# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 85bb19ab-9858-590b-ad6e-992e348489d8
**Source:** Schaffhausen (SH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-25
**Language:** de
**Title:** Schaffhausen Obergericht 25.01.2022 60/2020/28
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SH_OG/SH_OG_001_60-2020-28_2022-01-25.pdf

## Full Text

2022 

1 

 

Ökologisches Gleichgewicht; Abschuss von Kormoranen im Wasser- und 

Zugvogelreservat Stein am Rhein; Zustimmungserfordernis des BAFU – 

Art. 18 Abs. 4 NHG; Art. 11 JSG; Art. 5 BGF; Art. 5 Abs. 1 lit. h und Abs. 3, Art. 8 

und Art. 9 WZVV. 

Abschüsse, mit welchen Kormorane zum Schutz der Äsche aus dem interna-

tionalen Wasser- und Zugvogelreservat Stein am Rhein vergrämt werden sollen, 

stellen eine besondere Massnahme zur Regulierung des Kormoranbestands im 

Reservat dar, wofür eine vorgängige Zustimmung des BAFU erforderlich ist 

(E. 2.2–2.4). 

Das vogelschutzrechtliche Zustimmungserfordernis des BAFU ist auch bei fische-

reirechtlichen oder natur- und heimatschutzrechtlichen Massnahmen zu berück-

sichtigen (E. 3.1 f.). 

OGE 60/2020/28 vom 25. Januar 2022  

Veröffentlichung im Amtsbericht 

Sachverhalt 

Das Planungs- und Naturschutzamt des Kantons Schaffhausen bewilligte für die 

Zeit vom 1. September 2019 bis 31. März 2020 den Abschuss von Kormoranen im 

internationalen Wasser- und Zugvogelreservat Stein am Rhein. Dagegen erhob der 

Schweizer Vogelschutz SVS / BirdLife Schweiz Rekurs an den Regierungsrat des 

Kantons Schaffhausen. Dieser hiess den Rekurs gut. Eine unter anderem vom 

Schweizerischen Fischerei-Verband SFV gegen den Rekursentscheid erhobene 

Beschwerde wies das Obergericht ab. 

Aus den Erwägungen 

2. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, und es wurde von Seiten der Beschwer-

deführer nicht geltend gemacht, dass das Planungs- und Naturschutzamt vor Er-

teilung der Abschussbewilligung eine Bewilligung des BAFU eingeholt hatte. Der 

Schweizer Vogelschutz SVS / BirdLife Schweiz macht indes geltend, eine Bewilli-

gung des BAFU hätte vorgängig gestützt auf Art. 9 Abs. 1ter der Verordnung über 

die Wasser- und Zugvogelreservate von internationaler und nationaler Bedeutung 

vom 21. Januar 1991 (WZVV, SR 922.32) eingeholt werden müssen. Streitig und 

zu prüfen ist daher in einem ersten Schritt, ob das Planungs- und Naturschutzamt 

vor Erteilung der strittigen Abschussbewilligung eine Bewilligung des BAFU hätte 

einholen müssen. 

2022 

2 

 

2.1. Das Planungs- und Naturschutzamt stützte die Abschussbewilligung auf 

Art. 11 Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Jagd und den Schutz wildlebender 

Säugetiere und Vögel vom 20. Juni 1986 (Jagdgesetz, JSG, SR 922.0), Art. 5 

Abs. 1 WZVV und die kantonale Organisationsbestimmung von § 24 der Verord-

nung über den Naturschutz vom 6. März 1979 (Naturschutzverordnung, NSV, 

SHR 451.101 in der Fassung vom 1. April 2015). 

2.2. Das Gesetz unterscheidet zwischen verschiedenen Schutzgebieten, für 

welche teilweise abweichende (Schutz-)Regeln zur Anwendung gelangen. Zu dif-

ferenzieren ist namentlich zwischen Wasser- und Zugvogelreservaten von interna-

tionaler Bedeutung (Art. 11 Abs. 1 JSG), Wasser- und Zugvogelreservaten von 

nationaler Bedeutung (Art. 11 Abs. 2 JSG) und kantonalen Vogelreservaten 

(Art. 11 Abs. 4 JSG). Die Jagd ist in den Vogelreservaten verboten; kantonale Voll-

zugsorgane können den Abschuss von jagdbaren Tieren wie Kormoranen (Art. 5 

Abs. 1 lit. o JSG) zulassen, wenn es für den Schutz der Lebensräume, für die Er-

haltung der Artenvielfalt, zur Hege oder zur Verhütung von übermässigen Wild-

schäden notwendig ist (Art. 11 Abs. 5 JSG). Eine vorgängige Zustimmung des 

BAFU ist anders als beim Abschuss geschützter Tiere nicht von Gesetzes wegen 

erforderlich (Art. 7 Abs. 2 JSG e contrario). Sodann bestimmt Art. 25 Abs. 1 JSG, 

dass die Kantone das Gesetz unter Aufsicht des Bundes vollziehen und alle Bewil-

ligungen erteilen, für die nach dem Gesetz nicht eine Bundesbehörde zuständig 

ist. 

Das Gebiet am unteren Ende des Untersees von Mammern bis Stein am Rhein 

sowie der Rhein bis zur rechtsseitigen Schweizergrenze bei der Bibermühle 

(Reservat Stein am Rhein) ist ein Wasser- und Zugvogelreservat von internationa-

ler Bedeutung. Das Schutzziel besteht in der Erhaltung des Gebiets als Rast- und 

Nahrungsplatz für überwinternde Wasservögel (vgl. Bundesinventar der Wasser- 

und Zugvogelreservate von internationaler und nationaler Bedeutung, S. 13 

[Stand: 15. Juli 2015]). 

Gemäss Art. 11 Abs. 6 JSG erlässt der Bundesrat zu den Wasser- und Zugvogel-

reservaten von internationaler und nationaler Bedeutung die Schutzbestimmun-

gen. Die Kantone können für die Regulierung von Beständen jagdbarer Tierarten 

in Wasser- und Zugvogelreservaten besondere Massnahmen (bestandsregulie-

rende Massnahmen) vorsehen, sofern dies für den Schutz der Lebensräume, für 

die Erhaltung der Artenvielfalt, zur Hege oder zur Verhütung von übermässigen 

Wildschäden notwendig ist und die Schutzziele dadurch nicht beeinträchtigt wer-

den (Art. 9 Abs. 1 WZVV). Nach Art. 9 Abs. 1ter lit. a WZVV ist für besondere Mass-

nahmen für die Regulierung von Beständen jagdbarer Tierarten in Wasser- und 

Zugvogelreservaten von internationaler Bedeutung eine vorgängige Bewilligung 

2022 

3 

 

des BAFU erforderlich. Dieses Zustimmungserfordernis des BAFU dient dem er-

höhten Schutzbedürfnis von Reservaten internationaler Bedeutung und stellt ein 

Mittel der Bundesaufsicht dar; es ändert an der in Art. 11 Abs. 5 JSG fixierten Zu-

ständigkeit der kantonalen Vollzugsorgane, Abschussbewilligungen zu erteilen, 

nichts, diese stehen jedoch wie dargelegt unter dem Vorbehalt des erwähnten Zu-

stimmungserfordernisses. Unter Bestand sind die in einem Schutzgebiet lebenden 

Wildtiere zu verstehen; unter Regulation wird das Einlenken des Bestands der Tier-

art auf ein gesellschaftlich erwünschtes Niveau verstanden, unter gleichzeitiger Be-

achtung des Auftrags zum Artenschutz (vgl. Erläuternder Bericht N091-1288 des 

BAFU zur Änderung der Verordnung über die Wasser- und Zugvogelreservate von 

internationaler und nationaler Bedeutung [WZVV; SR 922.32], Stand 05.06.2015, 

S. 6 [nachfolgend: BAFU Bericht 2015]). Zwar bezieht sich die Bestimmung von 

Art. 9 Abs. 1 WZVV in erster Linie auf jagdbare Wildhuftiere und namentlich auf 

Wildschweine (vgl. BAFU Bericht 2015, S. 5). In der ursprünglichen Fassung sah 

Art. 9 Abs.1 WZVV nur besondere Massnahmen für die Regulierung jagdbarer 

Säugetierarten vor (vgl. AS 1991 300 f.). Mit der Änderung der Bestimmung, wel-

che per 1. Juli 2009 in Kraft trat (vgl. AS 2009 2528), wurde die Möglichkeit, be-

sondere Massnahmen zur Bestandsregulierung zu ergreifen, indes auf Vogelbe-

stände in Schutzgebieten erweitert (vgl. Erläuterungen H051-2355 des BAFU zur 

Teilrevision der Verordnung über die Wasser- und Zugvogelreservate von interna-

tionaler und nationaler Bedeutung [WZVV; SR 922.32], S. 6 f. [nachfolgend: BAFU 

Erläuterungen]). 

2.3. Zu prüfen ist, ob die Abschussbewilligung des Planungs- und Naturschutz-

amts als eine besondere Massnahme zur Regulierung von Kormoranbeständen 

nach Art. 9 Abs. 1 WZVV zu qualifizieren ist. Ist dies zu bejahen, wäre gestützt auf 

Art. 9 Abs. 1ter WZVV eine vorgängige Bewilligung des BAFU erforderlich gewesen. 

2.3.1. Das Planungs- und Naturschutzamt, welches die Abschussbewilligung 

nicht auf Art. 9 Abs. 1 WZVV stützte (vgl. oben E. 2.1), bezeichnete die Abschüsse 

von Kormoranen in der Bewilligung vom 7. August 2019 als eine Regulierungs-

massnahme von grösseren Fressfeinden der Äsche. Die Regulierungsmassnahme 

finde im Rahmen einzelner Abschüsse von Kormoranen durch qualifizierte Jäger 

statt. Die Abschüsse sollten die überlebenden Kormorane abschrecken und insbe-

sondere die Entstehung von Schlafbäumen verhindern. Die Fischereiaufsicht des 

Kantons Schaffhausen machte im Rekursverfahren geltend, Art. 9 WZVV sei nicht 

anwendbar, da es sich um Einzelabschüsse zwecks Abschreckung handle und 

nicht um eine Bestandsregulation; es handle sich um eine deutlich weniger inva-

sive Massnahme nach Art. 5 Abs. 1 lit. h WZVV. Das BAFU teilte in seiner Stel-

lungnahme vom 10. Februar 2021 mit, Vergrämungsmassnahmen könnten grund-

2022 

4 

 

sätzlich als fischereiliche Hegemassnahmen nach Art. 5 Abs. 1 lit. h WZVV qualifi-

ziert werden. Abschüsse bzw. technische Massnahmen, welche diesen gleichkä-

men, seien jedoch abschliessend in Art. 8 und 9 WZVV geregelt. Art. 5 Abs. 1 lit. h 

WZVV könne lediglich für sonstige Massnahmen als Rechtsgrundlage hinzugezo-

gen werden. Sofern Kantone sich auf Art. 9 Abs. 1 WZVV stützten, sei eine vor-

gängige Bewilligung des BAFU erforderlich. Das Verwaltungsgericht des Kantons 

Thurgau qualifizierte den Abschuss von Kormoranen in den thurgauischen Teilen 

des Reservats Stein am Rhein im Entscheid VG.2019.150/E vom 6. Mai 2020 ohne 

einlässliche Diskussion als eine besondere Massnahme nach Art. 9 Abs. 1 WZVV 

(vgl. E. 4.1 des Entscheids). Es setzte sich jedoch nicht mit der Frage der Notwen-

digkeit einer vorgängigen Bewilligung des BAFU auseinander. Unter altem Recht, 

als Art. 9 Abs. 1 WZVV noch auf jagdbare Säugetiere beschränkt war, qualifizierte 

das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau den Abschuss von Kormoranen zum 

Schutz der Äsche als fischereiliche Hegemassnahme bzw. als Wildschadensver-

hütungsmassnahme nach Art. 11 Abs. 5 bzw. Art. 12 JSG ("Im Vordergrund steht 

nicht der Abschuss möglichst vieler Kormorane [rund 1000 am Bodensee] um de-

ren Dezimierung willen, sondern der damit verbundene Verdrängungseffekt", vgl. 

VGer TG vom 12. März 1997, ZBl 99/1998 133 f.). 

2.3.2. Anlässlich einer Besprechung zum Schutzgebiet Stein am Rhein vom 

12. August 2010 schilderten Vertreter der Kantone Thurgau und Schaffhausen Ver-

tretern des BAFU das Ziel, die Organisation und die Praxis der Kormoranwache. 

Mit der Kormoranwache werde durch lokale/regionale Vergrämungsmassnahmen 

versucht, die Präsenz der Kormorane in für die Fische sensiblen Gewässerab-

schnitten (z.B. Hochrhein) zu verhindern bzw. zu minimieren. Es werde keine Re-

gulation des Kormoranbestands angestrebt, was auch deshalb nicht realisierbar 

wäre, da die Bestände international zusammenhingen. Grundsätzlich werde ver-

sucht, durch Vergrämung der Kormorane im Herbst möglichst viel Wirkung zu er-

zielen, um die Notwendigkeit zum Vergrämen im Spätwinter/Frühjahr, d.h. in der 

für die Wasservögel kritischen Zeit, zu verringern. Allfällige Abschüsse von Kormo-

ranen seien wichtiger Bestandteil dieser Vergrämungsaktion. Solche Abschüsse 

würden gemäss Art. 5 WZVV an Jagdberechtigte der lokalen Jagdgesellschaften 

delegiert. 

2.3.3. Bereits anlässlich einer früheren Besprechung mit dem BAFU vom 20. Mai 

2010 wurde von Seiten der Vertreter des Kantons Schaffhausen nach einem Hin-

weis des BAFU, Regulationsabschüsse bedürften einer vorgängigen Bewilligung 

des BAFU und Abschüsse von Vögeln (Kormoranen) würden keine bewilligt, aus-

geführt, es würden keine Regulationen vorgenommen. Zwar habe der Bund jüngst 

gefordert, Einzelabschüsse nach Art. 8 WZVV zu bewilligen. Art. 5 WZVV sei aber 

2022 

5 

 

besser geeignet. Bereits Art. 11 JSG sehe Abschüsse zur Erhaltung der Artenviel-

falt, der Lebensräume oder zur Hege vor. Somit könnten auch gemäss Art. 5 WZVV 

Massnahmen gegen Kormorane im Sinne der Fischhege ergriffen werden, solange 

die Zielart Äsche gleichzeitig auch einen gewissen Schutz vor der Fischerei er-

fahre. Das BAFU stimmte dem zu, da sich im Schutzgebiet der bedeutendste na-

türliche Schweizer Laichplatz der Äsche befinde. Für die Jahre 2008 und 2009 

würden die Abschüsse nach Art. 8 WZVV auf Abschüsse nach Art. 5 WZVV um-

gebucht. 

2.3.4. Der BAFU Bericht 2015 führt beim seinerzeit neu eingeführten und aktuell 

geltenden Art. 9a WZVV (Verhütung von Schäden durch Kormorane [an den Fang-

geräten der Berufsfischer]) was folgt aus: 

Bei der Frage der Regulation des schweizerischen Kormoranbestandes muss 

zwischen der Brutpopulation und dem Bestand an überwinternden Vögeln un-

terschieden werden: Der Winterbestand ist dabei Teil eines mitteleuropäischen 

Systems. Er kann numerisch weder über die Jagd noch über Eingriffe in den 

schweizerischen Brutkolonien beeinflusst werden. Zur Verhinderung von Schä-

den durch diese überwinternden Kormorane kommt alleine deren jagdliche Ver-

grämung von bestimmten Gewässern (v.a. Fliessgewässer) und bei Fangvor-

richtungen der Berufsfischer in Frage. Der schweizerische Brutbestand hinge-

gen, aktuell rund 1000 Brutpaare, kann durch Regulationsmassnahmen in den 

Brutkolonien zu beeinflussen versucht werden (S. 8, Hervorhebungen hinzuge-

fügt). 

Der Erläuternde Bericht N091-1288 des BAFU zur Änderung der Verordnung über 

die Wasser- und Zugvogelreservate von internationaler und nationaler Bedeutung 

(WZVV; SR 922.32), Stand 17.07.2014 (nachfolgend: BAFU Bericht 2014) hielt auf 

Seite 12 im Zusammenhang mit der im Rahmen der Teilrevision der WZVV von 

den Kantonen Schaffhausen und Thurgau gewünschten Aktualisierungen der be-

sonderen Bestimmungen zur Kormoranwache der Kantone Thurgau und Schaff-

hausen fest, diese werde seit bald 20 Jahren betrieben und umfasse einzelne Ver-

grämungsabschüsse von Kormoranen zum Schutz des Äschenbestands in einem 

Laichgebiet von nationaler Bedeutung. Dabei handle es sich nicht um eine Regu-

lation des Kormoranbestands, sondern um einzelne Vergrämungsabschüsse mit 

der klaren Zielsetzung, den Äschenbestand vor übermässiger Prädation zu schüt-

zen. Unter Leitung der kantonalen Fischereiaufsicht würden zur Umsetzung der 

Kormoranwache auch Jagdberechtigte beigezogen. Diese Ausführungen zur Kor-

moranwache sind im BAFU Bericht 2015 nicht mehr enthalten. Vielmehr wurde auf 

die Aufnahme der bisherigen Praxis zur Kormoranwache in das Objektblatt ver-

zichtet, weil sich in der Anhörung grosser Widerstand der Schutzorganisationen 

gezeigt hatte. Es wurde festgehalten, die Kormoranwache könne weiterhin mittels 

2022 

6 

 

Sonderbewilligung aufrechterhalten werden (BAFU Bericht 2015, S. 14). Anders 

als der BAFU Bericht 2014 erwähnt der BAFU Bericht 2015 auf Seite 6 den Ab-

schuss einzelner Kormorane in einer Äschenlaichzone nunmehr explizit im Zusam-

menhang mit Art. 9 Abs. 1bis WZVV; dies impliziert, dass Vergrämungsabschüsse 

als bestandsregulierende Massnahmen nach Art. 9 Abs. 1 WZVV aufgefasst wer-

den. 

2.3.5. Unter Art. 8 und Art. 9 WZVV fallen jeweils Massnahmen zur Verhütung von 

Wildschäden, welche sich gegen einzelne jagdbare Tiere richten, bzw. Massnah-

men zur Regulierung des Bestands jagdbarer Tierarten. Art. 8 WZVV ist für die im 

Streit stehende Abschussbewilligung nicht einschlägig, da Massnahmen nach die-

sem Artikel sich jeweils gegen bestimmte, einzelne jagdbare Tiere richten, welche 

erheblichen Schaden anrichten. Vorliegend geht es nicht um den Abschuss indivi-

dueller Kormorane, welche als Einzeltiere einen erheblichen Schaden anrichten, 

sondern um den Abschuss einer im Voraus definierten Höchstzahl beliebiger Kor-

morane. Ziel der Kormoranwache ist es, die Präsenz der Kormorane in den für die 

Äsche sensiblen Gewässerabschnitten zu verhindern bzw. zu minimieren. Es geht 

mit anderen Worten darum, den Winterbestand der Kormorane in und um das 

Schutzgebiet Stein am Rhein bzw. im Lebensraum der Äsche zumindest niedrig zu 

halten. Auch wenn mit den Abschüssen der Äschenbestand vor übermässiger 

Prädation geschützt werden soll und die Abschüsse der Kormorane isoliert be-

trachtet eine fischereiliche Hegemassnahme nach Art. 5 Abs. 1 lit. h WZVV dar-

stellen, erfolgt der Schutz der Fische über die Regulierung der Anzahl Vögel im 

Gebiet der Fische und somit, soweit die Abschüsse im Schutzgebiet Stein am 

Rhein stattfinden und die Anzahl der sich im Schutzgebiet aufhaltenden Kormorane 

niedrig halten sollen, über eine Bestandsregulierungsmassnahme nach Art. 9 

Abs.1 WZVV, welche fischereilichen Hegemassnahmen nach Art. 5 Abs. 1 lit. h 

WZVV vorbehalten bleiben (vgl. Art. 5 Abs. 3 WZVV). Daran ändert auch nichts, 

dass der schweizweite Winterbestand der Kormorane Teil eines mitteleuropäi-

schen Systems ist und als solcher nicht reguliert werden kann, denn es geht um 

die Anzahl Kormorane bzw. um deren Bestand in einem bestimmten Gebiet wie 

vorliegend dem Schutzgebiet Stein am Rhein (vgl. zum Ganzen oben E. 2.3.2 ff.). 

Auch die Teilrevision der WZVV, welche am 1. Juli 2009 in Kraft trat und Bestands-

regulierungsmassnahmen nach Art. 9 Abs. 1 WZVV auf jagdbare Tierarten im All-

gemeinen ausweitete, führt zu diesem Ergebnis. Eine Praxis, Kormoranabschüsse 

zum Schutz der Äsche über Art. 5 Abs. 1 lit. h oder Art. 8 WZVV "laufen zu lassen", 

beraubte den revidierten Art. 9 Abs. 1 WZVV mit Bezug auf die vorliegend zu be-

urteilende Zulässigkeit von Kormoranabschüssen der praktischen Relevanz, ob-

wohl dieser gerade deshalb revidiert wurde, um Abschüsse von Kormoranen zu 

ermöglichen (vgl. zum Ganzen oben E. 2.2). 

2022 

7 

 

2.3.6. Diese Auslegung steht schliesslich nicht im Widerspruch zu Art. 11 Abs. 5 

JSG, welcher für den Abschuss jagdbarer Tierarten im Schutzgebiet für den Schutz 

der Lebensräume und die Erhaltung der Artenvielfalt keine vorgängige Bewilligung 

des BAFU vorsieht (vgl. oben E. 2.2). Denn der Bundesrat ist gestützt auf Art. 11 

Abs. 6 JSG ermächtigt, zu den Wasser- und Zugvogelreservaten von internationa-

ler und nationaler Bedeutung die Schutzbestimmungen zu erlassen, worunter auch 

das Erfordernis der vorgängigen Bewilligung des BAFU zu fassen ist. 

2.4. Im Ergebnis stellen die durch das Planungs- und Naturschutzamt am 7. Au-

gust 2019 bewilligten Abschüsse von Kormoranen eine bestandsregulierende 

Massnahme nach Art. 9 Abs. 1 WZVV dar, weshalb gestützt auf Art. 9 Abs. 1ter lit. a 

WZVV vorgängig eine Bewilligung des BAFU hätte eingeholt werden müssen. Da 

die bewilligten Vergrämungsabschüsse bewusst auch nicht auf dem Objektblatt 

Stein am Rhein aufgeführt sind (vgl. Art. 2 Abs. 2 WZVV; zum historischen Hinter-

grund Bericht BAFU 2015, S. 14), erweist sich die Abschussbewilligung vom 7. Au-

gust 2019 als rechtsfehlerhaft. 

3. Zu prüfen bleibt, ob für die Vergrämungsabschüsse von Kormoranen eine 

fischereirechtliche oder natur- und heimatschutzrechtliche Rechtsgrundlage be-

steht. 

3.1. Der Bundesrat bezeichnet gemäss Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über 

die Fischerei vom 21. Juni 1991 (BGF, SR 923.0) die Arten und Rassen von Fi-

schen und Krebsen, die gefährdet sind. Die Kantone ergreifen die erforderlichen 

Massnahmen zum Schutz der Lebensräume gefährdeter Arten und Rassen; sie 

können weitere Massnahmen, insbesondere Fangverbote, anordnen (Abs. 2). 

Massnahmen für den Schutz gefährdeter Arten und Rassen werden unter Berück-

sichtigung des schweizerischen und europäischen Gefährdungs- und Schutzstatus 

sowie der Art der lokalen Gefährdung durchgeführt (Art. 5 Abs. 2 der Verordnung 

zum BGF vom 24. November 1993 [VBGF, SR 923.01]). Die Äsche (Thymallus 

thymallus) ist europäisch geschützt nach dem Übereinkommen über die Erhaltung 

der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebens-

räume vom 19. September 1979 (Berner Konvention, SR 0.455; Anhang II) und 

war zum Zeitpunkt der Erteilung der Abschussbewilligung bzw. bis Ende 2020 als 

gefährdet eingestuft (Anhang I der VBGF in der Fassung vom 22. März 2017). Seit 

dem 1. Januar 2021 ist die Äsche als stark gefährdet eingestuft (Anhang I der 

VBGF in der Fassung vom 21. Oktober 2020). Insofern war und ist der Kanton 

Schaffhausen befugt und verpflichtet, Massnahmen zum Schutz des Lebensraums 

der Äsche im Wasser- und Zugvogelreservat Stein am Rhein zu ergreifen. Über 

die Zulässigkeit der Massnahmen ist aber nicht nur aufgrund der fischereirechtli-

chen Schutzbestimmungen zu befinden. Ob eine bestimmte Massnahme zulässig 

2022 

8 

 

ist, beurteilt sich nach den auf diese Massnahme anwendbaren spezialgesetzli-

chen Bestimmungen. Soweit vorliegend der Abschuss von Kormoranen zum 

Schutz des Lebensraums der Äsche bewilligt wurde, sind daher die Bestimmungen 

des Vogelschutzes zu beachten, welche – wie vorstehend aufgezeigt – für den 

Abschuss in Wasser- und Zugvogelreservaten von internationaler Bedeutung vor-

gängig eine Bewilligung des BAFU vorsehen. Entsprechend erweist sich die Ab-

schussbewilligung des Planungs- und Naturschutzamts mangels vorgängiger Be-

willigung des BAFU auch unter fischereirechtlichen Gesichtspunkten als unzuläs-

sig. 

3.2. Gemäss Art. 18 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Natur- und 

Heimatschutz vom 1. Juli 1966 (NHG, SR 451) ist dem Aussterben einheimischer 

Tier- und Pflanzenarten durch die Erhaltung genügend grosser Lebensräume 

(Biotope) und andere geeignete Massnahmen entgegenzuwirken. Biotope werden 

unter anderem aufgrund der nach der Fischereigesetzgebung gefährdeten Fische 

und Krebse als schützenswert bezeichnet (Art. 14 Abs. 3 lit. c der Verordnung über 

den Natur- und Heimatschutz vom 16. Januar 1991 [NHV, SR 451.1]) und insbe-

sondere durch Massnahmen zur Wahrung oder nötigenfalls Wiederherstellung ih-

rer Eigenart und biologischen Vielfalt geschützt (Art. 14 Abs. 2 lit. a NHV). Die 

Bundesgesetzgebung über Jagd und Vogelschutz sowie über die Fischerei bleibt 

indes dem Natur- und Heimatschutzrecht vorbehalten (vgl. Art. 18 Abs. 4 NHG). 

Soweit das Vogelschutzrecht besondere Massnahmen für die Regulierung von Be-

ständen jagdbarer Tiere einer vorgängigen Bewilligung durch das BAFU unterstellt, 

ist dieses Bewilligungserfordernis folglich auch im Bereich des Naturschutzrechts 

zu beachten. Entsprechend erweist sich die Abschussbewilligung des Planungs- 

und Naturschutzamts mangels vorgängiger Bewilligung durch das BAFU auch un-

ter naturschutzrechtlichen Gesichtspunkten als unzulässig. 

4. Eine andere Rechtsgrundlage für die Abschussbewilligung ist weder dar-

getan noch ersichtlich. Die Abschussbewilligung des Planungs- und Naturschutz-

amts vom 7. August 2019 erweist sich nach dem Gesagten mangels vorgängiger 

Bewilligung durch das BAFU als rechtsfehlerhaft. Im Ergebnis ist nicht zu bean-

standen, dass der Regierungsrat den Rekurs in dem Sinne teilweise guthiess, als 

dass er die Verfügung des Planungs- und Naturschutzamts vom 7. August 2019 

aufhob und die Unrechtmässigkeit der Abschussbewilligung feststellte. Auf die wei-

teren Fragen, namentlich ob das Planungs- und Naturschutzamt die Interessenab-

wägung korrekt vornahm, braucht nicht eingegangen zu werden. Die Beschwerde 

erweist sich als unbegründet; sie ist abzuweisen.