# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7b6e98cf-9fa1-5266-99f0-a990b7839eb6
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-11-16
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 4. Kammer 16.11.2021 A 2021 27
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_004_A-2021-27_2021-11-16.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

A 21 27

4. Kammer 

Vorsitz Racioppi

RichterIn Pedretti und Meisser

Aktuarin Maurer

URTEIL

vom 16. November 2021

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

A._____ AG, 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. & lic. oec. Luzi Stamm,

Beschwerdeführerin

gegen

Steuerverwaltung des Kantons Graubünden,

Beschwerdegegnerin

betreffend Quellensteuer

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I. Sachverhalt:

1. Die A._____ (nachfolgend A._____) hat ihren statutarischen Sitz in 

B._____ (vorher in C._____). Deren einziger Aktionär, D._____ (nachfol-

gend D._____), lebt in einem von der Aktiengesellschaft erworbenen 

Hausteil in B._____. D._____ ist quellensteuerpflichtig und hat damit für 

Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit grundsätzlich keine 

Steuererklärung einzureichen. Da die A._____ keine Quellensteuerab-

rechnungen einreichte, erfolgten seitens der Steuerverwaltung des Kan-

tons Graubünden (nachfolgend KStV) zehn Mahnungen zur Einreichung 

derselben (alle datiert vom 18. April 2019) für die Abrechnungen ab Januar 

2014 bis Dezember 2018. Am 16. Mai 2019 folgten zehn zweite Mahnun-

gen (per A-Post+) unter Androhung einer Ordnungsbusse nach Art. 173 

StG und der Ermessenstaxation (Art. 131 StG).

2. Mit Verfügungen vom 6. Juni 2019 sprach die KStV betreffend Quellen-

steuern für jedes Halbjahr der Abrechnungsperiode 2014 bis 2018 Ord-

nungsbussen von je CHF 200.-- aus. Die dagegen erhobene Einsprache 

vom 5. Juli 2019 wurde am 3. Juli 2020 abgewiesen. Auf die dagegen ein-

gereichte Beschwerde vom 7. August 2020 trat das Verwaltungsgericht 

des Kantons Graubünden mit Entscheid vom 11. September 2020 nicht 

ein (Verfahren A 20 34). Das Bundesgericht wies sodann die Beschwerde 

am 10. November 2020 ab, womit die Ordnungsbussen in Rechtskraft er-

wuchsen.

3. Mit Verfügungen vom 20. Juni 2019 veranlagte die KStV die A._____ für 

die Halbjahre 2014 bis 2018 nach Ermessen jeweils mit einer Bruttolohn-

summe pro Halbjahr von CHF 59'700.-- (sprich CHF 119'400.-- pro Jahr).

4. Mit am 23. Juli 2019 bei der KStV eingegangener Einsprache gegen die 

Ermessensveranlagungen verlangte die A._____ die Aufhebung der zehn 

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Ermessensveranlagungen mit einem quellensteuerpflichtigen Lohn von 

rund CHF 10'000.-- für zehn Halbjahre (2014 bis 2018). Die A._____ habe 

nie quellensteuerpflichtige Löhne ausbezahlt und daher auch nie Arbeit-

nehmer als quellensteuerpflichtig angemeldet. Da kein quellensteuer-

pflichtiges Personal beschäftigt worden sei, sei entsprechend auch keine 

Abrechnung eingereicht worden. Die Gesellschaft ruhe und sei inaktiv, 

was auch der KStV mitgeteilt worden sei. Ebenso sei mitgeteilt worden, 

dass deren Geschäftsführer D._____ bei einer anderen Gesellschaft tätig 

sei. Es sei also keine Mitwirkungspflicht verletzt worden. Die Ermessens-

taxationen seien offensichtlich unrichtig, sie stünden in krassem Gegen-

satz zu den tatsächlichen Gegebenheiten. Der Gewinn der A._____ habe 

im Jahre 2017 bei CHF 200.-- und der Umsatz bei CHF 6'000.-- (Mietein-

nahmen von CHF 500.-- pro Monat) gelegen. Der veranlagte Monatslohn 

von fast CHF 10'000.-- bzw. Jahreslohn von CHF 120'000.-- sei offensicht-

lich willkürlich und missbräuchlich. Ähnliche Zahlen betreffend Umsatz und 

Gewinn bestünden für die Jahre 2014, 2015 und 2016. Der KStV sei be-

wusst gewesen, dass die Gesellschaft ruhe und einzig monatliche Miet-

einnahmen von CHF 500.-- erziele und damit nicht plötzlich einen Jahres-

lohn von fast CHF 120'000.-- ausbezahlen könne. Die Firma verfüge über-

dies über keine Bewilligung zur Ausübung von Wertpapierhandelsgeschäf-

ten. Mit der Einsprache wurden sämtliche Quellensteuerabrechnungen für 

die Jahre 2014 bis 2018 eingereicht, worin der einzige Arbeitnehmer 

D._____ mit einem Lohn von CHF 0.-- ausgewiesen wurde.

5. Mit Schreiben vom 21. August 2019 teilte die KStV der A._____ mit, dass 

die Möglichkeit bestünde, dass für den Unterhalt von D._____, der an-

gebe, bei mehreren Firmen beteiligt oder angestellt zu sein, nicht die 

A._____, sondern andere Firmen aufkommen würden. Wenn nachgewie-

sen werde, dass der Lebensunterhalt anderweitig finanziert worden sei, 

könne eine Reduktion der Ermessenstaxation vorgenommen werden. Am 

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4. Dezember 2019 forderte die KStV von D._____ den Nachweis der Le-

benshaltungskosten. Mit E-Mail vom 10. Januar 2020 teilte D._____ der 

KStV mit, dass er in der nächsten Woche die geforderten Nachweise 

vollständig werde einreichen können.

6. Nachdem keine Unterlagen darüber eingereicht wurden, wie D._____ sei-

nen Unterhalt finanzierte, wies die KStV die Einsprache mit Entscheid vom 

29. April 2021 ab. Sie begründete dies im Wesentlichen damit, dass der 

Vertreter der A._____ (sprich D._____) nicht den Nachweis habe erbrin-

gen können, wie er seinen Lebensunterhalt bestreite, d.h. wie er die Miete 

bezahle, seinen Bedarf an Lebensmitteln finanziere, wie hoch seine Kran-

kenkassenprämien seien und wieviel er für die von ihm behaupteten Spi-

talaufenthalte selber habe "berappen" müssen. Auch habe er im Jahre 

2017 privat eine Liegenschaft in E._____ zum Preis von CHF 60'000.-- 

erwerben können. Es sei unklar, wie der Vertreter der A._____ dies be-

werkstelligt habe. Allenfalls habe er in den fraglichen Perioden von ande-

ren (noch existierenden oder aufgelösten) Gesellschaften einen Lohn (der 

auch der Quellensteuer unterliegen würde) bezogen oder ein Einkommen 

aus selbständiger Erwerbstätigkeit erzielt (was ergänzend im ordentlichen 

Verfahren besteuert würde). Aufgrund des Liegenschaftenbesitzes werde 

beim Vertreter der A._____ ein solches ergänzendes ordentliches Verfah-

ren seit 2017 durchgeführt. Auch hier habe der Genannte nie eine Steu-

ererklärung eingereicht und sich immer nach Ermessen veranlagen las-

sen, wobei das im vorliegenden Quellensteuerverfahren angenommene 

Einkommen von CHF 120'000.-- satzbestimmend herangezogen worden 

sei. Dabei habe sich der Vertreter der A._____ nicht beeindrucken lassen 

und kein Rechtsmittel dagegen ergriffen. Es erscheine nicht rechtens, 

wenn er nun die Höhe des von der KStV festgesetzten Einkommens als 

willkürlich bezeichne, selber aber nie irgendeinen Hinweis liefere, wovon 

er seinen Unterhalt bestreite. Immerhin sei er gemäss Handelsregisteraus-

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zug Direktor und Verwaltungsratspräsident der Firma, ein monatliches Ein-

kommen von CHF 9'950.-- erscheine daher nicht unrealistisch. Dieser Be-

trag führe zu einem jährlichen Bruttoeinkommen von unter CHF 120'000.--

. Mit der Festlegung dieser Grenze solle vermieden werden, dass die 

Grenze für die nachträgliche ordentliche Veranlagung gemäss Art. 105a 

StG und Art. 28 ABzStG (CHF 120'000.--) überschritten und ein weiteres 

Verfahren in Gang gesetzt werde. Wenn der Vertreter der A._____ seine 

Mitwirkungspflicht ständig verletze und versprochene Nachweise nicht bei-

bringe, so dürfe ihm das nicht zum Vorteil gereichen.

7. Dagegen erhob die A._____ (nachfolgend Beschwerdeführerin) am 

31. Mai 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden und beantragte, der Einspracheentscheid sei aufzuheben 

und es sei festzustellen, dass D._____ von der Beschwerdeführerin in der 

fraglichen Zeit keinen Lohn bezogen habe und diese in der fraglichen Zeit 

generell keine Löhne entrichtet habe. Mit dem Aktienkapital der A._____ 

habe die Beschwerdeführerin für CHF 98'000.-- die Liegenschaft in 

B._____ gekauft, worin D._____, der oft kaum über dem Existenzminimum 

lebe, wohne und dafür eine monatliche Miete von CHF 500.-- bezahle. Von 

einem von der Beschwerdeführerin bezogenen Einkommen von 

CHF 120'000.-- könne unter den gegebenen Umständen (inaktive Gesell-

schaft) keine Rede sein. D._____ habe zuvor in anderen Kantonen gelebt, 

wo ihm mitgeteilt worden sei, dass bei Firmen, die keinen Lohn ausschüt-

teten, ein Vermerk "Null-Ausschüttung" genüge und sich eine detailliert 

ausgefüllte Steuererklärung erübrige. Dass die Beschwerdeführerin ruhe, 

sei auch durch Pfändungsprotokolle der Betreibungsämter der Stadt 

F._____ und später des Betreibungsamtes G._____ bzw. später des Be-

treibungs- und Konkursamts H._____ belegt. Zudem sei der Wertpapier-

handel bewilligungspflichtig und es liege für die Gesellschaft keine Bewil-

ligung vor. Im Weiteren habe D._____ am 13. Juli 2017 eine schwere Bein-

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/Fussverletzung erlitten und sei deswegen über einen längeren Zeitraum 

nicht arbeitsfähig gewesen (Aufenthalte in vier Spitälern und insgesamt 

vier Operationen). Der Buchhalter sei an Krebs erkrankt und 2018 verstor-

ben. Es sei daher zu Betreibungen gegenüber D._____ und der Beschwer-

deführerin gekommen. Wie solle da die Beschwerdeführerin jährlich einen 

Lohn von CHF 120'000.-- an D._____ ausbezahlt haben? Als Nachweis 

für die prekäre finanzielle Situation würden auch die zahlreichen Pfän-

dungseinvernahmen des Betreibungs- und Konkursamts H._____ dienen. 

Es seien sodann Ermessenstaxationen und Steuerbussen hinzugekom-

men. D._____ habe sich nicht zur Wehr setzen können, obwohl die Er-

messenstaxationen nicht den real existierenden Daten entsprochen hät-

ten. Nach der Aufforderung vom 21. August 2019, den Nachweis zu er-

bringen, wie er seinen Lebensunterhalt bestreite, habe D._____ der KStV 

telefonisch mitgeteilt, dass er bei der "I._____ AG" (Internetagentur/Medi-

enagentur) tätig geworden sei und dort einen geringfügigen Lohn bezogen 

habe, nachdem die Beschwerdeführerin stillgelegt worden sei. Erst nach 

1 ¼ Jahren sei dann der Einspracheentscheid erfolgt. Bei den persönli-

chen Steuern habe D._____ in der damaligen Situation nicht mehr die 

Kraft gehabt, sich zur Wehr zu setzen. Es sei ihm nichts Anderes übrigge-

blieben, als in den sauren Apfel zu beissen und die zu hohen Ermessens-

taxationen zu bezahlen.

Die von der KStV erfolgten Lohnschätzungen von rund CHF 120'000.-- 

seien demnach massiv zu hoch. Tatsächlich hätten die Lohnzahlungen 

CHF 0.-- betragen und sei in den Jahresabrechnungen jeweils ein Einkom-

men von CHF 0.-- deklariert worden. Zudem würden die Ermessenstaxa-

tionen der Abteilung Quellensteuern den Ermessenstaxationen der Be-

schwerdeführerin im Bereich der Gewinnsteuer widersprechen. Die Ge-

winnsteuer sei jeweils im dreistelligen oder niedrigen vierstelligen Bereich 

festgelegt worden. Auch dies zeige, dass der ermessensweise angenom-

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mene quellensteuerpflichtige Lohn von rund CHF 120'000.-- pro Jahr in 

keiner Art und Weise gerechtfertigt sei. Die Behauptung der KStV, das 

Geschäftsgebaren der Beschwerdeführerin (A._____) sei völlig intranspa-

rent, sei daher nicht gerechtfertigt.

D._____ habe im Jahre 2015 eine Erbschaftsauszahlung erhalten, welche 

es ihm ermöglicht habe, 2016 die "J._____ AG" zu gründen, die jedoch nie 

aktiv geworden sei. Sowohl die "I._____ AG" als auch die "J._____ AG" 

habe er inzwischen verloren. Betreffend Bestreitung des Lebensunterhalts 

führt die Beschwerdeführerin weiter an, dass D._____ die Krankenkassen-

Prämien nicht mehr habe bezahlen können, so dass er dafür betrieben 

worden und auf der schwarzen Liste der säumigen Zahler gelandet sei. 

Aus dem Betreibungsregisterauszug gehe auch hervor, welche Kosten 

D._____ für die Spitalaufenthalte selber habe tragen müssen. D._____ er-

halte von der "I._____ AG" – wie schon seit Jahren – einen monatlichen 

Lohn von CHF 1'000.--, was belegt sei und mit der Sozialversicherungs-

anstalt Zürich abgerechnet werde. Er lebe sehr bescheiden und wohne in 

einer stark sanierungsbedürftigen Liegenschaft, was auch dem Verwal-

tungsgericht bekannt sei. Das Amt für Immobilienbewertung habe im Jahre 

2020 angedroht, die Liegenschaft als unbewohnbar einzuschätzen, da 

keine Küche vorhanden sei (bloss "Ersatzküche").

8. Mit Vernehmlassung vom 21. Juni 2021 beantragte die KStV (nachfolgend 

Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde; eventualiter sei 

das der Quellensteuer unterliegende Bruttoeinkommen von D._____ bei 

der A._____ für die Abrechnungsperiode vom 1. Januar 2014 bis 31. De-

zember 2018 durch das streitberufene Gericht festzulegen. Die Beschwer-

degegnerin erläutert erneut den Sachverhalt und verweist auf die 

gesetzlichen Grundlagen betreffend die Pflicht zur halbjährlichen Einrei-

chung einer Quellensteuerabrechnung. D._____ zeichne gemäss Han-

delsregister als Verwaltungsratspräsident und Direktor der A._____, so 

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dass sein Verhalten als Organ der Gesellschaft in direktem Zusammen-

hang zu seinem Verhalten als Privatperson zu sehen sei. Er lebe seit Jah-

ren in der Schweiz und seit 2009 im Kanton Graubünden. Er sei aber of-

fensichtlich nicht willens, sich an landesübliche Pflichten zu halten. Dies 

werde teilweise vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bestätigt 

("…eine Unbedarftheit an den Tag gelegt, wie sie nicht toleriert werden 

kann…"). Selbst der Umgang mit Forderungen lasse einige Fragen zum 

Verhalten von D._____ offen (unter Verweis auf die Beilage 4 betreffend 

Schuldnerinformation der Beschwerdeführerin). D._____ habe in der hier 

massgeblichen Periode (2014 bis 2018) Funktionen bei vier Gesellschaf-

ten innegehabt und davor bei weiteren drei Gesellschaften eine leitende 

Funktion ausgeübt. Die Aussage, wonach D._____ die Beschwerdegeg-

nerin in einem Telefonat über den von der "I._____ AG" bezogenen Lohn 

von CHF 1'000.-- orientiert habe, werde bestritten. Die "I._____ AG" habe 

im Kanton Graubünden nie eine Quellensteuerabrechnung eingereicht 

(obwohl sie das für den Arbeitnehmer D._____ hätte tun müssen). Es sei 

unklar, ob sie als juristische Person an ihrem Sitz im Kanton Zürich je eine 

Steuererklärung eingereicht habe. Die Aussage betreffend Erbschaftsaus-

zahlung in der Beschwerde werfe die Frage auf, ob dieser Vermögenszu-

gang nicht irgendwo hätte besteuert werden müssen (Erbschaftssteuer). 

Es dürfte sich um einen grösseren Betrag gehandelt haben, habe D._____ 

doch eine Aktiengesellschaft mit einem zu 50 % liberierten Aktienkapital 

von CHF 100'000.-- gründen können. Die Aktien hätte er zudem im Rah-

men einer ergänzenden ordentlichen Veranlagung gemäss Art. 105 StG 

deklarieren müssen, was jedoch unterblieben sei. Es bleibe weiter offen, 

wie D._____ im Jahre 2017 die Liegenschaft in E._____ für den Betrag 

von CHF 60'000.-- habe erwerben können. Allenfalls habe D._____ nebst 

den eingestandenen Zahlungen der "I._____ AG" auch noch von weiteren 

Quellen Lohn bezogen oder sei einer selbständigen Erwerbstätigkeit nach-

gegangen. Letzteres würde einer ergänzenden ordentlichen Besteuerung 

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unterliegen. Ein solches Verfahren finde aufgrund des Liegenschaftenbe-

sitzes in E._____ seit 2017 statt. Auch in diesen Verfahren sei nie eine 

Steuererklärung eingereicht worden und in der Ermessentaxation das im 

vorliegenden Quellensteuerverfahren angenommene Einkommen von 

rund CHF 120'000.-- satzbestimmend herangezogen worden, was nie be-

stritten worden sei.

Die Beschwerdeführerin habe in den fraglichen Jahren nie innert Frist eine 

Steuererklärung eingereicht und damit ihre Mitwirkungspflicht im Veranla-

gungsverfahren laufend verletzt. Sie sei dafür mehrfach gebüsst und 

schliesslich nach Ermessen veranlagt worden. Die zuletzt eingereichte 

Steuererklärung weise einen Umsatz von gerade mal CHF 6'000.-- aus. 

Die Beschwerdeführerin könne auch aus dem FINMA-Bericht, der aus 

dem Jahre 2010 stamme, nichts für die hier fraglichen Jahre 2014 bis 2018 

herleiten. Auch der Rechtfertigungsgrund der Bein-/Fuss-Verletzung sei 

nicht erwiesen. Selbst wenn, sei es D._____ indes möglich gewesen, ei-

nen Vertreter zu beauftragen. Die Vorgehensweise von D._____ mit Grün-

dungen von Firmen, die hochtrabende Firmenzwecke vorgegeben hätten 

und angeblich nie aktiv geworden seien oder bald schon wieder hätten 

liquidiert werden müssen, sei wirtschaftlich nicht nachvollziehbar. Das Vor-

gehen mit fehlenden Abschlüssen und Belegen sowie nicht eingereichten 

Steuererklärungen sei aber als systematisch zu bezeichnen und diene 

möglicherweise nur der Verschleierung. Zurück blieben geprellte Gläubi-

ger. Aus der von der Beschwerdeführerin eingereichten Beilage 4 sei er-

sichtlich, dass vorwiegend die öffentliche Hand betroffen sei. Zusammen-

fassend sei das Geschäftsgebaren der Beschwerdeführerin für die Steu-

erbehörden völlig intransparent. Bis und mit Einspracheverfahren habe 

D._____ als Vertreter der Beschwerdeführerin nicht dargelegt, wie er sei-

nen Lebensunterhalt bestreite. Die Beschwerdegegnerin sei damit nicht in 

der Lage, das Einkommen von D._____, gemäss Handelsregister Direktor 

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und Verwaltungsratspräsident, festzulegen. Ein monatliches Bruttoein-

kommen von CHF 9'950.-- erscheine nicht unrealistisch. Die Beschwerde-

gegnerin habe dieses Einkommen auch mit dem statistischen Lohnrech-

ner des Bundesamtes für Statistik zu plausibilisieren versucht. Mit der 

Festlegung des Bruttolohns auf CHF 9'950.-- bleibe die Beschwerdegeg-

nerin über 30 % unter dem ermittelten Zentralwert für mittleres und oberes 

Kaders eines Finanzdienstleisters in der Ostschweiz. Die Beschwerdegeg-

nerin führt zusammenfassend an, dass die Quellensteuer im System der 

Selbstveranlagung erhoben werde, die Mitwirkung des Steuer- oder Ab-

rechnungspflichtigen damit Voraussetzung für eine Besteuerung sei. 

Wenn – wie im vorliegenden Fall – die Beschwerdeführerin bzw. deren 

Vertreter die Mitwirkungspflicht systematisch verletze und versprochene 

Nachweise nicht beibringe, dürfe dies nicht zu ihrem Vorteil gereichen. Die 

Beschwerdegegnerin habe aufgrund des Schreibens vom 21. August 

2019 klar zum Ausdruck gebracht, dass sie bereit gewesen wäre, D._____ 

aufgrund der effektiven Verhältnisse zu beurteilen und sein Einkommen 

entsprechend festzulegen.

9. Seitens der Beschwerdeführerin folgten mit Eingaben vom 5., 12. und 

13. Juli 2021 Ausführungen zur Replik, wobei die Argumente wiederholt 

und nochmals vertieft wurden. Ergänzend führte die Beschwerdeführerin 

an, dass D._____ ein Gesuch um Sozialhilfe eingereicht und dann aber 

wieder zurückgezogen habe und sich auch von Privatpersonen habe Geld 

leihen müssen. Die Beschwerdegegnerin handle willkürlich, wenn sie 

Lohnzahlungen von rund CHF 120'000.-- durch die Beschwerdeführerin 

an D._____ annehme. Für die Liegenschaft in E._____, die momentan 

zwangsversteigert werde, habe der Beschwerdeführer zudem mit Ach und 

Krach lediglich zwei Anzahlungen von je CHF 5'000.-- (teilweise mit gelie-

henem Geld) leisten können, jedoch nicht den Restkaufpreis.

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10. Mit Duplik vom 12. August 2021 unterstrich die Beschwerdegegnerin 

nochmals die Verletzung der Verfahrenspflichten und die Tatsache, dass 

die Beschwerdeführerin bzw. D._____ die Folgen davon zu tragen hätten. 

Sie hielt fest, dass es ihr trotz allem Bemühen nicht möglich sei, den Un-

tersuchungsnotstand mit angemessenem Aufwand zu beseitigen.

11. Es folgten am 9. September 2021 (Poststempel) je eine Triplik durch die 

Beschwerdeführerin samt Einreichung der anwaltlichen Honorarforderung 

und eine durch D._____.

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und 

den angefochtenen Einspracheentscheid wird, soweit erforderlich, in den 

Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden verwaltungsgerichtlichen Beschwer-

deverfahrens bildet der Einspracheentscheid vom 29. April 2021 betref-

fend Quellensteuern für die Abrechnungsperioden 2014 bis 2018, mit wel-

chem die Beschwerdegegnerin die Einsprache der heutigen Beschwerde-

führerin vom 22. Juli 2019 abgewiesen hat (vgl. beschwerdeführerische 

Akten [Bf-act.] 2; beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 12). Ein solcher 

Entscheid kann mit Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons 

Graubünden weitergezogen werden (vgl. Art. 50 Abs. 1 des Bundesgeset-

zes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Ge-

meinden [StHG; SR 642.14] i.V.m. Art. 139 Abs. 1 des Steuergesetzes für 

den Kanton Graubünden (StG; BR 720.000) und Art. 29 Abs. 2 des Geset-

zes über die Gemeinde- und Kirchensteuern [GKStG; BR 720.200]). Die 

sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 29 

Abs. 1 lit. b des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege 

(VRG; BR 370.100), wonach das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen 

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Entscheide von Dienststellen der kantonalen Verwaltung und von un-

selbständigen Anstalten des kantonalen Rechts beurteilt, soweit das kan-

tonale Recht den direkten Weiterzug vorsieht, was hier – wie gesehen (vgl. 

Art. 139 Abs. 1 StG) – der Fall ist. Demzufolge fällt die Beurteilung der 

vorliegenden Beschwerde in die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts 

des Kantons Graubünden. Als formelle und materielle Adressatin des an-

gefochtenen Einspracheentscheids ist die Beschwerdeführerin überdies 

berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung 

oder Änderung auf (vgl. Art. 50 VRG). Auf die zudem frist- und formgerecht 

eingereichte Beschwerde ist demnach einzutreten (Art. 52 Abs. 1 und 

Art. 38 VRG).

2. Strittig ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin gegenüber der Be-

schwerdeführerin zu Recht eine Ermessenstaxation für nicht abgerech-

nete Quellensteuern verfügt hat und ob diese rechtmässig ist.

3.1. Nach den (unbestrittenen) Ausführungen der Beschwerdegegnerin ist 

D._____ im Kanton Graubünden für Einkommen aus unselbständiger Er-

werbstätigkeit der Qellenbesteuerung unterworfen (Art. 83 Abs. 1 Gesetz 

über die direkte Bundessteuer [DBG; SR 642.11]; Art. 98 Abs. 1 lit. a StG). 

Nach Art. 41 Abs. 3 der Ausführungsbestimmungen zur Steuergesetzge-

bung des Kantons Graubünden (ABzStG; BR 720.015) ist die Abrechnung 

der Quellensteuern durch den Schuldner der steuerbaren Leistung bzw. 

den Arbeitgeber innerhalb eines Monats nach Ablauf der Abrechnungspe-

riode einzureichen. Bei weniger als fünf quellensteuerpflichtigen Personen 

kann die Quellensteuerabrechnung halbjährlich vorgenommen werden 

(vgl. Ziff. 9.1.2 der Weisungen der Steuerverwaltung Graubünden über die 

Erhebung der Quellensteuer, abrufbar unter: https://www.gr.ch/DE/institu-

tionen/verwaltung/dfg/stv/steuererklaerung/-quellensteuer/Wegleitungen-

MerkbltterTarife/-Form100-2019.pdf; letztmals besucht am 16. November 

2021).

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3.2. Vorab gilt es festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin für die Steuerpe-

riode 2014 bis 2018 betreffend die Quellensteuern zu Recht nach Ermes-

sen veranlagt wurde. Eine Ermessenstaxation ist vorzunehmen, wenn 

eine steuerpflichtige Person trotz Mahnung keine Quellensteuerabrech-

nung oder keine zuverlässigen Unterlagen einreicht oder nur ungenügend 

Auskunft erteilt und ihr eine Ermessenstaxation angedroht wurde (Art. 130 

Abs. 2 DBG und Art. 46 Abs. 3 StHG i.V.m. Art. 131 Abs. 1 lit. a StG). Vor-

aussetzung für eine rechtswirksame Mahnung wiederum ist, dass der 

Steuerpflichtige mit der Erfüllung seiner Verfahrenspflichten in Verzug ist. 

Eine Ermessenstaxation wird in der Regel bei natürlichen Personen oder 

Juristischen Personen vorgenommen. Mit der Ermessenstaxation bei ei-

ner Arbeitgeberin für nicht abgerechnete Quellensteuern liegt hier ein Aus-

nahmefall vor. Auch bei der Quellensteuer, die eine Selbstdeklarations-

steuer darstellt, ist es indes möglich, bei der Verletzung von Verfahrens-

pflichten (z.B. keine Abrechnungen oder unglaubwürdige bzw. wider-

sprüchliche Abrechnungen) eine Ermessenstaxation vorzunehmen (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 2C_1126/2013 vom 18. Februar 2014 E.1.2; 

ZWEIFEL/HUNZIKER, in: ZWEIFEL/BEUSCH [Hrsg.], Kommentar zum Schwei-

zerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Harmonisierung der direk-

ten Steuern der Kantone und Gemeinden [StHG], 3. Aufl., Basel 2017, 

[Nachfolgend: Kommentar StHG], Art. 46 Rz. 29).

Mangels fristgerechter Einreichung der Quellensteuerabrechnungen 2014 

bis 2018 mahnte die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin erst-

mals mit Schreiben vom 18. April 2019 (vgl. Bg-act. 3) und nachfolgend 

mit 2. Mahnungen vom 16. Mai 2019 (vgl. Bg-act. 4). Nachdem die Be-

schwerdeführerin trotz Mahnung die Quellensteuerabrechnungen 2014 

bis 2018 nicht einreichte, büsste die Beschwerdegegnerin die Beschwer-

deführerin mit Verfügungen vom 6. Juni 2019 gestützt auf Art. 173 StG. In 

den Bussverfügungen forderte die Beschwerdegegnerin die Beschwerde-

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führerin letztmals auf, innert acht Tagen die Quellensteuerabrechnungen 

2014 bis 2018 einzureichen und teilte ihr mit, dass bei erneutem Fristver-

säumnis eine Ermessensveranlagung erfolge, die nur mit dem Vorwurf der 

offensichtlichen Unrichtigkeit anfechtbar sei (vgl. Bg-act. 5). Nachdem die 

Beschwerdeführerin auch innerhalb der gewährten Frist von acht Tagen 

die Quellensteuerabrechnungen 2014 bis 2018 nicht eingereicht hatte, er-

folgte mit Verfügungen vom 20. Juni 2019 betreffend die Quellensteuer-

abrechnungen 2014 bis 2018 eine Ermessensveranlagung (vgl. Bg-act. 6). 

Dies ist, nachdem die Beschwerdeführerin ihren Verfahrenspflichten trotz 

Mahnung und Androhung einer Ermessenstaxation unbestrittenermassen 

nicht nachgekommen ist, und die Quellensteuerabrechnungen 2014 bis 

2018 nicht innert acht Tagen nach Erhalt der Bussverfügungen eingereicht 

hat, nicht zu beanstanden.

4.1. Eine Ermessentaxation hat immer nach "pflichtgemässem Ermessen" zu 

erfolgen. Eine Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen kann der 

Steuerpflichtige gemäss Art. 132 Abs. 3 DBG und Art. 48 Abs. 2 StHG 

i.V.m. Art. 137 Abs. 4 StG nur wegen offensichtlicher Unrichtigkeit anfech-

ten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_42/2017, 2C_43/2017 vom 20. Ja-

nuar 2017 E.2.2, 2C_554/2013 vom 30. Januar 2014 E.2.5). Die Einspra-

che ist zu begründen und muss allfällige Beweismittel nennen (Art. 132 

Abs. 3 DBG). Der Nachweis der offensichtlichen Unrichtigkeit der Ermes-

sensveranlagung wird dem Steuerpflichtigen überbunden (vgl. ZWEI-

FEL/HUNZIKER, Kommentar StHG, Art. 48 Rz. 44; ZWEIFEL/HUNZIKER, in: 

ZWEIFEL/BEUSCH [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 

Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 3. Aufl., Basel 2017 

[nachfolgend: Kommentar DBG], Art. 132 Rz. 37; ZWEIFEL/CASA-

NOVA/BEUSCH/HUNZIKER, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht Direkte 

Steuern, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2018, § 20 Rz. 19; RICH-

NER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., Zürich 

- 15 -

2016, Art. 132 Rz. 54 und Art. 140 Rz. 51). Die Anforderungen an den Un-

richtigkeitsnachweis und an die Überprüfung der angefochtenen Schät-

zung der Steuerfaktoren sind im Beschwerdeverfahren dieselben wie im 

Einspracheverfahren (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_783/2018 vom 

29. November 2018 E.2.2.2, 2C_683/2013 vom 13. Februar 2014 E.5.1; 

ZWEIFEL/HUNZIKER, Kommentar DBG, Art. 132 Rz. 54; ZWEIFEL/HUNZIKER, 

Kommentar StHG, Art. 49 Rz. 62).

4.2. Offensichtlich unrichtig ist eine Schätzung, die einen wesentlichen Ge-

sichtspunkt übergangen oder falsch gewürdigt hat; die sachlich nicht be-

gründbar ist, insbesondere erkennbar pönal oder fiskal motiviert ist, sich 

auf sachwidrige Schätzungsgrundlagen, -methoden oder –hilfsmittel stützt 

oder sonst mit den aktenkundigen Verhältnissen des Einzelfalls aufgrund 

der Lebenserfahrung vernünftigerweise nicht vereinbart werden kann. Of-

fensichtlich unrichtig ist demzufolge eine Schätzung, die auf missbräuch-

licher Betätigung des Schätzungsermessens beruht, das heisst, willkürlich 

ist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_96/2019 vom 19. September 2019 

E.5.2.2, 2C_260/2014 vom 2. April 2014 E.4.1, 2C_683/2013 vom 13. Fe-

bruar 2014 E.5.1, 2C_279/2011 vom 17. Oktober 2011 E.3.1 m.H; ZWEI-

FEL/HUNZIKER, Kommentar StHG, Art. 48 Rz. 59; ZWEIFEL/HUNZIKER, Kom-

mentar DBG, Art. 132 Rz. 52).

4.3. Tatsächlich kann bei fehlender Deklaration ein Veranlagungsnotstand be-

stehen, der erst dann vorliegt, wenn der Sachverhalt auch nach Einbezug 

der Regeln über die Beweislast nicht ermittelbar ist, wenn es an den 

Grundlagen für die Steuerveranlagung mangelt (vgl. ZWEIFEL/CASA-

NOVA/BEUSCH/HUNZIKER, a.a.O., § 20 Rz. 22; ZWEIFEL/HUNZIKER, Kom-

mentar DBG, Art. 130 Rz. 15 ff. und Rz. 30). Die Ermessenseinschätzung 

dient dazu, einen solchen Untersuchungsnotstand der Steuerbehörde zu 

beheben. Sie darf aber keinen pönalen Charakter haben, kann doch für 

die Verletzung der Verfahrenspflichten eine Ordnungsbusse ausgespro-

- 16 -

chen werden. Sie ist vielmehr ein Mittel zur Erreichung einer vollständigen 

und richtigen Veranlagung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_42/2017, 

2C_43/2017 vom 20. Januar 2017 E.2.2; Urteile des Bundesverwaltungs-

gerichts A-849/2012 vom 27. September 2012 E.2.3.3; A 5460/2008 vom 

12. Mai 2010 E.2.5.3; ZWEIFEL/CASANOVA/BEUSCH/HUNZIKER, a.a.O., § 22 

Rz. 13). Der Steuerpflichtige (hier die Gesellschaft bzw. der Verwaltungs-

ratspräsident/Direktor derselben) hätte es in der Hand gehabt, durch die 

Einhaltung seiner Verfahrenspflichten den Veranlagungsnotstand zu ver-

meiden.

Die Veranlagungsbehörde ist indes von der Pflicht, zur Abklärung der steu-

errechtlich massgebenden Verhältnisse nicht entbunden. Sie kann sich 

nicht auf blosse Vermutungen beschränken, sondern muss versuchen, 

alle verfügbaren Tatsachen abzuklären und die verbleibenden Lücken mit-

tels Schätzungen (Erfahrungszahlen, Vermögensentwicklung, Lebensauf-

wand, etc.) auszufüllen. Dabei müssen schlüssige Anhaltspunkte für das 

Vorhandensein der von der Steuerverwaltung angenommenen Faktoren 

vorliegen und die Ermessenseinschätzung einen hohen Grad an Wahr-

scheinlichkeit für sich haben (vgl. Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 

A-5175/2015 vom 1. März 2016 E.2.6.2, A-849/2012 vom 27. September 

2012 E.2.3.4). Es ist zulässig, bei einer Ermessenstaxation nach Erkennt-

nissen durch Abklärungen des Sachverhalts (z.B. Anfrage bei Arbeitgeber, 

SVA-Abrechnungen, Handelsregister, Onlinequellen, etc.) eine grosszü-

gige Schätzung vorzunehmen (also quasi ein "Aufrunden" der Faktoren). 

Die Steuerverwaltung berücksichtigt dabei Erfahrungszahlen, die Vermö-

gensentwicklung und den Lebensaufwand des Steuerpflichtigen. Unter Er-

fahrungszahlen i.e.S. werden Ergebnisse verstanden, die aus einwand-

freien Buchhaltungen gewonnen und nach betriebswirtschaftlichen Ge-

sichtspunkten statistisch verarbeitet werden. Mithilfe einer Vermögensver-

gleichsrechnung prüft die Veranlagungsbehörde, ob der Vermögenszu-

- 17 -

wachs (angesichts des Einkommens, des Lebensaufwandes, etc. in der 

betreffenden Steuerperiode) erklärt werden kann (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts 2C_279/2011/2C_280/2011 vom 17. Oktober 2011 E.3.2; ZWEI-

FEL/HUNZIKER, Kommentar StHG, Art. 46 Rz. 41). Der Lebensaufwand 

spielt in der Regel im Zusammenhang mit den Erfahrungszahlen oder mit 

der Vermögensentwicklung eine Rolle (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

2C_861/2008 vom 4. Juni 2009 E.2.3; ZWEIFEL/HUNZIKER, Kommentar 

DBG, Art. 130 Rz. 48e). Es ist aber nicht zulässig, willkürlich hohe Ermes-

senstaxationen vorzunehmen, da diese nicht nach pflichtgemässem Er-

messen erstellt wären.

4.4.1. Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin ihre eigene Pflicht ver-

letzt, eine Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen vorzunehmen. 

Von der Beschwerdeführerin kann D._____ in der besagten Periode wahr-

haftig kaum einen monatlichen Lohn von CHF 9'950.-- bezogen haben. 

Die Beschwerdeführerin deklariert keine Aktivität, sie verfügt über keine 

Homepage und der eigentliche Unternehmenszweck ist ohne Bewilligung 

der FINMA nicht zulässig. Eine solche Bewilligung liegt hier nicht vor. Die 

Beschwerdegegnerin hätte z.B. über das Betreibungsamt erfahren kön-

nen, ob gegen die Beschwerdeführerin Betreibungsverfahren laufen, wel-

che Vermögenswerte vorhanden sind, wie die Zahlungen geleistet wer-

den, etc. Die von der Beschwerdeführerin eingereichte Schuldnerinforma-

tion (siehe Bf-act. 4) zeigt, dass die Beschwerdeführerin bisher vor allem 

Forderungen der öffentlichen Hand bezahlt hat, dies jedoch regelmässig 

erst beim Betreibungsamt. Soweit die Beschwerdegegnerin vorbringt, die 

Beschwerdeführerin habe vor allem bei der öffentlichen Hand offene For-

derungen, entspricht dies damit den Tatsachen. Die Beschwerdegegnerin 

will damit hervorheben, dass sich der Verwaltungsratspräsident der Be-

schwerdeführerin nicht an die Regeln in der Schweiz halte. Tatsächlich 

lässt sich aber aus der besagten Schuldnerinformation (auch) herausle-

- 18 -

sen, dass vermutlich keine Geschäftsaktivität vorliegt, da abgesehen von 

Strom, Steuern, etc. keine Forderungen von Lieferanten, Kunden, Ange-

stellten, etc. im Betreibungsverfahren geltend gemacht wurden.

4.4.2. Entgegen der Vorbringen der Beschwerdegegnerin ist aus den Akten nicht 

ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin einer Geschäftsaktivität nach-

geht. Es bleibt unklar, wie der Verwaltungsratspräsident der Beschwerde-

führerin seinen Lebensunterhalt bestreitet. Dies ist aber nicht direkt eine 

Frage der Ermessenstaxation bei der Beschwerdeführerin. Der nachweis-

lich vorhandene Vermögenswert der Beschwerdeführerin ist die Liegen-

schaft in B._____, in welcher deren Verwaltungsratspräsident lebt. Dies-

bezüglich hätte die Beschwerdegegnerin beim kantonalen Amt für Immo-

bilienbewertung (vorher Amt für Schätzungswesen) weitere Angaben ein-

holen können. Falls diese Liegenschaft tatsächlich als nahezu unbewohn-

bar eingestuft wurde, würde dies gegen einen grossen Umsatz bzw. gegen 

gute finanzielle Verhältnisse der Beschwerdeführerin sprechen. Auch da-

gegen spricht die geringe Grösse der betroffenen Parzelle (126 m2). Beim 

Grundbuchamt hätte ausserdem der Kaufvertrag eingeholt werden kön-

nen, um sich einen Eindruck vom damaligen Kaufpreis machen zu können. 

Wenn die Beschwerdegegnerin davon ausgeht, dass eine Geschäftstätig-

keit besteht, da keine Unterlagen eingereicht werden, so kommt sie den 

ihr obliegenden Aufgaben nicht nach und hat damit nicht alles unternom-

men, um den Sachverhalt pflichtgemäss zu erstellen. Für das Vorhanden-

sein eines Umsatzes bei der Beschwerdeführerin von über CHF 120'000.-- 

(ansonsten wäre ja ein Bruttolohn von fast CHF 120'000.-- vorausgesetzt), 

besteht nicht einmal ansatzweise ein Indiz. Auch das Ansetzen der Brut-

tolohnsumme auf knapp unter CHF 120'000.-- hatte offenbar einzig den 

Zweck, gegenüber der Beschwerdeführerin als Schuldnerin der steuerba-

ren Leistung ein Bezugsverfahren einzuleiten. Hätte man einen Bruttolohn 

von über CHF 120'000.-- angenommen, hätte keine Quellensteuerpflicht 

- 19 -

bestanden und nicht die Beschwerdeführerin wäre Schuldnerin der steu-

erbaren Leistung, sondern vielmehr der Verwaltungsratspräsident der Be-

schwerdeführerin wäre ordentlich veranlagt worden. Weshalb die Be-

schwerdegegnerin ein Einkommen von knapp unter CHF 120'000.-- ange-

nommen hat, wird nicht nachvollziehbar erklärt. Ein möglicher Grund 

könnte auch darin liegen, dass dann die Immobilie der Beschwerdeführe-

rin zur Versteigerung gelangen könnte (auch weil grundsätzlich für Steu-

erforderungen keine Betreibung auf Konkurs erfolgt).

4.4.3. Das Ableiten eines Einkommens von fast CHF 120'000.-- aus der Funktion 

"Direktor" bzw. "Verwaltungsratspräsident" mag zwar korrekt sein, wenn 

die betreffende Person tatsächlich eine Kaderfunktion innehat. Aber nur 

bezogen auf die Bezeichnung aus dem Handelsregister kann nicht gut-

gläubig damit argumentiert werden. Dies gilt umso mehr, als die Gesell-

schaft (Beschwerdeführerin) weder über eine Homepage noch über einen 

Social-Media-Auftritt noch über sonst irgendwelche öffentlich zugängli-

chen Quellen verfügt. Quellen, die sonst bei einer "Finanzgesellschaft" 

zum Standardvertriebskanal gehören. Betreffend den Verwaltungsratsprä-

sidenten der Beschwerdeführerin hätte sich die Beschwerdegegnerin über 

die Betreibungsregisterinformationen (Betreibungsregisterauszug) zumin-

dest über die Zahlungsmoral ein Bild machen können. Eine Person kann 

ja auch betrieben werden, wenn sie vermögend ist, aber aus Prinzip immer 

zu spät bezahlt. Tatsächlich bleibt unklar, wie der Verwaltungsratspräsi-

dent der Beschwerdeführerin seinen Lebensunterhalt bestreitet. Dargelegt 

hat er indes, dass er bescheiden lebt. Nichtsdestotrotz konnte er in 

E._____ eine Immobilie für (äusserst geringe) CHF 60'000.-- erwerben. 

Woher er den Betrag dafür hatte, ist nicht bekannt. Ebenfalls klar ist aber, 

dass diese Immobilie aufgrund ausstehender Schulden der Beschwerde-

führerin offenbar nun versteigert wurde. Auch aus der Tatsache heraus, 

dass der Verwaltungsratspräsident die ergänzende ordentliche Veranla-

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gung nach Ermessen nicht angefochten hat, kann nicht auf eine Anerken-

nung des dortigen satzbestimmenden Einkommens geschlossen werden. 

5.1. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass eine Ermessenstaxa-

tion bei der Beschwerdeführerin für Quellensteuern oder eine Ermessens-

taxation beim Verwaltungsratspräsidenten der Beschwerdeführerin durch-

aus zulässig ist. Unzulässig ist es hingegen, die Ermessenstaxation ohne 

vorherige rudimentärste Abklärungen vorzunehmen. Die Beschwerdegeg-

nerin hat es unterlassen, diese zu tätigen und dabei die Ermessenstaxa-

tion in pflichtwidriger Weise zu hoch angesetzt. Damit hat die Beschwer-

degegnerin willkürlich gehandelt, so dass der Einsprachentscheid aufzu-

heben ist.

5.2. Die Beschwerdegegnerin beantragt eventualiter, dass das Gericht die 

Quellensteuer-Ermessenstaxation vornehmen solle. Es ist indes nicht Sa-

che des Verwaltungsgerichts, die Versäumnisse der Beschwerdegegnerin 

nachzuholen, so dass die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz 

zurückzuweisen ist.

6.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Gerichtskosten in Anwen-

dung von Art. 73 Abs. 1 VRG zu Lasten der unterliegenden Beschwerde-

gegnerin, zumal eine Rückweisung hinsichtlich der Auferlegung von Ge-

richtskosten wie auch der Parteientschädigung praxisgemäss als vollstän-

diges Obsiegen der beschwerdeführenden Partei gilt (vgl. BGE 137 V 210 

E.7.1). Die Verfahrenskosten bestehen aus der Staatsgebühr, den Ge-

bühren für die Ausfertigungen und Mitteilungen des Entscheides sowie 

den Barauslagen (Art. 75 Abs. 1 VRG). Die Staatsgebühr wird vorliegend 

in Anbetracht des Umfangs und der Schwierigkeit der Sache gestützt auf 

Art. 75 Abs. 2 VRG auf CHF 2'500.-- festgesetzt und zusammen mit den 

Kanzleiausgaben der Beschwerdegegnerin auferlegt.

- 21 -

6.2. Gestützt auf Art. 78 Abs. 1 VRG wird der obsiegenden Beschwerdeführe-

rin dem Ausgang des Beschwerdeverfahrens entsprechend eine ausser-

gerichtliche Parteientschädigung zugesprochen. Der Vertreter der Be-

schwerdeführerin reichte am 9. September 2021 (Poststempel) seine de-

taillierte Honorarnote ein. Für die Beschwerde- und Replikschriften macht 

er insgesamt einen (hohen) Aufwand von 18 Stunden, wovon alleine sechs 

Stunden für die Beschwerde (elf Seiten) und 12 Stunden für die Repliken 

(20 Seiten), für die Instruktion und das Aktenstudium vor der Eingabe der 

Beschwerdeschrift vier Stunden sowie Spesen von insgesamt CHF 465.-- 

(2 Std. Telefonate, Spesen, darunter für Autofahrten zum Klienten) gel-

tend. Weiter macht er Zugtickets für den Verwaltungsratspräsidenten der 

Beschwerdeführerin als Aufwand geltend (fünf Tageskarten und ein übli-

ches Ticket der SBB). Entschädigt wird der notwendige Aufwand, die Zug-

tickets für den Verwaltungsratspräsidenten der Beschwerdeführerin sind 

nicht als notwendige Kosten des Rechtsvertreters zu betrachten. Es han-

delt sich dabei vielmehr um Lebenshaltungskosten, die der Anwalt nicht 

hätte bezahlen müssen. Der Vertreter der Beschwerdeführerin macht ei-

nen Stundenansatz von CHF 200.-- geltend, was beim insgesamt geltend 

gemachten Aufwand von 24 Stunden (exkl. Tickets SBB) Kosten von ins-

gesamt CHF 5'239.60 ergibt. Der Vertreter der Beschwerdeführerin hat je-

doch viel Unnötiges vorgebracht bzw. oftmals Aussagen wiederholt. Es 

bleibt auch unklar, weshalb drei Repliken erforderlich waren. Die zu hohe 

Honorarnote ist deshalb nach Ansicht des Gerichts zu kürzen und die Ent-

schädigung pauschal auf CHF 4'000.-- (inkl. MWST) festzulegen.

III. Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird gutgeheissen, der angefochtene Entscheid wird auf-

gehoben und die Sache zu neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückge-

wiesen.

- 22 -

2. Die Gerichtskosten, bestehend aus

- einer Staatsgebühr von CHF 2'500.--

- und den Kanzleiauslagen von CHF 464.--

zusammen CHF 2'964.--

gehen zulasten der Steuerverwaltung des Kantons Graubünden.

3. Die Steuerverwaltung des Kantons Graubünden hat die A._____ ausser-

gerichtlich pauschal mit CHF 4'000.-- (inkl. MWST) zu entschädigen.

4. [Rechtsmittelbelehrung]

5. [Mitteilungen]