# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 26e6bb3f-6576-5580-8bb4-3681a7ba65c9
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-09-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.09.2023 E-3275/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3275-2023_2023-09-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3275/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  S e p t e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Esther Marti (Vorsitz), 

Richter David R. Wenger, Richterin Barbara Balmelli,    

Gerichtsschreiberin Carolina Bottini. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Äthiopien, 

vertreten durch Stefan Hery, 

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylrecht  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Rechtsverzögerung/Rechtsverweigerung (N …). 

 

 

 

E-3275/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 31. August 2021 in der Schweiz um Asyl 

nach. 

B.  

Am 3. September 2021 fand die Personalienaufnahme und am 8. Septem-

ber 2021 das Dublingespräch statt, anlässlich dessen der Beschwerdefüh-

rer zwei englischsprachige Beweismittel einreichte. Ein fremdsprachiges 

Dokument gab er sodann am 20. September 2021 zu den Akten. 

C.  

Die Anhörung zu den Asylgründen erfolgte am 20. Oktober 2021 (Anhö-

rung; Protokoll in den SEM-Akten {…} [A] 21). 

D.  

Mit Schreiben vom 25. Oktober 2021 zeigte das SEM dem Beschwerde-

führer an, dass sein Asylgesuch im erweiterten Verfahren behandelt werde, 

da Abklärungsbedarf namentlich hinsichtlich der Plausibilität der Vorbrin-

gen bestehe. Ebenso kündigte es ihm die Zuweisung in den Kanton 

B._______ an. Gleichentags legte die zugewiesene Rechtsvertretung ihr 

Mandat nieder. 

E.  

Unter Anzeige des Mandats ersuchte die Rechtsvertretung des Beschwer-

deführers am 16. November 2021 beim SEM um Akteneinsicht. 

F.  

Am 5. Januar 2022 reichte der Beschwerdeführer eine Übersetzung des 

fremdsprachigen Dokuments ein. 

G.  

Mit Schreiben vom 31. Mai 2022 ersuchte der Beschwerdeführer das SEM 

unter Hinweis auf die Verschlechterung der Lage in der Tigray-Region und 

die Verfahrensdauer darum, zeitnah zu entscheiden oder ihn zu einer er-

gänzenden Anhörung einzuladen. 

H.  

Am 17. August 2022 fand eine ergänzende Anhörung des Beschwerdefüh-

rers statt. Dabei wurde ihm mitgeteilt, dass es im Anschluss daran nicht 

allzu lange dauern sollte, bis ein Entscheid ergehen würde. Aufgrund der 

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volatilen Lage in Äthiopien sei das SEM betreffend seine diesbezügliche 

Entscheidtätigkeit bisher zurückhaltend gewesen. Ebenso habe die Ukrai-

nekrise es sehr beansprucht (ergänzende Anhörung; A 38 F6, F153). 

I.  

Mit Schreiben vom 1. März 2023 ersuchte der Beschwerdeführer das SEM 

mit Blick auf die Verfahrensdauer und seine berufliche Entwicklung erneut 

um Fällung eines Entscheids. 

J.  

Das SEM beantwortete das Schreiben des Beschwerdeführers am 

15. März 2023 dahingehend, dass die aktuelle Lage in Äthiopien gegen-

wärtig weder eine abschliessende Beurteilung darüber zu lasse, welche 

Personen bei einer Rückkehr flüchtlingsrechtlich relevant verfolgt würden 

noch, wann der Wegweisungsvollzug dorthin unzumutbar sei. Sie wies ihn 

darauf hin, dass erst entschieden werden könne, wenn es die Lage vor Ort 

zulasse. 

K.  

Am 22. März 2023 ersuchte der Beschwerdeführer ein drittes Mal um Ent-

scheidfällung, da die Verfahrensfristen überschritten seien und gemäss 

bundesverwaltungsgerichtlicher Praxis eine Rechtsverzögerung vorliege. 

Gleichzeitig stellte er das Erheben einer Rechtsverzögerungsbeschwerde 

in Aussicht. 

L.  

Am 4. Mai 2023 erneuerte der Beschwerdeführer unter Hinweis auf das 

Urteil E-5724/2020 des Bundesverwaltungsgerichts (BVGer) vom 14. De-

zember 2020 sein Begehren um Erlass eines Entscheids, dies bis zum 

31. Mai 2023. Die überlange Verfahrensdauer und Trennung von seiner 

Familie bewirke bei ihm einen immensen psychischen Druck. 

M.  

Dieses Schreiben beantwortete das SEM am 25. Mai 2023 mit einer iden-

tischen Begründung wie am 15. März 2023. 

N.  

Am 7. Juni 2023 erhob der Beschwerdeführer wegen Rechtsverzögerung 

Beschwerde ans BVGer. Er beantragt, es sei festzustellen, dass das Ver-

fahren vor dem SEM zu lange dauere und dieses sei anzuweisen, das Asyl-

verfahren ohne weitere Verzögerung zügig abzuschliessen. In verfahrens-

rechtlicher Hinsicht ersuchte er um die Gewährung der unentgeltlichen 

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Rechtspflege und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

Seiner Beschwerde beigelegt waren eine Vollmacht und eine Kostennote. 

O.  

Die zuständige Instruktionsrichterin hiess mit Instruktionsverfügung vom 

16. Juni 2023 das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-

rung – unter Vorbehalt des Nachweises der Bedürftigkeit – gut, verzichtete 

auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und wies jenes um unentgelt-

liche Rechtsverbeiständung ab. Gleichzeitig lud es die Vorinstanz zur Ver-

nehmlassung ein. 

P.  

Am 22. Juni 2023 ging beim BVGer eine Bestätigung des Sozialamtes 

C._______ vom 20. Juni 2023 ein, wonach der Beschwerdeführer seit 

März 2023 vollumfänglich durch dieses unterstützt werde. 

Q.  

Am 5. Juli 2023 liess sich das SEM vernehmen. 

R.  

Mit Eingabe vom 12. Juli 2023 replizierte der Beschwerdeführer. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch  

vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG 

[SR 142.31]). Gegen das unrechtmässige Verweigern oder Verzögern ei-

ner anfechtbaren Verfügung kann bei der Beschwerdeinstanz, die für die 

Behandlung einer Beschwerde gegen eine ordnungsgemäss ergangene 

Verfügung zuständig wäre, Beschwerde geführt werden (Art. 46a VwVG). 

Das Bundesverwaltungsgericht ist damit zur Beurteilung der vorliegenden 

Rechtsverzögerungsbeschwerde zuständig. 

1.2 Rechtsverzögerungsbeschwerden richten sich gegen den Nichterlass 

einer anfechtbaren Verfügung. Die Beschwerdelegitimation setzt voraus, 

dass bei der zuständigen Behörde zuvor ein Begehren um Erlass einer 

Verfügung gestellt wurde und Anspruch darauf besteht. Ein Anspruch ist 

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anzunehmen, wenn die Behörde verpflichtet ist, in Verfügungsform zu han-

deln und der ansprechenden Person nach Art. 6 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG 

Parteistellung zukommt (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.2 m.w.H.).  

Der Beschwerdeführer hat am 31. August 2021 ein Asylgesuch gestellt, 

über das die Vorinstanz in Form einer anfechtbaren Verfügung zu befinden 

hat. Der Beschwerdeführer ist daher zur Beschwerdeführung legitimiert. 

1.3 Gegen das unrechtmässige Verzögern einer Verfügung kann grund-

sätzlich jederzeit Beschwerde geführt werden (Art. 50 Abs. 2 VwVG). Den-

noch steht der Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nicht völlig im Belieben 

der beschwerdeführenden Person. Der Grundsatz von Treu und Glauben 

ist stets zu beachten. Die beschwerdeführende Person muss zudem dar-

legen, dass sie zur Zeit der Beschwerdeerhebung ein schutzwürdiges – 

mithin aktuelles und praktisches – Interesse an der Vornahme der verzö-

gerten Amtshandlung respektive der Feststellung einer entsprechenden 

Rechtsverzögerung hat (vgl. ANDRÉ MOSER ET AL., Prozessieren vor dem 

Bundesverwaltungsgericht, 3. Aufl. 2022, Rz. 5.23). 

Das schutzwürdige Interesse des Beschwerdeführers an der Vornahme 

der allenfalls verzögerten Amtshandlung ergibt sich aus der Tatsache, dass 

die Vorinstanz bis anhin noch nicht in der Sache entschieden hat. Der Zeit-

punkt der Beschwerdeerhebung ist nicht zu beanstanden. 

1.4 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist auf die formgerecht ein-

gereichte (Art. 52 Abs. 1 VwVG) Rechtsverzögerungsbeschwerde einzu-

treten. 

2.  

Das Prüfungsergebnis beschränkt sich vorliegend auf die Beantwortung 

der Frage, ob die Vorinstanz das Rechtsverzögerungsverbot verletzt hat. 

Im Falle einer Gutheissung der Beschwerde weist das Bundesverwaltungs-

gericht die Sache mit verbindlichen Weisungen an die Vorinstanz zurück 

(Art. 61 Abs. 1 VwVG). Hingegen ist das Gericht nicht befugt, sich dazu zu 

äussern, wie ein unrechtmässig verzögerter Entscheid inhaltlich hätte aus-

fallen sollen, da es – Spezialkonstellationen vorbehalten – nicht anstelle 

der untätig gebliebenen Behörde entscheiden darf, andernfalls der Instan-

zenzug verkürzt und möglicherweise Rechte der Verfahrensbeteiligten ver-

letzt würden (vgl. BVGE 2008/15 E. 3.1.2 m.w.H.). 

3.  

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3.1 Das Verbot der Rechtsverzögerung ergibt sich als Teilgehalt aus der 

allgemeinen Verfahrensgarantie von Art. 29 Abs. 1 BV. Danach hat jede 

Person unter anderem Anspruch auf eine Beurteilung ihrer Sache innert 

angemessener Frist (sog. Beschleunigungsgebot). Diese Verfassungsga-

rantie gilt für alle Sachbereiche und alle Akte der Rechtsanwendung (vgl. 

BGE 130 I 174 E. 2.2 m.w.H.). 

3.2 Von einer Rechtsverzögerung im Sinne des Gesetzes ist nach Lehre 

und Praxis auszugehen, wenn behördliches Handeln zwar nicht (wie bei 

einer Rechtsverweigerung) grundsätzlich infrage steht, aber die Behörde 

nicht innert der Frist handelt, die nach der Natur der Sache objektiv noch 

als angemessen erscheint. Die Angemessenheit der Dauer eines Verfah-

rens ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Umstände zu 

beurteilen. In Betracht zu ziehen sind dabei namentlich die Komplexität der 

Sache, das Verhalten der betroffenen Beteiligten und der Behörden, die 

Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Partei sowie einzelfallspezifi-

sche Entscheidungsabläufe (vgl. zum Ganzen BGE 130 I 312 E. 5.1 f. 

m.w.H.). 

3.3 Ein Verschulden der Behörde an der Verzögerung wird nicht vorausge-

setzt, weshalb sie das Rechtsverzögerungsverbot auch dann verletzt, 

wenn sie wegen Personalmangels oder Überlastung nicht innert angemes-

sener Frist handelt (vgl. BGE 138 II 513 E. 6.4; 107 Ib 160 E. 3c; 103 V 

190 E. 5c). Spezialgesetzliche Behandlungsfristen sind bei der Beurteilung 

der Angemessenheit der Verfahrensdauer zu berücksichtigen (vgl. zum 

Ganzen auch Urteil des BVGer E-1438/2018 vom 5. April 2018 E. 3.2 

m.w.H.). 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer begründet seine Beschwerde damit, dass das 

BVGer bei einer gesamthaften Verfahrensdauer von 17 Monaten und Un-

tätigkeit seit bald eineinhalb Jahren das Vorliegen einer Rechtsverzöge-

rung bejaht habe, ebenso bei einer Gesamtdauer von 15 Monaten bei zwölf 

Monaten Untätigkeit (Urteile des BVGer E-6418/2012 vom 26. Februar 

2013 E. 5.2; D-4765/2022 vom 14. Dezember 2022 E. 4.2.2). Er habe sein 

Asylgesuch vor rund 21 Monaten gestellt und seit der ergänzenden Anhö-

rung seien keine weiteren Verfahrensschritte erkennbar. Zwar befinde sich 

die Tigray-Region seit Unterzeichnung des Friedensabkommens am 2. No-

vember 2022 in einem Zustand zwischen Krieg und Frieden und die Beur-

teilung der Sicherheitslage sei schwierig. Deswegen dürfe das SEM aber 

seinen Entscheid nicht auf unbestimmte Zeit hinauszögern, denn die 

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Vorbringen der gesuchstellenden Person seien unter Berücksichtigung der 

zum Zeitpunkt des Asylentscheids verfügbaren Informationen zu beurtei-

len. Die derzeitige Lage in der Tigray-Region lasse zumindest den eindeu-

tigen Schluss zu, dass ein Wegweisungsvollzug unzumutbar sei, weshalb 

bereits Monate zuvor eine vorläufige Aufnahme hätte erteilt werden müs-

sen. 

4.2 In ihrer Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, nach Rücksprache 

werde die Ländersektion Äthiopien bei der Länderanalyse eine Aufdatie-

rung der Lage der ethnischen Tigray ausserhalb ihrer Region beziehungs-

weise in Addis Abeba in Auftrag geben, um für diese Fallkonstellation eine 

Wegweisungspraxis erarbeiten zu können. Für die Erarbeitung der Asyl- 

und Wegweisungspraxis sowie das Einholen aktueller Länderinformatio-

nen benötige die Ländersektion bis Ende September Zeit. Anschliessend 

könne ein Asylentscheid ergehen. 

4.3 Replizierend wendet der Beschwerdeführer ein, aus der Vernehmlas-

sung ergebe sich, dass die Ländersektion den Auftrag an die Länderana-

lyse erst noch erteilen werde. Anlass hierfür sei die Anfrage des Fachrefe-

renten gewesen, bedingt durch die Rechtsverzögerungsbeschwerde. Von 

sich aus hätte das SEM die entsprechenden Schritte nicht eingeleitet. 

Wenn das SEM die Aufdatierung nun als notwendig erachte, hätte es den 

Auftrag viel eher erteilen sollen. Weiter sei mit der Formulierung, es könne 

ein Entscheid ergehen, kein zügiger Verfahrensabschluss gewährleistet. 

Das SEM sei deshalb anzuweisen, nach erfolgter Lagebeurteilung durch 

die Ländersektion bis Ende September das Verfahren umgehend abzu-

schliessen. 

5.  

Die Rüge der Rechtsverzögerung erweist sich, wie nachfolgend aufzuzei-

gen ist, als unbegründet:  

Nach Einreichen des Asylgesuchs am 31. August 2021 fanden die Erhe-

bung der Personalien des Beschwerdeführers und das Dublingespräch zü-

gig statt. Auch die Anhörung zu den Asylgründen erfolgte zeitnah. Nach 

dem Zuteilungsentscheid verstrichen dann rund acht Monate, bis der Be-

schwerdeführer zur ergänzenden Anhörung vorgeladen wurde. Diese Zeit-

spanne erweist sich als etwas zu lang, und es entsteht der Eindruck, dass 

das Schreiben der Rechtsvertretung vom 31. Mai 2022 den Ausschlag zum 

Handeln gegeben hat. Nichtsdestotrotz ist diese Verzögerung vernachläs-

sigbar. Zumindest unschön ist dann allerdings die lange Untätigkeit des 

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Seite 8 

SEM nach seiner Auskunft an der ergänzenden Anhörung, wonach es nicht 

mehr allzu lange dauern werde; erst auf die erneute Anfrage des Be-

schwerdeführers reagierte es erneut mit Schreiben vom 15. März 2023. 

Dass das SEM aber bis anhin nicht entschieden hat, ist objektiv begründet. 

Rund drei Monate nach seiner ergänzenden Anhörung kam es, wie der Be-

schwerdeführer selber ausführt, zum Waffenstillstand zwischen der Regie-

rung und den Bürgerkriegsparteien, womit eine veränderte Sachlage vor-

lag. Dem Beschleunigungsgebot kommt vor dem Untersuchungsgrundsatz 

grundsätzlich kein Vorrang zu (Urteil des BGer 8C_210/2013 vom 10. Juli 

2013 E. 3.2.1 m.w.H.). Auch dass das SEM die Aufdatierung nicht unmit-

telbar nach dem Waffenstillstand in Auftrag gab, sondern eine allfällige Sta-

bilisierung der Lage abwartete, ist nachvollziehbar, und der Entscheid zu 

deren Einholung nicht notwendigerweise Folge der erhobenen Rechtsver-

zögerungsbeschwerde. Im Übrigen wird beim Vorbringen, der Wegwei-

sungsvollzug in die Region Tigray sei unzumutbar, weshalb vor Monaten 

eine vorläufige Aufnahme hätte angeordnet werden müssen, verkannt, 

dass der Beschwerdeführer etwas länger als sechs Jahre vor seiner Aus-

reise in Addis Abeba gelebt habe, wo sich seine Ehefrau und Kinder befän-

den (A21 F14; A35 F18). Im Zusammenhang mit den vom Beschwerdefüh-

rer aufgeführten Urteilen des BVGer ist sodann festzuhalten, dass sie mit 

dem vorliegenden Fall nicht vergleichbar sind. So war im Fall, der dem Ur-

teil des BVGer E-6418/2012 zu Grunde lag, noch keine Anhörung erfolgt 

und in jenem, der Gegenstand des Urteils des BVGer D-4765/2022 war, 

waren weitere Abklärungen nicht ersichtlich. Unter Berücksichtigung aller 

Umstände erscheint die Verfahrensdauer, welche massgeblich dem Ab-

warten einer nachhaltig beurteilbaren Lage geschuldet ist, ohne die ein fun-

dierter Entscheid nicht ergehen kann, im aktuellen Zeitpunkt als angemes-

sen. Eine Verletzung des Beschleunigungsgebots gemäss Art. 29 Abs. 1 

BV liegt nicht vor. Im Übrigen geht das Gericht davon aus, dass das SEM, 

wie angekündigt, das Asylverfahren innerhalb einer angemessenen Frist 

abschliessen wird. 

Nach dem Gesagten ist die Rechtsverzögerungsbeschwerde abzuweisen. 

 

6.  

Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens wären die Verfahrenskos-

ten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da 

ihm jedoch mit Instruktionsverfügung vom 16. Juni 2023 die unentgeltliche 

Prozessführung unter Vorbehalt des Nachweises seiner Bedürftigkeit ge-

währt wurde und er eine Unterstützungsbestätigung einreichte, hat er keine 

Verfahrenskosten zu tragen.  

E-3275/2023 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer und das SEM. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Carolina Bottini 

 

 

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