# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 827f5943-1e76-528d-a166-3b9947626d37
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-06-20
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 20.06.2017 BB.2017.27
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BB-2017-27_2017-06-20.pdf

## Full Text

Beschluss vom 20. Juni 2017  
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Andreas J. Keller, Vorsitz, 

Cornelia Cova und Patrick Robert-Nicoud,  

Gerichtsschreiberin Chantal Blättler Grivet Fojaja  

 

   
Parteien  A., vertreten durch Rechtsanwalt Till Gontersweiler,  

 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

BUNDESANWALTSCHAFT,  

Beschwerdegegnerin 

 

 

Gegenstand  Akteneinsicht (Art. 101 f. i.V.m. Art. 107 Abs. 1 

lit. a StPO) 

 
 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2017.27 

 

 

 

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Sachverhalt: 

 

 Die Bundesanwaltschaft führt seit dem 6. November 2015 eine Strafuntersu-

chung SV.15.1462 gegen Unbekannt wegen Verdachts der ungetreuen Ge-

schäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB) und der Geldwäscherei 

(Art. 305bis StGB). Der Strafuntersuchung liegt folgender Sachverhalt zu-

grunde: 

 

Am 20. August 2002 sei von einem Konto von B. bei der Bank C. eine Zah-

lung von CHF 10 Mio. auf ein Konto des Advokatur- und Notariatsbüros D. 

in Z. bei der Bank E. geleistet worden. Bei dieser Zahlung soll es sich um 

einen Kredit von B. an F. gehandelt haben.  

 

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die Kreditschuld am 27. Ap-

ril 2005 beglichen worden sei, und zwar durch eine Zahlung von EUR 6.7 

Mio. des Deutschen Fussballbundes (nachfolgend „DFB“) oder des vom DFB 

rechtlich unselbständigen Organisationskomitees der Fussball-Weltmeister-

schaft 2006 (nachfolgend „OK WM 2006“) über ein Konto der Fédération In-

ternationale de Football Association (FIFA) (nachfolgend „FIFA“) auf ein 

Konto von B. bei der Bank C.. Diese Zahlung sei allerdings vom Präsidium 

des OK WM 2006 (nachfolgend „OK-Präsidium“) als „Mitfinanzierung der Ga-

laveranstaltung“ getarnt worden. Das OK-Präsidium habe zum damaligen 

Zeitpunkt aus den Mitgliedern F., G., H. und I. bestanden. Diese hätten ge-

wusst, dass die Zahlung von EUR 6.7 Mio. nicht der Mitfinanzierung der Ga-

laveranstaltung sondern der Tilgung der Darlehensschuld von CHF 10 Mio. 

habe dienen sollen. Dabei soll insbesondere der damalige FIFA-Generalsek-

retär, A., vorgeschlagen haben, die Rückzahlung des Darlehens über die 

FIFA abzuwickeln und als Kostenbeitrag für die Galaveranstaltung zu tarnen 

(vgl. act. 5, S. 3 f.).  

 

 

 Am 10. Dezember 2015 ging bei der Bundesanwaltschaft ein Rechtshilfeer-

suchen der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main ein, mit welchem diese um 

Vernehmung von A. als Zeuge nach deutschem Recht ersuchte. Die deut-

schen Behörden sollen gegen G., I. und H. ein Ermittlungsverfahren wegen 

Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall führen 

(act. 5, S. 6, Ziff. 17).  

 

 

C. Dem Rechtshilfeersuchen leistete die Bundesanwaltschaft am 19. April 2016 

Folge, indem A. in Anwesenheit zweier deutscher Staatsanwälte als Aus-

kunftsperson einvernommen wurde (Beilagen 10 und 11 zu act. 5). 

 

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D. Mit Verfügung vom 5. Juli 2016 dehnte die Bundesanwaltschaft das Verfah-

ren SV.15.1462 einerseits auf die Tatbestände des Betrugs (Art. 146 StGB) 

und der Veruntreuung (Art. 138 StGB) und andererseits auf F., G., H., I. und 

A. aus (vgl. act. 5, S. 4, Ziff. 8) 

 

 

E. Mit Schreiben vom 7. Juli (bzw. 3. Oktober) 2016 ersuchte die Bundesan-

waltschaft die deutschen Behörden um Übermittlung sämtlicher relevanter 

Unterlagen aus dem deutschen Steuerstrafverfahren und um rechtshilfe-

weise Einvernahme von G., I. und H. als beschuldigte Personen. Die deut-

schen Behörden übermittelten der Bundesanwaltschaft in der Folge diverse 

Unterlagen aus ihrem Steuerstrafverfahren, während die Einvernahmen der 

Beschuldigten G., I. und H. noch nicht erfolgt seien (vgl. act. 5, S. 6, Ziff. 19). 

 

 

F. Am 1. September 2016 führte die Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfol-

gung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption in Wien gestützt auf ein 

Rechtshilfeersuchen der Bundesanwaltschaft vom 19. Januar bzw. 

27. Juli 2016 die Einvernahme von F. als beschuldigte Person durch (act. 5, 

S. 6, Ziff. 11).  

 

 

G. Die Bundesanwaltschaft führte am 23. November 2016 am Privatdomizil von 

A. in Y. sowie in den Räumlichkeiten am ehemaligen Sitz der A. Consulting 

& Immobilien AG in X. Hausdurchsuchungen durch, anlässlich derer sie ver-

schiedene Unterlagen, Daten und Datenträger sicherstellte und auf Einspra-

che von A. hin versiegelte (Beilage 5 zu act. 5).  

 

 Mit Eingabe vom 13. Dezember 2016 stellte die Bundesanwaltschaft beim 

kantonalen Zwangsmassnahmengericht des Kantons Bern einen Antrag auf 

Entsiegelung der sichergestellten Unterlagen, Daten und Datenträger (Bei-

lagen 6 und 7 zu act. 5).  

 

 

H. Mit Vorladungen vom 12. Januar 2017 wurden F. und J. (als Auskunftsper-

son) zur Einvernahme vom 23. März 2017 vorgeladen (Beilagen 8 und 9 zu 

act. 5).  

 

 

I. Mit Verfügung vom 24. Januar 2017 wies die Bundesanwaltschaft die von A. 

am 9. Dezember 2016, 19. und 24. Januar 2017 gestellten Gesuche um Ein-

sicht in die Akten der Strafuntersuchung SV.15.1462 ab (act. 1.2). 

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J. Dagegen gelangt A. mit Beschwerde vom 6. Februar 2017 an die Beschwer-

dekammer des Bundesstrafgerichts und beantragt die Aufhebung der Verfü-

gung der Bundesanwaltschaft vom 24. Januar 2017. Zudem sei die Bundes-

anwaltschaft zu verpflichten, A. unverzüglich und vollumfänglich Aktenein-

sicht zu gewähren (act. 1).  

 

 

K. In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Februar 2017 beantragt die Bundesan-

waltschaft die Abweisung der Beschwerde (act. 5). 

 

 

L. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels halten die Parteien mit Datum 

vom 20. März und 3. April 2017 an ihren in der Beschwerde bzw. der Be-

schwerdeantwort gestellten Anträgen fest (act. 8 und 10). 

 

 

M. In der Folge gelangt A. mit weiteren Eingaben vom 4. und 12. April und 8. Mai 

2017 an die Beschwerdekammer, die der Bundesanwaltschaft jeweils zur 

Kenntnis zugestellt worden sind (act. 11, 11.1, 13, 14, 15, 16, 16.1-2 und 17).  

 

 Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.  

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft 

kann bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde 

nach den Vorschriften der Art. 393 ff. StPO erhoben werden (Art. 393 Abs. 1 

lit. a StPO i.V.m. Art. 20 Abs. 1 lit. b StPO und Art. 37 Abs. 1 StBOG). Zur 

Beschwerde berechtigt ist jede Partei oder jeder andere Verfahrensbetei-

ligte, welche oder welcher ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhe-

bung oder Änderung des angefochtenen Entscheides haben (Art. 382 Abs. 1 

StPO; Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Straf-

prozessrechts, BBl 2006 S. 1308). Die Beschwerde gegen schriftlich oder 

mündlich eröffnete Entscheide ist innert zehn Tagen schriftlich und begrün-

det einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit ihr gerügt werden können ge-

mäss Art. 393 Abs. 2 StPO Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschrei-

tung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsver-

zögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sach-

verhalts (lit. b) sowie die Unangemessenheit (lit. c). 

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1.2 Der Beschwerdeführer ist Beschuldigter und damit Partei in der vorliegenden 

Strafuntersuchung (Art. 104 Abs. 1 lit. a StPO). Er ist durch die ihm gegen-

über ergangene Verweigerung der vollständigen Akteneinsicht ohne Weite-

res beschwert und somit zur Beschwerdeführung berechtigt (vgl. u. a. den 

Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2016.85 vom 8. November 2016, 

E. 1.2). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist 

einzutreten. 

 

 

2. 

2.1 Gemäss Art. 101 Abs. 1 StPO können die Parteien spätestens nach der ers-

ten Einvernahme der beschuldigten Person und der Erhebung der übrigen 

wichtigsten Beweise durch die Staatsanwaltschaft die Akten des Strafverfah-

rens einsehen; Artikel 108 StPO bleibt vorbehalten. Die Rechtsprechung fol-

gert aus dieser Bestimmung, dass die beschuldigte Person vor der Durch-

führung ihrer ersten Einvernahme grundsätzlich keinen absoluten Anspruch 

auf vollständige Einsicht in die Akten des Strafverfahrens hat (BGE 139 IV 

25 E. 5.5.2; 137 IV 280 E. 2.3 S. 284, 137 IV 172 E. 2.3 S. 174 f. m.w.H.). 

Die Staatsanwaltschaft gewährt insoweit Akteneinsicht nach pflichtgemäs-

sem Ermessen. Besteht Kollusionsgefahr, darf sie die Akteneinsicht verwei-

gern (Urteil des Bundesgerichts 1B_326/2011 vom 30. August 2011, E. 2.3 

m.w.H.). Zur Erhebung der wichtigsten Beweise gehören auch weitere Ein-

vernahmen der beschuldigten Person zu den neuen Beweismitteln 

(SCHMUTZ, a.a.O., Art. 101 StPO N. 15). Daneben können ebenso prakti-

sche Gründe einer sofortigen Akteneinsicht entgegenstehen, etwa der Um-

stand, dass die Behörde hinzugezogene Akten aus zeitlichen Gründen noch 

gar nicht zu analysieren vermochte (KELLER, Strafverfahren des Bundes, 

AJP 2007, S. 197 ff., 200 mit Verweis auf den Entscheid des Bundesstrafge-

richts BB.2005.14 vom 25. März 2005, E. 2.2).  

 

2.2 Der Beschwerdeführer ist Beschuldigter im Rahmen der der angefochtenen 

Verfügung zu Grunde liegenden Strafuntersuchung. Dessen erste Einver-

nahme durch die Staatsanwaltschaft war zum Zeitpunkt, in welchem die an-

gefochtene Verfügung erlassen wurde, noch nicht erfolgt. Weder gilt die am 

19. April 2016 rechtshilfeweise durchgeführte Befragung des Beschwerde-

führers durch die Beschwerdegegnerin als Auskunftsperson noch die durch 

die FIFA-Ethikkommission durchgeführte Befragung des Beschwerdeführers 

(vgl. act. 1 S. 8 f.) als erste Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft im 

Sinne von Art. 101 Abs. 1 StPO. Erstere erfolgte im Rahmen des Rechtshil-

feverfahrens und betraf einzig die in Deutschland den Beschuldigten G., I. 

und H. vorgeworfenen Straftaten (Verfahrensakten Urk. 07.101-0005) und 

bei letzterer handelt es sich von vornherein nicht um eine Befragung durch 

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die Staatsanwaltschaft im Sinne von Art. 101 Abs. 1 StPO. Zudem war zum 

damaligen Zeitpunkt erst F. als Beschuldigter befragt worden, und zwar 

rechtshilfeweise durch die österreichischen Behörden am 1. September 

2016 (vgl. supra lit. F.). Die Einvernahmen der anderen Mitbeschuldigten G., 

I. und H. sowie der Auskunftsperson J. standen allesamt noch aus. Dem Be-

schwerdeführer ist insofern zuzustimmen, als die Formulierung von Art. 101 

Abs. 1 StPO offen gewählt ist und damit eine Akteneinsicht vor der ersten 

Einvernahme des Beschuldigten und vor der Erhebung der übrigen wichtigs-

ten Beweise durch die Staatsanwaltschaft nicht ausschliesst. Damit wird 

aber der Staatsanwaltschaft lediglich ein (zwar pflichtgemässes) Ermessen 

eingeräumt, das es zu berücksichtigen gilt (BGE 137 IV 280 E. 2.3). Indem 

die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die Akteneinsicht verwei-

gerte mit der Begründung, dass die Einvernahmen der beschuldigten Perso-

nen noch nicht stattgefunden hätten und die wichtigsten Beweise noch nicht 

erhoben worden seien, hatte sie ihr Ermessen nicht überschritten oder gar 

missbraucht. Mit Fortschreiten der Untersuchungsdauer, insbesondere nach 

Durchführung der Einvernahmen von F. und J. (vgl. supra lit. H) und weiterer 

Auskunftspersonen (vgl. act. 16.1-2), wird die Beschwerdegegnerin jedoch 

zu überprüfen haben, ob sich die Verweigerung der Akteneinsicht nicht zu-

letzt auch unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit noch aufrecht 

erhalten lässt.  

 

 

3. Die Beschwerde erweist sich nach dem Gesagten in allen Punkten als unbe-

gründet. Sie ist daher abzuweisen. 

 

 

4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Gerichts-

kosten zu tragen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr ist auf 

Fr. 2‘000.-- festzusetzen (Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 BStKR).  

 

 

 

  

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 2‘000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.  

 

 

Bellinzona, 20. Juni 2017 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Vorsitzende: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- Rechtsanwalt Till Gontersweiler 

- Bundesanwaltschaft 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.