# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 23544e11-79f0-5ad5-a4c8-f2306400eb62
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-06-07
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 07.06.2011 BG.2011.6
**Docket/Reference:** BG.2011.6
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BG-2011-6_2011-06-07

## Full Text

Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).;;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).;;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).;;Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO).

Beschluss vom 7. Juni 2011 
I. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Tito Ponti, Vorsitz, 
Emanuel Hochstrasser und Joséphine Contu, 
Gerichtsschreiberin Sarah Wirz  

   
 
Parteien 

  
KANTON ST. GALLEN, Staatsanwaltschaft, 

Gesuchsteller 
 

 gegen 
   

KANTON APPENZELL AUSSERRHODEN, Staats-
anwaltschaft, 

Gesuchsgegner 
 

Gegenstand  Gerichtsstandskonflikt (Art. 40 Abs. 2 StPO) 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  BG.2011.6 
 
 
 

 

 

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Sachverhalt: 
 

A. Am 14. April 2011 um ca. 14:30 Uhr erhielt A. einen Anruf von seinem Bru-
der B., welcher ihm mitteilte, er müsse sofort Fr. 5'000.-- besorgen. Er wer-
de von einem unbekannten Täter aufgehalten und mit einer Schusswaffe 
bedroht. Der unbekannte Täter übernahm das Mobiltelefon und teilte A. mit, 
er solle das Geld besorgen, sonst passiere B. etwas bzw. dieser würde 
umgebracht (act. 1.1 S. 2). In einem zweiten Gespräch zwischen B. und 
der Täterschaft einerseits sowie A. andererseits wurde ein Treffen für die 
Geldübergabe bei der Tankstelle C. in Z. (SG) vereinbart. A. beschaffte das 
geforderte Geld und übergab es dem unbekannten Täter, der mit B. in des-
sen Firmenfahrzeug zum Treffpunkt in Z. angereist war (act. 1 und act. 1.1 
S. 2 und 3). 
 
Daraufhin fuhr der Täter mit B. nach Y. (AR) und forderte dort von dessen 
Onkel D. weitere Fr. 7'000.--. D. wurde gegen den Täter handgreiflich und 
zerriss diesem vor Wut das T-Shirt. Gemäss Aussagen von A. rief der On-
kel in Y. die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden an (act. 1.1 S. 3 
und 6). 
 
Am 14. April 2011 ging bei der Polizeistation Heiden um 18:26 Uhr via Ge-
gensprechanlage von E., einem weiteren Bruder von B., die Meldung ein, 
wonach sein Bruder erpresst werde. Auf entsprechende Frage habe der 
Anrufer erklärt, dass sich das ganze im Raum X. (SG) abspiele, weswegen 
er an die Kantonspolizei St. Gallen verwiesen wurde (act. 1.5). Seitens A. 
und weiterer Verwandter wurde das verlangte Geld beschafft und zum 
nächsten vereinbarten Übergabeort, der Raststätte F. (SG) auf der Auto-
bahn A1, gebracht. Dort kam allerdings keine Übergabe zustande. Um 
18:58 Uhr meldete sich E. sodann bei der Kantonspolizei St. Gallen und 
berichtete, dass er aus Y. sei und mit dem Auto Richtung W. (SG) fahre. 
Sein Bruder schulde Leuten, die sie nicht kennen würden, Geld. Er habe 
Fr. 7'000.-- bei sich und müsse diesen Betrag nun bei der Autobahnrast-
stätte F. vorbeibringen, wo sein Bruder zurückgehalten werde. Die Polizei 
wies E. an, zum Polizeistützpunkt in Oberbüren (SG) zu fahren und sich bei 
der Polizei zu melden, wo eine Besprechung stattfand. Währenddessen er-
hielt A. einen weiteren Anruf von B., wonach der nächste Übergabeort 
V. (ZH) sei (act. 1 und act. 1.1 S. 3, act. 3.1). 
 
In V. fand die zweite Lösegeldübergabe, unter Beteiligung der Kantonspoli-
zei St. Gallen, bei der Tankstelle G. statt. A. übergab dem unbekannten Tä-
ter das geforderte Geld, im Gegenzug erhielt er den Fahrzeugausweis, den 

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Fahrzeugschlüssel und das Fahrzeug zurück. B. wurde danach von der Tä-
terschaft in die Freiheit entlassen (act. 1, act. 1.1 S. 3 und 4 sowie act. 3.1). 
 
 

B. Mit Schreiben vom 15. April 2011 gelangte der fallführende Staatsanwalt 
der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen (nachfolgend „Staatsan-
waltschaft SG“) an die Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell Ausser-
rhoden (nachfolgend „Staatsanwaltschaft AR“) und ersuchte diese um    
Überprüfung der Zuständigkeit sowie gegebenenfalls um Übernahme des 
Verfahrens (act. 1.4). Die Staatsanwaltschaft AR lehnte das Ersuchen um 
Verfahrensübernahme am 18. April 2011 ab (act. 3.2). 
 
 

C. Mit Gesuch vom 19. April 2011 gelangte die Staatsanwaltschaft SG an die 
I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts und beantragt, es seien die 
Strafbehörden des Kantons Appenzell Ausserrhoden für berechtigt und ver-
pflichtet zu erklären, die Verfolgung und Beurteilung des Vorfalls vom 
14. April 2011 (Geiselnahme zum Nachteil von B.) vorzunehmen (act. 1). 
 
In seiner Gesuchsantwort vom 29. April 2011 schliesst die Staatsanwalt-
schaft AR auf Abweisung des Gesuches bzw. auf Feststellung der Nichtzu-
ständigkeit des Kantons Appenzell Ausserrhoden und beantragt, der Ge-
suchsteller sei anzuweisen, den Gerichtsstandskonflikt mit dem Kanton Zü-
rich auszutragen und es sei eventuell der Kanton Zürich als zuständig zu 
erklären (act. 3). Die Gesuchsantwort wurde der Staatsanwaltschaft SG am 
3. Mai 2011 zur Kenntnis gebracht (act. 4). 
 
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men. 
 
 
 
Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 
 

1.  
1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten 

einen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO). 
Erscheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren 
sich die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentli-
chen Elemente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Ei-
nigung (Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden 

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verschiedener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbrei-
tet die Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst 
war, die Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der 
I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40 
Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG und Art. 19 Abs. 1 des Organisa-
tionsreglements vom 31. August 2010 für das Bundesstrafgericht [Organi-
sationsreglement BStGer, BStGerOR; SR 173.713.161]). Voraussetzung 
für die Anrufung der I. Beschwerdekammer ist allerdings, dass mit allen 
ernsthaft in Frage kommenden Kantonen ein Meinungsaustausch durchge-
führt wurde (SCHWERI/BÄNZIGER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung 
in Strafsachen, 2. Aufl., Bern 2004, N. 599). Die Behörden, welche berech-
tigt sind, ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor der 
I. Beschwerdekammer zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen 
kantonalen Recht (Art. 14 Abs. 4 StPO; vgl. hierzu KUHN, Basler Kommen-
tar, Basel 2011, Art. 39 StPO N. 9 sowie Art. 40 StPO N. 10; SCHMID, 
Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, Zürich/St. Gallen 2009, 
N. 488; GALLIANI/MARCELLINI, Codice svizzero di procedura penale [CPP] - 
Commentario, Zurigo/San Gallo 2010, n. 5 ad art. 40 CPP). 

 
1.2  
1.2.1 Nach bisheriger Praxis bestand für die Kantone grundsätzlich keine Frist für 

die Anrufung der I. Beschwerdekammer (vgl. diesbezüglich u. a. den Ent-
scheid des Bundesstrafgerichts BG.2010.14 vom 20. September 2010, 
E. 1.1 in fine mit den einschränkenden Hinweisen auf GUIDON/BÄNZIGER, 
Die aktuelle Rechtsprechung des Bundesstrafgerichts zum interkantonalen 
Gerichtsstand in Strafsachen, Jusletter 21. Mai 2007, [Rz 15] m.w.H. sowie 
beispielsweise den Entscheid des Bundesstrafgerichts BG.2009.19 vom 
21. September 2009, E. 1.2 und 1.4, wonach ein sechs Monate dauerndes 
Zuwarten mit der Anrufung der I. Beschwerdekammer nach Scheitern des 
Meinungsaustauschs das Prinzip des Handelns nach Treu und Glauben 
noch nicht verletze, sich jedoch zumindest an der Grenze eines entspre-
chenden Verstosses bewege). 

 
1.2.2 Die am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen neuen Bestimmungen der StPO 

geben den Kantonen nach wie vor keine präzise Vorgabe, innerhalb wel-
cher Frist sie nach einem gescheiterten Meinungsaustausch die I. Be-
schwerdekammer anzurufen haben. Neu jedoch verpflichtet das Gesetz in 
Art. 40 Abs. 2 StPO die betroffenen Behörden ausdrücklich, dies „unver-
züglich“ bzw. „sans retard“ bzw. „senza indugio“ zu tun. Den Materialien 
sind keine präziseren Ausführungen zu entnehmen, welchen Zeitraum der 
Gesetzgeber den Kantonen zur Unterbreitung eines Gerichtsstandskonflikts 
an die I. Beschwerdekammer einräumen wollte. Ebenso wenig enthält die 

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Literatur hierzu genauere Angaben, sondern beschränkt sich beispielswei-
se darauf, dass der ersuchende Kanton an keine konkrete Frist gebunden 
sei, bei zu langem Zuwarten aber ein Nichteintreten riskiere (GOLD-
SCHMID/MAURER/SOLLBERGER, Kommentierte Textausgabe zur schweizeri-
schen Strafprozessordnung, Bern 2008, S. 35). Andernorts wird vertreten, 
dass sich das Verfahren vor Bundesstrafgericht sinngemäss nach den Re-
geln der Beschwerde nach den Art. 393 ff. StPO richte, ohne dass die ent-
sprechenden Autoren jedoch die in Art. 396 Abs. 1 StPO enthaltene Frist 
von zehn Tagen ausdrücklich auch für Gesuche um Festsetzung des Ge-
richtsstandes für anwendbar erklärten (vgl. SCHMID, a.a.O., Fn 222 zu 
N. 488; DERS., Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2009, 40 StPO N. 5; 
GALLIANI/MARCELLINI, op. cit., n. 7 ad. Art. 40 CPP). Klar scheint jedoch an-
gesichts der neu ins Gesetz eingebrachten Formulierung, wonach die Anru-
fung der I. Beschwerdekammer „unverzüglich“ zu erfolgen habe, dass die 
bisherige Praxis, wonach hiermit unter Umständen vier bis sechs Monate 
zugewartet werden kann, nicht unbesehen übernommen werden kann (so 
wohl aber FINGERHUTH/LIEBER, Kommentar zur Schweizerischen Strafpro-
zessordnung [StPO], Zürich/Basel/Genf 2010, Art. 40 StPO N. 7, sowie 
KUHN, a.a.O., Art. 40 StPO N. 14). 

 
1.2.3 Da, wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen werden, der Kanton Zürich 

als Gerichtsstand nicht ernsthaft in Frage kommt, liegt ein abschliessender 
Meinungsaustausch zwischen den Kantonen vor. Vorliegend gelangte der 
ersuchende Kanton innerhalb von einem Tag nach Scheitern des Mei-
nungsaustauschs mit seinem Gesuch an die I. Beschwerdekammer. Mit 
diesem Vorgehen hat der Gesuchsteller dem in Art. 5 StPO verankerten 
Beschleunigungsgebot sowie dessen Konkretisierung in Art. 40 
Abs. 2 StPO genügend Rechnung getragen, so dass die Frage der Frist-
wahrung vorliegend zu keinen Bemerkungen Anlass gibt. 

 
1.3 Der leitende Staatsanwalt des Kantons St. Gallen ist berechtigt, den Ge-

suchsteller bei interkantonalen Gerichtsstandskonflikten vor der I. Be-
schwerdekammer zu vertreten (Art. 40 Abs. 2 StPO i.V.m. § 24 des Einfüh-
rungsgesetzes zur Schweizerischen Straf- und Jugendstrafprozessordnung 
des Kantons St. Gallen vom 3. August 2010 [EG StPO/SG; sGS 962.1]). 
Bezüglich des Gesuchsgegners steht diese Befugnis der Staatsanwalt-
schaft des Kantons Appenzell Ausserrhoden zu (mangels einer speziellen 
Regelung im kantonalen Recht sei auf Art. 40 Abs. 2 StPO verwiesen). Die 
übrigen Eintretensvoraussetzungen geben vorliegend zu keinen weiteren 
Bemerkungen Anlass, weshalb auf das Gesuch einzutreten ist. 

 
 

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2.  
2.1 Gemäss Art. 31 Abs. 1 StPO sind für die Verfolgung und Beurteilung einer 

Straftat die Behörden des Ortes zuständig, an dem die Tat verübt worden 
ist. Ist die Straftat an mehreren Orten verübt worden oder ist der Erfolg an 
mehreren Orten eingetreten, so sind die Behörden des Ortes zuständig, an 
dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen worden sind (Art. 31 
Abs. 2 StPO). 
 

2.2  
2.2.1 Die Gerichtsstandsregeln der StPO entsprechen weitgehend der Regelung 

der örtlichen Zuständigkeit nach Art. 340 ff. aStGB, weswegen die dazu er-
gangene Lehre und Rechtsprechung weiterhin ihre Gültigkeit behält (BAR-
TETZKO, Basler Kommentar, Basel 2011, Art. 31 StPO N. 1; SCHMID, 
Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 
2009, Art. 31 N. 1 sowie Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozess-
rechts vom 21. Dezember 2005, BBI 2006 S. 1085 ff., S. 1141 und 1142). 
Zwar wird in Art. 31 Abs. 2 StPO, in Abweichung von Art. 340 
Abs. 2 aStGB, nunmehr von Verfolgungshandlung anstelle von Untersu-
chung gesprochen, doch handelt es sich hierbei lediglich um eine begriffli-
che Präzisierung (BARTETZKO, a.a.O., Art. 32 StPO N. 11; sowie Botschaft 
zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, 
BBI 2006 S. 1085 ff., S. 1141 und S. 1142). 
 

2.2.2 Bei der Beurteilung der Gerichtsstandsfrage muss von der aktuellen Ver-
dachtslage ausgegangen werden. Massgeblich ist nicht, was dem Beschul-
digten nachgewiesen werden kann, sondern der Tatbestand, der Gegen-
stand der Untersuchung bildet, es sei denn, dieser erweise sich von vorn-
herein als haltlos oder sei sicher ausgeschlossen. Der Gerichtsstand be-
stimmt sich somit nicht nach dem, was der Täter begangen hat, sondern 
nach dem, was ihm vorgeworfen wird; das heisst, was aufgrund der Akten-
lage überhaupt in Frage kommt. Dabei stützt sich die I. Beschwerdekam-
mer auf Fakten, nicht auf Hypothesen (vgl. GUIDON/BÄNZIGER, a.a.O., 
[Rz 25]; vgl. auch die Entscheide des Bundesstrafgerichts BG.2010.12 vom 
8. September 2010, E. 2.2; BG.2009.8 vom 27. April 2009, E. 2.2; 
BG.2008.18 vom 6. April 2009, E. 2.1). 
 
Vorliegend stehen strafbare Handlungen verschiedener unbekannter Per-
sonen zur Diskussion, die sich in den Kantonen St. Gallen (erste Lösegeld-
übergabe), Appenzell Ausserrhoden (Besuch beim Onkel, Einfordern von 
Lösegeld) sowie Zürich (mutmasslicher Beginn der Freiheitsberaubung so-
wie zweite Lösegeldübergabe) ereignet haben. 
 

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2.2.3 Soweit der Gesuchsgegner geltend macht, die strafbare Tat der Freiheits-
beraubung mit Nötigungsabsicht sei bereits in V. vollendet gewesen 
(act. 3.2), verkennt dieser, dass vorliegend nicht nur die Freiheitsberau-
bung (Art. 183 Ziff. 1 StGB), allenfalls Geiselnahme (Art. 185 StGB), son-
dern auch die Tatbestände der Erpressung (Art. 156 StGB) sowie der Kör-
perverletzung (Art. 122 f. StGB) zur Diskussion stehen. Wo sich diese ge-
nau abgespielt haben, steht zum heutigen Zeitpunkt noch nicht abschlies-
send fest. Aufgrund des heutigen Ermittlungsstandes ist jedoch ein eigent-
licher Deliktsschwerpunkt in einem Kanton nicht auszumachen. Entgegen 
den Vorbringen des Gesuchsgegners liegt damit kein Gerichtsstandskon-
flikt im Sinne von Art. 31 Abs. 1 StPO, sondern ein solcher im Sinne von 
Art. 31 Abs. 2 StPO vor. Somit ist vorliegend zu prüfen, in welchem Kanton 
die Verfolgungshandlungen zuerst vorgenommen wurden (Art. 31 
Abs. 2 StPO). 
 

2.2.4 Allgemein gilt eine Untersuchung dann als angehoben und ein Täter dann 
als verfolgt, wenn eine Straf-, Untersuchungs- oder Polizeibehörde durch 
die Vornahme von Erhebungen oder in anderer Weise zu erkennen gege-
ben hat, dass sie jemanden – einen bekannten oder noch unbekannten Tä-
ter – einer strafbaren Handlung verdächtigt, oder wenn eine solche Hand-
lung wenigstens zum Gegenstand einer Strafanzeige oder eines Strafan-
trags gemacht worden ist. Mit dem Eingang der Strafanzeige bei der zu-
ständigen Behörde, insbesondere bei der gerichtlichen Polizei, ist die Un-
tersuchung mit anderen Worten als angehoben zu betrachten (BARTETZKO, 
a.a.O., Art. 32 StPO N. 12; GUIDON/BÄNZIGER, a.a.O., [Rz 32]; SCHWE-
RI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 142 m.w.H.; vgl. auch TPF BG.2006.18 vom 
12. Mai 2006 E. 4.1, BG.2006.5 vom 25. April 2006 E. 3.1 und 
BK_G 166/04 vom 11. November 2004 E. 2.2). Dabei spielt es keine Rolle, 
ob die Behörde der Strafanzeige tatsächlich Folge leistet oder nicht, denn 
sie kann sich dem Gerichtsstand nicht dadurch entziehen, dass sie die An-
zeige von der Hand weist, keine Ermittlungshandlungen durchführt oder 
keine Anklage erhebt (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., N. 142; BGE 114 IV 76 
E. 2 und 3). Erforderlich ist, dass sich die zeitlich erste Untersuchungs-
handlung anhand der Akten nachweisen lässt (SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O., 
N. 152). 

 
2.2.5 A. sagte in seiner Einvernahme vom 14. April 2011 aus, dass sein Onkel in 

Y. die Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden verständigt habe (vgl. 
act. 1.1 S. 6, Antwort zu Frage 20). Dieser Anruf ist jedoch in den Akten 
nicht dokumentiert, weswegen nicht feststeht, wann und ob er überhaupt 
erfolgt ist. Unbestritten ist jedoch, dass um 18:26 Uhr bei der Polizei in Hei-
den die Mitteilung von E. einging, wonach sein Bruder erpresst werde (vgl. 

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act. 1.5). Die Polizei verwies den Anzeiger an die Kantonspolizei St. Gallen, 
ohne ihrerseits irgendwelche Vorkehrungen zu treffen. Um 18:58 Uhr ging 
sodann die Anzeige bei der Kantonspolizei St. Gallen ein (act. 3.1). Somit 
steht fest, dass die erste Anzeige bei der Polizei im Kanton Appenzell Aus-
serrhoden einging. Gemäss vorstehenden Ausführungen kann sich ein 
Kanton durch die Nichtfolgeleistung einer Anzeige nicht dem Gerichtsstand 
entziehen. Da sich gewisse Tathandlungen unbestrittenermassen auch im 
Kanton Appenzell Ausserrhoden abgespielt haben, kann sich der Ge-
suchsgegner nicht auf die offensichtliche Unzuständigkeit berufen. Ausge-
schlossen werden kann, dass im Kanton Zürich zuerst Verfolgungshand-
lungen vorgenommen wurden. 
 
 

3. Nach dem Gesagten erweist sich das Gesuch als begründet und ist daher 
gutzuheissen. Demnach sind die Strafverfolgungsbehörden des Gesuchs-
gegners für berechtigt und verpflichtet zu erklären, den Vorfall vom 14. Ap-
ril 2011 zum Nachteil von B. zu verfolgen und zu beurteilen. 

 
 
4. Es werden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 423 Abs. 1 StPO). 

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Demnach erkennt die I. Beschwerdekammer: 
 
1. Die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Appenzell Ausserrhoden sind be-

rechtigt und verpflichtet, den Vorfall vom 14. April 2011 zum Nachteil von B. 
zu verfolgen und zu beurteilen. 

 
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

 
 

Bellinzona, 7. Juni 2011 
 
Im Namen der I. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen 
- Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell Ausserrhoden 
 
 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.