# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2c47dee2-5ccc-5c3f-9ff9-3ad26fdc5b1a
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-17
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 17.07.2023 VBE.2023.135
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-135_2023-07-17.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

1. Kammer 

 

 

VBE.2023.135 / SW / BR 
Art. 68 

 

Urteil vom 17. Juli 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Kathriner, Präsident  

Oberrichterin Peterhans  

Oberrichterin Gössi  

Gerichtsschreiberin Wietlisbach          

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____ 

vertreten durch lic. iur. Abdullah Karakök, Rechtsanwalt, Weber-

strasse 10, 8004 Zürich    

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau   

 

 
   

Beigeladene   B._____,      

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 8. Februar 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1960 geborene Beschwerdeführer meldete sich am 4. November 2020 

bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (berufliche In-

tegration/Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an. Die 

Beschwerdegegnerin tätigte daraufhin erwerbliche und medizinische Ab-

klärungen. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren und Rückspra-

chen mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) wies sie das Rentenbe-

gehren des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 8. Februar 2023 ab.   

 

2. 

2.1. 

Gegen die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 8. Februar 2023 erhob 

der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 13. März 2023 fristgerecht Be-

schwerde und stellte folgende Anträge: 

 

"Die IV-Verfügung vom 8. Februar 2023 sei aufzuheben und es seien wei-
tere medizinische Abklärungen vorzunehmen. 
 
Unter entsprechenden Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MWST)." 
 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 12. Mai 2023 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 22. Mai 2023 wurde die berufli-

che Vorsorgeeinrichtung des Beschwerdeführers im Verfahren beigeladen. 

Diese verzichtete mit Eingabe vom 26. Mai 2023 auf eine Stellungnahme.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren 

des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 8. Februar 2023 (Vernehmlas-

sungsbeilage [VB] 77) zu Recht abgewiesen hat. 

 

2. 

In der angefochtenen Verfügung vom 8. Februar 2023 (VB 77) stützte sich 

die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die 

RAD-Beurteilungen von Dr. med. C., Praktischer Arzt sowie Facharzt für 

Frauenkrankheiten und Geburtshilfe, vom 3. Dezember 2021 (VB 52 

S. 3 ff.), 18. Oktober 2022 (VB 70 S. 2 f.) sowie vom 6. Februar 2023 

(VB 76 S. 2 f.). 

 - 3 - 

 

 

 

2.1. 

RAD-Arzt Dr. med. C. hielt in seinem Bericht vom 3. Dezember 2021 fest, 

die IV-Anmeldung sei infolge Rückenschmerzen erfolgt. An diesen leide der 

Beschwerdeführer schon seit ca. 20 Jahren, jedoch seien sie im Arbeitsall-

tag bis im Februar 2020 nicht einschränkend gewesen. Die medizinischen 

Akten würden das Problem im Bereich der Lendenwirbelsäule plausibel 

und nachvollziehbar dokumentieren. Am 22. Juli 2020 sei eine operative 

Therapie bei sequestriertem Bandscheibenvorfall erfolgt und zuletzt sei 

eine konservative stationäre Rehabilitation vom 1. - 29. Juni 2021 in der 

Rehaklinik D. durchgeführt worden (vgl. VB 52 S. 3).  

 

Bei den Akten befinde sich ausserdem eine funktionsorientierte medizini-

sche Abklärung (FOMA) der E. AG vom 1. März 2021. Bei der Evaluation 

der funktionellen Leistungsfähigkeit habe der Beschwerdeführer eine nicht 

zuverlässige Leistungsbereitschaft gezeigt und die Konsistenz sei schlecht 

gewesen. Wie auch schon bei der klinisch-ärztlichen rheumatologischen 

Untersuchung habe er bei der EFL-Testung eher demonstrativ theatralisch 

beschwerde-verdeutlichende Bewegungen und "Fast-Fallsituationen" so-

wie eine erhebliche Symptomausweitung und ein ausgeprägtes Schon- und 

Schmerzverhalten gezeigt. Die demonstrierte Belastbarkeit sei nur mini-

mal. Versicherungsmedizinisch sei zusammenfassend festzuhalten, dass 

das in Bezug auf die Arbeit relevante Problem in einer verminderten Belas-

tungstoleranz der Lendenwirbelsäule bestehe. Für eine leichte bis knapp 

mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit sei er jedoch für 8 Stunden pro 

Tag als arbeitsfähig zu erachten. Bei der bisherigen Tätigkeit als Lederfär-

ber und Chauffeur scheine es sich um eine eher leichte bis mittelschwere 

Tätigkeit zu handeln. Zudem finde sich in den Akten der Hinweis, dass eine 

Umplatzierung in eine leichtere Tätigkeit vom Arbeitgeber ermöglicht wer-

den könnte. Eine Arbeitsunfähigkeit bestehe nach dem Gesagten nicht 

(vgl. VB 52 S. 3 f.).  

 

2.2. 

Im Rahmen der Aktenbeurteilung vom 18. Oktober 2022 führte RAD-Arzt 

Dr. med. C. aus, versicherungsmedizinisch stelle sich die somatische Situ-

ation des Beschwerdeführers nach erfolgreicher Operation (Arthrodese des 

MTP 1 links vom 21. Februar 2022) und Ausheilung im Vergleich zur Beur-

teilung vom 3. Dezember 2021 unverändert dar. Um was es sich bei der 

Operation, welche für November 2022 geplant sei, handle, sei nicht klar 

ersichtlich, weshalb er keine abschliessende Stellungnahme abgeben 

könne. Sollte es sich um einen ähnlichen Eingriff wie auf der anderen Fuss-

seite handeln, wäre nur für wenige Wochen eine vollständige Arbeitsunfä-

higkeit zu erwarten. Sollte im Anschluss an die Operation eine Rehabilitati-

onsmassnahme geplant sein, wäre es sinnvoll, diese Massnahme abzu-

warten, um dann über den endgültigen funktionellen Zustand der Füsse 

eine Beurteilung abgeben zu können. Hinsichtlich der psychischen Proble-

matik werde im Bericht der Psychosomatik Kantonsspital F. (F.) vom 

 - 4 - 

 

 

 

13. April 2021 eine chronische Schmerzstörung angeführt. Eine eigentliche 

psychiatrische Erkrankung werde jedoch nicht genannt (vgl. VB 70 S. 2 f.).  

 

2.3. 

In der Beurteilung vom 6. Februar 2023 erklärte RAD-Arzt Dr. med. C., der 

Rechtsvertreter des Beschwerdeführers habe dahingehend informiert, 

dass sich die gesundheitliche Situation verschlechtert habe und eine Ope-

ration sowie Reha geplant seien. Bisher habe aber weder eine Operation 

noch eine Reha stattgefunden. Mit den zwei neuen Berichten (Austrittsbe-

richt F. vom 1. Januar 2023 [VB 72 S. 12 ff.] sowie Austrittsbericht F. vom 

21. Dezember 2022 [VB 72 S. 15 ff.]) würden weitere orthopädische Prob-

leme vorgebracht (Coxarthrose, Gonarthrose). Damit seien – wie bereits 

bisher – schwere körperliche Tätigkeiten nicht möglich. Es ändere sich je-

doch nichts an der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer leichten bis 

knapp mittelschweren wechselnd belastenden Tätigkeit (vgl. VB 76 S. 2).   

 

3. 

3.1. 

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-

ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen 

beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der 

Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-

zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situ-

ation einleuchtet und ob die Schlussfolgerung des Experten begründet sind 

(BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).  

 

3.2. 

Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-

dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen 

praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im 

Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebe-

nen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c 

S. 160 ff.). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gut-

achtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge An-

forderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver-

lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststel-

lungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 

E. 4.4 S. 469 f. und 122 V 157 E. 1d S. 162 f.). 

 

3.3. 

Beweistauglich kann auch eine reine Aktenbeurteilung sein, wenn es im 

Wesentlichen um die Beurteilung eines feststehenden medizinischen 

Sachverhalts geht und sich neue Untersuchungen erübrigen. Dies ist ins-

besondere der Fall, wenn genügend Unterlagen aufgrund anderer persön-

licher Untersuchungen vorliegen, die ein vollständiges Bild über Anam-

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nese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben. Der medizinische Sach-

verständige muss sich insgesamt aufgrund der vorhandenen Unterlagen 

ein lückenloses Bild machen können (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

8C_46/2019 vom 10. Mai 2019 E. 3.2.1; 8C_641/2011 vom 22. Dezember 

2011 E. 3.2.2 mit Hinweisen). 

 

4. 

4.1. 

Der Beschwerdeführer bringt im Wesentlichen vor, seit der letzten einge-

henden Untersuchung sei bereits viel Zeit verstrichen und sein Gesund-

heitszustand habe sich seither wesentlich verschlechtert, womit sich eine 

polydisziplinäre Begutachtung aufdränge. Unter anderem habe sich sein 

psychischer Zustand verschlimmert, womit insbesondere diesbezüglich 

eine Begutachtung notwendig sei. Zudem stehe noch die Operation am 

rechten Fuss bevor. Hinsichtlich der Tätigkeit an seiner letzten Arbeitsstelle 

erklärte er, eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit sei ihm dort leider nicht 

möglich, weshalb auch die vom Arbeitgeber angebotene Teilzeitstelle nicht 

weiterhelfe (vgl. Beschwerde S. 7 f.). 

 

4.2. 

4.2.1. 

Soweit der Beschwerdeführer darauf hinweist, dass er seit längerer Zeit 

psychische Probleme habe, welche aktenkundig seien und zu welchen 

nicht einmal eine RAD-Stellungnahme vorliege (vgl. Beschwerde S. 7 f.), 

ist ihm beizupflichten, dass sich RAD-Arzt Dr. med. C. zu den psychischen 

Aspekten nur am Rande geäussert hat. Er nannte in der Beurteilung vom 

3. Dezember 2021 zwar die Diagnose "Chronische Schmerzstörung mit so-

matischen und psychischen Faktoren" (ICD-10 F.45.41), jedoch ging er – 

mit Ausnahme der Wiedergabe von Ausführungen aus dem Bericht der 

Rehaklinik D. vom 29. Juni 2021, in welchem unter anderem Informationen 

zu chronifizierten Schmerzen zu finden sind (vgl. VB 46 S. 3) – nicht weiter 

darauf ein (vgl. VB 52 S. 3 f.). In der Beurteilung vom 18. Oktober 2022 er-

klärte er lediglich, im Bericht der Psychosomatik F. vom 13. April 2021 

werde eine chronische Schmerzstörung angeführt. Der Beschwerdeführer 

nehme bereits seit 20 Jahren das Medikament Citalopram, was ihm sehr 

helfe. Eine eigentliche psychiatrische Erkrankung werde nicht aufgeführt. 

Lediglich im Bericht der neuromuskulären Sprechstunde vom 10. Septem-

ber 2020 werde der "St. n. depressiven Episoden" genannt. Überdies sei 

dem Bericht der Rehaklinik D. vom 29. Juni 2021 zu entnehmen, dass psy-

chisch keine wesentliche Besserung habe erreicht werden können 

(vgl. VB 70 S. 3).   

 

Entgegen den Ausführungen von RAD-Arzt Dr. med. C. wurde aktenaus-

weislich in diversen Arztberichten die Nebendiagnose "Depression" (2019) 

oder "St. n. depressive Episoden" (2020-2021) festgehalten (vgl. VB 10 

S. 4, 7, 10, 12, 14, 16, 18; VB 11 S. 1; VB 13 S. 2; VB 14 S. 3; VB 21 S. 14, 

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16; VB 50 S. 8, 12; VB 72 S. 3, 5), wobei auch dort detaillierte Angaben 

dazu fehlen. Ebenfalls als nicht richtig bzw. nicht aktuell erweist sich seine 

Aussage, der Beschwerdeführer nehme bereits seit 20 Jahren das Medika-

ment Citalopram, welches ihm sehr helfe. Dem Bericht Psychosomatik vom 

13. April 2021 ist nämlich zu entnehmen, dass Citalopram durch Cymbalta 

ersetzt worden sei und der Nutzen noch weiter evaluiert werden müsse 

(vgl. VB 50 S. 4). Gemäss dem Abschlussbericht Psychosomatik vom 

18. Mai 2022 nahm er Cymbalta und bei Bedarf Relaxane ein (vgl. VB 74 

S. 17).  

 

4.2.2. 

Des Weiteren wurde im Bericht der G., Rehaklinik D., vom 29. Juni 2021 

festgehalten, dass der Beschwerdeführer als psychophysisch angespannt 

erlebt worden sei. Er habe über erhöhte Reizbarkeit, Ein- und Durchschlaf-

schwierigkeiten, Inappetenz mit einer Gewichtsabnahme von 12 Kilo-

gramm in drei Monaten, erhöhte Lärmempfindlichkeit, Hoffnungslosigkeit 

und sozialen Rückzug geklagt. Zudem habe er von chronifizierten Schmer-

zen im Iliosakralgelenk (ISG) und linken Oberschenkel mit einer Ausstrah-

lung bis in die Füsse berichtet. Im Verlaufe des Aufenthalts habe er weiter-

hin verzweifelt gewirkt und Schwierigkeiten gezeigt, die mit den chronifi-

zierten Schmerzen einhergehenden Veränderungen zu akzeptieren. Er 

habe ein defektes Krankheitsmodell und dementsprechend ein "Schwarz-

Weiss"-Denken. Dies habe im Rahmen der punktuell erfolgten Gespräche 

leider nicht beeinflusst werden können. Insgesamt sei eine Traurigkeit be-

treffend den Verlust des früheren Lebens eruierbar gewesen und eine Un-

sicherheit in Bezug auf die Zukunft nach dem Austritt sei weiterhin vorhan-

den gewesen. Sein angestrebtes Ziel der Schmerzlinderung habe er nicht 

erreicht und aufgrund der Therapien am ehesten eine Schmerzverstärkung 

gespürt. Nur die Wassertherapie habe er als angenehm und hilfreich emp-

funden. Auch das Ziel "ruhiger zu werden" habe er nicht erreicht. Es wird 

abschliessend angemerkt, die psychotherapeutische Behandlung solle wie 

bisher weitergeführt werden. Er benötige Unterstützung bezüglich der Er-

arbeitung von Akzeptanz der chronischen Schmerzen und möglicher Be-

schäftigung im Alltag (vgl. VB 46 S. 3). Somit lassen sich auch hier Hin-

weise auf psychische Erkrankungen finden, wobei fachärztliche Aussagen 

über eine konkrete Diagnose sowie insbesondere über eine allfällige Ar-

beitsunfähigkeit fehlen. 

 

4.2.3. 

Ausserdem ist auch der Einwand des Beschwerdeführers korrekt, dass die 

im Bericht der E. AG vom 1. März 2021 (VB 29.2 S. 1, 3; E.-Bericht) ge-

nannte psychiatrische und neuropsychologische Beurteilung durch 

Dres. med. H., Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und I., Fach-

ärztin für Nervenkrankheiten (Neurologie), den Akten nicht beiliege. Dieser 

Bericht sei der Versicherung (B.) direkt zugestellt worden (VB 29.2 S. 1). 

Im E.-Bericht wird ausgeführt, mit Wahrscheinlichkeit – hier sei aber auf die 

 - 7 - 

 

 

 

Abklärung von Dr. med. H. abzustützen – dürfte auch eine psychosoziale, 

psychosomatische Problematik mithineinspielen. Der Beschwerdeführer 

habe ein behindertes Kind und er habe nun die Diagnose erhalten, er habe 

eine sechsgliedrige "nicht normale" Lendenwirbelsäule, was er wiederholt 

erwähnt habe. Anscheinend könne er das nicht genug differenzieren und 

habe möglicherweise unterbewusste Ängste, er könnte auch an einer zur 

Invalidität führenden Problematik leiden. Allenfalls müsse man sich mit die-

sem Thema mit dem Beschwerdeführer noch auseinandersetzen 

(vgl. VB 29.2 S. 3).  

 

Auch diese Ausführungen sind vage. Die Aktenlage erweist sich ohne die 

Beurteilung von Dres. med. H. und I. als unvollständig. Zudem ist darauf 

hinzuweisen, dass keine Krankheit im Sinne der Invalidenversicherung vor-

liegt, soweit psychosoziale Faktoren selbstständig und insofern direkte Ur-

sachen der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sind. Solche Umstände 

können sich jedoch mittelbar invaliditätsbegründend auswirken, wenn und 

soweit sie zu einer eigentlichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität 

führen, indem sie einen verselbstständigten Gesundheitsschaden aufrecht-

erhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditäts-

fremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 9C_190/2016 vom 20. Juni 2016 E. 4.2; BGE 139 V 547 

E. 3.2.2 S. 552 sowie Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni 

2012 E. 3.2). Je deutlicher psychosoziale Faktoren im Einzelfall in den Vor-

dergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgepräg-

ter muss sich eine fachärztlich festgestellte psychische Störung mit Krank-

heitswert präsentieren. Das klinische Beschwerdebild darf folglich nicht ein-

zig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden psychosozialen 

Faktoren herrühren, bestehen, sondern muss davon psychiatrisch zu un-

terscheidende Befunde umfassen. Damit überhaupt von Invalidität gespro-

chen werden kann, sind solche von der psychosozialen Belastungssitua-

tion zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte psychi-

sche Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit 

unabdingbar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2017 vom 22. März 

2018 E. 5.1). Ob der Beschwerdeführer an einer verselbständigten psychi-

schen Erkrankung leidet oder ob lediglich invaliditätsfremde Faktoren vor-

liegen, kann aufgrund der vorhandenen Akten nicht abschliessend beurteilt 

werden.  

 

4.2.4. 

Soweit aus den Akten ersichtlich, lagen RAD-Arzt Dr. med. C. somit ledig-

lich Berichte mit Hinweisen auf psychische Probleme des Beschwerdefüh-

rers vor, während ein ausführlicher fachärztlich-psychiatrischer Bericht, 

welcher ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen 

Status aufzeigt, fehlte. RAD-Arzt Dr. med. C. selber verfügt über keinen 

entsprechenden Facharzttitel und äusserte sich nur am Rande zu den psy-

chischen Problemen. Ein RAD-Arzt ist zwar auch ohne entsprechenden 

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Facharzttitel grundsätzlich in der Lage, die Kohärenz des Berichts eines 

Kollegen zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 9C_149/2008 vom 

27. Oktober 2008 E. 3.2), jedoch war es Dr. med. C. mangels Vorliegens 

eines fundierten Berichtes eines Kollegen gar nicht möglich, eine rechts-

genügliche Aktenbeurteilung abzugeben. 

 

Auch wenn – soweit aus den vorhandenen Akten ersichtlich – nie eine kon-

krete Diagnose gestellt wurde, gestützt auf welche dem Beschwerdeführer 

eine Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde, und der Abschlussbericht Psycho-

somatik vom 18. Mai 2022 (VB 74 S. 17) vorliegt, gemäss welchem die the-

rapeutische Begleitung einvernehmlich beendet wurde, erweist sich die Ak-

tenlage nach dem Gesagten als zu lückenhaft. Aufgrund der vorhandenen 

Hinweise könnte eine psychische Erkrankung mit Auswirkung auf die Ar-

beitsfähigkeit vorliegen.  

 

4.3. 

Zusammenfassend bestehen damit in Anbetracht der strengen Anforderun-

gen an Beurteilungen durch versicherungsinterne medizinische Fachper-

sonen (vgl. E. 3.2 und 3.3 hiervor) mindestens geringe Zweifel an den Ak-

tenbeurteilungen von RAD-Arzt Dr. med. C. (VB 52 S. 3 ff; 76 S 2 f.), womit 

keine genügende umfassende fachärztliche Würdigung des Gesundheits-

zustandes des Beschwerdeführers vorliegt und ein allfälliger Rentenan-

spruch nicht abschliessend beurteilt werden kann. Der relevante medizini-

sche Sachverhalt erweist sich damit im Lichte der Untersuchungsmaxime 

als nicht rechtsgenüglich erstellt (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG; 

BGE 133 V 196 E. 1.4 S. 200; 132 V 93 E. 5.2.8 S. 105; 125 V 193 E. 2 

S. 195; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 13 ff. zu Art. 43 

ATSG). Es rechtfertigt sich damit vorliegend, die Sache zur weiteren Ab-

klärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (BGE 139 V 99 E. 1.1 

S. 100; 137 V 210 E. 4.4.1.4 S. 264 f.). Dabei sind der Gesundheitszustand 

(insbesondere in psychiatrischer Hinsicht) sowie die Einschätzung der Ar-

beitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der angestammten und in einer 

angepassten Tätigkeit im retrospektiven zeitlichen Verlauf bis zum (neuen) 

Verfügungszeitpunkt zu bestimmen. Anschliessend hat die Beschwerde-

gegnerin neu über das Rentenbegehren zu verfügen.    

 

In Anbetracht des unvollständigen medizinischen Sachverhalts erübrigen 

sich Ausführungen zu den weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers so-

wie zu den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens 

(vgl. Beschwerde S. 7 f.).  

 

 - 9 - 

 

 

 

5. 

5.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, als 

dass die Verfügung vom 8. Februar 2023 (VB 77) aufzuheben und die Sa-

che zur weiteren Abklärung und zur Neuverfügung an die Beschwerdegeg-

nerin zurückzuweisen ist. 

 

5.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. 

 

5.3. 

Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz seiner 

richterlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG), denn die 

Rückweisung der Sache an die Verwaltung zwecks Vornahme ergänzen-

der Abklärungen gilt als anspruchsbegründendes Obsiegen (BGE 132 V 

215 E. 6.1 S. 235 mit Hinweisen).  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 8. Feb-

ruar 2023 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung im Sinne der 

Erwägungen und zur Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückge-

wiesen.  

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden der Beschwerdegegnerin auf-

erlegt.  

 

3. 

Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer die Par-

teikosten in richterlich festgesetzter Höhe von Fr. 2'450.00 zu bezahlen.  

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

 - 10 - 

 

 

 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 17. Juli 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Kathriner Wietlisbach