place pour des arrangements contractuels que si la LPers et d’autres
lois fédérales ne contiennent pas de dispositions impératives. La marge
de manoeuvre est considérablement moins importante qu’en droit privé
(consid. 2d).

- L’art. 2 al. 1 LAM est formulé de manière impérative. La participation
aux primes à partir du 1er janvier 2006 est valable pour tous les assurés
à titre professionnel de l’assurance militaire. Une modification du
contrat de travail n’est pas nécessaire, étant donné que les dispositions
y relatives figurant dans les contrats de travail n’ont qu’une valeur
déclarative (consid. 2d).

- Les prétentions patrimoniales découlant des rapports de travail de
droit public ne constituent des droits acquis que lorsque la loi a fixé
une fois pour toutes la relation en cause et qu’elle l’a soustraite aux
influences de l’évolution législative, ou lorsqu’elles ont été garanties
individuellement. Si une réglementation légale est reprise par le biais
d’un renvoi, il faut partir de l’idée qu’elle est soumise aux modifications
de la loi (consid. 4a).

1

Öffentlich-rechtliches Anstellungsverhältnis. Lohnabzug für Prämien
der Militärversicherung. Gesetzliche Grundlage. Unechte Rückwirkung.
Wohlerworbene Rechte.

Art. 6 BPG. Art. 2 Abs. 1 MVG. Art. 8 BV.

- Zulässigkeit der unechten Rückwirkung im unbefristeten
öffentlich-rechtlichen Anstellungsverhältnis (E. 2c).

- Für vertragliche Vereinbarungen in einem öffentlich-rechtlichen
Arbeitsverhältnis besteht nur Raum, wo das BPG und andere
Bundesgesetze keine zwingenden Bestimmungen enthalten. Dieser Raum
ist im Vergleich zum Privatrecht wesentlich kleiner (E. 2d).

- Art. 2 Abs. 1 MVG ist zwingend formuliert. Die Prämienbeteiligung
ab 1. Januar 2006 gilt für alle beruflich Versicherten der
Militärversicherung. Eine Änderung des Arbeitsvertrages ist
nicht notwendig, da die diesbezüglichen Bestimmungen in den
Arbeitsverträgen nur deklaratorischen Charakter aufweisen (E. 2d).

- Die vermögenswerten Ansprüche aus öffentlich-rechtlichen
Anstellungsverhältnissen stellen nur dann wohlerworbene Rechte dar,
wenn das Gesetz die entsprechende Beziehung ein für alle Mal festlegt
und von den Einwirkungen der gesetzlichen Entwicklung ausnimmt,
oder wenn sie individuell zugesichert worden sind. Wird durch Verweis
eine gesetzliche Regelung übernommen, ist davon auszugehen, dass sie
Gesetzesänderungen unterworfen ist (E. 4a).

Rapporti di lavoro di diritto pubblico. Deduzione dal salario dei premi
per l’assicurazione militare. Base legale. Retroattività impropria.
Diritti acquisiti.

Art. 6 LPers. Art. 2 cpv. 1 LAM. Art. 8 Cost.

- Ammissibilità della retroattività impropria nel rapporto di lavoro di
diritto pubblico di durata indeterminata (consid. 2c).

- In un rapporto di lavoro di diritto pubblico vi è spazio per accordi
contrattuali solo laddove la LPers e altre leggi federali non
contemplano norme imperative. Tale spazio è considerevolmente più
limitato rispetto al diritto privato (consid. 2d).

- L’art. 2 cpv. 1 LAM è formulato in maniera imperativa. La
partecipazione ai premi dal 1° gennaio 2006 vale per tutti coloro che
sono assicurati professionalmente presso l’assicurazione militare. Non
è necessaria una modifica del contratto di lavoro, poiché le relative
disposizioni nei contratti di lavoro sono solo di natura dichiaratoria
(consid. 2d).

- I diritti di natura pecuniaria derivanti da rapporti di lavoro di diritto
pubblico costituiscono diritti acquisiti solo se la legge regola in modo
definitivo il rapporto e lo sottrae agli effetti dell’evoluzione legislativa,
oppure se sono stati garantiti individualmente. Se una regola legale è
ripresa sulla base di un rinvio, si deve considerare che essa soggiace
alle modifiche della legge (consid. 4a).

2

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. X. ist seit 1985 im Eidgenössischen Departement für Verteidigung,
Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), vormals Eidgenössisches
Militärdepartement, als Berufsoffizier tätig. Mit Arbeitsvertrag vom 14.
Dezember 2001 / 16. Januar 2002 wurde sein Dienstverhältnis per 1. Januar
2002 in ein Anstellungsverhältnis gemäss Bundespersonalgesetz vom 24. März
2000 (BPG, SR 172.220.1) und Bundespersonalverordnung vom 3. Juli 2001(BPV,
SR 172.220.111.3) umgewandelt. Ziff. 5 dieses Arbeitsvertrages hielt unter dem
Titel Militärversicherung/Unfallversicherung Folgendes fest:

«Für die Dauer Ihres Anstellungsverhältnisses sind Sie gemäss Art. 1 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Militärversicherung bei der Militärversicherung
gegen die Folgen von Krankheit und Unfall versichert.»

Nachdem X per 1. Januar 2005 vom Y. zur Z. gewechselt hatte, wurde am 21.
Februar/8. März 2005 ein neuer Arbeitsvertrag unterzeichnet. In diesem
Arbeitsvertrag wurde Ziff. 5 mit Ausnahme des Titels (Militärversicherung
statt Militärversicherung/Unfallversicherung) unverändert übernommen.
Bis Ende 2005 kam das VBS für die Prämien der Militärversicherung
von X. auf. Dies entsprach der bis Ende 2005 geltenden Fassung des
Militärversicherungsgesetzes, das in Art. 2 eine Prämienpflicht nur für
freiwillig versicherte Personen vorsah.

Im Rahmen des Entlastungsprogramms 2003 beschloss das Parlament,
von den beruflich Versicherten der Militärversicherung angemessene
Prämien zu erheben und änderte das Bundesgesetz vom 19. Juni 1992
über die Militärversicherung (MVG, SR 833.1) entsprechend ab. Diese
Gesetzesänderung und die entsprechende Änderung der Verordnung über die
Militärversicherung vom 10. November 1993 (MVV, SR 833.11) traten am 1.
Januar 2006 in Kraft. Im Januar 2006 zog das VBS die Prämie für die Kranken-
und Unfallversicherung bei der Militärversicherung erstmals vom Lohn
von X. ab. Dieser wandte sich hierauf mit Brief vom 31. Januar 2006 an den
Personaldienst der Z. Er führte aus, die Belastung der Versicherungsprämie
widerspreche Ziff. 5 seines Arbeitsvertrages und werde von ihm nicht
akzeptiert, und ersuchte um unverzügliche Nachzahlung der in Abzug
gebrachten Prämie und um Zustellung einer schriftlichen Bestätigung, dass
ihm die Versicherung auch nach dem 1. Januar 2006 für die Dauer seiner
Anstellung vollständig bezahlt werde. Mit Einschreiben vom 28. Februar 2006
nahm das Generalsekretariat VBS zum Brief vom 31. Januar 2006 Stellung. Es
teilte X. mit, dass eine Verfügung geplant sei, worin festgestellt werde, dass
Art. 2 des Militärversicherungsgesetzes und die Ausführungsbestimmungen
ab 1. Januar 2006 auf ihn Aufwendung fänden und die Lohnabzüge betreffend
Prämie für die Militärversicherung zu Recht erfolgt seien. Am 10. März 2006
nahm X. bzw. sein Rechtsvertreter im Rahmen der Gewährung des rechtlichen
Gehörs zur geplanten Verfügung Stellung.

Am 13. April 2006 erliess das VBS eine Verfügung mit folgendem Dispositiv:

3

«Es wird festgestellt, dass der heute geltende Art. 2 des Bundesgesetzes über
die Militärversicherung, insbesondere in Bezug auf die Prämienpflicht,
und die entsprechenden Ausführungsbestimmungen für X. ab dem 1.
Januar 2006 Anwendung finden. Die Lohnabzüge betreffend Prämie für die
Militärversicherung sind zu Recht erfolgt.»

B. Gegen die Verfügung vom 13. April 2006 lässt X. mit Eingabe vom 16. Mai
2006 bei der Eidgenössischen Personalrekurskommission (PRK) Beschwerde
erheben mit den Anträgen, die Verfügung betreffend Beitragspflicht für
die Militärversicherung sei aufzuheben, das VBS sei anzuweisen, die seit
1. Januar 2006 an seinem Lohn vorgenommenen Abzüge zu erstatten und
solche Abzüge für die Dauer seines Anstellungsverhältnisses zu unterlassen,
und ihm sei für seine ausserordentlichen Auslagen im Zusammenhang mit
diesem Verfahren eine angemessene Entschädigung auszurichten. Das VBS
beantragt in seiner Vernehmlassung vom 15. Juni 2006 die vollumfängliche
Abweisung der Beschwerde.

C. Am 11. September 2006 fand am Sitz der PRK eine öffentliche und
mündliche Verhandlung statt.

Aus den Erwägungen:

1.a. + b. 1.a. + b.(...)

2. Der Beschwerdeführer macht geltend, das revidierte
Militärversicherungsgesetz, konkret die Prämienbeitragspflicht, sei auf
ihn nicht anwendbar. Er beruft sich auf Ziff. 5 seines Arbeitsvertrages.
Aufgrund dieser Bestimmung habe er nicht nur davon ausgehen dürfen,
dass er während der Dauer seines Anstellungsverhältnisses gegen Krankheit
und Unfall bei der Militärversicherung versichert sei, sondern auch, dass
der Arbeitgeber für die ganzen Prämien aufkomme. Der Beschwerdeführer
macht weiter geltend, die Einführung der Prämienerhebung stelle eine ihn
belastende Änderung des Arbeitsvertrages dar; eine solche bedürfe seiner
Zustimmung, welche er nicht erteilt habe; eine Änderungskündigung sei nach
den einschlägigen Bestimmungen des Bundespersonalrechts in diesem Fall
nicht zulässig. Es hätte deshalb einer ausdrücklichen, das BPG derogierenden
Regelung durch den Bundesgesetzgeber bedurft.

a. Gemäss Art. 6 Abs. 1 BPG steht das Personal in den von der
Bundesverfassung und von der Gesetzgebung geregelten Rechten und
Pflichten. Soweit das BPG und andere Bundesgesetze nichts Abweichendes
bestimmen, gelten für das Arbeitsverhältnis sinngemäss die einschlägigen
Bestimmungen des Obligationenrechts (Art. 6 Abs. 2 BPG). Zu den anderen
Bundesgesetzen, die neben dem BPG zu Abweichungen vom Bundesgesetz
vom 30. März 1911 betreffend die Ergänzung des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht) (OR, SR 220) führen,
gehören insbesondere das Bundesgesetz vom 14. März 1958 über die
Verantwortlichkeit des Bundes sowie seiner Behördenmitglieder und Beamten
(VG, SR 170.32), das Bundesgesetz vom 24. März 1995 über die Gleichstellung
von Frau und Mann (GlG, SR 151.1), das SchweizerischeStrafgesetzbuch vom
21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0), das Bundesgesetz vom 19. Juni 1992 über
den Datenschutz (DSG, SR 235.1), das Bundesgesetz vom 20. Dezember 1968
über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) sowie das Bundesgesetz
vom 16. Dezember 1943 über die Organisation der Bundesrechtspflege

4

(OG, SR 173.110) und das Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetz
vom 21. März 1997 (RVOG, SR 172.010) (vgl. Botschaft des Bundesrates zum
Bundespersonalgesetz vom 14. Dezember 1998, BBl 1999 1597 ff., 1609), doch
auch andere Bundesgesetze können Rechte und Pflichten des Bundespersonals
enthalten. Enthält demnach ein Bundesgesetz Bestimmungen über Rechte und
Pflichten des Personals, kommt das Obligationenrecht nicht zur Anwendung.

b. Im Bundesgesetz über das Entlastungsprogramm 2003 vom 19. Dezember
2003 (Ziff. I. 13) änderte das Parlament Art. 2 MVG ab (AS 2004 1633 ff., 1644).
Nach Abs. 1 des revidierten Art. 2 MVG haben Personen nach Art. 1a Abs. 1
Bst. b (beruflich Versicherte) zur Abgeltung folgender Leistungen angemessene
Prämien zu erbringen: (a) Leistungen, die ihnen die Militärversicherung
anstelle der obligatorischen Krankenpflegeversicherung nach dem
Krankenversicherungsgesetz erbringt; und (b) Leistungen, die ihnen die
Militärversicherung anstelle der obligatorischen Unfallversicherung für
Nichtberufsunfälle nach dem Unfallversicherungsgesetz erbringt. Beruflich
Versicherte sind u. a. die Angehörigen des Instruktionskorps der Armee
(Art. 1a Abs. 1 Bst. b Ziff. 1 MVG). Der Bundesrat legt durch Verordnung die
Prämien der Versicherten fest. Sie richten sich nach der Höhe der Prämien,
die den Versicherern der obligatorischen Krankenpflegeversicherung
und der obligatorischen Unfallversicherung für vergleichbare Leistungen
entrichtet werden (Art. 2 Abs. 4 MVG). Nach Art. 8 der Verordnung vom 10.
November 1993 über die Militärversicherung (MVV, SR 833.11) beträgt die
jährliche Prämie der beruflichen Versicherung 2,3% des Höchstbetrages des
versicherten Jahresverdienstes nach Art. 15, zuzüglich der Prämie, welche
die übrigen Angestellten des Bundes für die Nichtberufsunfallversicherung
entrichten. Die Prämien werden direkt vom Lohn abgezogen (Art. 8 Abs. 4
MVV). Die Änderungen des MVG und der MVV traten am 1. Januar 2006 in
Kraft. Die Revision enthält keine Übergangsbestimmungen. Der revidierte
Art. 2 MVG ist demzufolge unabhängig vom Zeitpunkt des Eintritts in die
Versicherung auf alle beruflich Versicherten anwendbar.

c. Der Anwendung von Art. 2 MVG auf den Beschwerdeführer steht das aus
Art. 8 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom
18. April 1999 (BV, SR 101) abgeleitete Rückwirkungsverbot nicht entgegen.
Das Anstellungsverhältnis des Beschwerdeführers wurde unter dem alten
Recht begründet, dauert nach Inkrafttreten des neuen Rechts aber noch an.
Es handelt sich mit anderen Worten um eine unechte Rückwirkung. Unechte
Rückwirkungen sind zulässig (vgl. Ulrich Häfelin / Georg Müller, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Zürich 2002, Rz. 337 ff.; Christine von Arx, Die
einseitige Abänderbarkeit eines öffentlich-rechtlichen Anstellungsvertrages,
Basel 2002, S. 82).

d. Der Beschwerdeführer beruft sich auf seine Arbeitsverträge aus den Jahren
2001/2002 sowie 2005, konkret auf Ziff. 5. Er macht geltend, die Auslegung
dieser Bestimmung ergebe, dass der Arbeitgeber während der Dauer der
Anstellung für die Prämien der Militärversicherung aufkomme.

Die Rechte und Pflichten des Bundespersonals ergeben sich vorab aus
der Gesetzgebung (Art. 6 Abs. 2 BPG). Für vertragliche Vereinbarungen
besteht nur Raum, wo das BPG und andere Bundesgesetze keine zwingenden
Bestimmungen enthalten. Art. 2 Abs. 1 MVG hält fest, dass beruflich
Versicherte, worunter der Beschwerdeführer unstreitig fällt, angemessene

5

Prämien für im Rahmen der obligatorischen Krankenpflege- und der
obligatorischen Unfallversicherung erbrachte Leistungen zu entrichten
haben. Aus demWortlaut lässt sich nicht ableiten, die Frage der Tragung
der Prämien sei vertraglicher Vereinbarung überlassen. Art. 2 Abs. 1 MVG ist
vielmehr zwingend formuliert. Auch die teleologische sowie die historische
Auslegung dieser Bestimmung ergeben nichts anderes. Die Revision des
MVG von 2003 bzw. das Bundesgesetz über das Entlastungsprogramm
2003 bezwecken die Entlastung des Bundesbudgets (vgl. Botschaft des
Bundesrates zum Entlastungsprogramm 2003 für den Bundeshaushalt vom
2. Juli 2003, BBl 2003 5615 ff., 5743 f.). Dieser Zweck würde nicht erreicht,
bliebe die Frage der Tragung der Prämien der vertraglichen Vereinbarung
überlassen. Als zwingende Bestimmung findet Art. 2 Abs. 1 MVG auf alle
beruflich Versicherten der Militärversicherung Anwendung. Eine Änderung
des Arbeitsvertrages ist nicht nötig. Die diesbezüglichen Bestimmungen
in den Arbeitsverträgen haben mit anderen Worten nur deklaratorischen
Charakter. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers enthalten
die öffentlich-rechtlichen Arbeitsverträge nicht nur Regelungen, die der
Parteidisposition unterliegen. Vielmehr weisen diese Arbeitsverträge
regelmässig Bestimmungen auf, die über gesetzliche Regelungen informieren
oder auf diese hinweisen, so z. B. bezüglich der beruflichen Vorsorge, worauf
Ziff. 6 des Arbeitsvertrages des Beschwerdeführers verweist, oder eben
bezüglich Militärversicherung.

Die vertraglichen Bestimmungen im Bereich der Militärversicherung und
insbesondere der diesbezüglichen Prämienpflicht gehen der am 1. Januar
2006 in Kraft getretenen Revision des MVG entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers somit nicht vor. Eine Ausnahme könnte nur dort bestehen,
wo eine behördliche Zusicherung vorläge, welche die Verwaltung nach dem
Grundsatz des Vertrauensschutzes im engeren Sinne bindet, oder wo in
wohlerworbene Rechte eingegriffen würde (s. dazu unten, E. 3 und 4).

Aus dem Vorrang der nach wie vor recht umfassenden gesetzlichen
Regelungen ergibt sich, dass der Raum für vertragliche Vereinbarungen im
Vergleich zum Privatrecht wesentlich kleiner ist. Tatsächlich können die
öffentlich-rechtlichen Arbeitsverträge des Bundes in vielen Bereichen einseitig
durch Gesetzesänderung abgeändert werden, was im Privatrecht relativ selten
vorkommt. Hingegen besteht im Bundespersonalrecht ein bedeutend besserer
Kündigungsschutz, indem das BPG die Kündigungsgründe abschliessend
aufzählt, wogegen das Obligationenrecht Kündigungen an sich aus beliebigen
Gründen zulässt, solange die Kündigung nicht missbräuchlich ist. Bezüglich
Übernahme von Prämienzahlungen wäre eine Änderungskündigung im
privatrechtlichen Arbeitsvertrag - wie auch der Beschwerdeführer feststellt
- zulässig. Die Argumentation des Beschwerdeführers, wonach die Erhebung
von Prämien der Militärversicherung eine Vertragsänderung voraussetze, eine
solche aber nicht zulässig sei, und der Gesetzgeber mit dem MVG auch das BPG
mittels einer Art. 2 des Schlusstitels des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 210) analogen Übergangsbestimmung
hätte ergänzen müssen, verkennt, dass das BPG in Art. 6 ausdrücklich auf
andere Bundesgesetze verweist und zudem keine Bestimmung enthält, die

6

Art. 2 Abs. 1 MVG widerspräche. Somit bedarf es weder einer Änderung des
Bundespersonalgesetzes, um die Prämienpflicht einzuführen, noch stellen sich
Fragen bezüglich Vorrang des BPG gegenüber dem MVG.

3. Der Beschwerdeführer beruft sich auf den verfassungsmässigen Grundsatz
von Treu und Glauben bzw. auf den Vertrauensgrundsatz.

a. Der in Art. 9 BV festgehaltene, aus Art. 4 Abs. 1 der bis zum 31.
Dezember 1999 in Kraft gewesenen Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft vom 29. Mai 1874 (aBV[1]) abgeleitete Schutz von Treu und
Glauben verleiht dem Bürger einen Anspruch auf Schutz des berechtigten
Vertrauens in behördliche Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte
Erwartungen begründendes Verhalten der Behörde (BGE 129 I 170 E. 4.1, BGE
126 II 387 E. 3a). Eine Auskunft oder Zusicherung, welche eine Behörde dem
Bürger erteilt und auf die er sich verlassen hat, ist unter gewissen Umständen
bindend. Voraussetzung dafür ist, dass sich die Angaben der Behörde auf eine
konkrete, den betreffenden Bürger berührende Angelegenheit beziehen,
dass die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben hat, hierfür zuständig
war, dass der Bürger die Unrichtigkeit des Bescheids nicht ohne weiteres
hat erkennen können, dass er im Vertrauen auf die Auskunft nicht wieder
rückgängig zu machende Dispositionen getroffen hat und dass die Rechtslage
zur Zeit der Verwirklichung des Tatbestandes noch die gleiche ist wie im
Zeitpunkt der Auskunftserteilung (BGE 117 Ia 287 E. 2b, mit Hinweisen, vgl.
auch BGE 122 II 123 E. 3b/cc; Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
Zürich vom 25. Juni 1998, veröffentlicht in: Schweizerisches Zentralblatt für
Staats- und Verwaltungsrecht [ZBl] 1999, S. 639 E. 4a, mit weiteren Hinweisen;
ferner Botschaft des Bundesrates vom 20. November 1996 über eine neue
Bundesverfassung, BBl 1997 I 1 ff., 145).

b. Ziff. 5 des Arbeitsvertrages des Beschwerdeführers vom 21. Februar/ 8.
März 2005 lautet wie folgt:

«Für die Dauer Ihres Anstellungsverhältnisses sind Sie gemäss Art. 1 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Militärversicherung bei der Militärversicherung
gegen die Folgen von Krankheit und Unfall versichert.»

Aus diesemWortlaut ergibt sich nicht, wer für die Prämien aufzukommen hat.
Ob der Beschwerdeführer gestützt auf diese Bestimmung davon ausgehen
durfte, der Arbeitgeber werde während der Dauer der Anstellung für
die gesamten Prämien aufkommen, ist fraglich, kann aber letztlich offen
bleiben, da die Rechtslage seit Vertragsunterzeichnung geändert hat. Auf die
Abhängigkeit von gesetzlichen Grundlagen macht Ziff. 5 mit dem Verweis auf
Art. 1 MVG sogar ausdrücklich aufmerksam. Ob die weiteren Voraussetzungen
des Vertrauensschutzes gegeben sind, kann unter diesen Umständen offen
bleiben.

4. Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, Ziff. 5 seiner Arbeitsverträge
habe wohlerworbene Rechte begründet.

a. Das öffentliche Dienstrecht wird durch die jeweilige Gesetzgebung
bestimmt; es macht deshalb, auch was die vermögensrechtliche Seite betrifft,
grundsätzlich die Entwicklung mit, welche die Gesetzgebung erfährt. Nach
der Rechtsprechung des Bundesgerichts kommt den vermögenswerten
Ansprüchen aus Beamten- und Angestelltenverhältnissen in der Regel
nicht der Charakter wohlerworbener Rechte zu. Sie stellen nur dann

7

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_129%20I%20170
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_126%20II%20387
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_126%20II%20387
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_117%20Ia%20287
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_122%20II%20123

wohlerworbene Rechte dar, wenn das Gesetz die entsprechende Beziehung ein
für alle Mal festlegt und von den Einwirkungen der gesetzlichen Entwicklung
ausnimmt, oder wenn sie individuell zugesichert worden sind (BGE 118
Ia 245 E. 5b mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts [1P.58/2004] vom
15. November 2004, veröffentlicht in: ZBl 107/2006, S. 311 E. 3.1; Häfelin /
Müller, a.a.O., Rz. 1591). Als unabänderlich können bei öffentlich-rechtlichen
Anstellungsverträgen nur die für die Parteien wichtigen Punkte gelten,
die zudem ausdrücklich geregelt werden müssen. Wird durch Verweis
eine gesetzliche Regelung übernommen, ist davon auszugehen, dass sie
Gesetzesänderungen unterworfen ist (vgl. von Arx, a.a.O., S. 103).

b. Vorliegend geht es um einen ab 1. Januar 2006 neu eingeführten
Lohnabzug und damit ohne Zweifel um einen vermögenswerten Anspruch.
Indessen hat das Gesetz die Frage der Tragung der Prämie nicht ein für
alle Mal festgelegt und von der Einwirkung der gesetzlichen Entwicklung
ausgenommen. Eine individuelle Zusicherung liegt entgegen der Auffassung
des Beschwerdeführers nicht vor. Ziff. 5 hält fest, dass der Beschwerdeführer
bei der Militärversicherung versichert ist. Eine ausdrückliche Zusicherung,
wonach das VBS die Prämien der Militärversicherung tragen werde,
solange der Beschwerdeführer angestellt ist, liegt nicht vor. Ziff. 5 verweist
vielmehr auf Art. 1 Abs. 1 aMVG. Der Beschwerdeführer musste unter
diesen Umständen davon ausgehen, die mit der Militärversicherung
zusammenhängenden Fragen seien Änderungen dieses Gesetzes unterworfen.

5. (...)

[1] Zu lesen auf der Internetseite des Bundesamtes für Justiz unterhttp://www.
ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.
Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf (letzter Besuch: 3. Novemer 2006).

8

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_118%20Ia%20245
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?resolve=1&id=BGE_118%20Ia%20245
http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf
http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf
http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf

Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

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vom 11. September 2006 in Sachen X.

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2006
Année

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Band 70
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