# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 727151d6-297a-5e76-be1b-60d700dd4a79
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-10-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.10.2011 D-5851/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5851-2011_2011-10-28.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­5851/2011

U r t e i l   v om   2 8 .   O k t ob e r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichter Thomas Wespi,
mit Zustimmung von Richterin Regula Schenker Senn;   
Gerichtsschreiberin Regula Frey.

Parteien A._______, geboren B._______,
Libyen, 
C._______,  
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 
(Dublin­Verfahren); 
Verfügung des BFM vom 18. Oktober 2011 / N_______.

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat 
Libyen am 13. April 2011 verliess und über D._______ am 15. April 2011 
auf  dem  Luftweg  mit  einem  gültigen  Studentenvisum  in  E._______ 
einreiste, 

dass  er  in  F._______  beim  Polizeipräsidium  am  21.  April  2011 
daktyloskopiert  worden  sei  und  sich  nach  Ablauf  der  Gültigkeit  seines 
Studentenvisums am 15. Mai 2011 weiterhin in Italien aufgehalten habe, 

dass  er  beim  Versuch,  nach  G._______  zu  reisen,  in  H._______ 
ebenfalls  erkennungsdienstlich  erfasst  und  von  der  (…)  Polizei  am  28. 
Juni 2011 nach  Italien zurückgeführt worden sei,  er  in der Folge erneut 
nach H._______  gereist  sei, wo  er  in  I._______  festgenommen worden 
sei, er sich daraufhin nach G._______ begeben habe und via H._______, 
wo er am 2. oder 3. Juli 2011 erneut  festgenommen und daktyloskopiert 
worden sei, nach Italien zurückgekehrt sei,

dass er am 5. Juli 2011 illegal  in die Schweiz gelangte, wo er am 6. Juli 
2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  J._______  um  Asyl 
nachsuchte,

dass  er  im  Rahmen  der  summarischen  Befragung  vom  14.  Juli  2011 
seinen  Reisepass  vorlegte,  welcher  mit  einem  Visum  für  Italien 
(ausgestellt in K._______, mit Gültigkeit vom 27. Januar 2011 bis 15. Mai 
2011) versehen war,

dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Kurzbefragung  zur 
Begründung  seines  Asylgesuches  im  Wesentlichen  geltend  machte,  in 
Libyen  und  in  Italien  an  Demonstrationen  gegen  das  libysche  Regime 
teilgenommen  zu  haben  und  sich  in  F._______  zahlreiche  libysche, 
regimetreue Studenten befinden würden, welche ihn beschimpft und ihm 
gedroht hätten,

dass zwar zwei  libysche,  regimetreue Studenten  festgenommen worden 
seien  und  darüber  in  einer  italienischen  Tageszeitung  berichtet  worden 
sei, aber noch viele auf freiem Fuss seien,

dass  er  Italien  aufgrund  der  genannten  Behelligungen  habe  verlassen 
müssen,

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dass er nicht nach Libyen zurückkehren könne, weil er an der (…) Grenze 
festgenommen werden würde, zumal einige seiner  libyschen Kollegen in 
Italien  seit  der  Rückkehr  nach  Libyen  als  verschollen  erklärt,  andere 
festgenommen und gefoltert worden seien, weshalb er bei einer Rückkehr 
nach Libyen um sein Leben fürchten müsse,

dass der Beschwerdeführer mit Entscheid des BFM vom 18. Juli 2011 für 
den weiteren Aufenthalt während des Verfahrens dem Kanton L._______ 
zugewiesen wurde,

dass  das  BFM  am  12.  August  2011  Italien  um  Übernahme  des 
Beschwerdeführers ersuchte,

dass  Italien  das  Ersuchen  des  BFM  bis  zum  Ablauf  der  Frist  am  13. 
Oktober 2011 unbeantwortet liess, 

dass  das BFM mit  Verfügung  vom 18. Oktober  2011  –  eröffnet  am  20. 
Oktober 2011 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylgesetzes 
vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat 
und die Wegweisung nach Italien sowie den Vollzug spätestens am Tag 
nach Ablauf der Beschwerdefrist anordnete,

dass gleichzeitig  festgestellt wurde, einer allfälligen Beschwerde komme 
keine aufschiebende Wirkung zu (Art. 107a AsylG),

dass der Beschwerdeführer mit  auf  den 24. Oktober  2011 datierter  und 
gleichentags zuhanden der Schweizerischen Post aufgegebener Eingabe 
an  das  Bundesverwaltungsgericht  gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde 
erhob  und  beantragte,  die Verfügung  des BFM  sei  aufzuheben  und  die 
Vorinstanz  sei  anzuweisen,  ihr  Recht  zum Selbsteintritt  auszuüben  und 
sich für das vorliegende Asylverfahren für zuständig zu erklären,

dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021),  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses, 
um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  und  um 
Anweisung an die Vollzugsbehörden, von einer Überstellung nach Italien 
abzusehen, bis über die Beschwerde entschieden werde, ersuchte,

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  25.  Oktober  2011  beim 
Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

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und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen 
Verfügungen  (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  auf  dem 
Gebiet  des  Asyls  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31 ­ 
33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 
173.32]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 
2005 [BGG, SR 173.110]),

dass eine solche Ausnahme  im Sinne von Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 BGG  in 
casu nicht vorliegt und das Bundesverwaltungsgericht demnach endgültig 
entscheidet,

dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist 
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 
VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass  die  vorliegende  Beschwerde  –  wie  nachfolgend  aufgezeigt – 
offensichtlich  unbegründet  ist,  weshalb  darüber  in  einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer zweiten Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),

dass  gleichzeitig  auf  einen  Schriftenwechsel  zu  verzichten  und  der 
Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 
und 2 AsylG),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 

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Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  –  sofern  sie  den 
Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer 
selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung 
aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz 
zurückweist  (vgl.  BVGE  2007/8  E.  2.1  S.  73  mit  Hinweis  auf 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 
Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn 
Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die 
Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich 
zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  anführte,  der  Beschwerdeführer 
habe  über  ein  italienisches  Visum  für  einen  Studienaufenthalt  von 
109 Tagen verfügt,

dass gestützt auf Art. 9 Abs. 4 und Art. 18 Abs. 7 der Verordnung  [EG] 
Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  von 
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaates, der  für die 
Prüfung eines Asylantrags zuständig ist, den ein Staatsangehöriger eines 
Drittlandes  in  einem  Mitgliedstaat  gestellt  hat  (Dublin­II­VO),  die 
Zuständigkeit  zur  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens 
bei Italien liege,

dass dem Beschwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung das rechtliche 
Gehör zum Umstand gewährt worden sei, wonach mutmasslich Italien für 
die Durchführung  des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  zuständig  sei, 
weshalb gegebenenfalls auf sein Asylgesuch nicht eingetreten werde,

dass der Beschwerdeführer diesbezüglich angegeben habe, er fühle sich 
in  Italien  nicht  sicher  und  fürchte  sich  vor  möglichen  Übergriffen  von 
Seiten libyscher Landsleute,

dass die Vorinstanz dazu ausführte, die italienischen Behörden seien als 
schutzfähig  und  schutzwillig  einzustufen  und  es  stehe  dem 
Beschwerdeführer offen, sich bei konkreter Bedrohung an die zuständige, 
italienische Polizeistelle  vor Ort  zu wenden, wo er  um Schutz  ersuchen 
und nötigenfalls eine Anzeige erstatten könne,

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dass  die  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und Möglichkeit  des  Vollzugs  nach 
Italien zu bejahen seien,

dass der Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift im Wesentlichen 
vorbrachte,  die  Schweiz  solle  im  vorliegenden  Fall  aus  humanitären 
Gründen ihr Recht auf Selbsteintritt ausüben und gemäss Art. 29a Abs. 3 
der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen 
(AsylV 1, SR 142.311) ein nationales Asylverfahren eröffnen,

dass  die  Vorinstanz  vom  vermeintlichen  Schutzwillen  der  italienischen 
Behörden  ausgehe,  dieser  wohl  durch  die  italienische  Verfassung 
vorgesehen, in der Praxis jedoch nicht ernsthaft durchgesetzt werde, was 
in  Anbetracht  der  allgemeinen  Behandlung  von  Asylsuchenden  und 
Flüchtlingen in Italien erkennbar sei,

dass aus diversen Berichten wie namentlich der deutschen NGO Pro Asyl 
vom 28. Februar 2011  ("Zur Situation von Flüchtlingen  in  Italien") sowie 
der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  und  der  norwegischen  NGO  Juss­
Buss  vom  Mai  2011  ("Asylum  procedure  and  reception  conditions  in 
Italy")  ersichtlich  sei,  unter welchen menschenunwürdigen Bedingungen 
aufgenommene  Flüchtlinge  in  Italien  derzeit  leben  müssten,  und  die 
begründete Annahme bestehe, Italien könne seinen menschenrechtlichen 
Verpflichtungen nicht nachkommen,

dass  Pro  Asyl  die  deutschen  Behörden  auffordere,  von  Rückführungen 
nach Italien abzusehen, 

dass der Aufenthalt des Beschwerdeführers in Italien unbestritten ist,

dass  gemäss  Art.  3  Abs.  1  Dublin­II­VO  die  Mitgliedstaaten  jeden 
Asylantrag prüfen, den ein Drittstaatsangehöriger an der Grenze oder im 
Hoheitsgebiets  eines Mitgliedstaates  stellt, wobei  der Antrag  von  einem 
einzigen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III 
Dublin­II­VO als zuständiger Staat bestimmt wird,

dass  das  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Mitgliedstaates 
eingeleitet  wird,  sobald  ein  Asylantrag  erstmals  in  einem  Mitgliedstaat 
gestellt wurde  (Art.  4 Abs.  1 Dublin­II­VO), wobei  die Kriterien  in  der  in 
Kapitel III der Dublin­II­VO genannten Rangfolge (vgl. Art. 5­14 Dublin­II­
VO) anzuwenden sind sowie von der Situation zum Zeitpunkt, in dem der 
Asylbewerber  erstmals  einen  Antrag  in  einem  Mitgliedstaat  stellt, 
auszugehen ist (Art. 5 Abs. 1 und 2 Dublin­II­VO),

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dass  für den Fall, dass ein Asylbewerber ein gültiges Visum besitzt, der 
Mitgliedstaat, der das Visum erteilt hat, grundsätzlich für die Prüfung des 
Asylantrages zuständig ist (Art. 9 Abs. 2 Dublin­II­VO),

dass  diese  Bestimmung  unter  den  in  Art.  9  Abs.  4  Dublin­II­VO 
genannten  Voraussetzungen  selbst  bei  abgelaufenem  Visum  zur 
Anwendung gelangt,

dass  gemäss  dem  ersten  Abschnitt  von  Art.  9  Abs.  4  Dublin­II­VO  ein 
Asylbewerber, der ein Visum besitzt, das seit weniger als sechs Monaten 
abgelaufen  ist,  aufgrund  dessen  er  in  das  Hoheitsgebiet  eines 
Mitgliedstaates  einreisen  konnte,  die  Absätze  1,  2  und  3  von  Art.  9 
Dublin­II­VO  anwendbar  sind,  solange  der  Antragsteller  das 
Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten nicht verlassen hat,

dass  der  Beschwerdeführer  im  Besitz  eines  italienischen  Visums  zu 
Studienzwecken vom 27. Januar 2011 bis  am 15. Mai 2011 war und sich 
die Zuständigkeit Italiens demnach auf die Tatsache der Visumserteilung 
stützt  (Zuständigkeit  gemäss  Art.  9  Dublin­II­VO;  "take­charge"  gemäss 
Art. 16 Abs. 1 Bst. a und b Dublin­II­VO),

dass die  italienischen Behörden das Ersuchen der Schweizer Behörden 
um Rückübernahme  des Beschwerdeführers  bis  zum 13. Oktober  2011 
nicht  beantwortet  haben,  womit  die  Zuständigkeit  Italiens  gemäss 
Dubliner  Verfahrensregelung  aufgrund  der  sogenannten  Verfristung 
definitiv geworden ist (vgl. Art. 18 Abs. 7 Dublin­II­VO),

dass  Italien  Signatarstaat  sowohl  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951 
über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30)  als  auch der 
der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der 
Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  ist  und  keine 
konkreten Hinweise dafür bestehen, Italien würde sich nicht an die daraus 
resultierenden Verpflichtungen halten,

dass  Italien  die  Richtlinie  2003/9/EG  des  Rates  vom  27.  Januar  2003 
(Aufnahmerichtlinie) ohne Beanstandungen von Seiten der Europäischen 
Kommission  umgesetzt  hat  und  nebst  den  staatlichen  Strukturen 
zahlreiche  private  Hilfsorganisationen,  welche  Asylsuchende  betreuten, 
existieren, 

dass  die  medizinische  Grundversorgung  in  Italien  grundsätzlich 
gewährleistet ist,

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dass  hierzu  festzuhalten  ist,  dass  Asylsuchende  in  Italien  bei  der 
Unterkunft,  der  Arbeit  und  dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur 
zwar gewissen Schwierigkeiten ausgesetzt sein können,

dass  die  italienischen  Behörden  seit  geraumer  Zeit  mit  einer  grossen 
Anzahl  von  Einwanderern  aus  nordafrikanischen  Staaten  konfrontiert 
sind,  was  immer  wieder  zu  Kapazitätsengpässen  bei  den 
Aufnahmezentren führt,

dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den 
Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen 
Aufenthalts­  und Lebensbedingungen nicht  zum Schluss  gelangt,  Italien 
verletze  nachgewiesenermassen  in  systematischer  Weise  die  Richtlinie 
Nr. 2003/9/EG,

dass zwar das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende in der Kritik 
steht,  in  den  Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  für  Personen, 
welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  aber 
insgesamt kein Vollzugshindernis zu erkennen ist,

dass  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Dublin­
Rückkehrende  und  verletzliche  Personen  bezüglich  Unterbringung  von 
den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt  werden  und  sich – 
neben  den  staatlichen  Strukturen  –  auch  zahlreiche  private 
Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flüchtlingen 
annehmen,

dass  weiter  auf  die  Tatsache  hinzuweisen  ist,  dass  Italien  gemäss  der 
Aufnahmerichtlinie  gehalten  ist,  den  Asylsuchenden  materielle 
Aufnahmebedingungen  zu  gewähren,  die  die  Sicherung  des 
Lebensunterhalts  und  der  Gesundheit  gewährleisten  (vgl.  etwa  Urteile 
des  Bundesverwaltungsgerichts  E­3279/2011  vom  22.  Juni  2011,  D­
7654/2010 vom 20. April 2011, E­1661/2010 vom 17. März 2011),

dass insbesondere nicht ersichtlich ist, wieso der Beschwerdeführer sich 
auf das Vorliegen von humanitären Gründen im Sinne von Art. 29a Abs. 3 
AsylV 1 beruft, da er jung und – soweit aktenkundig – gesund ist,

dass es dem Beschwerdeführer hinsichtlich seines Vorbringens, er werde 
von  seinen  Landsleuten  in  Italien  bedroht,  vollumfänglich  auf  die 
vorinstanzlichen  Erwägungen  verwiesen  werden  kann,  wonach  er 

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diesbezüglich  bei  den  als  schutzfähig  und  schutzwillig  zu  erachtenden 
italienischen Behörden um Schutz nachsuchen kann,

dass  vor  diesem  Hintergrund  die  allgemeine  Kritik  am  italienischen 
Asylverfahren sowie das Vorbringen mangelnder Schutzgewährung nicht 
zu überzeugen vermögen,

dass der Beschwerdeführer auch keine anderen Gründe vorbringen kann, 
die  die  Zuständigkeit  der  Schweiz  zur  Durchführung  des  Asyl­  und 
Wegweisungsverfahrens  nach  sich  ziehen würden  beziehungsweise  die 
der Ausreise in den Drittstaat entgegen stünden,

dass  für  das  Bundesverwaltungsgericht  weder  angesichts  der 
Verhältnisse  in  Italien  noch  zufolge  der  individuellen  Situation  des 
Beschwerdeführers  Anlass  zur  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  im 
Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO besteht,

dass  der  Beschwerdeführer  weder  im  Rahmen  des  ihm  gewährten 
rechtlichen Gehörs  noch  auf  Beschwerdeebene  hinreichend  berechtigte 
Vorbehalte  gegen  eine  Rückkehr  nach  Italien  geltend machte,  weshalb 
keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich  sind,  er  würde  im  Falle 
einer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle Notlage geraten,

dass  das  BFM  aufgrund  dieser  Sachlage  –  entgegen  der  in  der 
Beschwerdeschrift geäusserten Ansicht – richtig folgerte, Italien habe den 
Beschwerdeführer zurück zu übernehmen,

dass  auch  die  in  der  Rechtsmittelschrift  zitierten  Artikel  der  deutschen 
NGO Pro Asyl und der Schweizerischen Flüchtlingshilfe von allgemeiner 
Natur  sind  und  nicht  zu  einer  anderen  Betrachtungsweise  zu  führen 
vermögen, weshalb nicht weiter auf diese einzugehen ist, 

dass  im Rahmen einer Gesamtabwägung aller  relevanten Umstände  im 
konkreten Einzelfall keine Gründe ersichtlich sind, die eine Wegweisung 
aus  humanitärer  Sicht  im  Sinne  von  Art.  29a  Abs.  3  AsylV  1  als 
unangemessen  erscheinen  lassen  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  E­7221/2009  vom  10.  Mai  2011  E.  8.2  und 
8.3, mit weiteren Hinweisen),

dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer  Überstellung  des 
Beschwerdeführers  nach  Italien  weder  völkerrechtliche  Verpflichtungen 
der  Schweiz  noch  humanitäre  Gründe  entgegenstehen,  weshalb  die 

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Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  nicht  zur  Anwendung 
gelangt und folglich das BFM zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art.  44  Abs.1  AsylG), 
vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und 
zudem kein Anspruch auf Erteilung einer  solchen besteht  (vgl. BVGE 
2008/34  E.  9.2  S.  510,  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733,  EMARK  2001 
Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den 
gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin­Verfahrens, bei dem es sich um ein Über­
stellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches 
zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für 
Ersatzmass­nahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG  i.V.m. Art. 83 
Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die 
Ausländerinnen und Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass  eine  entsprechende  Prüfung  –  soweit  notwendig  –  vielmehr 
bereits  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens  stattfinden  muss  (vgl. 
vorstehende Erwägungen, BVGE 2010/45 E. 10.2 S. 645),

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtete,

dass der Beschwerdeführer demnach nicht darzutun vermag, inwiefern 
die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder  unangemessen  ist  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist,

dass  das  Gesuch  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  und  die  Anträge  auf  Gewährung  der 
aufschiebenden Wirkung  der  Beschwerde  und  auf  Anweisung  an  die 
Vollzugsbehörden mit vorliegendem Urteil gegenstandslos werden,

dass  die  Beschwerde  angesichts  der  vorstehenden  Erwägungen  als 
aussichtslos zu bezeichnen war, weshalb das Gesuch um Gewährung 
der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG – 

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Seite 11

unabhängig von der Frage der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers – 
abzuweisen ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.– 
(Art.  16 Abs.  1 Bst.  a VGG  i.V.m. Art.  2  und  3  des Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  dem 
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

D­5851/2011

Seite 12

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Thomas Wespi Regula Frey

Versand: