# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ddaca6bb-05b7-54fa-9be2-6ea4c641a258
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.11.2010 E-2612/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2612-2008_2010-11-18.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-2612/2008/ame
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 8 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, 
Richter Maurice Brodard, 
Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler.

A_______, geboren (...) 1990, 
Somalia,
vertreten durch lic. iur. Randi von Stechow, (...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 16. April 2008 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-2612/2008

Sachverhalt:

A.
Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer seinen Hei-
matstaat  Somalia im November 2007 auf  dem Landweg in Richtung 
Jemen, von wo aus er auf dem Luftweg mit einem gefälschten italie -
nischen Pass nach Italien gelangt sei. Am 6. Dezember 2007 reiste er 
mit dem Zug in die Schweiz, nachdem ihm ein erster Einreiseversuch 
am 4. Dezember 2007 misslungen und er den italienischen Behörden 
rückübergeben worden war. Am 3. März 2008 reichte er im Empfangs-  
und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  ein  Asylgesuch  ein.  Der 
Beschwerdeführer  wies  sich  anlässlich  der  Asylgesuchstellung  mit 
einer Kopie seines in Mogadishu ausgestellten Geburtsscheines aus. 
Hinsichtlich seines Alters gab er an, am 21. Oktober 1990 geboren und 
damit noch minderjährig zu sein.

B.
Aufgrund von Zweifeln an der  behaupteten Minderjährigkeit  gab das 
BFM beim Spital Thurgau in Frauenfeld am 6. März 2008 eine radiolo -
gische  Untersuchung  des  Skelettalters  (sog.  dorso-ventrales  Hand-
skelettröntgen)  in  Auftrag.  Diese  ergab  –  bei  einer  zu  berücksichti -
genden doppelten Standardabweichung von plus/minus 30,8 Monaten 
- ein Skelettalter von 19 Jahren. 

C.
Am 13. März 2008 wurde der Beschwerdeführer im EVZ summarisch 
zu seiner Herreise (siehe Bst. A) und den Ausreisegründen befragt. Als 
Ausreisegründe gab er an, dass seine Familie aufgrund ihrer Hellhäu-
tigkeit  in  Somalia  in  verschiedener  Weise  diskriminiert  worden  sei.  
Man habe sie ausgeraubt, bedroht und tätlich angegriffen. Sein Bruder 
sei auf den Hinterkopf geschlagen worden. Seinem Vater hätten sie bei  
einem Überfall  das Bein gebrochen. Eine seiner Schwestern sei ver-
gewaltigt  worden,  ein Bruder sei  ermordet  worden. Er  selbst  sei  am 
Finger verletzt worden und hätte diesen beinahe verloren. Auch sei er  
auf den Hinterkopf geschlagen worden und habe dabei das Gedächt -
nis verloren. Schliesslich sei er mit einem Gewehrkolben in den Bauch 
geschlagen worden,  so dass er  beim Gehen nun starke Schmerzen 
habe. Diese Angriffe seien jeweils aus rassistischen Gründen erfolgt.  

D.
Ebenfalls am 13. März 2008 fand eine als Nachbefragung bezeichnete 

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Anhörung  des  Beschwerdeführers  statt,  welche  insbesondere  den 
familiären Hintergrund des Beschwerdeführers und seine Altersangabe 
zum Thema hatte. Anlässlich dieser Nachbefragung wurde ihm auch 
das Resultat der Knochenaltersanalyse zur Kenntnis gebracht und es 
wurde  ihm  zur  Annahme  der  Volljährigkeit  beziehungsweise  den 
Gründen (und Folgen)  für  diese Annahme das rechtliche Gehör  ge-
währt. Konkret wurde dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass das BFM 
aufgrund  der  Nichtabgabe  von  Ausweispapieren,  des  Fehlens  von 
plausiblen Gründen für deren Nichtabgabe, dem Erscheinungsbild und 
dem Ergebnis  der  Knochenaltersanalyse  starke Zweifel  an  der  Min-
derjährigkeit hege. Es gehe deshalb davon aus, dass er volljährig sei 
und verzichte folglich auf  die Beiordnung einer Vertrauensperson für 
Minderjährige.  Der  Beschwerdeführer  gab  dazu  zu  Protokoll,  er  sei 
nicht  bereit,  diese Einschätzung zu akzeptieren. Er  habe das wahre 
Alter angegeben. 

E.
Mit  Anfrage vom 20. März 2008 gelangte  das BFM bezüglich  Rück-
übernahme des Beschwerdeführers unter Hinweis auf die bereits am 
4. Dezember  2007  erstmals  erfolgte  Rückweisung  des  Beschwerde-
führers  nach Italien  an die italienischen Behörden. Gestützt  auf  das 
Rückübernahmeabkommen Italien-Schweiz stimmten die italienischen 
Behörden mit Antwortschreiben vom 1. April 2008 der Rückübernahme 
zu. Einem Begleitschreiben vom 1. April  2008 des EVZ Chiasso zu-
handen des EVZ Kreuzlingen ist  zu entnehmen,  dass  die  Übergabe 
innert 30 Tagen erfolgen könne. 

F.
Am 9. April 2008 fand eine Anhörung des Beschwerdeführers nach Art. 
29  Abs.  1  AsylG  zu  seinen  Ausreisegründen  statt.  Der  Anhörung 
wohnte eine Person einer Hilfswerksvertretung bei,  nicht jedoch eine 
Vertrauensperson gemäss Art. 17 Abs. 3 Bst. b des Asylgesetzes vom 
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) . 

G.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 16. April 2008 trat das BFM 
gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht ein und ordnete seine Wegweisung samt Voll-
zug nach Italien an. Für die Begründung wird auf die nachstehenden 
Erwägungen verwiesen.

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H.
Mit  Eingabe  vom 23. April  2008  erhob  der  Beschwerdeführer  durch 
seine  Rechtsvertreterin  Beschwerde  gegen  den  Nichteintretensent-
scheid. Diese beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Rück-
weisung an die Vorinstanz. Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft 
festzustellen und dem Beschwerdeführer sei Asyl zu gewähren. Sub-
eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzu-
stellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  Sodann  sei  dem 
Beschwerdeführer  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren  und 
es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Zur 
Begründung der Eingabe wurde unter anderem angeführt, die geltend 
gemachte  Minderjährigkeit  des  Beschwerdeführers  sei  in  der  ange-
fochtenen  Verfügung  völlig  unerwähnt  geblieben.  Dem  Beschwerde-
führer sei  für  die Anhörung gemäss Art. 29 AsylG zu Unrecht  keine 
Vertrauensperson für  Minderjährige beigeordnet  worden. Zudem ver-
füge  der  minderjährige  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  über  eine 
Tante und damit  über  eine nahe Angehörige gemäss Art. 34 Abs. 3 
Bst. a AsylG, weshalb er nicht hätte nach Italien weggewiesen werden 
dürfen,  sondern  sein  Asylgesuch  in  der  Schweiz  materiell  hätte  be-
handelt werden müssen. 

I.
Mit Instruktionsverfügung vom 29. April 2010 verzichtete die zuständi-
ge  Instruktionsrichterin  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. 
Den Entscheid über die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 
verschob sie auf  einen späteren Zeitpunkt. Sodann forderte  sie den 
Beschwerdeführer  unter  anderem auf,  das  Verwandtschaftsverhältnis 
innert Frist zu dokumentieren und eine leserliche Kopie der Identitäts-
karte der angeblichen Tante einzureichen, ansonsten das behauptete 
verwandtschaftliche Verhältnis  zu Frau B_______ nicht  als  glaubhaft 
erachtet werde. 

J.
Mit  Eingabe vom 14. Mai 2008 nahm die Rechtsvertreterin zum ver-
wandtschaftlichen Verhältnis Stellung und reichte eine leserliche Kopie 
der schweizerischen Identitätskarte von Frau B_______ zu den Akten. 
Des  Weiteren  machte  sie  geltend,  der  Beschwerdeführer  und  Frau 
B_______ hätten beide einen Gentest  machen lassen,  über  dessen 
Resultat in Kürze informiert werde.

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K.
Am 2. Juni 2008 reichte die Rechtsvertreterin das Resultat der Gen-
tests zu den Akten. Diesem ist zu entnehmen, dass bei einer Annahme 
einer heterogenen Population (Allelfrequenzen ähnlich zur Schweizer 
Population)  eine  Wahrscheinlichkeit  von  Tante-Neffe-Beziehung  von 
97.59% gegeben sei, bei Annahme einer homogenen Population eine 
Wahrscheinlichkeit  von  22.47%.  Da  gemäss  der  ergänzenden  Stel-
lungnahme der Rechtsvertreterin vom 5. Juni 2008 keine Erhebungen 
zu den Allelfrequenzen der somalischen Bevölkerung existierten, seien 
laut Rücksprache mit dem Analysearzt keine genaueren Angaben zur 
Wahrscheinlichkeit  des Verwandtschaftsverhältnisses möglich, ausser 
es erfolge eine weitere Untersuchung mittels Genmaterials der Mutter 
des Beschwerdeführers. 

L.
Am  10.  Juli  2008  überwies  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Be-
schwerdedossier der Vorinstanz zur Vernehmlassung. Diese führte in 
ihrer Stellungnahme vom 18. Juli  2010 zur behaupteten Tante-Neffe-
Beziehung aus, der Beschwerdeführer habe anlässlich der Befragung 
an der EVZ angegeben, keine Verwandten in der Schweiz zu haben. 
Die  Tante  finde  erstmalige  Erwähnung  auf  Beschwerdeebene.  Auf-
grund der Mitwirkungspflicht sei von ihm zu erwarten gewesen, dass 
er  eine  angebliche  nahe  verwandtschaftliche  Beziehung  bereits  von 
Anfang an erwähne. Dies sei nicht erfolgt. Auch anlässlich des rechtli -
chen Gehörs zur Minderjährigkeit anlässlich der Nachbefragung habe 
er keine in der Schweiz lebende Tante, sondern nur zwei Onkel müt-
terlicherseits  erwähnt.  Des  weiteren  habe  der  Beschwerdeführer  zu 
seiner Clanzugehörigkeit unterschiedliche Angaben gemacht und ver-
sucht,  eine Minderjährigkeit  vorzugeben. Hinsichtlich des eingereich-
ten  Untersuchungsergebnisses  hielt  das  BFM  fest,  eine  Verwandt-
schaft könne zwar formal nicht ausgeschlossen, aber auch nicht ein-
deutig  bejaht  werden.  Das  BFM beantragte  die  Abweisung  der  Be-
schwerde. 

M.
Mit Eingabe vom 17. September 2008 nahm die Rechtsvertreterin in-
nert der ihr gewährten Frist zur Vernehmlassung der Vorinstanz Stel -
lung.  Darin  monierte  sie  erneut,  dass  zur  Minderjährigkeit  im  Ent-
scheid  mit  keinem  Wort  Stellung  genommen  worden  sei.  Das  BFM 
habe Abklärungen zum Alter  vorgenommen und eine Stellungnahme 
des Beschwerdeführers eingeholt – beides habe im Entscheid keinen 

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Niederschlag gefunden. Die Rechtsvertreterin wies sodann darauf hin, 
dass aufgrund des Resultats der Knochenaltersanalyse eben gerade 
nicht  ausgeschlossen  werden  könne,  dass  der  Beschwerdeführer 
minderjährig sei. Weiter machte sie geltend, die Zusatzbefragung hätte 
aufgrund  ihrer  Intensität  die  Anwesenheit  einer  Vertrauensperson 
erfordert. Für den weiteren Inhalt wird auf die Akten verwiesen.

N.
Am 9. November 2010 reichte die Rechtsvertreterin eine Kostennote 
zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört zu den Be-
hörden nach  Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundes-
verwaltungsgerichts. Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme im 
Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde 
und entscheidet im Bereich des Asyls endgültig (Art. 105 des Asylge-
setzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 
BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG und 
Art. 6 AsylG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht;  der  Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Än-
derung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art.  
108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 
und 52 VwVG).

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

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oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Bei der Beurteilung von Beschwerden gegen Nichteintretensentschei-
de des BFM hat die Beschwerdeinstanz hinsichtlich des Nichteintre-
tenstatbestandes einzig zu beurteilen, ob die Vorinstanz zu Recht auf 
das Asylgesuch nicht eingetreten ist. Im Falle der Begründetheit  des 
Rechtsmittels in diesem Punkt ist die angefochtene Verfügung demzu-
folge aufzuheben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vor-
instanz  zurückzuweisen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1 
S. 240 f.). In Bezug auf die Frage der Wegweisung und deren Vollzugs 
ist  die Beurteilungszuständigkeit  des Bundesverwaltungsgerichts hin-
gegen nicht eingeschränkt, da das BFM diese Frage bereits materiell 
geprüft hat (vgl. Art. 44 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1-4 des Bundesge-
setzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Auslän-
der [AuG, SR 142.20]). 

4.  
Gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. a AsylG wird auf Asylgesuche in der Regel 
nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  sicheren  Drittstaat 
nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren können, in welchem sie 
sich vorher aufgehalten haben. 

Diese Bestimmung findet jedoch gemäss Art. 34 Abs. 3 Bst. a-c AsylG 
keine Anwendung, wenn Personen, zu denen die asylsuchende Person 
enge Beziehungen hat,  oder nahe Angehörige in  der Schweiz leben 
(Bst. a),  die asylsuchende Person offensichtlich die Flüchtlingseigen-
schaft  nach  Art.  3  AsylG  erfüllt  (Bst.  b),  oder  Hinweise  darauf  be-
stehen,  dass  im  Drittstaat  kein  effektiver  Schutz  vor  Rückschiebung 
nach Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht. 

5.  
5.1
Die  Vorinstanz  brachte  zur  Begründung  ihres  Nichteintretensent-
scheids im Wesentlichen vor, der Beschwerdeführer habe sich vor der 
Einreise in Italien aufgehalten und Italien habe sich bereit erklärt, die-
sen zurückzunehmen. Italien sei am 14. Dezember 2007 als sicherer 
Drittstaat bezeichnet worden. Gründe, welche die Vermutung der Be-
achtung des Non-refoulement-Gebotes durch Italien vorliegend wider-

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legen  könnten,  habe  der  Beschwerdeführer  keine  vorgebracht.  Der 
Beschwerdeführer habe vielmehr bloss geltend gemacht, dass er nicht 
nach Italien gehen möchte, da dies nicht seine Heimat sei. Weiter er -
wog  die  Vorinstanz,  es  lebten  keine  Personen,  zu  denen  der  Be-
schwerdeführer eine enge Beziehung habe, und keine nahen Angehö-
rigen in der Schweiz. Sodann trete die Flüchtlingseigenschaft nicht of -
fensichtlich  zutage,  nachdem der  Beschwerdeführer  unterschiedliche 
Angaben zu seiner Clanzugehörigkeit gemacht und sich widersprüch-
lich zu seinen getöteten Geschwistern und zu den Umständen, unter 
welchen sein  Finger gebrochen worden sei,  geäussert  habe. Sach-
verhaltserhebungen  oder  Erwägungen  zur  angegebenen  Minderjäh-
rigkeit  beziehungsweise dem Verzicht  auf  die  Beiordnung  einer  Ver-
trauensperson  sind  dem  Entscheid  nicht  zu  entnehmen.  Einzig  aus 
den  beiden  unterschiedlichen  Geburtsdaten  auf  dem  Rubrum  des 
Entscheides lässt sich schliessen, dass das BFM eine Korrektur des 
Alters hin zur Volljährigkeit vorgenommen hat.

5.2
Auf Beschwerdeebene wird eine Verletzung des Anspruchs auf recht-
liches Gehör geltend gemacht. So lasse der Nichteintretensentscheid 
eine  Begründung,  weshalb  der  Beschwerdeführer  entgegen  seinen 
Aussagen im Asylverfahren als volljährig betrachtet worden sei – mit  
der Folge des Verzichts auf die Beiordnung einer Vertrauensperson für 
Minderjährige – gänzlich vermissen. Die Gründe für die Annahme der 
Volljährigkeit seitens des Mitarbeiters des BFM müssten ausschliess-
lich  den  Befragungsprotokollen  entnommen werden. Die  dortige  Be-
gründung für die Annahme der Volljährigkeit vermöge jedoch nicht zu 
überzeugen. Dem Beschwerdeführer sei folglich zu Unrecht keine Ver-
trauensperson  für  die  Anhörung  gemäss  Art.  29  AsylG  beigeordnet 
worden. Dies habe zur Folge, dass für die Begründung des Entschei-
des nicht auf das betreffende Protokoll hätte abgestützt werden dürfen. 

5.3
Ist einer unbegleiteten minderjährigen Person kein Vormund oder Bei-
stand  ernannt  worden  und  sind  entsprechende  vormundschaftliche 
Massnehmen  seitens  der  zuständigen  kantonalen  Behörden  auch 
nicht innert vernünftiger Frist zu erwarten, so ist urteilsfähigen, unbe-
gleiteten und nicht vertretenen Minderjährigen für die Dauer des Asyl -
verfahrens  eine  rechtskundige  Vertrauensperson  beizuordnen,  bevor 
die erste Anhörung zu den Asylgründen (Art. 29 AsylG bzw. Art. 36 
Abs. 1 AsylG) durchgeführt wird (vgl. Art. 17 Abs. 3 AsylG; Art. 7 Abs 3 

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u. 5 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen 
[AsylV 1,  SR  142.311];  Art  3  und  22  des  Übereinkommens  vom 
20. November  1989  über  die  Rechte  des  Kindes  [SR  0.107]  und 
EMARK 2003 Nr. 1 mit weiteren Hinweisen).

Der Beschwerdeführer gab bei der Einreichung seines Asylgesuches 
im  EVZ  an,  er  sei  am  21.  Oktober  1990  geboren.  Würden  diese 
Angaben  zutreffen,  wäre  der  Beschwerdeführer  im  Zeitpunkt  der 
Einreise  und  während  des  gesamten  erstinstanzlichen  Verfahrens 
minderjährig  gewesen. Folglich  hätte  dem Beschwerdeführer  für  die 
Anhörung  gemäss  Art.  29  AsylG  vom  9.  April  2008  eine 
Vertrauensperson  bestellt  werden  müssen.  Die  Vorinstanz  vertrat 
indessen, wie sich deren Akten entnehmen lässt, die Ansicht, dass der 
Beschwerdeführer seine Minderjährigkeit nicht habe glaubhaft machen 
können,  weshalb  ihm  auch  keine  Vertrauensperson  beizuordnen 
gewesen sei.  

5.4
Die ARK hat sich in EMARK 2004 Nr. 30 einlässlich mit der Thematik  
der Prüfung von Altersangaben bei behaupteter Minderjährigkeit aus-
einandergesetzt. Im Wesentlichen lässt sich diesem Entscheid zu den 
vorliegend interessierenden Fragen Folgendes entnehmen: 

- Die asylsuchende Person trägt zwar grundsätzlich die Beweislast für 
die  behauptete  Minderjährigkeit  und damit  die  Folgen der  Beweislo-
sigkeit. Bezüglich des Beweismasses, dem Altersangaben zu genügen 
haben, ist  von der allgemeinen Regel von Art. 7 AsylG auszugehen, 
das heisst, die behauptete Minderjährigkeit muss zumindest glaubhaft 
erscheinen. Dabei ist im Rahmen einer Gesamtwürdigung eine Abwä-
gung sämtlicher Anhaltspunkte, welche für oder gegen die Richtigkeit  
der betreffenden Altersangaben sprechen, vorzunehmen. 

- Für die Beurteilung des Alters einer asylsuchenden Person fallen in 
erster  Linie von dieser Person selbst  abgegebene oder von den Be-
hörden auf andere Weise erlangte und für echt befundene Identitäts-
papiere in Betracht. 

- Liegen keine Identitätspapiere und keine schlüssigen Erklärungen für 
die  Nichtabgabe  vor,  fallen  als  Beweismittel  sodann  Abklärungser-
gebnisse  in  Betracht,  welche  auf  "wissenschaftliche  Methoden"  im 

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Sinne  von  Art.  7  Abs. 1  AsylV  1  abstellen.  In  der  Praxis  des  BFM 
handelt  es  sich  dabei  in  der  Regel  um  so  genannte 
Knochenaltersanalysen.  Diesen  Analysen  kommt  jedoch  nur  ein 
äusserst beschränkter Beweiswert zu. Hinsichtlich der Frage, ob eine 
Person  das  18.  Altersjahr  tatsächlich  bereits  erreicht  hat,  sind 
aufgrund einer  Knochenaltersanalyse  nämlich  keine wissenschaftlich 
zuverlässigen  Aussagen  möglich.  Ein  entsprechender  Schluss  lässt 
sich  insbesondere  auch  dann  nicht  ziehen,  wenn  aufgrund  einer 
Knochenaltersanalyse  der  Abschluss  des  Knochenwachstums  und 
damit  ein  so  genanntes  Knochenalter  von  19  Jahren  und  mehr 
festgestellt  worden ist,  kann doch dies durchaus auch bei  Personen 
mit  einem tatsächlichen Alter  von wesentlich  weniger  als  18 Jahren 
der Fall sein, ohne dass sie sich ausserhalb des statistischen 90-95%-
Normalbereichs bewegen. 

-  Gewisse  Rückschlüsse  auf  das  Alter  einer  asylsuchenden  Person 
sind zuweilen auch aufgrund ihres äusseren Erscheinungsbilds mög-
lich. Indessen kann das Alter anhand des Erscheinungsbildes nur sehr 
grob geschätzt werden. Ein eindeutiger Schluss über die Volljährigkeit 
beziehungsweise Minderjährigkeit kann auf diese Weise nur dann ge-
zogen werden, wenn es sich um eine Person handelt, deren Alter ganz 
klar ausserhalb des Grenzbereichs liegt,  also entweder noch um ein 
Kind oder aber um eine erwachsene Person mittleren oder reiferen Al -
ters. Für die Alterskategorie von Personen von ungefähr 15 - 25 Jah-
ren ist dagegen nach "Augenschein" eine einigermassen zuverlässige 
Schätzung, ob sie weniger oder mehr als 18 Jahre alt sind, nicht mög -
lich. Dem Augenschein kommt somit kaum praktische Bedeutung zu. 

-  Entscheidende Bedeutung kommt demgegenüber in der Regel den 
Aussagen  des  Asylgesuchstellers  hinsichtlich  seines 
Geburtsdatums/Alters zu. Bestehen an der Richtigkeit der gemachten 
Altersangaben von Anfang an Zweifel,  sind dazu bereits im Rahmen 
der  Empfangsstellenbefragung  durch  gezielte  Fragestellung  nähere 
Informationen einzuholen. Dabei ist die betreffende Person insbeson-
dere auch zu den Gründen für die unterbliebene Abgabe von Identi-
tätspapieren sowie zu ihren persönlichen Lebensumständen (familiäre 
Verhältnisse,  Schulbesuch,  Berufsausbildung,  bisher  ausgeübte  Er-
werbstätigkeit usw.) einlässlich zu befragen. 

-  Bei  der  vorfrageweisen  Prüfung  des  Alters  eines  Asylsuchenden 
kann als gegen die Glaubhaftigkeit der Altersangabe sprechendes In-

Seite 10

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diz gewertet  werden, wenn er neben nicht  schlüssigen Aussagen zu 
den  oben  genannten  Punkten  ganz  offensichtlich  unzutreffende  An-
gaben über den Reiseweg macht,  oder wenn elementare Kenntnisse 
über das Heimat- oder Herkunftsland fehlen, wobei der  persönlichen 
Reife des Asylsuchenden und seinem Bildungsgrad besonders Rech-
nung zu tragen ist.  

- Im Falle unzureichender Mitwirkung bei der Erhebung der Persona-
lien in der Empfangsstelle ist es grundsätzlich nicht zu beanstanden, 
wenn  die  Behörden  vor  dem Entscheid  über  die  Notwendigkeit  der 
Beiordnung einer  Vertrauensperson weitere  Altersabklärungen unter-
lassen und von der Unglaubhaftigkeit der geltend gemachten Minder-
jährigkeit ausgehen. Da es jedoch immer wieder vorkommt, dass sich 
die im EVZ vorgenommene Alterseinschätzung im Nachhinein als un-
richtig erweist, kann es angezeigt sein, die für Minderjährige geltenden 
Verfahrensgarantien  auch bei  anfänglich überwiegenden Zweifeln an 
der  Altersangaben  einzuhalten.  Basiert  ein  Entscheid  nämlich  auf 
einer  Anhörung  eines  Minderjährigen,  dem  keine  Vertrauensperson 
beigeordnet worden ist, hat dies regelmässig die Kassation des vorin-
stanzlichen Entscheids wegen Verletzung des Anspruchs auf  rechtli -
ches Gehör zur Folge. 

6.
Das Bundesverwaltungsgericht stellt vorab fest, dass der Umstand der 
geltend gemachten Minderjährigkeit  beziehungsweise die Gründe für 
die  Annahme der  Volljährigkeit  und den damit  verbundenen Verzicht 
auf  Beiordnung einer Vertrauensperson in der Tat keinen Eingang in 
den angefochtenen Entscheid gefunden haben. Diese Säumnis allein 
ist  als  Verletzung der  sich aus dem Anspruch auf  rechtliches Gehör 
ergebenden  Begründungspflicht  zu  werten,  da  die  Rechtsvertreterin 
die Verfügung nur unter Zuhilfenahme der Protokolle, vorab des  Pro-
tokolls der Nachbefragung vom 13. März 2008, sachgerecht anfechten 
konnte. Im fraglichen Protokoll  brachte der BFM-Mitarbeiter dem Be-
schwerdeführer zur Kenntnis, er habe starke Zweifel an der behaupte-
ten  Minderjährigkeit,  weil  dieser  keine  Ausweispapiere  abgegeben 
habe, plausible Gründe für deren Nichtabgabe fehlten, er zudem älter 
aussehe  als  angegeben  und  auch  das  Resultat  der  Knochenalters-
analyse ein Alter von 19 Jahren vorgebe.

Diese Begründung vermag das Gericht nicht zu überzeugen: Was das 
Begründungselement des Analyseresultats betrifft, kann vorab auf die 

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Ausführungen unter 5.4 verwiesen werden, wonach ein Knochenalter 
von 19 Jahren auch bei Minderjährigen festgestellt werden kann, ohne 
dass  sie  sich  ausserhalb  des  statistischen  Normbereichs  bewegen. 
Auch  der  vom BFM in  Auftrag  gegebene  Untersuchungsbericht  des 
Kantonsspitals Frauenfeld (A8/4) hält nochmals in gleicher Weise fest, 
dass  ein  gesunder  17-Jähriger  durchaus  ein  Knochenalter  von  19 
Jahren  aufweisen  könne  und  die  vorgenommene  Altersbestimmung 
nach Greulich  und Pyle  nur eine grobe Schätzung des biologischen 
Alters  darstelle.  Der  untersuchende  Arzt  führte  weiter  aus,  eine 
Beurteilung  der  Knochenreife  ohne  zusätzliche  medizinische 
Untersuchung  des  Asylbewerbers  sei  abzulehnen.  Ebensowenig 
vermag  nach  vorstehenden  Ausführungen  (5.4)  sowie  nach 
Betrachtung  der  Fotografie  des  Beschwerdeführers  das  weitere 
Begründungselement  des  BFM-Mitarbeiters  zu  verfangen,  dass  das 
Erscheinungsbild des Beschwerdeführers nicht einem Minderjährigen 
entspreche. 

Weiter  führte  der  Mitarbeiter  des  BFM  die  Aussagen  des 
Beschwerdeführers zum Verbleib seiner Ausweispapiere als gegen die 
Minderjährigkeit sprechend an. Dazu ist vorab festzustellen, dass der 
Beschwerdeführer der Vorinstanz zwar keine Reisepapiere, hingegen 
eine Farbkopie seines Geburtsscheins abgegeben hat. Dieser ist vom 
BFM-Mitarbeiter bereits in der Befragung im EVZ als völlig unleserlich 
qualifiziert und in der Folge nicht mehr beachtet worden (A1/12, S. 5). 
Obwohl  die  Einträge  in  der  Tat  klein  und  teilweise  undeutlich  sind, 
vermochte  das  Bundesverwaltungsgericht  -  jedenfalls  bei  einer 
Vergrösserung  der  Kopie  -  als  Geburtsdatum den  21.  10. (allenfalls 
12.)  1990  zu  erkennen.  Das  BFM  hat  diesem  Dokument  somit  zu 
Unrecht  und  vorschnell  keinerlei  Beachtung  geschenkt,  stattdessen 
Aussagen  zur  Ausreise  und  zum  Verbleib  der  Reisepapiere 
hinzugezogen  und  diese  –  ohne  näheres  Eingehen  -  als  gegen  die 
Glaubhaftigkeit  der  Altersangabe  sprechend  gewertet.  Auch  diese 
Würdigung  vermag  das  Bundesverwaltungsgericht  nicht 
nachzuvollziehen.  So  gab  der  Beschwerdeführer  nämlich  an,  mit 
einem  italienischen,  auf  den  Namen  Hussein  Mahamud,  geboren 
1988, ausgestellten Pass gereist zu sein, welcher ihm in Rom wieder  
abgenommen  worden  sei.  An  anderer  Stelle  führte  er  aus,  seine 
Mutter  sei  auf  Anfrage  hin  nicht  bereit  gewesen,  den 
zurückgelassenen somalischen Pass in die Schweiz zu schicken. Das 
Gericht  erachtet  diese  Aussagen  zum  Verbleib  der  Reise-  bzw. 
Identitätspapiere  –  insbesondere  auch  vor  dem  Hintergrund  der 

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Abgabe  einer  die  Minderjährigkeit  bestätigenden  Kopie  eines 
Geburtsscheins aus Mogadishu – kaum als geeignet,  und erst recht 
nicht  als  ausreichend,  um  die  Angaben  des  Beschwerdeführers 
bezüglich  seines  im  Übrigen  durchwegs  konstant  angegebenen 
Geburtsdatums in Frage zu stellen. 

7.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die der Nachbefragung 
des BFM vom 13. März 2008 zu entnehmenden Gründe für  die An-
nahme der Volljährigkeit nicht zu überzeugen vermögen. Vielmehr ist 
aufgrund der Umstände, dass der Beschwerdeführer eine Kopie seines 
Geburtsscheines  abgegeben  hat,  welche  vom  BFM-Mitarbeiter  vor-
schnell  wegen  Unleserlichkeit  als  beweisuntauglich  abgetan  worden 
ist, das radiologische Ergebnis nicht in signifikanter Weise vom ange-
gebenen Alter abweicht, das Erscheinungsbild des Beschwerdeführers 
auf  der  Fotografie  des  BFM keine  Bestimmung  der  Minderjährigkeit 
bzw.  Volljährigkeit  zulässt  und  die  weiter  als  Indizien  angeführten 
Punkte nicht zu überzeugen vermögen, die im Zeitpunkt der Asylge-
suchstellung  behauptete  Minderjährigkeit  als  überwiegend  wahr-
scheinlich anzunehmen. 

In Beachtung der Bestimmung von Art. 17 Abs. 3 Bst. b AsylG, wonach 
unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden bereits für die Dauer des 
Aufenthalts in einem EVZ eine Vertrauensperson zugewiesen werden 
muss,  wenn  dort  entscheidrelevante  Verfahrensschritte  durchgeführt 
werden,  die  über  die  Kurzbefragung nach Art. 26 Abs. 2  AsylG hin-
ausgehen, hätte die Anhörung des Beschwerdeführers gemäss Art. 29 
AsylG vom 9. April  2008 somit nicht ohne Anwesenheit einer rechts-
kundigen  Vertrauensperson  stattfinden  dürfen. Demzufolge ist  die  in 
der  Beschwerde  erhobene  Rüge,  wonach  das  BFM  das  rechtliche 
Gehör auch wegen Missachtung der Verfahrensgarantien für Minder-
jährige verletzt habe, begründet. Das Protokoll der Anhörung  vom 9. 
April  2008  hätte  somit  für  die  Begründung  des  Nichteintretensent-
scheides nicht verwendet werden dürfen.

8.
Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt in der Re-
gel zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Der Rechtsmittelin-
stanz steht es jedoch offen, die Gehörsverletzung zu heilen, wenn ihr 
eine umfassende Kognition zusteht (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und dem 
Beschwerdeführer  aus  der  Heilung  kein  Nachteil  erwächst.  Da  das 

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Bundesverwaltungsgericht  vorliegend  auf  ein  rechtsungenüglich  er-
stelltes Anhörungsprotokoll und damit möglicherweise auf einen man-
gelhaft  festgestellten Sachverhalt  abstellen müsste, kommt eine Hei-
lung  des  Verfahrensfehlers  nicht  in  Frage  (zur  Heilung  siehe  BVGE 
2008/ 47 E. 3.3.4, mit weiteren Hinweisen).

Eine  Rückweisung  an  die  Vorinstanz  rechtfertigt  sich  des  Weiteren 
auch aus dem Grunde, weil  das Bundesverwaltungsgericht  sich zwi-
schenzeitlich einlässlich mit dem Nichteintretenstatbestand von Art. 34 
Abs. 2 AsylG und der Ausnahmebestimmung von Art. 34 Abs. 3 Bst. a 
AsylG auseinandergesetzt hat (vgl. BVGE 2009/8). Das BFM wird sich 
in seinem neu zu erlassenden Entscheid an diesem Grundsatzurteil zu 
orientieren  und  sich  zur  Frage  des  Vorhandenseins  einer  in  der 
Schweiz  lebenden  Tante  sowie  des  persönlichen  Verhältnisses  zwi-
schen Tante und Neffe zu äussern  haben. Auch wird sich die Frage 
stellen,  ob  die  italienischen  Behörden  nach  Ablauf  der  gewährten 
Rücküberstellungsfrist  von nur  einem Monat  heute  noch  bereit  sind, 
den Beschwerdeführer zurückzunehmen.

9.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Anspruch 
des Beschwerdeführers  auf  das  rechtliche Gehör  in  zweifacher  Hin-
sicht verletzt hat. Da – wie obstehend erläutert – von einer Heilung der 
Verfahrensmängel abzusehen ist, ist der angefochtene Entscheid auf-
zuheben und zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen (Wieder-
holung einer Anhörung gestützt auf Art. 29 AsylG, Vornahme weiterer 
Abklärungen rund um die  Ausnahmebestimmung von Art.  34  Abs. 3 
Bst a AsylG und Beantwortung der Frage der Rückübernahme)  an die 
Vorinstanz zurückzuweisen. 

10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 
(Art.  63  Abs.  1  und  2  VwVG).  Dem  Beschwerdeführer  ist  aufgrund 
seines Obsiegens für die ihm im Beschwerdeverfahren erwachsenen 
notwendigen Kosten eine Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 
16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 des Reglements vom 21. Fe-
bruar  2008 über  die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2).  Die Rechtsvertreterin  des 
Beschwerdeführers hat  am 3. November 2010  eine Kostennote ein-
gereicht. Der in der Kostennote ausgewiesene zeitliche Aufwand von 
16,75 Stunden für  das Beschwerdeverfahren erscheint  angemessen, 

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ebenso der  Stundenansatz  von Fr. 150.-   sowie  die  ausgewiesenen 
Auslagen (namentlich für den Gentest) in der Höhe von Fr. 659.-. Die 
dem Beschwerdeführer geschuldete Parteientschädigung ist demnach 
auf  Fr. 3'171.50 (inklusive Auslagen,  exklusive Mehrwertsteuer)  fest-
zusetzen.

(Dispositiv nächste Seite) 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.
Der Nichteintretensentscheid des BFM vom 16. April  2008 wird auf-
gehoben und das BFM wird angewiesen, das Verfahren im Sinne der 
Erwägungen fortzusetzen und in der Sache neu zu entscheiden. 

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteient-
schädigung in der Höhe von Fr. 3'171.50 auszurichten. 

5.
Dieses  Urteil  geht  an  die  Rechtsvertreterin  des  Beschwerdeführers, 
das BFM und die kantonale Migrationsbehörde. 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Christa Luterbacher Gabriela Oeler

Versand: 

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