# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 17b86593-9464-532d-886e-bf6586223bed
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-09-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.09.2018 D-1726/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1726-2018_2018-09-06.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1726/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  6 .  S e p t e m b e r  2 0 1 8  

Besetzung 
 Einzelrichterin Daniela Brüschweiler, 

mit Zustimmung von Richterin Constance Leisinger;  

Gerichtsschreiberin Mareile Lettau. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch Ass. iur. Christian Hoffs,  

HEKS Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende SG/AI/AR,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Vollzug der Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 23. Februar 2018 / N (…). 

 

 

 

D-1726/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein eritreischer Staatsangehöriger mit letztem 

Wohnsitz in B._______ (Sub Zoba C._______, Zoba Debub) verliess sein 

Heimatland eigenen Angaben gemäss im Februar 2014 und gelangte nach 

mehrmonatigen Aufenthalten in Äthiopien, dem Sudan und Libyen am 

27. oder 28. April 2015 von Italien kommend in die Schweiz. Am 28. April 

2015 suchte er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) D._______ 

um Asyl nach. Am 26. Mai 2015 führte das SEM dort die Befragung zur 

Person (BzP) durch, die ausführliche Anhörung zu den Asylgründen fand 

am 29. Juni 2016 statt. 

Zur Begründung seines Asylgesuches brachte er im Wesentlichen vor, er 

sei nach der illegalen Ausreise seiner zwei besten Freunde festgenommen 

worden. Nach zwei Tagen Haft unter schlechten Bedingungen, während 

der er Verhören und Schlägen ausgesetzt gewesen sei, habe er anlässlich 

seiner Verlegung in eine andere Haftanstalt fliehen können. Aus Angst vor 

weiteren behördlichen Massnahme sei er ausgereist. Zum Beleg seiner 

Identität reichte er Kopien der Identitätskarten seiner Eltern zu den Akten. 

B.  

Mit Verfügung vom 23. Februar 2018 – eröffnet am 26. Februar 2018  – 

stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-

schaft nicht (Dispositivziffer 1); es lehnte das Asylgesuch ab (Dispositivzif-

fer 2), verfügte die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3) und 

ordnete den Vollzug der Wegweisung an (Dispositivziffern 4 und 5).  

C.  

Diese Verfügung liess der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 21. März 

2018 beim Bundesverwaltungsgericht insofern anfechten, als er die Aufhe-

bung der Dispositivziffern 4 und 5 der angefochtenen Verfügung, die Fest-

stellung der Unzulässigkeit und/oder Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs und die Anordnung der vorläufigen Aufnahme beantragte. Even-

tualiter sei die Sache zur erneuten Entscheidfällung an die Vorinstanz zu-

rückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er unter Beilage einer Für-

sorgebestätigung um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht, um Ge-

währung der unentgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung eines 

amtlichen Rechtsbeistands.  

D-1726/2018 

Seite 3 

D.  

Am 23. März 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang 

der Beschwerde. 

E.  

Mit Verfügung vom 27. März 2018 stellte die Instruktionsrichterin fest, der 

Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz ab-

warten, und hiess die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung sowie Rechtsverbeiständung gut und verzichtete auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses. Der bisherige Rechtsvertreter Ass. iur. 

Christian Hoffs wurde dem Beschwerdeführer als amtlicher Rechtsbei-

stand beigeordnet. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). 

1.2  Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden; der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 

AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.3 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 

2014/26 E. 5). 

3.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Das Urteil ist 

D-1726/2018 

Seite 4 

deshalb nur summarisch zu begründen und auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels wurde verzichtet (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 

Dass dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege (Art. 65 

Abs. 1 VwVG) gewährt wurde (vgl. oben, Bst. E), die Beschwerde also im 

Beschwerdezeitpunkt als nicht aussichtslos zu qualifizieren war, steht einer 

Behandlung der Beschwerde im Verfahren nach Art. 111 Bst. e AsylG in 

bestimmten Konstellationen nicht entgegen. Dies ist namentlich dann der 

Fall, wenn sich die Beschwerde aufgrund neuer Erkenntnisse oder einer 

geänderten Rechtsauffassung während des Beschwerdeverfahrens als of-

fensichtlich unbegründet erweist (vgl. Urteil des BVGer E-8098/2015 vom 

26. April 2016, E. 2.2.2). Zwar decken sich die Begriffe der Aussichtslosig-

keit (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und der offensichtlichen Unbegründetheit  

(Art. 111 Bst. e AsylG) materiell weitgehend. Für die Prüfung der offensicht-

lichen Unbegründetheit (Art. 111 Bst. e AsylG) ist indessen der Urteilszeit-

punkt massgebend, während für die Beurteilung der Aussichtslosigkeit der 

Beschwerdebegehren (Art. 65 Abs. 1 VwVG) auf den Zeitpunkt der Be-

schwerdeerhebung abzustellen ist (BGE 133 III 614 E. 5). Insofern ist nicht 

ausgeschlossen, dass eine als nicht aussichtslos zu beurteilende Be-

schwerde – wie vorliegend aufgrund des zwischenzeitlichen Ergehens ei-

nes Grundsatzurteils des Bundesverwaltungsgerichts – als offensichtlich 

unbegründet abgewiesen wird. 

4.  

Die Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen den von der Vorinstanz 

angeordneten Vollzug der Wegweisung. Die Dispositivziffern 1–3 der an-

gefochtenen Verfügung des SEM sind mangels Anfechtung in Rechtskraft 

erwachsen und bilden nicht Gegenstand des Verfahrens. 

5.  

Der Beschwerdeführer macht geltend, der Wegweisungsvollzug sei ange-

sichts der drohenden Einziehung in den eritreischen Nationaldienst und ei-

ner damit verbundenen Verletzung von Art. 3 und Art. 4 Abs. 2 EMRK als 

unzulässig anzusehen. Das SEM habe sich nur ungenügend mit der Frage 

des Einzugs in den Militärdienst auseinandergesetzt. Angesichts der dro-

henden Einziehung in den Nationaldienst könnte er sich – entgegen der 

Ausführungen des SEM – im Übrigen nicht schnell wieder wirtschaftlich 

integrieren. Mangels beruflicher Ausbildung und Erfahrung lägen keine be-

günstigenden Faktoren vor, die den Wegweisungsvollzug zumutbar er-

scheinen liessen.  

D-1726/2018 

Seite 5 

6.  

6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG [SR 142.20]). 

6.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-

mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard 

wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-

weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens 

glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

7.  

Entgegen der Darstellung im angefochtenen Entscheid (vgl. Verfügung des 

SEM Ziff. III.1) geht das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass der 

Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in sein Heimatland in den National-

dienst eingezogen würde. 

8.  

8.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  

Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend darauf hin, 

dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulements nur Perso-

nen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da rechtskräftig fest-

gestellt ist, dass der Beschwerdeführer keine asylrechtlich erhebliche Ge-

fährdung nachgewiesen oder glaubhaft gemacht hat (vgl. oben, E. 4), kann 

der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorlie-

genden Verfahren keine Anwendung finden.  

8.2  

8.2.1 Die Frage der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs bei anstehen-

der Einziehung in den eritreischen Nationaldienst ist vom Bundesverwal-

tungsgericht in einem jüngst ergangenen Grundsatzurteil geklärt worden 

D-1726/2018 

Seite 6 

(vgl. Urteil des BVGer E-5022/2017 vom 10. Juli 2018 [BVGE-Publikation 

vorgesehen], E. 6.1). Das Gericht hat die Zulässigkeit des Wegweisungs-

vollzugs im genannten Urteil sowohl unter dem Gesichtspunkt des Zwangs-

arbeitsverbots (Art. 4 Abs. 2 EMRK) als auch unter jenem des Verbots der 

Folter und der unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung (Art. 3 

EMRK) geprüft.  

8.2.2 Nach einer umfassenden Analyse der verfügbaren Quellen gelangte 

das Bundesverwaltungsgericht im genannten Urteil in tatsächlicher Hin-

sicht zum Ergebnis, dass die Bemessung der Dienstdauer und die Gewäh-

rung von Urlauben im eritreischen Nationaldienst für die Einzelperson 

kaum vorhersehbar seien. Die durchschnittliche Dienstdauer lasse sich 

nicht genau beziffern, auszugehen sei jedoch davon, dass sie zwischen 

fünf und zehn Jahre betrage und in Einzelfällen darüber hinausgehen 

könne. Die Lebensbedingungen gestalteten sich sowohl in der Grundaus-

bildung als auch im militärischen und im zivilen Nationaldienst schwierig; 

im zivilen Nationaldienst insbesondere deshalb, weil Verpflegung und Un-

terkunft nicht immer zur Verfügung gestellt würden und der Nationaldienst-

sold – trotz einzelner Verbesserungen in jüngster Zeit – kaum ausreiche, 

um den Lebensunterhalt zu decken. Darüber hinausgehend stellte das 

Bundesverwaltungsgericht fest, dass es im eritreischen Nationaldienst – 

insbesondere in der Grundausbildung und im militärischen National-

dienst – zu Misshandlungen und sexuellen Übergriffen komme (vgl. zum 

Ganzen Urteil des BVGer E-5022/2017, a.a.O., E. 6.1.5.2).  

8.2.3 In rechtlicher Hinsicht führte das Bundesverwaltungsgericht aus, 

Art. 4 Abs. 2 EMRK stehe dem Wegweisungsvollzug nur dann entgegen, 

wenn das ernsthafte Risiko einer flagranten Verletzung des Zwangsarbeits-

verbots anzunehmen wäre. Der im eritreischen Nationaldienst effektiv zu 

befürchtende Nachteil, auf unabsehbare Zeit eine niedrig entlöhnte Arbeit 

für den Staat ausführen zu müssen, sei zwar als unverhältnismässige Last 

zu qualifizieren. Der Nachteil beraube jedoch Art. 4 Abs. 2 EMRK nicht sei-

nes essenziellen Gehalts; insofern sei keine flagrante Verletzung anzuneh-

men. Nicht erstellt sei zudem, dass die kolportierten Misshandlungen und 

sexuellen Übergriffe derart systematisch stattfänden, dass jede National-

dienstleistende und jeder Nationaldienstleistende dem ernsthaften Risiko 

ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden. Auch insofern sei 

eine Verletzung von Art. 4 Abs. 2 EMRK durch den Wegweisungsvollzugs 

zu verneinen (vgl. zum Ganzen Urteil des BVGer E-5022/2017, a.a.O., 

E. 6.1.5.2). 

D-1726/2018 

Seite 7 

8.2.4 Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte 

(EGMR) müsste der Beschwerdeführer mit Blick auf Art. 3 EMRK das ernst-

hafte Risiko ("real risk") nachweisen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung 

Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse 

Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Nr. 37201/06, 

§§ 124–127 m.w.H.). Im Grundsatzurteil E-5022/2017 führte das Bundes-

verwaltungsgericht diesbezüglich aus, dass keine hinreichenden Belege 

dafür existieren, dass Misshandlungen und sexuelle Übergriffe im Natio-

naldienst derart flächendeckend stattfänden, dass jede Dienstleistende 

und jeder Dienstleistende dem ernsthaften Risiko ausgesetzt wäre, selbst 

solche Übergriffe zu erleiden. Es besteht daher kein ernsthaftes Risiko ei-

ner Verletzung von Art. 3 EMRK im Falle einer Einziehung in den eritrei-

schen Nationaldienst (a.a.O., E. 6.1.6). 

8.2.5 Weitere Gründe für die Annahme der Unzulässigkeit des Wegwei-

sungsvollzugs ergeben sich weder aus den Akten noch aus der Beschwer-

deschrift. Der Wegweisungsvollzug ist folglich als zulässig zu betrachten.  

8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.3.1 Im bereits erwähnten Koordinationsurteil E-5022/2017 vom 10. Juli 

2018 befasste sich das Bundesverwaltungsgericht auch mit der Frage der 

Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs bei voraussichtlicher Einziehung 

der wegzuweisenden Person in den eritreischen Nationaldienst bei einer 

Rückkehr in ihr Heimatland. Es kam zum Schluss, dass die drohende Ein-

ziehung in den Nationaldienst nicht zur Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzugs führt. Dienstleistende würden nicht allein aufgrund der allgemei-

nen Verhältnisse im Nationaldienst in eine existenzielle Notlage geraten. 

Auch bestehe kein Grund zur Annahme, sie seien überwiegend wahr-

scheinlich dem ernsthaften Risiko ausgesetzt, Misshandlungen oder sexu-

elle Übergriffe zu erleiden (vgl. a.a.O. E. 6.2.3-6.2.5). 

8.3.2 Gemäss aktueller Rechtsprechung kann in Eritrea sodann nicht von 

einem Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt bezie-

hungsweise einer generellen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

ausgegangen werden. In jüngster Zeit haben sich die Lebensbedingungen 

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Seite 8 

in einigen Bereichen verbessert. Zwar ist die wirtschaftliche Lage nach wie 

vor schwierig. Die medizinische Grundversorgung, die Ernährungssitua-

tion, der Zugang zu Wasser und zur Bildung haben sich aber stabilisiert. 

Der Krieg ist seit Jahren beendet und ernsthafte ethnische oder religiöse 

Konflikte sind nicht zu verzeichnen. Zu erwähnen sind an dieser Stelle auch 

die umfangreichen Zahlungen aus der Diaspora, von denen ein Grossteil 

der Bevölkerung profitiert. Angesichts der schwierigen allgemeinen Lage 

des Landes muss jedoch in Einzelfällen nach wie vor von einer Existenz-

bedrohung ausgegangen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. 

Anders als noch unter der früheren Rechtsprechung sind begünstigende 

individuelle Faktoren jedoch nicht mehr zwingende Voraussetzung für die 

Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs (vgl. Referenzurteil des BVGer  

D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 16 f.). 

8.3.3 Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen jungen Mann, der 

bis auf seine Verletzungen am (…) (vgl. act. A15, S. 16) keine gesundheit-

lichen Beeinträchtigungen geltend gemacht hat (vgl. act. A4, S. 10). Be-

sondere individuelle Umstände, aufgrund derer bei einer Rückkehr nach 

Eritrea – wo die Eltern und zahlreiche Geschwister, sowie Onkel und Tan-

ten leben (vgl. act. A4, S. 5) – von einer existenziellen Bedrohung ausge-

gangen werden müsste, sind den Akten nicht zu entnehmen. Vielmehr ist 

davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer, der fast acht Jahre lang 

die Schule besucht (vgl. act. A15, S. 4, 7) und zu Hause in der Landwirt-

schaft gearbeitet hat (vgl. act. A15, S. 6), nach seiner Rückkehr wieder zu 

Hause wird leben und – abgesehen von einer allfälligen Militärdienstleis-

tung – in der Landwirtschaft wird mitarbeiten können. Die Familie lebt als 

Bauern und Selbstversorger in einem Haus mit Land, auf dem sie Getreide 

anbaut, und besitzt Tiere (vgl. act. A4, S. 10; act. A15, S. 6, 7). Da er noch 

in regelmässigem Kontakt zu seinen Familienangehörigen im Heimatdorf 

steht (vgl. act. A4, S. 10; act. A15, S. 3) und seine Eltern und sein Cousin 

aus E._______ zudem seine Ausreise bezahlt haben (vgl. act. A15, S. 21), 

wird der Beschwerdeführer auch bei seiner Rückkehr familiäre Unterstüt-

zung sowie finanzielle Hilfe im Bedarfsfall erfahren. 

8.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung nicht 

als unzumutbar im Sinn von Art. 83 Abs. 4 AuG.  

8.4 Die zwangsweise Rückführung abgewiesener Asylsuchender nach 

Eritrea ist zurzeit generell nicht möglich. Die Möglichkeit der freiwilligen 

Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmöglichkeit 

D-1726/2018 

Seite 9 

des Wegweisungsvollzugs entgegen. Es obliegt daher dem Beschwerde-

führer, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine 

Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 

AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12).  

Der Vollzug der Wegweisung ist deshalb auch als möglich zu bezeichnen 

(Art. 83 Abs. 2 AuG). 

8.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-

sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich qualifiziert hat. 

Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht 

(Art. 83 Abs. 1–4 AuG). Ebenso wenig besteht nach den vorstehenden 

Ausführungen Anlass, die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der 

entsprechende (Eventual-)Antrag ist abzuweisen. 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.  

10.  

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das mit der Be-

schwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung wurde jedoch mit Instruktionsverfügung vom 27. März 2018 gutge-

heissen, den Akten sind keine Hinweise auf eine Veränderung der finanzi-

ellen Verhältnisse zu entnehmen. Es sind somit keine Verfahrenskosten zu 

erheben. 

10.2 Dem als amtlicher Rechtsbeistand eingesetzten Rechtsvertreter ist 

ein amtliches Honorar auszurichten. Der Rechtsvertreter hat eine Kosten-

note vom 21. März 2018 eingereicht, in welcher ein zeitlicher Aufwand von 

fünf Stunden und Barauslagen (Dolmetscherkosten und weitere Auslagen) 

von Fr. 95.– aufgeführt werden. Der geltend gemachte Aufwand erscheint 

angemessen, hingegen ist der angeführte Stundenansatz von Fr. 200.–, 

wie bereits in der Instruktionsverfügung vom 27. März 2018 dargelegt, auf 

Fr. 150.– zu kürzen. Dem Rechtsbeistand ist durch das Bundesverwal-

tungsgericht gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfakto-

ren (Art. 9–13 VGKE) somit ein amtliches Honorar in der Höhe von 

Fr. 845.– (inkl. Auslagen) auszurichten.  

D-1726/2018 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Dem amtlichen Rechtsbeistand wird durch das Bundesverwaltungsgericht 

ein Honorar in der Höhe von 845.– (inkl. Auslagen) ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Mareile Lettau 

 

 

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