# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 94173a91-bc99-5c0d-a163-b0e517820ca3
**Source:** Fribourg (FR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** FR ac_2a_99_64.pdf
**Docket/Reference:** ac_2a_99_64.pdf
**URL:** https://www.fr.ch/sites/default/files/contens/tc/_www/files/pdf3/ac_2a_99_64.pdf

## Full Text

II. Verwaltungsgerichtshof. Entscheid vom 4. April 2001. 

In  den  Beschwerdesachen  (2A  99  64/65)  Stadt  Murten,  vertreten  durch 
ihren  Gemeinderat,  Rathausgasse  17,  Postfach  212,  3280  Murten,  und  die 
Kantonale Direktion für Erziehung und kulturelle Angelegenheiten, Rue 
de  l'Hôpital,  1701  Freiburg,  Beschwerdeführer,  gegen  den  Oberamtmann 
des Seebezirks, 3280 Murten, und die Restovillage AG, Rugang 10, 3280 
Murten, 
letztere  vertreten  durch  Rechtsanwalt  Anton  Henninger, 
Freiburgstrasse  10,  Postfach  75,  3280  Murten,  Beschwerdegegner, 
betreffend  Baubewilligungsverfahren,  Änderung  einer  geschützten 
Baute  (Verfügung  des  Oberamtmanns  des  Seebezirks  vom  11.  Juni 
1999) 

hat sich ergeben: 

A. 

B. 

Die  Restovillage  AG  ist  seit  dem  1.  Januar  1998  Eigentümerin  der  Liegen-
schaft Hauptgasse 43 (Grundbuchnummer 6221) in der Altstadt von Murten. 
Auf  dem  Grundstück  befindet  sich  ein  im  Jahre  1736  erstelltes  und  weitge-
hend  original  erhaltenes  Gebäude,  auch  Grosses  Haus  oder  Grosshaus 
genannt.  Im  städtischen  Planungs-  und  Baureglement  vom  3.  August  2000 
(nachfolgend:  PBR)  wird  es  als  geschützte  Baute  mit  einem  Schutzumfang 
vom Wert A aufgeführt. Das Gebäude besteht aus einem Vorderhaus, an das 
sich  ein  Innenhof  mit  Arkadengalerie  und  eine  Treppe  anschliessen,  einem 
Hinterhaus und einem zweiten Innenhof. 

Am  5.  November  1998  reichte  die  Restovillage  AG  bei  der  zuständigen 
Behörde ein Gesuch um Umbau ihres Gebäudes ein. Unter anderem beab-
sichtigte  sie,  im  ersten  Innenhof  eine  Bar  zu  betreiben.  Damit  die  Bewirt-
schaftung ganzjährig gewährleistet bleibt, soll der Innenhof beheizt und voll-
ständig mit einem Schiebedach aus Glas überdeckt werden. Gilbert Montani, 
Verwaltungsratspräsident  der  Restovillage  AG  begründete  in  einem  Schrei-
ben vom 12. Oktober 1998 sein Vorhaben wie folgt: 

"Pose d'un toit électrique en verre au 1er étage de la première cour intérieure 
afin (de) faire le passage et la jonction à toute saison pour l'exploitation des 
deux locaux arrière. Il est primordial d'obtenir la permission de la pose de ce 
toit en verre électrique, pouvant d'ouvrir complètement en été et se fermer en 
entre  saison,  sinon  l'exploitation  des  70%  des  locaux  arrière  ne  seront  pas 
exploitable(s) (h)or(s) saison chaude." In einem weiteren Schreiben vom 22. 
Januar  1999  hat  Montani  folgende  Ergänzung  angebracht:  "La  somptueuse 
première  cour  intérieure  comporte  une  partie  d'un  toit  en  verre  fixe  pour 
protéger  le  bar  durant  les  intempéries.  Ce  toit  doit  avoir  la  possibilité  de  se 

 
- 2 -

fermer électriquement en cas de mauvais temps, afin de protéger les clients 
et visiteurs en cas de pluie".  

Die Feuer- und Baukommission der Stadt Murten gab am 4. Dezember 1998 
unter  gewissen  Bedingungen  und  Auflagen  ein  günstiges  Gutachten  ab.  So 
ordnete sie an, dass bei den Umbaumassnahmen im ganzen Gebäude keine 
Teile  der  Innenausstattung  tangiert  und  keine  Nutzung  eingebracht  werden 
dürften,  die  sich  schädlich  auf  das  Gebäude  und  dessen  Ausstattung  aus-
wirken würden.  

Der Kulturgüterdienst des Kantons erstellte am 17. Dezember 1998 ein Gut-
achten,  wobei  er  mit  einer  Teilüberdachung  des  Innenhofs  einverstanden 
war. Gestützt auf das bereits erwähnte Schreiben vom 22. Januar 1999, mit 
welchem  Gilbert  Montani  seine  Absicht  bekannt  gab,  den  ganzen  Innenhof 
mit  einem  Dach  zu  versehen,  gelangte  der  Kulturgüterdienst  mit  Brief  vom 
27.  Januar  1999  an  die  Baukommission  der  Stadt  Murten  und  teilte  ihr  mit, 
dass  sie  mit  einer  ganzen  Überdachung  nicht  einverstanden  sei.  Das  Glas-
dach diene nur der kommerziellen Nutzung des Gebäudes, verbessere aber 
weder die städtebauliche noch die hygienische Situation und stelle architek-
tonisch  einen  für  ein  geschütztes  Gebäude,  dessen  Charakteristikum  unter 
anderem  sein  offener  Innenhof  sei,  fragwürdigen  Eingriff  dar.  Die  Baukom-
mission  antwortete  mit  Brief  vom  9.  Februar  1999  und  vertrat  die  Meinung, 
das Bauvorhaben zerstöre das Gebäude in seiner Substanz nicht und sei für 
die Stadt Murten sehr interessant. 

Nach dem Bericht der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege vom 
14. September 1998 solle der erste Hof mit der repräsentativen Arkadenga-
lerie und Treppenanlage nicht überbaut werden, weil sonst die Hauptstruktur 
der  Parzellenbebauung,  Vorderhaus/Hof/Hinterhaus,  verloren  gehe.  Hinge-
gen  sei  es  denkbar,  den  weniger  repräsentativen  zweiten  Hof  mit  einem 
Glasdach über dem Erdgeschoss zu versehen. 

C. 

D. 

Am  8.  März  1999  erteilte  der  Vizeoberamtmann  des  Seebezirks  der  Resto-
village  AG  die  Bewilligung  zum  Umbau  des  Gebäudes.  Er  schloss  die 
"Überdachung  des  Innenhofs  mittels  schliessbarem  Glasdach  ...  von  dieser 
Baubewilligung"  aus  und  hielt  fest,  dass  sie  "Gegenstand  eines  speziellen 
oberamtlichen  Entscheides"  sein  werde.  Die  Verfügung  vom  8.  März  1999 
erwuchs  in  Rechtskraft.  Es  scheint,  dass  die  Restovillage  AG  mit  diesem 
Entscheid die Bewilligung erhielt, die Fläche des Innenhofs zu zwei Drittel mit 
einem festen Glasdach zu versehen. 

Am 12. April 1999 stellte die Restovillage AG beim Oberamt des Seebezirks 
formell  und  mit  einer  begründeten  Eingabe  das  Gesuch,  den  Innenhof 
(vollständig)  mit  einem  Glasdach  zu  überdecken.  Diesem  Vorhaben  wider-
setzten  sich  der  Kulturgüterdienst,  die  Stadt  Murten  sowie  das  Bau-  und 
Raumplanungsamt.  Im  Wesentlichen  stellten  diese  Behörden  fest,  dass  mit 

 
E. 

F. 

G. 

H. 

- 3 -

dem  Bauprojekt  eine  Volumenvergrösserung  beabsichtigt  werde,  was  das 
PBR ausschliesse. 

Mit  Verfügung  vom  11.  Juni  1999  ermächtigte  der  Vizeoberamtmann  die 
Restovillage  AG,  den  Innenhof  auf  Parzelle  Nr.  6221  mittels  eines  schliess-
baren  Glasdachs  zu  überdecken.  Er  stellte  unter  anderem  fest,  dass,  wenn 
zwar  mit  dem  Schiebedach  eine  eigentliche  Volumenerweiterung  des 
Gebäudes vorgenommen werde, es sich dabei aber nicht um einen schwer-
wiegenden  Eingriff  handle.  Zudem  werde  das  historischen  Stadtbild  nicht 
beeinträchtigt und das Projekt liege im öffentlichen Interesse. 

Gegen diesen Entscheid reichte der Gemeinderat der Stadt Murten am 8. Juli 
1999  Beschwerde  an  das  Verwaltungsgericht  ein.  Er  beantragte,  in  Auf-
hebung des angefochtenen Entscheids die Bewilligung zur Überdachung zu 
verweigern.  Zur  Begründung  verwies  er  auf  "die  beiliegende  Stellungnahme 
des kantonalen Kulturgüterdienstes vom 29. Juli 1999", dem der Gemeinde-
rat  nichts  hinzuzufügen  habe.  Der  Instruktionsrichter  teilte  der  Stadt  Murten 
mit,  dass  dieser  Verweis  keine  rechtsgenügliche  Begründung  darstelle.  Am 
10.  August  1999  reichte  die  Stadt  Murten  eine  Ergänzungsschrift  ein.  Der 
Gemeinderat  vertritt  die  Auffassung,  dass  das  Bauprojekt  gegen  Bestim-
mungen des PBR verstosse und die Charakteristik des Gebäudes völlig ver-
ändere.  Weiter  werde  das  Bauvolumen  erhöht  und  dafür  seien  die  Bedin-
gungen  nicht  gegeben.  Schliesslich  verfolge  die  Restovillage  AG  lediglich 
wirtschaftliche Interessen. 

Am  14.  Juli  1999  erhob  auch  die  Direktion  für  Erziehung  und  kulturelle 
Angelegenheiten  (nachfolgend:  Erziehungsdirektion),  dem  der  Kulturgüter-
dienst  angeschlossen  ist,  Verwaltungsgerichtsbeschwerde  und  beantragte 
Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Sie verweist im Wesentlichen auf 
das bedeutende Ortsbild von Murten und auf den Denkmalschutz.  

Der Oberamtmann und die Restovillage AG beantragen Abweisung der bei-
den Beschwerden. Es erfolgte ein weiterer Schriftenwechsel, wobei die Par-
teien an ihren Standpunkten festhielten. 

Auf die Begründungen in den verschiedenen Rechtsschriften wird, soweit für 
die  Rechtsfindung  notwendig,  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  eingetre-
ten. 

 
- 4 -

Der II. Verwaltungsgerichtshof 
zieht in Erwägung: 

1. 

2. 

3. 

Der  Entscheid  des  Vizeoberamtmannes  des  Seebezirks  erging  in  Anwen-
dung  des  Raumplanungs-  und  Baugesetzes  vom  9.  Mai  1983  (RPBG;  SGF 
710.1)  und  des  dazu  gehörenden  Ausführungsreglements  vom  18.  Dezem-
ber 1984 (ARRPBG; SGF 710.11). Er kann mit Beschwerde an das Verwal-
tungsgericht  angefochten  werden  (Art.  176  Abs.  1  RPBG).  Die  Legitimation 
der Erziehungsdirektion, Verwaltungsgerichtsbeschwerde zu erheben, ergibt 
sich aus Art. 7 Abs. 5 RPBG. Die Beschwerdebefugnis der Gemeinde ist seit 
der Gesetzesrevision vom 1. Januar 1995 nicht mehr ausdrücklich vorgese-
hen (vgl. Art. 176 Abs. 2 RPBG). Das Verwaltungsgericht hat aber wiederholt 
festgestellt, dass mit der Gesetzesänderung die Legitimation der Gemeinden 
nicht  eingeschränkt  werden  sollte  und  davon  auszugehen  ist,  dass  die 
Gemeinde  in  Bausachen  beschwerdelegitimiert  bleibt  (vgl.  etwa  Urteil  des 
Verwaltungsgerichts vom 7. April 1995, 2A 95 4, i.S. Gemeinde Avry-devant-
Pont).  Die  Befugnis  der  Stadt  Murten,  Verwaltungsgerichtsbeschwerde  zu 
erheben,  muss  im  vorliegenden  Fall  umso  mehr  gelten,  als  die  Gemeinde-
interessen  klar  tangiert  sind,  geht  es  doch  um  die  Durchsetzung  von 
Bestimmungen des kommunalen Baureglements. 

Die Beschwerden sind im Übrigen form- und fristgerecht eingereicht worden; 
es ist darauf einzutreten. 

Die Restovillage AG beantragt die Durchführung eines Augenscheins. Davon 
kann  abgesehen  werden.  Sie  konnte  sich  mehrmals  schriftlich  zur  Angele-
genheit  äussern  (Art.  32  des  Gesetzes  vom  23.  Mai  1991  über  die  Verwal-
tungsrechtspflege,  VRG,  SGF  150.1)  und  die  Sachlage  ist  klar.  Schliesslich 
ist das Projekt auch durch Fotos und Pläne ausführlich dokumentiert. 

  Mit  einer  Beschwerde  kann  gerügt  werden  die  Verletzung  des  Rechts  ein-
schliesslich  Überschreitung  oder  Missbrauch  des  Ermessens  sowie  die  un-
richtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts 
(Art.  77  Abs.  1  lit.  a  VRG).  Nach  Art.  78  Abs.  2  VRG  kann  die  Unange-
messenheit  nur  gerügt  werden,  wenn  die  Angelegenheit  das  Gebiet  der 
öffentlichen  Abgaben  oder  der  Sozialversicherung  betrifft  (lit.  a)  oder  die 
Angelegenheit der Beschwerde an eine zur Überprüfung dieser Rüge befugte 
Bundesbehörde  unterliegt  (lit.  b)  oder  ein  Gesetz  diesen  Beschwerdegrund 
ausdrücklich  vorsieht  (lit.  c).  Im  vorliegenden  Fall  kann  das  Verwaltungsge-
richt  die  Angemessenheit  des  angefochtenen  Entscheids  nicht  überprüfen, 
da keiner der in Art. 78 Abs. 2 VRG genannten Fälle vorliegt.  

Bei  der  Beurteilung,  ob  ein  Bauvorhaben  in  der  Schutzzone  zu  einer  unzu-
lässigen  Beeinträchtigung  des  nach  aussen  sichtbaren  historischen  oder 

 
 
 
 
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künstlerischen  Charakters  der  bestehenden  Bebauung  oder  zu  einem  Ver-
stoss  gegen  das  Gebot  der  Wahrung  von  Baukubus  und  Massstäblichkeit 
führt,  beschränkt  sich  die  Kognition  des  Verwaltungsgerichts  nicht  auf  die 
Frage,  ob  die  Bewilligungsbehörde  von  ihrem  Ermessen  einen  willkürlichen 
Gebrauch  gemacht  habe.  Es  besteht  hier  vielmehr  die  volle  richterliche 
Kognition, geht es doch dabei nicht um die richtige Anwendung der Schutz-
zonenbestimmungen.  Soweit  es  bei  diesen  Vorschriften  aber  um  die 
Anwendung  und  Auslegung  unbestimmter  Rechtsbegriffe  geht,  so  übt  das 
Verwaltungsgericht indessen auch bei freier Kognition eine gewisse Zurück-
haltung,  um  den  Beurteilungsspielraum  und  der  Sachkenntnis  der  Verwal-
tung Rechnung zu tragen (vgl. dazu etwa BJM 2001 S. 26 Erw. 1a).  

Es  ist  vorab  Sache  der  Gemeinde  zu  bestimmen,  wie  sie  eine  kommunale 
Vorschrift verstanden haben will (BGE 118 Ia 218 Erw. 3a und 446 Erw. 3b). 
Wird  die  Anwendung  einer  solchen  Bestimmung  Gegenstand  eines 
Beschwerdeverfahrens,  haben  die  Rechtsmittelinstanzen  zu  prüfen,  ob  die 
von  der  Gemeinde  geltend  gemachte  Auslegung  rechtlich  haltbar  ist.  Wie 
erwähnt,  auferlegen  sie  sich  dabei  eine  gewisse  Zurückhaltung  gegenüber 
der Auffassung der Gemeinde, indem sie sich der Prüfung enthalten, ob eine 
andere  Bedeutung  der  umstrittenen  Bestimmung  ebenfalls  möglich  und 
rechtlich  vertretbar  wäre.  Sie  sind  nicht  befugt,  die  kommunale  Auslegung 
der  Norm  durch  eigenes  Verständnis  zu  ersetzen,  wenn  die  Rechtsauffas-
sung  der  Gemeinde  betreffend  den  Inhalt,  den  Sinn  und  die  Tragweite  der 
interessierenden  Vorschrift  rechtlich  vertretbar  erscheint  (BVR  2000  S.  105 
Erw. 3a).  

4.  a)  Das Gebäude Hauptgasse 43 in Murten ist unter Schutz gestellt (Wert A). Es 
handelt  sich  um  ein  Objekt  von  hoher  Qualität,  ein  besonders  repräsentati-
ves,  seltenes  und/oder  hervorragend  gestaltetes  Objekt,  dessen  ursprüngli-
che  Substanz  erhalten  ist  (Art.  48  Abs.  1  des  Ausführungsreglements  vom 
17.  August  1993  zum  Gesetz  über  den  Schutz  der  Kulturgüter  (ARKGSG; 
SGF 482.11). HERMANN SCHÖPFER stellt in seinem Buch: Die Kunstdenkmäler 
des Kantons Freiburg, Band V, Der Seebezirk II, Basel 2000, S. 170 folgende 
Würdigung an: 

"Das Grosshaus ist der grösste, bedeutendste und am besten erhaltene Bau 
der  Hauptgasse.  Hauptgebäude,  Hof,  monumentale  Treppengalerie  und 
Hinterhaus mit zweitem Hof haben bis 1998 keine eingreifende oder entstel-
lende  Umbauten  erfahren,  sodass  Aussehen  und  Atmosphäre  des  18.  Jh. 
einzigartig  erhalten  geblieben  waren.  Eindrücklich  sind  die  in  Quaderwerk 
errichteten Teile, die Hauptfassade und die Treppengalerie ...".  

Nach dem Bericht der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege vom 
14.  September  1998  handle  es  sich  beim  Grossen  Haus  "um  ein  hervorra-
gendes  Baudenkmal.  Es  ist  im  gesamtschweizerischen  Vergleich  ausseror-

 
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dentlich,  dass  ein  Stadthaus  aus  der  ersten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts  in 
solch unversehrtem Zustand auf uns gekommen ist". 

Hervorzuheben  ist  weiter,  dass  die  Baute  in  der  Altstadtzone  von  Murten 
liegt. Dazu ist in Art. 15 Ziff. 1 PBR Folgendes festgehalten: 

"Die  Stadt  Murten  gilt  als  Kulturgut  von  nationaler  Bedeutung.  Die  bauliche 
Einheit und Eigenart der Altstadt als Ganzes sollen erhalten bleiben und der 
Schutz  ihrer  geschichtlichen  und  architektonisch  wertvollen  sakralen  und 
profanen  Bauten  im  Einzelnen  (insbesondere  die  Kirchen,  die  Ringmauern, 
die Türme und das Schloss) sollen gewährleistet sein. Frühere bauliche Ver-
änderungen,  die  diesem  Zwecke  zuwiderlaufen,  sind  bei  Umbauten  und 
Renovationen,  soweit  verhältnismässig,  zu  korrigieren.  Die  Nutzungsvielfalt 
ist zu erhalten, wobei die Wohnfunktion als überwiegend gilt. ...". 

b)  Dass die Stadt Murten wegen ihres herausragenden Ortsbilds und aufgrund 
ihrer Geschichte als Kulturgut von nationaler Bedeutung gilt und infolgedes-
sen im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (= ISOS) einge-
stuft ist, hat das Verwaltungsgericht schon früher festgestellt. Erwähnenswert 
ist  dabei  auch,  dass  die  Stadtmauern  und  das  Schloss  sowie  die  unmittel-
bare  Umgebung  bereits  in  den  Jahren  1909  bis  1916  unter  Schutz  gestellt 
wurden (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts vom 24. August 1999, 2A 98 22).  

Dem Grossen Haus kommt hinsichtlich seines kulturhistorischen Werts eine 
besondere  Bedeutung  zu,  umso  mehr  es  Teil  eines  geschützten  Ortsbildes 
von  nationaler,  wenn  nicht  sogar  internationaler  Bedeutung  ist.  Es  besteht 
somit  an  der  ungeschmälerten  Erhaltung  des  Gebäudes  ein  gewichtiges 
öffentliches Interesse. Der Ortsbildschutz bezieht sich grundsätzlich nicht nur 
auf  die  vordere  Schauseite  eines  Gebäudes,  sondern  auf  sein  Äusseres  in 
allen  drei  in  Erscheinung tretenden Dimensionen, darunter fallen die Hinter-
seiten, Dächer, Hoffassaden und eben auch die Innenhöfe (vgl. BVR 1985 S. 
125 Erw. 4 hinsichtlich eines Gebäudes in der Altstadt Bern). 

Diese  Feststellung  bestreitet  die  Restovillage  AG  nicht.  Sie  stellt  auch  nicht 
in  Abrede,  dass  eine  Unterschutzstellung  ganzheitlich  zu  verstehen  ist.  Alle 
ihre Bemühungen seien auf den Erhalt des Innenhofs ausgerichtet gewesen. 
Somit  ist  zu  prüfen,  ob  mit  der  Überdachung  des  Innenhofs  der  Charakter 
des  Gebäudes  und  des  Ortsbildes  beeinträchtigt  wurden  (die  geplanten 
Arbeiten wurden mittlerweile ausgeführt).  

5. 

Nach  Art.  169  i.V.m.  Art.  146  RPBG  bedürfen  jede  Erstellungs-,  Wiederauf-
bau-,  Umbau-,  Vergrösserungs-  und  Instandsstellungsarbeiten  einer  Baube-
willigung.  Der  Umbau  eines  unter  Schutz  gestellten  Gebäudes  kann  nur 
bewilligt  werden,  wenn  er  den  Charakter  der  Gebäude  oder  des  Ortsbildes 
nicht  beeinträchtigt  (Art.  64  Abs.  2  RPBG).  Der  Schutz  eines  Kulturgutes 
erstreckt sich auf das Objekt in seiner Gesamtheit, das heisst bei unbewegli-

 
 
 
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chen  Objekten  auf  die  äusseren  und  inneren  Strukturen  und  Elemente  und 
gegebenenfalls  auf  die  Umgebung,  auf  die  Gesamtanlage  und  auf  die  noch 
verborgenen  archäologischen  Objekte.  Wenn  besondere  Umstände  es 
rechtfertigen,  kann  der  Schutz  auf  die  Inneneinrichtung  ausgedehnt  werden 
(Art.  22  des  Gesetzes  vom  7.  November  1991  über  den  Schutz  der  Kultur-
güter, KGSG, SGF 482.1).  

Nach  Art.  66  RPBG  erlässt  der  Gemeinderat  die  Vorschriften  betreffend 
Zonennutzungsplan  mit  den  diesbezüglichen  polizeilichen  Vorschriften,  wel-
che raumplanerischen Charakter haben. In diesen Belangen kommt ihm, wie 
bereits  erwähnt,  ein  weiter  Ermessensspielraum  zu  (vgl.  etwa  BGE  114  Ia 
291 Erw. 3b). Das Planungsreglement der Stadt Murten (PBR) enthält meh-
rere  Bestimmungen,  die  auf  den  vorliegenden  Fall  Anwendung  finden.  Sie 
lauten wie folgt (immer bezogen auf Bauten in der Altstadtzone): 

Art. 15 Ziff. 7 Abbruch, Wiederaufbau, Umbau 

Der  Abbruch  von  Bauten  und  Bauteilen  wird  nur  bewilligt,  wenn  sorgfältig 
abgewogene und triftige Gründe vorliegen. Wiederaufbauten, Umbauten und 
Renovationen dürfen das bisherige Bauvolumen nicht überschreiten, ausser 
wenn  eine  bauliche  Verbesserung  städtebaulicher,  architektonischer  oder 
hygienischer  Art  erreicht  wird,  die  dem  öffentlichen  Interesse  nicht  zuwider-
läuft. 

Art. 15 Ziff. 8 Stadtgrundriss, Brandmauern, Hinterhöfe, öffentliche Plätze 

1Der historische Stadtgrundriss ist zu bewahren. Die historischen Fassaden-
fluchten,  das  Brandmauer-  und  das  Eh-Grabensystem,  die  den  baulichen 
Charakter Murtens wesentlich mitbestimmen, müssen erhalten bleiben. 

2Die  bestehenden  Gassen,  Plätze,  Höfe  und  Gärten  sind  mit  besonderer 
Sorgfalt zu gestalten. 

Nach  Art.  55  Abs.  1  RPBG  kann  die  Gemeinde  innerhalb  der  Bauzone  mit 
dem  Einverständnis  der  Baudirektion  Abweichungen  von  den  Plänen  und 
den  Gemeindevorschriften  bewilligen,  wenn  weder  ein  höheres  öffentliches 
Interesse  noch  überwiegende  Interessen  Dritter  entgegenstehen.  Diese 
Ausnahmebestimmung  gilt  für  Bauten  im  öffentlichen  Interesse,  für  Bauten, 
welche  für  die  Allgemeinheit  von  Bedeutung  sind,  in  Fällen,  bei  denen  die 
Anwendung  einer  Vorschrift  ihrem  Zweck  zuwiderläuft  oder  den  Eigentümer 
übermässig  schädigen  würde,  sowie  für  bewegliche  und  provisorische  Bau-
ten. 

6.  a)  Der Gemeinderat der Stadt Murten bringt in seiner Beschwerde vor, dass mit 
der  Innenhofüberdachung  die  Erstellung  eines  geschlossenen  Raums,  der 
ganzjährig genutzt werden könne, bezweckt werde. Das widerspreche Art. 15 
Ziff.  8  PBR,  weil  Innenhöfe  grundsätzlich  als  offene  Bereiche  sowie  als 

 
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Durchgänge erstellt worden seien. Mit der Überdachung werde die Charakte-
ristik  des  Gebäudes  völlig  verändert.  Die  Nutzung  des  Innenhofs  als 
öffentliches  Lokal  führe  zu  einem  anderen  Charakter  der  Liegenschaft.  Mit 
der  Überdachung  werde  das  Bauvolumen  erhöht;  hierfür  seien  aber  die  in 
Art.  15  Ziff.  7  PBR  enthaltenen  Bedingungen  nicht  erfüllt.  Die  Überdachung 
diene  lediglich  wirtschaftlichen  Interessen  des  Eigentümers,  was  aber  eine 
Ausnahme  von  den  Gemeindevorschriften  nach  Art.  55  RPBG  nicht  zu 
begründen vermöge. 

Die  Erziehungsdirektion  erhebt  die  gleichen  Einwände  und  weist  insbeson-
dere darauf hin, dass mit dem Dach der architektonische und städtebauliche 
Charakter  des  Innenhofs  und  auch  gleichzeitig  ein  wesentliches  Komposi-
tionselement des Stadtgrundrisses drastisch verändert würden. 

b)  Nach  der  Restovillage  AG  werde  mit  einem  schliessbaren  Glasdach  kein 
zusätzliches Bauvolumen geschaffen. Auch werde der Charakter des Innen-
hofs nicht verändert. Anderer Meinung ist der Oberamtmann. In seinem Ent-
scheid vom 11. Juni 1999 geht er davon aus, dass mit der kompletten Über-
dachung  des  Innenhofs  und  der  Beheizbarkeit  des  entsprechenden  Raums 
sich eine Volumenerweiterung nicht bestreiten lasse. 

c)  Mit der Baubewilligung vom 8. März 1999 erhielt die Restovillage AG offen-
bar bereits die Erlaubnis, den Innenhof zu zwei Dritteln mit einem Glasdach 
zu  versehen.  Mit  dem  strittigen  Schiebedach,  das  Gegenstand  der  zweiten 
Baubewilligung  war,  wird  der  ganze  Innenhof  nunmehr  überdacht.  Es  wird 
dort ein Restaurant ("Museums-Bar Muratum") betrieben und der Innenhof ist 
beheizbar  und  mithin  das  ganze  Jahr  benutzbar.  Das  führte  klar  zu  einer 
neuen  wirtschaftlichen  Zweckbestimmung  des  Innenhofs,  weshalb  nicht 
gesagt werden kann, die Identität des Innenhofs werde in den wesentlichen 
Zügen  gewahrt.  Zwar  wurde  keine  eigentliche  Erweiterung  über  die  beste-
hende  Gebäudehülle  hinaus  vorgenommen.  Indes  wurde  der  Innenhof,  der 
ursprünglich  wohl  als  Garten  diente,  seinem  Zweck  entzogen  und  in  ein 
Restaurant umgeändert, das ganzjährig benutzbar ist. Damit wurde klar eine 
Volumenvergrösserung  vorgenommen,  die  gemäss  Art.  15  Ziff.  7  PBR  nur 
unter ganz bestimmten Voraussetzungen zulässig ist. Zu prüfen ist, ob diese 
Bedingungen gegeben sind. 

7.  a)  Hierzu  hat  der  Oberamtmann  in  seinem  Entscheid  ausgeführt,  dass  der 
Innenhof  mit  dem  Bau  des  Schiebedachs  den  städtebaulichen  Charakter 
nicht  verliere.  Zwar  lasse  sich  die  historische  Bausubstanz  rein  baulich 
gesehen  auch  ohne  Schiebedach  erhalten.  Das  Projekt  leiste  aber  einen 
Beitrag zur Erhaltung der Bausubstanz. Das historische Stadtbild werde nicht 
beeinträchtigt, da es sich ja um einen Innenhof handle. Zwar sei der Innenhof 
auch  wertvoll.  Die  Auswirkungen  seien  jedoch  nicht  unter  dem  Aspekt  des 
Stadtbildes  zu  prüfen,  sondern  unter  dem  Aspekt  der  architektonischen 

 
 
 
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Verbesserung  beziehungsweise  Beeinträchtigung  des  bestehenden  Hofs. 
Wenn der Bauherr ein Projekt entwickle, das dem Publikum einen Zugang in 
den  Innenhof  erlaube,  so  liege  darin  ein  Gewinn  für  die  öffentliche  Zurgel-
tungbringung  eines  städtebaulich  wertvollen  Elements.  Die  ganze  Über-
dachung stelle auch keinen schwerwiegenderen Eingriff dar als die Teilüber-
dachung, gegen die sich der Kulturgüterdienst nicht gewehrt habe. Das Bau-
vorhaben  möge  zu  überzeugen  und  stelle  eine  Verbesserung  gegenüber 
dem heutigen Zustand dar. Die Überdachung führe auch zu einer Verbesse-
rung gegenüber Lärm- und Geruchsimmissionen. Es werde auch kein Präju-
diz  geschaffen.  Denn  mit  dem  Bauvorhaben  werde  eine  interessante  und 
sinnvolle Nutzung des Innenhofs mit Zutritt für die Öffentlichkeit geschaffen. 
Dem  Bauprojekt  würden  keine  öffentliche  Interessen  entgegenstehen.  Zwar 
würden  wirtschaftliche  Eigeninteressen  eine  Rolle  spielen,  das  sei  aber  ein 
legitimes Interesse. 

b)  Demgegenüber  bringt  der  Gemeinderat  der  Stadt  Murten  vor,  dass  mit  der 
Überdachung  die  Charakteristik  des  Gebäudes  völlig  verändert  werde.  Die 
wirtschaftlichen Interessen der Bauherrschaft vermögen eine Ausnahme der 
Vorschriften von den Gemeindevorschriften nicht zu begründen. 

Die Erziehungsdirektion führt aus, dass sich ihr Kulturgüterdienst nicht gegen 
eine  Teilüberdachung  ausgesprochen  habe.  Das  Gesamtkonzept  beein-
trächtige auch nur in geringem Masse den Erhalt des historischen Gebäudes 
und seiner Substanz. Ohne völlige Überdachung könne das Nutzungsvorha-
ben aber auch realisiert werden; die Besucher des Restaurants könnten auch 
mit  Sonnenschirmen  und  Storen  geschützt  werden.  Die  Überdachung  eines 
Innenhofs  entspreche  nicht  den  Grundsätzen  einer  sorgfältigen  Gestaltung. 
Es  gehe  nicht  um  die  Beschaffenheit  der  Überdachung,  sondern  um  die 
Beeinträchtigung  des  Erscheinungsbilde  des  Hofs  und  des  Grosshauses 
insgesamt. Das Dach führe zu einer gravierenden Änderung des Aussehens 
von  Gebäude  und  Innenhof.  Mit  dem  vorgesehen  Zweck,  Betrieb  eines 
Restaurants, werde an die Überdachung mehrere technische Anforderungen 
gestellt;  Feuchtigkeitsisolation,  Kälteschutz  und  partielle  Öffnungs-
möglichkeiten würden zwangsläufig zu einem deutlich sichtbaren neu hinzu-
gefügten Element führen. Das werde die Innenhoffassaden generell und die 
monumentale  Freitreppe  speziell  beeinträchtigen.  Die  offenen  Innenhöfe 
hätten  als  konstituierende  Elemente  der  Morphologie  der  Stadt  bereits  eine 
hygienische Funktion, indem sie die natürliche Belichtung und Belüftung der 
Bauten  zuliessen.  Das  vollständige  Überdachen  widerspreche  diesem  tradi-
tionellen  hygienischen  Vorkehren.  Es  sei  auf  jeden  Fall  kein  Beitrag  zu 
Hygiene.  Die  Baubewilligung  schaffe  schliesslich  wegen  der  fehlenden 
Konformität  mit  dem  PBR  einen  schwerwiegenden  Präzedenzfall  und  somit 
ein  Präjudiz  für  den  Schutz  der  Altstadt.  Dieser  Schutz  sei  ohne  Zweifel  im 
öffentlichen Interesse.  

 
 
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c)  Nach  Meinung  der  Restovillage  AG  gehe  es  hier  nicht  um  eine  Frage  des 
Schutzes von Kulturgütern und des Stadtbilds, sondern einzig und allein um 
eine kaum nachvollziehbare "Schickanierung" von Leuten, welche unter Ein-
haltung aller Vorgaben des Kulturgüterschutzes versuchten, alte Gebäude in 
einer vernünftigen Art und Weise in den Wirtschaftsprozess einzugliedern. Es 
sei  zudem  abstrus  davon  auszugehen,  dass  ein  Drittel  zusätzliches  Dach 
den  architektonischen  und  städtebaulichen  Charakter  des  Innenhofs  verän-
dere.  Es  werde  auch  kein  Präjudiz  für  die  Überdachung  der  Innenhöfe 
geschaffen.  

8.  a)  Grundsätzlich  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Baupolizeivorschriften  einge-
halten  werden.  Das  gilt  insbesondere in den Schutzzonen oder, wie im vor-
liegenden Fall, hinsichtlich des Schutzes nicht nur von einzelnen Gebäuden, 
sondern  eines  ganzen  Ortsbilds.  Den  Behörden  muss  aber  in  der  Anwen-
dung der entsprechenden Bestimmungen ein gewisser Ermessensspielraum 
zukommen.  Das  Festhalten  am  bestehenden  Zustand  rechtfertigt  sich  stets 
nur  dann,  als  es  das  überwiegende  öffentliche  Interesse  an  der  Erhaltung 
des sichtbaren historischen oder künstlerischen Charakters der bestehenden 
Bebauung verlangt. In diesem Sinne sieht auch Art. 15 Ziff. 7 und 8 PBR die 
Möglichkeit  einer  Volumenvergrösserung  vor,  wenn  damit  eine  bauliche 
Verbesserung  städtebaulicher,  architektonischer  oder  hygienischer  Art 
erreicht  wird.  Auf  diese  Art  und  Weise  sollen  grundsätzlich  im  Rahmen  von 
Umbauprojekten  bestehende  Bauten  oder  Elemente  derselben,  welche  den 
historischen  oder  künstlerischen  Charakter  nicht  mitprägen,  sondern  ihn 
geradezu stören, durch solche ersetzt werden können, die sich harmonischer 
in  die  vorgesehene  Überbauung  einfügen,  auch  wenn  damit  ein  Abweichen 
von  Kubus  und  Massstäblichkeit  verbunden  ist.  In  einem  solchen  Fall  sind 
die  Behörden  geradezu  gezwungen,  eine  Volumenvergrösserung  zuzulas-
sen.  Mit  den  erwähnten  Bestimmungen  wird  auch  dem  Eigentümer  ein 
Anspruch  auf  Abweichung  von  Baukubus  und  Massstäblichkeit  eingeräumt, 
wenn  ein  öffentliches  Interesse  an  der  ursprünglichen  Beibehaltung  fehlt.  In 
jedem  Fall  aber  wird  aber  die  Verwirklichung  der  Schutzbestimmungen 
bezweckt (vgl. auch BJM 2001 S. 26 Erw. 6). 

b)  Eine  bauliche  Verbesserung  des  Gebäudes  in  städtebaulicher,  architektoni-
scher  oder  hygienischer  Art  ist  im  vorliegenden  Fall  klar  zu  verneinen.  Das 
aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende Grosse Haus befin-
det  sich  in  einem  unversehrten  Zustand.  Die  vollständige  Überdachung  des 
Innenhofs schafft somit keine Verbesserung des architekturhistorisch bedeu-
tenden  Gebäudes,  sondern  schafft  eine  Beeinträchtigung  des  historischen 
Charakters.  Der  Innenhof  war  seit  jeher  offen,  nunmehr  wird  er  mit  einem 
Glasdach  geschlossen.  Da  somit  der  ursprüngliche  Zustand  verändert  wird, 
kann  nicht  von  einer  städtebaulichen  oder  architektonischen  Verbesserung, 
sondern  vielmehr  von  einer  unzulässigen  Beeinträchtigung  des  geschützten 
Hauses gesprochen werden. Ein öffentliches Interesse an der Überdachung 

 
 
 
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ist  nicht  auszumachen.  Im  Gegenteil,  es  steht  fest,  dass  das  Gebäude  bis 
anhin  in  seinem  ursprünglichen  Zustand  belassen  wurde  und  sozusagen 
keine  Änderungen  erfahren  hat.  Es  besteht  demnach  ein  Interesse,  den 
ursprünglichen Zustand zu belassen. Charakteristisch für die Baute ist eben 
ein offener Innenhof. Es mag zutreffen, dass die Überdachung des Innenhofs 
zum  grössten  Teil  von  der  Bevölkerung  nicht,  sondern  bloss  von  den 
Besuchern des Restaurants und verschiedenen anderen Berechtigten wahr-
genommen  werden  kann.  Darauf  kommt  es  aber  nicht  an.  Denn  die  Vor-
schriften betreffend den Schutz der Gebäude in der Altstadt von Murten gel-
ten auch für die dem Publikum nicht zugänglichen Gebäudeteile. Von mass-
geblicher  Bedeutung  ist  somit,  dass  das  äussere  Erscheinungsbild  im 
ursprünglichen  Zustand  präsentiert  bleibt.  Der  Grund,  weshalb  die  Baube-
willigungsbehörde  mit  der  Zustimmung  des  Kulturgüterdienst  eine  teilweise 
Bedachung  zuliessen,  ist  hier  nicht  zu  prüfen,  weil  nicht  Gegenstand  der 
Beschwerde.  Immerhin  muss  diese  Massnahme  bereits  als  eine  gewisse 
Beeinträchtigung bezeichnet werden. Hinsichtlich des privaten Interesses der 
Bauherrschaft  ist  hervorzuheben,  dass  es  ihr  ausschliesslich  um  den  ganz-
jährigen  Betrieb  ihres  Restaurants  geht  und  somit  um  wirtschaftliche  und 
finanzielle Interessen, die das öffentliche Interesse am Bestand des offenen 
Innenhofs nicht zu überwiegen vermögen.  

Dass  das  Vorhaben  der  Restovillage  sich  in  Murten  auch  als  Präjudiz  aus-
wirken  könnte,  kann  nicht  ausgeschlossen  werden.  In  der  Altstadt  von 
Murten  gibt  es,  was  notorisch  bekannt  ist,  weitere  Innenhöfe  und  deren 
Eigentümer  könnten  aus  verschiedenen  Gründen  ebenfalls  eine  Über-
dachung verlangen. Da die Stadt Murten aus denkmal- und ortsbildschütze-
rischen  Gründen  Beachtung  findet,  müssen  bauliche  Eingriffe  an  strenge 
Voraussetzungen gebunden werden. 

9. 

Zusammenfassend  ist  bei  dieser  Sach-  und  Rechtslage  festzustellen,  dass 
mit  der  Überdachung  des  Innenhofs  eine  Volumenerweiterung  des  beste-
henden  Gebäudes  beabsichtigt  wird.  Die  reglementarischen  Voraussetzun-
gen  wie  sie  im  PBR  festgehalten  sind,  sind  entgegen  der  Auffassung  des 
Oberamtmanns  und  der  Restovillage  AG  nicht  gegeben.  Wenn  der  Ober-
amtmann  trotzdem  die  Baubewilligung  erteilte,  hat  er  gegen  die  erwähnten 
Bestimmungen des PBR verstossen. Die Baubewilligung hätte auch deshalb 
abgelehnt  werden  müssen,  weil  das  öffentliche  Interesse  am  Bestand  der 
ursprünglichen  Struktur  des  strittigen  Gebäudes  die  privaten  Interessen  der 
Bauherrschaft  klar  überwiegen.  Dieser  geht  es  ausschliesslich  darum,  den 
Innenhof  wirtschaftlich  und  finanziell  in  optimaler  Weise  nutzen  zu  können. 
Das  mag  zwar  von  ihrer  Sicht  her  legitim  sein,  widerspricht  aber  im  vorlie-
genden  Fall  dem  Ziel,  das  Gebäude  in  seinem  ursprünglichen  Zustand  zu 
erhalten.  Die  beiden  Beschwerden  erweisen  sich  somit  als  begründet.  Die 
angefochtene  Verfügung  ist  aufzuheben  und  die  Baubewilligung  zu  verwei-
gern. 

 
 
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10.   

(Verfahrenskosten) 

Demnach entscheidet 
der II. Verwaltungsgerichtshof: 

1. 

Die Beschwerden der Stadt Murten und der Direktion für Erziehung und kul-
turelle Angelegenheiten werden gutgeheissen. 

Die Verfügung des Oberamtmanns des Seebezirks vom 11. Juni 1999 wird, 
soweit sie sich auf die Überdachung des Innenhofs bezieht, aufgehoben. 

(Verfahrenskosten) 

(Parteikosten) 

(Eröffnung) 

2. 

3. 

4. 

205.1;