# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c0281b15-dafb-5e1a-9957-866e3b5c8c10
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-12-19
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 19.12.2012 E-4044/2012
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4044-2012_2012-12-19.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-4044/2012 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 9 .  D e z e m b e r  2 0 1 2  

Besetzung 

 
Richter Bruno Huber (Vorsitz), 

Richter Martin Zoller,  

Richterin Muriel Beck Kadima,    

Gerichtsschreiberin Jeannine Scherrer-Bänziger. 

   Parteien 
 

A._______, geboren (…), 

alias 

A._______, geboren (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch Alain Joset, Rechtsanwalt,  

 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Bundesamt für Migration (BFM),  

Quellenweg 6, 3003 Bern,    

Vorinstanz.  

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des BFM vom 29. Juni 2012 / N (…). 

 

 

E-4044/2012 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer, ein sunnitischer Tadschike mit letztem Wohnsitz in 

Herat, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge Ende Sep-

tember 2010 und gelangte auf dem Landweg über den Iran, die Türkei, 

wo er sich fünf Monate aufhielt, die Ukraine, die Slowakei und Österreich 

am 10. Mai 2011 in die Schweiz, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. 

Am 25. Mai 2011 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

Basel zur Person, zu den Asylgründen und zum Reiseweg summarisch 

befragt und am 20. Juni 2011 vom BFM einlässlich angehört.  

B.  

Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer vor, 

er sei in Herat aufgewachsen und habe dort bis zur Ausreise zusammen 

mit seinen Eltern, einem jüngeren Bruder und einer älteren Schwester ge-

lebt. Er sei nie frei gewesen und habe seinen Vater bei allem, was er ge-

macht habe, um Erlaubnis bitten müssen. Sein Vater habe ihm oft gesagt, 

er werde ihn nach Pakistan in die Religionsschule schicken, doch er habe 

Englisch- und Computerkurse besuchen wollen. Einmal habe sein Vater 

Besuch gehabt und ihn zu sich gerufen. Seine Mutter habe ihm mitgeteilt, 

dass er am nächsten Tag mit dem Besucher nach Pakistan reisen und 

deshalb den Koffer packen müsse. Weil er dies nicht gewollt habe, sei er 

nach Nimroz geflüchtet. Von dort aus habe er seine Mutter angerufen und 

ihr seine Fluchtpläne mitgeteilt. Sein Onkel mütterlicherseits sei mit ihm 

daraufhin zu einem Schlepper gegangen, der ihn in die Schweiz gebracht 

habe. 

Der Beschwerdeführer gab anlässlich der Einreichung seines Asylge-

suchs eine Kopie seiner Identitätskarte zu den Akten und reichte das Ori-

ginal in der Folge nach. 

C.  

Im Rahmen einer Knochenaltersbestimmung wurde beim Beschwerde-

führer am 22. Juni 2011 ein Alter von (…) Jahren oder mehr ermittelt. An-

lässlich des ihm dazu gewährten rechtlichen Gehörs vom 30. Juni 2011 

blieb er dabei, am (…) zur Welt gekommen zu sein. Auf Vorhalt erklärte 

er, es handle sich bei der von ihm eingereichten Identitätskarte um ein 

echtes Ausweispapier.  

D.  

Im Rahmen einer ausführlichen Altersanamnese wurde am 7. März 2012 

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Seite 3 

festgestellt, dass beim Beschwerdeführer von einem Alter von mindes-

tens (…) Jahren ausgegangen werden könne. Mit Schreiben vom 10. Ap-

ril 2012 wurde der Beschwerdeführer im Rahmen des rechtlichen Gehörs 

erneut zur Stellungnahme eingeladen. Mit Eingabe vom 16. April 2012 

liess er durch seine ihm während des Aufenthalts im EVZ zugewiesene 

Vertrauensperson ausführen, er halte an seiner Minderjährigkeit fest, und 

verwies erneut auf die Echtheit der von ihm eingereichten afghanischen 

Identitätskarte (Tazkera). 

E.  

Mit Verfügung vom 29. Juni 2012 – eröffnet am 3. Juli 2012 – stellte das 

BFM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte das Asylgesuch vom 10. Mai 2011 ab und ordnete die Wegweisung 

aus der Schweiz sowie den Vollzug an.  

F.  

Gegen diesen Entscheid liess der Beschwerdeführer durch seinen 

Rechtsvertreter mit Eingabe vom 2. August 2012 Beschwerde erheben. 

Er beantragte in materieller Hinsicht unter Kostenfolge, der angefochtene 

Entscheid des Bundesamtes sei vollumfänglich aufzuheben, er sei als 

Flüchtling anzuerkennen und es sei ihm Asyl zu gewähren, eventualiter 

sei die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurück-

zuweisen, subeventualiter sei er wegen Unzulässigkeit und Unzumutbar-

keit der Wegweisung vorläufig aufzunehmen. Weiter beantragte er in ver-

fahrensrechtlicher Hinsicht die Erteilung der aufschiebenden Wirkung der 

Beschwerde respektive die Erlaubnis, den Entscheid in der Schweiz ab-

zuwarten, die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Ver-

beiständung, Akteneinsicht beziehungsweise die Zustellung der Verfah-

rensakten sowie das Ansetzen einer angemessenen Frist zur ausführli-

chen Begründung der Beschwerde und nach Ende des Schriftenwechsels 

zur Einreichung der Kostennote. 

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 15. August 2012 hielt der Instruktionsrichter 

fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der 

Schweiz abwarten. Er wies die Anträge um Einsicht in die Vorakten, An-

setzen einer Frist zur Beschwerdeergänzung sowie Einreichung einer 

Kostennote und um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeistän-

dung ab, verwies den Entscheid über die Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung auf einen späteren Zeitpunkt und verzichtete auf die Er-

hebung eines Kostenvorschusses. Weiter forderte er den Beschwerdefüh-

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Seite 4 

rer zur Nachreichung einer Fürsorgebestätigung auf, welche beim Bun-

desverwaltungsgericht am 21. August 2012 einging, und lud die Vorin-

stanz zur Vernehmlassung ein.  

H.  

In ihrer Vernehmlassung vom 22. August 2012, welche dem Beschwerde-

führer am 31. August 2012 zur Kenntnis gebracht wurde, hielt die Vorin-

stanz an ihren Erwägungen in der angefochtenen Verfügung vollumfäng-

lich fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 

(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

gegen Verfügungen nach Art. 5 Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 

über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das BFM gehört zu 

den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bun-

desverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im 

Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorlie-    

gend – endgültig (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, 

SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 

17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).  

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem 

BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 

AsylG). 

1.3 Die Voraussetzungen für das Eintreten auf die Beschwerde sind vor-

liegend erfüllt (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 

oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 

die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

 

 

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3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder 

begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als 

ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des 

Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen 

psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-

chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den 

Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-

fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das BFM begründet seinen ablehnenden Entscheid unter Hinweis auf 

entsprechende Gesetzesartikel und Gerichtsentscheide im Wesentlichen 

wie folgt: 

Gemäss gefestigter schweizerischer Rechtsprechung trage eine asylsu-

chende Person in materieller Hinsicht die Beweislast dafür, dass die be-

hauptete Minderjährigkeit zumindest glaubhaft gemacht werde, da sie aus 

dieser Tatsache Rechte zu ihren Gunsten ableiten wolle. Sie trage die 

Folgen der Beweislosigkeit. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung 

einer angeblichen Minderjährigkeit gehe es im Allgemeinen und damit 

auch im vorliegenden Fall um eine Gesamtbeurteilung aller Elemente, die 

für oder gegen eine asylsuchende Person sprechen würden. 

Gemäss eigenen Angaben sei der Beschwerdeführer am (…) (afghani-

scher Kalender) beziehungsweise am (…) zur Welt gekommen und somit 

minderjährig. Da aufgrund des äusseren Erscheinungsbildes ernsthafte 

Zweifel an dem angegebenem Alter bestanden hätten, habe das BFM ei-

ne Knochenaltersbestimmung in Auftrag gegeben. Diese sei in Form ei-

ner dorso-ventralen Handskelettröntgenauf-nahme durchgeführt worden 

und habe ein Alter von (…) Jahren oder mehr ergeben. Nachdem der Be-

schwerdeführer anlässlich des ihm gewährten rechtlichen Gehörs an dem 

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von ihm behaupteten Alter festgehalten und auf die nachträglich einge-

reichte Tazkera verwiesen habe, welche ihm im Jahre 2009 ein Alter von 

(…) Jahren bescheinige, sei eine ausführliche Altersanamnese durchge-

führt worden. Diese attestiere ihm ebenfalls ein Alter von mindestens (…) 

Jahren. Damit stehe die medizinische Gesamtbeurteilung im deutlichen 

Widerspruch zum angegebenen Alter. Dazu sei ihm ebenfalls das rechtli-

che Gehör gewährt worden. Er halte weiterhin an der behaupteten Min-

derjährigkeit fest und verweise wiederholt auf die Echtheit der eingereich-

ten Tazkera. 

Bereits ein erster Blick auf die Tazkera lasse Zweifel an deren Echtheit 

aufkommen. Das Dokument enthalte zwar zwei farbige Stempel, und die 

Angaben zur Person seien mit blauer Tinte geschrieben, aber der Schein 

weise diverse dunkle Striemen und Striche auf, und das Raster stehe 

schräg zu den Seitenrändern des Dokuments, was insgesamt darauf 

schliessen lasse, dass es sich bei diesem Schriftstück um eine Kopie und 

damit um eine Fälschung handle. 

Auf der Grundlage der Ergebnisse der Knochenaltersanalyse und der 

ausführlichen Altersanamnese sowie in Anbetracht dessen, dass es sich 

bei der eingereichten Tazkera offensichtlich um eine Fälschung handle, 

welche nicht geeignet sei, die Richtigkeit des medizinischen Untersuch-

ungsergebnisses in Frage zu stellen, gelte der Beschwerdeführer für das 

BFM als volljährig. 

Der Beschwerdeführer mache geltend, seit früher Kindheit von seinem 

Vater bevormundet worden zu sein. Während es der Plan des Vaters ge-

wesen sei, ihn in Pakistan einer religiösen Schulung unterziehen zu las-

sen, habe er hinter dessen Rücken Englisch- und Computerkurse be-

sucht. Die Festlegung der Abreise nach Pakistan sei ihm schliesslich Ver-

anlassung gewesen, sein Elternhaus zu verlassen und in das Ausland zu 

gehen.  

Die Aussagen des Beschwerdeführers könnten einer Glaubhaftigkeitsprü-

fung nicht standhalten. Es gelinge ihm nicht, seine Asylgründe mit der 

gebotenen Genauigkeit sowie Substanz vorzubringen und die geltend 

gemachte väterliche Bedrohung anschaulich zu schildern. So könne er 

nicht angeben, wann die Probleme begonnen hätten, er belasse es wie-

derholt bei der vagen Angabe "seit Kindheit"; auch vermöge er nicht den 

Zeitpunkt zu nennen, an dem er mit dem Besuch der Englisch- und Com-

puterkurse begonnen habe. Weiter sehe er sich ausserstande, Einzelhei-

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ten zu diesen Kursen angeben, und er vermöge sich auch nicht daran zu 

erinnern, wann er das erste Mal von seinem Vater beim Besuch eines 

solchen Kurses erwischt worden sei; er belasse es zunächst bei der Ant-

wort, dies sei vor langer Zeit gewesen, und gebe erst nach wiederholtem 

Nachfragen an, es sei vor zirka drei Jahren gewesen. Schliesslich sei es 

ihm auch nicht möglich, konkrete Angaben zum angeblich bevorstehen-

den Aufenthalt in Pakistan zu machen. Er wisse weder, wohin genau in 

Pakistan ihn die Reise geführt hätte, noch könne er irgendetwas zur Per-

son sagen, von der er nach Pakistan hätte gebracht werden sollen. 

Ebenso nichtssagend seien die Antworten auf Fragen bezüglich seines 

letzten zuhause verbrachten Abends und seines heimlichen, frühmor-

gendlichen Weggehens von dort. 

Diese vagen und ungenauen Aussagen zu den Asylgründen stünden im 

auffallenden Gegensatz zu seiner Schilderung des Reiseweges. Während 

es seinen Ausführungen zu dem von ihm behaupteten Ausreisegrund an 

der gebotenen Genauigkeit und Differenziertheit mangle, gelinge es ihm, 

seine Reise nach Europa detailliert wiederzugeben.  

Nach dem Gesagten würden die Vorbringen des Beschwerdeführers den 

Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhal-

ten, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse.  

Demzufolge erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, so dass das Asylgesuch abzulehnen sei. Die Folge der Ablehnung 

eines Asylgesuches sei gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG in der Regel die 

Wegweisung aus der Schweiz. Da der Beschwerdeführer die Flüchtlings-

eigenschaft nicht erfülle, könne auch der Grundsatz der Nichtrückschie-

bung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht angewendet werden.  

Unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts 

führt das BFM weiter aus, eine Rückkehr nach Herat oder Mazar-i-Sharif 

sei nicht generell unzumutbar, sondern könne unter begünstigenden Um-

ständen – auch im Sinne einer Aufenthaltsalternative – als zumutbar er-

kannt werden. Der Beschwerdeführer stamme aus der Grossstadt Herat. 

Das BFM erachte den Vollzug der Wegweisung in den Heimatstaat als 

zumutbar.  

Zudem gebe es auch keine individuellen Gründe, die gegen die Zumut-

barkeit eins Wegweisungsvollzuges sprechen würden. Es handle sich 

beim Beschwerdeführer um einen volljährigen und gesunden jungen 

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Mann, der über eine gute Schulbildung inklusive Englisch– und Compu-

terkenntnisse verfüge. Zudem würden seine Eltern und Geschwister so-

wie Onkel und Tante mütterlicherseits in Herat leben, womit er bei einer 

Rückkehr in seine Heimat über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz 

verfüge sowie auf eine gesicherte Wohnsituation zurückgreifen könne.  

Ausserdem sei der Vollzug der Wegweisung technisch möglich und prak-

tisch durchführbar.  

4.2 Gegen diese Erwägungen wird in der Beschwerde – soweit es sich 

nicht um die Begründung der mit Zwischenverfügung vom 15. August 

2012 entschiedenen Anträge um Einsicht in die BFM-Akten und Ansetzen 

einer Frist zur Beschwerdeergänzung handelt – vorgebracht, die ange-

fochtene Verfügung sei gesetzeswidrig. Entgegen den Ausführungen des 

Bundesamtes erfülle der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft 

gemäss Art. 3 AsylG. Dieses halte im angefochtenen Entscheid fest, die 

Vorbringen würden die Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss 

Art. 7 AsylG nicht erfüllen, so dass die Asylrelevanz nicht geprüft werden 

müsse. Dem sei zu widersprechen. Die Vorbringen bezüglich des jahre-

langen Konflikts mit dem Vater über die beabsichtigte Religionsausbil-

dung seien detailliert und glaubhaft. Konkret werde ihm vorgeworfen, die 

Aussagen seien insbesondere zeitlich vage und ungenau, doch könne er 

zum Reiseweg genaue Angaben machen. Entgegen den Ausführungen 

der Vorinstanz sei die Ausbildung in einer englischsprachigen Schule 

glaubhaft dargelegt worden, deren zeitliche Einordnung sei ihm mühelos 

gelungen. Dass er seine Flucht aus Afghanistan möglicherweise noch de-

tailreicher hätte schildern können, vermöge nicht zu überraschen: Für ihn 

habe es sich um ein einzelnes Ereignis gehandelt, welches eine absolute 

Ausnahmesituation dargestellt habe. Der Konflikt um die bevorstehende 

Religionsausbildung hingegen sei schwelend gewesen und habe sich 

über mehrere Jahre hinweg erstreckt, so dass es verständlich sei, dass er 

sich bei der zeitlichen Einordnung teilweise nicht mehr an das exakte Da-

tum habe erinnern können.  

Die Aussagen würden die Voraussetzungen an die Glaubhaftmachung 

der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 7 Abs. 1 AsylG zweifelsohne erfül-

len; sie seien schlüssig und würden keine Widersprüche bezüglich des 

wesentlichen Sachverhaltes enthalten. Widersprüche seien nur dann der 

Glaubhaftigkeit abträglich, wenn sie wesentliche Punkte der Asylbegrün-

dung betreffen würden. Unterschiedliche Angaben in Nebenpunkten wür-

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den eher für die Wahrheit und Authentizität der gemachten Angaben spre-

chen als bis ins Detail übereinstimmende Aussagen.  

Der Beschwerdeführer erfülle den Flüchtlingsbegriff von Art. 3 AsylG. Er 

sei aufgrund seiner religiösen Anschauung, welche sich nicht mit den An-

schauungen seines Vaters decke, in seinem Heimatstaat ernsthaften 

Nachteilen ausgesetzt gewesen und hätte bei einer Rückkehr begründete 

Furcht vor erneuten Nachteilen. Die Religionsfreiheit sei in Afghanistan 

nicht gewährleistet, solle er doch gegen seinen Willen in eine pakistani-

sche Religionsschule gesteckt werden. Er sei ein gegenüber dem Westen 

offener Mensch, welcher Englisch- und Computerkurse besucht habe und 

weiterhin besuchen wolle. Dies lasse sich mit der fundamentalistischen 

Weltanschauung seines Vaters nicht vereinbaren, was bereits mehrfach 

dazu geführt habe, dass er körperlich von ihm aufs Übelste misshandelt 

worden sei. Indem er die Flucht ergriffen habe und sich so der religiösen 

Schule in Pakistan habe entziehen können, seien nun noch schlimmere 

Konsequenzen zu befürchten. Insbesondere müsse damit gerechnet 

werden, dass ihn sein Vater aufgrund seiner Ungläubigkeit töten lassen 

würde. Er sei in seinem Herkunftsland religiös verfolgt und nach wie vor 

an Leib und Leben bedroht, zumal sich die Situation nach seiner Flucht 

sicherlich noch zugespitzt habe.  

Zusammenfassend könne festgehalten werden, dass der Beschwerdefüh-

rer in erheblichem Masse persönlich bedroht sei. Eine allfällige Wegwei-

sung würde eine konkrete Gefährdung seiner psychischen und körperli-

chen Integrität nach sich ziehen.  

Er sei unbestrittenermassen mittellos und nicht in der Lage, Gerichts- und 

Anwaltskosten zu tragen. Im Weiteren könnten seine Begehren nicht als 

aussichtslos bezeichnet werden. Die Bedrohungssituation beziehungs-

weise die nicht gewährleistete Religionsfreiheit in seiner Heimat sei von 

ihm glaubhaft dargelegt worden. Die vorliegend aufgeworfenen Fragen 

würden sich nicht leicht beantworten lassen, zumal er nicht rechtskundig 

sei und keine der drei Amtssprachen spreche.  

5.  

5.1 Vorweg ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht auf-

grund der im vorinstanzlichen Verfahren vorgenommenen medizinischen 

Gesamtbeurteilung die Auffassung des BFM teilt, dass von der Mündig-

keit des Beschwerdeführers auszugehen ist. Es wird diesbezüglich ohne 

weiteren Begründungsaufwand auf die zutreffenden Ausführungen in der 

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angefochtenen Verfügung verwiesen, zumal der Beschwerdeführer auf 

Beschwerdeebene die ihm von der Vorinstanz attestierte Volljährigkeit 

nicht mehr bestreitet.  

Als Folge ergibt sich, dass es sich bei der nachträglich eingereichten Taz-

kera um eine Fälschung handelt und die diesbezüglichen Feststellungen 

der Vorinstanz nicht zu beanstanden sind. Das Einreichen eines gefälsch-

ten Identitätspapieres erschüttert die persönliche Glaubwürdigkeit des 

Beschwerdeführers erheblich.  

5.2 Nach Prüfung der Akten gelangt das Gericht sodann zum Schluss, 

dass das BFM zu Recht und mit zutreffender Begründung die Vorbringen 

des Beschwerdeführers zur Begründung seines Asylgesuchs als den An-

forderungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit nicht genügend quali-

fiziert hat.  

Insbesondere fällt auf, dass die Aussagen zu den Asylgründen sehr all-

gemein gehalten und ungenau sind. Dies gilt namentlich für die Antworten 

auf die Fragen nach dem Zeitpunkt des ersten Englisch- oder Computer-

kurses, Kursmodalitäten wie Durchführungszeit, Gesamtstudiendauer 

oder den Zeitpunkt, als der Vater ihn erstmals beim Kursbesuch erwischt 

habe (vgl. Akten BFM 9/16 F20ff.). Trotz teils wiederholter Nachfrage er-

weisen sich die Schilderungen des Beschwerdeführers nicht nur als un-

substanziiert und stereotyp, sondern sie lassen auch persönliche Eindrü-

cke, die darauf hindeuten würden, dass er das Geschilderte persönlich 

erlebt hat, vermissen.  

Die Entgegnungen auf Beschwerdeebene sind nicht geeignet, an dieser 

Beurteilung etwas zu ändern. Dem Vorbringen, die zeitliche Einordnung 

der Ausbildung sei mühelos gelungen, er habe in der Anhörung beispiels-

weise gesagt, dass "die Englischkurse jeweils von 4 bis 5 Uhr und die 

Computerkurse von 5 bis 6 Uhr" stattgefunden hätten, ist entgegenzuhal-

ten, dass er in derselben Anhörung auf die Frage, wann der Englisch-

Unterricht jeweils stattgefunden habe, zuerst antwortete: "Ich erinnere 

mich nicht.". Auf erste Nachfrage hin gab er an: "Meistens nachmittags" 

und brachte schliesslich auf die Frage, von wann bis wann der Englisch- 

und der Computerkurs stattgefunden habe, vor: "Gegen Abend, von 4 bis 

5 hatten wir den Englisch-, von 5 bis 6 den Computerkurs" (vgl. A9/16 

F28-30, F41). Bei diesem Aussageverhalten kann von einem mühelosen 

zeitlichen Einordnen der Ereignisse nicht die Rede sein. Es lässt gegen-

teils vermuten, dass sich der Beschwerdeführer mit seinen Antworten 

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möglichst nicht festlegen wollte, und erweckt nicht den Eindruck von rea-

len Geschehnissen.  

Ebenso wenig überzeugt die in der Rechtsmittelschrift vorgebrachte Be-

gründung, der Beschwerdeführer habe seinen Konflikt um die bevorste-

hende Religionsausbildung möglicherweise deshalb nicht ebenso detail-

reich wie seine Flucht aus Afghanistan schildern können, weil es sich bei 

letzterem um ein einzelnes Ereignis und eine absolute Ausnahmesituation 

gehandelt habe, hingegen der Konflikt mit dem Vater schwelend gewesen 

sei und sich über mehrere Jahre hinweg erstreckt habe. In Anbetracht 

dessen, dass er beim Darlegen seiner Asylvorbringen über selbst erlebte, 

einschneidende Ereignisse, welche ihn zum Verlassen des Heimatlandes 

veranlasst haben sollen, zu berichten hat, darf erwartet werden, dass er 

sich an herausragende Einzelheiten, beispielsweise wann sein Vater ihn 

das erste Mal beim unerlaubten Kursbesuch erwischte, zu erinnern ver-

mag. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass die Konsequenzen, wel-

che der unerlaubte Kursbesuch für den Beschwerdeführer nach sich ge-

zogen haben sollen, mit zunehmender Verfahrensdauer einschneidender 

dargestellt worden sind. So wies der Beschwerdeführer in der Befragung 

zur Person (vgl. A4/11 S. 6) noch mit keinem Wort auf eine körperliche 

Bestrafung seitens seines Vaters hin. Anlässlich der Anhörung sprach er 

erstmals davon, er sei von diesem geschlagen worden (vgl. A9/16 F18, 

F36, F44, F86, F149), und führt schliesslich in der Rechtsmitteleingabe 

(vgl. S. 6) – wiederum in allgemeiner Form und nicht substanziiert – an, 

er sei körperlich von seinem Vater aufs Übelste misshandelt worden und 

befürchte, dass dieser ihn wegen seiner Ungläubigkeit im Falle einer 

Rückkehr gar umbringen lassen könnte. Dieses Vorbringen ist offensicht-

lich nachgeschoben und nicht glaubhaft.  

Wenn der Beschwerdeführer ausführt, die Religionsfreiheit sei in Afgha-

nistan nicht gewährleistet, weil er gegen seinen Willen eine pakistanische 

Religionsschule besuchen müsste, ist dem entgegenzuhalten, dass die 

Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen hat, dass es ihm nicht möglich 

gewesen ist, konkrete Angaben zum bevorstehenden Aufenthalt in Pakis-

tan zu machen. Vor dem behaupteten Hintergrund "des jahrelangen Kon-

flikts mit seinem Vater über die geplante Religionsausbildung" (vgl. Be-

schwerde S.5) ist es nicht nachvollziehbar, dass der Vater keine weiteren 

Angaben, beispielsweise zum konkreten Ort der Religionsschule in Pakis-

tan oder wo er dort hätte wohnen sollen, gemacht haben sollte, zumal es 

sich beim Beschwerdeführer nicht mehr um ein Kind, sondern um einen 

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(zum damaligen Zeitpunkt demnächst) jungen Erwachsenen gehandelt 

hat.  

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine 

Gründe nach Art. 3 AsylG glaubhaft machen konnte. Auch die Vorbringen 

in der Rechtsmittelschrift sind nicht geeignet, zu einer anderen Beurtei-

lung der angefochtenen Verfügung zu führen, da den vorinstanzlichen 

Erwägungen keine stichhaltigen und substanziierten Gründe entgegen-

gehalten werden. Die Vorinstanz hat daher zu Recht und mit zutreffender 

Begründung die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint 

und das Asylgesuch abgewiesen. 

6.  

6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, 

so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der 

Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733).  

7.  

7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 

den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus-

ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 

16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG, 

SR 142.20]). 

Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-

mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-

weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu 

beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigs-

tens glaubhaft zu machen. 

7.2  

7.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in 

den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 

Abs. 3 AuG). 

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Seite 13 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-

zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-

genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Überein-

kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, 

SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. November 

1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, 

SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedri-

gender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 

7.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend 

darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Nonrefoulement 

nur Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es 

dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche 

Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 

AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden 

Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefüh-

rers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG 

rechtmässig. 

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 

noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-

schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-

ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-

lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes 

für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses 

müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-

sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter 

oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse 

Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde 

Nr. 37201/06, §§ 124-127, mit weiteren Hinweisen). Auch die allgemeine 

Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug 

zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Ge-

sagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als 

auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

E-4044/2012 

Seite 14 

7.3   

7.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 

und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat 

auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt 

und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete 

Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die 

vorläufige Aufnahme zu gewähren. 

7.3.2  

7.3.2.1 Zur allgemeinen Situation in Afghanistan ist auf BVGE 2011/7 zu 

verweisen; hinsichtlich der Lage in der Grossstadt Herat im Speziellen, 

wo der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge geboren ist und bis 

zu seiner Ausreise gelebt hat, ist das Bundesverwaltungsgericht in BVGE 

2011/38 zur Erkenntnis gelangt, dass diese mit derjenigen in der Stadt 

Kabul vergleichbar und der Vollzug der Wegweisung dorthin grundsätzlich 

– vorbehältlich der in BVGE 2011/7 statuierten individuellen Vorausset-

zungen – zumutbar ist.  

Es bleibt daher zu prüfen, ob individuelle Gründe einem Wegweisungs-

vollzug des Beschwerdeführers nach Herat entgegenstehen.  

7.3.2.2 Der Beschwerdeführer ist seinen Angaben zufolge in Herat gebo-

ren und aufgewachsen, hat dort die Schule besucht und bis zu seiner 

Ausreise zusammen mit seinen Eltern, einem jüngeren Bruder und einer 

älteren Schwester gelebt. Sein Vater arbeitet in einem "(…)" (vgl. A4/11 S. 

7). In Herat wohnen zudem eine Tante und ein Onkel mütterlicherseits, 

letzterer besitzt einen (…) und (…). In der Anhörung führt der Beschwer-

deführer zwar an, er habe seit seiner Ausreise zu seinen Eltern keinen 

Kontakt mehr. Dabei handelt es sich aber um eine durch nichts gestützte 

Parteibehauptung, welche als reine Schutzbehauptung zu werten ist. Es 

erscheint nämlich weder glaubhaft, dass der Beschwerdeführer zwar mit 

seinem Onkel nach wie vor in Kontakt steht (vgl. A9/16 F5 f., 145 ff.), 

nicht aber mit seinen Eltern – insbesondere mit seiner Mutter – und Ge-

schwistern telefonisch in Kontakt getreten ist, und es gelingt ihm auch 

nicht glaubhaft zu machen, dass er durch seinen Vater einer Gefährdung 

ausgesetzt gewesen wäre. Es ist mangels gegenteiliger Behauptungen 

nicht davon auszugehen, dass sich die familiären Verhältnisse des Be-

schwerdeführers in Afghanistan seit seiner Ausreise wesentlichen verän-

dert haben. Es besteht für ihn somit die Möglichkeit, sich nach seiner 

Rückkehr erneut bei seiner Familie aufzuhalten. Im Weiteren verfügt er 

über die Voraussetzungen, um einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Er 

E-4044/2012 

Seite 15 

besuchte die Schule bis zur (…) Klasse und verfügt eigenen Angaben zu-

folge über Englisch- und Computerkenntnisse. Soweit aufgrund der Akten 

feststellbar, ist er zudem gesund. Es sollte ihm daher mit Hilfe seiner Fa-

milie möglich sein, sich sowohl beruflich als auch sozial in seiner Heimat 

zu (re-)integrieren. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass er individuelle 

Rückkehrhilfe beantragen kann (Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 73 ff. der 

Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Der 

Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers nach Herat ist damit auch 

in individueller Hinsicht nicht als unzumutbar zu erachten. 

7.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen 

Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu auch 

BVGE 2008/34 E. 12 S. 513-515), weshalb der Vollzug der Wegweisung 

auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 

fällt eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 

Abs. 1-4 AuG). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 

vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Beschwer-

de ist nach dem Gesagten abzuweisen. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-

führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem aber aufgrund der 

Aktenlage von dessen Bedürftigkeit auszugehen ist und die Beschwerde 

nicht als aussichtslos bezeichnet werden konnte, ist in Gutheissung des 

Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung von einer 

Kostenauflage abzusehen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

 

 

  

E-4044/2012 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird 

gutgeheissen.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und B._______. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Bruno Huber Jeannine Scherrer-Bänziger