# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a1cd6002-96ef-5563-8c51-1f99a2b0a5c0
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-05-24
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 24.05.2016 S 2015 59
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2015-59_2016-05-24.pdf

## Full Text

VERWALTUNGSGERICHT DES KANTONS GRAUBÜNDEN
DRETGIRA ADMINISTRATIVA DAL CHANTUN GRISCHUN
TRIBUNALE AMMINISTRATIVO DEL CANTONE DEI GRIGIONI

S 15 59

3. Kammer als Versicherungsgericht

Vorsitz Stecher
RichterIn Moser, Audétat 

Aktuarin Baumann-Maissen

URTEIL

vom 24. Mai 2016

in der versicherungsrechtlichen Streitsache

A._____,

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. HSG Andrea Cantieni, 

Beschwerdeführerin

gegen 

Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden, 

Beschwerdegegnerin

betreffend IV-Rente

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1. Am 17. März 2005 erlitt A._____ einen Unfall. Die Schweizerische Unfall-

versicherungsanstalt (SUVA) anerkannte für die Folgen dieses Unfaller-

eignisses leistungspflichtig zu sein und erbrachte zunächst kurzfristige 

Versicherungsleistungen in Form von Heilbehandlung sowie Taggeldern. 

Mit Verfügung vom 26. September 2008 sprach sie A._____ in der Folge 

eine Integritätsentschädigung zu und gewährte ihr bei einem Invaliditäts-

grad von 11 % eine Invalidenrente. Die gegen diesen Rentenentscheid 

erhobene Einsprache hiess die SUVA mit Entscheid vom 22. Oktober 

2008 teilweise gut und änderte die Verfügung vom 26. September 2008 

dahingehend ab, als sie die A._____ zugesprochene Rente ausgehend 

von einem Invaliditätsgrad von 18 % geringfügig erhöhte. 

2. Seit dem Unfallereignis vom 17. März 2005 übt A._____ keine Erwerbs-

tätigkeit mehr aus. Am 17. Januar 2006 meldete sie sich bei der IV-Stelle 

des Kantons Graubünden (nachfolgend: IV-Stelle) zum Bezug von Versi-

cherungsleistungen an. Die IV-Stelle lehnte dieses Leistungsbegehren 

nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens mit Verfügung vom 20. 

November 2008 bei einem Invaliditätsgrad von 17 % ab. Die dagegen er-

hobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des Kantons Graubün-

den mit Urteil S 08 174 vom 16. Januar 2009 ab. Am 28. August 2009 

wandte sich A._____ abermals an die IV-Stelle mit dem Begehren um 

Ausrichtung von Versicherungsleistungen. Nach Durchführung des Vor-

bescheidverfahrens sprach die IV-Stelle A._____ daraufhin mit Verfügung 

vom 11. März 2013 vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2008 eine be-

fristete ganze Rente zu, verneinte im Übrigen jedoch den Rentenan-

spruch der Versicherten. Gegen diesen Rentenentscheid gelangte 

A._____ am 8. April 2011 neuerlich mit Beschwerde an das Verwaltungs-

gericht des Kantons Graubünden. Dieses wies die Beschwerde mit Urteil 

S 11 53 vom 13. Dezember 2011 ausgehend von einem Invaliditätsgrad 

von höchstens 35.9 % ab.

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3. Am 13. Januar 2013 meldete sich A._____ erneut bei der IV-Stelle zum 

Bezug von Versicherungsleistungen an. Auf dieses Leistungsbegehren 

trat die IV-Stelle ein und beauftragte über die SuisseMED@p-Plattform 

das ABI Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH Basel mit der polydiszi-

plinären Begutachtung. Auf der Grundlage dieses Gutachtens verneinte 

die IV-Stelle in der Folge nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens 

mit Verfügung vom 20. April 2015 den Rentenanspruch bei einem Invali-

ditätsgrad von maximal 31 %.

4. Gegen diesen abschlägigen Rentenentscheid reichte A._____ (nachfol-

gend: Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 13. Mai 2015 Beschwerde 

beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden ein. Darin stellte und 

begründete sie folgende Anträge:

"1. Die Verfügung vom 20.04.2015 sei aufzuheben.

2. Es sei ein gerichtliches psychiatrisches Obergutachten zu erstellen.

3. Die Angelegenheit sei sodann an die Vorinstanz zurückzuweisen, um 
die Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer BEFAS einge-
hend abzuklären und danach über den Rentenanspruch der Be-
schwerdeführerin erneut zu entscheiden.

4. Eventualiter sei der Beschwerdeführerin ab dem 01.01.2013 mindes-
tens eine Viertelsrente auszurichten.

5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerde-
gegnerin."

5. Die IV-Stelle beantragte in der Vernehmlassung vom 9. Juni 2015 die 

Abweisung der Beschwerde. 

6. Mit Eingabe vom 11. Juni 2015 verzichtete die Beschwerdeführerin unter 

Erneuerung ihrer Anträge auf eine Replik. Zugleich reichte ihr Rechtsver-

treter seine Honorarnote ein.

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Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensparteien und die einge-

reichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Er-

wägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-

Stelle des Kantons Graubünden vom 20. April 2015. Eine solche Anord-

nung, die gemäss Bundesrecht der Beschwerde an das Versicherungsge-

richt am Ort der IV-Stelle unterliegt, kann beim Verwaltungsgericht des 

Kantons Graubünden angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 lit. a des 

Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] i.V.m. 

Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung 

[IVG; SR 831.20] und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen 

Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Beurteilung 

der vorliegenden Beschwerde fällt folglich in die Zuständigkeit des ange-

rufenen Gerichts. Als formelle und materielle Verfügungsadressatin ist die 

Beschwerdeführerin von der angefochtenen Verfügung überdies unmittel-

bar betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 

oder Abänderung. Demnach ist sie zur Beschwerdeführung berechtigt 

(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Schliesslich hat sie ihre Be-

schwerde frist- und formgerecht beim Verwaltungsgericht eingereicht 

(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG). Auf die vorlie-

gende Beschwerde ist demnach einzutreten.

2. a) Streitig ist, ob die IV-Stelle der Beschwerdeführerin eine Invalidenrente 

schuldet. Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer im Sinne des Geset-

zes invalid ist. Bei erwerbstätigen Versicherten, wie der Beschwerdefüh-

rerin, gilt als Invalidität, die durch einen körperlichen, geistigen oder psy-

chischen Gesundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende 

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oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 1 IVG i.V.m. Art. 8 

Abs. 1 ATSG), welche die Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder 

Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG). Der rentenbegründende Invaliditäts-

grad ist aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 28a 

Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG). Dazu wird das Erwerbseinkommen, wel-

ches die Versicherte nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung 

der medizinischen Behandlung sowie allfälliger Eingliederungsmassnah-

men durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarkt-

lage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zu 

dem Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid 

geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat 

in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen 

Erwerbseinkommen auf zeitidentischer Basis ziffernmässig möglichst ge-

nau ermittelt und einander gegenüber gestellt werden, worauf aus der 

Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmt wird (allgemeine Me-

thode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E.3.4.2, 128 V 29 

E.1). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG haben Versicherte bei einem Invaliditäts-

grad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei ei-

nem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe 

Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch 

auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 

70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente. 

b) Im vorliegenden Fall prüfte die IV-Stelle den Invaliditätsgrad der Be-

schwerdeführerin vor Erlass der angefochtenen Verfügung letztmals im 

Verfahren, das mit der Gewährung einer ganzen Invalidenrente für den 

Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2008 endete (Verfügung 

der IV-Stelle vom 11. März 2011 [IV-act. 140 und 145], Urteil des Verwal-

tungsgerichts S 11 53 vom 13. Dezember 2011 [IV-act. 153]). Dieses Ver-

fahren bezog sich indessen nicht nur auf die Zusprechung der fraglichen 

befristeten Invalidenrente, sondern auch auf deren anschliessende Auf-

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hebung nach den Grundsätzen der Rentenrevision. Meldet sich eine Ver-

sicherte nach einer derartigen Verfügung, wie die Beschwerdeführerin am 

13. Januar 2013 (IV-act. 152), erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbe-

zug an, so sind Art. 87 Abs. 2 und 3 der Verordnung über die Invaliden-

versicherung (IVV; SR 831.201) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 

E.6). Laut den fraglichen Bestimmungen ist auf eine Neuanmeldung nur 

einzutreten, wenn die Versicherte darin glaubhaft macht, dass sich der 

rentenbegründende Invaliditätsgrad seit der letzten rechtskräftigen Ableh-

nungsverfügung in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert 

hat. Erachtet die IV-Stelle diese Voraussetzung als gegeben und tritt des-

halb auf eine Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzu-

klären und zu untersuchen, ob die von der Versicherten glaubhaft ge-

machte Veränderung tatsächlich eingetreten ist. Hierzu hat sie die derzei-

tigen Verhältnisse mit denjenigen bei Erlass der letzten Verfügung, die auf 

einer umfassenden materiellen Prüfung beruht, zu vergleichen. Stellt die 

IV-Stelle aufgrund dieser Gegenüberstellung fest, dass der Invaliditäts-

grad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Ablehnungsverfügung keine 

rechtserhebliche Veränderung erfahren hat, weist sie das abermalige 

Leistungsbegehren ab. Andernfalls hat sie zusätzlich zu untersuchen, ob 

die festgestellte Veränderung genügt, um zu einem rentenbegründenden 

Invaliditätsgrad zu führen und entscheidet anschliessend über den Ren-

tenanspruch der Versicherten (BGE 141 V 9 E.2 und 6, 117 V 198 E.3a, 

109 V 108 E.2; Urteile des Bundesgerichts 9C_378/2014 vom 21. Oktober 

2014 E.4.2; ULRICH MEYER/MARCO REICHMUTH, in: STAUFFER/CARDINAUX 

[Hrsg.], Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungs-

recht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl., 

Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 30-31 N. 120). 

c) Im vorliegenden Fall trat die IV-Stelle auf die Neuanmeldung der Be-

schwerdeführerin vom 13. Januar 2013 ein (vgl. IV-act. 165) und beauf-

tragte nach dem Zufallsprinzip das ABI Basel mit der polydisziplinären 

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Begutachtung der Beschwerdeführerin. Auf der Grundlage dieses Gutach-

tens kam sie in der Verfügung vom 20. April 2015 in der Folge zum 

Schluss, die psychische Verfassung der Beschwerdeführerin habe sich 

seit dem 1. Februar 2014 im Vergleich zu dem der Verfügung vom 

11. März 2011 zugrundeliegenden Gesundheitszustand verschlechtert. 

Seither sei die Beschwerdeführerin in einer leidensadaptierten Tätigkeit 

nur mehr zu 70 % arbeitsfähig. Mit der Ausschöpfung dieser Restarbeits-

fähigkeit könnte sie auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt bei Gewährung 

eines Leidensabzugs von 5 % jährlich Fr. 36'411.90 verdienen. Ohne Ge-

sundheitsschaden könnte sie mit einer Tätigkeit im Service ein Jahresein-

kommen von Fr. 52'409.-- erzielen. Die Versicherte habe infolge ihres 

Gesundheitsschadens folglich eine Erwerbseinbusse von Fr. 15'997.10 

erlitten, womit ihr ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 31 % keine 

Invalidenrente zustünde (IV-act. 193 S. 2). 

d) Die Richtigkeit dieser Beurteilung stellt die Beschwerdeführerin insofern 

nicht in Frage, als die IV-Stelle darin zur Auffassung gelangt ist, ihre ge-

sundheitliche Verfassung habe im Vergleich zum massgeblichen Refe-

renzzeitpunkt (11. März 2011) eine anspruchsrelevante Veränderung im 

Sinne einer revisionsbegründenden Gesundheitsverschlechterung erfah-

ren. Dieser medizinische Sachverhalt ist denn auch aufgrund der ABI-

Gutachten vom 5. Mai 2014 (IV-act. 184 S. 32) sowie 31. Mai 2010 (IV-

act. 121) und der diesen Zeitraum betreffenden aktenkundigen Arztberich-

te über die gesundheitliche Verfassung der Beschwerdeführerin (vgl. dazu 

insbesondere Beilagen der Beschwerdeführerin [Bf-act.] 1, 2, 5, 6, 7, 8) 

hinreichend erstellt. Mit den Verfahrensparteien kann unter diesen Um-

ständen das Vorliegen einer revisionsbegründenden Gesundheitsver-

schlechterung ohne weiteres bejaht werden. Es bleibt zu prüfen, ob die 

IV-Stelle den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin in der angefochte-

nen Verfügung zu Recht verneint hat. 

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3. a) Die Beschwerdeführerin wendet gegen die abschlägige Rentenverfügung 

vom 20. April 2015 im Wesentlichen ein, im Vorgutachten sei ein chroni-

sches lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit Auswirkung auf die Arbeits-

fähigkeit diagnostiziert worden. Im vorliegenden ABI-Gutachten sei das 

erneut diagnostizierte, chronische lumbovertebrale Schmerzsyndrom nun 

plötzlich ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. In der Zwischenzeit habe 

sich der somatische Gesundheitszustand aber nachweislich nicht verbes-

sert. Das orthopädische Teilgutachten vermöge deshalb insofern nicht zu 

überzeugen. Ungenügend sei ausserdem das psychiatrische Teilgutach-

ten. Der ABI-Psychiater habe die Beschwerdeführerin nur während einer 

knappen Stunde untersucht. Wie der Arztbericht von Dr. med. B._____ 

zeige, sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage, sich in so kurzer Zeit 

gegenüber einem Gutachter zu öffnen. Deshalb habe der ABI-Gutachter 

die posttraumatische Belastungsstörung, an welcher die Beschwerdefüh-

rerin leide, nicht erkennen können. Die behandelnde Psychiaterin der Be-

schwerdeführerin kritisiere zudem die unzureichende Anamnese und das 

unzureichende Aktenstudium. Überdies sei zu bemängeln, dass die aktu-

ellen psychiatrischen Berichte der behandelnden Psychiaterin in den Ak-

ten zwar aufgeführt, jedoch nicht zusammenfassend wiedergegeben wor-

den seien. Der begutachtenden ABI-Psychiater habe es sodann unterlas-

sen, mit den behandelnden Ärzten Kontakt aufzunehmen und fremdana-

mnestische Angaben einzuholen. Dies sei insbesondere bei einer dia-

gnostizierten rezidivierenden Depression notwendig, da die Krankheit wel-

lenförmig verlaufe. Schliesslich diagnostiziere der ABI-Gutachter eine 

Somatisierungsstörung ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die 

diesbezüglich vorgenommene Beurteilung der Überwindbarkeit dieser 

Krankheit sei jedoch sehr dürftig. Der ABI-Gutachter habe nicht erkannt, 

dass sich die Beschwerdeführerin erheblich isoliert habe und nur mit Hilfe 

der psychiatrischen Spitex in der Lage sei, die Aktivitäten des Alltags we-

nigstens teilweise zu meistern. Das ABI-Gutachten erweise sich aus den 

genannten Gründen nicht als beweiskräftig, weshalb darauf bei der Beur-

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teilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht abgestellt wer-

den könne. Stattdessen sei die Beschwerdeführerin aufgrund der ent-

sprechenden Beurteilung der behandelnden Psychiater als vollständig ar-

beitsunfähig anzusehen. Falls sich das Gericht dieser Beurteilung nicht 

anschliessen könne, sei ein psychiatrisches Obergutachten einzuholen. 

Im Rahmen dieses Obergutachtens habe sich der Gutachter auch zur 

Frage zu äussern, ob die Somatisierungsstörung überwindbar sei bzw. 

die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beeinträchtige. 

 

b) Die IV-Stelle hält dieser Argumentation primär entgegen, es sei nicht un-

gewöhnlich, dass die behandelnden Ärzte die Arbeitsfähigkeit anders be-

urteilten als die Gutachter, da sich die Beurteilung der behandelnden Ärz-

te an der Selbsteinschätzung der Versicherten orientiere. Demgegenüber 

handle es sich beim ABI-Basel um ein Ärztezentrum, das bekannt sei für 

objektive, medizinische Abklärungen. Als MEDAS-Gutachterstelle nehme 

das ABI-Basel regelmässig rechtsgleiche, interdisziplinäre, medizinische 

Abklärungen für die Invalidenversicherung vor. Es habe die Kompetenz, 

sich aus spezialärztlicher sowie medizinisch-theoretischer Sicht über die 

verbleibende Arbeitsfähigkeit Versicherter zu äussern. In Bezug auf die 

fremdanamnestischen Angaben sei festzustellen, dass dem psychiatri-

schen ABI-Teilgutachter die Arztberichte der behandelnden Ärzte vorge-

legen seien, er also über die Diagnosestellung und Einordnung der Be-

schwerden durch die behandelnden Psychiater im Bilde gewesen sei. Der 

ABI-Psychiater habe entgegen den Behauptungen der Beschwerdeführe-

rin ausserdem durchaus eine Anamnese vorgenommen. Im Übrigen habe 

er sich mit abweichenden Auffassungen der behandelnden Ärzte ausein-

andergesetzt und begründet, weshalb er deren Auffassung nicht folgen 

könne. Das ABI-Gutachten erweise sich somit als voll beweiskräftig, wes-

halb darauf zur Bestimmung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin 

abgestellt werden könne.

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4. a) Um den Invaliditätsgrad einer versicherten Person bemessen zu können, 

sind die Verwaltung und das im Beschwerdefall angerufene Gericht auf 

Unterlagen angewiesen, die ihnen der Arzt und gegebenenfalls andere 

Fachleute zur Verfügung stellen. Aufgabe des Arztes ist es, den Gesund-

heitszustand zu beurteilen und − wenn nötig − dessen Entwicklung im 

Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter 

ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Be-

schwerden Befunde zu erheben, gestützt darauf eine Diagnose zu stellen, 

und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang sowie bezüglich wel-

cher Tätigkeiten die Versicherte in ihren körperlichen bzw. geistigen Funk-

tionen durch das Leiden eingeschränkt ist (BGE 130 V 97 E.3.3.2, 115 V 

133 E.2, 107 V 17 E.2b). Hiermit erfüllt der Arzt seine genuine Aufgabe, 

wofür die Verwaltung und im Streitfall das Gericht nicht kompetent sind. 

Bei der Folgeabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchti-

gungen für die Arbeitsfähigkeit kommt dem Arzt indes keine abschlies-

sende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt er zur Arbeitsunfähig-

keit Stellung, das heisst er gibt eine Schätzung ab, welche er aus seiner 

Sicht so substanziell wie möglich begründet (BGE 140 V 193 E.3.2, 

125 V 256 E.4). Nötigenfalls sind, in Ergänzung der medizinischen Unter-

lagen, für die Ermittlung des erwerblich nutzbaren Leistungsvermögens 

Fachpersonen der beruflichen Integration und Berufsberatung einzuschal-

ten (BGE 140 V 193 E.3.2, 107 V 17 E.2b, vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_545/2012 vom 25. Januar 2013 E.3.2.1).

b) Die eingeholten Beweismittel haben Versicherungsträger und Sozialversi-

cherungsgericht frei zu würdigen (Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 19 des 

Verwaltungsverfahrensgesetzes [VwVG; SR 172.021] und Art. 40 des 

Bundeszivilprozesses [BZP; SR 273], Art. 61 lit. c ATSG). Für das Be-

schwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, un-

abhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach 

zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Be-

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urteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es 

bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess 

nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die 

Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere me-

dizinische These abstellt (vgl. BGE 125 V 351 E.3a). Hinsichtlich des Be-

weiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die 

streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, 

auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten 

(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen 

Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein-

leuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind 

(BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a mit Hinweis). Ausschlaggebend 

für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Be-

weismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag ge-

gebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 

E.3a, 122 V 157 E.1c mit Hinweisen). Dennoch hat es das Bundesgericht 

mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in 

Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten 

Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen. Diesen zufolge haben 

Gutachten versicherungsexterner Ärzte vollen Beweiswert, wenn sie die 

vorgenannten Anforderungen erfüllen und nicht konkrete Indizien gegen 

deren Zuverlässigkeit sprechen. Nur wenn die Schlüssigkeit eines sol-

chen Gutachtens in wesentlichen Punkten zweifelhaft erscheint, sind er-

gänzende Beweisvorkehren in Betracht zu ziehen und nötigenfalls anzu-

ordnen (BGE 137 V 210 E.1.3.4, 135 V 465 E.4.4, 125 V 353 E.3b/bb). 

5. a) Die ABI-Gutachter, Dr. med. C._____, FMH Allgemeine Medizin, Dr. med. 

D._____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, und Dr. med. E._____, 

FMH Orthopädische Chirurgie, diagnostizierten im Gutachten vom 5. Mai 

2014 (IV-act. 184) als Krankheiten ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit 

ein chronisches vertebrales Schmerzsyndrom ohne fassbare radikuläre 

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Symptomatik (ICD-10: M 54.5) bei radiologisch altersentsprechendem, 

unauffälligem Befund der BWS, radiologisch Osteochondrose und breit-

basige Diskushernie LWK 4/5/SWK1 ohne klare Zeichen einer Neuro-

kompression, Somatisierungsstörung (ICD-10: F 45.0), Störung durch 

Benzodiazepine, regelmässiger Gebrauch (ICD-10: F 13.25), arterielle 

Hypertonie (ICD-10: E 78.2), fortgesetzter Nikotinkonsum (ICD-

10: F 17.1), Status nach Stimmbandpolypoperation (März 2014) und Sta-

tus nach Kolonpolypabtragung (Oktober 2013; IV-act. 184 S. 30 f.). Als 

Krankheiten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stellten sie eine rezidivie-

rende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode 

(ICD-10: F 33.0/F 33.1), chronische Nacken-Schulterschmerzen der do-

minanten rechten Seite ohne fassbare radikuläre Symptomatik (ICD-10: 

M 54.2/M 79.6/Z 98.8) bei Status nach Kontusion der rechten Schulter 

sowie der Brustwirbelsäule am 12. März 2005, Status nach Schulterar-

throskopie, offener Supraspinatussehnennaht und Akromioplastik am 

13. Juli 2005 bei Teilruptur der Supraspinatussehne, Status nach Seques-

terentfernung, Diskektomie HWK 6/7 und Fusion mit Zwischenwirbelinter-

ponat ventral am 28. März 2008, radiologisch foraminale Verengung HWK 

3/4 mit Kompression der Nervenwurzel C4 links sowie eine geringe fora-

minale Verengung HWK 4/5/6 beidseits und chronische Fussbeschwer-

den links (ICD-10: M 77.4/M 21.07/M 21.08) fest (IV-act. 184 S. 30). Infol-

ge dieser Krankheiten bestehe eine verminderte, körperliche Belastbar-

keit, vor allem im Bereich der oberen Wirbelsäule. Deshalb sei die Be-

schwerdeführerin für schwere, anhaltend mittelschwere, überwiegend 

stehende und nicht adaptierte Tätigkeiten nicht arbeitsfähig. Für körper-

lich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten bestehe aus Sicht des Bewe-

gungsapparates eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit mit einer Leistungs-

einbusse, pausenbedingt, von 20 %. Aus allgemeininternistischer Sicht 

lägen keine Befunde und Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig-

keit vor. Aus psychiatrischer Sicht könne bei der Explorandin auf affekti-

ver Ebene eine leichte bis mittelgradige Episode einer rezidivierenden 

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depressiven Störung festgestellt werden. Ohne Einfluss auf die Arbeits-

fähigkeit sei die Somatisierungsstörung, auf die sich der regelmässige 

Gebrauch von Benzodiazepine negativ auswirke. Infolge der affektiven 

Störung bestehe bei der Explorandin eine verminderte Belastbarkeit im 

Sinne einer Einschränkung von 30 % (IV-act. 184 S. 31). Aus polydiszi-

plinärer Sicht sei die Explorandin demnach für schwere, anhaltend mittel-

schwere und nicht adaptierte Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig. Für 

körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit bestehe eine Arbeits- und 

Leistungsfähigkeit von 70 %. Das Pensum könne vollschichtig umgesetzt 

werden mit erhöhtem Pausenbedarf von 10 bis 15 Minuten pro Stunde 

und leicht reduziertem Rendement. Dabei sollte das Heben und Tragen 

von Lasten über 10 kg sowie der repetitive Einsatz der rechten oberen 

Extremitäten oberhalb des Schulterniveaus vermieden werden. Die Leis-

tungseinbussen aus somatischer und aus psychiatrischer Sicht addierten 

sich nicht, da die gleichen Zeitabschnitte zum Einlegen von Pausen und 

zur Erholung genutzt werden könnten (IV-act. 184 S. 31 f.). 

b) Diese Schlussfolgerungen sowie die übrigen Ausführungen im ABI-

Gutachten vom 5. Mai 2014 sind für die strittigen Belange umfassend, 

berücksichtigen die von der Beschwerdeführerin geklagten Leiden und 

wurden in Kenntnis der Vorakten verfasst. Zudem beruhen sie auf einer 

eingehenden persönlichen Untersuchung der Beschwerdeführerin, die es 

den ABI-Gutachtern erlaubt hat, einen persönlichen Eindruck über die ge-

sundheitliche Verfassung der Beschwerdeführerin zu gewinnen. Die ABI-

Gutachter setzen sich im Gutachten vom 5. Mai 2014 zudem mit abwei-

chenden Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus-

einander und begründen, weshalb sie diese für nicht stichhaltig erachten. 

Die entsprechenden Ausführungen leuchten in der Darlegung der medizi-

nischen Zusammenhänge und der Beurteilung der medizinischen Situati-

on ein. Die ABI-Gutachter sind als Fachärzte überdies qualifiziert, die Ar-

beitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht zu beurtei-

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len. In den Akten finden sich auch ansonsten keine konkreten Indizien, 

welche Zweifel an der Zuverlässigkeit des ABI-Gutachtens vom 5. Mai 

2014 wecken. 

aa) Die gegenteilige Auffassung der Beschwerdeführerin vermag nicht zu 

überzeugen. Zwar trifft es zu, dass im Vorgutachten des ABI vom 31. Mai 

2010 ein chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit Auswirkung 

auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert wurde (IV-act. 121 S. 27), während 

dieselbe Krankheit nach dem ABI-Gutachten vom 5. Mai 2014 die Arbeits-

fähigkeit der Beschwerdeführerin nicht beeinträchtigt (IV-act. 18 S. 28), 

obgleich der begutachtenden ABI-Orthopäde diesbezüglich von einem 

unveränderten Gesundheitszustand ausgeht (IV-act. 183 S. 29). Eine sol-

che Neubeurteilung eines unverändert gebliebenen Gesundheitszustands 

ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung jedoch zulässig, wenn 

die Frage nach einer anspruchsrelevanten Veränderung des Sachverhalts 

im Sinne einer revisionsbegründenden Gesundheitsveränderung, wie vor-

liegend (vgl. vorstehende Erwägung 2c und 2d), bejaht wurde (BGE 141 

V 9 E.5 f.; Urteile des Bundesgerichts 9C_378/2014 vom 21. Oktober 

2014 E.4.2, 9C_226/2013 vom 4. September 2013). In diesem Fall ist der 

Invaliditätsgrad auch in Bezug auf die grundsätzlich unveränderten medi-

zinischen Befunde neu zu ermitteln, wobei sich eine höhere Arbeitsfähig-

keit etwa aus einer verbesserten Leidensanpassung der Versicherten er-

geben oder darin begründet sein kann, dass sich ein Leiden in seiner In-

tensität und damit in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verän-

dert hat (BGE 141 V 9 E.6.3.1, Urteil des Bundesgerichts 9C_771/2009 

vom 10. September 2010 E.2.3). Daher kann auch bei hinzugetretenen 

oder sich verstärkenden Beschwerden, die eine revisionsbegründende 

Gesundheitsverschlechterung darstellen, im Ergebnis eine höhere Ar-

beitsfähigkeit bestehen, ohne dass einem Gutachten die Schlüssigkeit 

abzusprechen ist. Im vorliegenden Fall gilt es jedoch zu beachten, dass 

der begutachtenden ABI-Orthopäde die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde-

- 15 -

führerin im Gutachten vom 5. Mai 2014 aus orthopädischer Sicht im Er-

gebnis gleichermassen wie der Vorgutachter beurteilt, indem er ebenfalls 

von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in einer leichten, wechselbelastenden 

Tätigkeit ausgeht (vgl. ABI-Gutachten vom 5. Mai 2014 S. 31 f. [IV-

act. 184] und ABI-Gutachten vom 31. Mai 2010 [IV-act. 121] S. 25 und 

29). Die unterschiedliche Qualifikation des chronisches lumbovertebrales 

Schmerzsyndroms als Krankheit mit bzw. ohne Einfluss auf die Arbeits-

fähigkeit hat sich folglich nicht in einer unterschiedlichen Beurteilung des 

funktionellen Leistungsvermögens der Beschwerdeführerin niederge-

schlagen. Damit kann dahingestellt bleiben, ob sich das chronische lum-

bovertebrale Schmerzsyndrom auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde-

führerin auswirkt, da aus orthopädischer Sicht so oder anders eine 

80%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit anzunehmen 

ist. Die Richtigkeit dieser Einschätzung wird von der Beschwerdeführerin 

denn auch nicht in Abrede gestellt, womit kein Anlass besteht, darauf 

näher einzugehen.

bb) Die übrigen Einwände der Beschwerdeführerin beziehen sich alle auf die 

Beurteilung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit durch den be-

gutachtenden ABI-Psychiater, Dr. med. A._____. Soweit die Beschwerde-

führerin diesem vorwirft, keine hinreichende Anamnese vorgenommen zu 

haben, ist festzuhalten, dass der Zeitaufwand für eine psychiatrische Un-

tersuchung stark von der Fragestellung und der zu beurteilenden Psycho-

pathologie abhängt. Die Diagnose einer Demenz oder einer akuten schi-

zophrenen Psychose ist bei deutlicher Ausprägung der Symptomatik häu-

fig rasch möglich, während ein sehr hoher Zeitaufwand erforderlich sein 

kann, um den Verdacht auf eine Simulation zu klären, eine schwierige 

Persönlichkeitspathologie zu erhellen oder problematische Zusammen-

hangsfragen zwischen traumatischen äusseren Ereignissen und nachfol-

gender Symptomatik zu erörtern. Daher lässt sich ein genereller Zeitrah-

men für eine Untersuchung nicht verbindlich angeben (Urteil des Bundes-

- 16 -

gerichtes 8C_747/2011 vom 10. Februar 2012 E.2.2.2, Urteile des Eid-

genössischen Versicherungsgerichts I 1094/06 vom 14. November 2007 

E.3.1.1 und 3.1.2, I 58/06 vom 13. Juni 2006 E.2.2). Im vorliegenden Fall 

hat der begutachtende ABI-Psychiater die Beschwerdeführerin während 

knapp einer Stunde persönlich untersucht (IV-act. 184 S. 20). Ein solcher 

Zeitaufwand liegt durchaus im akzeptablen Rahmen und ist vorliegend 

umso weniger zu beanstanden, als der begutachtende ABI-Psychiater die 

Beschwerdeführerin bereits im Jahr 2010 begutachtete und zu diesem 

Zweck am 14. April 2010 persönlich untersuchte (IV-act. 121 S. 1). In den 

Akten finden sich überdies keine Hinweise, dass der begutachtende ABI-

Psychiater bei einem längeren Explorationsgespräch zu anderen Ergeb-

nissen gelangt wäre, zumal es der vormaligen Psychiaterin der Be-

schwerdeführerin, Dr. med. B._____, selbst im Rahmen eines mehrmona-

tigen Therapiesettings nicht gelang, die Beschwerdeführerin dazu zu be-

wegen, ihr über die in der Vergangenheit erlittenen Verletzungen zu be-

richten (vgl. Arztbericht von Dr. med. B._____ vom 2. Februar 2013 [Bf-

act. 1]). Dass die Beschwerdeführerin in einer Begutachtungssituation 

hierzu Angaben gemacht hätte, erscheint vor diesem Hintergrund höchst 

unwahrscheinlich. Der begutachtende ABI-Gutachter hat die Beschwerde-

führerin folglich hinreichend lange untersucht. 

cc) Nicht zu beanstanden ist ferner, dass im ABI-Gutachten vom 5. Mai 2014 

die medizinischen Vorakten in der Aktenzusammenfassung lediglich auf-

geführt (IV-act. 184 S. 6-11) und im Auszug nur die wichtigsten Dokumen-

te wiedergegeben werden (IV-act. 184 S. 11-15). Dieses Vorgehen ent-

spricht den „Qualitätsrichtlinien für psychiatrische Gutachten in der Eid-

genössischen Invalidenversicherung“ der Schweizerischen Gesellschaft 

für Psychiatrie und Psychotherapie (S.  5 f. und S. 11) und erweist sich 

gerade in Fällen, wie dem vorliegenden, mit einer komplexen Krankenge-

schichte als sinnvoll, um ein Gutachten umfangmässig zu begrenzen. 

Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin hat der ABI-

- 17 -

Psychiater die Arztberichte der behandelnden Psychiater der Beschwer-

deführerin im Übrigen sehr wohl zur Kenntnis genommen, hat er sich 

doch damit im psychiatrischen Teilgutachten auseinandergesetzt und be-

gründet, weshalb er die darin vertretene Auffassung als unrichtig erachtet 

(IV-act. 183 S. 23). Soweit die Beschwerdeführerin in diesem Zusam-

menhang ausserdem rügt, der begutachtende ABI-Psychiater habe es 

versäumt, fremdanamnestischer Angaben einzuholen, ist festzuhalten, 

dass solche Angaben bei einer psychiatrischen Begutachtung zwar sinn-

voll sein können, jedoch nicht unerlässlich sind (Urteil des Eidgenössi-

schen Versicherungsgerichts I 58/06 vom 13. Juni 2006 E.2.3; URS MÜL-

LER, Das Verwaltungsverfahren in der Invalidenversicherung, Bern 2010, 

Rz. 1675, vgl. auch die Qualitätsrichtlinien für psychiatrische Gutachten in 

der Eidgenössischen Invalidenversicherung“ der Schweizerischen Gesell-

schaft für Psychiatrie und Psychotherapie S. 9). Im vorliegenden Fall hat-

ten sich die behandelnden Psychiater der Beschwerdeführerin bereits in 

den Arztberichten vom 9. März 2013, 9. Juni 2013, 17. März 2013, 6. Fe-

bruar 2013 sowie 25. März 2014 zur psychischen Verfassung der Be-

schwerdeführerin geäussert. Wenn der begutachtende Psychiater bei die-

ser Ausgangslage darauf verzichtete, bei den behandelnden Psychiatern 

Auskünfte einzuholen, da er sich davon keine neuen Erkenntnisse ver-

sprach, erscheint dies durchaus vertretbar. Was schliesslich den gerügten 

Verzicht auf die Einholung einer Stellungnahme bei der die Beschwerde-

führerin betreuenden Pflegefachfrau betrifft, gilt es zu beachten, dass die 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit rechtsprechungsgemäss eine (fach-

)ärztliche Aufgabe ist (BGE 137 V 210 E.3.3.2; Urteil des Bundesgerichts 

9C_610/2015 vom 29. Oktober 2015 E.3.1; vgl. SUSANNE BOLLINGER, Der 

Beweiswert psychiatrischer Gutachten in der Invalidenversicherung, in: 

Jusletter vom 31. Januar 2011 Rz. 10 und 16 mit Hinweisen). Berichte 

und Stellungnahme von Pflegefachfrauen erscheinen deshalb von vorn-

herein nicht geeignet, (fach-)ärztliche Beurteilungen zur Arbeitsfähigkeit 

zu entkräften. Verzichtet ein Gutachter auf die Einholung eines Pflegebe-

- 18 -

richts, so vermag dies den Beweiswert seiner Beurteilung allein deshalb 

nicht zu erschüttern. Ohnehin ist unter dem Blickwinkel der bundesrechtli-

chen Anforderungen an die Beweiskraft eines Gutachtens nicht zu ver-

langen, dass stets sämtliche bei irgendeiner Versicherung oder bei ir-

gendeiner medizinischen Fachperson allenfalls vorhandenen Akten ein-

geholt werden, würde doch ansonsten die Durchführung einer rechtskon-

formen Begutachtung erheblich erschwert oder sogar verunmöglicht (vgl. 

Urteil des Bundesgerichts 8C_924/2008 vom 8. April 2009 E.3.3). Die von 

der Beschwerdeführerin erhobenen formellen Einwände gegen die Be-

weiskraft der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin 

durch den begutachtenden ABI-Psychiater erweisen sich demnach als 

unbegründet.

dd) In Bezug auf die von der Beschwerdeführerin für den Beweis der behaup-

teten 100%igen Arbeitsunfähigkeit eingereichten Arztberichte der behan-

delnden Psychiater (vgl. Arztberichte von Dr. med. F._____ vom 5. Sep-

tember 2014 [Bf-act. 8], 17. März 2013 [Bf-act. 5] und 9. Juni 2013 [Bf-

act. 6], Dr. med. G._____ und Dr. med. H._____ vom 2. Juni 2014 [Bf-

act. 7], Dr. med. B._____ vom 6. Februar 2013 [Bf-act. 1], Dr. med. 

I._____ und Dr. med. K._____ vom 24. Oktober 2012 [Bf-act. 2]) gilt es zu 

beachten, dass sich der Therapieauftrag der behandelnden Ärzte grund-

legend von der Aufgabe eines Gutachters unterscheidet, der gehalten ist, 

die Angaben einer Explorandin einer kritischen Würdigung zu unterziehen 

und auf allfällige Diskrepanzen zwischen dem in der Untersuchungssitua-

tion gezeigten Verhalten sowie dem geschilderten Alltagsverhalten hin-

zuweisen. Diese unterschiedliche Herangehensweise kann sich gerade 

bei schwierig abzuklärenden psychischen Leiden, bei denen die Diagno-

sestellung in wesentlichen Teilen auf den Angaben der Betroffenen be-

ruht, auswirken. Im Übrigen hat der Sozialversicherungsrichter bei der 

Würdigung von Berichten behandelnder Ärzte rechtsprechungsgemäss 

der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen hat, dass behandelnde Ärzte 

- 19 -

in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 

465 E.4.5, 125 V 353 E.3b/cc). Das bei einer versicherungsexternen Stel-

le eingeholte und den formellen Anforderungen genügende ABI-

Gutachten vom 5. März 2014 ist daher nicht schon in Frage zu stellen und 

weitere Abklärungen zu veranlassen, wenn und sobald die behandelnden 

Psychiater nach der Begutachtung zu einer anderen Beurteilung gelangen 

oder an einer vorgängig geäusserten abweichenden Auffassung festhal-

ten. Hierfür müssen vielmehr objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorge-

bracht werden, welche im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblie-

ben und geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit 

zu führen (Urteil des Bundesgerichts 9C_830/2007 vom 29. Juli 2008 

E.4.3, Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 58/06 vom 

2. August 2006 E.2.2, I 676/05 vom 13. März 2006 E. 2.4). Dies trifft in 

Bezug auf die von der Beschwerdeführerin angerufenen Arztberichte nicht 

zu.

Freilich diagnostizieren die behandelnden Ärzte zusätzlich zu den vom 

begutachtenden ABI-Psychiater festgestellten psychischen Krankheiten 

eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F 43.1) sowie eine an-

dauernde Persönlichkeitsänderung nach extremer Belastung (ICD-10: 

F 62.0), vereinzelt an deren Stelle eine kombinierte und andere Persön-

lichkeitsstörung (ICD-10: F 61 V.a.). Der begutachtende ABI-Psychiater 

führte hierzu aus, die für diese Diagnosen erforderliche Symptomatik mit 

wiederholtem Auftreten traumatischer Erinnerungen in sich aufdrängen-

den Träumen und Tagträumen sei vorliegend zu wenig ausgeprägt vor-

handen. Es fehle auch ein eigentliches, deutlich schweres traumatisches 

Ereignis, das binnen sechs Monaten nach dem fraglichen Ereignis zu den 

für die posttraumatische Belastungsstörung typischen Symptomen geführt 

habe (IV-act. 184 S. 23). Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung mit 

Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit könne ebenfalls nicht bestätigt werden. 

Bei einer Persönlichkeitsstörung komme es früh zu deutlichen Auffälligkei-

- 20 -

ten, die Störungen manifestierten sich im frühen Erwachsenenalter und 

bliebe dann im Schweregrad gleichbleibend bestehen. Die Explorandin 

sei aber früher voll leistungsfähig gewesen, was gegen das Vorliegen ei-

ner Persönlichkeitsstörung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit spre-

che (IV-act. 184 S. 23). Diese Ausführungen sind widerspruchsfrei, in sich 

schlüssig und vermögen in der Darlegung der medizinischen Zusammen-

hänge zu überzeugen. Eine posttraumatische Belastungsstörung entsteht 

als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereig-

nis oder eine Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastro-

phenartigen Ausmasses (kurz oder lang anhaltend), die bei fast jedem ei-

ne tiefe Verzweiflung hervorrufen würde. Angst und Depression sind häu-

fig mit den Symptomen und Merkmalen der posttraumatischen Belas-

tungsstörung assoziiert und Suizidgedanken sind nicht selten. Der Verlauf 

ist wechselhaft, in der Mehrzahl der Fälle kann jedoch eine Heilung erwar-

tet werden. Bei wenigen Patienten nimmt die Störung über viele Jahre ei-

nen chronischen Verlauf und geht dann in eine andauernde Persönlich-

keitsänderung (F62.0) über (Urteil des Bundesgerichts 8C_676/2015 vom 

7. Juli 2016 E.5.1). Dr. med. F._____ führte im Arztbericht vom 5. Sep-

tember 2014 (Bf-act. 8) diesbezüglich aus, die Beschwerdeführerin sei 

vom Ehemann ihrer Schwester im Alter von 10 Jahren sexuell miss-

braucht, von ihrem älteren Bruder mit 17 Jahren vergewaltigt worden, ha-

be Mitte der 1970er Jahre zwei Mal abgetrieben, im Zeitraum von 1978-

1988 wiederholt gewaltsame Übergriffe erlebt und von 1992-2009 in einer 

von Gewalt geprägten Beziehung gelebt. Keines dieser Ereignisse ist al-

lerdings durch echtzeitliche Dokumente belegt, weshalb diese nicht als 

nachgewiesen gelten können. Dies muss für den vorliegenden Fall umso 

mehr gelten, als die Latenzzeit zwischen dem Auftreten der Beschwerden 

und den geltend gemachten Traumata ausgesprochen lang gewesen wä-

re. Mit dem begutachtenden ABI-Gutachter ist unter diesen Umständen 

davon auszugehen, dass nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit er-

stellt ist, dass die Beschwerdeführerin an einer posttraumatischen Belas-

- 21 -

tungsstörung leidet, womit die diese im Falle der Chronifizierung ablösen-

de andauernde Persönlichkeitsstörung nach extremer Belastung ebenfalls 

nicht ausgewiesen ist. Dass bei der Beschwerdeführerin sodann keine 

andere Persönlichkeitsstörung vorliegt, hat der ABI-Gutachter überzeu-

gend ausgeführt und wird von der Beschwerdeführerin nicht bestritten. 

Die diagnostische Beurteilung der psychischen Gesundheitsverfassung 

der Beschwerdeführerin durch den begutachtenden ABI-Psychiater ist 

folglich nicht zu beanstanden. Der gegenteiligen Auffassung der Be-

schwerdeführerin kann nicht gefolgt werden.

Demgegenüber weist die Beschwerdeführerin zutreffend darauf hin, dass 

es sich bei der gutachterlich diagnostizierten Somatisierungsstörung um 

ein pathogenetisch-ätiologisch unklares syndromales Beschwerdebild oh-

ne nachweisbare organische Grundlage handelt, deren Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit aus Sicht der Invalidenversicherung nach den vom 

Bundesgericht für die anhaltend somatoforme Schmerzstörungen entwi-

ckelten Grundsätzen zu beurteilen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_436/2013 vom 23. Januar 2014 E.2.2). Danach ist eine Arbeitsun-

fähigkeit nur dann und insoweit zu bejahen, als die funktionellen Auswir-

kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Beschwerden im 

Einzelfall anhand der vom Bundesgericht in Abkehr zu seiner vormaligen 

Praxis in BGE 141 V 281 definierten Standardindikatoren schlüssig und 

widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit 

nachgewiesen sind. Gutachten, die – wie das hier vorliegende – nach al-

tem Verfahrensstandard eingeholt wurden, verlieren allerdings nicht per 

se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung 

des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und der erhobe-

nen Rügen zu prüfen, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhan-

denen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E.8; 

Urteil des Bundesgerichts 8C_676/2015 vom 7. Juli 2016 E.6.1). Es ist ei-

ne frei überprüfbare Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die Fest-

- 22 -

stellungen in einem medizinischen Gutachten anhand der nach BGE 141 

V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen 

lassen (BGE 141 V 281 E.7; Urteil des Bundesgerichts 8C_676/2015 vom 

7. Juli 2016 E.6.1). Erlaubt ein Gutachten eine solche Beurteilung, so ist 

der rechtserhebliche Sachverhalt hinreichend erstellt, weshalb sich er-

gänzende Beweisvorkehren erübrigen (BGE 141 V 281 E.3.7; Urteil des 

Bundesgerichts 8C_676/2015 vom 7. Juli 2016 E.6.2).

In Bezug auf die massgeblichen Standardindikatoren kann dem ABI-

Gutachten vom 5. Mai 2014 entnommen werden, dass die Beschwerde-

führerin über klar im Vordergrund stehende psychische Beschwerden 

klagt. So hielt sie gegenüber dem begutachtenden Orthopäden fest, die 

im mehrjährigen Verlauf seitens des Bewegungsapparats unverändert 

gebliebene Symptomatik ertragen zu können (IV-act. 184 S. 22). Ge-

genüber dem begutachtenden Internisten führte sie alsdann aus, ihr gehe 

es nicht sehr gut. Am schlechtesten gehe es ihr psychisch. Dies mache 

sie kaputt. Sie sei nervös, geschwächt, könne nicht schlafen, sei schreck-

haft und wolle am Morgen häufig nicht aufstehen. Körperliche Beschwer-

den würden auch bestehen. Sie habe Rückenschmerzen und Schulterbe-

schwerden rechts, ansonsten nichts. Später meinte sie, manchmal tue ihr 

der ganze Körper weh, insbesondere wenn sie sich aufrege. Noch später 

erwähnte sie gelegentliche Gleichgewichtsstörungen und ein Zittern, 

wenn sie nervös sei (IV-act. 184 S. 15 f.). In ähnlicher Weise schilderte 

die Beschwerdeführerin ihre Beschwerden gegenüber dem begutachten 

ABI-Psychiater (vgl. IV-act. 184 S. 19 f.). Wenn dieser vor dem Hinter-

grund dieser Angaben eine schwerwiegende Somatisierungsstörung ver-

neinte, vermag diese Auffassung zu überzeugen. Eine schwerwiegende 

Somatisierungsstörung wurde denn auch einzig von Dr. med. F._____ im 

Arztbericht vom 17. März 2013 diagnostiziert (Bf-act. 5). Auf diese Beur-

teilung kam diese in ihren späteren Arztberichten freilich zurück, in wel-

chen sie – wie die übrigen behandelnden Ärzte (Arztbericht der Klinik 

- 23 -

Waldhaus vom 2. Juni 2014 [IV-act. 7] und der Klinik Beverin vom 24. Ok-

tober 2012 [Bf-act. 2], Dr. med. B._____ vom 6. Februar 2013 [Bf-act. 1]) 

– nur mehr eine Somatisierungsstörung feststellte (Bf-act. 6 und 8). In den 

Akten findet sich damit keine ärztliche Stellungnahme, in der eine mehr 

als leichtgradige Somatisierungsstörung diagnostiziert wird. Ebenso we-

nig bestreiten die behandelnden Ärzte, dass die Beschwerdeführerin al-

lein wegen der leichtgradigen Somatisierungsstörung die Möglichkeit hät-

te, einer Arbeit nachzugehen, soweit sie dazu aufgrund der im Vorder-

grund stehenden anderen psychischen Erkrankungen in der Lage wäre. 

Die vorliegende Somatisierungsstörung ist demnach nach der insofern 

übereinstimmenden Auffassung aller Fachärzte nicht derart ausgeprägt, 

um die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einem Masse zu beein-

trächtigen, dass über die durch die anderen Krankheiten bedingten Ein-

schränkungen hinausgeht. Schliesslich hat der ABI-Psychiater im Gutach-

ten vom 5. Mai 2014 festgehalten, es bestehe keine schwere somatische 

Krankheit. Ebenso wenig existiere ein schweres psychiatrisches Leiden, 

das therapeutisch nicht mehr angegangen werden könne. Demgegenüber 

bestehe zwar ein sozialer Rückzug. Die Explorandin habe jedoch durch-

aus noch soziale Kontakte, die sie pflege (IV-act. 184 S. 22). Damit kann 

ausgeschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der 

leichtgradigen Somatisierungsstörung zu mehr als 30 % in ihrer Arbeits-

fähigkeit beeinträchtigt wird. Der massgebliche Sachverhalt erweist sich 

bezüglich der hier zur Diskussion stehenden Somatisierungsstörung somit 

als hinreichend erstellt.

Was die Beurteilung des Schweregrades der rezidivierenden depressiven 

Störung durch den begutachtenden Psychiater betrifft, ist schliesslich an-

zumerken, dass Dr. med. F._____ in ihrem Arztberichten vom 5. Septem-

ber 2014 (Bf-act. 8) und die Psychiater der Klinik Waldhaus, Dr. med. 

G._____, und Dr. med. H._____, im Arztbericht vom 2. Juni 2014 (Bf-

act. 7) keine objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht haben, 

- 24 -

welche im Rahmen der ABI-Begutachtung unerkannt geblieben und die 

geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Be-

schwerdeführerin zu führen. Dasselbe gilt für die übrigen Arztberichte der 

behandelnden Ärzte. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass der ABI-

Psychiater festhält, die durch die affektive Störung bedingte 30%ige Ar-

beitsunfähigkeit werde durch die Abhängigkeit von Benzodiazepinen ver-

stärkt. Der Einfluss der Benzodiazepinabhängigkeit auf die Arbeitsfähig-

keit bzw. deren prozentualer Anteil an der Arbeitsunfähigkeit könne erst 

nach einer erfolgreichen Entzugsbehandlung abschliessend beurteilt wer-

den (IV-act. 184 S. 22). Die Benzodiazepinabhängigkeit selbst stelle keine 

Krankheit mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit dar und der Explorandin sei 

es jederzeit zumutbar einen Entzug zu machen. Derzeit sei von einer Ar-

beitsfähigkeit von 70 % auszugehen, die bei erfolgreicher Behandlung 

durchaus höher ausfallen könne, insbesondere wenn sich die Explorandin 

während der Hospitalisation von der Benzodiazepinmedikation entziehen 

lasse. Das Gericht hat keinen Anlass, an der Richtigkeit dieser Beurtei-

lung zu zweifeln. Die von der Beschwerdeführerin gegen das ABI-

Gutachten vom 5. Mai 2014 vorgebrachen Einwände erweisen sich folg-

lich allesamt als unbegründet. Dem fraglichen Gutachten ist voller Be-

weiswert zuzuerkennen.

c) In Würdigung der Akten gelangt das Gericht nach dem vorangehend Aus-

geführten zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin für schwere, anhal-

tend mittelschwere und anderweitig nicht leidensadaptierte Tätigkeiten 

vollständig arbeitsunfähig ist. Für körperlich leichte, wechselbelastende 

Tätigkeit besteht indes mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit dem 

1. Februar 2014 eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 70 %. Diese Ar-

beitsfähigkeit kann vollschichtig umgesetzt werden mit erhöhtem Pausen-

bedarf von 10 bis 15 Minuten pro Stunde und leicht reduziertem Rende-

ment. Dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mithilfe einer wei-

teren psychiatrischen Begutachtung zuverlässiger bestimmt werden könn-

- 25 -

te, kann mit der IV-Stelle ausgeschlossen werden. Der entsprechende 

Beweisantrag der Beschwerdeführer ist daher in antizipierter Beweiswür-

digung abzuweisen (vgl. BGE 134 I 140 E.5.3, 127 V 491 E.1b, 124 V 90 

E.4b, 122 V 157 E.1d). Dasselbe gilt für die begehrte Abklärung des funk-

tionellen Leistungsvermögens der Beschwerdeführerin in einer berufli-

chen Abklärungsstelle (BEFAS). Eine solche Beweisvorkehr ist ohnehin 

nur in Betracht zu ziehen, wenn die beteiligten Fachärzte sich ausser 

Stande sehen, eine zuverlässige Einschätzung des Leistungsvermögens 

einer Versicherten vorzunehmen und deshalb konkrete leistungsorientier-

te berufliche Abklärungen als zweckmässige Massnahme zur Bestim-

mung der Arbeitsfähigkeit empfehlen. Eine berufliche Abklärung ist dem-

nach nicht bereits dann erforderlich, wenn, wie im vorliegenden Fall, die 

ärztlichen Einschätzungen der gesundheitlich bedingten Einschränkung 

voneinander abweichen, genügt doch eine medizinisch-theoretische Beur-

teilung der Arbeitsfähigkeit als Grundlage für die Bemessung der Invali-

dität (Urteil des Bundesgerichts 9C_768/2011 vom 8. Februar 2012 

E.2.4). Liegt eine solche vor und erweist sich diese als beweiskräftig, darf 

auf eine Begutachtung durch eine BEFAS verzichtet werden (Urteil des 

Bundesgerichts 9C_466/2010 vom 23. August 2010 E. 3.4.2). Zudem ist 

eine praktische berufliche Abklärung nur sinnvoll, wenn die Versicherte 

eine kooperative Haltung einnimmt (Urteil des Bundesgerichts 

9C_332/2009 vom 28. Mai 2009 E.3.4; MÜLLER, a.a.O., N. 979; vgl. auch 

Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI], 

Stand 1. Januar 2016, Rz. 5022). Weder die eine noch die andere Vor-

aussetzung liegt im vorliegenden Fall vor, weshalb in antizipierter Be-

weiswürdigung auf eine BEFAS-Abklärung zu verzichten ist. Damit gilt als 

erstellt, dass die Beschwerdeführerin in einer körperlich leichten, wech-

selbelastenden Tätigkeit seit dem 1. Februar 2014 zu 70 % arbeitsfähig 

ist.

- 26 -

6. a) Streitig ist im Weiteren, welches Jahreseinkommen die Beschwerdeführe-

rin bei Ausschöpfung dieser Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt im Zeitpunkt des Rentenbeginns erzielen kann. Schöpft eine 

Versicherte, die ihr verbliebene Restarbeitsfähigkeit, wie vorliegend, nicht 

aus, so ist das Invalideneinkommen rechtsprechungsgemäss aufgrund 

der vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen LSE-

Tabellenlöhne oder den sogenannten DAP-Zahlen zu ermitteln (BGE 129 

V 475 E.4.2.1). Beim Abstellen auf die LSE-Tabellenlöhne sind praxis-

gemäss die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A1) und der 

entsprechende Zentralwert (Median) zu verwenden, welche – da auf einer 

Arbeitszeit von 40 Stunden beruhend – auf die jeweilige durchschnittliche 

Arbeitszeit umzurechnen sind (BGE 129 V 472 E.4.3.2, 126 V 75 E.3b/bb; 

Urteil des Bundesgerichts 9C_632/2015 vom 4. April 2016 E.2.5). Für 

Verfahren, die eine Neuanmeldung nach vorausgegangener rechtskräfti-

ger Ablehnung betreffen, gelangen nach der bundesgerichtlichen Recht-

sprechung die LSE 2012 zur Anwendung, wenn sich die revisionsrechtli-

che erhebliche Veränderung im Jahr 2012 oder zu einem späteren Zeit-

punkt zu getragen hat (BGE 142 V 178 E.2.5). 

b) Im vorliegenden Fall hat sich die anspruchsrelevante Veränderung im 

Sinne einer revisionserheblichen Gesundheitsverschlechterung am 1. Fe-

bruar 2014 verwirklicht (vgl. vorstehende Erwägung 4b und c). Demzufol-

ge ist das Invalideneinkommen der Beschwerdeführerin aufgrund der LSE 

2012 TA 1, zu ermitteln. Danach beträgt das monatliche Bruttoeinkom-

men für Frauen in einer einfachen Tätigkeit körperlicher und handwerkli-

cher Art (Kompetenzniveau 1) bei einem Vollzeitpensum im Monat 

Fr. 4'112.--. Wird dieses Einkommen an die Nominallohnentwicklung 

(1.0 % [2013] und 1.0 % [2014]) und die durchschnittliche Arbeitszeit im 

2014 (41.7) angepasst, so resultiert ein Jahreseinkommen von 

Fr. 52'475.10 (Fr. 49'344.-- [12 x Fr. 4'112.--] x 1.01 [2013] x 1.01 [2014] x 

41.7 : 40). Bei Ausschöpfung ihrer Restarbeitsfähigkeit hätte die Be-

- 27 -

schwerdeführerin nach den massgeblichen LSE-Tabellenlöhnen demzu-

folge im Jahr 2014 ein Jahreseinkommen von Fr. 36'732.60 erzielen kön-

nen (0.7 x Fr. 52'475.10). 

c) Weil gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die – wie die Beschwerde-

führerin – selbst bei leichten Hilfsarbeiten behindert sind, im Vergleich zu 

voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern er-

fahrungsgemäss lohnmässig benachteiligt werden, hat die IV-Stelle der 

Beschwerdeführerin in der angefochtenen Verfügung einen 5%igen Ab-

zug von den für die Berechnung des Invalideneinkommens herangezoge-

nen LSE-Tabellenlöhnen zugestanden. Die Beschwerdeführerin erachtet 

diesen Abzug als unzureichend, zumal das Verwaltungsgericht ihr im Ur-

teil S 11 53 vom 13. Dezember 2011 einen leidensbedingten Abzug von 

15 % zuerkannt habe. Ob und in welchem Ausmass die Tabellenlöhne für 

die Ermittlung des Invalideneinkommens herabzusetzen sind, hängt von 

allen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles 

ab, welche erfahrungsgemäss bewirken, dass eine Versicherte ihre Rest-

arbeitsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Er-

folg verwerten kann (BGE 124 V 321 E.3b/bb). Bei der Bestimmung der 

Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ist nicht in der Weise vorzugehen, 

dass für jedes in Betracht fallende Merkmal separat eine Reduktion vor-

genommen wird, weil damit Wechselwirkungen ausgeblendet würden. 

Vielmehr ist der Einfluss aller Merkmale auf das Invalideneinkommen un-

ter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermes-

sen gesamthaft zu schätzen. Der leidensbedingte Abzug ist dabei auf ins-

gesamt höchstens 25 % zu begrenzen (BGE 134 V 322 E.5.2, 126 V 75 

E.5b/bb und 5b/cc), sollte jedoch grundsätzlich nicht unter 10 % zu liegen 

kommen (Urteile des Verwaltungsgerichtes des Kantons Graubünden 

S 14 159 vom 10. September 2015 E.5c, S 13 50 vom 1. Oktober 2013 

E.4b; MEYER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 28a N. 104). 

- 28 -

d) In tatsächlicher Hinsicht steht im vorliegenden Fall fest, dass die Be-

schwerdeführerin seit dem 1. Februar 2014 aufgrund ihrer gesundheitli-

chen Verfassung nur mehr körperlich leichte Tätigkeiten unter Wechsel-

belastung bei einem ganztätigen Pensum mit einer um 30 % reduzierten 

Leistungsfähigkeit ausüben kann. Dabei sollte das Heben und Tragen von 

Lasten über 10 kg sowie der repetitive Einsatz der rechten oberen Extre-

mitäten oberhalb Schulterniveau vermieden werden (vgl. dazu Erwägung 

5a; IV-act. 184 S. 29, 31). Diese wegen des Gesundheitszustands zu be-

achtenden Rahmenbedingungen schränken die Beschwerdeführerin in 

der Ausübung einer Verweisungstätigkeit erfahrungsgemäss dermassen 

ein, dass deren Gehaltserwartungen dadurch beeinträchtigt werden. Da-

gegen berechtigt der Umstand, dass – wie hier – eine grundsätzlich voll-

zeitlich arbeitsfähige Versicherte reduziert leistungsfähig ist, zu keinem 

Abzug, da dieser Tatsache bereits bei der Bemessung der Arbeitsfähig-

keit Rechnung getragen wurde (vgl. Urteile des Bundesgerichts 

9C_584/2015 vom 15. April 2016 E.6.2, 8C_344/2012 vom 16. August 

2012 E. 3.2, 9C_40/2011 vom 1. April 2011 E.2.3.1). Ebenso wenig recht-

fertigt sich deshalb unter dem Blickwinkel des Beschäftigungsgrads ein 

Abzug, wirkt sich doch die Teilzeitbeschäftigung bei Frauen im Vergleich 

zu einer Vollzeitbeschäftigung nicht lohnmindernd aus (Urteile des Bun-

desgerichts 8C_366/2013 vom 18. Juni 2013 E.4.3, 9C_294/2012 vom 

7. Mai 2012 E.3.3.2.1). Sodann gilt eine psychisch bedingte verstärkte 

Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen nach der bun-

desgerichtlichen Rechtsprechung nicht als eigenständiger abzugsfähiger 

Umstand (Urteil des Bundesgerichts 9C_226/2013 vom 4. September 

2013 E. 4.2.2). Nicht von Belang sind im vorliegenden Fall ferner die An-

zahl der Dienstjahre, die Nationalität sowie die Aufenthaltskategorie der 

Beschwerdeführerin, reiste diese Beschwerdeführerin doch bereits vor 

über 35 Jahren in die Schweiz ein und verfügt mit der Niederlassungsbe-

willigung über ein unbefristetes Aufenthaltsrecht. Hingegen ist vorliegend 

das fortgeschrittene Alter der Beschwerdeführerin, die im Verfügungszeit-

- 29 -

punkt bereits 60 Jahre alt war, gerade auch im Hinblick auf ihre bereits 

über zehnjährige Abwesenheit vom Arbeitsmarkt abzugsrechtlich erheb-

lich (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_334/2013 vom 24. Juli 2013 E.3). 

Infolgedessen sowie der behinderungsbedingten Einschränkungen bei 

der Ausübung von Verweisungstätigkeiten erscheint dem Gericht im vor-

liegenden Fall ein leidensbedingter Abzug von insgesamt 10 % als ange-

messen. Diese Beurteilung steht im Einklang mit dem Urteil des Verwal-

tungsgerichts S 11 53 vom 13. Dezember 2011, in welchem die Ge-

währung eines leidensbedingten Leidensabzug im Umfang von 10-15 % 

als vertretbar erachtet wurde (E.4e). Demzufolge ist die Beschwerdefüh-

rerin im Zeitpunkt der frühestmöglichen Rentenzusprechung in der Lage, 

in einer leidensadaptierten Arbeitstätigkeit ein Invalideneinkommen von 

Fr. 33'059.35 zu erzielen (0.9 x Fr. 36'732.60).

7. a) Was die Bestimmung des Valideneinkommens betrifft, führte die IV-Stelle 

aus, nach ständiger bundesgerichtlicher Praxis sei für die Ermittlung des 

Valideneinkommens jenes Einkommen, welches die Versicherte ohne In-

validität in Zukunft mutmasslich hätte erzielen können, massgebend. In 

Anknüpfung an die von der Beschwerdeführerin zuletzt ausgeübte Tätig-

keit erscheine es als überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerde-

führerin als Gesunde im Gastgewerbe tätig gewesen wäre. Unter diesen 

Umständen sei das Valideneinkommen der Beschwerdeführerin aufgrund 

des Lohnes zu ermitteln, den eine berufserfahrene Arbeitnehmerin im 

Gastgewerbe im 2014 gemäss den LSE-Tabellenlöhnen 2010 erzielt hät-

te. Dieses Einkommen betrage Fr. 52'409.04. Dieser Argumentation hält 

die Beschwerdeführerin entgegen, wie ihrem IK-Auszug entnommen wer-

den könne, habe sie im Laufe ihrer beruflichen Karriere verschiedene An-

stellungen ausserhalb des Gastgewerbes innegehabt. Hinzu komme, 

dass sie seit über 10 Jahren nicht mehr erwerbstätig sei. Es rechtfertige 

sich deshalb auf den Zentralwert gemäss LSE 2010, TA3, Anforderungs-

niveau 4, abzustellen. Dies umso mehr, als auch das Verwaltungsgericht 

- 30 -

im Urteil S 11 53 vom 13. Dezember 2011 von einer Tätigkeit als Allroun-

derin ausgegangen sei. 

b) Für die Bemessung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die 

Versicherte im massgebenden Zeitpunkt des Rentenbeginns nach dem 

Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde verdient 

hätte. Die Ermittlung des Valideneinkommens muss so konkret wie mög-

lich erfolgen. Da die bisherige Tätigkeit erfahrungsgemäss fortgesetzt 

worden wäre, ist in der Regel vom letzten Lohn auszugehen, der vor Ein-

tritt der Gesundheitsschädigung erzielt wurde. Dieses Gehalt ist wenn 

nötig der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung anzupassen 

(BGE 135 V 58 E.3.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_450/2013 vom 

4. Dezember 2013 E.2.1). Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahr-

scheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E.4.1). Auf Erfahrungs- und 

Durchschnittswerte darf nur unter Mitberücksichtigung der für die Entlöh-

nung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und berufli-

chen Faktoren abgestellt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_478/2011 

vom 10. August 2011 E.2.3, Urteil des Eidgenössischen Versicherungsge-

richts I 97/00 vom 29. August 2002 E.1.2; MEYER/REICHMUTH, a.a.O., 

Art. 28a N. 47 ff.).

c) Die Beschwerdeführerin war seit 2005 nicht mehr erwerbstätig. Unter die-

sen Umständen erscheint es vertretbar, wenn die IV-Stelle das Validen-

einkommen der Beschwerdeführerin nicht anhand des zuletzt von ihr er-

zielten Einkommens, sondern aufgrund der LSE-Tabellenlöhne ermittelt. 

Wegen der Parallelität der Vergleichseinkommen ist hierzu aber nicht auf 

die LSE 2010, sondern auf die LSE 2012 zurückzugreifen (vgl. vorste-

hende Erwägung 6b). Hinsichtlich des dabei anzuwendenden Tabellen-

lohnes ist zu beachten, dass die Beschwerdeführerin in den letzten vier 

Jahren vor dem Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt beim Restaurant 

Sternen in Domat/Ems tätig war (vgl. Auszug aus dem individuellen Konto 

- 31 -

der Beschwerdeführerin [IV-act. 8]). Von der Erfahrungstatsache ausge-

hend, dass die zuletzt ausgeübte Tätigkeit in der Regel fortgesetzt wird, 

erscheint es überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin 

als Gesunde weiterhin im Gastgewerbe tätig gewesen wäre. Dies muss 

umso mehr gelten, als sie in der Schweiz vorwiegend in dieser Branche 

gearbeitet hat (vgl. Auszug aus dem individuellen Konto der Beschwerde-

führerin [IV-act. 8]). Die Beschwerdeführerin gab alsdann selbst gegenü-

ber den Psychiatern der Klinik Beverin an, früher im Service gearbeitet zu 

haben (vgl. Arztbericht vom 24. Oktober 2012 [Bf-act. 2]). Gleichermas-

sen äusserte sie sich gegenüber den Vorgutachtern im Jahr 2010, als sie 

nach ihren vormaligen beruflichen Tätigkeiten befragt wurde (vgl. ABI-

Gutachten vom 31. Mai 2010 S. 15 [IV-act. 121 S. 25, 29]). Im Rahmen 

der im vorliegenden Verfahren erfolgten Begutachtung hielt sie schliess-

lich fest, vorwiegend im Service gearbeitet zu haben (IV-act. 184 S. 20). 

Unter diesen Umständen ist mit der IV-Stelle davon auszugehen, dass die 

Beschwerdeführerin als Gesunde mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 

im Gastgewerbe tätig gewesen wäre. Dort hätte sie in einer praktischen 

Tätigkeit (Kompetenzniveau 2) nach LSE 2012, TA1, ein monatliches 

Bruttoeinkommen von Fr. 4'044.-- erzielt. Wird dieses Einkommen an die 

Nominallohnentwicklung (1.0 % [2013] und 1.0 % [2014]) und die durch-

schnittliche Arbeitszeit im 2014 (41.7) angepasst, so ergibt sich ein Jah-

reseinkommen von Fr. 51'607.30.-- (Fr. 48'528.-- [12 x Fr. 4'044.--] x 1.01 

[2013] x 1.01 [2014] x 41.7 : 40).

d) Wird dieses Valideneinkommen dem Invalideneinkommen von 

Fr. 33'059.35 gegenübergestellt, so resultiert eine Erwerbseinbusse von 

Fr. 18'548.-- (Fr. 51'607.30.-- - Fr. 33'059.35), was einem Invaliditätsgrad 

von 35 % (35.94056 %, BGE 130 V 121 E.3) entspricht (Fr. 18'548.-- : 

Fr. 51'607.30.--). Die Beschwerdeführerin ist somit nicht in 

rentenbegründendem Umfang invalid (Art. 28 Abs. 2 IVG). Die 

vorliegende Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet, was zur 

- 32 -

Bestätigung der angefochtenen Verfügung und zur Abweisung der 

dagegen erhobenen Beschwerde führt.

8. Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung 

von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Verfahren kosten-

pflichtig. Die Gerichtskosten sind gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert zu bemessen. Diese 

werden für den vorliegenden Fall, der mit einem durchschnittlichen Auf-

wand verbunden war, ermessensweise auf Fr. 700.-- festgelegt und ent-

sprechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdeführerin als unterlie-

gender Partei zur Bezahlung auferlegt (Art. 73 Abs. 1 VRG). Die obsie-

gende IV-Stelle hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung 

(Art. 61 lit. g ATSG e contrario).

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten von A._____ und sind innert 30 

Tagen seit Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des 

Kantons Graubünden, Chur, zu bezahlen.

3. [Rechtsmittelbelehrung]

4. [Mitteilungen]