# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8bed872d-e614-519e-ae5e-76f031e718b6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-04-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.04.2008 D-6475/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6475-2006_2008-04-24.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6475/2006

{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 4 .  A p r i l  2 0 0 8

Richter Bendicht Tellenbach (Vorsitz),
Richter Walter Lang, Richter Gérard Scherrer,
Gerichtsschreiber Jürg Hünerwadel.

B._______, Afghanistan,
vertreten durch Amadou W. Niang, Conseils juridiques, 
Eidmattstrasse 30, 8032 Zürich,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt 
für Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFF vom 
14. Juli 2003.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6475/2006

Sachverhalt:

A.
Der Beschwerdeführer – ein afghanischer Staatsangehöriger tadschi-
kischer  Ethnie  aus  A._______  –  verliess  seinen  Heimatstaat  nach 
eigenen Angaben Ende 2000 und gelangte am 27. Februar 2001 in die 
Schweiz, wo er gleichentags in der Empfangsstelle (heute: Empfangs- 
und Verfahrenszentrum) Kreuzlingen um Asyl nachsuchte.

B.
Im Rahmen der summarischen Befragung in der Empfangsstelle vom 
5. März 2001, der einlässlichen Anhörung durch die zuständige kanto-
nale Behörde vom 11. April 2001, sowie einer ergänzenden Direktan-
hörung durch das BFF vom 27. Januar 2003 wurde der Beschwerde-
führer zu den Gründen für sein Asylgesuch befragt. Der Beschwerde-
führer gab dabei im Wesentlichen an, er stamme aus einer intellektuel-
len  und  demokratisch  denkenden  Familie.  Sein  Vater  sei  unter  dem 
kommunistischen Regime von Mohammad Najibullah Mitglied der De-
mokratischen  Volkspartei  Afghanistans  (DVPA)  gewesen  und  habe 
eine staatliche Stelle besetzt. Aus diesem Grund und weil er seine Kin-
der – insbesondere auch die Töchter – zur Schule geschickt und sie 
habe  studieren  lassen  [...],  sei  die  Familie  an  ihrem  Wohnort 
A._______ unter  Druck der Mudschaheddin geraten,  weshalb sie im 
Jahre  1981  nach  Kabul  umgezogen  sei.  Im  Jahre  1991  seien  sie 
alsdann nach A._______ zurückgekehrt. Sein Vater habe – als Leiter 
einer  Kooperative  –  weiter  für  die  Regierung  gearbeitet.  Ferner  sei 
seine Schwester C._______ als Richterin tätig gewesen und habe sich 
in  einem afghanischen Frauenverein  engagiert  und seine Schwester 
D._______  habe  beim  WFP  (World  Food  Programme; 
Welternährungsprogramm) der UNO gearbeitet. Nach der Machtüber-
nahme  der  Mudschaheddin  habe  D._______  im  Jahre  1994  aus 
Afghanistan  flüchten  müssen;  sie  lebe  heute  mit  ihrem Ehemann  – 
einem Schweizerbürger und ehemaligen Arbeitskollegen beim WFP – 
in der Schweiz. In der Folge sei  seine Familie mit  schwerwiegenden 
Problemen  konfrontiert  worden;  unter  anderem  hätten  die 
Mudschaheddin  oft  seinen  Vater  mitgenommen  und  verhört  und  er 
selber  habe  sein  Studium  zum  Bauingenieur  abbrechen  müssen. 
Seine Familienangehörigen hätten aus diesem Grund im Jahre 1997 
den  Heimatstaat  verlassen.  Seine  Mutter  und  die  Schwester 
C._______  lebten  heute  als  anerkannte  Flüchtlinge  in  der  Schweiz, 
ebenso seine Schwester D._______, die aufgrund ihrer Ehe mit einem 

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Schweizerbürger  eingebürgert  sei;  sein  Vater  sei  in  der  Schweiz 
verstorben und den Aufenthaltsort  seiner übrigen Geschwister kenne 
er nicht. Er selber habe sich – wiewohl Tadschike und nicht Hazara – 
ab September/Oktober 1994 für die Hezb-e Wahdat ("Einheitspartei") 
engagiert, weil diese Partei von intellektuellen Leuten geführt worden 
sei.  Zunächst  habe  er  als  Offizier  bei  der  Ausbildung  von Rekruten 
mitgewirkt  und  sei  für  technische  Belange  zuständig  gewesen.  Im 
Jahre  1996  sei  er  dann  offizielles  Parteimitglied  geworden  und  von 
1997 bis Ende 2000 habe er an der Front gegen die Taliban gekämpft. 
Bei einem Feindkontakt habe er einmal einen heftigen Schlag auf den 
Kopf  erhalten,  aufgrund  dessen  er  bis  heute  häufig  an 
Spannungskopfschmerzen leide. Die Taliban hätten sie nach und nach 
zurückgedrängt,  so  dass  er  sich  –  wie  seine  Kollegen  –  zur  Flucht 
entschlossen habe. Von seinem letzten Stützpunkt E._______ aus sei 
er  nach Tadschikistan ausgereist  und von dort  über ihm unbekannte 
Länder in die Schweiz gelangt.

C.
Mit Eingabe vom 17. Februar 2003 reichte der Beschwerdeführer zwei 
Arztzeugnisse zu den Akten, eines betreffend seine Mutter und eines 
von  Dr.  med.  F._______  vom  3.  Februar  2003,  in  welchem  ihm 
chronische Spannungskopfschmerzen attestiert werden.

D.
Mit Verfügung vom 14. Juli 2003 – eröffnet am 17. Juli 2003 – wies das 
BFF das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete dessen 
Wegweisung aus der Schweiz an, verfügte jedoch die vorläufige Auf-
nahme des  Beschwerdeführers  wegen Unzumutbarkeit  des  Wegwei-
sungsvollzuges. Zur Begründung seiner Verfügung führte das Bundes-
amt im Wesentlichen aus, die Vorbringen des Beschwerdeführers ver-
möchten  teilweise  den  Anforderungen  von  Art.  7  des  Asylgesetzes 
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  an das Glaubhaftmachen und 
teilweise  denjenigen  von  Art.  3  AsylG  an  die  Flüchtlingseigenschaft 
nicht zu genügen; allerdings erweise sich der Vollzug der Wegweisung 
nach Afghanistan in Würdigung sämtlicher Umstände und der persönli-
chen Situation des Beschwerdeführers als nicht zumutbar. Auf die Ein-
zelheiten der Begründung wird, soweit entscheidwesentlich, in den Er-
wägungen eingegangen.

E.
Mit – vorab per Telefax eingereichter – Eingabe seines Rechtsvertre-

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ters vom 18. August 2003 erhob der Beschwerdeführer gegen die Ver-
fügung des BFF vom 14. Juli  2003 bei  der  Schweizerischen Asylre-
kurskommission  (ARK)  Beschwerde  und  beantragte  die  Feststellung 
der  Flüchtlingseigenschaft  und die  Gewährung des Asyls. In  verfah-
rensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf das Erheben ei-
nes Kostenvorschusses sowie die Bewilligung eines Kantonswechsels 
vom Kanton G._______ – welchem er mit Verfügung des BFF vom 6. 
März 2001 für die Dauer des Asylverfahrens zugewiesen worden war – 
in  den  Kanton  H._______.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit 
entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

F.
Mit Zwischenverfügung vom 27. August 2003 verzichtete der Instruk-
tionsrichter antragsgemäss auf das Erheben eines Kostenvorschusses; 
hinsichtlich des Gesuchs um Kantonswechsel wies er den Beschwer-
deführer darauf hin, dass insoweit wegen fehlender Zuständigkeit der 
ARK auf die Beschwerde nicht eingetreten werden könne.

G.
Mit Eingabe vom 27. August 2003 (Poststempel) wurde bei der ARK 
die Kopie eines an das BFF gerichteten Schreibens der in der Schweiz 
lebenden Schwester des Beschwerdeführers vom 25. August 2003 ein-
gereicht, in welchem sich diese über die Situation des Beschwerdefüh-
rers  sowie  diejenige  des  weiteren  Familienverbandes  äusserte;  dem 
Schreiben waren sodann zwei Internet-Auszüge aus Berichten von Hu-
man Rights Watch beigelegt.

H.
Mit  Verfügung  vom 8.  November  2004  bewilligte  das  BFF  dem  Be-
schwerdeführer  auf  dessen  erneutes  Gesuch  hin  den  Aufenthalt  im 
Kanton Zürich.

I.
Mit Vernehmlassung vom 21. September 2005 hielt die Vorinstanz an 
der angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der 
Beschwerde; auf die Begründung wird, soweit entscheidwesentlich, in 
den  Erwägungen  eingegangen. Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters 
vom 18. Oktober 2005 machte der Beschwerdeführer von dem ihm ge-
währten Replikrecht Gebrauch.

J.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 15. Februar 2008 rekapitu-

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lierte  der  Beschwerdeführer  seine  Situation  und  bekräftigte  –  unter 
Hinweis auf  die publizierte  Praxis  der ARK zu Afghanistan – seinen 
Antrag auf Gewährung des Asyls.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört zu den Be-
hörden nach  Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundes-
verwaltungsgerichts. Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme im 
Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde 
und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG;  Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei-
lung der bei der ARK hängigen Rechtsmittel übernommen. Das neue 
Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Der  Be-
schwerdeführer ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat 
ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher zur  Einreichung  der  Be-
schwerde  legitimiert  (Art.  6  AsylG  i.V.m.  Art.  48  Abs.  1  und  50  ff. 
VwVG). Auf die Beschwerde ist demnach – abgesehen vom Antrag auf 
Bewilligung eines Kantonswechsels (vgl. Sachverhalt, Bst. E. und F.), 
welcher  indessen  angesichts  der  mit  Verfügung  vom  8.  November 
2004 erteilten Bewilligung zum Aufenthalt des Beschwerdeführers im 
Kanton Zürich ohnehin hinfällig geworden ist – einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

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oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  im  vorliegenden  Beschwerdever-
fahren die Asylverfahrensakten der Eltern des Beschwerdeführers [...] 
sowie  diejenigen  seiner  Schwester  C._______  [...]  beigezogen. 
Angesichts  der  Tatsache,  dass  mit  vorliegendem  Urteil  den 
Rechtsbegehren  des  Beschwerdeführers  vollumfänglich  entsprochen 
wird,  erübrigt  es  sich,  ihm  vorgängig  Einsicht  in  die 
entscheidwesentlichen  Aktenstücke  dieser  Verfahren  Einsicht  zu 
gewähren beziehungsweise ihn diesbezüglich zur Stellungnahme auf-
zufordern (Art. 30 Abs. c VwVG).

4.

4.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

5.

5.1 Das Bundesamt führt  in seiner Verfügung vom 14. Juli  2003 zur 
Begründung der Verneinung der Flüchtlingseigenschaft des Beschwer-
deführers aus, dessen Vorbringen vermöchten teilweise den Anforde-
rungen von Art. 7 AsylG an das Glaubhaftmachen und teilweise denje-

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nigen von Art. 3 AsylG an die Flüchtlingseigenschaft nicht zu genügen.

Als nicht  glaubhaft  erachtet  die Vorinstanz dabei  die Vorbringen des 
Beschwerdeführers  hinsichtlich  der  von ihm geltend  gemachten  Ge-
fährdung seitens ehemaliger Gegner seines Vaters sowie seitens sei-
ner privaten Widersacher. Seine Angaben, wonach die Leute der Jami-
at-e-Islami ("Islamische Gesellschaft") und der Hezb-e-Islami ("Islami-
sche Partei"), welche in A._______ wieder an der Macht seien, an ihm 
als Angehöriger einer freidenkenden Familie Rache nehmen würden, 
entbehrten der Substantiierung, seien sehr allgemein und vermöchten 
nicht zu überzeugen. Hätte der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr 
in den Heimatstaat effektiv mit konkreten Nachteilen zu rechnen, wäre 
er in der Lage gewesen, dazu spontan Auskunft zu geben.

Als asylrechtlich nicht relevant bezeichnet das Bundesamt sodann die 
vom Beschwerdeführer geäusserte Furcht vor Übergriffen seitens der 
Taliban, welche er als Mitglied der Hezb-e Wahdat bekämpft hatte. Die 
Vorinstanz hält  dafür,  dass die Taliban ihre Macht  durch die militäri-
sche Intervention der USA und ihrer Verbündeten verloren hätten und 
die in  der Folge eingesetzte Regierung bemüht sei,  die  Situation zu 
normalisieren, weshalb die Furcht vor einer asylrelevanten Verfolgung 
durch die Taliban im Zeitpunkt der Ausfällung der Verfügung nicht mehr 
begründet sei.

5.2 Der  Beschwerdeführer  stellt  sich  demgegenüber  in  seiner  Be-
schwerdeeingabe vom 18. August 2003 sowie in der an das BFF ge-
richteten Eingabe seiner Schwester D._______ vom 25. August 2003 
auf  den  Standpunkt,  er  habe  nach  wie  vor  begründete  Furcht  vor 
künftigen asylrelevanten Behelligungen. So bestehe für ihn als Sohn 
eines  ehemaligen  Funktionärs  des  Najibullah-Regimes  grundsätzlich 
die Gefahr, das Schicksal ehemaliger Kommunisten zu erleiden. Nach 
dem Tod seines Vaters sei er sodann in der afghanischen Gesellschaft 
verantwortlich  für  seine  Geschwister,  namentlich  für  das  Tun seiner 
beiden  Schwestern  D._______  und  C._______,  welche  wegen  ihrer 
Heirat  mit  einem  Schweizerbürger  beziehungsweise  mit  einem 
schiitischen  Landsmann  –  mithin  in  den  Augen  der  wieder  an  die 
Macht gekommenen Mudschaheddin mit "Ungläubigen" – sowie wegen 
ihrer  beruflichen  Tätigkeiten  als  UNO-Mitarbeiterin  beziehungsweise 
Staatsanwältin  und  Frauenrechtsaktivistin  von  den  islamistischen 
Machthabern verfolgt würden; nach der Flucht von D._______ sei er im 
Jahre  1994  bereits  regelmässig  von  der  Jamiat-e-Islami  vorgeladen 

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worden  und  habe  sein  Studium  abbrechen  müssen.  Durch  seinen 
darauf folgenden Eintritt in die schiitische Hezb-e Wahdat habe er sich 
bei  dieser  Partei  zusätzlich  viele  Feinde  geschaffen.  Schliesslich 
bestehe  für  ihn  auch  nach  dem  offiziellen  Sturz  der  Taliban  eine 
aktuelle Gefährdung von dieser Seite, seien doch diese islamistischen 
Elemente – wie sich beispielshaft aus einem Bericht in der Zeitschrift 
"Temps" vom 18. August 2003 über deren kürzlich erfolgte Anschläge 
mit Dutzenden von Toten und Verletzten ergebe – immer noch auf dem 
Gebiet seines Heimatstaates aktiv.

5.3 In ihrer Vernehmlassung vom 21. September 2005 führt die Vorins-
tanz  dazu  aus,  die  Beziehung  von  D._______  mit  einem 
Schweizerbürger, der in Afghanistan für die UNO gearbeitet habe, sei 
im  Heimatstaat  bereits  vor  der  Ausreise  des  Beschwerdeführers 
bekannt  gewesen;  der  Beschwerdeführer  habe  indessen  nicht 
glaubhaft  machen  können,  deswegen  irgendwelche  konkreten 
Nachteile erlitten zu haben. Es sei ferner äusserst unwahrscheinlich, 
dass er solche bei einer Rückkehr im heutigen Zeitpunkt – über zehn 
Jahre nach der Flucht seiner Schwester – zu befürchten hätte, zumal 
sich die Situation in Afghanistan massgeblich verändert habe. So sei 
Hamid  Karzai  am  9. Oktober  2004  in  den  ersten  demokratische 
Wahlen des Landes als Präsident bestätigt worden und der Regierung 
sei es gelungen, die Lage in Afghanistan insgesamt zu stabilisieren. 
Zur Stabilisierung der Situation trage sodann auch das Voranschreiten 
des  Aufbaus  eines  Sicherheitsapparates  sowie  das  erfolgreiche 
Entwaffnungsprogramm  der  Milizen  bei  und  schliesslich  werde  die 
Regierung  mit  Bezug  auf  dei  Gewährung  der  Sicherheit  von  der 
internationalen Schutztruppe ISAF (International  Security  Assistance 
Force) und den PRTs (Provincial Reconstruction Teams) unterstützt.

5.4 In seiner Replikeingabe vom 18. Oktober 2005 sowie in einer er-
gänzenden Eingabe vom 15. Februar 2008 hält der Beschwerdeführer 
unter Wiederholung seiner wesentlichen Asylvorbringen an seiner Auf-
fassung, wonach ihm bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat auch 
im  heutigen  Zeitpunkt  noch  eine  asylrechtlich  relevante  Gefährdung 
drohe, fest. Im Weiteren macht er geltend, dass er hinsichtlich seiner 
Mutter und seiner Schwester C._______ – denen in der Schweiz Asyl 
erteilt  worden  sei  –  die  Voraussetzungen  von  Art.  51  Abs. 2  AsylG 
erfülle, mithin in deren Flüchtlingseigenschaft und Asyl einzubeziehen 
sei.

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6.

6.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Zuerkennung der Flüchtlings-
eigenschaft und des Asyls einerseits gestützt auf Art. 3 AsylG wegen 
begründeter Furcht vor künftigen erheblichen Nachteilen und anderer-
seits gestützt auf Art. 51 Abs. 2 AsylG im Rahmen des Familienasyls. 
In Berücksichtigung von Art. 37 der Asylverordnung 1 vom 11. August 
1999 über Verfahrensfragen (AsylV 1,  SR 142.311) ist  im Folgenden 
vorab zu prüfen, ob der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft 
in originärer Weise erfüllt.

6.2 Nach  Prüfung  der  Akten  gelangt  das  Bundesverwaltungsgericht 
diesbezüglich  zunächst  zum  Schluss,  dass  die  Vorbringen  des  Be-
schwerdeführers den Anforderungen von Art. 7 AsylG an das Glaub-
haftmachen  ohne  weiteres  zu  genügen  vermögen.  So  hat  der  Be-
schwerdeführer  im  Rahmen  der  Befragungen  in  widerspruchsfreier, 
substantiierter  und  nachvollziehbarer  Weise  darzulegen  vermocht, 
dass er aus einem intellektuellen, an laizistischen Grundsätzen orien-
tierten  familiären Umfeld stammt und sich selber über  Jahre hinweg 
gegen  die  islamistischen  Tendenzen  der  Mudschaheddin  sowie  den 
Vormarsch der Taliban engagierte. Seine Angaben über seinen Vater, 
welcher unter dem kommunistischen Regime von Mohammed Najibul-
lah in leitender Funktion tätig war und nicht nur seine Söhne, sondern 
auch  seine  Töchter  studieren  liess,  über  die  beruflichen  Tätigkeiten 
seiner  Schwestern  D._______  und  C._______  in  für  afghanische 
Verhältnisse  überaus  exzeptionellen  Bereichen  sowie  über  sein 
eigenes Engagement als Offizier der Wahdat-Partei  sind ferner nicht 
nur in sich selber stimmig, sondern decken sich auch vollumfänglich 
mit den Aussagen seiner Eltern [...] und seiner Schwester C._______ 
[...]  gegenüber  den  schweizerischen  Asylbehörden  sowie  den 
Ausführungen  seiner  Schwester  D._______  in  der  an  das  BFF 
gerichteten Eingabe vom 25. August 2003. Dies wird denn auch von 
der  Vorinstanz  zu  Recht  nicht  bestritten.  Das  Bundesamt  hält  dem 
Beschwerdeführer jedoch vor, er habe die aus seiner persönlichen und 
familiären Situation heraus resultierende angebliche Gefährdung nicht 
näher  zu  konkretisieren  vermocht,  weshalb  seine  diesbezüglichen 
Angaben  als  nicht  glaubhaft  zu  bezeichnen  seien.  Mit  dieser 
Begründung  verkennt  das  Bundesamt  indessen,  dass  sich  im 
vorliegenden  Fall  die  Frage,  ob  der  Beschwerdeführer  künftige 
Übergriffe  wegen  seiner  verwandtschaftlichen  Verhältnisse  sowie 
seiner persönlichen Vergangenheit befürchten muss, nicht unter dem 

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Gesichtspunkt  der  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen,  sondern  vielmehr 
unter  demjenigen der asylrechtlichen Relevanz gemäss Art. 3 AsylG 
stellt.

6.3 Es ist mithin zu prüfen, inwieweit der Beschwerdeführer vor dem 
Hintergrund der von ihm glaubhaft gemachten Ausgangslage im heuti-
gen Zeitpunkt begründete Furcht (vgl. zu den diesbezüglichen Anfor-
derungen Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asyl-
rekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 1  E. 6a S. 9 f.)  hat,  bei  einer 
Rückkehr in den Heimatstaat in asylrechtlich relevanter Weise behel-

ligt zu werden, das heisst sich dort in einer landesweit ausweglosen 

Situation befände, in welcher ihm von staatlicher oder privater Seite 

erhebliche Nachteile aus den in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Grün-

den drohten, gegen welche ihm von den staatlichen beziehungsweise 

den vor Ort  tätigen internationalen Institutionen entweder willentlich 

oder  wegen  fehlender  Fähigkeit  kein  Schutz  gewährt  würde  (vgl. 

dazu EMARK 2006 Nr. 18, sowie 1996 Nr. 1).

6.3.1 Die  schweizerischen  Asylbehörden  verfolgen  die  Entwicklung 
der  Lage  in  Afghanistan  kontinuierlich;  dies  gilt  sowohl  hinsichtlich 

der  allgemeinen  politischen,  sicherheitsbezogenen  und  ökonomi-

schen Situation, als auch bezüglich der Frage nach Personenkatego-

rien, welche trotz des Übergangs zu demokratischen Strukturen und 

der dauernden Präsenz internationaler Streitkräfte unter der Führung 

der  USA asylrechtlich  relevante  Behelligungen  befürchten  müssen. 

Gemäss  der  publizierten  Rechtsprechung  der  ARK  –  welche  vom 

Bundesverwaltungsgericht  weitergeführt  wird  –  gelten  als  nach  wie 

vor gefährdet zunächst namentlich Angehörige des ehemaligen kom-

munistischen  Staatsapparates  unter  Präsident  Najibullah,  wenn  sie 

sich aufgrund ihrer Stellung exponiert haben und für Folterungen be-

ziehungsweise  schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich 

gemacht  werden;  grundsätzlich keiner  ernsthaften Gefährdung aus-

gesetzt  sind  allerdings  Personen,  die  im  kommunistischen  Staats-

dienst lediglich einer technischen Tätigkeit nachgingen sowie ehema-

lige einfache Mitglieder der heute verbotenen Demokratischen Volks-

partei  Afghanistans DVPA (vgl.  dazu EMARK 2004 Nr. 24 und 2005 

Nr. 18). Weitere Risikogruppen stellen ehemalige oder aktuelle Tali-

ban,  regimekritische Medienschaffende und Intellektuelle,  Angehöri-

ge  gewisser  (insbesondere  ethnischer)  Gruppen,  die  in  ihrer  Her-

kunftsregion  nicht  mehr  an  der  Macht  sind,  Angehörige  religiöser 

Minderheiten und Konvertiten, Homosexuelle und westlich orientierte 

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oder  der  afghanischen Gesellschaftsordnung aus anderen Gründen 

nicht entsprechende Frauen (vgl. EMARK 2003 Nr. 10 E. 8c S. 63 f.). 

Diese Einschätzung ist auch im heutigen Zeitpunkt nach wie vor gül-

tig. Gemäss den aktuellsten Berichten des UNHCR sowie weiterer im 

Flüchtlingsbereich  tätiger  staatlicher  Amtsstellen  und  Nichtregie-

rungsorganisationen  hat  sich  die  Situation  in  Afghanistan  in  Bezug 

auf  die  oben  genannten  Personenkategorien  nicht  entspannt  (vgl. 

dazu  UNHCR,  Eligibility  Guidelines  for  Assessing  the  International 

Protection Needs of Afghan Asylum-Seekers, o.O., Dezember 2007; 

UK Home Office, Country of Origin Information Report, Afghanistan, 

o.O.,  7.  September 2007;  Human Rights Watch,  Country Summary, 

Afghanistan, o.O., Januar 2007).

6.3.2 Zu  den  bereits  erwähnten  Personenkategorien  kommen  so-

dann als weitere potentielle Verfolgungsopfer afghanische Staatsan-

gehörige hinzu,  welche für  internationale Sicherheitskräfte oder Or-

ganisationen tätig sind; sie gelten als weiche Ziele der Taliban (vgl. 

zu  deren zunehmendem Einfluss  nachfolgende E.  6.3.3)  sowie  der 

Hezb-e-Islami. So sind in verschiedenen Regionen des Landes Flug-

blätter dieser Gruppierungen im Umlauf, welche die Bevölkerung un-

ter Androhung von Sanktionen dazu aufrufen, sich nicht für Hilfspro-

jekte – seien es staatliche oder solche von NGO's – zu engagieren 

(vgl.  UNHCR, Eligibility  Guidelines,  a.a.O.,  S.  72;  UK Home Office, 

a.a.O., S. 115, Ziff. 18.18). Ferner wurden im Verlaufe der vergange-

nen Jahre zahlreiche Afghanen, welche sich nicht an diese Aufforde-

rung hielten, umgebracht; so kamen zwischen 2003 und 2006 alleine 

über 100 bei der US Agency for International Development (USAID) 

beschäftigte Personen ums Leben (vgl.  UK Home Office,  a.a.O.,  S. 

115,  Ziff.  18.19).  Zusätzlich zu den schriftlichen Drohungen werden 

Angestellte von NGO's regelmässig Opfer von organisiertem Verbre-

chen, welches namentlich in den grossen afghanischen Zentren wie 

Mazar-e-Sharif,  Jalalabad  und  Kabul  herrscht;  als  vermuteterweise 

wohlhabende Personen laufen sie Gefahr, ausgeraubt oder zur Zah-

lung von Lösegeld für  die Freilassung entführter  Familienmitglieder 

zu  werden  (vgl.  UNHCR,  Eligibility  Guidelines,  a.a.O.,  S.  72,  Fn. 

376).

Ebenfalls gefährdet sind schliesslich Personen, welche sich aktiv für 

den Schutz von Menschenrechten einsetzen. So werden namentlich 

Frauenrechtsaktivisten und -aktivistinnen von den Taliban und ande-

ren konservativen religiösen Gruppierungen regelmässig bedroht und 

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es kommt häufig zu körperlichen Übergriffen oder gar Ermordungen 

(vgl.  Human  Rights  Watch,  Country  Summary,  a.a.O.,  S.  3  f.;  UK 

Home Office,  a.a.O.,  S.  115 ff.;  Amnesty International,  Afghanistan: 

Women  human  rights  defenders  continue  to  struggle  for  women's 

rights,  London,  7. März 2008).  Neben den Aktivisten und Aktivistin-

nen  selber  können  sodann  auch  deren  Angehörige  Behelligungen 

ausgesetzt sein (vgl. Amnesty International, Afghanistan: Women still 

under attack – a systematic failure to protect, o.O., 29. Mai 2005).

6.3.3 Soweit das BFM in der angefochtenen Verfügung ausführt, die 

Furcht des Beschwerdeführers vor einer Verfolgung durch die Taliban 

sei nicht mehr begründet, nachdem die Taliban ihre Macht durch die 

militärische Intervention der USA und ihrer Verbündeten verloren hät-

ten, ist festzuhalten, dass sich diese Einschätzung mit der Praxis der 

ARK gemäss EMARK 2003 Nr. 10 E. 8b S. 63 deckt, wonach die Tali-

ban keine quasi-staatliche Herrschaft mehr ausüben. In Übereinstim-

mung mit dem Beschwerdeführer ist indessen festzuhalten, dass die 

Taliban seit  dem Erlass der BFM-Verfügung vom 14.  Juli  2003 und 

der im selben Jahr publizierten ARK-Praxis laut unabhängigen inter-

nationalen Beobachtern in zunehmendem Masse wieder an Einfluss 

gewonnen haben und – zusammen mit anderen bewaffneten, regie-

rungsfeindlichen  Gruppierungen  –  eine  gravierende  Bedrohung  für 

die immer noch fragile  politische,  wirtschaftliche und soziale  Situa-

tion  darstellen  (vgl.  UNO-Generalversammlung  und  Sicherheitsrat, 

The  situation  in  Afghanistan  and  its  implications  for  international 

peace and security,  6.  März 2008, S.  1);  insbesondere in den östli-

chen, südlichen, zentralen und westlichen Regionen des Landes sind 

die Taliban wieder zu einem ernsthaften Sicherheitsrisiko geworden 

(vgl. UNHCR, Eligibility Guidelines, a.a.O., S. 65, sowie International 

Crisis Group, Countering Afghanistan's insurgency: no quick fixes, 2. 

November  2006).  Die  Frage,  ob  die  Taliban  erneut  eine  quasi-

staatliche Herrschaft  ausüben beziehungsweise ob der afghanische 

Staat  willens  und  fähig  ist,  gegen  Übergriffe  seitens  der  Taliban 

Schutz  zu  gewähren,  braucht  im vorliegenden Fall  indessen –  auf-

grund der  nachstehenden Erwägungen – nicht  beantwortet  zu  wer-

den.

6.4 Unter  Berücksichtigung sämtlicher  Aspekte  gelangt  das Bundes-
verwaltungsgericht nämlich zum Schluss, dass der Beschwerdeführer 
– entgegen der Auffassung des Bundesamts – auch im heutigen Zeit-
punkt befürchten müsste, in seinem Heimatstaat erheblichen Nachtei-

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len im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu sein. Der Beschwerdefüh-
rer stammt aus einem familiären Umfeld, welches für afghanische Ver-
hältnisse als ausnehmend laizistisch zu bezeichnen ist. Bereits der Va-
ter des Beschwerdeführers war Mitglied der DVPA und für das kommu-
nistische Najibullah-Regime tätig, was nach der Machtübernahme der 
Mudschaheddin  zu  Behelligungen  gegenüber  der  gesamten  Familie 
führte,  zumal  hinzukam, dass der  Vater  nicht  nur seine Söhne, son-
dern  auch  seine  Töchter  ein  Studium  hatte  absolvieren  lassen.  Die 
Töchter  D._______  und  C._______  engagierten  sich  sodann  –  als 
Mitarbeiterin  bei  einer  internationalen  Hilfsorganisation 
beziehungsweise als Richterin und Frauenrechtsaktivistin – in einer Art 
in der Öffentlichkeit, die dem traditionellen afghanischen Frauenbild in 
keiner  Weise  entspricht;  zudem  heirateten  sie  einen  christlichen 
Ausländer  beziehungsweise  einen  schiitischen  Landsmann,  was  zu 
erneuten  Behelligungen  gegenüber  der  gesamten  Familie  führte. 
Diese familiäre Disposition stellt nach den vorstehenden Ausführungen 
über die aktuelle Situation in Afghanistan – entgegen der Auffassung 
der Vorinstanz – auch im heutigen afghanischen Kontext offensichtlich 
noch ein erhebliches Gefährdungspotential für den Beschwerdeführer 
dar,  welcher  nach  dem  Tod  seines  Vaters  und  dem  unbekannten 
Verbleib  seines  älteren  Bruders  bei  einer  Rückkehr  in  seinen 
Heimatstaat als nunmehr ältestes männliches Familienmitglied für das 
Verhalten  seiner  Angehörigen  verantwortlich  gemacht  würde  und 
namentlich  Übergriffe  seitens  konservativer  religiöser  Gruppierungen 
befürchten müsste. Die Gefahr der Zufügung erheblicher Nachteile im 
Sinne von Art. 3 AsylG durch regimefeindliche Gruppierungen wie die 
Jamiat-e-Islami beziehungsweise die Hezb-e-Islami erscheint  sodann 
auch  aufgrund  der  persönlichen  Vergangenheit  des 
Beschwerdeführers  manifest;  so  war  er  nicht  nur  während  etlicher 
Jahre  zunächst  Anhänger  und  später  Mitglied  der  Hezb-e  Wahdat, 
sondern engagierte sich in deren Reihen als Offizier auch aktiv in der 
Ausbildung von Rekruten sowie im Kampf gegen die Taliban. In Bezug 
auf  die  ihm  drohenden  Behelligungen  kann  der  Beschwerdeführer 
sodann –  ungeachtet  der  Frage der  Schutzfähigkeit  –  nicht  auf  den 
Schutzwillen  der  Zentralregierung  zählen,  zumal  viele  ehemals 
bedeutende  Mudschaheddin-Führer  und  -Kommandanten  wieder  an 
der Macht beteiligt sind oder zumindest über beträchtlichen Einfluss in 
Kabul verfügen (vgl. EMARK 2005 Nr. 18 E. 5.7.3. S. 165 f.); dies gilt 
nicht nur hinsichtlich der Provinzen des Landes, sondern auch für den 
Grossraum von Kabul, weshalb das Vorhandensein einer innerstaatli-
chen Fluchtalternative auszuschliessen ist.

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6.5 Bei  dieser Sachlage erfüllt  der  Beschwerdeführer die Vorausset-
zungen von Art. 3 AsylG an die Flüchtlingseigenschaft; weil  sich zu-
gleich aus den Akten keinerlei  Anhaltspunkte für die Annahme erge-
ben, dass er sich Völker- oder Menschenrechtsverstössen schuldig ge-
macht hätte, liegen ferner keine Gründe im Sinne von Art. 1 F Bst. a 
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht-
linge (FK, SR 0.142.30) und von Art. 53 AsylG vor, welche zu einem 
Ausschluss  von der  Flüchtlingseigenschaft  beziehungsweise von der 
Asylgewährung  führen  würden;  dem  Beschwerdeführer  ist  demnach 
Asyl zu gewähren. Vor diesem Hintergrund kann letztlich die Frage, ob 
der Beschwerdeführer auch die Voraussetzungen von Art. 52 Abs. 2 
AsylG für den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft  erfüllen würde, 
offen bleiben.

7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht verletzt  (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist nach dem 
Gesagten –  soweit  darauf  einzutreten ist  –  gutzuheissen,  die  Verfü-
gung des BFF vom 14. Juli 2003 aufzuheben und das Bundesamt an-
zuweisen, die Flüchtlingseigenschaft  des Beschwerdeführers anzuer-
kennen und ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren.

8.

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 
(Art. 63 Abs. 1 VwVG).

8.2 Angesichts  seines Obsiegens ist  dem Beschwerdeführer  sodann 
eine  angemessene  Parteientschädigung  für  die  ihm  durch  das  Be-
schwerdeverfahren  erwachsenen  notwendigen  Kosten  zuzusprechen 
(Art. 64 Abs. 1 VwVG); diese ist aufgrund des zuverlässig abschätzba-
ren  Zeitaufwandes  seines  Rechtsvertreters  und  unter  Berücksichti-
gung  der  massgeblichen  Bemessungsfaktoren  auf  insgesamt  Fr. 
1'000.--  (inklusive  Ausgaben  und  Mehrwertsteuer)  festzusetzen 
(Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 8 und 10 Abs. 2 des Reglements 
vom 11. Dezember  2006  über  die  Kosten und Entschädigungen  vor 
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  darauf  eingetreten  wird, 
und die Verfügung des BFF vom 14. Juli 2003 wird aufgehoben.

2.
Das BFM wird angewiesen, die Flüchtlingseigenschaft des Beschwer-
deführers anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren.

3.
Es werden keine Kosten erhoben.

4.
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteient-
schädigung von Fr. 1'000.-- zu entrichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers (eingeschrieben; über 
die  Herausgabe  der  beim  Bundesamt  eingereichten  Beweismittel 
entscheidet das BFM auf Anfrage)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten (per Kurier; in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Jürg Hünerwadel

Versand:

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