# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b5f25407-e7d5-588a-b56a-5726b64c8a07
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-09-05
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 05.09.2023 BVGE 2023 VI/3
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2023-VI-3_2023-09-05.pdf

## Full Text

2023 VI/3 Rechtsvertretung bei Verfahren um Gewährung 
vorübergehenden Schutzes 

 

 

16 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

2023 VI/3 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung IV 
i.S. A. gegen Staatssekretariat für Migration 

D-2430/2022 vom 5. September 2023 

Rechtsvertretung bei Verfahren um Gewährung vorübergehenden 

Schutzes. 

Art. 72, Art. 102h Abs. 1, Art. 102m AsylG. 

1. Im erstinstanzlichen Verfahren ist die Unterzeichnung und Hin-
terlegung einer Vollmacht für die Begründung eines Vertretungs-

verhältnisses mit einer zugewiesenen Rechtsvertretung des Leis-

tungserbringers nicht konstitutiv. Die Rechtsvertretung wird 

vielmehr gemäss Art. 102h Abs. 1 AsylG durch die Wahrnehmung 

von Prozesshandlungen begründet. Dieser Grundsatz gilt 

aufgrund von Art. 72 AsylG auch für Verfahren um Gewährung 

vorübergehenden Schutzes (E. 1.3.2).  

2. Analoge Anwendung der Rechtsschutzbestimmungen des 8. Kapi-
tels des Asylgesetzes gemäss Art. 72 AsylG (und damit auch der 

Normen des Rechtsschutzes im erweiterten Verfahren) in Verfah-

ren betreffend die Gewährung vorübergehenden Schutzes 

(E. 10.3.3). 

3. Die zugewiesene Rechtsvertretung für Schutzsuchende im BAZ 
endet in der Regel mit der Kantonszuweisung. Wird eine schutzsu-

chende Person aus Kapazitäts- oder anderen Gründen vorzeitig 

einem Kanton zugewiesen, ohne dass über das Gesuch um vo-

rübergehenden Schutz entschieden worden ist, kann das SEM 

vom Übergang der Zuständigkeit für die Aufgaben des Rechts-

schutzes auf die Rechtsberatungsstellen im Kanton ausgehen 

(E. 10.3.3.3). 

4. Die Entschädigung der Rechtsvertretung im Beschwerdever-
fahren betreffend die Verweigerung vorübergehenden Schutzes 

richtet sich nach Art. 102m Abs. 1 Bst. d AsylG, sofern die schutz-

suchende Person bereits einem Kanton zugewiesen worden ist 

(E. 10.3.4).  

  

Rechtsvertretung bei Verfahren um Gewährung 
vorübergehenden Schutzes 

2023 VI/3 

 

 

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Représentation juridique dans des procédures concernant le statut des 

personnes à protéger. 

Art. 72, art. 102h al. 1, art. 102m LAsi. 

1. Dans la procédure de première instance, la signature et la produc-
tion d'une procuration n'ont pas d'effet constitutif eu égard à l'éta-

blissement d'un rapport de représentation avec le représentant 

juridique désigné. Conformément à l'art. 102h al. 1 LAsi, la repré-

sentation juridique est fondée par l'exercice d'actes de procédure. 

En vertu de l'art. 72 LAsi, ce principe est aussi valable dans des 

procédures portant sur l'octroi de la protection provisoire 

(consid. 1.3.2). 

2. Application par analogie des dispositions sur la protection juri-
dique du chapitre 8 de la loi sur l'asile (et, par conséquent aussi, 

des normes de protection juridique dans la procédure étendue) à 

la procédure d'octroi de la protection provisoire, conformément à 

l'art. 72 LAsi (consid. 10.3.3). 

3. La représentation juridique attribuée aux personnes à protéger 
dans le CFA prend généralement fin avec leur attribution au can-

ton. Si, pour des raisons de capacité ou autres, une personne est 

attribuée au canton de manière anticipée, avant que sa demande 

de protection provisoire ait été tranchée, le SEM peut partir du 

principe que la compétence pour les tâches de protection juridique 

est transférée aux bureaux de conseil juridique œuvrant dans le 

canton (consid. 10.3.3.3). 

4. L'indemnisation de la représentation juridique dans les procé-
dures de recours contre le refus de la protection provisoire est 

régie par l'art. 102m al. 1 let. d LAsi lorsque la personne à proté-

ger a déjà été attribuée à un canton (consid. 10.3.4). 

Rappresentante legale nelle procedure per il riconoscimento dello sta-

tuto di persone bisognose di protezione. 

Art. 72, art. 102h cpv. 1 e art. 102m LAsi. 

1. Nella procedura di prima istanza, la firma e il deposito di una pro-
cura volta a fondare un rapporto di rappresentanza con un rap-

presentante legale assegnato non hanno effetto costitutivo. Ai sensi 

dell'art. 102h cpv. 1 LAsi il rapporto di rappresentanza legale è 

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vorübergehenden Schutzes 

 

 

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piuttosto fondato sull'esercizio di atti procedurali. In virtù del-

l'art. 72 LAsi, questo principio vale anche per le procedure ten-

denti alla concessione della protezione provvisoria (consid. 1.3.2). 

2. Applicazione per analogia delle disposizioni sulla protezione giuri-
dica del capitolo 8 della legge sull'asilo conformemente all'art. 72 

LAsi (e quindi anche delle norme sulla protezione giuridica nella 

procedura ampliata) alle procedure tendenti alla concessione della 

protezione provvisoria (consid. 10.3.3). 

3. Di norma, il ruolo del rappresentante legale assegnato alle persone 
che richiedono protezione in un CFA termina con l'assegnazione 

al Cantone. Se per ragioni di capacità o altro una persona che ri-

chiede protezione è assegnata anticipatamente a un Cantone senza 

che sia stata ancora evasa la domanda di protezione provvisoria, 

la SEM può presupporre che la competenza in materia di protezio-

ne giuridica sia passata al consultorio giuridico del Cantone 

(consid. 10.3.3.3). 

4. L'onorario dovuto al rappresentante legale in una procedura di 
ricorso concernente il rifiuto della protezione provvisoria è retto 

dall'art. 102m cpv. 1 lett. d LAsi, sempreché la persona che richie-

de protezione sia già stata assegnata a un Cantone (consid. 10.3.4). 

 

Der Beschwerdeführer, ein ukrainisch-bulgarischer Doppelbürger, stellte 

am 22. April 2022 im Bundesasylzentrum (BAZ) der Region B. ein Ge-

such um Gewährung vorübergehenden Schutzes. Gleichentags fand seine 

Kurzbefragung statt, an der auch ein Mitarbeiter des Rechtsschutzes für 

Asylsuchende im BAZ (nachfolgend: Leistungserbringer Rechtsschutz) 

teilnahm. 

Mit Verfügung vom 20. Mai 2022 lehnte das Staatssekretariat für Migra-

tion (SEM) das Gesuch um Gewährung vorübergehenden Schutzes ab, 

verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.  

Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 31. Mai 2022 erhob 

der Beschwerdeführer mithilfe des Mitarbeiters des Leistungserbringers 

Rechtsschutz, der auch an der Befragung teilgenommen hatte, Beschwerde 

gegen diese Verfügung. Er beantragte, der Entscheid der Vorinstanz sei 

aufzuheben und diese sei anzuweisen, ihm vorübergehenden Schutz zu 

gewähren. 

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2023 VI/3 

 

 

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Das Bundesverwaltungsgericht weist die Beschwerde ab. 

Aus den Erwägungen: 

1.3  
1.3.1 Partei des Beschwerdeverfahrens kann nur sein, wer partei- und 
prozessfähig ist. Die Prozessfähigkeit stellt das prozessuale Gegenstück 

der materiell-rechtlichen Handlungsfähigkeit dar; sie ist die Fähigkeit, ein 

Verfahren selber zu führen oder dafür eine Vertretung zu bestimmen. Wird 

die beschwerdeführende Partei durch eine Drittperson vertreten, kann das 

Bundesverwaltungsgericht die Vertretung auffordern, sich durch schriftli-

che Vollmacht auszuweisen (vgl. Art. 11 Abs. 2 VwVG i.V.m. Art. 37 

VGG). Nach dem Grundsatz von Treu und Glauben kann eine Bevoll-

mächtigung auch stillschweigend beziehungsweise konkludent einge-

räumt werden (BGE 101 Ia 39 E. 3; 99 II 39 E. 1). Fehlt es an einer schrift-

lichen Vollmacht, so darf ein Vertretungsverhältnis jedoch nur dann 

angenommen werden, wenn sich aus den Umständen eine eindeutige Wil-

lensäusserung der beschwerdeführenden Partei auf Bevollmächtigung 

einer Drittperson ergibt (vgl. Urteil des BVGer A-6432/2012 vom 

28. März 2013 E. 2.1.3).  

1.3.2 Vorliegend ist weder die Partei- noch die Prozessfähigkeit des Be-
schwerdeführers bestritten. Der als Rechtsvertreter des Beschwerdeführers 

die Beschwerde Unterzeichnende hat sich aber weder im erstinstanzlichen 

noch im vorliegenden Verfahren durch eine Vollmacht ausgewiesen. Aus 

dem Protokoll zur Kurzbefragung geht jedoch hervor, dass der Unterzeich-

nende auch an der Befragung teilgenommen und das Protokoll als « Leis-

tungserbringer Rechtsschutz » unterzeichnet hat ([…]). Die Vorinstanz 

hielt in ihrer Vernehmlassung hierzu fest, aufgrund dieser Prozesshand-

lungen habe es sich beim Unterzeichnenden um den dem Beschwerdefüh-

rer zugewiesenen Rechtsvertreter im erstinstanzlichen Verfahren im Sinne 

von Art. 102f ff. AsylG (SR 142.31) gehandelt, eine Zuweisung ohne Hin-

terlegung einer Vollmacht sei der grossen Anzahl der Gesuche geschuldet. 

Auch die Ausführungen in der Replik stützen diese Argumentation. Dieses 

Vorgehen ist nicht zu beanstanden. Aus dem Gesetzestext geht hervor, dass 

die Unterzeichnung einer Vollmacht für das Vertretungsverhältnis im 

erstinstanzlichen Verfahren nicht konstitutiv ist; Art. 102h Abs. 1 AsylG 

sieht vor, dass jeder asylsuchenden Person ab Beginn der Vorbereitungs-

phase und für das weitere Asylverfahren im Bundeszentrum eine Rechts-

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vertretung zugeteilt wird, sofern die asylsuchende Person nicht ausdrück-

lich darauf verzichtet. Dieser Grundsatz gilt aufgrund von Art. 72 AsylG 

auch für Verfahren um Gewährung vorübergehenden Schutzes. Demnach 

ist davon auszugehen, dass der Unterzeichnende im vorliegenden Verfah-

ren zur Vertretung des Beschwerdeführers befugt ist.  

Diese Schlussfolgerung würde aus den bereits genannten Gründen (Teil-

nahme an Befragung, Unterzeichnung des Protokolls) auch dann zutreffen, 

wenn es sich um eine gewillkürte Rechtsvertretung im Sinne von Art. 11 

Abs. 1 VwVG handeln sollte.  

Unter diesen Umständen kann auf die Nachforderung einer schriftlichen 

Vollmacht verzichtet werden. 

1.3.3 Von der Vertretungsbefugnis im Sinne einer Eintretensvorausset-
zung abzugrenzen ist die Frage, ob es sich dabei um eine zugewiesene 

Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102f ff. AsylG, deren Leistungen nach 

Art. 102k AsylG durch den Bund entschädigt werden, oder um eine gewill-

kürte Rechtsvertretung im Sinne von Art. 11 Abs. 1 VwVG handelt, deren 

notwendiger Aufwand gemäss und unter den Voraussetzungen von 

Art. 102m Abs. 1 Bst. d AsylG zu erstatten wäre. Diese Entscheidung 

wirkt sich insbesondere auf eine allfällige Entschädigung der Rechtsver-

tretung aus, weshalb auf die entsprechende Erwägung zu verweisen ist 

([…]).  

1.4–10.2 (…) 

10.3  
10.3.1 Der Beschwerdeführer hat kein Gesuch um amtliche Rechtsver-
beiständung gestellt. Es ist davon auszugehen, dass sein Rechtsvertreter 

das Verfassen der Beschwerde als durch Art. 102k Abs. 1 Bst. d AsylG für 

abgegolten erachtet hat. In der Replik wird argumentiert, es habe weder 

eine Zuteilung ins erweiterte Asylverfahren stattgefunden noch liege ein 

anderer Beendigungsgrund für die gesetzliche Rechtsvertretung vor. Folg-

lich sei der Beschwerdeführer weiterhin durch den Leistungserbringer 

Rechtsschutz Asylregion B. gesetzlich vertreten; das Verfassen einer Be-

schwerdeschrift gehöre gemäss Art. 102k Abs. 1 Bst. d AsylG explizit zu 

den Aufgaben eines gesetzlichen Rechtsvertreters.  

  

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10.3.2 In ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, gemäss 
Art. 72 AsylG fänden die Bestimmungen der Abschnitte 1, 2a und 3 des 

zweiten Kapitels für die in Art. 68, Art. 69 und Art. 71 AsylG definierten 

Verfahren und die Bestimmungen des achten Kapitels für die in Art. 69 

und Art. 71 AsylG definierten Verfahren sinngemäss Anwendung. In der 

Folge hätten Personen, die um vorübergehenden Schutz ersuchten, An-

spruch auf unentgeltlichen Rechtsschutz. Bis zur formellen Zuweisung an 

einen Kanton sei nach Art. 72 in Verbindung mit Art. 102l AsylG der Leis-

tungserbringer Rechtsschutz für die Beratung, Betreuung und Unterstüt-

zung von Schutzsuchenden zuständig; nach der Zuweisung an einen Kan-

ton könnten sich Schutzsuchende gemäss Art. 102l Abs. 1 AsylG und 

Art. 52f Abs. 2 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 

142.311) für die entscheidrelevanten Schritte des erstinstanzlichen Ver-

fahrens kostenlos an eine kantonale Rechtsberatungsstelle wenden. Um 

den grossen Ansturm von Schutzsuchenden aus der Ukraine bewältigen zu 

können, habe das SEM ein schriftliches Formular für die summarische Be-

fragung nach Art. 69 Abs. 2 AsylG eingeführt, das von den schutzsu-

chenden Personen – wenn nötig mit Unterstützung des Leistungserbrin-

gers Rechtsschutz – ausgefüllt werde. Seien daraus Hinweise ersichtlich, 

dass die um vorübergehenden Schutz ersuchende Person möglicherweise 

nicht zu der vom Bundesrat definierten Gruppe der Schutzberechtigten ge-

höre, führe das SEM mit der betroffenen Person eine mündliche Befragung 

durch. An dieser sei eine Person des Leistungserbringers Rechtsschutz an-

wesend, die das Befragungsprotokoll denn auch zusammen mit der um 

vorübergehenden Schutz ersuchenden Person unterschreibe. Bei der Per-

son, die in der Rubrik « Leistungserbringer Rechtsschutz » ihre Teilnahme 

an der Kurzbefragung des Beschwerdeführers vom 22. April 2022 bestä-

tigt habe, handle es sich folglich um die ihm zugewiesene Rechtsvertre-

tung, auch wenn keine Vollmacht in der Akte hinterlegt sei, was der hohen 

Anzahl von Gesuchen geschuldet sei. Sofern das SEM das Gesuch um vo-

rübergehenden Schutz ablehne, habe die betroffene Person die Möglich-

keit, beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde gegen den ableh-

nenden Entscheid einzureichen. Hierfür stehe es der betroffenen Person 

offen, eine professionelle Rechtsvertretung zu mandatieren. Es sei jedoch 

hervorzuheben, dass das Verfassen einer Beschwerde nicht zu den ent-

scheidrelevanten Schritten des erstinstanzlichen Verfahrens gehöre und 

somit nicht in die Zuständigkeit der kantonalen Rechtsberatungsstellen 

falle. Im Zusammenhang mit einem Beschwerdeverfahren seien somit die 

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Bestimmungen über die unentgeltliche Rechtspflege nach Art. 102m 

AsylG – als lex specialis gegenüber Art. 65 Abs. 2 VwVG – anwendbar. 

10.3.3 Mit Blick auf das Vorbringen des Beschwerdeführers, das Verfas-
sen einer Beschwerdeschrift gehöre gemäss Art. 102k Abs. 1 Bst. d AsylG 

explizit zu den Aufgaben eines gesetzlichen Vertreters, was analog auch 

für sämtliche Verfahren betreffend die Gewährung vorübergehenden 

Schutzes zu gelten habe, stellt das Gericht fest, dass diese Auffassung we-

der der Absicht des Gesetzgebers noch dem Wortlaut der einschlägigen 

Gesetzesbestimmungen entspricht.  

10.3.3.1 Mit der Gesetzesrevision, die zum 1. März 2019 in Kraft trat, soll-
ten die Asylverfahren beschleunigt werden. Um die rasch abzuschlies-

senden Verfahren in den Zentren des Bundes rechtsstaatlich korrekt und 

fair durchzuführen, wird asylsuchenden Personen als flankierende Mass-

nahme ein Anspruch auf kostenlose Beratung über das Asylverfahren so-

wie eine kostenlose Rechtsvertretung gewährt (vgl. Botschaft vom 

3. September 2014 zur Änderung des Asylgesetzes, BBl 2014 7991, 7992). 

Dieser Anspruch ist aufgrund der kurzen Verfahrens- und 

Beschwerdefristen im beschleunigten Verfahren und im Dublin-Verfahren 

verfassungsrechtlich geboten. Der Anspruch auf eine kostenlose Beratung 

und Rechtsvertretung dauert diesfalls bis zur Rechtskraft des Entscheids 

im beschleunigten und im Dublin-Verfahren oder bis zum Entscheid über 

die Durchführung eines erweiterten Verfahrens, das heisst mindestens bis 

nach der Anhörung zu den Asylgründen; sodann findet die Triage gemäss 

Art. 26d und Art. 102h Abs. 3 AsylG statt (vgl. BBl 2014 7991, 8023). Die 

für erweiterte Verfahren geltende Beschwerdefrist von 30 Tagen (Art. 108 

Abs. 2 AsylG) gebietet aus rechtsstaatlicher Hinsicht nicht dieselben flan-

kierenden Massnahmen wie im beschleunigten beziehungsweise im 

Dublin-Verfahren. Das Gesetz sieht hierzu vor, dass asylsuchende Perso-

nen im erweiterten Verfahren für das Beschwerdeverfahren unter erleich-

terten Bedingungen amtlich verbeiständet werden können, sofern die ent-

sprechende Person mittellos ist und die Begehren nicht aussichtslos 

erscheinen (Art. 102m Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 65 Abs. 1 VwVG). Damit 

soll sichergestellt werden, dass die Verfahrensrechte von asylsuchenden 

Personen auch im erweiterten Verfahren gewahrt werden (vgl. BBl 2014 

7991, 8024).  

  

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vorübergehenden Schutzes 

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10.3.3.2 Zwar findet in Verfahren betreffend die Gewährung vorüberge-
henden Schutzes, anders als im Asylverfahren, kein Wechsel vom be-

schleunigten ins erweiterte Verfahren statt. Deshalb, und das wird vom Be-

schwerdeführer in der Replik zu Recht geltend gemacht, liegt nach dem 

Wortlaut kein gesetzlicher Beendigungsgrund für die im Bundesasylzen-

trum zugewiesene Rechtsvertretung vor. Das Gesetz verlangt aber gemäss 

Art. 72 AsylG die analoge Anwendung der Rechtsschutzbestimmungen. 

Dabei verweist das Gesetz nicht nur auf die Bestimmungen zum Rechts-

schutz in den Bundesasylzentren, sondern auf das gesamte 8. Kapitel und 

damit auch auf die Normen des Rechtsschutzes im erweiterten Verfahren. 

Würde das Gericht der vom Beschwerdeführer in seiner Replik dargeleg-

ten Auslegung folgen, so würde bei Verfahren über Gewährung vorüber-

gehenden Schutzes in keinem Fall eine Zuständigkeit der zugelassenen 

Rechtsberatungsstellen (Art. 102l Abs. 3 AsylG) im Kanton begründet.  

10.3.3.3 In der Realität durchlaufen viele Schutzsuchende ihr Verfahren 
um Gewährung vorübergehenden Schutzes nicht in den Bundesasylzen-

tren, sondern werden schon bald nach der Registrierung dezentral in den 

Kantonen und Gemeinden untergebracht (vgl. dazu auch BVGE 2023 VI/1 

E. 3.8). Es ist deshalb nicht zu beanstanden, wenn das SEM bei Schutzsu-

chenden, die (aus Kapazitäts- oder anderen Gründen) vorzeitig einem Kan-

ton zugewiesen werden, vom Übergang der Zuständigkeit für die Aufga-

ben des Rechtsschutzes auf die Rechtsberatungsstellen im Kanton ausgeht 

([…]). Um auch bei Verfahren betreffend die Gewährung vorübergehen-

den Schutzes einen wirksamen Rechtsschutz sicherzustellen, ist das 

Abstellen auf den Aufenthaltsort der Gesuchstellenden im Zeitpunkt des 

Entscheids naheliegend und sinnvoll. Vor dem Hintergrund, dass die 

Rechtsvertretung in Bundesasylzentren als verfassungsrechtliche Notwen-

digkeit eingeführt wurde und diese Notwendigkeit in Verfahren betreffend 

die Gewährung vorübergehenden Schutzes aufgrund der 30-tägigen Be-

schwerdefrist (vgl. Urteil D-3584/2022 E. 3.8 f.) nicht zwingend ist, über-

zeugt die Argumentation nicht, dass die zu Beginn des Verfahrens im 

Bundesasylzentrum zugewiesene Rechtsvertretung diese Aufgabe ohne 

Weiteres auch für sämtliche Verfahren übernimmt, selbst wenn die schutz-

suchende Person nach Registrierung ihres Gesuchs sofort in den Kanton 

weiterverwiesen wurde. Anders liegt der Fall, sofern der ablehnende Ent-

scheid noch während des physischen Aufenthalts der schutzsuchenden 

Person im Bundesasylzentrum ergeht. Dann bleibt die zugewiesene 

Rechtsvertretung in jedem Fall zuständig, mit der Folge, dass der Aufwand 

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für eine allfällige Beschwerde als durch die Pauschale abgedeckt zu be-

trachten wäre.  

10.3.3.4 Wenn die zugewiesene Rechtsvertretung das Verfahren jedoch –
wie vorliegend – nach einem vorzeitigen Austritt der schutzsuchenden 

Person aus dem BAZ ausnahmsweise weiterführt, umfasst das weiterge-

führte Mandat nur allfällige entscheidrelevante Schritte im erstinstanzli-

chen Verfahren. Das Verfassen einer Beschwerdeschrift gemäss Art. 102l 

AsylG in Verbindung mit Art. 52h AsylV 1 gehört gerade nicht dazu. 

Diese gesetzliche Regelung steht auch nicht im Widerspruch zu BVGE 

2017 VI/3, weil dort – anders als vorliegend – der Entscheid weiterhin im 

beschleunigten Verfahren getroffen wurde, obwohl die asylsuchende Per-

son einer kantonalen Unterkunft zugewiesen worden war, was grundsätz-

lich erst mit Übergang in das erweiterte Verfahren vorgesehen ist (vgl. 

BVGE 2017 VI/3 E. 9.2.3). Im Übrigen sieht auch das Asylgesetz in 

Art. 102m Abs. 1 Bst. d AsylG explizit vor, dass in Beschwerdeverfahren 

nach Art. 69 AsylG der notwendige Aufwand der Rechtsvertretung zu er-

statten ist.  

10.3.4 Das Gericht stellt nach dem Gesagten fest, dass sich die Entschä-
digung der Rechtsvertretung im Beschwerdeverfahren betreffend die Ver-

weigerung vorübergehenden Schutzes nach Art. 102m Abs. 1 Bst. d AsylG 

richtet. Da der Beschwerdeführer kein Gesuch um amtliche Verbeistän-

dung gestellt hat, ist er folglich durch das Gericht auch nicht zu entschädi-

gen.