# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 72214c54-c6a4-5b6e-a4c3-996cbf348a47
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-03-11
**Language:** de
**Title:** Aargau Entscheidsammlung Baugesetzgebung 11.03.2013
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Baugesetzgebung/AG_BG_001_Kniestock--Geschossh_2013-03-11.pdf

## Full Text

Kniestock; Geschosshöhe 
– Messweise der Kniestockhöhe, wenn die Fassade an den Gebäudeecken zurückversetzt 

und das Dach entsprechend eingeschnitten ist  
– Begrenzt das kommunale Recht die Höhe eines Gebäudes, ist die kantonale Vorschrift 

über die Begrenzung der durchschnittlichen Geschosshöhe nicht zusätzlich anwendbar. 

 Entscheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (EBVU) vom 11. März 2013 (BVU-
RA.13.6) 

Aus den Erwägungen 

6. Geschossigkeit 
… 
f) 

Weitere Voraussetzung für die Qualifizierung als Dachgeschoss ist die Einhaltung einer auf kommu-
naler Stufe festgelegten Kniestockhöhe von 90 cm. Die Kniestockhöhe wird ab Oberkant des fertigen 
Dachgeschossbodens bis zum Schnittpunkt der Fassade mit der Dachoberfläche gemessen (§ 16 
Abs. 3 ABauV; vgl. dazu Erläuterungen zum Bau- und Nutzungsrecht des Kantons Aargau [BNR], 
herausgegeben vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt, 3. Auflage Juni 2012, S. 138). Die 
Messweise ist nicht Streitgegenstand. Vielmehr ist umstritten, wo der Kniestock zu messen ist: Die 
Beschwerdeführenden vertreten die Ansicht, dass die Messung bei den Rücksprüngen der nordwest-
lichen und der südwestlichen Gebäudeecken zu erfolgen habe, was Kniestockhöhen von 1,80 m 
bzw. 2,85 m ergebe. Demgegenüber legt der Gemeinderat … Dokumentationsmaterial (Referat der 
Rechtsabteilung BVU anlässlich der Informationsveranstaltung zur Umsetzung der Baugesetzgebung 
vom 24. September 1997) mit folgendem Inhalt ins Recht:  

"… Bei einem Bauvorhaben ist die Fassade auf beiden Enden zurückversetzt und das Dach entspre-
chend eingeschnitten. Wo die Fassade zurückversetzt ist, überschreitet der Kniestock das für Dach-
geschosse vorgeschriebene Mass. Dachgeschoss oder Vollgeschoss? 
Auffassung RA/BD: 
Hängt einerseits vom Ausmass der Rückversetzung und andererseits von der konkreten Belichtungs-
situation ab. Die Zurückversetzung wird als untergeordnet beurteilt, wenn ein Drittel der Fassaden-
länge nicht überschritten wird (vgl. Art. 2 Abs. 2 ABauV). Allerdings darf durch die Rückversetzung 
nicht der Eindruck eines weiteren Geschosses entstehen, bzw. die Ausnützungsmöglichkeit erhöht 
werden. Im zurückversetzten Dachteil dürfen somit keine Fenster angebracht werden. In diesem 
Rahmen ist trotz 'teilweiser Verletzung' der für Dachgeschosse als maximal erklärten Kniestockhöhe 
von einem Dachgeschoss auszugehen. 
Die für den Bauherrn günstige Betrachtungsmethode rechtfertigt sich auch deshalb, weil der Gesetz-
geber die rechteckige Grundrissform nicht privilegieren wollte. …" 

Die vom Gemeinderat eingereichte Textpassage gibt exakt die vom BVU konstant vertretene Rechts-
auffassung wieder, wonach der Kniestock nicht im rückversetzten Teil gemessen wird, wenn die 
Rückversetzung nur untergeordnet ist, das heisst (in Anlehnung an die Vorschriften über untergeord-
nete Gebäudeteile gemäss § 2 Abs. 2 ABauV), wenn (a) die Rückversetzung einen Drittel der Fas-
sadenlänge nicht überschreitet und (b) durch die Rückversetzung nicht der Eindruck eines weiteren 
Geschosses entsteht bzw. die Ausnützungsmöglichkeit erhöht wird, d.h. keine Fenster angebracht 
werden. 

2 von 2 

Vorliegend halten sowohl der südwestliche als auch der nordwestliche Rücksprung mit je einer Breite 
von 2 m den erforderlichen Drittel der Fassadenlänge von 15,40 m ein; die Rücksprünge sind dem-
entsprechend beide als untergeordnet zu bezeichnen. Sodann weisen beide Fassadenrücksprünge 
keine Fenster auf; ohne Belichtung entsteht aber nicht der Eindruck eines zusätzlichen Geschosses. 
Nach dem Gesagten ist vorliegend der Kniestock nicht bei den Fassadenrücksprüngen zu messen, 
sondern bei der Nord- bzw. Südfassade, welche beide einen Kniestock von 90 cm aufweisen; damit 
hält das Bauvorhaben die Vorschriften über den Kniestock ein. … 

g) 

Die Beschwerdeführenden bringen im Zusammenhang mit der Einhaltung der Grenzabstandsvor-
schriften vor, dass der Fitnessraum eine Geschosshöhe von 3,20 m aufweise, womit die zulässige 
Höhe von Vollgeschossen von 3,00 m gemäss § 14 Abs. 3 ABauV überschritten werde. …  

Die Beschwerdeführenden berufen sich auf § 14 Abs. 3 ABauV, wonach die Höhe der Vollgeschosse 
im Durchschnitt höchstens 3 m beträgt, soweit die Gemeinden nichts anderes festlegen. Diesem 
Argument ist entgegenzuhalten, dass die Bestimmung über die Geschosshöhe gemäss § 14 Abs. 3 
ABauV nur dann Anwendung findet, wenn die Gemeinde die zulässige Höhe einer Baute nicht direkt 
(mittels Gebäudehöhe) regelt, sondern die zulässige Höhe von Gebäuden ausschliesslich durch die 
Geschosszahlen bestimmt (vgl. dazu auch die Erläuterungen im BNR, S. 56, zu § 22 BauV, welcher 
nach Übernahme der IVHB in ihr kommunales Recht Geltung erlangt). Dies ergibt sich bereits aus 
§ 49 BauG, welcher bestimmt, dass die Gemeinden wahlweise die zulässige Höhe von Gebäuden 
bestimmen oder die Geschosszahlen (vgl. VGE III/9 v. 24. April 2008, S. 7 f.). Mit § 14 Abs. 3 ABauV 
kann in den Fällen, in denen die Gemeinde die Höhe eines Gebäudes einzig über die Geschoss-
zahlen definiert, indirekt die Höhe eines Gebäudes begrenzt werden, indem überhöhte einzelne Ge-
schosse durch entsprechend kleinere Geschosse zu kompensieren sind, damit das Durchschnitts-
mass nicht verletzt wird. Legen im konkreten Fall aber die Zonenvorschriften eine einzuhaltende 
maximale Gebäudehöhe fest, wird der Rahmen für die Höhe einer Baute unabhängig von der Di-
mensionierung der Geschosse fixiert und es bedarf keiner zusätzlichen Beschränkungen über die 
durchschnittliche Geschosshöhe mehr. 

In der Landhauszone von A. gilt eine Gebäudehöhe von 5,50 m (§ 51 Abs. 2 BO); § 14 Abs. 3 
ABauV ist somit nicht anwendbar. Das ist auch ohne Weiteres nachvollziehbar, wenn man sich vor 
Augen führt, dass in vorliegendem Fall mit einer regelkonformen Bauweise mit einem Untergeschoss 
gemäss § 15 ABauV (welches das gewachsene Terrain um 80 cm überragen darf), einem auf 3,0 m 
beschränkten Vollgeschoss und einem Dachgeschoss mit einem Kniestock von 90 cm die maximal 
zulässige Gebäudehöhe von 5,50 m überhaupt nie erreicht werden könnte. Damit ist die Geschoss-
höhe von 3,20 m des geplanten und mit einer Terrasse überdachten Fitnessraums nicht zu bean-
standen. 

 

Stichwörter: Geschosshöhe; Kniestock