# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e2eb463f-37d7-5389-b004-83d55181d517
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-02
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 02.02.2024 OG.2023.00016 (OGS.2024.169)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2023-00016_2024-02-02.html

## Full Text

Kanton Glarus

  
	
   

  
	
  Obergericht

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Es wirken mit: Obergerichtsvizepräsidentin MLaw Sarina Dreyer,
  Oberrichterin 

  Monika Trümpi, Oberrichterin Brigitte Müller, Oberrichter MLaw Mario Marti
  und Oberrichter Martin Ilg sowie Gerichtsschreiberin
  MLaw Jennifer Zbinden. 

  
	
   

  
	
   

  
	
  Urteil
  vom 2. Februar 2024

  
	
   

  
	
   

  
	
  Verfahren
  OG.2023.00016

  
	
   

  
	
   

  
	
  1. Staats-
  und Jugendanwaltschaft des Kantons Glarus

  
	
  Postgasse 29, 8750 Glarus
  

  
	
  Anklägerin
  und

  
	
  Berufungsklägerin

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  2. A.______

  
	
  Privatkläger

  
	
   

  
	
   

  
	
  gegen

  
	
   

  
	
   

  
	
  B.______

  
	
  Beschuldigter und

  
	
  Berufungsbeklagter

  
	
   

  
	
  verteidigt
  durch lic. iur. Bettina
  Dürst, Rechtsanwältin

  
	
   

  
	
   

  
	
  Gegenstand

  
	
   

  
	
  Veruntreuung

  
	
   

  
	
  Anträge
  der Staatsanwaltschaft (gemäss Berufungserklärung vom
  21. März 2023, act. 36, sowie gestellt anlässlich der Berufungsverhandlung
  vom 10. November 2023, act. 49):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Unter teilweiser Aufhebung von
    Dispositivziffer 1 des Urteils des Kantons­gerichts Glarus vom 1. März
    2023 sei der Beschuldigte der Veruntreuung (Art. 138 Ziff. 1
    StGB; bezogen auf die dem Beschuldigten zur Last gelegten Handlungen vom
    30. Dezember 2008 [Anklageziffer 2, Sachverhalt P] schuldig zu
    sprechen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    In Ergänzung des angefochtenen
    Urteils des Kantonsgerichts Glarus sei der Beschuldigte mit einer
    Freiheitsstrafe von 10 Monaten, bedingt aufgeschoben unter Ansetzung einer
    Probezeit von 3 Jahren, zu bestrafen.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    In Abänderung von
    Dispositivziffer 5 des angefochtenen Urteils des Kantonsgerichts Glarus
    seien die Kosten des Verfahrens im Umfang eines Fünftels dem Beschuldigten
    aufzuerlegen.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Die Kosten des
    Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.

    

  

  
	
   

  
	
  Anträge
  des Beschuldigten (gestellt anlässlich der Berufungsverhandlung vom
  10. November 2023, act. 50):

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es sei das Urteil des
    Kantonsgerichts Glarus vom 1. März 2023 in sämtlichen Punkten zu
    bestätigen und der Beschuldigte im Punkt der Veruntreuung gegenüber
    A.______ freizusprechen.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Es sei dem Beschuldigten die
    amtliche Verteidigung durch Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Dürst-Hunziker
    auch für das Verfahren vor Obergericht zu gewähren.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Dies alles unter Kosten- und
    Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.

    

  

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das Gericht   zieht in Betracht:

  
	
   

  
	
  I. Prozessgeschichte

  
	
  1.  

  
	
  1.1. Die
  Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus erhob am 4. März 2022 Anklage
  gegen B.______ (nachfolgend Beschuldigter) wegen gewerbsmässigen Betruges
  sowie Veruntreuung zu Lasten von 27 Geschädigten (act. 1 und
  act. 3).

  
	
   

  
	
  1.2. Mit
  Urteil vom 1. März 2023 sprach das Kantonsgericht Glarus den
  Beschuldigten sowohl vom Vorwurf des gewerbsmässigen Betruges als auch vom
  Vorwurf der Veruntreuung frei (act. 29 S. 54 Dispositivziffer 1).
  Das Kantonsgericht Glarus verfügte zudem, dass die sichergestellten
  Gegenstände dem Beschuldigten herauszugeben seien und merkte vor, dass der
  Beschuldigte sämtliche (unbezifferten) Zivilforderungen der Privatkläger im
  Grundsatz anerkannt habe (act. 29 S. 54 Dispositiv­ziffern 2-3).
  Die Gerichtsgebühr setzte das Kantonsgericht auf CHF 6'000.— fest und
  nahm diese zusammen mit den weiteren Verfahrenskosten von insgesamt
  CHF 39'074.20 auf die Staatskasse (act. 29 S. 43
  Dispositivziffern 4-5). 

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  Gegen dieses Urteil erhob die
  Staatsanwaltschaft am 21. März 2023 fristgerecht Berufung beim
  Obergericht des Kantons Glarus und beantragte, dass die Dispositiv­ziffer 1
  des vorinstanzlichen Urteils teilweise aufzuheben und der Beschuldigte der
  Veruntreuung (begangen am 30. Dezember 2008, Anklageziffer 2,
  Sachverhalt P) schuldig zu sprechen sei. Ergänzend beantragte die
  Staatsanwaltschaft, dass der Beschuldigte hierfür mit einer Freiheitsstrafe
  von 10 Monaten, bedingt aufgeschoben unter Ansetzung einer Probezeit von 3
  Jahren zu bestrafen sei und ihm die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens
  und des Untersuchungsverfahrens zu 

  einem Fünftel aufzuerlegen seien (vgl. zum Ganzen act. 36 S. 2).
  Die Verteidigung beantragte dagegen die vollumfängliche Abweisung der
  Berufung (act. 50 S. 1).

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  Die mündliche
  Berufungsverhandlung fand am 10. November 2023 statt (act. 46). 

  
	
   

  
	
  4.  

  
	
  Am 2. Februar 2024 fällte das Obergericht
  seinen Entscheid (act. 52). Der Entscheid wird schriftlich
  eröffnet, nachdem die Parteien auf eine mündliche Urteilseröffnung
  ausdrücklich verzichtet haben (Art. 84 Abs. 3 StPO; act. 46
  S. 6).

  
	
   

  
	
  II. Prozessuales

  
	
  1.  

  
	
  Das hier angefochtene Strafurteil der Vorinstanz
  (act. 29) ist der Berufung zugänglich (Art. 398 Abs. 1 StPO). Die
  Staatsanwaltschaft ist zur Berufung legitimiert (Art. 381 Abs. 1 StPO),
  hat die Rechtsmittelfrist gewahrt und erhebt zulässige 

  Rügen (Art. 398 Abs. 3 StPO; vgl. act. 36 und act. 49). Das
  Obergericht ist als Rechtsmittelinstanz in Strafsachen für die Behandlung der
  Berufung zuständig (Art. 17 Abs. 1 lit. a GOG GL [GS III A/2]). Auf
  die Berufung ist einzutreten (Art. 398 ff. StPO). 

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  2.1. Mit
  Berufung kann gemäss Art. 398 Abs. 3 StPO geltend gemacht werden, die Vorinstanz
  habe das Recht verletzt, den Sachverhalt unvollständig oder unrichtig
  festgestellt und/oder unangemessen entschieden.

  
	
   

  
	
  2.2. Im
  vorliegenden Fall macht die Staatsanwaltschaft sowohl eine unvollständige und
  unrichtige Sachverhaltsfeststellung als auch eine falsche Rechtsanwendung
  geltend (act. 49 S. 3 ff.).

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  3.1. Die
  Berufungsinstanz überprüft das Urteil nur in den angefochtenen Punkten
  (Art. 404 Abs. 1 StPO). Lediglich in diesen Punkten hat das Urteil
  aufschiebende Wirkung (Art. 402 StPO). Wird gegen einzelne Punkte
  eines Urteils kein Rechtsmittel ergriffen, erwachsen die unangefochtenen
  Urteilspunkte rückwirkend auf den Tag der Entscheidung in Rechtskraft
  (Art. 437 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 StPO). Diese rechtskräftigen Punkte sind im Dispositiv des
  Berufungsentscheids vorab aufzuführen (Niklaus
  Schmid/Daniel Jositsch,
  Schweizerische Strafprozessordnung, 

  Praxiskommentar, 4. Aufl., Zürich/St. Gallen 2023,
  N. 1 f. zu Art. 408 StPO). 

  
	
   

  
	
  3.2. Die
  Staatsanwaltschaft hat das vorinstanzliche Urteil nur teilweise angefochten
  (vgl. act. 36). Nicht angefochten hat sie den Freispruch des
  Beschuldigten in Bezug auf den (gewerbsmässigen) Betrug, die Herausgabe der
  sichergestellten Gegenstände sowie die Vormerkung, dass der Beschuldigte sämtliche
  Zivilforderungen der Privatkläger im Grundsatz anerkannt hat (vgl.
  act. 29 S. 54 Dispositivziffern 1-3 im Vergleich zu act. 36).
  Diese Urteilspunkte sind somit rechtskräftig, was vorzumerken ist. 

  
	
   

  
	
  4.  

  
	
  Die Akten des vorinstanzlichen
  Verfahrens SG.2022.00019 (act. 1-35) wurden beigezogen. Die
  Strafuntersuchungsakten (Verfahren SA.2014.00428) bilden integrierender
  Bestandteil dieser Akten (act. 2/1.1.01 ff.). Die Akten des
  Berufungs­verfahrens werden im gleichen Dossier geführt (ab act. 36).

  
	
   

  
	
   

  
	
  III. Sachverhalt

  
	
  1.  

  
	
  1.1. Der
  Beschuldigte schloss sich im Jahr 2007 mit C.______ und D.______ zusammen, um
  Kundengelder anzulegen (vgl. act. 2/10.1.01 Fragen 3 und 20). Ihr
  Geschäftsmodell basierte dabei darauf, dass C.______ und D.______ dem
  Beschuldigten die Kunden vermittelten und er deren investierten Gelder nach
  seinem System anlegte (act. 2/10.1.01 Fragen 3-4). Finanziert wurde der
  Beschuldigte dabei durch seinen ehemaligen Geschäftspartner E.______
  (act. 2/10.1.01 Fragen 181-182).

  
	
   

  
	
  1.2. Im
  Rahmen dieses Geschäftsmodells stellte D.______ anfangs 2008 

  unter anderem den Kontakt zwischen dem Beschuldigten und A.______
  (nachfolgend Privatkläger) her (vgl. act. 2/10.1.03 N. 51 f.).
  Der Privatkläger war am Anlagesystem des Beschuldigten interessiert und
  unterzeichnete deshalb am 4. März 2008 eine Lizenzvereinbarung mit der
  F.______ GmbH (vertreten durch den Beschuldigten), wonach er sich
  verpflichtete, sein Kapital gemäss den Empfehlungen und Vorgaben des
  Beschuldigten einzusetzen (act. 2/10.2.21 Frage 3; Kopien aus sichergestellten
  Akten S. 41 f.). Am 30. Januar 2008 hatte er hierfür bereits ein
  Konto bei der G.______ Bank eröffnet und am 20. Februar 2008
  EUR 269'995.66 darauf einbezahlt (act. 2/6.1.00b S. 504 und
  S. 508 f.). 

  
	
   

  
	
  1.3. Der
  Beschuldigte verfolgte neben diesem Anlagegeschäft ein weiteres Projekt im
  Bereich der Solarenergie. Konkret bestand die Idee des Beschuldigten darin,
  durch eine Emission in Deutschland 25 Millionen Euro zu sammeln, um damit den
  Bau von Solaranlagen in der Schweiz zu finanzieren (act. 2/10.1.01 Fragen
  3 und 108; act. 48 Fragen 43-44). Zu diesem Zweck gründete er am
  23. Januar 2008 die Einzelunternehmung «X.______» (act. 2/8.1.08).

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  Dem Beschuldigten wird nun vorgeworfen, er habe am
  30. Dezember 2008 ab dem G.______ Bankkonto des Privatklägers CHF 85'000.—
  auf das Y.______-Konto seines Einzelunternehmens «X.______» überwiesen.
  Anschliessend habe er CHF 84'560.— bar abgehoben und für eigene
  Bedürfnisse verwendet. Er habe zwar über eine Vollmacht für das G.______
  Bankkonto des Privatklägers verfügt, sei aber lediglich bevollmächtigt
  gewesen, die Gelder gemäss Lizenzvereinbarung vom 4. März 2008 anzulegen,
  d.h. Börsentitel zu kaufen und zu verkaufen. Die Staatsanwaltschaft klagte
  den Beschuldigten deshalb wegen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1
  StGB an (vgl. zum Ganzen act. 1 S. 8).

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten von diesem Vorwurf
  frei (act. 29 S. 54 Dispositivziffer 1). Dies mit der Begründung,
  dass die Aussagen des Beschuldigten und die des Privatklägers sich zum Teil
  widersprechen würden. Während der Beschuldigte aussage, der Bezug der
  CHF 85'000.— sei vorgängig mit dem Privatkläger abgesprochen gewesen,
  bestreite dies der Privatkläger. Die Aussagen des Beschuldigten seien dabei
  widerspruchsfrei und detailreich. Es könne deshalb nicht ausgeschlossen
  werden, dass der Beschuldigte gutgläubig bzw. basierend auf einem
  Missverständnis gehandelt habe. Aufgrund dieser Sachlage könne nicht die Rede
  davon sein, dass unüberwindliche Zweifel an der Böswilligkeit des
  Beschuldigten bestehen, zumal mindestens zwei Sachverhaltsvarianten möglich
  seien. Auch sei nicht erweisen, dass der Beschuldigte das bezogene Geld für
  eigene Bedürfnisse verwendet habe (vgl. zum Ganzen act. 29
  S. 43 f. E. II.3.2.).

  
	
   

  
	
  4.  

  
	
  Die Staatsanwaltschaft argumentiert dagegen, dass die von
  der Vorinstanz erwähnten Sachverhaltsvarianten nicht gleichwertig seien. Es
  sei deshalb nicht korrekt, einfach von der für den Beschuldigten günstigeren
  Variante auszugehen (act. 49 S. 4). Entgegen der Vorinstanz seien
  die Aussagen des Beschuldigten nicht detailreich und nicht ohne Widersprüche
  und deshalb auch nicht glaubhaft (act. 49 S. 4 ff.). Daneben
  sei zu beachten, dass die Vorinstanz in ihrer Sachverhaltserstellung nicht
  alle einschlägigen Beweismittel berücksichtigt habe. Insbesondere nicht
  berücksichtigt habe die Vorinstanz die Aussage der Ehefrau des Privatklägers
  sowie die in den Akten liegende Lizenzvereinbarung (act. 49
  S. 6 f.). Die CHF 85'000.— seien anders verwendet worden, als
  es in der Lizenzvereinbarung vereinbart worden sei (act. 49 S. 8).
  Glaubhafte Erklärungen hierfür habe der Beschuldigte nicht geben können. Von
  einem Missverständnis könne deshalb keine Rede sein (act. 49 S. 8).
  Es sei zudem erwiesen, dass der Beschuldigte das Geld für eigene Bedürfnisse
  verwendet habe (act. 49 S. 8 f.). 

  
	
   

  
	
  5.  

  
	
  5.1. Die
  Verteidigung argumentiert dagegen, dass die Vorinstanz korrekt vorgegangen
  sei. Es sei zu Gunsten des Beschuldigten zu entscheiden, wenn es Aussage
  gegen Aussage stehe, die Glaubwürdigkeit des Privatklägers stark zu bezweifeln
  sei und zwei Sachverhaltsvarianten bestehen würden (act. 46 S. 3;
  act. 50 S. 5). Es seien keine Widersprüche in den Aussagen des
  Beschuldigten ersichtlich; seine Aussagen seien vielmehr konsistent,
  widerspruchsfrei und detailreich (act. 50 S. 5). Grund für gewisse
  Erinnerungslücken sei die lange Verfahrensdauer (act. 46 S. 3). Die
  CHF 85'000.— seien vertragskonform in die X.______ investiert worden
  (act. 50 S. 2 und S. 5). Es habe keine Vereinbarung gegeben,
  wonach der Beschuldigte den Privatkläger vor oder nach Tätigung der Anlage
  hätte informieren müssen (act. 50 S. 2). Dies auch deshalb, da der
  Privatkläger ohnehin jederzeit den Zugriff und die Kontrolle über sein
  eigenes Konto gehabt habe und ihm der Bezug durch die G.______ Bank angezeigt
  worden sei (act. 50 S. 2). 

  
	
   

  
	
  5.2. Etwas
  speziell sei einzig der Umstand, dass es sich bei der X.______ um ein Projekt
  des Beschuldigten selbst gehandelt habe. Dies sei für den Privatkläger aus
  der Belastungsanzeige jedoch ersichtlich gewesen. Der Privatkläger habe
  selbst ausgesagt, dass der Beschuldigte ihm erklärt habe, eine bessere
  Anlagemöglichkeit im Bereich von Solaranlagen zu haben. Er habe somit
  Kenntnis davon gehabt, wie sein Geld angelegt werden sollte. Der Privatkläger
  habe sich an seinen Einvernahmen eigentlich an gar nichts mehr konkret
  erinnern können. Seine Aussage, dass er verärgert über den Bezug der
  CHF 85'000.— gewesen sei, sei angesichts der unterzeichneten
  Lizenzvereinbarung zur Investition seines Geldes merkwürdig. Der Beschuldigte
  habe sein Geld ja gerade investieren sollen, um einen möglichen Gewinn zu
  erwirtschaften (vgl. zum Ganzen act. 50 S. 3 f.). 

  
	
   

  
	
  6.  

  
	
  6.1. Basierend
  auf diesen Vorbringen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung ist im
  Folgenden die Sachverhaltsfeststellung durch die Vorinstanz zu überprüfen. Zu
  beachten ist dabei, dass der angeklagte Sachverhalt dem Beschuldigten nur
  dann zur Last gelegt werden kann, wenn er nach Überzeugung des Gerichts mit
  an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erstellt ist (BGE 144 IV 345
  E. 2.2.3.3).

  
	
  6.2. Vorliegend
  ist unbestritten, dass der Beschuldigte am 30. Dezember 2008
  CHF 85'000.— vom G.______ Konto des Privatklägers auf das Y.______-Konto
  der 

  X.______ überwiesen und von diesem Konto noch am selben Tag CHF 84'560.—
  in bar bezogen hat (vgl. act. 29 S. 43 E. II.3.2.;
  act. 49 S. 2; act. 50 S. 1 f.; act. 2/6.1.00b
  S. 496 und S. 498; Beilage zu act. 2/10.1.03). Für diese
  Transaktion wurden dem Privatkläger CHF 15.— als Bankspesen verrechnet
  (act. 2/6.1.00b S. 496). Ebenfalls unbestritten und aufgrund der
  Akten erstellt ist, dass die CHF 85'000.— am 16. März 2009 von der
  X.______ wieder zurück auf das G.______ Konto des Privatklägers überwiesen
  wurden (act. 29 S. 43 E. II.3.2.; act. 49 S. 2;
  act. 50 S. 1 f.; act. 2/6.1.00b S. 497 f.;
  act. 2/6.3.03-16). Der Beschuldigte hatte dabei jederzeit Zugriff auf
  das G.______ Konto des Privatklägers, da er über den Codierschlüssel mit den
  Sicherheitsbestimmungen verfügte (act. 48 Fragen 28-29). Auch der
  Privatkläger selbst hatte jederzeit Zugriff auf sein G.______ Konto (act. 48
  Frage 32). Als wirtschaftlich Berechtigter gegenüber der G.______ war der
  Privatkläger gemeldet (vgl. act. 2/6.1.00b S. 509).

  
	
   

  
	
  6.3. Strittig
  ist dagegen, ob diese Überweisung der CHF 85'000.— und der
  anschliessende Barbezug der CHF 84'560.— im Rahmen der vertraglich
  vereinbarten Vermögensverwaltung des Privatklägers erfolgte bzw. im Vorfeld
  mit dem Privat­kläger abgesprochen war oder nicht. Schliesslich ist
  umstritten, ob der Beschuldigte die CHF 85'000.— für eigene Bedürfnisse
  verwendet hat. Diese strittigen Punkte sind im Folgenden zu klären
  (E. III.7.-III.9.).

  
	
   

  
	
  7. Vereinbarung zwischen dem Privatkläger und dem
  Beschuldigten

  
	
   

  
	
  7.1. Der
  Privatkläger und der Beschuldigte (handelnd als Vertreter der F.______ GmbH)
  schlossen am 4. März 2008 eine Lizenzvereinbarung ab (vgl. Kopien aus
  sichergestellten Akten S. 41 f.). Diese stellte die Grundlage dafür
  dar, dass der Beschuldigte das Vermögen des Privatklägers verwalten konnte.
  Einen schriftlichen Vermögensverwaltungsvertrag schloss der Privatkläger (anders
  als die meisten anderen Kunden des Beschuldigten, vgl. Kopien aus
  sichergestellten Akten S. 53 ff.) nicht ab (vgl.
  act. 2/10.1.03 N. 54 ff.; act. 48 Frage 26). 

  
	
   

  
	
  7.2. In der
  Lizenzvereinbarung hielten die Parteien fest, dass die F.______ GmbH
  (Unternehmen des Beschuldigten) die Finanzmarkttools vertreibe. Dabei handle
  es sich um ein Finanzmarkttool, welches die Anlageform in Trendaktien mit
  begleitenden Optionsscheinen in Form eines ausgewogenen Depots nutze. Die
  F.______ GmbH gewährte dem Privatkläger anschliessend das Recht, diese beiden
  Finanzmarkttools zu nutzen. Der Privatkläger verpflichtet sich im Gegenzug,
  sein eingesetztes Kapital gemäss den Empfehlungen und Vorgaben der F.______
  GmbH einzusetzen. Vereinbart war ein Investitionszeitraum von mindestens drei
  Jahren. Der Privatkläger war zudem verpflichtet, der F.______ GmbH eine
  Lizenzgebühr zu bezahlen (vgl. zum Ganzen Kopien aus sichergestellten Akten
  S. 41 f.).

  
	
   

  
	
  7.3. Um was
  es sich genau bei den Finanzmarkttools des Beschuldigten handelt, ist im
  Dokument «XX» des Beschuldigten weiter ausgeführt (Kopien aus
  sichergestellten Akten S. 191 ff.; vgl. auch act. 2/8.1.01
  S. 59). Darin beschreibt der Beschuldigte sein Anlageprodukt als
  Direktanlage in Aktien und begleitende Optionsscheine (Kopien aus
  sichergestellten Akten S. 193). Investiert werde ausschliesslich in
  Aktien, die einem langfristigen Trend folgen (Kopien aus sichergestellten
  Akten S. 193). Um die Depotperformance zu steigern, würden die
  Trend-Aktien zudem mit Optionsscheinen begleitet (Kopien aus sichergestellten
  Akten S. 201).

  
	
   

  
	
  7.4. Weder
  in der Lizenzvereinbarung noch im Dokument «XX» ist eine mögliche Investition
  der Gelder in ein Solarprojekt erwähnt (vgl. Kopien aus sichergestellten
  Akten S. 41 f. und S. 191 ff.). Beide erwähnen als
  Anlageprodukte ausschliesslich Aktien und Optionsscheine (vgl. Kopien aus
  sichergestellten Akten S. 41 f. und S. 191 ff.). Diese
  beiden Dokumente stellen somit entsprechend den Ausführungen der
  Staatsanwaltschaft (vgl. act. 49 S. 6 f.) ein gewichtiges
  Indiz dafür dar, dass die ursprüngliche Vereinbarung zwischen dem
  Beschuldigten und dem Privatkläger nur die Vermögensanlage in Aktien und
  Optionsscheine umfasste. 

  
	
   

  
	
  7.5. Dasselbe
  Bild ergibt sich entgegen der Verteidigung (vgl. act. 50 S. 2 und
  S. 5) auch aus den Einvernahmen des Beschuldigten und des Privatklägers.
  So gab der Beschuldigte an seiner polizeilichen Einvernahme vom 17. Juni
  2015 an, dass es bei seinem Geschäftsmodell um Anlagen gegangen sei, welche
  getätigt werden sollten. Es sei ein ganz simples System. Es brauche immer 30
  Titel (20 Aktien und 10 Optionsscheine). Er habe diese gekauft und verkauft
  (act. 2/10.1.01 Frage 3). Sein System habe auf dem von Herrn H.______
  basiert. Er habe dessen System eingekauft und dieses so weitergegeben
  (act. 2/10.1.01 Frage 7). Auf die Frage, was für Titel in diesem Produkt
  enthalten gewesen seien, antwortete der Beschuldigte, dass dies Aktien und
  Optionsscheine gewesen seien (act. 2/10.1.01 Frage 8). Auch an der
  staatsanwaltschaftlichen Einvernahme bestätigte der Beschuldigte, dass er die
  Gelder seiner Kunden nach dem System H.______ eingesetzt habe
  (act. 2/10.1.02 N. 212 ff.). 

  
	
   

  
	
  7.6. Aus den
  Akten ergibt sich, dass es sich bei diesem erwähnten System von Herrn
  H.______ um einen gebührenpflichtigen Börsendienst handelt, wobei Herr
  H.______ für seine Kunden Trendaktien und Optionsscheine identifiziert, in
  welche diese anlegen können (vgl. act. 2/8.1.01 S. 57 f.; vgl.
  auch Kopien aus sichergestellten Akten S. 176 ff. und
  S. 203 ff.). Der Beschuldigte hat diesen Börsendienst von Herrn
  H.______ nachweislich abonniert (vgl. Kopien von sichergestellten Akten
  S. 203 ff.).

  
	
   

  
	
  7.7. Der
  Privatkläger bestätigte an seiner polizeilichen Einvernahme vom
  16. Januar 2015, dass er im Jahr 2007 bzw. 2008 sein Geld dem
  Beschuldigten für Börsenanlagen übergeben habe (act. 2/10.2.21 Frage 9).
  

  
	
   

  
	
  7.8. Es ist
  somit entgegen den Ausführungen der Verteidigung erstellt, dass die
  ursprüngliche Vereinbarung zwischen den Parteien zur Vermögensverwaltung des
  Privatklägers einzig eine Anlage in Aktien und Optionsscheine umfasste. 

  
	
   

  
	
  8. Vorgängige Absprache des Bezugs

  
	
   

  
	
  8.1. Zu
  prüfen bleibt, ob der Beschuldigte den Bezug der CHF 85'000.— vorgängig
  im konkreten Einzelfall mit dem Privatkläger abgesprochen hatte. Wie die 

  Vorinstanz zu Recht festhält (act. 29 S. 43 E. II.3.2.),
  widersprechen sich die Aussagen des Beschuldigten und des Privatklägers in
  diesem Punkt. So führt der Beschuldigte an der polizeilichen Einvernahme aus,
  dass die Überweisung mit dem Privatkläger abgesprochen gewesen sei
  (act. 2/10.1.01 Fragen 65 und 68-69). Er sei hierfür bei ihm zu Hause in
  [...] gewesen (act. 2/10.1.01 Frage 65). Der Privatkläger sei sowohl über den
  Bezug als auch die Rückzahlung informiert worden durch ihn
  (act. 2/10.1.01 Frage 72). Der Privatkläger habe gewusst, dass das Geld
  in das Energieprojekt geflossen sei. Er habe mit ihm schon über das
  Energieprojekt gesprochen, bevor die Anlage gemacht worden sei (act.
  2/10.1.01 Frage 77).

  
	
   

  
	
  8.2. Der
  Privatkläger führt dagegen aus, dass diese Überweisung nicht mit ihm
  abgesprochen und er damit nicht einverstanden gewesen sei
  (act. 2/10.2.21a Fragen 93-94). Der Beschuldigte sei irgendwann bei
  ihnen gewesen und habe gesagt, dass er Geld von seinem G.______ Konto für
  etwas anderes genommen und gebraucht habe (act. 2/10.2.21a Frage 82). Dies
  habe er ihm erst gesagt, nachdem er den Bezug schon getätigt habe (act.
  2/10.2.21a Frage 83). Er sei verärgert gewesen, woraufhin der Beschuldigte
  versprochen habe, dass das richtiggestellt werde (act. 2/10.2.21a Frage
  85). Der Beschuldigte habe ihm nicht gesagt, wofür er das Geld gebraucht habe
  (act. 2/10.2.21a Frage 86). Das Geld sei wieder ersetzt worden
  (act. 2/10.2.21a Frage 89). Er wisse aber nicht mehr wann
  (act. 2/10.2.21a Frage 90). Er bestätigte zwar, dass der Beschuldigte
  anlässlich der Geldanlage von seinem Energiekonzept erzählt habe. Es seien
  aber nie konkrete Gespräche geführt worden; er sei gar nicht interessiert
  gewesen, in dieses Konzept zu investieren (act. 2/10.2.21a Frage 95).

  
	
   

  
	
  8.3. An die
  weiteren Umstände konnte sich der Privatkläger an der polizeilichen
  Einvernahme nicht mehr erinnern. So konnte er insbesondere nicht aussagen,
  wie viel und wann das Geld gefehlt habe (act. 2/10.2.21a Fragen 79-81).
  Er konnte sich nur erinnern, dass es ein grösserer Betrag gewesen sei
  (act. 2/10.2.21a Frage 80). Wer und wie das Fehlen des Geldes bemerkt
  worden sei, wisse er auch nicht mehr (act. 2/10.2.21a Frage 82). Auch an
  der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 3. November 2021 erinnerte
  sich der Privatkläger an vieles nicht mehr und konnte entsprechende Fragen
  nicht mehr beantworten. Namentlich verneinte er die Frage, ob er mehr dazu
  berichten könne, dass ein Betrag von CHF 85'000.— von seinem G.______ Konto
  auf das Konto der X.______ überwiesen wurde (act. 2/10.2.21b N. 205 ff.). Er
  gab einzig an, dass der Bezug der CHF 85'000.— seiner Meinung nach nicht
  zulässig gewesen sei (act. 2/10.2.21b N. 218 ff.).

  
	
   

  
	
  8.4. Die
  Verteidigung bringt somit zwar zu Recht vor, dass der Privatkläger sich an
  vieles nicht mehr erinnern konnte (act. 50 S. 4). Entgegen der
  Verteidigung (act. 50 S. 5) kann jedoch daraus noch nicht
  abgeleitet werden, dass die Aussage des Beschuldigten zur Frage, ob der Bezug
  der CHF 85'000.— mit ihm abgesprochen worden war unglaubhaft ist. So ist
  zu berücksichtigen, dass der Privatkläger in seiner Einvernahme nachvollziehbar
  die von ihm damals erlebten Emotionen (Ärgernis) schilderte. Zudem ist zu
  beachten, dass sich seine Aussage mit denen seiner Ehefrau, I.______, deckt.
  Die Verteidigung geht dabei selbst davon aus, dass die Ehefrau des
  Privatklägers und nicht der Privatkläger selbst federführend bei ihren
  Finanzen gewesen sei (act. 50 S. 4). 

  
	
   

  
	
  8.5. I.______
  wies an ihrer Einvernahme vom 16. Januar 2015 erstmals auf den Bezug der
  CHF 85'000.— hin. So sagte sie aus, dass sie mittels der Logindaten ab
  und zu mitverfolgt habe, was auf den Konten gelaufen sei. Irgendwann habe sie
  festgestellt, dass bei ihrem Mann 100'000.— Euro bzw. Schweizer Franken auf
  dem Konto fehlen würden. Sie habe das ihrem Mann mitgeteilt und sie hätten
  D.______ informiert. D.______ habe sich das angeschaut und bestätigt, dass
  CHF 100'000.— fehlen würden. Daraufhin habe D.______ in ihrer
  Anwesenheit den Beschuldigten damit konfrontiert. Dieser habe gesagt, dass er
  das Geld gerade gebraucht habe. Er habe nicht gesagt, für was genau. Ein
  Angestellter der G.______ sei ihm dabei behilflich gewesen. Damit diesem
  nichts passiere, solle man hier nichts machen. Er würde dafür besorgt sein,
  dass der Betrag zurückbezahlt werde. Der Betrag sei dann innert ca. vier
  Wochen zurückbezahlt worden (vgl. zum Ganzen act. 2/10.2.22 Frage 3).

  
	
   

  
	
  8.6. Die
  Staatsanwaltschaft bringt dabei zu Recht vor (act. 49 S. 6 f.),
  dass die Aussage von I.______ – auch wenn sie die Ehefrau des Privatklägers
  ist – als sehr glaubhaft zu beurteilen ist. So schilderte sie den Sachverhalt
  spontan bei ihrer Einvernahme, welche eigentlich den gewerbsmässigen Betrug
  des Beschuldigten betraf. Dabei war sie die erste, welche diesen Sachverhalt
  vorbrachte. Wie sich aus den nachfolgenden Ermittlungen der Polizei und der
  Staatsanwaltschaft ergab, deckte sich der von ihr geschilderte Sachverhalt
  auch mit den vorhandenen Akten (vgl. Beilage zu act. 2/10.1.03;
  act. 2/6.1.00b S. 496 ff.; act. 2/6.3.03-16). In ihrer
  Aussage sind zudem Detailschilderungen enthalten. 

  
	
   

  
	
  8.7. Die
  Aussage des Privatklägers und seiner Ehefrau, I.______, stellen gemeinsam
  somit ein gewichtiges Indiz dafür dar, dass die Überweisung der
  CHF 85'000.— und der anschliessende Barbezug der CHF 84'560.— nicht
  mit dem Privatkläger abgesprochen worden und nicht von seinem Einverständnis
  gedeckt war. 

  
	
   

  
	
  8.8. Die Aussagen
  des Beschuldigten, wonach die Überweisung sehr wohl mit dem Privatkläger
  abgesprochen gewesen sei (vgl. act. 2/10.1.01 Fragen 65 und 68-69),
  erweist sich dagegen nicht als glaubhaft. Wie die Staatsanwaltschaft nämlich
  zu Recht vorbringt (act. 49 S. 4), sind die Aussagen des
  Beschuldigten entgegen der Feststellung der Vorinstanz (act. 29
  S. 44 E. II.3.2.) teilweise widersprüchlich und nicht
  nachvollziehbar. So sagte der Beschuldigte an seiner polizeilichen
  Einvernahme vom 17. Juni 2015 zunächst aus, dass die CHF 85'0000.—
  auf ein Konto der Z.______-Bank von der X.______ geflossen
  (act. 2/10.1.01 Frage 61) und von dort aus nach Deutschland überwiesen
  worden seien (act. 2/10.1.01 Frage 64). Diese Aussage des Beschuldigten
  ist mit den vorhandenen Kontoauszügen aus den Akten widerlegt. Die
  CHF 85'000.— wurden zunächst auf ein Y.______-Konto der X.______
  überwiesen und anschliessend vom Beschuldigten bar abgehoben (vgl. Beilage zu
  act. 2/10.1.03). Die vom Beschuldigten angeführte Begründung, was mit
  den CHF 85'000.— genau geschehen ist, kann somit nicht stimmen. Weshalb
  das Geld bar abgehoben wurde, konnte der Beschuldigte auch als er damit
  konfrontiert wurde, nicht beantworten (vgl. act. 2/10.1.03 N. 114).

  
	
   

  
	
  8.9. In der
  staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 24. August 2021 antwortete der
  Beschuldigte auf die Frage, ob der Privatkläger von der Transaktion gewusst
  habe, dass sie einfach gesagt hätten, dass die Gelder nur über die Emission
  komplett abgewickelt werden könnten. Wenn die Investoren die ursprüngliche
  Summe wollten, dann hätten sie das dorthin überwiesen (act. 2/10.1.02 N. 302
  ff.). Auch an der zweiten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
  3. November 2021 sagte er aus, dass er nicht wisse, was im Detail mit
  den CHF 85'000.— passiert sei, nachdem der Betrag auf das Konto der
  X.______ überwiesen worden seien. Sie seien ins Projekt geflossen (act.
  2/10.1.03 N. 88 f.). Er wisse nur, dass alle diese Gelder ins Projekt vom
  Solarpark geflossen seien. Nur über die Emission sei es möglich gewesen, die
  Gelder zurückzugeben, nicht über Finanzprodukte (act. 2/10.1.03 N. 91
  ff.).

  
	
   

  
	
  8.10. Der
  Beschuldigte sprach an diesen Einvernahmen in plural von «Geldern» und
  «Investoren». Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Beschuldigte den
  Bezug der CHF 85'000.— vom Konto des Privatklägers im Jahr 2008 mit der
  Investition der Restguthaben seiner Kunden (hier Geschädigte) im Jahr 2010 in
  das Solarprojekt verwechselte. So unterbreitete er im Jahr 2010 allen seinen
  Kunden ein Angebot zur Vertragsauflösung bzw. zur Kontosaldierung (Kopien aus
  sichergestellten Akten S. 89 ff.), um die Restguthaben auf deren
  G.______ Konten in sein Solarprojekt investieren zu können (vgl.
  act. 2/10.1.01 Frage 102). Aus diesen Aussagen des Beschuldigten kann
  somit nichts zu seinen Gunsten abgeleitet werden, da sie gar nicht den hier
  strittigen Bezug der CHF 85'000.— vom Konto des Privatklägers im Jahr
  2008 betrafen.

  
	
   

  
	
  8.11. Auch
  in Bezug auf die Rückzahlung der CHF 85'000.— sind die Aussagen des
  Beschuldigten widersprüchlich. So gab er zunächst an, die CHF 85'000.—
  seien nicht zurückbezahlt worden, sondern befänden sich weiter im Projekt
  (act. 2/10.1.01 Frage 67). Erst als die Polizistin den Beschuldigten an
  der Einvernahme darauf hinwies, dass am 16. März 2009 CHF 85'000.—
  zurück auf das Konto des Privatklägers geflossen seien, bestätigte der
  Beschuldigte die Rückzahlung (vgl. act. 2/10.1.01 Frage 70). In Bezug
  auf die Rückzahlung gab der Beschuldigte zudem an, dass er diese ausgelöst
  habe, da sein mittlerweile verstorbener Geschäftspartner E.______ nicht
  wollte, dass Geld vom Privatkläger im Projekt sei (act. 2/10.1.01 Frage
  72). E.______ habe deshalb den Betrag an die X.______ bezahlt, damit der
  Beschuldigte die CHF 85'000.— wieder an den Privatkläger zurückzahlen
  könne (act. 2/10.1.01 Frage 70). 

  
	
   

  
	
  8.12. Es erscheint
  zwar glaubhaft, dass E.______ dem Beschuldigten die CHF 85'000.—
  übergeben hat, um diese dem Privatkläger zurückzuzahlen. So finanzierte
  E.______ in den Jahren 2008 bis 2011 den Lebensunterhalt des Beschuldigten
  mit (act. 2/10.1.03 N. 131 f.). Der Beschuldigte vermutete zudem,
  dass E.______ im gleichen Zeitpunkt Firmenanteile ausbezahlt worden seien und
  diese im Zusammenhang mit diesem Geldfluss stehen würden (act. 48 Frage
  39). Dies würde somit erklären, woher E.______ das Geld für die Rückzahlung
  aufbringen konnte.

  
	
   

  
	
  8.13. Die
  Aussage, dass der Beschuldigte die CHF 85'000.— zurücküberwiesen hatte,
  weil E.______ kein Geld des Privatklägers im Energieprojekt wollte, erscheint
  dagegen nicht glaubhaft. So ist nicht ersichtlich, weshalb es eine Rolle
  spielen sollte, von wem das investierte Geld genau stammt. Zudem wäre zu
  erwarten, dass der Beschuldigte vorgängig mit seinem Geschäftspartner
  abgesprochen hätte, bevor er Kundengelder in das Solarprojekt investiert. In
  diesem Fall hätte sein Geschäftspartner die Investition vorgängig ablehnen
  können und nicht erst nachdem das Geld bereits investiert worden war. Genau
  dies scheint auch geschehen zu sein: So gab der Beschuldigte an seiner
  Befragung vom 3. November 2021 an, dass er nur im Zusammenhang mit E.______,
  wenn es ums Projekt gegangen sei, mit so viel Bargeld zu tun gehabt hätte
  (act. 2/10.1.03 N. 122 f.). E.______ scheint somit tatsächlich
  bereits von Beginn weg über den Barbezug der CHF 84’560.— informiert und
  direkt involviert gewesen zu sein. Weshalb er sich dann 2.5 Monate später
  plötzlich daran gestört haben soll, dass das investierte Geld vom
  Privatkläger stammte, erschliesst sich nicht. Viel wahrscheinlicher erscheint
  deshalb, dass der Beschuldigte das Geld auf Druck des Privatklägers und
  seiner Ehefrau zurückzahlten, wie dies der Privatkläger und seine Ehefrau
  übereinstimmend schilderten (vgl. act. 2/10.2.22 Frage 3;
  act. 2/10.2.21a Frage 85).

  
	
   

  
	
  8.14. Es ist
  somit festzuhalten, dass sich der Beschuldigte sowohl in Bezug auf die
  Verwendung der CHF 85'000.—, die vorgängige Aufklärung des Privatklägers
  als auch auf die Rückzahlung der CHF 85'000.— widersprochen hat. Mehrere
  relevante Aussagen von ihm wurden durch die vorhandenen Akten widerlegt (vgl.
  oben E. III.8.8.-8.13.). Darüber hinaus ist nicht ersichtlich, weshalb
  für ein Solarprojekt derart viel Bargeld benötigt würde. Die Aussage der
  Vorinstanz, die Aussagen des Beschuldigten seien widerspruchsfrei und
  detailreich, ist somit unzutreffend. Die Aussage des Beschuldigten den
  Privatkläger vor dem Bezug der CHF 85'000.— informiert zu haben, ist
  vielmehr als unglaubhaft zu erachten.

  
	
   

  
	
  8.15. Auch
  zu Lasten des Beschuldigten zu beachten ist, dass gemäss Lizenzvereinbarung
  Änderungen und Ergänzungen dieser der Schriftform bedürfen (Kopien aus
  sichergestellten Akten S. 42). Der Beschuldigte hätte somit, wenn er
  sich vertragskonform verhalten hätte, nicht nur eine mündliche, sondern eine
  schriftliche Einwilligung des Privatklägers zum Bezug der CHF 85'000.—
  einholen müssen. Dies hat er jedoch nachweislich nicht getan. Insofern hätte
  er ohnehin entgegen der Lizenzvereinbarung gehandelt. Darüber hinaus vertrat
  der Beschuldigte auf der 

  einen Seite sein eigenes Einzelunternehmen die X.______ und auf der anderen
  Seite agierte er als Vertreter des Privatklägers. Er befand sich somit in
  einer Interessenkollision zwischen den Interessen seines Einzelunternehmens
  an möglichst tiefen Kosten und denen des Privatklägers an einem möglichst
  hohen Gewinn. Dass dies «etwas speziell» sei, anerkennt sogar die
  Verteidigung (vgl. act. 50 S. 3).

  
	
   

  
	
  8.16. Entgegen
  der Vorinstanz (act. 29 S. 44 E. II.3.2.) und der Verteidigung
  (act. 46 S. 3) bestehen somit nicht zwei gleichwertige
  Sachverhaltsvarianten. Vielmehr bestehen aufgrund der verschiedenen
  vorhandenen Indizien keine unüberwindlichen Zweifel daran, dass der
  Beschuldigte den Bezug der CHF 85'000.— vorgängig nicht mit dem
  Privatkläger abgesprochen hat. Dies insbesondere aufgrund der glaubhaften
  Aussage von I.______, welche sich mit der des Privatklägers und den
  vorhandenen Akten deckt. Es ist somit aufgrund der vorhandenen Indizien mit
  an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der
  Beschuldigte die CHF 85'000.— vom Konto des Privatklägers entgegen ihrer
  Vereinbarung und ohne Einverständnis des Privatklägers bezogen hat. 

  
	
   

  
	
  9. Verwendung für eigene Bedürfnisse

  
	
   

  
	
  9.1. Schliesslich
  ist zu klären, ob der Beschuldigte – entsprechend der Anklage – die
  CHF 85'000.— des Privatklägers für eigene Bedürfnisse verwendet hatte
  oder nicht. Dabei ist zu beachten, dass der Beschuldigte die CHF 85'000.—
  des Privatklägers zunächst auf ein Konto seines Einzelunternehmens X.______
  überwies. Anschliessend hob er CHF 84'560.— bar ab (act. 2/6.1.00b
  S. 496; Beilage zu act. 2/10.1.03). Was danach mit dem Geld genau
  passierte, ist unklar. Die Version des Beschuldigten, dass das Geld nach
  Deutschland für die Emission überwiesen worden sei, ist aufgrund der Akten
  widerlegt (act. 2/10.1.01 Frage 64 im Vergleich zu Beilage zu
  act. 2/10.1.03). Auch als der Beschuldigte darauf angesprochen wurde,
  dass CHF 84'560.— bar vom Konto abgehoben worden seien, konnte er dazu
  nichts näher ausführen (vgl. act. 2/10.1.03 N. 108 ff.). Er
  sagte lediglich aus, dass er nur im Zusammenhang mit E.______, wenn es ums
  Projekt gegangen sei, mit so viel Bargeld zu tun gehabt hätte (act. 2/10.1.03
  N. 122 f.). 

  
	
   

  
	
  9.2. Ob die
  CHF 85'000.— somit tatsächlich in das Energieprojekt des Beschuldigten
  flossen oder sonst seinem Geschäftspartner E.______ übergeben wurden, ist
  somit nicht klar. In beiden Fällen ist jedoch davon auszugehen, dass der Beschuldigte
  das Geld für eigene Bedürfnisse verwendete, da er es entweder – ohne
  Einwilligung des Privatklägers – für sein Energieprojekt verwendete oder
  seinem Geschäftspartner E.______ übergeben hat, welcher in den Jahren 2008
  bis 2011 wiederum seinen Lebensunterhalt finanzierte (vgl. act. 2/10.1.03
  N. 131 f.). Der Beschuldigte gibt dabei an, dass er die
  CHF 85'000.— dem Privatkläger nicht jederzeit hätte zurückzahlen können
  (act. 2/10.1.01 Frage 77). 

  
	
   

  
	
   

  
	
  IV. Rechtliche Würdigung

  
	
  1.  

  
	
  Zu prüfen bleibt, ob der dem Beschuldigten zur Last gelegte
  Sachverhalt rechtlich als Veruntreuung im Sinne von Art. 138
  Ziff. 1 StGB zu qualifizieren ist.

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  2.1. Die
  Vorinstanz ging in ihrem Urteil davon aus, dass eine Veruntreuung von
  Vermögenswerten nur dann vorliege, wenn die Vermögenswerte wirtschaftlich
  fremd seien. Dies sei nur der Fall, wenn der Täter verpflichtet sei, die
  Vermögenswerte ständig zur Verfügung des Treugebers zu halten. Entgegen der
  bundesgerichtlichen Rechtsprechung sei eine Veruntreuung zudem nur möglich, wenn
  der Täter die ausschliessliche Verfügungsgewalt über die Vermögenswerte
  erlange (vgl. zum Ganzen act. 29 S. 48 f. E. III.2.1.).

  
	
   

  
	
  2.2. In
  Bezug auf den vorliegend zu beurteilenden Sachverhalt hielt die Vorinstanz
  entsprechend fest, dass der Tatbestand der Veruntreuung schon deshalb nicht
  erfüllt sei, da der Privatkläger selbst Zugriff auf sein G.______ Konto
  gehabt habe. Darüber hinaus sei zu Gunsten des Beschuldigten davon
  auszugehen, dass er gutgläubig agiert und das Geld des Privatklägers wie
  vorher besprochen investiert habe. Allenfalls sei ein Missverständnis
  vorgelegen. Die Investition sei im Interesse des Privatklägers erfolgt und
  nicht zu Gunsten des Beschuldigten oder einer Drittperson. Im Ergebnis liege
  somit keine strafbare Handlung vor (vgl. zum Ganzen act. 29 S. 52
  E. III.4.).

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  Die Staatsanwaltschaft geht dagegen davon aus, dass der
  Beschuldigte alle Tatbestandselemente der Veruntreuung erfüllt habe. So habe
  der Privatkläger den Beschuldigten ermächtigt, mit seinen Zugangsdaten online
  sein G.______ Konto zu verwalten und Finanzmarkttitel zu kaufen und zu
  verkaufen. Diese Übergabe der Verfügungsmacht bzw. des Zugriffs auf das
  Buchgeld stelle ein Anvertrautsein im Sinne der Rechtsprechung dar. Der
  Privatkläger sei vertraglich verpflichtet gewesen, das Geld auf seinem Konto
  zu belassen. Der Beschuldigte habe die CHF 85'000.— ohne Rechtsgrundlage
  vom Konto des Privatklägers abgehoben, auf sein eigenes Konto überwiesen und
  nach seinem eigenen Gutdünken verwendet. Der Tatbestand der unrechtmässigen
  Verwendung in seinem Nutzen sei somit erfüllt. Hinzukomme, dass es sich wohl
  sogar finanziell bereichert habe (vgl. zum Ganzen act. 49 S. 10).

  
	
   

  
	
  4.  

  
	
  Die Verteidigung argumentierte dagegen, dass die Vorinstanz
  das Verhalten des Beschuldigten korrekt qualifiziert habe. Der Tatbestand der
  Veruntreuung sei vorliegend nicht erfüllt. Der Beschuldigte habe das Geld
  vertragsgemäss investiert und für Projektkosten verwendet. Der Beschuldigte
  sei nicht dazu verpflichtet gewesen, die Vermögenswerte ständig zur Verfügung
  des Privatklägers zu halten. Die Vorinstanz habe zudem zu Recht festgehalten,
  dass das Geld dem Beschuldigten zur Tätigung von Anlagen übergeben worden
  sei. Das Geld könne deshalb nicht mehr als fremde Sache im rechtlichen Sinne
  bezeichnet werden und stelle somit kein taugliches Objekt für eine
  Veruntreuung dar. Es könne auch nicht davon gesprochen werden, dass die
  Gelder im strafrechtlichen Sinne anvertraut gewesen seien und der
  Beschuldigte die ausschliessliche Verfügungsgewalt darüber gehabt habe. So hätte
  der Privatkläger das Geld jederzeit beziehen können (vgl. zum Ganzen
  act. 50 S. 5).

  
	
   

  
	
  5.  

  
	
  5.1. Nach
  Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB macht sich der Veruntreuung
  strafbar, wer ihm anvertraute Vermögenswerte unrechtmässig in seinem oder
  eines anderen Nutzen verwendet.

  
	
   

  
	
  5.2. Vorausgesetzt
  für das Vorliegen einer Veruntreuung ist, dass der Treugeber dem Täter einen
  Vermögenswert anvertraut hat (vgl. Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2
  StGB; Urteil des Bundesgerichts 6B_1422/2019 vom 28. Mai 2021
  E. 4.4.1). Damit zusammenhängend ist vorausgesetzt, dass die fraglichen
  Vermögenswerte für den Treuhänder wirtschaftlich fremd sind, weshalb der
  Treuhänder verpflichtet ist, dem Treugeber den Wert des Empfangenen ständig
  zu erhalten (sog. Werterhaltungspflicht; vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1422/2019
  vom 28. Mai 2021 E. 4.4.1). Die tatbestandsmässige Handlung besteht
  bei der Veruntreuung von Vermögenswerten sodann in einem Verhalten, durch
  welches der Täter eindeutig seinen Willen bekundet, den obligatorischen
  Anspruch des Treugebers zu vereiteln (BGE 133 IV 21 E. 6.1.1; Urteil des
  Bundesgerichts 6B_209/2022 vom 18. August 2023 E. 1.4.2).
  Erforderlich ist, dass dem Treugeber daraus einen Vermögensschaden erwächst
  (Urteil des Bundesgerichts 6B_291/2022 vom 4. Mai 2022 E. 3.3.1;
  Urteil des Bundesgerichts 6B_1090/2022 vom 5. Dezember 2022
  E. 2.1.1; Marcel Alexander
  Niggli/Christof Riedo, in: Basler Kommentar Strafrecht, 4. Aufl.,
  Basel 2019, N. 38 zu Art. 138 StGB, je m.w.H.). Der subjektive
  Tatbestand setzt schliesslich Vorsatz und ein Handeln in unrechtmässiger
  Bereicherungsabsicht voraus (BGE 133 IV 21 E. 6.1.2, m.w.H.; Urteil
  des Bundesgerichts 6B_1183/2020 vom 16. August 2020 E. 1.3.1).

  
	
   

  
	
  6.  

  
	
  Vorliegend ist unbestritten, dass es sich bei den vom
  G.______ Bankkonto bezogenen CHF 85'000.— um Vermögenswerte nach
  Abs. 2 von Art. 138 Ziff. 1 StGB handelt (vgl. act. 22
  S. 16; act. 49 S. 9; Urteil des Bundesgerichts 6B_128/2008 vom
  19. Juni 2008 E. 3.3.1; Marcel
  Alexander Niggli/Christof Riedo, a.a.O., N. 29 zu Art. 138
  StGB). Zu prüfen ist im Folgenden jedoch, ob der Beschuldigte auch die
  restlichen Tatbestandsmerkmale von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2
  StGB erfüllte, insbesondere, ob die Vermögenswerte anvertraut waren, den
  Beschuldigten eine Werterhaltungspflicht traf und der Beschuldigte die CHF
  85'000.— in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht in seinem eigenen Nutzen
  verwendet hat.

  
	
   

  
	
  7. Anvertrauter Vermögenswert 

  
	
   

  
	
  7.1. Gemäss
  bundesgerichtlicher Rechtsprechung gilt als anvertraut, was jemand mit der
  Verpflichtung empfängt, es in bestimmter Weise im Interesse des Treugebers zu
  verwenden, insbesondere es zu verwahren, zu verwalten oder einem anderen
  abzuliefern. Gemäss einer anderen Umschreibung ist anvertraut, was jemand mit
  der besonderen Verpflichtung empfängt, es dem Treugeber zurückzugeben oder es
  für diesen einem Dritten weiterzuleiten, wobei der Treugeber seine
  Verfügungsmacht über das Anvertraute aufgibt (BGE 143 IV 297 E. 1.3). Dabei
  genügt, dass der Täter ohne Mitwirkung des Treugebers über die Werte verfügen
  kann, ihm mithin Zugriff auf das fremde Vermögen eingeräumt worden ist
  (Urteil des Bundesgerichts 6B_1422/2019 vom 28. Mai 2021 E. 4.4.1).
  Dementsprechend gilt auch ein Bankkonto, für welches dem Täter eine Vollmacht
  erteilt wurde, nach der Rechtsprechung als anvertrauter Vermögenswert –
  unabhängig davon, ob der Kontoinhaber selbst auch noch darüber verfügen kann
  oder nicht (vgl. BGE 119 IV 127 E. 2; Urteil des Bundesgerichts
  6B_199/2011 vom 10. April 2012 E. 5.3.3; Urteil des Bundesgerichts
  6B_128/2008 vom 19. Juni 2008 E. 3.3.1).

  
	
   

  
	
  7.2. Vorliegend
  verfügte der Beschuldigte über den Codierschlüssel mit den
  Sicherheitsbestimmungen für das G.______ Bankkonto des Privatklägers. Er
  hatte somit jederzeit Zugriff auf das Konto und konnte ohne Mitwirkung des
  Privatklägers über das vorhandene Kontoguthaben verfügen (vgl. oben
  E. III.6.2.). Unabhängig davon, dass der Privatkläger selbst auch
  Zugriff auf sein G.______ Konto hatte, waren die darauf vorhandenen
  Vermögenswerte dem Beschuldigten somit anvertraut im Sinne von Art. 138
  Ziff. 1 Abs. 2 StGB.

  
	
   

  
	
  7.3. Die
  Vorinstanz hatte in ihrem Urteil im Gegensatz hierzu ausgeführt, dass
  Vermögenswerte nur anvertraut seien, wenn der Täter die ausschliessliche
  Verfügungsmacht darüber erlange. Dies mit der Begründung, dass der Treugeber
  nur in dieser Konstellation Vertrauen in den Treuhänder brauche und ansonsten
  der Tatbestand von Art. 158 StGB (ungetreue Geschäftsbesorgung;
  Missbrauchstatbestand) ungebührlich eingeschränkt würde (vgl. zum Ganzen
  act. 29 S. 49 E. III.2.1.).

  
	
   

  
	
  7.4. Diese
  Ausführungen der Vorinstanz überzeugen nicht (vgl. act. 29 S. 49
  E. III.2.1.). Solange der Treuhänder nämlich ohne Mitwirkung des
  Treugebers über die Vermögenswerte verfügen kann, kann der Treugeber
  ungewünschte Transaktionen auch dann nicht verhindern, wenn er selbst noch
  Zugang zu den Vermögenswerten hat. Der Treugeber braucht somit unabhängig
  davon, ob er selbst noch Zugriff auf die Vermögenswerte hat, Vertrauen in den
  Treuhänder. Darüber hinaus ergibt sich aus der Botschaft über die Änderung
  des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 24. April 1991, dass
  Art. 158 Ziff. 2 StGB (ungetreue Geschäftsbesorgung;
  Missbrauchstatbestand) deshalb eingeführt wurde, um eine Ausdehnung von
  Art. 158 Ziff. 1 StGB (ungetreue Geschäftsbesorgung;
  Treuebruchtatbestand) verhindern zu können. Dabei wurde in der Botschaft
  selbst festgehalten, dass die Anwendungsfälle des neuen Art. 158
  Ziff. 2 StGB relativ selten seien (vgl. Botschaft über die Änderung des
  Schweizerischen Strafgesetzbuches und des Militärstrafgesetzes vom
  24. April 1991, BBl 1991 II 969, S. 1047). Nicht beabsichtigt war
  dagegen, den Anwendungsbereich der Veruntreuung einzuschränken, welcher
  bereits zuvor Konstellationen wie die vorliegende erfasste (vgl. hierzu BGE
  109 IV 27 E. 2c und E. 3; vgl. auch Botschaft über die Änderung des
  Schweizerischen Strafgesetzbuches und des Militärstrafgesetzes vom
  24. April 1991, BBl 1991 II 969, S. 1001 f.). 

  
	
   

  
	
  8. Werterhaltungspflicht

  
	
   

  
	
  8.1. Weiter
  ist vorausgesetzt, dass die fraglichen Vermögenswerte für den Treuhänder
  wirtschaftlich fremd sind, weshalb der Treuhänder verpflichtet ist, dem
  Treugeber den Wert des Empfangenen ständig zu erhalten (sog.
  Werterhaltungspflicht; vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1422/2019 vom
  28. Mai 2021 E. 4.4.1). Eine Werterhaltungspflicht liegt in der
  Regel vor, wenn die verabredungswidrige Verwendung zu einem Schaden führen
  kann und mit dem vereinbarten Verwendungszweck dem Risiko einer Schädigung
  entgegengewirkt werden soll. Die Rechtsprechung bejaht eine Verletzung der
  Werterhaltungspflicht beispielsweise bei der vertragswidrigen Verwendung eines
  Darlehens im Hinblick auf einen Grundstückkauf oder eines Baukredits. Eine
  Werterhaltungspflicht besteht auch bei einer Investition anvertrauter Gelder
  in eine Kapitalanlage, sofern die Gelder dazu bestimmt sind, später wieder –
  allenfalls mit einer bestimmten Rendite – an den Anleger zurückzufliessen
  (Urteil des Bundesgerichts 6B_308/2012 vom 4. Februar 2013 E. 2.2;
  vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6B_511/2020 vom 10. März 2021
  E. 2.3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_936/2019 vom 20. Mai 2020
  E. 4.3). 

  
	
   

  
	
  8.2. Vorliegend
  ist erwiesen, dass die auf dem Konto vorhandenen Vermögenswerte des
  Privatklägers für den Beschuldigten wirtschaftlich fremd waren (vgl. oben
  E. III.6.2.). Daneben ist der Verteidigung zwar zuzustimmen, dass nicht
  eine Werterhaltungspflicht in dem Sinne bestand, dass das G.______ Konto des
  Privatklägers jederzeit ein gewisser Saldo aufzuweisen hätte. Wie die
  Verteidigung vorbringt (act. 50 S. 5), wäre dies aufgrund von
  Kursschwankungen gar nicht möglich. Dem Beschuldigten oblag jedoch eine Werterhaltungspflicht
  in dem Sinne als er vertraglich verpflichtet war, das vom Privatkläger
  einbezahlte Geld während der gesamten Vertragslaufzeit von mindestens
  drei Jahren möglichst gewinnbringend in Aktien und Optionsscheine anzulegen.
  Insofern oblag ihm nicht nur eine Rückzahlungspflicht am Ende der Laufzeit
  der Lizenzvereinbarung, wie dies etwa bei einem Darlehen der Fall wäre. Der
  Beschuldigte war somit während der gesamten Vertragslaufzeit nur befugt, das
  Geld des Privatklägers in Aktien- und Optionsscheine anzulegen. Die
  Geldeinlage des Privatklägers auf das G.______ Konto und der dem
  Beschuldigten eingeräumte Zugriff darauf waren somit zweckgebunden. Hierfür
  bezahlte der Privatkläger dem Beschuldigten im Gegenzug eine (relativ hohe)
  Lizenzgebühr. 

  
	
   

  
	
  8.3. Für den
  Privatkläger bestand bei einer verabredungswidrigen Verwendung 

  seines Kontoguthabens die latente Gefahr einer Schädigung. Dies zeigt sich
  vorliegend namentlich daran, dass der Beschuldigte das Geld des Privatklägers
  auf das Konto seines eigenen Einzelunternehmens überwiesen und von dort aus
  bar abgehoben hat (vgl. E. III.6.2.). Der Beschuldigte handelte ab
  diesem Zeitpunkt somit sowohl als Vertreter des Privatklägers als auch als
  Inhaber seines Einzelunternehmens (sog. Selbstkontrahieren). Er befand sich
  somit in einer Interessenkollision zwischen seinen Interessen als Inhaber des
  Einzelunternehmens an einer möglichst günstigen Kapitalbeschaffung und den
  Interessen des Privatklägers an einer möglichst gewinnbringenden Investition.
  Das Bundesgericht erachtet das Selbstkontrahieren gerade aufgrund dieser
  regelmässig auftretenden Interessenkollisionen als grundsätzlich unzulässig
  (BGE 144 III 388 E. 5.1, m.w.H.).

  
	
   

  
	
  8.4. Entsprechend
  oblag dem Beschuldigten vorliegend eine Werterhaltungspflicht im Sinne von Art. 138
  Ziff. 1 Abs. 2 StGB.

  
	
   

  
	
  9. Unrechtmässige Verwendung und Eintritt eines
  Vermögensschadens

  
	
   

  
	
  9.1. Darüber
  hinaus ist erforderlich, dass der Täter die ihm anvertrauten Vermögenswerte
  unrechtmässig verwendet. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist dies
  gegeben, wenn der Täter die Vermögenswerte entgegen den erteilten
  Instruktionen gebraucht, sich mithin über den festgelegten Verwendungszweck
  hinwegsetzt (Urteil des Bundesgerichts 6B_701/2020 vom 11. Juni 2021 E.
  4.3.3; Urteil des Bundesgerichts 6B_894/2018 vom 23. Oktober 2019 E. 1.1.1).
  Hierbei kann bereits die pflichtwidrige Abbuchung vom Konto als
  unrechtmässiges Verwenden zählen (Marcel
  Alexander Niggli/Christof Riedo, a.a.O., N. 108 zu Art. 138 StGB).
  Erforderlich ist zudem, dass dem Treugeber daraus einen Vermögensschaden
  erwächst (Urteil des Bundesgerichts 6B_291/2022 vom 4. Mai 2022
  E. 3.3.1, m.w.H.; Urteil des Bundesgerichts 6B_1090/2022 vom
  5. Dezember 2022 E. 2.1.1, m.w.H.; Marcel
  Alexander Niggli/Christof Riedo, a.a.O., N. 38 zu Art. 138
  StGB).

  
	
   

  
	
  9.2. Der
  Beschuldigte war gemäss Vereinbarung mit dem Privatkläger nur berechtigt, die
  Vermögenswerte des Privatklägers in Aktien und Optionsscheine zu investieren
  (vgl. oben E. III.7.). Indem er CHF 85'000.— auf das Konto seines
  Einzelunternehmens überwies und in der Folge CHF 84'560.— bar abhob,
  setzte er sich über diesen vereinbarten Verwendungszweck hinweg. Mit anderen
  Worten hat er die ihm anvertrauten Vermögenswerte des Privatklägers somit
  unrechtmässig verwendet (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6B_251/2012 vom
  2. Oktober 2012 E. 1.4; Urteil des Bundesgerichts 6B_308/2012 vom
  4. Februar 2013 E. 2.3). Dem Privatkläger fehlten somit vom
  30. Dezember 2008 bis zur Rückzahlung des Geldes am 16. März 2009
  CHF 85'000.—. Zudem wurden dem Konto des Privatklägers CHF 15.— als
  Bankspesen für die Transaktion belastet (vgl. E. III.6.2.). 

  
	
   

  
	
  9.3. Der
  Beschuldigte war dabei nicht in der Lage, die CHF 85'000.— dem
  Privatkläger jederzeit zurückzahlen zu können (act. 2/10.1.01 Frage 77).
  Wenn der Beschuldigte aussagt, dies sei auch keine Bedingung zwischen dem
  Privatkläger und ihm gewesen (act. 2/10.1.01 Frage 77), übersieht er,
  dass es sehr wohl Bedingung zwischen ihm und dem Privatkläger gewesen ist,
  dass das vom Privatkläger angelegte Geld jederzeit auf seinem G.______ Konto
  liegt bzw. in Aktien und Optionsscheine angelegt ist. Gerade hierfür zahlte
  der Privatkläger dem Beschuldigten nämlich eine (relativ hohe) Lizenzgebühr
  (vgl. E. III.7.2.). Diese Pflicht hat der Beschuldigte vorliegend
  verletzt, weshalb dem Privatkläger im Umfang von CHF 85'015.— ein
  Vermögensschaden entstanden ist. 

  
	
   

  
	
  10. Vorsatz und Absicht unrechtmässiger Bereicherung

  
	
   

  
	
  10.1. Der
  Tatbestand der Veruntreuung erfordert schliesslich in subjektiver Hinsicht
  Vorsatz und ein Handeln in unrechtmässiger Bereicherungsabsicht (vgl.
  Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 12 Abs. 1 StGB;
  BGE 133 IV 21 E. 6.1.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1422/2019 vom
  28. Mai 2021 E. 4.4.2; Marcel
  Alexander Niggli/Christof Riedo, a.a.O., N. 114 zu Art. 138
  StGB). Nach der Rechtsprechung bereichert sich bei der Veruntreuung von
  Vermögenswerten unrechtmässig, wer die Vermögenswerte, die er dem
  Berechtigten jederzeit zur Verfügung zu halten hat, in seinem Nutzen
  verwendet, ohne fähig und gewillt zu sein, sie jederzeit sofort zu ersetzen
  (BGE 133 IV 21 E. 6.1.2; Urteil des Bundesgerichts 6B_1474/2020 vom 29. April
  2021 E. 1.3.3). Ist der Täter fähig und gewillt, das Gut zu einem späteren
  Zeitpunkt zu ersetzen, dann beabsichtigt er eine vorübergehende Bereicherung,
  was zur Erfüllung des subjektiven Tatbestands genügt (Urteil des
  Bundesgerichts 6B_1474/2020 vom 29. April 2021 E. 1.3.3). Wenn der Täter
  dagegen Ersatzwillen und Ersatzfähigkeit hat, fehlt es an der Absicht
  unrechtmässiger Bereicherung 

  (Urteil des Bundesgerichts 6B_508/2010 vom 13. September 2010 E. 5.3). 

  
	
   

  
	
  10.2. Der
  Beschuldigte überwies die CHF 85'000.— vom Konto des Privatklägers
  wissentlich und willentlich auf das Konto seines eigenen Einzelunternehmens
  (vgl. E. III.6.2.). Einzelunternehmen sind kein von ihrem Inhaber
  getrenntes Rechtssubjekt (Martina
  Altenpohl, in: Basler Kommentar Obligationenrecht II, 6. Aufl.,
  Basel 2024, N. 1 zu Art. 945 OR). Der Inhaber einer
  Einzelunternehmung haftet für deren Verbindlichkeiten vielmehr mit seinem
  gesamten Vermögen (Arthur Meier-Hayoz/Peter
  Forstmoser, Schweizerisches Gesellschaftsrecht, 13. Aufl., Bern
  2023, § 26 N. 2). Die CHF 85'000.— des Privatklägers kamen
  somit im Ergebnis dem Beschuldigten zu Gute, welcher ansonsten mit seinem
  privaten Vermögen für die Verbindlichkeiten seiner Einzelunternehmung
  gehaftet hätte. Der Beschuldigte hat das Geld des Privatklägers somit
  wissentlich und willentlich für eigene Bedürfnisse verwendet und war somit
  bereits im Zeitpunkt als er das Geld auf das Konto seines Einzelunternehmens
  überwiesen hat, unrechtmässig bereichert. Erst recht manifestierte sich dies,
  als er das Geld anschliessend bar abgehoben hat. Dies gilt auch für den Fall,
  dass ein Teil des Bargeldes zu seinem Geschäftspartner E.______ geflossen
  sein sollte. So finanzierte E.______ in den Jahren 2008 bis 2011 wiederum den
  Lebensunterhalt des Beschuldigten mit (act. 2/10.1.03 N. 131 f.).

  
	
   

  
	
  10.3. Gemäss
  Vereinbarung mit dem Privatkläger hätten die CHF 85'000.— jederzeit und
  ohne Unterbruch über das G.______ Konto des Privatklägers in Aktien und Optionsscheine
  angelegt werden sollen (vgl. oben E. III.7.). Mit anderen Worten war
  vereinbart, dass das Geld ständig im Interesse des Privatklägers verwendet
  wird. Der Beschuldigte zahlte vorliegend die CHF 85'000.— erst 2.5
  Monate später zurück. Der Beschuldigte gab selbst an, dass er zuvor nicht in
  der Lage gewesen sei, die CHF 85'000.— dem Privatkläger jederzeit
  zurückzahlen zu können (act. 2/10.1.01 Frage 77). Der Beschuldigte war
  somit nicht fähig, fristgerecht Ersatz zu leisten (vgl. Marcel Alexander Niggli/Christof Riedo,
  a.a.O., N. 119 zu Art. 138 StGB). Auch der subjektive Tatbestand
  der Veruntreuung ist vorliegend somit erfüllt. 

  
	
   

  
	
  11. Fazit

  
	
   

  
	
  Entgegen der Verteidigung (act. 50 S. 5) und der
  Vorinstanz (act. 29 S. 52 E. III.4.) erfüllte der Beschuldigte mit
  dem ihm vorgeworfenen Verhalten alle Tatbestandsmerkmale der Veruntreuung.
  Der Beschuldigte ist somit wegen Veruntreuung im Sinne von Art. 138
  Ziff. 1 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen. 

  
	
   

  
	
   

  
	
  V. Strafzumessung und Vollzug

  
	
  1.  

  
	
  Die Staatsanwaltschaft beantragt in ihrer Berufung, dass
  der Beschuldigte mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten zu
  bestrafen sei, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Diese Strafe scheine
  angesichts des Deliktsbetrages von CHF 85'000.— sowie des eigennützigen
  Motivs des Beschuldigten und unter Berücksichtigung der langen
  Verfahrensdauer als angemessen (vgl. act. 49 S. 11).

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  Die Verteidigung weist für den Fall, dass der Beschuldigte
  entgegen ihrem Antrag schuldig gesprochen werden sollte, darauf hin, dass der
  Beschuldigte weder verwerflich noch eigennützig gehandelt habe. Sein Ziel sei
  gewesen, die Emission der X.______ zu ermöglichen. Strafmildernd sei zu
  berücksichtigen, dass der Beschuldigte von Anfang an eingestanden habe, den
  Betrag von CHF 85'000.— auf das Konto der X.______ überwiesen zu haben
  und das Beschleunigungsgebot verletzt worden sei. Ebenso sei zu
  berücksichtigen, dass der Beschuldigte die CHF 85'000.— dem Privatkläger
  innert drei Monaten zurücküberwiesen habe (vgl. zum Ganzen act. 50
  S. 6 f.). Vor der Vorinstanz hat die Verteidigung noch beantragt,
  dass der Beschuldigte mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten und
  einer Busse von CHF 1'000.— zu bestrafen sei (act. 22 S. 1). 

  
	
   

  
	
  3.  

  
	
  3.1. Bevor
  das für den vorliegenden Fall angemessene Strafmass festzulegen ist, ist
  zunächst die Art der Strafe (Geld- oder Freiheitsstrafe) festzulegen. Hierfür
  hat das Gericht nebst dem Verschulden des Täters, der Angemessenheit der
  Strafe, ihren Auswirkungen auf den Täter und auf seine soziale Situation
  sowie ihrer Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention Rechnung zu
  tragen. Kommen sowohl 

  eine Geldstrafe als auch eine Freiheitsstrafe in Betracht, ist nach dem
  Grundsatz der Verhältnismässigkeit in der Regel der Geldstrafe den Vorrang
  einzuräumen (BGE 147 IV 241 E. 3.2, m.w.H.).

  
	
   

  
	
  3.2. Zu
  berücksichtigen ist dabei, dass das Sanktionenrecht per 1. Januar 2018
  revidiert worden ist (vgl. Art. 34 StGB; Botschaft zur Änderung des
  Strafgesetzbuches und des Militärstrafgesetzes [Änderung des Sanktionenrechts]
  vom 4. April 2012, BBl 2012 4721). Da der Beschuldigte die hier zu
  beurteilende Veruntreuung zuvor begangen hat, ist das für ihn mildere Recht
  anzuwenden (vgl. Art. 2 Abs. 2 StGB; Urteil des Bundesgerichts
  6B_243/2022 vom 18. Januar 2023 E. 2.4). Um zu bestimmen, welches das
  für den Beschuldigten mildere Recht ist, sind sich das alte und das neue
  Recht einander gegenüberzustellen, und zwar in ihrer Auswirkung auf den
  konkreten Fall (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_243/2022 vom 18. Januar
  2023 E. 2.5.1, m.w.H.).

  
	
   

  
	
  3.3. Der Tatbestand
  der Veruntreuung nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB sah sowohl
  unter dem zur Tatzeit als auch zum Urteilszeitpunkt geltenden Recht als
  Sanktion eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor.
  Nach dem bis zum 31. Dezember 2017 geltenden Art. 34 Abs. 1 aStGB betrug die
  Geldstrafe, soweit es das Gesetz nicht anders bestimmte, höchstens 360
  Tagessätze. Nach dem neuen Art. 34 Abs. 1 StGB beträgt die
  Geldstrafe höchstens 180 Tagessätze. 

  
	
   

  
	
  3.4. Wie
  nachfolgend aufgezeigt wird (E. V.5.), beträgt die vorliegend
  schuldangemessene Strafe nach Berücksichtigung der Täterkomponenten 250
  Tagessätze. Nach dem alten Recht kann der Beschuldigte hierfür alternativ mit
  einer Geld- oder einer Freiheitsstrafe sanktioniert werden, während unter dem
  neuen Recht zwingend eine Freiheitsstrafe auszusprechen wäre. Demnach ist das
  alte Recht im Vergleich zum neuen Recht für den Beschuldigten milder, weshalb
  vorliegend das alte Recht Anwendung findet. Gemessen am Verschulden des
  Beschuldigten sowie in Anbetracht dessen, dass eine Freiheitsstrafe
  vorliegend nicht notwendig erscheint, um den Beschuldigten von der Begehung
  weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten, ist der Beschuldigte vorliegend
  nach dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit mit einer Geldstrafe zu sanktionieren
  (vgl. BGE 134 IV 97 E. 4.2.2).

  
	
   

  
	
  4.  

  
	
  4.1. Im
  Folgenden ist nun die konkrete Geldstrafe festzusetzen. Dies erfolgt in zwei
  Schritten: Zunächst ist die dem Verschulden des Täters angemessene Anzahl 

  Tagessätze zu bestimmen (Art. 34 Abs. 1 StGB). Danach ist die Höhe des
  Tagessatzes betraglich festzulegen; dabei kommt es nicht mehr auf das
  Verschulden des Täters an, sondern einzig auf seine persönlichen und
  wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt des Urteils (Art. 34 Abs. 2 StGB).
  

  
	
   

  
	
  4.2. Zu
  beachten ist dabei, dass der Beschuldigte von der Staatsanwaltschaft des
  Kantons Glarus bereits am 9. Dezember 2013 wegen einem Vergehen gegen das
  Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung zu einer
  Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 30.— verurteilt wurde (act. 45).
  Die vorliegend zu beurteilende Straftat liegt zeitlich weiter zurück als die
  eben genannte Verurteilung durch die Staatsanwaltschaft. Wie sowohl die
  Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft vorbringen (vgl. act. 49
  S. 11; act. 22 S. 19), ist deshalb vorliegend eine
  Zusatzstrafe zu dieser Verurteilung zu bestimmen. Der Beschuldigte darf dabei
  im Ergebnis nicht schwerer bestraft werden, als wenn die strafbaren
  Handlungen gleichzeitig beurteilt worden wären (vgl. Art. 49
  Abs. 2 StGB; BGE 142 IV 265 E. 2.3.1, m.w.H.).

  
	
   

  
	
  4.3. Dabei
  ist wie folgt vorzugehen: Zunächst ist eine hypothetische Einsatzstrafe für
  die vorliegend zu beurteilende Veruntreuung vom 30. Dezember 2008 als das
  schwere Geldstrafen-Delikt festzulegen (vgl. Art. 138 Ziff. 1 StGB
  im Vergleich zu Art. 87 AHVG). Hierfür sind die Tatschwere der
  begangenen Veruntreuung aus objektiver und subjektiver Sicht zu bewerten
  sowie die persönlichen Verhältnisse des Täters zu berücksichtigen (vgl. zum
  konkreten Vorgehen BGE 141 IV 61 E. 6.1.1, m.w.H.; Hans Wiprächtiger/Stefan Keller, in Basler Kommentar
  Strafrecht, 4. Aufl., Basel 2019, N. 85 zu Art. 47 StGB). Anschliessend
  ist diese hypothetische Einsatzstrafe für die vorliegende Veruntreuung unter
  Einbezug der Verurteilung des Beschuldigten vom 9. Dezember 2013 wegen
  des Vergehens gegen das Bundesgesetz über die Alters- und
  Hinterlassenenversicherung angemessen zu erhöhen und eine Gesamt-Geldstrafe
  zu bilden (Art. 49 Abs. 1 StGB; BGE 142 IV 265 E. 2.3.3). Um die
  auszusprechende Zusatzstrafe zu bestimmen, ist schliesslich die im Ersturteil
  ausgesprochenen Grundstrafe von der Gesamtstrafe wiederum abzuziehen (vgl.
  BGE 142 IV 265 E. 2.4.4).

  
	
   

  
	
  5.  

  
	
  5.1. Die
  Veruntreuung eines anvertrauten Vermögenswertes ist mit einer Freiheitsstrafe
  bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe zu bestrafen (Art. 138
  Ziff. 1 Abs. 2 StGB). Geschütztes Rechtsgut ist das Vermögen der
  geschädigten Person (Marcel Alexander
  Niggli/Christof Riedo, a.a.O., N. 7 zu Art. 138 StGB). Die
  hiermit zu beurteilende Veruntreuung war auf ein Vermögen von
  CHF 85'000.— gerichtet. Das Vermögen des Privatklägers wurde somit
  massgeblich beeinträchtigt. Der Beschuldigte war für den Privatkläger nicht
  einfach eine unbekannte Person, sondern als sein Vermögensverwalter tätig. Im
  Rahmen dessen hatte der Beschuldigte unbeschränkt Zugriff auf sein G.______
  Konto (vgl. oben E. III.6.2.). Der Beschuldigte genoss beim Privatkläger
  somit eine hohe Vertrauensstellung, welche dieser gezielt ausnutzte. Es sind
  somit sowohl leichtere als auch erheblich schwere Tatvarianten denkbar.
  Innerhalb des Strafrahmens von 3 Tagen bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe ist
  die Tat noch im unteren Bereich einzuordnen und entsprechend für die
  objektive Tatschwere von einer hypothetischen Einsatzstrafe von 540
  Tagessätzen (entsprechend 1.5 Jahren) auszugehen.

  
	
   

  
	
  5.2.
  In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass
  der Beschuldigte vorab ein eigennütziges Ziel verfolgte, so verwendete er das
  Geld des Privatklägers für sein eigenes Einzelunternehmen (vgl. oben E.
  III.9.). Da dies bereits im Tatbestand der Veruntreuung selbst vorausgesetzt
  wird, ist dies nicht zusätzlich verschuldenserhöhend zu gewichten (vgl. Hans Mathys, Leitfaden Strafzumessung,
  2. Aufl., Basel 2019, N. 145). Auch sonst liegen aus
  subjektiver Sicht weder Straferhöhungs- noch Strafminderungsgründe vor,
  weshalb auch nach Bewertung des subjektiven Tatverschuldens von einer
  hypothetischen Einsatzstrafe von 540 Tagessätzen auszugehen ist.

  
	
   

  
	
  5.3.
  Im Tatzeitpunkt war der Beschuldigte nicht
  vorbestraft (vgl. act. 45), so wurde der Beschuldigte erst im Jahr 2013
  wegen einem Vergehen gegen das Bundesgesetz über die Alters- und
  Hinterlassenenversicherung zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt
  (act. 45). Eine besondere Strafempfindlichkeit liegt nicht
  vor. Diese beiden Umstände sind beide neutral zu gewichten (vgl. Hans Mathys, a.a.O., N. 328 und
  N. 351 f.). Zu berücksichtigen ist dagegen, dass der Beschuldigte
  die CHF 85‘000.— dem Privatkläger am 16. März 2009 wieder
  zurücküberwiesen hat (vgl. oben E. III.6.2.). Auch wenn der Beschuldigte
  in Bezug auf den Veruntreuungstatbestand nicht geständig ist und somit keine
  aufrichtige Reue im Sinne von Art. 48 lit. d StGB vorliegt, ist diese
  Rückzahlung als Schadensdeckung strafmindernd zu berücksichtigen (Hans Mathys, a.a.O.,
  N. 334 ff.). Die hypothetische Einsatzstrafe ist somit um 80
  Tagessätze auf 460 Tagessätze zu kürzen.

  
	
   

  
	
  5.4. Wie die
  Verteidigerin zu Recht vorbringt (act. 50 S. 7) ist zudem strafmildernd
  zu berücksichtigen, dass das vorliegende Verfahren insgesamt zu lange
  gedauert hat und somit das Beschleunigungsgebot verletzt wurde (vgl.
  Art. 5 Abs. 1 StPO). Insbesondere ist zu beachten, dass es nach der
  Strafanzeige der Kantonspolizei Glarus vom 20. Juli 2015 über sechs Jahre
  dauerte, bis die Staatsanwaltschaft den Beschuldigten selbst einvernommen
  hatte (vgl. act. 2/8.1.01 im Vergleich zu act. 2/10.1.02). Als
  Folge der langen Verfahrensdauer sowie im Lichte von Art. 48 lit. e StGB
  ist die schuldangemessene Strafe von 460 Tagessätzen hier deutlich um 200
  Tagessätze herabzusetzen, womit die auszufällende Strafe noch 260 Tages­sätze
  beträgt (vgl. Hans Mathys,
  a.a.O., N. 339 ff.).

  
	
   

  
	
  5.5. Diese
  hypothetische Einsatzstrafe für die vorliegend zu beurteilende Veruntreuung
  ist nun aufgrund der Verurteilung des Beschuldigten vom 9. Dezember 2013
  wegen des Vergehens gegen das Bundesgesetz über die Alters- und
  Hinterlassenenversicherung angemessen zu einer Gesamtstrafe zu erhöhen. Dabei
  dürfen die zuvor festgesetzten Einzelstrafen nicht einfach addiert werden,
  sondern nur anteilsmässig ins Gewicht fallen (BGE 144 IV 217 E. 3.5.2). 

  
	
   

  
	
  5.6. Für das
  Vergehen gegen das Bundesgesetz über die Alters- und
  Hinterlassenenversicherung hat die Staatsanwaltschaft Glarus eine Geldstrafe
  von 30 Tages­sätzen ausgesprochen (vgl. act. 45). Dieses Delikt weist
  weder einen sachlichen noch einen zeitlichen Zusammenhang zur vorliegend zu
  beurteilenden Veruntreuung auf. Das Vergehen gegen das Bundesgesetz über die
  Alters- und Hinterlassenenversicherung ist vorliegend somit mit 20
  Tagessätzen zu berücksichtigen (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts
  6B_466/2013 vom 25. Juli 2013 E. 2.3.4). Dies führt zu einer
  Gesamtstrafe von 280 Tagessätzen.

  
	
   

  
	
  5.7. Da der
  Beschuldigte bereits rechtskräftig zu einer Geldstrafe zu 30 Tagessätzen
  verurteilt wurde, ist die im Ersturteil ausgesprochene Grundstrafe von der
  Gesamtstrafe wiederum abzuziehen (vgl. BGE 142 IV 265 E. 2.4.4). Es
  resultiert somit 

  eine Zusatzstrafe von 250 Tagessätzen.

  
	
   

  
	
  5.8. Diese
  Zusatzstrafe von 250 Tagessätzen fällt in das früher mögliche Maximum von 360
  Tagessätzen (vgl. Art. 34 Abs. 1 aStGB). Das heutige gültige Maximum von 180
  Tagessätzen ist vorliegend nicht anzuwenden, da die gleichzeitige Anwendung
  von altem und neuem Recht auf ein und dieselbe Tat nicht möglich ist (BGE 134
  IV 82 E. 6.2.3, m.w.H.; Urteil des Bundesgerichts 6B_1293/2020 vom 31.
  März 2022 E. 1.3.2). Ansonsten würde der Beschuldigte im Ergebnis zwei
  Mal begünstigt behandelt, was mit dem Strafzumessungsgrundsatz von Art. 47
  StGB und allgemein den (Präventions-)Zwecken des Strafrechts nicht mehr
  vereinbar wäre. Im Ergebnis bleibt es somit bei einer Zusatzstrafe von 250
  Tagessätzen.

  
	
   

  
	
  6.  

  
	
  6.1. Zur
  Festsetzung der Geldstrafe ist nun noch die Tagessatzhöhe zu bestimmen.
  Ausgangspunkt hierfür bildet in der Regel das vom Täter erzielte
  Nettoeinkommen (BGE 134 IV 60 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_744/2020
  vom 26. Oktober 2020 vom E. 2.2.2; Hans
  Mathys, a.a.O., N. 439). Verdient der Täter jedoch weniger, als
  er in zumutbarer Weise erzielen könnte, so ist von einem potentiellen bzw.
  hypothetischen Einkommen auszugehen (BGE 134 IV 60 E. 6.1; Urteil des
  Bundesgerichts 6B_610/2009 vom 13. Juli 2010 E. 1.3; Hans Mathys, a.a.O., N. 441; 

  Anette Dolge, in: Basler
  Kommentar Strafrecht, 4. Aufl., Basel 2019, N. 55 zu Art. 34 StGB).

  
	
   

  
	
  6.2. Der
  Beschuldigte ist mittlerweile 62-jährig, geschieden und hat vier erwachsene
  Kinder, für welche keine Unterhaltsverpflichtungen mehr bestehen
  (act. 2/1.1.06; act. 48 Fragen 5-10). Er hat eine Lehre als
  Maschinenzeichner gemacht und nachfolgend ein Wirtschaftsstudium
  (act. 48 Frage 7). Er erzielt als Selbständigerwerbender im
  Finanzbereich gemäss eigenen Angaben ein monatliches Einkommen von ca.
  CHF 500.— (act. 48 Fragen 14-15). In der eingeholten
  Steuererklärung aus dem Jahr 2022 ist gar ein steuerbares Einkommen von
  CHF 0.— angegeben (act. 44). Gegen den Beschuldigten sind
  zahlreiche Betreibungen eingeleitet worden und bestehen mehrere offene
  Verlustscheine (vgl. act. 2/1.1.03 und act. 2/1.1.05). Im Jahr 2019
  betrug sein Einkommen dagegen noch CHF 25'000.— im Jahr, d.h. ca.
  CHF 2'080.— im Monat (vgl. act. 2/1.1.02a). Aufgrund der Ausbildung
  des Beschuldigten muss davon ausgegangen werden, dass es dem Beschuldigten
  weiterhin möglich ist, ein Einkommen von mindestens CHF 2'000.— pro
  Monat zu erzielen. Es ist dem Beschuldigten vorliegend zur Bestimmung der Tagessatzhöhe
  somit weiterhin ein Einkommen von CHF 2'000.— monatlich anzurechnen. 

  
	
   

  
	
  6.3. Von
  diesem Nettoeinkommen sind die laufenden Steuern, die Beiträge an die
  obligatorische Kranken- und Unfallversicherung sowie die notwendigen
  Berufsauslagen bzw. bei Selbständigerwerbenden die branchenüblichen
  Geschäftsunkosten in Abzug zu bringen. Das Nettoprinzip verlangt, dass bei
  den ermittelten Einkünften – innerhalb der Grenzen des Rechtsmissbrauchs –
  nur der Überschuss der Einnahmen über die damit verbundenen Aufwendungen zu
  berücksichtigen sind. Bei Täter, welche nahe am oder unter dem
  Existenzminimum leben, ist der Tagessatz in dem Masse herabzusetzen, dass
  einerseits die Ernsthaftigkeit der Sanktion durch den Eingriff in die
  gewohnte Lebensführung erkennbar ist und andererseits der Eingriff nach den
  persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen als zumutbar erscheint. Als
  Richtwert lässt sich festhalten, dass eine Herabsetzung des Nettoeinkommens
  um mindestens die Hälfte geboten ist. Bei einer hohen Anzahl Tagessätze –
  namentlich bei Geldstrafen von mehr als 90 Tagessätzen – ist eine Reduktion
  um weitere 10-30% angebracht, da mit zunehmender Dauer die wirtschaftliche
  Bedrängnis und damit das Strafleiden progressiv ansteigt (vgl. zum Ganzen
  Urteil des Bundesgerichts 6B_744/2020 vom 26. Oktober 2020 vom
  E. 2.2.2, m.w.H.).

  
	
   

  
	
  6.4. Der
  Beschuldigte wohnt bei seiner Mutter (act. 48 Frage 9). Nach den
  Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien)
  ist ihm für seinen Lebensunterhalt im Zweipersonenhaushalt CHF 789.— als
  Existenzminimum anzurechnen (SKOS-Richtlinien vom 1. Januar 2021 C.3.1). Dies
  ist von seinem Nettoeinkommen von CHF 2'000.— vorab abzuziehen, womit
  noch ein Betrag von gerundet CHF 1'200.— verbleibt. Für die weiteren Auslagen
  des Beschuldigten (wie laufende Steuern, Beiträge an die obligatorische
  Kranken- und Unfallversicherung und notwendigen Berufsauslagen) sowie unter
  Berücksichtigung, dass der Beschuldigte mit einer sehr hohen Anzahl an
  Tagessätzen sanktioniert wird, ist das ihm verbleibende Einkommen von
  CHF 1'200.— nochmals um einen Pauschalbetrag von 30 % zu
  reduzieren. Gerundet resultiert daraus ein Tagessatz von CHF 30.—,
  welcher im Hinblick auf die finanzielle Situation des Beschuldigten als
  angemessen erscheint. 

  
	
   

  
	
  7.  

  
	
  7.1. Der
  Beschuldigte ist somit vorliegend mit einer Geldstrafe von 250 Tagessätzen zu
  je CHF 30.— (entsprechend CHF 7'500.—) zu bestrafen. Die Strafe ist
  bedingt aufzuschieben, da eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint,
  um den Beschuldigten von der Begehung weiteren Verbrechen und Vergehen
  abzuhalten (vgl. Art. 42 Abs. 1 StGB). Wie von der Staatsanwaltschaft
  vorgebracht (act. 49 S. 11), ist die Probezeit dabei auf zwei Jahre
  festzusetzen (vgl. Art. 44 Abs. 1 StGB). 

  
	
   

  
	
  7.2. Gemäss
  Art. 42 Abs. 4 StGB kann eine bedingte Strafe mit einer Busse nach Art. 106
  StGB verbunden werden (sog. Verbindungsbusse). Mit der Verbindungsbusse soll
  im Bereich der Massendelinquenz die Möglichkeit geschaffen werden, 

  eine spürbare Sanktion zu verhängen. Die Bestimmung dient in erster Linie
  dazu, die Schnittstellenproblematik zwischen der gemäss Art. 105 Abs. 1 StGB
  stets unbedingten Busse für Übertretungen und der bedingten Geldstrafe für
  Vergehen zu entschärfen. Die Verbindungsbusse trägt ferner dazu bei, das
  unter spezial- und generalpräventiven Gesichtspunkten eher geringe
  Drohpotential der bedingten Geldstrafe zu erhöhen (BGE 146 IV 145
  E. 2.2, m.w.H.).

  
	
   

  
	
  7.3. Von
  einer Verbindungsbusse ist vorliegend abzusehen, da die zu beurteilende
  Veruntreuung nicht dem Bereich der Massendelinquenz zuzuordnen ist und somit
  keine Schnittstellenproblematik besteht. Zudem erscheint die Aussprechung
  einer Verbindungsbusse vorliegend auch unter spezial- und generalpräventiven
  Gesichtspunkten nicht notwendig; zumal das vorliegend zu beurteilende Delikt
  bereits 15 Jahre her ist und sich der Beschuldigte seit über 10 Jahren nichts
  mehr zuschulden kommen lassen hat (vgl. act. 45).

  
	
   

  
	
  7.4. Der
  Beschuldigte hat die vorliegend zu beurteilende Veruntreuung vor der
  Verurteilung wegen des Vergehens gegen das Bundesgesetz über die Alters- und
  Hinterlassenenversicherung begangen (vgl. act. 45). Wie die Verteidigung zu
  Recht festhält (act. 22 S. 19), kann die Geldstrafe wegen des
  Vergehens gegen das Bundesgesetz über die Alters- und
  Hinterlassenenversicherung somit nicht widerrufen werden (vgl. Art. 46
  StGB).

  
	
   

  
	
   

  
	
  VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen

  
	
  1.  

  
	
  1.1. Aus
  alldem folgt, dass die Berufung der Staatsanwaltschaft grösstenteils
  gutzuheissen ist. So ist der Beschuldigte wie von der Staatsanwaltschaft
  beantragt, wegen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1
  Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen. Im Vergleich zu den Berufungsanträgen
  der Staatsanwaltschaft ist der Beschuldigte jedoch etwas milder zu bestrafen
  (bedingte Geldstrafe von 250 Tagessätzen zu CHF 30.— anstatt bedingte
  Freiheitsstrafe von 10 Monaten). Insgesamt obsiegt die Staatsanwaltschaft mit
  ihren Anträgen somit ca. zu 90 %.

  
	
   

  
	
  1.2. Die
  Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf CHF 3’000.—
  festzusetzen (Art. 8 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 der Zivil- und
  Strafprozesskostenverordnung des Kantons Glarus; GS III A/5). Dem
  Verfahrensausgang entsprechend ist diese Gerichtsgebühr im Umfang von
  CHF 2'700.— dem Beschuldigten aufzuerlegen (entsprechend neun Zehnteln)
  und im Umfang von CHF 300.— (entsprechend einem Zehntel) auf die
  Staatskasse zu nehmen (vgl. Art. 428 Abs. 1 StPO). 

  
	
   

  
	
  1.3. Rechtsanwältin
  lic. iur. Bettina Dürst ist für ihre Bemühungen im Berufungsverfahren als
  amtliche Verteidigung des Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit
  CHF 3'600.63 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen
  (act. 51). Der Beschuldigte hat der Gerichtskasse diese Auslagen im
  Umfang von CHF 3'240.60 (entsprechend neun Zehnteln) zurückzuerstatten,
  wenn es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 428
  Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO und
  Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).

  
	
   

  
	
  1.4. Beim
  vorliegenden Ausgang des Berufungsverfahrens hat der Beschuldigte keinen
  Anspruch auf eine Entschädigung (Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). Dem
  Privatkläger ist im Berufungsverfahren ebenfalls keine Entschädigung
  zuzusprechen, da weder ein entsprechender Antrag gestellt wurde, noch
  notwendige Aufwendungen ersichtlich sind (Art. 433 StPO e contrario).

  
	
   

  
	
  2.  

  
	
  2.1. Da das
  Obergericht als Rechtsmittelinstanz vorliegend einen neuen Entscheid fällt,
  ist auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung zu befinden.

  
	
   

  
	
  2.2. Die
  Vorinstanz setzte für das erstinstanzliche Verfahren eine Gerichtsgebühr von
  CHF 6'000.— fest (act. 29 S. 54 Dispositivziffer 4). Die
  Kosten für das Untersuchungsverfahren bezifferte die Staatsanwaltschaft auf
  CHF 20'000.— (act. 1). Diese Gebühren erscheinen im Lichte von Art.
  6, 7 und 8 Abs. 1 lit. b Ziff. 2 der Zivil- und
  Strafprozesskostenverordnung des Kantons Glarus als gerechtfertigt und sind
  folglich zu bestätigen. 

  
	
   

  
	
  2.3. Im
  vorinstanzlichen Verfahren sowie im Untersuchungsverfahren waren nicht nur
  die vorliegend zu beurteilende Veruntreuung zum Nachteil des Privatklägers zu
  untersuchen. Hauptgegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens sowie des
  Untersuchungsverfahrens war vielmehr der Vorwurf des gewerbsmässigen Betruges
  zu Lasten von 27 Geschädigten (vgl. act. 1 und act. 2/8.1.01). Der
  Vorwurf der Veruntreuung verursachte nur einen Teil der entstandenen Kosten.
  Auch in Bezug auf die Veruntreuung entstand im Untersuchungsverfahren und im
  erstinstanzlichen Verfahren jedoch ein nicht unerheblicher Aufwand. So wurden
  der Beschuldigte hierzu drei Mal, der Privatkläger zwei Mal sowie I.______
  einmal befragt (vgl. act. 2/10.1.02; act. 2/10.1.03;
  act. 2/10.2.21a; act. 2/10.2.21b; act. 2/10.2.22;
  act. 23). Zudem mussten die Kontobelege ediert und ausgewertet sowie das
  Anlagesystem des Beschuldigten analysiert werden (vgl. z.B.
  act. 2/8.1.01). 

  
	
   

  
	
  2.4. Angesichts
  dieses nicht unerheblichen Zeitaufwandes erscheint es als angemessen, die
  Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens sowie des Untersuchungsverfahrens dem
  Beschuldigten antragsgemäss im Umfang von einem Fünftel (entsprechend
  CHF 5'200.—) aufzuerlegen.

  
	
   

  
	
  2.5. Die
  Vorinstanz sprach der amtlichen Verteidigung für das erstinstanzliche
  Verfahren SG.2022.00019 und das Untersuchungsverfahren SA.2014.00428 ein
  Honorar von insgesamt CHF 19'074.20 zu (act. 29 S. 54
  Dispositivziffer 4). Die Höhe dieser Entschädigung ist unbestritten und wurde
  der amtlichen Verteidigung von der Gerichtskasse bereits vollumfänglich
  ausgerichtet. Im Umfang von CHF 3'814.80.— (entsprechend einem Fünftel)
  sind die Kosten für die amtliche Verteidigung für das erstinstanzliche
  Verfahren und das Untersuchungsverfahren vom Beschuldigten zu beziehen,
  sobald es dessen wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 428
  Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 422 Abs. 2 lit. a StPO und
  Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).

  
	
   

  
	
  ____________________

  
	
   

  
	
   

  
	
   

  
	
  Das Gericht   erkennt:

  
	
   

  
	
  	
    1.

    	
    Es wird vorgemerkt, dass die
    nachfolgenden Dispositivziffern des Urteils des Kantonsgerichts Glarus vom
    1. März 2023 im Verfahren SG.2022.00019 unangefochten in Rechtskraft
    erwachsen sind und nicht Gegenstand des Berufungsverfahrens bildeten:

     

    

  
  

  
	
  	
    «1.

    	
    B.______ wird freigesprochen vom Vorwurf des
    (gewerbsmässigen) Betrugs im Sinne von Art. 146 StGB.

    
	
     

    	
     

    
	
    2.

    	
    Die bei B.______ sichergestellten Gegenstände
    (vgl. act. 2 / 5.1.04 und 5.1.04-1) werden diesem herausgegeben.

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    Es wird vorgemerkt, dass B.______ sämtliche
    (unbezifferten) Zivilforderungen der Privatkläger im Grundsatz anerkannt
    hat.»

     

    

  

  
	
  	
    2.

    	
    B.______ ist schuldig der
    Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB
    begangen am 30. Dezember 2008 (Anklagesachverhalt Ziffer 2).

    
	
     

    	
     

    
	
    3.

    	
    B.______
    wird bestraft mit einer Geldstrafe von 250 Tagessätzen zu je CHF 30.—
    (entsprechend CHF 7'500.—). Der Vollzug der Geldstrafe
    wird aufgeschoben und die Probezeit wird auf zwei Jahre festgesetzt.

    
	
     

    	
     

    
	
    4.

    	
    Die Gerichtsgebühr für das
    erstinstanzliche Verfahren SG.2022.00019 wird auf insgesamt
    CHF 6'000.— festgesetzt.

    
	
     

    	
    Die weiteren Kosten der Untersuchung
    und des erstinstanzlichen Verfahrens betragen:

    CHF 20'000.—  Untersuchungsgebühr (SA.2014.00428)

    CHF 19'074.20 amtliche Verteidigung

    CHF 39'074.20
    TOTAL

     

    

  

  
	
  	
    5.

    	
    Die Gebühren für das
    erstinstanzliche Verfahren SG.2022.00019 und das Untersuchungsverfahren
    SA.2014.00428 werden B.______ im Umfang von einem Fünftel (entsprechend
    CHF 5'200.—) auferlegt und von ihm bezogen. Im restlichen Umfang von
    CHF 20'800.— werden die Kosten auf die Staatskasse genommen. 

    
	
     

    	
     

    
	
    6.

    	
    Es wird vorgemerkt, dass die
    Gerichtskasse die Entschädigung für die amtliche Verteidigung für das
    erstinstanzliche Verfahren SG.2022.00019 und das Untersuchungsverfahren
    SA.2014.00428 bereits vollumfänglich ausbezahlt hat.

    
	
     

    	
     

    
	
    7.

    	
    Die Kosten der amtlichen
    Verteidigung für das erstinstanzliche Verfahren und das
    Untersuchungsverfahren werden im Umfang von CHF 3'814.80.— von
    B.______ bezogen, wenn es dessen wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.
    Die wirtschaftlichen Verhältnisse von B.______ werden spätestens im Januar
    2027 überprüft.

    
	
     

    	
     

    
	
    8.

    	
    Die Gerichtsgebühr für das
    Berufungsverfahren wird festgesetzt auf CHF 3'000.—. Diese Gebühr wird
    B.______ im Umfang von CHF 2'700.— auferlegt und von ihm bezogen, im
    Umfang von CHF 300.— wird diese Gebühr auf die Staatskasse genommen.

    
	
     

    	
     

    
	
    9.

    	
    Rechtsanwältin lic. iur.
    Bettina Dürst wird für das Berufungsverfahren als amtliche Verteidigung von
    B.______ aus der Gerichtskasse mit insgesamt CHF 3'600.63
    (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) entschädigt. B.______ wird verpflichtet, der Gerichtskasse die Kosten der amtlichen
    Verteidigung für das Berufungsverfahren im Umfang von CHF 3'240.60
    zurückzuerstatten, wenn es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.

    
	
     

    	
     

    
	
    10.

    	
    Für das Berufungsverfahren
    werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

    
	
     

    	
     

    
	
    11.

    	
    Schriftliche Mitteilung an:

    
	
     

    	
    [...]