# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a921abdd-b041-5712-9fc7-522b06a7724c
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-03-31
**Language:** de
**Title:** Psychische und somatische unfallfremde Beeinträchtigungen ungenügend abgeklärt
**Docket/Reference:** IV.2012.01269
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.01269.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.01269
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiber Klemmt
Urteil
vom
31. März 2014
in Sachen
X___
Beschwerdeführer
vertreten durch Milosav Milovanovic
Beratungsstelle für Ausländer
Frohaldenstrasse
76, 8180 Bülach
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
weitere Verfahrensbeteiligte:
BVG-Sammelstiftung Swiss Life
c/o Swiss Life AG
General-
Guisan
-Quai 40, Postfach, 8022 Zürich
Beigeladene
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1956 geborene
X.___
erlernte in seiner Heimat (
Y.___
) den Beruf eines Baumalers. 1984 reiste er in die Schweiz ein. Zuletzt arbe
itete er ab
1.
April 2004 als Maler bei der Firma
Z.___
in
A.___
, als er am 2
3.
Juni 2006 bei der Arbeit aus einer Höhe von
mindestens
drei Metern auf den Boden stürzte und sich dabei eine
Calcaneusfraktur
rechts zuzog (
Urk.
15/1,
Urk.
15/7/
35 und 38
,
Urk.
15/11
,
Urk.
15/16
)
.
1.2
Am 1
5.
Januar 2007 meldete sich
der Versicherte
bei der Invalidenversicherung zum Bezug beruflicher Massnahmen an (
Urk.
15/1).
Nach dem
Beizug
der Akten des Unfallversicherers (vgl.
Urk.
15/
7,
Urk.
15/
11)
sowie
nach
medizinischen
(
Urk.
15/
10,
Urk.
15/
21)
und beruflichen Abklärungen
(
Urk.
15/
12-14,
Urk.
15/
16-17
,
Urk.
15/
22
,
Urk.
15/31
)
verneinte
die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
mit Verfügung vom 2
4.
September 2007 das Bestehen eines Anspruchs auf berufliche Massnahmen
, da
solche nach Ansicht des Versicherten aus gesundheitlichen Gründen zur Zeit nicht möglich seien
(
Urk.
15/32
; vgl. auch
Urk
15/28).
Auch ein
im Oktober 2008 gestelltes neues
Gesuch um
Gewährung
beruflicher Massnahmen
(
Urk.
15/41/1; vgl. auch
Urk.
15/40)
wurde von der IV-Stelle
nach einem Standortgespräch vom
3.
November 2008 (
Urk.
15/46)
mit Verfügung vom 2
6.
Januar 2009
wegen des
Gesundheitszustandes des Versicherten
abgewiesen
(
Urk.
15/
49).
Der Unfallversicherer richtete dem Versicherten vom 2
6.
Juni 2006 bis 3
1.
August 2009 Taggelder für eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus (
Urk.
15/77,
Urk.
15/88) und sprach ihm mit Verfügung vom
3.
September 2009 ab
1.
September 2009 eine Invalidenrente aufgrund eines Invaliditätsgrades von 23
%
zu (
Urk.
15/62
).
Daran hielt der Unfallversicherer auf Einsprache des Ver
sicherten mit
Einspracheentscheid
vom 1
1.
Juni 2012 fest (
Urk.
15/90).
1.3
Zur Beurteilung der zwischenzeitlich hinzugetretenen psychischen Problematik veranlasste die IV-Stelle eine psychiatrische Begutachtung des Versicherten (
Urk.
15/57).
Nach Erhalt des Gutachtens von
Dr.
med.
I.___
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie, vom 1
2.
August 2009 (
Urk.
15/60)
wartete s
ie den Ausgang des unfallversicherungsrechtlichen
Einspracheverfahrens
ab
(vgl.
Urk.
15/93/4-5)
und legte das Dossier
ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst zur Würdigung der medizinischen Akten vor (
Urk.
15/93/5-6). Danach führte sie einen Einkommensvergleich durch (
Urk.
15/92,
Urk.
15/9/6) und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 3
1.
August 2012 die Verneinung eines Rentenanspruchs wegen
des ermittelten
Invaliditätsgrades von unter 40
%
in Aussicht (
Urk.
15/95)
. Am
1.
Oktober 2012 erhob der Versicherte dagegen Ein
wand (
Urk.
15/98) und reichte den Bericht des
B.___
vom 2
9.
November 2011 ein (
Urk.
15/97).
Nach
Beizug
einer wei
teren Stellungnahme des RAD (
Urk.
15/103/2) hielt die IV-Stelle mit Verfügung vom
8.
November 2012
an der Verneinung eines Rentenanspruchs
fest (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
der
Versicherte,
vertreten
durch
C.___
, mit Ein
gabe vom
4.
Dezember 2012 Beschwerde mit dem Antrag auf Zusprechung ei
ner mindestens halben Rente sowie Bewilligung der unentgeltlichen
Prozess
führung
(
Urk.
1 S. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
Januar 2013 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
14). Die zum Verfahren bei
geladene BVG-Sammelstiftung Swiss Life (
Urk.
16) verzichtete auf eine Stel
lungnahme (
Urk.
18). Mit Verfügung vom 1
4.
Februar 2013 gewährte das Gericht dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung (
Urk.
19).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2008 und am
1.
Januar 2012 sind die im Zuge der Revisionen 5 und 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG), der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Kraft getreten.
In
materiellrechtlicher
Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grund
satz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die ange
fochtene Verfügung ist
am
8.
November 2012
– und somit nach In
krafttreten der
5.
IV-Revision und
der Revision 6a – ergangen,
wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechts
kräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen
intertemporal
rechtli
chen
Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen
,
vom
1.
Januar 2008 bis 3
1.
Dezember 2011
auf die neuen Normen der 5. IV-Revision (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445
ff.; Urteil des Bundesgerichts I
428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1) sowie ab
1.
Januar 2012
auf die neuen Bestimmungen der Revision 6a abzustellen
.
Da die
5.
IV-Revision hinsichtlich Invaliditätsbemessung keine substanziellen Änderungen gegenüber der bis 3
1.
Dezember 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat, so dass die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 1
9.
Mai 2009 E. 2), werden die massgeblichen Gesetzesbestimmungen – soweit nichts anderes vermerkt ist – im Folgenden in der seit dem
1.
Januar 2008 geltenden und mit der Revision 6a unverändert gebliebenen Fassung zitiert.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Aufgrund der Akten steht fest, d
ass der
Beschwerdeführer
wegen seiner
un
fallbe
dingten
Beeinträchtigung
en
(
Restbeschwerden am rechten Fuss nach der
Calcaneustrümmerfraktur
vom 2
3.
Juni 2006 mit Zustand nach offener Reposition, Schrauben- und Plattenosteosynthese des
Calcaneus
am 3
0.
Juni 2006, Metallentfernung am 1
6.
Oktober 2007 bei
Subtalararthrose
rechts,
Rearthrodese
subtalar
rechts am
2.
Juni 2008 bei
Pseudarthrose
und schliesslich plantarer Metallentfernung rechts am 1
8.
Oktober 2009 zeitgleich mit einer Re
sektion eines
subfibulären
Ossikels
rechts [
Urk.
15/91 S. 8]
)
den angestammten Malerberuf nicht mehr ausüben kann,
aber
in einer leidensangepassten Tätigkeit
(leichte bis mittelschwere, überwiegend sitzende Tätigkeit ohne repetitiven Ein
satz des rechten Fusses,
knieende
oder kauernde Arbeiten, Tätigkeiten in unebe
nem Gelände, Besteigen von Leitern oder Gerüsten sowie häufiges
Treppenstei
gen [
Urk.
15/91/8])
zumindest ab Einstellung der Unfalltaggelder per  Ende August 2009 zu 100
%
arbeitsfähig ist
(
vgl. die Berichte
der
Unfallv
ersiche
rungsmediziner
Dr.
med.
D.___
vom 2
3.
Juni 2009 [
Urk.
15/59/7 ff.
]
sowie
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Chiru
r
gie, vom
5.
Juni 2012
[
Urk.
15/
91/
2 ff.
]
,
des
B.___
vom 2
9.
November 2011 [
Urk.
15/97]
sowie die Stellungnahmen vom
6.
März 2009, 2
5.
August 2009, 2
6.
März 2010, 2
0.
August 2012 und
2
9.
Oktober 2012 von
Dr.
med.
F.___
, Facharzt für Allge
meinmedizin
vom RAD [
Urk.
15/93/3,
Urk.
15/93/6,
Urk.
15/103/2]
)
.
Strittig
ist
im Wesentlichen
, ob
die
Arbeitsfähigkeit zusätzlich durch
krankheitsbe
dingte
Beeinträchtigungen, welche
nebst den Unfallfolgen beste
hen
,
eingeschränkt
wurde
.
2.2
Die IV-Stelle stellt sich auf den Standpunkt, der Beschwerdeführer sei in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig, weil sich die unfallfremden Diagnosen nicht invalidisierend auswirkten. Der Bericht des
B.___
vom
2
9.
November 2011
enthalte keine relevanten neuen medizinischen Befunde.
Insbesondere seien d
ie im knappen psychiatri
schen Teilbericht gestellten Diagnosen einer mittelgradigen Depression und einer
somatoformen
Schmerzstörung und die deshalb attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jede Tätigkeit aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht nachvollziehbar
. Unter Berücksichtigu
ng der invalidisierenden Unfallfolgen resultiere ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 13
%
(
Urk.
2,
Urk.
14).
Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, bereits die unfallbedingten Be
einträchtigungen
für sich allein führten gemäss
Einspracheentscheid
des
Un
fallversicherers
vom 1
1.
Juni 2012 zu
einem Invaliditätsgrad von 23
%
.
Daneben bestünden verschiedene Krankheiten, welche seine Arbeitsfähigkeit einschränkten,
wie ein Metabolisches Syndrom
,
eine Depression
,
eine
somatoforme
Schmerzstörung
und eine Beeinträchtigung der Wirbelsäule.
Die IV-Stelle habe es unterlassen, die Auswirkung dieser Gesundheitsstörungen auf seine Arbeitsfähigkeit abzuklären.
Unter Berücksichtigung sämtlicher Beschwerden habe er Anspruch auf eine mindestens halbe Invalidenrente (
Urk.
1; vgl. auch
Urk.
12-13 und
Urk.
20-21).
3.
3
.1
3.1.1
Der
Bericht des
B.___
vom 2
9.
November 2011
wurde je von einem Facharzt für Chirurgie, Orthopädische Chirurgie, Anästhesiologie, Rheumatologie und Psychiatrie sowie von einem klinischen
Psychologen unterzeichnet (
Urk.
15/97/6). Gemäss dem Bericht
bestanden
in somatischer Hinsicht
nebst den Beeinträchtigungen im rechten Fuss
auch Rückenbeschwerden, welche auf ein chronisches rezidivierendes
zervikal- und lumbalbetontes
Panvertebralsyndrom
bei degenerativen Veränderungen der Hals- und Lendenwirbelsäule
zurückzuführen
seien
.
Auf MRI-Bildern der Lendenwirbelsäule vom 1
8.
März 2008 seien folgende Befunde ersichtlich: eine
lumbosakrale
Anomalie mit Ausbildung eines
lumbosakralen
Assimilationsgelenkes L5/S1 rechts,
Spondylarthrosen
L3-S1 mit dehydrierten sowie teilweise höhengeminderten Bandscheiben,
Osteochondrosen
vor allem im Segment L4/5, eine
breitbasige
median akzentuierte
kleinvolumige
Diskushernie L3/4 ohne Kompression neuraler Strukturen, eine
breitbasige
kleinvolumige
Diskushernie L4/5 mit Kontakt zur Nervenwurzel L5 rechts, jedoch ohne Kompression, sowie eine minimale nicht komprimierende
Diskusprotrusion
L5/S
1.
Die bildgebende Abklärung der Halswirbelsäule vom 2
1.
Dezember 2009 habe in den Segmenten C5/6 sowie C6/7 eine
Osteochondrose
sowie eine ventrale, teils fast überbrückende
hyperstotisch
anmutende Spondylose zur Darstellung gebracht.
Auf die Arbeitsfähigkeit wirke sich die daraus folgende verminderte Belastbarkeit der Wirbelsäule aus
wirbelsäulen-chirurgischer und
orthopädisch-chirurgischer Sicht insofern aus, dass langes Sitzen nicht mehr zumutbar sei
, ebenso wie das Heben schwerer Lasten, Arbeiten über Kopf sowie Arbeiten in
vornübergeneigter
Haltung
(
Urk.
15/97/
3
-6).
Des Weiteren
diagnos
tizierten die Ärzte des
B.___
ein Metabolisches Syndrom mit einem Diabetes mellitus Typ II, einer
Hypercholesterinämie
, einer
Hyperurikämie
und einer Adipositas bei einem BMI von 30 (
Urk.
15/97
/
1).
Die gestörte
Trophik
im rechten Fuss werde möglicherweise durch den Diabetes mellitus verstärkt
und habe zur Folge, dass eine wechselbelastende Tätigkeit
aus orthopädischer Sicht nur halbtags zumutbar wäre
. Zudem werde die Arbeitsfä
higkeit
aus chirurgischer und rheumatologischer Sicht
durch das positive und negative Leistungsbild, die Persönlichkeit des Beschwerdeführers und das
ge
ringe Rehabilitationspotential beeinträchtigt
(
Urk.
15/97/
5-
6).
Dr.
F.___
vom RAD führte
in seinen
Stellungnahme
n
vom
6.
März 2009,
2
6.
März 2010 und
2
9.
Oktober 2012
aus, die unfallfremden Diagnosen wie die leichte Depression, die Adipositas, der Diabetes und die Hypertonie hätten aus versicherungsmedizinischer Sicht in Art, Schwere und Dauer kein relevantes Ausmass erreicht. Im Bericht des
B.___
vom 2
9.
November 2011
würden keine neuen medizinischen Tatsachen und relevan
ten Befunde vorgebracht. Durch die Akten des Unfallversicherers sei ausgewie
sen, dass der Beschwerdeführer aus somatischer Sicht in einer
leidensangepass
ten
leichten, wechselbelastenden Tätigkeit mit häufigem Sitzen zu 100
%
arbeitsfähig sei. Weitere medizinische Abklärungen seien nicht angezeigt
(
Urk.
15/93/3,
Urk.
15/93/6,
Urk.
15/103/2).
3.1.2
Aufgrund des
Bericht
s
des
B.___
vom 2
9.
November 2011
ist ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer
an
den
unfall
bedingten
Beeinträchtigungen
und zusätzlich an
Rückenbeschwerden leidet und dass mittels bildgeben
der
Abklärungen degenerative Befunde in der Hals- und Lendenwirbelsäule festgestellt werden konnten.
Es ist nachvollziehbar, dass die Rückenbeschwerden die Arbeitsfähigkeit zumindest in qualitativer,
allenfalls auch in
quantitativer, Hinsicht einschränk
t
en,
da
keine die Wirbelsäule stark belastenden Tätigkeiten
mit langem Sitzen
mehr zumutbar
waren
.
Ferner beste
hen aufgrund dieses Berichts zumindest Hinweise dafür, dass der Diabetes mellitus die gestörte
Trophik
im rechten Fuss verstärkt
e
. In seinen
knapp ge
haltenen
versicherungsmedizinischen Beurteilungen zu
Handen
der IV-Stelle
erwähnte
der RAD-Arzt
Dr.
F.___
die Rü
ckenbeschwerden
nicht
. Da er den Beschwerdeführer
auch
nicht selbst untersucht hat, kann auf seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht abgestellt werden.
Weil
die
Ärzte des
B.___
für ihre Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
im Bericht vom 2
9.
November 2011
offensichtlich auch
invalidenversicherungsrechtlich nicht
beachtliche subjektive Faktoren berücksichtigten, ohne zu deren
willensmässi
ger
Überwindbarkeit Stellung zu nehmen (vgl. vorstehend
e E. 1.2), kann auf i
hre Beurteilung
ebenfalls
nicht
abgestellt werden. Den Verlaufsberichten des
B.___
vom
4.
Januar 2013 (
Urk.
13) sowie vom 3
0.
April 2013 (
Urk.
21) können für den relevanten Beurteilungszeitraum (bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung) keine neuen Erkenntnisse entnom
men werden, zumal diese Berichte inhaltlich mit dem Bericht vom 2
9.
November 2011 praktisch identisch sind.
Aufgrund der medizinischen Akten bestehen mithin Hinweise dafür, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zusätzlich zur unfallbedingten Ein
schränkung
noch
aufgrund seiner Rückenbeschwerden und internistischen Gesundheitsstörungen
limitiert wird; mit dem im Sozialversicherungsrecht gel
tenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit steht die Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung sämtlicher körperlicher Beeinträchtigungen aber nicht fest.
3.2
3.2
.1
Psychische Symptome
wurden erstmals im Rahmen des stationären
Rehabilitati
onsaufenthalts
in der Rehaklinik
G.___
vom 1
0.
Juni bis
2
3.
Juli 2008 fest
gestellt. Das psychosomatische Konsilium vom 1
7.
Juli 2008 ergab, das
s
sich der Beschwerdeführer infolge der zweijährigen intensiven Behandlung nach dem Unfall mit mehreren Operationen ermüdet und erschöpft fühlte. In der Zwischenzeit sei sein Arbeitsvertrag aufgelöst worden, und zusätzlich sei die Ehefrau erkrankt.
Durch die Kumulation der belastenden Ereignisse
habe
sich gemäss seinen Angaben
sein affektives und emotionales Leben
verschlechtert
, wobei er seinen aktuellen Zustand schlecht akzeptieren könne. Diagnostisch sei vom Vorliegen einer protrahiert verlaufenden Anpassungsstörung mit einer leichten depressiven Reaktion auszugehen (
Urk.
15/41/10-12).
Der Hausarzt
Dr.
med.
H.___
, Facharzt für Allgemeinmedizin,
diagnostizierte in seinem
Bericht vom
1.
März 2009 eine reaktive depressive Verstimmung mit Angstzuständen (Existenzängste) und einer
somatoformen
Schmerzverarbei
tungsstörung
. Der Hausarzt hielt fest, diese Symptome beeinträchtigten die Anpassungsfähigkeit und die Belastbarkeit. Die Arbeitsfähigkeit werde seines Erachtens wesentlich durch die depressive Verstimmung mit Existenzängsten und die Schmerzverarbeitungsstörung mitbeeinflusst (
Urk.
15/54).
Das psychiatrische Gutachten von
Dr.
I.___
vom 1
2.
August 2009
basiert auf den zur Verfügung g
estellten Akten der IV-Stelle sowie der psychiatrischen Ex
ploration des Beschwerdeführers vom 1
0.
August 200
9.
Dr.
I.___
diagnosti
zierte eine protrahierte leichte Depression und legte dar, die Komplikationen im rechten Fuss und die Arbeitsunfähigkeit der Ehefrau hätten aufgrund der Anga
ben des Beschwerdeführers ungefähr in der ersten Hälfte des Jahres 2007 einen depressiven Zustand aufkommen lassen. Die Depression habe aufgrund der psy
chischen Anamnese, der Akten und des klinischen Eindrucks anlässlich der Ex
ploration – es hätten sich nur affektive depressive Symptome wie Weinerlich
keit, Existenzängste und Depressivität, nicht aber ein somatisches depressives Syndrom feststellen lassen -
bis heute nur einen leichten Grad erreicht. Dafür spreche auch, dass der Beschwerdeführer zwar seit zwei Jahren psychiatrisch behandelt werde, aber bisher nie
eine antidepressive Medikation
erhalten habe. Gemäss klinischem
Eindruck sei er vital und alert geblieben. Aus der Anamnese ergebe sich, dass der depressive Zustand nicht fixiert sei, sondern von den psychischen und sozialen Belastungen abhänge. Weiter bestünden keine Anhaltspunkte für eine relevante
somatoforme
Störung, da die Schmerzen kör
perlich klar abgegrenzt und nicht auf psychogene diffuse Art ausgeweitet seien. Zudem sei das Schmerzsyndrom nicht von einer psychogenen
Stress
s
ymptoma
tik
begleitet. Aus psychiatrischer Sicht bestehe aufgrund dessen keine invalidi
sierende Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit (
Urk.
15/60).
Laut dem
psychiatrischen Teil des Berichts des
B.___
vom 2
9.
November 2011
wirkte
der Beschwerdeführer deutlich depressiv-resigni
ert und affektiv unkontrolliert
. Kognitiv sei er in Aufmerksam
keit, Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis verlangsamt und deutlich eingeschränkt
gewesen
. Zudem habe eine deutliche Vergesslichkeit beobachtet werden können
. Auf der Hamilton-Skala sei fremdanamnestisch ein Wert von 24 entsprechend einer mittelgradigen Depression gemessen worden
. Zudem be
stehe eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung. Wegen der Depression sei der Beschwerdeführer auch in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100
%
ar
beitsunfähig
(
Urk.
15/97).
In seinen Stellungnahmen vom 2
0.
August sowie vom 2
9.
Oktober 2012 hielt
Dr.
F.___
vom RAD fest, im psychiatrischen Bereich lägen keine neuen Tatsa
chen und Befunde relevanten Ausmasses vor. Die im psychiatrischen Teilbericht des
B.___
vom 2
9.
November 2011 gestellten Diagnosen und die attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit seien nicht nachvoll
ziehbar (
Urk.
15/93/6,
Urk.
15/103/2).
3.2.2
Aufgrund der wiedergegebenen psychiatrischen Berichte ist ausgewiesen, dass sich beim Beschwerdeführer ab Mitte 2007 eine depressive Störung entwickelte.
Der den Beschwerdeführer im Auftrag der IV-Stelle begutachtende
Dr.
I.___
diagnostizierte am 1
2.
August 2009 noch eine leichte Depression, wogegen die Ärzte des
B.___
im
rund zwei Jahre nach der Begutachtung erstellten Bericht vom 2
9.
November 2011
eine mittelgradige Depression erwähnten.
Mit den
von diesen Ärzten auch testpsychologisch erho
benen
(neuen)
Befunde
n
bestehen
Anhaltspunkte
dafür, dass sich der psychische Gesundheitszustand nach dem Unfall kontinuierlich verschlechtert
und im rele
vanten Beurteilungszeitraum bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung möglicherweise ein invalidisierendes Ausmass angenommen hat.
Im
Bericht
wird
indessen
nicht zur
Entwicklung
der
psychisch bedingten Arbeitsfähigkeit im zeitlichen Verlauf
Stellung genommen, und es fehlt eine Ausein
andersetzung mit
der
abweichenden
Beurteilung
der Depression durch den
Gutachter
Dr.
I.___
und der Frage, inwiefern die Symptome durch
invalidenversiche
rungsrechtlich
nicht beachtliche Faktoren aufrechterhalten
wurden
; deshalb kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass im Bericht des
B.___
lediglich eine andere Beurteilung der weitgehend gleich gebliebenen psychischen Situation zum Ausdruck gebracht wurde
.
Die Stel
lungnahmen des
RAD
vom 2
0.
August sowie vom 2
9.
Oktober 2012 erfolgten
andererseits
lediglich gestützt auf die medizinischen Akten und nicht
auf
eine eigene Untersuchung des Beschwerdeführers.
Deshalb
und nicht zuletzt auch
wegen der knappen Ausführungen von
Dr.
F.___
ist
nicht nachvollziehbar, wie er zur Beurteilung gelangte, dass durch den Bericht des
B.___
keine neuen Befunde ausgewiesen seien.
Insgesamt steht auch die zumutbare Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht im zeitlichen Verlauf seit dem Unfall nicht mit überwiegend
er
Wahrscheinlichkeit fest.
4.
Nach dem G
esagten hat die IV-Stelle den medizinischen Sachverhalt ungenü
gend abgeklärt und es besteht weiterer Abklärungsbedarf. Die IV-Stelle, an wel
che die Sache zurückzuweisen ist, wird
den Beschwerdeführer
angesichts
seines vielfältigen Beschwerdebildes
und zur besseren Beurteilung allfälliger Wechsel
wirkungen zwischen den körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen
multidisziplinär (zumindest internistisch, orthopädisch/rheumatologisch sowie psychiatrisch) zu begutachten lassen haben. Die Gutachter werden sich dabei aus interdisziplinärer Sicht möglichst genau zur Entwicklung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit
(auch)
in leidensangepassten Tätigkeiten im zeitlichen Verlauf seit dem Unfall vom 2
3.
Juni 2006 zu äussern
und ihre Schlüsse zu begründen
haben.
D
abei
werden
sie
zu berücksichtigen
haben
,
dass der Beschwerdeführer nach seinem Unfall mehrmals zur Durchführung operativer Eingriffe oder zur Rehabilitation hospitalisiert war und
in
allgemeiner Weise während
der
Hei
lungsphase
(n)
möglicherweise auch
für
leidensangepasste
Tätigkeit
en stärker in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war als nach erfolgter Heilung bezie
hungsweise Stabilisierung des Gesundheitszustandes.
Nach Erhalt einer solchen Expertise wird die IV-Stelle erneut über den Rentenanspruch zu verfügen haben. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
600.-- zulasten der unterlie
genden IV-Stelle (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
5.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgeric
ht (
GSVGer
) hat die obsiegende
b
eschwerdeführende
Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die
Rück
weisung
der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Ver
fügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Ausgangsgemäss steht dem durch
C.___
vertretenen Beschwerde
führer eine Parteientschädigung zu, welche u
nter Berücksichtigung
der
obgenannten
Krit
erien
ermessensweise auf
Fr.
1‘100.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass
die
angefochtene
Verfügung vom
8.
November 2012 aufgeho
ben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter
Ab
klärung im Sinne der Erwägun
gen, neu
über den Rentenanspruch
verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine
Prozessent
-
schä
digung
von
Fr.
1
‘
100
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
C.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
BVG-Sammelstiftung Swiss Life
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GrünigKlemmt