# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f2176836-a427-51b2-a328-674b57dfdbf5
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.08.2011 E-966/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-966-2010_2011-08-29.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­966/2010

U r t e i l   v om   2 9 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz),
Richter Thomas Wespi, Richter Walter Stöckli,   
Gerichtsschreiber Simon Thurnheer.

Parteien A._______, geboren am (…),
Afghanistan,  
vertreten durch lic. iur. Pascale Bächler, Beratungsstelle für 
Asylsuchende, (…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 15. Januar 
2010 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der Beschwerdeführer,  zuletzt wohnhaft  in B._______, Provinz Parwan, 
gelangte eigenen Angaben zufolge über Kabul, durch Pakistan, den Iran, 
die Türkei,  via Griechenland nach Frankreich und  reiste  von dort  am 6. 
September 2007  in die Schweiz ein, wo er gleichentags ein Gesuch um 
Asyl stellte. 

Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer 
anlässlich  der  Befragung  zur  Person  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ) C._______ vom 17. September 2007 und der 
kantonalen Anhörung  vom 4. Dezember 2007  im Wesentlichen geltend, 
sein Vater  sei  von seinem  (späteren) Stiefvater ermordet worden,  seine 
Mutter  habe  sich  gezwungen  gesehen,  seinen  (späteren)  Stiefvater  zu 
heiraten,  der  Beschwerdeführer  sei  daraufhin  mit  seinem  Stiefvater, 
seinen  beiden Halbgeschwistern  und  seiner Mutter  aufgewachsen,  sein 
Stiefvater  habe  ihn  bei  Tag  und  bei  Nacht  zum  Teppichknüpfen 
gezwungen  und  ihm  Schulbildung  verwehrt,  er  habe  ihn  ausserdem 
misshandelt,  oft  geschlagen,  einmal mit  einem Stück Holz,  so  dass  der 
Beschwerdeführer  über  Stunden  bewusstlos  gewesen  sei.  Zudem  habe 
er  ihn einmal vom Dach gestossen, so dass sich der Beschwerdeführer 
(…)  verletzt  habe,  und  habe  ihn  (…)  verbrannt.  Seine Mutter  habe  ihm 
mitgeteilt, der Stiefvater wolle ihn töten, und habe ihm zur Flucht geraten. 
Daraufhin habe er sich zu seinem (…) in Kabul begeben, von wo er seine 
Flucht aus Afghanistan angetreten habe.

B. 
Aufgrund  seiner  damaligen  Minderjährigkeit  wurde  mit  Beschluss  vom 
5. November 2007 gemäss Art. 17 Abs. 2 des Asylgesetzes vom 26. Juni 
1998 (AsylG, SR 142.31) und Art 7 der Asylverordnung 1 vom 11. August 
1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  von  der 
Vormundschaftsbehörde  Basel­Stadt  eine  Beistandschaft  errichtet, 
welche nach Erreichen der Mündigkeit am (…) wieder aufgehoben wurde.

C. 
Mit Verfügung vom 15. Januar 2010 lehnte das BFM das Asylgesuch mit 
der Begründung, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft 
nicht,  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den 
Vollzug der Wegweisung an.

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D. 
Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  17.  Februar  2010 
(Poststempel)  erhob  der  Beschwerdeführer  gegen  die  vorinstanzliche 
Verfügung  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht  mit  den 
Begehren, unter Aufhebung der Verfügung sei die Flüchtlingseigenschaft 
anzuerkennen  und  Asyl  zu  gewähren,  eventualiter  sei  der 
Wegweisungsvollzug  für  unzumutbar  zu  erklären  und  die  vorläufige 
Aufnahme anzuordnen. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer, es sei 
ihm  die  unentgeltliche  Prozessführung  gemäss  Art.  65  Abs.  1  des 
Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  zu  gewähren  und  auf  die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten.  Seine  Bedürftigkeit 
belegte  der  Beschwerdeführer  mit  einer  Fürsorgebestätigung  vom  28. 
Januar 2010. 

Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  und  die  damit  eingereichten 
Dokumente  wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den 
Erwägungen eingegangen.

E. 
Mit Zwischenverfügung vom 23. Februar 2010 trat das Bundesgericht auf 
die  Beschwerde  ein.  Auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses 
verzichtete es und verfügte,  dass über das Gesuch um Gewährung der 
unentgeltlichen  Prozessführung  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  befunden 
werde.

F. 
Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  11.  Mai  2011  reichte  der 
Beschwerdeführer  die  Kopie  eines  Lehrvertrages  vom  3.  Februar  2010 
ein,  wonach  er  per  2.  August  2011  eine  Lehrstelle  zum  (…)  antreten 
werde.

G. 
Mit  Eingabe  seiner  Rechtsvertreterin  vom  30.  Juni  2011  reichte  der 
Beschwerdeführer  einen  Bericht  einer  Fachpsychologin  für 
Psychotherapie,  bei  der  er  (…)  in  psychotherapeutischer  Behandlung 
gewesen sei, ein. Darin wird ihm eine (…) attestiert.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). 
Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.4.  Auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels  wurde  vorliegend 
verzichtet (vgl. Art. 111a Abs. 1 AsylG).

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 

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3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

3.3  Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft,  wenn  sie  genügend 
substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in 
vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in  wesentlichen  Punkten 
widersprüchlich  sein  oder  der  inneren  Logik  entbehren  und  auch  nicht 
den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber 
hinaus  muss  die  asylsuchende  Person  persönlich  glaubwürdig 
erscheinen,  was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  sie  ihre 
Vorbringen  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abstützt,  aber 
auch dann nicht, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst 
falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt  oder 
unbegründet nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder 
die nötige Mitwirkung verweigert. 

Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatze zum strikten Beweis 
– ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse 
Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers.  Eine 
Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn der Richter von ihrer 
Wahrheit  nicht  völlig  überzeugt  ist,  sie  aber  überwiegend  für  wahr  hält, 
obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftmachung reicht 
es  demgegenüber  nicht  aus,  wenn  der  Inhalt  der  Vorbringen  zwar 
möglich  ist,  aber  in Würdigung  der  gesamten  Aspekte  wesentliche  und 
überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte 

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Sachverhaltsdarstellung  sprechen.  Entscheidend  ist  im  Sinne  einer 
Gesamtwürdigung,  ob  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der 
Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder  nicht;  dabei  ist  auf 
eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2005 
Nr. 21 E. 6.1 mit weiteren Hinweisen).

4.
Das  BFM  hielt  die  Sachverhaltsdarstellung  des  Beschwerdeführers  für 
nicht  glaubhaft,  weil  es  an  seinen  Ausführungen  Realitätskennzeichen 
vermisste,  wie  etwa  detaillierte  Schilderung,  ein  freies  assoziatives 
Erzählen,  Interaktionsschilderung  (z.B.  Dialoge)  oder  inhaltliche 
Besonderheiten. Das BFM stellte fest, dass Realitätskennzeichen solcher 
Art bei der Schilderung der Asylgründe vollständig fehlten, die Aussagen 
des  Beschwerdeführers  wiesen  keinerlei  Detailreichtum  auf  und  es 
fehlten individualisierte Aussagen, welche seine persönliche Betroffenheit 
oder  ein  individualisiertes  Reaktionsmuster  zum  Ausdruck  bringen 
würden. 

Ausserdem  wies  das  BFM  auf  verschiedene  Widersprüche  zwischen 
Aussagen,  die  bei  der  Befragung  zur  Person  gemacht  wurden,  und 
solchen  anlässlich  der  Anhörung  gemäss  Art.  29  AsylG  hin.  Für  den 
Inhalt  dieser  Widersprüche  wird  auf  die  Ausführungen  in  der 
vorinstanzlichen Verfügung verwiesen.

Den  Wahrheitsgehalt  wesentlicher  Vorbringen  zog  die  Vorinstanz  auch 
deshalb  in  Zweifel,  weil  sie  ohne  zwingenden  Grund  erst  im  späteren 
Verlauf  des  Verfahrens  geltend  gemacht  worden  seien  und  dabei  nicht 
lediglich Konkretisierungen bereits dargelegter Ereignisse darstellten. So 
wies  sie  darauf  hin,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der  EVZ­Befragung 
angegeben  habe,  sein  Stiefvater  habe  ihn  misshandelt,  mehrmals 
geschlagen  und  (…)  verbrannt,  bei  der  Anhörung  dagegen  weitere, 
schwere Misshandlungen vorgebracht habe, nämlich sein Stiefvater habe 
ihn  einmal mit  einem Stück  Holz  auf  den  Kopf  geschlagen,  so  dass  er 
über  mehrere  Stunden  bewusstlos  gewesen  sei,  und  habe  ihn  einmal 
vom Dach  gestossen,  so  dass  er  sich  an  (…) Verletzungen  zugezogen 
habe.  Für  das  BFM  war  nicht  ersichtlich,  aus  welchem  Grunde  der 
Beschwerdeführer diese schwerwiegenden Misshandlungen in der ersten 
Befragung nicht hätte angeben sollen. Es ging daher davon aus, dass es 
sich  dabei  um  nachgeschobene  Vorbringen  handle,  mit  denen  der 

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Beschwerdeführer  seinen  Asylgründen  mehr  Gewicht  zu  verleihen 
versucht habe.

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5. 

5.1. Der Beschwerdeführer macht in seiner Rechtsmitteleingabe geltend, 
er  habe  als  typisches  Symptom  seines  Traumas  eine 
Vermeidungsstrategie  verfolgt,  ferner  sei  es  ihm  aufgrund  fehlender 
Schulbildung,  seiner  familiären  Umstände  und  aus  Schamgefühl 
schwergefallen,  über  seine  Erlebnisse  mit  Fremden  zu  sprechen;  die 
Narben und die Verbrennungen seien überdies klar sichtbarer Beweis für 
die Misshandlungen. Diese Erklärungsversuche vermögen die vom BFM 
angeführten Zweifel  an der Glaubhaftigkeit  nicht  gänzlich auszuräumen. 
Die  Durchsicht  der  Befragungsprotokolle  vermittelt  auch  dem 
Bundesverwaltungsgericht  das Bild wenig  substanziierter Aussagen,  die 
den  Eindruck  persönlicher  Betroffenheit  vermissen  lassen.  Den 
Verbrennungswunden  und  Narben  als  solchen  kommt  zudem  geringe 
Beweiskraft  zu,  da  sie  keinen  Aufschluss  darüber  geben,  auf  welche 
Weise und durch wen sie entstanden sind.  Im Übrigen kann von einem 
Asylsuchenden  erfahrungsgemäss  erwartet  werden,  dass  er  alle  seine 
Gründe, die ihn zur Ausreise aus seinem Heimatland gezwungen haben, 
mindestens ansatzweise bereits  in der Erstbefragung vorträgt und in der 
Lage  ist,  bei  den  Anhörungen  auf  eine  seinem  Bildungsgrad 
entsprechende  Weise  darüber  im  Wesentlichen  widerspruchsfrei  zu 
berichten.

Letztlich  kann  indessen  die  Frage  der  Glaubhaftigkeit  der  geltend 
gemachten  Behelligungen  durch  den  Stiefvater  offen  gelassen  werden. 
Denn  selbst  wenn  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  Glauben 
geschenkt  wird,  müsste  dies,  wie  nachfolgend  aufzuzeigen  ist,  zur 
Verneinung  seiner  Flüchtlingseigenschaft  führen,  da  die  Vorbringen 
gemäss Art. 3 AsylG nicht asylrelevant sind.

So wird als Flüchtling eine ausländische Person anerkannt, wenn sie  in 
ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  wo  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer 
Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen 
Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften 
Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nachteilen 
ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die 
Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). Grundsätzlich 
muss  eine  Verfolgung  solcher  Art  dem Staat  zurechenbar  sein,  um  die 
Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen.  Unter  Umständen  kann  die 
Flüchtlingseigenschaft auch dann erfüllt  sein, wenn eine Verfolgung von 

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nichtstaatlicher  Seite  geltend  gemacht  wird.  Dies  gilt  dann,  wenn  der 
betreffende  Staat  weder  fähig  noch  willens  ist,  dem  Verfolgten 
ausreichenden  Schutz  zu  gewähren.  Nach  Lehre  und  Rechtsprechung 
erfüllt eine asylsuchende Person die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von 
Art.  3  AsylG,  wenn  sie  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft 
begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund 
bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt zu werden drohen und vor denen 
sie  keinen  ausreichenden  staatlichen Schutz  erwarten  kann  (vgl.  BVGE 
2007/31  E. 5.2  f.  und  2008/4  E. 5  sowie  die  vom 
Bundesverwaltungsgericht  fortgeführte  Rechtsprechung  der  [damaligen] 
Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  in  EMARK  1995  Nr.  2 
E. 3a,  2006  Nr.  18  E. 7­10  und  Nr.  32  E. 8.7).  Massgeblich  für  die 
Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  nach Art. 3  AsylG  ist  schliesslich 
nicht die Situation zum Zeitpunkt der Ausreise, sondern die Situation zum 
Zeitpunkt des Asylentscheides, wobei allerdings erlittene Verfolgung oder 
begründete Furcht vor Verfolgung im Zeitpunkt der Ausreise Hinweis auf 
weiterbestehende  Gefährdung  sein  kann  (BVGE  2008/4  E. 5.4  mit 
weiteren Hinweisen).

Vorliegend  macht  der  Beschwerdeführer  weder  eine  Verfolgung  von 
staatlicher  Seite  noch  eine  solche  aus  den  oben  angeführten 
asylrelevanten Gründen geltend. Vielmehr beschreiben seine Vorbringen 
eine  Verfolgung  von  einem  Privatmann  aus  rein  privaten  Gründen.  Ein 
Verfolgungsmotiv  aus  einem  der  in  Art.  3  Abs.  1  AsylG  aufgezählten 
Gründe  lässt  sich  mithin  nicht  erkennen.  Der  Vollständigkeit  halber  ist 
festzustellen, dass die Frage, ob der afghanische Staat zum gegebenen 
Zeitpunkt  über  eine  derart  geringe  Schutzfähigkeit  verfügt,  dass  eine 
Verfolgung durch einen Einzelnen ausreicht, um den in den oben zitierten 
Entscheiden  dargelegten  Voraussetzungen  zur  Erfüllung  der 
Flüchtlingseigenschaft  zu  entsprechen,  offen  gelassen  werden  kann, 
zumal  auch  die  Aktualität  der  Verfolgung  zu  verneinen  ist.  Denn  selbst 
wenn  bei  einem  Minderjährigen,  der  im  Haushalt  seines  Stiefvaters 
wohnt,  eine  Verfolgung  durch  jenen  zum  Zeitpunkt  der  Ausreise  aus 
Afghanistan bejaht würde, hätte sich die Lage für den Beschwerdeführer, 
welcher  zwischenzeitlich  volljährig  geworden  ist  und  einen  eigenen 
Hausstand  begründen  kann,  grundlegend  gewandelt.  Zum  heutigen 
Zeitpunkt ist daher nicht mehr davon auszugehen, dass er sich bei einer 
Rückkehr  nach Afghanistan  in Abhängigkeit  seines Stiefvaters  begeben 
und von ihm Behelligungen erdulden müsste. Es erübrigt sich nach dem 
Gesagten,  auf  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  auf 

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Beschwerdeebene  noch  näher  einzugehen,  da  sie  an  diesen 
Schlussfolgerungen  nichts  zu  ändern  vermögen.  Das  BFM  hat  das 
Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt.

6.

6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  (Art.  44 
Abs.  1  AsylG).  Die  Wegweisung  wird  nicht  verfügt,  wenn  die 
asylsuchende  Person  im  Besitz  einer  gültigen  Aufenthalts­  oder 
Niederlassungsbewilligung ist oder Anspruch darauf hat. 

Da  der  Beschwerdeführer  weder  im  Besitz  einer  aufenthaltsrechtlichen 
Bewilligung  ist noch einen Anspruch darauf hat, wurde die Wegweisung 
vom BFM zu Recht verfügt. 

6.2.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht  möglich,  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]). Die genannten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den 
Wegweisungsvollzug  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit) 
sind alternativer Natur. Sobald eine dieser Bedingungen erfüllt ist, ist der 
Vollzug  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit 
der betroffenen Person in der Schweiz nach den Bestimmungen über die 
vorläufige  Aufnahme  zu  regeln  (vgl.  dazu  BVGE  2009/51  E.  5.4  mit 
weiteren  Hinweisen).  Gegen  eine  allfällige  spätere  Aufhebung  der 
vorläufigen  Aufnahme  würde  der  betroffenen  asylsuchenden  Person 
wieder  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen  stehen 
(vgl.  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  44  Abs.  2  AsylG),  wobei  in  einem 
Aufhebungsverfahren  alle  Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  nach 
Massgabe der  in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse erneut zu 
prüfen wären (vgl. EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2, EMARK 1997 Nr. 27).

Der  Vollzug  der  Wegweisung  erweist  sich  für  Ausländerinnen  oder 
Ausländer als unzumutbar, wenn sie  im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf 
Grund  von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner Gewalt  oder 
medizinischer  Notlage  allgemein  gefährdet  sind  (Art. 83  Abs.  4  AuG). 
Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 

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83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft 
zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

Weil sich vorliegend der Vollzug der Wegweisung – aus den nachfolgend 
aufgezeigten  Gründen  –  als  unzumutbar  erweist,  kann  von  einer 
Erörterung  der  übrigen  Voraussetzungen  eines  rechtmässigen 
Wegweisungsvollzugs abgesehen werden.

7.
Das BFM räumte ein, dass die allgemeine Sicherheitslage in Afghanistan 
angespannt sei, die aufständischen Kräfte  ihre Tätigkeit verstärkt hätten 
und  ihren  Einfluss  in  den  südlichen  und  südöstlichen  Provinzen  sowie 
teilweise  im Norden und Westen des Landes hätten ausdehnen können. 
Die  internationale  Truppenpräsenz  sei  zahlenmässig  zu  schwach 
vertreten, als dass sie flächendeckend wirksam wäre. Ausserdem hätten 
sich  in vielen Regionen funktionierende staatliche Strukturen noch kaum 
entwickeln  können.  Trotzdem ging  das BFM davon aus,  dass  nicht  von 
einer  konkreten  Gefährdung  der  gesamten  Bevölkerung  in  Afghanistan 
oder eine Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG 
ausgegangen werden könne.

Die  Vorinstanz  stufte  trotz  vereinzelter  Anschläge  die  Lage  in  den 
nördlichen  Provinzen  wie  etwa  Parwan  sowie  in  Kabul  und  weiteren 
Landesteilen  als  weiterhin  vergleichsweise  sicher  ein.  Von  einer 
permanent instabilen Lage könne nicht gesprochen werden.

Zudem  verneinte  es  das  Vorliegen  individueller  Gründe,  die  gegen  die 
Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  des  Beschwerdeführers 
sprächen, zumal er zuletzt  in der Provinz Parwan wohnhaft gewesen sei 
und  über  einen Onkel  in Kabul  verfüge. Da  seine Vorbringen  bezüglich 
seines Stiefvaters nicht geglaubt werden könnten, sei von einem intakten 
sozialen Beziehungsnetz auszugehen.

8. 
Die ARK setzte sich in EMARK 2003 Nr. 10 einlässlich mit der damaligen 
Lage in Afghanistan, insbesondere in der Hauptstadt Kabul, auseinander 
und umschrieb in EMARK 2003 Nr. 30 die Mindestanforderungen für die 
Durchführung eines Wegweisungsvollzugs nach Afghanistan.  Infolge der 
damals  im  Vergleich  zu  anderen Regionen  etwas  günstigeren  Situation 
erachtete  die  ARK  den  Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  unter 

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bestimmten  strengen  Voraussetzungen,  namentlich  einem  tragfähigen 
Beziehungsnetz  und  einer  gesicherten  Wohnsituation,  als  zumutbar.  In 
EMARK 2006 Nr. 9 ergänzte sie ihre Rechtsprechung aus dem Jahr 2003 
und bezeichnete auch den Wegweisungsvollzug  in diejenigen Regionen 
Afghanistans,  in  welchen  seit  2004  keine  signifikanten  militärischen 
Aktivitäten  stattgefunden  hatten  (namentlich  die  Provinzen  Parwan, 
Baghlan,  Takhar,  Badakhshan,  Kunduz,  Balkh,  Sari  Pul,  Herat  und  der 
Teil  der  Gegend  von  Samangan,  der  nicht  zum  Hazarajat  gehört),  als 
grundsätzlich  zumutbar.  In  den  anderen  östlichen,  südlichen  und 
südöstlichen  Provinzen  bestehe  hingegen  weiterhin  eine  allgemeine 
Gewaltsituation,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug  dorthin  als 
grundsätzlich unzumutbar zu betrachten sei.

Seit  der  von  der  ARK  festgelegten  Praxis,  welche  vom 
Bundesverwaltungsgericht  weitergeführt  wurde,  hat  sich  die 
Sicherheitslage  in  fast  allen  Teilen  Afghanistans  verschlechtert.  In 
mehreren  der  vormals  von  der  ARK  für  eine  Rückkehr  noch  als 
vergleichsweise  sicher  eingestuften  Provinzen  und  auch  in  der 
Hauptstadt Kabul hat die Gefährdung der Zivilbevölkerung, namentlich als 
Folge  der  erstarkten  Taliban  und  ihrer  zahlreichen  Angriffe, 
zugenommen.  Die  blutigen Gewaltaktionen  reissen  in  Afghanistan  nicht 
ab,  und  die Sicherheitslage  bleibt  in  den meisten Gebieten  des  Landes 
prekär,  was  ansatzweise  aus  den  regelmässigen  Medienberichten 
betreffend  Kampfeinsätze,  Verlustmeldungen  von  Angehörigen  der 
Schutztruppen,  zivile  Opfer  und  landesweit  verübte  Anschläge 
hervorgeht. 

Im  zur  Publikation  vorgesehenen  Grundsatzurteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  BVGE  E­7625/2008  vom  16.  Juni  2011  hat 
sich  das  Bundesverwaltungsgericht  erneut  einlässlich  mit  der 
Sicherheitslage  in  Afghanistan  auseinandergesetzt  und  befunden,  dass 
aufgrund  der  jüngsten  Verschlechterung  der  Sicherheits­  und 
Versorgungslage  auch  der  Wegweisungsvollzug  in  vormals  noch  als 
vergleichsweise  sicher  eingestufte  Provinzen,  darunter  Parwan, 
inzwischen nicht mehr zumutbar ist.

Unter  strengen  Voraussetzungen  (BVGE  E­7625/2008,  E.  9.9.2  mit 
Verweis auf EMARK 2003 Nr. 10 E. 10 cc) hat es einzig den Vollzug nach 
Kabul gegebenenfalls als zumutbar erachtet  (und diese Frage bezüglich 
anderer Grossstädte Afghanistans vorderhand offen gelassen).

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9. 
Die  Auffassung  des  BFM,  wonach  der  Beschwerdeführer  über  ein 
tragfähiges  Beziehungsnetz  verfüge,  weshalb  ihm  diesbezüglich  keine 
Nachteile in Afghanistan drohten, beruht auf Spekulation. Abgesehen von 
den  nächsten  Angehörigen  in  der  Provinz  Parwan,  ist  lediglich  (…)  in 
Kabul aktenkundig, bei welchem der Beschwerdeführer eigenen Angaben 
zufolge  wenige  Nächte  blieb  und  der  ihm  bei  der  Ausreise  aus 
Afghanistan  behilflich  war.  Damit  kann  in  der  hier  vorliegenden 
Konstellation  entgegen  der  Auffassung  des  BFM  nicht  mit  genügender 
Wahrscheinlichkeit  auf  eine  ausreichende  Tragfähigkeit  des 
Beziehungsnetzes  in  Kabul  geschlossen  werden.  Der  Umstand,  dass 
gewisse  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der  zentralen  Asylangaben 
bestehen,  spielt  für  die  Beantwortung  der  Frage  der  Zumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs  nach  Afghanistan  insofern  keine  Rolle,  als  das 
BFM  jedenfalls  seine  Herkunft  aus  der  Provinz  Parwan  nicht  in  Frage 
stellte  und  auch  für  das  Bundesverwaltungsgericht  keine  Veranlassung 
besteht,  dies  zu  tun.  Dass  seit  der  Ausreise  aus  Afghanistan  mehrere 
Jahre  verflossen  sind,  würde  die  Anknüpfung  an  alte  Beziehungen  und 
ein Appellieren an familiäre und freundschaftliche Unterstützungspflichten 
nicht einfacher machen. Eine allfällige Benötigung psychotherapeutischer 
und  medikamentöser  Hilfe  (der  Beschwerdeführer  befand  sich 
aktenkundigerweise  bis  zum  Juni  2010  wegen  Vorliegens  einer  (…)  in 
entsprechender  Behandlung)  würden  den  Aufbau  einer 
Existenzgrundlage überdies noch zusätzlich erschweren.

In  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  ist  somit  ein 
Wegweisungsvollzug nach Afghanistan als nicht zumutbar zu erachten.

10.
Die  Beschwerde  ist  somit  bezüglich  des  Wegweisungsvollzugs 
gutzuheissen  und  die  Dispositivziffern  4  und  5  der  angefochtenen 
Verfügung sind aufzuheben. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. 
Das BFM ist anzuweisen, den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit 
des  Wegweisungsvollzugs  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen 
(vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 AuG). 

11.
Gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  eine  Partei,  die  nicht  über  die 
erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der 
Verfahrenskosten  befreit,  wenn  ihr  Begehren  im  Zeitpunkt  der 
Gesuchseinreichung nicht aussichtslos erscheint.

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Nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  wer  ohne  Beeinträchtigung 
des  notwendigen  Lebensunterhaltes  die  Prozesskosten  nicht  zu 
bestreiten vermag.

Aussichtslos  ist  eine  Beschwerde,  wenn  die  Gewinnaussichten 
beträchtlich  geringer  sind  als  die  Verlustgefahr  und  deshalb  kaum  als 
ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. BGE 128 I 235 E. 2.5.3 S. 235 
f., BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Für die Beurteilung der Prozesschancen 
ist eine summarische Prüfung vorzunehmen.

Die  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  ergibt  sich  aus  der 
eingereichten  Fürsorgebestätigung  vom  8.  Februar  2010.  Die 
Rechtsbegehren  erschienen  zudem  nicht  als  aussichtslos.  Das Gesuch 
um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65 
Abs.  1  VwVG  ist  somit  gutzuheissen.  Auf  die  Erhebung  von 
Verfahrenskosten ist daher zu verzichten. 

12. 
Nachdem  der  Beschwerdeführer  im  Punkt  des  Wegweisungsvollzugs 
–insofern  teilweise  –  obsiegt  hat,  ist  ihm  eine  angemessene,  um  die 
Hälfte  reduzierte  Parteientschädigung  zu  entrichten  (vgl.  Art.  64  Abs.  1 
VwVG  i.V.m.  Art.  37  VGG;  Art.  7  ff.  des  Reglements  vom  21. Februar 
2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

Mit  Eingabe  vom  17.  Februar  2010  reichte  die  Rechtsvertreterin  des 
Beschwerdeführers beim Bundesverwaltungsgericht eine Kostennote ein, 
in  der  sie  für  das Beschwerdeverfahren  einen Arbeitsaufwand  von  11.5 
Stunden  à  Fr.  150.–  bzw.  insgesamt  Fr.  1'725.–  ausweist.  Dieser 
Vertretungsaufwand ist im Vergleich mit gleichgelagerten Fällen als leicht 
überhöht  zu  beurteilen.  Unter  Berücksichtigung  der  massgebenden 
Berechnungsfaktoren  (Art.  7­13  VGKE)  erscheint  ein  Zeitaufwand  von 
7 Stunden  als  angemessen,  weshalb  die  Vertretungskosten  auf 
Fr. 1'050.–  (inkl. Auslagen, ohne Mehrwertsteuer)  festzusetzen sind und 
die  Parteientschädigung  –  um  die  Hälfte  gekürzt  –  auf  Fr.  525.– 
festzulegen ist. Dieser Betrag ist dem Beschwerdeführer durch das BFM 
zu entrichten.

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(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird,  soweit  sie  den  Wegweisungsvollzug  betrifft, 
gutgeheissen,  im Übrigen wird  sie abgewiesen. Die Ziffern 4 und 5 des 
Dispositivs  der  Verfügung  des  BFM  vom  15.  Januar  2010  werden 
aufgehoben.

2. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer  wegen 
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen.

3. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutgeheissen. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine 
Parteientschädigung im Betrag von Fr. 525.– auszurichten.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Gabriela Freihofer Simon Thurnheer