# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a149aa06-2ace-5da3-890b-50ea7c8fd5cd
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-11-16
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 16.11.2016 100 2015 267
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2015-267_2016-11-16.pdf

## Full Text

100.2015.267U
HAT/SBE/RAP

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 16. November 2016

Verwaltungsrichter Keller, Abteilungspräsident i.V.
Verwaltungsrichter Häberli und Müller
Gerichtsschreiberin Streun

Rechtsanwalt A.________
Beschwerdeführer 

gegen

Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons Bern 
Obergericht des Kantons Bern, Hochschulstrasse 17, Postfach 7475, 
3001 Bern

betreffend Anwaltsaufsicht; Disziplinarmassnahme (Entscheid der Anwalts-
aufsichtsbehörde vom 6. August 2015; AA 14 91 STN)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16.11.2016, Nr. 100.2015.267U, 
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Sachverhalt:

A.

Rechtsanwalt A.________ vertrat die … AG, die in der Nähe von … ein 
Alters- und Pflegeheim betreibt, in einem Aufsichtsverfahren vor dem Al-
ters- und Behindertenamt (ALBA) der Gesundheits- und Fürsorgedirektion 
des Kantons Bern (GEF). Das Verfahren war (unter anderem) durch die 
Anzeige einer ehemaligen Angestellten des Heims veranlasst worden, wel-
che dem ALBA am 20. August 2013 im Rahmen eines protokollierten Ge-
sprächs verschiedene angebliche Missstände in der Betriebsorganisation 
und der Pflege der betreuten Personen schilderte. Mit Schreiben vom 
18. Dezember 2013 gelangte Rechtsanwalt A.________ an die Anzeigerin 
und verlangte von ihr, dass sie «sich vorbehaltlos und in aller Form von 
ihren eigenen protokollierten Aussagen vom 20. August 2013 distanziere 
und diese widerrufe». Er stellte ihr in Aussicht, Strafanzeige wegen Ehr-
verletzung zu erheben, sollte sie seiner Aufforderung nicht bis zum 
24. Dezember 2013 nachkommen. 

B.

Im Rahmen eines Beschwerdeverfahrens erhielt der Präsident der verwal-
tungsrechtlichen Abteilung des Verwaltungsgerichts Kenntnis von diesem 
Schreiben, das er in der Folge entsprechend der Meldepflicht nach Art. 15 
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2000 über die Freizügigkeit der 
Anwältinnen und Anwälte (Anwaltsgesetz, BGFA; SR 935.61) an die An-
waltsaufsichtsbehörde des Kantons Bern weiterleitete. Am 29. September 
2014 eröffnete diese ein Disziplinarverfahren gegen A.________ wegen 
möglicher Verletzung von Berufsregeln. Mit Verfügung vom 6. August 2015 
erteilte sie ihm einen Verweis wegen Verletzung seiner Pflicht zur sorgfälti-
gen und gewissenhaften Berufsausübung gemäss Art. 12 Bst. a BGFA.

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C.

Dagegen hat A.________ am 3. September 2015 Verwaltungsgerichts-
beschwerde erhoben mit dem Rechtsbegehren, die Verfügung der An-
waltsaufsichtsbehörde vom 6. August 2015 sei aufzuheben. 

Die Anwaltsaufsichtsbehörde schliesst mit Vernehmlassung vom 5. Okto-
ber 2015 auf Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als 
letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des 
Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; 
BSG 155.21) zuständig (vgl. auch Art. 22 des Kantonalen Anwaltsgesetzes 
vom 28. März 2006 [KAG; BSG 168.11]). Der Beschwerdeführer hat am 
vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen, ist durch die angefochtene Ver-
fügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren 
Aufhebung oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Auf die form- und frist-
gerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.

1.2 Was die Besetzung des Spruchkörpers anbelangt, verlangt der Be-
schwerdeführer den Ausstand der in die Anzeige involvierten Personen. 
Dieses Begehren erweist sich als gegenstandslos, da der Abteilungspräsi-
dent am vorliegenden Urteil nicht mitwirkt und die übrigen Mitglieder des 
Spruchkörpers nicht mit der Sache befasst waren.

1.3 Das Verwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 VRPG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 16.11.2016, Nr. 100.2015.267U, 
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2.

2.1 Gemäss Art. 12 Bst. a BGFA haben Anwältinnen und Anwälte ihren 
Beruf sorgfältig und gewissenhaft auszuüben. Dabei wird von ihnen in Be-
zug auf ihre gesamte berufliche Tätigkeit ein «korrektes» Verhalten erwar-
tet (BGE 130 II 270 E. 3.2 auch zum Nachfolgenden; Kaspar Schiller, 
Schweizerisches Anwaltsrecht, 2009, Rz. 1493; Walter Fellmann, Walter 
Fellmann, in Fellmann/Zindel [Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsgesetz, 
2. Aufl. 2011, Art. 12 N. 6). Die Pflicht zu sorgfältiger Berufsausübung be-
zieht sich nicht nur auf das Verhältnis zur eigenen Klientschaft, sondern 
erstreckt sich auch auf das Verhalten gegenüber den Behörden, der 
Gegenpartei und der Öffentlichkeit (vgl. BGer 2C_103/2016 vom 30.8.2016, 
E. 3.1, 2C_551/2014 vom 9.2.2015, E. 4.1; Walter Fellmann, a.a.O., Art. 12 
N. 12; a.M. Kaspar Schiller, a.a.O., Rz. 211 ff.). Letztlich soll im Interesse 
des rechtsuchenden Publikums und des Rechtsstaates die getreue und 
sorgfältige Ausführung von Anwaltsmandaten sichergestellt werden (Walter 
Fellmann, a.a.O., Art. 12 N. 2 f. und 9). Im Zentrum steht dabei, dass die 
Wahrung der Interessen ausschliesslich mit (rechtlich) zulässigen Mitteln 
erfolgt. Dies bildet die Basis für das Vertrauen der Öffentlichkeit in den An-
waltsberuf (Walter Fellmann, a.a.O., Art. 12 N. 16 und 36).

2.2 Einer Anwältin bzw. einem Anwalt ist es grundsätzlich nicht ver-
wehrt, einer Gegenpartei die geboten erscheinenden rechtlichen Schritte 
nicht nur aufzuzeigen, sondern auch anzudrohen. Voraussetzung für die 
Rechtmässigkeit solcher Androhungen ist aber, dass sowohl die angedroh-
ten Massnahmen als auch das verfolgte Ziel je für sich erlaubt sind und 
zudem zwischen angedrohtem Mittel und erwartetem Verhalten ein sachli-
cher Zusammenhang besteht (vgl. BGE 125 III 353 E. 2; Walter Fellmann, 
a.a.O., Art. 12 N. 49b; Kaspar Schiller, a.a.O., Rz. 1513; Delnon/Rüdy, in 
Basler Kommentar, 3. Aufl. 2013, Art. 181 StGB N. 39 und 41 f., je auch 
zum Nachfolgenden). Entsprechend erweist sich die Androhung einer 
Strafanzeige dann als unzulässig und damit als Verstoss gegen die anwalt-
liche Pflicht zur sorgfältigen und gewissenhaften Berufsausübung, wenn 
zwischen dem Straftatbestand, der angezeigt werden soll, und der formu-
lierten Erwartung jeder sachliche Zusammenhang fehlt oder wenn mit der 
Drohung eine ungerechtfertigte Zuwendung zu erlangen versucht wird. 

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2.3 Zu einer sorgfältigen und gewissenhaften Berufsausübung im Sinn 
von Art. 12 Bst. a BGFA gehört weiter, dass die Anwältin bzw. der Anwalt 
jegliches Verhalten unterlässt, das die Gefahr einer Beeinflussung von 
Zeugen birgt (BGE 136 II 551 E. 3.2.1 mit Hinweisen; BGer 2C_257/2012 
vom 4.9.2012, E. 3.1, 2C_909/2010 vom 12.4.2011, E. 2.1; Walter Fell-
mann, a.a.O., Art. 12 N. 22 f. und 37a; vgl. auch Art. 7 der Standesregeln 
des Schweizerischen Anwaltsverbands vom 1.7.2005, abrufbar unter: 
<http://www.sav-fsa.ch>, Rubriken «Anwaltsrecht/Standesrecht»). Die 
Kontaktaufnahme mit einer Person, die als Zeugin in Betracht fallen könnte, 
ist stets so auszugestalten, dass die störungsfreie Sachverhaltsermittlung 
durch das Gericht oder die zuständige Behörde gewährleistet bleibt 
(BGE 136 II 551 E. 3.2.3 f.; BGer 2C_257/2012 vom 4.9.2012, E. 3.2, 
2C_909/2010 vom 12.4.2011, E. 2.1 je auch zum Nachfolgenden). Dabei 
versteht sich von selbst, dass die Anwältin bzw. der Anwalt sich jeglicher 
Druckausübung zu enthalten hat. Unzulässig ist es insbesondere, Zeugin-
nen oder Zeugen zu einer bestimmten oder überhaupt zu einer Aussage zu 
drängen, ihnen für den Fall des Schweigens mit Nachteilen zu drohen, 
Suggestivfragen zu stellen oder sie dahingehend zu beeinflussen, gar nicht 
auszusagen (BGE 136 II 551 E. 3.2.2; Walter Fellmann, a.a.O., Art. 12 
N. 23a; vgl. auch Kaspar Schiller, a.a.O., Rz. 1540 f.).

3.

3.1 Die Mandantin des Beschwerdeführers hat das Wohn- und Pflege-
heim … auf den 1. Juli 2013 durch Fusion mit ihrem Rechtsvorgänger, dem 
Verein …, übernommen (vgl. SHAB-Publikation vom 4.7.2013). Aufgrund 
dieses Übergangs in der Trägerschaft waren sämtliche Voraussetzungen 
der Betriebsbewilligung des Wohn- und Pflegheims (neu) zu prüfen, wes-
halb das ALBA der … Wohnheim AG am 22. Oktober 2013 – auf Gesuch 
hin – eine provisorische, bis 31. Januar 2014 gültige Betriebsbewilligung 
erteilte. Am 30. Oktober 2013 führte das ALBA aufgrund verschiedener 
aufsichtsrechtlicher Anzeigen einen unangemeldeten Kontrollbesuch im 
Wohn- und Pflegeheim … durch. Dabei wurden eine potenzielle Gefähr-
dung der betreuten Personen sowie (mehrere und z.T. erhebliche) Mängel 
im Umgang mit Arzneimitteln festgestellt. Gestützt auf die vorläufigen 

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Ergebnisse des Aufsichtsbesuchs eröffnete das ALBA am 22. November 
2013 ein aufsichtsrechtliches Verfahren und stellte der Mandantin des 
Beschwerdeführers in Aussicht, das Verfahren um Erteilung einer unbe-
fristeten Betriebsbewilligung bis zum Abschluss des Aufsichtsverfahrens 
einzustellen. Nachdem ihm Einsicht in die Verfahrensakten gewährt worden 
war, beantragte der Beschwerdeführer dem ALBA für seine Mandantin, von 
einer Sistierung des Verfahrens um Erteilung einer definitiven Betriebsbe-
willigung abzusehen (Eingabe vom 9.12.2013). 

3.2 Am 18. Dezember 2013 gelangte der Beschwerdeführer schriftlich 
an eine ehemalige Angestellte des … Wohnheims, welche dem ALBA am 
14. August 2013 aufsichtsrechtliche Anzeige erstattet und im Rahmen ei-
nes protokollierten Gesprächs vom 20. August 2013 über Missstände in der 
Pflege der betreuten Personen sowie der Betriebsführung durch die Heim-
leiterin, B.________, berichtet hatte. In seinem Schreiben an die Anzeigerin 
hielt der Beschwerdeführer einleitend fest, die von ihr «anlässlich der Be-
sprechung beim ALBA am 20. August 2013 zu Protokoll gegebenen Aus-
führungen hinsichtlich die angeblichen Missstände» würden «vollumfäng-
lich bestritten». Die «diffamierenden Aussagen» zum Nachteil seiner Man-
dantin bzw. von B.________ seien «teilweise ehrverletzend» und könnten 
deshalb nicht ohne weiteres hingenommen werden. Deshalb setze er ihr 
namens seiner Mandantin eine Frist bis zum 24. Dezember 2013, um dem 
Alters- und Behindertenamt schriftlich mitzuteilen, dass sie sich «vorbe-
haltlos und in aller Form von ihren eigenen protokollierten Aussagen vom 
20. August 2013 distanziere und diese widerrufe». Für den Fall, dass sie 
dieser Aufforderung nicht fristgerecht nachkomme, sei er von seiner «Man-
dantin beauftragt, Strafanzeige wegen Ehrverletzung gegen ihre Person zu 
erheben». 

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4.

Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer durch dieses Verhalten 
gegenüber der Anzeigerin gegen seine Pflicht zur sorgfältigen und gewis-
senhaften Berufsausübung verstossen hat.

4.1 Die Anwaltsaufsichtsbehörde gelangte zum Schluss, dem Be-
schwerdeführer sei in Bezug auf sein Schreiben vom 18. Dezember 2013 in 
zweierlei Hinsicht eine Verletzung von Berufsregeln vorzuwerfen. Zunächst 
sei die Androhung einer Strafanzeige nicht geeignet gewesen, die von der 
Mandantin des Beschwerdeführers angestrebten Ziele zu erreichen, hätte 
doch mit einer solchen weder erwirkt werden können, dass das Aufsichts-
verfahren eingestellt, noch dass eine unbeschränkte Betriebsbewilligung 
erteilt wird. Entsprechend fehle es an einem sachlichen Zusammenhang 
zwischen dem der Anzeigerin angedrohten Strafverfahren und dem 
dadurch verfolgten Zweck und stelle das Vorgehen unter diesem Blickwin-
kel eine Verletzung von Art. 12 Bst. a BGFA dar. Weiter erachtete die Vor-
instanz es als erstellt, dass der Beschwerdeführer die Anzeigerin zu beein-
flussen versucht und so die korrekte Sachverhaltsermittlung bzw. Wahr-
heitsfindung durch die Aufsichtsbehörde gefährdet habe. Sein Vorgehen 
sei auch unter diesem Gesichtspunkt als Verstoss gegen Art. 12 Bst. a 
BGFA zu würdigen. Da es sich nicht lediglich um eine ganz leichte Verfeh-
lung handle, aber der Beschwerdeführer sich der Unrechtmässigkeit seines 
Handelns offenbar nicht bewusst gewesen sei, qualifizierte sie die Berufs-
pflichtverletzung als mittelschweren Verstoss, den sie mit einem Verweis 
sanktionierte. – Der Beschwerdeführer wendet ein, die Anwaltsaufsichtsbe-
hörde sei fälschlicherweise davon ausgegangen, dass er darauf abgezielt 
habe, für seine Mandantin die Erteilung einer unbefristeten Betriebsbewilli-
gung bzw. die Einstellung des Aufsichtsverfahrens zu erwirken. Vielmehr 
sei es darum gegangen, der Anzeigerin die Möglichkeit zu geben, ihre po-
tentiell ehrverletzenden Aussagen zurückzuziehen, um ein Strafverfahren 
zu vermeiden. Er wirft der Vorinstanz in diesem Zusammenhang vor, die 
fragliche Passage seines Schreibens an die Anzeigerin aus dem Kontext 
gerissen zu haben. Würden die betreffenden Ausführungen im Licht des 
ganzen Absatzes gelesen, sei ersichtlich, dass sich seine Aufforderung 
zum Widerruf allein auf die ehrverletzenden und diffamierenden Aussagen 

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zum Nachteil seiner Mandantin bezogen habe. Entsprechend bestehe ein 
hinreichender sachlicher Zusammenhang zwischen angedrohtem Mittel 
und verfolgtem Zweck. Zudem stelle es ein zulässiges anwaltliches Vorge-
hen dar, der Gegenpartei im Rahmen der Interessenvertretung die weiteren 
rechtlichen Schritte in Aussicht zu stellen. Der Beschwerdeführer stellt 
zudem in Abrede, dass durch sein Vorgehen die störungsfreie Sachver-
haltsermittlung beeinträchtigt worden sei. Er bringt insoweit vor, der Wider-
ruf protokollierter potentiell ehrverletzender Aussagen sei von vornherein 
nicht geeignet, ein bereits feststehendes Beweisergebnis zu verfälschen. 
Er beruft sich schliesslich darauf, dass die Anzeigerin vorliegend nicht als 
Zeugin befragt, sondern (bloss) als Anzeigerin angehört worden sei. 

4.2 Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, seine Intervention habe 
sich einzig auf die möglicherweise ehrverletzenden Aussagen bezogen und 
allein darauf abgezielt, die Anzeigerin zu deren Widerruf zu bewegen, um 
so ein Strafverfahren zu verhindern, findet diese Behauptung im Schreiben 
vom 18. Dezember 2013 keine Stütze: Zwar begründet er darin seine an 
die Anzeigerin gerichtete Aufforderung, die gegenüber dem ALBA ge-
machten Aussagen zurückzuziehen, einleitend damit, dass diese «teilweise 
ehrverletzend» seien. Hingegen ist die Aufforderung zum Widerruf in kei-
nerlei Hinsicht begrenzt. Im Gegenteil wird die Anzeigerin aufgefordert, sich 
«vorbehaltlos», also ohne jegliche Einschränkung «von ihren eigenen pro-
tokollierten Aussagen» zu distanzieren und diese zu widerrufen. Der Be-
schwerdeführer hat denn auch in seinem Schreiben die Äusserungen, die 
er als (möglicherweise) ehrverletzend betrachtete, nicht näher bezeichnet. 
Dies obschon er nicht erwarten konnte, dass für die Anzeigerin (als Laiin) 
erkennbar war, welche Äusserungen er als potentiell ehrverletzend ansah. 
Unter diesen Umständen konnte seine Aufforderung – selbst im Kontext mit 
dem vorangehenden Satz – von der Anzeigerin nur so verstanden werden, 
dass sie ihre Schilderung der Missstände im Heim als Ganzes zu wider-
rufen hätte, um einer Strafanzeige zu entgehen. Entsprechend erweist sich 
auch der Schluss der Vorinstanz, dass es am erforderlichen Sachzusam-
menhang zwischen Drohung und erwartetem Verhalten gefehlt habe, im 
Ergebnis als richtig. Selbst der Beschwerdeführer macht nicht geltend, 
dass mit einer Strafanzeige hätte erwirkt werden können bzw. seine Man-
dantin berechtigt gewesen sei, zu verlangen, dass sich die Anzeigerin von 

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ihren sämtlichen gegenüber dem ALBA gemachten Aussagen distanziere. 
Die Vorinstanz hat demnach zu Recht geschlossen, der Beschwerdeführer 
habe, indem er der Anzeigerin mit einer Strafanzeige drohte, seine Berufs-
pflichten gemäss Art. 12 Bst. a BGFA verletzt. 

4.3 Indem der Beschwerdeführer der Anzeigerin für den Fall, dass sie 
ihre Aussagen nicht widerrufe, eine Strafanzeige in Aussicht stellte und 
diese Aufforderung zudem mit einer nur sehr kurzen Reaktionsfrist ver-
band, war sein Schreiben fraglos geeignet, Druck auszuüben und die An-
zeigerin dazu zu bewegen, ihre gegenüber dem ALBA gemachten Angaben 
zurückzunehmen. Ein solches Vorgehen ist mit der Pflicht eines Rechts-
anwalts, die störungsfreie Sachverhaltsermittlung der Behörden zu ge-
währleisten, nicht zu vereinbaren. Insoweit ist unerheblich, ob der Beweg-
grund für das Schreiben (in erster Linie) darin bestand, gegen die Verbrei-
tung ehrenrühriger Aussagen vorzugehen, und der Beschwerdeführer mit 
der angedrohten Strafanzeige (auch) berechtigte Interessen seiner Man-
dantin verfolgte (vgl. BGer 2C_257/2012 vom 4.9.2012, E. 3.4). Ebenfalls 
nicht entscheidend ist, dass die Anzeigerin wohl nicht Zeugin war, sondern 
als Auskunftsperson angehört worden ist. Die von der Rechtsprechung 
entwickelten Grundsätze über die Kontaktaufnahme mit Zeugen bezwe-
cken, die gerichtliche Beweisabnahme vor Beweisverfälschung oder -ver-
eitelung zu schützen (BGE 136 II 551 E. 3.2.2; BGer 2C_257/2012 vom 
4.9.2012, E. 3.2). Da auch bei der Kontaktaufnahme bzw. Beeinflussung 
von Auskunftspersonen die Gefahr der Beweisverfälschung besteht, haben 
sie für diese Personen gleichermassen zu gelten. Aus dem Umstand, dass 
die Anzeigerin vorliegend wohl «lediglich» Auskunftsperson war, ergibt sich 
demnach nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers. Schliesslich kann 
keine Rede davon sein, dass ein Zurückkommen auf die Schilderung von 
Missständen am Beweisergebnis nichts zu ändern vermocht hätte: Im Zeit-
punkt, als der Beschwerdeführer die Anzeigerin anging, war das Beweis-
verfahren keineswegs abgeschlossen (vgl. Schreiben ALBA vom 
23.12.2013 sowie Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 31.1.2014, 
in Akten des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens 100.2014.93, Beschwer-
debeilagen Nr. 2 und 3). Die Anzeigerin hatte verschiedene Missstände 
geschildert, die über das ausführliche Protokoll ihrer Anhörung in das Auf-
sichts- bzw. Bewilligungsverfahren des ALBA eingeflossen sind. Hätte der 

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Beschwerdeführer sie zur Rücknahme ihrer Vorwürfe bewegen können, 
hätte das ALBA ihre Angaben im Verfahren nicht mehr in gleicher Weise 
verwenden können. Da viele der von der Anzeigerin angesprochenen 
Dinge eine «Innensicht» voraussetzen und von der Aufsichtsbehörde nicht 
ohne weiteres auf andere Art als durch Berichte von (ehemaligen) Ange-
stellten in Erfahrung gebracht werden können, wäre zu erwarten gewesen, 
dass die Heimleitung nicht mehr gleich detailliert hätte Stellung nehmen 
müssen. Überdies hätte das ALBA geneigt sein können, die Zuverlässigkeit 
der zurückgezogenen Angaben überhaupt in Zweifel zu ziehen und wäre 
unter Umständen gewissen (allenfalls berechtigten) Vorwürfen nicht mehr 
nachgegangen. Ein Widerruf hätte sich somit direkt auf den bereits erhobe-
nen Sachverhalt ausgewirkt und zudem Art und Umfang der weiteren 
Sachverhaltsermittlung beeinflussen können. Die Vorinstanz hat demnach 
zu Recht festgestellt, das Schreiben des Beschwerdeführers sei geeignet 
gewesen, die korrekte Sachverhaltsermittlung zu gefährden. Es ist damit 
nicht zu beanstanden, wenn sie das Vorgehen des Beschwerdeführers 
auch insoweit als Verstoss gegen die anwaltliche Pflicht zur sorgfältigen 
und gewissenhaften Berufsausübung im Sinn von Art. 12 Bst. a BGFA ge-
wertet hat.

5.

Die möglichen Disziplinarmassnahmen bei einer Verletzung von Berufs-
regeln reichen gemäss Art. 17 Abs. 1 BGFA von einer Verwarnung als mil-
deste Sanktion (Bst. a) bis hin zu einem dauernden Berufsausübungsver-
bot als schärfste Massnahme (Bst. e). Die Sanktion hat sich nach der 
Schwere des Verstosses gegen die Berufspflichten, nach dem Verschulden 
sowie dem beruflichen Vorleben der Anwältin oder des Anwalts zu richten, 
wobei insbesondere Art und Anzahl allfälliger früherer Verstösse zu be-
rücksichtigen sind (vgl. Tomas Poledna, in Fellmann/Zindel [Hrsg.], Kom-
mentar zum Anwaltsgesetz, 2. Aufl. 2011, Art. 17 N. 27). – Die Vorinstanz 
hat erwogen, die Pflichtverletzung liege an der Grenze zu einem mittel-
schweren Verstoss, letztlich aber doch die blosse Erteilung eines Verwei-
ses als angemessen erachtet. Zu Recht bringt der Beschwerdeführer nicht 

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vor, die Anwaltsaufsichtsbehörde habe ihr Ermessen zu seinem Nachteil 
rechtsfehlerhaft ausgeübt. 

6.

6.1 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer gegen Art. 12 Bst. a 
BGFA verstossen, indem er der Person, die seine Mandantin angezeigt 
hatte, mit einer Strafanzeige wegen Ehrverletzung drohte. Dies zum einen, 
weil kein genügender Sachzusammenhang zur erwarteten Rücknahme der 
gegenüber der Aufsichtsbehörde gemachten Aussagen vorlag (E. 4.2), und 
zum andern, weil dadurch die korrekte Sachverhaltsermittlung durch das 
ALBA gefährdet wurde (E. 4.3). Damit erweist sich die Beschwerde als un-
begründet und ist abzuweisen. 

6.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer 
kostenpflichtig (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Parteikosten sind keine zu spre-
chen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). 

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine Pauschalgebühr von Fr. 3ʹ000.--, werden dem Beschwerdeführer 
auferlegt.

3. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

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4. Zu eröffnen:
- dem Beschwerdeführer
- der Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons Bern

Der Abteilungspräsident i.V.: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.