# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 11194c23-99ed-542e-81bf-6b0cb5161eba
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-05-31
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 31.05.2016 UV 2014/37
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2014-37_2016-05-31.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2014/37

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 31.05.2016

Entscheiddatum: 31.05.2016

Entscheid Versicherungsgericht, 31.05.2016
Art. 18 UVG. Rentenanspruch. Bestimmung der Vergleichseinkommen. 
Mangels konkreter Anhaltspunkte und Absichtserklärungen erscheint eine 
Validenkarriere in Form einer Meisterprüfung in der angestammten Branche 
nicht überwiegend wahrscheinlich (Entscheid des Versicherungsgerichts 
des Kantons St. Gallen vom31. Mai 2016, UV 2014/37).Entscheid vom 31. Mai 
2016

 

Besetzung

Präsident Joachim Huber, Versicherungsrichterinnen Christiane Gallati Schneider und 

Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Philipp Geertsen

Geschäftsnr.

UV 2014/37

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Hans Frei, Kriessernstrasse 40, 9450 Altstätten,

gegen

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Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 

4358, 6002 Luzern,

Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Invalidenrente

Sachverhalt

A.       

A.a      A.___ war bei der Fussorthopädie B.___ GmbH als Orthopädieschuhmacherin 

angestellt, und dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und 

Nichtberufsunfällen sowie von Berufskrankheiten versichert. Am 23. Dezember 2008 

stürzte die Versicherte beim Snowboarden und prallte mit dem Rücken gegen einen 

Baum. Sie erlitt dabei eine Spatberstungsfraktur LWK2 mit Einengung des 

Spinalkanals. Bei instabiler Fraktur wurde die Versicherte per Rega in die Klinik für 

Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen (KSSG) verlegt (Schadenmeldung 

vom 5. Januar 2009, UV-act. 36; Arztzeugnis der in der Abteilung Chirurgie am Spital 

C.___ behandelnden medizinischen Fachpersonen vom 21. Januar 2009, UV-act. 5). 

Dort wurde sie gleichentags operiert (dorsale Aufrichtespondylodese L1-3, 

Hemilaminektomie L2 links und Beckenkammspongiosaentnahme dorsal rechts, UV-

act. 2; Lumbotomie links, Korporektomie LWK2 und Wirbelkörperersatz mit 

Harmscage, UV-act. 3). Die Hospitalisation dauerte vom 23. bis 31. Dezember 2008. 

Die medizinischen Fachpersonen der Klinik für Orthopädische Chirurgie am KSSG 

diagnostizierten eine Rotationsverletzung mit kompletter Berstungsfraktur LWK2 und 

eine Kontusion Dig I an der rechten Hand (UV-act. 4; zur Handverletzung siehe auch 

den Bericht der Klinik für Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie am KSSG 

vom 27. Januar 2009, worin eine Ruptur ausgeschlossen und von einer leichten 

Überdehnung der Seitenbänder ausgegangen wurde, UV-act. 7). Bei regelrechtem 

Heilverlauf nahm die Versicherte am 16. März 2009 ihre Tätigkeit bei der bisherigen 

Arbeitgeberin zu 50% und ab 4. Mai 2009 zu 80% wieder auf (UV-act. 11 und UV-

act. 16; zum Heilverlauf siehe UV-act. 12 und 14), allerdings gesundheitsbedingt nicht 

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mehr in der Orthopädieschuhmacherei, sondern in der den Leiden besser angepassten 

Schäftemacherei (UV-act. 39-2; vgl. auch UV-act. 57-3 oben). Der behandelnde 

Dr. med. D.___, Facharzt FMH Innere Medizin, bescheinigte ab 2. Juni 2009 keine 

Arbeitsunfähigkeit mehr und schloss die Behandlung ab (ärztlicher Zwischenbericht 

vom 5. Juni 2009, UV-act. 18; vgl. auch UV-act. 20).

A.b     Am 15. Juni 2010 meldete die Versicherte der Suva „einen Rückfall“ und reichte 

die Ergebnisse einer am 9. April 2010 durchgeführten Computertomographie Abdomen 

Becken ein. Die Schmerzen seien nie wirklich besser geworden (Telefonnotiz vom 

15. Juni 2010, UV-act. 21; Bericht der Radiologie E.___, Diagnosezentrum F.___, vom 

9. April 2010, UV-act. 22). Dr. D.___ berichtete am 23. Juni 2010, die Versicherte leide 

an persistierenden bis verstärkten postakzidentiellen bzw. postoperativen 

Beschwerden: abdominale Dysästhesie linkes Abdomen/Flanke, Beckenkamm rechts 

und Ermüdungsschmerz lumbal, Kältegefühl am rechten Fuss (UV-act. 23; vgl. auch die 

Berichte von Dr. D.___ vom 4. Mai und 10. Juni 2011, UV-act. 32 und 35). Kreisarzt 

Dr. med. G.___, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des 

Bewegungsapparates FMH, nahm am 31. August 2011 die ärztliche 

Abschlussuntersuchung vor. Er diagnostizierte einen Status nach Berstungsfraktur 

LWK2 in Folge Sturz beim Snowboarden am 23. Dezember 2008; einen Status nach 

dorsaler Aufrichtespondylodese L1-3 mit Hemilaminektomie L2 links und 

Beckenkamm-spongiosaentnahme dorsal rechts; einen Status nach Lumbotomie links 

mit Korporektomie LWK2 und Wirbelkörperersatz mit Harmscage ohne wesentliche 

Funktionseinschränkung. Aktuell leide die Versicherte an bewegungs- und 

belastungsabhängigen Schmerzen im Operationsbereich sowie im lumbosakralen 

Übergang, an Kältegefühl im rechten Bein und ziehender Schmerzsymptomatik links 

abdominal. Sie fühle sich nicht mehr in der Lage, ihre Tätigkeit als Schäftemacherin zu 

100% auszuüben. Eine wesentliche Funktionseinschränkung der Wirbelsäule sei nicht 

zu objektivieren. Zur Abklärung der Restbeschwerden empfahl Kreisarzt Dr. G.___ eine 

neurologische Untersuchung. Die bisherige Tätigkeit der Versicherten als 

Orthopädieschuhmacherin sei ihr wegen ausgiebiger Zwangshaltung sowie zusätzlich 

erforderlicher muskulärer Belastung nicht mehr zuzumuten. Eine leidensangepasste 

Tätigkeit sei der Versicherten vollschichtig zuzumuten (UV-act. 57). Den 

Integritätsschaden schätzte er auf 10% (UV-act. 58).

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A.c      Mit Verfügung vom 2. September 2011 sprach die Suva der Versicherten 

ausgehend von einer 10%igen Integritätseinbusse eine Integritätsentschädigung von 

Fr. 12‘600.-- zu (UV-act. 59; die dagegen erhobene Einsprache vom 3. Oktober 2011 

zog die Versicherte am 20. Januar 2012 zurück; UV-act. 66 und UV-act. 76).

A.d     Am 26. Oktober 2011 wurde die Versicherte in der Klinik für Neurologie am 

KSSG untersucht (einschliesslich Elektromyografie). Die Experten berichteten, es 

ergebe sich klinisch und elektrophysiologisch der Verdacht auf eine Affektion des 

lumbalen sympathischen Grenzstrangs linksseitig bei Berstungsfraktur LWK2 und 

nachfolgender operativer Versorgung bei deutlich trophischen Störungen im Bereich 

des linken Beins. Bei den angegebenen Schmerzen im Bereich des linken Unterbauchs 

ergebe sich klinisch kein Anhaltspunkt für einen neuropathischen Schmerz, sodass sie 

die Beschwerden am ehesten als einen muskuloskelettalen Schmerz einordnen 

würden. Zur ätiologischen Abklärung könne diesbezüglich eine 

kernspintomographische Untersuchung sinnvoll sein. Bei jedoch geringem 

Leidensdruck seien sie in Bezug auf invasivere Abklärung/Therapie eher sehr 

zurückhaltend. Weiterhin zeige sich eine Hypästhesie im linken Unterbauch (Bericht 

vom 28. Oktober 2011, UV-act. 71). Nach der Kenntnisnahme dieser neurologischen 

Beurteilung gelangte Kreisarzt Dr. G.___ zum Schluss, es ergäben sich daraus keine 

neuen Gesichtspunkte. Bezüglich Zumutbarkeitsprofil könne auf den kreisärztlichen 

Untersuchungsbericht vom 31. August 2011 verwiesen werden (Stellungnahme vom 

13. Dezember 2011, UV-act. 73).

A.e      Anlässlich des Gesprächs vom 30. Januar 2012 teilte die Versicherte mit, sie sei 

mit ihrem gegenwärtigen 100%igen Arbeitspensum am Limit (UV-act. 77). Die Tätigkeit 

als Schäftemacherin hielt sie bezogen auf die gesundheitliche Zumutbarkeit als ideal. 

Optimal wäre aus ihrer Sicht ein 80%iges Pensum (UV-act. 84-2; vgl. auch UV-

act. 91-1 unten).

A.f       Zur Einholung einer Zweitmeinung wurde die Versicherte am 23. Juli 2012 von 

Prof. Dr. med. H.___, Becken- und Wirbelsäulenchirurgie an der Universitätsklinik für 

Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, Bern, untersucht. Er diagnostizierte einen 

Status nach dorsoventraler Spondylodese L1 bis L3 bei rotationsinstabiler LWK2 

Fraktur am 23. Dezember 2008. Langfristig sei mit low back pain zu rechnen. Die 

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Anschlusssegmente seien nicht betroffen. Die Versicherte habe aber eine deutliche 

Lordose. Am besten geeignet sei für sie eine Arbeitsstelle mit stetig wechselnder 

Position (stehend/ sitzend), wie sie aktuell ausgeübt werde. Allenfalls wäre es aufgrund 

der chronischen Beschwerden sinnvoll, die Arbeitszeit auf 80% zu reduzieren (UV-

act. 95). Dr. D.___ berichtete am 24. August 2012 über einen unverändert gebliebenen 

Gesundheitszustand der Versicherten (UV-act. 97). Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen 

schloss die beruflichen Massnahmen ab, da die Versicherte noch keine Umschulung 

habe angehen wollen (Mitteilung vom 18. Januar 2013, UV-act. 106).

A.g     Anlässlich des Gesprächs vom 18. Juni 2013 machte die Suva der Versicherten 

ein Vergleichsangebot (10%ige Invalidenrente ab 1. September 2011; vorläufig auf drei 

Jahre befristet, danach erneute Überprüfung). Diese zeigte sich gegenüber dem 

Vergleichsangebot ablehnend. Sodann orientierte sie darüber, dass sie eine befristete 

Anstellung als Lehrperson in einer Berufsfachschule mit einem Pensum von 20% 

erhalten habe (zum entsprechenden Einkommen vgl. UV-act. 122). Das 100%ige 

Arbeitspensum als Schäftemacherin werde sie entsprechend reduzieren. Ferner 

orientierte sie die Suva, dass sie ohne Unfall sehr gerne die Meisterprüfung (höhere 

Fachprüfung) Orthopädieschuhmacher absolviert hätte (UV-act. 118). Die Versicherte 

lehnte das Vergleichsangebot am 20. Dezember 2013 definitiv ab. Sie bot ihrerseits an, 

dass sie mit einer 20%igen Invalidenrente einverstanden wäre (UV-act. 126).

A.h     Mit Verfügung vom 31. Dezember 2013 wies die Suva das Rentengesuch der 

Versicherten ab (UV-act. 129). Dagegen erhob diese am 27. Januar 2014 Einsprache, 

worin sie eine 30%ige Invalidenrente beantragte (UV-act. 133). Die IV-Stelle des 

Kantons St. Gallen brachte der Suva am 25. Februar 2014 zur Kenntnis, sie gewähre 

der Versicherten Berufsberatung und Abklärung der beruflichen 

Eingliederungsmöglichkeiten (UV-act. 138). Am 3. April 2014 wies die Suva die 

Einsprache ab (UV-act. 139).

B.       

B.a      Gegen den Einspracheentscheid vom 3. April 2014 richtet sich die vorliegende 

Beschwerde vom 19. Mai 2014. Die Beschwerdeführerin beantragt darin dessen 

Aufhebung und die Zusprache einer 30%igen Invalidenrente mit Wirkung ab 

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1. November 2011; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Sie bringt vor, aufgrund 

ihrer körperlichen Beeinträchtigung sei sie nicht in der Lage, an vier Tagen die Woche 

als Schäftemacherin zu arbeiten und einen Tag als Lehrperson tätig zu sein. Deshalb 

habe sie ihre Tätigkeit in der Berufsschule per Juli 2014 gekündigt. Sodann habe sie 

feststellen müssen, dass der Beruf einer Schäftemacherin doch nicht ideal 

leidensangepasst sei. Zurzeit stehe in Frage, ob sie sich zur Kleinkindererzieherin 

umschulen lasse. Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen sei auch bereit, eine solche 

Umschulung zu finanzieren. Des Weiteren macht sie im Wesentlichen geltend, sie hätte 

ohne die unfallbedingten Gesundheitsbeeinträchtigungen die Prüfung zur diplomierten 

Orthopädieschuhmachermeisterin erfolgreich absolviert. Die Meisterprüfung hätte sie 

frühestens im Oktober 2011 abschliessen können. Dem Valideneinkommen sei daher 

der Verdienst einer Orthopädieschuhmacherin mit Meisterprüfung von monatlich 

mindestens Fr. 8‘000.-- zugrunde zu legen. Tatsächlich erziele sie ein monatliches 

Einkommen von Fr. 5‘500.--. Allerdings habe sie Fehlzeiten von rund 8%. Ohne 

Berücksichtigung dieser Fehlzeiten betrage die Erwerbseinbusse 31%. Sodann gehe 

auch die IV-Stelle des Kantons St. Gallen von einer Erwerbseinbusse von mindestens 

20% aus, habe sie doch einen Anspruch auf eine Umschulung anerkannt (act. G 1).

B.b     Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 17. Juni 

2014 die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich im Wesentlichen auf den 

Standpunkt, dass die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Validenkarriere 

nicht überwiegend wahrscheinlich sei. Im Zeitpunkt des Unfalls hätten keine konkreten 

Anhaltspunkte bestanden, dass sich die Beschwerdeführerin ohne Unfall zur Meisterin 

hätte ausbilden lassen. Da sich der Invalidenlohn mit dem Validenlohn decke, resultiere 

kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 10% (act. G 3).

B.c      In der Replik vom 24. September 2014 hält die Beschwerdeführerin unverändert 

an den gestellten Rechtsbegehren fest. Ergänzend bringt sie vor, die 

Beschwerdegegnerin lasse die unfallbedingten Fehlzeiten im Betrieb völlig ausser Acht. 

Sie habe mehr als das ihr Zumutbare geleistet, weshalb die Fehlzeiten anzurechnen 

seien. Aus einem hohen Pflichtbewusstsein habe sie die Fehlzeiten jeweils in ihrer 

Freizeit am Samstag nachgeholt. Dazu habe keine Verpflichtung bestanden. 

Zwischenzeitlich habe sie sich für eine Umschulung zur Augenoptikerin EFZ 

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entschlossen. Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen habe hierfür eine Kostengutsprache 

erteilt (act. G 8 und act. G 8.1; zur Taggeldverfügung siehe act. G 12.1).

B.d     Die Beschwerdegegnerin hält ihrerseits in der Duplik vom 23. Oktober 2014 an 

der beantragten Beschwerdeabweisung fest. Die Beschwerdeführerin habe 

ausdrücklich anerkannt, dass mit ihrem Wechsel zur Schäftemacherin keine 

Lohneinbusse verbunden gewesen sei (act. G 10).

Erwägungen

1.        

Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch 

der Beschwerdeführerin. Dabei bestehen unterschiedliche Standpunkte bezüglich der 

Höhe der Vergleichseinkommen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin 

(act. G 3, Rz 5) sind allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen 

bis zum Einspracheentscheid vom 3. April 2014 und nicht bloss bis zur 

vorangegangenen Verfügung vom 31. Dezember 2013 zu berücksichtigen (BGE 129 V 

223 E. 4.1).

1.1      Vorab gilt es zu bemerken, dass die Beschwerdeführerin am 15. Juni 2010 zwar 

einen „Rückfall“ angemeldet hat (UV-act. 21). Von der Beschwerdegegnerin wurde ihr 

zuvor jedoch kein Fallabschluss mitgeteilt. Aus den Akten ergeben sich des Weiteren 

keine Hinweise für einen von der Beschwerdegegnerin (ausdrücklich) vorgenommenen 

Fallabschluss. Ein solcher lässt sich namentlich auch nicht aus der Telefonnotiz vom 

6. Mai 2009 (UV-act. 16) oder aus dem Abschluss der medizinischen Behandlung durch 

Dr. D.___ herleiten (UV-act. 20). Von Bedeutung ist sodann, dass die 

Beschwerdeführerin ununterbrochen - insbesondere auch in der Zeit zwischen dem 

6. Mai 2009 bis 15. Juni 2010, während der sie keine Leistungen bezog - an 

Rückenschmerzen gelitten hat (UV-act. 16 und UV-act. 21). Der Rentenanspruch der 

Beschwerdeführerin ist daher unter dem Aspekt des Grundfalls zu prüfen (vgl. Urteil 

des Bundesgerichts vom 26. August 2008, 8C_433/2007, E. 2.3).

1.2      Ist die versicherte Person infolge des Unfalls zu mindestens 10% invalid (Art. 8 

des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; 

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SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des 

Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Die Invalidenrente 

beträgt bei Vollinvalidität 80% des versicherten Verdienstes; bei Teilinvalidität wird sie 

entsprechend gekürzt (Art. 20 Abs. 1 UVG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads 

wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität 

und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das 

sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).

2.       

Zur Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person 

im Zeitpunkt des frühest möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der 

überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Da die 

Invaliditätsbemessung der voraussichtlich bleibenden oder längere Zeit dauernden 

Erwerbsfähigkeit zu entsprechen hat (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG), ist auch die berufliche 

Weiterentwicklung mitzuberücksichtigen, welche die versicherte Person normalerweise 

vollzogen hätte; dazu ist allerdings erforderlich, dass konkrete Anhaltspunkte dafür 

bestehen, dass ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ein beruflicher Aufstieg und ein 

entsprechend höheres Einkommen realisiert worden wären. Blosse 

Absichtserklärungen genügen nicht. Vielmehr muss die Absicht, beruflich 

weiterzukommen, bereits durch konkrete Schritte wie Kursbesuche, Aufnahme eines 

Studiums, Ablegung von Prüfungen usw. kundgetan worden sein. Bei in jungen Jahren 

verunfallten Versicherten, die im Zeitpunkt des versicherten Ereignisses am Anfang 

ihrer beruflichen Laufbahn standen, entzieht sich die hypothetische Tatsache einer 

Jahre später im Gesundheitsfall ausgeübten bestimmten Tätigkeit naturgemäss einem 

strikten Beweis. Deshalb dürfen in derartigen Konstellationen die Anforderungen an 

den massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht 

überspannt werden (Urteil des Bundesgerichts vom 28. April 2015, 8C_612/2014, 

E. 4.2.2.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 12. November 2009, 

8C_550/2009, E. 4.2). Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (act. G 1, 

Rz 7) findet die von ihr erwähnte Bestimmung von Art. 28 Abs. 1 der Verordnung über 

die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) vorliegend keine Anwendung, beschlägt 

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diese Norm doch lediglich die berufliche Grundausbildung und nicht eine 

Weiterbildung, wie sie zwischen den Parteien im Streit steht (Urteil des Bundesgerichts 

vom 12. November 2009, 8C_550/2009, E. 4.2).

2.1      Gemäss Aktenlage zu Recht unbestritten ist der Zeitpunkt des frühest möglichen 

Rentenbeginns per 1. September 2011 (act. G 3, Rz 5; zum Rentenbeginn siehe Art. 19 

Abs. 1 UVG). Zu diesem Zeitpunkt war von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung 

keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin mit 

Auswirkung auf die Erwerbsfähigkeit mehr zu erwarten (vgl. UV-act. 57, UV-act. 104-1 

oben, UV-act. 104-2 unten und UV-act. 118-1 oben). Gemäss tatsächlich erzieltem 

Verdienst und den Angaben der Arbeitgeberin beträgt das Valideneinkommen für das 

Jahr 2011 Fr. 61‘500.-- ([Fr. 5‘100.-- x 12] + Jahreszulage von Fr. 300.--; UV-act. 111, 

UV-act. 113 und UV-act. 127-3).

2.2      Für die Zeit nach dem 1. November 2011 macht die Beschwerdeführerin unter 

Hinweis auf die im Gesundheitsfall absolvierte Meisterprüfung 

Orthopädieschuhmacherin eine Erhöhung des Valideneinkommens geltend (act. G 1, 

Rz 10).

2.2.1  Gestützt auf die berufliche Biografie vor dem Unfall und die sehr guten 

Leistungen ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die 

Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall über die Fähigkeit zur erfolgreichen 

Absolvierung der Meisterprüfung verfügt hätte (act. G 1.5 ff.; „eindeutig prädestiniert für 

die Meisterprüfung“, UV-act. 103).

2.2.2  Zu prüfen bleibt damit, ob konkrete Hinweise für die Annahme vorliegen, die 

Beschwerdeführerin hätte im Gesundheitsfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die 

Meisterprüfung bis zum vorliegend massgebenden Zeitpunkt vom 3. April 2014 

abgeschlossen. Von Bedeutung ist, dass die Beschwerdeführerin anlässlich des 

Gesprächs vom 19. März 2013 in Bezug auf die Meisterprüfung ausgeführt hat, „ob ich 

diese jedoch gemacht hätte, kann ich nicht sagen (konkret war nichts 

vorgesehen)“ (UV-act. 110-2 unten). Diese protokollierte Aussage blieb unbestritten. 

Sie ist mit den Ausführungen des Geschäftsführers der Arbeitgeberin vereinbar, aus 

denen sich nicht ergibt, die Absolvierung der Meisterprüfung in naher Zukunft sei 

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jemals - etwa anlässlich von Standortgesprächen - konkret angesprochen worden oder 

die Beschwerdeführerin habe konkrete Karriereabsichten zu erkennen gegeben (vgl. 

UV-act. 113; anlässlich des Gesprächs vom 15. Februar 2012 führte der 

Geschäftsführer ferner aus, die Beschwerdeführerin würde auch ohne den Unfall den 

heutigen Lohn beziehen, mithin er mit der Absolvierung der Meisterprüfung zumindest 

bis zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht gerechnet hat, UV-act. 77-2 unten). Vielmehr 

nannte er die Absolvierung der Meisterprüfung als generelle Entwicklungsmöglichkeit 

(„[…], dies wäre an und für sich für einen Orthopädie-Schuhmacher eine 

Zukunftsperspektive“, UV-act. 84-1 unten), ohne dass konkrete Absichtserklärungen 

seitens der Beschwerdeführerin erwähnt werden. Diese bringt denn auch nichts 

Gegenteiliges vor. Anlässlich der beruflichen Standortbestimmung in der Rehaklinik 

Bellikon wurde die Meisterprüfung bzw. der Verlust dieser Karriereoption nicht 

angesprochen (UV-act. 88). Die interne Anlehre zur Schäftemacherin erfolgte erst nach 

dem Unfallereignis aufgrund der besseren Leidensadaption der damit verbundenen 

Tätigkeiten und ohne Zusammenhang mit der Absolvierung der Meisterprüfung, die 

wegen der unfallbedingten Leiden für nicht mehr möglich gehalten wurde (UV-act. 113). 

Die erst mehrere Jahre nach dem Unfall von der Beschwerdeführerin vorübergehend 

ab 1. August 2013 während eines Jahres ausgeübte (im Voraus auf ein Jahr befristete) 

Nebentätigkeit als Lehrperson in der Berufsfachschule I.___ (UV-act. 122-3 und act. 

G 1.3) erfolgte nicht im Zusammenhang mit der Meisterprüfung. Auf das 

entsprechende Stelleninserat wurde sie von ihrem Chef aufmerksam gemacht, da 

dieser bei ihr vermehrt aufgetretene Unzufriedenheit bemerkt habe (UV-act. 118-1 f.). 

Unklar bleibt, was die Beschwerdeführerin mit dem Hinweis auf die Erwerbsbiografie 

eines Elternteils in einer nicht vergleichbaren Dienstleistungsbranche zu ihren Gunsten 

ableiten möchte (etwa act. G 1, Rz 7 am Schluss), lassen sich doch daraus keine 

konkreten Schlüsse für die vorliegend umstrittene Absolvierung einer Meisterprüfung 

ziehen oder konkrete Absichtserklärungen herleiten (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 

1. Februar 2012, 8C_864/2011, E. 5.2.3). Insgesamt fehlen nach dem Gesagten 

konkrete Anhaltspunkte, die über eine - wenn auch naheliegende - Spekulation 

hinausgehen und eine Erhöhung des Valideneinkommens rechtfertigen. Der von der 

Beschwerdeführerin ins Feld geführte Karriereschritt erscheint zwar möglich (vgl. auch 

UV-act. 43-1), ist aber nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Ins 

Bild passt denn auch, dass die erstmals aktenkundige Aussage, die 

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Beschwerdeführerin „hätte mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit die Meisterprüfung 

absolviert“, von deren Rechtsvertreter anlässlich des Gesprächs vom 18. Juni 2013 

stammt (UV-act. 118-1). Dabei ergibt sich im Übrigen weder daraus noch aus den 

Angaben der Beschwerdeführerin (UV-act. 118-2), sie hätte im Gesundheitsfall die 

Meisterprüfung im Zeitpunkt des Gesprächs, geschweige denn schon Ende Oktober 

2011 absolviert gehabt (zum entsprechenden Vorbringen in der Beschwerde siehe act. 

G 1, Rz 10). Der Vollständigkeit halber ist zu ergänzen, dass die Beschwerdeführerin 

hinsichtlich des Zeitpunkts des Abschlusses der Meisterprüfung keine näheren 

Angaben zu machen vermochte. Sie benannte lediglich den theoretisch frühest 

möglichen Zeitpunkt der Meisterprüfung (act. G 1, Rz 10).

3.        

Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend und in Übereinstimmung mit den Angaben der 

Arbeitgeberin zu den der Beschwerdeführerin nach dem Unfallereignis ausbezahlten 

Einkommen (UV-act. 111; zum im Rahmen der Lehrtätigkeit erzielten Lohn siehe UV-

act. 122) ausgeführt hat (UV-act. 127-3), ergibt sich im vorliegend zu beurteilenden 

Zeitraum selbst bei Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin beklagten 

Fehlzeiten bei einem Valideneinkommen für das Jahr 2011 von Fr. 61‘500.-- keine 

rentenbegründende Erwerbseinbusse von mindestens 10%. Darauf wird verwiesen. 

Dabei bestehen keine Hinweise dafür, dass einem Teil des Lohnes 

Gefälligkeitscharakter im Sinn eines Soziallohns zugekommen wäre (UV-act. 84-1 und 

UV-act. 113). Die Beschwerdeführerin hat denn auch ihrer Invaliditätsgradberechnung 

den tatsächlich ausbezahlten Lohn als Invalideneinkommen zugrunde gelegt (act. G 1, 

Rz 8 f.; auch aus den Ausführungen in act. G 8, Rz 1 werden keine davon 

abweichenden Aspekte vorgebracht). Aus der Kostengutsprache der IV-Stelle des 

Kantons St. Gallen vom 23. September 2014 (act. G 8.1) ergeben sich keine Zweifel, 

die gegen die Berücksichtigung des tatsächlich erzielten Einkommens als 

Invalideneinkommen für die Zeit bis zum Erlass des Einspracheentscheids (3. April 

2014) sprechen. Dies umso weniger, als sich weder daraus noch aus den übrigen 

Ausführungen der Beschwerdeführerin Hinweise für die von der IV-Stelle des Kantons 

St. Gallen konkret berücksichtigten Vergleichseinkommen entnehmen lassen. Vor 

diesem Hintergrund kann offen bleiben, ob die von ihr berücksichtigte 

Erwerbseinbusse im natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit dem 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/12

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Unfallereignis vom 23. Dezember 2008 steht. Der Beschwerdeführerin steht es 

schliesslich frei, nach dem Einspracheentscheid eingetretene Sachverhaltsänderungen 

mit Auswirkungen auf den Invaliditätsgrad im Rahmen einer Neuanmeldung 

vorzubringen und von der Beschwerdegegnerin beurteilen zu lassen.

4.        

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu 

erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen 

Anspruch auf eine Parteientschädigung.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.     

Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.     

Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 31.05.2016
	Art. 18 UVG. Rentenanspruch. Bestimmung der Vergleichseinkommen. Mangels konkreter Anhaltspunkte und Absichtserklärungen erscheint eine Validenkarriere in Form einer Meisterprüfung in der angestammten Branche nicht überwiegend wahrscheinlich (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom31. Mai 2016, UV 2014/37).Entscheid vom 31. Mai 2016

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		2025-07-19T08:11:29+0200
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