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**Case Identifier:** 577f459d-31fa-55f7-bcfb-bf6ec915e925
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-05
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 05.01.2023 SST.2022.109
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-109_2023-01-05.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2022.109 
(ST.2021.32, StA.2020.337) 

 

 

Urteil vom 5. Januar 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier  

Oberrichterin Vasvary  

Gerichtsschreiber i.V. Stutz 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten, 

Kloster-Südflügel, Seetalstrasse 8, 5630 Muri AG  

 

Privatkläger   B.F._____, 

[…] 

vertreten durch Rechtsanwalt Jürg Krumm,  

[…] 

 

 
    

Beschuldigter   C.G._____,  

geboren am tt.mm.1986, von Wohlen AG, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Roger Seiler,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Raufhandel 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft erhob am 23. April 2021 Anklage gegen den 

Beschuldigten wegen Raufhandels gemäss Art. 133 StGB. 

 

2. 

Das Bezirksgericht Bremgarten sprach den Beschuldigten mit Urteil vom 

23. November 2021 vom Vorwurf des Raufhandels frei. Die Zivil-

forderungen wurden abgewiesen. 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 19. Mai 2022 beantragte der Privatkläger B.F. 

einen Schuldspruch des Angriffes, der versuchten schweren Körper-

verletzung sowie der einfachen Körperverletzung. 

 

3.2. 

Mit Anschlussberufung vom 14. Juni 2022 beantragte die Staatsanwalt-

schaft einen Schuldspruch des Raufhandels und eine Verurteilung zu einer 

Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 170.00 und einer Busse von 

Fr. 2'000.00. 

 

Sie reichte am 4. August 2022 vorgängig zur Berufungsverhandlung eine 

schriftliche Anschlussberufungsbegründung ein. 

 

3.3. 

Der Beschuldigte reichte am 18. August 2022 vorgängig zur Berufungs-

verhandlung eine schriftliche Anschlussberufungsantwort ein. 

 

3.4. 

Der Privatkläger B.F. reichte am 15. September 2022 vorgängig zur 

Berufungsverhandlung eine schriftliche Anschlussberufungsantwort und 

am 29. September 2022 eine schriftliche Berufungsbegründung ein. 

 

3.5. 

Die Staatsanwaltschaft reichte am 24. Oktober 2022 vorgängig zur 

Berufungsverhandlung eine schriftliche Berufungsantwort ein und 

beantragte, die Berufung des Privatklägers B.F. sei abzuweisen. 

 

3.6. 

Der Privatkläger B.F. reichte schliesslich am 1. November 2022 eine 

freigestellte Stellungnahme ein. 

 

 - 3 - 

 

 

3.7. 

Die Berufungsverhandlung i.S. A.F. (SST.2022.107), B.F. (SST.2022.108), 

C.G. (SST.2022.109) und D.G. (SST.2022.110) fand am 5. Dezember 2022 

statt. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe am 27. Januar 2020 an 

einem Raufhandel mit seinem Bruder D.G. sowie B.F. teilgenommen. Dem 

angeklagten Sachverhalt zufolge habe sich der Beschuldige gemeinsam 

mit D.G. an den Wohnort von B.F. begeben, um diesen für die anlässlich 

einer früheren telefonischen Auseinandersetzung ausgesprochenen Droh-

ungen und Beschimpfungen zur Rede zu stellen. Nachdem der Beschul-

digte und D.G. auf B.F. getroffen seien, sei es nach einem kurzen 

Wortgefecht zu einer Schubserei zwischen B.F. und D.G. gekommen, 

welche schliesslich in einer Schlägerei zwischen sämtlichen drei Personen 

geendet habe. B.F. wie auch D.G. haben sich dabei diverse Verletzungen 

zugezogen. 

 

1.2. 

Die Vorinstanz ging im Wesentlichen davon aus, dass sich der Beschul-

digte nicht an der körperlichen Auseinandersetzung beteiligt, sondern 

abseitsgestanden habe. Da ein Raufhandel die tätliche Auseinander-

setzung dreier Personen voraussetze, komme vorliegend ein Raufhandel 

nicht in Frage, weshalb sie den Beschuldigten vom Vorwurf des Rauf-

handels freigesprochen hat. Dafür hat sie D.G. der einfachen Körper-

verletzung zum Nachteil von B.F. schuldig gesprochen, was denn auch 

unangefochten geblieben und somit in Rechtskraft erwachsen ist. 

 

Der Privatkläger B.F. macht mit seiner Berufung im Wesentlichen geltend, 

der Beschuldigte habe zusammen mit D.G. ihn aufgesucht und ohne 

Vorwarnung oder Reaktion auf seine Äusserung, sie sollen warten, um mit 

ihm das Missverständnis klären zu können, auf ihn mit einer Eisenstange 

und mit den Fäusten eingeschlagen, bis er bewusstlos geworden sei. Er 

beantragte entsprechend im vorliegenden Verfahren gegen den Beschul-

digten (SST.2022.109) sowie im Verfahren gegen D.G. (SST.2022.110), 

beide seien des Angriffs, der versuchten schweren Körperverletzung sowie 

der einfachen Körperverletzung schuldig zu sprechen (Plädoyer Privat-

kläger S. 3; 5 ff.). 

 

Die Staatsanwaltschaft hielt mit der Anschlussberufung am angeklagten 

Sachverhalt fest und beantragte, der Beschuldigte sei des Raufhandels 

schuldig zu sprechen (Plädoyer Staatsanwaltschaft). 

 - 4 - 

 

 

 

Der Beschuldigte beantragte, die Berufung des Privatklägers sowie die 

Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft seien abzuweisen (vorgängige 

Anschlussberufungsantwort des Beschuldigten vom 18. August 2022; 

Protokoll Berufungsverhandlung S. 47 ff.). 

 

1.3. 

1.3.1. 

Das Gericht würdigt die Beweise frei nach seiner aus dem gesamten 

Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO). Bestehen 

unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Voraus-

setzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für den 

Beschuldigten günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO). Bloss 

abstrakte und theoretische Zweifel genügen nicht, weil solche immer 

möglich sind. Der Grundsatz «in dubio pro reo» verlangt indes nicht, dass 

bei sich widersprechenden Beweismitteln unbesehen auf den für den 

Angeklagten günstigeren Beweis abzustellen ist. Die Entscheidregel ist erst 

anwendbar, nachdem alle aus Sicht des urteilenden Gerichts notwendigen 

Beweise ausgewertet worden sind und nach erfolgter Beweiswürdigung als 

Ganzem relevante Zweifel bestehen (BGE 144 IV 345; Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1395/2019 vom 3. Juni 2020 E. 1.1). 

 

1.3.2. 

Des Raufhandels gemäss Art. 133 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer 

sich an einem Raufhandel beteiligt, der die Körperverletzung eines 

Menschen zur Folge hat. Nicht strafbar ist, wer ausschliesslich abwehrt 

oder die Streitenden scheidet (Abs. 2). Ein Raufhandel ist eine wechsel-

seitige tätliche Auseinandersetzung von mindestens drei Personen (BGE 

137 IV 1 E. 4.2.2). Eine psychische Teilnahme mittels warnenden Zurufen 

kann erst angenommen werden, wenn bereits ein Raufhandel vorliegt, was 

wiederum die tätliche Auseinandersetzung dreier Personen voraussetzt 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_1056/2015 vom 4. Dezember 2015 E. 4.1). 

 

1.4. 

1.4.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass der 

Beschuldigte und D.G. am 27. Januar 2020 um ca. 18:00 Uhr auf B.F. vor 

dessen Wohnhaus getroffen sind, D.G. B.F. konfrontierte und sich B.F. bei 

der darauffolgenden Auseinandersetzung diverse Verletzungen zuzog, 

nämlich Blutergüsse mit Weichteilschwellungen am Nasenrücken, am 

linken Augenunterlid, an der linken Jochbogenregion, beidseitig am Hinter-

kopf und in der Scheitelregion linkseitig sowie einen Nasenschiefstand 

nach rechts, Druckschmerzhaftigkeit am rechten Unterkieferast, Haut-

rötungen und Hautabschürfungen an den Händen (UA act. 377). Erstellt ist 

auch, dass diesem Aufeinandertreffen einige Tage zuvor eine telefonische 

Auseinandersetzung zwischen B.F. und D.G. vorausging, anlässlich 

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welcher B.F. D.G. beschimpfte und drohte (vgl. zum Ganzen Urteil des 

Obergerichts SST.2022.108 E. 2). 

 

Bestritten wird hingegen, ob der Beschuldigte an der tätlichen Auseinander-

setzung zwischen D.G. und B.F. teilnahm, was zur Erfüllung des Tat-

bestandes des Raufhandels oder des Angriffes notwendig wäre. Sofern 

dies zu bejahen wäre, ist weiter umstritten, ob B.F. sich hinsichtlich der 

tätlichen Auseinandersetzung lediglich passiv verhielt (Angriff im Sinne von 

Art. 134 StGB) oder aktiv teilnahm (Raufhandel im Sinne von Art. 133 

StGB). 

 

1.4.2. 

Wie im Folgenden aufzuzeigen sein wird, geht das Obergericht in 

tatsächlicher Hinsicht gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten und 

D.G. mit der Vorinstanz davon aus, dass es zwischen B.F. und D.G. zu 

einer wechselseitigen, tätlichen Auseinandersetzung gekommen ist, bei 

welcher der Beschuldigte nicht aktiv eingegriffen hat. 

 

Die Aussagen des Beschuldigten und D.G. sind konstant, widerspruchsfrei 

und detailreich. Beide schilderten den Vorfall glaubhaft und nachvoll-

ziehbar. Die Schilderungen der beiden stimmten von Beginn an überein. 

Dabei erzählen nicht beide die identische, möglicherweise im Voraus 

abgesprochene Geschichte, sondern sie schildern ihre Beobachtungen 

erlebnisnah und konstant aus ihrer eigenen Perspektive mit unter-

schiedlichen Erinnerungslücken. Im Übrigen ist ohnehin nicht davon 

auszugehen, dass sie die Möglichkeit gehabt hätten, sich bis ins letzte 

Detail abzusprechen, wurden sie doch noch am selben Abend nach dem 

Vorfall von der Polizei inhaftiert und getrennt voneinander zur Sache 

befragt. Des Weiteren zeigten sie sich von Beginn an selbstkritisch. Der 

Beschuldigte gestand bereits zu Beginn Fehler ein und zeigte sich 

einsichtig (UA act. 490). Darüber hinaus belastete er B.F. nicht unnötig und 

räumte vermehrt ein, er könne nicht sagen bzw. er habe nicht gesehen, ob 

B.F. D.G. überhaupt geschlagen habe. Vielmehr habe B.F. lediglich seine 

Körperkraft eingesetzt, um zu «schüpfen» (UA act. 476; 486; Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 18 f.). Dafür belastete er von sich aus seinen 

Bruder D.G. mit der Aussage, dass dieser die körperliche Auseinander-

setzung gesucht habe und dass er und nicht B.F. als erstes tätlich wurde 

(UA act. 472). Aber auch D.G. gestand von Beginn an ein, dass er 

(aufgrund früher ausgesprochener Drohungen) die Konfrontation mit B.F. 

gesucht und sodann die (tätliche) Auseinandersetzung gestartet habe. Er 

habe B.F., als dieser in seine Richtung gekommen sei, weggestossen, 

worauf dieser ihn zurückgeschupft habe (UA act. 431; 435; Protokoll 

Berufungsverhandlung S. 26 f.). 

 

Demgegenüber sind die Aussagen von B.F. weder schlüssig noch 

nachvollziehbar. Wie im Folgenden aufzuzeigen ist, verwickelt er sich 

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vermehrt in Widersprüche und es mangelt schliesslich bereits an der 

Konstanz seiner Aussagen. So gibt er anfänglich wiederholt zu Protokoll, 

der Beschuldigte habe mit einer Metallstange mehrfach auf ihn ein-

geschlagen (UA act. 500, 513, 514). Mit dieser Version der Geschichte 

wandte er sich dann im Übrigen auch früh an den «Blick» (UA act. 424 ff.). 

Anlässlich der delegierten Einvernahme vom 27. Mai 2022 war er jedoch 

plötzlich nicht mehr sicher, ob der Beschuldigte ihn überhaupt mit der 

Stange geschlagen habe oder nicht (UA act. 531). Dies erscheint sehr 

merkwürdig, betonte B.F. doch zuerst noch, was für schlimme Verlet-

zungen ihm durch die Stange zugefügt worden seien und dass die beiden 

Brüder G. – hätten sie keine Stange verwendet – gegen ihn aufgrund 

seines mehrjährigen Kampfsporttrainings keine Chance gehabt hätten (UA 

act. 531). Es kann sich folglich bei der Frage, ob mit der Stange auf ihn 

eingeschlagen wurde oder nicht, nicht um ein blosses Detail handeln, dass 

man plötzlich nicht mehr weiss oder bei dem man sich nicht sicher ist. 

Ferner ist auch das von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebene 

Gutachten durch das rechtsmedizinische Institut des Kantonsspitals X., das 

die Untersuchung der körperlichen Verletzungen von B.F. zum Inhalt hatte, 

zum Schluss gekommen, dass keine Hinweise auf ein einwirkendes, hartes 

Werkzeug wie ein Schlagring oder eine Eisenstange abgrenzbar seien. Bei 

einem Vorgang, wie von B.F. geschildert, seien schwerwiegendere und 

gegebenenfalls geformte Verletzungen wie z.B. Quetschrisswunden über 

den knöchernen Widerlagern, Striemen etc. zu erwarten gewesen. Die 

angegebenen Schläge mit einer Eisenstange und Fusstritten würden 

morphologisch nicht verifiziert werden können und würden selbst unter der 

Annahme, dass er am Oberkörper eine dicke Jacke getragen habe, im 

Widerspruch zu der sehr massiven Gewaltangabe stehen (UA act. 378). 

Auffallend ist weiter, dass B.F. erst dann unsicher über die Schläge mit der 

Metallstange wurde, als das Ergebnis des Gutachtens vorlag. Dies erweckt 

den Eindruck, als ob B.F. seine Aussagen fortlaufend an den Stand der 

Ermittlungen anpasste. Weitere Widersprüche ergeben sich auch in Bezug 

auf die Aussagen zum Ausgang der tätlichen Auseinandersetzung. 

Gemäss B.F. sei er während der ersten Faustschläge von D.G. teilweise 

weggetreten und habe anschliessend ganz das Bewusstsein verloren. Als 

er wieder zu sich gekommen sei, seien seine Mutter A.F. und sein Bruder 

E.F. bereits neben ihm gewesen (UA act. 500 f.). An einer weiteren 

Einvernahme ergänzte er sodann noch, dass sein Bruder E.F. Wasser über 

ihn geschüttet habe, um ihn wieder zu Bewusstsein zu bringen. Dieser 

habe ihn dann ins Spital gebracht, wobei er erst während der Autofahrt 

wieder richtig bei Sinnen gewesen sei (UA act. 516). B.F. führte auch aus, 

dass er vor dem Aufeinandertreffen mit den Brüdern G. mit einem «I.» am 

Telefon gewesen sei (UA act. 539; Protokoll Berufungsverhandlung S. 37). 

Die Auswertung des Mobiltelefons von B.F. hat ergeben, dass dieses 

Telefon um 18:09 Uhr gewesen ist (UA act. 323). Um 18:28 Uhr hat B.F. 

dann per WhatsApp ein von sich selbst um 18:23 Uhr aufgenommenes 

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Selbstportrait an seinen Bruder E.F. geschickt. Auf dem Bild sind Blut-

spuren in der Nasen- und Mundregion von B.F. zu erkennen. Sein Haar 

und seine Kleidung sind zu diesem Zeitpunkt jedoch trocken. E.F. 

antwortete auf dieses Bild sogleich mit: «Deee nutesohm» (UA act. 314, 

324). Zudem sind um 18:21 Uhr verschiedene Anrufversuche an E.F. im 

Anrufprotokoll des Mobiltelefons von B.F. verzeichnet (UA act. 323). 

Daraus ergibt sich, dass sich die Auseinandersetzung zwischen 18:09 Uhr 

und 18:21 Uhr ereignet haben muss und dass B.F. zumindest wenige 

Minuten nach der Auseinandersetzung mit D.G. bei vollem Bewusstsein 

gewesen ist. Darüber hinaus entpuppt sich die Aussage von B.F., wonach 

er von seinem Bruder aufgefunden und dieser ihn mit Wasser habe wecken 

müssen, als eine prompte Lüge. Vielmehr hat B.F. von sich aus seinen 

Bruder kontaktiert. Ebenso vermag die Aussage von B.F. nach Kon-

frontation mit den obengenannten Mobiltelefonauswertungen nicht zu 

überzeugen, wonach seine Mutter A.F. die Anrufe an seinen Bruder E.F. 

mit seinem Mobiltelefon getätigt habe, als dieser mit B.F. zusammen auf 

dem Weg ins Spital gewesen sei (UA act. 540), denn beim verschickten 

Bild handelt es sich offensichtlich um ein Selbstportrait, das nicht die Mutter 

von ihm aufgenommen haben kann. Dass B.F. nun vor Obergericht 

zumindest eingesteht, dass die ausgewerteten Nachrichten und Anrufe auf 

seinem Mobiltelefon – und so auch das Selbstportrait – nun doch von ihm 

selbst stammen würden (Protokoll Berufungsverhandlung S. 38) und er 

doch nicht so lange bewusstlos gewesen sei, sondern eher filmrissartige 

Aussetzer gehabt hatte (Protokoll Berufungsverhandlung S. 37), vermag 

an der fehlenden Glaubhaftigkeit seiner Aussagen nichts zu ändern. 

Vielmehr bekräftigt es den bereits bestehenden Eindruck, dass er seine 

Aussagen stets dem aktuellen Verfahrensstand anpasst und er sich so die 

für ihn beste Ausgangslage zu verschaffen versucht. Zudem steht die 

Tatsache, dass B.F. nun vor Obergericht eingestanden hat, lediglich 

gesehen zu haben, wie er von D.G., nicht aber vom Beschuldigten Schläge 

bekommen habe (Protokoll Berufungsverhandlung S. 41 f.), nicht nur im 

Widerspruch zu seinen früheren Aussagen, sondern spricht auch dafür, 

dass sich der Beschuldigte tatsächlich nicht an der Auseinandersetzung 

tätlich beteiligt hat. 

 

Nach dem Gesagten erweisen sich auch die Aussagen von A.F., die die 

Ereignisse angeblich aus dem Hauseingang beobachtet haben soll (UA 

act. 558 ff.; Protokoll Berufungsverhandlung S. 11 ff.), als unglaubhaft und 

mit B.F. abgesprochen. Sie schilderte zwei Tage nach dem Vorfall das von 

ihr angeblich Beobachtete im Wesentlichen gleich wie B.F., was sich aber 

– wie dargelegt – nicht mit den Auswertungen des Mobiltelefons 

vereinbaren lässt. Darüber hinaus fällt auf, dass sie das angeblich 

Beobachtete nur rudimentär wiedergeben und zu diversen banalen Fragen 

keine Antwort geben konnte. So sei sie sich zwar sicher, dass sie gesehen 

habe, dass einer der beiden Brüder G. eine Eisenstange aus der Jacke 

gezogen habe, sie konnte aber weder die Kleidung von D.G. noch des 

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Beschuldigten beschreiben oder deren Farben nennen (UA act. 559; 564). 

Weiter sagte sie auch aus, dass sie beobachtet habe, dass ihr Sohn 

mehrfach getreten worden sei, sie konnte aber nicht sagen, wie viele Tritte 

sie ungefähr beobachtet haben soll (UA act. 561). Zudem gab sie zu 

Protokoll, dass sie das markante Gesicht des Beschuldigten mit Sicherheit 

wiedererkenne, da dieser von vorne in den Bauch von B.F. geschlagen 

habe. Hingegen habe der andere (folglich D.G.) die Eisenstange gehabt 

(UA act. 568 f.). Den Aussagen von B.F. folgend hätte aber der Beschul-

digte und nicht D.G. die Eisenstange gehabt. Den Protokollen ist 

schliesslich zu entnehmen, dass B.F. während der Einvernahme seiner 

Mutter A.F. wiederholt unaufgefordert das Wort ergriff und ihr auf Serbisch 

Sachen sagte bzw. Anweisungen machte, sodass sitzungspolizeiliche 

Massnahmen ergriffen werden mussten und er des Raumes verwiesen 

wurde (UA act. 559 f.; 563; 703). So hat B.F. insbesondere versucht, 

Einfluss zu nehmen, als A.F. dazu befragt wurde, wer denn die Eisenstange 

gehabt haben soll (UA act. 563). Bezeichnend ist schliesslich, dass A.F. 

vor Obergericht, als sie nach dem Vorfall gefragt wurde, zuerst lediglich von 

angeblich beobachteten Fusstritten durch den Beschuldigten und D.G. 

sprach (Protokoll Berufungsverhandlung S. 12 f.), nicht aber von einem 

verwendeten Schlagwerkzeug. Erst als sie explizit nach diesem gefragt 

wurde, war von einem gelben bzw. holzfarbenen Holzstock die Rede 

(Protokoll Berufungsverhandlung S. 13; 15 f.). Dies obschon sie bis anhin 

immer von einer schwarzen Stange gesprochen hatte (UA act. 563; 697). 

Es muss nach dem Gesagten davon ausgegangen werden, dass A.F. diese 

Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten, D.G. und B.F. nicht 

beobachtet hat, sondern die belastenden Aussagen nach Absprache mit 

ihrem Sohn B.F. tätigte. 

 

Zusammenfassend erweisen sich die Aussagen von B.F. als Schutz-

behauptungen. Weiter erweisen sich auch die Aussagen von A.F. als 

erfunden. Demgegenüber erachtet das Obergericht die Aussagen des 

Beschuldigten und D.G. als in sich stimmig, schlüssig und glaubhaft. Es ist 

daher mit der Vorinstanz auf diese abzustellen. Diesen Aussagen folgend 

fragte D.G. am 27. Januar 2020 seinen Bruder, den Beschuldigten, ob er 

mit ihm in seinem Fahrzeug «eine Runde drehen» würde, um nach B.F. 

Ausschau zu halten. Er habe nämlich aufgrund des Telefonats einige Tage 

zuvor zwischen ihm und B.F. Angst gehabt und B.F. deshalb treffen bzw. 

konfrontieren wollen, bevor dieser ihn irgendeinmal unerwartet angreifen 

werde. Er habe diese Differenzen nun endlich mit B.F. klären wollen und 

deshalb von sich aus die Konfrontation gesucht. Die beiden Brüder G. sind 

sodann in das Auto des Beschuldigten gestiegen, haben eine Runde in Q. 

gedreht, nach B.F. Ausschau gehalten und alsdann vor dessen Wohnblock 

parkiert. Als sie auf den herannahenden B.F. aufmerksam geworden sind, 

hat D.G. seinen Bruder gebeten, sich nicht einzumischen und nur darauf 

zu achten, ob B.F. eine Waffe ziehen würde. D.G. hat anschliessend die 

verbale Konfrontation gesucht. B.F. ist daraufhin auf ihn zugelaufen, worauf 

 - 9 - 

 

 

D.G. ihn weggestossen hat. Es entwickelte sich eine Rangelei zwischen 

ihm und B.F., in welcher auch einzelne Fäuste geflogen sind. D.G. hat 

dabei B.F. auch im Gesicht getroffen (UA act. 437). Die Schlägerei hat 

geendet, als D.G. bemerkte, dass B.F. blutete (UA act. 435 ff.; 452 ff.; 470; 

472 ff.; 483; Protokoll Berufungsverhandlung S. 17 ff.; 26 ff.). 

 

1.4.3. 

Gemäss dem erstellten Sachverhalt hat der Beschuldigte nicht an der 

tätlichen Auseinandersetzung und somit an einem Raufhandel teil-

genommen. Unter den vorliegenden Umständen kann auch nicht aufgrund 

der blossen Anwesenheit des Beschuldigten auf eine psychische Teil-

nahme am Raufhandel geschlossen werden, setzt eine solche doch 

voraus, dass bereits ein Raufhandel vorliegt, was wiederum die tätliche 

Auseinandersetzung dreier Personen voraussetzt (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1056/2015 vom 4. Dezember 2015 E. 4.1). 

 

Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte mit der Vorinstanz vom Vorwurf 

des Raufhandels freizusprechen. Ein Schuldspruch wegen Angriffs, 

versuchter schwerer Körperverletzung und einfacher Körperverletzung – 

wie vom Privatkläger B.F. beantragt – fällt gestützt auf den erstellten 

Sachverhalt ausser Betracht. 

 

Die Berufung des Privatklägers B.F. sowie die Anschlussberufung der 

Staatsanwaltschaft erweisen sich damit als unbegründet und sind ab-

zuweisen. 

 

2. 

Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage auch dann, 

wenn es die beschuldigte Person freispricht und der Sachverhalt spruchreif 

ist (Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO). 

 

Aufgrund des mit vorliegendem Urteil ergehenden vollumfänglichen 

Freispruchs, weil eine tatbestandsmässige Beteiligung des Beschuldigten 

nicht erstellt ist, entfällt auch die Grundlage für die Zusprechung einer 

Genugtuung oder von Schadenersatz, weshalb die Zivilforderung des 

Privatklägers B.F. abzuweisen ist. 

 

3. 

3.1. 

3.1.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). 

 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten für das Berufungsverfahren gegen 

den Beschuldigten und die Mitbeschuldigten B.F., A.F. und D.G. belaufen 

 - 10 - 

 

 

sich auf insgesamt Fr. 14'000.00 (§ 18 VKD), der auf das Berufungs-

verfahren des Beschuldigten entfallende Anteil auf Fr. 3'000.00 (Art. 418 

Abs. 1 StPO). 

 

Vorliegend unterliegt der Privatkläger B.F. mit seiner Berufung und die 

Staatsanwaltschaft mit ihrer Anschlussberufung vollständig. 

 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens rechtfertig es sich, dem Privatkläger 

B.F. die Hälfte der anteilsmässig auf das vorliegende Berufungsverfahren 

entfallenden Kosten, mithin Fr. 1'500.00 aufzuerlegen und mit dem 

einverlangten Kostenvorschuss von Fr. 3'000.00 zu verrechnen. 

 

3.1.2. 

Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für das Berufungsverfahren 

gestützt auf die von ihm eingereichte Kostennote aus der Staatskasse mit 

Fr. 5'344.85 zu entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und 

Abs. 3bis AnwT). 

 

Ausgangsgemäss ist diese Entschädigung vom Beschuldigten nicht 

zurückzufordern (Art. 135 Abs. 4 StPO e contrario).  

 

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts besteht – trotz Unterliegens 

im Berufungsverfahren – keine gesetzliche Grundlage, diese Entschä-

digung dem Privatkläger aufzuerlegen (BGE 145 IV 90 E. 5). 

 

3.1.3. 

Der Privatkläger B.F. unterliegt mit seiner Berufung vollumfänglich, 

weshalb ihm keine Parteientschädigung zuzusprechen ist (Art. 436 Abs. 1 

i.V.m. Art. 433 Abs. 1 StPO e contrario). 

 

3.2. 

3.2.1. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Mit Blick darauf, dass der vorinstanzliche Freispruch 

bestätigt wird, sind die vorinstanzlichen Verfahrenskosten auf die Staats-

kasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 StPO e contrario). 

 

3.2.2. 

Die dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren zu-

gesprochene Entschädigung von Fr. 20'312.10 wurde mit der Berufung 

nicht angefochten, weshalb darauf nicht zurückgekommen werden kann 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019). 

 

Ausgangsgemäss ist diese Entschädigung vom Beschuldigten nicht 

zurückzufordern (Art. 135 Abs. 4 StPO e contrario).  

 - 11 - 

 

 

 

3.2.3. 

Die Vorinstanz hat von einer Entschädigung des Beschuldigten wegen 

ausgestandener Untersuchungshaft abgesehen, was im Berufungs-

verfahren unangefochten geblieben ist und worauf nicht zurückzukommen 

ist. 

 

4. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). Das ist auch der Fall, wenn eine Berufung vollumfänglich 

abgewiesen wird (Urteil des Bundesgerichts 6B_761/2017 vom 17. Januar 

2018 E. 4 mit Hinweisen). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Der Beschuldigte wird von Schuld und Strafe freigesprochen. 

 

2. 

Die Zivilklagen werden abgewiesen. 

 

3. 

3.1. 

Die auf dieses Verfahren anteilsmässig entfallenden obergerichtlichen 

Verfahrenskosten von Fr. 3'000.00 werden dem Privatkläger B.F. zur Hälfte 

mit Fr. 1'500.00 auferlegt und mit dem Kostenvorschuss in der Höhe von 

Fr. 3'000.00 verrechnet. Im Übrigen werden die Verfahrenskosten auf die 

Staatskasse genommen. 

 

3.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des 

Beschuldigten für das Berufungsverfahren eine Entschädigung von 

Fr. 5'344.85 auszurichten. 

 

3.3. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten werden auf die Staatskasse 

genommen. 

 

3.4. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – soweit noch keine Auszahlung 

stattgefunden hat – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger des Beschul-

digten für das erstinstanzliche Verfahren eine Entschädigung von 

Fr. 20'312.10 auszurichten. 

 

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 Zustellung an: 

[…] 

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 5. Januar 2023 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident:    Der Gerichtsschreiber i.V.: 

 

 

 

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