# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6a01a813-feb1-5019-bd1f-124b42b32d53
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-04-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.04.2022 E-1661/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1661-2022_2022-04-26.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-1661/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 6 .  A p r i l  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichter Markus König, 

mit Zustimmung von Richterin Roswitha Petry; 

Gerichtsschreiber Nicholas Swain. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Sara Garcia,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 7. März 2022 / N (…). 

 

 

 

E-1661/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein unbegleiteter Minderjähriger, suchte am 10. Ja-

nuar 2022 im Bundesasylzentrum (BAZ) Region B._______ um Asyl nach. 

Am 26. Januar 2022 beauftragte er die Mitarbeitenden des HEKS Rechts-

schutzes Bundesasylzentren B._______ mit der Rechtsvertretung im Asyl-

verfahren. Am 31. Januar 2022 erfolgte die sogenannte Erstbefragung 

UMA und am 24. Februar 2022 fand eine Anhörung des Beschwerdefüh-

rers zu seinen Asylgründen nach Art. 29 AsylG (SR 142.31) statt. 

B.  

B.a Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs im 

Wesentlichen vor, er sei Paschtune und stamme aus C._______, Provinz 

Kabul. Sein Vater habe mit den amerikanischen Sicherheitskräften zusam-

mengearbeitet und deshalb befürchtet, von den Taliban umgebracht zu 

werden. Die Familie habe zunächst vom Flughafen Kabul aus auf dem Luft-

weg ausreisen wollen; da die Taliban den Flughafen besetzt hätten und 

sich dort eine Explosion ereignet habe, sei dies aber nicht möglich gewe-

sen. Deshalb habe er etwa vier Monate vor der Einreise in die Schweiz 

seinen Heimatstaat zusammen mit seinem Vater illegal auf dem Landweg 

verlassen. In der Türkei habe er seinen Vater aus den Augen verloren und 

sei alleine über Griechenland und die sogenannte Balkanroute in die 

Schweiz weitergereist. Sein Vater halte sich derzeit in einem Camp in der 

Türkei auf und seine Mutter und die Geschwister seien an einen ihm nicht 

bekannten Ort in Afghanistan umgezogen. Sie seien in Gefahr, weil ihre 

Nachbarschaft in C._______ von der früheren Tätigkeit seines Vaters 

Kenntnis habe. Im Unterschied zu seinen Familienangehörigen habe er nie 

ein Identitätsdokument besessen. 

B.b Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer mehrere 

Dokumente betreffend seinen Vater und dessen berufliche Tätigkeit (Aus-

weise, Zertifikate), Fotos seines Vaters sowie eine Identitätskarte seiner 

Zwillingsschwester ein.  

C.  

C.a Am 3. März 2022 unterbreitete die Vorinstanz der zugewiesenen 

Rechtsvertretung des Beschwerdeführers einen Verfügungsentwurf zur 

Stellungnahme. 

C.b In seiner Stellungnahme vom gleichen Tag erklärte die zugewiesene 

Rechtsvertretung, der Beschwerdeführer halte an seinen Vorbringen im 

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Seite 3 

Rahmen der Befragungen fest und habe ansonsten dem Urteilsentwurf der 

Vorinstanz nichts beizufügen. 

D.  

Mit Verfügung vom 7. März 2022 (eröffnet am gleichen Tag) stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

wies sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz 

an, wobei es den Vollzug der Wegweisung wegen Unzumutbarkeit zuguns-

ten einer vorläufigen Aufnahme aufschob. 

E.  

Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 6. April 2022 erhob der Be-

schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die 

Verfügung der Vorinstanz und beantragte, die Dispositivziffern 1–3 des 

Asylentscheids seien aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und 

ihm sei Asyl zu gewähren; eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung 

an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Verzicht auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. 

F.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

7. April 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Aus-

lieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende 

Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine  

solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, 

weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

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Seite 4 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-

schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,  

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 10 der Verordnung vom 1. April 2020 über 

Mass-nahmen im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus 

[Covid-19-Verordnung Asyl, SR 142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 

Abs. 1 VwVG).  

1.3 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf 

Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-

sels verzichtet. 

4.  

4.1 Zur Begründung ihrer Verfügung führte die Vorinstanz aus, der Verweis 

auf politische Entwicklungen und hypothetische Zukunftsszenarien reiche 

für die Annahme einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungsgefahr 

nicht aus. Auch wenn die Lage in Afghanistan unübersichtlich sei, gebe es 

zum heutigen Zeitpunkt keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass der 

Beschwerdeführer zu einer Personengruppe gehöre, die aus asylrechtlich 

relevanten Gründen von den Taliban grundsätzlich verfolgt werde. Die  

Voraussetzungen zur Annahme einer Kollektivverfolgung seien nicht erfüllt. 

Im Weiteren liessen sich den Aussagen des Beschwerdeführers keine Hin-

weise dafür entnehmen, dass seinem Vater, ihm persönlich oder seiner  

Familie je etwas zugestossen sei oder sie bedroht worden seien.  

Unabhängig von einem konkreten Risikoprofil sei festzustellen, dass in  

objektiver Hinsicht keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür vorliegen  

würden, dass der Beschwerdeführer flüchtlingsrechtlich relevante Nach-

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teile seitens der Taliban zu befürchten hätte. Eine rein subjektive Kompo-

nente reiche für die Annahme einer begründeten Verfolgungsfurcht nicht 

aus. Im Übrigen würden im Rahmen von Krieg oder Situationen allgemei-

ner Gewalt erlittene Nachteile – wie die vom Beschwerdeführer geltend ge-

machten schlechten Zukunftsperspektiven nach der Machtübernahme der 

Taliban – keine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung darstellen. 

4.2 Der Beschwerdeführer führte zur Begründung seiner Beschwerde aus, 

die Argumentation des SEM, wonach die von ihm geltend gemachten Be-

fürchtungen in erster Linie seinen Vater betreffen würden und weder ihm 

noch seiner Familie persönlich etwas zugestossen sie, greife zu kurz. Die 

Umstände der zunächst gescheiterten Flucht nach dem Sturz der afghani-

schen Regierung würden klar darauf hindeuten, dass sein Vater die Bedro-

hung als sehr akut wahrgenommen habe. Das Gericht habe bereits in sei-

nem Referenzurteil D-5800/2016 vom 13. Oktober 2017 festgestellt, dass 

unter anderem Personen, welche der afghanischen Regierung oder der  

internationalen Gemeinschaft nahestehen würden, einem erhöhten Ver- 

folgungsrisiko ausgesetzt seien. In seinem Urteil D-2161/2021 vom 12. Ja-

nuar 2022 habe das Gericht diese Beurteilung aktualisiert und festgestellt, 

dass sich die Gefährdungslage für diese Personengruppe akzentuiert 

habe. Das SEM habe nicht berücksichtigt, dass er als Kind abrupt zur 

Flucht gezwungen gewesen sei, sowie dass sein Vater ihn aufgrund seines 

Alters nicht über alles informiert habe, was möglicherwiese vorgefallen sei. 

Lückenhaftes Wissen könne ihm nicht vorgehalten werden. Sein Vater 

habe sich durch sein Engagement für die afghanischen Streitkräfte  

politisch klar positioniert. Es sei davon auszugehen, dass die Familie des-

wegen bereits vor der Machtübernahme der Taliban exponiert und Repres-

salien ausgesetzt gewesen sei und er deshalb das in der Gerichtspraxis  

definierte Risikoprofil erfülle. Das SEM habe weder seine Aussage, wo-

nach zwei seiner Onkel von den Taliban getötet worden seien, noch den 

psychischen Druck durch die Ungewissheit über den Verbleib seiner Fami-

lienangehörigen berücksichtigt. Seine Vorbringen müssten entsprechend 

seinem Alter und seiner besonderen Verletzlichkeit berücksichtigt werden. 

Er habe ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten. Im 

Übrigen habe die Vorinstanz den Untersuchungsgrundsatz und die Be-

gründungspflicht verletzt. Die Anhörung sei zeitlich sehr knapp ausgefallen. 

Angesichts der Verwendung von Standardformulierungen hinsichtlich der 

aktuellen Lage in Afghanistan sowie der knappen Begründung der an- 

gefochtenen Verfügung lasse sich nicht nachvollziehen, aus welchen Über-

legungen das SEM zu seinen Schlüssen gekommen sei. Ferner zeige dies 

auf, dass der Sachverhalt nicht genügend abgeklärt worden sei. 

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5.  

5.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e auf-

gelisteten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze 

an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).  

Die Begründung einer Verfügung muss die wesentlichen Überlegungen 

wiedergeben, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie 

ihren Entscheid gestützt hat. Es ist allerdings nicht erforderlich, dass sich 

die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt 

und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (BGE 141 IV 249 

E. 1.3.1; BVGE 2008/47 E. 3.2 m.w.H.). Die Begründungspflicht soll der 

betroffenen Person ermöglichen, die Verfügung gegebenenfalls sach- 

gerecht anzufechten. In diesem Sinne kann sich die Vorinstanz auf die für 

den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (vgl. ausführlich 

BGE 2013/43 E. 4, mit weiteren Hinweisen). 

5.2 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist es nicht zu bean-

standen, dass die Vorinstanz in seinem Verfahren auf weitergehende 

Sachverhaltsabklärungen verzichtet hat. Das SEM ist zu Recht von einem 

ausreichend erstellten Sachverhalt ausgegangen, zumal auch auf Be-

schwerdeebene keine weiteren Details zur angeblichen Verfolgungsgefahr 

im Heimatland vorgebracht werden und nicht ersichtlich ist, inwiefern eine 

ausführlichere Befragung des Beschwerdeführers oder nähere Abklärun-

gen zur Situation in seinem Heimatstaat geeignet wären, zu einer anderen 

Einschätzung – der vorliegend interessierende Frage der flüchtlingsrecht-

lichen Relevanz seiner Vorbringen – führen könnten. Die Rüge, die Anhö-

rung sei zu knapp ausgefallen, ist unbegründet, da nicht die Anzahl der 

gestellten Fragen beziehungsweise die Dauer der Anhörung entscheidend 

ist, sondern ob der Sachverhalt erstellt ist; dies kann vorliegend bejaht wer-

den. Somit kann keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (vgl. 

Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG) festgestellt werden.  

5.3 Das SEM hat sich zudem in der angefochtenen Verfügung mit den we-

sentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers sowie der aktuellen Lage 

seit der Machtübernahme durch die Taliban in erforderlichem Umfang aus-

einandergesetzt, die Überlegungen genannt, auf welche es seinen  

Entscheid stützte, und sich in seiner Begründung auf die vom Beschwerde-

führer vorgebrachten Asylgründe gestützt. Insgesamt ist die vorinstanzli-

che Verfügung so abgefasst, dass sich der Beschwerdeführer über die 

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Seite 7 

Tragweite des Entscheids ein Bild machen konnte; wie die Beschwerde-

schrift zeigt, war es ihm denn auch ohne Weiteres möglich, diese Ver- 

fügung sachgerecht anzufechten. 

5.4 Die verfahrensrechtlichen Rügen des Beschwerdeführers erweisen 

sich demnach als unberechtigt. 

6.  

6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

7.  

7.1 Das Gericht kommt aufgrund der Akten in Übereinstimmung mit der  

Vorinstanz zum Schluss, dass eine begründete Furcht des Beschwerde-

führers vor flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung zu verneinen ist.  

Seinen Asylvorbringen lassen sich keine stichhaltigen Anhaltspunkte dafür 

entnehmen, dass er oder seine Familie vor seiner Ausreise konkrete Nach-

teile im Sinne von Art. 3 AsylG durch die Taliban erlitten hätten oder dass 

sie absehbarer Zukunft mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit mit solchen 

Massnahmen zu rechnen hätten.  

7.2 In der Beschwerdeschrift werden den überzeugenden Argumenten des 

SEM keine substanziellen Einwände entgegengehalten. Der Verweis in der 

Beschwerde auf die Gefährdungslage, die sich seit der Machtübernahme 

durch die Taliban akzentuiert habe, stellt die Einschätzung der Vorinstanz 

nicht in Frage, da sich aus diesen Entwicklungen der allgemeinen Situation 

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nicht ableiten lässt, dass der Beschwerdeführer einer besonders gefährde-

ten Personengruppe angehören könnte, und nicht erkennbar ist, welches 

konkrete Interesse die Taliban an ihm haben könnten. Der Verweis auf 

mögliche Repressalien gegenüber seiner Familie bereits vor der Macht-

übernahme der Taliban, ist rein spekulativ, da sich hierfür aus seinen Aus-

führungen in den Befragungen keinerlei Anhaltspunkte ergeben und davon 

ausgegangen werden darf, dass dem Beschwerdeführer trotz seines jun-

gen Alters konkrete Behelligungen der Familie durch die Taliban nicht ver-

borgen geblieben wären. Die in der Erstbefragung erwähnte Tötung von 

zwei Onkeln des Beschwerdeführers durch die Taliban kann zu keinem an-

deren Schluss führen, da ein sachlicher oder zeitlicher Zusammenhang 

dieser Vorfälle mit den Befürchtungen seines Vaters und ihrer gemeinsa-

men Flucht nicht dargetan wurde. Ohne die Belastung des Erlebten  

‒ auch die Reise von der Türkei nach Europa ohne Begleitung eines  

Angehörigen – für den noch sehr jungen Beschwerdeführer zu verkennen, 

rechtfertigt es sich ferner nicht, von einem unerträglichen psychischen 

Druck im Sinne des Asylgesetzes auszugehen, welcher seine Flüchtlings-

eigenschaft begründen könnte. Es ist nicht ersichtlich, dass das SEM die 

sich aus seiner Minderjährigkeit ergebende besondere Verletzlichkeit nicht 

gebührend berücksichtigt hätte.  

7.3  

7.3.1 Der Beschwerdeführer hat vor seiner Ausreise aus Afghanistan keine 

erheblichen Nachteile gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG erlitten. Eine begründete 

Furcht vor zukünftiger Verfolgung würde voraussetzen, dass er dieser bei 

einer Rückkehr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft 

ausgesetzt wäre. 

7.3.2 Auch unter Berücksichtigung des früheren Engagements seines  

Vaters für die afghanischen Streitkräfte sowie der aktuellen Situation in  

Afghanistan liegen keine konkreten Hinwiese dafür vor, dass dem Be-

schwerdeführer nach einer – hypothetischen, angesichts der vorläufigen 

Aufnahme in der Schweiz – Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit eine relevante (Reflex-) Verfolgung drohen würde.  

7.3.3 Ob der Vater des Beschwerdeführers die Flüchtlingseigenschaft auf-

weist respektive aufweisen würde, kann ebenso offenbleiben wie die 

Glaubhaftigkeit der Schilderung des Beschwerdeführers, er habe ihn in der 

Türkei in einem Wald "aus den Augen verloren" (vgl. Protokoll A15 S. 6, 

Protokoll A 19 F28). 

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Seite 9 

7.4 Die hohen Anforderungen für die Annahme einer Kollektivverfolgung 

sind in der Tat nicht erfüllt (vgl. hierzu die Urteile des BVGer E-562/2022 

vom 5. April 2022 E. 5.2 und D-5075/2021 vom 9. Dezember 2021 E. 7.4; 

zu den diesbezüglichen Anforderungen zudem BVGE 2013/12 E. 6 und 

BVGE 2013/11 E. 5.3.2). Diese Feststellung gilt für den Beschwerdeführer 

auch in seiner Eigenschaft als (minderjähriger) Sohn eines früheren Ange-

hörigen der afghanischen Streitkräfte. 

7.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer 

nicht gelungen ist, eine im Sinne von Art. 3 AsylG relevante Verfolgungs-

gefahr nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Die Vorinstanz hat sein 

Asylgesuch demzufolge zu Recht abgelehnt. Gründe für die eventualiter 

beantragte Rückweisung der Sache an die Vorinstanz sind den Akten, wie 

dargelegt, ebenfalls nicht zu entnehmen. 

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.3 Da das SEM in seiner Verfügung vom 7. März 2022 die vorläufige Auf-

nahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeordnet hat, erübrigen 

sich, praxisgemäss Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Mög-

lichkeit des Wegweisungsvollzugs. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  

Die Beschwerde ist abzuweisen. 

  

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Seite 10 

10.  

10.1 Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuwei-

sen, da sich die Beschwerdebegehren – wie sich aus den vorstehenden 

Erwägungen ergibt – als aussichtslos erweisen.  

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten demnach 

grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

Gestützt auf Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, 

SR 173.320.2) kann jedoch auf die Auflage der Verfahrenskosten auf den 

minderjährigen Beschwerdeführer verzichtet werden.  

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Markus König Nicholas Swain 

 

 

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