# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1260319d-df7e-59c3-bcd7-073c108463b0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-09-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.09.2015 E-6961/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6961-2014_2015-09-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-6961/2014 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  S e p t e m b e r  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), 

Richter Fulvio Haefeli, Richter William Waeber,    

Gerichtsschreiberin Regina Derrer. 

   

Parteien 

 
A._______, 

eigenen Angaben zufolge Volksrepublik China (Tibet),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; zuvor Bundesamt für 

Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Okto-

ber 2014 / N (…). 

 

 

 

E-6961/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu-

folge am 10. Juni 2012 und reiste über Nepal, wo er sich nach seiner Flucht 

während knapp drei Monaten aufgehalten haben will, und ihm unbekannte 

Länder am 10. September 2012 in die Schweiz ein. Gleichentags stellte er 

im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel ein Asylgesuch. An-

lässlich der Kurzbefragung am 14. September 2012 sowie der einlässli-

chen Anhörung am 8. Mai 2014 trug der Beschwerdeführer im Wesentli-

chen Folgendes vor:   

Er sei chinesischer Staatsangehöriger tibetischer Ethnie aus dem Dorf 

B._______ im Bezirk C._______, Provinz D._______, Tibet, wo er vor sei-

ner Flucht zusammen mit seiner verwitweten Mutter und seinen zwei Brü-

dern gelebt habe. Seine Familie habe Handel betrieben. Er selbst habe 

sowohl bei Haushaltsarbeiten als auch im Handel geholfen. Die Schule 

habe er nur bis zur dritten Klasse besucht. Eines Tages habe ihm der Abt 

des Klosters E._______, ein Freund seiner Familie, erzählt, dass sich am 

27. Mai 2012 erneut zwei ihrer tibetischen Mitbürger selbst verbrannt hät-

ten. Zuvor habe ihm jeweils auch seine Mutter von ähnlichen Fällen von 

Selbstverbrennung berichtet. Der Abt des Klosters habe vorgeschlagen, 

aufgrund dieser jüngsten Ereignisse eine Erinnerungsdemonstration in 

C._______ durchzuführen. Der Beschwerdeführer habe sich damit einver-

standen erklärt, an dieser Demonstration, welche schlussendlich am 31. 

Mai 2012 stattgefunden habe und an der ungefähr 25 Personen mitgewirkt 

hätten, teilzunehmen. Während ein Teil der Demonstranten ein Erinne-

rungsgebet gesprochen habe, habe der Beschwerdeführer nach Rückspra-

che mit dem Abt des Klosters Flugblätter, die er am 30. Mai 2012 von die-

sem bekommen habe und auf denen vermerkt gewesen sei "Freiheit für 

Tibet", "Tibet gehört nicht den Chinesen" und "Wir wollen die ganze Frei-

heit", an den Hauswänden aufgehängt. Nach kurzer Zeit sei plötzlich die 

chinesische Polizei erschienen und habe angefangen, die am Gebet mit-

wirkenden Personen festzunehmen. Dem Beschwerdeführer sei es gelun-

gen, den Polizisten zu entkommen und in sein Dorf zu fliehen. Nachdem er 

seiner Mutter davon erzählt habe, habe diese gemeint, dass ihn die chine-

sische Polizei suchen und festnehmen werde, weshalb sie ihm zur Aus-

reise geraten habe. Er sei diesem Rat gefolgt und über F._______ und 

Dram aus Tibet ausgereist.   

E-6961/2014 

Seite 3 

B.  

Mit Verfügung vom 29. Oktober 2014 – am 31. Oktober 2014 eröffnet – 

lehnte die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ord-

nete seine Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an, wobei sie 

den Vollzug in die Volksrepublik China ausschloss. 

Zur Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, dass es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen sei, im Sinne von Art. 7 AsylG 

(SR 142.31) glaubhaft zu machen, dass er in Tibet seine Hauptsozialisa-

tion erfahren habe. Folglich sei davon auszugehen, dass er vor seiner An-

kunft in der Schweiz nicht in der Volksrepublik China, sondern in der exilti-

betischen Diaspora gelebt habe. So sei er im Rahmen der Prüfung seines 

Länderwissens nicht in der Lage gewesen, nähere Angaben zur Umge-

bung seines Heimatdorfes zu machen. Vielmehr habe er diese äusserst 

rudimentär beschrieben und lediglich angegeben, sie sei wüstenähnlich, 

es gebe Berge rundherum und es habe Nomaden und Personen, die 

Ackerbau betrieben. Auf die Frage, weshalb in einer wüstenähnlichen 

Landschaft Ackerbau betrieben werden könne, habe er keine Antwort ge-

wusst. Ferner habe er angegeben, in seiner Familie sei die Ware, mit der 

sie gehandelt hätten, mit dem Auto transportiert worden. Darauf angespro-

chen, wieviel der Liter Benzin im Sommer 2012 gekostet habe, habe er 

geantwortet, nie ein Auto besessen, sondern dieses jeweils nur für die Ein-

käufe gemietet zu haben, weshalb er keine Ahnung vom Benzinpreis habe. 

Dem sei – so die Vorinstanz – entgegenzuhalten, dass dem Beschwerde-

führer, selbst wenn das erwähnte Fahrzeug nur gemietet gewesen sei, 

hätte bekannt sein müssen, wieviel das Benzin gekostet habe, da auch ein 

gemietetes Fahrzeug getankt werden müsse. Auf viele Fragen, wie bei-

spielsweise zum Preis eines Gyama Tsampa, zur chinesischen Verwaltung 

im Ort und zu den Steuern, habe der Beschwerdeführer überdies lediglich 

zur Antwort gegeben, dass er nichts darüber wisse, weil seine Mutter dies 

alles erledigt habe, nachdem sein Vater verstorben sei. Er habe nach Ab-

schluss der Schule lediglich bei der Arbeit im Handel und insbesondere im 

Haushalt geholfen. Dazu sei – so die Vorinstanz – festzuhalten, dass es 

nicht nachvollziehbar sei, wie eine [über 20] Jahre alte Person, welche ihr 

ganzes Leben in Tibet verbracht haben wolle, derart wenig über den Alltag 

in ihrem Heimatort wisse. Ausserdem sei es unlogisch, dass ein [über 20 

Jahre alter] Mann in Tibet nicht mehr Verantwortung zu übernehmen habe. 

Im Übrigen sei davon auszugehen, dass jemand, der sein ganzes Leben 

in Tibet verbracht habe, zumindest über rudimentäre Chinesischkenntnisse 

verfüge. Dies treffe für den Beschwerdeführer indes nicht zu. Da – wie zu-

vor erwähnt – nicht nachvollziehbar sei, weshalb er in seinem Alter nicht 

E-6961/2014 

Seite 4 

mehr Verantwortung übernommen habe, vermöge seine Erklärung dafür, 

dass er keine grossen Kontakte nach Aussen habe pflegen müssen, nicht 

zu überzeugen. Auch habe der Beschwerdeführer selbst vorgetragen, dass 

er drei Jahre die Schule besucht habe und ab der dritten Klasse Chinesisch 

unterrichtet werde, um im Widerspruch dazu und ohne plausible Erklärung 

dafür anzugeben, dass er in der Schule nie Chinesisch gelernt habe. 

Schliesslich habe der Beschwerdeführer auch keinerlei Ausweispapiere zu 

den Akten gereicht, welche die behauptete Herkunft belegen könnten. Zu-

dem habe er anlässlich der Kurzbefragung zu Protokoll gegeben, nie einen 

Pass oder eine Identitätskarte beantragt zu haben, um bei der einlässlichen 

Anhörung vorzutragen, dass er nicht wisse, ob er je solche Dokumente be-

sessen habe, da sich sein Vater und nach dessen Tod seine Mutter um 

solche Dinge gekümmert hätten. Dies überzeuge nicht.  

Die Zweifel an der geltend gemachten Hauptsozialisation des Beschwer-

deführers in Tibet würden überdies durch die äusserst rudimentäre und un-

substantiierte Schilderung seiner Asylgründe erhärtet. So mangle es sei-

nen Verfolgungsvorbringen an Details. Zudem seien sie äussert ste-reotyp 

ausgefallen. Ferner erscheine die Erklärung, weshalb der Beschwerdefüh-

rer auf einmal politisch aktiv geworden sei, nachdem er nach eigenen An-

gaben zuvor in seiner Freizeit meist zu Hause geblieben sei, ebenfalls sehr 

stereotyp. Eine persönliche Motivation für seine Aktion sei daraus nicht er-

sichtlich. Nach dem Gesagten seien die vom Beschwerdeführer vorge-

brachten Fluchtgründe als unglaubhaft zu qualifizieren.  

Zusammenfassend habe der Beschwerdeführer mithin weder seine 

Hauptsozialisation in der Volksrepublik China noch seine Asylgründe 

glaubhaft machen können. Da er auch keine konkreten Hinweise auf einen 

längeren Aufenthalt in einem Drittstaat geliefert habe, komme die   Vo-

rinstanz in Anwendung von BVGE 2014/12 zum Schluss, dass keine flücht-

lings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an den 

bisherigen Aufenthaltsort des Beschwerdeführers bestünden. Die Vo-

rinstanz erachtete den Wegweisungsvollzug mithin für zulässig, zumutbar 

und möglich, solange der Vollzug in die Volksrepublik China ausgeschlos-

sen sei. 

C.  

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 28. 

November 2014 (Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben 

und in der Sache neu zu beurteilen, es sei eine Herkunftsanalyse durch 

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Seite 5 

eine sachverständige Person (unabhängiger Tibet-Experte) anzuordnen, 

er sei als Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren; even-

tualiter sei festzustellen, dass bei ihm subjektive Nachfluchtgründe im 

Sinne von Art. 54 AsylG vorlägen; subeventualiter sei er wegen Unzumut-

barkeit und Unmöglichkeit des Vollzugs der Wegweisung in der Schweiz 

vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG 

sowie um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und bean-

tragte, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. 

Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass es nicht zutreffe, dass 

er die Angaben über seinen Heimatort gelernt habe. Alle seine Aussagen 

bezögen sich auf seine Erfahrungen, die er bis jetzt in seinem Leben ge-

macht habe. Überdies könnten Asylsuchende ohnehin nie im Voraus wis-

sen, welche Fragen ihnen gestellt würden, weshalb das Auswendiglernen 

von Antworten nur beschränkt nützlich wäre. Auch habe er ausführlich und 

detailliert über seinen Alltag berichtet. Zum Vorhalt der Vor-instanz, er habe 

den Benzinpreis nicht gekannt, führte er aus, dass er das Auto, mit dem er 

die Ware transportiert habe, jeweils gemietet habe und nie habe tanken 

müssen, weshalb er den Preis für den Treibstoff nicht kennen könne. Zum 

Dorfleben trug er ferner vor, dass er bestätigen möchte, dass er sehr wenig 

über die chinesische Verwaltung und die Höhe der Steuern wisse, da sein 

Vater und nach dessen Tod seine Mutter diese Dinge immer erledigt hätten. 

Seine Aufgabe habe lediglich darin bestanden, beim Einpacken und Tra-

gen der Ware zu helfen. Seine Mutter habe ihm aus ihm unbekannten 

Gründen nie viel Verantwortung übertragen. Bezüglich seiner Chinesisch-

kenntnisse machte der Beschwerdeführer geltend, dass sein Vater ihn nur 

bis zur dritten Klasse in die Schule geschickt habe, weil danach chinesisch 

unterrichtet werde und er diese Sprache nicht lernen sollte. Er sei somit 

insgesamt drei Jahre in die Schule gegangen. Chinesisch werde erst nach 

dem dritten oder anders gesagt im vierten Jahr unterrichtet. Dies habe er 

schon in den Befragungen so gemeint, sei aber – wie ihm jetzt klar gewor-

den sei – missverstanden worden. Folglich habe er nie chinesisch gelernt. 

Dennoch verstehe er einige Wörter. Indes sei er nicht aufgefordert worden, 

die ihm bekannten Begriffe zu nennen. Der Vorwurf der Vorinstanz, er habe 

nur rudimentäre Landwirtschaftskenntnisse, werde von ihm nicht bestritten. 

Dies sei darauf zurückzuführen, dass er vorwiegend Hausarbeiten verrich-

tet habe. Zum Vorhalt der fehlenden Identitätspapiere sei zu erwähnen, 

dass er nie gesagt habe, dass er nicht wisse, ob er überhaupt einen Aus-

weis besitze. Hier müsse ein Missverständnis vorliegen. Alles was mit Do-

kumenten und Papieren zu tun gehabt habe, sei aber Sache seines Vaters 

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respektive seiner Mutter gewesen, weshalb er bis heute wenig davon ver-

stehe. Seit seiner Flucht aus Tibet sei es zudem schwierig mit seiner Fa-

milie in Kontakt zu treten, ohne sie zu gefährden, da in Tibet sowohl die 

Telefone als auch die E-Mails überwacht würden. Da er nie Verantwortung 

für seine Familie habe übernehmen müssen und auch noch nie etwas mit 

den chinesischen Behörden zu tun gehabt habe, wisse er auch nicht, wo 

und wie er innert nützlicher Frist Ersatzpapiere beschaffen könne. Alleine 

aufgrund der Tatsache, dass er keine gültigen chinesischen Reisepapiere 

vorlegen könne, könne aber nicht darauf geschlossen werden, dass er in 

Indien oder Nepal sozialisiert worden sei. Mithin sei die Vorinstanz zu Un-

recht davon ausgegangen, dass er seine Hauptsozialisation nicht in der 

Volksrepublik China erfahren habe, weshalb zumindest seine Flüchtlings-

eigenschaft wegen subjektiver Nachfluchtgründe anerkannt werden 

müsse. So sei ihm denn auch nicht klar, wie die Vorinstanz seine Aussagen 

ohne Begutachtung durch einen unabhängigen Tibet-Experten, der die Si-

tuation in seiner Heimatregion kenne und sachlich beurteilen könne, ein-

schätzen könne. Die Tibetisch-Dolmetscher während der beiden Interviews 

seien ihm jedenfalls nicht als Tibet-Experten, sondern als neutrale und un-

parteiische Personen vorgestellt worden. Aus diesem Grund ersuche er 

das Gericht, einen unabhängigen Experten beizuziehen, der ein linguisti-

sches Gutachten und eine Herkunftsanalyse vornehmen möge. 

Zu seinen Asylvorbringen trug der Beschwerdeführer ferner vor, dass er 

seine Fluchtgründe immer der Wahrheit entsprechend wiedergegeben 

habe. Fälschlicherweise gehe die Vorinstanz nun von Widersprüchen aus. 

So habe er bereits anlässlich der Kurzbefragung zu Protokoll gegeben, 

dass er in Tibet politisch aktiv gewesen sei und an einer Demonstration 

teilgenommen habe. Dass er den Punkt mit den Flugblättern erst bei der 

eingehenden Anhörung erwähnt habe, bedeute nicht, dass es nicht statt-

gefunden habe. Zudem sei in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass 

den Aussagen im Rahmen der Kurzbefragung angesichts ihres summari-

schen Charakters nur ein beschränkter Beweiswert zukomme und Wider-

sprüche nur dann zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit herangezogen wer-

den dürften, wenn klare Aussagen in der Kurzbefragung in wesentlichen 

Punkten der Asylbegründung von den späteren Aussagen im Rahmen der 

eingehenden Anhörung diametral abweichen würden. Bei seinen Asylgrün-

den gebe es keine solchen diametral abweichenden Vorbringen. 

D.  

In seiner Zwischenverfügung vom 3. Dezember 2014 stellte das Bundes-

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verwaltungsgericht fest, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Ver-

fahrens in der Schweiz abwarten dürfe. Überdies hiess es das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 

VwVG gut und verzichtete antragsgemäss auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses. 

E.  

Mit Zwischenverfügung vom 16. Juni 2015 lud das Bundesverwaltungsge-

richt die Vorinstanz – unter ausdrücklichem Hinweis auf das zur Publikation 

vorgesehene Urteil E-3361/2014 vom 6. Mai 2015 – zur Stellungnahme zur 

Beschwerde ein. 

F.  

In ihrer Vernehmlassung vom 14. Juli 2015 führte die Vorinstanz mit Ver-

weis auf E. 5.2.3.1 des zur Publikation vorgesehenen Urteils E-3361/2014 

vom 6. Mai 2015 aus, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers als 

gänzlich unzulänglich anzusehen seien, weshalb keine weiteren fachlichen 

Abklärungen mehr notwendig seien. So habe er zu seiner Herkunft nahezu 

keine Angaben machen können, welche durch die Vorinstanz hätten über-

prüft werden können. In Bezug auf die Aspekte des täglichen Lebens (Um-

gang mit der Verwaltung, Bezahlung von Steuern, Benzinpreis) habe er 

darauf verwiesen, dass andere Personen aus seiner Familie die entspre-

chenden Aufgaben übernommen hätten und er selbst nichts damit zu tun 

gehabt habe, weshalb seine diesbezüglichen Angaben entsprechend un-

substantiiert gewesen seien. Dies erstaune insofern, als bei einem [über 

20 Jahre alten] gesunden Mann davon ausgegangen werden dürfe, dass 

er eine gewisse Eigenverantwortung übernehme und nicht alles durch an-

dere Familienmitglieder erledigen lasse. Dies gelte umso mehr, als der Be-

schwerdeführer angegeben habe, dass sein Vater im Jahr 2009 verstorben 

sei. Ferner sei das vom Beschwerdeführer angegebene Heimatdorf, 

B._______, welches seinen Ausführungen zufolge in der Nähe von 

G._______ und C._______ liege, auf keiner der fünf konsultierten Land-

karten von Tibet zu finden. Auch könne nirgends in dieser Region ein Bezirk 

mit Namen H._______ oder I._______ lokalisiert werden. Ein Dorf mit Na-

men H._______ gebe es östlich von Lhasa. Dies liege jedoch weit von der 

erwähnten Region entfernt. Auf den Karten seien zwar Ortschaften zu fin-

den, welche entfernt an die Namen H._______, I._______ oder B._______ 

erinnerten. Dennoch könne nicht eindeutig davon ausgegangen werden, 

dass es sich um die erwähnten Ortschaften handle. Ausserdem habe der 

Beschwerdeführer angegeben, die genannten geographischen Bezeich-

nungen seien Bezirke, worauf erst recht keine der konsultierten Quellen 

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hindeute. Im Übrigen könnten Ortschaftsangaben auch auswendig gelernt 

werden und stellten alleine ohnehin keinen genügenden Hinweis auf eine 

tatsächliche Herkunft aus Tibet dar. Schliesslich sei verschiedenen im In-

ternet auffindbaren Zeitungsartikeln zu entnehmen, dass sich am 27. Mai 

2012 – wie vom Beschwerdeführer ausgeführt – tatsächlich zwei Tibeter 

selbst verbrannt hätten. Indes deute die Tatsache, dass verschiedene (aus 

tibetischer Sicht) ausländische Medien darüber berichteten, darauf hin, 

dass das Wissen über dieses Ereignis keinen Beweis dafür darstelle, dass 

jemand tatsächlich in Tibet gelebt habe.  

G.  

Mit Replik vom 28. Juli 2015 nahm der Beschwerdeführer zur Vernehmlas-

sung der Vorinstanz vom 14. Juli 2015 Stellung. Er hielt fest, dass es für 

ihn nicht verständlich sei, wie ein Mensch beispielsweise über die Benzin-

preise orientiert sein sollte, wenn er selbst kein Auto besitze oder diese 

Information für ihn nie relevant gewesen sei. Zur Eigenverantwortung, die 

er nach Ansicht der Vorinstanz mit [über 20] Jahren mitbringen sollte, trug 

er vor, dass man in Tibet nicht mit 18 Jahren, sondern erst wenn man ver-

heiratet sei, volljährig sei. In sehr armen Verhältnissen würden zwar auch 

die Kinder in Tibet eine gewisse Verantwortung übernehmen und ihren El-

tern helfen. Seine Familie lebe jedoch in finanziell normalen Verhältnissen, 

weshalb sich seine Eltern um alles gekümmert hätten. Ausserdem sei sein 

Bruder das älteste Kind der Familie gewesen, weshalb dieser einige Auf-

gaben übernommen habe. Bezüglich der Unauffindbarkeit seines Herkunft-

sortes auf einer Karte machte er ferner geltend, dass mit der chinesischen 

Besatzung Tibets und der fortschreitenden Sinisierung teilweise auch Ort-

schaften umbenannt worden seien, weshalb sein Dorf und die umliegen-

den Orte allenfalls neue, chinesische Namen hätten, was er aber nicht be-

urteilen könne, weil er kein Chinesisch könne. Die Ungenauigkeit seiner 

Angaben zu Zeit, Distanzen und Richtungen lasse sich damit erklären, 

dass solche Informationen in Tibet eher unwichtig seien. Häufig wüssten 

Tibeter nicht einmal ihr Geburtsdatum respektive ihren Hochzeitstag. Zur 

Berichterstattung über die zwei Selbstverbrennungen am 27. Mai 2012 in 

verschiedenen Medien sei überdies anzumerken, dass er damals keinen 

Zugang zu solchen Informationen gehabt habe. Er habe die Wahrheit ge-

sagt und habe seine Vorbringen nicht auswendig gelernt.  

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

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1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das 

AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist mithin 

einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

3.  

Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grundsätz-

lich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, 

in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zu-

gehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politi-

schen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begrün-

dete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 Abs. 1 

AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Lei-

bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträg-

lichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen  oder 

zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-

hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-

ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1  

4.1.1 Die Vorinstanz hat einerseits die Pflicht, für die richtige und vollstän-

dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 12 

VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) und hierzu alle für das Verfahren rechtlich rele-

vanten Umstände abzuklären sowie ordnungsgemäss darüber Beweis zu 

führen. Dabei hat sie alle sach- und entscheidwesentlichen Tatsachen und 

Ergebnisse in den Akten festzuhalten (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1 m.w.H.). 

Andererseits ergibt sich aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 

Abs. 2 BV) das Recht der Parteien auf vorgängige Äusserung und Anhö-

rung, welches den Betroffenen Einfluss auf die Ermittlung des wesentlichen 

Sachverhalts sichert, sowie die Pflicht der Behörde, die Vorbringen der Par-

teien sorgfältig und ernsthaft zu prüfen sowie in der Entscheidfindung zu 

berücksichtigen. Unerlässliches Gegenstück dazu bildet die Pflicht der Par-

teien, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken (Art. 8 AsylG). 

4.1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im zur Publikation vorgesehenen 

Leiturteil E-3361/2014 vom 6. Mai 2015 festgestellt, dass die Vorinstanz 

eine neue Methode der Herkunftsabklärung für Asylsuchende tibetischer 

Ethnie eingeführt hat. Dabei wird nicht mehr eine Analyse der Fachstelle 

Lingua (Lingua-Analyse respektive Lingua-Alltagswissens-evaluation) 

durchgeführt, sondern es werden im Rahmen der eingehenden Anhörung 

durch die jeweiligen Mitarbeitenden des SEM vertiefte Fragen zu den Län-

derkenntnissen und zum Alltagswissen der asylsuchenden Person gestellt. 

Auch bei diesem Vorgehen ist das SEM – um dem Untersuchungsgrund-

satz und dem Anspruch auf rechtliches Gehör gerecht zu werden – ver-

pflichtet, die Vorbringen der Betroffenen in einer auch für die Beschwer-

deinstanz nachvollziehbaren Weise sorgfältig und ernsthaft zu prüfen (vgl. 

a.a.O., E. 5.2.2.1). 

Dazu muss für das Bundesverwaltungsgericht – im Sinne einer ersten Min-

destanforderung – aus den vorinstanzlichen Akten nicht nur erkennbar 

sein, welche Fragen das SEM der asylsuchenden Person gestellt hat und 

wie diese darauf geantwortet hat, sondern auch, wie diese Fragen hätten 

beantwortet werden müssen. Da bei der neuen Methode der Herkunftsab-

klärung durch die Vorinstanz kein amtsexterner Sachverständiger mitwirkt, 

sind die zutreffenden Antworten zudem mit Informationen zu belegen, bei 

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deren Beschaffung, Aufbereitung und Präsentation sich die Vorinstanz an 

den für Informationen über Herkunftsländer (Country of Origin Information 

[COI]) geltenden Standards zu orientieren hat (vgl. a.a.O., E. 5.2.2.2). 

Im Sinne einer zweiten Mindestanforderung muss der asylsuchenden Per-

son zudem der wesentliche Inhalt der Herkunftsabklärung – entweder in 

einer zu protokollierenden mündlichen Anhörung oder in einer aktenkundi-

gen schriftlichen Notiz – zur Kenntnis gebracht und ihr die Möglichkeit ein-

geräumt werden, sich insbesondere zu den als unzureichend eingestuften 

Antworten zu äussern. Dabei sind ihr die als tatsachenwidrig, falsch oder 

unzureichend erachteten Antworten unter Angabe der dazugehörigen Fra-

gen so detailliert aufzuzeigen, dass sie hierzu konkrete Einwände anbrin-

gen kann (vgl. a.a.O., E. 5.2.2.4). 

Sind die genannten Mindestanforderungen nicht erfüllt, verletzt das SEM 

die Untersuchungspflicht und den Anspruch auf rechtliches Gehör, weshalb 

die Sache in der Regel zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuwei-

sen ist. Davon ausgenommen sind jene Fälle, in denen die Vorbringen der 

asylsuchenden Person – aufgrund gänzlicher Unplausibilität, Substanzar-

mut oder Widersprüchlichkeit – offensichtlich unzulänglich und somit derart 

haltlos sind, dass deren Beurteilung keiner weiteren fachlichen Abklärun-

gen mehr bedarf (vgl. a.a.O., E. 5.2.3.1). 

4.2 Im vorliegenden Verfahren kam die Vorinstanz auf Vernehmlassungs-

stufe zum Schluss, die Vorbringen des Beschwerdeführers seien gänzlich 

unzulänglich, so dass deren Beurteilung keiner weiteren fachlichen Abklä-

rung mehr bedürfe. Dem ist nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts 

zuzustimmen. So charakterisiert sich die Anhörung zu den Länderkennt-

nissen und zum Alltagswissen des Beschwerdeführers dadurch, dass die-

ser weitgehend unsubstantiierte, unplausible und auch widersprüchliche 

Angaben gemacht hat. Bei einem Grossteil der Fragen – insbesondere be-

züglich administrativen Angelegenheiten, wie Steuern oder Dokumenten-

beschaffung – gab der Beschwerdeführer nämlich zu Protokoll, darüber 

nichts zu wissen, in der Regel mit der Begründung, dass sein Vater und 

nach dessen Tod seine Mutter diese Dinge besorgt hätten (vgl. A4/12, 

Rz. 1.06, 1.17.03, 1.17.05, 2.02, 6.01; A13/13, F6 ff., F12, F18). Während 

mit der Vorinstanz bereits bezweifelt werden muss, dass ein in Tibet leben-

der [über 20 Jahre alter] Mann derart von seinen Eltern abhängig ist, er-

scheint das vom Beschwerdeführer behauptete Unwissen in jedem Fall zu 

naiv und ignorant, als dass es glaubhaft wäre. Daran ändert auch nichts, 

dass er – wie von ihm in seiner Replik zur Erklärung angeführt – noch nicht 

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verheiratet war. Selbst dort, wo er sich inhaltlich zu seinem Alltagsleben 

äusserte, fielen seine Darstellungen auffallend vage, unplausibel und wi-

dersprüchlich aus. So gab er anlässlich der Kurzbefragung noch zu Proto-

koll, seinen Eltern seit seinem neunten Lebensjahr im Handel behilflich ge-

wesen zu sein (vgl. A4/12, Rz. 1.17.05). Zudem fügte er zu Beginn der 

einlässlichen Anhörung an, seinen Vater bis zu dessen Tod im Jahr 2009 

jeweils bei seiner Tätigkeit als Händler unterstützt zu haben (vgl. A13/13, 

F9). Im Verlauf der Anhörung führte er dann im Widerspruch dazu aus, vor-

wiegend im Haushalt geholfen zu haben und seine Familie erst ein bis zwei 

Jahre vor seiner Ausreise, das heisst im Jahr 2010 oder 2011, im Handel 

unterstützt zu haben (vgl. A13/13, F23 f.). Weder auf Konfrontation im Rah-

men der Befragung hin (vgl. A13/13, F25 ff.), noch auf Beschwerdeebene 

vermochte der Beschwerdeführer diese Ungereimtheiten auszuräumen. 

Überdies äusserte er sich auch widersprüchlich dazu, welche Art von Han-

del – Klein- oder Grosshandel (vgl. A4/12, Rz. 4.03; A13/13, F16) – seine 

Familie betrieb und welche Waren sie verkauften. So erklärte er anlässlich 

der Kurzbefragung noch, sie hätten mit allem Möglichen gehandelt und er-

wähnte neben (…) auch (…), während er bei der einlässlichen Anhörung 

nur noch von (…) berichtete (vgl. A4/12, Rz. 1.17.05; A13/13, F15). Seine 

wirr erscheinende Erklärung zum Widerspruch bezüglich der Grösse des 

Unternehmens seiner Familie überzeugt zudem nicht (vgl. A13/13, F74). 

Ferner erscheint die Angabe des Beschwerdeführers, seine Familie habe 

zwecks Einkauf der gehandelten Ware jeweils ein Auto gemietet, weshalb 

er den Benzinpreis nicht kenne (vgl. A4/12, Rz. 6.01), unplausibel. Selbst 

wenn sie tatsächlich jeweils ein Auto gemietet haben sollten, was im Tibet-

kontext nicht gerade naheliegend erscheint, hätte das Fahrzeug – wie von 

der Vorinstanz ausgeführt – getankt werden müssen, weshalb der Be-

schwerdeführer zumindest annähernd eine Ahnung vom Treibstoffpreis 

hätte haben müssen. Schliesslich äusserte sich der Beschwerdeführer 

auch zum Schulsystem in Tibet widersprüchlich. Während er anlässlich der 

Kurzbefragung noch angab, dass ab der dritten Klasse Chinesisch unter-

richtet werde (vgl. A4/12, Rz. 1.17.04), führte er anlässlich der Anhörung 

und auf Beschwerdeebene aus, dass er diesbezüglich missverstanden 

worden sei und erst nach der dritten Klasse Chinesisch unterrichtet werde 

(vgl. A13/13, F80). Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer so-

mit nicht annähernd gelungen, das von ihm behauptete Alltagsleben in Ti-

bet als Sohn einer Händlerfamilie glaubhaft darzustellen. Daran ändert 

auch nichts, dass er einige wenige Fragen – zum Kloster, das er besucht 

haben will (vgl. A4/12, Rz. 1.13; A13/13, F50 ff.), und zur Umgebung seines 

Heimatdorfes (vgl. A4/12, Rz. 1.07, 6.01; A13/13, F30 ff.) – inhaltlich plau-

sibel beantworten konnte, blieben doch einerseits auch diese Antworten 

E-6961/2014 

Seite 13 

von geringer Substanz; andererseits beziehen sie sich auf Bereiche, die 

das Leben des Beschwerdeführers nur entfernter betreffen, weshalb sie 

eher auswendig gelernt werden können. Folglich vermögen sie die Un-

glaubhaftigkeit der Angaben des Beschwerdeführers bezüglich der zentra-

len Aspekte seines Alltagslebens nicht umzustossen.  

Angesichts dieser gänzlichen Unplausibilität, Substanzarmut und Wider-

sprüchlichkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers ist die Vorinstanz – 

in Übereinstimmung mit der zuvor zitierten Rechtsprechung – zutreffender-

weise davon ausgegangen, dass deren Beurteilung keiner weiteren fachli-

chen Abklärungen mehr bedarf. Bezüglich der Gewährung des rechtlichen 

Gehörs zu den von der Vorinstanz als unzulänglich erachteten Angaben 

des Beschwerdeführers zu seinem Alltags- und Länderwissen ist ferner 

festzustellen, dass die Vorinstanz den Beschwerdeführer im Rahmen der 

Befragungen wiederholt damit konfrontierte, weshalb er nur so wenig Ah-

nung von zentralen Bereichen seines Lebens habe. Der Beschwerdeführer 

konnte dafür in der Regel keine plausible Erklärung geben (vgl. A4/12, Rz. 

1.17.03, 2.02, 6.01; A13/13, F6 ff., F12 f., F29). Zudem wies die Vorinstanz 

den Beschwerdeführer anlässlich der Befragungen auch auf die Wider-

sprüche in den Darstellungen seines Alltagslebens hin (vgl. A4/12, Rz. 

1.17.04, 6.01; A13/13, F12, F25 ff., F70 f., F74 ff.). Mithin wurde der An-

spruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör im vorliegenden Ver-

fahren sowieso nicht verletzt. Im Übrigen ist auch darauf hinzuweisen, dass 

die Vorinstanz auf Vernehmlassungsstufe bezüglich der vom Beschwerde-

führer plausibel beantworteten Fragen in für das Gericht grundsätzlich 

nachvollziehbarer Weise darlegte, weshalb es gewisse dieser Antworten 

als unzulänglich erachte. 

5.  

Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, glaub-

haft zu machen, dass er in der Volksrepublik China seine Hauptsozialisa-

tion erfahren hat, weshalb mit der Vorinstanz davon auszugehen ist, dass 

er über seine Herkunft täuschende Angaben gemacht hat. Mithin ist auch 

seinen Vorfluchtgründen, die – wie in der angefochtenen Verfügung über-

zeugend begründet – ohnehin stereotyp, unsubstanziiert und teilweise gar 

unplausibel ausgefallen sind, jegliche Grundlage entzogen. 

5.1 In BVGE 2014/12 präzisierte das Bundesverwaltungsgericht seine Pra-

xis bezüglich Tibet (basierend auf Entscheidungen und Mitteilungen der 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 1) dahinge-

E-6961/2014 

Seite 14 

hend, dass bei Personen tibetischer Ethnie, die ihre wahre Herkunft ver-

schleiern oder verheimlichen, nicht nur die Prüfung der Flüchtlingseigen-

schaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr effektives Heimatland ver-

unmöglicht werde, sondern vermutungsweise auch davon auszugehen sei, 

dass keine flüchtlings- oder wegweisungsbeachtlichen Gründe gegen eine 

Rückkehr an ihren bisherigen Aufenthaltsort bestünden. So finde die Ab-

klärungspflicht der Asylbehörden ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der 

asylsuchenden Person. Verunmögliche ein tibetischer Asylsuchender 

durch die Verletzung seiner Mitwirkungspflicht die Abklärung zu seinem ef-

fektiven Status in den namhaften exiltibetischen Gemeinschaften – das 

heisst in Nepal respektive Indien –, könne namentlich keine Drittstaaten-

abklärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden (vgl. a.a.O., 

E. 5.9 f.). 

5.2 Wie einleitend ausgeführt, kommt das Gericht – zusammen mit der Vo-

rinstanz – zum Schluss, dass der Beschwerdeführer nicht glaubhaft ma-

chen konnte, dass er in der Volksrepublik China seine Hauptsozialisation 

erfahren hat (vgl. E. 4.2). Folglich ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

davon auszugehen, dass er in der exiltibetischen Diaspora, das heisst in 

Nepal oder Indien aufgewachsen ist beziehungsweise dort gelebt hat. Mit-

hin wäre grundsätzlich der Frage nachzugehen, ob er über die chinesische 

Staatsangehörigkeit verfügt, was eine Prüfung der Drittstaatenregelung 

nach Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG mit sich bringen würde, oder ob er über 

die indische oder nepalesische Staatsangehörigkeit verfügt, was zur Folge 

hätte, dass das Vorliegen einer asylrelevanten Gefährdung hinsichtlich In-

dien oder Nepal zu prüfen wäre. Indes ist das Gericht wie die Vorinstanz 

der Auffassung, dass der Beschwerdeführer angesichts der Unglaubhaf-

tigkeit seiner Angaben zum Ort seiner Hauptsozialisation seine wahre Her-

kunft verschleiert hat. Somit hat er seine Mitwirkungspflicht in nicht ent-

schuldbarer Weise verletzt und dadurch den Behörden nähere Abklärun-

gen zu seinem tatsächlichen Heimatstaat verunmöglicht. Der Beschwerde-

führer hat die Folgen dieses Verhaltens zu verantworten (vgl. BVGE 

2014/12 E. 5.10). 

6.  

Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass zwar davon auszuge-

hen ist, dass der Beschwerdeführer tibetischer Ethnie ist. Jedoch entbeh-

ren seine Vorbringen bezüglich des Ortes seiner hauptsächlichen Soziali-

sation sowie seine Asylvorbringen insgesamt der Glaubhaftigkeit. Folglich 

vermag der Beschwerdeführer weder die Flüchtlingseigenschaft im Zeit-

E-6961/2014 

Seite 15 

punkt seiner Ausreise noch subjektive Nachfluchtgründe nachzuweisen o-

der zumindest glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat somit zu Recht 

seine Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 

7.  

Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-

haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen. Die 

Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 AsylG; vgl. 

BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

8.2 Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit eines Wegweisungsvoll-

zugs sind zwar von Amtes wegen zu prüfen, aber die Untersuchungspflicht 

findet, wie bereits vorstehend ausgeführt, ihre Grenzen an der Mitwirkungs-

pflicht des Beschwerdeführers. Es ist nicht Sache der Behörden, bei feh-

lenden Hinweisen nach etwaigen Wegweisungsvollzugshindernissen in hy-

pothetischen Herkunftsländern zu forschen. Der Beschwerdeführer hat die 

Folgen seiner fehlenden Mitwirkung insofern zu tragen, als seitens der 

Asylbehörden der Schluss gezogen werden muss, es spreche nichts ge-

gen eine Rückkehr an den bisherigen Aufenthaltsort, da er keine konkre-

ten, glaubhaften Hinweise geliefert hat, die gegen eine entsprechende 

Rückkehr sprechen.  

8.3 In Übereinstimmung mit der Dispositivziffer 5 der angefochtenen Ver-

fügung ist im Übrigen darauf hinzuweisen, dass für alle Exil-Tibeterinnen 

und -Tibeter ein Vollzug der Wegweisung nach China im Sinne von Art. 45 

Abs. 1 Bst. d AsylG ausgeschlossen wird, da ihnen dort gegebenenfalls 

Verfolgung im flüchtlingsrechtlichen Sinn beziehungsweise eine men-

schenunwürdige Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK droht 

(BVGE 2014/12 E. 5.11).  

E-6961/2014 

Seite 16 

8.4 Es obliegt dem Beschwerdeführer, sich die für eine Rückkehr allen-falls 

benötigten Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist.  

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist mithin abzuweisen. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Verfahrens 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da das Ge-

such um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von 

Art. 65 Abs. 1 VwVG jedoch mit Zwischenverfügung vom 3. Dezem-

ber 2014 gutgeheissen wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-6961/2014 

Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Christa Luterbacher Regina Derrer