# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 708f2934-f839-5ce3-839b-efcfd7a3d47d
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-09-26
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 26.09.2014 IV 2013/251
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2013-251_2014-09-26.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2013/251

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 08.06.2020

Entscheiddatum: 26.09.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 26.09.2014
Art. 23 Abs. 2 IVG. Art. 23 Abs. 2bis IVG. Gesundheitsbedingte 
Verzögerungen der schulischen Ausbildung sind bei der Ermittlung des 
Zeitpunktes des mutmasslichen Abschlusses einer erstmaligen beruflichen 
Ausbildung ohne Gesundheitsbeeinträchtigung ebenso zu berücksichtigen 
wie gesundheitsbedingte Verzögerungen der beruflichen Ausbildung 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26. 
September 2014, IV 2013/251).

Entscheid Versicherungsgericht, 26.09.2014

Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Marie 

Löhrer; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Entscheid vom 26. September 2014

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. oec. Fritz Dahinden, Blumenbergplatz 1, 9000 St. 

Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

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betreffend

IV-Taggeld

Sachverhalt:

A.     A.___ wurde im Juli 1994 unter Hinweis auf ein Geburtsgebrechen erstmals zum 

Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet (IV-act. 6). Im Juli 1999 

berichtete der psychiatrisch-psychologische Dienst des Sozialdepartementes der Stadt 

B.___ (IV-act. 17), die Versicherte habe während der ersten drei Lebensjahre immer 

wieder epileptische Anfälle erlitten. Zudem leide sie unter schweren intrafamiliären 

Konflikten. Es liege eine Störung des Sozialverhaltens vor. Im September 1999 musste 

die Versicherte, die sich seit Oktober 1997 in einem Kinderheim befunden hatte, auf 

eine Kinderstation verlegt werden (IV-act. 18). Im Juli 2000 wurde sie entlassen und in 

ein anderes Kinderheim überwiesen (IV-act. 26). Einem Schreiben der Jugend- und 

Familienberatung des Kantons C.___ vom 29. August 2005 liess sich entnehmen, dass 

die Versicherte seit Oktober 1997 in verschiedenen Kinderheimen und Institutionen 

untergebracht worden war (IV-act. 56). Am 7. Oktober 2005 berichtete der 

Kinderpsychiater Dr. med. D.___, die Versicherte leide an einer kombinierten Störung 

des Sozialverhaltens und der Emotionen mit oppositionellem, distanzlosem Verhalten 

gegenüber Autoritätspersonen, aggressiven Impulsdurchbrüchen und dissozialen 

Verhaltensweisen gegenüber Gleichaltrigen sowie verminderter Frustrationstoleranz 

und Stimmungsschwankungen, was die persönliche und schulische Entwicklung 

erschwert habe (IV-act. 63). Einem Schreiben der Jugend- und Familienberatung des 

Kantons C.___ vom 4. Dezember 2006 liess sich entnehmen, dass die Versicherte seit 

August 2005 bereits wieder mehrmals hatte versetzt werden müssen (IV-act. 73). Im 

Sommer 2008 schloss die Versicherte ihre (Sonder-) Schulbildung ab; im September 

2009 meldete sie sich für berufliche Massnahmen bei der IV-Stelle des Kantons 

St. Gallen an (IV-act. 1). Im Januar 2010 erfuhr die IV-Stelle, dass die Versicherte 

wieder in einem Heim habe interniert werden müssen (IV-act. 107).

B.    

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B.a  Am 27. Juni 2012 meldete sich die Versicherte erneut für berufliche Massnahmen 

bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 133). Bereits davor hatte die IV-

Stelle verschiedene Abklärungen getätigt und Leistungen der Invalidenversicherung 

erbracht. Unter anderem hatte sie am 5. Januar 2010 die Jugendpsychiaterin Dr. med. 

E.___ beauftragt, ein fachärztliches Gutachten zu erstatten. Diese hatte am 8. März 

2010 berichtet (IV-act. 121), die Versicherte leide an einer schweren 

Persönlichkeitsentwicklungsstörung mit emotional-instabilen Zügen (Borderline-Typus), 

Selbstverletzungen, dissozialem Verhalten, chronischer Suizidalität und schädlichem 

Gebrauch mehrerer Suchtmittel auf dem Hintergrund einer vermuteten pränatalen 

Suchtmittelexposition, multipler Beziehungsabbrüche und einer extrem dysfunktionalen 

familiären Situation. Die Kindheit der Versicherten sei von vielfältigen massiven 

Belastungen geprägt gewesen. Insbesondere diverse Beziehungsabbrüche und die 

äusserst destruktiven familiären Beziehungsmuster hätten zu einer schweren Störung 

der Persönlichkeitsentwicklung geführt. Eine berufliche Eingliederung sei deshalb zwar 

beeinträchtigt, aber nicht ausgeschlossen. Die Versicherte werde möglicherweise mehr 

Zeit als üblich und mehrere Anläufe benötigen, bis eine zufriedenstellende berufliche 

Integration gelinge. Zumindest anfangs benötige sie einen geschützten Rahmen. Auch 

sei eine enge Zusammenarbeit zwischen den Ausbildnern und den 

Betreuungspersonen am Wohnort nötig.

B.b  Die IV-Stelle übernahm in der Folge die Kosten für eine berufliche Abklärung im 

Zeitraum vom 23. April bis 31. Juli 2012 (IV-act. 136). Im Rahmen dieser Abklärung 

wurde eine grundsätzliche Eignung für eine erstmalige berufliche Ausbildung 

festgestellt und die Durchführung eines Vorbereitungsjahres empfohlen (IV-act. 142). 

Am 22. Oktober 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie die Mehrkosten 

für das Vorbereitungsjahr (1. August 2012 bis 31. Juli 2013) übernehme (IV-act. 154). 

Am 15. Mai 2013 teilte sie ihr mit, dass sie auch die Mehrkosten der beruflichen 

Ausbildung (1. August 2013 bis 31. Juli 2016) übernehme (IV-act. 166). Mit einer 

Verfügung vom 24. Mai 2013 sprach sie ihr für den Zeitraum vom 1. August 2013 bis 

zum 31. Dezember 2013 ein Taggeld von 34,60 Franken zu (IV-act. 168).

C.    

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C.a  Am 6. Juni 2013 erhob die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine 

Beschwerde gegen diese Verfügung (act. G 1). Sie machte geltend, ihre IV-Beraterin 

habe ihr die Zusprache des Höchstansatzes des kleinen Taggeldes ab dem 1. August 

2013 zugesichert. Diese Zusage habe sie erhalten, weil sie im Jahr 2000 eingeschult 

worden sei und bloss aufgrund ihrer Krankheit erst im Jahr 2011 die neunte Klasse 

habe beenden können. Sie ersuche deshalb um eine Überprüfung der Akten und der 

Verfügung. Am 26. August 2013 liess die nun vertretene Beschwerdeführerin 

ergänzend ausführen (act. G 9), in den Akten sei deutlich ausgewiesen, dass sie schon 

seit früher Kindheit an massiven psychischen Defiziten leide und deshalb erst verspätet 

im Jahr 2012 eine berufliche Ausbildung habe in Angriff nehmen können. Als Gesunde 

hätte sie die Schule spätestens Ende Juli 2010 (unter Berücksichtigung eines 

Repetitions- oder eines zehnten Schuljahres) und damit eine ordentliche Lehre 

spätestens Ende Juli 2013 abgeschlossen. Folglich habe sie ab dem 1. August 2013 

einen Anspruch auf den Höchstansatz des kleinen Taggeldes. Zudem habe sie auf die 

Auskunft, sie werde ab dem 1. August 2013 ein entsprechendes Taggeld erhalten, 

vertrauen dürfen.

C.b  Die Beschwerdegegnerin beantragte am 9. September 2013 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 11). Zur Begründung führte sie aus, es könne nicht generell gesagt 

werden, wann eine nichtbehinderte Person ihre Schulausbildung abgeschlossen hätte. 

Dies sei von Person zu Person unterschiedlich. Der Zeitpunkt der Einschulung sei 

deshalb irrelevant. Hinzu komme, dass nicht mehr eruiert werden könne, welche 

Verzögerungen gesundheitsbedingt und welche aufgrund der psychosozialen 

Belastungsfaktoren eingetreten seien. Letztere würden im vorliegenden Fall eine 

immens grosse Rolle spielen, doch habe die Invalidenversicherung dafür nicht 

einzustehen. Alles in allem sei es sachgerecht, auf den Abschluss der obligatorischen 

Schulzeit abzustellen, um zu ermitteln, wann eine nicht behinderte Person die 

Ausbildung abgeschlossen hätte. Auf den Vertrauensschutz könne sich die 

Beschwerdeführerin nicht berufen, weil sie keine Vertrauensdisposition getätigt habe.

C.c  Am 20. Januar 2014 erhob die Beschwerdeführerin eine Beschwerde gegen eine 

weitere Verfügung, mit der ihr für die Dauer des Jahres 2014 ein Taggeld von 34,60 

Franken zugesprochen worden war (act. G 14.1), wobei sie eine Vereinigung der beiden 

Beschwerdeverfahren beantragte (act. G 14). Am 24. März 2014 liess sie an ihrem 

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Beschwerdeantrag festhalten und zur Begründung ergänzend ausführen (act. G 19), zur 

Ermittlung des Zeitpunktes, in dem sie ihre Ausbildung abgeschlossen hätte, wenn sie 

nicht gesundheitlich beeinträchtigt gewesen wäre, müsse von einem Regelfall auch 

bezüglich der schulischen Ausbildung ausgegangen werden. Damit sei der Anspruch 

auf den Höchstansatz des kleinen Taggeldes bereits ab dem Lehrbeginn im August 

2013 entstanden. Unverständlich sei jedenfalls, weshalb die Beschwerdegegnerin nicht 

wenigstens ab August 2014 ein entsprechendes Taggeld zugesprochen habe. 

Ausserdem habe die Beschwerdeführerin einige Dispositionen getroffen, die sie nicht 

getroffen hätte, wenn ihr nicht die Zusprache des höheren Taggeldes zugesichert 

worden wäre. Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht mehr vernehmen.

Erwägungen:

1.      Streitig ist der Taggeldanspruch im Zusammenhang mit der im August 2013 be­

gonnenen erstmaligen beruflichen Ausbildung. Mit der ersten Verfügung vom 24. Mai 

2013 hat die Beschwerdegegnerin für einen ersten Zeitraum (1. August 2013 bis 

31. Dezember 2013) ein Taggeld von 34,60 Franken zugesprochen; mit der zweiten 

Verfügung vom 20. Dezember 2013 hat sie für den daran anschliessenden Zeitraum 

(1. Januar 2014 bis 31. Dezember 2014) ebenfalls ein Taggeld von 34,60 Franken zu­

gesprochen. Da ein enger sachlicher Zusammenhang zwischen den beiden erwähnten 

Verfügungen besteht und sich dieselbe Rechtsfrage stellt, können die beiden 

Beschwerdeverfahren vereinigt werden. Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens 

bildet folglich der Taggeldanspruch vom 1. August 2013 bis zum 31. Dezember 2014.

2.     

2.1   Versicherte in der erstmaligen beruflichen Ausbildung haben gemäss Art. 22 

Abs. 1  IVG einen Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit ganz oder 

teilweise einbüssen. Bei kinderlosen Versicherten entspricht das Taggeld der 

Grundentschädigung (Art. 22 Abs. 2 IVG). Die Grundentschädigung beträgt 30 Prozent 

des Höchstbetrages des Taggeldes nach Art. 24 Abs. 1 IVG (der gemäss Art. 15 Abs. 3 

UVG i.V.m. Art. 22 Abs. 1 UVV 126’000 Franken pro Jahr bzw. 346 Franken pro Tag 

beträgt) für Versicherte, die das 20. Altersjahr vollendet haben und ohne Invalidität 

nach abgeschlossener Ausbildung eine Erwerbstätigkeit aufgenommen hätten (Art. 23 

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Abs. 2 IVG), und höchstens 30 Prozent – bzw. (genau) zehn Prozent (Art. 23 Abs. 2

Satz 2 IVG i.V.m. Art. 22 Abs. 1 IVV) – des Höchstbetrages des Taggeldes für 

Versicherte, die das 20. Altersjahr noch nicht vollendet haben und noch nicht 

erwerbstätig gewesen sind (Art. 23 Abs. 2  Satz 1 IVG). Dieses pauschal festgelegte 

Taggeld wird in der Praxis als „kleines Taggeld“ bezeichnet. Bis zu dem Zeitpunkt, in 

dem eine versicherte Person „ohne Invalidität“ eine Ausbildung abgeschlossen (und 

eine Erwerbstätigkeit aufgenommen) hätte, wird der niedrigere Ansatz dieses „kleinen“ 

Taggeldes ausgerichtet; ab dem Zeitpunkt des mutmasslichen Abschlusses der 

beruflichen Ausbildung ohne Gesundheitsbeeinträchtigung wird der höhere Ansatz 

ausgerichtet, sofern die versicherte Person in diesem Zeitpunkt das 20. Altersjahr 

bereits vollendet hat. Entscheidend ist also, wann die betroffene versicherte Person 

das 20. Altersjahr vollendet und wann sie ihre berufliche Ausbildung abgeschlossen 

hätte, wenn sie gesundheitlich nicht beeinträchtigt wäre.

2.2   Die Beschwerdeführerin hat ihr 20. Altersjahr im Oktober 2013 vollendet. Für die 

Monate August und September 2013 hat sie folglich lediglich einen Anspruch auf den 

niedrigeren Ansatz des „kleinen“ Taggeldes. Erst ab Oktober 2013 hat sie allenfalls 

einen Anspruch auf den höheren Ansatz des „kleinen“ Taggeldes begründen können, 

wobei diesbezüglich entscheidend ist, wann sie ohne Gesundheitsbeeinträchtigung 

ihre berufliche Ausbildung abgeschlossen hätte. Die Beschwerdegegnerin vertritt die 

Auffassung, entscheidend sei, wann die Beschwerdeführerin ohne 

Gesundheitsbeeinträchtigung vom effektiven Abschluss ihrer schulischen Ausbildung 

an gerechnet eine berufliche Ausbildung abgeschlossen hätte. Da die 

Beschwerdeführerin die obligatorische Schulzeit im Juli 2011 beendet hat und 

demzufolge ab August 2011 eine berufliche Ausbildung hätte antreten können, hätte 

sie eine ordentliche, dreijährige Ausbildung erst im Juli 2014 abschliessen können. Die 

Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, bereits ihre schulische Ausbildung sei durch 

ihre Gesundheitsbeeinträchtigung verzögert worden. Ohne 

Gesundheitsbeeinträchtigung hätte sie die Schule und damit auch eine daran 

anschliessende berufliche Ausbildung zwei Jahre früher abschliessen können. Ob 

gesundheitsbedingte Verzögerungen der schulischen Ausbildung ebenso wie gesund­

heitsbedingte Verzögerungen der beruflichen Ausbildung zu berücksichtigen sind, ist 

auf dem Interpretationsweg zu ermitteln. Der Wortlaut des Art. 23 Abs. 2 IVG spricht für 

die Berücksichtigung von gesundheitsbedingten Verzögerungen der schulischen 

bis

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Ausbildung, denn die Rede ist vom Abschluss der Ausbildung und nicht von der Dauer 

der beruflichen Ausbildung. Der Zeitpunkt des Abschlusses der Ausbildung hängt 

natürlich nicht nur von der Dauer der beruflichen, sondern eben auch von der Dauer 

der schulischen Ausbildung ab. Gesundheitsbedingte Verzögerungen der schulischen 

Ausbildung können den Zeitpunkt des Abschlusses ebenso hinausschieben wie solche 

der beruflichen Ausbildung. Die Erwähnung des Abschlusses anstelle der Dauer der 

Ausbildung spricht also dafür, darauf abzustellen, wann eine versicherte Person ihre 

schulische und berufliche Ausbildung abgeschlossen hätte, wenn es bezüglich beider 

Teile der Ausbildung nicht zu gesundheitsbedingten Verzögerungen gekommen wäre. 

Dies gilt umso mehr, als in Art. 23 Abs. 2 IVG kein Bezug auf die berufliche Ausbildung 

genommen wird, sondern vielmehr unspezifisch von „Ausbildung“ die Rede ist. Die 

teleologische Auslegung des Art. 23 Abs. 2 IVG führt zum selben Ergebnis. Das „kleine“ 

Taggeld soll den gesundheitsbedingten Erwerbsausfall der betroffenen versicherten 

Person entschädigen. Für die Festsetzung der (pauschalen) Entschädigung wird die 

tatsächliche, gesundheitsbedingt verzögerte „Ausbildungskarriere“ mit einer „normalen 

Ausbildungskarriere“ – nämlich ohne gesundheitsbedingte Verzögerungen – verglichen. 

Für den Zeitraum, in dem die versicherte Person sich ohne 

Gesundheitsbeeinträchtigung noch in der beruflichen Ausbildung befunden hätte, soll 

das kleine Taggeld den hypothetischen Lehrlingslohn ersetzen; für den Zeitraum, in 

dem die versicherte Person ihre Ausbildung bereits abgeschlossen hätte, soll es den 

hypothetischen „vollen“ Lohn einer Erwerbstätigkeit ersetzen. Würden bloss 

Verzögerungen der beruflichen Ausbildung berücksichtigt, blieben 

gesundheitsbedingte Verzögerungen, die sich schon während der Schulzeit auf die 

„Ausbildungskarriere“ ausgewirkt haben, unberücksichtigt. Die Entschädigung fiele 

folglich ungenügend aus. Der vom Gesetzgeber angestrebte Zweck der Entschädigung 

von Erwerbsausfällen aufgrund gesundheitsbedingter Verzögerungen des Abschlusses 

der Ausbildung würde also nicht vollständig erreicht, ohne dass dafür ein 

nachvollziehbarer Grund ersichtlich wäre. In systematischer Hinsicht ist auf Art. 30 

MVG hinzuweisen, wonach die Militärversicherung einer versicherten Person eine 

Entschädigung für den verspäteten Eintritt ins Erwerbsleben ausrichtet, wenn die 

Berufsausbildung wegen einer versicherten Gesundheitsschädigung um mindestens 

sechs Monate verzögert wird. In Art. 30 MVG wird explizit von der Berufsausbildung 

und nicht unspezifisch von der Ausbildung gesprochen. Dennoch werden 

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praxisgemäss auch Entschädigungen ausgerichtet, wenn sich die Erlangung der 

Matura verzögert, obwohl das Gymnasium klar der schulischen und nicht der 

beruflichen Ausbildung zuzurechnen ist (vgl. Jürg Maeschi, Kommentar zum 

Bundesgesetz über die Militärversicherung, Bern 2000, Art. 30 N 7). Der Vergleich mit 

dieser Regelung (andere Sozialversicherungszweige kennen keine wesensähnliche 

Entschädigungen) spricht ebenfalls für eine Berücksichtigung von 

gesundheitsbedingten Verzögerungen der schulischen Ausbildung. Die bei der 

systematischen Interpretation zu berücksichtigende Einschränkung, dass vor der 

Vollendung des 18. Altersjahres kein Anspruch auf ein Taggeld bestehe (Art. 22 Abs. 4 

IVG), bedeutet sodann nicht, dass vor der Vollendung des 18. Altersjahres eingetretene 

Verzögerungen der Ausbildung und damit des Ausbildungsabschlusses nicht zu 

berücksichtigen seien. Ansonsten müsste nämlich auch ein gesundheitsbedingter 

Abbruch der Berufslehre im ersten oder zweiten Lehrjahr in aller Regel unberücksichtigt 

bleiben, weil sich junge Erwachsene, die das 18. Altersjahr vollenden, in der Regel 

bereits im dritten Lehrjahr befinden. Gemeint ist mit Art. 22 Abs. 4 IVG vielmehr, dass 

der Anspruch an sich nicht vor der Vollendung des 18. Altersjahres entstehen soll. Die 

systematische Auslegung führt also zusammenfassend ebenso wie die 

grammatikalische und die teleologische Interpretation zum Ergebnis, dass auch 

Verzögerungen der schulischen Ausbildung berücksichtigt werden müssen. Einzig die 

historische Auslegung führt – fraglich – zu einem anderen Ergebnis: In seiner Botschaft 

zur 2. IV-Revision, mit welcher der Taggeldanspruch für Versicherte in erstmaliger 

beruflicher Ausbildung geschaffen worden ist, hat der Bundesrat augenscheinlich bloss 

Verzögerungen der beruflichen Ausbildung im Blick gehabt (vgl. BBl 1985 I 42 ff.). So 

heisst es etwa, die bestehende Regelung sei unbefriedigend, weil sie der Situation der 

Versicherten, die „invaliditätsbedingt eine Lehre abbrechen und eine neue (erstmalige) 

berufliche Ausbildung beginnen müssen, nicht gerecht wird“ (BBl 1985 I 42). Die 

ausschliessliche Bezugnahme auf Verzögerungen der beruflichen Ausbildungen 

bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass der Gesetzgeber Verzögerungen 

der schulischen Ausbildung nicht hätte Rechnung tragen wollen. Genauso gut liesse 

sich nämlich die Auffassung vertreten, er habe die seltenen Fälle, in denen eine Ver­

zögerung der schulischen Ausbildung ebenfalls zu einem verspäteten Eintritt ins Er­

werbsleben führt, übersehen. Die fehlende Erwähnung von schulischen Verzögerungen 

in den Gesetzesmaterialien spricht also nicht gegen deren Berücksichtigung. 

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Gesamthaft spricht eine umfassende Auslegung des Art. 23 Abs. 2 IVG jedenfalls klar 

für eine Berücksichtigung gesundheitsbedingter Verzögerungen auch bei der 

schulischen Ausbildung.

2.3   Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, die Dauer der schulischen 

Ausbildung könne aufgrund verschiedener Faktoren auch bei Gesunden variieren, 

überzeugt nicht, weil auch die Dauer einer beruflichen Erstausbildung unterschiedlich 

ausfallen kann und dennoch auf einen Regelfall (nämlich eine dreijährige Berufslehre 

unmittelbar nach Schulabschluss) abgestellt wird, sofern nicht eine effektiv begonnene 

Berufslehre gesundheitsbedingt abgebrochen werden musste. Weshalb bezüglich der 

schulischen Ausbildung nicht auf einen Regelfall abgestellt werden soll, während 

bezüglich der beruflichen Ausbildung jeweils ohne Weiteres ein Regelfall zum Vergleich 

herangezogen wird, leuchtet nicht ein. Ebenfalls nicht überzeugend sind die 

Ausführungen der Beschwerdegegnerin zu den psychosozialen Umständen, denn es ist 

in den Akten deutlich ausgewiesen, dass diese schon seit der frühesten Kindheit zu 

einer schweren Störung der Persönlichkeitsentwicklung geführt haben, die 

Krankheitswert hat. Worauf eine Gesundheitsbeeinträchtigung (mit eigenständigem 

Krankheitswert) zurückzuführen ist, ist für die Invalidenversicherung als finale 

Versicherung irrelevant. Entscheidend ist, dass mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

bewiesen ist, dass die Beschwerdeführerin (zumindest auch) gesundheitsbedingt nicht 

in der Lage gewesen ist, ihre schulische Ausbildung innerhalb der Regeldauer von neun 

Jahren abzuschliessen. Da ein im August 2000 eingeschultes Kind im Regelfall die 

obligatorische Schulzeit im Juli 2009 und eine Berufslehre dementsprechend im Juli 

2012 abgeschlossen hätte, hat die im August 2000 eingeschulte Beschwerdeführerin 

diese Voraussetzung für die Ausrichtung eines dem höheren Ansatz des „kleinen“ 

Taggeldes entsprechenden Taggeldes ab August 2012 erfüllt. Da sie das 20. Altersjahr 

aber erst im Oktober 2013 vollendet hat, hat sie erst ab Oktober 2013 einen Anspruch 

auf ein dem höheren Ansatz des „kleinen“ Taggeldes entsprechenden Taggeld gehabt. 

Die beiden angefochtenen Verfügungen erweisen sich also insofern als rechtswidrig, 

als die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin für den Zeitraum von Oktober 

2013 bis und mit Dezember 2014 bloss den niedrigeren Ansatz des „kleinen“ 

Taggeldes zugesprochen hat

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3.      In teilweiser Gutheissung der Beschwerde sind die beiden Verfügungen vom 

24. Mai und 20. Dezember 2013 also aufzuheben. Die Beschwerdeführerin hat ab dem 

1. Oktober 2013 einen Anspruch auf ein Taggeld von 103,80 Franken. Die gemäss 

Art. 69 Abs. 1  IVG zu erhebenden und angesichts des durchschnittlichen Aufwandes 

auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten hat die unterliegende 

Beschwerdegegnerin zu bezahlen. Der Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete 

Kostenvorschuss von 600 Franken zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat der 

Beschwerdeführerin eine angesichts des unterdurchschnittlichen Aufwandes ihres 

Rechtsvertreters reduzierte pauschale Parteientschädigung von 2’500 Franken 

(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.      Die Verfügungen vom 24. Mai 2013 und vom 20. Dezember 2013 werden aufge­

hoben; die Beschwerdeführerin hat ab dem 1. August 2013 bis 30. September 2013 

Anspruch auf ein Taggeld von Fr. 34.60 und ab dem 1. Oktober 2013 Anspruch auf ein 

Taggeld von Fr. 103.80.

2.      Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen; der 

Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- 

zurückerstattet.

3.      Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 2’500.-- zu bezahlen.

bis

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