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**Case Identifier:** 166a1b3c-9f0c-5506-96b2-c18d6637a056
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-02-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 17.02.2023 VBE.2022.88
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-88_2023-02-17.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

 

VBE.2022.88 / lf / fi       
Art. 16 

 

 

Urteil vom 17. Februar 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin 

Oberrichterin Gössi 

Oberrichterin Merkofer 

Gerichtsschreiberin Fricker 

 

 
   

Beschwerde 

führerin 

 A._____   

gesetzlich vertreten durch B._____ 

vertreten durch lic. iur. Caroline Brugger, diabetesschweiz, Rütistrasse 3a, 

5400 Baden 

 

 
   

Beschwerde 

gegnerin 

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG allgemein; Hilflosenentschädigung 

(Verfügung vom 2. Februar 2022) 
 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Die am 5. Januar 2017 geborene Beschwerdeführerin wurde am 9. Juli 

2019 von ihren Eltern wegen eines Diabetes mellitus Typ 1 bei der Be-

schwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (Hilflosenentschädigung für 

Minderjährige) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) angemel-

det. Die Beschwerdegegnerin tätigte medizinische Abklärungen und führte 

am 12. Dezember 2019 eine Abklärung über die Hilflosigkeit und den Be-

treuungsaufwand der Beschwerdeführerin durch. Anhand der daraus resul-

tierenden Ergebnisse und nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren 

wies die Beschwerdegegnerin das Leistungsgesuch der Beschwerdeführe-

rin mit Verfügung vom 16. April 2020 ab. Die dagegen erhobene Be-

schwerde hiess das Versicherungsgericht mit Urteil VBE.2020.227 vom 

8. März 2021 teilweise gut, hob die angefochtene Verfügung auf und wies 

die Sache zur weiteren Abklärung und Neuverfügung an die Beschwerde-

gegnerin zurück. 

 

1.2. 

Nach Einholung einer ergänzenden Stellungnahme der Abklärungsperson 

(Stellungnahme vom 28. April 2021), Durchführung des Vorbescheidver-

fahrens, nochmaliger Rücksprache mit der Abklärungsperson (Stellung-

nahme vom 30. November 2021) sowie mit dem Regionalen Ärztlichen 

Dienst (RAD; Beurteilung vom 28. Januar 2022) verneinte die Beschwer-

degegnerin den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Hilflosenentschädi-

gung mit Verfügung vom 2. Februar 2022 erneut. 

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung vom 2. Februar 2022 erhob die Beschwerdeführerin 

mit Eingabe vom 4. März 2022 (Postaufgabe: 5. März 2022) fristgerecht 

Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren: 

 

"1. A. ist seit dem Januar fünf Jahre alt und besucht seit dem Sommer 2021 
den Kindergarten. Insbesondere die Beurteilungen zum Lebensbereich 
der "Fortbewegung" und der "dauernden persönlichen Überwachung" 
sind nun auf Grund des Alters materiell anders vorzunehmen. Es wird 
deshalb vorgeschlagen, dass den Beschwerdeführer auf Grund von 
Art. 50 ATSG – im Sinne eines Vergleichs – seit Antragsstellung bis 
und mit Eingabe dieser Beschwerde eine einfach Hilflosenentschädi-
gung zugesprochen wird. Da sich der Fall bereits vor Gericht befindet, 
wird dieser Vorschlag direkt dem Gericht unterbreitet. 

 
2. Eventualiter sei die Verfügung vom 2.2.22 sei aufzuheben und A., eine 

Hilflosenentschädigung so wie allenfalls ein Intensivpflegezuschlag zu 
zusprechen. 

 

 - 3 - 

 

 

 

3. Subeventualiter sei der Verfügung vom 2.2.22 aufzuheben und eine 
rechtsgenügliche Sachverhaltsabklärung – Vornahme tatsächlicher 
und medizinischer Abklärungen durch einen ausgewiesenen medizin-
zischen Spezialisten*In – vorzunehmen. Auf Grund dessen sei noch-
mals materiell zu entscheiden und ebenfalls einen Intensivpflegzu-
schlag zu prüfen. 

 
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwST) zulasten der 
IV Stelle bzw. zulasten des Staates." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 23. Mai 2022 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Der von der Beschwerdeführerin initiierte Vergleich nach Art. 50 ATSG 

(Rechtsbegehren Ziff. 1) scheitert bereits an der Vergleichsbereitschaft der 

Beschwerdegegnerin (vgl. BGE 140 V 108 E. 5.3.2 S. 111), welche mit Ver-

nehmlassung vom 23. Mai 2022 die Abweisung der Beschwerde bean-

tragte. 

 

2. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch der 

Beschwerdeführerin auf eine Hilflosenentschädigung für Minderjährige mit 

Verfügung vom 2. Februar 2022 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 29) zu 

Recht verneint hat. 

 

3. 

3.1. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen betreffend Weiterentwicklung der 

IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der IVV sind besondere 

Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbarkeit dieser Änderun-

gen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte mögliche Ansprü-

che des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu entnehmen. Es sind da-

her nach den allgemeinen übergangsrechtlichen Grundsätzen jene Bestim-

mungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden  

oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben beziehungs-

weise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2021 vom 7. April 

2022 E. 3.2.1 mit Hinweis unter anderem auf BGE 144 V 210 E. 4.3.1 

S. 213). Da vorliegend Leistungen mit Anspruchsbeginn vor dem 1. Januar 

2022 streitig sind, ist für deren Beurteilung die bis zum 31. Dezember 2021 

geltende Rechtslage massgebend. 

 

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3.2. 

Hinsichtlich der entscheidwesentlichen Rechtsgrundlagen zum Anspruch 

auf Hilflosenentschädigung und der diesbezüglichen Rechtsprechung ist 

auf Erwägung 2. des Urteils des Versicherungsgerichts VBE.2020.227 vom 

8. März 2021 zu verweisen (VB 18 S. 2 ff.). 

 

Mit Urteil vom 8. März 2021 (VBE.2020.227) hielt das Versicherungsgericht 

fest, dass insbesondere aktenkundig Widersprüche bestünden, ob die Er-

mittlung der Insulindosis bereits bei der Behandlungspflege berücksichtigt 

worden sei oder nicht (a.a.O. E. 3.2.3. S. 10). Weiter hätte der Zeitaufwand 

für die Berechnung der Kohlenhydratwerte der geplanten Mahlzeiten als 

pflegerische Hilfeleistung berücksichtigt werden müssen, wobei der von 

den Eltern angegebene Wert nicht ohne weiteres ausgewiesen sei, wes-

halb die Beschwerdegegnerin die notwendigen Abklärungen vorzunehmen 

habe, um den anrechenbaren Zeitaufwand für die Berechnung der Kohlen-

hydratwerte sowie allenfalls die Berechnung der Insulinmenge bestimmen 

zu können (a.a.O. E. 3.2.3. S. 11 in fine). Ausserdem habe die Beschwer-

degegnerin aufgrund nicht nachvollziehbarer Angaben im Abklärungsbe-

richt zum Zeitaufwand für Nadel- und Reservoirwechsel sowie für die fri-

sche Befüllung der Insulinpumpe weitere Abklärungen zu treffen (a.a.O. 

E. 3.2.4. S. 12). 

 

4. 

Der angefochtenen Verfügung vom 2. Februar 2022 lagen insbesondere 

die ergänzenden Stellungnahmen der Abklärungsperson vom 28. April 

2021 (VB 20) und 30. November 2021 (VB 26) sowie eine Aktenbeurteilung 

der RAD-Ärztin Dr. med. D., Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, 

vom 28. Januar 2022 (VB 28) zu Grunde. 

 

4.1. 

In der Stellungnahme vom 28. April 2021 hielt die Abklärungsperson fest, 

für die Berechnung der Kohlenhydratwerte und der Insulinmenge sei ein 

zusätzlicher Mehraufwand von 30 Minuten (fünf Minuten x sechs Mahlzei-

ten) zu berücksichtigen. Für die reinen Funktionen sei von einem Zeitauf-

wand von maximal zwei Minuten auszugehen, grosszügigerweise seien je-

doch fünf Minuten dafür anzurechnen, weil die Beschwerdeführerin für das 

Eingeben der Menge an der Pumpe stillhalten müsse. Sofern der Blutzu-

ckerwert nicht erreicht werde, müsse bis zu fünfmal Traubenzucker oder 

Darvida eingenommen werden. Da diese Werte jedoch nicht berechnet  

oder abgewogen werden müssten, weil die Kohlenhydratwerte immer 

gleichbleibend seien, resultiere in dieser Hinsicht kein zusätzlicher Zeitauf-

wand für eine Berechnung. Hinsichtlich der Abgabe des Korrekturinsulins 

sei für die Bestimmung des Blutzuckers (inkl. Krankheitsphasen und Insu-

linanpassung) bereits ein Mehraufwand von drei Minuten jeweils 15-20 Mal 

täglich berücksichtigt worden (vgl. VB 8 S. 4). Das Insulin müsse nicht bei 

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jeder Messung angepasst werden. Gemäss der von der Beschwerdeführe-

rin mit ihrer Anmeldung vom 9. Juli 2019 eingereichten Aufstellung "Auf-

wände Hilflosigkeit von A. infolge Diabetes Mellitus" (VB 6 S. 17) sei für die 

Abgabe des Korrekturinsulins ein Mehraufwand von zehn Minuten (fünf x 

zwei Minuten) zu berücksichtigen. In Bezug auf die Nadel- und Reservoir-

wechsel alle zwei Tage sei im Abklärungsbericht vom 13. Dezember 2019 

(VB 8) irrtümlicherweise der wöchentliche Aufwand von 70 Minuten täglich 

berücksichtigt worden, richtigerweise sei jedoch nur ein Wert von zehn Mi-

nuten täglich zu berücksichtigen. Daraus resultiere eine Reduktion des 

Mehraufwandes von 60 Minuten. Auch hinsichtlich des frisch Befüllens der 

Insulinpumpe (Reservoir) alle sechs Tage sei versehentlich der wöchentli-

che Zeitaufwand von vier Minuten statt der täglichen halben Minute ange-

rechnet worden, woraus eine Reduktion des Mehraufwandes von drei Mi-

nuten erfolge (VB 20 S. 2). Der Mehraufwand setze sich damit wie folgt zu-

sammen (VB 20 S. 3, 14 S. 2 und 8 S. 4 f.): 

 

15-20 mal Blutzucker messen und Insulinanpas-

sen à total je 3 Min. 

53 min./Tag 

Alle 2 Tage Nadelwechsel und Reservoir wechseln 

à 20 Min. 

10 min./Tag 

Alle 6 Tage Insulinpumpe frisch befüllen à 3 Min. 0.5 min./Tag 

Richten des Pumpenschläuchleins beim An- und 

Auskleiden (sowie beim Wickeln) 

5 min./Tag 

Berechnen der Kohlehydratwerte und Insulin-

menge 

30 min./Tag 

Abgeben des Korrekturinsulins 10 min./Tag 

Begleitung zu Arzt- und Therapiebesuchen 2 min./Tag 

  

Total Mehraufwand rund 111 Minuten 

 

Folglich bestehe auch nach erneuter Prüfung anhand der vorgenommenen 

Korrekturen bei einem Mehraufwand für die Pflege von rund 111 Minuten 

(eine Stunde und 51 Minuten) kein Anspruch auf eine Hilflosenentschädi-

gung wegen besonders aufwändiger Pflege bzw. auf einen Intensivzu-

schlag (VB 20 S. 2). 

 

4.2. 

In ihrer Beurteilung vom 30. November 2021 hielt die Abklärungsperson 

fest, auch nach erneuter detaillierter Auseinandersetzung mit den gemach-

ten Einwänden (VB 23) verändere sich aus versicherungsrechtlicher Sicht 

nichts an der Einschätzung vom 28. April 2021 (VB 26 S. 3). 

 

4.3. 

Die RAD-Ärztin Dr. med. D. führte am 28. Januar 2022 aus, der von der 

Abklärungsperson berechnete zeitliche Mehrbedarf an Hilfeleistung sei aus 

ärztlicher Sicht realistisch und plausibel. Ein Intensivpflegezuschlag könne 

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nur gewährt werden, wenn der invaliditätsbedingte Betreuungsaufwand 

mindestens vier Stunden pro Tag betrage, was bei der Beschwerdeführerin 

nicht der Fall sei. Ebenso liege kein Sonderfall bei leichter Hilflosigkeit vor, 

da entweder der tägliche Pflegeaufwand mehr als drei Stunden betragen 

müsse bei einem erschwerenden Moment der Hilflosigkeit oder bei einem 

täglichen Pflegeaufwand von mehr als zwei Stunden mehrere erschwe-

rende Momente der Hilflosigkeit hinzukommen müssten. Dies sei bei der 

Beschwerdeführerin ebenfalls nicht der Fall (VB 28 S. 3). 

 

5. 

5.1. 

Die Beschwerdeführerin bringt im Wesentlichen vor, der massgebende 

Sachverhalt sei noch immer nicht rechtsgenügend abgeklärt (vgl. Be-

schwerde S. 2 f., 8 f.). Gemäss den rechtlichen Vorgaben sei sie in min-

destens drei Lebensbereichen auf dauernde Hilfe angewiesen und bedürfe 

einer dauernden persönlichen Überwachung sowie einer besonders auf-

wendigen Pflege. Somit seien ihr mindestens eine mittelschwere Hilflo-

senentschädigung und ein Intensivpflegezuschlag zuzusprechen (vgl. Be-

schwerde S. 4 ff.). 

 

5.2. 

5.2.1. 

Die Beschwerdeführerin kritisiert in ihrer Beschwerde, dass die RAD-Ärztin 

zur Beurteilung der Hilflosigkeit den Vergleich "im Verhältnis zu Kindern mit 

schwerer Mehrfachbehinderung und hochgradiger Spastik, die mehrfach in 

der Nacht unter schwierige[r] Bedingung umgelagert werden müssen" ge-

macht habe, statt im Vergleich mit gesunden gleichaltrigen Kindern (Be-

schwerde S. 3). Daraus, dass die RAD-Ärztin (VB 28 S. 2) bzw. die Be-

schwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 2. Februar 2022 

(VB 29 S. 5) zur Illustration der Voraussetzungen der besonders aufwendi-

gen Pflege auf Fallkonstellationen gemäss KSIH (Kreisschreiben über In-

validität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung), namentlich von Kin-

dern mit schwerer Mehrfachbehinderung und hochgradiger Spastik, hin-

wies, kann die Beschwerdeführerin jedoch nichts zu ihren Gunsten ablei-

ten. Aus dem Abklärungsbericht sowie aus der RAD-Beurteilung ergeht 

denn auch, wie dort ausdrücklich festgehalten wurde (VB 8 und 28 S. 2), 

dass auf den Mehrbedarf im Vergleich zu einem gesunden Kind abgestellt 

wurde. Schliesslich führte die Beschwerdegegnerin dann auch in ihrer Ver-

fügung vom 2. Februar 2022 (VB 29 S. 4) aus, dass sich "[d]er Mehrbedarf 

an Hilfeleistung, verglichen mit einem gesunden gleichaltrigen Kind" aus 

BZ-Messungen, Kohlenhydratberechnungen und Insulinbolusabgaben so-

wie aus der Wartung des Pumpsystems und den notwendigen ärztlichen 

Kontrollen ergebe. 

 

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5.2.2. 

Soweit die Beschwerdeführerin des Weiteren vorbringt, die RAD-Ärztin sei 

mangels Weiterbildung "Pädiatrischer Endokrinologie-Diabetologie" nicht 

geeignet, den Mehrbedarf im Betreuungsaufwand zu beurteilen (vgl. Be-

schwerde S. 3), ist darauf hinzuweisen, dass die RAD-Ärztin über den 

Facharzttitel Kinder- und Jugendmedizin verfügt. Die RAD-Fachärztin hatte 

zudem Kenntnis der Diagnose und deren Auswirkungen. Gerade auch un-

ter Berücksichtigung ihres Facharzttitels ist davon auszugehen, dass sie 

kompetent war, die Korrektheit des Abklärungsberichts bzw. den daraus 

resultierenden Mehraufwand in der Pflege zu überprüfen. 

 

5.2.3. 

Hinsichtlich der Vorbringen der Beschwerdeführerin betreffend ihre Hilflo-

sigkeit in den alltäglichen Lebensverrichtungen "Aufstehen, Absitzen, Ab-

liegen", "Essen" und "Fortbewegung" (vgl. Beschwerde S. 4 ff.) sowie der 

Notwendigkeit einer dauernden persönlichen Überwachung (vgl. Be-

schwerde S. 7 ff.) ist darauf hinzuweisen, dass sich das Versicherungsge-

richt im Urteil VBE.2020.227 vom 8. März 2021 ausführlich mit den alltägli-

chen Lebensverrichtungen und der Notwendigkeit einer dauernden persön-

lichen Überwachung auseinandergesetzt hat (vgl. VBE.2020.227 vom 

8. März 2021 E. 3.1.2. ff., VB 18 S. 6 ff.). Zusammenfassend wurde darin 

ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin in keiner der alltäglichen Lebens-

verrichtungen auf eine regelmässige erhebliche Hilfe Dritter angewiesen ist 

und sie keiner dauernden persönlichen Überwachung im Sinne von Art. 9 

ATSG i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. b IVV bzw. Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV bedarf 

(vgl. VBE.2020.227 vom 8. März 2021 E. 3.3., VB 18 S. 12). 

 

Weder ausweislich der Vorbringen der Beschwerdeführerin noch ausweis-

lich der Akten ergeben sich Hinweise auf eine in der Zwischenzeit erfolgte 

diesbezügliche Veränderung. Auch nicht daraus, dass die am 5. Januar 

2017 geborene Beschwerdeführerin im vorliegend massgebenden Zeit-

punkt der Verfügung vom 2. Februar 2022 (VB 29; vgl. zum verfahrensmäs-

sigen Endzeitpunkt des sachverhaltlich relevanten Geschehens, BGE 

BGE 143 V 409 E. 2.1 S. 411) nun fünf Jahre und einen Monat alt war (vgl. 

Beschwerde S. 4, 7). Selbst wenn die Beschwerdeführerin in der alltägli-

chen Lebensverrichtung "Aufstehen, Absitzen, Abliegen", welche gemäss 

der Beschwerdeführerin zu wenig diskutiert worden sei (vgl. Beschwerde 

S. 4), auf regelmässige und in erheblicher Weise nicht altersgemässe Dritt-

hilfe angewiesen wäre (vgl. etwa Rz. 8016.2 KSIH), hätte sie keinen An-

spruch auf eine Hilflosenentschädigung im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. a 

IVV, da sie in keiner weiteren alltäglichen Lebensverrichtung regelmässig 

in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist, womit sich dies-

bezügliche Weiterungen erübrigen. In Bezug auf die persönliche Überwa-

chung ist erneut darauf hinzuweisen, dass eine solche in der Regel vor 

sechs Jahren nicht in Betracht zu ziehen ist, ausser bei Kindern mit früh-

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kindlichem Autismus und Kindern mit medikamentös nicht einstellbarer Epi-

lepsie (vgl. KSIH Anhang III S. 220), was bei der Beschwerdeführerin je-

doch nicht der Fall ist. Damit hat sie auch keinen Anspruch auf eine Hilflo-

senentschädigung im Sinne von Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV. 

 

5.2.4. 

In Bezug auf den Sonderfall der ständigen und besonders aufwendigen 

Pflege bringt die Beschwerdeführerin vor, dass man mindestens zwölf zu-

sätzliche Stunden für die Nacht anrechnen müsse, da in dieser Zeit immer 

eine speziell auf Diabetes geschulte Person anwesend sein müsse (vgl. 

Beschwerde S. 10). Gestützt auf die von der Beschwerdeführerin mit ihrer 

Anmeldung vom 9. Juli 2019 eingereichte Aufstellung "Aufwände Hilflosig-

keit von A. infolge Diabetes Mellitus" (VB 6 S. 17) beträgt der Aufwand für 

die nächtliche Überwachung und das Ergreifen der notwendigen Massnah-

men täglich 30 Minuten. Von einer permanent notwendigen Überwachung 

im Sinne einer durchgehend aktiven Tätigkeit, die als quantitativ erschwe-

rendes Element analog zum von der Beschwerdeführerin zitierten Ent-

scheid des Bundesgerichts (BGE 142 V 144 E. 3 S. 147) berücksichtigt 

werden müsste, kann damit bereits aufgrund ihrer eigenen Aussagen (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2019 vom 20. August 2019 E. 3.3 mit 

Hinweis; "Aussage der ersten Stunde") nicht ausgegangen werden. 

 

5.2.5. 

Die Beschwerdeführerin erachtet es zudem als überspitzt formalistisch, 

wenn bei Fehlen von lediglich neun Minuten die Voraussetzungen für eine 

besonders aufwendige Pflege als nicht erfüllt erachtet würden (Beschwerde 

S. 9 f.).  

 

Überspitzter Formalismus ist gegeben, wenn die strikte Anwendung der 

Formvorschriften durch kein schutzwürdiges Interesse gerechtfertigt ist, 

zum blossen Selbstzweck wird und die Verwirklichung des materiellen 

Rechts in unhaltbarer Weise erschwert oder verhindert wird (vgl. BGE 142 

I 10 E. 2.4.2 S. 11 f. mit Hinweisen). Mangels einer entsprechenden Vor-

schrift auf Gesetzes- oder Verordnungsstufe sind die Schematisierungen 

des Bundesamtes für Sozialversicherungen einzig aber immerhin, insbe-

sondere mit Blick auf die rechtsgleiche Behandlung sämtlicher Anspruchs-

steller und die Rechtssicherheit als Auslegungshilfe heranzuziehen (vgl. 

zur Bedeutung von Verwaltungsweisungen BGE 141 V 365 E. 2.4 S. 368 

und 140 V 343 E. 5.2 S. 346). Gründe, von den dargelegten Grundsätzen 

abzuweichen, sind nicht ersichtlich, weshalb mit Blick auf die rechtsgleiche 

Behandlung und die Rechtssicherheit auf die Werte des Bundesamtes für 

Sozialversicherungen abzustellen ist. 

 

5.2.6. 

Die ergänzenden Stellungnahmen der Abklärungsperson vom 28. April 

2021 (VB 20) und 30. November 2021 (VB 26) beruhen sodann auf einer 

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von einer Fachperson vor Ort vorgenommenen Abklärung vom 12. Dezem-

ber 2019 (VB 8) und äussern sich detailliert, plausibel und begründet zu 

den festgestellten Beeinträchtigungen. Die Abklärungsperson hatte denn 

auch genügend Kenntnis der medizinischen Diagnosen und der ärztlich 

festgestellten Einschränkungen (VB 6; 13), und die RAD-Ärztin Dr. med. D. 

erachtete den berechneten zeitliche Mehrbedarf an Hilfeleistung aus ärztli-

cher Sicht als realistisch und plausibel (vgl. E. 4.3. und 5.2.1. hiervor). Auch 

wurden die Angaben der Eltern der Beschwerdeführerin berücksichtigt 

(VB 20; 26). Klar feststellbare Fehleinschätzungen sind nicht ersichtlich, 

weswegen darauf abgestellt werden kann. Da damit bei einem quantitati-

ven Aufwand von weniger als zwei Stunden (vgl. E. 4.1. hiervor) die praxis-

gemässen Voraussetzungen der besonders aufwendigen Pflege und damit 

die Anspruchsvoraussetzungen von Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV nicht erfüllt 

sind, erübrigt sich eine weitere Auseinandersetzung mit den von der Be-

schwerdeführerin geltend gemachten qualitativ erschwerenden Elementen 

(vgl. Beschwerde S. 10 f.). 

 

5.3. 

Zusammenfassend erweist sich der Sachverhalt als vollständig abgeklärt, 

weshalb auf weitere Abklärungen in antizipierter Beweiswürdigung verzich-

tet werden kann (BGE 127 V 491 E. 1b S. 494 mit Hinweisen; SVR 2001 IV 

Nr. 10 S. 27 E. 4) und entgegen der Beschwerdeführerin keine Verletzung 

der Untersuchungspflicht durch die Beschwerdegegnerin (vgl. Beschwerde 

S. 2, 8 f.) ersichtlich ist. Die Voraussetzungen für die Annahme einer leich-

ten Hilflosigkeit sind weder unter dem Aspekt von Art. 37 Abs. 3 lit. a IVV 

noch von Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV oder von Art. 37 Abs. 3 lit. c IVV erfüllt. 

Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch der Beschwerdeführerin auf 

eine Hilflosenentschädigung für Minderjährige damit mit Verfügung vom 

2. Februar 2022 (VB 29) zu Recht verneint. Ausführungen zum Intensiv-

pflegezuschlag erübrigen sich vor diesem Hintergrund (vgl. Art. 36 Abs. 2 

IVV). 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

6.2. 

Gemäss Art. 61 Abs. 1 lit. fbis ATSG i.V.m. Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Ver-

fahren kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensausgang 

und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 

festgesetzt. Für das vorliegende Verfahren betragen diese Fr. 400.00. Sie 

sind gemäss dem Verfahrensausgang der Beschwerdeführerin aufzuerle-

gen. 

 

6.3. 

 - 10 - 

 

 

 

Der Beschwerdeführerin steht nach dem Ausgang des Verfahrens 

(Art. 61 lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung 

als Sozialversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein An-

spruch auf Parteientschädigung zu. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 400.00 werden der Beschwerdeführerin auf-

erlegt. 

 

3. 

Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6,  

6004 uzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift der beschwerdeführenden Partei oder 

ihres Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als 

Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie 

in Händen hat (Art. 42 BGG). 

 

 

 - 11 - 

 

 

 

   

Aarau, 17. Februar 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Fricker