# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8227ceaf-2257-5c43-b89a-61e7a14a8599
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-03-29
**Language:** de
**Title:** Erstanmeldung, Prüfung der Standardindikatoren; kein invalidisierender Gesundheitsschaden ausgewiesen; Abweisung
**Docket/Reference:** IV.2017.00329
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.00329.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.00329
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Sager
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Keller
Urteil vom 29. März 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. André Largier
Weinbergstrasse 43, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1974 geborene X.___ war zuletzt als selbständiger Coiffeur tätig (Urk. 7/2 Ziff. 5.4). Am 27. Oktober 2014 meldete er sich unter Hinweis auf eine seit zirka 1996 bestehende generalisierte Angst und eine Depression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 7/3, Urk. 7/15). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/23, Urk. 7/32) wies sie das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 15. Februar 2017 (Urk. 7/34 = Urk. 2) ab.
2.
Der Versicherte erhob am 17. März 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 15. Februar 2017 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm mit Wirkung ab 1. Juni 2015 zumindest eine Dreiviertelsrente sowie spätestens ab Januar 2016 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2). Am 25. April 2017 (Urk. 6) bean
tragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 11. Juli 2017 (Urk. 13) zog das hiesige Gericht ein von der Krankentaggeldversicherung eingeholtes Gutachten (Urk. 16/1-38) bei. Mit Replik vom 12. September 2017 (Urk. 19) und Duplik vom 11. Oktober 2017 (Urk. 21) hielten die Parteien an ihren Standpunkten fest. Mit Verfügung vom 12. Oktober 2017 wurde dem Beschwerdeführer die Duplik vom 11. Oktober 2017 zur Kenntnis gebracht (Urk. 22).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 15. Februar 2017 (Urk. 2) damit, dass kein invalidisierender Gesund
heitszustand vorliege (S. 1). Invalidenversicherungsfremde Faktoren (psycho
soziale Belastungsfaktoren) seien vordergründig (S. 2). Zudem sei der Beschwerdeführer laut medizinischen Beurteilungen seit dem 23. September 2015 in der bisherigen Tätigkeit zu 85 % arbeitsfähig (S. 1).
Gestützt auf die Berichte des Sanatoriums A.___ müsse von einer grundsätz
lichen Überwindbarkeit der beim Beschwerdeführer aktuell vorliegenden Erwerbsunfähigkeit ausgegangen werden. Zudem müsse davon ausgegangen werden, dass die psychischen Einschränkungen massgebend von psychosozialen Faktoren aufrechterhalten würden und mit deren Wegfall auch eine deutliche Besserung des Zustandsbildes des Beschwerdeführers zu erwarten sei (Urk. 6 S. 3).
Das beigezogene Gutachten von Dr. Y.___ vom 23. September 2015 sei im Wesentlichen zu den gleichen Schlussfolgerungen gelangt (Urk. 21).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), seit 2003 unter einer rezidivierenden depressiven Störung sowie seit 2011 zusätzlich unter einer generalisierten Angststörung zu leiden. Seit dem 3. Juni 2014 sei er deswegen trotz adäquater ambulanter sowie teilstationärer Behand
lung vom 16. März bis 9. Juni 2016 aufgrund einer schweren, teils mittel
schweren Episode, durchgehend arbeitsunfähig (S. 5 Ziff. 7). Die neue Schmerz
rechtsprechung gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung gelange weiterhin nur für psychosomatische Gesundheitsleiden zur Anwendung (S. 5 Ziff. 8). Vor
liegend sei sie deshalb nicht anzuwenden. Die Ressourcenprüfung der Beschwerdegegnerin sei deshalb unbeachtlich (S. 6 Ziff. 8).
Es gebe aus näher dargelegten Gründen (Urk. 19 S. 2 Ziff. 1.3) keine psycho
sozialen Belastungsfaktoren mehr, welche das Beschwerdebild beein
flussten. Die von der Beschwerdegegnerin behauptete Überwindbarkeit sei durch nichts belegt (S. 2 Ziff. 1.4). Das beigezogene Gutachten von Dr. Y.___ vom 23. Sep
tember 2015 stelle ein vom Krankentaggeldversicherer angeordnetes Parteigut
achten dar, welches als blosse Parteibehauptung gelte (S. 3 Ziff. 2.1). Dabei handle es sich um eine Fehlbeurteilung, der nicht einmal die private Kranken
taggeldversicherung gefolgt sei (S. 4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist ein Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
3.
3.1
Dr. med. Z.___, Fachärztin für
Psychiatrie und Psycho
therapie
, nannte mit Bericht vom 25. Juli 2014 (Urk. 7/3/4-6) zuhanden der Taggeld
versicherung
als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F33.2) und eine generalisierte Angst
störung (ICD-10 F41.1;
Ziff. 1
).
Seit dem 3. Juni 2014 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 8).
3.2
Dr. Z.___ nannte mit Bericht vom 14. November 2014 (Urk. 7/15/2-4) zuhanden der Taggeldversicherung dieselben Diagnosen wie mit dem letzten Bericht (Ziff. 2; vorstehend E. 3.1). Zu Beginn der Arbeitsunfähigkeit habe ein schweres depressives Zustandsbild vorgelegen (siehe Bericht vom 25. Juli 2014). Der Beschwerdeführer habe teilweise die Unterstützung seiner Mutter benötigt, um den Alltag bewältigen zu können. Mittlerweile sei es dem Beschwerdeführer gelungen, eine Tagesstruktur aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Er habe wieder bestimmten Aktivitäten wie dem Besuch eines Fitnessstudios nachgehen können. Soziale Kontakte hätten wieder aufgebaut werden können. Zu Hause könne er sich wieder selber versorgen. Die Ängste zu Hause seien deutlich redu
ziert. Auch die Ängste in Bezug auf die Kunden hätten so weit reduziert werden können, dass sich der Beschwerdeführer überhaupt wieder zutraue, selbst Kunden zu betreuen. Entscheidungen könnten besser getroffen werden. Die Stimmung sei deutlich reduziert und schwankend. Schlafstörungen seien nicht mehr vorhanden (Ziff. 3). Am 26. November 2014 sei ein Arbeitswiedereinstieg mit einem Pensum von 20 % geplant, im Durchschnitt eines Monats nicht mehr als acht Stunden pro Woche. Danach sei eine schrittweise Steigerung der Arbeitstätigkeit geplant (Ziff. 11).
3.3
Dr. Z.___ nannte mit Bericht vom 17. April 2015 (Urk. 7/11) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
schwere Episode (ICD-10 F33.2), Diagnose bestehend seit 2003, und eine
generalisie
rte Angststörung (ICD-10 F41.1), bestehend seit 2011 (Ziff. 1.1).
Sie behandle den Beschwerdeführer seit 2006 (Ziff. 1.2). Die gegenwärtige Behandlung bestehe in einer integrierten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung auf kognitiv-behavioraler Grundlage, eine Stunde alle zwei Wochen (Ziff. 1.5). Die Stimmung sei gebessert, aber noch deutlich reduziert und schwankend. Nach Aufbau der Tagesstruktur, Wiedererlangen des selbstän
digen Versorgens des Haushaltes und der teilweisen Arbeitswieder
aufnahme stünden jetzt in der Therapie einerseits die berufliche Planung und Steigerung der Arbeitsfähigkeit und andererseits der Umgang mit den gene
ralisierten Ängsten, Unsicherheit und vermindertem Selbstwertgefühl im Vor
der
grund (Ziff. 1.4). Vom 3. Juni bis 21. November 2014 habe eine 100%ige, vom 22. November 2014 bis 2. März 2015 eine 80%ige und seit 3. März 2015 bis auf weiteres eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (Ziff. 1.6). Die bis
herige Tätigkeit sei ihm zu 40 % zumutbar (Ziff. 1.7). Ab zirka Juni/Juli 2015 sei eine Erhöhung des Pensums auf 50 % geplant (Ziff. 1.9).
3.4
Dr. med. Y.___, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, erstatte am 23. September 2015 zuhanden der Krankentaggeldversicherung des Beschwer
deführers ein Gutachten (Urk. 16/1-38) und nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine (akten-)anamnestisch generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1; S. 26 Ziff. 6). Zudem nannte er als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 26 Ziff. 6):
-
(akten-)anamnestisch depressive Episode im Rahmen einer rezidivieren
den depressiven Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4), diffe
rentialdiagnostisch Dysthymie (ICD-10 F34.1)
-
(akten-)anamnestisch Panikstörung [episodisch paroxysmale Angst] (ICD-10 F41.0), gegenwärtig „klinisch stumm"
-
(anamnestisch) Abhängigkeitssyndrom von Tabakwaren, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.24)
-
(akten-)anamnestisch Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10 F43.22), differentialdiagnostisch Angst und depressiven Störung gemischt (ICD-10 F41.2)
Gegenwärtig
sei
klinisch-phänomenologisch keine depressive Symptomatik
fest
stellbar gewesen
, worauf die erhobenen (objektiven) psychopathologischen Befunde wie auch die Angaben des Versicherten zum Tagesablauf hinweisen
würden
. Allenfalls wäre eine geringe Restsymptomatik zu erwähnen,
wobei indessen ebenfalls eine Ü
berschneidung mit der Symptomatik einer generali
sieren Angst
störung (ICD-10 F41.1) bestehe;
in der Gesamtschau überwieg
e
indessen die Symptomatik einer generalisierten Angststörung, zumal kein depressiver Affekt, resp
ektive
eine erkennbare Niedergestimmtheit, exp
loriert werden könne. Seine Sc
hilderungen zum Tages- und Wochenab
lauf, respektive seine Aktivitäten
, die in Anlehnung an das Mini-ICF-APP erhoben worden
seien
,
wiesen
auf eine gering- bis maximal leichtgradige Einschränkung hin, zumal er über ein vergleichsweise aktives Freizeitverhalten berichtet
habe
. Im Erscheinungsbild
sei
er gepflegt
gewesen
, angemessen gekleidet und im Kontakt freundlich, offen und zugewandt. Es
sei
also, wie erwähnt, eine weitgehende Remission der depressiven Episode im Rahmen einer rezidivierende
n depressi
ven Störung (ICD-10
F
33.4) festzustellen. Ergänzend sei erwähnt, dass die Prog
nose einer depressiven Episode bei Inanspruchnahme angemessener medizini
scher Massnahmen grundsätzlich „gut"
sei (S. 28 f. Ziff. 7.2)
.
Eine Fortführung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
sei
zweckmässig, um die bestehende ängstlich-depressive Symptomatik zur Remission zu bringen, resp
ektive
zu stabilisieren. Grundsätzlich
sei eine leit
linien
orientierte Behandlung sinnvoll und empfehlenswert. Diese Art der Thera
pieoptimierung
würde
aus fachärztlich psychiatrisch
-
psychotherapeutischer Sicht zumutbar
sein
. Zudem sollten die Ressourcen und Kompetenzen des Versi
cherten erkannt, benannt und gefördert werden
(S. 31 Ziff. 7.4).
Gegenwärtig bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 85 % (von 100 %) für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit. Eine allfällige Reduktion der Leistungsfähigkeit sei bereits im Rahmen der Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit bedacht und berücksichtigt worden (S. 35 Ziff. 7b). Gegenwärtig bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 90 % (von 100 %) für eine leidensangepasste Tätigkeit (S. 36 Ziff. 8b).
3.5
Dr. Z.___ nannte mit Bericht vom 16. April 2016 zuhanden der Kranken
taggeldversicherung (Urk. 7/31) dieselben Diagnosen wie mit den letzten Berichten (S. 1). Leider sei der positive Therapieverlauf durch den Wegfall der existentiellen Grundlage in Form der Taggeldversicherung massiv unterbrochen worden. Der dadurch entstandene Druck habe zu einer Exazerbation sowohl der depressiven als auch der Angstsymptomatik geführt. Es habe sich wieder ein schweres depressives Zustandsbild mit Hoffnungslosigkeit, passiven Suizidge
danken sowie Angst- und Panikzuständen gezeigt. Seit dem 19. Oktober 2015 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (S. 3 Ziff. 4). Die Prognose für eine 50%ige Arbeitsfähigkeit sei günstig, wenn der Beschwerdeführer genügend Zeit und Unterstützung erhalte mit dem Wiederaufbau der Arbeitsfähigkeit (S. 3 Ziff. 4.1). Vom 25. August bis 18. Oktober 2015 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % bestanden. Vom 19. Oktober 2015 bis 4. März 2016 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Danach sei die Arbeitsfähigkeit durch die Tagesklinik zu beurteilen (Ziff. 6).
3.6
Die Fachpersonen des Sanatoriums A.___ berichteten am 17. Mai 2016 (Urk. 7/21) über einen Aufenthalt des Beschwerdeführers ab 16. März 2016 in der Tagesklinik (Ziff. 1.3) und nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, bei Eintritt schwere Episode ohne psychotische Symptome, aktuell noch mittelgradig (ICD-10 F33.2)
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika; Abhängigkeitssyndrom; aktuell abstinent (ICD-10 F13.2)
Der Patient berichte, dass er seit über 13 Jahren an chronischen depressiven Symptomen leide. Dazwischen habe es immer nur wieder kurze bessere Momen
te gegeben. Die letzte schlimme Episode habe
zirka
vor
drei
Jahren begonnen. Damals sei es im Geschäft schon schwierig gewesen. Zusätzlich sei er für ihn überraschend vom damaligen Lebenspartner verlassen worden nach einer 6-jährigen Beziehung. Er habe mit dem Partner auch den Kontakt zu dessen Familie verloren, wo er sich aufgehoben gefühlt habe. Seither fühle er sich sehr einsam. Vor
zirka
einem Jahr
habe
er aufgrund der starken Angs
tz
ustände und der depressiven Symptomatik aufhören
müssen
zu arbeiten. Er sei selbständig, führe ein
en
Coiffeursalon. Mit der Begleitung der ambulanten Therapie sei es ihm dann gelungen, in kleinen Schritten die Arbeit wieder bis zu einem Pensum
von
50
% aufzunehmen. Dann sei ein Aufgebot der
Taggeldversicherung
gekommen zur vertrauensärztlichen Begutachtung, bei der der Vertrauensarzt ihn zu 85
% gesundgeschrieben habe. Der Patient habe die Welt nicht mehr ver
standen, habe sich ungerecht behandelt und ausgeliefert gefühlt und einen Zusammenbruch erlitten. Er habe einen Anwalt eingeschaltet und Frau
Z.___
h
abe einen Gegenbericht verfasst.
Dass seine jahrelange Behandlerin dazu fast
sechs
Monate gebraucht habe, sei für ihn unverständlich und habe ihn verletzt. Dieser Bericht sei nun immer noch bei der
Taggeldversicherung
hängig, und obwohl er aktuell von der ambulanten Behandlerin zu 100
% krankge
schrieben sei, habe er seit Monaten keine Gelder mehr ausbezahlt bekommen. Mittlerweile habe er sich entschieden, das Geschäft zu verkaufen und einen Fachmann damit beauftragt. Er fühle sich aber schlecht dabei, da er es
vor sei
nen Angestellten noch geheim halten müsse und sich wie ein Verräter vorkom
me. Von der Tagesklinik erhoffe er sich Unterstützung in dieser schwierigen Zeit, eine Stabilisierung und eventuell Hilfe bei der Findung einer neuen beruf
lichen Perspektive (S. 2 f. Ziff. 1.4).
Es sei grundsätzlich mit einer Verbesserung der depressiven Symptomatik und der Angstsymptomatik zu rechnen. Eine zeitliche Prognose sei jedoch nur schwer möglich, da die aktuell schwere depressive Episode ihren Ursprung in unterschiedlichen psychosozialen Belastungsfaktoren habe,
die bislang unver
ändert fortbestehen
würden (S. 3 Ziff. 1.4)
.
Ab 16.
März 20
16 bis mindestens Ende Juni 2016 bestehe in der angestammten Tätigkeit als Coiffeur mit eigenem Salon (Führungsfunktion) eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6). Eine Rückkehr in seine angestammte Tätigkeit sei dem Patienten aktuell nicht möglich. Bei der Aufnahme einer behinderungsan
gepassten Tätigkeit ausserhalb des eigenen Betriebes müsste ein schrittweiser und sehr langsamer Wiedereinstieg erfolgen (Ziff. 1.7).
Aufgrund der Symptomatik des Patienten
sei
nicht damit zu rechnen, dass er in seine Führungsposition im eigenen Betrieb zurückkehren
werde
. Ob und in wieweit dem Patienten ein Wiedereinstieg in Angestelltenposition möglich
sein würde
,
sei
zum aktuellen Zeitpunkt nicht absehbar. Grundsätzlich
würde
dann ein schrittweiser und sehr langsamer Wiederaufbau eines Arbeitspensums not
wendig
sein
, was im Rah
men einer Neueinstellung voraus
sichtlich schw
i
er
ig
umzusetzen sein
werde (Ziff. 1.9)
.
3.7
Die Fachpersonen des Sanatoriums
A.___
nannten mit Austrittsbericht vom 11. Juli 2016 (Urk. 7/30) über eine teilstationär-psychiatrische Behandlung des Beschwerdeführers vom 16. März bis 9. Juni 2016 als Hauptdiagnose eine aktuell noch mittelgradige depressive Episode sowie als Nebendiagnosen eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) sowie
psychische und Verhaltensstö
runge
n durch Sedativa oder Hypnotika:
Abhängigkeitssyndrom; aktuell absti
nent (ICD-10 F13.2)
.
Der Patient habe zuverlässig und motiviert an vier Tagen die Woche am teilsta
tionären Programm teilgenommen und habe wöchentlich zwei einzelpsychothe
rapeutische Termine erhalten. Kognitiv-verhaltenstherapeutisch sei unter ande
rem an einem konstruktiven Umgang mit den aktuellen psychosozialen Belastungsfaktoren und umfassender Ressourcenaktivierung gearbeitet worden. Zudem seien Themen wie der eigene Leistungsanspruch und Versagensängste bearbeitet worden. Hierunter habe sich das psychische Zustandsbild des Patien
ten wesentlich verbessert. Die depressive Symptomatik wie auch die diffusen Ängste im Rahmen der generalisierten Angststörung hätten sich im Verlauf regredient gezeigt, hätten jedoch während des gesamten Aufenthaltes fortbe
standen. Der Patient habe sich zunehmend eigeninitiativ gezeigt und konstruk
tiv realistische Zukunftspläne entwickelt. Es sei ihm zunehmend gut gelungen, eine stabile Tagesstruktur zu etablieren, und er habe vorbestehende soziale Kon
takte reaktiviert. Während des teilstationären Aufenthaltes habe der Patient noch eine Nachzahlung seiner Taggeldversicherung erhalten, was weiter zu seiner Stimmungsstabilisierung beigetragen habe. Er habe sich einmalig für einen spontanen 4-tägigen Besuch bei seinen Eltern in Spanien entschieden. Im Anschluss habe der Patient die Entscheidung getroffen, selber nach Spanien umzuziehen. Da dort gemäss seinen Angaben bereits ein soziales Netz (Eltern und Bekannte) bestehe, der Umzug eine finanzielle Entlastung für den Patienten darstellen würde und aufgrund seines beruflichen Hintergrundes (Coiffeur mit umfassender Erfahrung in der Ausbildungstätigkeit) der berufliche Wiederein
stieg dort realistisch erscheine und mit weniger Kränkungen verbunden sein würde als in der alten Umgebung, unterstützten sie den Entscheid des Patienten (S. 3 f.).
Der Beschwerdeführer sei am 9. Juni 2016 in deutlich gebessertem psychischem Zustandsbild und bei fehlenden Hinweisen auf Selbst- oder Fremdgefährdung aus der teilstationären Behandlung entlassen worden (S. 4).
4.
4.1
In psychischer Hinsicht diagnostizierte die behandelnde Psychiaterin Dr. Z.___ im November 2014, April 2015 und April 2016 eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode, sowie eine generali
sierte Angststörung (vorstehend E. 3.1, E. 3.2, E. 3.3, E. 3.5). Auch die Fachper
sonen des Sanatoriums A.___ diagnostizierten im Mai und Juli 2016 eine rezidivierende depressive Störung und eine generalisierte Angststörung, stuften erstere als mittelgradig ein und erwähnten letztere nur als Nebendiagnose (vor
stehend E. 3.6, E. 3.7). Zudem nannten sie ein Abhängigkeitssyndrom. Dr. Y.___ diagnostizierte im September 2015 eine depressive Episode, gegen
wärtig remittiert, eine Panikstörung, gegenwärtig «klinisch stumm», ein Abhän
gigkeitssyndrom sowie eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt (vorstehend E. 3.4).
Dr. Z.___ kam zum Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers von Juni 2014 bis Oktober 2015 stufenweise von 0 % auf 50 % zuge
nommen habe, bevor er schliesslich vom 19. Oktober 2015 bis 4. März 2016 wieder zu 100 % arbeitsunfähig geworden sei (vgl. vorstehend E. 3.3, E. 3.5). Dr. Y.___ kam im September 2015 zum Schluss, dass der Beschwerdeführer zu 85 % in seiner bisherigen Tätigkeit und zu 90 % in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig sei (E. 3.4). Die Fachpersonen des Sanatoriums A.___ attestier
ten ihm ab Klinikeintritt vom 16. März 2016 bis mindestens Ende Juni 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (E. 3.5).
4.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG
,
BGE 139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl.
BGE 143 V 409 E. 4.2.1 unter Hin
weis auf 127 V 294 E. 4b/cc und 139 V 547 E. 5.2
).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsächli
che Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE
141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätz
lich sämtliche psychischen
Erkrankungen
einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshin
dernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
Zum Komplex Gesundheitsschädigung ist zunächst hinsichtlich des Gesichts
punkts der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde festzuhalten, dass die diagnoserelevanten Befunde im September 2015 auf eine
zwischenzeitlich
remittierte rezidivierende depressive Störung (vorstehend E. 3.4) und im Mai sowie Juli 2016 auf eine mittelgradig ausgeprägte Depressivität schliessen liessen (vorstehend E. 3.6, E. 3.7). Die diffusen Ängste im Rahmen der generali
sierten Angststörung zeigten sich im Verlauf regredient (vorstehend E.
3.6).
Soweit die behandelnde Psychiaterin Dr. Z.___ stets eine schwere depressi
ve Störung diagnostizierte (vorstehend E. 3.1-E. 3.3, E. 3.5), vermag dies nicht zu überzeugen. So erfordert die Diagnose der schweren depressiven Episode das Vorhandensein aller drei für die leichte und mittelgradige depressive Episode typischen Symptome, mithin depressive Stimmung (1), Verlust von Interesse oder Freude (2) und
Antriebsmangel sowie erhöhte Ermüdbarkeit (3). Des Weite
ren müssen mindestens fünf von sieben anderen Symptomen besonders ausge
prägt sein, mithin verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit (1), vermin
dertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen (2), Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit (3), negative und pessimistische Zukunftsperspektiven (4), Suizidgedanken,
erfolgte Selbstverletzung oder Suizidhandlungen (5), Schlafstö
rungen (6), verminderter Appetit (7;
vgl. Weltgesundheitsorganisation, Interna
tionale Klassifikation psychischer Stö
rungen, ICD-10 Kapitel V, Klinisch-diagnostische Leitlinien, Dilling/Mom
bour/Schmidt [Hrsg.], 1
0.
Aufl., Bern 2015,
Ziff.
F
32
S.
169 ff.
)
. Aus den Berichten von Dr. Z.___ von November 2014 und April 2015 (vgl. vor
stehend E. 3.2 und E. 3.3) geht eine klare Verbes
serung des Gesund
heits
zustandes im Vergleich zum Juli 2014 hervor. Die Befundnahme lässt höchstens auf eine mittelgradige depressive Störung schliessen (vgl. Urk. 7/11/4 Ziff. 1.4, Urk. 7/15/6 Ziff. 5). Dr. Z.___ erach
tete den Beschwerdeführer denn auch seit März 2015 als zu 40 % (vorstehend E. 3.3) und von August bis Oktober 2015 als zu 50 % arbeitsfähig (vorstehend E. 3.5). Die behandelnde Psychiaterin berichtete im April 2016 von einer Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers und diagnosti
zierte unter anderem wiederum eine schwere depressive Störung (vorstehend E. 3.5). Von den erwähnten hierfür notwendigen Symptomen gehen indes aus dem Bericht nur vereinzelte hervor (Antriebsmangel sowie erhöhte Ermüdbar
keit, verminderte Konzentration, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstver
trauen, Suizidgedanken; vgl. Urk. 7/31 Ziff. 2.2 und Ziff. 4 Ende).
Damit fällt eine schwere Ausprägung des psychischen Leidens ausser Betracht.
Die das Beschwerdebild mitprägenden psychosozialen und soziokulturellen Belastungsfaktoren, soweit sie unmittelbar (direkt) die Symptomatik beeinflus
sen, sind als nicht invalidisierende und damit nicht versicherte Umstände aus
zuscheiden (Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2015 E. 4.3 mit Verweis auf BGE
141 V 281 E. 4.3.1.1 S. 298).
Gestützt auf die medizinische Aktenlage liegen wesentliche
psychosoziale Belastungsfaktoren vor. So
ist dokumentiert, dass der Beschwerdeführer bis im Herbst 2015 seine Arbeitstätigkeit auf 50 % steigerte, jedoch einen Zusammenbruch erlitten habe, nachdem Dr. Y.___ ihn als zu 85 % arbeitsfähig beurteilt hat. Er habe sich ungerecht behandelt und ausge
liefert gefühlt (vorstehend E. 3.6). Durch den Wegfall der Taggeld
versicherung habe er existenzielle Ängste und Ängste um den Erhalt des eigenen Geschäfts entwickelt, mit in Folge deutlicher Verschlechterung der depressiven Sympto
matik und der Angstsymptome (Urk. 7/31/3 Ziff. 4.1). Er habe sich entschieden, das Coiffeurgeschäft zu verkaufen und einen Fachmann damit beauftragt. Er fühle sich aber schlecht dabei, da er es vor seinen Angestellten noch geheim halten müsse und sich wie ein Verräter vorkomme (vorstehend E. 3.6). Schliess
lich führten die behandelnden Fachpersonen des Sanatoriums A.___ unter anderem aus, der Beschwerdeführer fühle sich einsam (Urk. 7/30/1 unten). Er lebe allein, habe keine Partnerschaft und keine Kinder. Wenige, aber gute Freundschaften seien vorhanden. Finanziell lebe er momentan von der Unter
stützung durch die Eltern und eine Freundin. Aktuell habe er zirka Fr. 18'000.-- Schulden (S. 2 unten). Sie kamen zum Schluss,
die aktuell schwere depressive Episode
habe
ihren Ursprung in unterschiedlichen psychosozialen Belastungs
faktoren
(vorstehend E. 3.6). Dies wird insbesondere durch den Umstand belegt, dass eine Nachzahlung der Taggeldversicherung zu seiner Stimmungsstabi
lisierung beigetragen hat (vorstehend E. 3.7).
Insgesamt können die funktio
nellen Einschränkungen damit
im Wesentlichen
auf aus
geprägte
und zweifels
ohne belastende
psychosoziale
und damit nicht ver
sicherte
Faktoren wie schwieriges berufliches Umfeld,
fragliche neue (berufliche) Perspektive, finan
zielle Ängste
zurückgeführt werden.
Weitere wichtige Indikatoren für die Ermittlung der Schwere eines Gesundheits
schadens sind Behand
lungs- und Eingliederungserfolg, also
Verlauf und Aus
gang von durchgeführten Therapien. Scheitern lege artis und mit optimaler Kooperation durchgeführte Therapien, deutet dies auf eine negative Prognose hin.
Die behandelnde Psychiaterin gab 2015 an, den Beschwerde
führer alle zwei Wochen für eine Stunde psychiatrisch-psychotherapeutisch zu behandeln (vor
stehend E. 3.3). Zudem nimmt der
Beschwerdeführer
Lyrica, Paroxetin sowie gelegentlich Temesta ein (vgl. Urk. 16/14). Vom 16. März bis 9. Juni 2016 befand sich der Beschwerdeführer in teilstationär-psychiatrischer Behandlung (vorstehend E. 3.7). Dabei hat sich das psychische Zustandsbild des Beschwerde
führers wesentlich verbessert (vorstehend E. 3.7).
Von einer thera
peutisch nicht mehr angehbaren Störung kann daher nicht ausgegangen wer
den.
Im Übrigen handelte es sich bei diesem teilstationären Aufenthalt des Beschwer
deführers um eine erste Behandlung dieser Art seit 2003 (vgl. Urk. 7/11/1 Ziff. 1.3).
4.4
Zu den Komplexen Persönlichkeit und sozialer Kontext ist festzuhalten, dass
der Beschwerdeführer über eine geregelte Tagesstruktur sowie ein soziales Netzwerk verfügt, wie sich aus den Berichten von Dr. Y.___ und den Fachleuten des Sanatoriums A.___ ergibt (vgl. vorstehend E. 3.4 und 3.7). Gemäss seinen Angaben bei Dr. Y.___ stehe er zwischen 5.30 und 6 Uhr auf, gehe mit seinem Hund spazieren, trinke Kaffee, lese Nachrichten, und arbeite von zirka 8 bis 13 Uhr. Nach der Arbeit gehe er gelegentlich mit seinem Hund spazieren. Nachher lege er sich bis zu zwei Stunden hin. Am Montag sei sein Geschäft geschlossen, an diesem Tag mache er in der Regel den Haushalt. Zudem gehe er am Montag ins Fitnessstudio. Am Abend schaue er Fernsehen. Zudem lese er sehr gerne. Gelegentlich gehe er mit Kollegen etwas essen oder trinken. Zwischen 21 und 22.30 Uhr gehe er ins Bett. Im Sanatorium sei an einer umfassenden Ressourcenaktivierung gearbeitet worden, wodurch sich das Zustandsbild deutlich verbessert habe. Der Beschwerdeführer sei fähig gewesen, eigeninitiativ zu sein, konstruktive realistische Zukunftspläne zu entwerfen, eine stabile Tagesstruktur zu etablieren und vorbestehende soziale Kontakte zu reaktivieren. Ebenfalls verfügt er mit den Eltern und Bekannten in Spanien, wohin er umziehen wolle, über ein soziales Netz (vgl. vorstehend E. 3.7). Diese Angaben sprechen für substantielle Ressourcen und eine grundsätzlich doch belastbare Persönlichkeit.
4.5
Zu prüfen ist sodann die Konsistenz. Hinsichtlich des Gesichtspunkts der gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen ist zu bemerken, dass
der Beschwerdeführer den Haushalt sel
ber besorgen kann, täglich mit seinem Hund spazieren ging, sich im Fitnessstu
dio sportlich betätigte und Kollegen trifft. Zudem unternahm er einen 4-tägigen Besuch bei seinen Eltern in Spanien und plant, dorthin umzuziehen. Auch während des teilstationären Aufenthalts war er fähig, Pläne für seine per
sönliche und berufliche Zukunft zu treffen und den Verkauf seines Coiffeur
geschäfts in die Wege zu leiten (vorstehend E. 3.4, 3.6-3.7). Diese Aktivitäten stehen
im Widerspruch zur geltend gemachten Erwerbsunfähigkeit.
Bezüglich Leidensdruck ist festzustellen, dass
der Beschwerdeführer bisher eine regelmässige
psy
chiatrisch-psychotherapeutische Behandlung wahrgenommen hat, sich auch in teilstationäre Behandlung begeben hat und Medikamente ein
nimmt, womit ein Leidensdruck zu bejahen ist.
4.6
Zusammenfassend
ergibt sich, dass die diagnoserelevanten Befunde nicht besonders ausgeprägt sind und die funktionellen Einschränkungen
überzeugend
auf die ausgeprägten psychosozialen Faktoren zurückgeführt werden können. Zudem
sind die psychischen Störungen behandelbar. Der
Beschwerdeführer ver
fügt über eine Tagesstruk
tur sowie ein soziales Netzwerk. Ein Leidensdruck ist zwar vorhanden, aber das Aktivitätsniveau scheint nicht in allen Lebensberei
chen gleichmässig und erheblich eingeschränkt.
Die
Arbeitsfähigkeitseinschätzungen
von den behandelnden Ärzten (vgl. vor
stehend E. 4.1) sind somit aufgrund der Prüfung der Standardindikatoren nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit schlüssig und widerspruchsfrei nachge
wiesen.
D
ie Folgen der Beweislosigkeit hat der Beschwerdeführer zu tragen (vgl. vorstehend E. 4.2). Im Übrigen
gilt der Grundsatz, wonach Berichte der behandelnden Ärzte (auch Spezialärzte) aufgrund deren auftragsrechtlicher Ver
trauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen sind (BGE 135 V 465 E. 4.5), welcher hier
für die behandelnde Psychiaterin Dr. Z.___ als auch die Fachpersonen des Sanatoriums A.___ Anwendung findet.
Nach dem Gesagten bleibt somit kein Raum für die Annahme eines invalidi
sierenden Gesundheitsschadens.
Die
einen Rentenanspruch verneinende
Verfü
gung vom 15. Februar 2017 (Urk. 2) erweist sich als rechtens,
was zur Abwei
sung der
dagegen erhobenen
Beschwerde führt.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig v
om Streitwert festzulegen (Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie de
m
unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerle
gen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Dr. iur. André Largier
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannKeller