# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ae6670dc-5c84-5fb2-bc7a-b2ae9b729a43
**Source:** Zürich Steuerrekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-10
**Language:** de
**Title:** Direkte Bundessteuer 1.1. - 31.12.2019 sowie Staats- und Gemeindesteuern 1.1. - 31.12.2019
**Docket/Reference:** DB.2021.113
**URL:** https://www.strgzh.ch/assets/entscheide/1-db.2021.113--1-st.2021.156.pdf

## Full Text

Steuerrekursgericht  
des Kantons Zürich 

1. Abteilung 

1 DB.2021.113 
1 ST.2021.156 

Entscheid 

 10. Januar 2022 

Mitwirkend: 

Einzelrichter Michael Ochsner und Gerichtsschreiber Marius Obertüfer 

A   A G ,    

In Sachen 

gegen 

K a n t o n   Z ü r i c h ,    

vertreten durch das kant. Steueramt,  
Division Bau,  
Bändliweg 21, Postfach, 8090 Zürich,  

Beschwerdeführerin/ 
Rekurrentin,  

Beschwerde-/ 
Rekursgegner,  

betreffend 

Direkte Bundessteuer 1.1. - 31.12.2019  
sowie Staats- und Gemeindesteuern 1.1. - 31.12.2019 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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hat sich ergeben: 

A. Die A AG (nachfolgend die Pflichtige) mit Sitz in B bezweckt die Verwaltung 

und Bewirtschaftung von  Liegenschaften.  Gemäss  Anhang  zum  Jahresabschluss 1.1. 

– 31.12.2019 bildete sie in diesem Geschäftsjahr zulasten ihres Ertrags erstmals eine 

Schwankungsreserve  von  Fr. 94'000.-,  entsprechend  10% 

ihres  Wertschriften-

Depotbestands.  

Das kantonale Steueramt rechnete diese Schwankungsreserve am 18. Febru-

ar  2021  in  der  Veranlagung  bzw.  Einschätzung  1.1.  –  31.12.2019  auf  und  setzte  den 

steuerbaren  Reingewinn  auf  Fr.  210'000.-  (direkte  Bundessteuer  sowie  Staats-  und 

Gemeindesteuern)  und  das  steuerbare  Eigenkapital  auf  Fr.  2'363'000.-  (Staats-  und 

Gemeindesteuern)  fest.  Es  begründete  dies  damit,  dass  Rückstellungen  für  künftige 

Kursverluste handelsrechtlich nicht erforderlich und damit steuerlich nicht abzugsfähig 

seien.  

B. Hiergegen erhob die Pflichtige am 19. März 2021 Einsprache mit dem An-

trag, die Bildung der Schwankungsreserve zum Abzug zuzulassen.  

Mit  Vorschlägen  vom  1.  April  2021  hielt  das  kantonale  Steueramt  an  seiner 

Beurteilung fest. Die Pflichtige lehnte die Vorschläge am 9. Juni 2021 mit eingehender 

Begründung ab.  

Am  9.  August  2021  hiess  das  kantonale  Steueramt  die  Einsprache  teilweise 

gut und veranlagte die Pflichtige mit einem steuerbaren Reingewinn von Fr. 187'300.- 

(direkte  Bundessteuer  sowie  Staats-  und  Gemeindesteuern)  und  einem  steuerbaren 

Eigenkapital  von  Fr. 2'340'000.-  (Staats-  und  Gemeindesteuern).  Es  liess  die  Bildung 

der  Schwankungsreserve  weiterhin  nicht  zum  Abzug  vom  Ertrag  zu.  Die  dennoch  er-

folgte teilweise Gutheissung war einzig auf die zusätzlich gewährte Steuerrückstellung 

zurückzuführen.  

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C.  Mit  Beschwerde  bzw.  Rekurs  vom  9.  September  2021  wiederholte  die 

Pflichtige Einspracheantrag und -begründung.  

Das kantonale Steueramt schloss am 30. September 2021 auf Abweisung der 

Rechtsmittel. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich nicht vernehmen.  

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

1. Aufgrund einer internen Reorganisation ist der Fall neu der 1. Abteilung des 

Steuerrekursgerichts  zugeteilt  worden.  Die  Geschäftsnummer  ist  entsprechend  anzu-

passen.  

2. a) Der steuerbare Reingewinn der juristischen Personen setzt sich gemäss 

Art.  58  Abs.  1  des  Steuergesetzes  über  die  direkte  Bundessteuer  vom  14.  Dezem-

ber 1990 (DBG) u.a. zusammen aus dem Saldo der Erfolgsrechnung unter Berücksich-

tigung des Saldovortrages des Vorjahres (lit. a) und allen vor Berechnung des Saldos 

der  Erfolgsrechnung  ausgeschiedenen  Teile  des  Geschäftsergebnisses,  die  nicht  zur 

Deckung  von  geschäftsmässig  begründetem  Aufwand  verwendet  werden,  wie  insbe-

sondere geschäftsmässig nicht begründete Abschreibungen und Rückstellungen sowie 

Einlagen in die Reserven (lit. b). Im kantonalen Recht findet sich in § 64 Abs. 1 Ziff. 1 

und Ziff. 2 lit. b des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997 (StG) eine gleichlautende Rege-

lung.  

Die  gemäss  den  Regeln  des  Handelsrechts  aufgestellte Handelsbilanz  ist für 

die  Steuerbilanz  massgebend,  soweit  keine  steuerrechtlichen  Korrekturvorschriften 

eingreifen (Massgeblichkeitsprinzip; BGE 141 II 83 E. 3.1; BGE 137 II 353 E. 6.2; BGE 

136 II 88 E. 3.1). Dieser Grundsatz gilt nach der Rechtsprechung auch für die kantona-

len  Steuern  (BGr,  14.  November  2019,  2C_119/2018,  E.  3.3  mit  Hinweisen  auf  BGr, 

15. November 2018, 2C_102/2018, E. 6).  

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Das  Steuerrecht  verwendet  einen  eigenen  Rückstellungsbegriff,  der  sich  nur 

teilweise  mit  demjenigen  des  Handelsrechts  deckt.  Nach  Art.  63  Abs.  1  DBG  sind 

Rückstellungen  zu  Lasten  der  Erfolgsrechnung  u.a.  zulässig  für  im  Geschäftsjahr  be-

stehende  Verpflichtungen,  deren  Höhe  noch  unbestimmt  ist  (lit.  a),  Verlustrisiken,  die 

mit Aktiven des Umlaufvermögens, insbesondere mit Waren und Debitoren, verbunden 

sind  (Iit.  b)  bzw.  für  andere  unmittelbar  drohende Verlustrisiken,  die im Geschäftsjahr 

bestehen  (lit. c).  Der  vom  DBG  verwendete  Rückstellungsbegriff  umfasst  somit  auch 

Wertberichtigungen,  womit  nach  allgemeinem  Sprachgebrauch  temporären  Wertein-

bussen  von  Gegenständen  des  Geschäftsvermögens  (vor  allem  Umlaufvermögen) 

Rechnung getragen wird (Reich/Züger/Betschart, in: Kommentar zum Schweizerischen 

Steuerrecht,  Bundesgesetz  über  die  direkte  Bundessteuer,  3. A.,  2017,  Art.  29  N  25 

DBG; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. A., 2016, Art. 29 

N  13  DBG  sowie  Richner/Frei/Kaufmann/Rohner,  Kommentar  zum  Zürcher  Steuerge-

setz, 4. A., 2021, § 64 N 69c StG).  

Die  Gesetze  schreiben  zudem  vor,  dass  Rückstellungen  bzw.  Wertberichti-

gungen  geschäftsmässig  begründet  sein  müssen  (Art.  58  Abs.  1  lit.  b  DBG  und  §  64 

Abs. 2 lit. b StG). Die geschäftsmässige Begründetheit ist immer dann gegeben, wenn 

handelsrechtlich  eine  Passivierungspflicht  besteht.  Dies  gilt  namentlich  gemäss  Han-

delsrecht  für  Rückstellungen  im  engeren  Sinn  nach  Art.  960e  Abs.  2  OR,  wenn  ver-

gangene Ereignisse einen Mittelabfluss in künftigen Geschäftsjahren erwarten lassen. 

Dieser Begriff deckt sich inhaltlich mit der steuerrechtlichen Definition, gemäss welcher 

ein effektiver, mindestens wahrscheinlich verursachter, in seiner Höhe aber noch nicht 

bekannter  Aufwand  oder  Verlust  gewinnmindernd  angerechnet  wird,  der  sich  erst  im 

nächsten  oder  in  einem  der  folgenden  Geschäftsjahre  geldmässig  verwirklichen  wird 

(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Art. 63 N 1 i.V.m. Art. 29 N 2 DBG und Richner/Frei/ 

Kaufmann/Rohner, § 64 N 116 StG). Diese Rückstellungen müssen steuerlich akzep-

tiert werden (BGE 147 II 209 E. 4.1.1; Altorfer/Duss/Felber, in: Rechnungslegung nach 

Obligationenrecht, veb.ch Praxiskommentar, 2. A., 2019, S. 1054 Rz. 64). Rückstellun-

gen hingegen, die handelsrechtlich nach Art. 960e Abs. 3 OR gebildet wurden, erwei-

sen  sich  nicht  in  jedem  Fall  als  steuerrechtlich  begründet.  Insbesondere  solche  nach 

Art. 960e Abs. 3 Ziff. 4 OR ("für das dauernde Gedeihen des Unternehmens") stellen 

eine Möglichkeit zur Schaffung stiller Reserven und zur Verzerrung der echten Ertrags-

lage des Unternehmens dar (Altorfer/Duss/Felber, S. 1060 Rz. 80). Dieselben Grunds-

ätze  gelten  für  handelsrechtliche  Wertberichtungen.  So  werden  Wertberichtigungen 

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gemäss Art. 960a Abs. 3 OR, die einen echten Wertverlust abbilden, steuerlich akzep-

tiert, nicht hingegen solche nach Art. 960a Abs. 4 OR.  

Demnach  können  Rückstellungen  bzw.  Wertberichtigungen  steuerlich  (nicht 

handelsrechtlich)  nur  anerkannt  werden,  wenn  die verursachenden  Ereignisse im  lau-

fenden oder einem früheren Geschäftsjahr auch tatsächlich eingetreten sind (RB 1986 

Nr. 40 = StE 1987 B 72.14.2 Nr. 6 sowie StE 1987 B 23.43.2 Nr. 4 mit Hinweisen). Die 

Rückstellung  bzw.  vorübergehende  Wertberichtigung  darf  den  Betrag  nicht  überstei-

gen,  mit  dessen  Beanspruchung  nach  den  Umständen  und  nach  pflichtgemässer 

Schätzung  dereinst  ernsthaft  gerechnet  werden  muss.  Geschäftsmässig  begründet 

sind deshalb nur solche Rückstellungen bzw. vorübergehende Wertberichtigungen, die 

der  Sicherung  unmittelbar  drohender  und  nicht  bloss  künftiger  Risiken  dienen  (RB 

1986 Nr. 40 mit Hinweis auf BGE 103 Ib 370, 75 I 259 E. 2). Betriebswirtschaftlich oder 

handelsrechtlich gebotene Rücklagen zur Absicherung künftiger Geschäftsrisiken oder 

geplanter  Investitionen  sind  nicht  mit  den  steuerlich  als  geschäftsmässig  anzuerken-

nenden Korrekturbuchungen gleichzusetzen. 

Ob  eine  verbuchte  Rückstellung  bzw.  Wertberichtigung  im  Einzelfall  ge-

schäftsmässig begründet ist, ist grundsätzlich gestützt auf die Verhältnisse am Bilanz-

stichtag zu beurteilen (Art. 959 Abs. 1 OR). Indessen können alle bis zum Zeitpunkt der 

Bilanzerrichtung erhaltenen Informationen verwendet werden, sofern dadurch Verhält-

nisse am Bilanzstichtag offenkundig werden (Karl Käfer, in: Berner Kommentar, 1981, 

Art.  960  N  332;  RB  1986  Nr.  41).  Tatsachen,  die  sich  am  Bilanzstichtag  noch  nicht 

verwirklicht haben, sind nur dann in der Bilanz abzubilden, wenn sie am Bilanzstichtag 

vorhersehbar waren und damit lediglich anzeigen, wie sich die Verhältnisse am Bilanz-

stichtag  objektiv  darstellten  (sogenannte  wertaufhellende  Tatsachen;  Markus  Berger, 

Probleme der Bilanzberichtigung, ASA 50, 545).  

Nach  ständiger  steuerrechtlicher  Rechtsprechung  stellt  die  Wertenwicklung 

von  börsenkotierten  Wertschriften  nach  dem  Bilanzstichtag  keine  wertaufhellende, 

sondern  eine  wertverändernde  Tatsache  dar,  weshalb  die  blosse  Preisvolatilität  von 

Wertschriften  auch  keine  Grundlage  für  steuerlich  zu  berücksichtigende  Rückstellun-

gen  bzw.  Wertberichtigungen  bildet  (VGr,  21.  Juli  2021,  SB.2021.00004  und 

SB.2021.00005,  E.  7.3  mit  Verweis  auf  VGr,  22.  März  2017,  SB.2017.00003,  E.  3.2; 

Reich/Züger/Betschart, Art. 29 N 33 DBG, mit Hinweisen). Davon abweichend sah das 

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bis  2015  geltende  Merkblatt  des  kantonalen  Steueramts  vom  20.  Juli  2005  über  die 

Besteuerung von Banken und Effektenhändlern (ZStB I Nr. 25/620) pauschale Wertbe-

richtigungen auf Handelsbeständen von Wertschriften und Edelmetallen vor, und zwar 

von 10% auf schweizerischen Obligationen (Fair Value Werte) und von 20% auf übri-

gen  Werten.  Das  Bundesgericht  hat  es  mit  Urteil  vom  12.  Juli  2012  (2C_243/2012  + 

2C_244/2012) als sachlich gerechtfertigt bezeichnet, dass das Merkblatt nur auf Ban-

ken  bzw.  Effektenhändler  zur  Anwendung  gelangt.  In  Ziff.  B.II  der  revidierten  Version 

des  Merkblatts  vom  30. November  2015  (ZStB  I  Nr.  25/621)  werden  keine  solchen 

pauschalen Wertberichtigungen  auf  den  zum  Fair  Value  bzw.  Anschaffungskosten  bi-

lanzierten  Werten  mehr  zugelassen.  Diese  Regelung  gilt  auch  in  der  neuesten  Fas-

sung vom 23. September 2021, gültig ab 1. Januar 2021 (ZStB Nr. 64.2).  

Tatsachen,  die  Rückstellungen  bzw.  vorübergehende  Wertberichtigungen  als 

geschäftsmässig begründet erscheinen lassen, sind steuermindernd und deshalb vom 

Steuerpflichtigen nachzuweisen (RB 1975 Nr. 55).  

b)  aa)  Die  Pflichtige  begründet  ihre  Rechtsauffassung  hauptsächlich  damit, 

dass die Bildung einer Schwankungsreserve gemäss Art. 960b Abs. 4 OR (in der Fas-

sung vom 23. Dezember 2011, in Kraft seit 1. Januar 2013) handelsrechtlich zulässig 

sei. In Anknüpfung an das geltende Massgeblichkeitsprinzip sei deren Bildung deshalb 

von den Steuerbehörden ertragsmindernd zu akzeptieren. Gemäss dieser Bestimmung 

darf  dann,  wenn  Aktiven  zum  Börsenkurs  oder  zum  Marktpreis  am  Bilanzstichtag  be-

wertet  werden,  eine  Wertberichtigung  zulasten  der  Erfolgsrechnung  gebildet  werden, 

um  Schwankungen  im  Kursverlauf  Rechnung  zu  tragen.  Solche  Wertberichtigungen 

sind  jedoch  nicht  zulässig,  wenn  dadurch  sowohl  der  Anschaffungswert  als  auch  der 

allenfalls tiefere Kurswert unterschritten würden. Der Betrag der Schwankungsreserven 

ist insgesamt in der Bilanz oder im Anhang gesondert auszuweisen.  

Mit dieser Bestimmung soll Schwankungen im Kursverlauf und damit der Vola-

tilität der Bewertung Rechnung getragen werden (Botschaft zur Änderung des Obligati-

onenrechts  vom  21.  Dezember  2007,  BBl  2008  S.  1589,  S.  1713,  auch  zum  Folgen-

den).  Gemäss  der  Botschaft  sei  dieses  Konzept  von  der  Rechnungslegung  von 

Versicherungsunternehmen oder Vorsorgeeinrichtungen her bekannt und mache auch 

für andere Unternehmen Sinn, die durch Einbezug der Börsenkurse für mehr Transpa-

renz sorgen wollten. Mit der Möglichkeit, Schwankungsreserven zu bilden, können die 

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Unternehmen die negativen Konsequenzen einer Bewertung zu Marktpreisen wenigs-

tens  teilweise  kontrollieren.  Zur  steuerlichen  Behandlung  der  Schwankungsreserve 

enthält die Botschaft keine Ausführungen.  

Bei der Schwankungsreserve handelt es sich demnach nicht um eine Wertbe-

richtigung  im  engeren  Sinn  (Art.  960a  Abs.  3  OR),  denn  es  wird  keinem  allfälligen 

Wertverlust  per  Bilanzstichtag  Rechnung  getragen.  Die  Schwankungsreserve  schafft 

vielmehr  eine  Bandbreite,  innerhalb  welcher  sich  künftige  Kursgewinne  und  -verluste 

erfolgsneutral  abspielen  können.  Kursverluste  können  gegen  eine  bestehende 

Schwankungsreserve  gebucht  werden  (Auflösung)  und  sind  somit  insgesamt  erfolgs-

neutral,  Kursgewinne  können  mittels  Erhöhung  der  Schwankungsreserve  ebenfalls 

neutralisiert werden (Altorfer/Duss/Felber, Die steuerliche Gewinnermittlung unter neu-

em  Rechnungslegungsrecht,  ASA  83,  521,  528;  Altorfer/Duss/Felber,  veb.ch  Praxis-

kommentar,  S.  1058  Rz.  74;  Michael  Bertschinger,  Die  handelsrechtliche  und  steuer-

rechtliche  Gewinnermittlung  unter  dem  revidierten  Rechnungslegungsrecht,  2020, 

S. 277). Mithin zielt das Instrument gar nicht darauf ab, Bewertungsschwierigkeiten per 

Bilanzstichtag  zu  begegnen  und  allfällige  bestehende  Verlustrisiken  abzubilden.  Viel-

mehr handelt es sich um ein Instrument, dass es dem Unternehmen erlauben soll, die 

erfolgswirksamen Auswirkungen der Bewertung ihrer kotierten Wertschriften zu Markt-

kursen über die Geschäftsjahre zu glätten. Es handelt sich damit weder um eine Wert-

berichtigung  noch um  eine  Rückstellung,  sondern  um  eine  willkürliche  Reserve (Bert-

schinger, S. 278 und 280).  

bb) Die Pflichtige verweist zur Untermauerung ihres Standpunkts auf die Ana-

lyse  des  Vorstands  der  Schweizerischen  Steuerkonferenz  (SSK)  zum  neuen  Rech-

nungslegungsrecht, Beschluss vom 12. Februar 2013, aktualisiert am 5. Februar 2020. 

Darin  hält  der  Vorstand  SSK  fest,  dass  die  Bildung  der  Schwankungsreserven  bei 

sämtlichen  Unternehmen  im  Rahmen  der  üblichen  Kursschwankungen  als  geschäfts-

mässig  begründet  gilt  (Analyse  S.  5  oben).  Zur  Begründung  verweist  der  Vorstand  in 

einer Fussnote einzig auf die vorstehende wiedergegebene Stelle auf S. 1713 der Bot-

schaft  des  Bundesrats.  Altorfer/Duss/Felber  begründen  die  steuerliche  Anerkennung 

der  Schwankungsreserve  damit,  dass  das  Ziel  der  bundesrechtlichen  Regelung  nicht 

steuerlich  unterlaufen  werden soll  (ASA  83  S.  528,  auch  zum  Folgenden).  Die Markt-

preisbewertung  gemäss  Art.  960b  Abs.  1  OR  sei  optional.  Sie  solle  die  Transparenz 

über  die  tatsächliche  wirtschaftliche  Vermögenslage  erhöhen  und  diene  damit  einem 

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gesetzlich festgehaltenen Ziel (Art. 958 Abs. 1 OR). Die Verfolgung dieses Ziels habe 

dabei eine steuerliche Kehrseite: Lägen die Marktpreise über den Anschaffungskosten, 

führe die Marktpreisbewertung grundsätzlich zu zusätzlichem steuerbaren Gewinn. Der 

Bilanzersteller  solle  nun  nicht  darin  gehemmt  werden,  dem  Transparenzgedanken 

Rechnung zu tragen. Führte die Bildung der Schwankungsreserve zu geschäftsmässig 

nicht  begründetem  Aufwand  im  Sinn  des  Steuergesetzgebers,  würde  das  gesetzlich 

verankerte  Transparenzziel  torpediert  und  die  handelsrechtliche  Bestimmung  faktisch 

unterlaufen (so auch Madeleine Simonek, Unternehmenssteuerrecht, 2019, § 9 N 187). 

Zudem  sei  auch  aus  Rechtsgleichheitsüberlegungen  von  geschäftsmässig  begründe-

tem  Aufwand  auszugehen.  Unternehmen,  welche  die  Marktpreisbewertung  nicht  an-

wenden  und  damit  vorhandenen Werte  verschleiern,  sollten  nicht  besser  gestellt  sein 

als jene, welche durch die Marktpreisbewertung die Transparenz über ihre Vermögens-

lage erhöhten.  

Dem wird in der Literatur widersprochen. Da die Schwankungsreserve im Er-

messen der Unternehmen stehe und somit handelsrechtlich nicht erforderlich sei, kön-

ne  sie steuerrechtlich nicht  abgezogen  werden (Reich/Züger/Betschart, Art.  29  N  33a 

DBG, auch zum Folgenden). Dieser Schluss ergebe sich auch aus der Steuerneutrali-

tät  des  neuen  Rechnungslegungsrechts.  Schon  bisher  hätten  Wertschriften  mit  Kurs-

wert zum Verkehrswert bewertet werden können (Art. 667 Abs. 1 aOR), ohne dass die 

sich daraus ergebende Aufwertung steuerwirksam mit einer Rückstellung hätte neutra-

lisiert werden können. Weiter machen die Kommentatoren geltend, dass der Hinweis in 

der Analyse des Vorstands der SSK sich nur auf die in verschiedenen Kantonen insbe-

sondere  bei  Banken  aus  Praktikabilitätsgründen  zugelassenen  pauschalen  Rückstel-

lungen für Kursverluste beziehe.  

cc) Bei dieser Sachlage vermögen die Gründe, die für den steuerlichen Abzug 

geltend gemacht werden, nicht zu überzeugen:  

Der Umstand, dass die Schwankungsreserve in Art. 960b Abs. 2 OR zur Ver-

fügung gestellt wird, bedeutet nicht, dass sie damit ohne Weiteres auch steuerlich als 

geschäftsmässig  begründet  akzeptiert  werden  muss.  Wie  bereits  mehrfach  erwähnt, 

gehen  steuerliche  Korrekturvorschriften  dem  Massgeblichkeitsprinzip  vor.  Als  Beispiel 

ist in diesem Zusammenhang auf Art. 960a Abs. 4 OR bzw. Art. 960e Abs. 3 Ziff. 4 OR 

hinzuweisen,  welcher  zusätzliche  Abschreibungen/Wertberichtigungen  bzw.  Rückstel-

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lungen  zur  Sicherung  des  dauernden  Gedeihens  des  Unternehmens  zulassen.  Lehre 

und Praxis sind sich einig, dass diese steuerlich keinen geschäftsmässig begründeten 

Aufwand  bilden  (Peter  Locher,  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  die  direkte  Bun-

dessteuer, I. Teil, Art. 1 – 48 DBG, 2. A., 2019, Art. 29 N 21 DBG; Altorfer/Duss/Felber, 

veb.ch Praxiskommentar, S. 1049 Rz. 48 und S. 1060 Rz. 80).  

Wie  bereits  festgehalten,  erfüllt  die  Schwankungsreserve  nicht  die  steuer-

rechtlichen  Voraussetzungen  einer  geschäftsmässig  begründeten  Wertberichtigung, 

obschon sie im OR als eine solche bezeichnet wird. Sie stellt auch keine Rückstellung 

dar.  Damit  greifen  die  Korrekturnormen  der  Steuergesetze,  welche  den  Begriff  der 

Wertberichtung  bzw.  Rückstellung  enger  fassen.  Der  Bundesgesetzgeber  hat  die 

Schaffung  der  Schwankungsreserve  nicht  mit  einer  entsprechenden  Steuernorm  be-

gleitet.  Es  besteht  deshalb  keine  Veranlassung,  von  den  allgemeinen  steuergesetzli-

chen  Grundsätzen  und  der  bisherigen  kantonalen  Praxis  (z.B.  VGr,  22.  März  2017, 

SB.2017.00003) abzuweichen. Der Pflichtigen ist damit zwar einzuräumen, dass damit 

die Einführung der Schwankungsreserve bis zu einem gewissen Grad unterlaufen wird. 

Die  Gesetzgeber  hätten  es  indessen  in  der  Hand  gehabt,  durch  Anpassungen  der 

Steuergesetze Klarheit zu schaffen. Das Steuerrekursgericht sieht keine Veranlassung, 

den  bewährten  Mechanismus  von  Massgeblichkeitsprinzip  und  steuerrechtlicher  Kor-

rekturnorm hier nicht anzuwenden.  

Zudem  sprechen  weitere  Gründe  gegen  die  steuerliche  Anerkennung  (vgl. 

insbesondere  Bertschinger,  S.  281  f.):  Die  Bildung  von Wertberichtigungen  zum  Aus-

gleich von Kurs- oder Marktschwankungen steht im Widerspruch zum Periodizitätsprin-

zip,  weil  einerseits  aufwandwirksame  Verbuchungen  in  Perioden  vorgenommen  wer-

den, in denen der Wert nicht effektiv beeinträchtigt wird, und andererseits in Perioden 

mit  einem  effektiven Wertverlust  dieser  im  Rahmen  der  Schwankungsreserve erfolgs-

neutral bilanziert wird. Auf diese Weise wird eine periodengerechte Erfassung der Auf-

wendungen  beeinträchtigt.  Da  bei  einer  Bewertung  zum  Börsen-  oder  Kurswert  der 

Steuerpflichtige  die  Höhe  der  Schwankungsreserve  grundsätzlich  selbst  festlegen 

kann,  wird  sodann  eine  verlässliche,  gleichmässige  und  objektivierte  Bemessung  der 

wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit behindert.  

Bedauerliche Folge dieses Ergebnisses ist, dass damit bei den Kantonen eine 

unterschiedliche  Praxis  zur  steuerlichen  Behandlung  von  Schwankungsreserven  ent-

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steht. Entgegen der vorstehend zitierten Auffassung von Reich/Züger/Betschart enthält 

die  Analyse  der  SSK  nämlich  keine  Einschränkungen  bezüglich  des  Anwendungsbe-

reichs der Schwankungsreserve und wird dies insbesondere auch an den von der SSK 

durchgeführten  Ausbildungslehrgängen  für  Mitarbeiter  der  Steuerbehörden  nicht  so 

vermittelt (vgl. Ausbildungskurs III, Modul 1, Version 1. Februar 2021, Beilage 1 S. 31). 

In  den  entsprechenden  Praxismitteilungen  anderer  Kantone  finden  sich  denn  auch  

keine solche Einschränkungen (vgl. als Beispiele: Kanton Zug, Wertberichtigungen auf 

börsenkotierten  Wertschriften  und  Fremdwährungsanleihen,  www.zg.ch/behoerden/ 

finanzdirektion/steuerverwaltung/steuerbuch-zug;  Kanton  Bern,  Bewertung  von  Wert-

schriften  und  Beteiligungen  im  Geschäftsvermögen,  Ziff.  1.2.2  Abs.  2,  www.taxinfo. 

sv.fin.be.ch).  Nachdem  aber  das  kantonale  Steueramt  den  Abzug  gestützt  auf  die 

steuergesetzlichen  Grundlagen  zu  Recht  verweigerte,  vermag  die gegenteilige  Praxis 

der SSK und ihr folgender Kantone der Pflichtigen nicht zu helfen.  

c) Die Pflichtige macht als weitere Begründung geltend, dass per 31. Dezem-

ber 2019 voraussehbar gewesen sei, dass der Kurswert ihrer Wertschriften stark fallen 

würde,  was  dann  im  März  2020  auch  erfolgt  sei.  Eine  Rückstellung  sei  deshalb  ge-

rechtfertigt gewesen. Dieser Einwand überzeugt indessen nicht. Sollte am 31. Dezem-

ber 2019 nämlich eine negative Marktentwicklung absehbar gewesen sein, wäre diese 

entsprechend  der  volatilen  Natur  von  börsenkotierten  Wertschriften  sofort  eingepreist 

worden, sodass der Börsenkurs diese Unsicherheit bereits wiederspiegelte. Im Übrigen 

entwickelten sich die Börsenkurse 2020 nach dem kurzen Einbruch im März gerichts-

notorisch  steil  nach  oben,  so  dass  eine  Rückstellung  bzw.  Wertberichtigung  gestützt 

auf  eine  rückwirkende  Betrachtung  der  Kursentwicklung  2020  umso  weniger  gerecht-

fertigt ist.  

3. Aufgrund dieser Erwägungen sind die Rechtsmittel abzuweisen. Ausgangs-

gemäss sind die Kosten des Verfahrens der Pflichtigen aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 

DBG und § 151 Abs. 1 StG).  

1 DB.2021.113 
1 ST.2021.156 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Demgemäss erkennt der Einzelrichter: 

1.  Die Beschwerde wird abgewiesen.  

2.  Der Rekurs wird abgewiesen.  

[…] 

1 DB.2021.113 
1 ST.2021.156