# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4ca8b98b-b90b-575d-b873-671e3cc4791b
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-06-09
**Language:** de
**Title:** Natur- und Heimatschutz. Unterschutzstellung einer freikirchlichen Kapelle.
**Docket/Reference:** BRGE IV Nr. 0077/2016
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/entscheidauszug_aus_brge_iv_nr._0077-2016_vom_9._juni_2016.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 
4. Abteilung 

G.-Nr. 
BRGE IV Nr. 

R4.2015.00169 
0077/2016  

Entscheid vom 9. Juni 2016 

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Reto Philipp, Ersatzrichter Daniel Dittli, Baurichter Béla 
Berke, Gerichtsschreiber Daniel Schweikert     

in Sachen 

Rekurrent 

Zürcher Heimatschutz ZVH, Eichstrasse 29, 8045 Zürich  

gegen 

Rekursgegnerin 

1.  Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 

8090 Zürich  

Mitbeteiligte 

2.  Politische Gemeinde Zell, 8486 Rikon  
3.  Verein Chrischona-Gemeinden Schweiz, Chrischonarain 200, 

4126 Bettingen  

betreffend 

Verfügung  der  Baudirektion  Kanton  Zürich  ARE  15-1499  vom  11. No-
vember 2015; Nichtunterschutzstellung Kapelle der Chrischona-Gemeinde, 
Zell-Rämismühle 
_______________________________________________________ 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
hat sich ergeben: 

A. 

Mit Verfügung vom 11. November 2015 erklärte die Baudirektion des Kan-

tons  Zürich,  dass  das  Gebäude  Vers.-Nr.  0005  (Kapelle  der  Chrischona-

Gemeinde) auf dem Grundstück Kat.-Nr. 4801 an der Mühle-Strasse 10 in 

Zell-Rämismühle nicht unter Schutz gestellt werde. 

B. 

Der  Zürcher  Heimatschutz  (ZVH)  wandte  sich  mit  Rekurs  vom  21. De-

zember 2015 an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragte 

sinngemäss,  es  sei  die  Verfügung  vom  11. November  2015  aufzuheben 

und  es  sei  die  Baudirektion  einzuladen,  die  Kapelle  entsprechend  dem  in 

einer  Verfügung  der  Baudirektion  vom  16. Februar  2015  umschriebenen 

Umfang  unter  Schutz  zu  stellen,  unter  den  entsprechenden  Kosten-  und 

Entschädigungsfolgen. 

C. 

Vom  Rekurseingang  wurde  mit  Verfügung  vom  5. Januar  2016  Vormerk 

genommen, die Politische Gemeinde Zell als Mitbeteiligte 2 und der Verein 

Chrischona-Gemeinden  Schweiz  als  Mitbeteiligter  3  in  das  Verfahren  auf-

genommen und zur Vernehmlassung eingeladen. 

D. 

Die  Baudirektion  verzichtete  in  der  Vernehmlassung  vom  26. Januar  2016 

auf Anträge. 

E. 

Die Mitbeteiligte 2 und der Mitbeteiligte 3 schlossen in ihren Eingaben vom 

21. Januar 2016 und vom 7. März 2016 auf Abweisung des Rekurses. Der 

Mitbeteiligte  3  beantragte  überdies,  dass  dies  unter  Kosten-  und  Entschä-

digungsfolgen zulasten des Rekurrenten geschehe. 

F. 

In  den  Replik-  und  Duplikschriften  vom  31. März  2016  und  vom  25. April 
2016 hielten der Rekurrent und der Mitbeteiligte 3 an ihren Anträgen fest. 

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Seite 2 

 
 
G. 

Am 11. Mai 2016 führte die 4. Abteilung des Baurekursgerichts im Beisein 

der Parteien einen Augenschein vor Ort durch. 

H. 

Auf die Ausführungen der Parteien und die Erkenntnisse des Augenscheins 

ist nachfolgend insoweit einzugehen, als dies für die Begründung des Ent-

scheids erforderlich ist. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Der Rekurrent ist gemäss § 338b Abs. 1 lit. a des Planungs- und Baugeset-

zes  (PBG)  zur  Erhebung  des  vorliegenden  Rekurses  legitimiert  (vgl.  auch 

BGr 1C_68/2009 vom 17. Juli 2009, E. 3.2 f.; www.bger.ch). Weil auch die 

übrigen  Prozessvoraussetzungen  erfüllt  sind,  ist  auf  den  Rekurs  einzutre-

ten. 

2. 

Die  rekurrentischen  Anträge  sind  auslegungsbedürftig.  Antragsziffern 1 

und 2 der Rekursschrift zielen auf (blosse) Beibehaltung der Kapelle im In-

ventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte und der archäologi-

schen  Denkmäler  von  überkommunaler  Bedeutung  ab.  Hingegen  verlangt 

der Rekurrent  in  Antragsziffer 3  die  detaillierte  Umschreibung  des Schutz-

umfangs  der  Kapelle  und  damit  eine  materiellrechtliche  Prüfung  ihrer 

Schutzwürdigkeit. 

Im  Lichte  der  Ziffern  8  und  namentlich  9  der  Rekursschrift  wird  klar,  dass 

mit dem Rekurs der materiellrechtliche Schutz der Kapelle angestrebt wird 

und nicht bloss ihre Beibehaltung im Inventar. Ausgelöst wurde das Verfah-

ren  denn  auch  durch  das  Provokationsbegehren  des  Mitbeteiligten  3  vom 

22. Mai 2012. Bei der angefochtenen Verfügung handelt es sich um einen 

negativen  Schutzentscheid  (respektive  die  Fingierung  eines  solchen  zufol-
ge  Fristversäumnisses).  Aufgrund  der  zusammen  mit  den  Erwägungen  in-

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Seite 3 

 
 
terpretierten Anträge in der Rekursschrift stellt im vorliegenden Rechtsmit-

telverfahren  die  materielle  Schutzwürdigkeit  der  Kapelle  den  Streitgegen-

stand  dar  und  nicht  etwa  die  Frage  ihrer  Inventarisierung  (zur  Unterschei-

dung  der  beiden  denkbaren  Streitgegenstände  vgl.  VB.2009.00662  in 

BEZ 2010  Nr. 27  und  BRGE IV  Nr. 0084/2014 

in  BEZ 2014  Nr. 40, 

www.baurekursgericht-zh.ch,  sowie  BRGE  IV  Nr.  59/2016  vom  12. Mai 

2016). Auch die übrigen Parteien verstehen dies nicht anders, wie sich aus 

allen Rechtsschriften ergibt. 

3. 

Wie  erwähnt  stellte  der  Mitbeteiligte  3  am  22. Mai  2012  ein  Provokations-

begehren  im  Sinne  von  §  213  PBG.  Am  27. September  2012  beauftragte 

die Baudirektion die Denkmalpflegekommission des Kantons Zürich (nach-

folgend:  KDK)  mit  der  Abklärung  der  Schutzwürdigkeit  der  Kapelle.  Am 

5. Februar  2013  erstattete  die  KDK  ihr  Gutachten,  gemäss  welchem  die 

Kapelle  ein  Schutzobjekt  von  überkommunaler  Bedeutung  darstelle  und 

demgemäss  unter  Denkmalschutz  zu  stellen  sei.  Mit  Schreiben  vom 

14. Mai 2013 wurde dem Mitbeteiligten 3 angezeigt, dass sich die Behand-

lungsdauer des Provokationsbegehrens um ein Jahr erstrecke. In der Folge 

versäumte es die Baudirektion, bis zum Ablauf der (zweijährigen) Frist am 

22. Mai  2014  einen  Schutzentscheid  zu  treffen.  Erst  am  17. Februar  2015 

erging  eine  Schutzverfügung.  Diese  hob  das  Baurekursgericht  zufolge 

Fristversäumnisses  auf  und  lud  die  Baudirektion  ein,  die  (verwirkungsbe-

dingte)  Nichtunterschutzstellung  der  Kapelle  nach  Massgabe  der  bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung aus Gründen des Drittrechtsschutzes zu pub-

lizieren (BRGE IV Nr. 0103/2015 vom 9. Juli 2015; www.baurekursgericht-

zh.ch). Dieser Aufforderung kam die Baudirektion mit der nunmehr hier an-

gefochtenen  Verfügung  vom  11.  November  2015  nach.  Deren  Publikation 

erfolgte im Amtsblatt vom 20. November 2015. 

4.1. 

Streitbetroffen ist die seit 1989 im Inventar der kunst- und kulturhistorischen 

Schutzobjekte  und  der  archäologischen  Denkmäler  von  überkommunaler 

Bedeutung  verzeichnete  Kapelle  der  Freikirche  Chrischona  auf  dem 

Grundstück  Kat.-Nr. 4801  im  Ortsteil  Rämismühle.  Das  Grundstück  grenzt 
südöstlich  an  die  Mühle-Strasse  an  und  wird  im  Übrigen  vom  weitläufigen 

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Grundstück  Kat.-Nr. 5837  umschlossen,  welches  mit  den  Gebäuden  der 

Heimstätte Rämismühle, einem Alterswohn- und Pflegeheim, überstellt ist. 

Gemäss dem Inventarblatt wurde die Kapelle 1884 von der Evangelischen 

Gemeinde Rämismühle erstellt und ging 1887 in den Besitz der Pilgermis-

sion  St.  Chrischona,  Basel,  über,  dem  seit  1997  als  Verein  organisierten 

Mitbeteiligten 3.  Bei  der  Kapelle  handelt  es  sich  um  einen  Satteldachbau 

über Rechteckgrundriss, der am Fuss von einem leicht vorragenden Sockel 

umschlossen wird. Die Kapelle ist durch Ecklisenen und Wandlisenen verti-

kal  gegliedert,  wobei  ein  Zahnschnittfries  das  Mauerwerk  abschliesst.  Je 

drei  Spitzbogenfenster  durchbrechen  die  Seitenfassaden.  An  der  südseiti-

gen  Giebelfassade  wurde  1991  ein  Eingangsfoyer  mit  einem  aus  fünf  ho-

hen  Spitzbogenfenstern  bestehenden  Fensterband  unter  einem  Halbpyra-

midendach  angebaut.  Im  Innern  der  Kapelle  findet  sich  ein  schmuckloser 

Saal mit einem um zwei Stufen erhöhten Chorbereich und einer gegenüber 

situierten Empore, welche auf zwei gusseisernen Säulen ruht und von einer 

plastischen, hölzernen Balustrade abgeschlossen wird. Die 1977 erneuerte 

Decke ist aus schlichtem, modernem Täferholz, die Wände sind weiss ge-

strichen und der Boden ist mit einem Spannteppich bezogen. Die farbigen 

Glaseinsätze in den Bogenfeldern der Fenster in den Seitenfassaden stel-

len den einzigen Schmuck dar. Insgesamt handelt es sich um eine schlich-

te, kleine Saalbau-Kapelle, welche inmitten der Gebäudegruppe der  heuti-

gen Heimstätte Rämismühle situiert ist (vgl. Prot. S. 16, Foto 16). 

4.2. 

Die  KDK  beantragte  in  ihrem  Gutachten  vom  5. Februar  2013  die  Unter-

schutzstellung  der Kapelle  einerseits  als Baudenkmal mit  wichtigem  archi-

tektonischen,  konfessions-  und  sozialgeschichtlichem  Zeugenwert  von 

überkommunaler Bedeutung. Die Kapelle sei ein ausgezeichnetes Beispiel 

für die Architektur der freikirchlichen Gemeinschaften im Tösstal gegen En-

de  des  19. Jahrhunderts.  In  der  Kapelle  manifestiere  sich  eine  aus  dem 

protestantischen Pietismus des 18. Jahrhunderts herausgewachsene bibel-

gläubige, "positiv" genannte Glaubens- und Geisteshaltung einer konfessi-

onellen  Minderheit.  Zusammen  mit  Freikirchen  wie  jener  der  Methodisten, 

der  Heilsarmee,  der  Baptisten  und  anderen  habe  diese  zu  jener  Zeit  ein 

selbstbewusstes  Gegengewicht  zum  staatskirchlichen  zürcherischen  Pro-

testantismus  der  als  liberal  und  freidenkerisch  bezeichneten  Richtung  ge-
bildet. Lange vor dem modernen Sozialstaat hätten freikirchliche Organisa-

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tionen wie die erwähnten soziale und karitative Aufgaben übernommen. Die 

Freikirchen  hätten  dabei  keine  staatliche  Unterstützung  erfahren.  Die  Ka-

pelle  bezeuge  daher  zusammen  mit  der  Heimstätte  Rämismühle  eine  be-

deutende  materielle  Leistung  einer  evangelischen  Minoritätsgemeinde.  Es 

handle sich um ein wichtiges sozialgeschichtliches Beispiel aus einer Zeit, 

in  welcher  im  Zürcher  Oberland  und  im  Tösstal  die  Industrie  mit  all  ihren 

Sonnen- und Schattenseiten floriert habe. Die Kapelle stelle bis heute das 

Wahrzeichen und die Mitte der eindrücklichen, aus mehr als einem Dutzend 

unterschiedlicher  Bauten  bestehenden  Heimstätte  Rämismühle  in  der  in-

dustriell geprägten Töss-Landschaft dar. Sie betone den religiös-karikativen 

Charakter  der  sukzessive  ausgebauten,  kurhausartigen  Gesamtanlage, 

weshalb ihr auch eine hohe ortsbildprägende Funktion zukomme. 

5. 

Die Baudirektion begründet die Nichtunterschutzstellung einzig mit der ver-

säumten Frist zum Erlass eines Schutzentscheides. In inhaltlicher Hinsicht 

hält sie die Kapelle in Übereinstimmung mit der Argumentation des Rekur-

renten nach wie vor für schutzwürdig. 

6. 

Der  Rekurrent  beantragt  die  Unterschutzstellung  der  Kapelle  in  dem 

Schutzumfang, welcher in der mit BRGE IV Nr. 0103/2015 vom 9. Juli 2015 

aufgehobenen  Schutzverfügung  der  Baudirektion  vom  16.  Februar  2015 

vorgesehen war. Dieser umfasst: 

–  das  gesamte  Gebäudeäussere  ohne  den  südseitigen  Windfang  von 
1992,  umfassend  alle  Fassaden  mit  ihrer  architektonischen  Gliederung 
durch Lisenen, Sockel, Spitzbogenfenster und Zahnschnittfries sowie die 
Fenster  in  ihrer  Einteilung  mit  Brüstungen  und  Laibungen,  die  Putzflä-
chen  und  die  traufseitigen  Dachuntersichten  sowie  die  geschlossenen 
Dachflächen in ihrer ursprünglichen Materialisierung. 

–  Die  innere  Saalstruktur,  die  Empore  mitsamt  den  gusseisernen  Säulen 
und  der  Brüstung  sowie  der  Emporen-Aufgang,  wobei  qualitativ  hoch-
wertige  Einbauten  möglich  sein  sollen;  sodann  das  originale  Sparren-
dach  mit  liegendem  Stuhl;  schliesslich  das  gestemmte  Hauptportal  mit 
seiner Einteilung und den Beschlägen. 

–  von  der Umgebung die  unversiegelten  Streifen entlang  der Längsseiten 

der Kapelle und die strassenseitige Einfriedung. 

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7. 

Die  Mitbeteiligte 2  hält  dafür,  in  der  Gemeinde  Zell  existierten  insgesamt 

drei Kapellen freikirchlichen Ursprungs. Bereits die Kapelle der Freien Mis-

sionsgemeinde in Zell-Kollbrunn sei unter Schutz gestellt worden. Eine un-

ter Denkmalschutz gestellte Kapelle pro Gemeindegebiet sei mehr als aus-

reichend.  Auch  in  Turbenthal  existiere  eine  vergleichbare  und  noch  heute 

genutzte Kapelle der Methodistenkirche. Verglichen mit diesen Kapellen sei 

die hier streitbetroffene von untergeordneter Bedeutung. Sie stehe leer und 

sei für eine Integration in den umgebenden Betrieb der Heimstätte Rämis-

mühle ungeeignet bzw. eine Behinderung. Auch die ortsbildprägende Funk-

tion  werde  durch  die  zwischenzeitlich  erstellten  Nachbarbauten  in  Frage 

gestellt. 

8. 

Der Mitbeteiligte 3 stellt die wichtige Zeugenschaft der Kapelle zusammen-

gefasst  ebenso  in  Abrede  wie  ihre  ortsbildprägende  Funktion.  Im  Übrigen 

sei eine Unterschutzstellung auch nicht verhältnismässig, da die Kapelle im 

Laufe der Zeit viele Veränderungen erfahren habe, in schlechtem Zustand 
sei  und  dem  denkmalpflegerischen  Interesse  – sofern  überhaupt  vorhan-
den –  nicht  nur  die  privaten  Interessen  des  Mitbeteiligten 3,  sondern  auch 
ein  überwiegendes  öffentliches  Interesse  an  den  baulichen  Entwicklungs-

möglichkeiten der Heimstätte Rämismühle entgegenstehe. 

9.1. 

Schutzobjekte sind unter anderem Ortskerne, Quartiere, Strassen und Plät-

ze, Gebäudegruppen, Gebäude und Teile sowie Zugehör von solchen, die 

als  wichtige  Zeugen  einer  politischen,  wirtschaftlichen,  sozialen  oder  bau-

künstlerischen Epoche erhaltenswürdig sind oder die Landschaft oder Sied-

lungen wesentlich mitprägen, samt der für ihre Wirkung wesentlichen Um-

gebung (§ 203 Abs. 1 lit. c PBG). 

Aus  der  vom  Gesetz  alternativ  zur  landschafts-  oder  siedlungsprägenden 

Wirkung  vorausgesetzten  Zeugeneigenschaft  ergibt  sich  das  Erfordernis, 

dass  ein  Objekt,  über  welches  Schutzmassnahmen  verhängt  werden  sol-
len,  namentlich  auf  Grund  seiner  ortsbaulichen,  baulichen  oder  ausstat-
tungsmässigen  Eigenschaften  von  einer  Epoche  Zeugnis  abzulegen,  d.h. 

die betreffende Epoche zu veranschaulichen und im eigentlichen Wortsinne 

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zu dokumentieren vermag. Allein der Umstand, dass ein Objekt einer Epo-

che zugeordnet werden kann, ist somit für die Bejahung der Zeugeneigen-

schaft  noch  nicht  ausreichend.  Zudem  lässt  das  Gesetz  auch  die  blosse 

Zeugeneigenschaft noch nicht genügen; das betreffende Objekt muss viel-

mehr ein wichtiger Zeuge sein. Diese Qualifikation kann sich aus verschie-

denen,  hier  nicht  abschliessend  aufzuzählenden  Gründen  ergeben.  Ein 

wichtiger Zeuge liegt namentlich dann vor, wenn die betreffende Baute auf 

Grund ihrer gesamten Beschaffenheit eine Epoche besonders aussagekräf-

tig und qualitätsvoll zu dokumentieren vermag. 

Mit dem Begriff der Epoche werden vom Gesetz auch Ereignisräume anvi-

siert, die zeitlich oder lokal vergleichsweise eng begrenzt sind und daher im 

Allgemeinen  kaum  als  "Epochen"  zu  bezeichnen  wären.  Namentlich  mit 

Blick auf die baukünstlerischen Epochen gilt sodann, dass auch Bauten, die 

Übergänge  zwischen  solchen  bezeugen,  Schutzobjekte  sein  können.  Zu 

verlangen  ist  allerdings  stets,  dass  die  betreffende  politische,  wirtschaftli-

che, soziale oder baukünstlerische Epoche klar definiert werden kann. 

Mit der Erfassung von Gebäuden und Gebäudegruppen, die Landschaften 

oder  Siedlungen  wesentlich  mitprägen,  bezweckt  § 203  Abs. 1  lit. c  PBG 

anders  als  mit  dem  Schutz  wichtiger  Zeugen  nicht  die  Dokumentation  ge-

schichtlicher  Epochen,  sondern  die  Erhaltung  qualifizierter  Landschafts- 

und  Siedlungsbilder.  In  der  Praxis  wird  hierbei  oftmals  auch  vom  Situati-

onswert eines Objektes gesprochen. Da das Gesetz die beiden Vorausset-
zungen  für  eine  Unterschutzstellung  – Zeugeneigenschaft  oder  prägende 
Wirkung –  alternativ  aufzählt,  lässt  sich  auch  allein  schon  mit  letzterer  die 
Anordnung  von  Schutzmassnahmen  an  Gebäuden  oder  Gebäudegruppen 

begründen.  Allerdings  rechtfertigt  nicht  jede  Optimierung  von  Siedlungs- 

oder Landschaftsbildern die Anordnung von Schutzmassnahmen; die posi-

tiv  prägende Wirkung  muss  vielmehr  objektiv  ausgewiesen  und  begründet 

sein,  was  etwa  bei für  das  geschützte  Ortsbild  sehr  wichtigen  Kernzonen-

bauten der Fall sein kann (VB 2009.00608 vom 4. Mai 2011). 

9.2. 

Bei  sich  auf  §  203  PBG  stützenden  denkmalpflegerischen  Anordnungen 

kommt  den  Denkmalpflegebehörden  eine  gewisse  Entscheidungsfreiheit 

zu. Solche Anordnungen sind namentlich dann mit einer gewissen Zurück-

haltung  zu  überprüfen,  wenn  es  um  die  Frage  der  Qualifikation  eines  Ob-
jekts als wichtiger Zeuge, um die Bestimmung des Umfangs einer Schutz-

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massnahme  oder  um  die  Auswahl  unter  mehreren  Schutzobjekten  geht. 

Diesbezügliche  Beurteilungen  sind  mit  einem  spezifisch  denkmalpflegeri-

schen  Fachwissen  verbunden.  Unerheblich  ist,  ob  es  um  Anordnungen 

kommunaler oder kantonaler Denkmalpflegebehörden geht. 

Diese Zurückhaltung führt allerdings nicht etwa dazu, dass das Baurekurs-

gericht  gleich  wie  das  Verwaltungsgericht  auf  eine  reine  Rechtskontrolle 

beschränkt wäre (§ 20 Abs. 1 und § 50 des Verwaltungsrechtspflegegeset-

zes [VRG]). Konsequenz ist vielmehr, dass das Baurekursgericht den ange-

fochtenen  Entscheid  unter  gebührender  Berücksichtigung  der  Entscheid-

gründe  der Denkmalpflegebehörde und  in  sorgfältiger, einlässlicher  Ausei-

nandersetzung  mit  diesen  zu  überprüfen  hat.  Dergestalt  ist  zwischen  der 

Entscheidungsfreiheit  der  Denkmalpflegebehörde  einerseits  und  dem  An-

spruch  auf  wirksamen  Rechtsschutz  andererseits  (Art. 77  der  Kantonsver-

fassung [KV] und Art. 29a der Bundesverfassung [BV]) praktische Konkor-

danz  herzustellen  (Marco  Donatsch,  in:  Kommentar  VRG,  3. Aufl.,  Zürich/ 

Basel/Genf 2014, § 20 Rz. 64 ff.). 

Im Übrigen kommt dem Baurekursgericht bei der Überprüfung von sich auf 

§ 203  PBG  stützenden  denkmalpflegerischen  Anordnungen  in  der  Regel 

volle Kognition zu (§ 20 Abs. 1 VRG). Die Frage, was unter einem Schutz-

objekt im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c PBG zu verstehen ist, kann das Bau-

rekursgericht frei beantworten. Soweit ihm die örtlichen Verhältnisse hinrei-

chend bekannt sind, kann es diese in der Regel frei würdigen. Geht es um 

bautechnische Fragen, namentlich um solche der Erhaltungs- und Renova-

tionsfähigkeit  von  Schutzobjekten  oder  von  Teilen  hiervon,  ist  das  Baure-

kursgericht als Fachgericht in Bausachen zu deren Beantwortung nicht we-

niger  berufen  als  die  Denkmalpflegebehörden,  womit  auch  in  dieser  Hin-

sicht eine Kognitionseinschränkung nicht begründet wäre. 

Vorliegend  besteht  die  Besonderheit,  dass  die  Nichtunterschutzstellung 

einzig auf das Versäumnis der Baudirektion zum fristgemässen Abschluss 

des  Provokationsverfahrens  zurückzuführen ist.  Dessen  ungeachtet  ist  die 

Sache materiellrechtlich zu prüfen und zu entscheiden. Aus Ziff. 7 der Stel-

lungnahme  der  Baudirektion  vom  26. Januar  2016  ergibt  sich,  dass  diese 

die  Kapelle  in  Übereinstimmung  mit  den  Ausführungen  des  Rekurrenten 

weiterhin  für  schutzwürdig  hält.  Ob  unter  diesen  besonderen  Umständen 

noch  von  einem  geschützten  Beurteilungsspielraum  der  Baudirektion  aus-
gegangen werden kann, kann offenbleiben, da die Nichtunterschutzstellung 

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der Kapelle – wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt – sowohl 
bei  freier  wie  bei  eingeschränkter  Kognition  der  Rekursinstanz  materiell-

rechtlich klar unvertretbar erscheint. 

10.1. 

Bei der Kantonalen Denkmalpflegekommission handelt es sich um eine von 

drei  vom  Regierungsrat  gestützt  auf  § 216 PBG  eingesetzte  Sachverstän-

digenkommissionen,  deren  Zusammensetzung,  Aufgaben  etc.  in  der  Ver-

ordnung  über  die  Sachverständigenkommissionen  gemäss  § 216 PBG 

(VSVK) festgelegt sind. Die Sachverständigenkommissionen nehmen unter 
anderem  – wie  vorliegend  geschehen –  Stellung  zur  Schutzwürdigkeit  von 
überkommunalen Schutzobjekten; dies auf Grund von Gesuchen der Direk-

tionen, der Gemeinden oder Dritter (§§ 3 ff. VSVK). Formell kommt den Be-

richten  der  Sachverständigenkommissionen  die  Bedeutung  eines  Amtsbe-

richtes zu; inhaltlich kommen sie, da auf besonderer Sachkunde beruhend, 

einem Gutachten gleich. 

In Fachfragen darf die rechtsanwendende Behörde nicht ohne triftige Grün-

de  von  Gutachten  abweichen  und  muss  Abweichungen  begründen  (vgl. 

BGE 132 II 257, E. 4.4.1). Dies gilt insbesondere für die dem Gutachten zu 

Grunde liegenden tatsächlichen Feststellungen. Diese Bindung beruht dar-

auf,  dass  die  Sachverständigenkommissionen  die  gesetzlich  bestimmten 

kantonalen  Experten  in  Fragen  des  Natur-  und  Heimatschutzes  sind.  Ein 

Abweichen  ist  zulässig,  wenn  die  Glaubwürdigkeit  des  Gutachtens  durch 

die Umstände ernsthaft erschüttert ist. 

10.2. 

Derartige Umstände sind vorliegend nicht ansatzweise auszumachen. 

In  Bezug  auf  den  Schutzwert  der  Kapelle  als  wichtiges  Baudenkmal  einer 

bestimmten Epoche ist mit dem Gutachten festzuhalten, dass die eher klei-

ne  Kapelle  gerade  zufolge  ihrer  Schlichtheit  und  Einfachheit  sichtbares, 

eindrückliches  und  noch  heute  gut  ablesbares  Zeugnis  für  die  sozial-

karitative  Tätigkeit  der  freikirchlichen  Bewegungen  im  industrialisierten 

Tösstal  gegen  Ende  des  19.  Jahrhunderts  ablegt.  Wenngleich  der  Zeug-
niswert  der  Kapelle  weniger  architektonisch  zu  begründen  sein  mag  – die 
aus der Zeit des Historismus stammende, mit einigen Elementen der Neu-

gotik (insbesondere den Spitzbogenfenstern) erstellte Kapelle mag insoweit 

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eines von vielen aus jener Zeit noch erhaltenen Objekte sein –, ist doch der 
spezifisch  sozial-  und  konfessionsgeschichtliche  Zeugenwert  der  Kapelle 

gerade  im  oberen  Tösstal  offenkundig.  Hieran  ändert  namentlich  der  Um-

stand  nichts,  dass  noch  einige  (wenige)  weitere,  dieser  klar  definierbaren 

Epoche  zuzurechnende  Kapellen  existieren  wie  namentlich  die  Methodis-

tenkirche  in  Turbenthal  und  die  Chrischona-Kapelle  in  Zell-Kollbrunn.  Das 

Tösstal war seinerzeit,  wie  das  Gutachten  der KDK mit  Recht festhält, ein 

bedeutendes  Zentrum  freikirchlicher  Bewegungen,  welches  ein  konfessio-

nelles Gegengewicht zum namentlich in der Stadt Zürich vorherrschenden 

"liberalen"  Protestantismus  darstellte.  Die  noch  bestehenden  Kirchen  und 

Kapellen  im  Tösstal  zeugen  nicht  nur  als  Einzelobjekte,  sondern  gerade 

auch  in  ihrer  erbauten  Anzahl  von  der  sozial-  und  konfessionsgeschichtli-

chen Bedeutung der Freikirchen zu jener Zeit. Es handelt sich um eine Art 

Perlenschnur an Kirchen und Kapellen, deren regionale Gesamtwirkung als 

historisch  gewachsenes,  gegen  Ende  des  19. Jahrhunderts  aufblühendes 

Freikirchenzentrum im oberen Tössstal ausser Frage steht und aus diesem 

Grund  auch  die  überkommunale  Schutzwürdigkeit  begründet.  Abbrüche 

einzelner  Kapellen  würden  sukzessive  zur  Schmälerung  und  letztlich  zum 

Verlust  dieser  sozial-  und  konfessionsgeschichtlichen  Gesichtspunkte  der 

Industrialisierung führen. 

Insgesamt  bejaht  das  Gutachten  der  KDK  mit  Recht  die  wichtige  Zeugen-

schaft der Kapelle im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c (erster Teil) PBG für die 

erwähnte sozial- und konfessionsgeschichtliche Epoche. 

10.3. 

Nicht  anders  verhält  es  sich  mit  der  vom  Gutachten  weiter  bejahten  orts-

bildprägenden Wirkung  der  Kapelle.  Diese  stellt  bis  heute  den  Mittelpunkt 

der  Bauten  des  Vereins  "Heimstätte  Rämismühle"  (vormals:  "Asyl  Rämis-

mühle")  dar.  Der  Kapelle  kommt  hier  nachgerade  wahrzeichenhafter  Cha-

rakter zu. Sie unterstreicht den Charakter der gewachsenen kurhausartigen 

Anlage, welche bis heute ein Zentrum karitativer christlicher Gesinnung im 

Tösstal in der Funktion eines Wohn-, Pflege- und Altersheims darstellt, das 

seinerzeit  besonders  in  den  damaligen  Tösstaler  Fabriken  tätig  gewesene 

alte, arme und kranke Menschen aufnahm und  betreute. Ziel der Gemein-

schaft  war  es,  in  Rämismühle  "Jerusalem  selbst  zu  bauen",  weshalb  die 

verschiedenen Bauten entsprechende Namen (Haus Silo, Haus Zion, Haus 
Salem,  Haus  Bethel,  Waschhaus  Suchot  usw.)  erhielten  (Hans  Martin 

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Seite 11 

 
 
Gubler,  Die  Kunstdenkmäler  des  Kantons  Zürich,  Bd.  VII,  Basel  1986, 

S. 147 ff.). Der hohen ortsbildprägenden Wirkung der Kapelle tut es entge-

gen  der  Ansicht  des  Mitbeteiligten  3  keinen  Abbruch,  dass  sich  zwischen 

der  Heimstätte  und  dem  Mitbeteiligten  3  schon  früh  institutionelle  Unab-
hängigkeit  entwickelte  –  in  baulicher Hinsicht  bilden die  Bauten  der Heim-
stätte  und  die  Kapelle  bis  heute  klarerweise  eine  Einheit.  Ebenso  wenig 

ändert an der ortsbildprägenden Wirkung der Umstand etwas, dass an vie-

len  der  Bauten  im  Verlaufe  der  Jahrzehnte  bauliche  Änderungen  vorge-

nommen wurden und das Gebäude Vers.-Nr. 4 westlich der Kapelle erst in 
den  1980er-Jahren  erstellt  wurde.  Die  – unbestrittenermassen  vorhande-
nen –  baulichen  Änderungen  an  der  Kapelle  selbst  sind  sodann  nachfol-
gend  im  Rahmen  der  Klärung  ihres  schützenswerten  Umfangs  zu  behan-

deln. 

Zusammengefasst bejaht das Gutachten der KDK mit Recht auch die sied-

lungsprägende Wirkung der Kapelle im Sinne von § 203 Abs. 1 lit. c (zwei-

ter Teil) PBG. 

10.4. 

In Bezug auf den Schutzumfang ist festzuhalten, dass sich der schützens-

werte Eigenwert der Kapelle weitgehend auf das Äussere und ihre ortsbild-

prägende  Wirkung  im  Wesentlichen  auf  die  ursprünglich  erstellte  Volu-

metrie (insbesondere ohne das erst im Jahr 1991 angebaute südseitige Fo-

yer) beschränken, wie anlässlich des Augenscheins klar wurde. 

Hinsichtlich des Äussern des Gebäudes ist damit ohne Änderungen derje-

nige Schutzumfang angezeigt, welcher bereits in der Verfügung der Baudi-

rektion  vom  16. Februar 2015  vorgesehen  war  (vgl.  vorstehende  Erwä-

gungsziffer 6, 1. Aufzählungsstrich). An der so definierten Schutzwürdigkeit 

ändert  im  Übrigen  der  Umstand  nichts,  dass  an  der  von  der  Strasse  her 

nicht  sichtbaren  Nordfassade  zwei  Fenster  zugemauert  wurden,  als  der 

unmittelbar  angrenzende  Verbindungsgang  zwischen  den  Gebäuden  der 

Heimstätte  errichtet  wurde  (Prot.  S.  11,  Foto  7)  und  dass  das  Dach  im 

Rahmen einer anderen Renovation über die Säulen hinaus gezogen wurde 

(zum ursprünglichen Zustand vgl. act. 18.2). Trotz dieser Veränderungen ist 

der aus der Erstellungszeit der Kapelle noch erhaltene Umfang des Äusse-
ren  gross  –  mit  Recht  erklärt  die  KDK,  abgesehen  vom  südseitigen  Foyer 
sei  das  Äussere  weitgehend  im  Originalzustand  überliefert.  Dass  ein  Ge-

bäude im Laufe seiner Geschichte Veränderungen erfährt, spricht nicht ge-

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Seite 12 

 
 
gen  seine  Schutzwürdigkeit;  dies  entspräche  einem  überholten  Begriff 

denkmalpflegerischer Schutzwürdigkeit. 

In  Bezug  auf  das  Innere  der  Kapelle  wurde  anlässlich  des  Augenscheins 

insbesondere  klar,  dass  die  Ergebnisse  der  Renovationsarbeiten aus  dem 

Jahr 1977  (Bodenheizung,  Spannteppich,  Holzdecke  usw.)  selbstredend 

nicht  schutzwürdig  sind.  Die  Schutzwürdigkeit  im  Innern  beschränkt  sich 

praktisch auf die innere Saalstruktur als solche (Prot. S. 15, Foto 15) sowie 

das  original  erhaltene  Sparrendach  mit  dem  liegendem  Stuhl  (Prot. S. 15, 

Foto 14) und das gestemmte Hauptportal mit seiner Einteilung und den Be-

schlägen. Hingegen ist die für die Saalstruktur nicht entscheidende Empore 

selbst  ebenso  wenig  schutzwürdig  wie  der  Aufgang  zu  ihr,  die  hölzernen 

Balustraden  und  die  gusseisernen  Säulen,  auf  denen  sie  angebracht  wur-

de. Die Unterschutzstellung dieser nachträglichen Einbauten wäre im Übri-

gen auch unverhältnismässig, da namentlich die gusseisernen Säulen, auf 

denen  die  Empore  steht,  eine  sinnvolle  Andersnutzung  der  Saalstruktur 

massiv erschwerten und der bauliche Zustand der Empore im Unterschied 

zum  Saal  als  solchem,  wie  anlässlich  des  Augenscheins  klar  wurde, 

schlecht ist. In diesem Sinne wird der Schutzumfang in Bezug auf das Inne-

re  der  Kapelle  etwas  enger  zu  fassen  sein  als  in  der  Verfügung  vom 

16. Februar  2015  ursprünglich  vorgesehen.  Hingegen  scheint  der  anfäng-

lich beabsichtigte Schutzumfang in Bezug auf die Umgebung (die unversie-

gelten Streifen entlang der Längsseiten der Kapelle sowie die strassensei-

tige Einfriedung) weiterhin vernünftig. 

11.1. 

Zu überprüfen bleibt die Verhältnismässigkeit der Unterschutzstellung. 

Massnahmen des Natur- und Heimatschutzes müssen im öffentlichen Inte-

resse  liegen  und  verhältnismässig  sein  (Art.  36  Abs.  2  und  3  BV).  Mit  der 

Anforderung  der  Verhältnismässigkeit  wird  zunächst  verlangt,  dass  die 

Massnahme zwecktauglich und notwendig ist (Verhältnismässigkeit im wei-

teren  Sinne).  Notwendigkeit  bedeutet,  dass  eine  Massnahme  in  ihrer  kon-

kreten Ausgestaltung über das zur Erreichung ihres Ziels Notwendige nicht 

hinausgehen darf. Das Verhältnismässigkeitsprinzip im engeren Sinne ver-

langt,  dass  eine  Schutzmassnahme  durch  ein  das  private  Interesse  über-

wiegendes öffentliches Interesse gerechtfertigt ist. Nur so ist die Massnah-
me  für  den  Rechtsunterworfenen  zumutbar  (Ulrich Häfelin/Georg Müller/ 

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Felix Uhlmann,  Allgemeines  Verwaltungsrecht,  6. Aufl.,  Zürich/St. Gallen 

2010, Rz. 613 ff.).  

Nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  zur  Verhältnismässigkeit 

von Schutzmassnahmen im engeren Sinne vermag das finanzielle Interes-

se an einer gewinnbringenden oder gar höchstmöglichen Ausnützung einer 

Liegenschaft  für  sich  allein  das  öffentliche  Interesse  an  Denkmalschutz-

massnahmen  grundsätzlich  nicht  zu  überwiegen  (BGE 120 Ia 270 ff., 

E. 6c).  Dies  ist  allerdings  nicht  so  zu  verstehen,  dass  den  wirtschaftlichen 

Interessen privater Eigentümer bei der Interessenabwägung überhaupt kei-

ne Bedeutung zukommt. Sehr erhebliche finanzielle Interessen können der 

Verfolgung  eines  weniger gewichtigen  öffentlichen  Interesses durchaus im 

Wege stehen. Hingegen müssen unter Umständen auch sehr grosse finan-

zielle  Interessen  der  Grundeigentümer  öffentlichen  Interessen  weichen, 

weil das Gemeinwesen sonst kaum noch Bauten unter Schutz stellen könn-

te. Die Frage der Verhältnismässigkeit im engeren Sinne darf nicht isoliert 

nur  anhand  der  zu  erwartenden  finanziellen  Aufwendungen  beurteilt  wer-

den. Vielmehr ist im Rahmen der Interessenabwägung auch das Mass des 

öffentlichen Interesses an der Unterschutzstellung und damit der Grad der 

Schutzwürdigkeit  zu  berücksichtigen.  Dabei  gilt  der  Grundsatz,  dass,  je 

schutzwürdiger eine Baute ist, desto geringer die Rentabilitätsüberlegungen 

zu gewichten sind (BGr 1P_584/1995, E. 6b, in ZBl 1996 366 ff.). 

11.2. 

Das  öffentliche  Interesse  an  der  Erhaltung  einer  der  (wenigen)  noch  vor-

handenen freikirchlichen Kapellen aus der erwähnten sozial- und konfessi-

onsgeschichtlichen Epoche im Tösstal ist zweifelsohne hoch. Der Mitbetei-

ligte  3  weist  indes  auf  den  Renovierungsbedarf diverser Bauteile (z.B.  der 

Heizung  oder  einzelner  Fenster)  hin  und  hält  die  Unterschutzstellung  zu-

nächst  aus  diesem  Grunde  für  unverhältnismässig.  Anlässlich  der  Bege-

hung  der  Kapelle  wurde  klar,  dass  Unterhaltsbedarf  vorhanden  ist,  wenn-

gleich  dieser  aber  keineswegs  übermässig  erscheint.  Insgesamt  darf  der 

Zustand der Kapelle als in gewissem Masse renovationsbedürftig bezeich-

net werden, wie dies bei einem mittlerweile über 130-jährigen Objekt indes 

nicht anders zu erwarten war. So wird beispielsweise die im Jahr 1977 ein-

gebaute Bodenheizung samt den aus demselben Jahr stammenden Innen-

isolationen  wohl  in  Bälde  zu  ersetzen  sein.  Allein,  in  diesem  Zusammen-
hang ist insbesondere darauf hinzuweisen, dass Sanierungsmehraufwand, 

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Seite 14 

 
 
der  auf  mangelnden  Gebäudeunterhalt  seitens  der  Eigentümerschaft  zu-

rückzuführen ist, bei der Prüfung der finanziellen Verhältnismässigkeit einer 

Unterschutzstellung  nicht  zu  berücksichtigen  ist  (vgl.  VB.96.00024  in  BEZ 

1996 Nr. 23). Wenn also anlässlich des Augenscheins beispielsweise dar-
auf  hingewiesen  wurde,  dass  Fenster  undicht  geworden  seien  – und  man 
hiervon  seit  dem  Jahr  2007  Kenntnis  habe –  kann  dies  selbstverständlich 
nicht dazu führen, die Unterschutzstellung aus diesem Grund für unverhält-

nismässig  zu  erachten.  Sie  ist  es  angesichts  des  nicht  übermässigen  Re-

novierungsbedarfs  aber  auch  im  Übrigen  nicht.  Insbesondere  waren  an-

lässlich des Augenscheins keinerlei (in ihrer Behebung regelmässig kosten-

intensive)  Feuchtigkeitsschäden  zu  erkennen;  dies  auch  nicht  im  original 

erhaltenen  Sparrendach.  Im  Übrigen  ist  der  Erhalt  der  Kapelle  entgegen 

den Ausführungen des Mitbeteiligten  3 auch nicht zwingend mit einer wei-

terhin  freikirchlichen  Nutzung  verbunden,  welche  offenbar  im  Jahr  2012 

eingestellt respektive nach Wila verlegt wurde. Eine Andersnutzung, die ei-

nem dauerhaften Leerstand entgegenstünde, ist durchaus denkbar; gerade 

die  offene  Saalstruktur  (ohne  die  nicht  schützenswerte  Empore,  siehe 

oben) lässt einen grosszügigen Spielraum für verschiedene Nutzungsmög-

lichkeiten  offen.  In  Bezug  auf  die  befürchteten  kostspieligen  feuerpolizeili-

chen  Anpassungen  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  bei  einem  bestehenden 

Gebäude,  wie  der  Rekurrent  mit  Recht  einwendet,  das  Verhältnismässig-

keitsprinzip zum Tragen kommt (Art. 2 Abs. 2 der Brandschutznorm [BSN]). 

Sofern der Mitbeteiligte  3 weiter auf entgegenstehende öffentliche Interes-

sen  verweist  (mögliche  Erweiterung  des  Alters-  und  Pflegeheims  Rämis-

mühle, falls die Kapelle abgebrochen werden könne), ist festzuhalten, dass 

eine bauliche Neunutzung des kleinen Grundstücks Kat.-Nr. 4801 nament-

lich  im  Lichte  von  Abstandsvorschriften  wohl  ohnehin  nur  in  sehr  einge-

schränktem  Masse  möglich  wäre.  Hinzu  kommt,  dass  für  das  Alters-  und 
Pflegeheim  im  Falle  der  – bis  anhin  mit  nichts  dokumentierten –  Notwen-
digkeit  baulicher  Erweiterungen  in  der  direkten  Umgebung  und  auf  dem 

weitläufigen Grundstück Kat.-Nr. 5837 durchaus Alternativen zu finden sein 

dürften. Ein Verzicht auf die Unterschutzstellung der Kapelle lässt sich folg-

lich  auch  nicht  mit  dem  einigermassen  pauschal  behaupteten  öffentlichen 

Interesse am dereinstigen Ausbau des Alters- und Pflegeheims begründen. 

Insgesamt  ist  die  Unterschutzstellung  der  Kapelle  im  erwähnten  (und  ins-
besondere in Bezug auf das Innere der Kapelle doch geringfügigen) Masse 
durchaus verhältnismässig. 

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Seite 15 

 
 
12. 

Zusammengefasst  ist  festzuhalten,  dass  der  Rekurs  unter  Aufhebung  der 

angefochtenen  Verfügung  vom  11. November  2015  gutzuheissen  ist.  Die 

Baudirektion ist einzuladen, eine Schutzanordnung zu erlassen. 

[.…] 

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