# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a8496094-409b-5c81-bb7a-a1fb39ba61a5
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-10-03
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Beschwerdekammer in Strafsachen 03.10.2016 BK 2016 384
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_008_BK-2016-384_2016-10-03.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Beschwerdekammer in 
Strafsachen

Cour suprême
du canton de Berne

Chambre de recours pénale

Beschluss
BK 16 384

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 09
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 3. Oktober 2016

Besetzung Oberrichterin Schnell (Präsidentin), Oberrichterin Apolloni Meier, 
Oberrichter Studiger
Gerichtsschreiberin Bohren

Verfahrensbeteiligte Staatsanwältin A.________, Regionale Staatsanwaltschaft 
Emmental-Oberaargau, Dunantstrasse 11, 3400 Burgdorf

Gesuchsgegnerin

B.________
v.d. Rechtsanwalt C.________

Beschuldigter/Gesuchsteller

Gegenstand Ausstand

Strafverfahren wegen Urkundenfälschung

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Erwägungen:

1. Die Regionale Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau (nachfolgend: Staatsan-
waltschaft) führt gegen B.________ ein Strafverfahren wegen Urkundenfälschung 
zum Nachteil von D.________ (nachfolgend: Privatkläger). Am 1. Juni 2016 stellte 
die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen B.________ (nachfolgend: Gesuch-
steller) ein. Die vom Privatkläger dagegen erhobene Beschwerde hiess die Be-
schwerdekammer in Strafsachen am 9. September 2016 gut. Sie hob die staats-
anwaltschaftliche Verfügung vom 1. Juni 2016 auf und wies die Staatsanwaltschaft 
an, die Untersuchung im Sinne der Erwägungen weiterzuführen. Am 15. Septem-
ber 2016 verfügte Staatsanwältin A.________ (nachfolgend: Gesuchsgegnerin), 
dass gestützt auf Ziffer 1 des Beschlusses der Beschwerdekammer vom 9. Sep-
tember 2016 drei Zeugeneinvernahmen angesetzt würden. Auf die Einvernahme 
der zwei weiteren Zeugen werde aus Gründen der Verhältnismässigkeit (vorerst) 
verzichtet. Nach Erhalt dieser Verfügung telefonierte der Verteidiger des Gesuch-
stellers am 20. September 2016 mit der Gesuchsgegnerin. Er beantragte, dass 
diese auf ihre Verfügung vom 15. September 2016 zurückkomme und alle fünf 
Zeugen befrage, was die Gesuchsgegnerin ablehnte. Gleichentags ersuchte der 
Gesuchsteller bei der Beschwerdekammer in Strafsachen darum, dass die Ge-
suchsgegnerin zu verpflichten sei, in den Ausstand zu treten. Die Gesuchsgegnerin 
liess sich am 22. September 2016 zum Ausstandsgesuch vernehmen und bean-
tragte die Abweisung des Gesuchs. Der Gesuchsteller replizierte am 27. Septem-
ber 2016 und hielt an seinen Anträgen fest.

2. Will eine Partei den Ausstand einer in einer Strafbehörde tätigen Person verlangen, 
so hat sie der Verfahrensleitung ohne Verzug ein entsprechendes Gesuch zu stel-
len, sobald sie vom Ausstandsgrund Kenntnis hat; die den Ausstand begründenden 
Tatsachen sind glaubhaft zu machen (Art. 58 der Strafprozessordnung [StPO; SR 
312.0]). Für den Entscheid über den Ausstand von Mitgliedern der Staatsanwalt-
schaft ist die Beschwerdekammer zuständig (Art. 59 Ziff. 1 Bst. b StPO). Auf das 
frist- und formgerechte Ausstandsgesuch ist einzutreten.

3.

3.1 Zur Begründung seines Ausstandsgesuchs macht der Gesuchsteller geltend, er 
habe die Gesuchsgegnerin am Telefon darauf hingewiesen, dass sich die Auswahl 
der vom Privatkläger beantragten Zeugen wohl kaum mit einem Hinweis auf das 
Verhältnismässigkeitsprinzip begründen lasse und die Privatklägerschaft jeden wei-
teren Entscheid der Staatsanwaltschaft wieder mit Beschwerde an das Obergericht 
weiterziehen werde. Darauf habe die Gesuchsgegnerin geantwortet, sie sei im Ver-
fahren bereits zweimal vor Obergericht unterlegen. Sie werde die ausgewählten 
Zeugen befragen und danach einen Strafbefehl erlassen. Der Gesuchsteller habe 
ja dann Gelegenheit, den Strafbefehl anzufechten und könne im Rahmen des or-
dentlichen Verfahrens die Befragung der Zeugen nachholen lassen. Diese Aussage 
der Gesuchsgegnerin, dass sie im Verfahren bereits zweimal vor Obergericht un-
terlegen sei und einen Strafbefehl erlassen werde, obschon die Zeugeneinvernah-
men noch gar nicht durchgeführt seien, lege offen, dass die Gesuchsgegnerin ihre 
eigenen Interessen, nämlich nicht mehr vor Obergericht zu unterliegen, über die ihr 

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vom Gesetz als Staatsanwältin auferlegten Pflichten, nämlich die gesetzmässige 
und geordnete Durchführung des Verfahrens, stelle. Damit begehe die Gesuchs-
gegnerin nicht nur eine schwere Verfehlung, sie erscheine zugleich voreingenom-
men und befangen.

3.2 Dagegen bringt die Gesuchsgegnerin vor, im Ausstandsgesuch seien ihre Aussa-
gen verkürzt wiedergegeben worden. Sie habe dem Verteidiger des Gesuchstellers 
gesagt, dass sie vorerst nur drei Zeugen befragen wolle, wie in der Verfügung an-
gekündigt. Es stimme, dass sie gesagt habe, nach Durchführung dieser Einver-
nahmen den Erlass eines Strafbefehls zu prüfen. Sie habe auch die Möglichkeit 
erwähnt, dass die beiden weiteren Zeugen auch vom Regionalgericht befragt wer-
den könnten, sollte der Gesuchsteller gegen einen allfälligen Strafbefehl Einspra-
che erheben. Sie habe ausserdem die zwei in vorliegender Sache erfolgten Be-
schlüsse des Obergerichts erwähnt. Jedoch habe sie auch gesagt, dass nach die-
ser ersten Einvernahmeserie noch weitere Beweismassnahmen durchgeführt wer-
den könnten, sollte es sich als angezeigt erweisen. Insbesondere habe sie gesagt, 
dass die vorerst nicht einvernommenen Zeugen in einer zweiten Runde befragt 
werden könnten. Hier verweise sie auch auf die Formulierung in der Verfügung 
vom 15. September 2016, wonach auf die Befragung der zweiten, erst polizeilich 
einvernommenen Person vorerst verzichtet werde. 

3.3 In seiner Replik hält der Gesuchsteller fest, er bestreite die Ausführungen der Ge-
suchsgegnerin. Er habe in seinem Gesuch die Aussagen der Gesuchsgegnerin 
nicht verkürzt wiedergegeben. Ausserdem habe sich die Gesuchsgegnerin zu ihrer 
Aussage, sie sei im Verfahren bereits zweimal vor Obergericht unterlegen, mit kei-
nem Wort vernehmen lassen.

4.

4.1 Der Gesuchsteller macht einen Ausstandsgrund nach Art. 56 Bst. f StPO geltend. 
Danach tritt eine in einer Strafbehörde tätige Person in den Ausstand, wenn sie aus 
anderen Gründen, insbesondere wegen Freundschaft oder Feindschaft mit einer 
Partei oder deren Rechtsbeistand, befangen sein könnte. Diese Bestimmung er-
fasst im Sinne einer Auffangklausel die Befangenheit aus anderen als den in 
Bst. a – e aufgeführten Gründen. Entscheidendes Kriterium ist, ob bei problemati-
schen Konstellationen der Ausgang des Verfahrens bei objektiver Betrachtungs-
weise noch als offen erscheint (BOOG, in: Basler Kommentar, Schweizerische 
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N 38 zu Art. 56 StPO). Das Misstrauen in die 
Unvoreingenommenheit einer Person kann sich aus Äusserungen ergeben, welche 
die gebotene Distanz zur Sache vermissen lassen (BOOG, a.a.O., N 54 zu Art. 56 
StPO). Materielle oder prozessuale Rechtsfehler sind in erster Linie im Rechtsmit-
telverfahren zu rügen und lassen sich nicht als Begründung für eine Verletzung der 
Garantie des verfassungsmässigen Richters heranziehen. Solange sie nicht be-
sonders krass sind und wiederholt auftreten, sodass sie einer schweren Amts-
pflichtverletzung gleichkommen, sich einseitig zu Lasten einer der Prozessparteien 
auswirken und eine auf fehlender Distanz und Neutralität beruhende Haltung offen-
baren, begründen sie keinen hinreichenden Anschein der Befangenheit (BOOG, 
a.a.O., N 59 zu Art. 56 StPO mit Hinweisen).

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4.2 Die Gesuchsgegnerin hat in der Verfügung vom 15. September 2016 angekündigt, 
nur drei der vom Privatkläger beantragten fünf Zeugen parteiöffentlich einzuver-
nehmen. E.________ und F.________ könnten zur Frage der Körnung des Asphal-
tes Aussagen tätigen, G.________ sei bereits polizeilich, aber noch nicht parteiöf-
fentlich befragt worden. Auf die Befragung von H.________ werde verzichtet, weil 
dieser vorab zur Steilheit der Rampe Aussagen machen könne. Ausserdem werde 
I.________ vorerst nicht parteiöffentlich befragt. 

Es liegt im Ermessen der Staatsanwaltschaft, welche Zeugen sie in welcher Rei-
henfolge befragt. Dies gilt selbst nachdem die Beschwerdekammer die Staatsan-
waltschaft im Beschluss vom 9. September 2016 angewiesen hat, die Untersu-
chung im Sinne der Erwägungen weiterzuführen. Diesen Erwägungen ist bloss zu 
entnehmen, dass sich die vom Privatkläger beantragte Beweismassnahme auf-
dränge, um den Sachverhalt zu klären. Konkrete Weisungen zum weiteren Vorge-
hen wurden der Gesuchsgegnerin nicht erteilt. Der (vorläufige) Verzicht auf zwei 
Zeugeneinvernahmen begründet daher keine Befangenheit der Gesuchsgegnerin. 
Es kommt hinzu, dass die (parteiöffentliche) Befragung der Zeugen nicht etwa vom 
Gesuchsteller, sondern vom Privatkläger beantragt wurde, der eine Verletzung sei-
ner Teilnahmerechte geltend machte. Inwiefern der (vorläufige) Verzicht auf zwei 
vom Privatkläger beantragte Zeugeneinvernahmen dazu führen sollte, dass die 
Gesuchsgegnerin die ihr obliegenden Pflichten zum Nachteil des Gesuchstellers 
missachten sollte, erschliesst sich der Beschwerdekammer nicht. 

Im Weiteren gibt die Gesuchsgegnerin zu, die beiden das Verfahren gegen den 
Gesuchsteller betreffenden Beschlüsse des Obergerichts am Telefon erwähnt zu 
haben. Selbst wenn sie dazu gesagt haben sollte, sie sei im Verfahren bereits 
zweimal vor Obergericht unterlegen, begründet dies keine Voreingenommenheit 
oder ein persönliches Interesse der Gesuchsgegnerin. Aus dieser Aussage kann 
nicht abgeleitet werden, dass das Interesse der Gesuchsgegnerin, vor Obergericht 
nicht mehr zu unterliegen, über die ihr vom Gesetz auferlegten Pflichten hinausge-
he. Das Interesse der Gesuchsgegnerin, dass nicht ein drittes Mal ein Entscheid in 
der gleichen Sache im Verfahren vor Obergericht aufgehoben wird, ist verständlich. 
Es begründet indessen keine Absicht der Gesuchsgegnerin, inskünftig nicht mehr 
gesetzmässig arbeiten zu wollen. 

Umstritten ist, welchen Wortlaut die Gesuchsgegnerin verwendete, als sie dem Ge-
suchsteller einen Strafbefehl wegen Urkundenfälschung in Aussicht stellte. Der 
Gesuchsteller macht geltend, die Gesuchsgegnerin habe bereits am Telefon ge-
sagt, sie werde einen Strafbefehl gegen ihn erlassen, also noch bevor sie die vor-
geladenen Zeugen befragt habe. Daraus leitet er die Voreingenommenheit der Ge-
suchsgegnerin ab. Die Gesuchsgegnerin bestätigt indessen bloss, gegenüber dem 
Verteidiger des Gesuchstellers gesagt zu haben, dass sie nach Durchführung der 
drei Einvernahmen den Erlass eines Strafbefehls prüfen werde. Sie habe aber dar-
auf hingewiesen, dass noch weitere Beweismassnahmen durchgeführt werden 
könnten. Heute kann nicht mehr festgestellt werden, welche Formulierung die Ge-
suchsgegnerin anlässlich des Telefongesprächs tatsächlich verwendete. Es exis-
tiert dazu keine Aktennotiz. 

5

Dem Beschluss des Obergerichts vom 9. September 2016 ist zu entnehmen, dass 
die Beschwerdekammer in Strafsachen den Sachverhalt rechtlich anders bewertete 
als die Staatsanwaltschaft in ihrer Einstellungsverfügung. Die Beschwerdekammer 
kam zum Schluss, dass der Tatbestand der Urkundenfälschung objektiv und sub-
jektiv erfüllt sei, wenn nachgewiesen werden könne, dass die nachträgliche Abän-
derung des Werkvertrages ohne Einverständnis des Privatklägers erfolgte, wofür 
bereits bei derzeitiger Aktenlage mehrere Umstände sprechen würden. Es drängt 
sich daher auf, die gerügte Aussage der Gesuchsgegnerin – die immerhin gegenü-
ber einer rechtskundigen Person getätigt wurde – im Gesamtzusammenhang zu 
würdigen: Selbst wenn davon ausgegangen würde, die Gesuchsgegnerin habe 
dem Verteidiger des Gesuchstellers gesagt, sie werde nach den Zeugeneinver-
nahmen einen Strafbefehl erlassen, begründet dies unter den gegebenen Umstän-
den keine Voreingenommenheit der Gesuchsgegnerin. Diese Aussage wäre viel-
mehr darauf zurückzuführen, dass die Gesuchsgegnerin an die oben zusammen-
gefassten Erwägungen des Obergerichts gebunden ist. Bei der Frage, ob sie das 
Verfahren nach Durchführung der Einvernahmen erneut einstellen oder aber einen 
Strafbefehl erlassen bzw. Anklage erheben will, wird der Gesuchsgegnerin kein 
grosser Spielraum mehr verbleiben. 

Abschliessend ist darauf hinzuweisen, dass die bisherigen fehlerhaften Verfah-
renshandlungen (Nichtanhandnahme- und Einstellungsverfügung) jeweils zuguns-
ten des Beschuldigten ausfielen und mittels Beschwerde vom Privatkläger erfolg-
reich gerügt werden konnten. Insgesamt ist weder eine vorgefasste Meinung der 
Gesuchsgegnerin erkennbar, noch liegen besonders krasse und wiederholte 
Rechtsfehler vor, die den Anschein der Befangenheit gegenüber dem Gesuchstel-
ler begründen würden. 

5. Das Ausstandsgesuch erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen. Die Kos-
ten des Ausstandsverfahrens sind vom unterliegenden Gesuchsteller zu tragen 
(Art. 59 Abs. 4 StPO).

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Die Beschwerdekammer in Strafsachen beschliesst:

1. Das Ausstandsgesuch wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Ausstandsverfahrens, bestimmt auf CHF 600.00, werden dem Ge-
suchsteller auferlegt.

3. Zu eröffnen:
- dem Beschuldigten/Gesuchsteller, v.d. Rechtsanwalt C.________
- der Gesuchsgegnerin (mit den Akten)

Bern, 3. Oktober 2016 Im Namen der Beschwerdekammer
in Strafsachen

Die Präsidentin:

Oberrichterin Schnell

Die Gerichtsschreiberin:

Bohren

Die Kosten des Ausstandsverfahrens werden durch die Beschwerdekammer in Strafsachen in Rechnung ge-
stellt.

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesgerichtsgesetz, BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Be-
schwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.