# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 37671952-96de-53d2-b361-57b802876c56
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-07-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.07.2019 D-4572/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4572-2018_2019-07-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4572/2018 

law/joc 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  J u l i  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richter Simon Thurnheer,  

Richterin Claudia Cotting-Schalch,    

Gerichtsschreiberin Claudia Jorns Morgenegg. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch lic. iur. Monika Böckle,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR, 

(...)  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; 

Verfügung des SEM vom 9. Juli 2018 / N (…). 

 

 

 

D-4572/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer reiste eigenen Angaben zufolge am 4. Septem-

ber 2015 in die Schweiz ein, wo er noch am gleichen Tag um Asyl nach-

suchte. Am 9. September 2015 wurde er dem Testbetrieb des Empfangs- 

und Verfahrenszentrums (EVZ) B._______ zugewiesen. Dort wurden am 

gleichen Tag die Personalien des Beschwerdeführers aufgenommen.  

A.b Am 25. September 2015 wurde die Rechtsberatungsstelle für Asylsu-

chende in B._______ mit der Vertretung durch den Beschwerdeführer be-

auftragt.  

A.c Im Hinblick auf die Durchführung eines möglichen Dublin-Verfahrens 

führte das SEM am 8. Oktober 2015 ein beratendes Vorgespräch mit dem 

Beschwerdeführer durch.  

A.d Mit Verfügung vom 28. Oktober 2015 wurde der Beschwerdeführer 

durch das SEM darüber informiert, dass sein Verfahren ausserhalb der 

Testphase weitergeführt werde und er dem Kanton C._______ als Aufent-

haltskanton zugewiesen werde.  

A.e Mit Mitteilung an das SEM vom 3. November 2015 erklärte die dama-

lige Rechtsvertretung, das Mandatsverhältnis sei beendet.  

A.f Am 8. Dezember 2015 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, sein 

Asylgesuch werde durch die Schweiz geprüft. 

A.g Am 5. Juli 2017 erfolgte durch das SEM eine einlässliche Anhörung zu 

den Asylgründen des Beschwerdeführers. Am 3. Juli 2018 fand eine ergän-

zende Anhörung statt.  

A.h Mit Verfügung vom 9. Juli 2018 stellte das SEM fest, der Beschwerde-

führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte sein Asylgesuch 

vom 4. September 2015 ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung des 

Beschwerdeführers aus der Schweiz an und verfügte deren Vollzug.  

B.  

B.a Gegen den Entscheid des SEM vom 9. Juli 2018 reichte der Beschwer-

deführer mit Eingabe der rubrizierten Rechtsvertreterin vom 10. August 

2018 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein. Darin wurde bean-

tragt, die Verfügung des SEM vom 20. April 2018 (recte: 9. Juli 2018) sei 

D-4572/2018 

Seite 3 

aufzuheben, der Beschwerdeführer sei als Flüchtling anzuerkennen und 

ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei der Beschwerdeführer wegen Un-

zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs als Flüchtling vorläufig aufzuneh-

men. Subeventualiter sei der Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit 

des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. Subsubeventualiter sei 

die Sache zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In 

verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, dem Beschwerdeführer sei 

unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen, es sei die Rechtsvertreterin als 

amtliche Verbeiständung zu bestellen und es sei auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses zu verzichten. 

B.b Mit Zwischenverfügung vom 22. August 2018 hiess der zuständige In-

struktionsrichter des Bundesverwaltungsgerichts das Gesuch um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses. Das Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Rechtsverbeiständung wurde ebenfalls gutgeheissen und dem 

Beschwerdeführer rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbei-

ständin beigeordnet. Dem SEM wurde die Gelegenheit erteilt, bis zum 

6. September 2018 eine Vernehmlassung zur Beschwerde vom 10. August 

2018 einzureichen.  

B.c Das SEM liess sich am 29. August 2018 zur Beschwerde vernehmen. 

Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 

10. August 2018 zur Kenntnis gebracht.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes 

in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

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Seite 4 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung und ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-

gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG 

i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren das Bun-

desrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG nicht 

an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Beschwerde 

auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder 

abweisen; massgebend sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse 

zum Zeitpunkt seines Entscheides (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1, 2011/1 

E. 2). 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer erklärte zu seiner Person, er stamme aus 

D._______, E._______, F._______, wo er seinen letzten offiziellen Wohn-

sitz gehabt habe und bis zur (…) Klasse in die Schule gegangen sei.  

Zur Begründung seines Asylgesuches machte er im Wesentlichen Folgen-

des geltend: Er habe im Jahr 2009 die (…) Klasse abgebrochen. Er sei 

damals krank gewesen und habe drei Jahre zu Hause bei der Mutter und 

den Geschwistern verbracht. Sein Vater sei Soldat und daher selten zu 

Hause gewesen. Als er wieder gesund gewesen sei, habe er die Schule 

fortsetzen wollen. Man habe ihn aber für zu alt befunden. Er habe dann die 

Abendschule besucht, diese jedoch nicht abgeschlossen, denn auch dort 

sei ihm erklärt worden, er sei dafür zu alt. Während der Abendschule sei 

ihm einmal mitgeteilt worden respektive er habe dies mitbekommen, dass 

er nach G._______ einrücken müsse. Er habe jedoch nicht dasselbe 

Schicksal wie sein Vater, der im Militär sei, erleiden wollen.  

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Seite 5 

Im Juni 2013 habe er versucht, illegal auszureisen, sei jedoch in I._______ 

erwischt und ins Gefängnis nach J._______ gebracht worden.  

In J._______ sei er den ganzen Tag zusammen mit etwa 80, 90 Personen 

in einer Kammer eingesperrt gewesen. Durch eine Bürgschaft einer Ein-

wohnerin seines Dorfes, die ein Geschäft gehabt habe, sei er nach einem 

Monat aus der Haft entlassen worden. Das sei im Juli 2013 gewesen. Dann 

habe er in J._______ mit dem Militärtraining beginnen müssen und dieses 

im November 2013 beendet. Vor dem ersten Monat 2014 sei er zum Dienst 

eingeteilt worden. Eine Woche sei er als (…) des Gefängnisses K._______ 

eingesetzt worden. Von dort sei er im Januar 2014 nach Hause geflüchtet, 

da er Probleme mit der Nase gehabt und aufgrund der nächtlichen Kälte 

keine Luft mehr bekommen habe.  

Drei Monate später habe man ihn zu Hause aufgesucht, ihn mitgenommen 

und nach L._______ in der Nähe von J._______ gebracht, wohin zwi-

schenzeitlich auch seine Kameraden versetzt worden seien. Er sei bestraft 

worden und habe eine Woche für die Mannschaft Wasser holen und Holz 

sammeln und hacken müssen. Danach habe er an einem Staudamm mit-

gearbeitet. Es sei ziemlich schlimm gewesen. Wenn irgendetwas Kleines 

passiert sei, sei man ins K._______-(…) gesteckt worden. Bis zum zehnten 

Monat sei er in L._______ geblieben. Danach hätten sie eigentlich eine 

spezielle militärische Ausbildung (einen sogenannten "Lenger-Kurs") ab-

solvieren müssen. Eines nachts sei er geflohen.  

Auf der Flucht sei er in der Nähe von M._______, in N._______ erwischt 

und nach O._______ gebracht worden. Dort sei er in einem Raum einge-

sperrt gewesen. Man habe ihm die Schuhe weggenommen, damit er nicht 

fliehe. Er habe die Türe eingeschlagen, sei über eine Mauer gesprungen 

und habe sich dabei an der Stirn und am Ohr sowie auch am Knie verletzt. 

Am Ohr sei er zuvor schon einmal verletzt worden. Man habe auch auf ihn 

geschossen. Er sei jedoch entkommen und habe sich in einer Art Nische 

versteckt bis es dunkel geworden sei. Er sei die ganze Nacht barfuss mar-

schiert und so von O._______ aus bis zu seinem Heimatdorf gelangt, wo 

er am nächsten Tag gegen Mittag angekommen sei.  

Er wisse nicht, ob er verraten worden sei, aber am nächsten Tag seien 

Angehörige seiner Einheit zu ihm nach Hause gekommen. Er habe jedoch 

weglaufen können. Als er wieder nach Hause zurückgekehrt sei, sei seine 

Mutter erschrocken, wegen der Verletzungen die er gehabt habe. Sie habe 

laut geschrien und sei in Ohnmacht gefallen. Er sei weggelaufen und habe 

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Seite 6 

sich eine Woche in der Einöde versteckt, da es immer wieder Razzien ge-

geben habe. Sein Versteck habe sich etwa eine halbe Stunde zu Fuss von 

zu Hause entfernt befunden. Seine Geschwister, die auf das Vieh aufge-

passt hätten, hätten ihm zu Essen und Trinken gegeben. Er sei abends zu 

ihnen auf jene Weide hingegangen, wo die Familie einen Viehstall beses-

sen habe.  

Am 27. Oktober 2014 sei er aus Eritrea ausgereist. Er sei nachts durch die 

Einöde gelaufen. Er habe keine Orte passiert, denn beim ersten Versuch 

hätten sie ihn ja erwischt. Früh morgens habe er die äthiopische Grenze 

passiert. Zunächst sei er nach P._______ gelangt. Dann sei er von 

Q._______ nach R._______ in eine Flüchtlingsunterkunft gebracht wor-

den. Von dort sei er einen Monat später, am 5. Januar 2015, in den Sudan 

gelangt. Am 20. Juni 2015 sei er nach Libyen gefahren, wo er sich insge-

samt drei Monate in S._______ und in T._______ aufgehalten habe. Am 

29. August 2015 sei er von T._______ aus mit einem Holzboot nach Italien 

gefahren. Am 4. September 2015 sei er an einem ihm unbekannten Ort in 

Italien angekommen. Ein Helikopter habe das Boot entdeckt und ein ande-

res Boot einer grossen Organisation habe ihn und die anderen Passagiere 

schliesslich gerettet. Nach der Ankunft in Italien habe man ihn zum Bahn-

hof begleitet. Er sei nicht registriert worden. Diejenigen, die die Krätze ge-

habt hätten, hätten bleiben müssen. Er sei noch am selben Tag bei Son-

nenaufgang in einen Zug gestiegen und abends nach U._______ ange-

langt. Für die Reise habe er zirka (…) US-Dollar bezahlt. Die Familie habe 

dafür ihren Goldschmuck verkauft.  

Nach seiner Ausreise habe man seine Mutter mitgenommen. Wann genau 

wisse er nicht, denn er habe erst in Äthiopien durch Freunde, die nach ihm 

nach Äthiopien gelangt seien, davon erfahren. Zuvor sei auch jene Frau, 

die für ihn gebürgt gehabt habe, mitgenommen worden. Aus dem Sudan 

habe er seine Eltern angerufen und so erfahren, dass seine Mutter zwi-

schenzeitlich wieder zu Hause sei.  

Der Beschwerdeführer gab ausserdem zu Protokoll, dass er drei Mal am 

linken Ohr geschlagen worden sei (beim Versuch der illegalen Ausreise im 

Oktober 2014 in V._______ in Eritrea, dann in W._______ im Sudan und 

auch in Libyen im Juni 2015). Deshalb sei er in der Schweiz in Behandlung 

gewesen. Auch habe er ein Problem mit der Nase.  

Der Beschwerdeführer übereichte dem SEM im Verlaufe des Verfahrens 

die Identitätskarten seiner Eltern, ein Bestätigungsschreiben vom 11. Juni 

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Seite 7 

2018 betreffend seine Mitarbeit in einem Altersheim sowie ein Empfeh-

lungsschreiben für eine Vorlehre.  

4.2 Diese Vorbringen erachtete das SEM in seiner Verfügung vom 9. Juli 

2018 für nicht glaubhaft gemacht im Sinne von Art. 7 AsylG. Zur Begrün-

dung führte es im Einzelnen aus, der Beschwerdeführer habe im Rahmen 

der ersten Anhörung erklärt, es habe eine Versammlung gegeben und so 

habe er von der Einziehung in den Militärdienst erfahren. Demgegenüber 

habe er in der ergänzenden Anhörung erklärt, diese Information habe sich 

herumgesprochen. Auch habe er verneint, dass es eine Versammlung ge-

geben habe.  

Weder seine Festnahme noch seine einmonatige Haftzeit in J._______ 

habe er detailliert beschreiben können. Auch habe er den konkreten Zeit-

raum seiner viermonatigen Ausbildung in J._______ nicht angeben kön-

nen. Nicht plausibel erscheine zudem, dass jemand, der bereits einen 

Fluchtversuch unternommen gehabt habe, während der militärischen Aus-

bildung als (…) eingesetzt worden sei. Den Zeitpunkt seiner Desertion 

habe der Beschwerdeführer zudem unterschiedlich angegeben. Seine Mit-

nahme nach seinem angeblichen viermonatigen Aufenthalt zu Hause habe 

er nur oberflächlich geschildert. 

Den Zeitraum seiner Tätigkeit in L._______ habe er ebenfalls nicht genau 

angeben können. Auch habe er nicht anschaulich beschreiben können, wie 

er danach aufgegriffen worden sei. Ebenso habe er den Raum nicht detail-

liert beschreiben können, in dem er festgehalten worden sei, und habe sich 

zur Dauer seines Aufenthaltes widersprochen. Ausserdem habe er einmal 

angegeben, nach seiner Flucht sei er nach Äthiopien in die Wildnis gegan-

gen, an anderer Stelle habe er jedoch erklärt, er sei nach Hause gegangen 

und die Mutter sei dort, nachdem er von Soldaten aufgesucht worden sei, 

in Ohnmacht gefallen. 

Unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts in 

dessen Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 hielt das SEM weiter fest, 

der vom Beschwerdeführer geltend gemachten illegalen Ausreise aus Erit-

rea komme keine Relevanz im Sinne von Art. 3 AsylG zu. Anknüpfungs-

punkte, welche ihn in den Augen des eritreischen Regimes als missliebige 

Person erscheinen lassen würde, lägen keine vor. Er erfülle somit weder 

aufgrund von Vor- noch Nachfluchtgründen die Flüchtlingseigenschaft.  

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Seite 8 

Den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Eritrea erach-

tete das SEM als zulässig, zumutbar und möglich. In diesem Zusammen-

hang führte es insbesondere aus, ob ein tatsächliches Risiko einer drohen-

den Verletzung von Art. 4 EMRK bestehe, könne infolge der festgestellten 

Unglaubhaftigkeit der Vorfluchtgründe nicht beurteilt werden. In Eritrea 

herrsche keine Situation allgemeiner Gewalt und es lägen auch keine indi-

viduellen Gründe vor, die den Vollzug der Wegweisung des Beschwerde-

führers nach Eritrea als unzumutbar erscheinen liessen. 

4.3 In der Beschwerde vom 10. August 2018 wird demgegenüber geltend 

gemacht, die geschildeten Ereignisse seien aufgrund der vier Fluchtversu-

che zwar schwer überschaubar. Das SEM habe sich aber offensichtlich 

keinen vollständigen Einblick verschaffen können. So schreibe es akten-

widrig, der Beschwerdeführer habe erklärt, er habe die Grenze nach Äthi-

opien am 27. Oktober 2015 überschritten, was nicht zutreffe, da er stets als 

Ausreisezeitpunkt Oktober 2014 angegeben habe. 

Ebenfalls treffe nicht zu, dass er unterschiedliche Angaben dazu gemacht 

habe, wie er von seiner Dienstpflicht erfahren habe. Es sei nämlich durch 

das SEM einerseits gefragt worden, wie er während seiner Zeit an der 

Abendschule von der Dienstpflicht erfahren habe, und andererseits sei ge-

fragt worden, wie er nach seinem Gefängnisaufenthalt davon erfahren 

habe. Das SEM habe es zudem unterlassen, die über weite Strecken de-

taillierten, lebensnahen und ausführlichen Darlegungen zu Gunsten des 

Beschwerdeführers zu würdigen. Auch begründe es nicht, welche der Fest-

nahmen der Beschwerdeführer nicht detailreich geschildert haben solle. 

Unter Zitierung verschiedener Aktenstellen wird in der Beschwerde als-

dann eingewendet, die Rückübersetzung des Protokolls der Anhörung vom 

5. Juli 2017, welche angesichts der vielen Fragen netto bloss viereinhalb 

Stunden gedauert habe, sei nicht mit der nötigen Sorgfalt durchgeführt wor-

den. Ebenso lasse sich der Anhörung vom 3. Juli 2018, welche trotz ihres 

Umfangs bloss etwas über drei Stunden gedauert habe, entnehmen, dass 

der Sachverhaltserstellung nicht genügend Aufmerksamkeit entgegenge-

bracht worden sei. Schliesslich wird dem SEM vorgeworfen, die beiden An-

hörungen seien nicht durch dieselbe Person erfolgt. Dies erschwere die 

Erstellung des Sachverhalts. Durch Professor Kälin sei anlässlich dessen 

Gutachtens zu den problematischen Entscheiden des SEM zu Sri Lanka 

empfohlen worden, dass der Entscheid, wenn möglich, durch die anhö-

rende Person getroffen werden sollte. Das SEM habe auch keine Prüfung, 

ob der Beschwerdeführer aufgrund der von ihm dargelegten illegalen Aus-

reise in Kombination mit einer Profilschärfung die Flüchtlingseigenschaft 

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erfülle, vorgenommen, weshalb eine Rückweisung an das SEM zu erfolgen 

habe.  

In materiell-rechtlicher Hinsicht wird weiter geltend gemacht, die Haftzeit in 

J._______ habe der Beschwerdeführer sehr detailreich, authentisch und 

glaubhaft erzählt. Er habe zwar den genauen Zeitpunkt seiner militärischen 

Ausbildung nicht benennen können, dazu fehle ihm jedoch die Erinnerung. 

Betrachte man seine diesbezüglichen Schilderungen insgesamt, so sei der 

Ablauf klar und logisch und die Ungenauigkeiten würden sich auf wenige 

Wochen oder Monate beziehen. Es sei auch nachvollziehbar, dass er als 

Wächter eingesetzt worden sei, auch wenn er selber einmal Insasse ge-

wesen sei. Er habe damit rechnen müssen, dass er, sollte ein Häftling ent-

weichen, wieder dasselbe Schicksal erleiden würde. Hinsichtlich der Un-

stimmigkeiten die Haftzeit betreffend, habe das SEM selber nicht zur Klä-

rung dieser Frage beigetragen, wie auch die verwirrende Fragestellung so-

wie der Umstand zeige, dass der Beschwerdeführer spontan selber eine 

Korrektur vorgenommen habe. Die Ereignisse würden zudem mehr als vier 

Jahre zurückliegen und der Gesamtablauf sei in sich schlüssig. Die Fest-

nahme zu Hause im Zeitraum vom Januar 2014 befinde das SEM als de-

tailarm, was angesichts der freien Erzählungen des Beschwerdeführers 

anlässlich der Anhörung vom 5. Juli 2017 nicht zutreffe. Auch seien keine 

Nachfragen gestellt worden. Ausserdem habe er diese Festnahme in der 

ergänzenden Anhörung vom 3. Juli 2018 substantiiert und glaubhaft ge-

schildert.  

Was die zeitlichen Angaben zu seiner Tätigkeit in L._______ anbelange, 

erinnere sich der Beschwerdeführer nicht mehr genau. Insgesamt seien die 

Abläufe aber stimmig. Auch die danach erfolgte Verhaftung habe er an-

schaulich geschildert. Aktenwidrig sei auch, dass er davon gesprochen 

habe, er sei eine Woche in dem Raum in X._______ eingesperrt worden, 

habe er doch während der Anhörung stets von einem Tag gesprochen. Mit 

der Woche sei wohl die Woche seiner Inhaftierung in L._______ gemeint. 

Die Flucht aus dem Raum in X._______ beschreibe er zudem originell und 

konsistent.  

Der Beschwerdeführer könne sich aufgrund der traumatischen Ereignisse 

nicht mehr daran erinnern, ob er seine Mutter beim ersten oder zweiten 

Heimkommen ohnmächtig gesehen habe. Auch seien mit "zu Hause" sein 

früherer Wohnort, das Weideland und die Wildnis gemeint. 

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Seite 10 

Der Beschwerdeführer habe seinen Militärdienst nicht zu Ende geleistet, 

weshalb er hart bestraft würde. Selbst wenn ihm nicht Asyl gewährt werden 

sollte, so erfülle er aufgrund der illegalen Ausreise in Kombination mit einer 

Profilschärfung die Flüchtlingseigenschaft. Im Übrigen wird hinsichtlich der 

Frage nach der Zulässigkeit des Vollzuges der Wegweisung auf das 

Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts E-5022/2017 vom 10. Juli 

2018 hingewiesen, gegen welches beim Europäischen Gerichtshof für 

Menschenrechte (EGMR) Beschwerde erhoben worden sei. Ausserdem 

wurde geltend gemacht, aufgrund der erfolgten Integration des Beschwer-

deführers sei der Vollzug der Wegweisung bedenklich.  

4.4 Das SEM befand in seiner Vernehmlassung vom 29. August 2018, die 

Beschwerdeschrift enthalte keine neuen Tatsachen oder Beweismittel, die 

eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten. Im Übrigen ver-

wies es auf seine bisherigen Erwägungen.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).  

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-

scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar 

2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] mit weiteren Hinweisen).  

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Seite 11 

6.  

6.1 Der Beschwerdeführer gab – wie in der Beschwerde zu Recht einge-

wendet wird – stets den 27. Oktober 2014 (vgl. act. A7 S. 5, act. A19 S. 1, 

act. A16 S. 2, vgl. act. A33 S. 9, act. A35 S. 3) und nicht wie vom SEM in 

der Verfügung erwähnt, den 27. Oktober 2015 (vgl. act. A36 S. 2) als Aus-

reisedatum an. Bei der Nennung des 27. Oktober 2015 als Ausreisedatum 

in der angefochtenen Verfügung dürfte es sich allerdings um ein Versehen 

des SEM handeln, führte es doch offensichtlich bloss das Jahr nicht richtig 

auf. 

6.2 Was die Antworten des Beschwerdeführers zur Frage des SEM, wie er 

von der Dienstpflicht erfahren habe, anbelangt, lässt sich zunächst feststel-

len, dass er dazu im Rahmen der einlässlichen Anhörung frei erzählte, er 

habe die Abendschule begonnen, wo ihm gesagt worden sei, dass er dafür 

zu alt sei und er nach G._______ einrücken solle (vgl. act. A33 S. 8). Auf 

die Frage, ob er, während er zu Hause gewesen sei und die Schule besucht 

habe, je eine Aufforderung für den Militärdienst erhalten habe, antwortete 

er, damals habe man gesagt, alle, die volljährig seien, müssten nach 

G._______ einrücken. Manche seien von der (…) Klasse nach G._______ 

gebracht worden, weil sie volljährig gewesen seien (vgl. act. A33 S. 11). 

Diese Angabe wiederholte er auf die Frage, ob er damals, während der 

Schule, eine schriftliche Aufforderung erhalten habe, wobei er zugleich ver-

neinte, eine schriftliche Aufforderung bekommen zu haben (vgl. act. A33 

S. 11). Der Beschwerdeführer wurde durch das SEM während der einläss-

lichen Anhörung auch gefragt, ob er damals, als er in J._______ in Haft 

gewesen sei, eine Aufforderung zwecks Rekrutierung in den Militärdienst 

erhalten habe, wobei er hierauf antwortete, es habe eine Versammlung ge-

geben und dabei sei ihnen mitgeteilt worden, wie es weitergehe und dass 

sie in J._______ mit dem Militärtraining beginnen müssten (vgl. act. A33 

S. 11). 

Das SEM hatte demnach – wie in der Beschwerde dahingehend zu Recht 

ausgeführt wird – den Beschwerdeführer einerseits danach gefragt, wie er 

während seiner Zeit an der Abendschule von der Dienstpflicht erfahren 

habe. Andererseits wurde er gefragt, wie er im Rahmen seines Gefängnis-

aufenthalts davon erfahren habe. In der ergänzenden Anhörung bestätigte 

er zudem auf entsprechende Frage, dass er während seiner Zeit an der 

Abendschule darüber informiert worden sei, dass man sie nach G._______ 

bringen würde, wobei er auf Frage des SEM verneinte, dass es damals 

eine Versammlung gegeben habe (vgl. act. A35 S. 3 ff.). Der Vorwurf des 

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Seite 12 

SEM während der ergänzenden Anhörung sowie auch in dessen Erwägun-

gen, der Beschwerdeführer habe während der ersten Anhörung erklärt, es 

habe eine Versammlung gegeben (vgl. act. A35 S. 5, act. A36 S. 4) trifft 

somit nicht zu.  

6.3 Aus Sicht des SEM hat der Beschwerdeführer seine Festnahme nicht 

detailliert beschrieben. Er habe sich stets kurzgehalten, sich wiederholt und 

einzig den Grund der Festnahme genannt (vgl. act. A36 S. 4). Da der Be-

schwerdeführer jedoch von mehreren Festnahmen sprach (vgl. dazu vor-

stehende E. 4.1), wird – übereinstimmend mit dem diesbezüglichen Ein-

wand in der Beschwerde – aus den Erwägungen des SEM zunächst nicht 

ersichtlich, welche der Festnahmen der Beschwerdeführer nicht detailliert 

beschrieben haben soll. Wohl dürfte damit aber die Festnahme nach sei-

nem ersten Fluchtversuch in I._______, der zur anschliessenden einmo-

natigen Haft in J._______ führte, gemeint sein, wie sich aus der nachfol-

genden Formulierung des SEM, "nach dem Aufgriff seien Sie für einen Mo-

nat in J._______ in Haft gewesen", zeigt (vgl. act. A36 S. 4).  

In Zusammenhang mit diesem ersten Fluchtversucht erzählte der Be-

schwerdeführer in den Anhörungen: "Dann habe ich versucht, illegal das 

Land zu verlassen, wurde dabei erwischt. Im sechsten Monat 2013 wurde 

ich in Y._______ erwischt. Sie haben mir Handschellen angelegt. Sie 

brachten mich von dort nach J._______", sowie: "Während der Abend-

schule habe ich erfahren, dass wir nach G._______ gebracht werden. Des-

halb wollte ich über die Grenze fliehen und wurde gefasst. Das war im Juni 

2013. Dann brachten sie mich von Y._______ nach J._______ (vgl. act. 

A33 S. 8 und act. A35 S. 3). In der einlässlichen Anhörung wurden ihm zu 

den Umständen dieser ersten Festnahme keine weitergehenden Fragen 

gestellt. Hingegen wurde er während der ergänzenden Anhörung aufgefor-

dert, erwähnte Festnahme (vom Juni 213) genau zu beschreiben, wobei er 

angab: "Wir waren nachts unterwegs. In I._______ wurden wir plötzlich von 

Soldaten aufgegriffen." Auch führte er aus: "Wir liefen entlang eines Flus-

ses. Sie waren schon da, und sie kamen aus allen Richtungen auf uns zu. 

Sie richteten die Gewehre auf uns, damit wir nicht flüchteten. Sie gaben 

auch Schüsse ab, damit wir ja nicht versuchen, loszurennen. Dann führten 

sie uns von dort ab." Im Weiteren schilderte er: "Ich hatte furchtbare Angst, 

ich wusste nicht, ob ich diese Situation überleben würde. Es sind ja schon 

viele auf der Flucht getötet worden." Auf weiteres Nachfragen hin sagte er 

zudem aus: "Dann wurden uns Handschellen angelegt. Wir wurden abge-

führt. Wir stiegen in einen Bus ein. Da waren viele Frauen, die Mitleid und 

D-4572/2018 

Seite 13 

auch Tränen in den Augen hatten. Sie haben unsere Schuhe hinter unse-

rem Rücken mit den nach hinten verschränkten Armen gebunden (vgl. act. 

A35 S. 5)." 

Diese Ausführungen sind entgegen der Auffassung des SEM in seiner Ver-

fügung und wie in der Beschwerde zu Recht bemerkt durchaus als hinrei-

chend ausführlich und mit Realkennzeichnen versehen zu qualifizieren.  

6.4 Bereits im Rahmen der Personalienaufnahme wies der Beschwerde-

führer darauf hin, dass er in J._______ im Gefängnis gewesen sei (vgl. act. 

A7 S. 4). Während der einlässlichen Anhörung brachte er zudem vor: "Dort 

sass ich einen Monat in Haft" (vgl. act. A33 S. 8). Auf Nachfrage hin be-

schreibt er: "Ich war den ganzen Tag eingesperrt, durfte am Tag zweimal 

raus, um meine Notdurft verrichten zu können. Einmal morgens, einmal 

abends. Wir mussten alle zusammen in einen grossen Graben pinkeln, 

wurden dabei bewacht. Essen gab es zweimal am Tag, jeweils eine halbe 

Tasse Tee und trockenes Brot. Ich durfte mich nicht waschen, ich fühlte 

mich sehr schmutzig. Ich hatte überall Läuse, musste mich überall kratzen 

(vgl. act. A33 S. 9)." Die Frage danach, wie viele Personen in einer Zelle 

gewesen seien, beantwortete er mit: "Bis zu 80 Personen in einer Kammer 

(vgl. act. A33 S. 9)". Während der ergänzenden Anhörung zu seiner Haft-

zeit in J._______ befragt, führte er aus: "Der Ort war furchtbar. Wir haben 

gehungert, du, wir konnten uns dort überhaupt nicht waschen. In dem 

Raum waren über 90 Personen eingesperrt. Wir hatten gar keinen Platz, 

um uns hinzulegen oder so. In der Luft hingen sehr viele in einer Art ge-

bastelter Hängematten. Dann stank es auch wegen der Notdurft. Am Mor-

gen beim Toilettengang brachte man den Kübel hinaus. Wir sind alle ein-

zeln in Reih und Glied gelaufen. Dort, wo wir die Notdurft verrichten durften, 

waren bereits Soldaten, die uns umzingelten. Dann mussten wir in ein Loch 

unsere Notdurft verrichten und bekamen keine Zeit dafür. Das war einmal 

am Morgen und einmal am Abend (vgl. act. A35 S. 5)." Danach gefragt, ob 

es einen besonderen Vorfall gab, antwortete er: "Ich erinnere mich nicht 

gerne an die Zeit in J._______. Ich habe immer noch Albträume in der 

Nacht, ich habe diese furchtbare Zeit immer noch in meinem Kopf (vgl. act. 

A35 S. 6).  

Diese Ausführungen des Beschwerdeführers wirken authentisch, sind hin-

reichend detailliert und mit persönlichen Eindrücken versehen. Dem SEM 

kann daher – übereinstimmend mit dem Einwand in der Beschwerde – 

nicht gefolgt werden, wenn es in seiner Begründung lediglich festhält, er 

habe seine Haftzeit in J._______ nicht anschaulich beschreiben können 

D-4572/2018 

Seite 14 

respektive seine Schilderungen seien stereotyp und unpersönlich ausge-

fallen (vgl. act. A36 S. 4).  

6.5 Was die viermonatige militärische Ausbildung des Beschwerdeführers 

in J._______ anbelangt, lässt sich – entgegen der Ansicht des SEM – den 

Akten entnehmen, dass die entsprechenden Angaben zum genauen Zeit-

raum dieser Ausbildung als ausreichend konkret zu bezeichnen sind:  

So erklärte er während der einlässlichen Anhörung, er sei im Juni 2013 

beim Versuch auszureisen, erwischt und dann für einen Monat in 

J._______ in Haft genommen worden. Danach sei er entlassen worden 

und habe ein militärisches Training absolvieren müssen, welches vier Mo-

nate gedauert habe (vgl. act. A33 S. 8). Damit wäre das Training ungefähr 

im November 2013 beendet gewesen, was sich mit seiner weiteren An-

gabe: "Im Januar, noch bevor der Januar da war, wurde ich als Wachmann 

vor dem K._______-Gefängnis eingeteilt" (vgl. act. A33 S. 8), vereinbaren 

lässt. Im Verlauf der einlässlichen Anhörung gab er denn auch an, er sei im 

siebten Monat in Haft gesessen und bis zum elften Monat militärisch aus-

gebildet worden (vgl. act. A33 S. 10). Im Rahmen der ergänzenden Anhö-

rung schilderte er ebenfalls, er sei im Juni 2013 beim Versuch über die 

Grenze zu fliehen, gefasst worden und habe dann einen Monat in 

J._______ in Haft verbracht. Die militärische Ausbildung habe danach 

stattgefunden und vier Monate gedauert. Vor Januar (2014) sei er als 

Wachtmann im Gefängnis K._______ eingeteilt worden. Auch auf Nachfra-

gen der Hilfswerkvertretung (HWV) brachte er vor, er sei bis ungefähr im 

November 2013 in J._______ in militärischer Ausbildung gewesen, wobei 

er – die HWV korrigierend – präzisierte, er sei vor Januar 2014 – und damit 

nicht wie von der HWV zuvor erwähnt, anfangs 2014 – als (…) eingesetzt 

worden (vgl. act. A35 S. 11).  

6.6 Der Beschwerdeführer erklärte, er sei nach Ende des militärischen 

Trainings eine Woche als (…) in K._______ eingesetzt worden. Sie hätten 

sich immer abgewechselt. Wenn während seines Dienstes Insassen flie-

hen würden, würde er dazu zur Rechenschaft gezogen. Während seines 

Dienstes sei niemand geflohen. Aber bei einem Kameraden sei das pas-

siert, weshalb dieser dafür inhaftiert worden sei. Sie hätten die Häftlinge 

bewacht, damit diese nicht flüchteten (vgl. act. A33 S. 8, act. A35 S. 3 und 

S. 7). Angesichts dieser vom Beschwerdeführer geschilderten Konsequen-

zen erscheint – entgegen der Ansicht des SEM und übereinstimmend mit 

der Argumentation in der Beschwerde – nachvollziehbar, dass er trotz des 

Umstandes, dass er selber einmal im Gefängnisses gewesen war, nach 

D-4572/2018 

Seite 15 

seiner militärischen Grundausbildung in seiner Einheit als (…) eingeteilt 

wurde.  

6.7 Das SEM bemängelt auch, der Beschwerdeführer habe den konkreten 

Zeitpunkt seiner Flucht aus K._______ nicht angeben können. Dieser An-

sicht kann im Gesamtkontext nicht gefolgt werden, gab er doch im Rahmen 

der ergänzenden Anhörung an, er sei vor Januar 2014 in K._______ ein-

geteilt gewesen und zirka nach einer Woche von dort geflohen. Auch auf 

den vom SEM nicht weiter begründeten Einwand, die Angaben zu seiner 

Flucht aus K._______ könnten nicht aufgehen, wiederholte er, vor Ende 

Januar (2014) dort eingeteilt worden und nach einer Woche geflohen zu 

sein (vgl. act. A35 S. 16). Nachdem er erneut gefragt worden war, in wel-

chem konkreten Monat er geflüchtet sei, legte er zunächst zwar dar, er 

könne sich nicht mehr so genau erinnern. Es könne auch November (2013) 

gewesen sein, wiederholte aber, er sei vor Januar 2014 eingeteilt worden, 

und gab an, im Januar 2014 geflohen zu sein (vgl. act. A35 S. 7). Damit 

bestätigte er seine ursprünglichen Angaben zum Zeitpunkt seiner Flucht 

aus K._______. Auch wenn er diesbezüglich das genaue Datum nicht be-

zeichnen konnte, erscheint der Zeitpunkt seiner Flucht aus K._______ da-

mit genügend klar, zumal auch nachvollziehbar ist, dass sich der Be-

schwerdeführer fast drei Jahre nach Stellung seines Asylgesuches nicht 

mehr an alle Einzelheiten genau zu erinnern vermag.  

6.8 Im Übrigen lässt sich in Zusammenhang mit der Flucht aus K._______ 

feststellen, dass der Vorhalt des SEM, der Beschwerdeführer habe auch 

angegeben, er sei im März 2014 erneut zu Hause aufgegriffen worden, was 

nicht mit seinen Angaben, er sei vor Januar 2014 oder auch Ende Novem-

ber 2013 aus K._______ desertiert, übereinstimme (vgl. act. A36 S. 4), 

nicht zutrifft. Das SEM vermischt hier die vom Beschwerdeführer umschrie-

bene Flucht aus K._______ mit dem danach erfolgten Aufgriff bei sich zu 

Hause. Diese Mitnahme von zu Hause erfolgte gemäss seinen Angaben – 

wie das SEM später selber feststellte (vgl. act. A36 S. 4) – erst drei Monate 

nach seiner Flucht aus K._______. Wenn diese Flucht eine Woche nach 

seiner noch vor Januar 2014 erfolgten Einteilung und damit ungefähr an-

fangs Januar 2014 stattgefunden hat (vgl. E. 6.7) und er sich danach drei 

Monate zu Hause aufhielt, so kann es durchaus zutreffen, dass die Mit-

nahme von zu Hause im März 2014 erfolgte (vgl. act. A33 S. 8, act. A35 

S. 3 und S. 8). Genannter Vorhalt in den Erwägungen des SEM sowie im 

Übrigen auch andere Ausführungen in dessen Verfügung vermitteln den 

Eindruck, das SEM habe bei seinem Entscheid gewisse Aussagen nicht 

D-4572/2018 

Seite 16 

oder nur teilweise berücksichtigt oder aber einseitig zuungunsten des Be-

schwerdeführers gedeutet. So verhält es sich auch etwa in Bezug auf den 

weiteren pauschal erhobenen Vorwurf, er habe erwähnte Festnahme (vom 

März 2014) zu Hause nicht substantiiert geschildert (vgl. E. 6.9).  

6.9 Der Beschwerdeführer hat den Aufgriff zu Hause im März 2014 zwar 

relativ kurz, indes auf Nachfrage hin doch ausreichend substantiiert und 

reell geschildert, indem er darlegte, es sei in der Nacht gewesen, als die 

Soldaten kamen und an die Tür geklopft hätten. Seine Mutter habe geöff-

net. Sie hätten sie gefragt, wo ihr Sohn sei. Sie habe geantwortet, er sei 

nicht da. Daraufhin hätten sie gesagt, doch er sei hier gesehen worden, er 

sei da. Wenn er, der Beschwerdeführer, sich nicht gezeigt hätte, hätten sie 

seine Mutter mitgenommen. Sie seien reingekommen und hätten ihn mit-

genommen (vgl. act. A35 S. 8).  

6.10 Der allgemein gehaltene Vorhalt des SEM, der Beschwerdeführer 

habe auch nicht angeben können, von wann bis wann er in L._______ tätig 

gewesen sei, überzeugt nicht. So lässt sich – wie zuvor unter E. 6.8 darge-

legt – feststellen, dass der Beschwerdeführer nach seiner Flucht aus 

K._______ im März 2014 mitgenommen wurde. Er sei, so führte er dazu 

im Rahmen der einlässlichen Anhörung im Weiteren aus, danach nach 

L._______ gebracht worden, da seine Einheit dorthin versetzt worden war. 

Dort sei er bis zum zehnten Monat geblieben (vgl. act. A33 S. 8). Damit 

wäre er in etwa von März 2014 bis im Oktober 2014 in L._______ gewesen. 

Während der ergänzenden Anhörung bestätigte er denn auch, er sei nach 

der Mitnahme von zu Hause nach L._______ verlegt worden. Er erklärte 

aber an dieser Stelle auch, dass ihnen im November gesagt worden sei, 

sie müssten an einem Lenger-Kurs teilnehmen, weshalb er geflüchtet sei 

(vgl. act. A35 S. 3). Demzufolge wäre er zwar ungefähr von März 2014 bis 

im November 2014 und nicht bis im Oktober 2014 in L._______ gewesen. 

Diese Unstimmigkeit erscheint aber im Gesamtkontext nicht wesentlich 

und kann – wie schon erwähnt (vgl. E. 6.7) – durchaus auch darauf zurück-

geführt werden, dass die ergänzende Anhörung erst fast drei Jahre nach 

Asylgesuchstellung erfolgte. Hinzukommt, dass er im Verlauf derselben 

Anhörung auch angab, im Oktober 2014 von L._______ geflohen zu sein 

und auf Vorhalt hin erneut bestätigte, es sei Oktober 2014 gewesen (vgl. 

act. A35 S. 7 f.). Demzufolge wäre der Beschwerdeführer von März 2014 

bis Oktober 2014 in L._______ gewesen, womit der Zeitraum seiner Tätig-

keit in L._______ feststeht. Dem Einwand in der Beschwerde, die zeitlichen 

Angaben zur Tätigkeit in L._______ seien in sich stimmig, ist daher zuzu-

stimmen.  

D-4572/2018 

Seite 17 

6.11 Der Beschwerdeführer beschrieb seine Verhaftung nach seiner Flucht 

aus L._______ während der einlässlichen Anhörung wie folgt: "In der Nähe 

von M._______ in Z._______ wurde ich erwischt. Von dort brachten sie 

mich nach O._______. Dort war ich alleine in einem Raum eine Woche 

eingesperrt. Dabei wurden mir meine Schuhe weggenommen, damit ich 

nicht fliehe. Ich habe die Türe kaputtgehauen. Dann bin ich über eine 

Mauer gesprungen. Dabei habe ich mich an der Stirn verletzt. Ich habe 

eine Narbe davon und mein linkes Ohr wurde dabei verletzt und mein Knie. 

Sie haben meine Schuhe aufs Dach gelegt, damit ich nicht fliehe. Das war 

so gegen 2.30 Uhr nachmittags. Ich bin dann ohne Schuhe geflohen. Sie 

schossen auf mich. Ich bin dann gerannt und entkommen, habe mich von 

dort weiter entfernt und versteckte mich, bis es dunkel wurde (vgl. act. A33 

S. 8 f.)." Später betonte er, dass auf ihn geschossen worden sei, und er-

gänzte, seine Füsse seien wund gewesen (vgl. act. A33 S. 12). Im Rahmen 

der ergänzenden Anhörung brachte er im selben Zusammenhang vor, er 

sei von L._______ in der Nacht, als er dort habe Wache schieben müssen, 

geflohen. In der Umgebung von M._______, in der Gegend von Z._______ 

sei er gefasst worden und alleine in einen Raum gesperrt worden. Es sei 

14.30 Uhr nachmittags gewesen. Er habe die Türe aufbrechen können und 

sei barfuss geflüchtet, wobei auf ihn geschossen worden sei. Er sei hinge-

fallen und habe sich an der Stirn verletzt und am Gesicht geblutet. Er habe 

versucht, mit seiner Kleidung die Blutung zu stoppen. Auch an den Füssen 

habe er geblutet (vgl. act. A35 S. 4). Auf die Frage, wie er damals erwischt 

worden sei, wiederholte er, in der Gegend von M._______, in der Umge-

bung von Z._______ gefasst worden zu sein. Man habe ihn nach 

O._______ gebracht und er sei geschlagen und am Ohr verletzt worden. 

Er habe keine Möglichkeit gehabt zu fliehen. Auf die Frage hin, wie das 

gewesen sei, als er erwischt worden sei, gab er zudem an, er sei in 

O._______ in dem Raum geschlagen worden. Er habe gewusst, was ihn, 

sollte er wieder ins Gefängnis kommen, dort erwarten würde. Er habe alles 

versuchen wollen, um von dort wegzukommen. Man habe versucht, ihn zu 

Fall zu bringen, und es sei auf ihn geschossen worden. Er habe das Ganze 

nur knapp überlebt (vgl. act. A35 S. 8 f.). Erneut nach dieser Festnahme 

gefragt, schilderte er zudem, vom Morgen bis am Nachmittag in einen 

Raum eingesperrt worden zu sein, tagsüber um 14.30 Uhr sei er ausge-

brochen. Sie hätten das bemerkt, auf ihn geschossen, ihn verfolgt und ver-

sucht, ihn durch einen Schuss zu Fall zu bringen. Er sei gestürzt, habe sich 

an der Stirn verletzt, geblutet und habe sich in der Wildnis versteckt, wo er 

auf keine Hilfe habe hoffen können (vgl. act. A35 S. 9).  

D-4572/2018 

Seite 18 

Die Flucht aus diesem Raum in O._______ schilderte er demzufolge aus-

führlich, mit Details versehen und auch mittels Umschreibungen seiner Ge-

fühle. Es trifft zwar zu, dass er diesen Vorfall in zeitlicher Hinsicht nicht 

kongruent schilderte, indem er während der einlässlichen Anhörung eine 

Woche als Inhaftierungsdauer in O._______ angab, demgegenüber an der 

ergänzenden Anhörung bloss von einem Tag sprach. Wie in der Be-

schwerde zu Recht eingewendet wird, ist allerdings der Vorhalt in der er-

gänzenden Anhörung, er habe "zuvor" erklärt, er sei eine Woche einge-

sperrt gewesen. Diese Angabe hatte der Beschwerdeführer zunächst bloss 

mit Bezug auf seine Bestrafung in L._______ vorgebracht (vgl. act. A35 

S. 3) und im Verlauf der ergänzenden Anhörung denn auch betont, er sei 

in dem Raum in O._______ bloss einen Tag eingesperrt gewesen (vgl. act. 

A35 S. 11). Wiederum ist in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, 

dass die einlässliche Anhörung rund zwei und die ergänzende Anhörung 

fast drei Jahre nach der Asylgesuchstellung erfolgten. 

6.12 Als Zwischenfazit lässt sich demzufolge feststellen, dass infolge wei-

testgehend kongruenter und mit Details versehenen Aussagen, die vom 

Beschwerdeführer geschilderte Festnahme im Jahr 2013 in Y._______, die 

darauffolgende einmonatige Inhaftierung in J._______ und die anschlies-

sende viermonatige militärische Ausbildung sowie auch die darauffolgende 

Einberufung nach K._______ als glaubhaft zu erachten sind. Aufgrund 

ebenso überwiegend übereinstimmender, hinreichend konkreter und mit 

Realkennzeichen versehenen Beschreibungen erscheinen aber auch die 

Flucht des Beschwerdeführers aus K._______, die später erfolgte Fest-

nahme zu Hause, die Überstellung zurück zu der zwischenzeitlich in 

L._______ stationierten Einheit des Beschwerdeführers, die Flucht aus 

dieser Einheit, die anschliessende Einsperrung und die erneute Flucht als 

glaubhaft gemacht. 

6.13 Der Beschwerdeführer gab während der einlässlichen Anhörung an, 

er sei nach seiner Flucht aus dem Militär ausgereist, zuvor aber noch in 

seinen Heimatort zurückgekehrt. Seine Mutter sei nach seiner Rückkehr in 

Ohnmacht gefallen (vgl. act. A33 S. 3, S. 9 und S. 12). Im Rahmen der er-

gänzenden Anhörung stellte er dieses Ereignis indes zunächst so dar, dass 

er nach seiner Flucht aus dem Militär respektive nach der Inhaftierung in 

O._______ (vgl. E. 6.11) an sich nicht mehr nach Hause gegangen wäre 

(vgl. act. A35 S. 3 f.). Er gab aber auch an, er habe sich in der Nähe von 

zu Hause in der Wildnis versteckt und sei zu den Weideplätzen der Familie 

gegangen, wo er seine Geschwister getroffen habe. Auch wandte er ein, 

D-4572/2018 

Seite 19 

das erste – und damit nicht das zweite – Mal als er desertiert sei, sei seine 

Mutter in Ohnmacht gefallen (vgl. act. A35 S. 10).  

Ob sich der Beschwerdeführer nach seiner Desertion respektive seinem 

Ausbruch aus dem Raum in O._______ erneut nach Hause zu seiner Mut-

ter oder – wie in der Beschwerde erneut geltend gemacht – bloss in die 

Nähe seines Zuhauses begab, sei ebenso dahingestellt, wie sein zusätzli-

ches Vorbringen, seine Mutter sei wegen seiner Ausreise mitgenommen, 

zwischenzeitlich aber wieder freigelassen worden. Denn abgesehen von 

dieser Ungereimtheit überwiegen – entgegen der Ansicht des SEM – bei 

einer Gesamtbetrachtung sämtlicher Vorbringen, die Gründe, die für die 

Richtigkeit seiner Sachverhaltsdarstellungen sprechen.  

Diese Schlussfolgerung wird zusätzlich durch nachfolgenden Umstand be-

stätigt: In den vorinstanzlichen Akten befindet sich eine mit "Triage natio-

nales Verfahren" bezeichnete Notiz vom 8. Oktober 2015, in welcher die 

Asylvorbringen des Beschwerdeführers zusammenfassend dargelegt wer-

den. Am Schluss dieser Zusammenfassung ist vermerkt: "Dauer EB/Anhö-

rung: 1 Tag". Dieses Dokument, welches als Akte A15 nummeriert und im 

Aktenverzeichnis aufgeführt ist, wurde demnach am gleichen Tag erstellt, 

an dem ein beratendes Vorgespräch mit dem Beschwerdeführer zur Klä-

rung der Frage danach stattfand, ob ein Dublin-Verfahren oder ein natio-

nales Verfahren durchgeführt werde (vgl. act. A16 S. 1), und es enthält An-

gaben, die der Beschwerdeführer gegenüber dem SEM bereits vorgängig 

zur Begründung seines Asylgesuches gemacht hatte. Ungeachtet dessen, 

dass das SEM diese Akte – im Gegensatz zum beratenden Vorgespräch – 

als intern und zugleich als nicht zum Gebrauch für den Asylentscheid be-

zeichnete, geht aus der darin enthaltene Zusammenfassung der Vorbrin-

gen des Beschwerdeführers hervor, dass sich seine Angaben weitgehend 

mit seinen späteren Vorbringen in der einlässlichen und in der ergänzen-

den Anhörung decken und zugleich weitere Sachverhaltselemente enthält, 

die den Eindruck der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdefüh-

rers bekräftigen. 

6.14 Bei einer Gesamtbeurteilung aller massgeblichen Aspekte überwie-

gen die für die Richtigkeit der Asylvorbringen des Beschwerdeführers spre-

chenden Elemente gegenüber den Unglaubhaftigkeitsindizien. Dem Be-

schwerdeführer ist es demnach gelungen, den zur Begründung seines 

Asylgesuches vorgetragenen Sachverhalt in den wesentlichen Punkten 

glaubhaft zu machen.  

D-4572/2018 

Seite 20 

7.  

7.1 Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG 

setzt voraus, dass die asylsuchende Person ernsthafte Nachteile von be-

stimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise solche im Fall einer Rück-

kehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in abseh-

barer Zukunft befürchten muss. Die Nachteile müssen gezielt und aufgrund 

bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden sein. Die be-

troffene Person muss zudem einer landesweiten Verfolgung ausgesetzt 

sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die 

Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine Verfolgung oder eine begründete 

Furcht vor einer solchen bestand. Die Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt 

des Asylentscheids noch aktuell sein. Veränderungen der objektiven Situ-

ation im Heimatstaat zwischen dem Ausreisezeitpunkt und dem Zeitpunkt 

des Asylentscheids sind deshalb zugunsten und zulasten der Asylsuchen-

den zu berücksichtigen (vgl. dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2 und 

2008/12 E. 5 je m.w.H.).  

7.2 Wehrdienstverweigerung oder Desertion vermögen für sich allein die 

Flüchtlingseigenschaft nicht zu begründen, sondern nur dann, wenn damit 

eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist, mit ande-

ren Worten wenn die betroffene Person aus den in dieser Norm genannten 

Gründen (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten 

sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienst-

verweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen hat, die 

ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. Im spezi-

fisch eritreischen Kontext können Wehrdienstverweigerung oder Desertion 

– unter bestimmten Umständen – zur Anerkennung der Flüchtlingseigen-

schaft führen (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/3 E. 5.9). 

7.3 Dienstverweigerung und Desertion werden in Eritrea als Ausdruck ei-

ner Regimegegnerschaft qualifiziert und aus politischen Motiven unverhält-

nismässig streng bestraft, was im Ergebnis einer asylrelevanten Verfol-

gung gleichkommt (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri-

schen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 3 sowie die Zusammen-

fassung der Praxis in BVGE 2015/3 E. 5.7.1, vgl. zuletzt etwa die Urteile 

E-6507/2016 vom 24. Juni 2019 E. 6.3, E-7275/2019 vom 16. Mai 2019 

E. 7.4). Die Furcht vor einer Bestrafung wegen Dienstverweigerung oder 

Desertion ist dann begründet, wenn die betroffene Person in einem kon-

kreten Kontakt zu den Militärbehörden beziehungsweise mit den zur Durch-

setzung der Dienstpflicht betrauten Organen des eritreischen Staats stand. 

Dies ist ohne weiteres anzunehmen, wenn die betroffene Person im aktiven 

D-4572/2018 

Seite 21 

Dienst stand und desertierte oder wenn sie einen Marschbefehl erhalten 

hat, dem sie keine Folge leistete. Daneben kann aber auch ein informeller 

Kontakt mit den Behörden die Furcht vor ernsthaften Nachteilen begrün-

den, sofern aus diesem ersichtlich wird, dass die betroffene Person rekru-

tiert werden sollte und sie sich dieser Rekrutierung entzogen hat (vgl.  

EMARK 2006 Nr. 3 E. 4.10). 

7.4 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Vorbringen 

des Beschwerdeführers bezüglich seiner Fluchtgründe entgegen der von 

der Vorinstanz vertretenen Auffassung trotz gewisser Zweifel an einzelnen 

Angaben insgesamt als überwiegend glaubhaft zu beurteilen sind. Es ist 

somit erstellt, dass der Beschwerdeführer aus dem eritreischen National-

dienst desertiert und ins Ausland geflohen ist. Da er sich der ihm obliegen-

den Dienstpflicht durch Flucht entzog, müsste er im Fall einer Rückkehr in 

sein Heimatland befürchten, festgenommen und übermässig hart bestraft 

zu werden. Es ist ihm daher für den Fall einer Rückkehr nach Eritrea zum 

heutigen Zeitpunkt eine objektiv nachvollziehbare subjektiv begründete 

Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG zu attestieren. 

Da die zu befürchtende Bestrafung durch staatliche Behörden erfolgen 

würde, steht dem Beschwerdeführer keine zumutbare innerstaatliche 

Schutzalternative zur Verfügung (vgl. dazu BVGE 2011/51 E. 8). Die Vo-

raussetzungen zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 

und Art. 7 AsylG sind somit erfüllt. Aus den Akten ergeben sich zudem 

keine konkreten Hinweise auf das Vorliegen von Asylausschlussgründen 

(vgl. Art. 49 AsylG). Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die ange-

fochtene Verfügung aufzuheben, der Beschwerdeführer als Flüchtling an-

zuerkennen und das SEM anzuweisen, ihm Asyl zu gewähren. 

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts des Ausgangs des 

Verfahrens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Regle-

ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor 

dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädi-

gung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-

chen. In der Kostennote vom 9. August 2018 wurde ein zeitlicher Aufwand 

von 6 Stunden geltend gemacht, was angemessen erscheint. Gleiches gilt 

für die aufgeführten Auslagen von Fr. 70.–. Der geltend gemachte Stun-

denansatz bewegt sich zudem im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE. Dem 

D-4572/2018 

Seite 22 

Beschwerdeführer ist daher zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädi-

gung von insgesamt Fr. 1270.– zuzusprechen.  

8.3 Dem Beschwerdeführer wurde mit Verfügung vom 22. August 2018 die 

unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von aArt. 110a Abs. 1 

Bst. a AsylG gewährt. Die öffentlichrechtliche Entschädigung der Rechts-

beiständin kommt jedoch bei einer zugesprochenen Prozessentschädi-

gung lediglich subsidiär zum Tragen. Es ist deshalb kein amtliches Honorar 

zuzusprechen.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-4572/2018 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen.  

2.  

Die Verfügung vom 9. Juli 2018 wird aufgehoben, der Beschwerdeführer 

als Flüchtling anerkannt und das SEM angewiesen, ihm Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1270.– 

auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Walter Lang Claudia Jorns Morgenegg 

 

 

Versand: