# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ef1c6a74-3c44-5f5c-9d35-72e104867027
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-01-17
**Language:** de
**Title:** Medizinische Massnahmen: Wachstumshormontherapie. Geburtsgebrechen Ziff. 462 nicht erfüllt mangels Kleinwuchs. Keine Kostenübernahme unter dem Titel von Art. 12 IVG, mangels Notwendigkeit für die Eingliederung ins Erwerbsleben.
**Docket/Reference:** IV.2016.00092
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2016.00092.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2016.00092
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiberin Meier-Wiesner
Urteil
vom
17. Januar 2017
in Sachen
X.___
, geb. 2002
Beschwerdeführer
gesetzlich vertreten durch die Eltern
Y.___
und
Z.___
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Nachdem
die Beschwerdegegnerin
mit
Verfügung
vom
8.
Dezember 2015
eine Kostengutsprache für eine Wachstumshormontherapie im Rahmen von medizinischen Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziffer
462
gemäss Anhang zur Verordnung über Geburtsgebrechen (
GgV
)
abgelehnt hat
(
Urk.
2
),
nach Einsicht in die Beschwerde vom
2
0.
Januar 2016
, mit welcher
die Eltern des Versicherten
die Aufhe
bung
der angefochtenen Verfügung
und Erteilung einer entsprechenden Kostengutsprache
beantragt
haben
(
Urk.
1
), und in die auf Abweisung der Beschwerde schliessende Beschwerdeantwort
der Beschwerdegegnerin
vom
9. Februar 2016
(
Urk.
5
),
in Erwägung,
d
ass
Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behand
lung von Geburtsgebrechen (
Art.
3
Abs.
2
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
) notwendigen medizini
schen Massnahmen haben (
Art.
13
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung; IVG
)
,
d
er Bundesrat die Gebrechen
bezeichnet
, für welche diese Massnahmen gewährt werden
, wobei er
die Leistung ausschliessen
kann
, wenn das Gebre
chen von geringfügiger Bed
eutung ist (
Art.
13 Abs. 2 IVG),
a
ls Geburtsgebrechen diejenigen Krankheiten
gelten
, die bei vollendeter Geburt bestehen (
Art.
3
Abs.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
GgV
)
; dabei
gilt
d
ie blosse Veranlagung zu einem Leiden nicht als
Geburts
gebrechen
, auch ist d
er Zeitpunkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird,
unerheblich (
Art.
1
Abs.
1
GgV
),
d
ie Geburtsgebrechen in der Liste im Anhang aufgeführt
sind
(
Art.
1
Abs.
2
GgV
)
,
a
ls medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines
Geburtsgebre
chens
notwendig sind, sämtliche Vorkehren
gelten
, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den thera
peutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (
Art.
2
Abs.
3
GgV
)
,
d
as Geburtsgebrechen
gemäss
Ziff. 462 Anhang
GgV
angeborene Störungen der
hypothalamo
hypophysären
Funktion
umfasst
(
hypophysärer
Kleinwuchs, Diabetes
insipidus
,
Prader
-Willi
-Syndrom und
Kallmann
-Syndrom),
wobei hier fraglich ist, ob ein
hypophysärer
Kleinwuchs vorliegt, während keine der Parteien eines der anderen Beschwerdebilder als gegeben erachtete (vgl. dazu auch Kreisschreiben über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung
[
KSME
] in der ab 1. Januar 2015 in Kraft gewesenen Fassung,
Rz
462),
f
ür die Annahme einer Leistungspflicht der Invalidenversicherung aufgrund von Art. 13 IVG nach konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts in beweisrechtlicher Hinsicht
genügt
, dass es ein Facharzt oder eine Fachärztin zumindest für wahrscheinlich hält, es liege ein im Anhang der
GgV
enthalte
nes Gebrechen vor (BGE 100 V 104 E. 2 in
fine
)
,
in weiterer Erwägung, dass
die Beschwerdegegnerin das Vorliegen eines Geburtsgebrechens nach Ziff. 462 Anhang
GgV
und damit ihre Leistungspflicht mit der Begründung
verneint,
dass beim Beschwerdeführer kein Kleinwuchs vorliege (Urk. 2 S. 2),
seitens des
Versicherten
dagegen im Wesentlichen geltend gemacht wird, dass durch ein Zuwarten mit der Behandlung bis zum Vorliegen eines effek
tiven Kleinwuchses deren Erfolg aufs Spiel gesetzt
wird
(Urk. 1 S. 1),
Kleinwuchs dann vorliegt, wenn die Körperlänge das 1
0.
Perzentil der Wach
stumskurve für das entsprechende Alter
unterschreitet
das heisst weni
ger als 10
%
der Gleichaltrigen sind kleiner
,
wobei
die Endgrösse bei ei
nem Mann maximal 150 cm beträgt (Pschyrem
bel Klinisches Wörterbuch,
266
.
Aufl., Berlin/New York 20
14
, S.
1
103
),
aufgrund der vorliegenden Akten ausgewiesen und unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer an einem Wachstumshormonmangel leidet (Bericht vorn Prof. Dr. med.
A.___
, Leitender Arzt am
B.___
, Abteilung En
dokrinologie/
Diabetologie
, vom 19.
Dezember 2014
[
Urk. 6/5
]
,
Wachstums
kurve
des Beschwerdeführers [Urk. 6/10/2]
sowie
Stellungnahme von Dr.
A.___
vom 14. September
2015
[
Urk. 6/15 S.
1]
)
,
ein Kleinwuchs dagegen
weder vorliegt noch je
vorgelegen hat (Urk. 6/15 S. 2; vgl. ferner
die Stellungnahme des Bundesamtes für Sozialversicherungen vom 18. November 2016 [Urk. 6/22]
)
,
lag doch der Beschwerdeführer auch n
a
ch
Abfladung
der Wachstumskurve immer noch über dem 50. Perzentil (Urk. 6/10/2), was auch Prof. Dr.
A.___
nicht in Abrede stellte,
eine gestörte
hypophysäre
Funktion
ohne gleichzeitigen
Kleinwuchs
die
von Ziff. 462 Anhang
GgV
vorausgesetzten Kriterien nicht erfüllt
, zumal die Pubertät spontan eingetreten ist (Urk. 6/10/1, Urk. 6/15/1)
, weshalb eine Übernahme der Kosten der Hormontherapie unter dem Titel von Art. 13 IVG nicht möglich ist,
dem seitens des
Versicherten
erhobenen Einwand, dass ein Zuwarten bis zum Vorliegen eines Kleinwuchses den Behandlungserfolg gefährdet hätte, zu entgegnen
ist
, dass
mit diesem Entscheid nur gesagt wird, dass nicht die Invalidenversicherung für die Behandlung aufzukommen hat,
eine Prüfung der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin unter dem Titel von Art. 12 IVG zu keinem anderen Ergebnis führt,
denn
nach
diese
r
Bestimmung
haben
Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren (
Abs.
1)
, was beim Beschwerdeführer weder geltend gemacht wird noch ersichtlich ist,
die Verneinung der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin in keiner Weise die medizinische Indikation der
Wachstumshormont
herapie
beim Beschwer
deführer
in Frage
stellen
soll,
d
ie Kosten des Verfahrens auf Fr.
500
.-- festzulegen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer
zu tragen sind (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG),
erkennt das Gericht:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
500
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
und H
err Z.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesge
richt Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender
Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubMeier-Wiesner