# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e78cdcb3-cca9-565b-9253-b8cbe96ad6d9
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-06-25
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 2. Kammer 25.06.2024 S 2023 90
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_002_S-2023-90_2024-06-25.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 23 90

2. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz von Salis

RichterIn Righetti und Zanolari Hasse

Aktuarin Maurer

URTEIL

vom 25. Juni 2024

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____, 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Scarpatetti, 

Beschwerdeführerin

gegen

B._____ AG, 

Beschwerdegegnerin

betreffend Versicherungsleistungen nach UVG

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I. Sachverhalt:

1. A._____, Jahrgang 1962, arbeitete zum Zeitpunkt des Unfalls beim 

C._____ und war in dieser Eigenschaft bei der B._____ AG (nachfolgend 

B._____) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen 

versichert.

2. Am 27. Juni 2020 verunglückte sie als Motorradsozia auf dem Flüelapass, 

wobei ihr Lebenspartner dabei verstarb. Gemäss Rapport der Kantons-

polizei Graubünden vom 4. September 2020 fuhr der Motorradfahrer 

zusammen mit seiner Lebenspartnerin A._____ mit seinem Motorrad 

Kawasaki an sechster Stelle einer langgezogenen Motorradgruppe von 

Davos herkommend über die Flüelapassstrasse in Richtung Susch. Bei 

einer unübersichtlichen Rechtskurve geriet er in eine starke Schräglage 

und rutschte seitlich auf die Gegenfahrbahn, wo es zu einer Frontal-

kollision mit einem korrekt entgegenkommenden vom Engadin 

herannahenden Wohnwagengespann kam, so dass das Motorrad 

weggeschleudert und zurück an den rechten Fahrbahnrand katapultiert 

wurde. Der Motorradfahrer wurde auf der Stelle getötet und seine 

Beifahrerin, A._____, erlitt mittelschwere Verletzungen. A._____ wurde in 

Bauchlage mit Helm bei GCS 14, kardiopulmonal stabil mit Amnesie für 

das Ereignis gefunden.

3. Wegen Schmerzen an der HWS und Schädelhirntrauma erfolgte die 

notfallmässige Zuweisung mit der Rega in das D._____ (D._____). Im 

Austrittsbericht vom 29. Juni 2020 wurden die Diagnosen leicht 

traumatische Hirnverletzung (LTHV) ohne strukturelle Hirnparen-

chymverletzung, HWS Distorsion und wiedereröffnetes Arthroskopieportal 

anterolat Knie rechts festgehalten. Frakturen wurden ausgeschlossen; es 

ergab sich auch kein Hinweis auf eine intrakranielle Blutung oder eine 

Dissektion. Auch ergaben sich thorakoabdominell keine akuten 

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Verletzungsfolgen. Die stationäre neurologische Überwachung verlief 

unauffällig, unter einer Basisanalgesie war A._____ stets schmerz-

kompensiert. In gebessertem Allgemeinzustand wurde A._____ am 

30. Juni 2020 nach Hause entlassen. Die B._____ übernahm die 

Heilkosten und Taggeldleistungen.

4. Am 29. November 2021 verfügte die B._____ in Ermangelung des 

natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs die Einstellung der 

Leistungen per 31. Dezember 2021, da der Status quo für die somatischen 

Verletzungen per Ende 2020 erreicht und bezüglich den darüber 

hinausgehenden psychischen Beschwerden kein einziges Adäquanz-

kriterium erfüllt sei, weshalb sie nicht adäquat kausal seien.

5. A._____ erhob dagegen am 11. Januar 2022 Einsprache mit den 

Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung der B._____ vom 

29. November 2021 sei aufzuheben und ihr seien die gesetzlichen 

Versicherungsleistungen auch über den 31. Dezember 2021 hinaus zu 

erbringen. Gegen die Leistungseinstellung bezüglich des rechten Knies 

wurde nicht opponiert.

6. Mit Einspracheentscheid vom 4. Juli 2023 wies die B._____ die 

Einsprache vom 11. Januar 2022 ab und bestätigte die Verfügung vom 

29. November 2021. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, 

keines der sieben Adäquanzkriterien sei erfüllt, erst recht nicht in 

besonders ausgeprägter Weise. Damit entfalle auch ein rechtserheblicher 

Zusammenhang zwischen dem Unfall vom 27. Juni 2020 und den beim 

Fallabschluss Ende Dezember 2021 noch geklagten Beschwerden. Ohne 

adäquaten Kausalzusammenhang bestehe kein weiterer Anspruch auf 

Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung.

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7. Mit Beschwerde vom 24. August 2023 an das Verwaltungsgericht des 

Kantons Graubünden beantragte A._____ (nachfolgend: Beschwerde-

führerin), der Einspracheentscheid der B._____ vom 4. Juli 2023 sei 

aufzuheben und ihr seien die gesetzlichen Unfallleistungen auch über den 

31. Dezember 2021 hinaus zu gewähren. Eventualiter sei ein 

unabhängiges psychologisches und/oder psychiatrisches 

Sachverständigengutachten einzuholen; alles unter gesetzlicher Kosten- 

und Entschädigungsfolge. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen 

vor, sie sei am 27. Juni 2020 als Sozia auf dem Flüelapass schwer verun-

fallt und ihr Lebenspartner noch an Ort und Stelle verstorben. Ende Juni 

2020 sei die Entlassung aus dem D._____ in "gebessertem Allgemein-

zustand" mit Aushändigung des Merkblatts betreffend 

Auswirkungen/Folgeschäden bei Schädel-Hirn-Traumata erfolgt, da die 

behandelnden Ärzte bereits damals von möglichen (Trauma-)

Folgeerscheinungen ausgegangen seien. Dr. med. E._____ habe bereits 

im Bericht vom 3. Juli 2020 erwähnt, dass es der versicherten Person 

überhaupt nicht gut gehe und verschiedene Beschwerden 

(Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Pfeifen in den Ohren, etc.) 

bestünden. Per 1. September 2020 sei ein erster Arbeitsversuch mit einem 

Pensum von 50 % erfolgt, obschon die Beschwerden nicht wirklich 

abgenommen hätten. Bereits nach kurzer Zeit sei die Arbeitsunfähigkeit 

auf 80 % erhöht, sowie durch den ehemaligen Psychiater ein Reha-

Aufenthalt geplant worden. In der stationären Rehabilitationsbehandlung 

vom 21. Oktober 2020 bis 1. Dezember 2020 in der F._____ seien u.a. 

eine dissoziative Amnesie und eine Anpassungsstörung nach Trauerfall 

diagnostiziert worden. In der neuropsychologischen Untersuchung vom 

26. Januar 2021 sei eine leichte neuropsychologische Störung diagnos-

tiziert worden. Da die Testungen in ruhiger sowie strukturierter Umgebung 

stattgefunden hätten, sei der Hinweis ergangen, dass das Ausmass in 

einem lebhaften Arbeitsumfeld deutlich stärker zu Tage treten könne. Die 

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Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt sei als noch nicht gegeben 

eingestuft worden; wobei zusätzlich von einem chronifizierten 

posttraumatischen Symptom (recte wohl: Syndrom) CPS ausgegangen 

worden sei. Eine neuropsychologische Therapie sei dringend empfohlen 

worden. Im Bericht der G._____ vom 13. April 2021 habe Frau Dr. med. 

H._____ einen (dekompensierten) Tinnitus und eine posttraumatische 

Belastungsstörung erwähnt. Am 11. Mai 2021 sei in der Hals-Nasen-

Ohren-Klinik in I._____ ein sehr schwerer, dekompensierter Tinnitus 

beidseits sowie eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) nach 

dem schweren Motorradunfall beschrieben worden. Der behandelnde 

Psychiater Dr. med. J._____ habe am 18. Mai 2021 die posttraumatische 

Belastungsstörung bestätigt. Im neurologischen Konsilium von Dr. med. 

K._____ vom 30. September/21. Oktober 2021 sei u.a. eine 

posttraumatische Migräne festgehalten worden. Dr. med. L._____, 

Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Psychosomatik und psycho-

soziale Medizin, habe am 4. November 2021 infolge chronischem 

posttraumatischem Schmerzsyndrom (inkl. PTBS) eine weitere stationäre 

Rehabilitation empfohlen. Am 13. Dezember 2021 habe Dr. med. K._____ 

im neurologischen Verlaufsbericht erneut auf die trauma-

bedingten/unfallkausalen psychischen Problematiken (Migräne, etc.) und 

die entsprechenden Diagnosen verwiesen – es sei sogar eine schwere 

Form der PTBS erwähnt worden – die von der behandelnden Psycho-

therapeutin Dr. phil. M._____ am 16. Dezember 2021 bestätigt worden 

seien. Am 27. Dezember 2021 sei die Beschwerdeführerin bei Vermutung 

einer PTBS in die N._____ eingetreten. Am 19. April 2022 sei die 

erstmalige Hospitalisation in der O._____ erfolgt, wo die PTBS bestätigt 

und zusätzlich eine dissoziative Störung sowie Amnesie als Folge des 

traumatischen Ereignisses diagnostiziert worden sei. Eine zweite 

Hospitalisation in der O._____ habe vom 2. Februar 2023 bis 29. März 

2023 stattgefunden. Im Jahr 2022 hätten mehrere neurologische Verlaufs-

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kontrollen (inkl. Migränekalender) stattgefunden. Gemäss Bericht der 

O._____ vom 8. August 2023 sei das Unfallereignis als kausale 

traumatisierende Erfahrung (Ätiologie) der PTBS klar zuzuordnen, auch 

leide die Beschwerdeführerin an allen erforderlichen Kernsymptomen 

einer PTBS, die sich durchgehend auf den traumatisierenden 

Verkehrsunfall beziehen würden und damit auf diesen zurückzuführen 

seien. Geplant sei ein weiterer Aufenthalt in der O._____ gegen Ende 

2023 aufgrund des schweren Traumas, welches extreme Stresssymptome 

(Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schweissausbrüche, Atem-

not, etc.) hervorrufe. Die SVA Basel-Landschaft habe der Beschwerde-

führerin am 25. November 2022 eine ganze IV-Rente bei einem 

Invaliditätsgrad von 100 % seit 27. Juni 2020 zugesprochen. Der 

medizinische Endzustand sei noch nicht erreicht. Die Adäquanz sei nicht 

nach der Psycho-Praxis, sondern nach der Schleudertrauma-Praxis bzw. 

nach der Schreckereignis-Rechtsprechung zu prüfen und zu bejahen. Der 

Unfall sei als schwerer Unfall einzustufen, weshalb die Adäquanz per se 

zu bejahen sei. Selbst wenn der Unfall wie von der B._____ eingestuft als 

mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu einem schweren Unfall 

anzusiedeln sei, so sei die Adäquanz zu bejahen.

8. Die B._____ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer 

Beschwerdeantwort vom 18. September 2023 auf Abweisung der 

Beschwerde. Zur Begründung verwies sie grundsätzlich auf den 

angefochtenen Einspracheentscheid. Ergänzend führte sie aus, der 

beratende Neurologe Dr. med. P._____ folgere, dass eine unfallbedingte 

Schädigung des Gehörs nicht bestätigt werden könne und eine bilaterale 

Hörminderung bereits vor dem Unfall dokumentiert gewesen sei, das 

Ausmass habe sich nicht verändert. Bei fehlender struktureller 

Schädigung des Hirns und fehlender unfallbedingter Schädigung des 

Gehörs könne die Verstärkung des Tinnitus nicht natürlich kausal auf eine 

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unfallbedingte organische Schädigung des Nervensystems zurückgeführt 

werden. Zum selben Schluss komme er betreffend die geltend gemachten 

Kopfschmerzen (Migräne), teilweise mit Schwindel verbunden. 

Kopfschmerzen hätten bereits vor dem 27. Juni 2020 zu Abklärungen 

geführt und damit vorbestanden und seien nicht überwiegend natürlich 

kausal mit dem Unfall zusammenhängend. Der Beurteilung von Dr. med. 

P._____ komme voller Beweiswert zu. An der Qualifikation des Unfalls als 

mittelschwer im Grenzbereich zu den schweren Unfällen werde 

festgehalten. Die Adäquanz-Rechtsprechung nach Schreckereignis sei 

von vornherein ausgeschlossen. Es werde an der Anwendung der Psycho-

Praxis festgehalten, weil die Beschwerden nach der HWS-Distorsion rasch 

in den Hintergrund getreten seien und die Beschwerdeführerin psychische 

Symptome entwickelt habe, die behandlungsbedürftig gewesen seien. Die 

eigenständigen psychiatrischen Diagnosen seien rasch in den 

Vordergrund gerückt. Dabei handle es sich nicht um HWS-Distorsions-

typische Beschwerden, d.h. sie gehörten nicht zum typischen 

Beschwerdebild, womit die Schleudertrauma-Praxis auch nicht gerecht-

fertigt sei. Es sei kein Adäquanz-Kriterium erfüllt. Letztlich könne der 

natürliche Kausalzusammenhang offen gelassen werden, wenn es am 

adäquaten Kausalzusammenhang fehle. Der Endzustand sei per Ende 

Dezember 2020 erreicht worden, wobei der Fallabschluss per 

31. Dezember 2021 erfolgt sei.

9. Die Beschwerdeführerin replizierte am 27. September 2023 bei 

unveränderten Rechtsbegehren. Die Beschwerdeführerin leide weiterhin 

an Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörungen, etc., was auf 

das Unfallereignis zurückzuführen sei. Diese Beschwerden zusammen mit 

den Nackenbeschwerden bildeten das typische Beschwerdebild einer 

HWS-Distorsion infolge eines massiven Kopfanpralles und seien 

gegenüber der PTBS (Traumaverarbeitung) nicht in den Hintergrund 

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getreten oder untergeordneter Natur. Es sei auf den Umstand 

hinzuweisen, dass 10-15 % von einer leichten traumatischen Hirn-

schädigung betroffene Personen sich über Dauerschmerzen beklagten 

und der Glasgow Coma Score (GCS) nur knapp über dem Wert von 13 

gelegen habe, welcher eine höhergradige Hirnverletzung von einer 

leichteren Verletzung abgrenze. Indem die PTBS bei der Prüfung des 

natürlichen Kausalzusammenhangs weiterhin negiert werde, könne dieser 

auch nicht verneint werden. Zum Vorzustand erwähnt die Beschwerde-

führerin, dass die Beschwerden nicht ansatzweise in dem Mass 

vorgelegen hätten, wie nach dem Unfall. Die Beschwerdeführerin habe ein 

erhöhtes Risiko aufgewiesen, den Unfall und den plötzlichen Schreck nicht 

bestmöglich verarbeiten zu können (Stichwort Schreckereignis). Die 

Berichte der O._____ sprächen denn auch Bände. Das unfallanalytische 

Gutachten sei mangelhaft und nicht beweistauglich. Im Übrigen und 

Wesentlichen vertiefte die Beschwerdeführerin ihren bisherigen 

Standpunkt.

10. Duplizierend hielt die Beschwerdegegnerin am 9. Oktober 2023 fest, die 

Kausalität beurteile sich nicht nach einer Statistik bezüglich den 10-15 % 

der von einer leichten traumatischen Hirnschädigung Betroffenen, die über 

derartige Beschwerden klagten, sondern aufgrund des konkreten 

Einzelfalls. Im Übrigen und Wesentlichen vertiefte die Beschwerde-

gegnerin den bisherigen Standpunkt.

Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen 

Einspracheentscheid vom 4. Juli 2023 sowie die übrigen Akten wird, 

soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

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II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid 

der Beschwerdegegnerin vom 4. Juli 2023 (vgl. Akten der Beschwerde-

führerin [Bf-act.] 1 sowie der Beschwerdegegnerin [Bg-act.] A351). 

Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung 

(UVG; SR 832.20) i.V.m. Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des Bundes-

gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts 

(ATSG; SR 830.1) kann gegen einen Einspracheentscheid Beschwerde 

an das Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben werden, in 

welchem die versicherte Person im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung 

ihren Wohnsitz hat. Die Beschwerdeführerin wohnt im Kanton 

Graubünden, womit die örtliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts 

des Kantons Graubünden gegeben ist. Dessen sachliche Zuständigkeit 

ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als im 

Einspracheverfahren unterlegene, formelle und materielle Adressatin des 

angefochtenen Einspracheentscheids ist die Beschwerdeführerin davon 

überdies berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen 

Überprüfung auf (Art. 59 ATSG). Auf die – unter Berücksichtigung der 

Gerichtsferien gemäss Art. 38 Abs. 4 lit. b ATSG – zudem frist- und 

formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 ATSG sowie Art. 61 lit. b 

ATSG) ist somit einzutreten.

2. Streitgegenstand ist vorliegend der Anspruch auf die gesetzlichen 

Unfallleistungen über den 31. Dezember 2021 hinaus. Es geht um die 

natürliche und adäquate Kausalität der bestehenden Beschwerden zum 

Unfall vom 27. Juni 2020. Nicht Streitgegenstand ist die Leistungs-

einstellung bezüglich des rechten Knies, welche bereits in Rechtskraft 

erwachsen ist.

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3. Nach den Akten der Beschwerdegegnerin präsentiert sich der Beschwer-

de-, Behandlungs- und Beurteilungsverlauf im Wesentlichen wie folgt:

3.1. Im Austrittsbericht des D._____ vom 29. Juni 2020 wurden als Diagnosen 

eine leichte traumatische Hirnverletzung (LTHV) ohne strukturelle 

Hirnparenchymverletzung, eine HWS-Distorsion und ein wiedereröffnetes 

Arthroskopieportal anterolat am rechten Knie festgestellt (Bg-act. M4; vgl. 

auch HWS Fragebogen vom 17./23. September 2020 [Bg-act. M12]). Die 

Beschwerdeführerin war am Unfallort in Bauchlage mit Helm aufgefunden 

worden, GCS 14, kardiopulmonal stabil mit Amnesie für das Ereignis. Bei 

Schmerzen an der HWS und Schädelhirntrauma erfolgte die Zuweisung in 

den Schockraum (Bg-act. M4). Sie klagte während des Aufenthalts über 

Kopf-, Nacken- und Knieschmerzen sowie Schwindel. Sie gab an, sich 

nicht mehr an den Unfall erinnern zu können (Bg-act. M87).

3.2. Am 3. Juli 2020 berichtete Allgemeinmediziner Dr. med. E._____, dass es 

noch gar nicht gut gehe. Die versicherte Person habe noch ständige 

Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, ein Ziehen im Nacken, ein 

Pfeifen in den Ohren und komme auch in der Nacht vom Psychischen nicht 

zur Ruhe. Er beurteilte eine leicht traumatische Hirnverletzung (LTHV) 

ohne strukturelle Hirnparenchymverletzung und HWS Distorsion (Bf-act. 

3; Bg-act. M9).

3.3. Am 6. Juli 2020 erfolgte die erste Konsultation bei der Hausärztin Dr. med. 

Q._____. Aktuell bestünde der Hauptschmerz im Nacken/Hinterkopf, 

Müdigkeit, Schwindel und Konzentrationsstörung (Bg-act. M11 S. 4).

3.4. Am 17. Juli 2020 hielt Dr. med. Q._____ fest, es ginge etwas besser. Die 

Patientin habe aber noch immer Nackenschmerzen, Konzentrations-

probleme und Schlafstörungen (Bg-act. M11 S. 4).

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3.5. Gemäss Konsultation vom 31. Juli 2020 ging es der Beschwerdeführerin 

besser. Es bestanden aber noch immer Nackenschmerzen v.a. am 

Morgen, bei Kopfdrehung, ferner Konzentrationsstörungen und Schwindel 

bei Lärm. Die Beschwerdeführerin berichtete, dass nach einer Stunde im 

Homeoffice Müdigkeit und Schwindel auftreten würden (Bg-act. M11 S. 4).

3.6. Gestützt auf die Konsultation vom 28. August 2020 hielt Dr. med. Q._____ 

fest, die Patientin gebe eine Sinusitis an. Es gehe ihr besser, sie komme 

aber mit einem Pensum von 50 % an ihr Limit. Es bestünden Nacken-

schmerzen und Konzentrationsstörungen (Bg-act. M11 S. 4).

3.7. Am 10. September 2020 berichtete die Beschwerdeführerin gegenüber 

dem Case Manager, dass körperlich vermehrt Nackenbeschwerden (steif 

im Hals, Ausstrahlung in Beine, rechtsseitig Einschlafgefühl) bestünden, 

der zunehmende Tinnitus störe und es sei psychisch schwieriger 

geworden. Traumatherapeut Dr. med. R._____ habe eine stationäre 

Therapie empfohlen (Bg-act. A13).

3.8. Chiropraktor S._____ diagnostizierte am 17. September 2020 eine HWS-

Distorsion QTF Grad II. Die versicherte Person berichtete von sofort nach 

dem Unfall aufgetretenen Kopfschmerzen (intermittierend) und Nacken-

schmerzen, Schwindel (intermittierend), beidseitigem Tinnitus und 

Schlafstörungen (Bg-act. M12).

3.9. Dr. med. R._____ hielt am 20. September 2020 fest, symptomatisch 

imponierten v.a. Konzentrationsstörungen, leichte Merkfähigkeits-

störungen, Gedankenkreisen den Unfall betreffend, Ängste v.a. wenn sie 

allein sei, Schlafstörungen, Gefühlsschwankungen, reduziertes 

Vitalgefühl, Zukunftsängste, Nackenschmerzen. Er stellte die Diagnosen 

ICD-10: F45.41 (Tod eines Familienangehörigen), ICD-10: R41.2 

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(Retrograde Amnesie) und ICD-10: S13.4 (HWS-Distorsion; [Bg-act. 

M10]).

3.10. Am 21. September 2020 äusserte die Beschwerdeführerin gegenüber der 

Hausärztin Dr. med. Q._____ Schlafstörungen, unveränderte Nacken-

schmerzen, Erschöpfung, psychische Belastung durch die Arbeit (Bg-act. 

M11 S. 4).

3.11. Der Beschwerdeführerin wurde für die Dauer vom 27. Juni 2020 bis 

16. August 2020 eine 100%ige und vom 17. August 2020 bis 

21. September 2020 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert, die am 

22. September 2020 wieder auf 80 % erhöht wurde. Ab dem 21. Oktober 

2020 wurde der Beschwerdeführerin bis auf Weiteres eine 100%ige 

Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl. Gerichtsakte C1 S. 4 f.; vgl. auch Bg-act. 

A170 [Verlauf bis Ende Juni 2021]).

3.12. Am 23. Oktober 2020 diagnostizierte PD Dr. med. T._____, Facharzt für 

Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, einen sehr schwergradigen Tinnitus 

aurium, eine leichtgradige Schwerhörigkeit beidseits und eine 

posttraumatische Belastungsstörung (Bg-act. M49).

3.13. Gemäss Osteopathie-Bericht vom 29. Oktober 2020 (Bf-act. 5 S. 7; Bg-

act. M17 S. 7) war der gesamte Schädel im osteopathischen Sinne 

traumatisiert. Dazu kamen Konzentrationsstörungen und Kurzzeit-

gedächtnisstörungen. Die Obere HWS, der OAA Komplex, war in seiner 

Beweglichkeit wie eingefroren, es war wohl möglich, etwas zu 

mobilisieren, aber der Atlas liess sich kaum schieben. Eine hochcervicale 

Flexion war praktisch unmöglich. Die rechte Körperseite war rigide und 

schmerzhaft. Nach der Behandlung vom 5. November 2020 und bis zum 

Austritt war das Einschlafen der Hände und der Beine vermindert. Der 

Tinnitus hatte sich auch verändert, er wurde lauter bei einer Zunahme der 

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Belastung und verminderte sich in Ruhephasen. Die Albträume waren 

nach wie vor sehr stark vorhanden.

3.14. Die Hauptdiagnosen aufgrund des stationären Aufenthalts in der F._____ 

vom 21. Oktober 2020 bis 1. Dezember 2020 lauteten auf dissoziative 

Amnesie (ICD-10: F44.0) und Anpassungsstörung nach Trauerfall (ICD-

10: 43.2) (vgl. Schreiben der F._____ vom 11. November 2020 [Bf-act. 4; 

Bg-act. M14]). Zum Psychostatus bei Eintritt wurde folgendes 

festgehalten: "Im Gespräch kein Hinweis auf Störung von Auffassung und 

Gedächtnis, mit Fortdauer der Unterhaltung werden Konzentrations-

probleme deutlich. Diese und Vergesslichkeit werden von der Patientin 

auch subjektiv wahrgenommen. Im formalen Denken werden Grübeln und 

Gedankenkreisen genannt. […] Affektiv niedergestimmt, Traurigkeit in 

Folge des Verlustes des Partners, innere Unruhe. Antrieb und Psycho-

motorik in der Gesprächssituation unauffällig, nennt aber Antriebs-

hemmung. Ausgeprägte Durchschlafstörungen, Nächte oft geprägt von 

schlechten Träumen. Tinnitus (schon vor Unfall gelegentlich, aber nie 

andauernd; aktuell: andauerndes Pfeifen, das sich in Stresssituationen 

verschärft)." Im Verlauf möchte die Patientin, dass nicht nur die 

psychischen, sondern auch die physischen Probleme ernst genommen 

würden. So z.B. Nacken und rechte Kopfseite, die sich als körperliche 

Schmerzen sofort meldeten, wenn sie Trauer empfinde. Die d2-Testung 

zeigte eine Konzentration in der Norm und noch eine eingeschränkte 

Aufmerksamkeitsspanne (Bf-act.4 S. 2; Bg-act. M14 S. 2).

3.15. Laut Austrittsbericht der F._____ vom 11. Dezember 2020 (vgl. Bf-act. 5; 

Bg-act. M17 [ersetzt den Austrittsbericht vom 3. Dezember 2020, vgl. Bg-

act. M15]) leidet die Beschwerdeführerin seit dem Motorradunfall an 

grosser Erschöpfung, Ängsten, Schreckhaftigkeit, innerer Unruhe, 

schlechten Träumen, Trauer um den Partner, Konzentrationsproblemen. 

Seitdem sie erfahren habe, was passiert sei, leide sie an psychischen 

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Auffälligkeiten und unter körperlich einschränkenden Beschwerden. 

Letztere rührten daher, dass sie beim Frontalzusammenstoss an den 

Strassenrand und danach auf die Strasse geschleudert worden sei. 

Insgesamt habe sie dabei drei heftige Aufschläge erlitten (vgl. Bf-act. 5 

S. 2; Bg-act. M17 S. 2). Nach wie vor mache ihr die gegenwärtige Situation 

zu stark Angst, was die hohen Cut-off-Test-Werte (Wert 15 am 

21. Oktober 2020 und Wert 16 am 1. Dezember 2020 [Bf-act. 5 S. 5 und 

8; Bg-act. M17 S. 5 und 8]) zeigten. Der ursprüngliche Schock scheine 

aktuell soweit aufgelöst zu sein, als das Gehirn aktiv versuche, 

Erinnerungsbruchstücke zusammenzusetzen, was sich in ausgeprägten 

Schlafschwierigkeiten und körperlichen Symptomen wie Schweiss-

ausbrüchen, Zuckungen, Verspannungen etc. zeige. Sie habe weiterhin 

oft starke Schmerzen. Nach wie vor sehr einschränkend empfinde sie die 

Schmerzen im Nackenbereich, v.a. das Gefühl der "Taubheit" auf der 

rechten Kopfseite, und den Tinnitus. Sie könne nicht mehr arbeiten, 

obwohl sie dies gewollt hätte, sie bringe aber die Konzentration sehr 

schnell nicht mehr auf und könne die Aufmerksamkeitsfokussierung nicht 

aufrecht erhalten und reagiere mit Kopf- und Nackenschmerzen sowie mit 

einem verstärkten Pfeifen im Ohr. Diese subjektive Einschätzung wurde 

aus fachlicher Sicht von der F._____ unterstrichen unter Verweis auf die 

d2-Aufmerksamkeits- und Konzentrationstests. Weitergehende 

neuropsychologische Testungen wurden als angezeigt erachtet (Bf-act. 5 

S. 8 f.; Bg-act. M17 S. 8 f.).

3.16. Am 18. Dezember 2020 berichtete Chiropraktor S._____ von inter-

mittierenden Kopfschmerzen, sofortigen Nackenschmerzen rechts 

stechend bei Bewegung im Bereich der unteren HWS, von inter-

mittierendem Schwindel und Tinnitus bilateral, Ein- und Durchschlaf-

störungen, Konzentrationsstörungen, Taubheitsgefühl, Verspannungen im 

Schulter-/Nackengebiet sowie Kribbeln, vermehrter Vergesslichkeit, sehr 

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starker Erschöpfung und Trauer wegen Verlust und vermehrter Nervosität. 

Die frühere Anamnese zeige eine HWS-Distorsion bei Bremstrauma im 

Jahr 2018 (Bg-act. A87), ohne Kopfbeteiligung. Vor dem jetzigen Unfall sei 

die Patientin nicht wegen Kopf, Nacken, Rücken, Augen, Gehör, Psyche 

oder anderem in Behandlung gestanden (Bg-act. M47).

3.17. Am 1. Januar 2021 stellte die Hausärztin Dr. med. Q._____ fest, aktuell 

bestünden nebst den Nackenbeschwerden und den Kopfschmerzen auch 

belastungsabhängige rechtsseitige Knieschmerzen sowie Schlaf-

störungen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit und 

Schwindel (Bg-act. M26).

3.18. Am 4. Januar 2021 gab die versicherte Person der Hausärztin Dr. med. 

Q._____ an, psychisch gehe es ein bisschen besser. Hörminderung, 

Tinnitus, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Nackensteifigkeit 

bestünden weiter (Bg-act. M60 S. 2).

3.19. Am 26. Januar 2021 fand die neuropsychologische Untersuchung im 

U._____ statt. Der Bericht vom 5. Februar 2021 (vgl. Bf-act. 6; Bg-act. 

M52) enthält die Diagnosen einer leichten neuropsychologischen Störung 

am Wahrscheinlichsten im Rahmen eines chronischen posttraumatischen 

Syndroms (CPS) als Folge von St.n. leichtem Schädelhirntrauma und 

HWS-Distorsion am 27. Juni 2020 mit Dissoziativer Amnesie und 

Anpassungsstörung nach Trauerfall. In der Beurteilung wurde 

festgehalten, dass das Ausmass der objektivierten Beeinträchtigungen 

einer leichten neuropsychologischen Störung entspricht, v.a. die 

Gedächtnisfunktionen und die Daueraufmerksamkeit mit Aufmerk-

samkeitsfluktuationen betreffend. Die Testungen hätten in ruhiger, 

strukturierter und störungsfreier Zweiersituation stattgefunden, so dass 

nicht auszuschliessen sei, dass in einem lebhaften Arbeitsumfeld das 

Ausmass der neuropsychologischen Störung deutlich stärker zu Tage 

- 16 -

treten könnte. Die Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt wurde aufgrund 

der kognitiven und emotional-affektiven Symptomatik als noch nicht 

gegeben erachtet. Es wurde von einem chronischen posttraumatischen 

Syndrom CPS ausgegangen. Es ergaben sich keine Hinweise auf 

Aggravation- oder Simulationstendenzen. Eine neuropsychologische 

Therapie wurde dringend empfohlen (vgl. Bf-act. 6 S. 4; Bg-act. M52 S. 4).

3.20. Die Hausärztin Dr. med. Q._____ notierte im März 2021 Panik, Albträume 

und eine eventuelle Überweisung an die Traumatherapie (Bg-act. M60).

3.21. Am 30. März 2021 erfolgte die Erstkonsultation in den V._____ (V._____). 

Aus dem Bericht vom 13. April 2021 (Bf-act. 7; Bg-act. M62) ergibt sich die 

Hauptdiagnose eines Tinnitus aurium (ICD-10: H93.1), welcher eine 

schwere Schlafstörung hervorgerufen habe. Es erfolgte die Bestätigung 

der Anpassungsstörung mit Verdacht auf PTBS (ICD-10: F43.1). Im 

Psychostatus bei Eintritt berichtete die versicherte Person u.a. von 

Konzentrationsstörungen und Gedächtnisstörungen. Im Verlauf des 

Gesprächs nahm die Konzentration leicht ab. Es wurden Grübelneigung 

und Gedankenkreisen und Panikanfälle insbesondere beim Hören von 

Reizen, die mit dem Unfall verbunden seien, berichtet. Zudem Ich-

Störungen im Sinne von aufdrängenden Bildern und Albträumen im Sinne 

von Flashbacks bezüglich des Unfalls. Es bestand eine leichte innere 

Unruhe.

3.22. In der Tinnitus-Sprechstunde des Universitätsspitals I._____ bei Prof. 

Dr. med. W._____ wurden der Beschwerdeführerin am 10./11. Mai 2021 

die Diagnosen eines sehr schweren dekompensierten Tinnitus bds. sowie 

eine leichtgradige, hochtonbetonte, sensorineurale Hörminderung bds. 

gestellt (Bf-act. 8; Bg-act. M64).

- 17 -

3.23. Gemäss Bericht vom 18. Mai 2021 (Bf-act. 9; Bg-act. M67) erfolgte der 

Beginn der psychotherapeutischen Behandlung am 13. April 2021 bei 

Dr. med. J._____, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Dipl.-

Psych. X._____. Diagnostiziert wurde eine PTBS (ICD-10: F43.1). Es 

wurde festgehalten, dass ab einer Stunde vor dem Unfall bis zur 

Helikopterlandung eine Amnesie vorgelegen habe.

3.24. Der beratende Chirurg Dr. med. Y._____, Facharzt für Chirurgie, spez. 

Sportmedizin, stellte am 22. Mai 2021 fest, der Status quo ante bezüglich 

HWS-Distorsion und der Status quo sine betreffend Tinnitus und 

Schwindelattacken seien spätestens Ende 2020 erreicht worden (Bg-act. 

M72).

3.25. Da die Beschwerden nicht besserten, erfolgte eine Überweisung an die 

Neurologie in I._____. Im neurologischen Konsilium vom 30. September 

2021 und 21. Oktober 2021 äusserte Dr. med. K._____ den Verdacht auf 

posttraumatische Migräne und diagnostizierte ein episodisch vestibuläres 

Syndrom, dd im Rahmen einer vestibulären Migräne (Bf-act. 10; Bg-act. 

M77). Die versicherte Person berichtete darin u.a. wie folgt: "Rechte 

Kopfseite Taubheit, nach Anstrengung und Konzentration nach knapp 

einer Stunde stark zunehmend, dann tritt Schwindel ein und ich kann mich 

nur noch sehr schwer konzentrieren, der Tinnitus nimmt sehr stark zu. Ich 

bin dann jeweils sehr erschöpft und möchte mich nur noch hinlegen. 

Schweissausbrüche kommen hinzu. Nackenschmerzen, Gleichgewichts-

störungen. Die Schmerzen nach Überanstrengung nehmen im Nacken-

bereich stark zu, wie auch die Schmerzen im rechten Schultergürtel. Ich 

gerate in eine Schockstarre. Wenn ich zuviel gemacht habe, kommen 

starke Kopfschmerzen hinzu und ich brauche 1-2 Tage Erholungszeit, bis 

ich wieder einigermassen fit bin. Albträume, Schlaflosigkeit, Flashbacks, 

nach gewissen Konfrontationen mit dem Unfallgeschehen treten diese 

häufiger auf. […]" Die versicherte Person nahm keine feste Medikation ein, 

- 18 -

gelegentlich bei Kopfschmerzen Dafalgan (lt. Patientin aktuell 2-

3x/Woche), gelegentlich Sirdalud aufgrund der Nackenverspannungen 

(Bf-act. 10 S. 2; Bg-act. M77 S. 2).

3.26. Im Oktober 2021 wurde das IV-Belastbarkeitstraining abgebrochen (Bg-

act. A261).

3.27. Dr. med. L._____, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, 

Psychosomatik und psychosoziale Medizin, empfahl am 4. November 

2021 infolge chronischem posttraumatischem cervicothorakalem 

Schmerzsyndrom und PTBS eine weitere stationäre Rehabilitation (Bf-act. 

11; Bg-act. M80; so auch am 22. Dezember 2021 [Bg-act. M82]).

3.28. Im Arztbericht bezüglich beruflicher Integration/Rente stellte die 

behandelnde Psychotherapeutin Dr. phil. M._____ am 16. Dezember 

2021 zusätzlich zur PTBS neu die Diagnose einer mittelgradigen 

depressiven Episode (ICD-10: F32.1) mit entsprechender Medikation 

Surmontil zur Nacht 8 Tropfen (daneben Almogran 12.5 mg nach Bedarf 

[Bf-act. 13 S. 3; Bg-act. A298 S. 3]).

3.29. Am 21. Dezember 2021 kam Dr. phil. M._____ gegenüber der 

Beschwerdegegnerin zur Beurteilung, die Kriterien einer PTBS seien 

erfüllt, wobei die ausgeprägte Hypervigilanz sowie die Amnesie für eine 

schwere komplexe Form von PTBS sprechen würden. Die Symptome 

einer mittelgradigen depressiven Episode würden durch die Trauer um 

den Partner, den Verlust des geregelten Lebens und der psychischen 

Gesundheit zusätzlich aufrechterhalten und verstärkt. Zusammenfassend 

sei die versicherte Person in Folge des schweren Unfalls schwer 

psychisch und physisch belastet (Bf-act. 14; Bg-act. A298).

- 19 -

3.30. Die Beschwerdeführerin befand sich vom 27. Dezember 2021 bis 

22. Januar 2022 zur stationären Behandlung in der N._____, wo eine 

Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21) 

und DD PTBS (ICD-10: F43.1) diagnostiziert wurden. Die behandelnden 

Ärzte berichteten am 26. Januar 2022 (Bf-act. 15; Bg-act. M83), die 

vordergründigen depressiven Symptome liessen sich nur bedingt 

behandeln, da im Hintergrund eine persistierende PTBS vermutet werde. 

Daher erfolgte eine Anmeldung an die Klinik Z._____, Traumastation. Im 

Austrittsbericht der N._____ vom 3. März 2022 (Bg-act. M84) wurde 

festgehalten, dass die Erwartungen/Ziele in der Besserung der körper-

lichen Erschöpfung, Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit, 

Verminderung der körperlichen Beschwerden (Kopfschmerz, Tinnitus), 

Reduktion der raschen Ermüdbarkeit und in der psychotherapeutischen 

Behandlung der ängstlichen und depressiven Symptomatik gelegen 

hätten. Im Vergleich zum Eintritt seien die Konzentrations- und Merkfähig-

keitsstörungen gleich geblieben, das formale Denken sei noch immer stark 

durch Einengungen und Grübeln geprägt; affektiv leicht stimmungs-

aufgehellter, bei noch immer ängstlicher Grundstimmung, gleich-

bleibender Störung der Vitalgefühle und weiterhin intermittierender Flash-

backs, Intrusionen und Albträume. Es bestünden Ein- und Durchschlaf-

störungen aufgrund Flashbacks und Intrusionen (Bg-act. M84 S. 2 f.).

3.31. In der neurologischen Verlaufskontrolle vom 13./19. April 2022 stellte 

Dr. med. K._____ eine deutliche Exazerbation der Schwindel- und 

Kopfschmerzepisoden fest, verursacht durch vestibuläre Migräne (Bf-act. 

23).

3.32. Die Beschwerdeführerin befand sich vom 19. April 2022 bis 23. Juni 2022 

zur Behandlung der PTBS in der Klinik Z._____ (Bg-act. M86). Als 

zusätzliche Diagnosen (zur PTBS) wurden im Z._____-Austrittsbericht 

vom 4. August 2022 eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: 

- 20 -

F32.1) sowie Dissoziative Störungen (Konversionsstörungen) gemischt, 

d.h. Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen und die 

Dissoziative Amnesie (ICD-10: F44.6 und F44.7) genannt (Bf-act. 16; Bg-

act. M86). Betreffend psychopathologischem Befund bei Eintritt wurde u.a. 

festgehalten, es bestünden Hinweise für Aufmerksamkeits-, 

Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörungen sowie Konzentrations-

störungen. Traumarelevante Psychopathologie: Intrusive Symptomatik auf 

visueller, auditiver, emotionaler Ebene und Flashbacks, Albträume vom 

Tod seit dem Unfall. Vermeidungsverhalten von Orten (Flüelapass), 

Situationen (Töfffahren, in eine Seilbahn einsteigen, Velofahren). 

Fehlendes Sicherheitsgefühl, Ohnmachts-, Hilflosigkeitsgefühl, Gefühl-

losigkeit im Wechsel mit Überflutung. Dissoziation in Form von 

Empfindungs- und Sensibilitätsstörungen (Taubheit, Tinnitus, Photo- und 

Phonophobie), Bewegungsstörungen (Schockstarre), Depersonalisation 

mit Gefühl innerer Leere. Psychiatrisch-psychotherapeutische Therapie-

ziele waren die Diagnostik, der Aufbau des Störungsverständnisses und 

die Reduktion der Anspannung. Die Beschwerdeführerin imponierte im 

Verlauf der Behandlung durch Einschränkungen im kognitiven Bereich 

(Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Gedächtnisleistungen), war 

schnell überfordert durch Reize und Informationen. Die Belastbarkeit war 

sehr gering. In Zuständen der Reizüberflutung reagierte die Beschwerde-

führerin mit starken Stresssymptomen (Schweissausbrüche, Herzrasen, 

psychomotorische Anspannung), dissoziativen Symptomen wie 

Taubheitsgefühlen in einer Körperhälfte oder Derealisation und starken 

Kopfschmerzen. Gestützt auf die Diagnostik Traumafolgestörung (Impact 

of Event Scale [IES-R]) ergab sich der Verdacht auf PTBS. Von 

somatischer Seite wurde eine vestibuläre Migräne festgehalten. Der 

Beschwerdeführerin wurden eine Festmedikation (u.a. Becozym forte, 

Topiramat/Topamax 25 mg) und eine Reservemedikation verordnet (Bf-

act. 16 S. 3; Bg-act. M86 S. 3).

- 21 -

3.33. Am 6. Oktober 2022 folgerte Dr. med. K._____ gestützt auf die 

neurologische Verlaufskontrolle eine deutliche Frequenzzunahme der 

Kopfschmerzen und Schwindelsymptomatik (Bg-act. M92).

3.34. Der die Beschwerdegegnerin beratende Neurologe Dr. med. P._____, 

zertifizierter medizinischer Gutachter (SIM), folgerte am 1. März 2023 in 

seiner Aktenbeurteilung (Bf-act. 19; Bg-act. M95), dass die Versicherte 

eine leichte traumatische Hirnverletzung erlitten habe. Auch bestätigte er 

die Diagnose einer HWS-Distorsion, assoziierte sie aber nicht mit einem 

"Schleudertrauma" im landläufigen Sinn bei einem Autounfall mit Hin- und 

Herschleudern des Kopfes mit initialer ruckartiger Rückverlagerung des 

Kopfs im Vergleich zum Rumpf. Die Einteilung in QTF Grad II sei akten-

widrig. Wenn die QTF-Klassifikation überhaupt anwendbar sein solle, 

dann handle es sich lediglich um den Grad I bei Spontanschmerz der HWS 

ohne muskuloskelettale oder neurologische Befunde. Er schloss 

neurologische unfallbedingte strukturelle Veränderungen des Nerven-

systems aus, was insbesondere auch für die Schwerhörigkeit gelte. Eine 

unfallbedingte Schädigung des Gehörs könne nicht bestätigt werden und 

eine bilaterale Hörminderung sei bereits vor dem Unfall dokumentiert 

gewesen, das Ausmass habe sich nicht geändert. Bei fehlender 

struktureller Schädigung des Hirns und fehlender unfallbedingter 

Schädigung des Gehörs könne die Verstärkung des Tinnitus nicht 

natürlich kausal auf eine unfallbedingte organische Schädigung des 

Nervensystems zurückgeführt werden. Zum selben Schluss kam er 

bezüglich Kopfschmerzen (Migräne), teilweise mit Schwindel (vestibuläre 

Migräne) verbunden. Kopfschmerzen hätten schon vor dem 27. Juni 2020 

zu Abklärungen geführt und damit vorbestanden. Eine allfällige 

Verschlechterung der Migräne nach dem Ereignis müsse nicht diskutiert 

werden, denn der Unfall habe sicher nicht zu einer anhaltenden, d.h. 

strukturellen Schädigung des Hirns geführt, womit eine anhaltende 

- 22 -

Verschlechterung der Migräne so oder so nicht durch eine unfallbedingte 

organische Schädigung erklärt werden könne. Auch der behandelnde 

Neurologe Dr. med. K._____ habe keine posttraumatische Migräne 

diagnostiziert, sondern diese Diagnose nur differentialdiagnostisch 

erwogen (vgl. Neurologisches Konsilium vom 30. September 2021 und 

21. Oktober 2021 [Bf-act. 10; Bg-act. M77]; Bf-act. 19 S. 14 ff.; Bg-act. 

M95 S. 14 ff.).

3.35. Am 22./28. März 2023 folgerte Dr. med. K._____ beim Konsultationsgrund 

von Schwindel und Kopfschmerzen eine zwischenzeitliche Frequenz-

zunahme der Kopfschmerzen und Schwindelsymptomatik (Bf-act. 23). Die 

"starken" Kopfschmerzen von pulsierender Qualität gingen anamnestisch 

weiterhin einher mit Photo-/Phonophobie und leichter Übelkeit, 

gelegentlich mit Schwankschwindel. Es sei eine zusätzliche 

Botulinumtoxin-Injektion geplant. Die Patientin führe einen 

Kopfschmerzkalender; aktuell sei sie wegen der PTBS in der O._____ in 

Behandlung.

3.36. Die Beschwerdeführerin befand sich vom 2. Februar 2023 bis 29. März 

2023 erneut zur Behandlung der PTBS in der Klinik Z._____, ein dritter 

Aufenthalt war vorgesehen (Bf-act. 17; Bg-act. M96). Im Austrittsbericht 

der Klinik Z._____ vom 16. Mai 2023 (Bf-act. 17; Bg-act. M96) fielen die 

Diagnosen der mittelgradigen depressiven Episode und der Dissoziativen 

Amnesie weg. Beim Eintritt wurden u.a. Gedächtnisstörungen in Form von 

Paramnesien (Intrusionen auf visueller, auditiver, emotionaler Ebene; 

Flashbacks) und eine Übergeneralisierung von Gefahr, Hyperarousal und 

ständiges Bedrohungserleben sowie Vermeidungsverhalten von Orten 

und Situationen wie auch Vermeidung von Erinnerungen durch ständige 

Überaktivität und Vermeidung von Ruhepausen als Folge des Traumas 

genannt. Die geplante Traumakonfrontation zur Reduktion von 

belastenden Erinnerungen mittels EMDR musste aufgrund der 

- 23 -

körperlichen Reaktion der Patientin abgebrochen werden. Zur 

Unterstützung wurde eine Phytopharmakotherapie mit Johanniskraut 

installiert. Die Beschwerdeführerin wurde mit einer Austrittsmedikation, 

bestehend aus einer Festmedikation mit Vitaminen, Mineralstoffen und 

Naturarzneimitteln sowie einer Reservemedikation (Migränemittel, 

Analgetika, Neuroleptika, Sedativum, etc.) entlassen.

4. Zu prüfen ist die Adäquanz der nach dem Unfall im D._____ diagnos-

tizierten leicht traumatischen Hirnverletzung (LTHV; "Commotio cerebri") 

ohne strukturelle Hirnparenchymverletzung und HWS Distorsion sowie 

ihrer Begleiterscheinungen (Bg-act. M4).

4.1. Die Beschwerdeführerin sieht die Begleiterscheinungen (Traumatisierung) 

des Unfalls als durch die Beschwerdegegnerin komplett ausgeblendet 

bzw. die Schwindelattacken und der Tinnitus würden unbegründet in 

einem Satz auf einen Vorzustand abgewälzt. Dabei seien die PTBS inkl. 

dissoziative Störung samt allen damit einhergehenden sowie zusätzlichen 

Beschwerden (Migräne, Tinnitus, Konzentrationsstörungen, Angst-

zustände, Schweissausbrüche, Atemnot, Überforderung, Gedanken-

kreisen, etc.) bereits vor der ersten Hospitalisation in der Fachklinik 

O._____ festgestellt bzw. beschrieben worden. Unbestritten sei, dass 

neurologisch keine strukturellen organischen Veränderungen 

dokumentiert seien. Die neurologische Stellungnahme von Dr. med. 

P._____ vom 1. März 2023 sei – mangels psychiatrischem Fachgebiet 

(PTBS, dissoziative Störung, Traumafolgen) – unbeachtlich. Es stehe dem 

abhängigen Neurologen nicht zu, die ärztlichen Diagnosen anders 

darzustellen und das Beschwerdebild eines Schleudertraumas/Commotio 

in Abrede zu stellen, habe er doch selber bestätigt, dass die 

Beschwerdeführerin beim Unfallereignis mehrfach mit dem Kopf auf den 

Boden aufgeprallt sei. Schlicht unakzeptabel sei die Aussage des 

Neurologen, die Beschwerden, insb. die Kopfschmerzen, könnten 

- 24 -

aufgrund fehlender struktureller Schädigung des Hirnes nicht anhaltend 

sowie mithin unfallkausal sein. Ein leichtes Schädel-Hirntrauma führe 

meistens zu keinen strukturellen Schädigungen des Hirns, was nicht 

heisse, dass die Beschwerden nicht anhaltend sein könnten, da sie 

teilweise auch chronifizierten, was vorliegend gerade der Fall sei. 

Ausserdem sei die Planung eines weiteren Aufenthalts in der O._____ 

gegen Ende 2023 aufgrund des schweren Traumas, welches extreme 

Stresssymptome (Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schweiss-

ausbrüche, Atemnot, etc.) hervorrufe, geplant. Inwiefern die PTBS und die 

dissoziative Störung nicht unfallkausal sein sollen, sei nicht ersichtlich. 

Umso mehr, als die Berichte der O._____ nicht einmal behandelt worden 

seien. Die Adäquanz könne nur seriös geprüft werden, wenn auch bekannt 

sei, weshalb eine PTBS vorliege und worauf diese basiere. Die 

Adäquanzprüfung habe nach der Schleudertrauma-Praxis resp. unter 

Berücksichtigung der Rechtsprechung zum Schreckereignis zu erfolgen.

4.2. Die Beschwerdegegnerin bleibt dabei, dass die Psycho-Praxis nach 

BGE 115 V 133 ff. anzuwenden sei und kein Anwendungsfall der 

Schleudertrauma-Praxis bzw. der Rechtsprechung zum Schreckereignis 

vorliege. Dies, weil die Kopfschmerzen, der Tinnitus und die Hörvermin-

derung sowie der Schwindel nicht natürlich kausal zum Ereignis seien, 

womit sie bei der Berücksichtigung allfälliger HWS-Distorsions-typischer 

Beschwerden ausser Betracht fielen. Die Nackenbeschwerden könnten 

als HWS-Distorsions-typische Beschwerden betrachtet werden, seien 

allerdings im Gegensatz zu den psychischen Beschwerden unter-

geordneter Natur. Die Beschwerden nach HWS-Distorsion seien rasch in 

den Hintergrund getreten und die Beschwerdeführerin habe psychische 

Symptome entwickelt, die behandlungsbedürftig gewesen seien. Die 

Konzentrationsstörungen äusserten sich erfahrungsgemäss im Rahmen 

einer PTBS und könnten in casu schon deshalb nicht zum typischen 

- 25 -

Beschwerdebild einer HWS-Distorsion zugerechnet werden. 

Eigenständige psychiatrische Diagnosen seien rasch in den Vordergrund 

gerückt, was sich auch an der Zusprechung einer ganzen IV-Rente 

gestützt auf die Beurteilung des Facharztes für Psychiatrie und 

Psychotherapie des RAD beider I._____, pract. med. AA._____, vom 

17. Oktober 2022 zeige. Diese eigenständigen psychiatrischen Diagnosen 

seien keine HWS-Distorsions-typischen Beschwerden, d.h. sie gehörten 

nicht zum typischen Beschwerdebild, so dass die Schleudertrauma-Praxis 

nicht gerechtfertigt sei. Die Beschwerdegegnerin habe das Unfallereignis 

korrekterweise als mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den 

schweren Unfällen qualifiziert. Damit der adäquate Kausalzusammenhang 

bei diesen Fällen bejaht werden könne, genüge die Erfüllung eines 

Kriteriums. Hier seien aber sämtliche Adäquanzkriterien zu verneinen. 

Letztlich könne die Frage nach dem Vorliegen des natürlichen Kausal-

zusammenhangs offengelassen werden, wenn es am adäquaten 

Kausalzusammenhang zwischen den Beschwerden und dem 

Unfallereignis fehle.

4.3. Aufgrund des Vorbringens der Beschwerdeführerin, dass auch die 

psychischen Beschwerden unfallkausal und somit zu berücksichtigen 

seien, ist zu klären, ob die Psycho-Praxis oder die Schleudertrauma-

Praxis bei der Prüfung des adäquaten Kausalzusammenhangs (als 

Rechtsfrage) zur Anwendung gelangt. Bei der HWS-Distorsion und der 

Gehirnerschütterung/Schädelhirnverletzung ("leichte traumatische Hirn-

verletzung ohne strukturelle Hirnparenchymveränderungen" [vgl. Bg-act. 

M4]) handelt sich um organisch nicht hinreichend nachweisbare 

Beschwerden, denn von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen 

kann nur gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit 

apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden und diese 

Untersuchungsmethoden zudem wissenschaftlich anerkannt sind. 

- 26 -

Klinische Befunde entsprechen nicht objektivierbaren Ergebnissen 

(BGE 138 V 248 E.5.1; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_391/2022 vom 

10. Januar 2023 E.3.2.2, 8C_698/2021 vom 3. August 2022 E.4.2 und 

8C_493/2021 vom 4. März 2022 E.3.3.2). Hat die versicherte Person bei 

einem Unfall ein Schleudertrauma der HWS, eine dem Schleudertrauma 

äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, so ist die 

Schleudertrauma-Praxis gemäss BGE 117 V 359 E.6 und 134 V 109 E.10 

anzuwenden und auf eine Differenzierung zwischen physischen und 

psychischen Komponenten zu verzichten (BGE 134 V 109 E.2.1; vgl. 

Urteile des Bundesgerichts 8C_640/2022 vom 9. August 2023 E.3.4, 

8C_100/2021 vom 7. April 2021 E.4.3, 8C_473/2019 vom 11. November 

2019 E.3.3, 8C_261/2019 vom 8. Juli 2019 E.3, 8C_430/2016 vom 

31. Oktober 2016 E.7.1). Ist die Schleudertrauma-Praxis nicht anwendbar, 

sind grundsätzlich die Adäquanzkriterien von BGE 115 V 133 E.6c/aa 

(sog. Psycho-Praxis) anzuwenden, welche für psychische 

Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wurden (BGE 138 V 248 

E.4, 134 V 109 E.2.1 und 6.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_640/2022 

vom 9. August 2023 E.3.4, 8C_473/2019 vom 11. November 2019 E.3.3, 

8C_261/2019 vom 8. Juli 2019 E.3). Nach der Psycho-Praxis werden die 

Adäquanzkriterien unter Ausschluss psychischer Aspekte geprüft (vgl. 

BGE 140 V 356 E.3.2 und 134 V 109 E.2.1 und 6.1; Urteile des Bundes-

gerichts 8C_812/2021 vom 17. Februar 2022 E.6.2 und 8C_66/2021 vom 

6. Juli 2021 E.5.3 f., je m.H.a. BGE 140 V 356 E.3.2 sowie auch bereits 

8C_129/2007 vom 27. November 2007 E.1.2; vgl. auch Urteile des 

Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] S 19 130 vom 

23. Februar 2021 E.4.3.1 und S 18 56 vom 17. September 2019 E.7.1). 

Dies führt dazu, dass die in BGE 115 V 133 und BGE 134 V 109 

unterschiedlich umschriebenen Adäquanzkriterien bei Folgen eines 

Schleudertraumas eher als bei einer nach einem Unfall aufgetretenen 

psychischen Fehlentwicklung erfüllt sind. Deshalb muss die Zuordnung 

- 27 -

der geklagten Beschwerden insoweit geklärt sein, bevor entschieden 

werden kann, nach welcher Methode sich die Adäquanzprüfung richtet. 

Dabei ist es grundsätzlich Aufgabe der medizinischen Fachärzte, darüber 

Auskunft zu geben, ob eine bestehende psychische Problematik als Teil 

des typischen, einer Differenzierung kaum zugänglichen somatisch-

psychischen Beschwerdebildes zu betrachten ist, oder aber ein von 

diesem zu trennendes, eigenständiges psychisches Leiden darstellt. Nur 

wenn in der Expertise überzeugend dargetan wird, dass die psychische 

Störung nicht Symptom der Verletzung ist, kann dafür eine andere 

Ursache gesehen werden (vgl. dazu BGE 134 V 109 E.9.5). Für die 

Abgrenzung von Bedeutung sind insbesondere Art und Pathogenese der 

Störung, das Vorliegen konkreter unfallfremder Faktoren oder der 

Zeitablauf (vgl. dazu RKUV 2001 Nr. U 412 S. 79; vgl. zudem BGE 123 V 

98 E.2a). Ebenfalls nach BGE 115 V 133 vorzugehen ist, wenn bei einer 

versicherten Person bereits vor dem Unfall psychische Beschwerden 

vorlagen, die durch das Unfallereignis verstärkt wurden (vgl. dazu RKUV 

2000 Nr. U 397 S. 327; vgl. zum Ganzen Urteile des Bundesgerichts 

8C_430/2016 vom 31. Oktober 2016 E.7.1, 8C_710/2011 vom 1. Juni 

2012 E.2.2, 8C_964/2009 vom 19. Februar 2010 E.4.1).

4.4.1. Nach Auffassung des Gerichts hat die Beschwerdegegnerin hier zu 

Unrecht die Adäquanzprüfung nach der Psycho-Praxis vorgenommen. 

Vielmehr hat die Adäquanzprüfung nach der Schleudertrauma-Praxis zu 

erfolgen, da unbestrittenermassen infolge des mehrfachen Kopfaufpralls 

eine LTHV ("Commotio Cerebri") sowie eine HWS-Distorsion 

diagnostiziert wurden (Bg-act. M4; vgl. auch HWS Fragebogen vom 

17./23. September 2020 [Bg-act. M12]). Infolge des damit typischerweise 

einhergehenden Beschwerdebilds (Kopf-, Nackenschmerzen, Schwindel 

[Bg-act. M4]) ist von einem Schleudertrauma bzw. einer zumindest 

äquivalenten Verletzung ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle 

- 28 -

auszugehen. So berichtete kurze Zeit nach der Entlassung aus dem 

D._____ der Allgemeinmediziner Dr. med. E._____ am 3. Juli 2020 (Bf-

act. 3; Bg-act. M9), dass es noch gar nicht gut gehe. Die versicherte 

Person habe noch ständige Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, 

ein Ziehen im Nacken, ein Pfeifen in den Ohren und komme auch in der 

Nacht vom Psychischen nicht zur Ruhe. Er beurteilte eine leicht 

traumatische Hirnverletzung (LTHV) ohne strukturelle 

Hirnparenchymverletzung und HWS Distorsion. Wieder wenige Tage 

später, anlässlich der ersten Konsultation bei der Hausärztin Dr. med. 

Q._____ am 6. Juli 2020, klagte die Beschwerdeführerin über Schmerzen 

im Nacken/Hinterkopf, Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsstörung (Bg-

act. M11 S. 4). Am 17. Juli 2020 ging es der Beschwerdeführerin etwas 

besser, aber noch immer lagen Nackenschmerzen, Konzentrations-

probleme und Schlafstörung vor (Bg-act. M11 S. 4). Das Unfallereignis 

führte zu einer Beschleunigungsverletzung der HWS; die Schmerzen an 

der HWS wurden bereits im D._____ dokumentiert (Bg-act. M4). Die 

Nackenschmerzen sowie das weitere bunte Beschwerdebild, wie z.B. 

Schwindel (vgl. Bf-act. 10, 11, 12, 22, 23; Bg-act. M11, M26, M77, M80), 

rasche Ermüdbarkeit bzw. Erschöpfung (vgl. Bf-act. 6, 9, 22; Bg-act. A13, 

M10, M11, M15, M47, M52, M60, M67), Konzentrations-, Merkfähigkeits- 

und Gedächtnisstörungen (vgl. Bf-act. 6, 7, 8, 9, 10, 11, 16, 17, 22, 23; Bg-

act. A13, M9, M10, M11, M12, M15, M26, M47, M49, M52, M60, M62, 

M64, M77, M80, M82, M84, M86, M94, M96), Übelkeit, Affektlabiliät 

(affektiv niedergestimmt, traurig, Gefühlsschwankungen [vgl. Bf-act. 4, 5, 

6, 7; Bg-act. M10, M12, M14, M17, M52, M62, M67]), Depression, 

Wesensveränderung (z.B. Angst, Panik, Vermeidungsverhalten von Orten 

und Situation, starke Stresssymptome [vgl. Bf-act. 6, 8, 10, 11, 16, 17, 22; 

Bg-act. M15, M52, M60, M64, M77, M80, M82, M84, M86, M94, M96]), 

sind belegt. Dass neurologisch kein somatisches Substrat für die 

geklagten Beschwerden feststellbar war – bei Schleudertrauma oder 

- 29 -

äquivalenter Verletzung ist das nicht ungewöhnlich – macht im Rahmen 

der spezifischen Adäquanzprüfung nach Schleudertrauma aus den 

geklagten Beschwerden kein verselbständigtes psychisches Leiden. 

Zudem bestehen bei St.n. leichtem Schädelhirntrauma und HWS-

Distorsion eine neuropsychologische Einschränkung – deren Testunter-

suchung rechtsprechungsgemäss allein nicht ausreicht, um die 

Kausalitätsfrage selbständig und abschliessend zu beantworten (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 8C_429/2022 vom 3. Mai 2023 E.4.3.4, siehe auch 

E.5.3 f.) – sowie andere (somatische) Beschwerden.

4.4.2. Das für das Schleudertrauma der HWS typische bunte Beschwerdebild 

(vgl. BGE 134 V 109 E.6.2.1; siehe vorstehende Erwägung 4.4.1) ist nicht 

in den Hintergrund getreten. Hinzu kommen die (somatischen) 

Nackenschmerzen, die bereits im D._____ genannt wurden (Bg-act. M4) 

und danach persistierten bis im Herbst 2021 (vgl. Bg-act. M10, M11, M12, 

M14, M26, M47, M60, M77). Nebst den körperlichen Beschwerden, zu 

denen auch neurologische Beschwerdebilder (Kopfschmerzen, 

Schwindel, Migräne; vgl. Beurteilung Dr. med. K._____ [Bf-act. 10, 23; Bg-

act. M77, M92]) zählen, die im Übrigen für die Beschwerdeführerin nach 

eigenen Angaben im Vordergrund standen, liegen auch 

neuropsychologische Einschränkungen vor. Es kann somit nicht gesagt 

werden, dass die HWS-Distorsions-typischen Beschwerdebilder (vgl. 

BGE 134 V 109 E.6.2.1: wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, 

Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche 

Ermüdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, 

Wesensveränderung usw.) rasch in den Hintergrund und eigenständige 

psychiatrische Diagnosen rasch in den Vordergrund gerückt wären.

4.4.3. Aus diesem Grund sieht das streitberufene Gericht auch keinen 

Anwendungsfall der Rechtsprechung zum Schreckereignis. Entgegen 

dem Hinweis der Beschwerdeführerin auf das Urteil des Bundesgerichts 

- 30 -

8C_593/2013 vom 11. Dezember 2013, wo der Versicherte im Anschluss 

an die Personenwagenkollision mit Todesfolge für seine Ehegattin im 

Beisein der Tochter an behandlungsbedürften unfallbedingten Folgen 

einer PTBS litt und das Bundesgericht festhielt, dass die Adäquanz 

zwischen einem Schreckereignis ohne körperliche Verletzungen und den 

nachfolgenden aufgetretenen psychischen Störungen nach der 

allgemeinen Formel (gewöhnlicher Lauf der Dinge und allgemeine 

Lebenserfahrung) zu beurteilen seien, womit der Tatsache Rechnung 

getragen werde, dass bei Schreckereignissen – anders als im Rahmen 

üblicher Unfälle – die psychische Stresssituation im Vordergrund stehe, 

wogegen dem somatischen Geschehen keine entscheidende Bedeutung 

beigemessen werden könne, und die (analoge) Anwendung der in 

BGE 115 V 133 entwickelten Adäquanzkriterien ebenso ungeeignet seien 

wie diejenige der Schleudertraumapraxis (vgl. vorstehende Erwägung 

4.3), trug die Beschwerdeführerin in casu doch körperliche Verletzungen 

davon, die nicht vernachlässigbar weil von untergeordneter Bedeutung 

waren und die im Vergleich zu den erlittenen psychischen Beein-

trächtigungen nicht in den Hintergrund traten.

4.4.4. Die Dashcam-Aufnahmen zeigen, dass der Unfall bzw. die Unfallkollision 

gravierend waren. Die Beschwerdeführerin entwickelte innert kurzer Zeit 

auch psychische Symptome (PTBS, mittelgradige depressive Episode, 

Dissoziative Störungen), die behandlungsbedürftig wurden (vgl. Bf-act. 

13 ff.; Bg-act. A298, M67, M80, M83, M84, M86 und M96). Zwar erinnert 

sich die Beschwerdeführerin nur bruchstückhaft an das Unfallereignis (vgl. 

u.a. Bg-act. M4, M67). Den ärztlichen Berichten können jedoch mehrfach 

sog. Flashbacks sowie Erinnerungen an den Unfall entnommen werden 

(Bf-act. 7, 10, 17; Bg-act. M62, M77, M84; vgl. auch Berichte der Klinik 

Z._____ [Bf-act. 16; Bg-act. M86 S. 2, "Traumarelevante 

Psychopathologie: Intrusive Symptomatik auf visueller, auditiver, 

- 31 -

emotionaler Ebene und Flashbacks, Albträume vom Tod seit dem Unfall"; 

ebenso Bf-act. 17; Bg-act. M96 S. 2] und Austrittsbericht der F._____ [Bf-

act. 5 S. 7; Bg-act. M17 S. 7:"Die Albträume sind nach wie vor sehr stark 

vorhanden"]). Das Unterbewusstsein der Beschwerdeführerin war das 

Unfallereignis somit weiterhin am Be- oder Verarbeiten. Der langjährige 

Lebenspartner der Beschwerdeführerin ist an der Unfallstelle verstorben, 

es kann zudem nicht von der Hand gewiesen werden, dass der 

Beschwerdeführerin dasselbe Schicksal hätte widerfahren können. Bei 

heftigen Unfallereignissen wie dem vorliegenden mit einer massiven 

Kollision zwischen einem Motorrad und einem Wohnwagengespann mit 

Todesfolge des Motorradlenkers in unmittelbarer Gegenwart der 

Beschwerdeführerin als Sozia, für welche somit ebenfalls eine Todes-

gefahr bestanden haben muss, ist es für das streitberufene Gericht 

nachvollziehbar, wenn nicht gar naheliegend, dass sich psychische 

Symptome mit langandauernder psychischer Belastung entwickeln. Es 

gibt nach Aktenlage unterschiedliche Versionen, wann die Amnesie bei 

der Beschwerdeführerin einsetzte und wie lange diese dauerte (ab Abfahrt 

auf der Lenzerheide, d.h. rund eine Stunde vor dem Unfall, bzw. beim 

ersten Aufprall und – bis auf eine kleine Erinnerung an den Helikopter an 

der Unfallstelle [vgl. Bf-act. 5 S. 8; Bg-act. M17 S. 8, M52 S. 2] – bis zum 

Moment im Spital, als sie sich mit der Nachricht des Todes ihres 

Lebenspartners konfrontiert sah). Gemäss Aktenlage liegt aber keine 

komplette Amnesie vor (vgl. Beschwerde S. 10 und Bf-act. 16 S. 3; Bg-act. 

M86). Die schädelhirntraumatischen und HWS-Distorsions-bedingten 

Beschwerden mit unklarem Beschwerdebild traten schon unmittelbar beim 

oder kurz nach dem Unfall auf (Bf-act. 3, 4, 5, 6 etc.; Bg-act. M9, M11, 

M14, M17, M52), was Dr. med. L._____ im November 2021 dazu führte, 

von einem chronisch posttraumatischen cervicothorakalen Schmerz-

syndrom und PTBS auszugehen (Bf-act. 11; Bg-act. M80). Der zeitliche 

Ablauf der somatischen wie psychischen Beschwerden zeigt auf, dass sie 

- 32 -

auf das Unfallereignis zurückgehen, und erhellt die schwierige 

Verarbeitung des Unfalls (Traumabewältigung etc.) infolge einer 

nachhaltigen Gesundheitsschädigung. Die Kopfschmerzen, 

Konzentrationsstörungen, Schwindel, Nackenschmerzen, etc. bildeten 

das typische Beschwerdebild einer LTHV und einer HWS-Distorsion 

infolge eines massiven Kopfanpralls und sind gegenüber der PTBS 

(Traumaverarbeitung) nicht in den Hintergrund getreten oder von 

untergeordneter Bedeutung. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich 

Beschwerden überlappen, was in casu der Anwendung der Schleuder-

trauma-Praxis nicht entgegensteht resp. entgegenstehen darf. Richtig ist, 

wie die Beschwerdegegnerin vorträgt, dass Kopfschmerzen, Schwindel, 

Tinnitus und Hörverminderung bereits vor dem Unfall bestanden und 

Abklärungen gemacht worden waren (vgl. Bg-act. M35 [im Oktober 2019: 

Migräne d.h. stärkere Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations-

störungen, Parästhesien], Bg-act. M39 [im Juni und Oktober 2019: 

Schwindel, Taubheit, Pfeifen in den Ohren, Müdigkeit], Bg-act. M19 [seit 

2015: Migräne, Tinnitus] und Bg-act. M37 [seit Juni 2019 Schwindel, 

Hörverminderung, Tinnitus]). Dennoch ist mit dem Chiropraktor S._____ 

im Dezember 2020 festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin vor dem 

Unfall nicht wegen Kopf, Nacken, Rücken, Augen, Gehör, Psyche oder 

anderem in Behandlung stand (Bg-act. M47). Die Intensität (Tinnitus, 

andauernd und in Stresssituationen lauter; Migräne öfters und heftiger) 

und Frequenz der Kopfschmerzen und des Tinnitus verstärkte sich 

gemäss Aktenlage nach dem Unfall jedenfalls frappant (vgl. Bf-act. 3, 4, 5, 

23; Bg-act. A13, M9, M14, M17, M47, M77, M92). Zudem kamen mit dem 

Unfall eine Vielzahl zusätzlicher Beschwerden hinzu wie Nacken-

schmerzen, Photo-/Phonophobie, Konzentrations- und Aufmerksamkeits-

störungen, starke Stresssymptome in Zuständen der Reizüberflutung und 

bei Erinnerungen (Schweissausbrüche, Herzrasen, psychomotorische 

Anspannung, Atemnot), Gedankenkreisen, Angst- und Panikattacken, 

- 33 -

Flashbacks, Albträume, Trauerzustände, Schlafstörungen, Erschöpfung, 

Antriebsmangel, Vergesslichkeit, Parästhesien, Nervosität, Schreckhaftig-

keit, sozialer Rückzug, Vermeidungsverhalten von Orten (Flüelapass) und 

Situationen (Töfffahren, Einsteigen in Seilbahn, Velofahren), 

Überforderung durch zu viele Reize und Informationen – davon zu einem 

grossen Teil und teils wechselhaft – über den 31. Dezember 2021 hinaus 

(siehe z.B Z._____-Austrittsberichte Bf-act. 16 und 17 S. 2; Bg-act. M86, 

M96 S. 2; vgl. auch Bf-act. 4, 5; Bg-act. A87; M10, M11, M14, M17, M35, 

M47).

4.4.5. Diese Beschwerden führten zu den psychiatrischen Diagnosen der 

dissoziativen Amnesie (ICD-10: F44.0) und Anpassungsstörung nach 

Trauerfall (ICD-10: 43.2; vgl. Bericht der F._____ vom 11. November 2020 

[Bf-act. 4; Bg-act. M14]) sowie der PTBS (ICD-10: F43.1; vgl. Bericht von 

Dr. med. J._____ und Dipl.-Psych. X._____ vom 18. Mai 2021 [Bf-act. 9; 

Bg-act. M67]); mehrfach bestätigt durch die behandelnde 

Psychotherapeutin Dr. phil M._____ und die Klinik Z._____ [Bf-act. 13, 14, 

24; Bg-act. M86, M96]). Zusätzlich wurde durch die behandelnde 

Psychotherapeutin und die Klinik Z._____ die Diagnose einer 

mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10: F32.1) diagnostiziert (Bf-act. 

13, 16; Bg-act. M86). Zudem diagnostizierte Dr. med. L._____ am 

4. November 2021 ein chronisches posttraumatisches cervicothorakales 

Schmerzsyndrom und PTBS und empfahl eine weitere stationäre 

Rehabilitation (Bf-act. 11; Bg-act. M80; so auch am 22. Dezember 2021 

[Bg-act. M82]). Pract. med. AA._____ vom RAD beider I._____ (Bf-act. 22) 

und die Klinik Z._____ (Schreiben vom 8. August 2023 [Bf-act. 24]) ordnen 

die Diagnose PTBS (Kernsymptome: Intrusionen, Flashbacks, Hyper-

arousal, Vermeidungsverhalten) klar dem Unfallereignis zu. Die 

psychischen Beschwerden, die auf das Kollisionsereignis vom 27. Juni 

2020 zurückgehen, sollen in Anwendung der Schleudertrauma-Praxis bei 

- 34 -

der Adäquanzprüfung berücksichtigt werden. Letzten Endes aber kann 

sogar offengelassen werden, ob die Psycho-Praxis oder die 

Schleudertrauma-Praxis zur Anwendung kommt, wie nachfolgend 

ausgeführt wird.

4.4.6. Festzuhalten ist überdies, dass auf die versicherungsmedizinischen 

Beurteilungen des Chirurgen Dr. med. Y._____ und des Neurologen 

Dr. med. P._____ nicht abgestellt werden kann, da sie die psychischen 

bzw. die organisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden nicht 

berücksichtigen. So hielt Dr. med. Y._____ in seiner Leistungsbeurteilung 

vom 22. Mai 2021 aus rein somatischer Sicht fest, der Status quo ante 

bezüglich HWS-Distorsion und der Status quo sine betreffend Tinnitus und 

Schwindelattacken seien spätestens Ende 2020 erreicht worden (Bg-act. 

M72). Dr. med. P._____ folgerte in seiner neurologischen Akten-

beurteilung vom 1. März 2023 im Wesentlichen, die Versicherte habe eine 

leichte traumatische Hirnverletzung sowie eine HWS-Distorsion, bei der es 

sich nicht um ein Schleudertrauma im landläufigen Sinn handle, erlitten. 

Auf neurologischem Fachgebiet bestünden keine unfallkausalen 

Symptome. Die Verstärkung des Tinnitus könne mangels struktureller 

Schädigung des Hirns und unfallbedingter Schädigung des Gehörs nicht 

natürlich kausal auf eine unfallbedingte organische Schädigung des 

Nervensystems zurückgeführt werden. Dasselbe gelte bezüglich 

Kopfschmerzen (Migräne), teilweise mit Schwindel (vestibuläre Migräne) 

verbunden (Bf-act. 19; Bg-act. M95).

4.5. Ausgangspunkt der Adäquanzbeurteilung bildet das objektiv erfassbare 

Unfallereignis. Im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise ist zu 

untersuchen, ob der Unfall eher als leicht, als mittelschwer oder als schwer 

erscheint, wobei im mittleren Bereich gegebenenfalls eine weitere 

Differenzierung nach der Nähe zu den leichten oder schweren Unfällen 

erfolgt. Während die Beschwerdeführerin das Unfallereignis als schweren 

- 35 -

Unfall oder als mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den schweren 

Unfällen qualifiziert, hält die Beschwerdegegnerin an der Qualifikation als 

mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den schweren Unfällen fest. Die 

Unfallschwere bestimmt sich nach dem augenfälligen Geschehensablauf 

mit den sich dabei entwickelnden Kräften. Irrelevant sind die Unfallfolgen 

oder Begleitumstände, die nicht direkt dem Unfallgeschehen zugeordnet 

werden können; solchen Faktoren ist gegebenenfalls bei den Adäquanz-

kriterien Rechnung zu tragen (vgl. BGE 148 V 301 E.4.3.1, 140 V 356 

E.5.1 und 134 V 109 E.2.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_592/2023 vom 

30. Januar 2024 E.7, 8C_581/2022 vom 15. Juni 2023 E.5.2, 

8C_698/2022 vom 3. Mai 2023 E.5.1, 8C_429/2022 vom 3. Mai 2023 

E.5.3.3, 8C_596/2022 vom 11. Januar 2023 E.4.4.1).

4.5.1. Grundsätzlich sind Kollisionen zwischen Motorrädern und Personen-

wagen als mittelschwere Unfälle im engeren Sinn zu qualifizieren, sofern 

nicht zusätzliche erschwerende Umstände dazukommen wie beispiels-

weise die Beteiligung einer mitfahrenden Person, das Wegschleudern 

über mehrere Meter, die Grösse/Art und damit die Wucht des 

Kollisionsfahrzeugs oder hohe Geschwindigkeiten (Urteile des 

Bundesgerichts 8C_698/2022 vom 3. Mai 2023 E.5.2, 8C_429/2022 vom 

3. Mai 2023 E.5.3.4, 8C_627/2019 vom 10. März 2020 E.5.3.3).

4.5.2. Gemäss Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 

5. November 2020 (Bf-act. 2) lenkte der verstorbene AB._____ das 

Motorrad der Marke Kawasaki VN 1700 C. Tourer auf der Strasse von 

Davos in Richtung Flüelapass mit angepasster Geschwindigkeit. Dabei 

legte er sich in einer unübersichtlichen Rechtskurve ohne Dritteinwirkung 

derart in die Kurve, dass die seitliche Fahrzeugverschalung den Boden 

berührte, das Hinterrad den Bodenkontakt verlor und das Gefährt 

schliesslich auf die Gegenfahrbahn geriet. Dort prallte das Motorrad 

exzentrisch frontal gegen ein korrekt aus der Gegenrichtung 

- 36 -

herannahendes Wohnwagengespann, bestehend aus einem PW Volvo 

XC60 und dem Wohnanhänger Hobby 24 EGC. Dieses geriet durch den 

Aufprall über den orografisch rechten Strassenrand hinaus in das dort steil 

abfallende Gelände. Die beteiligten Fahrzeuge prallten demnach 

ungebremst ineinander. Der Aufprall geschah frontal in/unter das 

Wohnwagengespann, d.h. der massiv grosse PW samt Wohnwagen und 

die Aufprallgeschwindigkeit absorbierten das leichtere Motorrad (vgl. auch 

Urteil des Bundesgerichts 8C_698/2022 vom 3. Mai 2023 E.6.3.3 mit 

weiteren Hinweisen). Die Kollisionsgeschwindigkeit des Motorrads von 

30 km/h, wie sie der unfallanalytische Gutachter errechnete, erscheint 

nicht schlüssig, da unmittelbar vor der Kollision Geschwindigkeiten von ca. 

57.6 km/h (Punkt 6-7), ca. 64.9 km/h (Punkt 7-8) und ca. 56.6 km/h (Punkt 

8-9) und an der Kollisionsstelle 38.5 km/h berechnet wurden (Bg-act. A325 

S. 12 f.). Damit ist die Geschwindigkeit des entgegenkommenden 

Wohnwagengespanns noch nicht berücksichtigt, so dass bei einem 

ungebremsten Ineinanderprallen der beiden Fahrzeuge eine weitaus 

höhere Kollisionsgeschwindigkeit als die berechneten 30 km/h resultieren 

musste. Fahrzeugschäden, Spuren, Endlagen etc. wurden nicht berück-

sichtigt. Die Beschwerdeführerin als Sozia wurde meterweise 

weggeschleudert, so befand sich ihre Endlage einige Meter von der 

Kollisionsstelle entfernt. Es ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin 

mehrfach mit dem Kopf auf dem Boden aufprallte und ihr Lebenspartner 

am Unglücksort verstarb.

4.5.3. Die Zuordnung der Beschwerdegegnerin zu einem mittelschweren Unfall 

im Grenzbereich zu einem schweren Unfall ist nach Auffassung des 

streitberufenen Gerichts im Rahmen der Kasuistik, wonach Kollisionen 

zwischen Personenwagen und Motorrad grundsätzlich als mittelschwere 

Unfälle im engeren Sinn qualifiziert werden, nicht zu beanstanden, weil die 

Beschwerdegegnerin doch zusätzlich erschwerende Umstände 

- 37 -

(Kräfteeinwirkung [Wohnwagengespann kam von Strasse ab; vgl. 

unfallanalytisches Gutachten, Bg-act. A325], Wegschleudern der 

Beschwerdeführerin über mehrere Meter, frontales Aufeinanderprallen 

sowie Todesfolge des Motorradlenkers) berücksichtigte. Damit genügt für 

die Bejahung der Adäquanz bereits das Vorliegen eines einzigen 

Kriteriums, ohne dass es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein 

müsste (vgl. BGE 148 V 301 E.4.4.1; Urteile des Bundesgerichts 

8C_698/2022 vom 3. Mai 2023 E.6.4, 8C_58/2022 vom 23. Mai 2022 

E.4.4.1). Nachfolgend sind deshalb die Adäquanzkriterien in Anwendung 

der Schleudertrauma-Praxis zu prüfen.

4.6. Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder 

besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls, welches im Übrigen bei der 

Psycho- wie auch Schleudertrauma-Praxis identisch ist, beurteilt sich 

objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens bzw. des 

Angstgefühls der versicherten Person. Zudem ist jedem mindestens 

mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit inhärent, welche 

somit noch nicht für die Bejahung dieses Kriteriums ausreichen kann. Im 

Rahmen dieses Kriteriums wird nur das Unfallgeschehen an sich und nicht 

allfällige dabei erlittene Verletzungen oder der nachfolgende Heilungs-

prozess betrachtet (siehe Urteile des Bundesgerichts 8C_429/2022 vom 

3. Mai 2023 E.5.4.2, 8C_627/2019 vom 10. März 2020 E.5.4.1).

4.6.1. Die Beschwerdeführerin sieht dieses Kriterium in ausgeprägter, zumindest 

aber in einfacher Form erfüllt. Die Beschwerdegegnerin verneint dies 

hingegen, insbesondere mit dem Argument, dass sich die Beschwerde-

führerin nicht an das Ereignis erinnern könne (vgl. angefochtener 

Einspracheentscheid [Bf-act. 1 S. 13; Bg-act. A351 S. 13]; Akten-

beurteilung des Neurologen Dr. med. P._____ in Bg-act. M95 S. 13).

- 38 -

4.6.2. Bei Autounfällen ist von besonders dramatischen Begleitumständen bzw. 

einer besonderen Eindrücklichkeit auszugehen, wenn der im gleichen 

Fahrzeug mitfahrende nahe Verwandte beim Unfall verstirbt (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts 8C_365/2010 vom 23. August 2010 E.3.1; vgl. auch 

Urteil des Bundesgerichts 8C_692/2010 vom 10. November 2010 E.5.1 

und E.4.1, je mit weiteren Hinweisen). Diesen Sachumständen kommt der 

vorliegende Sachverhalt sehr nahe, starb doch der Motorradlenker und 

Lebenspartner der Beschwerdeführerin noch am Unglücksort. Es ist daher 

auch in Bezug auf die Beschwerdeführerin als Sozia davon auszugehen, 

dass für sie als Beifahrerin bei diesem Unfallgeschehen Lebensgefahr 

bestanden haben muss, womit die besonders dramatischen Begleit-

umstände und die besondere Eindrücklichkeit des Kollisionsunfalls 

zwischen dem Motorrad und dem Wohnwagengespann mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit erstellt sind. Zumindest in einfacher Form, wenn nicht 

gar in ausgeprägter Form; was angesichts der Unfallschwere aber nicht 

massgebend ist. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin eine 

teilweise Amnesie erlebte – je nach Version ab dem Aufprall mit einem 

Unterbruch bis ins Spital (vgl. Bericht der F._____ vom 11. November 

2020 [Bf-act. 4 S. 3; Bg-act. M14]) oder ab der Abfahrt in Lenzerheide bis 

ins Spital – mit einer kleinen Erinnerung an den Helikopter am Unfallort 

(vgl. Bericht der F._____ vom 11. Dezember 2020 [Bg-act. M17 S. 8]; 

Bericht des AC._____ vom 5. Februar 2021 [Bg-act. M52 S. 2]) – vermag 

dieses Kriterium nicht zu schmälern, beurteilt es sich doch objektiv und 

nicht aufgrund des subjektiven Empfindens bzw. der subjektiv 

einsetzenden Amnesie der versicherten Person. Relevant ist nur das 

Unfallgeschehen an sich.

4.6.3. Die Beschwerdegegnerin liess im angefochtenen Einspracheentscheid die 

Frage nach dem natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem 

Unfallereignis vom 27. Juni 2020 und den organisch nicht hinreichend 

- 39 -

nachweisbaren Beschwerden offen, weil sie die Adäquanz verneinte (Bf-

act. 1 S. 8 und 13 f.; Bg-act. A351 S. 8 und 13 f.), was nach dem 

Ausgeführten indessen nicht bestätigt werden kann. Obschon nicht 

auszuschliessen ist, dass die Adäquanz in casu zu bejahen sein wird, ist 

rechtsprechungsgemäss derzeit keine abschliessende Beurteilung der 

Adäquanz vorzunehmen, fällt die Bejahung des adäquaten Kausal-

zusammenhangs doch erst in Betracht, wie nachfolgend verdeutlicht wird. 

Praxisgemäss kann die Frage, ob ein natürlicher Kausalzusammenhang 

zwischen den medizinisch nicht hinreichend nachweisbaren Beschwerden 

und dem Unfall besteht, bei Verneinung der adäquaten Kausalität 

offengelassen werden (vgl. BGE 148 V 301 E.4.5.1, 148 V 138 E.5.1.2, 

135 V 465 E.5.1 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 8C_698/2022 

vom 3. Mai 2023 E.7.2.1, 8C_409/2021 vom 15. September 2021 E.6.2, 

8C_438/2020 vom 22. Dezember 2020 E.4.1). Nicht zulässig ist nach der 

Rechtsprechung hingegen, den adäquaten Kausalzusammenhang 

zwischen allfälligen psychischen resp. organisch nicht hinreichend 

nachweisbaren Beschwerden und einem Unfallereignis zu bejahen, bevor 

die sich in tatsächlicher Hinsicht stellenden Fragen bezüglich der Natur 

der gesundheitlichen Beeinträchtigungen und des natürlichen 

Kausalzusammenhangs gutachterlich geklärt sind (BGE 148 V 301 

E.4.5.1, 148 V 138 E.5.1.2, 147 V 207 E.6.1; Urteile des Bundesgerichts 

8C_698/2022 vom 3. Mai 2023 E.7.2.1, 8C_427/2022 vom 28. Februar 

2023 E.6.1, 8C_409/2021 vom 15. September 2021 E.6.2). Ein solches 

Vorgehen wäre zunächst widersprüchlich, da die Leistungspflicht eines 

Unfallversicherers gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG voraussetzt, dass zwischen 

dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher 

Kausalzusammenhang besteht. Ohne verlässliche medizinische 

Entscheidungsgrundlagen, welche sich über das Vorliegen psychischer 

Beschwerden, deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sowie den 

natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfallereignis äussern, kann aus 

- 40 -

rechtlicher Sicht nicht darauf geschlossen werden, einem Unfallereignis 

komme für die Entstehung einer psychisch bedingten Arbeits- oder 

Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zu. Zudem wäre die 

vorhergehende Anerkennung eines adäquaten Kausalzusammenhangs 

allenfalls geeignet, den psychiatrischen Experten – ob bewusst oder 

unbewusst – in seiner Einschätzung zu beeinflussen und dadurch das 

Ergebnis einer im Nachhinein vorgenommenen medizinischen Beurteilung 

zu verzerren (BGE 148 V 301 E.4.5.1, 148 V 138 E.5.1.2, 147 V 207 E.6.1; 

Urteile des Bundesgerichts 8C_698/2022 vom 3. Mai 2023 E.7.2.1, 

8C_409/2021 vom 15. September 2021 E.6.2).

4.6.4. Eine solche Prüfung hat die Beschwerdegegnerin nicht vorgenommen, da 

sie den adäquaten Kausalzusammenhang und damit eine der Leistungs-

voraussetzungen verneinte. Da ihrer Einschätzung nicht gefolgt werden 

kann, ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit 

sie die betreffenden Fragen gutachterlich abklärt. Danach wird sie über 

den Anspruch der Beschwerdeführerin betreffend deren organisch nicht 

hinreichend nachweisbare Beschwerden neu zu befinden haben (vgl. 

BGE 148 V 138 E.5.4). In diesem Zusammenhang ist auch darauf 

hinzuweisen, dass nach der Rechtsprechung bei psychischen Leiden 

unabhängig deren diagnostischer Einordnung auf objektivierter 

Beurteilungsgrundlage zu prüfen ist, ob eine rechtlich relevante Arbeits- 

und Erwerbsunfähigkeit nachzuweisen ist (BGE 143 V 409 E.4.5.2, 141 V 

574 E.5.2, wonach die im Hinblick auf einen IV-Rentenanspruch erfolgte 

Rechtsprechungsänderung gemäss BGE 141 V 281 sinngemäss auch im 

Bereich des UVG Anwendung finden soll, sofern zwischen dem Unfall und 

den Beschwerden ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang 

besteht; vgl. ferner BGE 148 V 138 E.5.4 mit Hinweis auf BGE 141 V 574 

E.5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_437/2021 vom 25. November 2021 

E.6). Das Adäquanz-Kriterium der besonders dramatischen Begleit-

- 41 -

umstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls kann somit 

rechtsprechungsgemäss (vgl. BGE 148 V 301 E.4.5.1 mit weiteren 

Hinweisen, BGE 147 V 207 E.6.1 [übersetzt in: Die Praxis 6/2021 Nr. 69]) 

noch nicht abschliessend bejaht werden, aber dessen Bejahung ist auch 

nicht auszuschliessen – wie die Beschwerdegegnerin es im 

angefochtenen Eispracheentscheid tat, weshalb eine Rückweisung an 

diese zu weiteren Abklärungen zu erfolgen hat (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 8C_698/2022 vom 3. Mai 2023 E.7.2.1 f.). Der Vollständigkeit 

halber sind noch die weiteren Adäquanzkriterien zu prüfen.

4.7. Das Kriterium der besonderen Art oder Schwere der Verletzung wurde 

ursprünglich mit Bezug auf die psychischen Unfallfolgen entwickelt und 

betrifft insbesondere die erfahrungsgemässe Eignung einer Verletzung, 

psychische Fehlentwicklungen auszulösen. Übertragen auf die 

Schleudertrauma-Praxis gilt es als erfüllt, wenn die Unfallverletzung in 

besonderer Weise geeignet ist, eine intensive, dem typischen 

Beschwerdebild nach BGE 134 V 109 E.6.2.1 entsprechende Symp-

tomatik zu bewirken (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_593/2012 vom 

19. Dezember 2012 E.2.4.1). Eine Zusammenfassung der Kasuistik findet 

sich in BGE 140 V 356 E.5.5.1, namentlich betreffend die Psycho-Praxis, 

auf welche auch in Urteilen des Bundesgerichts verwiesen wird (vgl. etwa 

Urteil des Bundesgerichts 8C_620/2021 vom 14. Januar 2022 E.4.4), 

sowie hinsichtlich der Schleudertrauma-Praxis (vgl. dazu etwa BGE 134 V 

109 E.10.2.2 sowie Urteile des Bundesgerichts 8C_429/2022 vom 3. Mai 

2023 E.5.4.3, 8C_363/2012 vom 27. Juni 2012 E.4.3.2, 8C_46/2011 vom 

18. April 2011 E.5.2.1, 8C_742/2009 vom 13. September 2010 E.5.2.1, 

8C_51/2010 vom 21. Mai 2010 E.8.2.1, 8C_987/2008 vom 31. März 2009 

E.6.2). Die Beschwerdegegnerin sieht das Kriterium nicht erfüllt, da es sich 

allesamt (leichte traumatische Hirnverletzung, HWS-Distorsion und 

nochmaliges Nähen von zuvor arthroskopiertem Knie) um Verletzungen 

- 42 -

handle, die nicht geeignet seien, eine psychische Fehlentwicklung 

auszulösen (Anwendung der Psycho-Praxis). Die Beschwerdeführerin 

macht die Erfüllung dieses Kriteriums hingegen geltend, da nebst der 

HWS-Distorsion auch eine (leichte) traumatische Hirnverletzung 

vorgelegen habe und das bunte Beschwerdebild mit Kopfschmerzen, 

Konzentrationsstörungen, Schwindel, Schweissausbrüche, Tinnitus, etc. 

im Sinne einer Chronifizierung langanhaltend gewesen sei und zusätzlich 

eine neuropsycholog Einschränkung vorliege. Dieses Adäquanz-Kriterium 

kann somit rechtsprechungsgemäss (vgl. BGE 148 V 301 E.4.5.1 mit 

weiteren Hinweisen; BGE 147 V 207 E.6.1 [übersetzt in: Die Praxis 6/2021 

Nr. 69]) noch nicht abschliessend bejaht werden, aber dessen Bejahung 

ist auch nicht auszuschliessen, wie die Beschwerdegegnerin es im 

angefochtenen Einspracheentscheid tat.

4.8.1. Hinsichtlich des Kriteriums der fortgesetzt spezifischen, belastenden 

ärztlichen Behandlung im Sinne der Schleudertrauma-Praxis bzw. der 

ungewöhnlich langen Dauer einer ärztlichen Behandlung im Sinne der 

Psycho-Praxis ist festzuhalten, dass im Sinne der Schleudertrauma-Praxis 

nach dem Unfall fortgesetzt eine spezifische, die versicherte Person 

belastende ärztliche Behandlung bis zum Fallabschluss notwendig 

gewesen sein muss. Das Kriterium ist objektiv zu beurteilen und nicht 

aufgrund des subjektiven Empfindens der versicherten Person (vgl. Urteile 

des Bundesgerichts 8C_493/2018 vom 12. September 2018 E.5.3.2, 

8C_438/2009 vom 3. September 2009 E.4.6 und 8C_80/2009 vom 5. Juni 

2009 E.6.4). Blosse medizinische Abklärungen, (haus-)ärztliche Verlaufs-

kontrollen sowie manualtherapeutische Massnahmen in Form von Physio- 

und Ergotherapie und medikamentöse Schmerzbekämpfung stellen keine 

ärztliche Behandlung im Sinne dieses Kriteriums dar (vgl. Urteile des 

Bundesgerichts 8C_596/2022 vom 11. Januar 2023 E.4.5.4, 8C_394/2022 

vom 8. November 2022 E.9.1, 8C_582/2021 vom 11. Januar 2022 E.12.5, 

- 43 -

8C_674/2019 vom 3. Dezember 2019 E.4.3, 8C_791/2014 vom 1. April 

2015 E.4.2.4, 8C_765/2014 vom 9. Februar 2015 E.11.3, 8C_711/2010 

vom 14. Januar 2011 E.5.3.3). Dieses Kriterium ist zudem nicht allein nach 

einem zeitlichen Massstab zu beurteilen, sondern es sind auch Art und 

Intensität der Behandlung von Bedeutung sowie der Umstand, inwieweit 

noch eine Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist. Es 

muss, gesamthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen 

Planmässigkeit auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes 

gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer vorliegen 

(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_596/2022 vom 11. Januar 2023 

E.4.5.4, 8C_627/2020 vom 10. Dezember 2020 E.4.1.2 mit Hinweis auf 

8C_137/2014 vom 5. Juni 2014 E.7.3).

4.8.2. Die Beschwerdegegnerin berücksichtigte in Anwendung der Psycho-

Praxis nur die physisch bedingte ärztliche Behandlung. Sie sah den 

Endzustand per Ende Dezember 2020 bzw. nach einem Zeitraum von ca. 

sechs Monaten erreicht, was keine ungewöhnlich lange Dauer darstelle. 

Selbst dann nicht, wenn der Endzustand erst Ende Dezember 2021 

anzunehmen wäre, da ab Ende 2020 die Behandlung der psychischen 

Diagnosen längst im Vordergrund gestanden hätten. Irrelevant sei auch, 

dass weiterhin eine medikamentöse Schmerzbekämpfung, Physio- und 

Chirotherapie sowie Kontrolluntersuchungen stattgefunden hätten, 

könnten solche doch gemäss Rechtsprechung nicht berücksichtigt 

werden. Die Beschwerdegegnerin verneinte gestützt darauf die Erfüllung 

dieses Kriteriums. Die Beschwerdeführerin bejaht dies hingegen, weil die 

ärztliche Behandlung des bunten Beschwerdebildes und aller anderen 

Beschwerden über den von der Beschwerdegegnerin festgehaltenen 

Endzustand andauerte. Dieses Adäquanz-Kriterium kann somit 

rechtsprechungsgemäss (vgl. BGE 148 V 301 E.4.5.1 mit weiteren 

Hinweisen, BGE 147 V 207 E.6.1 [übersetzt in: Die Praxis 6/2021 Nr. 69]) 

- 44 -

noch nicht abschliessend bejaht, aber dessen Bejahung auch nicht 

ausgeschlossen werden, wie die Beschwerdegegnerin im angefochtenen 

Einspracheentscheid es aber tat.

4.9. Was das Kriterium der erheblichen Beschwerden nach Schleudertrauma-

Praxis betrifft, gilt es zu berücksichtigen, dass adäquanzrelevant nur in der 

Zeit zwischen dem Unfall und dem Fallabschluss ohne wesentlichen 

Unterbruch bestehende erhebliche Beschwerden sein können. Die 

Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der 

Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden 

im Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 109 E.10.2.4; Urteile des 

Bundesgerichts 8C_598/2020 vom 3. Dezember 2020 E.10.3, 

8C_616/2016 vom 4. November 2016 E.9, 8C_241/2012 vom 3. August 

2012 E.5.4, 8C_213/2011 vom 7. Juni 2011 E.8.2.3). Die Beschwerde-

gegnerin verneint das Vorliegen dieses Kriteriums. Die Beschwerde-

führerin bejaht es hingegen, weil die Dauerbeschwerden nun seit Jahren 

fortbestehen und die Beschwerdeführerin im Alltag massiv einschränkten. 

Dieses Adäquanz-Kriterium kann somit rechtsprechungsgemäss (vgl. 

BGE 148 V 301 E.4.5.1 mit weiteren Hinweisen, BGE 147 V 207 E.6.1 

[übersetzt in: Die Praxis 6/2021 Nr. 69]) noch nicht abschliessend bejaht 

werden, aber dessen Bejahung ist auch nicht auszuschliessen – wie es 

die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid jedoch 

tat.

4.10. Das Vorliegen des sowohl für die Schleudertrauma- als auch für die 

Psycho-Praxis geltenden Kriteriums einer ärztlichen Fehlbehandlung, 

welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmerte, ist gemäss 

Beschwerdeführerin irrelevant, eben so sieht es die Beschwerdegegnerin. 

Zudem ergeben sich in den Akten auch keine konkreten Hinweise darauf, 

dass die Beschwerdegegnerin dessen Vorliegen in zu beanstandender 

Weise verneint hätte.

- 45 -

4.11. Für die Bejahung des in der Schleudertrauma- als auch der Psycho-Praxis 

zu beachtenden Kriteriums des schwierigen Heilungsverlaufs oder der 

erheblichen Komplikationen bedarf es besonderer Umstände. Aus der 

blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwerden 

darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf geschlossen 

werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_511/2022 vom 8. Februar 

2023 E.7.2.3, 8C_582/2021 vom 11. Januar 2022 E.12.4, 8C_424/2020 

vom 24. September 2020 E.5.3). Es erfordert besondere Umstände, wie 

etwa weitere, den Heilungsverlauf wesentlich beeinträchtigende Krank-

heiten, welche die Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder 

verzögert haben. Der Umstand, dass trotz verschiedener Therapien keine 

Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte, genügt allein nicht (vgl. Urteile 

des Bundesgerichts 8C_511/2022 vom 8. Februar 2023 E.7.2.3, 

8C_582/2021 vom 11. Januar 2022 E.12.4 und 8C_542/2020 vom 

13. November 2020 E.6.2 mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin 

verneint dieses Kriterium. Die Beschwerdeführerin bejaht es dagegen, weil 

der Heilverlauf trotz unzähliger Therapien schwierig sei. Dieses 

Adäquanz-Kriterium kann somit rechtsprechungsgemäss (vgl. BGE 148 V 

301 E.4.5.1 mit weiteren Hinweisen, BGE 147 V 207 E.6.1 [übersetzt in: 

Die Praxis 6/2021 Nr. 69]) noch nicht abschliessend bejaht, aber dessen 

Bejahung auch nicht ausgeschlossen werden, wie es die Beschwerde-

gegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid tat.

4.12. Hinsichtlich der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener 

Anstrengungen im Rahmen der Schleudertrauma-Praxis bzw. des Grads 

und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit im Rahmen der 

Psycho-Praxis stellte die Beschwerdegegnerin auf die rein physische 

Betrachtungsweise der Arbeitsunfähigkeit ab. Da für die Kopfschmerzen, 

die vestibuläre Störung, die Konzentrationsstörungen und den Tinnitus 

kein organisches Korrelat gefunden worden sei, habe die Arbeits-

- 46 -

unfähigkeit keine physische Ursache, womit keine somatische Arbeits-

unfähigkeit habe bestehen können. Die physisch bedingte Arbeits-

unfähigkeit sei nur von relativ kurzer Dauer gewesen. Das Kriterium sei 

somit nicht erfüllt. Die Beschwerdeführerin bejaht hingegen dieses 

Kriterium, weil eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit bestehe und gewisse 

Beschwerden hinsichtlich des Einflusses auf die Arbeitsfähigkeit bisher 

gar nicht erst abgeklärt worden seien. Auch dieses Adäquanz-Kriterium 

kann somit rechtsprechungsgemäss (vgl. BGE 148 V 301 E.4.5.1 mit 

weiteren Hinweisen, 147 V 207 E.6.1 [übersetzt in: Die Praxis 6/2021 

Nr. 69]) noch nicht abschliessend bejaht werden, aber dessen Bejahung 

ist auch nicht auszuschliessen – wie die Beschwerdegegnerin es im 

angefochtenen Einspracheentscheid aber tat.

5.1. Da es sich beim Unfallereignis vom 27. Juni 2020 um einen mittel-

schweren Unfall im Grenzbereich zu den schweren Ereignissen handelt, 

genügt die Erfüllung eines der Adäquanzkriterien, um einen natürlichen 

Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis und den organisch nicht 

nachweisbaren Beschwerden als adäquat und damit als rechtsgenüglich 

erscheinen zu lassen (BGE 115 V 133). Der adäquate 

Kausalzusammenhang ist gemäss den vorstehenden Erwägungen 4.6 ff. 

– unter Berücksichtigung der Schleudertrauma-Praxis – nicht 

ausgeschlossen und über die Leistungspflicht der Unfallversicherung kann 

noch nicht entschieden werden, weil bezüglich dem Vorliegen der 

psychischen Beschwerden, deren allfälligen Auswirkungen auf die 

Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sowie dem natürlichen 

Kausalzusammenhang der gesundheitlichen Beeinträchtigungen zum 

Unfallereignis (Tatfrage) noch keine verlässlichen medizinischen 

Entscheidungsgrundlagen vorliegen. Es bedarf zunächst dieser 

Entscheidungsgrundlagen, welche mittels zusätzlicher medizinischer 

Abklärungen gutachterlich einzuholen sind (vgl. BGE 148 V 301 E.4.5.1 

- 47 -

mit weiteren Hinweisen, BGE 147 V 207 E.6.1 [übersetzt in: Die Praxis 

6/2021 Nr. 69]).

5.2. Die Beschwerde ist somit im Eventualbegehren gutzuheissen, der 

angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und die Sache an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie ein zumindest 

bidisziplinäres psychiatrisches und neurologisches sowie neuropsycho-

logisches externes Sachverständigengutachten, samt Indikatorenprüfung, 

einholt und danach über den Anspruch der Beschwerdeführerin neu 

entscheidet.

6.1. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG sind Verfahren vor dem kantonalen 

Versicherungsgericht bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, 

wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Die Sonder-

bestimmungen zur Rechtspflege gemäss Art. 105 ff. UVG sehen keine 

generelle Kostenpflicht vor. Damit sind unfallversicherungsrechtliche 

Beschwerdeverfahren über Leistungen in der Regel weiterhin kostenlos. 

Vorbehalten bleibt die Kostenauflage infolge mutwilligen oder 

leichtsinnigen Verhaltens (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis in fine 

ATSG). Für das vorliegende Verfahren sind keine Kosten zu erheben.

6.2. Die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zu weiteren Abklärungen 

und neuem Entscheid mit noch offenem Ausgang gilt als vollständiges 

Obsiegen (vgl. BGE 141 V 281 E.11.1, 137 V 210 E.7.1, 137 V 57 E.2.1; 

Urteile des Bundesgerichts 8C_562/2023 vom 29. Mai 2024 E.5, 

8C_527/2022 vom 13. September 2023 E.6.1, 8C_698/2022 vom 3. Mai 

2023 E.8, 8C_429/2021 vom 17. Mai 2022 E.7, 8C_604/2021 vom 

25. Januar 2022 E.12), weshalb die anwaltlich vertretene Beschwerde-

führerin gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf einen Parteikosten-

ersatz hat. Dieser wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne 

Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach 

- 48 -

der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g Satz 2 ATSG). 

Im Übrigen bestimmt sich die Bemessung des Parteikostenersatzes 

gemäss Art. 61 Ingress ATSG nach dem kantonalen Recht (vgl. Urteile 

des Bundesgerichts 8C_5/2022 vom 3. August 2022 E.5.1.1, 

9C_519/2020 vom 6. Mai 2021 E.2.2 und 8C_672/2020 vom 15. April 

2021 E.5.2). Gemäss Art. 78 VRG i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die 

Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte 

(Honorarverordnung, HV; BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach 

Ermessen des Gerichts festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der 

Honorarnote geltend gemachten (und als angemessen zu betrachtenden) 

Aufwand sowie (üblichen) Stundenansatz ausgeht. 

6.3. Die durch den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eingereichte 

Honorarnote vom 27. September 2023 über CHF 3'883.80 (bestehend 

aus: Arbeits-/Zeitaufwand von 14.4 Stunden à CHF 240.00 

[CHF 3'456.00] zzgl. 3 % Kleinspesenpauschale [CHF 103.70] zzgl. 7.7 % 

MWST [CHF 274.10]) ist nicht zu beanstanden und somit als 

Parteikostenersatz durch die Beschwerdegegnerin zu leisten.

- 49 -

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird der angefochtene 

Einspracheentscheid vom 4. Juli 2023 aufgehoben und die Sache wird an 

die B._____ AG zurückgewiesen, damit diese ein zumindest 

bidisziplinäres psychiatrisches und neurologisches sowie 

neuropsychologisches externes Sachverständigengutachten, samt 

Indikatorenprüfung, einholt und danach über den Anspruch von A._____ 

neu entscheidet.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

3. Die B._____ AG entschädigt A._____ aussergerichtlich mit CHF 3'883.80 

(inkl. Spesen und MWST).

4. [Rechtsmittelbelehrung].

5. [Mitteilungen].