# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8cf9711b-d0ca-5ebf-9a31-11584cef98f1
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-11-02
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 02.11.2009 D-5781/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5781-2006_2009-11-02.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5781/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 .  N o v e m b e r  2 0 0 9

Richter Martin Zoller (Vorsitz),
Richter Daniel Schmid,
Richter Thomas Wespi;
Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr.

1. A._______, geboren (...),
2. B._______, geboren (...),
3. C._______, geboren (...),
Kamerun,
alle vertreten durch (...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 21. Juni 2006 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5781/2006

Sachverhalt:

A.
Die zum damaligen Zeitpunkt minderjährigen Beschwerdeführer – Brü-
der  kamerunischer  Staatsangehörigkeit  mit  letztem  Wohnsitz  in 
D._______ – reisten im Dezember 2004 zu ihrer in der Schweiz wohn-
haften  Mutter,  einer  eingebürgerten,  gebürtigen  Kamerunerin.  Diese 
ersuchte am (Datum) um Bewilligung der Familienzusammenführung. 
Das zuständige Migrationsamt des Kantons E._______ lehnte das Ge-
such  am  (Datum)  ab  und  verfügte  gleichzeitig  die  Wegweisung  der 
Beschwerdeführer  aus  der  Schweiz.  Das  BFM  bestätigte  diesen 
Entscheid mit Verfügung vom (Datum). Die Beschwerdeführer wurden 
aufgefordert, die Schweiz bis zum 15. Dezember 2005 zu verlassen. 

B.
Am 2. Januar 2006 suchten die Beschwerdeführer in der Schweiz um 
Asyl nach. 

B.a Die  Beschwerdeführer  wurden  erstmals  am 10. Januar  2006  im 
Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  F._______  zu  ihren  Asylgründen 
befragt.  Am  20. Februar  2006  wurden  sie  durch  die  Fremdenpolizei 
des  Kantons G._______,  dem sie  für  die  Dauer  des  Asylverfahrens 
zugewiesen  wurden,  im  Beisein  eines  von  Amtes  wegen  ernannten 
Rechtsbeistands und einer Vertreterin eines anerkannten Flüchtlings-
hilfswerks einlässlich angehört. Sie führten dabei im Wesentlichen aus, 
ihre Mutter sei vor zirka fünfzehn Jahren von Kamerun in die Schweiz 
ausgereist. Sie hätten fortan bei der (Verwandten) gelebt. Ihren Vater 
beziehungsweise ihre Väter würden sie nicht kennen. Die Mutter sei ab 
und zu nach Kamerun gekommen und habe sie dabei gelegentlich be-
sucht. Da sich ihre Mutter und die (Verwandte) nicht verstanden hät-
ten, habe ein Freund ihrer Mutter namens H._______ sie eines Tages 
zu sich geholt. Dieser habe sie schlecht  behandelt,  geschlagen und 
gezwungen,  für  ihn zu arbeiten. Später  seien sie zu einem anderen 
Freund der Mutter, I._______, gekommen. Auch für diesen hätten sie 
hart  arbeiten müssen. Sie hätten für  ihn Waren – wie Bananen oder 
Brötchen  –  verkaufen  müssen,  weshalb  sie  auch  nicht  mehr  zur 
Schule  hätten  gehen  können.  Zudem  seien  sie  auch  von  ihm 
regelmässig  geschlagen  worden.  Da  sie  einmal  bei  einer 
Polizeikontrolle  keine  Papiere  hätten  vorweisen  können,  seien  sie 
verdächtigt worden, die Brötchen und das Geld, welches sie bei sich 
gehabt  hätten,  gestohlen  zu  haben.  Nachdem  sie  erklärt  gehabt 

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hätten, für wen sie arbeiteten, hätten sie nach Hause gehen können. 
Die Polizei habe I._______ daraufhin befragt. In der Folge habe dieser 
falsche Identitätskarten für sie besorgt und gesagt, er werde sie zum 
Arbeiten  an  einen  anderen  Ort  schicken.  Da  die  Situation  immer 
unerträglicher geworden sei, habe der Beschwerdeführer 1 im Verlauf 
des  Dezembers  2004  die  (Verwandte)  um  Rat  gefragt.  Diese  habe 
daraufhin  die  Ausreise  für  ihn  und  seine  beiden  Brüder  per  Ende 
Dezember  2004  erwirken können. Nach der  Ankunft  in  der  Schweiz 
hätten sie versteckt bei der Mutter in E._______ gewohnt, wobei sich 
diese  auch  hier  nur  wenig  um  sie  gekümmert  habe.  Als  ihnen  die 
Mutter erklärt habe, dass sie die Schweiz wieder verlassen müssten, 
hätten sie am 2. Januar 2006 um Asyl nachgesucht. 

Der  Beschwerdeführer 2 führte  zudem anlässlich  der  Anhörung vom 
20. Februar  2006 aus,  I._______ habe ihn oft  angefasst. Nachts sei 
dieser in sein Bett bekommen und habe verlangt, dass er sich auszie-
he. I._______ habe ihn dann am ganzen Körper gestreichelt. Auf die 
Frage,  ob  er  in  der  Lage  sei,  im  Beisein  von  Frauen  näher  darauf 
einzugehen,  oder  ob  er  nur  in  Gegenwart  von  Männern  darüber 
sprechen  möchte,  sagte  er  aus,  er  habe  überhaupt  nicht  die  Kraft, 
darüber zu sprechen (vgl. A25 S. 9). 

Der  Beschwerdeführer 3  führte  im  Rahmen  der  Anhörung  vom 
20. Februar 2006 zusätzlich aus, I._______ habe ihm eines nachts die 
Hose herunter gezogen, ihn überall berührt, gestreichelt und geküsst. 
Dieser  sei  auch  zu  ihm unter  die  Dusche  gekommen und  habe  ihn 
wiederum gestreichelt und geküsst. Er habe diese Vorfälle niemandem 
gemeldet.  Bei  der  Empfangsstellenbefragung habe er  nicht  den  Mut 
gehabt,  die  Vorfälle  zu  erwähnen  (vgl.  A24  S. 8  f.).  Kurz  vor  der 
Ausreise sei er zudem eines nachts verhaftet worden, da er ohne Pa-
piere Waren verkauft habe. Er sei deswegen einen Monat lang im Ge-
fängnis gewesen (vgl. A24 S. 9).

B.b Bezüglich der weiteren Aussagen beziehungsweise der Einzelhei-
ten des rechtserheblichen Sachverhalts wird auf die Protokolle bei den 
Akten verwiesen (vgl. A1, A2, A3, A23, A24 und A25). 

C.
C.a Mit  Verfügung vom 21. Juni  2006 – eröffnet  am 26. Juni  2006 – 
stellte das BFM fest, dass die Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-

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schaft  nicht  erfüllten. Es lehnte die Asylgesuche ab und ordnete die 
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an. 

C.b Zur Begründung führte das BFM im Wesentlichen aus, Nachteile, 
welche auf die allgemeinen politischen, wirtschaftlichen oder sozialen 
Lebensbedingungen in einem Staat zurückzuführen seien, stellten kei-
ne asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3  des Asylgesetzes 
vom 26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31) dar. Die  minderjährigen  Be-
schwerdeführer machten geltend, in Kamerun unter sehr schwierigen 
Bedingungen gelebt zu haben. Sie seien von der Mutter vernachlässigt 
worden  und  hätten  in  D._______  bei  verschiedenen  Männern  leben 
müssen,  die  sie  zur  Arbeit  geschickt,  geschlagen  und  sexuell 
missbraucht hätten. In der Schweiz habe sich die Mutter auch nicht um 
sie  gekümmert.  Diese  Vorbringen,  namentlich  die  Vernachlässigung 
durch die Eltern aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen, seien – 
wie  zuvor  ausgeführt  –  grundsätzlich  nicht  asylrelevant  und  hielten 
demnach  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss 
Art. 3 AsylG nicht stand. Die Asylgesuche seien deshalb abzulehnen 
und  die  Wegweisung  anzuordnen.  Der  Wegweisungsvollzug  sei 
zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Weder  die  herrschende  politische 
Situation  in  Kamerun  noch  individuelle  Gründe  sprächen  gegen  die 
Zumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung.  Bei  den 
Beschwerdeführern  handle  es  sich  faktisch  um  Halbwaisen,  deren 
Mutter  –  eine  Schweizerbürgerin  –  in  der  Schweiz  lebe.  Es  könne 
vorausgesetzt werden, dass sie ihre Kinder bei einer Rückkehr nach 
Kamerun  finanziell  unterstütze,  weswegen  es  für  die 
Beschwerdeführer  einfacher  sein  werde,  sich  im  Heimatland  wieder 
zurecht  zu  finden.  Vom  ältesten  Beschwerdeführer  könne  erwartet 
werden,  dass  er  sich  um  seine  jüngeren  Brüder  kümmere.  Die  in 
D._______ lebende (Verwandte) (oder andere ihr nahestehende Per-
sonen) könne die Beschwerdeführer zumindest in der ersten Zeit auf-
nehmen.  Zudem  bestehe  für  die  Beschwerdeführer  die  Möglichkeit, 
Rückkehrhilfe zu beantragen. 

D.
D.a Mit Eingabe vom 26. Juli 2006 reichten die Beschwerdeführer bei 
der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  Be-
schwerde  ein,  worin  um  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung 
und  Rückweisung  an  das  BFM,  eventualiter  um  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft und Gewährung des Asyls, subeventualiter um 
Feststellung  der  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des  Wegwei-

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sungsvollzugs und Gewährung der vorläufigen Aufnahme ersucht wur-
de. In formeller Hinsicht wurde zudem um Gewährung der unentgeltli-
chen Rechtspflege gemäss Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021)  und um Beiordnung eines  unentgeltlichen Rechtsbeistands 
gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG sowie  um Verzicht auf die Erhebung ei-
nes Kostenvorschusses ersucht. 

D.b Zur  Begründung führten die  Beschwerdeführer  im Wesentlichen 
aus, sie seien am 25. Dezember 2004 legal mit einem Touristenvisum 
in die Schweiz eingereist und hätten zunächst bei ihrer Mutter Wohn-
sitz  bezogen.  Die  Mutter  habe  am  (Datum)  ein  Gesuch  um  Fa-
miliennachzug gestellt. Nachdem dieses abgelehnt worden sei, hätten 
sie weiterhin ohne Aufenthaltsbewilligung bei der Mutter gelebt, bis sie 
von der Möglichkeit der Einreichung eines Asylgesuchs erfahren hät-
ten. Obwohl die Mutter im Kanton E._______ wohnhaft gewesen sei, 
seien  sie  nach  der  Asylgesuchseinreichung  dem Kanton  G._______ 
zugeteilt  worden.  Nachdem  die  Mutter  in  den  Kanton  J._______ 
gezogen sei, hätten sie am 31. Mai 2006 ein Gesuch um Bewilligung 
eines  Kantonswechsels  –  J._______  anstelle  G._______  –  gestellt. 
Dieses Verfahren sei noch hängig.

Ihre Mutter sei vor rund fünfzehn Jahren von Kamerun in die Schweiz 
gereist. Durch die Heirat mit einem Schweizer sei sie Schweizerin ge-
worden. Ihr damaliger Ehemann habe den Nachzug der Kinder abge-
lehnt. Nach zirka (...) Ehejahren habe sie sich scheiden lassen. Aber 
auch dann sei es ihr nicht möglich gewesen, sie – die Beschwerdefüh-
rer – in die Schweiz nachkommen zu lassen. Zirka (...) Jahre nach der 
Scheidung  habe  die  Mutter  ihren  zweiten  Ehemann  kennengelernt, 
doch auch dieser habe sich gegen den Nachzug der Kinder gestellt. 
Sie hätten in Kamerun zunächst bei der (Verwandten) gelebt. Wegen 
Streitigkeiten zwischen ihrer  Mutter  und der (Verwandten) hätten sie 
jedoch zu einem Freund der Mutter, H._______, ziehen müssen,  wo 
sie zur Arbeit gezwungen worden seien. Im Jahr 2001 seien sie zu ei-
nem  anderen  Freund  der  Mutter,  I._______,  gekommen.  Auch  für 
diesen hätten sie schwer arbeiten müssen. Beide Männer hätten sie 
regelmässig geschlagen. Der Beschwerdeführer 3 habe sogar einmal 
wegen  einer  offenen  Verletzung  am  Kopf  ärztliche  Hilfe  benötigt. 
I._______  habe  zudem  die  Beschwerdeführer 2  und  3  sexuell 
missbraucht.  Sie  hätten  in  sklavenähnlichen  Zuständen  gelebt.  Die 
Mutter  sei  so  oft  wie  möglich  nach  Kamerun  gereist.  Sie  habe 

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versucht, den Kontakt aufrechtzuerhalten und sie von der Schweiz aus 
finanziell zu unterstützen. Aufgrund ihrer Naivität und der persönlichen 
Situation sei ihr dies jedoch nicht immer gelungen. Zudem hätten die 
jeweiligen  Männer  absichtlich  versucht,  sie  von  der  Mutter 
fernzuhalten,  da  sie  für  diese  wichtige  Einnahmequellen  gewesen 
seien. Sie seien davon ausgegangen, die Mutter würde sie finanziell 
vernachlässigen,  da  die  beiden  Männer  das  für  sie  –  die 
Beschwerdeführer  –  bestimmte  Geld  der  Mutter  oft  selbst  behalten 
hätten. Dieses Missverständnis habe sich erst nach den Anhörungen 
im  Asylverfahren  geklärt.  Nachdem  die  Situation  völlig  unerträglich 
geworden sei, habe der Beschwerdeführer 1 die (Verwandte) um Rat 
gefragt.  Diese  habe  in  Absprache  mit  der  Mutter,  welche  sich  der 
schlimmen  Lebenssituation  ihrer  Kinder  erst  jetzt  richtig  bewusst 
geworden  sei,  die  Ausreise  erwirken  können.  Ein  in  der  Schweiz 
lebender  Freund  der  Mutter  habe  ihnen  zu  einem  Touristenvisum 
verholfen. Die  (Verwandte)  sei  zwischenzeitlich  schwer  erkrankt  und 
lebe  nun  in  K._______.  Sie  verfügten  deshalb  im  Heimatland  über 
keine Bezugsperson mehr. 

Da  der  Sachverhalt  unzureichend  abgeklärt  worden  sei,  liege  eine 
Verletzung von Art. 6 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über 
Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  und  Art. 29  Abs. 2  der 
Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom 
18. April  1999  (BV,  SR  101)  vor.  Sie  beantragten  deshalb  die 
Rückweisung des Verfahrens an die Vorinstanz. Gemäss Art. 6 AsylV 1 
sei  die  Anhörung  von  einer  Person  gleichen  Geschlechts 
durchzuführen,  wenn  konkrete  Hinweise  auf  geschlechtsspezifische 
Verfolgung vorlägen. Die Behörde sei zu diesem Vorgehen von Amtes 
wegen verpflichtet, d. h. nicht nur dann, wenn dies vom Asylsuchenden 
ausdrücklich  verlangt  werde.  Aus  den  Anhörungsprotokollen  gehe 
hervor,  dass  der  Hilfswerksvertreter  bei  den  Befragungen  der 
Beschwerdeführer 2 und 3 den Eindruck gehabt habe, dass sie nicht 
alles bezüglich des sexuellen Missbrauchs hätten sagen können, da 
das  Befragungsteam  mehrheitlich  aus  Frauen  bestanden  habe.  Die 
Befragerin habe es jedoch unterlassen, die Anhörungen abzubrechen 
und  ein  ausschliesslich  aus  Männern  besetztes  Team  damit  zu 
beauftragen.  Weder  der  Beschwerdeführer 2  noch  der 
Beschwerdeführer 3 hätten ausdrücklich zu verstehen gegeben, dass 
sie  die  sexuellen  Übergriffe  ohne  Probleme  hätten  wiedergeben 
können.  Aus  den  Anhörungsprotokollen  gehe  vielmehr  hervor,  dass 
der  Beschwerdeführer 3  die  Erlebnisse  nicht  unbeeinträchtigt  habe 

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schildern  können,  sondern  „sehr  verlegen“  gewesen  sei.  Der 
Beschwerdeführer 2 habe sogar klar gesagt, er habe „überhaupt nicht 
die Kraft, darüber zu sprechen“. 

Obwohl  sie  nicht  als  unbegleitete Minderjährige gegolten hätten,  sei 
ihnen  gemäss  Art. 7  AsylV 1  eine  Vertrauensperson  zugeordnet 
worden, da richtigerweise davon ausgegangen worden sei,  dass ihre 
rechtsunkundige und alleinstehende Mutter nicht in der Lage gewesen 
wäre, angemessen für das im Asylverfahren zu achtende Kindeswohl 
zu sorgen. Art. 17 Abs. 3 AsylG, wonach unbegleiteten minderjährigen 
Asylsuchenden  eine  Vertrauensperson  zuzuweisen  sei,  sofern  nicht 
innert  nützlicher  Frist  vormundschaftliche  Massnahmen  ergriffen 
werden könnten,  müsse vorliegend analog angewendet werden. Das 
BFM gehe in der angefochtenen Verfügung davon aus, dass für sie ein 
Beistand bestimmt worden sei. Dies treffe jedoch nicht zu. Obwohl es 
die Pflicht der Asylbehörden gewesen wäre, zumindest  eine Prüfung 
vormundschaftlicher  Massnahmen  gemäss  Art. 307  des 
Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 
210)  vorzunehmen,  sei  dies  unterlassen  worden.  Die 
Vertrauensperson  habe  lediglich  eine  Überbrückungsfunktion  und 
diene nur bis zur Ernennung eines Beistands oder Vormunds. Mit der 
Eröffnung der angefochtenen Verfügung habe die Vertrauensperson ihr 
Mandat  niedergelegt.  Obwohl  die  Beschwerdeführer 2  und  3  immer 
noch  minderjährig  seien,  hätten  sie  momentan  weder  eine 
Vertrauensperson  noch  einen  Beistand.  Damit  sei  das  rechtliche 
Gehör  verletzt  und  die  Sache  daher  an  das  BFM  zurückzuweisen. 
Damit sie ihr rechtliches Gehör angemessen wahren könnten, sei die 
Bestellung  eines  Beistands  unerlässlich.  Mindestens  bis  ein  solcher 
eingesetzt sei, werde die Beiordnung eines amtlichen Rechtsvertreters 
ihrer Wahl gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG beantragt. 

Sie  stellten  eine  unter  den  Flüchtlingsbegriff  von  Art. 3  AsylG 
subsumierbare „bestimmte soziale Gruppe“ dar, da sie im Heimatland 
als Kinder ohne Eltern besonders gefährdet seien, Opfer von sexueller 
Ausbeutung und Zwangsarbeit zu werden. Sie würden aufgrund ihres 
Alters  und  der  Abwesenheit  der  Eltern  von  den  Tätern  gezielt 
ausgewählt. Entgegen der Auffassung des BFM hätten sie in Kamerun 
ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes erlitten. Sie seien über 
Jahre  hinweg  zur  Arbeitsverrichtung  gezwungen  worden  und  hätten 
ihre  Schulausbildung  abbrechen  müssen,  obwohl  dies  eine 
Grundvoraussetzung  zur  Wahrung  des  Kindeswohls  gewesen  wäre. 

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Dies  stelle  eine  Ausbeutung  Minderjähriger  dar.  Sie  seien  auch  oft 
geschlagen und so schwer misshandelt worden, dass einer der Brüder 
sogar ärztliche Hilfe benötigt habe. Die Schläge und die Zwangsarbeit 
sowie die wiederholte sexuelle Nötigung der Beschwerdeführer 2 und 
3 hätten eine Gefährdung von Leib, Leben und Freiheit  sowie einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirkt.  Ob  den  kamerunischen 
Behörden  eine  Schutzunfähigkeit  oder  Schutzunwilligkeit  angelastet 
werden  müsse,  könne  offengelassen  werden.  Kamerun  habe  die 
Kinderrechtskonvention  zwar  ratifiziert,  komme  jedoch  den 
entsprechenden  Pflichten  nicht  nach.  Sie  hätten  übereinstimmend 
erzählt,  dass  sie  einmal  von  der  kamerunischen  Polizei  verhaftet 
worden  seien,  weil  sie  ohne  die  nötigen  Papiere  Waren  verkauft 
hätten. Auf der Polizeistation hätten die Beamten weder geklärt,  wer 
und wo ihre Eltern seien, noch überprüft, weshalb sie auf der Strasse 
illegal Waren verkauften und mit wem und unter welchen Bedingungen 
sie lebten. Zwischen der Verfolgung und der Flucht bestehe sowohl ein 
zeitlicher  als  auch  ein  sachlicher  Zusammenhang.  Auch  eine 
zukünftige Furcht vor Verfolgung sei zu bejahen. Sie würden bei einer 
Rückkehr  nach  Kamerun  in  die  gleiche  Lage  wie  vor  der  Ausreise 
geraten,  da  ihnen  weiterhin  die  finanzielle  Unabhängigkeit  und  ein 
tragfähiges soziales Beziehungsnetz fehlen würden. 

Der  Vollzug  der  Wegweisung  sei  unzulässig.  Sie  würden  bei  einer 
Rückkehr wegen ihrer dortigen Schutzlosigkeit wieder in eine Zwangs- 
und  Gefahrenlage  geraten.  Die  Rückweisung  nach  Kamerun  würde 
einer  unmenschlichen  Behandlung  gleichkommen.  Sie  hätten  im 
Heimatland keine Bezugsperson mehr, da die (Verwandte) vor ein paar 
Monaten  schwer  erkrankt  und  deswegen  nach  K._______ 
ausgewandert sei. Bei einer Rückkehr wären sie vollkommen auf sich 
gestellt.  Da sie  kaum eine schulische Ausbildung hätten,  kämen sie 
wiederum  in  eine  Zwangslage.  Der  Annahme  des  BFM,  die  Mutter 
könnte  sie  finanziell  unterstützen,  müsse  widersprochen  werden. 
Diese  verfüge  kaum  über  genügende  Mittel  zur  Sicherung  ihres 
eigenen Unterhalts. Zudem sei es realitätsfremd zu erwarten, dass der 
Beschwerdeführer 1  wegen  (...)  in  der  Lage  wäre,  seine  jüngeren 
Brüder  finanziell  zu  unterstützen und allein  die  Betreuungsaufgaben 
zu  übernehmen.  Insbesondere  könnte  er  seine  Brüder  nicht  vor 
sexueller Ausbeutung und Zwangsarbeit schützen. 

Der  Wegweisungsvollzug  sei  auch  unzumutbar.  Das  BFM  habe  das 
Kindeswohl  bei  der  Prüfung  der  Zumutbarkeit  des  Vollzugs  der 

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Wegweisung  nicht  pflichtgemäss  berücksichtigt.  Es  habe  es 
unterlassen  abzuklären,  inwiefern  sie  nach ihrer  Rückkehr  im Sinne 
des Übereinkommens vom 20. November  1989 über  die Rechte des 
Kindes (KRK, SR 0.107) unter die Obhut eines Familienmitglieds oder 
einer  besonderen  Institution  genommen werden  könnten. Ansonsten 
hätte es festgestellt, dass die Mutter derzeit nicht in der Lage sei, sie 
finanziell zu unterstützen, die (Verwandte) nicht mehr in Kamerun lebe 
und auch sonst keine nahestehenden Personen für sie da wären. Sie 
wären  bei  ihrer  Rückkehr  mit  der  dortigen  Lebenssituation  völlig 
überfordert,  auch  wenn  der  Beschwerdeführer 1  bereitwillig  zu 
verstehen gebe, er würde sich um das Wohl seiner Brüder bemühen. 
Aufgrund  seiner  sozialen  Stellung  und  seinem  niedrigen 
Bildungsniveau würde er kaum keine angemessene Arbeit finden, um 
für sich und seine Brüder zumutbare Lebensverhältnisse zu schaffen.

Beim Vollzug der Wegweisung sei zudem dem Grundsatz der Einheit 
der  Familie  gemäss  Art. 44  Abs. 1  AsylG  Rechnung  zu  tragen.  Sie 
bildeten zusammen mit ihrer Mutter eine Familie, was auch vom BFM 
nicht  bestritten werde. Schliesslich hätten sie echte Identitätspapiere 
eingereicht  und  aus  den  Geburtsurkunden  gehe  hervor,  dass 
L._______ ihre leibliche Mutter  sei. Zwar hätten  sie ein gespaltenes 
Verhältnis zu ihr. Da sie ihnen wichtige Fakten ihrer Lebensgeschichte 
verschwiegen  habe,  sei  es  zu  Missverständnissen  gekommen.  Sie 
habe aber  immer  sehr  darunter  gelitten,  getrennt  von ihren  Kindern 
leben zu müssen. Seit  sie – die Beschwerdeführer – in der Schweiz 
lebten, sei es ihnen langsam gelungen, die Beziehung zur Mutter zu 
verbessern. Von beiden Seiten sei der Wille da, gemeinsam als Familie 
zu leben. Eine Wegweisung würde deshalb eine Verletzung von Art. 44 
Abs. 1 AsylG darstellen. 

E.
Mit Zwischenverfügung vom 9. August 2006 stellte der zuständige Inst-
ruktionsrichter der ARK fest, dass die Beschwerdeführer den Ausgang 
des Verfahrens in der Schweiz abwarten können. Gleichzeitig verzich-
tete er  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses und verwies den 
Entscheid  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege gemäss Art. 65  Abs. 1  VwVG auf  einen  späteren Zeit-
punkt. 

F.
Mit Eingabe vom 28. August 2006 reichten die Beschwerdeführer eine 

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Beschwerdeergänzung  ein.  Bezüglich  der  (Verwandten)  würden  ver-
schiedene  Dokumente  –  Kopien  von  (medizinische  Unterlagen)  – 
eingereicht, welche belegten, dass sich diese wegen eines (Krankheit) 
in K._______ in ärztlicher Behandlung befinde. Damit stehe fest, dass 
sie  im  Heimatland  keine  Bezugspersonen  mehr  hätten,  womit  das 
Kindeswohl bei einer zwangsweisen Rückführung gefährdet wäre. Die 
der Eingabe zudem beiligenden Kopien der Passstempel der Mutter, 
deren Flugbuchungen nach Kamerun und Geldüberweisungen mittels 
Western-Union zeigten, dass diese trotz ihrer finanziellen Probleme so 
oft wie möglich für Besuche nach Kamerun gereist sei und ihnen Geld 
geschickt  habe.  Damit  stehe  nicht  die  Asylrelevanz  der  von  der 
Vorinstanz fälschlicherweise angenommenen Vernachlässigung durch 
die  Mutter  in  Frage,  sondern  ihre  Ausbeutung  in  Kamerun. 
Diesbezüglich  werde  auf  die  entsprechenden  Ausführungen  in  der 
Beschwerdeschrift verwiesen. 

G.
In  seiner  Vernehmlassung  vom  1. Dezember  2006  beantragte  das 
BFM die Abweisung der Beschwerde. Diese enthalte keine neuen er-
heblichen Tatsachen oder Beweismittel, welche eine Änderung seines 
Standpunktes  rechtfertigen  könnten.  Der  Instruktionsrichter  brachte 
den  Beschwerdeführern  die  Vernehmlassung  am  8. Dezember  2006 
zur Kenntnis. 

H.
Mit Eingabe vom 28. September 2007 an das  Bundesverwaltungsge-
richt, welches am 1. Januar 2007 die Beurteilung der bei der ehemali-
gen  ARK  hängigen  Rechtsmittel  übernommen  hat,  reichten  die  Be-
schwerdeführer eine weitere Beschwerdeergänzung ein. Sie brachten 
– unter Einreichung der entsprechenden Dokumente – vor, sie hätten 
mit  der  Mutter  bei  einem von den schweizerischen Bundesbehörden 
anerkannten Labor  einen DNA-Mutterschaftstest  durchführen lassen. 
Das Resultat zeige, dass die Mutterschaft bei allen drei Kindern prak-
tisch erwiesen sei, womit allfällige Zweifel daran ausgeräumt seien. 

I.
Am 12. beziehungsweise 25. Oktober 2007 hiess das BFM die Gesu-
che  der  Beschwerdeführer  um  Bewilligung  des  Kantonswechsel  – 
J._______ anstelle G._______ – vom 31. Mai 2006 gut und bewilligte 
deren  Aufenthalt  im  Kanton  J._______  für  die  weitere  Dauer  des 
Asylverfahrens.

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J.
Mit Zwischenverfügung vom 14. August 2009 forderte der Instruktions-
richter die Beschwerdeführer auf, ihre schulische Entwicklung seit der 
Einreise in die Schweiz und ihre aktuelle Lebenssituation darzulegen. 

K.
Mit Schreiben vom 15. September 2009 führten die Beschwerdeführer 
aus, sie lebten seit dem (Datum) bei ihrer Mutter in M._______ in einer 
4.5-Zimmer-Wohnung.  Das  Verhältnis  zur  Mutter  habe  sich  sehr 
verbessert  und sie  möchten auch weiterhin  mit  ihr  zusammenleben. 
(Ausführungen zur Schulbildung und beruflichen Integration). 

Zur Stützung ihrer Vorbringen reichten die Beschwerdeführer folgende 
Dokumente ins Recht:
- Kopie Mietvertrag Wohnung in M._______, (Datum);

- Wohnsitzbestätigung Mutter, 8.9.2009;

- Wohnsitzbestätigung Beschwerdeführer 1, 8.9.2009;

- Wohnsitzbestätigung Beschwerdeführer 2, 8.9.2009;

- Wohnsitzbestätigung Beschwerdeführer 3, 8.9.2009;

- (...).

L.
Auf entsprechende Aufforderung hin reichte die Rechtsvertreterin der 
Beschwerdeführer mit Schreiben vom 22. Oktober 2009 ihre Kostenno-
te vom 21. Oktober 2009 ein. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32)  beurteilt  das Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu 
den Behörden  nach  Art. 33  VGG und ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnah-
me im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungs-
gericht  ist  daher  zuständig  für  die Beurteilung der  vorliegenden Be-
schwerde  und  entscheidet  in  diesem  Bereich  endgültig  (Art. 105 
AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 
2005 [BGG, SR 173.110]).

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1.2 Das Bundesverwaltungsgericht übernahm am 1. Januar 2007 die 
Beurteilung der bei der ehemaligen ARK hängigen Rechtsmittel. Das 
neue Verfahrensrecht ist anwendbar (Art. 53 Abs. 2 VGG). 

1.3 Die  Beschwerde  ist  frist-  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführer  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt  und 
haben ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise Änderung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legi-
timiert  (Art. 105 AsylG i.V.m.Art. 37  VGG und Art. 48  Abs. 1,  Art. 50 
und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten. 

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.
3.1 Die Beschwerdeführer 2 und 3 brachten in der Rechtsmitteleinga-
be  unter  anderem  vor,  sie  hätten  anlässlich  der  Befragungen  nicht 
ausführlich über die geltend gemachten sexuellen Übergriffe sprechen 
können,  da das  Befragungsteam nicht  geschlechtsspezifisch  zusam-
mengesetzt gewesen sei. Damit sei der Sachverhalt unzureichend ab-
geklärt worden, weshalb das Verfahren an die Vorinstanz zurückzuwei-
sen sei.

3.2 Gemäss  Art. 6  AsylV 1  werden  Asylsuchende  von  einer  Person 
gleichen  Geschlechts  angehört,  wenn  konkrete  Hinweise  auf  ge-
schlechtsspezifische  Verfolgung vorliegen oder  die  Situation  im Her-
kunftsland auf geschlechtsspezifische Verfolgung hindeutet. Nach der 
weiterhin  zutreffenden  Rechtsprechung  der  ARK ist  eine  Verfolgung 
dann  geschlechtsspezifisch  im  Sinne  der  genannten  Bestimmung, 
wenn  sie  in  der  Form sexueller  Gewalt  stattfindet  oder  die  sexuelle 
Identität des Opfers treffen soll. Nach Möglichkeit soll das Geschlecht 
auch bei  der Auswahl  der Personen,  die als Dolmetscher eingesetzt 
werden und das Protokoll führen, berücksichtigt werden. Art. 6 AsylV 1 
– der  bei  Frauen und Männern  gleichermassen Anwendung findet  – 
soll  die  Schilderung  von  Eingriffen  in  die  sexuelle  Integrität  asylsu-
chender  Personen erleichtern  und ihnen die  Möglichkeit  geben,  ihre 
Vorbringen angemessen, möglichst vollständig und frei von Schamge-
fühlen vorzutragen. Die Verfahrensvorschrift  dient  somit  der Gewähr-
leistung  der  korrekten  Sachverhaltsabklärung  und  stellt  eine  Ausge-
staltung des Anspruchs auf  rechtliches  Gehör  dar. Sie  verleiht  nicht 

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nur der asylsuchenden Person einen Anspruch, eine geschlechtsspe-
zifische  Anhörung  zu  verlangen,  sondern  verpflichtet  vielmehr  auch 
die Asylbehörden, auf die darin vorgesehene Weise vorzugehen, so-
bald  entsprechende  Hinweise  auf  geschlechtsspezifische  Verfolgung 
vorliegen. Art. 6 AsylV 1 ist mithin grundsätzlich von Amtes wegen an-
zuwenden (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der  ARK [EMARK] 
2003 Nr. 2 E. 5a-c S. 16 ff.).

3.2.1 Es steht fest, dass die Beschwerdeführer 2 und 3 anlässlich der 
kantonalen  Anhörungen  vom 20. Februar  2006  wiederholte  sexuelle 
Übergriffe  durch  I._______  geltend  machten  (vgl.  A24  S. 8 f.,  A25 
S. 9). Die Anhörungen wurden durch eine weibliche Befragerin – zu-
sammen  mit  einer  Dolmetscherin  –  durchgeführt,  im  Beisein  eines 
männlichen Rechtsbeistands und einer Hilfswerksvertreterin. Aufgrund 
der Thematik des sexuellen Missbrauchs regte die Hilfswerksvertrete-
rin im Anschluss an die Anhörungen ergänzende Befragungen durch 
ein Männerteam an (vgl. Anhänge zu A24 und A25). Im weiteren Ver-
lauf  des  vorinstanzlichen Verfahrens erfolgten jedoch keine weiteren 
Anhörungen der Beschwerdeführer 2 und 3. 

3.2.2 Angesichts  der  Schilderungen  der  Beschwerdeführer 2  und  3 
anlässlich  der  Anhörungen vom 20. Februar  2006 erweisen  sich  die 
abschliessenden  Bemerkungen  der  Hilfswerksvertreterin,  es  würden 
Hinweise  auf  eventuelle  geschlechtsspezifische  Verfolgungen  vorlie-
gen,  weshalb ergänzende Anhörungen durch ein Männerteam ange-
regt würden, nicht unbegründet. Da die Beschwerdeführer 2 und 3 im 
vorinstanzlichen Verfahren nie die Gelegenheit  erhielten, sich gegen-
über  einem männlichen Befragungsteam zu den  geltend  gemachten 
sexuellen  Übergriffen  zu  äussern,  erweist  sich  der  Sachverhalt  als 
nicht  genügend abgeklärt. Es liegt  somit  ein Verfahrensfehler  – eine 
Verletzung des rechtlichen Gehörs – vor. 

3.3 Die asylrechtliche Beschwerde ist  vom Grundsatz her reformato-
risch ausgestaltet. Die Kassation eines materiellen Entscheids der Vor-
instanz  kommt nur ausnahmsweise in Frage, etwa wenn sich diese in 
ihrem Entscheid auf einen ungenügend erstellten Sachverhalt stützte 
(Art. 61  Abs. 1  VwVG  i.V.m.  Art. 6  AsylG).  Gemäss  dem  Untersu-
chungsgrundsatz, welcher zu den allgemeinen Grundsätzen des Asyl-
verfahrens gehört (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), ist die Behörde 
gehalten, von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung 
des  rechtserheblichen  Sachverhalts  zu  sorgen.  Eine  Verletzung  des 

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Anspruchs auf rechtliches Gehör führt in der Regel zur Aufhebung der 
angefochtenen Verfügung. Der Rechtsmittelinstanz steht es jedoch of-
fen, die Gehörsverletzung zu heilen, wenn ihr eine umfassende Kogni-
tion zusteht  (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und dem Beschwerdeführer aus 
der Heilung kein Nachteil erwächst (vgl. BGE 126 I 72 E. 2). 

3.3.1 Anhörungen von Asylsuchenden, welche sexuelle Übergriffe als 
Verfolgungsmotive  geltend  machen,  die  nicht  von  einem  gleichge-
schlechtlichen Befragungsteam durchgeführt wurden, führen im Allge-
meinen zur  Kassation  des  vorinstanzlichen Entscheids  (vgl. EMARK 
2003 Nr. 2). 

3.3.2 Da die Vorgaben von Art. 6 AsylV 1 nicht  eingehalten wurden, 
müsste bei der Prüfung der Glaubhaftigkeit und asylrechtlichen Rele-
vanz des von den Beschwerdeführern 2 und 3 geltend gemachten se-
xuellen Missbrauchs auf rechtsungenügliche Anhörungsprotokolle ab-
gestellt werden. Eine Heilung der Gehörsverletzung durch die Rechts-
mittelinstanz  kommt  angesichts  des  mangelhaft  festgestellten  Sach-
verhalts vorliegend nicht in Betracht. 

3.4 Zusammenfassend ergibt sich,  dass das BFM den rechtserhebli-
chen Sachverhalt hinsichtlich der durch die Beschwerdeführer 2 und 3 
geltend gemachten sexuellen Übergriffe ungenügend erstellt  hat.  Die 
Beschwerde ist daher gutzuheissen, soweit  damit die Aufhebung der 
vorinstanzlichen  Verfügung  beantragt  wird.  Die  angefochtene  Verfü-
gung vom 21. Juni 2006 ist entsprechend aufzuheben und die Sache 
zur weiteren Abklärung des Sachverhalts im Sinne der vorstehenden 
Erwägungen und zum neuen Entscheid  an die  Vorinstanz  zurückzu-
weisen. 

4.
Bei  dieser Sachlage erübrigt  es sich,  auf die weiteren Vorbringen in 
der  Rechtsmitteleingabe  und  deren  Ergänzungen  einzugehen. Indes 
kann an dieser Stelle bereits festgehalten werden, dass der Regelung, 
wonach  unbegleiteten  und  nicht  vertretenen  Minderjährigen  für  die 
Dauer des Asylverfahrens eine rechtskundige Vertrauensperson beizu-
ordnen ist, wenn ihnen kein Vormund oder Beistand ernannt worden ist 
und entsprechende vormundschaftliche Massnahmen auch nicht innert 
vernünftiger Frist zu erwarten sind (Art. 17 Abs. 3 AsylG; Art. 7 Abs. 3 
und 5 AsylV 1; Art. 12 und 22 KRK), vorliegend Genüge getan wurde. 

5.

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5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerle-
gen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist damit 
als gegenstandslos zu betrachten. 

5.2 Den  vertretenen  Beschwerdeführern  ist  angesichts  ihres  Obsie-
gens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1  des Regle-
ments  vom 21. Februar  2008 über  die  Kosten und Entschädigungen 
vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  VGKE,  SR  173.320.2)  eine  Ent-
schädigung für die ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten 
zuzusprechen, womit das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 
Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG ebenfalls als 
gegenstandslos zu betrachten ist. Gemäss Honorarnote vom 21. Okto-
ber 2009 entstanden den Beschwerdeführern Parteikosten in der Höhe 
von insgesamt Fr. 1'990.60 (Aufwand: 12 Stunden à Fr. 150.-,  zuzüg-
lich 7,6% Mehrwertsteuer; Auslagen: Fr. 53.80). Die Kosten erscheinen 
angemessen,  weshalb  die  Parteientschädigung  entsprechend  auf 
Fr. 1'990.60 festzusetzen ist. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  die  Aufhebung  der  vor-
instanzlichen Verfügung beantragt wird.

2.
Die Verfügung des BFM vom 21. Juni 2006 wird aufgehoben und die 
Sache  zur  ergänzenden  Sachverhaltsabklärung  im  Sinne  der  Erwä-
gungen und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.
Das BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführern für das Verfahren 
vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von 
Fr. 1'990.60 auszurichten. 

5.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführer (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (...) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Martin Zoller Susanne Burgherr

Versand:

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