# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 63a62606-977f-5dd1-bf24-dfe84eb53a8b
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-08-24
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 1. Kammer 24.08.2020 U 2020 22
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_001_U-2020-22_2020-08-24.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

U 20 22

1. Kammer 

Vorsitz Audétat
Richter Racioppi, von Salis 
Aktuar Gross

URTEIL

vom 24. August 2020

in der Streitsache

A._____ AG,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Jürg Borer,

Beschwerdeführerin

gegen 

Gemeinde X._____,

Beschwerdegegnerin

betreffend Submission (Abbruch)

- 2 -

1. Die Gemeinde X._____ stellte am 29. November 2019 das Baugesuch Nr. 

2019-0337 zur Sanierung der B.-_____strasse (Belag, Werkleitungen etc.) 

zwischen C._____ und D._____. Nach der Publikation am 20. Dezember 

2019 sind keine Einsprachen gegen das Baugesuch eingegangen, jedoch 

hat die Fachstelle Hindernisfreies Bauen, W.______ Graubünden, Bean-

standungen und Hinweise für Verbesserungen in Bezug auf den Fussgän-

gerverkehr ausgesprochen. 

2. Parallel zum Baugesuch schrieb die Gemeinde X._____ am 6. Dezember 

2019 die Baumeister- und Belagsarbeiten im offenen Verfahren aus, u.a. 

auf der Plattform simap.ch. 

3. Innert Frist gingen fünf Angebote ein. Anlässlich der Offertöffnung am 

21. Januar 2020 ergab sich, dass die A._____ AG das günstigste Angebot 

eingereicht hatte.

4. Am 10. März 2020 zog der Gemeinderat der Gemeinde X._____ das Bau-

gesuch Nr. 2019-0337 zurück. Gleichzeitig mit dem Rückzug des Bauge-

suchs brach der Gemeinderat das laufende Vergabeverfahren ab. Der Ab-

bruch wurde den Anbietern am 11. März 2020 mitgeteilt.

5. Gegen diese Verfügung erhebt die A._____ AG (Beschwerdeführerin) am 

23. März 2020 Beschwerde. Darin beantragt sie kostenfällig die Aufhebung 

der angefochtenen Verfügung und die Erteilung des Zuschlags zum Preis 

von Fr. 973'091.85 an sich selber, eventualiter sei die Sache an die Ge-

meinde X._____ zur Weiterführung des Submissionsverfahrens und Ver-

gabe der ausgeschriebenen Arbeiten zurückzuweisen. In prozessualer Hin-

sicht verlangt die Beschwerdeführerin Einsicht in die act. 1-5 und 18 der 

vorinstanzlichen Akten in der strittigen Ausschreibung. Ihre Beschwerde be-

gründet die Beschwerdeführerin im Wesentlichen damit, dass keine wichti-

gen Gründe vorlägen, welche einen Abbruch des Submissionsverfahrens 

rechtfertigten. Das Projekt sei sorgfältig geplant worden; die vom Gemein-

- 3 -

derat gewünschten Änderungen seien teilweise im Projekt bereits berück-

sichtigt oder nicht umsetzbar. Die für den Abbruch angeführten Gründe 

seien vorgeschoben; vielmehr gehe es darum, die Beschwerdeführerin bei 

den Vergabeverfahren zu boykottieren.

6. Die Gemeinde X._____ (Beschwerdegegnerin) beantragt in ihrer Vernehm-

lassung vom 6. April 2020 kostenfällig, auf die Beschwerde sei nicht einzu-

treten, eventuell sei sie abzuweisen. Der Gemeinderat erachte aufgrund ei-

ner Neubeurteilung die Überarbeitung des Projekts als notwendig, um of-

fene Fragen zur Trottoirbreite, im Zusammenhang mit der fehlenden Bau-

mallee und zur Breite des Radstreifens vorab zu klären. In welcher Form 

und zu welchem Zeitpunkt das Sanierungsprojekt wieder auf den Tisch 

kommen solle, sei derzeit auch wegen der ausserordentlichen Lage (CO-

VID-19) offen. Ein Abbruch wegen mangelnder bzw. weggefallener Be-

schaffungsabsicht liege im öffentlichen Interesse und sei als wichtiger 

Grund zu schützen. Eine allfällige Diskriminierung der Beschwerdeführerin 

liege ausserhalb des Streitgegenstandes, weshalb auf diese Rüge nicht ein-

zutreten sei. Hinsichtlich der Akteneinsicht verlangte sie, dass aufgrund 

überwiegender Geheimhaltungsinteressen jegliche Akteneinsicht in Proto-

kolle der Gemeinderatssitzungen zu verweigern sei.

7. Mit Verfügung vom 8. April 2020 beschränkte der Instruktionsrichter die Ak-

teneinsicht in Bezug auf den Gemeinderatsbeschluss SRB.2020.152.

8. In ihrer Replik vom 14. Mai 2020 vertieft die Beschwerdeführerin ihren 

Standpunkt; sie bringt insbesondere vor, dass sie seit Sommer 2019 in 

sämtlichen Bündner Vergabeverfahren, in welchen sie das wirtschaftlich 

günstigste Angebot abgegeben hat, nicht zum Zuge gekommen sei, entwe-

der durch einen Verfahrensabbruch oder eine (rechtswidrige) Nichtweiter-

führung des Verfahrens. 

- 4 -

9. Die Beschwerdegegnerin entgegnet in ihrer Duplik vom 15. Juni 2020, dass 

das Sanierungsprojekt nicht dringlich und auf unbestimmte Zeit verschoben 

sei. Die Rüge der Diskriminierung sei weder nachgewiesen noch begründet. 

Die Beschwerdegegnerin sei einzig bestrebt, öffentliche Gelder wirtschaft-

lich zu verwenden; es sei ein legitimes Ziel, eine bedarfsgerechte Beschaf-

fung sicherzustellen und nachträglich entdeckte Projektierungsfehler zu 

korrigieren.

10. Am 23. Juni 2020 reichte die Beschwerdegegnerin den Beschluss des Ge-

meinderates vom 16. Juni 2020 zu den Akten, aus dem hervorgeht, dass 

der Beschwerdeführerin in einem anderen Vergabeverfahren der Zuschlag 

erteilt worden ist. Der Vorwurf eines Boykotts sei damit nachweislich ent-

kräftet.

11. Dem hält die Beschwerdeführerin am 6. Juli 2020 entgegen, dass ihr zuge-

tragen worden sei, die Beschwerdegegnerin habe rechtliche Abklärungen 

gemacht, um einen Weg zu finden, auch in diesem Fall die Beschwerdefüh-

rerin nicht zu berücksichtigen, dies aber aufgrund der Dringlichkeit des Pro-

jekts als zu riskant beurteilt worden sei.

12. Dies wiederum weist die Beschwerdegegnerin am 14. Juli 2020 scharf als 

unangebrachte Polemik zurück.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1.1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Entscheid vom 10./11. März 2020, 

worin die Beschwerdegegnerin den Abbruch des Vergabeverfahrens betref-

fend Sanierung der B.-_____strasse (Belag, Werkleitungen etc.), Strecken-

abschnitt C._____ – D._____, verfügte, womit die Beschwerdeführerin nicht 

einverstanden war und deshalb am 23. März 2020 Beschwerde beim Ver-

- 5 -

waltungsgericht des Kantons Graubünden erhob. Die Beschwerdeführerin 

beantragte darin die Erteilung des Zuschlags an sich zum Preis von Fr. 

973'091.85; eventuell um Rückweisung der Sache zur Weiterführung des 

Submissionsverfahrens und Vergabe der ausgeschriebenen Arbeiten durch 

die Beschwerdegegnerin. Es geht also um die Rechtmässigkeit des ange-

fochtenen Abbruchs des Vergabeverfahrens. Soweit die Beschwerdeführe-

rin einen Zusammenhang des Abbruchentscheids mit den Streitigkeiten 

zwischen ihr und dem Kanton herstellen will, kann darauf – weil ausserhalb 

des Streitgegenstands liegend – hier nicht eingetreten werden. Sollte die 

Beschwerdeführerin damit indirekt das Nichtvorliegen wichtiger Gründe für 

den Abbruch des Verfahrens angesprochen haben, so ist darauf jedoch ma-

teriell einzugehen und diese Rüge zu beurteilen.

1.2. Die ausgeschriebenen Strassensanierungs- und Erneuerungsarbeiten im 

Dorfzentrum der Beschwerdegegnerin unterstehen unbestritten dem öffent-

lichen Beschaffungsrecht; konkret kommen die Interkantonale Vereinba-

rung über das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB; SR 172.056.5 [BR 

803.510]) sowie das Submissionsgesetz für den Kanton Graubünden 

(SubG; BR 803.300) inkl. zugehöriger Submissionsverordnung (SubV; BR 

803.310) zur Anwendung. Für den Prozessverlauf und das Beschwerdever-

fahren vor Verwaltungsgericht ist sodann das Gesetz über die Verwaltungs-

rechtspflege (VRG; BR 370.100) massgebend und anwendbar.

1.3. An der eingereichten Beschwerde gibt es weder bezüglich ihrer Form (Er-

fordernis an Rechtsschriften nach Art. 38 VRG [Rechtsbegehren; Sachver-

halt; Begründung]) noch hinsichtlich der Wahrung der 10-tägigen Beschwer-

defrist nach Art. 15 Abs. 2 IVöB bzw. Art. 26 Abs. 1 SubG etwas auszuset-

zen, weil das Ziel der Beschwerde materiell eindeutig ist und die Eingabe 

vom 23. März 2020 innert gesetzlicher Anfechtungsfrist erfolgt ist. Die Be-

schwerde ist daher frist- und formgerecht eingereicht worden.

- 6 -

1.4. Nach Art. 15 Abs. 1 lit. e IVöB (Beschwerde an unabhängige kantonale In-

stanz zulässig gegen Abbruch des Vergabeverfahrens) bzw. Art. 25 Abs. 1 

lit. d SubG (Beschwerde ans Verwaltungsgericht u.a. bei Abbruch des Ver-

gabeverfahrens) kann explizit auch gegen einen Abbruchentscheid Be-

schwerde erhoben werden. Laut Art. 13 lit. i IVöB (Beschränkung von Ab-

bruch auf wichtige Gründe) und Art. 24 Abs. 2 SubG (Der Auftraggeber kann 

das Verfahren aus wichtigen Gründen abbrechen) kann ein eingeleitetes 

Vergabeverfahren aber einzig 'aus wichtigen Gründen' wieder abgebrochen 

werden. Jener Entscheid kann mit Beschwerde angefochten und gerichtlich 

überprüft werden. Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des angerufenen 

Verwaltungsgerichts ist damit gegeben, weil es hier um die Rechtmässigkeit 

des Abbruchentscheids vom 10./11. März 2020 geht.

1.5. Zur Beschwerde ans Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ist legi-

timiert, wer durch den angefochtenen (Abbruch-) Entscheid berührt ist und 

ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat (Art. 

50 VRG). Vorliegend beantragt die am preisgünstigsten offerierende Be-

schwerdeführerin die Aufhebung des Abbruchentscheids; eventuell die 

Rückweisung der Sache zur Fortsetzung des Vergabeverfahrens. Die Be-

schwerdeführerin ist bei dieser Fallkonstellation zweifelsfrei zur Erhebung 

der Beschwerde befugt, weil allein sie die ausgeschriebenen Sanierungs- 

und Erneuerungsarbeiten ohne den Abbruchentscheid hätte erledigen dür-

fen und dafür doch ein ansehnliches Entgelt erhalten hätte. Bei Abbruch des 

Verfahrens geht die Beschwerdeführerin hingegen leer aus.

2.1. In materieller Hinsicht hat sich das Verwaltungsgericht erst kürzlich zum 

Teilabbruch bzw. zur nachträglichen Änderung des Leistungsumfangs im 

Urteil (VGU) U 20 20 vom 19. Mai 2020 wie folgt geäussert (E.2.2.):

Gemäss Art. 24 Abs. 1 SubG kann der Zuschlag aus wichtigen Gründen, insbesondere 

unter den Voraussetzungen von Art. 22 (Aufzählung Ausschlussgründe lit. a-m) widerrufen 

werden. Der Auftraggeber kann das Verfahren aus wichtigen Gründen abbrechen (Art. 24 

- 7 -

Abs. 2 SubG). Das Verfahren kann wiederholt werden, wenn namentlich u.a. eine wesent-

liche Änderung der nachgefragten Leistung erforderlich wird (Art. 24 Abs. 3 lit. d). Zwar ist 

es möglich, anhand neuer Erkenntnisse einen Abbruch oder Teilabbruch vorzunehmen. 

Die Voraussetzungen dafür sind aber, insbesondere wegen des bestehenden Miss-

brauchspotentials, nicht leichthin zu bejahen. Abbruch und Wiederholung eines Vergabe-

verfahrens dürfen deshalb nur aus wichtigen Gründen erfolgen (Art. 13 lit. i IVöB) (vgl. 

GALLI/MOSER/LANG/STEINER, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. Aufl., Zürich 

2013, Rz 830, S. 368 – Zulässigkeit eines Teilabbruchs). Das Submissionsrecht vermag 

generell die Vergabebehörde nicht zu zwingen, eine konkrete Beschaffung vorzunehmen, 

wenn diese – auch nach erfolgter Ausschreibung des Beschaffungsgeschäfts – zum 

Schluss kommt, auf die Durchführung des Geschäfts verzichten zu wollen (keine Kontra-

hierungspflicht aus dem Vergaberecht). Der Verzicht auf das Beschaffungsgeschäft muss 

aber im öffentlichen Interesse liegen und darf somit nicht ohne triftigen Grund erfolgen. 

Aus dem Grundsatz von Treu und Glauben ergibt sich sodann, dass die im öffentlichen 

Interesse liegenden Gründe für den Abbruch des Vergabeverfahrens für die Auftragsge-

berin im Zeitpunkt der Ausschreibung des Auftrags bzw. der weiteren Forderungen an die 

Submittenten nicht vorhersehbar gewesen sein durften (vgl. GALLI/MOSER/LANG/STEINER, 

a.a.O., Rz 793, S. 351). 

2.2. Bereits in VGU U 13 101 vom 16. Dezember 2014 hatte sich das Verwal-

tungsgericht grundsätzlich mit dem (definitiven) Abbruch des Vergabever-

fahren auseinandergesetzt und diesen auch zugelassen (E.6b; insb. e,f): 

b) Gemäss Art. 13 lit. i IVöB dürfen die kantonalen Ausführungsbestimmungen den Ab-
bruch und die Wiederholung eines Vergabeverfahrens nur aus wichtigen Gründen zulas-

sen. Der Kanton Graubünden ist dieser Verpflichtung in Art. 24 Abs. 2 SubG nachgekom-

men, indem er vorgeschrieben hat, der öffentliche Auftraggeber dürfe ein Vergabeverfah-

ren nur aus wichtigem Grund abbrechen. Diese Regelung hat er in Art. 24 Abs. 3 SubG – 

allerdings nur im Hinblick auf einen provisorischen Abbruch – dahingehend konkretisiert, 

als ein Vergabeverfahren wiederholt werden darf, wenn namentlich kein Angebot einge-

reicht wurde, das die in der Ausschreibung und in den Ausschreibungsunterlagen festge-

legten Kriterien oder Anforderungen erfüllt (lit. a); wenn aufgrund veränderter Rahmenbe-

dingungen günstigere Angebote zu erwarten sind (lit. b); wenn die eingereichten Unterla-

gen keinen wirksamen Wettbewerb garantieren (lit. c); wenn eine wesentliche Änderung 

der nachgefragten Leistung erforderlich wird (lit. d) und wenn die gültigen Angebote den 

Kostenrahmen erheblich sprengen (lit. e). 

- 8 -

c) Diese Regelungen wurden anlässlich des Beitritts des Kantons Graubünden zur revi-

dierten Interkantonalen Vereinbarung mit Wirkung ab dem 1. Juli 2004 ins kantonale Recht 

eingefügt (vgl. Botschaft der Regierung an den Grossen Rat Heft Nr. 8/2003-2004 S. 331). 

Mit Art. 17 Abs. 2 SubG in der bis dahin geltenden Fassung kannte allerdings bereits das 

alte Submissionsgesetz eine Regelung, welche den Abbruch eines Vergabeverfahrens nur 

aus wichtigen Gründen zuliess. Im Urteil U 10 75 vom 24. August 2010 E.1a hat das Ver-

waltungsgericht entschieden, die dazu entwickelte Praxis unter der Herrschaft des neuen 

Rechts fortzuführen.

aa) Danach dient die Beschränkung der Zulässigkeit des Abbruchs auf wichtige Gründe 

einerseits der Verwirklichung des wirksamen Wettbewerbes, andererseits schützt sie das 

Vertrauen der Anbieter in die im Rahmen der Ausschreibung gemachten Zusicherungen, 

gestützt auf welche diese in die Offertstellung investiert haben. Die Enttäuschung dieses 

Vertrauens ist nur zulässig, wenn ein wichtiger Grund den Abbruch des Submissionsver-

fahrens rechtfertigt, was von der Vergabebehörde zu beweisen ist (Urteile des Verwal-

tungsgerichts U 10 75 vom 24. August 2010 E.1a; U 04 72 vom 17. November 2004 E.2; 

U 04 75 vom 23. September 2004 E.2; U 03 34 vom 10. Juni 2003 E.2). 

bb) Ein wichtiger Grund für den Abbruch liegt praxisgemäss in aller Regel dann vor, wenn 

dieser aus objektiver Sicht so schwer wiegt, dass dem Auftraggeber die Weiterführung 

des Vergabeverfahrens nicht zugemutet werden kann. Ausserdem darf der für den Ab-

bruch des Vergabeverfahrens angeführte Grund für den Auftraggeber bei Einleitung des 

Verfahrens nicht erkennbar gewesen sein (vgl. VGU U 10 75 E.1a; U 04 72 E.2; U 04 75 

E.2; U 03 34 E.2). Soweit der Bedarf nach einer ausgeschriebenen Leistung freilich nicht 

(oder nicht mehr) besteht, mithin ein definitiver Abbruch verfügt wird, ist es dem Ermessen 

der Vergabestelle überlassen, ob sie das diesbezügliche Vergabeverfahren weiterführen 

oder abbrechen will. Jedenfalls kann es nicht angehen, sie zum Erwerb einer Leistung zu 

nötigen, die sie nicht, nicht mehr oder erst viel später benötigt. In diesem Sinne liegt ein 

Abbruch wegen mangelnder (oder weggefallener) Beschaffungsabsicht im öffentlichen 

Interesse und ist als wichtiger Grund zu schützen. Wäre die Ursache für den Abbruch des 

Vergabeverfahrens für die Vergabestelle bei Aufwendung der gebotenen Sorgfalt bereits 

erkennbar gewesen, als sie die Anbieter zur Offertstellung einlud, so dürfte diese 

Einladung gegen Treu und Glauben verstossen, woraus sich gegebenenfalls 

haftungsrechtliche Ansprüche ableiten liessen (Urteil des Verwaltungsgerichts U 04 72 

vom 10. November 2004 E.2). Ein Abbruch des Vergabeverfahrens wegen fehlender 

Beschaffungsabsicht ist indes stets zulässig.

d) Diese Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts basiert im Wesentlichen auf der Lehr-

meinung von PETER GALLI, DANIEL LEHMANN und PETER RECHSTEINER, welche die Zulässig-

- 9 -

keit des Abbruchs eines Vergabeverfahrens in erster Linie als Problem der vorvertragli-

chen Treuepflichten begreifen. Die diesbezüglich in Art. 2 des Schweizerischen Zivilge-

setzbuches (ZGB; SR 210) enthaltene allgemeine Pflicht zum Handeln nach Treu und 

Glauben verbiete es dem öffentlichen Auftraggeber, ein einmal eingeleitetes Verfahren 

grundlos abzubrechen. Dieser dürfe das Vergabeverfahren vielmehr nur aus einem wich-

tigen Grund abbrechen. Hierfür sei erforderlich, dass der für den Abbruch angeführte 

Grund bei Einleitung des Verfahrens nicht voraussehbar gewesen sei. Ferner müsse er 

objektiv so schwer sein, dass dem Auftraggeber die Weiterführung des Submissionsver-

fahrens nicht zugemutet werden könne (GALLI/LEHMANN/ RECHSTEINER, Das öffentliche Be-

schaffungswesen in der Schweiz, Zürich 1996, Rz. 454 und 456). Dieser Meinung haben 

sich in der neueren Lehre PETER GALLI, ANDRÉ MOSER, ELISABETH LANG und MARC STEINER 

angeschlossen, die einen Verfahrensabbruch – mit Ausnahme der wesentlichen Leis-

tungsverhinderung – ablehnen, wenn dieser durch die Vergabebehörde selbst verschuldet 

bzw. herbeigeführt wurde (GALLI/MOSER/LANG/STEINER, a.a.O., N. 821). 

e) Demgegenüber sind MARTIN BEYELER und STEFAN SUTER der Auffassung, beim Abbruch 

des Vergabeverfahrens handle es sich nicht um eine Vertrauensschutzproblematik. Denn 

der öffentliche Auftraggeber verspreche in der Ausschreibung nicht, einen Auftrag zu ver-

geben, würde doch jeder vergaberechtliche Schritt den inhärenten Vorbehalt enthalten, 

dass der Auftraggeber das Vergabeverfahren zumindest bei Vorliegen bestimmter Gründe 

abbrechen könne (BEYELER, a.a.O., S. 787). Bei der Beurteilung der Frage, ob ein Verga-

beverfahren abgebrochen werden dürfe, sei der Vergabebehörde ein weiter Ermessens-

spielraum einzuräumen. Dieses Ermessen kenne immerhin zwei Schranken: Zunächst sei 

ein (provisorischer) Abbruch dann vergaberechtswidrig, wenn er der gezielten Diskrimi-

nierung von Anbietern diene. Ein definitiver Abbruch eines Vergabeverfahrens, bei wel-

chem die Vergabebehörde endgültig auf die ausgeschriebene Beschaffung verzichte, 

könne von vornherein nicht in diese Kategorie fallen, da in diesem Fall alle Anbieter gleich 

(schlecht) behandelt und damit nicht diskriminiert würden. Sodann sei in Übereinstimmung 

mit den massgeblichen gesetzlichen Grundlagen zu verlangen, dass der Abbruch nicht 

'grundlos', sondern aus einem sachlichen Grund erfolge. Die einschlägigen Regelungen 

sprächen zwar bisweilen von der Abbruchsvoraussetzung des öffentlichen Interesses oder 

des wichtigen Grundes. Doch dies widerspreche der These vom 'sachlichen Grund' als 

einziger materieller Zulässigkeitsvoraussetzung für den Abbruch des Vergabeverfahrens 

nicht, liege doch ein Abbruch bei Vorliegen eines sachlichen Grundes stets im öffentlichen 

Interesse und decke sich der wichtige Grund – da nicht eng auszulegen – mit dem sachli-

chen Grund vollkommen (BEYELER, a.a.O., S. 789 f.; SUTER, a.a.O., S. 91). Ob die den 

Abbruch rechtfertigenden Gründe für die Vergabebehörde voraussehbar gewesen seien 

- 10 -

und ob diese hierfür verantwortlich sei, könne für die Schadenersatzpflicht, nicht aber für 

die Zulässigkeit des Abbruches eine Rolle spielen (BEYELER, a.a.O., S. 790 f.).

f) Das Bundesgericht hat sich in BGE 134 II 192 E.2.3 dieser Lehrmeinung für das bun-

desrechtliche Vergabeverfahren angeschlossen. Danach kann die Vergabestelle ein bun-

desrechtliches Vergabeverfahren definitiv oder zwecks Neuauflage eines geänderten Pro-

jektes abbrechen und einen allfälligen bereits verfügten Zuschlag widerrufen, wenn sach-

liche Gründe dieses Vorgehen rechtfertigen und die Vergabebehörde dadurch nicht beab-

sichtigt, Anbieter gezielt zu diskriminieren. Ob diese Grundsätze auch für die kantonal-

rechtlichen Vergabeverfahren gelten, hat das Bundesgericht in diesem Entscheid aus-

drücklich offengelassen und, soweit ersichtlich, bis anhin nicht entschieden.

2.3. Zur Zulässigkeit des Verfahrensabbruchs hat sich das Bundesverwaltungs-

gericht im Urteil (BVGer) B-5608/2017 vom 5. April 2018 geäussert:   

(Vergaberechtliche Entscheide 2018/2019, Martin Beyeler, N 324 S. 217)

Generell darf eine Vergabestelle ein Vergabeverfahren abbrechen […], wenn sachliche 

Gründe dieses Vorgehen rechtfertigen und damit nicht die gezielte Diskriminierung von 

Bewerbern beabsichtigt ist. 

Die Aufhebung der ganzen Ausschreibung ohne Not kann im Ergebnis einem unzulässi-

gen Abbruch ohne wichtigen Grund gleichkommen [..]. Demzufolge darf die Vergabestelle 

das Verfahren nach einer Rückweisung der Sache an sie nach Aufhebung der Zuschlags-

verfügung nicht […] abbrechen, um den Beschwerdeführer auszubooten.

2.4. Das Appellationsgericht des Kantons BS hat sich im Urteil (VD.2017.215) 

vom 7. März 2018 zur 'Irrelevanz von Selbstverschulden' geäussert:

(Vergaberechtlich Entscheide 2018/2019, Martin Beyeler; N 326 S. 217/8)

Der Abbruch ist immer dann zulässig, wenn ein sachlicher Grund ihn rechtfertigt, kein 

Missbrauch vorliegt und er nicht einzelne Submittenten gezielt diskriminiert [..]. Dies folgt 

daraus, dass das Vergabeverfahren allein dem öffentlichen Interesse an der wirtschaftli-

chen Beschaffung benötigter Mittel zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben dient und den Sub-

mittenten kein eigenständiges subjektives Recht auf Verfahrensführung, sondern einzig 

auf Gleichbehandlung zukommt.

Solange im Abbruch nicht eine gezielte Diskriminierung liegt, haben die Anbieter allfällige 

Ungleichbehandlungen, die sich etwa aus der Neudefinition der Leistungsanforderungen 

im neuen Verfahren ergeben können, hinzunehmen, denn ihr Anspruch auf Gleichbehand-

- 11 -

lung vermag die Vergabestelle grundsätzlich nicht daran zu hindern, das Beschaffungs-

vorhaben nach [deren] tatsächlichen Bedürfnissen auszurichten.

Irrelevant ist für die Frage der Zulässigkeit eines Abbruchs, ob die Vergabebehörde ein 

Verschulden bezüglich des Abbruchsgrundes trifft [..]. Ob die den Abbruch rechtfertigen-

den sachlichen Gründe voraussehbar waren und ob die Vergabestelle hierfür eine Verant-

wortlichkeit trifft, kann einzig für die Schadenersatzpflicht, nicht aber für die Zulässigkeit 

des Abbruchs eine Rolle spielen.  

2.5. Das Bundesverwaltungsgericht hat bereits im Urteil (BVGer) B-1772/2014 

vom 21. Oktober 2014 E.3.1-3-5, E. 3.8.6 zur Thematik Stellung bezogen:

(Vergaberechtliche Entscheide 2014/2015, Martin Beyeler, N 327 S. 141f)

Nach dem Bundesverwaltungsgericht muss ein Abbruch aus sachlichem Grund erfolgen, 

also der Sicherstellung einer bedarfsgerechten Beschaffung, dem Schutz des Vergabe-

wettbewerbs oder der Korrektur von Fehlern dienen. Zudem darf er nicht diskriminierend 

bzw. missbräuchlich sein, namentlich darf damit nicht die Verhinderung der Zuschlagser-

teilung an eine bestimmte Unternehmung angestrebt werden. Zur Missbrauchsprävention 

sind an die Substantiierung der Abbruchbegründung erhöhte Anforderungen zu stellen. 

Zwingende Gründe sind dagegen für einen Abbruch nicht vorausgesetzt; bei Vorliegen 

von sachlichen Gründen geniesst die Vergabestelle Ermessen im Entscheid, ob sie ab-

brechen will. Neben den Situationen, in denen ein Abbruch im Ermessen der Vergabe-

stelle liegt, gibt es allerdings auch jene, in denen ein Abbruch rechtlich unumgänglich ist. 

Ein sachlicher Grund kann insbesondere in nicht untergeordneten Projektanpassungen 

liegen, die aufgrund des Zeitablaufs vorgenommen werden sollen. Im Übrigen ist es in 

allen Fällen eine von der Zulässigkeit des Abbruchs als solchen zu trennende Frage, ob 

der Abbruch für die Auftraggeberin allenfalls Haftungsfolgen nach sich zieht.       

3.1. Im konkreten Fall brachte die Beschwerdegegnerin zur Begründung des 

umstrittenen Abbruchs des Vergabeverfahrens vor, dass es aufgrund der 

Planungsfreiheit einzig ihre Sache sei, zu entscheiden, ob die geplante 

Überarbeitung des Projektes und der Rückzug des Baugesuches sinnvoll 

oder notwendig seien. Dies sei hier zu bejahen und die dazu angeführte 

Begründung erweise sich mitnichten als vorgeschoben. Aus dem Situati-

onsplan vom 11. Dezember 2019 seien folgende Masse ersichtlich:
- Trottior Nord (mit bestehender Baumallee) 4.50 m
- Radstreifen 1.20 m

- 12 -

- Fahrbahn 6.00 m (2 x 3.00 m)
- Radstreifen 1.20 m
- Trottoir Süd (ohne bestehende Baumallee) 4.10 m

Die Beschwerdegegnerin habe im Rahmen der Prüfung des Baugesuchs 

feststellen müssen, dass bei der Projektplanung verschiedenen Vorgaben 

nur ungenügend Beachtung geschenkt worden sei und sich daher eine 

Überarbeitung und Neuauflage des Baugesuches als notwendig erweise. 

Beim Trottoir ergebe sich aus den Beanstandungen und Auflagen der Fach-

stelle Hindernisfreies Bauen W.______ Graubünden vom 9. Januar 2020, 

dass dieses im Bereich der Querung (Fussgängerstreifen) auf einen drei 

Zentimeter hohen Absatz abgesenkt werden müsse. Zudem müsse die 

Fussgängerinsel mindestens 1.80 m breit sein (vorgesehen sei 1.50 m). Wie 

diese Vorgaben umgesetzt werden könnten, werde im Baugesuch nicht auf-

gezeigt. Ebenso wenig sei beim Trottoir Süd ersichtlich, unter welchen Rah-

menbedingungen allenfalls auch auf der gegenüberliegenden Seite eine 

Baumallee verwirklicht werden könnte. Schliesslich sei festzuhalten, dass 

die Radsteifen in der Regel eine Breite zwischen 1.50 – 1.75 m aufzuweisen 

haben (siehe Fachstelle Langsamverkehr Graubünden, Sachplan Velo: An-

hang A Projektierungsrichtlinie Velo – Alltagsverkehr, Ziff. 2.2). Vorliegend 

sei für den Radstreifen nur eine Breite von je 1.20 m vorgesehen, obwohl 

es sich bei der B.-_____strasse um eine vielbefahrene Verkehrsachse 

handle. Auch insofern sei das Projekt noch einmal vertieft zu prüfen. All 

diese Massnahmen hätten zudem Auswirkungen auf die Werkleitungen und 

nicht zuletzt auf das Bauprogramm. Ob und wie sorgfältig sich das Projekt-

team mit den angesprochenen Punkten befasst habe und ob Änderungen 

noch umsetzbar seien oder nicht, sie irrelevant und ohnehin nicht Thema 

des vorliegenden Verfahrens. Tatsache sei einzig und alleine, dass die Be-

schwerdegegnerin hierzu weitere Abklärungen vornehmen lassen wolle ge-

stützt auf Erkenntnisse, die trotz sorgfältiger Vorbereitung erst im Baubewil-

ligungsverfahren und damit nach der Ausschreibung des Auftrages bekannt 

geworden seien. Die Vergabestelle könne nicht dazu gezwungen werden, 

eine Leistung zu bezahlen, für die sich (noch) keine Verwendung finde. Öf-

- 13 -

fentliche Beschaffungen bezweckten nicht die Begünstigung, Unterstützung 

oder Förderung einzelner Unternehmen, sondern allein die Deckung eines 

ökonomischen Bedürfnisses des Gemeinwesens. 

3.2. Die Beschwerdeführerin entgegnete dem, dass bei einem provisorischen 

Abbruch – wie vorliegend – immer zu prüfen sei, ob das Gemeinwesen für 

den Abbruch wichtige Gründe beweisen könne. Ein erneutes Ausschreiben 

einer Arbeitsleistung ohne das Vorliegen wichtiger Gründe stelle nämlich 

eine verpönte zweite Angebotsrund dar. Diesfalls müsse die Rechtsmitte-

linstanz die verpönte zweite Angebotsrunde unterbinden und dem Anbieter 

den Zuschlag erteilen resp. die Vergabebehörde anweisen, das Submissi-

onsverfahren weiterzuführen. Nicht durch wichtige Gründe gerechtfertigte 

Abbrüche oder solche von manipulatorischer Natur seien keinesfalls zu ak-

zeptieren. Um den gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen, müsse der 

Trottoir-Randabschluss im Bereich der Querung auf 3 cm Absatz abgesenkt 

werden und zudem müssten die Querungen des Fussgängerstreifens recht-

winklig zum Fahrbahnrand erfolgen. Die diesbezüglich monierten Detailas-

pekte seien aber aus den Plänen der Beschwerdegegnerin gar nicht ersicht-

lich gewesen. Sie könnten im Rahmen der Umsetzung des Bauprojekts 

ohne Weiteres umgesetzt werden und rechtfertigten auf jeden Fall keine 

Neubeurteilung des Projekts. Was die von der Fachstelle Hindernisfreies 

Bauten angeregte Breite der Fussgängerinsel von 1.80 m betreffe, sei hier 

situationsbedingt eine breitere Insel als 1.50 m nicht möglich. Dies habe 

auch die Beschwerdegegnerin so gesehen, sei der Abbruch des Verfahrens 

doch nicht deshalb, sondern nur aufgrund der offenen Fragen zur Trottoir-

breite, im Zusammenhang mit der fehlenden Baumallee und zur Breite des 

Radstreifens erfolgt. Bezüglich dieser Aspekte sei bereits in der Be-

schwerde aufgezeigt worden, dass solche Anpassungen am Projekt situati-

onsbedingt gar nicht möglich seien. Die wahren Motive der Beschwerde-

gegnerin für den Abbruch seien nämlich der Boykott der Beschwerdeführe-

rin gewesen. Ein Boykott zeichne sich durch die Verweigerung der Auftrags-

- 14 -

erteilung nicht nur in einem Einzelfall, sondern in einer Vielzahl von Fällen 

aus. Seit Sommer 2019 sei in sämtlichen Bündner Vergabeverfahren, in de-

nen die Beschwerdeführerin das wirtschaftlich günstigste Angebot abgege-

ben habe, entweder ein Abbruch erfolgt oder das Verfahren rechtswidrig – 

ohne einen Abbruch zu verfügen – nicht weitergeführt worden. Mittlerweile 

sei zumindest der Kanton dazu übergegangen, den Ausschluss der Be-

schwerdeführerin (trotz noch nicht rechtskräftig abgeschlossener WEKO-

Verfahren gegen sie) offen zu verfügen. Damit werde die Beschwerdefüh-

rerin ohne sachliche Gründe gegenüber anderen Anbietern diskriminiert, 

wenn Letztere bei Wiederholung des Submissionsverfahrens den Zuschlag 

erhielten. Aus all den genannten Gründen sei die Beschwerde gutzuheissen 

und der Beschwerdeführerin der Zuschlag zu erteilen resp. die Beschwer-

degegnerin anzuweisen, dass Submissionsverfahren weiterzuführen.  

3.3. Nach Auffassung des streitberufenen Verwaltungsgerichts macht die Be-

schwerdegegnerin vorliegend konkrete, sachliche Gründe geltend, welche 

eine Überarbeitung des Projekts und damit einen Abbruch des Vergabever-

fahrens rechtfertigen. Die behördlich angeführten Abbruchgründe (Mittelin-

sel bei Fussgängerstreifen zu schmal; Überprüfung der Trottoirbreite; feh-

lende Baumallee; ungenügende Radstreifenbreite) sind in ihrer Gesamtheit 

offensichtlich keine Projektanpassungen von untergeordneter Bedeutung 

und deshalb 'sachlich wichtige Gründe' für eine Überarbeitung des gesam-

ten Projekts im betreffenden Streckenabschnitt im Dorfzentrum, was den 

Abbruch des Vergabeverfahrens nach sich ziehen musste. Daran ändert 

auch die Kritik der Beschwerdeführerin nichts, wonach sie systematisch so-

wohl durch den Kanton als auch die Beschwerdegegnerin diskriminiert 

werde und die nun vorgeschobenen Abbruchgründe vorhersehbar und da-

mit vermeidbar gewesen wären. Wie aus den Akten klarerweise hervorgeht, 

ist beim Strassenprojekt 'Abschnitt C._____ – D._____' eine zeitliche Über-

schneidung zwischen der Projektplanung durch die Beschwerdegegnerin 

und den erst späteren Einwänden der Behindertenorganisation (Fachstelle 

- 15 -

für Hindernisfreies Bauen/W.______) mit der Notwendigkeit für Plananpas-

sungen (Absenken der Randsteine auf 3 cm und breitere Mittelinsel für Roll-

stuhlfahrer; rechtwinklige Zufahrtsmöglichkeit auf Fussgängerstreifen) 

nachvollziehbar und daher sachlich begründbar. Eine Diskriminierung der 

Beschwerdeführerin durch die Beschwerdegegnerin ist nicht erwiesen und 

wäre auch nicht einleuchtend. Die Berücksichtigung in einer anderen Aus-

schreibung ("E._____ - Abzweiger F._____") der Beschwerdeführerin durch 

die Beschwerdegegnerin zeigt und beweist gerade das Gegenteil. Die dazu 

vorgebrachten Einwände und Erklärungsversuche seitens der Beschwerde-

führerin hält das Gericht für eher gewagt und abenteuerlich; jedenfalls ent-

behren sie in beweisrechtlicher Hinsicht jeglicher Grundlage. Für das Ge-

richt ergibt sich daher, dass es der Beschwerdegegnerin gelungen ist, sach-

lich triftige Gründe darzutun, welche den verfügten und angefochtenen Ab-

bruch des Vergabeverfahrens rechtfertigen und haltbar erscheinen lassen, 

zumal mit öffentlichen Mitteln der Steuerzahlenden immer sorgfältig, zu-

kunftsorientiert und sparsam bzw. effizient umzugehen ist. Die Beschwerde 

vom 23. März 2020 ist daher – weil unbegründet – abzuweisen.

4.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf 

Art. 73 Abs. 1 VRG der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Inhaltlich ist es 

um Baumeister- und Belagsarbeiten in der Höhe von Fr. 973'091.85 gegan-

gen, für die sich die Beschwerdeführerin den Zuschlag erstreiten wollte. An-

gesichts des Auftragswerts von weniger als Fr. 1 Mio. und der eher geringen 

Komplexität der Streitsache erscheint dem Gericht ermessensweise eine 

Staatsgebühr von Fr. 4'000.-- als angemessen; dem ist hier umso mehr zu-

zustimmen, als es konkret nicht um den Erhalt des Zuschlags gegen einen 

anderen Anbieter ging, sondern um die Zulässigkeit des Abbruchs des Ver-

fahrens, womit sich eine etwas tiefere Staatsgebühr als sonst üblich (siehe 

U 10 40 [Streitwert 1.06 Mio.] und U 10 69 [Fr. 0.95 Mio.]; Staatsgebühr 

jeweils Fr. 6'000.--) durchaus rechtfertigen lässt.

- 16 -

4.2. Der Beschwerdegegnerin steht nach Art. 78 Abs. 2 VRG aussergerichtlich 

keine (Partei-) Entschädigung zu, da sie lediglich in ihrem amtlichen Wir-

kungskreis obsiegte. 

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Gerichtskosten, bestehend

- aus einer Staatsgebühr von Fr. 4'000.--

- und den Kanzleiauslagen von Fr. 338.--

zusammen Fr. 4'338.--

gehen zulasten der A._____ AG und sind innert 30 Tagen seit Zustellung 

dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, 

Chur, zu bezahlen.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]