# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3b1a539d-c066-5a77-9a53-43d6b71fb432
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-13
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Sozialversicherungsrecht 13.01.2022 720 20 200/08
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_002_720-20-200-08_2022-01-13.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche-

rungsrecht 

 

 
vom 13. Januar 2022 (720 20 200 / 08) 

____________________________________________________________________ 

 

 

Invalidenversicherung 

 

 

IV-Rente / Würdigung des medizinischen Sachverhalts 

 

 
 
Besetzung Präsidentin Doris Vollenweider, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan-

tonsrichter Jürg Pulver, Gerichtsschreiber Markus Schäfer 
 
 

Parteien A.____, Beschwerdeführerin, vertreten durch Dr. Caroline Franz 
Waldner, Advokatin, Behindertenforum, Bachlettenstrasse 12, 
4054 Basel 

  
 
gegen 
 
 

 IV-Stelle Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, 
Beschwerdegegnerin 
 

  
  
Betreff IV-Rente  
 
 
 
A. Die 1963 geborene A.___ war von Dezember 2007 bis Mitte 2012 als Verkäuferin bei 
der B.____ GmbH tätig. Nach der Kündigung seitens der Arbeitgeberin bezog sie von Dezem-
ber 2012 bis September 2014 Taggelder der Arbeitslosenversicherung. Am 2. Dezember 2014 
meldete sich A.____ unter Hinweis auf ein psychisches Leiden bei der Eidgenössischen Invali-
denversicherung (IV) zum Bezug von Leistungen an. Nach Abklärung der gesundheitlichen und 
der erwerblichen Verhältnisse ermittelte die IV-Stelle Basel-Landschaft bei der Versicherten 

 

 
 
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einen Invaliditätsgrad von 0 %. Gestützt auf dieses Ergebnis verneinte sie - nach durchgeführ-
tem Vorbescheidverfahren - mit Verfügung vom 17. April 2020 einen Rentenanspruch von 
A.____.  
 
B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Advokatin Dr. Caroline Franz 
Waldner, am 19. Mai 2020 Beschwerde beim Kantonsgericht, Abteilung Sozialversicherungs-
recht (Kantonsgericht). Darin beantragte sie, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben 
und es sei ihr mit Wirkung ab 1. November 2015 eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter 
sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei "die Beschwerdegegnerin anzuweisen, 
ein Verlaufsgutachten bei Dr. C.____ einzuholen und den Invaliditätsgrad neu zu ermitteln." 
Ferner ersuchte die Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung 
und der unentgeltlichen Verbeiständung mit ihrer Rechtsvertreterin; unter o/e-Kostenfolge.  
 
C. Mit Verfügung vom 25. Mai 2020 bewilligte das Kantonsgericht A.____ gestützt auf die 
eingereichten Unterlagen für das vorliegende Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozess-
führung und die unentgeltliche Verbeiständung mit Advokatin Dr. Caroline Franz Waldner als 
Rechtsvertreterin. 
 
D. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 31. Juli 2020 die Abweisung der 
Beschwerde. Gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen eine Stellungnahme von Dr. med. 
D.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) beider Basel, 
vom 24. Juli 2020 bei. 
 
E. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielt die Beschwerdeführerin mit Replik 
vom 24. August 2020 an den in der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren und den wesentli-
chen bisherigen Vorbringen fest. Die Beschwerdegegnerin wiederum beantragte in ihrer Duplik 
vom 18. September 2020 nach wie vor die Abweisung der Beschwerde.  
 
F. Anlässlich der Urteilsberatung vom 12. November 2020 gelangte das Kantonsgericht 
zum Ergebnis, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit gestützt auf die vor-
handene medizinische Aktenlage nicht möglich sei. Das Kantonsgericht beschloss deshalb, den 
Fall auszustellen und zur Klärung der medizinischen Sachlage bei Dr. med. E.____, Psychiatrie 
und Psychotherapie FMH, ein psychiatrisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben. Im An-
hang zu diesem Beschluss unterbreitete das Kantonsgericht den Parteien den Entwurf des ent-
sprechenden Auftrags und den vorgesehenen Fragenkatalog. Die Parteien erhoben keine Ein-
wände gegen die Person des Gutachters. Ebenso verzichteten sie zwar darauf, Zusatzfragen 
zu stellen, die Beschwerdegegnerin listete jedoch in ihrer Stellungnahme vom 18. Dezember 
2020 einzelne Punkte auf, denen der Gutachter - vor allem im Zusammenhang mit der Beurtei-
lung der Arbeitsfähigkeit - besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen habe. Am 30. De-
zember 2020 erging der Begutachtungsauftrag des Kantonsgerichts an Dr. E.____.  
 
G. Am 27. April 2021 erstattete Dr. E.____ sein psychiatrisches Gerichtsgutachten. Die 
Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Inhalt des Gutachtens und zur Frage zu äussern, wie 
sich dessen Ergebnisse auf den Leistungsanspruch der Versicherten auswirken würden. Die 

 

 
 
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Beschwerdegegnerin reichte am 19. Mai 2021 ihre entsprechende Stellungnahme ein, die Be-
schwerdeführerin äusserte sich am 5. Juli 2021, gleichzeitig legte sie ihren Ausführungen eine 
Stellungnahme des behandelnden Psychiaters Dr. med. F.____, Psychiatrie und Psychothera-
pie FMH, vom 24. Juni 2021 bei. In einem abschliessenden Schriftenwechsel äusserten sich in 
der Folge die Versicherte am 15. Juli 2021 und die Beschwerdegegnerin am 26. Juli 2021 zu 
den jeweiligen Standpunkten der Gegenpartei. 
 
H. Mit Verfügung vom 29. Juli 2021 überwies die instruierende Präsidentin die Angele-
genheit dem Dreiergericht zur (erneuten) Beurteilung.  
 
 
Das Kantonsgericht zieht  i n  E r w ä g u n g :  
 

1.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) 
vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versiche-
rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden 
Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig-
keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes 
über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beur-
teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons 
Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be-
handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die Beschwerde der Versicherten vom 
19. Mai 2020 ist demnach einzutreten.  
 
1.2 Am 1. Januar 2022 ist die vom Gesetzgeber am 19. Juni 2020 beschlossene Änderung 
des IVG ("Weiterentwicklung der IV", WEIV) in Kraft getreten. Weil in zeitlicher Hinsicht grund-
sätzlich diejenigen materiellen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu 
Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 466 E. 1), und weil ferner 
das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum 
Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 17. April 2020) eingetretenen Sachverhalt 
abstellt (BGE 130 V 138 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b), sind im vorliegenden Fall die Bestimmungen 
des IVG in der bis Ende 2021 geltenden Fassung anwendbar (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1 mit 
Hinweis). Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version wiedergegeben, zitiert und ange-
wendet.  
 
2.1 Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre Erwerbs-
fähigkeit oder ihre Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Ein-
gliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a), während 
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig 
gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (lit. c).  
 
2.2 Nach Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts (ATSG) vom 6. Oktober 2000 ist die Arbeitsunfähigkeit die durch eine Beeinträchtigung 
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfä-

 

 
 
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higkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Satz 1). Bei 
langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich 
berücksichtigt (Satz 2). Als Invalidität gilt nach Art. 8 ATSG die voraussichtlich bleibende oder 
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Sie kann im IV-Bereich Folge 
von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Unter Erwerbsunfähigkeit 
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur-
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise 
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt 
zu verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit 
sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung 
zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objekti-
ver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2).  
 
2.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG wird die Rente nach dem Grad der Invalidität wie folgt ab-
gestuft: Die versicherte Person hat Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie zu mindestens 
70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie zu mindestens 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie 
zu mindestens 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie zu mindestens 40 % invalid ist.  
 
2.4 Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist Art. 16 ATSG 
anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das 
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchfüh-
rung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkom-
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht 
invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dies ist die allgemeine Methode des Einkom-
mensvergleichs (BGE 141 V 15 E. 3.2) mit den Untervarianten des Schätzungs- oder Prozent-
vergleichs (BGE 114 V 310 E. 3a) und der ausserordentlichen Methode (BGE 128 V 29). 
 
3.1 Bei der Feststellung des Gesundheitszustandes und bei der Beurteilung der Arbeitsfä-
higkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Un-
terlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung 
zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beur-
teilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die 
versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige 
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person 
noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193 E. 3.2, 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen). 
 
3.2 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs-
prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle an-
deren Beweismittel - frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 
pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit-
tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob 
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs ge-
statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den 

 

 
 
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Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu-
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 
143 V 124 E. 2.2.2). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entschei-
dend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, 
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abge-
geben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung 
der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des 
Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).  
 
3.3 Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche Rechtsprechung mit dem Grundsatz der 
freien Beweiswürdigung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte 
und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführliche Zusam-
menstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu 
auch BGE 135 V 465 E. 4.4 und 4.5).  
 
3.3.1 So weicht das Gericht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende 
Gründe von der Einschätzung des medizinischen Experten ab, dessen Aufgabe es ist, seine 
Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt 
medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise 
widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender 
Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner ge-
rechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Ge-
richt als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, 
sei es, dass es die Überprüfung im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass 
es ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerun-
gen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa mit Hinweisen).  
 
3.3.2 Im Weiteren ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten 
externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Unter-
suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun-
de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuer-
kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 
125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen).  
 
3.3.3 Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fachpersonen schliesslich kommt nicht 
derselbe Beweiswert zu wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten Gutachten 
externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An die Beweiswürdigung sind 
deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall ohne Einholung eines 
externen Gutachtens entschieden werden soll. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu-
verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind 
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5 am Ende, mit Hinweis). 
 
4.1 Die Annahme einer allenfalls invalidisierenden psychischen Gesundheitsbeeinträchti-
gung setzt eine fachärztlich (psychiatrisch) gestellte Diagnose nach einem wissenschaftlich an-

 

 
 
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erkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Zu 
betonen ist, dass im Kontext der rentenmässig abzugeltenden psychischen Leiden belastenden 
psychosozialen Faktoren sowie soziokulturellen Umständen kein Krankheitswert zukommt. Ein 
invalidisierender Gesundheitsschaden im Sinne von Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 
IVG setzt in jedem Fall ein medizinisches Substrat voraus, das die Arbeits- und Erwerbsfähig-
keit wesentlich beeinträchtigt. Ist eine psychische Störung von Krankheitswert schlüssig erstellt, 
kommt der weiteren Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwiefern, allenfalls bei geeigneter 
therapeutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens willensmässig er-
wartet werden kann, zu arbeiten und einem Erwerb nachzugehen (BGE 127 V 294 E. 5a mit 
Hinweisen). Zur Annahme einer durch eine psychische Gesundheitsbeeinträchtigung verur-
sachten Erwerbsunfähigkeit genügt es also nicht, dass die versicherte Person nicht hinreichend 
erwerbstätig ist; entscheidend ist vielmehr, ob anzunehmen ist, die Verwertung der Arbeitsfä-
higkeit sei ihr sozial-praktisch nicht mehr zumutbar oder - als alternative Voraussetzung - sogar 
für die Gesellschaft untragbar (BGE 102 V 165; vgl. auch BGE 127 V 294 E. 4c in fine). 
 
4.2 Zu ergänzen ist, dass das Bundesgericht mit BGE 143 V 418 entschieden hat, dass 
grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach 
BGE 141 V 281 zu unterziehen sind. Dieses Verfahren definiert systematisierte Indikatoren, die 
- unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kom-
pensationspotentialen (Ressourcen) anderseits - im Regelfall erlauben, das tatsächlich erreich-
bare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch zu beurteilen (BGE 141 V 281 E. 3.6). 
Entscheidend ist dabei, unabhängig von der diagnostischen Einordnung des Leidens, ob es 
gelingt, auf objektivierter Beurteilungsgrundlage den Beweis einer rechtlich relevanten Arbeits- 
und Erwerbsunfähigkeit zu erbringen, wobei die versicherte Person die materielle Beweislast zu 
tragen hat (BGE 143 V 409 E. 4.5.2 mit Hinweis auf BGE 141 V 281 E. 3.7.2). 
 
5.1 Die IV-Stelle holte zur Abklärung des Gesundheitszustands und der Arbeitsfähigkeit 
der Versicherten bei Dr. med. C.____, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, das psychiatrische 
Gutachten vom 6. September 2016 ein. Darin diagnostizierte der genannte Facharzt als Ge-
sundheitsbeeinträchtigung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine Agoraphobie (ICD-10 
F40.0). Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erhob er einen Benzodiaze-
pin-Dauerkonsum (ICD-10 F13.2). Zur Arbeitsfähigkeit der Versicherten führte Dr. C.____ aus, 
die Explorandin werde seit vermutlich November 2014 ganz arbeitsunfähig geschrieben, wobei 
sie durchaus zwischenzeitlich noch stundenweise Tätigkeiten ausgeübt habe, weswegen im 
Grunde genommen nicht von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden könne. Zum 
jetzigen Zeitpunkt sei die Explorandin noch nicht in der Lage, eine ähnliche Tätigkeit wie bisher 
und auch eine alternative Arbeit in der freien Wirtschaft zu verrichten. Zuerst müssten Wieder-
eingliederungsmassnahmen durchgeführt werden. Es sei daher weiterhin von einer vollen Ar-
beitsunfähigkeit auszugehen.  
 
5.2 In seiner Stellungnahme vom 27. Oktober 2016 zum Gutachten von Dr. C.____ vertrat 
der RAD-Arzt Dr. D.____ die Auffassung, dass die darin erhobene Diagnose der Agoraphobie 
nachvollziehbar sei. Nicht gefolgt werden könne Dr. C.____ jedoch, soweit er der Versicherten 
eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiere. Diese Einschätzung stehe bereits in Widerspruch zu 

 

 
 
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einigen Ausführungen im Gutachten selber. Sodann ergebe sich aus den Schilderungen der 
Explorandin, dass sie ihre Angstbeschwerden für viele Tätigkeiten im Alltag durchaus überwin-
den könne. Weiter würden die Alltagsbeschreibung und das Funktionsprofil zeigen, dass diese 
Parameter nicht massgeblich beeinträchtigt seien und dass die Versicherte einen normalen so-
zialen Umgang habe und die anstehenden Aufgaben im häuslichen und ausserhäuslichen Be-
reich erfüllen könne. Anhand der Beschreibung im Gutachten liege bei der Versicherten dem-
nach eine leichte Ausprägung der phobischen Störung vor, womit sich keine erhebliche und 
schon gar nicht eine volle Arbeitsunfähigkeit begründen liessen.  
 
5.3 Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 17. April 2020 bei der 
Beurteilung des Gesundheitszustands der Versicherten auf das psychiatrische Gutachten von 
Dr. C.____ vom 6. September 2016 und bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf die Ein-
schätzung des RAD-Arztes Dr. D.____ vom 27. Oktober 2016. Dr. C.____ habe, so die Ein-
schätzung der IV-Stelle, die Befundlage korrekt erhoben und die von ihm gestellte Diagnose der 
Agoraphobie sei nachvollziehbar. Nach eingehender Prüfung der Standardindikatoren könne 
jedoch die volle Arbeitsunfähigkeit, die Dr. C.____ der Versicherten attestiert habe, nicht über-
nommen werden. Gestützt auf die Beurteilung von Dr. D.____ sei vielmehr davon auszugehen, 
dass bei der Versicherten keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege.  
 

5.4.1 Das Kantonsgericht gelangte anlässlich der ersten Urteilsberatung vom 12. November 
2020 zum Schluss, dass den fachärztlichen Beurteilungen der Dres. C.____ und D.____ bei der 
Würdigung des medizinischen Sachverhalts keine ausschlaggebende Beweiskraft zukomme. 
Es erwog, die Beurteilung von Dr. C.____ vermöge insoweit nicht zu überzeugen, als er der 
Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiere. Zum einen sei die betreffende Ein-
schätzung lediglich sehr kurz begründet und zum andern sei sie auch widersprüchlich, halte 
doch Dr. C.____ im selben Abschnitt seines Gutachtens (S. 10, Ziff. VI) gleichzeitig auch fest, 
dass die Versicherte "durchaus zwischendurch noch stundenweise Tätigkeiten durchführte, 
weswegen im Grunde genommen nicht von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen wer-
den kann." Dazu komme, dass das Gutachten von Dr. C.____ auch sonst eher kurz ausgefallen 
und entsprechend knapp begründet sei. Ebenso sei fraglich, ob es noch die aktuelle medizini-
sche Situation der Versicherten wiedergebe, sei die Expertise im Zeitpunkt des Verfügungser-
lasses (17. April 2020) doch mehr als dreieinhalb Jahre alt gewesen. Kein ausschlaggebender 
Beweiswert komme aber auch - so das Kantonsgericht im damaligen Beschluss weiter - der 
Beurteilung des RAD-Arztes Dr. D.____ zu, wonach bei der Versicherten keine wesentliche und 
dauerhafte Arbeitsunfähigkeit vorliege. Bei der beweisrechtlichen Würdigung dieser Einschät-
zung sei vorab daran zu erinnern, dass Berichten und Gutachten versicherungsinterner Fach-
personen nicht derselbe Beweiswert zukomme wie einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG ein-
geholten Gutachten externer Fachpersonen oder gar wie einem Gerichtsgutachten. An die Be-
weiswürdigung seien deshalb strenge Anforderungen zu stellen, wenn ein Versicherungsfall 
gestützt auf versicherungsinterne ärztliche Feststellungen entschieden werden solle. Bestünden 
auch nur geringe Zweifel an deren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit, so seien ergänzende Ab-
klärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5 am Ende, mit Hinweis). Solche Zweifel lägen 
hier vor, sie würden sich insbesondere aus dem Gutachten von Dr. C.____ ergeben, der zu 
einer diametral anderslautenden Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gelangt sei, aber auch aus 

 

 
 
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den Berichten des behandelnden Psychiaters Dr. F.____, der von einem erheblich beeinträch-
tigten Gesundheitszustand und ebenfalls von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Versi-
cherten ausgehe.  
 
5.4.2 Da die übrigen damals vorliegenden medizinischen Berichte ebenfalls keine ausrei-
chende Grundlage für eine abschliessende Beurteilung der Beschwerde bildeten, beschloss 
das Kantonsgericht, den Fall auszustellen und eine zusätzliche Abklärung des medizinischen 
Sachverhalts im Rahmen eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens vornehmen zu lassen. Mit 
dessen Erstellung wurde in der Folge Dr. E.____ beauftragt. 
 
6.1 Am 27. April 2021 erstattete Dr. E.____ sein Gerichtsgutachten. Darin erhob er ge-
stützt auf eine zweimalige, insgesamt rund viereinhalbstündige ambulant-psychiatrische Unter-
suchung der Explorandin, auf die erhobene Fremdanamnese und auf die medizinische Aktenla-
ge als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine Panikstörung (ICD-10 F41.0) 
und eine Agoraphobie (ICD-10 F40.0). Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähig-
keit hielt er eine sekundäre Benzodiazepin-Abhängigkeit (ICD-10 F13.2), einen Verdacht auf 
eine generalisierte Angststörung (ICD-10; F41.1) und einen Verdacht auf eine rezidivierende 
depressive Störung mit Hinweisen auf Episoden ca. 1996 und 2012, aktuell remittiert (ICD-10 
F33.4), fest.  
 
6.2.1 In seiner medizinischen Beurteilung äusserte sich Dr. E.____ als erstes zu den funktio-
nalen Auswirkungen der objektivierten Befunde und Diagnosen. Er hielt fest, dass die Panikstö-
rung und die Agoraphobie funktionale Auswirkungen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. 
Die funktionalen Einschränkungen seien dabei hauptsächlich durch das Vermeidungsverhalten 
bedingt. Um Ängste und Panikattacken zu vermeiden, habe die Explorandin ihren Bewegungs-
radius und die Benutzung von Verkehrsmitteln (ohne Begleitung) eingeschränkt. Während einer 
Panikattacke, die bei ihr durchschnittlich etwa zehn Minuten daure, komme es zu einer vo-
rübergehenden Einengung der Wahrnehmung und des Denkens auf die Angstsymptome. Diese 
Einengung sei aber zeitlich kurz beschränkt und zwischen den Attacken seien die Wahrneh-
mung und das Denken nicht eingeschränkt. Die Prüfung der funktionalen Beeinträchtigungen 
unter Verwendung des Mini-ICF-APP Ratings habe Beeinträchtigungen in den Bereichen "An-
passung an Regeln und Routinen", "Proaktivität und Spontanaktivitäten", "Widerstands- und 
Durchhaltefähigkeit" sowie "Mobilität und Verkehrsfähigkeit" ergeben. Bei der "Flexibilität und 
Umstellungsfähigkeit" würden sich durch die Panikstörung und die Agoraphobie keine direkten 
Beeinträchtigungen ergeben, hingegen führe die erhöhte subjektive Behinderungsüberzeugung 
zu rigiden Vorstellungen und einem unflexiblen Verhalten. Insgesamt sei aus den im Mini-ICF-
APP festgestellten funktionalen Beeinträchtigungen zu schliessen, dass der Explorandin auf-
grund der psychiatrischen Diagnosen offensichtlich keine volle Arbeitsfähigkeit attestiert werden 
könne. 
 
6.2.2 In einem nächsten Abschnitt diskutierte der Gutachter allfällige relevante Persönlich-
keits- und Belastungsfaktoren sowie die vorhandenen Ressourcen. Er hielt fest, dass die sub-
jektiv sehr ausgeprägte Behinderungsüberzeugung ein für die berufliche Reintegration hinderli-
cher Persönlichkeitsfaktor darstelle. Die Explorandin könne sich eine berufliche Tätigkeit abso-

 

 
 
Seite 9   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

lut nicht mehr vorstellen. Sie denke auch, dass sie zu alt sei für eine Wiedereingliederungs-
massnahme. Sie scheine sich mit ihrem verminderten Bewegungsradius und der Aufgabe einer 
beruflichen Tätigkeit abgefunden zu haben. Von der psychiatrischen Behandlung erwarte sie 
keine wesentliche Veränderung, sondern sie betrachte die Therapie als eine "Lebensbeglei-
tung". Dieses passive Verhalten wirke sich in der Therapie und für eine Wiedereingliederung 
ungünstig aus. Was die Kooperationsbereitschaft betreffe, so entstünden Zweifel an dieser, und 
zwar insbesondere aufgrund der dezidierten, mit einer nicht überzeugenden Argumentation ver-
tretenen Ablehnung einer stationären Behandlung. Zu möglichen Belastungsfaktoren äusserte 
sich Dr. E.____ dahingehend, dass die Abhängigkeit vom Sozialamt und die finanziell enge Si-
tuation die Versicherte belasten würden. Zudem seien das Alter der Explorandin und die lange 
Abwesenheit vom Arbeitsmarkt ungünstige Faktoren für die berufliche Wiedereingliederung. 
Was die Ressourcen der Explorandin betreffe, könne auf deren Schilderungen verwiesen wer-
den. So gebe sie an, dass sie bei der Verrichtung ihres Haushalts auf keine Hilfe angewiesen 
sei. Sie koche gerne zweimal täglich frische Mahlzeiten. Sie sei kreativ, male und fotografiere. 
Sie habe eine enge Beziehung zu einer Schwester, die sie unterstütze, und sie habe auch ein 
gutes Verhältnis zu ihrem Sohn. Bei der Prüfung der Ressourcen unter Verwendung des Mini-
lCF-APP Ratings würden sich insbesondere Ressourcen in der Konversations- und Kontaktfä-
higkeit, der Gruppenfähigkeit, der Fähigkeit zu dyadischen Beziehungen, der Selbstbehaup-
tungsfähigkeit, der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Fähigkeit zur 
Selbstpflege und Selbstversorgung und in der Kompetenz- und Wissensanwendung finden. 
Diese Fähigkeiten passten gut zum Beruf als Verkäuferin. 
 
6.2.3 Im Rahmen der Konsistenzprüfung wies der Gutachter darauf hin, dass sich in der ak-
tuellen Schilderung der Beschwerden der Versicherten keine Widersprüche zu der bereits im 
ersten psychiatrischen Bericht von 2015 aufgeführten Diagnose einer Panikstörung finden wür-
den. Ebenso deckten sich die aktuellen subjektiven Angaben mit den von Dr. C.____ im psychi-
atrischen Gutachten vom 6. September 2016 gestellten Diagnosen einer Agoraphobie und ei-
nes Benzodiazepin-Dauerkonsums. Das berichtete Vermeiden von Reisen und die einge-
schränkte Nutzung von Verkehrsmitteln ohne Begleitung liessen sich durch die Agoraphobie 
plausibel erklären. Die Entstehung einer Benzodiazepin-Abhängigkeit wegen einer anhaltenden 
Angstsymptomatik als Folge einer wenig wirksamen, nicht den Behandlungsleitlinien entspre-
chenden Behandlung der Panikstörung/Agoraphobie sei nachvollziehbar. Sodann stimme die 
Fremdanamnese mit der Schwester mit den Angaben der Versicherten überein und es hätten 
sich auch keine Diskrepanzen zwischen den vorgetragenen Beschwerden, dem Auftreten der 
Versicherten während der Untersuchungen in der Praxis und den erhobenen psychopathologi-
schen Befunden eruieren lassen. Im Weiteren hätten die Angaben zum Vermeidungsverhalten 
bei der Exploration durch Nachfragen präzisiert und durch konkrete Beispiele und Details ge-
stützt werden können. Das agoraphobische Vermeidungsverhalten der Versicherten sei aller-
dings nicht durchgängig konsequent. Sie berichte, dass sie in der Lage sei, ihre Ängste teilwei-
se zu überwinden, dass sie zum Beispiel zum Einkaufen kurze Strecken mit dem Tram auch 
alleine fahren könne, dass sie in Begleitung längere Strecken mit dem öffentlichen Verkehr zu-
rücklege, dass sie vereinzelt mit dem Zug gereist sei und ein Konzert besucht habe. Diese Fä-
higkeiten würden eine Agoraphobie natürlich nicht ausschliessen, aber es seien Belege dafür, 
dass die Explorandin ihre Ängste für verschiedene Tätigkeiten ausserhalb ihrer Wohnung und in 

 

 
 
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einer vertrauten Umgebung überwinden könne. Die Diskrepanz bestehe zwischen diesen Fä-
higkeiten/Aktivitäten und der subjektiv wahrgenommenen Behinderung und Selbsteinschätzung 
der Arbeitsfähigkeit. Nicht konsistent mit den subjektiven Angaben der Versicherten seien die 
vom behandelnden Psychiater aufgeführten depressiven Episoden mittleren bis schweren Gra-
des. Gemäss seiner Exploration könne zwar auf allfällige depressive Episoden 1996 und 2012 
geschlossen werden, Hinweise auf in den letzten Jahren aufgetretene mittel- bis schwergradige 
Episoden hätten sich aber nicht finden lassen. 
 
6.2.4 Den bisherigen Verlauf der Behandlung würdigte der Gutachter dahingehend, dass die 
in den anerkannten evidenzbasierten Leitlinien empfohlenen psychotherapeutischen und medi-
kamentösen Behandlungsmöglichkeiten für eine Panikstörung/Agoraphobie nicht oder zu wenig 
konsequent durchgeführt worden seien. Es gebe daher trotz des langen Krankheitsverlaufs im-
mer noch Therapieoptionen, durch die bei Motivation und Kooperation der Versicherten eine 
Verbesserung der Angstsymptomatik und eine Verminderung des Vermeidungsverhaltens er-
reicht werden könne. Die aktuell mässig beeinträchtigte Widerstands- und Durchhaltefähigkeit 
könnte im Rahmen eines Arbeitstrainings mit schrittweiser Erhöhung des Pensums wieder auf-
gebaut und die Arbeitsfähigkeit erhöht werden. Unter der Voraussetzung geeigneter, erfolgreich 
durchgeführter therapeutischer Massnahmen und einer Wiedereingliederungsmassnahme sei 
bei Motivation und Kooperation der Versicherten im weiteren Verlauf eine Wiederherstellung 
einer 80%-igen Arbeitsfähigkeit innerhalb von etwa einem halben Jahr aus psychiatrischer Sicht 
möglich. Dies entspreche dem Pensum an der letzten Arbeitsstelle. Während der zeitlichen 
Präsenz am Arbeitsplatz bestehe aus medizinischer Sicht keine verminderte Leistungsfähigkeit. 
 
6.3.1 In seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gelangte Dr. E.____ zum Schluss, dass der 
Versicherten die Ausübung der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin zumutbar sei unter der Vo-
raussetzung, dass eine leilinienkonforme Therapie (Verhaltenstherapie und adäquate medika-
mentöse Behandlung) der Agoraphobie/Panikstörung vorab angefangen werde. Diese Therapie 
sollte dann solange weitergeführt werden, bis die maximale Arbeitsfähigkeit erreicht und stabili-
siert worden sei. Aktuell bestehe aus medizinisch-theoretischer Sicht eine 50%-ige Arbeitsfä-
higkeit als Verkäuferin, wobei der Dekonditionierung bei der langen Arbeitskarenz Rechnung 
getragen werde. Bezüglich des Verlaufs der Arbeitsunfähigkeit wies Dr. E.____ darauf hin, dass 
seit dem Gutachten vom September 2016 und aktuell im Wesentlichen gleiche psychopatholo-
gische Befunde vorliegen würden. Somit könne von einem unveränderten psychischen Zustand 
seit dem damaligen Gutachten ausgegangen werden. Auf die Frage nach dem Anforderungs-
profil eines angepassten Arbeitsplatzes antwortete Dr. E.____, dass die angestammte Tätigkeit 
als Verkäuferin gut zu den Fähigkeiten und Ressourcen der Versicherten passe. Daher müsse 
die Tätigkeit nicht angepasst werden. Der Explorandin wäre aber auch eine andere Tätigkeit 
zumutbar, die ein vergleichbares Anforderungsprofil aufweise. 
 
6.3.2 Zu den bei den Akten liegenden abweichenden Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit 
nahm der Gutachter wie folgt Stellung: Der Beurteilung des behandelnden Psychiaters 
Dr. F.____, wonach bei der Versicherten seit November 2014 von einer durchgängigen, voll-
ständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei, könne er aufgrund seiner abweichenden Diagno-
sen, der anders beurteilten Funktionseinschränkungen und der vorhandenen Inkonsistenzen 

 

 
 
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nicht beipflichten. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im psychiatrischen Gutachten vom 
6. September 2016 wiederum könne nicht übernommen werden, weil Dr. C.____ zum einen 
widersprüchliche Aussagen zur Arbeitsfähigkeit mache und zum andern seine Einschätzung, 
wonach von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei, nicht ausreichend begrün-
de.  
 
7.1 In ihrer Stellungnahme vom 19. Mai 2021 zum Gerichtsgutachten von Dr. E.____ ver-
trat die IV-Stelle die Auffassung, dass auf dieses abgestellt werden könne. Demnach sei aktuell 
und auch rückwirkend von einer 50 %-igen Arbeitsfähigkeit der Versicherten in der angestamm-
ten Tätigkeit als Verkäuferin auszugehen. Daraus resultiere ein Anspruch auf eine halbe Rente; 
diese beginne sechs Monate nach der Anmeldung vom 2. Dezember 2014 und somit per 1. Juni 
2015 zu laufen. Die Beschwerdeführerin wiederum bestritt in ihrer Eingabe vom 5. Juli 2021, 
der sie eine Stellungnahme des behandelnden Arztes Dr. F.____ vom 24. Juni 2021 beilegte, 
insbesondere die Darstellung des Gerichtsgutachters, wonach bei ihr eine unzureichende medi-
zinische Behandlung erfolge. Sodann wies sie darauf hin, dass Dr. E.____ zwar das Vorliegen 
einer Agoraphobie und einer Panikstörung anerkenne, er würdige jedoch deren Schwere und 
insbesondere deren Auswirkungen im Alltag zu wenig. Im Weiteren würden sich die vom Gut-
achter genannten Therapieoptionen als nicht umsetzbar erweisen und die von ihm postulierte 
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit innert eines halben Jahres nach erfolgter Änderung der The-
rapie sei rein hypothetisch und angesichts der sehr langen Krankheitsdauer keinesfalls realis-
tisch. Aber selbst wenn veränderte Therapieformen möglich wären, würden diese nicht bereits 
zu Beginn der Therapie zu einer Verbesserung der Situation führen, sondern erst nach deren 
Absolvierung, sodass eine allfällige Arbeitsfähigkeit erst im Anschluss daran als gegeben erach-
tet werden könnte. Bis allfällige entsprechende Erfolge eintreten würden, wäre sie aber mit na-
hezu 60 Jahren in einem Alter, das die Umsetzung einer theoretischen Arbeitsfähigkeit als nicht 
mehr realistisch und damit nicht zumutbar erscheinen liesse. Dies gelte erst recht vor dem Hin-
tergrund, dass sie mittlerweile seit neun Jahren nicht mehr im Arbeitsleben stehe und - wie 
auch der Gutachter ausführe - zunächst berufliche Wiedereingliederungsmassnahmen stattfin-
den müssten. Sie halte deshalb am Antrag auf Ausrichtung einer ganzen Rente ab 1. November 
2015 fest. Eventualiter sei ihr ab dem genannten Datum mindestens eine halbe Rente zuzu-
sprechen.  
 
7.2 In ihrer abschliessenden Stellungnahme zum Standpunkt der Gegenpartei teilte die 
Versicherte am 15. Juli 2021 mit, dass sie mit der Rentenausrichtung per 1. Juni 2015 gemäss 
dem Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 19. Mai 2015 übereinstimme, im Übrigen jedoch 
an ihren Anträgen auf Ausrichtung einer ganzen, mindestens aber einer halben Rente festhalte. 
Die Beschwerdegegnerin ihrerseits machte mit Eingabe vom 26. Juli 2021 geltend, dass weder 
die Ausführungen der Versicherten vom 5. Juli 2021 noch die ärztliche Stellungnahme von 
Dr. F.____ vom 24. Juni 2021 Zweifel am Beweiswert des Gutachtens von Dr. E.____ und der 
darin vorgenommenen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aufkommen liessen. Es bleibe einzig 
darauf hinzuweisen, dass - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin - im Gerichtsgut-
achten bereits zum aktuellen Zeitpunkt wie auch rückwirkend eine 50 %-ige Arbeitsfähigkeit 
attestiert werde. Eine vorgängige Durchführung von beruflichen Integrationsmassnahmen wer-
de zur Umsetzung dieser 50 %-igen Arbeitsfähigkeit von Dr. E.____ nicht für notwendig erach-

 

 
 
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tet. Lediglich um allenfalls eine 80 %-ige Arbeitsfähigkeit zu erreichen, seien laut dem Gutachter 
geeignete, erfolgreich durchgeführte therapeutische Massnahmen und eine Eingliederungs-
massnahme erforderlich. Diese rein hypothetisch zu erreichende 80 %-ige Arbeitsfähigkeit sei 
allerdings nicht Gegenstand des aktuell zu verfügenden Leistungsentscheids.  
 
8.1 Nach den oben geschilderten Beweismaximen (vgl. E. 3.3.1 hiervor) weicht das Gericht 
bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der 
medizinischen Experten ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur 
Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund 
zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein 
vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerun-
gen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzli-
che Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Gericht als triftig genug erscheinen, die 
Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung im 
Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne Oberexpertise vom Er-
gebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 
E. 3b/aa mit Hinweisen).  
 
8.2 Vorliegend ist keiner dieser Gründe für ein Abweichen vom psychiatrischen Gerichts-
gutachten von Dr. E.____ vom 27. April 2021 ersichtlich. Es ist viel mehr festzuhalten, dass 
dieses die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen an eine medizinische Beurteilungs-
grundlage in jeder Hinsicht erfüllt: Es weist weder formale noch inhaltliche Mängel auf, es ist - 
wie dies vom Bundesgericht verlangt wird (vgl. E. 3.2 hiervor) - für die streitigen Belange um-
fassend, es stützt sich auf eine sorgfältige, insgesamt rund viereinhalbstündige persönliche Un-
tersuchung der Explorandin, es berücksichtigt die geklagten Beschwerden und es ist in Kennt-
nis der Vorakten abgegeben worden. Inhaltlich ist das Gutachten widerspruchsfrei und es 
leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge bzw. der medizinischen Situation 
ein. Insbesondere nimmt es eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Versicherten 
vor und es zeigt auch auf, weshalb diesbezüglich nicht auf die abweichenden fachärztlichen 
Einschätzungen des Administrativgutachters Dr. C.____ und des behandelnden Arztes 
Dr. F.____ abgestellt werden kann.  
 
8.3 Was die Beschwerdeführerin vorbringt, vermag die ausschlaggebende Beweiskraft der 
Gerichtsexpertise von Dr. E.____ nicht in Frage zu stellen. Die Versicherte ist der Auffassung, 
der Gutachter anerkenne zwar - zu Recht - das Vorliegen einer Agoraphobie und einer Panik-
störung, er würdige jedoch deren Schwere und insbesondere deren Auswirkungen im Alltag zu 
wenig. Dieser Einwand erweist sich als unbegründet, denn Dr. E.____ zeigt, wie oben darge-
legt, ausführlich und überzeugend auf, dass die Beschwerdeführerin ihre angestammte Tätig-
keit als Verkäuferin zwar nicht mehr uneingeschränkt verrichten kann, dass sie aber nach wie 
vor über Ressourcen verfügt, die es ihr erlauben, diesen Beruf oder jede andere Tätigkeit, die 
ein vergleichbares Anforderungsprofil aufweist, noch im Umfang von 50 % auszuüben. Sodann 
schliesst die Versicherte aus den gutachterlichen Ausführungen, dass mit ihr zur Umsetzung 
der als zumutbar erachteten 50 %-igen Arbeitsfähigkeit vorgängig berufliche Integrationsmass-
nahmen durchgeführt werden müssten. Dieser Betrachtungsweise der Beschwerdeführerin 

 

 
 
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kann jedoch nicht gefolgt werden. Mit der IV-Stelle ist vielmehr davon auszugehen, dass 
Dr. E.____ die Explorandin aktuell aus medizinisch-theoretischer Sicht im angestammten Beruf 
als Verkäuferin und in jeder anderen Tätigkeit, die ein vergleichbares Anforderungsprofil auf-
weist, als zu 50 % arbeitsfähig einstuft. Der Gutachter macht diese Einschätzung nicht von ei-
ner vorgängigen Durchführung von beruflichen und therapeutischen (Eingliederungs-) Mass-
nahmen abhängig. Einzig um wieder eine 80 %-ige Arbeitsfähigkeit zu erreichen wären gemäss 
Dr. E.____ vorgängig entsprechende, erfolgreich durchgeführte Massnahmen nötig. Diese al-
lenfalls in einem späteren Zeitpunkt anzustrebende 80 %-ige Arbeitsfähigkeit ist nun allerdings - 
und auch darin ist der IV-Stelle beizupflichten - nicht Gegenstand des aktuellen Rentenent-
scheids. 
 
8.4 Zusammenfassend ergibt sich demnach gestützt auf die schlüssigen Ergebnisse des 
Gerichtsgutachtens von Dr. E.___, dass bei der Versicherten aktuell und rückwirkend von einer 
50 %-igen Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin als auch in 
jeder anderen Tätigkeit, die ein vergleichbares Anforderungsprofil aufweist, ausgegangen wer-
den kann.  
 
9.1 Wie oben ausgeführt (vgl. E. 2.4 hiervor), ist der Invaliditätsgrad bei erwerbstätigen 
Versicherten aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Die IV-Stelle nahm in der 
angefochtenen Verfügung vom 17. April 2020 den erforderlichen Einkommensvergleich vor. Da 
die Versicherte bereits im Zeitpunkt der Anmeldung zum Leistungsbezug keiner Erwerbstätig-
keit mehr nachging und sie auch aktuell keine solche ausübt, ermittelte die IV-Stelle sowohl das 
Validen- als auch Invalideneinkommen zu Recht unter Beizug der Tabellenlöhne der Schweize-
rischen Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik (vgl. dazu BGE 126 V 76 
E. 3b/bb mit Hinweisen und 124 V 322 E. 3b/aa). Dabei berechnete sie aufgrund ihrer damali-
gen Einschätzung, wonach der Versicherten die Ausübung ihrer angestammten Tätigkeit als 
Verkäuferin weiterhin uneingeschränkt zumutbar sei, sowohl das Validen- als auch das zumut-
bare Invalideneinkommen anhand desselben LSE-Tabellenlohns des Sektors Detailhandel, wo-
raus in Anbetracht der damals attestierten vollen Arbeitsfähigkeit in diesem Beruf ein Invalidi-
tätsgrad von 0 % resultierte. Nunmehr ist gestützt auf das zwischenzeitlich eingeholte Gerichts-
gutachten von Dr. E.____ erstellt, dass der Versicherten die Ausübung ihres angestammten 
Berufs als Verkäuferin zwar weiterhin zumutbar ist, allerdings kann nicht mehr von einer unein-
geschränkten, sondern lediglich noch von einer 50 %-igen Arbeitsfähigkeit in dieser Tätigkeit 
ausgegangen werden. Vor diesem Hintergrund können aber sowohl das Validen- als auch das 
Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin weiterhin unter Beizug desselben LSE-
Tabellenlohns im Sektor Detailhandel ermittelt werden. Da gleichzeitig die Vornahme eines all-
fälligen leidensbedingten Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. dazu BGE 146 V 16 E. 4.1 mit zahlrei-
chen Hinweisen) nicht angezeigt ist, führt dies im Einkommensvergleich auf der Basis einer 
verbleibenden Arbeitsfähigkeit von 50 % nunmehr zu einem massgebenden Invaliditätsgrad von 
50 %. In ihrer Stellungnahme zum Gerichtsgutachten anerkennt die Beschwerdegegnerin die-
ses Ergebnis des Einkommensvergleichs und die Versicherte stellt den auf diese Weise ermit-
telten Invaliditätsgrad in ihren Ausführungen zum Gerichtsgutachten zu Recht ebenfalls nicht in 
Frage. 
 

 

 
 
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9.2 Die Beschwerdegegnerin vertritt in ihrer Eingabe vom 19. Mai 2021 die Auffassung, 
dass die Versicherte mit Wirkung ab 1. Juni 2015 Anspruch auf Ausrichtung der halben Rente 
habe. Dieser Auffassung kann jedoch nicht gefolgt werden. Die IV-Stelle übersieht, dass der 
Rentenanspruch gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG unter anderem voraussetzt, dass die versicherte 
Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % 
arbeitsunfähig gewesen ist (lit. b). Zudem bestimmt Art. 29 Abs. 1 IVG, dass der Rentenan-
spruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsan-
spruchs entsteht. In den vorliegenden medizinischen Akten wird der Versicherten ärztlicherseits 
erstmals im Bericht von Dr. F.____ vom 1. Februar 2015 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit 
attestiert, und zwar mit Beginn ab 12. November 2014. Das Wartejahr von Art. 28 Abs. 1 lit. b 
IVG begann somit am genannten Tag zu laufen und endete am 11. November 2015. Die IV-
Anmeldung erfolgte am 2. Dezember 2014, d.h. mehr als sechs Monate vor Ablauf des Warte-
jahres. Somit hat die Beschwerdeführerin nicht - wie von ihr und der IV-Stelle postuliert - ab 
1. Juni 2015, sondern erst ab 1. November 2015 Anspruch auf eine halbe Rente.  
 
9.3 Zusammenfassend ist als Ergebnis festzuhalten, dass die Beschwerde der Versicher-
ten teilweise gutzuheissen ist. Die angefochtene Verfügung vom 17. April 2020 ist aufzuheben 
und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. November 2015 An-
spruch auf eine halbe Rente hat. 
 
10. Abschliessend bleibt über die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu befinden.  
 
10.1 Beim Entscheid über die Verlegung der Verfahrens- und der Parteikosten ist grund-
sätzlich auf den Prozessausgang abzustellen. Vorliegend ist die Beschwerdeführerin obsiegen-
de und die IV-Stelle unterliegende Partei. 
 
10.2 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die 
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit-
wert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in 
denen ein durchschnittlicher Verfahrensaufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Verfah-
renskosten in Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 800.-- 
fest. Nach § 20 Abs. 3 VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Par-
tei in angemessenem Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, wes-
halb die Verfahrenskosten ihr zu auferlegen sind. 
 
10.3 Nach Art. 45 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger die Kosten der Abklärung zu 
übernehmen, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er keine Massnahmen angeord-
net, so übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für die Beurteilung des 
Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden. 
Wie das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ff. entschieden hat, sind in den Fällen, in denen zur 
Durchführung der vom Gericht als notwendig erachteten Beweismassnahme an sich eine 
Rückweisung in Frage käme, eine solche indessen mit Blick auf die Wahrung der Verfahrens-
fairness entfällt, die Kosten der durch das Gericht in Auftrag gegebenen Begutachtung dem 

 

 
 
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Versicherer aufzuerlegen. Dies sei, so das Bundesgericht weiter, mit der zitierten Bestimmung 
von Art. 45 Abs. 1 ATSG durchaus vereinbar (BGE 137 V 265 f. E. 4.4.2). Vorliegend war das 
Gericht anlässlich seiner ersten Urteilsberatung vom 12. November 2020 zum Ergebnis gelangt, 
dass ein Entscheid in der Angelegenheit gestützt auf die damals vorhandene Aktenlage nicht 
möglich war. Es beschloss deshalb, den Fall auszustellen und zur weiteren Klärung des medi-
zinischen Sachverhalts ein psychiatrisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben, Wie sich 
anlässlich der heutigen Urteilsberatung gezeigt hat, war das in der Folge eingeholte Gerichts-
gutachten von Dr. E.____ vom 27. April 2021 für eine abschliessende Beurteilung des medizini-
schen Sachverhalts unerlässlich. Im Lichte der geschilderten bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung sind demnach die Kosten der Begutachtung der IV-Stelle aufzuerlegen. Diese Kosten 
belaufen sich gemäss der Honorarrechnung von Dr. E.____ vom 27. April 2021 auf Fr. 6'800.--.  
 
10.4 Laut Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf 
Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin obsiegende Partei ist, ist ihr eine Partei-
entschädigung zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen. Die Rechtsvertreterin der Beschwerde-
führerin hat in ihren beiden Rechnungen vom 24. August 2020 und 4. August 2021 für das vor-
liegende Verfahren ein Honorar von insgesamt Fr. 4'133.35 geltend gemacht, was sich in Anbe-
tracht der sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen und in Berücksichtigung, dass im 
Laufe des Prozesses mehrere Eingaben und Stellungnahmen an das Gericht zu verfassen wa-
ren, als angemessen erweist. Der Beschwerdeführerin ist deshalb eine Parteientschädigung in 
der genannten Höhe zu Lasten der IV-Stelle zuzusprechen.  
 

  

 

 
 
Seite 16   http://www.bl.ch/kantonsgericht 

Demgemäss wird  e r k a n n t : 

 

://: 1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Ver-
fügung der IV-Stelle Basel-Landschaft vom 17. April 2020 aufgehoben 
und es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin ab 1. November 
2015 Anspruch auf eine halbe Rente hat. 

 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 800.-- werden der IV-Stelle 
Basel-Landschaft auferlegt. 

 3. Die Kosten der gerichtlichen Begutachtung in der Höhe von Fr. 6'800.-- 
werden der IV-Stelle Basel-Landschaft auferlegt. 

 4. Die IV-Stelle Basel-Landschaft hat der Beschwerdeführerin eine Par-
teientschädigung in der Höhe von Fr. 4'133.35 zu bezahlen.  

 

 
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