# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e96a4e3e-1174-56ef-9ada-36c47cbe751b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-04-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.04.2022 D-1026/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1026-2022_2022-04-05.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1026/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  5 .  A p r i l  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richter Thomas Segessenmann (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti, Richterin Susanne Bolz-Reimann,    

Gerichtsschreiber Daniel Widmer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

B._______, 

geboren am (…), 

Kolumbien,   

beide vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin, 

substituiert durch Felix Hartner, AsyLex, 

(…),  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (verkürzte Beschwerdefrist); 

Verfügung des SEM vom 31. Januar 2022 / N (…). 

 

 

 

D-1026/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführenden suchten – zusammen mit der volljährigen 

Tochter beziehungsweise Schwester C._______ (N […]; nachfolgend: 

C._______) – am 24. Dezember 2021 im Bundesasylzentrum (BAZ) der 

Region D._______ um Asyl nach. Nach der Personalienaufnahme (PA) 

vom 30. Dezember 2021 wurden sie am 19. Januar 2022 zu den Asylgrün-

den angehört. 

A.b A._______ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) brachte im Wesentli-

chen vor, sie stamme ursprünglich aus E._______ (Departement 

F._______). Zuletzt habe sie ab dem Jahr 2014 mehrheitlich in G._______ 

(im selben Departement) gelebt. Im Jahr 1986 seien ihr Vater sowie ihr 

Bruder von Mitgliedern der «Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colom-

bia» (FARC) auf der Finca der Familie ermordet worden. Sie selber sei 

nicht zugegen gewesen. Ihrer Vermutung nach sei es den Kriminellen um 

die (…)vorkommen auf dem Grundstück der Familie gegangen. Der Mord 

an ihren Familienangehörigen sei nie richtig aufgeklärt worden. Ihre Fami-

lie habe auch nie Anzeige erstattet, weil der Auftraggeber des Mordes na-

mens T._______ sehr einflussreich sei und Beziehungen in die Politik 

habe. Ihre Familie habe von den Behörden deshalb keinen Schutz erwar-

ten können. Nach diesen Ereignissen sei die Familie von dort weggezogen 

und sie wisse nicht, was in der Zwischenzeit mit den Grundstücken ge-

schehen sei. Im Rahmen der Friedensverhandlungen mit der FARC im Jahr 

2016 habe die Regierung beschlossen, die Opfer des Bürgerkrieges zu 

entschädigen, und dass die Grundstücke zurückgegeben werden sollten. 

Mittlerweile sei auch der Auftraggeber des Mordes an ihren Familienmit-

gliedern in Haft beziehungsweise wegen anderer Delikte ins Ausland aus-

geliefert worden.  

Im Jahr 2012 habe sie erfahren, dass jemand Interesse an den Grundstü-

cken der Familie habe. Für die Beschwerdeführerin sei sofort klar gewe-

sen, dass die Probleme wieder beginnen würden. Sie sei deshalb umge-

zogen. Im Jahr 2014 habe jemand ein Flugblatt unter ihrer Wohnungstüre 

durchgeschoben. Dieses sei von einer Gruppierung namens H._______ 

gewesen. Darin sei ihr mitgeteilt worden, dass man mit ihr sprechen 

möchte. Es sei ihr sofort klar gewesen, dass es um die Grundstücke gehe. 

Sie habe deshalb C._______ nach I._______ gebracht. Sie selber sei mit 

ihrem Sohn B._______ (nachfolgend: B._______ beziehungsweise Be-

schwerdeführer) in das Dorf J._______ umgezogen.  

D-1026/2022 

Seite 3 

Als im Jahr 2016 der Friedensvertrag zwischen der Regierung und der 

FARC zustande gekommen sei, habe sie sich erstmals gegenüber Organi-

sationen über die Ereignisse von 1986 geäussert. Sie habe jedoch nie er-

zählt, wer am Mord an ihrem Vater und an ihrem Bruder beteiligt gewesen 

sei, obschon ihr dies bekannt sei. Im Jahr 2019 sei C._______ von einem 

Austauschjahr in K._______ zurückgekehrt und anschliessend zur 

Schwester L._______ (nachfolgend: L._______) der Beschwerdeführerin 

nach I._______ gezogen. Jedoch sei dann auch L._______ bedroht wor-

den, sodass diese sich im (…) 2019 dazu entschlossen habe, Kolumbien, 

zu verlassen. Sie wisse nicht, wo sie sich L._______ aktuell aufhalte. 

C._______ habe sich daraufhin verfolgt gefühlt.  

Im (…) 2020 habe die Beschwerdeführerin B._______ von der Schule an 

ihrem Wohnort J._______ abholen wollen, als ihr ein Motorrad mit zwei 

Personen aufgefallen sei. Im Vorbeifahren habe der Mann auf dem Rück-

sitz ihren Namen gerufen und sie habe in diesem den Mörder ihres Vaters 

erkannt. Dies, weil ihre Schwester M._______ (nachfolgend: M._______). 

1986 Zeugin des Mordes gewesen sei und ihr den Namen des Mörders 

genannt habe. Die Beschwerdeführerin habe diesen gekannt, weil er in der 

Region wohnhaft gewesen sei. Sie sei sofort mit S. in ein Geschäft geflüch-

tet. Nach diesem Vorfall sei für sie klar gewesen, dass die Kriminellen sie 

aufgespürt hätten, und dass sie zu ihrem und zum Schutz ihrer Kinder er-

neut den Wohnort wechseln müsse. Sie sei dann für (…) Tage nach 

N._______ gegangen. Sie habe einen Freund ihres Vaters angerufen, wel-

cher Politiker sei. Sie habe ihm von ihrer Situation erzählt und er habe sie 

dazu aufgefordert, nach F._______ zu kommen, er würde für sie eine Woh-

nung suchen. Sie sei dann mit ihren beiden Kindern nach G._______ ge-

gangen und habe sich dort von (…) 2020 bis (…) 2021 in einer Wohnung 

versteckt. Der Freund ihres Vaters habe einen Anwalt für sie organisiert, 

welcher ihr geholfen habe, Briefe an verschiedene Organisationen zu schi-

cken, so an «ACNUR» (UNHCR) oder ans Aussenministerium, um dort um 

Schutz zu ersuchen. Einige der Antworten hätten gelautet, dass es sehr 

viele Fälle gebe, die mit kriminellen Gruppierungen zu tun hätten. Man 

habe ihr vorgeschlagen, das Land zu verlassen.  

Im (…) 2021 habe sie das letzte Mal von ihrem Anwalt gehört. Er habe sich 

um die Korrespondenz mit der Staatsanwaltschaft und um die Ermittlungen 

gekümmert und ihr gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen müsse. Er 

habe ihr vorgeschlagen, den Wohnort zu wechseln, was sie für keine gute 

Idee gehalten habe. Eine Woche später habe sie ihm erneut geschrieben. 

D-1026/2022 

Seite 4 

Als sie keine Antwort erhalten habe, habe sie ihre Koffer gepackt und be-

schlossen, nach O._______ zu gehen. Sie habe dort die letzten (…) Mo-

nate vor ihrer Ausreise verbracht. Weil die Ausreiseerlaubnis für S. nur drei 

Monate lang gültig gewesen und die Covid-Pandemie dazugekommen sei, 

habe sie Kolumbien erst Ende 2021 verlassen können. So sei sie am 

23. Dezember 2021 legal und gemeinsam mit ihren Kindern von Kolumbien 

nach P._______ und von dort weiter nach Q._______ geflogen. Von dort 

seien sie am 24. Dezember 2021 weiter nach R._______ gereist. 

A.c Die Beschwerdeführenden reichten zum Nachweis ihrer Identität ihre 

kolumbianischen Reisepässe und Identitätskarten zu den Akten. Als Be-

weismittel reichten sie folgende Unterlagen ein: 

- Eintrag der Mutter der Beschwerdeführerin als Vertriebene, (...), 2015; 

- Eintrag der Beschwerdeführenden als Vertriebene, (...), (…) 2017; 

- Gerichtsurteil vom (…) 2020 bezüglich Gewährung einer Entschädi-

gung, weil die Beschwerdeführenden als Vertriebene und somit als 

Opfer anerkannt wurden; 

- Asylantrag in Kolumbien vom (…) 2020 inklusive Antwort, in der erklärt 

wird, dass Asyl nur Drittstaatsangehörigen gewährt wird; 

- Asylantrag Schweiz auf Deutsch (maschinell übersetzt) und auf Spa-

nisch. 

A.d Am 27. Januar 2022 händigte das SEM der Rechtsvertretung der Be-

schwerdeführenden den Entscheidentwurf zur Stellungnahme aus. Diese 

datiert vom selben Tag und ging am 28. Januar 2022 beim SEM ein. 

B.  

Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 31. Januar 2022 stellte das 

SEM fest, die Beschwerdeführenden erfüllten die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, und lehnte deren Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Mit 

separater Verfügung vom selben Tag wurde über das Asylgesuch von N. 

im gleichen Sinne entschieden. 

C.  

Mit Eingabe vom 2. März 2022 erhoben die Beschwerdeführenden durch 

ihre Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Sie 

beantragten die Aufhebung der SEM-Verfügung vom 31. Januar 2022, die 

Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl. 

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Seite 5 

Eventualiter seien die Beschwerdeführenden vorläufig in der Schweiz auf-

zunehmen. Subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vor-

instanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Vereinigung des 

vorliegenden Beschwerdeverfahrens mit dem gleichentags eingeleiteten 

Beschwerdeverfahren von N. ersucht. 

Auf die Begründung der Beschwerde sowie auf die (teilweise bereits im 

erstinstanzlichen Verfahren) eingereichten Beweismittel wird – soweit ent-

scheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. 

D.  

Mit Schreiben vom 3. März 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht 

den Eingang der Beschwerde. 

E.   

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

3. März 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 1 AsylG). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und Art. 108 Abs. 1 AsylG i.V.m. mit Art. 10 Covid-19-Verordnung Asyl vom 

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Seite 6 

20. April 2020 [SR 142.318]; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

1.4 Das Bundesverwaltungsgericht koordiniert das vorliegende Verfahren 

mit der gleichzeitig vom Bundesverwaltungsgericht beurteilten Be-

schwerde von C._______, der Tochter beziehungsweise Schwester der 

Beschwerdeführenden (vgl. D-1023/2022). Die Akten beider Asylverfahren 

werden jeweils auch für das konnexe Verfahren berücksichtigt. Zudem wer-

den beide Fälle durch denselben Spruchkörper beurteilt und gleichzeitig 

entschieden. Eine Vereinigung der Beschwerdeverfahren erscheint unter 

diesen Umständen nicht erforderlich, weshalb der entsprechende Verfah-

rensantrag abzuweisen ist. 

2.   

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel 

in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1 

VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen auf die 

Durchführung des Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 

4.  

Vorab ist festzustellen, dass aufgrund der Aktenlage keine Veranlassung 

besteht, die angefochtene Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben. 

Die rechtlich vertretenen Beschwerdeführenden machen zwar eine unvoll-

ständige beziehungsweise unrichtige Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts geltend, begründen indessen diese formelle Rüge – trotz ei-

ner entsprechenden Überschrift in der Beschwerdebegründung (vgl. Be-

schwerde, S. 13) – mit keinem Wort. Der Subeventualantrag auf Rückwei-

sung der Sache an das SEM ist daher abzuweisen. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

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Seite 7 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-

erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-

troffene Person in ihrem Heimatstaat keinen adäquaten Schutz finden 

kann, weil dort keine Infrastruktur besteht, die ihr Schutz bieten könnte 

(sog. Schutztheorie, vgl. BVGE 2011/51 E. 7, m.w.H.), oder weil der Staat 

ihr keinen Schutz gewährt, obwohl er dazu in der Lage wäre (vgl. BVGE 

2011/51 E. 7.1 und E. 7.4 S. 1017 f. m.w.H.). Zudem besteht ein Schutz-

bedürfnis auch dann, wenn die bestehende Schutzinfrastruktur der von 

Verfolgung betroffenen Person nicht zugänglich ist oder ihr deren Inan-

spruchnahme aus individuellen Gründen nicht zuzumuten ist. Über das Be-

stehen eines Schutzbedürfnisses ist im Rahmen einer individuellen Einzel-

fallprüfung unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kontextes zu 

befinden, wobei es den Asylbehörden obliegt, die Effektivität des Schutzes 

vor Verfolgung im Heimatstaat abzuklären und zu begründen (vgl. BVGE 

2011/51 E. 7.4 S. 1018 m.w.H.). Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung im 

Heimatstaat ist als ausreichend zu qualifizieren, wenn die betreffende Per-

son effektiv Zugang zu einer funktionierenden und effizienten Schutzinfra-

struktur hat, unabhängig von persönlichen Merkmalen wie Geschlecht oder 

Zugehörigkeit zu einer ethnischen oder religiösen Minderheit, und ihr die 

Inanspruchnahme eines solchen innerstaatlichen Schutzsystems individu-

ell zumutbar ist (vgl. BVGE 2011/51 E. 7.4 sowie statt vieler Urteil des 

BVGer E-3772/2020 vom 12. August 2020 E. 4.2). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

6.  

6.1 Das SEM zweifelte in seiner Verfügung grundsätzlich nicht an, dass die 

Familie der Beschwerdeführenden im Zuge des Bürgerkriegs sehr viel Leid 

erfahren habe und die Beschwerdeführerin damals ihr Heimatdorf habe 

verlassen müssen, weil sich die FARC beziehungsweise deren kriminelle 

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Seite 8 

Ableger mit Gewalt Grundstücke der Familie hätten aneignen wollen. So 

gehe aus den eingereichten Unterlagen hervor, dass sie und ihr Sohn 

durch den Staat als Vertriebene anerkannt worden seien und ein Anrecht 

auf Opferentschädigung erhalten hätten. Obschon im Jahr 2016 ein Frie-

densvertrag zwischen der FARC und der kolumbianischen Regierung un-

terzeichnet worden sei, scheine es durchaus möglich, dass in kriminelle 

Machenschaften verwickelte Personen weiterhin zu verhindern versuch-

ten, für lang zurückliegende Verbrechen zur Rechenschaft gezogen zu 

werden und deshalb mögliche Zeugen einschüchtern wollten. Ob die invol-

vierten Personen tatsächlich von der FARC stammten oder einfach unter 

deren Namen agierten, könne indes nicht mit abschliessender Sicherheit 

festgestellt werden, zumal die Beschwerdeführerin darüber keine genaue-

ren Angaben habe machen können. Sie habe einen gewissen T._______ 

als Auftraggeber am Mord an ihrem Vater und an ihrem Bruder erwähnt. 

Gemäss verschiedenen Onlinemedien habe T._______ den (…)handel in 

F._______ geleitet und sei im Jahr 2019 in U._______ wegen Drogenhan-

dels zu (…) Jahren Gefängnis verurteilt worden. Darüber hinaus laufe in 

Kolumbien ein Verfahren gegen ihn wegen versuchten Mordes. Es sei da-

von auszugehen, dass er nach Verbüssung seiner Strafe in U._______ 

nach Kolumbien überstellt würde, wo weitere Verfahren gegen ihn hängig 

seien. Es liege offensichtlich im Interesse des kolumbianischen Staates, 

die Verbrechen aus dem Bürgerkrieg zur Aufklärung zu bringen und die 

Täter zu bestrafen. Der Staat habe dazu auch eine Sonderjustiz eingerich-

tet. Grundsätzlich verfüge der kolumbianische Staat über eine funktionie-

rende Schutzinfrastruktur; Massnahmen gegen Leib und Leben könnten 

bei den Behörden zur Anzeige gebracht werden. Allerdings könne vom 

Staat keine Garantie für langfristigen individuellen Schutz erwartet werden, 

weil es keinem Staat gelingen könne, die absolute Sicherheit seiner Bür-

gerinnen und Bürger jederzeit und überall zu garantieren.  

Den Aussagen der Beschwerdeführerin sei zu entnehmen, dass ihre Be-

fürchtungen auf Ereignissen basierten, die für Aussenstehende nicht unbe-

dingt eindeutig als klare Bedrohungslage einzuschätzen seien. So habe sie 

im Jahr 2014 ein Flugblatt der Gruppierung H._______ erhalten, einer 

rechten paramilitärischen Organisation, die mit ihr das Gespräch gesucht 

habe. Weiter sei diesbezüglich aber nichts vorgefallen beziehungsweise 

sei sie im Anschluss daran umgezogen. Im (…) 2020 habe sie auf dem 

Rücksitz eines vorbeifahrenden Motorrads einen Mann zu erkennen ge-

glaubt, welcher gemäss den Aussagen ihrer Schwester in den Mord an ih-

rem Vater und an ihrem Bruder im Jahr 1986 verwickelt gewesen sei. Sie 

habe erklärt, dieser habe im Vorbeifahren ihren Namen gerufen. 

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Seite 9 

B._______, der mit ihr unterwegs gewesen sei, habe sich allerdings nicht 

daran erinnern können. Es sei deshalb fraglich, ob sie tatsächlich dem ver-

meintlichen Mörder ihres Vaters begegnet sei, zumal sie im Jahr 1986 we-

der Zeugin des Mordes gewesen sei noch diese Person wirklich kenne, 

was es äusserst unwahrscheinlich mache, dass sie diese nach so langer 

Zeit auf einem vorbeifahrenden Motorrad erkennen würde. Da weder sie 

noch ihre Familie gemäss ihren Aussagen jemals Anzeige gegen die ver-

meintlichen Mörder ihrer Angehörigen erstattet hätten, scheine auch über-

aus unwahrscheinlich, dass dieser Mann sie 35 Jahre später aufsuchen 

und einschüchtern würde. Ausserdem hätte sie jederzeit die Möglichkeit, 

bei der Polizei eine Anzeige zu erstatten, sollte sie sich tatsächlich bedroht 

fühlen. Darüber hinaus habe sie offenbar rasche unbürokratische Hilfe 

durch einen Politiker und Freund ihres verstorbenen Vaters erhalten, wel-

cher für sie in G._______ eine Wohnung sowie einen Anwalt organsiert 

habe. Es gebe keine objektiven Hinweise darauf, dass die staatlichen Or-

gane nicht willens oder nicht fähig seien, ihr im Rahmen ihrer Möglichkeiten 

zu helfen. Insgesamt seien auch keine objektiven Merkmale erkennbar, 

welche ihre subjektiven Befürchtungen nachvollziehbar erscheinen lies-

sen. Ihre Vorbringen hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-

schaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Die von ihr geltend gemachten 

Ausreisegründe stellten eine Bedrohung durch Drittpersonen dar und seien 

rein krimineller Natur. Im Übrigen könnte sie sich einer vermeintlichen und 

lokalen Bedrohungslage durch private Dritte auch durch einen weiteren 

Umzug innerhalb Kolumbiens entziehen. Demzufolge erfüllten die Be-

schwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht. 

Die Stellungnahme der Rechtsvertretung, wonach ehemalige Mitglieder 

der FARC immer noch ein Interesse an den Liegenschaften der Familie 

hätten, im ganzen Land präsent seien und es sich beim Vorfall mit dem 

Motorrad tatsächlich um den Mörder der Familienangehörigen gehandelt 

habe, vermöge keine Änderung des Standpunkts des SEM zu bewirken. 

6.2 In der Beschwerdeschrift werden die bisherigen Vorbringen sinnge-

mäss wiederholt und wird an der geltend gemachten Bedrohungssituation 

festgehalten. Die Schwester L._______ der Beschwerdeführerin sei ähnli-

chen Bedrohungen ausgesetzt gewesen. Auch L._______ sei trotz mehr-

fachen Wechsels ihres Wohnortes von denselben Männern an den ver-

schiedenen Orten aufgesucht worden. Deshalb habe sie ihren Heimatstaat 

verlassen und in L._______ um Asyl nachgesucht. Dies sei ihr gewährt 

worden. Diesbezüglich reichen die Beschwerdeführenden ein Dokument 

zu den Akten, bei dem es sich um eine Aufnahmebestätigung betreffend 

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Seite 10 

L._______ durch eine (…) Behörde für soziale Sicherheit handle (vgl. Be-

schwerdebeilage 5). B._______ habe bei seiner Anhörung erwähnt, einige 

Wochen vor dem Umzug nach O._______ eine Leiche direkt neben der 

Wohnung bemerkt zu haben. Es sei nicht auszuschliessen, dass jener Vor-

fall die Beschwerdeführerin und ihre Familie weiter hätte einschüchtern sol-

len. Die Verfolger versuchten offenbar weiterhin, Kontakt mit der Familie 

aufzunehmen. Die in Kolumbien verbliebene Grossmutter (recte: Mutter) 

der Beschwerdeführerin habe der Mutter (recte: Tochter) berichtet, dass 

Personen, die sich als von der Staatsanwaltschaft kommend ausgegeben 

hätten, bei ihr zuhause vorbeigekommen seien und die Familie gesucht 

hätten. Diesbezüglich wird eine WhatsApp-Konversation vom 19. Januar 

2022 zu den Akten gereicht (vgl. Beschwerdebeilage 11). Diesen Vorfall 

habe die Mutter daraufhin auch der Staatsanwaltschaft berichtet, weil sich 

herausgestellt habe, dass jene Personen nicht von der Staatsanwaltschaft 

geschickt worden seien (vgl. Beschwerdebeilage 12). Es sei davon auszu-

gehen, dass die Bedrohungen der Beschwerdeführerin und ihrer Kinder in 

den letzten Jahren ihren Grund darin hätten, dass detaillierte Grundstück-

pläne benötigt würden, um die noch nicht erschlossenen (…)vorkommen 

aufzuspüren und sich diese Dokumente im Besitz der in Kolumbien verblie-

benen Familienmitglieder, darunter der Beschwerdeführerin, befänden. 

Obwohl dieser Schutzmassnahmen versprochen worden seien, seien die 

Behörden ihren Pflichten nicht nachgekommen. Daher sei die Beschwer-

deführerin in der Folge juristisch gegen jene Behörden vorgegangen. In 

diesem Zusammenhang wird ein Klageschreiben der Beschwerdeführerin 

an ein kolumbianisches Bezirksgericht eingereicht (vgl. Beschwerdebei-

lage 7). Die anhaltende Untätigkeit habe letztlich dazu geführt, dass das 

Bezirksgericht von G._______ auf Klage der Beschwerdeführerin hin die 

W._______, die Staatsanwaltschaft und das Bürgeramt von G._______ 

dazu ermahnt habe, tätig zu werden. Eine erste solche Aufforderung sei 

bereits im Jahr 2010 ergangen und ihr seien zwei weitere gefolgt, wobei 

die dritte erst Ende (…) 2022 ausgestellt worden sei; selbst nach mehrfa-

chen Aufforderungen würden sich die Behörden weigern, die Beschwerde-

führenden ausreichend zu schützen (vgl. Beschwerdebeilage 8). Es seien 

bis zum heutigen Tag keinerlei Massnahmen zum Schutz der Familie er-

griffen worden. Die W._______ weigere sich sogar, der Familie eine finan-

zielle Hilfe zuzusprechen, und erkläre dies mit einem Priorisierungssystem, 

in dem sie nicht als «genügend gefährdet» angesehen würde. Zusammen-

fassend verweigerten die staatlichen Behörden der Beschwerdeführerin 

den ihr zustehenden Schutz.  

 

D-1026/2022 

Seite 11 

6.3 Nach eingehender Prüfung der Akten ist festzuhalten, dass die geltend 

gemachten Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführenden den Anfor-

derungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand-

halten, wobei zur Vermeidung von Wiederholungen im Wesentlichen auf 

die Ausführungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden kann 

(vgl. auch vorstehend E. 6.1). 

 

6.3.1 Als flüchtlingsrechtlich relevante Motive einer Verfolgung werden in 

Art. 3 AsylG abschliessend Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu 

einer bestimmten sozialen Gruppe und politische Anschauung genannt. 

Diese fünf Verfolgungsmotive sind so zu verstehen, dass die Verfolgung 

wegen äusserer oder innerer Merkmale erfolgt, die untrennbar mit der Per-

son oder der Persönlichkeit des Opfers verbunden sind. Verfolgung im 

Sinne des Asylgesetzes erfolgt immer wegen des Seins, nicht wegen des 

Tuns (vgl. BVGE 2014/28 E. 8.4.1 und Entscheidungen und Mitteilungen 

der Schweizerischen Asylrekurskommission (EMARK) 2006 Nr. 32 

E. 8.7.1).  

6.3.2 Vorliegend ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass die auf 

Beschwerdeebene als fluchtauslösend geltend gemachten Bedrohungen 

aus einem rein privaten Motiv erfolgten – dem Interesse des Mörders der 

Familienangehörigen beziehungsweise dessen Auftraggebers an den 

(…)vorkommen auf Grundstücken der Familie. Ein Verfolgungsmotiv im 

Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG ist darin nicht auszumachen. Demgegenüber 

könnten die im erstinstanzlichen Verfahren vorgebrachten Motive für die 

Einschüchterungen, nämlich zu verhindern, dass die Beschwerdeführerin 

nach dem Friedensvertrag von 2016 die Täterschaft belastende Zeugen-

aussagen mache, unter Umständen als politisch motiviert qualifiziert wer-

den, sofern die Behelligungen von Personen aus dem Umfeld der FARC 

ausgegangen sein sollten. Selbst wenn es jedoch zu entsprechend moti-

vierten Einschüchterungen gekommen sein sollte, kann daraus nicht ohne 

Weiteres auf eine begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung geschlos-

sen werden, zumal die Beschwerdeführerin angab, sie habe sich bereits 

damals Organisationen gegenüber zu den Ereignissen im Jahr 1986 ge-

äussert. An dieser Einschätzung vermag nicht zu ändern, dass die Be-

schwerdeführerin bei ihren Aussagen für die Registrierung als Opfer den 

Namen des ihr bekannten Täters anscheinend nicht genannt hat. 

6.3.3 Was die angeblich vom Mörder des Vaters der Beschwerdeführerin 

ausgehende Bedrohung anbelangt, erachtet das Gericht diese zudem in 

D-1026/2022 

Seite 12 

Übereinstimmung mit der Vorinstanz als unwahrscheinlich. Soweit in die-

sem Zusammenhang erstmals in der Beschwerde vorgebracht wird, der 

Schwester L._______ der Beschwerdeführerin sei in K._______ Asyl ge-

währt worden, vermögen die Beschwerdeführenden daraus nichts zu ihren 

Gunsten abzuleiten. So erstaunt, dass diesbezüglich auf Beschwerde-

ebene überhaupt ein Dokument eingereicht wurde, zumal die Beschwer-

deführerin bei ihrer Anhörung angab, sie wisse nicht, wo sich K. befinde, 

da sie keinen Kontakt zu ihr habe (vgl. SEM-act. […]-31/23 F47 f.). Zudem 

ist dem undatierten Dokument der W._______ lediglich zu entnehmen, 

dass ein Schutzverfahren hängig sei, in welchem abgeklärt werde, ob 

L._______ schutzbedürftig sei (vgl. Beschwerdebeilage 5). Auch die Aus-

führungen bezüglich der Bedrohungen der Mutter der Beschwerdeführerin 

erstaunen. So gab diese bei ihrer Anhörung zu Protokoll, ihre Mutter wohne 

in G._______, sie habe selten mit ihr Kontakt und weder die Mutter noch 

sonst jemand wisse, dass die Beschwerdeführenden in der Schweiz seien 

(vgl. SEM-act. […]-31/23 F41, F126 ff.). Zudem handelt es sich bei dem in 

diesem Zusammenhang eingereichten Dokument entgegen den Ausfüh-

rungen in der Beschwerde nicht um eine Stellungnahme der Mutter bei der 

Staatsanwaltschaft, sondern um eine eidesstattliche Erklärung bei einem 

Notariat in G._______. Darin erklärt die Mutter, deren Domizil sich in 

I._______ befinde, dass ihre Töchter im Ausland um Asyl nachgesucht hät-

ten und sich seit ein paar Tagen Personen, die im Zusammenhang mit den 

Morden an ihrem Ehemann und ihrem Sohn stünden, nach dem Aufent-

haltsort ihrer Töchter und Enkel erkundigten (vgl. Beschwerdebeilage 12). 

Nach dem Gesagten vermögen die Beschwerdeführenden aus ihren dies-

bezüglichen Ausführungen in der Beschwerdeschrift und den entsprechen-

den Beweismitteln nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. 

6.3.4 Das Motiv bei einer nichtstaatlichen Verfolgung kann sich nicht nur 

auf die eigentliche Verfolgung, sondern auch auf die fehlende Schutzwillig-

keit der Behörden beziehen. Die entsprechende Motivation kann somit – 

alternativ – sowohl die eigentliche Verfolgung als auch die Schutzunwillig-

keit bezüglich dieser Verfolgung betreffen (vgl. beispielsweise Urteil des 

BVGer D-4533/2017 vom 22. Februar 2021 E. 6.3).  

Ohne die auf Beschwerdeebene geltend gemachte, in verschiedenen Ge-

genden Kolumbiens bisweilen prekäre Sicherheitslage in Abrede stellen zu 

wollen, geht auch das Bundesverwaltungsgericht von der grundsätzlichen 

Schutzfähigkeit und Schutzwilligkeit der kolumbianischen Strafverfol-

gungs- und Justizbehörden aus. Zudem ist nicht ersichtlich, dass und wes-

halb den Beschwerdeführenden die bestehende Schutzinfrastruktur nicht 

D-1026/2022 

Seite 13 

zugänglich oder ihnen deren Inanspruchnahme aus individuellen Gründen 

nicht zuzumuten gewesen wäre. Auch diesbezüglich ist auf die entspre-

chenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung zu verweisen, 

welche nicht zu beanstanden sind (vgl. vorstehend E. 6.1). 

Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde ist vorliegend kein man-

gelnder Schutzwille des kolumbianischen Staates auszumachen, der auf 

ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv zurückzuführen wäre. Aufgrund der 

Akten ist vielmehr davon auszugehen, dass es bei den in diesem Zusam-

menhang angeführten Bemühungen der Beschwerdeführerin um die 

Durchsetzung der als registrierten Vertriebenen versprochenen finanziellen 

Unterstützung und des ihnen zustehenden Schutzes in Notsituationen 

geht, welche von der W._______ aufgrund der Priorisierung bislang unter-

blieben sind. Im Übrigen hätten sich die Beschwerdeführenden, welche im 

Zusammenhang mit den geltend gemachten Bedrohungen bislang offen-

bar darauf verzichtet haben, Anzeige zu erstatten, an die Behörden wen-

den können. Auch ist den Akten nicht zu entnehmen, dass sich jene aus 

einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv geweigert hätten, behilflich zu 

sein. 

6.3.5 Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführenden in 

ihrem Heimatstaat hinreichenden Schutz im Sinne der sogenannten 

Schutztheorie (vgl. oben E. 5.1) hätten erhalten können beziehungsweise 

dass ihnen ein solcher – falls nötig – auch nach ihrer Rückkehr zugänglich 

sein wird. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführen-

den sich alternativ auch in einer anderen Region Kolumbiens, etwa in der 

Hauptstadt Bogotá, aufhalten könnten, falls sie sich an einem der bisheri-

gen Aufenthaltsorte unsicher fühlen sollten.  

6.4 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der 

Beschwerdeführenden zu Recht verneint und ihre Asylgesuche abgelehnt. 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine 

ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

D-1026/2022 

Seite 14 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu 

Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Hindernissen beim Wegweisungsvollzuggilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2  

8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AIG). 

8.2.2 Da die Beschwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfül-

len, ist das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 

des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge 

(FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG – wie in der angefochtenen Verfügung 

zutreffend bemerkt wurde – nicht anwendbar.  

8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerde-

führenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall 

einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 des Übereinkommens vom 

10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche 

oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) verbotenen 

Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Euro-

päischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-

Anti-Folterausschusses eine konkrete Gefahr ("real risk") müssten die Be-

schwerdeführenden nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihnen im 

Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen 

würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, 

Grosse Kammer 37201/06, §§ 124127 m.w.H.). Das ist ihnen jedoch 

D-1026/2022 

Seite 15 

– insbesondere auch mit dem Hinweis auf die politische und rechtsstaatli-

che Lage in Kolumbien und der geltend gemachten Überforderung der ko-

lumbianischen Schutzinfrastruktur (vgl. Beschwerde, S. 11 und 13) – nicht 

gelungen.  

8.2.4 Der Vollzug der Wegweisung ist demnach zulässig. 

8.3  

8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.3.2 Weder die allgemeine Lage in Kolumbien noch individuelle Gründe 

wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher Natur lassen auf eine kon-

krete Gefährdung der Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr 

schliessen.  

Die Vorinstanz hat diesbezüglich zu Recht darauf hingewiesen, dass die 

Beschwerdeführenden bei guter Gesundheit sind. Die Beschwerdeführerin 

verfügt über solide schulische Aus- und Weiterbildungen in den Bereichen 

(…) und besitzt eine langjährige Arbeitserfahrung aIs (…) sowie im (…). 

Die letzten Jahre hat sie selbständig im (…) gearbeitet. Die Beschwerde-

führenden haben im Laufe ihres Lebens in verschiedenen Teilen des Lan-

des gelebt und immer ein Auskommen gefunden. Ausserdem haben sie 

offenbar Anspruch auf staatliche Opferentschädigung. Es kann deshalb da-

von ausgegangen werden, dass sich die Beschwerdeführerin bei einer 

Rückkehr nach Kolumbien rasch wieder ins Erwerbsleben integrieren 

kann, zumal sie ihr Heimatland erst vor einigen Wochen verlassen hat. Die 

Mutter und eine Schwester der Beschwerdeführerin leben nach wie vor in 

Kolumbien. Der minderjährige Beschwerdeführer kann die Heimreise zu-

sammen mit seiner Mutter und C._______ antreten, deren Beschwerde mit 

Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gleichen Datums abgewiesen wird. 

Er wird zudem von seinem in U._______ lebenden Vater finanziell unter-

stützt.  

8.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch 

als zumutbar. 

D-1026/2022 

Seite 16 

8.4 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-

digen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls zusätz-

lich notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG 

und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegwei-

sung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).  

8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

 

10.  

10.1 Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

(Art. 63 Abs. 4 VwVG) ist mit vorliegendem Direktentscheid gegenstands-

los geworden.  

10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den 

Beschwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-

samt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 

2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-

gericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-1026/2022 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Das Gesuch um Vereinigung der Beschwerdeverfahren D-1023/2022 und 

D-1026/2022 wird abgewiesen. 

2.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Thomas Segessenmann Daniel Widmer 

 

 

Versand: