# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1b1d86a5-f234-52d6-8f49-eb3bee0f3e26
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2003-01-29
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 29.01.2003 BK 2002 75
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2002-75_2003-01-29.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
  Tribunale cantonale dei Grigioni
  Dretgira chantunala dal Grischun

Ref.: Chur, 29. Januar 2003 Schriftlich mitgeteilt am: 
BK 02 75

Entscheid
Beschwerdekammer

Vizepräsident Bochsler, Kantonsrichter Heinz-Bommer und Rehli, Aktuarin ad hoc 
Thöny.

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In der strafrechtlichen Beschwerde

des R. F., Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Erich Vogel, c/o 
Anwaltsbüro Janett, Schulstrasse 1, 7302 Landquart,

gegen

die Anklageverfügung des Bezirksgerichtspräsidenten Prättigau/Davos vom 28. No-
vember 2002, mitgeteilt am 29. November 2002, in Sachen gegen den Beschwer-
deführer,

betreffend Verletzung von Verkehrsregeln,

hat sich ergeben:

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A. Am Sonntag, 8. Juli 2001 um ca. 16.25 Uhr fuhr R. F. als Lenker des 
Personenwagens der Marke Mitsubishi Pajero mit dem Kontrollschild 
Nr. X auf der Flüelapassstrasse in Richtung Flüela-Hospiz. In der sogenannten 
„Schlösslikehre“ kam es zur Kreuzung mit C. S., der mit seinem Motorrad der Marke 
BMW mit dem Kontrollschild Nr. Y talwärts fuhr. Dieser geriet in der genannten 
Kurve in Schräglage, wodurch das Hinterrad seines Motorrades seitlich wegdriftete. 
Er kam zu Fall und geriet mit seinem rechten Fuss unter das Motorrad. Dabei erlitt 
er eine Prellung des Sprunggelenkes. An seinem Motorrad entstand ein Sachscha-
den in der Höhe von ca. Fr. 500.--. 

Nach den Ausführungen von C. S. hatte das Fahrzeug von R. F. die Leitlinie 
mit den linken Rädern um mindestens 50 cm überfahren. Dadurch sei C. S. gezwun-
gen gewesen, sein Motorrad noch mehr an den rechten Rand zu lenken, wobei er 
schliesslich gestürzt sei. R. F. gab seinerseits zu Protokoll, die Unfallkurve korrekt 
und vollständig auf seiner Fahrspur befahren zu haben. 

C. S. erstattete noch am selben Tag gegen R. F. Strafantrag wegen Körper-
verletzung. 

B. Am 9. August 2001 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden eine 
Strafuntersuchung gegen R. F. wegen fahrlässiger Körperverletzung. Mit der Durch-
führung der Untersuchung wurde das Untersuchungsrichteramt Scuol beauftragt. 
Mit Einstellungs- und Abtretungsverfügung vom 9. Juli 2002 stellte die Staatsan-
waltschaft Graubünden die Strafuntersuchung gegen R. F. wegen fahrlässiger Kör-
perverletzung ein und trat das Verfahren betreffend Verletzung von Verkehrsregeln 
an den Kreispräsidenten des Kreises Davos ab. 

C. Mit Strafmandat vom 9. August 2002 erkannte der Kreispräsident des 
Kreises Davos R. F. schuldig der Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 
34 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG und bestrafte ihn mit einer 
Busse von Fr. 250.--. Zudem wurden ihm die Verfahrenskosten im Betrage von Fr. 
554.60 auferlegt. Dagegen liess R. F. mit Schreiben vom 14. August 2002 Einspra-
che erheben und ersuchte um Durchführung des ordentlichen Verfahrens.

D. Das Bezirksgerichtspräsidium Prättigau/Davos erklärte mit Verfügung 
vom 3. September 2002 die Strafuntersuchung für geschlossen, mit der Begrün-
dung, dass die Angelegenheit aufgrund der vorliegenden Untersuchungsakten 
spruchreif sei, weshalb von einer Ergänzung der Untersuchung nach Art. 175 StPO 
abgesehen werden könne. 

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E. Mit Schreiben vom 16. September 2002 liess R. F. beantragen, die 
Untersuchung in verschiedener Hinsicht zu ergänzen. Es seien die Originalakten 
aus den Händen des Tribunale di Rovereto beizuziehen und M. F., A. F. und E. T., 
die sich im Zeitpunkt des Unfalles im Fahrzeug des Angeschuldigten befunden hät-
ten, richterlich einzuvernehmen. Des Weiteren sei ein Augenschein vorzunehmen 
und es seien aus der zweiten und dritten Kurve oberhalb der Unfallstelle durch die 
Kantonspolizei Graubünden Fotos des Unfallortes zu erstellen. 

F. Mit Verfügung vom 28. November 2002 wies der Bezirksgerichtsprä-
sident Prättigau/Davos die gestellten Beweisanträge ab und versetzte R. F. wegen 
Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 39 Abs. 1 SVG in Verbindung mit 
Art. 90 Ziff. 1 SVG in Anklagezustand. Der Fall wurde gestützt auf Art. 346 StGB 
und Art. 48 StPO dem Bezirksgerichtsausschuss Prättigau/Davos zur Beurteilung 
überwiesen. 

G. Gegen diese Anklageverfügung liess R. F. am 23. Dezember 2002 
beim Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden Beschwerde erheben. Die Be-
schwerde wurde wegen Unzuständigkeit sodann an die Beschwerdekammer des 
Kantonsgerichts überwiesen. R. F. stellt darin folgende Anträge:

„1. Die Anklageverfügung des Bezirksgerichtspräsidiums Prätti-
gau/Davos vom 28. November 2002, mitgeteilt am 29. November 
2002, sei aufzuheben. 

2. Die Vorinstanz sei anzuweisen, die Zeugen A. F, und E. T., ein-
zuvernehmen.

3. Die Vorinstanz sei anzuweisen, an der Unfallstelle im Bereich der 
Schlösslikehren auf der Flüelapassstrasse einen Augenschein 
durchzuführen.

4. Die Vorinstanz sei anzuweisen, durch die Kantonspolizei 
Graubünden aus der zweiten und dritten Kurve oberhalb der Un-
fallstelle je im Abstand von 5 Metern aus der Mitte der talwärts 
führenden Fahrspur aus einer Höhe von 1.30m (Augenhöhe des 
Motorradlenkers) Fotos in Richtung der Unfallstelle erstellen zu 
lassen. 

5. Gesetzliche Kosten- und Entschädigungsfolge.“

H. Mit Schreiben vom 6. Januar 2003 verzichtete der Bezirksgerichtsprä-
sident Prättigau/Davos unter Hinweis auf die Erwägungen in der angefochtenen 
Verfügung auf die Einreichung einer schriftlichen Stellungnahme. 

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Auf die Begründung der Anträge und die Ausführungen im angefochtenen 
Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegan-
gen. 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung :

1.  Gegen Untersuchungshandlungen und gegen Ablehnungs- und Ein-
stellungsverfügungen des Bezirksgerichtspräsidenten kann gemäss Art. 176 StPO 
bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichts innert 20 Tagen (Art. 139 Abs. 2 
StPO) Beschwerde geführt werden. Mit dem gleichen Rechtsmittel können auch An-
klageverfügungen des Bezirksgerichtspräsidenten angefochten werden (vgl. 
Padrutt, Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons Graubünden, 2. Auf-
lage, S. 457 mit Hinweisen). Auf die rechtzeitig und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist daher einzutreten. 

2. Gemäss Art. 138 StPO kann die Beschwerdekammer angefochtene 
Verfügungen nicht nur auf Rechtswidrigkeit, sondern auch auf Unangemessenheit 
überprüfen. Dass das Gesetz der Rechtsmittelinstanz ausdrücklich eine Ermes-
senskontrolle einräumt, erlaubt ihr allerdings nicht ohne weiteres, ihr Ermessen an-
stelle jenes der Vorinstanz zu setzen. Vielmehr rechtfertigt sich ein Eingreifen nur, 
wenn sich deren Verfügung nicht mit triftigen Gründen vertreten lässt (vgl. Padrutt, 
a.a.O., Seite 341 mit zahlreichen Hinweisen).

3. Mit Datum vom 3. September 2002, mitgeteilt am 6. September 2002, 
erklärte das Bezirksgerichtspräsidium Prättigau/Davos die Strafuntersuchung für 
geschlossen. Mit Eingabe vom 16. September 2002 stellte der Beschwerdeführer 
mehrere Beweisergänzungsanträge, namentlich die Einvernahme weiterer Zeugen 
und die Edition von Originalakten aus den Händen des Tribunale die Rovereto sowie 
die Durchführung eines Augenscheins und die Erstellung von Fotos des Unfallortes. 
In der Anklageverfügung vom 28. November 2002, mitgeteilt am 29. November 
2002, hielt der Bezirksgerichtspräsident Prättigau/Davos fest, dass von den bean-
tragten Ergänzungen der Untersuchung abgesehen werden könne, da die Angele-
genheit auch ohne diese spruchreif erscheine. So würden die eingereichten Foto-
kopien der Akten des Tribunale di Rovereto ausreichen, so dass es sich erübrige, 
die Originalakten beizuziehen. Was die beantragten Zeugeneinvernahmen betreffe, 
so sei darauf hinzuweisen, dass  M. F. bereits rechtshilfeweise in Italien als Zeugin 
einvernommen worden sei. Von einer Einvernahme der beiden übrigen Zeugen 
könne nach Auffassung des Bezirksgerichtspräsidiums abgesehen werden. Der 

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Entscheid über die Durchführung eines Augenscheins könne dem Bezirksgerichts-
ausschuss überlassen werden.

a) Die Anklageverfügung des Bezirksgerichtspräsidiums Prättigau/Da-
vos beinhaltet somit ihrem Gegenstand nach einerseits die eigentliche Anklagever-
fügung, andererseits aber auch eine Verfügung über die Ergänzung der Untersu-
chung nach Art. 98 StPO. Dabei gilt zu beachten, dass mit der Beschwerde gegen 
die Anklageverfügung keine Beweisergänzungsbegehren gekoppelt werden können 
(Padrutt, a.a.O., S. 350 mit Hinweisen). Die vorliegende Beschwerde richtet sich 
ihrem Inhalt nach jedoch offensichtlich nicht gegen die Anklageverfügung als sol-
che, sondern nur gegen die darin enthaltene Beweisverfügung. 

b) Wird bei Übertretungen Einsprache gegen ein Strafmandat erhoben, 
hat der Bezirksgerichtspräsident gemäss Art. 175 StPO die Untersuchung nach den 
Vorschriften über das ordentliche Verfahren (Art. 66 ff. StPO) zu ergänzen. In ana-
loger Anwendung von Art. 76c Abs. 2 StPO steht dabei dem Verteidiger das Recht 
zu, dem Bezirksgerichtspräsidenten jederzeit Untersuchungshandlungen zu bean-
tragen. Erscheinen dem Bezirksgerichtspräsidenten die Begehren berechtigt, hat er 
die beantragen Untersuchungshandlungen vorzunehmen. Andernfalls hat er deren 
Anhandnahme ausdrücklich abzulehnen, was dem Betroffenen erlaubt, sich dage-
gen gemäss Art. 176a StPO bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichts zu 
beschweren (vgl. PKG 1981 Nr. 52). Über jeden verweigerten Beweisantrag muss 
somit in einer beschwerdefähigen Verfügung entschieden werden (Padrutt, a.a.O., 
S. 256). Der Entscheid, dass ein Beweisergänzungsbegehren abgelehnt wird, ist 
dem Angeschuldigten vor der Zustellung der Anklageschrift mitzuteilen (PKG 1981 
Nr. 52). Richtig handelt der Bezirksgerichtspräsident, wenn er vor der Anklagever-
fügung die Schlussverfügung nach Art. 97 StPO mit 10-tägiger Frist erlässt und die 
im Anschluss daran gestellten Beweisergänzungsbegehren behandelt, ehe er zur 
Anklageerhebung schreitet (Padrutt, a.a.O., S. 451; PKG 1992 Nr. 56). 

c)  Es bleibt zu prüfen, ob es sich bei der obgenannten Vorschrift um eine 
Gültigkeitsvorschrift oder eine Ordnungsvorschrift handelt. Die Verletzung einer 
Ordnungsvorschrift beeinträchtigt die Wirksamkeit der Handlung nicht, während 
eine Gültigkeitsvorschrift im Interesse der Rechtssicherheit zwingenden Charakter 
und eine Verletzung daher die Ungültigkeit der Handlung zur Folge hat. Die Recht-
sprechung geht richtigerweise dazu über, den Formvorschriften nur Ordnungscha-
rakter zuzuschreiben. Auf die strenge Gültigkeitsvorschrift sollte nur geschlossen 
werden, wenn das Gesetz sie deutlich als solche bezeichnet (vgl. Hauser/Schweri, 

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Schweizerisches Strafprozessrecht, Basel 1999, S. 166). In Art. 98 Abs. 1 StPO 
wird zwar ausgeführt, dass erst nach Ablauf der Aktenergänzungsfrist und allfälliger 
Ergänzung der Untersuchung über die Erhebung der Anklage entschieden wird. Aus 
dem Gesetz geht jedoch nicht hervor, dass es sich hierbei um eine Gültigkeitsvor-
schrift handelt. Die Vorschrift dient einzig der Gewährleistung eines ordnungs-
gemässen Verfahrensablaufs, weshalb sie als reine Ordnungsvorschrift zu betrach-
ten ist. Eine Aufhebung der Verfügung wäre zudem nur dann angebracht, wenn dem 
Betroffenen dadurch Nachteile in tatsächlicher oder rechtlicher Natur erwachsen 
würden. Mit der Entgegennahme der vorliegenden Beschwerde als Rechtsmittel ge-
gen die in der Anklageverfügung mitenthaltene Beweisverfügung ist dies jedoch 
nicht der Fall. 

4. Gemäss Art. 75 Abs. 1 StPO hat die Strafuntersuchung den Zweck, 
den Tatbestand in objektiver und subjektiver Hinsicht abzuklären, den Täter zu er-
mitteln sowie dessen Persönlichkeit und Verhältnisse zu erforschen. Dabei sind alle 
wesentlichen Beweis zu erheben und sowohl für die Schuld als auch für die Un-
schuld des Angeschuldigten in Betracht fallenden Feststellungen zu machen. Frist- 
und formgerecht angebotene Beweise sind abzunehmen, so weit sie sich auf für die 
Entscheidung erhebliche, feststellungsbedürftige Tatsachen beziehen und sie nicht 
von vornherein als ungeeignet erscheinen, die Kenntnis der betreffenden Tatsachen 
zu vermitteln (Padrutt, a.a.O., S. 110). Das bedeutet indessen nicht, dass sämtliche 
angebotenen Beweise erhoben werden müssen. Ist ein angerufenes Beweismittel 
nach richterlicher Überzeugung in antizipierter Beweiswürdigung untauglich, am Be-
weisergebnis etwas zu ändern beziehungsweise zu einem anderen zuverlässigen 
Beweisergebnis zu führen, darf der Beweisantrag abgelehnt werden; denn offen-
sichtlich untaugliche und unerhebliche Beweise widersprechen dem Grundsatz 
gemäss Art. 75 Abs. 3 StPO, dass diese nur soweit zu sammeln sind, als es zur 
Durchführung der Hauptverhandlung notwendig erscheint (PKG 1993 Nr. 27; PKG 
1987 Nr. 50; Padrutt, a.a.O., S. 111). Der Untersuchungsrichter kann einen Bewei-
santrag des Angeschuldigten ablehnen, wenn die Ergänzungsuntersuchung nicht 
sachdienlich, wenn das Beweismittel untauglich, die zu beweisende Tatsache be-
reits anders bewiesen, unerheblich, für die Beurteilung der Schuld- oder Straffrage 
nicht geeignet oder wenn der Aufwand unverhältnismässig ist. Er hat nicht alles 
abzuklären, was verlangt wird. Es müssen mindestens glaubhafte und konkrete An-
gaben oder sonstige konkrete Anhaltspunkte für Tatsachen und Umstände vorlie-
gen, die geeignet sind, zur Belastung oder Entlastung des Angeschuldigten beizu-
tragen (Padrutt, a.a.O., S. 255).

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a) Der Beschwerdeführer macht geltend, dass sich im Zeitpunkt des Un-
falls ausser ihm noch seine Tochter M. F., E. T. sowie sein Bruder A. F. in seinem 
Fahrzeug befunden hätten. Sie alle hätten zu Handen des Gerichtes Rovereto eine 
schriftliche Erklärung abgegeben, wonach der Beschwerdeführer die Mittellinie nicht 
überfahren habe. Es habe aber keine mündliche Einvernahme stattgefunden, wes-
halb es dem Beschwerdeführer nicht möglich gewesen sei, den Entlastungszeugen 
Fragen zustellen. Obwohl von diesen Zeugen auf jeden Fall sachdienliche Angaben 
zu erwarten seien, habe das Bezirksgerichtspräsidium in der angefochtenen Verfü-
gung einen entsprechenden Beweisantrag abgelehnt, da die Angelegenheit spruch-
reif sei. Dies stelle indessen keinen Tatbestand dar, um von der Einvernahme der 
Entlastungszeugen abzusehen. Die angefochtene Verfügung verletze damit Art. 6 
Ziff. 3 lit. d EMRK und Art. 29 BV, welche dem Angeschuldigten im Strafverfahren 
den Anspruch zugestehen, Fragen an die Belastungszeugen zu stellen und die La-
dung und Vernehmung von Entlastungszeugen unter denselben Bedingungen wie 
die der Belastungszeugen zu erwirken 

b) Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die beiden benannten Zeugen 
A. F. und E. T. gemäss eigenen Aussagen nicht im selben Fahrzeug wie der Be-
schwerdeführer sassen. Aus ihren schriftlichen Erklärungen zu Handen des Gerich-
tes Rovereto (act. 3/12) geht übereinstimmend hervor, dass sie in ihrem eigenen 
Fahrzeug unterwegs waren. Unmittelbar vor ihnen sei ein Fahrzeug mit tschecho-
slowakischer Nummer gefahren, welches sich wiederum direkt hinter dem Fahrzeug 
des Beschwerdeführers befunden habe. Diese Aussagen decken sich auch mit den 
Ausführungen von R. F. anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme am Unfalltag 
(act. 3/4). 

c) Es ist zutreffend, dass A. F. und E. T. im Laufe der Untersuchung nicht 
rechtshilfeweise einvernommen wurden. Sie gaben jedoch gegenüber Rechtsan-
walt Zuanni - der den Beschwerdeführer auch bei der rechtshilfeweisen Einver-
nahme vertrat - schriftliche Erklärungen zu Handen des Gerichtes ab (act. 3/12). 
Bezüglich des Unfallherganges führten beide aus, dass der Beschwerdeführer die 
besagte Kurve auf der rechten Fahrbahnhälfte befahren und dass keine Kollision 
zwischen dem Motorradfahrer und dem Fahrzeug von R. F. stattgefunden habe. Es 
ist davon auszugehen, dass aus einer mündlichen Befragung der Zeugen im Ver-
gleich zu diesen schriftlichen Erklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten 
sind. Der Beschwerdeführer führt denn auch nicht aus, inwiefern die beiden Zeugen 
neue sachdienliche Hinweise machen könnten. Da eine mündliche Befragung zu 
keiner Änderung des Beweisergebnisses führen würde, ist auf eine solche zu ver-

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zichten. Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass diese Zeugen in einer verwandt-
schaftlichen beziehungsweise freundschaftlichen Beziehung zum Beschwerdefüh-
rer stehen und ihre Aussagen daher mit einer gewissen Zurückhaltung gewürdigt 
werden müssten. Hinsichtlich des Vorwurfes der Verletzung von Art. 6 Ziff. 3 lit. d 
EMRK bzw. Art. 29 BV ist zu bemerken, dass die Tochter des Beschwerdeführers, 
M. F., als Entlastungszeugin rechtshilfeweise einvernommen wurde (act. 3/11). 
Diese Befragung fand am 20. März 2002 vor dem Tribunale di Rovereto statt. Der 
Beschwerdeführer wurde zu diesem Zeitpunkt von Rechtsanwalt Franco Zuanni ver-
treten, welcher auch an der Einvernahme von R. F., die gleichentags stattfand, teil-
nahm. Daraus ergibt sich, dass die Rechte des Beschwerdeführers hinreichend ge-
wahrt wurden. 

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die 
rechtshilfeweise Einvernahme des Belastungszeugen R. K. am 18. Juni 2002 in 
Neuchâtel stattfand (act. 3/15). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ver-
zichtete mit Schreiben vom 17. Juni 2002 (act. 3/14) auf die Teilnahme, ersuchte 
aber den Untersuchungsrichter, die eingereichten Fragen durch den Zeugen beant-
worten zu lassen. Damit nahm der Angeschuldigte sein Recht auf Befragung von 
Belastungszeugen in Anspruch, weshalb eine Verletzung von 6 Ziff. 3 lit. d EMRK 
bzw. Art. 29 BV auch in dieser Hinsicht nicht in Betracht fällt und die Zeugenaussage 
von R. K. somit grundsätzlich verwertbar ist. 

5. R. F. macht in seiner Beschwerdeschrift geltend, dass die Aussagen 
des Belastungszeugen R. K. unglaubwürdig seien. Es sei bereits im Schreiben vom 
16. September 2002 ausführlich dargelegt worden, dass R. K. keinen direkten Sicht-
kontakt zum Unfallort gehabt haben könne und er den Unfall somit gar nicht beob-
achtet hätte. Anlässlich der Einvernahme vom 18. Juli 2002 habe er zudem klar 
ausgesagt, dass das fehlbare Fahrzeug von einer Frau gelenkt worden sei. Diese 
Aussage sei nicht nur vage, sondern nachweislich falsch. 

Wie bereits ausgeführt wurde, handelt es sich beim Zeugen R. K. um eine 
Person, die in keiner Beziehung zu den beiden am Unfall beteiligten Parteien steht. 
Bei seiner polizeilichen Einvernahme vom 8. Juli 2001 (act. 3/3) bestätigte er auf 
Anfrage hin, dass er von seiner Position aus ungehindert die untere Kurve einsehen 
konnte. Auf dem Foto Nr. 1 des Fotoblattes (act. 2/3) ist erkennbar, dass von der 
oberhalb liegenden Kurve direkter Sichtkontakt zur Unfallstelle bestand. Auch der 
Vorwurf der falschen Aussage ist unbegründet. Anlässlich der rechtshilfeweisen Be-
fragung vom 18. Juni 2002 wurde R. K. gefragt, worüber er am Unfallort mit den dort 

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anwesenden Personen gesprochen habe. R. K. führte aus, dass die Personen, die 
im Mitsubishi Pajero gewesen seien, in sehr emotioneller Weise diskutiert hätten. 
Die Frau, die, sofern er dies richtig verstanden habe, am Steuer gewesen sei, habe 
in italienischer Sprache Ausführungen zum Unfallhergang gemacht. Entgegen der 
Behauptung des Beschwerdeführers hatte R. K. somit nicht behauptet, dass eine 
Frau am Steuer des Unfallfahrzeuges gesessen habe. Des Weiteren stimmen seine 
Aussagen mit denen, die er anlässlich der polizeilichen Befragung am 8. Juli 2001 
zu Protokoll gegeben hatte, überein. Indizien für eine bewusst oder unbewusst fahr-
lässige Aussage sind keine erkennbar, weshalb die Aussage vom Sachrichter im 
Rahmen der freien Beweiswürdigung ohne weiteres verwertet werden kann.  

6. Der Beschwerdeführer beantragte im Anschluss an die Schlussverfü-
gung, es sei ein Augenschein durchzuführen. Das Bezirksgerichtspräsidium Prätti-
gau/Davos überliess diese Entscheidung dem Bezirksgerichtsausschuss Prätti-
gau/Davos. Der Beschwerdeführer wendet nun dagegen ein, dass der Gerichtster-
min voraussichtlich in die Wintermonate falle und die besagte Strecke dann ge-
schlossen sei. Die Durchführung eines Augenscheins werde dann nicht möglich 
sein. Es sei zudem unwahrscheinlich, dass der Termin wegen eines vom Gericht zu 
beurteilenden Augenscheins auf die Sommermonate verschoben werde. Unter die-
sen Umständen schränke ein erst an der Hauptverhandlung vom Vollgericht zu be-
urteilender Augenschein seine Verfahrensrechte ein. Es würden ihm dadurch allen-
falls entlastende Beweise verweigert, was gegen Art. 29 BV verstosse. 

Im Rahmen der Untersuchung wurden – wie bereits ausgeführt – sowohl die 
am Unfall unmittelbar beteiligten Personen als auch mehrere Zeugen einvernom-
men. Des Weiteren wurde durch die Kantonspolizei Graubünden eine Fotodoku-
mentation erstellt, welche die Örtlichkeit aus verschiedenen Perspektiven zeigt. Für 
den Entscheid, ob das Verfahren eingestellt oder Anklage erhoben wird, bedarf es 
keines untersuchungsrichterlichen Augenscheins, da die vorhandenen Akten aus-
reichenden Aufschluss über den Unfallhergang geben können. Ob die Akten allen-
falls für einen Sachentscheid zu wenig sachdienlich sind, liegt im Ermessen des 
Gerichtes, welches anlässlich der Hauptverhandlung in freier Würdigung der Ver-
hältnisse über Anträge auf Ergänzung des Beweismaterials entscheiden kann. 

7. Des Weiteren beantragt der Beschwerdeführer, es seien aus der zwei-
ten und dritten Kurve oberhalb der Unfallstelle – somit aus der angeblichen Per-
spektive des Belastungszeugen - je im Abstand von 5 Metern aus der Mitte der 

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talwärts führenden Fahrspur aus einer Höhe von ca. 1.30 m (Augenhöhe des Mo-
torradlenkers) Fotos durch die Kantonspolizei Graubünden erstellen zu lassen. 

Die Kantonspolizei Graubünden fertigte kurze Zeit nach dem Unfall eine aus-
führliche Fotodokumentation der Unfallstelle an, die bei den Akten liegt (act. 3/2). 
Darin wird die besagte Kurve aus verschiedenen Perspektiven abgebildet. Die an-
gebliche Perspektive des Zeugen R. K. wurde bereits mit Foto Nr. 1 dokumentiert. 
Es ist daher nicht ersichtlich, weshalb diesbezüglich erneut Fotos gemacht werden 
müssten. Es ist Sache des Richters, die vorliegenden Beweismittel zu würdigen und 
– verbunden mit den Aussagen der Parteien - entsprechende Schlüsse daraus zu 
ziehen. 

8. R. F. führt in seiner Beschwerdeschrift aus, dass ein Teilgehalt des 
aus Art. 29 BV folgenden Anspruchs auf rechtliches Gehör die Begründung von 
Verfügungen und Entscheiden verlange. Die Begründung müsse so abgefasst sein, 
dass der Betroffene den Entscheid sachgerecht anfechten könne. Es müssten we-
nigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde habe 
leiten lassen, auf welche sich ihr Entscheid stütze. In der angefochtenen Verfügung 
werde nicht auf den Beweisergänzungsantrag, durch die Polizei Fotos aus der an-
geblichen Perspektive des Belastungszeugen zu erstellen, eingegangen. Eine Be-
gründung für die Ablehnung dieses Antrages fehle, weshalb die Verfügung gegen 
Art. 29 BV verstosse und aufzuheben sei. 

Aus der Beschwerdeschrift vom 23. Dezember 2002 ist nicht ersichtlich und 
wird vom Beschwerdeführer auch nicht dargetan, weshalb es seiner Ansicht nach 
zusätzlich zum Augenschein auch noch weiterer Fotos bedarf. Sollte der Sachrich-
ter den Augenschein durchführen, würde sich die Erstellung weiterer Fotos ohnehin 
erübrigen. Der Entscheid, ob zusätzliche Fotos angefertigt werden müssen, hängt 
damit massgebend mit dem Entscheid über die Durchführung des Augenscheins 
zusammen. Indem es der Bezirksgerichtspräsident Prättigau/Davos dem Gericht 
überliess, zu entscheiden, ob die Durchführung eines Augenscheins sachdienlich 
und notwendig sei, überliess er ihm auch implizit den damit verbundenen Entscheid 
über den Beweisantrag zur Erstellung weiterer Fotos. Insofern wurde die Ablehnung 
dieses Antrages im Untersuchungsverfahren hinreichend begründet. Abgesehen 
davon ist zu berücksichtigen, dass ein allfälliger Mangel ohnehin im vorliegenden 
Beschwerdeverfahren geheilt würde, weshalb eine Aufhebung der angefochtenen 
Verfügung ausser Betracht fällt. 

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Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Untersuchung ord-
nungsgemäss geführt wurde und keine Verletzung von Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK bzw. 
Art. 29 BV ausgemacht werden kann. Es liegt ein entscheidungsreifes Beweiser-
gebnis vor. Es ist nun Sache des Richters, die vorliegenden Beweise im Rahmen 
seines Ermessens zu würdigen und, falls er es als notwendig erachtet, im Rahmen 
von Art. 175 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 103 Abs. 1 StPO weitere Beweiserhebun-
gen – sei es auf Antrag hin oder von Amtes wegen – vorzunehmen.

9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten des Beschwer-
deverfahrens gestützt auf Art. 160 Abs. 1 StPO zu Lasten des Beschwerdeführers. 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer :

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 800.-- gehen zu Lasten des 
Beschwerdeführers.

3. Mitteilung an:

__________

Für die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident Die Aktuarin ad hoc