# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 71e2fcb5-8674-5253-99bc-5b50ac6d2ef2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-08-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.08.2025 D-5135/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5135-2024_2025-08-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5135/2024 

law/bah 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  A u g u s t  2 0 2 5  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richter William Waeber, Richter Simon Thurnheer, 

Gerichtsschreiber Christoph Basler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und ihre Tochter 

B._______, geboren am (…), 

Türkei, 

vertreten durch dott. giur. Patrizia Testori, 

CARITAS Schweiz, 

(…), 

Beschwerdeführerinnen, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 15. Juli 2024 / N (…). 

 

 

 

D-5135/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a A._______ (nachfolgend: die Beschwerdeführerin), eine Kurdin mit 

letztem Aufenthalt in C._______, verliess die Türkei eigenen Angaben ge-

mäss am 8. März 2024 und gelangte am 2. April 2024 in die Schweiz, wo 

sie für sich und ihre minderjährige Tochter im Bundesasylzentrum (BAZ) 

Region D._______ gleichentags um Asyl nachsuchte. Am 8. April 2024 be-

vollmächtigte sie die ihr zugewiesene Rechtsvertretung. 

A.b Am 10. April 2024 nahm das SEM die Personalien der Beschwerde-

führerin und ihrer Tochter auf (ZEMIS-Direkterfassung). 

A.c Am 22. April 2024 befragte das SEM die Beschwerdeführerin in Anwe-

senheit der ihr zugewiesenen Rechtsvertretung gemäss Art. 26 Abs. 3 

AsylG (SR 142.31). 

Hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Verfassung sagte sie, dass sie und ihre 

Tochter psychisch belastet seien und seit etwa einem Jahr stottern würden. 

Nachdem sie in der Türkei im Jahr 2015 die Messerattacke erlitten habe, 

sei sie in E._______ zwei oder drei Monate in einer psychiatrischen Klinik 

gewesen. Dort habe sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert, weshalb 

sie die Klinik verlassen und sich medikamentös habe versorgen lassen. 

Zu ihren Aufenthaltsorten gab sie an, sie habe ab dem (…) Lebensjahr an 

verschiedenen Orten in der Türkei gelebt (C._______, F._______, 

G._______, H._______, I._______, C._______), sei aber während dreiein-

halb Jahren in J._______ registriert gewesen. In den letzten drei Jahren 

habe sie bei einer staatlichen Institution für die Verhütung von Gewalt an 

Frauen gelebt, von der man an unterschiedliche Orte geschickt werde, an 

denen man maximal drei Monate bleiben könne. In den Frauenhäusern 

werde man täglich aufgefordert, so schnell wie möglich auszuziehen und 

auf eigenen Beinen zu stehen. Ihre Tochter habe nicht zur Schule gehen 

können, wenn sie in einem Frauenhaus gewohnt hätten, und wenn sie wie-

der bedroht worden sei, seien sie in ein anderes Frauenhaus gezogen. Zu-

letzt habe sie mit ihrer Tochter sechs bis sieben Monate lang in einer eige-

nen Wohnung in C._______ gelebt. Damit ihre Tochter zur Schule habe 

gehen können, habe sie sich mehrmals eine Wohnung eingerichtet. In 

C._______ habe sie ihre Tochter für die Schule angemeldet. Wegen dem 

Geheimhaltungsbeschluss sei ihr Name in der Schule nicht genannt wor-

den. 

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Seite 3 

Zu den Gründen für ihre Ausreise aus der Türkei schilderte die Beschwer-

deführerin, ihr Ex-Ehemann sei zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden, 

weil er sie mit einem Messer angegriffen habe. Als er vom geschlossenen 

Gefängnis in ein offenes gekommen sei, habe er sie angerufen. Er habe 

ihr gesagt, er bereue es, 27 Monate für nichts im Gefängnis gewesen zu 

sein, weil es ihm nicht gelungen sei, sie zu töten. Zudem habe er gesagt, 

er werde bezüglich der Tochter einen DNA-Test machen lassen, wenn er 

aus dem Gefängnis entlassen werde. Er bezweifle, dass sie seine Tochter 

sei, und werde sie zusammen mit ihr umbringen. Weil sie (die Beschwer-

deführerin) kurdische Wurzeln habe, werde so etwas ein Ende im Blut oder 

mit dem Tod nehmen. Nach dem Messerangriff ihres Ex-Ehemannes sei 

sie – ohne es zu wissen – geschieden worden. Erst 2017 habe sie diesbe-

züglich Unterlagen erhalten. Sie wisse nicht, wo sich ihr Ex-Ehemann, mit 

dem sie auch verwandt sei, zurzeit befinde. Sie habe von ihrer Cousine 

eine Nachricht ihres Ex-Ehemannes erhalten. Die Cousine habe ihr gera-

ten, sich und ihre Tochter zu schützen. Nachdem sie diese Nachricht erhal-

ten habe, habe sie sich zur Ausreise entschlossen. 

Im Rahmen der Anhörung gab die Beschwerdeführerin mehrere Beweis-

mittel ab (Kopien von Fotos der beiden Reisepässe, forensischer Bericht 

einer Intensivstation vom 10. September 2015, Entscheidung des Beru-

fungsgerichts K._______ betreffend Sorgerecht vom (…) 2016, Spitalbe-

richt, Erlass eines Geheimhaltungsbeschlusses des (…) Familiengerichts 

von J._______ vom (…) 2024, zwei weitere Geheimhaltungsbeschlüsse 

desselben Gerichts vom (…) 2022 und (…) 2021, Beleg für Bedrohungen 

durch den Ex-Ehemann, Protokoll einer Anhörung aufgrund einer Anzeige 

gegen den Ex-Ehemann der Oberstaatsanwaltschaft L._______ vom (…) 

2017, Adresse eines Frauenhauses, Strafregisterauszug, Auszug aus e-

Devlet betreffend Anzeigen, Chat-Nachrichten mit Warnungen vor dem Ex-

Ehemann, Fotos bezüglich Gewaltanwendung). 

A.d Mit Eingabe vom 31. Mai 2024 reichte die Rechtsvertretung der Be-

schwerdeführerinnen beim SEM einen ärztlichen Bericht von Dr. med. 

M._______ vom 30. Mai 2024 ein. 

A.e Das SEM hörte die Beschwerdeführerin am 10. Juni 2024 in Anwesen-

heit ihrer Rechtsvertretung gemäss Art. 29 AsylG zu ihren Asylgründen an. 

Sie machte im Wesentlichen geltend, dass ihre Familie sie sieben Jahre 

nach ihrer Scheidung mit jemandem habe verheiraten wollen, der viel älter 

als sie sei. Die Familie habe alles hinter ihrem Rücken arrangiert. Sie habe 

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sich gegen ihre Familie gestellt, denn sie habe nicht heiraten wollen, weil 

sie traumatisiert und der Mann viel älter als sie sei. Nachdem sie von ihren 

Onkeln geschlagen worden sei, sei die Polizei gekommen, die vom Sicher-

heitsdienst der Wohnanlage gerufen worden sei. Sie habe das Haus ihres 

Vaters zusammen mit ihrer Tochter verlassen und es seither nicht mehr 

betreten. 

Weiter führte sie aus, dass ihr Ex-Ehemann ins Spital gekommen sei, nach-

dem er sie verletzt habe. Er habe behauptet, ein Dieb sei ins Haus einge-

brochen und habe bei ihr im Spital gewartet. Die Polizei sei zu ihnen nach 

Hause gegangen und habe festgestellt, dass kein Dieb dort gewesen sei. 

Bei einem Schichtwechsel der Krankenschwestern sei er in die Intensiv-

station hereingekommen. Er habe versucht, den Stecker der «Maschine» 

herauszuziehen (sie sei bewusstlos gewesen und habe dies von der Poli-

zei erfahren). Die Polizei habe es gesehen und ihn mitgenommen. Ihr jün-

gerer Bruder habe dies beobachtet und realisiert, dass ihr Ex-Ehemann sie 

verletzt habe, worauf er diesen angegriffen habe. Ihr Ex-Ehemann sei zu 

12 oder 13 Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden. Sein Bruder sei Arzt 

und habe einen Bericht verfasst, gemäss dem er psychisch aus dem 

Gleichgewicht gewesen sei. Er habe nur fünf Jahre von der Strafe absitzen 

müssen. Sobald er in das offene Gefängnis verlegt worden sei, habe er sie 

bedroht. Ende 2020 oder Anfang 2021 sei er freigelassen worden. Sie 

habe wegen der Drohungen Geheimhaltungsbeschlüsse beantragt. Sie 

habe seine Drohungen schlussendlich nicht mehr länger ertragen können. 

Sie habe ständig Todesangst gehabt. Die Polizei habe nichts tun können 

und sie habe keine Familie, die sie hätte beschützen können. 

Einmal sei sie nach L._______ gegangen, weil ihre Mutter einen Herzin-

farkt erlitten habe. Ihr Ex-Ehemann habe ihr auf der Strasse vor den Augen 

ihrer Tochter die Nase gebrochen. Sie sei mit ihr unmittelbar nach 

C._______ gegangen. Eineinhalb Monate später habe sie von ihrem Ex-

Ehemann die Nachricht erhalten, die sie zur Ausreise bewegt habe. Auf 

Nachfrage sagte die Beschwerdeführerin, er habe ihr die Nase insgesamt 

dreimal gebrochen. Einmal, bevor er sie mit dem Messer verletzt habe, und 

ein weiteres Mal, als er in einem Hafturlaub gewesen sei. Sie habe ihre 

möblierte Wohnung in C._______ noch nicht aufgegeben gehabt. Ihr Ex-

Ehemann habe die Wohnung gefunden und alle Fensterscheiben kaputt-

geschlagen. Der Vermieter habe sie angerufen und ihr mitgeteilt, dass er 

ihre wenigen eigenen Sachen in den Müll geschmissen habe. Von ihrer 

Nachbarin habe sie erfahren, dass ihr Ex-Ehemann einige Tage vor der 

Türe gewartet habe, um zu sehen, ob sie zurückkommen würden oder 

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nicht. Ihre Tochter sei sehr betroffen gewesen von der Gewalt, die ihr Ex-

Ehemann in L._______ ausgeübt habe. Sie habe auch gesehen, wie sie 

von ihren Onkeln geschlagen worden sei. Weil sie sich ständig in Frauen-

häusern aufgehalten hätten, habe sie mehrmals die Schule wechseln müs-

sen. 

Gefragt, was sie bei einer Rückkehr in die Türkei befürchte, antwortete die 

Beschwerdeführerin, sie habe Angst zu sterben. Sie möchte, dass ihre 

Tochter in der Schweiz zur Schule gehen und sich ein eigenes Leben auf-

bauen könne. In der Türkei sei es ihr psychisch nicht gut gegangen. Derje-

nige, der ihre Vaterfigur sein sollte, habe gesagt, sie sei nicht von ihm und 

habe einen DNA-Test verlangt. Als er sie mit dem Messer angegriffen habe, 

sei er auch auf ihre Tochter losgegangen. Sie habe sich auf ihre Tochter 

geworfen, sonst hätte er sie erstochen. Nach der ersten Anhörung habe 

ihre Tochter sie gefragt, ob sie bei einer Rückkehr in die Türkei sterben 

müssten. Sie beschäftige sich immer mit dem Tod und den Drohungen. Sie 

habe ihren Vater zum ersten Mal gesehen, als er ihr in L._______ die Nase 

gebrochen habe. 

A.f Am 14. Juni 2024 teilte das SEM den Beschwerdeführerinnen mit, die 

Asylgesuche bedürften weiterer Abklärungen. Sie würden gemäss Art. 26d 

AsyIG fortan im erweiterten Verfahren behandelt. Mit Verfügung vom 

18. Juni 2024 wies es die Beschwerdeführerinnen für den weiteren Aufent-

halt während des Asylverfahrens dem Kanton N._______ zu. 

A.g Die zugewiesene Rechtsvertretung teilte dem SEM am 27. Juni 2024 

mit, dass sie ihr Mandat per sofort niedergelegt habe. 

A.h Mit Eingabe vom 3.Juli 2024 setzte CARITAS Schweiz das SEM von 

der Mandatsübernahme in Kenntnis und erkundigte sich, welche Abklärun-

gen im Gang beziehungsweise geplant seien. Das SEM wurde ersucht, 

nach Abschluss des Untersuchungsverfahrens und vor der Entscheideröff-

nung Einsicht in alle verfahrensrelevanten Akten zu gewähren. 

B.  

Mit Verfügung vom 15. Juli 2024 – eröffnet am 18. Juli 2024 – stellte das 

SEM fest, die Beschwerdeführerinnen würden die Flüchtlingseigenschaft 

nicht erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche ab, verfügte die Wegweisung aus 

der Schweiz und stellte fest, sie seien verpflichtet, das Staatsgebiet der 

Schweiz und den Schengen-Raum bis nach Eintritt der Rechtskraft der Ver-

fügung zu verlassen. Dies zur Rückreise in ihren Heimat- beziehungsweise 

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Herkunftsstaat oder zur Weiterreise in ein Land, das sich ausserhalb des 

Schengen-Raums befinde und in dem sie aufgenommen würden. Wenn sie 

ihrer Verpflichtung nicht innert Frist nachkämen, könne die Wegweisung 

unter Zwang vollzogen werden. Es beauftragte den Kanton N._______ mit 

dem Vollzug der Wegweisung und ordnete die Aushändigung der editions-

pflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Beschwerdeführerinnen 

an. 

C.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 19. August 2024 liess die Be-

schwerdeführerin für sich und ihre Tochter gegen diese Verfügung beim 

Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben. In dieser wurde bean-

tragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, es sei die Flüchtlings-

eigenschaft der Beschwerdeführerinnen festzustellen und es sei ihnen Asyl 

zu gewähren. Eventualiter seien die Unzulässigkeit und die Unzumutbar-

keit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und ihnen sei als Folge davon 

die vorläufige Aufnahme zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht 

wurde beantragt, es sei ihnen die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren 

und die Unterzeichnete sei als amtliche Rechtsbeiständin beizuordnen. 

Der Beschwerde lagen eine Visitenkarte der behandelnden Psychologin, 

Msc O._______, ein fremdsprachiges Schreiben der türkischen Rechtsan-

wältin P._______ vom 13. August 2024 und eine Bestätigung Sozialhilfe-

bezug vom 19. August 2024 bei. 

D.  

Der Instruktionsrichter hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung und amtliche Verbeiständung mit Zwischenverfü-

gung vom 27. August 2024 gut, und ordnete den Beschwerdeführerinnen 

MLaw Valentina Berisha als amtliche Rechtsbeiständin bei. Den in der Be-

gründung der Beschwerde enthaltenen Antrag, die Rechtsvertretung sei 

vor Abschluss des Verfahrens zur Einreichung einer aktuellen Honorarnote 

aufzufordern (vgl. a.a.O. Ziff. 8.4), wies er ab. Er forderte die Beschwerde-

führerin auf, bis zum 27. September 2024 einen psychologischen Bericht 

sowie eine Erklärung über die Entbindung von der ärztlichen beziehungs-

weise beruflichen Schweigepflicht gegenüber den Asylbehörden einzu-

reichen, verbunden mit dem Hinweis, dass das Verfahren bei ungenutzter 

Frist aufgrund der bisherigen Aktenlage fortgesetzt werde. 

E.  

Mit Eingabe vom 27. September 2024 reichte die Rechtsbeiständin einen 

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psychologischen Bericht von Msc O._______ vom 22. September 2024, 

eine Erklärung betreffend Entbindung von der ärztlichen beziehungsweise 

beruflichen Schweigepflicht vom 4. September 2024 und eine Bestätigung 

vom 17. Juli 2024, dass die Tochter der Beschwerdeführerin auf einer War-

teliste der (…), Kinder- und Jugendpsychiatrie N._______ stehe, ein. 

F.  

Mit Instruktionsverfügung vom 3. Oktober 2024 gewährte der Instruktions-

richter dem SEM die Gelegenheit, bis zum 18. Oktober 2024 eine Ver-

nehmlassung zur Beschwerde einzureichen. 

G.  

Das SEM äusserte sich in seiner Vernehmlassung vom 14. Oktober 2024 

zur Beschwerde und hielt an seinem Standpunkt fest. 

H.  

Der Instruktionsrichter gab der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 

15. Oktober 2024 die Gelegenheit, bis zum 30. Oktober 2024 eine Replik 

einzureichen. 

I.  

Die Rechtsbeiständin reichte in der Folge am 30. Oktober 2024 ihre Replik 

zur Vernehmlassung des SEM ein. 

J.  

Mit Eingabe vom 22. Januar 2025 teilte dott. giur. Patrizia Testori mit, MLaw 

Valentina Berisha habe ihre Arbeit bei CARITAS Schweiz per Ende Dezem-

ber 2024 beendet, und es sei ihr nicht möglich, das Mandatsverhältnis fort-

zuführen, weshalb sie um ihre Einsetzung als amtliche Rechtsbeiständin 

ersuche. 

K.  

Der Instruktionsrichter entliess MLaw Valentina Berisha mit Verfügung vom 

23. Januar 2025 aus ihrem amtlichen Mandat und ordnete den Beschwer-

deführerinnen in der Person von dott. giur. Patrizia Testori eine neue amt-

liche Rechtsbeiständin bei. 

 

 

 

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Seite 8 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2 

AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Die 

Beschwerdeführerin hat mit ihrer Tochter am Verfahren vor der Vorinstanz 

teilgenommen, sie sind durch die angefochtene Verfügung besonders be-

rührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung bezie-

hungsweise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde le-

gitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art.49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Grün-

den ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

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Seite 9 

4.  

4.1 Das SEM führt zur Begründung seines Entscheides aus, aufgrund der 

Aussagen der Beschwerdeführerin und den eingereichten Unterlagen sei 

belegt, dass der türkische Staat vorliegend durchaus schutzfähig und -wil-

lig gewesen sei. Daran ändere ihre Aussage über die Strafminderung für 

ihren Ex-Ehemann aufgrund des Arztzeugnisses seines Bruders nichts. Er 

sei mehrere Jahre inhaftiert gewesen und sie sei mittels Geheimhaltungs-

beschlüssen durch die Behörden geschützt worden. Eine weitere Inan-

spruchnahme der türkischen Behörden erscheine nicht unzumutbar, auch 

wenn bei ihr diesbezüglich eine Ermüdung eingetreten sei. Der aktuellste 

Geheimhaltungsbeschluss datiere vom Februar 2024 und sei für sechs 

Monate gültig gewesen. Polizei- und Justizorgane könnten nur arbeiten, 

wenn sie informiert würden. Es liege an der Beschwerdeführerin, ihren Ex-

Ehemann bei Drohungen und allfälligen Gewaltakten anzuzeigen, damit 

die türkischen Behörden sie weiterhin schützen könnten. Dies gelte auch 

für den letzten Angriff in L._______ und das Einschlagen der Fenster ihrer 

Wohnung nach der Ausreise. Bezüglich des Zwangs zu einer Heirat 

Ende 2021 gelte das Gleiche. Die Polizei habe sie damals mitgenommen 

und in ein Frauenhaus gebracht. Sie sei geschützt worden und es gebe 

keine Hinweise darauf, dass die Behörden dies bei einem weiteren Vorfall 

nicht wieder tun würden. Ihr Schutz sei in der Türkei bis zu ihrer Ausreise 

durch die Polizei- und Justizorgane gewährleistet gewesen, weshalb ihre 

Vorbringen flüchtlingsrechtlich nicht relevant seien. 

4.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Beschwerdeführerin sei 

2012 zwangsverheiratet worden und habe in der Ehe mehrfach heftige Ge-

walt erlitten. Ihr Ex-Ehemann habe ihr die Nase gebrochen und sie unzäh-

lige Male sexuell angegriffen. 2015 habe er sie und ihre Tochter mit einem 

Messer verletzt und versucht, sie zu töten. Im Spital habe er erneut ver-

sucht, die Beschwerdeführerin umzubringen. Bereits 2017 als ihr Ex-Ehe-

mann in der offenen Anstalt gewesen sei, habe er sie mehrmals bedroht, 

weshalb sie ihn angezeigt habe. Auch als sie in unterschiedlichen Städten 

in Frauenhäusern gewohnt habe, sei sie von ihm weiterhin telefonisch und 

über «Social Media» bedroht worden. Obwohl sie immer wieder ihre Tele-

fonnummer gewechselt habe, sei sie ständig bedroht worden. Ihre Cousine 

habe sie gewarnt, dass ihr Ex-Ehemann sie töten wolle. Nach ihrer Aus-

reise sei es ihm trotz Geheimhaltungsbeschluss gelungen, die Adresse ih-

rer Wohnung in C._______ ausfindig zu machen. 

Die Drohungen und die Verfolgung durch ihren Ex-Ehemann seien geeig-

net, eine begründete Furcht vor einer ernsthaften Gefahr für das Leben und 

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Seite 10 

die körperliche Unversehrtheit der Beschwerdeführerin hervorzurufen. Der 

ständige Druck, der durch die physische, psychische und sexuelle Gewalt 

und die Todesdrohungen verursacht worden sei, habe zu einem unerträg-

lichen psychischen Druck geführt. Dieser werde dadurch genährt, dass sie 

seit 2017 unter Schutzmassnahmen des Staates gelebt habe, die nicht 

ausgereicht hätten, sie vor ihrem Ex-Ehemann zu schützen. Die Gewalt, 

der sie jahrelang ausgesetzt gewesen sei, habe ihre psychische Gesund-

heit untergraben und sie gezwungen, sich auf ein Leben am Rande der 

Gesellschaft zu beschränken. Der Kontaktabbruch zu ihrer Familie habe 

eine zusätzliche psychische Belastung dargestellt, da sie kein soziales Be-

ziehungsnetz habe, das sie unterstützen könnte. 

Die Vorinstanz habe den psychischen Gesundheitszustand der Beschwer-

deführerin und ihrer Tochter in Bezug auf die Asylvorbringen nicht geprüft. 

Auch das Kindeswohl sei nicht geprüft worden, obwohl es offensichtlich 

tangiert sei. Die Ereignisse in der Heimat hingen mit ihrer psychischen Ver-

fassung und Traumatisierung zusammen, die zum unerträglichen psychi-

schen Druck beigetragen hätten. Die Beschwerdeführerin habe begründe-

te Furcht vor Verfolgung aus asylrelevanten Gründen. Die Verfolgung 

durch ihren Ex-Ehemann und ihre Familie liege in den moralischen und 

religiösen Überzeugungen begründet, gemäss denen Frauen diskriminiert 

und als den Männern untergeordnet betrachtet würden. Die über Jahre hin-

weg erfolgten Drohungen und Gewalttätigkeiten seitens des Ex-Eheman-

nes könnten nicht als beendet angesehen werden. 

Gemäss dem Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (Türkei: Gewalt 

gegen Frauen, 22. Juni 2021) würden in der Türkei häufig zu wenig strenge 

und nicht individualisierte Schutzmassnahmen gegen Täter verhängt, die 

Gewalt gegen Frauen ausübten. Meistens werde dieser verpflichtet, das 

Opfer nicht zu bedrohen, zu beleidigen oder zu demütigen. Die Verhän-

gung solcher einstweiligen Verfügungen könne zu einer weiteren Eskala-

tion der Gewalt und in einigen Fällen zum Tod der Opfer führen. Problema-

tisch sei auch die kurze Zeitspanne, für die der Schutz gewährt werde. Die 

Opfer seien gezwungen, eine Erneuerung der ursprünglichen Massnahme 

zu beantragen. Die Richter zögerten, die Frauen beim Wort zu nehmen, 

und befürchteten, dass sie übertreiben und das System für andere Zwecke 

als ihr Schutzbedürfnis missbrauchen könnten. Der Schutz in Frauenhäu-

sern sei nicht wirksam, da er vorübergehend sei und die Opfer oft gezwun-

gen seien, diese nach einigen Monaten wieder zu verlassen. Die Be-

schwerdeführerin habe nicht länger als drei Monate bleiben können. Zu-

dem habe sie Geheimhaltungsbeschlüsse beantragt, die nur für eine ge-

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Seite 11 

wisse Zeitdauer ausgestellt worden seien. Sie sei seit 2017 unter Schutz-

massnahmen gestanden, doch die Gefährdung und Bedrohung durch ihren 

Ex-Ehemann hätten nicht aufgehört. Er habe ihre Wohnung in C._______ 

gefunden und ihr mehrere Tage aufgelauert, was verdeutliche, dass die 

angeordneten Schutzmassnahmen zu schwach gewesen seien. Frauen-

morde und Gewalt gegen Frauen seien in der ganzen Türkei ein ernstes 

Problem. Die türkische Nachrichtenagentur Bianet habe von mindestens 

284 Frauenmorden und 255 verdächtigen Todesfällen im Jahr 2020 berich-

tet. Die Beschwerdeführerin hätte die Möglichkeit, erneut Schutzmassnah-

men zu beantragen, die von begrenzter Dauer wären, und müsste sich wei-

terhin verstecken. Die bisherigen Schutzmassnahmen seien nicht geeignet 

gewesen, sie und ihre Tochter vor dem Ex-Ehemann zu schützen, was 

auch den türkischen Behörden hätte bewusst sein müssen. 

Das Bundesverwaltungsgericht habe den türkischen Staat bisher für fähig 

und willens gehalten, Frauen, die Opfer von Gewalt geworden seien, 

Schutz zu bieten. Das letzte diesbezügliche Grundsatzurteil stamme je-

doch vom 12. Juni 2018. Fünf Jahre nach diesem Urteil sei diese Frage 

noch nicht neu bewertet werden, obwohl die Türkei im Juli 2021 aus der 

Istanbul-Konvention ausgetreten sei. Im zitierten Urteil werde ausgeführt, 

mehrere dem Gericht vorliegende Berichte belegten, dass die Gewalt ge-

gen Frauen in der Türkei seit dem Putschversuch vom Juli 2016 zugenom-

men habe. Dies werde einerseits darauf zurückgeführt, dass die Umstruk-

turierung der Polizei die Sicherheit von Frauen beeinträchtigt habe, die un-

ter staatlichem Schutz stehen sollten. Anderseits sei dies auf tiefgreifende 

Veränderungen in der türkischen Gesellschaft und einen politischen Dis-

kurs im Land zurückzuführen, der sich zunehmend von Demokratie, 

Rechtsstaatlichkeit und Säkularismus entferne, was sich auch im Umgang 

der Menschen untereinander widerspiegle. In der türkischen Politik scheine 

sich zunehmend ein konservativ-religiöses Frauenbild durchzusetzen. Eine 

Neubewertung der tatsächlichen Bereitschaft der Türkei, Frauen nicht nur 

formell, sondern auch effektiv vor männlicher Gewalt zu schützen, sei wün-

schenswert und notwendig. Die Bereitschaft des türkischen Staates, 

Frauen einen wirksamen Schutz vor Gewalt zu bieten, sei zu verneinen, 

die Beschwerdeführerin sei als Flüchtling anzuerkennen und ihr sei Asyl zu 

gewähren. 

4.3 Das SEM führt in seiner Vernehmlassung aus, im Fall der Beschwer-

deführerin seien die Geheimhaltungsbeschlüsse für jeweils sechs Monate 

verhängt und ständig verlängert worden, wobei der aktuellste bei ihrer Aus-

reise noch gültig gewesen sei. Die Qualität des behördlichen Schutzes für 

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Seite 12 

Opfer von Gewalt könne nicht verallgemeinert und müsse individuell ge-

prüft werden. Vorliegend sei der Schutz gewährt gewesen. In der Be-

schwerde werde nicht erwähnt, weshalb die türkischen Behörden nicht wei-

terhin effiziente Schutzmassnahmen ergreifen sollten. Für die Angabe, der 

Ex-Ehemann habe ihre Adresse in C._______ trotz Geheimhaltungsbe-

schluss herausgefunden und nach ihrer Ausreise alle Fensterscheiben der 

Mietwohnung zerbrochen, habe die Beschwerdeführerin keinen Beweis er-

bracht. Es wäre zu erwarten gewesen, dass ihr Vermieter eine Anzeige ge-

gen den Ex-Ehemann erstattet hätte. Sie hätte mit dem Vermieter oder mit 

der Nachbarin wieder Kontakt aufnehmen können, um entsprechende 

Nachweise einzureichen. In der Beschwerde werde sinngemäss davon 

ausgegangen, dass der Ex-Ehemann nach dem Mordversuch von 2015 

nach wie vor eine Tötungsabsicht habe. Es stelle sich die Frage, weshalb 

er diese nicht in die Tat umgesetzt habe, als er in L._______ wenige Wo-

chen vor ihrer Ausreise die Gelegenheit dazu gehabt haben müsste, als er 

ihr die Nase gebrochen habe. 

4.4 In der Replik wird ausgeführt, es gebe eine Vielzahl von Berichten, die 

bezeugten, dass die Schutzfähigkeit und -willigkeit der türkischen Behör-

den für Opfer von Gewalt mangelhaft und Femizide an der Tagesordnung 

seien. Der effektive Schutz und der Wille dazu seien zu bemängeln. Die 

Qualität desselben sei mit der Verhängung von Geheimhaltungsbeschlüs-

sen für jeweils sechs Monate nicht automatisch gegeben. Die Beschwer-

deführerin sei trotz Geheimhaltungsbeschlüssen von ihrem Ex-Ehemann 

massiv bedroht worden und habe brutale Gewalt erlitten. Nach dessen 

Freilassung seien seitens der Behörden keine weiteren Massnahmen ge-

gen ihn ergriffen worden. Die Schutzmassnahmen könnten nicht als geeig-

net angesehen werden. Die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beschwer-

deführerin bezüglich des Vorbringens, ihr Ex-Ehemann habe ihre letzte 

Wohnadresse ausfindig gemacht, sei von der Vorinstanz nicht angezweifelt 

worden. Sie habe durch ihn nachweislich Gewalt erlitten. Er habe sie tele-

fonisch bedroht, immer wieder aufgesucht und ihr zweimal die Nase gebro-

chen. Aufgrund des Mordversuchs an ihr sei er zu einer Gefängnisstrafe 

verurteilt worden. In Anbetracht des gesamten Sachverhalts entspreche 

der letzte Vorfall der Verhaltensweise des Ex-Ehemannes. Ob der Vermie-

ter diesen zur Anzeige gebracht habe oder nicht, gehe aus den Anhörungs-

protokollen nicht hervor und das SEM habe dazu keine Fragen gestellt. Es 

sei nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin den Kontakt mit der 

Nachbarin abgebrochen habe, weil sie vermutet habe, dass der Ex-Ehe-

mann ihre Adresse mit deren Hilfe habe ausfindig machen können. 

D-5135/2024 

Seite 13 

Das Argument der Vorinstanz, der Ex-Ehemann habe die Tötungsabsicht 

nicht umgesetzt, als er der Beschwerdeführerin die Nase gebrochen habe, 

erscheine stossend. Er habe dies auf offener Strasse getan, weshalb nach-

vollziehbar sei, dass er die Tötungsabsicht in diesem Moment nicht umge-

setzt habe. Die Vermutung, er habe sie töten wollen, liege darin begründet, 

dass er sie auch danach nicht in Ruhe gelassen und sie in C._______ habe 

aufsuchen wollen. Sie habe den letzten Übergriff nicht angezeigt, es sei 

indessen hervorzuheben, dass die bisherigen Massnahmen ihr keinen 

Schutz gebracht hätten. Es sei nachvollziehbar, dass sie sich vor allem auf 

die Flucht konzentriert und darin die Hoffnung auf effektiven Schutz gese-

hen habe. 

5.  

5.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürch-

ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zuge-

fügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 

2008/4 E. 5.2). Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 

Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, letz-

tere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – 

aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zu-

kunft verwirklichen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5). 

5.2 Die Gewalt, der die Beschwerdeführerin während der Zeit ihrer Ehe 

ausgesetzt war, die schweren Körperverletzungen in Tötungsabsicht, die 

sie im Jahr 2015 erlitt, und die seitdem erlebten Drohungen, Körperverlet-

zungen und Nachstellungen gingen von ihrem Ex-Ehemann und somit im 

rechtlichen Sinne von einer privaten Drittpersonen aus. Durch Drittperso-

nen erlittene ernsthafte Nachteile sind grundsätzlich nur dann asylrechtlich 

relevant, wenn der Heimatstaat sich nicht als schutzwillig oder -fähig er-

weist. Die Gewährung absoluten Schutzes vor Verfolgung durch Privatper-

sonen ist dabei nicht erforderlich; entscheidend ist vielmehr, dass die Be-

troffenen effektiven Zugang zu einer vorhandenen Schutzinfrastruktur ha-

ben und ihnen zugemutet werden darf, diese in Anspruch zu nehmen (vgl. 

dazu BVGE 2011/51 E. 7 m.w.H). 

 

D-5135/2024 

Seite 14 

5.3  

5.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in seiner Praxis mehrfach zur 

Schutzfähigkeit und zum Schutzwillen der türkischen Behörden hinsichtlich 

des Umgangs mit Opfern von häuslicher Gewalt und Zwangsheirat geäus-

sert (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1948/2018 vom 12. Juni 2018 

E. 5.2 ff., m.w.H., Urteile des BVGer D-6861/2023 vom 25. April 2024 

E. 7.3 und D-1725/2024 vom 23. April 2024 S. 5, je m.w.H.). Dabei ist es 

zur Erkenntnis gelangt, dass die Türkei kontinuierliche gesetzgeberische 

Schritte zur Verbesserung der rechtlichen und gesellschaftlichen Situation 

der Frauen und im Besonderen zu deren Schutz vor Übergriffen mit sozio-

kulturellem Hintergrund (bis hin zum Ehrenmord) unternommen hat. Be-

reits im Jahr 1990 wurden in der Türkei Frauenhäuser eröffnet, um Opfern 

von häuslicher Gewalt Hilfe zu bieten. Die türkischen Behörden sind ent-

schlossen, gegen das Phänomen innerfamiliärer Übergriffe effektiv vorzu-

gehen und grundsätzlich auch in der Lage, Schutz zu gewähren. Die 

Schutzinfrastruktur ist in den städtischen Gebieten der Türkei dichter als in 

ländlichen Gegenden insbesondere Zentral- und Ostanatoliens (vgl. das 

Referenzurteil a.a.O. E. 5.2.2). 

5.3.2 Das Bundesverwaltungsgericht verkennt nicht, dass die Türkei den 

eingeschlagenen Reformkurs zur Verbesserung der gesellschaftlichen und 

rechtlichen Situation der Frauen in den letzten Jahren nicht mehr gleicher-

massen weiterverfolgt. Der türkische Staatspräsident ist wiederholt mit um-

strittenen Äusserungen zur Rolle der Frau in der türkischen Gesellschaft 

zitiert worden und seit dem gescheiterten Putsch von Mitte Juli 2016 ist 

eine Zunahme der Gewalt gegen Frauen zu verzeichnen; in der türkischen 

Politik scheint sich zunehmend ein konservativ-religiös geprägtes Frauen-

bild durchzusetzen. So ist die Türkei am 1 Juli 2021 aus der Istanbul-Kon-

vention (Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung 

von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt vom 11. Mai 2011, 

SR 0.311.35) ausgetreten. 

5.3.3 Diese Feststellungen vermögen die gefestigte Praxis des Gerichts 

zur Schutzfähigkeit und Schutzbereitschaft der türkischen Behörden vor-

derhand jedoch nicht grundlegend zu erschüttern. Vielmehr ist nach den 

obigen Ausführungen zu bestätigen, dass die Betroffenen sich in der Regel 

mit ihrem Schutzanliegen an die staatlichen Institutionen wenden können 

(vgl. Urteile des BVGer E-6377/2023 vom 8. April 2025 E. 6.2,  

D-4668/2025 vom 3. Februar 2025 E. 6.2, D-4911/2024 vom 23. Septem-

ber 2024 E. 6.3, E-4702/2024 vom 13. September 2024 E. 6.3,  

D-4659/2024 vom 11. September 2024 E. 6.2, E-2530/2024 vom 15. Au-

D-5135/2024 

Seite 15 

gust 2024 E. 7.2, E-2355/2024 vom 14. Juni 2024 E. 6.3, D-4762/2023 vom 

20. September 2023 E. 5.2, D-2682/2020 vom 12. Januar 2023 E. 6.2,  

E-2593/2021 vom 31. August 2021 E. 7.3.1, E-2338/2020 vom 6. Mai 2021 

E. 7.2 und E-1175/2020 vom 16. März 2020 E. 7.2.2). 

5.4  

5.4.1 Vorliegend wurde der Ex-Ehemann der Beschwerdeführerin, der be-

hauptete, sie sei (im Mai 2015) von einem Einbrecher schwer verletzt wor-

den, gemäss ihren Schilderungen aufgrund der polizeilichen Ermittlungen 

als Täter entlarvt. Die im Spital anwesenden Polizisten verhinderten einen 

weiteren Anschlag auf ihr Leben seitens ihres Ex-Ehemannes und nahmen 

ihn fest. Er wurde angeklagt und verurteilt, musste jedoch aufgrund einer 

ärztlich attestierten «psychischen Belastungssituation» nur einen Teil der 

verhängten Freiheitsstrafe verbüssen (vgl. SEM-act. […]-21/14 F21). Die 

Beschwerdeführerin führte aus, dass sie ab ihrem (…)-ten Altersjahr in ver-

schiedenen Städten in Frauenhäusern oder Wohnungen lebte. In den letz-

ten sechs bis sieben Monaten vor ihrer Ausreise aus der Türkei lebte sie 

zusammen mit ihrer Tochter in einer teilweise selbst eingerichteten Woh-

nung in C._______ (vgl. SEM-act. […]-16/13 F28–F31, F69). 

Die Beschwerdeführerin sagte weiter aus, sie sei von ihrer Cousine, die ihr 

eine Mitteilung ihres Ex-Ehemannes weitergeleitet habe, gewarnt worden, 

dass sie sich nicht in Sicherheit wiegen und sich und ihre Tochter schützen 

solle (vgl. SEM-act. […]-16/13 F36). Er habe ihren Familienangehörigen 

und ihren Verwandten ständig gesagt, sie sollten ihr mitteilen, dass er sie 

eines Tages erwischen werde. Sie sei von ihm unzählige Male bedroht wor-

den, obwohl sie oft ihre Telefonnummer gewechselt habe (vgl. SEM-act. 

[…]-21/14 F9–F11). 

5.4.2 Angesichts der Ausführungen der Beschwerdeführerin und der ein-

gereichten Beweismittel ist der Schluss zu ziehen, dass die türkischen Si-

cherheitsbehörden sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten bemühten, sie und 

ihre Tochter vor weiteren Übergriffen ihres Ex-Ehemannes zu schützen. Sie 

konnte sich vorübergehend in mehreren Frauenhäusern aufhalten und die 

Behörden erliessen Geheimhaltungsbeschlüsse, die es ihr und ihrer Toch-

ter ermöglicht hätten, weitgehend anonym zu bleiben, damit sie von ihrem 

Ex-Ehemann/Vater nicht hätten aufgespürt werden können. Da die Be-

schwerdeführerin mit ihrem Ex-Ehemann verwandt ist (vgl. SEM-act. […]-

21/14 F9 f.) und mit einigen ihrer Verwandten in Kontakt stand, war es ih-

rem Ex-Ehemann offenbar möglich, an ihre wechselnden Telefonnummern 

zu gelangen und sie auf diesem Weg zu bedrohen. Die letzte Drohung 

D-5135/2024 

Seite 16 

wurde ihr auf Drängen ihres Ex-Ehemannes von ihrer Cousine weitergelei-

tet, welche sie gleichzeitig vor ihm warnte (vgl. E. 5.4.1). Wie bereits vor-

stehend festgehalten, kann von einem Staat nicht erwartet werden, dass 

er in der Lage ist, alle seine Bürger jederzeit vor von Privatpersonen aus-

gehender Verfolgung zu schützen (vgl. E. 5.2). Angesichts der vorliegen-

den Konstellation, in der die Verfolgte mit ihrem Verfolger verwandt ist und 

mit Personen in Verbindung stand, die mit beiden Personen Kontakte pfleg-

ten, war es dem Verfolger offenbar möglich, Kenntnis von ihren wechseln-

den Telefonnummern zu erlangen. Es war den türkischen Behörden nicht 

möglich, dies zu verhindern, da sie das Verhalten der Verwandten der Be-

schwerdeführerin nur bedingt beeinflussen konnten. Insofern die Be-

schwerdeführerin in der Anhörung schilderte, ihr Ex-Ehemann sei nach ih-

rer Ausreise an ihrer letzten Wohnadresse in C._______ erschienen, habe 

die Scheiben ihrer Wohnung zerschlagen und ihr mehrere Tage lang auf-

gelauert (vgl. SEM-act. […]-21/14 F43–F46) ist ebenso festzustellen, dass 

die türkischen Behörden dies nicht vorhersehen und verhindern konnten. 

Die Beschwerdeführerin vermutete, dass er die Adresse möglicherweise in 

Erfahrung bringen konnte, weil ihre Tochter ein Instagram-Konto eröffnet 

habe, in dem sie mit der Nachbarstochter kommuniziert habe. Des Weite-

ren seien ihre Nachbarn entfernte Bekannte/Verwandte, sodass sie nicht 

ausschliessen könne, dass ihr Ex-Ehemann auf diesem Weg an ihre Ad-

resse gelangt sei (vgl. SEM-act. […]-21/14 F48–F50). Auch dies war für die 

türkischen Behörden weder vorhersehbar noch zu verhindern. Insgesamt 

gesehen wurde der Beschwerdeführerin von den heimatlichen Behörden 

im Rahmen ihrer Möglichkeiten Schutz gewährt. Dem Schreiben von 

Rechtsanwältin P._______ vom 13. August 2024 ist nichts zu entnehmen, 

was diese rechtliche Würdigung des vorliegenden Sachverhalts relativie-

ren würde. 

5.5  

5.5.1 Die Beschwerdeführerin machte in der zweiten Anhörung geltend, 

ihre Familie habe sie sieben Jahre nach ihrer Scheidung mit einem viel 

älteren Mann verheiraten wollen. Weil sie sich verweigert habe, sei sie von 

ihren Onkeln geschlagen und in ein Zimmer gesperrt worden. Angesichts 

des verursachten Lärms habe der Sicherheitsdienst der Wohnanlage die 

Polizei gerufen. Sie habe das elterliche Domizil zusammen mit ihrer Toch-

ter in Begleitung der Polizei verlassen und sei nie mehr dorthin zurückge-

kehrt (vgl. SEM-act. […]-21/14 F16, F24, F26 f.). 

5.5.2 Der Beschwerdeführerin wurde somit auch in dieser Hinsicht behörd-

licher Schutz gewährt. Sie wurde von Polizeibeamten aus der Wohnung 

D-5135/2024 

Seite 17 

ihrer Eltern begleitet und in ein Frauenhaus gebracht. Da sie im Rahmen 

ihrer Anhörungen nicht geltend machte, dass sie von ihren Familienange-

hörigen (Vater, Bruder, Onkel) nach diesem Vorfall bedroht wurde oder 

diese ihr gar nachstellten und die beabsichtigte (zweite) zwangsweise Ver-

heiratung verhindert wurde, war der behördliche Schutz in dieser Hinsicht 

effektiv, weshalb sich weitere Ausführungen dazu erübrigen. 

5.6 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die wei-

teren Ausführungen in den im Rahmen des Beschwerdeverfahrens einge-

reichten Eingaben und Beweismittel im Einzelnen einzugehen, da sie an 

der vorgenommenen Würdigung des Sachverhalts nichts zu ändern ver-

mögen. Das SEM hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft der Beschwer-

deführerinnen verneint und die Asylgesuche abgelehnt. 

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab, verfügt es in der Regel die Weg-

weisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt da-

bei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG). 

6.2 Die Beschwerdeführerinnen verfügen insbesondere weder über eine 

ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu 

Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den ge-

setzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

7.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

7.3 Die drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegwei-

sung (Art. 83 Abs. 2–4 AIG; Unmöglichkeit, Unzulässigkeit und Unzumut-

barkeit) sind alternativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Voll-

zug der Wegweisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere An-

wesenheit in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige 

Aufnahme zu regeln, weshalb sich die Prüfung allfälliger weiterer Vollzugs-

D-5135/2024 

Seite 18 

hindernisse erübrigt (vgl. Art.44 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 AIG; BVGE 

2011/7 E. 8; 2009/51 E. 5.4). 

8.  

8.1 Das SEM weist in der angefochtenen Verfügung darauf hin, die Be-

schwerdeführerin habe in den letzten sechs bis sieben Monaten vor ihrer 

Ausreise mit ihrer Tochter in einer Wohnung in C._______ gewohnt. Ihre 

Tochter sei zur Schule gegangen und sie habe als (…) und als (…) gear-

beitet sowie ein Fernstudium für das Gymnasium gemacht. Ihre Arbeitge-

ber hätten sie geschätzt, gut bezahlt und mit Gold und einer Reise be-

schenkt. Sie sei anscheinend eine tüchtige Frau, die es im Leben bisher 

zwar nicht immer einfach gehabt habe, aber insbesondere in der letzten 

Zeit in der Lage gewesen sei, gut für sich und ihre Tochter zu sorgen. Be-

züglich der geltend gemachten psychischen Schwierigkeiten sei auf das 

Gesundheitswesen in der Türkei zu verweisen, das insbesondere in den 

grösseren Städten westeuropäischen Standards entspreche. Daran än-

dere der Arztbericht von Dr. med. M._______ nichts. Die Beschwerdefüh-

rerin habe in den Befragungen erwähnt, dass sie bereits in der Türkei jah-

relang in medizinischer Behandlung gewesen sei. Der Vollzug der Wegwei-

sung sei zumutbar. 

8.2 In der Beschwerde wird geltend gemacht, die Beschwerdeführerin sei 

zu den besonders schutzbedürftigen Personen zu zählen, wobei die Kom-

bination sozialer, wirtschaftlicher und humanitärer Faktoren in Verbindung 

mit der ernsthaften Gefährdung durch ihren Ex-Ehemann zu berücksichti-

gen sei. Ihre Traumatisierung würde sich bei einer Rückkehr in die Türkei 

noch verschlimmern, weshalb der Vollzug aus humanitären Gründen nicht 

zumutbar sei. In Bezug auf ihre Tochter sei der Vollzug aufgrund des Kin-

deswohls – insbesondere aufgrund der schlechten psychischen Verfas-

sung und der sehr eingeschränkten Möglichkeit auf Schulbildung – nicht 

zumutbar. Die Beschwerdeführerin leide an einer Posttraumatischen Be-

lastungsstörung (PTBS), die sich massiv verschlimmern würde, wenn sie 

die traumatisierenden Erlebnisse erneut erleben müsste. Neben den Dro-

hungen würden die ständige Unsicherheit und Instabilität sowie der häufige 

Wohnortswechsel zu einer massiven Verschlechterung ihres Zustands bei-

tragen. Es sei ihr nicht möglich, in einem stabilen Umfeld zu leben, welches 

ihr die Inanspruchnahme einer wirksamen Therapie ermöglichen würde. 

Unter diesen Umständen wäre auch für ihre Tochter die Durchführung einer 

wirksamen Therapie nicht möglich. Diese Annahme sei mit Urteil des Bun-

desverwaltungsgerichts D-188/2019 vom 5. Juni 2020 bestätigt worden, in 

dem eine ähnliche Situation beurteilt worden sei. Die Beschwerdeführerin 

D-5135/2024 

Seite 19 

könne nicht auf ein Beziehungsnetz zählen, das sie vor ihrem Ex-Ehemann 

schützen und in irgendeiner Weise unterstützen könnte. Seitens ihrer Fa-

milie habe sie ebenfalls Gewalt erlitten, weil sie sich einer weiteren 

Zwangsheirat entzogen habe. Die Polizei sei eingeschritten und sie habe 

Anzeige gegen die Familienmitglieder erstattet. Mit Entscheid des Gouver-

neursamts sei sie zum Schutz vor ihrer Familie in ein Frauenhaus gebracht 

worden. Die von der Vorinstanz erwähnte Arbeitstätigkeit habe sie nur für 

einige Monate ausgeübt. Vorher habe sie in verschiedenen Städten in 

Frauenhäusern gelebt und ständig umziehen müssen. Es könne nicht da-

von ausgegangen werden, dass sie in der Lage sei, ihren Lebensunterhalt 

selbst zu bestreiten, wenn sie in die Türkei zurückkehren würde. 

Die Tochter der Beschwerdeführerin habe nur in begrenztem Umfang die 

Möglichkeit gehabt, die Schule zu besuchen. Aufgrund der Tatsache, dass 

sie in Frauenhäusern untergebracht gewesen sei, habe sie die Schule län-

gere Zeit nicht besuchen können. Das Recht auf Bildung sei somit auch 

tangiert. Die Vorinstanz habe angeführt, die Beschwerdeführerinnen könn-

ten bei einer Rückkehr erneut Schutzmassnahmen des türkischen Staates 

in Anspruch nehmen. Dies würde bedeuten, dass sie voraussichtlich wie-

derum in Frauenhäusern untergebracht würden, weshalb die Tochter er-

neut nicht zur Schule gehen könnte. 

Die Beschwerdeführerin wäre bei einer Rückkehr in die Türkei mit densel-

ben Problemen konfrontiert wie vor ihrer Ausreise und würde sich ständig 

auf der Flucht vor ihrem Ex-Ehemann befinden, was ihr weder die Aus-

übung einer dauerhaften Arbeitstätigkeit noch ein stabiles und geschütztes 

Umfeld für eine wirksame Unterstützung ermöglichen würde. 

8.3 Das SEM führt in der Vernehmlassung aus, grundsätzlich sei das Kin-

deswohl gewährleistet, solange das Kind bei den Eltern verbleibe, unab-

hängig vom Aufenthaltsort. Die Tochter sei in der Türkei in der Obhut der 

Mutter gewesen und habe die Schule besucht. Aus der Antwort auf die 

Frage nach allfälligen Wegweisungsvollzugshindernissen für die Tochter 

habe sich keine Gefährdung des Kindeswohls ergeben. Sie habe ihren Va-

ter das erste Mal gesehen, als er ihrer Mutter wenige Wochen vor der Aus-

reise die Nase gebrochen habe. Sie sei von ihrer Mutter kurz danach aus 

ihrer gewohnten Umgebung in ein ihr völlig fremdes Land verbracht wor-

den, nachdem sie nach ständigen Reisen innerhalb der Türkei seit einigen 

Monaten in C._______ wohl endlich eine Möglichkeit gehabt hätte, zur 

Ruhe zu kommen. Die Beschwerdeführerinnen seien seit Anfang Ap-

ril 2024 in der Schweiz und über das Asylgesuch sei etwa dreieinhalb 

D-5135/2024 

Seite 20 

Monate nach der Einreise entschieden worden. Es könne noch nicht von 

einem Grad der Integration der Tochter in der Schweiz ausgegangen wer-

den, aufgrund dessen bei einer Rückkehr ihr Wohl gefährdet wäre. 

8.4 In der Replik wird entgegnet, Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens über 

die Rechte des Kindes (Kinderrechtskonvention [KRK], SR 0.107) ver-

pflichte den Staat, das Wohl des Kindes vorrangig zu berücksichtigen. Das 

Kindeswohl sei der bestimmende Faktor bei allen Massnahmen und Ent-

scheiden und die Behörden seien verpflichtet, die besten Interessen des 

Kindes in jedem Fall abzuklären und abzuwägen. Zu berücksichtigen seien 

Alter, Reifegrad, Meinung und Identität des Kindes, Ressourcen, Bildung, 

Art und Umfang der (familiären) Beziehung, Fürsorge, Schutz und Sicher-

heit des Kindes, Abhängigkeit/Verletzlichkeit, Gesundheit, Grad der In-

tegration im Verhältnis zur Aufenthaltsdauer in der Schweiz, Chancen und 

Risiken einer Reintegration im Heimatstaat. 

Die Tochter sei in der Türkei in der Obhut der Mutter gewesen, sie habe 

aufgrund der Verfolgung durch ihren Vater nicht in einem geschützten und 

stabilen Umfeld aufwachsen können. Die Beschwerdeführerin habe weder 

sich selbst noch ihre Tochter schützen können. Die behördlichen Massnah-

men hätten dazu geführt, dass die Tochter «alle paar Monate» habe um-

ziehen müssen, was zu einer Destabilisierung ihres Lebens und ihrer psy-

chischen Gesundheit geführt habe. Während sie in Frauenhäusern gelebt 

habe, habe sie keine Schule besuchen können. Ihr Zugang zu Bildung sei 

beschränkt gewesen, sie habe psychisch gelitten und ihre Entwicklung sei 

massiv beeinträchtigt worden. Im Formular «Medic-Help» vom 28. März 

2024 sei bei ihr eine schwere PTBS diagnostiziert worden. Sie habe in der 

Türkei aufgrund der Schutzmassnahmen isoliert gelebt. Der Grad der In-

tegration sei in Frage zu stellen und eine Reintegration sei im Hinblick auf 

die Umstände, in denen sie gelebt habe, kaum zumutbar. Die Wohnung in 

C._______ sei vom Vater ausfindig gemacht worden, eine Rückkehr dort-

hin sei ausgeschlossen. Es bestehe eine Gefährdung des Kindeswohls, 

Wegweisungsvollzugshindernisse lägen vor. 

9.  

9.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug 

D-5135/2024 

Seite 21 

Kinder betroffen, so ist im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung dem Kindes-

wohl Rechnung zu tragen. Dabei sind unter dem Aspekt des Kindeswohls 

sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf 

eine Wegweisung wesentlich erscheinen (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.2; Ent-

scheidungen und Mitteilungen der [ehemaligen] Schweizerischen Asylre-

kurskommission [EMARK] 1998 Nr. 13 E. 5e/aa, 1998 Nr. 31 E. 8c/ff/ccc, 

2005 Nr. 6 E. 6.2). 

9.2 Die Beschwerdeführerin machte in der ersten Anhörung geltend, sie sei 

nach der erlittenen Messerattacke in E._______ zwei bis drei Monate in 

einer psychiatrischen Klinik gewesen. Da es in der Abteilung, der sie zuge-

wiesen worden sei, Patienten mit noch grösseren Traumata als sie eines 

erlitten habe, gegeben habe, habe sich ihr psychischer Zustand ver-

schlechtert. Sie habe ihre Familie unter Druck gesetzt, damit diese sie aus 

der Klinik hole. Von einem Arzt seien ihr Medikamente mitgegeben worden, 

die sie zuhause habe einnehmen können (vgl. SEM-act. […]-16/13 F14). 

Danach sei sie ambulant von der Abteilung für Nervenkrankheiten im (…) 

behandelt worden. 

9.3 Dr. med. M._______, praktischer Arzt FMH, hielt in seinem ärztlichen 

Kurzbericht an «Medic-Help» vom 21. Mai 2024 fest, die Beschwerdefüh-

rerin leide unter einer Angststörung und einer Traumatisierung (PTBS). 

Eine psychiatrische Betreuung sei notwendig und die Überweisung an ei-

nen Spezialisten sei angezeigt. Die Tochter leide aufgrund eines Traumas 

an einer Sprechhemmung (vgl. SEM-act. […]-17/3). Im ärztlichen Kurzbe-

richt vom 28. Mai 2024 führte er aus, die Tochter der Beschwerdeführerin 

leide an einer schweren PTBS und habe seit einem in der Türkei erlittenen 

Trauma «die Sprache verloren». Die Interaktion mit der traumatisierten 

Tochter sei besprochen worden. Sie benötige nach einem Transfer unbe-

dingt psychiatrische Hilfe (vgl. SEM-act. […]-18/4). 

9.4 O._______, Ambulante Psychiatrie und Psychotherapie N._______, 

führte in ihrem «Therapeutischen Verlaufsbericht» vom 22. August 2024 

aus, dass die Beschwerdeführerin zusammen mit ihrer Tochter am 9. Juli 

2024 im Rahmen des Notfalldiensts aufgrund suizidaler Äusserungen in 

der Durchgangsstation zum Gespräch gekommen sei. Sie habe von gros-

sen Ängsten bezüglich einer möglichen Ausschaffung in die Türkei berich-

tet, da sie dort von ihrem Ex-Ehemann mit dem Tod bedroht werde. Sie 

habe die Vorstellung, dass ihre Tochter nach einem Suizid in der Schweiz 

bleiben und vor dem Vater gerettet werden könne. Es sei von einer sehr 

schwierigen und traumatischen Lebensgeschichte (Zwangsheirat, Verge-

D-5135/2024 

Seite 22 

waltigungen, schwerwiegende Gewalterfahrungen und versuchte Tötung) 

auszugehen. Es bestünden Flashbacks, Albträume, Ein- und Durchschlaf-

störungen, eine ängstlich gefärbte depressive Stimmungslage, ausge-

prägte Scham- und Schuldgefühle und Suizidgedanken. Aufgrund des ne-

gativen Asylentscheids sei eine ausgeprägte Unsicherheit bezüglich ihrer 

Zukunft hinzugekommen. Ihre Sorge bezüglich einer Rückführung und die 

damit verbundene Tötung durch ihren Ex-Ehemann hätten zu einer Ver-

schlechterung der bestehenden Symptomatik geführt. Aus therapeutischer 

Sicht werde eine Weiterführung der psychotherapeutischen und ärztlichen 

Behandlung befürwortet. Diagnostiziert wurden eine PTBS (ICD-10: 

F43.1), eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1), Opfer von 

Verbrechen oder Terrorismus (ICD-10: Z65.4) und sonstige belastende Le-

bensumstände (ICD-10: Z63.7). 

9.5  

9.5.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat in Anbetracht der Aussagen der 

Beschwerdeführerin, der von ihr eingereichten Beweismittel und den Aus-

führungen in den ärztlichen Berichten keine Zweifel an den von ihr geltend 

gemachten Gewalterfahrungen seitens ihres Ex-Ehemannes. Es besteht 

auch kein Anlass, die Stichhaltigkeit der medizinischen Diagnosen und die 

entsprechenden Schlüsse hinsichtlich des derzeitigen gesundheitlichen 

Zustands der Beschwerdeführerin und ihrer Tochter in Zweifel zu ziehen. 

Angesichts der glaubhaften Schilderungen der Beschwerdeführerin ergibt 

sich, dass sie nach ihrer erzwungenen Heirat im (…) bis zur Messerattacke 

im Mai 2015 zahlreiche Gewalterfahrungen machen musste. Sobald ihr Ex-

Ehemann in ein «offenes Gefängnis» verlegt wurde, begann er, sie zu be-

drohen. Während eines Gefängnisurlaubs und ihres kurz vor ihrer Ausreise 

besuchsweisen Aufenthalts in L._______ brach er ihr das Nasenbein. Zu-

dem bedrohte er sie bis zu ihrer Ausreise in zahlreichen Mitteilungen, wo-

bei auch der Wechsel der Telefonnummern durch die Beschwerdeführerin 

keine Abhilfe schaffen konnte und auch die Behörden nicht in der Lage 

waren, seine Nachstellungen wirksam zu unterbinden. 

9.5.2 Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin aufgrund 

des Erlebten an einer schwerwiegenden Traumatisierung leidet, welche 

eine weitere psychotherapeutische Behandlung erforderlich macht. Auf-

grund der konkreten Umstände ist davon auszugehen, dass eine solche 

Behandlung aus medizinischer Sicht nur in einem geschützten Umfeld er-

folgversprechend ist, andernfalls das Risiko einer Chronifizierung der be-

reits heute erheblichen psychischen Erkrankung besteht. Es ist davon aus-

zugehen, dass im Falle einer Rückkehr in die Türkei die Furcht vor künf-

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Seite 23 

tigen weiteren Drohungen und Übergriffen seitens des Ex-Ehemannes die 

gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin weiter verschlechtern 

könnte. Mit zu berücksichtigen ist, dass sie nebst ihrer nachvollziehbaren 

Angst vor weiteren Drohungen und Übergriffen durch ihren Ex-Ehemann in 

ständiger Sorge um das Wohlergehen ihrer Tochter wäre, zumal sie nicht 

zu Unrecht befürchtet, dass ihr Ex-Ehemann auch ihr etwas antun könnte. 

Sie verfügt in der Türkei aufgrund des Bruchs mit ihrer Familie zufolge ihrer 

Weigerung, zum zweiten Mal zwangsweise einen Mann zu heiraten, den 

diese für sie vorgesehen hatte, über kein tragfähiges familiäres Netz, das 

ihr zumindest Unterstützung und einen gewissen Schutz vor ihrem Ex-Ehe-

mann bieten könnte. Angesichts der vorliegenden Diagnosen und der er-

wähnten besonderen Umstände ist davon auszugehen, dass eine Rück-

kehr in den Heimatstaat die Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht 

mit erheblicher Wahrscheinlichkeit in eine Situation bringen würde, die ei-

ner konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG gleichkäme. 

9.6  

9.6.1 Sind von einem Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, bildet das Kin-

deswohl einen wichtigen Gesichtspunkt im Zusammenhang mit der Zumut-

barkeitsprüfung. Dies ergibt sich aus einer völkerrechtskonformen Ausle-

gung von Art. 83 Abs. 4 AIG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 KRK. Das Kindeswohl ist 

nicht erst dann gefährdet, wenn das Kind in eine existentielle Notlage ge-

raten würde (vgl. hierzu BVGE 2014/26 E. 7.6 m.w.H.; 2009/51 E. 5.8; 

BVGE 2009/28 E. 9.3.5 mit Verweis auf EMARK 1996 Nr. 18 E. 14e). Vor 

diesem Hintergrund sind sämtliche Umstände einzubeziehen und zu wür-

digen, die im Hinblick auf den Vollzug der Wegweisung eines Kindes we-

sentlich erscheinen. Namentlich können dabei folgende Kriterien im Rah-

men einer Gesamtbeurteilung von Bedeutung sein: Alter des Kindes, Reife, 

Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen, 

Eigenschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Unterstützungsbe-

reitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwicklung be-

ziehungsweise Ausbildung sowie der Grad der erfolgten Integration bei ei-

nem längeren Aufenthalt in der Schweiz. Die Dauer des Aufenthaltes in der 

Schweiz ist im Hinblick auf die Prüfung der Chancen und Hindernisse einer 

Reintegration im Heimatland bei einem Kind als gewichtiger Faktor zu wer-

ten. Kinder sollten nicht ohne triftigen Grund aus einem vertrauten Umfeld 

herausgerissen werden. Dabei ist aus entwicklungspsychologischer Sicht 

nicht nur das unmittelbare persönliche Umfeld des Kindes (das heisst seine 

Kernfamilie) zu berücksichtigen, sondern es sind auch seine weiteren so-

zialen Beziehungen in die Überlegungen miteinzubeziehen. Die Verwurze-

lung in der Schweiz kann eine reziproke Wirkung auf die Frage der Zumut-

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Seite 24 

barkeit des Wegweisungsvollzugs haben, indem eine starke Integration in 

der Schweiz eine Entwurzelung im Heimatstaat zur Folge haben kann, die 

unter Umständen die Rückkehr in den Heimatstaat unzumutbar erscheinen 

lässt (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.6, BVGE 2009/28 E. 9.3.2 je m.w.H.). 

9.6.2 Bei der Prüfung der Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-

zugs einer alleinerziehenden Mutter, die unter einer Angststörung und einer 

PTBS leidet, ist insbesondere auch dem Aspekt des Kindeswohls der mitt-

lerweile (…) Tochter grosses Gewicht beizumessen. Den Akten ist zu ent-

nehmen, dass sie aufgrund ihrer Erlebnisse in der Türkei ebenso wie ihre 

Mutter psychisch angeschlagen ist (vgl. SEM-act. […]-17/3, […]-18/4 und 

Schreiben der […], Kinder- und Jugendpsychiatrie N._______, vom 17. Juli 

2024). Sie musste aufgrund der Bedrohung ihrer Mutter durch ihren Vater, 

den sie nie kennenlernte, zusammen mit ihrer Mutter während mehreren 

Jahren in verschiedenen Frauenhäusern leben und dadurch mehrmals den 

Aufenthaltsort wechseln. Während der Zeit, in der sie in Frauenhäusern 

wohnte, konnte sie mehrmals die Schule nicht besuchen, sich nicht in einen 

Klassenverband integrieren und auch sonst keine stabilen Beziehungen 

knüpfen. Ende 2021 war sie Zeugin, als die Familie ihrer Mutter diese ge-

gen ihren Willen verheiraten wollte, wobei ihre Mutter in ihrer Gegenwart 

von drei Onkeln geschlagen wurde und sie anschliessend unter Polizei-

schutz das Domizil ihrer Grosseltern verliessen (vgl. SEM-act. […]-21/14 

F16, F27). Nachdem ihre Grossmutter einen Herzinfarkt erlitten hatte, be-

suchte sie diese zusammen mit ihrer Mutter im Januar 2024 in L._______. 

Sie begegneten in der Stadt ihrem Vater, der ihre Mutter angriff und ihr zum 

wiederholten Mal das Nasenbein brach (vgl. SEM-act. […]-16/13 F43, […]-

21/14 F39–F43). Die Beschwerdeführerin sagte bei der zweiten Anhörung, 

dass ihre Tochter vom gewaltsamen Übergriff ihres Ex-Ehemannes auf sie, 

den sie in L._______ miterlebte, sehr mitgenommen gewesen sei. Sie habe 

es zwar nicht sehr deutlich gezeigt, sei aber bereits zuvor Zeugin von Ge-

walttaten, die ihr (der Beschwerdeführerin) angetan worden seien, gewor-

den (vgl. SEM-act. […]-21/14 F45). Angesichts vorstehender Erwägungen 

wird klar, dass die Tochter der Beschwerdeführerin in der Türkei keine un-

beschwerte, «normale» Kindheit durchleben konnte. Bei einer Rückkehr in 

ihr Heimatland würden sie aufgrund der potenziellen Gefährdung ihrer Mut-

ter und ihrer selbst mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere kurzzeitige Auf-

enthalte in Frauenhäusern, verbunden mit Wohnortswechseln und der da-

mit einhergehenden Unsicherheit und Unmöglichkeit, nachhaltig zwischen-

menschliche Kontakte zu knüpfen, erwarten. Unbestritten ist, dass die 

Tochter der Beschwerdeführerin sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses der 

vorinstanzlichen Verfügung in der Schweiz noch nicht integrieren konnte. 

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Seite 25 

In der Replik wird in diesem Zusammenhang indessen zutreffend darauf 

hingewiesen, dass ihr in der Türkei aufgrund ihrer Lebensgeschichte eine 

familiäre und soziale Integration verwehrt blieb. Angesichts dieser Um-

stände ist davon auszugehen, dass eine Rückkehr in die Türkei sie beson-

ders hart treffen würde, da sie erneut zu einem unsteten Leben in der Ano-

nymität verbunden mit absehbaren Wohnortswechseln und unstetem 

Schulbesuch gezwungen würde, dies verbunden mit der ständigen Angst 

vor weiteren Drohungen und gewaltsamen Übergriffen durch den Ex-Ehe-

mann ihrer Mutter sowohl auf diese als auch auf sie selbst. Auch der Bruch 

ihrer Mutter mit deren Familie dürfte die Aussicht auf eine familiäre und 

soziale Integration stark erschweren oder gar verunmöglichen. Angesichts 

dieses spezifischen Sachverhalts besteht für die Tochter der Beschwerde-

führerin die konkrete Gefahr, dass sie bei einer Rückkehr in ihr Heimatland 

erneut starken Belastungen ausgesetzt würde, die ihre weitere Entwick-

lung beeinträchtigen würden und demnach dem Kindeswohl entgegenste-

hen. 

9.7 Unter Würdigung aller massgeblichen Umstände im vorliegenden Fall 

und insbesondere aus Sicht des Kindeswohls erweist sich der Vollzug der 

Wegweisung für die Beschwerdeführerinnen aus heutiger Sicht als unzu-

mutbar. 

9.8 Da die Wegweisungsvollzugshindernisse alternativer Natur sind (vgl. 

E. 7.3), sind die Zulässigkeit und die Möglichkeit des Vollzugs nicht mehr 

zu prüfen. 

10.  

Angesichts der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheis-

sen, soweit eventualiter beantragt wird, es sei die Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs festzustellen und den Beschwerdeführerinnen die 

vorläufige Aufnahme zu gewähren. Im Übrigen ist die Beschwerde abzu-

weisen. Nachdem vorliegend keine Gründe für die Anwendung von Art. 83 

Abs. 7 AIG aktenkundig sind, sind die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der 

angefochtenen Verfügung aufzuheben, und das SEM ist anzuweisen, den 

Aufenthalt der Beschwerdeführerinnen nach den gesetzlichen Bestimmun-

gen über die vorläufige Aufnahme zu regeln (Art. 44 AsylG und Art. 83 

Abs. 4 AIG). 

11.  

11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist von einem hälftigen Obsiegen 

auszugehen. Der Beschwerdeführerin wäre somit für das hälftige Unter-

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Seite 26 

liegen reduzierte Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG, 

Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG i.V.m. Art. 2, 3 und 5 des Reglements über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom 

21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.310.2]). Da das Gesuch um Gewährung 

der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwi-

schenverfügung vom 27. August 2024 gutgeheissen wurde und sich die 

Voraussetzungen dafür nicht geändert haben, ist auf die Auferlegung von 

Verfahrenskosten zu verzichten. 

11.2 Mit Zwischenverfügung vom 27. August 2024 wurde auch das Ge-

such um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (Art. 102m Abs. 1 und 2 

VwVG). Bei amtlicher Vertretung wird in der Regel von einem Stundenan-

satz von Fr. 200.– bis Fr. 220.– für Anwältinnen und Anwälte und Fr. 100.– 

bis Fr. 150.– für nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter ausgegan-

gen (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE) und nur der notwendige Auf-

wand entschädigt (vgl. Art. 8 Abs. 2 VGKE). 

11.3 Der Beschwerdeführerin ist im Umfang des Obsiegens – hier also 

hälftig – für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten eine Parteientschä-

digung auszurichten (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 ff. VGKE). Die vormalige 

Rechtsvertreterin, MLaw Valentina Berisha, hat für ihre Aufwendungen bis 

und mit Beschwerdeeinreichung einen Aufwand von 10 Stunden zu 

Fr. 180.– (exkl. Mehrwertsteuer) sowie eine Spesenpauschale von Fr. 50.– 

angeführt (vgl. Beschwerde Ziff. 8.4). Für das Verfassen der Replik machte 

sie einen Aufwand von 2 Stunden geltend (vgl. Replik S. 3 a.E.). Der ver-

anschlagte Arbeitsaufwand von insgesamt 12 Stunden und die Spesen von 

Fr. 50.– erscheinen plausibel und angemessen. Der heutigen Rechtsver-

treterin, dott. giur. Patrizia Testori, ist ab ihrer Einsetzung als amtliche 

Rechtsbeiständin kein zu vergütender Aufwand entstanden. 

11.4 Der Aufwand der vormaligen Rechtsvertreterin ist hälftig als Parteien-

schädigung und hälftig als amtliches Honorar zu entrichten. Die Spesen 

sind hälftig zu erstatten. Das SEM ist demnach anzuweisen, der Beschwer-

deführerin eine Parteientschädigung in der Höhe von gerundet Fr. 1’193.– 

(Aufwand Fr. 1080.–, 8.1% MwSt Fr. 87.50, Spesen Fr. 25.–) auszurichten. 

Das der Rechtsvertretung vom Bundesverwaltungsgericht auszurichtende 

amtliche Honorar ist bei einem Stundenansatz von Fr. 150.– auf gerundet 

Fr. 998.– (Aufwand Fr. 900.–, 8.1% MwSt Fr. 72.90, Spesen Fr. 25.–) fest-

zusetzen. 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 27 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit beantragt wird, es sei die Un-

zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und den Beschwer-

deführerinnen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Im Übrigen wird sie 

abgewiesen. 

2.  

Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung vom 

15. Juli 2024 werden aufgehoben. Das SEM wird angewiesen, die Be-

schwerdeführerinnen vorläufig aufzunehmen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM hat den Beschwerdeführerinnen für das Verfahren vor dem Bun-

desverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1193.– auszurich-

ten. 

5.  

Der amtlichen Rechtsvertretung wird zulasten des Gerichts ein amtliches 

Honorar von Fr. 998.– ausgerichtet. 

6.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerinnen, das SEM und die zu-

ständige kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Christoph Basler