# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8edccacb-cce1-5f3f-8617-eec97ef79f16
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-09-15
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 15.09.2020 A2 20 67
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_A2-20-67_2020-09-15.pdf

## Full Text

A2 20 67 

 

URTEIL VOM 15. SEPTEMBER 2020 

 

Kantonsgericht Wallis 

Öffentlichrechtliche Abteilung 

 

Es wirken mit: Christophe Joris, Präsident, Thomas Brunner, Dr. Thierry Schnyder; Rich-

ter, sowie Vanessa Brigger, Gerichtsschreiberin, 

 

in Sachen 

 

X _________, vertreten durch Rechtsanwalt M _________, 

 

gegen 

 

STAATSRAT DES KANTONS WALLIS, 1950 Sitten,  

 

(Aufschiebende Wirkung) 

Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Entscheid vom 10. Juni 2020.  

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Sachverhalt 

 

A.  Die Dienststelle für Bevölkerung und Migration (DBM) verfügte am 7. Januar 2020, 

dass die Aufenthaltsbewilligung von X _________ nicht verlängert werde und dieser bis 

zum 28. Februar 2020 die Schweiz verlassen müsse (act. 104 ff). Dagegen reichte 

X _________ am 10. Februar 2020 Beschwerde beim Staatsrat ein. Der Staatsrat wies 

die Beschwerde am 10. Juni 2020 ab (act. 168 ff.).  

B.  Dagegen reichte X _________ (Beschwerdeführer) am 17. August 2020 Beschwerde 

bei der öffentlich-rechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts ein. Er beantragte, neben 

der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Verfahren A2 20 64) und der Aufhe-

bung des Staatsratsentscheids vom 10. Juni 2020 (Verfahren A1 20 136), dass umge-

hend ein Zwischenentscheid über den Umfang der aufschiebenden Wirkung betreffend 

Zulässigkeit der Fortführung der Erwerbstätigkeit erlassen werde. Der Beschwerdeführer 

legte dar, die DBM habe seinem Arbeitgeber im Frühjahr 2020 mitgeteilt, er dürfe trotz 

hängigem Beschwerdeverfahren keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. In der Folge sei 

sein Arbeitsverhältnis auf den 31. Mai 2020 aufgelöst worden. Die Arbeitslosenkasse 

habe seinen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung aufgrund der fehlender Aufenthalts-

bewilligung abgewiesen. Er verfüge derzeit über kein Einkommen und über kein Vermö-

gen. Sein ehemaliger Arbeitgeber würde ihn jederzeit wieder beschäftigen, wenn dies 

zulässig sei. Am 27. November 2017 habe er ordnungsgemäss ein Gesuch um Verlän-

gerung seiner Aufenthaltsbewilligung eingereicht. Seine Arbeitgeberin habe am 10. Sep-

tember 2018 die DBM um eine Bestätigung gebeten, dass das Verlängerungsverfahren 

immer noch hängig sei und er arbeiten dürfe. Erst im Frühjahr 2020 und erneut am 

2. Juni 2020 habe die DBM mitgeteilt, dass er keiner Erwerbstätigkeit nachgehen dürfe. 

Dies sei rechtswidrig: Gemäss Art. 51 Abs. 1 VVRG habe die Beschwerde aufschie-

bende Wirkung, diese sei nicht entzogen worden.  

C.  Die DBM beantragte am 25. August 2020 die kostenpflichtige Abweisung der Be-

schwerde, verwies auf ihre Verfügung vom 7. Januar 2020 sowie den angefochtenen 

Entscheid des Staatsrats und verzichtete auf weitere Ausführungen.  

Der Staatsrat beantragte am 2. September 2020 die Abweisung der Beschwerde und 

verzichtete auf die Abgabe einer Stellungnahme.  

Weitere Sachverhaltsdarstellungen, Parteibehauptungen sowie Begründungen sind, so-

weit rechtlich von Bedeutung, in den nachfolgenden Erwägungen aufgeführt.  

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Erwägungen 

 

1.  Die in der Sache zuständige Behörde kann über den Bestand, den Nichtbestand oder 

den Umfang öffentlich-rechtlicher Rechte oder Pflichten von Amtes wegen oder auf Be-

gehren eine Feststellungsverfügung treffen (Art. 35 Abs. 1 des Gesetzes über das Ver-

waltungsverfahren und die Verwaltungsrechtspflege vom 6. Oktober 1976 [VVRG; 

SGS/VS 172.6]). Dem Begehren um eine Feststellungsverfügung ist zu entsprechen, 

wenn der Gesuchsteller ein schutzwürdiges Interesse glaubhaft macht (Art. 35 Abs. 2 

VVRG; BGE 123 II 402 E. 4b/aa; 120 Ib351E. 3a). 

2.  Die Aufenthaltsbewilligung wird für Aufenthalte mit einer Dauer von mehr als einem 

Jahr erteilt (Art. 33 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer 

und über die Integration vom 16. Dezember 2005 [AIG; SR 142.20]). Sie wird für einen 

bestimmten Aufenthaltszweck erteilt und kann mit weiteren Bedingungen verbunden 

werden (Art. 33 Abs. 2 AIG). Sie ist befristet und kann verlängert werden, wenn keine 

Widerrufsgründe nach Artikel 62 Abs. 1 vorliegen (Art. 33 Abs. 3 AIG). Bei der Erteilung 

und der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung wird bei der Festlegung der Gültigkeits-

dauer die Integration der betreffenden Person berücksichtigt (Abs. 4). Die Erteilung und 

die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung können mit dem Abschluss einer Integrati-

onsvereinbarung verbunden werden, wenn ein besonderer Integrationsbedarf nach den 

Kriterien gemäss Art. 58a besteht (Abs. 5). Das Gesuch um Verlängerung der Aufent-

haltsbewilligung muss spätestens 14 Tage vor Ablauf der Gültigkeitsdauer eingereicht 

werden. Eine Verlängerung ist frühestens drei Monate vor Ablauf der Gültigkeitsdauer 

möglich. Ausnahmen sind in begründeten Einzelfällen möglich (Art. 59 Abs. 1 der Ver-

ordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 [VZAE; 

SR 142.201]). Wurde das Verlängerungsgesuch eingereicht, darf sich die betroffene Per-

son während des Verfahrens in der Schweiz aufhalten, sofern keine abweichende Ver-

fügung getroffen wurde (Art. 59 Abs. 2 VZAE).  

2.1  Einem Rechtsmittel kommt in der Regel aufschiebende Wirkung zu, so dass das 

Recht zur Anwesenheit fortbesteht, bis der Entscheid rechtskräftig wird. Die aufschie-

bende Wirkung kann allerdings nach Massgabe des einschlägigen Verfahrensrechts 

durch die verfügende Behörde entzogen werden. Dieser gesetzliche Schutz der Anwe-

senheit für die Dauer des Verfahrens ist nicht gegeben, wenn das Gesuch erst nach 

Ablauf der Bewilligung eingereicht wird. Es kann indessen überspitzt formalistisch oder 

unverhältnismässig sein, bei verspäteter Einreichung des Gesuchs dieses erst nach er-

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folgter Ausreise zu behandeln oder gar die Ausreiseverpflichtung zwangsweise durch-

zusetzen (zum Ganzen Tamara Nüssle, in: Martina Caroni/ Thomas Gächter/ Daniela 

Thurnherr [Hrsg.], Handkommentar Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Auslän-

der, Bern 2010, Art 33 AuG N. 32). Die betroffene Person kann während der Dauer des 

Verlängerungsverfahrens und damit auch nach Erlöschen der Bewilligung in der Schweiz 

verbleiben, sofern die zuständige Behörde im Sinne vorsorglicher Massnahmen keine 

abweichenden Verfügungen trifft (Urteil des Bundesgerichts 2C_1154/2016 vom 25. Au-

gust 2017 E. 2.3). Während des Verlängerungsverfahrens ist der Gesuchsteller sowohl 

aufenthalts- als auch erwerbsberechtigt (Marc Spescha/ Peter Bolzli/ Fanny de Weck/ 

Valerio Priuli, Handbuch zum Migrationsrecht, 4. A., 2020, S. 160). Art. 59 Abs. 2 VZAE 

verleiht zwar nur ein prozessuales Aufenthaltsrecht; die durch die Bewilligung verschaff-

ten Rechte, insbesondere hinsichtlich Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, gelten nach Ab-

lauf der Gültigkeitsdauer der Aufenthaltsbewilligung aber weiterhin (Urteil des Bundes-

gerichts 2C_1154/2016 vom 25. August 2017 E. 2.3). 

3.  Vorliegend macht der Beschwerdeführer geltend, die DBM untersage ihm zu Unrecht 

die Erwerbstätigkeit während des Verlängerungsverfahrens, weshalb der Bestand seiner 

Rechte festzustellen sei.  

3.1  Die Arbeitgeberin des Beschwerdeführers hat am 10. September 2018 bei der DBM 

eine Bestätigung erbeten, dass das Verlängerungsverfahren noch hängig sei und der 

Beschwerdeführer arbeiten dürfe (act. 97). Die DBM hat diese Anfrage gemäss Akten-

lage nie beantwortet. Am 7. Januar 2020 hat die DBM verfügt, dass die Aufenthaltsbe-

willigung des Beschwerdeführers nicht verlängert werde. Am 13. Mai 2020 hat die DBM 

dem Rechtsanwalt des Beschwerdeführers mitgeteilt, Letztgenannter dürfe trotz auf-

schiebender Wirkung der Beschwerde keiner Erwerbstätigkeit nachgehen (act. 181). Am 

20. Mai 2020 hat der Rechtsanwalt um Erlass einer anfechtbaren Verfügung ersucht 

(act. 180). Mit Einschreiben vom 2. Juni 2020 hat die DBM an ihrer Auffassung festge-

halten, dass der Beschwerdeführer trotz aufschiebender Wirkung der Beschwerde nicht 

berechtigt sei, bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheids einer Erwerbstätigkeit 

nachzugehen (act. 176). Dies wäre nur bei einem Widerruf der Aufenthaltsbewilligung 

möglich, nicht aber bei einer bereits ordentlich abgelaufenen Bewilligung, die nicht ver-

längert worden sei. Die DBM führte zudem aus, sie werde keine beschwerdefähige Ver-

fügung erlassen, die Frage der aufschiebenden Wirkung habe der Staatsrat zu entschei-

den. Am 12. Juni 2020 hat der Rechtsanwalt den für die Verfahrensleitung zuständigen 

Verwaltungs- und Rechtsdienst der Staatskanzlei um Bestätigung ersucht, dass sein 

Mandant bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheids einer Erwerbstätigkeit 

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nachgehen dürfe (act. 182 f.). Am 16. Juni 2020 verwies der Verwaltungs- und Rechts-

dienst auf den am 12. Juni 2020 eröffneten Entscheid des Staatsrats vom 10. Juni 2020 

und auf das Schreiben der DBM vom 2. Juni 2020 und führte aus, sie könne keine wei-

teren Auskünfte erteilen (act. 184).  

3.2  Der Beschwerdeführer hat am 27. November 2017 ein Gesuch um Verlängerung 

seiner bis zum 31. Dezember 2017 gültigen Aufenthaltsbewilligung gestellt (act. 88). Ge-

mäss Art. 51 Abs. 1 VVRG hat die Beschwerde aufschiebende Wirkung, was die DBM 

nicht bestreitet. Der Staatsrat hat die aufschiebende Wirkung nicht entzogen (Art. 52 

Abs. 2 VVRG). Damit sind die in Art. 59 VZAE statuierten Voraussetzungen erfüllt und 

der Beschwerdeführer ist gemäss Art. 59 Abs. 2 VZAE berechtigt, sich während des 

Verlängerungsverfahrens und bis ein rechtskräftiger Entscheid vorliegt in der Schweiz 

aufzuhalten und einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.  

3.3  Vorliegend hat der Beschwerdeführer ein schutzwürdiges Interesse daran, dass das 

urteilende Gericht das Bestehen seiner Anwesenheits- und Erwerbsberechtigung wäh-

rend des hängigen Verlängerungsverfahrens feststellt: Die DBM hat seinen bis am 

31. Dezember 2017 gültigen Ausländerausweis eingezogen, dieser befindet sich bei den 

vom Staatsrat im Beschwerdeverfahren A1 20 136 beim Kantonsgericht hinterlegten 

Verfahrensakten CHE 36-20A (vgl. dazu Spescha/ Bolzli/ de Weck/ Priuli, a.a.O., S. 160, 

wonach diese Praxis höchst problematisch sei). Die DBM spricht dem Beschwerdeführer 

das Recht auf Erwerbstätigkeit während des Verfahrens ab und auch der Staatsrat hat 

keine Bestätigung betreffend das Recht auf Erwerbstätigkeit ausgestellt. Aufgrund des 

fehlenden Ausweises ist das Arbeitsverhältnis des Beschwerdeführers auf den 31. Mai 

2020 aufgelöst worden und die Arbeitslosenkasse verneint den Anspruch auf Arbeitslo-

senentschädigung (Beleg 4 zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom 17. August 2020).  

3.4  Nach dem Gesagten wird das Gesuch gutgeheissen und es wird festgestellt, dass 

der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom 17. August 2020 aufschiebende Wirkung zu-

kommt und der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 59 Abs. 2 VZAE bis zum Vorliegen 

eines rechtskräftigen Entscheids berechtigt ist, sich in der Schweiz aufzuhalten und einer 

Erwerbstätigkeit nachzugehen. Der von der DBM eingezogene Ausländerausweis (Auf-

enthaltstitel Aufenthaltsbewilligung (B) Familiennachzug mit Erwerbstätigkeit, gültig bis 

31.12.2017) wird dem Beschwerdeführer zurückgesandt.  

 

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4.  Im Beschwerdeverfahren hat in der Regel die unterliegende Partei die Kosten zu tra-

gen (Art. 89 Abs. 1 VVRG). Ausnahmsweise können die Kosten ganz oder teilweise er-

lassen werden (Art. 89 Abs. 2 VVRG). Den Behörden des Bundes, des Kantons und der 

Gemeinden, die in ihrem amtlichen Wirkungskreis und ohne dass es sich um ihr Vermö-

gensinteresse handelt, als Parteien oder Vorinstanzen in einem Verfahren auftreten, 

werden in der Regel, von der abzuweichen vorliegend keine Gründe bestehen, keine 

Kosten auferlegt (Art. 89 Abs. 4 VVRG). Es werden deshalb keine Gerichtskosten erho-

ben.  

4.1  Die Beschwerdeinstanz gewährt der ganz oder teilweise obsiegenden Partei auf Be-

gehren die Rückerstattung der notwendigen Kosten, die ihr entstanden sind (Art. 91 Abs. 

1 VVRG). Die Entschädigung wird im Dispositiv beziffert und der Staats- oder Gemein-

dekasse auferlegt, soweit sie aus Billigkeitsgründen nicht der unterliegenden Partei auf-

erlegt werden kann (Art. 91 Abs. 2 VVRG). Diese ist global festzusetzen und umfasst die 

Entschädigung an die berechtigte Partei sowie ihre Anwaltskosten (Art. 4 GTar), die in 

Anwendung der Art. 27 ff. GTar festzusetzen sind und im Verwaltungsgerichtsbeschwer-

deverfahren zwischen Fr. 1 100.-- und Fr. 11 000.-- betragen (Art. 39 GTar). Aufgrund 

des Umfangs, des geschätzten Aufwands, der Bedeutung und der Schwierigkeit des Fal-

les wird dem anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer für das vorliegende Verfahren 

eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 1 200.-- zugesprochen, welche vom Kan-

ton zu tragen ist. 

 

  

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Demnach erkennt das Kantonsgericht: 

 

1. Es wird festgestellt, dass der Verwaltungsgerichtsbeschwerde vom 17. August 2020 

aufschiebende Wirkung zukommt und der Beschwerdeführer gestützt auf Art. 59 

Abs. 2 VZAE bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheids berechtigt ist, sich 

in der Schweiz aufzuhalten und einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.  

2. Der Ausländerausweis wird dem Beschwerdeführer zurückgesandt.  

3. Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung von Fr. 1 200.-- zu Lasten 

des Kantons zugesprochen. 

4. Es werden keine Gerichtskosten erhoben. 

5. Das Urteil wird dem Beschwerdeführer und dem Staatsrat des Kantons Wallis 

schriftlich mitgeteilt. 

 

Sitten, 15. September 2020