# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6e8e1942-aca2-5f01-8ea9-ca91512e1da0
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.01.2012 E-4459/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4459-2011_2012-01-12.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­4459/2011

U r t e i l   v om   1 2 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi,
mit Zustimmung von Richter Martin Zoller;  
Gerichtsschreiber Christoph Berger.

Parteien A._______, geboren (…),
Irak,  
vertreten durch Kathrin Stutz, 
Zürcher Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), 
(…),
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 11. Juli 2011 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  die  Beschwerdeführerin,  kurdischer  Ethnie  und  aus  Suleimaniya 
stammend,  gemäss  eigenen  Angaben  ihr  Heimatland  am  16.  August 
2008 auf dem Landweg über die Türkei verliess, am 1. September 2008 
in die Schweiz gelangte und hier gleichentags um Asyl nachsuchte,

dass sie am 18. September 2008  im Empfangs­ und Verfahrenszentrum 
(EVZ) Kreuzlingen und am 6. November 2009 durch das BFM ergänzend 
zu den Asylgründen angehört wurde,

dass sie im Wesentlichen vorbrachte, sie sei nach dem Tod ihres Vaters 
im  Jahre  1999  durch  ihre  beiden  Brüder  aufgrund  deren  islamistischen 
und  intoleranten  Grundhaltung  zu  einer  konservativen  Lebensführung 
gezwungen worden,

dass sie im Januar 2007 für die Schule Fotos von ihr ohne Kopftuch habe 
anfertigen  lassen  und  die  Brüder  im  März  2008  diese  Fotos  entdeckt 
hätten,  sehr wütend geworden wären und  ihr  verboten hätten, weiterhin 
als (…) tätig zu sein,

dass  sie  seit  dem  Jahre  2006  eine  Beziehung  zu  einem Mann  gehabt 
habe, der Mitglied der Komala Partei sei,

dass  diese Beziehung  auch  ausserehelich  intim  geworden  sei, weshalb 
sie  eine  von  ihren  Brüdern  beabsichtigte  Heirat  mit  einem  Cousin 
abgelehnt habe,

dass am 10. August 2008 ihre Brüder Fotos gefunden hätten, auf denen 
die Beschwerdeführerin mit ihrem Freund an Veranstaltungen der Komala 
Partei zu sehen gewesen seien,

dass ihre Brüder sie danach in ihrem Zimmer eingesperrt und vereinbart 
hätten, sie umzubringen,

dass die Mutter der Beschwerdeführerin ihr zu Flucht verholfen habe und 
sie ins Parteiquartier der Komala gefahren sei,

dass ihr Freund dort nicht anwesend gewesen sei und Bekannte aus der 
Partei ihre Ausreise aus dem Irak organisiert hätten,

dass  für den  Inhalt der Aussagen  im Einzelnen auf die Akten verwiesen 
werden kann,

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dass  das  BFM mit  am  13.  Juli  2011  eröffneter  Verfügung  vom  11.  Juli 
2011 feststellte, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft 
nicht,  ihr  Asylgesuch  ablehnte,  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz 
anordnete,  die  Wegweisung  jedoch  aufgrund  der  Unzumutbarkeit  als 
nicht  vollziehbar erachtete und den Vollzug der Wegweisung zugunsten 
einer vorläufigen Aufnahme aufschob,

dass es zur Begründung  im Wesentlichen ausführte, die Vorbringen der 
Beschwerdeführerin  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit 
gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) 
nicht standhalten, weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle und 
das Asylgesuch abzulehnen sei,

dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  12.  Augst  2011 
(Postaufgabe)  gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde  erhob  und  in 
materieller  Hinsicht  beantragt,  der  Entscheid  der  Vorinstanz  sei 
aufzuheben und es sei Asyl zu gewähren,

dass  sie  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Prozessführung  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses ersuchte,

dass  auf  die  Begründung  der  Beschwerdebegehren,  soweit 
entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist,

dass das Bundesverwaltungsgericht mit Verfügung vom 16. August 2011 
den Eingang der Beschwerde bestätigte,

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  im Bereich des Asyls  in der Regel ­ 
so  auch  vorliegend  ­  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen 
(Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet 
(Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 

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Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist   
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

dass auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten 
ist  (Art.  108  Abs.  1  AsylG  und  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und 
Art. 52 VwVG),

dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird 
(Art. 111  Bst. e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend 
aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid 
nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1 
AsylG), wobei als Flüchtlinge Personen gelten, die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG),

dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft 
gemacht werden muss (Art. 7 AsylG),

dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde 
ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben 
hält,

dass die Erwägungen des BFM in der angefochtenen Verfügung den von 
der  Beschwerdeführerin  vorgebrachten  Sachverhalt  in  seinen 
entscheidwesentlichen  Punkten  in  ausgewogener  und  überzeugender 
Form beurteilen und somit zu bestätigen sind,

dass  in  Berücksichtigung  der  gesamten  Aktenlage  das  BFM 
richtigerweise  feststellt,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  würden 
den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht 
standhalten,

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dass  der  Einschätzung  des  BFM  zu  folgen  ist,  wonach  nicht 
nachvollziehbar und konstruiert erscheine, wenn die Beschwerdeführerin 
einerseits  während  zweier  Jahre  eine  geheime  aussereheliche  intime 
Beziehung  führe und  in  ihrem Schrank und  ihrer Handtasche Fotos von 
ihr und ihrem Freund von Anlässen der Komala aufbewahre, andererseits 
es  jedoch  zu  riskant  einstufe,  einige  Tage  im  Parteiquartier  auf  ihren 
Freund  zu  warten  oder  sich  mit  diesem  in  den  irakischen  Bergen  zu 
verstecken, 

dass  darüber  hinaus  kaum  vorstellbar  ist,  dass  die  Beziehung  der 
Beschwerdeführerin  über  längere  Zeit  hätte  geheim  gehalten  werden 
können, wenn  sie  ihren  Freund  öfters  in  den  freien  Lektionsstunden  im 
Parteisitz  in der Stadt, der sich  in der Nähe der Schule befunden habe, 
getroffen habe (A25/21 F96­F98),

dass sie auch im Zusammenhang mit ihren Treffen in der Wohnung ihres 
Freundes  ausserhalb  der  Stadt  keine  diesbezüglichen 
Vorsichtsmassnahmen erwähnt (A25/21 F96), was von einer intelligenten 
Frau wie der Beschwerdeführerin erwartet werden könnte, wenn es sich 
wie von ihr vorgebracht, zwingend heimlich abgespielt haben müsste,

dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  im Weiteren  zu  Recht 
feststellte, dass die Angaben der Beschwerdeführerin im Zusammenhang 
mit  einer  allfälligen  gemeinsamen  Ausreise  aus  dem  Irak  mit  ihrem 
Freund widersprüchlich ausgefallen sind,

dass das BFM ebenso zutreffend erkannte, dass die Beschwerdeführerin 
anlässlich  der  Anhörung  im  EVZ  ausführte,  die  Parteikollegen  ihres 
Freundes hätten  ihr bei der Ankunft  im Parteiquartier gesagt,  ihr Freund 
halte  sich  für  eine  Woche  in  den  Bergen  auf,  wobei  sie  in  der 
Bundesbefragung vorgebracht habe, es sei ihr nicht mitgeteilt worden, wo 
sich  ihr  Freund  befinde  und  sie  habe  auch  nicht  gewusst,  wann  er 
zurückkomme,

dass das widersprüchliche Aussageverhalten zu zentralen Aspekten des 
geltend  gemachten  Sachverhaltes  durch  die  Einwände  in  der 
Rechtsmitteleingabe nicht auch nur ansatzweise entkräftet wird,

dass  durch  diese  Erkenntnisse  und  die  widersprüchlichen  Angaben  zu 
zentralen  Punkten  der  Vorbringen  in  Würdigung  der  Aktenlage  einem 
flüchtlingsrechtlich  relevantem  Sachverhalt  die  Grundlage  entzogen 
bleiben muss,

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dass  es  sich  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt,  auf  weitere 
Aspekte  einzugehen  und  das  BFM  zu  Recht  feststellte,  die 
Beschwerdeführerin habe die Flüchtlingseigenschaft nicht nachzuweisen 
oder zumindest glaubhaft zu machen vermocht,

dass  aufgrund  der  Aktenlage  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte 
erkennbar sind, wonach die Beschwerdeführerin in ihrem Heimatland aus 
flüchtlingsrechtlich relevanten Motiven ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
war  oder  in  absehbarer  Zukunft  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit 
ausgesetzt sein könnte,

dass das Bundesamt das Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt hat,

dass die Ablehnung eines Asylgesuches oder das Nichteintreten auf ein 
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat 
(Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine 
Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung 
einer solchen besteht (BVGE 2009/50 E. 9 S. 733), weshalb die verfügte 
Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und 
demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­­      
(Art.  16  Abs.  1  Bst.  a  VGG  i.V.m.  Art.  1­3  des  Reglements  vom  21. 
Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  der 
Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  das 
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege angesichts des 
aussichtslosen Rechtsbegehrens abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1VwVG),

dass  das  Gesuch,  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu 
verzichten, mit vorliegendem Urteil gegenstandslos ist.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  wird 
abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­­  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Der  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  vorliegenden 
Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Kurt Gysi Christoph Berger

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