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**Case Identifier:** 54e27f6b-1f56-5e9f-937d-52467aee1149
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-02-27
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 27.02.2024 VBE.2023.340
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-340_2024-02-27.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

VBE.2023.340 / ss / nl  
Art. 27 

 

 

Urteil vom 27. Februar 2024 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Gössi  

Oberrichterin Peterhans  

Gerichtsschreiber Siegenthaler  

 

 
   

Beschwerde-

führer  

 A._____  

unentgeltlich vertreten durch MLaw Jonas Steiner, Rechtsanwalt, 

Buchserstrasse 18, Postfach, 5001 Aarau 1  

 

  
   

Beschwerde-

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau  

 

  
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 7. Juli 2023) 

 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1964 geborene, zuletzt als Barmann tätige Beschwerdeführer meldete 

sich am 29. August 2022 bei der Beschwerdegegnerin unter Angabe von 

seit 2010 bestehenden gesundheitlichen Beschwerden, namentlich eines 

Herz-Bypasses, Schilddrüsen- und Nierenbeschwerden sowie Diabetes, 

zum Bezug von Leistungen (berufliche Integration / Rente) der Eidgenössi-

schen Invalidenversicherung (IV) an. Diese tätigte verschiedene Abklärun-

gen in medizinischer und beruflicher Hinsicht. Gestützt darauf wies sie das 

Leistungsbegehren des Beschwerdeführers nach Rücksprache mit ihrem 

internen Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) und ihrem Aussendienst so-

wie durchgeführtem Vorbescheidverfahren mit Verfügung vom 7. Juli 2023 

ab. 

 

2. 

2.1. 

Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer am 22. August 2023 

fristgerecht Beschwerde und beantragte Folgendes: 

 

  "1. Die Verfügung vom 7.7.2023 sei aufzuheben. 
 
 2.  Es die [sic] dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente zuzusprechen. 
 
 3. Eventualiter sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurück-

zuweisen, damit diese den Sachverhalt rechtsgenüglich abklärt. 
 

Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MwSt. zu Las-
ten der Beschwerdegegnerin." 

 

Zudem ersuchte er um die Gewährung unentgeltlicher Rechtspflege und 

die Bestellung seines Rechtsvertreters als unentgeltlichen Rechtsbeistand.  

 

2.2. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 28. August 2023 wurde dem 

Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt und MLaw Jo-

nas Steiner, Rechtsanwalt, Aarau, zu seinem unentgeltlichen Vertreter er-

nannt. 

 

2.3. 

Mit Vernehmlassung vom 27. September 2023 beantragte die Beschwer-

degegnerin die Abweisung der Beschwerde. 

 

  

 - 3 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen 

Verfügung vom 7. Juli 2023 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 37) zu Recht 

den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente verneint hat.  

 

2. 

2.1. 

Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrer Verfügung vom 18. Mai 2023 

in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf den RAD-Bericht von 

Dr. med. B._____, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Prak-

tischer Arzt, vom 16. Januar 2023. Dieser hielt folgende Diagnosen fest 

(VB 25 S. 1): 

"- Chronische Niereninsuffizienz Stadium G3b A3 nach KIDGO bei/mit 
 - Koronare 3-Gefäss-Erkrankung 
- Paroxysmales Vorhofflattern, ED 29.03.2022 
- Arterielle Hypertonie, ED 2006 
- Autoimmunthyreopathie, wsh. Hashimoto-Thyreoiditis 
- Polyglobulie unklarer Ätiologie, ED 06/2021 
- Psychosoziale Belastungssituation" 

 

Beim Beschwerdeführer im Vordergrund stünden die somatischen Prob-

leme durch eine ausgeprägte Niereninsuffizienz und eine koronare 3-Ge-

fässerkrankung, wodurch die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich einge-

schränkt sei. Zusätzliche Einschränkungen bestünden durch das Vorhof-

flattern. Die chronische Niereninsuffizienz begründe eine ausgeprägte 

Müdigkeit und körperlich verminderte Belastbarkeit. Sowohl in der ange-

stammten Tätigkeit als Barmann wie auch in einer angepassten Tätigkeit 

(körperlich leicht, wechselbelastend, ohne schweres Heben und Tragen) 

bestehe seit dem 1. September 2020 eine Arbeitsfähigkeit von 50-60 % 

(VB 25). 

 

2.2. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-

tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). 

 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder ei-

nem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag 

gegebenen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

 - 4 - 

 

 

S. 160 ff.). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gut-

achtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge An-

forderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver-

lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel-

lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 

E. 4.4 S. 469 f.; 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

2.3. 

2.3.1. 

Dr. med. B._____ stützte sich in seiner Beurteilung vom 16. Januar 2023 

insbesondere auf die Stellungnahme von Dr. med. C._____, Facharzt für 

Allgemeine Innere Medizin und Nephrologie sowie Leitender Arzt Nephro-

logie des Spitals D._____, vom 16. August 2022 (VB 22 S. 234 f.), dessen 

Einschätzung "so übernommen werden" könne (VB 25 S. 1). Dr. med. 

C._____ führte im erwähnten Bericht aus, aus rein nephrologischer Sicht 

wäre der Beschwerdeführer normal arbeits- und leistungsfähig. Trotz des 

relativ jungen Alters handle es sich beim Beschwerdeführer aber um einen 

polymorbiden Patienten mit im Vordergrund stehender schwerer koronarer 

Herzkrankheit. Erschwerend sei das ganze durch das metabolische Syn-

drom, mit grosser Wahrscheinlichkeit Mitursache für die vorzeitige / ausge-

prägte Arteriosklerose. Zudem würde eine depressive Symptomatik – am 

ehesten reaktiv bei somatischen Erkrankungen und psychosozialer Belas-

tungssituation gesehen. Daher gehe Dr. med. C._____ von einer reduzier-

ten Arbeitsfähigkeit aus – "ich würde so um die 50% abschätzen". Er emp-

fahl die Beurteilung der behandelnden Kardiologin abzuwarten sowie die 

Durchführung einer psychologischen Untersuchung (VB 22 S. 234). 

 

2.3.2. 

Die Aktenbeurteilung von Dr. med. B._____ vom 16. Januar 2023 basierte 

damit im Wesentlichen auf der Beurteilung eines Facharztes für Allgemein-

medizin und Nephrologie, der die Arbeitsfähigkeit von "um die 50%" vor-

wiegend mit kardiologischen Beschwerden begründete, während die kardi-

ologisch behandelnden Ärzte (soweit ersichtlich) keine konkrete Arbeitsfä-

higkeitsbeurteilung abgaben. Entsprechend verwies Dr. med. C._____ 

denn auch auf die abzuwartende Beurteilung durch die behandelnde Kar-

diologin, woraus sich ergibt, dass seine (aus nephrologischer Sicht abge-

gebene) Arbeitsfähigkeitsbeurteilung angesichts der im Vordergrund ste-

henden kardiologischen Beschwerden nicht vollständig war. Dasselbe gilt 

unter Berücksichtigung der von Dr. med. C._____ empfohlenen psycholo-

gischen (bzw. psychiatrischen) Untersuchung hinsichtlich des psychischen 

Gesundheitszustands des Beschwerdeführers. Die Beurteilung durch 

Dr. med. C._____ war folglich nicht als Grundlage für eine alle gesundheit-

lichen Beschwerden bzw. funktionellen Einschränkungen des Beschwerde-

führers umfassende Beurteilung von dessen Arbeitsfähigkeit geeignet, so 

dass bereits aus diesem Grund zumindest geringe Zweifel an der Aktenbe-

urteilung von Dr. med. B._____ bestehen. 

 - 5 - 

 

 

 

2.3.3. 

Zudem wich Dr. med. B._____ von der Beurteilung durch Dr. med. C._____ 

in dem Sinne ab, dass er die von diesem attestierte Arbeitsfähigkeit von 

"um die 50%" unter allgemeinem Hinweis auf die Nieren- und Herzbe-

schwerden des Beschwerdeführers auf 50-60 % abänderte und somit letzt-

lich zu Ungunsten des Beschwerdeführers erhöhte (55 % als Mittelwert; 

vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_782/2019 vom 15. April 2020 E. 2.2). 

Eine (insb. nachvollziehbare) Begründung für diese Abweichung führte Dr. 

med. B._____ nicht an. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer zuletzt 

bis im Januar 2022 als Barmann im Umfang von (ca.) 60 % gearbeitet hatte 

(vgl. VB 1 S. 6; 18 S. 2; 19 S. 2), rechtfertigt einen solchen Schluss unter 

Berücksichtigung der später im März 2022 erfolgten Bypass-Operation mit 

stationärem Aufenthalt (VB 22 S. 160 ff.), dem anschliessenden Reha-Auf-

enthalt (VB 22 S. 161 und 164 ff.) und mindestens dreimonatigen Arbeits-

unfähigkeit (VB 22 S. 162) sowie erneuter Hospitalisation ab 3. Juni 2022 

(VB 22 S. 209 ff.) jedenfalls nicht. 

 

Ein Arzt ist zwar unabhängig von seiner Fachrichtung grundsätzlich in der 

Lage, die Kohärenz des Berichts eines Kollegen zu beurteilen (Urteil des 

Bundesgerichts 8C_406/2017 vom 6. September 2017 E. 4.1.). Entspre-

chend genügt das Fehlen einer einschlägigen Facharztqualifikation allein 

grundsätzlich nicht, einer RAD-Stellungnahme den Beweiswert abzuspre-

chen (Urteil des Bundesgerichts 9C_635/2015 vom 16. Oktober 2015 

E. 3.2 mit Hinweis). Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus 

medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfe für die medizinischen Laien 

in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsan-

spruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusam-

menzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei wider-

sprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu be-

urteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine 

zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhande-

nen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 

8C_73/2011 vom 1. April 2011 E. 5.4). Wenn der RAD jedoch von den vor-

liegenden (insb. fachärztlichen) Berichten abweicht – sprich eine eigene 

medizinische Einschätzung abgibt, gestellte Diagnosen oder abgegebene 

Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen bestreitet, etc. – muss er dazu fachärztlich 

kompetent sein: Eine fachärztliche Beurteilung des Gesundheitszustandes 

kann grundsätzlich nur gestützt auf eine ebenfalls fachärztlich abwei-

chende Beurteilung entkräftet werden (Urteil des Bundesgerichts 

8C_584/2018 vom 13. November 2018 E. 4.1.1.2 mit Hinweisen). 

 

Dr. med. B._____ war vorliegend als Facharzt für Gynäkologie und Prakti-

scher Arzt fachlich nicht qualifiziert, unter allgemeinem Verweis auf Nieren- 

und Herzbeschwerden von der nephrologischen Einschätzung von 

Dr. med. C._____ abzuweichen. Dies hat erst recht unter Berücksichtigung 

 - 6 - 

 

 

der Tatsache zu gelten, dass seit der Einführung des stufenlosen Renten-

systems per 1. Januar 2022 jeder Prozentpunkt hinsichtlich des Invalidi-

tätsgrades Auswirkungen auf die darauf basierende Rentenhöhe haben 

kann (vgl. Art. 28b IVG) sowie der Tatsache, dass eine Arbeitsfähigkeit von 

50 % (anders als eine solche von 55 %) einen 10%igen Abzug des statis-

tisch ermittelten Invalideneinkommens rechtfertigt (Art. 26bis Abs. 3 IVV; 

Stand 1. Januar 2022). 

 

2.4. 

Insgesamt ergeben sich mehr als nur geringe Zweifel an der Zuverlässig-

keit und Schlüssigkeit der Beurteilung von RAD-Arzt Dr. med. B._____. Die 

Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese 

die notwendigen ergänzenden Abklärungen, insbesondere in kardiologi-

scher sowie allenfalls in psychiatrischer Hinsicht, vornehme (vgl. E. 2.2. 

hiervor). 

 

3. 

3.1. 

Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung vom 7. Juli 

2023 fest, der Beschwerdeführer sei zuletzt in einem 60%-Pensum ange-

stellt gewesen. Seiner Angabe, er wäre im Gesundheitsfall vollzeitig er-

werbstätig, könne mit Blick auf die Akten nicht gefolgt werden, habe er doch 

in den letzten Jahren nie eine vollzeitige Erwerbstätigkeit ausgeübt. Es sei 

daher von einer 60%igen Erwerbstätigkeit des Beschwerdeführers im Ge-

sundheitsfall auszugehen, weshalb zur IV-Grad-Bemessung die gemischte 

Methode (60 % im Einkommensvergleich, 40 % im Betätigungsvergleich) 

anzuwenden sei, was einen IV-Grad von 27 % ergebe, womit kein An-

spruch auf eine Invalidenrente bestehe (VB 37 S. 1 f.). 

 

Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, der Invaliditätsgrad sei nicht 

mittels gemischter Methode, sondern durch einen Einkommensvergleich zu 

ermitteln. So habe er von Beginn weg ausgesagt, dass er im Gesundheits-

fall zu 100 % arbeiten würde (Beschwerde, Ziff. 15), was mit Blick auf seine 

finanzielle Situation nachvollziehbar sei (Beschwerde, Ziff. 16). Auch der 

Auszug aus dem individuellen Konto (IK) zeige, dass er 2008 und 2009, 

also vor Beginn der gesundheitlichen Beeinträchtigung im Jahr 2010, zu 

100 % gearbeitet habe und sich sein Einkommen aufgrund seiner gesund-

heitlichen Beeinträchtigung reduziert habe (Beschwerde, Ziff. 19). 

 

3.2. 

Die im konkreten Fall anzuwendende Methode der Invaliditätsbemessung 

(Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betätigungsvergleich) ist da-

von abhängig, ob die versicherte Person als ganztägig, zeitweilig erwerbs-

tätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist (vgl. Art. 28a IVG). Entschei-

dend dabei ist, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen 

täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (BGE 125 V 

 - 7 - 

 

 

146 E. 2c S. 150 mit Hinweis u.a. auf BGE 117 V 194 E. 3b S. 194 f.; vgl. 

auch BGE 133 V 477 E. 6.3 S. 486 f. und 133 V 504 E. 3.3 S. 507 f.). 

 

Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie 

sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei 

für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten  

(Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad 

der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 146 

E. 2c S. 150; 117 V 194 E. 3b S. 195). Es hat immer eine einlässliche Wür-

digung der gesamten Verhältnisse des Einzelfalles Platz zu greifen; Erfah-

rungssätzen kommt in diesem Kontext eine Hilfsfunktion zu (MEYER/REICH-

MUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 

Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 4. Aufl. 2022, N. 22 ff. 

zu Art. 5 IVG mit Hinweisen).  

 

3.3. 

3.3.1. 

Auf die im Fragebogen betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt (erstmals) ge-

stellte Frage der hypothetischen Erwerbstätigkeit ohne gesundheitliche Be-

einträchtigung antwortete der Beschwerdeführer am 14. September 2022, 

er würde heute im Gesundheitsfall eine ausserhäusliche Erwerbstätigkeit 

in einem 100%-Pensum ausüben (VB 18 S. 4). Dieser Aussage der ersten 

Stunde ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich ein er-

höhter Beweiswert zuzusprechen (Urteil des Bundesgerichts 8C_762/2016 

vom 18. Januar 2017 E. 5.3.2. mit Verweis u.a. auf BGE 121 V 45 E. 2a 

S. 47).  

 

3.3.2. 

In medizinischer Hinsicht ergibt sich aus den Akten Folgendes: In der An-

meldung vom 29. August 2022 beantwortete der Beschwerdeführer die 

Frage nach der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit "Herz-Bypass, Dia-

betes, Schilddrüse, Niere". Die Beeinträchtigung würde seit 2010 bestehen 

(VB 1 S. 6). Derweil zeigen die sich in den Akten befindlichen medizini-

schen Berichte auf, dass im Juni 2006 erstmals eine Autoimmunthyreopa-

thie, am ehesten Hashimoto-Thyreoiditis, diagnostiziert wurde (etwa VB 11 

S. 47). Bezüglich der diagnostizierten chronischen Niereninsuffizienz 

bei/mit IgA-Nephritis zeigten sich in einer Nierenbiopsie im Jahr 2007 erst-

mals dokumentiert auffällige Befunde (etwa VB 11 S. 10). Die Diagnose der 

Koronaren 3-Gefässerkrankung wurde im Jahr 2011 erstmals gestellt (etwa 

VB 11 S. 46). Dies womöglich in Verbindung mit dem im selben Jahr erlit-

tenen Herzinfarkt ("STEMI"; ebd.). In den Folgejahren erfolgten bis zum 

Anmeldejahr 2022 wiederholt operative Eingriffe, insbesondere in Bezug 

auf die Herzproblematik (vgl. etwa VB 11 S. 46). 

 

 - 8 - 

 

 

3.3.3. 

Ein Blick auf den IK-Auszug des Beschwerdeführers (VB 14) zeigt folgen-

des Bild: Der Beschwerdeführer war seit seiner Einreise in die Schweiz im 

Jahr 1991 (VB 2 S. 2) die meiste Zeit erwerbstätig. Nach Lage der Akten 

sind folgende Lohnsummen ausgewiesen (VB 14 S. 2 f.): 

 

Jahr Lohn-

summe  

Arbeitslosen- 

entschädigung 

Total 

1994 38'654.00  38'654.00 

1995 35'894.00  35'894.00 

1996 24’692.00 15'888.00 40'580.00 

1997 19'162.00 23'844.00 43'006.00 

1998  7'196.00   7'196.00 

1999 29'801.00  29'801.00 

2000 48'414.00  48'414.00 

2001 52'287.00 1'174.00 53'461.00 

2002 20'090.00 33'584.00 53'674.00 

2003 29'140.00 23'231.00 52'371.00 

2004 57'015.00  57'015.00 

2005 47'390.00  47'390.00 

2006 25'060.00 28'229.00 53'289.00 

2007 57'600.00  57'600.00 

 

Im Jahr 2008 startete der Beschwerdeführer sodann eine Tätigkeit als 

Selbstständigerwerbender (VB 14 S. 4) – die Akten deuten auf eine Tätig-

keit als Clubbesitzer eines Clubs in Z._____ hin (VB 2 S. 2). Für das Jahr 

2008 ist eine Lohnsumme von Fr. 59'382.00, im Jahr 2009 von 

Fr. 46'244.00 ausgewiesen. Im Jahr 2010 folgte dann ein starker Einbruch. 

Mit Ausnahme des Jahres 2011 (Lohnsumme von Fr. 29'421.00) sind ab 

da bis zum Ende der selbständigen Tätigkeit im Januar 2015 lediglich noch 

jährliche Lohnsummen von etwas über Fr. 9'000.00 ausgewiesen. Danach 

dominieren Einträge als Nichterwerbstätiger, ehe der Beschwerdeführer im 

August 2021 eine Tätigkeit im Restaurant E._____ (in einem 50-60%-Pen-

sum; VB 1 S. 6; 18 S. 2; 19 S. 2) aufnahm, wobei die Lohnsummen gemäss 

IK-Auszug auf ein monatliches Einkommen von etwas über Fr. 2'000.00 

hindeuten (VB 14 S. 4). 

 

3.3.4. 

Gestützt auf die Einkommen gemäss IK-Auszug ist als überwiegend wahr-

scheinlich zu erachten, dass der Beschwerdeführer (mit Ausnahme des 

Jahres 1998 und evtl. 1999) bis zum Jahr 2010 in einem vollzeitlichen Pen-

sum gearbeitet hat bzw. arbeiten wollte (da er teilweise Arbeitslosenent-

schädigungen bezogen hat). Dass die im IK-Auszug ausgewiesenen Lohn-

summen für die Annahme einer Vollzeitbeschäftigung eher tief sind, ist an-

gesichts der beschränkten schulischen und der gänzlich fehlenden 

 - 9 - 

 

 

beruflichen Ausbildung des Beschwerdeführers (VB 1 S. 5; 19 S. 2) nicht 

ungewöhnlich. So hat er bei seiner letzten Beschäftigung für das Restau-

rant E._____ in einem Pensum von 50-60 % im Jahr 2021 ein durchschnitt-

liches Monatseinkommen von Fr. 2'863.00 erzielt (14'315.00 für fünf Mo-

nate) und im Januar 2022 ein solches von Fr. 2'038.00 (VB 14 S. 4). Ange-

sichts der 2011 diagnostizierten Koronaren 3-Gefässerkrankung und des 

im selben Jahr erlittenen Herzinfarktes sowie der wiederholten operativen 

Eingriffe in den Folgejahren (vgl. E. 3.3.2 hiervor) erscheint plausibel und 

nachvollziehbar, dass der plötzliche massive Rückgang der jährlichen 

Lohnsummen ab dem Jahr 2010 auf gesundheitliche Gründe zurückzufüh-

ren ist und nicht auf Freiwilligkeit des Beschwerdeführers beruhte.  

 

Auch die Berücksichtigung der finanziellen Situation spricht für eine 

100%ige Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers im Gesundheitsfall. Die-

ser bezieht seit Jahren Sozialhilfe (VB 1 S. 4; 15) und hat zwei minderjäh-

rige Kinder (im Zeitpunkt der Anmeldung gut 12 und 14 Jahre alt; VB 2 

S. 3 ff.), welche gemäss den Akten bei der Mutter leben (VB 18 S. 4 f. und 

S. 8; 11 S. 51) und für die er unterhaltspflichtig ist (VB 18 S. 4). Da die Kin-

der bei deren Mutter leben, wäre die Kinderbetreuung während seiner Er-

werbstätigkeit durch die Mutter sichergestellt (VB 18 S. 4). 

 

Insgesamt ist daher überwiegend wahrscheinlich von einer 100%igen Er-

werbstätigkeit des Beschwerdeführers im Gesundheitsfall auszugehen. 

Weitere Abklärungen in diesem Zusammenhang versprechen keine zu-

sätzlichen wesentlichen Erkenntnisse, weshalb darauf in antizipierter Be-

weiswürdigung (BGE 124 V 90 E. 4b S. 94) zu verzichten ist (vgl. Be-

schwerde, Ziff. 20 ff). Entsprechend ist die nach den notwendigen medizi-

nischen Abklärungen (vgl. E. 2.4. hiervor) erneut vorzunehmende Berech-

nung des Invaliditätsgrades, anders als in der angefochtenen Verfügung 

(VB 37), nicht mittels der gemischten Methode, sondern durch einen Ein-

kommensvergleich zu ermitteln. 

 

4. 

Zusammengefasst stellen weder die Beurteilung von RAD-Arzt Dr. med. 

B._____ noch jene von Dr. med. C._____, auf welche sich ersterer mass-

geblich stützte, eine geeignete Grundlage für eine beweistaugliche Beur-

teilung des (umfassenden) medizinischen Sachverhalts bzw. der Arbeitsfä-

higkeit des als polymorbid bezeichneten (VB 22 S. 234) Beschwerdefüh-

rers dar (E. 2.3.2. ff. hiervor). Die Angelegenheit ist zur Vornahme ergän-

zender medizinischer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzu-

weisen. Nach entsprechenden Abklärungen ist über den Anspruch des Be-

schwerdeführers auf eine Rente mittels eines Einkommensvergleiches 

(E. 3.3.4. hiervor) neu zu entscheiden. 

 

 - 10 - 

 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, als 

die angefochtene Verfügung vom 7. Juli 2023 aufzuheben und die Sache 

zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur Neuverfügung 

an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.  

 

5.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.  

 

5.3. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der rich-

terlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die Rück-

weisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzender Ab-

klärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 215 

E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen). Die Parteikosten sind dem unentgeltlichen 

Rechtsvertreter zu bezahlen. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 7. Juli 

2023 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der Er-

wägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückge-

wiesen.  

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt.  

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem unentgeltlichen Rechtsver-

treter des Beschwerdeführers die Parteikosten in richterlich festgesetzter 

Höhe von Fr. 2'500.00 zu bezahlen. 

 

  

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Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 

Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
    

Aarau, 27. Februar 2024 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Kathriner Siegenthaler