# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c90851a9-724e-582d-a15b-7b859bdc8bee
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-09-17
**Language:** de
**Title:** Neuanmeldung, Abstellen auf psychiatrisches Gutachten, Drogen- und Alkoholabhängigkeit kein invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden
**Docket/Reference:** IV.2013.00376
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2013.00376.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2013.00376
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Gohl Zschokke
Urteil
vom
17. September 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Stadt Zürich, Sozialzentrum
Hönggerstrasse
Rechtsanwältin Barbara Heer, Sozialversicherungsrecht
Hönggerstrasse
24, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
wurde
im Jahr
1971
geboren
(
Urk.
7/3/1)
.
Nach dem Ab
schluss der Realschule war sie mit Unterbrüchen als Serviceangestellte und
als
Verkäuferin tätig.
Im Jahr 199
9
absolvierte sie erfolgreich eine kaufmänni
sche Bürolehre (
Urk.
7/3/1
f.
und
7/3/3).
V
om
1.
April bis zum 14.
September 1999
war sie
mit einem Pensum von 50
%
als
Bürohilfe bei der
Y.___
AG
in
Z.___
tätig
, welche ihr wegen mehrfache
n
unentschuldigte
n
Fehlen
s
die Kündigung aussprach
(Urk.
7/3/2
,
7/10/1
und 7/10/4
).
Ab
November 1999
bis September 2000
arbeitete die Versicherte als Aushilfe im
A.___
für die
B.___
(
Urk.
7/3/2,
7/11/1
,
7/17
und 7/27/2
).
Am
3
0.
Juli 2002
meldete sich
X.___
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an, da sie an
Polytoxiko
ma
nie
, chronischer Hepatitis C, Hepatitis B und Adipositas leide (Urk. 7/5)
. Die
IV
Stelle tätigte
darauf erwerbliche (Urk.
7
/
10
und 7/11
) und medizinische (Urk.
7/
12
) Abklärungen.
In der Folge verneinte sie mit Verfügung vom
5.
Februar 2003 einen Rentenanspruch (
Urk.
7/15).
Dieser Entscheid blieb unan
gefochten.
Die Versicherte
meldete sich
am
2
4.
Mai 2011
bei der IV-Stelle
erneut
zum
Leis
tungsbezug
an
(
Urk.
7/22)
.
Diese
nahm darauf
ärztliche Berichte zu den Akten
(Urk.
7/28
und
7/31) und holte
aktuelle
IK-Auszüge ein (
Urk.
7/27 und 7/29). Überdies gab sie bei
Dr.
med.
C.___
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten
in
Auftrag
(Urk.
7/32 f.)
, welches dieser am 7. Februar 2012 erstattete (
Urk.
7/35)
.
Mit Vorbescheid vom 1
3.
April 2012 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
6/38). Da
gegen
liess
X.___
unter Einreichung neuer Unterlagen (
Urk.
7/50/3 ff.)
Einwand erheben (vgl.
Urk.
7/45 und 7/49).
Nachdem sich
Dr.
C.___
aufforderungsgemäss dazu geäussert
und sein Gutachten ergänzt
hatte (vgl.
Urk.
7/52 und 7/53), wurde der Rechtsvertreterin
d
er
Versicherten
Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt (
Urk.
7/55), welche diese mit Ein
gabe vom 5. Dezember 2012 nutzt
e (
Urk.
7/56). In der Folge vern
einte die IV
Stelle m
it Ver
fügung vom 14
. M
ärz
2013 einen
Rentenanspruch (Urk. 2 = Urk. 7/
58
).
2.
Dagegen liess
X.___
mit Eingabe vom
2
6.
April
2013 Beschwerde erhe
ben (Urk. 1). Ihr
e
Rechtsvertreter
in
verlangte, die angefochtene Verfü
gung sei aufzuheben und es sei der Beschwerdeführerin eine
ganze Invali
denrente zuzu
sprechen.
Eventualiter sei ein weiteres psychiatrisches Gutachten beizuziehen.
Alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge
n
zulasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1 S. 2).
Ferner
beantragte sie
die Gewährung der unentgeltlichen
Prozess
führung
(
Urk.
1 S. 2
und S. 8
).
Die IV-Stelle schloss am
2
2.
Mai
2013 auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 6
).
Mit Verfügung vom 28. Mai 2013 wurde der Beschwerdeführerin
die unentgeltliche Prozessführung
gewährt und ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
8).
Mit Eingabe vom 2
7.
Juni 2013 erstattete die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin ihre Replik. Diese wurde mit Verfügung vom
1.
Juli 2013 an
die Gegenpartei
zugestellt (Urk. 12
)
, welche am 2
4.
Juli 2013 auf das Einreichen einer Duplik verzichtete (
Urk.
13)
.
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforder
lich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Drogensucht oder Alkoholismus (wie auch
Medikamenten
abhängigkeit
) begrün
den gemäss ständiger Rechtsprechung für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird eine derartige Sucht
invalidenversicherungsrecht
lich
erst relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in de
ren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychischer, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheits
schadens
ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 102 V 167, 99 V 28 E. 2; AHI 2002 S. 30 E.
2a, 2001 S
. 228 f. E. 2b; SVR 2001 IV Nr.
3 S. 7 E. 2b; Urteil des Bundesge
richts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.1 mit Hinweisen sowie Urteil des Bun
des
ge
richts 8C_694/2008 vom 5.  März 2009
E.
2).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades, verweigert, so wird nach
dem hier anwendba
ren, bis Ende 2011 in Kraft gestandenen
a
Art
.
87
Abs.
4
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue
Anmel
dung
nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
3 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (vgl. dazu BGE 130 V 71; AHI 1999 S. 84 E. 1b mit Hinweisen; vgl. auch AHI 2000 S. 309 E. 1b mit Hinweisen). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 130 V 71 E. 3.2.2 und 3.2.3, 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.
Die Beschwerdegegneri
n wies das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin
mit der Begründung ab,
aufgrund der
vorhandenen medizinischen Unterlagen
und gestützt auf das psychiatrische Gutachten könne keine gesundheitliche Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit in jeglicher beruflicher Tätigkeit festgestellt wer
den, welche nicht direkte Folge
des vom Gutachter erwähnten Tranquilizer-Abusus oder der Substitutionsbehandlung der primären Sucht mit Methadon sei
. Es liege deshalb
kein Gesundheitsschaden
im Sinne des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung vor (Urk. 2 S. 1
).
Demgegenüber
macht
die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführer
in
geltend, nebst der bekannten Suchtproblematik würden auch eine
p
osttraumatische
Belastungs
störung
(ICD-10: F 43.1), eine abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.7)
,
eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F 41.1) und eine Panikstörung (ICD-10: F41.0) vorliegen, welche sich ebenfalls auf die Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführerin auswirken würden
(Urk. 1 S.
3
).
Insbesondere
beanstandet die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin das psychiatrische
Gutachten
vom 7. Februar 2012
samt der Ergänzung vom 20. August 2012
und macht geltend, dass
nicht
darauf
abgestellt werden könne
(
Urk.
1 S. 3 ff.).
3.
3.1
Die IV-Stelle ist auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 2
4.
Mai 2011 (
Urk.
7/22) materiell eingetreten. Es gilt somit zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im massgeblichen Zeitraum zwi
schen der ersten Verfügung vom
5.
Februar 2003 (
Urk.
7/15), mit welcher ein Anspruch auf eine Invalidenrente verneint worden
war
, und der Verfügung vom 14. März 2013, welche die zeitliche Grenze für den zu beurteilenden Sachver
halt bildet, insoweit verschlechtert hat, dass nunmehr ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht.
3.2
Massgeblich für die Beurteilung des Gesundheitszustandes bei Erlass der Verfü
gung vom
5.
Februar 2003
waren der Bericht von
Dr.
med.
D.___
, Facharzt FM
H
für Allgemeinmedizin
,
vom 1
6.
März 2002 (
Urk.
7/12/1 f.)
samt beiliegendem Bericht der Medizinischen Klinik des
E.___
vom 1
6.
April 2002 (Urk. 7/12/3 f.; vgl. das Feststellungsblatt für den Beschluss vom
5.
Februar 2003,
Urk.
7/14)
.
Dr.
D.___
hielt als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
Poly
toxiko
manie
mit harten Drogen,
Aethylismus
und Adipositas
per
magna
fest.
Unter
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vermerkte er den täglichen Konsum von hohen Dosen Methadon (
Urk.
7/12/1).
Im Bericht der Medizinischen Klinik d
es
E.___
w
u
rden
Polytoxiko
manie
(stationärer Alkoholentzug, unter Methadon, Status nach intravenösem
Drogenabusus
mit Heroin/Kokain 1986-89, Verdacht auf alkoholische Hepato
pathie 01/01), Vitamin B
12
-Mangel, chronisch aktive Hepatitis C, Hepatitis B, Adipositas
permagna
, Schmerzen im
Thorakolumbalbereich
bei Status nach Sturz vor einem Jahr und Verdacht auf chronische Bronchitis bei
Nikotinabusus
als Diagnosen erwähnt (
Urk.
7/12/3).
Zur Anamnese wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 1988 nach einer Vergewaltigung
psychologisch
betreut worden sei. Von 1986 bis 1989 habe sie intravenös Heroin und
Kokain
konsumiert, seit 13 Jahren nehme sie an einem Methadonprogram
m
teil.
Im Jahr 1995 sei es zu einer Tablettenintoxikation in nicht suizidaler Absicht gekommen. Im Mai 2000 sei sie wegen eines depressiven Zustandsbildes
not
fallmässig
ambulant behandelt worden. Im August 2000 sei es zu einem erneu
ten psychischen Ausnahmezustand mit agitiertem Zustandsbild bei Verdacht auf eine Drogenintoxikation gekommen. Bereits im Januar 2001 sowie in den Jahren 1995 und 1996 habe die Beschwerdeführerin einen stationären
Alkohol
entzug
gemacht. Zweimal pro Woche suche die Beschwerdeführerin das
F.___
(gemeint wohl:
G.___
)
auf, wo sie engmaschig psychiatrisch betreut werde (
Urk.
7/12/3).
Die Beschwerdeführerin sei
am 2
1.
März 2002
in die Medizinische Klinik des
E.___
zur stationären Alkoholentzugstherapie eingetreten, da sie drei bis vier Liter
Frizzantino
und
vier mal fünf Deziliter Bier täglich konsumiere. Der physische Alkoholentzug sei unter
Seresta
problemlos verlau
fen
. Auf Wunsch der Beschwerdeführerin und nach Rücksprache mit
ihrem behandelnden
Psychiater,
Dr.
med.
H.___
vom
G.___
(Poliklinik der
I.___
), werde die Nachbetreuung
nach dem Austritt am
2.
April 2002
nicht in einer Klinik, sondern durch
Dr.
H.___
erfolgen (Urk. 7/12/4).
3.3
Der Neuanmeldung
vom 2
4.
Mai 2011
lagen Arztzeugnisse von
Dr.
med.
J.___
, Oberarzt
G.___
, Poliklinik für Drogenmedizin, vom 2
2.
April 2010 und vom 1
8.
Februar 2011 bei, gemäss welchen sich die Beschwerde
führerin im erwähnten Institut in ambulanter Behandlung befinde und arbeits
unfähig sei (
Urk.
7/20/6 und 7/20/8). Auch
Dr.
D.___
bestätigte in einem ärztli
chen Zeugnis vom
7.
April 2010, dass die Beschwerdeführerin
–
in Folge ihrer mehrfachen Abhängigkeit
–
arbeitsunfähig sei (
Urk.
7/20/7).
Aus dem
darauf
von der Beschwerdegegnerin eingeholten Beric
ht von Dr.
D.___
vom
1.
Juni 2011 gehen nebst den bereits bekannten Diagnosen keine neuen hervor (
Urk.
7/28/6).
Dr.
D.___
hielt fest, dass er die Beschwerdeführerin s
eit dem 2
9.
Juli 1985
behandle
und
sie
am 2
7.
April 2011
letztmals untersucht
habe
(
Urk.
7/28/7).
Ihren
Gesundheitszustand
beurteile er
als sich verschlech
ternd (
Urk.
7/28/8).
Die
Arbeitsfähigkeit
liesse sich
durch Drogenrestriktion
ver
bessern
(
Urk.
7/28/8).
Hinsichtlich spezialärztlicher Untersuchungen verwies er auf drei angefügte Berichte des
E.___
und stellte bei Bedarf die Zusendung weiterer Unterlagen in Aussicht (
Urk.
6/28/7).
Der erste
dieser Berichte
datiert vom 3
1.
März 2005 und erwähnt, dass die Beschwerdeführerin
gleichentags
in der
Notfallstation der
Medizinischen Klinik des
E.___
mit einem Blutalkoholgehalt von 2,1 Promille
er
schienen sei und erklärt habe, sie wolle einen
erneuten Alkoholentzug und
einen Entzug von
Heroin, Kokain und Valium
machen
.
Nach Rücksprache mit
Dr.
H.___
, dem behandelnden Arzt des
G.___
, habe man mit der Beschwerde
führerin besprochen, dass sie sich am
1.
April 2005
zur
ambulante
n
Behandlung
ins
G.___
begeben solle. Laborchemisch habe man eine Erhöhung des Enzyms
Creatin
Kinase
(CK) festgestellt, als deren Ursache alkoholbedingte Stürze,
Auto
aggression
oder
Fremdverschulden in Frage kämen (
Urk.
7/28/5)
.
Die Beschwer
deführerin habe zuerst angegeben, sie habe einen Purzelbaum auf dem Bett
gemacht
,
und später davon gesprochen, dass sie geschlagen worden sei (
Urk.
7/28/4). Aufgrund des normalen
Troponinwertes
sei eine kardiale Genese jedenfalls auszuschliessen (
Urk.
7/28/5). Das EKG habe einen pathologischen Wert gezeigt, welcher sich auf den Kokainkonsum zurückführen lassen könnte, es sei aber eine Nachkontrolle angezeigt (
Urk.
7/28/5). Des Weiteren wurde neu eine Angststörung diagnostiziert, wobei zum Befund keine entsprechenden Angaben vermerkt wurden (
Urk.
7/28/4).
Dem Kurzaustrittsbericht der Chirurgischen Klinik des
E.___
vom
2.
Juni 2006 ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin vom 2
9.
Mai bis zum
2.
Juni 2006 wegen einer Fussverletzung (einer gewaltsamen Überdehnung des aussenseitigen Halteapparates des oberen Sprunggelenkes mit einer Läsion des
Ligamentum
fibulotalare
anterius
) behandelt werden musste, nachdem sie von einem Mann dazu gezwungen worden sei, aus dem Fenster auf einen Bal
kon zu springen, da dessen Ehefrau nach Hause gekommen sei.
Nebst der erwähnten Verletzung wurde auch eine Angststörung (unter
Xanax
und
Tritti
cotherapie
) nebst den bekannten Diagnosen erwähnt
(
Urk.
7/28/3).
Gemäss dem Kurzaustrittsbericht der Notfallstation
d
er Klinik für Innere Medi
zin
des
E.___
vom 1
5.
Mai 2008 habe die Polizei die Sanität angerufen, nachdem die Beschwerdeführerin auf der Strasse Alkohol getrunken habe und auf dem Boden gelegen sei. Als sie in der Notfallstation eingetroffen sei, sei sie mit einer Alkoholintoxikation von 4,1 Promille zeitlich und örtlich orientiert gewesen. Nebst den bereits bekannten Diagnosen wurden auch eine Angststörung und eine Migräne (seit 2004) festgehalten (
Urk.
7
/28/1).
Dr.
J.___
hielt in seinem Bericht vom 1
0.
August 2011 zu
Handen
der
Beschwerde
gegnerin
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1), eine abhängige
Per
sönlichkeitsstörung
(ICD-10: F 60.7), eine generalisierte Angststörung (ICD
10: F 41.1) und eine Panikstörung (ICD-10: F 41.0) fest, welche seit Jahren
bestün
den
. Er beurteilte die Beschwerdeführerin als seit dem Jahr 2001 bis auf
We
ite
res zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
7
/31/2).
Hinsichtlich der
Anamnese vermerkte er,
dass
die Beschwerdeführerin ohne Geschwister bei ihrer Mutter und Grossmutter, jedoch ohne Vater aufgewachsen sei. Sie habe eine schöne Kindheit erlebt und die Primarschulzeit sei komplika
tionslos verlaufen. Im Rahmen ihres Drogenkonsums sei sie im Alter von 17
Jahren erstmals vergewaltigt worden. In der Folge habe es weitere sexuelle Übergriffe gegeben. Eine diesbezügliche nähere Exploration sei während der
Anamneserhebung
nicht möglich gewesen, da die Beschwerdeführerin mit Ängsten und Panik reagiert habe. Die Beschwerdeführerin sei mit einem
K.___
verheiratet gewesen, der nach der Scheidung ihr und ihrer Mutter gegen
über Morddrohungen geäussert habe. Dies habe sie emotional sehr belastet. Mit Männern habe die Beschwerdeführerin nur sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Zu ihrer Mutter, welche sie annähernd täglich sehe, habe sie eine sehr enge Beziehung, ansonsten nur sehr wenig soziale Kontakte.
Zum Konsum psychotroper Substanzen habe die Beschwerdeführerin geschil
dert, dass sie im ersten Sekundarschuljahr mit illegalen Substanzen in Kontakt gekommen sei. Sie
habe
im Alter von 13 Jahren mit dem Alkohol- und
Can
nabiskonsum
begonnen. Als sie 15 Jahre alt gewesen sei, habe sie zusätzlich Kokain und im Alter von 17 Jahren Heroin genommen. Nach ihrer Vergewalti
gung habe sie zunehmend Ängste entwickelt und versucht, diese durch psycho
trope Substanzen zu betäuben. Im Verlauf sei eine Panikstörung hinzugekom
men. Es sei zu mehreren psychiatrischen
Hospitalisationen
gekommen, unter anderem in der Klinik
L.___
und in der
M.___
; zumeist wegen Alkoholentzügen oder akuten Angstzuständen
(
Urk.
7/31/3).
Die Beschwerdeführerin habe sich darüber beklagt, dass sie sehr angsterfüllt und schreckhaft sei. Sie fühle sich zu nichts in der Lage und überflüssig. Zudem müsse sie oftmals über ihre Lebenssituation grübeln und fühle sich antriebslos, insbesondere am Morgen. Besonders in der dunklen, kalten Jahreszeit
erlebe sie dieses Morgentief. S
i
e
leide unter starken Schlafstör
ungen mit immer wieder
kehrenden
angstbesetzten Alpträumen. Tagsüber habe sie häufig Herzrasen und Atemnot, begleitet von Ängsten. Sie sei nur wenig belastbar und habe Mühe, sich zu konzentrieren. Zudem habe sie ein schlechtes Gedächtnis. Ihrer Mutter gegenüber habe
sie grosse Schuldgefühle (
Urk.
7
/31/3).
Als objektiven Befund erhob
Dr.
J.___
, dass die Beschwerdeführerin wach und in allen Qualitäten orientiert sei. In der Grundstimmung wirke sie etwas gedrückt. Ein affektiver Rapport sei nur schwer herstellbar. Sie sei zum Teil misstrauisch. Formalgedanklich sei sie verlangsamt, leicht
persevierend
mit Neigung zum Grübeln. Sie
berichte
über
Ängste, Panikzustände und Schlafstörungen mit Alpträumen. Die Kognition erscheine unauffällig, es seien keine
mnestischen
Störungen
eruierbar
. Es bestünden deutliche Konzentrationsschwierigkeiten. Hinweise auf inhaltliche Denkstörungen, wahnhaftes Erleben oder Halluzina
tionen seien keine vorhanden. Psychomotorisch sei die Beschwerdeführerin verlangsamt (
Urk.
7/31/3).
Dr.
J.___
gelangte zur Beurteilung, dass die Beschwerdeführerin
schwerst
trauma
tisiert sei (Vergewaltigung, Gewalt und sexuelle Übergriffe in der Dro
genszene). Ihre Ängste, Panikattacken, immer wiederkehrenden Alpträume und ausgeprägten Schlafstörungen seien in diesem Kontext zu sehen und hätten zu
einer dauernden Persönlichkeitsveränderung geführt. Es bestehe eine grosse Abhängigkeit der Beschwerdeführerin
von
ihrer Mutter, die ihre einzige Bezugs
person sei. Inwieweit die abhängige Persönlichkeitsstörung bereits prämorbid angelegt gewesen sei oder sich erst im Verlauf entwickelt habe, könne nicht eindeutig geklärt werden (
Urk.
7/31/4).
3.4
Am 2
7.
September 2011 untersuchte
Dr.
C.___
die Beschwerdeführerin psychi
atrisch und erhob bei deren Mutter eine Fremdanamnese. Überdies ent
nahm er der Beschwerdeführerin eine Blutprobe, welche einer laborchemischen Untersuchung unterzogen wurde
(
Urk.
7/36)
. Zusätzlich zu den ihm zur Verfü
gung gestellten Akten der Beschwerdegegnerin zog
Dr.
C.___
im Einverständ
nis mit der Beschwerdeführerin auch zahlreiche weitere psychiatrische Unterla
gen bei und erstattete in der Folge sein Gutachten vom 7. Februar 2012 (
Urk.
7/35/1 ff.).
Zum objektiven Befund hielt er fest, dass die Mimik und Gestik der Beschwerde
führerin verhalten sei
en
. Sie wirke schläfrig und allseits orientiert. Auffassung, Konzentration und Gedächtnis würden kursorisch geprüft leicht reduziert wir
ken. Im formalen Denken sei sie eher verlangsamt, aber kohärent. Inhaltlich würden sich keine Hinweise auf Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen finden. Die Beschwerdeführerin äussere Ängste vor Menschenansammlungen, Männern und Gewalt. Im Affekt wirke sie recht ausgeglichen, wenig schwingungsfähig und vermindert spürbar. Es seien keine Hinweise für akute Suizidalität oder Fremdgefährdung vorhanden. Demgegenüber bestünden anamnestisch Schlafstörungen mit Tag-Nacht-Umkehr. Die Urinprobe sei ledig
lich positiv auf Methadon getestet worden, alle übrigen relevanten Werte
befänden sich
im Normbereich (
Urk.
7/35/10).
Dr.
C.___
gelangte zum Schluss, es seien keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen.
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien die Störung durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom gegenwärtig meth
adonsubstituiert (ICD-10: F. 11.
22)
,
und Störungen durch Sedativa (Benzodiazepine), Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F 13.24)
,
und der Status nach langjähriger
Polytoxikomani
e
mit intravenösem Abusus von Heroin und Kokain sowie Konsum von Alkohol, Cannabis und Benzodiazepinen zu nennen (
Urk.
7/35/11).
Bei der Beschwerdeführerin bestehe ein langjähriges schweres Suchtgeschehen mit diversen erfolglosen Behandlungsversuchen, die gut dokumentiert seien.
Sie lebe
ohne Tagesstruktur und sei gemäss eigenen Angaben mit 240 mg Methadon substituiert.
Zudem nehme sie täglich eine beträchtliche Dosis von Benzodiazepinen ein. Ein zusätzlicher
Beikonsum
von Drogen oder Alkohol bestehe
derzeit
nicht, was von den Ergebnissen der
Laboruntersuchung bestätigt worden sei. In den umfangreichen
Vorakten
lies
sen sich kaum Hinweise auf einen relevanten, vom Suchtgeschehen abgrenzba
ren psychischen Gesundheitsschaden finden. Im Bericht des
G.___
vom 1
0.
August 2011 würden allerdings eine Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1), eine abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F 60.7), eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F 41.1) und eine Panikstörung (ICD-10: F
41.0)
diagnostiziert
, welche seit Jahren
bestünden
. Diese Diagnosen seien aber nicht nachvollziehbar begründet worden, insbesondere seien sie, obwohl sie angeblich seit Jahren
bestünden
, in den zahlreichen früheren Berichten nicht aufgeführt. Die Suchtproblematik als Reaktion auf eine Traumatisierung d
urch eine Vergewaltigung im 17.
Lebensjahr
zu sehen
, sei auch insofern fragwürdig, als die Suchtproblematik gemäss übereinstimmenden Angaben der
Beschwer
deführerin
in
den
Vorakten
bereits vor diesem Ereignis bestanden habe. In den umfangreichen
Vorakten
werde überwiegend auf eine im Vordergrund stehende schwere und
chronifizierte
Suchtproblematik hingewiesen. Es liessen sich keine Hinweise für einen irreversiblen Folgeschaden der Suchtproblematik finden. Die in den Akten ausführlich beschriebenen Probleme mit der beruflichen Einglie
derung würden mit den Folgen der Suchtproblematik begründet. Bezüglich all
fälliger, in den
Vorakten
vereinzelt erwähnte
r
strukturelle
r
Auffälligkeiten im Sinne einer Persönlichkeitsproblematik seien weder biographisch noch psycho
diagnostisch nachvollziehbare Hinweise vorhanden (
Urk.
7/35/11 f.).
3.5
Am 2
1.
Juni 2012 hielt
Dr.
J.___
in seiner Funktion als Oberarzt des
I.___
,
N.___
, unter Verweis auf einen entsprechenden Ausdruck aus der Datenbank des
G.___
fest, dass der vorbehandelnde Therapeut, med.
pract
.
O.___
, bereits in den Jahren 2007 und 2008 die Diagnosen einer abhängigen Persönlichkeitsstörung, einer Panikstörung und einer generalisier
ten Angststörung gestellt habe (
Urk.
7/50/3 und 7/50/4). Bezüglich des
Be
handlungsverlaufes
in den
letzten drei Jahre
n
sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin sich mit zunehmendem Vertrauen gegenüber ihrem Thera
peuten vermehrt habe öffnen können und auch einer Exploration zugänglicher geworden sei. So habe sie erstmalig gegenüber dem Referenten die in ihrem 1
7.
Lebensjahr stattgefundene Vergewaltigung erwähnt. Zum damaligen Zeit
punkt habe sie zwar schon Cannabis, Alkohol und Kokain im Sinne eines schädlichen Gebrauchs konsum
i
ert, Heroin und Benzodiazepine (diese zunächst
ärztlich verordnet) sowie anhaltender exzessiver Alkoholkonsum mit daraus jeweils resultierender Abhängigkeit seien
aber
erst nach ihrer Vergewaltigung hinzugekommen, dies um ihre Scham- und Angstgefühle zu betäuben. Sie habe berichtet, dass ihr nach ihrem letzten Alkoholentzug und der anhaltenden Alkoholabstinenz das ganze Geschehen wieder sehr nahe gekommen sei und sie
mit den daraus resultierenden noch intensiver gewordenen Angstgefühlen und Schlafstörungen mit Alpträumen kaum mehr umgehen könne. Sie wolle das erlebte Trauma mit einer weiblichen Therapeutin bearbeiten. Vor diesem Hinter
grund sei die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung gestellt wor
den (
Urk.
7/50/4 f.).
3.6
In einer Ergänzung vom 2
0.
August 20
12
zu seinem Gutachten
hielt
Dr.
C.___
fest, dass
primäre Suchtgeschehen allein keine langdauernde Arbeits
un
fähigkeit im Sinne eines relevanten psychischen Gesundheitsschadens rechtfertigen wür
den, weshalb er die betreffenden Diagnosen unter denjenigen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt habe (
Urk.
7/53/2). Die in den nachträglich eingereichten Unterlagen dokumentierten psychiatrischen Diagnosen einer abhängigen Persönlichkeitsstörung, einer Panikstörung und einer generalisier
ten Angststörung, welche bereits in den Jahren 2007 und 2008 gestellt worden sein sollen, seien in den zum Zeitpunkt seiner Begutachtung vorliegenden Berichten nicht erwähnt. Die Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstö
rung
sei
gemäss Angaben der
I.___
erst
im Jahr
2012 gestellt
worden
, also 22
Jahre nach dem beschriebenen Ereignis, was erstaunlich anmute. In den Berichten der anderen psychiatrischen Institutionen würden diese Diagnosen nicht erscheinen
.
E
s werde übereinstimmend ein primäres, erhebliches
Sucht
geschehen
beschrieben. Mangels neuer Informationen, die Einfluss auf die ver
sicherungspsychiatrische Beurteilung haben könnten, halte er an seiner gut
achterlichen Beurteilung vom
7.
Februar 2012 vollumfänglich fest (Urk. 7/53/2).
4.
4.1
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134
V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
4
.2
Strittig und zu prüfen ist, ob auf das Gutachten von
Dr.
C.___
vom 7. Februar 2012 samt dessen Ergänzung vom 2
0.
August 20
12
abgestellt werden kann
.
Die
Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin
beanstandet, dass der Gutachter ihr
Einwandschreiben
zur Ke
nntnis erhalten habe
. Dadurch werde er sozusagen zur Partei und verteidige sein Gutachten aus einer Parteistellung heraus (
Urk.
1 S. 5).
Die Stellungnahme von
Dr.
C.___
zum Einwand der Beschwerdeführerin (Urk. 7/53) ist objektiv verfasst und enthält keine Anhaltspunkte für eine Vor
eingenommenheit oder gar eine Parteistellung des Gutachters. Sie ist in formel
ler Hinsicht nicht zu beanstanden.
4.3
Das Gutachten von
Dr.
C.___
samt dessen Ergänzung
beantwortet die
gestell
ten Fragen umfassend und
gibt
insbesondere detailliert Auskunft über den aktu
ellen psychischen Zustand der Beschwerdeführerin.
Es
basiert auf der notwendi
gen psychiatrischen Untersuchung durch einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Diesem standen die gesamten Akten zur Verfügung, worin sämtliche bei der Beschwerdegegnerin eingegangenen medizinischen Berichte enthalten waren.
Im Einverständnis mit der Beschwerdeführerin hat
Dr.
C.___
selbst
zahlreiche weitere Akten beigezogen, welche deren Behandlung in der Klinik
P.___
,
in
der
M.___
und
im
Q.___
der
R.___
betreffen (vgl. Urk. 7/35/14 ff.). Nebst einer sorgfälti
gen Anamnese und Befunderhebung hat
Dr.
C.___
auch eine Fremdanamnese
berücksichtigt
und
zusätzlich
die
Resultate einer laboranalytischen Blutuntersu
chung in seine Beurteilung miteinbezogen. Er
diskutiert
die anderslautenden ärztlichen
Diagnosen, namentlich diejenigen in den
Berichten
von Dr.
J.___
vom 1
0.
August 2011 und vom 2
1.
Juni 2012
,
auf welche sich die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin beruft (Urk.
1 S. 3),
und begründet
einleuchtend und nach
vollziehbar
seine eigene Einschätzung.
Die Rechtsvertreterin der Besch
werde
führerin moniert, dass Dr.
C.___
nicht auf die Berichte des
E.___
vom 3
1.
März 2005, vom
2.
Juni 2006 und vom 15. Mai 2008 eingegan
gen sei, in welche
n
die Diagnose einer Angststörung gestellt worden sei (
Urk.
1 S. 4
und S.
6
).
Hierzu ist zu bemerken, dass
keiner
der erwähnten Berichte
eine psychiatrische Behandlung oder Untersuchung der Beschwerde
führerin betraf
und in allen auch kein entsprechender Befund erwähnt wurde (vgl.
Urk.
7/28/4, 7/28/3 und 7/28/1). Sie waren demnach weder
im Gutachten zu thematisieren noch sind sie geeignet, um
die von Dr.
C.___
abgegebene Beurteilung
zu erschüttern.
4.4
Bezüglich der Berichte von
Dr.
J.___
vom 1
0.
August 2011 und vom 2
1.
Juni 2012 ist
vorab
als Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE
125 V 351 E. 3b/cc.).
Den betreffenden Unterlagen
ist sodann auch nicht zu entnehmen, dass sie in Kenntnis der vorhandenen medizinischen Akten
ver
fasst wurden. Insbesondere geht daraus nicht hervor, ob
Dr.
J.___
bei seiner Beurteilung den Bericht der Medizinischen Klinik des
E.___
vom 1
6.
April 2002 berücksichtigte, in welchem zwar erwähnt wurde, dass sich die Beschwerdeführerin nach ihrer Vergewaltigung in psychologische Behandlung begeben hatte, der aber keinen Hinweis dafür enthält, dass ein psychischer Gesundheitsschaden diagnostiziert worden wäre (
Urk.
7/12/3).
Die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung
als
Folge der im Jahr 1988 erlebten Vergewaltigung
wurde
nicht nachvollziehbar erklärt
,
und e
s w
u
rd
e
auch nicht schlüssig dargelegt, weshalb diese Diagnose erst im Jahr 2011 zum ersten Mal dokumentiert wurde
.
Auch fehlt es an einer plausiblen Begründung für die Diagnosen einer posttraumatischen Belastungsstörung, einer abhängigen
Per
sönlichkeitsstörung
, einer generalisierten Angststörung und einer Panikstörung.
Entgegen der Auffassung der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin sind die Berichte
von
Dr.
J.___
folglich nicht geeignet, die Einschätzung von
Dr.
C.___
in Frage zu stellen. Dies gilt auch für den Ausdruck aus der Krankengeschichte (
Urk.
7/40/3), auf welchen Bezug genommen wird.
4.5
Zusammenfassend ergibt sich, dass gestützt auf das Gutachten von
Dr.
C.___
lediglich von einer Störung durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig methadonsubstituiert (ICD-10: F. 11:22)
,
und Störungen durch Sedativa (Ben
zodiazepine), Abhängigkeitssyndrom (ICD-10: F 13.24), und einem Status nach langjähriger
Polytoxikomanie
mit intravenösem Abusus von Heroin und Kokain sowie Konsum von Alkohol, Cannabis und Benzodiazepinen auszugehen ist. Ein invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden liegt damit nicht vor.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden Beschwerde
führerin aufzuerlegen,
zufolge gewährter unentgeltlicher Prozessführung (vgl.
Urk.
8) aber einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt,
zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen. Die Beschwerdeführerin wird auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich, Sozialzentrum
Hönggerstrasse
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigGohl Zschokke