# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8260934e-fe03-5575-ab23-acc071821b66
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-11-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.11.2010 A-4911/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-4911-2010_2010-11-30.pdf

## Full Text

Abtei lung I
A-4911/2010
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  3 0 .  N o v e m b e r  2 0 1 0

Richterin Charlotte Schoder (Vorsitz), 
Richter Daniel Riedo, Richterin Salome Zimmermann, 
Richter Daniel de Vries Reilingh, Richter Michael Beusch, 
Gerichtsschreiberin Susanne Raas.

A._______, ...,
vertreten durch ...,
Beschwerdeführerin,

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV,
Task Force Amtshilfe USA, Eigerstrasse 65, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Amtshilfe (DBA-USA).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

A-4911/2010

Sachverhalt:

A.
Am 19. August 2009 schlossen die Schweizerische Eidgenossenschaft 
(Schweiz)  und  die  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  (USA)  in  eng-
lischer Sprache ein Abkommen über ein Amtshilfegesuch des Internal 
Revenue  Service  der  USA  betreffend  UBS  AG,  einer  nach  schwei-
zerischem  Recht  errichteten  Aktiengesellschaft  (AS 2009  5669, Ab-
kommen 09). Darin verpflichtete sich die Schweiz, anhand im Anhang 
festgelegter Kriterien und gestützt  auf  das geltende Abkommen vom 
2. Oktober  1996  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft 
und den Vereinigten Staaten von Amerika zur Vermeidung der Doppel-
besteuerung  auf  dem  Gebiet  der  Steuern  vom  Einkommen 
(SR 0.672.933.61,  DBA-USA 96)  ein  Amtshilfegesuch  der  USA  zu 
bearbeiten.  Die  Schweiz  versprach  weiter,  betreffend  die  unter  das 
Amtshilfegesuch fallenden geschätzten 4'450 laufenden oder saldier-
ten Konten  mithilfe  einer  speziellen  Projektorganisation  sicherzustel-
len, dass innerhalb von 90 Tagen nach Eingang des Gesuchs in den 
ersten 500 Fällen  und nach 360  Tagen in  allen  übrigen Fällen  eine 
Schlussverfügung über die Herausgabe der verlangten Informationen 
erlassen werden könne.

B.
Unter Berufung auf das Abkommen 09 richtete die amerikanische Ein-
kommenssteuerbehörde  (Internal  Revenue  Service  in  Washington, 
IRS) am 31. August 2009 ein Ersuchen um Amtshilfe an die Eidgenös-
sische Steuerverwaltung (ESTV). Das Gesuch stützte sich ausdrück-
lich auf Art. 26 DBA-USA 96, das dazugehörende Protokoll sowie die 
Verständigungsvereinbarung vom 23. Januar 2003 zwischen der ESTV 
und dem Department of the Treasury der USA betreffend die Anwen-
dung von Art. 26 DBA-USA 96 (Vereinbarung 03; veröffentlicht in Pes-
talozzi/Lachenal/Patry [bearbeitet von SILVIA ZIMMERMANN unter Mitarbeit 
von  MARION VOLLENWEIDER],  Rechtsbuch  der  schweizerischen  Bundes-
steuern,  Therwil  [Nachtragssammlung],  Band  4,  Kennziffer  I  B h 69, 
Beilage 1; die deutsche Fassung befindet sich in Beilage 4). Der  IRS 
ersuchte  um  Herausgabe  von  Informationen  über  amerikanische 
Steuerpflichtige, die in der Zeit zwischen dem 1. Januar 2001 und dem 
31. Dezember  2008  die  Unterschriftsberechtigung  oder  eine  andere 
Verfügungsbefugnis über Bankkonten hatten, die von einer Abteilung 
der  UBS AG  oder  einer  ihrer  Niederlassungen  oder  Tochtergesell-
schaften  in  der  Schweiz  (nachfolgend: UBS AG)  geführt,  überwacht 

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oder gepflegt wurden. Betroffen waren Konten, für welche die UBS AG 
(1)  nicht  im  Besitz  eines  durch  den  Steuerpflichtigen  ausgefüllten 
Formulars  "W-9" war,  und  (2)  nicht  rechtzeitig  und  korrekt  mit  dem 
Formular  "1099" namens des jeweiligen Steuerpflichtigen dem ameri-
kanischen Fiskus alle Bezüge dieser Steuerpflichtigen gemeldet hatte.

C.
Am 1. September 2009 erliess die ESTV gegenüber der UBS AG eine 
Editionsverfügung im  Sinn  von  Art. 20d  Abs. 2  der  Verordnung  vom 
15. Juni  1998  zum  schweizerisch-amerikanischen  Doppelbesteue-
rungsabkommen vom 2. Oktober 1996 (SR 672.933.61, Vo DBA-USA).

Darin verfügte sie die Einleitung des Amtshilfeverfahrens und forderte 
die  UBS AG auf,  innerhalb  der  in  Art. 4  des  Abkommens 09  festge-
setzten Fristen insbesondere die vollständigen Dossiers der unter die 
im Anhang zum Abkommen 09 fallenden Kunden herauszugeben.

D.
Am  21. Januar  2010  hiess  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil 
A-7789/2009 (teilweise veröffentlicht in BVGE 2010/7) eine Beschwer-
de gegen eine Schlussverfügung der ESTV gut, welche einen Fall der 
Kategorie  in  Ziff. 2  Bst. A/b  (nachfolgend:  Kategorie  2/A/b)  gemäss 
dem Anhang des  Abkommens  09  betraf. Dies  geschah  mit  der  Be-
gründung,  das  Abkommen  09  sei  eine  Verständigungsvereinbarung 
und habe sich an das Stammabkommen (DBA-USA 96) zu halten, wel-
ches  Amtshilfe  nur  bei  Steuer-  oder  Abgabebetrug,  nicht  aber  bei 
Steuerhinterziehung vorsehe. 

Daraufhin  schloss  der  Bundesrat  nach  weiteren  Verhandlungen  mit 
den USA  am 31. März 2010 in englischer  Sprache ein  Protokoll zur 
Änderung des Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft  und den Vereinigten Staaten  von Amerika  über  ein  Amts-
hilfegesuch des Internal Revenue Service der Vereinigten Staaten von 
Amerika  betreffend  UBS AG,  einer  nach  schweizerischem Recht  er-
richteten  Aktiengesellschaft,  unterzeichnet  in  Washington  am 
19. August 2009 (Änderungsprotokoll Amtshilfeabkommen; am 7. April 
2010  im  ausserordentlichen  Verfahren  veröffentlicht,  mittlerweile 
AS 2010  1459,  nachfolgend:  Protokoll 10).  Gemäss  Art.  3  Abs.  2 
Protokoll 10 ist dieses ab Unterzeichnung und damit ab dem 31. März 
2010 vorläufig anwendbar.

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E.
Das  Abkommen 09  und  das  Protokoll 10  wurden  von  der  Bundes-
versammlung mit  Bundesbeschluss  vom 17. Juni  2010 über  die  Ge-
nehmigung des Abkommens zwischen der Schweiz und den Vereinig-
ten Staaten von Amerika über ein Amtshilfegesuch betreffend UBS AG 
sowie  des  Änderungsprotokolls  (AS  2010  2907)  genehmigt  und  der 
Bundesrat  wurde ermächtigt,  die beiden Verträge zu ratifizieren (die 
konsolidierte Version des Abkommens 09 und des Protokolls 10 findet 
sich in  SR 0.672.933.612 und  wird nachfolgend als  Staatsvertrag 10 
bezeichnet; die Originaltexte sind in englischer Sprache). Der genann-
te  Bundesbeschluss  wurde  nicht  dem Staatsvertragsreferendum ge-
mäss Art. 141 Abs. 1 Bst. d Ziff. 3  der Bundesverfassung der Schwei-
zerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101)  unter-
stellt.

F.
Mit  Urteil  A-4013/2010 vom 15. Juli  2010 entschied das Bundesver-
waltungsgericht über die Gültigkeit des Staatsvertrags 10.

G.
Am  27.  Januar  2010  übermittelte  die  UBS  AG das  Dossier  von 
A._______ der ESTV. In ihrer Schlussverfügung vom 7. Juni 2010 ge-
langte die ESTV zum Ergebnis, im konkreten Fall seien sämtliche Vor-
aussetzungen der  Kategorie  2/A/b  erfüllt,  um dem IRS  Amtshilfe  zu 
leisten  und  die  Unterlagen  zu  edieren.  Diese  Verfügung  stellte  die 
ESTV der Bill Isenegger Ackermann AG als Zustellungsbevollmächtig-
ter zu.

H.
Mit  Eingabe  vom  7.  Juli  2010  liess  A._______  (nachfolgend:  Be-
schwerdeführerin) gegen die Schlussverfügung der ESTV vom 7.  Juni 
2010  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde erheben  und  be-
antragen, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben, das Amts-
hilfeverfahren  einzustellen  und  die  sie  betreffenden  Dokumente  zu 
vernichten. Eventualiter  sei  die Sache an die ESTV zwecks weiterer 
Abklärungen zurückzuweisen. Ausserdem beantragte die Beschwerde-
führerin die Einräumung einer angemessenen Frist  zur Beschwerde-
ergänzung. Als Begründung machte die Beschwerdeführerin unter an-
derem geltend, sie habe in dem hier zur Diskussion stehenden Zeit-
raum von 2000 bis 2002 nie Wohnsitz in den USA gehabt. Deshalb sei 
die Amtshilfe in ihrem Fall zu verweigern.

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I.
In ihrer  Vernehmlassung vom  15. September 2010 schliesst  die Vor-
instanz auf Beschwerdeabweisung.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das 
Bundesverwaltungsgericht  (VGG,  SR  173.32)  beurteilt  das  Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des 
Bundesgesetzes  vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsver-
fahren (VwVG, SR 172.021). Zu den beim Bundesverwaltungsgericht 
anfechtbaren  Verfügungen  gehört  auch  die  Schlussverfügung  der 
ESTV im Bereich  der  internationalen  Amtshilfe  (Art. 32  VVG e con-
trario  und  Art. 20k  Abs. 1  der  Verordnung  vom  15.  Juni  1998  zum 
schweizerisch-amerikanischen  Doppelbesteuerungsabkommen  vom 
2. Oktober  1996  [Vo DBA-USA,  SR 672.933.61]).  Die  Zuständigkeit 
des  Bundesverwaltungsgerichts  zur  Behandlung  der  Beschwerde  ist 
somit gegeben.

1.2 Die  Beschwerdeführerin  erfüllt  die  Voraussetzungen  der  Be-
schwerdebefugnis nach Art. 48 Abs. 1 VwVG. Auf die form- und frist-
gemäss eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.

1.3 Das  Bundesverwaltungsgericht  wendet  das  Recht  von  Amtes 
wegen an. Es ist demzufolge verpflichtet, auf den festgestellten Sach-
verhalt  die  richtige  Rechtsnorm  und  damit  jenen  Rechtssatz  anzu-
wenden,  den  es  als  den  zutreffenden  erachtet,  und  ihm  jene  Aus-
legung  zu  geben,  von  der  es  überzeugt  ist  (ANDRÉ MOSER/MICHAEL 
BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht,  Basel  2008,  Rz. 1.54,  unter  Verweis  auf  BGE 119 V 347 
E. 1a).

1.4  
1.4.1 Im  Rechtsmittelverfahren  kommt  –  wenn  auch  in  sehr  abge-
schwächter  Form  (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,  a.a.O.,  Rz. 1.55)  –  das 
Rügeprinzip mit Begründungserfordernis in dem Sinn zur Anwendung, 
dass  die  Beschwerdeführerin  die  ihre  Rügen  stützenden  Tatsachen 
darzulegen und allfällige Beweismittel einzureichen hat (Art.  52 Abs. 1 
VwVG;  CHRISTOPH AUER,  in:  CHRISTOPH AUER/MARKUS MÜLLER/BENJAMIN 
SCHINDLER [HRSG.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwal-

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tungsverfahren  [VwVG],  Zürich/St.  Gallen  2008,  N. 9  und  12  zu 
Art. 12). Hingegen ist  es grundsätzlich nicht Sache der Rechtsmittel -
behörden, den für den Entscheid erheblichen Sachverhalt von Grund 
auf  zu  ermitteln  und  über  die  tatsächlichen  Vorbringen  der  Parteien 
hinaus  den  Sachverhalt  vollkommen  neu  zu  erforschen  (BVGE 
2007/27  E. 3.3;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-5550/2008 
vom  21. Oktober  2009  E. 1.5;  MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., 
Rz. 1.52). Vielmehr geht es in diesem Verfahren darum, den von den 
Vorinstanzen ermittelten Sachverhalt  zu überprüfen und allenfalls  zu 
berichtigen oder zu ergänzen. Weiter ist die Rechtsmittelinstanz nicht 
gehalten, allen denkbaren Rechtsfehlern von sich aus auf den Grund 
zu  gehen.  Für  entsprechende  Fehler  müssen  sich  mindestens  An-
haltspunkte aus den Parteivorbringen oder den Akten ergeben (MOSER/ 
BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 1.55).

1.4.2 Das Verfahren in Bezug auf den Informationsaustausch mit den 
USA richtet sich nach der Vo DBA-USA, soweit  der Staatsvertrag 10 
keine spezielleren  Bestimmungen enthält  (vgl. Urteil  des Bundesver-
waltungsgerichts A-4013/2010 vom 15. Juli 2010 E. 2.1 f. und E. 6.2.2). 
Es wird abgeschlossen mit dem Erlass einer begründeten Schlussver-
fügung der ESTV im Sinn von Art. 20j Abs. 1 Vo DBA-USA. Darin hat 
die ESTV darüber zu befinden, ob ein hinreichender Tatverdacht auf 
ein Betrugsdelikt und dergleichen im Sinn der einschlägigen Normen 
vorliegt,  ob  die  weiteren  Kriterien zur  Gewährung  der  Amtshilfe  ge-
mäss  Staatsvertrag  10  erfüllt  sind  und,  bejahendenfalls,  welche 
Informationen  (Gegenstände,  Dokumente,  Unterlagen)  nach  schwei-
zerischem Recht haben bzw. hätten beschafft werden können und nun 
an die zuständige amerikanische Behörde übermittelt  werden dürfen 
(Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-4013/2010 vom 15. Juli 2010 
E. 2.2). Nach der Rechtsprechung zum Amtshilfeverfahren genügt es 
für  die  Bejahung des Tatverdachts,  wenn sich hinreichende Anhalts-
punkte dafür ergeben, dass der inkriminierte Sachverhalt  erfüllt  sein 
könnte. Es ist  nicht  Aufgabe des Amtshilferichters,  abschliessend zu 
beurteilen,  ob  eine  strafbare  Handlung  vorliegt.  Das  Bundesver-
waltungsgericht  prüft  deshalb  nur,  ob  die  Schwelle  zur  berechtigten 
Annahme des Tatverdachts erreicht ist  oder ob die sachverhaltlichen 
Annahmen der  Vorinstanz  offensichtlich  fehler-  oder  lückenhaft  bzw. 
widersprüchlich erscheinen (vgl. BGE 129 II 484 E. 4.1; 128 II 407 E. 
5.2.1; 127  II  142 E. 5a; BVGE 2010/26 E. 5.1;  Urteile  des  Bundes-
verwaltungsgerichts  B-3053/2009 vom 17. August  2009 E. 4.2  f.; B-
5297/2008 vom 5. November 2008 E. 5.1).

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In der Folge obliegt es dem vom Amtshilfeverfahren Betroffenen, den 
begründeten Tatverdacht klarerweise und entscheidend zu entkräften. 
Gelingt  ihm  dies,  ist  die  Amtshilfe  zu  verweigern  (BGE  128  II  407 
E. 5.2.3; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 4013/2010 vom 15. Juli 
2010 E. 2.2;  THOMAS COTTIER/RENÉ MATTEOTTI,  Das Abkommen über ein 
Amtshilfegesuch  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft 
und  den  Vereinigten  Staaten  von  Amerika  vom  19. August  2009: 
Grundlagen  und  innerstaatliche  Anwendbarkeit  [nachfolgend:  Ab-
kommen], Archiv für Schweizerisches Abgaberecht [ASA] 78 S. 349 ff., 
S. 389). Dies setzt voraus, dass der vom Amtshilfeverfahren Betroffene 
unverzüglich  und  ohne  Weiterungen  den  Urkundenbeweis  erbringt, 
dass er zu Unrecht ins Verfahren einbezogen worden ist. Das Bundes-
verwaltungsgericht nimmt diesbezüglich keine Untersuchungshandlun-
gen vor.

1.4.3 Das  hier  zur  Diskussion  stehende  Amtshilfegesuch  der  US-
amerikanischen Steuerbehörde weist die Besonderheit auf, dass es – 
anders  als  dies  bei  Amtshilfegesuchen  üblicherweise  zutrifft  (vgl. 
STEFAN OESTERHELT, Amtshilfe  im  internationalen  Steuerrecht  der 
Schweiz, in: jusletter vom 15. Oktober 2009, www.jusletter.ch) – Name, 
Adresse  und  weitere  Identifikationsmerkmale  der  verdächtigten 
Personen nicht nennt. Die Identifikation der betroffenen Personen und 
damit der Entscheid über die Frage, ob eine Person unter das Amts-
hilfegesuch  fällt  oder  nicht,  erfolgt  anhand  der  im  Anhang  zum 
Staatsvertrag  10  aufgeführten  Kriterien  unmittelbar  durch  die  Vor-
instanz. Dabei reicht  nach dem Vertragswortlaut  nicht  bloss der Ver-
dacht,  dass  eine  Person  die  Identifikationsmerkmale  (wie  beispiels-
weise das Erfordernis des "US domicile") aufweist, sondern es muss 
dies  rechtsgenüglich feststehen  (vgl.  Anhang  zum  Staatsvertrag  10 
Ziff. 1/A). Die Vorinstanz ist aber nicht in der Lage, allein gestützt auf 
die ihr von der UBS zugestellten Bankunterlagen den diesbezüglichen 
Sachverhalt vollständig festzustellen. Deshalb reicht es aus, wenn die 
Vorinstanz genügend konkrete Anhaltspunkte zu nennen vermag, die 
zur Annahme berechtigen, der vom Amtshilfeverfahren Betroffene er-
fülle  die  persönlichen  Identifikationsmerkmale  gemäss  Anhang  zum 
Staatsvertrag  10.  Das  Bundesverwaltungsgericht  sieht  sich  infolge-
dessen veranlasst, – gleich wie beim Tatverdacht (vgl. E. 1.4.2 hiervor) 
–  nur  zu  prüfen,  ob  genügend  Anhaltspunkte  zur  berechtigten  An-
nahme  dieser  Identifikationsmerkmale  vorliegen,  und  die  Sachver-
haltsfeststellungen  zu  diesen  Identifikationsmerkmalen  nur  zu  korri -

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gieren,  wenn  darin  offensichtlich  Fehler,  Lücken  oder  Widersprüche 
auftreten  oder  aber  wenn  der  vom  Amtshilfegesuch  Betroffene  die 
Annahme  der  Vorinstanz,  dass  die  Identifikationsmerkmale  gemäss 
Anhang  zum Staatsvertrag  10  gegeben  seien,  klarerweise  und  ent-
scheidend entkräftet.

2.
Umstritten ist vorab die Frage, ob die Beschwerdeführerin das im An-
hang zum Staatsvertrag 10 aufgeführte Erfordernis des "US domicile" 
für die Amtshilfe der Schweiz an die USA erfüllt. Die Vorinstanz geht  
davon aus, dass die Beschwerdeführerin in den Jahren 2000 bis 2002 
in den USA wohnhaft  war. Massgeblich für die Klärung dieser Streit-
frage ist der Wortlaut in der englischen Originalversion des Staatsver -
trages 10 (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-4013/2010 vom 15. 
Juli  2010  E.  7.1).  Nach  Ziff. 1  Bst.  A  des  Anhangs  zum Staatsver-
trag 10 fallen (unter anderen) folgende Personen unter das Amtshilfe-
ersuchen:

US  domiciled  clients  of  UBS  who  directly  held  and  beneficially  owned 

"undisclosed (non-W-9) custody accounts" and "banking deposit accounts" 

in excess of CHF 1 million (at any point in time during the period of years 

2001 through 2008) with UBS and for which a reasonable suspicion of "tax 

fraud or the like" can be demonstrated

Die deutsche (nicht massgebliche) Übersetzung lautet:

Kunden der UBS mit Wohnsitz in den USA, welche "undisclosed (non-W-9) 

custody  accounts" und  "banking  deposit  accounts" von  mehr  als  CHF 
1 Million (zu irgendeinem Zeitpunkt während des Zeitraums von 2001 bis 

2008)  der  UBS direkt  hielten  und  daran  wirtschaftlich  berechtigt  waren, 

wenn  diesbezüglich  ein  begründeter  Verdacht  auf  "Betrugsdelikte  und 

dergleichen" dargelegt werden kann

Nachfolgend  wird  zunächst  festgehalten,  in  welchem  Verhältnis  der 
Staatsvertrag 10  zum DBA-USA 96  steht  (E. 3). Daraufhin  wird  ge-
prüft,  nach welchen Regeln der Staatsvertrag 10 auszulegen ist und 
der verwendete Begriff  "US domiciled" nach diesen Regeln ausgelegt 
(E.  4-5).  Schliesslich  wird  geprüft,  ob  die  Beschwerdeführerin  das 
Erfordernis des "US domicile" konkret erfüllt (E. 6).

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3.
Beim Staatsvertrag 10 handelt es sich um einen selbständigen völker-
rechtlichen Vertrag und nicht  –  wie  noch beim Abkommen 09 –  um 
eine  Verständigungsvereinbarung,  die  sich  innerhalb  des  vom DBA-
USA 96  gesteckten  Rahmens  bewegen muss. Der  Staatsvertrag  10 
steht  mit  dem  DBA-USA  96  auf  gleicher  Stufe  (Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A-4013/2010 vom 15. Juli  2010 E. 6.2.2; 
vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A-7789/2009  vom 
21. Januar 2010 E. 5.5.2). Da beide Verträge zwischen den gleichen 
Parteien geschlossen worden sind, handelt es sich um einen Fall von 
Art. 30  Abs. 3  VRK,  demgemäss  der  frühere  Vertrag  nur  insoweit 
Anwendung findet,  als er mit dem späteren Vertrag vereinbar ist  (lex 
posterior-Regel).  Überdies  präzisiert  Art. 7a  des  Staatsvertrags 10, 
dass  dieser  zum  Zweck  der  Behandlung  des  vorliegenden 
Amtshilfegesuchs  (nämlich  jenem  des  IRS  vom  31. August  2009) 
Vorrang vor dem DBA-USA 96 sowie der Vereinbarung 03 habe, sofern 
er  diesen  zuwiderlaufe.  Demgemäss  hat  der  Staatsvertrag 10  auch 
nach  Art. 30  Abs. 2  VRK Vorrang  gegenüber  den  älteren  Verträgen, 
soweit  das  genannte  Amtshilfegesuch  betroffen  ist  (Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts A-4013/2010 vom 15. Juli 2010 E. 6.2.2). 
Zugleich  wird  jedoch  auf  das  DBA-USA 96  Bezug  genommen,  was 
verdeutlicht,  dass dieses anwendbar  ist,  sofern  der  Staatsvertrag 10 
keine  abweichenden  Bestimmungen  enthält.  Solches  gilt 
beispielsweise  für  das  Verfahren:  Anwendbar  bleibt  –  soweit  der 
Staatsvertrag 10 keine spezielleren Bestimmungen enthält – die sich 
auf  das  DBA-USA 96 stützende Vo DBA-USA,  was sich  im Übrigen 
auch  aus  Art.  1  Ziff.  2  des  Staatsvertrags  10  ergibt  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts A-4013/2010 vom 15. Juli 2010 E. 2.1 f).

4.
4.1 Als völkerrechtlicher Vertrag im Sinne von Art. 2 Abs. 1 Bst. a VRK 
ist  der  Staatsvertrag  10  –  unter  Vorbehalt  speziellerer  Regeln  (vgl. 
BVGE  2010/7  E.  3.6.1)  –  gemäss  den  Auslegungsregeln  der  VRK 
auszulegen. Weil  die  VRK im Bereich  der  Auslegungsregeln  Völker-
gewohnheitsrecht  kodifiziert  hat,  können  diese  Regeln  auch  für  Ab-
kommen angewendet  werden,  welche  vor  Inkrafttreten  der  VRK ge-
schlossen  wurden  (BGE  122  II  234  E.  4c)  bzw.  von  Staaten  an-
gewendet werden, welche die VRK nicht ratifiziert haben.

Die  Auslegung  nach  Art.  31  VRK  ist  ein  einheitlicher  Vorgang.  Der 
Auslegung  werden  der  Wortlaut  der  vertraglichen  Bestimmung,  Ziel 

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und Zweck des Vertrags, Treu und Glauben sowie der Zusammenhang 
zugrunde gelegt. Dabei haben die einzelnen Auslegungselemente den 
gleichen Stellenwert (BVGE 2010/7 E. 3.5; MARK E. VILLIGER, Articles 31 
und 32 of the Vienna Convention on the Law of Treaties in the Case-
Law  of  the  European  Court  of  Human  Rights,  in:  Internationale 
Gemeinschaft und Menschenrechte: Festschrift für Georg Ress, Köln 
2005, S. 327 [nachfolgend: Articles];  DERS., Commentary on the 1969 
Vienna  Convention  on  the  Law of  the  Treaties,  Leiden/Boston  2009 
[nachfolgend: Vienna  Convention],  N. 29  zu  Art.  31  VRK;  JEAN-MARC 
SOREL,  in:  Les  Conventions  de  Vienne,  N.  8  zu  Art.  31  VRK).  Er-
gänzende Auslegungsmittel sind die Vertragsmaterialien und die Um-
stände des Vertragsabschlusses, welche – nur, aber immerhin – zur 
Bestätigung  oder  bei  einem  unklaren  oder  widersprüchlichen  Aus-
legungsergebnis heranzuziehen sind (Art. 32 VRK). Der Grundsatz von 
Treu und Glauben ist  als leitender Grundsatz der Staatsvertragsaus-
legung  während  des  gesamten  Auslegungsvorgangs  zu  beachten 
(KNUT IPSEN, Völkerrecht, 4. Aufl., München 1999, § 11 Rz. 17).

4.1.1 Den  Ausgangspunkt  der  Auslegung  bildet  der  Wortlaut  der 
vertraglichen Bestimmung (SOREL, a.a.O., N. 8 und 29 zu Art. 31 VRK; 
VILLIGER, Vienna Convention, N. 30 zu Art. 31 VRK;  DERS., Articles, S. 
324, 327). Der Text der Vertragsbestimmung ist aus sich selbst heraus 
gemäss seiner gewöhnlichen Bedeutung zu interpretieren. Diese ge-
wöhnliche Bedeutung ist jedoch in Übereinstimmung mit ihrem Zusam-
menhang sowie dem Ziel  und Zweck des Vertrags gemäss Treu und 
Glauben zu eruieren. Vorbehalten bleibt nach Art. 31 Abs. 4 VRK eine 
klar  manifestierte  einvernehmliche  Absicht  der  Parteien,  einen  Aus-
druck nicht im üblichen, sondern in einem besonderen Sinn zu verwen-
den (BVGE 2010/7 E. 3.5.1).

4.1.2 Was unter dem Zusammenhang einer Bestimmung zu verstehen 
ist,  wird in Art. 31 Abs. 2 VRK definiert. Der Begriff  des Zusammen-
hangs im Sinn von Art. 31 Abs. 2 VRK ist eng auszulegen. Er erstreckt 
sich  insbesondere weder auf  die Umstände anlässlich des Vertrags-
abschlusses  (welche  in  Form  der  vorbereitenden  Arbeiten  etwa  als 
Hilfsmittel  gemäss  Art.  32  VRK  ausschliesslich  subsidiär  zur  Aus-
legung herangezogen werden können) noch auf Elemente ausserhalb 
des Textes. Art. 31 Abs. 3 VRK definiert sodann diejenigen Elemente, 
welche als so genannter "contexte externe" gleich wie der Zusammen-
hang  bei  der  Auslegung  zu  berücksichtigen  sind  (VILLIGER,  Vienna 
Convention, N. 15 ff. zu Art. 31 VRK; SOREL, a.a.O., N. 42 ff. zu Art. 31 

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VRK). Es existiert somit keine Hierarchie zwischen Art. 31 Abs. 2 und 
3 VRK (BVGE 2010/7 E. 3.5.4; SOREL, a.a.O., N. 8 zu Art. 31 VRK).

4.1.3 Ziel und Zweck eines Vertrags sind diejenigen Objekte, welche 
die Parteien mit dem Vertrag erreichen wollen. Art. 31 VRK spricht sich 
nicht  darüber  aus,  welchen  Quellen  Ziel  und  Zweck  eines  Vertrags 
entnommen  werden  kann. Die  Lehre  unterstreicht  diesbezüglich  all-
gemein  die  Bedeutung  des  Titels  und  der  Präambel  des  Vertrags 
(VILLIGER,  Vienna Convention, N. 13 zu Art. 31), wobei für Abkommen 
im Bereich des Steuerrechts darauf  hingewiesen wird,  dass sich ein 
Abkommen  zur  Vermeidung  der  Doppelbesteuerung  von  einem  Ab-
kommen zur Bekämpfung von Steuerbetrug unterscheidet und dieser 
Unterscheidung im Rahmen der  Auslegung Rechnung  zu tragen sei 
(BVGE 2010/7  E. 3.5.2; ferner  XAVIER OBERSON,  Précis  de  droit  fiscal 
international, 3. Aufl., Bern 2009, N. 93).

4.2 Wie gesagt kommen die Auslegungsregeln der VRK nur zur An-
wendung, wenn diesen keine spezielleren Regeln vorgehen. Dies ent-
spricht  dem  –  auch  auf  völkerrechtliche  Verträge  anwendbaren  – 
Grundsatz des Vorrangs der lex specialis (BGE 133 V 233 E. 4.1).

In erster Linie ist folglich zu prüfen, ob für den Begriff "US domiciled"  
im Staatsvertrag 10 selbst eine vorrangig anwendbare Definition oder 
Auslegungsregel  vorhanden  ist  (vgl.  BGE  116  Ib  217  E.  3a;  BVGE 
2010/7 E. 3.6.1). Dies trifft nicht zu. Der Anhang zum Staatsvertrag 10, 
worin die Voraussetzungen für die Amtshilfe umschrieben sind, enthält 
weder Begriffsbestimmungen noch Auslegungsregeln. Der Begriff "US 
domiciled" ist deshalb nach den Regeln der VRK auszulegen, voraus-
gesetzt,  das  DBA-USA  96  halte  keine  spezielleren  Regeln  bereit, 
welche zur Auslegung der Begriffe des Staatsvertrags 10 anwendbar 
sind. Dies ist nachfolgend zu prüfen.

4.3 Das  DBA-USA  96,  welches  nach  wie  vor  gilt,  soweit  ihm  der 
Staatsvertrag 10 nicht  als jüngeres Recht oder als lex specialis vor-
geht  (vgl.  E.  3),  enthält  in  Art.  3-5  eine  Reihe  von  Begriffsbestim-
mungen. Der  Begriff  "Wohnsitz"  (engl. "domicile")  gehört  nicht  dazu. 
Jedoch enthält  das DBA-USA 96 in Art. 3 Abs. 2 DBA-USA 96 eine 
Auslegungsregel folgenden Wortlauts:

"Bei  der  Anwendung  dieses  Abkommens  durch  einen  Vertrags-
staat  hat  jeder  im Abkommen nicht  definierte  Ausdruck  die  Be-
deutung, die ihm nach dem Recht dieses Staates über die Steuern 

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zukommt,  für  die  dieses  Abkommen  gilt,  ausser  wenn  der  Zu-
sammenhang etwas anderes  erfordert  oder  die  zuständigen Be-
hörden  sich  nach  Artikel  25  (Verständigungsverfahren)  auf  eine 
gemeinsame Auslegung geeinigt haben."

Indessen  gilt  es  zu  berücksichtigen,  dass  der  Staatsvertrag  10  – 
anders  etwa  als  das  anlässlich  des  Abschlusses  des  DBA-USA  96 
unterzeichnete Protokoll  –  ein eigenes,  ein anderes Abkommen dar-
stellt. Dies wird dadurch bestätigt,  dass der Staatsvertrag 10 den im 
DBA-USA 96 verwendeten und im dazugehörigen Protokoll definierten 
Begriff  "Betrugsdelikte  und  dergleichen"  nur  für  gewisse  Fälle  und 
hierbei gerade anders definiert als das DBA-USA 96. Ebenfalls werden 
–  auch  hier  in  Abweichung  zum DBA-USA 96  –  bezüglich  der  Be-
handlung  des  Amtshilfegesuchs  ganz  spezifische  Vorgehensweisen 
aufgestellt.  Das  DBA-USA  96  wird  mit  anderen  Worten  durch  den 
Staatsvertrag 10 weder revidiert noch ergänzt, sondern von diesem für 
die  in  ihm geregelten  Konstellationen  temporär  überlagert.  Dies  be-
stätigt auch Art. 2 Staatsvertrag 10, in welchem sich die Parteien ver-
pflichten,  das neue Protokoll,  "welches Art. 26 (und gewisse andere 
Bestimmungen) des Doppelbesteuerungsabkommens [gemeint ist das 
DBA-USA 96] ändert und am 18. Juni 2009 paraphiert wurde, so rasch 
als möglich, jedoch nicht später als bis zum 30. September 2009, zu 
unterzeichnen".  Eine  solche  Revision  ist  denn  auch  vorgenommen 
worden (vgl. Bundesbeschluss über die Genehmigung eines Protokolls 
zur  Änderung  des  Doppelbesteuerungsabkommens  zwischen  der 
Schweiz und den Vereinigten Staaten von Amerika [Entwurf], BBl 2010 
235; am 18. Juni 2010 von den eidgenössischen Räten in der Schluss-
abstimmung  angenommen,  BBl  2010  4359;  die  Referendumsfrist  ist 
am  7. Oktober  2010  unbenutzt  abgelaufen).  Die  Verknüpfung  des 
Begriffs  "US  domiciled"  mit  den  abkommenseigenen  Begriffs-
definitionen  ("Betrugsdelikte  und  dergleichen")  im  Anhang  zum 
Staatsvertrag 10 macht deutlich, dass bei der Auslegung des Begriffs 
"US domiciled" die Bestimmung von Art. 3 Abs. 2 DBA-USA 96 nicht 
massgeblich sein kann. Der  Begriff  "US domiciled"  ist  deshalb  nach 
den allgemeinen Bestimmungen von Art. 31 ff. VRK autonom auszu-
legen.  Im  Übrigen  wäre  der  Begriff  "US  domiciled"  auch  unter  An-
wendung von Art. 3 Abs. 2 DBA-USA 96 nach den Regeln der VRK 
auszulegen, da der "Zusammenhang" im Sinne von Art. 3 Abs. 2 DBA-
USA 96 ebenfalls erfordert, zuerst die Regeln der VRK anzuwenden, 
und ein Rückgriff  auf die lex fori  erst dann erfolgen dürfte, wenn die 

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allgemeinen Auslegungsregeln kein genügend klares Resultat  zu lie-
fern vermögen.

5.
5.1 Nach dem in E. 4 Gesagten ist  der Begriff  "US domiciled"  nach 
den allgemeinen Regeln von Art. 31 ff. VRK auszulegen. Gemäss Art. 
31  Abs.  1  VRK  ist  ein  Vertrag  nach  Treu  und  Glauben  in  Überein-
stimmung mit  der  gewöhnlichen,  seinen Bestimmungen in ihrem Zu-
sammenhang zukommenden Bedeutung und im Lichte seines Zieles 
und Zweckes auszulegen. Die  gewöhnliche Bedeutung eines staats-
vertraglichen  Begriffs  richtet  sich  nicht  zwingend  nach  dem  all-
gemeinen Sprachgebrauch. Hat sich eine spezielle  Fachsprache ent-
wickelt, so ist diese Bedeutung als die gewöhnliche im Sinn von Art. 31 
Abs. 1 VRK zu betrachten (IPSEN,  a.a.O., § 11 Rz. 6). Im Gebiet  des 
Steuerrechts mit seiner fachspezifischen Terminologie ist deshalb auf 
die  gewöhnliche  Bedeutung  eines  Begriffs  in  der  steuerrechtlichen 
Fachsprache  abzustellen  (KLAUS VOGEL, in:  KLAUS VOGEL/MORIS LEHNER, 
DBA –  Doppelbesteuerungsabkommen  –  Kommentar,  5.  Aufl.,  Mün-
chen  2008,  Einl.  Rz.  108).  Anhaltspunkte  zur  Ermittlung  der  ge-
wöhnlichen Bedeutung eines Begriffs ergeben sich aus dem Begriffs-
verständnis in den Rechtsordnungen der Vertragsparteien. Hat sich ein 
international  einheitlicher  oder  in  den  Vertragsstaaten  übereinstim-
mender  Sprachgebrauch  entwickelt,  so  ist  dieser  Sprachgebrauch 
massgebend (VOGEL,  a.a.O., Einl. Rz. 108). Vorbehalten bleibt Art. 31 
Abs. 4 VRK, wonach einem Ausdruck eine besondere Bedeutung bei-
zulegen  ist,  wenn  feststeht,  dass  die  Vertragsparteien  dies  beab-
sichtigt haben (vgl. E. 4.1.1).

Der nach dem Wortlaut ermittelte Begriffsinhalt ist sodann in den Zu-
sammenhang mit den weiteren Vertragsbestimmungen zu stellen und 
auf  seine  Übereinstimmung  mit  Ziel  und  Zweck  des  Vertrages  zu 
prüfen (IPSEN,  a.a.O., § 11 Rz. 6 und 12). Zunächst ist  somit die Be-
deutung des Begriffs "US domiciled", wie er von den beteiligten Ver-
tragsstaaten verstanden wird resp. verstanden werden könnte, festzu-
halten  (E.  5.2  und  5.3)  und  danach  zu  suchen,  ob  und  inwieweit 
übereinstimmende  Elemente  im  Begriffsverständnis  beider  Vertrags-
staaten bestehen. Anschliessend ist zu prüfen, ob das ermittelte Be-
griffsverständnis  nach  Sinn  und  Zweck  mit  dem  Staatsvertrag  10 
übereinstimmt (E. 5.4).

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5.2 Das  Steuerrecht  der  Vereinigten  Staaten  wird  im  "Internal 
Revenue  Code"  (IRC)  (Titel  26  der  US-amerikanischen  Gesetzes-
sammlung) und den dazu gehörigen "Treasury Regulations" geregelt. 
Als  Grundsatz  gilt,  dass  alle  US-Staatsbürger,  unabhängig  von 
Wohnsitz  und  Aufenthalt,  mit  ihrem weltweiten  Einkommen  der  US-
Besteuerung  unterliegen.  Andere  natürliche  Personen  sind  in  dem-
selben  Umfang  steuerpflichtig,  wenn  sie  über  ein  Visum  zur  Ein-
wanderung verfügen ("green card holders") oder als in den USA an-
sässig  gelten  ("resident  aliens").  In  den  USA nicht  niedergelassene 
Ausländer ("nonresident aliens") können ebenfalls steuerpflichtig sein, 
jedoch nur für in den USA generiertes Einkommen (vgl.  MARC BAUEN, 
Das internationale Steuerrecht der USA, 2. Aufl., Zürich 2007, S. 7 ff.; 
THOMAS A. JESCH/ANDREAS STRIEGEL, Grundlagen des US-amerikanischen 
Steuerrechts, Berlin 2007, S. 243; PAUL R. MCDANIEL/HUGH J. AULT/JAMES 
R. REPETTI, Introduction to United States International Taxation, 5. Aufl., 
The Hague 2005, S. 65 ff.; RICHARD L. DOERNBERG, International Taxation 
in a Nutshell, 3. Aufl., St. Paul, Minn. 1997, S. 11 ff.).

Der Unterschied zwischen dem Begriff "domicile" und "residence" hat 
sich  im  US-amerikanischen  Recht  verflüchtigt  (vgl.  MORIS LEHNER,  in: 
VOGEL/LEHNER, a.a.O., Rz. 100 zu Art. 4). Massgeblich ist der Begriff der 
Ansässigkeit  ("residency"),  welcher  der  Unterscheidung  von  an-
sässigen  Ausländern  ("resident  aliens")  und  nichtansässigen  Aus-
ländern ("nonresident aliens") dient. Um aus steuerlicher Sicht als in 
den USA ansässig zu gelten, muss einer der drei nachfolgenden Tests 
erfüllt sein: a) der "Permament Residence Test": dieser ist erfüllt, wenn 
einer Person das dauernde Niederlassungsrecht nach Massgabe des 
Einwanderungsgesetzes gewährt worden ist (sogenannte "green card 
holders") (Section 7701 (b)(2)(A) IRC); b) der 183-Tage-Test: danach 
gilt  eine natürliche Person als steuerlich ansässig, wenn sie im frag-
lichen Steuerjahr 183 Tage oder mehr in den USA anwesend gewesen 
ist  (Section  7701 (b)(2)(B)  IRC); c)  der  "Substantial  Presence Test": 
Bei  diesem Test  wird  die  auf  drei  Jahre  verteilte  Anwesenheit  einer 
Person kumuliert und nach einem gewichteten Durchschnitt berechnet, 
ob  die  Person in  dieser  Zeitspanne mehr  als  183  Tage in  den  USA 
anwesend war (Section 7701 (b)(3)(B) IRC) (vgl. zum Ganzen  BAUEN, 
a.a.O.,  S.  74  ff.;  MCDANIEL/AULT/REPETTI,  a.a.O.,  S.  65  ff.;  DOERNBERG, 
a.a.O., S. 18 ff.).

Eine  Ausnahme  wird  lediglich  gewährt,  wenn  die  Person  über  ein 
Steuerdomizil  ("tax  home")  in  einem  anderen  Staat  verfügt  und  zu 

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diesem engere Beziehungen ("closer connections") hat (Section 7701 
(b)(3)(B) IRC). Die Kriterien,  die beim "closer connection/tax home"-
Test gegeneinander abgewogen werden, betreffen folgende Orte: Ort 
der  ständigen  Wohnstätte  des  Steuerzahlers;  Ort  der  Familie  des 
Steuerzahlers; Ort der Gegenstände des persönlichen Gebrauchs des 
Steuerzahlers; Ort von sozialen, politischen, kulturellen oder religiösen 
Organisationen, zu denen der Steuerzahler eine laufende Verbindung 
unterhält;  Ort  der  routinemässig  durchgeführten  Bankgeschäfte  des 
Steuerzahlers; Ort der beruflichen Tätigkeit des Steuerzahlers; Ort der 
Behörde,  welche den Führerschein  des  Steuerpflichtigen  ausgestellt 
hat;  der  politische  Wohnort  des  Steuerpflichtigen;  der  vom  Steuer-
zahler  in  offiziellen Dokumenten und Formularen selbst  angegebene 
Wohnort  (Section  301.7701(b)-2(d)(1)  Treasury  Regulations)  (vgl. 
JESCH/STRIEGEL, a.a.O., S. 247).

5.3 In  der  deutschen (nicht  massgeblichen Fassung)  des Staatsver-
trags 10 wird der Begriff "US domiciled" übersetzt mit "Wohnsitz in den 
USA".  Im  schweizerischen  Steuerrecht  ist  nach  der  bundesgericht-
lichen  Rechtsprechung  zum  interkantonalen  Steuerrecht  unter  dem 
steuerrechtlichen Wohnsitz (Steuerdomizil) in der Regel der zivilrecht -
liche Wohnsitz zu verstehen, d.h. der Ort, an dem sich die betreffende 
Person  mit  der  Absicht  dauernden  Verbleibens  aufhält  bzw. wo  der 
Mittelpunkt  ihrer  Lebensinteressen  liegt.  Der  Lebensmittelpunkt  be-
stimmt sich dabei nach der Gesamtheit der objektiven, äusseren Um-
stände, aus denen sich die Lebensinteressen erkennen lassen, nicht 
nach bloss erklärten Wünschen der steuerpflichtigen Person (BGE 132 
I  29  E.  4.1;  125  I  54  E.  2;  123  I  289  E.  2b).  Als  wesentliche  An -
knüpfungspunkte  zur  Feststellung  des  Lebensmittelpunktes  gelten 
folgende  Orte:  der  Arbeitsort;  der  Aufenthaltsort  der  Familie,  wobei 
zum  Ehe-  oder  Konkubinatspartner  eine  engere  Verbindung  als  zu 
Eltern  und  Geschwistern  angenommen  wird;  der  Ort  der  Ausübung 
gesellschaftlicher  Beziehungen  (Vereinstätigkeit,  Freundes-  und  Be-
kanntenkreis);  der  Ort,  wo  die  Schriften  hinterlegt  sind  und  die 
politischen Rechte ausgeübt werden (BGE 132 I 29 E. 4.2; 125 I 54 E. 
3a; Urteile  des Bundesgerichts  2C_748/2008 vom 19. März 2009 E. 
3.1;  2C_112/2007  vom 11.  September  2007  E.  3.1).  Hält  sich  eine 
Person abwechslungsweise an zwei (oder mehreren) Orten auf, ist für 
die Bestimmung des steuerrechtlichen Wohnsitzes darauf abzustellen, 
zu welchem Ort sie die stärkeren Beziehungen unterhält (Urteile des 
Bundesgerichts  2C_748/2008  vom  19.  März  2009  E.  3.1  f.; 
2C_230/2008 vom 27. August 2008 E. 3.1 f.).

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5.4 Die "closer connection"-Kriterien stimmen weitgehend überein mit 
den  Kriterien  zur  Bestimmung  des  steuerlichen  Wohnsitzes  nach 
schweizerischem Recht. Beide Rechtsordnungen stellen auf  den Le-
bensmittelpunkt  des  Steuerpflichtigen  ab und  knüpfen dabei  im We-
sentlichen an vergleichbare Kriterien. Der Begriff "US domiciled" kann 
im  Ergebnis  daher  nicht  anders  verstanden  werden,  als  es  die 
nationalen  Rechtsordnungen  der  beteiligten  Vertragsstaaten  nahe 
legen.  Dieses  Auslegungsergebnis  stimmt  auch  mit  dem  Ziel  und 
Zweck  des  Staatsvertrags  10  überein.  Dieser  wurde  zwecks  Be-
handlung  eines  Amtshilfegesuchs  der  US-amerikanischen  Steuer-
behörde im Hinblick auf die Ahndung von Steuerdelikten in den USA 
geschlossen.  Hintergrund  war  ein  Justiz-  und  Souveränitätskonflikt 
zwischen  der  Schweiz  und  den  USA  (vgl.  Präambel  des  Staatsver-
trags 10; Botschaft des Bundesrats zur Genehmigung des Abkommens 
zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten von Amerika über 
ein  Amtshilfegesuch  betreffend  UBS  AG  sowie  des  Änderungs-
protokolls  [BBl  2010  3000,  S. 2969 f.]).  Welche  Personen  nach  US-
amerikanischem Recht steuerpflichtig sind, wird allein durch das US-
amerikanische Recht bestimmt. Sinn und Zweck des Staatsvertrags 10 
legen  deshalb  ebenfalls  nahe,  den  staatsvertraglichen  Begriff  "US 
domiciled" – und damit den vom Amtshilfegesuch erfassten Personen-
kreis – im Lichte der im Wesentlichen übereinstimmenden nationalen 
Rechtsauffassungen auszulegen. Eine vom Amtshilfeverfahren betrof-
fene Person gilt  demnach als  "US domiciled",  wenn sie  dort  im ab-
kommensrelevanten Zeitpunkt nach den dargelegten Kriterien (E. 5.2 
und  5.3)  ihren  Lebensmittelpunkt  resp.  überwiegend  ihren  Lebens-
mittelpunkt hatte.

6.
6.1 Laut  Verfügung  der  Vorinstanz  ist  den  Bankunterlagen  zu  ent-
nehmen,  dass  die  Beschwerdeführerin  während  des  massgeblichen 
Zeitraums  ihren  Wohnsitz  in  den  USA  gehabt  habe.  An  der  Bank-
beziehung mit Stammnummer (...), die auf ihren Namen gelautet habe, 
sei sie wirtschaftlich berechtigt gewesen. Es lägen keine Hinweise vor, 
dass  während  des  massgeblichen  Zeitraums  ein  Formular  W-9 
eingereicht  worden  sei.  Das  UBS-Konto  habe  in  einer 
Dreijahresperiode (Jahre 2000-2002) jährliche Durchschnittseinkünfte 
von mehr als CHF 100'000.-- erzielt; der Gesamtwert des Kontos habe 
am  31.  Dezember  2001  die  massgebliche  Grenze  von  CHF 
1'000'000.--  überstiegen. Sämtliche Voraussetzungen zur Gewährung 
der Amtshilfe seien damit erfüllt.

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6.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, aus der vom griechischen 
Konsulat in X._______ [USA] [im Jahr] 1993 ausgestellten Bestätigung 
("Certificate  Transference  Usual  Residence")  gehe  hervor,  dass  sie 
bereits in diesem Zeitpunkt ihren Wohnsitz an die Adresse [Adresse in 
Griechenland]  verlegt  habe und seither  an dieser  Adresse wohnhaft 
sei. Sie und ihr Ehemann seien griechische Staatsangehörige. In den 
sechziger  Jahren  seien  sie  aus  geschäftlichen  Gründen  in  die  USA 
umgezogen und hätten dort mehrere Jahre gelebt. Beide Söhne seien 
in den USA geboren. Im Jahr 1984 hätten die Eheleute eine Wohnung 
an  der  [Adresse  in  Griechenland]  gekauft.  Die  Renovationsarbeiten 
hätten  sich  aber  in  die  Länge  gezogen.  Im  Jahr  1993  seien  die 
Eheleute definitiv nach Griechenland zurückgezogen. Seit dieser Zeit 
würden die Eheleute dauernd an dieser Adresse wohnen. Die mit dem 
Umzug  zusammenhängenden  Formalitäten  hätten  ebenfalls  länger 
gedauert,  doch  spätestens  am  [Datum]  1994  seien  sämtliche 
Erledigungen abgeschlossen gewesen. Spätestens dann habe sie, die 
Beschwerdeführerin,  ihren Wohnsitz  in  Griechenland begründet. Seit 
ihrem Umzug seien die Eheleute in Griechenland steuerpflichtig. Dort  
müssten  sie  auch  fortlaufende  Rechnungen  begleichen  (Telefon, 
Elektrizität, Wasser). Zudem hätten sie dort ein Auto.

Die Kinder der Beschwerdeführerin seien in den USA geblieben. Sie 
und ihr Ehemann würden deshalb verschiedentlich in die USA reisen, 
um ihre Kinder zu besuchen und Ferien zu verbringen. Der Umstand, 
dass die Kinder nach wie vor in den USA leben, sei der Grund dafür, 
dass die Eheleute ihre Ferienwohnung an der [Adresse in den USA] all  
die Jahre beibehalten hätten.

6.3 In ihrer Vernehmlassung wendet die Vorinstanz ein, aus der vom 
griechischen  Konsulat  in  X._______  ausgestellten  Bescheinigung 
("Certificate Transference Usual Residence") gehe nicht klar hervor, zu 
welchem  Zweck  das  Dokument  ausgestellt  worden  sei.  Jedenfalls 
handle  es  sich  bei  diesem  Dokument  nicht  um  eine  Wohnsitz-
bescheinigung. Die Beschwerdeführerin habe lediglich einen Kaufver-
trag  für  die  Eigentumswohnung  in  Griechenland  ins  Recht  gelegt. 
Dieses  Dokument  bescheinige  die  Wohnsitznahme  in  Griechenland 
ebenfalls nicht. Die Steuerunterlagen aus den Jahren 1995 und 2010 
würden  ebenfalls  offen  lassen,  wo  die  Beschwerdeführerin  in  den 
Jahren 2000 bis 2002 ihren Wohnsitz gehabt habe, da darin praktisch 
nur Grundeigentum und Einnahmen daraus deklariert  worden seien. 
Es bestehe nach wie vor der Verdacht, dass die Beschwerdeführerin in 

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den Jahren 2000 bis 2002 in den USA gewohnt habe, was nicht aus-
schliesse, dass sie sich auch in Griechenland aufgehalten habe. Ohne 
gesicherten  Aufenthaltsstatus  in  den  USA  hätte  die  Beschwerde-
führerin  für  Reisen  nach  X._______  aber  ein  Visum benötigt.  Dass 
dem so sei, habe die Beschwerdeführerin nicht behauptet. Bei dieser 
Sachlage seien die Voraussetzungen für die Annahme, dass die Be-
schwerdeführerin in den USA ein Domizil gehabt habe, nach wie vor 
als erfüllt zu betrachten.

6.4
6.4.1 Wie gesagt (vgl. E. 5 hiervor) entscheidet sich die Frage, ob eine 
ins  Amtshilfeverfahren  einbezogene  Person  im  massgeblichen  Zeit-
raum  –  als  solcher  kann  nur  der  vom  Staatsvertrag 10  umfasste 
Zeitrahmen gelten – als "US domiciled" zu gelten hat, nach dem Ort 
ihres Lebensmittelpunktes. Wesentliche Anknüpfungspunkte sind unter 
anderem der Ort der dauernden Wohnstätte sowie der Aufenthaltsort 
der Familie, wobei zum Ehegatten eine engere Beziehung als zu den 
erwachsenen Kindern angenommen wird.

6.4.2 Die  Anhaltspunkte  für  die  Annahme  der  Vorinstanz,  die  Be-
schwerdeführerin  habe  im Zeitraum 2000  bis  2002  Wohnsitz  in  den 
USA gehabt, betreffen einen Bankbeleg aus dem Jahr 1984, die Tat-
sache,  dass  die  Beschwerdeführerin  nach  wie  vor in  den USA eine 
Wohnung  besitze,  sie  des  Weitern  – was  in  der  Vernehmlassung 
geltend  gemacht  wird  –  kein  Einreisevisum  für  die  USA  gebraucht 
habe, und der Umstand, dass die Schlussverfügung ihr an die Adresse 
in X._______ habe zugestellt  werden können. Diese Annahmen sind 
jedoch  im  Sinne  der  in  E.  1.4.3  entwickelten  Rechtsprechung 
offensichtlich fehlerhaft und widersprüchlich.

Der Bankbeleg aus dem Jahr 1984 befindet sich in einem Ordner, in 
dem  offensichtlich  aufgehobene  und  ersetzte  Dokumente  abgelegt 
sind.  So  beginnt  und  endet  die  Datei  mit  je  einer  Seite,  auf  der 
"Cancelled and Replaced Documents" steht ([Belegstellen]). Ein nicht 
mehr  gültiger  Bankbeleg  aus  dem Jahr  1984  stellt  indessen  keinen 
hinreichenden  Anhaltspunkt  dafür  dar,  dass  die  Beschwerdeführerin 
auch noch in den Jahren 2000 bis 2002 Wohnsitz in den USA gehabt  
hätte. Ob der Umstand, dass die Beschwerdeführerin in den USA nach 
wie vor eine Wohnung hat, einen solchen hinreichenden Anhaltspunkt 
zu begründen vermag, kann offen bleiben, da die Beschwerdeführerin 
auch in Griechenland eine Wohnung besitzt und sich der Lebensmittel-

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punkt  ebenso  gut  dort  befinden  könnte.  Des  Weitern  ist  die  Be-
schwerdeführerin  sowohl  griechische Staatsbürgerin  (vgl. die  im Be-
schwerdeverfahren eingereichte Kopie der vom griechischen Staat im 
Jahr  2006 ausgestellten  Identitätskarte)  als  auch Staatsbürgerin  der 
USA (vgl. die Bankunterlagen [Belegstelle]). Dieser Umstand erklärt, 
weshalb  die  Beschwerdeführerin  zum  Besuch  ihrer  erwachsenen 
Kinder kein Visum für die Einreise in die USA benötigt, und lässt das in 
der  Vernehmlassung  geäusserte  Argument  der  Vorinstanz,  die 
Beschwerdeführerin  hätte  ohne  gesicherten  Aufenthaltsstatus  nicht 
ohne Visum in die USA einreisen können, offensicht lich unrichtig er-
scheinen.  Zudem  steht  die  in  der  Vernehmlassung  angeführte  Be-
hauptung der Vorinstanz,  die Schlussverfügung sei  der Beschwerde-
führerin an die Adresse in X._______ zugestellt worden, in offensicht-
lichem Widerspruch zur letzten Seite der Schlussverfügung selber, wo 
aufgeführt  ist:  "Zustellung  dieser  Verfügung (Einschreiben mit  Rück-
schein)  an:  Bill  Isenegger  Ackermann  AG ...".  Nach  dem Gesagten 
liegen  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte  dafür  vor,  dass  die  Be-
schwerdeführerin in den Jahren 2000 bis 2002 "US domiciled" war.

Offen  bleiben  kann  bei  dieser  Sachlage  die  Frage,  ob  die  vom 
griechischen  Konsulat  in  X._______  ausgestellte  Umzugsbescheini-
gung  ("Certificate  Transference  Usual  Residence")  [aus  dem  Jahr] 
1993, woraus hervorgeht, dass die Beschwerdeführerin dannzumal zu-
sammen  mit  ihrem  Ehemann  nach  Griechenland  umzog,  geeignet 
gewesen wäre, die (hier nicht berechtigte) Annahme des Wohnsitzes 
in den USA klarerweise und entscheidend zu entkräften. So wäre die 
Umzugsbescheinigung  für  sich  allein  wohl  nicht  geeignet,  eine 
effektive  und  andauernde  Wohnsitznahme  in  Griechenland  zu  be-
stätigen.  Anderseits  wäre  zugunsten  der  Beschwerdeführerin  darauf 
hinzuweisen, dass es sich bei der Umzugsbescheinigung immerhin um 
ein  staatliches  Dokument  handelt  und  dass  dieses  Dokument  nicht 
erst  im  Zusammenhang  des  vorliegenden  Amtshilfeverfahrens, 
sondern bereits im Jahr 1993 erstellt worden war.

Die Voraussetzungen der Amtshilfe gemäss Anhang zum Staatsvertrag 
10  sind  nach  dem  Gesagten  nicht  erfüllt,  und  die  Amtshilfe  ist  zu 
verweigern.

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7.
Unter  diesen  Umständen  spielt  es  keine  Rolle,  dass  auch  der  An-
spruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör verletzt worden 
ist (vgl. dazu Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-3939/2010 vom 
18.  Oktober  2010  E.  4  f.).  Der  Entscheid  fällt  zugunsten  der  Be-
schwerdeführerin aus und ist letztinstanzlich, so dass der Instanzver-
lust  keine  negativen  Auswirkungen  für  sie  zeitigt.  Die  Prüfung  der 
weiteren Rügen sowie des Antrags auf Beschwerdeergänzung im Zu-
sammenhang  der  Ermittlung  der  Kapitalgewinne  erübrigt  sich  aus-
gangsgemäss.

Was schliesslich den Antrag der Beschwerdeführerin betrifft, es seien 
die das Amtshilfeverfahren betreffenden Dokumente zu vernichten, so 
ist  es nicht  Aufgabe des Bundesverwaltungsgerichts,  darüber zu be-
finden, wie die Vorinstanz das Urteil umsetzen wird. Deshalb kann das 
Bundesverwaltungsgericht  die  Vernichtung  der  im  Amtshilfeverfahren 
erhobenen Dokumente nicht anordnen. Selbstredend hat sich die Vor-
instanz  dabei  aber  an  die  einschlägigen  rechtlichen  Vorschriften  zu 
halten. Auf das entsprechende Rechtsbegehren der Beschwerdeführe-
rin wird nicht eingetreten.

8.
Nach dem Gesagten  ist  die  Beschwerde  im  Sinne  der  Erwägungen 
gutzuheissen,  soweit  darauf  einzutreten  ist,  die  angefochtene  Ver-
fügung  aufzuheben  und  die  Amtshilfe  zu  verweigern.  Das  Nichtein-
treten auf einen untergeordneten Punkt wirkt sich wegen Geringfügig-
keit  nicht  auf  die Kosten-  und Entschädigungsfolgen aus. Ausgangs-
gemäss  wird  somit  auf  die  Erhebung  von  Gerichtskosten  verzichtet 
(Art.  63  Abs.  1  und  2  VwVG)  und  der  bereits  geleistete  Kostenvor-
schuss zurückerstattet. Der Beschwerdeführerin ist eine angemessene 
Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG).

9.
Dieser Entscheid kann nicht  mit  Beschwerde in  öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten an das Bundesgericht weitergezogen werden (Art. 83 
Bst. h des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht 
[Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110]).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen, soweit 
darauf  eingetreten  wird. Die  Schlussverfügung  der  Eidgenössischen 
Steuerverwaltung  vom 7. Juni  2010  wird  aufgehoben. Es wird  keine 
Amtshilfe geleistet.

2.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der von der Beschwerde-
führerin  einbezahlte  Kostenvorschuss  in  der  Höhe  von  Fr. 20'000.-- 
wird dieser zurückerstattet.

3.
Die  Vorinstanz  wird  verpflichtet,  der  Beschwerdeführerin  eine  Par-
teientschädigung in der Höhe von Fr. 20'000.-- zu bezahlen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Beschwerdeführerin (Einschreiben; vorab per Fax)
- die Vorinstanz (Ref-Nr. ...; Einschreiben; vorab per Fax)

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin:

Charlotte Schoder Susanne Raas

Versand: 

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