# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9c9f62f2-1f7d-5c8b-a3e6-24a7d8cc8bfd
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2006-08-14
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Zivilkammern 14.08.2006 NX060025
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_001_NX060025_2006-08-14.pdf

## Full Text

Art. 314 Abs. 2 ZGB, § 25 VRG, Entzug der aufschiebenden Wirkung. Wenn die

aufschiebende Wirkung entzogen wird, muss die Behörde ihre Anordnung auch

sofort durchsetzen. (Erw. 3)

Art. 310 Abs. 1 ZGB, Fremdplatzierung. Kumulation von mangelnden Ressourcen

bei der Mutter und besonderen Bedürfnissen des Kindes. (Erw. 4 und 5)

(Sachverhalt)

1. Die Rekurrentin stammt aus Togo. Dort kamen in den Jahren 1975 und
1977 zwei Töchter zur Welt. 1982 übersiedelte die Rekurrentin in die Schweiz, wo
sie 1983 einen gewissen Fr. heiratete. 1985 wurde sie von diesem geschieden
und zog in die Stadt Zürich. Die ältere Tochter starb 1990 an einer schweren
Krankheit. Um diese Zeit verfügten die Behörden die Fremdplatzierung  der jünge-
ren Tochter, zu welcher die Rekurrentin heute keinen Kontakt mehr pflegt.

1999 kam der Sohn N. zur Welt. Sein Vater anerkannte auf Betreiben der
damaligen Beiständin N.s seine Vaterschaft und zahlt auch regelmässig Unter-
haltsbeiträge. Abgesehen von zufälligen Begegnungen im Quartier besteht kein
Kontakt zu ihm.

Im März 2002 (als N. drei Jahre alt war) nahm die Rekurrentin mit dem So-
zialzentrum Kontakt auf, weil N. aufgrund seines aggressiven Verhaltens aus der
Kinderhütegruppe ausgeschlossen worden war. In der Folge wurde N. notfallmä-
ssig im Zürcher Kinderheim E. untergebracht, und anfangs März 2003 wechselte
er ins Kinderheim P.. Die Rekurrentin sagt zwar, das seien Entscheidungen der
Behörden gewesen - indem sie dagegen nicht opponierte, hat sie ihnen aber min-
destens stillschweigend zugestimmt. N.s Entwicklung war erheblich gestört, und
er wurde im Kinderspital regelmässig untersucht (dazu nachstehend mehr). Vom
P. aus besuchte N. mit drei anderen Kindern den Kleinkindergarten einer privaten
Sonderschule an der H.-strasse in Zürich. Am selben Ort könnte er, die Zustim-
mung der dafür zuständigen Person(en) vorausgesetzt, nun nach den Sommerfe-
rien die erste Klasse besuchen; die Schule wurde vom schulärztlichen Dienst
empfohlen, und die Invalidenversicherung würde das Schulgeld bezahlen.

2. Am 16. Februar 2006 errichtete die Vormundschaftsbehörde der Stadt
Zürich für N. eine Beistandschaft im Sinne von Art. 308 ZGB und ernannte R. S.
vom Sozialzentrum Dorflinde zur Beiständin; gleichzeitig entzog sie der Mutter
von N. die Obhut und ordnete die Unterbringung N.s bei der Familie W. an; dabei
bestimmte sie, einer allfälligen Vormundschaftsbeschwerde werde die aufschie-
bende Wirkung entzogen. Mit den getroffenen Anordnungen entsprach die Behör-
de einem schriftlichen Antrag, welchen die Kleinkindberatung des Sozialzentrums
am 18. Januar 2006 gestellt hatte.

Die gegen den Beschluss vom 16. Februar 2006 erhobene Beschwerde der
Mutter wies der Bezirksrat am 6. April 2006 ab, und er verweigerte dem Rechts-
mittel sinngemäss die aufschiebende Wirkung. Dagegen richtet sich der zu be-

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handelnde Rekurs. Nach Eingang des (schriftlich begründeten) Rekurses be-
schloss auch das Obergericht am 12. Mai 2006, die aufschiebende Wirkung nicht
wieder herzustellen.

In der Folge wurde bekannt, dass die Platzierung N.s bei der Familie W. gar
nicht vorgenommen worden war. Mit Beschluss vom 12. Juni 2006 verbot daher
das Obergericht allen Beteiligten im Sinne einer vorsorglichen Massnahme, an
der Situation N.s irgend etwas zu ändern, um ein Hin und Her zum Nachteil des
Kindes auf jeden Fall zu vermeiden.

Am 13. Juli 2006 wurde die Rekurrentin vom Obergericht mündlich angehört,
die Beiständin Frau S. wurde zur Sache befragt, und der Vertreter der Rekurrentin
konnte sich abschliessend äussern.

(Erwägungen)

3. An die Adresse der Verwaltungsbehörden drängt sich vorweg eine

Bemerkung zum Verfahren auf.

Die Vormundschaftsbehörde hat angeordnet, einer allfälligen Beschwerde

gegen ihre Anordnungen werde die aufschiebende Wirkung entzogen. Das konnte

sie auf Art. 314 Abs. 2 ZGB und auf § 25 Abs. 1 VRG stützen. Der Entzug der

aufschiebenden Wirkung ist angezeigt, wenn eine Massnahme sofort wirken muss

- etwa wenn ein akut gefährdetes Kind aus dem bisherigen Umfeld herausge-

nommen werden soll. Sie kann auch dazu dienen, ein dem Kind schädliches Hin

und Her zu vermeiden - so etwa wenn ein faktisch bereits geschaffener Zustand

im Rechtsmittelverfahren überprüft wird (dazu der erwähnte Beschluss der Kam-

mer vom 12. Mai 2006).

In diesem Sinn war es angezeigt, dass die Vormundschaftsbehörde die Er-

richtung der Beistandschaft und die Bestellung der Vormundin S. mit sofortiger

Wirkung anordnete und einem Rechtsmittel dagegen die aufschiebende Wirkung

entzog. So konnte die Beiständin sofort ihre Aufgabe in Angriff nehmen und für N.

tätig werden. Da die Rekurrentin sowohl den Verbleib N.s im P. als auch seine

Unterbringung bei einer Pflegefamilie ablehnt und ihn zu sich heim nehmen wollte

und will, drohte ein dem Kind schädliches Hin und Her. Auch darum war es richtig,

den Entzug der Obhut mit sofortiger Wirkung anzuordnen. Für die Umplatzierung

N.s zur Familie W. bestand hingegen einstweilen an sich keine Dringlichkeit; zwar

sind sich alle Beteiligten darin einig, dass N. nicht im Kinderheim P. bleiben soll;

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dort ist er aber überhaupt nicht akut gefährdet, und auch der Schuleintritt nach

den Sommerferien wäre weder erschwert noch gehindert, wenn er noch einige

Wochen im P. bliebe. Der Beschluss der Vormundschaftsbehörde, (auch) die An-

ordnung der Umplatzierung zur Pflegefamilie von der aufschiebenden Wirkung ei-

nes Rechtsmittels auszunehmen, bedeutete aber nichts anderes, als dass diese

Umplatzierung sofort, das heisst innert Tagen, geschehen solle. Das scheint die

Behörde freilich gar nicht gewollt zu haben. Sie setzte nämlich die Umplatzierung

nicht durch, und auch die Beiständin erläuterte dem Obergericht (offenbar mit Bil-

ligung der Vormundschaftsbehörde), eine Umplatzierung wie hier geplant sei eine

so einschneidende Massnahme, dass sie nicht überstürzt werden dürfe und

sorgfältig durchgeführt werden müsse.

Die Vormundschaftsbehörde hat also das Eine angeordnet (Umplatzieren)

und das Andere getan (nicht Umplatzieren). Das führte zunächst dazu, dass das

Obergericht den Beschluss über die Wiedererteilung der aufschiebenden Wirkung

auf einer völlig falschen Grundlage fällte - nämlich in der Annahme, N. sei, wie

von der Vormundschaftsbehörde angeordnet, sofort bei der Pflegefamilie unter-

gebracht worden. Zudem, und das ist gravierender, wussten die Beteiligten in die-

ser Situation nicht, was nun gelten solle. Das kann das Vertrauen in die Arbeit der

Behörden untergraben und ist unbedingt zu vermeiden. Vormundschaftsbehörde

und Bezirksrat werden sich in Zukunft daher (noch) sorgfältiger Rechenschaft

darüber geben müssen, was ein Entzug der aufschiebenden Wirkung eines allfäl-

ligen Rechtsmittels im konkreten Fall für rechtliche Wirkungen hat - und dann aber

auch wirklich tun und durchsetzen, was sie selber anordnen.

4. Die Rekurrentin wehrt sich zunächst gegen die Errichtung der Bei-

standschaft. Diese ist anzuordnen, wenn die Eltern in ihrer Sorge um das Kind mit

Rat und Tat unterstützt werden sollen (Art. 308 Abs. 1 ZGB).

Die Rekurrentin anerkennt, dass sie N. nicht ohne Hilfe betreuen und erzie-

hen kann. Schon seinerzeit, als sie sich an das Sozialzentrum wandte, kam sie

mit der Situation nicht selber zurecht und wurde sie dem erst dreijährigen Buben

nicht mehr Meister. Der Vormundschaftsbehörde gegenüber gab sie an, N. habe

damals am Boden geschlafen und nicht gesprochen, obwohl er "schon sprechen

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wollte". Sie schilderte exzessive Trotzanfälle des dreijährigen Knaben, und dass

sie sich hilflos und überfordert fühle. Nun hat er sich im Kinderheim P. offenbar

erfreulich entwickelt. Seine Probleme sind damit aber nicht gelöst. Nach der inso-

weit nicht bestrittenen Darstellung der Beiständin tut er sich zum Beispiel schwer

mit der adäquaten Nähe und Distanz zu anderen Personen. Aufgrund seiner

Wahrnehmungs-Behinderung kommt für den kommenden Schuleintritt eine Re-

gelklasse nicht in Frage - die IV wird die Sonderschule finanzieren müssen. Seine

Mutter hat sodann kein soziales Umfeld, das sie bei Schwierigkeiten tragen oder

unterstützen könnte. Sie pflegt kaum Kontakte in ihrem Wohnquartier; da sie kei-

ne Arbeit hat, gibt es auch keine Arbeitskolleginnen oder -kollegen; ihre ganze

Familie lebt im fernen Afrika. So äusserte sich auch der Vertreter der Rekurrentin

widersprüchlich. Zwar ist auch er der Meinung, dass seine Mandantin im Alltag

Hilfe brauche. Sie nähme die Hilfe auch gerne an (und an der Anhörung wurde

deutlich, dass sie mit der Beiständin R. S. einen unbefangenen und so weit er-

kennbar guten Kontakt pflegt) - aber es müsse ja "nicht gerade in Form einer Bei-

standschaft sein", und eine Hilfestellung "in anderer Form" wäre sinnvoller.

Damit verkennt die Rekurrentin freilich die Situation. Bisher ist es ihr nicht

gelungen, selber und auf privater Basis die Kontakte zu knüpfen und die Hilfe zu

organisieren, derer sie für die Betreuung und Führung N.s bedürfte. Die staatliche

Hilfe aber gibt es (nur) in der Form der Beistandschaft im Sinne von Art. 308 ZGB.

In diesem Punkt ist der Rekurs abzuweisen.

5. Eine andere Frage ist die des Entzuges der Obhut und - damit eng ver-

knüpft - der Unterbringung N.s in der Familie W..

5.1 Die Rekurrentin lässt vorbringen, die Fachleute des Kinderspitals hät-

ten nicht einen Obhutsentzug vorgeschlagen. Die Entscheide der vormundschaft-

lichen Behörden seien "völlig unbegründet, rechtswidrig und unverhältnismässig

sowie verfassungswidrig, ja geradezu willkürlich". Das einzig Richtige sei, ihr das

Kind zurück zu geben und ihr und dem Kind die notwendige Unterstützung im

Alltag zu geben. - Die Empörung der Mutter, die ihr Kind nicht bei sich haben

kann, ist bis zu einem gewissen Grad verständlich. Es trifft auch zu, dass die

Massnahme einschneidend ist und im Sinne des Verhältnismässigkeits-Gebotes

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nur angeordnet werden darf, wenn sie wirklich unumgänglich ist und wenn nicht

andere, mildere Massnahmen Erfolg versprechen. Anderseits darf der zu treffen-

de Entscheid nicht auf Empfindlichkeiten der Mutter Rücksicht nehmen, sondern

hat sich streng am Wohl und an den Bedürfnissen des Kindes zu orientieren.

Die für N. errichtete erste Beistandschaft (zur Klärung der Vaterschaft und

für die Regelung des Unterhalts) wurde im Juli 2000 aufgehoben, als N. gut ein-

jährig war. Die Beiständin berichtete, N. lebe bei seiner Mutter und werde gut be-

treut; sie suche einen Krippenplatz, damit sie wieder arbeiten könne. Bereits im

März 2002 waren allerdings die bereits erwähnten Schwierigkeiten der Rekurren-

tin mit N. so gravierend, dass sie sich an die sozialen Dienste wandte und die Be-

treuung N.s durch das Kinderheim E. in Anspruch nehmen musste. Das Sozial-

zentrum schrieb damals, die Mutter berichte von exzessiven Trotzanfällen des

Buben, dass er (dreijährig!) in der Wohnung "alles kaputt mache"; sie "verstehe

dieses Kind nicht". Die Beraterin stellte fest, dass N. ausschliesslich nonverbal

kommunizierte (das heisst: dass er mit drei Jahren noch nicht sprach), und dass

der Kontakt zwischen Mutter und Kind jedenfalls im Eindruck Aussenstehender

wenig herzlich war. Er spielte immer nur nach den gleichen Mustern, und auf

neue Angebote reagiert er verunsichert und aggressiv. Im November 2002 stellte

das Kinderspital einen erheblichen Rückstand in der körperlichen Entwicklung

fest: N. konnte noch nicht frei Treppen steigen und keinen Ball fangen, auch war

er feinmotorisch ungeschickt, konnte etwa nicht eine Figur ausmalen. Erzählte

Geschichten verstand er nicht sicher, Bücher zerriss er. Im damaligen Alter von

gut drei Jahren und acht Monaten zeigte er einen Wortschatz von rund fünf (!)

Wörtern. Sprachlich war er auf der Stufe eines zwölf Monate alten Kindes. Im Fe-

bruar 2003 berichtete das Kinderspital, die Sprachschwierigkeiten hätten jeden-

falls nichts mit einer Schwerhörigkeit zu tun, wie die Mutter vermutet hatte; eine

Sprachtherapie sei dringend indiziert, ein heilpädagogischer Kindergarten optimal

und eine Heimplatzierung sinnvoll. Einer Standortbestimmung des Kinderhauses

E. vom Mai 2003 zufolge konnte N. im damaligen Alter von vier Jahren und einem

Monat seinen Namen und den der anderen Gruppenkinder nennen, und er bildete

Sätze von zwei und drei Wörtern, entsprechend einem Entwicklungsstand von 20

Monaten. Er konnte sich an- und ausziehen, hatte aber noch Mühe mit Reissver-

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schlüssen und Knöpfen, wie es für ein zweieinhalbjähriges Kind altersgemäss

gewesen wäre. Eine Abklärung des Kinderspitals vom November 2003 ergab er-

hebliche Fortschritte, aber auch noch grosse Defizite in der Sprachentwicklung,

so konnte N. rund die Hälfte gezeigter Gegenstände benennen und gewisse Um-

schreibungen anwenden (Haus für Zelt, Katze für Fuchs), sein Wortschatz war

immer noch klein und seine Aussprache schwer verständlich. Da er anderseits

Freude an der Sprache zu haben schien, empfahlen die Fachleute dringend einen

Sprachheilkindergarten. Im Kindergarten wurde im Dezember 2003 festgestellt,

dass N. auch in Spielsituationen durch Erwachsene gestützt werden musste,

sonst reagierte er gegenüber anderen Kindern auf vermeintliche Kränkungen mit

Tobsuchtsanfällen. Sein ganzes Verhalten war noch ausgesprochen kleinkindlich;

das Wort "ich" konnte er (im Alter von vier Jahren und neun Monaten) noch nicht

verwenden; immerhin war er "seit kurzem" auch nachts trocken und ging er selb-

ständig auf die Toilette. Im Januar 2004 wurde N. von der Abteilung Wachstum

und Entwicklung des Kinderspitals untersucht. Mit Ausnahme des Bereiches

"Puzzles", wo ein geringer Vorsprung bestand, wurden nach wie vor Rückstände

beobachtet; im Bereich (unvertraute) Situationen resultierte ein Entwicklungsstand

von zwei Jahren und zehn Monaten gegenüber den effektiven vier Jahren und

zehn Monaten. Diagnostiziert wurden ein allgemeiner Entwicklungsrückstand, ei-

ne Spracherwerbsstörung und motorische Ungeschicklichkeit. Im November

2004, N. war fünf Jahre und acht Monate alt, berichtete der heilpädagogische

Kindergarten von Fortschritten N.s im grob- und feinmotorischen Bereich sowie im

Verhalten gegenüber anderen Kindern. Hingegen sei er von neuen Situationen

und Übergängen ebenso überfordert, und es zeigten sich eher Rückschritte, ge-

genüber Verbesserungen im Intellektuellen und Kognitiven. Emotional bestehe ein

grosses Manko; er brauche ein gut strukturiertes Umfeld und vertraute Bezugs-

personen. Im Dezember 2004 stellte die Abteilung Wachstum und Entwicklung

des Kinderspitals erhebliche Fortschritte fest, gleichzeitig aber einen sehr unaus-

geglichenen Entwicklungsstand mit Schwächen im Sprachlichen und im Sozialen;

eine gute Pflegefamilie wäre "sehr wichtig". Im Januar 2005, bald sechsjährig,

konnte N. im Test der logopädischen Abteilung des Kinderspitals von 42 ihm vor-

gesagten Sätzen 25 verstehen; andere Formen als das Präsens verstand und

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verwendete er nicht, die Hauptsatzstruktur (wer macht was wie) hatte er noch

nicht fertig erworben, und gewisse einfache Sätze wären einem Aussenstehenden

unverständlich gewesen. Eine gut strukturierte Arbeitsatmosphäre war für den

Erfolg der Aufgaben wichtig. Bis im Dezember 2005 (Alter: sechs Jahre und neun

Monate) verbesserte sich Einiges, doch verstand N. nach wie vor wichtige Details

einer Geschichte nicht, war sein Wort-schatz nicht altersentsprechend und seine

Aussprache zum Teil schwer verständlich. Aus dem laufenden Jahr stammen drei

Berichte: Die Kindergärtnerin am Kinderspital berichtet, N. habe etwas lesen ge-

lernt, könne schreiben und zählen; wegen seines geringen Wortschatzes gebe es

allerdings noch Verständnis-Probleme, und beim Spielen gehe es oft hektisch und

ohne ersichtlichen Spielablauf zu. Die Schulleiterin des sonderpädagogischen

Tages-Kindergartens erlebt N. kognitiv wach und neugierig, aber auch emotional

sehr bedürftig und kleinkindlich, mit wenig sozialer Kompetenz; sie empfiehlt eine

Pflegefamilie mit guten, klaren Strukturen, und aus diesen heraus regelmässigen

Kontakt zur Mutter. Im Kinderhaus P. fällt nach wie vor die Sprachstörung auf;

beim Spielen mit Gleichaltrigen sei N. nach wie vor oft überfordert vom Tempo

oder vom Verständnis der Regeln. Die Einschulung in der Regelklasse kommt

trotz eines ausserordentlichen dritten Jahres im Kindergarten nicht in Frage; N.

wird nach dem Entscheid der Schulbehörden nach den Sommerferien eine son-

derpädagogische Kleinklasse besuchen, welche von der IV finanziert werden

wird. Nach der Einschätzung der Beiständin fehlt N. noch die adäquate Einschät-

zung von Nähe und Distanz zu anderen Personen. Problematisch seien seine

Stimmungsschwankungen, welche von geringen Veränderungen ausgelöst wer-

den könnten; wichtig sei daher eine grosse Zuverlässigkeit, was eine optimale

Absprache mit der Schule erfordere.

N. hat demnach einen zu gewissen Zeiten ausgeprägten Entwicklungsrück-

stand gezeigt. Dieser wurde sukzessive verkleinert, doch bedarf er weiterhin der

gezielten Betreuung und Förderung. Sprachlich bestehen nach wie vor erhebliche

Defizite, welche es N. erschweren, seinen Platz zu finden und seine weitere Ent-

wicklung zu bestehen. Emotional hat er Mühe mit Gleichaltrigen, wichtig ist eine

gute und verlässliche Führung in einem stabilen Umfeld. Er wird nun mit sieben-

einhalb Jahren in die erste Klasse eintreten können, aber nur in der von der IV fi-

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nanzierten Kleinklasse einer Sonderschule. Er ist also trotz erfreulicher Fort-

schritte durchaus (noch) kein durchschnittliches Kind, sondern bedarf aufgrund

seiner besonderen Schwierigkeiten ausgeprägter Förderung und Betreuung.

5.2 Die Möglichkeiten der Mutter, N. in dieser schwierigen Situation zu un-

terstützen, sind begrenzt. Zu beachten sind zunächst ihre ausgesprochen schwa-

chen Sprachkenntnisse. Früher unterhielt sie sich mit N. in einem Gemisch aus ih-

rer afrikanischen Muttersprache, französisch und deutsch. Auf Empfehlung der

Fachleute spricht sie nach eigener Aussage mit N. nun nur noch deutsch. Bei der

Vormundschaftsbehörde nahm sie allerdings die Hilfe eines Dolmetschers in An-

spruch, und anlässlich der Anhörung am Obergericht wurde ebenfalls zuerst

übersetzt. Nach einiger Zeit wechselte der Vorsitzende in die deutsche Sprache,

und in den Pausen unterhielt sich die Rekurrentin mit der Beiständin auf deutsch -

allerdings ist das ein höchst rudimentäres Deutsch mit äusserst kleinem Wort-

schatz und abenteuerlicher Grammatik, das bestenfalls als Sich-Verständlich-

Machen bezeichnet werden kann. Überdies war festzustellen, dass auch das

Französisch der Rekurrentin ausgesprochen mangelhaft ist. Diese nur rudimentä-

ren Fertigkeiten in europäischen Sprachen sind auffallend, lebt die Rekurrentin

nun doch seit mehr als einem Vierteljahrhundert in der Schweiz; dass ein

Deutschkurs eine "gute Idee" wäre, scheint daher keine baldige Verbesserung zu

versprechen. Zu ergänzen ist hier, dass N.s Sprachprobleme nicht nur von den

Defiziten seiner Mutter in Fremdsprachen herrühren. Als sie mit dem damals

dreijährigen Buben die Hilfe der Behörden suchte, sprach er nach ihrer Schilde-

rung (überhaupt) nicht, also insbesondere auch nicht in ihrer afrikanischen Mut-

tersprache, welcher sie sich ihm gegenüber damals noch bediente.

Sozial ist die Rekurrentin völlig isoliert. Sie pflegt in Zürich keine Kontakte

(mehr) und brachte N. bisher nicht mit anderen Kindern zusammen, obschon er

jede Woche einen Nachmittag und ein langes Wochenende bei und mit ihr ver-

bringt; dass sie ihm "helfen [will], mit anderen Kindern zu spielen", scheint daher

nicht Erfolg versprechend. Im Bericht des Sozialzentrums wird angegeben, die

Rekurrentin höre Stimmen und nehme in ihrer Wohnung irrationale Dinge war. In

der Befragung durch die Vormundschaftsbehörde sagte sie, dass sie daran "nicht

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mehr" glaube. Sie habe den Pfarrer geholt, damit dieser mit ihr bete, und auch der

Hauswart habe ihr versichert, dass an der Wohnung nichts Ungutes sei. Wenn sie

von der Sache erzähle, glaube es niemand, und es habe keinen Sinn, darüber zu

reden; woher "diese Dinge" kommen, die sie weder in Togo noch in anderen

Wohnungen in der Schweiz erlebte, wisse sie nicht.

Die Rekurrentin zeigt Schwierigkeiten, ihre Kinder und ihre Bedürfnisse zu

verstehen, resp. darauf selber angemessen zu reagieren. Ihre 1977 geborene

Tochter entzog sich ihrer Führung schon im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren

(genau weiss es die Rekurrentin nicht mehr); es wurde eine Beistandschaft er-

richtet und das Kind nach der Erinnerung der Rekurrentin "in verschiedenen Hei-

men" untergebracht. Die Mutter pflegt keinen Kontakt zur Tochter, da diese "mit

den falschen Leuten" verkehre und nicht auf sie höre. - Dass die Rekurrentin sei-

nerzeit im Frühjahr 2002 Hilfe suchte und die Platzierung N.s zuerst im E., dann

im P. akzeptierte, spricht für Einsicht und Kooperation. Mittlerweile verhält es sich

damit allerdings anders. Sie meint, es sei mit N. "alles normal", und sie tut sich

schwer damit, ihre Bedürfnisse und die N.s zu trennen: "Warum soll ich ein Kind

haben, wenn ich es dann verliere?". Sie glaubt, mit einem eigenen Zimmer, Spiel-

zeug etc. seien die Bedürfnisse des Kindes gedeckt. Die notwendige und von der

IV finanzierte Sonderschulung (welche es an ihrem Wohnort nicht gibt) möchte sie

nicht weiter führen, da der Schulweg von Seebach aus zu weit sei, und auch als

Übergangslösung für einen späteren Wechsel in die Regelklasse kann sie sich

damit nicht befreunden. Die Zusammenarbeit mit dem "P." war bisher nicht ein-

fach, da die Rekurrentin Mühe hatte, aktuelle Probleme und N.s Situation allge-

mein mit den Betreuern zu diskutieren.

5.3 In dieser Situation ist nicht zu erkennen, welche andere und mildere

Massnahme als die Fremdplatzierung mit Obhutsentzug es ermöglichen könnte,

N. die notwendige feste Struktur und die erforderliche schulische und soziale För-

derung zukommen zu lassen. Dabei ist zu unterstreichen, dass dafür weder die

mangelnde Integration der Afrika-stämmigen Rekurrentin noch ihre schwachen

Sprachkenntnisse und auch nicht die Defizite N.s allein massgebend sind - es

dürfte viele Kinder in ähnlichen Situationen geben, welche nicht fremdplatziert

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werden müssen. Es sind diese Schwierigkeiten der Mutter erst in Verbindung mit

den spezifischen Entwicklungsrückständen und Problemen N.s, verbunden mit

der fehlenden Einsicht der Rekurrentin in die Notwendigkeit einer besonderen

Förderung, welche den Entzug der Obhut verlangen. Alle Beteiligten und die in-

volvierten Fachleute sind sich sodann einig, dass N. nicht im "P." bleiben soll, wo

er zwar professionell und mit Kontakten zu anderen Kindern betreut wird, aber

doch nicht die feste Struktur, die Zuwendung und die Geborgenheit einer Familie

erfährt. Angezeigt ist daher die Platzierung in einer Pflegefamilie, wie es die Vor-

mundschaftsbehörde angeordnet hat.

Dabei ist ein Zweifaches zu ergänzen: Zum Einen hat es nicht die Meinung,

dass die Rekurrentin ihr Kind "verlieren" soll, wie sie sich einmal ausdrückte. Der

intensive Kontakt (bisher an einem Halbtag unter der Woche, regelmässig am

Wochenende und ferner auch in den Ferien) soll nicht vermindert werden, wenn

auch möglicherweise gewisse Anpassungen an eine neue Wohn- und Betreu-

ungssituation erforderlich sein können - man denke etwa an besondere Anlässe

und Unternehmungen in einer Pflegefamilie. Zum Anderen ist die heute zu tref-

fende Lösung nicht bis zur Volljährigkeit N.s unabänderlich, sondern sie ist regel-

mässig zu überprüfen (mindestens wohl im zweijährigen Rhythmus der Berichte

der Beiständin).

5.4 Die vorgesehene Pflegefamilie W. wohnt in Zürich an der Neugasse im

Kreis 5. Sowohl die Umgebung als auch besonders die Familie wurden eingehend

evaluiert; beide Partner sind berufstätig, können sich aber die Zeit für Familie und

Haushalt nehmen und einteilen. Ihr Sohn ist zwei Jahre älter als N. und könnte

sich das Zusammenleben mit einem anderen Buben gut vorstellen; der Vater hat

Familien-Erfahrung aus einer früheren ersten Ehe und durchlebte schwierige

Zeiten mit der Krankheit seines älteren Sohnes. Für N. (und für die Rekurrentin)

könnte von Interesse sein, dass die Familie mit dem damals noch kleinen Luc ei-

nige Monate in Afrika lebte. Die Wohnung wird als eher eng, mittelfristig wohl als

zu eng, beurteilt, hingegen gebe es viele andere Familien mit Kindern und einen

kinderfreundlichen Innenhof; die Familie hat auch die Möglichkeit, für Wochenen-

de oder Ferien ins Ferienhaus im Jura zu reisen. Die Schule N.s (an der Hoch-

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strasse) ist für ihn ohne Hilfe einstweilen noch nicht erreichbar, doch wird er den

Schulweg wie bisher vom "P." her mit dem Taxi zurücklegen (auch von der Woh-

nung seiner Mutter in Seebach aus müsste er wohl mit dem Taxi zur Schule ge-

bracht werden).

Wenn N. in einer Pflegefamilie untergebracht werden muss (und das ist der

Fall), ist die vorgesehene Familie W. dafür geeignet. Die Einwendungen der Re-

kurrentin hängen offenkundig mehr mit ihrer Ablehnung einer Fremdplatzierung

überhaupt zusammen als mit der konkret vorgesehenen Familie. Dass der Kreis 5

(das frühere "Industriequartier") sich für Kinder generell nicht eigne, stimmt so

nicht; und die Abklärungen haben ergeben, dass konkret die Häuser der Dr. Ste-

phan à Porta-Stiftung, wo die Familie W. wohnt, sehr wohl kinder- und familien-

freundlich sind. Auch dass Stefan W. Berner ist wie der geschiedene Mann der

Rekurrentin, spricht nicht im Ernst gegen seine Eignung als Pflegevater.

Die Unterbringung N.s bei der Familie W. ist daher ebenfalls zu bestätigen.

6. Die im Rahmen des Rekursverfahrens getroffene vorsorgliche Mass-

nahme, dass N.s Situation einstweilen nicht verändert werden darf, ist auf den

Zeitpunkt der Rechtskraft dieses Entscheides aufzuheben - sie gilt also insbe-

sondere noch während der Frist zur Erhebung der Berufung an das Bundesge-

richt und während eines allfälligen solchen Rechtsmittelverfahrens (Art. 58 OG).

Vormundschaftsbehörde und Beiständin können sich über den Eintritt der Rechts-

kraft bei der Kanzlei des Obergerichtes kundig machen.

Obergericht, II. Zivilkammer
Beschluss vom 14. August 2006

NX060025