# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 125a95d9-31d4-54c0-96bf-32805a77d3a6
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2004-03-16
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht Sonstige Kammern 16.03.2004 ZB 2004 9
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_999_ZB-2004-9_2004-03-16.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Tribunale cantonale dei Grigioni
Dretgira chantunala dal Grischun

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Ref.: Chur, 16. März 2004 Schriftlich mitgeteilt am: 
ZB 04 9

Urteil
Kantonsgerichtsausschuss

Vorsitz Präsident Brunner
RichterInnen Jegen und Riesen-Bienz 
Aktuar ad hoc Schnider

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In der zivilrechtlichen Beschwerde

der A., Gesuchstellerin und Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. 
iur. Peter Bieler, Promenade 38, 7270 Davos Platz,

gegen

die Verfügung des Bezirksgerichtspräsidenten Inn vom 28. Januar 2004, mitgeteilt 
am 28. Januar 2004, in Sachen der Gesuchstellerin und Beschwerdeführerin,

betreffend unentgeltliche Rechtspflege,

hat sich ergeben:

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A. Im Rahmen ihres Gesuches um Erlass von Eheschutz- beziehungs-
weise vorsorglichen Massnahmen ersuchte A. das Bezirksgerichtspräsidium Inn mit 
Gesuch vom 10. Juli 2003 um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege – bein-
haltend die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Rechtsverbeistän-
dung – und um Anerkennung von Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Bieler als deren 
Rechtsvertreter.   

B. Am 08. Oktober 2003 wurde der Gemeinde X. dieses Gesuch zur Stel-
lungnahme unterbreitet. Diese liess sich innert erstreckter Frist mit Schreiben vom 
29. Oktober 2003 vernehmen und beantragte die Rückweisung des Gesuches um 
unentgeltliche Rechtspflege zwecks detaillierter Begründung beziehungsweise Er-
gänzung desselben mit den notwendigen Angaben und Unterlagen. Mit Verfügung 
vom 11. November 2003 forderte das Bezirksgerichtspräsidium Inn daher A. auf, 
innert 20 Tagen eine Berechnung des Bedarfes und der verfügbaren Mittel mit ent-
sprechenden Belegen zuzustellen. Mit Eingabe vom 13. November 2003 präzisierte 
A. ihr Gesuch vom 10. Juli 2003 dahingehend, dass gemäss Art. 42 ZPO einer Par-
tei, die öffentliche Sozialhilfe bezieht, die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen 
sei. A. falle gemäss dem beiliegenden Protokollauszug der Gemeinderatssitzung  
der Gemeinde Y. vom 20. Oktober 2003 der öffentlichen Fürsorge zur Last. Das 
Bezirksgerichtspräsidium Inn forderte daraufhin die Gemeinde X. auf, bis zum 05. 
Dezember 2003 erneut Stellung zum Gesuch von A. zu nehmen. Mit Stellungnahme 
vom 03. Dezember 2003 liess sich die Gemeinde X. erneut vernehmen und bean-
tragte aufgrund des fehlenden Nachweises der Mittellosigkeit, welchen die Gesuch-
stellerin erbringen müsse, die Abweisung des Gesuches um unentgeltliche Rechts-
pflege.

C. Mit Verfügung vom 28. Januar 2004, mitgeteilt ebenfalls am 28. Januar 
2004, verfügte das Bezirksgerichtspräsidium Inn betreffend Bewilligung zur unent-
geltlichen Rechtspflege und Ernennung eines Rechtsbeistandes wie folgt:

„1. Das Gesuch wird abgewiesen.

2. (Rechtsmittelbelehrung).

3. (Mitteilung).“

In den Erwägungen führte das Bezirksgerichtspräsidium Inn aus, dass es 
nicht Sinn und Zweck von Art. 42 Abs. 1 ZPO sein könne, dass ein anderer Kanton 
mit dem Entscheid, öffentliche Fürsorge zu leisten, auch bewirke, dass der Kanton 
Graubünden die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen habe. Gerade im vorlie-
genden Fall mache die Gemeinde X., die zahlungspflichtig sei, weil die Gesuchstel-

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lerin zur Zeit der Gesuchseinreichung ihren Wohnsitz dort gehabt habe, jetzt aber 
nicht mehr, zu Recht geltend, dass auch geprüft werden müsse, ob die Liegenschaft 
oder das angrenzende unbebaute Grundstück mit einer Hypothek belastet oder ver-
kauft werden könnten. Die Gesuchstellerin sei gemäss Grundbuchauszug Eigentü-
merin zweier Liegenschaften in X.. Auf dem grösseren Grundstück befinde sich ein 
Wohnhaus, in welchem auch der Ehemann der Gesuchstellerin mit den beiden äl-
teren Kindern lebe. Gemäss Auskunft des Grundbuchverwalters der Gemeinde X. 
könne diese Liegenschaft nicht noch höher belastet werden. Beim zweiten Grunds-
tück handle es sich um unbebautes Bauland, dessen Wert (gemäss der Auskunft 
des Grundbuchverwalters der Gemeinde X., bestätigt von der Schätzungskommis-
sion) etwa Fr. 60'940.-- betrage. Dieses Grundstück sei noch unbelastet und könne 
somit noch mit einer Schuld belastet beziehungsweise verkauft werden. Daher sei 
die Gesuchstellerin nicht bedürftig im Sinne von Art. 42 Abs. 1 ZPO, weswegen das 
Gesuch abzuweisen sei. 

D. Gegen diese Verfügung reichte A. am 17. Februar 2004 Beschwerde 
beim Kantonsgerichtsausschuss Graubünden ein. Zur Begründung wurde insbe-
sondere vorgebracht, dass die Beschwerdeführerin auf öffentliche Sozialhilfe ange-
wiesen sei. Trotzdem habe ihr das Bezirksgerichtspräsidium Inn die materiellrecht-
liche Voraussetzung der Bedürftigkeit abgesprochen. Bereits aus diesem Grunde 
sei die angefochtene Verfügung aufzuheben. Der Wortlaut von Art. 42 Abs. 1 ZPO 
mache nämlich deutlich, dass der Bezug öffentlicher Sozialhilfe und der Umstand, 
dass eine Partei „sonst nicht in der Lage ist, neben dem notwendigen Lebensunter-
halt für sich und ihre Angehörigen für die erforderlichen Prozesskosten aufzukom-
men“, alternative Anspruchsvoraussetzungen seien. Werde einer Partei staatliche 
Unterstützung zuteil, so habe der Richter ihre Bedürftigkeit nicht nochmals zu prü-
fen. Vielmehr sei dies als reine Tatsache hinzunehmen, aus welcher die Rechtsver-
mutung folge, dass eine Partei auch prozessarm sei. Es sei in keiner Art und Weise 
ersichtlich, inwiefern diese Feststellung der Behörden des Kanton Z. nicht zutreffend 
sein sollte.

E. Mit Verfügung des Kantonsgerichtspräsidiums vom 18. Februar 2004 
wurden dem Bezirksgerichtspräsidium Inn und der Gemeinde X. Gelegenheit zur 
Vernehmlassung bis zum 01. März 2004 eingeräumt. Mit Schreiben vom 20. Fe-
bruar 2004 ersuchte die Gemeinde X. das Kantonsgerichtspräsidium um eine Fris-
terstreckung zur Einreichung der Vernehmlassung bis am 08. März 2004. Mit Ver-
fügung vom 23. Februar 2004 erstreckte das Kantonsgerichtspräsidium die Frist bis 
am 08. März 2004. Mit Schreiben vom 03. März 2004 liess sich die Gemeinde X. 

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vernehmen und beantragte die kostenfällige Abweisung der Beschwerde und die 
Abweisung des Gesuches um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Ver-
fahren vor Kantonsgerichtsausschuss.

Mit Schreiben vom 24. Februar 2004 verzichtete das Bezirksgerichtspräsi-
dium Inn auf eine Vernehmlassung.  

Auf die Begründung der Anträge sowie die Erwägungen in der angefochtenen 
Verfügung wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegan-
gen.

Der Kantonsgerichtsausschuss zieht in Erwägung :

1. Gemäss Art. 47a ZPO sind Entscheide über die unentgeltliche Rechts-
pflege, die Bestellung des unentgeltlichen Rechtsbeistandes und die Festlegung der 
Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistandes den Betroffenen mitzuteilen 
und können mit zivilrechtlicher Beschwerde an den Kantonsgerichtsausschuss 
gemäss Art. 232 Ziff. 8 ZPO angefochten werden. Die Beschwerde ist schriftlich 
unter Beilage des angefochtenen Entscheides innert der peremptorischen Frist von 
20 Tagen seit der Mitteilung des angefochtenen Entscheides beim Kantonsgerichts-
präsidenten einzureichen. In der Beschwerde ist mit kurzer Begründung anzuge-
ben, welche Punkte des Entscheides angefochten und welche Abänderungen be-
antragt werden. Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten.

2. Der Kantonsgerichtsausschuss prüft nur im Rahmen der Beschwerde-
anträge, ob der angefochtene Entscheid oder das vorausgehende Verfahren Ge-
setzesbestimmungen verletzt, welche für die Beurteilung der Streitfrage wesentlich 
sind (Art. 235 Abs. 1 ZPO in Verbindung mit Art. 236 Abs. 3 ZPO). Im zivilrechtlichen 
Beschwerdeverfahren ist die Kognition des Kantonsgerichtsausschusses auf 
Rechtsverletzungen und willkürliche Tatsachenfeststellungen beschränkt (Art. 235 
Abs. 1 und 2 ZPO). Gleiches gilt grundsätzlich auch dort, wo dem Richter ein Er-
messensspielraum eingeräumt wird; eine Rechtsverletzung liegt in solchen Fällen 
nur dann vor, wenn sich der Gebrauch des Ermessens als rechtsmissbräuchlich 
erweist oder wenn es überschritten wird, das heisst, wenn sich ein Ermessensent-
scheid auf keine sachlich vertretbaren Gründe abstützen lässt oder er dem Gerech-

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tigkeitsempfinden in stossender Weise zuwiderläuft (PKG 1987 Nr. 17 E 1). Die Be-
schwerde ist somit unter dieser beschränkten Kog-nitionsbefugnis zu überprüfen.

3. a) Dem Wesen der freiwilligen Gerichtsbarkeit entsprechend hat der 
Richter in Sachen der unentgeltlichen Rechtspflege die Tatsachen grundsätzlich 
von Amtes wegen abzuklären (Art. 43 Abs. 2 ZPO). Die Offizialmaxime gilt indessen 
nur beschränkt. Eine erste Einschränkung besteht darin, dass gemäss Art. 43 Abs. 
1 ZPO das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zu begründen ist, und ihm die 
erforderlichen Unterlagen beizulegen sind. Den Gesuchsteller trifft eine erhebliche 
Mitwirkungspflicht (vgl. VPB 2000 Nr. 28, E. 3). Angesichts dieser Bestimmung 
muss von einer Partei, welche Armenrecht beantragt, verlangt werden, dass sie die 
ihr leicht zugänglichen beziehungsweise die sich bereits in ihrem Besitz befindlichen 
Unterlagen ohne weiteres, das heisst ohne hierzu besonders aufgefordert worden 
zu sein, einreicht. Sie hat eine klare und umfassende Darstellung ihrer finanziellen 
Situation abzugeben (BGE 120 Ia 181 f. E. 3a), und es sind daran um so höhere 
Anforderungen zu stellen, je komplexer diese Verhältnisse sind (vgl. zum Ganzen 
Norbert Brunner, Die unentgeltliche Rechtspflege nach bündnerischer Zivilprozess-
ordnung – unter besonderer Berücksichtigung der neueren Praxis des Kantonsge-
richtsausschusses von Graubünden, in ZGRG 04/03 S. 159; PKG 2001 Nr. 9).

b) Unentgeltliche Rechtspflege – umfassend die Gerichtskostenbefrei-
ung (Art. 45 Abs. 1 ZPO) und/oder die Bestellung eines Rechtsbeistandes auf Kos-
ten des Gemeinwesens (Art. 46 ZPO) – können Rechtssuchende unter den kumu-
lativen Voraussetzungen beanspruchen, dass sie in gewissem Sinne mittellos sind 
und sich das angestrebte Verfahren nicht als offensichtlich mutwillig oder aussichts-
los erweist (Art. 42 Abs. 1 ZPO).

c) Da die Prozessaussichten von keiner Seite bestritten werden, ist auf 
diese Frage nicht weiter einzugehen. Die Mittellosigkeit als Voraussetzung (Margi-
nale) für die Inanspruchnahme von Prozesskostenhilfe umschreibt das primär an-
wendbare kantonale Recht (Art. 42 Abs. 1 1. Satz ZPO) wie folgt:

"Einer Partei, die öffentliche Sozialhilfe bezieht oder sonst nicht in der Lage ist, neben 
dem notwendigen Lebensunterhalt für sich und ihre Angehörigen für die erforderlichen 
Prozesskosten aufzukommen, ist die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen."

Bereits mit Entscheid vom 10. Februar 2003 (ZB 02 14) hat das Kantonsge-
richt Graubünden festgestellt, dass die Wendung "oder" im Gesetzeswortlaut klar-
macht, dass es sich bei den beiden Voraussetzungen des Bezugs von öffentlicher 

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Sozialhilfe auf der einen und beim sonstigen finanziellen Unvermögen auf der an-
deren Seite um zwei unterschiedliche Elemente handelt. Zwischen ihnen besteht 
eine Entweder-Oder-Beziehung, die sie zu alternativen Anspruchsvoraussetzungen 
macht. Es genügt, wenn eine erfüllt ist. Des weiteren muss davon ausgegangen 
werden, dass sich die Elemente "öffentliche Sozialhilfe beziehen" und "sonst nicht 
in der Lage sein..." inhaltlich beziehungsweise funktionell unterscheiden. Dies ergibt 
sich schon daraus, dass ansonsten eines von beiden gesetzgebungstechnisch 
überflüssig wäre. Ein weiterer Grund für eine unterschiedliche Bewertung liegt darin, 
dass die zweitgenannte Alternativvoraussetzung dem Richter die Abklärung auf-
trägt, wie hoch die für den Lebensunterhalt des Ansprechers und seiner Angehöri-
gen konkret notwendigen Mittel sind, wohingegen ihn die erstgenannte davon ent-
bindet. In letzterem liegt gerade der Zweck der Voraussetzung "Partei, die öffentli-
che Fürsorge bezieht". Was andere Behörden schon geprüft und dabei festgestellt 
haben, dass der Betroffene in allgemeiner Weise bedürftig ist, soll der Richter nicht 
für die spezifischen Belange eines Prozesses nochmals (vorfrageweise) prüfen 
müssen. Wenn es schon fürs tägliche Leben nicht reicht, liegt zudem auch sachlich 
auf der Hand, dass Extrakosten für ein Rechtsverfahren nicht aufzubringen sind. 

d)  Die Beschwerdeführerin begründete ihr Gesuch bloss rudimentär mit 
dem Hinweis, dass sie gemäss dem beiliegenden Protokollauszug der Gemeinde-
ratssitzung der Gemeinde Y. vom 20. Oktober 2003 der öffentlichen Fürsorge zur 
Last falle. Die Vorinstanz hält dazu in ihrem Entscheid fest, dass, gemäss der Recht-
sprechung des Kantonsgerichtes Graubünden, wenn ein Ansprecher im Zeitpunkt 
der Gesuchsbehandlung von seiner Wohnsitzgemeinde öffentliche Fürsorgeleistun-
gen in materiellem Sinne beziehe, so sei ohne weiteres davon auszugehen, dass er 
auch prozessarm sei. Dabei verweise der Entscheid des Kantonsgerichtes 
Graubünden auf das Sozialhilfe- und auf das Unterstützungsgesetz des Kantons 
Graubünden. Wie die Gemeinde X. zutreffend ausführe, könne es nicht Sinn und 
Zweck von Art. 42 Abs. 1 ZPO sein, dass ein anderer Kanton mit dem Entscheid, 
öffentliche Fürsorge zu leisten, auch bewirke, dass der Kanton Graubünden die un-
entgeltliche Rechtspflege zu bewilligen habe.

Die Beschwerdeführerin bezieht (wohl noch immer) öffentliche Unterstützung 
von der Gemeinde Y., die sie gestützt auf einen Beschluss des Gemeinderates vom 
20. Oktober 2003 erhält. Wie dem, von der Beschwerdeführerin dem Gesuch um 
unentgeltliche Rechtspflege beigelegten, Protokoll dieser Gemeinderatssitzung ent-
nommen werden kann, hat der Gemeinderat Y. bereits festgestellt, dass die Be-
schwerdeführerin in allgemeiner Weise bedürftig ist. Grundsätzlich genügt diese 

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Feststellung bereits, um die Voraussetzungen von Art. 42 Abs. 1 ZPO zu erfüllen. 
Dies gilt entgegen der Ansicht der Vorinstanz und der Gemeinde X. auch für eine 
Partei, die öffentliche Sozialhilfe gestützt auf einen Beschluss einer ausserkantona-
len Behörde erhält, denn grundsätzlich gelten schweizweit die gleichen Bedürftig-
keitskriterien. Bedürftig ist gemäss Art. 2 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Zu-
ständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger (SR 851.1), wer für seinen Lebensun-
terhalt nicht hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln aufkommen kann. 
Gleichzeitig bestimmt Absatz 2 dieses Artikels, dass die Bedürftigkeit nach den am 
Unterstützungsort geltenden Vorschriften und Grundsätzen beurteilt wird. Trotz der 
diversen kantonalen Unterstützungsgesetze ist bezüglich der Hauptkriterien für die 
Gewährung materieller Hilfe aufgrund der Richtlinien der Schweizerischen Konfe-
renz für Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien) eine grundsätzlich einheitliche Zusprechung 
von Sozialhilfe gewährleistet. Dass diese Richtlinien in der Praxis nicht immer gleich 
gehandhabt werden, ist einerseits bereits mit den regional unterschiedlichen Le-
benshaltungskosten zu erklären, andererseits steht auch jeder Behörde ein gewis-
ser Ermessensspielraum bei der Überprüfung der Bedürftigkeit zu. Gerade weil die 
jeweiligen Behörden gestützt auf die am Unterstützungsort geltenden Vorschriften 
und Grundsätze über die Zusprechung einer öffentlichen Sozialhilfe entscheiden, 
kann davon ausgegangen werden, dass das Einkommen einer Partei, die öffentliche 
Sozialhilfe bezieht, bereits fürs tägliche Leben nicht reicht, und dass Extrakosten für 
ein Rechtsverfahren daher nicht aufzubringen sind. An dieser Stelle bleibt daher 
festzustellen, dass der Beschluss des Gemeinderates der Gemeinde Y., an die Be-
schwerdeführerin materielle Hilfe auszurichten, die Voraussetzungen von Art. 42 
Abs. 1 ZPO erfüllt. Die Beschwerdeführerin bezieht diese öffentliche Sozialhilfe aber 
nur vorläufig, da sie (wohl) nur vorübergehend kein Einkommen erzielt. Ob sie in 
der Zukunft noch öffentliche Sozialhilfe beziehen wird hängt nicht zuletzt vom hän-
gigen Eheschutzverfahren (Unterhaltszahlungen) ab. Somit ist festzustellen, dass 
der Entscheid über das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechts-
pflege nicht zuletzt auch vom Entscheid über das hängige Eheschutzverfahren ab-
hängt. 

4. a) Ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin zur Zeit öffentliche Sozialhilfe 
im Sinne von Art. 42 Abs. 1 ZPO bezieht, so bleibt zu überprüfen, ob die Anwalts- 
und Prozesskosten gestützt auf Art. 159 Abs. 3 und Art. 163 ZGB vom Ehemann 
verlangt werden können. Den Staat trifft nämlich gegenüber einem allenfalls leis-
tungsfähigen Ehegatten nur eine sekundäre Leistungspflicht.

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b) Grundsätzlich ist bei getrennt lebenden Ehegatten eine Einzelrech-
nung vorzunehmen (Norbert Brunner, a. a. O., S. 171; Alfred Bühler, AJP 6/2002, 
S. 659). Dies gilt für Fälle, in denen das Getrenntleben bereits geordnet ist, das 
heisst vor allem, wo das gemeinsame Einkommen bereits aufgeteilt worden ist. Im 
vorliegenden Fall sind das Getrenntleben und insbesondere die Unterhaltspflichten 
der Ehegatten indes noch nicht geregelt. Für eherechtliche Verfahren, in denen der 
nach Art. 163 ZGB prozesskostenvorschusspflichtige Ehegatte stets selbst Partei 
ist, setzt die Prozesskostenvorschusspflicht voraus, dass in der Einzelrechnung des 
Vorschusspflichtigen ein so hoher Überschuss resultiert, dass daraus ausser den 
eigenen Gerichts- und Anwaltskostenvorschüssen auch noch diejenigen des ge-
trennt lebenden (vorschussberechtigten) Ehegatten bestritten werden können. Bei 
getrennt lebenden Ehegatten stellt sich zudem die Frage, wie vorzugehen ist, wenn 
der prozesskostenvorschusspflichtige Ehegatte nicht freiwillig bereit ist, die erfor-
derlichen Mittel kurzfristig zur Verfügung zu stellen und daher die Prozesskosten-
vorschusspflicht zuerst in einem Eheschutzverfahren durchgesetzt werden muss 
(Alfred Bühler, a. a. O., S. 659).

c) In solchen Fällen hängt der Entscheid über das Gesuch der Beschwer-
deführerin um unentgeltliche Rechtspflege nicht zuletzt auch vom Entscheid über 
das hängige Eheschutzverfahren ab, beziehungsweise ist im Verfahren betreffend 
unentgeltliche Rechtspflege - ähnlich wie im parallel geführten Eheschutz- oder 
Massnahmenverfahren - eine Prüfung der finanziellen Verhältnisse beider Parteien 
vorzunehmen. Die Vorinstanz hat daher auch Unterlagen über die finanziellen Ver-
hältnisse des Ehemannes einzuverlangen hat, um zu überprüfen, ob der Ehemann 
in der Lage ist, einen Prozesskostenvorschuss für die Ehefrau zu leisten.

d) An dieser Stelle bleibt noch folgendes festzuhalten: Bei der Prüfung 
der Prozessarmut ist neben dem laufenden Einkommen auch das liquide und ge-
bundene Vermögen mit einzubeziehen. Gebundene Vermögenswerte fallen aller-
dings nur in Betracht, sofern sie innert nützlicher Frist verfügbar gemacht werden 
können (Norbert Brunner, a. a. O., S. 172). Von einem Grundeigentümer kann in 
diesem Sinn verlangt werden, dass er einen Kredit auf sein Grundstück aufnimmt 
beziehungsweise seine Hypothek erhöht, soweit dieses noch belastbar ist, um damit 
Prozesskosten bezahlen zu können. Weitere Voraussetzung muss aber sein, dass 
die erhöhten Kreditkosten für den Gesuchsteller überhaupt tragbar sind (Norbert 
Brunner, a. a. O., S. 169). Im vorliegend zu beurteilenden Fall besitzt die Beschwer-
deführerin offenbar nur gebundene Vermögenswerte, nämlich zwei Liegenschaften 
in X. (Parz.-Nr. 140 und 146). Die grössere der beiden Liegenschaften kann gemäss 

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den Erwägungen der Vorinstanz nicht noch höher belastet werden. Hingegen könne 
das zweite, unbebaute und unbelastete Grundstück mit einem Wert von ca. Fr. 
60'940.-- noch mit einer Schuld belastet beziehungsweise verkauft werden. Bei die-
ser Feststellung prüfte die Vorinstanz weder, ob diese Liegenschaft innert nützlicher 
Frist belastet werden könnte, noch ob die Kreditkosten für die Beschwerdeführerin 
überhaupt tragbar wären. Es erscheint dem Kantonsgerichtsausschuss sehr un-
wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin in ihrer momentanen Lage innert 
nützlicher Frist einen Kredit erhält, ebensowenig wäre ein Kredit für die Beschwer-
deführerin zur Zeit tragbar, wenn man bedenkt, dass die Beschwerdeführerin öffent-
liche Sozialhilfe bezieht und über kein eigenes Einkommen verfügt.

5. Aus den dargelegten Gründen ist die angefochtene Verfügung 
gemäss Art. 235 Abs. 3 ZPO zur neuen Durchführung des Verfahrens im Sinne der 
Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Entgegen der Ansicht der Be-
schwerdeführerin erweist sich die Sache noch nicht als spruchreif, da die Vorinstanz 
noch weitere Abklärungen über tatsächliche Verhältnisse vorzunehmen hat. Die 
Vorinstanz hat dabei insbesondere noch die Unterlagen bezüglich der finanziellen 
Verhältnisse des Ehemannes einzuholen.

6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Kosten des Beschwer-
deverfahrens zu Lasten des Kantons Graubünden. Der Beschwerdeführerin wird, 
da sie ihre Mitwirkungspflicht im Sinne von Art. 43 Abs. 1 ZPO im vorinstanzlichen 
Verfahren nur rudimentär erfüllt hat, keine aussergerichtliche Entschädigung zuge-
sprochen. So hätte sie insbesondere die Edition von Unterlagen bezüglich der fi-
nanziellen Verhältnisse des Ehemannes verlangen sollen (Art. 168 ZPO). Diesfalls 
genügte es nicht, wenn sie einfach erklärte, der Ehemann verwehre ihr den Zugang 
zu finanziellen Belegen.

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Demnach erkennt der Kantonsgerichtsausschuss :

1. Die Beschwerde wird dahin gutgeheissen, dass Ziff. 1 der angefochtenen 
Verfügung aufgehoben wird und die Sache zur neuen Entscheidung im Sinne 
der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen wird.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens gehen zu Lasten des Kantons 
Graubünden.

3. Es werden keine aussergerichtlichen Entschädigungen zugesprochen.

4. Mitteilung an:

__________

Für den Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden 
Der Präsident Der Aktuar ad hoc