# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c7b1ab59-aa29-56ea-8798-3974c37c336b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-12-13
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 13.12.2021 D-5777/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5777-2018_2021-12-13.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5777/2018 

law/rep 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 3 .  D e z e m b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger, Richter Yanick Felley, 

Gerichtsschreiber Philipp Reimann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Sri Lanka, 

vertreten durch Gabriel Püntener,  

Rechtsanwalt, Advokaturbüro,  

(…), 

Beschwerdeführer, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 26. September 2018 / N (…). 

 

 

 

D-5777/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-

scher Ethnie aus B._______/C._______ (Distrikt Jaffna, Nordprovinz), ver-

liess sein Heimatland eigenen Angaben zufolge am 24. April 2018 mit sei-

nem eigenen Reisepass via den internationalen Flughafen von Colombo 

und gelangte am 4. Juni 2018 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl 

nachsuchte. 

A.b Das SEM teilte dem Beschwerdeführer am 5. Juni 2018 mit, er werde 

in Anwendung von Art. 4 Abs. 3 der (am 29. September 2019 aufgehobe-

nen) Verordnung über die Durchführung von Testphasen zu den Beschleu-

nigungsmassnahmen im Asylbereich vom 4. September 2013 (TestV, 

SR 142.318.1) für den Aufenthalt und das Verfahren dem Verfahrenszent-

rum D._______ (VZ D._______) zugewiesen. 

A.c Am 8. Juni 2018 nahm das SEM die Personalien des Beschwerdefüh-

rers auf und befragte ihn zum Reiseweg. 

B.  

Am 27. August 2018 hörte das SEM den Beschwerdeführer gestützt auf 

Art. 16 Abs. 3 TestV ein erstes Mal und am 11. September 2018 auf der 

Grundlage von Art. 17 Abs. 2 Bst. b TestV vertieft zu seinen Asylgründen 

an. Hinsichtlich seiner persönlichen Verhältnisse machte der Beschwerde-

führer zunächst geltend, er sei Angehöriger der (…) und habe nach Ab-

schluss der Schule damit begonnen, im (…), den seine Familie betreut 

habe, zu arbeiten. Da seine Grossmutter mütterlicherseits auf Hilfe im 

Haushalt angewiesen gewesen sei, sei er im Oktober/November 2017 zu 

ihr nach E._______ gezogen, das nur neun bis zehn Kilometer von seinem 

bisherigen Wohnort entfernt gelegen sei. In E._______ habe auch eine 

Cousine von ihm gelebt. Er habe regelmässig Einkäufe für seine Gross-

mutter erledigt und im (…) von C._______ gearbeitet. 

Hinsichtlich seiner Asylgründe führte er sodann aus, er habe damals immer 

in einem Laden der sri-lankischen Armee, der sich am Hafen von 

E._______ befunden habe, eingekauft. Im Oktober/November 2017 habe 

er in diesem Geschäft einen Soldaten namens F._______ kennengelernt, 

der dort gearbeitet habe. Er habe sich in der Folge zwei bis drei Male in 

der Woche mit diesem Soldaten im Geschäft unterhalten. Anfang Februar 

2018 habe er sich wiederum in den Hafen begeben, um einzukaufen. An 

besagtem Tag sei der Laden jedoch geschlossen gewesen. Er habe sich 

D-5777/2018 

Seite 3 

dennoch dazu entschlossen, vor Ort zu bleiben und seine Freizeit zu ge-

niessen, wie er dies bereits in der Vergangenheit öfters getan habe. Zufäl-

ligerweise habe er den Soldaten, der im Geschäft gearbeitet habe, vor dem 

Laden angetroffen. Dieser habe ihm angeboten, das Geschäft zu öffnen, 

damit er sich eine Cola kaufen könne. Darüber hinaus habe er ihm sogar 

offeriert, dass er alle Waren gratis mitnehmen dürfe. Nach der Öffnung des 

Ladens habe ihn der Soldat gewaltsam in das Geschäft hineingezerrt, ihn 

geschlagen, anschliessend ausgezogen und vergewaltigt. Er habe ihm mit 

dem Tode gedroht, falls er irgendjemandem vom Vorgefallenen erzählen 

sollte. Danach sei er nach Hause zurückgekehrt und habe den Zwischen-

fall verschwiegen. In den folgenden Tagen sei er im Haus seiner Grossmut-

ter geblieben und habe sich geweigert, weitere Einkäufe für sie zu tätigen. 

Erst 20 bis 25 Tage später habe er sich zum Markt in E._______ begeben, 

um dort Gemüse einzukaufen. Auf dem Markt habe er einen ihm unbekann-

ten Armeeangehörigen erblickt. Es habe sich wahrscheinlich um einen 

Späher gehandelt, da er am nächsten Tag auf dem Markt erneut von sei-

nem Peiniger angehalten worden sei. Nachdem er sich geweigert habe, in 

dessen Fahrzeug einzusteigen, habe jener ihn abermals mit dem Tod be-

droht. Darüber hinaus habe er in Aussicht gestellt, Filmmaterial der ersten 

Vergewaltigung zu veröffentlichen. Schliesslich habe er ihm ein kleines 

Päckchen Marihuana gezeigt und angekündigt, ihm Drogenbesitz zu un-

terschieben und diesen zur Anzeige zu bringen, falls er nicht mitkomme. 

Deshalb sei er in das Fahrzeug eingestiegen. Der Soldat habe ihn zu einer 

Hütte im Hafen gefahren. Dort habe er einen anderen Soldaten angerufen, 

der wenig später ebenfalls zur Hütte gekommen sei. Die beiden Armeean-

gehörigen hätten ihn anschliessend brutal vergewaltigt und misshandelt. 

Nach der Vergewaltigung habe er den Tätern Geld angeboten, damit man 

ihn in Ruhe liesse. Stattdessen hätten die beiden Soldaten seine Mobilte-

lefonnummer notiert und anschliessend den Tatort verlassen. Danach sei 

er zu seiner Grossmutter zurückgekehrt, wobei er aufgrund der erlittenen 

Vergewaltigung Mühe gehabt habe, zu gehen. Dort habe er seiner Familie 

schliesslich über die Vorfälle berichtet. Am Abend desselben Tages habe 

sein Peiniger angerufen und 50'000 Rupien von ihm verlangt. Nach diesem 

Anruf habe ihn sein Bruder G._______ angewiesen, sein Mobiltelefon aus-

zuschalten und ihn gleichzeitig in sein Elternhaus in C._______ zurückge-

bracht. In der folgenden Zeit habe er sein Elternhaus kaum verlassen. Am 

25. März 2018 habe er indessen in seiner Funktion als (…) wieder an einer 

(…), der nur wenige hundert Meter von seinem Elternhaus entfernt sei, teil-

genommen. Auf dem Heimweg habe ihn sein Peiniger erneut aufgegriffen 

und in ein Fahrzeug gezerrt. Darin hätten sich insgesamt fünf Armeeange-

hörige in Zivil – unter ihnen auch F._______ – befunden, die alle betrunken 

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gewesen seien. Man habe ihn zu einem Waldstück gefahren, wo sich alle 

fünf Personen an ihm vergangen hätten. Auf der Rückfahrt habe man ihm 

befohlen, sich am nächsten Tag wieder im Hafen einzufinden und seine 

Cousine mitzubringen. Zuhause habe er seinem Bruder G._______ alles 

erzählt. Er habe sein Elternhaus nun nicht mehr verlassen. G._______ 

habe ihm berichtet, dass immer wieder Militärfahrzeuge am Wohnhaus vor-

beigefahren, Soldaten vor dem Haus vorbeigegangen seien oder davorge-

standen hätten, ohne dieses indessen zu betreten. Sechs oder sieben Tage 

nach der letzten Vergewaltigung habe ihn G._______ nach Jaffna ge-

bracht. Von dort aus sei er nach Colombo weitergereist, bis er seine Heimat 

schliesslich am 24. April 2018 mit seinem eigenen Reisepass auf dem Luft-

weg verlassen habe. 

Im Rahmen des erstinstanzlichen Verfahrens reichte der Beschwerdefüh-

rer zum Beleg seiner Identität Kopien seiner Geburtsurkunde sowie seiner 

Identitätskarte ein. Im Weiteren reichte er Kopien der Schweizer Aufent-

haltstitel von zwei Tanten, der Geburtsurkunde seines Bruders G._______ 

sowie dreier Dokumente, welche die frühere Mitgliedschaft dieses Bruders 

bei den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) belegen sollen, zu den 

Akten. Schliesslich reichte er zum Beleg seiner früheren Tätigkeit als (…) 

drei Fotografien sowie einen Facebook-Auszug ein. 

C.  

Am 24. September 2018 stellte das SEM den Entscheidentwurf im Sinne 

von Art. 17 Abs. 2 Bst. e TestV dem Beschwerdeführer zur Stellungnahme 

zu. 

D.  

Am 25. September 2018 gab der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers 

eine Stellungnahme ab. Dabei hielt er fest, sein Mandant könne nicht nach-

vollziehen, weshalb ihm die Behörden seine Vorbringen nicht glauben wür-

den. Wegen der Angst, die Misshandlungen könnten in Sri Lanka öffentlich 

werden und Schande über seine Familie bringen, habe er erst in der 

Schweiz einen Arzt aufgesucht. Da es ihm schwerfalle, über das Gesche-

hene zu sprechen und er die Erinnerungen daran verdrängen wolle, sei er 

bis anhin auch nicht zu einem Psychiater gegangen. Entgegen den Erwä-

gungen im Entscheidentwurf habe er seine Fluchtgeschichte durchaus le-

bensnah geschildert. Gemäss der medizinischen Information vom 7. Sep-

tember 2018 sei bei ihm unter anderem eine Analfissur und der Verdacht 

auf eine posttraumatische Belastungsstörung konstatiert worden, weshalb 

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Seite 5 

nicht ausgeschlossen werden könne, dass diese durch eine Vergewalti-

gung verursacht worden sein könnte. Insgesamt sei die Prüfung der Glaub-

haftigkeit seiner Asylvorbringen im Entscheidentwurf einseitig und unsach-

gemäss erfolgt. 

E.  

Mit – am selben Tag eröffneter – Verfügung vom 26. September 2018 

stellte das SEM im Rahmen des beschleunigten Verfahrens fest, der Be-

schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-

such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll-

zug der Wegweisung an. 

F.  

Der dem Beschwerdeführer zugewiesene Rechtsvertreter teilte dem SEM 

daraufhin mit Schreiben vom 26. September 2018 mit, sein Mandat im vor-

liegenden Asylverfahren sei beendet. 

G.  

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer durch seinen 

Rechtsvertreter am 8. Oktober 2018 Beschwerde beim Bundesverwal-

tungsgericht. Dabei beantragte er, das Bundesverwaltungsgericht habe 

festzustellen, dass sich das Lagebild des SEM vom 16. August 2016 zu Sri 

Lanka auf nichtexistierende und nicht bewiesene Quellen stütze. Die an-

gefochtene Verfügung sei deswegen aufzuheben und die Sache an die  

Vorinstanz zurückzuweisen (Ziff. 2). Die angefochtene Verfügung sei we-

gen Verletzung des Willkürverbotes (Ziff. 3), eventuell wegen Verletzung 

des Anspruchs auf das rechtliche Gehör (Ziff. 4), eventuell wegen Verlet-

zung der Begründungspflicht (Ziff. 5), eventuell zur Feststellung des voll-

ständigen und richtigen rechtserheblichen Sachverhalts (Ziff. 6) aufzuhe-

ben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

Eventuell sei ihm unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Fest-

stellung der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren (Ziff. 7). Eventuell sei 

die angefochtene Verfügung betreffend die Dispositivziffern 4 und 5 aufzu-

heben und die Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs festzustellen (Ziff. 8). 

In prozessualer Hinsicht wurde beantragt, das Bundesverwaltungsgericht 

habe nach dem Eingang der Beschwerde unverzüglich darzulegen, welche 

Gerichtspersonen mit deren Behandlung betraut würden. Gleichzeitig habe 

das Gericht bekanntzugeben, ob diese zufällig ausgewählt worden seien 

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Seite 6 

und andernfalls die objektiven Kriterien zu nennen, nach denen die Ge-

richtspersonen ausgewählt worden seien (Ziff. 1). 

Mit der Beschwerde wurden diverse Beweismittel und Dokumente (Beila-

gen 1-59), darunter ein umfangreicher, vom Rechtsvertreter des Beschwer-

deführers verfasster Lagebericht ("Sri Lanka-Bericht zur aktuellen Lage; 

Stand 18. September 2018") und dazu weitere 403 – auf einer CD-ROM 

gespeicherte – Dokumente, eingereicht. 

H.  

Mit Schreiben vom 15. Oktober 2018 bestätigte das Bundesverwaltungs-

gericht den Eingang der Beschwerde. 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 30. Oktober 2018 forderte der Instruktions-

richter den Beschwerdeführer auf, bis zum 14. November 2018 einen Kos-

tenvorschuss in Höhe von Fr. 1'500.– einzuzahlen, ansonsten auf die Be-

schwerde nicht eingetreten werde. Weiter teilte er dem Beschwerdeführer 

die Zusammensetzung des Spruchkörpers mit. Über die weiteren Verfah-

rensanträge werde gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt befunden. 

J.  

Mit Eingabe vom 14. November 2018 wies der Rechtsvertreter des Be-

schwerdeführers auf die jüngste Entwicklung der Situation in Sri Lanka hin 

und reichte dazu weitere – auf einer CD-Rom gespeicherte – Dokumente 

ein (Beilagen 60-102). 

K.  

Am 14. November 2018 zahlte der Beschwerdeführer den eingeforderten 

Kostenvorschuss ein. 

L.  

Mit Instruktionsverfügung vom 21. November 2018 lud das Bundesverwal-

tungsgericht die Vorinstanz ein, bis zum 6. Dezember 2018 eine Vernehm-

lassung einzureichen. 

M.  

Am 6. Dezember 2018 liess sich das SEM zur Beschwerde vernehmen. 

N.  

Mit Verfügung vom 12. Dezember 2018 räumte das Bundesverwaltungs-

gericht dem Beschwerdeführer die Gelegenheit ein, bis zum 27. Dezember 

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Seite 7 

2018 eine Replik einzureichen. Eine solche wurde in der Folge nicht ein-

gereicht. 

O.  

Mit Eingabe vom 6. Mai 2020 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerde-

führers eine Stellungnahme ein, worin ausgeführt wurde, aufgrund der Be-

weislage müsse es "als belegt und unbestreitbar gelten", dass es sich beim 

Beschwerdeführer um ein Opfer und einen Zeugen massivster sexueller 

Übergriffe seitens der sri-lankischen Sicherheitskräfte handle. Im Weiteren 

wurden weitere Ausführungen hinsichtlich der Entwicklung der allgemeinen 

politischen Lage in Sri Lanka gemacht und vom Rechtsvertreter verfasste 

– teils auf CD gespeicherte – Berichte zu Sri Lanka ("Länderbericht Sri 

Lanka vom 23. Januar 2020", "Länderupdate Sri Lanka vom 26. Februar 

2020" und ein "Zusatzbericht Lagesituation Sri Lanka, Stand vom 10. April 

2020"; Beilagen 103-105) eingereicht. 

P.  

Mit Eingabe vom 20. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer durch seinen 

Rechtsvertreter Kopien der Geburtsurkunde seiner Cousine H._______, ei-

nes ärztlichen Berichts (Diagnosis Ticket) vom 19. Juni 2009 betreffend die 

Behandlung ihrer Verletzungen durch Bomben und Schüsse seitens der 

sri-lankischen Armee Ende des sri-lankischen Bürgerkriegs, eines Fotos 

ihres Ehemannes I._______, worauf dieser als LTTE-Held in Uniform ab-

gebildet sei, zweier Todesurkunden, aus welchen sich ergebe, dass letzte-

rer am 26. Dezember 2008 gemeinsam mit seiner Tochter J._______ in-

folge einer Bombardierung ums Leben gekommen sei, der Identitätskarte 

seiner (des Beschwerdeführers) Grossmutter sowie eines Fotos, welches 

ihn zusammen mit derselben in E._______ zeigt, zu den Akten. Ferner 

reichte er Kopien zweier Bilder, welche den fraglichen Laden des Militärs 

(am Hafen von E._______) beziehungsweise die Gegend gegenüber die-

sem Laden zeigen sollen, wo er vor seiner zweiten Vergewaltigung aufge-

griffen worden sei, im Verbund mit einem Googlemaps-Auszug, auf wel-

chem die örtlichen Begebenheiten dargestellt seien, ein. Schliesslich fügte 

er seiner Eingabe als Beleg eigener exilpolitischer Aktivitäten Kopien von 

zwei Fotos bei, welche ihn in schwarzem T-Shirt zusammen mit Freunden 

anlässlich des Heldentages der LTTE am (…) in K._______ zeigen (Beila-

gen 106-117). 

 

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Seite 8 

Q.  

Mit Schreiben vom 23. Juli 2020 wies der Rechtsvertreter des Beschwer-

deführers darauf hin, dass im Heimatdorf (C._______) seines Mandanten 

eine Person namens L._______ von dessen Ehefrau M._______ als ver-

misst gemeldet worden sei, nachdem ihr Ehemann am 29. Oktober 2019 

einer Vorladung des TID (Terrorist Investigation Department) vom 23. Ok-

tober 2019 Folge geleistet und sich nach Colombo begeben habe. Als Be-

leg reichte er Kopien der Vorladung des TID vom 23. Oktober 2019, eines 

entsprechenden Artikels der Zeitung (…) vom 20. Dezember 2019 sowie 

der Bestätigung des Office on Missing Persons in Jaffna vom 12. März 

2020 bezüglich der Entgegennahme einer diesbezüglichen Vermisstenan-

zeige der Ehefrau des Entführten vom 12. Februar 2020 ein. Der Be-

schwerdeführer habe von besagtem Vorfall erfahren, da er mit dem Sohn 

des Entführten studiert und ihn daher auch gekannt habe. Es sei ihm aller-

dings nicht möglich, weitere Auskünfte bei der Familie einzuholen, da diese 

mit niemandem über die Entführung sprechen dürfe und bereits Todesdro-

hungen erhalten habe. Dieser Fall zeige klar auf, dass die Behelligungen 

im Heimatdorf des Beschwerdeführers weiterhin anhalten würden. Im Wei-

teren wurden unter Hinweis auf einen vom Rechtsvertreter verfassten 

"Rapport Ländersituation Sri Lanka 11. April bis 26. Juni 2020" (inkl. auf 

CD-Rom gespeicherten Beilagen) weitergehende Ausführungen zur Ent-

wicklung der politischen Situation in Sri Lanka gemacht (Beilagen 118-

121). 

R.  

Mit Begleitschreiben vom 7. Oktober 2020 wies der Rechtsvertreter darauf 

hin, dass sich der Beschwerdeführer seit einiger Zeit in einer psychiatri-

schen/psychotherapeutischen Behandlung befinde, die von Dr. med. 

N._______, Psychiaterin und Psychotherapeutin in O._______, durchge-

führt werde. Es sei am 6. Oktober 2020 bei besagter Psychiaterin ein aus-

führlicher ärztlicher Bericht angefordert worden, da der Beschwerdeführer 

nach wie vor unter den körperlichen und psychischen Folgen der in Sri 

Lanka erlebten massiven Übergriffen leide. Es werde deshalb darum er-

sucht, dass in vorliegender Sache entweder mit dem Entscheid zugewartet 

werde, bis der entsprechende Arztbericht vorliege, oder eine angemessene 

Frist zur Einreichung eines solchen angesetzt werde. 

S.  

Mit Begleitschreiben vom 29. Oktober 2020 wurde der in Aussicht gestell-

ten Arztbericht von Dr. med. N._______ vom 15. Oktober 2020 eingereicht. 

Ergänzend hielt der Rechtsvertreter fest, es könne davon ausgegangen 

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werden, dass der psychisch enorm labile Zustand seines Mandanten durch 

die bereits mehrfach geschilderten Erlebnisse in Sri Lanka ausgelöst wor-

den sei. Seine psychische Situation untermaure somit die geschilderten 

Gegebenheiten in Sri Lanka im Sinne eines Teilbeweises. 

Der nun bewiesene labile Zustand des Beschwerdeführers müsse vor dem 

Hintergrund des BVGer-Referenzurteils D-4543/2013 vom 22. November 

2017 betrachtet werden. Gemäss diesem Urteil sei "eine erlittene Vorver-

folgung auch nach Wegfall einer zukünftig drohenden Verfolgungsgefahr 

weiterhin als asylrechtlich relevant zu betrachten, wenn eine Rückkehr in 

den früheren Verfolgerstaat aus zwingenden, auf diese Verfolgung zurück-

gehenden Gründen nicht zumutbar" sei (a.a.O. E. 5.7). Als zwingende 

Gründe verstanden würden laut Bundesverwaltungsgericht "traumatisie-

rende Erlebnisse, die es der betroffenen Person angesichts erlebter [...], 

schwerwiegender Verfolgungen [...] im Sinne einer Langzeittraumatisie-

rung psychologisch verunmöglichen, ins Heimatland zurückzukehren" 

(a.a.O. E. 5.7). Diese Situation bestehe auch im Falle des Beschwerdefüh-

rers. 

Abschliessend könne somit festgehalten werden, dass der Gesundheitszu-

stand des Beschwerdeführers enorm labil sei und eine Rückkehr nach Sri 

Lanka zu einer Chronifizierung der Symptome und zu einer psychischen 

Destabilisierung führen würde. Weiter sei zu beachten, dass keine Behand-

lung in Sri Lanka möglich und dieser auch nicht reisefähig sei. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-

tig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

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Seite 10 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins 

AIG übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Ge-

setzesbezeichnung verwendet. 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 

VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist, nachdem der Kos-

tenvorschuss fristgerecht geleistet wurde – unter Vorbehalt der Erwägung 

2 (letzter Satz) – einzutreten. 

1.5 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (BVGE 2014/26 E. 5). 

2.  

Dem in der Beschwerde gestellten Antrag auf Bekanntgabe des Spruch-

körpers hat das Gericht – unter Vorbehalt allfälliger Wechsel bei Abwesen-

heiten – bereits mit Zwischenverfügung vom 30. Oktober 2018 entspro-

chen, auf welche an dieser Stelle zu verweisen ist (vgl. Sachverhalt Bst. I). 

Der Spruchkörper wurde am 10. Oktober 2018 durch eine Mitarbeiterin der 

Kanzlei der Abteilung IV mit Hilfe eines EDV-basierten Zuteilungssystems 

generiert, ohne dass eine Änderung am dergestalt bestimmten Spruchkör-

per vorgenommen wurde. Der Spruchkörper wurde inzwischen insofern 

geändert, als die bisherige Drittrichterin Claudia Cotting-Schalch am 2. De-

zember 2021 zufolge ihres Übertritts in die Abteilung VI per 1. April 2021 

mittels des EDV-basierten Zuteilungssystems ersetzt werden musste, wo-

bei das System Richter Yannick Felley als Drittrichter generierte. Auf den 

Antrag auf Bestätigung der zufälligen Zusammensetzung des Spruchkör-

pers ist im Übrigen nicht einzutreten (vgl. BVGE 2019 VI/6 E. 4). 

 

D-5777/2018 

Seite 11 

3.  

3.1 In der Beschwerde vom 8. Oktober 2018 werden verschiedene formelle 

Rügen erhoben (Feststellung der Fehlerhaftigkeit des Lagebildes des SEM 

vom 16. August 2016, Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, 

des Willkürverbotes und der Begründungspflicht sowie unvollständige und 

unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts). 

3.2 Der Antrag, das Bundesverwaltungsgericht habe festzustellen, dass 

sich das Lagebild des SEM vom 16. August 2016 zu Sri Lanka auf nicht-

existierende und nicht bewiesene Quellen stütze (Ziff. 2 sowie Beschwerde 

S. 7 ff., Ziff. 4.1), ist unter Hinweis auf die Rechtsprechung abzuweisen 

(vgl. zuletzt etwa die Urteile des BVGer D-4794/2017 vom 24. August 2021 

E. 4.6, D-2429/2018 vom 30. Juli 2021 E. 3.9, D-2717/2019 vom 23. Juni 

2021 E. 3.3, E-4836/2018 vom 30. April 2021 E. 6.7). 

3.3  

3.3.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer 

Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss 

so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht. 

Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-

ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-

lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 

3.3.2 Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserhebli-

chen Sachverhalts in Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht 

bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist 

die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und 

aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt 

wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Untersuchungsma-

xime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder nicht alle für 

die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt hat (vgl. 

dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA BINDER, in: Kommentar zum Bundes-

gesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 

N 16). Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an der Mitwir-

kungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). 

D-5777/2018 

Seite 12 

3.3.3 Willkür liegt gemäss Lehre und Rechtsprechung nicht schon dann 

vor, wenn eine andere Lösung in Betracht zu ziehen oder sogar vorzuzie-

hen wäre, sondern nur dann, wenn ein Entscheid offensichtlich unhaltbar 

ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm 

oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz klar verletzt oder in stossen-

der Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (vgl. JÖRG PAUL MÜL-

LER/MARKUS SCHÄFER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl., 2008, S.11; 

BGE 133 I 149 E. 3.1, m.w.H.). Dabei muss rechtsgenüglich dargelegt wer-

den, inwiefern die beanstandete Begründung willkürlich sein soll (vgl. 

BGE 116 Ia 426 S. 428, m.w.H.). 

3.4 Gerügt wird zunächst unter dem Titel des rechtlichen Gehörs, der Über-

setzer habe anlässlich der Anhörung des Beschwerdeführers am 11. Sep-

tember 2018 teilweise unpräzise übersetzt, was sich darin zeige, dass er 

beispielsweise das Visier des Fahrradhelms mit "Brille" beziehungsweise 

"Augengläser" übersetzt habe, was erst später vom Sachbearbeiter richtig-

gestellt worden sei (vgl. SEM-act. A24/22 F81 i.V.m. F91). Aus diesen Aus-

führungen werde klar, dass hier massive Mängel bestanden hätten und das 

entsprechende Protokoll deshalb unbrauchbar sei. Nehme der zuständige 

Sachbearbeiter des SEM auf dieser mangelhaften Grundlage eine Glaub-

haftigkeitsprüfung vor, verletze er damit das rechtliche Gehör des Be-

schwerdeführers. Entsprechend werde im Handbuch des SEM "Asyl und 

Rückkehr" in Artikel C7 (heute: C6.2; "Die Anhörung zu den Asylgründen") 

unter Kapitel 2.3.3 (heute: 2.2.3; "Die offiziellen Dolmetscherinnen und Dol-

metscher") unter anderem festgehalten: "Die dolmetschende Person spielt 

bei der Anhörung eine zentrale Rolle. So stützt sich die Verweigerung eines 

Asylgesuchs häufig auf eine unglaubhafte Sachverhaltsdarstellung, die bei 

der Anhörung zutage tritt. Eine Argumentation, die auf der fehlenden 

Glaubhaftigkeit der Sachverhaltsdarstellung gründet, ist indes nur legitim, 

wenn die Übersetzung der Anhörung korrekt war" (vgl. Beschwerde 

S. 13 f., Ziff. 4.3). 

Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der vom Rechtsvertreter erwähnte 

(und überdies bereits im Verlaufe der Anhörung [a.a.O. F91] berichtigte) 

Übersetzungsfehler für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen 

des Beschwerdeführers keine massgebliche Bedeutung hat und die Ver-

wertbarkeit der weiteren im Protokoll festgehaltenen Aussagen nicht tan-

giert. Der diesbezügliche Kassationsantrag ist folglich abzuweisen. 

3.5 In der Beschwerde wird weiter geltend gemacht, das SEM habe den 

rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig und unvollständig abgeklärt (vgl. 

D-5777/2018 

Seite 13 

a.a.O. S. 14 ff., Ziff. 4.4). So habe das SEM die medizinischen Informati-

onsblätter falsch und überdies selektiv gewürdigt, und den ärztlichen Be-

richt des (…) in D._______ vom 22. August 2018 gar unberücksichtigt ge-

lassen. Insbesondere treffe die aus den beiden medizinischen Informatio-

nen A17 und A21 gezogene Schlussfolgerung des SEM in der angefochte-

nen Verfügung nicht zu, dass die Analfissuren und die Blutungen 'lediglich' 

auf die Hämorrhoiden des Beschwerdeführers zurückzuführen seien. Fer-

ner habe das SEM in seiner Verfügung die mehrmals fachärztlich attes-

tierte posttraumatische Belastungsstörung in keiner Weise berücksichtigt, 

was eine Verletzung der Begründungspflicht darstelle, zumal die sexuell 

erlittene Folter des Beschwerdeführers zu dessen langzeitiger Traumati-

sierung geführt haben dürfte, was auch unter dem Aspekt sogenannter 

"zwingender Gründe" zu prüfen wäre. Im Übrigen stimme das Profil des 

Beschwerdeführers mit denjenigen überein, die in der am 19. September 

2018 publizierten Studie der "International Truth And Justice Projekt" (ITJP) 

mit dem Titel "Unsilenced: Male survivors speak of conflict-related sexual 

violence in Sri Lanka" untersucht worden seien. Die neue Studie dokumen-

tiere anhand eines Datensatzes von 121 Interviews den Gebrauch von se-

xueller Gewalt an Männern während der Haft. Zusätzlich habe es das SEM 

in der angefochtenen Verfügung unterlassen, die geltend gemachten und 

mit Beweismitteln unterstrichenen familiären Beziehungen des Beschwer-

deführers zu den LTTE im Hinblick auf eine Bedrohungsgefahr angemes-

sen zu prüfen, womit es diesen Sachverhalt unvollständig abgeklärt habe. 

Darüber hinaus habe die Vorinstanz zwar auf das aktuelle Referenzurteil 

des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und die 

dort definierten Risikofaktoren hingewiesen, in der Folge aber keine ent-

sprechende Prüfung vorgenommen. Schliesslich habe die Vorinstanz die 

aktuelle Situation in Sri Lanka unvollständig und unkorrekt abgeklärt und 

sich in verschiedenen für die Beurteilung seiner Flüchtlingseigenschaft 

rechtserheblichen Bereichen auf falsche Länderinformationen gestützt. Die 

Menschenrechtssituation in Sri Lanka habe sich nicht verbessert und das 

vom SEM verwendete Lagebild sei fehlerhaft. Eine Rückschaffung nach Sri 

Lanka stelle an und für sich eine asylrelevante Verfolgungssituation dar. 

Mit diesen Ausführungen werden die sich aus dem Untersuchungsgrund-

satz ergebende Frage der Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache, welche die ma-

terielle Entscheidung über die vorgebrachten Asylgründe betrifft, vermengt. 

Alleine der Umstand, dass das SEM seine Einschätzung der Lage in Sri 

Lanka auf andere Quellen stützt als vom Beschwerdeführer respektive sei-

D-5777/2018 

Seite 14 

nem Rechtsvertreter gefordert, spricht nicht für eine ungenügende Sach-

verhaltsfeststellung. Dasselbe gilt, wenn das SEM gestützt auf seine Quel-

len und die vorliegende Aktenlage unter Einschluss der medizinischen Un-

terlagen die Asylvorbringen anders würdigt und die Gefährdung anders ein-

schätzt als vom Beschwerdeführer respektive dessen Rechtsvertreter er-

wartet. Ebenfalls trifft dies auf das Vorbringen zu, das SEM habe die Gefahr 

verkannt, welche von einer noch zu erfolgenden Vorsprache beim sri-lan-

kischen Generalkonsulat zwecks Ersatzreisepapierbeschaffung ausgehe. 

Die Vorinstanz zeigte sodann nachvollziehbar und hinreichend differenziert 

auf, von welchen Überlegungen sie sich leiten liess. So hatte sie entgegen 

der Annahme in der Beschwerde keine Veranlassung, die medizinisch at-

testierte posttraumatische Belastungsstörung des Beschwerdeführers im 

Zusammenhang mit der Prüfung sogenannter zwingender Gründe näher 

zu prüfen, setzt doch die Bejahung zwingender Gründe nebst einer Lang-

zeittraumatisierung auch das Vorliegen der Flüchtlingseigenschaft im Zeit-

punkt der Ausreise voraus (vgl. bspw. Urteil des BVGer D-4543/2013 vom 

22. November 2017 E. 5.4–5.7). Eine solche war aus Sicht der Vorinstanz 

mangels Glaubhaftigkeit der geltend gemachten drei Vergewaltigungen 

durch Militärangehörige indes a priori zu verneinen. Darüber hinaus hat 

das SEM hinsichtlich der posttraumatischen Belastungsstörung in seiner 

Vernehmlassung darauf hingewiesen, dass diese in der Heimatregion des 

Beschwerdeführers im Jaffna Teaching Hospital behandelt werden könne, 

weil dort ambulante Psychotherapien angeboten würden. Hinsichtlich des 

Vorwurfs in der Beschwerde, das SEM habe sich in Bezug auf die tabui-

sierte aber weitverbreitete Problematik zur sexuellen Gewalt gegen Män-

ner in Sri Lanka auf lückenhafte Länderkenntnisse gestützt beziehungs-

weise die Studie der ITJP vom 19. September 2018 nicht berücksichtigt, 

hat die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 6. Dezember 2018 zutref-

fend vermerkt, es werde nicht bestritten, dass es Einzelfälle gebe, bei de-

nen die sri-lankischen Sicherheitsorgane immer noch gezielt sexuelle Ge-

walt gegenüber oppositionell eingestellten Personen einsetzen würden. 

Wie in der Beschwerde beziehungsweise in den entsprechenden Doku-

menten in deren Anhang selbst dargelegt werde, würden die sri-lankischen 

Sicherheitsorgane jedoch gegenwärtig nicht flächendeckend sexuelle Ge-

walt gegenüber der tamilischen Bevölkerung anwenden. So hätten sich die 

Opfer von institutioneller sexueller Gewalt in Haft befunden, oppositionelle 

Tätigkeiten ausgeführt oder sich in einem klar oppositionellen Umfeld be-

wegt, was auf den Beschwerdeführer alles nicht zutreffe. Bezüglich des 

Vorwurfs in der Beschwerde, das SEM habe weder die vom Beschwerde-

führer geltend gemachten familiären Verbindungen zu den LTTE in Bezug 

D-5777/2018 

Seite 15 

auf eine individuelle Gefährdungssituation noch die übrigen im Referenz-

urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 de-

finierten Risikofaktoren geprüft, ist Folgendes festzuhalten: Das SEM hat 

diesbezüglich in seiner Verfügung zu Recht festgehalten, der Beschwerde-

führer habe zwar geltend gemacht, einer seiner Brüder sei im Jahr 2002 

von den LTTE zwangsrekrutiert und 2004 wieder freigelassen worden. Er 

habe indessen im Zusammenhang mit der Zwangsrekrutierung seines Bru-

ders weder eine persönliche Verfolgung noch eine Verfolgung seiner Fami-

lie geltend gemacht (vgl. SEM-act. A29/12 S. 8, II/4. Abs. 1). Bei dieser 

Sachlage ist aufgrund der Aktenlage tatsächlich nicht ersichtlich, weshalb 

er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka das Augenmerk der sri-lankischen 

Behörden erregen beziehungsweise in asylrelevanter Weise verfolgt wer-

den sollte. Soweit der Beschwerdeführer in der Beschwerde erstmals zu-

sätzlich behauptet, seine ältere Cousine und deren Ehemann hätten für die 

LTTE gekämpft und Erstere sei deswegen auch in Rehabilitationshaft ge-

wesen (vgl. a.a.O. S. 20, Ziff. 4.4.4, Abs. 2), teilt das Gericht die Einschät-

zung der Vorinstanz in deren Vernehmlassung vom 6. Dezember 2018, 

dass es sich hierbei um nachgeschobene und folglich unglaubhafte Vor-

bringen handle. Daran ändern auch die mit der Eingabe vom 20. Mai 2020 

eingereichten Dokumente (vgl. Sachverhalt Bst. P) bezüglich der angebli-

chen Cousine H._______ des Beschwerdeführers und ihres Ehemannes 

nichts, geht doch aus den Unterlagen nicht schlüssig hervor, dass diese 

tatsächlich LTTE-Kämpfer gewesen sind und die Cousine des Beschwer-

deführers nach ihrer Spitaleinweisung am 18. Juni 2009 effektiv einem Re-

habilitationsprogramm zugeführt worden ist. Darüber hinaus hat das SEM 

in der angefochtenen Verfügung auch weitere Risikofaktoren (wie illegale 

Ausreise, Fehlen gültiger Reisepapiere, Durchlaufen eines Asylverfahrens 

im Ausland oder behördliche Suche) thematisiert, gleichzeitig aber festge-

halten, diese führten grundsätzlich zu keinen asylrelevanten Verfolgungs-

massnahmen (vgl. a.a.O. S. 7, II/3. Abs. 3). 

Nachdem der rechtserhebliche Sachverhalt von der Vorinstanz insgesamt 

richtig und vollständig festgestellt wurde, besteht auch keine Veranlassung, 

die Akten zur Vervollständigung des rechtserheblichen Sachverhalts an 

diese zurückzuweisen, weshalb der entsprechende Antrag abzuweisen ist. 

3.6 Im Übrigen wird in der Beschwerde geltend gemacht, die Vorinstanz 

habe das Willkürverbot im Sinne von Art. 9 BV verletzt (vgl. a.a.O. S. 12 f., 

Ziff. 4.2). So habe die Vorinstanz bei der Überprüfung der von ihm geltend 

gemachten mehrmaligen Vergewaltigung und Entführung mit sexueller Fol-

ter durch Armeeangehörige angemessenes Fingerspitzengefühl, Empathie 

D-5777/2018 

Seite 16 

und vor allem fachliche Kompetenz vermissen lassen, was sich namentlich 

in "der Ausserordentlichkeit der hohlen und konstruierten Argumentation 

zur Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen" sowie "der bewusst selektiven 

und obendrein inkorrekten Interpretation der Beweislage zu seinem Ge-

sundheitszustand" manifestiert habe. Diesbezüglich ist auf die Ausführun-

gen in E. 3.5 zu verweisen. Eine Verletzung des Willkürverbots liegt nicht 

vor. Die Frage, ob sich die soeben genannten Aspekte des Sachverhalts in 

Bezug auf eine allfällige asylrechtlich relevante Gefährdung des Beschwer-

deführers auswirken, ist bei der materiellen Beurteilung der Asylvorbringen 

zu berücksichtigen. 

3.7 Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet, weshalb keine 

Veranlassung besteht, die Verfügung aufzuheben und die Sache an das 

SEM zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsbe-

gehren sind somit abzuweisen (Rechtsbegehren Ziffn. 2–6). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-

scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar 

2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.). 

D-5777/2018 

Seite 17 

5.  

5.1 Das SEM hält fest, der Beschwerdeführer mache geltend, mehrmals 

von Armeeangehörigen in Sri Lanka vergewaltigt worden zu sein. Zur Be-

gründung seines ablehnenden Asylentscheides führt es sodann aus, aus 

beiden Befragungen ergebe sich zwar ein Gesamtbild seiner Vorbringen, 

das aus chronologischer Sicht stimmig sei. So gebe es hinsichtlich des 

groben zeitlichen Ablaufes der Ereignisse ab Ende 2017 bis zu seiner Aus-

reise am 24. April 2018 keinerlei relevante Diskrepanzen. Auch habe er die 

drei Übergriffe ausführlich, wenn auch nicht besonders substanziiert, ge-

schildert. Bei seinen Aussagen falle jedoch auf, dass er nicht in der Lage 

gewesen sei, die Geschehnisse vor und nach den Übergriffen substanziiert 

zu beschreiben. Beispielhaft dazu seien seine Angaben über seinen Peini-

ger. Obwohl er diese Person über Monate mehrere Dutzend Male getroffen 

habe, sei seine Beschreibung der Person detailarm und stereotyp ausge-

fallen. Weiter sei er aufgefordert worden, zu schildern, wie er den restlichen 

Tag nach den Übergriffen und die Zeit dazwischen erlebt habe. Seine dies-

bezüglichen Angaben hätten sich entweder in Wiederholungen erschöpft 

oder lebensfremd beziehungsweise pauschal gewirkt. So habe er bei-

spielsweise in Bezug auf den zweiten Übergriff ausgesagt: "Als ich zu-

hause ankam, wollte meine Grossmutter wissen, was los war. Zuerst wei-

gerte ich mich, ihr das zu erzählen. Dann habe ich meiner Grossmutter 

stichhaltige Sachen erzählt" (vgl. SEM-act. A19 S. 12 F78). Diese Aussage 

habe er in der zweiten Befragung folgendermassen ergänzt: "Meine Gross-

mutter mütterlicherseits hat dann sofort nachhause telefoniert und das mei-

ner Mutter erzählt" (vgl. SEM-act. A24 S. 13 F101). Im Gegensatz zur Be-

schreibung der Übergriffe würden in den zitierten Passagen Aussagen zu 

lebensnahen Reaktionen seiner Verwandten komplett fehlen. Vor dem Hin-

tergrund, dass er zweimal vergewaltigt worden sein solle, sei zwar davon 

auszugehen, dass eine solche Gesprächssituation für alle Beteiligten emo-

tional schwierig gewesen sei, zumal er zu seiner Grossmutter ein enges 

Verhältnis gepflegt haben solle. Es wäre aber zu erwarten gewesen, dass 

seine Grossmutter in irgendeiner Weise emotional reagiert und er ihre ent-

sprechenden Reaktionen während den Befragungen erwähnt hätte. 

Seine Aussagen in der freien Rede hätten sich auf die gewalttätigen Über-

griffe konzentriert, während die weiteren Umstände ohne Substanz und 

Details geschildert worden seien. So betrachtet wirkten seine Vorbringen 

insgesamt konstruiert, leblos und darauf ausgerichtet, eine möglichst dra-

matische Geschichte zu präsentieren. Aus diesen Gründen entstünden 

erste Zweifel an der Glaubhaftigkeit seiner Gesamtvorbringen. 

D-5777/2018 

Seite 18 

Im Weiteren erscheine es nicht nachvollziehbar, weshalb er zu seiner 

Grossmutter nach E._______ gezogen sei, die auf Unterstützung angewie-

sen gewesen sei, zumal diese in das Elternhaus des Beschwerdeführers 

zu dessen Vater hätte ziehen können, wo sie gemäss den tendenziell kul-

turell bedingten engeren Familienbanden intensiv hätte umsorgt werden 

können. Seine Erklärung, er habe seine Grossmutter umsorgen müssen, 

sei auch deshalb nicht plausibel, da bereits eine Cousine bei seiner Gross-

mutter gewohnt habe, welche diese Aufgabe hätte übernehmen können. 

Aus diesem Grund sei schwer verständlich, dass er nach der ersten Ver-

gewaltigung bei seiner Grossmutter verblieben sei und er weiterhin, anstatt 

seiner Cousine, die Einkäufe in E._______ übernommen habe. Das gelte 

insbesondere, weil er ausgesagt habe, sich nach dem ersten Vorfall dort 

auf der Strasse vor uniformierten Polizisten gefürchtet zu haben. Er habe, 

auf besagte Ungereimtheit angesprochen, keine schlüssigen Antworten 

geben können. Er habe somit nicht nachvollziehbar darzulegen vermocht, 

weshalb er zu seiner Grossmutter nach E._______ gezogen sei, womit die 

Basis für die von ihm geschilderten Ereignisse fehle, was weitere Zweifel 

an deren Glaubhaftigkeit wecke. 

Ferner sei nicht nachvollziehbar, wie ein einzelner Soldat ihn als jungen 

und kräftigen Mann am helllichten Tag in einem belebten Hafengebiet ohne 

Waffengewalt einfach in ein Geschäft habe zerren und dort gewaltsam 

missbrauchen können. Er habe nicht nachvollziehbar darzulegen ver-

mocht, wie solches passiert sei, weshalb er sich nicht gewehrt habe oder 

geflüchtet sei. Unverständlich bleibe ebenfalls, wie es seinem Peiniger ge-

lungen sein sollte, den Missbrauch zu filmen, ohne dass er dies gemerkt 

hätte. Es sei vielmehr anzunehmen, dass sein Peiniger bei diesem spon-

tanen Übergriff damit beschäftigt gewesen wäre, ihn in Schach zu halten, 

womit sich die Frage stelle, wie er dabei eine Filmkamera oder ein Smart-

phone hätte betätigen können. Auch seine Aussagen zu den weiteren 

Übergriffen sei nicht nachvollziehbar. Generell sei davon auszugehen, 

dass eine organisierte Gruppe von Soldaten abends oder nachts an einem 

wenig frequentierten Ort jeder problemlos und risikoarm einen beliebigen 

jungen Mann oder eine junge Frau hätte überwältigen und sexuell miss-

brauchen können. Seine Aussagen würden demgegenüber implizieren, 

dass eine grössere Gruppe von Militärangehörigen ihn während mehreren 

Monaten überwacht und ihm dabei gezielt aufgelauert hätte. Es sei nicht 

klar, weshalb die Soldaten einen solchen Aufwand mit entsprechendem Ei-

genrisiko hätten betreiben sollen, um ihn zu vergewaltigen, wenn sie mit 

wesentlich weniger Aufwand andere Personen hätten missbrauchen kön-

nen. Sein Argument, dass die Soldaten Geld von ihm verlangt hätten, greife 

D-5777/2018 

Seite 19 

in diesem Zusammenhang ebenfalls nicht. So sei nicht klar, weshalb er 

wiederholt hätte vergewaltigt werden sollen, um von ihm Geld zu erpres-

sen, zumal er selbst seinen Peinigern Geld angeboten habe. 

Schliesslich müsse im Zusammenhang mit den geltend gemachten Verge-

waltigungen sein Gesundheitszustand thematisiert werden. So habe er gel-

tend gemacht, aufgrund der Vergewaltigungen Verletzungen am After erlit-

ten zu haben, weshalb er bis heute immer wieder Blutungen habe. Es er-

scheine indessen schwer verständlich, dass er nach solchen Verletzungen 

bis zu seiner Ankunft in der Schweiz keinen Arzt konsultiert haben sollte. 

Trotz allfälliger Schamgefühle wäre zu erwarten gewesen, dass er zum 

Beispiel in Colombo einen Arzt aufgesucht hätte, um allfällig lebensbedroh-

liche Verletzungen auszuschliessen. Gemäss den Arztberichten aus der 

Schweiz leide er lediglich an Hämorrhoiden, die Analfissuren und Blutun-

gen auslösen könnten (vgl. SEM-act. A17 und A21). Entgegen seinen Vor-

bringen bestehe somit kein Zusammenhang zwischen den Blutungen und 

seinen Asylvorbringen. 

Angesichts all dieser – im Übrigen nicht abschliessend aufgelisteten – Un-

klarheiten und Ungereimtheiten in seinen Aussagen sei es ihm nicht gelun-

gen, die geltend gemachte Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden 

glaubhaft zu machen. 

5.2 In der Beschwerde wird hiergegen eingewendet, die Annahme der  

Vorinstanz, wonach nicht plausibel sei, dass er überhaupt zu seiner Gross-

mutter nach E._______ gezogen sei, gründe auf der fragwürdigen Prä-

misse, es sei nicht ersichtlich, weshalb diese nicht zum Vater des Be-

schwerdeführers gezogen sei, wo sie aufgrund der kulturell bedingten en-

gen Familienbande intensiv hätte umsorgt werden können. Das bereits 

eine Cousine bei ihr gewohnt habe, ändere daran nichts, da eine junge 

Frau, welche ausserhalb ihres Elternhauses lebe, zwingend mit einem 

männlichen engen Familienmitglied im gleichen Haushalt leben müsse, da 

sonst ihre künftigen Chancen auf eine gute Heirat wegen der hypotheti-

schen Gefahr einer Entehrung massiv geschmälert würden. Bereits aus 

diesen Überlegungen die Glaubhaftigkeit der drei Vergewaltigungen in 

Zweifel zu ziehen, mute billig und konstruiert an. Spekulativ sei auch die 

Annahme der Vorinstanz, gegen die Glaubhaftigkeit der Vergewaltigungen 

spreche der Umstand, dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Befra-

gungen keinerlei Schilderungen hinsichtlich der emotionalen Reaktionen 

seiner Familienangehörigen zu Protokoll gegeben habe, nachdem diese 

D-5777/2018 

Seite 20 

von den Vergewaltigungen erfahren habe. Denn es gebe keinen zwingen-

den Grund zur Annahme, dass er die emotionalen Reaktionen seiner 

Grossmutter hätte ausführlich beschreiben sollen. Weiter treffe die Be-

hauptung der Vorinstanz nicht zu, dass er bloss eine stereotype Beschrei-

bung seines Peinigers ("Er war ein hochgewachsener Mann. Seine Haut-

farbe war schwarz und er war rundlich. Er hatte keine Haare auf seinem 

Kopf. Er hatte eine Glatze. Ja, er war grösser als ich" [vgl. SEM-act. A24/22 

S. 7 F59 f.]) habe abgeben können. Verfehlt sei letztlich auch die Argumen-

tation in der angefochtenen Verfügung, es sei nicht plausibel, dass der Be-

schwerdeführer sich als junger und kräftiger Mann von einem einzelnen 

Soldaten ohne Waffengewalt hätte übermannen und vergewaltigen lassen 

können. Darüber hinaus habe er nie ausgesagt, während der ersten Ver-

gewaltigung gefilmt worden zu sein, sondern lediglich, dass sein Peiniger 

ihm gesagt habe, im Besitz einer entsprechenden Filmaufnahme zu sein, 

was auch lediglich eine leere Drohung ohne entsprechende Filmaufnah-

men oder eine allenfalls im Geschäft installierte Videokamera hätte sein 

können. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass das SEM in der ange-

fochtenen Verfügung vorgängig der Thematisierung der angeblichen Un-

glaubhaftigkeitselemente mit Nachdruck festgehalten habe, dass er hin-

sichtlich des groben Ablaufs zeitlichen Ablaufs der Ereignisse ab Ende des 

Jahres 2017 bis zu seiner Ausreise am 24. April 2018 kohärente Aussagen 

gemacht und die drei Übergriffe ausführlich geschildert habe, was letztlich 

gleich zwei für die Glaubhaftigkeit der drei Vergewaltigungen sprechende 

Aspekte darstelle (vgl. Beschwerde S. 37 ff., Ziff. 8). 

6.  

6.1 Einleitend ist festzuhalten, dass die Gesamtdarstellung der Ereignisse 

ab Ende des Jahres 2017 bis zur Ausreise des Beschwerdeführers chro-

nologisch konzis und die Schilderungen der drei Vergewaltigungen aus-

führlich ausgefallen sind, was grundsätzlich für die Glaubhaftigkeit der ent-

sprechenden Vorbringen spricht. Nicht überzeugend erweist sich überdies 

die vorinstanzliche Argumentation, es sei nicht plausibel, weshalb der Be-

schwerdeführer überhaupt zu seiner Grossmutter nach E._______ hätte 

ziehen und diese bei Einkäufen hätte unterstützen sollen, da diese sich in 

kulturellem Kontext viel eher in den Kreis ihrer Familie nach C._______ 

begeben hätte, um sich dort umsorgen zu lassen. Es bleibt in diesem Zu-

sammenhang zumindest denkbar, dass die Grossmutter, welche nach An-

gaben des Beschwerdeführers lediglich in ihrer Gehfähigkeit eingeschränkt 

und insoweit auf Hilfe beim Einkaufen angewiesen war, deswegen keines-

wegs beabsichtigt hat, ihr Haus und ihre Selbständigkeit in E._______ auf-

zugeben, zumal sich der Beschwerdeführer und seine Cousine anerboten 

D-5777/2018 

Seite 21 

haben, ihr unterstützend zur Seite zu stehen (vgl. SEM-act. A24/22 S. 6 f. 

F51 und F54). 

6.2 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Sichtung der Akten zum 

Schluss, dass sich die Ausführungen des Beschwerdeführers im Zusam-

menhang mit seiner ersten Vergewaltigung durchaus als realistisch erwei-

sen. So hielt er zunächst fest, er habe, nachdem er zu seiner Grossmutter 

nach E._______ gezogen sei, im Oktober/November 2017 einen Soldaten 

kennengelernt, der am Hafen von E._______ für die sri-lankische Armee 

einen Laden betrieben habe, wo er regelmässig Einkäufe für seine Gross-

mutter getätigt habe. Dabei habe er den Soldaten etwa drei Mal die Woche 

im Verkaufsgeschäft angetroffen, wobei sie sich regelmässig freundlich 

miteinander unterhalten hätten. Anfang Februar 2018 habe er sich erneut 

zu diesem Geschäft begeben, das allerdings geschlossen gewesen sei. 

Der zufällig vor Ort befindliche Soldat habe sich spontan bereit erklärt, für 

ihn den Laden zu öffnen, um sich eine Cola nehmen zu können, auf die er 

spontan Lust geäussert habe. Zusätzlich habe ihm der Soldat offeriert, 

dass er heute alle Nahrungsmittel, die er weiter benötige, gratis mitnehmen 

dürfe. Angesichts dieser Ausgangslage erscheint es nicht abwegig, dass 

es dem Beschwerdeführer – vom Soldaten plötzlich unvermittelt an der 

Hand gepackt und ins Geschäft gezerrt – an der Reaktionsfähigkeit zur 

entschiedenen Gegenwehr ermangelte, was es dem Soldaten in der Folge 

ermöglichte, sich im Geschäft sexuell an ihm zu vergehen, zumal der Sol-

dat ihm aufgrund seiner Grösse und Statur möglicherweise auch kräfte-

mässig überlegen war (vgl. SEM-act. A19/17 S. 9 F77 und SEM-act. 

A24/22 S. 4 ff. F32 bis F50 und S. 8 F66 f.). 

6.3 Demgegenüber bestehen aus Sicht des Gerichts gewisse Zweifel an 

der Glaubhaftigkeit der beiden späteren Vergewaltigungen des Beschwer-

deführers. Zunächst erscheint es fraglich, dass sich der Beschwerdeführer 

ungefähr einen Monat später auf die Drohung desselben Soldaten hin, 

kompromittierendes Bildmaterial der früheren Vergewaltigung zu veröffent-

lichen, bereit erklärt hätte, in dessen Fahrzeug einzusteigen, musste er 

doch angesichts seiner früheren leidvollen Gewalterfahrung eine weitere 

Vergewaltigung befürchten. Überdies hätte ihm bewusst sein müssen, 

dass es sich bei der angekündigten Veröffentlichung von Bild- beziehungs-

weise Filmmaterial der ersten Vergewaltigung um eine leere Drohung han-

delte, hätte sich der Soldat doch durch die Veröffentlichung entsprechen-

den Bildmaterials a priori selbst schwer belastet. Hinzu tritt der Umstand, 

dass sich die Schilderungen des Beschwerdeführers hinsichtlich der Reak-

tionen seiner Familienangehörigen, nachdem er diese nach der zweiten 

D-5777/2018 

Seite 22 

Vergewaltigung über das ihm Widerfahrene informiert habe, in einer Anei-

nanderreihung äusserlicher Handlungsabläufe erschöpfen ("[...]. Ich habe 

nicht alles voll und ausführlich meiner Grossmutter ms geschildert. So wie 

ich es hier schildere, habe ich es ihr nicht geschildert, einfach ganz normal. 

Meine Grossmutter ms hat dann sofort nachhause telefoniert und das mei-

ner Mutter erzählt. Dann hat mein älterer Bruder mich angerufen. Und dann 

habe ich meinem älteren Bruder davon erzählt. Dann ist mein älterer Bru-

der am nächsten Tag zu mir gekommen und hat mich mitgenommen" [vgl. 

SEM-act. A24/22 S. 12 F101]), ohne auch nur ansatzweise Anzeichen 

emotionaler Betroffenheit seiner Familienangehörigen durchschimmern zu 

lassen, was angesichts der Schwere und Tragik des von ihm Erlebten doch 

zumindest erstaunt. Schliesslich fällt auf, dass der Beschwerdeführer an-

lässlich der Erstbefragung vom 27. August 2018 (vgl. SEM-act. A19/17) 

ohne Weiteres in der Lage war, den Zeitraum aller drei Vergewaltigungen 

von Anfang an konzis wiederzugeben (erste Vergewaltigung: Anfang Feb-

ruar 2018 [vgl. a.a.O. F81 f.]; zweite Vergewaltigung: 20 bis 25 Tage nach 

dem ersten Vorfall [vgl. a.a.O. F83]; dritte Vergewaltigung: 25. März 2018 

[vgl. a.a.O. F84 f.]). Im Gegensatz dazu war der Beschwerdeführer bei der 

Anhörung vom 11. September 2018 (vgl. SEM-act. A24/22) zunächst nicht 

in der Lage, nähere Angaben hinsichtlich des Zeitraums der zweiten Ver-

gewaltigung zu machen und beschränkte sich stattdessen darauf, diesen 

mit der Zeitspanne zwischen Anfang Februar 2018 bis Ende März 2018 zu 

umschreiben (vgl. a.a.O. S. 9 F69 bis F71), bevor er dann plötzlich doch 

wieder vergleichsweise präzise Angaben zum Zeitpunkt der zweiten Ver-

gewaltigung machen (20, 25 Tage nach der ersten Vergewaltigung bezie-

hungsweise 25 oder 26 Tage vor der dritten Vergewaltigung [vgl. a.a.O. 

S. 9 F74 f.]) konnte. Diese unmittelbare Reaktion des Beschwerdeführers 

erweckt zumindest den Anschein, dass es sich bei der zeitlichen Situierung 

der drei Vergewaltigungen doch nur um auswendig gelernte Daten handeln 

könnte. 

6.4 Letztlich kann aber die Frage der Glaubhaftigkeit der Anzahl der vom 

Beschwerdeführer erlittenen Vergewaltigungen offengelassen werden, da 

ihnen kein asylbeachtliches Verfolgungsmotiv zugrunde liegt. So hat der 

Beschwerdeführer im Zusammenhang mit seinem im Jahr 2002 von Ange-

hörigen der LTTE zwangsrekrutierten und zwei Jahre später nach Beglei-

chung einer Lösegeldforderung durch die Familie wieder auf freien Fuss 

gesetzten älteren Bruder G._______ ausdrücklich verneint, jemals behörd-

lich behelligt worden zu sein (vgl. SEM-act. A19/17 S. 16 F102 bis F104 

i.V.m. SEM-act. A24/22 S. 2 f. F7 bis F22). Ferner hat er im Rahmen des 

vorinstanzlichen Verfahrens ausdrücklich darauf hingewiesen, dass weder 

D-5777/2018 

Seite 23 

er persönlich noch weitere Familienmitglieder politisch aktiv gewesen seien 

(vgl. SEM-act. A19/17 S. 15 f. F90 f. und F105). Das SEM hat in seiner 

Vernehmlassung vom 6. Dezember 2018 zwar darauf hingewiesen, dass 

es in Sri Lanka durchaus Opfer von institutioneller sexueller Gewalt in Haft 

gebe, die sich oppositionell betätigt oder in einem klar oppositionellen Um-

feld betätigt hätten, im Weiteren aber gleichzeitig zutreffend betont, dass 

all diese Merkmale auf den Beschwerdeführer nicht zutreffen würden. In 

Einklang mit der Sichtweise des SEM in seiner Vernehmlassung geht auch 

das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass seitens Angehöriger der 

sri-lankischen Sicherheitsbehörden zwar individuelle sexuelle Übergriffe 

begangen, solche aber vom sri-lankischen Staat grundsätzlich nicht akzep-

tiert beziehungsweise strafrechtlich geahndet werden. Im vorliegenden Fall 

muss demnach davon ausgegangen werden, dass sich die an der Verge-

waltigung des Beschwerdeführers beteiligten Soldaten gemeinrechtlicher 

Delikte schuldig gemacht haben und in diesem Kontext bei entsprechender 

Anzeige auch einer strafrechtlichen Beurteilung zugeführt worden wären. 

Da der Beschwerdeführer und dessen Familienangehörige indessen nach 

eigenem Bekunden keine diesbezügliche Anzeige bei der Polizei einge-

reicht haben (vgl. SEM-act. A19/17 S. 13), können sie sich auch nicht da-

rauf berufen, der sri-lankische Staat sei im vorliegenden Fall untätig geblie-

ben. Zusammenfassend ist somit aufgrund der Aktenlage festzuhalten, 

dass sich die an der Vergewaltigung des Beschwerdeführers beteiligten 

Soldaten primär zur Befriedigung ihrer sexuellen Triebe und zwecks Er-

pressung von Geld und damit aus kriminellen Motiven am Beschwerdefüh-

rer vergangen haben. Damit knüpft die vorgebrachte Verfolgung nicht in 

kausaler Weise an eines der fünf in Art. 3 Abs. 1 AsylG abschliessend auf-

gezählten Motive (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be-

stimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) an und ist somit 

flüchtlingsrechtlich nicht relevant. Bei dieser Sachlage entfällt auch eine 

nähere Prüfung sogenannter zwingender Gründe, setzt diese doch, wie 

bereits in E. 3.5 vorstehend erwähnt, voraus, dass die betroffene Person 

die Flüchtlingseigenschaft im Zeitpunkt der Ausreise aus der Heimat erfüllt. 

6.5 Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer trotz fehlender flüchtlings-

rechtlicher Vorverfolgung bei einer Rückkehr in sein Heimatland ernsthafte 

Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. In der Beschwerde 

wird diesbezüglich ausgeführt, der Beschwerdeführer sei ein junger tamili-

scher Mann, der mehrere Familienangehörige habe, die – wie seine Cou-

sine und sein älterer Bruder G._______ – LTTE-Verbindungen aufweisen 

würden, weshalb er den Hochrisikofaktor vermeintlicher Verbindungen zur 

LTTE erfülle. Dieser Risikofaktor sei als stark einzustufen und könne für 

D-5777/2018 

Seite 24 

sich allein genommen zu einer asylrelevanten Verfolgung in Sri Lanka füh-

ren (vgl. Beschwerde S. 48 f., Ziff. 9.1.2). Weiter wird in seiner Eingabe 

vom 6. Mai 2020 darauf hingewiesen, dass er als ehemaliges Opfer mas-

sivster sexueller Übergriffe seitens der sri-lankischen Sicherheitskräfte 

auch Zeuge von Menschenrechtsverletzungen seitens der sri-lankischen 

Behörden geworden sei, was ihn der besonderen Gefahr von Folter, Fest-

nahme und/oder Tötung aussetze (vgl. a.a.O. S. 3 Abs. 3 und 4). Ferner 

wurden mit Begleitschreiben vom 20. Mai 2020 Kopien der Geburtsur-

kunde seiner Cousine H._______, eines ärztlichen Berichts (Diagnosis Ti-

cket) vom 19. Juni 2009 betreffend die Behandlung ihrer Verletzungen 

durch Bomben und Schüsse seitens der sri-lankischen Armee Ende des 

sri-lankischen Bürgerkriegs, eines Fotos ihres Ehemannes I._______, wo-

rauf dieser als LTTE-Held in Uniform abgebildet sei, zweier Todesurkun-

den, aus welchen sich ergebe, dass letzterer am 26. Dezember 2008 ge-

meinsam mit seiner Tochter J._______ infolge einer Bombardierung ums 

Leben gekommen sei, sowie zwei Fotos eingereicht, die ihn (den Be-

schwerdeführer) in schwarzem T-Shirt zusammen mit Freunden anlässlich 

des Heldentages der LTTE vom 27. November 2018 in K._______ zeigen. 

6.5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hält im Referenzurteil E-1866/2015 

vom 15. Juli 2016 fest, bestimmte Risikofaktoren (Eintrag in die „Stop-List“, 

Verbindung zu den LTTE und exilpolitische Aktivitäten) seien als stark risi-

kobegründend zu qualifizieren, da sie unter den im Entscheid dargelegten 

Umständen bereits für sich alleine genommen zur Bejahung einer begrün-

deten Furcht führen könnten. Demgegenüber würden das Fehlen ordentli-

cher Identitätsdokumente, eine zwangsweise respektive durch die IOM be-

gleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegrün-

dende Faktoren darstellen. Dies bedeute, dass diese in der Regel für sich 

alleine genommen keine relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen zu 

begründen vermöchten. Jegliche glaubhaft gemachten Risikofaktoren 

seien in einer Gesamtschau und in ihrer Wechselwirkung sowie unter Be-

rücksichtigung der konkreten Umstände in einer Einzelfallprüfung zu be-

rücksichtigen, mit dem Ziel, zu erwägen, ob mit beachtlicher Wahrschein-

lichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bejaht werden müsse 

(vgl. vorgenanntes Referenzurteil E. 8.5.5). Dass sich darüber hinaus auf-

grund der vom Rechtsvertreter in der Beschwerde sowie in den Eingaben 

vom 14. November 2018, 6. Mai 2020 und 23. Juli 2020 (vgl. Sachverhalt 

Bst. G, J, O und Q) erwähnten und dokumentierten Ereignisse, welche seit 

der Ausreise des Beschwerdeführers eingetreten sind, in Sri Lanka das Ri-

siko für tamilische Rückkehrer, im Falle der Rückkehr Menschenrechtsver-

letzungen zu erleiden, generell verschärft hätte, lässt sich entgegen den in 

D-5777/2018 

Seite 25 

den Eingaben prognostizierten Gefährdungsszenarien nicht feststellen. 

Die darin dokumentierte Entwicklung verdeutlicht vielmehr, dass die im Re-

ferenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 erwähnten Risikofaktoren, die 

zu einer asylrechtlich relevanten Gefährdung von nach Sri Lanka zurück-

kehrenden tamilischen Personen führen können, nach wie vor aktuell und 

dementsprechend weiterhin zu prüfen sind. 

6.5.2 Soweit auf Beschwerdeebene behauptet wird, der Beschwerdeführer 

sei bei einer Rückkehr aufgrund seiner familiären LTTE-Verbindungen ge-

fährdet, ist festzuhalten, dass er im Rahmen seiner Anhörung einzig gel-

tend machte, in seiner Familie sei sein älterer Bruder G._______ zwischen 

2002 und 2004 bei den LTTE gewesen und schliesslich gegen Bezahlung 

eines Lösegeldes von der Organisation freigelassen worden. Darüber hin-

aus verneinte er, dass seine Familie irgendeinen Bezug zu den LTTE ge-

habt habe. Gleichzeitig verneinte er ausdrücklich, im Zusammenhang mit 

der Vergangenheit des vorerwähnten Bruders bis zur Ausreise aus Sri 

Lanka behördliche Probleme gehabt zu haben. Bereits vor diesem Hinter-

grund kommen Zweifel daran auf, dass die angeblichen früheren Aktivitä-

ten einer Cousine und deren Ende Dezember 2008 verstorbenem Ehe-

mann nunmehr unter dem Risikoprofil "familiäre Verbindungen zu den 

LTTE" plötzlich das Interesse der sri-lankischen Behörden an seiner Per-

son im Falle einer Rückkehr in seine Heimat wecken könnte. Weiter wurde 

er in seinem bisherigen Leben keiner Straftat angeklagt oder verurteilt und 

verfügt somit auch nicht über einen Strafregistereintrag. Des Weiteren ist 

auch nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer auf einer „Stop-

List“ eingetragen wäre, da er mit seinem eigenen Reisepass aus Sri Lanka 

ausreisen konnte (vgl. SEM-act. A19/17 S. 7 f., F65 f. i.V.m. F72 bis F76). 

Hinsichtlich der Behauptung, zufolge der vormaligen Vergewaltigungen als 

Zeuge von Menschenrechtsverletzungen gefährdet zu sein, bleibt anzu-

merken, dass die entsprechenden Vorfälle nie angezeigt worden sind, wes-

halb nicht davon ausgegangen werden kann, dem Beschwerdeführer droh-

ten in diesem Zusammenhang im Falle der Rückkehr weitere Nachteile. 

Alleine aus der tamilischen Ethnie, der mehrjährigen Landesabwesenheit 

und der Beschaffung von Ersatzreisepapieren (vgl. BVGE 2017 VI/6 

E. 4.3.3) kann er keine Gefährdung ableiten. Unter Würdigung aller Um-

stände ist somit anzunehmen, dass der Beschwerdeführer von der sri-lan-

kischen Regierung nicht zu jener Gruppe gezählt wird, die bestrebt ist, den 

tamilischen Separatismus wiederaufleben zu lassen, und so eine Gefahr 

für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellt. Es ist nicht davon auszuge-

hen, dass ihm persönlich im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka ernst-

hafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen würden. Solches ergibt 

D-5777/2018 

Seite 26 

sich auch nicht aus den im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereich-

ten Dokumenten, Berichten und Länderinformationen. 

6.6  

6.6.1 Subjektive Nachfluchtgründe liegen vor, wenn eine asylsuchende Per-

son erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder 

wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von 

Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit subjektiven Nachfluchtgrün-

den erhalten gemäss Art. 54 AsylG kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge 

vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1 und 2009/29 E. 5.1). 

6.6.2 Exilpolitische Tätigkeiten des Beschwerdeführers in der Schweiz 

werden erstmals in der Eingabe vom 20. Mai 2020 (vgl. Beilagen 116 und 

117) geltend gemacht. So habe er am 27. November 2018 am Heldentag 

der LTTE in K._______ teilgenommen (vgl. a.a.O. S. 3 Abs. 2). Über die 

näheren Umstände der Teilnahme wie auch seine konkreten Tätigkeiten 

anlässlich der Veranstaltung äusserte er sich nicht. Die beiden Fotos zei-

gen ihn abseits der Veranstaltung einmal allein und einmal in einer Gruppe 

posierend und ein Bild des früheren LTTE-Führers Prabhakaran in Händen 

haltend. Bei dieser Sachlage ist von einem niedrigschwelligen exilpoliti-

schen Engagement des Beschwerdeführers auszugehen, welches nicht 

geeignet ist, auf ihm drohende ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 

AsylG im Falle der Rückkehr nach Sri Lanka zu schliessen. 

6.7 Die im Beschwerdeverfahren eingereichten Beweismittel, vermögen an 

der fehlenden Asylrelevanz der Hauptvorbringen des Beschwerdeführers 

nichts zu ändern. Dabei handelt es sich grossmehrheitlich um Dokumente, 

welche die allgemeine Lage und die politische Situation in Sri Lanka be-

schreiben. Der Beschwerdeführer kann daraus keine individuelle Verfol-

gung ableiten. Das vorgebrachte Urteil des High Court Vavuniya (Verurtei-

lung eines rehabilitierten LTTE-Mitglieds zu lebenslanger Haft wegen 

Zwangsrekrutierung einer jungen Frau für die LTTE) ist nicht ansatzweise 

mit der Situation des Beschwerdeführers vergleichbar und weist keinen Be-

zug zu ihm auf. 

6.8 Zusammenfassend ist demnach festzuhalten, dass die Vorinstanz die 

Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers im Ergebnis zu Recht ver-

neint und sein Asylgesuch folgerichtig abgelehnt hat. 

  

D-5777/2018 

Seite 27 

7.  

7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-

rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin 

oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-

gegenstehen.  

8.2.1 Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist 

– wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten – das flüchtlingsrechtliche 

Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 

1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 

AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich viel-

mehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestim-

mungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem-

ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied-

rigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK). 

8.2.2 Sodann ergeben sich – übereinstimmend mit der Vorinstanz und ent-

gegen der auf Beschwerdeebene vertretenen Ansicht – weder aus den 

Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte da-

für, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit 

D-5777/2018 

Seite 28 

beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK 

verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis 

des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener 

des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine kon-

krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im 

Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen 

würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, 

Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127, m.w.H.). 

Der EGMR hat sich wiederholt mit der Gefährdungssituation von Tamilen 

auseinandergesetzt, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zu-

rückkehren müssen (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 

19. September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11; T.N. gegen Dänemark, 

Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Däne-

mark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen 

Grossbritannien, Urteil vom 17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Da-

bei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon aus-

zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine unmenschliche Be-

handlung. Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung, ob Betroffene 

ernsthafte Gründe für die Befürchtung hätten, die Behörden hätten an ihrer 

Festnahme und weitergehenden Befragung ein Interesse, verschiedene 

Aspekte beziehungsweise persönliche Risikofaktoren in Betracht gezogen 

werden (vgl. EGMR, T.N. gegen Dänemark, a.a.O, § 94). 

Soweit davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer in der Vergan-

genheit Opfer mehrerer Vergewaltigungen durch sri-lankische Armeeange-

hörige geworden ist, muss angenommen werden, dass sich entsprechende 

Übergriffe auf ihn kaum mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit wiederholen 

dürften, zumal diese im Ergebnis auf das Verhalten eines einzelnen Solda-

ten im Raume des (…) von E._______ zurückgeführt werden müssen. 

Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Weg-

weisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. dazu BVGE 2011/24 

E. 10.4 und das weiterhin einschlägige Referenzurteil E-1866/2015 vom 

15. Juli 2016 E. 12.2). Dies gilt auch unter Berücksichtigung der (sicher-

heits-)politischen Ereignisse in den vergangenen Jahren (vgl. statt vieler 

Urteil des BVGer D-1211/2021 vom 30. August 2021 E. 9.2.2). 

8.2.3  

8.2.3.1 Was die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers betrifft, 

ergibt sich aus dem ärztlichen Bericht von Dr. med. N._______ vom 

D-5777/2018 

Seite 29 

15. Oktober 2020 (vgl. auch Sachverhalt Bst. S), dass bei ihm eine post-

traumatische Belastungsstörung durch Gewalterfahrung (ICD-10: F43.1) 

und eine rezidivierende schwere depressive Episode (ICD-10: F33.3) diag-

nostiziert worden sind. Gemäss der Fachärztin leide er an Ein- und Durch-

schlafstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Belastbar-

keitsminderung und Erschöpfung. Weiter habe er Albträume, verspüre 

grosse Ängste und auch Panikattacken würden immer wieder auftreten. 

Auch Symptome in Form von aufdrängenden Erinnerungen wie etwa Bilder 

oder Stimmen (Flashbacks) würden auftreten. Hinsichtlich des Status wird 

im ärztlichen Bericht festgehalten, dass er in einem reduzierten Allgemein-

zustand, körperlich schwach und nicht belastbar sei und häufig an Infekti-

onen aufgrund eines sehr schwachen Immunsystems leide. Auf die Fach-

ärztin wirke er schwer depressiv, schwach, ängstlich und unsicher. 

Der Beschwerdeführer sei schwer krank und auch dringend behandlungs-

bedürftig. Bei einem Abbruch der derzeit seit dem 2. Juni 2020 durchge-

führten (und momentan wöchentlich stattfindenden) psychiatrisch-psycho-

therapeutischen Behandlung beziehungsweise der Unterlassung der be-

reits begonnenen Behandlung sei mit einer akuten Verschlechterung der 

Symptomatik und der Selbstgefährdung zu rechnen. Es sei nicht vorstell-

bar, dass er in Sri Lanka eine solche Art von Behandlung bekommen 

könne. Er würde sich mit hoher Wahrscheinlichkeit vorher suizidieren. Auch 

seine Reisefähigkeit sei aus Sicht der behandelnden Ärztin nicht gegeben. 

8.2.3.2 Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitli-

chen Problemen stellt nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen 

Art. 3 EMRK dar. Die aktenkundigen gesundheitlichen Probleme des Be-

schwerdeführers stellen sich nicht als so schwerwiegend dar, dass eine 

Gefahr der Verletzung von Art. 3 EMRK besteht (zu den Anforderungen vgl. 

BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die damalige Praxis des Europäi-

schen Gerichtshofs für Menschenrechte [EGMR] sowie zur neueren Praxis 

des EGMR das Urteil Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, 

Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.H.). 

8.2.4 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im 

Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

D-5777/2018 

Seite 30 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und 

den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka 

weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt; dies gilt auch unter 

Berücksichtigung der (sicherheits-)politischen Ereignisse in den vergange-

nen Jahren (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-1211/2021 vom 30. August 

2021 E. 9.3.1). Gemäss nach wie vor gültiger Rechtsprechung ist der Weg-

weisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz weiterhin zumutbar, wenn das 

Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz 

eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aus-

sichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht wer-

den kann (vgl. Referenzurteile E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2 und 

D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5). 

8.3.2 Der Beschwerdeführer lebte zuletzt in B._______, C._______ (Dis-

trikt Jaffna, Nordprovinz [vgl. SEM-act. A11/7 Ziff. 2.02]). Der Vollzug in die-

ses Gebiet ist im Lichte der Rechtsprechung grundsätzlich zumutbar. Im 

vorliegenden Fall sprechen sodann keine individuellen Gründe gegen ei-

nen Wegweisungsvollzug. Der Beschwerdeführer stammt aus einer vermö-

genden (…)familie aus der (…) und hat bis kurz vor seiner Ausreise aus Sri 

Lanka gemeinsam mit weiteren Angehörigen den (…) (vgl. SEM-act. 

A19/17 S. 3 f. F18 bis F22 i.V.m F28 bis F30). Vor diesem Hintergrund ist 

nicht davon auszugehen, dass er existenzielle Schwierigkeiten haben wird. 

Mit seiner Mutter und seinen Geschwistern verfügt er in C._______ zudem 

über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz und eine gesicherte Wohn-

situation (vgl. SEM-act. A19/17 S. 3 f. F16 i.V.m. F23 f.). 

8.3.3  

8.3.3.1 Hinsichtlich der posttraumatischen Belastungsstörung des Be-

schwerdeführers ist einleitend darauf hinzuweisen, dass Gründe aus-

schliesslich medizinischer Natur den Wegweisungsvollzug im Allgemeinen 

nicht als unzumutbar erscheinen lassen, es sei denn, die erforderliche Be-

handlung sei wesentlich und im Heimatland nicht erhältlich. Sofern die Be-

handlungsmöglichkeiten im Herkunftsland nicht dem medizinischen Stan-

dard in der Schweiz entsprechen, bewirkt dies allein noch nicht die Unzu-

mutbarkeit des Vollzugs. Von einer solchen ist erst dann auszugehen, 

wenn eine ungenügende Möglichkeit der Weiterbehandlung voraussicht-

D-5777/2018 

Seite 31 

lich die drastische und lebensbedrohende Verschlechterung des Gesund-

heitszustands nach sich ziehen würde (vgl. BVGE 2011/50 E. 8.3 und 

2009/2 E. 9.3.2). 

8.3.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht aufgrund der vorstehenden 

Erwägungen übereinstimmend mit seiner Praxis hinsichtlich der Behandel-

barkeit von psychischen Erkrankungen in Sri Lanka (vgl. beispielsweise 

Urteil des BVGer D-640/2019 vom 14. Juli 2021 E. 7.3.2 m.w.H.) davon 

aus, dass der Beschwerdeführer in seinem Heimatland die Möglichkeit hat, 

eine adäquate medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung zu 

erhalten, und dass er bei geeigneter Vorbereitung seiner Rückkehr nicht in 

Gefahr geriete, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Ver-

schlechterung seines Gesundheitszustandes ausgesetzt zu werden. Dies-

bezüglich besteht in Abstimmung mit den kantonalen Behörden und allen-

falls in Zusammenarbeit mit der Internationalen Organisation für Migration 

(IOM), den heimatlichen Behörden und der Botschaft die Möglichkeit, Vor-

kehrungen zu treffen, damit eine Weiterführung der Behandlung des Be-

schwerdeführers gewährleistet ist. Die entsprechende Vorbereitung der 

Rückkehr des Beschwerdeführers erscheint angesichts der fachärztlich 

prognostizierten akuten Verschlechterung seiner Symptomatik sowie der 

Gefahr einer Akzentuierung seiner Suizidalität im Falle eines Behandlungs-

unterbruchs dringend indiziert. Angesichts der sehr guten Vermögensver-

hältnisse seiner Familie dürfte auch sichergestellt sein, dass die Fortset-

zung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung solange fort-

gesetzt werden kann, bis sich der psychische Zustand des Beschwerde-

führers auch in seinem Heimatland stabilisieren wird. Im Übrigen steht es 

dem Beschwerdeführer im Rahmen der Rückkehr offen, vor der Ausreise 

bei der Vorinstanz einen Antrag auf medizinische Rückkehrhilfe zu stellen, 

die unter anderem in der Mitgabe von Medikamenten bestehen kann (vgl. 

Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG; Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 

1999 [AsylV2, SR 142.312]). 

8.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung nicht 

als unzumutbar. 

8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung seines Heimatlandes die für eine Rückkehr notwendigen 

Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als mög-

lich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG). 

D-5777/2018 

Seite 32 

8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf 

diese einzutreten ist. 

10.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten infolge der sehr um-

fangreichen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen Be-

zug zum Beschwerdeführer praxisgemäss auf insgesamt Fr. 1'500.– fest-

zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Zur Begleichung der Verfahrenskosten ist der am 14. No-

vember 2018 in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss zu verwenden. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-5777/2018 

Seite 33 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit auf diese eingetreten wird. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.– werden dem Beschwerdeführer auf-

erlegt. Der in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird zur Bezah-

lung der Verfahrenskosten verwendet. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Philipp Reimann