# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4e96a1aa-1388-57b0-817c-44b693e7b8cb
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-03-11
**Language:** de
**Title:** Zahnschädigung durch Beissen auf einen harten Gegenstand, der verschluckt wird; Unfallbegriff nicht erfüllt
**Docket/Reference:** UV.2015.00010
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2015.00010.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2015.00010
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig als Einzelrichterin
Gerichtsschreiberin Gohl Zschokke
Urteil
vom
11. März 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Basler Versicherung AG
Unfallversicherung
Aeschengraben
21, Postfach, 4002 Basel
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
,
geboren 1962, ist als Angestellter des
Y.___
bei der Basler Versicherung AG obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfall versichert.
Mit Unfallmeldung vom 17.
Oktober 2014
(
Urk.
7/1)
teilte
er der Basler Versicherung
AG
mit, dass
er am 4.
August 2014, während seiner Sommerferien in
Z.___
,
beim Mittagessen auf einen harten Gegenstand im Salat gebissen
habe
.
Der kurzzeitige Schmerz habe rasch nachgelassen, weshalb er vor Ort keinen Zahnarzt aufgesucht habe. Ende September habe er eine Art Spalt in seinem Zahn verspürt, worauf dieser habe gezogen und durch ein Implantat ersetzt werden müssen. Dafür könne nur der beschriebene Unfall die Ursache sein (
Urk.
7/1/2). Nach Abklärung der Verhält
nisse (vgl.
Urk.
7/2 ff.)
lehnte die Basler Versicherung
AG mit Verfügung vom 31. Oktober 2014 (Urk. 7/9) ihre Leistungspflicht mit der Begründung ab, beim Geschehen vom 4. August 2014 handle es sich nicht um einen Unfall im Sinne von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversiche
rungsrechts
(ATSG). Die dagegen am
11. November 2014
erhobene Einsprache
(
Urk.
7/11; vgl.
Urk.
7/12)
wurde mit Entscheid vom
15. Dezember 2014
(
Urk.
2
= 7/14
) abgewiesen.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
erhob
der Versicherte mit Eingabe vom 8.
Januar 2015 (
Urk.
1) Beschwerde und beantragte die Kostenübernahme für
die Zahnbehandlung
. In der Beschwerdeantwort vom 26. Juni 2005 (
Urk.
6) stellte die Beschwerdegegnerin den Antrag auf Abweisung der Beschwerde. Mit
Verfügung vom 27. Januar 2015 (
Urk.
8) wurde ein zweiter
Schriften
wechsel
angeordnet. Die Replik wurde mit Eingabe vom
2.
Fe
bruar 2015 erstat
tet (
Urk.
10). Am
2.
März 2015 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik (Urk. 13). Davon hat die Gegenpartei mit Schreiben vom 2. März 2015 Kenntnis erhalten.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin
zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20‘000.-- nicht übersteigt (vgl.
Urk.
7/6 und
7/7), fällt die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
])
.
2.
2.1
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
2.2
Nach der Rec
htsprechung bezieht sich das Be
griffsmerkmal der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begrün
den keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
2.3
Praxisgemäss sind die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens von der versi
cher
ten Person glaubhaft zu machen. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzun
gen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die notwendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Dabei schliesst der
Untersuchungs
grundsatz
die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des
Sozialversiche
rungsgerichts
(oder der verfügenden Verwal
tungs
stelle) ist, für die
Zusammen
tragung
des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialversicherungsprozess tra
gen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Unguns
ten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sach
verhalt Rechte ableiten
wollte
. Diese
Beweis
regel
greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rah
men des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit z
u entsprechen (BGE 117 V 264 E
. 3b und RKUV 2004 Nr. U
515
S. 420 E. 1.2, 1990 Nr. U 86 S. 50 E
. 2, je mit Hinweisen).
3.
3.1
In Ergänzung zur Unfallmeldung vom 17. Oktober 2014 erklärte der Beschwerde
führer am 2
1.
Oktober 2014, dass er auf einen eher kleinen, aber sehr harten Gegenstand (Steinchen oder grosses Sandkorn
)
gebissen habe. Er habe diesen nicht gesehen und verschluckt (
Urk.
7/3).
Diese Darstellung hat der Beschwerdeführer in der Folge konstant bestätigt (vgl.
Urk.
1
, 7/8
und
7/11
).
Aus
den betreffenden
Ausführungen ergibt sich, dass
der
Beschwerdeführer
aus eigener Wahrnehmung keine schlüssigen An
gaben über die Ursache der
Zahn
schädigung
machen kann.
Die Beteuerung im
Einspracheschreiben
, er sei sich sicher, dass es sich beim verschluckten Gegenstand um einen kleinen Stein gehandelt haben müsse (
Urk.
7/11/1), vermag jedenfalls nicht zu genügen. Ebenso wenig d
ie
nachträglich vorgetragene und
blosse Behauptung,
beim Fremdkörper
müsse es sich
mit grösster Wahrscheinlichkeit
um
ein
en
Stein
gehandelt habe
n
(
Urk.
1 S. 2)
.
Derart unbestimmte Aussagen, ohne dass die betroffene Person das
corpus
delicti
genauer und detaillierter zu beschreiben wüsste, lassen rechtsprechungsgemäss keine zuverlässige Beurteilung darüber zu, um was für einen Faktor es sich gehandelt hat, geschweige denn über dessen Ungewöhnlichkeit (
vgl. die Urteile des Bundesgerichts
9C_1095/2009 vom 31.
März 2010 und
U 229/01
vom 21.
Februar 2003
E. 2.2
, je
mit Hinweisen).
3
.2
In Würdigung der gesamten Umstände erscheint es zwar möglich, dass die
Zahn
schädigung
auf das Beissen auf
einen harten Gegenstand beim Salatessen am 4. August 2014
zurückzuführen ist. Ein den Begriff des Unfalls erfüllender Sachverhalt ist aufgrund des
vom
Versicherten behaupteten Gesche
hens
aber
weder bewiesen noch beweisbar,
so dass
sich weitere Beweisvorkehren erübri
gen. Die Folgen der Beweislosigkeit hat
der Beschwerdeführer
zu tragen, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhal
t Rechte ableiten will (vgl. E
.
2
.3
hier
vor
).
3
.3
Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid
, mit wel
chem der Anspruch auf Versicherungsleistungen abgelehnt worden ist, als rechtens. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
Die Einzelrichterin erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Basler Versicherung AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die EinzelrichterinDie Gerichtsschreiberin
GrünigGohl Zschokke