# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ae5f04a3-79a5-56fb-b128-c0b2ee4bdca9
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-25
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 25.01.2023 BK 2022 331
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2022-331_2023-01-25.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 22 331

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 25. Januar 2023

Besetzung Oberrichter Bähler (Präsident), Oberrichter Schmid,
Oberrichterin Hubschmid
Gerichtsschreiberin Lienhard

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, Post-
fach, 3001 Bern

C.________
a.v.d. Rechtsanwältin D.________

Straf- und Zivilklägerin/Beschwerdeführerin

Gegenstand Teileinstellung

Strafverfahren wegen Vergewaltigung

Beschwerde gegen die Verfügung der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Oberland vom 18. Juli 2022 (O 21 6921)

2

Erwägungen:

1.

1.1 Die Regionale Staatsanwaltschaft Oberland (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) führt 
gegen A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) ein Strafverfahren (O 21 6921) we-
gen Vergewaltigung, angeblich begangen am 3. Juli 2021 in E.________ zum Nach-
teil von C.________, sowie wegen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen. Mit 
Verfügung vom 18. Juli 2022 stellte die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren wegen 
Vergewaltigung ein. Dagegen reichte C.________ (nachfolgend: Beschwerdeführe-
rin), amtlich vertreten durch Rechtsanwältin D.________, am 3. August 2022 (Post-
eingang: 4. August 2022) Beschwerde ein und beantragte:
1. Die Verfügung vom 18. Juli 2022 sei aufzuheben und das Verfahren gegen A.________ wegen 

Vergewaltigung sei weiterzuführen.

2. Die Vorinstanz sei anzuweisen, gegen A.________ Anklage beim zuständigen Regionalgericht zu 
erheben.

3. Der Beschwerdeführerin sei für das Beschwerdeverfahren das Recht zur unentgeltlichen Rechts-
pflege gemäss Art. 136 StPO unter Beiordnung der unterzeichnenden Anwältin als amtliche Rechts-
beiständin zu gewähren.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolge

1.2 Mit Verfügung vom 8. August 2022 eröffnete die Verfahrensleitung ein Beschwerde-
verfahren und gab bekannt, dass die amtliche Vertretung der Beschwerdeführerin 
durch Rechtsanwältin D.________ auch im Beschwerdeverfahren bestehe. 

1.3 Mit Stellungnahme vom 29. August 2022 beantragte der Beschuldigte, amtlich ver-
teidigt durch Rechtsanwalt B.________, die kostenfällige Abweisung der Be-
schwerde. 

1.4 Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte mit Eingabe vom 30. August 2022 die 
kostenfällige Abweisung der Beschwerde.

1.5 Mit Verfügung vom 31. August 2022 nahm und gab die Verfahrensleitung von den 
Eingaben des Beschuldigten und der Generalstaatsanwaltschaft Kenntnis.

2.

2.1 Einstellungsverfügungen können von den Parteien innert 10 Tagen bei der Be-
schwerdekammer angefochten werden (Art. 322 Abs. 2 i.V.m. Art. 393 ff. der Schwei-
zerischen Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0], Art. 35 des Gesetzes über die Or-
ganisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1] 
i.V.m. Art. 29 Abs. 2 des Organisationsreglements des Obergerichts [OrR OG; 
BSG 162.11]). Die Beschwerdeführerin ist durch die angefochtene Verfügung unmit-
telbar in ihren rechtlich geschützten Interessen betroffen und somit zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 382 Abs. 1 StPO). Auf die form- und fristgerechte Be-
schwerde ist einzutreten.

2.2 Mit Stellungnahme vom 29. August 2022 reichte der Beschuldigte neu eine E-Mail 
von F.________, Kantonspolizei Bern, vom 29. September 2021 ein. Zumal die Be-
schwerdekammer sowohl in rechtlicher als auch in tatsächlicher Hinsicht über volle 

3

Kognition verfügt, sind Noven im Beschwerdeverfahren zulässig (Urteile des Bun-
desgerichts 1B_507/2020 vom 8. Februar 2021 E. 3.3.1; 1B_258/2017 vom 2. März 
2018; 6B_617/2016 vom 2. Dezember 2016 E. 3.4; 1B_493/2016 vom 16. Juni 2017 
E. 2; 1B_768/2012 vom 15. Januar 2013 E. 2.1).

3. Gemäss Anzeigerapport vom 7. November 2021 wird dem Beschuldigten vorgewor-
fen, die Beschwerdeführerin in der Nacht vom 3. Juli 2021 in seinem Studio in 
E.________ vergewaltigt zu haben, was von ihm bestritten wird. Der mutmassliche 
Vorfall wurde der Polizei am 3. Juli 2022 um 7:15 Uhr telefonisch durch G.________, 
Mitarbeiterin der I.________ (Bahn), gemeldet. Im Verlaufe des Morgens des 
3. Juli 2022 wurde der Beschuldigte an seinem Domizil angehalten und vorläufig 
festgenommen. Nachdem u.a. die rechtsmedizinischen Befunde vorlagen, wurde 
eine delegierte Einvernahme der Beschwerdeführerin anberaumt. Diese war 
zunächst für den 12. Oktober 2021 vorgesehen (vgl. Beilage 1 zur Stellungnahme 
des Beschuldigten) und konnte schliesslich am 5. November 2021 durchgeführt wer-
den. Am 14. April 2022 teilte die Staatsanwaltschaft den Parteien mit, dass beab-
sichtigt werde, das Verfahren hinsichtlich des Vergewaltigungsvorwurfs einzustellen, 
worauf die Beschwerdeführerin weitere Beweismassnahmen beantragte. Den Anträ-
gen folgend, gab die Staatsanwaltschaft der Polizei am 23. Mai 2022 die Ermittlung 
der Personalien inkl. Adresse von G.________ sowie die Abklärung sämtlicher poli-
zeilicher Vorgänge des Beschuldigten in Auftrag. Der Berichtsrapport betreffend die 
polizeilichen Vorgänge des Beschuldigten ging am 30. Mai 2022 ein. Zudem wurden 
der Beschuldigte und G.________ am 15. Juli 2022 durch die Staatsanwaltschaft 
einvernommen. Am 18. Juli 2022 erging die angefochtene Verfügung.

4. Die Staatsanwaltschaft führt zur Begründung an, dass die polizeilichen Ermittlungen 
keine konkreten Hinweise zu Tage gefördert hätten, welche darauf hindeuteten, dass 
die sexuellen Handlungen zwischen der Beschwerdeführerin und dem Beschuldigten 
nicht im gegenseitigen Einverständnis erfolgt wären. Die Aussagen des Beschuldig-
ten seien durchwegs klar, widerspruchslos, spontan, mindestens in sich stimmig und 
demzufolge nachvollziehbar und plausibel. Demgegenüber verstricke sich die Be-
schwerdeführerin durch die von ihr geltend gemachten Flashbacks in Widersprüche 
und Unstimmigkeiten, was die Klärung der tatsächlichen Umstände erheblich er-
schwere. Die genaue Anzahl dieser Flashbacks, die zeitliche Einordnung sowie die 
genauen Auswirkungen derselben auf das Bewusstsein der Beschwerdeführerin 
blieben unklar. Es sei von Erinnerungen an eine Vergewaltigung in der Kindheit, von 
Ohnmacht und von Nicht-mehr-Sprechen-können die Rede. Selbstverständlich 
könne der Beschwerdeführerin nicht vorgeworfen werden, dass ihre Schilderungen 
hinsichtlich dieser Phasen der Nacht diffus und undurchsichtig blieben, zumal dies 
offensichtlich in der Natur dieser Flashbacks liege. Indessen dürfe dies ebenso 
selbstverständlich nicht zum Nachteil des Beschuldigten gereichen. Es sei zudem 
nicht ausgeschlossen, dass es bei der Beschwerdeführerin durch die Wechsel der 
Bewusstseinszustände zu Vermischungen zwischen der aktuellen Realität und Erin-
nerungen an schlimme frühere Erlebnisse gekommen sein könnte. Auch die wenigen 
objektivierbaren Indizien sprächen nicht dafür, dass der Sexualkontakt gegen den 
Willen der Beschwerdeführerin erfolgt sei. Es werde dazu insbesondere auf die un-
mittelbar nach der Tat protokollierte Erstaussage der Beschwerdeführerin verwiesen, 

4

wonach sie sich «mit allem, was sie hatte, zur Wehr gesetzt habe» und den Beschul-
digten an beiden Armen gekratzt habe. Solche Kratzspuren hätten anlässlich der 
gerichtsmedizinischen Untersuchung weder an den Armen noch sonst wo festge-
stellt werden. Damit konfrontiert, habe die Beschwerdeführerin ihre Aussage dahin-
gehend korrigiert, dass sie ihn wohl nur zu kratzen versucht habe. Ähnlich verhalte 
es sich mit den Aussagen, wonach sie dem Beschuldigten angeblich mit einem Feu-
erzeug an den Armen Haare angesengt habe und der Beschwerdeführer sie durch 
ein auf sie Abstützen gewürgt habe, was beides nicht durch die Berichte des Institu-
tes für Rechtsmedizin habe bestätigt werden können. 

5.

5.1 Rechtliche Grundlagen

Die Staatsanwaltschaft verfügt gemäss Art. 319 Abs. 1 StPO u.a. dann die Einstel-
lung des Verfahrens, wenn kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage rechtfertigt 
(Bst. a). 

Der Entscheid über die Einstellung eines Verfahrens hat sich nach dem Grundsatz 
«in dubio pro duriore» zu richten. Dieser ergibt sich aus dem Legalitätsprinzip und 
bedeutet, dass eine Einstellung durch die Staatsanwaltschaft grundsätzlich nur bei 
klarer Straflosigkeit oder offensichtlich fehlenden Prozessvoraussetzungen angeord-
net werden darf. Hingegen ist, sofern die Erledigung mit einem Strafbefehl nicht in 
Frage kommt, Anklage zu erheben, wenn eine Verurteilung wahrscheinlicher er-
scheint als ein Freispruch. Ist ein Freispruch genauso wahrscheinlich wie eine Ver-
urteilung, drängt sich in der Regel, insbesondere bei schweren Delikten, eine Ankla-
geerhebung auf (BGE 143 IV 241 E. 2.2.1 und 138 IV 86 E. 4.1.1; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_918/2014 vom 2. April 2015 E. 2.1). Dies bedeutet mit anderen Wor-
ten nichts Anderes, als dass einzustellen ist, wenn ein Freispruch wahrscheinlicher 
ist als ein Schuldspruch. Bei zweifelhafter Beweis- oder Rechtslage hat nicht die 
Staatsanwaltschaft über die Stichhaltigkeit des strafrechtlichen Vorwurfs zu ent-
scheiden, sondern das zur materiellen Beurteilung zuständige Gericht. Der Grund-
satz, dass im Zweifel nicht eingestellt werden darf, ist auch bei der Überprüfung von 
Einstellungsverfügungen zu beachten (BGE 143 IV 241 E. 2.2.1; 138 IV 186 E. 4.1; 
138 IV 86 E. 4.1; je mit Hinweisen).

Dennoch darf und muss die Staatsanwaltschaft bei der Prüfung der Frage, ob nach 
der Aktenlage ein Freispruch zu erwarten ist, die Beweise würdigen (vgl. statt vieler: 
Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern BK 21 430 vom 25. Januar 2022 
E. 5.1 mit Hinweis). Der Staatsanwaltschaft steht in diesem Zusammenhang ein Er-
messensspielraum zu (BGE 138 IV 186 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 
6B_1254/2020 vom 20. Januar 2021, in welchem das Bundesgericht implizit 
bestätigt hat, dass auch bei einem «Vier-Augen-Delikt» bzw. einem Delikt ohne Zeu-
gen eine Einstellung möglich ist und die Staatsanwaltschaft sich mit der Beweislage 
auseinandersetzen darf; Beschlüsse des Obergerichts des Kantons Bern BK 22 29 
vom 11. August 2022 E. 5.1; BK 21 226 vom 22. November 2021 E. 3.2).

Gerade bei schweren Delikten darf die Staatsanwaltschaft jedoch nicht in antizipier-
ter Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" von einer Anklageerhebung ab-
sehen. Dies gilt auch in Fällen, in denen "Aussage gegen Aussage" steht (Urteil des 

5

Bundesgerichts 6B_698/2016 vom 10. April 2017 E. 2.4.2). Stehen sich gegensätz-
liche Aussagen gegenüber und ist es nicht möglich, die einzelnen Aussagen als 
glaubhafter oder weniger glaubhaft zu bewerten, ist nach dem Grundsatz «in dubio 
pro duriore» in der Regel Anklage zu erheben (Urteile des Bundesgerichts 
6B_698/2016 vom 10. April 2017 E. 2.4.2, 6B_918/2014 vom 2. April 2015 E. 2.1.2 
und 6B_856/2013 vom 3. April 2014 E. 2.2). Dies gilt insbesondere, wenn typische 
«Vier-Augen-Delikte» zu beurteilen sind, bei denen oftmals keine objektiven Beweise 
vorliegen. Auf eine Anklageerhebung kann hingegen verzichtet werden, wenn der 
Strafkläger ein widersprüchliches Aussageverhalten offenbart hat und seine Aussa-
gen daher wenig glaubhaft sind oder wenn eine Verurteilung unter Einbezug der ge-
samten Umstände aus anderen Gründen als von vornherein unwahrscheinlich er-
scheint (BGE 143 IV 241 E. 2.2.2 mit Hinweisen).

5.2 Wie auch der angefochtenen Verfügung zu entnehmen ist, wird das Rahmengesche-
hen von den Parteien übereinstimmend geschildert. Differenzen bestehen demge-
genüber mit Blick auf den Kernsachverhalt bzw. die Einvernehmlichkeit des Sexual-
kontakts. Zur Beurteilung des Vergewaltigungsvorwurfs liegen keine direkten Be-
weise vor. Dazu stehen lediglich die sich widersprechenden Aussagen der Be-
schwerdeführerin und des Beschuldigten zur Verfügung.  Wie vom Beschuldigten 
vorgebracht, helfen auch die Aussagen von G.________ als Zeugin mit Blick auf die 
Klärung des Kernsachverhalts nicht weiter, zumal sie nicht vor Ort war und entspre-
chend auch keine Aussagen aus eigener Wahrnehmung machen konnte. Es handelt 
sich mithin um eine «Aussage gegen Aussage»-Situation. 

Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, ist es derzeit indes nicht möglich, die jeweiligen 
Aussagen als glaubhafter oder weniger glaubhaft zu bewerten.

5.2.1 Der Staatsanwaltschaft und dem Beschuldigten ist zuzustimmen, dass die Aussagen 
der Beschwerdeführerin zum Kerngeschehen gewisse Widersprüche und Unstim-
migkeiten aufweisen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Beschwerdeführerin 
nur wenige Stunden nach dem mutmasslichen Übergriff einvernommen wurde und 
zu Beginn der ersten Einvernahme unverkennbar offenlegte, dass sie müde und et-
was überfordert sei (Einvernahme der Beschwerdeführerin vom 3. Juli 2021, S. 2 
Z. 39). Dennoch konnte sie den Ablauf des Abends bis und mit den ersten von ihr 
abgelehnten Annäherungsversuchen klar wiedergeben (a.a.O., S. 3 Z. 69-80; S. 6, 
Z. 215-222 und Z. 26-244). Auch die Erzählung, wonach der Beschuldigte immer wie 
anhänglicher geworden sei, je später es geworden sei und je mehr er getrunken 
gehabt habe (a.a.O., S. 3 Z. 80-81; vgl. auch Einvernahme der Beschwerdeführerin 
vom 5. November 2021, S. 4 Z. 111-112), erscheint nachvollziehbar, zumal notorisch 
ist, dass Alkohol enthemmend wirkt. Dass der Beschuldigte Alkohol getrunken hat, 
ist unbestritten. So gab der Beschuldigte an, mit der Beschwerdeführerin eine Fla-
sche Weisswein, eine Flasche Rosé sowie zwei Jägermeister Shots getrunken zu 
haben. Bevor er die Beschwerdeführerin angetroffen habe, habe er noch zwei 0.5 l 
Biere getrunken (Einvernahme des Beschuldigten vom 3. Juli 2021, S. 4, Z. 114-115 
und 120-122). Da die auf den Ereigniszeitpunkt (3. Juli 2021, 4:00 Uhr) zurückge-
rechnete Blutalkoholkonzentration beim Beschuldigten einen Minimalwert von 
1.98 Gew. ‰ resp. einen Maximalwert von 3.30 Gew. ‰ ergeben hat (Forensisch-
toxikologische Alkoholbestimmung vom 7. Juli 2021), während der am 3. Juli 2021 

6

um 11:30 Uhr bei der Beschwerdeführerin durchgeführte Atemalkoholtest 0 ‰ erge-
ben hatte (Einvernahme der Beschwerdeführerin vom 3. Juli 2021, S. 19 Z. 858-859 
[Verbal]), muss davon ausgegangen werden, dass vornehmlich der Beschuldigte 
den obengenannten Alkoholika zugesprochen hat. 

Wie in der Beschwerde angeführt, ist weiter festzuhalten, dass die Beschwerdefüh-
rerin kurz bevor sie mit ihren Erzählungen am Punkt angelangte, ab dem die Erinne-
rungen diffuser wurden, ankündigte, dass jetzt ein «Chrüsi-Müsi-Teil» komme, den 
sie, so gut es gehe, zu schildern versuche (Einvernahme der Beschwerdeführerin 
vom 3. Juli 2021, S. 3 Z. 84-85). Im Anschluss führte sie im Wesentlichen aus, dass 
die von ihr abgelehnten Berührungen des Beschuldigten immer mehr geworden 
seien, so dass sie in ein Flashback gefallen sei (a.a.O., S. 3 Z. 85-87; vgl. auch S. 7 
Z. 263-273; S. 8 Z. 306-308). Die Situation mit dem Beschuldigten habe sie an eine 
Vergewaltigung in der Kindheit erinnert. Sie habe sich seriös zur Wehr gesetzt, mit 
Kraft und allem Drum und Dran. Sie habe eine Panikattacke gehabt und hyperventi-
liert. Der Beschuldigte habe gemerkt, dass etwas nicht gut sei, nachgefragt und dann 
trotzdem weitergemacht. Darauf sei sie in ein grosses Flashback gefallen und habe 
nicht mehr sprechen können. Sie nehme an, dass sie ohnmächtig geworden sei. Das 
nächste, woran sie sich erinnern könne, sei, dass der Beschuldigte mit ihr Sex ge-
habt habe (a.a.O., S. 3 Z. 87-97). Als er gemerkt habe, dass sie wieder zu sich 
komme, habe er «oh, oh…» gesagt (a.a.O., S. 3 Z. 97; vgl. auch S. 11 Z. 481). Auf-
grund ihres Flashbacks habe sie nicht sprechen können. Sie habe versucht zu flie-
hen, was ihr anfänglich auch gelungen sei (a.a.O., S. 3 f. Z. 105-107). Der Beschul-
digte habe sie jedoch auf der Strasse eingeholt, und ihr gedroht, dass er sie grün 
und blau schlagen werde. Aus Angst sei sie zu ihm zurückgegangen. Als sie vor dem 
Zimmer habe stehen bleiben wollen, habe er sie zurück ins Zimmer gerissen (a.a.O., 
S. 4 Z.124-127). Das Flashback sei gekommen und gegangen (a.a.O., S. 4 Z. 128-
129). In der Zeit, als sie habe fliehen wollen, habe er sie jeweils sehr grob festgehal-
ten und sie immer wieder auf das Bett zurückgedrückt (.a.O., S. 4 Z. 138-140).

An das Detail, wonach der Beschuldigte «oh, oh…» gesagt habe, als er gemerkt 
habe, dass sie wieder zu sich komme (a.a.O., S. 3 Z. 97; vgl. auch S. 11 Z. 481), 
konnte sich die Beschwerdeführerin anlässlich der zweiten Einvernahme, welche 
rund vier Monate nach der mutmasslichen Tat stattgefunden hat, wieder erinnern. 
So gab sie auch dort an, dass der Beschuldigte einen Kraftausdruck wie «oh 
Scheisse» gebraucht habe, als sie wieder zu sich gekommen sei. Den genauen Aus-
druck wisse sie nicht mehr, sie habe ihn aber anlässlich der letzten Einvernahme 
gesagt (Einvernahme der Beschwerdeführerin vom 5. November 2021, S. 4 Z. 126-
128). Weiter sagte sie an beiden Einvernahmen aus, der Beschuldigte habe ihr Ge-
sicht sehr oft geküsst und ihre Ohrläppchen «sehr interessant» gefunden (Einver-
nahme der Beschwerdeführerin vom 3. Juli 2021, S. 3, Z. 97 und S. 9 Z. 380-382; 
Einvernahme der Beschwerdeführerin vom 5. November 2021, S. 4 Z. 121-122). Zu-
dem sagte sie anlässlich beider Einvernahmen aus, dass der Beschuldigte sie, nach 
dem sie seine Annäherungsversuche abgelehnt hatte, in einer Umarmung bzw. am 
Oberkörper rücklings auf das Bett befördert habe (Einvernahme der Beschwerdefüh-
rerin vom 3. Juli 2021, S. 6 Z. 226-233; Einvernahme der Beschwerdeführerin vom 
5. November 2021, S. 4 Z. 111-114). Schliesslich sagte sie wiederholt aus, dass sie 
den Beschuldigten von sich weggestossen habe, als sie wieder zu sich gekommen 

7

sei. Dabei sei er fast vom Bett gefallen (Einvernahme der Beschwerdeführerin vom 
3. Juli 2021, S. 11 Z. 481-483; S. 12 Z. 518-519; Einvernahme der Beschwerdefüh-
rerin vom 5. November 2021, S. 4 Z. 128-129).

Mit konkreten Diskrepanzen in ihren Aussagen konfrontiert, führte die Beschwerde-
führerin zunächst zur Erklärung an, dass alles wie ein grosser Knoten sei (Einver-
nahme der Beschwerdeführerin vom 5. November 2021, S. 13 Z. 538). Später prä-
zisierte sie, dass die erste Einvernahme sehr kurz nach der Tat stattgefunden habe 
und sie zwischenzeitlich einen differenzierteren Blick auf die ganze Sache habe. Da-
mals sei es wie ein grosser Knoten gewesen, heute könne sie die Geschehnisse 
besser auseinanderhalten (a.a.O., S. 15 Z. 640-642). Inwiefern diese (vom Beschul-
digten im Übrigen nicht ganz korrekt wiedergegeben) Aussagen der Beschwerdefüh-
rerin konstruiert, wenig nachvollziehbar und damit wie Schutzbehauptungen wirken 
sollen, erschliesst sich der Kammer nicht. Dass die Beschwerdeführerin um eine 
möglichst korrekte Widergabe der Geschehnisse bemüht war, zeigt sich bereits an-
hand der aktenkundigen, von ihr am Morgen nach der mutmasslichen Tat angefer-
tigten Notizen (vgl. Einvernahme G.________ vom 15. Juli 2022, S. 2 Z. 50-52 und 
S. 3 Z. 60-61 und 67-68). Dass es trotz dieser Notizen noch zu Divergenzen in ihren 
Aussagen gekommen ist, dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass die Erinnerun-
gen der Beschwerdeführerin an die fragliche Phase der Nacht diffus sind, worauf sie 
– wie erwähnt – von Beginn weg hingewiesen hatte. 

Wie die Staatsanwaltschaft selbst festhält, darf der Umstand, dass die Schilderungen 
der Beschwerdeführerin hinsichtlich der fraglichen Phase der Nacht diffus und un-
durchsichtig bleiben, der Beschwerdeführerin nicht vorgehalten werden. Gleiches gilt 
für die Tatsache, dass sie teilweise Mühe hatte, das Geschehene zeitlich einzuord-
nen. Geht man davon aus, dass die Beschwerdeführerin aufgrund dieser Flashbacks 
tatsächlich in ihrem Bewusstsein und/oder ihrer Wahrnehmung beeinträchtigt war, 
gilt es diesen Umstand, wie in der Beschwerde angeführt, bei der Würdigung der 
Aussagen zu berücksichtigten. Allenfalls wäre diesbezüglich ausnahmsweise auch 
noch eine Fachperson beizuziehen. Ebenfalls könnte ein solche auch dazu befragt 
werden, wie sich der Cannabiskonsum der Beschwerdeführerin auf deren Wahrneh-
mung und Erinnerungsvermögen ausgewirkt haben könnte. 

Nach dem Gesagten erweisen sich die Aussagen der Beschwerdeführerin – zumin-
dest derzeit – nicht per se als unglaubhaft. Auch wenn sie das Geschehene aufgrund 
ihres Zustands nicht mehr linear wiedergeben konnte, ergibt sich nach summarischer 
Würdigung ihrer Aussagen ein stimmiges Bild dessen, wie es zum Geschlechtsver-
kehr gekommen und wie dieser abgelaufen sein könnte. 

5.2.2 Soweit der Beschuldigte vorbringt, dass auch die rechtsmedizinischen Befunde 
Zweifel an den Aussagen der Beschwerdeführerin aufkommen liessen, trifft es zwar 
zu, dass im Rahmen seiner rechtsmedizinischen Untersuchung keine typischen 
Kratzspuren gefunden werden konnten. Ebenso wenig geht aus dem Gutachten des 
Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern (nachfolgend: IRM) hervor, dass an 
den Armen des Beschuldigten mit einem Feuerzeug angesengte Haare gefunden 
worden wären (Rechtsmedizinisches Gutachten zur körperlichen Untersuchung des 
Beschuldigten vom 8. Juli 2021, S. 2 f.). Die rechtsmedizinische Untersuchung der 
Beschwerdeführerin hat denn auch keine Hinweise auf einen Angriff gegen den Hals 

8

oder eine lebensbedrohliche Komprimierung der Halsgefässe im Sinne von Stau-
ungsblutungen ergeben (Rechtsmedizinisches Gutachten zur körperlichen und gy-
näkologischen Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 8. Juli 2021, S. 2 und 5). 
Mit der Beschwerdeführerin ist jedoch daran zu erinnern, dass nicht jedes Kratzen 
nachhaltig sichtbare Spuren hinterlässt. Gleiches gilt für das von ihr geschilderte wür-
geartige Abstützen des Beschuldigten auf ihrem Hals (vgl. Einvernahme der Be-
schwerdeführerin vom 3. Juli 2021, S. 17 Z. 785-786; Einvernahme der Beschwer-
deführerin vom 5. November 2021, S. 17 Z. 759-765). 

Wenn der Beschuldigte sinngemäss vorbringt, die Beschwerdeführerin habe ihre 
Aussagen betreffend das Kratzen anlässlich der zweiten Einvernahme dem Ermitt-
lungsstand angepasst, ist festzuhalten, dass der Umstand, dass die Beschwerdefüh-
rerin die ursprünglich geschilderte Wirkung des Abwehrversuchs in Kenntnis der 
rechtsmedizinischen Befunde in Widererwägung gezogen hat, ihr nicht per se zum 
Nachteil gereichen darf. Im Übrigen ist ohnehin fraglich, welcher Beweiswert den 
fehlenden Abwehrspuren am Körper des Beschuldigten mit Blick auf die Frage nach 
der Einvernehmlichkeit des Sexualkontakts zu kommt. So antwortete die Beschwer-
deführerin konkret danach gefragt, wann sie den Beschuldigten gekratzt habe: «Ich 
glaube, dass dies nach dem Sex war, als ich mich mit allem was ich hatte zur Wehr 
gesetzt habe» (Einvernahme der Beschwerdeführerin vom 3. Juli 2021, S. 10 Z. 426-
432). Auf Frage, wann sie versucht habe, den Beschuldigten mit dem Feuerzeug 
abzufackeln, gab sie an, dass dies am Ende gewesen sei, als er sie noch festgehal-
ten habe, nachdem sie schon einmal draussen gewesen sei (a.a.O., S. 10 Z. 435-
443; zum Ganzen: Einvernahme der Beschwerdeführerin vom 5. November 2021, 
S. 5 Z. 156-173; S. 15 Z. 644-652). Dass die Beschwerdeführerin das Studio nach 
dem Geschlechtsverkehr verlassen hatte und vom Beschuldigten wieder zurückge-
holt wurde, ist – wie in der angefochtenen Verfügung festgehalten – unbestritten.

Mit Blick auf die rechtsmedizinischen Befunde ist mit der Beschwerdeführerin 
schliesslich festzuhalten, dass die Zeichen stumpfmechanischer Einwirkung an der 
rechten Oberschenkelaussenseite, dem linken Knie und dem linken Unterschenkel 
der Beschwerdeführerin gemäss IRM zumindest teilweise in der fraglichen Nacht 
entstanden sein könnten (Rechtsmedizinisches Gutachten zur körperlichen und gy-
näkologischen Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 8. Juli 2021, S. 3 f.).

5.2.3 Entgegen der Staatsanwaltschaft gelangt die Beschwerdekammer weiter zum 
Schluss, dass die Aussagen des Beschuldigten nicht ohne Weiteres als «durchwegs 
klar, widerspruchslos, spontan, mindestens in sich stimmig und demzufolge nach-
vollziehbar und plausibel» beurteilt werden können. Der Verteidigung ist zwar zuzu-
stimmen, dass sich der Beschuldigte anlässlich seiner ersten Einvernahme zu jegli-
chen Fragen im Zusammenhang mit dem Kerngeschehen äusserte. Es fällt jedoch 
auf, dass er den eigentlichen Geschlechtsverkehr nur sehr knapp schilderte. Auch 
die Generalstaatsanwaltschaft kommt zum Schluss, dass die Aussagen des Be-
schuldigten zum Kern des Tatvorwurfs eher dürftig seien. Gleich verhält es sich mit 
der spontanen Schilderung, wie es zum Geschlechtsverkehr gekommen sein soll. 
So sagte der Beschuldigte auf Frage, wie der Abend nach dem Spazieren durch 
E.________ verlaufen sei, von sich aus lediglich aus, dass sie bei ihm gewesen 
seien und Wein getrunken hätten. Bis ca. 01:00 oder 01:30 Uhr hätten sie zusammen 

9

gesprochen. Danach hätten sie sich ins Bett gelegt. Sie sei dann irgendwann noch 
kiffen gegangen. Er habe glaublich nicht mitgeraucht. Dann habe das «Taradi Ta-
rada» begonnen. Seiner Meinung nach sei sie zu diesem Zeitpunkt noch anwesend 
gewesen (Einvernahme des Beschuldigten vom 3. Juli 2021, S. 5 Z. 142-148). Auch 
auf Frage, was er unter «Taradi Tarada» verstehe, ging der Beschuldigte nicht weiter 
ins Detail, sondern sagte lediglich: «Schmusen, knuddeln, schlussendlich Sex» 
(a.a.O., S. 5, Z. 158). Konkret danach gefragt, wie es dann weitergegangen sei, 
sagte er aus: «Dann begann der Sex. Wir schmusten und zogen uns aus. Beim Rest 
will ich die Aussage verweigern. Es ist nicht so mein Ding, darüber zu sprechen. Also 
nicht das ich Hemmungen habe. Aber ich brauche das nicht so, Stellungen durchzu-
gehen oder so. Nicht dass es viele waren aber ja» (a.a.O., 7, Z. 233-236). Auch im 
Rahmen der freien Erzählung anlässlich der zweiten Einvernahme blendete der Be-
schuldigte den Geschlechtsverkehr fast gänzlich aus und erwähnte diesen nur 
beiläufig, als er aussagte: «So viel mir noch ist, hat sie mich dann geküsst und es 
führte dann zum Einen und Anderen» (Einvernahme des Beschuldigten vom 
15. Juli 2022, S. 2 Z. 35-36). Dass der Beschuldigte (teilweise) von seinem Aussa-
geverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hat, darf ihm nicht zu Last gelegt werden. 
Soweit die Verteidigung jedoch vorbringt, er habe sich bloss zu dieser Aussage ver-
leiten lassen, weil er nicht gerne über derartige Sachen spreche, ist daran zu erin-
nern, dass sich der Beschuldigte später dennoch dazu äusserte. So führte er anläss-
lich der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft aus, dass sich der Geschlechts-
verkehr in der Missionarsstellung abgespielt habe, sie keinen Oralsex gehabt hätten 
und es zügig vorangegangen sei. Auch habe er bereits Sex mit bezahlten Frauen 
gehabt, was er besser auch weiter gehabt hätte (a.a.O., S. 4 Z. 105-107). Unter die-
sem Gesichtspunkt wirkt die ursprüngliche Antwort eher stereotypisch. 

Mit der Beschwerdeführerin ist sodann festzuhalten, dass der Beschuldigte anläss-
lich der Einvernahme der Staatsanwaltschaft, welche über ein Jahr nach der mut-
masslichen Tat stattgefunden hat, neu und mehrfach angegeben hat, dass der Um-
stand, dass er der Beschwerdeführerin gesagt habe, dass er sich nichts Ernsthaftes 
vorstellen könne, der Auslöser dafür gewesen sei, dass sie ausgewechselt, wie ab-
wesend gewesen sei (a.a.O., S. 1 Z. 36-40, S. 3 80-82, S. 3 f. Z. 91-97). Unmittelbar 
nach dem mutmasslichen Vorfall hatte er demgegenüber noch ausgesagt, dass die 
Beschwerdeführerin nach dem Sex, ca. um 03:00 Uhr noch kiffen gegangen sei, was 
seiner Einschätzung nach der Grund für ihren Zustand gewesen sein dürfte (a.a.O., 
S. 7 Z. 253-254 und 359-361). Dass sie nach dem Geschlechtsverkehr noch einmal 
gekifft haben soll, wird von der Beschwerdeführerin bestritten (Einvernahme der Be-
schwerdeführerin vom 5. November 2021, S. 12 Z. 511-516). Zumal davon auszu-
gehen ist, dass der Beschuldigte die Erklärung in Zusammenhang mit dem Bezie-
hungsthema bereits früher vorgebracht hätte, wenn dieses tatsächlich zur Sprache 
gekommen wäre, könnte es sich dabei um eine Schutzbehauptung handeln. Weiter 
ist festzuhalten, dass selbst wenn die Beziehungsfrage aufgekommen wäre – was 
nach einem erstmaligen Treffen eher unwahrscheinlich erscheint – und das Ergebnis 
nicht im Sinne der Beschwerdeführerin ausgefallen wäre, dies im Normalfall keinen 
Grund darstellen würde, jemanden zu Unrecht wegen Vergewaltigung anzuzeigen. 
So oder anders wird aufgrund der Aussagen des Beschuldigten jedoch deutlich, dass 

10

der von der Beschwerdeführerin als Flashback beschriebene Zustand vom Beschul-
digten nicht unbemerkt geblieben ist. 

Weiter fällt auf, dass der Beschuldigte danach gefragt, ob sich die Beschwerdefüh-
rerin beim Geschlechtsverkehr einmal abwehrend verhalten bzw. eine Abwehrhand-
lung vorgenommen habe, ausführte, dass sie versucht habe, ihn im Affekt zu kratzen. 
Er habe ihr jedoch gesagt, dass er nicht darauf stehe. Sie habe aus Lust versucht zu 
kratzen (a.a.O., S. 2 Z. 71-75; vgl. auch S. 4 Z. 101-103). Dies steht zum einen im 
Widerspruch zur ursprünglichen Aussage, wonach sie ihn nie gekratzt habe. Zum 
anderen wirkt die Aussage auch vor dem Hintergrund, dass der Beschuldigte mehr-
fach ausgesagt hat, der Sex sei langweilig gewesen (Einvernahme des Beschuldig-
ten vom 3. Juli 2021, S. 7 Z. 248 und 267) – was im Übrigen als Gegenangriff ge-
wertet werden könnte – konstruiert.

Abschliessend ist mit der Beschwerdeführerin daran zu erinnern, dass die Staatsan-
waltschaft die Tatsache, dass der Beschuldigte in der fraglichen Nacht eine erhebli-
che Menge Alkohol getrunken und eine rückgerechnete Blutalkoholkonzentration 
von 1.98 Gew. ‰ resp. einen Maximalwert von 3.30 Gew. ‰ aufgewiesen hatte 
(Forensisch-toxikologischen Alkoholbestimmung vom 7. Juli 2021), bei der Würdi-
gung dessen Aussagen völlig ausser Acht gelassen hat.

5.3 Insgesamt können die Aussagen des Beschuldigten daher nicht als glaubhafter be-
zeichnet werden, als die Aussagen der Beschwerdeführerin. Die Beschwerde er-
weist sich daher als begründet und wird gutgeheissen. Die Verfügung ist aufzuheben 
und die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren nach dem Grundsatz «in dubio pro 
duriore» weiterzuführen und beim zuständigen Regionalgericht Anklage zu erheben.

6.

6.1 Bei diesem Verfahrensausgang trägt der Kanton Bern die Verfahrenskosten (Art. 423 
Abs. 1 i.V.m. Art. 428 Abs. 1 StPO). Sie werden festgesetzt auf CHF 2’000.00.

6.2

6.2.1 Die Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Beschwerdeführerin, 
Rechtsanwältin D.________, für ihre Aufwendungen im Beschwerdeverfahren wird 
am Ende des Verfahrens durch das urteilende Gericht festgesetzt (Art. 138 Abs. 1 
i.V.m. Art. 135 Abs. 2 StPO). Es ist darauf hinzuweisen, dass derjenige Teil der Ent-
schädigung, welche auf das Beschwerdeverfahren fällt, von der Rück-und Nachzah-
lungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO ausgenommen ist. Die Beschwerdeführe-
rin hat diese Kosten weder dem Kanton zurückzubezahlen, noch muss sie der amt-
lich bestellten Anwältin die Differenz zwischen dem amtlichen und dem vollen Hono-
rar erstatten. 

6.2.2 Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt B.________, für das 
Beschwerdeverfahren wird am Ende des Verfahrens durch das urteilende Gericht 
festgesetzt.

11

Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Die Beschwerde wird gutheissen. Die Verfügung der Regionalen Staatsanwaltschaft 
Oberland vom 18. Juli 2022 (O 21 6921) wird aufgehoben. Die Regionale Staatsanwalt-
schaft Oberland wird angewiesen, das Strafverfahren weiterzuführen und beim zustän-
digen Regionalgericht Anklage zu erheben.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf CHF 2’000.00, trägt der Kan-
ton Bern.

3. Die Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Beschwerdeführerin, 
Rechtsanwältin D.________, für das Beschwerdeverfahren wird am Ende des Verfah-
rens durch das urteilende Gericht festgesetzt. Eine Rück- und Nachzahlungspflicht der 
Beschwerdeführerin entfällt.

4. Die amtliche Entschädigung von Rechtsanwalt B.________ für das Beschwerdeverfah-
ren wird am Ende des Verfahrens durch das urteilende Gericht festgesetzt.

5. Zu eröffnen:
- der Straf- und Zivilklägerin/Beschwerdeführerin, a.v.d. Rechtsanwältin D.________

(per Einschreiben)
- der Generalstaatsanwaltschaft (per Kurier)
- dem Beschuldigten, a.v.d. Rechtsanwalt B.________ (per Einschreiben)

Mitzuteilen:
- der Regionalen Staatsanwaltschaft Oberland, Staatsanwalt H.________

(mit den Akten – per Einschreiben)

Bern, 25. Januar 2023 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Der Präsident:

Oberrichter Bähler

Die Gerichtsschreiberin:

Lienhard

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes 
(BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.