# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ded59fbc-876e-5327-8a4d-82ce12f68440
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-03-24
**Language:** de
**Title:** IV-Rente, auf RAD-Aktenbeurteilung kann nicht abgestellt werden, Rückweisung zwecks Vornahme von ergänzenden Abklärungen (Begutachtung).
**Docket/Reference:** IV.2020.00824
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2020.00824.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2020.00824
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiberin Bachmann
Urteil
vom
2
4.
März 2021
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Alexander R.
Lecki
Stadthausstrasse 39, Postfach 2052, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren
1962
,
ohne erlernten Beruf, war
seit seiner Ein
reise in die Schweiz im Jahr 1979
als ungelernter Bau
stellen
arbeiter tätig,
neben
erwerblich ging e
r Reinigungsarbeiten nach (Urk.
8/31,
Urk.
8/36).
Seit c
irca
2014
leidet
X.___
–
unter anderem – an einer zunehmenden Muskel- b
eziehungsweise
Beinschwäche; im Verlauf wurde im Stadtspital
Y.___
die Diagnose einer
Myopathie
gestellt.
N
achdem
X.___
s
eine
lang
jährige
n
Festanstellung
en
verloren hatte,
arbeitete er
im
Rahmen von temporären
Arbeitsverhältnissen
als Bauarbeiter
tageweise
weiter
,
bis er diese
Tätigkeit
im
Herbst
2019
definitiv
aufgab
(Urk. 3/4, Urk.
8/36
)
.
A
m
29.
Februar 2020
meldete sich
X.___
nach vorau
sgegangener Früherfassung (Urk.
8/24)
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
,
IV-Stelle
, zum Leistungsbezug an
(Urk.
8/31). Die IV-Stelle
tätigte Abklärungen in erwerblicher
Hinsicht
und
holte
bei der behandelnden
Neurologi
n
des Stadt
spitals
Y.___
einen Bericht ein
(
Urk.
8/35)
.
Am
29.
April 2020
erliess die IV-Stelle
einen ersten Vorbescheid, mit welchem sie einen Anspruch
a
uf IV-Leis
tungen
mangels einer längerdauernden oder bleibenden Einschränkung
der Arbeits
fähigkeit
verneinte (Urk.
8/41)
.
Dagegen erhoben sowohl
behandelnde
Ärzte (Urk.
8/42 und
Urk.
8/46) wie auch
der Versicherte
selber (Urk
.
8/47)
Ein
wand, worauf
die IV-Stelle am 22.
Juni 2020 einen neuen Vorbescheid
erliess
, mit welchem sie
einen Anspruch auf eine
Invalidenrente verneinte (Urk.
8/52). Auch d
agegen erhoben sowohl
die behandelnden
Ärzte
(Urk.
8/53 und Urk.
8/58) wie auch der Versicherte selber (Urk.
8/55
)
Einwand.
Nach Vorlage der medizi
nischen Akten an ihren Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD;
Urk.
8/59) hielt die
IV-Stelle mit Verfügung vom 27.
Oktober 2020
daran fest, dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe
(Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X.___
hierorts mit Eingabe
vom 26.
November 2020 Beschwerde erheben mit
dem folgenden Rechtsbegehren
(Urk. 1 S.
2)
:
«Es sei der von der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich am 27.
Oktober 2020 unter der Versicherten-Nummer
…
erlassene
Einspracheentscheid
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten
,
dem Beschwerdeführer ge
mäss seiner IV-Anmeldung vom 3.
März 2020 rückwirkend eine in ihrer
Höhe
festzusetzende Inva
lidenrente zu entrichten;
e
ventualiter sei der v
orgenannte
Einspracheentscheid
vom 27.
Oktober 2020 aufzuheben und die Angelegenheit zur
Neuentscheidfindung
an die Vorinstanz (Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen;
u
nter Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (zuzüg
lich 7.7% Mehrwertsteuer auf der
Entschädigung)»
.
Mit Vernehmlassung vom 19.
Januar 2021 stellte die IV-Stelle Antrag auf
Abwei
sung der Beschwerde (Urk.
7), was dem Beschwe
rdeführer mit Verfügung vom 21.
Januar 2021 zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicheru
n
gsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwer
defall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
4
Die
RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Vorausset
zungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invaliden
versi
cherung nach
Art.
6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Ver
sicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszu
üben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (A
rt.
59
Abs.
2
bis
IVG). Sie können bei Bedarf selber ärztliche Unter
suchungen von Versicherten durchführen. Sie halten die Untersuchungsergeb
nisse schriftlich fest (
Art.
49
Abs.
2
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung,
IVV). RAD-Berichten nach
Art.
49
Abs.
2 IVV kommt ebenfalls Beweiswert zu, sofern sie den von der Rechtsprechung umschriebenen Anforderungen an ein ärztliches Gut
achten genügen (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Selbst eine Aktenbeurtei
lung ohne eigene Untersuchung kann beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vor
liegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt. Dies gilt grund
sätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen der RAD (Urteil
des Bundesgerichts
9C_196/2014 vom 1
8.
Juni 2014 E. 5.1.1 mit Hinwei
sen).
Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zwei
feln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergän
zende Abklärungen vorzunehmen sind
(vgl. zum Ganzen Urteil des Bundes
gerichts 9C_335/2015 vom
1.
September 2015 E. 3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle
führte in der
angefochtene
n
Verfügung im Wesentlichen
aus
,
dass
der Versicherte seit dem Jahr 2014 in der bisherigen Tätigkeit nicht mehr arbeits
fähig
sei
. Jedoc
h bestehe
in einer angepassten leichten bis mittelschweren
Tätig
keit
weiterhin
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Der Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von 13
%, womit kein Anspruch auf eine In
validenrente bestehe (Urk.
2).
2.2
Dagegen lässt
X.___
zur Hauptsache vorbringen, dass er – so die Berichte der behandelnden Ärzte – seit Oktober 2019 arbeitsunfähig
und
auch in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit nicht mehr einsatzfähig sei
. Er
werde
zunehmend gelähmt sein, weshalb Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe. Allen
falls sei der Anspruch in m
edizinischer Hinsicht ergänzend
ab
zu
klären, wie dies von der behandelnden Neuro
login angeregt worden sei (Urk.
1).
3.
3.1
In den Akten finden sich
zum Gesundheitszustand des Versicherten
die
folgende
n
–
im Wesentlichen vom Beschwerdeführer selber eingereichten
–
ärztlichen
Berichte
:
3.2
Dr.
med.
Z.___
,
Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für
Angiologie
, diagnos
ti
z
ierte in seinem Bericht vom 19.
No
v
e
mber 2019 eine g
eneralisierte Arteriosklerose mit/bei
zerebro
-vaskulärer Verschlusskrankheit (IC
D-10I: 65.2) mit
/bei
ausgeprägt
esten
atherosklerotischen
Plaq
u
es
betont im Abgangsbereich der A.
caroti
s
interna
(40-50
%
ig
stenosierend
) und
hypoplas
tischer A. vertebralis links sowie peripherer arterieller Verschlusskr
ankheit der unteren Extremität
Stadium I
nach Fontaine bei
/
mit
Mediacalzin
o
s
e
im Becken- und Oberschenkelbereich
bds
.
sowie einen Diabetes M
ell
itus Typ 2
(ED 2007) unter kom
binierter oraler Antidiabetika
/Insulin
.
N
icht ganz unerwartet fä
nde
n
sich
ausgeprägteste
atherosklerotische
Veränderungen im Bulbus resp. Abgangs
bereich der A.
carotis
interna
linksbetont
, ca
.
40%
ig
stenosierend
, bedingt durch gemischt
atherosklerotisch
fibrotische
Plaques
. Entsprechend empfehle er eine aggressive Th
erapie der Gefässrisikofaktoren;
zusätzlich sei die Indikation zur Gabe eines
Thrombozytenaggregationshemmers
gegeben. Das Ehepaar sei auch über die eventuell nötigen Verhaltensweisen bei auftretender
Hemisymptomatik
aufgeklärt worden. Angaben zur Arbeitsfähigkeit machte
Dr.
Z.___
nicht (Urk.
8/25/11
f.)
.
3.3
In ihrem Bericht
vom 2
8.
No
vember 2019 an den Hausarzt des Versicherten diagnostizierte
Dr.
med.
A.___
, Fachärztin für Neurologie und Oberärztin am Stadtspital
Y.___
, Neurologie, eine proximal betonte symmetrische
Myopa
thie
unklarer Ursache (ICD-10
:
M62), Ätiologie: DD
:
Gliedergürteldystrophie.
Sie gab im Wesentlichen an, d
er Patient komme zur geplanten Jahresverlaufskon
trolle bei bekann
ter proximal betonter symmetrisc
her
Myopathie
unklarer Ätio
logie. Patient und Ehefrau berichteten über
e
inen stabilen Verlauf mit c
irca
gleichbleibenden Kraftgraden. Es bestünden Schwankungen, jedoch insgesamt weiterhin
eine
vor
allem in den Beinen auftretende Schwäche, dies merke
d
er
Patient
vor allem beim Treppensteigen und Bergauflaufen.
Ebenfalls
be
merke er eine Schwäche in der obe
re
n Extremität beim Heben schwerer Lasten.
Der Patient habe
weiterhin temporär auf dem Bau
gearbeitet
, jedoch
seien
nie mehr als
zwei
Tage am Stück möglich
gewesen
.
Dr.
A.___
empfahl
das Weiterführen der Physiotherapie und dringend die Anmeldung bei der IV. Angaben zur Arbeitsf
ä
higkeit machte sie nicht (Urk.
8/35 S. 7).
3.4
Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Innere Medizin FMH und Kardiologie FMH,
stellte
in seinem Bericht vom 10.
Dezember 2019
die nämlichen Diagnosen wie
Dr.
Z.___
, zusätzlich diagnostizierte er eine a
rterielle Hypertonie.
Er gab im Wesentlichen an, i
n der kardiologischen Untersuchung zeigten sich grundsätzlich
soweit
gute Befunde. Die medikamentöse
antihypertensive
Therapie sei unverän
dert
fortzuführen
. In der
Fahrradergometrie
hätten sich weder klinisch noch elekt
rokardiographisch Hinweise auf Ischämie gezeigt
,
was zusam
men mit fehlenden AP (Angina Pectoris)
Beschwerden eine
steno
sierende
KHK
(K
oronare Herzkrank
heit)
unwahrscheinlich mache. Die Leistungsfähigkeit sei allerdings erheblich ein
geschränkt. Angaben zur Arbeitsfähigkeit machte
Dr.
B.___
nicht (
Urk.
8/25/2).
3.5
In ihrem Formularb
ericht
an die IV-Stelle
vom
2
4.
März 2020 diagnostizierte
Dr.
A.___
wiederum
eine proximal betonte
Myopathie
unklarer Ursache, DD
:
Gliedergürteldystrophie. Sie gab im Wesentlichen an
, es bestünden proximal betonte
Paresen, aufgrund
welcher
keine schwere Arbeit mehr möglich
sei
. Weitere (nähere)
Angaben zur Arbeitsfähigk
eit machte
sie nicht (Urk.
8/35
S. 1
ff.
).
3.6
Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Innere Medizin FHM sowie Endokrinologie und Diabetologie FMH,
führte
in sei
nen Schreiben vom 2
5.
Juni 2020
an die IV-Stelle
aus, er halte nochmals fest, dass der Versicherte – seit 2007 sein Patient – nicht mehr in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit weiterhin arbeitsfähig sei. Der Versicherte leide an einer proximal betonten symmetrischen
Myopathie
, welche auf eine zunehmende Lähmung hinauslaufe. Seit Oktober 2019 sei der Patient arbeitsu
nfähig (Urk.
8/53)
.
3.7
In ihrem Bericht
vom
3
0.
Juli 2020
an den Hausar
zt
Dr.
D.___
diagnosti
zierte Neurologin
Dr.
A.___
abermals eine proximal betonte symmetrische
Myo
pathie
unklarer Ursache (ICD-10
:
M62). Sie
hiel
t
fest, Patient und Ehefrau berichteten über einen insgesamt stabilen Verlauf
im letzten halben Jahr
, jedoch sei neu zunehmend auch eine Kraftminderung im Bereich der Arme s
pürbar und gemäss Ehefrau
bestehe eine
deutl
i
c
here Muskelatrophie im Schultergür
telbereich beid
seits. Der Patient gebe weiter Mühe beim Treppensteigen und Bergauflaufen an, Treppensteigen sei nur mit Hilfe des Handlaufes möglich. Subjektiv bestünden keine Schluckbeschwerden, gemäss Ehefrau selten Verschlucken beim Essen. Es bestünden keine Atembeschwerden. Seit September 2019 sei keine Arb
eit auf dem Bau
mehr
möglich.
In der Beurteilung hielt sie fest, es
zeige sich
insgesamt
ein in etwa stabiler bis leicht progredienter Verlauf der Kraftgrade mit weit
e
rhin beste
henden deutlich ausgeprägten proximal betonten Paresen. Aufgrund der proxi
mal betonten
Tetraparese
(welche im Verlauf zunehmen werde)
sei es unmöglich
,
noch weiter im
angestammten Beruf zu arbeiten. Daher bestehe Anspruch auf eine Rente, betreffend Grad der Rente oder möglicher Umschulungen (welche auf
grund des Alters des Versicherten schwierig sein würden) sollte
gegebenenfalls ein
Gutachten entscheiden (Urk.
8/58).
3.8
In ihrer Stellungnahme vom 6.
Oktober 2020 hielt die zuständi
g
e
Ärztin vom RAD,
Dr.
med.
E.___
, Fachärztin für Ne
urolo
gie, fest, beim Versicherten bestünden mit
dauerhafter
Auswir
k
ung auf die Arbeitsfähigkeit eine Muskelerkrankung unkla
rer Ursache, EM 2010, sowie ohne dauerhafte Auswir
k
ung auf die Arbeits
fähigkeit eine periphere arterielle Verschlusskra
nkheit der unteren Extremitäten
Fontaine Stadium I, symptomfrei, rein diagnostischer Befund (
Dr.
C.___
, 10.12.2019), ein D
iabetes Mellitus Typ 2
,
Insulinpf
l
ichtig, ohne diabetische Retino
pathie
, ED 2007
(
Dr.
F.___
,
8.
J
a
n
ua
r 2020),
sowie
eine asymp
tomatische Gefässverengung (A.
C
arotis
Interna links 40
%; Spital
G.___
19.11.2019
). In
der
bisherige
n
Tätigkeit als ungelernter Bauarbeiter bestehe se
i
t Oktober 2019
und
fortlaufend eine vollständige Arbe
itsunfäh
igkeit (entsprechend Zeugnis
Dr.
C.___
vom 25.
Juni 2020). In angepasster Tätigkeit
(
Belastungsprofil:
ruhige Umgebung, sitzende Tätigkeit, keine Überkopftätigkeit, kein Heben
>
2
3
kg möglich aufgrund der A
rmschwäche, leichte Handarbeit [
keine Ein
schrän
kung der Handkraft und d
er Feinmotorik]
,
keine Tätigkeit auf Leitern, Gerüsten und in
der
Höhe sowie
ohne
häufiges
Treppaufsteigen
aufgrund der Beinschwäche)
bestehe
ab Oktober 2019
bis auf Weiteres
eine vollständige
Arbeitsfähigkeit. Eine Hörminderung sei mit Hörgeräteversorgung ausgeglichen
(
Urk.
8/59)
.
4.
4.1
Aus den vorstehend aufgeführten medizinischen Unterlagen geht hervor und ist z
wisc
hen den Parteien
in diagnostischer Hinsicht
auch nicht streitig
, dass der Versicherte
an diversen somatischen Gesundheitsschäden
,
vor allem einer progre
dienten
Myopathie
leidet und
dass
er
seit Oktober 2019
(vgl. dazu indes E. 4.4 hie
r
nach)
in
der
angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter nicht mehr arbeits
fähig ist.
Uneins sind sich die Parteien
hingegen
in Bezug auf die
Arbeitsfäh
igkeit in einer Verweistätigkeit
.
4.2
Die IV-Stelle
ging
gestützt auf die Stellungn
ahme der RAD-
Ärztin
Dr.
E.___
vom 6.
Oktober 2020
(E. 3.8 hie
r
vor)
davon aus
, dass
der Beschwerdeführer in
einer –
von der RAD-Ärztin festgelegten
beziehungsweise
näher umschriebenen – Ver
weistätigkeit
vollständig
arbeitsfähig
sei
.
Jedoch kann auf diese Beurteilung
nicht abgestellt werden. So
untersuchte
Dr.
E.___
den Beschw
erdeführer nicht persön
lich
,
sondern
nahm
eine
B
eurt
e
ilung
ausschliesslich
anhand
der
in den Akten
liegenden ärztlichen Berichte
vor
.
Jedoch
äussern sich
diese
–
bis
auf die
gegen
teilige
Verlautbarung
von
Dr.
C.___
(
wonach auch in einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe
; vgl.
Ä
rztliches
Zeugnis vom 2
5.
Juni 2020
;
E.
3.6 hie
r
vor
)
–
nicht
zur Arbe
i
tsfähig
k
eit in einer
Verweist
ätigkeit und hielt
i
nsbesondere
die
Neurologin
Dr.
A.___
i
n dem
(
einzigen
)
von der IV-Stelle eingeholten Bericht
lediglich
fest, dass keine schwere körperliche Arbeit mehr möglich sei (
vgl. Formularbericht vom
2
4.
März 2020
Ziff.
2.7 und 3.4
; vgl. E
.
3.4
). Hingegen
äusserte
sie
sich
weder zum zumutbaren Pensum noch zum Anforderungsprofil
in
einer leidensangepassten Tätigkeit
(vgl.
Urk.
8/35
S. 1 ff.
, l
eer gelassene Ziffer
4.2
)
,
sondern
hielt
mit
Blick
auf
die
von ihr empfohlene
Abklärung des IV-Anspruchs
vielmehr
fest,
dass
gegebenenfalls
ein
IV-
Gutachten einzuholen sei
(vgl. Urk.
8/46 und
Urk.
8/58
).
Damit enthalten die
Akten
aber keine
(andere) fachärztliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
und
genügende
Umschreibung des funktionellen Leistungsver
mögens
,
auf welche sich die RAD
-
Ärztin zu stützen vermöchte
,
weshalb
e
s
unzulässig
e
rscheint
,
wenn
sie
aufgrund
eine
r
reine
n
Aktenbeurteilung von einer
nicht quantifizierten Rest
arbeits
fähigkeit auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
in einer leidensadaptierten
Tät
ig
keit
schloss
(vgl. Urteil
des Bundesgerichts
9C
_28/2015
vom
8.
Juni 2015, E. 3.5.2
)
.
Dies gilt um
so mehr
,
als
neben der
Myopathie
weitere
aktenkundige
–
von der Verwaltung
bei den behandelnden Ärzten
hinsichtlich
d
er Auswir
k
ungen auf die Arbeitsfähigkeit
nicht
näher
abgeklärte
–
Ge
s
undheitsschäden vor
liegen
,
aufgrund derer
nach Lage der Akten
jedenfalls nicht von
v
ornherein
ausgeschlos
sen werden kann
,
dass
die
Leistungsfähigkeit
allenfalls
auch in einer adaptierten Tätigkeit
(z.B. in zeitlicher Hinsicht)
eingeschränkt
ist
.
Immerhin
berich
tete
der
Kardiologe
Dr.
B.___
aufgrund der
am 10.
Dezember 2019
durchgeführten
Fahr
radergometrie
von einer
erheblich
eing
e
schr
änkten Leis
tungs
fähigk
eit
(E.
3.3
)
und
gab auch der behandelnde
Diabetologe
Dr.
C.___
in seinem Schreiben vom
2
5.
Juni 2020
an die IV-
Stelle
an
,
dass
selbst in einer leichte
n
bis mittel
schweren Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr
gegeben sei
(E.
3.5)
.
Zwar
darf
nach der Rechtsprechung
berücksichtigt werden
, da
ss
Hausärzte und behandelnde Fachärzte
aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Ver
trau
ens
stellung in Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussa
gen
(vgl. statt vieler:
Urteil des Bundesgerichts 8C_317/2019 vom 3
0.
Sep
tember 2019 E
.
4.2.3
mit Hinweisen
)
. Jedoch
überzeugt es nicht,
dass
die RAD-
Ä
rztin
sich mit
den
–
ihre eigene Ein
schätzung
zumindest
in Frage stellenden
–
Ver
-
lautbarungen
der
behandelnden
Fachärzte
nicht
fundiert
auseinander
setzt
e
beziehungsweise sich
darüber hinweg
setzte
und ohne
nähere
Abklärungen der
weiteren
–
nicht in ihr Fachgebiet fallenden
–
Gesundheitsschäden
aus
schliess
lich gestützt auf die Akten
eine voll
ständige Arbeitsfähigkeit in einer von ihr näher umschriebenen Tätigkeit
annahm
.
4.3
Damit
können
aber
die
(strengen
; E. 1.
4
hie
r
vor
)
Voraussetzungen
an
die Zuläs
sigkeit einer blossen Aktenbeurteilung durch den RAD
nicht als gegeben erachtet werden. Ein lückenloser Befund
beziehungsweise
ein feststehender medizinischer Sachverhalt
liegt
–
abgesehen von der Diagnosestellung
–
nicht vor. Hierfür fehlt es an
(anderen)
(
fachärztlichen
)
Einschätzung
en
der Arbeitsfähigkeit
in einer Ver
weistätigkeit
sowie
–
zumal
sich die
im Vordergrund stehende
Myopathie
auf
grund der Akten
im Verlauf als
progredient erweist
–
an
einer
Umschreibung des Belastungsprofils
auf Grundlage einer aktuellen
klinischen Erhebung der funktio
nellen Einschränkungen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_335/2015 vom
1.
Sep
tember 2015 E. 4.3
)
.
Bei gegebener Aktenlage
durfte d
ie
IV-Stelle
daher
nicht von
ergänzenden
Abklärungen
absehen. Indem
sie
massgeblich auf
die Stellung
nahme der RAD-Ärztin
vom
6.
Oktober 2020
abgestellt hat,
hat
sie die rechtlichen Anforderungen an den Beweiswert
von RAD
-
Berichte
n
verkannt
und den
Sach
verhalt
nur
unzureichend
festgestellt
.
4.4
Die
angefochtene Verfügung
ist
daher aufzuheben und die
Sache
an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen, damit diese
den
Gesundheitszustand und
die
Arbeitsfähigkeit sowie deren Verlauf
(
entgegen der Feststellung
in der RAD Stellungnahme vom
6.
Oktober 2020
[E. 3.8]
ist
nämlich
nicht auszuschliessen, dass
eine
relevante, d
.
h
.
mindestens 20%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit bereits vor Oktober 2019 vorgele
gen hat
, vgl
.
etwa
Urk.
8/25/26
) durch Einholung eines
–
sämtliche Gesundheitsschäden berück
sich
tigen
den
–
externen
Gutachtens
rechtsgenüglich
abkläre
,
und hernach über den Rentenanspruch neu verfüge.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung der Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausgangsgemäss
steht dem Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung zu, die
gemäss
Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Bar
auslagen zu bemessen und
vorliegend
unter Berücksichtigung dieser Grundsätze auf Fr.
1‘800
.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne
gutgeheissen
, dass die angefochtene Verfügung vom
2
7.
Oktober 2020
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese im Sinne der Erwägungen verfahre und hernach über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
ei
ne Prozessentschä
digung von Fr.
1’800
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Alexander R.
Lecki
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubBachmann