# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d6480037-9f8a-5c34-91ae-cc185ee34cc6
**Source:** Nidwalden (NW)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-02
**Language:** de
**Title:** Nidwalden Gerichte 02.06.2021 24398
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/NW_Gerichte/NW_OG_001_24398_2021-06-02.pdf

## Full Text

GERICHTE     VERWALTUNGSGERICHT  Marktgasse 4, 6371 Stans, 041 618 79 70, www.nw.ch 

 

SV 20 2  Beschwerde beim Bundesgericht hängig 

 

 

Entscheid vom 29. Juni 2020 

Sozialversicherungsabteilung 

 

 

 

 

Besetzung Vizepräsidentin Barbara Brodmann, Vorsitz, 

 Verwaltungsrichter Heinz Metz, 

 Verwaltungsrichterin Dr. med. Carole Bodenmüller, 

Gerichtsschreiberin Carmen Meier. 

 

 

 

Verfahrensbeteiligte A.__,  

 

vertreten durch lic. iur. Claude Béboux, Rechtsanwalt,  

Zimmerli & Béboux Rechtsanwälte AG, Eichwaldstrasse 5, 

Postfach, 6005 Luzern, 

Beschwerdeführerin, 

 

 

 

gegen 

 

 

 

Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG, 

Richtiplatz 1, 8304 Wallisellen, 

Zustelladresse: Zentralinkasso, Postfach, 8010 Zürich, 

Beschwerdegegnerin. 

 

 

 

 

 

 

Gegenstand Leistungen UVG  

 

Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der Allianz vom 

15. November 2019. 

. 

2 

 

Sachverhalt: 

A.  

a. 

Die 1981 geborene A.__ (Versicherte und Beschwerdeführerin) war seit dem 2. August 2001 

bei der B.__ tätig und damit bei der Allianz Suisse Versicherungsgesellschaft AG (Allianz) 

obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert, als sie im 

Oktober 2002 mit dem Fahrrad verunfallte und sich ein Schädelhirntrauma mit multiplen 

intracerebralen Blutungen sowie eine Claviculafraktur rechts zuzog.  

Die Versicherte konnte in Zusammenarbeit mit dem Case Management der Allianz sowie der 

Invalidenversicherung die Handelsschule abschliessen und zur Informations- und 

Dokumentations-Assistentin mit Abschluss im August 2009 umgeschult werden. Mit Verfügung 

vom 19. Juli 2011 (bg.Bel. 393) schloss die Allianz den Fall ab und sprach der Versicherten 

eine Invalidenrente entsprechend einem Invaliditätsgrad von 46% ab 1. Januar 2011 sowie 

eine Integritätsentschädigung von 50% zu. Die Rentenverfügung blieb unangefochten. 

 

b. 

Die Invalidenversicherung sprach der Versicherten mit Verfügung vom 24. Oktober 2011 eine 

Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 42% ab 1. Januar 2011 zu (IV-act. 325). 

Aufgrund des von der Versicherten im September 2013 eingeleiteten Revisionsverfahrens 

verfügte die Invalidenversicherung am 5. November 2014 eine Erhöhung der Invalidenrente 

ab 1. Oktober 2013 bei einem Invaliditätsgrad von 55% (IV-act. 383).  

 

c. 

Im Januar 2015 orientierte die Versicherte die Allianz über die Rentenanpassung der 

Invalidenversicherung (bg.Bel. 436). Im Rahmen des daraufhin eröffneten 

Revisionsverfahrens wurde beim Zentrum für Medizinische Begutachtungen (ZMB) das 

Verlaufsgutachten vom 27. Oktober 2015 eingeholt (bg.Bel. 456). Mit Verfügung vom 11. April 

2016 errechnete die Allianz einen Invaliditätsgrad von 58% (bg.Bel. 472). Dagegen erhob die 

Versicherte am 9. Mai 2016 Einsprache (bg.Bel. 475). Am 10. September 2019 stellte die 

Allianz der Versicherten eine drohende reformatio in peius in Aussicht, worauf sich die 

Versicherte am 10. Oktober 2019 vernehmen liess (bg.Bel. 532 und 536).  

 

3 

 

Mit Entscheid vom 15. November 2019 wies die Allianz die Einsprache ab, hob die Verfügung 

vom 11. April 2016 auf und bestätigte die Weiterausrichtung der Rente gemäss Verfügung 

vom 19. Juli 2011 (bg.Bel. 538). Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende 

Wirkung entzogen. 

 

B. 

Gegen den Einspracheentscheid liess die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 3. Januar 

2020 beim Verwaltungsgericht Nidwalden Beschwerde mit folgenden Anträge stellen: 

«1. Der Einsprache-Entscheid vom 15. November 2019 sei aufzuheben. 

  2. Die Einsprache vom 9. Mai 2016 sei vollumfänglich gutzuheissen. 

  3. Eventualiter sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 11. April 2016 zu 

bestätigen. 

  4. Die Beschwerdeführerin habe der Beschwerdegegnerin vorbezahlte CHF 4'700.00 

infolge bewilligter Therapiesitzungen zurück zu erstatten. 

  5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.» 

 

C. 

Die Allianz schloss mit Beschwerdeantwort vom 3. Februar 2020 auf Abweisung der 

Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.  

 

D. 

Am 12. Februar 2020 verfügte die Verfahrensleitung den Beizug der Akten der 

Invalidenversicherung. 

 

E. 

Mit Replik vom 16. März 2020 und Duplik vom 14. April 2020 erneuerten die Parteien ihre 

Rechtsbegehren. Damit war der Rechtsschriftenwechsel abgeschlossen. 

 

F. 

Die Sozialversicherungsabteilung des Verwaltungsgerichts Nidwalden hat die vorliegende 

Streitsache an ihrer Sitzung vom 29. Juni 2020 abschliessend beraten und beurteilt. Auf die 

Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und in den Akten wird – soweit für die 

Entscheidfindung erforderlich – in den Erwägungen eingegangen. 

 

4 

 

Erwägungen: 

1. 

Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet der Einspracheentscheid der Allianz 

vom 15. November 2019. Gemäss Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 

ATSG (SR 830.1) kann gegen diesen Entscheid Beschwerde beim Versicherungsgericht 

desjenigen Kantons erhoben werden, in welchem die versicherte Person zur Zeit der 

Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Die Beschwerdeführerin hat ihren Wohnsitz in Hergiswil 

NW, womit die örtliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Nidwalden 

gegeben ist. Sachlich zuständig für die Beurteilung ist die Sozialversicherungsabteilung des 

Verwaltungsgerichts, welche in Dreierbesetzung entscheidet (Art. 39 GerG i.V.m. Art. 33 Ziff. 2 

GerG [NG 261.1]). Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin des angefochtenen Entscheides 

berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen gerichtlicher Überprüfung (Art. 59 

ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit 

einzutreten (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG). 

 

2. 

Die Beschwerdeführerin beanstandet zunächst die Untätigkeit der Allianz im Anschluss an die 

Einsprache vom 9. Mai 2016. Soweit sie damit eine Rechtsverzögerung geltend machen sollte, 

ist hierauf mangels eines Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten, da die Allianz einen 

Einspracheentscheid erlassen hat. 

 

3. 

3.1 

Die Allianz erwog gestützt auf das im Rahmen des Revisionsverfahrens eingeholte 

Verlaufsgutachten ZMB vom 27. Oktober 2015, der gesundheitliche Zustand der Versicherten 

habe sich seit der erstmaligen Begutachtung durch das Schweizerische Institut für 

Versicherungsmedizin (SIVM) im Mai 2011 nicht verändert. Ebenso wenig lägen 

wirtschaftliche Tatsachen vor, die eine revisionsrelevante Veränderung bewirkten. Demnach 

liege kein Revisionsgrund vor, weshalb die Revisionsverfügung vom 11. April 2016 ersatzlos 

aufzuheben sei und es bei der Anspruchsberechtigung gemäss der Verfügung vom 19. Juli 

2011 bleibe. 

 

5 

 

3.2 

Die Beschwerdeführerin macht sowohl eine massgebliche Verschlechterung des 

Gesundheitszustandes als auch eine wirtschaftliche Veränderung im Zeitpunkt der Verfügung 

vom 11. April 2016 geltend.  

 

3.3 

Strittig und zu prüfen ist, ob wegen einer wesentlichen Veränderung des 

Gesundheitszustandes oder der wirtschaftlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin die 

Voraussetzungen für eine Revision gegeben sind. 

 

4. 

4.1 

Die Revision einer Invalidenrente der Unfallversicherung richtet sich – vom vorliegend nicht 

erfüllten Spezialfall von Art. 22 UVG abgesehen – nach Art. 17 Abs. 1 ATSG (vgl. Art 1 Abs. 1 

UVG). Gemäss dieser Norm wird die Rente dann von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für 

die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der 

Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich ändert. Anlass 

zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit 

Zusprache der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu 

beeinflussen; insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des 

Gesundheitszustands revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem 

Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von 

Bedeutung; dazu gehört die Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aufgrund einer Angewöhnung 

oder Anpassung an die Behinderung. Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung 

eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext 

unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Für das Vorliegen einer erheblichen 

Sachverhaltsänderung genügt es nicht, dass der bereits bekannte, im Zeitpunkt der 

ursprünglichen Rentenverfügung gegebene Sachverhalt anders bewertet wird und daraus 

andere Schlussfolgerungen gezogen werden als im früheren Verwaltungs- und/oder 

Beschwerdeverfahren. Vielmehr bedarf es neuer Elemente tatsächlicher Natur, die nach der 

ursprünglichen Rentenverfügung eingetreten und zu dem damals gegebenen Sachverhalt 

hinzugekommen sind oder diesen verändert haben. Ein unveränderter Gesundheitszustand 

bzw. die bloss auf einer anderen Wertung beruhende medizinische oder rechtliche 

Einschätzung von im Wesentlichen unveränderten tatsächlichen Verhältnissen führt nicht zu 

6 

 

einer materiellen Revision (Urteil des Bundesgerichts 9C_418/2010 vom 29. August 2011 E. 

4.1; BGE 115 V 308 E. 4a/bb). 

Ob eine derartige tatsächliche Änderung oder ob eine revisionsrechtlich unbeachtliche 

abweichende ärztliche Einschätzung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen 

Gesundheitszustandes vorliegt, bedarf ‒ auch mit Blick auf die mitunter einschneidenden 

Folgen für die versicherte Person ‒ einer sorgfältigen Prüfung. Dabei gilt der Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit einer Verbesserung tatsächlicher 

Art genügt nicht (Urteil des Bundesgerichts 8C_373/2012 vom 25. Oktober 2012 E. 5.1). 

Bei prozentgenauen Renten wie bei der Unfallversicherung wird eine erhebliche Änderung 

angenommen, wenn sich der Invaliditätsgrad um 5% ändert (BGE 133 V 545 E. 6.2 mit 

Hinweisen). 

 

4.2 

Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und 

tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere 

Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen und E. 6.1). Entsprechend ist 

gegebenenfalls nicht nur der natürliche Kausalzusammenhang, sondern auch dessen 

Adäquanz für die Zukunft neu zu prüfen, wobei die im Zeitpunkt der erwogenen 

revisionsweisen Leistungsanpassung gegebenen tatsächlichen Verhältnisse massgebend 

sind (u.a. Urteile des Bundesgerichts 8C_248/2017 vom 24. Mai 2018 E. 3.3; 8C_147/2017 

vom 2. August 2017 E. 3.2 mit Hinweisen). Ist eine anspruchserhebliche Änderung des 

Sachverhalts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, bleibt es dagegen nach dem 

Grundsatz der materiellen Beweislast beim bisherigen Rechtszustand (Urteil des 

Bundesgerichts 9C_478/2012 vom 14. Dezember 2012 E. 2). 

 

4.3 

Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des 

Invaliditätsgrades ist die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung 

des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und – 

sofern Anhaltspunkte für eine Veränderung der erwerblichen Auswirkungen einer 

Gesundheitsschädigung bestehen – Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht 

(BGE 134 V 131 E. 3, 133 V 108 E. 5.3.1 und E. 5.4).  

 

7 

 

4.5 

Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das 

Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur 

Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den 

Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und 

bezüglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind ärztliche 

Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen 

den Versicherten noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 S. 99 f., 125 V 256 E. 4 

S. 261). 

 

4.6 

Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes 

wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, 

sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (Art. 61 lit. c ATSG). Sie haben alle 

Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu 

entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen 

Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden 

medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu 

würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere 

medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a). 

 

4.7 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten 

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in 

der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen 

Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 

231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).  

Der Beweiswert eines zwecks Rentenrevision erstellten Gutachtens hängt wesentlich davon 

ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema - erhebliche Änderung(en) des Sachverhalts 

- bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvollziehbaren und schlüssigen 

medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der 

Rentenberechtigung beweisend wäre, mangelt es daher in der Regel am rechtlich 

erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche 

https://www.koordination.ch/de/online-handbuch/atsg/rentenrevision/vorgehen-gutachten/

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Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern eine effektive Veränderung des 

Gesundheitszustandes stattgefunden hat. Vorbehalten bleiben Sachlagen, in denen es 

evident ist, dass die gesundheitlichen Verhältnisse sich verändert haben. Dabei ist zu 

berücksichtigen, dass weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich 

attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des 

geltend gemachten Leidens genügt, um auf einen verbesserten Gesundheitszustand zu 

schliessen; notwendig ist vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 

8C_300/2020 vom 2. Dezember 2020 E. 2.6.2 mit weiteren Hinweisen).  

 

4.8 

Der Invaliditätsbegriff der Invalidenversicherung und der Unfallversicherung stimmt 

grundsätzlich überein (vgl. Art. 8 ATSG und Art. 18 UVG). Das hat zur Folge, dass die 

Schätzung der Invalidität mit Bezug auf den gleichen Gesundheitsschaden im Regelfall in 

beiden Versicherungszweigen zum selben Ergebnis zu führen hat. Abweichungen sind 

dennoch nicht ausgeschlossen (BGE 126 V 288 E. 2a und 2b mit Hinweisen). So hat nämlich 

jede Versicherung die Invaliditätsbemessung selbständig und basierend auf einer eigenen 

Prüfung vorzunehmen (BGE 133 V 549 E. 6.1, BGE 126 V 288 E. 2d). Gemäss der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung entfaltete die Invaliditätsschätzung der 

Invalidenversicherung gegenüber dem Unfallversicherer keine Bindungswirkung - und 

umgekehrt (BGE 133 V 549 E. 6.2, 131 V 362 E. 2.2.1 vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 

8C_754/2014 vom 27. März 2015 E. 2).  

 

4.9 

Der gerichtliche Überprüfungszeitraum beschränkt sich grundsätzlich auf den Sachverhalt, wie 

er sich bis zum Erlass der streitigen Verwaltungsverfügung verwirklicht hat (BGE 132 V 215 

E. 3.1.1). Nachdem die Beschwerdeführerin keine seit der Begutachtung vom Oktober 2015 

bis zum angefochtenen Entscheid eingetretene Veränderung des Gesundheitszustandes 

geltend macht, besteht keine Veranlassung zur Annahme, dass das Revisionsgutachten 

zufolge veränderter Verhältnisse an Aktualität eingebüsst hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_331/2010 vom 12. Juli 2010 E. 3.3.3 mit weiteren Hinweisen).  

 

9 

 

5. 

5.1 

Zeitliche Vergleichsbasis zu den mit dem angefochtenen Einspracheentscheid vom 15. 

November 2019 beurteilten Verhältnissen bildet der Sachverhalt, auf dessen Grundlage die 

Allianz mit Verfügung vom 19. Juli 2011 eine Rente bei einem Invaliditätsgrad von 46% 

zusprach.  

 

5.2 

5.2.1 

Grundlage für die ursprüngliche Rentenverfügung vom 19. Juli 2011 bildete das neurologische 

Gutachten des Schweizerischen Instituts für Versicherungsmedizin (SIVM) vom 5. Mai 2011 

(bg.Bel. 376). Der Neurologe Dr. med. C.__ stellte folgende Diagnosen: 

− Leichte bis mittelschwere Hirnfunktionsstörung nach schwerer traumatischer Hirnverletzung mit 

rechtsseitigen fronto-parieto-temporaler Hirnkontusion, linksseitiger okzipitaler Hirnkontusion und diffuser 

axonaler Hirnschädigung. Konsekutives sensomotorisches Hemisyndrom rechts (remittiert) und Aphasie 

(Wortfindungsstörung) 

− Posttraumatische belastungsabhängige Spannungstyp-Kopfschmerzen 

− Posttraumatische Epilepsie 

− Zentrale Hörbeeinträchtigung 

− St. n. Subdural- und Subarachnoidalblutung fronto-parieto-temporal links 

− St. n. Nadeltrepanation frontal rechts und Einlage einer intraparenchymatösen Hirndrucksonde am 

14.10.2002 

− St. n. Hemikraniektomie links am 15.10.2002 

− St. n. nicht dislozierter medialer und lateraler Orbitawandfraktur rechts 

− St. n. Hämatosinus ethmoidalis rechts 

− St. n. Clavikulafraktur rechts 

− Tinnitus aurium, AU seit Mitte 80-er Jahre (Bericht vom 18.11.2004) 

 

In seiner Beurteilung hielt der Neurologe unter anderem fest, es bestehe insgesamt als Folge 

der schweren Hirnverletzung, mit unter anderem links fronto-basalen posttraumatischen 

Hirnparenchymveränderungen, eine reduzierte körperliche und geistige Belastbarkeit, 

Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen sowie Störungen der kognitiven Flüssigkeit, was 

sich in einer Verlangsamung des Denkens und Lernens äussere (S. 20 Abs. 6). Die kognitiven 

Störungen förderten eine verstärkte Ermüdbarkeit und verminderte Belastbarkeit, was sich bei 

Arbeiten äussere, die eine hohe Konzentration und geringe Fehlerquote voraussetzten. Die 

Auswirkungen auf den Alltag würden sich während der Untersuchungssituation nicht getreu 

prüfen oder abklären lassen, lägen aber im Erfahrungsspektrum mit Menschen dieses 

10 

 

Verletzungsgrades. Die posttraumatische Epilepsie zeige gestörte elektrophysiologische 

Abläufe im Gehirn, die sich typischerweise in Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen 

äusserten. Obschon nicht von vergleichbarer Bedeutung wie die Veränderungen des 

Hirnparenchyms, habe die Behandlung der Epilepsie mit Tegretol einen ungünstigen Effekt 

auf die Aufmerksamkeit und das Lernen (S. 20 Abs. 7).  

Hinsichtlich der angestammten Tätigkeit als Export-Assistentin notierte der Gutachter, die 

Versicherte sei zur Zeit des Unfalls noch in Ausbildung gewesen. Sie habe zwar als Export-

assistentin bei der Firma D.__ gearbeitet, aber vorgehabt, die Berufsmatura abzulegen und 

eine Ausbildung als Übersetzerin in Angriff zu nehmen. Ihre Tätigkeit als Exportassistentin 

habe in der Ausstellung von Speditionsverträgen und Ursprungszeugnissen, der 

Dossierbearbeitung, Telefonaten, Besprechungen und Fotokopieren bestanden. Rund 80% 

der Arbeit habe sie am Computer erledigt. Die aktuelle Arbeitsunfähigkeit in dieser Tätigkeit 

hänge weniger von den einzelnen Aufgaben ab, als von der Last der Arbeit (erwarteter 

«output») und der Anforderung, verschiedene Tätigkeiten zugleich oder unter 

Berücksichtigung anderer Tätigkeiten (Priorisieren, sicherer Griff auf Wissen oder notwendige 

Fakten, etc.) mit Durchsetzungsvermögen durchzuführen. In einem hektischen Umfeld mit 

hohen Ansprüchen an Qualität, Effizienz und Leistung sei die Arbeitsfähigkeit nicht mehr 

gegeben, in einer wenig anspruchsvollen Tätigkeit der gleichen Art könne eine 

Restarbeitsfähigkeit bestehen. Einschränkend wirke sich die verstärkte Ermüdbarkeit und der 

vermehrte Erholungsbedarf aus (S. 23 Ziff. 3.1.1). Im herrschenden wettbewerbs- und 

leistungsorientierten Umfeld erachte er die Arbeitsunfähigkeit als Exportassistentin bei 40% 

bei einer zusätzlichen Leistungseinbusse von 20% (S. 23 Ziff. 3.1.3). Tätigkeiten, die ein hohes 

Mass an Selbstorganisation, Lernen von Fakten oder Abläufen, Dauerkonzentration oder 

Übersicht über mehrere Abläufe erfordern, seien nicht geeignet, da sie intakte fronto-parietale 

Hirnstrukturen voraussetzten (S. 23 Ziff. 3.1.2).  

Die aktuelle Tätigkeit als I&D-Assistentin bzw. Handbuchbinderin in der E.__ sei bereits besser 

geeignet als die frühere, um ein höheres Arbeitspensum über längere Zeit zu bestehen (S. 24 

Ziff. 3.2.2). Sie habe wegen den hohen Anforderungen an Konzentration und Fehlerquote 

jedoch nicht standhalten können und das Pensum von 80% auf 60% reduzieren müssen (S. 

26 Ziff. 2a). Die Versicherte sei der Meinung, dass sie in einer stärker handwerklich orientierten 

Tätigkeit, bei welcher die erwähnten ungünstigen kognitiven Inhalte nicht oder kaum aufträten, 

eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80% möglich wäre. Geeignet sein könnten Tätigkeiten 

landwirtschaftlicher Art (z.B. Gärtnerei), eventuell Sicherheits- oder 

Qualitätssicherungsaufgaben. Denkbar seien seines Erachtens auch Betreuungsaufgaben 

11 

 

eventuell, pflegerische Tätigkeiten. Die ihm vorschwebenden Tätigkeiten dürften kognitive 

Ansprüche stellen, allerdings nicht an ein hohes Leistungsvermögen gebunden sein. 

Tätigkeiten, die bei hohen Leistungserwartungen eine konstant hohe Konzentration erfordern, 

eine geringe Fehlerquote zuliessen und überdies durch externe Bedingungen (Telefonate, 

Grossraumbüro etc.) die Ablenkbarkeit schürten, seien als dauerhafter Arbeitsplatz ungeeignet 

(S. 24 Ziff. 3.2.2). 

 

5.2.2 

Ausgehend von einer Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Exportassistentin von 

40% mit einer zusätzlichen Leistungseinbusse von 20% und einer Arbeitsfähigkeit von 80% in 

einer angepassten Tätigkeit, errechnete die Allianz anhand der statistischen 

Durchschnittswerte der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für 

Statistik, Tabelle TA1 2008, Anforderungsniveau 4, einen Invaliditätsgrad von 46%. 

 

5.3 

Das im Rahmen der Rentenrevision eingeholte interdisziplinäre Gutachten des Zentrums für 

Medizinische Begutachtungen (ZMB) vom 27. Oktober 2015 basiert auf den Untersuchungen 

des Internisten Dr. med. F.__, des Orthopäden Dr. med. G.__, des Neurologen Dr. med. H.__, 

des Psychiaters Dr. med. I.__ und des Neuropsychologen lic. phil. J.__ (bg.act. 456). Die 

Gutachter stellten folgende Diagnosen: 

 Status nach Fahrradsturz mit schwerem Schädelhirntrauma am 14.10.2002 
− ausgedehnte Kontusionsblutungen fronto-temporo-parietal links und pariental rechts, «shearing injuries» 

fronto-parietal links, Subdural- und Subarachnoidalblutung links; nicht dislozierte mediale und laterale 
Orbitawandfaktur rechts; Hämatosinus ethmoidalis rechts 

− Status nach Implantation einer Hirndrucksonde rechts frontal am 14.10.2002 

− Status nach Hemicarniektomie links am 15.10.2002 bei massiver Hirnschwellung 

− Status nach Wiedereinsetzen des Knochendeckels am 30.01.2003 

− klinisch sensomotorisches Hemisyndrom rechts und Aphasie 

− Claviculafraktur rechts (konservative Therapie) 

residuell: 

− Organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma 

− sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Schädigung des Gehirns nach 

Unfall 

− Smyptomatische Epilepsie mit sekundär generalisierten Anfällen 01/2009 und 08/2009 

− unter antieptileptischer Abschirmung anfallsfrei 

− anamestisch Verdacht auf intermittierenden benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel im Sinne einer 

Canalolithiasis 

− Sensibilitätsstörung am lateralen linken Fuss 

12 

 

− Status nach rezidivierend depressiven Störungen, aktuell remittiert 

− Migräne ohne Aura 

− Tinnitus aurium seit ca. 1994 

− Status nach Velounfall am 04.06.2008 mit 

− Kniekontusion rechts, Kopf-/HWS-Distorsion 

− Status nach Ulnaabsprengfraktur Handgelenk links 12/2000 

− substituierte Hypothyreose seit circa 10/2014 

Im Rahmen der interdisziplinären Konsensbesprechung wurden aus internistischer und 

orthopädischer Seite keine Unfallfolgen festgehalten (S. 72 Abs. 3 f.). Die 

Nackenbeschwerden konnten aus orthopädischer Sicht nicht objektiviert werden (S. 74 Ziff. 

7.1.3).  

Aus neurologischer Sicht wurde das schwere Schädelhirntrauma mit ausgedehnter 

Kontusionsblutung cerebral bestätigt. Residuell würden kognitive Defizite im Rahmen eines 

organischen Psychosyndroms nach Schädelhirntrauma persistieren. Die symptomatische 

Epilepsie mit sekundär generalisierten Anfällen sei unter antiepileptischer Abschirmung mit 

Tegretol soweit behandelt, dass die Versicherte anfallsfrei sei. Im Vordergrund stünden die 

kognitiven Defizite, anamnestisch in erster Linie mit einer verminderten Belastbarkeit 

respektive vermehrten Ermüdbarkeit. Auch die Probleme auf emotionaler Ebene seien bei 

frontaler (v.a. linksseitiger) Hirnschädigung auf der Basis einer organisch-traumatischen 

Grundlage zu erklären. Die von der Versicherten beschriebenen intervallartig auftretenden 

Kopfschmerzen seien im Rahmen einer Migräne ohne Aura zu sehen. Der beidseitige Tinnitus 

sei prätraumatisch vorbestehend und stehe nicht im Vordergrund. Aus neurologischer Sicht 

sei seit Jahren von einem Endzustand auszugehen. Im Vordergrund stünden die kognitiven 

und emotional-affektiven Probleme als Folge des erlittenen Schädelhirntraumas mit 

struktureller Hirnschädigung (S. 72 Abs. 5). 

In der neuropsychologischen Untersuchung habe sich eine deutlich beeinträchtigte Merk-

fähigkeit für Texte, eine Überforderung am Telefon, eine deutlich verlangsamte Reaktionszeit 

und eine Unsicherheit im Links-/Rechts-Schema von Körperteilen gezeigt. Unter Berück-

sichtigung der prämorbid überdurchschnittlichen Leistungsfähigkeit der Explorandin müsse 

von einer leichten bis mittelschweren neuropsychologischen Beeinträchtigung ausgegangen 

werden (S. 72 f. Abs. 6).  

Aus psychiatrischer Sicht erfülle die Versicherte sämtliche Kriterien nach ICD-10 für ein  

organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma. Sie weise Gedächtnisstörungen auf, 

habe Lernschwierigkeiten, Konzentrationsstörungen, reagiere mit geistiger Ermüdung bei 

Belastungen. Zudem bestehe auch eine sonstige organische Persönlichkeits- und 

13 

 

Verhaltensstörung mit affektiver Affektarmut bis zur Affektstarre aufgrund der Schädigung des 

Gehirns. Die Versicherte sei vermindert flexibel, vermindert stressbelastungsfähig, vermindert 

umstellfähig und verfüge über eine deutlich verminderte psychische Belastbarkeit. Auch aus 

psychiatrischer Sicht müsse von einer deutlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 

ausgegangen werden (S. 73).  

Die Gutachter hielten fest, dass alle kognitiven Symptome unter der Diagnose organisches 

Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma zusammengefasst und mit den bildgebend 

dokumentierten posttraumatischen Veränderungen am Gehirn korrelieren würden. Auch die 

2009 aufgetretenen epileptischen Anfälle, die aktuell unter Therapie nicht mehr aufträten, 

seien mit den strukturellen Gehirnveränderungen zu erklären (S. 74 Ziff. 7.1.3). Alle kognitiven 

Defizite wie die Probleme mit der geteilten Aufmerksamkeit, die erhöhte Interferenzanfälligkeit, 

die verminderte Belastbarkeit, die vermehrte Ermüdbarkeit, Lernschwierigkeiten sowie 

allgemeine Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Erschöpfungsgefühle, Reizbarkeit, 

Gedächtnis- und Schlafstörungen, verminderte Belastungsfähigkeit bei Stress und bei 

emotionalen Reizen seien mit dem organischen Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma 

bzw. mit der Diagnose «sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund 

einer Schädigung des Gehirns nach Unfall» zu erklären. Dies gelte auch für die 

posttraumatisch aufgetretene Epilepsie (S. 74 f. Ziff. 7.1.4). Eine psychische Fehlverarbeitung 

des Unfallereignisses wurde explizit ausgeschlossen (S. 76 Ziff. 7.2.3). 

Insgesamt seien seit der Begutachtung vom 5. Mai 2011 keine neuen diagnostischen Aspekte 

hinzugekommen; es persistiere das organische Psychosyndrom sowie auch die Tendenz bei 

vermehrter Belastung mit mangelnder Flexibilität zu reagieren, was unter der Diagnose 

«sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Schädigung des 

Gehirns nach Unfall» zusammengefasst worden sei. Unter Kenntnis des Verlaufs seit 2011 bis 

dato sei die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im SIVM Gutachten vom Mai 2011 zu 

optimistisch gewesen. Die dazumal attestierte 80%ige Arbeitsfähigkeit habe die Versicherte, 

wie der Verlauf gezeigt habe, nicht aufrechterhalten können. Sie sei am Arbeitsort als 

Bibliothekarin überfordert und erschöpft gewesen, weshalb sie diese Stelle im April 2012 

aufgegeben habe. Es müsse davon ausgegangen werden, dass sie am Arbeitsplatz aufgrund 

ihrer verminderten Belastbarkeit, bedingt durch das organische Psychosyndrom, überfordert 

gewesen sei (S. 77 Ziff. 7.3.1).  

14 

 

Formal neu sei die Diagnose «sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung 

aufgrund einer Schädigung des Gehirns nach Unfall». Es liege aber keine eigentliche 

Veränderung des Gesundheitszustandes vor. Diese Problematik habe bereits im Zeitpunkt der 

Begutachtung 2011 bestanden, sei aber nicht als Diagnose formuliert worden (S. 78 Ziff. 

7.3.2). 

Die unfallbedingte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als 

Exportassistentin hängt von äusseren Umständen ab. Es sind Umgebungsreize gemeint. In 

einem ruhigen Umfeld, in dem die Versicherte für sich arbeiten könne, scheine eine 50%ige 

Arbeitsfähigkeit halbtags der Leistungsfähigkeit zu entsprechen, wobei von einer zusätzlichen 

Rendementverminderung im Bereich von 20% auszugehen sei. Eine identische Tätigkeit in 

einem Grossraumbüro sei kaum möglich (S. 78 Ziff. 7.4.1.1).  

Die Versicherte sei in allen Tätigkeiten überfordert, bei denen Stress und ein hektisches 

Umfeld bzw. Zeitdruck herrsche, wo hohe Ansprüche an Qualität, Effizienz und Leistung 

gefordert seien. Auch eine vermehrte Reizüberflutung wie z.B. Telefonate, gleichzeitige 

Konferenzen und Gespräche mit Mitarbeitern, würden zu einer Überforderung führen und 

könnten nicht ausgeführt werden (S. 78 f. Ziff. 7.4.1.2). 

In adaptierten Tätigkeiten, die in einem ruhigen Umfeld stattfinden, ohne Stress und Hektik, 

Tätigkeiten, welche sie für sich selbst an einem Arbeitsplatz erledigen könne, bei denen sie 

nicht von Reizen überflutet werde und nicht mehrere Dinge gleichzeitig erledigen müsse, 

bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50% mit einem leichten Rendement von circa 10% (S. 79 

Ziff. 7.4.2.1). Die Tätigkeit beim Handelsregisteramt sei als ideal anzusehen (S. 80 Ziff. 

7.4.2.2).  

 

5.4 

Insgesamt konnten die Gutachter keine neuen Befunde erheben, mithin keine wesentliche 

Veränderung des Gesundheitszustandes ausmachen. Die neu gestellte Diagnose der 

«sonstigen organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Schädigung 

des Gehirns nach Unfall» erfasst Befunde, die schon bei der monodisziplinären Begutachtung 

2011 bestanden hätten, aber nicht als Diagnose formuliert worden seien. Unter Kenntnis des 

Verlaufs seit 2011 bis dato erachteten die Gutachter die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des 

damaligen Gutachters als zu optimistisch. 

 

15 

 

6. 

6.1 

6.1.1 

Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Gutachten ZMB dokumentiere sehr wohl eine 

Verschlechterung des gesundheitlichen Zustandes. Während der SIVM-Gutachter eine 

psychische Fehlverarbeitung ausschloss und eine leichte bis maximal mässige depressive 

Verstimmung festhielt, komme das psychiatrische ZMB-Teilgutachten zum Schluss, es könne 

gesichert davon ausgegangen werden, dass immer wieder, je nach Stressbelastung, 

depressive Episoden aufgetreten seien. Aus psychiatrischer Sicht werde ihr denn auch eine 

50%ige Arbeitsunfähigkeit zugesprochen.  

 

6.1.2 

Der SIVM-Gutachter verneinte eine psychische Fehlverarbeitung des Unfalls. Die depressive 

Verstimmung sei klinisch leicht bis maximal mässig und lasse sich ausreichend als Folge der 

Hirnschädigung resp. als Reaktion auf die verminderte, unfallbedingte Leistungsfähigkeit 

verstehen.  

Der psychiatrische ZMB-Teilgutachter, Dr. med. I.__, schloss eine psychische 

Fehlverarbeitung des Unfallereignisses ebenfalls explizit aus (vgl. E. 5.3). Er hielt auch eine 

rezidivierende depressive Störung fest, gegenwärtig remittiert (F33.4). Insofern ergeben sich 

keine Divergenzen. Die seitens des Psychiaters attestierte Arbeitsunfähigkeit dürfte vielmehr 

das ebenfalls diagnostizierte organische Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (das 

vielfältige Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Erschöpfung, Reizbarkeit, 

Schwierigkeiten bei der Konzentration und bei geistigen Leistungen sowie Gedächtnis- und 

Schlafstörungen und verminderte Belastbarkeit bei Stress und emotionalen Reizen umfasst) 

und sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Schädigung 

des Gehirns nach Unfall (verminderte Flexibilität, Stressbelastungs- und Umstellungsfähigkeit 

sowie eine deutlich verminderte Belastbarkeit) beschlagen. Es ist an dieser Stelle denn auch 

daran zu erinnern, dass nicht die Diagnose, sondern die daraus resultierende Auswirkung auf 

die funktionelle Leistungsfähigkeit massgebend ist. Überdies ist die im Rahmen der 

interdisziplinären Konsensbesprechung festgelegte Arbeitsfähigkeit massgebend. 

 

16 

 

6.2 

6.2.1 

Die Beschwerdeführerin erblickt eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes im 

Umstand, dass das Gutachten SIVM die Kopf- und Schwindelbeschwerden als nicht mass-

geblich einstufte, während der neurologische ZMB-Gutachter den Schwindel als benigner 

paroxysmaler Lagerungsschwindel im Sinne einer Canalolithiasis beurteilt. 

 

6.2.2 

Richtig ist, dass der neurologische ZMB-Gutachter festhielt, dass sich anamnestisch diese 

Verdachtsdiagnose stelle. Er hielt aber auch fest, dass es sich dabei um eine häufige 

Komplikation nach Schädelhirntrauma handle, die Explorandin im Untersuchungszeitpunkt 

beschwerdefrei gewesen sei und auch bei entsprechender Lagerung kein entsprechender 

Schwindel habe evoziert werden können. Im Übrigen vermag eine Verdachtsdiagnose nicht 

das erforderliche Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu erfüllen. Daran 

vermögen auch die in den Akten liegenden Arztberichte der behandelnden Neurologin K.__ 

nichts zu ändern, die nicht durchwegs, sondern nur partiell einen Schwindel erwähnen. 

 

6.3 

6.3.1 

Schliesslich macht die Beschwerdeführerin geltend, die ständigen und belastenden 

Kopfschmerzen hätten zwischen den Gutachten zugenommen. Im ZMB-Gutachten würden 

diese als Folge des organischen Psychosyndroms qualifiziert. Vor dem Unfallereignis habe sie 

weder unter Migräne noch sonstigen Kopfschmerzen gelitten. Auch die behandelnde 

Neurologin K.__ sei sich ihrer Diagnose nicht sicher gewesen. In jedem Fall hätten die 

Kopfschmerzen unter Bildschirmarbeit zugenommen. 

 

6.3.2 

Bereits anlässlich der SIVM-Begutachtung klagte die Beschwerdeführerin über 

Kopfschmerzen, die der Gutachter als posttraumatische belastungsabhängige Spannungstyp-

Kopfschmerzen diagnostizierte. Die ZMB-Gutachter ordneten den Spannungskopfschmerz 

der Diagnose «sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer 

Schädigung des Gehirns nach Unfall» zu. Für die im Rahmen der ZMB-Exploration berichteten 

intervallartig auftretenden Kopfschmerzen, immer halbseitig und ausschliesslich rechts 

17 

 

lokalisiert, mit einem Stechen im Auge, begleitet von vegetativen Zeichen, erachtete der 

neurologische Teilgutachter die Kriterien für die Diagnose Migräne ohne Aura erfüllt. Diese sei 

überwiegend wahrscheinlich nicht unfallkausal, sondern prätraumatisch. Im Übrigen gilt eine 

gesundheitliche Schädigung beweisrechtlich nicht schon dann als durch den Unfall verursacht, 

weil sie nach diesem aufgetreten ist.   

 

6.4 

Insgesamt erweisen sich die von der Beschwerdeführerin gegenüber dem ZMB-Gutachten 

angebrachten Vorbehalte als nicht stichhaltig. Vielmehr erfüllt das Gutachten die erforderlichen 

Kriterien (vorstehend E. 4.7). Eine veränderte Befundlage, die auf eine effektive 

Verschlechterung des Gesundheitszustandes schliessen lässt, ist nicht gegeben. Divergenzen 

in den Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit liegen nur scheinbar vor. Die Einschätzung der ZMB-

Gutachter erfasst die Tätigkeit der Beschwerdeführerin im kaufmännischen Bereich, in dem 

ihr auch der SIVM-Gutachter bloss eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (mit Rendement-

Verminderung) attestiert hatte. Identisch ist auch das seitens der ZMB-Gutachter formulierte 

Zumutbarkeitsprofil einer Verweistätigkeit.  

 

6.5 

6.5.1 

Die Beschwerdeführerin verweist auf die aufgrund der Belastung erfolgte Kündigung beim 

Handelsregisteramt, womit auch eine wirtschaftliche Veränderung im Zeitpunkt der 

angefochtenen Verfügung vorgelegen habe. 

 

6.5.2 

Die Invalidenrente ist auch revidierbar, wenn das Leistungsvermögen unverändert bleibt, sich 

aber die erwerblichen Möglichkeiten oder die berufliche Situation verändert haben (BGE 130 

V 343 E. 3.5; Urteil des Bundesgerichts 8C_270/2013 vom 29. August 2013 E. 4). Dies kann 

zutreffen, wenn die versicherte Person eine Ausbildung abgeschlossen hat (BGE 119 V 475 

E. 1b/aa), wenn sie ihre Anstellung aufgibt und eine selbständige Erwerbstätigkeit aufnimmt 

(Urteil des Bundesgerichts 8C_551/2017 vom 2. August 2018 E. 4 f.) oder wenn sie eine 

besser entlöhnte Stelle findet (THOMAS FLÜCKIGER, in: Frésard-Fellay, Klett, Leuzinger [Hrsg.], 

BSK-ATSG, 2020, N. 27 zu Art. 17 ATSG).  

 

18 

 

Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdeführerin ihre Erwerbstätigkeit aufgegeben. Der im 

Rahmen der Rentenverfügung durchgeführte Einkommensvergleich basiert nicht auf den 

konkreten Einkommensverhältnissen, sondern auf den statistischen Werten des Bundesamtes 

für Statistik (LSE). Insofern bewirkt die Stellenaufgabe keine rentenrelevante wirtschaftliche 

Veränderung.  

 

6.6 

Insgesamt lässt sich nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine anspruchserhebliche 

Änderung des Sachverhalts erstellen, weshalb es beim jetzigen Rechtszustand bleibt. Eine 

allseitige Prüfung ist ausgeschlossen. 

 

7. 

Die Beschwerdeführerin beantragt die Erstattung von Therapiekosten im Betrage von 

Fr. 4'700.‒.  

 

Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse 

zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde 

vorgängig verbindlich ‒ in Form einer Verfügung beziehungsweise eines 

Einspracheentscheids ‒ Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt der angefochtene 

Einspracheentscheid den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. 

Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer 

Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein 

Einspracheentscheid ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a). Nachdem im 

Einspracheentscheid zur entsprechenden Frage nicht verbindlich Stellung genommen wurde, 

ist auf diesen Antrag nicht einzutreten. 

 

8. 

Insgesamt erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens, was zu einer Abweisung der 

Beschwerde führt. 

 

9. 

Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG) und ausgangsgemäss keine 

Parteientschädigung zu sprechen (Art. 61 lit. g ATSG). 

19 

 

Demgemäss erkennt das Verwaltungsgericht: 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 

 

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

 

3. Es wird keine Parteientschädigung gesprochen. 

 

4. Zustellung dieses Entscheides an: 

− Rechtsanwalt Béboux (zweifach; GU) 

− Allianz (GU) 

− Bundesamt für Gesundheit (Einschreiben) 

− Gerichtskasse Nidwalden (Dispositiv) 

 

 

Stans, 29. Juni 2020 

VERWALTUNGSGERICHT NIDWALDEN 

Sozialversicherungsabteilung 

Die Vizepräsidentin 
 

 

 

lic. iur. Barbara Brodmann 

Die Gerichtsschreiberin 

 

 

 

MLaw Carmen Meier      Versand:    

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung Beschwerde beim Schweizerischen 

Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, eingereicht werden (Art. 82 ff. i.V.m. Art. 90 ff. BGG; 

SR 173.110). Die Beschwerde hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und 

die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene 

Entscheid sowie die als Beweismittel angeführten Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in 

Händen hat (Art. 42 BGG). Für den Fristenlauf gilt Art. 44 ff. BGG.