# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 03d33cee-3c83-5c4d-bfad-9db6f9e33703
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-03-26
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 26.03.2010 D-5327/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5327-2009_2010-03-26.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5327/2009
law/bah/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 6 .  M ä r z  2 0 1 0

Richter Walter Lang (Vorsitz), 
Richter Martin Zoller, Richter Pietro Angeli-Busi; 
Gerichtsschreiber Christoph Basler.

A._______, geboren (...),
Türkei,
vertreten durch Peter Huber, Fürsprecher, 
(...),
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 22. Juli 2009 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5327/2009

Sachverhalt:

A.
Die Beschwerdeführerin, eine türkische Staatsangehörige alevitischen 
Glaubens mit letztem Wohnsitz in B._______ (Provinz Erzincan), ver-
liess  die  Türkei  gemäss  Eintrag  in  ihrem  mit  einem  Visum  für  die 
Schweiz versehenen Reisepass am 17. Dezember 2008 und gelangte 
gleichentags  in  die  Schweiz.  Am  13.  März  2009  suchte  sie  beim 
Empfangs- und Verfahrenszentrum Vallorbe um Asyl nach.

A.a Bei der Erstbefragung vom 17. März 2009 sagte sie aus, sie habe 
sich Ende Mai 2008 zu ihrem in C._______ lebenden Bruder begeben, 
wo sie ihren Reisepass habe ausfertigen lassen. Ende Juli 2008 sei zu 
einer Tante nach Istanbul gezogen, bei der sie bis zu ihrer Ausreise 
geblieben sei. Ihr Vater habe sie mit einem Kurden verheiraten wollen. 
Dieser Mann sei zirka 55 Jahre alt und habe bereits zwei Frauen sowie 
Kinder. Er habe ihre Eltern eingeladen; sie hätten eine Woche bei ihm 
verbracht  und  seien  von  ihm  reich  beschenkt  worden.  Einige  Tage 
nach ihrer Rückkehr habe ihre Mutter sie von den Plänen ihres Vaters 
in Kenntnis gesetzt. Dies habe sich Ende Mai 2008 zugetragen; auf-
grund  der  Pläne  ihres  Vaters  sei  sie  zu  ihrem  Bruder  geflohen.  Ihr 
Vater  habe ihren Bruder  angerufen; dieser habe ihm gesagt,  sie  sei 
nicht  zu  ihm gekommen. Ihr  Vater  sei  eine  Woche, nachdem sie  ihr 
Zuhause verlassen habe, zu seiner Schwester nach Istanbul gefahren. 
Er habe sie dort und bei einem ihrer Onkel gesucht. Ihr in der Schweiz 
lebender Onkel habe versprochen, ihr zu helfen, falls sie einen Pass 
mit  Visum  beschaffen  könne.  Ihr  Vater  wisse,  dass  sie  sich  in  der 
Schweiz aufhalte und habe ihren Onkel unter Druck gesetzt, sie in die 
Türkei zurückzuschicken.

A.b Am 27. März 2009 wurde die  Beschwerdeführerin  vom BFM zu 
ihren Asylgründen befragt. Sie  machte  im Wesentlichen geltend,  sie 
habe  ihre  Eltern  im  Sommer  2007  beim  Alpaufzug  begleitet. 
Wahrscheinlich habe der Mann, der sie habe zur Frau nehmen wollen, 
sie  dort  gesehen.  Im  Mai  2008  hätten  ihre  Eltern  eine  Woche  bei 
diesem  Mann  verbracht.  Einige  Tage  nach  der  Rückkehr  habe  ihre 
Mutter sie davon in Kenntnis gesetzt, dass ihr Vater dem Ansinnen des 
Mannes zugestimmt habe. Ihre  Mutter  sei  mit  dem Entschluss  ihres 
Vaters nicht einverstanden gewesen, habe aber gewusst, dass sie ihn 
nicht werde umstimmen können. Sie habe ihrer Mutter gesagt, sie be-
nötige einige Tage Bedenkzeit. Diese habe sie dazu genutzt, um zu 

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ihrem Bruder zu gehen. Ihr Vater habe diesen mehrfach angerufen, er 
habe ihm jeweils versichert, ihn zu informieren, falls sie zu ihm käme. 
Ihr Vater habe sie in Istanbul bei zwei seiner Schwestern und einem 
seiner Brüder gesucht. Sie habe einen jungen Mann geliebt,  dessen 
Familie  bei  ihrem  Vater  um  ihre  Hand  angehalten  habe.  Da  diese 
Familie  arm  sei,  habe  ihr  Vater  abgelehnt.  Sie  habe  ihr  Zuhause 
damals nicht verlassen, weil sie nicht gewollt habe, dass es zum Bruch 
mit  ihrer  Familie  komme. Die  Heirat  mit  einem so viel  älteren Mann 
habe sie jedoch nicht akzeptieren können. Als sie sich zur Reise zu 
ihrem Bruder  bereit  gemacht  habe,  sei  ihre  Schwester  nach  Hause 
gekommen. Sie  habe  ihr  gesagt,  dass  sie  das  Haus  verlassen  und 
nach C._______ gehen werde. Ihr Bruder habe sie dort unterstützt. In 
Istanbul habe sie bei einer Tante gelebt, die ihr bei  der Vorbereitung 
ihrer Ausreise behilflich gewesen sei. Sie habe ihren in der Schweiz 
lebenden Onkel  und einen hier  lebenden Cousin angerufen,  den sie 
gebeten habe, ihr eine Einladung für die Schweiz zu schicken. 

B.
Mit Verfügung vom 22. Juli 2009 – eröffnet am 24. Juli 2009 – stellte 
das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführerin  erfülle  die  Flüchtlingseigen-
schaft  nicht,  und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  verfügte es 
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der Weg-
weisung an.

C.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 24. August 2009 liess die Be-
schwerdeführerin  beim Bundesverwaltungsgericht  gegen diesen  Ent-
scheid Beschwerde erheben und beantragen, es sei die Verfügung des 
BFM aufzuheben und ihr Asyl zu gewähren, eventualiter sei sei sie als 
Flüchtling anzuerkennen und ihre vorläufige Aufnahme als Flüchtling 
anzuordnen.  Subeventualiter  sei  festzustellen,  dass  der  Vollzug  der 
Wegweisung völkerrechtlich unzulässig beziehungsweise unzumutbar 
sei. Der Eingabe lagen ein Schreiben des Bruders der  Beschwerde-
führerin, D._______, und ein Bericht aus Milliyet vom 28. März 2009 
bei.

D.
Der Instruktionsrichter forderte die Beschwerdeführerin mit Zwischen-
verfügung vom 2. September 2009 auf, bis zum 17. September 2009 
einen Kostenvorschuss von Fr. 600.-- zu leisten. Dieser wurde wurde 
am 10. September 2009 eingezahlt.

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E.
Mit  Verfügung  vom  17.  September  2009  gab  der  Instruktionsrichter 
dem BFM Gelegenheit, eine Vernehmlassung zur Beschwerde einzu-
reichen. Dieses beantragte in der Vernehmlassung vom 29. September 
2009 die Abweisung der Beschwerde. Das Bundesverwaltungsgericht 
brachte  der  Beschwerdeführerin  die  Vernehmlassung  am 1. Oktober 
2009 zur Kenntnis.

F.
Mit Schreiben vom 13. Januar 2010 liess die Beschwerdeführerin zwei 
Schreiben  von  Verwandten  und  fünf  Berichte/Zeitungsartikel  ein-
reichen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungs-
gericht  Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu den Behörden nach Art. 33 
VGG und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. 
Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG 
liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist  daher zuständig für 
die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde; es entscheidet auf dem 
Gebiet  des  Asyls  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom 
26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundes-
gerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht;  die  Be-
schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, 
ist  durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und hat ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Sie  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 
Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist ein-
zutreten. 

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

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oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.  
3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person an-
erkannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zu-
letzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nach-
weisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  ge-
macht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in 
sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder 
massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt 
werden (Art. 7 AsylG).

4.  
4.1 Das BFM führt zur Begründung seiner Verfügung aus, es sei nicht 
nachvollziehbar,  dass  die  Beschwerdeführerin  zwei  Monate  lang  bei 
ihrem in  C._______ lebenden Bruder  geblieben wäre,  falls  ihr  Vater 
tatsächlich  regelmässig  bei  diesem angerufen  und nach  ihr  gesucht 
hätte. Es widerspreche jeglicher Logik,  dass sie zu ihrer  Tante nach 
Istanbul gefahren wäre, bei der ihr Vater sie nur wenige Wochen vorher 
gesucht habe. Sie habe angegeben, sich schon im Mai 2008 zur Flucht 
in die Schweiz entschlossen und ihren hier lebenden Onkel angerufen 
zu  haben.  Weshalb  sie  das  Risiko  auf  sich  genommen  habe,  den 
Bruder  ihres  Vaters  über  ihre  Absichten  zu  informieren,  erschliesse 
sich nicht. Sie habe geltend gemacht, ihre 14-jährige Schwester über 
die Flucht zu ihrem Bruder in C._______ informiert  zu haben. Es sei 
nicht  nachvollziehbar,  warum sie  ihre  Schwester  eingeweiht  und  ihr 
den Zufluchtsort verraten habe. Polygamie und Zwangsheirat seien in 
der  Türkei  verboten und die  Behörden seien im Prinzip  schutzfähig. 

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Insbesondere  in  Istanbul  gebe  es  staatliche  Frauenhäuser,  welche 
Frauen  vor  Zwangsheirat  schützten.  Die  Beschwerdeführerin  habe 
geltend  gemacht,  nach  ihrem Ausreiseentschluss  noch  acht  Monate 
lang in der Türkei geblieben zu sein. Sie habe erklärt, dass ein grosser 
Teil ihrer Familie gegen den Entschluss des Vaters gewesen sei. Es sei 
vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar, weshalb sie sich nicht 
an die türkischen Behörden gewandt habe. Sie sei nach Ablauf ihres 
Visums  im  Januar  2009  noch  zwei  Monate  illegal  in  der  Schweiz 
geblieben und habe erst im März 2009 um Asyl nachgesucht. Aufgrund 
der  vielen  Ungereimtheiten  müssten  ihr  Aussagen  als  unglaubhaft 
qualifiziert werden.

4.2 In  der  Beschwerde  wird  geltend  gemacht,  mehrere  Familien-
angehörige  der  Beschwerdeführerin  stünden  nicht  hinter  dem  Vor-
haben ihres Vaters, sie mit einem viel älteren Mann zu verheiraten. Sie 
sei  von  ihnen  bei  ihrem  Plan,  ins  Ausland  zu  fliehen,  unterstützt 
worden.  Zu  ihrer  Schwester  E._______  habe  sie  eine  innige 
Beziehung gehabt, da sie sich nach deren Geburt um sie gekümmert 
und  sie  praktisch  aufgezogen  habe.  Sie  habe  E._______  nicht 
verlassen wollen, ohne mit  ihr über die Beweggründe gesprochen zu 
haben. Sie sei sich sicher gewesen, von ihr nicht verraten zu werden. 
Ihre Angehörigen hätten gewusst, dass ihr Vater seine Meinung trotz 
gegenteiliger Auffassung der restlichen Familie nicht ändern würde. Da 
die  Familie  gewusst  habe,  dass  sie  nichts  gegen  die 
Zwangsverheiratung  unternehmen  könne,  hätten  sie  die 
Beschwerdeführerin so gut es ihnen möglich gewesen sei, unterstützt. 
Sie werde in der Schweiz von ihrem in F._______ lebenden Onkel und 
dessen Familie  umsorgt. Auch einer  ihrer  Cousins  habe ihr  von der 
Schweiz  aus  geholfen.  Ein  anderer  in  der  Schweiz  lebender  Onkel 
habe sich dafür eingesetzt, dass sie in die Türkei zurückkehre und die 
Heirat vollzogen werde. Er sei vehement gegen ihren Verbleib in der 
Schweiz  und  setze  den  anderen  Onkel  und  dessen  Familie  unter 
Druck.  Vom  Zeitpunkt  ihrer  Einreise  in  die  Schweiz  bis  zur 
Asylgesuchstellung habe sich zwischen ihren in der Schweiz lebenden 
Angehörigen ein Streit entfacht. Der Onkel, der für ihren Verbleib in der 
Schweiz  gewesen  sei,  habe  sich  schliesslich  durchgesetzt  und 
beschlossen, dass sie hier einen Asylantrag stellen solle. Zudem habe 
sie  Abklärungen  getroffen,  ob  für  sie  eine  Rückkehr  in  die  Türkei 
möglich  sei.  Es  habe  sich  ergeben,  dass  eine  langfristige 
Schutzgewährung  durch  die  Familie  aufgrund  der  unberechenbaren 
Haltung ihres Vaters nicht möglich gewesen wäre. Eine andere Lösung 

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habe  auch  nicht  gefunden  werden  können.  Sie  habe  ernsthaft  in 
Erwägung gezogen, sich an die türkischen Behörden zu wenden. Sie 
hätte  dabei  aber  nicht  mit  langfristiger  Schutzgewährung  rechnen 
können.  Gemäss  Amnesty  International  (AI)  gebe  es  in  der  Türkei 
Schätzungen  zufolge  nur  14  Frauenhäuser  und  19  kommunale 
Einrichtungen für Frauen, die Opfer familiärer Gewalt geworden seien. 
Die  Finanzierung  solcher  Institutionen  sei  oftmals  nicht  gesichert. 
Problematisch  sei,  dass  diese  Einrichtungen  vom  Staat  abhängig 
seien  und  einigen  Frauen  die  Aufnahme  verweigert  worden  sei.  Es 
solle  verschiedentlich  Angriffe  auf  Frauenhäuser  gegeben  haben. 
Gemäss "Women for Women's Human Rights Watch" (WWHR) seien 
alle  Frauenhäuser  überfüllt  und  wiesen  hohe  Zugangshürden  auf. 
Voraussetzung  für  eine  Unterbringung  sei,  dass  die  betroffene  Frau 
Strafanzeige  erstatte,  was  zur  Folge  habe,  dass  sie  von  ihren  An-
gehörigen  leichter  gefunden  werden  könne.  Eine  Mitarbeiterin  von 
WWHR habe berichtet,  es sei  auch für  sie  unmöglich gewesen,  be-
troffene  Frauen  in  einem  Frauenhaus  unterzubringen.  In  ländlichen 
Gebieten sei praktisch keine zuverlässige Hilfe vorhanden. Die staat-
lichen  Anlaufstellen  würden  oftmals  traditionelle  Ansichten  vertreten 
und die Frauen dazu bewegen, zu ihren Familien zurückzukehren. Bei 
einer Rückkehr könnte die Beschwerdeführerin nur in einer Grossstadt 
Hilfe finden, da dort die meisten Hilfsorganisationen angesiedelt seien. 
Dort  wären die Lebensbedingungen für  sie  allerdings  schwierig. Die 
Leistungen der staatlichen Sozialhilfe seien nicht mit  denjenigen, die 
die  Schweiz  gewähre,  zu  vergleichen.  Generell  fehlten  staatliche 
Mechanismen, um Frauen effektiv vor Gewalt zu schützen. Wäre sie in 
einer Institution aufgenommen worden, so hätte sie sich dennoch nicht 
längerfristig  dort  aufhalten  können  und  wäre  nach  ihrem  Austritt  in 
derselben  Situation  wie  zuvor  gewesen.  Indem  sie  sich  dem  Willen 
ihres Vaters widersetzt  habe,  sei  sie  auf  Lebzeiten stigmatisiert. Bei 
einer Rückkehr wäre sie auf sich allein gestellt und müsste versuchen, 
sich  durchzuschlagen,  was  für  eine  unverheiratete  Frau  ohne 
Familienkontakte ein unmögliches Unterfangen wäre. Obwohl sie von 
einigen Angehörigen unterstützt worden sei, könnte sie nicht mehr mit 
deren  Unterstützung  rechnen.  Der  Einfluss  ihres  Vaters  auf  ihre 
Angehörigen  sei  gross  und  sie  könne  nicht  eruieren,  wem  sie 
vertrauen könne. Es wäre nicht möglich, sie dauernd vor ihrem Vater 
zu verstecken. Sie sei sicher, dass ihr Vater sie finden würde, was zu 
einer Eskalation in den familiären Verhältnissen führen würde.

Zwangsverheiratung und die damit  verbundenen Folgen seien in der 

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Türkei  immer  noch  ein  Tabu-Thema.  Obwohl  Zwangsverheiratung, 
Polygamie und Sittenmorde nach Gesetzesrevisionen verboten seien 
und geahndet werden könnten, habe sich die Lage für die betroffenen 
Frauen  nicht  verbessert.  In  einem  beigelegten  Bericht  über  einen 
Artikel  in  der  Zeitung  "The  Independent"  werde  erläutert,  dass 
Familien die Frauen auffordern würden, sich selbst umzubringen. Seit 
Sittenmorde mit lebenslänglicher Haft  bestraft  würden, habe sich die 
Anzahl der durch Frauen begangenen Selbstmorde dramatisch erhöht. 
Der  türkische  Oberstaatsanwalt  habe  bestätigt,  dass  Frauen  unter 
grossen  Druck  gesetzt  würden,  sich  selbst  zu  töten.  Eine 
Rechtsanwältin habe erklärt,  dass Sittenmorde nicht immer gründlich 
untersucht würden, da einige Polizisten oder Staatsanwälte die gleiche 
Auffassung verträten wie die Personen, die Sittenmorde begingen.

5.
5.1 Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich 
dann, wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel 
sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in 
wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren 
Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen 
Erfahrung  widersprechen. Darüber  hinaus muss die  gesuchstellende 
Person  persönlich  glaubwürdig  erscheinen,  was  insbesondere  dann 
nicht  der  Fall  ist,  wenn sie  ihre  Vorbringen auf  gefälschte  oder  ver-
fälschte  Beweismittel  abstützt,  aber  auch  dann,  wenn  sie  wichtige 
Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Ver-
fahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nach-
schiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige 
Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  ferner  –  im 
Gegensatz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes  Beweismass  und 
lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vor-
bringen  des  Gesuchstellers.  Entscheidend  ist,  ob  im  Rahmen  einer 
Gesamtwürdigung  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachver-
haltsdarstellung des Asylsuchenden sprechen, überwiegen oder nicht. 
Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Art. 7 
Abs. 2  und  3  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005  Nr. 21  E. 6.1 
S. 190 f.).

5.2 Die  Beschwerdeführerin  machte  bei  ihren  Befragungen  geltend, 
ihr  Vater  habe  sie  einem  wesentlich  älteren,  bereits  verheirateten 
Mann  zur  Frau  geben  wollen.  Angesichts  des  Herkunftsgebiets  der 

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Beschwerdeführerin und ihres im ländlichen Milieu der Türkei hinsicht-
lich einer Verheiratung bereits fortgeschrittenen Alters, erscheint dies 
nicht aussergewöhnlich. Ihre Aussage, sowohl im Heimatdorf als auch 
in  den umliegenden Dörfern habe es mehrere Fälle von Zwangsver-
heiratung gegeben (act. A9/19 S. 7), erscheint durchaus glaubhaft. Die 
Aussagen  der  Beschwerdeführerin  bei  beiden  Befragungen  sind  in 
sich  stimmig,  detailreich  und  plausibel.  Die  von  der  Vorinstanz  ver-
tretene Auffassung,  ihre Aussagen müssten aufgrund der vielen Un-
gereimtheiten als unglaubhaft  qualifiziert  werden,  kann in dieser ab-
soluten Form nicht geteilt werden. Es spricht nicht zwingend gegen die 
Glaubhaftigkeit  ihrer Vorbringen,  dass sie sich vor ihrer  Ausreise bei 
Verwandten  aufhielt  und  einige  ihrer  Verwandten  in  ihre  Pläne  ein-
weihte, bedurfte sie doch der Hilfe von Bezugspersonen, um dem Ein-
flussbereich  ihres  Vaters  zu  entkommen.  Aufgrund  der  Akten  –  die 
Beschwerdeführerin ist in einem ländlichen Gebiet aufgewachsen und 
hat ihre Heimatregion kaum je verlassen – verfügte sie in der Türkei 
"nur" über ein verwandtschaftliches, nicht jedoch über ein erweitertes 
Beziehungsnetz. Die  Tatsache,  dass  sie  erst  rund drei  Monate nach 
ihrer  Einreise  in  die  Schweiz  um  Asyl  nachsuchte,  erweckt  zwar 
Zweifel  an  ihrer  tatsächlichen  Schutzbedürftigkeit,  findet  aber  durch 
den Hinweis auf  die innerfamiliären Auseinandersetzungen zwischen 
den in  der  Schweiz  lebenden Verwandten eine  nachvollziehbare  Er-
klärung. Nicht zu überzeugen vermag indessen die Darstellung in der 
Beschwerde, wonach die Beschwerdeführerin aufgrund des Verhaltens 
ihres Vaters nicht  mehr  mit  Unterstützung ihrer  Verwandten rechnen 
könne. Gemäss ihren Aussagen verurteilen diese die Vorgehensweise 
ihres  Vater  grossmehrheitlich.  Sowohl  der  in  C._______  lebende 
Bruder  der  Beschwerdeführerin  als  auch  ihre  in  Istanbul  wohnende 
Tante sowie weitere sich in der Türkei aufhaltende Verwandte befinden 
sich  weit  ausserhalb  des  Einflussbereichs  ihres  im  ländlichen 
B._______ lebenden Vaters. Insoweit  scheint  die  Aussage der  Tante 
der  Beschwerdeführerin,  sie  werde bei  einer  Rückkehr  in  die  Türkei 
auf sich alleine gestellt  sein und es werde ihr niemand mehr helfen, 
als Gefälligkeitsbestätigung.

6.
6.1 Die Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art. 3 AsylG erfüllt  eine asyl-
suchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie 
Nachteile  von bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft 
begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund 

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bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates oder 
durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise 
zugefügt  zu  werden  drohen  (vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen 
Bundesverwaltungsgerichts [BVGE] 2008/4 E. 5.2 S. 37, EMARK 2006 
Nr. 18  E. 7  und  8  S. 190 ff.,  EMARK  2005  Nr. 21  E. 7  S. 193). 
Aufgrund  der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt 
die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft  ausserdem voraus, dass 
die  betroffene  Person  in  ihrem  Heimatland  keinen  ausreichenden 
Schutz  finden  kann  (vgl.  BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2  S. 174 f.,  BVGE 
2008/4 E. 5.2 S. 37 f.,  EMARK 2006 Nr. 18 E. 10 S. 201 ff.,  EMARK 
2005 Nr. 21 E. 7.3 S. 194 und E. 11.1 S. 201 f.). Ausgangspunkt für die 
Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die  Frage  nach  der  im 
Zeitpunkt  der  Ausreise  vorhandenen  Verfolgung  oder  begründeten 
Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des 
Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität 
der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der 
objektiven  Situation  im  Heimatstaat  zwischen  Ausreise  und 
Asylentscheid  sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das 
Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/4 
E. 5.4 S. 38 f., EMARK 2000 Nr. 2 E. 8a S. 20, WALTER STÖCKLI, Asyl, in: 
Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 
Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18).

6.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass 
zur Annahme besteht,  eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im 
Zeitpunkt  der  Ausreise  –  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in 
absehbarer Zeit verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus 
heutiger  Sicht  –  mit  ebensolcher  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer 
Zukunft  verwirklichen. Eine bloss entfernte Möglichkeit  künftiger  Ver-
folgung genügt nicht; es müssen konkrete Indizien vorliegen,  welche 
den  Eintritt  der  erwarteten  –  und  aus  einem  der  vom  Gesetz  auf-
gezählten  Motive  erfolgenden  –  Benachteiligung  als  wahrscheinlich 
und  dementsprechend  die  Furcht  davor  als  realistisch  und  nach-
vollziehbar erscheinen lassen (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193 f., 
EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9).

6.3
6.3.1 Nachteilen,  die Frauen zugefügt  werden oder zugefügt  werden 
drohen,  liegt  ein  flüchtlingsrechtlich  relevantes  Motiv  im  Sinne  von 
Art. 3  Abs.  1  AsylG  dann  zugrunde,  wenn  diese  Nachteile  in  dis-
kriminierender  Weise an das  Merkmal  des  (weiblichen)  Geschlechts 

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anknüpfen (vgl. dazu EMARK 2006 Nr. 32 E. 8 351 ff.,  WALTER STÖCKLI, 
a.a.O. Rz. 11.11).  Dies  ist  etwa  der  Fall,  wenn  in  Ländern  mit  weit 
verbreiteten  traditionell-konservativen  Wertvorstellungen  von 
Zwangsheirat  oder  Ehrenmord  bedrohte  Frauen  und  Mädchen  nicht 
denselben  staatlichen  Schutz  erhalten,  mit  dem  im  Allgemeinen 
männliche Opfer  von privater  Gewalt  rechnen  können (vgl. Urteil  D-
4289/2006 vom 11. September 2008 E. 6.4).

6.3.2 Es stellt  sich im Zusammenhang mit  der von der Beschwerde-
führerin geltend gemachten Absicht ihres Vaters, sie entgegen ihrem 
Willen  mit  einem  wesentlich  älteren,  bereits  verheirateten  Mann  zu 
vermählen, somit die Frage, ob sie in der Türkei seitens der Behörden 
und Institutionen Schutz erlangen kann oder ob sie auf internationalen 
Schutz – der lediglich subsidiär zur Anwendung kommt – angewiesen 
ist (vgl. BVGE 2008/1 E. 5 S. 154 f.).

6.3.3 Diesbezüglich  ist  festzustellen,  dass  die  Türkei  in  den  ver-
gangenen Jahren kontinuierlich  Schritte  zur Verbesserung der  recht-
lichen  und  gesellschaftlichen  Situation  der  Frauen  im  Allgemeinen 
sowie  im  Besonderen  zu  deren  Schutz  vor  Übergriffen  mit  sozio-
kulturellem Hintergrund bis hin zum Ehrenmord unternommen hat. So 
trat  im  Jahre  1998  das  Familienschutzgesetz  Nr.  4320  in  Kraft, 
welches  im  Jahre  2007  ergänzt  wurde  und  auf  Gewaltprävention, 
Opferschutz  sowie  Bestrafung  von  Übergriffen  abzielt.  Zu  diesem 
Zweck  wurden  166  Familiengerichte  eingerichtet,  von  denen  derzeit 
157  operationell  sind;  der  Zugang  zu  diesen  Gerichten  ist  für  die 
klagende  Partei  kostenlos,  wie  im  Übrigen  auch  die  Vollstreckung 
eines  allfälligen  Urteils.  Mit  einer  entsprechenden  Revision  des 
türkischen Strafgesetzbuches wurden im Jahre 2004 zudem die Straf-
rahmen von Straftaten gegen Frauen erhöht und gleichzeitig die früher 
bestehenden  Strafmilderungsgründe  in  Fällen  von  Ehrenmord  und 
Vergewaltigung  aufgehoben;  gemäss  Art.  82  des  Strafgesetzbuches 
gilt  Ehrenmord nunmehr  als  qualifiziertes Tötungsdelikt,  welches mit 
lebenslänglicher Gefängnisstrafe zu ahnden ist. Das Gemeindegesetz 
Nr.  5393  verpflichtet  sodann  jede  Gemeinde  mit  über  50'000  Ein-
wohnern zum Aufbau von Schutzeinrichtungen für Frauen und Kinder 
(vgl. dazu UK Border  Agency, Country  of  Origin  Information  Report, 
Turkey,  20. Oktober  2009,  S.  118-135,  mit  Hinweisen  auf  weitere 
Quellen).  In  Nachachtung  dieser  neuen  gesetzlichen  Bestimmungen 
kam  es  seither  einerseits  verschiedentlich  zu  Verurteilungen  von 
Männern, welche sich eines Ehrverbrechens schuldig gemacht hatten; 

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so  wurden  beispielsweise  im Jahre  2007  durch  Gerichte  in  Istanbul 
und  Diyarbakir  lebenslange  Freiheitsstrafen  wegen  Ehrenmorden 
verhängt  (vgl.  U.S. Department  of  State,  Turkey,  Country  Report  on 
Human Rights Practices  2007,  11. März 2008). Andererseits  wurden 
etliche Frauenhäuser  eingerichtet  –  so  betreibt  das  SHCEK (Sosyal 
Hizmetler ve Cocuk Esirgeme Kurumu = Generaldirektorat für Soziale 
Dienste und Kinderschutz) derzeit 23 solche Unterkünfte und hat die 
Errichtung von weiteren zehn Häusern  in  Aussicht  gestellt  –  und im 
Oktober  2007  zusätzlich  eine  von  der  EU  finanziell  unterstützte 
Telefon-Hotline  installiert,  welche  Anrufe  von  bedrohten  Frauen 
entgegennimmt und die Opfer innerfamiliärer Gewalt an die zuständige 
Polizeistelle  verweist  sowie  Anwälte  und  psychologische 
Fachpersonen  vermittelt  (vgl.  UK  Border  Agency,  Country  of  Origin 
Information  Report,  Turkey, 29. August  2008,  S. 150,  Rz. 22.47  und 
S. 160,  Rz.  22.86).  Daneben  sind  auch  verschiedene  spezifische 
Nichtregierungsorganisationen um eine Verbesserung der Stellung der 
Frau sowie  um Unterstützung und Gewährung von Schutz  an Opfer 
innerfamiliärer  Gewalt  bemüht  (vgl.  UK  Border  Agency,  Country  of 
Origin Information Report, Turkey, 29. August 2008, S. 162, Rz. 22.93, 
und S. 163 f., Rz. 22.99); sie arbeiten nach eigenen Angaben gut mit 
den staatlichen Stellen und den Polizeibehörden zusammen (vgl. U.S. 
Department  of  State,  Turkey,  Country  Report  on  Human  Rights 
Practices  2007,  11. März  2008),  Kapitel  "women";  vgl.  auch  NECLA 
KELEK,  Bittersüsse Heimat,  Bericht aus dem Inneren der Türkei,  Köln 
2008,  S.  123,  wonach  die  in  Diyarbakir  domizilierte  Frauenrechts-
organisation Ka-Mer mit  Hilfe der Polizei  und der Staatsanwaltschaft 
besonders  gefährdete  Frauen,  in  deren  Fällen  keine Vermittlung mit 
den  sie  verfolgenden  Verwandten  möglich  ist,  unter  einer  neuen 
Identität  an einem anderen Ort  in  der  Türkei  ansiedelt). Schliesslich 
unterhält auch die Zeitung "Hurriyet" –  in Kooperation mit staatlichen 
Stellen und teilweise  finanziert  von der  EU – eine rund um die Uhr 
zugängliche,  von  sieben  Psychologen  und  zwei  Anwälten  besetzte 
Telefon-Hotline (vgl. UK Border Agency, Country of Origin Information 
Report, Turkey, 29. August 2008, S. 151, Rz. 22.49).

6.3.4 Nach dem Gesagten ist  festzustellen,  dass bei  den türkischen 
Behörden  in  den  vergangenen  Jahren  ein  Umdenken  in  Bezug  auf 
frauenspezifische  Schutzanliegen  begonnen  hat  und  erste  ent-
sprechende  Einrichtungen  geschaffen  wurden; daneben  bieten  auch 
verschiedene nichtstaatliche Stellen betroffenen Frauen Unterstützung. 
Auch wenn  die  Umsetzung  der  staatlichen Programme nur  langsam 

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vorankommt  und  das  Phänomen  innerfamiliärer  Gewalt  bis  hin  zu 
Ehrenmorden  nach  wie  vor  virulent  ist  (vgl.  dazu  Amnesty  Inter-
national, Jahresberichte 2008 und 2009), ist davon auszugehen, dass 
sich die Beschwerdeführerin in der Türkei nicht in einer ausweglosen 
Situation befindet, mithin auf eine unter dem Sicherheitsaspekt valable 
innerstaatliche  Fluchtalternative  zurückgreifen  kann;  daran  ändern 
auch  die  von ihr  eingereichten  Berichte  über  die  Situation  in  ihrem 
Heimatstaat nichts. Die Vorbringen der Beschwerdeführerin vermögen 
demnach den Anforderungen an eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 
AsylG nicht standzuhalten. Aufgrund der Akten ist zwar davon auszu-
gehen, dass sie zumindest vorderhand – Vermittlungsbemühungen mit 
ihrem Vater haben bis jetzt nicht stattgefunden – ihrem Vater aus dem 
Weg gehen wird, was zu gewissen Einschränkungen in ihrer Lebens-
führung führt, da sie nicht in ihre Herkunftsregion zurückkehren kann. 
Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei den 
zuständigen Stellen um Unterstützung nachsuchen kann und auch – 
wie schon in der Vergangenheit – bei einem Teil ihrer Verwandtschaft 
weiterhin  Rückhalt  finden  wird,  sodass  sie  sich  nicht  in  einer  Be-
drohungssituation  wiederfinden  wird,  der  sie  nur  durch  Aufenthalt  in 
einem Drittstaat entgehen kann.

6.4 Angesichts  der  aufgezeigten  Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf  die 
weiteren Ausführungen in der Beschwerde im Einzelnen einzugehen, 
da diese nicht geeignet sind, zu einer anderen rechtlichen Würdigung 
der  Aktenlage  zu  führen. In  Würdigung  der  gesamten  Umstände  ist 
somit  festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführerin  einen  flüchtlings-
rechtlich bedeutsamen Sachverhalt weder nachgewiesen noch glaub-
haft  gemacht  hat.  Die  Feststellung  des  BFM,  sie  erfülle  die  Flücht-
lingseigenschaft  nicht,  ist  dementsprechend zu bestätigen. Das BFM 
hat das Asylgesuch somit zu Recht abgelehnt.

7.  
7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der 
Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über  einen Anspruch auf  Erteilung 
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet 

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(Art. 44 Abs. 1 AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 

8.
8.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und seiner 
Vorgängerorganisation  ARK der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der 
strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu 
machen (vgl. WALTER STÖCKLI, a.a.O., Rz. 11.148).

8.2 Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat-,  Herkunfts-  oder  in  einen  Drittstaat  ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So  darf  keine Person  in  irgendeiner  Form zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus 
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des 
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  und andere 
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 
(FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmensch-
licher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen 
werden.

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8.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  der  Be-
schwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5 
AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements 
im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr 
der Beschwerdeführerin in die Türkei ist  demnach unter dem Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerde-
führerin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall 
einer Ausschaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder 
Behandlung ausgesetzt  wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Ge-
richtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN-Anti-
Folterausschusses  müsste  sie  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk") 
nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihr  im  Fall  einer  Rück-
schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. 
EGMR, [Grosse Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 
2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). 
Da davon auszugehen ist, dass sich die Beschwerdeführerin ausser-
halb ihres Herkunftsgebiets dem Einfluss ihres Vaters entziehen und 
bei  Bedarf  um  behördlichen  Schutz  nachsuchen  kann,  besteht  kein 
Grund zur Annahme, es drohe ihr  nach ihrer Rückkehr in die Türkei 
eine  unmenschliche  Behandlung.  Auch  die  allgemeine  Menschen-
rechtssituation  in  der  Türkei  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum 
heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig erscheinen. Nach 
dem Gesagten ist  der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der 
asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

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8.4.1 Es bestehen vorliegend keine konkreten Anhaltspunkte, welche 
darauf hindeuten würden, die Beschwerdeführerin gerate aufgrund der 
allgemeinen  Situation  in  der  Türkei  bei  einer  Rückkehr  in  eine 
existenzbedrohende  Situation.  In  der  Türkei  besteht  keine  Situation 
generalisierter  Gewalt,  die  sich  über  das  ganze  Staatsgebiet  oder 
weite Teile desselben erstrecken würde. 

8.4.2 Einer  Rückkehr  der  Beschwerdeführerin  stehen  auch  keine 
überwiegenden  individuelle  Gründe  wirtschaftlicher,  sozialer  oder 
gesundheitlicher  Natur  entgegen. Die  28-jährige  –  soweit  bekannt  – 
gesunde Beschwerdeführerin wird nach ihrer Rückkehr entgegen den 
in  der  Beschwerde  geäusserten  Befürchtungen  nicht  auf  sich  allein 
gestellt sein. Sie wird seitens der ihr wohl gesinnten Verwandten eine 
gewisse Unterstützung finden und sich an die zuständigen Behörden 
beziehungsweise  an  eine  Nichtregierungsorganisation  wenden 
können,  bei  denen  sie  ebenfalls  Beratung  und  Unterstützung  finden 
wird. Sie bezeichnet das Türkische als ihre Muttersprache und verfügt 
über  die  Voraussetzungen,  sich  mit  Unterstützung  mittelfristig  eine 
Existenz  aufzubauen.  Blosse  soziale  und  wirtschaftliche  Schwierig-
keiten, von denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen 
ist, begründen im Übrigen keine Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 
4  AuG (vgl.  EMARK  2005  Nr.  24  E.  10.1.  S. 215).  Der  Vollzug  der 
Wegweisung erweist sich mithin nicht als unzumutbar.

8.5 Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der  zu-
ständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  not-
wendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  beziehungsweise  ihren 
Reisepass verlängern  zu  lassen (Art.  8  Abs. 4  AsylG),  weshalb  der 
Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 
Abs. 2 AuG).

9.
Zusammenfassend ergibt  sich,  dass das BFM den Vollzug der Weg-
weisung zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet hat. Die 
Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  fällt  somit  nicht  in  Betracht 
(Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist demnach abzuweisen.

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11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt 
Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 
über  die  Kosten  und  Entschädigungen vor  dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Sie sind durch den in gleicher Höhe 
geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und mit diesem zu verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt. Sie sind durch den geleisteten Kostenvorschuss gedeckt und 
werden mit diesem verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- die zuständige kantonale Behörde (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Christoph Basler

Versand: 

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