# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d274c360-c267-55fc-b5eb-b46b644127b5
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-08-06
**Language:** de
**Title:** Frühinvalidität; Rentenbeginn; keine Verzugszinsen bei ungenügender Erfüllung der Mitwirkungspflicht
**Docket/Reference:** IV.2012.00365
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.00365.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.00365
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Ersatzrichterin Bänninger Schäppi
Gerichtsschreiber Brügger
Urteil
vom
6. August 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Lotti Sigg
Bonazzi
Sigg Schwarz
Advokatur
Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren
1966, konsumierte bereits in früher Jugend diverse Suchtmittel und
wurde
schon mit 18 Jahren drogen- und später auch alkohol
abhängig
.
Eine
Berufslehre
als Kosmetikerin
brach sie vorzeitig ab
. Sie
verfügt
über keine abgeschlossene Berufsausbildung.
1994 und 1996
kamen
ihre
beiden Töchter
zur Welt, welche zeitwei
se fremdbetreut werden mussten (
Urk.
10/2/7 und
Urk.
10/
9/7).
X.___
hat
beinahe
nie eine AHV-pflichtige Erwerbs
tätigkeit aus
geübt
(Urk.
10/6). Wegen
einer
Depression meldete
sie sich
am
1.
Dezember 2006 bei der Invaliden
versicherung zum
Ren
tenbezug
an (Urk
.
10/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, holte den zuhanden des
Y.___
erstellten Bericht der Psychiatrischen
Klinik Z.
vom 2
2.
Oktob
er 2003 ein (Urk.
10/9/7-9). Am
6.
August 2007 teilte die
IV-Stelle
X.___
mit
, die Abklärungen hätten ergeben, dass es angezeigt sei, dass sie sich in ambulante psychiatrische Behandlung begebe. Im Rahmen dieser Behandlung sollte insbesondere die Frage nach Sucht- und Suchtfolgeschäden beantwortet werden können. Die IV-Stelle werde deshalb drei bis vier Monate nach begonnener Behandlung von den behandeln
den Ärzten einen
Verlaufs
be
richt
einholen und dann eine
versicherungs
medizinische
Be
urteil
ung vor
neh
men. Die Versicherte wurde darauf hinge
wiesen, dass sie aufgrund ihrer
Scha
den
minderungspflicht
die Behandlung durchzuführen habe, ansonsten der Ren
ten
anspruch so
beurteilt würde, als ob die Behandlung
durchgeführt worden wäre (Urk. 10/12).
Nachdem sich die Versicherte innert der ihr bis
5.
September 2007 gesetzten Frist nicht gemeldet hatte, stellte ihr
die IV-Stelle
mit Vorbe
scheid vom 2
6.
November 2007
in Aussicht, dass das Rentenbegehren
aufgrund der Akten
abgewiesen wer
de, da
sie sich einer ambulanten psychiatri
schen Behandlung weiterhin widersetze
(
Urk.
10/25)
.
Dagegen
erhob
X.___
am
23.
Dezember 2007 Einwand, weil sie Zeit brauche, einen guten Psychiater zu suchen (
Urk.
10/26). Die IV-Stelle hielt daran fest, dass innert der von ihr gesetzten Frist ein Psychiater zu suchen sei
,
und wies das Leistungsbegehren mit Verfügu
ng vom 2
2.
Januar 2008 ab (Urk.
10/29).
1.2
Mit Schreiben vom 2
0.
Februar 2008
ersuchte
X.___
die
IV-Stelle um Wiederaufnahme der Anmeldung für eine IV-Rente, da sie unterdessen die Auf
lage erfüllt und eine ambulante Psychotherapie bei
med.
pract
.
A.___
, Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Zürich,
aufgenommen habe (Urk. 10/30).
Die IV-Stelle holte d
en
Arztbericht von med.
pract
.
A.___
vom
3.
Oktober 2008 (
Urk.
10
/34) sowie diverse
Austrittsberichte
der Klinik Z.___
(
Urk.
10
/35) ein.
Sodann liess sie das psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
B.___
,
Facharzt
für Psychiatrie und Psycho
therapie FMH, Uster, vom 1
5.
Januar 2010 erstellen (
Urk.
10
/49). Am 2
3.
März 2010 nahm die IV-Stelle eine Abklärung im Haushalt der Versicherten vor (vgl. Abklärungsb
ericht vom 2
5.
März 2010,
Urk.
10
/50). In der Folge wurde
ab dem
6.
September 2010
bei der
C.___
ein Belastbarkeit
straining durchgeführt, welches aber abge
brochen werden musste,
da
X.___
mehrheitlich unbegründet sehr viele Fehlzeiten aufgewiesen hatte und schliesslich im dritten Monat gar nicht mehr erschienen war (vgl.
Kostengutsprache der IV-Stelle vom
1.
September 2010, Urk. 10/61;
Schlussberic
ht vom 1
9.
November 2010,
Urk.
10
/71; Verfügung betreffend Beendigung der I
ntegrationsmassnahmen vom
1
9.
Januar 2011
,
Urk.
10
/7
6
).
Die IV-Stelle holte den
undatierten
Arztbericht von
Dr
.
med.
D.___
,
FMH für allgemeine Medizin, Dietikon,
ein (
Urk.
10
/85/5-8
; Ein
gang bei der IV-Stelle: 2
0.
April 2011, vgl. Aktenverzeichnis zu
Urk.
10/1-132
). Am 2
7.
Juni 2011 machte sie die Versicherte darauf aufmerksam, dass sie im Rahmen ihrer
Schaden
minderungspflicht
gehalten sei, eine regelmässige
haus
ärztliche
und psychiatrische Behandlung/Führung in Anspruch zu nehmen, wodurch sich ihr Gesundheitszustand und damit auch ihr
e
A
rbeitsfähigkeit ver
bessern lasse
(Urk.
10
/93). Mit Vorbescheid vom
gleichen Tag
teilte die IV-Stelle
X.___
mit
, dass sie ab dem
1.
Februar 2007 Anspruch auf eine
Vier
telsrente
habe (
Urk.
10
/95). Dagegen erhoben die
Sozialdienste der Gemeinde
E.___
am
2
6.
August 2011 Einwand
, und beantragten, der Versicherten sei eine ganze Rente zuzusprechen, und von der Auferlegung einer
Schadenmin
derungspflicht
sei abzusehen
(
Urk.
10
/105).
Die IV-Stelle hielt jedoch an ihrer Ansicht fest und
sprach
X.___
mit
Verfügungen vom
1.
März 2012 basierend auf einem Invaliditätsgrad von 46
%
mit Wirkung ab dem
1.
Februar 2007 eine
Viertelsrente
samt Kinderrenten
zu (
Urk.
2/1-2).
2.
Gegen diese Verfügungen erhob
X.___
durch
Rechtsanwältin Lotti Sigg
Bonazzi
, Winterthur, am 2
7.
März 2012 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
„
1.
Die Verfügungen der IV-Stelle vom
1.
März 2012 seien aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei eine höhere Rente zuzusprechen.
2.
Die Rente sei rückwirkend auf einen früheren Zeitpunkt als
1.
Februar 2007 auszurichten.
3.
Die rückwirkend zugesprochenen Renten seien gemäss
Art.
26
Abs.
2 ATSG zu verzinsen.
4.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.
5.
Es sei ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen.
6.
Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und die unterzeichnete Rechtsanwältin sei als unentgeltliche
Rechtsbei
stän
din
einzusetzen.“
Die IV-Stelle ersuchte mit Beschwerdeantwort vom
7.
Mai 2012 um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9). Mit Verfügung vom
9.
Mai 2012 wurde der Beschwer
deführerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt und in der Person von Rechtsanwältin Sigg
Bonazzi
eine unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vor
liegende Verfahren bestellt (
Urk.
11).
Mit Replik vom 1
4.
September 2012 liess die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen festhalten (
Urk.
15). Die
Beschwerde
gegnerin
verzichtete am 1
1.
Oktober 2012 auf Duplik (
Urk.
18), was der Beschwerdeführerin am 1
5.
Oktober 2012 mitgeteilt wurde (
Urk.
19).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein
(Art. 4 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]).
Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit verursachte und nach zumut
barer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträch
tigung zu berück
sichti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG in der seit 1. Januar 2008 gel
tenden Fassung).
1.2
Gemäss ständiger Rechtsprechung begründet eine Drogensucht für sich allein keine Invalidität, sondern nur in Verbindung mit einem die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden geistigen, körperlichen oder psychischen
Gesundheitsscha
den
mit Krankheitswert, der zur Sucht geführt hat oder als deren Folge einge
treten ist (BGE 102 V 167, 99 V 28 E. 2; AHI 2002 S. 30 E. 2a, 2001 S. 228 f.
E.
2b; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.1 mit Hinweisen).
Eine psychisch bedingte Invalidität im Sinne des Gesetzes liegt nur dann vor, wenn ein psychisches Leiden mit Krankheitswert fachärztlich ausgewiesen ist und es der betroffenen Person trotz Aufbietung allen guten Willens, die verblei
bende Leistungsfähigkeit zu verwerten, wegen ihrer Beschwerden nicht zuzu
muten ist, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, wobei das Mass des
Forderbaren
weitgehend objektiv bestimmt wird (BGE 130 V 352 f. E. 2.2.1, 131 V 49).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Ren
te, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG; bis 31. Dezember 2007: Art. 28 Abs. 1 IVG).
1.
4
Konnte die versicherte Person wegen Invalidität keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben, so entspricht das Erwerbseinkommen, das sie als
Nichtin
valide
erzielen könnte, den folgenden nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss
Lohnstruktur
erhebung
des Bundes
amtes für Statistik
(
Art.
26
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversiche
rung [IVV])
:
Nach Vollendung von … Altersjahren
Vor Vollendung von … Altersjahren
Prozentsatz
21
25
30
21
25
30
70
80
90
100
Im Jahre 2005 hat der jährliche Medianwert
Fr.
70‘500.--, 2006
Fr.
71‘500.--, 2007 Fr. 72‘500.--, 2008
Fr.
74‘000.--, 2009/
20
10
Fr.
75‘
000.-- und 2011 Fr.
76‘000.-- betragen.
Konnte der Versicherte wegen Invalidität eine begonnene berufliche Ausbildung nicht abschliessen, so entspricht das Erwerbseinkommen, das er als
Nicht
invali
der
erzielen könnte, dem durchschnittlichen Einkommen eines Erwerbs
tätigen im Beruf, für den die Ausbildung begonnen wurde (
Art.
26
Abs.
2 IVV).
1.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und ge
ge
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
lie
gen
einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztli
chen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Un
tersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit
die
sen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor
allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und ge
ge
benenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammen
hänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise be
gründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nach
vollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen er
schweren oder verun
mög
lichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechts
pflege in der Sozialver
si
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Freden
hagen
, Das ärztliche Gut
ach
ten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
1.
6
Sofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht vollumfänglich nachge
kommen ist, werden die Sozi
alversicherungen
für ihre Leistungen nach Ablauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspruchs, frühestens aber 12 Monate nach dessen Geltendmachung verzugszinspflichtig (
Art.
26
Abs.
2 ATSG). Keinen Anspruch auf Verzugszinsen haben unter anderem Dritte, welche Vorschusszahlungen oder Vorleistungen nach Artikel 22 Absatz 2 erbracht haben und denen die Nachzahlungen abgetreten worden sind (
Art.
26
Abs.
4
lit
.
b ATSG).
2.
2.1
2.1
.1
Laut dem Austrittsbericht
der
Klinik Z.___
vom
2
2.
Oktober 2003 (
Urk.
10/9/8-9) über den
dritten (vgl.
Urk.
10/36)
stationären Aufenthalt vom 1
6.
September bis zum 2
0.
Oktober 2003 leidet die Beschwerdeführerin unter einem
Alkoholabhängig
keitssyndrom
(ICD-10: F10.23) bei
Antabus
-Substitution, einem
Opiatabhängig
keitssyndrom
, Methadon-substituiert (ICD-10: F11.22) sowie rezidivierenden depressiven Episoden, gegenwärtig leicht
e Episode
(ICD-10: F33.0). Ziele der
Hospitalisation
seien ein Alkoholentzug und die Einstellung auf
Antabus
gewesen.
Ihre beiden Kinder seien auf Grund des depressiven Zustandsbildes fremdplatziert worden. Die Beschwerdeführerin habe sich kooperativ und ange
passt verhalten. Unter Valium habe ein problemloser Alkoholentzug durchge
führt werden können.
Die Beschwerdeführerin habe in verbessertem Zustand nach Hause entlassen werden können. Die
Antabuseinstellung
sei komplikati
onslos verlaufen.
2.1.2
Gemäss dem Bericht der
Klinik Z.___
vom Juni 2004 (
Urk.
10/9/7) wurde
die Beschwerde
führerin
dort
sei
t
1994 behandelt
. Nach der Realschule sei sie mit ihrem Freund zusammengezogen und habe mit dem Heroinkonsum begonnen. Die Lehre als Kosmetikerin habe sie abgebrochen. Von 1984 bis 1994 habe sie in verschiedenen Wohnungen und zum Teil auch auf der Gasse gelebt. Das Geld habe sie sich durch Prostitution und Raubüberfälle beschafft. 1994 sei ihre erste und 1996 - von einem anderen Mann - die zweite Tochter zur Welt gekommen. Die Beziehung zu ihrem Freund sei durch Alkoholkonsum, Gewalt und Tren
nungen gekennzeichnet gewesen. Erst 2003 habe sich die Beschwerde
führerin endgültig von diesem Partner trennen können. Sie sei so depressiv gewesen, dass sie nicht mehr habe für ihre Kinder sorgen können
und in die
Klinik
Z.___
habe eintreten müssen
. Seit 1996 befinde sie sich im Methadonprogramm und ko
n
sumiere
kein
Heroin und
Kokain mehr. Auch Alkohol sei immer wieder ein Problem. Es handle sich um eine abhängige Persönlichkeitsstörung.
2.2
Laut dem Bericht
von
Dr.
A.___
vom
3.
Oktober 200
8
(
Urk.
10/34)
, bei wel
chem die Beschwerdeführerin vom 1
8.
Februar bis Mitte Juli 2008 in Behand
lung stand,
leidet die
se
unter einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.3), einer Opiatabhängigkeit (ICD-10: F11.2) sowie
einer
Alkohol
abhängigkeit
, zurz
eit abstinent (ICD-10: F10.2). Die Beschwerdeführerin sei bei der Einhaltung der Termine sehr unzuverlässig, zur Hälfte klappe es nicht. Sie habe die Therapie abgebrochen, ohne sich zu melden. In den Gesprächen sei sie zugänglich, mit allen Vorschlägen einverstanden, bringe sich selber aber nur gelegentlich ein. Sie wirke motiviert, letztlich funktioniere dennoch nichts. Den Haushalt mit den beiden Töchtern mache sie alleine. Sie fühle sich zu 50
%
als arbeitsfähig und zeige sich für Stellenbewerbungen motiviert. In ihrer ange
stammten Tätigkeit als Kosmetikerin sei die Beschwerdeführerin seit längerer Zeit nur noch zu 50
%
arbeitsfähig. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei ihr ab sofort zu 100
%
möglich.
Eingeschränkt sei sie durch die
Kinderbetreu
ung
und den Haushalt. Ausserdem sei ihre Zuverlässigkeit zu überprüfen.
2.3
Dr
.
B.___
diagnostizierte
im psychiatrischen Gutachten vom 1
5.
Januar 2010 (
Urk.
10/49) eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und abhängigen Zügen (ICD-10: F60.3), eine längere depressive Reaktion
(ICD-10: F43.2), eine Opiatabhängigkeit, methadonsubstituiert (ICD-10: F11.2) sowie eine Alkoholabhängigkeit, zurzeit abstinent (ICD-10: F10.2). Die Beschwerde
führerin sei in schwierigen familiären Verhältnissen aufgewachsen. Die Kindheit sei durch häufige Ortswechsel und dadurch bedingte Verluste geprägt gewesen, ebenso durch die Gewalt des Vaters gegenüber der Beschwerdeführerin und der Mutter. Ab der Pubertät habe eine zunehmende Radikalisierung im Verhalten der Beschwerdeführerin stattgefunden, so dass sie schliesslich habe in ein Inter
nat eingewiesen werden müssen. Dort habe sie sich
zunächst für einige Jahre
stabilisieren können. Der anschliessende grosszügigere Rahmen in einer wenig betreuten Wohn
gemeinschaft habe jedoch zum erneuten Schule schwänzen geführt. Die Beschwerdeführerin habe mit Drogenkonsum begonnen. Zur
Dro
genbeschaffung
habe sie
delinquiert
und sich prostituiert. Eine stationäre
Dro
gentherapie
sei gescheitert
,
und sie habe schliesslich eine Haftstrafe absitzen müssen. Es hätten sich in der Folge Phasen der Abstinenz und des erneuten Drogenkonsums abgewechselt. Seit dem 2
0.
Lebensjahr befinde sich die Beschwerdeführerin im Methadonprogramm, wobei sie zunächst weiterhin zusätzlich Drogen konsumiert habe.
Die Geburten der beiden Töchter hätten die Beschwerde
führerin etwas stabilisiert. Zudem habe sie einen
neuen Freund ken
nengelernt, welcher ihr aus dem Konsum illegaler Drogen herausgeholfen, sie jedoch in eine Alkoholabhängigkeit geführt habe. Die Beschwerdeführerin scheine von ihm abhängig gewesen zu sein, so dass sie jahrelang sein Verhalten toleriert habe (spät nach Hause kommen, Gegenstände durch die Wohnung werfen und die Kinder wecken). Sie habe sich erst spät von ihm getrennt, aller
dings nur räumlich, während sie die Beziehung
selbst
mit Unterbrüchen fortge
führt habe. Der Freund sei für die Beschwerdeführerin trotz bekannter
Krebser
krankung
über
raschend
vor ca. einem Jahr
gestorben. Schockierend sei für
sie
in diesem Zusammenhang gewesen, dass
er
stundenlang tot neben ihr im Bett gelegen sei. Sie habe darauf eine depressive Reaktion entwickelt, welche mitt
lerweile abklinge. Aus gutachterlicher Sicht entscheidender für die Abstinenz sei die enge Führung durch den Hausarzt, welchem es gelungen sei, die Beziehung zur Beschwerde
führerin stabil zu halten und ihr den notwendigen Rahmen und Halt zu geben. Das Gleichgewicht sei immer noch labil. Es könne jederzeit zu einem
Kontakt
abbruch
oder zu einer „Trotzreaktion“ kommen. Es zeige sich seit der Jugend ein dauerhaftes, dysfunktionales Muster im Bereich der zwischen
menschlichen Beziehungen, der Bedürfnisbefriedigung und der Affektivität. Dieses Muster habe die Beschwerdeführerin in die Drogen- und
Alkoholabhän
gigkeit
, Kriminalität, Prostitution und an den gesellschaftlichen Rand geführt. Die Abweichungen seien stabil und hätten auch mit verschiedenen psycho
the
rapeutischen Bemühungen nur wenig verändert werden können. Die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung seien damit erfüllt
(
Urk.
10/49/7)
.
Aus neuropsy
cho
logischer Sicht bestünden leichte kognitive Defizite im Bereich Aufmerk
samkeit
und Konzentration
.
Einfachere Aufgaben seien der Beschwerdeführerin bei verringertem
Arbeits
pensum
zumutbar. Komplexe Aufgaben könnten jedoch zu einem raschen Zusammenbruch der Konzentrationsleistungen führen und seien deshalb ebenso wie Arbeiten unter Zeitdruck zu unterlassen
(
Urk.
10/49/8)
.
Die Beschwerde
führerin sei damit für einfachere Arbeiten ohne Zeitdruck zu 50
%
arbeitsfähig. Bezüglich des Verlaufs liessen sich aus rein psychiatrischer Sicht in den letzten Jahren keine signifikanten Veränderungen herausschälen.
Eine Stabilisierung habe sich durch die Geburt der Kinder und der langsamen Ablösung aus dem Drogenmilieu und später aus der
Alkoholab
hängigkeit
ergeben. Eine Ver
schlechterung der psychischen Situation sei durch die Depression im Anschluss an den Tod des Freundes aufgetreten. Die Beschwerdeführerin könne und sollte in den Arbeitsprozess einsteigen. Zumin
dest bei gutem Verlauf sei von einer weiteren psychopathologischen Stabilisie
rung und sozialen Reintegration auszugehen.
Unter günstigen Umständen sei
längerfristig eine 100%ige Arbeitsfähigkeit möglich.
Die Sucht sei Folge des psychischen Leidens
(
Urk.
10/49/9-10)
.
2.4
Gemäss dem Schlussbericht
über das Belastbarkeitstraining
der
C.___
vom
1
9.
November 2010 (Urk.
10/71)
konnte
im ersten Monat das Ziel einer stabilen Belastung von zwei Stunden pro Tag und im zweiten Monat von drei Stunden pro Tag
erreicht werden, wogegen das Training im dritten Monat we
gen
zu grosser Fehlzeiten
der Beschwerdeführerin habe abgebrochen werden müssen.
An den Präsenztagen sei die Beschwerdeführerin immer pünktlich zur Arbeit erschienen.
Bei der Arbeit habe sie ruhig und gelassen gewirkt. Sie habe sehr langsam und vorsichtig gearbeitet. Sie habe Hilfe eingeholt, wenn sie diese benötigt habe. In der Anfangszeit der Integrationsmassnahme sei die Motivation zu spüren und während der Arbeit zu sehen gewesen. Sobald jedoch eine Prob
lematik in ihrem Privatleben aufgetreten sei, sei die Arbeit sekundär gewesen. Die Beschwerdeführerin habe sich von der Arbeit abgewendet und versucht, zunächst ihr Privatleben wieder in Ordnung zu bringen.
Sie habe ab Beginn (
6.
September 2010) viele Fehlzeiten aufgewiesen und sei schliesslich ab dem 3
0.
Oktober 2010 gar nicht mehr erschienen. Ihre Fehlzeiten seien zum grössten Teil unbegründet gewesen. Die Ziele des Belastbarkeitstrainings h
ätten so ins
gesamt nicht eingehalten werden können, weshalb es vorzeitig habe abgebro
chen werden müssen.
2.5
Laut dem
von der Beschwerdegegnerin im April 2011 eingeholten
Bericht
des seit dem
3.
November 2010
behandelnden Arztes
Dr.
D.___
(
Urk.
10/85
/5-8
)
hat dieser die Beschwerdeführerin von Dr.
F.___
zur
Methadonsubstitu
tion
übernommen. Über ihre Anamnese sei er nur
ganz
rudimentär orientiert. Die Beschwerdeführerin sei eine Persönlichkeit, die man als Sozialchaotin bezeichnen könne.
Sie
habe es bis jetzt noch nicht geschafft, vernünftige Strukturen in ihr Leben zu bringen. Die ganze Problematik sei psychiatrisch bedingt, wofür er,
Dr.
D.___
, nicht der Fachmann sei. Aus
allgemeinmedi
zinischer
Sicht könne er nur bestätigen, dass eine Arbeitsfähigkeit nicht gege
ben sei. Zuerst müssten wesentlich
e
psychotherapeutische Erfolge erzielt wer
den, wofür er nicht die richtige Anlaufstelle sei.
3.
3.1
Das psychiatrische Gutachten von
D
r.
B.___
vom 1
5.
Januar 2010 (
Urk.
10/49)
beantwortet die gestellten Fragen um
fassend
, berücksichtigt die von der Beschwerdeführerin geklag
ten Beein
trächti
gungen, wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
er
stellt und ist in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammen
hänge einleuchtend. Ebenso wurden die
gezogenen Schluss
folgerungen in nach
voll
ziehbarer Weise hergeleitet. Das Gut
achten wird damit den von der Recht
sprechung entwickelten Anforderungen an eine beweis
kräftige medi
zini
sche Stellungnahme (BGE 125 V 352
Erw
. 3a) gerecht. Ihm ist volle Beweis
kraft zu
zuerkennen, falls keine kon
kreten Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Ex
per
tise sprec
hen (BGE 125 V 353
Erw
. 3b/
bb
).
3.2
Die Beschwerdeführerin hat keine Einwände gege
n das Gutachten von
Dr.
B.___
vorgebracht.
Replicando
liess sie jedoch geltend machen
(
Urk.
1
5
S.
7 f.),
Dr.
B.___
habe die Ansicht geäussert, die von ihm attestierte
Restar
beits
fähigkeit
sei zunächst im Arbeitstraining im geschützten Rahmen zu testen
. Dieser Empfehlung sei die Beschwerdegegnerin nachgekommen
.
D
as
Belastbar
keitstraining
habe ergeben, dass die Beschwerdeführerin das ange
strebte Ziel von einer Leistung von 4 x 4 Stunden pro Woche nicht habe erreichen
können
, weshalb
das Belastbarkeitstraining habe abgebrochen werden müssen. Dies sei darauf zurückzuführen, dass sie den Druck aus gesund
heitlichen Gründen nicht habe aushalten können. Ausserdem habe sie der Hausarzt im Bericht vom Mai
(richtig: April)
2011 als Sozialchaotin bezeichnet, bei welcher aus psychiatri
schen Gründen keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe.
Trotz der deutlichen Hin
weise, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit dem Gut
achten und Belastungstraining verschlechtert habe bzw. dass die Einschätzung des Gutachters bezüglich Arbeitsfähigkeit allenfalls zu optimistisch ausgefallen sei, habe die Beschwerdegegnerin keine weiteren psychiatrischen Berichte mehr eingeholt bzw. die Beschwerdeführerin abgeklärt. Dies sei eine Verletzung der Untersuchungspflicht.
Bis heute sei es auch mit straffer Führung nicht gelun
gen, die Beschwerdeführerin zum konsequenten Mitmachen bei
Integrations
massnahmen
zu bewegen. Die Beschwerdeführerin habe anfänglich immer sehr motiviert mitgemacht, dann den Kontakt aber abgebrochen. Auch Sanktionen und Teileinstellungen bzw. Kürzungen der Sozialhilfe hätten nicht bewirken können, dass sie sich an Auflagen und Weisungen halte.
Mit dieser Tatsache habe sich die Beschwerdegegnerin nicht befasst und sie auch bei der
Invalidi
tätsbemessung
nicht berücksichtigt. Dies, obwohl
sich auch aus diesem Aspekt die Frage
stelle
, ob die Arbeitsfähigkeit nicht viel tiefer eingeschätzt werden müss
t
e und ob das Nichteinhalten von Terminen und Abmachungen
sowie
Nichterscheinen am Arbeitsplatz bzw. im Belastungstraining
krankheitsimma
nent
sei. Grundsätzlich müsse aufgrund der sich seit Jahren immer wiederho
lenden Muster davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit zu 100
%
arbeitsunfähig in allen Tätigkeiten sei.
3.
3
Soweit die
Beschwerdeführerin geltend macht, ihr Gesundheitszustand habe sich seit der Begutachtung durch
Dr.
B.___
verschlechtert, ist festzuhalten, dass
dafür keine Anzeichen vorhanden sind, insbesondere gibt es keinen medizini
schen Bericht, welcher eine Verschlechterung bescheinigen würde. Die Beschwerdeführerin zeigte sich in der Einhaltung von Auflagen und Terminen während des ganzen Abklärungsverfahrens bei der Beschwerdegegnerin als sehr
unzuverlässig, und es ist in dieser Hinsicht
nach der Begutachtung durch Dr.
B.___
keine markante Verschlechterung eingetreten.
Eine Verschlechterung des Gesundheitszustands ergibt sich sodann auch nicht aus dem Bericht von Dr.
D.___
(vgl
. E. 2.5)
. Bei diesem handelt es sich nicht um einen Facharzt für Psychiatrie, er hat sich nicht mit der Krankheitsgeschichte der Beschwerde
führerin befasst
und dementsprechend auch keine
eigentliche psychiatrische
Diagnose gestellt, welche ein
e
höhere als die von Gutachter
Dr.
B.___
attes
tierte Arbeitsunfähigkeit
begründen könnte, insbesondere
stellt
eine „
sozialcha
otische
Persön
lichkeit“ keine solche
dar
.
Es erscheint ausserdem auch nicht als
überwiegend wahrscheinlich
, dass die Beschwerdeführerin das
Belastungstrai
ning
hat abbrechen müssen, weil sie dessen Druck mit ihre
r
schlechten Gesund
heit nic
ht mehr hätte aushalten können, wie sie dies in ihrem
Schreiben vom
5.
April 2011 (
Urk.
10/82) geltend gemacht hat. Die Beschwerdeführerin war vielmehr erheblich mit den Problemen mit ihrer Tochter beschäftigt, welche zu dieser Zeit in einem Internat untergebracht war, dort immer wieder ausbrach und zum Teil nicht mehr auffindbar war (
Urk.
10/68/1)
,
und generell fiel sie dadurch auf, dass sie ihren privaten Problemen höhere Priorität einräumte als der Arbeit im
Belastungs
training
, wo sie ruhig und gelassen wirkte (
Urk.
10/71/2).
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass es der Beschwer
deführerin zumutbar ist, im Umfang von 50
%
einer einfacheren Tätigkeit nach
zugehen.
4.
4.
1
Strittig ist die Frage, wie das
Valideneinkommen
zu berechnen ist
. Die Beschwer
deführerin macht geltend, sie sei als Frühinvalide zu betrachten, da sie aus invaliditätsbedingten Gründen ihre Lehre als Kosmetikerin habe abbrechen müssen und auch ihre „Schul-Karriere“ bereits durch die Behinderung stark beeinflusst worden sei (
Urk.
1 S. 4,
Urk.
15 S. 4 ff.).
Die Beschwerdegegnerin stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, im Zeitpunkt des Lehrabbruches als Kosmetikerin seien klar die Suchtproblematik und die daraus resultierenden Straffälligkeiten im Vordergrund gestanden. Es müsse bei der Beschwerdeführe
rin sicher von einer erschwert familiär-sozial belasteten Familienkonstellation ausgegangen werden. Der Besuch der Realschule bedeute aber nicht a priori,
dass
behinderungs
bedingt
keine Ausbildung möglich gewesen sei und demzu
folge von einer Jugendinvalidität ausgegangen werden müsse (
Urk.
2/1 S. 4).
4.2
Dr
.
B.___
hat im psychiatrischen Gutachten vom 1
5.
Januar 2010 (
Urk.
10/49) ausgeführt, dass die Drogensucht Folge des psychischen Leidens der Beschwer
deführerin sei
(
Urk.
10/49/10)
. Es zeige sich seit der Jugend ein dauerhaftes, dysfunktionales Muster im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen, der Bedürfnisbefriedigung und der Affektivität.
Dieses Muster habe die Beschwerde
führerin in die Drogen- und Alkoholabhängigkeit, Kriminalität, Prostitution und an den gesellschaftlichen Rand geführt
(Urk. 10/49/7)
.
Aus diesen
– mit den Angaben im
Bericht der
Klinik
Z.___
vom Juni 2004 übereinstimmenden (Urk. 10/9/7) -
Ausführungen ergibt sich
, dass die Beschwerdeführerin ihre Lehre als Kosmeti
kerin aus
invaliditäts
bedingten
Gründen hat abbrechen müssen. Der Abbruch der Lehre war zwar primär auf die Suchtproblematik und die damit in Zusam
menhang stehenden kriminellen Handlungen zurückzuführen. Ursache der Suchtproblematik waren aber die bereits in diesem Zeitpunkt vorhandenen psy
chischen Gesundheits
störungen. Es lässt sich aber nicht feststellen, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden eine andere schulische Karriere hätte absolvieren können
.
I
nsbesondere
weist
das tiefe Intelligenzniveau
keinen
Krankheitswert
auf
.
Somit ist
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
ohne
gesundheitliche Beein
trächtigungen die begonnene Lehre als Kosmetiker
in hätte abschliessen können. Dementsprechend ist
beim
Valideneinkommen
nicht vom Medianwert gemäss Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik auszugehen, sondern in Anwendung von
Art.
26
Abs.
2 IVV vom durchschnitt
lichen Einkommen einer Kosmetikerin mit abgeschlossener Berufsausbildung.
Übereinstimmend mit der Beschwerdegegnerin ist der Durchschnittslohn für Frauen im Wirtschaftszweig „Sonstige öffentliche und persönliche Dienstleis
tungen“ im Privaten Sektor
gemäss Tabelle TA1 Ziffern 90-93 der
Lohnstruk
turerhebung
des Bundesamtes für Statistik (LSE)
zur Ermittlung des
Vali
denein
kommens
heranzuziehen. Da aber - wie erwähnt - davon auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden ihre Lehre als Kosmetikerin hätte abschliessen können, rechtfertigt es sich, auf das
Durchschnittseinkommen des
Anforderungsniveau
s
3 (Berufs- und Fachkenntnisse vorausgesetzt) abzu
stellen.
Dieses betrug im Jahre 2004
Fr.
4‘635.-- pro Monat, was unter Berück
sichtigung einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 41,
7
Stunden
(vgl. Die Volks
wirtschaft 6–2013 Tabelle B9.2 S. 90)
Fr.
4‘
832.--
pro Monat bzw. Fr. 57‘
984.--
(
Fr.
4‘
832.--
x 12) pro Jahr ergibt. Angepasst
an den Nominallohnindex für Frauen (vgl. Bundesamt für Statistik, Tabelle T.1.93: 2004 = 116.6; 2005 = 117.9) resultiert für das Jahr 2005 ein
Valideneinkommen
von
Fr.
58‘
630.5
0.
4.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 f. E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
4.4
Der Zentralwert für die mit einfachen und repetitiven Aufgaben beschäftigten Frauen betrug im Jahre 2004 im privaten Sektor 3‘893.-- pro Monat bei 40 Arbeitsstunden pro Woche (LSE 2004, Tabelle TA 1, S. 53), was unter Be
rücksichtigung einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 41,
7
Stunden pro Woche (vgl. Die Volkswirtschaft
6–
2013 Tabelle B9.2 S. 9
0
) ein hypothetisches Ein
kom
men von monatlich Fr.
4‘
058.45
bzw. Fr.
48‘
701.40
pro Jahr (mal 12) ergibt.
Angepasst an den Nominallohnindex für Frauen (vgl. Bundesamt für Statistik, Tabelle T.1.93: 2004 = 116.6; 2005 = 117.9) beträgt das Einkommen für das Jahr 2005
Fr.
49‘
244.4
0.
Bei einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
beläuft sich das Invalideneinkommen auf
Fr.
24‘
622.2
0.
Es trifft wohl zu, dass die Beschwerde
führerin eine klare und konsequente Führung und Begleitung benötigt, dies bezieht sich aber in erster Linie darauf, dass
s
ie dazu angehalten werden muss, regelmässig am Arbeitsplatz zu erscheinen
. Dem und auch dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin bei der Arbeit keinem besonderen Zeitdruck ausgesetzt werden darf, ist mit der Festlegung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit genügend Rechnung getragen worden.
Die Beschwerdegegnerin hat damit zu Recht keinen weiteren Abzug beim Invalideneinkommen gewährt, da die Beschwerdeführerin in der Ausführung von einfachen, seriellen, gut strukturierten Tätigkeiten keine Einschränkung erleidet.
Verglichen mit dem hypo
thetischen
Vali
denein
kommen
von
Fr.
58‘630.50
resultiert eine Einkommenseinbusse von Fr.
34‘008.30
bzw. rund
58
%.
Die Beschwerdeführerin hat demnach Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
5.
Die Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass sich die Beschwerde
führe
rin mit ihrem Schreiben vom 2
0.
Februar 2008 (
Urk.
10/30) zum Leistungsbezug angemeldet hat
und hat in Anwendung von
Art.
48
Abs.
2 IVG in der bis zum 3
1.
Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung die Rente ab dem
1.
Februar 2007 zugesprochen
(
Urk.
2)
. Tatsächlich hat sich die Beschwerdeführerin jedoch bereits am
1.
Dezember 2006
(Eingang bei der Beschwerdeführerin am 5. Dezember 2006) angemeldet
(
Urk.
10/2)
. Die Beschwerdegegnerin hat zwar einen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 2
2.
Januar 2008 (
Urk.
10/29) verneint, die Beschwerdeführerin hat aber innert laufender Beschwerdefrist am 20. Februar 2008 ein Gesuch um Wiederaufnahme des Ver
fahrens gestellt
(
Urk.
10/30)
, worauf die Beschwerdegegnerin das Verfahren tatsächlich weiter
g
eführt hat und somit
dem Ansinnen der Beschwerdeführerin nachge
kommen ist
.
Es kann damit nicht davon ausgegangen werden, dass der
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin mit der Verfügung vom 2
2.
Januar 2008 rechtskräftig abgewiesen worden und die Eingabe vom 2
0.
Februar 2008 als Neuanmeldung zu behandeln ist.
Vielmehr bleibt es
dabei, dass sich die Beschwerdeführerin im Dezember 2006 zum Leistungsbezug angemeldet hat und ihr die Rente somit ab dem
1.
Dezember 2005 auszurichten ist.
6.
6.1
Bezüglich der Frage, ob die Beschwerdegegnerin auf die nachträglich ausgerichte
ten Leistungen einen Verzugszins zu bezahlen hat, ist festzuhalten,
dass die Beschwerdeführerin ihrer Mitwirkungspflicht
keinesfalls
vollumfänglich nachgekommen ist. Vielmehr ist es zu einem wesentlichen Teil auf ihr Verhalten zurückzuführen, dass das Abklärungsverfahren so lange gedauert hat. Die Beschwerdeführerin musste von der Beschwerdegegnerin im Verlaufe des Ver
fahrens immer wieder auf ihre Mitwirkungspflicht hingewiesen werden und Abklärungshandlungen konnten erst nach mehrmaliger Ermahnung vorgenom
men werden
(vgl. u.a.
Urk.
10/45,
Urk.
10/52,
Urk.
10/53,
Urk.
10/57, Urk. 10/81)
.
Eine Pflicht zur Bezahlung von
Verzugszinsen ist damit
zu vernei
nen, weil die Voraussetzungen von
Art.
26
Abs.
2 ATSG nicht erfüllt
sind (vgl. E. 1.6).
6.2
Ausserdem
scheint
die Bezahlung von Verzugszinsen
zumindest teilweise
auch ausgeschlossen, weil die Beschwerdeführerin ihre Ansprüche gegenüber der Beschwerdegegnerin vollumfänglich an
die Sozialdienste der Gemeinde
E.___
abgetreten und die Gemeinde
E.___
einen Verrechnungsantrag gestellt
hat
(vgl. Urk.
10/10,
Urk.
10/103-104,
Urk.
10/117-118).
Dementsprechend hat die Beschwerdegegnerin
die ausstehenden
Rentenbetreffnisse
nicht der Beschwerdeführerin, sondern
der Gemeinde
E.___
überwiesen
(Urk. 2/1-2), wobei sie aber nur bei den nachzuzahlenden Kinderrenten festgehalten ha
t, dass vom Totalbetrag von Fr.
13‘582.-- der Gemeinde
E.___
Fr.
9‘951.-- zustehen (
Urk.
2/2).
7.
Demnach ist in teilweiser Gutheissung der Beschwerde festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab
1.
Dezember 2005 Anspruch auf eine halbe Invaliden
rente hat. Im Übrigen (Verzinsung) ist die Beschwerde abzuweisen.
8
.
8
.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG das
Be
schwerdeverfahren
bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung
von IV-Leistungen vor dem kan
to
na
len Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Ver
fahrensaufwand
und unabhängig vom Streit
wert im Rahmen von 200-1000 Fran
ken festgelegt.
8
.2
Die Gerichtskosten sind auf Fr. 800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
9
.
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).  Die unentgeltliche Rechtsvertreterin de
r
Beschwer
deführer
in
, Rechtsanwältin
Sigg
Bonazzi
, hat mit Honorarnote vom 2
6.
Oktober 2012 (Urk. 21) einen Aufwand von 13 Stunden und 40 Minuten sowie Barauslagen von Fr.
69.90
geltend ge
macht, was gerade noch als ange
messen erscheint. Die Prozessentschäd
igung ist somit auf Fr. 3‘027.30
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der
Beschwerde
werden
die angefochtenen Verfügungen der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stel
le, vom 1. März 2012 aufgeho
ben,
und
es wird festgestellt
, dass die Beschwerdeführerin ab dem 1. Dezember 2005 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente
samt Kinderrenten
hat.
Im Übrigen (Verzin
sung) wird die Beschwerde abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Lotti Sigg
Bonazzi
, Winterthur,
eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
3'027.30
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Lotti Sigg
Bonazzi
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Beilage je einer Kopie von
Urk.
20 und 21
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstBrügger
FA/FB/IKversandt