# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3267ece9-fe38-5863-b70d-339e9815e13a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.01.2012 E-6557/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6557-2011_2012-01-17.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­6557/2011

U r t e i l   v om   1 7 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz),
Richter Thomas Wespi,
Richter Markus König,   
Gerichtsschreiberin Laura Wayllany.

Parteien A._______, geboren (…), Äthiopien,  
vertreten durch Urs Jehle,
(…),
Gesuchsteller, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl  und  Wegweisung  (Gesuch  um  Wiederaufnahme  des 
Beschwerdeverfahrens);  Abschreibungsentscheid  des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom  16.  August  2010  (E­
7903/2009) / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der Gesuchsteller gelangte am 30. August 2009 in die Schweiz, wo er am 
7.  September  2009  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Basel 
um Asyl nachsuchte. 

Das  BFM  stellte mit  Verfügung  vom  13.  November  2009  –  eröffnet  am 
18. November  2009  –  fest,  der  Gesuchsteller  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig 
verfügte  es  die Wegweisung  aus  der Schweiz  und  ordnete  den Vollzug 
der Wegweisung an.

B.
B.a Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung vom 18. Dezember 2009 erhob 
der  Gesuchsteller  gegen  diesen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. 

B.b  Am 10. Mai  2010  teilte  das Migrationsamt  des Kantons B._______ 
dem  BFM  mit,  der  Gesuchsteller  sei  seit  dem  30.  April  2010 
verschwunden. Diese Mitteilung ging dem Bundesverwaltungsgericht am 
15. Juli 2010 zu.

B.c  Die  Rechtsvertretung  wurde  vom  Bundesverwaltungsgericht  mit 
Verfügung  vom  21.  Juli  2010  aufgefordert,  bis  am  5.  August  2010  den 
Aufenthaltsort des Gesuchstellers bekanntzugeben und eine aktuelle, von 
diesem unterzeichnete Erklärung einzureichen, aus welcher ein fortbeste­
hendes  Rechtsschutzinteresse  am  Beschwerdeverfahren  hervorgehe. 
Gleichzeitig hielt das Gericht fest, dass bei ungenutzter Frist vom Wegfall 
des Rechtschutzinteresses ausgegangen und das Beschwerdeverfahren 
abgeschrieben  werde.  Innert  der  angesetzten  Frist  erfolgte  keinerlei 
Reaktion. 

B.d  Androhungsgemäss  schrieb  daraufhin  das  Gericht  das 
Beschwerdeverfahren  mit  Entscheid  vom  16.  August  2010  infolge 
Gegenstandslosigkeit ab. Zur Begründung führte es aus, dass unter den 
gegebenen  Umständen  praxisgemäss  anzunehmen  sei,  der 
Gesuchsteller  sei  an  der  Weiterführung  des  Asylverfahrens  nicht  mehr 
interessiert  und  habe  kein  schutzwürdiges  Interesse  an  der  Aufhebung 
oder Änderung der Verfügung des Bundesamtes.

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C.
Mit  Eingabe  vom  5.  Dezember  2011  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
ersuchte  der  Gesuchsteller  um  Wiederaufnahme  des 
Beschwerdeverfahrens vom 18. Dezember 2009.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezem­
ber 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021),  sofern 
keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Als Vorinstanzen gelten die 
in  Art.  33  und  34  VGG  genannten  Behörden.  Als  allgemeine 
Beschwerdeinstanz auf dem Gebiet des Bundesverwaltungsrechts ist das 
Bundesverwaltungsgericht  auch  für  die  Beurteilung  von  Gesuchen  um 
Wiederaufnahme eines von ihm abgeschlossenen Beschwerdeverfahrens 
zuständig.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung  des  vorliegenden Gesuchs.  Es  entscheidet  auf  dem Gebiet 
des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens 
des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]). 

1.2  Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3  Der  Gesuchsteller  hat  am  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  teilgenommen,  ist  durch  den 
Abschreibungsentscheid des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. August 
2010  besonders  berührt,  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  der 
Wiederaufnahme  des  Verfahrens  und  ist  daher  zur  Einreichung  des 
Gesuchs  legitimiert  (vgl.  Art.  6  AsylG  i.V.m.  Art. 48  Abs.  1  und  Art.  52 
VwVG,  welche  Bestimmungen  sinngemäss  anwendbar  sind).  Auf  das 
Gesuch ist einzutreten.

2. 
Abschreibungsbeschlüsse  können  weder  in  Revision  noch  in 

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Wiedererwägung  gezogen  werden  (vgl.  die  weiterhin  gültige  Praxis  in 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen 
Asylrekurskommission  [EMARK]  1993  Nr.  33  E.  1a).  Die 
Wiederaufnahme  eines  Beschwerdeverfahrens  stellt  ein  eigenes 
Verfahren (sui generis) dar.

3. 
Zur  Begründung  seines  Wiederaufnahmegesuches  bringt  der 
Gesuchsteller, eigenen Angaben zufolge "ein in Äthiopien sehr bekannter 
(…) und renommierter (…)", der aufgrund seiner politischen (…) bedroht 
und inhaftiert worden sei (vgl. Gesuch vom 5. Dezember 2011, S. 3),  im 
Wesentlichen vor, er habe  im April oder Mai 2010 eine Einladung eines 
äthiopischen  (…)  aus  C._______  erhalten.  Dessen  Vorhaben,  den  (…) 
aufzubauen  und  so  über  die  bevorstehenden  (…)  in  Äthiopien  frei  und 
unabhängig zu berichten, sei dem Gesuchsteller unerlässlich erschienen. 
Aufgrund  seiner  Bekanntheit  und  seines  Hintergrundwissens  sei  seine 
persönliche  Anwesenheit  in  C._______  unbedingt  notwendig  gewesen. 
Nach  den  (…)  in  Äthiopien  habe  er  unverzüglich  in  die  Schweiz 
zurückkehren  wollen,  um  das  hiesige  Beschwerdeverfahren 
durchzuführen. Aufgrund seines Asylverfahrens in C._______, welches er 
einzig eingeleitet habe, um dort während dieser Zeit  legal zu verbleiben, 
sei  ihm eine  frühere Ausreise verwehrt worden. Unmittelbar nach seiner 
Wiedereinreise  in die Schweiz habe er  sich bei  seiner Rechtsvertretung 
gemeldet, um das Verfahren wieder aufzunehmen. 

Die  nach  ständiger  Rechtsprechung  geltende  zeitliche  Begrenzung  zur 
Einreichung eines Wiederaufnahmegesuches sei nach Treu und Glauben 
auszulegen.  Zwar  seien  seit  dem  Abschreibungsentscheid  15  Monate 
vergangen,  doch  könne  diese  zeitliche  Verzögerung  dem Gesuchsteller 
aufgrund  des  Grundsatzes  des  Schutzes  des  guten  Glaubens  nicht 
angelastet  werden.  Denn  er  habe  während  dieser  Zeitspanne  in  einem 
anderen Dublin­Staat  ein  Asylverfahren  hängig  gehabt  und  im Rahmen 
eines einheitlichen Dublin­Verfahrens darauf vertrauen können, dass ihm 
dies nicht zum Nachteil gereichen würde. 

4.
Vorweg  ist  in  grundsätzlicher  Hinsicht  zu  prüfen,  ob  das 
Bundesverwaltungsgericht  aufgrund  des  Verhaltens  des  Gesuchstellers 
davon  ausgehen  durfte,  dieser  habe  kein  Rechtsschutzinteresse  am 
Beschwerdeverfahren mehr, und dieses deshalb in der Folge abschrieb. 

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4.1 Der Gesuchsteller bringt diesbezüglich vor, er habe stets vorgehabt, 
nach  getaner  Arbeit  in  C._______  unverzüglich  in  die  Schweiz 
zurückzukehren,  um  das  Beschwerdeverfahren  durchzuführen. 
Sinngemäss macht  er  damit  geltend,  dass  sein  Rechtsschutzinteresses 
am Beschwerdeverfahren auch während des Aufenthaltes  in C._______ 
fortbestanden habe.

Am  15.  Juli  2010  ging  beim  Bundesverwaltungsgericht  die  schriftliche 
Mitteilung des Kantons Thurgau ein, wonach der Gesuchsteller seit dem 
30. April 2010 verschwunden sei. 

Ein Asylsuchender hat sich im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht während 
des  Verfahrens  den  Behörden  von  Bund  und  Kantonen  stets  zur 
Verfügung  zu  halten  und  seine  Adresse  und  jede  Änderung  der  nach 
kantonalem Recht zuständigen Behörde des Kantons oder der Gemeinde 
sofort  mitzuteilen  (Art.  8  Abs.  3  AsylG).  Das  Bundesverwaltungsgericht 
forderte die Rechtsvertretung mit Verfügung vom 21.  Juli  2010 auf, den 
Aufenthaltsort  des  Gesuchstellers  bekanntzugeben  und  eine  Erklärung 
einzureichen, aus welcher das fortbestehende Rechtsschutzinteresse am 
Beschwerdeverfahren hervorgehe. Wie bereits vorstehend unter Bst. B.c 
festgehalten, erfolgte innert der angesetzten Frist keinerlei Reaktion. 

Den Akten ist weiter zu entnehmen, dass der Gesuchsteller die Schweiz 
während  seines  hängigen  Asylverfahrens  verlassen  und  auch  in 
C._______ um Asyl  nachgesucht hat. Daraus  ist  zu  folgern,  dass er an 
der Fortführung des Verfahrens in der Schweiz kein Rechtschutzinteresse 
mehr  hatte.  Seine  diesbezüglichen  Vorbringen,  er  habe  in  C._______ 
einzig  deshalb  um  Asyl  nachgesucht,  um  sich  dort  während  einer  ge­
wissen  Zeit  legal  aufhalten  zu  können,  sind  unbehelflich.  Einerseits 
erscheint  diese  zweckwidrige  Inanspruchnahme  eines  Verfahrens,  das 
dem  Schutz  vor  Verfolgung  dienen  soll,  als  rechtsmissbräuchlich, 
anderseits  ist  festzustellen,  dass  der Gesuchsteller  von  den  kantonalen 
Behörden  bereits  seit  dem  30.  April  2010  als  verschwunden  gemeldet 
worden  war  (vgl.  Bst.  B.b  vorstehend),  er  hingegen  erst  am  (…)  in 
C._______  um  Asyl  nachsuchte,  ohne  Gründe  für  diese  zeitliche 
Verzögerung anzugeben, obwohl er es als seine Pflicht angesehen habe, 
"unverzüglich nach C._______ zu reisen, um seinen persönlichen Beitrag 
für  unabhängige  und  freie  (…)  in  Äthiopien  zu  leisten"  (vgl.  Akten 
Bundesverwaltungsgericht act. 1 S. 9). Ohnehin bleibt anzumerken, dass 
er  vermutlich den  (…) Behörden gegenüber unvollständige oder  falsche 
Angaben  gemacht  hat,  andernfalls  wohl  das  dortige  Verfahren  rasch 

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abgeschlossen  worden  wäre,  was  in  augenfälligem  Widerspruch  zu 
seiner Berufung auf den Grundsatz von Treu und Glauben und ein faires 
Dublin­Verfahren steht. Auch ohne Beratung durch eine Rechtsvertretung 
dürfte es einem bekannten (…) und renommierten (…), wie er sich selber 
bezeichnet,  bekannt  sein,  dass  parallele  Asylverfahren  in  zwei  Staaten 
administrativ und juristisch nicht haltbar sind. 

4.2  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  bei  dieser  Sachlage  von 
einem  andauernden  Interesse  an  der  Fortführung  des  Asylverfahrens 
nicht  die Rede sein  kann. Der Abschreibungsentscheid  vom 16. August 
2010 war die direkte Folge des Verhaltens des Gesuchstellers und ist zu 
Recht erfolgt.

5.
Trotz  dieser  Feststellung  befasst  sich  das  Bundesverwaltungsgericht 
auch mit der über den vorliegenden Fall hinaus  interessierenden Frage, 
ob  das  Gesuch  um  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeverfahrens 
innerhalb der zeitlich zulässigen Schranke eingereicht wurde. 

5.1 Gemäss dem in EMARK 2000 Nr. 5 publizierten Urteil ergibt sich bei 
der  Stellung  von  Wiedererwägungsgesuchen  aus  dem  Grundsatz  von 
Treu und Glauben eine zeitliche Schranke zwischen Kenntnisnahme der 
Wiedererwägungsgründe und Stellung des Gesuches. Die ARK führte  in 
diesem  Urteil  aus,  eine  Wiedererwägung  könne  nicht  unbeschränkt  zu 
einem  beliebigen  Zeitpunkt  nach  der  eingetretenen  Veränderung  der 
Verhältnisse  verlangt  werden.  Vielmehr  sei  für  die  Frage  der  zeitlichen 
Beschränkung  eines  Wiedererwägungsbegehrens  der  Grundsatz  von 
Treu  und  Glauben  wegleitend.  Die  Einreichung  eines 
Wiedererwägungsgesuches  elf  Monate  nach  Kenntnis  des  ein 
Wiedererwägungsbegehren möglicherweise  begründenden  Sachverhalts 
wurde  von  der  ARK  als  diesem  Grundsatz  zuwiderlaufend  erachtet;  in 
einem späteren Urteil (EMARK    Nr. 25 E. 3d S. 164) wurde präzisierend 
dazu weitergehend ausgeführt, dass unter Umständen auch eine kürzere 
Frist als die  in EMARK 2000    Nr. 5 erwähnte von elf Monaten denkbar 
ist.

In einem weiteren Urteil der ARK (vgl. EMARK 2003 Nr. 6) wurde zudem 
festgestellt,  dass  diese Rechtsprechung  sinngemäss  auch  auf Gesuche 
um  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeverfahrens  anzuwenden  sei.  Als 
massgebend wurde die Zeitspanne  zwischen dem Moment,  in welchem 
der Gesuchsteller vom abgeschlossenen Beschwerdeverfahren Kenntnis 

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genommen  hatte  beziehungsweise  bei  pflichtgemässer  Sorgfalt  hätte 
Kenntnis nehmen müssen und der Einreichung des Gesuches betrachtet.

5.2  Zwischen  dem  am  16.  August  2010  ergangenen 
Abschreibungsentscheid des Gerichts und der Einreichung des Gesuches 
um Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens am 5. Dezember 2011 
liegt  eine Zeitspanne von 15 Monaten, womit  dieses nicht  innerhalb der 
zu beachtenden zeitlichen Schranke eingereicht wurde.

6.
Schliesslich  ist  die Klärung  der  Frage  von  Interesse,  ob  die  im Gesuch 
um  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeverfahrens  geltend  gemachten 
Gründe die späte Eingabe zu rechtfertigen vermögen.

6.1  Der  Gesuchsteller  bringt  vor,  das  von  ihm  am  (…)  in  C._______ 
eingeleitete Asylverfahren habe sich bis zum 28. April 2011 hingezogen. 
Die Versuche seiner dortigen Anwältin, das Verfahren zu beschleunigen, 
seien  erfolglos  geblieben,  und  eine  frühere  Ausreise  sei  ihm  verwehrt 
worden.  Die  Rückschaffung  in  die  Schweiz  sei  deshalb  erst  im  (…) 
erfolgt.  Danach  habe  er  sich  unverzüglich  an  seine  aktuelle 
Rechtsvertretung  gewandt,  um  das  Beschwerdeverfahren  wieder 
aufzunehmen. Im Rahmen eines einheitlichen Dublin­Verfahrens habe er 
im  guten  Glauben  darauf  vertraut,  dass  ihm  die  Einreichung  eines 
Asylgesuches  in  einem  anderen  Dublin­Staat  nicht  zum  Nachteil 
erwachse.  Folglich  könne  ihm  diese  zeitliche  Verzögerung  zwischen 
Abschreibungsentscheid und Einreichung des Wiederaufnahmegesuches 
nicht angelastet werden, 

Dem  ist  entgegenzuhalten,  dass  es  dem Gesuchsteller während  seines 
Aufenthaltes  und  des  hängigen  Asylverfahrens  in  C._______  ohne 
weiteres  möglich  gewesen  wäre,  sich  bei  seiner  damaligen 
Rechtsvertretung  oder  bei  einer  Beratungsstelle  nach  einer  Möglichkeit 
zur Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens  zu erkundigen und ein 
solches  Interesse  beim  Bundesverwaltungsgericht  anzuzeigen.  Der 
Gesuchsteller macht aber keine solchen Bemühungen geltend. 

Ziel  der  Dublin­Verordnung  ist  unter  anderem  die  Vermeidung  des 
Stellens mehrerer Asylanträge durch eine Person  im Dublin­Raum. Den 
Asylbewerbern  soll  die  unkontrollierte  Weiterwanderung,  insbesondere 
parallele oder sukzessive Asylverfahren,  innerhalb des Vertragsgebietes 
(sog.  "Asylum­Shopping") verwehrt werden (vgl. MATHIAS HERMANN, Das 

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Dublin  System,  Zürich/Basel/Genf  2008,  S. 51;  CHRISTIAN 
FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  Dublin  II­Verordnung,  3., Aufl.,  Wien/Graz 
2010, S. 24).

Der  bereits  damals  durch  eine  Rechtsberatungsstelle  vertretene 
Gesuchsteller  wurde  im  Rahmen  des  erstinstanzlichen  Verfahrens  auf 
seine  Mitwirkungspflicht  hingewiesen.  Dessen  ungeachtet  ist  er  ohne 
Anzeige an die hiesigen Behörden nach C._______ ausgereist und hat in 
der Folge  jegliche Kontaktaufnahme zu diesen unterlassen,  bis  er  nach 
erfolglos durchlaufenem Asylverfahren in C._______ zwangsweise in die 
Schweiz  zurückgeführt  wurde.  Eigenen  Angaben  zufolge  hat  er  das 
Asylgesuch  in C._______ einzig gestellt,  um seinen Aufenthalt während 
des  Aufbaus  des  (…)  zu  sichern  (vgl.  Akten  Bundesverwaltungsgericht 
act. 1 S. 9).

6.2  In  Anbetracht  dieses  Verhaltens  ist  auf  die  ohnehin  verfehlte  und 
unter diesen Umständen an Rechtsmissbrauch grenzende Argumentation 
des Gesuchstellers, er habe sich  im guten Glauben auf ein einheitliches 
Dublin­Verfahren  verlassen  und  deshalb  nicht  damit  rechnen  können, 
dass  ihm die Einreichung eines erneuten Asylgesuches  in C._______  in 
der Schweiz zum Nachteil erwachse, nicht weiter einzugehen. 

Der  Gesuchsteller  vermochte  keine  Gründe  darzulegen,  welche  das 
lange  Zuwarten  bis  zur  Einreichung  des  Gesuches  (15  Monate) 
rechtfertigen würden. 

7.
Im  Ergebnis  ist  festzuhalten,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  zu 
Recht davon ausging, der Gesuchsteller habe kein Rechtschutzinteresse 
mehr  an  der  Fortführung  des  Verfahrens  gehabt.  Angesichts  der 
abgelaufenen Zeit und des Umstandes, dass dafür keine entschuldbaren 
Gründe  vorliegen,  ist  das  Gesuch  um  Wiederaufnahme  des 
Beschwerdeverfahrens abzuweisen.

Daraus  ergibt  sich  auch,  dass  die  Anträge  um  Wiederherstellung 
beziehungsweise  Feststellung  der  aufschiebenden  Wirkung  und 
Gutheissung  der  Beschwerde  vom  18.  Dezember  2009  sich  als 
gegenstandslos erweisen. Weiter besteht bei dieser Sachlage auch kein 
Anlass,  dem  Eventualantrag  auf  Rückweisung  des  Verfahrens  an  die 
Vorinstanz zwecks Prüfung eines neuen Asylgesuches beziehungsweise 
zur Wiedererwägung des alten Verfahrens zu entsprechen.

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8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind in Abweisung des Antrages um 
Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  die  Kosten  dem  Gesuch­
steller  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG)  und  auf  insgesamt 
Fr. 600.–  festzusetzen  (Art.  1­3  des Reglements  vom  21. Februar  2008 
über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Das Gesuch um Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens wird abge­
wiesen.

2. 
Der  Antrag  auf  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3. 
Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden dem Gesuchsteller auferlegt. 
Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der 
Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses Urteil geht an den Gesuchsteller, das BFM und das Migrationsamt 
des Kantons B._______.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Bruno Huber Laura Wayllany

Versand: