# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 648ba9ae-655a-5153-986b-855e272d7202
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1991-11-13
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Bundesrat 13.11.1991 JAAC 57.2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_008_JAAC-57-2--_1991-11-13.pdf

## Full Text

JAAC 57.2

Entscheid des Schweizerischen Bundesrates vom 13.
November 1991

Police des étrangers. Procédure de recours contre une interdiction
d’entrée.

Art. 20 al. 3 LSEE. Art. 100 let. b ch. 1 OJ. Art. 70 et 71 PA. Voie de droit.

- Compétence du Conseil fédéral pour traiter un recours pour déni de
justice et une dénonciation contre le DFJP.

- Un recours contre une décision de non-entrée en matière ensuite du
dépassement du délai pour le versement de l’avance des frais est rejeté
faute de déni de justice au sens étroit, mais il est examiné à titre de
dénonciation sous l’angle du déni de justice au sens large.

Art. 63 al. 4 PA. Art. 4 Cst. Caractère convenable du délai imparti pour
une avance des frais.

- Le délai d’avance des frais est un délai imparti par l’autorité qui n’a
rien de commun avec le délai légal de recours, dont il est indépendant;
le premier peut être prolongé selon l’art. 22 al. 2 PA et restitué selon
l’art. 24 PA.

- Lorsqu’un délai d’avance des frais fixé à 15 jours selon la pratique est
approprié aux circonstances de l’espèce et que le recourant a dûment
été informé des conséquences d’une omission, le DFJP ne fait pas preuve
de formalisme excessif en n’entrant pas en matière sur un recours pour
lequel l’avance des frais a été acquittée quatre jours après l’échéance du
délai fixé à cet effet et un jour après celle du délai de recours.

Fremdenpolizei. Beschwerdeverfahren gegen eine Einreisesperre.

Art. 20 Abs. 3 ANAL. Art. 100 Bst. b Ziff. 1 OG. Art. 70 und 71 VwVG,
Rechtsweg.

1

- Zuständigkeit des Bundesrates zur Behandlung einer
Rechtsverweigerungsbeschwerde und einer Aufsichtsbeschwerde
gegen das EJPD.

- Eine Beschwerde gegen einen Nichteintretensentscheid infolge
nicht fristgemässer Zahlung des Kostenvorschusses wird mangels
Rechtsverweigerung im engeren Sinne abgewiesen, aber zur
Prüfung einer allfälligen Rechtsverweigerung im weiteren Sinne als
Aufsichtsbeschwerde entgegengenommen.

Art. 63 Abs. 4 VwVG. Art. 4 BV Angemessenheit der Frist zur Leistung
eines Kostenvorschusses.

- Die Frist zur Zahlung eines Kostenvorschusses ist eine selbständige,
behördlich angesetzte Frist, welche mit der gesetzlichen
Rechtsmittelfrist nichts gemein hat; erstere kann nach Art. 22 Abs. 2
VwVG erstreckt bzw. nach Art. 24 VwVG wiederhergestellt werden.

- Entspricht die praxisgemäss auf 15 Tage festgesetzte Zahlungsfrist
den Umständen des Einzelfalles und ist der Beschwerdeführer über die
Folgen einer Unterlassung gebührlich informiert worden, so handelt
das EJPD nicht überspitzt formalistisch, wenn es auf eine Beschwerde
nicht eintritt, für welche der Vorschuss vier Tage nach Ablauf der
Zahlungsfrist bzw. einen Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist geleistet
wurde.

Polizia degli stranieri. Procedura di ricorso contro un rifiuto d’entrata.

Art. 20 cpv. 3 LDDS. Art. 100 lett. b n. 1 OG. Art. 70 e 71 PA. Rimedio
giuridico.

- Competenza del Consiglio federale a trattare un ricorso per denegata
giustizia e una denunzia contro il DFGP.

- Un ricorso contro una decisione di non entrata nel merito in seguito
al mancato pagamento in tempo utile dell’anticipazione delle spese è
respinto in mancanza di denegata giustizia nel senso stretto, ma, come
denunzia, è ammesso all’esame di un’eventuale denegata giustizia in
senso lato.

Art. 63 cpv. 4 PA. Art. 4 Cost. Proporzionalità del termine per il
pagamento di un’anticipazione delle spese.

- Il termine per il pagamento di un’anticipazione delle spese è un
termine a se stante, fissato dall’autorità, e non ha niente in comune con
il termine legale del rimedio giuridico; il primo può essere prorogato
giusta l’art. 22 cpv. 2 PA risp. restituito giusta l’art. 24 PA.

- Se il termine per il pagamento, fissato in 15 giorni secondo la prassi,
è adeguato alle circostanze del caso singolo e il ricorrente è stato
debitamente informato circa le conseguenze di un’omissione, il DFGP
non dà prova di eccessivo formalismo non entrando nel merito di un
ricorso per il quale era stata pagata l’anticipazione quattro giorni
dopo la scadenza del termine per il pagamento risp. un giorno dopo la
scadenza del termine di ricorso.

2

I

A.Mit Verfügung vom 29. Mai 1991 verhängte das Bundesamt für
Ausländerfragen (BFA) über den Beschwerdeführer wegen grober
Zuwiderhandlungen gegen fremdenpolizeiliche Vorschriften eine
Einreisesperre, gültig ab 30. Mai 1991 bis 29. Mai 1994. Einer allfälligen
Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.

B. Am 31. Mai 1991 reichte der Beschwerdeführer beim EJPD gegen diese
Verfügung Beschwerde ein, mit dem Begehren, die Einreisesperre sei ersatzlos
aufzuheben. Zudem beantragte er die Wiederherstellung der von der
Vorinstanz entzogenen aufschiebenden Wirkung und verlangte, es sei ihm
Akteneinsicht zu gewähren, damit er seine Beschwerde ergänzen könne.

C.Mit Zwischenverfügung vom 13. Juni 1991 lehnte das EJPD das Gesuch
umWiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ab. Dem Antrag auf
Gewährung der Akteneinsicht wurde stattgegeben. Das EJPD wies den
Beschwerdeführer beziehungsweise dessen Rechtsvertreter ausdrücklich
darauf hin, dass sich angesichts der noch bis zum 1. Juli 1991 laufenden
Rechtsmittelfrist die Ansetzung einer Nachfrist zur Beschwerdeergänzung
erübrige.

Unabhängig davon forderte das EJPD gestützt auf Art. 63 Abs. 4 VwVG in
derselben Zwischenverfügung den Beschwerdeführer zur Leistung eines
Kostenvorschusses im Betrag von Fr. 350.- auf; der Kostenvorschuss hätte bis
spätestens 28. Juni 1991 bezahlt werden müssen. Die Fristansetzung erfolgte
unter der Androhung, dass bei unbenütztem Fristablauf auf die Beschwerde
nicht eingetreten werde.

D. Am 26. Juni 1991 reichte der Beschwerdeführer nach erfolgter
Akteneinsicht eine die Beschwerde vom 31. Mai 1991 ergänzende Rechtsschrift
ein.

Dabei äusserte er sich in keiner Weise zur Zwischenverfügung vom
13. Juni 1991, insoweit diese die Fristansetzung für die Leistung eines
Kostenvorschusses betraf.

E. Die Ehefrau des Beschwerdeführers bezahlte den Kostenvorschuss am 2. Juli
1991 (Poststempel) zuhanden des EJPD ein, das heisst vier Tage nach Ablauf
der Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses beziehungsweise einen Tag
nach Ablauf der Rechtsmittelfrist.

In Anbetracht dieser Tatsache stellte das EJPD am 11. Juli 1991 fest, dass der
mit Zwischenverfügung vom 13. Juni 1991 verlangte Kostenvorschuss nicht
innerhalb der auf den 28. Juni 1991 angesetzten Frist geleistet worden war
und entschied, es sei deshalb auf die Beschwerde nicht einzutreten. Die bisher
aufgelaufenen Verfahrenskosten von Fr. 150.- wurden unter Verrechnung mit
dem am 2. Juli 1991 einbezahlten Kostenvorschuss dem Beschwerdeführer
auferlegt, unter Rückvergütung des Restbetrages von Fr. 200.-.

F. Der Beschwerdeführer reichte daraufhin am 22. Juli 1991 beim
Bundesrat eine Rechtsverweigerungsbeschwerde ein. Er beantragt, die
Nichteintretensverfügung des Beschwerdedienstes des EJPD vom 11. Juli

3

1991 sei aufzuheben, und es sei die Beschwerdebeklagte zu verpflichten, auf
die Beschwerdeeingaben des Beschwerdeführers vom 31. Mai 1991 / 26. Juni
1991 gegen die Verfügung des BFA vom 29. Mai 1991 einzutreten, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge. Eine Kopie dieser Rechtsverweigerungsbeschwerde
ging direkt dem EJPD zur Orientierung zu, mit dem Antrag, es sei im Sinne
einer Wiedererwägung auf den Entscheid vom 11. Juli 1991 zurückzukommen
und die Beschwerde vom 31. Mai / 26. Juni 1991 sei zu behandeln. Das EJPD
lehnte dieses Ersuchen unter Hinweis auf die beim Bundesrat eingereichte
Rechtsverweigerungsbeschwerde am 25. Juli 1991 ab.

…

J.Mit Verfügung vom 16. September 1991 setzte das EFD dem
Beschwerdeführer gestützt auf Art. 63 Abs. 4 VwVG Frist bis 7. Oktober 1991
zur Zahlung eines Kostenvorschusses von Fr. 700.-.

…

M. Der Beschwerdeführer leistete daraufhin gestützt auf die Verfügung vom
16. September 1991 fristgerecht einen Kostenvorschuss von Fr. 700.-.

II

1. Gegen Verfügungen des BFA kann gemäss BG vom 26. März 1931 über
Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG, SR 142.20) Beschwerde
beim EJPD geführt werden (Art. 20 Abs. 1 Bst. a ANAG). Dieses entscheidet
endgültig, soweit nicht Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht
zulässig ist (Art. 20 Abs. 3 ANAG). Gemäss Art. 100 Bst. b Ziff. 1 OG ist auf dem
Gebiete der Fremdenpolizei gegen die Verhängung einer Einreisesperre keine
Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Bundesgericht möglich. Zur Behandlung
der Rechtsverweigerungsbeschwerde ist daher die Aufsichtsbehörde,
vorliegend der Bundesrat, zuständig (Art. 70 Abs. 1 VwVG; Art. 97 Abs. 2 und
Art. 101 Bst. a OG; Gygi Fritz, Bundesverwaltungsrechtspflege, Bern 1983,
S. 226).

2. Gemäss Art. 70 Abs. 1 VwVG kann eine Partei jederzeit gegen die Behörde,
die eine Verfügung unrechtmässig verweigert oder verzögert, Beschwerde
wegen Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung an die Aufsichtsbehörde
führen. Der Beschwerdeführer ist als Adressat des Nichteintretensentscheides
beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert.

Die Beschwerde entspricht in formeller Hinsicht den gesetzlichen
Erfordernissen.

Da sämtliche Prozessvoraussetzungen vorliegen (Gygi, a. a. O., S. 71 ff.), ist auf
die Rechtsverweigerungsbeschwerde einzutreten.

III

1. Die Rechtsverweigerungsbeschwerde gemäss Art. 70 Abs. 1 VwVG ist ein
echtes Rechtsmittel, kein Rechtsbehelf (Gygi, a. a. O., S. 225).

4

Das Verbot der formellen Rechtsverweigerung umfasst die
Rechtsverweigerung im engeren Sinn und die Rechtsverweigerung im
weiteren Sinn.

Rechtsverweigerung im engeren Sinn liegt vor, wenn eine Behörde es
ausdrücklich ablehnt oder stillschweigend unterlässt, eine Entscheidung
zu treffen, obwohl sie dazu verpflichtet ist (Müller Georg, Kommentar zur
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 29. Mai 1874,
Basel/Bern/Zürich 1987, Art. 4, Rz. 89; Haefliger Arthur, Alle Schweizer sind vor
dem Gesetze gleich, Zur Tragweite des Artikels 4 der Bundesverfassung, Bern
1985, S. 115 ff.; Gygi, a. a. O., S. 133 und 225 f.).

Vorliegend kann keine Rede davon sein, dass das EJPD eine
Rechtsverweigerung im engeren Sinn begangen hat: Es hat es weder
ausdrücklich noch stillschweigend unterlassen, einen Entscheid zu treffen.
Gegenteils fällte es am 11. Juli 1991 den umstrittenen Nichteintretensentscheid,
welcher unter Hinweis auf Art. 63 Abs. 4 VwVG in jeder Hinsicht
rechtsgenüglich begründet wurde.

Die Rechtsverweigerungsbeschwerde als echtes Rechtsmittel erfasst
den Anspruch auf Erlass einer Verfügung (vgl. Gygi, a. a. O., S. 225),
mithin die Rechtsverweigerung im engeren Sinn. Da, wie vorstehend
dargelegt, keine Rechtsverweigerung im engeren Sinn vorliegt, ist die
Rechtsverweigerungsbeschwerde abzuweisen.

2. Die Vorbringen des Beschwerdeführers entsprechen jedoch implizit der
Rüge, das EJPD habe durch den Nichteintretensentscheid das Verbot des
überspitzten Formalismus verletzt. Damit macht der Beschwerdeführer
eine Rechtsverweigerung im weiteren Sinne geltend (Haefliger, a. a. O.,
S. 115 und S. 121 ff.). Weiter rügt der Beschwerdeführer die Verletzung
des Rechtsmissbrauchsverbots und Unangemessenheit der Fristansetzung.
Der Bundesrat prüft die vorliegende Beschwerde deshalb unter
aufsichtsrechtlichen Gesichtspunkten. Insoweit wird die Beschwerde als
Aufsichtsbeschwerde entgegengenommen.

IV

1. Gemäss ständiger Praxis schreitet der Bundesrat aufsichtsrechtlich ein,
wenn eine wiederholte oder wiederholbare Verletzung klaren materiellen oder
Verfahrensrechts vorliegt, die ein Rechtsstaat auf die Dauer nicht tolerieren
und ein Beschwerdeführer mit keinem ordentlichen oder ausserordentlichen
Rechtsmittel rügen kann (VPB 51.38).

2. Die Beschwerde richtet sich gegen den Nichteintretensentscheid des EJPD
vom 11. Juli 1991. Der Beschwerdeführer rügt darin nicht die Erhebung eines
Kostenvorschusses gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG, sondern die Fristansetzung
bis 28. Juni 1991. Als Begründung wird angeführt, die Rechtsmittelfrist
gegen den Entscheid des BFA sei erst am 1. Juli 1991 abgelaufen, weshalb
der Beschwerdeführer bis zu diesem Datum die Möglichkeit gehabt hätte,
seine Beschwerde gegen die Einreisesperre zuhanden des EJPD zu ergänzen
oder kostenlos zurückzuziehen.

5

https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150000440.pdf?ID=150000440

Wie unter I Bst. C vorstehend erwähnt, wurde mit Zwischenverfügung vom
13. Juni 1991 dem Gesuch um Akteneinsicht stattgegeben und in Anbetracht
der noch bis zum 1. Juli 1991 laufenden Rechtsmittelfrist auf Ansetzung einer
Nachfrist zur Beschwerdeergänzung verzichtet.

In derselben Zwischenverfügung forderte das EJPD den Beschwerdeführer zur
Bezahlung eines Kostenvorschusses bis 28. Juni 1991 auf. Diese Verfügung
stützte sich auf Art. 63 Abs. 4 VwVG, wonach die Beschwerdeinstanz
einen Beschwerdeführer ohne festen Wohnsitz, mit Wohnsitz im Ausland
oder im Verzug mit der Bezahlung früherer Verfahrenskosten unter der
Androhung, auf die Beschwerde nicht einzutreten, zu einem Vorschuss an die
Verfahrenskosten verpflichten kann und zu dessen Leistung eine angemessene
Frist setzt.

Am 26. Juni 1991 - mithin zwei Tage vor Ablauf der Frist für die Bezahlung
des Kostenvorschusses - reichte der Beschwerdeführer eine ergänzende
Beschwerdebegründung ein. Damit brachte er zum Ausdruck, dass er
keineswegs gedachte, seine Beschwerde zurückzuziehen.

Entscheidend ist jedoch die Tatsache, dass der Beschwerdeführer, wäre der
Kostenvorschuss fristgerecht bezahlt worden, die Beschwerde trotzdem noch
hätte zurückziehen beziehungsweise bis zum Ablauf der Rechtsmittelfrist
nochmals hätte ergänzen können. Dies ergibt sich daraus, dass es sich bei der
Frist zur Zahlung eines Kostenvorschusses um eine selbständige, behördlich
angesetzte Frist handelt, welche von ihrer Natur her mit der Rechtsmittelfrist,
das heisst einer gesetzlichen Frist, nichts gemein hat.

Die eingangs dieser Ziffer erwähnte Rügebegründung entbehrt somit jeglicher
Grundlage.

3. Im weiteren ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in seiner
Beschwerdeergänzung vom 26. Juni 1991 weder um Fristerstreckung
nachsuchte, noch Gründe für ein allfälliges Versäumnis bezüglich der damals
noch laufenden Zahlungsfrist geltend machte; weil es sich bei der Frist gemäss
Art. 63 Abs. 4 VwVG um eine behördliche Frist handelt, wäre eine Erstreckung
gemäss Art. 22 Abs. 2 VwVG aus «zureichenden Gründen» durchaus möglich
gewesen.

Der Beschwerdeführer hat auch in der Beschwerde an den Bundesrat keine
Gründe angeführt, inwiefern er unverschuldet davon abgehalten worden
wäre, innert der angesetzten Frist zu handeln; die Voraussetzungen zur
Wiederherstellung der Frist gemäss Art. 24 VwVG sind mithin ebenfalls nicht
erfüllt.

4. Nach Art. 63 Abs. 4 VwVG hat die Behörde eine angemessene Frist
anzusetzen. Dieser Handlungsspielraum erlaubt es ihr, den Umständen des
Einzelfalles Rechnung zu tragen.

Aufgrund der Tatsache, dass sich sowohl der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers als auch dessen Ehefrau in der Schweiz befinden und
dass der Beschwerdeführer die Beschwerdeergänzung problemlos bis zum
26. Juni 1991 einreicher lassen konnte, ist die auf den 28. Juni 1991 angesetzte,

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praxisgemäss auf 15 Tage bemessene Frist als angemessen zu beurteilen. Die
vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verzögerung bei der Zustellung
durch die Post ist im übrigen nicht belegt.

5. Der Auffassung des Beschwerdeführers, die Bezahlung des
Kostenvorschusses am 2. Juli 1991, also am ersten Tag nach Ablauf der
Beschwerdefrist, erweise sich in jedem Fall als angemessen und genügend,
kann nicht gefolgt werden:

a. Erstens sind, wie vorstehend erwähnt, die Frist zur Bezahlung des
Kostenvorschusses und die Rechtsmittelfrist zwei voneinander unabhängige
Fristen. Ob die praxisgemäss auf 15 Tage festgesetzte Frist zur Bezahlung
des Kostenvorschusses vor oder nach Ablauf der 30tägigen Beschwerdefrist
abläuft, hängt nämlich einzig davon ab, in welchem Zeitpunkt ein
Beschwerdeführer seine Beschwerde einreicht, da die Rechtsmittelinstanz erst
nach Einreichung einer Beschwerde Anlass hat, eine Verfügung betreffend
Kostenvorschuss zu erlassen.

b. Zweitens wäre selbst dann, wenn sich vorliegend die Frist zur Bezahlung
des Kostenvorschusses mit jener zur Einreichung der Beschwerde gedeckt
hätte, die Bezahlung nach Ablauf der Rechtsmittelfrist, mithin ebenfalls einen
Tag zu spät erfolgt.

6. Überspitzter Formalismus liegt vor, wenn eine Behörde formelle
Vorschriften mit übertriebener Schärfe handhabt und damit dem Bürger
den Rechtsweg in unzulässiger Weise versperrt (Haefliger, a. a. O., S. 121).

Prozessuale Formen sind jedoch unerlässlich (BGE 96 I 523), um die
ordnungsgemässe und rechtsgleiche Abwicklung des Verfahrens sowie die
Durchsetzung des materiellen Rechts zu gewährleisten.

Der Nichteintretensentscheid erfolgte gestützt auf Art. 63 Abs. 4 VwVG. Die
Rechtsfolge des Nichteintretens setzt voraus, dass die Parteien über die Höhe
des Kostenvorschusses, die Zahlungsfrist und die Folgen der Unterlassung
in angemessener Weise informiert werden. Eine Nachfristansetzung ist
nicht erforderlich (Haefliger, a. a. O., S. 126; Grisel André, Traité de droit
administratif, Neuenburg 1984, Bd. I, S. 372, Ziff. 2c).

Der Beschwerdeführer macht zu Recht nicht geltend, es sei einer dieser
Grundsätze verletzt worden.

In Anbetracht all dieser Umstände ergibt sich, dass das EJPD mit dem
Erlass seines Nichteintretensentscheides infolge nicht fristgemässer
Zahlung des Kostenvorschusses nicht überspitzt formalistisch gehandelt
hat. Die Vorwürfe der Unangemessenheit und des Rechtsmissbrauchs
erweisen sich als ungerechtfertigt. Es liegt mithin keine Verletzung klaren
Verfahrensrechts vor; aus diesem Grunde hat der Bundesrat keinerlei

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_96_I_523&resolve=1

Veranlassung, aufsichtsrechtliche Massnahmen zu ergreifen. Der Beschwerde
vom 22. Juli 1991 wird daher unter aufsichtsrechtlichen Gesichtspunkten keine
Folge gegeben.

V

Weil die Rechtsverweigerungsbeschwerde abgewiesen wird, werden dem
unterliegenden Beschwerdeführer die daraus entstandenen Verfahrenskosten
gestützt auf Art. 63 Abs. 1 VwVG und Art. 2 f. der V vom 10. September 1969
über Kosten und Entschädigungen im Verwaltungsverfahren (SR 172.041.0) zur
Bezahlung auferlegt. Für die Prüfung der aufsichtsrechtlichen Gesichtspunkte
werden keine zusätzlichen Kosten erhoben.

Die Verfahrenskosten, festgesetzt auf Fr. 615.50, sind durch den
Kostenvorschuss von Fr. 700.- gedeckt. Der Restbetrag von Fr. 84.50 wird
zurückerstattet.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 57.2 - Entscheid des Schweizerischen Bundesrates vom 13. November 1991

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1993
Année

Anno

Band 57
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Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert.

Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale.

Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

	Entscheid des Schweizerischen Bundesrates vom 13. November 1991
	I
	II
	III
	IV
	V