# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 54f65221-d767-5689-b542-f1dcd5e7d673
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-19
**Language:** de
**Title:** Die RAD-Aktenbeurteilung vermag nicht zu überzeugen, weshalb die IV-Stelle ergänzende medizinische Abklärungen zu tätigen hat.
**Docket/Reference:** IV.2018.00868
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00868.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00868
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Widmer
Urteil
vom
1
9.
Juni 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie C. Elms
schadenanwaelte
AG
Industriestrasse 13c, 6300 Zug
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1968 geborene
X.___
, gelernter Elektromonteur (Urk. 6/10/2),
wurde in den Jahren 1992 bis 1994
wegen diverser Rückenbeschwerden
im Rahmen beruflicher Massnahmen zum Elektrokontrolleur inklusive Mathematikkurs und Handelsdiplom mit Weiterführung zum kaufmännischen Angestellten umge
schult (Urk. 6/1
, vgl. auch
Urk.
6/10/3
).
Ab
1997
war er als Elektro
service
monteur für die
Y.___
GmbH tätig (Urk. 6/
33/2, Urk.
6/2/1-2).
Am 2
2.
Dezember 2014, ergänzt
am
2.
Februar 2015, meldete Dr.
med.
Z.___
, Facharzt für Innere Medizin, spez. Rheumatologie, den Versicherten unter Hinweis auf diverse Diagnosen sowie eine Arbeitsunfähigkeit von 50 bis 100
%
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zur Früher
fassung an (Urk. 6/3,
Urk.
6/6).
Nach einem ersten Gespräch zur Früherfassung am
6.
März 2015 (
Urk.
6/9) meldete sich der Versicherte am 11. März 2015 unter Angabe von Schmerzen an Rücken, Nacken, Schultern, Beinen und Gelenken sowie Apnoe und Schlafstörung für
eine
berufliche Integration/Rente bei der Eid
genössischen Invalidenversicherung an (Urk. 6/11).
Die IV-Stelle
liess daraufhin (erneut) Ausz
üge
aus dem individuellen Konto
des Versicherten
erstellen
(IK-Ausz
üge
,
Urk.
6/16
und 6/76
) und nahm medizinische Berichte (Urk. 6/
20,
Urk.
6/24-25) sowie die beim Krankentaggeldversicherer vorhandenen Unterla
gen (Urk. 6/18)
zu den Akten.
Es folgten berufliche Abklärungen (Urk. 6/26 ff.,
Urk.
6/32-33) und der Abschluss einer Zielvereinbarung zwecks Frühintervention in der Zeit von Juli 2015 bis Januar 2016 (Urk. 6/35)
, welche in der Folge umge
setzt wurde (Urk. 6/38 ff., 6/47 ff.
, 6/65
).
Mit Mitteilung der IV-Stelle vom
2.
Mai 2016 wurde die Integrationsmassnahme im Betrieb aus gesundheitlichen Gründen beendet (Urk. 6/64). W
eitere ärztliche Berichte
wurden
erstattet (Urk. 6/44,
6/61-63
, 6/68-69
, 6/79
)
.
Mit Schreiben vom 2
7.
März 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sein Gesundheitszustand könne mit einer adäquaten fachpsy
chiatrischen Behandlung/Therapie sowie einer adäquaten schmerztherapeu
tischen Nachsorge wesentlich verbessert werden
. Unter Hinweis auf seine Schadenminderungspflicht forderte sie den Versicherten auf, ihr mitzuteilen, bei welchem Arzt er diese Massnahme durchführen werde (Urk. 6/87).
Daraufhin nahm der Versicherte
eine psychiatrische Behandlung bei
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, auf (Urk. 6/89), welcher am
9.
Dezember 2017 einen ärztlichen Bericht verfasste (Urk. 6/96).
Nach erneuter Vorlage des Dossiers bei ihrem Re
gionalen Ärztlichen Dienst (RAD;
vgl.
Urk.
6/97/8-10) stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 1
6.
März 2018 die Abweisung seines Rentenbegehrens in Aussicht (Urk. 6/98).
Dagegen erhob der Versicherte
am 2
6.
März 2018 (Urk. 6/99), ergänzt am
8.
Mai 2018 (Urk. 6/101), Einwand.
Nach
Einholung der RAD-Stellungnahme von med.
pract
.
B.___
, Facharzt für Arbeitsmedizin, vom 1
5.
August 2018 (Urk. 6/103/2-3) verfügte die IV-Stelle am
3.
September 2018 im angekündigten Sinne (Urk. 6/105 =
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am
4.
Oktober 2018 Beschwerde und beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Beschwer
degegnerin sei zu verpflichten, ihm Leistungen der Invalidenversicherung (Rente und berufliche Massnahmen) zuzusprechen. Die Sache sei zwecks Einholung eines medizinischen Gutachtens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
, vgl. auch
Urk.
1 S. 9
Ziff.
27
). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom
5.
November 2018 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was dem Beschwerdeführer
am 7.
November 2018 mitgeteilt wurde (
Urk.
7).
Auf die Ausführungen der Parteien und die
eingereicht
en Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich
einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychi
schen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittel
schwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturier
ten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Ände
rung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argu
ment der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen syste
matisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshin
dernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentia
len (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungs
vermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schluss
folgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
es lägen keine Befunde mit lang
an
dauernder Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor. Aus den fachärztlichen Berichten der behandelnden Ärzte ergebe sich, dass aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe. Das Vorliegen einer psychiatrischen Erkrankung sei ebenfalls verneint worden.
Zudem liege weder ein Therapiewunsch noch eine erkennbare Motivation des Beschwerdeführers für eine psychotherapeutische Behandlung vor.
Gemäss Aktigraphie (nicht invasives Verfahren zur Unter
suchung menschlicher Aktivitäts- und Ruhezyklen)
sei die Ruheeffizienz hoch, wes
halb der subjektiv beschriebene
unerholsame
Schlaf nicht habe objektiviert werden können.
Gemäss der Einschätzung des RAD sei die medizinische Akten
lage klar und es liege keine dauerhafte und erhebliche Erwerbsunfähigkeit vor (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen zusammengefasst vor,
die Beschwerde
gegnerin habe den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Eine reine Aktenbeurteilung durch den RAD reiche nur aus, wenn ein lückenloser Befund vorliege und es im Wesentlichen lediglich um die Beurteilung eines an sich feststehenden medizi
nischen Sachverhalts gehe. Ohne eigene Untersuchung könne der RAD nur dazu Stellung nehmen, ob der einen oder der anderen medizinischen Ansicht zu folgen sei oder ob weitere Untersuchungen zu veranlassen seien. Sodann sei
en
bereits bei geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit versicherungs
interner ärztlicher Feststellungen weitere Untersuchungen zu veranlassen.
Die behandelnden Ärzte hätten zuletzt eine Arbeitsunfähigkeit von 70-80
%
attestiert (
Urk.
1 S. 6). Ferner treffe es nicht zu, dass
Dr.
A.___
keine relevanten Befunde erhoben habe. Hinz
u komme, dass die Ärzte der K
linik
C.___
während seines einmonatigen Aufenthaltes eine mittelgradige depressive Episode sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto
ren diagnostiziert und ihm eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
von
70
%
attestiert hätten, was sie mit Befunden untermauert hätten (
Urk.
1 S. 7). Überdies habe das seit 2009 bestehende schwergradige Schlafapnoesyndrom im Jahr 2013 anhand eines
Polysomnogramms
bestätigt werden können (
Urk.
1 S. 7).
Die
Schlafeffizenz
habe 77
%
betragen, es seien pro Stunde durchschnittlich 34 atmungsbedingte Aufwachreaktionen aufgetreten und die Sauerstoffsättigung sei auf 80
%
gesunken. Es sei ihm damals eine Atemmaske für die Nacht verschrieben worden. Aktuell sei er gar auf eine nächtliche Sauerstoffbeatmung angewiesen. Zusammenfassend könnten die Einflüsse des Schlafapnoesyndroms anhand der Aktigraphie nicht
abschliessend beurteilt werden.
Die geklagten Beschwerden an der Wirbelsäule
seien zumindest teilweise durch bildgebend ausgewiesene Befunde erklärbar und
hätten zur Attestierung einer teilweisen Arbeitsunfähigkeit gar in angepasster Tätigkeit geführt (
Urk.
1 S. 8). Dadurch, dass die behandelnden Ärzte von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zwischen 50 und 80
%
aus
gingen, würden erhebliche Zweifel an der aktenbasierten RAD-Beurteilung bestehen, welche zwingend zu einer Begutachtung hätten führen müssen. Sodann seien bei der Ressourcenprüfung die ressourcenhemmenden Faktoren wie
Komor
biditäten und Persönlichkeitsstruktur
gänzlich ausser Acht gelassen worden (
Urk.
1 S. 9).
3.
3.1
Dem Bericht der Klinik
D.___
vom 1
7.
April 2013 ist zu entnehmen,
der Beschwerdeführer habe sich mit dem Ziel vorgestellt, endlich nicht mehr unter Tagesmüdigkeit zu leiden, nachdem verschiedene Behandlungsversuche der Schlafapnoe gescheitert seien (Urk. 6/25/24). Mittels APAP-Therapie (
Automatic
Positive
Airway
Pressure
) habe die Atmungsstörung laut Geräteaufzeichnung
behoben werden können, indes habe sich die Tagesmüdigkeit nicht verändert (Urk. 6/25/26).
Zwecks Einstellung der nächtlichen Beatmung war der Beschwer
deführer laut Bericht vom 7. November 2014
vom
3.
bis am 7.
November 2014 in der
K
linik
E.___
, Rehabilitationszentrum, hospitalisiert (Urk. 6/25/21-22).
3.2
In seinem zuhanden des Krankentaggeldversicherers erstatteten Bericht vom 20. Januar 2015 nannte
Dr.
Z.___
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vom
4.
August bis 1
8.
Dezember 2014 sowie eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem 1
9.
Dezember 2014
(
Urk.
6/18/12).
Als Diagnosen führte er - mit weiteren Details - eine zunehmende Erschöpfung bei schwergradigem obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom (ICD-10 G47.31), eine unklare Insomnie mit Durchschlaf
störung, eine erschwerte Nasenatmung, eine
Polyglobulie
, eine massive arterielle Hypertonie sowie ein
zervikozephales
spondylogenes
Schmerzsyndrom beidseits linksbetont auf (Urk. 6/18/11).
Seinem Bericht zuhanden der IV-Stelle vom 1
8.
Mai 2015 ist sodann zu entneh
men, die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit habe sich ab dem 1
0.
Februar 2015 auf 30
%
reduziert (Urk. 6/24/3). Die Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit müsse mittels einer ergonomischen Evalua
tion abgeklärt werden (Urk. 6/24/4). Ferner äusserte
Dr.
Z.___
den Verdacht auf eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (Urk. 6/24/2).
Am 1
4.
April 2016 gab
Dr.
Z.___
an, beim Beschwerdeführer liege eine Poly
morbidität vor. Die Arbeitsfähigkeit
habe
mehrheitlich um 30
%
herum geschwankt
.
Es sei von einem stationären Verlauf auszugehen und er halte eine interdisziplinäre Begutachtung für sinnvoll
(Urk. 6/61).
3.
3
Die Ärzte des Universitätsspitals
F.___
, Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, diagnostizierten
in ihrem Bericht vom 9. März 2015
unter anderem eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) und ein
zervikozephales
spondylogenes
Schmerzsyndrom linksbetont (Urk. 6/25/13). Sie gingen davon aus, bei den Rückenschmerzen spielten sowohl die bekannten degenerativen Veränderungen als auch psychische Faktoren eine relevante Rolle (Urk. 6/25/14).
3.
4
Dr.
med.
G.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte in seinem Bericht vom 1
8.
Mai 2015 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit ein
z
ervi
k
o
- und
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom, eine
Coxarth
rose
beidseits sowie ein schweres obstruktives Schlafapnoesyndrom (Urk. 6/25/1). Er ging von einer 70%igen Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit im Büro und von einer leicht höheren Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus (Urk. 6/25/2-3).
3.5
Die Ärzte des
F.___
, Klinik für Rheumatologie, nannten in ihrem Bericht vom 17. September 2015 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ihr Fachgebiet betreffend
eine leichtgradige
Coxarthrose
beidseits sowie ein
zervikovertebrales
und
lumbospondylogenes
Syndrom links mit/bei segmentaler Dysfunktion der Halswirbelsäule (HWS) und der Lendenwirbelsäule (LWS) sowie sekundär myofaszialen Befunden paravertebral der HWS, Brustwirbelsäule (BWS) und LWS (Urk. 6/44/1).
Sie gaben an, der Beschwerdeführer sei vom 1
5.
bis am 1
9.
Juni 2015 stationär bei ihnen gewesen (Urk. 6/44/2
; vgl. auch den Austritts
bericht vom 1
9.
Juni 2015,
Urk.
6/68/7 ff.
). Sodann führten sie aus, die Beweg
lichkeit sei im Bereich sowohl der HWS als auch der BWS und der LWS einge
schränkt. Dies wirke sich bei der Arbeit insoweit aus, als längeres Stehen und Gehen sowie das Heben mittelschwerer und schwerer Lasten nicht möglich sei. Das Tragen von Lasten im angestammten Beruf verschlechtere die Beschwerden (Urk. 6/44/3).
Für eine angepasste Tätigkeit hielten die Ärzte eine 50%ige Arbeits
fähigkeit für möglich (Urk. 6/44/4).
3.6
Dem Bericht von Prof.
Dr.
med.
H.___
, Facharzt für Neurochirurgie, und
Dr.
med.
I.___
, Facharzt für Rheumatologie,
vom
2.
Februar 2016 ist zu entnehmen, dass am 2
6.
Dezember 2015 beim Beschwerdeführer eine Mikrodis
kektomie L5/S1 beidseits
von links
und eine
Rezessotomie
L4/5 links durchge
führt wurden
. Dies
wegen
einer Parese, welche auf eine wachsende
Cauda-kompressiv
luxierte Diskushernie L5/S1 links bei mässiger
Rezessusstenose
L4/5
beidseits zurückzuführen gewesen sei
(Urk. 6/68/12; vgl. auch den Operations
bericht vom 2
9.
Dezember 2015,
Urk.
6/68/15 f.)
. Fünf Wochen postoperativ habe der Beschwerdeführer über eine vollständige Rückbildung der Schmerzen im linken Bei
n
sowie im Rücken berichtet. Auch die Gefühlsstörungen und die Paresen im linken Bein hätten deutlich gebessert. Der Beschwerdeführer nehme indes noch dreimal täglich eine Tablette
Zaldiar
ein. Das Operationsresultat sei exzellent
(Urk. 6/68/12).
Sie empfählen
,
die Physiothera
p
ie fortzusetzen. Der Beschwerdeführer könne seine Arbeit als Elektro-Servic
e
monteur wieder stufen
weise erhöhen,
tabufrei
(Urk. 6/68/13).
Prof.
H.___
führte am 1
9.
Mai 2016 aus, er habe den Beschwerdeführer im Februar 2016 einmal postoperativ nachkontrolliert. Aus wirbelsäulen
chirurgi
scher Sicht könne er wieder arbeiten, jedoch sei er polymorbid, weshalb eine interdisziplinäre Abklärung angezeigt sei (Urk. 6/68/6).
3.
7
Dem Bericht des Spitals
J.___
vom 1
9.
April 2016 ist zu entnehmen, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lägen eine komplexe Schlafap
noe/Hypo
pnoe-Symptomatik, eine nicht-organische Insomnie sowie ein
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom vor (Urk. 6/62/1). Für die bisherige Tätigkeit weise der Beschwerdeführer eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit auf (Urk. 6/62/2).
3.
8
Dr.
med.
K.___
, Teamleiterin Rehabilitation der Uni
versitäts
klinik
L.___
, nannte in ihrem Bericht vom 2
5.
April 2016 namentlich die Diagnosen eines chronischen
Panvertebralsyndroms
, aktuell lumbal linksbetont akzentuiert, rezidivierender Oligoarthralgien überlastungsassoziiert-degenerativ sowie eines schweren obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms (Urk. 6/63/6-7). Sie gab an, schwere körperliche Tätigkeiten sowie das Einhalten von Zwangshaltungen seien aufgrund der vorliegenden degenerativen Veränderungen der gesamten Wirbel
säule nicht möglich (Urk. 6/63/7). Zur genauen Beurteilung des Belastungsprofils empfehle sie die Durchführung einer Evaluation der funktionellen Leistungs
fähigkeit (Urk. 6/63/8).
3.
9
Dr.
phil.
M.___
, Fachpsychologin für Psychotherapie und
Somnologin
, und
Dr.
med.
N.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichteten am 30. September 2016, der Beschwerdeführer sei vom 2
2.
August bis am 23. September 2016 stationär bei ihnen in der
K
linik
C.___
in Behand
lung gewesen. Sie diagnostizierten eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), eine nichtorganische Insomnie (ICD-10 F51.0), eine chronische Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), eine
sons
tige Schlafapnoe (ICD-10 G47.38), eine sonstige Spondylose mit Radikulo
pathie im
Zervikalbereich
(ICD-10 M47.22) sowie eine sonstige Spondylose mit Radi
kulopathie im
Lumbosakralbereich
(ICD-10 M47.27; Urk. 6/79/1).
Die Fachperso
nen
führten aus, der Beschwerdeführer habe über eine subjektiv deutlich redu
zierte Konzentrationsfähigkeit berichtet und er sei auf die Schmerz
problematik und die Schlafstörung eingeengt
. Er habe über Entscheidungs
probleme, weniger Interesse an anderen Menschen, reduzierte Libido und sozialen Rückzug geklagt
(Urk. 6/79/1
-2
).
Er habe angegeben, der Schmerz begleite ihn den ganzen Tag, er wolle so nicht mehr leben, sei überfordert, antriebs- und lustlos und weise eine gedrückte Stimmung auf (Urk. 6/79/5).
Im Lauf der Behandlung sei er sich zunehmend bewusst geworden, dass
er trotz Schmerzen auch Lebensqualität habe (Urk. 6/79/2). Trotz - unter Einnahme von Zolpidem (Urk. 6/79/5) - kurzer Schlaf
latenz
und
hoher Ruheeffizienz
bei
nur kurzen Wachphasen sowie Anwendung der
Servoventil
a
tion
sei der Schlaf subjektiv
unerhols
am
geblieben (Urk. 6/79/2, Urk.
6/79/
5
).
Wegen eines Verdachts auf ein immunpathogenes Schmerzsyndrom hätten sie einen
Lüschertest
durchgeführt, welcher den Verdacht bestärkt habe, zum anderen aber auch auf die Belastung durch Schmerzmittel hingewiesen habe. Als Anschlussbehandlung seien eine weitere Einstellung des Medikaments Trittico sowie das Aufsuchen eines Psychiaters vorgesehen. Zudem sei ein Arbeitsversuch im Rahmen von 30
%
geplant (Urk. 6/79/3).
3.10
In seinem Bericht vom
9.
Dezember 2017 führte
Dr.
A.___
aus, er habe den Beschwerdeführer vom
4.
Mai bis am
3.
Oktober 2017 behandelt. Er äusserte den Verdacht auf eine Somatisierungsstörung beziehungsweise eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.0, F45.4), welche - ebenso wie das Schlafapnoe-Syndrom - Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe
(Urk. 6/
96/6).
Im ärztlichen Befund legte er dar, es sei ein leichtes bis höchstens mittelgradiges depressives Syndrom mit Niedergeschlagenheit, Freud- und Interesselosigkeit, Rückzugs- und Isolationstendenz festzustellen, welches der Beschwerdeführer selbst als Folge und nicht etwa als Ursache seiner Beschwerden sehe.
Der durch
geführte Persönlichkeitstest sei auffällig ausgefallen. Er spreche für eine starke Abwehr- und Negationstendenz und weise auf starre Abwehrmechanismen und Überkompensation von Minderwertigkeitsgefühlen hin. Es liege das Bild eines (gegenwärtig) niedergeschlagenen, depressiven und besorgten Menschen vor, der eine psychiatrische Intervention durch Verdrängung und Verleugnung erschwere. Das Ergebnis spreche für eine ordentliche, selbstkritische, aber wenig flexibl
e
Persönlichkeit mit histrionischen und hypochondrischen Zügen. Typischerweise würden solche Patienten körperliche Symptome als Reaktion auf psychischen Stress entwickeln. Insgesamt ergebe sich ein neurotisches Bild, das mit einer somatoformen Störung kompatibel sei
(Urk. 6/
96/8).
Für die angestammte Tätig
keit liege seit Jahren eine
Arbeitsunfähigkeit
von 70 bis 80
%
vor. Einschränkend würden sich dabei die allgemeine Ermüdbarkeit, die Leistungseinbusse durch Schläfrigkeit
und das depressive Syndrom bei permanentem Schmerzerleben auswirken
(Urk. 6/
96/8-9).
Dr.
A.___
fügte an, d
er Beschwerdeführer sei glaubhaft daran interessiert, seine Arbeitsfähigkeit zu verbessern
(Urk. 6/
96/10).
3.11
Am
5.
Februar 2018 äusserte sich RAD-Arzt med.
pract
.
B.___
dahingehend, dass der Beschwerdeführer laut Arztbericht von Prof.
H.___
vom 2
4.
Mai 2016 aus wirbelsäulenchirurgischer Sicht wieder arbeiten könne. In fachpsychiatrischer Behandlung habe sich der Beschwerdeführer nur während weniger Monate befunden und gemäss Bericht von
Dr.
A.___
vom
9.
Dezember 2017 habe keine Motivation für eine psychotherapeutische Behandlung vorgelegen. Der Beschwerdeführer habe betont, keine psychischen Probleme zu haben. Im Rahmen eines Ferienaufenthaltes habe er überdies nahezu beschwerdefreie Tage erlebt.
Vor diesem Hintergrund sei die von
Dr.
A.___
postulierte Arbeits
unfähigkeit in der Höhe von 70 bis 80
%
nicht nachvollziehbar. Einschränkend liege lediglich die Verdachtsdiagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerz
störung vor. Ressourcen seien vorhanden. Insgesamt liege keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor (Urk. 6/97/9).
Am 1
5.
August 2018 ergänzte med.
pract
.
B.___
, die
Aktigraphie
habe eine hohe Ruheeffizienz zu Tage gefördert und die subjektiv beschriebene
Unerhol
samkeit
seines Schlafes habe somit nicht objektiviert werden können.
Daraus, dass der Beschwerdeführer keine neuen Arztberichte vorgelegt habe, schliesse er, dass keine medizinische Behandlung stattfinde und kein entsprechender Leidens
druck bestehe. Ein objektivierbarer Gesundheitsschaden sei nicht ausgewiesen (Urk. 6/103/2-3).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer Beurteilung auf die
Aktenbeurtei
lung durch den RAD.
Diese ist daher näher zu betrachten.
Aus dem Austrittsbericht der
K
linik
C.___
vom 3
0.
September 2016 würdigte
RAD-Arzt
med.
pract
.
B.___
den Umstand, dass der Beschwerdefüh
rer im Sommer 2016 einen Urlaub in Amerika verbracht
hatt
e (Urk. 6/97/7),
liess hingegen unberücksichtigt
, dass anlässlich des gut einen Monat dauernden Klinikaufenthalts
von Fachpersonen unter anderem e
ine mittelgradige dep
ressive Episode (ICD-10 F32.1) und
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
diagnostiziert worden war
en
(
Urk. 6/79/1).
Zwar
trifft
es
zu, dass
die Psychologin und der Psychiater im Aus
trittsbericht
keine Arbeitsunfähigkeit attestierten,
jedoch
wiesen sie darauf hin, dass ein
Arbeitsversuch im Rahmen von 30
%
geplant sei
,
und baten um eine Krankschreibung entsprechend dem Verlauf (Urk. 6/79/3). Mithin erscheint die Würdigung dieses Berichts durch den RAD einseitig, was
bereits gewisse
Zweifel
an seiner Beurteilung aufkommen lässt
.
Sodann
überzeugt
es nicht,
dass der Arbeitsmediziner des RAD die vom Psychia
ter
Dr.
A.___
attestierte Arbeitsunfähigkeit von 70 bis 80
%
(Urk. 6/96/8-9)
unter Hinweis auf angeblich
vorhandene Ressourcen
(der Beschwerdeführer bezeichne sich als arbeitswillig und sei in der Lage, in den Urlaub zu fahren)
und
unter der Annahme, dass
sich
lediglich die Verdachtsdiag
nose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
einschränkend auswirke,
für nicht nachvollziehbar
erklärt
, ohne dies näher zu begründen
(Urk. 6/97/9). Denn damit ist
- falls dies
e Einschätzung
überhaupt
zutreffen sollte
-
noch nicht gesagt, dass gar keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliegen würde. Auch dass der Beschwerdeführer selber der Meinung war, keine psychischen Probleme zu haben und in Einklang damit keinen Therapiewunsch
hegte
(Urk. 6/97/9), lässt nicht
für sich alleine bereits
auf eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit schliessen, sondern könnte beispielsweise
ebenso
auf eine fehlende Krank
heitseinsicht hinweisen. In diese Richtung
deuten die Angaben von Dr.
A.___
, wonach der Persönlichkeitstest eine starke Abwehr- und Negationstendenz
ergeben habe
und eine psychiatrische Intervention durch Verdrängung und Verleugnung erschwert sei (Urk. 6/96/8).
Med.
pract
.
B.___
verliess
mit der Bewertung psychiatrischer Diagnosen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sein Fachgebiet der
Arbeitsm
edizin
, was den Beweiswert seiner Ausführungen deutlich verringert
.
Seine
Aktenbe
urteilungen
vom
5.
Februar und vom 15. August 2018 (Urk. 6/97/9-10,
Urk.
6/103/2-3) erfüllen
nach dem Gesagten
die
allgemeinen beweisrecht
lichen Anforderu
ngen an
versicherungsinterne ärztliche Feststellungen
nicht
,
da
nicht unerhebliche
Zweifel an
ihrer
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen
(vgl.
BGE 135 V 465 E. 4.4
mit Hinweis
)
.
Im Übrigen
konnte
im vorliegenden Verfah
ren nicht - auch nicht
a
us Gründen der Verhältnismässigkeit
-
von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden
, zumal
im Rahmen beweiswertiger
psychiatrisch
er Berichte eine Arbeitsunfähigkeit
nicht
in nachvollziehbar begründeter Weise verneint
worden war
.
Vor diesem Hinter
grund sind weitere Abklärungen aus psychiatrischer Sicht angezeigt.
4.2
In somatischer Hinsicht stützte sich der RA
D auf die Beurteilung von Prof.
H.___
, wonach der Beschwerdeführer aus rein wirbelsäulenchirurgischer Sicht wieder arbeiten könne (Urk. 6/97/9). Dabei
v
e
r
schwieg
med.
pract
.
B.___
den Umstand
, dass Prof.
H.___
f
estgehalten hat
te
, eine interdisziplinäre Abklä
rung sei angezeigt
(Urk. 6/68/6)
,
und
dass er
im Zusammenhang mit dem pendenten invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren auf die Abklärungen durch die Rheumaklinik der Uni
versitäts
klinik
L.___
verwies
en hat
te
(Urk. 6/68/13).
Hinzu kommt, dass Prof.
H.___
den Beschwerdeführer postoperativ nur ein einziges Mal
gesehen hat
(Urk. 6/68/12,
Urk.
6/68/6). Dabei zeigte sich der Beschwerdeführer zwar schmerzfrei, doch nahm er noch dreimal täglich
Zaldiar
ein
(
Urk.
6/68/12)
, wobei es sich
um ein
Opioid-Analgetikum
zur Behandlung mittelstarker bis starker Schmerzen handelt (
https://compendi
um.ch/
product
/
115836-zaldiar-filmtabl
; besucht am 2
0.
Mai 2020).
Unberücksichtigt liess med.
pract
.
B.___
sodann die dem
jenigen von P
rof.
H.___
widersprechenden Berichte (vgl.
Urk.
6/97/9 und
Urk.
6/103/
2-3
).
Zwar war die Ausgangslage eine andere - da präoperativ-, als
die Ärzte des
F.___
,
Klinik für
Rheumatologie, den Beschwerdeführer selbst für angepasste Tätigkeit
en
in einem Umfang von 50
%
als eingeschränkt
erachteten
(E. 3.5
vorstehend
,
Urk. 6/44/4
)
. Indes postulierten die Ärzte des Spitals
J.___
a
uch
im April 2016 noch eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit für die bisherige Tätigkeit (E. 3.7 vorstehend,
Urk.
6/62/2).
Auch die Ärztin der Uni
versitäts
klinik
L.___
gab im April 2016 an, schwere körperliche Tätigkeiten sowie das Einhalten von Zwangshaltungen seien nicht möglich (E. 3.8 vorstehend,
Urk.
6/63/7), wobei
die
angestammte
Arbeit als Elektromonteur hohe
körperliche Beanspruchungen aufwies
(Urk. 6/60/5)
. Nach dem Gesagten sind - in Einklang mit der Beurteilung durch die Ärztin der Uni
versitäts
klinik
L.___
(Urk. 6/63/8) - auch bezüglich der Beschwerden an der und um die Wirbelsäule weitere Abklärungen der Arbeits- und Leistungsfähigkeit in der angestammten sowie in einer angepassten Tätigkeit angezeigt.
Ferner drängt sich eine interdisziplinäre Beurteilung auf, zumal die Schmerzen sowohl psychische als auch somatische Ursachen zu haben scheinen
(vgl.
Urk.
6/24/2,
6/25/13-14,
6/79/1,
6/96/6
)
.
4.3
Beim Beschwerdeführer steht überdies eine allfällige Einschränkung
namentlich
durch ein Schlafapnoe-Syndrom im Raum (Urk. 6/18/11, 6/25/1, 6/62/1, 6/63/7, 6/96/6).
Da
umfassende administrative Erstbegutachtungen regelmässig poly
disziplinär und damit zufallsbasiert anzulegen sind
,
insbesondere dann, wenn die medizinische Situation nicht offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fach
gebiete beschlägt
(BGE 139 V 349 E. 3.2),
wird eine polydisziplinäre Begutach
tung
vorzunehmen
sein.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das So
zialversicherungsgericht;
GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.2
Die Beschwerdegegnerin hat den
entscheidrelevanten
Sachverhalt nach dem Gesagten ungenügend abgeklärt.
Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzu
heben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese im Sinne vorstehender Erwägung rechtsgenügende medizinische Abklärungen zum Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
in angestammter sowie
gegebenenfalls
in leidensangepasster Tätigkeit
vornehme. Anschliessend wird die Beschwerdegegnerin über den Anspruch des Beschwerde
führers auf Leistungen der Invalidenversicherung neu zu entscheiden haben. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr. 800.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2)
, weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6.2
Nach § 34 Abs. 1 GSVGer hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses sowie dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Mangels Vorliegens einer Honorarnote ist die Prozessentschädigung ermessens
weise festzusetzen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Kriterien hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr.
2
'
4
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
3. September 2018
aufgehoben und die Sache a
n die Beschwerdegegnerin zurückge
wiesen wird, damit diese im Sinne der Erwägungen ergänzende Abklärungen treffe und hernach über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Prozessents
chädigung von
Fr.
2’400
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Stephanie C. Elms
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu
enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrWidmer