# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 9df7f0fa-773d-5817-80bb-5dd4337c17ff
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-02-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.02.2025 D-650/2024
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-650-2024_2025-02-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-650/2024 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  F e b r u a r  2 0 2 5    

Besetzung 
 Richterin Nina Spälti Giannakitsas (Vorsitz), 

Richterin Deborah D'Aveni, Richter Walter Lang, 

Gerichtsschreiberin Linn Amanda Szemberg. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan, 

vertreten durch Smera Rehman, 

(…), 

Beschwerdeführer, 

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug; beschleunigtes Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 19. Januar 2024 / N (…). 

 

 

 

D-650/2024 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess nach eigenen Angaben sein Heimatland im 

August 2021 und gelangte in den Iran, wo er sich während zweier Jahre 

aufgehalten und als Schreiner gearbeitet hat. Anschliessend ist er in die 

Türkei weitergereist, wo er acht bis neun Monate blieb und ebenfalls als 

Schreiner tätig war. Im September 2022 ist er in Bulgarien angekommen 

und weiter über Serbien, Bosnien und Herzegowina, Slowenien und Italien 

in die Schweiz gereist, wo er am 19. November 2023 um Asyl nachsuchte. 

B.  

Am 12. Dezember 2023 wurde der Beschwerdeführer zu den Personenda-

ten und am 11. Januar 2024 vertieft zu seinen Asylgründen angehört. 

C.  

Zu seiner Person gab der Beschwerdeführer im Wesentlichen an, er sei 

afghanischer Staatsangehöriger und ethnischer Tadschike. Geboren und 

aufgewachsen sei er im Dorf B._______, im Distrikt C._______, in der Pro-

vinz D._______. In Afghanistan habe er während acht Jahren die Schule 

besucht, danach während kurzer Zeit im Baugewerbe gearbeitet und sich 

im Jahr 2010/2011 für den Militärdienst gemeldet, wo auch sein Vater tätig 

war. Nach Abschluss der militärischen Grundausbildung habe er in seinem 

Dorf über zehn Jahre lang als Lokal-Polizist, sogenannter Arbaki, gearbei-

tet. Gewohnt habe er mit seiner Familie bestehend aus seiner Ehefrau, 

seinen Eltern (… [mehreren Geschwistern]). 

Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend, 

dass während seiner Tätigkeit als Arbaki immer wieder Kämpfe gegen die 

Taliban stattgefunden hätten, wobei es zu Toten auf beiden Seiten gekom-

men sei. Auch er selber habe mehrere Taliban-Angehörige getötet und ei-

nige verhaftet. Der Beschwerdeführer führt in diesem Zusammenhang ins-

besondere aus, dass gegenüber zwei der Taliban zugehörigen Personen 

namens E._______ und F._______ aus dem Dorf G._______ eine spezifi-

sche Feindschaft bestanden habe. Er habe im Rahmen seiner Tätigkeit 

E._______ verhaftet, seine Waffe weggenommen und ihn den Sicherheits-

behörden übergeben. Dabei habe es sich offenbar um eine Person gehan-

delt, die die Taliban mit Waffen und Minen versorgt habe. E._______ sei 

daraufhin im Bagram-Gefängnis gefangen gehalten worden. Von dort habe 

dieser F._______, der mit E._______ verwandt sei, über die Verantwortli-

chen seiner Verhaftung informiert. Als Racheakt habe F._______ eine Mine 

gelegt und sei dabei vom Cousin seines Vaters beobachtet worden. So sei 

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Seite 3 

die Mine durch seinen Vater frühzeitig entdeckt und F._______ verhaftet 

worden. Die Sicherheitsbehörden hätten F._______ in der Folge ebenfalls 

im Bagram-Gefängnis inhaftiert und sein Haus niedergebrannt. Diese Er-

eignisse hätten sich (… [einige Jahre vor der Machtübernahme der Tali-

ban]) zugetragen. Sein Vater, der ebenfalls als Arbaki tätig war, sei im glei-

chen Jahr durch eine Mine der Taliban getötet worden. 

Als es den Taliban gelang, immer mehr Gebiete zu erobern und ihre Macht 

immer grösser wurde, habe er seinen Posten schliesslich aufgeben müs-

sen. Seine Waffen habe er im Haus zurückgelassen und sei nach Kabul 

geflohen, welches damals noch unter Kontrolle der Regierung gestanden 

habe. Seine Familie habe sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt nach 

Kabul begeben. Nachdem die Provinz D._______ von den Taliban einge-

nommen worden war, sei das Haus seiner Familie von den Taliban, unter 

anderem von einem Onkel [von] F._______, durchsucht worden, worauf die 

von ihm zurückgelassenen Waffen gefunden worden seien. Die Taliban 

hätten daraufhin einen Cousin seines Vaters aufgesucht und verlangt, dass 

er und sein Bruder sich ergeben sollen. 

Als die Taliban immer weiter vorgerückt seien, habe er sich zusammen mit 

seinem Bruder dazu entschlossen, Afghanistan im August 2021 zu verlas-

sen. Die in Afghanistan verbliebene Familie, seine Mutter und (… [anderen 

Geschwister]), habe aus finanziellen Gründen nicht länger in Kabul bleiben 

können, sondern habe sich gezwungen gesehen, aufgrund ihres Wohnei-

gentums im Heimatdorf dorthin zurückzukehren. Diese würden von den Ta-

liban immer wieder dazu gedrängt, sie mit Nahrung zu versorgen. Seien 

die Taliban mit dem Essen nicht zufrieden, würden sie geschlagen. 

Zusammenfassend bringt der Beschwerdeführer zum Ausdruck, dass auf-

grund der bestehenden Feindschaft mit E._______ und F._______, welche 

aktuell hohe Positionen bei den Taliban bekleiden würden, sowie der allge-

meinen Feindschaft der Taliban, die gegenüber der Arbaki-Miliz bestehen 

würde, er bei einer Rückkehr nach Afghanistan den Tod fürchte. Er und 

sein Vater seien bekanntermassen als Arbaki tätig gewesen und direkt in 

die Tötung und Verhaftung von Mitgliedern der Taliban involviert gewesen. 

Entsprechend würden die Taliban aktiv nach ihm suchen. Zudem glaube er 

nicht an die Amnestie, welche für ehemalige Angehörige der Afghanischen 

Regierung versprochen worden sei. So sei auch der Ehemann seiner Tante 

als Arbaki tätig gewesen und sei nun verschollen. 

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Seite 4 

Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer Kopien der Identitäts- und 

Bankkarte sowie Fotos aus dem Militärdienst ein. 

D.  

Die Vorinstanz liess dem Beschwerdeführer am 17. Januar 2024 den Ent-

scheidentwurf zur Stellungnahme zukommen. Gleichentags nahm der Be-

schwerdeführer durch seine zugewiesene Rechtsvertretung zum Entwurf 

Stellung. 

E.  

Mit Verfügung vom 19. Januar 2024 – gleichentags eröffnet – lehnte die 

Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers im Rahmen des be-

schleunigten Verfahrens ab und ordnete die Wegweisung an. Aufgrund Un-

zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs wurde die vorläufige Aufnahme 

verfügt. 

F.  

Mit Eingabe vom 30. Januar 2024 (Datum Poststempel) liess der Be-

schwerdeführer durch seine Rechtsvertretung gegen diesen Entscheid 

beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben. Beantragt wurde 

die Aufhebung der Dispositivziffern 1 bis 3 der angefochtenen Verfügung 

(Nichterfüllung der Flüchtlingseigenschaft, Ablehnung des Asylgesuchs 

und Wegweisung), die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die 

Asylgewährung sowie eventualiter die Zurückweisung zur Neubeurteilung 

an die Vorinstanz. 

In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Pro-

zessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses er-

sucht. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 5. Februar 2024 hiess die Instruktionsrichterin 

das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Ver-

zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut. Der Vorinstanz wurde 

Frist zur Vernehmlassung angesetzt. 

H.  

Die Vorinstanz liess die Frist zur Vernehmlassung ungenutzt verstreichen. 

 

 

D-650/2024 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

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Seite 6 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Die Vorinstanz verweist zur Begründung ihres Entscheids auf die vom 

Bundesverwaltungsgericht definierten Personengruppen, welche einem 

erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt seien, betont gleichzeitig aber, dass 

ein entsprechendes Risikoprofil nicht ausreiche, sondern es zusätzlicher 

risikoschärfender Elemente bedürfe, um eine Furcht vor flüchtlingsrechtlich 

relevanter Verfolgung zu begründen. 

Auch wenn der Beschwerdeführer in der Arbaki-Miliz gedient habe, sei er 

weder besonders exponiert gewesen, noch komme seiner Person eine 

grössere Bedeutung für die Taliban zu, da er seine Tätigkeit vor dem Sturz 

der afghanischen Regierung niedergelegt habe. Die Taliban hätten keine 

Anstrengungen unternommen, den Beschwerdeführer ausfindig zu ma-

chen und zudem verfüge dieser auch nicht über ein besonderes politisches 

Profil, welches ihn als Gegner der Taliban definiere. Aus diesen Gründen 

seien im Fall des Beschwerdeführers keine risikoschärfenden Elemente 

gegeben, so die Vorinstanz. Es sei folglich auch nicht davon auszugehen, 

dass mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft der 

Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Afghanistan flüchtlingsrechtlich 

relevanter Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt werden würde, weshalb er 

die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle und das Asylgesuch demnach ab-

zulehnen sei. 

4.2 Dem wird in der Beschwerde im Wesentlichen entgegengehalten, die 

Tatsache, dass der Beschwerdeführer seine Tätigkeit vor dem Sturz der 

Regierung niedergelegt habe, bedeute nicht, dass dieser nicht exponiert 

sei. Es sei allgemein bekannt, dass die Taliban auch Menschen verfolgen, 

die kurz vor dem Sturz der Regierung die Waffen niedergelegt hätten. Zu-

dem bestehe zwischen dem Vorrücken der Taliban und der Niederlage der 

Tätigkeit als Arbaki ein Kausalzusammenhang. 

Ferner wird ein Bericht von Human Rights Watch erwähnt, auf welchen 

auch in einem Bericht der Vorinstanz betreffend potentielle Risikoprofile bei 

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Seite 7 

der Verfolgung durch die Taliban verwiesen werde und in welchem Ange-

hörige der Arbaki ausdrücklich als besonders gefährdet aufgeführt würden. 

Die Tätigkeit des Vaters des Beschwerdeführers als Arbaki sowie die Tat-

sache, dass weitere Familienangehörige für die Regierung gearbeitet hät-

ten, würden zudem zu einem erhöhten Verfolgungsinteresse am Be-

schwerdeführer führen. Es stimme ferner nicht, dass die Taliban sich nicht 

darum bemüht hätten, ihn ausfindig zu machen. So habe er bereits wäh-

rend seiner Anhörung ausgeführt und in seiner Stellungnahme nochmals 

wiederholt, dass die Taliban den Cousin des Vaters kontaktiert hätten, um 

ihn und seinen Bruder dazu zu drängen, sich zu ergeben. Die Familie sei 

zudem nach seiner Flucht aus Afghanistan immer wieder aufgesucht und 

bedroht worden. 

Zum Eventualbegehren der Rückweisung an die Vorinstanz wird schliess-

lich ausgeführt, der Sachverhalt sei von der Vorinstanz unrichtig und un-

vollständig festgestellt worden. So sei ignoriert worden, dass der Be-

schwerdeführer während zehn Jahren als Soldat tätig gewesen sei und da-

bei gegen die Taliban gekämpft habe. Ferner sei nicht genügend beachtet 

worden, wie die in Afghanistan verbliebenen (weiblichen) Familienmitglie-

der des Beschwerdeführers von den Taliban behandelt würden und insbe-

sondere ungenügend beachtet worden, dass es sich hierbei um Frauen 

handle. Dass die Familie von Kabul in ihr Heimatdorf zurückgezogen sei, 

könne ihr schliesslich nicht entgegengehalten werden, da die Familie aus 

finanziellen Gründen hierzu gezwungen worden sei. 

Als Beweismittel wurden eine Abschlussbestätigung der militärischen 

Grundausbildung sowie Fotos des Beschwerdeführers an seinem Posten 

eingereicht. 

5.  

In der Beschwerde wird im Sinne eines Eventualbegehrens die Rückwei-

sung der Sache an die Vorinstanz zur weiteren Sachverhaltsabklärung be-

antragt. Dabei wird aber insbesondere eine falsche Würdigung des glaub-

haft gemachten Sachverhaltes geltend gemacht, weshalb darauf im Rah-

men der nachfolgenden materiellen Würdigung näher einzugehen ist. 

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht stellt vorab fest, dass die Vorinstanz 

die Vorbringen des Beschwerdeführers ausschliesslich auf ihre flüchtlings-

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Seite 8 

rechtliche Relevanz gemäss Art. 3 AsylG geprüft hat und keine Zweifel an 

der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers geäussert hat. 

6.2 Auch das Bundesverwaltungsgericht geht aufgrund der substantiierten 

und mit Beweismitteln unterlegten Vorbringen des Beschwerdeführers, 

welche keine relevanten Widersprüche aufweisen, von der Glaubhaftigkeit 

der wesentlichen Vorbringen des Beschwerdeführers aus. 

7.  

7.1 Im Folgenden ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer angesichts des 

geltend gemachten Sachverhalts im Zeitpunkt der Ausreise begründete 

Furcht vor Verfolgung hatte und ob eine solche gegebenenfalls auch aktu-

ell noch objektiv begründet wäre (vgl. Art. 3 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer führt seine Furcht vor Verfolgung im Wesentli-

chen auf seine über zehnjährige Tätigkeit bei den Arbaki zurück. Damit ist 

zunächst ein Blick auf die Institution der Arbaki zu werfen. Die Arbaki Mili-

zen sind ein Sicherheitssystem auf Gemeindeebene. Das damalige Euro-

päische Unterstützungsbüro für Asylfragen (EASO) erläutert in seinem Be-

richt vom September 2016, dass Milizgruppen, die oftmals auf Seite der 

Regierung gegen Aufständische kämpfen würden, als Arbakai (Plural: Ar-

baki) bezeichnet würden. Ursprünglich beruhte das Konzept Arbakai auf 

dem Stammesrecht der Paschtunen, dem Paschtunwali. Arbaki würden die 

Rolle der Polizei innerhalb des Stammes, des Sub-Stammes oder in Ge-

meindegebieten übernehmen. Arbakai sei ein System zur Kontrolle der Ge-

meinschaft basierend auf dem Stamm, das auf freiwilligen Basisinitiativen 

beruhe. Arbaki würden sich von Milizmitgliedern oder Angestellten von pri-

vaten Sicherheitsfirmen unterscheiden. Sie hätten grössere Unterstützung 

und seien in die Gemeinde eingebettet. EASO verweist insbesondere auf 

die Aussagen von Mohammed Osman Tariq, der in seinem Bericht zum 

Konzept Arbakai einen Stammesältesten zitiert. Nach dessen Auskunft 

handle es sich bei den Arbakai um eine Gruppe von freiwilligen Erwachse-

nen, die mittels eines besonderen Verfahrens ausgewählt würden und die 

Verantwortung für die Umsetzung der Entscheidungen der Dschirga (Stam-

mesversammlung) hätten. Sie sicherten das Territorium des Stammes oder 

der Gemeinde und würden Massnahmen gegen jene ergreifen, die illegale 

Handlungen begehen wollten. Die zeitgenössische Verwendung des Be-

griffs Arbakai leite sich von ihrer ursprünglichen Bedeutung ab. Heute 

werde das Wort für alle Arten der semi-offiziellen oder nicht-offiziellen Mi-

lizgruppen insbesondere im Norden Afghanistans verwendet (vgl. zum 

Ganzen BVGer-Urteil D-1965/2019 vom 15. Oktober 2021 E. 6.2.1).  

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Seite 9 

7.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat wiederholt festgestellt, dass ge-

wisse Personengruppen in Afghanistan aufgrund ihrer Exponiertheit einem 

erhöhten Verfolgungsrisiko ausgesetzt sind. Dazu gehören Personen, die 

der, inzwischen gestürzten, Regierung oder internationalen Gemeinschaft 

inklusive deren Streitkräfte nahestanden oder als Unterstützer derselben 

wahrgenommen werden sowie westlich orientierte oder der afghanischen 

Gesellschaftsordnung aus anderen Gründen nicht entsprechenden Perso-

nen. Einem besonderen Risiko sind gemäss verschiedenen Quellen Per-

sonen ausgesetzt, die eng mit dem Militär zusammenarbeiteten. Diese sind 

besonders gefährdet, weil extremistisch oder fanatisch eingestellte Grup-

pierungen – insbesondere die Taliban – Muslime, welche für die nach ihrer 

Meinung ungläubigen Besatzer im Land arbeiteten, als Verräter betrach-

ten, die es hart zu bestrafen gelte (vgl. beispielsweise die Urteile des 

BVGer E-2318/2023 vom 16. Mai 2023 E. 6.2, D-1965/2019 vom 15. Ok-

tober 2021 E. 7.2; E-4907/2019 vom 26. März 2020 E. 5.3.2 und  

E-2802/2014 vom 15. Januar 2015 E. 5.3.3; vgl. auch European Union 

Agency for Asylum [EUAA], Country Guidance: Afghanistan, May 2024, 

S. 28 ff., <https://euaa.europa.eu/publications/country-guidance-afghani-

stan-may-2024>). Human Rights Watch nennt insbesondere auch Mitglie-

der der Milizen und Paramilitärs wie beispielsweise der Arbaki-Miliz als be-

sonders gefährdete Personen (Human Rights Watch, No forgiveness for 

people like you, 2021, S. 9-11, <https://www.hrw.org/sites/default/files/me-

dia_2021/11/afghanistan1121_web.pdf>, beide abgerufen am 

04.02.2025). Dies wird auch von der Vorinstanz im Bericht Focus Afgha-

nistan so wiedergegeben (vgl. SEM, Focus Afghanistan – Verfolgung durch 

Taliban: Potenzielle Risikoprofile, 15. Februar 2022, S. 15, 

<https://www.sem.admin.ch/sem/de/home/international-rueckkehr/her-

kunftslaender.html>, abgerufen am 04.02.2025). Das erhöhte Risikoprofil 

der Arbaki-Miliz ergibt sich unter anderem zusätzlich dadurch, dass deren 

Mitglieder vorwiegend lokal operierten und sie deshalb von den Taliban 

leicht zu identifizieren und Racheakte verbreitete sein dürften (vgl. BVGer-

Urteile D-1681/2022 vom 20. Oktober 2022 E. 3.4.1 und E-1638/2017 vom 

2. April 2020 E. 5.3). 

7.4 Der Beschwerdeführer war, wie sein Vater, seit Abschluss der militäri-

schen Grundausbildung während über zehn Jahren für die Arbaki-Miliz in 

seinem Dorf tätig. Er war im Umgang mit Waffen ausgebildet, hat auf dem 

dafür vorgesehenen Posten in seinem Dorf das Dorf vor den Taliban be-

schützt und war auch an Gefechten mit den Taliban beteiligt, welche To-

desfälle oder Verhaftungen von Taliban mit sich führten. Nach Einschät-

zung des Gerichts gehört der Beschwerdeführer im Lichte der gerichtlichen 

https://euaa.europa.eu/publications/country-guidance-afghanistan-may-2024
https://euaa.europa.eu/publications/country-guidance-afghanistan-may-2024

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Seite 10 

Rechtsprechung sowie oben zitierter Berichte somit zu einer Personen-

gruppe, welche aufgrund ihrer Exponiertheit in Afghanistan einem beson-

deren Verfolgungsrisiko ausgesetzt waren und weiterhin sind.  

7.5 Von anderen Unterstützern des vormaligen Regimes hebt er sich 

dadurch ab, dass er persönlich für den Tod von Talibankämpfern verant-

wortlich ist. Seine Aktivitäten dürfen sodann aufgrund des lokalen Charak-

ters als den Taliban bekannt vorausgesetzt werden. Er macht ferner gel-

tend, dass es im Rahmen seiner Tätigkeit zur Verhaftung von zwei Mitglie-

dern der Taliban gekommen sei, woraus eine besonders ausgeprägte 

Feindschaft dem Beschwerdeführer gegenüber entstanden sei. Dies habe 

unmittelbar nach der Machtübernahme zu Hausdurchsuchungen, um den 

Beschwerdeführer zu finden, geführt. Gemäss seinen Ausführungen seien 

zudem Todesdrohungen gegenüber ihm und seinen Bruder ausgespro-

chen worden, als die Taliban in Erfahrung gebracht hätten, dass sich die 

Brüder in Kabul befinden würden. 

7.6 Das Gericht erachtet die Furcht des Beschwerdeführers vor Bestra-

fungsaktionen und Racheakten durch die Taliban aufgrund dieser Sach-

lage für den Zeitpunkt der Ausreise und auch aktuell als objektiv und sub-

jektiv begründet. Daran vermag entgegen den Erwägungen des SEM of-

fensichtlich auch nichts zu ändern, dass er kurz vor der Machtübernahme 

seinen Posten verlassen hatte und nach Kabul geflohen ist. Dies ändert 

am Risikoprofil des Beschwerdeführers nichts, weil er zweifellos dennoch 

als aktiver Unterstützer der damaligen Regierung wahrgenommen wird. 

Zwar kam es zwischenzeitlich zu Amnestien, diese können aber für den 

vorliegenden Fall aufgrund des geschärften Risikoprofils nicht genügend 

Sicherheit bieten. Insbesondere die Beteiligung an Tötungen von Taliban-

Angehörigen und die persönliche Feindschaft zu zwei Personen bezie-

hungsweise die Verantwortung bezüglich deren Verhaftung lassen eine 

Gefährdung nach wie vor als wahrscheinlich erscheinen. Ob es sich bei 

den persönlichen Feinden heute tatsächlich um ranghohe Taliban handelt, 

kann dabei angesichts des regionalen Charakters seiner Tätigkeit offen-

bleiben. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass ein Teil der Familie 

aufgrund der herrschenden Notlage zurück ins Heimatdorf gezogen ist, zu-

mal es sich dabei einzig um Frauen handelt, die selber offensichtlich nicht 

in die Kampfhandlungen involviert waren.    

7.7 Entgegen den Ausführungen der Vorinstanz geht das Gericht diesen 

Erwägungen gemäss durchaus von einer besonderen Exponiertheit des 

Beschwerdeführers und damit von einer objektiv begründeten Furcht vor 

D-650/2024 

Seite 11 

ernsthaften Nachteilen aus. Die entsprechenden Nachteile drohen auf-

grund eines asylrechtlich relevanten Profils, da er als politischer Gegner 

der Taliban bestraft werden soll. Von einer genügend sicheren innerstaatli-

chen Fluchtalternative ist vorliegend angesichts der umfassenden Macht 

der Taliban ebenfalls nicht auszugehen. Nach dem Gesagten ist festzustel-

len, dass der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von 

Art. 3 AsylG erfüllt. 

8.  

8.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlingen wird aber unter anderem dann kein Asyl ge-

währt, wenn sie wegen verwerflicher Handlungen des Asyls unwürdig sind 

(Art. 53 Bst. a AsylG) oder die innere oder äussere Sicherheit der Schweiz 

verletzt haben oder gefährden (Art. 53 Bst. b AsylG). 

8.2 Angesichts der Ausführungen des Beschwerdeführers zu seinen Tätig-

keiten als Arbaki aber auch zu deren Verhalten allgemein stellt sich vorlie-

gend jedoch die Frage einer Asylunwürdigkeit gemäss Art. 53 Bst. a AsylG 

(vgl. dazu Urteile des Bundesverwaltungsgerichts D-3669/2016 vom 

24. Oktober 2018 E. 4.2.3 sowie D-1965/2019 vom 15. Oktober 2021 

E. 7.5). Das SEM musste sich angesichts der von ihm angenommenen feh-

lenden Asylrelevanz der Asylvorbringen dazu nicht äussern. Die Be-

schwerde enthält ebenfalls keine entsprechenden Ausführungen. Damit 

ergibt sich, dass der Beschwerdeführer zwar die Flüchtlingseigenschaft er-

füllt, die Frage der Asylgewährung indessen noch nicht entschieden wer-

den kann. Diesbezüglich ist die Angelegenheit an die Vorinstanz zur Prü-

fung zurückzuweisen, ansonsten dem Beschwerdeführer eine Prüfungs-

instanz verloren ginge. 

8.3 Die Beschwerde ist somit gutzuheissen und die angefochtene Verfü-

gung vom 19. Januar 2024 ist aufzuheben. Die Flüchtlingseigenschaft des 

Beschwerdeführers ist anzuerkennen und das SEM ist anzuweisen, die 

Frage der Asylgewährung unter dem Blickwinkel einer allfälligen Asylun-

würdigkeit zu prüfen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).  

9.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist keine Parteientschädigung aus-

zurichten, da es sich vorliegend um eine zugewiesene unentgeltliche 

D-650/2024 

Seite 12 

Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102h AsylG handelt, deren Leistungen 

vom Bund nach Massgabe von Art. 102k AsylG entschädigt werden (vgl. 

auch Art. 111ater AsylG). 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird in Bezug auf die Dispositivziffer 1 der Verfügung vom 

19. Januar 2024 gutgeheissen. Der Beschwerdeführer wird als Flüchtling 

anerkannt. 

2.  

Im Übrigen wird die Beschwerde gutgeheissen, soweit die Aufhebung der 

Verfügung beantragt wird. Die Verfügung vom 19. Januar 2024 wird aufge-

hoben und die Sache zur teilweisen Neubeurteilung im Sinne der Erwä-

gungen an die Vorinstanz zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.  

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Nina Spälti Giannakitsas Linn Amanda Szemberg 

 

 

Versand: