# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5e25b672-aef0-5322-9a50-ceef251652f1
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-11-13
**Language:** de
**Title:** Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 13.11.2017 AA 2016 151
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Anwaltsaufsicht/BE_AK_001_AA-2016-151_2017-11-13.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Anwaltsaufsichtsbehörde

Cour suprême
du canton de Berne

Autorité de surveillance
des avocats

Entscheid
AA 16 151

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 05
anwaltsaufsicht.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 13. November 2017

Besetzung Oberrichter Trenkel (Präsident), Fürsprecherin Matter (Referentin) 
Gerichtspräsidentin Dupuis, Oberrichter D. Bähler, Fürsprecher 
F. Müller,
Gerichtsschreiberin Spielmann

Verfahrensbeteiligte A.________

Anzeigerin

gegen

B.________

Disziplinarbeklagte

Gegenstand Disziplinarverfahren

Anzeige vom 12. Juli 2016

Regeste:
Interessenkonflikte (Art. 12 lit. c BGFA)
Interessenskollision aufgrund eines früheren Mandats eines Bürokollegen mit dem damali-
gen Ehemann der Anzeigerin.

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Erwägungen:

1. Mit Eingabe vom 12. Juli 2016 reichte A.________ (nachfolgend Anzeigerin) bei 
der Anwaltsaufsichtsbehörde Beschwerde ein gegen B.________ (nachfolgend 
Disziplinarbeklagte). Zur Begründung führte die Anzeigerin aus, die Disziplinarbe-
klagte sei in derselben Kanzlei (C.________) tätig wie Rechtsanwalt und Notar 
D.________. Dieser sei mehrfach für die Anzeigerin und ihren damaligen Ehemann 
E.________ tätig geworden. So habe er einen Ehe- und Erbvertrag für die Eheleute 
ausgearbeitet sowie eine Trennungsvereinbarung und einen Abtretungsvertrag auf 
Rechnung künftiger Erbschaft entworfen. Die in der gleichen Kanzlei tätige Diszipli-
narbeklagte vertrete nun in einem Forderungsprozess die Erbengemeinschaft von 
F.________, zu der unter anderem der Exmann der Anzeigerin zähle, wobei die 
Forderungsstreitigkeit ein der Anzeigerin und ihrem damaligen Ehemann gewähr-
tes Darlehen betreffe. Mit Schreiben vom 14. April 2016 habe der Rechtsvertreter 
der Anzeigerin die Disziplinarbeklagte auf den bestehenden Interessenskonflikt 
aufmerksam gemacht. Diesen habe die Disziplinarbeklagte mit Schreiben vom 
2. Mai 2016 indes verneint. Aufgrund des beschriebenen Interessenskonfliktes ha-
be die Disziplinarbeklagte gegen die schweizerischen Standesregeln verstossen. 

2. Die Anzeigerin wurde mit Schreiben vom 19. Juli 2016 darüber informiert, dass ihr 
im Disziplinarverfahren keine Parteistellung zukomme, sie jedoch verlangen könne, 
zu gegebener Zeit über den Ausgang des Verfahrens informiert zu werden.

3. Mit Schreiben vom 20. Juli 2016 setzte der Präsident der Anwaltsaufsichtsbehörde 
der Disziplinarbeklagten Frist zur Einreichung einer kurzen Stellungnahme zu den 
gegen sie erhobenen Vorwürfen.

4. Mit Stellungnahme vom 11. August 2016 beantragte die Disziplinarbeklagte von der 
Eröffnung eines Disziplinarverfahrens abzusehen, unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolge. Zur Begründung führte sie aus, es sei korrekt, dass ihr Bürokollege 
D.________ 1998 den Ehe- und Erbvertrag und 2011 einen Entwurf des Abtre-
tungsvertrages verfasst habe, jedoch ergebe sich daraus kein Interessenskonflikt. 
Aus den eherechtlichen Themen und den daraus gewonnenen Informationen des 
Büropartners könnten bei der in Frage stehenden Forderungsstreitigkeit keine Vor-
teile gezogen werden. Ferner sei schon aus der Darstellung erkennbar, dass die 
Trennungsvereinbarung nicht aus der Feder ihrer Kanzlei stamme, sondern von 
den Eheleuten selbst verfasst worden sei. In der Ehesache seien die Ehegatten 
und insbesondere E.________, der Ehemann der Anzeigerin, eben gerade nicht 
durch ihre Kanzlei vertreten worden.   

5. Gestützt auf die Anzeige vom 12. Juli 2016 wurde gegen die Disziplinarbeklagte mit 
Verfügung vom 17. März 2017 ein Disziplinarverfahren wegen möglicher Verlet-
zung von Art. 12 lit. c des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2000 über die Freizügig-
keit der Anwältinnen und Anwälte (BGFA; SR 935.61) eröffnet und der Disziplinar-
beklagten nochmals Gelegenheit gegeben, eine ausführliche Stellungnahme einzu-
reichen. 

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6. Innert zweimal erstreckter Frist reichte die Disziplinarbeklagte am 19. Juni 2017 
eine ausführliche Stellungnahme ein. Sie beantragte, von einer 
Disziplinarmassnahme abzusehen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur 
Begründung führt sie mit Verweis auf das Bundesgerichtsurteil 2C_814/2014 vom 
22. Januar 2015 betreffend Art. 12 lit. c BGFA aus, die blosse abstrakte Möglichkeit 
des Auftretens gegensätzlicher Interessenlagen reiche nicht aus, um auf eine 
unzulässige Vertretung zu schliessen. Es werde vielmehr ein sich aus den 
gesamten Umständen ergebendes konkretes Risiko eines Interessenkonflikts 
verlangt. Ein solches konkretes Risiko würde durch die Anzeigerin nicht aufgezeigt 
und das Tätigwerden für sie sei vorliegend kaum relevant. 

Betreffend des Ehe- und Erbvertrages präzisierte die Disziplinarbeklagte, dass sich 
aus der Feststellung des Güterstandes bzw. der Regelung von Erbfolgen keine 
Erkenntnisse für ein allfälliges Verfahren gegen eine Partei ergeben könnten. Dem 
Ehe- und Erbvertrag seien denn auch keine Feststellungen von eingebrachten 
Eigengütern zu entnehmen und im Übrigen sei darin insbesondere der Ablebensfall 
geregelt worden, weshalb sich für andere Lebenssachverhalte unter den Ehegatten 
zum heutigen Zeitpunkt keine Relevanz ergebe. Ausserdem seien seit der Erstellung 
desselben über 17 Jahre vergangen, weshalb die Kanzlei zur Aufbewahrung der 
entsprechenden Dokumente nicht mehr verpflichtet sei. 

Bezüglich des Abtretungsvertrages führte die Disziplinarbeklagte aus, das 
eingereichte Beweismittel zeige, dass es sich nur um einen Entwurf handle und es 
darin nur um die Anteile des Ehemannes der Anzeigerin gehe. Entgegen der 
Behauptung der Anzeigerin sei ihr Bürokollege damals nicht für die Anzeigerin 
sondern für deren Ehemann tätig gewesen. Sie sei vom Vertrag grundsätzlich nicht 
betroffen gewesen, sondern habe nur als Ehefrau mitgewirkt. Da es sich nur um 
einen Entwurf handle, habe auch keine Begegnung aller Parteien stattgefunden. 
Mangels Begünstigung der Anzeigerin und insbesondere mangels Unterzeichnung 
ergäben sich für die hängige Einforderung des Darlehens keinerlei Vorteile, welche 
die Disziplinarbeklagte ausnützen könne. 

Weiter präzisierte die Disziplinarbeklagte in Bezug auf die Trennungsvereinbarung, 
es bestünde in der Kanzlei kein entsprechendes Dossier und keiner der Ehegatten 
hätte je eine entsprechende Vollmacht für ihren Kollegen unterzeichnet. Die 
Anzeigerin belege ihre Behauptung nicht, dass mehrere Beratungen ihres 
Ehemannes stattgefunden hätten. Die Ehegatten seien folglich nie in der 
Eheangelegenheit beraten worden. Der Vergleich der von der Anzeigerin 
eingereichten Trennungsvereinbarung mit dem anonymisierten Muster einer 
Vereinbarung, wie sie in ihrer Kanzlei auszusehen pflegten, zeige, dass die 
Vereinbarung der Ehegatten nicht aus ihrer Kanzlei stamme. Ihr Kollege habe ihr 
gesagt, die Ehegatten seien von ihm darauf hingewiesen worden, dass sie nur bei 
einer einvernehmlichen Trennung von der Kanzlei vertreten werden könnten. 
Deshalb sei im Scheidungsprozess auch keiner der Eheleute von der Kanzlei 
vertreten worden. Zusammenfassend ergebe sich vorliegend kein Risiko für eine 
Interessenskollision oder einer Gefährdung des Berufsgeheimnisses, weshalb keine 
Disziplinarmassnahmen zu verhängen seien. 

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7. Die Disziplinarbeklagte ist im Anwaltsregister des Kantons Bern eingetragen. Der 
mit der Beschwerde vom 12. Juli 2016 beanstandete Sachverhalt beschlägt ihre 
Berufsausübung. Nach Massgabe von Art. 14 BGFA ist damit die sachliche, örtli-
che und funktionelle Zuständigkeit der Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons Bern 
gegeben.

8. Eingangs sei erwähnt, dass die angerufene Aufsichtsbehörde den Sachverhalt von 
Amtes wegen ermittelt, weshalb der Einwand unbeachtlich ist, eine Rüge sei nicht 
oder zu wenig substantiiert vorgebracht worden (Art. 34 BGFA i.V.m. Art. 21 des 
kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) und Art. 18 
Abs. 1 Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 
155.21).

9. Gemäss Art. 12 lit. c BGFA hat die Anwältin jeden Konflikt zwischen den Interessen 
ihrer Klientschaft und den Personen, mit denen sie geschäftlich oder privat in Be-
ziehung steht, zu meiden. Seit dem Inkrafttreten des BGFA definiert dieses die Be-
rufsregeln abschliessend (BGE 130 II 270, E. 3). Zur Auslegung von Art. 12 BGFA 
kann zudem nur noch beschränkt auf die jeweiligen Standesregeln der kantonalen 
Anwaltsverbände abgestellt werden, welche früher regelmässig herangezogen 
wurden, um die im betreffenden Kanton geltenden Berufspflichten zu konkretisieren 
(FELLMANN, in: FELLMANN/ZINDEL, Kommentar zum Anwaltsgesetz, Zürich 2011, N. 
4 ff zu Art. 12 BGFA). 

a) Nach dem Wortlaut von Art. 12 lit. c BGFA beurteilt sich der verpönte Interessenkon-
flikt nur aus dem Blickwinkel der Klientschaft und mit Bezug auf weitere (aktuelle) 
private oder geschäftliche Beziehungen des Anwalts. Vorliegend würde dies bedeu-
ten, dass ein Verstoss nur vorliegen könnte, wenn die Disziplinarbeklagte geschäftli-
che oder private Beziehungen mit Personen hätte, deren Interessen denjenigen der 
Anzeigerin entgegenstehen. Dies ist aktenkundig nicht der Fall.

b) Nach herrschender Lehre ist jedoch der Wortlaut des Gesetzes zu eng. Eine ver-
pönte Interessenkollision kann auch mit Blick auf frühere Mandate gegeben sein. 
Hier beschränkt sich indessen die Sperrwirkung bezüglich neuer Mandate auf sol-
che im gleichen Sachzusammenhang. Die Übernahme eines Mandates gegen eine 
frühere Klientin ist in jedem Fall nur zulässig, wenn sich der Gegenstand des neuen 
Mandats in rechtlicher oder sachlicher Hinsicht vom früheren Auftrag unterscheidet, 
mithin keine Identität der Streitmaterie vorliegt. Auch Art. 13 der Schweizerischen 
Standesregeln des Schweizerischen Anwaltsverbands (SSR) verbietet der Anwältin 
die Annahme eines (neuen) Mandates, wenn die Gefahr der Verletzung des Berufs-
geheimnisses bezüglich der von früheren Mandanten anvertrauten Information be-
steht oder die Kenntnis der Angelegenheit früherer Mandanten diesen zu einem 
Nachteil gereichen würde. Dies ist Ausfluss der die Mandatsbeendigung überdau-
ernden Schweige- und Treuepflicht. Der blosse Zeitablauf vermag diesbezüglich 
nichts zu ändern, da das Berufsgeheimnis zeitlich unbeschränkt bestehen bleibt. 
Der Hinweis der Disziplinarbeklagten darauf, dass ihr Kollege den Ehe- und Erbver-
trag für die Parteien von mehr als 17 Jahren errichtet habe und die entsprechenden 
Akten nicht mehr aufbewahrt werden müssten, ist irrelevant. 

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Das Gesagte gilt auch zwischen verschiedenen Anwältinnen und Anwälten bei 
Kanzlei- oder Anwaltsgemeinschaften. Folglich werden in einem Büro zusammenge-
faste Anwälte wie ein Anwalt behandelt (FELLMANN, N. 88 zu Art. 12 BGFA). Die 
Handlungen des Bürokollegen können demnach als Handlungen der Disziplinarbe-
klagten betrachtet werden. Nun ist in diesem Zusammenhang weiter festzustellen, 
dass die Disziplinarbeklagte zuvor für die Anzeigerin nie ein Anwaltsmandat führte. 
Dies tat auch ihr Bürokollege nicht, indes war er 1998 beurkundender Notar des 
Ehe- und Erbvertrages der Ehegatten und redigierte 2011 den Entwurf eines Abtre-
tungsvertrages. Nach der Praxis der Aufsichtsbehörde des Kantons Bern ist es un-
beachtlich, ob es sich beim früheren Mandat um eine notarielle Tätigkeit gehandelt 
hat (Entscheid vom 14. Dezember 2006, Nr. AWK 06 59, Ziffer 7.d). Demzufolge 
spielt es keine Rolle, dass das Vormandat ein notarielles war, weshalb zu prüfen 
bleibt, ob Erkenntnisse aus dem Vormandat gegen die Anzeigerin verwendet wer-
den könnten.

c) Die Disziplinarbeklagte vertritt die Erbengemeinschaft, zu der auch der Exmann der 
Anzeigerin gehört, bei der Durchsetzung einer Darlehensforderung gegen die An-
zeigerin. Die Mutter des Ehemannes gewährte den (damaligen) Eheleuten ein Dar-
lehen, das mit der Trennung der Eheleute sofort zur Rückzahlung fällig wurde. Der 
fragliche Darlehensvertrag wurde am 28. August 1999 abgeschlossen. Die Diszipli-
narbeklagte fordert diesen Betrag nun namens der Erbengemeinschaft gestützt auf 
die solidarische Haftung der Ehegatten bei der Anzeigerin ein. 

d) Der Abtretungsvertrag, den der Bürokollege der Disziplinarbeklagten entworfen hat, 
stammt aus dem Jahr 2011 und die Parteien haben sich gemäss dem Entwurf der 
Trennungsvereinbarung im März desselben Jahres getrennt. Dass der Abtretungs-
vertrag im Zusammenhang mit der Trennung stand, ergibt sich nicht nur aus dem 
Zeitpunkt, in dem er verfasst wurde, sondern auch aus dessen Inhalt: Die Eheleute 
sollten nicht mehr gemeinschaftliche Eigentum an zwei Liegenschaften haben, son-
dern der interne Anteil des Ehemannes sollte auf die beiden Kinder übertragen wer-
den. 

e) Die Tatsache, dass der Abtretungsvertrag, schliesslich nicht verurkundet wurde, ist 
unerheblich. Auch für die Erarbeitung eines Entwurfes waren im Vorfeld mit Sicher-
heit Gespräche geführt, Informationen erhoben, möglich Varianten diskutiert und 
Vor- und Nachteile erwogen worden. Dieser Vertrag hätte Konsequenzen auf eine 
spätere güterrechtliche Auseinandersetzung gehabt, weshalb davon auszugehen ist, 
dass damals die Vermögensverhältnisse der Ehegatten Gegenstand der Gespräche 
gewesen sein müssen. 

f) Die Disziplinarbeklagte führt aus, die Anzeigerin sei nicht Vertragspartei gewesen. 
Das ist formal richtig. Ihre Mitwirkung war aber gestützt auf Art. 169 des Schweizeri-
schen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210) nötig und sie soll-
te gemäss Vertragsentwurf bei der Verurkundung beide Kinder vertreten. Der redi-
gierende Notar ist damals also davon ausgegangen, dass die Anzeigerin dem Ver-
trag zustimmen wird.  

g) Es sieht ferner danach aus, dass der Abtretungsvertrag für die Anzeigerin nachteilig 
gewesen wäre: Bei der einen der Liegenschaften, die zur Hälfte an die Nachkom-

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men hätte abgetreten werden sollen, handelte es sich um eine Eigengutsliegen-
schaft der Anzeigerin, die gestützt auf den Ehevertrag aus dem Jahr 1998 ins Ge-
samteigentum des Ehemannes gelangt war und im Fall einer Scheidung ins Eigen-
gut der Anzeigerin zurückgefallen wäre. Mit der Abtretung des Anteils des Eheman-
nes an der anderen Liegenschaft wäre zudem Errungenschaft aus dem ehelichen 
Vermögen ausgeschieden, das damit bei der Scheidung nicht mehr hätte geteilt 
werden können. Diese negativen Folgen für die Anzeigerin hätten aber in einer Ge-
samtregelung des Güterrechts aufgefangen werden können. Ob eine solche zur 
Diskussion stand, kann nicht beurteilt werden. Jedenfalls ist klar, dass im Rahmen 
dieser Vertragsredaktion güterrechtliche Überlegungen angestellt werden mussten. 

h) Dass der Bürokollege im Zeitpunkt der Trennung einen notariellen Vertrag mit güter-
rechtlichen Auswirkung entworfen hat, in der auch die Anzeigerin hätte mitwirken 
sollen, bestätigt die Ansicht der Anzeigerin, dass auch er sich nach 17 Jahren richti-
gerweise noch als beiden Ehegatten verpflichteter Notar verstand, der nur zu ein-
vernehmlichen Lösungen Hand bieten konnte. 

i) Die Ausführungen der Disziplinarbeklagten, wonach ihr Kollege im Zusammenhang 
mit dem Abtretungsvertrag nur für den Ehemann der Anzeigerin tätig gewesen sei, 
hingegen kein Mandat von ihm im Zusammenhang mit der Trennung geführt habe 
und in diesem Zusammenhang auch keine Besprechungen mit ihm stattgefunden 
hätten, sind insofern nicht nachvollziehbar. 

j) Die Darlehensforderung, die die Disziplinarbeklagte nun im Namen der Erbenge-
meinschaft bei der Anzeigerin eintreiben soll, war im Jahr 2011 - und war es wohl 
auch im Zeitpunkt, als die Disziplinarbeklagte ihr Mandat aufnahm - eine eheliche 
Schuld, für die beide Ehegatten solidarisch hafteten. Die Disziplinarbeklagte vertritt 
nun den Ehemann der Anzeigerin und dessen Miterben gegen die Anzeigerin. Und 
es stellt sich die Frage, ob sie aus den früheren Mandaten ihre Bürokollegen über 
Informationen der Anzeigerin verfügt, die sie im laufenden Verfahren gegen sie ver-
wenden könnte. 

k) Selbst wenn die Disziplinarbeklagte tatsächlich über keinerlei solche Informationen 
verfügt, ist das Vorgehen gegen eine frühere Klientin ihres Bürokollegen (sog. «Par-
teiwechsel») schon dann untersagt, wenn auch nur die Möglichkeit besteht, dass 
Kenntnisse aus dem ehemaligen Mandatsverhältnis bewusst oder unbewusst ver-
wendet werden könnten (FELLMANN, N. 108 ff. zu Art. 12 BGFA, m.w.H.). Ein solcher 
Fall liegt hier vor. Es kann jedenfalls nicht gesagt werden, dass die dem Bürokolle-
gen der Disziplinarbeklagten als gemeinsamem Notar und Berater der Eheleute mit-
geteilten Informationen aus dem Jahr 1998 und aus dem Jahr 2011, in denen er sich 
mit den güterrechtlichen Verhältnissen und damit mit den Vermögensverhältnissen 
der Ehegatten auseinandersetzen musste, im Rahmen des vollstreckungsrechtli-
chen Verfahrens, mit dem sich die Disziplinarbeklagte hat beauftragen lassen, gera-
dezu irrelevant sind.

l) Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Disziplinarbeklagte durch die Über-
nahme und Führung des Mandats für die Erbengemeinschaft der F.________ gegen 
die Anzeigerin gegen Art. 12 lit. c BGFA verstossen hat.

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10. Gemäss Art. 17 BGFA kann die Aufsichtsbehörde bei Verletzung dieses Gesetzes 
die abschliessend aufgezählten Disziplinarmassnahmen anordnen, welche von einer 
Verwarnung bis zum dauernden Berufsverbot reichen.

a) Disziplinarsanktionen sind nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip zu bemessen. 
Massgebend sind die Schwere des Verstosses, das Mass des Verschuldens sowie 
das berufliche Vorleben des Anwalts. Die Schwere der Sanktion hat sich überdies 
an ihrem Zweck zu orientieren; dieser besteht neben der Wahrung der Disziplin in-
nerhalb des Berufsstandes insbesondere darin, den fehlbaren Anwalt zu einem in 
Zukunft standeskonformen Verhalten zu veranlassen (T. POLEDNA, a.a.O., N. 15 
und 23 ff. zu Art. 17 BGFA; zu den vergleichbaren früheren kantonalrechtlichen 
Sanktionen M. STERCHI, a.a.O., N 1 vor Art. 29 und N 4 zu Art. 34, je mit weiteren 
Hinweisen).

b) Die Vermeidung von Interessenkollisionen gehört zu den zentralen Berufspflichten 
des Anwalts. Dies gilt wie dargelegt in gleichem Masse bezüglich der früheren Kli-
entschaft der in derselben Anwaltskanzlei tätigen Kolleginnen und Kollegen, und 
auch unabhängig davon, ob diese als Anwälte oder als Notare tätig waren. Die 
Missachtung der gegenüber einer früheren Klientschaft fortdauernden Treuepflicht 
ist grundsätzlich geeignet, das Vertrauen der rechtsuchenden Bevölkerung in die 
Anwaltschaft zu erschüttern. 

d) Die Disziplinarbeklagte hätte die Unzulässigkeit der Mandatsübernahme bei gebote-
ner Sorgfalt von Anfang an erkennen und sich danach richten müssen, spätestens 
aber nachdem sie vom Anwalt der Anzeigerin mit Schreiben vom 14. April 2016 dar-
auf aufmerksam gemacht wurde, dass seines Erachtens ein Interessenkonflikt vor-
liege. 

e) Nach dem Gesagten und in Anbetracht aller Umstände erscheint vorliegend eine 
Busse in der Höhe von CHF 500.00 im Sinne von Art. 17 Abs. 1 lit. c BGFA als an-
gebrachte und verhältnismässige Disziplinarmassnahme.

11. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind der Disziplinarbeklagten gemäss Art. 35 
Abs. 1. KAG die Verfahrenskosten in der Höhe von CHF 1‘500.00 aufzuerlegen.

Nachdem eine Verletzung von Berufsregeln festgestellt worden ist, hat die Diszipli-
narbeklagte gemäss Art. 36 Abs. 1 KAG weder Anspruch auf Parteikostenersatz 
noch auf Parteientschädigung. 

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Die Anwaltsaufsichtsbehörde entscheidet:

1. Der Disziplinarbeklagten wird wegen Verletzung von Art. 12 lit. c BGFA eine Busse 
in der Höhe von CHF 500.00 auferlegt.

2.  Die Kosten des Verfahrens in der Höhe von CHF 1‘500.00 werden der Disziplinar-
beklagten zur Zahlung auferlegt.

3. Parteikostenersatz und/oder Parteientschädigung werden keine gesprochen.

4. Zu eröffnen:
- der Disziplinarbeklagten

5. Der Anzeigerin wird die Art der Erledigung des Verfahrens mit separatem Schrei-
ben mitgeteilt (Art. 32 Abs. 2 KAG).

Bern, 13. November 2017
(Ausfertigung vom 15. November 2017)

Im Namen der Anwaltsaufsichtsbehörde

Der Präsident:

Oberrichter Trenkel

Die Gerichtsschreiberin:

Spielmann

Rechtsmittelbelehrung 
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern Beschwerde ge-
führt werden gemäss Art. 22 des Kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) in 
Verbindung mit Art. 74 ff. des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 
155.21).

Die kantonalen Gesetzestexte sind online abrufbar unter www.belex.sites.be.ch, die eidgenössischen unter 
https://www.admin.ch/gov/de/start/bundesrecht/systematische-sammlung.html.

Hinweis:
Dieser Entscheid ist rechtskräftig.