# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cfc7d465-2176-533c-9961-b2440715bd5c
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-07-07
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 07.07.2020 S 2019 101
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2019-101_2020-07-07.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 19 101

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Pedretti
RichterIn von Salis, Audétat 
Aktuarin Kuster

URTEIL

vom 7. Juli 2020

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Karin Caviezel,

Beschwerdeführer

gegen 

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden,

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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1. A._____, Jg. 1975, gelernter Schriften- und Reklamemaler, meldete sich 

im September 1998 erstmals zum Bezug von Leistungen der Invalidenver-

sicherung an (Umschulung auf eine neue Tätigkeit). Dr. med. B._____, 

Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs-

apparates, diagnostizierte in seinem Bericht vom 24. September 1998 eine 

multiple Osteochondrosis dissecans am Ellbogen und an beiden Kniege-

lenken. Er befand, dass A._____ die erlernte Tätigkeit wegen der Notwen-

digkeit, auf Gerüsten und sehr unebenem und gefährlichem Gelände zu 

arbeiten, nicht mehr zumutbar sei. Im Februar 1999 bzw. am 1. Septem-

ber 1999 trat A._____ eine neue Stelle als Schriften- und Reklamemaler 

bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, der Firma C._____, an, welche reine 

Büroarbeiten und keinen Aussendienst mehr umfasste. In der Folge zog er 

seine Anmeldung zurück.

2. Im Februar 2000 meldete sich A._____ erneut zum Bezug von Leistungen 

der Invalidenversicherung an (Berufsberatung, Umschulung auf eine neue 

Tätigkeit sowie Arbeitsvermittlung). Da er nicht glaubhaft zu machen ver-

mochte, dass sich der Invaliditätsgrad und die wirtschaftliche Situation in 

einer für den Anspruch erheblichen Weise verschlechtert hatten, trat die IV-

Stelle mit Verfügung vom 14. November 2000 auf sein Leistungsbegehren 

nicht ein.

3. Im Jahr 2001 wurde A._____ nach eigenen Angaben Geschäftsführer der 

Firma C._____, bevor er schliesslich im Jahr 2007 die D._____ GmbH 

gründete, deren Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter er war. 

Daneben eröffnete er weitere Geschäftsfelder (Textillabel und 

Tätowierungen). Ab dem Jahr 2016 fasste er sämtliche Geschäftszweige 

unter die E._____ GmbH zusammen.

4. Im September 2016 meldete sich A._____ wiederum zum Bezug von Leis-

tungen der Invalidenversicherung an (berufliche Integration und Rente). 

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Anlässlich der Früherfassung gab er an, dass er unter einer Abnützung des 

unteren Teils der Wirbelsäule mit Auswirkungen auf die Nerven leide. Seit 

dem 14. Juni 2016 sei er zu 50 % arbeitsunfähig, wobei es seit ca. dem 

Jahr 2012 wiederholt zu Absenzen bzw. Kurzabwesenheiten gekommen 

sei. 

5. In der Folge klärte die IV-Stelle den Sachverhalt ab. Dabei holte sie ver-

schiedene Arztberichte ein: 

Dr. med. F._____, Facharzt für Anästhesiologie sowie Facharzt für Inten-

sivmedizin, diagnostizierte in seinem Verlaufsbericht vom 29. Juli 2015 

eine chronische Lumbalgie und lumboradikuläre Schmerzen L5 links, wel-

che zunächst mittels Infiltrationen behandelt wurden. Nachdem die konser-

vativen Möglichkeiten ausgiebig ausgeschöpft worden waren und A._____ 

keinerlei Beschwerdelinderung mehr bemerkt hatte, stellten die Dres. med. 

G._____ und H._____, Fachärzte für orthopädische Chirurgie und Trauma-

tologie des Bewegungsapparates, in ihrem Bericht vom 27. Septem-

ber 2016 eine operative Sanierung zur Diskussion. Sie diagnostizierten 

Lumboischialgien bei hochgradigen Osteochondrosen L4/5 und L5/S1 mit 

tieflumbaler Spondylarthropathie. Zudem attestierten sie eine 100%ige Ar-

beitsunfähigkeit ab dem 1. Oktober 2016. Zuvor hatte bereits Dr. med. 

F._____ eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vom 14. Juni 2016 bis zum 

30. September 2016 attestiert.

Am 6. April 2017 wurden bei A._____ eine Dekompressions-Operation und 

Spondylodese L5/S1 mit Distraktion und Relordosierung (Stellungskorrek-

tur) in TLIF-Technik sowie eine dynamische dorsale Pedikel-Stabilisierung 

des Segmentes L4/5 mit dem HPS-System durchgeführt. Danach bestand 

eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.

Gemäss dem Bericht des operierenden Arztes Dr. med. I._____, Facharzt 

für Neurochirurgie, vom 4. Oktober 2017 persistierten in der Folgezeit 

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hochgradige Beschwerden mit Ischialgie und Lumboglutealgien bei hohem 

Analgetikabedarf. Daraufhin wurde bei A._____ am 7. Dezember 2017 

eine operative Revision mit intersomatischer Fusion LW4-5 in TLIF-Technik 

sowie eine Reinstrumentierung L4-S1 beidseits vorgenommen. Danach be-

stand wiederum eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In seinem Bericht zur 

Nachkontrolle vom 22. Januar 2018 stellte Dr. med. I._____ fest, dass 

A._____ weiterhin einen deutlichen Leidensdruck zeige.  

Im Verlaufsbericht vom 9. Mai 2018 äusserte Dr. med. I._____ den Ver-

dacht auf eine somatoforme Schmerzstörung bei therapieresistenten lum-

bovertebralen Beschwerden nach zweifacher Operation. Die gesundheitli-

che Störung von A._____ wirke sich gravierend auf dessen bisherige Tätig-

keit aus. So sei er nicht in der Lage, längere Zeit zu sitzen oder zu stehen. 

Ausserdem leide er unter schmerzbedingten Konzentrationsstörungen. 

Auch sei ihm keine andere Tätigkeit zumutbar. 

6. Daraufhin liess die IV-Stelle A._____ polydisziplinär (allgemeininternis-

tisch, neurologisch, psychiatrisch und rheumatologisch) durch die MEDAS 

Oberaargau begutachten (Untersuchungen am 11., 16. und 18. Oktober 

2018). Im Gutachten vom 29. Januar 2019 (nachfolgend: MEDAS-Gutach-

ten) kamen die untersuchenden Ärzte zum Schluss, dass aus internisti-

scher, neurologischer und psychiatrischer Sicht (insbesondere bei remit-

tierter depressiver Symptomatik und Ausschluss einer somatoformen 

Schmerzstörung) keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege. Hin-

gegen bestehe aus rheumatologischer Sicht eine massiv reduzierte Belast-

barkeit der Wirbelsäule, welche eine erhebliche Einschränkung der Arbeits-

fähigkeit sowohl in der bisherigen als auch in einer adaptierten Tätigkeit zur 

Folge habe. Als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit wurde 

hauptsächlich eine limitierende, überwiegend linksbetonte Lumboischialgie 

im Sinne neuropathischer und vertebragener Beschwerden ausgewiesen. 

Die bisherige Tätigkeit sei aus rheumatologischer Sicht seit ca. Okto-

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ber 2016 nicht mehr zumutbar. Eine leichte wechselbelastende Tätigkeit 

sei seit Oktober 2016 höchstens noch zu 30 % (2.5 bis 3 Stunden täglich) 

zumutbar. Zudem könne es phasenweise auch zu weiteren Leistungsein-

bussen bei der notwendigen Suche nach Entlastungspositionen und zu-

folge wiederkehrender Schmerzexazerbation kommen. 

7. Dr. med. J._____, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) Ostschweiz, Fach-

arzt für Allgemeine Innere Medizin, Facharzt für physikalische Medizin und 

Rehabilitation sowie Facharzt für Rheumatologie, gelangte in seiner Ab-

schlussbeurteilung vom 21. Februar 2019 zum Schluss, dass auf das ME-

DAS-Gutachten abgestellt werden könne. Er präzisierte die darin beschrie-

bene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit aller-

dings insofern, als für die Zeit nach dem zweiten operativen Eingriff vom 

7. Dezember 2017 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für drei bis max. 

vier Monate bestehe. 

8. Mit Vorbescheid vom 7. März 2019 stellte die IV-Stelle A._____ die Zuspra-

che einer abgestuften Invalidenrente in Aussicht: Eine halbe Rente vom 

1. Juni 2017 (Ablauf des Wartejahres) bis 28. Februar 2018, eine ganze 

Rente vom 1. März 2018 bis 31. Juli 2018 und wiederum eine halbe Rente 

ab dem 1. August 2018 (Ablauf der dreimonatigen Wartefrist). Hiergegen 

erhob A._____ am 4. April 2019 Einwand. 

9. Am 15. Juli 2019 verfügte die IV-Stelle wie vorbeschieden. Hinsichtlich der 

Einschätzung der Arbeitsfähigkeit stellte sie auf das MEDAS-Gutachten 

und die Präzisierung von RAD-Arzt Dr. med. J._____ in dessen Abschluss-

beurteilung ab. Das Valideneinkommen errechnete sie gestützt auf den 

Durchschnittsverdienst der Jahre 2011 bis 2015 gemäss den Einträgen im 

individuellen Konto (IK), womit ein Valideneinkommen von Fr. 40'710.-- re-

sultierte. Für die Bemessung des Invalideneinkommens zog sie die Tabelle 

TA1, Kompetenzniveau 1, der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 

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(LSE) 2016 heran, was einen Betrag von Fr. 20'526.-- ergab. Darüber hin-

aus erachtete sie – abweichend vom Vorbescheid – einen Leidensabzug 

von 10 % vom Invalideneinkommen als angemessen, da zufolge Teilzeita-

rbeit mit einem Minderverdienst zu rechnen sei, was am Ergebnis allerdings 

nichts änderte.

10. Hiergegen erhob A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 5. Sep-

tember 2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubün-

den. Er stellte folgende Rechtsbegehren: 

1. Die Verfügung der IV-Stelle vom 15. Juli 2019 sei insofern aufzuheben, als 
ihm für die Zeit vom 1. Juni 2017 bis 28. Februar 2018 und ab dem 1. Au-
gust 2018 nur eine halbe Invalidenrente samt Kinderrenten zugesprochen 
wurde. 

2. Die IV-Stelle sei zu verpflichten, ihm für die Zeit vom 1. Juni 2017 bis 
28. Februar 2018 und ab dem 1. August 2018 eine ganze Invalidenrente 
samt Kinderrenten zuzusprechen.

3. Unter vollumfänglicher Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. MWST zu-
lasten der IV-Stelle. 

Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, es gehe nicht an, als Va-

lideneinkommen ein bereits infolge gesundheitlicher Probleme reduziertes 

Einkommen anzunehmen. Zudem werde die Verwertbarkeit der Restar-

beitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt bestritten. Falls diese 

trotzdem bejaht werde, sei ihm ein Leidensabzug von 20 % vom Invaliden-

einkommen zu gewähren. Aus einer Gegenüberstellung des so berechne-

ten Invalideneinkommens und des im Jahr 1999 erzielten, auf das 

Jahr 2019 aufindexierten Einkommens als Valideneinkommen resultiere 

ein Invaliditätsgrad von gerundet 71 %, was einen Anspruch auf eine ganze 

Invalidenrente begründe.

11. In ihrer Vernehmlassung vom 26. September 2019 schloss die IV-Stelle auf 

Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zulasten des Beschwerde-

führers. Zur Begründung verwies sie auf die angefochtene Verfügung vom 

15. Juli 2019.  

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Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene 

Verfügung sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nach-

stehenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-Stelle 

des Kantons Graubünden vom 15. Juli 2019, worin dem Beschwerdeführer 

eine abgestufte Invalidenrente (eine halbe Rente vom 1. Juni 2017 bis 

28. Februar 2018, eine ganze Rente vom 1. März 2018 bis 31. Juli 2018 

und wiederum eine halbe Rente ab dem 1. August 2018) zugesprochen 

wurde. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invali-

denversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen IV-

Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfecht-

bar. Als kantonales Versicherungsgericht ist das Verwaltungsgericht des 

Kantons Graubünden für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde so-

wohl örtlich als auch sachlich zuständig (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 57 

des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-

rechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die 

Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Der Beschwerdeführer ist 

Adressat der angefochtenen Verfügung, weshalb er durch die angefoch-

tene Verfügung unmittelbar betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse 

an deren Aufhebung oder Änderung hat. Er ist demnach zur Beschwerde-

führung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Auf die im Übri-

gen frist- und formgerecht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 und Art. 61 

ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.

2. Streitgegenstand bildet vorliegend der Rentenanspruch des Beschwerde-

führers ab dem 1. Juni 2017. Unbestritten sind dabei die dem Beschwerde-

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führer vom 1. März 2018 bis zum 31. Juli 2018 zugesprochene ganze Inva-

lidenrente sowie die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, wonach dem Be-

schwerdeführer seine bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar und er in ei-

ner leidensadaptierten Tätigkeit seit Oktober 2016 nur noch zu 30 % ar-

beitsfähig sei. Umstritten sind demgegenüber die Bemessung des Validen-

einkommens, die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit sowie der Lei-

densabzug vom gestützt auf die LSE-Tabelle ermittelten Invalideneinkom-

men. 

3.1. Mit Bezug auf das Valideneinkommen hält der Beschwerdeführer fest, es 

sei nicht statthaft, für die Bemessung des Valideneinkommens auf den 

Durchschnitt der IK-Einträge der Jahre 2011 bis 2015 (einzeln aufindexiert 

auf das Jahr 2019) abzustellen. Denn die in jenen Jahren ausgeübte Tätig-

keit entspreche weder in der Art noch im Umfang der Tätigkeit, welche er 

als Gesunder ausgeübt hätte. So habe er bereits im Jahr 1998 aus gesund-

heitlichen Gründen den erlernten Beruf als Schriften- und Reklamegestalter 

aufgeben müssen. Im Jahr 1999 bzw. 2000 habe er sodann eine reine 

Bürotätigkeit, welche ihm in sehr reduziertem Pensum medizinisch-theore-

tisch wohl auch heute noch möglich wäre, bei der Firma C._____ in einem 

80%-Pensum ausgeübt und dabei ein Einkommen von Fr. 42'071.-- erzielt. 

Weil er diese Anstellung aus invaliditätsfremden Gründen verloren habe, 

habe er sich mit einer Kommunikationsagentur sowie einem Tattoo- und 

Piercing-Studio selbständig gemacht. Bereits ab dem Jahr 2010 seien die 

ersten gesundheitlichen Beschwerden aufgetreten, die nun zur definitiven 

Aufgabe dieser Tätigkeit geführt hätten. Parallel dazu habe sich das Ein-

kommen aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme stetig reduziert. Im 

Vergleich zum erlernten Beruf und zu der vor Auftreten der gesundheitli-

chen Probleme ausgeübten Tätigkeit hätten immer Einschränkungen be-

standen. Er habe seine Dienstleistungen seit dem Ausbruch seiner Krank-

heit jeweils seinen Möglichkeiten angepasst, womit er unfreiwillig auf die 

Erzielung des früheren, verhältnismässig hohen Einkommens "verzichtet" 

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habe. Demnach sei auf das Einkommen von Fr. 42'071.-- im Jahr 1999 ab-

zustellen, was aufindexiert im Jahr 2017 ein Valideneinkommen von 

Fr. 54'902.-- und im Jahr 2019 ein solches von Fr. 56'006.-- ergebe. Falls 

das Gericht dem nicht zu folgen vermöchte, wäre das Valideneinkommen 

auf der Basis der LSE 2016, Kompetenzniveau 2, festzulegen, womit im 

Jahr 2019 ein Valideneinkommen von Fr. 73'415.-- resultierte.

3.2. Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die 

versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns 

überwiegend wahrscheinlich als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Die 

Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Da nach 

empirischer Erfahrung in der Regel ohne gesundheitliche Beeinträchtigung 

die bisherige Tätigkeit weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für 

die Bestimmung des Valideneinkommens grundsätzlich der letzte vor 

Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der Teuerung und 

der realen Einkommensentwicklung angepasste Verdienst. Ausnahmen 

müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 9C_109/2020 vom 17. November 2020 E.2.2.2 m.H.a. 

BGE 139 V 28 E.3.3.2 und 134 V 322 E.4.1).

3.3.1. Soweit der Beschwerdeführer das Valideneinkommen gestützt auf das im 

Jahr 1999 bei der Firma C._____ erzielte Jahreseinkommen von 

Fr. 42'071.-- bemessen haben will (vgl. den IK-Auszug [IV-act. 17]), kann 

ihm nicht gefolgt werden. Abgesehen davon, dass derart lange 

zurückliegende Einkünfte kaum eine verlässliche Aussage über eine 

aktuelle Lohnsituation zulassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

9C_797/2018 vom 10. September 2019 E.4.1.2) und er die Tätigkeit bei der 

Firma C._____ nach eigenen Angaben aus invaliditätsfremden Gründen 

aufgegeben bzw. verloren hatte (vgl. vorstehende Erwägung 3.1), ist nicht 

ersichtlich, dass er in den ab dem Jahr 2001 ausgeübten Tätigkeiten (in 

den teilweise selbst gegründeten Einzelunternehmungen) aus 

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gesundheitlichen Gründen eingeschränkt gewesen wäre. So bestätigten 

denn auch die MEDAS-Gutachter in ihrer Konsensbeurteilung vom 

29. Januar 2019, dass es aufgrund der Ende der 90er Jahre 

diagnostizierten multiplen Osteochondrosis dissecans am Ellbogen und an 

beiden Kniegelenken zu keinen anhaltenden Einschränkungen gekommen 

sei (vgl. IV-act. 117 S. 5). Zudem gab der Beschwerdeführer im 

Fragebogen für Arbeitgebende vom 8. Oktober 2016 selber an, seit 

Oktober 2007 44 Stunden pro Woche gearbeitet zu haben (vgl. IV-act. 29 

S. 2). Insofern ist entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht 

davon auszugehen, dass er damals aufgrund von gesundheitlichen 

Beeinträchtigungen einen reduzierten Verdienst erwirtschaftet hätte (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 8C_630/2019 vom 14. Januar 2020 E.4.3). 

3.3.2. Zum Gesundheitszustand bzw. zur Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers für den Zeitraum ab dem Jahr 2010 lässt sich den 

medizinischen Akten im Wesentlichen Folgendes entnehmen: Dr. med. 

K._____, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, welche den 

Beschwerdeführer von November 2010 bis Oktober 2012 behandelte, hielt 

in ihrem Bericht vom 11. Oktober 2016 fest, dass beim Beschwerdeführer 

bei diagnostizierter schwerer, erosiver Osteochondrose Typ Modic 1 

LWK5/SWK1 mit Retrolisthesis und Seitenversatz von LWK5 gegen SWK1 

nach rechts ab Ende 2010/Anfang 2011 eine intensive Behandlung mit 

Infiltrationen zur Schmerzlinderung eingeleitet wurde (vgl. IV-act. 33). 

Dr. med. F._____, bei welchem der Beschwerdeführer seit 2012 in 

Behandlung war, berichtete am 29. Juli 2015, dass die durchgeführten 

Infiltrationen jeweils eine Schmerzreduktion bewirkt hätten (vgl. IV-act. 19 

S. 1). Dass anamnestisch seit mehreren Jahren tieflumbale 

Rückenschmerzen bestanden haben, bestätigten unter anderem auch die 

Dres. med. G._____ und H._____ in ihrem Bericht vom 27. September 

2016 (vgl. IV-act. 23), Dr. med. F._____ in seiner Überweisung vom 

16. September 2016 (vgl. IV-act. 24 S. 11) sowie der RAD-Arzt Dr. med. 

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J._____ in seinen Feststellungen zum medizinischen Sachverhalt (vgl. IV-

act. 144 S. 10). Auch im MEDAS-Gutachten wurde festgehalten, dass es 

im Jahr 2010 zu lumbalen Beschwerden gekommen sei (vgl. IV-act. 117 

S. 5 und S. 66), deren Zunahme letztlich zu einer limitierenden, 

überwiegend linksbetonten Lumboischialgie im Sinne neuropathischer und 

vertebragener Beschwerden führten, gestützt auf welche der 

rheumatologische Gutachter ab Oktober 2016 die bisherige Tätigkeit nicht 

mehr und eine adaptierte Tätigkeit höchstens zu 30 % als zumutbar 

erachtete (vgl. IV-act. 117 S. 7 ff.). 

Zwar legt die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom 15. Juli 2019 

zutreffend dar, dass Dr. med. F._____ in seiner Überweisung vom 

16. September 2016 namentlich befand, es sei in den letzten Monaten zu 

einer erheblichen Verschlechterung gekommen, so dass der 

Beschwerdeführer seine Arbeit als selbständiger Tätowierer nicht mehr 

ausüben könne, zumal er auf wiederholte Therapieversuche mittels 

Infiltrationen nicht mehr anspreche (vgl. IV-act. 24 S. 11 f.). Daraus 

indessen zu schliessen, der Beschwerdeführer habe seine selbständige 

Tätigkeit bis Juni 2016 voll ausüben können, überzeugt angesichts der 

übrigen medizinischen Aktenlage nicht. Denn bereits im Mai 2012 

berichtete Dr. med. I._____, dass aufgrund des diagnostizierten 

Bandscheiben-Kollapses L5/S1 mit Retrolisthese und Bandscheibenvorfall 

medio lateral rechts bzw. Spinalkanal-Stenose L4/5 bei breiter 

Bandscheibenvorwölbung rechts betont eine relative neurochirurgische 

Operationsindikation bestehe. Da der Beschwerdeführer gegenwärtig aber 

nicht an einer Nervenkompressions-Symptomatik leide, die ausstrahlenden 

Beschwerden deutlich im Hintergrund stünden und die Rückenschmerzen 

nicht so ausgeprägt seien, dass die Arbeitsfähigkeit massiv vermindert 

würde, sei er mit der Indikationsstellung noch zurückhaltend. Zudem fügte 

er in Klammern hinzu, dass das Bild auch stärkere Beschwerden erklären 

würde (vgl. IV-act. 19 S. 3).

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Vor diesem Hintergrund ist es somit überwiegend wahrscheinlich, dass es 

beim Beschwerdeführer bereits vor Juni 2016 aus gesundheitlichen 

Gründen zu Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit und damit – als 

Einzelunternehmer bzw. als Selbständigerwerbender – zu 

Einkommenseinbussen gekommen ist. So geht denn auch aus einzelnen 

Einträgen im Bericht von Dr. med. K._____ vom 11. Oktober 2016 hervor, 

dass der Beschwerdeführer aufgrund starker Schmerzen zeitweilig nicht 

arbeiten konnte bzw. in seiner Arbeit eingeschränkt war (vgl. Eintrag vom 

24. April 2012 [IV-act. 33 S. 2 unten] und 4. Oktober 2012 [IV-act. 33 S. 3 

oben]). Insoweit erscheint es durchaus plausibel, wenn der 

Beschwerdeführer festhält, er habe seit dem Jahr 2010 immer wieder 

krankheitsbedingte Ausfälle zu gewärtigen gehabt und seine 

Dienstleistungen entsprechend dem Krankheitsverlauf angepasst (vgl. 

Fragebogen Arbeitgebende vom 8. Oktober 2016 [IV-act. 29 S. 1 f.] und 

Fragebogen Selbständigerwerbende vom 8. Oktober 2016 [IV-act. 30 S. 2]; 

vgl. auch MEDAS-Gutachten [IV-act. 117 S. 62], Beschrieb 

Krankheitsverlauf [IV-act. 6] und ähnlich Früherfassung [IV-act. 2]). Dies 

widerspiegelt sich denn auch in den im IK-Auszug eingetragenen 

Einkommen, bei denen vom Jahr 2010 auf das Jahr 2011 ein deutlicher 

Einbruch zu verzeichnen ist (vgl. IK-Auszug vom 27. September 2016 [IV-

act. 17 S. 3] mit insgesamt Fr. 56'444.-- im Jahr 2010 und Fr. 42'004.-- im 

Jahr 2011). Unter den gegebenen Umständen rechtfertigt es sich daher, für 

die Bemessung des Valideneinkommens auf das Einkommen vor dem 

Jahr 2010 – und nicht auf den Durchschnittsverdienst der Jahre 2011 bis 

2015 – abzustellen, da es überwiegend wahrscheinlich ist, dass jener 

Verdienst demjenigen vor Eintritt der zur Invalidität führenden 

Gesundheitsschädigung entspricht. 

3.3.3. Vorliegend steht fest, dass der Beschwerdeführer im Oktober 2007 die 

D._____ GmbH gründete, deren Geschäftsführer und alleiniger 

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Gesellschafter er war (vgl. IV-act. 5, IV-act. 29 S. 1 und IV-act. 30 S. 5 ff.). 

Daneben eröffnete er weitere Geschäftsfelder (Textillabel und 

Tätowierungen; vgl. IV-act. 5, IV-act. 30 S. 4 und Beschwerde S. 4). Dabei 

erzielte er im Jahr 2008 ein Jahreseinkommen von Fr. 66'652.--, im Jahr 

2009 ein solches von Fr. 58'735.-- und im Jahr 2010 ein solches von 

Fr. 56'444.-- (vgl. IK-Auszug [IV-act. 17]). Weist das zuletzt erzielte 

Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung 

getretene Schwankungen auf, ist gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten 

Durchschnittsverdienst abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

9C_225/2019 vom 11. September 2019 E.4.2.1 m.w.H). Je nach 

Berechnungsweise resultieren vorliegend folgende 

Durchschnittsverdienste: Beim Abstellen auf das im Jahr 2009 erzielte 

Einkommen von Fr. 58'735.-- resultiert aufindexiert auf das Jahr 2017 ein 

Verdienst von Fr. 62'104.65 (= Fr. 58'735.-- x 1.008 x 1.01 x 1.008 x 1.007 

x 1.008 x 1.004 x 1.007 x 1.003995), beim Abstellen auf den Durchschnitt 

der in den Jahren 2008 und 2009 erzielten Einkommen von Fr. 66'652.-- im 

Jahr 2008 und Fr. 58'735.-- im Jahr 2009 resultiert aufindexiert auf das Jahr 

2017 ein Verdienst von Fr. 67'030.25 (= [[Fr. 66'652.-- x 1.021 x 1.008 x 

1.01 x 1.008 x 1.007 x 1.008 x 1.004 x 1.007 x 1.003995 = Fr. 71'955.85] + 

Fr. 62'104.65] : 2) und beim Abstellen auf den Durchschnitt der in den 

Jahren 2008 bis 2010 erzielten Einkommen von Fr. 66'652.-- im Jahr 2008, 

Fr. 58'735.-- im Jahr 2009 und Fr. 56'444.-- im Jahr 2010 resultiert 

aufindexiert auf das Jahr 2017 ein Verdienst von Fr. 64'423.-- (= 

[Fr. 71'955.85 + Fr. 62'104.65 + [Fr. 56'444.-- x 1.01 x 1.008 x 1.007 x 1.008 

x 1.004 x 1.007 x 1.003995 = Fr. 59'208.55]] : 3). Vorliegend kann 

angesichts der nachstehenden Erwägung 5.3 letztlich offenbleiben, welche 

Berechnungsweise für die Festlegung des Valideneinkommens 

anzuwenden ist. Fest steht, dass auf eine Bemessung des 

Valideneinkommens gestützt auf die LSE-Tabellen verzichtet werden kann. 

- 14 -

4.1. Sodann stellt der Beschwerdeführer die Verwertbarkeit seiner Restarbeits-

fähigkeit in Abrede. Er hält im Wesentlichen fest, dass der ausgeglichene 

Arbeitsmarkt zwar ein theoretischer und abstrakter Begriff sei und die kon-

krete Arbeitsmarktlage nicht berücksichtige. Er fingiere allerdings nur einen 

konjunkturell ausgeglichenen Arbeitsmarkt. In der heutigen Zeit lasse sich 

feststellen, dass Minipensen (in casu 30 %) mit Stellenbeschrieben, die 

dem Anforderungsprofil des Beschwerdeführers entsprächen, für Männer 

praktisch nicht mehr angeboten würden.

4.2. Referenzpunkt für die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit ist der hypothe-

tisch ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG). Nach der Rechtspre-

chung des Bundesgerichts handelt es sich dabei um einen theoretischen 

und abstrakten Begriff, der dazu dient, den Leistungsbereich der Invaliden-

versicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der 

Begriff beinhaltet einerseits ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot 

und Nachfrage nach Arbeitskräften; andererseits impliziert er einen Arbeits-

markt, der einen Fächer verschiedenster Tätigkeiten aufweist und zwar so-

wohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraus-

setzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen 

Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob die invalide Person die 

Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten (vgl. BGE 110 

V 273 E.4b und ZAK 1/1991 S. 320 f. E.3b; vgl. auch Urteil des Bundesge-

richts 9C_473/2019 vom 25. Februar 2020 E.5.1.1). Daraus folgt, dass für 

die Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen ist, ob eine invalide Per-

son unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, 

sondern einzig darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirt-

schaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot 

an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI-Praxis 6/1998 S. 291; vgl. 

auch Urteil des Bundesgerichts 8C_30/2020 vom 6. Mai 2020 E.4.2 

m.w.H.). 

- 15 -

Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte Nischenarbeits-

plätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen Invalide mit einem so-

zialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. 

Von einer Arbeitsgelegenheit kann jedoch dann nicht mehr gesprochen 

werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so eingeschränkter Form 

möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt 

oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durch-

schnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entspre-

chenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil 

des Bundesgerichts 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1 m.w.H.). Art 

und Mass dessen, was einem Versicherten an Erwerbstätigkeit noch zuge-

mutet werden kann, richtet sich nach seinen besonderen persönlichen Ver-

hältnissen einerseits und nach den allgemein herrschenden Anschauungen 

andererseits. Für die Beurteilung der Zumutbarkeit ist letztlich insofern eine 

objektive Betrachtungsweise massgebend, als es nicht auf eine bloss sub-

jektiv ablehnende Bewertung der infrage stehenden Erwerbstätigkeit durch 

den Versicherten ankommt (MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bun-

desgerichts zum IVG, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 28a Rz. 28 

m.w.H.). 

4.3. Im vorliegenden Fall haben die MEDAS-Gutachter für den Beschwerdefüh-

rer ein Anforderungsprofil definiert (vgl. IV-act. 117 S. 10 und S. 69). Dem-

zufolge erweisen sich leichte wechselbelastende Tätigkeiten während 2.5 

bis 3 Stunden pro Tag (nach wie vor) als zumutbar. Dabei schlossen die 

Gutachter nicht aus, dass es zu weiteren Leistungseinschränkungen kom-

men könnte. Auch wenn Letzteres eine Erschwernis darstellt, kann nicht 

gesagt werden, dass die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter 

Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht 

kennt. So umfasst das vorliegend (bei der Ermittlung des Invalideneinkom-

mens) anwendbare Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher 

oder handwerklicher Art) typischerweise leichte wechselbelastende Tätig-

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keiten, die durchaus auch in einem (kleinen) Teilzeitpensum ausgeübt wer-

den können. Zudem kann auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit einem 

sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers gerechnet werden 

(vgl. vorstehende Erwägung 4.2). 

Schliesslich räumt denn auch der Beschwerdeführer ein, er könne praktisch 

nur (aber immerhin) für Bürotätigkeiten eingesetzt werden (vgl. Be-

schwerde S. 10 unten und S. 7 Mitte). Dass er letztmals im Jahr 1999/2000 

Büroarbeiten verrichtet habe und er hierfür somit wenig geeignet sei, er-

weist sich als aktenwidrig, gab er doch noch am 8. Oktober 2016 auf dem 

Fragebogen für Arbeitgebende bzw. dem Fragebogen für Selbständiger-

werbende an, im Rahmen seiner Tätigkeit bei der E._____ GmbH Büroar-

beiten zu erledigen (vgl. IV-act. 29 S. 2 und IV-act. 30 S. 2). Zudem fallen 

solche Büroarbeiten in einem Einzelunternehmen (vgl. dazu IV-act. 30 

S. 1) regelmässig an. Aus den Fragebogen geht ferner hervor, dass er auch 

nach Eintritt der medizinisch ausgewiesenen Verschlechterung seiner Rü-

ckenbeschwerden immer noch in der Lage war, bis auf das Tätowieren alle 

übrigen Tätigkeiten, d.h. Grafik, Beschriftungen, Textildruck, Gestaltungs-

arbeiten und Organisation von Produktionsausführungen, wenn auch in re-

duziertem Pensum, auszuüben (vgl. IV-act. 29 S. 3 unten und IV-act. 30 

S. 2). Wenngleich sich der Zustand des Beschwerdeführers postoperativ 

noch verschlechtert haben soll, so ist dennoch davon auszugehen, dass er 

aufgrund seiner breiten Berufskenntnisse über viele Ressourcen verfügt. 

Insofern stehen dem Beschwerdeführer auf dem ausgeglichenen Arbeits-

markt genügend Einsatzmöglichkeiten in einer leidensadaptierten Tätigkeit 

offen, sodass er seine Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Ar-

beitsmarkt verwerten kann. Weiterungen zu den vom Beschwerdeführer 

angemerkten Vorbringen arbeitslosenversicherungsrechtlicher Natur erüb-

rigen sich. 

- 17 -

5.1. Schliesslich erachtet der Beschwerdeführer einen Leidensabzug von 20 % 

vom Invalideneinkommen als angemessen, was er mit seinen erheblichen 

Einschränkungen begründet und dem Umstand, dass er nur noch in einem 

eingeschränkten Umfang teilzeitlich erwerbstätig sein kann.

5.2. Ein leidensbedingter Abzug kommt auch bei Heranziehen der LSE zur Be-

stimmung des Invalideneinkommens nicht generell und in jedem Fall zur 

Anwendung. Ein Abzug soll nicht automatisch, sondern dann erfolgen, 

wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Per-

son wegen eines oder mehrerer einkommensbeeinflussender Merkmale 

ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen 

Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwer-

ten kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_323/2019 vom 2. September 2019 

E.4.2 m.H.a. BGE 126 V 75 E.5a/bb und E.5b/aa). Praxisgemäss soll mit 

dem Abzug vom Tabellenlohn der Tatsache Rechnung getragen werden, 

dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Be-

hinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie 

und Beschäftigungsgrad je nach Ausprägung Auswirkungen auf die Lohn-

höhe haben können. Der Abzug ist unter Würdigung der Umstände im Ein-

zelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 

25 % nicht übersteigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_114/2017 vom 

11. Juli 2017 E.3.1 m.H.a. BGE 135 V 297 E.5.2; vgl. auch Urteil des Bun-

desgerichts 9C_447/2019 vom 8. Oktober 2019 E.3.1 m.w.H.).

Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem In-

valideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen kör-

perlich leichter Hilfsarbeitertätigkeiten in ihrer Leistungsfähigkeit einge-

schränkt ist. Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurtei-

lung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein-

schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Ab-

zugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Ge-

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sichtspunkts führen dürfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_846/2014 vom 

22. Januar 2015 E.4.1.1 m.w.H.). 

5.3. Vorliegend kann die Frage, ob ein Leidensabzug von 20 % vom Invaliden-

einkommen gerechtfertigt wäre, offenbleiben. Denn selbst wenn vom tiefs-

ten, in der vorstehenden Erwägung 3.3.3 ermittelten Valideneinkommen 

von Fr. 62'104.65 ausgegangen wird, resultiert bei einem von der IV-Stelle 

in der angefochtenen Verfügung als angemessen erachteten Leidensab-

zug von 10 % vom Invalideneinkommen, d.h. bei einem Invalideneinkom-

men von Fr. 18'109.-- (= Fr. 5'340.-- [LSE 2016, TA1, Kompetenzniveau 1, 

Männer] x 12 : 40 x 41.7 x 1.003995 [aufindexiert auf das Jahr 2017] x 0.3 

[Restarbeitsfähigkeit] x 0.9) ein Invaliditätsgrad von über 70 %, womit der 

Beschwerdeführer Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ab dem 

1. Juni 2017 hat.

6. Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde somit als begründet, weshalb sie 

gutzuheissen ist. Die angefochtene Verfügung ist aufzuheben und dem Be-

schwerdeführer ist ab dem 1. Juni 2017 eine ganze Invalidenrente samt 

Kinderrenten zuzusprechen.

7.1. Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung 

von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder 

Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem 

kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig (vgl. Art. 83 ATSG). Die 

Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom 

Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend 

rechtfertigt es sich, die Kosten auf Fr. 700.-- festzulegen. Diese sind von 

der unterliegenden IV-Stelle zu tragen (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).

7.2.1. Die unterliegende IV-Stelle hat den Beschwerdeführer zudem 

aussergerichtlich zu entschädigen (Art. 61 lit. g ATSG). Die Parteientschä-

- 19 -

digung wird gemäss Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des 

Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, 

HV; BR 310.250) i.V.m. Art. 19 des kantonalen Anwaltsgesetzes 

(BR 310.100) durch die urteilende Instanz nach Ermessen festgesetzt. 

Ausgangspunkt bildet die Kostennote (Art. 2 Abs. 2 HV). Dabei hat insbe-

sondere der vereinbarte Stundensatz üblich (vgl. Art. 3 Abs. 1 HV) und der 

geltend gemachte Aufwand angemessen und für die Prozessführung erfor-

derlich zu sein. Praxisgemäss wird bei Nichteinreichung einer Honorarver-

einbarung der in der Kostennote geltend gemachte Stundenansatz, höchs-

tens aber ein Stundenansatz von Fr. 240.--, übernommen, da die Höhe des 

Stundenansatzes mangels Honorarvereinbarung nicht verifiziert werden 

kann (vgl. auch Art. 4 Abs. 1 HV). Geltend gemachte Pauschalspesen wer-

den maximal im Umfang von 3 % des festgelegten Honorars nach Zeitauf-

wand zugesprochen.

7.2.2. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers reichte dem Gericht eine Ho-

norarnote über Fr. 2'870.30 ein (bestehend aus 7.5833 Arbeitsstunden à 

Fr. 270.-- für die Vertretung im Beschwerdeverfahren [Fr. 2'047.50], 

2 Arbeitsstunden à Fr. 270.-- für Studium und Besprechung des 

vorliegenden Urteils [Fr. 540.--], 3 % Spesen [Fr. 77.60] und 7.7 % MWST 

[Fr. 205.20]). Der geltend gemachte Stundenansatz von Fr. 270.-- ist üblich 

und es liegt eine entsprechende Honorarvereinbarung im Recht. 

Demgegenüber ist der ausgewiesene Aufwand von insgesamt 

9.5833 Arbeitsstunden um eine Stunde zu reduzieren, da das Studium des 

Urteils und die Besprechung mit dem Klienten praxisgemäss höchstens mit 

einer Stunde abzugelten ist (vgl. dazu Urteile des Verwaltungsgerichts des 

Kantons Graubünden S 18 81 vom 18. Februar 2020 E.7.1 und S 19 43 

vom 28. Mai 2020 E.7.2). Die IV-Stelle hat dem Beschwerdeführer somit 

eine Parteientschädigung von Fr. 2'570.80 (= 8.5833 h à Fr. 270.-- zzgl. 

3 % Spesen und 7.7 % MWST) zu bezahlen. 

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Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Verfügung vom 

15. Juli 2019 wird aufgehoben und dem Beschwerdeführer wird ab dem 

1. Juni 2017 eine ganze Invalidenrente samt Kinderrenten zugesprochen.

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten der IV-Stelle des Kantons 

Graubünden.

3. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden hat A._____ mit Fr. 2'570.80 (inkl. 

MWST) aussergerichtlich zu entschädigen.

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