# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cbec3600-a6d2-5e01-b787-7a1524d0daf0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-04-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.04.2015 E-1691/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1691-2015_2015-04-30.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-1691/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  3 0 .  A p r i l  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richter Daniel Willisegger (Vorsitz), 

Richterin Regula Schenker Senn,  

Richter William Waeber,    

Gerichtsschreiber Pascal Waldvogel. 

   

Parteien 

 
A._______, 

Türkei,   

vertreten durch lic. iur. Salman Fesli,  

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration  

(SEM; zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl ohne Wegweisungsvollzug;  

Verfügung des SEM vom 5. Februar 2015 / N (…). 

 

 

 

E-1691/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin wurde zusammen mit ihrer Schwester am  

17. Oktober 2012 in der Wohnung ihres Bruders durch die Kantonspolizei 

infolge Widerhandlung gegen das Ausländergesetz verhaftet. Am 18. Ok-

tober 2012 suchte sie im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuz-

lingen um Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (nachfolgend 

Erstbefragung) vom 31. Oktober 2012 und der Anhörung (nachfolgend 

Zweitbefragung) vom 4. Juni 2013 machte sie im Wesentlichen geltend, sie 

habe in der Türkei im selben Haushalt mit ihrer Schwester und ihren Eltern 

gelebt. Ihr Vater sei Alkoholiker, spielsüchtig und seit ihrer Kindheit gewalt-

tätig gewesen. Er trachte nach ihrem Leben, habe sie regelmässig geschla-

gen und wolle ihre Schwester oder sie mit ihrem Cousin zwangsverheira-

ten.  

B.  

Mit Verfügung vom 5. Februar 2015 stellte die Vorinstanz fest, die Be-

schwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asyl-

gesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete infolge 

Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs eine vorläufige Aufnahme an. 

C.  

Mit Eingabe vom 16. März 2015 (Poststempel) reichte die Beschwerdefüh-

rerin in Beilage eines Gutachtens und eines Schreibens beim Bundesver-

waltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, es sei die Verfügung des 

SEM vom 5. Februar 2015 aufzuheben beziehungsweise abzuändern und 

ihre Flüchtlingseigenschaft festzustellen. Eventualiter sei die Verfügung 

des SEM aufzuheben beziehungsweise abzuändern und die Beschwerde-

führerin nochmals zu den betreffenden Punkten anzuhören. In prozessua-

ler Hinsicht beantragte sie, es sei ihr die unentgeltliche Rechtspflege zu 

bewilligen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.  

 

  

E-1691/2015 

Seite 3 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die 

Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerdeführung 

legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

2.  

2.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht 

(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die 

unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-

halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).  

2.2 Das Bundesverwaltungsgericht verzichtet auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels (Art. 111a Abs. 1 AsylG). 

2.3 Die Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen Dispositiv Ziffer 1 

(Flüchtlingseigenschaft), Ziffer 2 (Asyl) und Ziffer 3 (Wegweisung) der an-

gefochtenen Verfügung. Der Wegweisungsvollzug wurde zugunsten einer 

vorläufigen Aufnahme aufgeschoben und bildet deshalb nicht mehr Gegen-

stand des Beschwerdeverfahrens.  

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-

bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-

chischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rech-

nung zu tragen (Art. 3 AsylG). 

3.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person, wenn sie Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat 

beziehungsweise mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer 

E-1691/2015 

Seite 4 

Zukunft in begründeter Weise befürchten muss, welche ihr gezielt und auf-

grund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Heimatstaates o-

der durch nicht-staatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise 

zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der 

Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung 

der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person 

in ihrem Heimatstaat keinen adäquaten Schutz finden kann. Als adäquat 

zu qualifizieren ist der Schutz vor privater Verfolgung, wenn im Heimatstaat 

eine funktionierende und effiziente Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht, 

also in erster Linie polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe und ein 

Rechts- und Justizsystem, das eine effektive Strafverfolgung ermöglicht. 

Ein subsidiäres internationales Schutzbedürfnis im Sinne der Schutztheo-

rie kann sich für die von Verfolgung betroffene Person ergeben, weil im 

Heimatstaat keine Schutzinfrastruktur besteht, die ihr Schutz bieten könnte 

(vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurs-

kommission [EMARK] 2006 Nr. 18 E. 11.2 S. 204 f.) oder weil der Staat ihr 

keinen Schutz gewährt, obwohl er dazu in der Lage wäre. Ein Schutzbe-

dürfnis besteht aber auch dann, wenn die bestehende Schutzinfrastruktur 

der von Verfolgung betroffenen Person nicht zugänglich ist oder ihr deren 

Inanspruchnahme aus individuellen Gründen nicht zuzumuten ist. Ob ein 

Schutzbedürfnis besteht, ist im Rahmen einer individuellen Einzelfallprü-

fung unter Berücksichtigung des länderspezifischen Kontextes zu beant-

worten, wobei es den Asylbehörden obliegt, die Effektivität des Schutzes 

vor Verfolgung im Heimatstaat abzuklären und zu beurteilen (vgl. zum Gan-

zen BVGE 2011/51 E. 7 mit weiteren Hinweisen).  

4.  

4.1 Die Vorinstanz kommt nach einer Darstellung der kontinuierlichen 

Schritte hin zur Verbesserung der Gewaltprävention und der frauenspezifi-

schen Schutzanliegen in der Türkei zum Schluss, die geltend gemachten 

Übergriffe seien nicht asylrelevant, weshalb auch keine Prüfung der Glaub-

haftigkeit der Vorbringen vorzunehmen sei. Die türkischen Behörden seien 

hinsichtlich der geltend gemachten Übergriffe grundsätzlich schutzwillig 

und schutzfähig, womit es der Beschwerdeführerin zumutbar sei, bei den 

zuständigen Behörden und Anlaufstellen um Schutz zu ersuchen. Indem 

sich die Polizisten nicht ernsthaft dem Problem der Beschwerdeführerin 

angenommen hätten, sei allenfalls ein Fehlverhalten einzelner Beamter zu 

erkennen, was jedoch nicht dem Staat zugerechnet werden könne. Die Be-

schwerdeführerin habe die Möglichkeit, sich an eine höhere Instanz zu 

wenden und – allenfalls unter Beiziehung rechtskundiger Personen – bei 

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Seite 5 

den zuständigen Behörden und Anlaufstellen um Schutz und Unterstüt-

zung zu ersuchen. 

4.2 Die Beschwerdeführerin schildert die Lage der Frauen in der Türkei, 

die unter geschlechtsspezifischer Gewalt leiden – wobei sie sich insbeson-

dere auf ein Gutachten von Terre des Femmes Schweiz vom 2. März 2015 

und auf ein Schreiben von Mor Cati vom 30. Januar 2015 stützt – und leitet 

daraus ihre Rügen ab. So seien die diesbezüglichen Vorkehrungen des 

türkischen Staates immer noch ungenügend bis mangelhaft, obwohl die 

Türkei den Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt auf ihre politische 

Agenda gesetzt und diesbezüglich Gesetze erlassen habe. Die fehlenden 

Mittel und der fehlende Wille zur Umsetzung würden beweisen, dass der 

Staat schutzunwillig sei. Die bestehenden Frauenhäuser würden für die 

geltend gemachten Vorbringen auch keinen nachhaltigen Schutz bieten. 

Durch die Gewalt des Vaters bestünde auch begründete Furcht vor zukünf-

tiger Bedrohung. Die Beschwerdeführerin und ihre Schwester würden zur 

Gruppe der von Ehrenmord bedrohten Frauen gehören. Gewalt im Privaten 

spiele sich zwar oft im Versteckten ab, sodass die Beweisführung schwierig 

sei. Die im Verfahren eingereichten medizinischen Berichte würden neben 

der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Zwangsverheiratung jedoch at-

testieren, dass die Beschwerdeführerin unter schweren Gewalterfahrun-

gen und Todesdrohungen gelitten habe. 

4.3 Die Beschwerdeführerin macht eine Verfolgung durch nicht-staatliche 

Akteure geltend, indem sie die Gewalt ihres Vaters gegen sich, ihre 

Schwester aber auch ihre Mutter sowie eine drohende Zwangsheirat vor-

bringt. Soweit in der Beschwerde eingewendet wird, den türkischen Behör-

den fehle es sowohl an Schutzfähigkeit als auch an Schutzwille, die von 

häuslicher Gewalt betroffenen Frauen und insbesondere die Beschwerde-

führerin zu schützen, ist das Folgende entgegen zu halten und der vo-

rinstanzliche Schluss zu stützen:  

Das Bundesverwaltungsgericht hat sich zur Schutzfähigkeit und dem 

Schutzwillen der türkischen Behörden hinsichtlich des Umgangs mit Op-

fern von häuslicher Gewalt und Zwangsheirat bisher mehrmals geäussert. 

Die Türkei hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich Schritte zur Ver-

besserung der rechtlichen und gesellschaftlichen Situation der Frauen im 

Allgemeinen sowie im Besonderen zu deren Schutz vor Übergriffen mit so-

ziokulturellem Hintergrund bis hin zum Ehrenmord unternommen. So trat 

im Jahr 1998 das Familienschutzgesetz Nr. 4320 in Kraft, welches im Jahr 

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Seite 6 

2007 ergänzt wurde und auf Gewaltprävention, Opferschutz sowie Bestra-

fung von Übergriffen abzielt. Zu diesem Zweck wurden 166 Familienge-

richte eingerichtet; der Zugang zu diesen Gerichten ist für die klagende 

Partei kostenlos, wie im Übrigen auch die Vollstreckung eines allfälligen 

Urteils. Mit einer entsprechenden Revision des türkischen Strafgesetzbu-

ches wurden im Jahr 2004 zudem die Strafrahmen von Straftaten gegen 

Frauen erhöht und gleichzeitig die früher bestehenden Strafmilderungs-

gründe in Fällen von Ehrenmord und Vergewaltigung aufgehoben; gemäss 

Art. 82 des türkischen Strafgesetzbuches gilt Ehrenmord nunmehr als qua-

lifiziertes Tötungsdelikt, welches mit lebenslänglicher Gefängnisstrafe zu 

ahnden ist (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5327/2009 vom 

26. März 2010 E. 6.3.3, mit weiteren Hinweisen). Das der Beschwerde bei-

gelegte Gutachten berichtet von erfolgten Trainings und Weiterbildungen 

von Polizeibeamten, Gesundheitspersonal, Gerichtsbehörden et cetera im 

Kampf gegen Gewalt an Frauen in der Türkei (Terre des Femmes Schweiz, 

Gutachten – Schutzwilligkeit des türkischen Staates bei Zwangsverheira-

tung und ehrenbezogener Gewalt, Februar 2015, S. 6). Bereits im Jahr 

1990 wurden die offiziell als "Gästehäuser" bekannten Frauenhäuser in der 

Türkei eröffnet, um Hilfe für Opfer von häuslicher, verbaler, emotionaler, 

wirtschaftlicher, sexueller oder körperlicher Gewalt zu bieten. Die Einrich-

tungen sind bemüht, die Frauen bis hin zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit 

zu führen und sie helfen auch bei der Lösung psychologischer oder sozialer 

Probleme, mit denen sich die Hilfesuchenden konfrontiert sehen. Das Mi-

nisterium arbeitet am Ausbau der Infrastruktur, um sicherzustellen, dass in 

jeder türkischen Provinz mindestens eine dieser Zufluchtsstätten vorhan-

den ist. Auf dem 30. Kongress über die Beseitigung jeder Form von Diskri-

minierung der Frau in der Türkei sagte Fatma Şahin (türkische Familienmi-

nisterin von Juli 2011 bis Dezember 2013), dass die Aktionen gegen dieje-

nigen, die Gewalt gegen Frauen anwenden würden, verstärkt worden seien 

(vgl. www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de > Familienministerin Şahin: 

"Häusliche Gewalt ist schlimmer als Rassismus", vom 3. November 2012, 

aufgerufen am 8. April 2014). Den Ernst der Lage erkannten – entgegen 

dem Eindruck, den die Beschwerdeschrift vermittelt – bereits weitere hohe 

Politiker, wie beispielsweise der damalige Präsident (www.deutsch-tuerki-

sche-nachrichten.de > Häusliche Gewalt: Jetzt schaltet sich Präsident Gül 

ein, vom 20. Juli 2011, aufgerufen am 8. April 2015). Im Jahr 2011 hat die 

Türkei eine neue europäische Konvention unterzeichnet, mit welcher der 

Europarat konkret gegen häusliche Gewalt vorgehen will. Die neue euro-

päische Konvention soll Frauen besser vor Gewalt und häuslichen Über-

griffen schützen. Die entsprechende Übereinkunft wurde bei einem Aus-

senministertreffen des Europarates von 13 Staaten unterzeichnet, unter 

http://links.weblaw.ch/BVGer-D-5327/2009

E-1691/2015 

Seite 7 

anderem von Deutschland, Österreich und der Türkei. In dem Dokument 

verpflichten sich die Staaten erstmals auf ein konkretes Vorgehen gegen 

häusliche Gewalt. Anfang März 2012 wurde in der Türkei ein weiteres Ge-

setz verabschiedet, das Frauen besser vor häuslicher Gewalt schützen 

soll. Die wichtigste Neuerung dieses Gesetzes ist, dass alle Frauen unab-

hängig von ihrem Beziehungsstatus Anrecht auf Schutz haben. Ausserdem 

soll die Polizei nun schneller auf Anzeigen und Hilfegesuche der Betroffe-

nen reagieren und wurden unter dem Gesetz Nr. 6284 über die Verhütung 

von Gewalt gegen Frauen (verabschiedet am 8. März 2012) vorbeugende 

Massnahmen gegen häusliche Gewalt und Missbrauch geregelt (vgl. zum 

Ganzen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-4016/2013 vom 24. Sep-

tember 2013 E. 5.2). Auch das auf Beschwerdeebene eingereichte Gut-

achten stellt diese Entwicklung grundsätzlich nicht in Frage: "Die Türkei ist 

in den letzten Jahren die Problematik der häuslichen Gewalt bzw. Gewalt 

an Frauen gezielt angegangen" (Terre des Femmes Schweiz, Gutachten – 

Schutzwilligkeit des türkischen Staates bei Zwangsverheiratung und eh-

renbezogener Gewalt, Februar 2015, S. 3). 

Die Erwägungen der Vorinstanz sind nicht zu beanstanden. In der ange-

fochtenen Verfügung wird einlässlich begründet, weshalb die Vorbringen 

nicht von Asylrelevanz sind. Die Beschwerde hält dem über weite Strecken 

allgemeine Ausführungen zur Lage der Frauen in der Türkei entgegen. 

Auch wenn – wie auf Beschwerdeebene vorgebracht und was an sich nicht 

zu bestreiten ist – in der Türkei nach wie vor Ehrenmorde geschehen und 

häusliche Gewalt verbreitet ist, so bedeutet dies nicht, dass die bedrohten 

Frauen innerfamiliären Übergriffen völlig schutzlos ausgeliefert wären. Viel-

mehr zeigt sich gemäss vorstehenden Ausführungen, dass die türkischen 

Behörden entschlossen sind, gegen das Phänomen effektiv vorzugehen 

und dass sie grundsätzlich auch in der Lage sind, Schutz zu gewähren. 

Daran vermögen auch die Hinweise der Beschwerdeschrift auf den ge-

nannten Mord in Istanbul und die weiteren angegebenen Fundstellen sowie 

das beigelegte Gutachten und das Schreiben nichts zu ändern. Indem das 

auf Beschwerdeebene eingereichte Gutachten mehrere Beispiele aufzählt, 

die keinen direkten Bezug zur Beschwerdeführerin haben und im Übrigen 

das Aktenkundige wiederholt, vermag es diese Erkenntnis nicht umzustos-

sen. Entgegen dem Beschwerdeantrag ist keine weitere Anhörung anzu-

setzen, ist doch der Sachverhalt vollständig erstellt. Es fällt auf – folgt man 

den Ausführungen der Beschwerdeführerin –, dass ihr Vater seit ihrer Kind-

heit sie, ihre Schwester und auch ihre Mutter mit häuslicher Gewalt beläs-

tigt hat und sie sich erst im November 2011 und im April 2012 und aus-

schliesslich an die Polizei gewandt haben will. Sodann leiden nicht nur sie 

http://links.weblaw.ch/BVGer-D-4016/2013

E-1691/2015 

Seite 8 

und ihre Schwester unter der Gewalt sondern auch ihre Mutter. Ein konkre-

ter Versuch, sich in den ganzen Jahren an eine andere Schutzstelle, als 

die Polizei zu wenden, lässt sich nicht erkennen. Stattdessen war es ihrer 

Schwester möglich, auf der schweizerischen Vertretung einen Visumsan-

trag zu stellen. 

In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist vom behördlichen Schutzwillen 

und der behördlichen Schutzfähigkeit auszugehen. Dies trifft insbesondere 

auf die türkischen Grossstädte zu, sodass die Beschwerdeführerin mindes-

tens dort um Schutz nachsuchen könnte. Allerdings sollen auch in den fünf 

Provinzen, die noch keine Frauenhäuser haben, Bemühungen verstärkt 

werden, solche zu eröffnen (Terre des Femmes Schweiz, Gutachten – 

Schutzwilligkeit des türkischen Staates bei Zwangsverheiratung und eh-

renbezogener Gewalt, Februar 2015, S. 5). Die Vorinstanz hat richtig er-

kannt, dass das Fehlverhalten einzelner Polizisten nicht dem Staat zuzu-

rechnen ist und man die Schutzwilligkeit und -fähigkeit der Türkei nicht ver-

neinen kann, nur weil angeblich Behörden den Ernst der Situation nicht 

erkannt haben sollen.  

Im Übrigen muss die Inanspruchnahme einer staatlichen Schutzinfrastruk-

tur der betroffenen Person auch subjektiv zumutbar sein (vgl. dazu etwa 

BVGE 2013/5 E. 5.4.3; BVGE 2008/4 E. 5.2; EMARK 2006 Nr. 18 E. 10.3.1 

und 10.3.2 S. 203). Dies ist im vorliegenden Fall zu bejahen. Bei der Be-

schwerdeführerin handelt es sich um eine Frau mit elfjähriger Schulbildung, 

die zusammen mit Ihrer Schwester illegal die lange Reise in die Schweiz 

auf sich nehmen konnte, insofern von ihr erwartet werden kann, dass sie 

sich bei den zuständigen Behörden Gehör verschaffen kann, nötigenfalls 

mit Hilfe eines Anwalts. Was das aktenkundige Krankheitsbild anbelangt, 

ist auf dieses nicht weiter einzugehen, weil der Wegweisungsvollzug nicht 

Gegenstand des Verfahrens ist (vgl. dazu Urteile des Bundesverwaltungs-

gerichts D-5797/2012 vom 12. März 2013 E. 12.5.3 und D-1062/2012 vom 

10. Januar 2013 E. 11.4.3). 

4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Türkei hinsichtlich der von 

der Beschwerdeführerin geltend gemachten privaten Verfolgung als 

schutzwillig und schutzfähig zu erachten ist und dass der Beschwerdefüh-

rerin die Inanspruchnahme dieses Schutzes zumutbar ist. Somit hat die 

Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylge-

such abgelehnt. 

5.  

http://links.weblaw.ch/BVGE-2013/5
http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/4
http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/18
http://links.weblaw.ch/BVGer-D-5797/2012
http://links.weblaw.ch/BVGer-D-1062/2012

E-1691/2015 

Seite 9 

Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung Bun-

desrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist 

(Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen. 

6.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerdefüh-

rerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.– fest-

zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten 

und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE]). 

Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ist abzuweisen, da die Be-

gehren der Beschwerdeführerin gemäss vorstehenden Erwägungen aus-

sichtslos sind, die Bedürftigkeit nicht beleget ist und die kumulativen Vo-

raussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG daher nicht erfüllt sind. Der pro-

zessuale Antrag betreffend Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschus-

ses ist mit dem vorliegenden Beschwerdeurteil gegenstandslos geworden.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-1691/2015 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.– werden der Beschwerdeführerin aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

3.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Daniel Willisegger Pascal Waldvogel