# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** aa5dc7b1-07fd-5377-bd1b-a3415300e95e
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240529-O1
**Docket/Reference:** SB240529-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240529-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240529-O/U/cs

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. Spiess, Präsident, Oberrichter lic. iur. Hoffmann 

und Ersatzoberrichter lic. iur. Vesely sowie Gerichtsschreiberin 

MLaw Eggenberger

Urteil vom 17. Oktober 2025

in Sachen

A._____, 

Beschuldigte und Berufungsklägerin

amtlich verteidigt durch Rechtsanwältin Dr. iur. X._____, 

gegen

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 

Anklägerin und Berufungsbeklagte

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc. 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 

22. August 2024 (DG240070)

- 2 -

Anklage:

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 16. April 

2024 (Urk. 15/14) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Beschluss der Vorinstanz:

1.

B._____ wird im Strafverfahren als Privatklägerin nicht zugelassen.

2. Mündliche Eröffnung und Begründung sowie schriftliche Mitteilung mit nach-

folgendem Erkenntnis. 

Urteil der Vorinstanz:

1.

Die Beschuldigte A._____ ist schuldig der versuchten schweren Körperver-

letzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.

2.

Vom Vorwurf des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB wird die 

Beschuldigte freigesprochen.

3.

Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten, wo-

von 25 Tage durch Haft erstanden sind.

4.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt.

5.

Die Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des Landes 

verwiesen.

6.

Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-

tem wird angeordnet.

- 3 -

7.

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

Fr.

Fr.

3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen:

2'100.00   Gebühr für das Vorverfahren

2'121.15   Auslagen (Gutachten)

14'083.00   amtliche Verteidigerin RAin Dr. iur. X._____ 

Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.

8.

Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenom-

men diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten aufer-

legt.

9.

Die amtliche Verteidigerin, Rechtsanwältin Dr. iur. X._____, wird mit 

Fr. 14'083.00 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Vorbehalten 

bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

Berufungsanträge:

a)

Der Verteidigung der Beschuldigten:

(Urk. 49 S. 2)

1.

Es sei Dispositivziffer 1 des Urteils der Vorinstanz vom 22. August 

2024 aufzuheben und es sei die Berufungsklägerin von der versuchten 

schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB freizusprechen.

2.

Es sei Dispositivziffer 3 des Urteils der Vorinstanz vom 22. August 

2024 aufzuheben und es sei die Berufungsklägerin für den Fall, dass 

das Gericht der Meinung sein sollte, dass die Berufungsklägerin den-

noch wegen einer (schweren) Körperverletzung schuldig zu sprechen 

sei, mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten zu bestrafen.

Die Untersuchungshaft von 25 Tagen sei anzurechnen.

- 4 -

3.

Es sei Dispositivziffer 5 des Urteils der Vorinstanz vom 22. August 

2024 aufzuheben und es sei von einer Landesverweisung abzusehen.

4.

Es sei Dispositivziffer 6 des Urteils der Vorinstanz vom 22. August 

2024 vollumfänglich aufzuheben.

5.

In Abänderung von Dispositivziffer 8 des Urteils der Vorinstanz vom 

22. August 2024 seien die Kosten der Untersuchung und des gerichtli-

chen Verfahrens auf die Staatskasse zu nehmen.

6.

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten 

des Staates.

b)

Der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:

(schriftlich, Urk. 47)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

_____________________________

Erwägungen:

I. Prozessgeschichte / Prozessuales

1.

Verfahrensgang

Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom 22. August 2024 wurde die 

Beschuldigte vom Vorwurf des Raufhandels i.S.v. Art. 133 Abs. 1 StGB freigespro-

chen. Sie wurde wegen versuchter schwerer Körperverletzung i.S.v. Art. 122 StGB 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 

24 Monaten bestraft, wovon 25 Tage durch Haft erstanden waren. Die Vorinstanz 

schob den Vollzug der Freiheitsstrafe zu Gunsten einer zweijährigen Probezeit auf. 

- 5 -

Ferner ordnete sie eine Landesverweisung für die Dauer von 5 Jahren an, welche 

im Schengener Informationssystem ausgeschrieben werden solle. Die Vorinstanz 

setzte die Kosten fest und auferlegte diese vollumfänglich der Beschuldigten mit 

Ausnahme  der  amtlichen  Verteidigerkosten.  Diese  nahm  sie  – wenn  auch  nicht 

ausdrücklich, so doch sinngemäss – auf die Gerichtskasse, wobei sie ausdrücklich 

eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehielt, ohne jedoch konkret 

die  Person  zu  nennen,  bei  welcher  eine  Nachforderung  erfolgen  könnte  (vgl. 

Urk. 41 S. 36 f.).

Gegen das vorinstanzliche Urteil liess die Beschuldigte mit Eingabe ihrer Verteidi-

gung  vom  23. August  2024  fristgerecht  Berufung  anmelden  (Urk. 36).  Am  6. De-

zember 2024 wurde die Berufungserklärung innert der 20-tägigen Frist von Art. 399 

Abs. 3 StPO erstattet (Urk. 43; vgl. Urk. 40/2). 

Innert gesetzter Frist wurde keine Anschlussberufung erhoben (vgl. Urk. 44 f. und 

Urk. 47).

Am  22. Januar  2025  wurden  die  Parteien  zur  Berufungsverhandlung  auf  den 

17. Oktober 2025 vorgeladen (Urk. 46). Die Berufungsverhandlung fand alsdann in 

Anwesenheit der amtlichen Verteidigerin Rechtsanwältin Dr. iur. X._____ und der 

Beschuldigten statt (Prot. II S. 3). Die Beschuldigte liess die eingangs ausgeführten 

Berufungsanträge stellen (Prot. II S. 3 f.; Urk. 49 S. 2).

2.

Umfang der Berufung

Mit der Berufung wird der Schuldspruch der Vorinstanz wegen versuchter schwerer 

Körperverletzung  i.S.v.  Art. 122  StGB  i.V.m.  Art. 22  Abs. 1  StGB  angefochten 

(Disp. Ziff. 1) sowie die damit zusammenhängenden Folgen, namentlich die Sank-

tion, die Landesverweisung und deren Ausschreibung im Schengener Informations-

system sowie die Kostenauflage (Disp. Ziff. 2 bis 6 und Disp. Ziff. 8; Urk. 41 S. 36).

Unangefochten  und  damit  in  Rechtskraft  erwachsen  ist  der  vorinstanzliche  Be-

schluss betreffend die Nichtzulassung von B._____ als Privatklägerin, das vorin-

stanzliche Urteil in Bezug auf den Freispruch vom Vorwurf des Raufhandels (Disp. 

- 6 -

Ziff. 2) sowie die Kostenfestsetzung (Disp. Ziff. 7 und 9 erster Satz). Dies ist vorab 

mittels Beschluss festzustellen.

3.

Zulässigkeit der Anklageerhebung

Die  Verteidigung  bringt  auch  im  Berufungsverfahren  zusammengefasst  vor,  das 

Verfahren hätte eingestellt werden müssen, weil sämtliche Beteiligten am 21. Sep-

tember 2023 eine Desinteresseerklärung unterzeichnet und der Staatsanwaltschaft 

eingereicht hätten. Damit sei auf die Stellung von Strafanträgen verzichtet worden, 

weshalb eine Verfahrenseinstellung gemäss Art. 319 Abs. 1 lit. d StPO geboten ge-

wesen wäre (Urk. 49 S. 4-9). Diese Auffassung geht fehl.

Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung haben die Strafverfolgungsbehörden 

bei Offizialdelikten unabhängig von einer allfälligen Desinteresseerklärung zu prü-

fen, ob in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht eine strafbare Handlung vorliegt. 

Die Strafverfolgung steht in solchen Fällen nicht zur Disposition des Geschädigten 

und eine Desinteresseerklärung vermag kein Prozesshindernis zu begründen (vgl. 

Urteil  des  Bundesgerichts  6P.88/2006  vom  1. Februar  2007  E. 5.4.3,  publ.  in 

Pra 2007 Nr. 95).

Da es vorliegend um ein Offizialdelikt geht, dessen Verfolgung von Amtes wegen 

erfolgt, besteht kein Anspruch auf Einstellung des Verfahrens. Daran ändert auch 

nichts, dass die Kontrahentinnen der Auseinandersetzung zunächst ihr gegenseiti-

ges Desinteresse an einem Strafverfahren bekundet hatten. Eine solche Erklärung 

konnte nur solange Wirkung entfalten, als ausschliesslich wegen eines Antragsde-

likts ermittelt wurde. Mit dem Wechsel des Tatvorwurfs auf eine versuchte schwere 

Körperverletzung  (sowie  Raufhandel)  entfiel  diese  Grundlage.  Die  Staatsanwalt-

schaft war somit berechtigt und verpflichtet, die Untersuchung fortzuführen und An-

klage  zu  erheben.  Entgegen  der  Verteidigung  ist  es  demgegenüber  nicht  wider-

sprüchlich, dass die Vorinstanz die Desinteresseerklärung der Geschädigten inso-

weit berücksichtigt hat, als sie B._____ gestützt darauf nicht als Privatklägerin zum 

Verfahren zuliess (vgl. dazu Urk. 41 S. 5 f.). Der Verzicht auf die Privatklägerstel-

lung entfaltet vorliegend lediglich prozessuale Wirkung hinsichtlich der Parteistel-

lung, nicht jedoch im Hinblick auf den staatlichen Strafanspruch.

- 7 -

Die Desinteresseerklärung der Geschädigten ist somit rechtlich unerheblich für die 

Frage der Zulässigkeit der Anklage und begründet keinen Anspruch auf Einstellung 

des Verfahrens.

1.

Anklagevorwurf

II. Schuldpunkt

Der  Beschuldigten  wird  kurz  zusammengefasst  vorgeworfen,  sie  habe  sich  am 

27. August 2023, zwischen 23.11 und 23.13 Uhr, in einer Seitengasse neben der 

Bar "C._____" an der D._____-strasse … in Zürich mit der Geschädigten B._____ 

eine zunächst verbale und anschliessend wechselseitig geführte körperliche Aus-

einandersetzung geliefert. Im Laufe der Auseinandersetzung hätten sie zunächst 

gestikuliert und dann Trittbewegungen gemacht. Nachdem sie von Umstehenden 

getrennt worden seien, sei die Beschuldigte wieder zur Geschädigten, und sie hät-

ten  aufgeregt  gestikulierend  aufeinander  eingeredet,  während  sie  sich  Brust  an 

Brust gegenüber gestanden seien. Die Beschuldigte habe die Geschädigte mit der 

Brust weggestossen, worauf diese auf gleiche Weise zurückgestossen habe, wor-

auf die Beschuldigte die Geschädigte mit dem rechten Arm heftig weggestossen 

habe. Daraufhin habe die Geschädigte der Beschuldigten mit der rechten Hand, in 

der sie eine Bierflasche gehalten habe, einen seitlichen Stoss/ Schlag gegen deren 

linken Arm gegeben. Die Beschuldigte habe in der Folge aus einer Entfernung von 

einem bis eineinhalb Metern zur Geschädigten die teilweise gefüllte 0.33 l Bierfla-

sche  mit  voller  Kraft  gegen  den  Kopfbereich  der  Geschädigten  geschleudert,  so 

dass diese zerbrochen sei. Dadurch habe die Geschädigte eine 4-5 cm x 1-2 cm 

grosse  Rissquetschwunde  an  der  rechten  Stirn,  knapp  oberhalb  der  rechten  Au-

genbraue erlitten, welche mit vier Einzelknopfnähten habe genäht werden müssen. 

Ferner habe sie eine gering dislozierte Nasenbeinfraktur sowie ein Schädel-Hirn-

Trauma und eine 1 cm x 0.5 cm messende Hautabtragung am Nasenrücken erlit-

ten.

Die Anklage wirft der Beschuldigten eine versuchte schwere Körperverletzung vor, 

weil sie es beim Flaschenwurf für sicher gehalten habe, die Geschädigte damit zu 

verletzen, z.B. mit einer Platzwunde, Schnittwunde, Prellung, Schürfung, und habe 

- 8 -

dies auch so angestrebt. Dabei habe sie es in Kauf genommen, dass aufgrund der 

aufgewendeten  Kraft,  der  Art  des  Wurfgegenstands,  des  anvisierten  Ziels 

(Kopf/Gesicht)  und  der  Dynamik  des  Geschehens  die  Gefahr  bestanden  habe, 

dass die Geschädigte durch den Aufschlag der Flasche und/oder einen unkontrol-

lierten Sturz gravierende, möglicherweise lebensgefährliche Kopfverletzungen wie 

einen Schädelbruch, Blutung im Kopfinnern, Hirngewebsverletzungen etc. erleide, 

ganz oder teilweise ihr Sehvermögen verliere oder dass das Gesicht der Geschä-

digten durch Glasscherben/-splitter bleibend entstellt werde. 

2.

Sachverhalt

2.1. Objektiver Sachverhalt

Das  Geschehen  bzw.  der  Ablauf  wurde  von  einer  Überwachungskamera  aufge-

zeichnet  (Urk. 1/8/8).  Der  Auffassung  der  Verteidigung,  damit  und  aufgrund  der 

Zeugenaussagen sei der äussere Sachverhalt erstellt (Urk. 30 S. 5; Urk. 49 S. 3), 

ist beizupflichten. So war die Beschuldigte auch in der Untersuchung diesbezüglich 

geständig (Urk. 2/5 F/A 6 f.; Urk. 2/6 F/A 13 ff.; Urk. 2/8 F/A 7 ff.; Urk. 10/12 S. 3 f.). 

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung bestritt sie zwar zunächst, die 

Flasche geworfen zu haben (Prot. I S. 16), dies ist jedoch aufgrund der Videoauf-

zeichnung klar erstellt (Urk. 1/8/8 Minute 1.08). Nach Rücksprache mit ihrer Vertei-

digerin anerkannte sie aber den Sachverhalt, wie er auch auf dem Video zu sehen 

ist (vgl. Prot. I S. 20). 

Anlässlich der Berufungsverhandlung wollte sie keine Aussagen mehr zur Sache 

machen und verwies auf ihre bisherigen Aussagen sowie auf die Videoaufzeich-

nung (Prot. II S. 9 f.).

Die in der Anklageschrift umschriebenen Verletzungen werden von der Beschuldig-

ten nicht in Abrede gestellt und ergeben sich aus den ärztlichen Berichten (Urk. 6/1 

und Urk. 7/1) sowie dem rechtsmedizinischen Gutachten des Instituts für Rechts-

medizin vom 26. September 2023 (Urk. 4/7). Die Geschädigte wurde deswegen am 

Folgetag behandelt (vgl. Urk. 7/1), was aufgrund des Zeitpunkts des Vorfalls (zwi-

schen 23.11 und 23.13 Uhr) nachvollziehbar ist. Es ist mithin erstellt, dass die Ge-

- 9 -

schädigte die Verletzungen aus der Auseinandersetzung mit der Beschuldigten er-

litten hat. 

Mithin ist der äussere Anklagesachverhalt erstellt.

2.2. Subjektiver Sachverhalt

Was ein Täter wusste, wollte oder in Kauf nahm, betrifft sog. innere Tatsachen und 

ist damit zwar eine Tatfrage. Da sich diese inneren Tatsachen bei ungeständigen 

Tätern  regelmässig  nur  gestützt  auf  äusserlich  feststellbare  Indizien  und  Erfah-

rungsregeln ermitteln lassen, die Rückschlüsse von den äusseren Umständen auf 

die innere Einstellung des Täters erlauben (Urteil des Bundesgerichts 6S.133/2007 

vom  11. August  2008  E. 2.4),  und  die  Beurteilung,  ob  im  Lichte  dieser  äusseren 

Umstände  der  Schluss  auf  Vorsatz  bzw.  Eventualvorsatz  begründet  ist,  eine 

Rechtsfrage  darstellt,  ist  das  Bestehen  eines  Vorsatzes  bzw.  Eventualvorsatzes 

nachfolgend  im  Rahmen  der  rechtlichen  Würdigung  zu  beurteilen  (vgl.  BGE 133 

IV 1 E. 4.1; BGE 130 IV 58 E. 8.5; BGE 125 IV 242 E. 3c, je m.H.).

3.

Rechtliche Würdigung

Die  Vorinstanz  hat  die  rechtlichen  Grundlagen  zur  schweren  Körperverletzung 

i.S.v. Art. 122 StGB sowie die theoretischen Grundlagen zum Vorsatz sowie zum 

Versuch unter Hinweis auf Lehre und Rechtsprechung sorgfältig erörtert und kor-

rekt gewürdigt (Urk. 41 S. 12 ff.). Auf diese Erwägungen kann zwecks der Vermei-

dung von Wiederholungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfol-

genden Erwägungen verstehen sich als Hervorhebungen und Präzisierungen:

Vorab ist festzuhalten, dass die Beschuldigte die Bierflasche aus Glas gegen den 

Kopf der Geschädigten warf und diese die oben aufgeführten Verletzungen erlitt. 

Die  Geschädigte  befand  sich  nicht  in  Lebensgefahr,  weshalb  keine  vollendete 

schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 lit. a StGB vorliegt. 

Der Vorinstanz ist zuzustimmen, dass Schläge gegen den Kopf mit harten Gegen-

ständen (wie hier einer Glasflasche) grundsätzlich geeignet sind, lebensgefährliche 

Verletzungen  (wie  Schädelbrüche,  Blutungen  im  Kopfinneren,  Hirngewebsverlet-

- 10 -

zun  gen  etc.)  herbeizuführen  (Urk. 41  S. 13,  vgl.  Urk. 4/7  S. 8).  Diese  Gefahr 

schwerer  Verletzungen  war  der  Beschuldigten  denn  auch  bekannt,  erklärte  sie 

doch vor Vorinstanz, dass ein Wurf "schlimme Folgen" haben könnte. Sie ergänzte: 

"Man könnte schwer verletzt werden, oder sterben" (Prot. I S. 17).

Aus der Videoaufnahme (Urk. 1/8/8 ab Zeitstempel 23:12:40 bzw. Minute 00:56) ist 

ersichtlich, wie genau die Beschuldigte die Flasche warf: Sie stiess die Geschädigte 

zunächst von sich weg, worauf diese sich rund eineinhalb Meter von ihr entfernt 

befand. Dann holte die Beschuldigte mit dem Arm weit aus und brachte so die Fla-

sche  hinter  ihren  Kopf.  Nach  einem  kurzen  Moment  schleuderte  sie  diese  unter 

Einsatz  des  ganzen  Körpers  und  mit  einem  Ausfallschritt  nach  vorne  gegen  die 

Geschädigte. Der Wurf war offenkundig sehr heftig, was sich einerseits aus dem 

verhältnismässig grossen Ausholen ergibt, andererseits aus der Geschwindigkeit 

der Flasche und letztlich auch aus der Reaktion der Geschädigten, als sie von der 

Flasche getroffen wurde: Der Kopf der Geschädigten wurde durch das Auftreffen 

der Flasche kurz und heftig nach hinten geschleudert.

Die Wucht des Wurfs wird zusätzlich durch das Verletzungsbild belegt: Die Geschä-

digte erlitt eine tiefe, genähte Schnittwunde oberhalb des Auges, eine Nasenbein-

fraktur und ein Schädel-Hirn-Trauma. Diese Verletzungen liegen mithin im Bereich 

weniger Zentimeter neben dem Auge und dokumentieren eindrücklich die erhebli-

che Aufprallenergie.

Hinzu kommt die kurze Distanz zwischen den Beteiligten: Bei einem Abstand von 

lediglich etwa eineinhalb Metern war bei einem solch kraftvollen Wurf ein Treffer im 

Gesichtsbereich  besonders  wahrscheinlich  und  für  die  Beschuldigte  erkennbar. 

Aufgrund der Kürze der Distanz hatte die Geschädigte keinerlei Möglichkeit, aus-

zuweichen  oder  den  Wurf  abzuwehren,  was  die  Gefährlichkeit  der  Handlung  zu-

sätzlich erhöhte und die erhebliche Wucht des Aufpralls mit erklärt.

Der starke Wurf der teilweise befüllten Glasflasche ins Gesicht der nahe stehenden 

Geschädigten kann daher nicht mehr anders als eine Inkaufnahme von allfälligen 

massiven Verletzungen im Gesicht, am Auge oder am Schädel gewertet werden. 

Daran ändert nichts, dass die Beschuldigte in der Untersuchung geltend machte, 

- 11 -

mit der Flasche nicht auf die Geschädigte gezielt zu haben (Urk. 2/5 F/A 6) oder 

dass sie diese nicht habe treffen wollen (Urk. 2/5 F/A 10; Urk. 2/8 F/A 14). Diese 

Behauptungen werden durch ihre Bewegungen auf dem Video bzw. die ausholende 

Bewegung, mit der sie ihren Arm bzw. die Flasche hinter ihren Kopf zog, widerlegt. 

Im kurzen Moment, in dem sie ausholte und die Flasche hinter den Kopf hielt, zielte 

sie ganz offensichtlich auf die Geschädigte und warf dann in der Folge auch auf 

das anvisierte Ziel. So erklärte die Beschuldigte selbst: "Ich habe ihr ins Gesicht 

geschaut und dann die Flasche geworfen." (Urk. 2/8 F/A 14). Es entspricht der all-

gemeinen Lebenserfahrung, dass eine Person mit einem Wurfobjekt jenen Ort tref-

fen will, den sie anschaut bzw. fixiert. Mithin wollte die Beschuldigte die Geschä-

digte im Gesicht treffen.

Dies ergibt sich auch aus dem weiteren Verhalten der Beschuldigten, wie es auf 

der Aufnahme zu erkennen ist: Hätte sie die Geschädigte versehentlich im Gesicht 

getroffen, wäre zu erwarten gewesen, dass sie darüber erschrickt bzw. überrascht 

ist oder sich um die Geschädigte kümmert. Aus dem Fehlen eines Verhaltens die-

ser Art auf dem Video ist zu schliessen, dass die Beschuldigte vom Treffer im Ge-

sicht  nicht  überrascht  war.  Auch  dies  spricht  dafür,  dass  es  von  Anfang  an  ihre 

Absicht war, die Geschädigte mit der Flasche im Gesicht zu treffen. Ihre spätere 

Behauptung, sie habe nicht gezielt, ist angesichts des oben beschriebenen Ablaufs 

als Schutzbehauptung zu werten.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschuldigte und die Geschädigte an-

einander  gerieten,  eine  relativ  harmlose  tätliche  Auseinandersetzung  hatten  und 

sich schliesslich Brust an Brust einander in die Augen schauten. In dieser Situation 

stiess die Beschuldigte diese zurück und warf die teilweise gefüllte Bierflasche in 

ihrer Hand mit voller Wucht gezielt ins Gesicht der Geschädigten. 

Der Wurf einer teilweise gefüllten Glasflasche mit voller Kraft ins Gesicht der ei-

neinhalb Meter entfernten Geschädigten barg das hohe Risiko von massiven Ver-

letzungen im Gesicht, im Auge oder am Schädel in sich. Dies gestand die Beschul-

digte  denn  vor  Vorinstanz  auch  im  Grundsatz  ein  (vgl.  Prot. I  S. 17).  Sie  konnte 

nicht darauf vertrauen, dass es lediglich zu leichten Verletzungen kommt, und es 

ist nur dem Zufall zu verdanken, dass die Verletzungen nicht schwerer ausfielen. 

- 12 -

So befinden sich die von der Geschädigten erlittenen Verletzungen nur wenige Zen-

timeter vom Auge der Geschädigten (vgl. Urk. 1/2 S. 4). Die Kombination aller Um-

stände – die kurze Distanz, der erhebliche Krafteinsatz, die Wurfbewegung mit dem 

ganzen Körper, das Verletzungsbild und das Verhalten der Beschuldigten unmittel-

bar nach dem Treffer – zeigt somit klar, dass sich die Beschuldigte der Möglichkeit 

solcher schweren Verletzungen bewusst war und diese in Kauf nahm. Demgegen-

über erscheint das Risiko einer lebensgefährlichen Kopfverletzung oder eines un-

kontrollierten Sturzes, wie es in der Anklage auch erwähnt wird, als geringer. Aber 

auch dieses Risiko bestand, wie sich aus der Reaktion der Geschädigten beim Auf-

prall ergibt. Auf dem Video ist deutlich zu erkennen, wie der Kopf der Geschädigten 

für einen kurzen Moment stark nach hinten geschleudert wurde. 

Die Beschuldigte nahm mithin durch ihren heftigen, gezielten Wurf der Flasche ins 

Gesicht der Geschädigten schwere Verletzungen i.S.v. Art. 122 StGB in Kauf. Sie 

handelte mithin eventualvorsätzlich.

Sodann verwarf die Vorinstanz den Einwand der Notwehr zu Recht (Urk. 41 S. 19), 

worauf  ebenfalls  zur  Vermeidung  unnötiger  Wiederholungen  verwiesen  werden 

kann. Zwischen der Geschädigten und der Beschuldigten fand zuvor eine Ausein-

andersetzung statt, die darin gipfelte, dass sich die Kontrahentinnen Brust gegen 

Brust stiessen. Es lag kein einseitiger Angriff auf die Beschuldigte vor und sie legte 

in der Untersuchung, vor Vorinstanz und auch im Berufungsverfahren auch nicht 

dar, weshalb sie davon ausging, nunmehr ein solcher stehe unmittelbar bevor. Viel-

mehr erklärte sie selbst, sie habe die Flasche als Reaktion auf eine Provokation der 

Geschädigten geworfen (Urk. 2/8 F/A 13 ff.; Prot. I S. 15 f.), und nicht etwa, weil sie 

einen Angriff befürchtet habe. Die behauptete vorausgehende Provokation ist somit 

kein Rechtfertigungsgrund.

Die  Beschuldigte  ist  damit  der  versuchten  schweren  Körperverletzung  i.S.v. 

Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

- 13 -

III. Strafzumessung

1.

Allgemeine Strafzumessungsgrundsätze und Strafrahmen

Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung sowie der massgebliche 

Strafrahmen wurden im vorinstanzlichen Urteil unter Hinweis auf Rechtsprechung 

und Lehre zutreffend und umfassend wiedergegeben (Urk. 41 S. 21 ff.), worauf zur 

Vermeidung unnötiger Wiederholungen verwiesen werden kann. Erneut ist festzu-

halten, dass die schwere Körperverletzung i.S.v. Art. 122 StGB mit Freiheitsstrafe 

von einem Jahr bis zu 10 Jahren bestraft wird.

Der  ordentliche  Strafrahmen  ist  trotz  des  Vorliegens  von  Strafschärfungs-  und 

Strafmilderungsgründen  nur  zu  verlassen,  wenn  aussergewöhnliche  Umstände 

vorliegen und die für die betreffende Tat angeordnete Strafe im konkreten Fall zu 

hart bzw. zu mild erscheint. Das Gericht ist indessen verpflichtet, Strafschärfungs-

gründe zumindest straferhöhend und Strafmilderungsgründe strafmindernd inner-

halb des ordentlichen Strafrahmens zu berücksichtigen (BGE 121 IV 55; BGE 136 

IV 55 E. 5.5 ff.).

Der Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB erlaubt zwar grundsätzlich eine 

Unterschreitung des ordentlichen Strafrahmens (Art. 48a Abs. 1 StGB, Art. 22 

Abs. 1 StGB). Indes ist dieser Umstand – soweit ist vorzugreifen – im vorliegen-

den Fall nicht derart gewichtig, dass er als ausserordentlich erscheinen würde, 

was nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein Verlassen des ordentli-

chen Strafrahmens zu rechtfertigen vermöchte. 

2.

Einsatzstrafe

Zur objektiven Tatschwere ist zu bemerken, dass die Beschuldigte der Geschädig-

ten  eine  teilweise  gefüllte  Glasflasche  heftig  und  aus  kurzer  Distanz  ins  Gesicht 

warf. In Nachachtung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist zunächst vom 

vollendeten Delikt auszugehen und hernach in einem zweiten Schritt dem Umstand 

Rechnung zu tragen, dass lediglich ein Versuch vorlag (vgl. Urteil des Bundesge-

richts 6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.6.1). Mithin muss zunächst davon aus-

gegangen werden, dass die Geschädigte eine mittelgradig schwere Verletzung im 

- 14 -

Gesicht erlitten hat, z.B. eine bleibende Entstellung des Gesichts, eine Erblindung 

auf  einem  Auge  oder  eine  vorübergehende  Lebensgefahr  durch  einen  Schädel-

bruch. Eine solche Verletzung würde innerhalb des von einem Jahr bis 10 Jahre 

Freiheitsstrafe  reichenden  Strafrahmens  eine  Einsatzstrafe  in  einer  Grössenord-

nung von rund 5 Jahren Freiheitsstrafe rechtfertigen.

In subjektiver Hinsicht ist zu Gunsten der Beschuldigten zu berücksichtigen, dass 

sie eventualvorsätzlich handelte und es nicht ihr primäres Ziel war, die Geschädigte 

schwer zu verletzen. Eine einseitige Provokation der Geschädigten, wie die Vertei-

digung geltend macht (Urk. 43 S. 7), lag nicht vor. Vielmehr warf die Beschuldigte 

die  Flasche  im  Rahmen  der  bereits  länger  dauernden  tätlichen  Auseinanderset-

zung mit der Geschädigten, wobei sie beide zuvor von den Umstehenden getrennt 

worden waren. Verschuldensmindernd ist zudem zu berücksichtigen, dass die Tat 

in  einer  emotional  aufgeladenen  Situation  erfolgte,  in  der  sich  die  Beschuldigte 

– ausgelöst durch die fortgesetzte gegenseitige Konfrontation – in einem Affektzu-

stand befand. Der Konflikt war dabei nicht ausschliesslich von ihr verursacht, son-

dern entstand im wechselseitigen Zusammenspiel der Beteiligten. Soweit die Ver-

teidigung ferner geltend macht, die Beschuldigte sei beim Wurf nicht bei sich ge-

wesen, weil sie kurz zuvor erfahren hatte, dass einer ihrer Brüder in Brasilien Opfer 

eines Tötungsdelikts geworden war (Urk. 43 S. 7), ist dies entgegen der Vorinstanz 

ebenfalls leicht verschuldensmindernd zu berücksichtigen. 

Das subjektive Tatverschulden reduziert das objektive Tatverschulden erheblich. 

In Bezug auf die verschuldensunabhängige Komponente des Versuchs ist zu be-

merken,  dass  es  eine  Frage  des  Glücks  oder  des  Zufalls  war,  wie  schwer  oder 

leicht die Geschädigte letztlich verletzt wurde. Das Risiko einer erheblichen Verlet-

zung am Auge war sehr hoch. Immerhin verfehlte die Glasflasche dieses nur um 

wenige Zentimeter. Die tatsächlich erlittenen Verletzungen entsprechen indessen 

nur einer einfachen Körperverletzung, welche den Angaben der Geschädigten zu-

folge aber nach wie vor Schmerzen bereiten (Urk. 27). In Würdigung dieser Um-

stände erscheint es gerechtfertigt, den Umstand des Versuchs im unteren bis mitt-

leren Bereich strafmindernd zu gewichten.

- 15 -

Unter gesamthafter Würdigung der objektiven und subjektiven Komponenten recht-

fertigt sich eine hypothetische Einsatzstrafe von etwa 2 bis 2 ½ Jahren Freiheits-

strafe.

3.

Täterkomponenten

3.1. Persönliche Verhältnisse

In  Bezug  auf  die  persönlichen  Verhältnisse  der  Beschuldigten  kann  auf  die  vor-

instanzlichen  Erwägungen  sowie  die  Akten  verwiesen  werden  (Urk. 41  S. 25; 

Art. 82 Abs. 4 StPO). Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte sie ihre bis-

herigen Angaben zu ihren persönlichen Verhältnissen (Prot. II S. 6-9).

Die  Beschuldigte  war  im  Tatzeitpunkt  58  Jahre  alt.  Ihre  Jugendzeit  liegt  daher 

schon etwas länger zurück und steht zum Anklagevorwurf in keinem Zusammen-

hang.  Der  Umstand,  dass  der  Bruder  der  Beschuldigten  in  Brasilien  ums  Leben 

kam,  wurde  bereits  im  Rahmen  des  subjektiven  Tatverschuldens  berücksichtigt. 

Weitere  Umstände,  die  sich  strafmindernd  aus  ihren  persönlichen  Verhältnissen 

ergeben würden, sind nicht ersichtlich.

3.2. Geständnis

Ein Geständnis kann nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts bei der 

Beurteilung des Nachtatverhaltens zu Gunsten des Täters berücksichtigt werden, 

wenn  es  auf  Einsicht  in  das  begangene  Unrecht  oder  auf  Reue  schliessen  lässt 

oder der Täter zur Tataufdeckung über seinen eigenen Tatanteil hinaus beiträgt. 

Hat ein Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert oder ist der Täter nur auf-

grund  einer  erdrückenden  Beweislage  oder  gar  erst  nach  Ausfällung  des  erstin-

stanzlichen Urteils geständig geworden, ist auf eine Strafminderung zu verzichten 

(Urteil des Bundesgerichts 6B_608/2023 vom 13. November 2023 E. 1.5.2 m.w.H.).

Vorliegend hat das Geständnis der Beschuldigten die Strafverfolgung nicht wesent-

lich erleichtert. Der Vorfall wurde vollständig aufgezeichnet. Zwar war der Beschul-

digten dieser Umstand im ersten Zeitpunkt des Geständnisses noch nicht bekannt, 

was ihr zugute zu halten ist, doch zog sie ihr Geständnis in Kenntnis des Videos 

- 16 -

gar wieder zurück und machte vor Vorinstanz mehrfach geltend, die Flasche nicht 

geworfen zu haben (Prot. I S. 16, S. 18 und S. 20). Immerhin brachte sie anlässlich 

der Berufungsverhandlung nichts Gegenteiliges vor, sondern verwies vielmehr auf 

die Videoaufnahme sowie auf ihre bisherigen Aussagen (Prot. II S. 9 f.). Entgegen 

der Vorinstanz kann zudem nicht gänzlich ausser Acht gelassen werden, dass die 

Beschuldigte im Verlauf des Verfahrens zum Ausdruck brachte, das Geschehen zu 

bedauern,  und  damit  zumindest  Ansätze  von  Einsicht  und  Reue  erkennen  liess. 

Das  Geständnis  und  das  im  Verfahren  gezeigte  gewisse  Bedauern  wirken  sich 

leicht strafmindernd aus.

Unter Berücksichtigung der aufgeführten Strafzumessungsfaktoren erscheint eine 

Freiheitsstrafe  leicht  unterhalb  der  von  der  Vorinstanz  ausgefällten  Strafe  von 

24 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen. Eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten 

erweist sich daher insgesamt als tat- und schuldangemessen. Der Anrechnung von 

insgesamt 25 Tagen Haft steht nichts entgegen.

Unter  Verweis  auf  die  zutreffenden  Ausführungen  der  Vorinstanz  (vgl.  Urk. 41 

S. 27 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO) ist der Beschuldigten der bedingte Vollzug zu gewäh-

ren und die Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen.

IV. Landesverweisung

Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen zur Landesverweisung und die per-

sönlichen Verhältnisse der Beschuldigten korrekt dargetan (Urk. 41 S. 28 ff.). Auf 

ihre  zutreffenden  Erwägungen  zur  Anwendbarkeit  und  Härtefallprüfung  kann  zur 

Vermeidung unnötiger Wiederholungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). 

Erneut ist festzuhalten, dass die Beschuldigte mit ihrem Verhalten einen Katalog-

tatbestand erfüllte, was grundsätzlich eine obligatorische Landesverweisung nach 

sich zieht.

Ein Härtefall liegt nicht vor, hat die Beschuldigte doch einen grossen Teil ihres Le-

bens in Brasilien verbracht, namentlich ihre Jugend und auch einen grossen Teil 

ihres Erwachsenenlebens. Sie kam 2012 im Alter von 47 Jahren zufolge Heirat mit 

einem  Schweizer  in  die  Schweiz  und  verfügt  über  eine  Niederlassungsbewilli-

- 17 -

gung C. Nach dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 2017 verfügt sie nebst den Fa-

milienangehörigen ihres Ehemannes über keine weiteren familiären oder partner-

schaftlichen Verbindungen in der Schweiz. Demgegenüber leben ihre 3 Kinder und 

ihre 7 Enkelkinder in Brasilien, mit denen sie nach eigenen Angaben in sehr regem 

Kontakt steht. So gab sie an, mit diesen mehrmals täglich per Videoanruf zu tele-

fonieren.  Sie  spricht  die  Sprache  ihres  Heimatlandes  und  ist  mit  dem  kulturellen 

Umfeld von Brasilien vertraut. Ferner möchte sie in Brasilien ein Grundstück be-

bauen. Darüber bestehe aktuell ein Streit mit dem Bruder, der ihr das Land ange-

boten  habe,  weil  er  ihr  Geld  gestohlen  habe  (Prot. I  S. 12).  Sodann  gab  sie  vor 

Vorinstanz an, dass sie erwäge, nach der Pensionierung in der Schweiz ohnehin 

nach Brasilien zurückzukehren (Prot. I S. 13). Letzteres bestätigte sie nochmals an-

lässlich der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 7).

Am Umstand eines nicht vorhandenen Härtefalls ändert nichts, dass die Beschul-

digte  in  der  Schweiz  beruflich  tätig  und  in  ärztlicher  Behandlung  ist.  In  Brasilien 

kann sie sowohl ihrer Berufstätigkeit als Reinigungsfachfrau nachgehen als auch 

ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. So führte sie auch aus, wenn sie in Brasilien 

sei, lasse sie sich dort ärztlich behandeln (Urk. 2/8 F/A 77). Brasilien besitzt mithin 

die für sie notwendige medizinische Infrastruktur. Zudem steht ihr die Witwenrente 

zur Verfügung, wodurch sie in Brasilien auch ohne Arbeitstätigkeit über ein gewis-

ses Mindesteinkommen verfügt, das angesichts der tiefen Lebenshaltungskosten 

nicht unerheblich ist.

Eine  Landesverweisung  ist  für  eine  Betroffene  immer  mit  Nachteilen  verbunden, 

namentlich dem Verlust eines Zugangs zum schweizerischen Gesundheitssystem 

sowie  den  hiesigen  Institutionen  und  der  hiesigen  Rechtssicherheit.  Dies  alleine 

vermag  noch  keinen  Härtefall  zu  begründen,  ansonsten  die  Landesverweisung 

ausgehöhlt würde. 

Demgegenüber ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte ganz massiv gegen 

das hiesige Gesetz verstiess und aus nichtigem Anlass einen Menschen verletzte. 

Es war nur Zufall, dass die Geschädigte nicht schwer verletzt wurde. Die von der 

Beschuldigten ausgehende Gefahr ist derart hoch, dass weder ein Härtefall noch 

- 18 -

ein  ausnahmsweises  Absehen  von  einer  Landesverweisung  gerechtfertigt  er-

scheint.

Die Beschuldigte ist deshalb in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB des Lan-

des zu verweisen. Wie erwähnt zog sie ohnehin in Betracht, die Schweiz nach ihrer 

Pensionierung  zu  verlassen  und  nach  Brasilien  zurückzukehren  (Prot. I  S. 13; 

Prot. II S. 7).

In Anbetracht des Verschuldens, der Schwere der ausgeführten Tat und der von 

der  Beschuldigten  ausgehenden  Gefahr  ist  die  Dauer  auf  7  Jahre  festzusetzen. 

Aufgrund des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) hat es indessen bei 

der vorinstanzlich festgesetzten Dauer von 5 Jahren zu bleiben.

Weil  es  sich  bei  der  Beschuldigten  um  eine  Drittstaatsangehörige  im  Sinne  von 

Art. 24 Abs. 2 SIS-II-VO handelt und sie wegen versuchter schwerer Körperverlet-

zung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt wird, ist die Lan-

desverweisung  im  Schengener  Informationssystem  auszuschreiben.  Sie  hat  sich 

eines schweren, eventualvorsätzlichen Gewaltdelikts gegen Leib und Leben schul-

dig gemacht. Mithin hat sich ihre Tat gegen ein besonders hochwertiges Rechtsgut 

gerichtet.  Selbst  eine  günstige  Prognose  ändert  in  dieser  Hinsicht  nichts  daran, 

dass aus der vorliegenden Gewalttat eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und 

Ordnung  im  Sinne  der  Bestimmung  hervorgeht  (vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts 

6B_739/2020 vom 14. Oktober 2020 E. 2.2).

Die  Beschuldigte  ist  im  Sinne  von  Art. 66a  Abs. 1  lit. b  StGB  für  die  Dauer  von 

5 Jahren des Landes zu verweisen. Die Ausschreibung der Landesverweisung im 

Schengener Informationssystem ist anzuordnen.

V. Kosten- und Entschädigungsfolgen

Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres 

Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Fällt die Rechtsmittelinstanz 

selber  einen  neuen  Entscheid,  so  befindet  sie  darin  auch  über  die  von  der  Vor-

instanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO).

- 19 -

Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenregelung zu bestätigen.

Die  Gerichtsgebühr  für  das  Berufungsverfahren  ist  praxisgemäss  auf  Fr. 3'600.– 

festzusetzen (Art. 424 Abs. 1 StPO i.V.m. §§ 16, 2 Abs. 1 lit. b, c und d sowie 14 

GebV OG).

Mit Honorarnote vom 16. Oktober 2025 macht die amtliche Verteidigung im Beru-

fungsverfahren – ohne Berücksichtigung der Dauer der Berufungsverhandlung und 

der  Nachbesprechung  des  Urteils  mit  der  Beschuldigten –  einen  Arbeitsaufwand 

von  mehr  als  39 Stunden  sowie  Auslagen  in  der  Höhe  von  Fr. 211.60  geltend 

(Urk. 51), was bei Berücksichtigung der Aufwendungen für die Berufungsverhand-

lung und Urteilsnachbesprechung in Anwendung der Anwaltsgebührenverordnung 

eine  Entschädigung  von  mehr  als  Fr. 10'000.–  ergeben  würde.  Angesichts  der 

Komplexität des Falles und insbesondere unter Berücksichtigung des Umstands, 

dass die Verteidigung im Berufungsverfahren im Wesentlichen dieselben formellen 

und materiellen Einwände wie schon vor Vorinstanz vorgebracht hat, erscheint die 

beantragte Entschädigung als etwas zu hoch. Eine pauschale Entschädigung für 

das Berufungsverfahren in der Höhe von Fr. 9'000.– (inkl. MwSt.) erscheint dage-

gen im Hinblick auf den benötigten Zeitaufwand und die Schwierigkeit des Falles 

als gerade noch vertretbar und ist entsprechend festzusetzen.

Die Beschuldigte unterliegt mit ihrer Berufung praktisch vollumfänglich. Selbst mit 

Blick auf den Strafpunkt dringt sie mit ihrem Eventualantrag nicht durch, liegt die 

von ihr – im Falle eines Schuldspruchs – beantragte Strafe von 12 Monaten Frei-

heitsstrafe  doch  deutlich  unter  der  ausgefällten  Freiheitsstrafe  von  20 Monaten. 

Ausgangsgemäss sind die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme jener 

der  amtlichen  Verteidigung,  der  Beschuldigten  vollumfänglich  aufzuerlegen.  Die 

Kosten der amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh-

men. Die Rückzahlungspflicht der Beschuldigten in Bezug auf die Kosten der amt-

lichen Verteidigung bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten.

- 20 -

Es wird beschlossen:

1.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, 

vom 22. August 2024 bezüglich der Dispositivziffern 2 (Freispruch vom Vor-

wurf des Raufhandels), 7 und 9 erster Satz (Kostenfestsetzung und Festset-

zung amtl. Verteidigungskosten) sowie der gleichentags ergangene 

Beschluss in Rechtskraft erwachsen sind.

2. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

Es wird erkannt:

1.

Die Beschuldigte A._____ ist schuldig der versuchten schweren Körperver-

letzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.

2.

Die Beschuldigte wird bestraft mit 20 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 

25 Tage durch Haft erstanden sind.

3.

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 

2 Jahre festgesetzt.

4.

Die Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB für 5 Jahre 

des Landes verwiesen.

5.

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufent-

haltsverweigerung) im Schengener Informationssystem angeordnet.

6.

Die erstinstanzliche Kostenauflage (Ziff. 8 und Ziff. 9 zweiter Satz) wird be-

stätigt.

7.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

3'600.– ; die weiteren Kosten betragen:

9'000.–   amtliche Verteidigung

8.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der 

amtlichen Verteidigung, werden der Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der 

amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen. Die Rück-

- 21 -

zahlungspflicht der Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vor-

behalten.

9. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an









die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten (übergeben)

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich

das Migrationsamt des Kantons Zürich

die Geschädigte B._____

sowie in vollständiger Ausfertigung an





die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an











die Vorinstanz

das Migrationsamt des Kantons Zürich 

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Löschung 
des DNA-Profils

die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 
Abs. 1 PolG)

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A.

- 22 -

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsa-

chen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der I. strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichtsge-

setzes.

Obergericht des Kantons Zürich
II. Strafkammer

Zürich, 17. Oktober 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

Oberrichter lic. iur. Spiess

MLaw Eggenberger