# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f8cc7254-1d00-5571-9258-17a76ef1266c
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-12-31
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 31.12.2012 PVG 2012 34
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2012-34_2012-12-31.pdf

## Full Text

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Verfahren 15
Procedura Procedura

Baueinspracheverfahren. Zweitwohnungen. Verbandsbe- 
schwerderecht. Legitimation.
– Prüfung der Beschwerdeberechtigung erfolgt von Am- tes 

wegen; keine Bindung an einen anders lautenden 
Entscheid der Vorinstanz (E. 1a).

– Beschwerdelegitimation in Bausachen setzt in räumli- 
cher Hinsicht zwingend die Nähe der Beziehung zum 
Streitgegenstand voraus (E. 1a).

– Legitimationsvoraussetzungen der ideellen Verbands- 
beschwerde (E. 1b – e).

– Keine Schaffung einer neuen und von den Gemeinden zu 
erfüllenden Bundesaufgabe durch die Annahme der 
neuen Verfassungsbestimmung (Art. 75b BV) betref- fend 
Zweitwohnungen, denn Art. 75b BV entfaltet nicht direkt 
natur- oder heimatschützerische Wirkung, son- dern in 
erster Linie raumplanerische (E. 1e).

Procedura di opposizione edilizia. Residenze secondarie. 
Diritto di ricorso delle organizzazioni. Legittimazione.
– L’esame della legittimazione al ricorso avviene d’ufficio; 

nessun vincolo ad una diversa decisione dell’istanza 
precedente (cons. 1a).

– La legittimazione al ricorso in materia edilizia presup- 
pone necessariamente la vicinanza relazionale in ter- 
mini spaziali con l’oggetto litigioso (cons. 1a).

– Presupposti per la legittimazione al ricorso di organiz- 
zazioni a scopo ideale (cons. 1b – e).

– Con l’adozione della disposizione costituzionale riguar- 
dante le residenze secondarie, non è stato creato alcun 
nuovo compito della Confederazione la cui esecuzione 
spetti ai comuni, poiché l’art. 75b Cost. non esplica di- 
rettamente alcun effetto in materia di protezione della 
natura e del paesaggio, ma ha effetti essenzialmente 
pianificatori (cons. 1e).

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Erwägungen:
1. a) Das Verwaltungsgericht prüft das Vorliegen der Be- 

schwerdeberechtigung von Amtes wegen (Art. 11 Abs. 1 VRG), 
weswegen es an allfällige anders lautende Entscheide der Vorin- 
stanzen nicht gebunden ist. Vorliegend leitet der beschwerde- 
führende Verein seine Legitimation zur Beschwerde gegen den 
Baubescheid der Gemeinde vom 21. August 2012 einerseits daraus 
ab, dass er als eine Organisation von nationaler Bedeutung im 
Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz gilt und gemäss Anhang 
VBO über ein entsprechendes Verbandsbeschwerderecht verfügt. 
Andererseits behauptet der Beschwerdeführer, er sei durch den 
angefochtenen Entscheid besonders berührt und habe ein 
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung 
wie ein Privater. Letztere Behauptung impliziert, dass vorliegend 
die für die Einsprache- und Beschwerdelegitimation in Bausachen 
zwingend vorausgesetzte Nähe der Beziehung zum Streitgegen- 
stand in räumlicher Hinsicht gegeben sein soll, was vorliegend 
aber unbestrittenermassen nicht der Fall ist. Das Kriterium der feh- 
lenden räumlichen Nähe kann nicht durch das behauptete beson- 
dere subjektive Interesse des Beschwerdeführers an der Frage der 
direkten Anwendbarkeit von Art. 75b Abs. 1 BV bzw. dem behaup- 
teten praktischen Nutzen aus der Formulierung des strittigen Ent- 
scheids für ihn kompensiert werden. Ein solches Interesse kann 
schon deshalb keine Rolle spielen, weil damit die Voraussetzun- 
gen der Glaubhaftigkeit des besonderen Berührtseins und des 
schutzwürdigen Interesses umgangen würden und jedem, der 
eine (unzutreffende) Behauptung aufstellen würde, die Beschwer- 
deberechtigung zukäme, was zur verpönten Popularbeschwerde 
führte. Ein vorgebrachtes Interesse muss nach objektivierter Be- 
trachtungsweise vorliegen, was wiederum bedeutet, dass eine 
subjektive Empfindlichkeit oder ein affektives Interesse nicht zu 
berücksichtigen ist (vgl. Alfred Kölz / Jürg Bosshart / Martin Röhl, 
Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons 
Zürich, 2. Aufl., Zürich 1999, § 21 N 21 mit weiteren Hinweisen; Ur- 
teil des Verwaltungsgerichts Graubünden [VGU] R 11 89 vom
17. April 2012 E. 2c).

b) Somit stellt sich vorliegend die Frage, ob der beschwer- 
deführende Verein allenfalls qua Verbandsbeschwerderecht zur 
Beschwerde gegen den hier angefochtenen Baubescheid der Ge- 
meinde … vom 21. August 2012 legitimiert ist. Aufgrund des zu be- 
urteilenden Sachverhalts wie auch aufgrund der Zielrichtung der 
Beschwerde ist klar, dass es in casu einzig die Legitimation des

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Vereins bezüglich des Natur- und Heimatschutzrechts (Art. 12 
NHG), nicht aber bezüglich des Umweltschutzrechts (Art. 55 USG) 
zu prüfen gilt. Die diesbezüglich relevanten Artikel 2 und 12 stehen 
im ersten Abschnitt des Bundesgesetzes über den Natur- und Hei- 
matschutz, welcher mit «Naturschutz, Heimatschutz und Denkmal- 
pflege bei Erfüllung von Bundesaufgaben» überschrieben ist. Das 
Verbandsbeschwerderecht besteht nur mit Einschränkungen so- 
wohl in persönlicher (vgl. Art. 12 NHG und Anhang zur VBO) als 
auch in sachlicher (vgl. Art. 2 und 12 NHG sowie Art. 78 Abs. 2 BV) 
Hinsicht. So sind die gemäss Art. 12 Abs. 1 NHG legitimierten und 
im Anhang zur VBO aufgeführten Organisationen nur zur Ver- 
bandsbeschwerde gegen kantonale Verfügungen berechtigt, wenn 
diese Verfügungen in Erfüllung einer Bundesaufgabe im Sinne von 
Art. 78 BV und Art. 2 NHG ergehen (vgl. Peter Hänni, Planungs-, 
Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 5. Aufl., Bern 2008,
S. 550, dort auch FN 175 mit Hinweisen; vgl. ferner die Umschrei- 
bung des Beschwerdegegenstandes bei Heribert Rausch, 
Öffentliches Prozessrecht auf der Basis der Justizreform, 2. Aufl., 
Zürich 2006, S. 23). Die vom Beschwerdeführer aufgestellte Be- 
hauptung, dass die Beschwerdeberechtigung des Beschwerde- 
führers immer dann gegeben sei, wenn eine Entscheidung die Na- 
tur oder Landschaft beeinträchtige, trifft nicht zu (vgl. schon Urteil 
des Bundesgerichts vom 17. Juni 1981, in: ZBl 82 [1981] 548 ff., 
551). Vorab ist deshalb die für die Beschwerdeberechtigung des 
Vereins … zentrale Frage zu klären, ob die Gemeinde … die vorlie- 
gend angefochtene Baubewilligung in Erfüllung einer Bundesauf- 
gabe erteilt hat.

c) Die angefochtene Verfügung betrifft eine kommunale 
Baubewilligung für ein Bauvorhaben innerhalb einer Bauzone; 
konkret geht es um die Erteilung einer Baubewilligung für einen 
Mehrfamilienhaus-Neubau auf Parzelle Nr. 645 in … Der Be- 
schwerdeführer will vorliegend in dem «verfassungsmässigen 
Willen, mit dem Verbot des Baus von Zweitwohnungen in Ge- 
meinden mit mehr als 20 Prozent Zweitwohnungsanteil die Natur 
und die Landschaft zu schützen», eine Bundesaufgabe erkannt ha- 
ben, welche ihn zur Anfechtung der Baubewilligungserteilung in 
casu legitimiert. Es handle sich um eine Bundesaufgabe, bei deren 
Umsetzung darauf geachtet werden müsse, dass der Schutz von 
Landschaften, Ortschaften, historischen Gebieten, Natursehens- 
würdigkeiten und Denkmälern gewährleistet sei.

d) Das umstrittene Bauvorhaben befindet sich innerhalb 
der Bauzone. Im Gegensatz zu Ausnahmebewilligungen für Bau-

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ten ausserhalb der Bauzone (Art. 24 RPG), die nach bundesge- 
richtlicher Rechtsprechung grundsätzlich in Erfüllung einer Bun- 
desaufgabe im Sinne von Art. 2 Abs. 1 lit. b NHG ergehen (vgl. Ur- 
teil des Bundesgerichts 1C_231 / 2011 vom 16. Dezember 2011 E. 1; 
BGE 136 II 214 E. 3 mit weiteren Hinweisen) und dadurch Organi- 
sationen mit Verbandsbeschwerderecht zur Beschwerdeführung 
berechtigen können (vgl. BGE 123 II 289 E. 1e; ferner Urteil des 
Bundesgerichts 1C_196 / 2010 vom 16. Februar 2011 E. 1), geht es 
bei der Erteilung von Baubewilligungen innerhalb  der  Bauzone 
um ordentliche, gestützt auf kantonales und kommunales Recht 
erteilte Bewilligungen (Art. 22 RPG). Die Erteilung von ordentli- 
chen Baubewilligungen ist Sache der Kantone bzw. der Gemein- 
den und kann − gleich wie die Raumplanung als solche (Hänni,
a. a. O., S. 406; Urteil des Bundesgerichts 1A.71/1993 vom 12. April 
1994, in: ZBl 96 [1995] 144 ff., 145) − nicht als Bundesaufgabe im 
Sinne von Art. 2 NHG angesehen werden (vgl. hierzu BGE 115 Ib 
335 E. 4a, worin eine gegen die Erteilung einer ordentlichen Bau- 
bewilligung erhobene Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das 
Bundesgericht für nicht zulässig befunden wurde, da sich der be- 
schwerdeführende Verein für die Begründung seiner Legitimation 
nicht auf Art. 12 NHG berufen konnte; vgl. auch Urteil des Bundes- 
gerichts 1A.115/2001 vom 8. Oktober 2001 E. 2e; sowie e contrario 
Urteile des Bundesgerichts 1C_231 / 2011 vom 16. Dezember 2011 
E. 1, 1C_382 / 2010 vom 13. April 2011 E. 1.2; BGE 136 II 214 E. 3). 
Eine ideelle Verbandsbeschwerde gegen die Erteilung einer or- 
dentlichen Baubewilligung erscheint allenfalls dann zulässig, 
wenn mit der Erteilung der Baubewilligung zumindest teilweise 
konkrete bundesrechtliche Gesichtspunkte geregelt werden (vgl. 
Peter M. Keller, in: Peter M. Keller/Jean-Baptiste Zufferey/Karl Lud- 
wig Fahrländer, Kommentar NHG, Zürich 1997, Art. 12 Rz. 3). Aller- 
dings gilt es auch in einem solchen Fall zu beachten, dass nicht 
jede Anwendung von Bundesrecht zulasten des Natur- und Hei- 
matschutzes als Bundesaufgabe im Sinne von Art. 78 BV und Art. 2 
NHG in Betracht fällt. So hat auch das Bundesgericht schon mehr- 
fach festgehalten, dass unter der Erfüllung von Bundesaufgaben 
im Sinne von Art. 2 NHG in Verbindung mit Art. 78 Abs. 2 BV nicht 
jede Anwendung von Bundesrecht zulasten des Natur- und 
Heimatschutzes zu verstehen ist. Es müsse eine konkrete Bundes- 
aufgabe betroffen sein, bei deren Erfüllung das heimatliche Land- 
schafts- und Ortsbild, geschichtliche Stätten sowie Natur- und 
Kulturdenkmäler zu schonen bzw. zu erhalten sind (Urteile des 
Bundesgerichts  1C_196/2010  vom  16.  Februar  2011   E.  1.2;

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1A.185/2006 vom 5. März 2007 E. 5.1; 1A.71/1993 vom 12. April
1994, in: ZBl 96 [1995] 144 ff., 145; vgl. auch schon das Urteil des
Bundesgerichts vom 17. Juni 1981, in: ZBl 82 [1981] 548 ff., 551).

e) Vorliegend geht es nicht um ein Werk oder eine Anlage 
des Bundes (Art. 2 Abs. 1 lit. a NHG). Das von der Gemeinde … am
21. August 2012 bewilligte Bauprojekt bedarf auch keiner bundes- 
rechtlichen Bewilligung oder Konzession im Sinne von Art. 2 
Abs. 1 lit. b NHG. Insbesondere liegt kein Anwendungsfall von 
Art. 24 RPG vor, da der geplante Mehrfamilienhaus-Neubau in der 
Bauzone liegt. Schliesslich hat der Bund für das von der Gemeinde 
bewilligte Bauvorhaben auch keinen Beitrag zugesichert oder in 
Aussicht gestellt (Art. 2 Abs. 1 lit. c i. V. m. Abs. 2 NHG). Inwiefern 
die Baubewilligung in Erfüllung einer (anderen) konkreten Bun- 
desaufgabe ergangen sein soll, ist sodann nicht ersichtlich. Insbe- 
sondere wurde durch die neue Verfassungsbestimmung keine 
neue durch die Gemeinden umzusetzende Bundesaufgabe im Be- 
reich des Natur- und Heimatschutzes geschaffen. In diesem Zu- 
sammenhang argumentiert der Beschwerdeführer, dass Art. 75b 
BV darauf abziele, einen besseren Schutz der Landschaft in den be- 
troffenen Gebieten zu garantieren, weshalb dessen Umsetzung 
eine Bundesaufgabe im Sinne von Art. 2 NHG darstelle. Allerdings 
wird vom Beschwerdeführer im Folgenden nicht weiter dargelegt, 
weshalb und inwiefern bei der Erteilung der angefochtenen Bau- 
bewilligung vom 21. August 2012 konkret das heimatliche Land- 
schafts- und Ortsbild, geschichtliche Stätten sowie Natur- und 
Kulturdenkmäler betroffen sein sollen und deshalb von der Ge- 
meinde … geschont bzw. erhalten werden müssten. Es wird weder 
dargetan noch bewiesen, dass es im konkreten Fall bei den in der 
Bauzone liegenden Grundstücken bzw. bei den konkret zum Ab- 
bruch bestimmten Bauten (soweit vorhanden) sich um schützens- 
werte Objekte im Sinne des Natur- und Heimatschutzgesetzes han- 
delt. Es kann sodann auch nicht gesagt werden − nicht einmal 
generell −, dass es bei einem Baubewilligungsverfahren innerhalb 
der Bauzone um die Freihaltung des Bodens zugunsten des Natur- 
und Heimatschutzes geht. So oder anders ist das betreffende Land 
nämlich für die bauliche Nutzung bestimmt, egal was darauf zu 
stehen kommt. Schliesslich muss gesagt werden, dass es aus 
der Sicht des Natur- und Heimatschutzes letztlich gar keinen 
Unterschied macht, ob in einer Bauzone Erstwohnungen, Zweit- 
wohnungen, (nicht individuell ausgestaltete) Wohnungen zur 
hotelmässigen oder hotelähnlichen Nutzung, allenfalls Hotels, 
Jugendherbergen, Gewerberäume oder Sonstiges errichtet wird.

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Mit der am 11. März 2012 von Volk und Ständen angenommenen 
neuen Regelung betreffend Zweitwohnungen (Art. 75b in Verbin- 
dung mit Art. 197 Ziff. 9 BV), welche ab 1. Januar 2013 (in Gemein- 
den mit einem Zweitwohnungsanteil von über 20 %) einzig und 
alleine eine bestimmte Art der Nutzung von Liegenschaften 
verbietet (Zweitwohnungsnutzung), ist somit keine neue und von 
den Gemeinden zu erfüllende Bundesaufgabe im Sinne von Art. 2 
NHG geschaffen worden, wie der Beschwerdeführer behauptet. 
Art. 75b BV entfaltet nicht direkt natur- oder heimatschützerische, 
sondern in erster Linie raumplanerische Wirkung, weshalb die 
neue Verfassungsbestimmung auch zu Recht dem Raumplanungs- 
artikel der Bundesverfassung (Art. 75 BV) und nicht dem Natur- 
und Heimatschutzartikel (Art. 78 BV) angehängt wurde. Zusam- 
menfassend kann gesagt werden, dass bei vorliegender Be- 
schwerde gegen den Entscheid der Gemeinde … vom 21. August 
2012 keine konkrete Bundesaufgabe betroffen ist, bei deren Erfül- 
lung das heimatliche Landschafts- und Ortsbild, geschichtliche 
Stätten sowie Natur- und Kulturdenkmäler zu schonen bzw. zu er- 
halten sind. Auf die Beschwerde des Vereins … kann deshalb 
mangels Legitimation nicht eingetreten werden (vgl. zur ganzen 
Thematik auch Urteil des Kantonsgerichts Wallis, Öffentlich-recht- 
liche Abteilung, A1 12 176 vom 23. Oktober 2012).
R 12 108 Urteil vom 5. November 2012

Die dagegen an das Bundesgericht erhobene Beschwerde in öf- 
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten ist noch hängig.