# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a8b97bf5-da3f-5be8-8cf4-300040551c76
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-10-20
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 20.10.2021 D-4039/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4039-2021_2021-10-20.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4039/2021 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 0 .  O k t o b e r  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richterin Roswitha Petry, Richter Walter Lang, 

Gerichtsschreiber Daniel Widmer. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Staat unbekannt 

(gemäss eigenen Angaben China [Volksrepublik]),   

vertreten durch Samuel Baumgartner, Rechtsanwalt, 

(…),  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Wiedererwägungsgesuch; 

Verfügung des SEM vom 3. September 2021 / N (…). 

 

 

 

D-4039/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin suchte am (…) in der Schweiz um Asyl nach. 

 

Zur Begründung ihres Gesuchs machte sie im Wesentlichen geltend, sie 

sei chinesische Staatsangehörige tibetischer Ethnie und habe seit Geburt 

im Dorf B._______ (Gemeinde C._______, Bezirk D._______, Präfektur 

E._______, Provinz F._______) in der autonomen Region Tibet gelebt. Als 

die Polizei im Zusammenhang mit einer Demonstration vom (…), an der 

sie teilgenommen habe, gekommen sei und mehrere Personen festgenom-

men habe, habe sie die Flucht ins Ausland angetreten. 

 

A.b Mit Verfügung vom 4. Februar 2015 stellte das SEM fest, dass die Be-

schwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, lehnte deren 

Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete 

den Vollzug an, wobei es den Vollzug nach China ausschloss. 

 

A.c Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungs-

gericht mit Urteil D-1455/2015 vom 26. Mai 2015 gutgeheissen, soweit die 

Aufhebung der angefochtenen Verfügung beantragt wurde, und die Sache 

zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung und Neubeurteilung an die Vo-

rinstanz zurückgewiesen. 

A.d Eine in der Folge vom SEM veranlasste sprach- und landeskundliche 

Herkunftsanalyse durch die Fachstelle LINGUA vom 5. Oktober 2015 kam 

insbesondere zum Schluss, dass die Sozialisation der Beschwerdeführerin 

sehr wahrscheinlich in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb Chi-

nas erfolgt sei. 

A.e Mit Verfügung vom 22. Februar 2016 stellte das SEM erneut fest, dass 

die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle, lehnte de-

ren Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete 

den Vollzug an, wobei es den Vollzug nach China wiederum ausschloss. 

 

A.f Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom Bundesverwaltungs-

gericht mit Urteil D-1806/2016 vom 5. Februar 2018 abgewiesen. 

B.  

Am 4. August 2021 reichte die Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsver-

treter beim SEM eine als "Wiedererwägungsgesuch nach Art. 111b AsylG" 

D-4039/2021 

Seite 3 

(SR 142.31) bezeichnete Eingabe ein. Zur Begründung machte sie im We-

sentlichen geltend, am 24. Oktober 2020 habe die "Neue Zürcher Zeitung" 

(NZZ) enthüllt, dass mehrere Dokumente der Fachstelle LINGUA an Dritte 

gelangt seien, darunter auch Berichte des Experten "AS19". Dessen Be-

richte seien von Tibetologen regelrecht zerrissen worden. Die Berichte hät-

ten substanzielle Defizite und nicht akzeptable Fehler und wiesen so viele 

Mängel auf, dass eine neutrale und objektive Evaluation nicht möglich sei. 

Die Berichte von AS19 hielten wissenschaftlichen Ansprüchen nicht stand. 

AS19 sei in der Tibetologie auf dem Forschungsstand der achtziger Jahre 

stehengeblieben und seine Aussagen tönten wie die offizielle chinesische 

Staatspropaganda. Zudem sei in einem Bericht von "La Liberté" vom 

22. Juni 2021 im Zusammenhang mit dem Experten "TAS09" Kritik geäus-

sert worden. Mit Blick auf die Berichterstattung über die zweifelhaften LIN-

GUA-Berichte habe der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin sofort 

nach Erteilung des Mandats am 16. Juli 2021 beim SEM ein Gesuch um 

Akteneinsicht gestellt. Diese sei ihm mit Verfügung vom 21. Juli 2021 teil-

weise gewährt worden. Daraus gehe namentlich hervor, dass es sich beim 

Experten, welcher eine Drittmeinung über die Beschwerdeführerin abge-

geben habe, um den in Verruf geratenen AS19 handelte. Folglich müsse 

davon ausgegangen werden, dass der LINGUA-Bericht, welcher die Basis 

für die Ablehnung des Asylgesuchs der Beschwerdeführerin dargestellt 

habe, nicht von einem Experten verfasst worden sei, welcher in Sachen 

Qualifikation, Objektivität und Neutralität den höchstrichterlichen Anforde-

rungen genügt habe. Die erwähnten Enthüllungen könnten insbesondere 

als nachträglich entstandene Beweismittel oder als neue erhebliche Tatsa-

schen betrachtet werden. Folglich sei dem Begehren der Beschwerdefüh-

rerin, ihr Asylgesuch in Wiedererwägung zu ziehen, stattzugeben. Des 

Weiteren sei unklar, ob auch der ebenfalls zweifelhafte TAS09 an den LIN-

GUA-Berichten über die Beschwerdeführerin mitgewirkt habe. Sollte auf 

das Wiederwägungsgesuch nicht eingetreten werden, müsste ihrem 

Rechtsvertreter auf jeden Fall volle Akteneinsicht gewährt werden. In ver-

fahrensrechtlicher Hinsicht wurde zudem um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung inklusive Rechtsverbeiständung ersucht. 

Zur Untermauerung der Vorbringen wurden die erwähnten, in der NZZ und 

La Liberté erschienen Berichte und ein Einvernahmeprotokoll vom (…) 

September 2020 zu den Akten gegeben. 

C.  

Mit Verfügung vom 3. September 2021 – eröffnet am 6. September 2021 – 

trat das SEM auf das Wiedererwägungsgesuch vom 4. August 2021 nicht 

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ein, erklärte seine Verfügung vom 22. Februar 2016 für rechtskräftig und 

vollstreckbar, wies die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung und vollständigen Akteneinsicht ab und erhob eine Gebühr in 

der Höhe von Fr. 600.–. Gleichzeitig hielt es fest, einer allfälligen Be-

schwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

D.  

Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin durch ihren 

Rechtsvertreter mit Eingabe vom 10. September 2021 beim Bundesver-

waltungsgericht Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefoch-

tenen Verfügung und die Rückweisung der Sache zwecks Eintretens auf 

das Wiedererwägungsgesuch und insbesondere erneuter Durchführung 

der Herkunftsabklärung. Eventualiter sei die Verfügung des SEM vom 

3. September 2021 aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das 

Wiedererwägungsgesuch einzutreten und der Beschwerdeführerin volle 

Akteneinsicht zu gewähren. In prozessualer Hinsicht sei ihr die unentgelt-

liche Prozessführung zu gewähren (inklusive Übernahme der Kosten für 

die bisherige Vertretung vor der Vorinstanz und Übernahme der Gebühr 

der Vorinstanz in der Höhe von Fr. 600.– für die angefochtene Verfügung), 

soweit die Gebühren nicht auf die Staatskasse genommen würden. Auf die 

Begründung der Rechtsbegehren wird, soweit entscheidwesentlich, in den 

nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

Der Beschwerde war insbesondere ein im "Beobachter" vom 9. September 

2021 veröffentlichter Bericht betreffend Herkunftsabklärungen von Tibete-

rinnen und Tibetern durch das SEM beigelegt. 

E.  

Mit Verfügung vom 13. September 2021 setzte die Instruktionsrichterin den 

Vollzug der Wegweisung im Sinne einer superprovisorischen Massnahme 

gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Da Wiedererwägungs-

entscheide gemäss Lehre und Praxis grundsätzlich wie die ursprüngliche 

Verfügung auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden 

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können, ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorlie-

genden Beschwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 

– in der Regel und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG). 

 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VwVG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-

schwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie 

ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel 

in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (Spruchkörper; Art. 21 

Abs. 1 VGG). Das Gericht kann – wie vorliegend – auch in solchen Fällen 

auf die Durchführung eines Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 

AsylG). 

4.  

4.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-

regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM 

innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich 

und begründet einzureichen; das Verfahren richtet sich im Übrigen nach 

den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG (Art. 111b 

Abs. 1 AsylG). 

 

4.2 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-

gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an 

eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. 

BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-

fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem 

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blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisi-

onsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen (zum soge-

nannten "qualifizierten Wiedererwägungsgesuch" vgl. BVGE 2013/22 

E. 5.4 m.w.H.). Ebenfalls im Rahmen einer Wiedererwägung zu prüfen sind 

Beweismittel, die erst nach dem Beschwerdeentscheid entstanden sind.  

4.3 Das SEM hat die Eingabe vom 4. August 2021 zu Recht als Wiederer-

wägungsgesuch entgegengenommen, ist jedoch darauf nicht eingetreten.  

 

4.4 Anfechtungsgegenstand der vorliegenden Beschwerde ist mithin der 

Nichteintretensentscheid des SEM vom 3. September 2021. Das Be-

schwerdeverfahren beschränkt sich somit auf die Prüfung der Frage, ob 

die Vorinstanz zu Recht auf die Eingabe der Beschwerdeführerin vom 

4. August 2021 nicht eingetreten ist. 

 

Die Beschwerdeinstanz enthält sich – sofern sie den Nichteintretensent-

scheid als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen Prü-

fung; sie hebt die angefochtene Verfügung auf und weist die Sache zu 

neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurück (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1 

m.w.H.). 

 

5.  

5.1 Das SEM hielt in seiner angefochtenen Verfügung vorab fest, Wieder-

erwägungsgesuche müssten gehörig begründet sein, so dass die Behörde 

in der Lage sei, über das Gesuch entscheiden zu können, auch ohne dass 

sie die gesuchstellende Person vorher anhörte. Sofern eine gesuchstel-

lende Person ihrer Begründungspflicht nicht nachkomme oder die Eingabe 

inhaltlich haltlos sei, habe die Behörde gemäss Art. 111b Abs. 2 AsylG in 

Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 VwVG neben der formlosen Abschreibung 

die Option, auf das Gesuch nicht einzutreten (vgl. BVGE 2014/39 E. 7).  

 

Der sachverständigen Person AS19 werde im zitierten NZZ-Bericht unter 

anderem vorgeworfen, ihr Wissensstand sei auf dem Stand der 1980er-

Jahre stehengeblieben. Das sei nachweislich falsch. Die sachverständige 

Person sei bestens informiert über den aktuellen Forschungsstand in ihrem 

Fachgebiet, werte neue Publikationen regelmässig aus und ziehe sie für 

ihre Analysen bei. Dies könne von LINGUA anhand der Analysen überprüft 

werden. Die sachverständigen Personen seien Wissenschaftler, die Daten 

analysierten, um eine sehr konkrete Frage zu beantworten, nämlich die, ob 

eine Person tatsächlich in dem von ihr angegebenen Gebiet hauptsächlich 

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sozialisiert worden sei. Das Resultat einer LINGUA-Analyse basiere aus-

schliesslich auf einem zu diesem Zweck geführten Interview und den darin 

enthaltenen Angaben. Die sachverständigen Personen hätten keinen Zu-

griff auf die Asyldossiers und es werde ihnen keine Informationen daraus 

mitgeteilt. Weiter sei darauf hinzuweisen, dass der erwähnte Artikel eine 

Reihe von irreführenden, teilweise auch falschen Informationen sowie un-

belegte Aussagen enthalte. So betreibe das SEM keineswegs eine "Ge-

heim-Abteilung". Auf der Website des SEM finde sich im Gegenteil eine 

ausführliche Beschreibung der Fachstelle LINGUA sowie ihrer Arbeits-

weise. Mit keinem Wort werde sodann im Artikel erwähnt, dass die Fach-

stelle LINGUA in internationalen Wissenschaftskreisen hohes Ansehen ge-

niesse, ihre Methodologie und ihre Qualität als vorbildlich gelten und die 

entsprechenden Verfügungen des SEM vom Bundesverwaltungsgericht 

über Jahre hinweg regelmässig bestätigt worden seien. Was das zu den 

Akten gereichte Einvernahmeprotokoll der Kantonspolizei G._______ vom 

(…) September 2020 betreffe, sei nicht ersichtlich, was damit belegt wer-

den solle. Das SEM habe nicht in Zweifel gezogen, dass die Beschwerde-

führerin tibetischer Abstammung und Ethnie sei. Sie habe jedoch keinen 

ununterbrochenen Aufenthalt in Tibet von Geburt an bis zur Ausreise im 

(…) – wie sie dies in ihrem Asylverfahren geltend gemacht habe – glaubhaft 

machen können und es sei vielmehr davon auszugehen, dass sie vor ihrer 

Ankunft in der Schweiz nicht in China, sondern in der exiltibetischen 

Diaspora gelebt habe. Damit verunmögliche sie dem SEM weiterhin eine 

Prüfung, in welchen Heimatstaat oder Drittstaat sie allenfalls zurückkehren 

könnte. Gestützt auf Art. 111b Abs. 2 AsylG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 

VwVG trete das SEM somit auf das Wiedererwägungsgesuch nicht ein, da 

sich die Vorbringen als inhaltlich haltlos erwiesen hätten, zumal die Be-

schwerdeführerin an den nicht glaubhaften Angaben aus dem ursprüngli-

chen Verfahren festhalte. Den Antrag auf Gewährung der vollständigen Ak-

teneinsicht bei einem allfälligen Nichteintretensentscheid wies das SEM 

unter Verweis auf sein Schreiben vom 21. Juli 2021 ab. 

 

5.2 Dem wird in der Beschwerde (vgl. S. 6 ff.) entgegengehalten, das SEM 

habe die angefochtene Verfügung floskelhaft begründet. Dem Bericht im 

Beobachter könne entnommen werden, dass das SEM nach einer angeb-

lich durchgeführten Prüfung der Kritikpunkte an seinen LINGUA-Experten 

für Tibet festhalte. In dem Beobachter-Artikel halte eine Professorin für Re-

ligionswissenschaften und zentralasiatische Kulturwissenschaften, welche 

bereits im letzten Herbst Kritik an AS19 geäussert habe, an ihrer Kritik fest. 

Das SEM wolle zwar den Bericht über die angeblich untersuchten Vorwürfe 

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der Öffentlichkeit nicht zugänglich machen, verteidige aber weiterhin LIN-

GUA. Der LINGUA-Bericht vom 5. Oktober 2015 betreffend die Beschwer-

deführerin müsse rückblickend vor dem Hintergrund der jüngsten Enthül-

lungen gelesen werden und verdiene es nicht mehr, dass ihm erhöhter Be-

weiswert beigemessen werde. Das SEM könne sich bezüglich AS19 und 

LINGUA nicht auf Floskeln beschränken und weder inhaltlich Stellung neh-

men noch der Beschwerdeführerin den Bericht von AS19 zugänglich ma-

chen. 

5.3 Im Folgenden ist zu prüfen, ob das SEM zu Recht zum Schluss gelangt 

ist, die im Wiedererwägungsgesuch gemachten, mit Beweismitteln gestütz-

ten Vorbringen seien inhaltlich haltlos beziehungsweise nicht gehörig be-

gründet. 

Die Beschwerdeführerin macht mit der in der Öffentlichkeit geäusserten 

Kritik an der sachverständigen Person AS19 der Fachstelle LINGUA, wel-

che auch in ihrem Verfahren eine sprach- und landeskundliche Herkunfts-

analyse durchgeführt hat, einen zulässigen, potenziellen Wiedererwä-

gungsgrund geltend und belegt diesen mittels Medienberichten. Zwar ver-

mögen einzelne Medienberichte nicht die Arbeitsweise des SEM in Frage 

zu stellen. Indessen stützen sich die geäusserten konstanten, anhaltenden 

Anschuldigungen auf von aus Kreisen der Wissenschaft erhobene Kritik. 

Ob diese Kritik berechtigt ist oder nicht, ist an dieser Stelle nicht zu ent-

scheiden. Allerdings ist festzustellen, dass die geäusserte Kritik auch nicht 

als zum Vornherein haltlos bezeichnet werden kann, zumal das SEM nicht 

darlegt, dass es sich bei den genannten Personen nicht um Fachperson 

handeln würde. Insofern erweisen sich die Vorbringen der Beschwerdefüh-

rerin in ihrem Wiedererwägungsgesuch inhaltlich nicht als haltlos bezie-

hungsweise ist dieses gehörig begründet. Dies gilt umso mehr, als der Be-

richt über die untersuchten Vorwürfe offenbar nicht öffentlich zugänglich ist 

und sich auch das Bundesverwaltungsgericht bislang diesbezüglich nicht 

abschliessend geäussert hat. 

Mit den eingereichten Beweismitteln und den Vorbringen im Wiedererwä-

gungsgesuch vom 4. August 2021 ist das Wiedererwägungsgesuch damit 

– entgegen der Auffassung der Vorinstanz – als gehörig begründet zu er-

achten. 

 

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Seite 9 

6.  

Nach dem Gesagten ist die Vorinstanz zu Unrecht auf das Wiedererwä-

gungsgesuch vom 4. August 2021 nicht eingetreten und hat damit Bundes-

recht verletzt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, die 

angefochtene Nichteintretensverfügung vom 3. September 2021 ist aufzu-

heben und das SEM ist anzuweisen, auf das Wiedererwägungsgesuch ein-

zutreten und dieses materiell zu behandeln. 

Vor diesem Hintergrund erübrigt es sich, auf die weiteren Begehren und 

Ausführungen in der Beschwerdeschrift (insbesondere betreffend erneute 

Durchführung der Herkunftsabklärung der Beschwerdeführerin, vollstän-

dige Gewährung der Akteneinsicht und Übernahme der Vertretungskosten 

des vorinstanzlichen Verfahrens durch das SEM) einzugehen, weil sie Ge-

genstand des wiederaufzunehmenden materiellen Verfahrens sein werden 

und die Vorinstanz sich damit zu befassen haben wird. Festzuhalten ist 

immerhin, dass die Vorinstanz der angefochtenen Verfügung zu Unrecht 

nicht über das bereits mit dem Wiedererwägungsgesuch gestellte Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung entschieden hat. 

Der Vollständigkeit halber ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich 

die Vorinstanz nicht explizit zur der Rechtzeitigkeit des Wiedererwägungs-

gesuchs geäussert hat. Sie verwies indessen auf die 30-tägige Frist ge-

mäss Art. 111b Abs. 1 AsylG, weshalb davon auszugehen ist, dass sie 

diese Eintretensvoraussetzung als gegeben erachtet hat.  

7.   

7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG), womit auch das Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gegenstands-

los geworden ist.  

7.2 Der obsiegenden Beschwerdeführerin ist in Anwendung von Art. 64 

Abs. 1 VwVG eine Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendi-

gen und verhältnismässig hohen Vertretungskosten zuzusprechen (vgl. 

Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

Der Rechtsvertreter reichte keine Kostennote zu den Akten, doch kann auf 

die Nachforderung einer solchen verzichtet werden, da sich im vorliegen-

den Verfahren der Aufwand zuverlässig abschätzen lässt (Art. 14 Abs. 2 

VGKE). Der Beschwerdeführerin ist somit eine Parteientschädigung von 

insgesamt Fr. 800.– zuzusprechen. 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 3. September 2021 wird aufgehoben. Die 

Vorinstanz wird angewiesen, auf das Wiedererwägungsgesuch vom 

4. August 2021 einzutreten und dieses materiell zu behandeln.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 800.– zu entrichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Daniela Brüschweiler Daniel Widmer 

 

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