# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 85b1515d-ed9e-5ffc-a365-5a5b6d9fe55a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.11.2022 E-1445/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-1445-2022_2022-11-01.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-1445/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richterin Esther Marti, Richterin Gabriela Freihofer,    

Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

amtlich verbeiständet durch lic. iur. Monika Böckle,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 24. Februar 2022 / N (…). 

 

 

 

E-1445/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer, ein Usbeke aus der Provinz Takhar, reichte am 

23. November 2021 in der Schweiz ein Asylgesuch ein. Er wurde dem  

Bundesasylzentrum (BAZ) der Region (…) zugewiesen und dort am 12. Ja-

nuar 2022 im Beisein der ihm zugewiesenen Rechtsvertretung, welche 

gleichzeitig als Vertrauensperson für den unbegleiteten minderjährigen Be-

schwerdeführer (UMA) fungierte, zu seiner Person und summarisch zu den 

Asylgründen befragt (Protokoll Erstbefragung [EB] UMA).  

Am 20. Januar 2022 wurde er ins BAZ der Region (…) transferiert und am 

15. Februar 2022 wurde er vom SEM im Beisein der neu zugewiesenen 

Rechtsvertretung/Vertrauensperson zu seinen Asylgründen angehört. 

A.b Der Beschwerdeführer gab an, er stamme aus dem Dorf B._______/ 

Distrikt C._______, wo er von Geburt bis zu seiner Ausreise aus Afghanis-

tan zusammen mit dem älteren Bruder und den Eltern gelebt habe. Wegen 

der schlechten wirtschaftlichen Situation der Familie, der unsicheren Lage 

in der Umgebung des Heimatdorfs sowie der Entfernung habe er keine 

Schule besucht. Er habe stattdessen etwa im Alter von zehn, elf Jahren 

begonnen, den Vater in der Landwirtschaft zu unterstützen. 

Als er eines Tages mit Vater und Bruder auf den Feldern gewesen sei, 

seien zwei Taliban gekommen und hätten den Vater aufgefordert, ihnen 

beide Söhne zu übergeben. Sie hätten behauptet, sie würden beide Kinder 

unterrichten und erziehen. Der Vater habe keine andere Wahl gehabt, als 

beide Söhne mit den Männern mitgehen zu lassen, dies im Bewusstsein, 

dass es anderen Kindern aus dem Dorf bereits ähnlich ergangen sei. In der 

Folge sei er (Beschwerdeführer) mit dem Bruder in einem Auto nach C zu 

einer Höhle gebracht worden. Dort seien sie mit anderen Jungen während 

etwa zehn Tagen festgehalten und in dieser Zeit von den  

Taliban im Umgang mit Waffen unterrichtet worden. An einem dieser Tage 

sei eine Person, welche für die Regierung tätig gewesen sei, dorthin ge-

bracht und er sei aufgefordert worden, diese Person zu töten. Er sei dazu 

nicht in der Lage gewesen, worauf die Taliban den Mann selber umge-

bracht hätten. Er sei wegen seiner Weigerung später mit einer Peitsche 

gefoltert worden. Er habe danach dem Bruder gesagt, er ertrage diese Si-

tuation nicht länger, worauf der Bruder ihn um Geduld gebeten habe. Eines 

Abends, kurz vor Sonnenuntergang, hätten sie beide den Taliban respek-

tive deren Oberkommandanten gesagt, in die Stadt D._______ gehen zu 

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Seite 3 

wollen, sie würden anschliessend wieder zurückkommen. Die Taliban hät-

ten sie gehen lassen, vermutlich in der Annahme, sie beide würden sich in 

der Gegend nicht auskennen und daher den Weg in die Stadt nicht finden. 

Es sei ihm und dem Bruder jedoch gelungen, in diese Stadt zu gelangen. 

Bei ihrer Ankunft sei es bereits dunkel gewesen und sie hätten einen Fahrer 

gefunden, der sie bis C._______ gebracht habe. Der Vater sei über ihr 

Kommen überrascht gewesen. Sie hätten ihm über das Vorgefallene be-

richtet. Der Vater habe – in der Annahme, die Taliban würden seine Söhne 

bei einem weiteren Verbleib erneut zu Hause holen und mitnehmen – ent-

schieden, dass sie beide Afghanistan verlassen sollten. Am nächsten Tag 

seien er (Beschwerdeführer) und sein Bruder gegen Abend nach 

E._______ gegangen, um ein Busticket nach Kabul zu kaufen. Da an je-

nem Abend keine Tickets mehr erhältlich gewesen seien, hätten sie die 

Nacht in E._______ verbracht und sich erst am nächsten Morgen auf den 

Weg nach Kabul gemacht. Auch in Kabul hätten sie eine Nacht auf den Bus 

warten müssen, bevor sie nach F._______ aufgebrochen seien und von 

dort aus Afghanistan letztlich verlassen hätten. Er sei zum damaligen Zeit-

punkt (…) Jahre alt gewesen. Er sei mit dem Bruder über den Iran in die 

Türkei gelangt, wo sie sich etwa elf Monate aufgehalten hätten. Anschlies-

send sei der Beschwerdeführer – der in dieser Zeit vom Bruder getrennt 

worden sei – nach Griechenland und von dort via Serbien nach Bosnien 

gelangt. Er habe dort mehrfach versucht, die Grenze zu Kroatien zu pas-

sieren, was ihm aber erst nach etwa eineinhalb Jahren gelungen sei. Von 

Kroatien aus sei er schliesslich über Italien in die Schweiz gereist.  

Nach seiner Ausreise aus Afghanistan habe er einen Verwandten kontak-

tiert, um zu erfahren, wie es dem Vater gehe. Auf diese Weise habe er 

erfahren, dass vier Personen den Vater zu Hause aufgesucht und nach 

dem Verbleib der Söhne gefragt hätten. Der Vater habe wohl erklärt, er 

wisse nichts darüber, woraufhin man ihn zusammengeschlagen habe.  

In der Zwischenzeit seien die Taliban in Afghanistan an die Macht gelangt. 

Obwohl sie die Menschen glauben lassen wollten, es sei nun alles gut, 

würde es in seinem Heimatland weiterhin keine Sicherheit geben. 

B.  

B.a Am 22. Februar 2022 stellte das SEM der Rechtsvertretung des Be-

schwerdeführers der Verfügungsentwurf zur Stellungnahme zu. 

  

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Seite 4 

B.b In der Stellungnahme vom 23. Februar 2022 teilte der Beschwerdefüh-

rer mit, er sei mit dem Entscheidentwurf nicht einverstanden. Anlässlich der 

Anhörung vom 15. Februar 2022 habe er die Wahrheit erzählt und alles 

gesagt, was er erlebt habe. Es könne sein, dass der Vater bereits zuvor 

Schwierigkeiten mit den Taliban gehabt, ihm und dem Bruder jedoch nichts 

davon erzählt habe. Entgegen der Auffassung des SEM beruhe seine  

Mitnahme durch die Taliban auf einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv. 

Mit Verweis auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVGer  

E-5072/2018 vom 17. Dezember 2020) wurde zudem ausgeführt, bei einer 

drohenden Zwangsrekrutierung eines Minderjährigen für einen Kampf-  

oder Kriegseinsatz durch lokale Machthaber in Afghanistan sei das ein-

schlägige Verfolgungsmotiv zu bejahen, zumal die Taliban nunmehr keine 

quasi-staatlichen Machthaber mehr, sondern vielmehr zu einem staatlichen 

Akteur geworden seien. Darüber hinaus seien allfällige Unglaubhaftigkeit-

selemente, auf deren Ausführung das SEM mangels flüchtlingsrechtlicher 

Relevanz der Vorbringen in seinem Verfügungsentwurf verzichtet habe, ge-

nauer darzulegen. 

C.  

Mit Verfügung vom 24. Februar 2022 – gleichentags eröffnet – lehnte das 

SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegwei-

sung aus der Schweiz an. Den Vollzug der Wegweisung schob es wegen 

Unzumutbarkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz auf. 

D.  

Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom  

28. März 2022 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er bean-

tragte die Aufhebung der Dispositivziffern 1–3 des Asylentscheids, die An-

erkennung als Flüchtling und die Asylgewährung. In prozessualer Hinsicht 

ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung 

eines amtlichen Rechtsbeistands oder einer amtlichen Rechtsbeiständin. 

E.  

Am 31. März 2022 stellte der Instruktionsrichter fest, der Beschwerdeführer 

dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten (zumal die 

vorläufige Aufnahme bereits angeordnet worden sei). Er hiess das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzichtete auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses. Weiter forderte er den Beschwer-

deführer auf, innert Frist den gewünschten Rechtsvertreter oder die ge-

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Seite 5 

wünschte Rechtsvertreterin zu benennen und eine entsprechende Voll-

macht zu den Akten zu reichen. Mit gleicher Verfügung lud er die Vorinstanz 

zum Einreichen einer Vernehmlassung innert Frist ein. 

F.  

Am 5. April 2022 reichte die Rechtsvertreterin ihre Vertretungsvollmacht 

und am 13. April 2022 das SEM seine Vernehmlassung zu den Akten. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 19. April 2022 hiess der Instruktionsrichter 

entsprechend das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gut und er 

setzte lic. iur. Monika Böckle als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwer-

deführers ein. Gleichzeitig wurde dem Beschwerdeführer die Vernehmlas-

sung der Vorinstanz zur Kenntnis gebracht und ihm Frist zum Einreichen 

einer Replik gesetzt. 

H.  

Der Beschwerdeführer liess am 4. Mai 2022 fristgerecht eine Replik sowie 

eine Beschwerdeergänzung zu den Akten reichen. Unter dem Titel der Be-

schwerdeergänzung wurde dabei als neues Rechtsbegehren angefügt, 

eventualiter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung 

und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

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Seite 6 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 10 der Verordnung vom 1. April 2020 über Massnahmen 

im Asylbereich im Zusammenhang mit dem Coronavirus [Covid-19-Verord-

nung Asyl, SR 142.318] sowie Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.4 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung und in der Ver-

nehmlassung Folgendes aus: 

3.1.1 Zu den Schilderungen bezüglich der Zwangsrekrutierung durch die 

Taliban sei festzuhalten, dass diese Rekrutierung auf keinem flüchtlings-

rechtlich relevanten Motiv beruhe. So habe der Beschwerdeführer dazu 

selber angegeben, die Taliban hätten ihn mitgenommen respektive später 

erneut rekrutiert, um ihn die Nutzung von Waffen zu lehren beziehungs-

weise um sich zahlenmässig zu vergrössern. Das von ihm geschilderte 

Vorgehen der Taliban habe demnach nicht das Ziel verfolgt, den Beschwer-

deführer aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen 

Gruppe zu treffen beziehungsweise ihn deswegen zu verfolgen. Vielmehr 

habe er in jenem Zeitpunkt mutmasslich die von den Taliban gewünschten 

Eigenschaften – männliches Geschlecht in einem bestimmten Alter – erfüllt 

und habe so für ihre Zwecke geeignet geschienen. Den Akten seien keine 

Hinweise betreffend zusätzliche Risikofaktoren zu entnehmen, wonach die 

Taliban ihn als Feind und Verräter betrachtet, mithin ihm eine oppositionelle 

Gesinnung unterstellt hätten, zumal er auf Nachfrage geäussert habe, zu-

vor keine Probleme mit den Taliban gehabt zu haben. Für den Zeitpunkt 

der Ausreise sei eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung durch die Ta-

liban daher zu verneinen.  

  

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Seite 7 

3.1.2 Vor dem Hintergrund der Lageveränderung in Afghanistan bleibe zu 

prüfen, ob der Beschwerdeführer mit seiner vormaligen Weigerung, sich 

den Taliban anzuschliessen, und der Ausreise nachträglich einen Grund für 

eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung bei einer Rückkehr geschaf-

fen habe. Seit der faktischen Machtübernahme durch die Taliban Mitte Au-

gust 2021 befinde sich Afghanistan in einer Übergangsphase und es sei 

noch nicht vollständig absehbar, wie die diese mit spezifischen Personen-

gruppen in der afghanischen Bevölkerung umgehen würden. Es gebe so-

wohl Hinweise, dass sie bestimmte Profile ins Visier nehmen könnten, als 

auch Ankündigungen, die im Vergleich zu deren ersten Herrschaft  

(1995–2001) auf gemässigtere Positionen hindeuten würden. Es bestehe 

damit kein begründeter Anlass zur Annahme, dass sich die Lageverände-

rung risikoverschärfend auf die persönliche Situation des Beschwerdefüh-

rers auswirke und er bei einer Rückkehr nach Afghanistan mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft wegen seiner vormaligen 

Rekrutierungsverweigerung flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungs-

massnahmen ausgesetzt sein werde. Seine Vorbringen würden damit den 

Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsyIG nicht 

standhalten. Es könne bei dieser offensichtlich fehlenden flüchtlingsrecht-

lichen Relevanz darauf verzichtet werden, auf die erkennbaren Unglaub-

haftigkeitsindizien einzugehen.  

3.1.3 Zur Stellungnahme der Rechtsvertretung vom 23. Februar 2022 sei 

Folgendes festzustellen: Für allfällige vorgängige Probleme des Vaters mit 

den Taliban seien den Akten keine Hinweise zu entnehmen. Der Beschwer-

deführer habe auf entsprechende Frage hin vielmehr angegeben, weder er 

noch der Vater oder sonst jemand seiner Familie habe vor der besagten 

Mitnahme Probleme mit den Taliban gehabt. Der Verweis auf das Urteil  

E-5072/2018, bei dem es sich nicht um ein Grundsatz- oder ein Referenz-

urteil handle, führe zu keiner anderen Einschätzung hinsichtlich der flücht-

lingsrechtlichen Relevanz. In diesem Entscheid seien namentlich die lllegi-

timität der Einberufung von Minderjährigen zu militärischen Handlungen 

durch lokale quasi-staatliche Machthaber als flüchtlingsrechtlich bedeut-

sam qualifiziert worden. Bei den Taliban habe es sich im Zeitpunkt der vom 

Beschwerdeführer geltend gemachten Zwangsrekrutierung um eine nicht-

staatliche Gruppierung gehandelt; schon aus diesem Grund könne kein di-

rekter Analogieschluss gezogen werden 

  

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Seite 8 

3.1.4 Hinsichtlich allfälliger Unglaubhaftigkeitselemente sei zu sagen, dass 

die Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner Mitnahme durch die Tali-

ban und zu seinem Aufenthalt bei diesen zwar schlüssig, aber deutlich  

unsubstanziierter ausgefallen seien als dies angesichts seiner ausführli-

chen Schilderungen zum Reiseweg bei der Erstbefragung vom 12. Januar 

2022 hätte erwartet werden dürfen. Es erübrige sich indes eine vertiefte 

Auseinandersetzung mit der Frage der Glaubhaftigkeit.  

3.2 Auf Beschwerdeebene wird den Erwägungen des SEM Folgendes ent-

gegengehalten: 

3.2.1 Entgegen der Auffassung des SEM sei eine Rekrutierung von Min-

derjährigen asylrechtlich relevant, zumal spätestens seit der kürzlichen 

Machtübernahme, sicher aber zum Zeitpunkt der Entscheidfällung die Ta-

liban nicht mehr als Dritte im Sinn einer quasi-staatlichen Gruppe zu quali-

fizieren seien, letztlich könne es ohnehin nicht ausschlaggebend sein, ob 

die Akteure (quasi-) staatlich seien, wenn die verfolgten Minderjährigen 

keine schutzfähigen und -bereiten Schutzstrukturen finden könnten.  

Bei den Zielpersonen der Rekrutierung habe es sich um eine bestimmte 

soziale Gruppe gehandelt (gesunde, augenscheinlich diensttaugliche  

Burschen in einer bestimmten Alterskategorie). Anderseits sei das Motiv 

der Stärkung der eigenen Streitkräfte durch kriminelles Vorgehen gegen 

beeinflussbare Minderjährige und deren Indoktrinierung ein politisches 

Ziel. Es könne auch nicht entscheidend sein, ob ein Minderjähriger zuvor 

noch keine oder eine gegensätzliche Gesinnung gehabt habe. In beiden 

Fällen liege ein politisches Motiv der Täterschaft auf verschiedenen  

Ebenen vor: Tatsächliche oder unterstellte Eigenschaften auf Seiten des 

Verfolgten und auf Seiten der Verfolger die eigene Begründung der Taten. 

Spätestens seit seiner Flucht aus dem Machtbereich der Taliban gelte er in 

deren Augen als Deserteur oder als ideologisch Oppositioneller. Ihm drohe 

bei einer Rückkehr unmittelbar die Ermordung durch die Taliban aufgrund 

politischer Überlegungen. Dies gelte umso mehr, als seit deren Macht- 

ergreifung keine inländische Fluchtalternative mehr existiere und er nur 

Personen in seinem Dorf kenne, sich mithin bei der Rückkehr dorthin in 

den Machtbereich derselben Taliban begeben müsste, die ihn damals 

zwangsrekrutiert hätten.  

3.2.2 Das SEM verkenne zudem, dass es sich beim Geschlecht und Alter 

um unveränderliche biologische Eigenschaften handle und er wegen die-

ser zwangsrekrutiert worden sei. Unter Hinweis auf die Urteile BVGer  

E-5072/2018 vom 17. Dezember 2020 und E-1144/2018 vom 29. Juni 2020 

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Seite 9 

wird ausgeführt, das Bundesverwaltungsgericht habe in seiner Rechtspre-

chung einerseits den in der schweizerischen Rechtspraxis anerkannten 

Grundsatz, wonach militärische Einberufungen durch quasi-staatliche Be-

hörden illegitim seien, wiederholt und andererseits festgehalten, dass 

Zwangsrekrutierungen von Minderjährigen im humanitären Völkerrecht 

grundsätzlich verboten seien und die Rekrutierung von unter  

15-jährigen Kindern ein Kriegsverbrechen darstelle und im Rahmen des 

Universalitätsprinzips auch in der Schweiz strafrechtlich verfolgt werde.  

3.2.3 Aus der Begründung des Urteils E-5072/2018 sei zu schliessen, dass 

das Verfolgungsmotiv der bestimmten sozialen Gruppe beim Beschwerde-

führer erfüllt sei. Zudem sei seine Weigerung, sich den Taliban anzu-

schliessen, Ausdruck seiner politischen Überzeugung gewesen, was von 

den Taliban auch so wahrgenommen werde; damit sei vorliegend auch das 

Verfolgungsmotiv der politischen Überzeugung erfüllt. Es müsse ihm die 

Flüchtlingseigenschaft zuerkannt und folglich das Asyl gewährt werden. 

3.2.4 In der Replik wird zudem gerügt, dass die Vorinstanz mit ihren Aus-

führungen die Begründungspflicht und damit das rechtliche Gehör des Be-

schwerdeführers verletzt habe. Das Argument des SEM, der Zwangsrekru-

tierung habe es an einem flüchtlingsrechtlich relevanten Motiv gefehlt, sei 

dezidiert zurückzuweisen. Im Kontext der sogenannten Schutztheorie sei 

festzuhalten, dass die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft nicht vom 

Urheber der Verfolgung, sondern davon abhänge, ob im Heimatstaat adä-

quater Schutz vor Verfolgung erhältlich sei. Vorliegend könne es nur darauf 

ankommen, ob der Beschwerdeführer aus einem flüchtlingsrechtlich rele-

vanten Motiv und mit bestimmter Intensität verfolgt worden sei und dabei 

nicht auf staatlichen Schutz habe zählen können. Nachdem der Vollzug 

von Wegweisungen nach Afghanistan generell unzumutbar sei, stehe in 

diesem Land von Vornherein kein zumutbarer Schutz vor Zwangsrekrutie-

rung zur Verfügung.  

Schliesslich sei der Beschwerdeführer wegen seiner Weigerung,  

einen Regierungsmitarbeiter zu ermorden, von den Taliban gefoltert wor-

den. Die Vorinstanz habe diesbezüglich den rechtserheblichen Sachverhalt 

ungenügend abgeklärt, was an sich eine Rückweisung rechtfertigen würde, 

die jedoch für den Beschwerdeführer mit zusätzlichen Stress verbunden 

wäre. 

  

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Seite 10 

Die Vorinstanz habe bei ihren Erwägungen zur Frage der Glaubhaftigkeit 

nicht berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer minderjährig sei. Für die 

Glaubhaftigkeit seiner Angaben spreche auch, dass er über die Zwangs-

rekrutierung und die erlittenen Misshandlungen nur kurze, jedoch in sich 

schlüssige und prägnante Angaben habe machen können, seien diese Vor-

fälle doch sehr belastend für ihn gewesen. Zudem überzeuge es kaum, 

dem Beschwerdeführer auf Beschwerdeebene Unsubstanziiertheit vorzu-

werfen, nachdem ihm zu den Folterungen keine Zusatzfragen gestellt wor-

den seien. Eine Gesamtschau der Anhörungsprotokolle lasse die Vorbrin-

gen als in sich schlüssig und glaubhaft erscheinen. 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer rügt in der Replik eine Verletzung der Begrün-

dungspflicht und eine ungenügende Feststellung des rechtserheblichen 

Sachverhalts, dabei namentlich in Bezug auf die geltend gemachte Folter 

(er hält jedoch auch fest, es sei aufgrund des als glaubhaft zu betrachten-

den Sachvortrags eine Beurteilung ohne Rückweisung möglich und letzt-

lich sachgerechter).  

4.2  

4.2.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-

listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an 

der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG). 

Diese beinhaltet, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzuwirken und 

in der Anhörung die Asylgründe darzulegen sowie allfällige Beweismittel 

vollständig zu bezeichnen und unverzüglich einzureichen (vgl. BVGE 

2011/28 E. 3.4). 

4.2.2 Die unvollständige Feststellung des Sachverhalts in Verletzung der 

behördlichen Untersuchungspflicht bildet einen Beschwerdegrund 

(Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unvollständig festgestellt ist der Sach- 

verhalt, wenn nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände be-

rücksichtigt wurden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren 

und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., 2013, Rz. 1043). 

4.2.3 Die Begründung einer Verfügung muss die wesentlichen Überlegun-

gen wiedergeben, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf 

die sie ihren Entscheid gestützt hat. Es ist allerdings nicht erforderlich, dass 

sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-

setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (BGE 

E-1445/2022 

Seite 11 

141 IV 249 E. 1.3.1; BVGE 2008/47 E. 3.2 m.w.H.). Die Begründungs-

pflicht soll der betroffenen Person ermöglichen, die Verfügung gegebenen-

falls sachgerecht anzufechten. In diesem Sinne kann sich die Vorinstanz 

auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (vgl. 

ausführlich BGE 2013/43 E. 4, mit weiteren Hinweisen). 

4.3 Die Begründung der angefochtenen Verfügung ist transparent, nach-

vollziehbar und ausreichend. Eine sachgerechte Anfechtung des Asylent-

scheids war dem Beschwerdeführer, wie den Ausführungen in der Be-

schwerdeschrift und in der Replik zu entnehmen ist, denn auch möglich 

(vgl. hierzu etwa BVGE 2011/37 E. 5.4.1 m.w.H.). Die Vorinstanz ist damit 

ihrer Begründungspflicht nachgekommen. Den Akten sind auch keine Hin-

weise auf eine unvollständige Sachverhaltserhebung zu entnehmen, mithin 

kann keine Verletzung der Untersuchungspflicht festgestellt werden.  

4.4 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-

begründet. Es besteht keine Veranlassung, die Sache aus formellen Grün-

den aufzuheben und zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung und 

Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das in der Replik  

gestellte Eventual-Rechtsbegehren ist abzuweisen.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

  

E-1445/2022 

Seite 12 

6.  

6.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine Person die Flüchtlings-

eigenschaft im Sinn von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von bestimmter 

Intensität mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft 

begründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und aufgrund  

bestimmter – im Gesetz abschliessend erwähnter – Verfolgungsmotive zu-

gefügt zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatli-

chen Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und 2008/4 E. 5., 

jeweils m.w.H.).  

6.2 Die Vorinstanz kam zum Schluss, die geltend gemachten Rekrutie-

rungsversuche durch die Taliban würden auf keinem flüchtlingsrechtlich re-

levanten Motiv beruhen. Die Behelligungen hätten den Beschwerdeführer 

auch nicht aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen 

Gruppe getroffen, und es könnten den Akten keine zusätzlichen Risikofak-

toren entnommen werden, wonach ihm seitens der Taliban eine oppositio-

nelle Gesinnung unterstellt worden wäre. 

Der Beschwerdeführer seinerseits beruft sich massgeblich darauf, er sei 

als Zugehöriger zu einer bestimmten sozialen Gruppe und – aufgrund sei-

ner Weigerung, bei den Taliban mitzumachen und seiner Flucht – letztlich 

auch aus politischen Gründen verfolgt respektive müsste bei einer Rück-

kehr begründeterweise mit Verfolgung rechnen.  

6.3 Die Argumentation des Beschwerdeführers zur Verfolgungsmotivation 

vermag das Gericht nicht zu überzeugen.  

6.3.1 Aus seinen Schilderungen ist zu schliessen, dass die Taliban ihn und 

seinen Bruder mitgenommen hätten, um beide den Umgang mit Waffen zu 

lehren; dies mit dem Ziel, die eigenen Reihen zu vergrössern. Dieses Ziel 

beinhaltet noch kein erkennbares, untrennbar mit der Person oder Persön-

lichkeit der Opfer dieses Vorgehens verbundenes Merkmal (vgl. BVGE 

2014/28 E. 8.4.1 m.w.H.). 

6.3.2 Aus welchem Grund die Taliban sich auf den (damals etwa […]-jähri-

gen) Beschwerdeführer konzentriert und diesen zu rekrutieren versucht ha-

ben sollen, ergibt sich aus den Akten nicht ganz klar. Er gab zu Protokoll, 

die Taliban hätten viele Jungen aus dem Dorf mitgenommen; gegenüber 

dem Vater hätten die Taliban angegeben, ihn und den Bruder erziehen zu 

wollen; bereits vorher seien wiederholt Kinder mitgenommen worden (vgl. 

Protokoll Anhörung F/A 47, 55 f.); ein Grund sei auch gewesen, dass die 

Taliban ihre Anzahl habe steigern wollen (vgl. a.a.O. F/A 88). Mit diesen 

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Seite 13 

Aussagen beschreibt der Beschwerdeführer allerdings eine generelle Situ-

ation in seiner Heimatregion. Zudem gab er ausdrücklich an, weder er noch 

sein Vater oder sonst jemand aus seiner Familie hätten je Probleme mit 

den Taliban gehabt (vgl. a.a.O. F/A53, 54). Nach dem Gesagten ist zu 

schliessen, dass der Beschwerdeführer letztlich zufällig in eine Rekrutie-

rungsrunde der Taliban geraten sein soll. Dies spricht nach Auffassung des 

Gerichts gegen die Annahme, er sei wegen seiner Zugehörigkeit zu einer 

bestimmten sozialen Gruppe gezielt für die Rekrutierung ausgewählt – und 

dann mittels Zwangsrekrutierung verfolgt – worden.  

6.3.3 Auf die Frage, was bei einer Rückkehr mit ihm passieren könnte, 

führte der Beschwerdeführer aus, der Mensch sei in Afghanistan wertlos 

und es gebe keine Sicherheit. Die Taliban würden zwar Versprechungen 

machen, aber dennoch fühle man sich nicht sicher (vgl. a.a.O. F/A 91). Aus 

diesen (grundsätzlich nachvollziehbaren) Worten ist nicht zu schliessen, 

die Taliban hätten – namentlich aufgrund des Weggangs aus dem Camp – 

auf eine oppositionelle Haltung des Beschwerdeführers ihm gegenüber  

geschlossen, mithin drohe ihm nun hieraus eine politisch motivierte Verfol-

gung.  

6.3.4 In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass der  

Vater weiterhin im Heimatdorf wohnt und es ihm nach Kenntnis des Be-

schwerdeführes gut gehe (vgl. Protokolle EB UMA S. 7 und Anhörung 

F/A 14 und 16 f.). Es ist auch unter diesem Gesichtspunkt nicht anzuneh-

men, dass der Beschwerdeführer und sein Bruder sich und ihnen nahe An-

gehörige als Oppositionelle der Taliban verdächtig gemacht haben könnte. 

6.3.5 Den Akten sind nach dem Gesagten keine konkreten Anhaltspunkte 

zu entnehmen, die auf eine Verfolgung des Beschwerdeführers (und seiner 

Familie) aus einem der im Gesetz genannten Motive schliessen lassen 

würde.  

6.3.6 Unter den gegebenen Umständen kann eine Auseinandersetzung mit 

den vom Beschwerdeführer thematisierten Urteilen des Bundesverwal-

tungsgerichts verzichtet werden, zumal diese Lebenssachverhalte (bezie-

hungsweise Länderkontexte) betrafen, die mit der hier zu beurteilenden  

Situation nicht vergleichbar sind. 

6.3.7 Auch unter Berücksichtigung der aktuellen Situation in Afghanistan 

liegen keine konkreten Hinweise für die Annahme vor, dass dem Beschwer-

deführer nach einer – derzeit, angesichts der vorläufigen Aufnahme in der 

E-1445/2022 

Seite 14 

Schweiz hypothetischen – Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung drohen 

könnte. 

6.4 Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die 

Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt. 

7.  

7.1 Die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers braucht da-

mit nicht mehr abschliessend beurteilt zu werden. Das Bundesverwal-

tungsgericht beschränkt sich in diesem Zusammenhang der Vollständigkeit 

halber auf die folgenden Feststellungen: 

7.2 Das SEM hat – nach einer diesbezüglichen Aufforderung in der Stel-

lungnahme des Rechtsvertreters des Beschwerdeführes – festgehalten, 

die Aussagen der Mitnahme und des Aufenthaltes seien zwar als solche 

schlüssig. Es falle aber auf, dass diese Darlegungen deutlich unsubstanzi-

ierter ausgefallen seien, als dies angesichts der ausführlichen Schilderun-

gen des Reisewegs anlässlich der Erstbefragung vom 12. Januar 2022 zu 

erwarten gewesen wäre. Diese Diskrepanz im Aussageverhalten ist bei 

Durchsicht der Protokolle in der Tat auffällig und kann kaum mit dem Alter 

des Beschwerdeführers respektive einem psychologischen Verdrängungs-

mechanismus oder Ähnlichem erklärt werden (vgl. Replik S. 6). 

7.3 Es fällt weiter auf, dass der Beschwerdeführer das zweifellos eindring-

lichste seiner angeblichen Erlebnisse, die erlittenen Folterungen durch die 

Taliban mit einer Peitsche nach seiner Weigerung, einen Regierungsange-

stellten zu ermorden, in der EB UMA gar nicht und in der Anhörung nur 

nebenbei – bezeichnenderweise erst auf konkrete Frage hin – zu Protokoll 

gegeben hat (vgl. Protokoll Anhörung F/A 71: "Hatte das vonseiten der Ta-

liban irgendwelche Konsequenzen für Sie, dass Sie diese Aufgabe nicht 

ausgeführt haben? A: Ja, es gab schon Konsequenzen. Sie haben mich 

gefoltert, mit einer Peitsche."). 

7.4 Bei Durchsicht der protokollierten Asylbegründung stechen weitere 

klare Unglaubhaftigkeitsindizien ins Auge, die ebenfalls kaum alleine auf 

das Alter des Beschwerdeführers zurückgeführt werden können. So wirken 

die Vorbringen teilweise konstruiert und lebensfremd. Dies betrifft insbe-

sondere die Beschreibung, wie der Beschwerdeführer mit dem Bruder aus 

dem Camp entkommen sein will. So gab er zuerst an, sie hätten nirgendwo 

hingehen dürfen (vgl. a.a.O. F/A 58). Später führte er aus, er habe mit dem 

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Seite 15 

Bruder (auf dessen Geheiss) bis zum Abend gewartet, dann hätten sie die 

Taliban gefragt, ob sie in die Stadt D._______ gehen dürften. Diese hätten 

– wohl in der Annahme, er und der Bruder würden als Ortsunkundige den 

Weg ohnehin nicht finden – ihre Erlaubnis gegeben (vgl. a.a.O. F/A 72 ff.). 

Dieses Verhalten der Taliban ist offensichtlich in mehrfacher Hinsicht unlo-

gisch. Kaum nachvollziehbar ist zudem, dass der Beschwerdeführer trotz 

der Angst, die Taliban würden ihn zu Hause holen und erneut ins Camp 

zurückbringen, noch den ganzen Folgetag nach der Ankunft daheim im 

Dorf beim Vater geblieben und erst am Abend von dort weggegangen sei 

(vgl. a.a.O. F/A 82). Ebenso unplausibel erscheint, dass die Taliban die bei-

den Geflüchteten nicht umgehend bei ihrer Familie gesucht haben sollen. 

7.5 Schliesslich ist festzuhalten, dass es gemäss der bekannten Rekrutie-

rungspraxis der Taliban vor der Machtübernahme aufgrund struktureller 

Zwänge praktisch unmöglich war, sich einem tatsächlichen Rekrutierungs-

versuch durch diese zu entziehen; Rekrutierungen der Taliban waren bis-

her zudem üblicherweise nicht durch Zwang, Drohungen und Gewalt ge-

kennzeichnet. Fälle von Rekrutierungen Minderjähriger sind zwar doku-

mentiert, bilden jedoch die Ausnahme (vgl. Urteil des BVGer E-4538/2021 

vom 21. Juni 2022 E. 7.3; LANDINFO, Afghanistan: Recruitment to Taliban, 

29. Juni 2017, < https://landinfo.no/wp-content/uploads/2018/03/Afghanis-

tan-Recruitment-to-Taliban-29062017.pdf >; abgerufen am 26. September 

2022). Das vom Beschwerdeführer geschilderte Vorgehen der Taliban ent-

spricht diesen Erkenntnissen nicht. 

8.  

Nach dem Gesagten hat das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers 

zu Recht abgelehnt.  

9.  

Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt 

es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug 

an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 

AsylG). 

Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-

rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung 

einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-

ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

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Seite 16 

10.  

Der Wegweisungsvollzug ist praxisgemäss nicht zu prüfen, nachdem die 

Vorinstanz den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs vorläufig aufgenommen hat. 

11.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist  

abzuweisen. 

12.  

12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-

schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm jedoch mit 

Zwischenverfügung vom 31. März 2022 die unentgeltliche Prozessführung 

gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und keine massgebliche Ver-

änderung der finanziellen Verhältnisse des Minderjährigen ersichtlich ist, 

ist von der Auferlegung von Verfahrenskosten abzusehen. 

12.2 Mit Instruktionsverfügung vom 19. April 2022 wurde auch das Gesuch 

um Gewährung der amtlichen Verbeiständung gutgeheissen und 

lic. iur. Böckle als amtliche Rechtsbeiständin eingesetzt (Art. 102m AsylG). 

Demnach ist dieser ein Honorar für die notwendigen Aufwendungen im Be-

schwerdeverfahren auszurichten. Die Rechtsbeiständin reichte mit der 

Replik vom 4. Mai 2022 ihre Kostennote zu den Akten; ausgehend von ei-

nem Stundenansatz von Fr. 200.– für den Fall des Obsiegens und mit dem 

Hinweis, ansonsten sei der Stundenansatz von Fr.  150.– zu berechnen, 

werden darin 7 Stunden 45 Minuten ausgewiesen, was den Umständen 

des konkreten Verfahrens angemessen scheint. Unter Berücksichtigung 

der massgebenden Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8 ff des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und in Anwen-

dung des in der Zwischenverfügung vom 19. April 2022 angekündigten 

Stundenansatzes ist das vom Gericht auszurichtende Honorar auf ins- 

gesamt Fr. 1180.– (inkl. Auslagen) festzulegen. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 17 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Der amtlichen Rechtsbeiständin wird vom Bundesverwaltungsgericht für 

das Verfahren ein Honorar von insgesamt Fr. 1180.– ausgerichtet. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Eveline Chastonay