# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ee373f57-d5dc-50f8-91bb-53a86ba3d27d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-11-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.11.2017 BVGE 2017 VI/11
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_BVGE-2017-VI-11_2017-11-15.pdf

## Full Text

2017 VI/11 Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft 

 

 

112 VI BVGE / ATAF / DTAF  

 

2017 VI/11 

Auszug aus dem Urteil der Abteilung V 
i.S. A. gegen das Staatssekretariat für Migration 

E‒5983/2015 vom 15. November 2017 

Aberkennung der (derivativen) Flüchtlingseigenschaft. Widerruf des 

Asyls bei Heimatreisen. Keine Unterscheidung zwischen originärer 

und derivativer Flüchtlingseigenschaft. 

Art. 51 Abs. 1, Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG. Art. 1 Abschn. C Ziff. 1 

FK. 

1. Eine Heimatreise bedeutet grundsätzlich eine freiwillige Unter-
schutzstellung im Sinne von Art. 1 Abschn. C Ziff. 1 FK. Für den 

Widerruf des Asyls muss der Flüchtling aber erstens freiwillig in 

Kontakt mit seinem Heimatland getreten sein, zweitens muss er 

beabsichtigt haben, von seinem Heimatland Schutz in Anspruch 

zu nehmen, und drittens muss ihm dieser Schutz auch tatsächlich 

gewährt worden sein (E. 4.1‒4.3). 

2. Weil die schweizerische Asylpraxis lediglich im Hinblick auf die 
Entstehung des Flüchtlingsstatus zwischen originärer und deriva-

tiver Flüchtlingseigenschaft unterscheidet, nicht jedoch bezüglich 

Rechtsstellung, kommen die allgemeinen Voraussetzungen für den 

Asylwiderruf auch bei Personen mit derivativem Flüchtlingsstatus 

zum Tragen. Lediglich bei der Prüfung der effektiven Schutzge-

währung kann dem Umstand Rechnung getragen werden, dass 

eine Person den Flüchtlingsstatus derivativ erworben hat (E. 4.4). 

Retrait de la qualité de réfugié (à titre dérivé). Révocation de l'asile en 

cas de voyage dans le pays d'origine. Pas de distinction entre qualité 

de réfugié à titre originaire ou à titre dérivé.  

Art. 51 al. 1, art. 63 al. 1 let. b LAsi. Art. 1 sect. C par. 1 Conv. 

Réfugiés.  

1. Un voyage dans le pays d'origine constitue en principe une de-
mande volontaire de protection au sens de l'art. 1 sect. C par. 1 

Conv. Réfugiés. Toutefois, la révocation de l'asile implique, pre-

mièrement, que l'intéressé a volontairement pris contact avec son 

pays d'origine, deuxièmement, qu'il a eu l'intention de demander 

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protection sur place et, troisièmement, que cette protection lui a 

effectivement été garantie (consid. 4.1–4.3).  

2. Dès lors que la pratique suisse en matière d'asile ne distingue la 
qualité de réfugié à titre originaire ou à titre dérivé que pour 

l'octroi du statut de réfugié, et non pas pour le statut en tant que 

tel, les conditions générales applicables à la révocation de l'asile 

entrent donc aussi en considération pour les personnes bénéficiant 

du statut de réfugié à titre dérivé. Il peut être tenu compte du fait 

qu'une personne ait obtenu le statut de réfugié à titre dérivé que 

lors de l'examen de l'octroi effectif de la protection (consid. 4.4). 

Disconoscimento della qualità di rifugiato (a titolo derivato). Revoca 

dell'asilo in caso di viaggi nel paese d'origine. Nessuna distinzione tra 

qualità di rifugiato a titolo originario e derivato.  

Art. 51 cpv. 1, art. 63 cpv. 1 lett. b LAsi. Art. 1 sez. C par. 1 Conv. 

Rifugiati.  

1. Un viaggio nel paese d'origine configura di principio una domanda 
di protezione volontaria ai sensi dell'art. 1 sez. C par. 1 della Conv. 

Rifugiati. Tuttavia, la revoca dell'asilo presuppone in primo luogo 

che il rifugiato abbia volontariamente preso contatto con il suo 

paese d'origine, secondariamente che abbia avuto l'intenzione di 

rivendicare protezione dal suo paese d'origine e in terzo luogo che 

tale protezione gli sia stata effettivamente garantita (consid. 4.1‒

4.3).  

2. Siccome la prassi svizzera in materia d'asilo distingue tra statuto 
originario e derivato di rifugiato soltanto per l'ottenimento dello 

stesso, ma non riguardo allo statuto giuridico in quanto tale, i pre-

supposti generali previsti per la revoca dell'asilo entrano in consi-

derazione anche per coloro che beneficiano dello statuto di rifu-

giato a titolo derivato. Il fatto che una persona abbia acquisito tale 

statuto a titolo derivato può essere rilevante soltanto nell'ambito 

dell'esame dell'effettiva concessione della protezione (consid. 4.4).  

 

Der Beschwerdeführer A. gelangte am 20. Januar 1999 in die Schweiz und 

stellte gleichentags ein Asylgesuch. Mit Verfügung vom 26. Juli 1999 

stellte das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF, heute Staatssekreta-

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riat für Migration [SEM]) fest, der Beschwerdeführer A. erfülle die Flücht-

lingseigenschaft nicht, wies sein Asylgesuch ab und verfügte die Weg-

weisung aus der Schweiz. Gleichzeitig schob es den Wegweisungsvollzug 

zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. 

Am 28. Januar 2000 heiratete der Beschwerdeführer A. in der Schweiz die 

somalische Staatsangehörige B., welcher das BFF mit Verfügung vom 

15. Dezember 1993 Asyl gewährt hatte. Am 11. Januar 2001 wurde dem 

Beschwerdeführer aufgrund seiner Verehelichung mit B. derivativ die 

Flüchtlingseigenschaft zuerkannt und Asyl gewährt. 

Anlässlich einer Ausreisepasskontrolle am Flughafen Zürich stellte die 

Kantonspolizei Zürich am 10. Mai 2015 fest, dass der Beschwerdeführer 

A. über Istanbul nach Mogadischu zu fliegen beabsichtigte. Während der 

Ausreisepasskontrolle machte der Beschwerdeführer A. geltend, er wolle 

in Mogadischu nur transitieren, um weiter nach Nairobi zu fliegen, konnte 

indes kein Anschlussticket von Mogadischu nach Nairobi vorweisen. Die 

Kantonspolizei Zürich teilte dem SEM diesen Sachverhalt am 12. Mai 

2015 zur weiteren Bearbeitung mit. 

Mit Schreiben vom 12. Juni 2015 gewährte das SEM dem Beschwerde-

führer A. das rechtliche Gehör im Hinblick auf eine eventuelle Aberken-

nung der Flüchtlingseigenschaft und den damit verbundenen Asylwider-

ruf. 

Mit Eingabe vom 20. August 2015 nahm der Beschwerdeführer A. durch 

seinen damaligen Rechtsvertreter innert erstreckter Frist Stellung und 

beantragte, auf die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und den Asyl-

widerruf zu verzichten. Er brachte sinngemäss vor, er habe zu keinem Zeit-

punkt beabsichtigt, nach Mogadischu zu reisen. Im Zeitpunkt der Aus-

reisepasskontrolle sei er davon ausgegangen, im Besitze eines Flugtickets 

von Zürich via Istanbul nach Nairobi zu sein. Dass er fälschlicherweise ein 

Ticket nach Mogadischu gebucht habe, sei darauf zurückzuführen, dass er 

Mühe gehabt habe, sich mit der zuständigen Reiseberaterin im Reisebüro 

zu verständigen. Die Ausführungen im Grenzkontrollrapport, wonach der 

Beschwerdeführer A. in Mogadischu nur habe transitieren wollen, seien 

falsch. Der Beschwerdeführer sei anlässlich der Ausreisepasskontrolle 

immer noch der Auffassung gewesen, ein Ticket für Nairobi zu besitzen. 

Erst in Istanbul habe er realisiert, dass er fälschlicherweise einen Flug nach 

Mogadischu gebucht hatte. In der Folge habe er ein neues Flugticket von 

Istanbul nach Nairobi erworben, von wo er auch wieder in die Schweiz 

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zurückgereist sei. Zur Stützung seiner Behauptung, nie in Mogadischu ge-

wesen, sondern direkt nach Nairobi gelangt zu sein, brachte er seinen 

Reisepass mit einem Visum beziehungsweise Einreisestempel der kenia-

nischen Immigrationsbehörden vom 12. Mai 2015 sowie eine Quittung für 

das Rückflugticket von Nairobi via Istanbul nach Zürich bei. Zudem 

reichte er zur Dokumentation der Verständigungsschwierigkeiten des Be-

schwerdeführers A. ein Schreiben der zuständigen Reiseberaterin vom 

22. Juni 2015 zu den Akten. 

Mit Verfügung vom 25. August 2015 ‒ eröffnet am 26. August 2015 ‒ 

aberkannte das SEM dem Beschwerdeführer A. die Flüchtlingseigenschaft 

und widerrief das ihm gewährte Asyl. Das SEM begründete seinen Ent-

scheid im Wesentlichen damit, aufgrund der Aktenlage sei davon auszuge-

hen, dass Mogadischu die Endstation der Reise des Beschwerdeführers A. 

gewesen sei und dieser somit in der Absicht gehandelt habe, sich erneut 

dem Schutz seines Heimatstaats zu unterstellen. Da keine Hinweise vor-

lägen, dass Somalia ihm die Einreise verweigert hätte, sei anzunehmen, 

dass die Schutzgewährung durch den Heimatstaat auch tatsächlich erfolgt 

sei. Die Voraussetzungen für die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft 

und den Widerruf des Asyls seien damit gegeben. Mit Eingabe vom 

24. September 2015 erhob der Beschwerdeführer A. Beschwerde beim 

Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der angefoch-

tenen Verfügung. Der Beschwerdeführer A. brachte in der Eingabe im 

Wesentlichen vor, er habe im Mai 2015 seine Frau B. in Kenia besuchen 

wollen und hierfür ein Flugticket gebucht. Aufgrund von Verständigungs-

schwierigkeiten mit der zuständigen Reiseberaterin habe er fälschlicher-

weise einen Flug von Zürich über Istanbul nach Mogadischu anstatt nach 

Nairobi gebucht. Er habe deshalb drei Tage vor seinem Abflug ein An-

schlussticket von Mogadischu nach Nairobi gebucht und sich vor seinem 

Weiterflug von Mogadischu nach Nairobi am Morgen des 11. Mai 2015 

insgesamt nur zwei bis drei Stunden im Flughafen von Mogadischu 

aufgehalten. Während dieses Aufenthalts habe er den internationalen 

Transit-Bereich des Flughafens nicht verlassen, weshalb sich auch keine 

Ein- oder Ausreisestempel der somalischen Behörden im Pass des Be-

schwerdeführers befänden. Der Flughafen von Mogadischu werde über-

dies von Blauhelmsoldaten der Vereinten Nationen (UNO) bewacht. Der 

somalische Staat habe keinen wesentlichen hoheitspolizeilichen Einfluss 

auf den internationalen Transitbereich. Aus den Akten ergebe sich nicht, 

dass der Beschwerdeführer sich unter den Schutz der heimatlichen Behör-

den habe stellen wollen beziehungsweise sich effektiv unter deren Schutz 

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gestellt habe. Nach seinem kurzen Transitaufenthalt habe sich der Be-

schwerdeführer A. nicht mehr nach Somalia begeben, sondern bis zu 

seiner Rückreise in die Schweiz (von Nairobi via Istanbul nach Zürich) 

ausschliesslich in Kenia aufgehalten. Der Beschwerdeführer A. reichte zur 

Glaubhaftmachung dieses Sachverhalts neben den ‒ soweit relevant ‒ 

bereits erwähnten Akten unter anderem folgende Beweismittel ein: 

- einen Internetauszug über die Flugzeiten des Flugs TK 686 (Istanbul–

Mogadischu), 

- einen Onlineausdruck eines elektronischen Flugtickets Mogadischu–

Nairobi vom 11. Mai 2015 sowie  

- Belege über Bankbezüge in Kenia im Juni 2015. 

Aus den Erwägungen: 

4.  
4.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) wird die Flücht-
lingseigenschaft aberkannt und das Asyl widerrufen, wenn Gründe nach 

Art. 1 Abschn. C Ziff. 1‒6 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die 

Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) vorliegen. Art. 1 

Abschn. C FK beinhaltet die Beendigungsklauseln betreffend den Flücht-

lingsstatus. Namentlich fällt eine Person nicht mehr unter die Bestimmun-

gen der FK und endet ihr Flüchtlingsstatus, wenn sie sich freiwillig wieder 

unter den Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, 

gestellt hat (Art. 1 Abschn. C Ziff. 1 FK).  

4.2 Der Widerrufsgrund von Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG war bereits 
im Asylgesetz vom 5. Oktober 1979 (aAsylG, AS 1980 1718) in der heu-

tigen Form enthalten (vgl. dort Art. 41 Abs. 1 Bst. b). In der Botschaft vom 

31. August 1977 zum Entwurf zum Asylgesetz führte der Bundesrat zu 

dieser Vorschrift aus, dass « Reisen […] in das Land, aus dem man fliehen 

musste, mit den Gründen, welche die Flucht veranlasst haben, unvereinbar 

sind » (BBl 1977 III 135). Es handle sich hier um einen klaren, unmissver-

ständlichen Grundsatz, der mit der FK kompatibel sei. Der bundesrätliche 

Entwurf wurde in der Folge ohne grössere Beratungen im Parlament ange-

nommen (vgl. zur Beratung im Ständerat AB 1978 II 85; zur Beratung im 

Nationalrat AB 1978 VII 1876). In der Praxis wurde die Bestimmung als 

Automatismus verstanden, indem bei Heimatreisen ohne Rücksicht auf die 

Beweggründe und Umstände im Einzelfall eine Unterschutzstellung ange-

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nommen wurde, welche zum Widerruf des Asyls führte. Das Bundesge-

richt schützte diese Praxis: Selbst wenn ein Flüchtling nur für kurze Zeit 

in sein Heimatland zurückkehre, könne er nicht mehr geltend machen, auf 

den Flüchtlingsstatus und das Asyl angewiesen zu sein; eine Ausnahme 

hiervon könne nur gemacht werden, wenn der Widerruf des Asyls die 

betroffene Person unverhältnismässig stark treffen würde (BGE 110 Ib 208 

E. 6 [S. 210 ff.]).  

4.3 In einem 1996 ergangenen Entscheid lockerte die ehemalige 
Asylrekurskommission (ARK) die bis dato bestehende Praxis (Entschei-

dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission 

[EMARK] 1996 Nr. 12). Wenn jemand sich zurück in den Verfolgerstaat 

begebe, stelle dies zwar ein starkes Indiz dar, dass die frühere Verfol-

gungssituation oder die Furcht vor Verfolgung nicht mehr bestehe. Es 

seien aber Fälle denkbar, in denen aus bestimmten Gründen das Risiko, 

wieder einer Verfolgungssituation ausgesetzt zu sein, auf sich genommen 

beziehungsweise bewusst zu vermeiden versucht werde. Es könne daher 

nicht daran festgehalten werden, dass eine Heimatreise praktisch aus-

nahmslos zum Widerruf des Asyls und zur Aberkennung der Flüchtlings-

eigenschaft führen müsse. 

Für den Widerruf des Asyls müsse der Flüchtling erstens freiwillig in 

Kontakt mit seinem Heimatland getreten sein, er müsse zweitens 

beabsichtigt haben, von seinem Heimatland Schutz in Anspruch zu 

nehmen, und drittens müsse ihm dieser Schutz auch tatsächlich gewährt 

worden sein (s. EMARK 1996 Nr. 12 E. 4b und 7). Der Wortlaut des 

Urteils ‒ insbesondere die Anknüpfung an eine potenzielle zukünftige 

Verfolgungssituation ‒ lässt erkennen, dass die Voraussetzungen für den 

Widerruf des Asyls nach einer teleologischen Auslegung zumindest auch 

am Schutzbedürfnis der betreffenden Person zu messen sind. Die Heimat-

reise einer Person, welche in ihrem Heimatland selbst einer asylrechtlich 

relevanten Verfolgung ausgesetzt war, führt demnach gerade deshalb nicht 

automatisch zum Asylwiderruf, weil aus der Heimatreise nicht zwingend 

der Wegfall des Schutzbedürfnisses abgeleitet werden kann. 

4.4 Es stellt sich aufgrund der Anknüpfung an das Schutzbedürfnis 
die Frage, ob Personen wie der Beschwerdeführer, denen die Flüchtlings-

eigenschaft und der Asylstatus gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG derivativ 

zugesprochen worden sind, im Hinblick auf die Anwendung von Art. 1 

Abschn. C Ziff. 1 FK anders zu behandeln sind als Flüchtlinge, denen 

aufgrund selbst erlittener Verfolgung Asyl gewährt worden ist.  

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Das Institut des Familienasyls (Art. 51 Abs. 1 AsylG) verfolgt zwei Ziele: 

Einerseits trägt es dem Recht auf Familienleben Rechnung (Art. 8 

EMRK), indem eine Familienzusammenführung ermöglicht wird. Ander-

seits ‒ und in erster Linie ‒ dient es aber dem Schutz von Familienmit-

gliedern eines Flüchtlings, weil sie im Sinne einer Reflexverfolgung selber 

ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sein könnten (vgl. MARTINA CARONI et 

al., Migrationsrecht, 3. Aufl. 2014, S. 286; sowie MINH SON NGUYEN, 

Code annoté de droit des migrations, Bd. IV, 2015, Art. 51 AsylG Ziff. 5‒

11). Aufgrund dieser Rechtsfiktion des Schutzbedürfnisses vor Reflexver-

folgung von Familienangehörigen von Flüchtlingen unterscheidet die 

schweizerische Asylpraxis lediglich im Hinblick auf die Entstehung des 

Flüchtlingsstatus zwischen originärer und derivativer Flüchtlings-

eigenschaft, nicht jedoch in Bezug auf die Rechtsstellung (vgl. EMARK 

2003 Nr. 11 E. 8c). 

Im Hinblick auf die Anwendung von Art. 1 Abschn. C Ziff. 1 FK ist daher 

im Grundsatz kein Unterschied zwischen Personen mit originär erlangter 

Flüchtlingseigenschaft und solchen mit derivativ erlangter Flüchtlingsei-

genschaft zu machen. Auch die derivativ erlangte Flüchtlingseigenschaft 

kann nur unter den Voraussetzungen von Art. 1 Abschn. C FK aberkannt 

werden (vgl. auch Urteil des BVGer E‒7826/2006 vom 8. September 2010 

E. 5.1). Gleiches gilt mit Blick auf den Widerruf des Asyls (Art. 63 Abs. 1 

Bst. b AsylG). Es müssen mithin für die Anwendung von Art. 1 Abschn. C 

Ziff. 1 FK alle drei von der Rechtsprechung vorausgesetzten Kriterien er-

füllt sein: Der Beschwerdeführer muss erstens freiwillig in Kontakt mit 

seinem Heimatland getreten sein, er muss zweitens beabsichtigt oder zu-

mindest in Kauf genommen haben, von seinem Heimatland Schutz in An-

spruch zu nehmen, und drittens muss ihm dieser Schutz auch tatsächlich 

gewährt worden sein (vgl. BVGE 2010/17 E. 5.1.1 m.w.H.). Lediglich im 

Rahmen der Prüfung der letztgenannten Frage der effektiven Schutzge-

währung kann dem Umstand Rechnung getragen werden, dass eine Person 

den Flüchtlingsstatus und das Asyl nicht originär, sondern lediglich deriva-

tiv erworben und insofern keine persönliche Verfolgung durch ihren Hei-

matstaat erlitten hat.  

5. Im Folgenden ist zu prüfen, wie der vorliegende Fall nach den 
eben dargelegten Kriterien zu beurteilen ist. 

5.1 Infrage zu stellen ist aufgrund des nach Mogadischu gebuchten 
Flugs schon die Behauptung des Beschwerdeführers, er habe gar nie nach 

Mogadischu fliegen wollen, sondern von Anfang an beabsichtigt, nach 

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Nairobi zu gelangen. Die eingereichten Schreiben der Reiseberaterin von 

(…) und des Arztes des Beschwerdeführers vermögen das angebliche 

Missverständnis nicht glaubhaft zu machen. Es ist vielmehr davon auszu-

gehen, dass der Beschwerdeführer selbst bei Verständigungsschwierig-

keiten in der Lage war, sein Reiseziel mitzuteilen, zumal für diese Mittei-

lung keine Deutschkenntnisse erforderlich sind. Entsprechend ist ganz 

grundsätzlich davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer nach 

Mogadischu zu fliegen beabsichtigte. 

Die Nachforschungen des Gerichts haben weiter ergeben, dass am 11. Mai 

2015 zwar ein Flug der kenianischen Fluggesellschaft Fly SAX (IATA-

Code B5) von Nairobi nach Mogadischu stattgefunden hat. Das Flugzeug 

ist gemäss den verfügbaren Daten um 11 Uhr in Mogadischu gelandet und 

danach um 11.45 Uhr weitergeflogen, allerdings nicht nach Nairobi, son-

dern nach Wajir im Nordosten Kenias. Dasselbe Flugzeug ist schliesslich 

um 13.30 Uhr von Wajir nach Nairobi weitergeflogen (vgl. die öffent- 

lich zugänglichen Daten auf < www.flightstats.com >, abgerufen am 

09.05.2016). Einen Direktflug von FlySAX von Mogadischu nach Nairobi 

gab es nicht. Weder aus der Beschwerde noch aus dem eingereichten elek-

tronischen Ticket ergeben sich Hinweise darauf, dass der Beschwerdefüh-

rer über Wajir nach Nairobi gelangt ist. 

Weitere Zweifel entstanden, weil der Beschwerdeführer die eingereichte 

elektronische Buchungsbestätigung erst am 18. September 2015 per E-

Mail erhalten hat ‒ von einem Reisebüro, das ausser einer Facebook-Web-

seite keine Internetpräsenz aufweist und auch telefonisch unter der ange-

gebenen Nummer nicht erreichbar ist. Gegen die Tatsachendarstellung des 

Beschwerdeführers spricht weiter, dass der kenianische Einreisestempel 

im Pass des Beschwerdeführers nicht vom 11. Mai 2015, sondern vom 

12. Mai 2015 datiert. Überdies reichte der Beschwerdeführer Bankaus-

züge lediglich für die Zeit nach dem 1. Juni 2015 ein. Seine Bezugsaktivi-

täten für die Zeit im Mai sind hingegen nicht dokumentiert.  

Schliesslich ist für die Würdigung der Tatsachenbehauptungen des 

Beschwerdeführers zu berücksichtigen, dass er im Laufe des Verfahrens 

stark widersprüchliche Angaben gemacht hat. Zunächst behauptete er,  

in Mogadischu nur transitieren zu wollen (Ausreisepasskontrolle vom 

10. Mai 2015). Dann behauptete er, gar nie nach Mogadischu geflogen zu 

sein, sondern einen Direktflug von Istanbul nach Nairobi genommen zu 

haben (Eingabe vom 20. August 2015). Auf Beschwerdeebene brachte er 

schliesslich wieder vor, die internationale Transitzone am Flughafen von 

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Mogadischu nicht verlassen zu haben und direkt nach Nairobi weiterge-

flogen zu sein (Beschwerde vom 24. September 2015). Diese offenkun-

digen Widersprüche, welche auch auf Beschwerdeebene nicht nachvoll-

ziehbar erklärt werden, stellen die Glaubhaftigkeit der Aussagen des 

Beschwerdeführers ganz allgemein infrage.  

5.2 Bei dieser Aktenlage geht das Gericht davon aus, dass der 
Beschwerdeführer sich länger als behauptet, zumindest aber ‒ die Echtheit 

des kenianischen Einreisestempels vom 12. Mai 2015 vorausgesetzt ‒ 

einen Tag in Mogadischu beziehungsweise in seinem Heimatland Somalia 

aufgehalten hat. Durch die eingereichten Bankauszüge und Arztzeugnisse 

erstellt ist lediglich, dass der Beschwerdeführer sich ab dem 1. Juni 2015 

in Nairobi aufgehalten hat. Insgesamt geht das Gericht deshalb wie die 

Vorinstanz von einer freiwilligen Heimatreise des Beschwerdeführers aus. 

5.3 Bei der Prüfung der Frage, ob mit der freiwilligen Heimatreise 
auch eine Unterschutzstellung in Kauf genommen worden ist, muss unter 

anderem berücksichtigt werden, ob die Heimatreise heimlich oder offiziell 

erfolgt ist und ob dabei die Reisepapiere des Heimatstaats verwendet 

worden sind (vgl. EMARK 1996 Nr. 12 E. 8b). 

Vorliegend ist der Beschwerdeführer unter Verwendung seiner Ausweispa-

piere und damit auch unter Bekanntgabe seines Namens nach Somalia 

gereist und hat sich dort zumindest einen Tag lang aufgehalten. Damit hat 

er sich wieder unter den Schutz seines Heimatstaats gestellt beziehungs-

weise eine Unterschutzstellung zumindest in Kauf genommen, zumal er 

davon ausgehen musste, dass er für den Transit am Flughafen Mogadischu 

eine Identitätskontrolle der heimatlichen Behörden würde durchlaufen 

müssen. Daran vermag auch das Argument des Beschwerdeführers nichts 

zu ändern, dass UN-Truppen die Sicherheit des Flughafens Mogadischu 

gewährleisten sollen, zumal er nicht behauptet, vor seiner Reise in irgend-

einer Art und Weise abgeklärt zu haben, ob er am Flughafen Mogadischu 

mit den Heimatbehörden in Kontakt kommen würde. 

5.4 Im vorliegenden Fall bestehen schliesslich keine Hinweise 
darauf, dass die somalischen Behörden dem Beschwerdeführer den von 

ihm in Kauf genommenen Schutz verweigert hätten. In diesem Zusam-

menhang ist zu berücksichtigen, dass er lediglich derivativ als Flüchtling 

anerkannt worden ist und Asyl erhalten hat. In der Verfügung des BFF vom 

26. Juli 1999 wird nachvollziehbar ausgeführt, dass die Vorbringen des 

Beschwerdeführers, er sei aufgrund des somalischen Bürgerkriegs gefähr-

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det, nicht asylrelevant waren. Eine mit Blick auf den Asylwiderruf rele-

vante Schutzbedürftigkeit könnte sich folglich lediglich aus der Verheira-

tung des Beschwerdeführers mit einer tatsächlich verfolgten somalischen 

Frau und einer damit verbundenen Reflexverfolgung ergeben. Der Be-

schwerdeführer hat allerdings weder eine aktuelle Verfolgungsgefahr dar-

getan noch ergibt sich eine solche aus den Akten. Durch seine freiwillige 

Heimatreise hat er mit anderen Worten zum Ausdruck gebracht, dass er in 

Somalia keine Verfolgungshandlungen (mehr) zu befürchten hat. Vor 

diesem Hintergrund führt die dokumentierte Heimatreise des Beschwerde-

führers gestützt auf Art. 63 Abs. 1 Bst. b AsylG i.V.m. Art. 1 Abschn. C 

Ziff. 1 FK ohne Weiteres zur Aberkennung seiner Flüchtlingseigenschaft 

und zum Widerruf des Asyls. Aus den Akten ergeben sich nämlich keine 

Hinweise darauf, dass die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft und 

der Widerruf des Asyls den Beschwerdeführer unverhältnismässig stark 

treffen würden, zumal er in der Schweiz über die Niederlassungsbewilli-

gung verfügt und somit eine Wegweisung nicht zum Thema werden dürfte.