# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0bf3345f-546b-56de-9569-05014295ebff
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-12
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsgericht 12.12.2022 B 2022/210
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VG_001_B-2022-210_2022-12-12.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: B 2022/210

Stelle: Verwaltungsgericht

Rubrik: Verwaltungsgericht

Publikationsdatum: 14.02.2023

Entscheiddatum: 12.12.2022

Entscheid Verwaltungsgericht, 12.12.2022
Kostenverlegung, Art. 95 und Art. 98 Abs. 1 VRP. Neuverlegung der 
amtlichen und ausseramtlichen Kosten im kantonalen Beschwerdeverfahren 
nach Rückweisung durch das Bundesgericht (Verwaltungsgericht, 
B 2022/210).

Entscheid vom 12. Dezember 2022

Besetzung

Abteilungspräsident Zürn; Verwaltungsrichterin Reiter, Verwaltungsrichter Zogg; 

Gerichtsschreiberin Schmid Etter

Verfahrensbeteiligte

A.__, ehemals Ausschaffungsgefängnis, Ifangstrasse 5, 9602 Bazenheid,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwältin MLaw Sonja Comte, AsyLex, Gotthardstrasse 52, 

8002 Zürich,

gegen

Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen, Unterstrasse 28, 

9001 St. Gallen,

Vorinstanz,

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und

Migrationsamt, Oberer Graben 38, 9001 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Bundesgerichtsurteil vom 23. November 2022: Rückweisung betr. Neuverlegung 

der Kosten und Entschädigungen betr. Ausschaffungshaft (Art. 77 AIG), [vormals 

B 2022/64]

 

Das Verwaltungsgericht stellt fest:

A.

A.__, geb. 1999, stammt aus Mali. Er reichte am 10. September 2015 ein Asylgesuch 

ein. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) wies das Asylgesuch mit Verfügung vom 

8. Dezember 2016 ab und wies ihn aus der Schweiz weg. Eine dagegen erhobene 

Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 6. April 2017 ab, 

worauf A.__ unbekannten Aufenthalts war. Am 17. Mai 2019 ersuchte A.__ das SEM 

erfolglos um Wiedererwägung des ablehnenden Asylentscheids. Die dagegen erhobene 

Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Entscheid vom 10. Juli 2019 ab. 

Auf ein Gesuch um Unterbreitung als Härtefall trat das Migrationsamt des Kantons 

St. Gallen am 29. September 2021 nicht ein.

B.

Mit Haftbefehl vom 10. März 2022 wurde A.__ gestützt auf Art. 77 des Bundesgesetzes 

über die Ausländerinnen und Ausländer und die Integration (SR 142.20, AIG) für 

maximal 60 Tage in Ausschaffungshaft versetzt (Festnahme am 15. März 2022). Die 

zuständige Einzelrichterin der Verwaltungsrekurskommission bestätigte mit Entscheid 

vom 16. März 2022 den Haftbefehl gegen A.__ bis 13. Mai 2022. Nachdem A.__ am 

17. März 2022 den Abflug nach Mali verweigert hatte, gelangte er am 24. März 2022 

hiergegen an das Verwaltungsgericht. Dieses wies die Beschwerde mit Entscheid vom 

21. April 2022 ab (Verfahren B 2022/64). Das Verwaltungsgericht ging davon aus, dass 

bei A.__ (Beschwerdeführer) die Voraussetzungen für die Anordnung der 

Ausschaffungshaft für die Dauer von 60 Tagen nach Art. 77 AIG erfüllt seien und seine 

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Festhaltung verhältnismässig sei. Am 6. Mai 2022 wurde A.__ aus der 

Ausschaffungshaft entlassen.

C.

Das Bundesgericht hiess die vom Beschwerdeführer gegen den Entscheid des 

Verwaltungsgerichts vom 21. April 2022 erhobene Beschwerde am 23. November 2022 

teilweise gut, hob den angefochtenen Entscheid auf und stellte fest, dass die 

Inhaftierung des Beschwerdeführers (Ausschaffungshaft nach Art. 77 AIG) 

widerrechtlich erfolgt sei, weil der Vollzug der Wegweisung bei der Anordnung der 

Ausschaffungshaft nach Art. 77 AIG nicht als absehbar habe gelten können. Es wies 

die Angelegenheit zur Neuregelung der Kosten- und Entschädigungsfrage in den 

kantonalen Verfahren an das Verwaltungsgericht zurück.

 

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:

1.

Das Bundesgericht hat den verwaltungsgerichtlichen Entscheid B 2022/64 vom 

21. April 2022 aufgehoben und festgestellt, die ausländerrechtliche Inhaftierung des 

Beschwerdeführers nach Art. 77 AIG sei widerrechtlich erfolgt. Damit wäre – auch 

wenn das Bundesgericht die Beschwerde nur teilweise gutgeheissen hat – dem 

Begehren des Beschwerdeführers in den kantonalen Verfahren, er sei aus der Haft zu 

entlassen, zu entsprechen gewesen. Damit ist der Beschwerdeführer bei der 

Kostenverlegung in den kantonalen Verfahren als vollumfänglich obsiegend zu 

behandeln, und ihm steht eine volle ausseramtliche Entschädigung zu. Die 

Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat im Beschwerdeverfahren vor 

Verwaltungsgericht ein Honorar von CHF 1'848 (5.49 Stunden à CHF 220, 

5.82 Stunden à CHF 110) sowie Barauslagen von CHF 16.30 geltend gemacht (act. 3/9) 

was als angemessen bezeichnet werden kann. Ein begründeter Antrag auf 

Mehrwertsteuer wurde nicht gestellt (Art. 29 der Honorarordnung, sGS 963.75, HonO). 

Kostenpflichtig ist der Staat (Migrationsamt).

Im vorinstanzlichen Verfahren war der Beschwerdeführer hingegen nicht vertreten, 

weshalb dafür keine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen ist. Amtliche Kosten 

fielen weder im Beschwerde- noch im vorinstanzlichen Verfahren an.

2.

Für den vorliegenden Entscheid sind weder amtliche Kosten zu sprechen und zu 

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erheben (Art. 97 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP) 

noch ausseramtliche Kosten zu entschädigen (Art. 98  VRP in Verbindung mit Art. 107 

Abs. 1 lit. f der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO).

 

Demnach erkennt das Verwaltungsgericht auf dem Zirkulationsweg zu Recht:

1.

Der Staat (Migrationsamt) entschädigt den Beschwerdeführer für das 

Beschwerdeverfahren mit CHF 1'864.30 (inkl. Barauslagen, ohne Mehrwertsteuer).

2.

Für diesen Entscheid werden weder amtliche Kosten erhoben noch ausseramtliche 

Entschädigungen zugesprochen.

 

ter

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	Entscheid Verwaltungsgericht, 12.12.2022
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