# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5dc08a9e-7e4e-588a-83f5-fc2f12584c52
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-08-26
**Language:** de
**Title:** 2 Kniedistorsionen rechts am 29.2.16 und 22.3.17. Bezüglich des ersten Ereignisses Erfüllung des Unfallbegriffs anerkannt, Kausalität strittig, Zweifel an Einschätzung der beratenden Ärzte, da Einschätzung des Vorzustandes widersprüchlich. Bezüglich des zweiten Ereignisses Erfüllung des Unfallbegriffs zu Recht verneint, Listenverletzung gem. Art. 6 Abs. 2 UVG festgestellt, Aktengutachten des beratenden Arztes nicht beweiskräftig. Rückweisung.
**Docket/Reference:** UV.2018.00176
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2018.00176.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2018.00176
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Engesser
Urteil
vom
26. August 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
gegen
AXA Versicherungen AG
Generaldirektion
General Guisan-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1956, war seit dem 19. Juni 2007 beim Amt
Y.___
angestellt und
dadurch bei der AXA Versiche
rungen AG obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als sie
am 29. Februar 2016 im Treppenhaus stolperte und sich das rechte Knie verdrehte (Urk. 9/
A1, Urk. 9/
M1).
Nachdem Berichte der behandelnden Ärzte eingegangen waren
(Urk. 9/M2 ff.)
,
holte die Axa
eine Stellungnahme des beratenden Arztes, Dr. med.
Z.___
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa
rates,
ein
, der von einer Zerrung des medialen Seitenbandes ausging
(Urk. 9/M13)
,
und
teilte der Versicherten
am 16. Februar 2017
mit, der
status
quo sine sei per 30. Juni 2016 erreicht worden, die Leistungen würden daher
ab diesem Zeitpunkt
eingestellt (Urk. 9/A4). Mit Schreiben vom 3. März 2017 erklärte die Versicherte, nicht mit der Leistungseinstellung einverstanden zu sein (Urk. 9/A6).
Am
22. März 2017
verdrehte sich die Versicherte beim Aufstellen von Stühlen bei einer schnellen Bewegung aus dem Oberkörper
erneut
das
rechte
Knie (Urk.
8/
A1 u.
A2), worauf sie
sich am 29. März 2017 zur E
rstbehandlung in die
Klinik A.___
begab
, wo eine Kniegelenksdistorsion rechts und ein Verdacht auf eine Kniebinnenläsion diagnostiziert wurde
n
(Urk. 8/M1).
Die Axa holte in der Folge
weitere
Berichte behandelnde
r
Ärzte ein (Urk. 8/M
2
ff.) und legte die Sache
am 7. Juli 2017 erneut Dr.
Z.___
zur Stellungnahme
vor
(Urk. 8/M9
, Urk. 9/M16
).
Mit Verfügung vom 15. August 2017 hielt die Axa hinsichtlich des Unfalls vom 29. Februar 2016 an der Einstellung der Leistungen per 30. Juni 2016 fest und verneinte bezüglich des Ereignisses vom 22. März 2016 ihre Leistungspflicht (Urk.
9/A8). Nachdem die Versicherte dagegen am 3. September 2017 Einsprache erhoben (Urk. 9/A9) und diese am 21. April 2018 begründet hatte (Urk. 9/A12),
legte die Axa die Sache dem beratenden Arzt Dr. med.
B.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
,
zur Beurteilung vor (Urk. 8/M34
=
Urk. 9/M17).
In der Folge wies sie
die Einsprache mit
Einsp
racheentscheid
vom 14. Juni 2018
ab
(Urk. 9/A14 = Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 14. August 2018 Beschwerde mit den Rechts
begeh
ren, der
Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 14. Juni 2018 sei aufzuheben und die per 30. Juni 2016 eingestellten Leistungen seien ab 1. Juli 2016 im bisherigen Rahmen zu entrichten und entsprechend zu verzinsen. Ferner sei gerichtlich festzustellen, dass ein Anspruch auf Leistungen aus der obligato
rischen Unfallversicherung im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 22. März 2017 bestehe, die entsprechenden Leistungen seien auszurichten. Sodann bean
tragte die
Versicherte die Einholung eines medizinischen (polydisziplinären) Gut
ach
tens
(Urk. 1 S. 1 f.). Mit Beschwerdeantwort vom 22. Oktober 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde
(Urk. 7)
, worüber die Be
schwerdeführerin mit Verfügung vom 23. Oktober 2018 in Kenntnis gesetzt wurde
(Urk. 10).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der ge
nannten Übergangsbestimmungen).
Die hier zu beurteilenden
Vorfälle
haben sich am
29.
Februar
2016 und
am
22.
März
2017 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Nor
men auf das erste Ereignis Anwendung finden, wohingegen auf den zweiten Unfall die seit 1. Januar 2017 gültigen Normen anzuwenden sind. Vorliegend werden die Normen in der aktuell gültigen Fassung zitiert und auf Abweichungen zu den bis Ende 2016 gültig gewesenen Normen – falls vo
rhanden – aufmerksam gemacht.
1.2
Gemäss Art. 6 UVG
- sowohl in der bis 31. Dezember 2016
gültigen
als auch gemäss der seit dem 1. Januar 2017 in Kraft stehenden Fassung
-
werden
,
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt
,
die Versicherungsleistungen bei Berufs
un
fällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versi
che
rung erbringt ihre Leistungen
gemäss der seit 1. Januar 2017 in Kraft ste
hen
den Fassung
auch bei folgenden Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwie
gend auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (Abs. 2): Knochenbrüche (
lit
. a
),
Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Meniskusrisse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Mus
kel
zerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Bandläsionen (
lit
. g) und Trommelfell
verletzungen (
lit
. h). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
In der bis zum
31. Dezember 2016 in Kraft stehenden Fassung von Art. 6 UVG verwies Abs. 2
auf einen identischen Katalog von Listen
ver
letzungen in Art. 9 Abs.
2
der UVV.
1.3
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ab
lauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aussen
welt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.4
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen UVV per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermutung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernom
men werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vorwiegend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. September 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.)
.
1.5
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der
versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.6
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwie
gen
den Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchs
aufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante
noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1
UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kosten
vergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.7
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erschei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das An
stell
ungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
inter
nen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den
Einspracheentscheid
vom 14. Juni 2018 dahingehend, dass
es gemäss ihrem beratenden Arzt
Dr.
Z.___
beim Vorfall vom 29. Februar 2016 zu einer Zerrung des medialen Seitenbandes gekommen sei, welche in der Regel nach 8-12 Wochen als abgeheilt betrachtet werden könne. Weitere Beschwerden stünden nicht mehr mit dem Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit in Zusammenhang mit dem Unfallereignis, sondern seien auf die Vorzustände, das heisst die schwere Arthrose der Kniegelenke und wohl auch auf das Übergewicht
zurückzuführen
(Urk. 2 S. 4).
Dieser Beurteilung habe sich auch Dr.
B.___
angeschlossen (Urk. 2 S. 4 f.). Der Status quo sine sei bereits drei Monate nach dem Ereignis, jedoch spätestens per 30. Juni 2016 erreicht gewesen. Die Leistungseinstellung sei aus diesem Grund nicht zu beanstanden (Urk. 2 S. 5).
Hinsichtlich des Vorfalls vom 22. März 2017 machte die Beschwerdegegnerin geltend, die Beschwerdeführerin habe beim Aufstellen der Stühle eine Kniedis
torsion erlitten
,
dabei fehle es an einem
aussergewöhnlichen äusseren Faktor, weshalb es sich beim Vorfall vom 22. März 2017 nicht um einen Unfall im Sinne des Gesetzes handle (Urk. 2 S. 7). Laut den beratenden Ärzten handle es sich auch nicht um eine Listenverletzung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG (Urk. 2 S. 7).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte dag
egen vor, die Stellungnahmen von
Dr.
B.___
seien als Parteiaussagen der Beschwerdegegnerin zu betrachten, da dieser auf
grund seines Anstellungsverhältnisses die Interessen der Beschwerdegegnerin wahr
zunehmen habe
,
und
sie
seien
als so
l
che nicht beweiskräftig (Urk. 1 S. 3 f.).
Den S
chlussfolgerungen von Dr.
Z.___
werde widersprochen. Sie leide seit
dem
Unfall vom 29. Februar 2016
an Schmerzen, eine Linderung sei zwar eingetreten, aber von einer Heilung könne nicht die Rede sein. Ebenfalls stehe für sie fest, dass diese Schmerzen nicht bestehen würden, wenn der Unfall nicht eingetreten wäre. Demnach seien nicht die
Vorzustände
,
sondern das Ereignis vom 29. Febru
ar 2016 die massgebliche kausale Ursache für den heute noch bestehenden Zu
stand
(Urk. 1 S. 4).
Ferner werde bestritten, dass das Ereignis vom 22. März 2017 nicht als Unfall zu betrachten sei. Sämtliche Tatbestan
d
selemente seien erfüllt, insbesondere sei im erwähnten Bewegungsablauf eine Abfolge entstanden, die als ungewöhnlich aber
doch kausal für die eingetretenen Folgen zu betrachten sei
.
Ob vorliegend eine
Körperschädigung aufgru
nd des Unfallereignisses bestehe
oder nicht, sei gestützt
auf die beantragten zusätzlichen medizinischen Abklärungen festzustellen (Urk. 1
S. 5
).
2.3
In der Beschwerdeantwort ergänzte die Beschwerdegegnerin, dass Stellungnah
men von beratenden Ärzten grundsätzlich
B
eweiswert
zu
komm
t
, sofern nicht be
sondere Umstände vorlägen, die das Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beur
teilung objektiv als begründet erscheinen liessen. Solche Umstände lägen nicht vor (Urk. 7 S. 1 f.). Da es sich um einen medizinisch feststehenden Sachverhalt handle, habe auch keine persönliche Untersuchung durchgeführt werden müssen. Nur weil die Schmerzen nach dem Unfall aufgetreten seien, könne sodann nicht darauf geschlossen werden, dass diese durch den Unfall verursacht worden seien (Urk. 7 S. 2). Hinsichtlich des Vorfalls vom 22. März
2017
sei zu erwähnen, dass
sie,
die Beschwerdegegnerin
, sich
selbst bei Annahme einer hier nicht gegebenen gesicherten Diagnose einer Listenverletzung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG, von ihrer Leistungspflicht durch den Nachweis zu befreien vermöge, dass die geltend gemachten Beschwerden vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzu
führen seien (Urk. 7 S. 3).
3.
3.1
Nach dem Ereignis vom 29. Februar 2016 begab sich die Beschwerdeführerin am 1. März 2016 zur Erstbehandlung ins
Zentrum C.___
.
Die dortigen Ärzte hielten fest
,
die Beschwerdeführerin
habe sich bei einem Betriebsunfall am 29. Februar 2016 das rechte Bein beim H
in
untersteigen einer Treppe verletzt
und sich dabei eine
Kniedistorsion rechts
zugezogen. Ferner leide sie unter
eine
r
aus
geprägte
n
Gonarthrose beidseits und
eine
r
Adipositas permagna. Radiologisch
seien
keine frischen ossären Läsionen
festzustellen gewesen
. Ein MRI habe auf
grund der
Klaustrophobie der Be
schwerdeführerin nicht erstellt
werden können
(Urk. 9/M1, Urk. 9/M11/4).
3.2
Am 14. März 2016 stellten Dr. med.
D.___
und Dr. med.
E.___
, Oberarzt beziehungsweise Chefarzt Sportmedizin der
Klinik A.___
,
fest, klinisch liege ei
ne mediale Seitenbandläsion Grad
I Knie rechts mit/bei Tractus Iliotibialis-Syndrom vor und führten eine Infiltration des
nozizeptiv-dysregu
lier
ten
Bereichs entlang des
tractus
tibi
alis
durch (Urk. 9/M2).
3.3
Bei Diagnose eines Status nach Kniegelenksdistorsion rechts am 29. Februar 2016 mit/bei posttraumatischem Tractus iliotibialis Syndrom sowie
Pes
anserinus
superficialis
Enthesiopathie
behandelten
Dr.
D.___
und Dr.
E.___
die Be
schwerdeführerin mit einer Stosswellen- und Neuraltherapie
. Am 19. Mai 2016 stellten sie a
nlässlich der fünften beziehungsweise sechsten Sitzung einen ordent
lichen Verlauf und eine deutliche
Beschwerderegredienz
fest (Urk. 9/M5/1). Am 14. Juli 2016 diagnostizierten sie sodann eine Dysregu
l
ation der
Peronealmusku
latur
und des Musculus Gastrocnemius. B
ei ebenfalls noch bestehenden Schmer
zen
aufgrund des Tractus iliotibiali
s Syndroms wurde erneut eine Infiltration durchgeführt (Urk. 9/M7/1).
Anlässlich von
Verlaufskontrolle
n
am
6. Juli
und 19. Oktober 2016 sowie am
15. März 2017
habe die Beschwerdeführerin
über
weiter deutlich rückläufige Beschwerden im Alltag berichtet. Die Neuraltherapie sei fortgeführt worden (Urk. 9/M8
, Urk. 9/M9, Urk. 9/M15).
3.4
Dr.
Z.___
nahm am 10. Februar 2017 Stellung zu den Akten und führte aus, dass die Beschwerden nach dem Unfallereignis überwiegend wahrscheinlich in kausalem Zusammenhang mit dem Unfallereignis gestanden
hätten
. Dabei sei es zu einer Grad I Zerrung des medialen Seitenbandes gekommen. Eine solche sei in der Regel nach 8-12 Wochen als abgeheilt zu betrachten. Allfällige anhaltende Beschwerden stünden jetzt nicht mehr mit übe
rwiegender Wahrscheinlichkeit im
Zusammenhang mit dem Unfallereignis, sondern seien mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit auf die Vorzustände zurückzuführen, also
auf
die schwere Arthrose der Kniegelenke und wohl auch
auf
die Adipositas permagna.
Einerseits fal
le
d
ie
Adipositas
ursächlich als Faktor für schwere arthrotische Veränderungen der unte
ren Extremitäten in
Betracht
und andererseits
könne sie
Arthroseschmerzen
und Tenderpoints, wie sie bei der Beschwerdeführerin vorlägen, auslösen (Urk.
9/M13/2).
3.5
Nachdem sich die Beschwerdeführerin am 22. März 2017 bei einer Hebe
- und D
rehbewegung das rechte Knie verdreht hatte, stellte Dr. med.
F.___
, Leitender Arzt Sportmedizin an der
Klinik A.___
,
die Diagnose einer Knie
gelenksdistorsion rechts mit Verdacht auf eine Kniebinnenläsion. Klinisch hätten sich Hinweise auf eine kombinierte Verletzung des medialen
Meniskushinter
hornbereichs
sowie des
Ligamentum
collaterale
mediale in Verbindung mit einer
Tendinopathie
des
Pes
anserinus
superficialis
beziehungsweise
einer
Läsion erge
ben (Urk. 8/M1).
3.6
Am 3. April 2017 wurde ein
e
Untersuchung
des rechten Knies
im Open MRI durch
geführt, die
einen deutlichen Kniegelenkserguss und
ein deutlich degene
rativ bedingt verm
e
hrtes Binnensignal beider
Hinterhörner
medial und lateral
sei
tig ergab. Eine Kniebinnenläsion habe nicht sicher nachgewiesen werden können, möglich sei insbesondere ein kleinerer Riss im
Meniskushinterhorn
(Urk.
8/M2).
3.7
Dr.
F.___
führte in seinem Bericht vom 5. April 2017 aus, im Rahmen des Kniedistor
s
ionsunfalles vom 22. März 2017 sei es zu Zerrungen von Anteilen des Ligamentum patellae sowie dessen Insertion im Bereich der Tuberositas
tibiae
gekommen. Zudem bestehe bei deutlichem Kniegelenkserguss weiterhin der Ver
dacht auf eine Läsion des
Innenmeniskushinterhorns
, wenngleich eine deutliche Abgrenzung eines Risses mittels MRI nicht möglich scheine (Urk. 8/M3/1).
Anlässlich von Verlaufskontrollen vom 24. April, 15. Mai und 6. Juni 2017 wurden weiterhin
von
Schmerzen im rechten medialen Kniebereich
berichtet
und das mediale Seitenband infiltriert (Urk. 8/M4, Urk. 8/M6, Urk. 8/M7).
3.8
In seiner Stellungnahme vom 7. Juli 2017 hielt Dr.
Z.___
fest, dass gemäss dem MRI vom 3. April 2017 keine gesicherte Listendiagnose vorliege (Urk. 8/M9).
3.9
Dr.
G.___
, Assistenzärztin
,
und Dr. med. H.___
, leitender Arzt Orthopädie der
Klinik
A.___
,
diagnostizierten in ihrem Bericht vom 19.
September 2017 eine aktivierte mediale Gonarthrose rechts bei Status nach Kniegelenksdistorsionen am 22. März 2017 und am 29. Februar 2016. Im MRI vom 3. April 2017
hätten
sich am medialen Kompartiment eine beginnende Gon
arthrose femoral und
tibial
sowie eine Degeneration des
Meniskus
h
interhorns
medial- und lateralseitig gezeigt (Urk. 8/M10). In der Folge wurde am 21. Septem
ber
2017 eine intraartikuläre Infiltration durchgeführt (Urk. 8/M11).
3.10
Am 5. Oktober 2017 wurde ein erneutes MRI durchgeführt. Darauf zeigte
n
sich eine Fragmentation des medialen Meniskus am Übergang vom Hinterhorn zur Pars intermedia, ein
kapsuloligamentärer
Reizzustand medial, ein mässiger Knie
gelenkserguss und
synoviale
Proliferationen sowie tiefe Knorpelschäden femoral und
tibial
medial betont ohne
subchondrale
Knochenmarksödeme oder Osteone
krose (Urk. 8/M30).
3.11
Dr.
F.___
diagnostizierte
in seinem Bericht vom 24. Oktober 2017 eine Knie
gelenk
s
distorsion rechts nach Unfall vom 22. März 2017 mit/bei Fragmentation
des medialen
Meniskushinterhorn
s
mit radiärem Einriss und Subluxation der Pars
i
ntermedia, Läsion des med
ialen Kollateralbandes
undkapsuloligamentärem
Reiz
zustand sowie
einem
Knorpelschaden femoral und
tibial
medialbetont
ohne Gonarthrose (Urk. 8/M33/1). Er führte aus, er halte die von der Beschwerde
füh
rerin geklagten Beschwerden in der Gesamtschau der erhobenen Befunde für den Ausdruck der
Meniskushinterhornläsion
medial mit radiärem Einriss u
nd Frag
mentation am Übergang vom
Vorderhorn zur Pars intermedia. Weiterhin mit dem Unfall vereinbar sei auch die Läsion des medialen Kollateralbandes einschliesslich ihrer Anheftung an den Meniskus sowie die
kapsuloligamentäre
Reizung. Alters
entsprechende Oberflächendefizite im Bereich der Knorpel sähe er als nicht schmerzauslösend an, ebenso würden Hinweis
e
auf erhebliche degenerative Ver
änderungen im Sinne einer Gonarthrose fehlen (Urk. 8/M33/2).
3.12
Dr. med.
I.___
, konservativer Oberarzt Orthopädie untere Extremitäten an der
Klinik
A.___
,
beschrieb in seine
m Bericht vom 31. Oktober 2017,
im MRI vom 5. Oktober 2017
hätten sich
vor allem medial teils tiefgreifen
de Knorpel
schäden gezeigt
, der mediale Meniskus sei vollkommen degen
erativ verändert und extrudiert. Ferner
bestünden deutliche Osteophyten am medialen
Femoroti
bial
gelenk
lateral und ebenfalls teils tiefgreifende Knorpelschäden und degene
r
ative Rissbildungen am Meniskus. D
as LCM sei insbesondere am
tibialen
Ansatz deutlich gezerrt mit entsprec
hender Flüssigkeitskollektion.
R
etropatellär
sei
die Patella noch gut zentriert
aber auch hier
zeigten sich
teils tiefgreifende Knorpel
schäden und ein mässiger int
raartikulärer Erguss
(Urk. 8/M12/2
= Urk. 8/M31
). In der Folge wurde am 6. November 2017 erneut eine intraartikuläre Infiltration durchgeführt (Urk. 8/M13
= Urk. 8/M32
).
3.13
Dr.
B.___
nahm am 2. Juni 2018 Stellung zu den Akten. Zum Ereignis vom 29. Februar 2016 führte er aus,
bei der radiologischen Untersuchung vom
1. März 2016
hätten sich
keine Befunde
ergeben
, welche mit überwiegender Wahrschein
lichkeit
unfallbedingt seien
, jedoch Befunde, die mit überwiegender Wahrschein
lichkeit auf eine krankheitsbedingte, klinisch relevante Vorschädigung im Sinne einer beginnenden Arthrose hinwiesen. Die Aussage, es handle sich um eine schwere Gonarthrose beidseits
,
könne klinisch und radiologisch nicht nachvoll
zogen werden. Alle Indizien sprächen für eine vorübergehende Aktivierung eines krankhaften Vorzustandes, welcher aber mit den Symptomen einer Arthrose nicht vereinbar sei. Erfahrungsgemäss seien andere, komplexe Hintergründe, welche auch im Zusammenhang mit der Adipositas permagna stünden, zu vermuten. Nach dem Ereignis vom 29. Februar 2016 sei aufgrund einer Fingerpalpation eine geringe Innenbandzerrung vermutet worden. Nebenbei sei ein Schmerzsyndrom (
tractus
iliotibialis Syndrom) diagnostiziert worden, welches per se unspezifisch und kaum als direkte Unfallfolge nachvollziehbar sei. Es handle sich auch nicht um eine
strukturell nachweisbare Schädigung. In diesen Zusammenhang passe auch die später festgestellte
Enthesiopathie
, die klar unfallfremd sei. Der Status quo sine sei spätestens drei Monate nach dem 29. Februar 2016 nachvollziehbar (Urk. 9/M17/3). Er teile die Auffassung der Beschwerdegegnerin und
von
Dr.
Z.___
, dass die
Zerrung nach 8-12 Wochen
als
abgeheilt zu betrachten sei und dass dem
nach ab
dem
30. Juni 2016 die krankheitsbedingten Befunde in den Vorder
grund gerückt seien, wobei selbst die Innenbandzerrung Grad I angezweifelt werden könne. Die Frage einer relevanten beginnenden Arthrose sei in den ersten 12 Monaten weder klinisch noch radiologisch
konklusiv abgeklärt worden, da
es wohl keinen Anlass dazu gegeben habe, da das Knie mehrmals reizlos erschienen sei und die typischen Angaben von
Arthroseschmerzen
nicht gemacht worden seien (Urk. 9/M17/4).
Mit Bezug auf das E
reignis vom 22. März 2017 hielt Dr.
B.___
fest, es liege
keine Listendiagnose im Sinne eines Meniskusrisses mit dem ICD-10 Code S83.2 vor, sondern eine degenerative Meniskusschädigung (ICD-10 M23) in Verbindung mit einer progredienten Knorpelschädigung degenerativer Art im Sinne einer progre
dienten
trikompartimentellen
Gonarthrose. Die Beschwerden seien vorwiegend auf eine Erkrankung zurückzuführen (Urk. 8/M34/3).
Im MRI vom 3. April 2017 habe ein Knochenödem und eine Bänderschädigung klar ausgeschlossen werden können, somit gebe es gemäss Ludolph (Kursbuch der ärztlichen Begutachtung 2016) keine Hinweise auf eine frische isolierte Meniskusrissbildung. Im MRI habe jedenfalls eine solche nicht sicher nachgewiesen werden können. Innerhalb von sechs Monaten habe eine deutliche Zunahme der Arthrose, sowohl klinisch als auch im MRI, stattgefunden, welche sicher nicht als Unfallfolge anzusehen sei. Die
Extrusionstendenz
des Innenmeniskus, die bereits im MRI vom 3. April 2017 erkennbar gewesen sei, habe sich deutlich und parallel zur Knorpelabnützung verschlechtert. Diese
Arthroseprogredienz
gehorche mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit den Gesetzmässigkeiten einer rasch (innert Monaten)
dekompen
sierenden
Arthroseerkrankung
. Die Ereignisse könnten ohne Weiteres weggedacht werden (Urk. 9/M34/4).
4.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin
hat das Ereignis vom 29. Februar 2016 als Unfall im Rechtssinne anerka
n
nt
und
ihre Leistungspflicht hinsichtlich de
ssen Folgen
im angefochtenen
Einspracheentscheid
bis zum 30. Juni 2016
b
ejaht
(Urk. 2 S.
5, vgl. auch Urk. 7 S. 2 [Beschwerdeantwort]
)
.
Strittig und zu prüf
en ist, ob für die von der Beschwerdeführerin
weiterhin
geklagten Beschwerden
am rechten Knie
auch nach dem 30
. Juni 2016 mit überwiegender Wahrscheinlich
keit das Scha
denereignis vom
29. Februar 2016
ursächlich ist, oder ob der natürliche Kausal
zusammenhang infolge Erreichens des Status quo sine dahingefallen ist.
4
.2
Im
Einspracheentscheid
vom 14. Juni 2018 stützte sich die Beschwerdegegnerin
hinsichtlich der Beurteilung der Folgen des Unfalles vom 29. Februar 2016
haupt
sächlich auf die Stellungnahmen der beratenden Ärzte Dr.
Z.___
und Dr.
B.___
vom 10. Februar 2017 beziehungsweise vom 2. Juni 2018 (Urk. 2 S. 4 f.).
4
.3
Die
Beschwerdeführer
in
zweifelte
die Unabhängigkeit von
Dr.
B.___
an,
da dieser
aufgrund seines Anstellungsverhältnisses
zur Beschwerdegegnerin deren
Inte
re
ssen wahrzunehmen habe
(Urk. 1 S.
3 f.
). Wie bereits erwähnt (vgl. E.
1.7
vorstehend
), genügt die Tatsache, dass der befragte Arzt
in einem Anstellungsverhältni
s zum Versicherungsträger steht
, allein nicht, um auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit zu schliessen. Es bedarf besonderer Umstände, welche das Miss
trauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als
begründet erscheinen lassen. Die
Beschwerdeführer
in zeigte
indes keine konkreten Anhaltspunkte auf, we
lche an der Unparteilichkeit des beratenden Arztes
zweifeln lassen. Solche sind ebenso wenig mit Blick auf die übrige Aktenlage ersichtlich, weshalb sich die Rüge nicht als stichhaltig erweist.
4
.4
Dr.
Z.___
und Dr.
B.___
gingen übereinstimmend davon aus, dass die von den behandelnden Ärzten diagnostizierte Zerrung des Innen
bandes innerhalb von acht bis zwölf
Wochen nach dem E
reignis ausgeheilt sein sollte
(Urk. 9/M13/2, Urk. 9/M17/3)
.
In Bezug auf die weiteren
gestellten Diagnosen
wies Dr.
B.___
darauf hin, dass das diagnostizierte Schmerzsyndrom (Tractus iliotibialis-Syn
drom) per se unspezifisch und kaum als direkte Unfallfolge nachvollziehbar sei. In diesen Zusammenhang passe auch die später festgestellte
Enthesiopathie
, die klar
unfallfremd sei (Urk.
9
/M17/3).
Diese Einschätzung begründete er jedoch
nicht weiter.
Beide beratenden Ärzte führten die weiterhin bestehenden Schm
erzen sodann auf den krankhaften Vorzustand zurück. Dr.
Z.___
erklärte die Beschwer
den mit der anlässlich der Erstbehandlung diagnostizierten Kniearthrose und der Adipositas permagna (Urk. 9/M13/2), Dr.
B.___
- dem im Gegensatz zu Dr.
Z.___
die am 1. März 2016 erstellten Röntgenbilder vorlagen -
konnte hingegen die ausgeprägte Arthrose nicht bestätigen und machte andere, komplexere
und mit der
Adipositas permagna
im Zusammenhang stehende Gründe
für den Zustand der Beschwerdeführerin verantwortlich (Urk. 9/M17/3).
Die Berichte der beratenden Ärzte sind somit im Hinblick auf die Ursache der nach dem 30. Juni 2016 weiterhin bestehenden Beschwerden widersprüchlich. Die Beurteilung von Dr.
Z.___
beruht ferner nicht auf den vollständigen medi
zinischen Akten, da ihm die Röntgenbilder vom 1. März 2016 nicht vorlagen. Nicht
nachvollziehbar erscheinen sodann auch die von Dr.
Z.___
nicht näher be
nannten komplexen Hintergründe, auf welche die Beschwerden zurückzu
führen seien.
Damit bestehen erhebliche Zweifel an den versicherungsinternen Beurtei
lungen.
Dementsprechend kann für die Beurteilung der Unfallkausalität nicht allein darauf abgestellt werden
.
4
.5
Aus den Berichten der behandelnden Ärzte
lässt
sich
hinsichtlich möglicher Vor
erkrankungen
lediglich
eine anlässlich der medizinischen Erstversorgung gestellt
e Diagnose einer ausgeprägten Arthrose, die nicht näher begründet wurde
, entneh
men
(Urk. 9/M11/4).
In Bezug auf das diagnostizierte
Tractus iliotibialis Syndrom
wurde
sodann zwar
festgehalten, dass dieses posttraumatisch auf
ge
tre
ten sei
(vgl. Urk. 9/M5, Urk. 9/M7-9)
.
W
ie die Beschwerdegegnerin richtig aus
führte
,
kann
jedoch
allein aus der Verwendung des Wortes «posttraumatisch» nicht abgeleitet werden, dass
dieses
unfallkausal sei, sondern nur, dass es
erst nach dem Unfall aufgetreten
ist. Es ist in jedem Einzelfall
zu prüfen, welche Bedeutung diesem Begriff
beizumessen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_856/2017 vom 2. Mai 2018 E. 5.3 mit Hinweis).
Weitere Ausführungen zur Entstehung des
Tractus
iliotibia
lis Syndroms machten die
Ärzte
jedoch
nicht
. Daher kann auch aufgrund der Be
richte der behandelnden Ärzte nicht beurteilt werden, ob die von der Beschwer
deführerin weiterhin
g
eklagten Beschwerden auf den Unfall vom 29. Februar 2016 zurückzuführen sind.
4
.6
Die Beschwer
deführerin argumentierte
,
sie leide seit dem Unfall an Schmerzen,
für sie stehe fest, dass die Schmerzen ohne den Unfall nicht bestehen würden (Urk. 1 S. 4).
Rechtsprechungsgemäss ist eine solche Schlussfolgerung
nach der Formel «
post
hoc ergo
propter
hoc», nach deren Bedeutung eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist,
beweisrechtlich nicht zulässig und vermag zum Nachweis der Unfallkausalität nicht zu genügen (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
, Urteil des Bundes
gerichts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1).
4
.
7
Insgesamt kann die
Frage
der Unfallkausalität der nach dem 30. Juni
2016
fort
bestehenden Beschwerden der Beschwerdeführerin aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten nicht
zuverlässig
beurteilt werden.
Es sind
somit weitere medizinische Abklärungen
zur Frage der Unfallkausalität der über den 30. Juni 2016 hinaus bestehenden Beschwerden
erforderlich
.
5
.
5
.1
Hinsichtlich des Ereignisses vom 22. März 2017 ist
zunächst
strittig,
ob dieses ein Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG darstellt. Die Beschwerdegegnerin stellte dies mit der Begründung in Abrede, es fehle an äusseren Auswirkungen auf den Körper, die in diesem Lebensbereich nicht alltäglich und üblich seien, auch sei nicht zu erkennen, dass der geschilderte Bewegungsablauf programmwidrig unterbrochen worden wäre (Urk. 2 S. 7).
5
.2
Zum Hergang des Ereignisses
ist der Unfallmeldung vom 31. März 2017 und dem von der Beschwerdeführerin zum Ereignishergang am 12
.
April 2017 ausgefüllten Fragebogen zu
Handen
der Beschwerdegegnerin zu entnehmen
, sie habe sich beim Aufstellen der Stühle im Medienzentrum das Knie verdreht. Aus einer schnellen Bewegung aus dem Oberkörper heraus sei sie mit dem Bein stehen geblieben. Danach habe sie einen starken Schmerz im Knie verspürt.
Sie s
e
i weder ges
t
ürzt noch ausgeglitten
(Urk. 8/A2
)
.
In der
Beschwerdeschrift ergänzte
sie
ihre Ausführungen dahingehend, dass die Tätigkeit unter hohem Zeitdruck und bei engen Platzverhältnissen habe durch
geführt werden müssen. Die Belastung des Knie
s
sei plötzlich eingetreten. Eine ungeschickte Bewegung habe zur eingetretenen Drehung des Knies geführt. Die zusätzliche Belastung in Form des Hebens des Stuhles beim Aufstellen und Einordnen an den richtigen Platz habe schliesslich zum erwähnten Ereignis ge
führt. Die eingetretenen Folgen seien somit aufgrund des ungewöhnlichen Ab
laufs zu erklären (Urk. 1 S. 5).
5
.3
Aus der Schilderung der Beschwerdeführerin ergibt sich, dass eine Drehung des Oberkörpers ausgeführt wurde, wobei das rechte Bein sich nicht mitbewegt
hab
e.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhn
lichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen.
Bei Körper
bewegungen gilt dabei
jedoch
der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «programm
widrig» beeinflusst hat (BGE 130 V 117 E. 2.1). Dies trifft beispielsweise dann zu, wenn die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder wenn sie, um ein Ausgleiten
zu verhindern, eine reflexartige Abwehr
bewegung
ausführt oder auszuführen ver
sucht.
Der von der Beschwerdeführerin geschilderte Bewegungsablauf
indessen
liegt im Rahmen dessen, was üblicherweise beim Aufstellen
von Stühlen
statt
finden kann.
Ein in der Aussenwelt begründeter Umstand, der die Bewegung der Beschwerdeführerin programmwidrig beeinflusst haben könnte
- wie ein Aus
gleiten oder ein St
olpern
-
wurde von der Beschwerdeführerin ausdrücklich ver
neint.
Dementsprechend fehlt es an einem auss
ergewöhnlichen äusseren Faktor und es
ist
erstellt, dass die Beschwerdeführerin am
22. März 2017
k
einen Unfall
i
m
Rechtssinne
erlitten hat
. Es fehlt an einer
schädigenden Einwirkung eines ungewöh
nlichen äusseren Faktors auf
den
Körper
der Beschwerdeführerin
.
6
.
6
.1
Zu
prüfen ist daher
, ob die Beschwerdeführerin eine Körperschädigung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG erlitten hat
, die nicht vorwiegend auf eine Erkrankung zurückzuführen ist.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich diesbezüglich haupt
sächlich auf die Aktenbeurteilung von Dr.
B.___
vom
2. Juni 2018 (Urk. 8/M34).
6
.2
Anlässlich der zeitnah zum Vorfall vom 22. März 2017 durchgeführten
MRI-Untersuchung
vom
3. April 2017
konnte eine Kniebinnenläsion n
icht sicher nach
gewiesen werden
,
insbesondere bezüglich eines möglichen kleineren Risses im
Meniskushinterhorn
.
Es
zeigte sich
ein degenerativ bedingt vermehrtes Binnen
signal beider
Hinterhörner
(Urk. 8/M2).
Dr.
B.___
ging jedoch angesichts des Aus
schlusses eines Knochenödems und einer Bänderschädigung von fehlenden Hin
weisen für eine frische Meni
skusschädigung aus (Urk. 8/M34/4
).
I
m Gegensatz dazu wiederholte der behandelnde Dr.
F.___
aufgrund des
ebenfalls festge
stellt
en deutlichen Kniegelenkserguss
es
seine
Verdacht
sdiagnose
eine
r
Läsion des
Innenmeniskushinterhorns
im Rahmen des Vorfalls vom 22.
März
2017 (Urk.
8/M3/1)
.
Mit dieser von seiner Einschätzung abweichenden Beurteilung setzte sich Dr.
B.___
jedoch nicht
auseinander
.
Das MRI vom 5. Oktober 2017 ergab
sodann
eine Fragmentation des Meniskus am Übergang vom Hinterhorn zur Pars intermedia (Urk. 8/M30).
Somit
ist jeden
falls seit
diesem Zeitpunkt
von
eine
r
Listenv
erletzung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG
auszugehen
.
Während Dr.
F.___
diesen Befund auf den Vorfall vom 22.
März
2017 zurückführte und
keine Hinweise für
erhebliche degenerative Veränderungen im Sinne einer Gonarthrose sah, interpretierte
ihn Dr.
I.___
als eine degenerative Rissbildung am Meniskus
mit der Umschreibung
, di
eser sei vollkommen degenerativ
verändert und extrudiert (Urk. 8/M31/2).
Damit liegen widersprüchliche Einschätzungen der behandelnden Ä
rzte vor
. Voraussetzung für ein
beweiswertes Aktengutachten ist jedoch, dass
ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2011 vom 22. Dezember 2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen)
. Dies ist vorliegend nicht der Fall.
Ferner
beruht d
ie
Einschätzung
von Dr.
B.___
, es liege eine degenerative
Menikus
schädigung
vor,
auch
auf einer
unvollständigen
Kenntnis der medizinischen Aktenlage,
da er
sich dabei
lediglich auf den
Bericht von Dr.
I.___
vom 31.
Oktober 2017
bezog
, der Bericht und die Bilder der MRI-Untersuchung vom 5. Oktober 2017 sowie der Bericht von Dr.
F.___
vom 24. Oktober 2017 lagen ihm nicht vor (Urk. 8/M34/3
).
Das
Aktengutachten
von Dr.
B.___
entspricht somit auch im Hinblick auf die Beurteilung der Folgen des Vorfalls vom 29. März 2017 nicht den Anforderungen an eine
beweiswertige medizinische Expertise. Auf
grund der dargelegten widersprüchlichen Beurteilungen der behandelnden Ärzte kann die
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
gestützt darauf nicht ab
schliess
end geklärt werden.
Bei der vorliegenden, sich widersprechenden medizinischen Aktenlage wäre die Beschwerdegegnerin gehalten gewesen, eine Drittbeurteilung zu veranlassen, die sich
zu den
gesamten
relevanten
Vorakten
, insbesondere
zum MRI vom
5. Okto
ber 2017
,
und zur strittigen Frage, ob
die festgestellte
Fragmentation des
Menis
kushinterhorns
vorwiegend auf Abnützung zurückzuführen ist,
äussert
.
7
.
Insgesamt
erweist sich die Aktenlage für die Beurteilung der strittigen Frage
n
als ungenügend, weshalb der
Einspracheentscheid
vom
14. Juni 2
018
aufzuheben und die Sache zur ergänzenden medizinischen Abklärung an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen ist. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der
Einspracheentscheid
vom
14.
Juni 2018
aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit sie n
ach Einholung eines versicherungsunabhängigen Gutachtens neu über ihre Leistungspflicht verfüge.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
AXA Versicherungen AG
-
Bundesamt für Gesundheit
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrEngesser