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**Case Identifier:** f77203f4-1f15-5b12-9cf7-564b7d07db2b
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-08
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 08.11.2023 VBE.2023.168
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2023-168_2023-11-08.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

2. Kammer 

 

VBE.2023.168 / SW / sc 
Art. 123 

 

 

Urteil vom 8. November 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Peterhans, Präsidentin  

Oberrichterin Fischer  

Oberrichterin Merkofer  

Gerichtsschreiberin Wietlisbach          

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____  

 

 
   

Beschwerde- 

gegner  

 AWA - Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau, Rain 53, 

5000 Aarau 

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend AVIG 

(Einspracheentscheid vom 20. März 2023) 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Der 1970 geborene Beschwerdeführer war zuletzt vom 1. August 2019 bis 

31. Januar 2023 als Klassenlehrperson OS 1 an der Schule B._____ ange-

stellt. Nachdem er mit Schreiben vom 10. Oktober 2022 seine Kündigung 

per 31. Januar 2023 eingereicht hatte, meldete er sich am 27. Januar 2023 

zur Arbeitsvermittlung und am 20. Februar 2023 zum Bezug von Arbeitslo-

senentschädigung an. Mit Verfügung vom 21. Februar 2023 teilte ihm das 

für ihn zuständige Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) mit, dass 

ihm wegen ungenügenden Arbeitsbemühungen vor der Anspruchstellung 

ab dem 1. Februar 2023 11 Taggelder nicht ausbezahlt würden. Die dage-

gen vom Beschwerdeführer erhobene Einsprache vom 1. März 2023 wies 

der Beschwerdegegner mit Einspracheentscheid vom 20. März 2023 ab.  

 

2. 

2.1. 

Hiergegen erhob der Beschwerdeführer am 29. März 2023 fristgerecht Be-

schwerde und beantragte sinngemäss, der Einspracheentscheid vom 

20. März 2023 sei aufzuheben. 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 12. April 2023 beantragte der Beschwerdegeg-

ner die Abweisung der Beschwerde. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Den Einspracheentscheid vom 20. März 2023 begründete der Beschwer-

degegner im Wesentlichen damit, der Beschwerdeführer habe für den Be-

obachtungszeitraum vor Anspruchstellung vom 1. November 2022 bis 

31. Januar 2023 lediglich 11 Bewerbungen nachweisen können und für die 

ungenügenden persönlichen Arbeitsbemühungen keine entschuldbaren 

Gründe vorgebracht. Da er damit seiner Schadenminderungspflicht ge-

mäss Art. 17 Abs. 1 AVIG nicht ausreichend nachgekommen sei, sei er mit 

11 Einstelltagen zu sanktionieren (vgl. Vernehmlassungsbeilage 

[VB] 11 ff.).  

 

1.2. 

In seiner Beschwerde vom 29. März 2023 führt der Beschwerdeführer im 

Wesentlichen aus, die fehlende Information bezüglich der Anzahl Bewer-

bungen auf der Internetseite www.ag.ch verstosse gegen den Grundsatz 

von Treu und Glauben. Ausserdem habe er in der Stellungnahme vom 

 - 3 - 

 

 

20. Februar 2023 seine private und gesundheitliche Situation in den Mona-

ten November 2022 bis Januar 2023 beschrieben. Es sei ersichtlich, dass 

er sich in einer stressbedingten Notlage befunden habe. Diese sei jedoch 

von der zuständigen Mitarbeiterin des RAV als nicht zureichend erachtet 

worden, um seine Bemühungen zur Schadenminderung als genügend ein-

zustufen (vgl. Beschwerde S. 2).  

 

2. 

2.1. 

2.1.1. 

Vorab ist auf die Rüge des Beschwerdeführers einzugehen, wonach 

C._____, Fachspezialistin Einsprachestelle, Amtsstelle Arbeitslosenversi-

cherung, voreingenommen geurteilt habe. Er führt aus, eine neutrale Beur-

teilung erscheine ihm angesichts der im angefochtenen Einspracheent-

scheid gewählten Formulierung grundsätzlich schwierig, im Falle von 

C._____ eher unmöglich. Dies manifestiere sich einerseits im Aufbau der 

Begründung des Entscheids bzw. dem Negieren seiner primären Argumen-

tation und andererseits im Satz "Wie Sie unschwer erkennen können, er-

füllen Sie mit dem Nachweis Ihrer persönlichen Arbeitsbemühungen für die 

Zeit vor Anspruchstellung diese Vorgaben mit Ihren 11 Bewerbungen bei 

weitem nicht." (vgl. Beschwerde S. 2). 

 

2.1.2. 

Soweit der Beschwerdeführer die Voreingenommenheit von C._____ gel-

tend macht, ist darauf hinzuweisen, dass für Personen, die im Verwaltungs-

verfahren am Entscheid in irgendeiner Form mitwirken und damit den Aus-

gang des Verfahrens beeinflussen können (beispielsweise Sachbearbeiter) 

grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe gelten, wie 

sie für Richter vorgesehen sind (vgl. FRANZISKA MARTHA BETSCHART, in: 

Basler Kommentar, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, N. 3 

zu Art. 36 ATSG). Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände 

vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu wecken. 

Bei der Befangenheit handelt es sich um einen inneren Zustand, der nur 

schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht 

nachgewiesen zu werden, dass die betreffende Person tatsächlich befan-

gen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein 

der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen 

vermögen (vgl. BGE 142 III 732 E. 4.2.2 S. 736 f.). Bei der Beurteilung des 

Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände kann 

jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. 

Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erschei-

nen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_499/2013 vom 20. Februar 2014 

E. 5.1; FRANZISKA MARTHA BETSCHART, in: Basler Kommentar, Allgemeiner 

Teil des Sozialversicherungsrechts, N. 20 f. zu Art. 36 ATSG). 

 

 - 4 - 

 

 

2.1.3. 

Die im angefochtenen Entscheid gewählten Formulierungen und dessen 

Begründung vermögen objektiv nicht den Anschein der persönlichen Be-

fangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit von C._____ zu be-

gründen. Der Einwand des Beschwerdeführers erweist sich folglich als 

nicht stichhaltig.  

 

2.2. 

2.2.1. 

Sinngemäss macht der Beschwerdeführer mit dem Hinweis auf das feh-

lende Eingehen auf seine primäre Begründung zudem auch eine Verlet-

zung des rechtlichen Gehörs geltend (vgl. Beschwerde S. 1 f.).  

 

2.2.2. 

Einspracheentscheide sind gemäss Art. 52 Abs. 2 ATSG zu begründen, 

was sich auch aus dem allgemeinen Anspruch auf rechtliches Gehör 

(Art. 29 Abs. 2 BV) ergibt. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt von 

der Behörde, dass sie die Vorbringen der Betroffenen tatsächlich hört, 

ernsthaft prüft und in ihrer Entscheidfindung angemessen berücksichtigt. 

Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-

ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-

lich widerlegt (vgl. BGE 142 II 49 E. 9.2 S. 65 mit Hinweisen; vgl. auch UELI 

KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N. 64 zu Art. 52 ATSG). 

 

2.2.3. 

Da eine – nicht besonders schwerwiegende – Verletzung des rechtlichen 

Gehörs rechtsprechungsgemäss als geheilt gelten kann, wenn die be-

troffene Person – wie vorliegend – die Möglichkeit erhält, sich vor einer Be-

schwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die 

Rechtslage frei überprüfen kann (vgl. BGE 127 V 431 E. 3d/aa S. 437), 

kann offenbleiben, wie es sich damit genau verhält. Von einer Rückweisung 

der Sache an die Verwaltung wäre sodann selbst bei einer schwerwiegen-

den Verletzung des rechtlichen Gehörs abzusehen, zumal diese doch ein-

zig zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerun-

gen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse 

des Beschwerdeführers an einer beförderlichen Behandlung der Sache 

nicht zu vereinbaren wären (vgl. BGE 142 II 218 E. 2.8.1 S. 226 und 133 I 

201 E. 2.2 S. 204 f.).  

 

2.3. 

Zu prüfen ist damit, ob die wegen ungenügender Arbeitsbemühungen in 

der Zeit vor Anspruchserhebung verfügte Einstellung des Beschwerdefüh-

rers in der Anspruchsberechtigung für die Dauer von 11 Tagen zu Recht 

erfolgte. 

 

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 - 5 - 

 

 

3. 

3.1. 

Nach Lage der Akten steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerde-

führer für die Zeit vor Anspruchstellung (1. November 2022 bis 31. Januar 

2023) elf Arbeitsbemühungen nachgewiesen hat (vgl. VB 34 f.). 

 

3.2. 

Der Beschwerdeführer macht geltend, auf der Internetseite www.ag.ch 

werde die versicherte Person unter dem Titel "Stellensuche" informiert, 

dass die Stellensuche mit dem Start der Kündigungsfrist beginne. Aller-

dings sei weder auf der Homepage noch auf dem Formular "Nachweis der 

persönlichen Arbeitsbemühungen" vermerkt, wie viele Bewerbungen er-

wartet würden. Dass diese Information nicht publiziert sei, verstosse gegen 

den Grundsatz von Treu und Glauben, dürfe man doch davon ausgehen, 

dass alle relevanten Informationen publiziert seien (vgl. Beschwerde S. 1). 

 

3.3. 

3.3.1. 

Gemäss Art. 17 Abs. 1 AVIG muss der Versicherte, der Versicherungsleis-

tungen beanspruchen will, mit Unterstützung des zuständigen Arbeitsam-

tes alles Zumutbare unternehmen, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder 

zu verkürzen. Insbesondere ist er verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigen-

falls auch ausserhalb seines bisherigen Berufes. Er muss seine Bemühun-

gen nachweisen können. Bei der Beurteilung der Frage, ob sich ein Versi-

cherter genügend um zumutbare Arbeit bemüht hat, ist nicht nur die Quan-

tität, sondern auch die Qualität seiner Bewerbungen von Bedeutung. Nach 

Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG ist der Versicherte in der Anspruchsberechtigung 

einzustellen, wenn er sich persönlich nicht genügend um zumutbare Arbeit 

bemüht (vgl. BGE 139 V 524 E. 2.1.1 S. 526). 

 

3.3.2. 

Die Quantität der erforderlichen Bewerbungen kann zahlenmässig nicht ge-

nerell festgelegt werden, sondern ist stets unter Berücksichtigung der je-

weiligen konkreten persönlichen Verhältnisse, worunter etwa das Alter, die 

Schulbildung, die Berufserfahrung und auch die Arbeitsmarktlage fallen, zu 

beurteilen. In der Praxis werden durchschnittlich zehn bis zwölf Stellenbe-

werbungen pro Monat als genügend erachtet (BGE 141 V 365 E. 4.1 

S. 369; BGE 139 V 524 E. 2.1.4. S. 528; KUPFER BUCHER, Rechtsprechung 

des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die 

obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, 

4. Aufl. 2013, S. 173 f. mit Hinweis auf das Urteil des Bundesgerichts 

C 258/06 vom 6. Februar 2007 E. 2.2). 

 

  

 - 6 - 

 

 

3.3.3. 

Nach konstanter Praxis des Bundesgerichts fliesst aus der Pflicht, den Ein-

tritt der Arbeitslosigkeit zu verhindern, für die versicherte Person die Last, 

sich bereits vom Zeitpunkt der Kündigung des früheren Arbeitsverhältnis-

ses an und damit vor Eintritt der Arbeitslosigkeit intensiv um eine neue Ar-

beit zu bemühen. Die versicherte Person hat sich dementsprechend wäh-

rend einer allfälligen Kündigungsfrist unaufgefordert um Stellen zu bemü-

hen. Bei der Anmeldung hat die arbeitslos gewordene Person den Nach-

weis ihrer Bemühungen um Arbeit vorzulegen (Art. 20 Abs. 1 lit. d AVIV). 

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird sie sämtliche während der Kündi-

gungsfrist getätigten Stellenbewerbungen einzureichen haben. Sie ist da-

her auch dann in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie für die 

Zeit während der Kündigungsfrist keine oder nur ungenügende Arbeitsbe-

mühungen vorweisen kann (vgl. BGE 139 V 524 E. 2.2.1 f. S. 525 f. und 

E. 4.2 S. 530). Diese Pflicht zur Vornahme persönlicher Arbeitsbemühun-

gen stellt eine elementare Verhaltensregel dar, welche auch ohne vorgän-

gige Aufklärung oder – im Falle ungenügender Arbeitsbemühungen – Ver-

warnung seitens der Verwaltung befolgt werden muss. Dies ergibt sich be-

reits daraus, dass die versicherte Person schon vor Eintritt der Arbeitslo-

sigkeit ihren diesbezüglichen Obliegenheiten nachkommen und sich schon 

während der Kündigungsfrist um einen neuen Arbeitsplatz bewerben muss. 

Diese Pflicht der Versicherungsleistungen beanspruchenden Person zur 

persönlichen Arbeitssuche für die Zeit vor der Anmeldung bei der zustän-

digen Amtsstelle ergibt sich direkt aus der in Art. 17 Abs. 1 AVIG veranker-

ten allgemeinen Schadenminderungspflicht (vgl. BGE 139 V 524 E. 4.2 

S. 530; vgl. Urteile des Bundesgerichts C 50/06 vom 23. Mai 2006 E. 2.1 

und C 14/06 vom 6. September 2006 E. 2.2 mit Hinweisen). Wie in den üb-

rigen Zweigen der Sozialversicherung hat sie auch bei der Arbeitslosenver-

sicherung ihr Möglichstes zur Schadenminderung von sich aus, d.h. ohne 

besondere Aufforderung durch eine Amtsstelle oder Abgabe eines Merk-

blattes, vorzukehren (vgl. ARV 1980 Nr. 44 S. 109; Urteil des Bundesge-

richts C 199/05 vom 29. September 2005 E. 2.2). Aufgrund dieser Pflicht 

kann eine versicherte Person, wenn ihr der Berater oder die Beraterin des 

RAV nicht bereits bei der Anmeldung zur Arbeitsvermittlung bekanntgibt, 

wie viele Bewerbungen von ihr monatlich erwartet werden, rechtspre-

chungsgemäss daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten (vgl. Urteile des 

Bundesgerichts C 50/06 vom 23. Mai 2006 E. 2.1 und C 14/06 vom 6. Sep-

tember 2006 E. 2.2 mit Hinweisen). 

 

3.4. 

Umso weniger kann der Beschwerdeführer aus dem Umstand, dass die 

Anzahl erforderlicher Bewerbungen – welche überdies nicht konkret ge-

nannt werden kann, sondern von den jeweiligen Umständen abhängt 

(vgl. E. 3.3.2) – nicht auf der Homepage www.ag.ch publiziert wird, etwas 

zu seinen Gunsten ableiten. So wäre er verpflichtet gewesen, sich bei Un-

 - 7 - 

 

 

klarheiten bezüglich der zu erbringenden Arbeitsbemühungen – beispiels-

weise beim zuständigen Arbeitsvermittlungszentrum – diesbezüglich zu er-

kundigen. Überdies ist anzumerken, dass dem Merkblatt "Welches sind 

Ihre Pflichten?" des Departements Volkswirtschaft und Inneres, Amt für 

Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau, welches auf der vom Beschwer-

deführer genannten Homepage zu finden ist (vgl. https://www.ag.ch/me-

dia/kanton-aargau/dvi/dokumente/awa/awa/stellensuchende-arbeitslose/ 

informationen-rav/pflichten-beim-rav.pdf; zuletzt besucht am 29. August 

2023), zu entnehmen ist, dass sich die versicherte Person "intensiv" um 

Stellen bewerben muss. Dass bei 11 Bewerbungen im Zeitraum vom 1. No-

vember 2022 bis 14. Januar 2023, d.h. nur rund eine Bewerbung pro Wo-

che, keine intensive Stellensuche vorliegt, hätte dem Beschwerdeführer be-

wusst sein müssen. Wie bereits ausgeführt, hätte er aber auch ohne diesen 

Hinweis auf "intensive" Bemühungen von sich aus Erkundigungen anstel-

len müssen. Anzumerken ist im Übrigen, dass ihm die notwendige Anzahl 

an Bewerbungen angesichts der Tatsache, dass er bereits vor rund sieben 

Jahren einmal Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezogen hatte (vgl. 

Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau VBE.2017.613 vom 

17. Januar 2018), an sich bereits hätte bekannt gewesen sein dürfen.  

 

4. 

4.1. 

Des Weiteren bringt der Beschwerdeführer vor, er habe sich in den Mona-

ten November 2022 bis Januar 2023 in einer stressbedingten Notlage be-

funden (vgl. Beschwerde S. 2). Am 24. Oktober 2022 habe er aufgrund sich 

manifestierender physischer und psychischer Stresssymptome seine Kün-

digung eingereicht. Auslöser sei eine langanhaltende Überlastung gewe-

sen. Vom 11. Oktober bis am 13. Dezember 2022 sei die Mutter seiner 

beiden Kinder (8 und 10 Jahre alt) in einer Klinik gewesen. In dieser Zeit 

hätten sie bei ihm gewohnt, was den Stressspiegel entsprechend erhöht 

habe. Aus Gründen der primären Existenzsicherung habe er sich in diesen 

drei Monaten auf die aussichtsreichsten Inserate konzentriert (vgl. VB 32). 

Er macht somit geltend, es sei ihm angesichts seiner gesundheitlichen Si-

tuation nicht zumutbar gewesen, mehr Bewerbungen zu versenden.  

 

4.2. 

Soweit der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang ausserdem vor-

bringt, da die Formulierung "alles Zumutbare" in Art. 17 Abs. 1 AVIG einen 

grossen Interpretationsspielraum zulasse, werde willkürliches Handeln der 

verfügenden Stelle begünstigt (vgl. Beschwerde S. 2), ist darauf hinzuwei-

sen, dass die Behörden bei Gesetzesbestimmungen, die ihnen Ermessen 

einräumen, verpflichtet sind, dieses Ermessen rechtskonform auszuüben 

(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_342/2017 vom 28. August 2017 E. 4.1).  

 

 - 8 - 

 

 

4.3. 

Was die private und gesundheitliche Situation bzw. die "Notlage", auf die 

sich der Beschwerdeführer beruft, anbelangt, sind gemäss bundesgericht-

licher Rechtsprechung sogar zu 100 % arbeitsunfähige versicherte Perso-

nen für die Zeit der bestehenden Arbeitsunfähigkeit nicht zwangsläufig von 

der Pflicht zur Stellensuche befreit (vgl. Urteil des Bundesgerichts C 164/05 

vom 28. September 2006 E. 7). 

 

4.4. 

Vorliegend macht der Beschwerdeführer nicht geltend, es sei ihm im 

massgebenden Zeitraum vom 1. November 2022 bis 31. Januar 2023 eine 

Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden, und es sind auch keine Hinweise 

dafür ersichtlich, dass er während der Kündigungsfrist nicht mehr gearbei-

tet hätte. Dem prozessorientierten Beratungsprotokoll des Amtes für Wirt-

schaft und Arbeit (vgl. Anhang II S. 2) ist zu entnehmen, dass er in der frag-

lichen Periode auch keinen Arzt aufgesucht hat. Die unzureichenden Stel-

lenbewerbungen lassen sich daher nicht mehr mit gesundheitlichen Grün-

den rechtfertigen. Daran, dass er in vollem Umfang zur Stellensuche ver-

pflichtet gewesen wäre, vermag auch der Umstand, dass er die Betreuung 

seiner beiden Kinder übernehmen musste, nichts zu ändern.  

 

4.5. 

Nach dem Gesagten steht fest, dass der Beschwerdeführer zu Recht auf-

grund einer Verletzung seiner Schadenminderungspflicht gemäss Art. 17 

Abs. 1 AVIG i.V.m. Art. 30 Abs. 1 lit. c AVIG ab dem 1. Februar 2023 in der 

Anspruchsberechtigung eingestellt wurde. Zu prüfen bleibt die Dauer der 

Einstellung. 

 

5. 

5.1. 

Die Dauer der Einstellung richtet sich nach dem Grad des Verschuldens 

(Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 

Tage bei mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden 

(Art. 45 Abs. 3 lit. a-c AVIV; vgl. auch Weisung AVIG ALE, AVIG-Praxis 

ALE, Stand 1. Januar 2023, Rz. D59 f.). 

 

5.2. 

5.2.1. 

Der Beschwerdegegner stellte den Beschwerdeführer für die Dauer von 

11 Tagen in der Anspruchsberechtigung ein. Grundlage dafür bildete das 

Einstellraster des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO (AVIG-Praxis 

ALE, Stand 1. Januar 2023) in Verbindung mit dem kantonalen Einstellras-

ter (AWA/RAV-Einstellraster, Departement Volkswirtschaft und Inneres, 

Amt für Wirtschaft und Arbeit; letztmals revidiert am 1. März 2021). Ersteres 

Raster sieht in Rz. D79 bei ungenügenden Arbeitsbemühungen während 

einer Kündigungsfrist von mindestens drei Monaten eine Einstelldauer von 

 - 9 - 

 

 

neun bis zwölf Tagen (leichtes Verschulden) vor; dem kantonalen Einstell-

raster ist die gleiche Bemessung zu entnehmen. 

 

5.2.2. 

Verwaltungsweisungen sind für den Sozialversicherungsrichter nicht ver-

bindlich. Er soll sie bei seiner Entscheidung jedoch mitberücksichtigen, so-

fern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung 

der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen (vgl. BGE 126 V 

64 E. 4b S. 68, 123 V 72 E. 4a S. 72 mit Hinweisen). Bei der Beurteilung 

der Einstelltage durch das Gericht ist zudem die Tatsache zu berücksichti-

gen, dass das Gericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund anstelle 

desjenigen der Verwaltung setzen darf. Das Gericht muss sich auf Gege-

benheiten abstützen können, die seine abweichende Ermessensausübung 

als naheliegender erscheinen lassen. Ausserdem ist den Bestrebungen der 

Verwaltung bzw. der Versicherer Rechnung zu tragen, welche darauf ab-

zielen, durch interne Weisungen, Richtlinien, Tabellen, Skalen usw. eine 

rechtsgleiche Behandlung der Versicherten zu gewährleisten (vgl. BGE 

123 V 150 E. 2 S. 152 mit Hinweisen). 

 

5.3. 

Der von den beiden genannten Rastern vorgegebene Rahmen von 9-

12 Einstelltagen wurde mit der verfügten Einstelldauer von 11 Tagen ein-

gehalten. Vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer für die drei Mo-

nate bis zum Ablauf der Kündigungsfrist durchschnittlich nur knapp 4 Be-

werbungen pro Monat und damit weniger als die Hälfte der praxisgemäss 

geforderten 10-12 Bewerbungen pro Monat nachgewiesen hat, erscheint 

die Einstufung am oberen Ende des vorgegebenen Rahmens im Bereich 

des leichten Verschuldens als gerechtfertigt. Nach dem Gesagten spre-

chen unter Berücksichtigung der gesamten Umstände keine triftigen 

Gründe dafür, in das Ermessen der Vorinstanz einzugreifen. Der Ein-

spracheentscheid vom 20. März 2023 ist daher nicht zu beanstanden. 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

6.2. 

Das Verfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. fbis ATSG). 

 

6.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und dem Beschwerdegegner aufgrund seiner Stellung als So-

zialversicherungsträger (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu.  

 

 
  

 - 10 - 

 

 

   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.  

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 8. November 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Peterhans Wietlisbach