# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 07c1ddc8-7443-5077-b14b-512b8e3410fc
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-02-28
**Language:** de
**Title:** Zwischenverfügung; neurologische Begutachtung notwendig
**Docket/Reference:** IV.2017.01229
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2017.01229.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2017.01229
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Philipp
Gerichtsschreiber Kreyenbühl
Urteil
vom
28. Februar 2018
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Philip
Stolkin
Freiestrasse
76, Postfach 420, 8032 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
,
geboren 1957, arbeitete
seit dem 1. Dezember 2009 als Bohr
meister bei der
Y.___
AG (Urk. 5/13), als
er am 14. Oktober 2013 einen Unfall (distale intraartikuläre Radiustrümmerfraktur mit Ausläufern
über die Metaphyse hinaus
in den
Radiusschaft
recht
s;
Urk. 5/16/6) erlitt. A
m 24.
Oktober 2013
wurde
n
im Stadtspital
Z.___
eine offene Repo
si
tion sowie
eine
Doppelplattenosteosynthese vorgenommen (
Urk.
5/16/41-42).
A
m 6
.
Juni 2014
erfolgte
n
die
vollständige
Osteosynthesematerialentfernung
(Urk.
5/16/36-37) und a
m
2
0.
November 2014
eine dorsale
radio-sc
apholu
näre
Arthrodese
rechts (
Urk.
5/16/25-26). Am 24. März 2015 (Eingangsdatum) mel
dete sich der Versicherte wegen der Folgen dieses Unfalls bei der Sozial
ver
si
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 5/2). Die IV-Stelle
zog die Akten der zuständigen
Unfallversicherung Suva (
Urk. 5/10) bei und nahm beruflich-erwerbliche und medizinische Abklärungen vor. Mit Verfügung vom
6.
April 2016 verneinte sie
einen Anspruch auf beruf
liche Massnahmen
(
Urk.
5/34)
.
Die dagegen vom Versicherten
am
2.
Mai 2016 erhobene Beschwerde (
Urk.
5/36
)
hiess das Sozialversicherungsgericht mit Urteil IV.2016.00502 vom 1
6.
September 2016 (
Urk.
5/44) in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit
diese weitere medizinische und berufliche Abklärungen
vornehme und danach erneut über den Leistungsanspruch des Versicherten entscheide.
1.2
In der Folge
holte die IV-Stelle den Verlaufsbericht von
Dr.
med.
A.___
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom
5.
Dezember 2016
ein
(
Urk.
5/46). Mit Schreibe
n vom 1
0.
Januar 2017 teilte die IV-Stelle
dem Versi
cherten mit, dass sie beabsichtige, bei
Dr.
med.
B.___
(Orthopädie) und Prof.
Dr.
med.
C.___
(Psychiatrie) von der
D.___
ein
bidisziplinäres
Gutachten in Auftrag zu geben
(
Urk.
5/49)
. Gegen diese beiden Gutachter machte der Versicherte mit
Eingabe
vom 2
0.
Januar 2017 Einwendungen
geltend (
Urk.
5/51). Daraufhin schlug die IV-Stelle mi
t Schreiben vom 2
8.
Februar 2017
die Gutachter Prof.
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Orthop
ädie und Traumatologie, und Dr.
med.
F.___
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, von der
G.___
vor
(
Urk.
5/59)
. Gegen diese beiden
Gutachter erhob
der
Versicherte
mit Eingabe vom 1
0.
März 2017
ebenfalls Ein
wände
(
Urk.
5/62).
Sodann
beauftragte die IV-Stelle
Prof.
E.___
und
Dr.
med.
H.___
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom
G.___
, welche ihr Gutachten am
5.
Juli 2017 erstatteten (
Urk.
5/85).
Mit Schreiben vom 2
7.
Juli 2017
erklärte
di
e IV-Stelle dem Versicherten
, dass sein Gesundheitszu
stand mit
d
er
regelmässigen Einnahme de
r psychiatrischen Medikation und
mit
Überprüfung
der Plasmaspi
egel von
Escitalopram
,
Trazodon
und
Pre
gobalin
bei gleichzeitiger regelmässiger fachpsychiatrischer Therapie wesentlich verbessert werden könne.
Im Sinne seiner Mitwirkungspflicht (bzw. Schadenminderungs
pflicht) habe
er
dies mit seiner behandelnden Ärztin zu besprechen und b
is am 3
1.
August 2017 mitzuteilen,
wie der Behandlungsplan laute
(
Urk.
5/87).
Mit Eingaben vom 2
2.
r
espektive 2
9.
August 2017 (
Urk.
5/92 und
Urk.
5/96) reichte der Versicherte
die Stellungnahmen von
Dr.
A.___
vom
2
1.
August 2017
(
Urk.
5/93)
und
von
Dr.
med.
I.___
, FMH Neurologie,
vom 2
2.
August 2017 (
Urk.
5/
94
) ein. Mit Schreiben vom
1.
September 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie
zur Klärung der Leistungsansprü
che eine neuro
logische Untersuchung als notwendig erachte
und schlug
dafür
Prof.
Dr.
med.
J.___
von der Klinik für Neurologie des
K.___
vor (
Urk.
5/98). Mit Schreiben vom
5.
September 2017 hielt die IV-Stelle fest, dass die in ihrem Schreiben vom 2
7.
Juli 2017 auferlegte Schadenminderungs
pfli
cht als erfüllt angesehen
werde (
Urk.
5/99)
.
Nachdem der
Versicherte mit Eingabe vom 25.
September 2017
erklärt hatte
,
mit der vorgesehenen neurolo
gischen Begutachtung nicht einverstanden
zu sein
, hielt die IV-Stelle mit
Zwi
schenverfügung vom
9.
Oktober 2017
an der Notwendigkeit eine
r neurologi
schen Begutachtung und
am vorgesehenen Gutachter Prof.
J.___
f
est (
Urk.
2
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
9.
November 2017 Beschwerde und bean
tragte, es sei die Verfügung vom
9.
Oktober 2017 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin anzuweisen, von der
Begutachtung abzusehen und ihm
eine Rente auf der Basis von 100
%
zuzusprechen; eventualiter sei die Angele
genheit zur weiteren Behandlung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In pro
zessualer Hinsicht ersuchte der Versicherte um
Ansetzung
eines zwe
iten Schrif
tenwechsels (
Urk.
1 S. 2
).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerde
antwort vom
1.
Dezember 2017 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
4). Mit Verfügung vom
4.
Dezember 2017 wurde dem Beschwerdeführer die Beschwer
deantwort zugestellt. Zudem erklärte das Gericht, dass es die Anordnung eines weiteren Schriftenwechsels nicht als erforderlich erachte. Den Parteien bleibe es jedoch unbenommen, sich nochmals zur Sache zu äussern und weitere sachbe
zogene Unterlagen einzureichen (
Urk.
6). Am
8.
Januar 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Stellungnahme ein (
Urk.
9), welche der Bes
chwerdegeg
nerin
am 1
1.
Januar 2018 zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk.
11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art. 43 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozi
alversicherungsrechts (
ATSG
)
prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erfor
derlichen Auskünfte ein. Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zumutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (Art. 43 Abs. 2 ATSG).
Die Verfahrensleitung liegt dabei beim Versicherungsträger, dessen Ermessensspielraum in Bezug auf Not
wendigkeit, Umfang und
Zweckmässigkeit
von medizinischen Erhebungen
gross
ist (in BGE 139 V 585 nicht veröffentlichte E. 3.1 und
Urteil
des Bundesgerichts 8C
_481/2013 vom 7. November 2013 E. 3.4).
1.2
Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
l
ichkeit entschieden werden kann.
Dies umfasst die Verpflichtung und das Recht, die Untersuchungen anzuordnen, welche zur Klärung des Sach
verhalts erforderlich sind, nicht jedoch das Recht, eine „
second
opinion
“ zu einem bereits in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn dem Versicher
ungsträger dieser nicht gefällt.
Entscheidend dafür, ob weitere Ab
klärungen angeordnet werden können und müssen, ist, ob die bereits vor
lie
genden Gutachten die
praxisgemässen
inhaltlichen und
beweismässigen
Anfor
derungen an eine zu erstattende ärztliche Expertise erfüllen (Urteil des Bundes
gerichts U 571/06 vom 29. Mai 2007 E. 4.2
f.; vgl. auch BGE 138 V 271 E. 1.1
).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134
V
231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhaltes ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er der Partei deren oder dessen Namen bekannt. Diese kann den Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und kann Gegenvorschläge machen (Art. 44 ATSG).
Gemäss
Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI),
Rz
. 2081.2,
können die folgenden formellen und materiellen Einwände gegen eine sachverständige Person
geltend gemacht werden:
-
Die begutachtende Person hat in der S
ache ein persönliches Interesse;
-
Die begutachtende Person ist mit einer Partei in gerader Linie oder in der
Seitenlinie bis zum dritten Grade verwandt oder verschwägert oder durch
Ehe, Verlobu
ng oder Kindesannahme verbunden;
-
Die begutachtende Person ist aus andere
n Gründen in der Sache befangen;
-
Der begutachtenden Person fehlt es an der nötigen Fachkompetenz.
1.5
Wird eine Begutachtung verfügungsweise angeordnet, so kann die versicherte Person materielle Einwendungen gegen eine Begutachtung an sich (etwa mit dem Einwand, es handle sich um eine unnötige „
second
opinion
“), gegen Art
oder Umfang der Begutachtung (beispielsweise betreffend die Auswahl der medi
zinischen Disziplinen) oder gegen bezeichnete Sachverständige (etwa betref
fend deren Fachkompetenz) erheben (BGE 138 V 271 E. 1.1 mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegner
in begründete die angefochtene Zwischenv
erfügung
vom
9.
Oktober 2017
damit,
dass
vorliegend aus psychiatrischer Sicht eine dissozia
tive
Bewegungsstörung (ICD-10 F44.4)
diagnostiziert worden sei.
Gemäss
Stel
lungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes sei diesbezüglich
jedoch
noch
eine fachärztlich-neurologische Begutachtung notwendig
, um
abzuklären
, ob
eine
cerebrale
neurologische Erkrankung
vorliege
.
An der Begutachtung durch Prof.
J.___
von der Klinik für Neurologie des
K.___
werde daher festgehalten (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer macht
e
in der Beschwerde vom
9.
November 2017
dem
gegenüber geltend, dass
ein Gutachten des
G.___
vorliege,
gemäss
welchem er im angestammten Bereich als Bohrmeister
und
auch in
angepasster Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig sei.
Wegen
seiner dissoziativen Störungen
sei er einem Arbeitgeber
nicht mehr zumutbar. Das Gutachten
des
G.___
sei vollständig und umfassend.
Es sei nicht ersichtlich, was es bei einer attestierten vollständigen Arbeitsunfähigkeit noch abzuklären gebe. Eine erneute
Begutachtung
sei
unnö
tig und
verstosse
gegen
Art.
43
Abs.
2 ATSG.
Es
müsse davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdegegnerin solange Abklärungen vornehmen wolle, bis sie ein für sich günstiges Abklärungsergebnis in den Händen halte. Wenn dem so sei,
verstosse
dies
gegen das Verbot der
„
second
opinion
“
und
das Prin
zip der Verfahrensfairness, zumal der Entscheid über das Leistungsbegehren hinausgezögert werde (
Urk.
1 S. 5).
In der Stellungnahme vom
8.
Januar 2018 ergänzte der
Beschwerdeführer
,
dass die Beschwerdegegnerin
keinerlei Gründe nenne
, warum das Gutachten des
G.___
beweismässig
nicht nachvollzogen werden könne
.
Ob
seine
Erwerbsunfä
higkeit
auf eine dissoziative Bewegungsstörung oder
auf
eine andere Erkran
kung zurückzuführen sei
, spiele keine Rolle
. Die genaue Diagnose möge für die Ärzteschaft interessant sein, für die Frage der Rentenberechtigung sei sie irrele
vant. Dazu brauche es keine teuren Untersuchungen (
Urk.
9 S. 3 f.).
3
.
3.1
Die bis zur Begutachtung im
April/Mai 2017
aufliegenden
Arztberichte
wurden
in der Expertise
des
G.___
vom
5.
Juli 2017
zusammengefasst
(
Urk.
5/85/13-
35
)
, weshalb sie vorliegend nicht noch einmal
wiedergegeben werden.
Soweit erfor
derlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen jedoch darauf Bezug genom
men.
3.
2
Die Ärzte des
G.___
stellten im orthopädisch-p
sychiatrischen Gutachten vom 5.
Juli 2017 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit (Urk.
5/85/6):
(1)
eine mittelgradige bis schwere depressiv
e Episode (ICD-10 F
32.1/ICD-10
F32.2)
(2)
eine dissoziative Bewegungsstörung (ICD-10 F44.4)
(3)
eine posttraumatische
Arthrodese
Handgelenk rechts (ICD-10 Z98.1) bei
-
Status nach distaler intraartikulärer Radiustrümmerfraktur (1
4.
Oktober 2013)
-
offene
r
Reposition sowie Doppelplattenosteosynthese (2
4.
Oktober 2013)
-
vollständige
r
Osteosynthesemater
ialentfernung
,
Tenolyse
des
Musculus
e
xtensor
po
llicis
longus
, Revision
der
Arteria
r
adialis
Hand rechts (
6.
Juni
2014)
-
dorsale
r
radio-
sc
apholunäre
r
Arthrodese
, Resektion
des
distalen
Scaphoid
-
poles
,
Spongiosaplastik
, subkutane
r Verlagerung
Musculus
extensor
pollicis
lo
ngus
rechts (2
0.
November 2014)
(4)
degenerative Halswirbelsäulen- (HWS-)Veränderungen mit
Protrusio
nen
C5/6, C6/7,
Unkarthrose
C4/
6 rechts (ICD-10 M47.82)
(5)
eine
Überlastungsreaktion Handgelenk mit Veränderung des TFCC
radialseits
links (ICD-10 M79.63)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit n
annten sie (Urk.
5/85
/6):
(1)
aktenanamnestisch arterielle Hypertonie
(2)
aktenanamnestisch
chronische
Zephalgie
Im Rahmen der
bidisziplinären
Beurteilung
erklärten die Ärzte des
G.___
, dass
der Beschwerdeführer
die Tätigkeit als Bohrmeister seit dem Unfall vom
14.
Oktober 2013 nicht
mehr
ausüben könne
. Im Weiteren sei
er aus gesamtme
dizinischer Sicht
auch für
dem
körperlichen Leiden
angepasste
Tätigkeiten
nicht mehr arbeitsfähig.
Aus heutiger Sicht erscheine gut nachvollziehbar, dass
der Beschwerdeführer
ca. a
b Ende 2014 aus psychiatrischer Sicht für angepasste Tätigkeiten arbeitsunfähig sei. Initial habe die depressive Symptomatik im Vor
dergrund gestanden. Ab Ende des Jahres 2016 sei die dissoziative Bewegungs
störung mehr in den Vo
rdergrund getreten (
Urk.
5/85/10
).
3.
3
Dr.
I.___
hielt in der
an den Beschwerdeführer gerichteten
Stellungnahme vom 2
2.
August 2017 fest, dass die dissoziative Störung vom Gutachter des
G.___
nicht weiter analysiert bzw. vom Beschwerdeführer direkt erfragt worden sei. Der Beschwerdeführer selber beschreibe
diese auf seine Befragung hin als
Schmerzwelle vo
m rechten Handgelenk entlang des
Arm
es
bis
zur
Schulter,
zum
Nacken und dann
occipital
, mit Ausstrahlung in die rechte Orbita. Dabei erschrecke er und es ziehe ihn zusammen, weshalb es zum Ausstossen von Lau
ten komme, ähnlich wie beim Schaudern. Dies finde überall unabhängig von der Umgebung statt. Die Schmerzen würden auch zum verschwommen Sehen führen, wahrscheinlich als vegetative Reaktion der
Akkomodation
oder
infolge
Verkrampfung der Augenmuskel
n
.
Er habe beim Beschwerdeführer mehrere Infiltrationen im Schmerzpunkt
cervico-occipital
rechts mit Lokalanästhetikum durchgeführt, wobei er über Nachlassen der Schmerzen mit gleichzeitiger Ver
besserung der Sehkraft berichtet habe. Er habe keinen Grund, an den Angaben des Beschwerdeführers zu zweifeln. Er schätze ihn als einen grundehrlichen Menschen ein. Es sei also seiner Beurteilung nach
keine
„zur Schau Stellung“,
wenn er zucke und Laute ausstosse (
Urk.
5/94).
4.
4.1
Dem Gutachten des
G.___
vom
5.
Juli 2017
ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
auch
in
seinen
körperlichen Leiden
angepassten Tätigkeit
en
seit ca.
Ende
2014 aus psychischen Gründen nicht mehr arbeitsfähig se
i, wobei a
b Ende des Jahres 2016 die dissoziative Bewegungsstörung mehr in den Vor
dergrund getreten
sei
(
Urk.
5/85/10
).
4.2
Dr.
H.___
, d
er ps
ychiatrische Teilg
utachter des
G.___
,
hielt
bezüglich
dieser
dis
soziative
n
Bewegungsstörung, di
e erstmals von
Dr.
A.___
im Verlaufsb
e
richt vom
5.
Dezember 2016 diagnostiziert worden war (
Urk.
5/46),
fest
,
dass
es sich
dabei
gemäss Angaben des Beschwerdeführers um einschiessende Schmerzattacken handle.
Unabhängig vom Thema oder
von
der Belastungssitu
ation schreie
er
kur
z
auf (
eher ein tiefer
Schrei
)
, wie wenn er
erschrecken wür
de. Der rechte
Arm
des Beschwerdeführers
bewege sich manchmal schleudernd auffällig, manchmal nur ein wenig. Der Kopf neige sich kurz zur rechten Seite. In der knapp 120-minütigen Exploration komme es ca. 35 Mal zu solchen Ereignissen
. Sie würden befremdlich und merkwürdig wirken
(
Urk.
5/8
5
/54). In der Folge legte
Dr.
H.___
begründet dar, inwiefern da
s gezeigte Verhalten
für eine dissoziative Störung
typisch sei
und weshalb er in diesem Zusammenhang nich
t von einer Aggravation ausgehe.
Sehr kurz
fielen
jedoch
Dr.
H.___
s
Aus
führungen zu einer allfä
lligen neurologischen Ursache dieser
Störung
aus
. Er wies diesbezüglich nämlich
einzig
darauf hin, dass
eine neurologische Störung, welche die Zuckungen und das Aufschreien erklären könnten, nicht bekannt und wenig wahrscheinlich sei (
vgl.
Urk.
5/85/57).
Dr.
I.___
bemerkte in der Stellungnahme vom 2
2.
August 2017 denn auch, dass die dissoziative Störung vom Gutachter des
G.___
nicht weiter analysiert
bzw. vom Beschwerdeführer direkt erfragt
worden sei. Auch
in
dieser
Stellungnahme von
Dr.
I.___
finden sich allerdings
keine
eingehenden
Erörterungen zur Frage allfälliger
kö
rperli
cher bzw. neurologischer
Ursachen
d
er
dissoziativen Bewegungsstörung
(
vgl.
Urk.
5/94
)
.
4.3
Dass
unter diesen Umständen
nun noch eine neurologische
Untersuchung
angezeigt ist,
d
amit
abgeklärt
werden kann
, ob der dissoziativen Bewegungs
störung eine
somatische
respektive neurologische Krankheit zugrunde liegt
und dann je nachdem
wohl
ein
e andere Diagnose zu stellen
ist – und andere Thera
piemöglichkeiten in Erwägung zu ziehen sind -
oder die Diagnose einer dissozi
a
tiven Bewegungsstörung zu bestätigen ist
, leuchtet ein
.
Die Beschaffenheit
der vorliegenden
Gesundheitsproblematik
und damit verbunden
auch
eine
daraus re
sultierende
andauernde
Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit
sind
daher
noch
nicht voll
ends g
eklärt
bzw. ausgewiesen
.
Ebenfalls noch offen ist
die
Frage der
diesbe
züglichen
Behandlungsmöglichkeiten.
4.4
Die
angeordnete
neurologische
Begutachtung dient nicht dem Einholen einer „
second
opinion
“. Schon begrifflich setzt eine - zulässige oder nicht zulässige - Zweitmeinung eine
Erstmeinung voraus.
Dies bringt das Bundesgericht zum Ausdruck, indem es erklärt, es sei unzulässig, zum bereits in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt eine Zweitmeinung einzuholen (vgl. E.
1.2
). Die Frage einer allfälligen unzulässigen Zweitmeinung stellt sich
nur mit Blick auf einen bereits um
fassend abgeklärten
medizinischen
Sachverhalt.
Davon kann vorlie
gend aber nicht gesprochen werden, zumal bislang noch gar keine
neurologi
sche Begutachtung
durchgeführt wurde.
Stichhaltige Einwendungen gegen die
angeordnete neurologische
Begutachtung
an sich sind
deshalb
nicht ersichtlich
.
4.5
Konkrete Gründe
, weshalb dem
Beschwerdeführer
die Teilnahme an dieser Begutachtung unzumutbar wäre, wurden
sodann
nicht geltend gemacht und sind auch nicht ersichtlich.
Triftige Gründe gegen den Gutachter Prof.
J.___
von der Klinik für Neurologie des
K.___
hat der
Beschwer
deführer
sch
liesslich
nicht vorgebracht.
5.
Die angefochtene Zwischenverfügung erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Versiche
rungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenlos (Art. 61
lit
. a ATSG in Ver
bindung mit Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche
rung, IVG).
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Philip
Stolkin
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstKreyenbühl