# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f83285ad-15db-5b3d-854b-a557caf6db62
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-09
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 09.03.2022 S 2021 63
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2021-63_2022-03-09.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 21 63

2. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz von Salis

RichterIn Meisser und Pedretti

Aktuarin Maurer

URTEIL

vom 9. März 2022

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A.________,

vertreten durch Rechtsanwalt Armin Sahli,

Beschwerdeführer

gegen

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden,

AHV-Ausgleichskasse,

Beschwerdegegnerin

betreffend Schadenersatz nach AHVG

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I. Sachverhalt:

1. Die B.________ Genossenschaft (nachfolgend B.________) mit Sitz in 

Chur wurde am 7. November 2018 ins Handelsregister des Kantons 

Graubünden eingetragen. Als deren Mitglied der Verwaltung mit Kollektiv-

unterschrift zu zweien amtete vom 7. November 2018 bis zum 18. Oktober 

2019 A.________, wohnhaft in C.________. Der Genossenschaftszweck 

bestand im Wesentlichen ˮin der Förderung und Sicherung der wirtschaft-

lichen Interessen in gemeinsamer Selbsthilfe bei der Bewirtschaftung, Ver-

marktung, Suche, Vermittlung, Entwicklung sowie dem Kauf und Verkauf 

von Beteiligungen an und die Verwaltung von Marken/Markenrechten so-

wie Projekten wirtschaftlicher und nichtwirtschaftlicher Natur im In- und 

Ausland.ˮ Die B.________ war seit ihrer Gründung der AHV-Ausgleichs-

kasse des Kantons Graubünden (nachfolgend AHV-Ausgleichskasse) an-

geschlossen. Am 11. März 2020 wurde über die Gesellschaft der Konkurs 

eröffnet und das Konkursverfahren mit Konkursentscheid des Regionalge-

richts Plessur vom 4. Mai 2020 mangels Aktiven eingestellt. Am 2. Sep-

tember 2020 wurde die Gesellschaft im Handelsregister des Kantons 

Graubünden gelöscht.

2. Weil die offenen Forderungen der AHV-Ausgleichskasse gegenüber der 

Gesellschaft aufgrund des Konkurses nicht mehr beglichen werden konn-

ten, erliess die AHV-Ausgleichskasse am 15. März 2021 gegenüber 

A.________ gestützt auf Art. 52 AHVG eine Schadenersatzverfügung in 

der Höhe von CHF 33'957.50 für entgangene Sozialversicherungsbeiträge 

des Jahres 2019 samt Verwaltungskosten. Mit gleichem Datum ergingen 

Schadenersatzverfügungen in gleicher Höhe gegen D.________, 

E.________, F.________ und G.________.

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3. Am 12. April 2021 erhob A.________ gegen die ihn betreffende Schaden-

ersatzverfügung vom 15. März 2021 bei der AHV-Ausgleichskasse Ein-

sprache und beantragte deren Aufhebung sowie die Einstellung des Ver-

fahrens. Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, dass er im Ge-

gensatz zu den anderen Mitgliedern der Verwaltung intern nicht Arbeitneh-

mer der Genossenschaft und damit auch nicht mit einer operativen Tätig-

keit betraut gewesen sei. Vielmehr habe er ausschliesslich als Berater im 

Bereich Strategieentwicklung agiert. Er sei bei der Geschäftsführung we-

der involviert gewesen, noch habe er über die entsprechenden Informati-

onen verfügt, um zu reagieren und die Bezahlung der Rechnungen der 

SVA Graubünden veranlassen zu können, auch habe er nie irgendwelche 

Unterlagen unterzeichnet, die die Genossenschaft verpflichtet hätten.

4. Mit Einspracheentscheid vom 30. April 2021, mitgeteilt am 4. Mai 2021, 

wies die AHV-Ausgleichskasse die Einsprache mit der Begründung ab, 

dass der Ausgleichskasse aufgrund grobfahrlässiger Missachtung von 

Vorschriften durch die Nichtbezahlung von paritätischen Sozialversiche-

rungsbeiträgen ein Schaden von CHF 33'957.50 entstanden sei, den 

A.________ als verantwortliches Organ der Gesellschaft zu ersetzen 

habe. Dem Einspracheentscheid beigelegt waren Kopien der Schadener-

satzverfügungen in Sachen D.________, E.________, F.________ und 

G.________, obschon A.________ diese bereits mit der ihn betreffenden 

Schadenersatzverfügung zugestellt worden waren. Nicht zugestellt wur-

den ihm jedoch die gleichentags ergangenen Einspracheentscheide ge-

gen E.________ (Abweisung), F.________ (Gutheissung) und 

G.________ (Gutheissung).

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5. Gegen den ihn betreffenden Einspracheentscheid vom 30. April 2021 er-

hob A.________ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 1. Juni 2021 Be-

schwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit folgen-

den Anträgen:

1. Die Beschwerde ist gutzuheissen.

2.1. Primär:
2.1.1. Die Schadenersatzverfügung der Ausgleichskasse gegenüber dem Be-

schwerdeführer ist aufzuheben.
2.1.2. Allfällige Verfahrenskosten sind der Ausgleichskasse aufzuerlegen. Dem 

Beschwerdeführer ist für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht eine 
Parteientschädigung zulasten der Ausgleichskasse zuzusprechen.

2.2. Subsidiär:
2.2.1. Die Angelegenheit ist im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurück-

zuweisen.
2.2.2. Allfällige Verfahrenskosten sind der Ausgleichskasse aufzuerlegen. Dem 

Beschwerdeführer ist für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht eine 
Parteientschädigung zulasten der Ausgleichskasse zuzusprechen.

3. Für den Fall der Abweisung der Ziffern 1 und 2 der vorliegenden Be-
schwerde stellt der Beschwerdeführer in Bezug auf die Einspracheent-
scheide in den Angelegenheiten G.________ und F.________ zusätzlich die 
folgenden Rechtsbegehren:

3.1. Die Einspracheentscheide, die gegenüber G.________ und F.________ er-
lassen wurden, werden aufgehoben.

3.2. Die Einsprachen von G.________ und F.________ gegen die Schadener-
satzverfügung der Ausgleichskasse werden abgewiesen.

3.3. Allfällige Verfahrenskosten sind der Ausgleichskasse, G.________ und 
F.________ aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer ist für das Verfahren vor 
dem Verwaltungsgericht eine Parteientschädigung unter solidarischer Ver-
pflichtung der Ausgleichskasse und von G.________ sowie F.________ zu-
zusprechen.

Der Beschwerdeführer moniert als Vorfrage, in den Einspracheverfahren 

von G.________ und F.________ von der Ausgleichskasse nicht beigela-

den worden zu sein, und die gutheissenden Einspracheentscheide vom 

30. April 2021 nicht zugestellt erhalten zu haben, vielmehr bloss zufälliger-

weise davon erfahren zu haben. Er sei ebenso legitimiert, die gutheissen-

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den Einspracheentscheide gegen andere Beteiligte (formelle oder fakti-

sche Organpersonen) einzureichen. Die von der Ausgleichskasse nicht 

vorgenommene Beiladung müsse nun vom Verwaltungsgericht nachge-

holt werden. Gemäss Beschwerdeführer richtet sich die ˮvorliegende Be-

schwerde im Falle des Unterliegens auch gegen die Entscheide der Aus-

gleichskasse über die Einsprachen von G.________ und F.________,ˮ da 

er aufgrund der Solidarhaftung und des Regressrechts im internen Ver-

hältnis ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung dieser Entscheide 

habe. Materiell begründet der Beschwerdeführer seine Rechtsbegehren 

im Wesentlichen damit, dass ihn kein Verschulden treffe, da er nicht grob-

fahrlässig gehandelt habe, und dass der adäquate Kausalzusammenhang 

nicht erfüllt sei, da sich am Eintritt des Schadens, selbst wenn er sich mehr 

informiert hätte, nichts geändert hätte. Es gehe um die Haftung der Organe 

einer Genossenschaft und nicht einer Aktiengesellschaft. Faktisch sei die 

Geschäftsführung der B.________ von D.________, unterstützt von Vize-

direktor E.________, von Verkäuferin und Assistentin G.________ und 

von Vizedirektor F.________ wahrgenommen worden. Er selber habe le-

diglich Informationen zu den zwei einzigen Sitzungen, an denen er teilge-

nommen habe, vom 12. Februar 2019 und 8. August 2019, mit den trak-

tandierten Themen und Protokolle der Sitzungen erhalten. Diese Sitzun-

gen hätten nicht in den Räumlichkeiten der B.________ stattgefunden. Mit 

Ausnahme der Dokumente zur Eintragung der B.________ im Handelsre-

gister und der Kündigungsschreiben nach der Betriebseinstellung habe er 

keinerlei Dokumente unterzeichnet. Er sei lediglich an den Entscheiden, 

die an den beiden Sitzungen im Februar und August 2019 gefällt worden 

seien, beteiligt gewesen. Er sei in keinem der Dossier involviert und auch 

nie als Immobilienmakler tätig gewesen. Seine Aufgabe habe einzig in der 

Strategieberatung der B.________ gelegen. Gemäss interner Unterschrif-

tenregelung habe er auch keine interne Berechtigung zur Unterzeichnung 

von Dokumenten gehabt. An der Sitzung vom 8. August 2019, an welcher 

ein Zwischenabschluss des ersten Geschäftsjahres behandelt werden 

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sollte und welche ursprünglich auf den 2. Juli 2019 einberufen gewesen 

sei, dann auf den 19. Juli 2021 verschoben und letztlich am 8. August 

2019 abgehalten worden sei, hätten insbesondere der Beschwerdeführer 

und E.________ verschiedene Fragen die finanzielle Situation der Genos-

senschaft betreffend aufgeworfen, wobei die beiden Mitglieder der Verwal-

tung von D.________ auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet worden 

seien. Lohnempfänger und mithin an der Willensbildung der Gesellschaft 

Beteiligte seien D.________, F.________, G.________ und E.________ 

gewesen, so dass nicht nachvollziehbar sei, dass die Einsprachen von 

G.________ und F.________ gutgeheissen worden seien. Zudem hätten 

G.________ und E.________ (Lohnbezüger) an der Sitzung vom 8. Au-

gust 2019 keine ausstehenden Lohnzahlungen moniert, so dass es für den 

Beschwerdeführer keine Veranlassung gegeben habe, an der regelmässi-

gen Lohnzahlung und Bezahlung der Sozialversicherungsbeiträge zu 

zweifeln.

Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, dass die Staatsanwaltschaft des 

Kantons Graubünden am 12. September 2019 in den Räumen der 

B.________ eine Hausdurchsuchung und Beschlagnahmung der Ge-

schäftsunterlagen durchgeführt habe. D.________ sei am gleichen Tag in 

Untersuchungshaft gesetzt worden, welche noch andauere, was zeige, 

dass es sich um schwerwiegende Vermögensdelikte handeln müsse. Es 

sei davon auszugehen, dass D.________ als Einzeltäter gehandelt habe. 

Mit dem Umstand, dass die AHV-Ausgleichskasse die Editionsanträge be-

treffend das Strafverfahren gegen D.________ abgewiesen habe, sei das 

rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt worden. Ebenso liege 

eine Gehörsverletzung vor aufgrund der nicht erfolgten Beiladungen des 

Beschwerdeführers in den Einspracheverfahren von E.________, 

G.________ und F.________.

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6. Mit Verfügung vom 7. Juni 2021 entsprach die Instruktionsrichterin dem 

Antrag auf Beiladung von G.________ und F.________ zum vorliegenden 

Verfahren (Art. 40 VRG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 AHVG und Art. 61 ATSG).

7. Mit Vernehmlassung vom 16. Juni 2021 beantragte die AHV-Ausgleichs-

kasse (nachfolgend Beschwerdegegnerin) die Beschwerdeabweisung und 

verwies grundsätzlich auf die Ausführungen im Einspracheentscheid vom 

30. April 2021. Ergänzend führte sie im Wesentlichen aus, bei der Genos-

senschaft würden die Mitglieder der Verwaltung als formelle Organe gel-

ten. Der Beschwerdeführer habe mit seiner Passivität seine Überwa-

chungs- und Aufsichtspflichten verletzt und damit grobfahrlässig gehan-

delt. Der adäquate Kausalzusammenhang sei erfüllt, da der Beschwerde-

führer den Schadenseintritt nicht verhindert habe, was ihm möglich gewe-

sen wäre. Die Beigeladenen G.________ und F.________ seien weder 

formelle, noch materielle oder faktische Organe der Gesellschaft gewe-

sen, so dass die gutheissenden Einspracheentscheide zu Recht ergangen 

seien.

8. F.________ liess am 17. Juni 2021 eine Generalvollmacht einreichen und 

liess sich weiter nicht vernehmen. G.________ liess sich am 28. Juni 2021 

über ihren Rechtsvertreter RA Schwarzenbach vernehmen, wonach sie 

nicht am Verfahren teilnehmen werde.

9. Am 13. Juli 2021 verzichtete der Beschwerdeführer auf die Erstattung ei-

ner Replik und liess die Honorarnote (Kostenliste) einreichen. Mit Eingabe 

vom 15. Juli 2021 nahm die Beschwerdegegnerin zur Honorarnote des 

Beschwerdeführers Stellung und beantragte deren Kürzung im Falle des 

Obsiegens. Am 23. Juli 2021 äusserte sich der Rechtsvertreter des Be-

schwerdeführers zur Stellungnahme vom 15. Juli 2021 und beantragte die 

Herabsetzung des geltend gemachten Stundenansatzes sowie die Zu-

sprechung eines Zuschlages.

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Auf die Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und den ange-

fochtenen Einspracheentscheid wird, soweit erforderlich, in den nachste-

henden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1.1. Die zu beurteilende Beschwerde richtet sich gegen den in Anwendung von 

Art. 52 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversiche-

rung (AHVG; SR 831.10) ergangenen Einspracheentscheid vom 30. April 

2021, mit welchem die Beschwerdegegnerin die Einsprache des Be-

schwerdeführers vom 12. April 2021 abwies. Gegen sozialversicherungs-

rechtliche Einspracheentscheide kann Beschwerde beim kantonalen Ver-

sicherungsgericht erhoben werden (Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes 

über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 

830.1] i.V.m. Art. 57 ATSG). Für die Beurteilung dieser Beschwerde ist in 

Abweichung zu Art. 58 Abs. 1 ATSG das kantonale Versicherungsgericht 

örtlich zuständig, in welchem die Arbeitgeberin ihren Wohnsitz hat bzw. 

bis zum Konkurs hatte (Art. 52 Abs. 5 AHVG; KIESER, in: STAUFFER/CARDI-

NAUX [Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum AHVG, 4. Aufl., 

Zürich/Basel/Genf 2020, Rz. 143 zu Art. 52 AHVG). Nachdem die 

B.________ vor ihrer Löschung in Chur und damit im Kanton Graubünden 

domiziliert war, ist für die Beurteilung der vorliegenden Streitigkeit dem-

nach das Versicherungsgericht des Kantons Graubünden, d.h. das Ver-

waltungsgericht des Kantons Graubünden zuständig (Art. 49 Abs. 2 lit. a 

des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Das 

angerufene Gericht ist für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde 

somit örtlich und sachlich zuständig. Als formeller und materieller Adressat 

ist der Beschwerdeführer vom angefochtenen Einspracheentscheid über-

dies unmittelbar berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen 

gerichtlicher Überprüfung (vgl. Art. 59 ATSG). Auf die von ihm frist- und 

formgerecht eingereichte Beschwerde ist damit – vorbehältlich der Erwä-

gung 1.2 hiernach – einzutreten (Art. 60 und 61 ATSG).

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1.2. Bei Erhebung einer Einsprache wird das Verwaltungsverfahren erst durch 

den Einspracheentscheid abgeschlossen, welcher die ursprüngliche Ver-

fügung ersetzt. Für eine spätere richterliche Beurteilung sind denn auch 

grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Erlasses des 

strittigen Einspracheentscheids massgebend (vgl. BGE 142 V 337 E.3.2.1 

in fine, 140 V 70 E.4.2, 133 V 50 E.4.2.2, 132 V 368 E.6.1 und 131 V 407 

E.2.1.2.1). Zwar verlangt der Beschwerdeführer in seinem Rechtsbegeh-

ren Ziff. 2.1.1. die Aufhebung der ˮ Schadenersatzverfügungˮ, doch handelt 

es sich nach Ansicht des Gerichts um einen Verschrieb, betitelt er doch 

seine Eingabe vom 1. Juni 2021 als ˮBeschwerde gegen die Einspra-

cheentscheide vom 30. April 2021 in Sachen A.________, G.________ 

und F.________ und beantragt er damit korrekterweise die Aufhebung des 

Einspracheentscheids des Beschwerdeführers vom 30. April 2021.

1.3. In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer die Verletzung des Recht-

lichen Gehörs und macht geltend, mit den nicht erfolgten Beiladungen des 

Beschwerdeführers in den Einspracheverfahren von E.________, 

G.________ und F.________ habe eine Gehörsverletzung stattgefunden, 

ebenso mit der Abweisung der Editionsanträge betreffend Strafverfahren 

D.________ durch die Beschwerdegegnerin. Die Beschwerdegegnerin 

legt hingegen dar, im Einspracheverfahren sei als Mitinteressierter ledig-

lich der Solidarschuldner beizuladen, der gegen die an ihn selber gerich-

tete Schadenersatzverfügung keine Einsprache erhoben habe. Die Akten 

der gegen D.________ geführten Strafuntersuchung würden zudem nichts 

Neues zur Beantwortung der Frage nach dem AHV-rechtlichen Verschul-

den des Beschwerdeführers beitragen, würden sie doch nur (zu Unguns-

ten des Beschwerdeführers) dessen Passivität bestätigen.

Was die unterbliebene Beiladung des Beschwerdeführers in den Einspra-

cheverfahren von E.________, G.________ und F.________ anbelangt, 

ist auf BGE 134 V 306 E.3 und E.4 ff. sowie auf die Ausführungen weiter 

hinten zur Solidarhaftung zu verweisen (Erwägung 5.1 ff. hiernach). Die 

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Frage des Nicht-Beizugs der Strafakten in Sachen D.________ wird zu-

dem bei der antizipierten Beweiswürdigung abgehandelt (Erwägung 4.2 

hiernach).

2. Vorliegend geht es um die Arbeitgeberhaftung gemäss Art. 52 AHVG, wel-

cher in der seit dem 1. Januar 2020 geltenden Fassung wie folgt lautet:

1Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von 

Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen.
2Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär 

die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation 

befassten Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verant-

wortlich, so haften sie für den ganzen Schaden solidarisch.
3Der Schadenersatzanspruch verjährt nach den Bestimmungen des Obligationen-

rechts über die unerlaubten Handlungen.
4Die zuständige Ausgleichskasse macht den Schadenersatz durch Erlass einer 

Verfügung geltend.
5In Abweichung von Artikel 58 Absatz 1 ATSG ist für die Beschwerde das Versi-

cherungsgericht des Kantons zuständig, in welchem der Arbeitgeber seinen Wohn-

sitz hat.
6Die Haftung nach Artikel 78 ATSG ist ausgeschlossen.

In materieller Hinsicht unbestritten ist die Organstellung des Beschwerde-

führers als Mitglied der Verwaltung der B.________ im fraglichen Zeitraum 

von November 2018 bis Oktober 2019 (vgl. Akten der Beschwerdegegne-

rin betreffend den Beschwerdeführer [Bg-act. – A.________] 14) sowie der 

Schaden von CHF 33'957.50 (vgl. Bg-act. – A.________ 5 S. 1 und 5 

S. 11) und die Widerrechtlichkeit (Verletzung der Beitragszahlungspflicht 

im Sinne von Art. 14 i.V.m. Art. 51 AHVG, Art. 34 ff. AHVV). Explizit be-

stritten werden hingegen das Verschulden (Grobfahrlässigkeit) und der 

adäquate Kausalzusammenhang, da selbst wenn sich der Beschwerde-

führer vermehrt informiert hätte, dies am Eintritt des Schadens nichts 

geändert hätte.

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Die Arbeitgeber sind verpflichtet, auf den von ihnen ausgerichteten Ein-

kommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit die Arbeitnehmerbeiträge 

in Abzug zu bringen, mit der Ausgleichskasse abzurechnen sowie die er-

forderlichen Angaben zu machen, und die Beiträge zusammen mit dem 

Arbeitgeberbeitrag periodisch der Ausgleichskasse zu entrichten (Art. 14 

Abs. 1 und Art. 51 AHVG, Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und 

Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]). Die Missachtung die-

ser Pflichten verletzt Vorschriften der Versicherung im Sinne von Art. 52 

AHVG. Art. 52 Abs. 1 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffent-

lichem Recht vor. Damit eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, müs-

sen alle Haftungsvoraussetzungen gegeben sein, d.h. es muss ein Scha-

den eingetreten sein, der auf ein widerrechtliches und schuldhaftes Ver-

halten des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. Zudem muss zwi-

schen dem Verhalten der belangten Person und dem eingetretenen Scha-

den ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben sein. Nachstehend 

sind somit die spezifischen Haftungsvoraussetzungen gemäss Art. 52 

AHVG zu prüfen.

3.1. Die Beschwerdegegnerin macht einen Schaden von CHF 33'957.50 gel-

tend (vgl. Bg-act. – A.________ 5 S. 1 und 5 S. 11). Der Schaden im Sinne 

von Art. 52 AHVG umfasst in erster Linie die geschuldeten paritätischen 

AHV/IV/EO/ALV- und FAK-Beiträge sowie Verwaltungskosten. Hinzu 

kommen unbezahlt gebliebene Mahngebühren, Verzugszinsen sowie Ver-

anlagungs- und Betreibungskosten (vgl. REICHMUTH, Die Haftung des Ar-

beitgebers und seiner Organe nach Art. 52 AHVG, Zürich/Basel/Genf 

2008, Rz. 328 ff.; FORSTER, in: STEIGER-SACKMANN/MOSIMANN [Hrsg.], 

Recht der Sozialen Sicherheit, Basel 2014, Rz. 11.6; NEDI, Die Haftung 

der GmbH als Arbeitgeberin nach Art. 52 AHVG und Art. 52 BVG, S. 145). 

In zeitlicher Hinsicht ist die Haftung beschränkt. Der Beitragsausstand, für 

den das Organ haftbar gemacht wird, muss im Zeitpunkt seines effektiven 

Austritts aufgelaufen sein bzw. die Beitragsforderungen müssen bis dahin 

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fällig sein (vgl. FREY/MOSIMANN/BOLLINGER, AHVG-/IVG-Kommentar, Aufl. 

2018, Rz. 7 zu Art. 52 AHVG; KIESER, a.a.O., Rz. 17 ff. zu Art. 52 AHVG). 

Der Schaden entsteht nicht schon mit der Fälligkeit der Beiträge, sondern 

erst in dem Zeitpunkt, in dem anzunehmen ist, dass die geschuldeten Bei-

träge aus rechtlichen oder tatsächlichen Gründen nicht mehr erhoben wer-

den können, sei es durch Beitragsverwirkung, sei es durch Zahlungsun-

fähigkeit der Arbeitgeberin. Zahlungsunfähigkeit wird bejaht, wenn der 

Konkurs eröffnet oder ein definitiver Verlustschein ausgestellt wurde 

(siehe BGE 141 V 487 E.2.2, 136 V 268 E.2.2 und 2.6, 129 V 193 E.2.2; 

KIESER, a.a.O., Rz. 18 zu Art. 52 AHVG).

Die Schadenspositionen über die ausstehenden Sozialversicherungsbei-

träge zuzüglich Verwaltungskosten, Mahngebühren, Verzugszinsen und 

Betreibungskosten von gesamthaft CHF 33'957.50 sind belegt (vgl. Bg-

act. – A.________ 5 S. 11) und im Übrigen nicht bestritten. Die 

B.________ wurde nach Einstellung des Konkursverfahrens am 4. Mai 

2020 mangels Aktiven am 2. September 2020 im Handelsregister gelöscht 

(vgl. Akten des Beschwerdeführers [Bf-act.] 14). Die infrage stehenden 

Sozialversicherungsbeiträge etc. können somit im ordentlichen Bezugs-

verfahren tatsächlich nicht mehr erhoben werden. Die Beschwerdegegne-

rin hat folglich einen Schaden in der Höhe von CHF 33'957.50 erlitten, wo-

mit die Haftungsvoraussetzung des Schadens erfüllt ist.

3.2.1. Weitere Haftungsvoraussetzung für die Schadenersatzforderung ist die 

Widerrechtlichkeit bzw. Pflichtverletzung. Dabei geht es um eine doppelte 

Prüfung: Zum einen stellt sich die Frage, ob Vorschriften der AHV verletzt 

wurden; zum anderen ist zu beantworten, ob die entsprechende Verlet-

zung der Arbeitgeberin bzw. dem Organ entgegenzuhalten ist (Verletzung 

der Organpflicht; siehe dazu KIESER, a.a.O, Rz. 39 f. zu Art. 52 AHVG). 

Anwendbar sind Art. 14 Abs. 1 AHVG und Art. 51 Abs. 1 AHVG, wonach 

die Beiträge vom Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit bei je-

der Lohnzahlung in Abzug zu bringen und von der Arbeitgeberin zusam-

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men mit dem Arbeitgeberbeitrag periodisch zu entrichten sind. Weiter zu 

beachten sind Art. 34 ff. AHVV bezüglich Zahlungsperioden (Art. 34 ff. 

AHVV), Akontobeiträgen (Art. 35 AHVV) sowie Abrechnung und Ausgleich 

(Art. 36 AHVV). Die Arbeitgeber haben die Löhne und weiteren Angaben 

für die Eintragung in das individuelle Konto laufend aufzuzeichnen, soweit 

es für eine geordnete Abrechnung und die Arbeitgeberkontrolle erforder-

lich ist (Art. 143 Abs. 2 AHVV). Unter die Missachtung von Vorschriften im 

Sinne von Art. 52 AHVG gehört aber rechtsprechungsgemäss auch die 

nach den objektiven Umständen und den persönlichen Verhältnissen ge-

botene Pflicht, dafür zu sorgen, dass keine Zahlungsunfähigkeit eintritt 

(Vorschriften im weiteren Sinne; vgl. ZAK 1985 E.5 S. 580 ff.). Wird letz-

tere Pflicht verletzt, liegt demnach auch Widerrechtlichkeit vor, wenn keine 

AHV-Vorschriften verletzt sind. Dies kann etwa der Fall sein, wenn es um 

die Beiträge aus einer noch nicht abgeschlossenen Zahlungsperiode oder 

um die Entrichtung von zwar bereits fälligen, aber noch nicht verfallenen 

Beiträgen geht (vgl. ZAK 1985 E.5 S. 581 f.).

3.2.2. Vorliegendenfalls wurden unbestrittenermassen die fälligen und verfalle-

nen Lohnbeiträge ab Januar 2019 nicht bezahlt, was die in Art. 14 AHVG 

und Art. 34 AHVV vorgeschriebene Zahlungspflicht für die Beiträge ab Ja-

nuar 2019 verletzt. Die B.________ als Arbeitgeberin hat sich damit wider-

rechtlich verhalten. Somit ist zu prüfen, ob die Verletzung durch die Arbeit-

geberin auch eine Pflichtverletzung ihres Organs, d.h. des Beschwerde-

führers, ist.

Die Gesellschaftsform der Genossenschaft ist in Art. 828 ff. des Bundes-

gesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbu-

ches (Obligationenrecht [OR; SR 220] geregelt. Die Verwaltung der Ge-

nossenschaft besteht aus mindestens drei Personen; die Mehrheit muss 

aus Genossenschaftern bestehen (Art. 894 Abs. 1 OR). Die Statuten kön-

nen die Generalversammlung oder die Verwaltung ermächtigen, die Ge-

schäftsführung oder einzelne Zweige derselben und die Vertretung an eine 

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oder mehrere Personen, Geschäftsführer oder Direktoren zu übertragen, 

die nicht Mitglieder der Genossenschaft zu sein brauchen (Art. 898 Abs. 1 

OR). Gemäss Art. 902 OR hat die Verwaltung die Geschäfte der Genos-

senschaft mit aller Sorgfalt zu leiten und die genossenschaftliche Aufgabe 

mit besten Kräften zu fördern (Abs. 1). Sie ist insbesondere verpflichtet, 

die Geschäfte der Generalversammlung vorzubereiten und deren Be-

schlüsse auszuführen (Abs. 2 Ziff. 1); und die mit der Geschäftsführung 

und Vertretung Beauftragten im Hinblick auf die Beobachtung der Ge-

setze, der Statuten und allfälliger Reglemente zu überwachen und sich 

über den Geschäftsgang regelmässig unterrichten zu lassen (Abs. 2 

Ziff. 2). Die Verwaltung ist dafür verantwortlich, dass ihre Protokolle und 

diejenigen der Generalversammlung, die notwendigen Geschäftsbücher 

sowie das Genossenschafterverzeichnis regelmässig geführt werden, 

dass die Betriebsrechnung und die Jahresbilanz nach den gesetzlichen 

Vorschriften aufgestellt und der Revisionsstelle zur Prüfung unterbreitet 

und die vorgeschriebenen Anzeigen an das Handelsregisteramt über Ein-

tritt und Austritt der Genossenschafter gemacht werden (Abs. 3). Die for-

mellen Organe haften – bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen – we-

gen der gesetzlichen Definition ihrer Pflichten unabhängig von ihrer 

tatsächlichen Funktion und Einflussnahme auf die Willensbildung der Ge-

sellschaft, unabhängig auch von der Zeichnungsberechtigung und dem 

Grund der Mandatsübernahme. Wenn das Bundesgericht für die Ausdeh-

nung der subsidiären Organhaftung auf faktische Organe auf den materi-

ellen Organbegriff abstellt, so heisst dies auf der anderen Seite nicht, dass 

beispielsweise Personen, deren Einsitz im Verwaltungsrat bloss formeller 

Natur ist, indem er sich praktisch auf den Eintrag im Handelsregister be-

schränkt, aus dem Kreis der möglichen Schadenersatzpflichtigen aus-

scheiden. Denn wer im Rahmen einer juristischen Person formelle Organ-

stellung einnimmt, hat auch die damit verbundenen gesetzlichen Pflichten 

zu erfüllen. Bei formellen Organen muss demnach nicht geprüft werden, 

ob sie den materiellen Organbegriff erfüllen (vgl. REICHMUTH, a.a.O., 

- 15 -

Rz. 212 f. S. 51 f.). Gleiches gilt demnach auch für die Mitglieder der Ver-

waltung einer Genossenschaft – wie vorliegend der Beschwerdeführer ein 

Verwaltungsmitglied der B.________ war.

3.2.3. Als im Handelsregister eingetragenes Mitglied der Verwaltung der Genos-

senschaft war der Beschwerdeführer zweifellos formelles Organ, unab-

hängig davon, welche Aufgaben er tatsächlich erfüllte (vgl. Urteil des Bun-

desgerichts 9C_27/2017 vom 8. August 2017 E.4.1 betreffend Mitglieder 

des Verwaltungsrates einer Aktiengesellschaft). Die Organeigenschaft ist 

daher abweichend von der Darstellung des Beschwerdeführers ohne wei-

teres zu bejahen. Denn wenn der Beschwerdeführer moniert, er sei zwar 

im Handelsregister eingetragen, aber nicht an der Willensbildung der 

B.________ beteiligt gewesen und erfülle die Organqualität im Sinne von 

Art. 52 AHVG nicht, so geht er fehl. Bei einem formellen Organ erübrigt 

sich die Prüfung der Stellung als faktisches oder materielles Organ – und 

damit vermag sich der Beschwerdeführer als formell eingetragenes Organ 

einer Haftung unter Berufung auf eine fehlende Beteiligung an der Willens-

bildung der B.________ nicht zu entziehen. Angesichts der Beitrags-

ausstände ab Januar 2019 hat die B.________ bzw. der Beschwerdefüh-

rer als deren Organ die Pflicht zur gesetzmässigen Abrechnung und Bei-

tragszahlung missachtet, womit die Haftungsvoraussetzung der Wider-

rechtlichkeit bzw. Pflichtverletzung zu bejahen ist.

3.3.1. Das Verschulden der Arbeitgeberin bzw. des Beschwerdeführers als Or-

gan aus Art. 52 Abs. 1 AHVG statuiert eine Verschuldenshaftung aus öf-

fentlichem Recht. Sowohl die Arbeitgeberin wie auch das allfällige Arbeit-

geberorgan muss ein Verschulden treffen; verlangt wird somit ein doppel-

tes oder zweistufiges Verschulden (vgl. REICHMUTH, a.a.O., Rz. 535; KIE-

SER, a.a.O., Rz. 40 zu Art. 52 AHVG; BGE 136 V 268 E.3 zum qualifizier-

ten Verschulden). Bei der Genossenschaft gelten die Mitglieder der Ver-

waltung als formelle Organe (vgl. REICHMUTH, a.a.O., Rz. 205 S. 50). 

Art. 52 Abs. 1 AHVG setzt für die Haftbarkeit der Arbeitgeberin voraus, 

- 16 -

dass die Missachtung von Vorschriften in absichtlicher oder grobfahrlässi-

ger Weise erfolgt ist. Es ist abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung 

der Unternehmung einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen recht-

liche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein 

Organ schuldhaft handelt, hängt demnach entscheidend von der Verant-

wortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person 

übertragen wurden (vgl. NEDI, a.a.O, S. 146 ff). Das Mass der zu verlan-

genden Sorgfalt hängt von den Umständen ab, die von jener Arbeitgeber-

kategorie, welcher die betroffene Person angehört, üblicherweise erwartet 

werden kann und muss (vgl. ZAK 1985 S. 51). Als Kriterien der Beurteilung 

des Verschuldens werden u.a. die Organisation und Aufgabendelegierung 

innerhalb der Arbeitgeberin, die Passivität der Arbeitgeberin und ihrer Or-

gane, die Dauer der Beitragsausstände sowie die Unternehmensgrösse 

berücksichtigt (vgl. NEDI, a.a.O., S. 148). Strengere Anforderungen an die 

Überwachungs- und Kontrollpflichten gelten bei Kleinunternehmen. Es 

wird vom zuständigen Organ erwartet, über sämtliche Belange der Gesell-

schaft inklusive des Beitragswesens im Bilde zu sein, selbst wenn die Be-

fugnisse delegiert wurden (vgl. NEDI, a.a.O., S. 149). Dies ergibt sich auch 

aus der verwaltungsgerichtlichen Praxis, wonach bei mehreren Verwal-

tungsräten – in casu übertragbar auf Verwaltungsmitglieder einer Genos-

senschaft –, von denen einer die Geschäftsführung besorgt, die anderen 

schuldhaft handeln, wenn sie die nach den Umständen gebotene Aufsicht 

nicht ausüben. Bei zwei Mitgliedern beurteilen sich die Anforderungen an 

die gegenseitige Kontrolle nach einem strengen Massstab. […] Unsorgfäl-

tig handelt demnach ein Verwaltungsrat, der eine ihm zukommende Auf-

gabe gar nicht erkennt oder wenn er trotz der Erkenntnis nicht handelt 

(PVG 1999 Nr. 9 E.5c S. 48 f.). Ein nicht geschäftsführender Verwaltungs-

rat – in casu ohne Weiteres übertragbar auf Verwaltungsmitglieder einer 

Genossenschaft – darf sich auf die Überprüfung der Tätigkeit der Ge-

schäftsleitung und des Geschäftsgangs beschränken, er muss sich aber 

laufend über den Geschäftsgang orientieren; insbesondere muss er sich 

- 17 -

wegen der Bedeutung des Beitragswesens mit diesem befassen (vgl. SVR 

2001 AHV Nr. 15 E.6b; ZAK 1989 S. 104 f; vgl. BGE 114 V 219 E.4). Wenn 

eine Gesellschaft bei objektiver Betrachtung durch einfache und leicht 

überschaubare Betriebsverhältnisse (wenige Angestellte, einfache Ver-

waltungsstruktur) gekennzeichnet ist, so ist ein strenger Sorgfaltsmass-

stab anzulegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_763/2018 vom 16. Juli 

2019 E.4.1.1). Die Ausgleichskasse, welche feststellt, dass sie einen 

durch Missachtung von Vorschriften entstandenen Schaden erlitten hat, 

darf rechtsprechungsgemäss davon ausgehen, dass die Vorschriften ab-

sichtlich oder mindestens grobfahrlässig verletzt wurden, sofern keine 

Rechtfertigungs- oder Exkulpationsgründe gegeben sind (siehe BGE 119 

V 401 E.4a, 108 V 199 E.1; Urteile des Bundesgerichts 9C_599/2017 vom 

26. Juni 2018 E.4.2.1 ff., 9C_906/2017 vom 21. Juni 2018 E.4.2.3; vgl. 

FREY/MOSIMANN/BOLLINGER, a.a.O., Rz. 12 zu Art. 52 AHVG; NUSSBAU-

MER, Die Haftung des Verwaltungsrates nach Art. 52 AHVG [Haftung des 

Verwaltungsrates], in: AJP 1996, S. 1071 ff., 1077 f. Fn. 93, mit Hinweisen 

auf BGE 108 V 186 E.1b). Unerheblich ist, dass die Beiträge in Ermange-

lung finanzieller Mittel nicht bezahlt worden sind, denn für die Beurteilung 

der Haftbarkeit des Beschwerdeführers kommt es nicht darauf an, dass 

die Gesellschaft nicht über ausreichende materielle Mittel verfügte. Ent-

scheidend ist vielmehr, ob sie infolge Verschuldens des Beschwerdefüh-

rers nicht in der Lage war, ihrer Zahlungspflicht gegenüber der Ausgleichs-

kasse nachzukommen (vgl. BGE 109 V 86 E.5 f.). Der Begriff der Grob-

fahrlässigkeit im Sinne von Art. 52 AHVG ist gleich zu verstehen wie im 

übrigen Haftpflicht- und Versicherungsrecht. Grobfahrlässig handelt, wer 

eine elementare Vorsichtsmassnahme missachtet bzw. ausser Acht lässt, 

was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen 

Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Die Verschulden-

sfrage wird primär nach den Umständen beurteilt, die zum Zahlungsrück-

stand geführt haben (BGE 124 V 255 E.3b); dabei stellt der Normverstoss 

von einer gewissen Schwere eine grobe Fahrlässigkeit im Sinne von 

- 18 -

Art. 52 AHVG dar (vgl. zum Ganzen KIESER, a.a.O., Rz. 41 ff. zu Art. 52 

AHVG m.H.). Gemäss Urteil des Bundesgerichts 9C_312/2021 vom 8. No-

vember 2021 E.3.2.2 ist es – allenfalls abgesehen von kurzfristigen 

Ausständen – grobfahrlässig, Löhne zu bezahlen, wenn die darauf ge-

schuldeten AHV-Beiträge nicht gedeckt sind. Solches Verhalten ist den 

verantwortlichen Organen grundsätzlich als qualifiziertes Verschulden zu-

zurechnen, was die volle Schadenersatzpflicht nach sich zieht, sofern ein 

adäquater Kausalzusammenhang zwischen der schuldhaften Verletzung 

von Vorschriften und dem Schadenseintritt besteht und die Ausgleichs-

kasse kein Mitverschulden trifft. Der Grund für diese Praxis liegt in der be-

sonderen Natur der AHV-Beiträge, hinsichtlich welcher die Arbeitgeberin 

die Funktion eines Vollzugsorgans ausübt (Art. 51 AHVG). Daraus resul-

tiert eine besondere Pflicht, für die ordnungsgemässe Bezahlung der Bei-

träge zu sorgen (vgl. auch KIESER, a.a.O., Rz. 48 ff. zu Art. 52 AHVG). Ent-

scheidend für die Beurteilung der Verschuldensfrage ist demnach, ob die 

verantwortlichen Organe (nach aussen erkennbar) der Pflicht, für eine ord-

nungsgemässe Bezahlung der Sozialversicherungsbeiträge zu sorgen, 

nachgekommen sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_312/2021 vom 

8. November 2021 E.4.3 m.w.H.).

3.3.2. Die Beschwerdegegnerin macht zumindest grobfahrlässiges Verschulden 

des Beschwerdeführers infolge Passivität und Verletzung der Aufsichts-

pflicht als Verwaltungsmitglied der B.________ geltend, wofür sie beweis-

pflichtig ist (Art. 8 ZGB). Allerdings darf sie Grobfahrlässigkeit annehmen, 

sofern der Beschwerdeführer passiv blieb, weil er seine Pflichten nicht er-

kannte oder ihnen trotz Kenntnis nicht nachging. Es sei denn, es liegen 

Rechtfertigungs- und Exkulpationsgründe vor, welche indes vom Be-

schwerdeführer zu beweisen sind.

Der Beschwerdeführer wiederum macht bezüglich Verschulden geltend, 

dass ihm keine grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen werden könne. Seine 

Aufgabe als Mitglied der Verwaltung sei von Anfang an klar definiert wor-

- 19 -

den und habe sich auf die Beratung in Bezug auf die Strategie beschränkt. 

Aus dem Handelsregisterauszug ergebe sich, dass er nicht mit Geschäfts-

führungsaufgaben betraut gewesen sei. Er habe denn auch nie an mass-

gebenden Entscheidungen der Genossenschaft mitgewirkt und deren Wil-

lensbildung beeinflusst. Bis zur Verhaftung von D.________ habe er nur 

Unterlagen zur Eintragung der Genossenschaft unterzeichnet und auch 

lediglich an zwei Sitzungen der Verwaltung im Februar und August 2019 

teilgenommen. E.________ und er hätten an der zweiten Sitzung, an wel-

cher der Zwischenabschluss des ersten Geschäftsjahres hätte vorgelegt 

werden müssen, verschiedene Fragen aufgeworfen. Eine weitergehende 

Kontrollpflicht sei angesichts der ihm zugewiesenen Aufgabe weder zu-

mutbar noch vernünftig gewesen, zumal keine Hinweise bestanden hätten, 

dass die Genossenschaft ihren Verpflichtungen nicht nachkomme. Darum 

habe der Beschwerdeführer keine weitergehende Möglichkeit gehabt, als 

von D.________, Präsident der Verwaltung und Direktor, Auskünfte zu 

verlangen. Die Betriebsschliessung am 12. September 2019 durch die 

Staatsanwaltschaft habe die Geschäftstätigkeit der Genossenschaft been-

det. Aufgrund der Beschlagnahmung der Unterlagen habe sich der Be-

schwerdeführer ab diesem Zeitpunkt ohnehin nicht mehr informieren kön-

nen. Der Eintritt des Schadens habe nicht mehr abgewendet werden kön-

nen. Die pauschale Begründung der Beschwerdegegnerin, der Beschwer-

deführer sei seinen Kontrollpflichten nicht nachgekommen, greife zu kurz, 

zumal sie mit der Begründung des Einspracheentscheids von E.________ 

praktisch deckungsgleich sei.

3.3.3. Der Beschwerdeführer argumentiert nicht überzeugend, wenn er einer-

seits ausführt, lediglich zur Strategieberatung berufen gewesen zu sein, 

dann aber vorbringt, anlässlich der Sitzung vom 8. August 2019 ˮverschie-

dene Fragen die finanzielle Situation der Genossenschaft betreffend auf-

geworfenˮ zu haben (siehe Beschwerde S. 8). Dies auch im Lichte seiner 

Darstellung, dass bis zur Hausdurchsuchung, Beschlagnahmung von Ak-

- 20 -

ten und der Festnahme von D.________ am 12. September 2019 ˮabsolut 

keine Anzeichenˮ für finanzielle Unstimmigkeiten bestanden hätten (siehe 

Beschwerde S. 15). Auffällig ist, dass gemäss Protokoll jener Sitzung vom 

8. August 2019 keine Fragen aufgeworfen wurden, ja vielmehr über dieses 

Traktandum 6 (als einziges von insgesamt 16 Traktanden) überhaupt 

nichts protokolliert wurde (vgl. Bf-act. 13 S. 4, Traktandum 6).

Wenn auch die Sorgfaltspflicht der Organe einer Aktiengesellschaft – in 

casu übertragbar auf Verwaltungsmitglieder einer Genossenschaft – 

grundsätzlich streng ist, ist doch das Ausmass der Sorgfaltspflicht nach 

den Verhältnissen im Einzelfall zu beurteilen (vgl. KIESER, a.a.O., Rz. 43 ff. 

zu Art. 52 AHVG). Nicht jedes einer juristischen Person anzulastende Ver-

schulden muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Es ist ab-

zuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Gesellschaft einem be-

stimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung 

innerhalb der Gesellschaft zuzurechnen ist. Ob das Verhalten eines Or-

gans als schuldhaft zu werten ist, beurteilt sich aufgrund der ihm obliegen-

den obligationenrechtlichen Sorgfalts- und Überwachungspflichten im 

Rahmen der ihm von der juristischen Person übertragenen Verantwortung 

und den Kompetenzen, wobei ein objektiver Verschuldensmassstab anzu-

wenden ist. Die Differenzierung des Sorgfaltsmasstabs richtet sich nach 

der Organisation und Rechtsform der Arbeitgeberin, sie ist nicht abhängig 

von der Branche der Gesellschaft oder der Berufsgattung des Organs (vgl. 

dazu BGE 108 V 199 E.3a; FREY/MOSIMANN/BOLLINGER, a.a.O., Rz. 4 und 

14 f. zu Art. 52 AHVG; siehe dazu auch FORSTER, a.a.O., Rz. 11.22 f.). 

Vom Verwaltungsratspräsidenten, der einziges ausführendes Organ einer 

Gesellschaft ist, ist ein höheres Mass an Sorgfalt zu verlangen als vom 

Organ eines Grossunternehmens, dessen Kontrollmöglichkeiten einge-

schränkt sind (vgl. BGE 108 V 199 E.3a) – in casu übertragbar auf die 

Verwaltung einer Genossenschaft. Passivität trotz möglicher Kenntnis 

ausstehender Beitragszahlungen ist als grobfahrlässig zu bewerten. Auch 

- 21 -

der nicht geschäftsführende Verwaltungsrat untersteht einer strengen Auf-

sichts- und Kontrollpflicht (vgl. dazu FREY/MOSIMANN/BOLLINGER, a.a.O, 

Rz. 15 zu Art. 52 AHVG; KIESER, a.a.O., Rz. 41 ff. zu Art. 52 AHVG m.H.). 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist es zulässig, den Ver-

kehr mit der Ausgleichskasse z.B. an eine Treuhandfirma zu delegieren, 

was aber nicht von der Überwachungspflicht, dass die Pflichten auch aus-

geführt werden, entbindet (vgl. BGE 108 V 202 E.3; Urteil des Bundesge-

richts 9C_906/2017 vom 21. Juni 2018 E.4.2.2 m.H.a. 9C_651/2012 vom 

15. Mai 2013 E.6.2).

3.3.4.1. Im vorliegenden Fall handelt es sich bei der B.________ um eine Genos-

senschaft mit einfacher, überschaubarer Verwaltungsstruktur. Als formel-

les Organ war der Beschwerdeführer zunächst mit drei weiteren, ab dem 

25. März 2019 noch zwei weiteren Verwaltungsmitgliedern tätig (vgl. Bf-

act. 14). Den Beschwerdeführer als Mitglied der Verwaltung dieser kleinen 

Genossenschaft traf damit eine sehr hohe Sorgfaltspflicht. Dem Be-

schwerdeführer wird Passivität als AHV-rechtlich relevantes Verschulden 

vorgeworfen (Nichtwahrnehmung seiner Aufsichtspflichten). Es ist erwie-

sen, dass sich die B.________ seit Anbeginn im November 2018 resp. 

anfangs des Jahres 2019 in Zahlungsschwierigkeiten für die ab Oktober 

2018 geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge befand (diverse Mahnun-

gen für ausstehende (Akonto-)Zahlungen vom 31. Januar 2019 an und für 

Verzugszinsen, Betreibungsbegehren, Zahlungsbefehle, Fortsetzungsbe-

gehren, Verlustscheine; siehe Akten der Beschwerdegegnerin betreffend 

die B.________ [Bg-act. – B.________] 26, 31, 32, 33, 36, 37, 38, 41, 46 

S. 1, 53 S. 3, 54, 55, 57, 58, 60, 63, 64, 66, 67, 72, 74, 76, 77, 78, 83, 84, 

87, 88, 90, 91, 92, 93, 97, 98, 100, 104, 105, 106, 107, 114, 116, 129, 142, 

144, 145, 146, 149, 150, 162, 164, 166, 169 ff.).

3.3.4.2. Dem Beschwerdeführer als Verwaltungsmitglied einer Genossenschaft 

mit überschaubarer Verwaltungsstruktur und mit seinem beruflichen be-

triebswirtschaftlichen Hintergrund (Bachelor in Betriebswirtschaft 2015 

- 22 -

und Executive MBA 2018; siehe Einsprache vom 12. April 2021, Bg-act. – 

A.________ 11 S. 5) musste bewusst sein, dass er sich im Rahmen seiner 

Sorgfalts- und Aufsichtspflichten für das Beitragswesen interessieren und 

engagieren musste, so dass nicht Löhne ausbezahlt worden wären, deren 

Sozialversicherungsbeiträge nicht gedeckt waren. Indem der Beschwer-

deführer seine Sorgfaltspflicht missachtete, hat er das ausser Acht gelas-

sen, ˮwas jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei-

chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssenˮ. Es sind weder 

Umstände dargetan worden, welche sein Verhalten als berechtigt oder 

entschuldbar erscheinen liessen, noch ergeben sich hierfür irgendwelche 

Anhaltspunkte aus den Akten (vgl. BGE 108 V 199 E.3b). Bei pflicht-

gemässer Ausübung seiner Sorgfalts- und Überwachungspflichten als 

Verwaltungsmitglied der B.________ hätte der Beschwerdeführer die fi-

nanziellen Schwierigkeiten, in denen sich die B.________ spätestens ab 

Januar 2019 erwiesenermassen befand, erkennen und mit erhöhter Auf-

merksamkeit für die Begleichung der ausstehenden Sozialversicherungs-

beiträge der Mitarbeitenden der B.________ sorgen müssen. Stattdessen 

geht aus den Ausführungen des Beschwerdeführers selbst hervor, dass 

er sich als Strategieberater nie um die operativen Belange wie z.B. das 

Beitragswesen gekümmert hat. Auch den Akten ist nichts zu entnehmen, 

wonach sich der Beschwerdeführer um diese Thematik gekümmert hätte. 

Immerhin aber war gemäss E-Mail von D.________ (Präsident der Ver-

waltung und Direktor B.________) vom 11. Februar 2019 an den Be-

schwerdeführer vorgesehen, dass seine Aufgabe darin lag, ˮMitglied der 

Verwaltung mit Schwerpunkt Strategie/Logistik/Managementˮ zu sein (vgl. 

Bf-act. 10). Damit ist widerlegt, dass sich der Beschwerdeführer allein der 

Strategieentwicklung widmen sollte. Um das Beitragswesen hat er sich un-

bestrittenermassen nicht gekümmert. Diese Passivität stellt eine Verlet-

zung seiner Sorgfalts- und Überwachungspflichten als Verwaltungsmit-

glied dar, welche ihm zumindest als grobfahrlässiges Verhalten vorwerfbar 

ist (Art. 902 OR).

- 23 -

3.3.4.3. Exkulpationsgründe, wonach rechtsprechungsgemäss die vorüberge-

hende Nichtbezahlung der Beiträge ausnahmsweise rechtmässig er-

scheint, wenn feststeht, dass die Arbeitgeberin bzw. das Organ aus ernst-

haften und objektiven Gründen annehmen durfte, seine Beitragsschulden 

innert nützlicher Frist bezahlen zu können (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

9C_330/2010 vom 18. Januar 2011 E.3.4), sind keine ersichtlich, zumal 

der Beschwerdeführer und weitere Involvierte nach eigenen Angaben erst 

nach der Hausdurchsuchung, Beschlagnahmung von Akten, Festnahme 

von D.________ und der Einstellung der operativen Tätigkeit der 

B.________ das Ausmass der finanziellen Schieflage erkannten. Auch be-

traf der Ausstand nicht eine kurze Dauer, sondern mindestens acht Mo-

nate von Januar bis August 2019 (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

9C_135/2011 vom 11. April 2011 E.4.5.3, wo Beitragsausstände von 11 

Monaten nicht als von kurzer Dauer oder infolge eines vorübergehenden 

Liquiditätsengpasses bezeichnet wurden). Durch die Passivität des Be-

schwerdeführers und der Weiterführung der B.________, welche die 

Lohnbeiträge ab Oktober 2018 nicht vorschriftsgemäss bezahlt hat, ent-

standen fortlaufend Schulden bei der Beschwerdegegnerin, die voraus-

sehbarerweise nicht mehr gedeckt werden konnten. Aufgrund der Akten-

lage fehlt jeglicher Anhaltspunkt dafür, dass die B.________ oder der Be-

schwerdeführer hätten davon ausgehen dürfen, innert nützlicher Frist die 

geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge der B.________ begleichen zu 

können, hatte sich der Beschwerdeführer doch in diesem Zeitraum nie um 

das Beitragswesen gekümmert. Weitere Entlastungsgründe werden vom 

Beschwerdeführer weder geltend gemacht, noch sind solche ersichtlich, 

weshalb davon auszugehen ist, dass er seine Pflichten zumindest grob-

fahrlässig verletzt hat. Damit ist auch die Haftungsvoraussetzung des Ver-

schuldens zu bejahen.

3.4.1. Zwischen dem bei der Beschwerdegegnerin eingetretenen Schaden und 

dem pflichtwidrigen Verhalten der Arbeitgeberin muss sodann ein adäqua-

- 24 -

ter Kausalzusammenhang bestehen (vgl. BGE 119 V 401 E.4a). Ein Er-

gebnis hat dann als adäquate Ursache eines Schadens zu gelten, wenn 

es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach allgemeiner Lebens-

erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg in der Art des eingetretenen 

herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs durch das Ereignis also allgemein 

als begünstigt erscheint (vgl. BGE 128 V 124 E.4 f., 125 V 456 E.5a). 

Daran fehlt es, wenn auch ein pflichtgemässes Verhalten den Schaden 

nicht hätte verhindern können (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

9C_599/2017 vom 26. Juni 2018 E.4.3.1.1, 9C_27/2017 vom 8. August 

2017 E.4.6 m.w.H.). Diese Annahme darf nicht eine blosse Hypothese 

sein, sondern muss vielmehr mit Gewissheit oder doch mit hoher Wahr-

scheinlichkeit nachgewiesen sein (vgl. SVR 2011 AHV Nr. 16; Urteil des 

Bundesgerichts 9C_135/2011 vom 11. April 2011 E.4.3.1). Auch kann das 

schuldhafte Verhalten eines solidarisch Ersatzpflichtigen als inadäquat für 

den eingetretenen Schaden gelten, wenn das Verschulden des Dritten 

oder des Geschädigten dermassen schwer wiegt, dass das eigene Fehl-

verhalten eindeutig in den Hintergrund tritt und damit nach dem gewöhnli-

chen Lauf der Dinge und der Lebenserfahrung nicht mehr als adäquate 

Schadensursache erscheint (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

9C_599/2017 vom 26. Juni 2018 E.4.3.1.1, 9C_135/2011 vom 11. April 

2011 E.4.3.1 = SVR 2011 AHV Nr. 16; vgl. PVG 1999 Nr. 9 E.7 S. 50).

Die Unterbrechung des adäquaten Kausalzusammenhangs fällt insbeson-

dere in Betracht, wenn ein Verwaltungsrat durch strafrechtlich relevante 

Machenschaften eines anderen Organs der Gesellschaft über die 

Ausstände gegenüber der Ausgleichskasse hinters Licht geführt und da-

durch an der Wahrnehmung seiner Pflichten gehindert wird. Eine Haf-

tungsbeschränkung wegen mitwirkenden Drittverschuldens eines solida-

risch Haftpflichtigen zieht das Bundesgericht aber bloss als eher theoreti-

sche Möglichkeit in Betracht, die, wenn überhaupt, nur bei einer ausge-

sprochen exzeptionellen Sachlage von praktischer Bedeutung sein kann; 

- 25 -

so etwa, wenn das Verschulden des in Anspruch genommenen Haftpflich-

tigen als so leicht erscheint und in einem derartigen Missverhältnis zum 

Verschulden des Dritten steht, dass es offensichtlich ungerecht wäre, 

wenn jener den ganzen Schaden tragen müsste (vgl. Urteile des Bundes-

gerichts 9C_599/2017 vom 26. Juni 2018 E.4.3.1.1, 9C_27/2017 vom 

8. August 2017 E.4.6 m.w.H.; REICHMUTH, a.a.O., Rz. 768 ff., 793 f.). Dass 

der Beschwerdegegnerin eine grobe Pflichtverletzung wie die Missach-

tung elementarer Vorschriften der Beitragsveranlagung und des Beitrags-

bezugs vorzuwerfen wäre (vgl. NEDI, a.a.O., S. 151), wird nicht dargetan 

und ist nicht ersichtlich.

3.4.2. Der Beschwerdeführer führt aus, dass hier eine ausgesprochen exzeptio-

nelle Sachlage vorliege, womit der adäquate Kausalzusammenhang un-

terbrochen sei. D.________, Initiator, Präsident der Verwaltung, Direktor 

und Motor der Genossenschaft, habe ganz offensichtlich alle Mitbeteiligten 

belogen und mit erheblicher krimineller Energie der B.________ Schaden 

zugefügt. Die Zwangsmassnahmen der Strafuntersuchungsbehörden 

(Hausdurchsuchung, Beschlagnahmung der Geschäftsunterlagen in den 

Räumlichkeiten der B.________, Verhaftung von D.________) hätten zur 

unverzüglichen Beendigung der Geschäftstätigkeit geführt. Die strafbaren 

Handlungen von D.________ hätten dazu geführt, dass die Beitragszah-

lungen der Beschwerdegegnerin nicht mehr bezahlt werden konnten und 

diese zu Schaden gekommen sei. Dies sei ein Schock gewesen für die 

übrigen Beteiligten, zumal es während der 10-monatigen Betriebstätigkeit 

absolut keine Anzeichen gegeben habe, dass in finanzieller Hinsicht Un-

stimmigkeiten bestünden. Die Beteiligten hätten vielmehr am 13. Septem-

ber 2019 feststellen müssen, vom Präsidenten und Direktor D.________ 

hinters Licht geführt worden zu sein.

3.4.3. Die Beschwerdegegnerin bestreitet, dass die (allfälligen) deliktischen 

Tätigkeiten von D.________ oder die ab 12. September 2019 eingetrete-

nen Ereignisse (Hausdurchsuchung, Beschlagnahmung, Verhaftung von 

- 26 -

D.________, faktische Betriebsschliessung, Konkurs) etwas am adäqua-

ten Kausalzusammenhang zwischen dem pflichtwidrigen, schuldhaften 

Verhalten des Beschwerdeführers und dem eingetretenen Schaden zu än-

dern vermögen. Denn die B.________ habe die Lohnbeiträge von Anfang 

an nicht vorschriftsgemäss bezahlt, so dass der Schaden der Beschwer-

degegnerin aufgrund entgangener Sozialversicherungsbeiträge der Mo-

nate Januar bis August 2019 entstanden sei (vgl. Bg-act. – B.________ 

155 und 209). Die Beiträge des letzten Monats (August 2019) seien am 

31. August 2019 fällig geworden und spätestens am 10. September 2019 

und damit vor den ab 12. September 2019 eingetretenen Ereignissen zu 

entrichten gewesen. Der Beschwerdeführer habe seine Pflichten ab dem 

7. November 2018 bezogen auf den Zeitraum bis 12. September 2019 

während zehn Monaten nie wahrgenommen und sei durch die (allenfalls) 

deliktischen Tätigkeiten von D.________ nicht an der Wahrnehmung sei-

ner Pflichten gehindert worden. Es liege damit – entgegen der Auffassung 

des Beschwerdeführers – keine exzeptionelle Sachlage vor, vielmehr 

hätte ein pflichtgemässes Verhalten des Beschwerdeführers den Schaden 

verhindern können. Entgegen den spekulativen Ausführungen des Be-

schwerdeführers könne auch nicht davon ausgegangen werden, dass der 

Schaden auch bei einem pflichtgemässen Verhalten eingetreten wäre.

3.4.4. Der Beschwerdeführer war stimmberechtigtes Verwaltungsmitglied der 

zunächst vier- und ab 25. März 2019 dreiköpfigen Verwaltung, d.h. er hatte 

die Möglichkeit, die Willensbildung der B.________ an den Verwaltungs-

sitzungen vom 12. Februar 2019 und 8. August 2019 zu beeinflussen (vgl. 

Bg-act. – A.________ 11 S. 17–21). Anlässlich der Sitzung vom 8. August 

2019 gab D.________ gemäss Protokoll einen Situationsüberblick ab. 

Demnach konnte ein Verkauf ˮdie Liquidität wieder kurzfristig herstellenˮ 

(vgl. Bf-act. 13 Traktandum 3. S. 3). Dies ist zumindest ein Indiz dafür, 

dass die finanzielle Situation der B.________ zumindest liquiditätsmässig 

angespannt war. Während zu jedem anderen Traktandum 1.–16. Aus-

- 27 -

führungen gemacht wurden, blieb allein das Traktandum 6. ˮFinanzen – 

Status Quo und Ausblickˮ offenbar unbesprochen, da diesbezüglich nichts 

protokolliert wurde (vgl. Bf-act. 13, Traktandum 6. S. 4). Dies ist auffällig 

und befremdlich. Dennoch unternahm der Beschwerdeführer soweit er-

sichtlich und unbestrittenermassen weiterhin nichts, was seinen Pflichten 

als Verwaltungsmitglied entsprochen hätte, bis es am 12. September 2019 

zur Hausdurchsuchung, Beschlagnahmung von Akten und der Festnahme 

von D.________ kam. Die Beitragsausstände entstanden bereits ab Okto-

ber 2018. Die Erkennbarkeit der finanziellen Schieflage ist klar zu bejahen, 

hätte denn der Beschwerdeführer seine Pflichten wahrgenommen. Abwei-

chend vom vom Beschwerdeführer angeführten Urteil des Bundesgerichts 

9C_152/2009 vom 18. November 2009 E.6 (vgl. Beschwerde Rz. 10.1 

S. 15) sind den Mitgliedern der Verwaltung von D.________, dem Präsi-

denten der Verwaltung und alleinigen Direktor, – so muss den Akten ent-

nommen werden – keine frei erfundenen Betriebsrechnungen, Zahlen, Be-

richte oder dergleichen bzw. unterschriftsgefälschte Unterlagen vorgelegt 

worden, womit der Beschwerdeführer hinters Licht geführt und dadurch 

gehindert worden wäre, seine Pflicht als Verwaltungsmitglied wahrzuneh-

men. Die den Mitgliedern der Verwaltung mit der Einladung zur Sitzung 

vom 8. August 2019 zugestellte Liste der vermittelten Liegenschaften (vgl. 

Bf-act. 8) ändert daran nichts, zumal nicht protokolliert ist, dass sie bzw. 

finanzielle Belange am 8. August 2019 an der Verwaltungssitzung bespro-

chen wurden (vgl. Bf-act. 13 Traktandum 6). Die Hypothese des Be-

schwerdeführers, D.________ hätte bei Rückfragen die übrigen Beteilig-

ten getäuscht oder angelogen, ist nicht mit Gewissheit oder sehr hoher 

Wahrscheinlichkeit bewiesen. Vielmehr musste D.________ u.a. aufgrund 

der Passivität des Beschwerdeführers nicht über die finanziellen Belange 

wie z.B. das Beitragswesen Rechenschaft gegenüber der Verwaltung ab-

legen, was den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen pflichtwidri-

gem Verhalten und Schaden nicht unterbricht.

- 28 -

Der Beschwerdeführer tritt in den Akten nur in Erscheinung als im Han-

delsregister als kollektiv zu zweien berechtigtes Verwaltungsmitglied (vgl. 

Bf-act. 14), als Teilnehmer an zwei Verwaltungssitzungen am 12. Februar 

2019 und 8. August 2019 (vgl. Bf-act. 12 und 13) und als Unterzeichner 

der Kündigungen von G.________ und E.________ am 13. September 

2019 (vgl. Bg-act. – B.________ 118 und 125). Es waren daher nicht die 

allfälligen strafbaren Handlungen von D.________ oder dessen angebli-

ches 'Hinters-Licht-Führen' des Beschwerdeführers, die den Beschwerde-

führer davon abhielten, seine Pflichten wahrzunehmen, sondern schlicht 

die Passivität des Beschwerdeführers, wie auch seinen eigenen Aus-

führungen entnommen werden muss, wenn er seine Aufgabe allein als Be-

rater in der Strategieentwicklung sah und sich allein mit der Teilnahme an 

zwei Verwaltungssitzungen und dem Unterzeichnen von Gründungs- und 

Kündigungsdokumenten dementsprechend passiv verhielt (vgl. angefoch-

tener Einspracheentscheid S. 3 und 10, 12 f.). Vorliegend hat das pflicht-

widrige Verhalten der B.________ bzw. des Beschwerdeführers als Ver-

waltungsmitglied dazu geführt, dass Beitragszahlungen mangels Liquidität 

nicht vorschriftsgemäss geleistet wurden. Der Beschwerdeführer tut dar, 

dass selbst pflichtgemässes Handeln, d.h. die Einholung von Informatio-

nen bei D.________, den Schaden nicht verhindert hätte, weil er von die-

sem angelogen oder getäuscht worden wäre. Dabei handelt es sich indes 

– wie bereits ausgeführt – um eine Hypothese, die nicht mit Gewissheit 

oder sehr hoher Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist. Das schuldhafte 

Fehlverhalten des Beschwerdeführers tritt nicht dermassen eindeutig in 

den Hintergrund, dass es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der 

Lebenserfahrung nicht mehr als adäquate Schadensursache erscheint. 

Die Beschwerdegegnerin hat somit zu Recht eine ausgesprochen exzep-

tionelle Sachlage verneint. Hätte nämlich der Beschwerdeführer seine 

Funktion pflichtgemäss erfüllt, so wäre die B.________ ihren Zahlungs-

pflichten rechtzeitig nachgekommen bzw. wären die Löhne nur insoweit 

ausbezahlt worden, als die darauf geschuldeten Abgaben bei Fälligkeit 

- 29 -

hätten beglichen werden können. Damit wäre der Schaden nicht eingetre-

ten bzw. geringer ausgefallen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

9C_789/2018 vom 1. Mai 2019 E.3.4). Die Unterlassungen der 

B.________ bzw. des Beschwerdeführers als Verwaltungsmitglied waren 

nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenser-

fahrung somit geeignet, den eingetretenen Erfolg (Schaden) herbeizu-

führen. Der adäquate Kausalzusammenhang ist damit ebenfalls zu beja-

hen.

4.1.1. Der Beschwerdeführer macht eine Verletzung des Untersuchungsprinzips 

gemäss Art. 43 ATSG bzw. eine Verletzung des rechtlichen Gehörs gel-

tend, da die Strafakten in Sachen D.________ nicht beigezogen worden 

seien, trotz der Hausdurchsuchung in den Räumlichkeiten der 

B.________, der Beschlagnahmung von Geschäftsunterlagen am 

12. September 2019 sowie der Untersuchungshaft von D.________ bis 

zum Zeitpunkt der Beschwerde, was aufzeige, dass es sich um schwer-

wiegende Vermögensdelikte handle und – mangels Strafverfahren gegen 

den Beschwerdeführer und die Auskunftspersonen – um eine Einzeltäter-

schaft (siehe Beschwerde Rz. 8 S. 10 ff.).

4.1.2. Die Beschwerdegegnerin erachtet den Beizug der Strafakten in Sachen 

D.________ als nicht erforderlich, da sich die dem Beschwerdeführer zur 

Last gelegte Passivität und damit das grobfahrlässige Verhalten aus den 

AHV-Akten ergebe. Die Akten der gegen D.________ geführten Strafun-

tersuchung würden nichts Neues zur Beantwortung der Frage nach dem 

AHV-rechtlichen Verschulden des Beschwerdeführers beitragen.

4.2. Nach Auffassung des Gerichts erübrigen sich in antizipierter Beweiswür-

digung (vgl. BGE 144 V 361 E.6.5, 136 I 229 E.5.3) weitere Beweismass-

nahmen wie der Beizug der Strafakten betreffend D.________, da der Be-

schwerdeführer selbst nicht geltend macht oder substanziiert, dass er von 

D.________ mittels Abrechnungen, Berichten oder dergleichen konkret 

- 30 -

getäuscht oder belogen worden wäre. Es ist davon auszugehen, dass ge-

rade im Fehlen entsprechender Belege die Passivität des Beschwerdefüh-

rers bestätigt würde, wie er selber sie beschreibt. Damit liegt keine Verlet-

zung des Untersuchungsgrundsatzes oder des rechtlichen Gehörs vor 

(vgl. KIESER, a.a.O., Rz. 108 ff. zu Art. 52 AHVG). Das Sozialversiche-

rungsgericht ist zudem selbst an ein in der gleichen Sache ergangenes 

Strafurteil nicht gebunden (vgl. KIESER, a.a.O., Rz. 111 zu Art. 52 AHVG). 

Von einem Beizug der Strafakten betreffend D.________ wären somit 

keine entscheidrelevanten Ergebnisse zu erwarten. Damit hat auch die 

Beschwerdegegnerin vorinstanzlich auf den Beizug der Strafakten ver-

zichten können.

4.3. Zusammenfassend kann vorderhand festgehalten werden, dass sämtliche 

Haftungsvoraussetzungen gemäss Art. 52 AHVG erfüllt sind. Die Be-

schwerdegegnerin hat somit den Beschwerdeführer zu Recht verpflichtet, 

Ersatz für den Schaden zu leisten.

5.1. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haf-

ten sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 2 Satz 2 AHVG). 

Gemäss BGE 134 V 306 E.3.1 erlaubt die solidarische Haftung der Aus-

gleichskasse, gegen alle oder lediglich einige von ihnen, allenfalls nur ei-

nen einzelnen, vorzugehen (vgl. auch BGE 119 V 86 E.5a; Urteil des Eidg. 

Versicherungsgerichts H 365/01 vom 15. April 2002 E.3a m.H.). Die Haf-

tung mehrerer ändert zwar nichts daran, dass der Einzelne gegenüber der 

Ausgleichskasse den ganzen von ihm zu verantwortenden Betrag schul-

det. Die rechtliche und tatsächliche Stellung eines Schadenersatzpflichti-

gen wird aber dadurch verändert, dass er gegebenenfalls gegen allfällige 

Mithaftende Regress nehmen kann (vgl. BGE 132 III 523) oder die Aus-

gleichskasse möglicherweise die Forderung zuerst gegen andere Mithaf-

tende vollstreckt. Er hat daher ein rechtliches und faktisches Interesse 

daran, dass neben ihm auch andere Personen für haftbar erklärt werden. 

Dieses Interesse kann es rechtfertigen, den in Anspruch Genommenen 

- 31 -

auch an Verfahren gegen andere potenziell Schadenersatzpflichtige zu 

beteiligen. Allerdings kann der ins Recht Gefasste nicht potenziell mithaf-

tenden Dritten, welche von der Ausgleichskasse nicht in Anspruch genom-

men wurden, den Streit verkünden (vgl. BGE 134 V 306 E.3.2).

5.2. Vorliegendenfalls sind von den vier ebenfalls in Anspruch genommenen 

Personen D.________, E.________, F.________ und G.________, zwei 

Personen, nämlich F.________ und G.________, durch die Einspra-

cheentscheide vom 30. April 2021 von der Haftung befreit worden, was 

dem Beschwerdeführer jedoch nicht mittels Entscheidzustellung mitgeteilt 

worden ist, weil er zuvor auch nicht zu den Einspracheverfahren von 

E.________, G.________ und F.________ beigeladen worden war. Da-

durch hat der Beschwerdeführer potenziell Mithaftende verloren, was 

seine rechtliche und faktische Stellung verschlechterte (vgl. BGE 134 V 

306 E.3.2.1 f.). Die Rechtsfolgen, wenn einem Dritten zu Unrecht nicht die 

Möglichkeit gegeben wurde, sich an einem Verfahren zu beteiligen, insbe-

sondere, wenn er eine Parteistellung geltend machen könnte, lassen sich 

nicht in allgemeiner Weise umschreiben. Sie hängen vom Einzelfall ab und 

ergeben sich aus einer Interessenabwägung, deren Sinn und Ziel darin 

liegt, die betroffene Person vor Nachteilen zu schützen, die sie infolge des 

Mangels erleiden würde (vgl. BGE 134 V 306 E.4 m.H.a. das Urteil des 

Eidg. Versicherungsgerichts B 91/04 vom 5. Oktober 2005 E.3.3).

Der Beschwerdeführer wurde unbestrittenermassen in den Einsprache-

verfahren der anderen vier Personen nicht beigeladen. Im Zeitpunkt seiner 

Beschwerdeerhebung hatte er allerdings von den gutheissenden Einspra-

cheentscheiden von G.________ und F.________ Kenntnis, wie sich aus 

den Rechtsbegehren der Beschwerde zeigt, ficht er doch für den Fall der 

Beschwerdeabweisung die gutheissenden Einspracheentscheide von 

G.________ und F.________ an und formuliert damit seinen Anfechtungs-

willen. Das streitberufene Gericht hat die durch die Vorinstanz unterlas-

- 32 -

sene Beiladung des Beschwerdeführers zum Verfahren nachgeholt (Ge-

richtsakte D1).

5.3. Der Beschwerdeführer stellt für den Fall der Abweisung seiner Be-

schwerde, d.h. seines Unterliegens, die Rechtsbegehren, die Einspra-

cheentscheide von G.________ und F.________ seien aufzuheben 

(Rechtsbegehren Ziff. 3.1.) und die Einsprachen von G.________ und 

F.________ gegen die Schadenersatzverfügung der Beschwerdegegnerin 

seien abzuweisen (Rechtsbegehren Ziff. 3.2.). Auf das Rechtsbegehren 

Ziff. 3.2 ist durch das Verwaltungsgericht, da es nicht Einspracheinstanz 

ist und damit betreffend das Rechtsbegehren Ziff. 3.2 nicht zuständig ist, 

nicht einzutreten. Zudem ist das Rechtsbegehren Ziff. 3.1, wie sich aus 

den nachfolgenden Erwägungen ergibt, abzuweisen.

5.4.1 Das Bundesgericht hielt in BGE 109 V 86 E.10 fest: ˮEs ist gerade die 

Eigentümlichkeit der Solidarschuldnerschaft, dass es im Belieben des 

Gläubigers steht, welchen Solidarschuldner er in Anspruch nehmen will 

(BGE 108 V 195 E.3). Der Beschwerdeführer geht fehl, wenn er seine ein-

seitige Inanspruchnahme für rechtsungleich hält. Ebenso unerheblich ist 

es, ob sich das Vorgehen der Ausgleichskasse auf das Regressrecht des 

Beschwerdeführers, zu dem sich das Eidg. Versicherungsgericht nicht zu 

äussern hat, allenfalls nachteilig auswirken wird.ˮ Daraus ergibt sich, dass 

der Beschwerdeführer keinen Rechtsanspruch gemäss seinem Eventual-

antrag mit dem Rechtsbegehren Ziff. 3.1 gegen die Einspracheentscheide 

von G.________ und F.________ hat. Dies auch weil der Beschwerdefüh-

rer selbst verschiedentlich begründet, weshalb er eine Haftung von 

G.________ und F.________ ausschliesst. Im vorliegenden Verfahren 

wurden G.________ und F.________ beigeladen. Beide haben auf eine 

Teilnahme am Verfahren verzichtet. Die Beiladung ist auch Ausfluss des 

rechtlichen Gehörs; aus dem Urteil kann aber für Beigeladene keine Pflicht 

entstehen (vgl. REICHMUTH, a.a.O., Rz. 1098 f.; BGE 134 V 306 E.4.2 und 

insgesamt zum Vorgehen bei einer zu Unrecht unterlassenen Beiladung 

- 33 -

eines potenziell Mithaftenden im Einspracheverfahren E.3.2.2 ff.), d.h. als 

Beigeladenen können G.________ und F.________ im vorliegenden Urteil 

nicht Pflichten auferlegt werden oder Rechte genommen werden, stattdes-

sen geht es nur darum, dass das Urteil gegenüber dem Beschwerdeführer 

aufgrund der Beiladung auch für die Beigeladenen verbindlich wird (Art. 61 

ATSG i.V.m. Art. 40 VRG).

5.4.2. Den Akten ist nichts zu entnehmen, was eine faktische Organstellung von 

G.________ oder F.________ begründet, weil sie den Organen vorbehal-

tene Entscheidungen getroffen und massgebend Einfluss auf die Willens-

bildung der B.________ genommen hätten. Im Gegenteil – G.________ 

war zwar im Handelsregister mit Kollektivprokura zu zweien eingetragen 

(vgl. Bf-act. 14), erhielt aber eine arbeitslosenversicherungsrechtliche In-

solvenzentschädigung (vgl. Bg-act. – B.________ 196 und 199), auf wel-

che von der Arbeitslosenversicherung nur Anspruch hat, wer nicht in der 

Eigenschaft als Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als 

Mitglieder eines obersten betrieblichen Entscheidungsgremiums die Ent-

scheidungen der Arbeitgeberin bestimmen oder massgeblich beeinflussen 

können (Art. 51 Abs. 2 AVIG; siehe auch Bg-act. – B.________ 190 

[Schreiben von G.________ an SVA GR, wonach sie zu keinem Zeitpunkt 

Leitungs- oder Arbeitgeberfunktionen gehabt habe, sondern Vermittlung 

von Immobilien im Oberengadin und Assistenzarbeiten erledigte] und Ak-

ten der Beschwerdegegnerin betreffend G.________ [Bg-act. – 

G.________] 9 S. 5 f. [Einsprache]). Eine gegenteilige Einschätzung ist im 

vorliegenden Verfahren nicht angezeigt. Auch F.________ war im Han-

delsregister als Vizedirektor mit Kollektivunterschrift zu zweien eingetra-

gen (vgl. Bf-act. 14), wobei der Handelsregistereintrag als solcher nicht 

aussagekräftig ist über die Organstellung. F.________ war Lohnempfän-

ger der B.________ (vgl. Bg-act. – B.________ 13, 132 S. 4 und 201; Ak-

ten der Beschwerdegegnerin betreffend F.________ [Bg-act. – 

F.________] 4 und 8 [Kündigung des Arbeitsverhältnisses mit sofortiger 

- 34 -

Freistellung am 30. Mai 2019]) und trat aktenkundig zu keinem Zeitpunkt 

als Entscheidungsträger der B.________ in Erscheinung, erst recht nicht, 

was das Beitragswesen anbelangt, so dass die faktische bzw. materielle 

Organstellung von der Beschwerdegegnerin zu Recht verneint wurde. 

Auch der Beschwerdeführer selbst argumentiert widersprüchlich und be-

züglich einer Haftung von G.________ und F.________ halbherzig, geht 

er doch letztlich auch nicht von deren Haftung aus, wenn er z.B. darlegt: 

ˮDer Beschwerdeführer geht davon aus, dass G.________ und 

F.________, welche massgebend an der Willensbildung der Genossen-

schaft beteiligt waren, keine Kenntnis der Machenschaften von 

D.________ hatten und ebenfalls hinters Licht geführt wurden.ˮ (siehe Be-

schwerde Rz. 10.3 S. 16) und ˮVor diesem Hintergrund ist zusammenfas-

send festzuhalten, dass grundsätzlich über D.________ hinaus keine im 

Handelsregister aufgeführte Person für den bei der Ausgleichskasse ent-

standenen Schaden haftet.ˮ (siehe Beschwerde Rz. 12 S. 18). Die Ein-

spracheentscheide betreffend die Entlassung von G.________ und 

F.________ aus der Haftung sind somit nicht zu beanstanden und die Aus-

führungen des Beschwerdeführers geben zu keinem anderen Schluss An-

lass. Das Eventual-Rechtsbegehren nach Ziff. 3.1 ist demnach abzuwei-

sen.

5.5. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sämtliche Haftungs-

voraussetzungen gemäss Art. 52 AHVG erfüllt sind. Als Solidarschuldner 

hat jedes einzelne Organ für den ganzen Schaden einzustehen und die 

Ausgleichskasse braucht sich um die internen Beziehungen zwischen ih-

nen nicht zu kümmern. Die Beschwerdegegnerin hat somit den Beschwer-

deführer zu Recht verpflichtet, Ersatz für den gesamten Schaden zu leis-

ten. Demgemäss ist die Beschwerde vom 1. Juni 2021 abzuweisen, soweit 

darauf einzutreten ist.

6.1. In Anwendung der geänderten Praxis des Verwaltungsgerichts (vgl. dazu 

Urteile des Verwaltungsgerichts [VGU] S 21 48 vom 8. Februar 2022 

- 35 -

E.4.1. ff. und S 21 49 vom 8. Februar 2022 E.3.1. ff.) richtet sich die Kos-

tenpflicht und der Kostenrahmen von versicherungsgerichtlichen Verfah-

ren gemäss Art. 61 ATSG mit Einleitung nach dem 1. Januar 2021 

(Art. 82a ATSG), die nicht als Leistungsstreitigkeiten im Sinne von Art. 61 

lit. fbis ATSG gelten, wie insbesondere Auseinandersetzungen bezüglich 

der Schadenersatzpflicht im Sinne von Art. 52 AHVG, grundsätzlich nach 

dem kantonalen Recht und somit nach den allgemeinen Kostenverle-

gungsgrundsätzen für Rechtsmittel- und Klageverfahren vor dem Verwal-

tungsgericht (Art. 72 ff. VRG).

6.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten zu Lasten des Be-

schwerdeführers (Art. 73 Abs. 1 VRG). Die Staatsgebühr beträgt in der 

Regel höchstens CHF 20'000.-- und richtet sich nach dem Umfang und der 

Schwierigkeit der Sache sowie nach dem Interesse und der wirtschaftli-

chen Leistungsfähigkeit der Kostenpflichtigen. Vorliegend ist die Staatsge-

bühr in Anwendung von Art. 75 Abs. 2 VRG auf CHF 1'000.-- festzusetzen 

(Art. 1 Abs. 1 AHVG i.V.m. Art. 61 ATSG). Der obsiegenden Beschwerde-

gegnerin steht keine Parteientschädigung zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).

- 36 -

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2. Die Gerichtskosten, bestehend aus

- einer Staatsgebühr von CHF 1'000.--

- und den Kanzleiauslagen von CHF 844.--

Zusammen CHF 1'844.--

gehen zulasten von A.________.

3. [Rechtsmittelbelehrung]

4. [Mitteilungen]