# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 78478b81-7291-5d3e-abc1-b827516cd573
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-10-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.10.2021 E-3528/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3528-2021_2021-10-18.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3528/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 8 .  O k t o b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Einzelrichter David R. Wenger, 

mit Zustimmung von Richter Lorenz Noli;   

Gerichtsschreiberin Eliane Hochreutener. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch MLaw Aileen Rose Kreyden, Rechtsanwältin,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 2. Juli 2021 / N (…). 

 

 

 

E-3528/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin ersuchte am 22. März 2021 in der Schweiz um 

Asyl. Anlässlich der Personalienaufnahme vom 24. März 2021, des Dublin-

Gesprächs vom 26. März 2021, der Anhörung vom 8. April 2021 (nachfol-

gend: erste Anhörung) und der ergänzenden Anhörungen im erweiterten 

Verfahren vom 18. Mai 2021 (nachfolgend: zweite Anhörung) und 16. Juni 

2021 (nachfolgend: dritte Anhörung) gab sie im Wesentlichen an, sie sei 

kurdischer Ethnie und stamme aus B._______. Sie habe das Gymnasium 

abgeschlossen. Im Jahr 2009 oder 2010 hätten sich ihre Eltern scheiden 

lassen und sie habe mit ihrer Mutter zuerst in C._______ und später in 

D._______ gewohnt. Ihre ältere Schwester habe nach der Scheidung bei 

ihrem Vater gelebt, zu ihr habe sie keinen Kontakt mehr. Ihre Mutter habe 

im Jahr 2010 oder 2011 wieder geheiratet. Es sei häufig zu Streitereien 

gekommen, da ihr Stiefvater sie zu Hause nicht geduldet habe und nicht 

für sie habe sorgen wollen. Im Jahr 2014 oder 2015 habe er ihre Mutter 

geschlagen, weshalb sie mit ihrer Mutter für eine Nacht Schutz gesucht 

hätten bei einer Freundin respektive bei ihrer Tante. Am darauffolgenden 

Tag sei ihre Mutter wieder zu ihrem Stiefvater zurückgekehrt; sie selber 

habe beschlossen, zu ihrem Vater und ihrer Grossmutter väterlicherseits 

nach B._______ zu ziehen. Ihr Vater sei Anhänger der Partei "(…)" (AKP). 

Sie sei von ihm und ihrer Grossmutter unterdrückt worden. Etwa einen Mo-

nat nach dem Umzug habe er sie geschlagen, weil sie sich mit ihrer Mutter 

getroffen habe. Sie sei daraufhin zur Polizei gegangen, diese habe jedoch 

nichts unternommen. Ihr Vater habe von ihr verlangt, dass sie ein Kopftuch 

trage, ihr verboten, nach dem Gymnasium ein Studium zu beginnen und 

Kontakt zu ihrer Mutter zu haben. Im April 2018 sei sie für zwei Wochen 

nach Deutschland zu ihrer Grossmutter mütterlicherseits gereist. Ungefähr 

Ende Januar 2021 habe ihr Vater ihr verkündet, dass er sie zwangsverhei-

raten wolle und sie mit einer Waffe bedroht. Am darauffolgenden Tag sei 

sie mit Hilfe ihrer Mutter nach Istanbul zu ihrem Cousin gefahren und am 

14. März 2021 aus der Türkei ausgereist.  

Die Beschwerdeführerin reichte ein Schuldiplom, einen angeblichen 

Whats-App Schreibverlauf ihrer Eltern (beides in Kopie inklusive Überset-

zung), ihre türkische Identitätskarte (im Original), die Adresse ihrer Mutter 

und einen Arztbericht vom 9. April 2021 ein.  

  

E-3528/2021 

Seite 3 

B.  

Mit Verfügung vom 2. Juli 2021 (eröffnet am 6. Juli 2021) verneinte die Vor-

instanz die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin, lehnte ihr Asyl-

gesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Voll-

zug an.  

C.  

Mit Eingabe vom 5. August 2021 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun-

desverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragt, die Verfügung der  

Vorinstanz vom 2. Juli 2021 sei vollumfänglich aufzuheben, ihre Flücht-

lingseigenschaft sei festzustellen und es sei ihr Asyl zu gewähren. Eventu-

aliter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Sa-

che zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung sowie zur neuen Ent-

scheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Es sei die unentgeltliche 

Prozessführung zu bewilligen, auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

zu verzichten und RAin MLaw LL.M. Aileen Kreyden als unentgeltliche 

Rechtsbeiständin zu bestellen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die Be-

schwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung le-

gitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.  

2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) sowie die 

unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-

verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Ausländerrecht richtet 

sich die Kognition nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im 

Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten 

Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG) 

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ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln 

(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3.  

3.1 Die Beschwerdeführerin rügt eine unvollständige Abklärung des rechts-

erheblichen Sachverhaltes und eine Verletzung der Begründungspflicht. 

Hierbei handelt es sich um formelle Rügen, welche vorab zu beurteilen 

sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen 

Verfügung zu bewirken. 

3.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht bildet 

einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-

ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-

den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-

SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 

3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 

Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV ergibt sich 

für die Behörden die Pflicht, ihren Entscheid ausreichend und nachvollzieh-

bar zu begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG; BGE 145 IV 99 E. 3.1). Die Be-

gründung muss so abgefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid in 

voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. Nicht 

erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten ein-

lässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich wi-

derlegt (BGE 143 III 65 E. 5.2). 

3.3 Die Beschwerdeführerin begründet die Verletzung der Pflicht zur voll-

ständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts da-

mit, sie sei in der Türkei Opfer frauenspezifischer Gewalt geworden und 

habe seit ihrer Ankunft in der Schweiz medizinische Beschwerden geäus-

sert. Trotz dieser Hinweise und ohne Abwarten des bevorstehenden Arzt-

termins sei am 8. April 2021 die erste Anhörung durchgeführt worden. In-

dem sich die Vorinstanz in ihrer Argumentation insbesondere auf aus der 

ersten Anhörung hervorgehende Widersprüche berufe, habe sie ihre psy-

chische Belastungssituation nicht berücksichtigt. Weiter sei es zu einem 

Widerspruch in ihren Aussagen hinsichtlich des Zeitpunkts des Umzugs 

von ihrer Mutter zu ihrem Vater gekommen, da bei ihrer Aussage, sie habe 

bis zur ersten Klasse der Sekundarschule bei ihrer Mutter gewohnt, ein 

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Seite 5 

Übersetzungsfehler erfolgt sei. Zudem dränge sich angesichts der anhal-

tenden negativen Entwicklung in Bezug auf die Schutzwilligkeit der türki-

schen Behörden eine Neubeurteilung auf. Zum Nachweis der anhaltenden 

Suche ihres Vaters nach ihr habe sie eine Whats-App Nachricht von ihm 

an ihre Mutter eingereicht. Die Vorinstanz habe auf eine Botschaftsabklä-

rung verzichtet, um mittels der Telefonnummer den Absender ausfindig zu 

machen. 

Dem Protokoll lassen sich keine Unregelmässigkeiten entnehmen, wonach 

sich die Beschwerdeführerin trotz einer möglichen psychischen Belastung 

wegen des Erlebten nicht hätte verständlich ausdrücken können; ihre Ant-

worten sind in sich stimmig. In der Anhörung wird zwar angemerkt, dass 

sie an einigen Stellen geweint hat. Sie gab hingegen nicht zu verstehen, 

dass die Anhörung abgebrochen werden müsse. Die Rüge des Überset-

zungsfehlers ist unbegründet, hat sie doch in der Anhörung erklärt, sie ver-

stehe die dolmetschende Person gut. Im Protokoll lassen sich auch keine 

Hinweise finden, wonach entsprechende Verständigungsprobleme bestan-

den hätten. Schliesslich wurde ihr das Protokoll rückübersetzt und sie be-

stätigte dessen Inhalt unterschriftlich als richtig und vollständig. Eine Prü-

fung der Schutzwilligkeit der türkischen Behörden und eine Botschaftsab-

klärung drängen sich aufgrund der als unglaubhaft eigestuften Verfolgung 

durch den Vater nicht auf. Somit liegt keine Verletzung der Pflicht zur voll-

ständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts vor.  

3.4 Die Beschwerdeführerin macht eine Verletzung der Begründungspflicht 

geltend, indem die Argumentation der Vorinstanz in diversen Punkten le-

diglich die Plausibilität anzweifle. Zudem würden die von der Vorinstanz 

geltend gemachten Widersprüche nicht ihre Kernvorbringen betreffen, 

diese seien über weite Strecken detailliert und widerspruchsfrei.  

Die Beschwerdeführerin widerspricht sich erheblich in ihren Kernvorbrin-

gen zur Zwangsheirat und zur Unterdrückung durch ihren Vater. Die Vor-

instanz hat die geltend gemachte Verfolgung durch ihren Vater angemes-

sen gewürdigt, sich in der Begründung mit sämtlichen wesentlichen Vor-

bringen auseinandergesetzt und kam zum Schluss, dass sie unglaubhaft 

sind. Der blosse Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Würdigung zu einer 

anderen Auffassung als die Beschwerdeführerin kommt, ist keine Verlet-

zung der Begründungspflicht, sondern eine Frage der materiellen Beurtei-

lung. 

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Seite 6 

3.5 Insgesamt besteht keine Veranlassung, die Sache aus formellen Grün-

den aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das diesbezügli-

che Rechtsbegehren ist abzuweisen. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rech-

nung zu tragen (Art. 3 AsylG).  

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid damit, die Vorbringen der 

Beschwerdeführerin hinsichtlich der Aufenthaltszeiten bei ihren Eltern, der 

besuchten Schulen, des Aufsuchens eines Schutzortes nach dem Vorfall 

mit ihrem Stiefvater im Jahr 2014 oder 2015, der Intensität der Unterdrü-

ckung durch ihren Vater, des Reisegrundes zu ihrer Grossmutter mütterli-

cherseits nach Deutschland im Jahr 2018, der geheimen Treffen mit ihrer 

Mutter, insbesondere die weiten Fahrten zu ihr nach D._______, und der 

Bedrohung durch ihren Vater mit einer Waffe ungefähr Ende Januar 2021 

seien widersprüchlich. Ihre Schilderungen zur Zwangsheirat seien sehr all-

gemein und rudimentär ausgefallen. Zudem erscheine es seltsam, dass sie 

wenig über ihre Schwester wisse. Es erschliesse sich nicht, weshalb sie, 

trotz Hinweisen durch die Polizei, keinen Arztbericht angefordert habe, um 

gegen ihren Vater Anzeige zu erstatten. Vor ihrer Ausreise habe sie sich 

eineinhalb Monate bei ihrem Cousin in Istanbul aufgehalten, weshalb nicht 

davon auszugehen sei, dass ihr Vater sie suche.  

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5.2 Die Beschwerdeführerin bringt vor, sie habe zu Beginn der Anhörungen 

mitgeteilt, dass sie Mühe mit der Angabe von Daten habe. Sie habe kon-

stante Aussagen zum Zeitpunkt des Umzugs zu ihrem Vater gemacht. Bei 

der Frau, bei welcher sie nach dem Vorfall mit ihrem Stiefvater im Jahr 

2014 oder 2015 für eine Nacht Schutz gesucht hätten, handle es sich um 

eine Freundin der Mutter, welche sie mit Tante anspreche. Ihr Vater habe 

sie anfangs weniger unterdrückt, weshalb sie ihre Mutter auch in 

D._______ habe treffen können. Hinsichtlich einer Zwangsehe sei imma-

nent, dass die zur Ehe gezwungene Person nicht an der Entscheidung über 

den Eheschluss beteiligt sei. Ihre Ausführungen zum bestehenden Druck 

durch ihren Vater seien nachvollziehbar. Zur Eskalation des Streits mit ih-

rem Vater wegen der Zwangsheirat und zur Bedrohung mit der Waffe habe 

sie detaillierte Aussagen gemacht. Ihre Anzeige bei der türkischen Polizei 

sei nicht entgegengenommen worden, weshalb nicht von der Schutzwillig-

keit des türkischen Staates auszugehen sei. Um von ihrem Vater nicht ent-

deckt zu werden, habe sie vor ihrer Ausreise bei ihrem Cousin in Istanbul 

versteckt gelebt. Die eingereichte Whats-App Nachricht ihres Vaters an 

ihre Mutter würde beweisen, dass ihr Vater sie noch immer suche. 

6.  

6.1  

Die Vorinstanz ist in ihren Erwägungen zur zutreffenden Erkenntnis ge-

langt, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin widersprüchlich, sub-

stanzarm und allgemein ausgefallen sind. Es darf von der Beschwerdefüh-

rerin erwartet werden, dass sie die Hauptelemente der Asylvorbringen 

nachvollziehbar und widerspruchslos schildern kann. Ihre Ausführungen zu 

ihren Wohnorten im Zusammenhang mit ihren Eltern und den besuchten 

Schulen sind widersprüchlich. So gab sie anlässlich der ersten Anhörung 

an, sie habe die Primarschule, die Sekundarschule und das Gymnasium in 

B._______ abgeschlossen, zum Vater sei sie zum Ende des Gymnasiums 

gezogen, als sie ungefähr 17 Jahre alt gewesen sei. Abgeschlossen habe 

sie das Gymnasium im Jahr 2019. An der zweiten Anhörung gab sie an, 

während der gesamten Gymnasialzeit von vier Jahren bei ihm gewohnt zu 

haben. Anlässlich der dritten Anhörung erklärte sie hingegen, sie habe bis 

zur ersten Sekundarschule ungefähr im Jahr 2015 oder 2016 bei ihrer Mut-

ter in D._______ gewohnt. Später gab sie an, sie sei erst nach der Sekun-

darschule zu ihrem Vater nach B._______ gezogen. Die Unklarheiten las-

sen sich nicht mit ihren angeblichen Schwierigkeiten von Datumsangaben 

erklären, weil sie unabhängig der Angaben von Daten hätte wissen müs-

sen, wo sie während der Sekundarschule und der Gymnasialzeit gewohnt 

hat. Der beschwerdeweise Erklärungsversuch, sie habe lediglich einmal 

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geäussert, dass sie bis zur ersten Klasse der Sekundarschule bei der Mut-

ter gewohnt und ansonsten konstante Aussagen gemacht habe, kann nicht 

gehört werden, da es ihr nicht gelingt, die weiteren Widersprüche hinsicht-

lich der Aufenthaltsorte während der Ausbildungszeit zu erklären. Sie 

konnte weiter nicht widerspruchsfrei angeben, ob es sich bei der Frau, bei 

welcher sie mit ihrer Mutter nach dem Vorfall mit ihrem Stiefvater im Jahr 

2014 oder 2015 für eine Nacht Schutz gesucht habe, um eine Freundin 

oder um eine Tante gehandelt hat. In der ersten Anhörung sprach sie aus-

drücklich von einer "verwandten Frau". Ihrer Erklärung in der Beschwerde, 

indem sie in der ersten Anhörung angegeben habe, ihre Tante mütterlicher-

seits lebe in der Schweiz und sie habe zur Tante väterlicherseits keinen 

Kontakt, habe sie indirekt klargestellt, dass es sich bei der Frau nicht um 

eine "echte" Tante handle, kann nicht gefolgt werden. Es kann nicht aus-

geschlossen werden, dass sie nicht noch über weitere Tanten in der Türkei 

verfügt. Gemäss ihren Angaben in der zweiten Anhörung sei sie ungefähr 

ein bis zwei Monate nach dem Umzug durch ihren Vater bereits intensiv 

unterdrückt worden. Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollziehbar, wie 

es möglich gewesen sein soll, dass sie im Jahr 2018 zwei Wochen nach 

Deutschland zu ihrer Grossmutter mütterlicherseits reisen durfte. Konfron-

tiert mit der Unstimmigkeit gab sie in der dritten Anhörung an, die Unter-

drückungen seien damals noch nicht sehr intensiv gewesen. Beschwerde-

weise vermag sie diesen Widerspruch nicht aufzulösen. Weiter ergeben 

sich erhebliche Unstimmigkeiten hinsichtlich der Treffen mit ihrer Mutter. 

Es bestehen nicht nur Widersprüche in ihren Aussagen, wo die Besuche 

stattgefunden haben, sondern auch hinsichtlich ihrer Angaben im Zusam-

menhang mit den Arbeitszeiten ihres Vaters und den Unterdrückungen. So 

erklärte sie in der zweiten Anhörung, sie habe nicht abschätzen können, 

wann ihr Vater von der Arbeit nach Hause kommen würde, das sei immer 

zu verschiedenen Uhrzeiten gewesen. Deshalb sei sie einige Male erwischt 

worden, als sie sich mit ihrer Mutter getroffen habe. Diese Angaben passen 

jedoch nicht zu ihren Aussagen in der ersten und der dritten Anhörung, wo-

nach ihr Vater immer von 8.00 bis 18.00 oder 19.00 Uhr respektive immer 

gearbeitet habe. Ihre Aussage, anfangs seien Treffen mit ihrer Mutter mög-

lich gewesen, da die Unterdrückung noch nicht intensiv gewesen sei, wi-

derspricht zudem ihren Angaben in der dritten Anhörung, wonach er sie 

bereits einen Monat nach dem Umzug erwischt habe und handgreiflich ge-

worden sei. Danach sei er alle zwei bis drei Tage handgreiflich geworden. 

Weiter ist nicht nachvollziehbar, weshalb sie im Jahr 2014 oder 2015 trotz 

Aufforderung der Polizei zur Anzeigeerstattung gegen ihren Vater es unter-

liess, einen Arztbericht einzureichen. Ihre Begründung in der Beschwerde, 

sie sei davon ausgegangen, dass eine Anzeige auch mit einem Arztbericht 

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keinen Erfolg haben würde, kann nicht gehört werden. Hätte sie ihren Vater 

tatsächlich anzeigen wollen, so ist davon auszugehen, dass sie einen Arzt 

aufgesucht hätte. Bezüglich der Zwangsheirat bestehen Widersprüche in 

ihren Aussagen dazu, wie häufig sie den besagten Mann gesehen hat und 

dem angeblichen Vorfall, als ihr Vater ihr die Zwangsheirat mitgeteilt und 

sie mit einer Waffe bedroht hat. In der ersten Anhörung machte sie geltend, 

sie habe den Mann immer wieder bei ihnen ein- und ausgehen sehen. In 

der dritten Anhörung erklärte sie, den Mann nur drei Mal gesehen zu ha-

ben. Sie sei nach der Drohung in ihr Zimmer gegangen. Kurze Zeit darauf 

machte sie hingegen geltend, die Drohung habe in ihrem Zimmer stattge-

funden. Sie hätten in einem grossen Haus gewohnt. In der zweiten Anhö-

rung erklärte sie jedoch, sie hätten nur zwei Zimmer bewohnt, weshalb sie 

mit ihrer Grossmutter in einem Zimmer geschlafen habe. Ein eigenes Zim-

mer habe sie nie gehabt.  

Obwohl es sich um einschneidende Ereignisse und den Hauptgrund für 

ihre Ausreise handelt, bestehen zahlreiche erhebliche Widersprüche in ih-

ren Aussagen. Es gelingt ihr somit nicht, die Zwangsheirat und die an-

schliessende Bedrohung mit der Waffe durch ihren Vater glaubhaft darzu-

legen, weshalb auch ihre Angaben zu seiner Suche nach ihr während ihres 

Aufenthalts bei ihrem Cousin in Istanbul als unglaubhaft einzustufen sind. 

Darüber hinaus verstrickt sie sich auch hier in einem weiteren Widerspruch. 

In der ersten Anhörung gab sie an, sie könne überall hingehen, ihr Vater 

würde sie finden. Konfrontiert mit dem Widerspruch, weshalb sie bei ihrem 

Cousin trotz eineinhalbmonatigem Aufenthalt nicht gefunden worden sei, 

konnte sie diesen nicht erklären. Ihre Argumentation in der Beschwerde, er 

habe sie nicht finden können, weil sie sich bei ihrem Cousin versteckt auf-

gehalten habe, ist als nachgeschoben zu qualifizieren. Insgesamt sind ihre 

Vorbringen als unglaubhaft einzustufen. An dieser Einschätzung vermögen 

auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern. Der handgeschrie-

bene Zettel mit der Adresse ihrer Mutter sagt lediglich aus, wo ihre Mutter 

wohnt. Das Schuldiplom ist auf den 6. Juli 2017 datiert, was ihrer Aussage 

widerspricht, sie habe das Gymnasium im Jahr 2019 abgeschlossen. Die 

Whats-App Nachricht ist nicht fälschungssicher und genügt nicht zum Be-

weis einer Verfolgung durch ihren Vater. 

6.2 Insgesamt hat die Beschwerdeführerin keine asylrelevanten Nachteile 

erlitten und es besteht auch kein Hinweis darauf, dass ihr eine künftige 

asylrelevante Verfolgung drohen würde. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch 

der Beschwerdeführerin somit zu Recht abgewiesen. 

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Seite 10 

7.  

Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus 

der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt. Die 

Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl. 

BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet. 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-

rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen. Vorliegend kommt der Beschwerdeführerin keine Flücht-

lingseigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von 

Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung 

der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend-

bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge-

meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 

BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und 

andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder 

Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 

Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass die 

Beschwerdeführerin für den Fall einer Ausschaffung in die Türkei dort mit 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK 

verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Vollzug der 

Wegweisung ist zulässig. 

8.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-

länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf 

Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. 

In der Türkei herrscht, namentlich nach der Niederschlagung des Militär-

putschversuches vom 15./16. Juli 2016, keine landesweite Situation allge-

meiner Gewalt, die zur Annahme führen müsste, ein Wegweisungsvollzug 

sei unzumutbar. (vgl. E-1948/2018 E. 8.3.2). Sodann lassen auch keine 

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individuellen Gründe auf eine konkrete Gefährdung der Beschwerdeführe-

rin in ihrem Heimatland schliessen. Sie ist jung und hat einen Abschluss 

des Berufsgymnasiums als Krankenschwester. Sie verfügt mit ihrer Mutter 

und ihrem Cousin über ein familiäres Beziehungsnetz. Es ist davon auszu-

gehen, dass sie bei einer Rückkehr wieder bei ihrer Familie wohnen kann 

und diese sie bei ihrer sozialen und wirtschaftlichen Wiedereingliederung 

unterstützen wird. Aufgrund der Unglaubhaftigkeit ihrer Asylgründe ist da-

von auszugehen, dass ihr Vater, ihr Stiefvater und ihre Schwester ebenfalls 

zu ihrem intakten familiären Beziehungsnetz gehören. Auch gesundheitli-

che Gründe sprechen vorliegend nicht gegen einen Wegweisungsvollzug. 

Gemäss dem eingereichten Arztbericht leide die Beschwerdeführerin an 

Panickattacken, wirke unruhig und habe Schlafprobleme, weshalb sie me-

dikamentös behandelt werde. Der Zugang zu Gesundheitsdiensten, Bera-

tungsstellen und Behandlungseinrichtungen für psychische Leiden sowie 

zu modernen Psychopharmaka ist namentlich in türkischen Gross- und 

Provinzhauptstädten gewährleistet (vgl. Referenzurteil des BVGer  

E-1948/2018 vom 12. Juni 2018 E. 7.3.5.3). Dies auch unter Berücksichti-

gung der allenfalls erschwerten Situation aufgrund der Corona-Pandemie. 

Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit auch in individueller Hin-

sicht als zumutbar. 

8.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen, 

weil es der Beschwerdeführerin obliegt, sich bei der zuständigen Vertre-

tung des Heimatstaats die für eine Rückkehr notwendigen Reisedoku-

mente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12). 

8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

10.  

10.1 Die gestellten Rechtsbegehren erweisen sich als aussichtslos, wes-

halb die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 

Beiordnung einer amtlichen Rechtsbeiständin ungeachtet einer allfälligen 

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Seite 12 

prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen sind (Art. 65 Abs. 1 VwVG; 

Art. 102m AsylG).  

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– 

(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) 

der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch 

um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem 

Urteil gegenstandslos geworden. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3528/2021 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bei-

ordnung einer amtlichen Rechtsbeiständin werden abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

David R. Wenger Eliane Hochreutener