# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 80e202fd-e6b8-57a3-a4ef-46405f07d1b2
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 17.11.2022 WBE.2021.481
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WBE-2021-481_2022-11-17.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

 

WBE.2021.481 / sk / we  
ZEMIS [...]; (E.2021.070)  

Art. 68 

 

Urteil vom 17. November 2022 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Busslinger, Vorsitz  

Verwaltungsrichter Clavadetscher 

Verwaltungsrichterin Kiefer 

Gerichtsschreiber Kempe  

 

 
   

Beschwerde-

führerin  

 A._____, von China 

vertreten durch lic. iur. Marianne Erni, Rechtsanwältin,  

Bahnhofstrasse 92, 5000 Aarau 

 

gegen 

 

  Amt für Migration und Integration Kanton Aargau, Rechtsdienst, 

Bahnhofplatz 3C, 5001 Aarau 

 

 
 

   

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend Nichtverlängerung der 

Aufenthaltsbewilligung und Wegweisung 

 

Entscheid des Amtes für Migration und Integration  

vom 30. November 2021 

  

 - 2 - 

 

 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten: 

 

A. 

Die Beschwerdeführerin reiste am 23. Dezember 2017 zusammen mit ihrer 

minderjährigen Tochter (geb. 2014) zwecks Vorbereitung der 

Eheschliessung in die Schweiz ein und heiratete am 16. Februar 2018 in 

X. den in der Schweiz niederlassungsberechtigten kanadischen 

Staatsangehörigen C. (geb. 1963). In der Folge wurden ihr und ihrer 

Tochter am 29. März 2018 im Rahmen des Familiennachzugs 

Aufenthaltsbewilligungen erteilt (Akten des Amtes für Migration und In-

tegration betreffend die Beschwerdeführerin [MI-act.] 103, 120 ff., 127 ff.). 

Diese wurden letztmals bis zum 28. Februar 2021 verlängert (MI-act. 143).  

 

Mit Schreiben vom 1. September 2020 teilten die zuständigen Einwohner-

dienste dem Amt für Migration und Integration Kanton Aargau (MIKA) mit, 

dass sich die Beschwerdeführerin per 28. August 2020 von ihrem Ehemann 

getrennt habe und sich zusammen mit ihrer Tochter im Frauenhaus Z. 

befinde (MI-act. 148 f.). Am 7. September 2020 ersuchte die 

Beschwerdeführerin beim Bezirksgericht X., Präsidium des 

Familiengerichts, um eheschutzrechtliche Regelung des Getrenntlebens 

(MI-act. 322 ff., 366 ff.). 

 

Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs (MI-act. 182 f., 204, 205 f., 257) 

verfügte das MIKA am 3. Juni 2021 die Nichtverlängerung der mittlerweile 

abgelaufenen Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin und wies 

diese unter Ansetzung einer 60-tägigen Ausreisefrist aus der Schweiz weg. 

Die Tochter der Beschwerdeführerin wurde in die Verfügung miteinbezogen 

(MI-act. 262 ff.). 

 

B. 

Gegen die Verfügung des MIKA vom 3. Juni 2021 erhob die Beschwerde-

führerin mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 5. Juli 2021 beim Rechts-

dienst des MIKA (Vorinstanz) Einsprache (MI-act. 286 ff.).  

 

Am 30. November 2021 erliess die Vorinstanz folgenden Einspracheent-

scheid (act. 1 ff.): 

 

1. 
Die Einsprache wird abgewiesen. 
 
2. 
Es werden keine Gebühren erhoben. 
 
3. 
Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 - 3 - 

 

 

 

Auf die Begründung wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen 

eingegangen. 

 

C. 

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 30. Dezember 2021 reichte die Be-

schwerdeführerin beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau (Verwal-

tungsgericht) Beschwerde ein und stellte folgende Anträge (act. 14 ff.): 

 

1. 
Der Einspracheentscheid des Rechtsdienstes vom 30. November 2021 sei 
aufzuheben. 
 
2. 
Die Verfügung vom 3. Juni 2021 des Amtes für Migration und Integration 
sei aufzuheben. 
 
3. 
Es sei die Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin zu verlängern 
und es sei von einer Wegweisung abzusehen. 
 
4.  
Es sei die Aufenthaltsbewilligung des Kindes B., geb. 2014, zu verlängern 
und es sei von einer Wegweisung abzusehen. 
 
5. 
Es seien die Verfahrensakten ZEMIS Nr. [***] beizuziehen. 
 
6. 
Unter Kosten und Entschädigungsfolgen (zzgl. Mehrwertsteuer) zu Lasten 
des Staates. 

 

Die Begründung ergibt sich, soweit erforderlich, aus den nachstehenden 

Erwägungen. 

 

Nach Eingang des Kostenvorschusses (act. 25) verzichtete die Vorinstanz 

auf eine Beschwerdeantwort, beantragte die Abweisung der Beschwerde 

und reichte aufforderungsgemäss die Akten ein (act. 29). 

 

Das Verwaltungsgericht hat den Fall auf dem Zirkularweg entschieden (vgl. 

§ 7 des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 6. Dezember 2011 [GOG; 

SAR 155.200]). 

 

 
   

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

 

I. 

1. 

Einspracheentscheide des MIKA können innert 30 Tagen seit Zustellung 

mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden (§ 9 

Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 25. November 

 - 4 - 

 

 

 

2008 [EGAR; SAR 122.600]). Beschwerden sind schriftlich einzureichen 

und müssen einen Antrag sowie eine Begründung enthalten; der angefoch-

tene Entscheid ist anzugeben, allfällige Beweismittel sind zu bezeichnen 

und soweit möglich beizufügen (§ 2 Abs. 1 EGAR i.V.m. § 43 des Gesetzes 

über die Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 [Verwaltungs-

rechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200]). 

 

Die Beschwerdeführerin beantragt mit ihrer Beschwerde unter anderem, 

ihre Aufenthaltsbewilligung sowie die Aufenthaltsbewilligung ihrer Tochter 

seien zu verlängern. Das Verwaltungsgericht kann jedoch keine Aufent-

haltsbewilligungen erteilen oder verlängern. Der Antrag ist daher so zu ver-

stehen, dass das MIKA anzuweisen sei, die abgelaufenen Aufenthaltsbe-

willigungen der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter zu verlängern.  

 

Weiter wird mit der Beschwerde beantragt, die Verfügung des MIKA vom 

3. Juni 2021 sei aufzuheben. Das Verwaltungsgericht kann eine Verfügung 

des MIKA jedoch selbst bei Gutheissung einer Beschwerde nicht aufheben. 

Anfechtungsobjekt ist gemäss § 9 Abs. 1 EGAR einzig der Einspracheent-

scheid der Vorinstanz. Auf den entsprechenden Antrag ist deshalb nicht 

einzutreten.  

 

Nachdem sich die Beschwerde im Übrigen gegen den Einspracheentscheid 

der Vorinstanz vom 30. November 2021 richtet, ist die Zuständigkeit des 

Verwaltungsgerichts gegeben und auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde ist, unter Beachtung der vorstehenden Präzisierungen, 

einzutreten. 

 

2. 

Unter Vorbehalt abweichender bundesrechtlicher Vorschriften oder 

Bestimmungen des EGAR können mit der Beschwerde an das Verwal-

tungsgericht einzig Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung 

oder Missbrauch des Ermessens, und unrichtige oder unvollständige Fest-

stellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. Die Ermes-

sensüberprüfung steht dem Gericht jedoch grundsätzlich nicht zu (§ 9 

Abs. 2 EGAR; vgl. auch § 55 Abs. 1 VRPG). Schranke der Ermessensaus-

übung bildet das Verhältnismässigkeitsprinzip (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, 

in: MARTINA CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR [Hrsg.], 

Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen 

und Ausländer [AuG], Bern 2010, N. 7 zu Art. 96 mit Hinweisen). In diesem 

Zusammenhang hat das Verwaltungsgericht gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung insbesondere zu klären, ob die Vorinstanz die gemäss 

Art. 96 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und 

über die Integration vom 16. Dezember 2005 (Ausländer- und Integrations-

gesetz, AIG; SR 142.20) relevanten Kriterien (öffentliche Interessen, per-

sönliche Verhältnisse, Integration) berücksichtigt hat und ob diese rechts-

fehlerfrei gewichtet wurden (vgl. BENJAMIN SCHINDLER, a.a.O., N. 9 zu 

 - 5 - 

 

 

 

Art. 96). Schliesslich ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu entschei-

den, ob die getroffene Massnahme durch ein überwiegendes öffentliches 

Interesse gerechtfertigt erscheint (sog. Verhältnismässigkeit im engeren 

Sinn). 

 

II. 

1.  

1.1.  

Die Vorinstanz hält in ihrem Einspracheentscheid im Wesentlichen fest, die 

Beschwerdeführerin und ihr Ehemann seien unbestrittenermassen seit Au-

gust 2020 getrennt. Damit seien bei der Beschwerdeführerin die Voraus-

setzungen für einen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung 

gemäss Art. 43 AIG nicht mehr erfüllt. Ebenso wenig bestehe ein Anspruch 

im Rahmen eines nachehelichen Härtefalls gemäss Art. 50 AIG. Zum einen 

habe das eheliche Zusammenleben weniger lang gedauert als die nach 

Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG erforderlichen drei Jahre. Zum anderen sei eheliche 

Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AIG zu verneinen. 

Dies begründet die Vorinstanz sinngemäss damit, dass die in der Ein-

sprache vorgebrachten sexuellen Übergriffe des Ehemannes bzw. Stief-

vaters auf die Tochter der Beschwerdeführerin nicht erstellt seien. Der 

darüber hinaus in der Einsprache vorgebrachte Vorfall vom 6. August 2020, 

bei dem der Ehemann an den Armen der Beschwerdeführerin gezerrt und 

ihr auf die Arme geboxt habe, stelle in seiner Ausprägung keine eheliche 

Gewalt im Rechtssinn dar, selbst wenn er sich wie vorgebracht ereignet 

haben sollte. Auch sonst bestünden keine wichtigen persönlichen Gründe 

im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG. Ein schwerwiegender persönlicher 

Härtefall im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG sei ebenfalls zu verneinen. 

Im Ergebnis seien die Aufenthaltsbewilligungen der Beschwerdeführerin 

und ihrer Tochter nicht zu verlängern und diese seien aus der Schweiz 

wegzuweisen.  

 

1.2.  

Die Beschwerdeführerin stellt sich in ihrer Beschwerde demgegenüber im 

Wesentlichen auf den Standpunkt, sie habe Anspruch auf die Verlängerung 

ihrer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 

AIG, da sie im Rahmen des Vorfalls vom 6. August 2020 Opfer ehelicher 

Gewalt geworden sei. Dabei habe ihr Ehemann sie verbal und tätlich ange-

griffen, worauf sie sich gezwungen gesehen habe, mit ihrer Tochter Schutz 

im Frauenhaus Z. zu suchen. Die dergestalt erlittene eheliche Gewalt habe 

sie rechtsgenügend glaubhaft gemacht. Die Vorinstanz würdige den 

Sachverhalt falsch, indem sie den Ereignissen vom 6. August 2020 im 

Hinblick auf Art. 50 Abs. 2 AIG keine Beachtung schenke und insbesondere 

nicht berücksichtige, dass das anschliessende Verlassen der ehelichen 

Wohnung auf Anraten der Sozialen Dienste erfolgt sei. Im Übrigen setze 

die Vorinstanz für eheliche Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AIG ein 

Strafurteil voraus, was der bundesgerichtlichen Praxis widerspreche. 

 - 6 - 

 

 

 

 

2.  

2.1.  

Aufenthaltsbewilligungen sind befristet und erlöschen mit Ablauf ihrer Gül-

tigkeitsdauer (Art. 33 Abs. 3 i.V.m. Art. 61 Abs. 1 lit. c AIG). Spricht jedoch 

nichts gegen eine Bewilligungsverlängerung, wird diese praxisgemäss ver-

fügt. Das AIG enthält keine Bestimmungen, welche die Kriterien für die 

Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung festlegen. Art. 33 Abs. 3 

AIG normiert lediglich, dass eine Aufenthaltsbewilligung verlängert werden 

kann, wenn keine Widerrufsgründe nach Art. 62 Abs. 1 AIG vorliegen. Wie 

mit Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2021.346 vom 28. März 2022, 

Erw. II/2.1 festgehalten, setzt die Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbe-

willigung einen Nichtverlängerungsgrund voraus. Dieser kann entweder in 

einem Widerrufsgrund nach Art. 62 Abs. 1 AIG bestehen oder sich aus 

einer ständigen, rechtsgleich gehandhabten Praxis des MIKA ergeben.  

 

2.2.  

Wird die Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung damit begründet, 

dass der Aufenthaltszweck dahingefallen sei, besteht der Nichtverlänge-

rungsgrund darin, dass die betroffene Person eine mit der Bewilligungser-

teilung verbundene Bedingung nicht mehr erfüllt, womit der Widerrufs- bzw. 

Nichtverlängerungsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. d AIG erfüllt ist (Entscheid 

des Verwaltungsgerichts WBE.2022.67 vom 1. Juni 2022, Erw. II/2.2, ein-

gehend WBE.2021.346 vom 28. März 2022, Erw. II/2.2). 

 

2.3.  

Wie jede behördliche Massnahme müssen auch die Nichtverlängerung 

einer Aufenthaltsbewilligung und die gemäss Art. 64 Abs. 1 lit. c AIG damit 

verbundene Wegweisung verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 der Bundes-

verfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 

[BV; SR 101] und Art. 96 Abs. 1 AIG; vgl. BGE 135 II 377, Erw. 4.3) und 

verlangen folglich nach einer Interessenabwägung unter den Gesichts-

punkten von Art. 96 Abs. 1 AIG. 

 

Da sich die Prüfung der Verhältnismässigkeit der Nichtverlängerung und 

Wegweisung erübrigt, wenn die betroffene Person einen Anspruch auf Er-

teilung einer Bewilligung hat oder ihr ermessensweise eine Bewilligung zu 

erteilen ist, ist die Verhältnismässigkeitsprüfung zunächst zurückzustellen 

und es ist vorab zu klären, ob der betroffenen Person gestützt auf eine An-

spruchs- oder Ermessensbestimmung eine Bewilligung zusteht (Entscheid 

des Verwaltungsgerichts WBE.2022.67 vom 1. Juni 2022, Erw. II/2.3, ein-

gehend zum Ganzen WBE.2021.346 vom 28. März 2022, Erw. II/2.3 f.). 

 

3.  

In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob ein Nichtverlängerungsgrund vor-

liegt (siehe vorne Erw. 2.1).  

 - 7 - 

 

 

 

 

Die Beschwerdeführerin verfügte aufgrund ihres Aufenthalts als Ehegattin 

einer niederlassungsberechtigten Person ab März 2018 über eine abgelei-

tete Aufenthaltsbewilligung. Zulassungsgrund war die Eheschliessung und 

das Zusammenleben in ehelicher Gemeinschaft war Aufenthaltszweck und 

gleichsam Bedingung für die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Da 

gemäss unbestrittener Feststellung der Vorinstanz (act. 4, 16) die Be-

schwerdeführerin seit August 2020 nicht mehr mit ihrem Ehemann in ehe-

licher Gemeinschaft zusammenlebt und keine Aussicht auf Wiedervereini-

gung besteht (vgl. Art. 49 AIG), wird der Aufenthaltszweck bzw. die mit der 

Aufenthaltserteilung verbundene Bedingung nicht mehr eingehalten, womit 

der Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. d AIG erfüllt ist. Nach dem Ge-

sagten steht fest, dass ein Nichtverlängerungsgrund vorliegt. 

 

Vor der Prüfung der Verhältnismässigkeit der Nichtverlängerung der Auf-

enthaltsbewilligung ist zu klären, ob ein Rechtsanspruch auf Erteilung oder 

Verlängerung einer Aufenthaltsbewilligung besteht oder ob die ermessens-

weise Verlängerung der bisherigen oder Erteilung einer neuen Aufenthalts-

bewilligung zur Diskussion steht (siehe vorne Erw. 2.3). 

 

4.  

Da die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen seit August 2020 nicht 

mehr mit ihrem Ehemann in ehelicher Gemeinschaft zusammenlebt und 

keine Aussicht auf Wiedervereinigung besteht, hat sie im heutigen Zeit-

punkt keinen Anspruch mehr auf Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung 

gestützt auf Art. 43 Abs. 1 AIG.  

 

5.  

5.1.  

Verfügen Ehegatten gestützt auf Art. 42 oder 43 AIG über eine abgeleitete 

Aufenthaltsbewilligung, haben sie gemäss Art. 50 Abs. 1 AIG nach Auflö-

sung der Ehegemeinschaft Anspruch auf Erteilung einer neuen Aufent-

haltsbewilligung und deren Verlängerung, wenn die Ehegemeinschaft min-

destens drei Jahre bestanden hat und die Integrationskriterien nach 

Art. 58a AIG erfüllt sind (lit. a) oder wichtige persönliche Gründe einen wei-

teren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b). 

 

5.2.  

5.2.1.  

Die in Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG über eine Dauer von drei Jahren geforderte 

Ehegemeinschaft besteht nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtspre-

chung grundsätzlich solange, als die Eheleute in der Schweiz in ehelicher 

Gemeinschaft zusammenleben (BGE 136 II 113, Erw. 3.3, 140 II 289, 

Erw. 3.5.1, Urteil des Bundesgerichts 2C_436/2020 vom 2. Juli 2020, 

Erw. 3.2; vgl. MARC SPESCHA, in: MARC SPESCHA/ANDREAS ZÜND/PETER 

 - 8 - 

 

 

 

BOLZLI/CONSTANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kommentar Migra-

tionsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, N. 4 zu Art. 50 AIG). Hinsichtlich der 

Voraussetzung des Zusammenlebens bleibt Art. 49 AIG zu beachten, der 

den Eheleuten gestattet, bei Fortdauern der gelebten Ehegemeinschaft aus 

wichtigen Gründen getrennt zu leben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_544/2010 vom 23. Dezember 2010, Erw. 2.3.1; vgl. auch Art. 76 der 

Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Ok-

tober 2007 [VZAE; SR 142.201]).  

 

5.2.2.  

Vorliegend haben die Eheleute – von der Heirat in X. am 16. Februar 2018 

bis zur Trennung am 28. August 2020 – während rund zweieinhalb Jahren 

in der Schweiz in ehelicher Gemeinschaft zusammengelebt (siehe vorne 

lit. A). Konkrete Anhaltspunkte für ein längeres Andauern der 

anrechenbaren Ehedauer unter dem Gesichtspunkt von Art. 49 AIG sind 

nicht ersichtlich. Die Beschwerdeführerin macht auch nichts Derartiges gel-

tend. 

 

5.2.3.  

Damit ist bei der Beschwerdeführerin die Anspruchsvoraussetzung der 

dreijährigen Ehegemeinschaft gemäss Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG nicht erfüllt. 

Ein Anspruch auf Erteilung einer neuen Aufenthaltsbewilligung und deren 

Verlängerung gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG kommt folglich nicht in 

Betracht.  

 

5.3.  

5.3.1.  

Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b 

i.V.m. Abs. 2 AIG einen Anspruch auf Verbleib in der Schweiz hat, weil 

wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz er-

forderlich machen. 

 

5.3.2.  

5.3.2.1.  

Die Anspruchsregelung von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG kommt zum Tragen, 

wenn die anrechenbare eheliche Gemeinschaft weniger als drei Jahre ge-

dauert hat und/oder die Integrationskriterien nach Art. 58a AIG nicht erfüllt 

sind (womit ein Anspruch gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG ausser Be-

tracht fällt), jedoch aufgrund der gesamten Umstände ein nachehelicher 

Härtefall vorliegt. Dies ist dann der Fall, wenn es für den nachgezogenen 

Ehegatten aufgrund der Umstände eine unzumutbare Härte darstellen 

würde, müsste er die Schweiz nach Auflösung der Ehegemeinschaft wieder 

verlassen. Der Härtefall muss sich aus der Lebenssituation der betroffenen 

Person nach der Auflösung der Ehe und dem Dahinfallen der gestützt auf 

die Ehe erteilten Anwesenheitsberechtigung ergeben. Gemäss Art. 50 

 - 9 - 

 

 

 

Abs. 2 AIG können wichtige persönliche Gründe, die einen weiteren Auf-

enthalt in der Schweiz erforderlich machen – d.h. einen nachehelichen Här-

tefall im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG begründen – namentlich dann 

vorliegen, wenn der nachgezogene Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt ge-

worden ist oder dieser die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder 

die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet er-

scheint. Rechtsprechungsgemäss kann darüber hinaus insbesondere auch 

der Tod des nachziehenden Ehegatten oder die Beziehung zu einem 

anwesenheitsberechtigten gemeinsamen Kind dazu führen, dass dem 

nachgezogenen Ehegatten ein nachehelicher Härtefall zu attestieren ist 

(eingehend zum Ganzen Entscheid des Verwaltungsgerichts 

WBE.2020.401 vom 27. Juni 2022, Erw. II/5.3.2.1 unter Verweis auf das 

Urteil des Bundesgerichts 2C_830/2010 vom 10. Juni 2011, Erw. 3.1). 

 

5.3.2.2.  

Bei der Beurteilung, ob wichtige Gründe im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b 

AIG vorliegen, sind insbesondere die Konkretisierungen in Art. 31 VZAE zu 

beachten. Diese Bestimmung umschreibt in allgemeiner Form, dass bei 

Vorliegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls eine Aufent-

haltsbewilligung erteilt werden kann. Sie bezieht sich gemäss Klammerver-

weis im Titel sowohl auf Art. 14 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 

(AsylG; SR 142.31) als auch auf den Anwendungsbereich des AIG (Art. 30 

Abs. 1 lit. b, Art. 50 Abs. 1 lit. b und Art. 84 Abs. 5 AIG). In Art. 31 Abs. 1 

VZAE werden folgende zu berücksichtigende Kriterien aufgelistet: 

 

- die Integration anhand der Kriterien von Art. 58a Abs. 1 AIG (Beach-

tung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, Respektierung der Werte 

der Bundesverfassung, Sprachkompetenzen und Teilnahme am Wirt-

schaftsleben oder am Erwerb von Bildung; Art. 31 Abs. 1 lit. a VZAE), 

- die familiären Verhältnisse unter besonderer Beachtung des Zeitpunkts 

der Einschulung und der Dauer des Schulbesuchs der Kinder (lit. c), 

- die finanziellen Verhältnisse (lit. d), 

- die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz (lit. e), 

- der Gesundheitszustand (lit. f) und  

- die Möglichkeiten der Wiedereingliederung im Herkunftsstaat (lit. g). 

 

Die Kriterien gemäss Art. 31 Abs. 1 VZAE beziehen sich einerseits auf här-

tefallbegründende Umstände und andererseits auf Aspekte des öffent-

lichen Interesses, die der Erteilung einer Härtefallbewilligung entgegen-

stehen können. Mit Blick auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG sind nur die härtefall-

begründenden bzw. privaten Interessen massgebend, da es lediglich um 

die Frage geht, ob wichtige persönliche Gründe vorliegen, die einen weite-

ren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen und somit einen An-

spruch auf Erteilung einer neuen Aufenthaltsbewilligung und deren Ver-

längerung begründen. Besteht ein Anspruch im Sinne von Art. 50 Abs. 1 

lit. b AIG und liegen keine Erlöschensgründe im Sinne von Art. 51 Abs. 2 

 - 10 - 

 

 

 

AIG vor, ist die Aufenthaltsbewilligung grundsätzlich zu erteilen bzw. zu 

verlängern (Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2016.545 vom 8. Mai 

2018, Erw. II/3.1.2).  

 

5.3.3.  

Nach dem Gesagten ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführerin aufgrund der 

gesamten Umstände des Einzelfalls ein Anspruch auf Erteilung einer neuen 

Aufenthaltsbewilligung und deren Verlängerung zukommt, weil wichtige 

persönliche Gründe im Sinne der vorgenannten Bestimmungen vorliegen, 

die ihren weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen, bzw. ob 

ihr durch ihre Ausreiseverpflichtung eine besondere Härte widerfährt. Die 

zu berücksichtigenden wichtigen Gründe müssen einen Bezug zur geschei-

terten Ehe aufweisen. 

 

5.3.4.  

5.3.4.1.  

Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde geltend, sie sei Opfer 

ehelicher Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AIG gewor-

den. Konkret bringt sie vor, die eheliche Gewalt habe sich am 6. August 

2020 ereignet. Wie aus dem Polizeirapport vom 13. August 2020 hervor-

gehe und sie bereits in ihrer Einsprache ausgeführt habe, habe sie an je-

nem Abend im Zimmer ihrer Tochter übernachten wollen und dabei die 

Türe des Kinderzimmers geschlossen. Dies habe ihr Ehemann nicht gedul-

det, weshalb er schliesslich handgreiflich geworden sei und ihr mit den 

Fäusten auf die Oberarme geschlagen habe, was zu Hämatomen geführt 

habe. In der Folge sei sie aktenkundig gezwungen gewesen, mit ihrer Toch-

ter Schutz im Frauenhaus Z. zu suchen. Grund für die Trennung von ihrem 

Ehemann sei der Vorfall vom 6. August 2020 (act. 17). Auch aus dem 

Verlaufsbericht der zuständigen Sozialen Dienste vom 8. Januar 2021 

gehe hervor, dass die Probleme der Eheleute überhandgenommen hätten 

und sie deshalb mit ihrer Tochter in den Wohnwagen vor dem Haus habe 

ziehen müssen. Die Sozialen Dienste hätten ihr dann geraten, ins 

Frauenhaus-Aargau Solothurn zu gehen, um Schutz und Unterstützung zu 

erhalten. Am 1. Oktober 2020 schliesslich habe sie mit ihrer Tochter in eine 

Dreizimmerwohnung ziehen können (act. 19).  

 

Anders als noch in ihrer Einsprache an die Vorinstanz (MI-act. 290 f.) be-

gründet die Beschwerdeführerin das Vorliegen ehelicher Gewalt in ihrer 

Beschwerde nicht mehr auch damit, dass ihr Ehemann im Verdacht stehe, 

sexuelle Übergriffe auf ihre Tochter verübt zu haben. Sie stützt den Vorwurf 

ehelicher Gewalt neu einzig auf die Ereignisse vom 6. August 2020 und 

wirft der Vorinstanz sogar vor, deren Erwägungen bezüglich der allfälligen 

sexuellen Übergriffe zielten an der Sache vorbei (act. 18). 

 

 - 11 - 

 

 

 

5.3.4.2.  

Unter den Begriff der häuslichen Gewalt im Sinne von Art. 3 lit. b des Über-

einkommens des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt 

gegen Frauen und häuslicher Gewalt vom 11. Mai 2011 (Istanbul-Konven-

tion; SR 0.311.35) fallen sämtliche Handlungen körperlicher, sexueller, 

psychischer oder wirtschaftlicher Gewalt, welche innerhalb der Familie oder 

des Haushalts oder zwischen früheren oder derzeitigen Eheleuten oder 

Partnerinnen bzw. Partnern vorkommen – unabhängig davon, ob der Täter 

bzw. die Täterin und das Opfer den gleichen Wohnsitz hatten oder haben 

(dazu eingehend Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2021.109 vom 

28. März 2022, Erw. II/5.3.4.2).  

 

Auch wenn jegliche Form von Gewalt in der Ehe zu verurteilen ist, stellt 

nicht jede Gewaltanwendung unter Ehegatten bzw. im ehelichen Haushalt 

einen wichtigen Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AIG 

dar (vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2013.314 vom 12. De-

zember 2013, Erw. II/3.2.2; Entscheid des Rekursgerichts im Ausländer-

recht 1-BE.2010.28 vom 9. Juni 2011, Erw. II/3.2.2; in diesem Sinne auch 

Urteil des Bundesgerichts 2C_922/2019 vom 26. Februar 2020, Erw. 3.1 

unter Berücksichtigung von Art. 3 lit. b Istanbul-Konvention). Die eheliche 

Gewalt muss derart intensiv sein, dass die physische oder psychische In-

tegrität des Opfers im Fall der Aufrechterhaltung der ehelichen Gemein-

schaft schwer beeinträchtigt würde. Mit anderen Worten muss feststehen, 

dass die im Familiennachzug zugelassene Person durch das Zusammen-

leben in ihrer Persönlichkeit ernstlich gefährdet ist und ihr eine Fortführung 

der ehelichen Beziehung nicht länger zugemutet werden kann 

(BGE 136 II 1, Erw. 5.1). 

 

Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann nicht nur physische Ge-

walt, sondern auch psychische bzw. sozioökonomische Druckausübung 

wie dauerndes Beschimpfen, Erniedrigen, Drohen und Einsperren einen für 

die Annahme eines nachehelichen Härtefalls relevanten Grad an häusli-

cher Unterdrückung (Oppression) erreichen. Dabei ist nicht jede unglückli-

che, belastende und nicht den eigenen Vorstellungen entsprechende Ent-

wicklung einer Beziehung geeignet, einen nachehelichen Härtefall und ein 

weiteres Anwesenheitsrecht in der Schweiz zu begründen. Häusliche Un-

terdrückung bedeutet systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht 

und Kontrolle auszuüben, und ist dann als eheliche Gewalt im Sinne von 

Art. 50 Abs. 2 AIG zu qualifizieren, wenn grundlegende, verfassungs- und 

menschenrechtlich relevante Positionen des im Familiennachzug zugelas-

senen Ehegatten in schwerwiegender Weise andauernd beeinträchtigt wer-

den. Die psychische Zwangsausübung und deren Auswirkungen müssen 

somit von einer gewissen Konstanz bzw. Intensität sein (zum Ganzen 

BGE 138 II 229, Erw. 3.2.1 f. mit Hinweisen).  

 

 - 12 - 

 

 

 

Erreichen die erlittenen Nachteile die erforderliche Intensität, um als ehe-

liche Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AIG berücksichtigt zu werden, liegt 

nicht in jedem Fall bereits ein wichtiger persönlicher Grund im Sinne von 

Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG vor. Zwar ist den von ehelicher Gewalt betroffenen 

Personen nicht zumutbar, in der ehelichen Gemeinschaft zu verharren. 

Eine Aufenthaltsbewilligung ist gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG aber nur 

dann zu erteilen und zu verlängern, wenn der Verbleib der betroffenen Per-

son in der Schweiz aufgrund der gesamten Umstände des Einzelfalls erfor-

derlich ist. Mit anderen Worten besteht keine Veranlassung, betroffenen 

Personen nach erlittener ehelicher Gewalt einen besonderen Schutz durch 

Erteilung einer eigenständigen Aufenthaltsberechtigung zukommen zu 

lassen, wenn es für sie bei objektiver Betrachtung ohne weiteres möglich 

ist, in ihr Heimatland zurückzukehren. Davon ist etwa dann auszugehen, 

wenn die Rückkehr nicht mit nennenswerten Nachteilen verbunden ist und 

nicht dazu führt, dass in der Schweiz geknüpfte, wichtige Beziehungen ver-

loren gehen oder eine im Vergleich zum Heimatland markant bessere wirt-

schaftliche Position wieder aufgegeben werden müsste. 

 

Dem gesetzlich statuierten besonderen Schutz von Opfern ehelicher Ge-

walt ist dadurch Rechnung zu tragen, dass an die weiteren Aspekte, die für 

einen Verbleib in der Schweiz sprechen, weniger strenge Anforderungen 

zu stellen sind (vgl. auch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 

C-7294/2008 vom 23. November 2011, Erw. 6.2: "Die Anzeichen für häus-

liche Gewalt […] rechtfertigen – selbst wenn für sich allein keine eigene 

Anspruchsgrundlage begründend – einen milderen Massstab bei der Beur-

teilung der Härtefallsituation"). Mit anderen Worten bedarf es bei Vorliegen 

ehelicher Gewalt, welche die erforderliche Intensität erreicht, um als eheli-

che Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AIG berücksichtigt zu werden, nur 

noch weniger zusätzlicher privater Interessen, damit insgesamt der weitere 

Aufenthalt in der Schweiz aufgrund wichtiger persönlicher Gründe im Sinne 

von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG erforderlich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_915/2019 vom 13. März 2020, Erw. 5.2 mit Verweis auf Art. 1, 5 und 12 

Istanbul-Konvention; vgl. auch Art. 59 Istanbul-Konvention). Sofern die 

durch das Bundesgericht in Bezug auf die eheliche Gewalt geforderte 

Schwelle überschritten wird, kann es grundsätzlich nicht mehr auf das kon-

krete Ausmass der erlittenen Gewalt ankommen. Dies auch wenn die ge-

forderte Schwelle nur knapp überschritten wird. Nur so kann dem durch den 

Gesetzgeber statuierten besonderen Schutz gewaltbetroffener Ehegatten 

gebührend Rechnung getragen werden (Aargauische Gerichts- und Ver-

waltungsentscheide [AGVE] 2011, S. 354, Erw. 3.2.2). 

 

Selbst wenn das Vorliegen eines wichtigen persönlichen Grunds einzig mit 

erlittener ehelicher Gewalt begründet wird, sind an deren Intensität – ent-

gegen der früheren Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts (z.B. Ent-

scheid des Verwaltungsgerichts WBE.2020.170 vom 23. November 2020, 

Erw. II/4.3.4.2) – keine besonders hohen Anforderungen mehr zu stellen, 

 - 13 - 

 

 

 

da gemäss neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung für die Anwesen-

heitsberechtigung von Personen, die eheliche Gewalt erlitten haben, gene-

rell keine zu hohen Anforderungen gestellt werden dürfen (Entscheid des 

Verwaltungsgerichts WBE.2020.273 vom 19. März 2021, Erw. II/4.3.4.2; 

vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_915/2019 vom 13. März 2020, Erw. 5.2). 

 

Bei Geltendmachung ehelicher Gewalt können die zuständigen Behörden 

entsprechende Nachweise verlangen (Art. 77 Abs. 5 und 6 VZAE) bzw. trifft 

die ausländische Person bei der Feststellung des entsprechenden Sach-

verhalts eine weitreichende Mitwirkungspflicht. Gemäss Art. 77 Abs. 6 

VZAE gelten als Hinweise auf eheliche Gewalt insbesondere Arztzeug-

nisse, Polizeirapporte, Strafanzeigen, Massnahmen des Persönlichkeits-

schutzes nach Art. 28b des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. De-

zember 1907 (ZGB; SR 210) oder Strafurteile. Darüber hinaus kann der 

Nachweis ehelicher Gewalt auch durch Zeugenaussagen oder Berichte 

eines Frauenhauses oder einer Opferhilfestelle erbracht werden (MARC 

SPESCHA, a.a.O., N. 27 zu Art. 50 AIG). Allgemein gehaltene Behaup-

tungen oder Hinweise auf punktuelle Spannungen genügen aber nicht. 

Wird eheliche Gewalt in Form psychischer Oppression behauptet, muss 

insbesondere die Systematik der Misshandlung bzw. deren zeitliches An-

dauern und die daraus entstehende subjektive Belastung objektiv nachvoll-

ziehbar konkretisiert und – soweit möglich – belegt werden (BGE 138 II 

229, Erw. 3.2.3). Sollte sie nicht belegt werden können, ist die behauptete 

eheliche Gewalt zumindest glaubhaft zu machen. Bei Anwendbarkeit des 

Beweismasses der Glaubhaftmachung ist ausreichend, dass die Wahr-

scheinlichkeit eines Zutreffens der behaupteten Tatsachen höher einge-

schätzt wird als die des Gegenteils (Urteil des Bundesgerichts 

2C_165/2018 vom 19. September 2018, Erw. 2.2.2). 

 

5.3.4.3.  

Was zunächst die mutmasslichen sexuellen Übergriffe des Ehemannes der 

Beschwerdeführerin auf deren Tochter angeht, ist festzuhalten was folgt:  

 

Die Vorinstanz hat angesichts der Vorbringen in der Einsprache zu Recht 

geprüft, ob rechtsgenügend glaubhaft sei, dass der Ehemann der Be-

schwerdeführerin effektiv sexuelle Übergriffe auf deren Tochter verübte. 

Sie hat dies unter Berücksichtigung der relevanten Umstände, namentlich 

der umfangreichen Abklärungen der Strafverfolgungsbehörden sowie der 

zuständigen Sozialen Dienste und Kindes- und Erwachsenenschutzbe-

hörde, verneint. Die diesbezüglichen Darlegungen der Vorinstanz (act. 8 f.) 

überzeugen. In ihrer Beschwerde begründet die Beschwerdeführerin das 

Vorliegen ehelicher Gewalt sodann nicht mehr mit den allfälligen sexuellen 

Übergriffen auf ihre Tochter (siehe vorne Erw. 5.3.4.1), weshalb sich 

nähere Ausführungen dazu erübrigen.  

 

 - 14 - 

 

 

 

Klarzustellen bleibt in diesem Zusammenhang lediglich, dass gemäss bun-

desgerichtlicher Rechtsprechung bereits die hinreichend konkrete Gefahr 

sexuellen Missbrauchs des Kindes einer ausländischen Person durch 

deren Ehegatten eheliche Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. 

Abs. 2 AIG darstellen kann. Dies setzt jedoch voraus, dass die eheliche 

Gemeinschaft primär aufgrund der bestehenden Missbrauchsgefahr aufge-

geben wurde (Urteil des Bundesgerichts 2C_451/2014 vom 24. Dezember 

2014, Erw. 6.1).  

 

Die Beschwerdeführerin stellt in ihrer Beschwerde explizit klar, dass sie die 

eheliche Gemeinschaft mit ihrem Ehemann erst aufgrund des Vorfalls vom 

6. August 2020 beendet habe, als dieser ihr gegenüber gewalttätig gewor-

den sei (act. 17 ff.). Ein nachehelicher Härtefall aufgrund der Gefahr 

sexueller Übergriffe gegen die Tochter der Beschwerdeführerin kommt 

demnach vorliegend nicht in Betracht und es kann offenbleiben, ob die ent-

sprechende Gefahr im vorliegenden Fall als hinreichend konkret zu qualifi-

zieren wäre.  

 

5.3.4.4.  

5.3.4.4.1.  

Betreffend den Vorfall vom 6. August 2020, welcher gemäss Beschwerde 

zur Trennung der Beschwerdeführerin von ihrem Ehemann geführt habe 

und als eheliche Gewalt im Rechtssinn einen nachehelichen Härtefall be-

gründe, ist sodann Folgendes festzuhalten: 

 

Die Beschwerdeführerin beanstandet grundsätzlich zu Recht, dass sich die 

Vorinstanz im angefochtenen Einspracheentscheid nur äusserst knapp mit 

den Ereignissen vom 6. August 2020 auseinandergesetzt hat. Allerdings 

kommt in den knappen vorinstanzlichen Darlegungen zutreffend zum Aus-

druck, dass der singuläre Vorfall die gemäss bundesgerichtlicher Recht-

sprechung für die Annahme ehelicher Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 2 

AIG erforderliche Intensität nicht erreicht. Selbst dann nicht, wenn sich der 

Vorfall so ereignet haben sollte, wie dies die Beschwerdeführerin vorbringt 

(act. 9). Wie sich aus den nachstehenden Erwägungen ergibt, hat die 

Vorinstanz den Vorfall vom 6. August 2022 damit im Ergebnis richtig ge-

würdigt.  

 

5.3.4.4.2.  

Nähere Angaben zu den Vorgängen vom 6. August 2020 macht die Be-

schwerdeführerin in ihrer Beschwerde, wie bereits in ihrer Einsprache, nicht 

(siehe vorne Erw. 5.3.4.1). Sie verweist stattdessen auf den Polizeibericht 

Häusliche Gewalt der Kantonspolizei Aargau vom 13. August 2020 sowie 

den Verlaufsbericht der zuständigen Sozialen Dienste vom 8. Januar 2021. 

 

Ausweislich des Polizeiberichts vom 13. August 2020 (MI-act. 144 ff.) so-

wie der Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft X.-Y. vom 

 - 15 - 

 

 

 

11. Januar 2021 (MI-act. 173 ff.) sprach die Beschwerdeführerin am 

Morgen des 13. August 2020 am Schalter der Kantonspolizei Aargau in X. 

vor und gab an, ihr Ehemann sei in der Nacht auf den 6. August 2020, um 

ca. 02.00 Uhr, ihr gegenüber tätlich geworden. Sie habe in jener Nacht im 

Zimmer ihrer Tochter übernachten und dabei die Türe des Kindeszimmers 

abschliessen wollen. Ihr Ehemann habe dies nicht gewollt, weshalb es zu 

einer Diskussion zwischen ihnen gekommen sei. Im Verlauf der Diskussion 

habe ihr Ehemann ihr mit den Fäusten auf die Oberarme geschlagen, was 

zu leichten Hämatomen geführt habe. Wie weiter aus dem Polizeibericht 

hervorgeht, sei es zu keiner Spitaleinweisung gekommen und habe die 

Beschwerdeführerin auf einen Strafantrag gegen ihren Ehemann 

verzichtet. Aus Angst vor einer Verschlechterung der Situation habe sie die 

Polizei zudem angehalten, keinen Kontakt mit ihrem Ehemann auf-

zunehmen. 

 

Dem Verlaufsbericht der Sozialen Dienste vom 8. Januar 2021 (MI-

act. 343 f.) ist sodann zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin 

gezwungen gesehen habe, zusammen mit ihrer Tochter im vor dem Haus 

parkierten Wohnwagen ihres Ehemannes einzuziehen, nachdem die Prob-

leme der Eheleute überhandgenommen hätten. Dies etwa zum Zeitpunkt 

ihrer Anzeige wegen häuslicher Gewalt. Der Ehemann habe der Beschwer-

deführerin gegen ihre Arme geboxt und an ihren Armen gezerrt. Daraufhin 

hätten ihr die Sozialen Dienste geraten, zusammen mit ihrer Tochter ins 

Frauenhaus Z. zu gehen, und ihr von einem weiteren Verbleib im 

Wohnwagen abgeraten. Am 26. August 2020 sei die Beschwerdeführerin 

zusammen mit ihrer Tochter ins Frauenhaus eingetreten. 

 

Weitere Vorfälle, bei denen der Ehemann der Beschwerdeführerin 

physische (oder auch psychische) Gewalt gegen diese angewendet hätte, 

sind aus den Akten nicht ersichtlich und werden von der Beschwerdeführe-

rin auch nicht geltend gemacht. Bei den Angaben zum Ehemann der Be-

schwerdeführerin im Polizeibericht vom 13. August 2020 ist denn auch die 

Formularzeile "Wiederholungsaggressor/in?" mit "Nein" ausgefüllt (MI-

act. 144). Mithin ist davon auszugehen, dass es sich bei den Ereignissen 

vom 6. August 2020 um einen singulären Vorfall gehandelt hat. 

 

Belege für die leichten Hämatome, welche die Beschwerdeführerin nach 

eigenen Angaben von den Schlägen ihres Ehemannes am 6. August 2020 

davontrug, liegen sodann nicht vor. Entsprechend ist davon auszugehen, 

dass diese nicht mehr sichtbar waren, als sie sie am 13. August 2020 der 

Polizei gegenüber erwähnte. Ansonsten wären die explizit angesproche-

nen Verletzungen fotografiert oder zumindest im Polizeibericht bestätigt 

worden. 

 

 - 16 - 

 

 

 

Nach dem Gesagten erscheint bei Betrachtung der gesamten Aktenlage 

grundsätzlich glaubhaft, dass sich der Vorfall vom 6. August 2020 so zuge-

tragen hat, wie dies die Beschwerdeführerin gegenüber der Polizei, den 

Sozialen Diensten und auch im vorliegenden migrationsrechtlichen Verfah-

ren geschildert hat. D.h., dass ihr Ehemann ihr gegen die Oberarme ge-

schlagen und ihr an den Armen gezogen hat, als die Eheleute darüber strit-

ten, dass sie sich zum Schlafen mit ihrer Tochter einschliessen wollte. Die 

Glaubhaftigkeit der entsprechenden Vorbringen wird – entgegen der offen-

baren Auffassung der Vorinstanz (act. 9) – auch durch den Verzicht der 

Beschwerdeführerin auf einen Strafantrag wegen Tätlichkeiten und die in-

folgedessen ergangene Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwalt-

schaft X.-Y. vom 11. Januar 2021 nicht entscheidend in Frage gestellt, 

zumal die Beschwerdeführerin den Verzicht plausibel begründet und die 

Staatsanwaltschaft das Verfahren aus rein formellen Gründen nicht anhand 

genommen hat (vgl. Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2020.273 

vom 19. März 2021, Erw. II/4.3.4.3.2 mit weiteren Hinweisen). 

 

Die glaubhaft gemachten und somit anzunehmenden Gewalthandlungen 

des Ehemannes der Beschwerdeführerin, also das Zerren an deren Armen 

und die Schläge gegen deren Oberarme mit leichter Verletzungsfolge, sind 

mit der Staatsanwaltschaft X.-Y. als Tätlichkeiten zu qualifizieren (vgl. MI-

act. 173 ff.).  

 

5.3.4.4.3.  

Als einmalige Tätlichkeiten im Rahmen eines eskalierenden Streits errei-

chen die Handlungen des Ehemannes der Beschwerdeführerin vom 6. Au-

gust 2020 rechtsprechungsgemäss nicht die erforderliche Intensität 

und/oder Konstanz, um als eheliche Gewalt im Sinne von Art. 51 Abs. 1 

lit. a i.V.m. Abs. 2 AIG qualifiziert zu werden, aufgrund derer es der Be-

schwerdeführerin unzumutbar gewesen wäre, in der ehelichen Beziehung 

zu verharren (vgl. vorne Erw. 5.3.4.2).  

 

Daran ändert auch nichts, dass die Sozialen Dienste der Beschwerdefüh-

rerin nach den Tätlichkeiten ihres Ehemannes empfahlen, sich räumlich 

von diesem zu trennen und ins Frauenhaus zu gehen. Zwar ist der Ein-

schätzung der mit den tatsächlichen Verhältnissen vertrauten Sozialarbei-

terin ein gewisses Gewicht einzuräumen. Sie führt jedoch für sich allein 

nicht dazu, dass von einer unzumutbaren Situation ehelicher Gewalt im 

Sinne von Art. 50 Abs. 2 AIG auszugehen wäre, solange die anzunehmen-

den effektiven Geschehnisse dies aus migrationsrechtlicher Sicht nicht 

rechtfertigen. Andernfalls läge der ausländerrechtliche Entscheid über das 

Vorliegen eines anspruchsbegründenden nachehelichen Härtefalls faktisch 

in den Händen der Sozialbehörden, was selbstredend nicht angeht. Wäh-

rend nachvollziehbar ist, dass die Beschwerdeführerin dem Rat der Sozia-

len Dienste folgte, vermag deren Auskunft als fachfremde Behörde denn 

 - 17 - 

 

 

 

auch kein geschütztes Vertrauen auf eine für die Beschwerdeführerin posi-

tive Aufenthaltsregelung zu begründen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_168/2021 vom 23. November 2021, Erw. 5.3.3). 

 

5.3.4.5.  

Nach dem Gesagten ist aufgrund der Akten und der Vorbringen in der Be-

schwerde eheliche Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 

AIG zu verneinen. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Beschwerdeführerin 

somit kein nachehelicher Härtefall zuzugestehen.  

 

5.3.5.  

5.3.5.1.  

Zu prüfen ist weiter, ob aufgrund fortgeschrittener Integration in der 

Schweiz oder starker Gefährdung der Wiedereingliederung im Herkunfts-

land wichtige Gründe vorliegen, die einen weiteren Verbleib der Beschwer-

deführerin in der Schweiz erforderlich machen. Mit anderen Worten ist zu 

klären, ob es ihr aufgrund der in der Schweiz gelebten und nun gescheiter-

ten Ehe nicht zumutbar ist, die Schweiz wieder zu verlassen und in ihr Hei-

matland zurückzukehren. 

 

5.3.5.2.  

Wie bereits die Vorinstanz richtig dargelegt hat (act. 10 f.), hat sich die Be-

schwerdeführerin während ihres rund fünfjährigen Aufenthalts in der 

Schweiz sprachlich nicht und beruflich bestenfalls ansatzweise in der 

Schweiz integriert, während sich ihre soziale Integration aufgrund der Akten 

nicht verlässlich beurteilen lässt. Gesamthaft betrachtet weist sie aufgrund 

ihrer in der Schweiz gelebten Ehe klarerweise keine derart starke Verwur-

zelung auf, dass infolgedessen ein weiterer Verbleib in der Schweiz ange-

zeigt wäre. In der Beschwerde finden sich denn auch keine substanziierten 

Vorbringen, welche gegen diese Beurteilung sprechen würden. Ein nach-

ehelicher Härtefall aufgrund einer fortgeschrittenen Integration in der 

Schweiz ist daher zu verneinen. 

 

5.3.5.3.  

Mit Blick auf allfällige Wiedereingliederungsprobleme im Herkunftsland ist 

– unter dem Gesichtspunkt von Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AIG – nicht 

entscheidend, ob es für eine ausländische Person einfacher ist, in der 

Schweiz zu leben. Vielmehr geht es darum, ob die Wiedereingliederung der 

betroffenen Person in ihrer Heimat "stark gefährdet" erscheint (Urteil des 

Bundesgerichts 2C_376/2010 vom 18. August 2010, Erw. 6.3.1). Die zu be-

rücksichtigenden wichtigen Gründe, die den weiteren Aufenthalt in der 

Schweiz erforderlich machen, müssen einen Bezug zur gescheiterten Ehe 

aufweisen. So ist etwa an geschiedene Frauen (mit Kindern) zu denken, 

welche in ein patriarchalisches Gesellschaftssystem zurückkehren und dort 

wegen ihres Status als Geschiedene mit Diskriminierungen oder Ächtun-

gen rechnen müssen (Urteil des Bundesgerichts 2C_784/2010 vom 26. Mai 

 - 18 - 

 

 

 

2011, Erw. 3.2.2). Die Zumutbarkeit einer Rückkehr in das Herkunftsland – 

und somit die Frage der sozialen Wiedereingliederung im Sinne von Art. 50 

Abs. 2 AIG – ist daher aufgrund der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen 

sowie familiären Situation der betroffenen Person im Fall einer Rückkehr 

zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 2C_540/2009 vom 26. Februar 

2010, Erw. 2.3). 

 

Wird eine Gefährdung der Wiedereingliederung im Herkunftsland geltend 

gemacht, trifft die ausländische Person bei der Feststellung des entspre-

chenden Sachverhalts eine weitreichende Mitwirkungspflicht. Auch hier ge-

nügen allgemeine Hinweise nicht, die befürchtete Beeinträchtigung muss 

im Einzelfall aufgrund der konkreten Umstände nachgewiesen bzw. glaub-

haft gemacht werden (BGE 138 II 229, Erw. 3.2.3). 

 

Soweit aus den Akten ersichtlich, ist die Beschwerdeführerin gesund und 

lebte bis zu ihrer Übersiedlung in die Schweiz im Alter von 41 Jahren in 

ihrem Herkunftsland China. Sie spricht zudem Mandarin (MI-act. 344). Die 

soziale Wiedereingliederung in China dürfte ihr dementsprechend keine er-

heblichen Probleme bereiten. Konkrete Anhaltspunkte für eine Gefährdung 

ihrer sozialen Wiedereingliederung sind aus den Akten nicht ersichtlich und 

werden auch in der Beschwerde nicht vorgebracht. Ein nachehelicher Här-

tefall aufgrund einer starken Gefährdung der Wiedereingliederung der Be-

schwerdeführerin im Herkunftsland ist somit ebenfalls zu verneinen. 

 

5.3.6.  

5.3.6.1.  

Der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zufolge haben Minderjährige 

schon aus familienrechtlichen Gründen grundsätzlich dem Inhaber der 

elterlichen Sorge bzw. der faktischen Obhut (im Sinne einer überwiegenden 

Betreuung) zu folgen. Ein minderjähriges ausländisches Kind teilt also 

regelmässig das ausländerrechtliche Schicksal des sorge- und betreuungs-

berechtigten bzw. faktisch betreuungsausübenden Elternteils und hat das 

Land mit diesem zu verlassen, falls der Elternteil über keine Aufenthaltsbe-

rechtigung mehr verfügt (BGE 143 I 21, Erw. 5.4; vgl. BGE 133 III 305, 

Erw. 3.3, sowie Art. 25 Abs. 1, Art. 301 Abs. 3 und Art. 301a ZGB).  

 

Nach dem Gesagten hätten die Verweigerung des weiteren Aufenthalts und 

die Wegweisung der Beschwerdeführerin zur Folge, dass auch deren min-

derjährige Tochter, welche mit ihr zusammen im Rahmen des Familien-

nachzugs zu ihrem Ehemann in die Schweiz eingereist ist, das Land wieder 

verlassen müsste. Entsprechend ist zu prüfen, ob allenfalls deshalb ein 

wichtiger persönlicher Grund für den weiteren Aufenthalt der Beschwerde-

führerin in der Schweiz im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AIG 

vorliegt, weil es für ihre Tochter eine unzumutbare Härte darstellen würde, 

mit ihr zusammen aus der Schweiz ausreisen und ins gemeinsame Her-

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2020&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=143+I+21&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-III-305%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page305

 - 19 - 

 

 

 

kunftsland China zurückkehren zu müssen (vgl. Art. 3 des Übereinkom-

mens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes [Kinderrechts-

konvention, KRK; SR 0.107]; Urteil des Europäischen Gerichtshofs für 

Menschenrechte [EGMR] Nr. 56971/10 in Sachen El Ghatet gegen die 

Schweiz vom 8. November 2016, §§ 27 f. und 46 f. betr. Berücksichtigung 

des Kindeswohls beim Entscheid über ausländerrechtliche Massnahmen 

gegen einen Elternteil; vgl. auch Entscheid des Verwaltungsgerichts 

WBE.2020.195 vom 11. November 2020, Erw. II/3.3.3.4.1).  

 

5.3.6.2.  

Die Tochter der Beschwerdeführerin ist im Alter von drei Jahren mit dieser 

in die Schweiz übersiedelt. Im jetzigen Zeitpunkt ist sie bald acht Jahre alt 

und befindet sich damit nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung grund-

sätzlich in einem anpassungsfähigen Alter. Zwar ist sie seit ihrem Eintritt in 

den Kindergarten im August 2019 im Schweizer Schulsystem eingegliedert 

(MI-act. 212) und dürfte demnach seit August 2022 die zweite Klasse der 

Primarschule besuchen, weshalb ihr eine Ausreise aufgrund ihres Alters 

nicht mehr ohne Weiteres zumutbar ist. Sie spricht jedoch – wie die Be-

schwerdeführerin – Mandarin als Muttersprache (vgl. MI-act. 212, 344) und 

dürfte von der Beschwerdeführerin auch die gesellschaftlichen Gepflogen-

heiten des gemeinsamen Herkunftslandes sowie eine gewisse Vertrautheit 

mit den dortigen Verhältnissen vermittelt bekommen haben. Bei gesamt-

hafter Betrachtung der relevanten Umstände ist ihr daher zumutbar, zu-

sammen mit ihrer Mutter nach China zurückzukehren (vgl. zum Ganzen 

BGE 143 I 21, Erw. 5.4; Urteil des Bundesgerichts 2C_709/2019 vom 

17. Januar 2020, Erw. 6.2.2; eingehend Entscheid des Verwaltungsge-

richts WBE.2020.195 vom 11. November 2020, Erw. II/3.3.3.4.2). 

 

Daran vermag auch der durch die Beschwerdeführerin im Rahmen des 

erstinstanzlichen Verfahrens vor dem MIKA vorgebrachte Umstand, dass 

ihre Tochter durch künstliche Befruchtung gezeugt wurde, nichts zu 

ändern. Die Beschwerdeführerin führte dazu lediglich aus, ein Kind, das 

seinen Vater nicht kenne, habe es in China nicht leicht, weshalb ihre Toch-

ter in der chinesischen Schule und Gesellschaft sozialem Druck ausgesetzt 

wäre (MI-act. 257; vgl. auch MI-act. 218, 221). Diese generellen Feststel-

lungen zur in der chinesischen Gesellschaft vorherrschenden Auffassung 

hinsichtlich künstlicher Befruchtung mögen – zumindest im Grundsatz – zu-

treffen. Rechtsgenügende Anhaltspunkte für eine konkrete Gefährdung der 

sozialen (Wieder-)Eingliederung der Tochter der Beschwerdeführerin im 

Fall einer Rückkehr nach China zusammen mit ihrer Mutter sind damit in-

des bei Weitem nicht dargetan. Die Beschwerdeführerin hat die sinnge-

mäss dahingehenden Ausführungen des MIKA in dessen Verfügung vom 

3. Juni 2021 (MI-act. 300) denn auch nicht bestritten und macht in ihrer Be-

schwerde, wie bereits in ihrer Einsprache, keine Gefährdung der sozialen 

Wiedereingliederung ihrer Tochter in China mehr geltend.  

 

 - 20 - 

 

 

 

Im Ergebnis ist mit Blick auf das Kindswohl zu berücksichtigen, dass es der 

Tochter der Beschwerdeführerin, welche in der Schweiz die Schule be-

sucht, schwerfallen wird, zusammen mit ihrer Mutter nach China zurückzu-

kehren. Eine unzumutbare Härte für die Tochter, die im Sinne von Art. 50 

Abs. 1 lit. b AIG den weiteren Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der 

Schweiz erforderlich machen würde, ist indes zu verneinen. Folglich führt 

auch die Situation ihrer Tochter nicht dazu, dass bei der Beschwerdeführe-

rin ein nachehelicher Härtefall vorläge, aufgrund dessen sie Anspruch auf 

Erteilung einer neuen Aufenthaltsbewilligung und deren Verlängerung 

hätte.  

 

5.3.7.  

Weitere Anhaltspunkte, welche für die Annahme wichtiger persönlicher 

Gründe im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AIG i.V.m. Art. 31 

Abs. 1 VZAE sprechen könnten, sind nicht ersichtlich und werden auch 

nicht geltend gemacht. 

 

5.3.8.  

Damit steht fest, dass keine wichtigen persönlichen Gründe im Sinne von 

Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AIG vorliegen, die einen weiteren Aufenthalt 

der Beschwerdeführerin in der Schweiz erforderlich machen würden. Folg-

lich hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf Erteilung einer neuen 

Aufenthaltsbewilligung und deren Verlängerung gestützt auf Art. 50 Abs. 1 

lit. b AIG. 

 

6.  

Unter den dargelegten Umständen ist sodann nicht zu beanstanden, wenn 

die Vorinstanz die Erteilung einer Härtefallbewilligung im Sinne von Art. 30 

Abs. 1 lit. b AIG verneint (act. 11). Liegen keine wichtigen persönlichen 

Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AIG vor und werden bei der 

Prüfung dieser Frage die Kriterien gemäss Art. 31 VZAE berücksichtigt, 

liegt regelmässig auch kein schwerwiegender persönlicher Härtefall im 

Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG vor. Vorliegend wurde namentlich auch 

die Situation der Tochter der Beschwerdeführerin – welche mit dieser zu-

sammen im Rahmen des Familiennachzugs zu deren Ehemann in die 

Schweiz eingereist ist und als Minderjährige das ausländerrechtliche 

Schicksal ihrer betreuungsausübenden Mutter teilt – bereits im Rahmen der 

Prüfung nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG i.V.m. Art. 31 VZAE berücksichtigt. 

Es sind sodann keine Umstände ersichtlich oder werden substanziiert vor-

gebracht, die unabhängig von der gescheiterten Ehe der Beschwerdefüh-

rerin bzw. der damit zusammenhängenden Einschulung ihrer Tochter in der 

Schweiz auf das Bestehen einer Härtefallsituation hindeuten würden. 

 

7.  

Im Sinne eines Zwischenfazits ist festzuhalten, dass eine Verlängerung der 

Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 43 Abs. 1 

 - 21 - 

 

 

 

AIG infolge Auflösung der ehelichen Gemeinschaft ausser Betracht fällt. 

Gleiches gilt für die Erteilung einer eigenständigen Aufenthaltsbewilligung 

im Rahmen eines nachehelichen Härtefalls gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a 

AIG oder gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AIG, zumal die ehe-

liche Gemeinschaft weniger als drei Jahre angedauert hat und keine wich-

tigen persönlichen Gründe vorliegen, die den weiteren Aufenthalt der Be-

schwerdeführerin erforderlich machen würden. Das Vorliegen eines 

schwerwiegenden persönlichen Härtefalls im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b 

AIG ist ebenfalls zu verneinen. 

 

8.  

Erweist sich unter Berücksichtigung der Kriterien von Art. 31 VZAE, dass 

bei einer ausländischen Person nach Wegfall ihres abgeleiteten Bewilli-

gungsanspruchs zwecks Verbleibs beim (früheren) Ehegatten weder ein 

nachehelicher Härtefall im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG noch ein 

schwerwiegender persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. b 

AIG vorliegt, ist damit gleichsam erstellt, dass das private Interesse der be-

troffenen Person an einem weiteren Verbleib in der Schweiz das öffentliche 

Interesse an der Beendigung ihres Aufenthalts nach Auflösung der anwe-

senheitsberechtigenden Ehegemeinschaft nicht aufzuwiegen vermag. Dies 

gilt auch in jenen Fällen, in denen sich das öffentliche Interesse in migra-

tionsregulatorischen Überlegungen erschöpft (vgl. zum Ganzen Art. 31 

Abs. 1 VZAE mit Art. 96 Abs. 1 AIG; Entscheid des Verwaltungsgerichts 

WBE.2021.84 vom 12. August 2021, Erw. II/5). 

 

Im Rahmen der vorstehenden Erwägungen wurde unter Berücksichtigung 

der Kriterien von Art. 31 VZAE festgestellt, dass bei der Beschwerdeführe-

rin, die ihren abgeleiteten Bewilligungsanspruch zwecks Verbleibs bei 

ihrem Ehemann verloren hat (siehe vorne Erw. 4), weder ein nachehelicher 

Härtefall (Erw. 5) noch ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt 

(Erw. 6). Dies namentlich auch unter Berücksichtigung der Situation ihrer 

minderjährigen Tochter, welche ihr ausländerrechtliches Schicksal teilt. Da-

mit steht nach dem Gesagten fest, dass die Nichtverlängerung der bisheri-

gen sowie die Verweigerung einer neuen Aufenthaltsbewilligung und die 

Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz auch vor dem Ge-

bot der Verhältnismässigkeit standhalten. Auf eine erneute Darlegung und 

detaillierte Bemessung der zu berücksichtigenden Interessen kann unter 

diesen Umständen verzichtet werden. 

 

9.  

Zu prüfen ist weiter, ob die Verweigerung des weiteren Aufenthalts der Be-

schwerdeführerin in der Schweiz und die damit verbundene Wegweisung 

vor Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-

heiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) standhalten. 

 

 - 22 - 

 

 

 

Art. 8 Ziff. 1 EMRK und der – soweit hier von Interesse – inhaltlich im We-

sentlichen übereinstimmende Art. 13 Abs. 1 BV gewährleisten das Recht 

auf Achtung des Familien- und Privatlebens. Diese Garantien können 

namentlich dann verletzt sein, wenn einer ausländischen Person, deren 

Familienangehörige in der Schweiz leben, die (weitere) Anwesenheit unter-

sagt und dadurch das gemeinsame Familienleben vereitelt wird, bzw. wenn 

eine ausländische Person die Schweiz verlassen muss, nachdem sie sich 

lange hier aufgehalten und entsprechend integriert hat. 

 

Die Beschwerdeführerin und ihre minderjährige Tochter würden durch die 

Beendigung des Aufenthalts der Beschwerdeführerin in der Schweiz nicht 

getrennt, zumal die Tochter mit der Beschwerdeführerin zusammen auszu-

reisen hätte (siehe vorne Erw. 5.3.6.1). Weitere familiäre Beziehungen im 

Sinne der Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK zu Personen in der Schweiz 

werden durch die Beschwerdeführerin, die von ihrem Ehemann getrennt 

lebt, nicht geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich. Die Beendigung 

ihres Aufenthalts in der Schweiz tangiert somit ihr durch Art. 8 Ziff. 1 EMRK 

geschütztes Familienleben nicht. Da sich die Beschwerdeführerin erst seit 

rund fünf Jahren in der Schweiz aufhält und sich dabei insgesamt eher 

mangelhaft integriert hat (siehe vorne Erw. 5.3.5.2), stellen die gegen sie 

verfügten aufenthaltsbeendenden Massnahmen sodann auch keinen Ein-

griff in ihr Privatleben im Sinne von Art. 8 Ziff. 1 EMRK dar. Läge entgegen 

dem Gesagten ein Eingriff ins geschützte Familien- und/oder Privatleben 

der Beschwerdeführerin vor, wäre dieser durch ein überwiegendes öffent-

liches Interesse gerechtfertigt (Art. 8 Ziff. 2 EMRK; siehe vorne Erw. 8). Ein 

Verstoss gegen Art. 8 EMRK liegt demzufolge nicht vor. 

 

10.  

Schliesslich ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass keine Hinweise er-

sichtlich sind, wonach der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführe-

rin im Sinne von Art. 83 AIG unzulässig, unmöglich oder unzumutbar sein 

könnte (act. 12). Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde denn 

auch keine Vollzugshindernisse geltend. 

 

11.  

Zusammenfassend steht fest, dass die Nichtverlängerung der bisherigen 

sowie die Verweigerung einer neuen Aufenthaltsbewilligung und die Weg-

weisung der Beschwerdeführerin gemäss nationalem Recht nicht zu bean-

standen sind und vor Art. 8 EMRK standhalten. Nachdem auch dem Voll-

zug der Wegweisung keine Hindernisse entgegenstehen, ist der Entscheid 

der Vorinstanz im Hinblick auf die Beschwerdeführerin nicht zu beanstan-

den und die Beschwerde ist diesbezüglich abzuweisen, soweit darauf ein-

zutreten ist. 

 

 - 23 - 

 

 

 

12.  

Was sodann die Tochter der Beschwerdeführerin betrifft, wurde bereits dar-

gelegt, dass diese als minderjähriges ausländisches Kind das ausländer-

rechtliche Schicksal ihrer sorgeberechtigten und faktisch betreuungsaus-

übenden Mutter (der Beschwerdeführerin) teilt (Erw. 5.3.6.1). Nachdem 

sich die Verweigerung des weiteren Aufenthalts der Beschwerdeführerin 

und deren Wegweisung als zulässig erweisen (siehe soeben Erw. 11), hat 

mit ihr zusammen auch ihre minderjährige ausländische Tochter die 

Schweiz zu verlassen. Anhaltspunkte, wonach die Verweigerung des wei-

teren Aufenthalts und die damit verbundene Wegweisung der Tochter 

deren grundrechtliche Schutzansprüche gemäss Art. 8 EMRK verletzen 

würden (vgl. vorne Erw. 9) oder dem Vollzug der Wegweisung der Tochter 

Hindernisse im Sinne von Art. 83 AIG entgegenstünden, sind aufgrund der 

Akten nicht ersichtlich und werden von der Beschwerdeführerin auch nicht 

vorgebracht.  

 

Damit ist der Einspracheentscheid auch hinsichtlich der Verweigerung des 

weiteren Aufenthalts in der Schweiz und der Wegweisung der Tochter der 

Beschwerdeführerin nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist auch dies-

bezüglich abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 

 

III.  

Im Beschwerdeverfahren werden die Verfahrenskosten nach Massgabe 

des Obsiegens und Unterliegens auf die Parteien verlegt (§ 31 Abs. 2 

VRPG). Nachdem die Beschwerdeführerin unterliegt, gehen die Kosten des 

verwaltungsgerichtlichen Verfahrens zu ihren Lasten. Ein Parteikostener-

satz fällt ausser Betracht (§ 32 Abs. 2 VRPG). 

 

 
     

Das Verwaltungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

 

2. 

Die verwaltungsgerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer 

Staatsgebühr von Fr. 1'200.00 sowie der Kanzleigebühr und den Auslagen 

von Fr. 268.00, gesamthaft Fr. 1'468.00, sind von der Beschwerdeführerin 

zu bezahlen. 

 

3. 

Es werden keine Parteikosten ersetzt. 

 

 
 

 - 24 - 

 

 

 

   

Zustellung an: 

die Beschwerdeführerin (Vertreterin, im Doppel) 

die Vorinstanz (mit Rückschein) 

das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung 

 

Migrationsrechtliche Entscheide können wegen Verletzung von Bundes-

recht, Völkerrecht, kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie inter-

kantonalem Recht innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in 

öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden, soweit nicht eine 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 lit. c des Bundesgesetzes über das Bun-

desgericht vom 17. Juni 2005 (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) 

vorliegt. Die Frist steht still vom 7. Tag vor bis und mit dem 7. Tag nach 

Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August und vom 18. Dezember bis und 

mit 2. Januar. Das Bundesgericht tritt auf Beschwerden nicht ein, wenn we-

der das Bundesrecht noch das Völkerrecht einen Anspruch auf die in Frage 

stehende Bewilligung einräumt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_694/2008 vom 25. September 2008). 

 

In allen anderen Fällen können migrationsrechtliche Entscheide wegen 

Verletzung von verfassungsmässigen Rechten innert 30 Tagen seit Zustel-

lung mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde beim Schweize-

rischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, angefochten werden. 

 

Die unterzeichnete Beschwerde muss das Begehren, wie der Entscheid zu 

ändern sei, sowie in gedrängter Form die Begründung, inwiefern der ange-

fochtene Akt Recht verletzt, mit Angabe der Beweismittel enthalten. Der 

angefochtene Entscheid und als Beweismittel angerufene Urkunden sind 

beizulegen (Art. 82 ff. BGG bzw. Art. 113 ff. BGG). 

 

 
 

   

Aarau, 17. November 2022 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Vorsitz: Gerichtsschreiber:  

 

 

 

Busslinger Kempe