# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d78fed26-d6ca-527f-b45b-07a29b25f512
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 1997-03-07
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, UBI 07.03.1997 JAAC 61.67
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_010_JAAC-61-67--_1997-03-07.pdf

## Full Text

JAAC 61.67

Entscheid der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für
Radio und Fernsehen vom 7. März 1997; b. 336

Art. 3 LRTV en relation avec les art. 49 et 55bis al. 2 Cst. Liberté de
croyance, liberté d’expression et protection des sentiments religieux
dans les émissions satiriques.

- Un conflit d’intérêts qui peut résulter d’une confrontation entre la
liberté de croyance et la liberté du diffuseur en matière de programmes
doit être résolu à travers une mise en balance des valeurs protégées par
les droits constitutionnels qui s’affrontent.

- Une émission satirique dans laquelle une hostie est assimilée à une
banane et jetée en pâture à des singes blesse les sentiments religieux des
spectateurs et, partant, viole le droit des programmes.

Art. 3 RTVG in Verbindung mit Art. 49 und 55bis Abs. 2 BV.
Glaubensfreiheit, Meinungsfreiheit und Schutz religiöser Gefühle in
Satiresendungen.

- Ein Interessenkonflikt, der sich aus der Konfrontation der
Glaubensfreiheit mit der Programmfreiheit des Veranstalters
ergeben kann, ist im Rahmen einer Güterabwägung zwischen den
widerstreitenden Verfassungsrechten zu lösen.

- Eine Satiresendung, in der eine Hostie mit einer Banane gleichgesetzt
und Affen zum Frass vorgeworfen wird, verletzt die religiösen Gefühle
der Zuschauer und damit das Programmrecht.

1

Art. 3 LRTV in relazione con gli art. 49 e 55bis cpv. 2 Cost. Libertà di
credenza, libertà d’opinione e protezione dei sentimenti religiosi nelle
emissioni satiriche.

- Un conflitto d’interessi risultante dal raffronto fra libertà di credenza
e libertà di programmazione dell’emittente va risolto nell’ambito di una
ponderazione dei valori tutelati dai diritti costituzionali contrastanti.

- Un’emissione satirica nella quale un’ostia è assimilata a una banana e
gettata in pasto alle scimmie lede i sentimenti religiosi degli spettatori e
costituisce pertanto una violazione del diritto in materia di programmi.

I

A. Am 20. November 1996 strahlte das Schweizer Fernsehen DRS die
Satiresendung «Viktors Spätprogramm» aus. Die Sendung war in den Tagen
zuvor mit einem Trailer angekündigt worden. Darin wies ein vor einem
Affenkäfig stehender «Pfarrer» - gespielt von Viktor Giacobbo - auf die kürzlich
erfolgte Anerkennung der Evolutionslehre durch den Papst hin. Damit seien
jetzt auch Affen in den kirchlichen Dienst integriert, und man habe eine neue
Oblatenform entwickelt. Mit diesen Worten reichte der Pfarrer einem in
einem Käfig sitzenden Schimpansen eine Banane. In der Sendung selbst
wurde der an den Trailer anknüpfende Kurzfilm «Kirche und Darwin» gezeigt.
In einem Interview legte der bereits im Trailer aufgetretene «Pfarrer» in
satirischer Form die möglichen Auswirkungen der Evolutionslehre auf die
katholische Kirche dar. Während eine erste Szene dieses Interviews in einer
Art Studierzimmer spielte, fand die zweite in demselben Dekor wie bereits
der Trailer statt. Vor dem Affenkäfig äusserte sich der «Pfarrer» zu den neuen
Bestrebungen der katholischen Kirche, «Affen vermehrt in die Kirche zu
integrieren». Zu diesem Zwecke mache man derzeit Versuche mit kirchlichen
Insignien und untersuche, wie die Affen darauf reagierten. Während er dies
äusserte, warf der «Pfarrer» den Schimpansen im Käfig, die er mit Namen
hoher Würdenträger der katholischen Kirche betitelte, diverse Utensilien aus
dem klerikalen Bekleidungsbereich zu.

B. Gegen den Trailer und den Filmbeitrag erhebt der Beschwerdeführer am
10. Januar 1997 Beschwerde bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für
Radio und Fernsehen (im weitern: Unabhängige Beschwerdeinstanz oder UBI).
Der Beschwerdeführer macht im wesentlichen geltend, die Beiträge verletzten
die religiösen Überzeugungen von gläubigen Christen und störten den
religiösen Frieden. Sie stünden in diametralem Gegensatz zum Kulturauftrag
von Radio und Fernsehen und verletzten damit Art. 3 des Bundesgesetzes vom
21. Juni 1991 über Radio und Fernsehen (RTVG, SR 784.40).

2

(...)

II

(...)

2. Der Beschwerdeführer wirft der Schweizerischen Radio- und
Fernsehgesellschaft (SRG) hauptsächlich vor, eine Sendung ausgestrahlt zu
haben, die «gläubige Christen verschiedener Konfessionen als blasphemisch
empfinden müssen» und «eine öffentliche Verunglimpfung tiefster religiöser
Überzeugungen von Christen» bedeute. Deshalb liege ein Verstoss gegen den
kulturellen Leistungsauftrag von Radio und Fernsehen vor.

2.1. Der Leistungsauftrag von Art. 55bis Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 29. Mai 1874 (BV, SR 101) verpflichtet
die Veranstalter von Radio- und Fernsehsendungen insbesondere zum
Schutz kultureller Werte. Darunter fallen namentlich die juristisch fassbaren
Rechtsgüter, die der BV, der Europäischen Menschenrechtskonvention
der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte
und Grundfreiheiten (SR 0.101) und dem Internationalen Pakt vom
16. Dezember 1966 über bürgerliche und politische Rechte (SR 0.103.2) selbst
zu entnehmen sind. Zu diesem Ensemble unbestrittener Grundelemente eines
demokratischen Verfassungsstaates gehört ebenfalls die Glaubensfreiheit im
Sinne von Art. 49 BV (VPB 59.66, S. 552; 53.48, S. 342).

Art. 3 Abs. 1 RTVG konkretisiert das kulturelle Mandat insoweit, als er dessen
Erfüllung in der Gesamtheit der Programme fordert. Daraus folgt, dass nicht
jede einzelne Sendung einen positiven Beitrag zur Hebung der kulturellen
Werte leisten muss. Unzulässig wäre indessen eine Sendung, die in direktem
Gegensatz zu dieser Verpflichtung stünde, ihr geradezu entgegenwirkte, etwa
infolge vorwiegend destruktiven Charakters (VPB 60.85, S. 765; 59.66, S. 553;
53.47, S. 337).

2.2. In diesem Zusammenhang ist jedoch stets der in Art. 55bis Abs. 3 BV
garantierten Programmautonomie des Veranstalters Rechnung zu tragen, die
ihm insbesondere bei der Bestimmung seiner Themen, ihrer gestalterischen
Umsetzung und der Wahl des Stilkonzepts einen weiten Spielraum gewährt
(VPB 60.85, S. 760; 56.13, S. 99). Im Rahmen des Leistungsauftrags muss es
somit jedem Veranstalter erlaubt sein, sich kritisch mit den verschiedensten
Bereichen des staatlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen
Lebens auseinanderzusetzen. Insbesondere muss an Radio und Fernsehen
Kritik und Opposition auch gegen dominierende politische Meinungen,
herrschende Strukturen, Mehrheitsauf-fassungen und etablierte Ansichten
und Institutionen möglich sein. Es ist kein Thema denkbar, das einer
kritischen Erörterung in den elektronischen Medien entzogen sein müsste.
Eine Grenze liegt indessen in der Art und Weise der redaktionellen und
gestalterischen Umsetzung (VPB 59.67, S. 559; 59.66, S. 553).

3. Ein Interessenkonflikt, der sich aus der Konfrontation der Glaubensfreiheit
mit der Programmfreiheit des Veranstalters ergeben kann, ist im Rahmen
einer Güterabwägung zwischen den widerstreitenden Verfassungsrechten zu
lösen.

3

https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002735.pdf?ID=150002735
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003215.pdf?ID=150003215
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003215.pdf?ID=150003215
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002738.pdf?ID=150002738

3.1. Die Glaubensfreiheit im Sinne von Art. 49 BV garantiert die religiöse
Überzeugung als selbstverantwortlicher Bereich des einzelnen Menschen
(Ulrich Häfelin, Kommentar der Bundesverfassung, ad Art. 49 BV, Rz. 42).
Werden religiöse Fragen in der Öffentlichkeit thematisiert, so erfordert dieses
Grundrecht einen behutsamen Umgang mit den religiösen Gefühlen von
Betroffenen. Für die elektronischen Medien gilt dabei ein strengerer Massstab
als für Presseerzeugnisse, weil Radio und Fernsehen durch Art. 55bis BV in ein
kulturelles Mandat eingebunden sind (VPB 54.47, S. 299). Zwar schützt die
Glaubensfreiheit auch die Freiheit, Kritik zu üben an der Religion, an ihren
Grundsätzen sowie an den religiösen Überzeugungen anderer. Mit Art. 261
des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR
311.0) hat der Bundesgesetzgeber jedoch eine Strafnorm geschaffen, «die der
übermässigen und böswilligen Kritik an religiösen Anschauungen anderer
Einhalt gebietet» (Häfelin, a. a. O., Rz. 146). Art. 261 Abs. 1 StGB bringt diesen
Schutz zum Ausdruck, indem er die Beschimpfung oder Verspottung von
Überzeugungen in Glaubenssachen oder die Verunehrung von Gegenständen
religiöser Verehrung unter Strafe stellt. Die UBI hat in ihrer ständigen Praxis
festgehalten, dass die Beurteilung einer Sendung unter strafrechtlichen
Gesichtspunkten nicht in ihre Kompetenz fällt und dies allenfalls Aufgabe des
Strafrichters sei. Eine Berücksichtigung von Normen des Strafrechts erachtet
sie aber insofern als angezeigt, als diese allgemeine und elementare Prinzipien
der Rechtsordnung zum Ausdruck bringen und einzelnen Rechtsgütern einen
besonderen Schutz zukommen lassen (VPB 54.47, S. 298). Das Bundesgericht
bezeichnet in seiner Praxis die Glaubensfreiheit, genauer die Achtung vor
dem Mitmenschen und seiner Überzeugung in religiösen Dingen, als das von
Art. 261 Abs. 1 StGB geschützte Rechtsgut (BGE 86 IV 19, S. 23, bestätigt in BGE
120 Ia 220, S. 224 f.).

3.2. Die Unabhängige Beschwerdeinstanz räumt der Glaubensfreiheit
abwägungstechnisch in dem Mass ein besonderes Gewicht ein, als sie
Glaubensfragen zu den sensiblen Bereichen zählt (VPB 54.47, S. 300 ff.; 53.48,
S. 345). Praktisch äussert sich diese Privilegierung in der besonderen Sorgfalt,
die vom Veranstalter hinsichtlich der Art und Weise verlangt wird, in der er
religiöse Themen behandelt. Eine genügende Sorgfalt in den gestalterischen
Modalitäten vorausgesetzt, ist der Veranstalter grundsätzlich jedoch frei, auch
delikate Fragen aufzugreifen (VPB 59.66, S. 553).

4. Im konkreten Fall ist bei der verfassungsmässigen Interessenabwägung
neben der Glaubensfreiheit die Meinungsfreiheit in die Waagschale zu legen.

4.1. Mit Blick auf die zu beurteilende Sendung ist zu beachten, dass es
sich bei «Viktors Spätprogramm» um eine Humor- und Satiresendung
handelt. Literatur und Rechtsprechung anerkennen, dass der Satire auch
ein künstlerischer Wert zukommen kann (vgl. Georgios Gounalakis, Freiräume
und Grenzen politischer Karikatur und Satire, Neue Juristische Wochenschrift
[NJW] 1995, S. 809-816; Anja Bogler, Der verfassungsrechtliche Schutz von
Satire und Karikatur, Archiv für Urheber- Film- Funk- und Theaterrecht
[UFITA] 1988, S. 83-113; Georg Nolte, Falwell vs. Strauss: Die rechtlichen
Grenzen politischer Satire in den USA und der Bundesrepublik, Europäische
Grundrechte Zeitschrift [EuGRZ] 1988, S. 253-259; Thomas Würtenberger,
Satire und Karikatur in der Rechtsprechung, NJW 1983, S. 1144-1151). Weil das
Bundesgericht auch künstlerische Äusserungen durch die (ungeschriebene)
Meinungsfreiheit geschützt sieht (Entscheid des BGer in Schweizerisches

4

https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150001241.pdf?ID=150001241
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150001241.pdf?ID=150001241
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_120_Ia_220&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_120_Ia_220&resolve=1
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150001241.pdf?ID=150001241
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150002735.pdf?ID=150002735

Zentralblatt für Staats- und Gemeindeverwaltung [ZBl] 1963, S. 365; BGE 101 Ia
255), ist im Rahmen der vorliegenden Güterabwägung dieses Grundrecht der
Glaubensfreiheit gegenüberzustellen.

4.2. Mit der Glaubensfreiheit und der Meinungsfreiheit stehen sich zwei
ideelle Grundrechte gegenüber; im Sinne der Wertordnung der Verfassung
kann somit nicht von einem grundsätzlichen Vorrang des einen über das
andere gesprochen werden. Unter den Bedingungen der elektronischen
Medien schützt die Meinungsfreiheit gemäss Art. 55bis BV in erster Linie die
freie Meinungsbildung des Publikums. Dem Veranstalter garantiert diese
institutionell verstandene Freiheit in Abs. 3 lediglich die Programmautonomie
(vgl. oben, E. 2.2). Wie das Bundesgericht betont, gilt diese nur im Rahmen der
allgemeinen Informationsgrundsätze von Art. 4 RTVG bzw. von Art. 55bis Abs. 2
BV (BGE 122 II 471, S. 479; 121 II 29, S. 34).

5. Die Satire ist ein besonderes Mittel der Meinungsäusserung, bei dem
sich die Form bewusst nicht kongruent zur angestrebten Aussage verhält.
Die Form der Satire übersteigert die Wirklichkeit, verfremdet sie, stellt
sie um, kehrt wieder zu ihr zurück, banalisiert sie, karikiert sie, macht
sie lächerlich (VPB 60.91, S. 838). Ob sie jeweilen das Prädikat geistreich
verdient, ist nicht Gegenstand einer Beurteilung durch die Beschwerdeinstanz.
Voraussetzung der Tolerierung auch einer geschmacklosen Sendung ist aus
programmrechtlicher Sicht freilich, dass die Zuhörer oder Zuschauer die von
den Medienschaffenden gewählte Form auch als Satire erkennen können,
und dass sie nicht verletzend ist. Solches kann leicht der Fall sein, wenn
sie etwa den sensiblen Bereich des Religiösen, anderer gesellschaftlicher
Wertvorstellungen oder von Liebe und Sexualität berührt, oder wenn sie
Gewalt gegenüber Frauen, die Ausgrenzung benachteiligter Minderheiten,
die Diskriminierung von Menschen anderer Rasse oder anderweitige
Verletzungen der Menschenwürde banalisiert oder sich darüber lustig macht
(11. Jahresbericht der UBI vom 19. Mai 1995, S. 18).

Hingegen liegt es im Rahmen der von der Verfassung gewährten
Programmautonomie, dass sich ein Veranstalter in der Form der Satire
kritisch mit den verschiedenen Bereichen des staatlichen, wirtschaftlichen,
gesellschaftlichen, kulturellen und - in zurückhaltender Weise - religiösen
Lebens auseinandersetzt, dabei auch mit dominierenden politischen
Meinungen, herrschenden Strukturen, Mehrheitsauffassungen sowie
etablierten Ansichten und Institutionen. Die Beschwerdeinstanz hat jedoch
in ihrer Praxis (VPB 60.91, S. 839; 55.37; 53.48; 52.30) festgehalten, dass auch
der satirischen Behandlung eines Themas Grenzen gesetzt sind. Diese ergeben
sich im konkreten Fall insbesondere aus dem sensiblen und deshalb besonders
geschützten Bereich religiöser Gefühle.

6. Im Lichte dieser Grundsätze sind die angefochtenen Beiträge der Sendung
«Viktors Spätprogramm» vom 20. November 1996, d. h. der Kurzfilm «Kirche
und Darwin» und der Trailer zur Sendung, zu prüfen. Wegen der inhaltlichen
Übereinstimmungen zwischen den beiden Beiträgen beurteilt die UBI den
Trailer und den Kurzfilm «Kirche und Religion» als zusammengehörendes
Ganzes. Die programmrechtliche Würdigung der Sendung orientiert sich
am Eindruck, den diese auf das Publikum macht; anders als etwa bei der
strafrechtlichen Beurteilung ist nicht das Verschulden, die Absicht oder die

5

http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_101_Ia_255&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_101_Ia_255&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_122_II_471&resolve=1
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003236.pdf?ID=150003236
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150003236.pdf?ID=150003236

subjektive Gesinnung der Medienschaffenden massgeblich. Die UBI hat
Sendungen, so wie sie ausgestrahlt und empfangen wurden, zu beurteilen
und allenfalls den Veranstalter zur Verantwortung zu ziehen.

6.1. Bei «Viktors Spätprogramm» handelt es sich um eine bekannte Humor-
und Satiresendung, die regelmässig im Programm des Schweizer Fersehens
DRS ausgestrahlt wird. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die Zuschauer
wissen konnten, auch in der Sendung vom 20. November 1996 mit Satire
konfrontiert zu werden. Obwohl religiöse Themen wegen der besonderen
Verletzlichkeit religiöser Gefühle nur mit Zurückhaltung zum Gegenstand von
satirischen Sendungen im Fernsehen gemacht werden sollten, kann dem
Veranstalter nicht vorgeworfen werden, dass er die päpstliche Botschaft
zur Evolutionslehre in der angefochtenen Sendung thematisiert hat. Es
ist der SRG darin zuzustimmen, dass die Anerkennung der Darwinschen
Evolutionstheorie in einer im «Osservatore Romano» publizierten Botschaft
des Papstes nach vielen Jahren ihrer vehementen Ablehnung spektakulär ist.
Wie die SRG schreibt, ist diese Botschaft in den Medien weltweit zur Kenntnis
genommen und zum Teil unter der Schlagzeile «Der Mensch stammt nun auch
nach katholischer Glaubenslehre vom Affen ab» glossiert worden. Weil es zur
Eigenart der Satire gehört, die letzten, wenn auch grotesken Folgerungen eines
Ereignisses zu ziehen, durfte eine derartige Kehrtwendung einer mächtigen
Institution zum Gegenstand einer Satiresendung gemacht werden. Solches zu
verbieten, hiesse die Programmfreiheit des Veranstalters unverhältnismässig
einzuschränken (VPB 53.48, S. 342 f.).

6.2. Wie bereits in E. 2.2 dargelegt, ist Voraussetzung einer Behandlung dieses
heiklen Themas in einer Satiresendung jedoch, dass mit der Art und Weise in
der sie gestaltet ist, auf die religiösen Überzeugungen der Gläubigen Rücksicht
genommen wird. Diesbezüglich hält die angefochtene Sendung vor den
Anforderungen des Programmrechts nicht stand, wie nachfolgend zu zeigen
ist.

7. Im Rahmen der Sendung «Viktors Spätprogramm» vom 20. November 1996
leitete Viktor Giacobbo den Kurzfilm «Kirche und Darwin» ein mit den Worten:
«...da muss man sich nicht wundern, dass jetzt der Papst herausgefunden hat,
dass wir alle vom Affen abstammen. Damit meine ich nicht nur die Leute,
die ich erwähnt habe, um Gottes Willen (...), alle Menschen stammen ja vom
Affen ab. Eines aber ist sicher, die katholische Kirche ist die einzige Institution,
die sich da noch recht umgewöhnen muss». Im nachfolgenden Kurzfilm,
wurde ein von Viktor Giacobbo gespielter «katholischer Pfarrer» von einem
Journalisten über die Folgen der päpstlichen Anerkennung der Lehre Darwins
interviewt. Der erste Teil des Interviews spielte im «Studierzimmer» des
«Pfarrers», die zweite vor einem Affenkäfig. Nachdem es im ersten Teil um
mögliche Auswirkungen der erfolgten Anerkennung auf die redaktionelle
Formulierung der Schöpfungsgeschichte ging, lenkte der Journalist vor dem
Affenkäfig das Gespräch auf die Tatsache, dass der Mensch «ja jetzt auch
nach der Kirchenlehre vom Affen» abstamme. Der «Pfarrer» äusserte hierauf,
dass die katholische Kirche als Konsequenz davon nun versuche, den Affen
vermehrt in die Kirche zu integrieren. Während er dies äusserte, warf der
«Pfarrer» den Schimpansen im Käfig, die er mit Namen hoher Würdenträger
der katholischen Kirche betitelte, diverse Bekleidungsstücke katholischer
Priester zu.

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150001037.pdf?ID=150001037

Die Unabhängige Beschwerdeinstanz ist der Auffassung, dass dieser Kurzfilm
an der Grenze einer Programmrechtsverletzung liegt. Nicht als besonders
problematisch erachtet sie zunächst die Tatsache, dass die gezeigten
Schimpansen mit Namen hoher Würdenträger betitelt wurden. Mit Blick
auf den Schutzbereich der Glaubensfreiheit ist entscheidend, dass es hierbei
in erster Linie um die katholische Kirche als Institution gegangen ist und
nicht um die religiösen Überzeugungen von Gläubigen. Während religiöse
Gefühle und Glaubensüberzeugungen von einzelnen Menschen besonders
rasch verletzt sein können, benötigen die Kirche als mächtige Institution der
Gesellschaft und ihre Exponenten als Personen öffentlichen Interesses keinen
erhöhten Schutz als solche und dürfen - im Rahmen der E. 2.2 - auch kritisiert
werden. Schwerer wiegt hingegen, dass den Affen im Käfig Bestandteile von
religiösen Gewändern zum Spiel vorgeworfen wurden. Die SRG bringt hierzu
vor, dass für die Zuschauer erkennbar gewesen sei, dass es sich hierbei nicht
um originale, sondern um nachgeahmte kirchliche Gewänder handelte. Auch
wenn dies zutreffen mag, ändert es nichts daran, dass der gezeigte Umgang
mit Gegenständen, denen im katholischen Glauben ein symbolischer Wert
zukommt, an sich problematisch ist. Dennoch betrachtet die UBI diesen
Kurzfilm für sich alleine noch nicht als programmrechtsverletzend.

8. Etwas anderes gilt hingegen für den Trailer, mit dem die Sendung «Viktors
Spätprogramm» im Vorfeld ihrer Ausstrahlung vom 20. November 1996
angekündigt wurde.

8.1. Der Trailer zeigte den von Viktor Giacobbo gespielten «katholischen
Pfarrer» vor einem Affenkäfig, der sich wie folgt äusserte: «Gemäss dem
Heiligen Vater stammen wir alle ja jetzt vom Affen ab und darum versuchen
wir jetzt auch den Affen zu integrieren in kirchliche Dienste. Wir haben hier
eine neue Oblatenform entwickelt. Und jetzt schauen wir». Mit den Worten
«So, noch nicht jetzt. Jetzt kannst du ihn nehmen.» langte der «Pfarrer» dem
im Käfig sitzenden Affen die als Oblate bezeichnete Banane. Damit endete der
nur wenige Sekunden dauernde Trailer.

8.2. In einem früheren Entscheid zu einer Satieresendung am Radio («Kaktus»)
hat die UBI im Zusammenhang mit dem Schutz religiöser Gefühle festgestellt,
dass die Grenze einer Programmrechtsverletzung dann überschritten ist,
wenn zentrale Glaubensinhalte lächerlich gemacht werden (VPB 53.48,
S. 342 f.). In der von der UBI hauptsächlich gerügten Sequenz der Sendung
«Kaktus» ging es darum, dass der Geschlechtsakt zweier Personen von einem
Priester in der Form einer Litanei begleitet wurde. Die Beschwerdeinstanz
hielt dazu fest, dass die Programmschaffenden damit den hohen emotionalen
Gehalt der Litanei als zentraler Bestandteil des katholischen Kultus
missachteten und damit das Programmrecht verletzten (VPB 53.48, S. 344 f.).
Der vorliegende Fall wird von der UBI als ähnlich gelagert betrachtet. Hier
liegt die Hauptproblematik darin, dass die Hostie damit lächerlich gemacht
wurde, dass sie mit einer Banane gleichgesetzt und Affen gefüttert wurde. Die
Hostie, d. h. eine dünne, aus Weizenmehl und Wasser gebackene Scheibe, ist
das Abendmahlsbrot (Hostie). Der Hostie kommt im Rahmen der katholischen
Glaubensüberzeugungen eine zentrale Bedeutung zu, da mit ihr im Sinne
der Eucharistie die wahrhafte und wirkliche Gegenwart von Jesus Christus
in der Gestalt des Brotes gemeint ist. Durch ihre Konsekration sind die
eucharistischen Gestalten und damit auch die Hostie zu einem fortdauernden
Sakrament geworden. Die satirische Aufmachung der Szene hat nichts daran

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https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150001037.pdf?ID=150001037
https://www.amtsdruckschriften.bar.admin.ch/viewOrigDoc/150001037.pdf?ID=150001037

zu ändern vermocht, dass namentlich Zuschauer katholischen Glaubens den
Trailer als Gleichsetzung einer Hostie beziehungsweise des Leibes Christi
mit einer Banane verstehen mussten. Im Ergebnis erschien ihnen damit
der Umstand, dass die Banane den Affen zum Frass vorgesetzt wurde, als
Verunehrung eines Sakraments. Weil auf diese Weise der zentrale Gegenstand
des katholischen Glaubens lächerlich gemacht wurde, hat der Veranstalter die
religiösen Überzeugungen der Zuschauer verletzt. Deshalb ist die Beschwerde
in diesem Punkt begründet.

9. Unter Würdigung der angefochtenen Beiträge in ihrer Gesamtheit
kommt die Beschwerdeinstanz zum Ergebnis, dass die Sendung «Viktors
Spätprogramm» vom 20. November 1996 die Programmvorschriften
verletzt hat. Während der Kurzfilm «Kirche und Darwin» noch im Rahmen
des Tolerierbaren geblieben ist, wurden mit dem Trailer die religiösen
Überzeugungen der Zuschauer verletzt. Als Ganzes beurteilt, hat die fragliche
Sendung damit die Grenze einer Rechtsverletzung überschritten. Die
Beschwerde ist somit gutzuheissen.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften

Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées

Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali

JAAC 61.67 - Entscheid der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen

vom 7. März 1997; b. 336

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 1997
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