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**Case Identifier:** 08f8d3f9-e320-5c23-9d79-c571ae826f5c
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.11.2022 D-5268/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5268-2022_2022-11-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5268/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Daniela Brüschweiler, 

mit Zustimmung von Richterin Esther Marti;   

Gerichtsschreiberin Sandra Bisig. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,  

(…),   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG);  

Verfügung des SEM vom 10. November 2022 / N (…). 

 

 

 

D-5268/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 23. September 2022 in der Schweiz um 

Asyl nach. 

B.  

Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der Eurodac-Datenbank durch das 

SEM ergab, dass er am 26. August 2022 in Griechenland aufgegriffen 

wurde und am 22. September 2022 in Italien um Asyl nachgesucht hatte. 

Weiter ergab die Identitätsabklärung, dass er von Italien mit einem Einrei-

severbot für den Schengenraum belegt worden war.  

C.  

C.a Das SEM gewährte dem Beschwerdeführer anlässlich des sogenann-

ten Dublin-Gesprächs vom 26. Oktober 2022 – im Beisein der ihm zuge-

wiesenen Rechtsvertretung – das rechtliche Gehör zur möglichen Zustän-

digkeit Italiens für die Durchführung des Asylverfahrens, einer Wegweisung 

dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt.  

C.b Der Beschwerdeführer erklärte im Wesentlichen, er sei am 10. Sep-

tember 2022 in Italien aufgegriffen worden und habe den dortigen Behör-

den mehrmals gesagt, dass er weiterreisen möchte. Wegen fehlender Rei-

sedokumente sei er jedoch zu einem Zentrum namens CPR (Centro di Per-

manenza per i Rimpatri, Rückführungszentrum; Anmerkung des Gerichts) 

in B._______ gebracht worden. Dort sei er zwei Wochen gewesen. Er sei 

einem Richter vorgeführt worden. Dabei sei aber kein Dolmetscher anwe-

send gewesen. Ihm sei angedroht worden, dass er ohne Einreichung eines 

Asylgesuchs in die Türkei weggewiesen würde. Er habe daher ein Asylge-

such eingereicht und sei dann aus dem CPR entlassen worden.  

Sein Aufenthalt in Italien sei für ihn traumatisch gewesen und er fühle sich 

dort wegen den "staatlichen Zuständen" nicht in Sicherheit. Im CPR habe 

es drogenabhängige und suizidgefährdete Personen sowie Personen im 

Hungerstreik gegeben. Während seines dortigen Aufenthalts hätten vier 

Personen Suizid begangen und die Polizei habe nichts dagegen unternom-

men. 

C.c Zu seinem Gesundheitszustand gab er an, dass er zurzeit weder kör-

perliche noch psychische Probleme habe. Bei einer Wegweisung nach Ita-

lien würde sich aber sein psychischer Zustand verschlechtern.  

D-5268/2022 

Seite 3 

D.  

Ebenfalls am 26. Oktober 2022 ersuchte das SEM die italienischen Behör-

den um Rückübernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 18 

Abs. 1 Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-

ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und 

Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines 

von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-

staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-

gend: Dublin-III-VO). Dieses Gesuch blieb innert der in Art. 25 Abs. 1 Dub-

lin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet.  

E.  

Gemäss telefonischer Abklärung vom 10. November 2022 durch das SEM 

bei der zuständigen Gesundheitsbetreuung meldete sich der Beschwerde-

führer bis dahin nicht beim Gesundheitsdienst, um allfällige gesundheitli-

che Beschwerden vorzubringen. 

F.  

Mit Verfügung vom 10. November 2022 – tags darauf eröffnet – trat das 

SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete dessen Wegwei-

sung aus der Schweiz nach Italien an und forderte ihn auf, die Schweiz am 

Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Es beauftragte den 

Kanton C._______ mit dem Vollzug der Wegweisung. Gleichzeitig händigte 

es dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-

zeichnis aus und stellte fest, eine allfällige Beschwerde gegen den Ent-

scheid habe keine aufschiebende Wirkung.  

G.  

Am 15. November 2022 teilte die zugewiesene Rechtsvertretung dem SEM 

die Beendigung des Mandatsverhältnisses mit. 

H.  

Mit Beschwerde vom 17. November 2022 an das Bundesverwaltungsge-

richt beantragte der Beschwerdeführer in materieller Hinsicht, die Verfü-

gung vom 10. November 2022 sei aufzuheben und die Vorinstanz sei an-

zuweisen, ihre Pflicht oder ihr Recht zum Selbsteintritt auszuüben und sich 

für sein Asylverfahren für zuständig zu erklären, eventualiter sei die Ange-

legenheit für weitere Sachverhaltsabklärungen an die Vorinstanz zurück-

zuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei die auf-

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Seite 4 

schiebende Wirkung zu erteilen und die Vollzugsbehörden seien anzuwei-

sen, von einer Überstellung nach Italien abzusehen, bis das Bundesver-

waltungsgericht über die vorliegende Beschwerde entschieden habe. Fer-

ner ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und 

um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. 

Auf die Begründung der Beschwerdebegehren wird – soweit für den Ent-

scheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

I.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

18. November 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-

rung legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 

VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-

treten (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 

Abs. 1 VwVG). 

2.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG) 

 

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

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Seite 5 

3.  

3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).  

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsuchen-

de in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des Asyl- 

und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Diesbezüglich kommt die Dublin-III-VO zur Anwen-

dung. 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Rah-

men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet grundsätz-

lich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt, unter Vor-

behalt der von Art. 7 Abs. 3 und Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO erfassten Situ-

ationen (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.; 

BVGE 2019 VI/7 E. 4-6). Kann kein Mitgliedstaat gemäss den aufgeführten 

Kriterien bestimmt werden, ist derjenige Staat zuständig, in welchem das 

erste Asylgesuch gestellt wurde (Art. 3 Abs. 2 Satz 1 Dublin-III-VO). 

4.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich brin-

gen, ist zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat 

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Seite 6 

als zuständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als 

zuständig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitglied-

staat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

4.4 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintritts-

recht). Dieses sogenannte Selbsteintrittsrecht ist zwingend auszuüben, 

wenn individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vorliegen 

(BVGE 2015/9 E. 8.2.1). Das Selbsteintrittsrecht wird im Landesrecht 

durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, 

SR 142.311) konkretisiert und das SEM kann das Asylgesuch gemäss die-

ser Bestimmung "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln, wenn 

dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. 

4.5 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, 

einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-

deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet 

eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe 

der Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b 

Dublin-III-VO). 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer gelangte gemäss seinen Angaben zwar in Grie-

chenland in das Hoheitsgebiet der Dublin-Mitgliedstaaten (vgl. auch den 

entsprechenden Eurodac-Treffer), was – wie in der Beschwerde vorge-

bracht – gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO die Zuständigkeit Grie-

chenlands begründen könnte. Da im Falle von Griechenland indessen 

nach ständiger Praxis vom Vorliegen systemischer Mängel (im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO) auszugehen ist (vgl. Urteil des BVGer 

D-4651/2022 vom 20. Oktober 2022) und der Beschwerdeführer unmittel-

bar vor seiner Asylgesuchstellung in der Schweiz in Italien um Asyl nach-

suchte, ersuchte das SEM gestützt auf Art. 3 Abs. 2 Satz 1 respektive 

Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zu Recht die italienischen Behörden um 

Rückübernahme des Beschwerdeführers.  

Die italienischen Behörden liessen das Rückübernahmeersuchen innert 

der in Art. 25 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet, wo-

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mit sie die Zuständigkeit Italiens implizit anerkannten (Art. 25 Abs. 2 Dub-

lin-III-VO). Italien ist folglich zur Wiederaufnahme des Beschwerdeführers 

verpflichtet. Dass gegen den Beschwerdeführer in Italien offenbar ein Ein-

reiseverbot angeordnet wurde (vgl. Bst. B vorstehend), wobei keine Details 

dazu bekannt sind, vermag daran nichts zu ändern. Gegen eine Überstel-

lung des Beschwerdeführers aus der Schweiz nach Italien im Rahmen ei-

nes Dublin-Verfahrens würde dieses Einreiseverbot nicht greifen (vgl. etwa 

Urteil des BVGer E-4088/2022 vom 21. September 2022 E. 3.2). Die Zu-

ständigkeit Italiens für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsver-

fahrens ist somit grundsätzlich gegeben. 

5.2 Daran ändert der vom Beschwerdeführer im Rahmen des Dublin-Ge-

sprächs bereits vorgebrachte und in der Beschwerde konkretisierte Ein-

wand, wonach er in Italien faktisch gezwungen worden sei, ein Asylgesuch 

zu stellen und seine Fingerabdrücke abzugeben, er dort jedoch gar kein 

Asylgesuch habe stellen wollen und sein Ziel die Schweiz gewesen sei, 

nichts. Das SEM führte in der angefochtenen Verfügung zu Recht aus, 

dass die Bestimmung des zuständigen Dublin-Staates nach festgelegten 

Kriterien gestützt auf die Dublin-III-VO erfolge, welche es nicht erlauben 

würden, persönliche Präferenzen der asylsuchenden Person zu berück-

sichtigen. Aus der vom Beschwerdeführer behaupteten Anwesenheit des 

Mannes seiner Schwägerin in der Schweiz lässt sich sodann bereits des-

halb kein Zuständigkeitskriterium ableiten, weil es sich dabei nicht um ei-

nen Familienangehörigen im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO handelt. 

Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Dublin-Staaten gemäss der 

sogenannten Eurodac-Verordnung verpflichtet sind, unter anderem von 

Personen, die – wie der Beschwerdeführer – illegal in das Hoheitsgebiet 

der Dublin-Staaten einreisen respektive sich weiterhin illegal dort aufhal-

ten, Fingerabdrücke abzunehmen. 

6.  

6.1 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es 

wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Auf-

nahmebedingungen für Asylsuchende in Italien würden systemische 

Schwachstellen aufweisen. 

6.2 Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 

0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 

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0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-

tungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne 

und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien 

des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 

2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung 

des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU 

vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per-

sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er-

geben. 

6.3 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung  

davon aus, dass das italienische Asylsystem – trotz punktueller Schwach-

stellen – keine systemischen Mängel im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Satz 2 

Dublin-III-VO aufweist (vgl. statt vieler die Referenzurteile des BVGer  

D-4235/2021 vom 19. April 2022 E. 10.2, F-6330/2020 vom 18. Oktober 

2021 E. 9 und E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 E. 6.3). Für eine Än-

derung dieser Rechtsprechung besteht – selbst unter Berücksichtigung der 

generellen Ausführungen in der Beschwerde betreffend die Aufnahmebe-

dingungen in Italien (insb. auch für Dublin-Rückkehrer) und des Hinweises 

auf zwei Entscheide von Gerichten in Deutschland – keine Veranlassung. 

6.4 Eine Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO erweist 

sich demnach als nicht gerechtfertigt. 

7.  

7.1 Hinsichtlich des vom Beschwerdeführer geforderten Selbsteintritts 

durch die Schweiz ist sodann Folgendes festzuhalten: 

7.2  

7.2.1 Soweit der Beschwerdeführer mit seinen generellen Beschwerdevor-

bringen zu den Umständen in Italien den dortigen Zugang zum Asylverfah-

ren in Frage stellt, vermag er kein konkretes und ernsthaftes Risiko darzu-

tun, die italienischen Behörden würden sich weigern, ihn wiederaufzuneh-

men und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der 

Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine 

Gründe für die Annahme zu entnehmen, Italien werde in seinem Fall den 

Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein 

Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen 

würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden. Ausser-

dem hat er mit seinen allgemeinen Ausführungen nicht dargetan, die ihn 

bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Italien seien derart 

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schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtechar-

ta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten.  

7.2.2 Die Vermutung, Italien halte seine völkerrechtlichen Verpflichtungen 

ein, kann im Einzelfall zwar widerlegt werden. Hierfür bedarf es aber kon-

kreter und ernsthafter Hinweise. Solche hat der Beschwerdeführer, der 

nach erfolgter Asylgesuchstellung in Italien umgehend aus dem Rückfüh-

rungszentrum entlassen wurde und sich am Folgetag bereits in die 

Schweiz begab, mit seinen Beschwerdevorbringen zur allgemeinen Unter-

bringungssituation in Italien nicht dargetan. Es darf somit davon ausgegan-

gen werden, dass für ihn der Zugang zu einer Asylunterkunft nach einer 

Überstellung nach Italien gewährleistet ist. Bei einer allfälligen vorüberge-

henden Einschränkung der ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden 

minimalen Lebensbedingungen könnte er sich im Übrigen nötigenfalls an 

die zuständigen Behörden vor Ort wenden und diese auf dem Rechtsweg 

einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie). Zudem steht ihm die Möglich-

keit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontaktieren.  

7.2.3 Die allgemeinen Aufnahmebedingungen für (gestützt auf die Dublin-

III-VO zurückkehrende) Asylsuchende in Italien führen nach bisheriger Pra-

xis des Bundesverwaltungsgerichts denn auch nicht zur Ausübung des 

Selbsteintrittsrechts in der Schweiz (vgl. etwa Urteil D-4164/2022 vom 

30. September 2022 E. 7.3.1 m.w.H.). Die Befürchtung des Beschwerde-

führers, in Italien (wegen seiner Ausreise resp. aufgrund der generellen Si-

tuation [bspw. Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf das Aufnahmesys-

tem]) keine Unterbringung zu bekommen und im Winter auf der Strasse 

leben zu müssen, erweist sich mithin als unbegründet. Auch besteht ange-

sichts seiner auf seine Asylgesuchstellung in Italien erfolgte Entlassung 

aus dem Rückführungszentrum – entgegen seiner in der Beschwerde ge-

äusserten Befürchtung – kein Grund zur Annahme, dass er nach seiner 

Überstellung wieder in einem Rückführungszentrum untergebracht würde. 

Es erübrigt sich daher, auf seine Vorbringen zu den dortigen Bedingungen 

einzugehen.  

7.2.4 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, eine Überstellung nach 

Italien setze ihn einer Gefahr für seine Gesundheit aus und verletzte damit 

Art. 3 EMRK, ist zunächst festzuhalten, dass er aktuell – soweit aus den 

Akten ersichtlich – gesund ist (vgl. Bst. C.c und E. vorstehend). Sollte sich 

sein psychischer Zustand tatsächlich verschlechtern, ist – in Übereinstim-

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Seite 10 

mung mit dem SEM – darauf hinzuweisen, dass Italien über eine ausrei-

chende medizinische Infrastruktur verfügt und er dort gestützt auf die Auf-

nahmerichtlinie Zugang zu den erforderlichen Behandlungen hätte. 

7.2.5 Nach dem Gesagten erweist sich die Überstellung nach Italien unter 

Beachtung der massgeblichen völkerrechtlichen Bestimmungen als zuläs-

sig, womit keine zwingenden Gründe für einen Selbsteintritt auf das Asyl-

gesuch des Beschwerdeführers in Anwendung der Ermessensklausel ge-

mäss Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO ersichtlich sind. 

7.3 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei 

der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über 

einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene 

Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbeson-

dere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder 

ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das 

Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserun-

gen. 

8.  

Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b 

AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Wei-

tere Sachverhaltsabklärungen sind nicht nötig, weshalb der nicht weiter be-

gründete Eventualantrag abzuweisen ist. Da der Beschwerdeführer nicht 

im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist, 

wurde die Überstellung nach Italien in Anwendung von Art. 44 AsylG eben-

falls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). 

9.  

Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des 

Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind 

allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) 

unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 

m.w.H.). 

10.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung 

des SEM zu bestätigen.  

11.  

Mit dem Entscheid in der Hauptsache sind die Gesuche um Erteilung der 

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Seite 11 

aufschiebenden Wirkung (inkl. entsprechende Anweisung an die Vollzugs-

behörden) und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses ge-

genstandslos geworden.  

12.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist abzu-

weisen, da die Begehren gemäss den vorstehenden Erwägungen als aus-

sichtslos zu bezeichnen waren. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind 

die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) 

und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen.  

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Sandra Bisig 

 

 

Versand: