# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e835a8fe-6c12-541f-a59e-3b587a8b2b43
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-15
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 15.02.2024 SST.2023.30
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2023-30_2024-02-15.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2023.30 
(ST.2021.229; StA.2022.70) 

 

 

Urteil vom 15. Februar 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin i.V. Bekaj 

 

 
   

Anklägerin   Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Aargau, 

Frey-Herosé-Strasse 20, 5001 Aarau  

 

 
    

Beschuldigter   B._____,  

geboren am tt.mm.1992, von Eritrea, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Renate Senn,  

[…] 

 

 

 
 

Gegenstand  Versuchte schwere Körperverletzung, Raufhandel 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die Staatsanwaltschaft erhob am 3. Dezember 2021 Anklage gegen den 

Beschuldigten wegen Raufhandels gemäss Art. 133 StGB und versuchter 

schwerer Körperverletzung gemäss Art. 122 Abs. 3 StGB [in der bis 30. 

Juni 2023 geltenden Fassung] i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB. 

 

Der Sachverhalt gemäss Anklage lautete wie folgt: 

 

Ort:   Aarau 
Zeit :  04.04.2020, ca. 23.45 Uhr bis 23.59 Uhr 
Zivil- und Strafkläger: A._____ 
Strafantrag:  05.04.2020 
 
Am 04.04.2020, kurz vor Mitternacht, waren der Beschuldigte, C._____ (sep. Anklage) und 
D._____ (sep. Anklage) in alkoholisiertem Zustand in Aarau unterwegs und unterhielten 
sich lautstark. 
 
Der Zivil- und Strafkläger (sep. Anklage), welcher an der Q-Strasse wohnte, forderte sie 
vom Küchenfenster aus auf, wegzugehen, da seine Kinder nicht schlafen könnten. Da es 
nicht ruhiger wurde ging der Zivil- und Strafkläger zu C._____, dem Beschuldigten und 
D._____, welche sich vor dem E._____ Shop aufhielten, und sagte ihnen, dass sie leiser 
sein sollten. Anschliessend entfernte sich der Zivil- und Strafkläger in Richtung seiner 
Wohnung, kehrte aber zu C._____, dem Beschuldigten und D._____ zurück, da sie nicht 
leiser wurden. Der Zivil- und Strafkläger forderte C._____, den Beschuldigten und D._____ 
erneut auf, leiser zu sein, da seine Kinder schlafen möchten. Zudem sagte der Zivil- und 
Strafkläger etwas auf Arabisch, worauf der Beschuldigte ihn wegstiess und C._____ 
aggressiv wurde. D._____ versuchte den Beschuldigten und C._____ zu beruhigen und 
zurückzuhalten. In der Folge begannen nacheinander C._____, der Beschuldigte und 
D._____ mit den Fäusten auf den Zivil- und Strafkläger einzuschlagen, welcher ebenfalls 
mit den Fäusten zurückschlug und dabei gegen deren Köpfe zielte. C._____ schlug 
mehrmals mit der Faust gegen den Kopf des Zivil- und Strafklägers. Der Zivil- und 
Strafkläger schlug zwei Mal mit der Faust auf den Mund von C._____ und kurz darauf auf 
dessen rechtes Ohr.  
 
Mit der Zeit verschob sich die Auseinandersetzung zum Denkmal. Die Ex-Freundin des 
Zivil- und Strafklägers hörte den Lärm und schrie vom Küchenfenster der Wohnung des 
Zivil- und Strafklägers aus, dass sie aufhören sollten. 
 
Der Zivil- und Strafkläger wurde zu Boden gestossen und über den Boden gezogen. Die 
Auseinandersetzung verschob sich weiter zum F._____-Shop. Der Zivil- und Strafkläger 
lag auf dem Rücken und C._____ sass mit gespreizten Beinen auf der Brust des Zivil- und 
Strafklägers, wobei die Knie von C._____ rechts und links des Zivil- und Strafklägers am 
Boden waren. C._____ hielt die Arme des Zivil- und Strafklägers mit beiden Händen fest, 
so dass sich dieser nicht bewegen konnte. In dieser Zeit kickten der Beschuldigte und 
D._____ mehrfach den Zivil- und Strafkläger, wobei jeder von ihnen auf einer Seite des 
Zivil- und Strafklägers stand. D._____ trat den Zivil- und Strafkläger mehrfach mit den 
Füssen und zielte dabei gegen den Kopf und Oberkörper des Zivil- und Strafklägers. Seine 
Kickbewegungen erfolgten einmal mit links und einmal mit rechts. Zudem trat er auch von 
oben nach unten auf ihn ein. Er schlug mit dem Fuss wie mit einem Hammer auf den Zivil- 
und Strafkläger ein und trat ihn mit dem Fuss auf die linke Seite des Kopfes. Der 
Beschuldigte kickte mehrmals in den Brustbereich des Zivil- und Strafklägers. C._____ 

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schlug mit der Faust mehrmals gegen den Kopf des Zivil- und Strafklägers, währendem er 
auf dessen Brust sass. Irgendwann wurde der Zivil- und Strafkläger bewusstlos. Im 
Verlaufe der gesamten Auseinandersetzung biss der Zivil- und Strafkläger D._____ in zwei 
Finger der linken Hand und den Beschuldigten in den rechten Kleinfinger. 
 
Als die Ex-Freundin des Zivil- und Strafklägers aus dem Gebäude kam und ihn am Boden 
liegen sah, bat sie die Anwesenden, aufzuhören ihn zu schlagen. Sie ging näher und sah, 
dass D._____ etwas in der Hand hielt, worauf sie Angst bekam und retour ging. Als sie sich 
erneut den Streitenden näherte, sagte D._____ ihr, dass er sie auch schlagen würde, wenn 
sie näherkomme. Sie trat daher zurück und der Streit ging weiter. Zudem suchte D._____ 
am Boden seinen Schlüssel, welchen er zuvor in der Hand hielt und nun verloren hatte. Die 
Auseinandersetzung dauerte so lange, bis schliesslich ein Taxi anhielt und der 
Taxichauffeur sowie sein Beifahrer hinzukamen und den Beschuldigten festhielten. 
C._____ und D._____ entfernten sich vom Tatort, konnten jedoch kurz darauf von der 
Polizei angehalten werden. Der Beschuldigte wusste, dass Fusstritte gegen den Brustkorb 
einer auf harten Pflastersteinen bzw. Asphalt liegenden Person sowie Faustschläge gegen 
den Kopf erfahrungsgemäss schwere Verletzungen hervorrufen können und nahm dies 
zumindest in Kauf. 
 
Der Zivil- und Strafkläger erlitt bei dieser Auseinandersetzung folgende Verletzungen als 
Folgen stumpfer Gewalt: Zahnwurzelfraktur, wodurch der 2. Schneidezahn am Unterkiefer 
links operativ entfernt werden musste; Bluterguss mit Weichteilschwellung an der Stirn 
rechts; Blutergüsse an beiden Geheimratsecken, links zusätzlich mit Schürfkomponente; 
Druckschmerzhaftigkeit an der gesamten Kopfhaut ohne objektivierbare Schwellung oder 
Verfärbungen der Haut; streifiger Bluterguss am Nasenrücken; Schleimhautläsion an der 
Unterlippeninnenseite links auf Höhe des 2. Schneidezahns; Schwellung und braune 
Verfärbung am Zahnfleisch des fehlenden 2. Schneidezahns im Unterkiefer links und 
Druckschmerzhaftigkeit des 1. Schneidezahns im Oberkiefer rechts; kleine, strichförmige 
Hautabschürfung rechts des Brustbeins; Druck- und/oder Bewegungsschmerz der rechten 
Schulter, des rechten Handgelenkes und der Wirbelsäule ohne objektivierbare Schwellung 
oder Verfärbungen der Haut; kleinflächige Hautabschürfung am rechten Daumenballen, 
am linken Handrücken, am linken Mittelfinger und an der rechten Unterschenkel-
aussenseite; Bluterguss an der linken Unterarmkleinfingerseite; flächige Haut-
abschürfungen über beide Knie sowie Weichteilschwellung des rechten Knies. 
 
C._____ erlitt als Folgen stumpfer Gewalt folgende Verletzungen: mehrere, überwiegend 
chirurgisch versorgte, Hautläsionen ohne Schürfsaum und glatten Wundrändern an der 
rechten Ohrmuschel aussen und innen; streifige Hautabschürfung an der rechten Wange; 
streifige, verkrustete Hautabschürfung mit zweizipfeligen Wundwinkeln und umgebender 
Hautrötung an der linken Rumpfaussenseite; runde, nebeneinander angeordnete 
Blutergüsse an den Schultervorderseiten, in Verlängerung der Achselhöhlen; bandförmiger 
Bluterguss an der linken Oberarmaussenseite; feinstreifige Hautabschürfung an der 
rechten Unterarmbeugeseite: kleinflächige Hautabschürfungen an beiden Knien und am 
rechten Ellenbogen sowie eine Lockerung des 1. Schneidezahns im Unterkiefer links (Zahn 
Nr. 31). D._____ erlitt folgende Verletzungen als Folgen stumpfer Gewalt: oberflächliche, 
kleine Quetschwunde an der Stirn links; streifige Hautabschürfung hinter dem linken Ohr; 
landkartenartige Hautläsionen an der Kleinfingerseite des Mittel- und Ringfingers der linken 
Hand; kleinflächige Hautläsion an der Daumenseite des Mittelfingers der linken Hand; 
flächige Hautabschürfungen am linken Handteller, an der Streckseite des rechten 
Mittelfingers und am linken Knie sowie eine kleinflächige Hautabschürfung am rechten 
Handrücken. 
 
Der Beschuldigte erlitt als Folgen stumpfer Gewalt folgende Verletzungen: mässige 
Weichteilschwellung des gesamten rechten Kleinfingers; an der rechten 
Kleinfingerbeugeseite, auf Höhe des Mittelgelenkes und des Mittelgliedes, eine chirurgisch 
versorgte Hautläsion mit, soweit beurteilbar, unregelmässigen Wundrändern und 
angrenzend eine runde Hautläsion sowie an der rechten Kleinfingerstreckseite, 

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fingerspitzenabwärts des Mittelgelenkes, eine strichförmige, quer zur Fingerlängsachse 
verlaufende, braun verkrustete Hautläsion. 
 

1.2. 

Mit Urteil vom 19. Mai 2022 erkannte das Bezirksgericht Aarau: 

 

1. 
Der Beschuldigte ist schuldig  
- der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 

1 StGB, 
- des Raufhandels gemäss Art. 133 StGB. 
 
2. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 40 StGB, Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 StGB zu 18 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. 
 
3. 
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Freiheitsstrafe der bedingte 
Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 3 Jahre 
festgesetzt. 
 
[…] 
 
4. 
Die Untersuchungshaft von 2 Tagen (5. April 2020 bis 6. April 2020) wird gestützt auf Art. 
51 StGB auf die Freiheitsstrafe angerechnet.  
 
5. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 1 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 106 StGB i.V.m. Art. 42 Abs. 4 StGB zu einer Busse von Fr. 1'000.00 verurteilt. 
 
6. 
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen 
vollzogen. 
 
7. 
Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 7 Jahre des Landes verwiesen. 
 
Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) 
im Schengener Informationssystem angeordnet. 
 
8. 
8.1. 
Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Zivil- und Strafkläger A._____ Fr. 500.00 zzgl. 
Verzugszins zu 5 % seit 4. April 2020 als Genugtuung zu bezahlen. 
 
8.2. 
Der Beschuldigte hat dem Zivil- und Strafkläger A._____ die gerichtlich auf Fr. 366.00 (inkl. 
Fr. 26.20 MwSt.) festgesetzten Parteikosten zu ersetzen (Art. 433 StPO). 
 
9. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
a) der Gerichtsgebühr von Fr. 2'500.00 
b) der Anklagegebühr von  Fr. 1'550.00 
c) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr.  11'175.05 
d) andere Auslagen Fr.  2'849.50 

 - 5 - 

 

 

Total Fr.  18'074.55 
 
Dem Beschuldigten werden die Gerichtsgebühr und die Anklagegebühr sowie die Kosten 
gemäss lit. d im Gesamtbetrag von Fr. 6'899.50 auferlegt. 
 
Die Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr. 11'175.05 (inkl. Fr. 798.95 MwSt.) werden 
einstweilen von der Gerichtskasse bezahlt. Der Beschuldigte ist verpflichtet, dem Kanton 
Aargau die Kosten für die amtliche Verteidigung zurückzuzahlen, sobald es seine 
wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 
 
10. 
Der amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten wird eine Entschädigung von Fr. 11'175.05 
(inkl. Fr. 798.95 MwSt.) zu Lasten der Staatskasse zugesprochen.  

 

2. 

2.1. 

Mit Berufungserklärung vom 15. Februar 2023 beantragte der 

Beschuldigte, er sei von Schuld und Strafe freizusprechen und die 

Zivilklage sei abzuweisen.  

 

2.2. 

Der Beschuldigte reichte am 18. Oktober 2023 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein.  

 

2.3. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 7. November 2023 beantragte die 

Staatsanwaltschaft, die Berufung des Beschuldigten sei abzuweisen.  

 

2.4. 

Die Berufungsverhandlung fand am 15. Februar 2024 zusammen mit den 

Berufungsverfahren i.S. C._____ (SST.2023.31) und D._____ 

(SST.2023.112) statt. A._____ wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau 

vom 19. Mai 2022 (ST.2021.226) vom Vorwurf des Raufhandels 

rechtskräftig freigesprochen. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Dem Beschuldigten wurde mit Anklage vorgeworfen, sich am 4. April 2020 

kurz vor Mitternacht in Aarau an einem Raufhandel beteiligt zu haben und 

dabei – zusammen mit D._____ und C._____ – auf A._____ eingeschlagen 

und eingetreten zu haben. 

 

Die Vorinstanz hat den Sachverhalt gemäss Anklageschrift grundsätzlich 

als erstellt erachtet. Gestützt darauf hat sie den Beschuldigten wegen 

 - 6 - 

 

 

Raufhandels und – in Mittäterschaft begangener – versuchter schwerer 

Körperverletzung schuldig gesprochen. 

 

1.2. 

1.2.1. 

Gemäss Art. 133 StGB wird bestraft, wer sich an einem Raufhandel 

beteiligt, der den Tod oder die Körperverletzung eines Menschen zur Folge 

hat (Abs. 1). Ein Raufhandel ist nach der Rechtsprechung eine wechsel-

seitige tätliche Auseinandersetzung von mindestens drei Personen. 

Strafbar macht sich, wer sich beteiligt, d.h. wer aktiv in einer Weise am 

Raufhandel teilnimmt, die geeignet ist, die Auseinandersetzung zu fördern 

bzw. deren Intensität zu steigern (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2). Tätliche 

Auseinandersetzungen zwischen mehr als zwei Personen sind oft derart 

unübersichtlich, dass sich nicht nachweisen lässt, wer die Körperverletzung 

oder den Tod einer Person verursacht hat. Sinn und Zweck von Art. 133 

StGB ist, in solchen Situationen zu verhindern, dass die Verantwortlichen 

straflos bleiben. Aufgrund der Beweisschwierigkeiten ist bereits die 

Beteiligung am Raufhandel unter Strafe gestellt. Es handelt sich beim 

Raufhandel mithin um ein abstraktes Gefährdungsdelikt, obschon ein 

Erfolg eintreten muss (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2 und Urteil des Bundesgerichts 

6B_1163/2020 vom 25. Februar 2021 E. 3.1.1, beide mit Hinweisen). Wer 

ausschliesslich abwehrt oder die Streitenden scheidet, macht sich indessen 

nicht strafbar (Art. 133 Abs. 2 StGB). Dies ist der Fall, wenn eine Person 

sich zwar aktiv am Raufhandel beteiligt, dies jedoch ausschliesslich 

abwehrend oder trennend, d.h. ausschliesslich Schläge austeilt, um sich zu 

schützen, andere zu verteidigen oder Streitende zu scheiden (BGE 131 IV 

150 E. 2.1). Subjektiv ist Vorsatz verlangt, wobei Eventualvorsatz genügt. 

Der Vorsatz muss sich nur auf die objektiven Tatbestandsmerkmale 

beziehen, nicht aber auf die Todes- oder Körperverletzungsfolge (BGE 141 

IV 454 E. 2.3.2; BGE 139 IV 168 E. 1.1.1). Der Täter muss insbesondere 

erkennen und in Kauf nehmen, dass sich mehr als zwei Personen an der 

tätlichen Auseinandersetzung beteiligen (BGE 137 IV 1 E. 4.2.2; BGE 106 

IV 246 E. 3b). 

 

1.2.2. 

Gemäss Art. 122 StGB [in der im Tatzeitpunkt geltenden Fassung] macht 

sich der schweren Körperverletzung schuldig, wer vorsätzlich einen 

Menschen lebensgefährlich verletzt (Abs. 1), wer vorsätzlich den Körper, 

ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein 

wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend 

arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines 

Menschen arg und bleibend entstellt (Abs. 2), oder wer vorsätzlich eine 

andere schwere Schädigung des Körpers oder der körperlichen oder 

geistigen Gesundheit eines Menschen verursacht (Abs. 3). Eine lebens-

gefährliche Körperverletzung im Sinne dieser Bestimmung darf nur 

angenommen werden, wenn die Verletzung zu einem Zustand geführt hat, 

 - 7 - 

 

 

in dem sich die Möglichkeit des Todes dermassen verdichtet hat, dass sie 

zur ernstlichen und dringlichen Wahrscheinlichkeit wurde, was aber nicht 

bedeutet, dass die Lebensgefahr notwendigerweise eine zeitlich unmittel-

bare, akute sein muss. Massgebend ist vielmehr die erhebliche Wahr-

scheinlichkeit des tödlichen Verlaufs (BGE 131 IV 1 E. 1.1). Vorsätzlich 

begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Willen 

ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für 

möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB).  

 

Strafbar ist auch der Versuch (Art. 22 StGB). Ein Versuch liegt vor, wenn 

der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder 

Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder 

der Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt oder nicht eintreten 

kann. Beim Versuch erfüllt der Täter sämtliche subjektive Tatbestands-

merkmale und manifestiert seine Tatentschlossenheit, ohne dass alle 

objektiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 140 IV 150; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1159/2018 vom 18. September 2019 E. 2.2.2, nicht 

publ. in: BGE 145 IV 424; je mit Hinweisen).  

 

Die rechtliche Qualifikation von Körperverletzungen als Folge von 

Faustschlägen oder Tritten hängt von den konkreten Tatumständen ab. 

Massgeblich sind insbesondere die Heftigkeit des Schlages und die 

Verfassung des Opfers. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung 

handelt es sich bei der Kopfregion um einen besonders sensiblen Bereich 

des menschlichen Körpers. Kopfverletzungen, insbesondere Verletzungen 

der Hirnregion, können demnach gravierende Folgen nach sich ziehen 

(Urteile des Bundesgericht 6B_526/2020 vom 24. Juni 2021 E. 1.4; 

6B_529/2020 vom 14. September 2020 E. 3.2.2). Das Bundesgericht hat 

mehrfach festgehalten, es entspreche der allgemeinen Lebenserfahrung, 

dass Fusstritte und Faustschläge gegen den Kopfbereich eines am Boden 

liegenden Opfers – selbst wenn dieses sich zusammenrollt und den Kopf 

mit den Händen zu schützen versucht – zu schwerwiegenden Beein-

trächtigungen der körperlichen Integrität führen können (Urteile des 

Bundesgerichts 6B_1024/2017 E. 2.2.1; 6B_1180/2015 E. 4.1; 

6B_208/2015 vom 24. August 2015 E. 12.4; 6B_181/2015 vom 23. Juni 

2015 E. 2.3). Es ist jedoch nicht generell davon auszugehen, dass Schläge 

oder Tritte gegen den Kopf regelmässig zu schweren und bleibenden 

Schäden oder lebensgefährlichen Verletzungen führen, es sind stets die 

konkreten Tatumstände zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 

6B_161/2016 vom 12. Oktober 2016 E. 1.4.1 f.). Im Übrigen setzt die 

bundesgerichtliche Rechtsprechung für die Erfüllung des Tatbestandes der 

versuchten schweren Körperverletzung nicht voraus, dass neben den 

eigentlichen Fusstritten oder Schlägen gegen den Kopf ein aggravierendes 

Moment, etwa eine besondere Heftigkeit der Tritte, die Wehrlosigkeit des 

Opfers, die Traktierung mit weiteren Gegenständen oder die Einwirkung 

mehrerer Personen, hinzutreten muss (Urteile des Bundesgerichts 

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6B_529/2020 vom 14. September 2020 E. 3.2.2; 6B_1180/2015 vom 13. 

Mai 2016 E. 4.1; je mit Hinweisen). 

 

Eine (versuchte) schwere Körperverletzung kann nicht nur eigenhändig, 

sondern auch in Mittäterschaft begangen werden. Nach der bundes-

gerichtlichen Rechtsprechung ist Mittäter, wer bei der Entschliessung, 

Planung oder Ausführung eines Deliktes vorsätzlich und in massgebender 

Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbeteiligter 

dasteht. Nach den Umständen des konkreten Falls muss der Tatbeitrag des 

Mittäters als für die Ausführung des Delikts wesentlich erscheinen. Das 

blosse Wollen der Tat allein genügt nicht; es ist allerdings nicht erforderlich, 

dass der Mittäter an der eigentlichen Tatausführung beteiligt ist oder sie zu 

beeinflussen vermag. Die Mittäterschaft setzt einen gemeinsamen 

Tatentschluss voraus, der indessen nicht notwendigerweise ausdrücklich 

sein muss, sondern sich auch im konkludenten Handeln äussern kann, 

wobei Eventualvorsatz bezüglich des Erfolgs genügt. Es ist nicht 

erforderlich, dass der Mittäter an der Planung des Delikts beteiligt ist; er 

kann später dazu stossen. Es ist auch nicht notwendig, dass von Beginn 

an ein Vorsatz besteht; der Mittäter kann sich den Vorsatz während der 

Ausführung zu eigen machen. Massgeblich ist, dass der Mittäter am 

Entschluss, ein Delikt zu begehen, oder an seiner Ausführung unter 

Umständen oder in einem Mass beteiligt ist, die ihn nicht als weiteren 

Beteiligten, sondern als Hauptbeteiligten erscheinen lassen (BGE 135 IV 

152 E. 2.3.1). Erscheint die Tat demnach als Ausdruck eines gemeinsamen 

Willens und Handelns, ist jeder der Mittäter für die Tat als Ganzes 

verantwortlich (BGE 120 IV 17 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 

6B_648/2019 vom 28. August 2019 E. 1.2.2). Auch an spontanen, nicht 

geplanten Aktionen oder unkoordinierten Straftaten ist Mittäterschaft 

möglich (Urteile des Bundesgerichts 6B_759/2021 vom 16. Dezember 

2021; 6B_180/2011 vom 5. April 2012 E. 2.2 [nicht publ. in BGE 138 IV 

113]). 

 

1.3. 

1.3.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass es am 

4. April 2020 gegen Mitternacht in Aarau zu einer tätlichen 

Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten, den beiden 

Mitbeschuldigten C._____ und D._____ sowie A._____ gekommen ist. 

Erstellt und unbestritten geblieben sind zudem die nach der 

Auseinandersetzung durch Dr. med. G._____, Dr. med. H._____ und Dr. 

med. I._____ vom Institut für Rechtsmedizin im Kantonsspital Aarau 

festgestellten und in den jeweiligen Gutachten vom 7. Mai 2020 

dokumentierten Verletzungen des Beschuldigten, der beiden 

Mitbeschuldigten (C._____ und D._____) und A._____ (UA act. 73 ff., 

act. 107 ff. act. 147 ff., act. 159 ff.). 

 

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Umstritten ist mit Blick auf den Tatbestand des Raufhandelns und der 

versuchten schweren Körperverletzung jedoch, welche Handlungen der 

Beschuldigte und die Mitbeschuldigten begangen haben und welches die 

Rolle des Beschuldigten während dieser Auseinandersetzung war. 

 

1.3.2. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindbare Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, d.h. solche, die sich nach einer objektiven 

Sachlage aufdrängen, so geht das Gericht von der für den Beschuldigten 

günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss abstrakte und 

theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich 

sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Der Grundsatz 

«in dubio pro reo» ist erst anwendbar, nachdem alle aus Sicht des 

urteilenden Gerichts notwendigen Beweise erhoben und ausgewertet 

worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als Ganzem relevante 

Zweifel bestehen, wobei nur das Übergehen offensichtlich erheblicher 

Zweifel eine Verletzung des Grundsatzes «in dubio pro reo» zu begründen 

vermag (BGE 148 IV 409 E. 2.2; BGE 144 IV 345 E. 2.2.3). 

 

1.3.3. 

Mit der Vorinstanz bestehen keine Zweifel daran, dass sich der 

Beschuldigte aktiv an der tätlichen Auseinandersetzung zwischen ihm, den 

beiden Mitbeschuldigten (C._____ und D._____) und A._____ beteiligt hat: 

 

Die Vorinstanz hat die Aussagen von J._____ (vorinstanzliches Urteil E. 

2.4.5), K._____ (vorinstanzliches Urteil E. 2.4.6), A._____ (vorinstanzliches 

Urteil E. 2.4.4) sowie des Beschuldigten (vorinstanzliches Urteil E. 2.4.1) 

zusammengefasst. Darauf kann verwiesen werden.  

 

1.3.3.1. 

Mit der Vorinstanz ist auf die im Kerngeschehen konstanten, detaillierten 

und widerspruchsfreien und damit glaubhaften Aussagen des Zeugen 

J._____, der selber nicht an der Tat beteiligt war und als die neutralste 

Person zu werten ist, abzustellen: 

 

Der Beschuldigte habe angefangen, A._____ wegzustossen (UA act. 314; 

UA act. 350 und 352, wonach J._____ auf Vorlage von Fotos, den 

Beschuldigten als denjenigen identifizierte, der zuerst gestossen habe; 

Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 7, 

wonach die drei mit dem Schubsen angefangen hätten, er aber nicht mehr 

wisse, welcher angefangen habe). Danach sei es von beiden Seiten zu 

Faustschlägen gekommen, wobei der Mitbeschuldigte C._____ mit den 

Faustschlägen begonnen habe (UA act. 314; UA act. 349 f. und 353, 

wonach J._____ auf Vorlage von Fotos, C._____ als denjenigen 

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identifizierte, der begonnen habe mit den Fäusten; vgl. Protokoll der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 7 f., wobei er 

nicht mehr wisse, wer angefangen habe). Als er habe filmen wollen, hätte 

ihn der Beschuldigte entdeckt und weggeschickt. Er habe sich versteckt 

und sei dann zurückgekommen (UA act. 314; UA act. 350, wonach J._____ 

auf Vorlage von Fotos, den Beschuldigten als denjenigen identifizierte, der 

ihn weggeschickt habe; Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung 

vom 19. Mai 2022, S. 12, wonach der Beschuldigte ihm gedroht habe; 

Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 13, wonach der Beschuldigte ihn 

habe schlagen wollen). A._____ sei dann am Boden gelegen. Sie hätten 

ihn getreten (UA act. 315 f.; UA act. 350; Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 8 f.). Der Mitbeschuldigte 

C._____ sei auf A._____ draufgesessen und habe ihn mit Fäusten gegen 

den Kopf geschlagen (UA act. 315 f.; UA act. 347 und 350 f., wonach 

J._____ auf Vorlage von Fotos, C._____ als denjenigen identifizierte, der 

auf A._____ draufgesessen sei) und ihn festgehalten, sodass er sich nicht 

habe bewegen können (UA act. 352). Der Mitbeschuldigte D._____ und der 

Beschuldigte hätten im Kopf- und Schulterbereich auf ihn eingekickt (UA 

act. 316; UA act. 350 f., wonach J._____ auf Vorlage von Fotos, D._____ 

und den Beschuldigten als diejenigen identifizierte, die gekickt haben; 

Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 9, 

wonach der Abwesende [D._____] und der Beschuldigte gegen den 

Oberkörper gekickt hätten). Es seien dann Personen mit einem Motorrad 

gekommen (UA act. 316; UA act. 356; Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 10; Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 14).  

 

Der Zeuge J._____ schilderte den Vorfall vor allem in den zwei tatnächsten 

Einvernahmen detailliert. Er konnte Nebensächlichkeiten schildern. Die 

Gruppe sei beim Schild des E._____ Shop gestanden (UA act. 314) oder 

dass er die Kinder habe weinen hören (UA act. 356). Zudem war es ihm 

möglich, die Auseinandersetzung mit den örtlichen Verhältnissen zu 

verknüpfen, wonach es beim E._____ Shop angefangen habe, sich danach 

zur Statue und schliesslich weiter zum F._____ Shop verlagert habe (UA 

act. 315, 350 und 355). Dabei gab der Zeuge J._____ seine eigenen 

psychischen Vorgänge wieder. Er sei im Schockzustand gewesen und 

habe Herzrasen gehabt. Dadurch habe er vergessen den Knopf für die 

Aufnahme zu drücken (UA act. 354). In dieser Hinsicht machte er sich denn 

auch Selbstvorwürfe, weil er es nicht geschafft habe, die Auseinander-

setzung zu filmen, obwohl es – seiner Ansicht nach – seine Aufgabe 

gewesen wäre (UA act. 354 f.). Nicht zuletzt äusserte er sich, wenn er 

etwas nicht (mehr) wusste. Alsdann ist kein Motiv des Zeugen J._____ zu 

erkennen, jemanden falsch belasten oder entlasten zu wollen. Er steht in 

keinem besonders nahen Verhältnis zu A._____, zum Beschuldigten oder 

zu den beiden Mitbeschuldigten. Der Zeuge J._____ hat zwar angegeben, 

dass A._____ ein Kollege von ihm sei, erweckt aber mit seinen 

 - 11 - 

 

 

Äusserungen nicht den Anschein, dass es sich um eine enge 

freundschaftliche Beziehung handelt. Gelegentliches gemeinsames Essen 

oder Telefongespräche zwischen A._____ und J._____ sprechen dem 

Zeugen seine Glaubwürdigkeit nicht ab. Es sind keine Anhaltspunkte 

ersichtlich, die auf eine Befangenheit des Zeugen J._____ hindeuten 

würden. Der Zeuge äusserte sich denn auch hinsichtlich des Beitrags von 

A._____ dahingehend belastend, dass dieser recht geladen gewesen sei, 

als er zu der Gruppe ging (UA act. 352).  

 

An den glaubhaften Aussagen des Zeugen J._____ ändert nichts, dass er 

anlässlich seiner ersten Einvernahme ausgesagt hat, der Kleinste sowie 

die Person mit der schwarz/weissen Jacke – den er zuvor als den 

Mittelgrossen (den tatsächlichen Grössenverhältnissen nach wohl 

C._____) bezeichnet hatte (UA act. 315) – hätten A._____ getreten, 

während der Grösste (den tatsächlichen Grössenverhältnissen nach wohl 

D._____) auf ihm gesessen habe (UA act. 316), zumal Grössenverhältnis-

se in einer Schlägerei zufolge des regen Bewegens der Beteiligten keine 

verlässliche Angabe darstellen. Er stellte dies denn auch – als ihm die 

Fotos der Beschuldigten das erste Mal im Rahmen der zweiten 

Einvernahme vorgelegt wurden – umgehend richtig und äusserte sich 

dahingehend, dass es sich bei der Person mit der schwarz/weissen Jacke 

um den Mitbeschuldigten D._____ – und folglich nicht um den Mit-

beschuldigten C._____ – gehandelte habe (UA act. 347). Dieser habe 

zusammen mit dem Beschuldigten den am Boden liegenden A._____ mit 

Füssen getreten, während der Mitbeschuldigte C._____ auf A._____ 

gesessen habe. Dies bestätigte er anlässlich der zweiten Einvernahme 

mehrmals (UA act. 350, Frage 46 sowie Frage 49; UA act. 351, Frage 55; 

UA act. 352, Fragen 63, 64 und 65; UA act. 356, Fragen 94 und 97). 

Ebensowenig sind die Abweichungen in seinen Aussagen vor Vorinstanz 

sowie im Rahmen der Berufungsverhandlung im Vergleich zu seinen zwei 

tatnächsten Aussagen geeignet, die Glaubhaftigkeit seiner überwiegend 

kongruenten Aussagen in Frage zu stellen: Er äusserte sich insofern 

abweichend, als er davon ausging, dass es keine Faustschläge mehr 

gegeben habe, als A._____ am Boden gelegen habe (Protokoll der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 9), dass A._____ 

nicht gegen den Kopf gekickt worden sei (Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung, S. 9; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 13), dass 

er die gesamte Schlägerei gesehen habe (Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung, S. 10) oder dass er nicht mehr genau sagen könne, wer 

auf A._____ draufgesessen sei bzw. er nach mehrmaliger Nachfrage auf 

den Beschuldigten zeigte, wobei er nicht mehr wisse, was C._____ 

gemacht habe (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 13 f.). Die 

vorinstanzliche Hauptverhandlung fand zwei Jahre und die Berufungs-

verhandlung rund vier Jahre nach dem Ereignis statt. Dabei ist es 

offenkundig, dass nach einer so langen Zeitspanne die Erinnerung an 

einzelne Handlungen eines dynamischen Ereignisses wie einer Schlägerei, 

 - 12 - 

 

 

wo Schläge und Tritte von allen Seiten her fielen, nicht mehr im Detail 

wiedergegeben werden kann. Es ist auf seine frühen und tatnächsten 

Aussagen abzustellen. Entgegen den Ausführungen des Beschuldigten 

(Berufungsbegründung S. 5) war es dem Zeugen J._____ aufgrund seines 

ursprünglichen Standorts nahe der Auseinandersetzung zudem durchaus 

möglich, die Beteiligung des Beschuldigten an der Auseinandersetzung 

festzustellen; dies sodann auch nachdem er kurz weggerannt war, sich 

dem Geschehen dann aber wieder genähert hatte und die Auseinander-

setzung wiederum bewusst hat beobachten können (vgl. UA act. 355). 

Dass er – wie er selbst aussagte – kurzzeitig, als er zwischen den Toren 

war, nichts sehen konnte, ändert nichts daran, zumal er das Geschehen 

zuvor und danach sehen konnte (UA act. 355).  

 

1.3.3.2. 

Damit übereinstimmend sagte A._____ schlüssig und nachvollziehbar aus, 

dass er während der Auseinandersetzung vom Beschuldigten und den 

beiden Mitbeschuldigten mit der Faust gegen den Kopf geschlagen und, 

als er am Boden gelegen und eine Person ihn festgehalten habe, auch mit 

den Füssen gegen den Kopf, den Oberkörper und gegen die Beine getreten 

worden sei (UA act. 301, 303; Protokoll der vorinstanzlichen Haupt-

verhandlung vom 19. Mai 2022, S. 21 und 24; Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 5 ff.). Als er den zwei bzw. drei Beschuldigten an der 

vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022 bzw. der Berufungs-

verhandlung gegenüberstand, identifizierte er den Mitbeschuldigten 

C._____ als denjenigen, der sich auf ihn gesetzt und ihn festgehalten habe, 

als er am Boden gelegen habe (Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 23 f.; Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 5-7). Der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte D._____ 

hätten gegen seinen Oberkörper, die Beine und den Kopf getreten 

(Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, 

S. 23 f., wonach ihn beide gegen den Kopf getreten hätten; Protokoll der 

Berufungsverhandlung, S. 5-7, wonach der Beschuldigte ihn auf die Füsse 

und die Knie geschlagen habe, während D._____ ihm gegen den Kopf 

getreten habe). Dass seine Aussagen hinsichtlich der einzelnen 

Tatbeiträge des Beschuldigten bzw. der beiden Mitbeschuldigten nicht im 

gesamten Verfahren kongruent erscheinen und er sich insbesondere 

anders dazu äusserte, ob eine oder zwei Personen Tritte gegen seinen 

Kopf ausgeführt haben, ist insofern nachvollziehbar, als im Zeitpunkt der 

gerichtlichen Verhandlungen bereits zwei bzw. rund vier Jahre vergangen 

waren, sein Fokus während der Auseinandersetzung darauf lag, sich zu 

schützen und nicht darauf, zu schauen, wer welche Schläge/Tritte austeilt 

und er im Übrigen erst während den Einvernahmen vor Gericht die 

Beschuldigten bildlich vor sich hatte, nachdem dies im Vorverfahren nicht 

der Fall war. Das ändert nichts am basierend auf den glaubhaften 

Aussagen des Zeugen J._____ erstellten Sachverhalt, wonach der 

 - 13 - 

 

 

Beschuldigte sowie der Mitbeschuldigte D._____ A._____ gegen den Kopf 

getreten haben (vgl. oben). 

 

1.3.3.3. 

Ebenso im Kerngeschehen – für die Zeit ihrer Beobachtung – überein-

stimmend sagte die Zeugin K._____ schlüssig und nachvollziehbar aus: Als 

sie nach draussen gegangen sei, sei A._____ bereits auf dem Boden 

gelegen und die drei Beschuldigten hätten auf ihn eingeschlagen. Einer 

habe ihn festgehalten und die anderen beiden hätten mit den Füssen gegen 

seinen Kopf getreten (UA act. 321, 324 f.; Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 14, 16 f.; Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 17 f., 20). Zu den jeweiligen Tatbeiträgen äusserte sich die 

Zeugin zwar grossmehrheitlich konstant, jedoch auf den ersten Blick im 

Widerspruch zu den Aussagen des Zeugen J._____ dahingehend, dass der 

Beschuldigte auf A._____ gesessen habe, während die anderen beiden ihn 

mit den Füssen getreten hätten. Nachdem sich der Mitbeschuldigte 

C._____ selbst (vorinstanzliches Protokoll der Hauptverhandlung vom 

19. Mai 2022, S. 31) in Übereinstimmung mit dem Zeugen J._____ und 

A._____ (vgl. oben) dahingehend äusserte, dass er auf dem Bauch von 

A._____ gekniet sei und die Hände festgehalten habe, ist davon 

auszugehen, dass die Zeugin K._____ zwei der drei Beteiligten (C._____ 

und den Beschuldigten) miteinander verwechselt hat. Das ist denn auch 

umso verständlicher, zumal sie wahnsinnig im Stress gewesen sei, ihre 

Kinder geweint hätten und sie vom Mitbeschuldigten D._____ bedroht 

worden sei (vorinstanzliches Protokoll der Hauptverhandlung vom 19. Mai 

2022, S. 16). Dass die Zeugin K._____ aussagte, den Mitbeschuldigten 

D._____ nicht schlagen gesehen zu haben (Protokoll der vorinstanzlichen 

Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 18 f.; Protokoll der Berufungs-

verhandlung, S. 18) bzw. dass einer auf A._____ gewesen sei, der andere 

getreten habe und der Mitbeschuldigte D._____ ihr gedroht habe (Protokoll 

der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 14 und 16), 

erscheint bei einer gesamthaften Betrachtung nicht als Widerspruch, haben 

sich ihre Äusserung doch nicht auf die ganze Dauer der Auseinander-

setzung bezogen, sondern jenen, als sie vom Mitbeschuldigten D._____ 

bedroht worden war (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 20, 

wonach ein Mann ihn von der einen Seite und ein anderer ihn von der 

anderen Seite geschlagen habe).  

 

Es ist denn auch kein Motiv für eine falsche Aussage der Zeugin K._____ 

erkennbar. Es ist zwar so, dass sie und A._____ gemeinsame Kinder 

haben. Sie sind jedoch seit mehreren Jahren getrennt und der Kontakt zu 

A._____ sei nur wegen den gemeinsamen Kindern vorhanden (UA act. 

321, 322; Protokoll der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 

2022, S. 13; Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 16). Auch wenn ihre 

Aussagen mit einer gewissen Zurückhaltung zu würdigen sind, ist bei ihr 

kein Belastungseifer auszumachen und auch sonst liegen keine 

 - 14 - 

 

 

Anhaltspunkte für eine bewusste Falschaussage, eine falsche 

Anschuldigung oder Begünstigung vor.  

 

1.3.3.4. 

Die im medizinischen Gutachten beschriebenen Verletzungen von A._____ 

stehen sodann im Einklang mit den obigen Schilderungen des Zeugen 

J._____, die von der Zeugin K._____ sowie von A._____ bestätigt wurden. 

 

A._____ hat mehrere Verletzungen im Kopfbereich (Blutergüsse, 

Weichteilschwellungen und Schürfkomponenten an der Stirn, Druck-

schmerzhaftigkeit an der gesamten Kopfhaut, Bluterguss am Nasenrücken) 

und mehrere Verletzungen im Mundbereich (Schleimhautverletzungen an 

der Unterlippeninnenseite, Schwellungen und braune Verfärbungen am 

Zahnfleisch, im Unterkiefer und Druckschmerzhaftigkeit) erlitten. Zudem 

war seine Zahnprothese nach der Auseinandersetzung defekt (UA act. 

163). Diese Verletzungen, die sich A._____ nicht selbst beigebracht hat, 

lassen sich gestützt auf das medizinische Gutachten «plausibel durch 

mehrere Faustschläge und/oder Fusstritte gegen den Kopf erklären» (UA 

act. 164), wobei die Zahnschäden und die Schäden an der Prothese sich 

nicht allein durch die zugestandenen Bisse von A._____ in die Finger des 

Beschuldigten sowie des Mitbeschuldigten C._____ erklären liessen. 

Vielmehr würden die beim Beschuldigten und C._____ festgestellten 

Verletzungen dafür sprechen, dass die Prothese zum Zeitpunkt der Bisse 

bereits defekt war (UA act. 164). Ebenso seien die Verletzungen am 

Oberkörper (Druckschmerzhaftigkeit und Bewegungsschmerzen der 

rechten Schulter, des rechten Handgelenkes und der Wirbelsäule sowie 

Taubheitsgefühle an der Aussenseite des rechten Armes) «durch die 

Schläge, Tritte und / oder Stürze zu Boden im Rahmen der Auseinander-

setzung zu erklären» (UA act. 165). 

 

1.3.3.5. 

Die Aussagen des Beschuldigten erweisen sich hingegen sowohl in Bezug 

auf seine Handlungen als auch seine Rolle während der Auseinander-

setzung als widersprüchlich, weshalb nicht darauf abgestellt werden kann 

bzw. seine verharmlosenden oder ihn als Täter ausschliessenden Aus-

sagen als Schutzbehauptungen zu qualifizieren sind. 

 

Der Beschuldigte wiederholte mehrmals, er habe Abstand gehalten und 

niemanden angefasst (UA act. 289; VA act. 499, 500). Er habe nur 

versucht, die Streitenden zu trennen (UA act. 294; VA act. 499). Gleich-

zeitig hat der Beschuldigte eine Verletzung am Finger erlitten, weiss aber 

weder, wie die Verletzung zustande gekommen ist, noch wer die 

Verletzung verursacht hat (VA act. 501). In der delegierten Einvernahme 

vom 6. April 2020 sagte er aus, er wisse nicht, wer zuerst (C._____ oder 

A._____) Gewalt angewendet habe (UA act. 289). Im Rahmen der Haupt-

verhandlung vor Vorinstanz wiederum führte er aus, A._____ habe 

 - 15 - 

 

 

C._____ zuerst hinter das Ohr geschlagen und demnach sei der erste 

Schlag von A._____ ausgegangen (VA act. 498). Weiter berichtete der 

Beschuldigte zunächst, dass C._____ und A._____ am Boden waren und 

er versucht habe, sie zu trennen (UA act. 290). A._____ sei dabei auf dem 

Rücken am Boden gelegen und C._____ sowie D._____ seien über dem 

Opfer gewesen (UA act. 292). Während der vorinstanzlichen Haupt-

verhandlung hingegen schilderte der Beschuldigte, D._____ und C._____ 

seien schon weg gewesen, als A._____ auf dem Boden gelegen habe (VA 

act. 499). Dann wiederum äusserte der Beschuldigte, dass die beiden 

Mitbeschuldigten A._____ vermutlich auch geschlagen hätten, als er am 

Boden gelegen habe (VA act. 500). Wäre der Beschuldigte als unbeteiligter 

Dritter tatsächlich lediglich danebengestanden und hätte nicht an der 

Auseinandersetzung teilgenommen, wäre er in der Lage gewesen den 

Ablauf der Auseinandersetzung konkreter zu beschreiben und hätte sich 

auch keine Verletzung am Finger zugezogen. Auf die wiederholt 

widersprüchlichen Aussagen des Beschuldigten kann daher nicht 

abgestellt werden. 

 

1.3.3.6. 

Nach dem Gesagten ist in sachverhaltlicher Hinsicht erstellt, dass es 

zwischen dem Beschuldigten, den beiden Mitbeschuldigten D._____ und 

C._____ sowie A._____ zu einer gegenseitigen, wechselseitigen 

Auseinandersetzung gekommen ist, bei der der Beschuldigte aktiv 

mitgewirkt hat, indem er im Verlauf der Auseinandersetzung Faustschläge 

und Fusstritte gegen den Kopf und Oberkörper von A._____ ausgeteilt hat. 

Mithin war es dem Beschuldigten und dem Mitbeschuldigten D._____ – 

aufgrund des Festhaltens des auf dem Boden liegenden von A._____ durch 

den Mitbeschuldigten C._____ – möglich, ungehemmt mit den Füssen 

mitunter in Form von Kickbewegungen gegen den Oberkörper und den 

Kopf von A._____ einzutreten.  

 

Insofern der Beschuldigte eine Verletzung des Anklagegrundsatzes 

vorbringt, kann ihm nicht gefolgt werden (Berufungsbegründung S. 4). Es 

ist zwar zutreffend, dass die Anklage hinsichtlich des Tatbeitrages des 

Beschuldigten lediglich von Fusstritten gegen den Brustbereich von 

A._____ und nicht gegen dessen Kopf ausgeht. Der Beschuldigte verkennt 

jedoch, dass er u.a. wegen einer in Mittäterschaft begangenen versuchten 

schweren Körperverletzung angeklagt ist, wobei die Tatbeiträge der 

anderen Mittäter – u.a. von D._____, dem die Anklage Fusstritte 

insbesondere gegen den Kopf vorwirft – dem Beschuldigten zugerechnet 

werden. Im Übrigen bestanden für den Beschuldigten keine Zweifel 

darüber, dass ihm auch Tritte gegen den Kopf zur Last gelegt werden, 

nachdem ihm bereits im Rahmen der ersten Einvernahme mitgeteilt wurde, 

dass ihm und den beiden Mitbeschuldigten vorgeworfen werde, geschlagen 

und/oder getreten zu haben, wobei es zu Fusstritten gegen den Kopf von 

A._____ gekommen sei (UA act. 293 f.). Ebenso war er bei der 

 - 16 - 

 

 

Einvernahme der Zeugin K._____ am Tag nach dem Vorfall dabei, als 

diese äusserte, dass einer A._____ festgehalten habe und die anderen u.a. 

gegen seinen Kopf getreten hätten (vgl. UA act. 325). Folglich wusste der 

Beschuldigte genau, welche eigenhändigen und ihm zurechenbaren 

Handlungen ihm vorgeworfen wurden, wodurch er sich ausreichend 

verteidigen konnte (BGE 143 IV 63 E. 2.2). Eine Verletzung des 

Anklagegrundsatzes ist nicht ersichtlich. 

 

1.4. 

1.4.1. 

Gestützt auf den erstellten Sachverhalt steht fest, dass sich der 

Beschuldigte an einer wechselseitigen tätlichen Auseinandersetzung 

zwischen ihm, D._____, C._____ und A._____, bei dem alle vier Beteiligten 

Verletzungen (darunter solche, bei denen es sich mindestens um einfache 

Körperverletzungen im Sinne der Strafbarkeitsbedingung handelt) erlitten 

haben, aktiv beteiligt und damit den objektiven Tatbestand des 

Raufhandels gemäss Art. 133 StGB erfüllt hat. Fest steht auch, dass der 

Beschuldigte nicht bloss abgewehrt oder die Streitenden auseinander-

gehalten hat. Subjektiv hat der Beschuldigte im Wissen um die tätliche 

Auseinandersetzung gehandelt und das auch gewollt. Er ist somit wegen 

Raufhandels gemäss Art. 133 StGB schuldig zu sprechen. Daran ändert 

auch nichts, dass A._____ mit Urteil des Bezirksgerichts Aarau 

ST.2021.226 vom 19. Mai 2022 vom Vorwurf des Raufhandels rechtskräftig 

freigesprochen worden ist (vgl. Art. 133 Abs. 2 StGB, wonach nicht strafbar 

ist, wer sich bloss als Abwehrender an einem Raufhandel beteiligt; BGE 

137 IV 1 E. 4.2.2), was vom Obergericht nicht zu überprüfen ist. 

 

1.4.2. 

Der Beschuldigte hat gestützt auf den erstellten Sachverhalt sodann auch 

den objektiven und subjektiven Tatbestand der versuchten schweren 

Körperverletzung gemäss Art. 122 i.V.m. Art. 22 StGB – begangen in 

Mittäterschaft mit den Mitbeschuldigten D._____ und C._____ – erfüllt. 

 

Auch wenn die Auseinandersetzung mit A._____ nicht zum vornherein 

geplant war, zeigt sich aufgrund des Ablaufs und der erstellten Handlungen 

des Beschuldigten und der beiden Mitbeschuldigten D._____ und C._____, 

dass diese nicht einfach unabhängig voneinander agiert haben, sondern 

den sich stets steigernden Konflikt letztlich ganz bewusst gemeinsam 

gegen A._____ ausgetragen haben, so dass alle Beschuldigten als 

Hauptbeteiligte und damit Mittäter anzusehen sind: Der Beschuldigte teilte 

zusammen mit den Mitbeschuldigten C._____ und D._____ wechselseitig 

Schläge gegen A._____ aus. Als dieser auf dem Boden lag und C._____ 

die Arme von A._____ festhielt, sodass dieser sich nicht mehr wehren 

konnte, kickten der Beschuldigte und der Mitbeschuldigte D._____ 

mehrfach auf A._____ ein. Dieses Vorgehen der Beteiligten ermöglichte es 

ihnen, koordiniert auf A._____ einzutreten, indem ihn einer am Boden 

 - 17 - 

 

 

festhielt und nahezu unbeweglich und wehrlos machte, und die anderen 

beiden, darunter der Beschuldigte, von beiden Seiten auf ihn eintraten. Der 

Beschuldigte wirkte folglich vorsätzlich und in massgebender Weise bei der 

Tatausführung mit, wobei die Tatausführung durch die Beteiligten 

gemeinsam erfolgte. Ist – wie vorliegend – von Mittäterschaft auszugehen, 

sind dem Beschuldigten auch die Tathandlungen der anderen beiden 

Mittäter D._____ und C._____ anzurechnen. 

 

Durch die Faustschläge und Fusstritte des Beschuldigten sowie der beiden 

Mitbeschuldigten gegen A._____, hat dieser mehrere Verletzungen unter 

anderem im Kopfbereich erlitten (vgl. medizinisches Gutachten, UA act. 

163, vgl. vorstehend E. 2.4.1). Gemäss dem medizinischen Gutachten 

konnten bei A._____ relevante Verletzungen des Hirnschädels und des 

Gehirns ausgeschlossen werden und es ergaben sich keine Anhaltspunkte 

für das Vorliegen einer konkreten Lebensgefahr. Dem Gutachten ist jedoch 

zu entnehmen, dass Schläge gegen den Kopf, neben den von aussen 

sichtbaren Verletzungen, grundsätzlich auch zu Schädel-Hirn-

Verletzungen führen, die, je nach Lokalisation und Ausdehnung, unter 

Umständen tödlich enden können (UA act. 165). Die Intensität der 

Fusstritte wurde durch A._____ als «wie mit einem Hammer» ausgeführt, 

beschrieben (UA act. 301). Der Zeuge J._____ beschrieb die Intensität der 

Faustschläge als extrem, die Beschuldigten hätten voll auf A._____ 

eingeschlagen und eingetreten (UA act. 317), resp. als «brutal» (Protokoll 

der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 19. Mai 2022, S. 7). Auf 

Nachfrage der Vorinstanz hin schätzte der Zeuge J._____ die Intensität der 

Fusstritte auf einer Skala von 1 bis 10 auf 8 ein (UA act. 351). Die Zeugin 

K._____ schätzte die Intensität der Schläge und Tritte auf einer Skala von 

1 bis 10 gar auf 9 ein (UA act. 326). 

 

Die mit einer erheblichen Intensität gegen den Kopf ausgeführten Schläge 

und Tritte des ohne Abwehrmöglichkeit am Boden liegenden bzw. fixierten 

A._____ waren zweifellos geeignet, ihm eine schwere Körperverletzung mit 

Todesfolgen, wie etwa eine Schädel-Hirn-Verletzung (vgl. auch 

medizinisches Gutachten, UA act. 165), zuzufügen. Der Beschuldigte und 

die beiden Mitbeschuldigten D._____ und C._____ nahmen als Mittäter 

handelnd den Eintritt lebensbedrohlicher Verletzungen zumindest in Kauf, 

als sie während der Auseinandersetzung zunächst mehrfach Faustschläge 

und danach mehrfach Fusstritte gegen den Kopfbereich von A._____ 

erteilten, zumal dieser für die Beteiligten offensichtlich wehrlos am Boden 

lag, da er durch den Mitbeschuldigten C._____, der auf ihm sass, fixiert 

wurde. Der Beschuldigte und die beiden Mitbeschuldigten führten die 

Fusstritte und Faustschläge völlig unkontrolliert aus und es war während 

dieser dynamischen Auseinandersetzung für die Beteiligten unmöglich, die 

Faustschläge und Fusstritte derart gezielt durchzuführen, sodass mögliche 

lebensbedrohliche Verletzungen hätten vermieden werden können. Indem 

sie mehrmals auf den Kopf- und Brustbereich von A._____ einschlugen und 

 - 18 - 

 

 

– als dieser wehrlos am Boden lag – mit den Füssen eintraten, kann 

vernünftigerweise nur davon ausgegangen werden, dass sie derartige 

Verletzungen auch als möglich erkannt und mindestens in Kauf genommen 

haben, zumal sie von A._____ erst abgehalten haben, als Drittpersonen 

eingegriffen haben. Dass A._____ keine schweren Verletzungen erlitten 

hat, bleibt unter den vorliegenden Umständen ohne Bedeutung, da es in 

der Natur der Sache liegt, dass der tatbestandliche Erfolg bei einem 

Versuch nicht eintritt. 

 

Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte der versuchten schweren 

Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

schuldig zu sprechen. 

 

1.5. 

Zwischen den Tatbeständen des Raufhandels und den Körperverletzungs-

delikten besteht echte Konkurrenz, weil beim Raufhandel nicht nur die 

verletzte Person, sondern alle Beteiligten und auch Dritte zumindest 

abstrakt gefährdet werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_555/2018 vom 

11. September 2018 E. 2.2.1; BGE 118 IV 227 E. 5b; BGE 83 IV 192). 

 

Der Beschuldigte ist folglich sowohl wegen Raufhandels gemäss Art. 133 

StGB als auch versuchter schwerer Körperverletzung gemäss Art. 122 

i.V.m. Art. 22 StGB zu verurteilen. 

 

2. 

2.1. 

Der Beschuldigte hat sich der versuchten schweren Körperverletzung 

gemäss Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB und des Raufhandels 

gemäss Art. 133 StGB schuldig gemacht, wofür er angemessen zu 

bestrafen ist. 

 

2.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten zu einer bedingten Freiheitsstrafe 

von 18 Monaten, Probezeit 3 Jahre, sowie zu einer Verbindungsbusse von 

Fr. 1'000.00, ersatzweise 20 Tage Freiheitsstrafe, verurteilt. 

 

2.3. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4. ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

2.4. 

2.4.1. 

Die Einsatzstrafe ist für die versuchte schwere Körperverletzung gemäss 

Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil von A._____ 

 - 19 - 

 

 

festzusetzen, da es sich hierbei gemäss dem abstrakten Strafrahmen von 

Art. 122 StGB um das schwerste Delikt handelt. Dazu ergibt sich 

Folgendes: 

 

Der Tatbestand der schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB 

sieht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten [in der im Tatzeitpunkt 

geltenden Fassung; seit 1. Juli 2023 beträgt die Mindeststrafe 1 Jahr] bis 

zu zehn Jahren vor. Bleibt es beim Versuch, so kann das Gericht die Strafe 

mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). 

 

Methodisch ist zunächst die schuldangemessene Strafe für das vollendete 

Delikt festzulegen und die derart ermittelte hypothetische Strafe in der 

Folge unter Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungsgrundes von 

Art. 22 Abs. 1 StGB zu reduzieren (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). 

 

Ausgangsganspunkt für die Strafzumessung innerhalb des ordentlichen 

Strafrahmens bildet die Verletzung oder Gefährdung des betroffenen 

Rechtsguts (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Tatbestand der schweren 

Körperverletzung schützt die körperliche und gesundheitliche Integrität des 

Menschen als sein höchstes Gut neben dem Leben. 

 

Der Beschuldigte hat zusammen mit D._____ und C._____ u.a. mehrfach 

auf den Kopf von A._____ eingeschlagen und eingetreten. Auch wenn es 

dabei nicht zu lebensgefährlichen Verletzungen gekommen ist, hätten dem 

rechtsmedizinischen Gutachten zufolge aufgrund der Vielzahl, der 

Intensität und der Ausführung der Fusstritte und Faustschläge schwer-

wiegende Schädel-Hirn-Verletzungen eintreten können (siehe dazu oben). 

Unter Berücksichtigung des breiten Spektrums möglicher Verletzungen 

und Verletzungsfolgen im Rahmen des Tatbestands der schweren 

Körperverletzung wäre somit hinsichtlich des vollendeten Delikts von einer 

lebensgefährlichen Kopfverletzung mit möglicherweise irreparabler 

Schädigung des Hirns und damit einer sehr schweren Form der schweren 

Körperverletzung auszugehen. Entsprechend schwer wiegt beim 

vollendeten Delikt der schweren Körperverletzung der hypothetische 

Taterfolg. 

 

Der Beschuldigte und die Mitbeschuldigten D._____ und C._____ haben 

ihr Vorgehen zwar nicht von langer Hand geplant, sondern – nachdem sie 

mit A._____ zuerst verbal aneinandergeraten sind – aus der zunehmend 

eskalierenden Situation heraus gehandelt. Es besteht jedoch kein Zweifel, 

dass der Beschuldigte und die Mitbeschuldigten D._____ und C._____ in 

voller Kenntnis der Sachlage bewusst zusammengewirkt und schliesslich 

auf den Kopf des am Boden fixierten und somit weitgehend wehrlosen 

A._____ mehrfach und mit erheblicher Intensität eingeschlagen und 

eingetreten haben. Die Art und Weise der Tatbegehung und die damit 

 - 20 - 

 

 

einhergehende Verwerflichkeit des Handelns ging allerdings nicht 

wesentlich über die blosse Erfüllung des Tatbestands, der in der 

vorliegenden Tatbestandsvariante eine lebensgefährliche Verletzung 

voraussetzt, hinaus, was sich neutral auswirkt. Leicht verschuldens-

mindernd ist zu berücksichtigen, dass dem Beschuldigten lediglich 

eventualvorsätzliches Handeln anzulasten ist, was verschuldensmässig 

weniger schwer wiegt als direktvorsätzliches Handeln (BGE 136 IV 55 

E. 5.6). 

 

Auch wenn der Beschuldigte die Auseinandersetzung mit A._____ nicht 

von Anfang gesucht hatte und die Situation zunehmend eskaliert ist, 

verfügte er hinsichtlich der Schläge und Tritte gegen den Kopf des am 

Boden liegenden A._____ über ein hohes Mass an Entscheidungsfreiheit. 

Ihm wäre es durchaus möglich gewesen, sich aus der Auseinandersetzung 

mit A._____ rauszuhalten oder diese zu beenden, zumal er sich zusammen 

mit D._____ und C._____ in einer überlegenen Mehrheit befand. Es ist 

auch nicht ersichtlich, dass der Beschuldigte nur unter dem Druck der 

Mitbeschuldigten D._____ und C._____ oder aus einer subjektiv 

aussichtlos empfundenen Lage heraus gehandelt hätte. Dies wird im 

Übrigen auch nicht vorgebracht. Je leichter es aber für ihn gewesen wäre, 

sich aus der Auseinandersetzung rauszuhalten oder klar zu distanzieren 

und damit die körperliche Integrität von A._____ zu respektieren, desto 

schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit einhergehend das 

den Beschuldigten treffende Verschulden (vgl. BGE 117 IV 112 E. 1 S. 114; 

Urteil des Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3). 

 

Insgesamt wäre unter Berücksichtigung des weiten Strafrahmens von 

6 Monaten bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe [in der im Tatzeitpunkt 

geltenden Fassung von Art. 122 StGB] für die vollendete schwere 

Körperverletzung in Form einer lebensgefährlichen Kopfverletzung mit 

möglicherweise irreparabler Hirnschädigung von einem mittelschweren bis 

schweren Tatverschulden auszugehen, wofür eine Freiheitsstrafe von 7 

Jahren angemessen wäre. Da es vorliegend bei einem Versuch geblieben 

ist, ist die Strafe angemessen zu reduzieren (Art. 22 Abs. 1 StGB). Dabei 

hat die Strafminderung umso geringer auszufallen, je näher der 

tatbestandsmässige Erfolg und je schwerer die tatsächlichen Folgen der 

Tat waren (BGE 121 IV 49 E. 1b). 

 

Vorliegend ist es einzig dem Zufall zu verdanken, dass sich die nahe 

liegende Gefahr einer lebensgefährlichen Verletzung von A._____ nicht 

verwirklicht hat. Der Beschuldigte hat im Zusammenwirken mit D._____ 

und C._____ alles getan, was für die Vollendung des Tatbestands der 

schweren Körperverletzung notwendig gewesen wäre. Sie liessen denn 

auch nicht aus Eigeninitiative von A._____ ab. Erst als Drittpersonen 

hinzugekommen sind, konnte die Auseinandersetzung beendet werden. 

Auch wenn es nur glücklichen Umständen zu verdanken ist, dass A._____ 

 - 21 - 

 

 

keine lebensbedrohlichen Verletzungen erlitten hat, ist zugunsten des 

Beschuldigten zu berücksichtigen, dass die tatsächlich eingetretenen 

Verletzungsfolgen von A._____ – ohne diese zu bagatellisieren – deutlich 

davon entfernt sind, weshalb eine Strafminderung um 50 % auf 3 ½ Jahre 

angemessen erscheint.  

 

2.4.2. 

Diese Einsatzstrafe wäre für den Raufhandel gemäss Art. 133 StGB in 

Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen oder es 

wäre – wenn die Schwere des Verschuldens dies noch zuliesse und eine 

Geldstrafe nicht unzweckmässig wäre, was an dieser Stelle offen bleiben 

kann – eine zusätzliche Geldstrafe auszusprechen. Vorliegend hat jedoch 

nur der Beschuldigte ein Rechtsmittel erhoben, weshalb das Obergericht 

an das Verschlechterungsverbot gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden 

ist und es somit – auch bei Annahme einer Verletzung des Beschleu-

nigungsgebots (siehe dazu unten) – bei der von der Vorinstanz 

ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 18 Monaten bleibt, zumal sich die 

Täterkomponente neutral (vgl. unten) auswirkt – (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 6B_91/2022 vom 18. Januar 2023 E. 3.4.3, demzufolge 

nicht zu beanstanden ist, dass die weiteren Delikte nicht mehr im Einzelnen 

asperiert werden, wenn eine Strafe aufgrund des Verschlech-

terungsverbots nicht zu Lasten der beschuldigten Person abgeändert wer-

den darf). 

 

2.5. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der aktuelle 

Strafregisterauszug des Beschuldigten weist keine Vorstrafen auf. Die 

Vorstrafenlosigkeit hat allerdings als Normalfall zu gelten und ist neutral zu 

werten (BGE 136 IV 1). Andere Faktoren wie Einsicht, Reue oder ein 

Geständnis, welche eine Strafminderung rechtfertigen würden, liegen nicht 

vor. Eine erhöhte Strafempfindlichkeit ist nur bei aussergewöhnlichen 

Umständen zu bejahen (Urteile des Bundesgerichts 6B_301/2019 vom 

17. September 2019 E. 1.4.1; 6B_1354/2021 vom 22. März 2023 E. 2.4.3). 

Solche aussergewöhnlichen Umstände sind nicht ersichtlich und werden 

im Übrigen auch nicht vorgebracht. Insgesamt wirkt sich die 

Täterkomponente neutral aus. 

 

2.6. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze des Beschleunigungsgebots 

wiederholt dargelegt (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_855/2020 

vom 25. Oktober 2021 E. 1.5.4; BGE 143 IV 373). Darauf kann verwiesen 

werden.  

 

Gemäss Art. 408 Abs. 2 StPO [in Kraft seit 1. Januar 2024] entscheidet das 

Berufungsgericht innerhalb von zwölf Monaten. Das vollständig begründete 

Urteil ist den Parteien sodann innert 60 Tagen, ausnahmsweise 90 Tagen 

 - 22 - 

 

 

zuzustellen (Art. 84 Abs. 4 StPO). Diese Ordnungsfristen sind vom 

Obergericht nicht eingehalten worden. Die Berufungserklärung des 

Beschuldigten datiert vom 15. Februar 2023. Die Berufungsverhandlung 

hat sodann zwar am 15. Februar 2024 stattgefunden. Eine mündliche 

Eröffnung oder schriftliche Eröffnung im Dispositiv ist jedoch nicht erfolgt 

und bis zum Vorliegen des begründeten Urteils hat es knapp zwölf Monate 

gedauert. Es ist bei einer Gesamtbetrachtung von einer nicht mehr leichten, 

jedoch auch noch nicht sehr schweren Verletzung des Beschleunigungs-

gebots im Berufungsverfahren auszugehen. Dieser wäre mit einer 

Strafminderung im Umfang von drei Monaten angemessen Rechnung zu 

tragen, was aber nicht zu einer Reduktion der vorinstanzlichen Strafe führt, 

da es bei dieser nur aufgrund des Verschlechterungsverbots bleibt und 

ansonsten eine – auch unter strafmindernder Berücksichtigung der 

Verletzung des Beschleunigungsgebots – deutlich höhere Strafe 

auszufällen gewesen wäre (siehe dazu oben; Urteil des Bundesgerichts 

6B_127/2022 vom 22. März 2023 E. 5.3.2). Die Verletzung des 

Beschleunigungsgebots ist jedoch im Urteilsdispositiv aufzunehmen. 

 

2.7. 

Nach dem Gesagten kann die von der Vorinstanz ausgefällte Freiheits-

strafe von 18 Monaten nicht herabgesetzt werden. Das Obergericht hätte 

bereits für die schwerste Straftat, die versuchte schwere Körperverletzung, 

eine deutlich höhere Freiheitsstrafe als die Vorinstanz ausgesprochen, 

ohne dabei die Strafe für den Raufhandel festzulegen. Aufgrund des 

Verschlechterungsverbots hat es damit sein Bewenden. 

 

2.8. 

Die Vorinstanz hat die Freiheitsstrafe von 18 Monaten bedingt 

ausgesprochen, worauf aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht 

zurückzukommen ist. 

 

Der Beschuldigte hat bei der Tatbegehung über ein hohes Mass an 

Entscheidungsfreiheit verfügt. Im Strafverfahren hat er sich sodann nicht 

geständig gezeigt und weder Einsicht noch Reue gezeigt. Unter 

Berücksichtigung dieser Umstände bestehen nicht unerhebliche Bedenken 

an seiner Legalbewährung. Diesen ist – nebst der Ausfällung einer 

Verbindungsbusse (siehe dazu unten) – mit einer erhöhten Probezeit von 

drei Jahren, wie sie von der Vorinstanz ausgesprochen worden ist, 

Rechnung zu tragen. 

 

2.9. 

Die Untersuchungshaft von 2 Tagen (5. April 2020 bis 6. April 2020) ist dem 

Beschuldigten auf die Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB i.V.m. 

Art. 110 Abs. 7 StGB) 

 

 - 23 - 

 

 

2.10. 

Eine bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe kann mit einer Busse 

verbunden werden (Art. 42 Abs. 4 StGB). Vorliegend ist die Verbindung der 

bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe mit einer Busse angezeigt, um 

dem Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der Sanktion und die Konsequenzen 

seines Handelns deutlich vor Augen zu führen. Zudem soll er gegenüber 

einem Täter, der sich bloss wegen einer Übertretung – hier einer Tätlichkeit 

statt einer versuchten schweren Körperverletzung – zu verantworten hat 

und dafür mit einer Busse bestraft wird, nicht besser gestellt werden (sog. 

Schnittstellenproblematik). 

 

Mit Blick auf die Höhe der Verbindungsbusse ist zu berücksichtigen, dass 

das Obergericht aufgrund des Verschlechterungsverbots nicht über die 

vorinstanzlich ausgefällte Verbindungsbusse von Fr. 1'000.00 hinaus-

gehen kann. Eine Herabsetzung der Verbindungsbusse ist jedoch auch 

nicht angezeigt, zumal nach der Rechtsprechung der Verbindungsbusse 

nicht lediglich symbolische Bedeutung zukommen soll und bei einer 

bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten weit höhere Verbindungsbussen 

denkbar wären (vgl. BGE 149 IV 321 E. 1.3.1 f.). 

 

2.11. 

Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem Nichtbezahlen der 

Verbindungsbusse von Fr. 1'000.00 ist gemäss Art. 106 Abs. 2 und Abs. 3 

StGB ausgehend vom als Umrechnungsschlüssel zu verwendenden 

Tagessatz von Fr. 100.00 (BGE 149 I 248 E. 5.4.2) – abweichend von der 

Vorinstanz – auf 10 Tage festzusetzen.  

 

2.12. 

Zusammenfassend wird der Beschuldigte zu einer bedingten Freiheits-

strafe von 18 Monaten, Probezeit 3 Jahre, sowie einer Verbindungsbusse 

von Fr. 1'000.00, ersatzweise 10 Tage Freiheitsstrafe, verurteilt. 

 

3. 

3.1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten gestützt auf Art. 66a StGB für eine 

Dauer von 7 Jahren des Landes verwiesen. 

 

Der Beschuldigte beantragt ein Absehen von der Landesverweisung.  

 

3.2. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Landesverweisung gemäss 

Art. 66a StGB unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des EGMR zu 

Art. 8 EMRK wiederholt dargelegt (BGE 146 IV 311; BGE 146 IV 172; BGE 

146 IV 105; BGE 146 II 1; BGE 145 IV 455; BGE 145 IV 364; BGE 

145 IV 161; BGE 144 IV 332; statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 

7B_730/2023 vom 25. Oktober 2024 E. 4). Darauf kann verwiesen werden. 

 - 24 - 

 

 

 

3.3. 

Der Beschuldigte ist eritreischer Staatsangehöriger. Er hat mit der 

versuchten schweren Körperverletzung eine Katalogtat für eine obliga-

torische Landesverweisung gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB begangen 

(vgl. zur Anwendung auf den Versuch: BGE 144 IV 168 E. 1.4.1). Er ist 

somit grundsätzlich für die Dauer von 5 bis 15 Jahre aus der Schweiz zu 

verweisen. 

 

Von der Anordnung der Landesverweisung kann ausnahmsweise unter 

den kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1) einen 

schweren persönlichen Härtefäll bewirken würde und (2) die öffentlichen 

Interessen an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen 

des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. 

 

Die gesetzlichen Bestimmungen von Art. 66a StGB, wonach die Landes-

verweisung bei Vorliegen einer Katalogtat die Regel und das Absehen von 

der Landesverweisung unter restriktiver Annahme eines Härtefalls und 

eines überwiegenden privaten Interesses an einem Verbleib in der Schweiz 

die Ausnahme sein sollte, wurde u.a. bei Straftätern mit einer langen 

Aufenthaltsdauer in der Schweiz («long-term immigrants») oder solchen, 

die sich auf das Recht auf Achtung des Familienlebens nach Art. 8 EMRK 

berufen können, durch die Rechtsprechung des Bundesgerichts und des 

Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) stark relativiert 

(siehe dazu unten). 

 

3.4. 

3.4.1. 

Der eritreische Beschuldigte ist am ttmm.1992 in Keren (Eritrea) geboren. 

Er ist im Jahr 2015 illegal in die Schweiz eingereist (VA act. 509; MIKA-

Akten). Am 18. Januar 2017 wurde dem Beschuldigten Asyl gewährt und 

er wurde als Flüchtling anerkannt (MIKA-Akten, S. 20). Ihm wurde die 

Aufenthaltsbewilligung B erteilt. Er lebt damit seit rund 10 Jahren in der 

Schweiz. Damit ist er nach der Rechtsprechung des EGMR als «long-term 

immigrant» anzusehen (Urteil des Bundesgerichts 7B_730/2023 vom 

25. Oktober 2024 E. 4.6.1 mit Verweis auf das Urteil des EGMR 

Nr. 52232/20 i.S. P.J. und R.J. gegen die Schweiz vom 17. September 

2024, § 28), was es bei seinen persönlichen Interessen zu berücksichtigen 

gilt. Die Muttersprache des Beschuldigten ist Tigre, wobei er angibt auch 

Tigrinya zu sprechen. Trotz seines mehrjährigen Aufenthalts in der Schweiz 

und eines besuchten Deutschkurses spricht er nur gebrochen Deutsch. Für 

die Berufungsverhandlung war er grösstenteils auf einen Dolmetscher 

angewiesen. Mithin ist er sprachlich nur ungenügend integriert. 

 

Auch wenn der Beschuldigte erst im Alter von ca. 22 Jahren in die Schweiz 

eingereist ist und sich seine persönliche und gesellschaftliche Integration 

 - 25 - 

 

 

in Anbetracht seiner mehrjährigen Anwesenheit in der Schweiz als sehr 

schwach erweist, befindet sich sein Lebensmittelpunkt nunmehr in der 

Schweiz. Gemäss eigenen Aussagen ist er verheiratet, wobei seine Frau 

zusammen mit seiner Tochter im Sudan lebt. Er besuche sie einmal im Jahr 

(VA act. 509 f., Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 21 f.). Gemäss 

Aussagen seiner Verteidigerin wurde der Familiennachzug zwar bewilligt, 

jedoch seien seine Frau und sein Kind nach wie vor im Sudan, da seine 

Frau ihren Vater pflege (VA act. 567). Im Berufungsverfahren wird von der 

Verteidigerin des Beschuldigten ausgeführt, dass seine Familie aufgrund 

des Krieges und der stetigen Unruhen im Sudan nicht ausreisen könne. 

Jedenfalls verfügt er über keine Familie in der Schweiz. Er lebt alleine 

(Protokoll der Berufungsverhandlung S. 24). Seine sozialen Kontakte 

beschränken sich hier auf zwei bis drei Schweizer Freunde, die er treffe, 

wenn er frei habe (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 23). Ein aktuelles 

Engagement in einem Verein, einer gemeinnützigen Organisation oder 

Institution in der Schweiz ist nicht ersichtlich. Seine wirtschaftliche und 

berufliche Integration erweist sich als maximal durchschnittlich: Der 

Beschuldigte arbeitet seit ca. 5 Jahren als Rangierer und Reinigungskraft. 

Er arbeitet im Stundenlohn. Gemäss eigenen Angaben solle er aber eine 

Festanstellung bekommen und sei zum Schichtleiter befördert worden. Er 

verdient ca. Fr. 3'700.00 im Schnitt (Protokoll der Berufungsverhandlung 

S. 23). Schulden habe er keine (VA act. 38). Einträge im Strafregister weist 

er keine auf.  

 

3.4.2. 

Der in Eritrea geborene Beschuldigte hat gemäss eigenen Angaben dort 

bis zum 6. Schuljahr die Schule besucht. Danach habe er im Laden seines 

Vaters gearbeitet (MIKA-Akten, S. 5; vgl. Protokoll der Berufungs-

verhandlung S. 22). Er sei in Eritrea für sieben Monate festgehalten worden 

wegen seines Vaters. Dieser sei im Januar 2013 an politischen 

Auseinandersetzungen in Asmara beteiligt gewesen. Er sei im Jahr 2014 

aus der Haft geflüchtet (Protokoll der Berufungsverhandlung S. 22; vgl. 

MIKA-Akten, S. 2 ff.). Abgesehen davon habe er mit den Behörden in 

Eritrea keine Probleme gehabt und er sei auch nicht ins Militär einberufen 

worden (MIKA-Akten, S. 5 und 9). Seine Schwester lebe in Eritrea, sein 

Vater sei in Haft (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 24). 

 

Nachdem der Beschuldigte mit der Sprache, der Kultur und den 

Gepflogenheiten bestens vertraut ist, sind keine Gründe dafür ersichtlich, 

weshalb er sich in Eritrea nicht resozialisieren können sollte, zumal er dort 

nach eigenen Angaben noch gewisse Verwandte hat, die ihn bei der 

Resozialisierung unterstützen könnten, insofern eine solche überhaupt 

nötig ist. Aus den Akten ergeben sich – abgesehen von der Inhaftierung in 

Eritrea – sodann keine Hinweise darauf, dass der Beschuldigte Probleme 

mit den eritreischen Behörden gehabt hätte. Eine konkrete Gefährdung 

seines Leib und Lebens ist nicht ersichtlich. Es ist folglich nicht davon 

 - 26 - 

 

 

auszugehen, dass ihm bei einer Rückkehr nach Eritrea Folter oder eine 

anderweitige unmenschliche oder erniedrigende Strafe oder Behandlung 

im Sinne von Art. 3 EMRK drohen würde. Das Bundesgericht hat sodann 

in Bezug auf eritreische Flüchtlinge wiederholt festgestellt, dass die 

Flüchtlingseigenschaft allein der Anordnung der Landesverweisung nicht 

entgegensteht (Urteile des Bundesgerichts 6B_1367/2022 vom 7. August 

2023 E. 1.4.3; 6B_507/2020 vom 17. August 2020 E. 3.2, 6B_348/2020 

vom 14. August 2020 E. 1.2, 6B_423/2019 vom 17. März 2020 E. 2.2.2 und 

2.3).  

 

3.4.3. 

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Beschuldigte, bei dem es sich 

um einen anerkannten Flüchtling handelt und der über die Aufenthalts-

bewilligung B verfügt, seit rund zehn Jahren in der Schweiz lebt und 

deshalb zufolge EGMR als «long-term immigrant» gilt, auch wenn seine 

sprachliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Integration alles andere 

als mustergültig erscheint. Angesichts seiner Aufenthaltsdauer in der 

Schweiz, der Tatsache, dass es sich bei ihm um einen anerkannten 

Flüchtling handelt und er hier seinen Lebensmittelpunkt hat, ist von einem 

hohen privaten Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib in der 

Schweiz auszugehen, auch wenn eine berufliche, soziale und kulturelle 

Wiedereingliederung in der Heimat für ihn durchaus zu bewältigen wäre. 

Es ist insgesamt von einem schweren persönlichen Härtefall auszugehen. 

 

3.5. 

Der Beschuldigte hat sich u.a. der Katalogtat der versuchten schweren 

Körperverletzung schuldig gemacht. Er wird insgesamt zu einer bedingten 

Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Auch wenn die «Zweijahres-

regel», derzufolge es bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 

zwei Jahren oder mehr ausserordentlicher Umstände bedarf, damit das 

private Interesse des Betroffenen an einem Verbleib in der Schweiz das 

öffentliche Interesse an einer Landesverweisung überwiegt, nicht starr 

anzuwenden ist und ein (erhebliches) öffentliches Interesse auch bei 

tieferen Strafen vorliegen kann (vgl. z.B. Urteile des Bundesgerichts 

6B_1114/2022 vom 11. Januar 2023 E. 4 und 6B_108/2024 vom 1. Mai 

2024 E. 5), so liegt die ausgesprochene Freiheitsstrafe von 18 Monaten 

doch deutlich unter der Grenze von zwei Jahren. Vor allem aber ist im 

Lichte der zitierten Rechtsprechung des EGMR i.S. P.J. und R.J. gegen die 

Schweiz zu beachten, dass die Freiheitsstrafe bedingt ausgesprochen 

worden ist und der nicht vorbestrafte Beschuldigte somit gemäss EGMR 

keine erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellt. Auch hat 

sich der Beschuldigte seit der Tatbegehung – soweit ersichtlich – wohl 

verhalten. 

 

Zusammengefasst ist festzuhalten, dass beim Beschuldigten, der seinen 

Lebensmittelpunkt in der Schweiz hat, aufgrund seines langen Aufenthalts 

 - 27 - 

 

 

in der Schweiz («long-term immigrant») nicht nur ein Härtefall zu bejahen, 

sondern ihm auch ein hohes privates Interesse an einem Verbleib zu 

attestieren ist, welches unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des 

EGMR und des Bundesgerichts das nicht unerhebliche öffentliche 

Interesse an der Anordnung der Landesverweisung überwiegt. Damit 

erweist sich die Berufung des Beschuldigten in diesem Punkt als begründet 

und es ist von einer Landesverweisung abzusehen. 

 

4. 

4.1. 

Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es 

den Beschuldigten schuldig spricht (Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Die 

Zivilklage wird auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Privatklägerschaft ihre 

Klage nicht hinreichend begründet oder beziffert hat (Art. 126 Abs. 2 lit. b 

StPO). Ein Zivilanspruch ist sodann auch auf den Zivilweg zu verweisen, 

wenn die vollständige Beurteilung unverhältnismässig aufwendig wäre 

(Art. 126 Abs. 3 StPO). 

 

4.2. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, A._____ Fr. 500.00 zzgl. 

Verzugszins zu 5% seit 4. April 2020 als Genugtuung zu bezahlen.  

 

In der Berufung des Beschuldigten finden sich für den Fall der ganz oder 

teilweisen Abweisung der Berufung im Schuldpunkt keine Ausführungen zu 

der von der Vorinstanz zugesprochenen Genugtuung. Darauf ist somit nicht 

weiter einzugehen bzw. es kann auf die unbestritten gebliebenen 

Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO), 

zumal hinsichtlich der adhäsionsweise geltend gemachten Zivilforderungen 

die Dispositionsmaxime gilt. 

 

5. 

5.1.  

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge gutge-

heissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1145/2022 vom 

13. Oktober 2023 E. 3.2.1). 

 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten für das Berufungsverfahren gegen 

den Beschuldigten und die Mitbeschuldigten D._____ und C._____ 

belaufen sich auf insgesamt Fr. 12'000.00 (§ 18 VKD i.V.m. § 29 GebührD), 

der auf den Beschuldigten entfallende Anteil auf Fr. 4'000.00 (Art. 418 Abs. 

1 StPO). 

 

 - 28 - 

 

 

Der Beschuldigte erwirkt mit seiner Berufung, dass von einer 

Landesverweisung abgesehen wird und die Ersatzfreiheitsstrafe im Falle 

des Nichtbezahlens der Verbindungsbusse anstatt 20 Tage lediglich 10 

Tage beträgt. Im Übrigen wird seine Berufung abgewiesen und es bleibt 

auch bei der vorinstanzlich ausgesprochenen Freiheitsstrafe und der 

Verbindungsbusse. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, ihm die 

auf ihn entfallenden Verfahrenskosten zur Hälfte mit Fr. 2'000.00 

aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen. 

 

5.2. 

Die amtliche Verteidigerin ist für das Berufungsverfahren gestützt auf die 

von ihr eingereichte Kostennote, jedoch angepasst an die effektive Dauer 

der Berufungsverhandlung, aus der Staatskasse mit gerundet Fr. 6'140.00 

inkl. Dolmetscherkosten von Fr. 409.50 zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 

StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT; § 13 AnwT). 

  

Diese Entschädigung ist – ohne die Dolmetscherkosten – zur Hälfte vom 

Beschuldigten zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

5.3.  

5.3.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die vorinstanzlichen Kostenfolgen (Art. 428 Abs. 3 StPO). 

Im Hinblick darauf, dass die vorinstanzlichen Schuldsprüche bestätigt 

werden, sind die vorinstanzlichen Verfahrenskosten in der Höhe von 

Fr. 6'899.50 vom Beschuldigten zu tragen (Art. 426 Abs. 1 StPO). 

 

5.3.2. 

Die der amtlichen Verteidigerin für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochene Entschädigung von Fr. 11'175.05 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, weshalb darauf im Berufungsverfahren nicht mehr 

zurückzukommen ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 

28. Januar 2019).  

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten – ohne die bei der amtlichen 

Verteidigerin angefallenen Dolmetscherkosten von Fr. 409.00 – 

zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 StPO). 

 

5.4. 

Die dem Privatkläger A._____ für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochenen Parteientschädigungen ist im Berufungsverfahren 

unbestritten geblieben, weshalb darauf nicht zurückzukommen ist (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2.4). 

 

 - 29 - 

 

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Es wird festgestellt, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der versuchten schweren Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB; 

- des Raufhandels gemäss Art. 133 StGB. 

 

3. 

3.1. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 2 genannten 

Gesetzesbestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 

Abs. 1 StGB, Art. 40 StGB, Art. 42 StGB, Art. 44 StGB und Art. 106 StGB 

 

zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten, Probezeit 3 Jahre,  

 

sowie einer Verbindungsbusse von Fr. 1'000.00, ersatzweise 10 Tage 

Freiheitsstrafe, verurteilt.  

 

3.2. 

Die ausgestandene Untersuchungshaft von 2 Tagen wird dem 

Beschuldigten an die Freiheitsstrafe angerechnet.  

 

4. 

Von einer Landesverweisung wird gestützt auf Art. 66a Abs. 2 StGB 

abgesehen. 

 

5. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger A._____ Fr. 500.00 

zzgl. Verzugszins zu 5 % seit 4. April 2020 als Genugtuung zu bezahlen. 

 

6. 

6.1. 

Die anteilsmässig auf den Beschuldigten entfallenden obergerichtlichen 

Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem Beschuldigten zur Hälfte 

mit Fr. 2'000.00 auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse genommen.  

 

 - 30 - 

 

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der amtlichen Verteidigerin für 

das Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 6'140.00 

auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten ohne die Dolmetscherkosten 

von Fr. 409.50 zur Hälfte und zwar im Betrag von gerundet Fr. 2'860.00 

zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben. 

 

7. 

7.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 6'899.50 (inkl. 

Anklagegebühr von 1'550.00) werden dem Beschuldigten auferlegt. 

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

stattgefunden hat – angewiesen, der amtlichen Verteidigerin für das erst-

instanzliche Verfahren eine Entschädigung von Fr. 11'175.05 auszurichten. 

  

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten ohne die Dolmetscherkosten 

von Fr. 409.00 zurückgefordert, sobald es seine finanziellen Verhältnisse 

erlauben. 

 

7.3. 

Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger A._____ für das 

vorinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung von Fr. 366.00 zu 

bezahlen.  

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

  

 - 31 - 

 

 

   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht zu 

bezahlen bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der 

Probezeit aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere 

Straftaten verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 

Abs. 1 StGB). 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 15. Februar 2024 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Die Gerichtsschreiberin i.V.: 

 

 

 

Six     Bekaj