# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d0f83e0d-a82a-518e-8b2a-294c38790afa
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-15
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 15.09.2020 S 2019 39
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2019-39_2020-09-15.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 19 39

2. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz von Salis
Richter Meisser, Pedretti 
Aktuar Paganini

URTEIL

vom 15. September 2020

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____ AG,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Martin Schmid,

Beschwerdeführerin

gegen 

Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA),

Beschwerdegegnerin

und

B._____,

Beigeladener

betreffend Versicherungsleistungen nach UVG

- 2 -

1. B._____ war bei der C._____ AG als Glasbläser angestellt und bei der 

Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen die Folgen von 

Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am 22. April 2018 fing er beim 

Demontieren einer Anhänger-Kupplung am Auto, welche bei gelöster Arre-

tierung früher als erwartet aus der Arretierung gefallen sei, diese mit der 

linken Hand auf und drückte sie reflexartig nach oben, dabei spürte er einen 

Zwick in der linken Schulter. Danach habe er stechende Schmerzen und 

eine zunehmende Bewegungseinschränkung der Schulter wahrgenom-

men. 

2. Am 2. Mai 2018, begab er sich zu seinem Hausarzt Dr. med. D._____, , 

welcher ihm Physiotherapie und Analgesie verordnete und ihn zu 100 % 

arbeitsunfähig ab 3. Mai 2018 schrieb. Am 4. Juni 2018 wurde eine Arthro-

MRI der linken Schulter durchgeführt, bei welcher sich komplette transmu-

rale Rupturen der Supra- und Infraspinatussehne mit Partialruptur der 

Subscapularissehne, eine konsekutive Subluxation der Biceps longus-

Sehne, eine begleitende Zerrung der glenohumeralen Ligamenta, keine si-

gnifikante Atrophie der Rotatorenmanschettenmuskulatur und eine leichte 

degenerative Veränderung humeroglenoidal als auch acromioclaviculär 

zeigten. Gestützt darauf diagnostizierte Dr. med. D._____ im Arztzeugnis 

UVG vom 21. Juni 2018 eine Rotatorenmanschettenläsion nach Schulter-

trauma links. Die Röntgenbilder zeigten keine Fraktur. Zudem gab er an, 

dass die Aussenrotation und Abduktion schmerzhaft massiv eingeschränkt 

seien. Die Flexion betrage bis 80 Grad, die Abduktion bis 90 Grad. Die Lift-

Off-Test wie auch der Jobe-Test seien normal gewesen. Die Rotatoren-

manschettenruptur an der linken Schulter führte er ausschliesslich auf das 

Ereignis vom 22. April 2018 zurück. 

3. Dr. med. E._____ und Dr. med. F._____, wiesen im Arztbericht vom 28. 

Juni 2018 ausserdem ein Acromion Typ II nach Bigliani aus und wiesen 

- 3 -

entsprechend auf eine schon länger andauernde rezidivierende Impinge-

mentproblematik hin. 

4. Am 4. Juli 2018 führte Dr. med. G._____, eine Arthroskopie der linken 

Schulter mit subacromialer Dekompression, Rotatorenmanschettennaht 

(Subscapularis, Supraspinatus und Infraspinatus) sowie Bizepstenodese 

durch. Der Verlauf war regulär. 

5. Dr. med. D._____ bestätigte im Schreiben vom 4. Juli 2018 gegenüber der 

SUVA, dass B._____ zwar an einer seropositiven rheumatoiden Arthritis 

leide, die Schulterbeschwerden links jedoch ausschliesslich bei Überkopfa-

rbeiten bestanden hätten. Dies habe sich nach dem Trauma vollständig 

geändert mit massiver Einschränkung der Bewegungsfähigkeit. 

6. Am 16./19. Juli 2018 verneinte der Kreisarzt der SUVA Dr. med. H._____ 

eine überwiegend wahrscheinliche Kausalität zwischen dem Unfall vom 22. 

April 2018 und dem am 4. Juli 2018 operierten Schaden. Begründend führte 

er im Wesentlichen an, gemäss Literatur seien Rupturen mit fortschreiten-

dem Alter zunehmend auf ein multifaktorielles Geschehen (degenerativ 

und traumatisch) zurückzuführen. Als inadäquater Unfallmechanismus zur 

Verursachung einer traumatischen Rotatorenmanschettenruptur werde un-

ter anderem eine aktive Kraftanstrengung, wie hier mit erwähntem reflex-

artigem Hochdrücken einer Anhängerkupplung, beurteilt. Zudem zeigten 

sich auf der zeitnah durchgeführten Röntgendiagnostik Hinweise auf einen 

unfallunabhängigen, degenerativen Vorzustand im Ansatzbereich der Ro-

tatorenmanschette und eine anlagebedingte Akromionvariante mit konse-

kutiver Einengung des Subakromialraums und leichten degenerativen Ver-

änderungen. Ausserdem führe eine traumatisch verursachte Rotatoren-

manschettenruptur erfahrungsgemäss unmittelbar zu Schmerzen sowie 

Kraft- und Funktionsverlust (Pseudoparalyse) mit charakteristischem zeitli-

chem Verlauf und einem Arztbesuch wegen der Beschwerden innerhalb 

- 4 -

von drei Tagen. Hier habe die medizinische Erstbehandlung jedoch erst 

nach zehn Tagen stattgefunden und ein Kraft- und Funktionsverlust sei 

hierbei medizinisch nicht festgehalten worden. Zudem habe es keine un-

mittelbare Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nach dem Ereignis gegeben. 

Die im Rahmen der bildgebenden Diagnostik (MRI) festgestellte Kontinu-

itätsunterbrechung der Supraspinatus-, Infraspinatus- und teilweise auch 

der Subscapularissehne mit konsekutiver Subluxation der Bizeps longus-

Sehne müsse als Ausdruck einer degenerativ bedingten Zusammen-

hangstrennung infolge einer im Ansatzbereich der Rotatorenmanschette 

betreffenden Tendinopathie oder Enthesiopathie bezeichnet werden. Auch 

wenn ein zeitlicher Zusammenhang der auftretenden Schmerzen mit dem 

reflexartigen Hochdrücken einer Fahrradanhängerkupplung am Auto ange-

geben werde, sei eine in diesem Augenblick eintretende Rissbildung nicht 

überwiegend wahrscheinlich bewiesen. 

7. Die SUVA lehnte folglich ihre Leistungspflicht mit Schreiben an B._____ 

vom 10. Juli 2018 ab. 

8. Die A._____ AG als Krankenversicherung legte den Sachverhalt ihrem Ver-

trauensarzt, Dr. med. I._____, zur medizinischen Überprüfung vor. Dieser 

hielt in seinem Bericht vom 8. August 2018 fest, dass es sich bei der plötz-

lichen, reissartigen Zugbewegung anlässlich der Demontage der Anhän-

gerkupplung um einen klassischen Traumamechanismus handle, der zur 

Ruptur der Rotatorenmanschette führen könne. Der krankhafte Vorzustand 

sei gut dokumentiert. B._____ habe schon zwei Monate vorher über ein 

lmpingement mit Schmerzen bei Überkopfarbeiten berichtet, die Arbeit 

aber unverändert weitergeführt. Erst aufgrund der unfallbedingten Be-

schwerden habe er die Überkopfarbeiten nicht mehr ausführen können. Die 

Tatsache, dass er nicht sofort zum Arzt gegangen sei, sei bei einem vorher 

von Schmerzen geplagten Patienten mit der entsprechenden Schmerzer-

fahrung durchaus verständlich. Ein Patient, welcher bei entsprechender 

- 5 -

Krankheitserfahrung bei aktueller Verschlechterung zuerst eine abwar-

tende Haltung einnehme, könne grundsätzlich nicht dafür "bestraft" wer-

den. Wichtig erscheine, dass die Funktionseinschränkungen unmittelbar 

nach dem Unfallereignis aufgetreten seien und der Patient die Probleme 

falsch interpretiert habe. Objektiv gesehen bestehe eine ausgedehnte to-

tale Ruptur der Rotatorenmanschette, welche grundsätzlich eine Listenver-

letzung nach unfallähnlicher Körperschädigung (UKS) darstelle. Im bildge-

benden Verfahren seien zwar leichte degenerative Veränderungen darge-

stellt worden, jedoch unmissverständlich gute muskuläre Verhältnisse drei-

einhalb Monate nach dem Unfallereignis, was sicher für eine frisch aufge-

tretene Ruptur der Rotatorenmanschette spreche. Abschliessend hielt der 

Vertrauensarzt fest, grundsätzlich sei davon auszugehen, dass auch bei 

einem degenerativ vorgeschädigten Gelenk unfallbedingte Läsionen auf-

treten könnten. Die vollständige und damit ausgedehnte Ruptur der Sehne 

mit anschliessenden funktionellen Einschränkungen, Zunahme der 

Schmerzen und adäquatem Unfallereignis im Sinne der plötzlichen Zugbe-

lastung sprächen überwiegend wahrscheinlich für eine traumatische Ge-

nese. Dies trotz der vorbestehenden lmpingement-Probleme, welche funk-

tionell bis zum Unfalldatum den Patienten nicht wesentlich eingeschränkt 

hätten. Gestützt darauf verlangte die A._____ bei der SUVA den Erlass 

einer anfechtbaren Verfügung. 

9. Nach Rücksprache mit ihrem Versicherungsarzt Dr. med. K._____, der die 

Korrektheit der kreisärztlichen Beurteilung bestätigte und strukturelle Läsi-

onen durch das Unfallereignis verneinte, teilte die SUVA mit Verfügung 

vom 29. August 2018 B._____ mit, dass sie mangels Kausalzusammen-

hangs zwischen dem Ereignis vom 22. April 2018 und den Schulterbe-

schwerden links nicht leistungspflichtig sei.

10. Die A._____ legte die aktualisierten Akten erneut ihrem Vertrauensarzt Dr. 

med. I._____ vor. Dieser hielt im E-Mail vom 12. September 2018 an seiner 

- 6 -

vorherigen Beurteilung fest und führte aus, die Sehnenläsion im Operati-

onsbericht von Dr. med. G._____ vom 4. Juli 2018 sei ohne degenerative 

Ausfransung oder Schwächung der Sehnen, mit Nahtmaterial gut und pro-

blemlos fassbar, ohne arthritische Veränderung beschrieben worden. Die 

Beschreibung der intraoperativen Situation zeige somit keine Hinweise auf 

eine krankhafte Strukturveränderung, welche mit einer so ausgedehnten 

Ruptur als Ursache zu vereinbaren wäre. 

11. Aufgrund dieser vertrauensärztlichen Beurteilung erhob die A._____ am 

28. September 2018 Einsprache gegen die Verfügung der SUVA vom 

29. August 2018 insbesondere mit der Begründung, das betreffende Ereig-

nis stelle einen klassischen Traumamechanismus dar und zudem liege eine 

UKS-Listenverletzung vor. Die SUVA nahm daraufhin ihre Verfügung am 

12. Oktober 2018 zurück und legte den Sachverhalt ihrem Kreisarzt Dr. 

med. H._____ nochmals vor, der an seiner vorherigen Beurteilung festhielt 

und angab, dass die Unfallfolgen im Beschwerdebild mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit längstens sechs Wochen nach dem Ereignis vom 22. 

April 2018 keine Rolle mehr spielten. 

12. Ein weiterer operativer Eingriff fand am 13. November 2018 statt (L'Epis-

copo-Operation). 

13. Am 20. November 2018 erliess die SUVA eine neue Verfügung, wonach 

die Unfallversicherungsleistungen per 3. Juni 2018 (sechs Wochen nach 

dem Unfallereignis) eingestellt werden, da die noch bestehenden Schulter-

beschwerden links aufgrund der Beurteilung ihres Kreisarztes nicht mehr 

unfall-, sondern ausschliesslich krankheitsbedingt seien. 

14. Die A._____ holte erneut eine Stellungnahme des Vertrauensarztes ein, 

der im Bericht vom 4. Dezember 2018 seine Auffassung bekräftigte, wo-

nach die Schulteroperation vom 4. Juli 2018 kausal zum Unfallereignis 

- 7 -

stehe und nicht nachvollziehbar sei, dass eine Sehnenläsion nach sechs 

Wochen ausgeheilt sein soll. Am 13. Dezember 2018 erhob die A._____ 

deshalb erneut Einsprache, insbesondere mit der Rüge, die generelle Be-

hauptung, die Unfallfolgen seien längstens nach sechs Wochen ausgeheilt 

gewesen, genüge den Anforderungen des Beweisrechts nicht. 

15. In der Ergänzung vom 11. März 2019 zur kreisärztlichen Beurteilung vom 

16./19. Juli 2018 bestätigte Dr. med. H._____ seine Auffassung, wonach 

der Unfall vom 22. April 2018 überwiegend wahrscheinlich zu keinen struk-

turellen Unfallfolgen an der linken Schulter geführt habe und damit die am 

4. Juli 2018 durchgeführte Operation nicht an strukturelle Traumafolgen 

adressiert gewesen sei, zumal ein degenerativer Vorzustand der linken 

Schulter vorliege, die Erstbehandlung erst zehn Tage nach dem Ereignis 

vom 22. April 2018 erfolgt sei und dabei keine für eine traumatisch verur-

sachte Rotatorenmanschettenruptur typischen klinischen Befunde festge-

halten seien. Er betonte, dass eine traumatisch verursachte Rotatorenman-

schettenruptur unmittelbar zu Schmerzen und einem Kraft- und Funktions-

verlust (Pseudoparalyse) der betroffenen Schulter führe. Hier sei jedoch 

zehn Tage nach dem Ereignis klinisch keine für eine traumatische Rotato-

renmanschettenruptur typische Pseudoparalyse festgehalten worden, son-

dern eine noch eingeschränkte Funktionsfähigkeit der linken Schulter mit 

immerhin möglicher Flexion bis 80 Grad, Abduktion bis zur Horizontalen 

und ein normaler Funktionstest des Musculus supraspinatus (Jobe-Test), 

was zehn Tage nach einer traumatisch bedingten kompletten Ruptur der 

Supraspinatussehne medizinisch nicht zu erwarten wäre. Allerdings stellte 

Dr. med. H._____ fest, dass der leichte degenerative Vorzustand humero-

glenoidal und acromioclaviculär nicht ausreichend gewürdigt worden sei. 

Es sei deshalb davon auszugehen, dass bei einer unfallbedingt vorüberge-

henden Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustandes die Unfallfol-

gen der linken Schulter im Beschwerdebild mit überwiegender Wahrschein-

lichkeit nach spätestens zehn Wochen keine Rolle mehr spielten. 

- 8 -

16. Mit Einspracheentscheid vom 14. März 2019 hiess die SUVA demnach die 

Einsprache der A._____ teilweise gut und änderte ihre Verfügung vom 

20. November 2018 dahingehend, dass B._____ Anspruch auf die gesetz-

lichen Versicherungsleistungen bis zum 1. Juli 2018 (zehn Wochen nach 

dem Unfall) hat. 

17. In der Folge holte die A._____ bei ihrem Vertrauensarzt, Dr. med. I._____, 

eine nochmalige medizinische Beurteilung ein. Diese wurde am 26. März 

2019 erstattet. Dr. med. I._____ hielt zur Vorerkrankung der seropositiven 

rheumatoiden Arthritis fest, die Berichte hätten einstimmig distale Probleme 

an der oberen Extremität als Fokus des Geschehens festgehalten. 

Während im Bericht vom 9. Januar 2018 keine Hinweise auf Schulterpro-

bleme vorlägen, werde eineinhalb Monate später rheumatologisch von ei-

ner Impingement-Problematik der linken Schulter berichtet, im Sinne von 

Beschwerden bei Überkopfarbeiten. Hier sei darauf hinzuweisen, dass kei-

nerlei funktionelle Einschränkungen oder sonstige Hinweise auf eine Rota-

torenmanschettenläsion vorhanden gewesen seien. Zu diesem Zeitpunkt 

sei auf eine Kortikosteroid-Infiltration des Schultergelenks verzichtet wor-

den. In diesem Zusammenhang sei auch zu vermerken, dass im anamnes-

tischen Verlauf von verstärkt auftretenden Schmerzen insbesondere auch 

auf der Gegenseite berichtet worden sei. Die Berichte würden somit der 

Interpretation des Hausarztes vom 4. Juli 2018 entsprechen, wonach das 

rechte Schultergelenk aus rheumatologischer Sicht deutlich mehr betroffen 

gewesen sei als das linke, und dass keine vorbestehenden funktionellen 

Probleme bestanden hätten. Zum Ereignis hielt Dr. med. I._____ fest, dass 

B._____ einer klassischen Zerrbelastung ausgesetzt gewesen sei, welche 

auch gemäss Literatur geeignet sei, traumatische Läsionen der Rotatoren-

manschette zu bewirken. Beim schmerzerfahrenen rheumatologischen Pa-

tienten sei es als natürlich zu beurteilen, dass er den Arzt erst am 2. Mai 

2018 aufgesucht habe. Für einen Laien sei es schwer zu entscheiden, ob 

- 9 -

bei den gegebenen Schmerzen ein struktureller Schaden dahinterstecken 

könnte. Im Bericht des Hausarztes vom 21. Juni 2018 würden primär so-

wohl die Abduktion wie Flexion und auch die Aussenrotation als schmerz-

haft und massiv eingeschränkt beschrieben. Einzig die Innenrotation werde 

als nicht beeinträchtigt erwähnt. Diese klinische Beschreibung entspreche 

vollumfänglich dem späteren MRI-Befund, wobei die Sehnen Supraspina-

tus und Infraspinatus vollkommen durchtrennt gewesen seien und die 

Subscapularissehne lediglich eine Teilläsion gezeigt habe. Somit sei das 

verbliebene Funktionsvermögen der lnnenrotation bei der posttraumati-

schen Beurteilung nicht verwunderlich. Ebenso sei B._____ in der Lage, 

seine Oberarme bis 80 Grad anzuheben, da der Musculus deltoideus nicht 

lädiert sei. lm MRI-Bericht vom 4. Juni 2018 werde eine weitgehend kom-

plette transmurale Ruptur der Supra- und lnfraspinatussehne mit Partial-

ruptur der Subscapularissehne beschrieben, was praktisch de facto eine 

über 75%ige Durchtrennung der Rotatorenmanschette bedeute; dazu pas-

send eine konsekutive Subluxation der Biceps-longus Sehne. Ebenso 

werde eine begleitende Zerrung der glenohumeralen Ligamente beschrie-

ben, was unmissverständlich auf eine Traumafolge hindeute. Ebenso sei 

hier zu beachten, dass gemäss Bericht keine signifikanten Atrophien der 

Rotatorenmanschettenmuskulatur gefunden worden seien, was ebenfalls 

auf eine kürzlich erfolgte Läsion der Rotatorenmanschette hinweise bzw. 

belege. Im Weiteren würden leichte degenerative Veränderungen humero-

glenoidal als auch acromioclaviculär beschrieben, was eine grössere de-

generative Gelenksveränderung ausschliesse. Hier dürfe auch noch darauf 

hingewiesen werden, dass keinerlei Hinweise auf ein entzündliches Ge-

schehen im Rahmen einer rheumatoiden Arthritis gefunden worden seien. 

Insbesondere dürfe auch erwähnt werden, dass degenerative Rotatoren-

manschettenläsionen grundsätzlich primär nicht transmural aufträten, son-

dern meist die dem Gelenk zugewandte Sehnenfläche beträfen. Die Be-

funde der MRI-Untersuchung würden somit gemäss Dr. med. I._____ mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit für eine traumatische Läsion sprechen. 

- 10 -

In der präoperativen Beurteilung von Dr. med. E._____, Orthopäde am 

Kantonsspital Graubünden, werde die Problematik gemäss MRI-Befund 

und vorgelegter Anamnese beschrieben. Allerdings sei eine Infiltrationsthe-

rapie in den rheumatologischen Vorakten nicht beschrieben resp. nur an-

gedacht worden. Betreffend die Acromion werde anatomisch ein Typ II 

nach Bigliani beschrieben, was eine Variante darstelle, jedoch keine dege-

nerative Erkrankung sei. Ansonsten würden unauffällige osteoartikuläre 

Verhältnisse beschrieben. Hier dürfe noch erwähnt werden, dass die Acro-

mion-Variante eine gewisse Anfälligkeit für lmpingement-Probleme miter-

klären könnte. Dr. med. E._____ habe im Bericht eine relativ zeitnahe Re-

konstruktion der Rotatorenmanschette empfohlen. Somit gehe er von einer 

kürzlich erfolgten Ruptur des Sehnenapparats aus. Im Operationsbericht 

vom 4. Juli 2018 werde über die bereits mehrfach beschriebene Rotatoren-

manschettenläsion berichtet; ebenso würden die zusätzlichen Labrum- 

resp. lange Bizepssehnenanker-Probleme erwähnt. Ein unerwarteter oder 

bisher nicht erkannter Befund werde nicht erwähnt. Insbesondere sei aber 

zu beachten, dass keinerlei Hinweise auf irgendwelche degenerative oder 

entzündliche Probleme zu finden seien. Somit gebe es keine Hinweise, 

dass die rheumatoide Vorerkrankung von B._____ nennenswerte Einwir-

kung auf das Schultergelenk im Sinne einer Schwächung der Strukturen 

hätte haben können. In Beantwortung der gestellten Fragen hielt Dr. med. 

I._____ fest, dass die Hauptprobleme der transmuralen Ruptur bei zwei 

Sehnenanteilen vollständig und bei der Subscapularissehne nur teilweise 

als Hauptbefund zu sehen seien. Insbesondere die begleitende Zerrung 

der glenohumeralen Ligamente und die fehlende signifikante Atrophie der 

Rotatorenmanschettenmuskulatur würden ganz klar auf eine kürzlich er-

folgte traumatische Ruptur der Sehne hinweisen. Die erwähnte leichte de-

generative Veränderung der humeroglenoidalen als auch der acromiocla-

viculären Anteile dürften hier als Nebenbefund und keinesfalls als Haupt-

befund gesehen werden. Insbesondere sei hier ergänzend auch der intra-

operative Befund zu Rate zu ziehen, welcher keinerlei Hinweise auf dege-

- 11 -

nerative Veränderungen zeige. Gemäss Dr. med. I._____ diene die Opera-

tion ganz klar der Wiederherstellung der Kontinuität der Rotatorenman-

schette. Die Erweiterung des Schulterdaches sei ein Standardprocedere 

bei solchen Operationen, damit die bei erfolgter Refixation etwas verdickten 

Strukturen nicht zu einer Impingementproblematik führten (resp. als 

spätere Prophylaxe für Impingementproblematik). Ebenso dürfe der Ope-

rationsanteil der Bizepstenodese als nebensächlicher Zusatzeingriff ver-

standen werden. Sinngemäss handle es sich hier de facto um eine Stan-

dardoperation bei Rotatorenmanschettenrupturen. Diese Kombination von 

Operationsschritten werde sonst für keine andere Indikation verwendet. Zur 

Erreichung des Status quo sine vel ante hielt Dr. med. I._____ fest, es 

gelte, die postoperativen Beschwerden inkl. funktionelle Rehabilitation und 

eventuell mögliche rheumatoide Beschwerden auseinanderzuhalten. Man 

dürfe davon ausgehen, dass bei Erreichen des Bewegungsumfanges und 

der Funktionalität wie vor dem Unfallereignis und Absinken des Beschwer-

debildes auf das Niveau vor dem Unfallereignis ein Status quo ante erreicht 

werde. Anhand der vorgelegten Dokumentation seien diese Kriterien je-

doch bis jetzt nicht erfüllt. Zur Frage der Unfallkausalität der Operationen 

vom 4. Juli 2018 und nachfolgend 12. [recte wohl 13.] November 2018 

führte Dr. med. I._____ aus, dass eine Schulterarthroskopie im Sinne eines 

orientierenden Eingriffs als erster Schritt bei minimal invasiven Rotatoren-

manschettenoperationen durchgeführt werde. Dabei könne das gesamte 

Gelenk vollumfänglich eingesehen werden und eventuelle Zusatzbefunde 

bei der weiteren Durchführung der Operation mitberücksichtigt werden. Die 

anschliessende Rotatorenmanschettennaht sei der eigentliche Hauptein-

griff und auch die Indikation zur invasiven Therapie. Die Erweiterung des 

Schulterdaches sei ein Standardprocedere bei Rotatorenmanschettennaht, 

so dass hier nicht von einem Zusatzeingriff und schon gar nicht von einem 

Haupteingriff gesprochen werden könne. Somit handle es sich bei dieser 

Reihenfolge von Operationsschritten um eine funktionelle Einheit, welche 

als Standard für eine Rotatorenmanschettennaht gelte. Abschliessend hielt 

- 12 -

Dr. med. I._____ fest, dass durch die enge und regelmässige Betreuung 

des Patienten hier eine klare Vorerkrankung in rheumatologischer Hinsicht 

dokumentiert werden könne, jedoch keine entsprechende nennenswerte 

strukturelle Schädigung des linken Schultergelenkes. Sowohl das beschrie-

bene Ereignis wie auch die objektiven Befunde sprächen eindeutig für ei-

nen durch ein Singulärereignis entstandenen Sehnenriss bei einem an-

sonsten als chronisch krank zu bezeichnenden Patienten.

18. Gestützt darauf reichte die A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 

8. April 2019 Beschwerde gegen den Einspracheentscheid der SUVA vom 

14. März 2019 beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ein mit 

folgenden Rechtsbegehren:

" 1. a) Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 20. November 2018 und der Ein-

spracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 14. März 2019 in Sachen 

B._____ seien aufzuheben.

b) Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der versicherten Person für das Er-

eignis vom 22. April 2018 weiterhin die gesetzlichen Leistungen aus der Unfall-

versicherung zu erbringen.

2. Eventuell sei der Fall zu ergänzenden Abklärungen an die SUVA zurückzuweisen.

3. Unter Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin."

Begründend führte sie im Wesentlichen aus, die Antworten des Kreisarztes 

Dr. med. H._____ seien in sich widersprüchlich (vorerst habe er die Unfall-

kausalität gänzlich verneint, dann aber erachte er diese längstens sechs 

Wochen nach dem Ereignis als entfallen). Der Wegfall des Kausalzusam-

menhanges werde zudem nicht substantiiert. Keine neue Begründung ent-

halte schliesslich seine Ergänzung vom 11. März 2019. Der Kreisarzt äus-

sere sich in keiner Weise zu den Auswirkungen der Verletzung und zum 

konkreten Heilungsverlauf der Ruptur der Rotatorenmanschette. In den Ak-

ten fänden sich keine Hinweise, geschweige denn eine Begründung dafür, 

dass B._____ den Status quo sine vel ante erreicht habe. Die Angabe, wo-

nach die Operation nicht an strukturelle Traumafolgen adressiert gewesen 

- 13 -

sei, werde weder anhand des Ergebnisses der MRI-Untersuchung noch 

des Operationsberichts näher begründet. Der Kreisarzt setze sich auch 

nicht mit den abweichenden Beurteilungen des behandelnden Arztes Dr. 

med. D._____ und den Ausführungen der Beschwerdeführerin in der Ein-

sprache auseinander. Dr. med. D._____ habe die erlittene Verletzung von 

B._____ ausschliesslich auf das traumatologische Ereignis zurückgeführt 

und seinen Standpunkt mit den seit dem Unfall bestehenden Einschrän-

kungen des Patienten auch begründet. Der Vertrauensarzt der Beschwer-

deführerin, Dr. med. I._____, gelange ebenfalls zu einem anderen Schluss 

als Dr. med. H._____ und habe dies ausführlich begründet. Dr. med. 

H._____ übergehe die begleitende Zerrung der glenohumeralen Ligamente 

und die fehlende signifikante Atrophie der Rotatorenmanschettenmuskula-

tur. Sein Bericht sei nicht geeignet, den Wegfall des natürlichen Kausalzu-

sammenhangs zehn Wochen nach dem Ereignis zu beweisen. Vielmehr 

sei den überzeugenden Ausführungen von Dr. med. I._____ zu folgen, wo-

nach der Status quo erst mit dem Wiedererlangen der vorbestehenden 

Funktionalität der linken Schulter gegeben wäre, was zum Zeitpunkt der 

Falleinstellung nicht der Fall gewesen sei. Die Operationen vom 4. Juli 

2018 und 12. [recte wohl 13.] November 2018 und die nachfolgenden Be-

handlungen zur Rehabilitation hätten der Behandlung der unfallbedingten 

Beschwerden gedient. Der Beweis einer vorwiegend degenerativen oder 

krankheitsbedingten Ursache der Sehnenrisse sei in keiner Weise er-

bracht. Auf die Beurteilung des Kreisarztes könne nicht abgestellt werden. 

Die Erwiderung des behandelnden Arztes Dr. med. D._____ und die aus-

führliche Beurteilung von Dr. med. I._____ zeigten auf, dass die Falleinstel-

lung zehn Wochen nach dem Ereignis nicht rechtens gewesen sei. Sollte 

das Gericht nicht auf die Beurteilung von Dr. med. I._____ und Dr. med. 

D._____ abstellen, wäre der Sachverhalt nach Rückweisung an die SUVA 

durch Einholung eines neutralen Gutachtens zu klären. 

19. Die SUVA legte die Beurteilung von Dr. med. I._____ PD Dr. med. L._____, 

SUVA Versicherungsmedizin, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, vor, 

- 14 -

der am 10. Mai 2019 dazu Stellung nahm. Er führte unter Hinweis auf die 

Literatur insbesondere aus, der Musculus supraspinatus bewirke insbeson-

dere ein Abspreizen im Schultergelenk. Eine die Sehne gefährdende Ge-

walteinwirkung setze somit ein forciertes Anspreizen voraus. Der Musculus 

infraspinatus wirke aussenrotierend auf das Schultergelenk. Eine Zerreis-

sung der zugehörigen Sehne erfordere daher eine forcierte Innenrotation, 

das heisst bei Beugung im Ellbogengelenk eine gewaltsame Bewegung 

des nach vorne gerichteten Unterarmes zum Bauch hin. Ein gewaltsames 

Anspreizen sei in der vorliegend beschriebenen Situation kaum vorstellbar, 

da der Oberarm in dieser Bewegungsrichtung unmittelbar durch den 

Oberkörper abgefangen würde, und ausserdem durch die herabfallende 

Kupplung nicht zu erklären. Dass das Auffangen eines der Schwerkraft fol-

genden Gegenstandes zu einer die Sehne des linken Musculus infraspina-

tus zerreissenden Innenrotation führe, sei ebenfalls als ausgesprochen un-

wahrscheinlich zu bewerten, da dies zum einen eine Position in rechter Sei-

tenlage und zum anderen ein Auffangen mit dem Handrücken voraussetze. 

Tatsächlich habe der Beigeladene die Kupplung aber "mit der linken Hand 

wohl noch auffangen" können und "sie reflexartig nach oben gedrückt", was 

bedeute, dass die nach oben gedrehte linke Hand beim Auffangen unter-

halb des fallenden Gegenstandes gehalten und die Kraft zum "nach oben" 

Drücken vornehmlich aus dem Ellbogen entwickelt worden sei. Dass es 

durch den geschilderten Ablauf zu einer gleichzeitigen Zerreissung beider 

Sehnen gekommen sein soll, sei auszuschliessen, und dass ausserdem 

eine teilweise Zerreissung der Sehne des Musculus subscapularis einge-

treten sein soll, sei abwegig, da dieser Muskel als Gegenspieler des Mus-

culus infraspinatus eine Innenrotation bewirke und dessen Zerreissung so-

mit eine gewaltsame Aussenrotation erfordere. Eine Erklärung für das Pos-

tulat, das Geschehen entspreche "einer klassischen Zerrbelastung, welche 

auch gemäss Literatur zu traumatischen Läsionen der Rotatorenman-

schette geeignet sind", bleibe Dr. med. I._____ schuldig und er nenne ins-

besondere keine Quelle der von ihm herangezogenen Literatur. Die trau-

- 15 -

matisch nach akuter Gewalteinwirkung verursachte Rotatorenmanschet-

tenzerreissung führe unmittelbar zu Schmerzen, Kraft- und Funktionsver-

lust mit einem charakteristischen zeitlichen Verlauf. In der akuten Phase 

(etwa bis drei Tage nach dem Unfallereignis) bestünden heftige Schmer-

zen. Da bei einer Zerreissung die Kraftübertragung vom Muskel auf die 

Sehne, und von ihr auf Knochen und Gelenk, unterbrochen sei, sei die ak-

tive Beweglichkeit der Schulter in typischer Weise so massiv einge-

schränkt, dass man von einer Pseudoparalyse, also scheinbaren Lähmung 

des Arms spreche. In der subakuten Phase (etwa bis 14 Tage nach dem 

Unfallereignis) liessen die Beschwerden nach, der Betroffene leide unter 

einer schmerzhaften Einschränkung der aktiven Beweglichkeit und es be-

stehe eine Kraftminderung der verletzten Schulter. In der folgenden posta-

kuten Phase komme es zu einem weiteren Rückgang der Beschwerden 

und die initiale Bewegungseinschränkung könne durch die verbliebene 

Schultermuskulatur häufig kompensiert werden, was zu einer Besserung 

der aktiven Gelenksbeweglichkeit führe. Hempfling und Mitarbeiter beton-

ten den typischen, allen unfallbedingten Veränderungen eigenen Decre-

scendo-Verlauf von Schmerz und Symptomen. Zeige sich dagegen ein 

Crescendo-Verlauf mit zunächst unfallnah leichten Beschwerden und Ein-

schränkungen, die sich dann in den nächsten Tagen und Wochen verstärk-

ten und ausdehnten, deute dies in der Regel auf eine unfallunabhängige 

Ursache. Gessmann und Mitarbeiter bestätigten, während es nach einer 

akuten Läsion meist über einen Zeitraum von wenigen Wochen bis Mona-

ten zu einer Schmerzlinderung komme, sei die degenerative Läsion von 

einem eher zunehmenden Schmerzverlauf gekennzeichnet. Eine subjektiv 

als plötzliche Lähmung wahrzunehmende Pseudoparalyse werde von den 

Betroffenen typischerweise und nachvollziehbar als beunruhigend bedroh-

lich empfunden und führe kurzfristig zur Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe. 

Der Beigeladene habe jedoch gemäss Telefonnotiz vom 25. Juni 2018 "vor-

derhand gedacht, dass sich dies wieder gibt und da ich mit Arthrose zu 

kämpfen habe, habe ich auch nicht direkt daran gedacht, dass etwas ge-

- 16 -

rissen sein könnte. Zunehmend dann aber eine Bewegungseinschränkung 

wahrgenommen und immer mehr den Bewegungen der linken Hand aus-

gewichen. Über Kopf konnte ich nichts mehr machen und gewisse Bewe-

gungen waren nicht mehr möglich. So z.B. das Anheben des linken Arms, 

gestreckt nach vorne, seitlich ging es etwas besser, jedoch auch zuneh-

mend immer schlechter". Diese Angaben entsprächen einem typisch unfal-

lunabhängig degenerativen Geschehen. Der Aussage des beratenden Arz-

tes der Beschwerdeführerin, ein solches Verhalten bei einem schmerzer-

fahrenen rheumatologischen Patienten sei aus klinischer Erfahrung als 

natürlich zu beurteilen, sei daher insofern zuzustimmen, da der Beigela-

dene mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Zerreissung seiner Seh-

nen erlebt habe, sondern lediglich eine weitere Schmerzerfahrung. 

Schliesslich habe dieser bereits anlässlich einer Untersuchung vom 21. Fe-

bruar 2018 gegenüber dem Leitenden Arzt Medizin/Rheumatologie am 

Kantonsspital Chur, "Schulterschmerzen links insbesondere bei Über-

kopfarbeiten" angegeben. Erstmalig nach dem zur Diskussion stehenden 

Ereignis ärztlich untersucht worden sei der Beigeladene erst am 2. Mai 

2018, also zwei Wochen nach dem Geschehen. Durch Dr. med. D._____ 

werde eine "Flexion bis 80°, Abduktion bis 90°" dokumentiert. Die vom be-

ratenden Arzt der Beschwerdeführerin getroffene Aussage, der Beigela-

dene sei "in der Lage, seine Oberarme bis 80° anzuheben, da der Musculus 

deltoideus nicht lädiert ist" entspreche klassisch den Kompensationsme-

chanismen, wie sie sich in typischer Weise bei degenerativ sich über einen 

längeren Zeitraum entwickelnden Läsionen der Rotatorenmanschette ein-

stellten. Von dem beratenden Arzt der Beschwerdeführerin werde überse-

hen, dass die von Dr. med. D._____ dokumentierte "Lift off Testung normal 

wie auch der Jobe Test" eine Verletzung der Subscapularis- (Lift-off) und 

Supraspinatussehne (Jobe) ausschlössen. Von einer Läsion der Rotato-

renmanschette betroffene Muskeln könnten nicht mehr ihrer physiologi-

schen Funktion mit Kraftentwicklung durch Kontraktion entsprechen, ver-

kümmerten in der Folge im Sinne einer Hypo- oder Atrophie und entwickel-

- 17 -

ten eine fettige Infiltration, die sich jedoch erst nach einer zeitlichen Latenz 

einstelle. Dieses Phänomen lasse sich bildgebend belegen und sei mit ei-

ner Klassifikation zu beschreiben, die von Goutallier ursprünglich für com-

putertomografische Befunde entwickelt worden sei, aktuell aber vornehm-

lich bei Kernspintomogrammen Anwendung finde. Im Vergleich zur kern-

spintomographischen Darstellung eines physiologischen, also gesunden 

Muskelgewebes präsentierten sich im Kernspintomogramm des Beigelade-

nen vom 4. Juni 2018 die Muskeln supraspinatus und infraspinatus in we-

sentlichen Anteilen deutlich degeneriert und fettig infiltriert. Goutallier be-

schreibe vier Stadien. In vorliegendem Fall beispielsweise des Musculus 

supraspinatus sei das Volumen des degenerierten Gewebes etwa so gross 

wie dasjenige des Muskels, was einem Stadium 3 entspreche. Dass der 

Radiologe Dr. med. M._____ diesen auffälligen Befund als "keine signifi-

kante Atrophie der RM-Muskulatur" beurteile, erstaune und sei aufgrund 

persönlicher Einsichtnahme in die vorliegende Bildgebung nicht haltbar. 

Der beratende Arzt der Beschwerdeführerin scheine selber keinen Einblick 

in die radiologischen Dokumente genommen zu haben, wenn er am 26. 

März 2019 schreibe, es sei "zu beachten, dass gemäss Bericht keine signi-

fikanten Atrophien der RM-Muskulatur gefunden werden, was ebenfalls auf 

eine kürzlich erfolgte Läsion der Rotatorenmanschette hinweist resp. be-

legt". Melis und Mitarbeiter hätten das Auftreten fettiger Infiltrationen bei 

Läsionen der Rotatorenmanschette beforscht und in der untersuchten Ge-

samtpopulation erste ("minimal") Hinweise für den Musculus supraspinatus 

nach 24 Monaten, für den Musculus infraspinatus nach 26 Monaten gefun-

den. Das heisst, innerhalb eines Intervalls von ca. zwei Jahren nach einer 

Zusammenhangstrennung der Sehnen seien noch gar keine Veränderun-

gen zu erwarten. Selbst wenn vorliegend eine fettige Infiltration auszusch-

liessen wäre, was nicht der Fall sei, so wäre die Schlussfolgerung des be-

ratenden Arztes der Beschwerdeführerin, wonach dies einen Beleg für eine 

"kürzlich erfolgte Läsion der Rotatorenmanschette" liefere, mit der publi-

zierten Evidenz nicht zu stützen. Ferner hielt PD Dr. med. L._____ fest, 

- 18 -

eine Läsion des Pulley-Komplexes könne zu einer Instabilität der langen 

Bicepssehne führen. Diese sei dann häufig nach medial gerichtet und auf-

grund der Anatomie mit einer Läsion der Sehne des Musculus subscapula-

ris assoziiert. Eine Pulley-Läsion werde als Ausgangspunkt eines forts-

chreitend degenerativen Prozesses aufgefasst, der weitere Teile der Rota-

torenmanschette miteinbeziehe. Gleichwohl würden mögliche Verletzungs-

mechanismen im Sinne eines traumatischen Geschehens berichtet. Es 

herrsche Einigkeit darüber, dass eine axiale Kraft auf das Schultergelenk 

einwirken muss; Le Huec und Mitarbeiter gingen von einem Sturz nach 

vorne auf die ausgestreckte Hand oder auf den Ellenbogen aus bei gleich-

zeitiger maximaler Innen- oder Aussenrotation, oder von einem Sturz nach 

hinten. Braun und Mitarbeiter identifizierten mit einer Kadaverstudie den 

Sturz auf den nach vorne gehaltenen Arm bei Innen- oder neutraler Rota-

tion und die Gewalt auf den herabhängenden ("neutral") und innenrotierten 

Arm als mögliche Mechanismen einer Verletzung des Pulleys. Nach Elser 

und Mitarbeitern träten bei Sturz auf den nach vorne gestreckten und in-

nenrotierten Arm hohe Scherkräfte auf, die in Läsionen resultieren könnten. 

Neben den selten traumatisch bedingten Pulley-Verletzungen könnten an-

geborene (kongenitale) Defekte, repetitive Mikrotraumata und insbeson-

dere degenerative Veränderungen Ursache einer Läsion des Pulleys sein. 

Der in vorliegendem Fall geschilderte Unfallmechanismus sei daher nicht 

geeignet, zu einer strukturellen Verletzung des linksseitigen Pulleys geführt 

zu haben. Weder aufgrund der vorliegenden und persönlich eingesehenen 

Bildgebung noch mit den dokumentierten ärztlich erhobenen klinischen Be-

funden ergäben sich diesbezüglich Hinweise. Diese entsprächen gesamt-

haft dem typischen Bild eines über Jahre entstandenen degenerativen Zu-

standes. PD Dr. med. L._____ kam sodann zur Schlussfolgerung, dass sich 

vorliegend die typischen anamnestischen, klinischen und bildgebenden Be-

funde einer unfallunabhängig, über Jahre entstandenen Degeneration prä-

sentierten. Selbstverständlich sei dem beratenden Arzt der Beschwerde-

führerin in seiner Feststellung im Bericht vom 26. März 2019 zuzustimmen, 

- 19 -

"dass sich auch rheumatoide Patienten durchaus strukturelle Schäden 

durch Unfallereignisse zuziehen können". Gleichwohl sei es in der Literatur 

unstrittig, dass sich Läsionen der Rotatorenmanschette und des Biceps-

Pulley in der Regel auf der Grundlage degenerativer Veränderungen ent-

wickelten. Eine Verletzung als Ursache sei die Ausnahme und müsse auch 

in dem zur Diskussion stehenden Fall mit überwiegender Wahrscheinlich-

keit verneint werden. Bemerkenswert und inkonsistent sei das von dem be-

ratenden Arzt der Beschwerdeführerin formulierte Postulat einer strukturel-

len Verletzung einerseits und die Aussage, "dass bei Erreichen des Bewe-

gungsumfanges und Funktionalität wie vor dem Unfallereignis und Absin-

ken des Beschwerdebildes auf das Niveau vor dem Unfallereignis ein Sta-

tus quo ante erreicht" werde, andererseits. Wäre es durch das Geschehen 

vom 22. April 2018 zu einer Zerreissung von Sehnen der linksseitigen Ro-

tatorenmanschette gekommen, was mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

nicht der Fall sei, so wäre eine nur vorübergehende Verschlimmerung eines 

Vorzustandes in der Regel auszuschliessen. Überdies sei bei dem Beige-

ladenen eine chirurgische Behandlung der von dem beratenden Arzt der 

Beschwerdeführerin als Unfallfolge postulierten Läsionen vorgenommen 

worden. Der Eintritt eines Status quo ante, also eines identischen Zustan-

des wie vor dem als kausal postulierten Unfallereignis, wäre damit 

grundsätzlich nicht mehr zu erreichen. Mit überwiegender Wahrscheinlich-

keit sei es durch das Ereignis vom 22. April 2018 zu keinen strukturellen 

Verletzungen der linken Schulter gekommen. Bei einem degenerativ und 

entzündlich-rheumatologisch bedingten Vorzustand sei es durch das Ge-

schehen zu einer vorübergehenden Verschlimmerung gekommen. In dem 

vom Schweizerischen Versicherungsverband (SVV) herausgegebenen Re-

integrationsleitfaden Unfall werde nach Prellungen oder Stauchungen des 

Schultergelenkes eine maximale Behandlungsdauer von sechs Wochen 

angegeben. Speziell zur Rotatorenmanschette werde als leichteste Unfall-

folge eine "Dehnung mit Einriss" genannt. Dies entspreche einer strukturel-

len Verletzung, die in dem zur Diskussion stehenden Fall überwiegend 

- 20 -

wahrscheinlich nicht vorliege, aber gemäss Reintegrationsleitfaden eine 

vollständige Arbeitsunfähigkeit für körperliche Tätigkeiten von vier Wochen 

erwarten lasse. Vorliegend hätten somit überwiegend wahrscheinlich 

spätestens nach zehn Wochen keine Unfallfolgen mehr bestanden. Die am 

4. Juli 2018 vorgenommene chirurgische Behandlung habe weit überwie-

gend wahrscheinlich keine Folgen des Ereignisses vom 22. April 2018 

adressiert. Da somit die Kausalität des Ereignisses vom 22. April 2018 im 

Sinne einer vorübergehenden Verschlimmerung bejaht werde, entfalle die 

Frage, ob vorliegend in der abschliessenden Aufzählung von Art. 6 Abs. 2 

UVG enthaltene Listendiagnosen bestünden.

20. In der Beschwerdeantwort vom 14. Mai 2019 verlangte die SUVA (nachfol-

gend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Sie führte 

insbesondere aus, auf die Ausführungen von PD Dr. med. L._____ könne 

abgestellt werden, denn sie erfüllten alle Anforderungen hinsichtlich des 

Beweiswertes. Der Hausarzt Dr. med. D._____ bediene sich der "post hoc 

ergo propter hoc"-Argumentation, wenn er einwende, vor dem Unfall sei die 

linke Schulter (praktisch) symptomlos gewesen. Seine Ausführungen seien 

nicht geeignet, auch nur geringe Zweifel an der versicherungsmedizini-

schen Beurteilung zu begründen. Zudem könne der Beurteilung von 

Dr. med. I._____ kein Beweiswert zugemessen werden. Dieser gehe beim 

Unfallhergang von einer klassischen Zerrbelastung aus, begründe dies 

aber nicht. Er habe ausserdem unterlassen, seine angeblich durch die Li-

teratur gestützte Meinung mit einem entsprechenden Literaturhinweis zu 

untermauern. Hingegen habe PD Dr. med. L._____ ausführlich erläutert, 

welche Kräfte wirken müssten, um die jeweilige Sehne zu beschädigen und 

weshalb dies nicht mit dem stattgehabten Unfallmechanismus einhergehe. 

Sodann zeigten sich in den Ausführungen von Dr. med. I._____ Inkonsis-

tenzen. Da eine operative Sanierung stattgefunden habe, könne der glei-

che Zustand wie vor dem Unfall kaum mehr erreicht werden. Wenn Dr. 

med. I._____ aber von dem Status quo ante spreche, gehe er ebenfalls 

- 21 -

davon aus, dass lediglich eine vorübergehende Verschlimmerung bei Vor-

liegen eines Vorzustandes stattgefunden habe (aber diese nach zehn Wo-

chen noch nicht abgeklungen sei). Wenn er zudem festhalbe, es handle 

sich de facto um eine unfallähnliche Körperschädigung, sei ihm zu wider-

sprechen. Vorliegend gehe es nicht um eine unfallähnliche Körperschädi-

gung. Die Beschwerdegegnerin habe einen Unfall anerkannt und diesen 

als Teilursache für die Schulterbeschwerden berücksichtigt sowie entspre-

chend die Versicherungsleistungen übernommen. Sie gehe aber davon 

aus, dass die strukturellen Veränderungen krankhafter Natur seien, auch 

wenn die Beschwerden zumindest vorübergehend durch das Ereignis vom 

22. April 2018 akzentuiert worden seien. Somit seien die Versicherungs-

leistungen einzustellen, wenn der Unfall im Beschwerdebild der versicher-

ten Person keine Rolle mehr spiele. Zudem erreiche der Bericht von Dr. 

med. I._____ auch deshalb keinen Beweiswert, weil dieser selber keinen 

Einblick in die Bildgebung gehabt habe und ihm lediglich der Bericht über 

die MRI vom 4. Juni 2018 zur Verfügung gestanden habe. Sodann verfüge 

Dr. med. I._____, im Gegensatz zu PD Dr. med. L._____, über keinen 

Facharzttitel. Zudem verfüge PD Dr. med. L._____ als Facharzt für Or-

thopädische Chirurgie sowie als Versicherungsmediziner der SUVA über 

besonders ausgeprägte traumatologische Kenntnisse und Erfahrungen, so 

dass ihm im Verhältnis zu Allgemeinpraktikern eine spezialärztliche Stel-

lung zukomme. Schliesslich betonte die Beschwerdegegnerin, dass beson-

ders der Unfallmechanismus sich als ungeeignet erwiesen habe, die auf-

getretene Rotatorenmanschettenläsion hervorzurufen. Zudem entspreche 

der Verlauf einem typischen Crescendo-Verlauf, wie es bei Krankheiten üb-

lich sei. Eine unfallbedingte Rotatorenmanschettenläsion wäre alsdann so 

schmerzhaft, dass eine zeitnahe Vorstellung beim Arzt (innerhalb von drei 

Tagen) zu erwarten sei, was vorliegend aber nicht stattgefunden habe. 

- 22 -

21. Am 24. August 2020 lud die Instruktionsrichterin B._____ bei, der mit 

Schreiben vom 27. August 2020 mitteilte, auf eine Teilnahme am Verfahren 

zu verzichten. 

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften sowie auf die Ver-

fahrensakten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid 

der Beschwerdegegnerin vom 14. März 2019 (der Einspracheentscheid  

tritt an  die  Stelle  der  Verfügung und bildet damit alleiniger Anfechtungs-

gegenstand des Beschwerdeverfahrens [vgl. BGE 130 V 424 E.1.1 m.H.; 

Urteile des Bundesgerichtes 9C_539/2014 vom 18. Dezember 2016 E.2.1, 

8C_592/2012 vom 23. November 2012 E.3.2]). Gemäss Art. 1 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m. 

Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemei-

nen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen ei-

nen Einspracheentscheid innert 30 Tagen seit seiner Eröffnung Be-

schwerde an das Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben wer-

den, in welchem die versicherte Person oder der Beschwerde führende 

Dritte zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Bei Beschwerdeer-

hebungen durch andere Versicherungsträger, wie hier, bestimmt sich die 

örtliche Zuständigkeit nach dem Wohnsitz der versicherten Person (vgl. 

KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., 2020, Art. 58 N 23). Der Beigeladene 

als versicherte Person wohnt im Kanton Graubünden, womit die örtliche 

Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden gegeben 

ist. Dessen sachliche und funktionelle Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 

ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verwal-

tungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Da die Beschwerdeführerin aus der 

- 23 -

gesetzlichen Grundversicherung leistungspflichtig ist, ist sie durch den an-

gefochtenen Entscheid berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an 

dessen Überprüfung auf (vgl. Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und 

formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (vgl. Art. 60 und 

61 ATSG).

2. Gemäss Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Versicherungsleistungen, soweit 

dieses Gesetz nichts anderes bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsun-

fällen und Berufskrankheiten gewährt. Gemäss Art. 10 Abs. 1 UVG hat der 

Versicherte Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen 

(Heilbehandlung). Gemäss Art. 16 Abs.1 UVG hat der Versicherte An-

spruch auf ein Taggeld, wenn er infolge des Unfalles voll oder teilweise 

arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) ist. Gemäss Art. 36 Abs. 1 UVG werden beim 

Zusammentreffen verschiedener Schadensursachen die Pflegeleistungen 

und Kostenvergütungen sowie die Taggelder und Hilflosenentschädigun-

gen nicht gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung nur teilweise Folge 

eines Unfalles ist. 

3. Streitig ist hier, ob die Beschwerdegegnerin die Versicherungsleistungen 

(Taggeld, Heilkosten) zu Recht per 1. Juli 2018 eingestellt hat. Das Unfal-

lereignis vom 22. April 2018 als solches (Art. 4 ATSG) ist unbestritten. 

Gemäss der Beschwerdegegnerin hat dieses Ereignis im Rahmen des de-

generativen Vorzustandes bloss zu einer vorübergehenden Verschlimme-

rung geführt. Zu prüfen ist demnach, ob die Beschwerdegegnerin den Ein-

tritt des Status quo sine vel ante spätestens zehn Wochen nach dem Unfall 

vom 22. April 2018, also per 30. Juni 2018, überwiegend wahrscheinlich 

nachgewiesen hat. Da die Beschwerdegegnerin den Unfall vom 22. April 

2018 als vorübergehende Verschlimmerung der Schulterbeschwerden an-

erkannt und entsprechende Versicherungsleistungen erbracht hat, geht es 

hier im Übrigen nicht um die Prüfung von Art. 6 Abs. 2 UVG im Sinne einer 

unfallähnlichen Körperschädigung (vgl. lit. f: Sehnenrisse). Zu prüfen ist le-

- 24 -

diglich, ob der Unfall vom 22. April 2018 überwiegend wahrscheinlich 

spätestens ab 1. Juli 2018 nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache 

darstellt, der Gesundheitsschaden also danach nur noch und ausschliess-

lich auf unfallfremden Ursachen beruht (vgl. BGE 146 V 51 E.9.1). 

4. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers bei einem durch den Unfall ver-

schlimmerten oder überhaupt erst manifest gewordenen krankhaften Vor-

zustand entfällt erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und 

adäquate Ursache darstellt, der Gesundheitsschaden also nur noch und 

ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft zu, wenn ent-

weder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem 

Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie 

er sich nach schicksalsmässigem Verlauf eines krankhaften Vorzustandes 

auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), vor-

liegt. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammen-

hang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten 

Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungs-

recht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich-

keit nachgewiesen sein. Da es sich um eine anspruchsaufhebende Tat-

frage handelt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leis-

tungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht 

beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 8C_261/2018 vom 26. Juni 2018 E.3.1; vgl. auch 8C_689/2019 

vom 9. März 2020 E.5.3, 8C_715/2016 vom 6. März 2017 E.4.2, 

8C_17/2017 vom 4. April 2017 E.2.2). Mit dem Erreichen des Status quo 

sine vel ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Be-

schwerden (Urteil des Bundesgerichts 8C_715/2016 vom 6. März 2017 

E.4.3 m.H.). Solange jedoch der Status quo sine vel ante noch nicht erreicht 

ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel 

neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu 

übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG 

- 25 -

fallen. Demnach hat die versicherte Person bis zum Erreichen des Status 

quo sine vel ante auch Anspruch auf eine zweckgemässe Behandlung, die 

auch operative Eingriffe umfassen kann (Urteil des Bundesgerichts 

8C_715/2016 vom 6. März 2017 E.4.3 m.H.; vgl. zum Status quo sine vel 

ante: Urteile des Bundesgerichts 8C_93/2020 vom 1. April 2020 E.3, 

8C_421/2018 vom 28. August 2018 E.3.2; SVR 2016 UV Nr. 18 S. 55).

5. Für die Feststellung, dass vorliegend überwiegend wahrscheinlich spätes-

tens nach zehn Wochen keine Unfallfolgen mehr bestanden haben (und 

damit ein Status quo sine vel ante eingetreten ist), stützt sich die Beschwer-

degegnerin auf die Berichte ihrer Versicherungsärzte. Insbesondere, ist die 

im Beschwerdeverfahren eingereichte, ausführliche orthopädische-chirur-

gische Beurteilung von PD Dr. med. L._____ vom 10. Mai 2019 massge-

bend. Nachfolgend zu klären ist, ob der medizinischen Einschätzung der 

Unfallversicherungsärzte voller Beweiswert zukommt. 

5.1. Einem Arztbericht kommt Beweiswert zu, wenn dieser für die streitigen Be-

lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-

klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) 

abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-

hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und 

ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 

E.5.1 m.w.H.). Gemäss Rechtsprechung ist auch ein medizinischer Akten-

bericht beweiskräftig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Ana-

mnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbe-

stritten sind; der Untersuchungsbefund muss lückenlos vorliegen, damit der 

Berichterstatter imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen 

ein vollständiges Bild zu verschaffen (Urteil des Bundesgerichts 

8C_397/2019 vom 6. August 2019 E.4.3 m.w.H.). Schliesslich kommt auch 

den Berichten (und Gutachten) versicherungsinterner Ärzte Beweiswert zu, 

sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in 

- 26 -

sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit be-

stehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem Anstellungs-

verhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf mangelnde 

Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf vielmehr besonde-

rer Umstände, welche das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurtei-

lung objektiv als begründet erscheinen lassen (BGE 125 V 351 E.3b/ee). 

Soll ein Versicherungsfall aber ohne Einholung eines externen Gutachtens 

entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderun-

gen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit 

und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so 

sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E.5.2, 135 V 

465 E.4.4, 122 V 157 E.1d).

5.2. Vorliegend überzeugt der gestützt auf die versicherungsinternen Arztbe-

richte vertretene Standpunkt der Beschwerdegegnerin aus folgenden 

Gründen:

Der Beigeladene hat gegenüber der Beschwerdegegnerin berichtet, dass 

er schon immer an der linken Schulter Schmerzen hatte und er deshalb 

zuerst von einem Krankheitsfall ausging; bis der Riss entdeckt wurde und 

er diesen nun auf das erwähnte Ereignis zurückführt (vgl. Akten der Be-

schwerdegegnerin [Bg-act.] 6). Er habe Arthrose im ganzen Körper und 

habe die Beschwerden daher auch nicht sofort dem Ereignis vom 22. April 

2018 zugeschrieben (vgl. Bg-act. 9/1). Der Unfall ereignete sich am 

22. April 2018. Die Erstbehandlung erfolgte erst zehn Tage später am 

2. Mai 2018 beim Hausarzt Dr. med. D._____, Facharzt für Innere Medizin, 

Sportmedizin (vgl. Bg-act. 8). Dabei wird am 21. Juni 2018 dokumentiert, 

dass gemäss MRI vom 4. Juni 2018 eine komplette transmurale Ruptur der 

Supra- und Infraspinatussehne mit Partialruptur der Subscapularissehne 

und konsekutiver Subluxation der Biceps longus-Sehne vorlag. Dennoch 

sollen die Lift-off und Jobe-Testung laut Dr. med. D._____ normal verlaufen 

sein (vgl. Bg-act. 8). Eine Fraktur konnte radiologisch am 

- 27 -

31. Mai 2018 bzw. im MRI vom 4. Juni 2018 nicht festgestellt werden (vgl. 

Bg-act. 8, 27, 64/4). Sodann wird ein Crescendo-Verlauf beschrieben: Der 

Beigeladene schildert, dass er nach dem Unfallereignis "zwei Wochen mit 

Schmerzen gearbeitet [hat], fast alles mit rechts gemacht, die Schulter mit 

Cortison behandelt, aber zunehmend ging überhaupt nichts mehr" (Bg-act. 

9), was gemäss PD Dr. med. L._____, Facharzt für Orthopädische Chirur-

gie, für ein unfallunabhängiges degeneratives Geschehen spricht (vgl. Bg-

act. 64/6). Kreisarzt Dr. med. H._____, Facharzt für Orthopädische Chirur-

gie und Traumatologie des Bewegungsapparates, wies am 16./19. Juli 

2018 darauf hin, dass die Ursache für Rotatorenmanschettenrupturen vor 

allem bei älteren Patienten auf degenerative Veränderungen zurückzu-

führen und nur gelegentlich traumatisch bedingt sei (vgl. Bg-act. 27/3), was 

beim im Ereigniszeitpunkt knapp 64-jährigen Beigeladenen vorgelegen ha-

ben dürfte. Wie Dr. med. H._____ weiter bemerkte, wurde anlässlich der 

medizinischen Erstbehandlung, erst zehn Tagen nach dem betreffenden 

Ereignis, kein Kraft- und Funktionsverlust (Pseudoparalyse) angegeben. 

Zudem bestand keine unmittelbare Einschränkung der Arbeitsfähigkeit 

nach dem Ereignis (vgl. Bg-act. 27/3). Am 20. August 2018 stellte auch Dr. 

med. K._____, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie 

des Bewegungsapparates, fest, dass das Unfallereignis zwar stattgefun-

den habe, aber keine strukturellen Läsionen verursacht habe (vgl. Bg-act. 

34). In seiner Beurteilung vom 11. März 2019 kommt Dr. med. H._____ auf 

seine Einschätzung bezüglich des Wegfalls der Unfallkausalität ("längstens 

6 Wochen nach Ereignis" [Bg-act. 44]), zurück und beurteilt unter verstärk-

ter Würdigung des leichten degenerativen Vorzustands humeroglenoidal 

und acromioclaviculär, dass die unfallbedingte vorübergehende Verschlim-

merung spätestens nach zehn Wochen keine Rolle mehr spiele (vgl. Bg-

act. 57). Diese Einschätzung wird von PD Dr. med. L._____ am 

10. Mai 2019 gestützt und durch Hinweis auf den vom Schweizerischen 

Versicherungsverband (SVV) herausgegebenen Reintegrationsleitfaden 

belegt (vgl. Bg-act. 64/10). Zu den Feststellungen der Dres. E._____ und 

- 28 -

F._____ im Kantonsspital Graubünden, Departement Chirurgie/Klinik für 

Orthopädie und Traumatologie des Bewegungsapparates, wonach am 

27./28. Juni 2018 im Röntgenbild ein Acromion Typ II nach Bigliani und im 

Arthro-MRI zusätzlich eine Zerrung der glenohumeralen Ligamenta und 

keine Atrophie-Zeichen der Rotatorenmanschettenmuskulatur festgestellt 

wurden, nimmt PD Dr. med. L._____ überzeugend – insbesondere zu den 

fehlenden Atrophie-Zeichen – Stellung. Anhand der MRI vom 4. Juni 2018 

beschreibt er, wie sich die Muskeln supraspinatus und infraspinatus in we-

sentlichen Anteilen deutlich degeneriert und fettig infiltriert zeigten (vgl. Bg-

act. 64/8). Die Herleitung, Begründung, Belegung des Unfallereignisses 

und dessen weiteren Verlaufs, wie PD Dr. med. L._____ sie anstellt (unge-

eigneter Unfallmechanismus zur gleichzeitigen Zerreissung beider Supra-

spinatus- und Infraspinatussehnen und teilweisen Zerreissung der Subsca-

pularissehne, fehlender Decrescendo-Verlauf, verzögerter Arztbesuch, 

Bildgebung mit fettiger Infiltration, deren Hinweise gemäss Literatur erst in-

nerhalb eines Intervalls von ca. zwei Jahren nach einer Zusammen-

hangstrennung der Sehnen zu erwarten seien) erscheinen stichhaltig. Die 

Beurteilung von PD Dr. med. L._____ vom 10. Mai 2019 ist von Seiten der 

Beschwerdeführerin im Übrigen unwidersprochen geblieben. Die Beurtei-

lung von PD Dr. med. L._____ ist für die streitigen Belange umfassend, 

berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten 

(Anamnese) abgegeben worden und als Aktengutachten (inklusive Bildge-

bung) rechtskonform. Die Beschreibung der medizinischen Situation und 

Zusammenhänge leuchtet ein und die Schlussfolgerungen sind begründet. 

Die Beurteilungen des Versicherungsarztes der Beschwerdeführerin, Dr. 

med. I._____, sind nicht geeignet, geringe Zweifel an der schlüssigen und 

zuverlässigen Einschätzung der Versicherungsmediziner der Beschwerde-

gegnerin zu wecken. Ausserdem beruht die Argumentation von Dr. med. 

D._____, wonach vor dem Unfall die linke Schulter (mit Ausnahme von 

Überkopfarbeiten) symptomlos gewesen sei, danach indessen eine mas-

sive Einschränkung der Bewegungsfähigkeit aufgetreten sei (vgl. Bg-act. 

- 29 -

18) auf der unzulässigen Beweisregel "post  hoc  ergo propter  hoc" (vgl. 

BGE 119 V 335 E.2b/bb). Zudem ist sein Bericht mit Vorbehalt zu würdigen, 

da behandelnde Arztpersonen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtli-

che Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten 

aussagen (BGE 135 V 465 E.4.5; Urteil des Bundesgerichts 8C_68/2020 

vom 11. März 2020 E.5.1). Der Beschwerdegegnerin ist demnach der 

Nachweis, dass der Unfall vom 22. April 2018 nach zehn Wochen nicht 

mehr ursächlich für den Gesundheitsschaden ist, überwiegend wahr-

scheinlich gelungen. 

6. Die Leistungseinstellung per 1. Juli 2018 ist somit rechtens. Eine Rückwei-

sung erscheint nicht notwendig, da die erfolgten Abklärungen vollständig 

sind und von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen keine neuen wesentli-

chen Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_616/2013 vom 28. Januar 2014 E.2.1 m.H.). Der angefochtene Ein-

spracheentscheid ist somit zu bestätigen und die dagegen erhobene Be-

schwerde abzuweisen. 

7. Gemäss der Regel in Art. 61 lit. a ATSG werden für dieses Verfahren keine 

Kosten erhoben. Der obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein An-

spruch auf Ersatz der Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).

- 30 -

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es werden keine Kosten erhoben.

3. [Rechtsmittelbelehrung]

4. [Mitteilungen]