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**Case Identifier:** 4975312c-bfb0-5654-8e57-662b8d0d8715
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-06-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.06.2023 D-3399/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3399-2023_2023-06-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3399/2023 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  J u n i  2 0 2 3  

Besetzung 
 Einzelrichterin Daniela Brüschweiler, 

mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;    

Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Clara Reinhard, Rechtsanwältin,  

(…), 

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 6. Juni 2023 / N (…). 

 

 

 

D-3399/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer suchte am 1. Mai 2023 in der Schweiz um Asyl 

nach. Auf dem Personalienblatt gab er an, am (…) geboren und somit voll-

jährig zu sein. 

B.  

Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der Eurodac-Datenbank ergab, dass 

der Beschwerdeführer am 27. April 2023 in Kroatien aufgegriffen worden 

war und dort gleichentags um Asyl ersucht hatte. 

C.  

Am 4. Mai 2023 ersuchte das SEM Kroatien um Übernahme des Be-

schwerdeführers. Die kroatischen Behörden stimmten der Wiederauf-

nahme des Beschwerdeführers am 18. Mai 2023 gestützt auf Art. 18 Abs. 1 

Bst. b der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments 

und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfah-

ren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von ei-

nem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat ge-

stellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: 

Dublin-III-VO), zu. Laut Mitteilung der kroatischen Behörden wurde in Kro-

atien der (…) als Geburtsdatum des Beschwerdeführers erfasst.  

D.  

Am 8. Mai 2023 mandatierte der Beschwerdeführer die ihm zugewiesene 

Rechtsvertretung und liess beim SEM vorbringen, dass er erst (…) Jahre 

alt (Geburtsdatum: […]) und somit noch minderjährig sei. Gestützt darauf 

passte das SEM am 8. Mai 2023 das Geburtsdatum des Beschwerdefüh-

rers im ZEMIS auf den (…) an.  

E.  

Anlässlich der Erstbefragung als unbegleiteter, minderjähriger Asylsuchen-

der (EB UMA) vom 17. Mai 2023 gab der Beschwerdeführer im Beisein 

seiner Rechtsvertretung im Wesentlichen zu Protokoll, er sei afghanischer 

Staatsangehöriger und ethnischer B._______ und stamme aus 

C._______. Er sei im Jahr (…) geboren, den Geburtstag und -monat kenne 

er nicht. Er sei (…) Jahre alt. Er kenne das Geburtsjahr von der Tazkira her, 

die ihm (…) ausgestellt worden sei, als er im Alter von 8 Jahren eingeschult 

worden sei. Die Tazkira sei bei seinem Bruder in Afghanistan. Dieser habe 

ihm eine Kopie geschickt. Er habe auch eine Impfkarte gehabt; sein Bruder 

suche danach. Das Geburtsdatum, welches er am 1. Mai 2023 auf dem 

D-3399/2023 

Seite 3 

Personalienblatt eingetragen habe, sei falsch. Er habe sich dieses ausge-

dacht. Er sei damals müde gewesen und habe sein Geburtsjahr nicht ge-

mäss hiesigem Kalender umrechnen können. Er habe nicht angenommen, 

dass das, was er eintrage, von Wichtigkeit sein könnte. Als er seiner 

Rechtsvertretung gesagt habe, dass er (…)-jährig sei, habe diese den (…) 

als Geburtsdatum notiert. In Kroatien habe er gesagt, dass er (…) Jahre alt 

sei. Sie hätten ihn aber als 18-jährig erfasst, warum wisse er nicht. Es seien 

ihm dort zwangsweise die Fingerabdrücke abgenommen worden. Man 

habe ihm gesagt, dass man ihn als Volljährigen nach Zagreb schicken und 

als Minderjährigen nach Bosnien deportieren würde. Respektive man habe 

ihm einfach gesagt, es gebe eine solche Regelung. Er sei (…) mit 8 Jahren 

in die Schule eingetreten und habe diese 5 Jahre lang besucht. (…) habe 

er die Schule im Alter von 12 Jahren wegen finanzieller Probleme und einer 

(…), die ihm das Lernen erschwert habe, verlassen. Nach einem Jahr ohne 

Arbeit sei er dann ein Jahr lang als (…) bei einem (…) angestellt gewesen. 

Im Jahr (…) sei er in den Iran ausgereist; an das genaue Ausreisedatum 

könne er sich nicht erinnern. Im Iran habe er sich zwei Jahre lang aufge-

halten und als (…) auf einer (…) gearbeitet. Vor etwa zwei Monaten habe 

er den Iran verlassen und sei über die Türkei, Griechenland, Albanien, 

Montenegro, Bosnien, Kroatien, Slowenien und Italien schliesslich am 

1. Mai 2023 in die Schweiz gelangt. In Kroatien habe er sich nur eine Nacht 

lang aufgehalten. Seine Mutter sei gestorben, als er erst drei oder vier 

Jahre alt gewesen sei. Sein Vater sei (…) gestorben. Seither habe sich sein 

älterer Bruder um ihn gekümmert. Er wisse nicht, wie alt dieser sei. Er habe 

viele Geschwister, deshalb wisse er das Alter des besagten Bruders nicht. 

Respektive er sei das jüngste von (…) Kindern und wisse, dass sein ältes-

ter Bruder etwa (…) oder (…) Jahre alt sei. Auf diesen würden (…) Ge-

schwister im Abstand von jeweils zwei Jahren folgen. Das Alter der jüngs-

ten Schwester kenne er nicht, sie sei aber mehr als zwei Jahre älter als er. 

Abgesehen von einem Bruder seien alle Geschwister im Iran. Er habe nur 

etwa alle vier bis fünf Monate Kontakt mit der Familie. Beziehungsweise er 

stehe nur mit dem Bruder in Afghanistan in Kontakt; zuletzt etwa vor einem 

Monat. Er habe Probleme mit den (…). Zudem gehe es ihm psychisch nicht 

so gut. Die Reiseerlebnisse würden ihn belasten und er könne nachts nicht 

schlafen. 

Das SEM räumte dem Beschwerdeführer im Rahmen der EB UMA das 

rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Kroatiens zur Durchfüh-

rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens gemäss Dublin-III-VO und zur 

allfälligen Wegweisung nach Kroatien ein. Er erklärte, er wolle nicht nach 

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Seite 4 

Kroatien zurück. Man sei dort schlecht mit ihm umgegangen und er möge 

weder die dortige Bevölkerung noch die Polizei.  

Zudem wurde dem Beschwerdeführer am Ende der Befragung mitgeteilt, 

dass Zweifel an der von ihm geltend gemachten Minderjährigkeit bestehen 

würden, möglicherweise werde er zu einer medizinischen Altersabklärung 

geschickt. 

Der Beschwerdeführer gab folgende Dokumente (in Kopie) zu den Akten: 

Tazkira, zwei Schulzeugnisse, Personalausweis beim (…).  

F.  

Mit Schreiben vom 30. Mai 2023 teilte das SEM dem Beschwerdeführer 

mit, dass es die von ihm geltend gemachte Minderjährigkeit als nicht glaub-

haft erachte und beabsichtige, sein Geburtsdatum im Zentralen Migrati-

onsinformationssystem (ZEMIS) auf den (…) anzupassen. Es gewährte 

ihm hierzu das rechtliche Gehör. 

G.  

Der Beschwerdeführer nahm mit Eingabe vom 1. Juni 2023 zur geplanten 

Altersanpassung Stellung. Er hielt daran fest, minderjährig zu sein, und er-

achtete die Einholung eines Altersgutachtens als unverzichtbar. 

H.  

Am 1. Juni 2023 änderte das SEM das Geburtsdatum des Beschwerdefüh-

rers im ZEMIS auf den (…). Es versah den Eintrag mit einem Bestreitungs-

vermerk. 

I.  

Mit Verfügung vom 6. Juni 2023 (eröffnet am 8. Juni 2023) trat das SEM in 

Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylge-

such nicht ein. Es ordnete die Wegweisung aus der Schweiz in den zustän-

digen Dublin-Staat (Kroatien) an, forderte den Beschwerdeführer auf, die 

Schweiz am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, und beauf-

tragte den Kanton D._______ mit dem Vollzug der Wegweisung. Zudem 

händigte es dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss 

Aktenverzeichnis aus. Des Weiteren hielt es fest, dass das Geburtsdatum 

des Beschwerdeführers im ZEMIS auf den (…) laute und der Eintrag mit 

einem Bestreitungsvermerk versehen sei. Schliesslich stellte es fest, dass 

einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid keine aufschiebende 

Wirkung zukomme. 

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Seite 5 

Für die Begründung wird auf die Ausführungen der Vorinstanz in der Ver-

fügung verwiesen. 

J.  

Mit Eingabe vom 14. Juni 2023 erhob der Beschwerdeführer durch die 

rubrizierte Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. 

Er ersuchte um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung sowie um Rück-

weisung der Sache verbunden mit der Anweisung an das SEM, zwecks 

vollständiger Sachverhaltsabklärung ein Altersgutachten anzuordnen. In 

verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses. Zudem beantragte er die Aussetzung des Vollzugs der Wegwei-

sung und es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. 

Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, das SEM wäre 

gehalten gewesen, ein Altersgutachten einzuholen. Ohne ein solches sei 

der Sachverhalt nicht vollständig erstellt. Mit der Beschwerde reichte er fol-

gende Dokumente (in Kopie) ein: Anmeldungs- und Registrierungsformular 

des (…), Foto eines afghanischen Impfausweises, Foto des Beschwerde-

führers. 

Auf die weitere Begründung der Rechtsbegehren wird – soweit für den Ent-

scheid wesentlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

K.  

Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am 

15. Juni 2023 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Glei-

chentags setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Überstellung im 

Sinne einer vorsorglichen Massnahme einstweilen aus. 

L.  

Betreffend Datenänderung im ZEMIS wurde ein separates Beschwerde-

verfahren eröffnet (Verfahrensnummer D-3495/2023). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet auf dem Gebiet des Asyls 

– in der Regel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen 

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Seite 6 

Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 

VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-

reichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 

Abs. 1 VwVG). 

2.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-

hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur 

summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf 

Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-

sels verzichtet. 

3.  

3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des zuständigen Staats prüft das 

SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. Führt diese Prü-

fung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des 

Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende 

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Seite 7 

Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung explizit oder impli-

zit zugestimmt hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 

E. 6.2). 

4.2 Im Fall von unbegleiteten Minderjährigen ohne familiäre Anknüpfungs-

punkte zu einem anderen Mitgliedstaat gemäss Art. 8 Abs. 4 Dublin-III-VO 

ist stets derjenige Mitgliedstaat zuständig, in dem der Minderjährige seinen 

(aktuellen) Antrag auf internationalen Schutz gestellt hat; solche Minder-

jährige sind mithin vom Aufnahme- oder Wiederaufnahmeverfahren ausge-

nommen (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, Dublin-III-Verord-

nung, Das europäische Asylzuständigkeitssystem, 2014, K15 f. zu Art. 8 

Dublin-III-VO, m.w.H.). 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer machte geltend, die Vorinstanz habe den 

rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig abgeklärt. Es ist zu prüfen, ob 

diese verfahrensrechtliche Rüge geeignet ist, eine Kassation der ange-

fochtenen Verfügung herbeizuführen. 

5.2 Der Untersuchungsgrundsatz gehört zu den allgemeinen Grundsätzen 

des Verwaltungs- respektive Asylverfahrens (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 

AsylG). Demnach hat die Behörde von Amtes wegen für die richtige und 

vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, 

die für das Verfahren notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich 

relevanten Umstände abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu 

führen. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für 

den Entscheid rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wurden, un-

richtig, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zu-

grunde gelegt wird, etwa weil die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu 

Unrecht verneint wird, so dass diese nicht zum Gegenstand eines Beweis-

verfahrens gemacht wird, oder weil Beweise falsch gewürdigt worden sind. 

5.3 Der Beschwerdeführer rügte, das SEM habe die Pflicht zur Erstellung 

des rechtserheblichen Sachverhalts verletzt, indem es kein forensisches 

Altersgutachten eingeholt habe. Dadurch sei der Sachverhalt unvollständig 

abgeklärt worden und die Sache sei zwecks Einholung eines Altersgutach-

tens an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

5.4 Asylsuchende sind verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts 

mitzuwirken; insbesondere müssen sie ihre Identität offenlegen und Reise-

papiere sowie Identitätsausweise abgeben (Art. 8 Abs. 1 Bst. a und b 

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Seite 8 

AsylG). Eine geltend gemachte Minderjährigkeit ist von der asylsuchenden 

Person zu beweisen, soweit ihr ein Beweis möglich ist, und andernfalls we-

nigstens glaubhaft zu machen. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine 

Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte, welche für oder gegen die Richtigkeit 

der betreffenden Altersangaben sprechen, vorzunehmen. Dabei ist insbe-

sondere an für echt befundene Identitätspapiere oder an eigene Angaben 

zu denken (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Schwei-

zerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30 E. 5.3.3; Urteil des 

BVGer E-891/2017 vom 8. August 2018 E. 4.2.3 m.w.H.). Bei Fehlen 

rechtsgenüglicher Identitätsausweise kann im Rahmen der Feststellung 

des Sachverhalts mit Unterstützung wissenschaftlicher Methoden – bei-

spielsweise Knochenaltersanalysen (Art. 17 Abs. 3bis AsylG) – abgeklärt 

werden, ob die Altersangabe der asylsuchenden Person dem tatsächlichen 

Alter entspricht (Art. 7 Abs. 1 AsylV 1). Die asylsuchende Person hat bei 

der entsprechenden Sachverhaltsfeststellung mitzuwirken. Das Resultat 

eines allfälligen Altersgutachtens stellt nur ein Element bei der Beurteilung 

der Frage der Glaubhaftigkeit einer geltend gemachten Minderjährigkeit 

dar (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.1 ff.).  

5.5 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass die verfahrensrechtliche Rüge des Beschwerdeführers nicht 

zu greifen vermag.  

5.5.1 Der Beschwerdeführer trägt die Beweislast für die von ihm geltend 

gemachte Minderjährigkeit und es besteht in diesem Zusammenhang kein 

Rechtsanspruch auf Einholung eines forensischen Altersgutachtens (vgl. 

die vorstehenden Ausführungen unter E. 5.4). Der Beschwerdeführer hatte 

anlässlich der EB UMA vom 17. Mai 2023 und im Rahmen des rechtlichen 

Gehörs zur allfälligen Altersanpassung im ZEMIS vom 1. Juni 2023 umfas-

send Gelegenheit, sich zu seinem Alter zu äussern. Das SEM hat die ent-

sprechenden Angaben gehört und berücksichtigt. Ebenso hat es die vom 

Beschwerdeführer vorgelegten Beweismittel entgegengenommen und ge-

würdigt, und es kam zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer nicht 

gelungen sei, die geltend gemachte Minderjährigkeit zu belegen oder zu-

mindest glaubhaft zu machen.  

Eine Überprüfung der Akten ergibt, dass die Angaben des Beschwerdefüh-

rers zu seinem Alter in der Tat in erheblichem Masse widersprüchlich sind. 

Auf dem am 1. Mai 2023 ausgefüllten Personalienblatt gab er an, am (…) 

geboren und somit im Zeitpunkt der Asylgesuchstellung knapp (…)-jährig 

zu sein. Bei der EB UMA vom 17. Mai 2023 sagte er hingegen, (…)-jährig 

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Seite 9 

zu sein; er sei (…) geboren, den Geburtstag und -monat kenne er nicht. 

Die Erklärung für den erheblich anderslautenden Eintrag auf dem Perso-

nalienblatt, wonach er sich wegen Müdigkeit und Umrechnungsschwierig-

keiten einfach ein Datum ausgedacht habe, wirkt wenig überzeugend. Es 

ist zwar durchaus denkbar und verständlich, dass der Beschwerdeführer 

damals müde war. Wenn er den Tag und Monat seiner Geburt nicht einmal 

nach afghanischem Kalender kenne, vermag es aber nicht zu überzeugen, 

dass er bei der nicht geglückten Umrechnung seines Geburtsjahrs in den 

gregorianischen Kalender nicht nur ein Geburtsjahr, sondern auch noch ei-

nen spezifischen Tag und Monat erfunden haben will. Nachdem der Be-

schwerdeführer nur wenige Tage zuvor bereits von den kroatischen Behör-

den nach seinem Alter/Geburtsdatum gefragt wurde und die Altersfrage für 

das Verfahren in Kroatien ein wichtiges Thema gewesen sei, vermag auch 

der Einwand des Beschwerdeführers, nicht gedacht zu haben, dass das, 

was er hierzulande auf dem Personalienblatt eintrage, von Wichtigkeit sein 

könnte, nicht zu überzeugen. Auch ist die Angabe des Beschwerdeführers, 

die kroatischen Behörden hätten ihn als 18-jährig registriert, unzutreffend. 

In Kroatien wurde er vielmehr mit dem Geburtsdatum vom (…) und somit 

als (…)-jährig – mithin längst volljährig – registriert, und die kroatischen 

Behörden haben einer Wiederaufnahme des Beschwerdeführers am 

18. Mai 2023 ausdrücklich zugestimmt. Die vom Beschwerdeführer ge-

schilderte Arbeitserfahrung als (…) und (…) spricht auch für einen gewis-

sen Grad an Reife und Selbständigkeit. Mit den im vorinstanzlichen Ver-

fahren vorgelegten Beweismitteln vermag der Beschwerdeführer sein Alter 

nicht zu belegen. Er reichte keine rechtsgenüglichen Identitätsdokumente 

ein. Seine Identität steht folglich nicht fest und es ist daher auch nicht ge-

sichert, dass die vorgelegten Dokumente ihm zuzuordnen sind. Eine af-

ghanische Tazkira gilt nicht als fälschungssicher und ihr kommt deshalb 

gemäss geltender Rechtsprechung nur ein verminderter Beweiswert zu. 

Der Beschwerdeführer hat lediglich eine Kopie eingereicht und selbst bei 

Vorliegen des Originals besteht die Möglichkeit, dass die darin enthaltenen 

zeitlichen Angaben über das Geburtsdatum nicht dem wirklichen Alter ent-

sprechen (vgl. BVGE 2019 I/6 E. 6.2, 2013/30 E. 4.2.2). Die vorgelegte 

Tazkira vermag somit in Bezug auf das Alter des Beschwerdeführers keine 

genügende Beweiskraft zu entfalten. Gleiches gilt für die beiden Schul-

zeugnisse und die Personalkarte eines (…). Vor diesem Hintergrund durfte 

das SEM im Zeitpunkt der Entscheidfällung betreffend die Frage der Min-

der- respektive Volljährigkeit des Beschwerdeführers vom Vorliegen eines 

rechtsgenüglich erstellten Sachverhalts ausgehen. Auf die Einholung eines 

forensischen Altersgutachtens besteht, wie bereits festgestellt, kein 

Rechtsanspruch und es ist nicht zu beanstanden, dass das SEM 

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Seite 10 

vorliegend – nach Abwägung der Anhaltspunkte, welche für oder gegen die 

Richtigkeit der Altersangaben des Beschwerdeführers sprechen – darauf 

verzichtet hat. 

5.5.2 Auch die Vorbringen des Beschwerdeführers in der Rechtsmittelein-

gabe vom 14. Juni 2023 und die damit vorgelegten Beweismittel geben kei-

nen Anlass für eine andere Einschätzung. Ein afghanischer Impfausweis 

(Fotokopie) stellt ebenfalls kein rechtsgenügliches Identitätspapier dar. Zu-

dem steht das darin vermerkte Geburtsdatum vom (…) (entspricht im gre-

gorianischen Kalender dem […]) im Widerspruch zur Angabe des Be-

schwerdeführers bei der EB UMA, im Jahr (…) geboren zu sein. Gleiches 

gilt für die Kopie eines Anmeldungs- und Registrierungsformulars des (…). 

Diese beiden Dokumente vermögen folglich in Bezug auf das Alter und das 

Geburtsdatum des Beschwerdeführers keinen relevanten Beweiswert zu 

entfalten. Schliesslich ist auch die Fotografie des Beschwerdeführers kein 

Beleg für die geltend gemachte Minderjährigkeit. Die Einholung eines Al-

tersgutachtens drängt sich folglich auch gestützt auf die Rechtsmittelein-

gabe nicht auf. 

5.6 Aufgrund des Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene 

Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache zwecks wei-

terer Sachverhaltsabklärung in Form der Einholung eines Altersgutachtens 

an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der entsprechende Rückweisungsan-

trag des Beschwerdeführers ist abzuweisen. 

6.  

Nachdem der Beschwerdeführer einzig um Kassation der vorinstanzlichen 

Verfügung zwecks Rückweisung der Sache an das SEM zur Einholung ei-

nes Altersgutachtens ersucht hat (vgl. Rechtsbegehren 1 und 2 der Be-

schwerde vom 14. Juni 2023) und dieser Rückweisungsantrag abzuweisen 

ist (vgl. E. 5.6), erübrigen sich vorliegend weitere Ausführungen zur vor-

instanzlichen Verfügung vom 6. Juni 2023. 

7.  

Die Beschwerde ist aufgrund des Gesagten abzuweisen. 

8.  

Mit vorliegendem Urteil ist das Beschwerdeverfahren abgeschlossen, wes-

halb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Be-

schwerde und auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als 

gegenstandslos erweisen. 

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Seite 11 

9.  

9.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist 

abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägun-

gen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen waren, weshalb die Voraus-

setzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind. 

9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– 

(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-

schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-3399/2023 

Seite 12 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird ab-

gewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Susanne Burgherr 

 

Versand: