# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 221df4a7-cb6e-5e93-9dc5-c7c6f350c11a
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-05-03
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 03.05.2021 S2 20 55
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_S2-20-55_2021-05-03.pdf

## Full Text

RVJ / ZWR 2023 97

Unfallversicherung
Assurance-accidents

KGE (Sozialversicherungsrechtliche Abteilung) vom 3. Mai 2021 in Sa-
chen X. c. Y S2 20 55

Unfallbegriff; unfallähnliche Körperverletzung; Entlastungsbeweis
- Als Unfall gilt die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhn-

lichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der kör-
perlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4 ATSG, E. 3.1).

- Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt der Unfallversicherer sodann seine Leistungen
auch bei den folgenden Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnüt-
zung oder Erkrankung zurückzuführend sind: a. Knochenbrüche; b. Verrenkungen
von Gelenken; c. Meniskusrisse; d. Muskelrisse; e. Muskelzerrungen; f. Sehnenrisse;
g. Bandläsionen und h. Trommelfellverletzungen (E. 3.3).

- Nach Art. 6 Abs. 2 UVG wird der Unfallversicherer bei Vorliegen einer diagnostizier-
ten Listenverletzung grundsätzlich leistungspflichtig, solange er nicht den Nachweis
dafür erbringt, dass die fragliche Listenverletzung vorwiegend, d.h. im gesamten Ur-
sachenspektrum zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen
ist (E 3.3).

Notion d’accident ; lésion corporelle assimilée à un accident ; preuve
libératoire
- Par accident, on entend toute atteinte dommageable, soudaine et involontaire, portée

au corps humain par une cause extérieure extraordinaire qui compromet la santé
physique, mentale ou psychique ou qui entraîne la mort (art. 4 LPGA ; consid. 3.1).

- Aux termes de l'art. 6 al. 2 LAA, les lésions corporelles suivantes, dont la liste est
exhaustive, sont assimilées à un accident pour autant qu'elles ne soient pas manifes-
tement imputables à une maladie ou à des phénomènes dégénératifs : a. les frac-
tures ; b. les déboîtements d'articulations ; c. les déchirures du ménisque ; d. les
déchirures de muscles ; e. les élongations de muscles ; f. les déchirures de tendons ;
g. les lésions de ligaments ; h. les lésions du tympan.

- Selon l'art. 6 al. 2 LAA lorsqu'une lésion corporelle comprise dans la liste est dia-
gnostiquée, l'assureur-accidents est tenu à prestations aussi longtemps qu'il n'ap-
porte pas la preuve que cette lésion est due de manière prépondérante, c'est-à-dire à
plus de 50 % de tous les facteurs en cause, à l'usure ou à une maladie (consid. 3.3).

98 RVJ / ZWR 2023

Gekürzter Sachverhalt und Verfahren

A. Der xxx geborene X ist bei der A angestellt und damit bei der Y AG
(fortan Y) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfälle versi-
chert. Mit Bagatellmeldung vom 5. Mai 2020 wurde dargelegt, es sei am
7. Dezember 2019 bei einem Badmintonspiel zu einem Ereignis ge-
kommen. Dieses beschrieb der Versicherte wie folgt:

« Bei einem Badminton Turnier habe ich in einem Match bei einem Ausfallschritt einen hef-
tigen Stich verspürt. Das Knie ist danach relativ stark angeschwollen. Nach 10-14 Tagen
haben die Schmerzen ein bisschen nachgelassen. Leider aber nie so ganz und jetzt in der
letzten Zeit sind die Schmerzen immer mehr geworden ».

Ergänzend wurde aufgeführt, es liege ein Knorpelschaden am rechten
Knie vor. Eine Arbeitsunfähigkeit sei jedoch nicht erfolgt. Gemäss Kos-
tengutsprache-Gesuch der Klinik Hirslanden war für den 8. Mai 2020 ein
Eintritt geplant, wobei B, Facharzt für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie, die Diagnose ICD-M17.3 rechts (sonstige posttraumati-
sche Gonarthrose-einseitig) gestellt hatte.

Per Mail vom 5. Mai 2020 ergänzte der Versicherte auf entsprechende
Anfrage:

«1. Hergang des Ereignisses, was ist passiert?

Beim Badminton bei einem Ausfallschritt verspürte ich einen starken Stich wie mit einem
Messer.

2. Handelte es sich um eine für Sie öfters vorkommende Tätigkeit? Ist sie unter normalen
Umständen vor sich gegangen? Oder hat sich dabei etwas Ausserordentliches ereignet
(Schlag, Sturz, Ausrutschen usw.)?

Grundsätzlich spielte ich bis zu diesem Zeitpunkt regelmässig Badminton im Verein. Ich bin
bei diesem erwähnten Ausfallschritt leicht gerutscht, bevor der Schuh wieder Gripp hatte
und es mir diesen Stich versetzte…».

Weiter hielt er fest, er habe sich am 9. Dezember 2019 beim Physiothe-
rapeuten behandeln lassen und am 20. Februar 2020 bei B. Er habe
schon einmal eine Verletzung am rechten Knie erlitten, die ebenfalls von
Prof. B behandelt worden sei.

B. Mit Bericht vom 21. Februar 2020 hatte B in Bezug auf das rechte
Knie «einen Status nach Arthroskopie und Microfracturing (ca. 2012)»,
einen Status nach Arthroskopie und offener AMIC-Rekonstruktion links

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(2015) sowie einen Status nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion
rechts (2017) aufgeführt. Anamnestisch ergänzte er, seit einigen Mona-
ten würden auf der rechten Seite Kniebeschwerden bei Belastungen be-
stehen. Zeitweise komme es zu Schwellungen ohne Instabilitätsgefühl
und ohne Blockaden.

Die MRT Knie rechts nativ vom 3. März 2020 ergab gemäss C, FMH
Radiologie, «in der Trochlea medialseits zeigt sich bei Z.n. AMIC eine etwas irregulär
konturierte Knorpeloberfläche mit gering PD-hypointensem Knorpel (sag 19 mm) ohne an-
grenzendes subchondrales Knochenmarködem mit kleiner Stufe inferior und gering kalzifi-
ziertem Knorpel («Nase»). Fokale osteochondrale Läsion mit angrenzendem
Knochenmarködem subchondral in der lateralen Femurkondyle ventral Grad IV. Fokales
tiefes Knorpelulkus zentral femorotibial lateral femoral (10 mm sagittal) Grad III. Höhergra-
dige Chondropathie retropatellar lateral Grad IV und femoral zentral lateral Grad III nach
ICRS. Verkürzter medialer Meniskus mit komplexem Riss im Hinterhorn und fehlendem
Vorderhorn sowie fehlender Pars intermedia, DD Status nach Teilmeniskektomie, Klinik?».
Als bekannte Klinik führte er einen Z.n. AMIC-Plastik Trochlea rechts
2015 auf.

Gestützt auf die Ergebnisse der MRI-Abklärung hielt B in einem Schrei-
ben vom 5. März 2020 an den behandelnden Hausarzt des Versicherten
fest: «Zusammenfassend fand sich keine Meniskusläsion sondern eine Knorpelläsion auf
umschriebenem Bereich im hinteren Anteil des lateralen Femurkondylus und direkt darun-
ter am lateralen Tibiaplateau sowie im Zentrum der Trochlea… Es besteht eine klare Indi-
kation für eine Arthroskopie des rechten Kniegelenks mit Evaluation der Knorpelsituation».

Nachdem die Akten dem Vertrauensarzt D, Facharzt für orthopädische
Chirurgie und Traumatologie, unterbreitet worden waren, schlussfolgerte
dieser am 7. Mai 2020, es werde in den ärztlichen Berichten kein
Traumavorgang erwähnt. Die MRT zeige alte degenerative Knorpel-
schäden. Ein intaktes Kniegelenk toleriere einen Ausfallschritt. «Die radio-
logisch präsentierte meniskale Komplexruptur ohne kapsuloligamentäre Zerrungszeichen
oder Bonebruise und bei wahrscheinlichen St. n. TME oder anderwertigen Vorschaden ist
überwiegend wahrscheinlich degenerativ bedingt… Für die beschriebene Fehlbewegung
bei vorgeschädigtem Kniegelenk, welches zu keinen frischen strukturellen Läsionen führte,
ist der St. quo sine nach 8 Wochen, am 10. Februar 2020 eingetreten. Es ist keine Sanie-
rung der Meniskusruptur geplant». Beim geplanten operativen Eingriff am
Knorpel handle es sich um einen degenerativen Vorschaden.

C. Gestützt auf die Akten erliess die Y am 13. Mai 2020 die ablehnende
Leistungsverfügung. Beim erwähnten Ausfallschritt mit leichtem Rut-
schen fehle der ungewöhnliche äussere Faktor. Der Unfallbegriff sei da-

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her nicht erfüllt. Im Weiteren liege zwar eine mediale Meniskusruptur
vor, die jedoch überwiegend wahrscheinlich degenerativ sei.

Damit erklärte sich der Versicherte am 10. Juni 2020 gestützt auf den
weiteren Bericht von B vom 9. Juni 2020 nicht einverstanden. Gemäss B
hatte der Versicherte am 7. Dezember 2019 ein Rotationstrauma erlit-
ten, bei dem diverse Knorpelstücke ausgesprengt worden seien. Es hät-
ten sich neben den tiefen ausgesprengten Defekten keine zusätzlichen
degenerativen Knorpelveränderungen gefunden, was auf ein direktes
Trauma durch Überdruck schliessen lasse. Es habe sich zudem eine
etwas irregulär konfigurierte Knorpeloberfläche an der Trochlea nach
AMIC Therapie vor einigen Jahren gezeigt, die jedoch keine Indikation
für die Operation dargestellt habe. Der operative Eingriff sei wegen den
Schmerzen im lateralen Gelenkkompartiment, den Einklemmungser-
scheinungen durch die ausgesprengten Knorpelteile sowie die rezidivie-
rende Ergussbildung notwendig gewesen. Der Patient sei bis zum
Unfallereignis beschwerdefrei gewesen, weshalb ein eindeutiger Zu-
sammenhang zwischen dem Trauma und den Knorpelfrakturen im late-
ralen Gelenkkompartiment bestehe.

D schlussfolgerte dazu am 20. und 21. Juni 2020, der Bericht von B vom
9. Juni 2020 weise einige Ungereimtheiten auf (z.Bsp nenne er ein Ro-
tationstrauma, wobei es sich ursprünglich um einen Ausfallschritt ge-
handelt habe; AMIC-Plastik, die zu keinen Problemen geführt habe,
jedoch als Hauptgrund der MRT-Anmeldung aufgeführt werde). Ferner
gebe es für die dargestellte Dramatik (das Trauma hat diverse Knorpel-
stücke aufgrund des hohen Druckgradienten herausgesprengt) weder
anamnestisch noch radiologisch ein Korrelat. Ein derartig schweres Dis-
torsionstrauma würde zum Einen mit einer Kombination aus gebeugtem
Knie bei fixiertem Fuss einhergehen und zwingend kapsuloligamentäre
und auch meniskale Zerrungszeichen und Läsionen plus einen Häma-
rthros in der MRT zur Folge haben. Ferner lasse sich ein traumatisch
abgelöster Knorpel radiologisch von dem sich in der MRT präsentierten
degenerativen osteochondralen Läsionen und – ulzerationen problemlos
unterscheiden. Eine korresponierende kartilaginäre Läsion auf der tibia-
len Seite sei jedoch von B intraarthroskopisch ausgeschlossen worden,
unfallkausale Weichteil-, Kapsel- oder Knochenschäden hätten sich ra-
diologisch nicht gezeigt. Die MRT präsentiere jedoch eine III-IV-gradige
Chondropathien im voroperierten Kniegelenk. Schliesslich würde eine
Kompression des lateralen Gelenkknorpels durch ein Valgustrauma bei

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einem gesunden Knorpel ebenfalls nicht zu einem «Heraussprengen»
von Knorpelfragmenten führen.

Gestützt darauf wies die Y die Einsprache am 6. August 2020 ab. Zu-
sammenfassend wurde festgehalten, treffe eine Gesundheitsschädigung
anlässlich einer Anstrengung auf, die den Rahmen der alltäglichen Be-
anspruchung der Betroffenen nicht überschreite, so handle es sich nicht
um einen Unfall. Hinsichtlich der Listenverletzung habe D schlüssig be-
gründet, dass es sich überwiegend wahrscheinlich um eine degenerativ
bedingte handle.

D. Dagegen reichte X am 4. September 2020 Beschwerde bei der So-
zialversicherungsrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts ein. Er be-
antragte die Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids und
stellte sich für weitere Abklärungen zur Verfügung. Er habe den Unfall-
hergang auf «dieser einen Zeile in der Unfallmeldung» zu beschreiben
versucht. Es sei bei ihm nie nach dem Unfallhergang nachgefragt wor-
den. Vielmehr werde durch den Vertrauensarzt eine «Ferndiagnose»
erbracht. Seine Knorpelstruktur sei gut intakt und nur an diesen Stellen
beschädigt, wo durch ein massives Trauma der Druck zu gross gewor-
den sei. Beim besagten Ausfallschritt, sei er «in extremis ausgerutscht (bin) und
als der Schuh dann wieder Halt gefunden hat es mein Knie durchgeschlagen und einen
unglaublichen Stich gegeben».

Mit Vernehmlassung vom 29. September 2020 beantragte die Y die
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Das erforderliche Kriterium
der unkoordinierten Bewegung sei nicht erfüllt. Die Bewegung bzw. der
Ausfallschritt falle in die gewöhnliche Bandbreite der Bewegungsmuster
beim Badmintonspiel, ähnlich einem Ausfallschritt beim Tennisspiel
(Bundesgerichtsurteil U 368/05 vom 21. Dezember 2005 E. 3.3.1). Hin-
sichtlich der Listenverletzung sei in den ersten ärztlichen Behandlungen
nie ein Traumavorgang erwähnt. Ferner seien die Klagen sowie die In-
dikation zur Operation auf die Knorpelsituation zurückzuführen. Diese
stelle jedoch keine Listenläsion gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG dar. Der Me-
niskusriss sei gemäss D schon am 7. Mai 2020 als degenerativ qualifi-
ziert worden, weshalb eine Leistungspflicht entfalle.

Nachdem der Beschwerdeführer auf eine Replik verzichtete, wurde am
3. Dezember 2020 der Schriftenwechsel abgeschlossen.

102 RVJ / ZWR 2023

Aus den Erwägungen

2.
2.1 Die Beschwerdeinstanz hat nicht zu prüfen, ob sich der angefoch-
tene Entscheid unter schlechthin allen in Frage kommenden Aspekten
als korrekt erweist, sondern im Prinzip nur die vorgebrachten Bean-
standungen zu untersuchen (Rügeprinzip). Von den Verfahrensbeteilig-
ten nicht aufgeworfene Rechtsfragen werden von der Beschwerdeinstanz
nur geprüft, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer
sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichend Anlass be-
steht (BGE 119 V 347 E. 1a).

2.2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Y für die Folgen des Geschehens
vom 7. Dezember 2019 leistungspflichtig ist. Dabei sind der Unfallbe-
griff und eine Listenverletzung strittig.

3.
3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Versicherungsleistungen bei Be-
rufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, so-
weit das Gesetz nichts anderes bestimmt. Als Unfall gilt gemäss Art. 4
ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die
eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder
den Tod zur Folge hat. Damit ein Ereignis als Unfall angesehen werden
kann, müssen notwendigerweise alle Begriffsmerkmale der Definition
dieses Unfallbegriffs vorliegen.

Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf
die Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor selbst. Oh-
ne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der
äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach
sich gezogen hat (BGE 134 V 76 ff. E. 4.1 und 4.3.1). Ein äusserer
Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Le-
bensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft,
beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstän-
de in Betracht fallen (A. Nabold, in: Kommentar zum Schweizerischen So-
zialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung [UVG],
Bern 2018, N 42 zu Art. 6). Nach Lehre und Rechtsprechung kann das
Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinier-
ten Bewegung oder in einer ausserordentlichen körperlichen Anstren-
gung bestehen (BGE 130 V 118 E. 2.1, 116 V 136 E. 3b mit Hinweisen;

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Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 13. De-
zember 2002, U 65/02, E. 1.2; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2). Bei
unkoordinierten Bewegungen gilt der Grundsatz, dass das Erfordernis
der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aus-
senwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbe-
wegung gleichsam «programmwidrig» unterbricht oder stört. Bei einer
solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere
Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen
Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit
zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 118 E. 2.1 mit zahlrei-
chen Hinweisen). Von einer programmwidrigen Störung der körperli-
chen Bewegung ist beispielsweise dann auszugehen, wenn die
versicherte Person stolpert, ausgleitet oder sich an einem Gegenstand
anstösst oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexar-
tige Abwehrbewegung ausführt oder auszuführen versucht (A. Rumo-
Jungo/A. P. Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozial-
versicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl.
Zürich/Basel/Genf 2012, 40). Zu ergänzen ist, dass wo sich die Schä-
digung auf das Körperinnere beschränkt und sie erfahrungsgemäss
auch als alleinige Folge von Krankheiten, namentlich von degenerati-
ven Veränderungen eines Körperteils innerhalb eines durchaus norma-
len Geschehensablaufs auftreten kann, die unkoordinierte Bewegung
als unmittelbare Ursache der Schädigung indessen unter besonders
sinnfälligen Umständen gesetzt worden sein muss (RKUV 1999
Nr. U 345 S. 422 E. 2b).

Bei einer Sportverletzung ist ohne besonderes Vorkommnis das Merk-
mal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalls zu
verneinen (BGE 130 V 118 E. 2.2 mit Hinweis). Hingegen ist bei sport-
lichen Tätigkeiten ein Unfall im Rechtssinn dann anzunehmen, wenn
die sportliche Übung anders verläuft als geplant (vgl. RKUV 1992
Nr. U 156 S. 258). Wenn sich das in einer sportlichen Übung inhärente
Risiko einer Verletzung verwirklicht, liegt kein derartiges Unfallereignis
vor. Ein solches ist auch dann zu verneinen, wenn die Übung zwar
nicht ideal verläuft, die Art der Ausführung sich aber noch in der
Spannweite des Üblichen bewegt (RKUV 2004 Nr. U 502 S. 185
E. 4.4).

3.2 Das Ereignis muss sodann die Ursache einer gesundheitlichen
Störung sein. Somit ist der natürliche und adäquate Kausalzusammen-
hang erforderlich (BGE 129 V 181 E. 3.1 ff. mit Hinweisen). Ursachen

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im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände,
ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetre-
ten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit
eingetreten gedacht werden kann.

Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfra-
ge, worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall der Richter im
Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozial-
versicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines
Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsan-
spruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 338 E. 1, 118 V 289 E. 1b
mit Hinweisen). Für die Feststellung natürlicher Kausalzusammenhän-
ge im Bereich der Medizin ist die Verwaltung bzw. der Richter bisweilen
auf Angaben ärztlicher Experten angewiesen (BGE 118 V 290 E. 1b).

Die Adäquanz spielt als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem na-
türlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversi-
cherers im Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen
praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate weitgehend mit der na-
türlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2). Sind die geklagten
Beschwerden natürlich unfallkausal, nicht aber objektiv ausgewiesen,
so ist bei der Beurteilung der Adäquanz vom augenfälligen Gesche-
hensablauf auszugehen, und es sind gegebenenfalls weitere unfallbe-
zogene Kriterien einzubeziehen (Bundesgerichtsurteil 8C_680/2010
vom 4. Februar 2011, E. 2).

3.3 Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt der Unfallversicherer sodann
seine Leistungen auch bei den folgenden Körperschädigungen, sofern
sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführend
sind: a. Knochenbrüche; b. Verrenkungen von Gelenken; c. Meniskus-
risse; d. Muskelrisse; e. Muskelzerrungen; f. Sehnenrisse; g. Bandläsi-
onen und h. Trommelfellverletzungen.

Hinsichtlich der unfallähnlichen Körperschädigungen hat das Bundes-
gericht in BGE 146 V 51 E. 8.6 festgehalten (mit Hinweisen), dass für
die Anwendung von Art. 6 Abs. 2 UVG zwar kein äusserer Faktor und
damit kein unfallähnliches sinnfälliges Ereignis oder eine allgemein ge-
steigerte Gefahrenlage mehr vorausgesetzt ist. Insoweit führt grund-
sätzlich bereits die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 lit. a-h UVG

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genannte Körperschädigung vorliegt, nunmehr zur Vermutung, es
handle sich hierbei um eine Schädigung, die vom Unfallversicherer
übernommen werden muss. Indessen ergibt sich aus der in Art. 6
Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises weiterhin
die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu über-
nehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs-
und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit
letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Mithin wird nach
Art. 6 Abs. 2 UVG der Unfallversicherer bei Vorliegen einer diagnosti-
zierten Listenverletzung grundsätzlich leistungspflichtig, solange er
nicht den Nachweis dafür erbringt, dass die fragliche Listenverletzung
vorwiegend, d.h. im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %
auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Im Rahmen dieses
Entlastungsbeweises ist die Frage nach einem initialen erinnerlichen
und benennbaren Ereignis für die Abgrenzung von der Leistungspflicht
des Krankenversicherers bedeutsam (BGE 124 V 51 E. 8.6). Dies setzt
voraus, dass der Unfallversicherer im Rahmen seiner Abklärungspflicht
nach Eingang der Meldung einer Listenverletzung die Begleitumstände
der Verletzung genau abklärt. Bei der in erster Linie von medizinischen
Fachpersonen zu beurteilenden Abgrenzungsfrage ist das gesamte
Ursachenspektrum der in Frage stehenden Körperschädigung zu be-
rücksichtigen. Die verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnüt-
zung oder Erkrankung sprechen, müssen aus medizinischer Sicht
gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis gelingt, hat der Unfall-
versicherer gestützt auf beweiskräftige ärztliche Einschätzungen – mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit – nachzuwei-
sen, dass die fragliche Listenverletzung vorwiegend, d.h. im gesamten
Ursachenspektrum zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen ist (BGE 146 V 51 E. 8.6).

3.4 Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht somit für Un-
fallfolgen, die entweder alleinige Folgen des Unfalls sind, oder für Ver-
schlimmerungen eines Vorzustandes, die nachgewiesenermassen
durch adäquate Unfallfolgen bedingt sind. Hier ist zu unterscheiden
zwischen einer vorübergehenden Verschlimmerung (mit Erreichen des
status quo ante), einer dauernden Verschlimmerung und der richtungs-
gebenden Verschlimmerung. Letztere ist dann gegeben, wenn ein un-
fallunabhängiges Leiden durch den Unfall früher zur Entwicklung
gebracht wird, in seinem zeitlichen Ablauf beschleunigt oder erst in ein
bleibend schmerzhaftes Stadium gebracht wird. Schwierigkeiten berei-

106 RVJ / ZWR 2023

tet die Beurteilung, wenn es sich beim Vorzustand um ein progredien-
tes Leiden handelt, das auch ohne Unfallereignis mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit mit der Zeit mehr Beschwerden verursacht hätte
und wenn die Beobachtungszeit lang ist. Dann kann der status quo an-
te nicht mehr erreicht werden. Deshalb schätzt man in diesen Fällen
den status quo sine, einen hypothetischen Zustand, in dem sich der
Patient aufgrund des ehemaligen Vorzustandes und des wahrscheinli-
chen, seither zu erwartenden Verlaufes befinden würde (Debrunner/
Ramseier, Die Begutachtung von Rückenschäden in der schweizeri-
schen Unfallversicherung, S. 16). Wird durch den Unfall somit ein
krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest,
entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall
nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheits-
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich
auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft nach dem Gesagten zu,
wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittel-
bar vor dem Unfall bestanden hat (status quo ante) oder aber derjenige
Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines
krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später einge-
stellt hätte (status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328
E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b).

Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammen-
hang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbe-
dingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwie-
genden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit
nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles
genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfra-
ge handelt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leis-
tungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist –
nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer
(RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2, 1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b, 1992
Nr. U 142 S. 76 E. 4b). Der Unfallversicherer hat nicht den Beweis für
unfallfremde Ursachen zu erbringen. Welche Ursachen ein nach wie
vor geklagtes Leiden hat, ist an sich unerheblich. Entscheidend ist al-
lein, ob die unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre
kausale Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (Bundes-
gerichtsurteil U 365/02 vom 16. September 2003 E. 2.2).

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4. Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwer-
deverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach
haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsrichter die Bewei-
se frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfas-
send und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren
bedeutet dies, dass der Sozialversicherungsrichter alle Beweismittel,
unabhängig davon, vom wem sie stammen, objektiv zu prüfen und da-
nach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs-
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten.
Insbesondere darf er bei sich widersprechenden medizinischen Berich-
ten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu
würdigen und die Gründe anzugeben, warum er auf die eine und nicht
auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweis-
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die strei-
tigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak-
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizini-
schen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten be-
gründet sind (RKUV 1991 Nr. U 133 S. 312 f.). Ausschlaggebend für
den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be-
weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V
351 E. 3a, 122 V 160f E. 1c mit weiteren Hinweisen). Das Gericht kann
sein Urteil auf Berichte versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte stüt-
zen, sofern keinerlei Zweifel an der Richtigkeit der in diesen Berichten
enthaltenen Schlussfolgerungen bestehen (BGE 137 V 210 E. 2.2.2,
135 V 465 E 4).

Der Beweis des natürlichen Kausalzusammenhangs bzw. dessen
Wegfallen ist in erster Linie mit den Angaben medizinischer Fachper-
sonen zu führen. Dabei ist zu beachten, dass ärztliche Auskünfte, die
allein auf der Argumentation beruhen, die gesundheitlichen Beeinträch-
tigungen seien erst nach dem Unfall aufgetreten, beweisrechtlich nicht
zu verwerten sind (Unzulässigkeit der Maxime «post hoc ergo propter
hoc», BGE 119 V 335 E. 2b/bb; Bundesgerichtsurteil 8C_331/2015
vom 21. August 2015 E. 2.2.3.1).

5. Strittig ist vorerst, ob das Ereignis vom 7. Dezember 2019 die Krite-
rien des Unfalls gemäss Art. 4 ATSG erfüllt.

108 RVJ / ZWR 2023

5.1 Die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens sind von der den
Anspruch erhebenden Person glaubhaft zu machen (BGE 116 V 136
E. 4b). Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall
– das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen,
wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungs-
recht gilt, soweit das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, der
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353
E. 5b). Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person
über den Unfallhergang ist auf die Beweismaxime hinzuweisen, wonach
die sogenannte spontanen «Aussagen der ersten Stunde» in der Regel
unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die be-
wusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungs-
rechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die
versicherte Person ihre Darstellung im Laufe der Zeit wechselt, kommt
den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, meistens
grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer Ablehnungsverfü-
gung des Versicherers (BGE 121 V 45 E. 2a). Der Grundsatz, wonach
die ersten Aussagen nach einem schädigenden Ereignis in der Regel
unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, stellt
eine im Rahmen der freien Beweiswürdigung zu berücksichtigende Ent-
scheidungshilfe dar. Sie kann nur zur Anwendung gelangen, wenn von
zusätzlichen Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind
(Bundesgerichtsurteil 8C_50/2012 vom 1. März 2012 E. 5.1).

5.2 Gemäss der Unfallmeldung vom 5. Mai 2020 hatte der Versicherte
am 7. Dezember 2019 bei einem «Ausfallschritt» einen heftigen Stich
verspürt. Beim vom Beschwerdeführer verwendeten Begriff «Ausfall-
schritt» ginge es eigentlich darum, das Knie des vorderen Beins aus
dem hüftbreiten Stand heraus auf ca. 90° anzuwinkeln. Der vordere
Fuss würde dabei mit der gesamten Fusssohle auf dem Boden stehen.
Das Knie des hinteren Beins würde gebeugt in Richtung Boden neigen,
bis es beinahe den Boden berührt und der Unterschenkel sich in einer
annähernd parallelen Position zum Boden befindet
(https://www.fitkurs.de/ausfallschritte.html). Im Rahmen des hier stritti-
gen Badmintonspiels kann jedoch nicht von einer solchen Bewegung
ausgegangen werden, vielmehr wollte der Versicherte mit dem Begriff
«Ausfallschritt» andeuten, dass er mit einem Bein einen Schritt nach
vorne gemacht hatte.

Entgegen seinen Darstellungen hatte der Versicherte sodann per Mail
vom 5. Mai 2020 die Gelegenheit, das Ereignis näher zu beschreiben

RVJ / ZWR 2023 109

(S. 4). Ergänzend führte er aus, er sei beim «erwähnten Ausfallschritt
leicht gerutscht, bevor der Schuh wieder Gripp hatte». Weder wird ein
Rotationstrauma noch ein Stolpern oder Hängebleiben genannt. Der
Versicherte spricht von einem «leichten» Rutschen, was auch gegen ein
abruptes Abstoppmanöver spricht. Von einer heftigen und/oder belas-
tenden Bewegung bzw. einer unkontrollierten Körperbewegung kann
mithin nicht gesprochen werden. Nichts zu seinen Gunsten abzuleiten
vermag der Beschwerdeführer sodann, dass er nach Kenntnis des ab-
weisenden Entscheides vorbrachte, er sei «in extremis» gerutscht bzw.
B ein Rotationsmanöver nannte. Wie nämlich der Unfallversicherer rich-
tig dargelegt hat, sind solche späteren Sachverhaltsdarstellungen kri-
tisch zu würdigen. Die Erstmeldung ist hingegen noch unbeeinflusst von
versicherungsrechtlichen Überlegungen ausgefüllt worden, weshalb da-
von ausgegangen werden darf, dass die entsprechenden Angaben un-
befangen und dementsprechend zuverlässig waren. Mithin ist in casu
davon auszugehen, dass der Versicherte bei einem Schritt nach vorne,
mit leichtem Rutschen, aber ohne abrupte Stoppbewegung einen
Schmerz verspürte. Bei einem Schritt nach vorne verneinte das Bun-
desgericht bereits im Jahr 2005 (Urteil UV.2004.00270 vom 21. Novem-
ber 2005) den Unfallbegriff. Daher erfüllt das Ereignis vom 7. Dezember
2019 die Kriterien des Unfallbegriffes gemäss Art. 4 ATSG nicht. Insbe-
sondere fehlt das Kriterium der Programmwidrigkeit bzw. der Unge-
wöhnlichkeit. Insofern daher der Versicherte einen Leistungsanspruch
aufgrund eines Knorpelschadens geltend macht, führt das Gesagte zur
Abweisung der Beschwerde. Die Ausführungen von B vom 9. Juni 2020
hinsichtlich des «Ausprengen von Knorpelstücken» beim Ereignis vom
7. Dezember 2019 sind sodann nachvollziehbar und schlüssig von D
gewürdigt worden. Darauf kann verwiesen werden. Auch aus diesem
Grund wäre der Leistungsanspruch zu verneinen.

5.3 Was weiter die geltendgemachte Listenverletzung gemäss Art. 6
Abs. 2 lit. c UVG betrifft, steht zuerst fest, dass der Versicherte bei all
seinen früheren Darstellungen lediglich einen Knorpelschaden erwähn-
te, obwohl er sich im Februar 2020 in ärztliche Behandlung begeben
hatte und im März 2020 gar eine MRT ausgeführt worden war. Selbst
der behandelnde Facharzt B erwähnt keine aktuelle Meniskusläsion,
vielmehr schliesst er diese mit Schreiben vom 5. März 2020 gar explizit
aus, indem er darlegte, «zusammenfassend fand sich keine Meniskus-
läsion, sondern eine Knorpelläsion». Die Frage nach dem Vorliegen ei-
nes Meniskusrisses kann aber letztendlich offen bleiben, da, wie

110 RVJ / ZWR 2023

nachfolgend aufgezeigt wird, in jedem Fall ein Leistungsanspruch ent-
fällt, da es dem Unfallversicherer gelingt, den Entlastungsbeweis zu er-
bringen, wie nachfolgend aufgezeigt wird.

5.3.1 In casu stützte sich die Y in ihrem Entscheid auf die Beurteilungen
ihres beratenden Arztes D. Dieser ging davon aus, dass die Operation
vom 8. Mai 2020 keine Unfallfolge ist, sondern degenerativ bedingt war.
Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber vor, aus den Berichten des
behandelnden Chirurgen ergebe sich klar die Diagnose einer traumati-
schen Meniskusruptur.

5.3.2 Die vom Beschwerdeführer geklagten Schmerzen können grund-
sätzlich sowohl traumatische wie auch degenerative Ursachen haben.
Zu prüfen ist somit, ob die versicherungsinterne ärztliche Beurteilung
den strengen Anforderungen an die Beweiswürdigung zu genügen ver-
mag oder ob in casu ergänzende Abklärungen notwendig sind
(BGE 135 V 465 E. 4.4).

Die MRT vom 3. März 2020 (S. 5b) zeigte einen verkürzten medialen
Meniskus mit komplexem Riss im Hinterhorn und fehlendem Vorderhorn
sowie fehlender Pars intermedia. D führte in seiner Stellungnahme vom
7. Mai 2020 (S. 7) aus, es sei keine Sanierung der Meniskusruptur ge-
plant. Es hätten keine kapsuloligamentäre Zerrungszeichen oder
Bonebruise vorgelegen. Ausserdem sei ein Status nach Teilmenis-
kektomie gegeben, wie dies bereits der Radiologe C festgehalten hatte.
D zeigte in der Folge in nachvollziehbarer Weise auf, dass die beschrie-
bene Fehlbewegung mechanisch nicht dazu geeignet war, den Knorpel-
schaden oder die Sehnenruptur zu bewirken und demzufolge mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit kein Verletzungsmechanismus vor-
gelegen hatte, welcher eine frische traumatische strukturelle Läsion hät-
te auslösen können. Dafür sprechen auch die Tatsache, dass der
Beschwerdeführer nach dem Unfall seine Arbeit zu 100% weiterhin aus-
führen konnte und die Ergebnisse der MRT-Untersuchung vom 3. März
2020, die vorbestehende Kniegelenk- und Meniskusschäden zeigte. Zu-
dem musste im Jahr 2012 und 2015 bereits am rechten Knie Arthrosko-
pien, Microfracture und eine AMIC-Rekonstruktion durchgeführt werden,
was für krankhaft-degenerative Verhältnisse spricht. Schliesslich geht es
darum, die einzelnen Kriterien, die für oder gegen eine traumatische
Genese der Verletzung sprechen, aus medizinischer Sicht gegeneinan-
der abzuwägen und den Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wahrheit zu entsprechen. Diesen

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RVJ / ZWR 2023 111

Anforderungen kam D in seinen Beurteilungen zweifellos nach (Bun-
desgerichtsurteil 8C_59/2020 vom 14. April 2020 E. 5.4). Er zeigte in
nachvollziehbarer Weise auf, dass in casu die Indizien, die für eine ab-
nützungsbedingte Genese sprechen, gegenüber jenen, die auf ein
Trauma als Ursache hindeuten, deutlich, d.h. zu mehr als 50 %, über-
wiegen und der Unfallversicherung der Entlastungsbeweis demzufolge
gelungen ist.

Prof. B beschränkt sich denn in seinen Darlegungen auf die Knorpelver-
letzung. Seiner Ansicht nach lag ferner gar keine (aktuelle) Meniskuslä-
sion vor. Damit vermag der Beschwerdeführer aus dessen Berichte
nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. In Bezug auf den Knorpelschaden
vermochte ferner D überzeugend darzulegen, weshalb es an einem na-
türlichen Kausalzusammenhang fehlen würde. Diesbezüglich kann auf
seine Ausführungen vom 20. Juni 2020 verwiesen werden.

5.4 Aus diesen Darlegungen ergibt sich, dass die belastungsabhängi-
gen Schmerzen am rechten Kniegelenk und die anschliessende Be-
handlung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf das Ereignis
vom 7. Dezember 2019 zurückzuführen war, sondern dass damit ein
überwiegend vorbestehender degenerativer Schaden behoben wurde.
Die Y hat zu Recht auf die interne Beurteilung ihres Arztes abgestellt
und ihre Leistungen verweigert.

In diesem Sinne erübrigt sich eine weitere Begutachtung über den Kau-
salzusammenhang der Meniskusläsion oder des Knorpelschadens mit
dem Ereignis vom 7. Dezember 2019. Die beschwerdeseits unter ande-
rem vertretene Schlussfolgerung «post hoc ergo propter hoc» läuft auf
eine unzulässige und beweisrechtlich wertlose Argumentation hinaus
(BGE 119 V 335 E. 2b/bb; Bundesgerichtsurteil 8C_331/2015 vom
21. August 2015 E. 2.2.3.1). Ebenfalls der Hinweis, dem Vertrauensarzt
der Versicherung mangle es am Fachwissen bezüglich einer orthopädi-
schen Fragestellung, weshalb auf seine Stellungnahmen nicht abgestellt
werden könne, ist in diesem Kontext nicht zielführend, zumal D über ei-
nen Facharzttitel für orthopädische Chirurgie und Traumatolgie verfügt,
und vermag die vorinstanzlichen Feststellungen nicht zu entkräften. Von
der Einholung weiterer spezialärztlicher Beurteilungen sind keine neuen
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte
Beweiswürdigung, BGE 124 V 94).