# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2cb5c216-b887-5aa3-a30e-8eddadeffefc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-08-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.08.2017 BVGE 2017 VI/4
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2017-VI-4_2017-08-17.pdf

## Full Text

2017 VI/4 Familienasyl 

 

 

20 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

2017 VI/4 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung IV 
i.S. C. gegen Staatssekretariat für Migration 

D–3175/2016 vom 17. August 2017 

Familienasyl. Anspruchsvoraussetzungen. Grundsatzurteil. 

Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG. 

1. Befinden sich die Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minder-
jährigen Kinder in der Schweiz, erhalten sie vorbehältlich beson-

derer Umstände ebenfalls die Flüchtlingseigenschaft und Asyl, 

auch wenn die Familiengemeinschaft erst in der Schweiz begrün-

det worden ist (E. 4.2–4.4, insb. 4.4.1). 

2. Befinden sie sich demgegenüber im Ausland, ist ihnen die Einreise 
zwecks Gewährung von Familienasyl nur zu bewilligen, wenn eine 

Familiengemeinschaft bestanden hat, welche durch die Flucht 

getrennt wurde, und keine besonderen Umstände gegen das Fami-

lienasyl sprechen (Bestätigung der Rechtsprechung; E. 3.1 und 

E. 4.4, insb. 4.4.2). 

Asile accordé aux familles. Conditions d'octroi. Arrêt de principe.  

Art. 51 al. 1 et 4 LAsi. 

1. Si le conjoint d'un réfugié et ses enfants mineurs se trouvent en 
Suisse, ils obtiennent également le statut de réfugié et l'asile sous 

réserve de circonstances particulières, même si la communauté 

familiale n'a été fondée qu'en Suisse (consid. 4.2–4.4, en parti-

culier 4.4.1). 

2. En revanche, s'ils se trouvent à l'étranger, ils ne sont autorisés à 
entrer en Suisse pour y obtenir l'asile familial que si la commu-

nauté familiale a été séparée par la fuite, et pour autant qu'aucune 

circonstance particulière ne s'oppose à l'octroi de l'asile familial 

(confirmation de la jurisprudence; consid. 3.1 et 4.4, en particulier 

4.4.2). 

Asilo accordato alle famiglie. Presupposti di diritto. Sentenza di prin-

cipio.  

Art. 51 cpv. 1 e 4 LAsi.  

Familienasyl 2017 VI/4 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 21 

 

1. Se i coniugi di rifugiati e i loro figli minorenni si trovano in 
Svizzera ottengono anch'essi la qualità di rifugiato e l'asilo, anche 

se la comunità familiare sia stata fondata solo in Svizzera, fatte 

salve circostanze particolari (consid. 4.2–4.4, in particolare 4.4.1). 

2. Se, al contrario, si trovano all'estero, essi ottengono l'autorizza-
zione d'entrata al fine di garantire l'asilo accordato alle famiglie 

soltanto se si tratta di ricostituire un nucleo familiare separato 

dalla fuga e in assenza di circostanze particolari che si oppongono 

alla concessione dell'asilo familiare (conferma della giurispru-

denza; consid. 3.1 e 4.4, in particolare 4.4.2).  

Die Beschwerdeführerin – eine somalische Staatsangehörige – reiste am 

9. November 2007 in die Schweiz ein, wo sie noch am selben Tag um Asyl 

nachsuchte. Mit Verfügung vom 18. Mai 2009 stellte das Staatssekretariat 

für Migration (SEM, zuvor Bundesamt für Migration [BFM]) fest, die 

Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihr 

Asylgesuch ab und verfügte ihre Wegweisung aus der Schweiz. Gleich-

zeitig ordnete es ihre vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des 

Wegweisungsvollzugs an. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in 

Rechtskraft. 

Im Jahr 2014 gebar die Beschwerdeführerin die Tochter B. und am 13. No-

vember 2015 heiratete sie den Vater des Kindes, ihren Landsmann C., dem 

infolge eines am 20. September 2011 gestellten Asylantrags am 4. Dezem-

ber 2012 Asyl gewährt worden war. 

Mit Eingabe vom 28. Januar 2016 stellte der Rechtsvertreter für die Ehe-

frau und Beschwerdeführerin sowie die gemeinsame Tochter ein Gesuch 

um Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG 

(SR 142.31) mit dem Begehren, es seien die Begünstigten in die Flücht-

lingseigenschaft von C. einzubeziehen. 

Mit Verfügung vom 20. April 2016 wurde die Tochter B. vom SEM ge-

stützt auf Art. 51 Abs. 3 AsylG als Flüchtling anerkannt und ihr in der 

Schweiz Asyl gewährt. Hingegen lehnte das SEM mit separater Verfügung 

gleichen Datums bezüglich der Beschwerdeführerin das Gesuch um Fami-

lienasyl gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG ab und stellte fest, die vorläufige 

Aufnahme gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG (SR 142.20) bleibe bestehen. 

Mit Eingabe vom 20. Mai 2016 liess die Beschwerdeführerin durch ihren 

Rechtsvertreter Beschwerde erheben und beantragen, die Verfügung der 

Vorinstanz sei aufzuheben und es sei gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG ihre 

2017 VI/4 Familienasyl 

 

 

22 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne des Einbezugs in die Flüchtlingseigen-

schaft ihres Ehegatten festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. 

Das Bundesverwaltungsgericht heisst die Beschwerde gut. 

Aus den Erwägungen: 

3.  
3.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden – unter dem Titel Familien-
asyl – Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder als 

Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Um-

stände dagegen sprechen. Mit dem sogenannten « Familienasyl » erhalten 

die Angehörigen der Kernfamilie die gleiche Rechtsstellung und damit 

auch denselben flüchtlingsrechtlichen Schutz wie der nachziehende aner-

kannte Flüchtling (vgl. SPESCHA et al., in: Migrationsrecht, Kommentar, 

4. Aufl. 2015, N. 1 zu Art. 51 AsylG). Wurden die anspruchsberechtigten 

Personen durch die Flucht getrennt und befinden sie sich im Ausland, so 

ist ihre Einreise auf Gesuch hin zu bewilligen (Art. 51 Abs. 4 AsylG). Die 

Bewilligung der Einreise zwecks Gewährung von Familienasyl dient der 

Wiederherstellung von Familiengemeinschaften, die durch die Flucht ge-

trennt wurden, hingegen nicht der Aufnahme von neuen oder der Wieder-

aufnahme von beendeten Beziehungen (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4.2). So-

fern nicht schon besondere Umstände im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG 

gegen eine Familienvereinigung in der Schweiz sprechen (vgl. dazu bei-

spielsweise BVGE 2012/32 E. 5.2–5.4), ist die Einreise in die Schweiz 

gestützt auf Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG nur zu bewilligen, wenn eine Fa-

miliengemeinschaft bestanden hat, welche durch die Flucht getrennt wur-

de; vorbehalten bleibt der Familiennachzug gemäss den Vorschriften des 

AuG (vgl. BGE 139 I 330 E. 1.3.2–1.4.1). 

3.2 Die Beschwerdeführerin ist im November 2007 in die Schweiz 
eingereist und seit dem 18. Mai 2009 vorläufig aufgenommen. Die Frage, 

ob ihr die Einreise in die Schweiz zu bewilligen ist, stellt sich somit nicht. 

Strittig ist lediglich, ob die Anerkennung als Flüchtling und die Asylge-

währung gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG ausgeschlossen bleibt, weil die 

Familiengemeinschaft der Beschwerdeführerin erst in der Schweiz be-

gründet wurde und somit keine Familiengemeinschaft bestanden hat, die 

durch die Flucht getrennt wurde. Wie von der Beschwerdeführerin und 

dem SEM unter Hinweis auf verschiedene Urteile des Bundesverwal-

tungsgerichts zu Recht geltend gemacht wird ([…]), besteht diesbezüglich 

keine kohärente Rechtsprechung. Die Frage ist deshalb zu klären. 

Familienasyl 2017 VI/4 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 23 

 

4.  
4.1 Das Gesetz ist aus sich selbst heraus, das heisst nach Wortlaut, 
Sinn und Zweck und den ihm zugrunde liegenden Wertungen auf der Basis 

einer teleologischen Verständnismethode, auszulegen. Auszurichten ist die 

Auslegung auf die ratio legis, die zu ermitteln dem Gericht allerdings nicht 

nach seinen eigenen, subjektiven Wertvorstellungen, sondern nach den 

Vorgaben des Gesetzgebers aufgegeben ist. Die Auslegung des Gesetzes 

hat zwar nicht entscheidend historisch zu erfolgen, ist im Grundsatz aber 

dennoch auf die Regelungsabsicht des Gesetzgebers und die damit erkenn-

bar getroffenen Wertentscheidungen auszurichten, da sich die Zweckbe-

zogenheit des rechtsstaatlichen Normenverständnisses nicht aus sich selbst 

begründen lässt, sondern aus den Absichten des Gesetzgebers abzuleiten 

ist, die es mit Hilfe der herkömmlichen Auslegungselemente zu ermitteln 

gilt. Die Gesetzesauslegung hat sich vom Gedanken leiten zu lassen, dass 

nicht schon der Wortlaut die Rechtsnorm darstellt, sondern erst das an 

Sachverhalten verstandene und konkretisierte Gesetz. Gefordert ist die 

sachlich richtige Entscheidung im normativen Gefüge, ausgerichtet auf ein 

befriedigendes Ergebnis aus der ratio legis (vgl. BVGE 2015/3 E. 5.2; 

2012/2 E. 3.1; 2009/8 E. 7.1). 

4.2 In der Fassung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998, welches am 
1. Oktober 1999 in Kraft getreten ist, lautete Art. 51 Abs. 1 AsylG wie 

folgt: Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder werden 

als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, sofern keine besonderen 

Umstände dagegen sprechen. In der Folge wurde der Wortlaut der Bestim-

mung zweimal neu formuliert. In der Fassung gemäss Anhang Ziffer 3 des 

Partnerschaftsgesetzes vom 18. Juni 2004 (SR 211.231), welches am 

1. Januar 2007 in Kraft trat, lautete Art. 51 Abs. 1 AsylG: Ehegatten, 

eingetragene Partnerinnen oder Partner von Flüchtlingen und ihre min-

derjährigen Kinder werden als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, 

wenn keine besonderen Umstände dagegen sprechen (AS 2005 5697). 

Eine weitere Anpassung erfolgte durch Ziffer I 2 des Bundesgesetzes vom 

15. Juni 2012 über Massnahmen gegen Zwangsheiraten, welches am 1. Ju-

li 2013 in Kraft trat (AS 2013 1035). In dieser Revision wurde Art. 79a 

AsylG eingeführt, der besagt, dass die Bestimmungen des 3. und 4. Kapi-

tels über Ehegatten sinngemäss auch für die eingetragene Partnerschaft 

gleichgeschlechtlicher Paare gelten. Aufgrund dieser neuen Bestimmung 

wurde in Art. 51 Abs. 1 AsylG die Erwähnung der eingetragenen Partne-

rinnen und Partner (wieder) gestrichen (vgl. Botschaft vom 23. Februar 

2011 zum Bundesgesetz über Massnahmen gegen Zwangsheiraten, BBl 

http://www.admin.ch/ch/d/as/2013/1035.pdf

2017 VI/4 Familienasyl 

 

 

24 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

2011 2185, 2223). Mit der durch das Partnerschaftsgesetz erfolgten Revi-

sion wurde der Kreis der anspruchsberechtigten Personen auf eingetragene 

Partnerinnen oder Partner von Flüchtlingen erweitert, ohne Art. 51 Abs. 1 

AsylG darüber hinaus materiell zu ändern. Die durch das Bundesgesetz 

über Massnahmen gegen Zwangsheiraten erfolgte Revision von Art. 51 

Abs. 1 AsylG hatte ausschliesslich redaktionellen Charakter. Die seit 1. Ju-

li 2013 in Kraft stehende Fassung von Art. 51 Abs. 1 AsylG lautet nun-

mehr: Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder werden 

als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl, wenn keine besonderen Um-

stände dagegen sprechen. Sie ist damit – vom Wörtchen « wenn » (anstelle 

von « sofern ») abgesehen – wieder identisch mit der ursprünglichen Fas-

sung des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998. Inhaltliche Unterschiede zwi-

schen der deutschen und der französischen beziehungsweise der italie-

nischen Fassung von Art. 51 Abs. 1 AsylG, die für die Auslegung der 

Bestimmung relevant sein könnten, bestehen offensichtlich nicht. Der 

französische Text lautet: Le conjoint d'un réfugié et ses enfants mineurs 

sont reconnus comme réfugiés et obtiennent l'asile, pour autant qu'aucune 

circonstance particulière ne s'y oppose. Und im Italienischen lautet Art. 51 

Abs. 1 AsylG: I coniugi di rifugiati e i loro figli minorenni sono ricono-

sciuti come rifugiati e ottengono l'asilo, sempre che non vi si oppongano 

circostanze particolari. Bis auf die Streichung des Wortes « ebenfalls » 

und den Zusatz « und erhalten Asyl » ist Art. 51 Abs. 1 AsylG zudem 

wörtlich identisch mit Art. 3 Abs. 3 des Asylgesetzes vom 5. Oktober 1979 

(aAsylG, AS 1980 1718), welches bis zur Totalrevision des Asylgesetzes 

vom 26. Juni 1998 in Kraft gewesen ist (vgl. Art. 120 Bst. a AsylG). Dieser 

lautete: Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder wer-

den ebenfalls als Flüchtlinge anerkannt, sofern keine besonderen Umstän-

de dagegen sprechen. 

4.3  
4.3.1 Aus dem Wortlaut von Art. 51 Abs. 1 AsylG ergibt sich nicht, 
dass die anspruchsberechtigten Personen durch die Flucht getrennt worden 

sein müssen, damit die Bestimmung zur Anwendung gelangt. Dass es nicht 

der ratio legis entspricht, die Anwendung dieser Bestimmung auf Fälle zu 

beschränken, in denen die Familiengemeinschaft durch die Flucht getrennt 

wurde, zeigt zudem die Entstehungsgeschichte von Art. 51 Abs. 1 AsylG. 

4.3.2 Die Vorgängerregelung von Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG findet 
sich in Art. 3 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 1 des am 1. Oktober 1999 aufgeho-

benen (AS 1999 2297) Asylgesetzes vom 5. Oktober 1979. Die Bestim-

mungen lauteten: 

Familienasyl 2017 VI/4 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 25 

 

Art. 3 Der Begriff « Flüchtling » 

1 […] 

2 […] 

3 Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder werden 

ebenfalls als Flüchtlinge anerkannt, sofern keine besonderen Um-

stände dagegen sprechen. 

Art. 7 Familienvereinigung 

1 Ehegatten von Flüchtlingen und ihren minderjährigen Kindern wird 

Asyl gewährt, wenn die Familie durch die Flucht getrennt wurde und 

sich in der Schweiz vereinigen will. Artikel 6 ist nicht anwendbar. 

2 […] 

Die ehemalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) hat sich zur 

Tragweite von Art. 3 Abs. 3 aAsylG und zum Verhältnis von Art. 3 Abs. 3 

aAsylG zu Art. 7 Abs. 1 aAsylG in zwei Grundsatzentscheiden vom 

18. März 1994 und vom 28. Juni 1995 befasst. Sie hat in diesen Urteilen 

dargelegt, dass die Praxis es stets als vorrangig erachtet habe, für die Fami-

lien einen einheitlichen Rechtsstatus zu erreichen; Ausfluss dieser Praxis 

sei insbesondere auch, dass selbst in der Schweiz geborene Kinder aner-

kannter Flüchtlinge regelmässig deren Status gestützt auf Art. 3 Abs. 3 

aAsylG erlangen. Diese Praxis sei zu bestätigen und demzufolge der Ehe-

gatte eines in der Schweiz anerkannten Flüchtlings grundsätzlich (Rechts-

missbrauch vorbehalten) in Anwendung von Art. 3 Abs. 3 aAsylG in des-

sen Flüchtlingseigenschaft miteinzubeziehen. Dabei sei unerheblich, ob 

die Ehe erst in der Schweiz und erst nach dem originären Anerkennungs- 

und Asylgewährungsentscheid geschlossen worden sei. Dem Gesetz lasse 

sich nichts entnehmen, das eine unterschiedliche Behandlung der Ehegat-

ten rechtfertigen würde, je nachdem, wann die Heirat stattfinde. Vielmehr 

trete der Grundsatz des einheitlichen Rechtsstatus für die ganze Familie in 

den Vordergrund, sodass es auf den Zeitpunkt der Eheschliessung nicht 

ankomme (vgl. dazu ausführlich Entscheidungen und Mitteilungen der 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 11 E. 3; 

1995 Nr. 15 E. 5b und c; vgl. auch 1996 Nr. 14 E. 6). 

4.3.3 In seiner Botschaft vom 4. Dezember 1995 zur Totalrevision des 
Asylgesetzes sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über Aufenthalt 

und Niederlassung der Ausländer (BBl 1996 II 1) schlug der Bundesrat in 

Art. 48 AsylG unter dem Titel « Familienasyl » (vgl. BBl 1996 II 1, 157) 

eine Regelung vor, die wie folgt lautete: 

2017 VI/4 Familienasyl 

 

 

26 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

1 Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder, die sel-

ber keine Verfolgung geltend machen, werden als Flüchtlinge aner-

kannt und erhalten Asyl, wenn: 

a) sie gemeinsam ein Asylgesuch gestellt haben und keine Asylaus-

schlussgründe vorliegen; 

b) die Familie durch die Flucht getrennt wurde, sich in der Schweiz 

vereinigen will und keine besonderen Umstände dagegen spre-

chen. 

2 In der Schweiz geborene Kinder von Flüchtlingen werden auch als 

Flüchtlinge anerkannt. 

3 Andere nahe Angehörige von in der Schweiz lebenden Flüchtlingen, 

die durch die Flucht getrennt wurden und sich in der Schweiz ver-

einigen wollen, können in das Familienasyl eingeschlossen werden, 

wenn besondere Umstände für eine Zusammenführung in der 

Schweiz sprechen. 

4 Befinden sich die anspruchsberechtigten Personen im Ausland, so 

ist ihre Einreise zu bewilligen. 

5  Der Bundesrat regelt für Flüchtlinge, die vorläufig aufgenommen 

worden sind, die Voraussetzungen für eine Vereinigung der Familie 

in der Schweiz. 

Der Bundesrat hielt in seiner Botschaft zunächst hinsichtlich des in Art. 48 

AsylG geregelten Familienasyls allgemein fest, der besagte Artikel über-

nehme und vereinheitliche im Wesentlichen den bisherigen Art. 3 Abs. 3 

respektive Art. 7 AsylG. Wie bislang zählten zum begünstigten Personen-

kreis Ehegatten von Flüchtlingen und ihre minderjährigen Kinder sowie 

unter bestimmten Voraussetzungen andere nahe Angehörige von in der 

Schweiz lebenden Flüchtlingen. 

Der Leitgedanke des Familienasyls bestehe darin, den Rechtsstatus der 

zum Zeitpunkt der Flucht bestehenden Kernfamilie eines Flüchtlings ein-

heitlich zu regeln, sofern sie dieselbe Nationalität wie der Flüchtling be-

sitze. Diese einheitliche Regelung rechtfertige sich, da davon ausgegangen 

werde, dass die engsten Familienangehörigen unter der Verfolgung des 

Ehegatten beziehungsweise der Ehegattin respektive eines Elternteils im 

Heimatstaat mitgelitten hätten oder selbst der Gefahr der Verfolgung aus-

gesetzt gewesen seien. Dabei sei es unerheblich, ob einzelne Familienmit-

glieder tatsächlich verfolgt worden seien. Eine « conditio sine qua non » 

der Konzeption des Familienasyls sei daher die Tatsache, dass zum Zeit-

punkt der Flucht eine Familiengemeinschaft bestanden haben müsse. 

Familienasyl 2017 VI/4 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 27 

 

Sodann hielt der Bundesrat unter Bezugnahme auf Art. 48 Abs. 1 AsylG 

seines Entwurfs weiter fest, ein automatischer Einbezug in die Flüchtlings-

eigenschaft des Gatten oder der Gattin beziehungsweise der Eltern und die 

anschliessende Gewährung von Asyl sei demnach nur in den Fällen mög-

lich, in denen die Voraussetzungen nach Absatz 1 vorliegen würden und 

eine Familiengemeinschaft vor der Flucht bestanden habe […] Einge-

schränkt werde diese Möglichkeit hingegen für Ehegatten, die diese Vor-

aussetzungen nicht erfüllen würden – insbesondere bei der nachträglichen 

Heirat eines anerkannten Flüchtlings mit einer Person aus seinem Heimat-

staat. In diesen Fällen sei im Vergleich mit dem bisherigen Recht kein 

automatischer Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft mehr möglich (vgl. 

zum Ganzen BBl 1996 II 1, 68 f.). 

Aus diesen Ausführungen wird deutlich, dass der Bundesrat beabsichtigte, 

die bisherige Rechtslage zu ändern, und die Gewährung des Familienasyls 

nur in den Fällen ermöglichen wollte, in denen eine Familiengemeinschaft 

bereits vor der Flucht bestanden hat. Familiengemeinschaften, die nicht 

durch die Flucht getrennt oder die erst in der Schweiz begründet wurden, 

hätten nach der Konzeption des Bundesrats nicht mehr in den Genuss des 

Familienasyls gelangen können. 

4.3.4 Aus den Protokollen der vorberatenden Kommission des Na-
tionalrates geht jedoch hervor, dass die in der Botschaft vorgesehene Kon-

zeption des Bundesrates kritisiert und abgelehnt wurde. Mehrheitlich wur-

de votiert, dass entsprechend der bisherigen Rechtslage am Grundsatz, 

dass der Status der Familie eines Flüchtlings einheitlich zu regeln ist, un-

abhängig davon, wann die Ehe geschlossen wurde beziehungsweise die 

Kinder geboren wurden, festgehalten werden soll. Die Verwaltung hat der 

Kritik im weiteren Verlauf der Beratungen Rechnung getragen und der 

Kommission einen neuen Vorschlag unterbreitet, in dem die in den Art. 3 

Abs. 3 und Art. 7 aAsylG enthaltene bisherige Regelung inhaltlich unver-

ändert übernommen wurde. Der neue Vorschlag von Art. 48 Abs. 1 AsylG, 

welcher dem heute geltenden Art. 51 Abs. 1 AsylG entspricht, hat die 

Kommission schliesslich verabschiedet und dem Nationalrat zur Zustim-

mung unterbreitet (vgl. AB 1997 N 1240). Im Nationalrat führte Rose-

Marie Ducrot als Sprecherin der Kommission dazu aus, der in der Bot-

schaft enthaltene Entwurf von Art. 48 entferne sich in erheblicher Weise 

vom geltenden Recht. Eine sehr grosse Mehrheit der nationalrätlichen 

Kommission bevorzuge indessen die frühere Konzeption des Gesetzes, die 

für die Familieneinheit eine viel günstigere Regelung vorgesehen habe. 

2017 VI/4 Familienasyl 

 

 

28 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

Die Mehrheit der vorberatenden Kommission schlage deshalb dem Ple-

num – mit 13 gegen 5 Stimmen, also deutlich – eine überarbeitete Fassung 

von Art. 48 vor, die in allen Punkten das aktuelle Gesetz beachte (vgl. AB 

1997 N 1241). Dem Antrag der Kommission stimmte der Nationalrat am 

16. Juni 1997 (vgl. AB 1997 N 1241) zu. Die ständerätliche Kommission 

beantragte ihrerseits Zustimmung zum Beschluss des Nationalrates. Der 

Ständerat stimmte diesem Antrag am 18. Dezember 1997 (vgl. AB 1997 S 

1346) ohne weitere Diskussion zu. Schliesslich wurde das totalrevidierte 

Gesetz, in welchem die Regelung zum Familienasyl zufolge einer Neu-

nummerierung nunmehr in Art. 51 AsylG figuriert, in der Volksabstim-

mung vom 13. Juni 1999 angenommen (vgl. Bundesratsbeschluss vom 

19. August 1999 über das Ergebnis der Volksabstimmung vom 13. Juni 

1999, BBl 1999 7293). 

4.3.5 Vor diesem Hintergrund wird klar, dass die eidgenössischen Räte 
an der bisherigen Rechtslage festhalten wollten, gemäss welcher der Status 

der Familie des Flüchtlings einheitlich zu regeln ist. Dieser Erkenntnis ent-

sprechend hat die ARK in einem publizierten Urteil vom 21. März 2000 

(vgl. EMARK 2000 Nr. 11) ausgeführt, dass sich aufgrund des revidierten 

Art. 51 AsylG keine Änderungen an der bisherigen Rechtslage gemäss 

Art. 3 Abs. 3 und Art. 7 aAsylG ergeben würden. Gleichzeitig hat sie be-

stätigt, dass es für den Fall, in dem sich die nahen Angehörigen (anspruchs-

berechtigten Personen), welche um Einschluss in das Familienasyl ersu-

chen, bereits in der Schweiz befinden, nicht notwendig sei, dass sie durch 

Flucht von den sich in der Schweiz aufhaltenden Personen getrennt wur-

den; diese Voraussetzung gelte hingegen weiterhin für Personen, welche 

sich noch im Ausland aufhalten würden. 

4.4  
4.4.1 Zusammenfassend ergibt sich, dass – besondere Umstände vorbe-
halten – die sich in der Schweiz aufhaltenden anspruchsberechtigten Ange-

hörigen des Flüchtlings gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG auch dann als 

Flüchtlinge anerkannt werden und Asyl erhalten, wenn vor deren Einreise 

in die Schweiz keine Familiengemeinschaft bestanden hat, die durch die 

Flucht des Flüchtlings getrennt worden ist. Die ratio legis gebietet mit an-

deren Worten, den Status der Familie des Flüchtlings einheitlich zu regeln, 

ungeachtet dessen, ob die Familiengemeinschaft vorbestanden hat oder 

erst in der Schweiz begründet wurde. Ehegatten von Flüchtlingen sind des-

halb als Flüchtlinge anzuerkennen und es ist ihnen Asyl zu gewähren, auch 

wenn die Ehe erst in der Schweiz geschlossen wurde, und auch in der 

Familienasyl 2017 VI/4 

 

 

BVGE / ATAF / DTAF VI 29 

 

Schweiz geborene Kinder von Flüchtlingen sind als Flüchtlinge anzuer-

kennen (Art. 51 Abs. 3 AsylG). 

4.4.2 Befinden sich die in Art. 51 Abs. 1 AsylG genannten Angehöri-
gen des in der Schweiz anerkannten Flüchtlings hingegen im Ausland, so 

ist ihnen – besondere Umstände vorbehalten – gestützt auf Art. 51 Abs. 4 

AsylG die Einreise auf Gesuch hin nur zu bewilligen, wenn eine Familien-

gemeinschaft bestanden hat, welche durch die Flucht des Flüchtlings ge-

trennt wurde (vgl. E. 3.1). 

4.4.3 Das SEM vertritt in der angefochtenen Verfügung und in seiner 
Vernehmlassung zwar unter Hinweis auf die Botschaft zur Totalrevision 

des Asylgesetzes (…) sowie auf dahingehend lautende Urteile des Bundes-

verwaltungsgerichts die Ansicht, Art. 51 Abs. 1 AsylG gelange nur zur An-

wendung, falls eine Familiengemeinschaft vorbestanden habe, die durch 

die Flucht getrennt worden sei. Es übersieht dabei freilich, dass eine solche 

Auslegung – wie die Entstehungsgeschichte zeigt (vgl. E. 4.3) – offen-

sichtlich nicht der ratio legis entspricht.