# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a9249f7c-8f96-5ad5-a793-2998836b874e
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-12-22
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 22.12.2017 SB150411
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB150411_2017-12-22.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
II. Strafkammer    

 

 

 
 

    Geschäfts-Nr.: SB150411-O/U/ad 
 

Mitwirkend: Die Oberrichter Dr. Bussmann, Präsident, lic. iur. Ruggli und  

lic. iur. Stiefel sowie die Gerichtsschreiberin lic. iur. Karabayir 

 

 

Urteil vom 22. Dezember 2017 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich,  

Anklägerin und Berufungsklägerin 

sowie 

 

A._____,  

Privatkläger und Berufungskläger 

 

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____ 

gegen 

 

B._____,  

Beschuldigter und Berufungsbeklagter 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

 

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc. 
 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Affoltern vom  
14. September 2015 (DG150007) 

 

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_____________________________ 

 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 6. Mai 2015 

(Urk. 16) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz:  

1. Der Beschuldigte B._____ ist nicht schuldig und wird freigesprochen vom 

Vorwurf  

− der versuchten schweren Körperverletzung in Sinne von Art 122 StGB 

in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB, sowie vom Vorwurf 

− der Verübung einer Tat in selbstverschuldeter Unzurechnungsfähigkeit 

im Sinne von Art. 263 Abs. 1 StGB.  

2. Der Beschuldigte B._____ ist schuldig der Übertretung des Bundesgesetzes 

über die Betäubungsmittel im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG. 

3. Der Beschuldigte B._____ wird bestraft mit einer Busse von Fr. 500.–. Die 

Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, 

so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen. 

4. Die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen des Privatklägers werden 

auf den Zivilweg verwiesen.  

5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

21. April 2015 beschlagnahmten und beim Forensischen Institut Zürich 

(Transitlager KED) aufbewahrte Glasflasche resp. 1 Flaschenhals (zerschla-

gen, Marke Feldschlösschen, 33 cl, grün, Asservat Nr. A007'656'891) wird 

eingezogen und vernichtet. 

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6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

21. April 2015 beschlagnahmten und beim Forensischen Institut Zürich 

(Transitlager KED) aufbewahrten Gegenstände:  

− 1 Herrenhemd  
(Marke SMOG, rot/schwarz-kariert, Grösse L; Asservat 
Nr. A007'566'214) 

− 1 Herrenjeans 
(Marke G-Star, schwarz, Grösse 38/32; Asservat Nr. A007'566'190), 

− 1 Gürtel 
(Marke Mustang, schwarz, Länge ca. 105 cm; Asservat 
Nr. A007'566'225), 

werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden 

Urteils auf erstes Verlangen ausgehändigt. Wird die Aushändigung nicht in-

nert einem Jahr nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Entscheides 

verlangt, werden die Gegenstände vernichtet. 

7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 

21. April 2015 beschlagnahmten und beim Forensischen Institut Zürich 

(Transitlager KED) aufbewahrten Gegenstände  

− 1 Shirt  
(Marke WE LIVE DIFFERENT, hellblau, Grösse L, mit blutverdächtigen 
Anhaftungen; Asservat Nr. A007'567'068) 

− 1 Herrenhose 
(Marke ZM Zara Man Denim, grau, Grösse 40, mit blutverdächtigen 
Anhaftungen; Asservat Nr. A007'567'079), 

− 1 Pullover mit Kapuze 
(Marke DIVIDCD, schwarz, Grösse M, mit blutverdächtigen Anhaftun-
gen im Kragenbereich innenseitig; Asservat Nr. A007'567'080), 

− 1 Schuhe 
(Marke Converse All Star, schwarz, Grösse 42.5, mit blutverdächtigen 
Anhaftungen; Asservat Nr. A007'567'091), 

− 1 Herrensocken/Strümpfe 
(Marke Caterpillar, schwarz, Grösse 43-46,; Asservat 
Nr. A007'567'104), 

- 4 - 

werden dem Privatkläger nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Ur-

teils auf erstes Verlangen ausgehändigt. Wird die Aushändigung nicht innert 

einem Jahr nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Entscheides ver-

langt, werden die Gegenstände vernichtet. 

8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf  

Fr. 3'500.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 14'834.40 ; Untersuchungskosten (inkl. Kosten Vorverfahren und 
Auslagen); Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehal-
ten. 

9. Die Gerichtsgebühr sowie die Kosten der Untersuchung werden dem Be-

schuldigten im Umfang von 5% auferlegt. Im Umfang von 95% werden die 

genannten Kosten auf die Staatskasse genommen.  

10. Die Kosten für die amtliche Verteidigung durch Rechtsanwalt lic. iur. 

Y._____ in der Höhe von Fr. 14'971.70 (inkl. MwSt. sowie Teilnahme an 

Hauptverhandlung, An-/Rückreise und Nachbesprechung; act. 40) sowie die 

Kosten für die unentgeltliche Vertretung des Privatklägers durch Rechtsan-

walt Dr. iur. X._____ von Fr. 7'055.85 (inkl. MwSt. sowie 8 Stunden für Teil-

nahme an Hauptverhandlung, An-/Rückreise und Nachbesprechung; act. 38 

u. Prot. S. 8 ff.) werden vollumfänglich auf die Staatskasse genommen. 

11. Der Antrag des Beschuldigten auf Leistung einer Entschädigung in der Höhe 

von Fr. 750.– wird abgewiesen.  

12. Dem Beschuldigten wird aus der Staatskasse eine Genugtuung in der Höhe 

von Fr. 1'500.– ausbezahlt. Im Mehrbetrag wird seine Genugtuungsforde-

rung abgewiesen. 

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Berufungsanträge: 

a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:  

(Urk. 66/1 f.) 

" 1.  Es sei der Beschuldigte zusätzlich zum Schuldspruch wegen 
Übertretung des BetmG auch wegen  

  - eventualvorsätzlich versuchter schwerer Körperverletzung 
im Sinne von Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

  - eventualiter wegen Verübung einer Tat in selbstverschulde-
ter Unzurechnungsfähigkeit im Sinne von Art. 263 StGB 

  schuldig zu sprechen.  

 2. Es sei der Beschuldigte zusätzlich zur bereits ausgefällten Busse 
auch mit einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren, unter Anrechnung der 
erstandenen Haft zu bestrafen.  

 3. Es sei dem Beschuldigten der bedingte Strafvollzug zu gewähren, 
unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren.  

 4. Es sei dem Beschuldigten die Weisung zu erteilen, für die Dauer 
der Probezeit keinen Alkohol zu konsumieren und sich entspre-
chender Abstinenzkontrollen nach Weisungen des Justizvollzugs 
Kanton Zürich zu unterziehen.  

 5. Es seien die beschlagnahmten Kleider den jeweiligen Eigentü-
mern zurückzugeben. Im Übrigen seien die weiteren Beweismittel 
einzuziehen und der Kantonspolizei Zürich zur Vernichtung zu 
überlassen.  

 6. Es seien die Kosten des Vor- und Hauptverfahrens sowie des Be-
rufungsverfahrens dem Beschuldigten aufzuerlegen.  

 7. Es seien die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unent-
geltlichen Rechtsbeistandschaft des Privatklägers auf die Staats-
kasse zu nehmen." 

b) Des Vertreters der Privatklägerschaft: 

(Urk. 67 S. 2, 10, sinngemäss) 

1.  Schuldspruch 
Es sei der Beschuldigte B._____ der eventualvorsätzlich versuchten schwe-
ren Körperverletzung i.S.v. Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schul-
dig zu sprechen.  

2. Eventualantrag Schuldspruch 
Eventuell sei der Beschuldigte B._____ wegen vollendeter einfacher Körper-
verletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 und 2 al. 1 StGB schuldig zu sprechen.  

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3. Subeventualantrag Schuldspruch  

Für den Fall, dass der Beschuldigte B._____ zur Zeit der Tat schuldunfähig 
war, weil er nicht in der Lage war, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder 
gemäss dieser Einsicht zu handeln, sei er wegen Verübung einer Tat in 
selbstverschuldeter Unzurechnungsfähigkeit nach Art. 263 StGB schuldig zu 
sprechen.  

4. Zivilforderung Schadenersatz 
Es sei der Beschuldigte B._____ zu verpflichten, dem Privatkläger A._____ 
Schadenersatz von CHF 309.79 zzgl. 5% Zins seit 19. Oktober 2014 (für 
Erwerbsausfall und Wegkosten sowie für mit Blut befleckte Kleidungsstücke) 
zu bezahlen.  

5. Zivilforderung Genugtuung 
Es sei der Beschuldigte B._____ zu verpflichten, dem Privatkläger A._____ 
eine Genugtuung in Höhe von CHF 1'200.00 zzgl. 5% Zins seit 19. Oktober 
2014 zu bezahlen.  
6. Kosten unentgeltliche Vertretung Privatkläger  

Die Kosten für die unentgeltliche Vertretung des Privatklägers A._____ im 
Rechtsmittelverfahren seien auf die Staatskasse zu nehmen. Eventuell seien 
die Kosten für die unentgeltliche Verbeiständung des Privatklägers A._____ 
dem Beschuldigten B._____ aufzuerlegen, falls seine wirtschaftlichen Ver-
hältnisse ausreichend günstig sind. 

c) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 69 S. 1) 

" Die Berufungen der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich und 
des Privatklägers seien abzuweisen und das erstinstanzliche Urteil 
des Bezirksgerichts Affoltern vom 14. September 2015 sei vollum-
fänglich zu bestätigen;  

  

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 die Kosten des Berufungsverfahrens, die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung sowie die Kosten des unentgeltlichen Vertreters des Privat-
klägers seien auf die Gerichtskasse zu nehmen." 

_____________________________ 

 

Erwägungen: 

I. Prozessgeschichte und Prozessuales 

1. Mit Urteil des Bezirksgerichtes Affoltern vom 14. September 2015 wurde der 

Beschuldigte vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung und der 

Verübung einer Tat in selbstverschuldeter Unzurechnungsfähigkeit freigespro-

chen. Der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a 

Ziff. 1 BetmG befand die Vorinstanz den Beschuldigten für schuldig und bestrafte 

ihn mit einer Busse von Fr. 500.–. Für den Fall schuldhafter Nichtbezahlung der 

Busse wurde eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen festgesetzt. Mit den Scha-

denersatz- und Genugtuungsansprüchen wurde der Privatkläger auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen. Ferner wurde über die Einziehung bzw. Herausgabe 

von diversen beschlagnahmten Gegenständen entschieden. Die Kosten des Vor-

verfahrens und des gerichtlichen Verfahrens wurden zu 5% dem Beschuldigten 

auferlegt und im Übrigen auf die Gerichtskasse genommen. Schliesslich wurde 

ihm eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 1'500.– aus der Gerichtskasse zuge-

sprochen (Urk. 57 S. 25 ff.). 

2. Gegen dieses Urteil meldeten die Staatsanwaltschaft und der Privatkläger 

mit Eingabe vom 23. resp. 24. September 2015 rechtzeitig Berufung an (Urk. 50 

[Datum des Poststempels: 24. September 2015]; Urk. 51). Am 2. bzw. am 5. Ok-

tober 2015 gingen die jeweiligen Berufungserklärungen fristgerecht ein (Urk. 59 

f.). Nachdem diese dem Beschuldigten zugestellt wurden, verzichtete dieser auf 

eine Anschlussberufung (Urk. 61, 62/3 und 63). Beweisergänzungen wurden kei-

ne beantragt. In der Folge wurde zur Berufungsverhandlung auf den 29. Januar 

2016 vorgeladen (Urk. 64). 

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3. Nach durchgeführter Berufungsverhandlung wurde den Parteien mündlich 

eröffnet, dass die Sache noch nicht spruchreif sei und ein neues psychiatrisches 

Gutachten in Auftrag gegeben werde (Prot. II S. 24 f.). Gleichentags beauftragte 

das Gericht mittels Beschluss Prof. C._____ mit der Ausarbeitung eines psychiat-

rischen Gutachtens zur Schuldfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeitpunkt und 

zur allfälligen Notwendigkeit einer Weisung betreffend Alkoholabstinenz. Der Fra-

genkatalog wurden den Parteien zugestellt und ihnen Frist angesetzt, um sich fa-

kultativ zur Person des Gutachters und zu den Fragen zu äussern (Urk. 71 f.). In 

ihrer Stellungnahme vom 19. Februar 2016 beantragte die amtliche Verteidigung, 

die im Widerspruch zum Beschluss vom 29. Januar 2016 stehenden Fragen 5 –

12 des Kataloges zu streichen und diesen mit der Frage zu ergänzen, ob die Er-

teilung einer Weisung betreffend Alkoholabstinenz geeignet und erforderlich sei. 

Ausserdem wies die Verteidigung darauf hin, dass sie die Einholung eines weite-

ren Gutachtens als ungerechtfertigt erachte (Urk. 74 S. 2). Die Staatsanwaltschaft 

liess sich dazu nicht vernehmen. Mit Beschluss vom 7. März 2016 wurde der Fra-

genkatalog im Sinne der Anträge der Verteidigung geändert und den Parteien zu-

gestellt (Urk. 75 f.). Mit Schreiben vom selben Tag erging der Auftrag samt geän-

dertem Fragenkatalog und den gesamten Prozessakten an den Gutachter 

(Urk. 77; Urk. 78/1-3). 

4. Am 18. Juli 2016 ging das psychiatrische Gutachten vom 15. Juli 2016 beim 

Gericht ein (Urk. 86). Mit Präsidialverfügung vom 19. Juli 2016 wurde den Partei-

en das Gutachten zugestellt und ihnen Frist eingeräumt, um fakultativ zu diesem 

Stellung zu nehmen (Urk. 87). Mit Eingabe vom 27. August 2016 reichte die Ver-

teidigung innert erstreckter Frist ihre Stellungnahme ein und machte zusammen-

fassend geltend, das Gutachten vom 15. Juli 2016 leide in formeller und materiel-

ler Hinsicht an elementaren Mängeln und könne daher nicht verwertet werden 

(Urk. 91, insbes. S. 15 a.E.; vgl. nachfolgend, Erw. III.3.3. ff.). 

5. Ebenfalls mit Eingaben vom 27. August 2016 stellte die Verteidigung ein 

Ausstandsbegehren gegen die mit dem Fall befassten Oberrichter und die Ge-

richtsschreiberin (Urk. 93 S. 2 ff.) sowie gegen die am psychiatrischen Gutachten 

vom 15. Juli 2016 mitwirkenden Sachverständigen (Urk. 95 S. 2 ff.), nachdem die 

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an sie versandten Verfahrensakten mit einer Vielzahl von gelben Merkzetteln 

(post-it) versehen waren, welche Notizen und Anmerkungen enthielten (Urk. 93 

S. 3 ff.; Urk. 95 S. 3 ff.). 

5.1. Mit Schreiben vom 27. September 2016 überwies der Präsident der II. Straf-

kammer die Ausstandsbegehren inklusive der Stellungnahmen der Mitglieder des 

Spruchkörpers zur Behandlung an die I. Strafkammer (Urk. 99; Urk. 100/1–3). Mit 

Beschluss vom 14. März 2017 wies diese das Ausstandsgesuch gegen die Mit-

glieder des Spruchkörpers ab (Urk. 101). Wie sich aus diesem Erledigungsbe-

schluss ergibt (Urk. 101 S. 3), hatte der Präsident der I. Strafkammer mit Präsidi-

alverfügung vom 17. Oktober 2016 entschieden, dass die II. Strafkammer nach 

rechtskräftiger Erledigung der Ausstandsbegehren gegen die Mitglieder des 

Spruchkörpers für die Beurteilung des Ausstandsgesuches gegen am psychiatri-

schen Gutachten mitwirkenden Sachverständigen zuständig sei. Die vom Be-

schuldigten gegen die Abweisung der Ausstandsbegehren gegen die Mitglieder 

des Spruchkörpers erhobene Beschwerde (Urk. 102) wurde vom Bundesgericht 

mit Urteil vom 14. Juni 2017 abgewiesen (Urk. 105). 

5.2. Mit Präsidialverfügung vom 10. Juli 2017 wurde den Parteien Frist ange-

setzt, um sich zum Ausstandsbegehren gegen die am psychiatrischen Gutachten 

mitwirkenden Sachverständigen vernehmen zu lassen (Urk. 106). Mit Eingabe 

vom 12. Juli 2017 beantragte die Staatsanwaltschaft die Abweisung des Aus-

standsbegehrens (Urk. 108). Die Eingabe der Staatsanwaltschaft wurde der Ver-

teidigung und dem Privatkläger zugestellt (Urk. 109). Beide liessen sich nicht ver-

nehmen. Mit Beschluss eines nicht vorbefassten Spruchkörpers der II. Strafkam-

mer wurde das Ausstandsbegehren gegen die am psychiatrischen Gutachten vom 

15. Juli 2016 mitwirkenden Sachverständigen abgewiesen (Urk. 112). 

 Das Verfahren erweist sich nunmehr als spruchreich. 

6. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung 

(Art. 402 StPO). E contrario erwachsen die nicht von der Berufung erfassten 

Punkte in Rechtskraft (SCHMID, StPO-Praxiskommentar, 2. Auflage, Zürich/ 

St. Gallen 2013, N 1 zu Art. 402 StPO; Art. 437 StPO). Das Berufungsgericht 

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überprüft somit das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten 

(Art. 404 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft und der Privatkläger beantragten 

einen Schuldspruch wegen versuchter eventualvorsätzlicher schwerer Körperver-

letzung, Letzterer eventualiter wegen einfacher Körperverletzung bzw. wegen 

Verübung einer Tat in selbstverschuldeter Unzurechnungsfähigkeit. Die Staats-

anwaltschaft verlangt mit ihrer Berufung, den Beschuldigten mit einer bedingten 

Freiheitsstrafe von 2 Jahren zu bestrafen und diesem für die Dauer der Probezeit 

eine Weisung betreffend Alkoholabstinenz zu erteilen. Der Privatkläger beantrag-

te, den Beschuldigten zur Zahlung eines Schadenersatzes von Fr. 309.79 (zzgl. 

Zins) und einer Genugtuung von Fr. 1'200.– (zzgl. Zins) zu verpflichten (Urk. 66/1 

S. 1; Urk. 67 S. 2, 10). 

6.1. Unangefochten blieb der Schuldspruch gemäss Art. 19a Ziff. 1 BetmG und 

die dafür ausgefällte Busse von Fr. 500.– (Dispositiv-Ziffern 2 und 3 des vorin-

stanzlichen Urteils). Ferner wurden die Entscheide bezüglich der beschlagnahm-

ten Gegenstände (Dispositiv-Ziffern 5–7) nicht angefochten. 

6.2. Damit ist mittels Beschluss festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerich-

tes Affoltern vom 14. September 2015 bezüglich der Dispositiv-Ziffern 2 (Schuld-

spruch betr. BetmG), 3 (Busse), 5–7 (Einziehung/Vernichtung/Herausgabe) und 8 

(Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen ist. 

II.  Sachverhalt 

1.  Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten zusammengefasst vor, dem 

Privatkläger am 19. Oktober 2014, ca. 04.00 Uhr, im Verlaufe einer Meinungsver-

schiedenheit im "Club & Lounge D._____" in E._____ vorsätzlich eine Bierflasche 

so heftig ins Gesicht geschlagen zu haben, dass diese zersplittert sei, weshalb 

der Privatkläger diverse Schnittverletzungen im Gesicht erlitten habe. Der Be-

schuldigte soll dabei eine schwere Körperverletzung, namentlich den Verlust ei-

nes Auges oder die Verletzung eines Gesichtsnervs mit Lähmungsfolgen beim 

Privatkläger, in Kauf genommen haben (versuchte schwere Körperverletzung). 

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 Eventualiter soll sich der Beschuldigte durch übermässigen Alkoholkonsum 

vorsätzlich in den Zustand der Schuldunfähigkeit getrunken und in diesem Zu-

stand die oben beschriebene Tat begangen haben (Verübung einer Tat in selbst-

verschuldeter Unzurechnungsfähigkeit). 

2.  Der Beschuldigte bestreitet, derjenige gewesen zu sein, welcher dem Privat-

kläger eine Bierflasche ins Gesicht geschlagen habe. Er macht geltend, sich in 

Bezug auf die Geschehnisse zum Tatzeitpunkt an nichts zu erinnern. Ferner stellt 

er in Abrede, dass es sich bei der sichergestellten Bierflasche um diejenige han-

delt, welche dem Privatkläger ins Gesicht geschlagen wurde (Urk. 2/2 Nr. 4 - 6, 8, 

32, 34; Urk. 13/7 S. 2 f.; Urk. 43 S. 10, 13 - 15, 17 f.; Urk. 47 S. 3, 13 f.; Urk. 69 

S. 2 ff.; Prot. II S. 10 ff.). 

3. Da der anklagebildende Sachverhalt bestritten wird, ist zu überprüfen, ob 

dieser mit den zur Verfügung stehenden Beweismitteln rechtsgenügend erstellt 

werden kann. Hierbei ist der Grundsatz der freien Beweiswürdigung zu beachten 

(Art. 10 Abs. 2 und 3 StPO). Die Vorinstanz hat zutreffende Erwägungen zu den 

allgemeinen Grundsätzen der Beweiswürdigung gemacht, so dass darauf verwie-

sen werden kann (Urk. 57 S. 8 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend bleibt festzu-

halten, dass auch indirekte, mittelbare Beweise, sogenannte Anzeichen oder Indi-

zien, einen für die Beweisführung bedeutsamen Schluss erlauben. Da ein Indiz 

immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat 

hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die Möglichkeit des Andersseins offen, ent-

hält daher auch den Zweifel (WALDER, Der Indizienbeweis im Strafprozess, ZStrR 

108/1991, S. 309; DERSELBE, Die Beweisführung in Strafsachen, insbesondere 

der Indizienbeweis, Zürich 1974/75, S. 49). Es ist jedoch zulässig, aus der Ge-

samtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich allein betrachtet nur mit 

einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache oder Täterschaft 

hindeuten und insofern Zweifel offenlassen, auf den vollen rechtsgenügenden 

Beweis von Tat oder Täter zu schliessen (Urteile des Bundesgerichtes 

6B_365/2009 vom 12. November 2009 E. 1.4, 6B_332/2009 vom 4. August 2009 

E. 2.3 mit Hinweisen, und 6B_297/2007 vom 4. September 2007 E. 3.4). Der Indi-

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zienbeweis ist dem direkten Beweis gleichwertig (HAUSER/SCHWERI/HARTMANN, 

Schweizerisches Strafprozessrecht, Basel/Genf/München 2005, § 59 N 14 f.). 

4. Als Beweismittel zur Erstellung des Anklagesachverhaltes liegen die Aussa-

gen des Privatklägers (Urk. 3/1-5), diverser Zeugen (Urk. 1/1 S. 5 f.; Urk. 4/1-3 

und 4/7-11; Urk. 42) und des Beschuldigten vor (Urk. 2/1-6; Urk. 13/7; Urk. 43; 

Prot. II S. 6 ff.). Zudem sind ärztliche Unterlagen über den Privatkläger (Urk. 5/1 

f.; Urk. 5/5; Urk. 7/7-9), diverse Gutachten betreffend den Beschuldigten  

(Urk. 7/2-4; Urk. 8/6 und Urk. 86), diverse Fotos (Urk. 6/1-3) und zwei Kurzberich-

te betreffend sichergestellte DNA-Spuren (Urk. 6/6 und 6/9) vorhanden. 

5. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage zu einem grossen Teil auf die 

Aussagen des Privatklägers. Diese werden von der Vorinstanz als "reduziert" 

glaubhaft qualifiziert (Urk. 57 S. 13 - 16). Dieser Würdigung kann aus den nach-

folgend darzulegenden Gründen nicht gefolgt werden. 

5.1. Der Privatkläger schilderte den Tathergang, die eigentliche Tat und die Ge-

schehnisse kurz nach der Tat spontan, stimmig und detailliert. Weitgehend de-

ckungsgleich führte er zusammengefasst aus, dass er den Beschuldigten zuvor 

noch nie gesehen habe und ihn nicht kenne (Urk. 3/1 Nr. 5; Urk. 3/4 Nr. 6). Er ha-

be ihn zum ersten Mal gesehen, als er sich auf der Tanzfläche mit F._____ unter-

halten habe (Urk. 3/1 Nr. 7; Urk. 3/3 Nr. 9). Der Beschuldigte habe sich immer 

wieder zwischen ihn und F._____ gedrängt. F._____ habe sich vom Beschuldig-

ten gestört gefühlt. Nachdem er sie mit Tanzen abzuschirmen versucht habe, ha-

be er den Beschuldigten normal aufgefordert, sie in Ruhe zu lassen (Urk. 3/1 Nr. 

6; Urk. 3/3 Nr. 9). Dann habe ihm der Beschuldigte gesagt, dass F._____ die Kol-

legin seiner Cousine sei, weshalb er zu ihr gehen werde und könne. Er habe ge-

lacht und dem Beschuldigten nochmals deutlichzumachen versucht, dass 

F._____ das nicht wolle, worauf der Beschuldigte ihn schliesslich aufgefordert ha-

be, die Angelegenheit draussen zu regeln. Er sei darauf nicht eingegangen (Urk. 

3/1 Nr. 6, 10; Urk. 3/3 Nr. 9; Urk. 3/5 Nr. 13 - 15, 29 f.). Dann habe der Beschul-

digte ihn angegrinst und von irgendwoher eine kleine Feldschlösschen Bierflasche 

genommen (Urk. 3/1 Nr. 6, 11; Urk. 3/3 Nr. 9 f., 12) und ihm diese Flasche völlig 

unerwartet und aus dem Nichts heraus quer über das Gesicht geschlagen (Urk. 

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3/1 Nr. 6, 10, 12, 20; Urk. 3/3 Nr. 10 f., 13, 40 f.). Danach sei der Beschuldigte mit 

ihm hinausgegangen, wobei er glaube, dass der Beschuldigte ihn hinausge-

schleppt bzw. ihn die Treppe hinuntergeschubst und noch etwas zu ihm gesagt 

habe (Urk. 3/1 Nr. 6; Urk. 3/3 Nr. 13, 40 - 42; Urk. 3/5 Nr. 39). Dann sei die 

Security gekommen. Was anschliessend geschehen sei, könne er nicht sagen 

(Urk. 3/1 Nr. 6; Urk. 3/3 Nr. 43). Diese Schilderungen erscheinen durch die Ver-

flechtung mit den eigenen Gefühlsregungen wirklich erlebt und lebensecht 

(Urk. 3/1 Nr. 10, 16; Urk. 3/2 Nr. 8; Urk. 3/3 Nr. 26). Die Detailtreue und Konstanz 

der Aussagen spricht für deren Glaubhaftigkeit. 

5.2. Ferner weist der Umstand, dass die Aussagen des Privatklägers sich zu   

einem stimmigen Ganzen zusammenfügen lassen und in der chronologischen Ab-

folge logisch sind, auf deren Glaubhaftigkeit hin. Als weiteres Wahrheitssignal ist 

zu werten, dass der Privatkläger sich mit seinen belastenden Aussagen zurück-

hält und angibt, wo er unsicher ist (nur einen Schlag mit Flasche: Urk. 3/1 Nr. 13; 

nur benommen, nicht bewusstlos geworden: Urk. 3/1 Nr. 14; nicht gesehen zu 

haben, woher der Beschuldigte die Bierflasche hatte: Urk. 3/1 Nr. 6 und Urk. 3/3 

Nr. 13, 14; nicht gesehen zu haben, wer die Bierflasche ins Gesicht geschlagen 

hat: Urk. 3/3 Nr. 15; bez. weitere Personen in unmittelbarer Nähe: Urk. 3/3 Nr. 21; 

betreffend Zustand des Beschuldigten: Urk. 3/3 Nr. 33, 38). 

5.3. Entgegen den Ausführungen der Verteidigung und den Erwägungen der   

Vorinstanz (Urk. 47 S. 3 ff.; Urk. 57 S. 15; Urk. 69 S. 5 – 8) wirken insbesondere 

seine Aussagen zum eigentlichen Schlag nicht widersprüchlich und unstimmig, 

sondern zeugen von Authentizität und bringen ein Bestreben zum Ausdruck, mög-

lichst erinnerungsgetreu auszusagen. Der Privatkläger sagte diesbezüglich konk-

ret und – entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen – von Anfang an aus, dass 

der Beschuldigte vor ihm gestanden sei und ihm – so wie er das sehe – die noch 

ganze Flasche mit der rechten Hand in seine linke Gesichtshälfte geschlagen ha-

be, worauf die Flasche zerbrochen sei (Urk. 3/1 Nr. 12: "Er stand vor mir und so 

wie ich das sehe, schlug er mir die Flasche mit der rechten Hand in meine linke 

Gesichtshälfte"; Urk. 3/3 Nr. 13). Was der Privatkläger in diesem Moment konkret 

sah, führte er gemäss Einvernahmeprotokoll vor. Der einvernehmende Staatsan-

- 14 - 

walt verglich diese Gestik mit einem von der rechten Hand ausgeführten Schlag 

mit einem Tennisschläger (Urk. 3/1 Nr. 12; Urk. 3/3 Nr. 13 – 14). Auch in Bezug 

auf das Behändigen der Bierflasche bekundete der Privatkläger bereits anlässlich 

seiner ersten Befragung Unsicherheiten und Wahrnehmungslücken, was von der 

Vorinstanz unvollständig wiedergegeben wurde. So führte der Privatkläger zwar 

zunächst aus, dass der Täter eine Feldschlösschen Bierflasche genommen habe. 

Woher er diese hatte, konnte er allerdings schon damals nicht mit Sicherheit sa-

gen (Urk. 3/1 Nr. 6: "[…], ich weiss nicht genau, wo diese [Bierflasche] her ist, wo 

ich zuvor mit ihm redete, hatte er keine Flasche in der Hand."; vgl. auch Urk. 3/3 

Nr. 12). Damit deutete er somit bereits in seiner ersten Befragung an, die Bierfla-

sche nicht gesehen zu haben. Auch geht bereits aus seinen Aussagen in der er-

sten Befragung unmissverständlich hervor, dass er aufgrund der von ihm wahrge-

nommenen Umstände, nämlich dass unmittelbar vor dem Schlag einzig die Per-

son, mit welcher er sich am Streiten war, direkt vor ihm stand, darauf geschlossen 

habe, dass diese Person ihn auch geschlagen haben müsse. In diesem Sinne be-

jahte er bei der anschliessenden zweiten polizeilichen Befragung auch ohne zu 

zögern die Frage, ob er sich sicher sei, dass es sich bei der Person auf dem Foto 

um die Person handle, welche ihn verletzt habe (Urk. 3/2 Nr. 9, 15, 17). 

5.3.1. Verneint er nun die Frage des Staatsanwaltes, ob er die Bierflasche bzw. 

denjenigen, welcher ihn damit geschlagen habe, gesehen habe, so ist darin kein 

Widerspruch zu erkennen, sondern vielmehr eine bedingt durch die enge Formu-

lierung der Frage erfolgte, klarere Kundgabe des bereits Gesagten. Dies unter-

streicht die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen: Hätte er nämlich den Beschuldigten 

zu Unrecht belasten wollen, so hätte er einfach behaupten können, den Beschul-

digten beim Schlagen genau gesehen zu haben. Schliesslich bleibt hervorzuhe-

ben, dass der Privatkläger mehrmals angab, dass der Schlag mit der Flasche völ-

lig unerwartet, aus dem Nichts heraus gekommen sei. 

5.3.2. Bei dieser Ausgangslage kann der Privatkläger nach allgemeiner Lebenser-

fahrung nichts anderes wahrgenommen haben, als die Schlagbewegung an sich, 

welche aus der Richtung von der ihm direkt gegenüberstehenden Person kam, 

- 15 - 

mit welcher er sich gerade am Streiten war und welche ihn gerade eben erfolglos 

aufgefordert hatte, die Angelegenheit draussen zu regeln. 

5.4. Anhaltspunkte dafür, dass der Privatkläger wissentlich falsche Angaben hin-

sichtlich Täterschaft und Tathergang gemacht haben könnte, liegen nicht vor. 

Auch eine unbewusste Verwechslung bezüglich der Täterschaft kann entgegen 

der Vorinstanz und der Verteidigung ausgeschlossen werden (Urk. 47 S. 3 ff., 8, 

11; Urk. 57 S. 15 f.; Urk. 69 S. 7). Der Privatkläger sagte aus, dass er den Be-

schuldigten bis vor der Tat noch nie gesehen habe. Namentlich war ihm dieser al-

so nicht bekannt. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass der Privatkläger 

bei der Recherche nach dem ihm namentlich nicht bekannten Täter im Internet 

Hilfe von Kollegen etc. angenommen hatte. Jedenfalls kann entgegen der Auffas-

sung der Verteidigung daraus nicht geschlossen werden, dass er nur aufgrund 

von Hinweisen durch andere, am Tatort nicht anwesende Personen auf den Be-

schuldigten als Täter gekommen sei (Urk. 47 S. 4, 11). Der Privatkläger beschrieb 

den Beschuldigten anlässlich seiner ersten Befragung zutreffend (Urk. 3/1 Nr. 27 

und 34). Der Beschuldigte war es denn auch, welcher sich in der Folge als in eine 

"Schlägerei" bzw. in einen "Vorfall" "involvierte" Person bei der Polizei gemeldet 

hatte (Urk. 1/4). Mehrmals hob der Privatkläger hervor, dass der Täter ein 

schwarz-rot kariertes Hemd getragen habe. Ein solches wurde beim Beschuldig-

ten sichergestellt (Urk. 6/5 S. 6). Weshalb der Privatkläger den Beschuldigten 

nach eigenen Angaben im Spital nicht auf Anhieb wiedererkennen konnte, ver-

mochte der Privatkläger unter Berücksichtigung seines Zustandes kurz nach der 

Tat plausibel zu erklären. Er sprach von Benommenheit nach dem Schlag 

(Urk. 3/1 Nr. 14), und er war gerade erst mit neun Stichen im Gesicht genäht wor-

den (vgl. hierzu Urk. 57 S. 15; Urk. 47 S. 11). Da erstaunt es nicht, dass er den 

Beschuldigten, welcher ihm insbesondere durch sein auffälliges Hemd in Erinne-

rung geblieben war, nicht gleich erkannte, nachdem dieser das Hemd zu jenem 

Zeitpunkt bereits nicht mehr getragen hatte (Urk. 3/2 Nr. 4). 

5.5. Die Aussagen des Privatklägers werden darüber hinaus teilweise auch vom 

Beschuldigten und von weiteren Zeugen bestätigt. 

- 16 - 

5.5.1. Der Beschuldigte selber räumte in seiner ersten polizeilichen Befragung 

vom 19. Oktober 2014 ein, dass er zur Tatzeit im Club D._____ war. Dort habe er 

eine vorerst verbale Auseinandersetzung gehabt, welche sich um eine weibliche 

Person gedreht habe. Was anschliessend geschehen sei, wisse er nicht mehr. 

Jedenfalls hätten ihn seine Kollegen irgendwann "gepackt" und in das Auto eines 

Kollegen "verfrachtet" bzw. "befördert". Ca. 30 Minuten nachdem er zu Hause an-

gekommen sei, habe ihm G._____ mitgeteilt, dass im D._____ der Krankenwagen 

vorgefahren sei und den Kontrahenten des Beschuldigten abgeholt habe (Urk. 2/1 

Nr. 2; vgl. auch Urk. 2/2 Nr. 6, Urk. 13/7 S. 4 und Urk. 43 S. 11; Prot. II S. 13 – 

16).  

5.5.2. Stimmig zu den Aussagen des Privatklägers führte auch F._____ aus, dass 

sich zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger ihretwegen ein Streitge-

spräch entfacht habe, welches anfangs normal verlaufen, dann aber immer lauter 

und intensiver geworden sei. Angesichts der angespannten Situation habe sie ei-

ne Vorahnung gehabt, dass es Probleme geben werde. Da sie gemerkt habe, 

dass es nicht gutkommen werde, habe sie vergebens versucht, die Beiden ausei-

nanderzubringen. Dann sei sie aber weggegangen, weil sie eben nicht gewollt 

habe, dass es zu so etwas Grossem kommen werde, weswegen sie heute hier 

sitzen würde (Urk. 4/2 Nr. 3, 6; Urk. 4/7 Nr. 9, 11, 13, 18 f., 21). Draussen vor dem 

Club hätten drei Kollegen den Beschuldigten zurückgehalten, weil er immer noch 

sehr aggressiv gewesen sei und geschrien habe. Es sei wahrscheinlich, dass er 

auf den Privatkläger habe losgehen wollen (Urk. 4/7 Nr. 28, 30 – 37). 

5.5.3. H._____, ein zum Tatzeitpunkt draussen vor dem Club beim Eingangsbe-

reich stehender Türsteher (Urk. 1/1 S. 5; Urk. 42 S. 6), führte aus, dass er zwei 

Männer die Treppe herunterkommen gesehen habe. Er habe beobachtet, wie der 

Beschuldigte („auffallendes rot-kariertes Hemd“) den Privatkläger, welcher sich 

am Treppengeländer festgehalten habe und in gebückter Haltung gegangen sei, 

die Treppe hinunter vor sich her geschubst habe. Der Beschuldigte sei am „Aus-

flippen“ gewesen. Mehrmals habe dieser dem Privatkläger gesagt: „was hesch mit 

minere Cousine?“ Im Eingangsbereich habe der Beschuldigte von anderen Besu-

chern zurückgehalten werden müssen. Er habe dann bemerkt, dass der Privat-

- 17 - 

kläger im Gesicht geblutet habe (Urk. 1/1 S. 5; Urk. 42 S. 4 ff., insbesondere 

Urk. 42 S. 9, wo der Zeuge die Wahrheit seiner gegenüber der Polizei kurz nach 

dem Vorfall deponierten Aussagen bestätigte). 

5.5.4. Dass der Beschuldigte nach der Auseinandersetzung mit dem Privatkläger 

"hässig" bzw. "aggressiv" gewesen sei, führten auch die Zeugen G._____ und 

H._____ aus (G._____: Urk. 1/1 S. 6, vgl. aber auch Urk. 4/8 Nr. 25 - 27, wo er 

nur noch von "aufgewühlt", "leicht durcheinander" spricht; H._____: Urk. 1/1 S. 6, 

Urk. 4/10 Nr. 28, 31 f. [wobei die Zeugin hier ergänzt, dass alle "hässig" gewesen 

seien]). 

5.5.5. Damit bestätigen die Zeugen, dass es wegen F._____ zu einer vorerst ver-

balen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger 

kam, welche so intensiv wurde, dass F._____ aufgrund dessen die Befürchtung 

hatte, dass das nicht gut herauskommen werde, bzw. etwas so „Grosses“ wie das 

Eingetretene passieren würde. Weiter wird bestätigt, dass kurz darauf der Privat-

kläger im Gesicht blutend, in gebückter Haltung und gefolgt vom Beschuldigten 

den Club verliess und der Beschuldigte den Privatkläger beim Treppenabstieg 

schubste, herumschrie und weiterhin derart aggressiv war, dass er von anderen 

Personen zurückgehalten bzw. gepackt und ins Auto verfrachtet werden musste, 

damit er nicht auf den Privatkläger losging. Für den Privatkläger, den Kontrahen-

ten des Beschuldigten, musste ein Krankenwagen im Club D._____ vorfahren, um 

diesen abzuholen. 

5.6. Gesamthaft sind damit die Aussagen des Privatklägers – entgegen den vor-

instanzlichen Erwägungen – als uneingeschränkt glaubhaft zu qualifizieren. 

5.7. An dieser Überzeugung vermögen auch die von der Vorinstanz und der Ver-

teidigung dagegen vorgebrachten Erwägungen bzw. Einwände keine mehr als nur 

abstrakten, theoretischen Zweifel zu begründen. 

5.7.1. Gemäss Vorinstanz und Verteidigung steht die Aussage des Privatklägers, 

wonach F._____ ihm gesagt habe, dass der Beschuldigte ihn geschlagen habe 

oder wonach diese beim Schlag mit der Bierflasche direkt daneben gestanden 

- 18 - 

sei, mit den diesbezüglich Angaben dieser Zeugin im Widerspruch (Urk. 57 

S. 15 f.; Urk. 47 S. 4). 

5.7.1.1. Sowohl die Vorinstanz als auch die Verteidigung setzen sich bei den ent-

sprechenden Überlegungen weder mit den diesbezüglichen Aussagen von 

F._____ noch mit denjenigen des Privatklägers konkret auseinander. Vielmehr 

blendet insbesondere die Vorinstanz bei der Würdigung der Aussagen von 

F._____ aus (Urk. 57 S. 10 f.), dass diese in Bezug auf ihr eigenes Verhalten 

nach Intensivierung der verbalen Auseinandersetzung äusserst widersprüchlich 

aussagte. 

5.7.1.2. Die Zeugin F._____ wurde zwei Mal befragt. Gemäss ihren ersten Aus-

sagen sei sie, gleich nachdem sie den Beschuldigten und den Privatkläger ver-

geblich aufgefordert habe, den inzwischen intensiven Disput zu beenden, in eine 

Sitzecke gegangen und habe dort eine Zigarette geraucht. Der Beschuldigte und 

der Privatkläger hätten sich währenddessen weiter gestritten. Ein paar Minuten 

später habe sie nur noch beobachtet, wie zuerst der Privatkläger und dann der 

Beschuldigte den Gästeraum des Lokals verlassen hätten und die Treppe in Rich-

tung Ausgang hinuntergestiegen seien. Als sie dann nach draussen gegangen 

sei, habe sie einen Rettungswagen gesehen, aber nicht gewusst, weshalb dieser 

gekommen sei (Urk. 4/2 Nr. 3). Nach dieser Sachdarstellung bekam die Privatklä-

gerin also überhaupt nicht mit, was sich beim Verlassen des Clubs bzw. draussen 

genau zwischen dem Beschuldigten und dem Privatkläger ereignete. In klarem 

Widerspruch dazu führte sie nun aber gegenüber dem Staatsanwalt aus, dass sie 

sofort nach ihrer ungehört gebliebenen Aufforderung aufzuhören nach draussen 

gegangen sei und sich dort hingesetzt habe. Nach ca. sieben Minuten habe sie 

dann den Privatkläger gefolgt vom Beschuldigten herauskommen sehen (Urk. 4/7 

Nr. 11, 13, 33). Anschliessend beschrieb die Zeugin ausführlich ihre Wahrneh-

mungen zum Verhalten des Beschuldigten beim Verlassen des Clubs und 

draussen vor dem Club (Urk. 4/7 Nr. 28 – 36). Dies alles hätte sie nach ihrer ers-

ten Darstellung überhaupt nicht sehen können. Damit konnte die Zeugin selber 

nicht überzeugend darlegen, wo sie sich zum Zeitpunkt des Schlages mit der 

Bierflasche befand, weshalb ihre diesbezüglichen Angaben keinesfalls Zweifel an 

- 19 - 

der grundsätzlichen Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers zu begrün-

den vermögen. 

5.7.1.3. Dies gilt umso mehr, wenn die diesbezüglichen Aussagen des Privatklä-

gers genauer geprüft werden. Der Privatkläger wurde anlässlich seiner ersten po-

lizeilichen Befragung gefragt, ob F._____ den Vorfall habe beobachten können. 

Hierauf antwortete er, dass sie, soweit er wisse, direkt daneben gestanden sei 

(Urk. 3/1 Nr. 9). Bereits aus dieser Antwort wird ersichtlich, dass er sich diesbe-

züglich nicht sicher ist, sondern es sich hierbei lediglich um eine aus den Um-

ständen geschlossene Annahme handelt. Nicht anders lässt sich auch die Aussa-

ge des Privatklägers lesen, wonach F._____ ihm gesagt habe, dass der Beschul-

digte der Täter sei, weil diese "neben dran" gestanden sei, zumal er weiter unten 

diesbezüglich ergänzt, dass er sich "ja mit ihr unterhalten habe" (Urk. 3/3 Nr. 16-

19, 21). Der Privatkläger gab sich damit in Bezug auf den Standort von F._____ 

nie so sicher, wie die Verteidigung geltend macht. 

5.7.2. Gegen die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers brachte die Vor-

instanz und die Verteidigung weiter den Umstand vor, dass der Privatkläger in 

Bezug auf seinen Drogenkonsum am Vorabend gelogen habe (Urk. 57 S. 16; 

Urk. 47 S. 9 - 11; Urk. 69 S. 6 f.). Tatsächlich bestritt der Privatkläger, an diesem 

Abend Drogen konsumiert zu haben, bzw. führte er aus, dass er dies nicht mehr 

wisse, oder er wollte sich dazu nicht äussern (Urk. 3/1 Nr. 29; Urk. 3/3 Nr. 37, 66; 

Prot. II S. 22). Gegenüber der ihn untersuchenden Assistenzärztin des Spitals 

E._____ aber räumte er bereits am Tattag wahrheitsgemäss ein, dass er eine Li-

nie Amphetamin geschnupft habe (Urk. 7/9 S. 1). Die Einräumung des Konsums 

von Betäubungsmitteln gegenüber den Strafverfolgungsbehörden hätte einerseits 

die Beeinträchtigung seiner generellen Glaubwürdigkeit verhindert, andererseits 

stand dem Privatkläger in Bezug auf seinen eigenen Drogenkonsum, welcher mit 

dem Vorfall an sich keinen (direkten) Zusammenhang hatte, aber das Recht zu, 

die Aussage zu verweigern, da sich niemand selber zu belasten braucht. Aus dem 

Verheimlichen des Drogenkonsums gegenüber der Strafuntersuchungsbehörde 

schliessen zu wollen, die gesamte Darstellung des Privatklägers in der Sache sei 

unglaubhaft, geht daher fehl. 

- 20 - 

5.7.3. Die Vorinstanz begründet die „reduzierte“ Glaubhaftigkeit der Aussagen des 

Privatklägers des Weiteren damit, dass dieser verneint habe, dass die Cousine 

des Beschuldigten beim Gespräch resp. beim Streit ein Thema gewesen sei. Die 

Vorinstanz erwog, dass die Zeugin F._____ und der Zeuge H._____ ausgesagt 

hätten, dass „bei der verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten 

und dem Privatkläger mehrmals von der Cousine des Beschuldigten die Rede 

gewesen sei“ (Urk. 57 S. 16). Dieser Beweiswürdigung kann nicht gefolgt werden. 

Weder wurde dem Privatkläger eine entsprechende Frage gestellt noch verneinte 

er einen entsprechenden Vorhalt. Die Frage lautete sinngemäss, ob er etwas mit 

der Cousine des Beschuldigten habe, worauf er antwortete, dass er diese nicht 

kenne (Urk. 3/3 Nr. 54). Ferner kann aus den Aussagen der genannten Zeugen 

gerade nicht abgeleitet werden, dass sich der Streit auch um die Cousine drehte. 

F._____ bestätigte mehrmals, dass der Streit ihretwegen seinen Anfang genom-

men habe. Nicht einmal I._____ selbst, die Cousine des Beschuldigten, wusste 

davon, dass sie Thema des Streitgesprächs gewesen sein soll (Urk. 4/10). Weiter 

sagten weder die Zeugin F._____ noch der Zeuge H._____ aus, dass die Cousine 

bei der verbalen Auseinandersetzung zur Sprache gekommen sei, sondern dass 

nur der Beschuldigte allein seine Cousine erwähnt habe und zwar erst beim Ver-

lassen des Clubs. Was in Bezug auf die Cousine genau gesagt wurde, ist darüber 

hinaus ebenfalls äusserst unklar. Die Zeugin F._____ gab folgendes an: ..., „ 

wahrscheinlich sagte A._____ etwas über seine Cousine und er sagte, was er 

über seine Cousine sage“ (Urk. 4/7 Nr. 33). Der Zeuge H._____ berichtete dem-

gegenüber, dass der Beschuldigte mehrmals gesagt habe: „was hesch mit minere 

Cousine?“ bzw. er habe den Beschuldigten mehrmals das Wort „meine Cousine“ 

sagen hören, wisse aber nicht mehr, was genau (Urk. 1/1 S. 5; Urk. 42 S. 6). Da-

mit lässt sich aus der Angabe des Privatklägers, dass er die Cousine des Be-

schuldigten nicht kenne, nichts in Bezug auf die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen 

ableiten. 

5.7.4. Die Verteidigung führt als weiteren, gegen die Glaubhaftigkeit der Darstel-

lung des Privatklägers sprechenden Hinweis an, dessen Aussagen zum genauen 

Deliktsort liessen sich nicht mit dem sich aus der Spurensicherung ergebenden 

Standort des Privatklägers in Einklang bringen (Urk. 47 S. 5 f.; Urk. 69 S. 8 f.). 

- 21 - 

Zwar ist der Verteidigung zuzustimmen, dass sich auf den Fotoaufnahmen viele 

Glasscherben eher in der Nähe des neben der Bar stehenden runden Tisches als 

neben dem vom Privatkläger bezeichneten Deliktsstandort befinden. Auch der 

abgebrochene Flaschenhals wurde gleich neben der Bar sichergestellt (Urk. 6/3 

Foto 1). Deswegen ging die Polizei wohl auch davon aus, dass der Privatkläger 

beim Schlag mit der Flasche mutmasslich beim runden Tisch gestanden sei 

(Urk. 6/2). Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass es sich um relativ beengte 

räumliche Verhältnisse handelt und der rechteckige Stehtisch nicht weit vom run-

den Tisch bzw. der Bar entfernt stand (Foto 3). Ausgehend von der vom Privat-

kläger beschriebenen Schlagbewegung (mit der rechten Hand wie mit einem 

Tennisschläger auf linke Gesichtshälfte geschlagen) ist es durchaus denkbar, 

dass der Privatkläger mit seiner linken Seite beim rechteckigen Tisch stand und 

die Scherben sowie der abgebrochene Flaschenhals nach dem Zerbrechen der 

Flasche zumindest teilweise weiter in die – vom Privatkläger aus gesehen – rech-

te Richtung, also in Richtung Bar, geflogen sind. Damit vereinbar wäre auch die 

Ausrichtung der Scherben. Direkt in der Nähe des rechteckigen Tisches befindet 

sich eine mit der Nummer 6 gekennzeichnete Scherbe (Foto 3). Die weiteren 

Scherben kamen neben dem kleinen runden Tisch zu liegen. Anzumerken bleibt 

schliesslich, dass auch J._____ gegenüber der Polizei angab, dass er sich mitten 

im Gastraum, in der Nähe des Stehtisches befunden habe, als er plötzlich von 

hinten mit einer Flüssigkeit bespritzt worden sei (Urk. 1/1 S. 6). 

5.7.5. Weiter wendete die Verteidigung ein, dass der Privatkläger am 28. Oktober 

2014 hinsichtlich jener Person gelogen habe, welche diesem gesagt haben soll, 

dass der Beschuldigte dieser gegenüber den Vorfall gleich geschildert habe, wie 

der Privatkläger gegenüber. Nachweislich handle es sich bei dieser Person näm-

lich nicht um den zuerst angegebenen K._____, sondern um L._____. Dies ergä-

be sich aus den beiden eingereichten WhatsApp-Chatprotokollen (Urk. 47 S. 12; 

Urk. 69 S. 15 f.). 

5.7.5.1. Inwiefern diese Chatprotokolle nachweisbar ausschliessen, dass der Pri-

vatkläger abgesehen von L._____ auch mit K._____ über den Vorfall gesprochen 

haben könnte, wird nicht dargelegt. Selbst wenn aber der Privatkläger nie mit 

- 22 - 

K._____ darüber gesprochen hätte und statt L._____ anzugeben, K._____ als 

Zeugen seiner Behauptung aufgeführt hätte, müssten bei der Würdigung einer 

solchen Angabe folgende Hintergründe berücksichtigt werden:  Als der Privatklä-

ger anlässlich seiner zweiten Befragung am 20. Oktober 2014 gefragt wurde, von 

wem er eines der Fotos bekommen habe, welches er zur Identifikation des Be-

schuldigten eingereicht hatte, wollte er unter Hinweis auf eine auf Facebook ge-

postete, von ihm als Drohung verstandene Nachricht keine Namen angeben. Er 

wolle niemanden "in die Sache involvieren". Diese Nachricht befindet sich in den 

Akten zusammen mit einem Foto, worauf der Beschuldigte und eine weitere Per-

son zu sehen sind (Urk. 3/2 Nr. 6 und Anhang 2). Der Inhalt der Nachricht lautet 

wortgetreu wie folgt:  

"ich köre wie lüt am rede sind weg das was pasirt am wuchenen isch also es sisch so de B._____ 
isch min Beste das wüset ihr 
… 
EGAL WER EGAL WER WEN ÖPERT ES PROBLEM MIT IM ODER MIT DEM HET WAS ER 
GMACHT HET UND PASIERT ISCH DEN SCHRIEBET MIR EGAL WER ICH FIND DE JENIGE 
UND FICK IM SINI MUETER ICH BALLERE JEDEM WO EU E CHUGLE DURCH EM KOPF 
MEINS TOT ERNST UND VERGESET NÖD ICH BIN NÖD DE … [Buchstabe] ICH DE M._____" 

Diese Nachricht ist – entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 57 S. 18) 

– an konkrete Personen gerichtet, nämlich an diejenigen, welche ein Problem mit 

dem haben, was der Beschuldigte gemacht habe. Es ist nachgerade offensicht-

lich, dass diese Nachricht als Drohung zu verstehen und dazu geeignet ist, Dieje-

nigen einzuschüchtern, welche sich gegen den Beschuldigten stellen. Berücksich-

tigt man, dass der Privatkläger gemäss WhatsApp-Chatprotokoll am 27. Oktober 

2014 von L._____ mitgeteilt erhielt, dass K._____ in der gleichen Angelegenheit 

auch auf den 28. Oktober 2014 vorgeladen war, d.h. insofern bereits "in die Sa-

che involviert" war, so ist es durchaus denkbar, dass der Privatkläger, um L._____ 

nicht auch noch in die Sache mit hineinzuziehen und diesen damit allenfalls zu 

gefährden, den Namen von K._____ angab. Im Übrigen ist K._____ auch derjeni-

ge, welchem gegenüber der Beschuldigte gestützt auf die Chatprotokolle sinnge-

mäss die Tat eingeräumt haben soll. Damit vermag auch dieser Einwand keine 

unüberwindbaren Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers 

zu begründen. 

- 23 - 

5.7.5.2. Der von der Verteidigung vorgebrachte Einwand geht aber auch deshalb 

ins Leere, weil die eingereichten WhatsApp-Chatprotokolle objektivierbar nach-

weisen, dass jemand ["L'._____", d.h. L._____] dem Privatkläger tatsächlich am 

27. Oktober 2014 geschrieben hatte, dass der Beschuldigte gegenüber K._____ 

die Sachdarstellung des Privatklägers bestätige. 

5.7.5.3. Es erübrigt sich an dieser Stelle deshalb eigentlich auch eine eingehende 

Beurteilung der Aussagen von K._____ und L._____. Dennoch soll hierzu noch 

Folgendes angemerkt werden: 

 Die Sachdarstellung von K._____, wonach er alleine in "besoffenem" Zu-

stand frühmorgens (wohl ca. 5.00 Uhr) einen Fussmarsch von ca. einer Stunde 

auf sich genommen habe, nur, um beim Beschuldigten angekommen, dann gleich 

einzuschlafen, ohne mit diesem zumindest über das eben gerade mit der Polizei 

geführte Telefongespräch zu sprechen, erscheint völlig lebensfremd (vgl. Urk. 4/9 

Nr. 14-18). Wohlgemerkt wohnt der Zeuge am N._____-Weg ... in ... E._____, so 

dass er innert viel kürzerer Zeit bei sich zu Hause gewesen wäre. Daneben aber 

sprechen seine konkreten Antworten zur Frage, ob er sich mit dem Privatkläger 

über den Vorfall unterhalten habe, gegen deren Glaubhaftigkeit. Auf Vorhalt der 

Aussagen des Privatklägers führte er aus, dass er nicht wisse, wie der Privatklä-

ger auf eine entsprechende Behauptung komme. Ergänzend hielt er fest: "Ich 

kann es mir nicht vorstellen, ausser Sie können es mir beweisen." (Urk. 4/9 

Nr. 22). Diese Aussage kann nicht anders verstanden werden, als dass die Be-

hauptung des Privatklägers nach Ansicht des Zeugen zwar beweisbar wäre, gibt 

er sinngemäss doch an, diese Behauptung nur anzuerkennen, sofern ein Beweis 

dafür vorliege. Schliesslich bleibt darauf hinzuweisen, dass selbst der Beschuldig-

te aussagte, dass zwei Kollegen zu ihm gekommen seien, als er bereits zu Hause 

gewesen sei, und ihm gesagt hätten, dass ein Krankenwagen vor dem D._____ 

vorgefahren sei und er scheinbar involviert gewesen sei (Urk. 2/2 Nr. 20 f., 27). 

Laut seinen Aussagen in der Berufungsverhandlung sollen diese beiden ihm so-

gar gesagt haben, dass er in eine Schlägerei involviert gewesen sei (Prot. II S. 14, 

19). 

- 24 - 

 Die Aussagen von L._____ zu den Umständen, wie es zu besagtem Chat 

mit dem Privatkläger kam, sind augenfällig widersprüchlich. So konnte er sich ei-

nerseits nicht an diese erinnern (Urk. 4/11 Nr. 16, 22), wusste aber andererseits 

doch noch, dass er an diesem Abend sehr stark betrunken gewesen sei 

(Urk. 4/11 Nr. 12, 14), konnte sich dann aber nicht entscheiden, ob er nicht doch 

nüchtern gewesen sei (Urk. 4/11 Nr. 20). 

5.8.  Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vollumfänglich auf die glaubhaften 

Aussagen des Privatklägers abzustellen ist. 

6. Diesen glaubhaften Aussagen steht die Angabe des Beschuldigten gegen-

über, dass er sich nicht daran erinnern könne, was er zur Tatzeit gemacht habe, 

er sich aber nicht vorstellen könne, anklagegemäss gehandelt zu haben. 

6.1. Aus den Aussagen des Beschuldigten lassen sich damit keine Hinweise er-

schliessen, welche auf die Unglaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers hin-

deuten könnten. So kann der Sachdarstellung des Privatklägers gestützt auf die 

Aussagen des Beschuldigten kein plausiblerer Tathergang gegenübergestellt 

werden, welcher unüberwindbare Zweifel an der Glaubhaftigkeit der ersteren auf-

kommen lassen würde oder überzeugender wäre. 

6.2. Darüberhinaus halten die im Zusammenhang mit der Erinnerungslücke vor-

gebrachten Aussagen des Beschuldigten einer kritischen Glaubhaftigkeitsbeurtei-

lung nicht stand. Während der Beschuldigte sich anlässlich seiner ersten Befra-

gung am 19. Oktober 2014 noch daran erinnern konnte, dass er im Club D._____ 

vorerst eine verbale Auseinandersetzung gehabt habe, bei welcher es um eine 

weibliche Person gegangen sei, will er sich einen Tag später nur noch an eine 

Frau namens F._____ und eine dritte, entweder weibliche oder männliche Person 

erinnern (Urk. 2/1 Nr. 2; Urk. 2/2 Nr. 6). Verräterisch mutet in diesem Zusammen-

hang die Verwendung des Wortes „vorerst“ an. Diese Wortwahl impliziert, dass 

auch er selbst davon ausging, dass diese Auseinandersetzung in ihrem Verlaufe 

eine andere Form annahm als eine nur verbale (vgl. Prot. II S. 15). Nicht anders 

lässt sich sodann die Bemerkung des Beschuldigten im Rahmen des mit der Ein-

satzzentrale geführten Telefonats verstehen: Gegenüber dem Polizeibeamten 

- 25 - 

O._____ gab er folgendes an: "im D._____ häts ä schlägerei ge und ich bin invol-

viert gsi" (Urk. 1/4, erste Gesprächsaufzeichnung [DF9E1816], 0.20 und 0.28 - 

0.32 Minuten). Die gleiche Schlussfolgerung drängt sich bei Berücksichtigung sei-

nes Hinweises auf, dass er einen blauen Fleck am Oberarm habe, welcher auch 

vom Privatkläger verursacht worden sein könne (Urk. 2/2 Nr. 29). Weiter konnte 

er sich an der ersten Befragung noch daran erinnern, dass seine Kollegen ihn ir-

gendwann „packten“ und in das Auto eines Kollegen „verfrachteten“ (Urk. 2/1 Nr. 

2). Einen Tag später scheint auch diese Erinnerung verblasst zu sein, führte der 

Beschuldigte doch nunmehr aus, dass er nach seiner Erinnerung an F._____ nur 

noch wisse, in einem Auto und dann zu Hause gewesen zu sein. Er könne nicht 

sagen, wessen Auto es gewesen sei (Urk. 2/2 Nr. 6 f.). Anlässlich der Berufungs-

verhandlung gab er dann wieder an, sich zu erinnern, dass er ins Auto befördert 

worden sei (Prot. II S. 14). Ferner will er sich gemäss seinen Aussagen anlässlich 

der haftrichterlichen Einvernahme vom 21. Oktober 2014 ab 23.00 Uhr an nichts 

mehr erinnern. Er wisse nicht mehr, was sich ab diesem Zeitpunkt zugetragen 

habe (Urk. 13/7 S. 3). Einen Tag zuvor und auch anlässlich der Berufungsver-

handlung vermochte er aber anzugeben, dass er um ca. Mitternacht eine Ecstasy-

Tablette eingenommen habe (Urk. 2/2 Nr. 14 f.; Prot. II S. 11). Aus den Aussagen 

des Beschuldigten lässt sich folglich im Ergebnis nichts zu seinen Gunsten ablei-

ten. 

7. Ein weiterer wichtiger Nachweis für die Täterschaft des Beschuldigten ist 

schliesslich der Spurenauswertungsbericht des Forensischen Instituts Zürich 

(nachfolgend FOR) vom 5. November 2014 (Urk. 6/6). Dieser Bericht hält fest, 

dass die ab der abgebrochenen Bierflasche sichergestellten DNA-Spuren dem 

Beschuldigten zugeordnet werden konnten, und zwar sowohl diejenigen am Fla-

schenhals als auch diejenigen an der Bruchstelle. Dass es sich bei dieser abge-

brochenen Flasche um das Teilstück der dem Privatkläger ins Gesicht geschla-

genen Bierflasche handelt, ergibt sich bereits daraus, dass keine anderen zerbro-

chenen Bierflaschen oder dergleichen am Tatort sichergestellt werden konnten. 

Entgegen den Andeutungen der Verteidigung, liegen keine Anhaltspunkte vor, 

welche auf ein allenfalls unsorgfältiges Vorgehen der Spurensicherung durch die 

Beamten des FOR hinweisen (Urk. 69 S. 13). 

- 26 - 

7.1. Auch aus dem Umstand, dass der Bericht das ebenfalls an der Bruchstelle 

vorgefundene DNA-Nebenprofil nicht eindeutig dem Privatkläger zuordnen konn-

te, kann der Beschuldigte nichts zu seinen Gunsten ableiten (vgl. Urk. 47 S. 8 f.; 

Urk. 69 S. 12 ff.). Der Privatkläger wurde nicht als Spurengeber ausgeschlossen. 

Das Nebenprofil war nicht interpretierbar. Er könnte damit gleichwohl der Spuren-

geber und damit mit der Bruchstelle in Kontakt gekommen sein. Mit der Staats-

anwaltschaft ist darauf hinzuweisen, dass ein kurzer Kontakt des Gesichtes des 

Privatklägers mit der Bruchstelle nicht zwingend Spuren verursacht, zumal es 

durchaus vorstellbar und nicht ungewöhnlich ist, dass gerade nicht die Bruchstelle 

die Schnittverletzungen beim Privatkläger hervorgerufen hat, sondern diese durch 

die übrigen, beim Aufprall auf das Gesicht des Privatklägers abgesplitterten Glas-

scherben verursacht worden sind. 

7.2. Aus ähnlichen Gründen ist auch die vorinstanzliche Beweiswürdigung zu 

verwerfen, wonach das Verletzungsbild des Privatklägers nicht resp. nur bedingt 

mit der geltend gemachten Schlagbewegung übereinstimme (Urk. 57 S. 17). Die 

Bierflasche zerbrach knapp unterhalb des Flaschenhalses. Der untere Teil der 

Flasche muss aufgrund der am Tatort sichergestellten Glasscherben völlig zer-

borsten sein. Es ist damit durchaus möglich, dass durch die abgesplitterten, um-

herfliegenden Scherben auch andere Stellen im Gesicht verletzt werden als die 

unmittelbare Kontaktstelle mit der noch ganzen Flasche. Im Übrigen handelt es 

sich bei den Erwägungen der Vorinstanz nicht mehr als das Aufführen abstrakter, 

theoretisch möglicher Verletzungsbilder nach einem Schlag mit einer Bierflasche, 

welche eben keine ernsthaften Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO an der 

eingeklagten Tathandlung zu begründen vermögen, zumal keinerlei Anhaltspunk-

te dafür vorliegen, wie die eingetretenen Verletzungen sonst entstanden sein 

könnten. 

8. Entscheidend ist schliesslich, dass entgegen der Auffassung der Verteidi-

gung nicht ansatzweise Anhaltspunkte für eine Dritttäterschaft vorliegen. Keiner 

der Befragten, nicht einmal der Beschuldigte selbst, hielt dafür, dass eine dritte 

Person in die anfänglich verbale Auseinandersetzung involviert gewesen sei. 

Nichts deutet darauf hin, dass jemand in unmittelbarer Nähe gestanden sein und 

- 27 - 

sich an der Auseinandersetzung beteiligt haben könnte. Keiner der Befragten 

sprach davon, dass eine dritte Person nachträglich dazugekommen sein könnte. 

Auch lässt sich in keiner der Aussagen der geringste Hinweis darauf finden, dass 

noch eine dritte Person mit dem Beschuldigten mitgewirkt haben könnte, als die-

ser in sehr aggressiver Verfassung den Privatkläger die Treppe hinunterge-

schubst und herumgeschrien hatte. Der Beschuldigte war gemäss übereinstim-

menden Aussagen der Einzige, der sich intensiv verbal mit dem Privatkläger ge-

stritten hatte, bevor dieser blutend aus dem Club kam, und er war auch der Einzi-

ge, der äusserst aggressiv sowie herumschreiend den im Gesicht blutenden Pri-

vatkläger beim Treppenhinabsteigen schubste. Bei dieser Ausgangslage sind die 

Ausführungen der Verteidigung bezüglich einer Dritttäterschaft (Urk. 47 S. 7 ff.; 

Urk. 69 S. 10 f.) reine Spekulationen und gereichen nicht einmal zur Begründung 

abstrakter theoretischer Zweifel. 

9. Unter Berücksichtigung aller Beweismittel bestehen im Ergebnis keine un-

überwindbaren Zweifel daran, dass der Beschuldigte den Privatkläger anklage-

gemäss mit einer Bierflasche ins Gesicht geschlagen hat. An diesem Beweiser-

gebnis vermag zuletzt auch der Umstand nichts zu ändern, dass keine der befrag-

ten Personen den Schlag mit der Bierflasche gesehen haben will. 

9.1. Es bestehen vielmehr gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass ein Teil der Be-

fragten sich mit dem Beschuldigten und untereinander absprachen. So fuhren 

I._____ und G._____ gemäss deren Aussagen den Beschuldigten nach Hause 

(Urk. 1/1 S. 6; Urk. 4/8 Nr. 21, 24, 28; Urk. 4/10 Nr. 19 f., 22). Später hielten sich 

K._____ und G._____ bis zur Ankunft der Polizei beim Beschuldigten zu Hause 

auf (Urk. 1/1 S. 6; Urk. 4/8 Nr. 32, 37; Urk. 4/9 Nr. 14 ff.). Dass dabei nicht über 

das Vorgefallene gesprochen worden sein soll, wie diese Drei später behaupte-

ten, ist lebensfremd, schubste der Beschuldigte doch den Privatkläger vor sich die 

Treppe hinunter, schrie den Privatkläger an, war laut und sehr aggressiv, so dass 

er von einigen Personen zurückgehalten werden musste. Schliesslich widerspricht 

dies auch den Aussagen des Beschuldigten selbst (Urk. 2/2 Nr. 20 f., 27; Prot. II 

S. 14). 

- 28 - 

9.2. Abgesehen von diesem Kollusionsverdacht ist aktenkundig, dass über die 

sozialen Netzwerke eine Drohung an diejenigen Personen ausgesprochen wurde, 

welche "ein Problem" damit hätten, was der Beschuldigte getan habe. 

9.3. Hinzu kommt in diesem Zusammenhang aber vor allem auch, dass die be-

fragten Zeugen gleichzeitig mit der Aussage, den Vorfall nicht gesehen zu haben, 

angaben, zur Tatzeit nicht am Tatort gewesen zu sein. Damit aber kann die feh-

lende Bezeugung des Schlages auch nicht zur Entlastung des Beschuldigten bei-

tragen. Anders wäre es nur, wenn die Zeugen unmittelbar daneben gestanden 

und ausgesagt hätten, dass sie nicht gesehen hätten, dass der Beschuldigte den 

Privatkläger mit der Flasche schlug. 

9.4. Der objektive Anklagesachverhalt ist damit erstellt. 

10. In Bezug auf den subjektiven Anklagesachverhalt ist darauf hinzuweisen, 

dass die Frage, was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, sog. innere Tat-

sachen betrifft und damit eine Tatfrage ist. Da sich aber diese inneren Tatsachen 

bei ungeständigen Tätern regelmässig nur gestützt auf äusserlich feststellbare In-

dizien und Erfahrungsregeln ermitteln lassen, welche Rückschlüsse von den 

äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben (Urteil des 

Bundesgerichtes 6S.133/2007 vom 11. August 2008 E. 2.4, m.H.), und die Beur-

teilung, ob im Lichte dieser äusseren Umstände der Schluss auf Vorsatz bzw. 

Eventualvorsatz begründet ist, eine Rechtsfrage darstellt, ist das Bestehen eines 

Vorsatzes bzw. Eventualvorsatzes nachfolgend im Rahmen der rechtlichen Wür-

digung zu beurteilen (vgl. BGE 133 IV 1 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.5; BGE 125 

IV 242 E. 3c, je m.H.). 

III. Rechtliche Würdigung 

1. Eine schwere Körperverletzung begeht derjenige, der bei einer anderen 

Person die in Art. 122 Abs. 1 bis Abs. 3 StGB aufgeführten Verletzungen verur-

sacht. Namentlich gemäss Art. 122 Abs. 2 StGB macht sich derjenige strafbar, 

der vorsätzlich den Körper, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen ver-

stümmelt oder ein wichtiges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Men-

- 29 - 

schen bleibend arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht 

eines Menschen arg und bleibend entstellt. 

1.1. Unbestrittenermassen führte das Verhalten des Beschuldigten zu keiner der 

aufgeführten Verletzungen (Urk. 44 S. 2; Urk. 47 S. 16). Der objektive Tatbestand 

der schweren Körperverletzung ist damit nicht erfüllt, weshalb nur eine Bestrafung 

wegen versuchter Tatbegehung in Frage kommen kann. 

1.2. Ein Versuch liegt u.a. vor, wenn der zur Vollendung der Tat gehörende tat-

bestandsmässige Erfolg nicht eintritt oder die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende ge-

führt wird, nachdem der Täter mit der Ausführung des Verbrechens begonnen hat 

(Art. 22 Abs. 1 StGB). Vorausgesetzt wird damit, dass der Täter alle subjektiven 

Merkmale der Tat erfüllt, ohne dass die objektiven Merkmale vollumfänglich ver-

wirklicht wurden. Die schwere Körperverletzung setzt Vorsatz voraus, wobei 

Eventualvorsatz genügt (Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 und 2 

StGB). 

1.3. Die Anklage wirft dem Beschuldigten eventualvorsätzliches Vorgehen vor. 

Nach ständiger Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, wenn der Täter den 

Eintritt des Erfolgs für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den Erfolg für 

den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm auch un-

erwünscht sein (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2 m.H.). Auf der Wissensseite genügt es, 

wenn dem Täter die wesentlichen Umstände im Sinne eines dauernden Begleit-

wissens mitbewusst waren (BGE 125 IV 242 E. 3e mit Hinweis; BSK StGB – NIG-

GLI/MAEDER, N 25 zu Art. 12 StGB). Zu diesen wesentlichen äusseren Umständen 

gehören die Beweggründe des Täters, die Art der Tathandlung (z.B. die Heftigkeit 

des Schlages und die Verfassung des Opfers) und insbesondere das Risiko der 

Tatbestandsverwirklichung bzw. des Erfolgseintrittes. Nach der Rechtsprechung 

darf vom Wissen des Täters auf dessen Willen geschlossen werden, wenn sich 

ihm die Verwirklichung der Gefahr als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Be-

reitschaft, sie als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des 

tatbestandsmässigen Erfolges ausgelegt werden kann. Je grösser das Risiko der 

Tatbestandsverwirklichung ist, desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe 

nicht darauf vertrauen können, dass sich das ihm bekannte Risiko nicht verwirk-

- 30 - 

lichen werde (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 6B_802/2013 vom 27. Januar 2014 

E. 2.3.3; BGE 137 IV 1 E. 4.2.3; BGE 125 IV 242 E. 3c; BGE 101 IV 46; vgl. auch 

BGE 122 IV 122; BGE 121 IV 253; BGE 119 IV 3; BGE 114 IV 153; BGE 109 IV 

140; BGE 104 IV 159). 

1.4. Beim Beschuldigten ist die Wissensseite in Bezug auf die schwere Körper-

verletzung zu bejahen, wenn davon ausgegangen werden kann, dass er um die 

potentielle Gefährlichkeit eines Schlages mit einer Bierflasche ins Gesicht einer 

Person, mithin auf eine äusserst empfindliche Körperstelle, und um die Heftigkeit 

seines Schlages wusste. Das Wissen bezüglich der potentiellen Gefährlichkeit 

kann dem Beschuldigten als Allgemeinwissen, mithin als dauerndes Begleitwis-

sen zugerechnet werden. Trotz dieses Wissens setzte er die Bierflasche ein, was 

als Indiz für eine Inkaufnahme von Verletzungen im Sinne von Art. 122 Abs. 2 

StGB zu deuten ist. So hält denn auch pract. med. P._____ in ihrem ärztlichen 

Befund vom 28. Oktober 2014 fest, dass ausgehend von den eingetretenen Ver-

letzungen die Gefahr bestanden habe, dass ein Gesichtsnerv durch den Schnitt 

an der linken Wange hätte verletzt werden können, was zu einer Gesichtsläh-

mung im Bereich des Mundes oder des Auges hätte führen können. Ebenso habe 

die Gefahr bestanden, dass das linke Auge (die Bindehäute, die Hornhaut, der 

Augapfel) durch Glassplitter hätte verletzt werden können (Urk. 5/5). Diese mögli-

chen Verletzungen sind entgegen der Auffassung der Verteidigung als mögliche 

Anwendungsfälle von Art. 122 Abs. 2 StGB zu qualifizieren, bewirkt doch u.a. 

auch eine partielle Gesichtslähmung eine arge und bleibende Entstellung (vgl. 

Urk. 47 S. 16 ff.). Auf eine Inkaufnahme solcher Verletzungen weist ferner auch 

die Art der Tathandlung hin (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 6S.133/2007 vom 

11. September 2008 E. 2.6., unter Hinweis auf BGE 131 IV 1 E. 2.2.). Gemäss er-

stelltem Sachverhalt stritten sich der Beschuldigte und der Privatkläger zunächst 

verbal. Der Streit wurde immer heftiger. Bevor er mit der Flasche zuschlug, grins-

te der Beschuldigte den Privatkläger an und schlug dann – wie mit einem Tennis-

schläger – mit der Flasche gezielt in dessen linke Gesichtshälfte. Die Flasche 

ging in die Brüche, was auf eine gewisse Wucht des Schlages hindeutet. Bei ei-

nem derart wuchtigen, gezielten Schlag gegen das Gesicht eines Menschen mit 

einem zerbrechlichen Gegenstand aus Glas, so dass der Gegenstand zerbricht, 

- 31 - 

ist das Risiko einer schweren Körperverletzung der genannten Art derart hoch, 

dass nicht mehr ernsthaft davon ausgegangen werden kann, der Beschuldigte 

hätte auf ein Ausbleiben solcher Verletzungen vertraut. Vernünftigerweise ist die-

ses Verhalten als Inkaufnahme dieses Erfolges und damit als eventualvorsätzli-

ches Handeln auszulegen. 

1.5.  Der subjektive Tatbestand der schweren Körperverletzung ist erfüllt. Der Be-

schuldigte hat sich tatbestandsmässig im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB in Ver-

bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB verhalten. 

2. Gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB ist derjenige nicht strafbar, der zur Zeit der Tat 

nicht fähig war, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht 

zu handeln. War der Täter hingegen mindestens teilweise fähig, das Unrecht sei-

ner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so kann ihm die Tat 

– zwar nur in einem geringeren Mass als im Normalfall, aber immerhin - vorge-

worfen werden, so dass er auch bestraft werden kann (DONATSCH/TAG, Strafrecht 

I, Verbrechenslehre, 8. Auflage, Zürich 2006, S. 271). Da es ihm wegen seines 

Zustandes aber erschwert ist, sich rechtmässig statt rechtswidrig zu verhalten, ist 

die Strafe diesem Zustand entsprechend zu mildern (Art. 19 Abs. 2 StGB). 

2.1. Grundsätzlich setzt die Beurteilung der Schuldfähigkeit einen biologisch-

psychologischen Befund voraus, der zu bestimmten psychischen Folgen geführt 

haben muss (DONATSCH/TAG, a.a.O., S. 263). Da ein solcher Befund nur durch  

eine entsprechend ausgebildete Fachperson, in der Regel also einen Spezialisten 

für Psychiatrie, erstellt werden kann, ist bei einer solchen Konstellation eine sach-

verständige Begutachtung einzuholen. Den Akten liegt ein psychiatrisches Gut-

achten von Dr. med. Q._____, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, 

vom 16. Februar 2015 bei (Urk. 8/6). 

2.2. Bei der Würdigung des Gutachtens ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei 

der Frage, in welchem Zustand sich der Täter zur Tatzeit befand, um eine Tatfra-

ge handelt. Rechtsfrage ist hingegen, ob dieser Zustand den Schluss zulässt, 

dass der Täter im Sinne von Art. 19 StGB schuldunfähig bzw. vermindert schuld-

- 32 - 

fähig war (BGE 107 IV 3 E. 1a; vgl. Urteil des Bundesgerichtes 6B_1092/2009 

vom 22. Juni 2010, E. 3.1 mit Hinweisen). 

2.2.1. Aufgabe des Sachverständigen ist es, den biologisch-psychologischen Zu-

stand des Täters zum Tatzeitpunkt zu beurteilen. Aufgabe des Sachrichters ist es 

dahingegen zu entscheiden, ob der vom Sachverständigen festgestellte biolo-

gisch-psychologische Zustand, in welchem der Täter die Tat beging, die rechtli-

chen Merkmale der verminderten bzw. aufgehobenen Schuldfähigkeit im Sinne 

von Art. 19 StGB aufweist oder nicht (vgl. BGE 102 IV 225 E. 7.b; BSK StGB - 

BOMMER/DITTMANN, N 26 zu Art. 19 StGB). Das Gericht ist demzufolge nicht an 

die Schlussfolgerungen des Sachverständigen hinsichtlich der Schuldfähigkeit 

gebunden und darf auf verminderte Schuldfähigkeit erkennen, wenn das Gutach-

ten auf volle Schuldfähigkeit schliesst und umgekehrt. Es hat nach eigenem Er-

messen frei zu beurteilen, ob der Täter in hohem Masse in den Bereich des Ab-

normen fällt, seine Geistesverfassung nach Art und Grad stark vom Durchschnitt 

nicht bloss der Rechts-, sondern auch der Verbrechensgenossen abweicht. Einzi-

ge Grenze einer Abweichung vom Gutachten ist diesbezüglich durch das Verbot 

der Willkür gesetzt (BGE 102 IV 225 E. 7b; BSK StGB - BOMMER, N 34 zu Art. 20 

StGB). 

2.2.2. Bei psychiatrischen Fachfragen allerdings, d.h. hinsichtlich des biologisch-

psychologischen Befundes darf das Gericht gemäss Lehre und Praxis nicht ohne 

triftige Gründe vom Gutachten abweichen. Ein triftiger Grund liegt dann vor, wenn 

gewichtige, zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien die Überzeugungs-

kraft der Feststellungen von Sachverständigen ernstlich erschüttern, so dass die 

Schlüssigkeit des Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft erscheint 

(BGE 101 IV 130; BGE 129 I 57 f.; Urteil des Bundesgerichtes 6B_283/2007 vom 

5. Oktober 2007 E. 2; DONATSCH/TAG, a.a.O., S. 268;  SCHWARZENEGGER / HUG / 

JOSITSCH, Strafrecht II, Strafen und Massnahmen, 8. Aufl., Zürich 2007, S. 162; 

BSK StGB - BOMMER, N 27 zu Art. 13 StGB). Ein Gutachten ist dann als nicht 

schlüssig zu erachten, wenn der Sachverständige die an ihn gestellten Fragen 

nicht beantwortet, wenn er seine Erkenntnisse und Schlussfolgerungen nicht be-

gründet oder diese in sich widersprüchlich sind oder die Expertise sonst an Män-

- 33 - 

geln krankt, die derart offensichtlich und auch ohne Fachwissen erkennbar sind, 

dass sie das Gericht nicht übersehen kann (Urteil des Bundesgerichtes 

6B_487/2011 vom 30. Januar 2012 E. 3.1.2). 

2.3. Gutachter Dr. med. Q._____ kam im Gutachten vom 16. Februar 2015 zum 

Schluss, dass die Schuldfähigkeit des Beschuldigten am 19. Oktober 2014 infolge 

einer "ausgeprägten Trunkenheit und der damit einhergehenden psychischen Be-

einträchtigung mit Personenverkennungen und allenfalls wahnhafter Realitätsver-

kennung" vollständig aufgehoben gewesen sei (Urk. 8/6 S. 14). Der Gutachter 

beurteilt damit sowohl die Tat- als auch die Rechtsfrage. 

2.3.1. Der von Dr. Q._____ festgestellte biologisch-psychologische Zustand des 

Beschuldigten zum Tatzeitpunkt, wonach dieser sich in einem ausgeprägten Zu-

stand der Trunkenheit befand, welcher einherging mit psychischen Beeinträchti-

gungen, ist nach dem Dargelegten grundsätzlich verbindlich. Jedoch liegen triftige 

Gründe dafür vor, diesen Befund anzuzweifeln. 

2.3.1.1. Das Gutachten enthält zunächst weder eine detaillierte Anamnese und 

Fremdanamnese noch eine breit abgestützte Befunderhebung oder eine umfas-

sende Beantwortung der Beweisfragen. Ebenso wenig sind die Schlussfolgerun-

gen des Gutachters kriterienorientiert, sachlich und transparent. Er macht teilwei-

se unrichtige, unvollständige und ungenaue Angaben, welche sich auf die recht-

lich relevanten Schlussfolgerungen auswirken (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 

6B_487/2011 vom 30. Januar 2012). So gibt er z.B. die Angaben etlicher Zeugen 

bezüglich des Zustandes des Beschuldigten unvollständig oder gar unrichtig wie-

der. I._____ sagte beispielsweise nicht, dass der Beschuldigte angetrunken ge-

wesen sei, sondern dass er „etwas“ angetrunken gewesen sei. Darüber hinaus 

gab sie aber auch an, dass er noch habe reden können (Urk. 4/10 Nr. 24 und 26). 

Weiter wurden die diesbezüglichen Angaben von F._____ nicht vollständig aufge-

führt, welche ausgesagt hatte, dass der Beschuldigte sicher betrunken gewesen 

sei, aber normal gestanden sei und nicht getorkelt habe (Urk. 8/6 S. 3; Urk. 4/7 

Nr. 27). Ob und inwiefern der Psychiater solche Angaben überhaupt bei der Beur-

teilung, ob der Beschuldigte nur unter einem einfachen oder einem qualifizierten 

Rausch stand, berücksichtigte, ist unklar. Etliche weitere Angaben im Gutachten 

- 34 - 

sind ebenfalls falsch, wie z.B. dass der Privatkläger gesagt haben soll, dass er 

nicht gefunden habe, dass der Beschuldigte alkoholisiert gewesen sei, was dieser 

eben doch ausführte (Urk. 8/6 S. 5; Urk. 3/3 Nr. 29). Eine E-Mail hat I._____ an 

die Staatsanwaltschaft nie geschickt (Urk. 8/6 S. 5; Urk. 1/1 S. 6). Die erwähnte 

Email wurde vom polizeilichen Sachbearbeiter an die Staatsanwaltschaft ge-

schickt (Urk. 4/5). 

2.3.1.2 Als massgeblichster Mangel des Gutachtens erscheint der Umstand, dass 

sich der Gutachter bei seiner Beurteilung offensichtlich vorbehaltlos und selektiv 

allein auf die Angaben des Beschuldigten stützt (über fünf von 12 Seiten hinweg), 

ohne diese auf Widersprüchlichkeiten zu überprüfen, welche bereits aus den im 

Gutachten zitierten Angaben hätten auffallen müssen (z.B. Urk. 8/6 auf S. 5: Ecs-

tasy-Tablette um 22.30 Uhr genommen, dagegen auf S. 8 von 21.00 bis 23.00 

Uhr bei Kollegen, dann in den Club, wo er dann diese Tablette eingenommen ha-

be; S. 8: Beschuldigter weiss nicht, wie oder weshalb er den Geschädigten die 

Bierflasche ins Gesicht geschlagen habe und dahingegen auf S. 10: Beschuldig-

ter lehnt das inkriminierte Delikt durch das geltend machen einer Amnesie ab). 

2.3.1.3. Nicht nachvollziehbar erscheint dieses Vorgehen in der vorliegenden 

Konstellation besonders deshalb, weil der Beschuldigte behauptet, sich an den 

Tathergang überhaupt nicht zu erinnern. Der Einzige, der die Tat an sich be-

obachten und in Bezug auf das Vorgehen des Beschuldigten bei der Tatausfüh-

rung Angaben machen konnte, war der Privatkläger. Mit dessen Aussagen setzt 

sich der Psychiater mit keinem Wort auseinander, sondern fasst diese nur knapp 

und selektiv, wenn nicht sogar falsch zusammen (Urk. 8/6 S. 3, 5), ohne diese 

dann in die Beurteilung miteinzubeziehen (Urk. 8/6 S. 10 ff.). Darüber hinaus er-

weckt das hauptsächliche, gar vollumfängliche Abstellen auf die Aussagen des 

Beschuldigten allein im Hinblick auf die Beurteilung des Grundwesens des Be-

schuldigten (Urk. 8/6 S. 12) ernsthafte Zweifel an der Feststellung einer psychi-

schen Beeinträchtigung. Denn allein gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten 

hält der Psychiater dafür, dass der Beschuldigte ein friedlicher Mensch sei, 

grundsätzlich nicht zu Gewalt neige und Streitereien zu schlichten versuche, und 

kommt gestützt hierauf zum Schluss, dass zum Tatzeitpunkt von einer über einen 

- 35 - 

einfachen Rausch hinausgehenden psychischen Beeinträchtigung auszugehen 

sei (Urk. 8/6 S. 12). Soweit der Gutachter F._____ zitiert, ist auf die Aussage des 

Beschuldigten hinzuweisen, wonach er diese sicher seit zehn Jahren nicht mehr 

gesehen habe (Urk. 13/7 S. 4). Diese kann das „normale“ Wesen des Beschuldig-

ten damit überhaupt nicht zuverlässig beschreiben. 

2.3.1.4. Besonders fragwürdig ist schliesslich der Befund der (angeblichen) Per-

sonenverkennung und von wahnhaften Beziehungsideen. Der Gutachter stützt 

sich bei diesem Befund einzig auf die vorbehaltlos übernommenen Angaben von 

F._____ und H._____, welche aussagten, dass der Beschuldigte beim Verlassen 

des Clubs seine Cousine erwähnte. Eine kritische Auseinandersetzung mit diesen 

Aussagen erfolgt unerklärlicherweise nicht, obwohl einzig H._____ glaubhaft aus-

führen konnte, gehört zu haben, dass der Beschuldigte beim Verlassen des Clubs 

etwas bezüglich der Cousine gesagt habe. F._____ dahingegen gab zwar auch 

Entsprechendes an. Doch wären ihre Aussagen kritisch beurteilt worden, wäre 

aufgefallen, dass diese Zeugin gemäss ihrer ersten Aussage zu diesem Zeitpunkt 

überhaupt noch nicht draussen war, d.h. Entsprechendes überhaupt nicht hätte 

wahrnehmen können. Ebenso wenig ging Gutachter Q._____ auf die Unstimmig-

keit der Aussagen dieser beiden Zeugen untereinander ein (vgl. oben E. II.5.7.3.). 

Unter Berücksichtigung der Aussagen des Privatklägers in seiner ersten Befra-

gung wonach der Beschuldigte gesagt habe, F._____ sei die Kollegin seiner Cou-

sine, wäre es durchaus denkbar gewesen, dass auch ein Wort diese Cousine be-

treffend gefallen ist und in der Hitze des Gefechts und infolge der wohl lauten Mu-

sik falsch verstanden wurde, wie das jedem durchschnittlichen Rechts- bzw. Ver-

brechergenossen hätte passieren können, ohne dass gleich eine die Steuerungs-

fähigkeit ausschliessende psychische Beeinträchtigung vorliegen müsste. Jeden-

falls aber erscheint diese Feststellung gestützt auf nicht fundierte, vage Behaup-

tungen nicht schlüssig. Dies umso mehr, als zu beachten gewesen wäre, das so-

gar der Beschuldigte selber angab, dass der Grund für die anfängliche verbale 

Auseinandersetzung F._____ war. Eine Cousine wird weder von ihm noch von ir-

gendjemandem sonst als möglicher Auslöser der Auseinandersetzung genannt. 

Erst nach der Verwirklichung der Tat kommt "die Cousine" gemäss Darstellung 

von F._____ und H._____ irgendwie und nicht rekonstruierbar ins Spiel. 

- 36 - 

2.3.1.5. Demzufolge erschüttern die aufgeführten Tatsachen die Überzeugungs-

kraft des gutachterlichen Befundes fundamental. Damit bestehen ernsthafte Zwei-

fel am Befund einer psychischen Beeinträchtigung mit Personenverkennungen 

und wahnhaften Beziehungsideen, weshalb nicht auf diese abgestellt werden 

kann. 

2.3.2. Es bleibt allein die Rechtsfrage zu beurteilen, ob die festgestellte „ausge-

prägte Trunkenheit“ bzw. die nachweisbare Alkoholisierung des Beschuldigten zur 

Schuldunfähigkeit bzw. zu einer Verminderung der Schuldfähigkeit führte. 

2.3.2.1. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung fällt bei einer Blutalkoholkon-

zentration von über 2 Gewichtspromille eine Verminderung der Zurechnungsfä-

higkeit in Betracht. Der Blutalkoholkonzentration kommt bei der Beurteilung der 

Zurechnungsfähigkeit allerdings keine vorrangige Bedeutung zu. Sie bietet ledig-

lich eine grobe Orientierungshilfe. Im Sinne einer groben Faustregel geht die 

Rechtsprechung lediglich davon aus, dass bei einer Blutalkoholkonzentration von 

unter 2 Gewichtspromille in der Regel keine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit 

gegeben ist und dass bei einer solchen von über 3 Promille meist Schuldunfähig-

keit vorliegt. Bei einer Blutalkoholkonzentration im Bereich zwischen 2 und 3 

Promille besteht somit im Regelfall die Vermutung für eine Verminderung der 

Schuldfähigkeit. Diese Vermutung kann jedoch im Einzelfall durch Gegenindizien 

umgestossen werden. Im medizinischen Schrifttum wird hervorgehoben, dass es 

keine feste Korrelation zwischen Blutalkoholkonzentration und darauf beruhender 

forensisch relevanter Psychopathologie gibt. Gewöhnung, Persönlichkeit und Tat-

situation sind stets in die Beurteilung einzubeziehen (Urteil des Bundesgerichtes 

6B_725/2009 vom 26. November 2009 E. 2.2 mit Verweis auf BGE 122 IV 49 

E. 1b S. 50 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichtes 6S.17/2002 vom 7. Mai 

2002 E. 1.c.aa). In BGE 122 IV 49 hat das Bundesgericht die Verneinung einer 

verminderten Schuldfähigkeit aufgrund von Gegenindizien sogar bei einer Blutal-

koholkonzentration von 2,09 bis 2,32 Promille geschützt (E. 1c). 

2.3.2.2. Somit haben konkrete Feststellungen über Alkoholisierung oder Nüch-

ternheit prinzipiell Vorrang gegenüber Blutalkoholwerten. Ausschlaggebend für 

die Beeinträchtigung von Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit ist der psychopatho-

http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_725%2F2009&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-IV-49%3Ade&number_of_ranks=0#page49

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logische Zustand (der Rausch), und nicht dessen Ursache, die Alkoholisierung, 

die sich in der Blutalkoholkonzentration widerspiegelt. Von einer aufgehobenen 

Steuerungsfähigkeit könnte aus psychiatrischer Sicht erst ausgegangen werden, 

wenn sich psychotische Störungen des Realitätsbezuges feststellen liessen. Dies 

wäre der Fall bei Störungen der Orientierung mit Situations- oder Personenver-

kennung sowie bei Zuständen, die von Halluzinationen oder Wahnvorstellungen 

determiniert wären, wie beispielsweise Fehlen der Ansprechbarkeit oder fehlende 

Reagibilität auf Aussenreize (Urteile des Bundesgerichtes 6S.17/2002 vom 7. Mai 

2002 E.1.c.aa; 6S.79/2007 vom 30.5.2007 E. 3.3 = BGE 133 IV 145 ff., m.w.H.). 

2.3.2.3. Das pharmakologisch-toxikologische Gutachten über den Beschuldigten 

vom 24. November 2014 hält fest, dass er zum Tatzeitpunkt eine Blutalkoholkon-

zentration von maximal 2.5 Gewichtspromille aufwies (Urk. 7/3). Von diesem Wert 

ist zugunsten des Beschuldigten auszugehen (Art. 10 Abs. 3 StPO). Unter der 

Wirkung anderer illegaler Substanzen stand er – entgegen des von ihm im Zu-

sammenhang mit der geltend gemachten Erinnerungslücke erwähnten Beikon-

sums von Cannabis und Ecstasy im Verlaufe des Abends – im Tatzeitpunkt nicht 

(Urk. 7/2 S. 4, Ziff. 2.2 f.). Weiter hält das Gutachten fest, dass sich die akute Al-

koholwirkung bei einer Blutalkoholkonzentration von 2 Promille u.a. regelmässig 

in deutlichen Gang- und Sprachstörungen und "später häufiger Amnesie" und bei 

einer Konzentration von 2.5 Promille u.a. in "Schwerem Rausch", allgemeinem 

Persönlichkeitsabbau sowie Bewusstseinseinengung bemerkbar macht. Eine 

Blutalkoholkonzentration von über 3 Promille bewirke in der Regel schwere Stö-

rungen der Orientierung (zu Person, Zeit, Ort), Torkeln und Lallen, zunehmende 

Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit sowie Amnesie nach Abklingen des 

Rausches (Urk. 7/2 S. 3). 

2.3.2.4. Diese Beeinträchtigungen – mit Ausnahme der geltend gemachten Am-

nesie – konnte die Assistenzärztin R._____ vom Spital E._____ ca. drei Stunden 

nach der Tat gemäss dem Protokoll der ärztlichen Untersuchung (Urk. 7/4, unda-

tiert, wohl aber vom 19. Oktober 2014 ca. zwischen 07.30 und 08.00 Uhr) nicht 

feststellen. Danach sei der Beschuldigte zwar merkbar beeinträchtigt und über-

müdet gewesen, nicht aber ausgeprägt beeinträchtigt. Sein Stand sei ferner si-

- 38 - 

cher, seine Orientierung erhalten, sein Verhalten ruhig, die Folgebewegungen 

seiner Augen unauffällig und der Bewegungsablauf ungestört gewesen. 

2.3.2.5. Der Beschuldigte rief die Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich (EZ) 

um 06.17 Uhr, mithin ca. zwei Stunden nach dem Vorfall an. Dieses Gespräch 

wurde aufgezeichnet (Urk. 1/4). Der Beschuldigte redete deutlich, flüssig, ge-

schlossen und verständlich. Die im Gutachten C._____ vom 15. Juli 2016 wieder-

gegebene Einschätzung, wonach der Beschuldigte "in leicht verschwommener 

Sprache" gesprochen habe (Urk. 86 S. 5 oben), entspricht exakt der Wortwahl zu 

dieser Frage im Anzeigerapport der Kantonspolizei Zürich vom 28. Oktober 2014 

(Urk. 1/1 S. 7). Im Anzeigerapport wird als Zeitpunkt des Telefonanrufs des Be-

schuldigten in der EZ mit 19.10.2014, 06:33 Uhr, angegeben, welche Zeitangabe 

sich wiederum exakt im Gutachten vom 15. Juli 2016 findet (Urk. 86 S. 5). Die 

Gesprächsaufzeichnung enthält indessen einen Anruf des Beschuldigten an die 

EZ vom 19.10.2014, um 06:19:19 Uhr (Urk. 1/4). Beim Abhören dieses Gesprä-

ches ergibt sich eine allerhöchstens sehr leicht verschwommene Sprache, wobei 

der Eindruck stark überwiegt, dass der Beschuldigte deutlich, flüssig, geschlossen 

und verständlich sprach (Beilage zu Urk. 1/4, CD). 

2.3.2.6. Der Privatkläger gab nach dem Zustand des Beschuldigten gefragt 

(Urk. 3/3 Nr. 25: "Wie wirkte der Beschuldigte auf Sie", …?) an, dass dieser zuerst 

völlig normal gewesen sei. Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung sei der 

Beschuldigte ihm ein wenig aggressiv vorgekommen. Er denke schon, dass der 

Beschuldigte zumindest unter Alkohol gestanden habe (Urk. 3/3 Nr. 29). Der Zeu-

ge H._____ führte aus, dass der Beschuldigte, als er diesen gesehen habe, am 

"Ausflippen" bzw. "ausser sich" gewesen sei und im Eingangsbereich habe zu-

rückgehalten werden müssen. Der Beschuldigte sei stark alkoholisiert gewesen. 

Bis er den blutenden Privatkläger gesehen habe, habe er sich noch gedacht, dass 

es sich lediglich um einen Streit zwischen zwei Personen handle, wie es im Club 

des Öfteren vorkomme (Urk. 1/1 S. 5; Urk. 42 S. 7). F._____ gab auf entspre-

chende Nachfrage an, dass der Beschuldigte erkennbar alkoholisiert gewesen 

sei. Zu Beginn der verbalen Auseinandersetzung habe sich der Beschuldigte in 

normalem Tonfall mit dem Privatkläger unterhalten, danach sei es lauter gewor-

- 39 - 

den. Der Beschuldigte sei ihrem Gefühl nach sicher betrunken gewesen. Seine 

Aussprache sei "betrunken" gewesen. Sein Stand sei normal gewesen. Soweit sie 

wisse, habe er nicht getorkelt. Als der Beschuldigte den Club verlassen habe, sei 

er sehr aggressiv gewesen und habe geschrien (Urk. 4/2 Nr. 3, 6, 9; Urk. 4/7 Nr. 

21, 23 – 27). G._____ beschrieb den Zustand des Beschuldigten nach dem Ver-

lassen des Clubs mit "aufgewühlt, leicht durcheinander, laut". Ansonsten habe er 

nicht so darauf geachtet. Er selber sei auch besoffen gewesen (Urk. 4/8 Nr. 25 f., 

27). I._____ bezeugte, dass der Beschuldigte "etwas angetrunken" gewesen sei. 

Er habe noch reden können. Auf seinen Gang bzw. Stand habe sie nicht geachtet 

(Urk. 4/10 S. 4).  

2.3.2.7. Keine der befragten Personen konnte damit zum Tatzeitpunkt deutliche 

Gang- und Sprachstörungen beobachten. Viele haben zwar gemerkt, dass der 

Beschuldigte angetrunken war, doch gefragt nach Auffälligkeiten in dessen Ver-

halten, konnte niemand etwas Auffälliges angeben. Es wurde stattdessen davon 

geredet, dass er nach der Tat ausser sich, sehr agressiv, hässig, aufgewühlt, 

leicht durcheinander und laut gewesen sei, was mit der verbalen Auseinanderset-

zung und dem Schlag mit der Flasche in Einklang steht. Laut den Aussagen von 

F._____ war der Beschuldigte vor dem Schlag noch durchaus in der Lage, sich 

mit ihr, und zu Beginn auch noch mit dem Privatkläger, zu unterhalten. Gleich be-

schreibt dies der Privatkläger. Zur Beurteilung der Frage, ob der Beschuldigte mit 

seinem Verhalten in hohem Masse in den Bereich des Abnormen fiel, ist die Aus-

sage des Privatklägers zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte ihn vor dem 

Zuschlagen mit der Flasche aufforderte, nach draussen zu gehen, nach Weige-

rung des Privatklägers diesen angrinste und er beim Verlassen des Clubs keiner-

lei Mühe hatte, den Privatkläger vor sich her schubsend, die Treppe hinunterzu-

steigen. Auch der Umstand, dass der Zeuge H._____ beim Anblick des Beschul-

digten sich zuerst nur dachte, dass es ein normaler, im Club immer wieder vor-

kommender Streit gewesen sei, gibt einen Anhaltspunkt dafür, dass der Beschul-

digte keine abnormen Auffälligkeiten an den Tag legte, welche sich von anderen 

alkoholisierten und streitenden Personen im Ausgang abhob. 

- 40 - 

2.3.2.8. Angesichts dieser Aussagen mehrerer Zeugen über den Zustand des Be-

schuldigten zum Tatzeitpunkt, des Protokolls der ärztlichen Untersuchung und 

aufgrund seines Tatvorgehens besteht kein Anlass, daran zu zweifeln, dass der 

Beschuldigte bis zu einem gewissen Grad noch steuerungsfähig und voll ein-

sichtsfähig war. Sein Verhalten vor, während und nach der Tat zeigt einen Reali-

tätsbezug, sagte er doch zum Privatkläger, dass er F._____ kenne, weil sie die 

Kollegin seiner Cousine sei. Sein Vorgehen wirkt überlegt, forderte er den Privat-

kläger doch zunächst auf, nach draussen zu gehen. Dies macht deutlich, dass er 

zu einem gewissen Grad noch die Fähigkeit besass, sich an Situationen anzu-

passen, namentlich keine anderen Gäste des Clubs in Mitleidenschaft zu ziehen 

und auf die richtigen Gelegenheiten zur Tatausführung zu warten. Erst als der 

Privatkläger auf die Aufforderung des Beschuldigten, nach draussen zu kommen, 

nicht reagierte, behändigte er eine Bierflasche und schlug ihm diese ins Gesicht. 

Weder die Tat als solche noch die Art und Weise der Ausführung weisen unge-

wöhnliche Auffälligkeiten auf, welche in vergleichbaren Fällen von tätlichen Aus-

einandersetzungen nicht auch vorkommen würden. Abnorme, über den einfachen 

Rausch hinausgehende psychische Beeinträchtigungen durch den Alkoholkon-

sum lassen sich nicht ausmachen. Der Beschuldigte war gemäss übereinstim-

menden Zeugenaussagen zwar aggressiv, aber ansprechbar, orientiert und auch 

nicht wahnhaft. 

2.4. Nach dem Dargelegten kann auf die nicht überzeugenden, anders lautenden 

Schlussfolgerungen des psychiatrischen Gutachtens von Dr. med. Q._____ vom 

16. Februar 2015 nicht abgestellt werden (vgl. Prot. II S. 24 f.). 

3. Das durch die Berufungsinstanz bei Prof. Dr. med. C._____ eingeholte psy-

chiatrische Gutachten zur Schuldfähigkeit des Beschuldigten im Tatzeitpunkt und 

zur Notwendigkeit einer allfälligen Weisung betreffend Alkoholabstinenz (Urk. 71) 

wurde am 15. Juli 2016 erstattet (Urk. 86). 

3.1. Das psychiatrische Gutachten vom 15. Juli 2016 stützt sich auf die für die 

Ausarbeitung zur Verfügung gestellten gesamten Verfahrensakten und die durch 

Prof. Dr. med. C._____ und der von ihm beigezogenen Mitarbeiterin, M.Sc. 

S._____ durchgeführten Untersuchungen des Beschuldigten in der Psychiatri-

- 41 - 

schen Universitätsklinik Zürich vom 8. Juni 2016 (1 ½ Stunden) und vom 4. Juli 

2016 (15 Min.) durch den Gutachter selbst, im Beisein der von ihm beigezogenen 

Sachverständigen, sowie eine ergänzende Befragung und testpsychologische Un-

tersuchung vom 4. Juli 2016 (1 Stunde) durch die beigezogene Sachverständige 

alleine, und auf die im Einverständnis des Beschuldigten von dieser eingeholten 

fremdanamnestischen Auskünften beim ehemaligen Vorgesetzten des Beschul-

digten am 14. Juni 2016 (Urk. 86 S. 1). 

3.2. Im psychiatrischen Gutachten vom 15. Juli 2016 kommen die beiden Sach-

verständigen zum Schluss (Urk. 86 S. 47 ff.), dass der Beschuldigte zum Tatzeit-

punkt an einer akuten Alkoholintoxikation (ICD-10: F10.0) litt, welche mit deutli-

chen Leistungseinbussen, insbes. in Bezug auf Verhaltensveränderungen, affekti-

ven Veränderungen, gedanklicher Einengung sowie Auffassungsstörungen ein-

hergingen. Eine zeitlich überdauernde psychische Störung oder eine Abhängigkeit 

von Suchstoffen lag nicht vor (Urk. 86 S. 31, 35, 37 ff.). 

3.2.1. Im Rahmen eines akuten Konflikts führte die schwere Alkoholintoxikation 

des Beschuldigten laut Gutachten zu Enthemmung, erhöhter Impulsivität und af-

fektiver Veränderungen im Sinne von Wut und Aggression (Urk. 86 S. 48), wes-

halb die Tat mit diesen Beeinträchtigungen im Zusammenhang steht. 

3.2.2. Bei der Frage einer Schuldunfähigkeit oder einer Verminderung der Schuld-

fähigkeit ergab die Begutachtung, dass die Rekonstruktion des Tatablaufs auf   

eine intoxikationsbedingte aggressive Überreaktion im Rahmen eines Konflikts 

verweist. Hinweise für eine psychotische Verkennung des Opfers oder von Aus-

sagen des Opfers ergaben sich für die Sachverständigen nicht, weshalb sie keine 

Aufhebung der Realitätsbezüge zum Tatzeitpunkt feststellten. Ebenso wenig 

ergaben ihre Befunde zur Bildungsanamnese, Intelligenz und dem Funktionsni-

veau Hinweise für forensisch relevante Einbussen der Einsichtsfähigkeit des Be-

schuldigten. Sie erkannten, dass aus forensisch-psychiatrischer Sicht zum Tat-

zeitpunkt insgesamt keine Einschränkungen seiner Einsichtsfähigkeit vorlagen. 

Hingegen kamen die beiden Sachverständigen bezüglich der schweren Alkoholin-

toxikation und damit assoziierten Leistungseinbussen (Verhaltensveränderung,  

affektive Auffälligkeiten, gedankliche Einengung, Auffassungsstörungen) zum 

- 42 - 

Schluss, dass eine forensisch relevante Verminderung der Steuerungsfähigkeit im 

Sinne eines Hemmungsverlustes vorlag. Innerhalb eines Spektrums erheblicher 

Einschränkungen des Steuerungsvermögens war die Steuerungsfähigkeit des 

Beschuldigten in mittelgradigem, bei einer Provokation durch das Opfer allenfalls 

auch in schwerem Ausmass vermindert. Eine Aufhebung der Steuerungsfähigkeit 

lag aber nicht vor, nachdem der Beschuldigte in der Lage war, die Gewaltanwen-

dungen zu begrenzen, den Interventionen von Freunden zu folgen und die Situa-

tion zu verlassen (Urk. 86 S. 49 f.). 

3.2.3. Die Erforderlichkeit einer Weisung betreffend Alkoholabstinenz wurde im 

Gutachten vom 15. Juli 2016 im Wesentlichen mit der einleuchtenden Begrün-

dung verneint, dass beim Beschuldigten keine erhöhte Ansprechbarkeit für Alko-

hol, keine erhöhte Leichtsinnigkeit in Bezug auf den Konsum und kein bewusster 

Konsum festgestellt wurde, um in intoxikiertem Zustand Delikte zu begehen. Zu-

dem fehlten Hinweise auf Beeinträchtigungen der psychosozialen Leistungsfähig-

keit, und es bestünden beim Beschuldigten weitere protektive Faktoren, wie 

durchschnittliche Intelligenz, körperliche Leistungsfähigkeit und Leistungsbereit-

schaft, berufliche und soziale Ressourcen und ein prosoziales Netzwerk. Eine ha-

bituelle Gewaltbereitschaft bei Nüchternheit und eine behandlungsbedürftige Ver-

anlagung zu unter Alkoholeinfluss geführten Konflikten lägen nicht vor. Legal-

prognostisch wird das Risiko einer erneuten Gewalthandlung im Gutachten als 

gering eingestuft (Urk. 86 S. 45 ff., 50). 

3.3. Die Verteidigung kritisiert in ihrer Stellungnahme vom 27. August 2016 zum 

Gutachten von Prof. Dr. med. C._____ vom 15. Juli 2016 und der von ihm beige-

zogenen Mitarbeiterin, M.Sc. S._____, dieses leide in formeller und materieller 

Hinsicht an elementaren Mängeln und könne daher nicht verwertet werden 

(Urk. 91, insbes. S. 15 a.E.). 

3.3.1. Die sachverständige Person sei gehalten, den Auftrag persönlich auszufüh-

ren und trage die alleinige Verantwortung dafür. Es sei unzulässig, dass bei medi-

zinischen Gutachten Chefärzte als Sachverständige benannt würden, welche die 

notwendigen Untersuchungen und Abklärungen, die Redaktion der eigentlichen 

Begutachtung und die Beantwortung der Fragen überwiegend durch Ober- oder 

- 43 - 

Assistenzärzte vornehmen liessen (Urk. 91 S. 2). Dem Gutachter sei im Auftrag 

vom 7. März 2016 erlaubt worden, für die Beschaffung von Grundlagen, des Tat-

sachenstoffes und die Ausarbeitung des Gutachtens Hilfspersonen beizuziehen. 

Vom Beizug von anderen Personen für die Gutachtenerstellung sei dem Auftrag 

nichts zu entnehmen, weshalb dies nicht vorgesehen gewesen sei. Das Gutach-

ten sei auch von M. Sc. S._____ unterzeichnet worden, weshalb diese Mit-Autorin 

sei. Deshalb müsse "davon ausgegangen werden", dass das Gutachten zu we-

sentlichen Teilen von M. Sc. S._____ erstellt worden sei (Urk. 91 S. 3 Rz 5.). Die-

se habe wesentliche Teile der Exploration des Beschuldigten selbständig durch-

geführt und gar die Fremdanamnese des ehemaligen Vorgesetzten alleine vorge-

nommen. 

3.3.2. Der durch die Berufungsinstanz mit Beschluss beauftragte Gutachter ist 

Prof. Dr. C._____ (Urk. 71; Urk. 77). Die ausdrücklich erlaubte und transparent 

ausgewiesene Mitarbeit der sachverständigen Mitarbeiterin (Fachpsychologin 

FSP), wie die Verteidigung zutreffend festhielt und deren fachliche Qualifikation 

herausstrich (Urk. 91 S. 3 Rz 6.), unter seiner Federführung macht die Mitwirken-

de nicht automatisch zur formellen Mitgutachterin. Ebenso wenig geschieht dies 

durch den rein formellen Akt der Mitunterzeichnung des Gutachtens, welche ledig-

lich bestätigt, dass die beigezogene Mitarbeiterin für die von ihr durchgeführten 

Untersuchungshandlungen mitverantwortlich ist und die Resultate und Schluss-

folgerungen des Gutachtens mitträgt. Sie verbleibt trotz Ausführung von Teilauf-

gaben der Begutachtung Hilfsperson des beauftragten Gutachters. Weshalb dies 

unzulässig gewesen sein sollte und weshalb davon ausgegangen werden müsse, 

dass das Gutachten zu wesentlichen Teilen von M. Sc. S._____ erstellt worden 

sei, legt die Verteidigung denn auch nicht weiter dar (Urk. 91 S. 3). Alleine aus 

dem Umstand, dass die Mitarbeiterin bei sämtlichen Erhebungen beim Beschul-

digten anwesend war, Teile der Exploration des Beschuldigten selbständig durch-

geführt und die Fremdauskunft beim ehemaligen Vorgesetzten alleine erhoben 

hat, kann dies jedenfalls nicht geschlossen werden. 

3.3.3. Wie die Verteidigung zutreffend wiedergab, wurde im Gutachtensauftrag er-

laubt, für die Beschaffung von Grundlagen, des Tatsachenstoffes und die Ausar-

- 44 - 

beitung des Gutachtens Hilfspersonen beizuziehen. Weshalb der Gutachter das 

Einholen der Fremdauskunft beim ehemaligen Vorgesetzten des Beschuldigten, 

mithin eine Beschaffung von Tatsachenstoff, nicht durch M. Sc. S._____ hätte 

vornehmen lassen dürfen, ist nicht ersichtlich und wird von der Verteidigung wie-

derum nicht näher erläutert. Die von der Verteidigung geltend gemachte Verlet-

zung von Art. 183 StPO entbehrt daher jeder Grundlage. Die bei der PUK offen-

bar aufgetretene Verwirrung über den Beizug einer Hilfsperson, welche mit dem 

Schreiben des Gutachters vom 1. April 2016 und einer Aktennotiz aus der Ge-

richtskanzlei Eingang in die Verfahrensakten fand (Urk. 79; Urk. 82; Urk. 91 S. 4 

Rz 8.), ändert daran ebenfalls nichts. 

3.3.4. Der Gutachter hat durch seine persönliche Exploration des Beschuldigten 

vom 8. Juni 2016 (1 ½ Stunden) und vom 4. Juli 2016 (15 Min.), im Beisein der 

von ihm beigezogenen Mitarbeiterin, seiner Pflicht, den Beschuldigten angemes-

sen persönlich zu untersuchen, mit diesen zwei unterschiedlich langen Sitzungen, 

wenn auch knapp, so aber doch ausreichend Genüge getan (vgl. vorstehend, 

Erw. III.3.1.), dies insbesondere aufgrund des Umstandes, dass beim Beschuldig-

ten keine Persönlichkeitsstörung vorliegt, welche es vertieft abzuklären gegolten 

hätte und das Augenmerk daher nicht so sehr auf einen profunden persönlichen 

Eindruck des Beschuldigten zu richten war, sondern vielmehr auf die Abklärung 

seines psychischen Zustandes zum Tatzeitpunkt im Zentrum stand und die sich 

daraus ergebenden Folgen einer Beeinträchtigung seiner Schuldfähigkeit in je-

nem zeitlich eng umgrenzten Zeitraum. Abgesehen davon ist es üblich und nicht 

zu beanstanden, dass die testpsychologische Untersuchung durch eine beigezo-

gene Psychologin erfolgte. Und nicht zuletzt ist es in einem gewissen Rahmen 

auch der ärztlichen Sachkunde zu überlassen, wie eingehende persönliche Un-

tersuchungen sich aufgrund der gutachterlichen Fragestellung und der bei einem 

Exploranden allenfalls vorhandenen psychiatrischen Eigenheiten aufdrängen 

resp. notwendig erscheinen. Auch die Tragweite der Tat des Beschuldigten im 

Vergleich zu anderen, gravierenderen Gewaltdelikten vermag die eher knappen 

persönlichen Untersuchungen des Beschuldigten durch den Gutachter zu recht-

fertigen. Darauf deutet im Übrigen auch der vom ersten Gutachter für die persön-

liche Untersuchung des Beschuldigten betriebene ähnliche Zeitaufwand von 

- 45 - 

(ebenfalls nicht mehr als) zwei Untersuchungen von einmal 1 ½ Stunden und 

einmal 1 Stunde hin, wobei bei jenem Gutachten nota bene keine weitere testpsy-

chologische Untersuchung durch eine weitere qualifizierte Hilfsperson erfolgte 

(Urk. 8/6 S. 2). Die Exploration durch Dr. med. Q._____ wurde von der Verteidi-

gung denn auch als angemessen taxiert (Urk. 91 S. 15 Rz 37.). 

3.3.5. In der Stellungnahme der Verteidigung vom 27. August 2016 wird weiter 

beanstandet, dass aus dem Gutachten vom 15. Juli 2016 nicht hervorgeht, ob 

resp. dass M. Sc. S._____ ihre Mitwirkung am Gutachten in Kenntnis von Art. 320 

StGB und Art. 307 StGB geleistet habe, weshalb infolge Fehlens dieses Gültig-

keitserfordernisses die gutachterlichen Erkenntnisse nicht verwertbar seien 

(Urk. 91 S. 6 Rz 11. f.). Nachdem M. Sc. S._____ mit Schreiben vom 14. Novem-

ber 2017 mitgeteilt hat, dass sie in Kenntnis der im Auftrag an den Gutachter vom 

7. März 2016 aufgeführten Hinweise auf Art. 307 StGB und Art. 320 StGB an der 

Begutachtung mitgewirkt habe (Urk. 115 und 117), ist auch dieses Erfordernis 

(Art. 184 Abs. 2 lit. e und f StPO) erfüllt, zumal dies auch von Prof. Dr. med. 

C._____ unterschriftlich bestätigt wird. Insofern ist entgegen den Ausführungen 

der Verteidigung in ihrer Stellungnahme vom 7. Dezember 2017 zum obgenann-

ten Schreiben (Urk. 123) davon auszugehen, dass ein entsprechender Hinweis 

erfolgt ist, auch wenn dies im Gutachten selbst nicht explizit vermerk