# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4edc18d8-893b-5710-a58b-5598696d0275
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-08-05
**Language:** de
**Title:** Neuanmeldung; früherer wie auch aktueller Gesundheitszustand nur ungenügend abgeklärt; Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2016.00551
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2016.00551.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2016.00551
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichterin Romero-Käser
Gerichtsschreiberin Tiefenbacher
Urteil
vom
5. August 2016
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch DAS Rechtsschutz-Versicherungs-AG
MLaw
Y.___
Badenerstrasse
141, 8004 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1983, Mutter zweier Kinder (geboren 2004 und 2014), reiste
im
Jahr
2003 in die Schweiz ein und
war als
Reinigungsmitar
beiterin
tätig, als sie sich
nach einem Unfall (vgl. Urk. 7/
15/3
)
am 23. Mai 2011 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 7/4). Auf
grund der medizinischen Abklärungen kam die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Schluss, dass die Versicherte an einem Ehlers-
Danlos
-Syndrom leide, welches schon vor der Einreise in die Schweiz ausge
wiesen gewesen sei, und verneinte nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/
31-34
)
einen Rentenanspruch
mit Verfügung vom 24. Oktober 2011
(Urk. 7/35). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am 2. November 2012 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 7/55). Mit der Begründung, es habe sich seit der letzten Verfügung an der Situation nichts geändert, trat die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Urk. 7/6
1
-64) mit Verfügung vom 20. Februar 2013 auf das Leistungsbegehren nicht ein (Urk. 7/66). Gegen diese Verfügung erhob die Ver
sicherte am 20. März 2013 Beschwerde (Urk. 7/
75
/3-6). Das Verfahren
Nr. IV.2013.00287
wurde am 17. Juni 2013 als gegenstandslos geworden abge
schrieben (Urk. 7/87/1-4), nachdem die IV-Stelle die Verfügung vom 20. Feb
-
ruar
2013
am 4. Juni 2013
wiedererwägungsweise aufgehoben hatte
(Urk. 7/79). Mit Verfügung vom 6. Mai 2014 wies die IV-Stelle das
Leistungsbe
gehren
der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad unter 40 % nach durchge
führtem Vor
-
bescheidverfahren
(
Urk.
7/100,
Urk. 7/102-103, Urk. 7/105, Urk. 7/111) ab (Urk. 7/113). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechts
kraft.
1.3
Mit als Beschwerde bezeichnetem Gesuch vom 3. Juni 2013 (richtig: 2014) stellte die Versicherte bei der IV-Stelle einen Antrag auf berufliche Massnahmen (Urk. 7/118). Diese
s
wurde abgewiesen, da keine beruflichen Eingliederungs
massnahmen möglich
seien
(Mitteilung vom 22. Juli 2014, Urk. 7/122).
1.4
Am 15. Dezember 2015 meldete sich die Versicherte nach einem Sturz auf den Rücken (vgl. Urk. 7/167) wiederum zum Leistungsbezug an (Urk. 7/166). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/171-179) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren aufgrund eines unveränderten Gesundheit
s
zustandes
mit Verfügung vom 8. April 2016
ab (Urk.
7/18
1
= Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 8. April 2016 erhob die Versicherte am 10. Mai 2016 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die IV-Stelle sei zu verpflichten, weitere
Abklärungen vorzunehmen und ihr die gesetzlichen Leistungen auszurichten (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 7. Juni 2016 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin am 20. Juni 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 die
ser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
Anlass zur Rentenrevision
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG
gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheits
-
zustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor,
wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhalts
-
abklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133
V
108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
2.
Streitig ist der Anspruch auf
Leistungen
der Invalidenversicherung. Dabei steht fest, dass die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführe
rin vom
15. Dezember 2015
(Urk.
7/166
) eingetreten ist. Letztmals materiell beurteilt wurde deren Gesundheitszustand mit
Verfügung vom 6. Mai 2014
(Urk.
7/11
3
), mit welche
r
der Anspruch auf eine Invalidenrente verneint wurde. Zu prüfen
ist
somit, ob sich der massgebliche Sachverhalt zwischen de
r
Verfü
gung
vom
6. Mai 2014
und der angefochtenen Verfügung vom
8. April 2016
(Urk.
2) in einer für den
Leistungsanspruch
erheblichen Weise
geändert hat.
3.
3.1
Zur Prüfung des Leistungsanspruchs, welche mit Verfügung vom 6. Mai 2014 (Urk. 7/113) ihren Abschluss fand,
lagen der Beschwerdegegnerin folgende Arztberichte vor:
3.2
Dr.
med.
Z.___
,
Praktischer Arzt
, diagnostizierte im Bericht vom 22. Juni 2011 (Urk. 7/15
/
1-2) rezidivierende Stürze bei Verdacht auf Ehlers
-
Danlos
-
Syndrom. Die Beweglichkeit mehrerer Gelenke sei pathologisch. Es bestehe
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
bis auf weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 31. März 2011.
3.3
3.3.1
Die Ärzte des
A.___
, Departement Chirurgie, diagnosti
zierten im Bericht vom
21. Juli 2011 (Urk. 7/17)
F
olgendes:
-
Trochleadysplasie
beidseits mit/bei
-
habituelle
n
Patellaluxationen
beidseits
-
Status nach Erstluxation links vom
3
1. März 2011
-
Status nach wahrscheinlich
ligamentärer
Korrektur Patella rechts vor 12 Jahren in Kroatien
-
rezidivierende Schulterluxationen beidseits
-
generalisierte
Hyperlaxizität
Generell sei die Indikation für eine
Trochleaplastik
gegeben
.
3.3.2
Am 24. Februar 2012 wurde eine
Kniescheibenstabilisationsoperation mittels
Trochleaplastik
(modifiziert gemäss Breiter) mit Rekonstruktion
des
medialen
patellofemoralen
Ligaments
(MPFL)
links durchgeführt (vgl. Operationsbericht vom 28. Februar 2012, Urk. 7/6
2
/1-2).
3.3
.3
Dem Bericht
vom 20. September 2012 (Urk. 7/53/2-3) kann entnommen werden, dass die Restbeschwerden sieben Monate postoperativ weitestgehend durch die strenge Arbeit in der Gebäudereinigung erklärt werden könnten. Ausserdem wurde zu den bereits gestellten Diagnosen die Verdachtsdiagnose eines
lumbo
radikulären
Reizsyndroms links (L3-5) gestellt.
3.4
Im Auftrag des Unfallversicherers erstattete
Dr.
med.
B.___
,
Fach
arzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsappa
rates,
am 25. Juli 2011 seinen Bericht über die vertrauensärztliche Untersu
chung (Urk. 7/18). Darin diagnostizierte er eine chronisch habituelle Patella-Luxation beidseits bei
Tr
ochlea
-Dysplasie beidseits. Aus orthopädischer Sicht gebe es zwei Therapie
-
Optionen. Zum einen die operative Sanierung mittels
Trochlea
-Plastik, zum anderen die
Physiotherapie
sowie das Tragen einer stabi
lisierenden Bandage. Mit der Operation könne ein stabiler Zustand erreicht wer
den, Schmerzfreiheit könne hierdurch jedoch nicht erwartet werden. Es bestehe für den zuletzt ausgeübten Beruf eine eingeschränkte Arb
eit
sfähigkeit. Vor allem kniende Tätigkeiten seien nicht zu empfehlen, ebenso kauernde Tätigkei
ten und das Steigen auf Leitern. Unter diesen Voraussetzungen bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80 %.
3.5
3.5
.1
Dr.
med.
C.___
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Oberarzt
D.___
Klinik
,
diagnostizierte im Bericht vom 8. Januar 2013 (Urk. 7/62/4-5) ein
femoropatelläres
Schmerz- und
Instabi
litätsproblem
beidseits, links mehr als rechts
,
mit Status nach
Trochleaplastik
und MPFL-Rekonstruktion links am 24. Februar 2012 und einem Status nach
patellazentrierendem
Eingriff rechts vor 9 Jahren in Kroatien. Es liege eine
femoropatelläre
Schmerz- und Instabilitätsproblematik beidseits vor. Links sei
die Symptomatik ausgeprägter als rechts. Die Beschwerdeführerin gehe aktuell an Stöcken. Der Leidensdruck sei erheblich und die Lebensq
ualität deutlich ein
geschränkt.
3.5
.2
Dem
Bericht vom 4. April 2014 (Urk. 7/104)
können
folgende Diagnosen
entnom
men werden
:
-
b
eginnende
Femoropatellararthrose
links
-
Status nach medialer
Retinaculumplastik
nach
Insall
und Lateralrelease sowie
Osteophytenabtragung
Knie links am 6. Juni 2013
-
Trochleaplastik
und MPFL-Plastik Knie links am 24. Februar 2012
Die Beschwerdeführerin gehe wieder ohne Stöcke, was als Teilerfolg zu werten sei.
Sie
werde als Reinigungskraft vermutlich nie mehr arbeiten können. Zentral erscheine zum aktuellen Zeitpunkt die Umschulung in eine weniger körperlich belastende Arbeitstätigkeit.
4
.
4.
1
Der aktuelle Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ergibt sich aus den folgenden Arztberichten:
4
.2
Dr.
med.
E.___
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates,
Oberarzt
D.___
Klinik
, stellte im Bericht vom 19. November 2014 (Urk. 7/167/14-15) die folgenden Diagnosen:
-
Lumbalgien
-
leichtes
Femoropatellarsyndrom
rechts mit muskulärer Schwäche mit/bei
-
Status nach
patellazentrierendem
Eingriff in Kroatien vor zirka 11 Jah
ren
-
beginnende
Femoropatellararthrose
links mit/bei:
-
Status nach medialer
Retinaculumplastik
nach
Insall
und
Lateral
release
sowie
Osteophytenabtragung
Knie links am 6. Juni 2013
-
Trochleaplastik
und MPFL-Plastik Knie links am 24. Februar 2012
Die Beschwerdeführerin habe sich mit Lumbalgien vorgestellt. Bezüglich des linken Knies habe sie angegeben, dass es nicht schlecht gehe. Im Vordergrund stünden aktuell die Lumbalgien, welche durch die Schwangerschaft ausgelöst und eventuell durch falsches Tragen des Babys entstanden seien. Des Weiteren müssten vor allem auch die Stabilisierungsmöglichkeiten des Knies angegangen werden.
4
.3
Dr.
med.
F.___
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates,
Oberarzt
D.___
Klinik
,
stellte
am
2. November 2015 (
Urk. 7/158 =
Urk. 7/165/1-2 =
Urk. 7/167/4-5
) als
Haupt
diagnose
ein
chronisches
thorakolumbales
und
lumbospondylogenes
Schmerz
-
syndrom mit/bei konsolidierter Deckplattenfraktur LWK 1 in Keilform nach Sturz im September 201
4.
Als Nebendiagnosen stellte er die b
ekannten, die Knie betreffenden
Diagnosen. Die Schmerzursache s
ei
unklar. Gegebenen
falls handle es sich um ein muskuläres Problem oder eine fortschreitende post
traumatische Bandscheibendegeneration.
4
.4
Dr.
med.
G.___
,
Facharzt für Rheumatologie,
L
eitender Arzt
D.___
Klinik
,
wiederholte
in seinem Bericht vom 2
0
. November 2015 (Urk. 7/165
/3-4
= Urk. 7/167/8-9
)
die von
Dr.
F.___
(vgl. oben E.
4
.3) gestellten Diagnosen. Es sei
en
die für die Beschwerdeführerin typischen
thora
kolumbalen
Beschwerden reproduziert worden. Die Infiltration sei schmerzhaft gewesen, was auf eine Irritation des
thorakolumbalen
Übergangs hinweise. Das
intraartikuläre
Volumen sei deutlich kleiner als sonst üblich, was auf eine Ver
klebung beziehungswiese Hypomobilität in diesem Bereich schliessen l
asse
. Allenfalls sei eine manuelle Behandlung sinnvoll.
5
.
5
.1
Ursprünglich ging die Beschwerdegegnerin davon aus, dass die Beschwerde
-
führe
rin
die versicherungsmässig
en Voraussetzungen nicht erfülle
, da sie mit einer
Erbkrankheit
,
für deren Vor
liegen
im Übrigen
lediglich ein
e
Verdacht
s
-
diagnose
spreche
(vgl. E.
3.2
)
, belastet,
in die Schweiz eingereist sei (vgl. Urk. 7/35). Weil die Beschwerdeführerin nach ihrer Einreise in die Schweiz trotz der allfälligen Erbkrankheit während mehrerer Jahre ohne Einschränkun
gen in der Arbeitsfähigkeit gearbeitet hatte, kam die Beschwerdegegnerin, nachdem sie auf die Neuanmeldung vom 2. November 2012
(Urk. 7/55)
mit Verfügung vom 20. Februar 2013
(Urk. 7/66)
nicht eingetreten war,
diese Ver
fügung aber am 4. Juni 2013 wiedererwägungsweise wieder aufgehoben hatte (Urk. 7/79),
zu Recht zum Schluss, dass die Invalidität frühestens nach einer Arbeitsunfähigkeit von 40 % in bisheriger Tätigkeit während mindestens eines Jahres bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % nach Ablauf des
War
tejahres
, mithin ein Jahr nach dem Unfall vom März 2011
habe
eintreten kön
nen
,
und die
Be
-
schwerdeführerin
somit im März 2012 die
versicherungsmässi
gen
Voraus
-
setzungen erfüllt
e
. Damit zog
die Beschwerdegegnerin
mit Verfü
gung vom 6. Mai 2014
(Urk. 7/113)
die Verfügung vom 24. Oktober 2011 (Urk. 7/35) in Wiedererwägung
und
beurtei
t
e
den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin für den Zeitraum seit der erstmaligen Anmeldung im Mai 2011 (vgl. Urk. 7/4) bis zum Verfügungserlass
.
5
.2
Was den Gesundheitszustand im Zeitpunkt der erstmaligen Rentenabweisung
im Mai 2014
betrifft, ist aufgrund der ärztlichen Berichterstattung (E.
3.2-3.5
) davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin an Knieproblemen mehr links als rechts litt.
Darüber hinaus wurde die Verdachtsdiagnose eines
lumboradiku
lären
Reizsyndroms links (L3-5) gestellt.
Die Beschwerdegegnerin ging davon aus
, dass die Beschwerdeführerin
durch
die Knieprobleme
in ihrer angestamm
ten Tätigkeit vollständig eingeschränkt sei, eine behinderungsangepasste Tätig
keit indessen
ohne Einschränkung ausüben könn
e (Feststellungsblatt vom
15. September 2011, Urk. 7/30).
Das
lumboradikuläre
Reizsyndrom, welches allerdings in den Arztberichten nur einmal erwähnt wurde, fand bei der Leis
tungsprüfung keine Be
rücksichtigung (vgl.
Feststellungsblätter
vom 18. Dezember 2012, Urk. 7/5
9
; vom 20. Februar 2013, Urk. 7/65; vom 30. Dezember 2013, Urk. 7/1
01; vom 7. März 2014, Urk. 7/98; und vom 6. Mai 2014, Urk. 7/112
).
Zur Arbeitsfähigkeit äusserten sich
Dr.
Z.___
,
Dr.
H.___
und
Dr.
C.___
.
Dr.
Z.___
(E.
3.2
)
attestierte
in der bisherigen Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Zur Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit äusserte er sich nicht.
Dr.
B.___
(E.
3.4
)
ging von einer einge
schränkten Arbeitsfähigkeit für den zuletzt ausgeübten Beruf
aus
und beschrieb n
icht zu empfehlende Tätigkeiten
, nämlich das Knien und das Kauern
sowie
das S
teigen auf Leitern.
Unter diesen Voraussetzungen bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Ob er damit eine Arbeitsfähigkeit von 80 % in der bisherigen Tätig
keit oder in einer angepassten meinte, ist nicht klar.
Dr.
C.___
schliesslich stellte sich, nachdem sich die Beschwerdeführerin einer Knieoperation unterzogen hatte, auf den Standpunkt (E.
3.5.2
), dass die Beschwerdeführerin als Reini
g
u
n
gskraft nie mehr
werde arbeiten können und schlug eine Umschulung in eine körperlich weniger anstrengende Tätigkeit vor, ohne anzugeben,
welche Tätigkeiten geeignet und in welchem Umgang solche Tätigkeiten zumutbar wären
.
Da
den medizinischen Berichten die der Beschwerdeführerin zumutbare Arbeitsfä
higkeit im Zeitpunkt der erstmaligen Rentenabweisung im Mai 2014
nicht
schlüssig entnommen werden kann
,
und
Dr.
med.
Dr.
rer
. pol.
I.___
, Facharzt für
Allgemeine
Innere Medizin, des
Regionale
n
Är
zt
liche
n
Dienst
es
(RAD)
in seiner Stellungnahme vom 12. September 2011 (Urk. 7/30 S. 3) auch nicht begründet
e
, weshalb von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen und von keiner Einschränkung in einer angepassten Tätigkeit auszugehen sei, und
zudem
aufgrund der Akten nicht beurteilbar ist, ob dem RAD die nach dem 12. September 2011 eingegangenen Arztberichte überhaupt unterbreitet wurden (vgl. Feststellungsblätter
vom 18. Dezember 2012,
Urk. 7/5
9
; vom 20. Februar 2013, Urk. 7/65; vom 30. Dezember 2013, Urk. 7/101; vom 7. März 2014, Urk. 7/98; und vom 6. Mai 2014, Urk. 7/112),
beruht
die Rentenabweisung
auf einer nicht nachvollziehba
ren Beurteilung der Arbeitsfähigkeit.
Deshalb
ist aber auch nicht feststellbar, ob sich seither die Arbeitsfähigkeit und der In
validitätsgrad verändert haben
, wes
halb allein der Gesundheitszustand im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 8. April 2016 (Urk. 2) zu prüfen ist
.
5
.3
Doch lassen sich a
uch d
er aktuelle Gesundheitszustand
und die
aktuelle
Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführerin aufgrund der vorliegenden medizini
schen Berichte (E.
4
.2-
4
.4) nicht abschliesse
nd beurteil
en. Fest steht nur, dass die Beschwerdeführerin bei einem Sturz im September 2014 eine
Deckenplat
tenfraktur
LWK 1 erlitt, welche mittlerweile in Keilform konsolidiert ist, und
Dr.
F.___
(E.
4
.3) ein chronisches
thorakolumbales
und
lumbospondylo
genes
Schmerzsyndrom diagnostizierte. Keiner der Ärzte, die die Beschwerde
führerin nach dem Sturz behandelten, äusse
rten sich zur Arbeitsfähigkeit. Sie wurden von der Beschwerdegegnerin auch nie danach gefragt.
Für
Dr.
F.___
(E.
4
.3) war die Schmerzursache
unklar
. Er
erachtete ein muskuläres Problem oder eine fortschreitende posttraumatische
Bandscheiben
degeneration
als möglich und verwies die Beschwe
rdeführerin an
Dr.
G.___
(E.
4
.4). Dieser stellte sich auf den Standpunkt, dass die schmerzhafte Infiltra
tion auf eine Irritation des
thorakolumbalen
Übergangs hinweise, und schloss, dass eine Verklebung beziehungsweise eine Hypomobilität vorhanden sei, da das Volumen intraartikulär deutlich kleiner
sei
als sonst üblich.
Über den Erfolg der Facettengelenksinfiltration gibt es keine Angaben.
Dr.
E.___
(E.
4
.2) schlug vor, die Stabilisierungsmöglichkeiten
der Knie
anzugehen, wobei nicht klar ist, ob er sich davon
lediglich eine verbesserte Kniestabilität oder
auch eine
B
esserung der von ihm diagnostizierten Lumbalgien versprach.
Insgesamt ist der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nur ungenügend abgeklärt, weshalb die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit sie ergänzende Abklärungen vornehme und hernach über den
Le
istungs
anspruch
neu entscheide.
Dementsprechend ist die
Verfügung vom 8. April 2016 (Urk. 2) in Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben.
6
.
6
.1
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
6
.2
Der obsiegenden und vertretenen Beschwerdeführerin steht eine
Prozessentschädi
gung
zu, die beim p
raxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
185
.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessensweise auf Fr.
1
‘700.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung vom 8. April 2016 aufgehoben, und es wird die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessentschä
digung
von Fr.
1‘700
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
DAS Rechtsschutz-Versicherungs-AG
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannTiefenbacher