# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 25e1cba3-afcf-5029-b0e8-231eae0af0eb
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-09-27
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 27.09.2021 OH 2020/2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_OH-2020-2_2021-09-27.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: OH 2020/2

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: OH - Opferhilfe

Publikationsdatum: 16.02.2022

Entscheiddatum: 27.09.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 27.09.2021
Art. 13, 19 bis 23, 27 und 29 f. OHG; Art. 6 OHV; Art. 46 f. und 49 OR 
Entschädigungs- und Genugtuungsanspruch gemäss OHG nach einer 
versuchten Tötung im Drogenmilieu. Festsetzung des 
Entschädigungsanspruchs. Bestimmung der Genugtuung, wenn im 
Strafverfahren eine Genugtuungssumme zugesprochen wurde. 
Herabsetzung wegen Mitverschuldens des Opfers (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. September 2021, OH 
2020/2).

Entscheid vom 27. September 2021

Besetzung

Präsidentin Marie Löhrer, Versicherungsrichterinnen Christiane Gallati Schneider und 

Michaela Machleidt Lehmann; Gerichtsschreiberin Felicia Sterren

Geschäftsnr.

OH 2020/2

Parteien

A.___,

Rekurrent,

gegen

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen, Oberer Graben 32, 

9001 St. Gallen,

Vorinstanz,

Gegenstand

Genugtuung und Entschädigung

Sachverhalt

A.  

Am 6. September 2017 stellte A.___ mit Hilfe der Beratungsstelle Opferhilfe der 

Kantone B.___ und C.___ beim Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons 

St. Gallen (nachfolgend: SJD) ein Gesuch um Entschädigung und Genugtuung sowie 

Vorschuss auf die Entschädigung für Lohnausfall Dezember 2016/Januar 2017. Aus 

den beigelegten Strafurteilen vom 29. März 2017 ging hervor, dass der Gesuchsteller 

am 16. Februar 2015 Opfer einer versuchten Tötung, begangen von D.___, sowie von 

Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Nötigung, begangen von D.___ und weiteren 

Tätern, geworden war (act. G3.1). In der Folge sistierte das SJD das Vorschussgesuch 

formlos und sammelte weitere Informationen (vgl. act. G3.2 ff.). Am 12. November 2019 

beantragte der Gesuchsteller eine Entschädigung im gesetzlichen Maximalbetrag von 

Fr.120'000.-- und eine Genugtuung von Fr. 28'500.-- (act. G3.10).

A.a. 

Mit Verfügung vom 5. August 2020 schrieb das SJD das Vorschussbegehren als 

gegenstandslos ab und sprach dem Gesuchsteller eine Entschädigung von 

Fr. 7'638.10 sowie eine Genugtuung von Fr. 15'000.-- zu. In einer ausführlichen 

Begründung führte es im Wesentlichen aus, bis August 2015 sei kein durch die Straftat 

verursachter Erwerbsausfall auszumachen. Von September 2015 bis März 2016 sei der 

Gesuchsteller neben seiner damaligen Arbeitstätigkeit von 20 % und der 

Arbeitsunfähigkeit wegen vorbestehender Rückenschmerzen von 50 % zu 30 % 

aufgrund der aus der Straftrat resultierenden psychischen Beeinträchtigungen 

arbeitsunfähig gewesen. Für die Zeit nach März 2016 sei eine konkrete, bezifferbare 

Beeinträchtigung seiner Arbeitsfähigkeit aufgrund psychischer Beeinträchtigungen 

A.b. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

B.  

nicht mehr nachgewiesen. Für die sieben Monate von September 2015 bis März 2016 

resultiere aufgrund der Straftat ein Lohnausfall von Fr. 9'152.50. Wegen der am 

15. Dezember 2016 erfolgten operativen Narbenkorrektur sei der Gesuchsteller vom 

15. Dezember 2016 bis 10. Januar 2017 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Diese 

Folgeoperation sei aufgrund der erschwerten Heilung der Schussverletzung erforderlich 

gewesen. Der Lohnausfall habe Fr. 1'106.85 im Dezember 2016, und Fr. 704.55 im 

Januar 2017 betragen. In diesem Umfang sei der Gesuchsteller 

entschädigungsberechtigt. Die von ihm geltend gemachten Heilungs- und 

Therapiekosten würden keinen Entschädigungsanspruch auslösen und seien ohnehin 

nicht ausreichend substantiiert. Aufgrund der finanziellen Verhältnisse des 

Gesuchstellers sei die Entschädigung auf Fr. 10'184.10 zu kürzen. Die 

opferhilferechtliche Genugtuung werde in der Regel etwa 30 bis 40 % tiefer angesetzt 

als die zivilrechtliche Genugtuung, welche vorliegend auf Fr. 30'000.-- (vor der 

Herabsetzung wegen Selbstverschulden) beziffert worden sei. Eine Kürzung um einen 

Drittel ergebe Fr. 20'000.--, was insgesamt als angemessen erscheine. Der 

Gesuchsteller sei im Drogenmilieu tätig gewesen und habe die Schussverletzungen im 

Rahmen seiner deliktischen Tätigkeit, für die er sich auch strafrechtlich habe 

verantworten müssen, erlitten. Hätte er sich nicht über die Rechtsordnung 

hinweggesetzt, wäre er nicht Opfer einer Straftat geworden. Ihn treffe deshalb ein 

Selbstverschulden. Vor dem Hintergrund der opferhilferechtlichen Praxis rechtfertige 

sich hierfür eine Herabsetzung der Entschädigung und Genugtuung um 25 %. Dem 

Gesuchsteller sei demnach eine Entschädigung von Fr. 7'638.10 (75 % von 

Fr. 10'184.10) und eine Genugtuung von Fr. 15'000.-- (75 % von Fr. 20'000.--) 

auszurichten. Mit dem Entscheid über die Hauptsache sei das Vorschussbegehren 

gegenstandslos geworden (act. G1.1).

Gegen die Verfügung vom 5. August 2020 richtet sich der Rekurs vom 27. August 

2020. Der Rekurrent beantragt die Zusprache von weitergehenden Entschädigungs- 

und Genugtuungsbeiträgen. Zur Begründung bringt er wörtlich vor: "Ich habe mir die 

Verfügung und die Begründung für die Genugtuung und die Entschädigung mehrfach 

durchgelesen und bin zum Schluss gekommen, dass die Entschädigungen sehr tief 

B.a. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Erwägungen

1.  

angesetzt sind und die wahren Umstände in der Begründung nur teilweise 

berücksichtigt worden sind. Aus diesem Grund erhebe ich dagegen Rekurs" (act. G1).

Mit Vernehmlassung vom 23. September 2020 beantragt die Vorinstanz unter 

Verweis auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung die Abweisung des 

Rekurses (act. G3).

B.b. 

Jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder 

sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Opfer) hat Anspruch auf 

Unterstützung nach dem Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Straftraten (OHG; 

SR 312.5). Der Rekurrent ist unstreitig Opfer einer Straftat geworden, sodass die 

Bestimmungen des OHG vorliegend Anwendung finden.

1.1. 

Das zunächst sistierte Vorschussgesuch (vgl. Art. 21 OHG; der Rekurrent hatte von 

seiner Arbeitgeberin einen Vorschuss erhalten, act. G3.7 f.) schrieb die Vorinstanz mit 

der Verfügung vom 5. August 2020 als gegenstandslos geworden ab. Streitgegenstand 

ist einzig noch die Höhe der im Grundsatz anerkannten Entschädigung und 

Genugtuung.

1.2. 

Der Rekurrent hat den Rekurs nur damit begründet, die zugesprochenen 

Leistungen seien angesichts der Umstände sehr tief, ohne darzulegen, inwiefern die 

Ausführungen der Vorinstanz unzutreffend sein sollten. Dennoch ist der angefochtene 

Entscheid umfassend zu prüfen, denn dem Versicherungsgericht kommt freie 

Überprüfungsbefugnis zu (vgl. Art. 29 Abs. 3 OHG). Im Rahmen dieser freien 

Überprüfungsbefugnis kann das Gericht in Ermessensfragen sowohl sein eigenes 

Ermessen anstelle desjenigen der unteren Instanz setzen als auch einen 

Entscheidungsspielraum der Vorinstanz respektieren. Betreffend 

Genugtuungsentscheide kann es sich damit begnügen, die Angemessenheit der von 

der Verwaltungsbehörde zugesprochenen Summe zu kontrollieren und, soweit diese 

der Billigkeit entspricht, von einer Änderung des angefochtenen Entscheides absehen, 

auch wenn es selbst, hätte es als erstinstanzliche Behörde entschieden, 

möglicherweise nicht die gleiche Summe bestimmt hätte (vgl. Peter Gomm, SHK-

Opferhilferecht, 4. Aufl., Art. 29 OHG N 21).

1.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

2.  

Der Rekurrent beantragt die Zusprache einer höheren Entschädigung. Das Opfer 

hat Anspruch auf eine Entschädigung für den erlittenen Schaden. Der Schaden wird 

nach Art. 46 (Schadenersatz bei Körperverletzung) des Bundegesetzes betreffend die 

Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht; 

OR; SR 220) festgelegt. Nicht berücksichtigt werden Sachschaden sowie Schaden, 

welcher Leistungen der Soforthilfe oder der längerfristigen Hilfe nach Art. 13 OHG 

auslösen kann (Art. 19 OHG). Die Entschädigung deckt den Schaden ganz, wenn im 

Sinne von Art. 6 Abs. 1 und 2 OHG die anrechenbaren Einnahmen der 

anspruchsberechtigten Person den massgebenden Betrag für den allgemeinen 

Lebensbedarf nicht übersteigen. Sie deckt den Schaden anteilsmässig, wenn im Sinne 

von Art. 6 Abs. 1 und 2 OHG die anrechenbaren Einnahmen der anspruchsberechtigten 

Person zwischen dem einfachen und dem vierfachen massgebenden Betrag für den 

allgemeinen Lebensbedarf liegen. Die Entschädigung beträgt höchstens Fr. 120'000.-- 

(Art. 20 Abs. 2 und Abs. 3 erster Teilsatz OHG). Liegen die anrechenbaren Einnahmen 

der anspruchsberechtigten Person zwischen dem massgebenden Betrag für den 

allgemeinen Lebensbedarf (Betrag ELG) und dem Vierfachen dieses Betrags, so wird 

die Entschädigung wie folgt berechnet: Entschädigung = Schaden – ([anrechenbare 

Einnahmen – Betrag ELG] x Schaden) / 3 x Betrag ELG (Art. 6 der Verordnung über die 

Hilfe an Opfer von Straftaten [OHV; SR 312.51]).

2.1. 

Der Begriff des Schadens ist im Opferhilferecht der gleiche wie im Haftpflichtrecht. 

Schaden ist demnach die Differenz zwischen dem gegenwärtigen, nach dem 

schädigenden Ereignis festgestellten Vermögensstand und dem Stand, den das 

Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte, bzw. die Differenz zwischen den 

Einkünften, die nach dem schädigenden Ereignis tatsächlich erzielt worden sind und 

denjenigen, die ohne dieses Ereignis zugeflossen wären (BGE 131 II 217 E. 4.2 und 

BGE 129 II 49 E. 4.3.2).

2.2. 

Der Rekurrent bezog bis zum 10. Dezember 2014 Sozialhilfe. Von ca. September 

2014 bis zum Überfall vom 16. Februar 2015 war er für eine monatliche Abgeltung von 

Fr. 10'000.-- im Drogenmilieu tätig. Wegen der im Rahmen der Straftat erlittenen 

schweren Verletzungen war der Rekurrent bis zum 10. März 2015 hospitalisiert. Ab 

dem 18. Mai 2015, d.h. nach der Entlassung aus der Untersuchungshaft am 7. Mai 

2015, bezog er wiederum Sozialhilfe. Ab September 2015 arbeitete er zunächst 

unregelmässig und auf Abruf bei der E.___ AG (nachfolgend: E.___), weshalb im 

Oktober 2015 nur noch die Miete und die Gesundheitskosten von der Sozialhilfe 

finanziert werden mussten (vgl. act. G3.10.7, G3.6.2, G3.3.8.3 und G3.4). Danach 

2.3. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

finanzierte der Rekurrent seinen Lebensunterhalt durch seine Erwerbstätigkeit bei der 

E.___ vollumfänglich selbst (vgl. act. G3.10, S. 2).

Der Rekurrent macht nicht geltend, dass er ohne das schädigende Ereignis rascher 

eine Erwerbstätigkeit ausserhalb des Drogenmilieus aufgenommen hätte. Dies wäre 

angesichts dessen, dass er sich selbst aufgrund einer Rückenproblematik als 

eingeschränkt arbeitsfähig betrachtete, vor dem Überfall bereits eine IV-Anmeldung 

vorgenommen hatte (vgl. hierzu auch E. 2.8 ff. nachfolgend) und durch die deliktische 

Tätigkeit ein sehr hohes Einkommen erzielte, wohingegen er zuvor und danach auf 

Sozialhilfe angewiesen war, auch wenig glaubhaft. Ohne das schädigende Ereignis 

hätte der Rekurrent demnach bis September 2015 kein Erwerbseinkommen aus einer 

legalen Tätigkeit erzielt. Bei der Schadensberechnung hat ein aus einem rechtswidrigen 

Erwerb erzieltes Einkommen unberücksichtigt zu bleiben (vgl. Willi Fischer/Fabian 

Gähwiler [Hrsg.], Haftpflichtkommentar, Kommentar zu den schweizerischen 

Haftpflichtbestimmungen, Zürich/St. Gallen 2016, Art. 46 OR N 53). Für das Entgelt aus 

seiner deliktischen Tätigkeit hat der Rekurrent deshalb keinen Anspruch auf Ersatz. 

Demnach ist dem Rekurrenten bis Ende August 2015 in Übereinstimmung mit der 

Vorinstanz keine Entschädigung für Lohnausfall zuzusprechen. Ein 

entschädigungsfähiger Einkommensausfall konnte somit frühestens ab September 

2015 entstehen.

2.4. 

Der Rekurrent ist seit September 2015 bei der E.___ angestellt. Obwohl nach 

Stunden abgerechnet wurde, betrug sein Monatslohn von Mai bis Juli 2017 jeweils 

konstant Fr. 2'400.60 brutto bzw. Fr. 2'179.20 netto, was offenbar einem 50%-Pensum 

entsprach (vgl. act. G3.1.9 und G3.3.1). Massgebend für die Schadensberechnung ist 

das Nettoeinkommen, selbst dann, wenn die Arbeitsunfähigkeit bloss vorübergehend 

ist und deswegen – wie das vorliegend der Fall ist – kein Rentenschaden berechnet 

wird (vgl. Fischer/Gähwiler, a.a.O., Art. 46 OR N 45 f.).

2.5. 

Der Rekurrent bringt nicht vor, dass er, wäre er nicht Opfer einer Straftat 

geworden, seit September 2015 einer wesentlich besser bezahlten legalen 

Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Die Vorinstanz hat für das hypothetische 

Einkommen im Gesundheitsfall folglich zu Recht das tatsächlich erzielte Einkommen 

des Rekurrenten gemäss den von ihm eingereichten Lohnabrechnungen der E.___ als 

Ausgangspunkt herangezogen.

2.6. 

Beim Rekurrenten bestand bereits vor der Straftat eine Rückenproblematik (vgl. 

act. G3.3.8.5, G3.15.5 und G3.17). Die Vorinstanz ging davon aus, dass der Rekurrent 

aufgrund dieser Rückenproblematik, wegen welcher schon vor der Schussverletzung 

2.7. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

eine IV-Anmeldung erfolgte (vgl. hierzu act. G3.17), im hier interessierenden Zeitraum 

auch ohne die im Rahmen des Überfalls erlittenen Gesundheitsschädigungen zu nicht 

mehr als 50 % gearbeitet hätte. Der Rekurrent bestreitet dies nicht. Demnach 

beschränkt sich ein Entschädigungsanspruch für erlittenen Einkommensausfall auf ein 

50%-Pensum bzw. einen 50%-Lohn.

Bereits im Juni 2015 war der Rekurrent betreffend die Verletzungen aus dem 

Überfall in somatischer Hinsicht weitgehend beschwerdefrei bei nur noch vereinzelt 

Schmerzen aufgrund von Schonhaltung und Fehlbelastung. Ärztlicherseits wurde ihm 

damals mitgeteilt, er könne "wieder alles machen, müsse sich nicht schonen" (vgl. 

act. G3.3.8.5). Demnach bestand in somatischer Hinsicht ab September 2015 

grundsätzlich keine Arbeitsunfähigkeit aufgrund der gegen den Rekurrenten verübten 

Straftat mehr. Die vorbestehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der 

Rückenproblematik ist bei der Berechnung des Entschädigungsanspruchs nicht zu 

berücksichtigen.

2.8. 

In psychischer Hinsicht wurde dem Rekurrenten eine Arbeitsfähigkeit von 20 % ab 

September 2015 und von 50 % ab April 2016 attestiert (act. G3.3.8.6; vgl. auch 

act. G3.3.8.7). In weitergehendem Ausmass hatte sich der Rekurrent bereits vor der 

gegen ihn verübten Straftat aufgrund der ihn einschränkenden Rückenproblematik 

nicht als arbeitsfähig betrachtet. Er hätte demnach mit überwiegender 

Wahrscheinlichkeit auch ohne dieses Ereignis nicht mehr als 50% gearbeitet. In seiner 

Anstellung bei der E.___ erzielte der Rekurrent in einem 50%-Pensum einen 

Monatslohn von Fr. 2'179.20. Bei einem 100%-Pensum betrüge der Lohn demnach 

Fr. 4'358.40. 30 % davon sind Fr. 1'307.50. Auf sieben Monate (September 2015 bis 

März 2016) hochgerechnet resultierte somit ein Lohnausfall von Fr. 9'152.50.

2.9. 

Im Übrigen wäre eine über den März 2016 hinausdauernde Arbeitsunfähigkeit 

anhand der vorliegenden Akten ohnehin nicht hinreichend ausgewiesen. Zwar 

schilderten die Behandler, der Rekurrent leide unter Ängsten, sich aufdrängenden 

Erinnerungen und Schlafstörungen, schrecke bei Knall und lauten Geräuschen auf und 

sei lärmempfindlich. Die Symptome würden einer posttraumatischen 

Belastungsstörung entsprechen (vgl. beispielhaft act. G3.3.8.6 f.). Inwiefern diese 

Symptomatik die Arbeitsfähigkeit in einer – allenfalls angepassten, beispielsweisen 

lärmarmen – Erwerbstätigkeit ab April 2016 einschränkt, wird jedoch nicht eingehend 

erörtert. Gestützt auf die im Recht liegenden Behandlerberichte erscheint ein 

weitergehender Erwerbsausfall wegen psychisch bedingter Arbeitsunfähigkeit nach 

März 2016 daher weder belegt noch überwiegend wahrscheinlich.

2.10. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Am 15. Dezember 2016 unterzog der Rekurrent sich einer partiellen 

Narbenkorrektur, welche in Folge der im Rahmen der Straftat erlittenen Verletzungen 

notwendig geworden war. Danach war er bis zum 10. Januar 2017 zu 100% 

arbeitsunfähig und erlitt damit, wie die Vorinstanz korrekt feststellte, einen 

Erwerbsausfall von Fr. 1'106.85 im Dezember 2016 und Fr. 704.55 im Januar 2017 (vgl. 

act. G3.1.8, G3.3.1 und G3.3.8.8).

2.11. 

Der Rekurrent macht Heilungs- und Therapiekosten geltend, ohne diese jedoch 

zu beziffern und zu belegen. Die Behandlung zur Überwindung von Verbrechensfolgen 

gilt als Hilfeleistung im Sinne von Art. 13 OHG. Solange die psychotherapeutische 

Behandlung der Verbesserung des Gesundheitszustands dient, fällt sie unter die 

Hilfeleistungen nach Art. 13 OHG. Ist hingegen das Behandlungsziel eines nicht mehr 

veränderlichen Gesundheitszustandes erreicht und bezweckt die Psychotherapie, 

sporadisch auftretende Verschlechterungen des Gesundheitszustands aufzufangen, 

stellen deren Kosten entschädigungsberechtigten Schaden dar. Transportkosten, die 

für die Behandlung anfallen, folgen jeweils der Zuordnung der Heilbehandlung (Gomm, 

a.a.O., Art. 19 OHG N 19 und N 21 f.).

2.12. 

Vorliegend war der Rekurrent, wie vorstehend ausgeführt, aus psychiatrischer 

Sicht ab April 2016 wieder zu 50% arbeitsfähig, sodass kein Erwerbsausfall als Folge 

der gegen ihn verübten Straftat mehr resultierte. Er war zu diesem Zeitpunkt aber noch 

nicht austherapiert (vgl. act. G3.3.8.6). Das Departement Gesundheit und Soziales 

B.___ hat daher unter dem Titel der Hilfeleistungen nach Art. 13 OHG bis zum 18. Juli 

2019 medizinische Kosten, namentlich auch die Kosten für Psychotherapie, 

übernommen (act. G3.10.5.3). Demnach käme eine Entschädigung grundsätzlich erst 

für den Zeitraum ab 19. Juli 2019 in Frage.

2.13. 

Das Departement Gesundheit und Soziales B.___ war der Auffassung, dass per 

18. Juli 2019 ausreichend Unterstützung im Rahmen der längerfristigen Hilfe geleistet 

und eine Stabilisierung erreicht worden sei (act. G3.10.5.3), was vom Rekurrenten, 

soweit aus den Akten ersichtlich, nicht bestritten wurde. Ziel der Psychotherapie ist es 

gemäss dem Arztbericht der behandelnden Psychiaterin vom 13. August 2018, die 

Symptome der erlittenen posttraumatischen Belastungsstörung weiter zu reduzieren, 

wobei diese davon ausging, dass bleibende Schädigungen physischer und psychischer 

Art verbleiben würden (act. G3.10.3). Diese geltend gemachte bleibende 

Beeinträchtigung der Gesundheit des Rekurrenten wird bei der Bestimmung der 

Genugtuung berücksichtigt (vgl. hierzu E. 3 nachfolgend). Anhand des Arztberichts vom 

13. August 2018 ist hingegen ebenso wenig wie gestützt auf die weiteren im Recht 

liegenden Akten ausgewiesen, dass die Fortsetzung der psychotherapeutischen 

2.14. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.  

Behandlung zur Aufrechterhaltung des Heilungserfolgs und der Erwerbsfähigkeit 

erforderlich ist. Folglich hat der Rekurrent hierfür keinen Entschädigungsanspruch.

Die Vorinstanz hat den opferhilferechtlichen Schaden damit korrekt auf 

Fr. 10'963.90 beziffert (Fr. 9'152.50 + Fr. 1'106.85 + Fr. 704.55) und die Entschädigung 

anhand der obenerwähnten Formel (siehe E. 2.2 vorstehend) korrekt berechnet. Diese 

beträgt Fr. 10'184.10 (vgl. act. G3.18).

2.15. 

Sofern der Rekurrent einen Rentenschaden geltend macht (vgl. act. G3.10, S. 2), 

ist festzuhalten, dass ein längerfristiger Minderverdienst als Folge der Straftat aus den 

Akten nicht hergeleitet werden kann und bei bloss kurzfristiger Erwerbsunfähigkeit kein 

Rentenschaden berücksichtigt wird (vgl. hierzu Fischer/Gähwiler, a.a.O., Art. 46 OR 

N 96 ff.). Insbesondere war der Rekurrent vor der Straftat für längere Zeit von der 

Sozialhilfe abhängig bzw. übte eine rechtswidrige Tätigkeit aus. Demnach hätte er, 

auch wenn er nicht Opfer der Straftat geworden wäre, im hier massgebenden Zeitraum 

keine nennenswerten rentenbildenden Sozialversicherungsbeiträge geleistet. Soweit 

der Rekurrent, abgesehen vom Zeitraum vom 15. Dezember 2016 bis zum 10. Januar 

2017, über den 1. April 2016 hinaus nicht mehr als 50% arbeitsfähig war, ist dies, wie 

bereits dargetan, nicht auf die Auswirkungen der anlässlich der Straftat erlittenen 

Verletzungen zurückzuführen, sondern auf die vorbestehende Rückenproblematik. 

Demnach hätte der Rekurrent auch dann keine wesentlich höheren rentenbildenden 

Sozialversicherungsbeiträge geleistet, wenn er nicht Opfer einer Straftat geworden 

wäre.

2.16. 

Der Rekurrent beantragt eine höhere Genugtuung. Das Opfer hat Anspruch auf 

eine Genugtuung, wenn die Schwere der Beeinträchtigung es rechtfertigt; Art. 47 und 

Art. 49 OR sind sinngemäss anwendbar (Art. 22 Abs. 1 OHG). Die Genugtuung wird 

nach der Schwere der Beeinträchtigung bemessen. Sie beträgt höchstens Fr. 70'000.-- 

für das Opfer (Art. 23 OHG).

3.1. 

Die opferhilferechtliche Genugtuung stellt eine staatliche, von der öffentlichen 

Hand finanzierte Unterstützung an das Opfer einer Straftat dar. Eine umfassende und 

bedingungslose Wiedergutmachung des erlittenen Schadens wird durch sie nicht 

gewährt. Genugtuungen gestützt auf das OHG sollen zwar wie zivilrechtliche 

Genugtuungen primär immaterielle Unbill abgelten, wobei zur Bemessung die von den 

Zivilgerichten entwickelten Grundsätze sinngemäss heranzuziehen sind. Sie sind 

jedoch generell tiefer als die gestützt auf das Privatrecht zugesprochenen Beträge. 

Namentlich täterbezogene Faktoren wie etwa das Verschulden des Täters oder eine 

3.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

besonders skrupellose Vorgehensweise sind bei der Bemessung der Genugtuung nach 

OHG – anders als im Straf- und Zivilrecht – nicht zu berücksichtigen. Der Höchstbetrag 

von Fr. 70'000.-- für das Opfer ist für die schwersten Leiden vorgesehen (vgl. Gomm, 

a.a.O., Art. 22 OHG N 6 f.; BGE 129 II 312 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts vom 

28. Januar 2016, 1C_542/2015, E. 3.2; Empfehlungen der Schweizerischen 

Verbindungsstellenkonferenz zur Anwendung des Opferhilfegesetzes [SVK-OHG] vom 

21. Januar 2010, Ziff. 4.7.2 [nachfolgend: Empfehlungen]).

Verwaltungs- und Strafbehörden sind nicht gegenseitig an ihre Erkenntnisse 

gebunden. Im Interesse der Rechtssicherheit und Rechtseinheit weicht die 

Verwaltungsbehörde aber nicht ohne sachlichen Grund vom Entscheid der 

Strafbehörde ab. Von den tatsächlichen Feststellungen des Strafgerichts darf sie 

abweichen, wenn sie aufgrund eigener Beweiserhebungen Tatsachen feststellt, die 

dem Strafgericht unbekannt waren oder die es nicht beachtet hat, wenn neue 

entscheiderhebliche Tatsachen vorliegen, wenn die Beweiswürdigung des Strafgerichts 

feststehenden Tatsachen klar widerspricht oder wenn das Strafgericht bei der 

Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht alle Rechtsfragen abgeklärt hat. In reinen 

Rechtsfragen ist die Verwaltungsbehörde dagegen nicht an die Beurteilung durch das 

Strafgericht gebunden. Die Unabhängigkeit vom Erkenntnis der Strafbehörde folgt hier 

auch aus der unterschiedlichen Zwecksetzung der von der Verwaltungsbehörde 

anzuwendenden Normen. Die Verwaltungsbehörde ist jedoch dann an die rechtliche 

Qualifikation des Sachverhalts durch das Strafurteil gebunden, wenn die rechtliche 

Würdigung sehr stark von der Würdigung von Tatsachen abhängt, die das Strafgericht 

besser kennt als die Verwaltungsbehörde (Urteil des Bundesgerichts vom 

30. November 2007, 1C_45/2007, E. 4.3).

3.3. 

Die Höhe der Summe, die als Abgeltung immaterieller Unbill in Frage kommt, lässt 

sich naturgemäss nicht errechnen, sondern nur schätzen. Bei der Bemessung der 

Genugtuung hat die Behörde in erster Linie die Schwere der Beeinträchtigung zu 

gewichten. Unter Beeinträchtigung ist dabei, wie im Zivilrecht, die Verletzung der 

persönlichen Verhältnisse bzw. das konkrete Ausmass des Eingriffs in die 

Persönlichkeitsrechte zu verstehen. Abgestellt wird auf die objektive Schwere und die 

subjektiven Auswirkungen des Eingriffs in das verletzte Rechtsgut. Dabei werden die 

Umstände des konkreten Ereignisses und des Einzelfalls berücksichtigt (Gomm, a.a.O., 

Art. 23 OHG N 6). Ein Hilfsmittel für die kantonalen Behörden ist der "Leitfaden zur 

Bemessung der Genugtuung nach Opferhilfegesetz" des Bundesamtes für Justiz, 

welcher im Oktober 2008 erstellt und per Oktober 2019 aktualisiert wurde (abrufbar 

unter www.bj.admin.ch, nachfolgend: Leitfaden). Im Sinne eines Richtwertes kann von 

3.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

60 bis 70 % der durchschnittlichen zivilrechtlichen Genugtuung in Vergleichsfällen bzw. 

der im konkreten Einzelfall straf- oder zivilgerichtlich zugesprochenen Genugtuung 

ausgegangen, mithin eine Kürzung von 30 bis 40 % vorgenommen werden (vgl. Gomm, 

a.a.O., Art. 22 OHG N 8 f.; Empfehlungen, Ziff. 4.7.2).

Der Leitfaden sieht Bandbreiten für Verletzungen der physischen, der sexuellen 

und der psychischen Integrität vor. Ist das Opfer in mehreren Integritäten betroffen, so 

ist die Genugtuung anhand der Bandbreite für die schwerste Beeinträchtigung zu 

bemessen und angemessen zu erhöhen, um den Gesamtumständen Rechnung zu 

tragen. Geht die schwere Beeinträchtigung der psychischen Integrität einher mit einer 

Beeinträchtigung der körperlichen Integrität, ist sie also eine Folge oder ein 

erschwerender Umstand einer Körperverletzung, richtet sich die Bemessung der 

Genugtuung nach der Bandbreite für physische Beeinträchtigungen (vgl. Leitfaden, 

S. 10 und S. 16).

3.5. 

Für nicht unerhebliche, verheilende körperliche Beeinträchtigungen (z.B. 

Knochenbrüche, Gehirnerschütterungen) sieht der Leitfaden eine Genugtuung bis 

Fr. 5'000.-- vor. Für körperliche Beeinträchtigungen mit längerem, komplexem 

Heilungsverlauf (Operationen, lange Rehabilitation, Verminderung der Sehkraft, 

Darmlähmungen, erhöhte Infektanfälligkeit) liegt die Bandbreite bei Fr. 5'000.-- bis 

Fr. 10'000.--. Bei körperlichen Beeinträchtigungen mit dauerhaften Folgen (Verlust der 

Milz, eines Fingers, des Geruchs- oder Geschmackssinnes) kann eine Genugtuung von 

Fr. 10'000.-- bis Fr. 20'000.-- gesprochen werden. Bei schweren körperlichen 

Beeinträchtigungen mit lebenslangen Folgen und schwerem psychischem Trauma 

nach aussergewöhnlich eindrücklichen Gewaltereignissen (entstellende Narben, 

schweres Schädel-Hirn-Trauma, Verlust eines Auges, eines Armes oder eines Beines, 

sehr starke und schmerzhafte Verletzungen der Wirbelsäule, Verlust des Gehörs) ist 

eine Bandbreite von Fr. 20'000.-- bis Fr. 50'000.-- vorgesehen. Bei schwersten 

körperlichen Beeinträchtigungen mit lebenslanger Arbeitsunfähigkeit (Tetraplegie, 

schwerste Hirnschädigung, Verlust beider Augen) kann eine Genugtuung von bis zu 

Fr. 70'000.-- in Betracht gezogen werden (Leitfaden, S. 12, auch wiedergegeben in 

Gomm, a.a.O., Art. 23 OHG N 12). Kriterien für die Bemessung der Genugtuung sind 

namentlich Intensität, Ausmass und Dauer der physischen und psychischen Folgen 

(Schmerzen, Operationen, Narben), der Behandlung, der Arbeitsunfähigkeit und der 

Auswirkungen auf das Privat- und Berufsleben, Lebensgefahr oder Art der 

Tatbegehung (Grausamkeit, Verwendung von Waffen oder anderen gefährlichen 

Gegenständen, gemeinsame Tatbegehung, etc.; Leitfaden, S. 13; siehe zur Kasuistik 

Gomm, a.a.O., Art. 23 OHG N 35).

3.6. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

4.  

Vorliegend wurden die Täter, namentlich D.___, rechtskräftig verurteilt (vgl. 

act. G3.12). Aufgrund des Gewaltentrennungsprinzips ist die Verwaltungsbehörde zwar 

nicht an die Erkenntnisse des Strafgerichts gebunden. Im Interesse der 

Rechtssicherheit und Rechtseinheit weicht sie aber nicht ohne sachlichen Grund von 

deren Entscheid ab (vgl. E. 3.3 vorstehend). Das Kantonsgericht St. Gallen erliess am 

10. September 2018 einen einlässlich begründeten, 118 Seiten umfassenden Entscheid 

und setzte sich darin ausführlich mit der Vorgeschichte der Parteien, dem Tatvorgang, 

den Anträgen und Vorbringen der Beteiligten und insbesondere mit den Forderungen 

des Rekurrenten auseinander. Es setzte eine Genugtuung – vor Berücksichtigung des 

Selbstverschuldens des Rekurrenten – von Fr. 30'000.-- fest (vgl. act. G3.12.1, 

insbesondere S. 90 ff.). Die Höhe der Genugtuung hängt stark von der Würdigung der 

Tatsachen ab. Das Kantonsgericht war mit diesen umfassend vertraut, sodass dessen 

Einschätzung ein entsprechendes Gewicht zukommt. Es hat auch die Rechtsprechung 

in vergleichbaren Fällen berücksichtigt (vgl. act. G3.12.1, S. 90), sodass die 

durchschnittliche Genugtuung in Vergleichsfällen in seine Entscheidfindung miteinfloss. 

Die opferhilferechtliche Genugtuung kann daher an die im Strafrecht festgesetzte 

Summe angelehnt werden, wobei sie um 30 bis 40 % zu kürzen ist (vgl. zur Bedeutung 

von Vergleichsfällen und zur Kürzung E. 3.4 vorstehend).

3.7. 

Die Vorinstanz ging denn auch von der im Strafverfahren festgesetzten 

Genugtuung aus und kürzte diese um einen Drittel auf Fr. 20'000.-- (vgl. act. G 1.1). 

Dieses Vorgehen ist mit Blick auf den Ermessensspielraum der Vorinstanz nicht zu 

beanstanden. Die so ermittelte Genugtuung liegt am obersten Rand des im Leitfaden 

vorgesehenen Rahmens für körperliche Beeinträchtigungen mit dauerhaften Folgen. 

Sie trägt damit der Schwere der Verletzungen, dem Heilungsverlauf mit mehreren 

Operationen und bleibenden Narben sowie der zusätzlichen psychischen Belastung 

des Rekurrenten genügend Rechnung.

3.8. 

Zu prüfen bleibt, ob die Vorinstanz die Entschädigung und Genugtuung zu Recht 

wegen Mitverschuldens des Rekurrenten um 25 % herabgesetzt hat.

4.1. 

Die Entschädigung und Genugtuung des Opfers können herabgesetzt oder 

ausgeschlossen werden, wenn das Opfer zur Entstehung oder zur Verschlimmerung 

der Beeinträchtigung beigetragen hat (Art. 27 Abs. 1 OHG). Der Bundesrat hielt in der 

Botschaft zur Totalrevision des OHG fest, die Opferhilfebehörden dürften strenger sein 

als das Zivilgericht. Dies wird im Leitfaden, welcher im Oktober 2019 aktualisiert wurde, 

bestätigt (Leitfaden, S. 4). Gomm argumentiert hingegen, der Einbezug des 

4.2. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Verschuldens des Opfers bedeute auch nach den zivilrechtlichen Grundsätzen nichts 

anderes als eine Gewichtung der Mitverursachung der Schädigung durch das Verhalten 

des Opfers im Verhältnis zum Tatbeitrag des Täters. Deshalb sei es sinnvoll, für die 

Massgeblichkeit des Verhaltens des Opfers auf die Rechtsprechung zum zivilen 

Haftpflichtrecht abzustellen und das Ausmass des Verschuldens des Opfers als 

Kürzungskriterium beizubehalten (Gomm, a.a.O., Art. 27 N 5).

Selbst ein leichtes Mitverschulden des Opfers kann im Opferhilferecht einen 

Herabsetzungsgrund bilden (vgl. Gomm, a.a.O., Art. 27 N 7). Ein bewusster 

regelmässiger Aufenthalt in einem gefährlichen Milieu, insbesondere im Umfeld der 

Drogenkriminalität kann ebenso wie die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation 

einen Reduktionsgrund darstellen. So hatte das Bundesgericht etwa eine Kürzung 

wegen Mitverschuldens im Umfang von 50 % bei illegaler Einreise, Aufenthalt auf 

einem Drogenumschlagplatz und Verwicklung in eine gewalttätige Auseinandersetzung 

als zulässig erachtet, ohne dass dem Opfer eine aktive Teilnahme an 

Drogengeschäften oder an der gewalttätigen Auseinandersetzung angelastet worden 

wäre. Bei leichtem bis mittlerem Verschulden können Kürzungsansätze von 20 bis 

35 % in Betracht gezogen werden. In der Praxis wurden bei Fällen von leichtem 

Selbstverschulden schon Kürzungen von 20 bis 25 % vorgenommen (vgl. Gomm, 

a.a.O., Art. 27 N 9 und N 11; Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2000, 1A.

251/1999, E. 3c f.).

4.3. 

Dass ein Abzug wegen Selbstverschuldens erfolgen kann, wird vom Rekurrenten 

grundsätzlich nicht bestritten und ergibt sich ohne Weiteres daraus, dass er einer 

illegalen Tätigkeit im Drogenmilieu nachging. Er war regelmässig im Einsatz ("Ich war 

immer dort, ausser Sonntag und Montag"; act. G3.12.1, S. 85) und bezeichnete seine 

Aufgabe als harten Job. Er wusste um die Gefahr von bewaffneten Überfällen. Er selbst 

war anlässlich eines früheren Einbruchs alleine als Bewacher anwesend gewesen. Ihm 

war zudem bekannt, dass in der Vergangenheit schon mehrmals eingebrochen worden 

war und dass bei einem früheren Einbruch Pfefferspray und eine Schusswaffe zum 

Einsatz gekommen waren. Er selbst trug bei seinen Einsätzen oft eine Schusswaffe 

(Pump-action). Er kannte somit das Milieu, in welchem er sich bewegte. Damit konnte 

er die Risiken seines Tuns sachgerecht abwägen. Insofern erwies sich der Überfall 

D.___s und der übrigen Täter weder als unerwartet noch als aussergewöhnlich. Als der 

Rekurrent und ein zweiter Bewacher davon über das Überwachungssystem Kenntnis 

erhielten, alarmierten sie denn auch nicht die Polizei, sondern kontaktierten ihre 

Ansprechpersonen aus dem Drogenmilieu. Statt die Flucht zu ergreifen, 

verbarrikadierten sie sich in einem dunklen Raum. Als die Angreifer die Tür zu diesem 

4.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

5.  

Raum aufbrachen und eindrangen, setzte der Rekurrent Pfefferspray gegen sie ein (vgl. 

zum Ganzen act. G3.12.1, S. 92 f.). Der Rekurrent wurde wegen Vergehen und 

Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Gehilfenschaft zu Vergehen 

gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten bedingt 

sowie zu einer Busse von Fr. 1'000.-- verurteilt (act. G3.6.3). Ihn trifft zumindest ein 

leichtes Mitverschulden.

Zwar setzte das Kantonsgericht die Genugtuung für den Rekurrenten aufgrund 

seines Selbstverschuldens lediglich um 5 % herab (act. G3.12.1, S. 93). Bei der Herab­

setzung handelt es sich jedoch nicht um eine tatsächliche Feststellung des 

Strafgerichts, sondern um eine von Ermessen und der Zwecksetzung des Straf- bzw. 

Opferhilferechts geprägte Rechtsfrage. Die Vorinstanz war deshalb in diesem Punkt 

nicht an den Entscheid des Kantonsgerichts gebunden (vgl. E. 3.3 vorstehend).

4.5. 

Vorliegend wog das Verschulden der Täter, insbesondere D.___s, schwer (vgl. 

act. G3.12.1, S. 90 und S. 92), sodass das Selbstverschulden des Rekurrenten 

gegenüber dem von D.___ gezeigten Verhalten im Entscheid des Kantonsgerichts in 

den Hintergrund rückte (vgl. act. G3.12.1, S. 93). Anders als im Strafrecht sind die 

täterspezifischen Faktoren im Opferhilferecht jedoch bei der Festsetzung der 

Genugtuung nicht zu berücksichtigen. Sie dürfen daher auch bei der Beurteilung eines 

allfälligen Mitverschuldens des Opfers nicht in den Vordergrund treten, wenn sie damit 

die Höhe der Genugtuung indirekt beeinflussen würden. Im Opferhilferecht können, wie 

erwähnt, bereits bei leichtem bis mittleren Verschulden des Opfers Kürzungsansätze 

von 20 bis 35 % in Betracht gezogen werden. Mit Blick auf diese Kürzungsansätze und 

darauf, dass das Bundesgericht in einem Fall mit Bezug zum Drogenmilieu (Urteil des 

Bundesgerichts vom 30. März 2000, 1A.251/1999) eine Kürzung von 50 % als zulässig 

erachtete (vgl. E. 4.2 vorstehend), durfte die Vorinstanz von der Einschätzung des 

Kantonsgerichts abweichen und die Genugtuung weitergehend herabsetzen. Ihr stand 

in diesem Zusammenhang ein Ermessensspielraum offen. Die Herabsetzung um 25 % 

ist nach dem Gesagten nicht zu beanstanden. Dem Rekurrenten ist demnach, wie die 

Vorinstanz korrekt festhielt, eine Entschädigung von Fr. 7'638.10 (75 % von 

Fr. 10'184.10) und eine Genugtuung von Fr. 15'000.-- (75 % von Fr. 20'000.--) 

auszurichten.

4.6. 

Zusammenfassend hat die Vorinstanz die Höhe der Entschädigung wie auch der 

Genugtuung nachvollziehbar und in Einklang mit den rechtlichen Grundlagen bestimmt 

sowie in vertretbarem Ausmass herabgesetzt.

5.1. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 15/15

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. Der Rekurs wird abgewiesen.

2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist der Rekurs deshalb abzuweisen. 

Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 30 Abs. 1 OHG).

5.2. 

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 27.09.2021
	Art. 13, 19 bis 23, 27 und 29 f. OHG; Art. 6 OHV; Art. 46 f. und 49 OR Entschädigungs- und Genugtuungsanspruch gemäss OHG nach einer versuchten Tötung im Drogenmilieu. Festsetzung des Entschädigungsanspruchs. Bestimmung der Genugtuung, wenn im Strafverfahren eine Genugtuungssumme zugesprochen wurde. Herabsetzung wegen Mitverschuldens des Opfers (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. September 2021, OH 2020/2).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T02:25:21+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen