# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b4018983-a747-5b63-9491-80ee1ae24d62
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-02-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.02.2012 D-6611/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6611-2011_2012-02-06.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­6611/2011

U r t e i l   v om   6 .   F e b r u a r   2 0 1 2

Besetzung Einzelrichterin Nina Spälti Giannakitsas,
mit Zustimmung von Richter Walter Lang;  
Gerichtsschreiber Lorenz Mauerhofer.

Parteien A._______, geboren am … , 
B._______, geboren am … , 
und ihr Kind
C._______, geboren am … ,
Äthiopien (angeblich Eritrea), 
vertreten durch Susanne Stotz, 
Beschwerdeführende, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 9. November 2011 / N … .

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Sachverhalt:

A. 
A._______  (der  Beschwerdeführer)  und  B._______  (die 
Beschwerdeführerin),  welche  zu  diesem  Zeitpunkt  schwanger  war, 
ersuchten am 8. Oktober 2008  in der Schweiz um Asyl, worauf sie vom 
BFM  am  20.  Oktober  2008  summarisch  befragt  und  am  18.  Dezember 
2008 einlässlich zu ihren Gesuchsgründen angehört wurden. 

Die  Beschwerdeführerin  macht  geltend,  als  Tochter  einer  äthiopischen 
Mutter  und  eines  eritreischen  Vaters  in  Addis  Abeba  geboren  und 
aufgewachsen  zu  sein.  Ihre Mutter  habe  sie  allerdings nie  gekannt. Sie 
selber sei eritreischer Staatsangehörigkeit, auch wenn sie nie  in diesem 
Land  gelebt  habe.  Im  Jahre  1999  sei  ihr  Vater  nach  Eritrea  deportiert 
worden  und  sie  selbst  habe  mit  ihrer  Pflegemutter  Äthiopien  verlassen 
und  fortan  im  Sudan  gelebt.  Dort  habe  sie  erfahren,  dass  ihr  Vater 
gestorben sei. Weder über die Deportation noch über die Herkunft  ihres 
Vaters  könne  sie  weitere  Aussagen  machen,  da  dieser  nur  selten 
zuhause gewesen sei. Tigrinisch verstehe sie zwar, könne es aber nicht 
sprechen, da ihre Muttersprache Amharisch sei. 

Der Beschwerdeführer brachte vor, ebenfalls als Sohn eines eritreischen 
Vaters  und  einer  äthiopischen  Mutter  in  Addis  Abeba  geboren  und 
aufgewachsen  zu  sein.  Er  selber  sei  eritreischer  Staatsangehörigkeit. 
Seine Mutter sei in einem Autounfall tödlich verunglückt und kurz darauf, 
im März 1999, sei sein Vater deportiert worden. Da sie ein eigenes Haus 
gehabt  hätten,  seien  sie  bei  den  äthiopischen  Behörden  registriert 
gewesen.  Mit  Ausnahme  seines  Schülerausweises  habe  er  aber  nie 
Papiere gehabt. Das Haus der Familie sei nach der Ausreise des Vaters 
von  einer  befreundeten  Äthiopierin  verwaltet  worden  und  er  habe 
weiterhin  auf  dem Grundstück  seiner  Familie  unbehelligt  leben  können. 
Er  habe als Mechaniker  gearbeitet.  Im Mai  2003  sei  er  jedoch  von den 
äthiopischen  Behörden  verhaftet  worden.  Zur  Verhaftung  sei  es 
gekommen, weil er seit 2002 drei  jungen Eritreern bei sich Unterschlupf 
gewährt  habe  und  man  ihnen  vorgeworfen  habe,  Spitzel 
beziehungsweise Oppositionelle zu sein. Über zwei Jahre sei er inhaftiert 
geblieben,  ohne  dass  er  befragt  worden  wäre  oder  man  ein  Verfahren 
gegen  ihn  eröffnet  hätte.  Im  Juni  2005  sei  ihm  die  Flucht  aus  dem 
Gefängnis gelungen, woraufhin er in den Sudan gelangt sei. Von seinem 
Vater  habe er  seit  der Deportation nie mehr etwas gehört  respektive er 
habe  erst  kürzlich  erfahren,  dass  sein  Vater  in  S._______  lebe  und  in 

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T._______  arbeite.  Dessen  Familie  lebe  in  U._______.  Seine 
Verwandtschaft  mütterlicherseits  lebe  im  äthiopischen  V._______.  In 
Eritrea  sei  er  nie  gewesen,  seine  Muttersprache  sei  aber  Tigrinisch. 
Allerdings  spreche  er  besser  Amharisch,  da  er  in  dieser  Sprache  zur 
Schule gegangen sei. 

Als  Beweismittel  reichte  der  Beschwerdeführer  im  Laufe  des 
vorinstanzlichen  Verfahrens  insbesondere  eine  angebliche 
Geburtsurkunde des Vaters aus S._______, ausgestellt am 21. Oktober 
2008,  eine  angebliche  Arbeitgeberbestätigung  vom  23.1.70  [3.  Oktober 
1977], schriftliche Erklärungen des Vaters sowie eine Kopie eines am 1. 
Juli 2010 ausgestellten eritreischen Ausweises des Vaters zu den Akten. 

B. 
Aus  den  Akten  geht  hervor,  dass  die  Beschwerdeführerin  am  …  zwei 
Mädchen gebar, welche beide nur kurz nach ihrer Geburt verstarben. 

Ein  Jahr  später  –  am  …  –  gebar  die  Beschwerdeführerin  ihren  Sohn 
C._______. 

C. 
Nachdem  die  Beschwerdeführenden  ihre  Wohnadressen  in  Äthiopien 
schriftlich  konkretisiert  hatten,  liess  das  BFM  Abklärungen  vor  Ort 
vornehmen. Gemäss dem Bericht vom 28. Dezember 2010 seien sie an 
den  von  ihnen  benannten  Adressen  weder  registriert  noch  bekannt, 
weshalb  weder  die  geltend  gemachte  Ausweisung  der  Väter  noch  die 
geltend gemachte Haft  des Beschwerdeführers  bestätigt werden  könne. 
Den Beschwerdeführenden wurde diesbezüglich am 7. September 2011 
das  rechtliche  Gehör  gewährt.  Gleichzeitig  wurde  auf  bestimmte 
Ungereimtheiten sowie auf die geltenden Bürgerrechtsbestimmungen von 
Eritrea und Äthiopien hingewiesen. 

Die  Beschwerdeführenden  nahmen  mit  Eingabe  vom  17.  September 
2011  Stellung  und  hielten  an  ihren  Gesuchsvorbringen  fest.  Dabei 
machten  sie  geltend,  die  Nichtregistrierung  der  Beschwerdeführerin  sei 
verständlich,  da  sie  Addis  Abeba  bereits  als  Kind  verlassen  habe.  Da 
auch der Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Deportation seines Vaters 
noch  minderjährig  gewesen  sei,  sei  auch  er  nicht  registriert  gewesen. 
Zudem  dürfte  die  von  ihm  erwähnte  Frau  nach  seiner  Verhaftung  das 
Haus  seiner  Familie  als  ihren  Besitz  verkauft  haben,  womit  auch  die 
Registrierung seines Vaters weggefallen sein dürfte. Gleichzeitig machten 

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die  Beschwerdeführenden  geltend,  es  sei  sehr  unwahrscheinlich,  dass 
sie die äthiopische Staatsangehörigkeit  erhalten würden, auch wenn sie 
beide  ein  äthiopisches  Elternteil  hätten,  zumal  sie  noch  nie  äthiopische 
Papiere besessen hätten. Weiter brachten sie vor, der Kontakt zum Vater 
des  Beschwerdeführers  habe  erst  nach  der  BFM­Befragung  über  einen 
Cousin  in S._______ hergestellt werden  können, worauf  der Vater  dem 
Beschwerdeführer die nachgereichten Beweismittel zugestellt habe.

D. 
Mit Verfügung vom 9. November 2011 (eröffnet am 11. November 2011) 
lehnte  das  BFM  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  ab  und 
ordnete  deren  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den 
Wegweisungsvollzug  an.  Dabei  erklärte  das  Bundesamt  die  geltend 
gemachte  Staatsangehörigkeit  von  Eritrea  unter  Verweis  auf  erhebliche 
Mängel  in  den  Angaben  und  Ausführungen  der  Beschwerdeführenden 
sowie  unter  Hinweis  auf  die  eritreische  und  äthiopische 
Bürgerrechtsgesetzgebungen  als  nicht  glaubhaft  gemacht.  Als  ebenfalls 
unglaubhaft  erklärte  es  die  Vorbringen  über  die  angeblich  vom 
Beschwerdeführer  erlittene  Verhaftung,  weil  er  drei  Eritreer  beherbergt 
habe.  Im  Resultat  hielt  das  Bundesamt  fest,  es  sei  mit  hoher 
Wahrscheinlichkeit  von  der  äthiopischen  Staatsangehörigkeit  der 
Beschwerdeführenden  auszugehen,  was  indes  nicht  abschliessend 
geklärt  werden müsse.  Den Wegweisungsvollzug  nach Äthiopien  –  den 
mutmasslichen  Herkunftsstaat  –  erklärte  es  im  Anschluss  daran  als 
zulässig, zumutbar und möglich. 

E. 
Gegen  diesen  Entscheid  reichten  die  Beschwerdeführenden  am  7. 
Dezember  2011  –  handelnd  durch  ihre Rechtsvertreterin  – Beschwerde 
ein.  In  ihrer Eingabe beantragten  sie  die Aufhebung der  angefochtenen 
Verfügung  und  die  Gewährung  von  Asyl,  respektive  zumindest  die 
Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  [1],  bei  gleichzeitiger 
Anerkennung der geltend gemachten Staatsangehörigkeit von Eritrea [2], 
eventualiter  die  Anordnung  einer  vorläufigen  Aufnahme  in  der  Schweiz 
wegen  Unzulässigkeit  oder  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzuges 
[3],  und  sie  ersuchten  namentlich  um  Befreiung  von  der 
Kostenvorschusspflicht  und  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Prozessführung  [5].  Dabei  erklärten  sie  ihre  Schilderungen  über  ihre 
familiäre Herkunft,  die geltend gemachte eritreische Staatsangehörigkeit 
und  die  vom  Beschwerdeführer  erstandene  Haft  als  insgesamt 
glaubwürdig.  Gleichzeitig  führten  sie  an,  aufgrund  ihrer  gemischten 

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Herkunft  hätten  sie  wohl  Anspruch  auf  die  äthiopische 
Staatsangehörigkeit,  der  Erhalt  einer  solchen  sei  in  der  Praxis  aber 
schwierig. Zum Antrag auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft führten 
sie  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  in  Äthiopien  bereits  Verfolgung 
erlitten  und  er  habe  dort  erneut  Haft  zu  gewärtigen,  da  er  nach  seiner 
Flucht  aus  dem Gefängnis  mutmasslich  polizeilich  gesucht  werde.  Den 
Wegweisungsvollzug  erklärten  sie  als  unzumutbar,  da  sie  weder  nach 
Äthiopien  zurückkehren  noch  nach  Eritrea  gehen  könnten.  Ohnehin 
hätten  sie  in  Äthiopien  kein  soziales  Netz.  Schliesslich  habe  ihr  Kind 
kürzlich bei einem Unfall schwere Verbrühungen erlitten, weshalb es auf 
regelmässige ärztliche Behandlung angewiesen sei. Mit der Beschwerde 
reichten  sie  als  Beweismittel  einen  angeblichen  eritreischen 
Flüchtlingsausweis  des  Vater  des  Beschwerdeführers  von  1999  sowie 
einen ärztlichen Kurzbericht betreffend ihr Kind vom 29. November 2011 
ein.

F. 
Mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  15. 
Dezember  2011  wurde  das  Gesuch  um  Erlass  der  Verfahrenskosten 
zufolge  Aussichtslosigkeit  der  Begehren  abgewiesen  und  die 
Beschwerdeführenden gleichzeitig zur Zahlung eines Kostenvorschusses 
von  Fr. 600.–  aufgefordert,  unter  Androhung  des  Nichteintretens  im 
Unterlassungsfall  (vgl.  Art.  65  Abs.  1  und  Art.  63  Abs.  4  des 
Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]). 

G. 
Der  einverlangte  Kostenvorschuss  wurde  am  28.  Dezember  2011 
fristgerecht zu Gunsten des Bundesverwaltungsgerichts eingezahlt. 

H. 
Mit Eingabe vom 30. Dezember 2011 reichten die Beschwerdeführenden 
eine Übersetzung des  vorerwähnten Flüchtlingsausweises  nach und  sie 
stellten  das  Nachreichen  des  Schulabschlusszeugnisses  des 
Beschwerdeführers  aus  Addis  Abeba  in  Aussicht,  in  welchem  seine 
eritreische Nationalität vermerkt sei. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 

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1.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  unter  anderem  zuständig  für  die 
Behandlung  von  Beschwerden  gegen  Verfügungen  des  BFM;  dabei 
entscheidet  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (vgl. 
dazu  Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31] 
i.V.m.  Art.  31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  [VGG,  SR  173.32]  sowie  Art.  83  Bst. d  Ziff.  1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 

1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

1.3. Das Verfahren  richtet  sich  nach  dem VwVG,  soweit  das  VGG  und 
das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG; Art. 6 und 105 AsylG). 

1.4.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  Eingabe  der  legitimierten 
Beschwerdeführenden  ist einzutreten  (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 
Abs. 1 VwVG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG).

2. 
Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt – 
als  offensichtlich  unbegründet,  weshalb  darüber  in  einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer  zweiten  Richterin  zu  entscheiden  ist  (Art. 111  Bst. e  AsylG). 
Gleichzeitig  ist  auf  die  Durchführung  eines  Schriftenwechsels  zu 
verzichten  und  der  Entscheid  im  Folgenden  nur  summarisch  zu 
begründen (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG). 

3. 
In  der  Eingabe  vom  30.  Dezember  2011  stellen  die 
Beschwerdeführenden das Nachreichen eines weiteren Beweismittels  in 
Aussicht  (ein  Schulzeugnis  des  Beschwerdeführers  aus  Addis  Abeba), 
welches  als  Beleg  für  die  geltend  gemachte  eritreische 
Staatsangehörigkeit  dienen  soll.  Auf  das  Einholen  dieses  Beweismittels 
kann  jedoch  verzichtet  werden,  da  der  entscheidrelevante  Sachverhalt 
bereits  aufgrund  der  vorliegenden  Aktenlage  als  hinreichend  erstellt  zu 
erkennen und dem angebotenen Schulzeugnis vor dem Hintergrund der 
nachfolgenden  Erwägungen  –  im  Sinne  einer  antizipierten 

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Beweiswürdigung  –  keine  ausschlaggebende  Bedeutung  zukommen 
dürfte (vgl. dazu Art. 33 Abs. 1 VwVG). 

4. 
4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich 
die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie 
Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den 
frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

5. 
5.1. Das BFM verweist  in seinem Entscheid –  im Rahmen ausführlicher 
und  insgesamt  überzeugender  Erwägungen,  auf  welche  anstelle  einer 
Wiederholung  zu  verweisen  ist  –  auf  eine  ganze  Reihe  massgeblicher 
Mängel  in  den  Gesuchsvorbringen  der  Beschwerdeführenden, 
insbesondere auf eine über weite Strecken mangelhafte Substanziierung 
der  Angaben  und  Ausführungen  zu  ihrer  Herkunft,  ihrem  familiären 
Hintergrund  und  namentlich  der  behaupteten  eritreischen 
Staatsangehörigkeit. Vor diesem Hintergrund – sowie unter Verweis auf 
die  einschlägigen  Bestimmungen  der  eritreischen  und  äthiopischen 
Bürgerrechtsgesetzgebung  –  gelangt  das  Bundesamt  zum  Schluss,  bei 
den Beschwerdeführenden handle es sich nach aller Wahrscheinlichkeit 
um  Staatsangehörige  von  Äthiopien.  Diesem  Schluss  ist  aufgrund  der 
Akten zu folgen. 

5.2.  Im Falle der Beschwerdeführerin  ist  festzustellen, dass sie  in keiner 
Weise in der Lage war, den von ihr behaupteten eritreischen Hintergrund 

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(väterlicherseits) zu substanziieren. Nachdem sie kein Tigrinisch, sondern 
nur  Amharisch  spricht,  sie  keinerlei  Papiere  vorgelegt  hat,  sie  nie  in 
Eritrea  war  und  praktisch  nichts  über  ihre  familiären  Verbindungen 
berichten  konnte,  was  mit  dem  BFM  als  nicht  nachvollziehbar  zu 
bezeichnen  ist,  ist  geltend  gemachte  Staatsangehörigkeit  von  Eritrea 
auch nicht ansatzweise glaubhaft gemacht. 

5.3.  Im  Falle  des  Beschwerdeführers  bestehen  durchaus  Hinweise  auf 
einen  tigrinischen  Hintergrund,  was  jedoch  eine  äthiopische 
Staatsangehörigkeit  nicht  ausschliesst.  Nachdem  der  Beschwerdeführer 
– anders  als  unter  Umständen  sein  Vater  –  nie  für  die  eritreische 
Staatsangehörigkeit optiert hat  (was damals den Verlust der äthiopische 
Staatsangehörigkeit  zur  Folge  hatte),  zudem  seine  Familie 
mütterlicherseits  aus V._______  stammt  (also  aus  der  der  äthiopischen 
Provinz  Tigray)  und  er  schliesslich  während  der  Vertreibungswelle  am 
Ende  der  1990er­Jahre  in  Addis  Abeba  geblieben  ist  (wo  er  als 
Mechaniker ein selbständiges Auskommen hatte), darf mit hinreichender 
Sicherheit  davon  ausgegangen werden,  er werde  von  den  heimatlichen 
Behörden  als  äthiopischer  Staatsangehöriger  anerkannt.  Alleine  der 
Umstand,  dass  er  aufgrund  seiner  Abstammung  von  seinem  Vater 
gegebenenfalls auch die eritreische Staatsangehörigkeit erlangen könnte, 
ist  dabei  unerheblich.  In  diesem  Sinne  kommt  auch  den  aus  Eritrea 
nachgereichten Beweismitteln (Bestätigungen und Ausweise des Vaters) 
keine entscheidrelevante Bedeutung zu, zumal im eritreisch­äthiopischen 
Kontext  unterschiedliche  Staatsangehörigkeiten  innerhalb  ein  und 
derselben Familie durchaus vorkommen können. 

5.4.  Schliesslich  besteht  auch  kein  Anlass  zur  Annahme,  der 
Beschwerdeführer  oder  die  Beschwerdeführerin  hätten  in  ihrer 
äthiopischen  Heimat  rechtserhebliche  Nachteile  erlitten  oder  ihnen 
würden  dort  solche  drohen.  Zwar  hat  der  Beschwerdeführer  geltend 
gemacht, er sei in Äthiopien mehr als zwei Jahre im Gefängnis gewesen, 
seine diesbezüglichen Vorbringen sind jedoch als durchwegs unglaubhaft 
zu  erkennen,  mithin  seine  insgesamt  oberflächlichen  Schilderungen 
weder  auf  eine  Verhaftung  wegen  angeblicher  Beherbergung  von 
Eritreern noch einen Aufenthalt von über zwei Jahren  im Gefängnis von 
W._______ schliessen lassen. 

5.5.  Zusammenfassend  erscheint  als  erstellt,  dass  die 
Beschwerdeführenden  aus Äthiopien  stammen,  über  die  entsprechende 
Staatsangehörigkeit  verfügen  und  damit  in  ihre  äthiopische  Heimat 

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zurückkehren  können,  wo  sie  persönlich  keine  rechtserheblichen 
Nachteile erlitten haben. 

5.6.  Nach  dem  Gesagten  ist  die  Ablehnung  des  Asylgesuches  zu 
bestätigen, wie  auch die  eventualiter  beantragte Feststellung  zumindest 
der  Flüchtlingseigenschaft  oder  der  eritreischen  Staatsangehörigkeit 
ausser Betracht fällt. 

6. 
6.1. Nachdem die Ablehnung  des Asylgesuchs  zu Recht  erfolgt  ist  und 
die  Beschwerdeführenden  weder  über  eine  ausländerrechtlichen 
Aufenthaltstitel  verfügen  noch  einen  solchen  beanspruchen  können, 
erweist  sich  die  Anordnung  der  Wegweisung  als  rechtmässig  (Art.  44 
Abs. 1 AsylG; vgl. auch BVGE 2009/50 E.9 S. 733 m.w.H.). 

6.2. Vor diesem Hintergrund verbleibt  im Folgenden zu prüfen, ob auch 
der vom BFM angeordnete Vollzug der Wegweisung zu bestätigen ist, da 
das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen 
Bestimmungen über  die  vorläufige Aufnahme von Ausländern  zu  regeln 
hat,  wenn  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  nicht  zulässig,  nicht 
zumutbar  oder  nicht  möglich  erweist  (vgl.  dazu  Art. 44  Abs. 2  AsylG 
i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über 
die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]).

6.3. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83 
Abs. 3 AuG). Nachdem es den Beschwerdeführenden nicht gelungen ist, 
eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft 
zu  machen,  kann  der  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der 
Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. 
Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der 
Beschwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie 
für  den  Fall  einer  Rückführung  nach  Äthiopien  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 
1950  zum  Schutz  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK, 
SR 0.101)  oder  Art. 1  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984 
gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende 
Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wären.  Auch  die  allgemeine 
Menschenrechtssituation  spricht  nicht  gegen  den  Wegweisungsvollzug. 

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Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach sowohl im Sinne der 
asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig.

6.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 
Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat 
aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und 
medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Die  allgemeine  Lage  in 
Äthiopien  –  nach  vorstehenden  Erwägungen  der  Herkunfts­  und 
Heimatstaat  der  Beschwerdeführenden  –  ist  zum  heutigen  Zeitpunkt 
jedoch  weder  von  Krieg,  noch  von  Bürgerkrieg  oder  von  allgemeiner 
Gewalt  gekennzeichnet,  so  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  dorthin 
grundsätzlich  als  zumutbar  erscheint.  Es  bestehen  auch  keine  anderen 
Anhaltspunkte,  die  darauf  schliessen  liessen,  bei  einer  Rückkehr  nach 
Äthiopien wären  die  Beschwerdeführenden  einer  konkreten Gefährdung 
im  Sinne  von  Art. 83  Abs.  4  AuG  ausgesetzt.  Es  darf  vielmehr  davon 
ausgegangen  werden,  sie  könnten  sich  in  ihrer  Heimat  wiederum  eine 
Existenzgrundlage  aufbauen,  zumal  der  Beschwerdeführer  über 
langjährige  Arbeitserfahrung  als  Mechaniker  verfügt  und  aufgrund  der 
Akten davon auszugehen  ist,  die Beschwerdeführenden würden  in  ihrer 
Heimat weiterhin  über  verschiedene Verwandte  und andere  persönliche 
Anknüpfungspunkte  verfügen.  Zwar  machen  die  Beschwerdeführenden 
unter Vorlage eines Berichts des … [kantonalen Spitals] geltend, ihr Kind 
sei auf eine regelmässige ärztliche Kontrolle angewiesen, da es sich bei 
einem Unfall schwere Verbrennungen zugezogen habe. Alleine von daher 
lässt  sich  jedoch  kein  Vollzugshindernis  ableiten,  da  kein  Anlass  zur 
Annahme  einer  dauerhaften  Behandlungsbedürftigkeit  des  Kindes 
besteht,  sondern  lediglich  von  einem  zeitlich  befristeten 
Nachbetreuungsbedarf  von  Brandwunden  zweiten  Grades  auszugehen 
ist  (durch  regelmässige  Wundbehandlung  bis  zur  Ausheilung).  Diesem 
Aspekt kann vom Bundesamt – auf Gesuch hin – mit einer Erstreckung 
der angesetzten Ausreisefrist hinreichend Rechnung getragen werden. 

6.5.  Schliesslich  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu 
erachten (Art. 83 Abs. 2 AuG), da es den Beschwerdeführenden obliegt, 
an  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (Art. 8  Abs. 4 
AsylG).

6.6. Nach dem Gesagten ist sowohl die Anordnung der Wegweisung aus 
der  Schweiz  als  auch  deren  Vollzug  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat 
den Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und möglich 

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erklärt,  womit  die  beantragte  Anordnung  einer  vorläufigen  Aufnahme  in 
der Schweiz ausser Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1­4 AuG).

7. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist im Resultat als offensichtlich unbegründet abzuweisen.

8. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  den  Beschwerdeführenden 
Kosten  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG  sowie  Art. 1  ­  3  des 
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor  dem Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, SR  173.320.2]).  Die Kosten 
sind auf Fr. 600.– festzusetzen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss 
in gleicher Höhe zu verrechnen. 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  den  Beschwerdeführenden 
auferlegt.  Die  Kosten  werden mit  dem  geleistete  Vorschuss  in  gleicher 
Höhe verrechnet. 

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Nina Spälti Giannakitsas Lorenz Mauerhofer

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