# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b0488572-585f-5ad4-b85b-1d26aedc3456
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2019-08-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.08.2019 D-5753/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5753-2018_2019-08-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5753/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  A u g u s t  2 0 1 9  

Besetzung 
 Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger (Vorsitz), 

Richterin Roswitha Petry,  

Richterin Nina Spälti Giannakitsas,    

Gerichtsschreiberin Tamina Bader. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea,   

vertreten durch MLaw El Uali Emmhammed Said,  

Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Aargau,  

(…) 

Beschwerdeführerin,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Familienzusammenführung (Asyl) zugunsten von  

B._______, geboren am (…); 

Verfügung des SEM vom 5. September 2018. 

 

 

 

D-5753/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am 23. Januar 2012 in der Schweiz um 

Asyl nach. Mit Verfügung vom 28. April 2014 anerkannte das SEM sie als 

Flüchtling und gewährte ihr Asyl. 

B.  

Mit Eingabe vom 16. Juli 2014 ersuchte die Beschwerdeführerin das SEM 

um Familienzusammenführung mit ihren Kindern C._______, geboren (…), 

und den Zwillingen D._______ und B._______, geboren am (…) (alle mit 

Nachname E._______) sowie um deren Einreisebewilligung. Dem Gesuch 

waren die Taufurkunden der Kinder im Original und Passfotos vom 

C._______ und D._______ beigelegt.  

C.  

Am 28. Januar 2015 bewilligte das SEM die Einreise von C._______ und 

D._______. D._______ reiste am 2. April 2015 in die Schweiz ein und 

wurde am 22. April 2015 in die Flüchtlingseigenschaft ihrer Mutter einge-

schlossen. C._______ reiste am 23. April 2015 in die Schweiz ein und 

wurde am 6. Mai 2015 in die Flüchtlingseigenschaft seiner Mutter einge-

schlossen. 

D.  

Mit Verfügung vom 8. Januar 2016 schrieb das SEM das Familienzusam-

menführungsgesuch für B._______ als gegenstandslos geworden ab. Es 

begründete dies damit, dass sich B._______ noch in Eritrea befinde und 

unklar sei, wann dieser ausreisen könne, es ihm somit nicht möglich sei, 

den angeforderten DNA-Test durchzuführen, weshalb das Familienzusam-

menführungsgesuch nicht behandelt werden könne. Das Verfahren könne 

indessen wieder aufgenommen werden, sobald es B._______ gelungen 

sein sollte, aus Eritrea auszureisen. 

E.  

Am 27. Juni 2018 ersuchte die Beschwerdeführerin um Wiederaufnahme 

des Verfahrens um Familienzusammenführung betreffend B._______.  

F.  

Mit Schreiben vom 18. Juli 2018 forderte das SEM die Beschwerdeführerin 

zur Beantwortung mehrerer Fragen auf. In ihrer Eingabe vom 26. Juli 2018 

nahm die Beschwerdeführerin zu den Fragen Stellung.  

D-5753/2018 

Seite 3 

G.  

Mit Verfügung vom 5. September 2018 verweigerte das SEM B._______ 

die Einreise in die Schweiz und lehnte das Gesuch um Familienzusam-

menführung ab.  

H.  

Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 

8. Oktober 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Sie bean-

tragte unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung die Gutheissung des 

Gesuchs um Familienzusammenführung und die Erteilung einer Einreise-

bewilligung für B._______. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung 

und vollständigen Sachverhaltsabklärung an die Vorin-stanz zurückzuwei-

sen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung samt Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschus-

ses und um unentgeltliche Rechtsverbeiständung.  

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 17. Oktober 2018 hiess die Instruktionsrichte-

rin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut 

und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Der rubrizierte 

Rechtsvertreter wurde als amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet.  

J.  

Das SEM liess sich mit Eingabe vom 9. November 2018 zur Beschwerde 

vernehmen. 

K.  

Die Beschwerdeführerin replizierte mit Eingabe vom 26. November 2018 

und reichte eine Kostennote zu den Akten.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-

lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig 

und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorlie-

gend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).  

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Seite 4 

1.3 Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der 

Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 

2015).  

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt 108 Abs. 1 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist 

einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

3.1 Die Beschwerdeführerin rügt eine unvollständige und unrichtige Abklä-

rung des rechtserheblichen Sachverhalts. Diese formelle Rüge ist vorab zu 

prüfen (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2). 

Die Beschwerdeführerin macht geltend, das SEM habe den Sachverhalt in 

Bezug auf die Ausreise von B._______ aus Eritrea nicht vollständig abge-

klärt, da es sich mit den konkreten Umständen wie seiner Minderjährigkeit 

und dem eritreischen Kontext nur mangelhaft auseinandergesetzt habe 

und deswegen davon ausgehe, dass B._______ hätte ausreisen können, 

weil die anderen Kinder als auch tausende Eritreer in den letzten Jahren 

aus Eritrea geflüchtet seien.  

3.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-

grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die 

Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-

digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-

klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und ak-

tenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, etwa weil die Rechtserheb-

lichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wird und folglich nicht alle ent-

scheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts geprüft werden, 

oder weil Beweise falsch gewürdigt wurden. Unvollständig ist die Sachver-

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Seite 5 

haltsfeststellung demgegenüber, wenn nicht alle für den Entscheid rechts-

relevanten Sachumstände berücksichtigt wurden. Gemäss Art. 8 AsylG hat 

die asylsuchende Person demgegenüber die Pflicht an der Feststellung 

des Sachverhaltes mitzuwirken (vgl. BVGE 2015/10 E. 3.2). 

3.3 Das SEM hielt alle wesentlichen Sachverhaltselemente fest. Ein Ver-

gleich der Situation von B._______ zu derjenigen von C._______ und 

D._______ war zulässig und durchaus auch angebracht, weil die Situatio-

nen tatsächlich vergleichbar sind. Die Geschwister sind in vergleichbarem 

Alter, es handelt sich um den gleichen Länderkontext und die gleiche Zeit-

periode. Es ist nicht ersichtlich, dass sich das SEM mit der Minderjährigkeit 

und dem eritreischen Kontext nur mangelhaft auseinandergesetzt hätte. 

Alleine der Umstand, dass das SEM in Bezug auf die illegale Ausreise einer 

anderen Linie folgt, als von der Beschwerdeführerin vertreten, und es aus 

sachlichen Gründen zu einer anderen Würdigung der Gesuchsvorbringen 

gelangt, als von der Beschwerdeführerin verlangt, spricht nicht für eine un-

genügende Sachverhaltsfeststellung. Der rechtserhebliche Sachverhalt 

wurde vom SEM richtig und vollständig festgestellt.  

Die formelle Rüge erweist sich damit als unbegründet. Es besteht keine 

Veranlassung, die Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und an 

das SEM zurückzuweisen. Der Antrag ist abzuweisen.  

4.  

4.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden namentlich die Ehegatten und die 

minderjährigen Kinder von Flüchtlingen ihrerseits als Flüchtlinge anerkannt 

und erhalten in der Schweiz Asyl, wenn keine besonderen Umstände da-

gegen sprechen. Art. 51 Abs. 4 AsylG bestimmt, dass Personen, die auf-

grund ihrer persönlichen Beziehung im Sinne von Art. 51 Abs. 1 AsylG ei-

nen Anspruch auf Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft und die Gewäh-

rung von Asyl haben, auf Gesuch hin die Einreise in die Schweiz zu bewil-

ligen ist, wenn sie durch die Flucht getrennt wurden und sich im Ausland 

befinden. 

4.2 Zentrale Bedingung für den Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft ist, 

dass bereits vor der Flucht aus dem Verfolgerstaat eine Familiengemein-

schaft zwischen der gesuchstellenden und der anspruchsberechtigten Per-

son bestanden hat (vgl. dazu die Botschaft zur Totalrevision des AsylG so-

wie zur Änderung des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung 

der Ausländer vom 4. Dezember 1995, BBl 1996 II 1 ff., insb. S. 68). Zweck 

der Bestimmung von Art. 51 Abs. 4 AsylG ist die Wiedervereinigung von 

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vorbestandenen Familiengemeinschaften, sofern die Gemeinschaft alleine 

aufgrund der Fluchtumstände und somit unfreiwillig getrennt wurde. Das 

Familienasyl dient weder der Aufnahme von neuen respektive von zuvor 

noch gar nicht gelebten familiären Beziehungen noch der Wiederaufnahme 

von zuvor abgebrochenen Beziehungen (vgl. BVGE 2012/32 E. 5.4.2). 

4.3 Für die Beurteilung der Minderjährigkeit ist gemäss konstanter Recht-

sprechung des Bundesverwaltungsgerichts das Alter des Kindes im Zeit-

punkt der Einreichung des Gesuchs um Familienasyl respektive -nachzug 

massgeblich (vgl. bspw. Urteil des BVGer D-3245/2018 vom 9. April 2019 

m.w.H.).  

4.4 Wer um Erteilung einer Einreisebewilligung zum Zweck des Familien-

asyls ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen 

zur Familiengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht vorbestandene Fa-

miliengemeinschaft, die Familientrennung durch Flucht sowie die fest be-

absichtigte Familienvereinigung beider Anspruchsberechtigten nachzuwei-

sen oder zumindest glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz stellte in ihrer Verfügung fest, dass C._______ und 

D._______ in den Jahren (…) beziehungsweise (…) alleine aus Eritrea 

ausgereist seien. Die Beschwerdeführerin habe mit Eingaben vom 16. Juli 

2014, 22. Januar 2015 und 5. März 2015 angegeben, dass sich B._______ 

noch immer in Eritrea befinde. Der nächste Schriftenwechsel sei im Juni 

2018 erfolgt. Vor diesem Hintergrund stelle sich sowohl die Frage nach der 

tatsächlich fortgeführten Beziehung als auch dem durchgehenden Willen 

zur Weiterführung des Familienlebens. Auch wenn nicht grundsätzlich ab-

zustreiten sei, dass die illegale Ausreise aus Eritrea mit gewissen Hinder-

nissen verbunden sei, erwecke es doch ein erhebliches Erstaunen, dass 

B._______ die vorgebrachten wiederholten Versuche über einen Zeitraum 

von (…) Jahren nie hätten geglückt sein sollen. Angesichts der Tatsache, 

dass seine beiden Geschwister zuvor scheinbar problemlos hätten ausrei-

sen können – wie dies im Übrigen tausende weitere Eritreer in den vergan-

genen Jahren getan hätten – sei nicht evident, weshalb es ihm seit (…) nie 

hätte gelingen sollen, hätte er dies denn unermüdlich versucht. Die dies-

bezüglichen Ausführungen der Beschwerdeführerin in der Stellungnahme 

seien wenig überzeugend ausgefallen und würden sich in erster Linie auf 

die Wiedergabe der scheinbaren Umstände beschränken. Ferner seien die 

Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 18. Juli 2018 kurzangebun-

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den sowie wenig substanziiert und ihre Schilderungen mehrheitlich ober-

flächlich und wenig detailliert ausgefallen. So habe sich ihre Darstellung 

des Kontakts auf den Hinweis beschränkt, dass sie ungefähr zwei Mal pro 

Monat telefonieren würden. Bei der Frage nach der gelebten Mutter-Kind-

Beziehung habe sie sich mit blossem Verweis auf die vorangehende Frage 

begnügt. Dies erwecke keineswegs den Eindruck, als würden die Be-

schwerdeführerin und ihr Sohn B._______ eine enge Mutter-Kind-Bezie-

hung aufrechterhalten. Hinzu komme, dass sie weder über die Ausreise 

Mitte (…) noch über die Route, Transportmittel oder Reisedauer von 

B._______ Kenntnis zu haben scheine. Würde sie tatsächlich ein inniges 

Verhältnis zu ihrem Sohn führen, wäre anzunehmen, dass sie genauer Be-

scheid wüsste. Demnach sei festzustellen, dass weder aus den Reise-

bemühungen noch den Ausführungen zur Mutter-Kind-Beziehung ersicht-

lich sei, dass die Beschwerdeführerin und B._______ seit (…) Jahren eine 

gelebte Beziehung aufrechterhalten würden. Ebenso wenig sei der kon-

krete und unbedingte Wille zu erkennen, sich schnellstmöglich wieder zu 

vereinen. Hätten sie alles Erdenkliche unternommen, könnte erwartet wer-

den, dass sie hierzu substanziierter, nachvollziehbarer und aus einer sub-

jektiveren Perspektive berichten würde. Daraus folge, dass im vorliegen-

den Fall nicht von einer dauerhaft aufrechterhaltenen Beziehung auszuge-

hen sei und somit besondere Umstände vorliegen würden, die gegen die 

Bewilligung der Einreise in die Schweiz sprechen würden. Demzufolge 

seien die Voraussetzungen aus Art. 51 AsylG nicht erfüllt. 

5.2 Die Beschwerdeführerin entgegnete in der Beschwerdeschrift, dass ihr 

mit Abschreibungsentscheid des SEM vom 8. Januar 2016 zugesichert 

worden sei, das Verfahren könne wieder aufgenommen werden, wenn 

B._______ Eritrea verlassen hätte. Diesem Schreiben seien keine Bedin-

gungen zu entnehmen. Sie habe darauf vertraut und habe sich daher nicht 

veranlasst gesehen, dem SEM periodisch über die Kontakte zu ihrem Sohn 

oder über dessen Ausreiseversuche Bericht zu erstatten. Sie habe sich in 

der Stellungnahme vom 26. Juli 2018 zu den Lebensumständen und den 

Ausreiseversuchen ihres Sohnes geäussert. Er habe es wiederholt ver-

sucht, alleine und in Begleitung von Freunden. Ende (…) sei er erwischt 

und festgenommen worden. Er sei ungefähr (…) in Haft geblieben und sei 

nur dank seiner Minderjährigkeit und dem Einschreiten seines Grossvaters 

mit einer Verwarnung freigelassen worden. Die Kinder hätten gerade we-

gen den Gefahren bei der Ausreise nicht zusammen ausreisen sollen. So 

habe sich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass zumindest einem der Kinder 

die Ausreise gelinge. So sei dies auch bei der Flucht von C._______ und 

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Seite 8 

D._______ gewesen. Sie (die Beschwerdeführerin) habe sich stets ein bal-

diges Wiedersehen mit all ihren Kindern gewünscht. Die Sicherheit und das 

Wohlergehen der Kinder seien ihr aber noch wichtiger. Sie habe sofort 

nach Gutheissung ihres Asylgesuchs ein Gesuch um Familienvereinigung 

zugunsten ihrer Kinder eingereicht. Sie habe damit klar bekundet, dass sie 

weiterhin mit ihren Kindern zusammenleben wolle. Nach Abschreibung des 

Gesuches im Januar 2016 habe sie darauf vertraut, dass sie sich erst nach 

der Ausreise von B._______ erneut an das SEM wenden sollte. Dieser Ver-

pflichtung sei sie umgehend nachgekommen, nachdem sie von der Aus-

reise ihres Sohnes erfahren habe. Es sei daher unverständlich, weshalb 

ihr das SEM vorwerfe, es bestehe kein Wille mehr zur Weiterführung des 

Familienlebens. Die Kinder hätten grosse Risiken auf sich genommen, um 

wieder bei ihr zu sein. Zwei hätten es geschafft. Es fehle nur noch 

B._______. Sie habe im Rahmen des Möglichen die Beziehung zu ihrem 

Sohn gepflegt und sei äusserst besorgt um sein Schicksal. B._______ 

habe bis zu seiner Ausreise bei seinem Grossvater im Dorf F._______ in 

ärmlichen Verhältnissen gelebt. Die technischen Möglichkeiten, die Mutter-

Kind-Beziehung zu pflegen, seien äusserst beschränkt. Sowohl sie als 

auch ihr Sohn seien froh gewesen, wenn die telefonische Verbindung für 

zwei Anrufe pro Monat ausreichend gewesen sei. Faktisch sei es ihnen 

nicht möglich gewesen, eine intensivere Beziehung zu leben. Sie habe 

nicht nach Eritrea reisen und er Eritrea nicht verlassen können. Eine Ab-

lehnung des Familiennachzugsgesuchs aufgrund dieser widrigen Um-

stände sei nicht verhältnismässig. Bemerkenswert sei, dass anlässlich des 

Abschreibungsentscheids vom 8. Januar 2016 weder die Intensität noch 

der Wille zur Weiterführung des Familienlebens in Frage gestellt worden 

seien. Dass dies just nach der Ausreise von B._______ aufgerollt werde, 

sei nicht nachvollziehbar. Ihm sei Mitte (…) die ersehnte Ausreise gelun-

gen. Er habe die Grenze zu Fuss in Begleitung von Kollegen überquert und 

befinde sich seitdem im äthiopischen Flüchtlingslager (…). Sie habe erst 

im Nachhinein davon erfahren. B._______ habe zuerst den Grossvater und 

dieser habe später sie informiert. Mittlerweile habe sie, soweit es gehe, 

regelmässigen telefonischen Kontakt zu ihrem Sohn. Zusammenfassend 

sei festzuhalten, dass sie im Rahmen des Möglichen eine enge Beziehung 

zu B._______ pflege und sich seit ihrer Einreise in der Schweiz nichts An-

deres wünsche, als mit ihren Kindern zusammenzuleben.  

5.3 Die Vorinstanz führte in der Vernehmlassung aus, die Beschwerde-

schrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, wel-

che eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten. Beim Ge-

such um Wiederaufnahme sei zu prüfen gewesen, ob die Voraussetzungen 

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Seite 9 

nach Art. 51 Abs. 1 AsylG erfüllt seien. Hierzu würden Abklärungen zur 

Mutter-Kind-Beziehung ebenso gehören wie zum nach wie vor bestehen-

den Rechtsschutzinteresse. Aus diesem Grund habe das SEM die Be-

schwerdeführerin ausdrücklich und unmissverständlich aufgefordert, zu 

insgesamt 14 Fragen ausführlich und abschliessend Stellung zu nehmen. 

Sämtliche Antworten seien ebenso oberflächlich wie kurzangebunden aus-

gefallen. Insbesondere die Beantwortung der nun im Zentrum stehenden 

Frage – die nach der gelebten Mutter-Kind-Beziehung – habe sie bei einem 

blossen Verweis auf die vorangehende Frage belassen. Dadurch sei die 

gelebte Beziehung nicht erwiesen, im Gegenteil. Es dürfe angenommen 

werden, dass sie – hätte sie denn tatsächlich in den vergangenen (…) Jah-

ren der Trennung einen intensiven und steten Kontakt zu B._______ auf-

rechterhalten – bedeutend ausführlicher hätte erzählen können. Sie habe 

dies indes unterlassen. Aus der Beschwerdeschrift gehe nicht abschlies-

send hervor, welche Versuche die Beschwerdeführerin und ihr Sohn in den 

vergangenen Jahren unternommen hätten, um eine schnellstmögliche 

Wiedervereinigung zu bewerkstelligen. Zwar werde ein einmaliger miss-

glückter Ausreiseversuch Ende (…) angetönt, was die darauffolgenden (…) 

Jahre passiert sei und wie sich die Situation gestaltet habe, habe sie jedoch 

nicht ausgeführt. Die durchwegs gelebte Mutter-Kind-Beziehung sei nach 

wie vor nicht ersichtlich.  

5.4 Die Beschwerdeführerin kritisierte in der Replik, dass sich das SEM auf 

die Wiederholung der bereits im angefochtenen Entscheid vorgebrachten 

Argumente beschränke, ohne sich mit der Beschwerde auseinanderzuset-

zen, und verwies auf die Ausführungen in der Beschwerde. 

6.  

6.1 Das SEM stellte der Beschwerdeführerin, wie diese zutreffend anführt, 

im Abschreibungsentscheid vom 8. Januar 2016 eine Wiederaufnahme des 

Familienzusammenführungsverfahrens nach der Ausreise von B._______ 

aus Eritrea in Aussicht. Das SEM war indes offenkundig gleichwohl ver-

pflichtet, die Voraussetzungen von Art. 51 AsylG eingehend zu prüfen, 

nachdem es das Verfahren – wie angekündigt – wieder aufgenommen 

hatte. Etwas anderes vermag die Beschwerdeführerin aus der blossen Zu-

sicherung einer Wiederaufnahme des Verfahrens nach erfolgter Ausreise 

nicht abzuleiten. Entscheidend ist vorliegend vielmehr die Frage, ob die 

Beschwerdeführerin und B._______ ihre Beziehung seit ihrer Ausreise aus 

Eritrea und damit auch seit der Abschreibung des Verfahrens tatsächlich 

fortgeführt haben und ob ein durchgehender Wille zur Weiterführung des 

Familienlebens besteht.  

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6.2 Aufgrund der vorliegenden Akten ist ein Wille zur Weiterführung des 

Familienlebens zumindest auf Seiten von B._______ nicht erkennbar. Zwar 

erwähnte die Beschwerdeführerin ihre drei Kinder immer wieder im Verlauf 

ihres eigenen Asylverfahrens, so in ihrer Befragung zur Person vom 1. Feb-

ruar 2012 (BzP, SEM act. A3, 3.01). In zwei Anfragen zum Verfahrensstand 

brachte sie vor, dass die Trennung von ihren Kindern für sie sehr schwierig 

sei (vgl. SEM act. A11, A18). In der Anhörung vom 17. April 2014 sagte sie 

aus, dass sie sich grosse Sorgen um ihre Kinder mache (vgl. SEM act. A21 

F52). Im (…) habe sie sodann erfahren, dass B._______ die Ausreise ge-

lungen sei (vgl. SEM act. A18). Da sie nur kurze Zeit später am 27. Juni 

2018 das Gesuch um Wiederaufnahme des Verfahrens stellte, ist durchaus 

davon auszugehen, dass zumindest sie unterbruchslos gewillt war, mit ih-

rem Sohn B._______ zusammenzuleben. Ein entsprechender Wille ist in-

dessen bei B._______ nicht erkennbar, andernfalls zu erwarten gewesen 

wäre, dass er früher aus Eritrea ausgereist wäre. Es ist der Beschwerde-

führerin zwar beizupflichten, dass seine Ausreise aus Eritrea nur illegal 

möglich war. Wie sich aber aus diversen Quellen ergibt, reisten, bevor die 

Grenze zu Äthiopien am 11. September 2018 geöffnet wurde, tausende 

Flüchtlinge aus Eritrea erfolgreich illegal aus. Dies gilt insbesondere auch 

für unbegleitete Minderjährige im Zeitraum, in dem die Geschwister von 

B._______ ausreisten (vgl. Women's Refugee Commission, Young and 

Astray: An Assessment of Factors Driving the Movement of Unaccompa-

nied Children and Adolescents from Eritrea into Ethiopia, Sudan and Be-

yond, 05.2013, < https://www.womensrefugeecommission.org/im-

ages/zdocs/Young_and_ Astray_web.pdf >; vgl. Government of Ethiopia, 

IOM assisting with increased numbers Eritrean refugees in Ethiopia, 

21.01.2015, < https://allafrica.com/stories/201501220051.html >; vgl. UN 

High Commissioner for Refugees [UNHCR], Sharp increase in number of 

Eritrean refugees and asylum-seekers in Europe, Ethiopia and Sudan, 

14.11.2014, < http://www.unhcr.org/5465fea1381.html >, jeweils abgerufen 

am 31. Juli 2019). Auch wenn die illegale Ausreise aus Eritrea nicht «prob-

lemlos» möglich gewesen sein dürfte, wie dies vom SEM erwähnt wird, so 

ist dennoch nicht davon auszugehen, dass eine solche nahezu unmöglich 

gewesen wäre. In Anbetracht dessen ist mit dem SEM einig zu gehen, dass 

es erhebliches Erstaunen erweckt, dass B._______ die vorgebrachten wie-

derholten Versuche über einen Zeitraum von (…) Jahren nie hätte geglückt 

sein sollen. Bezeichnenderweise lässt sich denn auch aus den diesbezüg-

lich unsubstanziierten Angaben der Beschwerdeführerin, die nur einen ein-

zigen Ausreiseversuch konkret erwähnt, nichts Gegenteiliges entnehmen. 

Anstatt wie seine Geschwister auszureisen, um sich mit seiner Mutter wie-

derzuvereinigen, scheint sich B._______ damals entschieden zu haben, 

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Seite 11 

zumindest bis auf weiteres in Eritrea bei seinem Grossvater zu bleiben. 

Somit ist – zumindest von seiner Seite – ein durchgehender Wille zur Wei-

terführung des Familienlebens nicht festzustellen.  

6.3 Auch eine tatsächlich fortgeführte Beziehung ist zu verneinen. Auf-

grund der Aktenlage ist davon auszugehen, dass die Mutter-Sohn-Bezie-

hung während einer längeren Zeit nicht im Sinne einer effektiven Familien-

gemeinschaft gelebt wurde. Seit der Ausreise der Beschwerdeführerin aus 

Eritrea im Jahr (…) wohnten sie nicht mehr zusammen. B._______ war 

damals (…) Jahre alt. Mittlerweile ist er ein junger (…) Mann und hat seine 

Mutter seit vielen Jahren nicht mehr gesehen. Er lebte seit ihrer Ausreise 

im Jahr (…) bis zu seiner eigenen Ausreise angeblich im (…) bei seinem 

Grossvater mütterlicherseits (vgl. SEM act. A21 F5, F26, SEM Act. B18), 

bei welchem er die prägende Kindheit und Jugendzeit verbrachte. Auch 

angesichts des dargelegten telefonischen Kontakts zweimal pro Monat 

kann nicht (mehr) davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdefüh-

rerin seine hauptsächliche Bezugsperson ist. Es erscheint in diesem Zu-

sammenhang denn auch bezeichnend, dass B._______ nach der geglück-

ten Ausreise seinen Grossvater – demnach offensichtlich seine wichtigste 

Bezugsperson – und nicht seine Mutter kontaktierte (vgl. Rechtsmittel-

schrift S. 7). Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, es sei ihnen faktisch 

nicht möglich gewesen, eine intensivere Beziehung zu leben, da sie nicht 

nach Eritrea habe reisen und er Eritrea nicht habe verlassen können, ist 

festzuhalten, dass dies zur Bejahung einer gelebten Beziehung im Sinne 

der Praxis auch nicht erforderlich ist. Anstatt eines persönlichen Treffens 

wäre für die Bejahung einer gelebten intensiven Beziehung vielmehr zu 

erwarten, dass die Beschwerdeführerin über den Inhalt der angeblichen 

Telefongespräche und der Vertrautheit zwischen ihr und ihrem Sohn zu be-

richten gewusst hätte. In Übereinstimmung mit dem SEM ist aber festzu-

stellen, dass sie dies in ihrer Stellungnahme gänzlich unterlässt. Auf Be-

schwerdeebene hielt das SEM in der Vernehmlassung fest, dass die durch-

wegs gelebte Mutter-Kind-Beziehung auch in der Beschwerdeschrift nicht 

ersichtlich sei. Dennoch verzichtete die Beschwerdeführerin darauf, in der 

Replik ihre Beziehung zu B._______ substanziierter zu erläutern. Auch 

seither reichte sie nichts Weiteres ein und machte sie keine weiteren An-

gaben zur Untermauerung eines intensiven und steten Kontakts. Zusam-

menfassend ist demnach festzuhalten, dass ein inniges Mutter-Sohn-Ver-

hältnis nicht erkennbar ist.  

D-5753/2018 

Seite 12 

6.4 Es liegen somit besondere Umstände gemäss Art. 51 Abs. 1 in fine 

AsylG vor, die dem Einbezug des Sohnes B._______ in die Flüchtlingsei-

genschaft der Beschwerdeführerin entgegenstehen. Das SEM hat dessen 

Einreise in die Schweiz zu Recht nicht bewilligt und das Gesuch um Fami-

lienzusammenführung abgelehnt. 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Die 

Beschwerde ist abzuweisen.  

8.  

8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-

deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihr jedoch mit Zwi-

schenverfügung vom 17. Oktober 2018 die unentgeltliche Prozessführung 

gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde, sind keine Verfahrenskosten 

zu erheben. 

8.2 Nachdem der rubrizierte Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin als 

Rechtsbeistand beigeordnet worden ist (vgl. Art. 110a AsylG), ist ihm ein 

amtliches Honorar für seine notwendigen Aufwendungen im Beschwerde-

verfahren auszurichten. In der am 26. November 2018 eingereichten Kos-

tennote wird ein Aufwand von 400 Minuten und Auslagen von Fr. 65.– gel-

tend gemacht. Der in der Kontennote ausgewiesene Aufwand ist aber um 

95 Minuten zu kürzen, da diese sich auf das vorinstanzliche Verfahren und 

nicht auf das Beschwerdeverfahren beziehen. Der aufgeführte Stundenan-

satz von Fr. 250.– ist zu hoch, vielmehr beträgt der Stundenansatz für 

nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter in der Regel Fr. 100.– bis 

Fr. 150.–. Von einem Stundenansatz von Fr. 150.– ausgehend ist dem 

Rechtsvertreter ein Honorar von gerundet Fr. 830.– (inkl. Auslagen) aus 

der Gerichtskasse zu entrichten (vgl. Art. 12 und Art. 14 Abs. 2 VGKE). 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-5753/2018 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3.  

Dem amtlichen Rechtsvertreter wird ein amtliches Honorar zulasten der 

Gerichtskasse in der Höhe von Fr. 830.– zugesprochen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin und das SEM. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Tamina Bader 

 

 

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