# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b1e0227b-c994-5014-a212-a6c36d73ae89
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-03-15
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht I. Strafkammer 15.03.2022 SK1 2019 2
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_004_SK1-2019-2_2022-03-15.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Urteil vom 15. März 2022

Referenz SK1 19 2

Instanz I. Strafkammer

Besetzung Cavegn, Vorsitzender
Michael Dürst und Richter
Gustin, Aktuar

Parteien A._____, geb. am ______
Berufungskläger
vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Andri Hotz
Obere Stallstrasse 18, 7430 Thusis

gegen

B._____
Privatkläger

Staatsanwaltschaft Graubünden
Rohanstrasse 5, 7001 Chur
Berufungsbeklagte

Gegenstand grobe Verletzung der Verkehrsregeln / versuchte Nötigung

Anfechtungsobj. Urteil Regionalgericht Plessur vom 10.11.2016, mitgeteilt am 
16.01.2019 (Proz. Nr. 515-2016-35)

Mitteilung 16. Dezember 2022

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Sachverhalt

A. Mit Strafbefehl vom _____ sprach die Staatsanwaltschaft Graubünden 
A._____ der versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 
Abs. 1 StGB, der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 
und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG, der Verletzung der Verkehrsre-
geln gemäss Art. 34 Abs. 3 SVG, Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 1 VRV in 
Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG sowie der Übertretung der Verkehrsregelnver-
ordnung gemäss Art. 23 Abs. 3 VRV in Verbindung mit Art. 96 VRV schuldig.

B. Am 21. April 2015 erhob A._____ Einsprache gegen diesen Strafbefehl.

C. Am 20. Juli 2015 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden die Strafun-
tersuchung gegen A._____ wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln gemäss 
Art. 90 Abs. 2 SVG etc.

D. Am 13. Juli 2016 reichte B._____ (nachfolgend: Privatkläger) bei der 
Staatsanwaltschaft Graubünden eine Zivilklage gegen den Beschuldigten ein und 
machte einen Schadenersatz in Höhe von CHF 3'000.00 sowie eine Genugtuung 
in Höhe von CHF 1'000.00 geltend.

E. Mit Anklageschrift vom 4. Oktober 2016 erhob die Staatsanwaltschaft 
Graubünden am Bezirksgericht Plessur (heute: Regionalgericht Plessur) Anklage 
gegen A._____ wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 
2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG, wegen versuchter Nötigung 
gemäss Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und wegen grober 
Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 2 
VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG.

F. Das Bezirksgericht Plessur erklärte A._____ am 10. November 2016 der 
groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Ver-
bindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG, der groben Verletzung von Verkehrsregeln 
gemäss Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 
2 SVG sowie der versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB in Verbindung mit 
Art. 22 Abs. 1 StGB für schuldig. Es bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von 60 Ta-
gessätzen zu je CHF 70.00 und einer Busse von CHF 800.00, wobei der Vollzug 
der Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren aufgeschoben wur-
de. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse setzte das Gericht auf 11 Tage fest. Zu-
sätzlich zum genannten Schuldspruch widerrief das Gericht den bedingten Vollzug 
des Strafbefehls der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 2. April 2013 gegen 
A._____ und der dabei ausgesprochenen Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 

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CHF 30.00. Die vom Privatkläger eingereichte Zivilklage wies das Gericht im Um-
fang von CHF 800.00 (Genugtuung) ab, verwies sie im Umfang von CHF 3'000.00 
(Schadenersatz) auf den Zivilweg und schrieb sie im Umfang von CHF 200.00 
(Genugtuung) infolge Klagerückzugs ab.

G. Gegen dieses Urteil erhob A._____ mit Berufungsanmeldung vom 16. De-
zember 2016 Berufung und ersuchte gleichzeitig um Wiederherstellung der Beru-
fungsanmeldungsfrist. Mit Verfügung vom 5. Januar 2017 wies das Regionalge-
richt Plessur das Gesuch um Wiederherstellung der Frist ab. Auf die dagegen er-
hobene Beschwerde von A._____ trat der Vorsitzende der II. Strafkammer des 
Kantonsgerichts von Graubünden mit Verfügung vom 13. Juli 2017 nicht ein und 
überwies die Beschwerde als Gesuch um Wiederherstellung der Berufungsanmel-
dungsfrist an die I. Strafkammer des Kantonsgerichts. Dieses wies das Gesuch 
um Wiederherstellung der Frist mit Beschluss vom 13. Juli 2017 ab. Die dagegen 
erhobene Beschwerde hiess das Bundesgericht gut und wies die Sache mit Urteil 
vom 7. August 2018 an die Vorinstanz zurück. Mit Verfügung vom 29. August 
2018 hiess das Kantonsgericht von Graubünden demzufolge das Gesuch um 
Wiederherstellung der Berufungsanmeldungsfrist gut und stellte fest, dass eine 
gültige Berufungsanmeldung vorliege.

H. Nach Ausfertigung und Mitteilung des schriftlichen Urteils des Regionalge-
richts Plessur am 16. Januar 2019 erklärte A._____ mit Eingabe vom 6. Februar 
2019 dagegen Berufung an das Kantonsgericht von Graubünden. Er beantragte, 
dass die Ziffern 1 und 2 des angefochtenen Urteils aufzuheben seien und er vom 
Vorwurf der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 
SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG, vom Vorwurf der groben Verletzung 
der Verkehrsregeln gemäss Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 2 VRV in Verbin-
dung mit Art. 90 Abs. 2 SVG und vom Vorwurf der versuchten Nötigung gemäss 
Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB freizusprechen sei. Zudem 
sei Ziffer 3 des angefochtenen Urteils aufzuheben und der bedingte Vollzug der 
mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 2. April 2013 ausgespro-
chenen Geldstrafe nicht zu widerrufen. Die Kostenfolgen gemäss Ziffer 5 des Ur-
teils seien ebenfalls aufzuheben und er sei für das erstinstanzliche Verfahren und 
das Rechtsmittelverfahren zuzüglich Mehrwertsteuer zu entschädigen. A._____ 
stellte in der Berufungserklärung zudem verschiedene Beweisanträge an das Kan-
tonsgericht.

I. Mit Verfügung vom 4. März 2022 wies der Vorsitzende der I. Strafkammer 
die Beweisanträge auf Befragung von C._____ und B._____ ab und verwies hin-

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sichtlich des Antrags auf Befragung der beschuldigten Person darauf, dass eine 
solche von Amtes wegen erfolge.

J. Die Hauptverhandlung vor dem Kantonsgericht, an deren Teilnahme die 
Staatsanwaltschaft verzichtete, fand am 15. März 2022 statt. A._____ (nachfol-
gend: Beschuldigter) hielt an seinen in der Berufungserklärung gestellten Rechts-
begehren fest.

Das Kantonsgericht teilte den Parteien das Urteil vom 15. März 2022 gleichentags 
im Dispositiv schriftlich mit.

Erwägungen

1. Prozessuales

Die formellen Voraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf die 
Berufung ist demzufolge einzutreten, womit ein neues Urteil zu fällen ist (Art. 408 
StPO). Anzumerken ist, dass weder der Beschuldigte noch der Privatkläger den 
vorinstanzlichen Entscheid betreffend die Zivilklage angefochtenen haben und die 
Dispositivziffer 4 des vorinstanzlichen Urteils deshalb in Rechtskraft erwachsen ist.

2. Übersicht

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vorliegend verschiedene (grobe) 
Verkehrsregelverletzungen und versuchte Nötigung vor. Die Vorwürfe ergeben 
sich dabei aus zwei Sachverhaltsabschnitten: Einerseits soll der Beschuldigte trotz 
ungenügender Sichtweite ein Fahrzeug überholt haben (Sachverhaltsabschnitt 
Überholmanöver). Andererseits soll er versucht haben, das überholte Fahrzeug 
nach dem Überholmanöver mit einem Schikanestopp zum Anhalten zu zwingen 
(Sachverhaltsabschnitt Bremsmanöver). Diese Sachverhaltsabschnitte sind im 
Folgenden separat zu prüfen.

3. Sachverhaltsabschnitt Überholmanöver (Phase 1)

3.1. Anklage

Gemäss Ansicht der Staatsanwaltschaft hat sich der Beschuldigte aufgrund des 
folgenden Sachverhalts der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 
Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG schuldig gemacht:

Am 5. Mai 2014 fuhren um 18.45 Uhr auf der D._____strasse von K._____ 
kommend in Richtung L._____, vor der Bushaltestelle "I._____", ein Lern-
fahrer, dahinter B._____ alleine mit dem Opel Sintra 2.2, GR E._____, und 
danach der Beschuldigte mit dem Audi A3, GR F._____, mit seiner Mutter 

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als Beifahrerin. Bei der Posthaltestelle "I._____" stellte der Lernfahrer in 
der Linkskurve sein Fahrzeug rechts aus. B._____ und der Beschuldigte 
konnten an ihm vorbeifahren. Nach der folgenden unübersichtlichen 
Rechtskurve ist die Sicht trotz einer "S"-förmigen Strassenführung bis zu 
einer unübersichtlichen Linkskurve auf eine Distanz von ca. 131 m frei. 
B._____ wollte den Beschuldigten vorbeilassen und reduzierte deshalb 
seine Geschwindigkeit bis auf 30 km/h. Auf diesem Strassenabschnitt 
überholte der Beschuldigte mit 80 km/h den Opel von B._____, obwohl für 
ihn bei Beginn seines Überholmanövers wegen der folgenden unübersicht-
lichen Linkskurve der notwendige Raum nicht einsehbar war und er mit 
diesem Geschwindigkeitsunterschied die Gewissheit, wieder rechtzeitig auf 
die Normalspur zurückfahren zu können, nicht hatte. Beim Entscheid, im 
fraglichen Strassenabschnitt zu überholen, zog der Beschuldigte zumindest 
aus grober Pflichtwidrigkeit nicht in Betracht, dass er mit seinem Verhalten 
in vorhersehbarer Weise eine gefährliche Verkehrssituation schaffen wür-
de. Nachdem B._____ vom Beschuldigten überholt worden war, erhöhte er 
seine Geschwindigkeit bis auf 60 km/h.

3.2. Straftatbestand

3.2.1. Wer durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für 
die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt, macht sich nach Art. 90 
Abs. 2 SVG strafbar.

3.2.2. Der objektive Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG verlangt nach bundesge-
richtlicher Rechtsprechung, dass der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in ob-
jektiv schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet. 
Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer ist nicht erst bei einer konkreten, 
sondern bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben. Wesentliches 
Kriterium für die Annahme einer erhöhten abstrakten Gefahr ist die Nähe der Ver-
wirklichung. Die allgemeine Möglichkeit der Verwirklichung einer Gefahr genügt 
demnach nur zur Erfüllung des Tatbestands von Art. 90 Abs. 2 SVG, wenn in An-
betracht der Umstände der Eintritt einer konkreten Gefährdung oder gar einer Ver-
letzung naheliegt (BGE 142 IV 93 E. 3.1; 131 IV 133 E. 3.2; je m.H.).

3.2.3. In subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG ein 
rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, das heisst 
ein schweres Verschulden, bei fahrlässiger Begehung grobe Fahrlässigkeit (BGE 
142 IV 93 E. 3.1; 131 IV 133 E. 3.2, m. H.). Grobe Fahrlässigkeit ist zu bejahen, 
wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner Fahrweise bewusst ist. 
Sie kommt aber auch in Betracht, wenn der Täter die Gefährdung anderer Ver-
kehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Erwägung zieht. Die Annahme einer gro-
ben Verkehrsregelverletzung setzt in diesem Fall voraus, dass das Nichtbedenken 
der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf Rücksichtslosigkeit beruht. Rück-
sichtslos ist unter anderem ein bedenkenloses Verhalten gegenüber fremden 

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Rechtsgütern. Dieses kann auch in einem blossen (momentanen) Nichtbedenken 
der Gefährdung fremder Interessen bestehen (BGer 6B_661/2016 v. 23.2.2017 
E. 1.2.1 m. H.).

3.2.4. Vorliegend wirf die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten eine Verkehrsre-
gelverletzung gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG vor. Gemäss Absatz 2 der Be-
stimmung ist das Überholen und Vorbeifahren an Hindernissen nur gestattet, 
wenn der nötige Raum übersichtlich und frei ist und der Gegenverkehr nicht be-
hindert wird. Ferner ist gemäss Art. 35 Abs. 4 SVG das Überholen in unübersicht-
lichen Kurven, auf und unmittelbar vor Bahnübergängen ohne Schranken sowie 
vor Kuppen ausdrücklich verboten. Der nötige Raum für das Überholen betrifft ei-
nerseits die Breite und anderseits die Länge der Überholstrecke. Ob Länge und 
Breite im Einzelfall genügend sind, hängt nicht bloss von der tatsächlichen Anlage 
der Strasse, der Grösse der Fahrzeuge und ihrer Geschwindigkeit ab, sondern 
auch von der Signalisation und der Markierung der Fahrbahn. An der Übersicht-
lichkeit fehlt es, wenn der Fahrzeugführer infolge einer Sichtbehinderung nicht zu-
verlässig beurteilen kann, ob der nötige Raum frei von Hindernissen, Gegenver-
kehr etc. ist. Faktoren, die zur Unübersichtlichkeit führen können, sind primär der 
Strassenverlauf inklusive Bebauung oder Bewuchs des angrenzenden Geländes. 
Frei ist der nötige Raum, wenn sich auf der für das Überholen notwendigen Stre-
cke keine Hindernisse, bspw. herannahender Gegenverkehr, befinden und wenn 
nach der Verkehrslage auch nicht mit der nahen Möglichkeit gerechnet werden 
muss, dass ein solches während des Überholens in die Fahrbahn gelangt. Von 
einer Behinderung des Gegenverkehrs ist auszugehen, wenn der Überholende 
objektiv nicht mit ausreichendem Abstand vom entgegenkommenden Fahrzeug 
wieder auf seine Fahrbahn einbiegt und der Gegenverkehr bspw. gezwungen wird, 
seine Geschwindigkeit zu mässigen (Stefan Maeder, in: Niggli/Probst/Waldmann 
[Hrsg.], Basler Kommentar, Strassenverkehrsgesetz, Basel 2014, N 35 f. u. 44 ff. 
zu Art. 35 SVG m.w.H.).

3.2.5. Nach konstanter Rechtsprechung muss nicht nur die für den Überholvor-
gang benötigte Strecke übersichtlich und frei sein, sondern zusätzlich jene, die ein 
entgegenkommendes Fahrzeug bis zu jenem Punkt zurücklegt, wo der Überho-
lende die linke Strassenseite freigegeben haben wird. Der Überholende muss von 
Anfang an die Gewissheit haben, sein Überholmanöver sicher und ohne Gefähr-
dung Dritter abschliessen zu können (vgl. BGer 6B_104/2015 v. 20.8.2015 E. 2.2, 
6B_1209/2013 v. 26.06.2014 E. 1.3.1; 6B_508/2012 v. 3.05.2013 E. 1.2; KGer GR 
SK1 15 42 v. 18.04.2016 E. 8a). Wer, bevor er das Überholmanöver einleitet, kei-
ne Gewissheit hat, gefahrlos vor dem Ende des für ihn sichtbaren Raums wieder 

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einbiegen zu können, verletzt Art. 35 Abs. 2 SVG (BGE 129 IV 155 E. 3.2.1). Wei-
ter ist beim Beenden des Überholvorgangs ein Sicherheitsabstand sowohl ge-
genüber dem überholten Fahrzeug als auch gegenüber dem allenfalls entgegen-
kommenden Fahrzeug einzuhalten. Was den Abstand zum entgegenkommenden 
Fahrzeug betrifft, so muss zwischen dem Wiedereinbiegen des überholenden 
Fahrzeugs und dem Kreuzen mit einem allfällig entgegenkommenden Fahrzeug 
eine Sicherheitszeit von mindestens 2 Sekunden bestehen. Das überholende 
Fahrzeug muss somit bereits während 2 Sekunden auf dem rechten Fahrstreifen 
wieder eingespurt sein, bevor es mit dem entgegenkommenden kreuzt. Das über-
holende und das entgegenkommende Fahrzeug müssen die 2-Sekunden-
Sicherheitszeit zusätzlich zu ihrem Fahrweg einhalten. Die während der Sicher-
heitszeit zu befahrende Strecke ist aufgrund der jeweiligen Geschwindigkeiten für 
jedes der beteiligten Fahrzeuge individuell zu berechnen. Dabei sind nach Recht-
sprechung für das entgegenkommende Fahrzeug ausserorts grundsätzlich 90 
km/h zu veranschlagen. Diese Berechnungsmethode führt erstens zu einem Ein-
biegen, ohne das überholte Fahrzeug zu gefährden – letzteres muss insbesondere 
nicht verlangsamen, um das Überholen zu ermöglichen –, und zweitens dazu, 
dass dem vortrittberechtigten herannahenden Fahrzeug die Fahrbahn (lediglich) 
zwei Sekunden vor dem Kreuzen freigegeben wird, wodurch dessen Insassen 
nicht erschreckt werden und sein Lenker nicht bremsen muss, um eine gefährliche 
Situation zu vermeiden (BGer 6B_104/2015 v. 20.08.2015 E. 2.4 u. 2.10; BGE 118 
IV 277 E. 5b; KGer GR SK1 14 23 v. 5.12.2014 E. 8c; SK1 18 10 v. 24.07.2018 E. 
6.1; Jürg Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 83 f.).

3.3. Sachverhaltsfeststellung und Beurteilung

3.3.1. Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschuldigte mit seiner Mutter in ei-
nem Audi A3 (GR F._____) am 5. Mai 2014 um 18:45 Uhr auf der G._____ von 
K._____ kommend in Richtung L._____ fuhr und bei der Bushaltestelle I._____ 
den Privatkläger in einem Opel Sintra 2.2 (GR E._____) überholte. Umstritten und 
näher zu prüfen ist indessen, ob der Beschuldigte das Überholmanöver in einer im 
Sinne von Art. 35 SVG sicheren Art und Weise durchgeführt hat beziehungsweise 
überhaupt durchführen konnte. Um dies zu ermitteln, ist gemäss konstanter Ge-
richtspraxis die für das sichere Überholmanöver notwendige Sichtdistanz festzu-
stellen und mit der tatsächlichen Sichtdistanz zu vergleichen, welche der Beschul-
digte zu Beginn des Überholmanövers hatte. Ist die für das Überholmanöver not-
wendige Distanz grösser als die Sichtdistanz, ist grundsätzlich davon auszugehen, 
dass bei Einleitung des Überholmanövers keine Gewissheit bestand, gefahrlos vor 
dem Ende des für ihn sichtbaren Raums wieder einbiegen zu können (vgl. u.a. 

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BGer 6B_104/2015 v. 20.8.2015 E. 2.10 ff.; KGer GR SK1 18 10 v. 24.7.2018 E. 
6.2.1, SK1 2017 36 v. 12.11.2018 E. 8.3).

3.3.2. Die bei Start des Überholmanövers vorhandene tatsächliche Sichtdistanz 
betrug gemäss Polizei und Staatsanwaltschaft 131 Meter (vgl. StA act. 4.2, Foto 
8). Anlässlich der Berufungsverhandlung bestritt der Beschuldigte diesen Wert und 
brachte vor, dass die Polizei zu weit oben gemessen habe und die angegebene 
Sichtdistanz deshalb verkürzt sei. Der Unfall sei zudem im Mai passiert, als der 
Bewuchs erheblich weniger gewesen sei als im Zeitpunkt der Polizeiaufnahmen. 
Weiter sei zwischen Unfall und Aufnahme ein Zaun erstellt worden, welcher die 
Sicht nachträglich abermals verschlechtert habe. Insgesamt sei deshalb die 
Sichtweite um 10 bis 20 Meter zu erhöhen (vgl. H.1, S. 2 f.; H.3, S. 1).

Der Beschuldigte brachte die Rüge, dass die Sichtdistanz zu kurz sei, an der Be-
rufungsverhandlung das erste Mal im Verfahren vor (vgl. Plädoyer Vorinstanz, RG 
act. 9). Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 18. Mai 2014 (StA act. 4.14, 
Frage 6, i.V.m. StA act. 4.2, Fotos 8 und 9) hatte er noch ausdrücklich bestätigt, 
dass er das Überholmanöver an dem Ort begonnen habe, wie dies die Polizei auf 
dem Fotoblatt eingezeichnet habe. An zwei Einvernahmen zeichnete er den Start 
des Überholmanövers zudem auf einer Karte beziehungsweise auf Fotos noch 
wesentlich weiter oben ein, als dies die Polizei auf den genannten Fotos getan 
hatte (vgl. StA act. 4.15, S. 2 und 4.21, S. 9). Wenn der Beschuldigte nun vor-
bringt, dass die Distanz von zu weit oben gemessen worden sei, widerspricht er 
sich damit selbst. Seine Rüge scheint vielmehr eine Reaktion auf die Berechnun-
gen der Vorinstanz zu sein, zumal er diese bis dahin nicht bestritten hatte. Dem 
Gesagten entsprechend ist an den Berechnungen festzuhalten.

Auch die weiteren Rügen des Beschuldigten hinsichtlich Bewuchs und Zaun ver-
mögen an der Sichtweite nichts zu ändern. Auf den polizeilichen Fotoaufnahmen 
vom Unfalltag (vgl. StA act. 4.2, Foto 11) ist zwar ersichtlich, dass vor dem Haus 
an der G._____strasse ______ (_______, Gebäudenummer ______) tatsächlich 
kein Sichtschutz wie auf den Videoaufnahmen (vgl. StA act. 4.18, Zeitstempel 
17:11:09/20) vorhanden war. Namentlich aufgrund der etwa einen halben Meter 
hohen Mauer, aber auch aufgrund des roten Buschs und dem Blumentopf (vgl. 
StA act. 4.2., Foto 11), war eine sichere Sicht in den Kurvenbeginn trotzdem nicht 
möglich (vgl. hierzu Sichtweite auf Foto 10 in StA act. 4.2). Inwiefern der Bewuchs 
sonst relevant gewesen sein soll, ist nicht ersichtlich. Die Messung der Polizei ist 
damit nicht zu beanstanden, womit an den 131 Meter Sichtweite festzuhalten ist. 
Zu berücksichtigen ist jedoch, dass dies kein exakter Wert ist und zwangsläufig 
eine gewisse Messungenauigkeit besteht. Es kann aber bereits jetzt festgehalten 

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werden, dass auch eine weit über die Messungenauigkeit hinausgehende Sicht-
weite von 150 Metern nichts am Ergebnis ändern würde (siehe dazu die folgenden 
Erwägungen).

3.3.3. Die Sichtweite von 131 Meter ist wie erwähnt mit der für das sichere Über-
holmanöver notwendigen Sichtdistanz zu vergleichen. Diese Distanz ergibt sich 
aus der Addition des Überholwegs und der Sicherheitsmarge zum entgegenfah-
renden Fahrzeug. Diese beiden Werte sind in der Folge zu bestimmen.

Für die Bestimmung des Überholwegs wird in der neueren Rechtsprechung na-
mentlich auf drei verschiedene Berechnungsarten verwiesen, nämlich auf die 
Formeln gemäss Giger (Hans Giger, SVG Kommentar, 9. Auflage, Zürich 2022, 
N 10 f. zu Art. 35 SVG), Boll (Boll, a.a.O., S. 81 ff.) und Maeder (Maeder, a.a.O., 
N 39 f. zu Art. 35 SVG unter anderem mit Verweis auf Giger). Die Berechnungsar-
ten unterscheiden sich nur unwesentlich voneinander; im Ergebnis unterliegen sie 
der folgenden Formel, wobei einzig die Variablen a und b jeweils anders interpre-
tiert werden (vgl. zur Formel BGer 6B_104/2015 v. 20.8.2015 E. 2.11):

Überholweg = v1 x [(a+b+c+d) / (v1 – v2)]

wobei:
v1: durchschnittliche Geschwindigkeit des Überholenden
v2: durchschnittliche Geschwindigkeit des Überholten
a: Ausbiegestrecke
b: Wiedereinbiegestrecke
c: Länge des überholenden Fahrzeugs
d: Länge des überholten Fahrzeugs

Boll nimmt an, dass die Variable a (und auch b) der Hälfte des Tachos des 
überholten Fahrzeugs in Meter (also v2 in Meter) entsprechen muss (Boll, a.a.O., 
S. 84.). Anders Giger und Maeder; diese halten fest, dass die Ausbiege- und Wie-
dereingiegestrecke (a + b) dem vollen Tacho des überholenden Fahrzeugs in Me-
ter (also v1 in Meter) entsprechen muss (Giger, a.a.O., N 11 zu Art. 35 SVG; Mae-
der, a.a.O., N 41 zu Art. 35 SVG, auch mit Verweis auf andere Berech-
nungsmöglichkeiten). Unbeachtlich ist, ob die Berechnung der Geschwindigkeiten 
in m/s oder km/h erfolgt.

3.3.4. Vorliegend ermittelte die Staatsanwaltschaft unter Anwendung der Boll-
Formel einen Überholweg von 62.22 Metern (vgl. RG act. 10, S. 2), wobei sie von 
den folgenden Geschwindigkeiten und Abständen ausging:

v1= 80 km/h; v2 = 30 km/h; a = 15 m; b = 15 m; c = 4.23 m; d = 4.67 m.

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Der Beschuldigte rügte im Berufungsverfahren keine dieser Zahlen. Festzuhalten 
ist allerdings, dass die Staatsanwaltschaft die Geschwindigkeiten und Abstände 
eher zugunsten des Beschuldigten auslegte. Der Beschuldigte gab in den ver-
schiedenen Einvernahmen an, dass er nur mit 65 – 75 km/h (erste polizeiliche 
Einvernahme, StA act. 4.8, S. 2) beziehungsweise mit 70 – 80 km/h (staatsanwalt-
schaftliche Konfronteinvernahme, StA act. 4.21, S. 5) unterwegs gewesen sei. 
Weiter gab er an, dass der Privatkläger mit 40 – 45 km/h (erste polizeiliche Ein-
vernahme, StA act. 4.8, S. 2) beziehungsweise 35 – 40 km/h (staatsanwaltschaft-
liche Konfronteinvernahme, StA act. 4.21, S. 6) gefahren sei. Bei Start und Ende 
des Überholmanövers habe er zudem jeweils einen Abstand zum Fahrzeug des 
Privatklägers von 25 – 30 Meter gehabt (zweite polizeiliche Einvernahme, StA act. 
4.14, S. 2). Stützt man sich auf diese Aussagen des Beschuldigten, wobei man 
den Rahmen seiner Angaben jeweils zu seinen Gunsten ausgelegt (d.h.: v1 = 80 
km/h; v2 = 35 km/h, a = b = 25 m), ist der Überholweg auf 104.7 Meter zu veran-
schlagen und damit erheblich länger als von der Staatsanwaltschaft berechnet. 
Vorliegend erscheint es als angemessen, für die Geschwindigkeit des Privatklä-
gers (= v2) 30 km/h anzunehmen, zumal dieser bei seiner ersten Einvernahme 
diese Geschwindigkeit (bzw. 30 – 40 km/h) selbst angab (StA act. 4.6, Frage 5). 
Allerdings ist nicht ersichtlich, weshalb bei den Abständen vor dem Überholmanö-
ver auf fiktive 15 Meter anstatt auf die vom Beschuldigten beschriebenen 25 Meter 
abgestellt werden soll, zumal mit der Berechnung des Überholwegs eine Annähe-
rung an die realen Verhältnisse versucht wird. Bei der Wiedereinbiegestrecke ist 
hingegen an den 15 Metern festzuhalten, da der Beschuldigte seine tatsächliche 
Strecke im Falle von Gegenverkehr hätte verkürzen dürfen. Berechnet man den 
Überholweg basierend auf diesen Zahlen (v1 = 80 km/h; v2 = 30 km/h, a = 25 m; b 
= 15 m), ergibt sich ein Überholweg von abgerundeten 78 Metern. Von diesem 
Wert ist im Weiteren auszugehen.

3.3.5. Wie dargelegt, ist praxisgemäss für die Berechnung der notwendigen Di-
stanz für das sichere Überholen die Sicherheitsmarge zum entgegenfahrenden 
Fahrzeug zu berechnen. Eine genügende Sicherheitsmarge ist gegeben, wenn 
sich das überholende Fahrzeug und das entgegenkommende Fahrzeug frühes-
tens 2 Sekunden nach dem Wiedereinbiegen des überholenden Fahrzeugs kreu-
zen. Damit dies der Fall ist, muss einerseits zusätzlich zum Überholweg ein beim 
Start des Überholmanövers freier Raum vorhanden sein, welcher dem Fahrweg 
des entgegenkommenden Fahrzeugs entspricht, welches dieses in der Zeit des 
Überholmanövers und zusätzlichen 2 Sekunden zurücklegt. Andererseits ist die 
Distanz hinzuzurechnen, welche der Überholende während der Sicherheitszeit von 
2 Sekunden zurücklegt, damit es im Ergebnis zu einem Kreuzen mit 2 Sekunden 

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Abstand kommt (vgl. E. 3.2.5). Dem Gesagten entsprechend, ist die Sicherheits-
marge wie folgt zu berechnen (vgl. zur Berechnung des Bundesgerichts BGer 
6B_104/2015 v. 20.8.2015 E. 2.12):

Sicherheitsmarge = (v1 x 2sek) + (v3 x [e / v1 + 2sek])

Wobei:

e: Überholweg in Meter (evtl. ermittelt gemäss Boll/Maeder/Giger)
v1: durchschnittliche Geschwindigkeit des Überholenden in m/s
v3: durchschnittliche Geschwindigkeit des Gegenverkehrs in m/s

3.3.6. Die Staatsanwaltschaft ging bei der Festlegung der Sicherheitsmarge da-
von aus, dass der Beschuldigte mit 80 km/h (v1) und der Gegenverkehr mit 90 
km/h (v3) gefahren sind und der Überholweg 62.22 Meter betrug. Sie ermittelte so 
eine Sicherheitsmarge von 120 Metern. Zur Berechnung der Staatsanwaltschaft 
(und der Vorinstanz) ist jedoch zu bemerken, dass beide die 2 Sekunden nur beim 
entgegenkommenden Fahrzeug angerechnet haben, nicht jedoch beim Fahrzeug 
des Beschuldigten. Wie erwähnt, ist die während 2 Sekunden zu befahrende Stre-
cke für jedes der beteiligten Fahrzeuge individuell zu berechnen. Dies ist in der 
oben genannten Formel berücksichtigt. Berechnet man den Sicherheitsabstand in 
diesem Sinne und mit den Werten v1 = 80 km/h (= 22.22 m/s), v3 = 90 km/h (= 25 
m/s) und e = 78 Meter, ergibt sich ein Wert von abgerundeten 182 Metern Sicher-
heitsmarge. 

3.3.7. Der Beschuldigte brachte in der Berufungsverhandlung vor, dass vorliegend 
an der Überholstelle aufgrund einer fast rechtwinkligen Kurve nicht mit einem 90 
km/h fahrenden entgegenkommenden Fahrzeug gerechnet werden müsse. Viel-
mehr sei an dieser Stelle maximal eine Geschwindigkeit von 50 km/h möglich (vgl. 
act. H.1, S. 2, act. H.3, S.1). Gemäss Bundesgericht ist auf Strassen mit der all-
gemeinen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h grundsätzlich anzunehmen, dass 
der Gegenverkehr mit zu hoher Geschwindigkeit, jedoch nicht mit einer solchen 
von erheblich mehr als 80 km/h unterwegs ist. Es sei auf solchen Strassen mit 
Geschwindigkeiten des Gegenverkehrs von 90 km/h zu rechnen (vgl. BGE 118 IV 
277 E. 5b; BGer 6B_104/2015 v. 20.8.2015 E. 2.2, 2.4). Ob dies auch vorliegend 
gilt, kann letztlich offenbleiben. Selbst wenn mit 50 km/h und damit einer Sicher-
heitsmarge von 121 Meter gerechnet wird, ändert es nichts am Ergebnis, dass für 
das Überholmanöver zu wenig Raum zur Verfügung stand (vgl. nachfolgend 
E. 3.3.8). Trotzdem ist festzuhalten, dass 50 km/h nach Ansicht des Gerichts zu 
tief angesetzt wären, zumal gemäss Bundesgericht berücksichtigt werden muss, 

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dass der Gegenverkehr etwas zu schnell unterwegs ist. Dem Gesagten entspre-
chend wäre vorliegend ein Wert von 60 km/h realistischer.

3.3.8. Im letzten Schritt wird die für das sichere Überholen notwendige Sichtdi-
stanz ermittelt, indem der Überholweg (78 Meter) und die Sicherheitsmarge (182 
bzw. 121 Meter) addiert und mit der festgestellten Sichtdistanz verglichen werden. 
Vorliegend entspricht die für das sichere Überholen notwendige Distanz dement-
sprechend 260 Meter (bei 90 km/h Gegenverkehr) bzw. 199 Meter (bei 50 km/h 
Gegenverkehr). Dies ist erheblich länger als die von der Polizei festgestellten 131 
Meter Sichtweite bei Start des Überholmanövers. Selbst wenn man mit den Wer-
ten des Beschuldigten rechnet und von einer Sichtweite von 150 Meter und einem 
Gegenverkehr von 50 km/h ausgehen würde, wäre die für ein sicheres Überhol-
manöver notwendige Sichtdistanz damit bei weitem nicht eingehalten.

3.3.9. Wie dargestellt, folgt aus den hier ohne technisches Gutachten vorgenom-
menen Berechnungen, dass der Beschuldigte das Überholmanöver durchführte, 
obwohl er bei dessen Start (erheblich) zu wenig Sichtweite hatte und dementspre-
chend Art. 35 Abs. 2 SVG verletzt ist. Das Gericht verkennt dabei nicht, dass die 
Berechnungen lediglich Annäherungswerte darstellen (vgl. dazu Maeder, a.a.O., N 
38 zu Art. 35 SVG). Sie zeigen jedoch, dass die Sichtdistanz nicht nur um einige 
wenige Meter, sondern bei Weitem (mindestens 49 Meter) zu kurz war. Selbst 
wenn das Überholmanöver im Falle von Gegenverkehr ohne Kollision hätte durch-
geführt werden können, beispielsweise, weil der Privatkläger ganz abgebremst 
hätte, wäre der Gegenverkehr aufgrund des zwangsläufig damit verbundenen 
knappen Kreuzens erheblich beeinträchtigt gewesen. Gemäss Art. 35 Abs. 2 SVG 
stellt aber gerade dies eine Verkehrsregelverletzung dar, da damit ein erhebliches 
Unfallrisiko verbunden ist. Das Überholmanöver fand zudem vor der unübersichtli-
chen Linkskurve statt, in welcher später auch der Unfall zwischen dem Privatklä-
ger und dem Motorradfahrer geschehen ist. Neben Art. 35 Abs. 2 SVG hat der 
Beschuldigte damit auch Art. 35 Abs. 4 SVG verletzt.

3.3.10. Liegt eine Verkehrsregelverletzung vor, ist weiter zu prüfen, ob diese – wie 
von der Staatsanwaltschaft vorgebracht – als grobe Verkehrsregelverletzung im 
Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG zu qualifizieren ist.

Das Überholen – vorab auf Strassen mit Gegenverkehr – gehört zu den gefähr-
lichsten Fahrmanövern. Ein solches Manöver ist deshalb nur gestattet bzw. darf 
nur durchgeführt werden, wenn es nicht überhaupt verboten ist, der nötige Raum 
übersichtlich und frei ist und andere Verkehrsteilnehmer nicht behindert oder ge-
fährdet werden (BGE 129 IV 155 E. 3.2.1; BGer 6B_1325/2018 v. 5.3.2019 

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E. 2.1.2). Das Bundesgericht bejaht in der Regel eine mindestens erhöhte abstrak-
te Gefährdung und damit eine objektiv grobe Verkehrsregelverletzung, wenn ein 
Fahrzeuglenker überholt, obschon er aufgrund einer eingeschränkten Sicht nach 
vorne oder anderer Umstände wie dichten Kolonnenverkehr nicht sicher sein 
kann, ohne Behinderung bzw. Gefährdung des bzw. der überholten und der ent-
gegenkommenden Fahrzeuge wieder einbiegen zu können (Philippe Weissenber-
ger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Auflage, 
Zürich 2015, N 92 zu Art. 90 SVG m.w.H. auf die bundesgerichtliche Rechtspre-
chung; Gerhard Fiolka, in: Niggli/Probst/Waldmann [Hrsg.], Basler Kommentar, 
Strassenverkehrsgesetz, Basel 2014, N 84 zu Art. 90 SVG). Vorliegend hat der 
Beschuldigte die Regel von Art. 35 Abs. 2 SVG in objektiv schwerwiegender Wei-
se missachtet, verfügte er doch während des Überholvorgangs nicht über den zum 
Überholen nötigen freien und übersichtlichen Raum. Er hat sich über die erforder-
liche Überholstrecke dabei in einem erheblichen Ausmass getäuscht. Dass es vor-
liegend nicht zu einer konkreten Gefährdung kam, ist einzig der Tatsache ge-
schuldet, dass zu diesem Zeitpunkt kein Gegenverkehr auftauchte. Gerade wenn 
ein solcher in der ersten Hälfte des Überholmanövers entgegengekommen wäre, 
wäre ein rechtzeitiges Wiedereinbiegen ohne erhebliche Behinderung des Gegen-
verkehrs kaum möglich gewesen. Der Beschuldigte konnte sich somit zu Beginn 
des Manövers nicht sicher sein, beim Überholen andere Verkehrsteilnehmer nicht 
zu behindern oder zu gefährden und schuf mit seinem Verhalten daher eine er-
höhte abstrakte Gefahr und die damit einhergehende Möglichkeit einer ernsthaften 
konkreten Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer. Insofern ist von einer objektiv 
groben Verletzung von Art. 35 Abs. 2 und Abs. 4 SVG auszugehen.

Auch die subjektiven Voraussetzungen von Art. 90 Abs. 2 SVG liegen vor, muss 
das Verhalten des Beschuldigten doch als rücksichtslos qualifiziert werden. Er 
selbst beurteilt sein Überholmanöver zwar als sehr human (vgl. act. H. 1, S. 4), 
sagte gleichzeitig aber auch aus, dass das Manöver nur möglich gewesen sei, weil 
der Privatkläger verlangsamt hatte (act. H.2, Frage 1). Offensichtlich war er sich 
dementsprechend bewusst, dass die Sichtdistanz knapp war. Allerdings ist unbe-
achtlich, ob er sich der Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise tatsäch-
lich in vollem Umfang bewusst war. Grobe Fahrlässigkeit ist auch zu bejahen, 
wenn die potentielle Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar 
nicht in Betracht gezogen wird. Zumindest davon ist vorliegend auszugehen. Wer 
so wie der Beschuldigte zu einem Überholmanöver ansetzt, muss sich zwangsläu-
fig der Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer bewusst sein. Der Umstand, dass er 
den Überholvorgang trotz der unzureichenden Sichtdistanz startete und auch zum 
Abschluss brachte, lässt auf ein rücksichtloses Verhalten im Strassenverkehr 

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schliessen. Der Beschuldigte musste sich darüber im Klaren sein, dass ihm auf 
der Überholspur jederzeit ein anderes Fahrzeug hätte entgegenkommen können 
und eine erhebliche Behinderung in der Folge kaum mehr vermeidbar gewesen 
wäre. Diese Gefährdung fremder Rechtsgüter hat er nicht bedacht. Der Beschul-
digte hat demzufolge in rücksichtsloser bzw. schwerwiegend verkehrswidriger 
Weise die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet und damit den Tatbe-
stand von Art. 90 Abs. 2 SVG auch in subjektiver Hinsicht erfüllt.

3.3.11.Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschuldigte die Verkehrsregeln 
von Art. 35 Abs. 2 und Abs. 4 SVG verletzt hat und diese Verletzung sowohl ob-
jektiv als auch subjektiv als grob im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG zu qualifizieren 
ist.

4. Sachverhaltsabschnitt Stillstand (Phase 2)

4.1. Anklage

Wie dargelegt, soll der Beschuldigte direkt nach dem Überholmanöver vor dem 
Privatkläger einen Schikanestopp vollzogen haben. Gemäss Staatsanwaltschaft 
hat er damit einerseits den Tatbestand der versuchten Nötigung gemäss Art. 181 
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB und andererseits den Tatbestand der 
groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 
Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG verwirklicht. Im Einzelnen wird 
ihm das Folgende vorgeworfen:

Unmittelbar nach Abschluss des Überholmanövers bremste der Beschul-
digte sein Fahrzeug wenige Meter vor der unübersichtlichen Linkskurve 
ohne verkehrsbedingten Grund abrupt bis zum Stillstand ab. Dadurch woll-
te er B._____ zum Anhalten zwingen. Mit seinem Fahrverhalten schuf er 
eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. B._____ 
wechselte jedoch nach links auf die Gegenfahrbahn und überholte vor der 
unübersichtlichen Linkskurve. Dadurch vereitelte er die beabsichtigte Nöti-
gung des Beschuldigten. Auf der Gegenfahrbahn näherte sich der mit dem 
Motorrad Triumph Daytona 675, GR H._____, mit ca. 50 km/h talwärts fah-
rende J._____. Trotz dessen sofort eingeleiteter Vollbremsung kollidierte 
sein Motorrad mit der linken Fahrzeugseite des Fahrzeuges von B._____, 
der im Begriff war, wieder auf seine Fahrbahnhälfte zurückzukehren. Am 
Motorrad und am Opel entstanden Sachschäden in der Höhe von je CHF 
4'000.00. J._____ erlitt Rippenserienfrakturen 4 – 9 links sowie einen klei-
nen Hämatopneumothorax links, verzichtete aber auf die Stellung eines 
Strafantrages.

4.2. Sachverhaltsfeststellung

4.2.1. Wie im Anklagesachverhalt beschrieben, kam es vorliegend in der Kurve 
vor dem Haus G._____strasse ______ auf der Fahrspur in Richtung K._____ zu 

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einem Unfall zwischen dem Privatkläger und dem Motorradfahrer J._____. Dass 
der Privatkläger aufgrund eines Überholmanövers auf der linken Strassenseite 
fuhr und es deshalb zum Unfall kam, ist dabei unbestritten. Strittig ist hingegen, ob 
der Privatkläger den Beschuldigten an dieser Stelle deshalb überholte, weil letzte-
rer brüsk bis zum Stillstand abgebremst hatte.

4.2.2. Die Verteidigung bestritt im Berufungsverfahren, dass der Beschuldigte vor 
dem Privatkläger einen Schikanestopp vollzogen habe. Zwar habe dieser seine 
Geschwindigkeit auf etwa 30 km/h reduziert; dies allerdings einzig aufgrund der 
folgenden Kurve (vgl. act. H.2, Fragen V.b.3, V.b.6). Angefangen habe die ganze 
Aktion mit einem haarsträubenden Überholmanöver von B._____, weshalb man 
davon ausgehen könne, dass er auch das zweite Überholmanöver aus Unbe-
dachtheit habe machen wollen. Insofern sei die Begründung der Vorinstanz unver-
ständlich, wonach B._____ nie und nimmer das zweite Überholmanöver habe ma-
chen können, da es an dieser Stelle unübersichtlich sei. Die Aussage von B._____ 
sei vielmehr eine Ausrede. Wenn der Beschuldigte tatsächlich einen Schikane-
stopp gemacht hätte, dann sicher nicht in einer Kurve, dies mache absolut keinen 
Sinn. Der Zeuge C._____ habe schliesslich selbst angegeben, dass er einerseits 
nicht habe sehen können, wer genau mit dem Motorrad zusammengeprallt sei, 
und er andererseits aufgrund der Fahrzeuge schlechte Sicht gehabt habe. Aus 
diesem Grund sei fraglich, wie er das Abbremsen auf null und die Warnblinker ha-
be sehen können. Zwar könne man davon ausgehen, dass er es wohl schon be-
obachtet habe, er sich jedoch in der Zeit irre; es gehe im Ablauf um Sekunden. 
B._____ habe selbst bestätigt, dass der Warnblinker nicht eingeschalten worden 
sei (vgl. zum Ganzen act. H.1, S. 3 f.; act. H.3).

4.2.3. Die Sachverhaltsdarstellung der Staatsanwaltschaft stützt sich vornehmlich 
auf die Aussagen des Privatklägers und von C._____. Letzterer war im Zeitpunkt 
des Vorfalls ebenfalls mit seinem Fahrzeug von K._____ in Richtung L._____ un-
terwegs und fuhr dabei die ganze Strecke hinter dem Privatkläger und dem Be-
schuldigten her. In seiner Einvernahme am Tag nach dem Unfall gab er zu Proto-
koll, dass zuerst der rote Audi (Beschuldigter) den grünen Opel (Privatkläger) beim 
Ausstellplatz I._____ überholt habe. Nachdem der rote Audi wieder eingeschwenkt 
sei, habe dieser abgebremst, angehalten und die Warnblinker eingestellt, worauf-
hin der grüne Opel auf die andere Strassenseite ausgeschert sei. Gemäss Ansicht 
von C._____ habe es für den roten Audi keinen Grund gegeben, so brüsk zu 
bremsen und an dieser Stelle anzuhalten. Seines Erachtens habe der Fahrer des 
roten Audis den Lenker des grünen Opels zur Rede stellen wollen (vgl. StA act. 
4.9, Frage 2). Der Zeuge C._____ bestätigte damit die Aussage des Privatklägers 

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(vgl. StA act. 4.6, Frage 1 und 6). Dieser hatte anlässlich seiner ersten Einver-
nahme ausgesagt, dass er auf der Höhe des Kieswerks langsamer gefahren sei, 
um den roten Audi überholen zu lassen, weil dieser ihn nicht in Ruhe gelassen 
habe. Der rote Audi habe ihn dort überholt, dann aber vor ihm stark bis zum Still-
stand abgebremst. In diesem Moment habe er den typischen Tunnelblick gehabt, 
rechts die Leitplanke, vorne den Audi und nur links eine Lücke, weshalb er diesen 
"Fluchtweg" ergriffen habe und nach links ausgewichen sei. Dort sei es dann zur 
Kollision mit dem Motorradfahrer gekommen. Das Bremsmanöver des roten Audis 
sei ganz klar eine Schikanebremse gewesen. Der Fahrer habe ihm wohl "auf's 
Maul hauen" wollen oder gewollt, dass er auf sein Fahrzeug auffahre (vgl. StA act. 
4.6, Fragen 1, 6, 8). Diese erste Aussage bestätigte er im Wesentlichen an der 
zweiten Einvernahme und an der Konfronteinvernahme (StA act. 4.12, Fragen 8-
10; StA act. 4.21, Fragen 3, 4).

4.2.4. Der Beschuldigte selbst bestritt anlässlich seiner verschiedenen Einver-
nahmen durchgehend, dass er einen Schikanestopp vollzogen habe (StA act. 4.8, 
Frage 5; StA act. 4.14, Frage 10; StA act. 4.21, Fragen 2, 5; act. H.2, S. 6). Nach-
dem er den Opel überholt habe, sei er aufgrund der anstehenden Kurve vom Gas 
gegangen und mit etwa 35 bis 40 km/h in die Kurve gefahren. Plötzlich habe er 
bemerkt, wie der Opel auf der Höhe des Hauses bei der Unfallstelle ihn wieder 
überhole. Er sei auf die Bremse getreten, weil es ihm bewusst gewesen sei, dass 
man nicht in die Kurve hineinsehe. Als der Motorradfahrer auf der linken Fahrspur 
aufgetaucht sei, habe sich die Front seines Wagens etwa auf der Höhe des Hecks 
des Opels befunden. Er habe noch mehr abgebremst, wodurch der Opel nach 
rechts habe ziehen können. Zwar sei der Opel mit der Front zum Zeitpunkt der 
Kollision dann bereits wieder auf der rechten Fahrspur gewesen; das Heck sei 
jedoch noch teilweise auf der talwärts führenden Fahrspur gewesen, weshalb es 
dann zur Kollision gekommen sei. Er habe sofort angehalten, der Opel sei dann 
bis zur Position gefahren, wo die Polizei ihn angetroffen habe (Polizeiliche Einver-
nahme, StA act. 4.8, Frage 1; siehe auch: StA act. 4.21, Fragen 2, 5; RG act. 12, 
S. 2; act. H.2, S. 5 f.). 

4.2.5. Die Zeugin M._____ (Mutter des Beschuldigten), welche den Unfall auf dem 
Beifahrersitz des Beschuldigten mitverfolgt hatte, bestätigte die Aussagen ihres 
Sohnes. Namentlich in Bezug auf das Bremsen sagte sie ebenfalls aus, dass ihr 
Sohn aufgrund der nachfolgenden Kurve zwar leicht abgebremst habe, dies je-
doch nicht brüsk oder schnell. Vielmehr habe der andere Fahrzeughalter (Privat-
kläger) sie wohl überholen wollen, weil sie zu langsam gefahren seien (StA act. 
4.7, Fragen 7, 8, 9).

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4.2.6. Wie aus den vorstehenden Erwägungen ersichtlich, liegen zur Beurteilung 
der Frage, ob der Beschuldigte einen Schikanestopp vollzogen hat, einzig die 
Aussagen des Beschuldigten, des Privatklägers, von C._____ und M._____ vor. 
Weitere wirklich aussagekräftige Beweise liegen nicht vor. Die Aussagen des Be-
schuldigten und des Privatklägers widersprechen sich dabei, zudem werden beide 
Aussagen von jeweils einem Zeugen gestützt. Insofern stellt sich die Frage, wie 
die verschiedenen Aussagen zu würdigen sind.

4.2.7. Das Gericht würdigt Beweismittel gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO frei nach 
seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Jede Person gilt 
bis zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig (vgl. Art. 10 Abs. 1 StPO). 
Bestehen unüberwindliche Zweifel an der Erfüllung der tatsächlichen Vorausset-
zungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der für die beschuldigte Per-
son günstigeren Sachlage aus (vgl. Art. 10 Abs. 3 StPO). Als Beweislastregel folgt 
aus der derart statuierten Unschuldsvermutung, dass es nicht Sache der beschul-
digten Person ist, ihre Unschuld zu beweisen, sondern dass die Strafbehörden 
verpflichtet sind, den Nachweis der Schuld zu führen (vgl. Wolfgang Wohlers, in: 
Donatsch/Lieber/Summer/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen 
Strafprozessordnung [StPO], 3. Aufl., Zürich 2020, N 6 zu Art. 10 StPO). An die-
sen Nachweis sind hohe Anforderungen zu stellen. Verlangt wird mehr als eine 
blosse Wahrscheinlichkeit, nicht aber ein absoluter Beweis der Täterschaft. Nach 
der aus Art. 32 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 2 EMRK und Art. 10 Abs. 3 StPO fliessenden 
Beweiswürdigungsregel "in dubio pro reo" darf sich der Strafrichter jedoch nicht 
von der Existenz eines für den Angeklagten ungünstigen Sachverhalts überzeugt 
erklären, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel an den tatsächlichen Vorausset-
zungen für eine verurteilende Erkenntnis bestehen (vgl. BGE 124 IV 86 E. 2.a). 
Bloss theoretische und abstrakte Zweifel sind indessen nicht massgebend, weil 
solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. 
Es muss sich vielmehr um erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel han-
deln, das heisst um solche, die sich nach der objektiven Rechtslage aufdrängen 
(vgl. BGE 120 Ia 31 E. 2). Aufgabe des Richters ist es, ohne Bindung an Beweis-
regeln die an sich möglichen Zweifel zu überwinden und sich mit Überzeugung für 
einen bestimmten Sachverhalt zu entscheiden, wobei die Bildung der Überzeu-
gung objektivier- und nachvollziehbar sein muss. Die Schuld des Angeklagten 
muss sich dabei auf vorgelegte Beweise und Indizien stützen, die vernünftige 
Zweifel in ausschliesslicher Weise zu beseitigen vermögen. Diese allgemeine 
Rechtsregel kommt nicht schon dann zur Anwendung, wenn Aussage gegen Aus-
sage steht. Es ist vielmehr anhand sämtlicher sich aus den Akten ergebenden 
Umstände zu untersuchen, ob die Darstellung der Anklage den Richter zu über-

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zeugen vermag. Erst wenn eine solche Überzeugung weder in der einen noch in 
der anderen Richtung zu gewinnen ist, muss gemäss dem Grundsatz "in dubio pro 
reo" der für den Angeklagten günstigere Sachverhalt angenommen werden. In 
diesem Fall hat ein Freispruch zu erfolgen.

4.2.8. Steht Aussage gegen Aussage, ist anhand sämtlicher Umstände, die sich 
aus den Akten ergeben (BGer 6B_738/2018 v. 27.3.2019 E. 1.3.1; 6B_653/2016 v. 
19.1.2017 E. 3.2), zu untersuchen, welche Sachdarstellung überzeugend ist, wo-
bei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen ankommt, verbunden mit 
der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Bei der Beweiswürdigung von Aus-
sagen ist nicht die Form, sondern der Gesamteindruck, das heisst die Art und 
Weise der Bekundung sowie die Überzeugungskraft der Beweismittel im Einzelfall 
entscheidend (vgl. Robert Hauser/Erhard Schweri/Karl Hartmann, Schweizeri-
sches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 54 N 5), wobei nicht in erster Linie 
die Glaubwürdigkeit des Aussagenden, sondern vielmehr die Glaubhaftigkeit sei-
ner konkreten Aussage im Vordergrund steht. Für die Beurteilung der Glaubhaftig-
keit ist eine konkrete Aussage durch methodische Analyse ihres Inhalts (Vorhan-
densein von Realitätskriterien, Fehlen von Fantasiesignalen) darauf zu überprü-
fen, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben auf ein tatsächli-
ches Erleben der befragten Person zurückgehen (BGE 147 IV 534 E. 2.3.3; 133 I 
33 E. 4.3; 129 I 49 E. 5). Entscheidend ist, ob die aussagende Person unter 
Berücksichtigung der Umstände, ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit und der 
Motivlage eine solche Aussage auch ohne realen Erlebnishintergrund machen 
könnte. Es wird zunächst davon ausgegangen, dass die Aussage gerade nicht 
realitätsbegründet ist, und erst, wenn sich diese Annahme (Nullhypothese) auf-
grund der festgestellten Realitätskriterien nicht mehr halten lässt, wird geschlos-
sen, dass die Aussage einem wirklichen Erleben entspricht und wahr ist (BGer 
6B_1020/2021 v. 25.1.2022 E. 2.3.2 m.w.H.). Der allgemeinen Glaubwürdigkeit im 
Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kommt bei der Würdigung von 
Aussagen kaum mehr relevante Bedeutung zu (BGE 147 IV 534 E. 2.3.3). Die 
prozessuale Stellung der aussagenden Person sowie ihre persönlichen Beziehun-
gen und Bindungen (Verwandtschaft, Freundschaft, Feindschaft) zu den übrigen 
Prozessbeteiligten sind als Kriterien zur sachgerechten Würdigung der Aussagen 
jedoch nicht auszublenden. Vielmehr kann basierend darauf beurteilt werden, ob 
und gegebenenfalls in welchem Masse die aussagende Person am Ausgang des 
Verfahrens interessiert ist (Andreas Donatsch, in: Donatsch/Lieber/Summers/ 
Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung StPO, 
3. Aufl., Zürich 2020, N 19 zu Art. 177 StPO).

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4.2.9. Wie dargelegt, widersprechen sich im vorliegenden Fall die Aussagen des 
Beschuldigten und des Privatklägers. Beide Aussagen zum Unfallhergang sind 
detailliert und erfüllen grundsätzlich mehrere Realkennzeichen (namentlich raum-
zeitliche Verknüpfung, Interaktionsschilderungen, Schilderung eigener und frem-
der psychischer Vorgänge etc.). Dies erscheint jedoch auch nicht erstaunlich, da 
grosse Teile der Aussagen auch auf tatsächlich Erlebtem basierten. Die notwendi-
gen Anpassungen der eigenen Aussage waren nicht sehr komplex, zumal vor al-
lem der genaue Bremszeitpunkt des Beschuldigten strittig ist. Insofern erscheint 
eine Analyse der Aussagen nicht geeignet, um deren Glaubhaftigkeit festzustellen, 
zumal beide die intellektuellen Kompetenzen hatten, ihre Aussage anzupassen 
(vgl. zur Kompetenzanalyse: Revital Ludewig/Sonja Baumer/Daphna Tavor, Ein-
führung in die Aussagepsychologie, in: Ludewig/Baumer/Tavor [Hrsg.], Aussage-
psychologie für die Rechtspraxis, Zwischen Wahrheit und Lüge, Zürich/St. Gallen 
2017, S. 57 f.). Damit kommen den Aussagen der beiden Zeugen C._____ und 
M._____ besonderes Gewicht zu. 

4.2.10. Zu C._____ ist vorab festzuhalten, dass er am Verfahrensausgang – im 
Gegensatz zu M._____ – kein besonderes Interesse zu haben scheint, zumal er 
angegeben hat, keinen der Beteiligten zu kennen (StA act. 4.9, Frage 1). Seine 
Aussagen erscheinen denn auch ausgewogen, indem er einerseits beide Beteilig-
te gefährlicher Manöver bezichtigt, andererseits aber auch positive Aspekte her-
vorgebt (vgl. StA act. 4.9, Frage 2, 3). Im Allgemeinen sind die Aussagen von 
C._____ detailliert; gerade anlässlich der ersten Einvernahme am Tag nach dem 
Unfall beschreibt er ausführlich, wie die verschiedenen Manöver abgelaufen sind 
(StA act. 4.9, Frage 2). Diese Aussage ist in sich stimmig, wobei die Reihenfolge 
der Fahrzeuge und der Überholmanöver und die Interaktionen zwischen den 
Fahrzeugen an den entsprechenden Orten in einleuchtender Weise beschrieben 
werden. Er schildert verschiedene Nebensächlichkeiten (beispielsweise Opel-
Model), seine eigenen Gedanken und die mutmasslichen Gedanken des Beschul-
digten und gibt an verschiedenen Stellen zu, dass er über Wissenslücken verfügt 
(bspw. StA act. 4.9, Frage 6). Mit seiner Aussage vom 6. Mai 2014 erfüllt er damit 
die Realkennzeichen der logischen Konsistenz, des quantitativen Detailreichtums, 
der raum-zeitlichen Verknüpfung, der Interaktionsschilderungen, der Schilderun-
gen von Nebensächlichkeiten, der Schilderungen von eigenen und fremden psy-
chischen Vorgängen, und des Eingeständnisses von Wissenslücken. Die Anzahl 
und Qualität der Realkennzeichen deutet darauf hin, dass das Geschilderte auf 
tatsächlich Erlebtem basiert. Gestützt wird dies auch von der Tatsache, dass der 
Zeuge C._____ den Ablauf des ersten Überholmanövers des Privatklägers und 
des Überholmanövers des Beschuldigten fast identisch wie die zwei Beteiligten 

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beschrieb. Dasselbe gilt auch für das vorliegend relevante brüske Anhalten des 
Beschuldigten. Obwohl der Unfallhergang wohl einfacher mit einem gefährlichen 
Überholmanöver des Privatklägers zu erklären gewesen wäre, beschrieb C._____ 
den brüsken Stopp des Beschuldigten fast identisch wie der Privatkläger und ver-
band diese Erläuterung mit dem Realkennzeichen einer eigenen Vermutung über 
die inneren Vorgänge des Beschuldigten (vgl. StA act. 4.9, Frage 6). Dies macht 
es aus Sicht des Gerichts sehr glaubhaft, dass der Zeuge C._____ die Gescheh-
nisse wie von ihm dargelegt auch erlebt hat. Suggestive Störeinflüsse sind aus 
den Akten keine ersichtlich. Namentlich hat der Zeuge mit keinem der Beteiligten 
gesprochen, zumal er nach dem Unfall offenbar gar nicht aus dem Fahrzeug aus-
gestiegen ist; er meldete sich nach einem öffentlichen Aufruf erst am Tag nach 
dem Unfall bei der Polizei (vgl. StA act. 4.9, Frage 1). Gerade auch deshalb, weil 
C._____ den Unfallhergang trotzdem fast identisch wie der Privatkläger beschrieb, 
ist der Beweiswert der Aussage als sehr hoch einzuschätzen.

4.2.11. Die Verteidigung zog die Glaubhaftigkeit der Aussagen von C._____ damit 
in Zweifel, dass Widersprüche zu den Aussagen des Privatklägers bestanden 
(Warnblinker), dass die verschiedenen Aussagen von C._____ eine gewisse In-
konstanz aufwiesen (Anzahl Überholmanöver) und dass C._____ gemäss eigener 
Aussage schlechte Sicht gehabt habe. Diese Einwände überzeugen nicht. Zwar 
waren die zwei Aussagen von C._____ tatsächlich etwas inkonsistent, indem er 
bei der zweiten Aussage viele Einzelheiten nicht mehr wusste (beispielsweise das 
Vorhandensein des Lernfahrers) und neue Überholmanöver vorbrachte (vgl. StA 
act. 4.9 und 4.16). Diese zweite Einvernahme fand jedoch auch erst über 15 Mo-
nate nach dem Unfall und der ersten, polizeilichen Einvernahme statt. Dass im 
Laufe dieser Zeit viele Erinnerungen verblasst sind, erstaunt nicht (vgl. zur erwart-
baren und unerwartbaren Konstanz: Ludewig/Baumer/Tavor, a.a.O., S. 64, 32). 
Das Kerngeschehen, nämlich, dass der grüne Opel sehr gefährlich überholt und 
der rote Audi nach seinem Überholmanöver angehalten hatte, blieb jedoch auch in 
dieser Aussage gleich (StA act. 4.16, Fragen 2, 6). An der glaubhaften Aussage 
vom 6. Mai 2014 vermag die Aussageinkonsistenz deshalb keine relevanten Zwei-
fel zu wecken. Dasselbe gilt im Hinblick auf die Warnblinker. C._____ hatte ange-
geben, dass der Beschuldigte brüsk angehalten und dann die Warnblinker einge-
stellt habe (StA act. 4.9, Fragen 2, 4). Der Privatkläger hatte dies jedoch ausdrück-
lich bestritten (StA act. 4.12, Frage 9). Letzterer sagte jedoch ebenfalls aus, dass 
er im Moment des Schikanestopps den typischen Tunnelblick hatte und nur noch 
auf die freie Lücke geschaut habe (StA act. 4.6, Frage 1). Dass er unter diesen 
Umständen nicht wahrgenommen hat, dass auch der Warnblinker eingeschaltet 
war, erscheint ohne Weiteres denkbar. Auf jeden Fall vermag auch diese Abwei-

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chung keine erheblichen Zweifel an den tatsächlichen Geschehnissen zu wecken, 
zumal es für das Bremsmanöver selbst nicht relevant ist. Betreffend die Sicht von 
C._____ auf den Unfall ist dem Beschuldigten schliesslich teilweise Recht zu ge-
ben, wenn er vorbringt, dass der Zeuge nicht alles habe überblicken können. So 
sagte C._____ aus, dass er nicht habe sehen können, wer genau mit dem Motor-
rad zusammengestossen sei (StA act. 4.9, Frage 2). Dies verwundert jedoch auch 
nicht, da erstens der Motorradfahrer um eine Kurve kam und zweitens die zwei 
Fahrzeuge nebeneinander fuhren und so die Sicht nach vorne auf den (niedrigen) 
Motorradfahrer versperrten (vgl. Unfallskizze, StA act. 4.2). Wie aus den Fotos der 
örtlichen Verhältnisse ersichtlich wird, ist es demgegenüber glaubhaft, dass der 
Zeuge das Anhalten des Beschuldigten beobachten konnte, da er aufgrund einer 
leichten Kurve etwas versetzt zu den anderen Fahrzeugen gestanden haben muss 
(vgl. namentlich StA act. 4.2, Fotos Nrn. 10, 11). Ein Abbremsen ist zudem erfah-
rungsgemäss aufgrund der Bremslichter sehr gut sichtbar. 

Zusammenfassend erweisen sich die Einwände der Verteidigung als nicht geeig-
net, um relevante Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussage von C._____ vom 6. 
Mai 2014 zu wecken. Die gemäss der Berufungserklärung beantragte erneute Be-
fragung des Zeugen anlässlich der Berufungsverhandlung wäre angesichts der 
inzwischen verstrichenen Zeit ebenfalls kaum geeignet gewesen, solche Zweifel 
entstehen zu lassen.

4.2.12. Auch die Aussagen von M._____ vermögen keine Zweifel am Ablauf der 
Geschehnisse wecken. Diesbezüglich ist vorab festzuhalten, dass M._____ die 
Mutter des Beschuldigten ist und dementsprechend anzunehmen ist, dass sie bei 
ihren Aussagen ein erhebliches Interesse an einem positiven Verfahrensausgang 
für ihren Sohn hatte. Dieses Interesse wird in ihrer Aussage auch deutlich. So gibt 
sie an, dass sie während der Fahrt müde gewesen sei und gedöst habe und erst 
kurz vor dem Unfall etwas mitbekommen habe (vgl. StA act. 4.7, Frage 2). Von 
den anderen, vorherigen Überholmanövern habe sie nichts mitbekommen bezie-
hungsweise könne sich nicht vorstellen, dass diese stattgefunden hätten (vgl. StA 
act. 4.7, Frage 7). Damit widerspricht sie nicht nur dem Privatkläger (vgl. StA act. 
4, Frage 1, letzter Satz), sondern auch ihrem Sohn. Dieser hatte angegeben, dass 
seine Mutter die ganze Zeit wach gewesen sei und sich über die Fahrweise des 
Privatklägers stark aufgeregt habe (vgl. StA act. 4.8, Frage 9). Offensichtlich wollte 
M._____ damit einen Teil der Vorgänge verbergen. Warum sie dies tat, erscheint 
dabei nicht ganz klar. Zumindest denkbar ist, dass sie ihren Sohn besser darstel-
len und keinen Grund für den Schikanestopp liefern wollte. Zum Unfallhergang 
selbst machte M._____ zwar relativ detaillierte, aber auch nur kurze Angaben, 

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weshalb eine Beurteilung der Aussagequalität kaum möglich erscheint. Deshalb, 
aufgrund der offensichtlich starken Motivlage und aufgrund der oben beschriebe-
nen Verschleierung der Vorgänge vor dem Unfall weist ihre Aussagen nach An-
sicht des Gerichts nur einen sehr tiefen Beweiswert auf und vermag die Zeugen-
aussage von C._____ wie erwähnt nicht in Zweifel zu ziehen. 

4.2.13. In einer Gesamtwürdigung der Aussagen ist damit festzuhalten, dass die 
Aussage von C._____ vom 6. Mai 2014 als sehr glaubhaft anzusehen und darauf 
abzustellen ist. Diese Beurteilung wird zudem dadurch gestützt, dass die Umstän-
de des Unfalls besser zu dem von C._____ geschilderte Sachverhalt passen, als 
zu dem vom Beschuldigten vorgebrachte Sachverhalt.

Erstens erscheint fraglich, ob der Beschuldigte wirklich nur mit 35-40 km/h in die 
Kurve gefahren ist. C._____ und der Privatkläger hatten die Fahrweise des Be-
schuldigten als sehr ungeduldig beschrieben, da er immer wieder nahe aufgefah-
ren und etwas ausgeschert sei (vgl. StA act. 4.6, Frage 1; StA act. 4.9, Fragen 2, 
7). 

Zweitens ist in der Version des Beschuldigten nicht wirklich erklärbar, warum der 
Privatkläger den Beschuldigten zuerst überholen liess, nur um ihn Sekunden 
später an einer völlig unübersichtlichen Stelle wieder selbst zu überholen. Dies 
vermag der Beschuldigte nur mit der Erklärung zu begründen, dass der Privatklä-
ger aufgrund des ersten Überholmanövers offensichtlich allgemein eine gefährli-
che Fahrweise pflege. Eine solche Fahrweise würde jedoch – wie oben – höchs-
tens ein schwaches Indiz darstellen. Vorliegend steht die Behauptung zudem im 
Widerspruch zur Aussage von C._____, welcher die Fahrweise des Privatklägers 
grundsätzlich als angenehm beschrieben hatte (StA act. 4.9, Frage 1). 

Unter Berücksichtigung der genannten Gründe sieht das Gericht deshalb den An-
klagesachverhalt als erstellt an. Im Folgenden ist damit davon auszugehen, dass 
der Beschuldigte direkt nach seinem Überholmanöver brüsk bis zum Stillstand 
angehalten und dabei seine Warnblinker eingeschalten hat, um den Privatkläger 
zur Rede zu stellen. Die Aussagen des Beschuldigten und von M._____ sowie die 
Einwände der Verteidigung vermögen daran keine Zweifel zu wecken. 

4.3. Vorwurf der groben Verkehrsregelverletzung

4.3.1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten aufgrund des Schikane-
stopps eine grobe Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 
12 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG vor. Zu den theoretischen 

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Ausführungen von Art. 90 Abs. 2 SVG kann auf die Erwägungen 3.2.2 f. verwiesen 
werden. Vorab ist festzustellen, ob Art. 37 Abs. 1 SVG verletzt ist.

4.3.2. Gemäss Art. 37 Abs. 1 SVG muss ein Lenker, der anhalten will, nach Mög-
lichkeit auf die nachfolgenden Fahrzeuge Rücksicht nehmen. Die Bestimmung 
erfasst nach ihrem Wortlaut nur das freiwillige und voraussehbare Halten. An der 
Freiwilligkeit und möglichen Rücksichtnahme gebricht es, wenn ein Fahrzeuglen-
ker wegen äusserer Umstände, bspw. verkehrsbedingt durch einen anderen Ver-
kehrsteilnehmer, wegen eines plötzlich auf der Fahrbahn auftauchenden Hinder-
nisses, durch Verkehrsregelung oder aus fahrzeugtechnischen Gründen sofort 
bremsen muss. Brüskes Bremsen und Halten sind gemäss Art. 12 Abs. 2 VRV nur 
gestattet, wenn kein Fahrzeug folgt und im Notfall. Ein Notfall im Sinne dieser Be-
stimmung liegt immer vor, wenn wegen eines plötzlich auftauchenden Hindernis-
ses aus Sicherheitsgründen sofort gebremst werden muss. Erforderlich ist kein 
zwingender Grund, da lediglich das unnötige plötzliche Anhalten untersagt ist. Die 
Frage, ob das unvermittelte Bremsen unnötigerweise erfolgte, kann nicht generell, 
sondern nur im konkreten Fall unter Würdigung der Umstände entschieden wer-
den. Festzuhalten ist, dass ein Schikanestopp, das heisst ein brüskes Anhalten 
oder Bremsen ohne einen Notfall mit dem Zweck der Schikane, wie dem Erteilen 
einer Lektion oder des Erziehens eines anderen Verkehrsteilnehmers, nicht zuläs-
sig ist. Eine schikanöse Vollbremsung auf der Autobahn kann eine Gefährdung 
des Lebens nach Art. 129 StGB darstellen (vgl. zum Ganzen BGE 137 IV 326 
E. 3.3.3; BGer 6B_764/2016 E. 1.3 v. 24.11.2016; 6S.563/1995 v. 24.11.1995).

4.3.2. Wie vorliegend festgestellt, bremste der Beschuldigte sein Fahrzeug auf der 
Höhe G._____strasse _____ unvermittelt und ohne verkehrsbedingten Grund bis 
zum Stillstand ab. Dies im Wissen darum, dass der Privatkläger direkt hinter ihm 
fuhr, zumal er diesen wenigen Sekunden zuvor überholt hatte. Aufgrund dieses 
rücksichtslosen Bremsmanövers wich der Privatkläger auf die Gegenfahrbahn 
aus, was wiederum zur Kollision des Privatklägers mit dem Motorradfahrer führte. 
Der Beschuldigte hat demnach mit Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 2 VRV 
eine wichtige Verkehrsvorschrift in schwerer Weise missachtet und die Verkehrs-
sicherheit dabei ernstlich gefährdet. Dass es tatsächlich zu einem Unfall gekom-
men ist, ist dabei kein Ergebnis von unglücklichen Umständen. Vielmehr war die 
Gefahr, dass es aufgrund des plötzlichen und überraschenden Stopps des Be-
schuldigten zu einem Auffahrunfall oder einem gefährlichen Ausweichmanöver 
kommt, erheblich und naheliegend. Der Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG ist 
damit in objektiver Hinsicht erfüllt. 

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Dasselbe gilt für den subjektiven Tatbestand. Ein abruptes Bremsmanöver ist ge-
rade in oder vor einer kurvigen Strecke sehr gefährlich. Auch wenn nicht anzu-
nehmen ist, dass der Beschuldigte einen Unfall verursachen wollte, so nahm er 
zumindest in Kauf, dass die Verkehrssicherheit erheblich gefährdet ist. Dass ein 
unvermitteltes Bremsen ein erhebliches Risiko darstellt, musste dem Beschuldig-
ten dabei bewusst gewesen sein.

4.3.3. Zusammenfassend ist der Beschuldigte damit gemäss Art. 37 Abs. 1 SVG 
und Art. 12 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG schuldig zu spre-
chen.

4.4. Vorwurf der versuchten Nötigung

4.4.1. Wegen Nötigung nach Art. 181 StGB wird bestraft, wer jemanden durch 
Gewalt, Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner 
Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. Die Tatbe-
standsvariante der "anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit" ist restriktiv 
auszulegen. Dieses Zwangsmittel muss, um tatbestandsmässig zu sein, das übli-
cherweise geduldete Mass an Beeinflussung in ähnlicher Weise eindeutig über-
schreiten, wie es für die ausdrücklich genannten Nötigungsmittel der Gewalt und 
der Androhung ernstlicher Nachteile gilt (BGE 134 IV 216 E. 4.1 m.H.). Es muss 
ihnen in seiner Intensität bzw. Wirkung ähnlich sein (BGE 119 IV 301 E. 2a m.H.). 
In BGE 137 IV 326 stellte das Bundesgericht fest, dass ein Schikanestopp bis zum 
Stillstand das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung unabhängig vom 
zeitlichen Aspekt eindeutig überschreitet, wie dies bei der Ausübung von Gewalt 
oder dem Androhen ernstlicher Nachteile der Fall ist. Die durch eine schikanöse 
Vollbremsung geschaffene Zwangssituation ist für den nachfolgenden Lenker von 
einer solchen Intensität, dass sie dessen Handlungsfreiheit einschränkt. Unrecht-
mässig ist eine Nötigung, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt ist, wenn das 
Mittel zum erstrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis steht oder wenn die Ver-
knüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel und einem erlaubten Zweck 
rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist (BGE 134 IV 216 E. 4.1 m.H.).

In subjektiver Hinsicht verlangt Art. 181 StGB, dass der Täter mit Vorsatz handelt, 
das heisst, dass er, im Bewusstsein um die Unrechtmässigkeit seines Verhaltens, 
sein Opfer zu einem bestimmten Verhalten zwingen will; Eventualvorsatz genügt 
(BGE 120 IV 17 E. 2c; BGer 6B_303/2020 v. 6.10.2020 E. 2.1 m.H.).

4.4.2. Vorliegend ist erstellt, dass der Beschuldigte ohne Notwendigkeit in der 
Kurve vor der G._____strasse _____ brüsk bis zum Stillstand angehalten hat und 

25 / 38

der Privatkläger deswegen auf die andere Strassenseite ausweichen musste. 
Gemäss dem Zeugen C._____ und dem Privatkläger war dieses brüske Bremsen 
nur damit zu erklären, dass der Beschuldigte den Privatkläger zur Rede stellen 
wollte. Wie das Bundesgericht mehrfach festgestellt hat, vermag ein Schikane-
stopp ab einer gewissen Intensität die Handlungsfähigkeit des nachfolgenden Fah-
rers einzuschränken. Vorliegend überstieg die Einschränkung der Handlungsfrei-
heit das üblicherweise geduldete Mass in erheblichem Umfang, zumal sich der 
Privatkläger gezwungen sah, auf die andere Strassenseite auszuweichen, um eine 
mutmassliche Kollision zu vermeiden. Das ohne Notwendigkeit vorgenommene 
brüske Stoppen war damit geeignet, bei einem durchschnittlichen Fahrzeuglenker 
Angst vor einem Strassenverkehrsunfall mit allfälligen Verletzungs- und Scha-
densfolgen hervorzurufen und ihn deshalb zu einem bestimmten Verhalten zu 
bringen. Das Nötigungsmittel – das heisst das brüske, nicht verkehrsbedingte 
Bremsen des Beschuldigten –  war dabei ebenso unrechtmässig (Art. 37 Abs. 1 
SVG und Art. 12 Abs. 2 VRV, siehe E. 4.3) wie der damit verfolgte Zweck, den 
Privatkläger zum Anhalten zu zwingen, um ihn zur Rede zu stellen. Die nötigende 
Handlung – der Schikanestopp – war damit rechtswidrig. 

Anzumerken ist jedoch, dass der verfolgte Zweck nicht erreicht wurde, da der Pri-
vatkläger nicht mehr anhalten konnte und auf die andere Strassenseite auswich. 
Insofern blieb der Erfolg der nötigenden Handlung aus. Der objektive Tatbestand 
der Nötigung setzt als Erfolgsdelikt jedoch voraus, dass das Ziel der nötigenden 
Handlung auch erreicht wird. Dies ist vorliegend jedoch wie dargelegt nicht der 
Fall. In diesem Sinne ist der objektive Tatbestand von Art. 181 StGB aufgrund des 
fehlenden Taterfolgs nicht erfüllt. 

4.4.3. Führt ein Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder 
Vergehens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende oder tritt der zur 
Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintreten, so 
kann das Gericht die Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). Ein Versuch liegt dem-
nach vor, wenn der Täter sämtliche subjektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt und 
seine Tatentschlossenheit manifestiert hat, ohne dass alle objektiven Tatbe-
standsmerkmale verwirklicht sind (BGE 128 IV 18 E. 3b; 122 IV 246 E. 3a; 120 IV 
199 E. 3e). Der Versuch ist im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vollendet, wenn der 
Täter alles getan hat, was er nach seiner Vorstellung tun musste, um die Tat zu 
vollenden. Hat der Täter demgegenüber mit der Ausführung der Tat begonnen, 
aber nicht alles vorgekehrt, was nach seiner Vorstellung zur Vollendung erforder-
lich war, und ist diese Vollendung auch nicht eingetreten, so liegt bloss ein unvoll-

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endeter Versuch vor. Aus welchen Gründen der Täter die strafbare Handlung nicht 
ausführt, ist für die Abgrenzung zum vollendeten Versuch bedeutungslos.

Vorliegend hat der Beschuldigte alle notwendigen Handlungen für eine Nötigung 
vorgenommen, jedoch ist der Taterfolg nicht eingetreten. Da es sich bei Art. 181 
StGB um ein Verbrechen handelt, ist in diesem Falle auch der Versuch strafbar, 
sofern der subjektive Tatbestand gegeben ist. In casu war es unzweifelhaft die 
Absicht des Beschuldigten, die Willensfreiheit des Geschädigten durch den Schi-
kanestopp zu beeinträchtigen, war die Schikane doch einziges Ziel des von ihm 
durchgeführten Bremsmanövers. Der Beschuldigte hat alle objektiven Tatbestand-
elemente (abgesehen vom Taterfolg) mit Wissen und Willen begangen; der sub-
jektive Tatbestand von Art. 181 StGB ist damit erfüllt. Da der Beschuldigte alle 
Handlungen vorgenommen hat, welche er nach seiner Vorstellung vornehmen 
musste, um den Privatkläger zum Anhalten zu bringen, jedoch einzig der Erfolg 
nicht eingetreten ist, hat er vorliegend einen vollendeten Versuch zur Nötigung 
unternommen. 

4.4.4. Zusammenfassend hat der Beschuldigte mit dem Schikanestopp einen voll-
endeten Versuch zur Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit 
Art. 22 Abs. 1 StGB begangen. 

4.5. Konkurrenzen

Wie dargelegt, hat der Beschuldigte vorliegend für den gleichen Sachverhaltsab-
schnitt den Tatbestand der versuchten Nötigung und den Tatbestand der groben 
Verkehrsregelverletzung erfüllt. Da unterschiedliche Rechtsgüter geschützt sind 
(Verkehrssicherheit und Handlungsfreiheit), stehen Art. 90 Abs. 2 SVG und 
Art. 181 StGB in echter Konkurrenz zueinander (vgl. BGE 137 IV 326 E. 3.4 und 
E. 3.5.1 ff.). Demnach ist der Beschuldigte betreffend beiden Tatbeständen schul-
dig zu sprechen.

5. Ergebnis

Im Ergebnis ist die Berufung hinsichtlich des Schuldpunkts abzuweisen. Wie von 
der Staatsanwaltschaft beantragt, ist der Beschuldigte damit der groben Verlet-
zung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG i.V.m. Art. 90 Abs. 2 
SVG, der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 37 Abs. 1 SVG und 
Art. 12 Abs. 2 VRV i.V.m. Art. 90 Abs. 2 SVG und der versuchten Nötigung 
gemäss Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.

27 / 38

6. Strafzumessung

6.1. Allgemeine Grundlagen zur Strafzumessung

6.1.1. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 
StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt 
(BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. m.H.; vgl. auch 144 IV 313 E. 1; 144 IV 217 E. 2.3 ff.; 
142 IV 265 E. 2.3 ff.). Darauf kann verwiesen werden.

6.1.2. Der Beschuldigte nahm die inkriminierten Handlungen vor dem Inkrafttreten 
der neuen Bestimmungen des allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches vor (Tat-
zeitraum: 5. Mai 2014; Änderungen des Sanktionenrechts per 1. Januar 2018). 
Nach neuem Recht wird er beurteilt, wenn das neue Recht für den Täter das mil-
dere ist (lex mitior; Art. 2 Abs. 2 StGB). Die Bewertung erfolgt nach der konkreten 
Methode, d.h. es wird geprüft, nach welchem der beiden Rechte der Täter für die 
zu beurteilende Tat besser wegkommt. Die Neuregelung betrifft Geldstrafen (ma-
ximal nur noch 180 anstatt 360 Tagessätze, vgl. Art. 34 Abs. 1 und 2 nStGB) und 
Freiheitsstrafen (Herabsetzung der Mindestdauer auf 3 Tage, siehe Art. 40 Abs. 1 
nStGB) im Bereich bis zu einem Jahr. Vorliegend ist das neue Recht nicht milder, 
weshalb das bis zum 31. Dezember 2017 geltende Sanktionenrecht anzuwenden 
ist.

6.1.3. Sind wie vorliegend mehrere Delikte zu beurteilen, stellt sich die Frage, wie 
die jeweiligen Strafen anzurechnen sind. Gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB ist eine Ge-
samtstrafe auszufällen, sofern gleichartige Strafen ausgefällt werden. Ungleichar-
tige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperationsprinzip nur greift, 
wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden. Mehrere gleichartige 
Strafen liegen vor, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden einzelnen Norm-
verstoss gleichartige Strafen ausfällen würde. Dass die anzuwendenden Strafbe-
stimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt nicht (BGE 142 IV 265 
E. 2.3.2; 138 IV 120 E. 5.2; je m.H.). Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichti-
ges Kriterium die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen 
auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berück-
sichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2 m.H.). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit 
soll nach konstanter Rechtsprechung bei alternativ zur Verfügung stehenden und 
hinsichtlich des Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige 
gewählt werden, die weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen ein-
greift (BGE 138 IV 120 E. 5.2; BGer 6B_125/2018 v. 14.6.2018 E. 1.3.2; je m.H.). 
Die Geldstrafe stellt die Hauptsanktion dar (BGE 134 IV 97 E. 4.2.2). Sie wiegt als 
Vermögenssanktion prinzipiell weniger schwer als ein Eingriff in die persönliche 

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Freiheit (BGE 138 IV 120 E. 5.2; 134 IV 97 E. 4.2.2). Am Vorrang der Geldstrafe 
hat der Gesetzgeber im Rahmen der erneuten Revision des Sanktionenrechts 
entgegen der ursprünglichen Stossrichtung festgehalten (BGE 144 IV 217 E. 3.6 
m.H.).

6.1.4. Ist eine Gesamtstrafe zu bilden, ist vorab der Strafrahmen für die schwerste 
Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die schwerste Tat inner-
halb dieses Strafrahmens festzusetzen. Als schwerste Tat gilt diejenige, die 
gemäss abstrakter Strafandrohung des Gesetzes mit der höchsten Strafe bedroht 
ist und nicht jene, die nach den konkreten Umständen verschuldensmässig am 
schwersten wiegt (BGE 144 IV 217 E. 3.5.1). Bei mehreren Delikten mit gleicher 
Strafandrohung besteht ein gewisses Ermessen, von welchem Delikt auszugehen 
ist. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, vom konkret schwersten Delikt auszu-
gehen oder, bei ähnlicher Schwere aller Delikte, vom chronologisch ersten Delikt. 
Die Einsatzstrafe ist unter Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des 
Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen. Das Gericht hat mithin in einem ers-
ten Schritt gedanklich die hypothetische Einsatzstrafe für das schwerste Delikt 
festzulegen, indem es alle verschuldensrelevanten (straferhöhenden und straf-
mindernden) Umstände berücksichtigt. In einem zweiten Schritt sind die übrigen 
Delikte zu beurteilen und ist in Anwendung des Asperationsprinzips aufzuzeigen, 
in welchem Ausmass die Einsatzstrafe zu erhöhen ist. Auch insoweit muss es den 
jeweiligen Umständen Rechnung tragen. Grundsätzlich sind erst nach der Festle-
gung der Gesamtstrafe für sämtliche Delikte die allgemeinen Täterkomponenten 
zu berücksichtigen (vgl. BGer 6B_42/2016 v. 26.5.2016 E. 5.1, m.H. auf BGE 127 
IV 101 E. 2b). In diesem Zusammenhang gilt es zu beachten, dass die Anwen-
dung des Asperationsprinzips nicht zu einer Höchststrafe führen kann, die höher 
ist als die Höchststrafe, die bei Anwendung des Kumulationsprinzips möglich wä-
re. Denn ratio legis des Asperationsprinzips ist es, das Kumulationsprinzip abzu-
schwächen; die Gesamtstrafe darf die Summe der Einzelstrafen nicht erreichen 
(vgl. BGE 144 IV 217 E. 3.5.2; 143 IV 145 E. 8.2.3).

6.2. Strafrahmen und schwerste Straftat

Ausgangspunkt für die Strafzumessung ist das schwerste Delikt. Der Beschuldigte 
wird vorliegend wegen mehrerer Vergehen mit der jeweils gleichen Strafandro-
hung verurteilt. Sowohl die groben Verkehrsregelverletzungen i.S.v. Art. 90 Abs. 2 
SVG als auch die versuchte Nötigung (Art. 181 StGB) werden mit Freiheitsstrafe 
bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. 

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Der Sachverhaltsabschnitt Stillstand (Phase 2) ist verschuldungsmässig schwerer 
zu gewichten als das Überholmanöver (Phase 1), da die konkrete Gefährdung 
höher war. Im Sachverhaltsabschnitt Schikanestopp steht das Verkehrsdelikt da-
bei im Vordergrund, ist doch die Nötigung nur eine Folge des Bremsens. Demnach 
ist die grobe Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 37 Abs. 1 SVG und Art. 12 Abs. 
2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG als schwerstes Delikt anzusehen. 

6.3. Einsatzstrafe für grobe Verkehrsregelverletzung (Stillstand, Phase 2)

6.3.1. Ausgangspunkt für die Bewertung des Tatverschuldens ist die objektive 
Tatschwere. Es ist abzuklären, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut 
durch das Verhalten des Beschuldigten beeinträchtigt wurde. Die subjektive 
Tatschwere beantwortet die Frage, inwieweit die objektive Tatschwere dem Be-
schuldigten angerechnet werden kann. Betreffend das objektive Verschulden ist 
festzuhalten, dass aufgrund des Doppelverwertungsgebot vorliegend nicht 
berücksichtigt werden kann, dass der Beschuldigte mit seinem Bremsmanöver 
eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen hat, da dies bereits 
für die Qualifizierung seines Verhaltens als grobe Verkehrsregelverletzung 
berücksichtig worden ist. Allerdings ist innerhalb des Strafrahmens zu gewichten, 
wie sehr er gegen die Verkehrsregeln verstossen hat. Verschuldenserhöhend ist 
diesbezüglich anzurechnen, dass der Beschuldigte das Bremsmanöver direkt 
nach dem Überholen und damit für den Überholten überraschend vornahm. Ver-
schuldensmindernd ist zu berücksichtigen, dass die Beteiligten vor dem Stopp 
mutmasslich mit moderaten Geschwindigkeiten unterwegs waren, der Beschuldig-
te offenbar so anhielt, dass ein Anhalten eventuell noch möglich gewesen wäre 
(vgl. Aussage des Privatklägers, StA act. 4.21, Frage 4), und dass der Beschuldig-
te gleichzeitig die Warnblinker angestellt hatte, um den Privatkläger zu warnen. In 
subjektiver Hinsicht erfolgte das Anhalten mit direktem Vorsatz, wobei der Be-
schuldigte hingegen lediglich eventualvorsätzlich in Kauf nahm, dass daraus eine 
erhebliche Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer entstehen könnte. Innerhalb des 
grossen Strafrahmens ist insgesamt noch ein leichtes Verschulden anzunehmen. 

6.3.2. In einem zweiten Schritt ist für das (vollendete) Delikt die hypothetische tat-
bezogene Strafe basierend auf der Tatschwere festzusetzen, wobei auch über die 
Strafart zu befinden ist. Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, weshalb vom 
Primat der Geldstrafe abgewichen werden soll. Insgesamt erscheint eine Strafe 
von 35 Tagessätzen dem Verschulden angemessen. Die Täterkomponenten sind 
für alle Delikte gemeinsam zu beurteilen (siehe E. 6.7).

6.4. Einzelstrafe für die versuchte Nötigung (Stillstand, Phase 2)

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6.4.1. Im Weiteren ist die Einzelstrafe für die versuchte Nötigung gemäss Art. 181 
StGB i.V.m. Art. 22 StGB festzusetzen, welche danach asperierend an die Ge-
samtstrafe anzurechnen ist. Die Einzelstrafe ist ebenfalls gestützt auf die objekti-
ven und subjektiven Tatschwere und die Täterkomponenten festzusetzen. 

Hinsichtlich dem objektiven Verschulden ist festzuhalten, dass sich der Beschuldi-
gung weder physische Gewalt noch der Androhung ernstlicher Nachteile bediente. 
Vielmehr beschränkte er die Handlungsfähigkeit des Privatklägers einzig dadurch, 
dass er seine Weiterfahrt verhindern wollte, was weniger schwer wiegt als die an-
deren Tatbestandsvarianten von Art. 181 StGB. Im Übrigen kann auf die Tatkom-
ponenten zur Einsatzstrafe verwiesen werden. Insgesamt wiegt das Tatverschul-
den im Verhältnis zum Strafrahmen leicht. 

6.4.2. Aufgrund des Verschuldens ist – vor Berücksichtigung der Täterkomponen-
ten – vorliegend die Festsetzung einer Geldstrafe angemessen und auf 30 Tages-
sätze festzusetzen. In casu ist das Delikt jedoch nicht vollendet worden, womit die 
Strafe zu mildern ist (Art. 22 Abs. 1 StGB), wobei wie dargelegt von einem vollen-
deten Versuch auszugehen ist. Der Erfolg trat dabei nur deshalb nicht ein, weil der 
Privatkläger ausgewichen ist. Das Risiko des Ausweichens hätte dem Beschuldig-
ten bewusst sein müssen. Die Strafreduktion kann deshalb nur minimal ausfallen, 
womit (vor Berücksichtigung der Täterkomponenten) die hypothetische Geldstrafe 
auf 25 Tagessätze zu kürzen ist. 

6.5. Einzelstrafe für die grobe Verkehrsregelverletzung (Überholen, Phase 1)

Auch für das Überholmanöver ist schliesslich eine Einzelstrafe festzulegen, wel-
che gestützt auf die objektiven und subjektiven Tatschwere und die Täterkompo-
nenten festzusetzen ist. Für das unzulässige Überholen sehen die Strafmassemp-
fehlungen der Staatsanwaltschaft Graubünden im Regelfall eine Strafe von 40 Ta-
gessätzen vor. Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass das Überholmanöver auf-
grund der Sichtdistanz zwar gefährlich war, jedoch aufgrund der eher breiten 
Strasse und der Sichtdistanz von über 130 Metern trotzdem so viel Platz war, dass 
das Risiko einer Kollision insgesamt zwar hoch, für eine grobe Verkehrsregelver-
letzung jedoch eher im niedrigeren Bereich anzusiedeln ist. Insgesamt wiegt das 
Verschulden leicht, weswegen (vor Berücksichtigung der Täterkomponenten) eine 
hypothetische Strafe von 20 Tagessätzen Geldstrafe als angemessen erscheint.

6.6. Tatangemessene Gesamtstrafe

6.6.1. Sind die Einzelstrafen für die verschiedenen Delikte festgelegt, sind sie vor 
Berücksichtigung der allgemeinen Täterkomponenten zu einer provisorischen Ge-

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samtstrafe zusammenzufassen, indem die Einsatzstrafe gemäss dem Asperati-
onsprinzip angemessen zu erhöhen ist. In welchem Umfang die Einsatzstrafe zu 
erhöhen ist, hängt namentlich vom Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, 
ihrem Zusammenhang, ihrer grösseren oder geringeren Selbständigkeit sowie der 
Gleichheit der verletzten Rechtsgüter ab (vgl. BGer 6B_905/2018 v. 7.12.2018 
E. 4.3.3 m.H.). Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Delikts wird dabei geringer 
zu veranschlagen sein, wenn die Delikte zeitlich, sachlich und situativ in einem 
engen Zusammenhang stehen (vgl. BGE 144 IV 217 E. 3.5.4 m.H.).

6.6.2. Die Einsatzstrafe (grobe Verkehrsegelverletzung Schikanestopp) ist wie 
dargelegt auf 35 Tagessätze Geldstrafe festzulegen. Unter Anwendung des Aspe-
rationsprinzips und unter Berücksichtigung des engen Zusammenhangs mit dem 
Schikanestopp ist die versuchte Nötigung mit einer asperierenden Strafe von 15 
Tagessätzen zu berücksichtigen. Die grobe Verkehrsegelverletzung betreffend 
das Überholmanöver ist prozentual höher als die Nötigung zu gewichten und as-
perierend ebenfalls mit 15 Tagessätzen Geldstrafe anzurechnen. Die verschul-
densangemessene Gesamtstrafe vor Berücksichtigung der Täterkomponenten 
beträgt damit insgesamt 65 Tagessätze Geldstrafe.

6.7. Täterkomponenten

6.7.1. Die provisorische Gesamtstrafe kann schliesslich aufgrund von Umständen, 
die mit der Tat grundsätzlich nichts zu tun haben, erhöht oder herabgesetzt wer-
den (Täterkomponenten). Vorliegend rechtfertigt es sich, diese für alle Tatbestän-
de zusammenzufassen, da sie sich auf alle gleich auswirken. Vorliegend zu 
berücksichtigen sind straferhöhend die Vorstrafen und strafmindernd der Zeitab-
lauf mit Wohlverhalten sowie die Verletzung des Beschleunigungsgebots.

6.7.2. Betreffend Vorstrafen verurteilte die Staatsanwaltschaft Graubünden den 
Beschuldigten am 2. April 2013 wegen Fahrens ohne Führerausweis, Übertretung 
nach Art. 19a des Betäubungsmittelgesetzes, Verletzung von Verkehrsregeln, 
Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Führen eines nicht betriebssicheren Fahr-
zeugs, Fahrens ohne Fahrzeugausweis, Fahrens ohne Haftpflichtversicherung 
sowie missbräuchlicher Verwendung von Ausweisen und/oder Kontrollschildern zu 
einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 30.00 mit einer Probezeit von 
3 Jahren und einer Verbindungsbusse von CHF 110.00. Wie die Vorinstanz fest-
gehalten hat, ereignete sich der vorliegend beurteilte Sachverhalt nur rund ein 
Jahr nach dem Erlass des Strafbefehls. Zudem handelt es sich bei der Vorstrafe 
um einschlägige SVG-Delikte. Insgesamt erscheint es deshalb angemessen, die 
Vorstrafen straferhöhend mit 10 Tagessätzen zu berücksichtigen.

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6.7.3. Gemäss Art. 48 lit. e StGB ist eine Strafe zu mildern, wenn das Strafbedürf-
nis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert ist und der 
Täter sich in dieser Zeit wohl verhalten hat. Gemäss Bundesgericht ist dies in je-
den Fall gegeben, wenn zwei Drittel der Verjährungsfrist verstrichen ist, wobei oh-
ne Bedeutung ist, ob die Frist noch läuft oder nach einem erstinstanzlichen Urteil 
nicht mehr läuft (vgl. Hans Mathys, Leitfaden Strafzumessung, 2. Aufl., Basel 
2019, N 345). Eine Strafe ist ebenfalls zu mildern, wenn die Behörden es unterlas-
sen haben, das Strafverfahren zügig voranzutreiben, um die Beschuldigte nicht 
unnötig über die gegen sie erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen (Verlet-
zung des Beschleunigungsgebots [Art. 29 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK, Art. 14 
Ziff. 3 lit. c UNO-Pakt II und Art. 5 StPO]). Sind die Voraussetzungen für beide Be-
stimmungen erfüllt, sind sie nebeneinander anzuwenden.

Vorliegend fanden die Tathandlungen im Mai 2014, die erstinstanzliche Hauptver-
handlung im November 2016 und die zweitinstanzliche Hauptverhandlung im März 
2022 statt. Ein grosser Teil des Zeitablaufs zwischen der erst- und zweitinstanzli-
chen Hauptverhandlung kann damit erklärt werden, dass der erstinstanzliche 
Rechtsvertreter des Beschuldigten die Frist für die Berufungserklärung verpasst 
hatte und deshalb ein Wiederherstellungsverfahren bis an das Bundesgericht an-
gestrengt hat. Dies ist den Behörden nicht anzulasten. Nichtsdestotrotz ging die 
Berufung beim Kantonsgericht im Februar 2019 ein, womit es bis zur Hauptver-
handlung über drei Jahre gedauert hat. Dies stellt eine Verletzung des Beschleu-
nigungsgebots dar und ist strafmildernd mit 15 Tagessätzen zu berücksichtigen. 
Da der Beschuldigte seit der Tat zudem keine strafbaren Handlungen begangen 
hat und seither mehr als 7 Jahre (und damit mehr als 2/3 der zehnjährigen Ver-
jährungsfrist [vgl. Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB]) vergangen sind, sind die Vorausset-
zungen von Art. 48 lit. e StGB ebenfalls erfüllt. Die Strafe ist demzufolge um weite-
re 10 Tagessätze zu reduzieren. 

6.7.4. Zusammenfassend sind aufgrund der Täterkomponenten straferhöhend 10 
Tagessätze und strafmindernd 25 Tagessätze zu berücksichtigen. Insgesamt re-
sultiert eine Reduktion der Strafe um 15 Tagessätze, womit die Strafe nach 
Berücksichtigung der Täterkomponenten auf 50 Tagessätze Geldstrafe festzule-
gen ist.

6.8. Widerruf

Der Beschuldigte ist – wie erwähnt – mit in Rechtskraft erwachsenem Strafbefehl 
vom 2. April 2013 unter anderem zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessät-
zen zu CHF 30.00 verurteilt worden. Die Probezeit ist dabei auf drei Jahre festge-

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legt worden und im April 2016 abgelaufen. Die vorliegend zu beurteilende Tat ist 
demzufolge während der Probezeit begangen worden, weshalb die Vorinstanz die 
bedingte Strafe gestützt auf Art. 46 StGB widerrufen hat. Nach Art. 46 Abs. 5 
StGB darf der Widerruf einer bedingten Strafe nicht mehr angeordnet werden, 
wenn seit dem Ablauf der Probezeit drei Jahre vergangen sind. Massgebend für 
die Einhaltung dieser Frist ist das Urteil der Berufungsinstanz, sofern der durch 
das erstinstanzliche Gericht verfügte Widerruf angefochten wurde (BGE 143 IV 
441 E. 2.2; BGer 6B_114/2013 v. 1.7.2013 E. 7). Da der Beschuldigte auch den 
erstinstanzlich angeordneten Widerruf angefochten hat, kommt ein Widerruf ange-
sichts der zeitlichen Verhältnisse nicht mehr in Frage. Die mit Strafbefehl vom 
2. April 2013 ausgesprochene Geldstrafe von 30 Tagessätzen ist daher nicht zu 
widerrufen.

6.9. Konkrete Strafe (Tagessatzhöhe, Vollzug und Verbindungsbusse)

6.9.1. Wie dargelegt, ist der Beschuldigte mit 50 Tagessätzen Geldstrafe zu be-
strafen. Festzulegen sind die Tagessatzhöhe, die Vollzugsart und eine mögliche 
Verbindungsbusse.

6.9.2. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen 
und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils (Art. 34 
Abs. 2 StGB). Vorliegend bestehen keine gesicherten Angaben über das Einkom-
men des Beschuldigten, da ihn die Steuerbehörden in den letzten Jahren nach 
Ermessen veranlagt haben. Gemäss der aktuellsten Veranlagung aus dem Jahr 
2020 hatte er demnach ein Einkommen von CHF 40'000.00, was gemäss dem 
Beschuldigten zu hoch eingeschätzt ist. Im Jahr 2021 habe er etwa 
CHF 15'000.00 bis 20'000.00 verdient. Vorliegend ist im Folgenden von einem 
Nettoeinkommen von CHF 20'000.00 auszugehen, wovon praxisgemäss ein Pau-
schalabzug von 20% für Krankenkasse, Steuern und dergleichen abzuziehen ist. 
Nicht zu berücksichtigen sind die Schulden, zumal nach eigenen Aussagen keine 
Rückzahlung stattfindet und vermutungsgemäss auch keine Zinsen bezahlt wer-
den. Basierend auf diese Zahlen resultiert ein Tagessatz von CHF 43.85 (= 
[20'000 – 4'000] : 365), welcher aufgrund des angegebenen Lohnrahmens auf 
CHF 40.00 abzurunden ist.

6.9.3. Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Gelds-
trafe oder einer Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn 
eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung 
weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Vorliegend wird der Beschuldigte 
zu einer Geldstrafe verurteilt. Da er in den letzten fünf Jahren zu keiner Freiheits-

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strafe verurteilt worden ist, ist vermutungsgemäss von einer günstigen Prognose 
auszugehen (vgl. Art. 42 Abs. 1 und 2 StGB; BGE 134 IV 5). Wie die Vorinstanz 
richtig ausgeführt hat, ist diese Vermutung zu bestätigen, zumal seit dem vorlie-
gend zu beurteilenden Sachverhalt im Jahr 2014 kein weiteres Vergehen oder 
Verbrechen hinzugekommen ist. Gestützt auf Art. 42 Abs. 1 StGB ist der Vollzug 
der Geldstrafe daher aufzuschieben. Dies bei einer Probezeit von zwei Jahren 
(vgl. Art. 44 Abs. 1 StGB). 

6.9.4. Gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB kann eine bedingte Geldstrafe mit einer unbe-
dingten Geldstrafe oder einer Busse nach Art. 106 StGB verbunden werden. Auf 
die Ausführungen der Vorinstanz kann verwiesen werden (vgl. act. B.1, E. 5.5). 
Wie die Vorinstanz hält auch das Kantonsgericht eine Verbindungsbusse für an-
gebracht, da die vorliegende Strafe die Schnittstellenproblematik zwischen (unbe-
dingter) Busse (bei Übertretungen) und bedingter Geldstrafe (bei Vergehen) be-
trifft. Die Verbindungsbusse ist auf einen Fünftel der bedingten Geldstrafe festzu-
legen; konkret ist demnach eine Busse von CHF 400.00 auszusprechen. Die Er-
satzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung wird auf 10 Tage festgesetzt 
(vgl. Art. 42 Abs. 4 i.V.m. Art. 106 Abs. 2 StGB). 

6.9.5. Im Ergebnis wird der Beschuldigte damit zu einer (bedingten) Geldstrafe 
von 50 Tagessätzen zu CHF 40.00, ausmachend total CHF 2'000.00, und zu einer 
Verbindungsbusse von CHF 400.00 verurteilt.

7. Verfahrenskosten und Entschädigung

7.1. Untersuchung und Vorinstanz

Fällt die Rechtsmittelinstanz selbst einen Entscheid, so befindet sie auch über die 
von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3 StPO). Vorliegend 
hat das Kantonsgericht den vollumfänglichen Schuldspruch der Vorinstanz 
bestätigt. Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO sind die Untersuchungskosten und Ausla-
gen der Staatsanwaltschaft von CHF 2'391.40 und die Kosten der Vorinstanz von 
CHF 1'800.00 demzufolge dem Beschuldigten aufzuerlegen. Der Kostenentscheid 
präjudiziert den Entschädigungsentscheid (vgl. BGer 6B_115/2019 v. 15.5.2019 
E. 4.4; vgl. Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). Der Beschuldigte ist demzufolge für 
das vorinstanzliche Verfahren nicht zu entschädigen.

7.2. Rechtsmittelinstanz

7.2.1. In Anwendung von Art. 7 der Verordnung über die Gerichtsgebühren im 
Strafverfahren (VGS; BR 350.210) werden die Gerichtsgebühren für das Beru-

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fungsverfahren auf CHF 4'000.00 festgelegt. Die Kosten des Rechtsmittelverfah-
rens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens 
(Art. 428 Abs. 1 StPO). 

Vorliegend erfolgte im Schuldpunkt eine vollumfängliche Verurteilung. Hinsichtlich 
der Strafe reduzierte das Kantonsgericht jedoch die Anzahl Tagessätze sowie die 
Tagessatzhöhe. Im Weiteren verzichtete die Berufungsinstanz auf einen Widerruf 
der bedingten Geldstrafe vom 2. April 2013. Aufgrund des Obsiegens in diesen 
Nebenpunkten rechtfertigt es sich, dem Kanton Graubünden 1/8 der Verfahrens-
kosten aufzuerlegen. Dem Beschuldigten sind demnach CHF 3'500.00 aufzuerle-
gen, dem Kanton Graubünden CHF 500.00.

7.2.2. Gemäss Art. 436 Abs. 2 StPO hat die beschuldigte Person Anspruch auf 
eine angemessene Entschädigung für ihre Aufwendungen, wenn sie in einem 
Rechtsmittelverfahren in einem Nebenpunkt − und nicht in Bezug auf Freispruch 
oder Verfahrenseinstellung − obsiegt. Es gilt zudem der Grundsatz, dass bei 
Übernahme der Kosten durch die Staatskasse die beschuldigte Person Anspruch 
auf Entschädigung hat. Im Falle einer teilweisen Kostenauflage ist eine entspre-
chend gekürzte Entschädigung zuzusprechen (vgl. BGE 137 IV 352 E. 2.4.2; BGer 
6B_115/2019 v. 15.5.2019 E. 5.2).

7.2.3. Als Aufwendungen im Sinne von Art. 436 Abs. 2 StPO zählen analog zu 
Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO in erster Linie die Kosten der frei gewählten Verteidi-
gung, wenn der Beistand angesichts der tatsächlichen oder rechtlichen Komple-
xität des Falles geboten war. Nicht jeder Aufwand, der im Strafverfahren entstan-
den ist, ist jedoch zu entschädigen. Sowohl der Beizug eines Verteidigers als auch 
der von diesem betriebene Aufwand müssen sich als angemessen erweisen, d.h. 
in einem vernünftigen Verhältnis zur Schwierigkeit des Falles stehen (vgl. BGE 
142 IV 163 E. 3.1.2; 138 IV 197 E. 2.3.4). Entschädigungspflichtig sind somit (nur) 
jene Aufwendungen, die von ihrem Umfang her den Verhältnissen entsprechen, 
sachbezogen und angemessen sind. Dies bedeutet, dass die Verteidigungskosten 
sowohl in einem vernünftigen Verhältnis zur Schwierigkeit des Falles als auch zur 
Wichtigkeit der Sache stehen müssen. Erscheinen die Aufwendungen als verfah-
rensfremd, unnötig oder übersetzt, sind sie nicht zu entschädigen, wobei auf die 
Verhältnisse im Zeitpunkt des Beizugs des Verteidigers abzustellen ist.

Vorliegend macht der Verteidiger einen Aufwand von 19.42 Stunden à CHF 
240.00 geltend. Inklusive 4% Spesen und der Mehrwertsteuer beläuft sich seine 
Honorarnote damit auf CHF 5'219.60. Vorab ist festzuhalten, dass das Kantonsge-
richt praxisgemäss lediglich eine Spesenpauschale von 3% zuspricht. Es sind kei-

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ne Gründe ersichtlich, weshalb hier von dieser Praxis abzuweichen wäre. Hinsicht-
lich dem zeitlichen Aufwand ist anzumerken, dass die Verteidigung zu den obsie-
genden Nebenpunkten keine Ausführungen oder Rügen angebracht hat. Dement-
sprechend hatte sie diesbezüglich keinen beziehungsweise nur einen verminder-
ten Aufwand, was bei der Bemessung der Entschädigung zu berücksichtigen ist. 
Insgesamt erscheint es angemessen, diesbezüglich eine Entschädigung von 
CHF 400.00 inklusive Spesen und Mehrwertsteuer auszurichten.

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Demnach wird erkannt:

1. Es wird festgestellt, dass das Urteil des Regionalgerichts Plessur vom 10. 
November 2016 (Proz. Nr. 515-2016-35) wie folgt in Rechtskraft erwachsen 
ist:

[…]

4. Die Zivilklage von B._____ gegen A._____ wird im Umfang von CHF 800.00 
(Genugtuung) abgewiesen und im Umfang von CHF 3'000.00 (Schadenersatz) 
auf den Zivilweg verwiesen. Im Umfang von CHF 200.00 (Genugtuung) wird 
die Zivilklage infolge Klagerückzugs abgeschrieben.

[…]

2. A._____ ist schuldig:

 der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 
und 4 SVG i.V.m. Art. 90 Abs. 2 SVG;

 der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 37 Abs. 1 
SVG und Art. 12 Abs. 2 VRV i.V.m. Art. 90 Abs. 2 SVG;

 der versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 
Abs. 1 StGB.

3.1 Dafür wird A._____ mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 
40.00 und einer Busse von CHF 400.00 bestraft.

3.2 Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jah-
ren aufgeschoben.

3.3 Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 10 Tage. Sie tritt an die Stelle 
der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.

4. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubün-
den vom 2. April 2013 gegen A._____ ausgesprochenen Geldstrafe von 30 
Tagessätzen zu je CHF 30.00 wird nicht widerrufen.

5. Die Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden von 
CHF 2'391.40 gehen zulasten von A._____.

6. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens von CHF 1'800.00 gehen zu-
lasten von A._____.

7.1 Die Kosten des Berufungsverfahrens werden auf CHF 4'000.00 festgesetzt. 
Im Umfang von CHF 3'500.00 gehen diese zulasten von A._____ und im 
Umfang von CHF 500.00 zulasten des Kantons Graubünden (Kantonsge-
richt).

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7.2 A._____ wird für das Berufungsverfahren mit CHF 400.00 (inkl. MwSt. und 
Spesen) zulasten des Kantons Graubünden (Kantonsgericht) entschädigt.

8. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. BGG Beschwerde in 
Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

9. Mitteilung an: