# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 865ba9a0-2e0b-5bb1-aea2-5dba5d005209
**Source:** Solothurn (SO)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-13
**Language:** de
**Title:** Solothurn Versicherungsgericht 13.09.2021 VSBES.2020.109
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SO_Omni/SO_VSG_001_VSBES-2020-109_2021-09-13.html

## Full Text

Urteil vom 13. September 2021

Es wirken mit:

Präsident Flückiger 

Oberrichterin Weber-Probst 

Oberrichter Marti 

Gerichtsschreiber Isch

In Sachen

A.___ vertreten durch Advokatin Christl Schaefer-Lötscher

Beschwerdeführerin 

gegen

SWICA Versicherungen AG, Römerstrasse 37, Postfach, 8401
Winterthur,

Beschwerdegegnerin 

 

betreffend     Unfallversicherung
(Einspracheentscheid vom 16. April 2020)

 

 

zieht das Versicherungsgericht
in Erwägung:

I.     
 

 

1.

1.1     Die 1968 geborene A.___ (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) war seit dem 1. Januar 2017 bei der Firma B.___ AG (nachfolgend:
Arbeitgeberin) zu 20 % als «Hauspersonal» beschäftigt. Aufgrund dieser
Anstellung war sie bei der C.___ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) gegen die
Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als sie am 16. März
2017 beim Transport eines Kühlschranks auf der Treppe ausrutschte und sich beim
Sturz eine Fraktur der Lendenwirbelsäule zuzog (vgl. Unfallmeldung UVG vom 22. März
2017, Akten der Beschwerdegegnerin [Swica-Nr.] 1). Die Beschwerdegegnerin
erbrachte in der Folge die gesetzlichen Versicherungsleistungen
(Swica-Nr. 10).

 

1.2     Nach den medizinischen Akten
holte die Beschwerdegegnerin bei der Gutachterstelle D.___ ein
polydisziplinäres Gutachten ein, das am 6. August 2019
(Swica-Nr. 152) erstattet wurde. Mit Verfügung vom 19. September 2019
(Swica-Nr. 166) stellte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen in Form von
Taggeldern und Heilbehandlung per 31. August 2019 ein und sprach der
Beschwerdeführerin eine Integritätsentschädigung von 5 % zu. Zu der durch
die Beschwerdeführerin am 4. November 2019 dagegen erhobenen Einsprache (Swica-Nr. 174),
liess die Beschwerdegegnerin die Gutachterstelle D.___ am 14. Januar 2020
(Swica-Nr. 190) Stellung nehmen. Mit Einsprache-Entscheid vom 16. April
2020 wies die Beschwerdegegnerin die Einsprache der Beschwerdeführerin einschliesslich
des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege im Einspracheverfahren ab (Akten-Seite
[A.S. 1 ff.]).

 

2.       Am 18. Mai 2020 lässt die
Beschwerdeführerin beim Versicherungsgericht des Kantons Solothurn (nachfolgend:
Versicherungsgericht) fristgerecht Beschwerde erheben und folgende Rechtsbegehren
stellen (A.S. 15 ff.):

 

1.    Die Verfügung vom 19. September
2019 und der Einspracheentscheid vom 16. April 2020 seien aufzuheben.

2.    Es sei der Beschwerdeführerin eine
Unfallrente von mindestens 21 % zuzusprechen.

3.    Es sei der Beschwerdeführerin eine
Integrationsentschädigung von 10 % zuzusprechen.

4.    Der Beschwerdeführerin sei die
unentgeltliche Prozessführung für das Einsprache- und Beschwerdeverfahren mit
der unterzeichneten Anwältin als unentgeltlichem Prozessbeistand zu gewähren.

5.    Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.

 

3.       Die Beschwerdegegnerin
beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 19. Juni 2020 die Abweisung der
Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolge (A.S. 43 ff.). 

 

4.       Der Präsident des
Versicherungsgerichts gewährt der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 9. November
2020 ab Beginn des Beschwerdeverfahrens die unentgeltliche Rechtspflege und
bestellt Advokatin Christl Schaefer-Lötscher als unentgeltliche Rechtsbeiständin
(A.S. 53 f.).

 

5.       Die Parteien halten mit Replik
vom 14. Dezember 2020 (A.S. 59 ff.), Duplik vom 21. Januar 2021
(A.S. 77 ff.) sowie Triplik vom 4. Februar 2021 (A.S. 83 ff.) an
ihren jeweiligen Rechtsbegehren fest. 

 

6.       Die durch die Vertreterin der
Beschwerdeführerin am 4. Februar 2021 eingereichte, aktualisierte, Kostennote
(A.S. 90 ff.) geht mit Verfügung vom 5. Februar 2021 zur
Kenntnisnahme an die Beschwerdegegnerin (A.S. 93).

 

7.       Auf die Ausführungen der
Parteien in ihren Rechtsschriften wird nachfolgend, soweit erforderlich,
eingegangen. Im Übrigen wird auf die Akten verwiesen.

 

II.

 

1.

1.1     Die Sachurteilsvoraussetzungen
(zulässiges Anfechtungsobjekt, Einhaltung von Frist und Form, örtliche,
sachliche und funktionelle Zuständigkeit des angerufenen Gerichts,
Legitimation) sind erfüllt. Das hiesige Versicherungsgericht ist örtlich
zuständig, weil die Beschwerdeführerin im Ausland wohnt und der letzte
schweizerische Arbeitgeber, die B.___ AG, ihren Sitz in [...] SO hat. Auf die
Beschwerde ist einzutreten. 

 

1.2     Die
revidierte Fassung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG,
SR 832.20) ist am 1. Januar 2017 in Kraft getreten. Diese ist im
vorliegenden Fall beim zu beurteilenden Ereignis vom 16. März 2017
anwendbar.

 

1.3     Bei der Beurteilung des Falles
ist grundsätzlich auf den Sachverhalt abzustellen, der bis zum Erlass des
angefochtenen Einspracheentscheides vom 16. April 2020 eingetreten ist
(Ueli Kieser in: ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich 2020, Art. 61 ATSG N 109).

 

2.

2.1     Soweit das UVG nichts anderes
bestimmt, werden die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Art. 6 Abs. 1
UVG). Die versicherte Person hat u.a. Anspruch auf die zweckmässige Behandlung
der Unfallfolgen (Art. 10 Abs. 1 UVG) sowie auf ein Taggeld, sofern
sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig ist (Art. 16
Abs. 1 UVG). Dabei handelt es sich um vorübergehende Leistungen, die – wie
aus Art. 19 Abs. 1 UVG erhellt – nur solange zu gewähren sind, als
von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des
unfallbedingt beeinträchtigten Gesundheitszustandes (d.h. eine
Wiederherstellung oder bedeutende Steigerung der Arbeitsfähigkeit) erwartet
werden kann. Sobald dies nicht mehr der Fall ist (und allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind), erfolgt
der Fallabschluss mit Einstellung der vorübergehenden Leistungen bei
gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente sowie auf eine
Integritätsentschädigung (BGE 134 V 109 E. 4.1 S. 114 + E. 4.3
S. 115).

 

2.2     Die Leistungspflicht des
Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis
und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise
bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend
dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs
nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache
gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis
zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität des
Versicherten beeinträchtigt hat, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht
werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele
(BGE 142 V 435 E. 1 S. 438, 129 V 177 E. 3.1 S. 181). 

 

2.3     Die Leistungspflicht des
Unfallversicherers setzt weiter voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und
dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der
Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu
gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen
Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des
eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das
Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2 S. 181).
Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen spielt die Adäquanz
praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen
Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 112 mit Hinweisen). 

 

Treten nach einem Unfall psychische
und / oder organisch nicht hinreichend nachweisbare Beschwerden auf,
und kann weder das für ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule typische, bunte
Beschwerdebildes noch eine solche Verletzung bejaht werden, so ist die adäquate
Kausalität gemäss der Rechtsprechung für psychische Fehlentwicklungen nach
Unfällen zu prüfen (BGE 138 V 248 E. 4 S. 250 f.). Ein
unfallbedingtes pathologisch-anatomisches Substrat liegt nur bei objektivierbaren
Untersuchungsergebnissen vor, die reproduzierbar sowie von der Person des
Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind. Von objektiv
ausgewiesenen organischen Unfallfolgen kann mit anderen Worten erst dann
gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen resp.
bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die dabei angewendeten
Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (BGE 138 V 248
E. 5.1 S. 251). 

 

2.4     Sowohl das Verwaltungsverfahren
wie auch der kantonale Sozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c Bundesgesetz über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]).
Danach haben Verwaltung und Sozialversicherungsgericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese Untersuchungspflicht dauert so
lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen
Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Der Untersuchungsgrundsatz weist enge
Bezüge zum – auf Verwaltungs- und Gerichtsstufe geltenden – Grundsatz der
freien Beweiswürdigung auf. Führen die im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes
von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen den Versicherungsträger oder das
Gericht bei umfassender, sorgfältiger, objektiver und inhaltsbezogener Beweiswürdigung
(BGE 132 V 393 E. 4.1 S. 400) zur Überzeugung, ein bestimmter
Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten und es könnten
weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern,
so liegt im Verzicht auf die Abnahme weiterer Beweise keine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 134 I
140 E. 5.3 S. 148, 124 V 90 E. 4b S. 94). Bleiben jedoch
erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und / oder Richtigkeit der bisher
getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von
zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu
erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_281/2018 vom 25. Juni 2018
E. 3.2.1).

 

Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die
Beweislast im Sinne einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel die
Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es
sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund
einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 218
E. 6 S. 221, 117 V 261 E. 3b S. 264 mit Hinweis).

 

2.5     Hinsichtlich des Beweiswertes
eines medizinischen Gutachtens ist entscheidend, ob dieses für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge, in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und in seinen
Schlussfolgerungen begründet ist. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung
der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 135 V 465 E. 4.3 S. 468
ff., 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.). 

 

3.       Es ist zunächst auf die
Rechtsschriften der Parteien einzugehen:

 

3.1     Die Beschwerdegegnerin hält in
ihrem Einspracheentscheid vom 16. April 2020 (A.S. 1 ff.) fest, es
könne für die Beurteilung der Leistungspflicht der Beschwerdeführerin auf das
Gutachten der Gutachterstelle D.___ vom 6. August 2019 abgestellt werden
(A.S. 5). Zum Vorbringen der Beschwerdeführerin, wonach die Einnahme einer
erhöhten Dosis von Schmerzmedikamenten Einfluss auf die Untersuchungssituation
habe, hätten die Gutachter der Gutachterstelle D.___ am 14. Januar 2020 Stellung
genommen. Es sei daher festzuhalten, dass die Gutachter den Abweichungen in den
Untersuchungsbefunden keinen pathologischen Wert zugeordnet hätten. Bezüglich
den von der Beschwerdeführerin erwähnten Entzündungsschüben hätten sich gemäss
den Gutachtern keine Hinweise für ein entzündlich rheumatologisches Leiden
ergeben (A.S. 5 f.). Die Beschwerdeführerin moniere zudem, dass das
Belastungsprofil der angestammten Tätigkeit der Beschwerdeführerin von der
Beschwerdegegnerin nicht korrekt erfasst worden sei. Die Belastungen seien
höher, als dies das erstellte Profil vermuten lasse, weshalb eine
Teilarbeitsunfähigkeit resultieren müsse. Mit ergänzender Stellungnahme vom
14. Januar 2020 hätten die Gutachter der Gutachterstelle D.___ festgehalten,
dass allenfalls Anpassungen vorgenommen werden müssten, falls das durch die
Beschwerdegegnerin erhobene Belastungsprofil nicht mit den tatsächlichen
Gegebenheiten übereinstimme. Unabhängig davon habe das für angepasste
Tätigkeiten formulierte körperliche Belastungsprofil weiterhin uneingeschränkte
Gültigkeit. Aufgrund dessen sei gestützt auf das Gutachten der Gutachterstelle D.___
vom 6. August 2019 sowie die Stellungnahme der Gutachterstelle D.___ vom
14. Januar 2020 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
in einer angepassten Tätigkeit auszugehen. Da aufgrund der Einwände der
Beschwerdeführerin auf die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
abzustellen sei, sei ein Einkommensvergleich vorzunehmen (A.S. 6). 

Zusammenfassend sei festzuhalten, dass
gestützt auf das Gutachten der Gutachterstelle D.___ vom 6. August 2019
nicht mehr mit einer namhaften Besserung der Gesundheitsschädigung gerechnet
werden könne. Damit könne der Fallabschluss vorgenommen werden. In einer
angepassten Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Der
Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 6 %, womit kein
Rentenanspruch aus der Unfallversicherung resultiere. Der Integritätsschaden
betrage 5 %. Die Verfügung vom 19. September 2019 erweise sich damit
als im Ergebnis korrekt und die dagegen erhobene Einsprache sei abzuweisen
(A.S. 6 f.).

Die Beschwerdeführerin habe mit
Schreiben vom 13. Januar 2020 die Unterlagen zum Gesuch um unentgeltlichen
Rechtsbeistand eingereicht. Den Unterlagen sei zu entnehmen, dass die
Beschwerdeführerin über Grundeigentum verfüge. Deshalb habe sie die für den
Prozess benötigten Mittel durch Vermietung nicht vermieteter oder selbst
genutzter Räumlichkeiten, Belehnung der Liegenschaft bzw. Aufnahme eines
zusätzlichen Hypothekarkredits oder nötigenfalls durch Veräusserung der
Liegenschaft zu beschaffen. Des Weiteren sei das Vermögen anzurechnen, womit es
vorliegend an der Bedürftigkeit fehle. Betreffend die sachliche Gebotenheit sei
gemäss Rechtsprechung (Urteil des Bundesgerichts 8C_353/2019 vom 2. September
2019) festzuhalten, dass selbst wenn im Verwaltungsverfahren die rechtliche
Relevanz ärztlicher Berichte zu beurteilen sei, wofür in der Regel medizinische
Kenntnisse und juristischer Sachverstand erforderlich seien, es sich dabei
trotzdem nicht um eine komplexe Fragestellung, welche eine anwaltliche
Vertretung erforderlich machen würde, handle. Aufgrund des Gesagten sei das
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege abzuweisen.

 

3.2     Dem lässt die Beschwerdeführerin
in ihrer Beschwerde vom 16. Februar 2020 (A.S. 8 ff.) entgegenhalten,
sie habe bereits in ihrer Einsprache vom 4. November 2019 gerügt, dass die
Untersuchungsresultate unter dem Einfluss einer erhöhten Dosis
Schmerzmedikamente zustande gekommen seien (vermutlich insbes. am 17. Juni
2019 Einnahme einer erhöhten Dosis Oxycodon, damit sie die Termine in der
Schweiz überhaupt habe wahrnehmen können), weshalb sie bei den Untersuchungen
weniger Schmerzen verspürt habe und dadurch auch beweglicher gewesen sei. Die
Beschwerdeführerin habe andererseits auf Widersprüche in der Anamnese bei den
Gutachtern Dres. med. E.___ und F.___ hingewiesen: So habe sie ausdrücklich
bestritten, Dr. med. E.___ erzählt zu haben, dass sie Gartenarbeiten verrichten
könne, obwohl sie zuvor sogar erwähnt habe, bei der Hausarbeit eingeschränkt zu
sein. Gartenarbeiten würden vielmehr grundsätzlich nur durch den Ehemann ausgeführt.
Dies sei durch den Gutachter Dr. med. F.___ in seiner Anamnese auf S. 43 korrekt
erfasst worden. Die von Dr. med. E.___ festgehaltene Anamnese sei in
diesem Punkt somit zu korrigieren, es liege eine unrichtige Feststellung des
Sachverhalts vor (A.S. 19 f.).

Die Gutachter seien zudem bei der
bisherigen Tätigkeit von einem komplett falschen Belastungsprofil ausgegangen
(Haushälterin statt Putzfrau). Anstatt leichter bis sehr leichter Tätigkeiten
(S. 6 Gutachten), habe die Beschwerdeführerin aufzeigen können, dass sie
im Grosshaushalt ihrer ehemaligen Arbeitgeber mit angeschlossenem Restaurant
viel mehr mittelschwere bis schwere Reinigungstätigkeiten zu verrichten gehabt
habe. Die Gutachter hätten daraufhin in ihrer Stellungnahme vom 14. Januar
2020 verlauten lassen, dass allenfalls Anpassungen vorgenommen werden müssten,
falls das durch die Vorinstanz erhobene Belastungsprofil nicht mit den
tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimme. Die Beschwerdegegnerin habe in
Ziff. 3.7 ihres Einsprache-Entscheids zu diesem Punkt jedoch überhaupt
nicht Stellung bezogen, sondern sich auf die von den Gutachtern attestierte
100%ige Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit gestützt und sei direkt zu
einem Einkommensvergleich aufgrund der LSE-Tabellen geschritten. Es liege also
erneut eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts vor. Sollte sich
herausstellen, dass der medizinische Endzustand noch nicht erreicht sei, hätte
dies ebenfalls Auswirkungen auf die Fortführung des Unfalltaggeldes (A.S. 20).

Vergleiche man das Gutachten mit dem
Bericht der Klinik G.___ in [...] vom 10. März 2020, welcher
einschneidende gesundheitliche Defizite der Beschwerdeführerin festhalte, so
müsse sich die Beschwerdeführerin doch fragen, ob hier durch die Gutachter der
Gutachterstelle D.___ nicht wichtige Diagnosen (v.a. psychiatrische!) versäumt
worden seien. Die Unterschiede in der Beurteilung zwischen dem Gutachten der
Gutachterstelle D.___ vom 6. August 2019 und dem Bericht der Klinik G.___ seien
dermassen eklatant, dass die Beschwerdeführerin ein Obergutachten beantrage,
worin die offenen medizinischen Fragen geklärt würden (insbesondere Herkunft
der thorakolumbalen Schmerzen, mögliche Therapien und Medikation, A.S. 21).

Den Gutachtern der Gutachterstelle D.___
sei bekannt gewesen, welche hohe Schmerzmedikation die Beschwerdeführerin zu
sich nehme. Eine ihr längst empfohlene Entwöhnung hätte im Rahmen eines
stationären Aufenthalts in der Klinik G.___ erfolgen sollen, habe jedoch
infolge mehrfacher Schmerzexazerbationen beim Versuch der Reduktion des
Medikamentes abgebrochen werden müssen. Entgegen der Beurteilung durch die
Gutachter sei der Verzicht auf das Opiat also nicht ohne weiteres möglich und
es stelle sich nach wie vor die Frage der Ursache der Rückenschmerzen
(A.S. 21).

Im Gutachten ungeklärt geblieben seien
die regelmässigen Entzündungsschübe im Rücken der Beschwerdeführerin, welche
diese an einer regelmässigen sportlichen Betätigung und Stärkung der
Rumpfmuskulatur immer wieder hinderten. Die Ursache der immer wieder
auftretenden Entzündungsschübe sei im Gutachten kaum thematisiert, geschweige
denn sei nach einer Erklärung gesucht worden. Auch dem Verdacht von Dr. med.
H.___ in seinem Bericht vom 4. März 2019 sei keine Beachtung geschenkt
worden. Nicht zu vergessen sei auch die Diagnose des Morbus Crohn. Offenbar seien
diese Beschwerden bei Einnahme von Oxycodon stark zurückgegangen (womit die
Entwöhnung umso schwieriger werden dürfte), dennoch sei es möglich, dass
infolge dieser Erkrankung Entzündungsbotenstoffe ins Blut gelangten und im
Rücken Entzündungen auslösten. Ein entsprechender (negativer)
Untersuchungsbefund finde sich in den Akten jedoch nicht. Die von der
Beschwerdeführerin in der Einsprache gestellte Zusatzfrage an die Gutachter sei
in deren Stellungnahme vom 14. Januar 2020 leider nicht beantwortet
worden. Diesem Punkt (sowie allfälligen weiteren rheumatischen Ursachen) wäre
im Rahmen eines Obergutachtens ebenfalls nachzugehen (A.S. 22).

Studiere man den Bericht der Klinik G.___,
so werde klar, dass die Beschwerdeführerin nie und nimmer einer 100%igen
Verweistätigkeit (ohne konkrete Aussichten) nachgehen könnte, sondern vielmehr
zunächst medizinischer Behandlung bedürfte, um ihre Schmerzen in den Griff zu
bekommen. Um eine passende Therapie zu finden, müssten weitere Untersuchungen
stattfinden, welche sowohl die orthopädische, rheumatologische als auch
psychiatrische Fachrichtung umfassten (A.S. 22).

Dr. med. I.___ habe in seinem Gutachten
vom 7. August 2019 festgehalten: «Der Grad der Beeinträchtigung auf Grund
der Unfallfolgen schätze ich zurzeit mit 20 %» (S. 8). Im Gegensatz
zu den Gutachtern der Gutachterstelle D.___ gehe er auch von keinem Endzustand
aus, weshalb er eine nochmalige Untersuchung in zwei Jahren empfehle. Ebenfalls
im Gegensatz zum Gutachten der Gutachterstelle D.___ habe er die angegebenen
subjektiven Beschwerden mit den objektiven Untersuchungsergebnissen als stimmig
erhoben. Er habe die Beschwerdeführerin zudem persönlich untersucht. Auch wenn
seine Schlussfolgerung einer bloss 20%igen Einschränkung der Beschwerdeführerin
immer noch viel zu gering erscheine, sei sie doch schlüssiger als diejenige der
Gutachterstelle D.___. Dr. med. I.___ habe die Beschwerdeführerin im
Nachgang zu ihrem Aufenthalt in der Klinik G.___ am 17. März 2020 erneut
untersucht. Die aktualisierte Einschätzung habe ebenfalls Bedeutung für die Beurteilung
in der Schweiz (A.S. 23).

Für die Beurteilung der geschuldeten Integritätsentschädigung
verweise die Beschwerdeführerin auf Ziff. 12 der Einsprache. Sie halte an
den geforderten 10 % Integritätsentschädigung fest, berechtige doch eine
kyphotische Fehlstellung von 10 ° selbst bei mässigen Beanspruchungsschmerzen
der Kategorie «+» bereits eine Integritätsentschädigung von 5 – 10 %
gemäss SUVA-Tabelle 7, bei geringen Dauerschmerzen sogar von
10 – 20 %. Gemäss dem Gutachten der Gutachterstelle D.___ (S. 13)
bestehe eine kyphotische Fehlstellung von etwa 10 ° und die angegebenen
Schmerzen würden dem Schweregrad + (mässige Beanspruchungsschmerzen, in Ruhe
selten oder keine, gute und rasche Erholung) oder intermittierend höchstens ++
(geringe Dauerschmerzen, Zusatzbelastung nicht möglich, auch in Ruhe)
zugeordnet (A.S. 23 f.).

Vorausgesetzt, dass bei der
Beschwerdeführerin der medizinische Endzustand bereits erreicht sei, müsste
auch die Berechnung des Invaliditätsgrades anhand der LSE-Tabellen viel
konkreter den verbleibenden beruflichen Möglichkeiten der Beschwerdeführerin
angepasst werden. Die Vorinstanz habe einfach das Vergleichseinkommen der
Tabelle TA1 «Total aller Frauen» der Kompetenzstufe 1 (einfache Arbeiten)
gewählt und auf einer knappen halben Seite einen Invaliditätsgrad von 6 %
errechnet. Dass die Beschwerdeführerin wegen ihrer fehlenden Berufsausbildung
je ein Einkommen von CHF 4'612.40 (in einer 100%-Tätigkeit) erreichen
könnte, sei jedoch völlig illusorisch (A.S. 24). Gerade im vorliegenden
Fall würde das Heranziehen des Totals Frauen von Tabelle TA1 von CHF 4'363.00
bedeuten, dass darin auch die gesamten Produktions- und Dienstleistungsbranchen
enthalten seien, in welchen die Beschwerdeführerin einerseits mangels
körperlicher Belastbarkeit und andererseits mangels Ausbildung oder Erfahrung
nicht tätig werden könne. Wie der obgenannten Ziff. 18 und den
entsprechenden Passagen im Gutachten der Gutachterstelle D.___ entnommen werden
könne, habe die Beschwerdeführerin fast ausschliesslich in den Bereichen
Sozialhelferin, Gemeindediakonin / Seelsorgerin (ohne entsprechende
Ausbildungen) und zuletzt als Reinigungskraft bei Privatpersonen gearbeitet. Die
entsprechende Berufssparte finde sich in den Ziff. 94 – 96 der
Tabelle TA1_tirage_skill_level unter «Erbringung von sonstigen
Dienstleistungen». Frauen erzielten in diesen Branchen im Kompetenzniveau 1
gemäss den neu verfügbaren Tabellen von 2018 ein Durchschnittseinkommen von
CHF 4'101.00 resp. in der Branche 96 von CHF 3'900.00 (bei 40 Wochenstunden).
Selbst wenn man das Total Frauen aller Dienstleistungsberufe (Kompetenzniveau 1)
berücksichtigen würde, läge das Vergleichseinkommen nur bei CHF 4'293.00. Damit
würde bei der Branche Nrn. 94 – 96 ein IV-Grad von 21.51 %
resultieren, der zu einer Rente von mindestens 12.8 % führen würde. Es sei
zudem ein leidensbedingter Abzug von 10 % gerechtfertigt (A.S. 26
ff.).

Die Vorinstanz habe das Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung v.a. deshalb abgelehnt, weil das von der
Beschwerdeführerin und ihrem Mann bewohnte Haus Vermögen darstelle, welches zu
Zwecken eines Prozesses höher zu belasten sei, um daraus die Kosten finanzieren
zu können. Beim Eigenheim des Ehepaares handle es sich um ein Haus mit Baujahr
1968 von 149 m2 Wohnfläche in reiner Eigennutzung mit geschätzten
€ 155'000.00 Wert (ehemaliger Kaufpreis 2012). Da die Heizung bereits 20jährig
sei, werde in nächster Zeit ein Ersatz notwendig, wofür erneut die Rücklagen
auf dem Sparkonto dienen müssten. Wie eine konkrete Prüfung bei der Bank J.___ am
13. Mai 2020 ergeben habe, könne die Festzinshypothek («Zinsfestschreibung»),
welche noch bis am 30. Juni 2023 laufe, weder erhöht noch abgelöst werden
(vgl. Bestätigung der Bank J.___ vom 13. Mai 2020 und
Baufinanzierungsvertrag vom 9. August 2012). Ohnehin wäre das Einkommen
des sich bereits in Pension befindlichen Ehemannes der Beschwerdeführerin zu
gering, um die Hypothek später nochmals zu erhöhen, ganz abgesehen davon, dass
es gemäss deutscher Gesetzgebung verboten sei, das Geld für
Nicht-Liegenschaftszwecke zu verwenden. So wäre es für den Ehemann einzig möglich,
einen Privatkredit aufzunehmen zu einem effektiven Jahres-Zinssatz von 6,99 %,
was mit einer zusätzlichen monatlichen Belastung von € 134.56 einherginge
(vgl. Kreditofferte vom 13. Mai 2020). Die Aufnahme eines Privatkredites
zwecks Prozessfinanzierung werde von der Rechtsprechung aber nicht gefordert
(A.S. 30).

Im vorliegenden Fall habe die
Beschwerdeführerin in der Schweiz auf keinen Verbandsvertreter, Fürsorger oder
Fachleute zugreifen können, da sie mit dem Wohnsitz in [...] über keine solchen
Beziehungen zu Schweizer Fachleuten und auch nicht über die Mitgliedschaft bei
einem Berufsverband verfüge. Auch die eigene Vertretung ihres Falles wäre für
die Beschwerdeführerin viel zu komplex gewesen, seien doch die Gutachter bei
den Aussagen in Bezug auf die alte Tätigkeit von falschen Tatsachen ausgegangen
und hätten bei der Beurteilung der jetzigen Arbeitsfähigkeit die Behandlung der
Schmerzen und die psychische Komponente völlig unterschätzt, wie dies der Bericht
der Klinik G.___ in Beilage 3 nahelege. Interessant in diesem Zusammenhang
sei eine Telefonnotiz der zuständigen Frau K.___, welche der Beschwerdeführerin
am 7. Oktober 2019 sogar selbst geraten habe, die Akten ihrem Arzt oder
einem Rechtsanwalt vorzulegen. Der daraufhin kontaktierte Anwalt in [...] habe den
Fall anschliessend infolge mangelnder Kenntnisse der Schweizerischen Rechtslage
an die Vertreterin zur Vertretung verwiesen. Nicht zuletzt sei im
Einsprache-Entscheid ein Einkommensvergleich zur Bestimmung des
Invaliditätsgrades vorgenommen worden, dessen Überprüfung (Auswahl der Tabellen
und Branchen, Höhe leidensbedingter Abzug) das Wissen einer Fachanwältin
voraussetze. Das Kriterium der Erforderlichkeit eines Anwaltes sei deshalb im
vorliegenden Fall zu bejahen (A.S. 31).

 

4.       Streitig und zu prüfen ist
somit, ob die Beschwerdegegnerin die der Beschwerdeführerin ausgerichteten
Taggelder und Heilbehandlungen zu Recht per 31. August 2019 eingestellt, den
Anspruch auf eine Invalidenrente korrekterweise abgewiesen sowie richtigerweise
eine Integritätsentschädigung von 5 % zugesprochen hat. Es ist ausserdem
zu prüfen, ob die Abweisung des Anspruchs auf unentgeltliche Rechtspflege im
Vorverfahren korrekt war.

 

5.       Für die im vorliegenden Fall zu
beantwortenden Fragen sind im Wesentlichen die folgenden medizinischen Akten
relevant:

 

5.1     Der Bericht der
Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum L.___ vom 27. März
2017 (Swica-Nr. 4) betreffend die stationäre Behandlung der
Beschwerdeführerin vom 16. – 24. März 2017 enthielt folgende
Diagnosen:

 

·      LWK-1-Fraktur (Typ A3, N0, M0 nach
AOSpine)

·      Osteopenie (T-Wert Gesamtfemur -2,2)

 

Die Beschwerdeführerin sei die letzte
Stufe einer Treppe hinuntergefallen und auf das Gesäss aufgeprallt, wobei es zu
einer axialen Stauchung gekommen sei. Motorik und Sensibilität seien intakt,
aber die Beschwerdeführerin beschreibe undulierend, krampfartig einschiessende
Schmerzen auf Höhe der mittleren LWS paravertebral beidseits. Die bildgebenden
Untersuchungen vom Unfalltag zeigten eine Fraktur von LWK1. Am Tag der
notfallmässigen Einlieferung habe man eine dorsale Instrumentierung BWK12 auf LWK2
(Globus revolve) durchgeführt (S. 1). Es zeige sich eine vollständig
destruierte Bandscheibe. Der postoperative Verlauf habe sich komplikationslos
gestaltet, die Wundverhältnisse seien reizlos gewesen. Die postoperative
CT-Kontrolle habe eine regelrechte transpedikuläre Schraubenlage gezeigt. Das
postoperative Röntgenbild habe eine korrekte Implantatlage und ein regelrechtes
Alignement der Segmente gezeigt. Die neurologische Untersuchung habe keine
Hinweise auf eine radikuläre Symptomatik oder fokal-neurologische Defizite
ergeben. Im stationären Verlauf sei es zu einer Besserung der
Schmerzsymptomatik gekommen (S. 2). 

 

5.2     Am 16. Mai 2017 erfolgte im
Klinikum L.___ ein zweiter operativer Eingriff mit Exzision einer Bandscheibe
und ventraler Spondylodese über ein Segment mittels eines am Becken entnommenen
Beckenspans (Swica-Nr. 18). Der Heilungsverlauf gestaltete sich
zeitgerecht (Bericht vom 10. Juli 2017, Swica-Nr. 24 S. 2 f.).

 

5.3     Der Hausarzt der
Beschwerdeführerin, Dr. med. M.___, Facharzt für Allgemeinmedizin, stellte in
seinem kurz gefassten Bericht vom 31. August 2017 (Swica-Nr. 29)
folgende Diagnosen: «Zustand nach LWK1-Fraktur und Versteifungs-OP BWK12 auf
LWK2; C2H5 (F10.1G); Crohn-Krankheit des Dickdarmes (K50.1G); Emotionale
Persönlichkeitsstörung (F60.0G); Sonstige näher bezeichnete Krankheiten der
Leukozyten (Rauchen und C2) (D72.8G)». Aktuell stünden Schmerzen im LWS-Bereich
mit Ausstrahlung in beide Beine und neuropathische Störungen in den Beinen im
Vordergrund. Die Beschwerdeführerin sei zurzeit nicht arbeitsfähig, es bestehe
jedoch eine gute Prognose. Es sei eine unsichere Beurteilung der
perspektivischen Belastbarkeit gegeben, da eine Entfernung der
Versteifungsinstrumente geplant sei.

 

5.4     Dr. med. N.___, Fachärztin für
Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, nahm am 4. Oktober
2017 zuhanden der Beschwerdegegnerin eine «medizinische Beurteilung» vor (Swica-Nr. 41).
Darin hielt sie folgende Diagnosen fest (S. 10): «Gutes postoperatives
Ergebnis nach dorsaler und ventraler Stabilisierung bei LWK1-Fraktur, die sich
die Beschwerdeführerin durch einen Sturz am 16. März 2017 zugezogen habe.
Die Stabilisierung von ventral erfolgte am 16. Mai 2017. Kein
nervenwurzelbezogenes neurologisches Defizit. Flächige Schmerzen nuchal,
thoracolumbal und lumbal sowie im Verlauf der Rippenbögen bei muskulären
Dysbalancen. Fehlstatik der Wirbelsäule bei Haltungsinsuffizienz. Eher wenig
körperliche Aktivität.». Die vorgetragenen Beschwerden fänden ihr Korrelat klinisch
in erheblichen muskulären Dysbalancen. Radiologisch wie auch klinisch ergebe
sich kein Anhaltspunkt, dass die Fraktur Schmerzen / Instabilität
hervorrufe (S. 10). Es bestehe ein ursächlicher Zusammenhang mit dem
Unfall. In etwa sechs Wochen werde die Beschwerdeführerin die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit mit Pensum 9 Stunden pro Arbeitswoche wieder verrichten können.
Einschränkungen ergäben sich noch für mittelschwere und schwere Tätigkeiten,
häufiges Bücken und ständige Zwangshaltungen. Momentan liege noch keine
ausreichende körperliche Belastbarkeit vor, so dass zunächst zu einem
Belastbarkeitstraining geraten werde. Langfristig werde die Beschwerdeführerin
wieder körperlich leichte und gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten
verrichteten können, bevorzugt aus wechselnder Ausgangslage (S. 12).

 

5.5     Am 28. Februar 2018
erfolgte die operative Metallentfernung (OSME Th12 – L2). Im Bericht des Spitals
O.___, Spinale Chirurgie, vom 20. April 2018 (Swica-Nrn. 72) wird
dargelegt, es hätten von Anfang an quasi ständig Schmerzen im Bereich des
thorakolumbalen Übergangs rechtsbetont bestanden. Dies einerseits nach längerem
Sitzen oder Liegen auf der Couch und andererseits auch nach längeren
Gehstrecken, v.a. aber nach zusätzlichen Belastungen wie bspw. im Haushalt. Es
werden eine «Verdachtsdiagnose einer Pseudarthrose Th12/L1» und eine «inkomplette
kraniale Berstungsfraktur LWK1 (Typ 3 nach AO) nach dem Treppensturz am
16. März 2017» diagnostiziert. Im Bericht vom 25. April 2018 (Swica-Nr. 86)
wird die am 24. April 2018 durchgeführte 3-Phasenskelettszintigraphie und
SPECT / CT thorakolumbaler Übergang erwähnt. Beurteilung:
Fusion / Pseudarthrose des Beckenkamminterponats mit hier
nachweisbarer, am ehesten mechanisch bedingter Knochenstoffwechselsteigerung; Fusion
des Beckenkamminterponats am kranialen Anteil zu Th12; in erster Linie
degenerativ bedingte Knochenstoffwechselsteigerung im Bereich der Patella
beidseits und des Fusses rechts. Im Bericht vom 7. Mai 2018
(Swica-Nr. 73) wurde sodann eine stabile Situation mit einer noch nicht
verheilten ventralen Fusion im Sinne einer Pseudoarthrose ausgewiesen. In der
im Rahmen des SPECT-CT durchgeführten CT zeige sich auch, dass im Vergleich zum
Vor-CT vom Januar doch ein gewisser Fortschritt in der ossären Fusion im
Wirbelkörper erreicht worden sei. Eine sekundäre vollständige Ausheilung im
Verlauf sei noch möglich und das Zuwarten vertretbar, da die Kyphose nicht zunehme.
Im Bericht vom 4. September 2018 (Swica-Nr. 81) wurde ergänzt, die
Beschwerdeführerin habe nach wie vor noch starke Schmerzen, insbesondere im
Bereich der mittleren bis oberen BWS und thorakal linksbetont. Ferner bestünden
auch Schmerzen inguinal links. Rein konventionell-radiologisch zeige sich der
Bereich des thorakolumbalen Überganges stabil; gleichwohl könne die
Pseudarthrose ursächlich für die Beschwerden sein (vgl. Swica-Nr. 87). 

 

5.6     Gemäss der Auswertung von Dr.
med. P.___, Oberarzt Spinale Chirurgie des Spitals O.___, am 6. September
2018 (Swica-Nr. 95 S. 3), zeige die MRI-Untersuchung der LWS vom
gleichen Tag (Swica-Nr. 88) keinerlei Einengung von Nerven, während die
CT-Untersuchung der LWS (Swica-Nr. 89) ergeben habe, dass die
Knochenheilung im Bereich des Spans im Vergleich zum April gute Fortschritte
mache. Es liege eine stabile Situation vor. Vorerstmal sei eine intensive
Physiotherapie durchzuführen und weiter Zuzuwarten. Ein Grund für die
Durchführung einer Operation sei derzeit nicht gegeben.

 

5.7     Dr. med. P.___ hielt im Bericht
vom 6. Februar 2019 (Swica-Nr. 105) fest, durch die nun nachgewiesene
vollständige ossäre Fusion Th12/L1 nach initial etwas verzögerter Heilung könnten
sowohl eine Pseudarthrose als auch ein low grade-Infekt ausgeschlossen werden.
Interessant sei das gute Ansprechen auf Cortison. Gegebenenfalls liege noch
eine unfallgetriggerte Erkrankung aus dem rheumatologischen Formenkreis vor,
eventuell eine Fibromyalgie. Dies sollte rheumatologischerseits noch abgeklärt
werden. Eine erneute Operation sei bei nun absolut stabilen Verhältnissen nicht
indiziert. Sollte sich rheumatologisch keine Erklärung finden, sollte die
Beschwerdeführerin einer Schmerzklinik zur intensiven multimodalen
Schmerztherapie zugeführt werden. Es seien keine weiteren Konsultationen mehr
notwendig. 

 

5.8     Im Bericht der Klinik Q.___ vom 4. März
2019 (Swica-Nr. 128) wurde ein «chronisches, thorakolumbales
Schmerzsyndrom bei Status nach inkompletter Berstungsfraktur LWK1 (Typ 3
nach AO) nach Treppensturz vom 16. März 2017» diagnostiziert. Die Beschwerdeführerin
projiziere zum Untersuchungszeitpunkt die Hauptbeschwerden nicht auf Frakturhöhe,
sondern lumbal bis tieflumbal L2 bis L5. Anamnestisch bestehe eine
Spondylolisthesis L5 vorbestehend. Frakturbedingt finde sich radiologisch eine
Tendenz zur Hyperlordosierung. Klinisch imponiere bei Schmerzverstärkung im
Stehen, Reklination / Lateralflexion rechts eine Facettengelenkssymptomatik
Segmente L2 bis L5 rechtsbetont (S. 3). 

 

5.9     Das
polydisziplinäre Gutachten der Gutachterstelle D.___ (Orthopädie, Rheumatologie
und Psychiatrie) vom 6. August 2019 (Swica-Nr. 152) enthält folgende
Diagnosen mit Einfluss auf Arbeitsfähigkeit: (S. 7 f.):

 

Chronisches
thorakolumbovertebrales Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.8)

−      
anamnestisch ohne
Ausstrahlungen in die Peripherie

−      
Status nach perkutaner
dorsaler Stabilisation BWK12 – LWK 2 am 16. März 2017, nach
ventraler Diskektomie und Beckenspan-Interposition BWK12/LWK1 von links am 16. Mai
2017 und nach Implantatentfernung am 28. Februar 2018 (Z98.8 / Z98.1 / Z47.0)

−      
Status nach inkompletter
Berstungsfraktur LWK1 nach Treppensturz am 16. März 2017 (T91.1)

−      
aktuell wenig auffälliger
klinischer Befund bei Insuffizienz der Rumpfmuskulatur

Ohne Einfluss auf Arbeitsfähigkeit seien
folgende Diagnosen:

1.   Leichte, klinisch femoropatellär-betonte
Gonarthrose beidseits (M17.0)

−      
Chondropathie zentral am
medialen Kondylus sowie retropatellär linkes Knie (MRI Mai 2018)

2.   Status nach Alkoholabhängigkeit,
gegenwärtig abstinent (F10.20)

 

5.9.1  Dr. med. E.___, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie FMH, hielt in seinem orthopädischen Teilgutachten nach
der Untersuchung vom 17. Juni 2019 (Swica-Nr. 152 S. 23 ff.)
fest, die Beschwerdeführerin berichte aktuell über einen stumpfen Schmerz am
Rücken, der in seiner Lokalisation aber wechsle. Während er aktuell eher
tieflumbal rechts bestehe, komme er manchmal auch tieflumbal links vor, liege
zwischenzeitlich auch im Bereich der ehemaligen Fraktur und ziehe bis in den
interskapularen Bereich, ohne dass die Beschwerdeführerin bislang eine
eindeutige Bewegungs- oder Belastungsassoziation habe erkennen können (S. 28).
Eine spezifische Therapie führe die Beschwerdeführerin aktuell nicht durch,
doch aktiviere sie sich mehrfach wöchentlich beim Nordic Walking und auf dem
Hometrainer. Ein Übungsprogramm für die rumpfstabilisierende Muskulatur werde
hingegen seit einigen Wochen nicht mehr durchgeführt. Als Schmerzmittel kämen
Pregabalin 50 mg sowie Oxycontin® 5 oder 10 mg in einer Gesamtdosis
von etwa 30 mg täglich zum Einsatz (S. 28).

 

Klinisch zeige sich ein praktisch
unauffälliger orthopädischer Status mit einem flüssigen Gangbild auf der Treppe
und ebenem Terrain einschliesslich verschiedener extensionsnaher Gangvarianten.
Einschränkungen würden bei der Flocke geltend gemacht, allerdings nicht durch
die Situation am Rücken, sondern wegen rechtsbetonter Knieschmerzen, die
zuletzt offenbar vertieft abgeklärt worden seien. Die Detail-untersuchung des
Rumpfes zeige keine wesentlichen Einschränkungen mit einem Finger-Boden-Abstand
von etwa -10 cm (Langfinger auf den Boden gelegt), der sich später auch im
Langsitz reproduzieren lasse, ohne dass dabei Schmerzäusserungen erkennbar wären.
In den übrigen Ebenen seien ebenfalls keine Einschränkungen der Beweglichkeit
erkennbar und insbesondere werde die kombinierte Testung von Extension und
Seitneigung der LWS, bei der jeweils die Fazettengelenke unter erhöhten Druck kämen,
ohne Schmerzäusserung durchgeführt. Die Bewegungen des Kopfes gelängen
ebenfalls frei und es ergäben sich keine Hinweise auf Einschränkungen an der
HWS. An Armen und Beinen seien die Verhältnisse ebenfalls wenig auffällig bis
auf das rechte Kniegelenk, wo klinisch gewisse degenerative Veränderungen zu
vermuten seien. Da es sich dabei um eine unfallfremde Problematik handle, werde
im Rahmen der aktuellen Begutachtung darauf aber nicht näher eingegangen. Die
Arme würden wiederum frei bewegt und die Beschwerdeführerin vermöge auch an
beiden Händen eine sehr gute Kraft zu entfalten. Eine kursorische Untersuchung
ergebe keine Hinweise auf eine relevante Pathologie am peripheren Nervensystem.
Insbesondere liessen sich eine spinale Kompressionsproblematik oder die Läsion
eines grösseren peripheren Nervs klinisch weitgehend ausschliessen. Die von der
Beschwerdeführerin angegebene abgeschwächte Berührungsempfindung an der linken
Flanke sei wahrscheinlich der Durchtrennung eines Hautnervs bei der
thorakolumbalen Spondylodese zuzuschreiben. Vorliegende Bilddokumente zeigten
eine stabile ossäre Konsolidation nach Spondylodese BWK12/LWK1, wo mittlerweile
die Implantate entfernt worden seien. Eine leichte rechtskonvexe Verkrümmung
der LWS sei am ehesten haltungsbedingt, da sich dafür keine eindeutigen
strukturellen Gründe finden liessen (S. 29).

 

Zusammenfassend liessen sich die von der
Beschwerdeführerin angegebenen Beschwerden an Brust- und Lendenwirbelsäule
unter Berücksichtigung der erlittenen Verletzung, der durchgeführten
Operationen und der vorliegenden Bilddokumente zwar im Grundsatz erklären. Als
wesentliche Ursache für die nach wie vor auftretenden Schmerzen sei jedoch eine
Insuffizienz der Rumpfmuskulatur anzusehen, was sich einerseits am aktuellen
klinischen Befund zeige mit einem kaum durchführbaren Globaltest, der ein
zuverlässiges Zeichen für die Bewertung der Rumpfmuskulatur darstelle. Auch
gebe die Beschwerdeführerin anamnestisch an, deutlich geringere Beschwerden
verspürt zu haben, als ihr Rumpf noch besser trainiert gewesen sei. Warum es in
der Folge zu einem erneuten Zuwachs von Beschwerden gekommen sei, sei
retrospektiv nicht eindeutig zu beurteilen, doch habe dies offenbar zu einer
weitgehenden Sistierung der aktiven Rumpfkräftigung mit der nun bestehenden
Insuffizienz geführt. Hier liege entsprechend auch das grösste Potenzial im
Hinblick auf eine Verbesserung der Beschwerdesituation. 

Die Kräftigung der Rumpfmuskulatur, um
die noch bestehenden Rückenbeschwerden zu reduzieren, geschehe am besten mit
einer detaillierten Instruktion entsprechender Übungen, welche die
Beschwerdeführerin daraufhin zeit- und ortsunabhängig selbständig durchführen
könne. Die Medikation mit Oxycontin, für dessen Einsatz seitens des
Bewegungsapparates keine ausreichende Indikation erkennbar sei, sollte
unbedingt ausgeschlichen werden (S. 32).

 

Die Beschwerdeführerin berichte während
des Gesprächs zwar ausführlich über ihre Beschwerden an der thorakolumbalen
Wirbelsäule, doch entstehe für den orthopädischen Untersucher dabei nicht der
Eindruck, als ob sie derzeit unter einem wesentlichen somatisch bedingten
Leidensdruck stünde. Dies setze sich auch im Rahmen der folgenden körperlichen
Untersuchung fort, die weitgehend unauffällig habe durchgeführt werden können
mit einer freien Beweglichkeit des Rumpfes und lediglich einer deutlichen
muskulären Insuffizienz, welche die anamnestisch angegebenen Beschwerden
insgesamt zu begründen vermöge. In Anbetracht ihrer heutigen Schilderungen
bleibe etwas unklar, inwieweit die Beschwerdeführerin im Alltag durch die
angegebenen Beschwerden eingeschränkt werde. So habe sie nicht nur über
regelmässige Hausarbeiten, sondern auch über Tätigkeiten im Garten und ein
nicht geringes ausserhäusliches Pensum berichtet, so dass zumindest Aktivitäten
mit moderater Rumpfbelastung in erheblichem Ausmass möglich schienen. Unter
Berücksichtigung der aktuellen orthopädischen Befunde könne eine leicht verminderte
Belastungsfähigkeit der BWS und LWS postuliert werden, wodurch nur körperlich
leichte bis höchstens intermittierend mittelschwere Aktivitäten mit
gelegentlichem Wechsel der Körperposition, ohne längerdauernde Zwangshaltungen
des Rumpfes und unter Vermeidung von repetitiven Oberkopfbewegungen der Arme
möglich seien. Im Hinblick auf die wahrscheinlich bestehenden degenerativen
Veränderungen an beiden Kniegelenken sollten diesbezüglich belastende
Aktivitäten ebenfalls vermieden werden, bspw. regelmässiges Knien und Kauern
oder das Begehen von Treppen und Leitern. Dabei handle es sich aber um eine
rein unfallfremde Problematik, die beim Ereignis vom 16. März 2017 nicht
in erkennbarer Weise beeinflusst worden sei (S. 30 f.). Gemäss den
vorliegenden Angaben sei die Beschwerdeführerin zuletzt in einer körperlich
leichten bis sehr leichten Tätigkeit engagiert gewesen, wo das oben formulierte
Belastungsprofil wahrscheinlich nicht überschritten worden sei. Entsprechend
bestehe dafür eine zeitlich uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Die
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit, bezogen auf ein 100%-Pensum betrage
100 %. Aus heutiger Sicht sei davon auszugehen, dass die Situation an
Brust- und Lendenwirbelsäule bereits spätestens im Februar 2019 mit der
heutigen vergleichbar gewesen sei, sodass auch zu diesem Zeitpunkt bereits eine
volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit gegeben gewesen sei.
Anhand eigener Befunde könne die Einschätzung seit dem Zeitpunkt der
gutachterlichen Untersuchungen definitiv bestätigt werden. Eine der Behinderung
optimal angepasste Tätigkeit müsse folgende Merkmale aufweisen: Allgemein an
die Einschränkungen der Beschwerdeführerin angepasst seien körperlich leichte
bis höchstens intermittierend mittelschwere Tätigkeiten mit gelegentlichem
Wechsel der Körperposition, wo eine Hebe- und Traglimite von 5 kg nur
ausnahmsweise und von 10 kg nicht überschritten werde und keine länger
dauernden Zwangshaltungen des Rumpfes oder repetitive Überkopfbewegungen der
Arme vorkämen. Zudem sollten Tätigkeiten mit erhöhter Kniebelastung vermieden
werden, namentlich solche mit regelmässigem Knien und Kauern oder mit dem
wiederholten Begehen von Treppen und Leitern. Eine solche Tätigkeit wäre der
Beschwerdeführerin vollzeitlich zumutbar (S. 31). 

 

5.9.2  Dr. med. R.___, Facharzt für Rheumatologie
FMH, stellte in seinem rheumatologischen Teilgutachten nach der Untersuchung
vom 26. Juni 2019 (Swica-Nr. 152 S. 34 ff.) fest, die
Beschwerdeführerin vermeide längeres Sitzen und stehe sowohl im Wartezimmer als
auch während der Anamneseerhebung wiederholt auf; neben den rückenschonenden
Bewegungen gebe es auch unauffällige Spontanbewegungen (S. 36). 

 

Es bestehe ein persistierendes Schmerzsyndrom
rechtseitig im thorakolumbalen Übergangsbereich (S. 37). Diese
traumatische und postoperative Symptomatik sei nicht auf eine rheumatologische
Problematik zurückzuführen, sondern im Rahmen der orthopädischen Untersuchung
beurteilen. Es bestehe ein langjähriger Morbus Crohn, welcher in den letzten
zwei Jahren jedoch weitgehend asymptomatisch gewesen sei. Anamnestisch ergäben
sich keinerlei Hinweise für das Vorliegen einer mit dem Morbus Crohn
assoziierten Arthropathie. Es bestünden keinerlei Hinweise für eine Erkrankung
aus dem rheumatologischen Formenkreis (S. 38). Eine solche sei auch in der
kürzlich erfolgten, ausgedehnten klinischen und labormässigen Untersuchung an
der Klinik Q.___ ausgeschlossen worden (S. 36, vgl. E. II. 5.8
hiervor). Aus rein rheumatologischer Sicht drängten sich keine zusätzlichen
diagnostischen oder therapeutischen Massnahmen auf (S. 38). Aus
rheumatologischer Sicht habe weder jetzt noch früher eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit bestanden (S. 39, 40).

 

5.9.3  Dr. med. F.___, Facharzt für
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, gelangte in seinem psychiatrischen
Teilgutachten nach der Untersuchung vom 26. Juni 2019 (Swica-Nr. 152 S. 41
ff.) zum Schluss, dass keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit vorliege, auch keine Schmerzstörung (S. 45). Die
Beschwerdeführerin sei im Alltag nicht durch psychische Beschwerden
beeinträchtigt. Im Rahmen der psychiatrischen Untersuchung hätten keine
psychopathologischen Befunde erhoben werden können. Die Beschwerdeführerin sei
in der Lage, jeder beruflichen Tätigkeit nachgehen zu können (S. 46). Die
ausgeprägte subjektive Krankheitsüberzeugung, nach der keine Arbeit mehr
möglich sei, lasse sich sowohl aus somatischer als auch psychiatrischer Sicht nicht
begründen (S. 45). Die Beschwerdeführerin berichte einzig über
Einschränkungen durch Schmerzen im Alltag und nehme Schmerzmittel ein. Sie
befinde sich nicht in psychiatrischer Behandlung (S. 46). Aus
psychiatrischer Sicht bestehe keinerlei Zusammenhang mit dem Unfall (S. 48).

 

5.9.4  Im Rahmen der interdisziplinären Konsensbeurteilung
(S. 7 ff.) hielten die Gutachter fest, es bestehe eine Diskrepanz zwischen
dem Ausmass der subjektiv geklagten Beschwerden und den objektivierbaren
Befunden (S. 8). 

Die Beschwerdeführerin habe vor dem
Unfall ab dem 1. Juli 2016 in einem 20%-Pensum als Haushälterin in einem
Privathaushalt gearbeitet. Seit dem Unfall vom 16. März 2017 habe sie
nicht mehr gearbeitet. Die Tätigkeitsbeschreibung der zuletzt ausgeübten beruflichen
Tätigkeit laute wie folgt: Sehr leichte Tätigkeiten manchmal, leichte
Tätigkeiten selten, mittelschwere, schwere und sehr schwere Tätigkeiten nie,
Heben über Brusthöhe < 5 kg selten. Heben über Brusthöhe
> 5 kg nie. Tätigkeit oft stehend (S. 6 f.). Aus heutiger
Sicht sei davon auszugehen, dass die Situation an Brust- und Lendenwirbelsäule
spätestens im Februar 2019 mit der heutigen Situation vergleichbar gewesen sei,
so dass auch zu diesem Zeitpunkt bereits eine volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit gegeben gewesen sei (S. 9). An die Einschränkungen der
Beschwerdeführerin angepasst seien körperlich leichte bis intermittierend
mittelschwere Tätigkeiten mit gelegentlichem Wechsel der Körperposition, wo
eine Hebe- und Traglimite von 5 kg nur ausnahmsweise und von 10 kg
nicht überschritten werde, sowie keine länger dauernden Zwangshaltungen des
Rumpfes oder repetitive Oberkopfbewegungen der Arme vorkämen. Zudem sollten
Tätigkeiten mit erhöhter Kniebelastung vermieden werden, namentlich solche mit
regelmässigem Knien und Kauern oder mit dem wiederholten Begehen von Treppen
und Leitern. In einer solchen Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeits- und
Leistungsfähigkeit. Zur Erhaltung dieser aktuell attestierten Arbeitsfähigkeit
empfehle sich eine Kräftigung der Rumpfmuskulatur, um die noch bestehenden
Rückenbeschwerden zu reduzieren. Dies am besten im Rahmen einer detaillierten
Instruktion entsprechender Übungen, welche die Beschwerdeführerin daraufhin
zeit- und ortsunabhängig selbständig durchführen könne. Ein erzielter positiver
Effekt sei v.a. dann zu erwarten, wenn dies regelmässig geschehe, wozu es v.a.
einer ausreichenden eigenen Motivation bedürfe. Parallel dazu sollte die
Medikation mit Oxycontin ausgeschlichen werden, für dessen Einsatz sich von
Seiten des Bewegungsapparates keine ausreichende Indikation erkenne lasse (S. 8
f.). 

 

Das Ereignis vom 16. März 2017 sei eine
Ursache der festgestellten gesundheitlichen Störung, aber nicht die einzige.
Zusätzlich bestünden noch eine deutliche Insuffizienz der Rumpfmuskulatur, die
wahrscheinlich zu wesentlichen Teilen für die bekundeten Rückenschmerzen
verantwortlich sei, und eine beginnende Gonarthrose rechts (S. 10). Somit
sei das Unfallereignis vom 16. März 2017 überwiegend wahrscheinlich eine
Teilursache der bestehenden gesundheitlichen Störung. Das Ereignis vom
16. März 2017 und die nachfolgend durchgeführten Operationen an der
Wirbelsäule hätten zu dauerhaften strukturellen Veränderungen am Körper der
Beschwerdeführerin geführt, sodass ein morphologischer Status quo sine
lebenslang kaum mehr erreichbar sein werde. Die bereits jetzt vorliegende, uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte bis höchstens intermittierend
mittelschwere, adaptierte Tätigkeiten, könne naturgemäss nicht weiter
gesteigert werden. Eine namhafte Besserung im versicherungsmedizinischen Sinn
sei deshalb nicht möglich (S. 11). 

 

In Anlehnung an die Suva-Tabelle 7
gemäss Anhang 3 UVV sei die durch das Ereignis vom 16. März 2017 bedingte
Integritätseinbusse auf Grund der Problematik an der Wirbelsäule mit 5 %
zu veranschlagen. Nach der erlittenen Fraktur und der anschliessenden
Spondylodese bestehe im thorakolumbalen Übergang eine kyphotische Fehlstellung
von etwa 10 °, und die von der Beschwerdeführerin angegebenen Beschwerden
könnten dem Schweregrad + (mässige Beanspruchungsschmerzen, in Ruhe selten oder
keine, gute und rasche Erholung) oder intermittierend höchstens ++ (geringe
Dauerschmerzen, Zusatzbelastung nicht möglich, auch nachts oder und in Ruhe)
zugeordnet werden. Dafür werde die Integritätseinbusse mit 0 – 5 %
(+) bzw. 5 – 10 % (++) bemessen, sodass der Wert von 5 %
gewählt werde, der beide Varianten gleichermassen einschliesse (S. 13).

 

5.10   Dr. med. I.___, Facharzt für
Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie erstellte für die -Versicherung am
7. August 2019 ein «fachchirurgisches Gutachten» (Swica-Nr. 174 S. 27
ff.). Die Beschwerdeführerin klage über weiterhin bestehende, starke Schmerzen im
BWS / LWS-Übergangsbereich mit Ausstrahlung vorwiegend nach rechts
gluteal. Sie habe beim Bücken Probleme und könne keine Gartenarbeiten
verrichten. Darüber hinaus gebe sie ein Taubheitsgefühl oberhalb beider
Beckenkämme an. Unabhängig davon klage die Beschwerdeführerin über Schmerzen in
beiden Kniegelenken, insbesondere beim Treppenlaufen. Sie führe dies auf die
Fehlbelastung nach ihrer Wirbelsäulenverletzung zurück (S. 30). Die BWS
und LWS seien so beweglich, dass beim Vorwärtsbeugen des Rumpfes mit
gestreckten Knien die Fingerspitzen den Fussboden erreichten. Die LWS runde
sich dabei gut nach hinten aus. Die Aufrichtung erfolge aus eigener Kraft ohne
Armhilfe. Die Neigung nach rechts und links weise keine Seitenunterschiede auf.
Die Drehung um die Längsachse sei möglich. Bei gleichmässigem Gehen bewege sich
die Wirbelsäule regelrecht. Die Untersuchung beider Kniegelenke zeige ein
unauffälliges Relief. Kein Druckschmerz, kein Gelenkerguss. Der Bandapparat sei
stabil. Es finde sich beidseits ein Verschiebeschmerz der Patella.
Meniskuszeichen beidseits negativ. Zohlenzeichen jeweils positiv. Die subjektiv
vorgebrachten Beschwerden stimmten mit den objektiven überein bzw. seien damit
in Einklang zu bringen (S. 32).

Die Behandlung sei noch nicht
abgeschlossen. Die Beschwerdeführerin erhalte weiterhin Physiotherapie und sei
auf die Einnahme von Analgetika angewiesen. Sollte sich der Verdacht eine
Instabilität bewahrheiten, sei eine erneute Stabilisierungs-OP zu diskutieren
(S. 33). 

Zuletzt sei die Beschwerdeführerin in
der Sozialdiakonie und Hauswirtschaft tätig gewesen. Seit März 2017 sei sie
durchgehend arbeitsunfähig bzw. nicht mehr berufstätig (S. 33). Der Unfall
werde Dauerfolgen hinterlassen. Der Grad der Beeinträchtigung werde aufgrund
der Unfallfolgen zurzeit auf 20 % geschätzt. Eine Nachuntersuchung sollte
in etwa zwei Jahren erfolgen (S. 34).

 

5.11   Dr. med. H.___, Facharzt für
Anästhesiologie, Interventionelle Schmerztherapie, Klinik Q.___ äusserte sich
am 31. Oktober 2019 wie folgt zum Gutachten der Gutachterstelle D.___ (Swica-Nr. 174
S. 24 f.): Aufgrund der vorliegenden Unterlagen sei davon auszugehen, dass
die somatischen Untersuchungen von den Dres. med. E.___ und R.___ zweifelsfrei
lege artis und entsprechend der Standards durchgeführt worden seien. Die
zusätzliche Einnahme von Analgetika als Bedarfsmedikation vor der Begutachtung
würde das Untersuchungsergebnis möglicherweise dahingehend verändern, dass bei
den Provokationstests die Schmerzen nicht oder nur in einem geringeren Umfang auslösbar
wären. Dazu fänden sich aber in den vorliegenden Unterlagen keine näheren
Angaben, so dass sich nicht abschätzen lasse, ob dies hier tatsächlich zutreffe.
Allerdings fänden sich im orthopädischen Untersuchungsbefund vom 17. Juni
2019 und in der rheumatologischen Untersuchung vom 26. Juni 2019 deutliche
Unterschiede. So werde in der orthopädischen Untersuchung (S. 25 / 51)
eine kombinierte Extension und Seitneigung ohne erkennbare Schmerzen bei einem
Finger-Boden-Abstand von 10 cm mit symmetrischer Rotation und Seitneigung
von je 25 ° beschrieben. Die rheumatologische Untersuchung (S.
37 / 51) beschreibe hingegen eine Lateralflexion der LWS nach rechts
um 2/3 vermindert, Extension um 1/3 eingeschränkt, Lateralflexion nach links
und Flexion frei. Lateralflexion nach rechts schmerzhaft mit Schmerzprovokation
im thorakolumbalen Übergang bei Rotation. Theoretisch könnten diese
unterschiedlichen Untersuchungsbefunde durch eine unterschiedliche Einnahme von
Schmerzmedikamenten erklärt werden (S. 24). In Bezug auf die Einschätzung
des Integritätsschadens ordneten sie entsprechend der im Anhang geschickten
Tabelle zum Integritätsschaden bei Wirbelsäulenaffektionen die Beschwerden in
der Schmerzfunktionsskala wie folgt ein: Geringe Dauerschmerzen, bei Belastung
verstärkt, auch in Ruhe (tagsüber). Die Einordnung in die nächsthöhere Stufe
werde aufgrund der Befunde nicht für gerechtfertigt gehalten. 

 

5.12   Dr. med. M.___ stellte in seinem
Schreiben vom 5. November 2019 (Swica-Nr. 179 S. 2) die
folgenden Diagnosen: «Geschlossene Fraktur der Wirbelsäule, Höhe nicht näher
bezeichnet, Zustand nach (T08.0Z); Komplexes regionales Schmerzsyndrom der
oberen Extremität, sonstiger und nicht näher bezeichneter Typ (G90.70G)». Nach
einer Berstungsfraktur im LWK 1 und der operativen Versorgung durch eine
dorsale Stabilisierung habe die Beschwerdeführerin aufgrund einer ausgeprägten
Schmerzsymptomatik interdisziplinär komplex schmerztherapeutisch betreut werden
müssen. Im Verlauf dieser multimodalen Therapie sei es trotz passagerer
Rückschläge tendenziell zu einer dezenten Besserung des Allgemeinzustandes gekommen.
Die passageren Verschlechterungen seien aktivierenden Therapien und einer Re-OP
bzw. anderen invasiven Massnahmen geschuldet gewesen. Die Schmerztherapie habe und
könne in Schritten wieder zurückgefahren werden. Die Belastbarkeit sei weiterhin
deutlich eingeschränkt und werde auf absehbare Zeit nicht in einer
Arbeitsfähigkeit zu verbessern sein.

 

5.13   Die Gutachter der Gutachterstelle
D.___ nahmen am 14. Januar 2020 zu den vorstehenden Arztberichten Stellung
(Swica-Nr. 190 S. 2 ff.): 

 

Dr. med. I.___ beschreibe in seinem
Gutachten vom 7. August 2019 (vgl. E. II. 5.10 hiervor) vergleichbare
klinische Befunde an der Wirbelsäule wie sie anlässlich der Untersuchungen der
Gutachterstelle D.___ knapp zwei Monate zuvor gestellt worden seien. Bei der
Beurteilung der Bilddokumente hätten Dr. med. I.___ offenbar nur Röntgenbilder
vom 13. April 2018 zur Verfügung gestanden, weshalb er den Verdacht auf
eine Instabilität postuliert habe, wie dies damals noch der Fall gewesen sei.
Die Bildgebung vom 6. September 2018 und 6. Februar 2019 habe dann
aber ergeben, dass es mittlerweile zu einer stabilen ossären Konsolidation
gekommen sei. Dies habe im Übrigen auch der Auffassung des Spitals O.___ bei
der Abschlussuntersuchung vom 6. Februar 2019 (vgl. E. II. 5.7 hiervor) entsprochen, indem
man keine Kontrollen mehr vorgesehen habe. Zur Arbeitsfähigkeit habe Dr. med. I.___
auf S. 7 lediglich anamnestische Angaben gemacht, aber keine eigene
Einschätzung vorgenommen und insbesondere auch kein Belastungsprofil für noch
in Frage kommende Aktivitäten oder berufliche Tätigkeiten formuliert. Stattdessen
habe er von einem «Grad der Beeinträchtigung» von 20 % geschrieben, bei
dem es sich wahrscheinlich um die Einstufung gemäss dem deutschen
Sozialgesetzbuch (SGB IX) handle, welche unabhängig von einer bestimmten
beruflichen Tätigkeit festgelegt werde. Daher erlaube sie wahrscheinlich auch
keinen direkten Bezug zur Arbeitsfähigkeit (S. 3). 

 

Dr. med. H.___ (vgl. E. II. 5.11
hiervor) habe in seinem Verweis, wonach teilweise nicht ganz deckungsgleiche
Befunde anlässlich der im Abstand von neun Tagen durchgeführten orthopädischen
und rheumatologischen Untersuchungen nicht bedacht, dass die Beweglichkeit von
Rumpf und Extremitäten – v.a. abhängig vom Zustand der Muskulatur – bei
den meisten Personen von Natur aus durchaus variiere. Dies sei bspw. der Grund
für ein Aufwärmen vor sportlichen Aktivitäten, doch könne auch eine
unterschiedliche Tagesform zu abweichenden Ergebnissen führen, ohne dass diesem
Umstand irgendein Krankheitswert beizumessen sei. In Bezug auf die Einschätzung
des Integritätsschadens habe Dr. med. H.___ festgehalten, dass die
Beschwerdeführerin «zum Zeitpunkt unseres Erstgesprächs in unserer
Schmerzklinik vom 27. Februar 2019 (…) keine Schmerzen nachts oder in
Ruhe» angegeben habe. Zum Auftreten von Beschwerden sei es bei zusätzlichen
Belastungen gekommen, was im Verständnis der Gutachter insgesamt am ehesten
einem Schweregrad + gemäss der Suva-Tabelle 7 entspreche. Was Dr. med. H.___
konkret dazu veranlasst habe, in Anbetracht dieser Schilderungen abschliessend eine
Einstufung von ++ gemäss der erwähnten Suva-Tabelle in Betracht zu ziehen,
könnten die Gutachter entsprechend nicht ohne weiteres nachvollziehen, zumal er
auch festgehalten habe, eine Einordnung in die nächsthöhere Stufe (wohl
verglichen mit der durch die Gutachter festgelegten) halte er «aufgrund der
Befunde nicht für gerechtfertigt». Konkret in Zahlen habe Dr. med. H.___ den
bestehenden Integritätsschaden jedenfalls nicht ausgedrückt, so dass er die Bewertung
im Gutachten auch nicht erkennbar in Frage stelle. An der Einstufung bei
5 % im Gutachten könne sicher mit gutem Grund festgehalten werden, zumal
sich die Schmerzsituation durch eine Rekonditionierung der Rumpfmuskulatur
wahrscheinlich reduzieren lasse (S. 3).

 

Dr. med. M.___ beziehe sich im Schreiben
vom 5. November 2019 (vgl. E. II. 5.12 hiervor) an die Beschwerdegegnerin nicht
konkret auf das Gutachten und begründe die pauschal festgehaltene
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht plausibel (S. 3 f.). 

 

Bezüglich der durch die Gutachter
festgelegte Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit müssten gegebenenfalls
Anpassungen vorgenommen werden, falls das durch die Beschwerdegegnerin erhobene
Belastungsprofil nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimme.
Unabhängig davon habe das im Gutachten für angepasste Tätigkeiten formulierte
körperliche Belastungsprofil weiterhin uneingeschränkte Gültigkeit, denn den
nachträglich eingegangenen Berichten liessen sich keine neuen medizinischen
Befunde entnehmen, welche diese allgemein festgelegte Arbeitsfähigkeit zu
widerlegen vermöchten (S. 4).

 

5.14   Der «endgültige Entlassungsbericht»
der Klinik G.___, Interdisziplinäres Schmerzzentrum, vom 10. März 2020 (Swica-Nr. 192
S. 7 ff.) betreffend den stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom
12. Februar bis 10. März 2020 enthielt folgende Diagnosen (S. 7):

 

Chronisches Schmerzsyndrom
bei

−   
Belastungsabhängigem
LWS-Syndrom bei Zustand nach Stabilisierung einer LWK1-Fraktur, insgesamt
verzögerte Frakturheilung, Schmerzchronifizierung vor dem Hintergrund
traumatisch (M54.16)

−   
Gonalgie rechts mehr als
links bei Gonarthrose (M25.56)

Psychologische Diagnosen nach ICD-10:

−   
Chronische Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41)

−   
Rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1)

−   
Abhängigkeitssyndrom
Alkohol, gegenwärtig abstinent (F10.20)

−   
Nikotinabusus (F17.1)

 

Was den orthopädischen Status bei der
Aufnahme der Beschwerdeführerin angehe, so erfolge das Sitzen nach wenigen
Minuten unruhig und zum Teil in Schonhaltung mit Abstützung auf der Stuhllehne.
An- und Auskleiden sowie Transfers blieben unauffällig. Das Gangbild sei
mittelschrittig und sicher. Im Stand liege ein Becken- und Schultergeradestand
vor. Reizlose Narben paralumbal beidseits. Keine höhergradige Skoliose oder Shift.
Erschwerte Gangbilder (Zehenspitzen- und Hackengang) durchführbar und Einbeinstand
beidseits möglich. Die Wirbelsäule weise keinen Druck- oder Klopfschmerz auf. Bewegungen
der BWS und LWS (Seitneige rechts / links 15 / 0 / 15°,
Rotation rechts / links 30 / 0 / 30 °, FBA
0 cm) erfolgten ohne wesentliche Schmerzangabe (S. 13). Während der
stationären Behandlung seien eine Reduktion der chronischen Schmerzen, eine Verbesserung
der körperlichen Funktionsfähigkeit und eine psychische Stabilisierung erreicht
worden. Das Therapiekonzept habe zu einer subjektiv 10%igen Gesamt- und 0%igen
Schmerzbesserung geführt. Man empfehle eine intervallweise Physiotherapie sowie
eine ambulante Psychotherapie (S. 9 f.). Der Versuch, das Oxycodon langsam
zu reduzieren, sei wegen wiederkehrender Schmerzexazerbationen abgebrochen
worden (S. 15).

 

5.15   Dr. med. I.___ erstattete am 18. März
2020 erneut ein Gutachten (Swica-Nr. 201 S. 77 ff.). Darin bestätigte
er im Wesentlichen die durch die Beschwerdeführerin bereits im Vorgutachten vom
7. August 2019 (vgl. E. II. 5.10 hiervor) beklagten Beschwerden an der LWS
und BWS sowie in beiden Kniegelenken. Ein Versuch, die Schmerzmedikation
während der Rehabilitation zu reduzieren, sei fehlgeschlagen (S. 78 f.). Auch
die erhobenen klinischen Befunde entsprechen denjenigen im Gutachten vom
7. August 2019. Die subjektiv vorgebrachten Beschwerden stimmten mit dem
objektiven Befund überein bzw. seien damit in Einklang zu bringen. Es handle
sich aber nicht um rein somatische Beschwerden, sondern diese seien jetzt
mitbedingt durch ein chronifiziertes Schmerzsyndrom, die psychologisch-psychiatrischen
Veränderungen sowie die morphologischen Veränderungen im caudalen LWS-Bereich
(S. 81 f.). Die Behandlung sei noch nicht abgeschlossen, die
Beschwerdeführerin erhalte weiterhin Physiotherapie und sei auf die Einnahme
von Analgetika angewiesen. Sie sei seit März 2017 durchgehend arbeitsunfähig
bzw. nicht mehr berufstätig (S. 82). Der Unfall werde Dauerfolgen
hinterlassen. Der Grad der unfallbedingten Beeinträchtigung werde aus
unfallchirurgisch-orthopädischer Sicht zurzeit und voraussichtlich auf Dauer auf
20 % geschätzt. Zur Verifizierung der psychosomatischen Komponente würden
ein neurologisch-neurochirurgisches sowie ein psychologisch-psychiatrisches
Gutachten empfohlen. Anschliessend könne eine Gesamtbeurteilung der durch den
Unfall bedingten Beeinträchtigung erfolgen. Eine Nachuntersuchung sollte in
etwa zwei Jahren erfolgen (S. 83). An unfallfremden Erkrankungen, die bei
der Gesundheitsschädigung nicht mitgewirkt hätten, bestünden ein Morbus Crohn,
ein Verdacht auf eine retropatellare Chondropathie beidseits, C2- und
Nikotinabusus, eine Spondylolisthese L5/S1, eine Einengung der Neuroforamina
L5/S1 sowie eine Spondylarthrose der caudalen LWS (S. 84).

 

6.       Es ist nachfolgend zu prüfen,
ob sich die Beschwerdegegnerin in ihrem Einsprache-Entscheid vom 16. April
2020 zu Recht auf das polydisziplinäre Gutachten der Gutachterstelle D.___ vom
6. August 2019 abstützte (A.S. 5):

 

6.1     Das von Dres. med. E.___, R.___
und F.___ am 6. August 2019 erstattete Gutachten wird den von der
Rechtsprechung entwickelten Anforderungen (Vollständigkeit, Schlüssigkeit,
Nachvollziehbarkeit; vgl. E. II. 2.5 hiervor) gerecht. So beruht dieses, durch
unabhängige Fachärzte erstattete, Gutachten auf sämtlichen Vorakten ab dem
19. April 2016 (Swica-Nr. 152 S. 16 ff.) sowie den
spezialärztlichen Untersuchungen in den medizinischen Disziplinen der
Orthopädie, Rheumatologie und Psychiatrie (S. 25 ff., 36 f., 44 f.). Zudem
berücksichtigt es auch die durch die Beschwerdeführerin geklagten subjektiven Beschwerden,
welche in die Beurteilung miteingeflossen sind (S. 23 ff., 35 f., 41
ff.). Ferner leuchten die medizinischen Zusammenhänge und die Beurteilung der
medizinischen Situation ein: So vermag aufgrund der im orthopädischen
Teilgutachten durch Dr. med. E.___ erhobenen Befunde mit klinisch praktisch
unauffälligem orthopädischem Status (flüssiges Gangbild auf Treppe und ebenem
Terrain mitsamt verschiedenen extensionsnahen Gangvarianten, keine wesentliche
Einschränkungen bei der Detailuntersuchung des Rumpfes und der Beweglichkeit in
den übrigen Ebenen sowie des Kopfes, keine Einschränkungen an der HWS, S. 28
f.) einzuleuchten, dass der Gutachter die durch die Beschwerdeführerin im
tieflumbalen und z.T. thorakolumbalen Übergangsbereich geklagten Beschwerden (S. 23
f.) unter Berücksichtigung der erlittenen Verletzung, der durchgeführten
Operationen und der vorliegenden Bilddokumentationen als im Grundsatz zwar erklärbar
qualifizierte (S. 29), als wesentliche Ursache für die nach wie vor
auftretenden Schmerzen jedoch eine Insuffizienz der Rumpfmuskulatur angab (Swica-Nr. 152
S. 29). Diese gutachterliche Einschätzung überzeugt auch, da die
Beschwerdeführerin selbst angegeben habe, ungefähr vor 1.5 Jahren
vorübergehend in einem deutlich besseren Zustand gewesen zu sein, wobei sie
damals die Muskulatur am Rumpf regelmässig trainiert und das Oxycontin bei
stark verminderten Beschwerden auf 10 mg täglich habe reduzieren können
(S. 24). Zudem war im Rahmen der orthopädischen Untersuchung die
Durchführung des Globaltests kaum möglich, der ein zuverlässiges Zeichen für
die Bewertung der Rumpfmuskulatur darstellt (S. 29). So wurde bei der
Untersuchung der Wirbelsäule festgehalten, der Globaltest sei während zwei
Sekunden statisch durchgeführt worden, anschliessend sei ein Verweis auf einen
Spannungsschmerz tieflumbal und ein Absenken des Rumpfes erfolgt (S. 25 f.).

Da sich bei der durchgeführten
rheumatologischen Untersuchung mit Ausnahme der wegen thorakalen
Rückenschmerzen unvollständigen Hockestellung normale Befunde zeigten (S. 36
f.) erscheint die Beurteilung des rheumatologischen Gutachters Dr. med. R.___ schlüssig,
wonach sich aus dem rheumatologischen Formenkreis keinerlei Hinweise für das Vorliegen
einer Erkrankung ergäben (S. 38). In diesem Zusammenhang ist auch
nachvollziehbar, dass sich gemäss dem Gutachter aus rein rheumatologischer
Sicht keine zusätzlichen diagnostischen oder therapeutischen Massnahmen
aufdrängten (S. 38).

Aufgrund der erhobenen und sich als
unauffällig präsentierenden, psychiatrischen Untersuchungsbefunde (nicht
verminderter Antrieb, lebhafte Mimik und Gestik, bewusstseinsklar, zeitlich / örtlich / situativ
und zur eigenen Person gut orientiert, keine Konzentrationsschwäche, intakte
Merkfähigkeit und Gedächtnisleistungen, nicht eingeengtes Denken, weder
wahnhaftes Denken noch Wahnvorstellungen, keine illusionären Verkennungen oder
Halluzinationen, keine Gedankenausbreitung oder Fremdbeeinflussungserlebnisse,
keine Zwangsgedanken, Ängste oder Phobien, S. 44) leuchtet ein, dass der
psychiatrische Gutachter Dr. med. F.___ keine Diagnose mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit stellte (S. 45). Auch die weitere gutachterliche
Darlegung, wonach die Beschwerdeführerin im Alltag durch psychopathologische
Beschwerden nicht beeinträchtigt sei, überzeugt aufgrund des nachfolgenden
Hinweises, dass die Beschwerdeführerin gut schlafen könne, den Haushalt – mit
vermehrten Pausen – führe, eine sehr gute Beziehung mit ihrem Mann und den
Kindern habe und nicht in psychiatrischer Behandlung stehe (S. 45).

Vor dem Hintergrund der insgesamt wenig
auffälligen klinischen Befunde sowie der Bildgebung, welche eine stabile
Konsolidation der Fraktur belegt, vermag die gutachterliche Einschätzung
einzuleuchten, wonach in einer angepassten Tätigkeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
bestehe (S. 9). So trägt auch das im Konsens formulierte
Zumutbarkeitsprofil für angepasste Tätigkeiten (körperlich leichte bis
intermittierend mittelschwere Tätigkeiten mit gelegentlichem Wechsel der
Körperposition, wo eine Hebe- und Traglimite von 5 kg nur ausnahmsweise
und von 10 kg nicht überschritten werde und keine länger dauernden
Zwangshaltungen des Rumpfes oder repetitive Oberkopfbewegungen der Arme
vorkämen, ohne erhöhte Kniebelastung, S. 9) den festgestellten
Beeinträchtigungen Rechnung.

 

6.2     Die gutachterlichen
Beurteilungen erweisen sich nach dem Gesagten als stichhaltig. Es kann darauf
abgestellt werden. Wie nachfolgend darzulegen ist, vermögen die diesbezüglichen
Einwendungen der Beschwerdeführerin dessen Beweiskraft nicht umzustossen:

 

6.2.1  Die Beschwerdeführerin stellt
sich zum einen auf den Standpunkt, die Untersuchungsresultate seien unter dem
Einfluss einer erhöhten Dosis Schmerzmedikamente zustande gekommen. Dies vermutlich
insbesondere am 17. Juni 2019 unter einer erhöhten Dosis Oxycodon, weshalb
sie bei den Untersuchungen weniger Schmerzen verspürt und dadurch beweglicher
gewesen sei (vgl. E. II. 3.2 hiervor). Dazu äusserten sich die Gutachter der
Gutachterstelle D.___ am 14. Januar 2020 (vgl. E. II. 5.13 hiervor), wobei
sie schlüssig und in nachvollziehbarer Weise darzulegen vermochten, dass die
Beweglichkeit von Rumpf und Extremitäten – v.a. abhängig von der Muskulatur – bei
den meisten Personen von Natur aus durchaus variiere und auch die
unterschiedliche Tagesform zu abweichenden Ergebnissen führen könne, ohne dass
diesem Umstand irgendein Krankheitswert beizumessen wäre. Demzufolge können die
anlässlich der orthopädischen Untersuchung vom 17. Juni 2019
festgestellten Befunde nicht ohne weiteres auf eine angeblich erhöhte Dosierung
des Medikaments Oxycodon zurückgeführt werden. In diesem Sinne sind auch die
Ausführungen von Dr. med. H.___ in seinem Bericht vom 31. Oktober
2019 (vgl. E. II. 5.11 hiervor) zu verstehen. So hielt er zwar zunächst in
allgemeiner Weise fest, dass die zusätzliche Einnahme von Analgetika vor der
Begutachtung ein Untersuchungsergebnis möglicherweise dahingehend verändern
könne, dass die Schmerzen bei den Provokationstests nicht oder nur in
geringerem Umfang auslösbar wären. Anschliessend hielt er jedoch klar fest,
dass in den vorliegenden Unterlagen keine näheren Angaben diesbezüglich zu
finden seien und gab an, dass die unterschiedlichen Untersuchungsbefunde
«theoretisch» durch eine unterschiedliche Einnahme von Schmerzmedikamenten
erklärt werden könnten. Folglich ist davon auszugehen, dass auch Dr. med. H.___
einen möglichen Zusammenhang zwischen einer allfälligen Schmerzmitteleinnahme
und den ungleichen Untersuchungsresultaten nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
als gegeben erachtete. Somit vermag die Beschwerdeführerin aus diesem
Vorbringen nichts zu ihren Gunsten abzuleiten.

 

6.2.2  Im Weiteren lässt die
Beschwerdeführerin vorbringen, es gebe bei den Gutachtern Dres. med. E.___ und F.___
Widersprüche in der Anamnese (vgl. E. II. 3.2 hiervor). So führe
die Beschwerdeführerin keine Gartenarbeiten aus. Diese würden nur durch den
Ehemann erledigt. Dr. med. E.___ habe dies falsch festgehalten. Dem
orthopädischen Teilgutachten vom 17. Juni 2019 ist diesbezüglich zu
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin berichte, bei der Hausarbeit
eingeschränkt zu sein, indem Staubsaugen oder anderweitige Bodenreinigung nur
noch mit Mühe möglich seien. Hingegen erledige sie nach wie vor gewisse
Gartenarbeiten (Swica-Nr. 152 S. 24 unten). Im rheumatologischen
Teilgutachten vom 26. Juni 2019 gab die Beschwerdeführerin sodann an, die
schweren Arbeiten im Haushalt (z.B. Staubsaugen oder Gartenarbeiten) würden durch
den Ehemann erledigt (Swica-Nr. 152 S. 36). Gestützt auf diese Schilderungen
der Beschwerdeführerin lässt sich jedenfalls kein gravierender Widerspruch feststellen.
So hat die Beschwerdeführerin gegenüber beiden Gutachtern angegeben, sowohl
beim Ausüben von Haushaltstätigkeiten als auch bei Gartenarbeiten eingeschränkt
zu sein, wobei ihr Ehemann u.a. die schweren Gartenarbeiten ausführe. Für die
von der Beschwerdeführerin vorgebrachte Angabe, wonach sie gar keine
Gartenarbeiten ausführe, findet sich im Gutachten indes keine Stütze; die im
rheumatologischen Teilgutachten festgehaltene Aussage ist diesbezüglich nicht
eindeutig. Es kann somit bezüglich des Teilgutachtens von Dr. med. E.___
nicht von einer unrichtigen Feststellung des Sachverhalts ausgegangen werden. 

 

6.2.3  Die Beschwerdeführerin hält weiter
dafür, die Gutachter seien bei der bisherigen Tätigkeit von einem komplett
falschen Belastungsprofil ausgegangen (Haushälterin statt Putzfrau). So habe
sie statt leichten bis sehr leichten Tätigkeiten vielmehr mittelschwere bis
schwere Reinigungstätigkeiten verrichtet (vgl. E. II. 3.2 hiervor). Dem
Gutachten der Gutachterstelle D.___ ist hierzu Folgendes zu entnehmen: Die
Beschwerdeführerin habe ab 1. Juli 2016 in einem 20%-Pensum als
Haushälterin in einem Privathaushalt gearbeitet (Swica-Nr. 152 S. 6
f.), was einer körperlich leichten bis sehr leichten Tätigkeit entspreche
(S. 8). Dies entspricht weitgehend den Angaben auf der Unfallmeldung UVG
vom 22. März 2017 (Swica-Nr. 1), wonach die Beschwerdeführerin seit
dem 1. Januar 2017 als Angestellte Hauspersonal in einem Arbeitspensum von
20 % erwerbstätig gewesen sei. Auch dem Lebenslauf vom 26. September
2017 (Swica-Nr. 41) lässt sich u.a. entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
von Juli 2016 bis andauernd als Mitarbeiterin Raumpflege und Haushalt
gearbeitet habe. Folglich war die Beschwerdeführerin vor dem Sturz vom
16. März 2017 ab Juli 2016 bzw. ab Januar 2017 als Raumpflegerin und
Haushaltshilfe tätig. Gemäss der «Arbeitsplatzbeschreibung» des früheren
Arbeitgebers, der Firma B.___ AG vom 20. September 2017 (Swica-Nr. 39
S. 2) habe die Beschwerdeführerin dabei zu 90 % Reinigungsarbeiten
und zu 10 % Wegräumarbeiten tätigen müssen. Dabei habe sie manchmal sehr
leichte (bis 5 kg) sowie selten leichte (5 bis 10 kg) Gewichte tragen
und selten ein Gewicht über Brusthöhe (< 5 kg) heben müssen. Sie
habe indes nie mittelschwere (10 bis 25 kg), schwere (25 bis 45 kg), oder
sehr schwere Gewichte (> 45 kg) tragen oder mehr als 5 kg
über Brusthöhe heben müssen. Diese Angaben werden mit Fotos belegt. Demzufolge
leuchtet das im Gutachten der Gutachterstelle D.___ ausgewiesene
Belastungsprofil ein. Von einer unrichtigen Feststellung des Sachverhalts kann –
entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin – nicht ausgegangen werden. Daran
vermag auch das Schreiben der Firma B.___ AG «Bestätigung über ehemalige
Tätigkeit von Frau A.___ als Raumpflegerin» vom 22. Oktober 2019
(Swica-Nr. 174) nichts zu ändern. So ist diesem zwar zu entnehmen, dass
die Beschwerdeführerin u.a. den Müll in Form von 15 kg-Säcken habe
entsorgen müssen. Es findet sich indes kein Hinweis darauf, wie oft und wie
viele dieser Müllsäcke über welche Distanz zu entsorgen gewesen sind. Zudem ist
der Tatsache Rechnung zu tragen, dass dieses Schreiben erst ungefähr zwei Jahre
nach der auf den Angaben von Herrn B.___ basierenden «Arbeitsplatzbeschreibung»
vom 20. September 2017 verfasst wurde. Somit sind die Angaben von Herrn B.___
vom September 2017 als unbefangener und zuverlässiger zu beurteilen, als die
späteren Angaben von Frau B.___ vom Oktober 2019, die bewusst oder unbewusst
von nachträglichen Überlegungen beeinflusst sein könnten. Unabhängig davon wird
die Invaliditätsbemessung von dieser Frage nicht beeinflusst, da ohnehin auf
eine leidensangepasste Verweistätigkeit abzustellen ist.

 

6.2.4  Die Beschwerdeführerin lässt
weiter vorbringen, dass die regelmässigen Entzündungsschübe im Rücken, welche
sie an einer regelmässigen sportlichen Betätigung und Stärkung der Rumpfmuskulatur
immer wieder hinderten, ungeklärt geblieben seien (vgl. E. II. 3.2 hiervor). Anlässlich
der orthopädischen Exploration vom 17. Juni 2016 gab die
Beschwerdeführerin an, die beim Training der Bauchmuskulatur vermehrt
aufgetretenen Rückenschmerzen seien auf «Entzündungen» zurückgeführt worden.
Durch den Erhalt von Kortison hätten sich die Beschwerden reduziert (Swica-Nr. 152
S. 24). Folglich war den Gutachtern dieser Sachverhalt bekannt. Sie hatten
zudem – was von der Beschwerdeführerin ebenfalls bemängelt wird – Kenntnis vom
Bericht von Dr. med. H.___ vom 4. März 2019 (vgl. E. II. 5.8
hiervor), der u.a. einen Verdacht auf eine Facettengelenkssymptomatik äusserte.
Die Tatsache, wonach die Gutachter sich mit den «Entzündungsschüben» nicht
substanziiert auseinandergesetzt haben, vermag den Beweiswert des Gutachtens
nicht in Frage zu stellen. So präsentierten sich zum einen anlässlich der
klinischen Untersuchung weitgehend unauffällige Befunde und zum anderen liegt
es im Ermessen der jeweiligen Fachärzte, ob sie sich mit einem bestimmten
medizinischen Sachverhalt vertieft auseinanderzusetzen haben. 

Die Beschwerdeführerin lässt ausserdem geltend
machen, dass der Morbus Crohn zu Entzündungen im Rücken führen könne. Anlässlich
der rheumatologischen Begutachtung bei der Gutachterstelle D.___ wurde
diesbezüglich festgehalten, es bestehe ein langjähriger Morbus Crohn, welcher
in den letzten zwei Jahren jedoch weitgehend asymptomatisch gewesen sei. Anamnestisch
ergäben sich keinerlei Hinweise für das Vorliegen einer mit dem Morbus Crohn
assoziierten Arthropathie (Swica-Nr. 152 S. 36). Weiter führte der
rheumatologische Gutachter aus, Anhaltspunkte für eine entzündliche Arthropathie,
insbesondere eine enteropathische Arthritis, seien weder anamnestisch noch
klinisch fassbar. Demzufolge hat sich der rheumatologische Experte mit der Erkrankung
«Morbus Crohn» befasst und in nachvollziehbarer Weise aufgezeigt, dass bei der
Beschwerdeführerin keine auf diesen zurückzuführenden gesundheitlichen
Einschränkungen vorliegen. Anzufügen ist, dass eine krankheitsbedingte
Einschränkung im vorliegenden Verfahren, das die Unfallversicherung betrifft,
ohnehin nicht zu berücksichtigen wäre.

 

7.       Es ist nachfolgend zu prüfen,
ob die übrigen medizinischen Akten den Beweiswert des polydisziplinären
Gutachtens der Gutachterstelle D.___ vom 6. August 2019 in Frage zu
stellen vermögen:

 

7.1     Es ist zunächst auf die bis zur
Begutachtung verfassten medizinischen Berichte einzugehen (vgl. E. II.
5.1 – 5.8 hiervor hiervor): Diesen ist übereinstimmend zu entnehmen,
dass die Beschwerdeführerin anlässlich des Sturzes vom 16. März 2017 eine
LWK-1-Fraktur erlitt, die gleichentags operativ versorgt wurde. Am 18. Mai
2017 erfolgte sodann eine Exzision einer Bandscheibe und eine ventrale
Spondylodese und am 28. Februar 2018 wurde eine operative Metallentfernung
durchgeführt. Bei sämtlichen operativen Eingriffen zeigte sich ein
komplikationsloser postoperativer Verlauf und die Knochenheilung verlief zwar
zunächst verzögert, präsentierte sich aber anlässlich der bildgebenden
Untersuchungen vom 6. September 2019, wie bereits früher, als stabil. Von
Beginn an beklagte die Beschwerdeführerin Schmerzen im Bereich der LWS und BWS
(vgl. E. II. 5.1, 5.3, 5.5 hiervor), welche sie auch im Rahmen der Begutachtung
durch die Gutachterstelle D.___ vorbrachte (Swica-Nr. 152 S. 23 f.,
25, 42). Das durch die Gutachter in diesem Zusammenhang diagnostizierte
«chronische throrakolumbale Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.8)» ist somit
nachvollziehbar und die Diagnose wurde auch bereits im Bericht der Klinik Q.___
vom 4. März 2019 (vgl. E. II. 5.8 hiervor) gestellt. Es ergeben sich
folglich aus diagnostischer Sicht durch die zeitlich vor dem Gutachten der
Gutachterstelle D.___ erstatteten medizinischen Berichte keine Abweichungen zu
diesem.

 

In Bezug auf die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit durch den Hausarzt Dr. med. M.___ vom 31. August 2017
(vgl. E. II. 5.3 hiervor) ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, wonach
behandelnde Ärztinnen und Ärzte wie auch Therapiepersonen mitunter im Hinblick
auf ihre Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer
Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5 S. 470).
Dies gilt hier umso mehr, als keine nähere Begründung der Arbeitsfähigkeit erfolgt.
So hielt Dr. med. M.___ lediglich in generell-abstrakter Weise fest, die
Beschwerdeführerin sei zurzeit nicht arbeitsfähig. Es kommt hinzu, dass die
Orthopädin Dr. med. N.___ in ihrer zeitnahen medizinischen Beurteilung vom
4. Oktober 2017 (vgl. E. II. 5.4 hiervor) – entgegen der Einschätzung des
Hausarztes – festhielt, die Beschwerdeführerin könne ihre zuletzt ausgeübte
Tätigkeit in etwa sechs Wochen wieder verrichten, wobei für mittelschwere und
schwere Tätigkeiten, häufiges Bücken und Zwangshaltungen noch Einschränkungen
bestünden. Es kann daher der im Gutachten der Gutachterstelle D.___ frühestens auf
Februar 2019 geschätzten vollen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin gefolgt
werden. Dies u.a. auch, da Dr. med. P.___ im Bericht vom 6. Februar 2019
(vgl. E. II. 5.7 hiervor) von «nun absolut stabilen Verhältnissen» ausging.

 

Die in den Berichten des Spitals O.___
vom 20. April bis 4. September 2018 (vgl. E. II. 5.5
hiervor) zunächst als Verdachtsdiagnose, später als gesicherte Diagnose ausgewiesene
«Pseudarthrose Th12/L1» konnte aufgrund der im Bericht vom 6. Februar 2019
(vgl. E. II. 5.7 hiervor) «nachgewiesenen vollständigen ossären Fusion Th12/L1
nach initial etwas verzögerter Heilung» ausgeschlossen werden. Die durch Dr.
med. P.___ in diesem Zusammenhang empfohlene Abklärung einer noch
unfallgetriggerten Erkrankung aus dem rheumatologischen Formenkreis, evtl.
einer Fibromyalgie, konnte sodann im Rahmen des rheumatologischen
Teilgutachtens vom 26. Juni 2019 ebenfalls ausgeschlossen werden (vgl. E.
II. 5.9.2 hiervor). So hätten sich gemäss Dr. med. R.___ keinerlei Hinweise für
das Vorliegen einer Erkrankung aus dem rheumatologischen Formenkreis ergeben
und eine Fibromyalgie könne bereits aufgrund der Beschwerdeschilderung
ausgeschlossen werden (Swica-Nr. 152 S. 38).

 

Die im orthopädischen Teilgutachten der
Gutachterstelle D.___ aufgrund der durchgeführten kursorischen
peripher-neurologischen Untersuchung festgestellten fehlenden Hinweise auf eine
relevante Pathologie am peripheren Nervensystem (Swica-Nr. 152 S. 27,
29) wurden schon in den zeitlich zuvor erstatteten medizinischen Berichten
ausgewiesen. So konnten bei der neurologischen Untersuchung im Klinikum L.___
(Bericht vom 27. März 2017, vgl. E. II. 5.1 hiervor) Hinweise auf eine radikuläre
Symptomatik oder auf fokal-neurologische Defizite ausgeschossen werden. Auch
Dr. med. N.___ hielt im Bericht vom 4. Oktober 2017 (vgl. E. II. 5.4
hiervor) fest, es sei kein nervenwurzelbezogenes neurologisches Defizit
festzustellen und Dr. med. P.___ gab im Bericht vom 6. September 2018 an
(vgl. E. II. 5.6 hiervor), es sei keinerlei Einengung von Nerven
vorhanden.

 

Somit vermögen die vor dem Gutachten der
Gutachterstelle D.___ verfassten medizinischen Berichte dessen Beweiswert nicht
zu schmälern.

 

7.2     Es ist auf die im
Einspracheverfahren eingereichten Arztberichte einzugehen (vgl. E. II.
5.10 – 5.12 hiervor): Zu diesen nahmen die Gutachter der
Gutachterstelle D.___ am 14. Januar 2020 (vgl. E. II. 5.13 hiervor)
Stellung. Ihre Auffassung, diese Berichte enthielten keine neuen
Gesichtspunkte, welche es gebieten würden, auf das Gutachten zurückzukommen,
verdient Zustimmung. So hielt zwar Dr. med. I.___ in seinem Gutachten vom
7. August 2019 (vgl. E. II. 5.10 hiervor) u.a. dafür, die durch die Beschwerdeführerin
geklagten subjektiven Beschwerden liessen sich durch die Befunde objektivieren.
Dies korrespondiert aber nicht mit den von ihm festgestellten, eher
unauffälligen Befunden, welche sich überdies mit denjenigen im Gutachten der
Gutachterstelle D.___ decken. Es kommt hinzu, dass Dr. med. I.___ eine unfallbedingte
Beeinträchtigung von 20 % bescheinigt, auf welche er jedoch nicht näher
eingeht. So bleibt unklar, worauf sich diese bezieht, ob auf die hier
interessierende angepasste Arbeit, auf die bisherige Tätigkeit oder gar,
entsprechend der Rechtslage in Deutschland, auf eine Art Integritätsschaden. Weiter
weisen die Gutachter der Gutachterstelle D.___ zutreffend darauf hin, dass sich
der Verdacht von Dr. med. I.___ auf eine Instabilität nicht bestätigt habe,
nachdem sich in der Zwischenzeit eine stabile ossäre Konsolidierung eingestellt
habe. Diese bestätigt u.a. Dr. med. P.___, der im Bericht vom 6. Februar
2019 (vgl. E. II. 5.7 hiervor) von «nun absolut stabilen Verhältnissen»
spricht.

 

Dr. med. H.___, Klinik Q.___,
bescheinigt den Gutachtern der Gutachterstelle D.___ im Bericht vom 31. Oktober
2019 (vgl. E. II. 5.11 hiervor) grundsätzlich, dass die somatischen
Untersuchungen lege artis und entsprechend den Standards durchgeführt worden
seien. Er betont dabei zwar, dass die vom orthopädischen und rheumatologischen
Experten erhobenen Befunde nicht ganz deckungsgleich seien und dies theoretisch
auf eine unterschiedliche Einnahme von Schmerzmedikamente zurückgeführt werden
könne. Wie oben dargelegt (vgl. E. II. 6.2.1 hiervor) vermögen die
Gutachter jedoch in ihrer Stellungnahme 14. Januar 2020 (vgl. E. II. 5.13
hiervor) in überzeugender Weise aufzuzeigen, dass diese Unterschiede durch unvermeidliche
natürliche Schwankungen der Beweglichkeit von Rumpf und Extremitäten sowie eine
unterschiedliche Tagesform der zu untersuchenden Person zustande kommen können.

 

Die äusserst knapp gehaltene Einschätzung
des Hausarztes der Beschwerdeführerin, Dr. med. M.___, in seinem Schreiben vom
5. November 2019 (vgl. E. II. 5.12 hiervor), wonach die Belastbarkeit
weiterhin deutlich eingeschränkt sei und auf absehbare Zeit nicht in einer
Arbeitsfähigkeit zu verbessern sein werde, bleibt zu unbestimmt. So geht er
diesbezüglich auch nicht näher auf die erhobene Befundlage ein. Seiner
Beurteilung kann daher nicht gefolgt werden.

 

Folglich vermögen die im
Einspracheverfahren eingereichten Berichte den Beweiswert des Gutachtens der
Gutachterstelle D.___ nicht in Frage zu stellen.

 

7.3     Die im Beschwerdeverfahren
eingereichten Arztberichte (vgl. E. II. 5.14 f. hiervor) ergingen zwar noch vor
dem hier massgebenden Zeitpunkt vom 16. April 2020
(vgl. E. II. 1.3 hiervor), erweisen sich – wie nachfolgend
aufzuzeigen ist – aber als unbehelflich:

 

7.3.1  Der «endgültige Entlassungsbericht»
der Klinik G.___ (vgl. E. II. 5.14 hiervor) stimmt in den somatischen
Befunden mehrheitlich mit denjenigen im Gutachten überein. Er liefert also
keine neuen Erkenntnisse. Es fehlen jedoch ausdrückliche und präzise
Ausführungen zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sowie Angaben zur
Unfallkausalität und eine Ausscheidung unfallfremder Faktoren. Der Fokus des
stationären Aufenthalts in der Klinik vom 12. Februar bis 10. März
2020 lag im Wesentlichen auf der Linderung der Schmerzen. Da ein schmerztherapeutisch
tätiger Arzt mehr noch als anderen behandelnden Ärzte in einem besonderen
Vertrauensverhältnis zum Patienten steht und in seiner Rolle den geklagten
Schmerz zunächst bedingungslos zu akzeptieren hat (Urteil des Bundesgerichts
8C_98/2014 vom 7. Mai 2014 E. 3.1), ist verständlich, warum die Ärzte
der Klinik die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden nicht kritisch
hinterfragten und nicht auf Kausalitätsfragen eingingen. In der Klinik G.___ wurden
zusätzlich psychiatrische Leiden in Form einer «chronischen Schmerzstörung» und
einer «depressiven Störung» diagnostiziert. Der Beweiswert dieser Diagnosestellungen
erscheint jedoch zweifelhaft, da sie nicht durch Psychiater, sondern durch
psychologische Psychotherapeuten gestellt wurden. Diese erwähnten, zugleich invaliditätsfremde
psychosoziale Faktoren, welche sie aber sodann in ihren Auswirkungen nicht ausschieden.
Zudem fand keine Indikatorenprüfung statt. Daher kann der von der
Beschwerdeführerin aufgrund der Unterschiede zum Gutachten der Gutachterstelle D.___
gestellten Forderung auf Durchführung eines Obergutachtens (vgl. E. II. 3.2
hiervor) nicht gefolgt werden. Auch aus dem weiteren Vorbringen, wonach die
Entwöhnung der Schmerzmedikation infolge mehrfacher Schmerzexazerbationen in
der Klinik habe abgebrochen werden müssen und daher ein Verzicht auf das Opiat
nicht weiter möglich sei, kann die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten
ableiten. Es kann in diesem Zusammenhang ohnehin offenbleiben, inwieweit
invalidisierende psychische Störungen vorliegen und in einem natürlichen Kausalzusammenhang
mit dem Ereignis vom 16. März 2017 stehen, da es – wie in E. II. 9
hiernach aufgezeigt wird – jedenfalls an der adäquaten Kausalität fehlt.

 

7.3.2  Das Gutachten von Dr. med. I.___
vom 18. März 2020 (vgl. E. II. 5.15 hiervor) ist weitestgehend identisch
mit dem Vorgutachten vom 7. August 2019 (vgl. E. II. 5.10
hiervor) und daher ebenfalls als nicht beweistauglich zu qualifizieren (vgl. E.
II. 7.2 hiervor). 

 

Damit vermögen die im
Beschwerdeverfahren eingereichten Arztberichte den Beweiswert des Gutachtens
der Gutachterstelle D.___ vom 6. August 2019 nicht zu verringern.

 

8.       Zusammenfassend kommt dem
Gutachten der Gutachterstelle D.___ vom 6. August 2019 der volle
Beweiswert zu. Die Beschwerdegegnerin stützte sich im angefochtenen
Einsprache-Entscheid vom 16. April 2020 somit zu Recht auf dieses
Gutachten. Gestützt darauf ist davon auszugehen, dass bereits im Februar 2019
eine volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Haushälterin in
einem Privathaushalt gegeben war (vgl. E. II. 5.9.4 hiervor). Dabei gingen die
Gutachter vom folgenden Tätigkeitsprofil der zuletzt ausgeübten Tätigkeit der
Beschwerdeführerin aus: Sehr leichte Tätigkeiten manchmal, leichte Tätigkeiten
selten, mittelschwere, schwere und sehr schwere Tätigkeiten nie, Heben über
Brusthöhe < 5 kg selten. Heben über Brusthöhe > 5 kg nie.
Tätigkeit oft stehend. Weiter führten die Gutachter aus, dass bei der
Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit (körperlich leichte bis
intermittierend mittelschwere Tätigkeiten mit gelegentlichem Wechsel der
Körperposition, wo eine Hebe- und Traglimite von 5 kg nur ausnahmsweise
und von 10 kg nicht überschritten werde; keine länger dauernden
Zwangshaltungen des Rumpfes oder repetitive Oberkopfbewegungen der Arme;
Vermeidung von Tätigkeiten mit erhöhter Kniebelastung, namentlich solche mit
regelmässigem Knien und Kauern oder mit dem wiederholten Begehen von Treppen
und Leitern) eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit bestehe. Gleichzeitig
wird im Gutachten festgehalten, dass die jetzt vorliegende uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte bis höchstens intermittierend mittelschwere,
adaptierte Tätigkeiten naturgemäss nicht weiter gesteigert werden könne und
eine namhafte Besserung im versicherungsmedizinischen Sinn deshalb nicht
möglich sei (Swica-Nr. 152 S. 11). Da folglich nicht mehr von einer
namhaften Besserung des u.a. unfallbedingt beeinträchtigten
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin ausgegangen werden kann, lässt sich
nicht beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den Fallabschluss mit
gleichzeitiger Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung
vorgenommen hat (vgl. E. II. 2.1 hiervor). An diesem Ergebnis würde sich im
Übrigen auch nichts ändern, wenn davon ausgegangen würde, die angestammte
Tätigkeit entspreche dem durch die Gutachter formulierten Anforderungsprofil
nicht.

 

9.       Nachfolgend ist auf den
psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin einzugehen. Dabei stellt
sich die Frage, ob die aktuell beklagten Beschwerden noch in einem adäquaten
Kausalzusammenhang mit dem Unfallereignis vom 16. März 2017 stehen (vgl.
E. II. 2.3 hiervor).

 

9.1     Bei der Adäquanzprüfung im Sinne
der Psycho-Praxis ist zunächst vom Unfallereignis auszugehen. Dieses ist einer
der drei folgenden Gruppen zuzuordnen: Banale bzw. leichte Unfälle einerseits,
schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischenliegende mittlere
Bereich (BGE 115 V 133 E. 6 S. 138 f.). Bei leichten Unfällen ist die
Adäquanz in der Regel ohne weiteres zu verneinen, bei schweren wird sie bejaht.
Handelt es sich um einen Unfall im mittleren Bereich, lässt sich die Frage, ob
zwischen Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit ein adäquater
Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfallereignisses allein
schlüssig beantworten, sondern es sind weitere, objektiv erfassbare Umstände,
welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte bzw.
indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Diese
Kriterien sind (BGE 115 V 133 E. 6c/aa S. 140):

 

−    
besonders dramatische
Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;

−    
die Schwere oder besondere
Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung,
psychische Fehlentwicklungen auszulösen;

−    
ungewöhnlich lange Dauer
der ärztlichen Behandlung;

−    
körperliche Dauerschmerzen;

−    
ärztliche Fehlbehandlung,
welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;

−    
schwieriger Heilungsverlauf
und erhebliche Komplikationen;

−    
Grad und Dauer der physisch
bedingten Arbeitsunfähigkeit.

 

Bei einem im engeren Sinn mittelschweren
Unfall ist die Adäquanz zu bejahen, wenn drei dieser Kriterien erfüllt sind
(Urteil des Bundesgerichts 8C_398/2012 vom 6. November 2012 E. 6, SVR
2013 UV Nr. 3 S. 7 E. 5.2). Handelt es sich um einen Unfall, der
als mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen einstufen ist, müssen
vier Kriterien erfüllt sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_295/2013 vom
25. September 2013 E. 3.3 mit Hinweis). Im gesamten mittleren Bereich
kann jedoch ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter
Weise erfüllt ist (BGE 115 V 133 E. 6c/bb S. 140 f.). 

 

9.2     Den Ausgangspunkt der
Adäquanzbeurteilung bildet das (objektiv erfassbare) Unfallereignis. Im Rahmen
einer objektivierten Betrachtungsweise ist zu untersuchen, ob der Unfall nach
dem augenfälligen Geschehensablauf und den sich dabei entwickelnden Kräften
eher als leicht, als mittelschwer oder als schwer erscheint. Nicht massgebend
sind Unfallfolgen oder Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen
zuzuordnen sind (André Nabold in: Marc Hürzeler / Ueli Kieser
[Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung, Bern 2018, Art. 6 UVG N 67; Kaspar
Gehring in: Ueli Kieser / Kaspar Gehring / Susanne Bolliger
[Hrsg.], Kommentar zu den Bundesgesetzen über die Krankenversicherung, die
Unfallversicherung und den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
Zürich 2018, Art. 4 ATSG N 47). Bezüglich des vorliegenden
Unfallereignisses ist von folgendem Geschehensablauf auszugehen (vgl. Unfallmeldung
UVG vom 22. März 2017, Swica-Nr. 1): Die Beschwerdeführerin rutschte
beim Transport eines Kühlschranks auf der Treppe aus und erlitt beim Sturz eine
Fraktur der Lendenwirbelsäule auf Höhe LWK1. Was die Schwere des
Unfallereignisses vom 16. März 2017 angeht, so handelt es sich im vorliegenden
Fall um einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen,
höchstens aber um einen mittelschweren im engeren Sinn. Folglich müssen –
sofern kein einzelnes davon besonders ausgeprägt ist – mindestens drei der
sieben einschlägigen Adäquanzkriterien erfüllt sein, was jedoch vorliegend nicht
der Fall ist:

 

9.2.1  Der Berücksichtigung des
Kriteriums der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen
Eindrücklichkeit des Unfalls liegt der Gedanke zugrunde, dass solche Umstände
geeignet sind, bei der betroffenen Person während des Unfallgeschehens oder
nachher psychische Abläufe in Bewegung zu setzen, die an den nachfolgenden
psychischen Fehlentwicklungen mitbeteiligt sein können. Dabei sind objektive
Massstäbe anzuwenden. Nicht was im einzelnen Betroffenen beim Unfall psychisch
vorgeht, soll entscheidend sein, sondern die objektive Eignung solcher
Begleitumstände, bei Betroffenen psychische Vorgänge der genannten Art
auszulösen. Zu beachten ist zudem, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall
eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_584/2010
vom 11. März 2011 E. 4.3.2 mit weiteren Hinweisen). Vor diesem
Hintergrund erfüllt das Geschehen vom 16. März 2016 dieses Kriterium
nicht.

 

9.2.2  Gemäss der vorliegenden Aktenlage
ist die beim Unfall erlittene LWK-1-Fr