# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b2c8e551-c3c7-5717-96dc-9a3d7053571d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-07-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.07.2008 E-1813/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1813-2008_2008-07-10.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-1813/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 0 .  J u l i  2 0 0 8

Richter Bruno Huber (Vorsitz),
Richterin Therese Kojic,
Richter Markus König,
Gerichtsschreiber Peter Jaggi.

X.B._______, Türkei,
vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, 
B._______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 4. Februar 2008 / NB._______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-1813/2008

Sachverhalt:

A.
Der  Beschwerdeführer,  ein  türkischer  Staatsangehöriger  kurdischer 
Ethnie und sunnitischen Glaubens aus A._______ (Provinz _______), 
verliess  seinen  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge  am  5. De-
zember  2007  und  gelangte  am  10.  Dezember  2007  illegal  in  die 
Schweiz,  wo  er  am  11.  Dezember  2007  um  Asyl  nachsuchte.  Am 
27. Dezember 2007 erfolgte die Kurzbefragung im B._______ und am 
24. Januar 2008 die Anhörung zu den Asylgründen durch das BFM.

Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im 
Wesentlichen  geltend,  er  habe  im  Jahre  _______  die  Schule 
verlassen,  weil  er  -  gegen den Willen  seiner  Familie  -  entschlossen 
gewesen sei, wie sein Vater und sein Onkel die PKK (Partiya Karkerên 
Kurdistan) zu unterstützen. Sein erster Kontakt zu dieser Partei sei mit 
Hilfe von Freunden entstanden; er habe Versammlungen besucht und 
sei in die Dörfer gegangen. In der Folge habe er von der PKK durch 
Vermittlung  seiner  Freunde  den  Auftrag  erhalten,  in  C._______ 
verschiedene Waren zu kaufen und diese in den Bergen oder in Dör-
fern bestimmten Leuten zu überbringen. Zur Besorgung dieser Waren 
sei er jeweils im Auto seines wegen Folterungen erkrankten und nicht 
mehr für die Organisation tätig gewesenen Vaters mitgefahren, der in 
seiner Funktion als Dorfvorsteher und Dorfchauffeur oft in C._______ 
zu tun gehabt habe. Am _______ sei er zusammen mit seinem Vater 
anlässlich  einer  Strassenkontrolle  auf  dem Rückweg von C._______ 
nach  Hause  festgenommen  und  auf  den  örtlichen  Polizeiposten 
verbracht worden. Sein Vater sei nach kurzer Zeit entlassen worden; er 
selber  sei  verhört  und  gefoltert  worden,  weil  die  Beamten  seiner 
Erklärung, die Ware sei für Dorfbewohner bestimmt gewesen, keinen 
Glauben  geschenkt  hätten.  Nach  zehn  Tagen  Haft  sei  es  seinem 
Anwalt  gelungen, ihn mittels Bezahlung von Bestechungsgeld frei  zu 
bekommen. Im _______ 2005 habe sich ein ähnlicher Vorfall ereignet, 
als er mit  seinem Vater auf dem Rückweg nach Hause in eine Stra-
ssensperre  geraten sei; er  sei  drei  Tage festgehalten  worden. Eines 
Tages habe sich ein Freund, der Aktivist  der PKK gewesen sei,  den 
türkischen  Sicherheitskräften  gestellt.  In  der  Folge  seien  alle Gen-
darmen des örtlichen Postens in Begleitung seines Freundes in seiner 
Abwesenheit zu Hause erschienen und hätten sich nach seinem Ver-
bleib erkundigt. Nachdem ihn seine Mutter gewarnt habe, sei er auf-
grund dieser  Ereignisse  und wegen des bevorstehenden Militärdien-

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stes  (er  habe  ein  militärisches  Aufgebot  erhalten)  nach  Istanbul 
gegangen. Weil er auch dort  gesucht worden sei,  habe er seine an-
sässigen Verwandten nicht besuchen können. Mit Hilfe von Freunden, 
bei denen er sich versteckt gehalten habe, sei er schliesslich aus der 
Türkei ausgereist.  Für den Inhalt der weiteren Aussagen wird auf die 
Akten verwiesen und, soweit entscheidwesentlich, auf die nachfolgen-
den Erwägungen.

Der  Beschwerdeführer  reichte  im  erstinstanzlichen  Verfahren  eine 
Identitätskarte zu den Akten.

B.
Mit Verfügung vom 4. Februar 2008 - eröffnet am 14. Februar 2008 - 
stellte das BFM fest, die Vorbringen des Beschwerdeführers vermöch-
ten den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen, und 
lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  ordnete  es  die  Wegweisung 
aus der Schweiz und deren Vollzug an.

C.
Mit Rechtsmitteleingabe vom 17. März 2008 (Poststempel) beantragte 
der  Rechtsvertreter  namens  des  Beschwerdeführers  die  Aufhebung 
der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Rückweisung  der  Sache  an 
das BFM zur Feststellung des vollständigen und richtigen rechtserheb-
lichen  Sachverhalts,  eventualiter  die  Feststellung  der  Flüchtlingsei-
genschaft und die Gewährung von Asyl, subeventualiter die Aufhebung 
der Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung unter 
Feststellung der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. In prozes-
sualer Hinsicht beantragte er die Ansetzung einer Nachfrist für die Ein-
reichung einer  Beschwerdeergänzung  und im Falle  der  Gutheissung 
der Beschwerde die Einräumung einer angemessenen Frist zur Einrei-
chung einer detaillierten Kostennote. Zur Stützung seiner Vorbringen 
reichte er die Faxkopie eines fremdsprachigen Schriftstücks (bezeich-
net als Gerichtsdokument von C._______ vom _______) zu den Akten 
und stellte dessen Übersetzung in Aussicht. Auf die Begründung der 
Rechtsbegehren und das eingereichte Dokument wird, soweit für den 
Entscheid  wesentlich,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingegan-
gen.

D.
Mit Zwischenverfügung vom 26. März 2008 teilte der Instruktionsrichter 
dem Beschwerdeführer mit,  er dürfe den Ausgang des Verfahrens in 
der Schweiz abwarten, forderte ihn auf, innert Frist die in Aussicht ge-

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stellte  Übersetzung  des  fremdsprachigen  Dokuments  in  einer  Amts-
sprache des Bundes einzureichen und verzichtete gleichzeitig auf die 
Erhebung eines Kostenvorschusses.

E.
Mit Eingabe vom 11. April 2008 reichte der Rechtsvertreter die in Aus-
sicht gestellte Übersetzung des fremdsprachigen Dokuments samt Fo-
tokopie und Zustellcouvert aus der Türkei zu den Akten. Aus dem Do-
kument  ergebe  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  tatsächlich  wegen 
Unterstützung der PKK in ein Verfahren verwickelt gewesen und freige-
sprochen worden  sei.  Dies  sei  deshalb  beachtlich,  weil  damit  doku-
mentiert werde, dass er registriert worden sei und die von ihm geltend 
gemachten Benachteiligungen glaubhaft seien.

F.
Das BFM beantragte in seiner Vernehmlassung vom 9. Mai 2008 die 
Abweisung der Beschwerde.

G.
In seiner Replik vom 12. Juni 2008 hielt der Beschwerdeführer an sei-
nen Rechtsbegehren fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021). Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört zu den Be-
hörden nach  Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundes-
verwaltungsgerichts. Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme im 
Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde 
und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgeset-
zes  vom 26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

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1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei-
lung der am 31. Dezember 2006 bei der ARK hängigen Rechtsmittel 
übernommen. Das  neue  Verfahrensrecht  ist  anwendbar  (vgl.  Art.  53 
Abs. 2 VGG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 50 sowie 52 
ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.

3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

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4.

4.1 Das BFM lehnte das Asylgesuch des Beschwerdeführers mit der 
Begründung ab, die Vorbringen vermöchten den Anforderungen an die 
Glaubhaftigkeit nicht zu genügen; folglich erübrige es sich, die Aussa-
gen auch auf ihre Asylrelevanz hin zu prüfen. Insbesondere seien die 
Vorbringen in  wesentlichen Punkten zu wenig konkret,  zu wenig de-
tailliert  und zu wenig differenziert  dargelegt  worden,  und sie  vermit-
telten  den  Eindruck,  dass  der  Beschwerdeführer  das  Geschilderte 
nicht  selbst  erlebt  habe. So  seien  verschiedene  Ungereimtheiten  in 
seinen Angaben auszumachen. Die Schilderung der PKK-Aufträge und 
seiner Motivation, für diese Organisation zu arbeiten, seien oberfläch-
lich und zu wenig fundiert ausgefallen. Die diesbezüglichen Fragen ha-
be er  stereotyp mit  „Unterkunft  und Unterstützung gewähren“  bezie-
hungsweise mit „die Sache vollenden zu wollen, die sein Vater nieder-
gelegt habe“ oder mit „seinen Freunden folgen zu wollen“ beantwortet.

Es sei wenig plausibel, dass sein Vater, der schwer erkrankt und zum 
Dorfvorsteher gewählt  worden sei,  den Beschwerdeführer bei seinen 
Aktivitäten für die PKK mit Chauffeurdiensten unterstützt habe, obwohl 
er für die Partei nicht mehr tätig gewesen sei und seinem Sohn ver-
boten habe, diese zu unterstützen. Auf entsprechenden Vorhalt  habe 
der  Beschwerdeführer  in  nicht  nachvollziehbarer  Weise  geschildert, 
wie er als Fünfzehnjähriger seinen Willen durchgesetzt und sich in das 
Auto des Vaters gesetzt habe. Realitätsfremd sei zudem das Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers, nach der Strassenkontrolle sei einzig er 
festgehalten,  verhört  und  gefoltert  worden,  wogegen  sein  Vater,  der 
früher als Helfer der PKK bekannt  gewesen sei und das mit  den für 
diese Partei  bestimmten Waren beladene  Auto  gefahren habe,  nicht 
behelligt worden sei.

Zudem seien die Aussagen zu den Ereignissen auf dem Polizeiposten 
auffallend oberflächlich und zu wenig anschaulich. Auf Nachfragen hin 
habe er  trotz  geltend gemachter  Folterung weder  das  Vorgehen der 
Militärpersonen noch ihr Aussehen oder die Räumlichkeiten des Poli-
zeipostens genug beschreiben können. Stattdessen habe er  auswei-
chend  geantwortet  und  sich  in  Allgemeinplätzen  ohne  subjektiv  ge-
prägte Wahrnehmung ausgedrückt. Es sei bezeichnend, dass er nicht 
imstande gewesen sei, detaillierte Angaben zu jenem Freund zu ma-
chen, dessen Festnahme er als auslösendes Ereignis für seine Flucht 
bezeichnet habe.

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Des Weiteren ergäben sich aus den Akten des als anerkannter Flücht-
ling in  der Schweiz lebenden Cousins des Beschwerdeführers keine 
Hinweise, welche die Erwägungen des BFM umzustossen vermöchten. 
Es entstehe insgesamt der Eindruck, der Beschwerdeführer sei einzig 
aufgrund seines bevorstehenden Militärdienstes, den er als Sympathi-
sant der PKK und wegen der kurdischen Sache nicht habe leisten wol-
len, aus der Türkei ausgereist. Das von ihm geltend gemachte Aufge-
bot  zum Militärdienst  diene indessen der Durchsetzung einer staats-
bürgerlichen Pflicht und sei folglich nicht asylrelevant.

4.2 In der Rechtsmitteleingabe wird zur Begründung des Hauptbegeh-
rens (Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur vollständigen und 
richtigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts) ausgeführt, 
der  Beschwerdeführer  kenne  sich  mit  administrativen  Dingen  wenig 
aus, weil er nur für wenige Jahre die Schule besucht habe. Er habe 
grosse Mühe, die ihn betreffenden Vorfälle korrekt wiederzugeben und 
diese  hinsichtlich  Relevanz  in  einen  grösseren  Zusammenhang  zu 
stellen. Er habe darauf hingewiesen, dass sein Onkel, sein Vater und 
einer seiner Cousins politisch sehr aktiv gewesen seien und er bereits 
im Alter von fünfzehn Jahren gegen den Willen seines Vaters versucht 
habe,  diesen Vorbildern  nachzueifern. Vor diesem Hintergrund  stelle 
sich  zwangsläufig  die  Frage,  wie  weit  die  gegen  ihn  eingeleiteten 
Massnahmen  auch  Elemente  einer  Reflexverfolgung  enthielten.  Bei 
dieser  Ausgangslage  (mangelnde  Schuldbildung,  Herkunft  aus  einer 
klar politisch tätigen Familie) wäre eine sorgfältigere und umfassende-
re Anhörung durch die Vorinstanz notwendig gewesen, um die effektiv 
vorhandenen Widerspüche und Ungereimtheiten  in  seinen Aussagen 
zu klären. Es liege auf der Hand, dass ungebildete Menschen, welche 
sich in administrativen Dingen nicht auskennen und die Logik einer po-
lizeilichen  oder  gerichtlichen  Ermittlung  nicht  verstehen  würden,  die 
ihnen zugestossenen Ereignisse nicht  in einen Zusammenhang brin-
gen könnten und sie diese deshalb zwangsläufig unvollständig, ober-
flächlich und widersprüchlich erzählten. Die aufgrund seiner mangel-
haften Schulbildung eingeschränkte Ausdrucksfähigkeit stelle eine per-
manente Fehlerquelle in seinen Ausführungen dar. Das BFM, welches 
regelmässig mit solchen Gesuchstellern konfrontiert sei, hätte den Be-
schwerdeführer  in  einem  angepassten  Rahmen  befragen  und  den 
rechtserheblichen Sachverhalt  so weit  als  möglich  eruieren müssen. 
Klar sei auch, dass vor dem Hintergrund einer möglichen Reflexverfol-
gung und von Asyldossiers naher Angehöriger eine Botschaftsabklä-
rung  betreffend  die  Gefährdungssituation  hätte  durchgeführt  werden 

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müssen. Das Bundesamt habe keine ernsthaften Versuche unternom-
men, den Beschwerdeführer auf die Wichtigkeit der Beschaffung von 
Beweismitteln in der Türkei hinzuweisen und ihn darüber zu informie-
ren, wie solche Beweismittel beschafft werden könnten. Die vom BFM 
vorgenommene Sachverhaltsabklärung sei  ungenügend,  weshalb die 
Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen sei.

In materieller Hinsicht wird im Wesentlichen geltend gemacht, der Be-
schwerdeführer  sei  von seinem Rechtsvertreter  nach Zustellung  der 
angefochtenen Verfügung aufgefordert worden, alles zu unternehmen, 
um in der Türkei über seinen Anwalt oder allenfalls über andere Perso-
nen  nach  Akten  zu  forschen,  welche  im  Zusammenhang  mit  seiner 
Festnahme vom _______ 2004 hinsichtlich des Verrat seines bei der 
PKK  aktiv  gewesenen  Freundes  mit  dem  Codenamen  D._______ 
angelegt  worden  seien.  Dieser  sei  hinsichtlich  der  Beschaffbarkeit 
solcher  Akten  äusserst  skeptisch  gewesen.  Beim  gleichzeitig  ein-
gereichten  Dokument  handle  es  sich  um  das  Sitzungsprotokoll  des 
Strafgerichts C._______ vom _______, welches dem Rechtsvertreter 
am 16. März  2008  per  Telefax  zugestellt  worden sei.  Eine  deutsche 
Übersetzung liege noch nicht vor, werde aber nachgereicht. Aus dem 
Dokument  ergebe  sich,  dass  der  Beschwerdeführer  als  Angeklagter 
(Sanik)  aufgeführt  und im Urteil  auch der Name D._______ erwähnt 
werde.  Die  Echtheit  des  Schriftstücks  vorausgesetzt,  bedeute  dies, 
dass  gegen den Beschwerdeführer  tatsächlich  ein  Verfahren geführt 
worden sei,  in welchem auch der von ihm erwähnte D._______ eine 
Rolle spiele. Es sei somit wahrscheinlich, dass er damit seine Verfol-
gungssituation direkt beweisen könne. Je nach Inhalt des Dokuments 
drängten sich weitere Abklärungen (zusätzliche Anhörung, Botschafts-
abklärung) auf. Sollte sich aus dem Gerichtsdokument ergeben, dass 
in  der  Türkei  gegen  den  Beschwerdeführer  eine  politisch  motivierte 
Strafverfolgung  eingeleitet  worden  sei  und  er  nach  wie  vor  verfolgt 
werde, sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und es sei ihm in 
der Schweiz Asyl zu gewähren. Sollte sich hingegen zeigen, dass das 
Verfahren abgeschlossen sei und dem Beschwerdeführer keine aktu-
elle  gerichtliche  Verfolgung  drohe,  wäre  aufgrund  seiner  politisch 
aktiven Verwandten (Vater, Onkel und Cousin) und der bereits früher 
existierenden Strafverfolgung zumindest die Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs festzustellen.

4.3 In seiner Vernehmlassung begründet das BFM den Antrag auf Ab-
weisung der Beschwerde in Ergänzung seiner Erwägungen in der an-

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gefochtenen Verfügung damit, auf eine Prüfung des zusammen mit der 
Beschwerde eingereichten Dokuments werde deshalb verzichtet, weil 
die Angaben im Sitzungsprotokoll in krasser Weise den Ausführungen 
des Beschwerdeführers in der Anhörung vom 24. Januar 2008 wider-
sprächen. So  sei  beispielsweise  festzustellen,  dass  die  besagte  Sit-
zung am _______ 2004 stattgefunden habe, wogegen der Beschwer-
deführer anlässlich der Anhörung zu den Asylgründen ausgesagt ha-
be, er sei am _______ 2004 ein erstes Mal festgenommen worden. Es 
könne  zwar  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  er  tatsächlich  von 
Kämpfern  der  PKK angesprochen  worden  sei,  aber  der  vorliegende 
Freispruch durch das Schwurgericht C._______ suggeriere, dass ihm 
daraus keine Probleme mit den Behörden erwachsen seien.

4.4 In  der  Replik  des  Beschwerdeführers  wird  im Wesentlichen  ent-
gegnet, er bestehe darauf, dass das eingereichte, von seinem Anwalt 
in  der  Türkei  erhältlich gemachte  Gerichtsdokument echt  sei. Dieser 
Anwalt habe ihn damals bei der Gerichtsverhandlung vertreten, und er 
könne nähere Angaben dazu machen, weshalb eine Botschaftsabklä-
rung beantragt  werde. Eine Kontaktierung des Anwalts  in  der Türkei 
und eine Rückfrage beim Gericht würden laut Angaben des Beschwer-
deführers klar ergeben, dass das eingereichte Dokument echt sei.

5.

5.1 Vorab ist zu prüfen, ob sich die Rüge, das BFM habe den Sach-
verhalt unvollständig respektive unrichtig festgestellt, als begründet er-
weist.  In  den  Protokollen  finden  sich  weder  Anzeichen  für  eine  er-
schwerte sprachliche Verständigung noch für eine unvollständige res-
pektive unrichtige Protokollierung der Aussagen. Der Beschwerdefüh-
rer bestätigte vielmehr am Schluss der Befragungen, das Protokoll sei 
ihm  rückübersetzt  worden  und  entspreche  seinen  Aussagen.  Am 
Schluss der Anhörung zu den Asylgründen vom 24. Januar 2008 be-
stätigte  er  zudem  unterschriftlich,  dass  alle  seine  Vorbringen  ab-
schliessend festgehalten worden seien und er nichts mehr beizufügen 
habe. Zudem hatte die bei der Anhörung anwesende Hilfswerkvertre-
terin weder Einwände geltend zu machen noch regte sie weitere Ab-
klärungen  an.  Insgesamt  ist  mangels  gegenteiliger  Hinweise  in  den 
Akten davon auszugehen, dass die Aussagen des Beschwerdeführers 
-  auch  diejenigen  anlässlich  der  Kurzbefragung  im  B._______  vom 
27. Dezember 2007 - richtig und vollständig protokolliert wurden. Des 
Weiteren wurde dem Beschwerdeführer das Merkblatt für Asylsuchen-

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de in kurdischer Sprache ausgehändigt, in welchem er auf seine ihm 
obliegende Mitwirkungspflicht aufmerksam gemacht wurde. Zu Beginn 
der  Anhörung  zu  den  Asylgründen  wurden  ihm  die  wichtigsten 
Mitwirkungspflichten in Erinnerung gerufen, und er wurde insbesonde-
re auch aufgefordert, allfällig vorhandene Dokumente und alle Beweis-
mittel  vorzulegen. Hinzu kommt,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  der 
einlässlichen  Anhörung  zu  seinen  Asylgründen  rechtsvertreten  war. 
Zudem lassen sich die von der Vorinstanz aufgezeigten Widersprüche 
und Unstimmigkeiten in den Aussagen entgegen den diesbezüglichen 
Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  nicht  mit  mangelhafter 
Schulbildung und mangelhaften Kenntnissen in administrativen Dingen 
erklären, weshalb sich das Bundesamt zu Recht nicht veranlasst sah, 
weitergehende Abklärungen - wie beispielsweise eine Botschaftsabklä-
rung  -  in  die  Wege  zu  leiten.  Die  Rüge,  der  rechtserhebliche 
Sachverhalt  sei  von der Vorinstanz unvollständig respektive unrichtig 
festgestellt  worden, erweist sich somit als unbegründet,  weshalb das 
diesbezügliche Rechtsbegehren abzuweisen ist.

5.2

5.2.1 Bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit geht es um eine Gesamtbe-
urteilung  aller  für  und  gegen  den  Asylsuchenden  sprechenden  Ele-
mente. Eine Sachverhaltsdarstellung ist nur dann glaubhaft,  wenn bei 
einer objektivierten Sichtweise die positiven Elemente überwiegen und 
die Behörde somit das Vorhandensein der Flüchtlingseigenschaft  mit 
überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (vgl. Art. 7 Abs. 2 
und 3 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 7  E. 6 S. 64 ff. und Nr. 21 
E. 6.1.  S.  190  f.,  1996  Nr.  27  E. 3c.aa  S. 263 f.  und  Nr. 28  E.  3a 
S. 270).

5.2.2 Die vom Beschwerdeführer dargelegten Behelligungen durch die 
türkischen  Sicherheitskräfte  vermögen  den  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftigkeit nicht standzuhalten. Die Ausführungen in der Rechts-
mitteleingabe und in der Replik erschöpfen sich in materieller Hinsicht 
im Wesentlichen in einer Bekräftigung der Authentizität der Vorbringen 
des Beschwerdeführers zur Begründung seines Asylgesuchs, ohne in-
dessen in substanziierter und detaillierter Weise zu den in der ange-
fochtenen Verfügung und in der Vernehmlassung aufgezeigten Wider-
sprüchen und Unstimmigkeiten in den Aussagen sowie hinsichtlich des 
Datums der Gerichtsverhandlung in  C._______ Stellung zu nehmen. 

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Es kann diesbezüglich deshalb an dieser Stelle zur Vermeidung von 
Wiederholungen vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen des 
Vorinstanz verwiesen werden.

In Bezug auf das eingereichte Gerichtsdokument ist ergänzend festzu-
stellen, dass der Beschwerdeführer das für ihn einschneidende Ereig-
nis  (Gerichtsverhandlung)  vom  _______  -  immerhin  wurde  er,  die 
Authentizität  des  Dokuments  vorausgesetzt,  der  Unterstützung  der 
PKK bezichtigt - bezeichnenderweise weder anlässlich der Befragung 
zu seiner Person noch bei der einlässlichen Anhörung zu seinen Asyl-
gründen erwähnte. Nicht nachvollziehbar ist zudem, dass sein Anwalt 
in der Türkei,  der angeblich nähere Angaben zur geltend gemachten 
Gerichtsverhandlung hätte  machen  können,  auf  diesbezügliche  Aus-
führungen (beispielsweise in Form eines Begleitschreibens) verzichte-
te und das Dokument dem Rechtsvertreter in der Schweiz kommentar-
los zukommen liess.

Unbesehen  davon  ergibt  sich  aus  dem  eingereichten  Gerichtsdoku-
ment,  dass das Verfahren für  den Beschwerdeführer mit  einem Frei-
spruch endete und ihm diesbezüglich keine asylrechtlich relevante Ver-
folgung droht.

5.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht - in Anlehnung an die Praxis 
der vormaligen ARK - davon aus, dass es in der Türkei staatliche Re-
pressalien  gegen Familienangehörige  von politischen Aktivisten gibt, 
die als so genannte Reflexverfolgung flüchtlingsrechtlich erheblich im 
Sinne von Art. 3 AsylG sein können. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer ei-
ner Reflexverfolgung zu werden, war nach der Praxis der ARK vor al-
lem dann gegeben, wenn nach einem flüchtigen Familienmitglied ge-
fahndet wird und die Behörde Anlass zur Vermutung hat, dass jemand 
mit der gesuchten Person in engem Kontakt steht. Diese Wahrschein-
lichkeit erhöht sich, wenn ein nicht unbedeutendes politisches Engage-
ment der reflexverfolgten Person für illegale politische Organisationen 
hinzu  kommt  beziehungsweise  ihr  seitens  der  Behörden  unterstellt 
wird (vgl. EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.1. S. 195, mit weiteren Hinweisen). 
In  diesem ARK-Urteil  wurde weiter  ausgeführt,  dass  sich  die  Verfol-
gungspraxis der türkischen Behörden im Zuge des Reformprozesses 
zur Annäherung an die Europäische Union zwar insofern geändert ha-
be, als Fälle, in denen Familienangehörige kurdischer Aktivisten gefol-
tert oder misshandelt worden seien, abgenommen hätten; sie  müss-
ten  aber  unverändert  mit  Hausdurchsuchungen  und  kürzeren  Fest-

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nahmen rechnen, die oft mit Beschimpfungen und Schikanen verbun-
den  seien.  Ein  Regelverhalten  der  türkischen  Behörden  lasse  sich 
jedoch nicht ausmachen, vielmehr hingen die Wahrscheinlichkeit einer 
Reflexverfolgung  und  deren  Intensität  stark  von  den  konkreten  Um-
ständen des Einzelfalles ab. Feststellen lasse sich immerhin, dass zur 
Zeit  besonders  diejenigen  Personen  von  einer  Reflexverfolgung  be-
droht seien, die sich offen für politisch aktive Verwandte einsetzen wür-
den  (EMARK 2005  Nr. 21  E. 10.2.3.  S. 199  f.).  Diese  Einschätzung 
wird auch durch neuere Berichte zur Menschenrechtslage in der Türkei 
gestützt  (vgl.  etwa  HELMUT OBERDIEK,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe, 
Türkei,  Zur  aktuellen  Situation  -  Oktober  2007;  U.S.  Department  of 
State,  Country  Reports  on  Human  Rights  Practices  2006:  Turkey, 
March 2007, Section 1 [a, c- e],  Human Rights Watch, World Report 
2008, Turkey).

Diesbezüglich  ist  vorliegend  festzustellen,  dass  der  Vater  des  Be-
schwerdeführers dessen Aussagen zufolge nach wie vor in A._______ 
wohnhaft  und  dort  Dorfvorsteher  ist,  welche  Funktion  ein  gewisses 
Vertrauensverhältnis seitens der türkischen Behörden voraussetzt. Zu-
dem machte der Beschwerdeführer nicht geltend,  er  sei  von den Si-
cherheitskräften im Zusammenhang mit seinem in der Schweiz ansäs-
sigen Onkel oder seinem als anerkannter Flüchtling in der Schweiz le-
benden Cousin E._______ (N_______) behelligt worden oder er stehe 
in  engem Kontakt  zu  diesen  Personen.  Angesichts  dieser  Sachlage 
und insbesondere auch aufgrund der als nicht glaubhaft qualifizierten 
Vorbringen zur Begründung des Asylgesuchs kann eine diesbezügli-
che Reflexverfolgung des Beschwerdeführers durch die türkischen Be-
hörden ausgeschlossen werden.

5.4 Schliesslich ist hinsichtlich des vom Beschwerdeführer geltend ge-
machten bevorstehenden Militärdienstes festzuhalten, dass die Pflicht 
zu  dessen  Leistung  beziehungsweise  eine  wegen  dessen  Nichtleis-
tung drohende Strafe nur dann eine asylrelevante Verfolgung darstellt, 
wenn der Wehrdienstpflichtige wegen seiner Refraktion mit einer Stra-
fe zu rechnen hat,  welche entweder aus Gründen nach Art. 3 AsylG 
diskriminierend höher ausfällt (malus) oder an sich unverhältnismässig 
hoch ist, oder wenn die Einberufung zum Wehrdienst darauf abzielt, ei-
nem Wehrpflichtigen aus einem der in Art. 3 AsylG genannten Gründe 
erhebliche Nachteile zuzufügen oder diesen in völkerrechtlich verpönte 
Handlungen  zu  verstricken  (vgl.  EMARK 2004  Nr. 2  S. 12  ff.,  2003 
Nr. 8, 2002 Nr. 19, 2001 Nr. 15).

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In der Türkei gilt für Männer die allgemeine Wehrpflicht, und die türki-
sche Gesetzgebung kennt weder ein Recht auf Militärdienstverweige-
rung noch sieht  sie  die  Möglichkeit  eines zivilen  Ersatzdienstes vor. 
Personen, die sich dem Wehrdienst entziehen, müssen mit einer straf-
rechtlichen  Verfolgung  rechnen,  wobei  drei  Gruppen  unterschieden 
werden: Personen, die sich ausdrücklich weigern, Militärdienst zu lei-
sten,  werden als Dienstverweigerer unter  dem Vorwurf der "Entfrem-
dung des Volkes vom Militärdienst" nach Art. 155 des türkischen Straf-
gesetzbuches (Nr. 765) und Art. 55 des türkischen Militärstrafgesetz-
buches (Nr. 1632) bestraft, wobei das Strafmass entscheidend davon 
abhängt, ob der Verweigerer durch die Äusserung seiner Weigerungs-
haltung einen grösseren Kreis  von Personen beeinflusst. Auf  Deser-
teure  hingegen  wird  Art.  66  des  türkischen  Militärstrafgesetzbuches 
angewendet, der einen ordentlichen Strafrahmen von einem bis zu drei 
Jahren Gefängnis vorsieht. Die Refraktion schliesslich wird in der Tür-
kei gestützt auf Art. 63 des türkischen Militärstrafgesetzbuches mit bis 
zu drei  Jahren Gefängnis  bestraft,  wobei  es massgeblich darauf  an-
kommt, ob sich eine Person freiwillig stellt und wie viel Zeit seit dem 
ordentlichen Einrückungstermin verstrichen ist (vgl. EMARK 2004 Nr. 2 
S. 17  f.).  Für  Refraktäre  und  Deserteure,  die  sich  dem Militärdienst 
entziehen,  indem sie  sich  ins  Ausland  absetzen,  sieht  die  türkische 
Gesetzgebung  zudem die  Möglichkeit  der  Zwangsausbürgerung  vor: 
Gemäss Art. 25 Bst. ç und d des türkischen Staatsangehörigkeitsge-
setzes  kann  Wehrpflichtigen,  die  sich  im  Ausland  befinden  und  der 
amtlichen  Aufforderung  - veröffentlicht  im  türkischen  Amtsblatt  - zur 
Rückkehr in die Türkei zwecks Leistung des Militärdienstes ohne trifti-
gen Grund nicht  innerhalb von drei  Monaten Folge leisten, die türki-
sche Staatsbürgerschaft entzogen werden.

Eine allfällige Bestrafung des Beschwerdeführers wegen Refraktion ist 
vorliegend als asylrechtlich unerheblich zu qualifizieren, zumal diesbe-
züglich keine Hinweise für eine militärstrafrechtliche Ungleichbehand-
lung im Sinne eines asylrelevanten Verfolgungsmotivs vorliegen. Was 
eine  allfällige  Zwangsausbürgerung  des  Beschwerdeführers  wegen 
Refraktion betrifft, ist vorab festzustellen, dass die Praxis der türkisch-
en  Behörden  bei  der  Anwendung  von  Art. 25  Bst.  ç  des  türkischen 
Staatsangehörigkeitsgesetzes  gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bun-
desverwaltungsgerichts  zwar  uneinheitlich  ist,  aber  es  liegen  keine 
Hinweise dafür vor, dass bestimmte Personengruppen - beispielsweise 
die Kurden - aufgrund eines asylrelevanten Verfolgungsmotivs im Sin-
ne eines Malus generell mit einer strengeren Praxis zu rechnen hätten 

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als  andere türkische Refraktäre. Die Aberkennung der  Staatsbürger-
schaft gestützt auf Art. 25 Bst. ç des türkischen Staatsangehörigkeits-
gesetzes wird gegenüber Personen ausgesprochen, die sich im Aus-
land aufhalten und deshalb für das türkische Militär beziehungsweise 
die türkischen Strafverfolgungsbehörden - zumindest vorübergehend - 
nicht  erreichbar sind. Gegenüber Personen,  die sich mit  Wissen des 
Staates  in  der  Türkei  aufhalten,  findet  diese Bestimmung keine  An-
wendung. Die zwangsweise Ausbürgerung ist demnach in erster Linie 
eine Art Ersatzstrafe und nicht die eigentliche, von der türkischen Ge-
setzgebung  für  die  Refraktion  vorgesehene  (militär-)strafrechtliche 
Sanktion. Ein  von der  Ausbürgerung betroffener  Refraktär  kann sich 
gemäss  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  auf  Ge-
such hin  beim Innenministerium oder  bei  einer  türkischen diplomati-
schen Vertretung im Ausland wieder einbürgern lassen, sofern er sich 
bereit  erklärt,  seiner  Wehrpflicht  nachzukommen,  was  grundsätzlich 
bedeutet,  den  Militärdienst  nachzuholen,  der  unter  Umständen  aber 
auch durch die Bezahlung einer  bestimmten Geldsumme nach Leis-
tung  eines  vierwöchigen  Grundwehrdienstes  abgelöst  werden  kann. 
Die Aberkennung der Staatsbürgerschaft wegen Refraktion durch Be-
schluss des türkischen Ministerrates hat demzufolge keinen definitiven 
Charakter,  sondern  kann  vom  Betroffenen  grundsätzlich  rückgängig 
gemacht werden,  auch wenn die Bedingungen für  die Wiedereinbür-
gerung - insbesondere für eine Person, die sich dem türkischen Mili-
tärdienst bewusst entzogen hat - als hart zu bezeichnen sind. Bei die-
ser  Sachlage  kann  jedoch  nicht  davon  gesprochen  werden,  die 
zwangsweise Ausbürgerung durch die türkischen Behörden stelle eine 
im absoluten Sinne unverhältnismässige Sanktion dar, welche generell 
den Rückschluss auf das Vorliegen eines asylrelevanten Verfolgungs-
motivs zuliesse, selbst wenn die Ausbürgerung wegen Refraktion ge-
stützt auf Art. 25 Bst. ç des türkischen Staatsangehörigkeitsgesetzes 
im Lichte des schweizerischen Rechtsverständnisses unangemessen 
erscheint  und  ihre  Völkerrechtskonformität  zumindest  fraglich  ist 
(EMARK 2004 Nr. 2 E. 6b.ee S. 20 f.). Somit wäre selbst eine allfällige 
Ausbürgerung des Beschwerdeführers asylrechtlich nicht relevant.

5.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorbringen des Beschwer-
deführers den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit respektive an die 
Flüchtlingseigenschaft nicht standzuhalten vermögen. Bei dieser Sach-
lage ist der Antrag auf Durchführung einer Botschaftsanfrage abzuwei-
sen, und es erübrigt sich angesichts der aufgezeigten Unstimmigkeiten 
in zentralen Teilen der gesuchsbegründenden Vorbringen, auf die wei-

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teren Ausführungen in der Beschwerde und in der Replik näher einzu-
gehen, da diese nicht geeignet sind, eine andere Beurteilung herbei-
zuführen. Das BFM hat das Asylgesuch zu Recht abgelehnt.

6.
Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ord-
net den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf  Erteilung einer 
solchen.  Die  Wegweisung  wurde  demnach  zu  Recht  angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21).

7.

7.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-
hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK, 
SR 0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-

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vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  (vgl.  MARIO GATTIKER, 
Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da 
es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erheb-
liche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das 
in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Re-
foulements im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. Eine 
Rückkehr des Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach un-
ter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall ei-
ner  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahr-
scheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen 
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäi-
schen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des 
UN-Anti-Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm 
im Fall  einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung 
drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinwei-
sen;  EGMR,  Bensaid  gegen  Grossbritannien,  Urteil  vom 6.  Februar 
2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Auch die all-
gemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat  lässt den Wegwei-
sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht als unzulässig 
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung so-
wohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen 
zulässig.

7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  -  unter  Vorbehalt  von  Art.  83 
Abs. 7  AuG  -  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3818).

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7.5 Angesichts der heutigen Lage in der Türkei kann nicht von einer 
Situation  allgemeiner  Gewalt  oder  von  kriegerischen  oder  bürger-
kriegsähnlichen Verhältnissen gesprochen werden, welche für den Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr eine konkrete Gefährdung darstel-
len würde (vgl. die  weiterhin zutreffende Lagebeurteilung in  EMARK 
2004 Nr. 8). Eigenen Angaben zufolge leben seine Eltern, seine zwei 
Brüder  und  seine  zwei  Schwestern  nach  wie  vor  in  A._______ 
(_______). Der  Beschwerdeführer  verfügt  folglich  in  der  Türkei  über 
ein intaktes soziales Beziehungsnetz und wird für die wirtschaftliche 
Reintegration auf die Unterstützung seiner Familie zählen können. Es 
sind somit auch keine persönlichen Gründe ersichtlich, die gegen die 
Rückkehr  des  Beschwerdeführers  sprechen.  Nach  dem  Gesagten 
erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als zumutbar.

7.6 Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist 
(Art. 83 Abs. 2 AuG).

8.
Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestä-
tigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insgesamt 
Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt [VGKE, SR 173.320.2]).

Seite 17

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beilage: 
Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten Ref.-Nr. N_______ (per Kurier; in Kopie)

- F._______ (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Peter Jaggi

Versand:

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