# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e150e6bc-c013-50b9-8164-c6606d9f0037
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-01-12
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 12.01.2011 SK1 2010 50
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2010-50_2011-01-12.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

___________________________________________________________________________________________________

Ref.: Chur, 12. Januar 2011 Schriftlich mitgeteilt am: 
SK1 10 50 (nicht mündlich eröffnet)

Urteil 
I. Strafkammer

Vorsitz Schlenker
RichterInnen Brunner und Michael Dürst
Aktuarin ad hoc Riesen-Ryser

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In der strafrechtlichen Berufung

des A., Antragsgegner und Berufungskläger,

gegen

das Urteil des Bezirksgerichts Maloja vom 10. August 2010, mitgeteilt am 21. 
September 2010, in Sachen des Amtes  fü r  Jus t i zvo l l zug  Graubünden, 
Gäuggelistrasse 16, 7001 Chur, Antragssteller und Berufungsbeklagter, gegen 
den Antragsgegner und Berufungskläger,

betreffend Nichteinhalten von Bewährungsauflagen,

hat sich ergeben:

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A. Mit Urteil vom 15. Juni 2005 erklärte das Kreisgericht Rheintal A. 
schuldig des mehrfachen Betrugs und der Vernachlässigung von 
Unterhaltspflichten und bestrafte ihn dafür mit einer bedingten Gefängnisstrafe von 
18 Monaten, abzüglich der erstandenen Untersuchungshaft von vier Tagen. Die 
Probezeit wurde auf fünf Jahre festgelegt. Gleichzeitig wurde für folgende, bedingt 
ausgesprochene Strafen der bedingte Strafvollzug widerrufen: Urteil des 
Kreisgerichts Oberengadin vom 6. Mai 1999 – 13 Monate Freiheitsstrafe, 
abzüglich 66 Tage Untersuchungshaft; Urteil des Bezirksgerichts Gossau vom 14. 
Januar 2000 – 3 Monate Freiheitsstrafe; Strafbescheid des 
Untersuchungsrichteramtes Gossau vom 15. November 2000 – 6 Wochen 
Freiheitsstrafe. In einer weiteren Verurteilung wurde A. mit Strafbescheid der 
Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen vom 22. November 2006 des 
mehrfachen Betrugs schuldig gesprochen und als Zusatz zum Urteil des 
Kreisgerichts Rheintal vom 15. Juni 2005 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 
3 Monaten verurteilt. Insgesamt waren somit Freiheitsstrafen von 19 Monaten und 
6 Wochen, abzüglich 66 Tage Untersuchungshaft, zu vollziehen.

B. A. verbüsste diese Freiheitsstrafen ab dem 4. September 2006 in der 
Kantonalen Anstalt C. in D.. Mit Verfügung des Amtes für Justizvollzug 
Graubünden vom 26. Juli 2007 wurde er auf den 19. August 2007 hin bedingt aus 
dem Strafvollzug entlassen mit einer Probezeit von zwei Jahren. Gleichzeitig 
wurde für die Dauer der Probezeit eine Bewährungshilfe angeordnet mit der 
Befugnis, die Berufsausübung mitzubestimmen. 

C. Am 10. Dezember 2008 stellte das Amt für Justizvollzug Graubünden 
dem Kreisamt Oberengadin Antrag auf Widerruf der bedingten Entlassung und 
Vollzug der Reststrafe. Der Antrag wurde unter anderem mit mangelnder 
Transparenz, Teilinformationen oder falschen Informationen von Seiten von A. 
begründet. Das Kreisamt Oberengadin überwies den Antrag zuständigkeitshalber 
an das Bezirksgericht Maloja.

D. Mit Urteil des Bezirksgerichts Maloja vom 28. April 2009, mitgeteilt 
am 6. Mai 2009, wurde der Antrag des Amtes für Justizvollzug Graubünden auf 
Widerruf der bedingten Entlassung und Vollzug der Reststrafe abgewiesen. Dem 
bedingt entlassenen A. wurde die Probezeit um ein Jahr, das heisst bis zum 26. 
Juli 2010, verlängert. In der Begründung hielt das Bezirksgericht unter anderem 
fest, A. habe nicht gegen die Anordnungen der Bewährungshilfe verstossen. Er 
habe nur seinen Unmut über das „Berufsverbot“ geäussert, habe sich seit der 
Entlassung jedoch nicht in einem als kritisch eingestuften Berufsbereich betätigt. 

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Ein Widerruf wegen blossem Ungehorsam gehe zu weit und sei 
unverhältnismässig. A. Umfeld sei stabil. Er habe nach kurzer Arbeitslosigkeit 
wieder eine Stelle antreten können. Er arbeite weder in der Versicherungs- noch in 
der Treuhandbranche, weshalb eine Rückfallgefahr mit hinreichender Sicherheit 
ausgeschlossen sei. Um A. noch weiter zu begleiten, werde die Probezeit um ein 
weiteres Jahr verlängert, wobei weiterhin regelmässige Gespräche mit der 
Bewährungshilfe angebracht seien.

E. Mit Schreiben vom 26. Januar 2010 informierte die Bewährungshilfe 
St. Gallen das Amt für Justizvollzug Graubünden, dass das 
Bewährungshilfemandat sistiert worden sei und vorläufig pendent gehalten werde. 
Als Grund für die Sistierung wurde angegeben, dass sich A. gemäss 
Nachforschungen beim Einwohneramt E. am 4. Januar 2010 nach F. abgemeldet 
habe. Es hätten bereits im September 2009 mit A. Gespräche über eine Arbeit in 
F. stattgefunden, anlässlich welcher die Bedingungen (Arbeitsvertrag, keine 
Vertrauensstellung und Abmeldung bei der Gemeinde) erläutert worden seien. Am 
18. November 2009 habe A. einen Gesprächstermin verschoben, weil er den 
Arbeitsvertrag für F. habe unterschreiben müssen. Er sei gebeten worden, den 
Arbeitsvertrag vorzulegen, was er aber nicht getan habe. Anlässlich einer 
Besprechung habe er erklärt, dass er vom 1. Dezember 2009 bis zum 3. Januar 
2010 ein „Probearbeiten“ mit der ganzen Familie in F. vereinbart habe. Es seien 
an diesem Gespräch nochmals die Bedingungen besprochen worden. Man habe 
vereinbart, dass sich A. nach seiner Rückkehr anfangs Januar 2010 wieder melde. 
Nachdem er dies nicht getan habe, sei am 20. Januar 2010 schriftlich ein Termin 
vereinbart worden. Das entsprechende Schreiben sei mit der Bemerkung 
„weggezogen“ retourniert worden, worauf Nachforschungen beim Einwohneramt 
E. getätigt worden seien. Wenn A. innert laufendem Betreuungsmandat in die 
Schweiz zurückkehre und man dies erfahre, werde das Betreuungsmandat wieder 
aufgenommen. Es bestünden allerdings berechtigte Zweifel, dass sich A. bei 
seiner Rückkehr freiwillig melden werde.

F. Am 28. Mai 2010 teilte die Bewährungshilfe St. Gallen dem Amt für 
Justizvollzug Graubünden mit, dass eine am selben Tag getätigte Nachfrage beim 
Einwohneramt E. ergeben habe, dass die Abmeldung von A. vom 4. Januar 2010 
nach F. wieder rückgängig gemacht und er wieder angemeldet worden sei, weil er 
nicht wie beabsichtigt nach F. ausgereist sei. Nachdem A. vor seiner angeblichen 
Ausreise keine der geforderten Unterlagen gebracht habe und sich trotz dem 
Verbleib in der Schweiz nicht wieder bei der Bewährungshilfe gemeldet habe, 
habe er klar gegen die Bewährungsauflagen verstossen. Durch die angebliche 

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Ausreise und die vorübergehende Abmeldung habe er die Bewährungshilfe zudem 
vorsätzlich getäuscht. Mit seinem Verhalten zeige er, dass er aus dem Strafvollzug 
nichts gelernt habe und nicht gewillt sei, sich regelkonform zu verhalten. 

Am 17. Juni 2010 bestätigte das Einwohneramt E. telefonisch, dass sich A. 
am 4. Januar 2010 abgemeldet und am 23. April 2010 an seiner vorherigen 
Wohnadresse wieder angemeldet habe. 

G. Am 18. Juni 2010 stellte das Amt für Justizvollzug Graubünden dem 
Bezirksgericht Maloja sinngemäss den Antrag, die A. gewährte bedingte 
Entlassung zu widerrufen und die Reststrafe von 6 Monaten und 24 Tagen als 
vollziehbar erklären zu lassen. Das Bezirksgerichtspräsidium Maloja eröffnete A. 
am 22. Juni 2010 die Möglichkeit, zum Antrag des Amtes für Justizvollzug 
Graubünden Stellung zu nehmen. A. liess sich innert Frist nicht vernehmen. Mit 
Schreiben vom 19. Juli 2010 lud das Bezirksgerichtspräsidium Maloja A. auf den 
10. August 2010 zur Hauptverhandlung vor. Am 22. Juli 2010 machte die Post 
dem Bezirksgericht Maloja Meldung, dass die Vorladung zur Hauptverhandlung 
nicht hatte zugestellt werden können und aufgrund eines Auftrages des 
Empfängers vielleicht noch längere Zeit (höchstens zwei Monate) bei der Post 
lagern werde. Auf Nachfrage wurde offenbar mitgeteilt, dass ein Rückhalteauftrag 
für die Zeit vom 19. Juli 2010 bis zum 12. August 2010 erteilt worden war. Weitere 
Abklärungen oder Vorkehren wurden nicht getroffen. 

H. Am 10. August 2010 fand die Hauptverhandlung vor der Vorinstanz 
statt. A. nahm daran nicht teil. Mit Urteil vom 10. August 2010, mitgeteilt am 21. 
September 2010, entschied das Bezirksgericht Maloja:

„1. Der bedingt entlassene A. wird in den Strafvollzug 
zurückversetzt.

2. Die Reststrafe von 6 Monaten und 24 Tagen ist zu vollziehen.

3. Die Kosten für diesen Entscheid von CHF 1'000.-, sowie die 
Schreibkosten von CHF 100.-, werden A. auferlegt.

4. (Rechtsmittelbelehrung).

5. (Mitteilung).“

In der Begründung hielt es fest, A. sei mit Datum vom 22. Juni 2010 Frist 
zur Stellungnahme zum Antrag des Amtes für Justizvollzug Graubünden angesetzt 
worden. Er habe das entsprechende Schreiben zwar entgegen genommen, sich 
aber innert Frist nicht vernehmen lassen. Die Vorladung zur Hauptverhandlung 
habe aufgrund eines von A. erteilten Auftrages nicht zugestellt werden können und 

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lagere höchstens zwei Monate bei der Post. Gemäss bundesgerichtlicher 
Rechtsprechung würden behördliche Postsendungen im Prozessverfahren dann 
als zugestellt gelten, wenn sie tatsächlich zugestellt oder auf der Poststelle 
abgeholt würden. Geschehe dies jedoch nicht während der siebentägigen 
Abholfrist, gelte die Sendung als am letzten Tag der Frist zugestellt. Die 
entsprechende Zustellfiktion fusse auf dem Prozessrechtsverhältnis. A. sei 
aufgrund der ersten Postsendung des Bezirksgerichts Maloja über das laufende 
Verfahren orientiert gewesen und habe mit einer Vorladung rechnen müssen. Er 
habe daher sicherstellen müssen, dass eventuelle behördliche Sendungen 
abgeholt würden. Er habe weder eine allfällige Ortsabwesenheit mitgeteilt, noch 
einen Vertreter ernannt. Diese Unterlassung habe er sich selbst zuzuschreiben, 
weshalb die Vorladung als zugestellt zu betrachten sei. Massgeblich für den 
Entscheid des Widerrufs der bedingten Entlassung und der Rückversetzung in den 
Strafvollzug sei die zu erstellende Kriminalprognose. Diese müsse ein ernsthaftes, 
also konkretes und erhebliches Rückfallrisiko ergeben. A. habe sich erneut 
unkooperativ verhalten, obwohl er vom letzten Verfahren her gewusst habe, dass 
ihm eine letzte Chance gewährt worden sei. Er habe sich der Bewährungshilfe 
entzogen. Sein Verhalten gebe berechtigten Anlass zur Annahme, dass er damit 
etwas vertuschen wolle, ansonsten er die von der Bewährungshilfe gestellten 
Auflagen ohne weiteres hätte erfüllen können. A. könne daher keine günstige 
Kriminalprognose gestellt werden, weshalb er in den Strafvollzug zurück zu 
versetzen sei.

I. a) Gegen dieses Urteil erhob A. mit Eingabe vom 4. Oktober 2010, 
Poststempel vom 6. Oktober 2010, Berufung an das Kantonsgericht von 
Graubünden. Darin macht er geltend, er habe sich in den letzten bald sechs 
Jahren nichts zu Schulden kommen lassen, was eine Inhaftierung rechtfertigen 
würde. Was ihm vorgeworfen werde bezüglich krimineller Art, weise er zurück. 
Nach seiner Haftentlassung hätten seine Frau und er mit dem Abbezahlen der 
Schulden begonnen, was gar nicht einfach sei. Sie müssten sich sehr 
einschränken. Betreffend den Arbeitsvertrag für F. halte er fest, dass er diesen 
noch immer nicht erhalten habe. Er sei immer vertröstet worden. Er warte jeden 
Tag darauf. Er glaube nicht, dass er an dieser Verzögerung schuld sei. Es sei für 
ihn ein kleiner Traum gewesen und für seine Familie hätte es ein besseres 
Einkommen gebracht. Dazu komme ein Unfall, der eine Lähmung seines rechten 
Beines ab dem Knie gebracht habe. Was das für ihn bedeute, sei leicht 
vorzustellen. Er könne sich keinen Anwalt leisten, weshalb er diese Berufung 
gezwungenermassen selbst durchziehe. Eine erneute Inhaftierung sei das Ende 

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seiner Ehe, der Verlust seines Hauses und eine Katastrophe für seine Tochter. Er 
glaube nicht, dass diese Massnahmen dem Sinn des Gesetzes entsprechen 
würden. Alles weitere würde er gerne mündlich vortragen, da er nicht Verteidiger 
sei und mündlich die bessere Chance habe, sich verständlich zu machen.

b) Mit Schreiben vom 22. Oktober 2010 verzichtete das Bezirksgericht 
Maloja auf eine Stellungnahme zur Berufung. Ebenso verzichtete die 
Staatsanwaltschaft Graubünden mit Schreiben vom 26. Oktober 2010 auf die 
Einreichung einer Vernehmlassung.

J. An der Berufungsverhandlung vor der I. Strafkammer des 
Kantonsgerichts am 12. Januar 2011 war A. anwesend. Die Staatsanwaltschaft 
Graubünden nahm nicht teil. Gegen die Zuständigkeit und Zusammensetzung des 
Gerichts wurden keine Einwände erhoben. A. verzichtete auf das Verlesen von 
Aktenstücken. In der Befragung äusserte er sich ausführlich zu den Umständen, 
die zu seiner Ab- und Wiederanmeldung geführt hatten und warum er sich nicht 
mehr bei der Bewährungshilfe gemeldet hatte. Ebenso gab er Auskunft über seine 
derzeitige Lebens- und Einkommenssituation. Insbesondere gab er an, dass seine 
Familie mit seinem Einkommen und jenem seiner Ehefrau über die Runden käme, 
dass es aber sehr eng sei. Für die Schulden habe ihm ein Kollege das Geld 
vorgeschossen. Diesem würden sie nun nach ihren finanziellen Möglichkeiten 
monatliche Abzahlungen leisten. Er suche für die Zukunft wieder eine Stelle im 
kaufmännischen Bereich, da er dort erheblich mehr verdienen würde. In seinem 
Schlusswort hielt er fest, wenn er die Reststrafe absitzen müsse, sei dies der 
Untergang für seine Ehe. Seine Frau sei zudem allein nicht in der Lage, es zu 
schaffen, die Schulden seien zu hoch. Sie würden alles verlieren, was sie in den 
letzten Jahren aufgebaut hätten. Wenn er von der Hauptverhandlung vor der 
Vorinstanz etwas gewusst hätte, dann wäre er sicherlich dorthin gegangen. 

Mit Datum vom 12. Januar 2011 wurde das Urteilsdispositiv vorzeitig 
mitgeteilt.

K. Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Urteil, in der 
Rechtsschrift sowie in der persönlichen Befragung von A. wird, soweit erforderlich, 
in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

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Die I. Strafkammer zieht in Erwägung :

1. a) Auf den 1. Januar 2011 ist die Schweizerische 
Strafprozessordnung (StPO, SR 312.0) in Kraft getreten. Sie ersetzt die kantonale 
Strafprozessordnung vom 8. Juni 1958 (aStPO, BR 350.000). In ihren 
Übergangsbestimmungen hält die Schweizerische Strafprozessordnung fest, dass 
Rechtsmittel gegen einen Entscheid, der vor ihrem Inkrafttreten gefällt worden ist, 
nach bisherigem Recht und von der bisher zuständigen Behörde beurteilt werden 
(Art. 453 Abs. 1 StPO). Der vorliegend zu beurteilende Entscheid datiert vom 10. 
August 2010. Er ist mithin noch vor Inkrafttreten der Schweizerischen 
Strafprozessordnung ergangen, weshalb auf das Verfahren die kantonale 
Strafprozessordnung vom 8. Juni 1958 Anwendung finden muss.

b) Gegen Urteile und Beschlüsse der Bezirksgerichte und ihrer Ausschüsse 
können der Verurteilte, das Opfer und der Staatsanwalt beim Kantonsgericht 
gemäss Art. 141 Abs. 1 aStPO innert 20 Tagen seit der schriftlichen Eröffnung des 
angefochtenen Entscheides Berufung einlegen. Diese ist zu begründen und hat 
darzutun, welche Mängel des erstinstanzlichen Entscheides oder 
Gerichtsverfahrens gerügt werden und ob das ganze Urteil oder lediglich Teile 
davon angefochten werden (Art. 142 Abs. 1 aStPO). Gemäss ständiger Praxis des 
Kantonsgerichts ist bei den formellen Erfordernissen dem Laien gegenüber eine 
gewisse Nachsicht zu üben (vgl. PKG 1999 Nr. 26; Padrutt, Kommentar zur 
Strafprozessordnung des Kantons Graubünden [StPO], Chur 1996, 2. Auflage, N 1 
zu Art. 142 StPO, mit weiteren Hinweisen). Vorliegend stellt A. in seiner 
Berufungsschrift keinen formellen Antrag, sondern legt den Sachverhalt dar, wie er 
sich aus seiner Sicht darstellt. Aus seinen Ausführungen wird jedoch deutlich, 
dass er den Widerruf der bedingten Entlassung und die Rückversetzung in den 
Strafvollzug als nicht gerechtfertigt erachtet, weshalb er das gesamte vor-
instanzliche Urteil aufgehoben haben möchte. Da es sich bei A. um einen Laien 
handelt und aus seiner Berufungsschrift sinngemäss hervorgeht, was er 
beansprucht, wird auf die fristgerecht eingereichte Berufung eingetreten.

2. Der Vorsitzende kann gemäss Art. 144 Abs. 1 aStPO eine mündliche 
Berufungsverhandlung von Amtes wegen oder auf Antrag durchführen, wenn die 
persönliche Befragung des Angeklagten für die Beurteilung der Streitsache 
wesentlich ist. Auf die Berufungsverhandlung finden unter Vorbehalt abweichender 
Bestimmungen die Vorschriften der Strafprozessordnung über das 
Gerichtsverfahren sinngemäss Anwendung (vgl. Art. 144 Abs. 2 aStPO). A. hat in 
seiner Berufung darum gebeten, alles weitere mündlich vortragen zu dürfen. Damit 

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hat er sinngemäss einen Antrag auf Durchführung einer mündlichen 
Berufungsverhandlung gestellt. Mit der Vorladung zur Berufungsverhandlung vom 
12. Januar 2011 (vgl. Verfügung vom 18. November 2010, act. 05) sowie der 
Durchführung der Berufungsverhandlung selbst wurde diesem Antrag 
entsprochen.

3. Die Vorinstanz hat ihren Entscheid gefällt, ohne dass A. an der 
Hauptverhandlung teilgenommen hätte. Sie hat ihr Vorgehen damit begründet, 
dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung behördliche Sendungen 
spätestens am letzten Tag der postalischen Abholfrist als zugestellt gelten 
würden, sofern sie nicht früher zugestellt werden könnten oder abgeholt würden. 
Die Vorinstanz verkennt dabei, dass es vorliegend nicht um die Frage der 
gehörigen Vorladung geht, sondern darum, dass ein Angeschuldigter das Recht 
hat, an der Hauptverhandlung vor der ersten Instanz persönlich anwesend zu sein. 
Dieser Anspruch wird als wesentliches Element des Rechts auf ein faires 
Verfahren von Art. 6 Ziff. 1 EMRK garantiert. Ein entsprechendes Recht ergibt sich 
auch aus dem verfassungsrechtlichen Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss 
Art. 29 Abs. 2 BV (vgl. BGE 127 I 213 E 3a, mit Hinweisen). Dieses Recht auf 
Teilnahme an der Verhandlung ist indessen nicht absolut. Nach der Praxis des 
Bundesgerichts und des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte sind 
Abwesenheitsverfahren unter gewissen Voraussetzungen zulässig. Das 
bündnerische Strafprozessrecht enthält denn auch klare Regeln, wann auf die 
Anwesenheit des Angeklagten verzichtet werden kann beziehungsweise, wann 
trotz Abwesenheit des Angeklagten verhandelt werden darf. Zunächst wird dazu in 
Art. 122 Abs. 2 Satz 1 aStPO festgehalten, dass der Angeklagte auf schriftliches 
Gesuch hin von der Teilnahme an der Hauptverhandlung dispensiert werden kann, 
wenn die Anklage auf ein Verbrechen oder Vergehen lautet und eine 
Freiheitsstrafe von nicht mehr als sechs Monaten, eine Geldstrafe bis zu 180 
Tagessätzen oder gemeinnützige Arbeit bis zu 720 Stunden oder eine Verbindung 
dieser Strafen beantrag wird. Vorliegend jedoch geht es um den Widerruf einer 
bedingten Entlassung und den Vollzug der Reststrafe von 6 Monaten und 24 
Tagen. Die in Frage stehende Strafe übersteigt somit die vom Gesetz 
vorgesehene Grenze von 6 Monaten, so dass von vornherein keine Dispensation 
von A. möglich war. Im übrigen hätte es auch an einem schriftlichen Gesuch 
gefehlt. Wenn das Gesetz nun in Art. 122 Abs. 2 Satz 2 aStPO weiter festhält, 
dass das Gericht entscheide, ob der Fall trotzdem beurteilt oder ob der Angeklagte 
vorgeführt werden solle, wenn ein gehörig vorgeladener Angeklagter nicht zur 
Hauptverhandlung erscheine, obwohl er nicht dispensiert worden sei, so bezieht 

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sich dies klarerweise nur auf den Fall, dass überhaupt eine Dispensation möglich 
gewesen wäre. Dies ergibt sich aus dem Wortlaut von Art. 122 Abs. 2 Satz 2 
aStPO, seiner Stellung im Gesetz sowie aus Art. 123 Abs. 1 aStPO, in welchem 
klar festgestellt wird, dass insofern, als ein Angeklagter, ohne dass die 
Voraussetzungen von Art. 122 aStPO erfüllt seien, trotz gehöriger Vorladung nicht 
zur Hauptverhandlung erscheine und auch nicht vorgeführt werden könne, das 
Gericht aufgrund der Akten und der Parteivorträge ein Abwesenheitsurteil fälle. Da 
nun A. nicht zur Hauptverhandlung vor der Vorinstanz erschienen ist, hätte die 
Vorinstanz zuerst prüfen müssen, ob grundsätzlich seine Dispensation möglich 
gewesen wäre. Nachdem die Voraussetzungen einer Dispensation vorliegend 
augenscheinlich nicht erfüllt sind, hätte das Gericht nicht nach Art. 122 Abs. 2 Satz 
2 aStPO vorgehen und den Fall trotzdem beurteilen dürfen, sondern es hätte Art. 
123 Abs. 1 aStPO prüfen müssen. Dabei hätte die Vorinstanz leicht festgestellt, 
dass A. ohne weiteres hätte vorgeführt werden können, da seine Wohnadresse 
bekannt ist, weshalb auch kein Abwesenheitsurteil hätte gefällt werden dürfen. 
Aus dem Gesagten erhellt, dass die Vorinstanz zu Unrecht die Hauptverhandlung 
ohne A. durchgeführt hat, zumal seine Anwesenheit auch angesichts der 
Voraussetzungen eines Widerrufs gemäss Art. 95 Abs. 5 StGB jedenfalls geboten 
gewesen wäre und sein Aufenthalt bekannt war. Die Vorinstanz hat damit den 
Anspruch von A. auf rechtliches Gehör in schwerwiegender Weise verletzt. Der 
Verfahrensmangel wird jedoch im vorliegenden Berufungsverfahren geheilt, da die 
I. Strafkammer des Kantonsgerichts über die gleiche Kognition verfügt wie die 
Vorinstanz und sich A. zudem vor der I. Strafkammer des Kantonsgerichts 
anlässlich der Berufungsverhandlung umfassend hat äussern können. Im weiteren 
erwächst A. durch die Heilung auch kein Nachteil, da seine Berufung gutzuheissen 
und von einem Widerruf der bedingten Entlassung abzusehen ist, wie die 
nachfolgenden Erwägungen zeigen (vgl. zu den Voraussetzungen einer Heilung 
BGE 133 I 201 E 2.2; BGE 129 I 29 E 2.2.3; BGE 127 V 431 E 3d/aa; Urteil des 
Bundesgerichts vom 20. Mai 2010, 2C_694/2009, E 2.2.1). Nachdem der 
Verfahrensmangel somit als geheilt angesehen werden kann, erübrigt sich eine 
Rückweisung an die Vorinstanz.

4. a) Entzieht sich der Verurteilte der Bewährungshilfe, so kann das 
Gericht die Rückversetzung in den Strafvollzug anordnen, wenn ernsthaft zu 
erwarten ist, dass der Verurteilte neue Straftaten begeht (vgl. Art. 95 Abs. 3 in 
Verbindung mit Abs. 5 StGB). Das Sichentziehen kann somit den weiteren Vollzug 
der Freiheitsstrafe auslösen, aber nicht an sich, sondern nur dann, wenn es ein 
Indiz für Rückfallgefahr darstellt. Das Verhalten des Betroffenen muss erkennen 

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lassen, dass die Prognose, die zur Verschonung geführt hatte, falsch war 
(Trechsel in Trechsel et al., Schweizerischen Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 
Zürich 2008, N 10 zu Art. 95 StGB). Massgeblich ist somit, ob das Fehlverhalten 
als Indiz dafür zu werten ist, dass der Zweck der Anordnung der Bewährungshilfe, 
nämlich die Verminderung des Rückfallrisikos, gefährdet erscheint. Ist „ernsthaft 
zu erwarten“, dass Anordnungen nach Abs. 4 von Art. 95 StGB (Verlängerung der 
Probezeit um die Hälfte; Aufhebung oder Neuanordnung der Bewährungshilfe; 
Änderung, Aufhebung oder Neuerteilung von Weisungen) neue Straftaten nicht zu 
verhindern vermögen, kann das Gericht die Vollziehung der Freiheitsentziehung 
anordnen, also den bedingt Entlassenen in den Strafvollzug zurückversetzen. 
Massgeblich für einen solchen Entscheid ist somit ausschliesslich die für den 
Betroffenen zu erstellende Kriminalprognose, welche ein „ernsthaftes“, also 
konkretes und erhebliches Rückfallrisiko ergeben muss. Das rein pönale 
Interesse, Fehlverhalten während der Probezeit zu sanktionieren, vermag einen 
Widerruf nicht zu legitimieren (vgl. Baechtold, Basler Kommentar, N 5 und 8 zu 
Art. 95 StGB).

b) Wie sich aus den Akten ergibt, hat A. im Herbst 2009 mit dem 
Bewährungsdienst darüber gesprochen, dass er eine Stelle in F. angeboten 
erhalten habe und dass er plane, diese Stelle anzunehmen. Der 
Bewährungsdienst war offenbar nicht grundsätzlich dagegen, jedoch wurden A. 
gewisse Bedingungen gestellt. So hatte er den Arbeitsvertrag einzureichen und 
sich abzumelden. Er durfte auch keine Vertrauensstellung annehmen. Nach einer 
Rückkehr in die Schweiz hatte er sich beim Bewährungsdienst zu melden, sofern 
die Rückkehr noch innerhalb der Probezeit erfolgte. A. hat sich zwar bei der 
Gemeinde abgemeldet, jedoch hat er die Schweiz nach eigenen Angaben nicht 
verlassen. Er hat auch keinen Arbeitsvertrag beim Bewährungsdienst eingereicht 
und er hat sich beim Bewährungsdienst weder ab- noch wieder angemeldet; er hat 
sich überhaupt nicht mehr gemeldet, obwohl er die ganze Zeit über in der Schweiz 
geblieben ist. Damit hat er sich nicht an die Voraussetzungen gehalten, unter 
denen der Bewährungsdienst mit seinem Plan, eine Arbeitsstelle im Ausland 
anzunehmen, einverstanden war. In einem gewissen Sinn hat sich A. damit der 
Kontrolle durch den Bewährungsdienst entzogen, da dieser ihn im Ausland wähnte 
und aus diesem Grund keine weiteren Nachforschungen anstellte und auch nicht 
auf einem Aufrechterhalten der Betreuung bestand. Gerade weil A. sich bei der 
Gemeinde ins Ausland abmeldete und offensichtlich auch bei der Post 
entsprechende Dispositionen vornahm, so dass das Schreiben der 
Bewährungshilfe vom 20. Januar 2010 mit dem Vermerk „weggezogen“ zu dieser 

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zurückkam (vgl. Schreiben des Amtes für Justizvollzug St. Gallen, 
Bewährungsdienst, an das Amt für Justizvollzug Graubünden, Bewährungsdienst, 
vom 26. Januar 2010, Akten des Amtes für Justizvollzug Graubünden, act. 5.4, S. 
2), war er für die Bewährungshilfe auch nicht erreichbar. Damit hat sich A. der 
Bewährungshilfe über längere Zeit entzogen. Grundsätzlich ist stets ein erhöhtes 
Rückfallrisiko anzunehmen, wenn sich der Betroffene der Bewährungshilfe 
entzieht oder die Anordnungen von Weisungen missachtet, zumal dann, wenn die 
günstige Prognose nur in Verbindung mit einer solchen Anordnung gestellt werden 
konnte (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Februar 2010, 6B_772/2009, E 2.2, mit 
Hinweis). In der Verfügung des Amtes für Justizvollzug Graubünden vom 26. Juli 
2007, mit welcher A. auf den 19. August 2007 hin aus dem Strafvollzug bedingt 
entlassen worden ist, wird in Ziffer 5 der Erwägungen explizit festgehalten, dass 
nur in Verbindung mit einer Bewährungshilfe eine positive Legalprognose gestellt 
werden könne (Akten des Amtes für Justizvollzug Graubünden, act. 4.2, S. 4). 
Dass sich A. der Bewährungshilfe entzogen hat, kann somit grundsätzlich ein Indiz 
dafür sein, dass ihm keine günstige Prognose mehr gestellt werden könnte. 
Jedoch ist in die Überlegungen auch miteinzubeziehen, dass in der Verfügung des 
Amtes für Justizvollzug Graubünden vom 26. Juli 2007 die Bewährungshilfe für 
ganz bestimmte Aufgaben angeordnet worden ist. So wird in der Verfügung 
zunächst darauf hingewiesen, dass A. für die Bewältigung seiner finanziellen 
Angelegenheiten und die Schuldensanierung fachliche Unterstützung und 
Beratung benötige. Dafür werde eine Bewährungshilfe angeordnet. A. habe bei 
der Lösung seiner finanziellen Probleme mit einer professionellen Fachstelle für 
Schuldenberatung zusammenzuarbeiten und zu klären, inwiefern eine 
Schuldensanierung möglich sei. Als Fachstelle sei die Schuldensanierungsstelle 
des Bewährungsdienstes St. Gallen vorgesehen (Akten des Amtes für 
Justizvollzug Graubünden, act. 4.2, S. 4, Ziff. 5). Die Bewährungshilfe wurde somit 
in einem ersten Punkt angeordnet, um A. bei der Ordnung seiner finanziellen 
Angelegenheiten und der Schuldensanierung zu unterstützen. Nach Angaben von 
A. wurde denn auch ein Privatkonkurs durchgeführt. Die noch verbliebenen 
Schulden in der Grössenordnung von heute noch etwa Fr. 25'000.-- bezahlt er 
gemäss seiner Aussage mit der Unterstützung durch seine Ehefrau in monatlichen 
Raten zurück, so dass in etwa fünf bis sechs Jahren diese Schulden abgetragen 
sein sollten. Nach Angaben von A. sind sie diesbezüglich zudem nicht unter 
Druck, da diese Schulden in einem Darlehen bestehen, das ein Kollege ihnen 
gewährt hat, der mit einer Rückzahlung je nach finanziellen Möglichkeiten 
einverstanden ist. Es scheint, dass A. die Schuldensanierung in den Griff 
bekommen hat. Im weiteren hat A. anlässlich der Berufungsverhandlung über 

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seine finanzielle Lage Auskunft gegeben. Er hat darauf hingewiesen, dass sie 
über die Runden kämen, dass es aber eng sei. Auch bezüglich seiner finanziellen 
Angelegenheiten hat A. somit offenbar einen Weg gefunden, damit sinnvoll 
umzugehen und innerhalb seiner finanziellen Möglichkeiten zu bleiben. Seine 
Ehefrau unterstützt ihn nach seinen Aussagen und trägt durch eine 
Teilzeitarbeitsstelle wesentlich zum Unterhalt der Familie bei. Das Ziel der 
Bewährungshilfe, A. bei der Schuldensanierung und den finanziellen 
Angelegenheiten zu unterstützten, ist mithin insofern erreicht worden, als A. 
offenbar beide Bereiche in vertretbarer Weise geregelt hat. In einem zweiten 
Punkt hat das Amt für Justizvollzug Graubünden festgehalten, A. sei bereits 
wegen diverser strafbarer Handlungen gegen das Vermögen verurteilt worden. 
Um die Grundlagen für einen erfolg-versprechenden Neubeginn zu festigen, sei es 
wichtig, seine künftigen beruflichen Tätigkeiten zu kennen und diese 
mitzubestimmen. Vorliegend solle die Berufsausübung jedoch nicht in Form einer 
Weisung eingeschränkt, sondern im Rahmen der Bewährungshilfe begleitet 
werden. Die Bewährungshilfe erhalte deshalb die Befugnis, die Berufsausübung 
von A. mitzubestimmen. Vor dem Antritt einer Arbeitsstelle habe A. jeweils 
Rücksprache mit der zuständigen Bewährungshilfe zu nehmen und das 
Einverständnis für den Stellenantritt einzuholen (Akten des Amtes für Justizvollzug 
Graubünden, act. 4.2, S. 4, Ziff. 6). Diese Anordnung hatte zweifellos zum Ziel, A. 
von der Versicherungs- und Treuhandbranche fern zu halten und ihn dazu zu 
bringen, in einem Arbeitsfeld Fuss zu fassen, in dem er nicht in die Lage kam, 
Geld entgegen zu nehmen und/oder zu verwalten. Es finden sich nun in den Akten 
keine Hinweise darauf, dass A. in der Zeit, in der er zwar in der Schweiz war, 
jedoch keinen Kontakt mit der Bewährungshilfe hatte, einer Arbeit nachgegangen 
wäre, die mit einer Vertrauensstellung verbunden gewesen wäre beziehungsweise 
in der ihm fremdes Geld anvertraut worden wäre. Vielmehr hat er im April/Mai 
2010, also wenige Monate vor Beendigung der Bewährungshilfe, eine Arbeitsstelle 
als Liegenschaftsverwalter/Abwart angenommen, welche er nach seiner Aussage 
noch heute innehat. Dass A. im übrigen jetzt eine „bessere“ Arbeits-stelle hätte 
oder besser in einem Arbeitsumfeld, das nichts mit Geldverwaltung zu tun hat, 
verwurzelt wäre, wenn er weiterhin mit der Bewährungshilfe zusammengearbeitet 
hätte, ist nicht zwingend, nachdem sich dies schon nicht in den zweieinhalb 
Jahren abgezeichnet hat, die die Bewährungshilfe zuvor bereits gedauert hat, und 
insbesondere auch unter Berücksichtigung, dass gemäss Angabe von A. in der 
Beziehung zwischen ihm und dem zuständigen Bewährungshelfer aus seiner Sicht 
die Chemie nicht gestimmt habe und er das Gefühl gehabt habe, dass ihm nicht 
geholfen werde. Insofern sind auch hinsichtlich der Arbeitsstelle die Ziele – so weit 

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als möglich – erreicht worden, die mit der Bewährungshilfe verfolgt worden sind. 
Wenn sich aber der Verurteilte ohne das Hilfsangebot bewährt, so wäre es 
paradox, die bedingte Entlassung zu widerrufen, nur weil er von der angebotenen 
Hilfe keinen Gebrauch gemacht hat (vgl. Botschaft vom 21. September 1998 zur 
Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches [Allgemeine Bestimmungen, 
Einführung und Anwendung des Gesetzes], S. 2131). Erst anlässlich der 
Berufungsverhandlung hat A. sich dahingehend geäussert, dass er eine 
Arbeitsstelle im kaufmännischen Bereich suchen werde, weil die 
Verdienstmöglichkeiten erheblich besser seien. Bis anhin, und damit weit über das 
Ende der Bewährungsfrist hinaus, hat er offenbar keine Arbeitsstelle gesucht, in 
der ihm fremdes Vermögen anvertraut worden wäre. Zudem lässt auch seine 
Ankündigung, er werde im kaufmännischen Bereich eine Arbeitsstelle suchen, 
nicht zwingend den Schluss zu, er werde an einer möglichen zukünftigen 
Arbeitsstelle Geld anderer Personen verwalten können. Die Ziele, die die 
Bewährungshilfe gemäss Verfügung des Amtes für Justizvollzug vom 26. Juli 2007 
verfolgen sollte, sind mithin erreicht worden, auch wenn A. die letzten Monate der 
Bewährungshilfe nicht mehr mit dieser zusammengearbeitet hat. Unter dem 
Aspekt der Ziele der Bewährungshilfe vermag das Sichentziehen damit den 
Widerruf der bedingten Entlassung und die Rückversetzung in den Strafvollzug 
nicht zu rechtfertigen. Was jedoch auch klar festgehalten werden muss, ist der 
Umstand, dass A. im Urteil des Bezirksgerichts Maloja vom 28. April 2008 
unmissverständlich darauf hingewiesen worden ist, dass er mit dem Vollzug der 
Reststrafe rechnen müsse, wenn er sich innerhalb der Probezeit strafbar mache 
oder der Bewährungshilfe entziehe (vgl. Ziff. 3 des Urteilsdispositivs des genanten 
Urteils, bezirksgerichtliche Akten, Proz. Nr. _, act. 10). A. wusste somit, dass es 
gravierende Konsequenzen haben könnte, wenn er sich nicht bei der 
Bewährungshilfe meldete. Dass er trotzdem mehrere Monate in der Schweiz 
gelebt hat, ohne sich mit der Bewährungshilfe in Verbindung zu setzen, ist nicht 
nachvollziehbar. Daran vermag auch die Aussage von A. nichts zu ändern, er 
habe sich mit dem Bewährungshelfer nicht verstanden, dieser habe ihm nicht 
geholfen und er habe von diesem einfach genug gehabt. A. hätte trotzdem mit der 
Bewährungshilfe zusammenarbeiten müssen. Anstatt sich einfach nicht mehr zu 
melden, hätte er beantragen können, dass sein Dossier von jemand anderem 
übernommen werde, wenn er denn schon das Gefühl hatte, dass er mit diesem 
Bewährungshelfer nicht zusammenarbeiten könne. Weiter ist nicht 
nachvollziehbar, dass sich A. bei der Gemeinde abgemeldet hat, obwohl er noch 
keinen Arbeitsvertrag in Händen hatte und auch der Termin für den Arbeitsantritt 
offenbar noch gar nicht sicher war. Für eine Abmeldung, die in aller Regel nur 

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wenig Zeit in Anspruch nimmt, wäre klarerweise noch genügend Zeit gewesen, 
wenn der Arbeitsvertrag vorgelegen hätte und der Arbeitsantritt klar gewesen 
wäre. Besonders unverständlich ist jedoch, dass sich A. nicht sofort wieder 
angemeldet beziehungsweise bei der Bewährungshilfe gemeldet hat, als sich die 
ganze Angelegenheit in die Länge zog und sein zukünftiger Arbeitgeber ihn immer 
wieder vertröstet hat. In diesem Zusammenhang konnte durchaus der Eindruck 
entstehen, dass A. sich sehr bewusst der Kontrolle durch die Bewährungshilfe 
entziehen und insbesondere etwas verschleiern wollte. In diesem Verhalten kann 
aber noch kein konkretes Anzeichen für ein erhebliches Rückfallrisiko gesehen 
werden. Auch der Umstand, dass die finanzielle Situation von A. und seiner 
Familie noch immer höchst angespannt ist und gerade die schwierige finanzielle 
Lage A. in der weiter zurück liegenden Vergangenheit dazu veranlasste, strafbare 
Handlungen gegen das Vermögen zu begehen, vermag die Möglichkeit einer 
künftigen Straffälligkeit noch nicht genügend konkret zu begründen. Immerhin 
zeigt sich die finanzielle Situation der Familie B. schon seit längerer Zeit 
angespannt, ohne dass A., soweit bekannt, straffällig geworden wäre. Insgesamt 
ist somit festzustellen, dass die Ziele, welche die Bewährungshilfe gemäss 
Verfügung des Amtes für Justizvollzug Graubünden vom 26. Juli 2007 verfolgen 
sollte, so weit als möglich erfüllt worden sind, obwohl aufgrund des Verhaltens von 
A. mehrere Monate lang keine Kontakte zwischen ihm und der Bewährungshilfe 
stattgefunden haben. A. hat zwar durch sein Verhalten die Bewährungshilfe daran 
gehindert, ihre Aufgaben wahrzunehmen, was nicht bagatellisiert werden darf und 
grundsätzlich als Verfehlung angesehen werden muss. Jedoch vermag ein rein 
pönales Interesse, Fehlverhalten während der Probezeit zu sanktionieren, einen 
Widerruf nicht zu legitimieren (BGE 118 IV 330). Weiter sind zwar gewisse 
Anhaltspunkte erkennbar, die auf die Möglichkeit hindeuten, dass A. etwas vor der 
Bewährungshilfe verheimlichen wollte, jedoch ergeben sie keinen genügenden 
Hinweis auf ein konkretes, ernstliches Rückfallrisiko. Eine Rückversetzung in den 
Strafvollzug wäre nämlich nur möglich, wenn ernsthaft zu erwarten wäre, dass A. 
neue Straftaten begeht (Art. 95 Abs. 5 StGB; Baechtold, a.a.O., N 8 zu Art. 95 
StGB; Günter Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil II, 
Strafen und Massnahmen, Bern 2006, § 4 N 84/85). Diesbezüglich ist noch einmal 
in aller Deutlichkeit darauf hinzuweisen, dass nicht der Verstoss gegen die 
Bewährungsauflagen an sich den Widerruf der bedingten Entlassung zu 
rechtfertigen vermag, sondern einzig eine ungünstige Prognose. Bei der 
Prognosestellung aber ist das Sichentziehen nur ein Kriterium unter mehreren. 
Vorliegend nun haben sich keine Anhaltspunkte ergeben, die eine konkrete und 
erhebliche Rückfallgefahr indizieren. Es kann A. daher keine ungünstige Prognose 

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gestellt werden. Unter diesen Umständen aber hat die Vorinstanz die bedingte 
Entlassung aus dem Strafvollzug zu Unrecht widerrufen und ebenso zu Unrecht 
den Vollzug der Reststrafe angeordnet. Die Berufung ist folglich gutzuheissen, das 
vorinstanzliche Urteil ist aufzuheben. Der sinngemässe Antrag des Amtes für 
Justizvollzug Graubünden auf Widerruf der bedingten Entlassung von A. und auf 
Vollzug der Reststrafe von 6 Monaten und 24 Tagen wird abgewiesen.

5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Vorinstanz 
dem Bezirk Maloja zu überbinden (Art. 157 aStPO). Die Kosten des 
Berufungsverfahrens gehen zu Lasten des Kantons Graubünden (Art. 160 Abs. 3 
aStPO). 

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Demnach erkennt die I. Strafkammer :

1. Die Berufung wird gutgeheissen und das angefochtene Urteil wird 
aufgehoben.

2. Der Antrag des Amtes für Justizvollzug Graubünden auf Widerruf der 
bedingten Entlassung von A. und auf Vollzug der Reststrafe von 6 Monaten 
und 24 Tagen wird abgewiesen.

3. Die Kosten des Bezirksgerichts Maloja von Fr. 1'100.-- gehen zu Lasten des 
Bezirks Maloja.

4. Die Kosten des Berufungsverfahrens von Fr. 1'500.-- gehen zu Lasten des 
Kantons Graubünden. 

5. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 des 
Bundesgerichtsgesetzes (BGG) Beschwerde in Strafsachen an das 
Schweizerische Bundesgericht geführt werden. Diese ist dem 
Bundesgericht schriftlich, innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen 
Ausfertigung der Entscheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG 
vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Zulässigkeit, die 
Beschwerdelegitimation, die weiteren Vorausserzungen und das Verfahren 
der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. BGG.

6. Mitteilung an: