# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7f4c12c5-843d-5604-85e5-d5b5b2128fcb
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-03-17
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 17.03.2004 BK 2004 12
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_BK-2004-12_2004-03-17.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 17. März 2004 Schriftlich mitgeteilt am: 
BK 04 12

Entscheid
Beschwerdekammer

Vorsitz Vizepräsident Bochsler
RichterInnen Heinz-Bommer und Rehli 
Aktuarin Mosca

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In der strafrechtlichen Beschwerde

des C., Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Benno Burt-
scher, Hinterem Bach 6, 7002 Chur,

gegen

die Anklageverfügung des Bezirksgerichtspräsidiums A. vom 16. Januar 2004, 
mitgeteilt am 29. Januar 2004, in Sachen gegen den Beschwerdeführer,

betreffend unvorsichtiger Umgang mit Waffen (Art. 19 Abs. 1 StPO),

hat sich ergeben:

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     A. Mit Strafmandat vom 24. März 2003 erkannte der Kreispräsident B.:

„1. C. ist schuldig der Widerhandlung gegen Art. 19 Abs. 1 StPO.

2. Dafür wird er mit einer Busse von Fr. 300.-- bestraft.

3. Im Sinne von Art. 31 Abs. 3 des Waffengesetzes werden das Gewehr 
Steyr Mannlicher inkl. Magazin mit 3 Gewehrpatronen (Id.-Nr. 
169229), das Gewehr Blader (Id.-Nr. 379832), das Gewehr Karabi-
ner (Id.-Nr. 317576), das Gewehr Karabiner (Id.-Nr 72529) sowie die 
mehrläufige Flinte Merkel Suhl (Id.-Nr. 179991) gerichtlich eingezo-
gen.

4. Der Verurteilte bezahlt die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:

- Barauslagen (Kompetenzentscheid/Polizei) Fr.
275.0

0
- Kreisamtl. Verfahrenskosten Fr.

200.0
0
- zuzüglich Busse Fr.

300.0
0
Total Fr.

775.0
0
(Zahlbar innert 30 Tagen)

5. (Rechtsmittelbelehrung)

6. (Mitteilung)“

B. Dagegen liess C. am 1. April 2003 fristgemäss Einsprache erheben. 
Nach Ergänzung der Untersuchung (vgl. Art. 175 StPO) wurde C. mit Verfügung 
des Bezirksgerichtsvizepräsidenten A. vom 16. Januar 2004, mitgeteilt am 29. 
Januar 2004, wegen unvorsichtigen Umgangs mit Waffen im Sinne von Art. 19 
Abs. 1 StPO  in Anklagezustand versetzt.

C. Gegen diese Anklageverfügung liess C. am 19. Februar 2004 Be-
schwerde bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichtes von Graubünden 
erklären. Er beantragt:

„1. Die Anklageverfügung vom 16. Januar 2004 sei aufzuheben.

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich 7,6 % Mehrwert-
steuer zulasten des Bezirksgerichtspräsidiums A..“

Die Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 12. März 2004 auf eine Ver-
nehmlassung.

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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung :

1. Gegen Untersuchungshandlungen und gegen Ablehnungs- und 
Einstellungsverfügungen sowie gegen die im Gesetz irrtümlich nicht erwähnten 
Anklageverfügungen des Kreispräsidenten und des Bezirksgerichtspräsidenten 
kann bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden Be-
schwerde nach Art. 176a StPO geführt werden (Art. 176a StPO; W. Padrutt, Kom-
mentar zur StPO Graubünden, 2. Aufl., Chur 1996, S. 457, Ziff. 4.3). Die Be-
schwerde ist innert zwanzig Tagen, seit der Betroffene vom angefochtenen Ent-
scheid Kenntnis erhalten hat, schriftlich einzureichen (Art. 139 Abs. 2 StPO). Die-
sen Anforderungen vermag die vorliegende Beschwerde zu genügen. Auf sie ist 
daher einzutreten.

2. Der Beschwerdeführer rügt, entgegen der gesetzlichen Regelung 
(Art. 175 Abs. 1 StPO) erwähne die Anklageverfügung vom 16. Januar 2004 nicht 
nur den eingeklagten Straftatbestand und die dazugehörigen Gesetzesartikel, 
sondern enthalte eine eigentliche Anklageschrift. Selbst wenn man davon ausge-
hen würde, dass die in der Anklageverfügung integrierte Anklageschrift 
grundsätzlich zulässig sei, erfülle diese die gesetzlichen Anforderungen von Art. 
98 Abs. 2 StPO nicht. Die Anklageschrift habe einzig den Sachverhalt und keine 
Beweiswürdigung zu enthalten. Der Argumentation des Beschwerdeführers kann 
- wie noch zu zeigen sein wird - weitgehend gefolgt werden.

3. Wird fristgerecht Einsprache erhoben, so überweist der Kreispräsi-
dent bei Übertretungen die Sache dem Bezirksgerichtspräsidenten. Dieser oder 
ein Bezirksrichter führt die Untersuchung nach den Vorschriften über das ordent-
liche Verfahren und erhebt nach deren Abschluss Anklage oder stellt das Verfah-
ren ein. Die Anklageverfügung enthält den Straftatbestand, der dem Angeklagten 
vorgeworfen wird, und ist schriftlich mitzuteilen (Art. 175 Abs. 1 StPO). In Abwei-
chung vom ordentlichen Verfahren verzichtet die Praxis auf den Erlass einer An-
klageschrift (Padrutt, a.a.O., S. 450, Ziff. 2.2 mit weiteren Hinweisen). Dass die 
angefochtene Anklageverfügung Ausführungen zum Sachverhalt enthält, ist zwar 
unüblich, jedoch nicht gesetzwidrig. Dem massgeblichen Art. 175 Abs. 1 StPO 
ist nicht zwingend zu entnehmen, dass keine Anklageschrift erlassen werden 
darf. Zu beanstanden ist vielmehr, dass das Bezirksgerichtspräsidium A. eine Be-
weiswürdigung vorgenommen hat. 

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Allgemein gilt, dass die Anklageschrift sich auf das Notwendigste be-
schränken, also kurz, aber vollständig, objektiv, sachlich und den Akten entspre-
chend sein soll. Die Anklageschrift hat nur einen Sachverhalt (Tatsachenbe-
schreibung) und nicht eine Begründung (Beweiswürdigung) weder zum objekti-
ven noch zum subjektiven Tatbestand zu liefern (vgl. Padrutt, a.a.O., S. 260, Ziff. 
7). Die Anklageschrift, welche keine Parteischrift ist, muss aufführen, welches 
historisches Ereignis, welcher Lebensvorgang, welche Handlung oder Unterlas-
sung des Angeklagten Gegenstand der Beurteilung bilden soll, und welches De-
likt, welcher strafrechtliche Tatbestand in dieser Handlung zu finden sei. Es ist 
anzugeben, welche einzelnen Vorgänge und Sachverhalte den einzelnen Merk-
malen des Straftatbestandes entsprechen (PKG 1996 Nr. 34).

Diesen Anforderungen vermag die fragliche Anklageschrift nicht zu genü-
gen. Der Bezirksgerichtsvizepräsident A. beschränkt sich in seiner Anklageschrift 
nicht auf die Darstellung des Sachverhalts, sondern führt eine eigentliche Be-
weiswürdigung durch. Dies ist unzulässig, weil das Gericht auf diese Weise zum 
Nachteil des Beschwerdeführers beeinflusst wird, ohne dass sich dieser dagegen 
wehren kann. Es geht nicht an, in einer Anklageschrift die Widerhandlung gegen 
Art. 19 Abs. 1 StPO als „nachgewiesen“ zu bezeichnen oder die Kaufverträge 
betreffend die Jagdgewehre als Scheingeschäfte zu qualifizieren. Kommt hinzu, 
dass die Behauptung, es handle sich bei den Kaufverträgen um Scheingeschäfte, 
aktenmässig nicht belegt ist. Es fanden keine Einvernahmen in diesem Zusam-
menhang statt, und es finden sich auch sonst keine diesbezüglichen Urkunden 
bei den Akten. Wie bereits ausgeführt, muss aber eine Anklageschrift objektiv 
und den Akten entsprechend sein. Auch die Feststellung des Bezirksgerichtsvi-
zepräsidenten A., wonach dem Beschwerdeführer die sichergestellten Waffen 
nicht ausgehändigt werden dürfen, gehört nicht in eine Anklageverfügung bezie-
hungsweise Anklageschrift. Es wird Sache des urteilenden Gerichts sein, darüber 
zu befinden, ob die fraglichen Waffen gerichtlich einzuziehen sind. 

Im Resultat kann somit festzuhalten werden, dass die Anklageverfügung 
vom 16. Januar 2004 beziehungsweise die darin integrierte Anklageschrift unge-
nügend ist, weshalb sie aufgehoben werden muss und die Sache zum neuen 
Entscheid im Sinne der Erwägungen an das Bezirksgerichtspräsidium A. zurück-
zuweisen ist. Die Beschwerde ist somit gutzuheissen.

4. Wird eine Rechtsmitteleingabe gutgeheissen, so entscheidet das 
Gericht über die Kostenverteilung zwischen dem Einleger, dem Staat und der 

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ersten Instanz  (Art. 160 Abs. 3 StPO). Im vorliegenden Fall gilt es zu berücksich-
tigen, dass die Aufhebung der angefochtenen Verfügung auf einen offensichtli-
chen Fehler des Bezirksgerichtspräsidiums A. zurückzuführen ist. Aus diesem 
Grund rechtfertigt es sich, die Kosten des Beschwerdeverfahrens dem Bezirks-
gerichtspräsidium A. aufzuerlegen. Die ausseramtlichen Kosten trägt der Kanton 
Graubünden (Art. 160 Abs. 4 StPO).

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer :

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, die angefochtene Anklageverfügung 
aufgehoben und die Sache zum neuen Entscheid im Sinne der Erwägun-
gen an das Bezirksgerichtspräsidium A. zurückgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 600.-- gehen zu Lasten des 
Bezirksgerichtspräsidiums A.. Die ausseramtlichen Kosten von Fr. 968.40 
trägt der Kanton Graubünden.

3. Mitteilung an:

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Für die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden 
Der Vizepräsident: Die Aktuarin: