# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c59a8e12-e742-5bb0-8a64-fbbf983d14da
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-12-28
**Language:** de
**Title:** Rentenrevision nach den Schlussbestimmungen kann nicht erfolgen, da ursprünglich kein PÄUSBONOG vorlag; Beschwerdegegnerin prüfte die Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht, daher Rückweisung; das aktuelle Gutachten ist zwecks Prüfung eines Revisionsgrundes nach Art. 17 Abs. 1 ATSG mangelhaft, daher ist eine Neubegutachtung vorzunehmen
**Docket/Reference:** IV.2017.00535
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.00535.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.00535
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Gerichtsschreiberin Nünlist
Urteil
vom
28. Dezember 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwältin Christina Ammann
Sautter & Ammann Rechtsanwälte
Bahnhofstrasse 12, Postfach 25, 8610 Uster
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1961 geborene
X.___
war bei der
Y.___
AG, als Montagemitarbeiterin angestellt (
Urk.
9/2) als sie sich am 3. Dezember 2000 unter Hinweis auf ein Rückenleiden bei der Eidgenössischen I
n
validenversicherung (IV) zum Rentenbezug anmeldete (
Urk.
9/1).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, tätigte
in der Folge
Abklärungen in erwerblicher sowie medizinischer Hinsicht - am 25. April 2001 (
Urk.
9/10) erstattete die Klinik
Z.___
ein multidisziplinäres Gutachten. Daraufhin sprach die IV-Stelle der Versi
cherten mit Verfügung vom 30. November
2001
(
Urk.
9/17) gestützt auf einen ermittelten Invaliditätsgrad von 50 % rückwirkend ab 1. Dezember 200
0
eine halbe Invalidenrente zu. Ein Rentenerhöhungsgesuch der inzwischen
stellenlosen
Versicherten vom 30. Oktober 2002 (
Urk.
9/18
, 9/21
) wurde
mit Verfügung vom 28. April 2003 (
Urk.
9/28) abgewiesen. Die hiergegen erhobene Einsprache wies die IV-Stelle sodann mit Entscheid vom 15. Deze
mber 2003 (
Urk.
9/41) ab
.
Auf ein Revisionsgesuch vom 22. Juni 2004 (
Urk.
9/42) trat die IV-Stelle
mangels Glaubhaftmachens neuer Tatsachen
mit Verfügung vom 16. August 2004 (
Urk.
9/45) nicht ein.
1.2
Im Rahmen einer am 14. April 2005 eingeleiteten Rentenrevision (
Urk.
9/47) tä
tigte die IV-Stelle wiederum
medizinische
Abk
lärungen, am 6. März 2007 (Urk.
9/69) erstattete das
A.___
ein interdis
ziplinäres Gutachten.
Mit Verfügung vom 10. Oktober 2007 (
Urk.
9/83) stellte die IV-Stelle die bisherige halbe Invalidenrente der Versicherten ein. Die hiergegen erhobene Beschwerde (
Urk.
9/87) wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts IV.2007.01385 vom 28. April 2009 (
Urk.
9/89) gutgeheissen, die Verfügung der IV-Stelle vom 10. Oktober 2007 aufgehoben und festgestellt, dass die Versicherte auch über den 30. November 2007 hinaus Anspruch auf eine halbe Invalidenrente habe.
Die
se
wurde
in der Folge
weiter ausgerichtet (
Urk.
9/96).
1.3
Im Jahre 2013 (
Urk.
9/99)
leitete die IV-Stelle erneut eine revisionsweise Über
prüfung der Invalidenrente der Versicherten in die Wege.
Wiederum
wurden ins
besondere medizinische Abklärungen
getätigt
. Am 29. April 2015 (
Urk.
9/118) erstattete die
B.___
, ein polydisziplinäres Gutachten. Daraufhin stellte die IV-Stelle die bisherige Invali
denrente der Versicherten nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
mit Ver
fügung vom 29. März 2017
(
Urk.
9/156 =
Urk.
2)
gestützt auf die
am 1.
Januar 2012 in Kraft getretenen Schlussbe
stimmungen der Änderung vom 18.
März 2011 des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
;
6.
IV-Revision, erstes Massnahmenpaket; kurz:
Schl
B
)
ein.
2.
Hiergegen erhob
die
Versicherte mit Eingabe vom 15. Mai 2017 (
Urk.
1)
Be
schwerde und stellte folgende Anträge:
«
1.
Es sei der Beschwerdeführerin weiterhin eine 50 % Invalidenrente zu
zusprechen.
2.
Es sei ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen.
3.
Es sei der Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren die unent
geltliche Prozessführung und ein unentgeltlicher Rechtsbeistand in der Person der unterzeichnenden Anwältin zu
bewilligen.»
In ihrer Beschwerdeantwort vom 26. Juni 2017 (
Urk.
8) beantragte die Beschwer
degegnerin
mit Verweis auf die Akten
die Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 4. Juli 2017 (
Urk.
10) wurde der Beschwerdeführerin die un
entgeltliche Prozessführung gewährt und es wurde ihr Rechtsanwältin Christina Ammann, Uster, als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfah
ren bestellt.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer Verfügung vom 29. März 2017 (
Urk.
2) aus, infolge der 6. Revision der Invalidenversicherung
habe
sie den Anspruch der Beschwerdeführerin gestützt auf die Schlussbestimmungen überprüft. Die ur
sprüngliche
Rentenzusprache
habe sich auf das Gutachten der Klinik
Z.___
vom 25. April 2001 abgestützt. Die 50%ige Arbeitsunfähigkeit sei durch das
chronifi
zierte
Schmerzsyndrom begründet gewesen, das einerseits durch eine
Fehlform
und Fehlbelastung der Wirbelsäule, eine muskuläre
Dysbalance
und eine erheb
liche
Dekonditionierung
bedingt gewesen sei. Zusätzlich hätten auch psychische Faktoren und Verhaltensfaktoren wie eine Anpassungsstörung mit Angst und Selbstwertkonflikten bestanden, welche die Schmerzstörung mitunterhalten hät
ten. Die Abklärungen hätten ergeben, dass die Diagnosen, die zur
Rentenzuspra
che
geführt hätten, aus heutiger Sicht zu den ätiologisch-
pathogenetisch
unkla
ren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nachweisbare organische Grundlage ge
hörten.
Den
vorliegenden medizinischen Unterlagen seien keine objektivierbaren anatomischen Befunde zu entnehmen, die aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründen würden. Somit könne eine Renten
revision gemäss Schlussbestimmungen durchgeführt werden. Zur A
bklärung des aktuellen Gesundhei
tszustandes sei ein Gutachten bei der
B.___
in Auftrag ge
geben worden, auf welches aus medizinischer Sicht auch nach der mit BGE 141 V 281 geänderten Rechtsprechung abgestellt werden könne. Bei den aktuell ge
st
ellten Diagnosen einer
Rotatore
n
m
anschettenläsion
rechts mit leichter AC-Gelenksarthrose und
einer
Supraspi
natussehnentendinop
athie
links mit l
eichter AC-G
elenksart
hrose handle es sich nicht um eine schwere Gesundheitsschädi
gung. Eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit auf dem allg
emeinen Arbeitsmarkt sei der Be
s
c
hwerdeführerin zu 100 % zumutbar. Im Übrigen bestünden deutliche Hinweise auf eine bewusstseinsnahe demonstrative Darbietung von Einschrän
kungen und Beschwerden sowie die Zeichen einer groben Diskrepanz zwischen reklamierten Beschwerden und objektiven Befunden
. Beruhe eine Leistungsein
schränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation, liege regelmäs
sig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor.
Z
usammenfassend
würden
die Gründe überwiegen, die keine massgebliche
Arbeitsunfähigkeit
annehmen lies
sen. Es bestehe ein Ausschlussgrund, ein invalidisierender Gesundheitsschaden
liege nicht vor.
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerdeschrift vom 15. Mai 2017 (
Urk.
1)
dagegen
im Wesentlichen geltend, ein Revisionsgrund nach Art. 17 Abs. 1 ATSG liege nicht vor,
da sich
die Diagnosen seit der
Rentenzusprache
per
1. Dezember 2000 unverändert präsentier
t
en.
Sodann sei die ursprüngliche
Ren
tenzusprache
gemäss Urteil des hiesigen Gerichts vom 28. April 2009 nicht zwei
fellos unrichtig im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG gewesen. Im Gutachten der Klinik
Z.___
seien neben dem psychiatrischen Gutachten ein rheumatologisches Haup
t
gutachten sowie eine EFL durchgeführt worden. Das Gesamtgutachten habe somatisch erklärbare Beschwerden ergeben. Ein organisch begründeter Teil der Arbeitsfähigkeit könne
bei
der Anwendbarkeit der Schlussbestimmungen nur neu beurteilt
werden
, sofern eine Veränderung im Sinne von Art. 17
A
bs. 1 ATSG eingetreten sei, was nicht der Fall sei. Die Einschätzung der
B.___
stelle eine andere Beurteilung unveränderter Befunde dar (S. 4 f.).
3.
3.1
Nach
lit
. a
Abs.
1
SchlB
werden Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch un
klaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grund
lage
(
kurz:
PÄUSBONOG)
gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach Artikel 7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen von Artikel 17 Absatz 1 ATSG nicht erfüllt sind. Diese Be
stimmung ist verfassungs- und EMRK-konform (BGE 139 V 547 E. 3).
Laufende Renten sind vom Anwendungsbereich von
lit
. a
Abs.
1
SchlB
zur
6.
IV-Revision nur ausgenommen, wenn und soweit sie auf erklärbaren Beschwerden, das heisst auf einer nachweisbaren objektivierbaren Grundlage beruhen. Lassen sich unklare von erklärbaren Beschwerden trennen, können die Schlussbestim
mungen der
6.
IV-Revision auf erstere Anwendung finden (BGE 140 V 197 E. 6.2, in Präzisierung u.a. von
BGE 139 V 547
E. 10.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_738/2013 vom
8.
April 2014 E. 3.1.2.1 mit Hinweis).
3.2
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom
29. März
2017 (
Urk.
2)
i
st vorliegend nicht ersichtlich, inwiefern die ursprüngliche
Ren
tenzusprache
gestützt auf ein
PÄUSBONOG
e
rfolgt sein soll. So ist dem der
Ren
tenzusprache
zugrundeliegenden Gutachten der Klinik
Z.___
vom
25. April 2001
(
Urk.
9/
10
) keine solche Diagnose zu entnehmen. Vielmehr wurde
in diagnosti
scher Hinsicht
auf ein
thorakovertebrales
und
lumbospondylogenes
Syndrom links bei
Fehlform
der Wirbelsäule, muskulärer
Dysbalance
sowie Adipositas,
auf
eine Anpassungsstörung mit Angst (hypochondrische Befürchtungen) und Sel
b
st
wertkonflikt sowie
auf
eine arterielle Hypertonie geschlossen.
Die Gutachter hiel
ten fest,
die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden seien durch die
Fehlform
der Wirbelsäule und das muskuläre Ungleichgewicht mit erheblicher
Dekonditionierung
zum Teil erklärbar. Für das chronische Schmerzerleben seien aber auch psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren un
terhaltend, insbe
sondere die An
passungsstörung mit Angst und Selbstwertkonflikt sei am aktuel
len Beschwerdebild erheblich mitbeteiligt (S. 13).
Damit steht fest, dass die Gut
achter die Beschwerden einerseits durch or
ganische Befunde (
Fehlform
der W
ir
belsäule, muskuläre
Dys
b
alance
, Adipositas) und andererseits
insbesondere
durch die psychiatrische Diagnose einer Anpassungsstörung erklär
ten
.
Ein Zurückkom
men auf die am 30. November 2001 verfügte halbe Invalidenrente (
Urk.
9/17) gestützt auf die Revision nach den
Schluss
bestimmungen fällt damit ausser Be
tracht.
4.
4.1
Zu prüfen bleibt
, ob die bisherige halbe Invalidenrente der Beschwerdeführerin gestützt auf den
Rückkommenstitel
der Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG einer Überprüfung unterzogen werden kann.
4.2
4.2.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
4.
2
.2
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des ak
tuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des Invalidi
tätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkun
gen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_297/2016 vom
7.
April 2017 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE 143 V 77, aber in SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152).
4.2
.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Der
Beweiswert
eines zwecks Renten
revision
erstellten Gutachtens hängt davon ab, ob es sich ausreichend auf das Beweisthema - erhebliche Änderung(en) des Sachverhaltes - bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen, nachvoll
ziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre, mangelt es daher in der Regel am rechtlich erforderlichen
Beweiswert
, wenn sich die (von einer früheren abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber aus
spricht, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustandes stattge
funden hat. Vorbehalten bleiben Sachlagen, in denen es
evident
ist, dass sich die gesundheitlichen Verhältnisse verändert haben (Urteil des Bundesgerichts 8C_889/2015 vom 29. September 2016 E. 3.2 mit Hinweisen).
4.3
4.3.1
Die Frage, ob auf die bisherige Invalidenrente der Beschwerdeführerin gestützt auf den
Rückkommenstitel
der Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG zurückgekom
men werden
kann
, wurde seitens der Beschwerdegegnerin nicht geprüft.
In diesem Zusammenhang ist
darauf hinzuweisen
, dass massgeblicher Vergleichs
zeitpunkt für die Frage nach einer relevanten Veränderung vorliegend die mit Verfügung vom 10. Oktober 2007 (
Urk.
9/83) erfolgte Einstellung der Invaliden
rente der Beschwerdeführerin war, welche in der Folge einer Beurteilung durch das hiesige Gericht
(
Urk.
9/89)
unterzogen worden ist. Dies,
weil vor diesem Ent
scheid
eine umfassende Überprüfung des
Rentenanspruchs erfolgt war
(E.
4.2.2
).
Medizinische Grundlage für die Beurteilung des Rentenanspruchs bildete damals das
A.___
-Gutachten vom
6. März 2007
(
Urk.
9/
69
). Zu prüfen wird sein, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seither in relevanter Weise ver
ändert hat (E.
4.2.1
).
4.
3.2
Das am 29. April 2015 erstattete
B.___
-Gutachten (
Urk.
9/118) weist im Zu
sammenhang mit der Prüfung der Frage nach dem Vorliegen eines Revisions
grundes
gemäss
Art. 17 Abs. 1 ATSG Makel auf. So fällt vorab auf, dass die Gut
achter seitens der Beschwerdegegnerin danach gefragt wurden, wie sich der Ge
sundheitszustand der Beschwerdeführerin seit
dem
30. November 2001 verändert habe (
Urk.
9/107
S. 3
). Damit gingen sie von einem falschen Vergleichszeitpunkt aus (
vgl.
E. 4.3
.1
). Nicht ersichtlich ist
sodann
, dass die Gutachter Kenntnis von der
den vorliegend massgeblichen Vergleichszeitpunkt begründenden
Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
10. Oktober 2007 (Urk. 9/83
)
hatte
n
, die in der Folge einer gerichtlichen Überprüfung unterzogen wurde
(
Urk.
9/89
). Auch dies stellt einen Mangel dar. Die seitens der Beschwerdegegnerin gestellten differen
zierten Fragen im Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand und der Arbeits
fähigkeit
der Beschwerdeführerin
im Verlauf beantworteten die Gutachter
schliesslich
pauschal mit der gleichlautenden Antwort, ohne Bezugnahme
auf die
konkret im Raum stehenden Frage
n
(
Urk.
9/118 S. 74). Dies vermag den Anfor
derungen an eine nachvollziehbar begründete
medizinische Stellungnahme (E. 4.2.3
) nicht zu genügen.
Mit Blick auf das Dargelegt
e
sowie auf den Zeitablauf
seit Erstattung des
B.___
-Gutachtens am 29. April 2015 (
Urk.
9/118)
und dem
Eingang diverser weiterer Arztberichte im Rahmen des
Vorbescheidver
fahrens
(
Urk.
9/131 ff.,
9/
137,
9/
139,
9/
147,
9/
150) rechtfertigt es sich vorliegend, eine umfassende Neubegutachtung der Beschwerdeführerin mit dem Ziel der Klä
rung
der Frage nach einer wesentlichen Veränderung der Verhältnisse im Sinne von
Art. 17 Abs. 1 ATSG durchzuführen. Dies wird durch die Beschwerdegegne
rin
zu veranlassen s
ein, bevor sie neu über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente entscheidet.
Anzumerken bleibt, dass vor einer allfälligen Rentenaufhebung respektive -her
absetzung der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Eingliederungsmassnahmen zu prüfen sein wird. Dies, nachdem die Beschwerdeführerin aktuell 57 Jahre alt ist (
Urk.
9/1) und seit rund 18 Jahren eine Invalidenrente bezieht (
Urk.
9/17).
5.
5
.1
Da es um die Bewilligung
o
der
Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der
unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.
2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung
der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen, weshalb
der vertretene Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Prozessentschädi
gung hat. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
auf Fr. 2’300.-- (inklusive Barauslagen
und Mehr
wertsteuer) festzulegen.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
29. März 2017
aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Ab
klärung im Sinne der Erwägungen, über den Leis
tungsanspruch de
r Beschwerdeführerin
neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zu
gestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
R
echtsanwältin C
hristina
A
mmann, Uster,
eine Prozessent
schä
digung von Fr. 2’300.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein
an:
-
Rechtsanwältin Christina Ammann
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
ge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).
-
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Be
weismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kun
den sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubNünlist