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**Case Identifier:** b76385de-dfdd-5a82-9ff4-854109b30960
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-26
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht 26.01.2022 810 21 162
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_003_810-21-162_2022-01-26.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und 

Verwaltungsrecht 

 

vom 26. Januar 2022 (810 21 162) 

____________________________________________________________________ 

 

 

Steuern und Kausalabgaben  

 

 

Nach- und Strafsteuerverfahren zur direkten Bundessteuer 2006-2012 / allgemeine Vo-

raussetzungen für die Eröffnung eines Nachsteuerverfahrens  

 
 
 

Besetzung Vizepräsident Daniel Ivanov, Kantonsrichter Stefan Schulthess, 
Markus Clausen, Hans Furer, Niklaus Ruckstuhl, Gerichtsschreiber 
Sandro Jaisli 
 
 

Beteiligte A.____ AG, Beschwerdeführerin, vertreten durch Gfeller + Partner 
AG, 

  
 
gegen 
 
 

 Steuer- und Enteignungsgericht des Kantons Basel-Landschaft 
(Abteilung Steuergericht), Kreuzbodenweg 1, 4410 Liestal, Be-
schwerdegegner 
 
Steuerverwaltung des Kantons Basel-Landschaft, Rheinstrasse 33, 
Postfach, 4410 Liestal, Beschwerdegegnerin 
 

 Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Eigerstrasse 65, Post-
fach, 3003 Bern, Beigeladene 
 

  
 

Betreff Nach- und Strafsteuer Direkte Bundessteuer 2006-2012  
(Urteil des Steuer- und Enteignungsgerichts des Kantons Basel-Land-
schaft, Abteilung Steuergericht, vom 29. Januar 2021) 

  

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A. B.____ war in den vorliegend interessierenden Steuerperioden 2006 bis 2012 Alleinaktio-

närin der A.____ AG, hat ihren Wohnsitz in C.____ und ist mit D.____ verheiratet, der seinen 

Wohnsitz in E.____ (Kanton F.____) hat. Im Februar 2014 nahm die Steuerverwaltung des Kan-

tons Basel-Landschaft (Steuerverwaltung) bei der A.____ AG eine Steuerrevision für das Steu-

erjahr 2012 vor. Gestützt auf den Revisionsbericht vom 27. Februar 2014 (nachfolgend Revisi-

onsbericht 2014) wurde die A.____ AG mit Verfügung vom 22. Mai 2014 für das Steuerjahr 2012 

sowohl für die Staats- und Gemeindesteuern als auch für die direkte Bundessteuer definitiv ver-

anlagt. Diese Veranlagung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Am 18. Mai 2015 wurde von 

der Steuerverwaltung eine neue Steuerprüfung angekündigt, welche am 28. Mai 2015 durchge-

führt wurde. Nach Vorliegen des diesbezüglichen Revisionsberichts vom 27. November 2015 

(nachfolgend Revisionsbericht 2015) leitete die Steuerverwaltung mit Schreiben vom 12. Dezem-

ber 2016 ein Nach- und Strafsteuerverfahren ein und stellte sowohl der A.____ AG als auch 

B.____ deren jeweilige Nachsteuerberechnungen mit Schreiben vom 14. März 2017 zur Stellung-

nahme zu. Beide liessen sich mit Schreiben vom 28. April 2017 vernehmen. 

 

B. Mit Verfügung vom 30. November 2017 betreffend Nachsteuern und Bussen zur direkten 

Bundessteuer 2006 bis 2012 wurde der A.____ AG eine Ertragsnachsteuer zur direkten Bundes-

steuer für die Steuerjahre 2006 bis 2012 inklusive Verzugszinsen und eine Steuerbusse für die 

Steuerjahre 2007 bis 2012 von 40% der Nachsteuer in Höhe von total Fr. 8'629.50 auferlegt.  

 

C. Mit Einspracheentscheid vom 18. Juni 2020 wies die Steuerverwaltung die dagegen er-

hobene Einsprache vom 27. Dezember 2017 ab.  

 

D. Die gegen diesen Einsprache-Entscheid erhobene Beschwerde vom 16. Juli 2020 hiess 

das Steuer- und Enteignungsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Steuergericht (Steuergericht), 

mit Entscheid vom 29. Januar 2021 soweit es darauf eintrat, teilweise gut und wies die Steuer-

verwaltung an, die für die Jahre 2006 und 2007 verbuchten Privatanteile ʺFahrzeug B.____ʺ in 

Höhe von Fr. 8'064.-- p.a. von der Nachbesteuerung auszunehmen. Darüber hinaus wurde der 

Rekurs abgewiesen.  

 

E. Gegen diesen Entscheid erhob die A.____ AG, vertreten durch die Gfeller + Partner AG, 

Treuhandbüro in Bern, mit Eingabe vom 30. Juni 2021 beim Kantonsgericht, Abteilung Verfas-

sungs- und Verwaltungsrecht (Kantonsgericht), Beschwerde mit den unter Kosten- und Entschä-

digungsfolge gestellten Anträgen: (1) Die Urteile des Steuergerichts vom 29. Januar 2021 betref-

fend das Nach- und Strafsteuerverfahren gegen alle vorstehend genannten Parteien für die Steu-

erperioden 2006 bis und mit 2012 seien sowohl bezüglich der Kantons- und Gemeindesteuern 

als auch der direkten Bundessteuer aufzuheben und es sei festzustellen, dass ein derartiges 

Nach- und Strafsteuerverfahren vorliegend nicht zulässig sei. (2) Eventualiter: Sämtliche verfüg-

ten Nachsteuern, Bussen und Verzugszinsen seien gemäss nachstehender Begründung zu re-

duzieren.  

 

F. Mit Eingabe vom 19. Juli 2021 liess sich die Steuerverwaltung vernehmen und beantragte 

die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Sie führte im Wesentlichen aus, dass es sich im 

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vorliegenden Fall nicht um die klassische Abgrenzungsfrage Veranlagungsverfahren / Nachsteu-

erverfahren handle, weshalb die Ausführungen und die angeführte Literatur und Judikatur grund-

sätzlich an der Sache vorbeizielen würden. Entscheidend sei im vorliegenden Fall, dass es sich 

um zwei unabhängige Revisionsanträge mit unterschiedlichen Prüfpunkten handle. Erst die kon-

krete und detaillierte Anzeige einer Drittperson ausserhalb der Steuerverwaltung habe die Rich-

tung vorgegeben und damit eine zweite Überprüfung notwendig gemacht.  

 

G. Mit Eingabe vom 20. August 2021 liess sich das Steuergericht vernehmen und beantragte 

unter Verweisung auf ihre Entscheide vom 29. Januar 2021 die kostenfällige Abweisung der Be-

schwerde.  

 

H. Mit Verfügung vom 20. September 2021 wurde der Fall der Kammer zur Beurteilung über-

wiesen und verfügt, dass die Beschwerdeverfahren Nrn. 810 21 159 bis 810 21 162 zusammen 

behandelt werden. 

 

I. Mit Schreiben vom 15. Oktober 2021 reichte die Vertreterin der Beschwerdeführerin ihre 

Honorarnote ein. 

 

 

Das Kantonsgericht zieht  i n E r w ä g u n g : 

 

1.1 Gemäss Art. 145 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (DBG) vom 14. De-

zember 1990 i.V.m. § 3 der kantonalen Vollzugsverordnung zum DBG (VV DBG) vom 13. De-

zember 1994 können Entscheide des Steuergerichts betreffend die direkte Bundessteuer mit Ver-

waltungsgerichtsbeschwerde beim Kantonsgericht angefochten werden. Die formellen Voraus-

setzungen nach Art. 140 ff. DBG, Art. 145 Abs. 2 DBG sowie §§ 43 ff. des Gesetzes über die 

Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 sind erfüllt, so-

dass auf die Beschwerde einzutreten ist. 

 

1.2 Mit der Beschwerde in Steuersachen können alle Mängel des angefochtenen Entscheids 

und des vorangegangenen Verfahrens gerügt werden (§ 45 Abs. 2 VPO; Art. 145 Abs. 2 DBG 

i.V.m. Art. 140 Abs. 3 DBG). Dem Kantonsgericht kommt im vorliegenden Fall somit volle Kogni-

tion zu. Zulässig sind auch neue Anträge, Behauptungen und Beweismittel (§ 6 Abs. 3 VPO; vgl. 

Urteil des Kantonsgerichts, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht [KGE VV], vom 10. Au-

gust 2016 [810 16 9] E. 7.2). 

 

2. Strittig ist, ob die Steuerverwaltung der Beschwerdeführerin zu Recht Nachsteuern und 

Bussen zu den direkten Bundessteuern 2007 bis 2012 auferlegte.  

 

3.1 Ergibt sich aufgrund von Tatsachen oder Beweismitteln, die der Steuerbehörde nicht be-

kannt waren, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterblieben oder eine rechtskräftige Veranla-

gung unvollständig ist, oder ist eine unterbliebene oder unvollständige Veranlagung auf ein Ver-

brechen oder Vergehen gegen die Steuerbehörde zurückzuführen, wird die nicht erhobene 

Steuer samt Zins seit Fälligkeit als Nachsteuer eingefordert. Wegen ungenügender Bewertung 

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allein kann keine Nachsteuer erhoben werden (Art. 151 Abs. 1 DBG; übereinstimmend mit Art. 53 

des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden 

[StHG] vom 14. Dezember 1990 und Art. 151 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über die direkte 

Bundessteuer [DBG] vom 14. Dezember 1990). 

 

3.2 Im Veranlagungsverfahren muss die steuerpflichtige Person alles tun, um eine vollstän-

dige und richtige Veranlagung zu ermöglichen (Art. 126 Abs. 1 DBG). Insbesondere muss sie das 

Formular für die Steuererklärung wahrheitsgemäss und vollständig ausfüllen (Art. 124 Abs. 2 

DBG). Steuerpflichtige tragen dabei die Verantwortung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der 

Steuererklärung (Urteil des Bundesgerichts 2C_304/2013, 2C_305/2013 vom 22. Oktober 2013 

E. 3.3).  

 

3.3 Für die Festsetzung der Nachsteuer kommen die Grundsätze, die für das Veranlagungs-

verfahren gelten, zur Anwendung (vgl. MARTIN E. LOOSER, in: Martin Zweifel/Michael Beusch 

[Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundes-

steuer, 3. Aufl., Basel 2017, Rz. 4 zu Art. 153 DBG). Somit gelten auch im Nachsteuerverfahren 

die allgemeinen Grundsätze zur Beweislast und Mitwirkungspflicht im System der gemischten 

Veranlagung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_84/2017, 2C_130/2017 vom 14. Juli 2017 E. 

2.2). Nach der im Steuerrecht herrschenden Normentheorie trägt die Steuerbehörde die Beweis-

last für die steuerbegründenden und -erhöhenden Tatsachen. Dagegen ist der Steuerpflichtige 

für die steueraufhebenden und -mindernden Tatsachen beweisbelastet (vgl. BGE 140 II 248 E. 

3.5; BGE 138 II 57 E. 7.1; BGE 133 II 153 E. 4.3; Urteil des Bundesgerichts 2C_95/2013, 

2C_96/2013 vom 21. August 2013 E. 2.2; jeweils mit Hinweisen). Die Steuerbehörde hat nach-

zuweisen, was die Eröffnung des Nachsteuerverfahrens und den Erlass einer zulasten des Steu-

erpflichtigen veränderten Veranlagung rechtfertigt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_494/2011, 

2C_495/2011 vom 6. Juli 2012 E. 2.3.1, in: StE 2012 B 72.25 Nr. 2).  

 

4.1 Die Beschwerdeführerin rügte mit ihrem Hauptbegehren in grundsätzlicher Hinsicht die 

Rechtmässigkeit des vorliegenden Nachsteuerverfahrens. Da der Steuerverwaltung aufgrund 

des Revisionsberichts 2014 bereits alle Tatsachen bekannt gewesen seien (oder hätten bekannt 

sein müssen), sei für die vorliegend relevanten Jahre kein erneutes Nachsteuerverfahren mehr 

möglich beziehungsweise zulässig gewesen. Denn anlässlich des Revisionsberichts 2014 seien 

sowohl die Buchführung der Beschwerdeführerin wie auch die Schnittstellen zwischen dem Un-

ternehmen und dem Aktionariat bzw. den nahestehenden Personen eingehend geprüft worden. 

Somit sei man weit vom Massenverfahren der Veranlagung (in dem von der Steuerbehörde nicht 

verlangt werden könne, dass sie jegliche Fehler und Versehen erkenne) entfernt, sondern befinde 

sich in einem qualifizierenden mehrtägigen Prüfungsprozess seitens der Steuerverwaltung, bei 

welchem nicht derselbe pauschale Prüfungsmassstab angewendet werden könne. Die Steuer-

verwaltung habe für das ganze Jahr 2012 Aufrechnungen als Privataufwand bei den Fahrzeug-

kosten vorgenommen. Es sei ihr damit bekannt gewesen, beziehungsweise hätte ihr bekannt sein 

müssen, dass sich die fraglichen Fahrzeuge bereits vor dem 1. Januar 2012 im Eigentum des 

Unternehmens befanden. Die Steuerverwaltung habe vielmehr bewusst und in Kenntnis aller Tat-

sachen auf eine weitere Abklärung für die Vorjahre verzichtet und dies der Beschwerdeführerin 

und D.____ während der Steuerprüfung auch mitgeteilt. Dem Revisionsbericht 2014 sei weiter zu 

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entnehmen (Seite 5 Ziff. 3.1), dass die Umsatz- und Geschäftsentwicklung seit dem Jahr 2010 in 

die Beurteilung miteinbezogen worden seien. Damit seien sämtliche Fakten des Fahrzeugauf-

wandes bereits aus dem Revisionsbericht 2014 hinlänglich bekannt gewesen und geprüft worden, 

weshalb das vorliegende Nachsteuerverfahren nicht zulässig sei. Gleiches gelte auch für den 

Mietaufwand, auch wenn für diesen Bereich im Revisionsbericht 2014 keine Aufrechnungen vor-

genommen worden seien.  

 

4.2 Schliesslich sei der Steuerverwaltung im Rahmen des Revisionsberichtes 2014 Zugang 

zu sämtlichen elektronischen Daten der Gesellschaft gewährt worden, was auch zu zahlreichen 

Fragen seitens der Steuerverwaltung zum Inhalt und zur Höhe der Mietverhältnisse geführt habe. 

Unter Berufung auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung hielt die Beschwerdeführerin 

schliesslich fest, dass ein Nachsteuerverfahren nur dann statthaft sei, wenn der zuständigen Be-

hörde die neue Tatsache oder das Beweismittel auch bei pflichtgemässer Sorgfalt nicht habe 

bekannt sein können. Ein als erheblich erkennbarer Sachverhalt, der unklar und unvollständig 

sei, müsse im Veranlagungsverfahren abgeklärt werden. Dies könne im Unterlassungsfall nicht 

im Nachsteuerverfahren nachgeholt werden. Vorliegend habe die Steuerverwaltung im Anschluss 

an den Revisionsbericht 2014 mit der definitiven Veranlagungsverfügung vom 22. Mai 2014 zu-

mindest konkludent zum Ausdruck gebracht, dass das Verfahren abgeschlossen sei und die 

Steuerpflichtigen in guten Treuen nicht mehr mit der Eröffnung eines erneuten, die gleichen Sach-

verhalte betreffenden Verfahrens hätten rechnen müssen. Die Nach- und Strafsteuer basiere 

deshalb nicht auf neuen Tatsachen. Vielmehr seien der Steuerverwaltung sämtliche Informatio-

nen vorgelegen und der Bezug zu den gleichen Tatbeständen in den Vorjahren sei klar ersichtlich 

gewesen, weshalb diese es fahrlässig und sorgfaltspflichtverletzend unterlassen habe, umge-

hend entsprechende Nachsteuerverfahren auch für die vergangenen Jahre einzuleiten, womit 

solche später nicht mehr möglich seien und damit ein separates Nachsteuerverfahren ausge-

schlossen sei.  

 

4.3 Die Vorinstanz bejahte dagegen die Zulässigkeit des Nachsteuerverfahrens. Auf eine 

rechtskräftige Veranlagung dürfe im Nachsteuerverfahren zurückgekommen werden, wenn sich 

aufgrund neuer Tatsachen oder Beweismittel ergebe, dass die Veranlagung unrichtig (entweder 

überhaupt nicht oder ungenügend) ausgefallen sei. Die Unkenntnis der Steuerbehörde über das 

Vorhandensein solcher Tatsachen oder Beweismittel müsse daher kausal für die unrichtige Ver-

anlagung gewesen sein. Massgebend für die Neuheit von Tatsachen sei i.d.R. der Aktenstand im 

Zeitpunkt der Veranlagung beziehungsweise bei Eröffnung derjenigen Entscheidung, die in der 

Folge rechtskräftig geworden sei. Was damals nicht aus den Akten ersichtlich gewesen sei, gelte 

als neu. Im Rahmen der Revision 2014 habe die Steuerverwaltung am 13. Februar 2014 am Sitz 

der Beschwerdeführerin deren Fahrzeug- und Werbeaufwand geprüft. Es fänden sich in den Ak-

ten keine Hinweise darauf, dass auch der Mietaufwand pro 2012 geprüft worden sei, welcher 

auch nicht Gegenstand des Prüfauftrages gewesen sei. Die ermittelten Aufrechnungen seien ak-

zeptiert worden und die definitive Veranlagungsverfügung vom 22. Mai 2014 sei anschliessend 

in Rechtskraft erwachsen. Diese Revision und der entsprechende Revisionsbericht 2014 seien 

ausschliesslich mit dem Fokus auf das Jahr 2012 und die vorerwähnten Positionen durchgeführt 

beziehungsweise verfasst worden. Auch wenn der Revisor Einblick in die Vorjahre gehabt haben 

sollte, könne den Akten keine Zusicherung der Steuerverwaltung entnommen werden, dass sie 

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die früheren Jahre nicht auch noch prüfen werde. Der neuerlichen Revision im Rahmen des Re-

visionsberichts 2015 könne entnommen werden, dass diese aufgrund von Hinweisen eines Drit-

ten vorgenommen worden sei. Es sei somit festzustellen, dass mit dem Revisionsbericht 2015 

Sachverhalte (wie Mietaufwand und Fahrzeugaufwand), die nicht Gegenstand der ersten Revi-

sion gewesen seien, geprüft worden seien.  

 

4.4 Deshalb seien die Erkenntnisse aus beiden Revisionsberichten 2014 und 2015 als neue, 

der Steuerverwaltung noch nicht bekannte Tatsachen zu werten, die kausal für die unrichtige 

Veranlagung der Steuerjahre 2006 bis 2012 seien. Die Beschwerdeführerin verkenne zudem, 

dass keine gesetzlichen Vorgaben bestehen, innert welcher Frist das Nachsteuerverfahren ein-

zuleiten sei. Da die gesetzlichen Verjährungsfristen eingehalten worden seien, sei das Nachsteu-

erverfahren auch rechtzeitig eingeleitet worden. Die Tatsache, dass nicht unmittelbar nach der 

Revision pro 2012 ein Nachsteuerverfahren für die Vorjahre eingeleitet worden sei, möge zwar 

erstaunen, doch könne dieses Hinauszögern nicht zum Nachteil der Steuerpflichtigen gereichen, 

sondern eher zu deren Vorteil, da sich dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöhe, dass frühere Steu-

erperioden verjähren würden.  

 

5.1 Die Beschwerdeführerin bestritt nicht, dass die aufgerechneten Positionen frühestens bei 

der ersten eingehenden Steuerprüfung im Jahr 2014 erstmals entdeckt werden konnten bezie-

hungsweise mussten. Sie machte auch keine Grobfahrlässigkeit der Steuerverwaltung im Rah-

men der ordentlichen Veranlagungsverfahren für die Steuerjahre 2006 bis 2011 geltend. Vielmehr 

rügte sie ausschliesslich, dass die Nachsteuerverfahren bereits nach der ersten Buchprüfung im 

Februar 2014 hätten eingeleitet werden müssen. Massgebend für die Frage, ob eine Tatsache 

oder ein Beweismittel ʺneuʺ ist und damit Anlass zu einem Nachsteuerverfahren geben kann, ist 

nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung der Aktenstand im Zeitpunkt der ordentli-

chen Veranlagung. Das Nachsteuerverfahren setzt daher voraus, dass sogenannte unechte No-

ven vorliegen, die zwar im Zeitpunkt der Veranlagung existierten, aber der veranlagenden Be-

hörde nicht bekannt waren und erst nach Eintritt der Rechtskraft der Veranlagung entdeckt wor-

den sind (PETER LOCHER, in: Locher [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über die direkte Bun-

dessteuer, III. Teil, Art. 102-222 DBG, Basel 2015, N 20 zu Art. 151). Die unterbliebene respektive 

unvollständige Veranlagung muss folglich auf den unvollständigen Aktenstand im Zeitpunkt der 

ordentlichen Veranlagung zurückzuführen sein (Urteil des Bundesgerichts 2C_868/2020 vom 25. 

August 2021 E. 2.1.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_263/2018 vom 11. Februar 2019 E. 3.3; 

Urteil des Bundesgerichts 2C_230/2015, 2C_231/2015 vom 3. Februar 2016 E. 2.1).  

 

5.2 Es ist zunächst darauf hinzuweisen, dass es sich vorliegend grundsätzlich nicht um die 

klassische Abgrenzungsfrage ʺVeranlagungsverfahren/Nachsteuerverfahrenʺ handelt. Der Sa-

che nach sind vielmehr zwei unabhängige Revisionsanträge mit unterschiedlichen Prüfpunkten, 

die zudem unterschiedliche Steuerperioden betreffen, zu beurteilen. Der erste Revisionsantrag 

datierte vom 10. Oktober 2013 und beschränkte sich auf das zum damaligen Zeitpunkt noch lau-

fende Veranlagungsverfahren für das Steuerjahr 2012, welches erst mit definitiver Veranlagungs-

verfügung vom 22. Mai 2014 abgeschlossen wurde. Der zweite Revisionsantrag datierte dagegen 

vom 21. August 2014 und hatte inhaltlich überwiegend die Steuerperioden 2006 bis 2011 zum 

Gegenstand. 

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6.1 Die Steuerperioden 2006 bis 2011 waren im Zeitpunkt der ersten Buchprüfung bei der 

Beschwerdeführerin im Februar 2014 – welche im Rahmen der ordentlichen Veranlagung 2012 

erfolgte – bereits definitiv veranlagt. Es ist deshalb unter Verweisung auf die Erwägung 5.1 hiervor 

festzuhalten, dass sämtliche Tatsachen und Beweismittel, die der Steuerverwaltung erst anläss-

lich der Buchprüfung im Jahr 2014 bekannt wurden (und sich zu den Zeitpunkten der Veranla-

gungen 2006 bis 2011 nicht in den Akten befunden haben), neu sind und damit die Steuerver-

waltung grundsätzlich zur Einleitung eines Nachsteuerverfahrens berechtigen. Der Umstand, 

dass das Nachsteuerverfahren formell erst am 12. Dezember 2016 (vgl. Sachverhalt lit. A. hier-

vor) eröffnet wurde, ändert nichts an dessen grundsätzlicher Zulässigkeit, denn die spätere Ein-

leitung des Nachsteuerverfahrens hat keinen Einfluss auf die erforderliche ʺNeuheitʺ der Tatsa-

chen und Beweismittel, die der Steuerverwaltung erst anlässlich der Buchprüfung im Jahr 2014 

bekannt wurden. Selbst wenn der Revisor bereits bei der ersten Buchprüfung Rückschlüsse auf 

die vergangenen Steuerjahre 2006 bis 2011 hätte ziehen können, würde dies der späteren Ein-

leitung des Nachsteuerverfahrens (vor Ablauf der Verjährungsfrist) nicht entgegenstehen, weil 

sämtliche erst aus den Revisionen 2014 und 2015 gewonnenen Erkenntnisse für die Steuerperi-

oden 2006 bis 2011 als ʺneuʺ im hiervor beschriebenen Sinne zu gelten haben.  

 

6.2 Würde man dagegen der Argumentation der Beschwerdeführerin folgen, müssten bei je-

der steuerlichen Buchprüfung im Rahmen einer laufenden Steuerperiode sämtliche Eventualitä-

ten der nicht prüfungsgegenständlichen Vorjahre mitberücksichtigt werden. Für alle steuerrele-

vanten Umstände, die dabei nicht berücksichtigt würden, entfiele die erforderliche Neuigkeit und 

es wären für diese keine Nachsteuerverfahren für die vergangenen Jahre mehr möglich. Diese 

Konsequenz kann nicht dem Willen des Gesetzgebers entsprechen, was sich bereits aus den 

klaren Wortlauten der Bestimmungen Art. 152 DBG und sinngemäss Art. 53 Abs. 1 StHG ergibt, 

welche in zeitlicher Hinsicht für die Zulässigkeit der Einleitung eines Nachsteuerverfahrens einzig 

eine zehnjährige Frist für massgeblich erklären.  

 

6.3 Dagegen dürfen auf erkennbar unsicherer Grundlage verfügte Veranlagungen nicht über 

ein Nachsteuerverfahren verbessert werden, wenn sich diese Grundlage im Nachhinein als un-

zutreffend erweist und die veranlagende Behörde einen erkennbar unvollständigen oder fragwür-

digen Sachverhalt unerklärt liess (LOCHER, a.a.O., N 20 ff. zu Art. 151). Mit anderen Worten aus-

gedrückt, besteht eine Pflicht zur Vornahme ergänzender Abklärungen für die Veranlagungsbe-

hörde nur dann, wenn die Steuererklärung Fehler enthält, die klar ersichtlich bzw. offensichtlich 

sind. Nur solche augenfälligen Mängel begründen eine Verletzung der behördlichen Untersu-

chungspflicht und bewirken, dass keine "neuen Tatsachen" im Sinne von Art. 151 DBG vorliegen, 

die ein Nachsteuerverfahren rechtfertigen würden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_1225/2012, 

2C_1226/2012 vom 7. Juni 2013 E. 3.1; KGE VV vom 11. Dezember 2019 [810 19 42] E. 3.1.2). 

Es handelt sich um Fehler, deren Nichtbeachtung eine grobe Missachtung der Untersuchungs-

pflicht durch die Steuerbehörde darstellt, was den Kausalzusammenhang zwischen der fehler-

haften Deklaration und der ungenügenden Veranlagung unterbricht. Das ist der Fall, wenn die 

Steuerbehörden in voller Kenntnis von Ungereimtheiten davon abgesehen haben, zusätzliche 

Abklärungen zu treffen; dann können sie keine Nachsteuer mehr erheben, wenn sie nachträglich 

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bessere Kenntnis von diesem Umstand erhalten (Urteil des Bundesgerichts 2C_868/2020 vom 

25. August 2021 E. 2.2.2).  

 

6.4 Solche augenfälligen Mängel im Rahmen der ordentlichen Veranlagungen für die Steuer-

jahre 2006 bis 2011 werden weder geltend gemacht noch sind diese ersichtlich. Es ist deshalb 

festzuhalten, dass die aufgerechneten Positionen unbestrittenermassen erst und damit frühes-

tens bei den eingehenden Prüfungen der Bücher der Beschwerdeführerin in den Jahren 2014 

und 2015 entdeckt werden konnten. Dies bedeutet, dass die Argumentation der Beschwerdefüh-

rerin hinsichtlich der damals bereits rechtskräftig veranlagten Steuerperioden 2006 bis 2011 ins 

Leere geht und nicht gehört werden kann. Das Nachsteuerverfahren für die Steuerjahre 2007 bis 

2011 ist nach dem Gesagten grundsätzlich zulässig.  

 

7.1 Das Steuerjahr 2012 war dagegen Bestandteil der ersten Buchprüfung bei der Beschwer-

deführerin im Februar 2014, welche im Rahmen des ordentlichen Veranlagungsverfahrens vor-

genommen wurde, und deshalb im Zeitpunkt der Revision 2014 noch nicht definitiv veranlagt war 

(vgl. E. 5.2 hiervor). In Bezug auf das Steuerjahr 2012 beinhalten die vorliegenden Nachsteuer-

verfahren ausschliesslich eine Aufrechnung von einem geschäftsmässig nicht begründeten 

Mietaufwand in der Höhe von Fr. 2'400.--. Es stellt sich deshalb die Frage, ob diese Position 

ʺMietanteil Arbeitszimmer B.____ʺ bereits anlässlich der ersten Revision hätte erkannt und auf-

gerechnet werden müssen. Dies kann – wie bereits unter der Erwägung 6.3 hiervor ausgeführt – 

nur dann bejaht werden, wenn die Steuererklärung Fehler enthält, die klar ersichtlich bzw. offen-

sichtlich sind. Nur solche augenfälligen Mängel begründen eine Verletzung der behördlichen Un-

tersuchungspflicht und bewirken, dass keine "neuen Tatsachen" im Sinne von Art. 151 Abs. 1 

DBG vorliegen, die ein Nachsteuerverfahren rechtfertigen würden. Es braucht also (insbesondere 

auch mit Blick auf die beschränkten Ressourcen der Veranlagungsbehörden und die umfassende 

Mitwirkungspflicht der steuerpflichtigen Person) eine in die Augen springende Falschdeklaration 

seitens der pflichtigen Person, welche die Steuerbehörde bei gehöriger Sorgfalt schon im ordentli-

chen Veranlagungsverfahren zu zusätzlichen Abklärungen hätte veranlassen müssen (Urteil des 

Bundesgerichts 2C_868/2020 vom 25. August 2021 E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 

2C_442/2018 vom 3. Juni 2019 E. 2.2). 

 

7.2 Die gemäss Prüfungsauftrag vom 10. Oktober 2013 zu prüfenden Punkte umfassten den 

Fahrzeug- und Werbeaufwand der Beschwerdeführerin. Selbst wenn der Revisor im Rahmen der 

Revision 2014 Zugang zu sämtlichen Dokumenten (auch der vorherigen Jahre) der Beschwerde-

führerin erhalten haben sollte und auch weitere Posten (wie beispielsweise die allgemeinen Per-

sonalkosten) überprüfte, kann ihm keine grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen werden, wenn er den 

Umstand nicht berücksichtigte, dass für ein Arbeitszimmer von B.____ fälschlicherweise ein mo-

natlicher Anteil von Fr. 600.-- statt der zulässigen Fr. 400.-- bei der Beschwerdeführerin als Ge-

schäftsanteil verbucht wurde. Die Prüfung des Mietaufwandes war nicht Gegenstand des Prüf-

auftrages und es handelt sich dabei um eine vergleichsweise geringe und damit sicherlich nicht 

offensichtliche beziehungsweise augenfällige Abweichung. Diese Position stellt deshalb keine 

ʺins Auge springendeʺ Fehlerhaftigkeit dar, die dem Revisor im Rahmen der Revision 2014 hätte 

auffallen müssen. Dies gilt umso mehr unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die Steuer-

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verwaltung auf die streitgegenständlichen Buchungen betreffend Mietanteil erst nach der Revi-

sion 2014 und gestützt auf die detaillierte Meldung einer Drittperson (sog. Whistleblower) auf-

merksam gemacht wurde. Diese Falschverbuchungen konnte die Steuerverwaltung somit erst im 

Rahmen einer detaillierten Prüfung, welche nur wegen den konkreten Hinweisen und Informatio-

nen einer Drittperson erfolgte, entdecken. Es kann deshalb keine Rede davon sein, dass die 

Steuerverwaltung im Rahmen der Revision 2014 in voller Kenntnis von Ungereimtheiten betref-

fend den streitgegenständlichen Mietanteil für das Steuerjahr 2012 pflichtwidrig davon abgesehen 

hat, zusätzliche Abklärungen zu treffen. Das Nachsteuerverfahren erweist sich deshalb auch be-

züglich der Steuerperiode 2012 grundsätzlich als zulässig.  

 

8.1 Es ist weiter zu prüfen, ob die vorliegende Einleitung des Nachsteuerverfahrens den 

Grundsatz von Treu und Glauben missachtet. Sofern die Beschwerdeführerin den Grundsatz von 

Treu und Glauben mangels Vorliegen von neuen Tatsachen oder Beweismitteln als verletzt sieht, 

kann vollumfänglich auf das hiervor Gesagte verwiesen und deshalb festgestellt werden, dass 

die Einleitung des Nachsteuerverfahrens keinen Verstoss gegen den Grundsatz von Treu und 

Glauben darstellt. Die Beschwerdeführerin brachte weiter vor, dass der Revisor mündlich erklärt 

habe, dass man bewusst auf die Prüfung der Vorjahre verzichtet habe, weshalb sie in ihrem Ver-

trauen auf diese Aussage zu schützen sei. Diese mündliche Zusicherung wird von der Steuerver-

waltung bestritten und von der Beschwerdeführerin bloss behauptet und ist mithin nicht bewiesen. 

Der in Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV) vom 18. April 

1999 verankerte Grundsatz von Treu und Glauben statuiert ein Verbot widersprüchlichen Verhal-

tens und verleiht einer Person Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche 

Zusicherungen oder sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden 

(BGE 131 II 627 E. 6.1). Voraussetzung für eine Berufung auf den Vertrauensschutz ist indes, 

dass die betroffene Person sich berechtigterweise auf die Vertrauensgrundlage verlassen durfte 

und gestützt darauf nachteilige Dispositionen getroffen hat, die sie nicht mehr rückgängig machen 

kann. Die Berufung auf Treu und Glauben scheitert sodann, wenn ihr überwiegende öffentliche 

Interessen entgegenstehen. Im Steuerrecht hat der Grundsatz von Treu und Glauben grundsätz-

lich nur eine beschränkte Tragweite (Urteil des Bundesgerichts 2C_199/2017 vom 12. Juni 2018 

E. 3.3).  

 

8.2 Die Beschwerdeführerin machte nicht geltend, gestützt auf die behauptete Erklärung des 

Revisors irgendwelche Dispositionen getätigt zu haben, die sie nicht ohne Nachteil wieder rück-

gängig machen könnte. Es könnte allenfalls argumentiert werden, dass die Beschwerdeführerin 

ohne eine entsprechende Erklärung des Revisors eine straflose Selbstanzeige hinsichtlich der 

Steuerjahre 2006 bis 2011 hätte erstatten können (im Wissen darum, dass der Revisor für das 

Steuerjahr 2012 Aufrechnungen vorgenommen hatte, die bereits in den Jahren zuvor falsch be-

ziehungsweise nicht deklariert wurden). Dagegen ist aus objektiver Sicht festzustellen, dass der 

Umstand, dass eine Selbstanzeige im Vertrauen auf eine mündliche Auskunft, dass keine weite-

ren Prüfungen vorgenommen werden, unterbleibt, seinerseits treuwidrig und deshalb nicht schüt-

zenwert ist. Dies gilt vorliegend umso mehr, als die Beschwerdeführerin einerseits Kenntnis über 

die Fehlerhaftigkeit der früheren Veranlagungen hatte und ihr andererseits bewusst war, dass die 

fragliche Revision ausschliesslich im Hinblick auf das Steuerjahr 2012 vorgenommen wurde. Bei 

http://www.bl.ch/kantonsgericht
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-II-627%3Ade&number_of_ranks=0#page627

Seite 10 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

dieser Ausgangslage musste die Beschwerdeführerin vielmehr sogar damit rechnen, dass auf-

grund der Ergebnisse der Revision 2014 auch für die früheren Jahre Aufrechnungen für dieselben 

Posten vorgenommen werden könnten.  

 

8.3 Die Frage, ob, und wenn ja inwiefern, eine mündliche Zusicherung des Revisors stattge-

funden hatte, kann deshalb mangels erfüllter Voraussetzungen des Vertrauensschutzes offenge-

lassen werden und es ist festzustellen, dass die Einleitung dieses Nach- und Strafsteuerverfah-

rens keinen Verstoss gegen Treu und Glauben darstellt. Nach dem Gesagten ist zusammenfas-

send festzuhalten, dass die vorliegenden Nach- und Strafsteuerverfahren rechtmässig eingeleitet 

wurden und sich damit als zulässig erweisen, weshalb die Beschwerde im diesbezüglichen 

Hauptbegehren abzuweisen ist.  

 

9.1 Im Eventualbegehren rügte die Beschwerdeführerin die konkrete Festsetzung der Nach- 

und Strafsteuern.  

 

9.2 Die Vorinstanz bestätigte die teilweise Aufrechnung bei der Beschwerdeführerin bezie-

hungsweise Zurechnung bei B.____ für die Jahre 2007 bis 2012 des Mietanteils für ein Arbeits-

zimmer in Höhe von Fr. 2'400.-- p.a., da dieser Mietaufwand nicht geschäftsmässig begründet 

sei. Vielmehr sei ein Teil der monatlichen privaten Wohnungsmiete als Geschäftsaufwand ver-

bucht und jeweils direkt an die Vermieterin überwiesen worden. Die beweispflichtige Beschwer-

deführerin habe zudem keine entlastenden Belege eingereicht, obwohl die Steuerverwaltung be-

reits im Revisionsbericht 2014 zu Recht festgestellt habe, dass die Buchhaltung der Beschwer-

deführerin materiell zu beanstanden sei (da unter anderem pauschale Entschädigungen ohne 

gültiges Spesenreglement sowie private Aufwendungen verbucht worden seien). Eine Aufrech-

nung der nicht verbuchten Privatanteile für das Fahrzeug von B.____ sei dagegen nur für die 

Jahre 2008 bis 2011 zulässig, da sie erst seit 2008 Arbeitnehmerin der Beschwerdeführerin sei 

und das Fahrzeug bis am 21. November 2007 auf eine andere Aktiengesellschaft eingelöst ge-

wesen sei.  

 

9.3.1 Betreffend die als nicht geschäftsmässig begründete teilweise Aufrechnung des Mietan-

teils für ein Arbeitszimmer für die Jahre 2007 bis 2011 in der Höhe von Fr. 2'400.-- pro Jahr ist 

festzuhalten, dass sich die Beschwerdeführerin weder vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren 

noch in der vorliegenden Beschwerde zu diesem Punkt äusserte und die Rechtmässigkeit der 

Aufrechnung damit nicht substantiiert bestritt. An der diesbezüglichen vorinstanzlichen Aufrech-

nung ist deshalb vollumfänglich festzuhalten.  

 

9.3.2 In Bezug auf Position ʺMietanteil D.____ʺ rügte die Beschwerdeführerin die entspre-

chende Qualifikation durch die Steuerverwaltung als Lohnbestanteil (und nicht als Spesen). Dazu 

ist festzuhalten, dass die Steuerverwaltung diese Position als geschäftsmässig begründet ansah 

und bei der Beschwerdeführerin entsprechend zum Abzug zuliess. Damit ist diese Position nicht 

Bestanteil der vorliegend streitgegenständlichen Nach- und Strafsteuerberechnung für die Be-

schwerdeführerin. Entsprechend hat die Vorinstanz die Beschwer der Beschwerdeführerin in die-

sem Punkt verneint und ist bezüglich der Position ʺMietanteil D.____ʺ zu Recht nicht auf die Be-

schwerde eingetreten.  

http://www.bl.ch/kantonsgericht

Seite 11 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

9.4 Die Aufrechnung von nicht verbuchten Privatanteilen bei der Position ʺFahrzeug B.____ʺ 

wäre aufgrund der teilweisen Gutheissung der vorinstanzlichen Beschwerde nur noch für die 

Steuerjahre 2008-2011 zu prüfen. Die Beschwerdeführerin bestritt diese dagegen in der vorlie-

genden Beschwerde nicht und brachte auch sonst keine Argumente vor, die eine andere Beur-

teilung erforderlich machen würden. Es ist deshalb auch betreffend diese Position vollumfänglich 

an der vorinstanzlichen Aufrechnung festzuhalten. Die konkrete Berechnung der Nachsteuern 

erweist sich damit als rechtmässig.  

 

9.5.1 Das Steuergericht führte weiter aus, dass die Steuerverwaltung zu Recht nicht verbuchte 

Privatanteile bei der Position ʺFahrzeug D.____ʺ in Höhe von Fr. 11'232.-- p.a. für die Jahre 2010 

und 2011, also von insgesamt Fr. 22'464.-- bei der Beschwerdeführerin aufgerechnet habe. Denn 

beim fraglichen Fahrzeug (Porsche 911 S4) handle es sich um einen klassischen Sportwagen, 

welcher nicht als optimales Geschäftsfahrzeug eines klassischen Gewerbebetriebes bezeichnet 

werden könne. Für den Transport grösserer Güter eigne sich dieses Gefährt weniger, denn aus-

ser ein paar Akten könne damit nichts transportiert werden und ebenso wenig scheine es zu 

Akquisitionszwecken geeignet. Den Akten könne kein Hinweis entnommen werden, der die ge-

schäftsmässige Begründetheit dieses Fahrzeuges zu erklären oder rechtfertigen vermöge. Die 

Zweckmässigkeit für Repräsentationszwecke verneinte die Vorinstanz mit der Begründung, dass 

D.____ nicht im Handelsregister eingetragen sei und offenbar auch keine nach Aussen in Er-

scheinung tretende Funktion bei der Beschwerdeführerin innehabe, weshalb seine bei der Be-

schwerdeführerin tatsächlich wahrgenommene Funktion nicht erhelle. Die starke Vermutung 

spreche deshalb dagegen, dass dieses eher für die Freizeit als für geschäftliche Zwecke geeig-

nete Fahrzeug ausschliesslich geschäftlich genutzt worden sei. Im Übrigen reiche für eine pau-

schale Aufrechnung eines Privatanteils bereits die blosse Zurverfügungstellung. 

 

9.5.2 Die Beschwerdeführerin hielt dagegen fest, dass D.____ den Geschäftswagen Porsche 

911 S4 nie privat genutzt habe, da er privat einen Porsche 928 GT besessen habe, mit dem er 

für eigene private Zwecke gefahren sei. Im Übrigen sei er zusammen mit B.____ in deren Auto 

unterwegs gewesen, weshalb für den Geschäftswagen Porsche 911 S4 eine private Nutzung 

vollständig weggefallen sei. Deshalb seien auch keine Belege über allfällig in diesem Zusammen-

hang getragenen privaten Kosten beizubringen. Das von der Steuerverwaltung zitierte Merkblatt 

sehe sowohl die pauschale als auch die effektive Ermittlung des Privatanteils vor. Beide Ermitt-

lungsmöglichkeiten würden dagegen voraussetzen, dass überhaupt eine private Nutzung statt-

gefunden habe, was vorliegen gerade nicht der Fall sei. D.____ habe vielmehr sämtliche Tätig-

keiten für die Beschwerdeführerin ohne Beanspruchung eines Lohnes vorgenommen, weshalb 

man ihm für seine Tätigkeit einen Geschäftswagen zur Verfügung gestellt habe.  

 

9.5.3 Gemäss herrschender Lehre und bundesgerichtlicher Rechtsprechung kommt nach der 

im Abgaberecht geltenden Normentheorie in sinngemässer Anwendung von Art. 8 ZGB der steu-

erpflichtigen Person für steueraufhebende oder -mindernde Tatsachen die objektive Beweislast 

zu, während die Steuerbehörde jene für steuerbegründende und -erhöhende Tatsachen trifft (vgl. 

statt vieler BGE 140 II 248 E. 3.5; LOCHER, a.a.O., N 36 zu Einführung zu Art. 122 ff. m.w.H.). 

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Seite 12 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Nach den Regeln über die objektive Beweislast ist zu bestimmen, wer die Folgen der Beweislo-

sigkeit zu tragen hat, wenn das erforderliche Beweismass nicht erreicht wurde, d.h. der Beweis 

für eine rechtserhebliche Tatsache misslungen ist (LOCHER, a.a.O., N 35 zu Einführung zu Art. 

122 ff.). Die Beweislastregeln folgen dem sog. ʺAlles-oder-Nichts-Prinzipʺ. Entsprechend wird bei 

Beweislosigkeit zulasten der beweisbelasteten Person angenommen, der fragliche Sachverhalt 

habe sich nicht verwirklicht. Die Beschwerdeführerin substantiiert nicht, inwiefern das Auto aus-

schliesslich zu Geschäftszwecken gebraucht wurde. Es ist vorliegend nicht davon auszugehen, 

dass es D.____ untersagt war, das Auto auch privat zu brauchen. Es obliegt der Beschwerdefüh-

rerin, die ausschliessliche geschäftliche Nutzung nachzuweisen, um die Aufrechnung eines Pri-

vatanteils zu verhindern. Hierfür hätte beispielsweise ein Bordbuch geführt werden können, aus 

welchem entsprechend hervorgehen würde, dass keine privaten Fahrten mit dem Fahrzeug un-

ternommen wurden. Die Tatsache, dass D.____ privat noch über einen weiteren Porsche verfügt, 

reicht für sich alleine nicht aus, hinreichenden Nachweis dafür zu erbringen, dass der als Ge-

schäftswagen genutzte Porsche 911 S4 ausschliesslich geschäftlich genutzt wurde. Die steuer-

pflichtige Person hat steuermindernde oder aufhebende Tatsachen nicht nur zu behaupten, son-

dern zu belegen. Da vorliegend keine Belege für die fehlende private Nutzung des Fahrzeuges 

vorgelegt wurden, hat die Beschwerdeführerin die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen, womit 

an der pauschalen Berechnung des Privatanteils festzuhalten ist.  

 

10.1 Schliesslich ist die Rechtmässigkeit der Strafsteuer strittig. In diesem Zusammenhang ist 

zu prüfen, ob die Steuerverwaltung der Beschwerdeführerin zu Recht eine Strafsteuer bezie-

hungsweise Busse in der Höhe von 40% der Nachsteuern für die Steuerjahre 2007 bis 2012 

auferlegt hatte. Die Beschwerdeführerin monierte einerseits, dass der Passus über die Eröffnung 

eines entsprechenden Steuerstrafverfahrens im Schreiben vom 18. Mai 2015 gestrichen worden 

sei, und andererseits, dass dem hohen Verzugszins bereits pönalen Charakter zukomme. Ent-

sprechend sei von den erhobenen Strafsteuern beziehungsweise von einer Busse abzusehen. 

 

10.2 Das Schreiben vom 18. Mai 2015 enthält den folgenden Hinweis: ʺWir machen Sie darauf 

aufmerksam, dass zu einem späteren Zeitpunkt auch ein Strafsteuerverfahren eingeleitet werden 

könnte.ʺ Am linken Rand dieses Absatzes wurden handschriftlich zwei Striche angebracht, die 

den Text teilweise durchstreichen. Unmittelbar darunter wurde handschriftlich das folgende er-

gänzt: ʺEröffnung nach Zurverfügungstellung der Unterlagen der Vorjahre.ʺ Aus diesen hand-

schriftlichen Anmerkungen/Strichen lässt sich nicht ableiten, dass die nachträgliche Eröffnung 

eines Strafsteuerverfahrens ausgeschlossen wurde. Aus objektiver Sicht ist die beschriebene 

handschriftliche Ergänzung vielmehr dahingehend zu verstehen, dass die entsprechende Verfah-

renseröffnung allenfalls erst ʺnach Zurverfügungstellung der Unterlagen der Vorjahreʺ erfolgen 

werde. Damit ist weder ersichtlich noch hinreichend aufgezeigt, inwiefern die Beschwerdeführerin 

aufgrund des geschilderten Umstandes berechtigterweise auf die Nichteinleitung eines Strafver-

fahrens hätte vertrauen dürfen. Die übrigen Tatbestandsvoraussetzungen der Steuerhinterzie-

hung nach Art. 175 DBG (vgl. sinngemäss auch Art. 56 StHG) sind unstreitig erfüllt. Schliesslich 

ist auch die konkrete Strafzumessung nicht zu beanstanden. Mit der festgesetzten Busse in der 

Höhe von 40% der Nachsteuern wurde dem leichten Verschulden, dem eher geringen Taterfolg 

und der gezeigten Kooperation Rechnung getragen. Zu Lasten der Beschwerdeführerin wurde 

http://www.bl.ch/kantonsgericht

Seite 13 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

dagegen die lange Dauer der Hinterziehung berücksichtigt. Unter Berücksichtigung sämtlicher 

Umstände erscheint die Höhe der Strafsteuer als sachgerecht und ist nicht zu beanstanden.  

 

10.3 Gemäss Art. 151 DBG wird die nicht erhobene Steuer samt Zins seit Fälligkeit als Nach-

steuer erhoben. Sofern die Beschwerdeführerin die Höhe des Verzugszinssatzes monierte, kann 

sie damit nicht gehört werden. Denn sowohl für die direkten Bundessteuern als auch für die kan-

tonalen und kommunalen Steuern ist die Verzinsung der Nachsteuerforderung zu dem für die 

jeweilige Steuerperiode geltenden Satz gesetzlich vorgeschrieben. Dass der Verzugszins in die-

sem Sinne nicht gesetzeskonform festgelegt worden sei, wird zu Recht nicht geltend gemacht. 

Auf die Erhebung des so ermittelten Verzugszinses dürfen die Steuerbehörden schliesslich kraft 

gesetzlicher Vorschrift (sog. Legalitätsprinzip) nicht verzichten.  

 

11. Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die konkrete Berechnung der Nach- und Straf-

steuern korrekt erfolgte, die Strafzumessung sich als sachgerecht erweist und die Höhe des ge-

setzlich vorgesehenen Verzugszinssatzes nicht zu beanstanden ist, womit auch das Eventualbe-

gehren vollumfänglich abzuweisen ist. Damit ist zusammenfassend festzustellen, dass die Be-

schwerde unbegründet und deshalb abzuweisen ist.  

 

12. Es bleibt über die Kosten zu befinden. Für die Beschwerde an das Kantonsgericht als 

weitere kantonale Beschwerdeinstanz im Bereich der direkten Bundessteuer gelten laut Art. 145 

Abs. 2 DBG die Vorschriften von Art. 140 bis Art. 144 DBG sinngemäss. Gemäss Art. 144 Abs. 1 

DBG werden die Kosten der unterliegenden Partei auferlegt. Die Höhe der Kosten des Verfahrens 

wird durch das kantonale Recht bestimmt (Art. 144 Abs. 5 DBG). Dem Ausgang des Verfahrens 

entsprechend sind die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- der unterlegenen Beschwer-

deführerin aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in derselben Höhe zu verrech-

nen. Ausgangsgemäss sind die Parteikosten wettzuschlagen (Art. 145 Abs. 2 DBG i.V.m. Art. 144 

Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes [VwVG] vom 20. Dezem-

ber 1968). 

  

http://www.bl.ch/kantonsgericht

Seite 14 http://www.bl.ch/kantonsgericht 

 

Demgemäss wird  e r k a n n t : 

 

 

://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

   

 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'400.-- werden der Be-

schwerdeführerin auferlegt und mit dem geleisteten Kostenvorschuss in 

der Höhe von Fr. 1'400.-- verrechnet. 

   

 3. Die Parteikosten werden wettgeschlagen.  

 

 

 

Vizepräsident 

 

 

 

 

 

 

Gerichtsschreiber 

 

 

 

 

 

 

 

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