# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6dc72fe4-739d-5614-a080-d90790574171
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** SB240433-O1
**Docket/Reference:** SB240433-O1
**URL:** https://www.gerichte-zh.ch/fileadmin/user_upload/entscheide/oeffentlich/SB240433-O1.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer  

Geschäfts-Nr.: SB240433-O/U/cwo

Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. C. Maira, Präsident, lic. iur. B. Amacker und 

Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Keller sowie die Gerichtsschreiberin 

MLaw T. Künzle

Urteil vom 9. Juli 2025

in Sachen

A._____,

Privatkläger und Berufungskläger

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____, 

sowie

gegen

Staatsanwaltschaft See/Oberland, 

Anklägerin

B._____,

Beschuldigte und Berufungsbeklagte

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____, 

betreffend versuchte Nötigung 

Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Meilen, Einzelgericht, 

vom 6. August 2024 (GG230034)

-  2  -

Anklage

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See-Oberland vom 27. November 2023 

(Urk. 65) ist diesem Urteil beigeheftet.

Urteil der Vorinstanz
(Urk. 105 S. 30 ff.)

"Das Einzelgericht erkennt:

1.

Die Beschuldigte B._____ ist der versuchten Nötigung i.S.v. Art. 181 i.V.m. Art. 22 

Abs. 1 StGB nicht schuldig und wird freigesprochen.

2.

Der Beschuldigten wird eine Genugtuung von CHF 2'000.– zugesprochen.

Die  Kasse  des  Bezirksgerichts  Meilen  wird  angewiesen,  diesen  Betrag  an  die 

Beschuldigte auszubezahlen.

3.

Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

CHF

CHF

CHF

CHF

CHF

4'000.– ; die weiteren Kosten betragen:

345.–

Dolmetschkosten

2'100.–

Gebühren für das Vorverfahren;

14'393.80 Entschädigung amtliche Verteidigung

20'838.80 Total

4.

Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens werden auf die 

Staatskasse genommen.

5.

Der Beschuldigten wird aus der Gerichtskasse eine Prozessentschädigung von 

CHF 19'493.70 (inkl. CHF 1'393.70 MWST) für ihre erbetene anwaltliche Verteidi-

gung bis und mit 3. März 2023 zugesprochen.

Die Kasse des Bezirksgerichts Meilen wird angewiesen, diesen Betrag an die 

Beschuldigte auszubezahlen.

6.

Rechtsanwalt lic. iur. Y._____, … [Adresse] wird für seine Bemühungen als amtli-

cher Verteidiger der Beschuldigten im Vorverfahren ab 4. März 2023 und im erstin-

stanzlichen Gerichtsverfahren mit CHF 14'393.80 (CHF 5'335.– zzgl. CHF 410.80 

-  3  -

MWST für das Vorverfahren und CHF 8'000.– zzgl. CHF 648.– MWST für das erst-

instanzliche Gerichtsverfahren) aus der Gerichtskasse entschädigt.

Die Kasse des Bezirksgerichts Meilen wird angewiesen, diesen Betrag an Rechts-

anwalt lic. iur. Y._____ auszubezahlen.

Dem Privatkläger wird keine Prozessentschädigung zugesprochen.

(Mitteilungen)

(Rechtsmittel)"

7.

8.

9.

Berufungsanträge:
(Prot. II S. 7 f.)

a)

Der Verteidigung der Beschuldigten:

(Urk. 135)

1.

Die Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Meilen vom 6. August 2024 

(Geschäfts-Nr.: GG230034-G) sei vollumfänglich abzuweisen, sofern darauf 

überhaupt eingetreten werden kann;

2.

Das  Honorar  der  Verteidigung  sei  gemäss  der  eingereichten  Honorarnote 

(zzgl. Weg sowie Dauer der Hauptverhandlung) gerichtlich festzusetzen;

3.

Unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  (zzgl.  MwSt.)  zu  Lasten  des 

Berufungsklägers. 

b)

Der Staatsanwaltschaft:

(Urk. 118)

Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

-  4  -

c)

Des Privatklägers A._____:

(Urk. 128)

Die Beschuldigte B._____ sei der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und angemessen zu bestra-

fen.

Die Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Prozessentschädigung von CHF 17'850 sowie eine angemes-

sene Prozessentschädigung für das Berufungsverfahren zu bezahlen. 

Erwägungen:

I. Verfahrensgang, Umfang der Berufung und Prozessuales

1.

Verfahrensgang

Der Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil ergibt sich aus dem angefoch-

tenen Entscheid (Urk. 105 S. 4 f. E. I.). Die Beschuldigte wurde von der Vorinstanz 

am  6.  August  2024  gemäss  dem  vorab  wiederholten  Urteilsdispositiv  freigespro-

chen (a.a.O., S. 30 ff.). Innert Frist liess der Privatkläger Berufung anmelden und 

erklären (Urk. 99 und Urk. 107 ff.; vgl. dazu auch Urk. 104/1). Nachdem er die ihm 

auferlegte Kaution geleistet hatte (Urk. 110 ff.), ging mit Verfügung vom 21. Oktober 

2024 die Berufungserklärung an die Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft und 

wurde diesen Frist angesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben wird, 

oder um begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig 

wurde ihnen Frist angesetzt, zu den Beweisanträgen des Privatklägers Stellung zu 

nehmen (Urk. 115). Mit Eingabe vom 12. November 2024 verzichtete die Staatsan-

waltschaft auf einen Antrag und eine Anschlussberufung und nahm zu den Bewei-

santrägen Stellung (Urk. 118). Nachdem mit Verfügung vom 13. November 2024 

ein Fristerstreckungsgesuch der Verteidigung betreffend die ihr mit vorgenannter 

Verfügung  angesetzte  Frist  zur  Erklärung,  ob  Anschlussberufung  erhoben  wird 

oder um begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen, abgelehnt 

worden war (Urk. 119), beantragte diese mit Eingabe vom 9. Dezember 2024 die 

-  5  -

Abweisung  der  Berufung  und  der  gestellten  Beweisanträge  (Urk.  121).  Mit 

Verfügung  vom  12.  Dezember  2024  wurden  die  Beweisanträge  abgelehnt 

(Urk. 122). Am 25. April 2025 wurde zur Berufungsverhandlung auf den 9. Juli 2025 

vorgeladen (Urk. 124). Am 12. Mai 2025 wurde der Privatkläger auf sein Ersuchen 

hin  vom  persönlichen  Erscheinen  an  der  Berufungsverhandlung  dispensiert 

(vgl. Urk. 126). Mit Eingabe vom 2. Juli 2025 liess der Privatkläger seinen Stand-

punkt mitteilen (Urk. 128). 

Am 9. Juli 2025 fand die Berufungsverhandlung in Anwesenheit der Beschuldigten 

und deren amtlichen Verteidiger sowie des Rechtsvertreters des Privatklägers statt 

(Prot. II S. 7). 

2.

Umfang der Berufung

Das vorinstanzliche Urteil wird vollumfänglich angefochten (Urk. 128, Prot. II S. 9).  

3.

Prozessuales

Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten Sachverhal-

tes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies in Anwen-

dung  von  Art.  82  Abs.  4  StPO,  auch  ohne  dass  dies  jeweils  explizit  Erwähnung 

findet. Stimmt die Rechtsmittelinstanz der Vorinstanz grundsätzlich zu und hat sie 

bloss nebensächliche Vorbehalte, kann sie punktuelle Korrekturen formulieren und 

im  Übrigen  auf  die  vorinstanzliche  Begründung  verweisen  (Urteil  6B_1164/2023 

vom 7. Oktober 2024 E. 3.2 mit Hinweis). Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, 

dass aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör die Pflicht des Gerichts folgt, seinen 

Entscheid zu begründen. Die Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegun-

gen nennen, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen 

Entscheid stützt. Es darf sich aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschrän-

ken  und  muss  sich  nicht  ausdrücklich  mit  jeder  tatsächlichen  Behauptung  und 

jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich 

mithin auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Ein unverhält-

nismässiger  Motivationsaufwand  kann  nicht  eingefordert  werden.  Ebenso  wenig 

lässt sich Art. 6 Ziff. 1 EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort 

-  6  -

auf jedes Argument gefordert würde (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 

141 IV 249 E. 1.3.1; BGer 6B_689/2019 vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2., mit Hin-

weisen; in diesem Sinne gegen eine "überbordende Begründungspflicht" [nament-

lich  in  Strafsachen]  auch  François  Chaix,  Bundesgerichtspräsident,  in  Plädoyer 

3/2025, S. 20 f.).

II. Schuldpunkt

1.

Anklagevorwurf und Ausgangslage

1.1. Der  Beschuldigten,  einer  ehemaligen  Hausangestellten  des  Privatklägers, 

wird vorgeworfen, sie habe am 2. März 2021 um 16:41 Uhr von ihrem damaligen 

Wohnort in C._____/ZH aus mit ihrem Mobiltelefon eine E-Mail an die ehemalige 

persönliche Assistentin des Privatklägers geschickt, mit der Bitte, ihm diese E-Mail 

weiterzuleiten.  Darin  habe  sie  ihm  einen  Vorschlag  für  die  Beilegung  einer  Aus-

einandersetzung betreffend aus ihrer Sicht noch offenen Forderungen aus ihrem 

Arbeitsverhältnis  bei  ihm  unterbreitet.  Sie  habe  in  dieser  in  englischer  Sprache 

verfassten E-Mail unter anderem geschrieben, es sei diskutiert worden, das inter-

nationale  olympische  Komitee  (IOK)  und  die  Gewerkschaften  noch  vor  der 

Gerichtsverhandlung im Zivilprozess zwischen ihr und dem Privatkläger über von 

ihr angegebene Missstände in Bezug auf die Arbeitsbedingungen beim Privatkläger 

zu  informieren.  Sodann  habe  sie  geschrieben,  dass  sie  dem  Privatkläger  nicht 

schaden wolle und einen Vergleichsvorschlag gemacht, in dem sie von ihm eine 

Zahlung von Fr. 587'000.-- gefordert habe. Dabei habe sie in der Absicht gehandelt, 

ihn durch die Ankündigung der Kontaktaufnahme mit dem IOK und den Gewerk-

schaften zur Zahlung des vorerwähnten Betrags zu nötigen, obschon sie gewusst 

habe, dass das IOK in keinerlei Zusammenhang mit ihrem arbeitsrechtlichen Ver-

fahren gegen den Privatkläger gestanden habe. Dabei habe sie darauf abgezielt, 

dass dieser versuchen würde, eine solche Kontaktaufnahme und eine möglicher-

weise damit einhergehende Rufschädigung durch die Bezahlung des geforderten 

Betrags zu verhindern, was jedoch nicht gelungen sei, da er die geforderte Summe 

nicht bezahlt habe (Urk. 65 S. 2 f.).

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1.2. Die  Beschuldigte  anerkennt,  die  inkriminierte  E-Mail  geschrieben  und  am 

2. März 2021 um 16:41 Uhr der damaligen Assistentin des Privatklägers D._____ 

geschickt zu haben (vgl. dazu letztmals Prot. I S. 11 ff. und Urk. 133 S. 5), stellt 

jedoch in Abrede, sich dadurch im Sinne der Anklage strafbar gemacht zu haben. 

Die  Vorinstanz  sprach  sie  vom  Vorwurf  frei  (Urk. 105  S.  30  ff.).  Der  Privatkläger 

ficht das vorinstanzliche Urteil an und verlangt einen Schuldspruch im Sinne der 

Anklage (Urk. 107 S. 2; Urk. 128 und Urk. 134).

2. Würdigung

2.1. Der äussere Sachverhalt ist insoweit erstellt, als die Beschuldigte anerkennt, 

die  inkriminierte  E-Mail  geschrieben  und  am  2.  März  2021  um  16:41  Uhr  an  die 

damalige  Assistentin  des  Privatklägers  geschickt  zu  haben  (vgl.  dazu  letztmals 

Prot. I  S.  11  ff.  und  Urk.  133  S.  4  f.).  Was  die  weiteren  äusseren  und  inneren 

Sachverhaltselemente  bzw.  die  objektive  und  subjektive  Tatbestandsmässigkeit 

des Vorwurfs betrifft, ist darauf – so relevant – bei der rechtlichen Würdigung ein-

zugehen.

2.2. Wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch 

andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen 

oder zu dulden, wird gemäss Art. 181 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren 

oder Geldstrafe bestraft. Die Vorinstanz hat die nötigen theoretischen Ausführun-

gen zum Straftatbestand gemacht (Urk. 105 S. 15 f. E. III.2.1.), darauf kann verwie-

sen werden. Vorliegend steht die Tatbestandsvariante der Androhung ernstlicher 

Nachteile zur Diskussion, andere brauchen nicht geprüft zu werden.

2.3. Die Beschuldigte schrieb laut Anklage in ihrer in englischer Sprache verfass-

ten E-Mail unter anderem, es sei diskutiert worden, das internationale olympische 

Komitee (IOK) und die Gewerkschaften noch vor der Gerichtsverhandlung im Zivil-

prozess zwischen den Parteien über von ihr angegebene Missstände in Bezug auf 

die  Arbeitsbedingungen  beim  Geschädigten  zu  informieren.  Die  Anklage  bezieht 

sich  dabei  auf  folgenden  Passus  der  E-Mail:  «There  has  also  been  talks  about 

writing to the IOC and the labour unions to make Mr. A._____'s behaviour known, 

even  before  everything  is  discussed  at  the  public  court  hearing».  Übersetzt:  „Es 

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wurde auch darüber gesprochen, das IOC und die Gewerkschaften anzuschreiben, 

um das Verhalten von Herrn A._____ bekannt zu machen, noch bevor alles in der 

öffentlichen Gerichtsverhandlung besprochen wird“. Die Beschuldigte tat damit in 

ihrem Schreiben nichts mehr als kund, worüber gesprochen wurde, mithin was man 

sich ihrerseits offenbar für mögliche Schritte überlegt hatte. Ein konkreter Bezug 

zwischen  der  geforderten  Summe  und  dem  Umstand,  dass  darüber  gesprochen 

worden war, das IOC und die Gewerkschaften anzuschreiben, wird im Schreiben 

nicht hergestellt. Namentlich wird das Anschreiben bzw. Nichtanschreiben des IOC 

und  der  Gewerkschaften  nicht  etwa  davon  abhängig  gemacht,  ob  die  geforderte 

Summe bezahlt wird oder nicht. Ein solcher Bezug kann einzig durch eine dahin-

gehende freie Interpretation des Schreibens hergestellt werden. Eine solche Inter-

pretation ist indes alles andere als zwingend, zumal sie im konkreten Wortlaut des 

Schreibens  keinerlei  Stütze  findet.  Entsprechend  ist  es  auch  nicht  zulässig,  eine 

solche Interpretation zuungunsten der Beschuldigten vorzunehmen. Entgegen der 

Anklage kann weiter auch nicht davon die Rede sein, die Beschuldigte habe eine 

Kontaktaufnahme mit dem IOK und den Gewerkschaften angekündigt. Eine solche 

Lesart ist wiederum eine freie Interpretation, die durch den Wortlaut des inkriminier-

ten  Schreibens  nicht  ansatzweise  gedeckt  wird.  Insofern  ist  auch  der  äussere 

Sachverhalt nicht erstellt. Damit aber fehlt es an einem objektiv tatbeständlichen 

Androhen eines ernstlichen Nachteils, weshalb eine Verurteilung wegen des einge-

klagten Straftatbestandes schon aus diesem Grund nicht in Frage kommt und die 

Anklage bereits an dieser Stelle in sich zusammenfällt.

2.4. Man  mag  einwenden,  die  Beschuldigte  habe  mit  der  Bemerkung,  es  sei 

darüber gesprochen worden, das IOC und die Gewerkschaften anzuschreiben, um 

das Verhalten des Privatklägers bekannt zu machen, ein derartiges Vorgehen als 

ein zur Erreichung ihrer Ziele mögliches Szenario in den Raum gestellt. Dem ist, 

abgesehen davon, dass eine solche Lesart wiederum eine freie Interpretation ist, 

die keine Stütze im Wortlaut des Schreibens findet, entgegenzuhalten, dass ein in 

den  Raum  gestelltes  mögliches  Vorgehen  noch  kein  konkretes  Androhen  eines 

solchen darstellt. Selbst eine ausdrückliche Warnung – eine solche liegt ebenfalls 

nicht vor – genügt nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung dem Erfor-

dernis der Androhung ernstlicher Nachteile regelmässig nicht (vgl. dazu statt Vieler 

-  9  -

OFK  StGB,  N  7  zu  Art.  181,  mit  Verweisen).  Bleibt  zu  sagen,  dass  nicht  jede 

unliebsame Äusserung, die vom Adressaten mit einem möglichen, für ihn unange-

nehmen  Szenario  in  Verbindung  gebracht  werden  kann,  in  eine  strafrechtlich 

relevante  Nötigungshandlung  umgedeutet  werden  darf,  sondern  Letzteres  erst 

anzunehmen ist, wenn die freie Willensbildung- und betätigung objektiv betrachtet 

relevant tangiert wird, was vorliegend wie gezeigt nicht der Fall ist. Alles andere 

würde zu einer unzulässigen Überdehnung des Strafschutzes führen. 

2.5. Was  den  inneren  Sachverhalt  bzw.  den  subjektiven  Tatbestand  betrifft,  so 

kann  noch  hinzugesetzt  werden,  dass  die  Beschuldigte  konstant  und  soweit 

glaubhaft angab, sie habe die Angelegenheit friedlich lösen und nie etwas öffentlich 

machen wollen (vgl. dazu u.a. Urk. 2 F/A 4, Prot. I S. 11 ff. und Urk. 133 S. 6), was 

sich  mit  dem  Inhalt  der  inkriminierten  E-Mail  ohne  Weiteres  in  Einklang  bringen 

lässt und im Übrigen nicht widerlegt werden kann. Entsprechend erscheint es auch 

plausibel,  dass  –  wie  von  der  Verteidigung  ausgeführt  (Urk. 92  RZ  28  ff  und 

Urk. 135  RZ  39  ff.)  –  D._____  quasi  als  Vermittlerin  ins  Spiel  gebracht  werden 

sollte. Damit aber liesse sich auch ein Nötigungsvorsatz nicht rechtsgenügend er-

stellen, wobei in diesem Zusammenhang einmal mehr zu betonen ist, dass es der 

Staat ist, der einer Beschuldigten die ihr angelastete Täterschaft hinsichtlich des ihr 

vorgeworfenen  Deliktes  rechtsgenügend  nachweisen  können  muss  bzw.  es  Auf-

gabe des Staates ist, der Beschuldigten alle eine Strafbarkeit begründenden Um-

stände – und zwar nicht nur die den äusseren, sondern auch die den inneren Sach-

verhalt betreffenden – mittels dazu tauglicher Beweismittel nachzuweisen und es 

eben  gerade  nicht  Sache  der  Beschuldigten  ist,  nachzuweisen,  dass  sie  die  Tat 

nicht begangen hat. Dieser Beweis wäre nicht zu erbringen.

2.6. Vor diesem Hintergrund erübrigen sich Erwägungen dazu, ob ein ernstlicher 

Nachteil im Sinne von Art. 181 StGB anzunehmen ist oder nicht – denn wo nichts 

angedroht wurde, kann auch kein ernstlicher Nachteil angedroht worden sein.

2.7. Die  in  eine  andere  Richtung  zielenden  Vorbringen  der  Privatklägerschaft 

(Urk. 128  S.  4  ff.;  Urk.  134  und  Prot.  II  S.  9  ff.)  ändern  am  Ausgeführten  nichts, 

ihnen kann nicht gefolgt werden.

-  10  -

3.

Ergebnis

Die Beschuldigte ist vollumfänglich freizusprechen.

III. Kosten- und Entschädigungsfolgen

1.

Erstinstanzliches Verfahren

Die von der Vorinstanz der Beschuldigten zugesprochene Genugtuung sowie die 

im  angefochtenen  Entscheid  getroffene  Kosten-  und  Entschädigungsregelung 

erweisen  sich  ausgangsgemäss  nach  wie  vor  als  angemessen,  es  kann  auf  die 

entsprechenden Ausführungen verwiesen werden (Urk. 105 S. 24 ff. E. IV. f.). 

2.

Berufungsverfahren

2.1. Die Gerichtsgebühr ist praxisgemäss auf Fr. 3'600.-- festzusetzen. Der Privat-

kläger unterliegt mit seiner Berufung vollumfänglich. Ausgangsgemäss sind ihm die 

Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen.

2.2. Gestützt auf Art. 432 StPO in Verbindung mit Art. 436 Abs. 1 StPO hat die 

obsiegende beschuldigte Person gegenüber der Privatklägerschaft Anspruch auf 

angemessene Entschädigung für die durch die Anträge zum Zivilpunkt verursach-

ten Aufwendungen. Diese Bestimmung ist dispositiver Natur. Nach der bundesge-

richtlichen Rechtsprechung geht die Entschädigung der beschuldigten Person bei 

einer  Einstellung  des  Strafverfahrens  oder  bei  einem  Freispruch  zulasten  des 

Staats, wenn es sich um ein Offizialdelikt handelt, bei einem Antragsdelikt jedoch 

(regelmässig)  zulasten  der  Privatklägerschaft.  Im  Berufungsverfahren  betreffend 

Offizialdelikte wird die unterliegende Privatklägerschaft entschädigungspflichtig, da 

die Regel, wonach die Verantwortung des Staats für die Strafverfolgung dazu führt, 

dass der Staat auch deren Kosten trägt, gegenstandslos wird, sobald das Verfahren 

nur  noch  auf  Betreiben  der  Privatklägerschaft  fortgesetzt  wird  (BGE 147  IV  47 

E. 4.2.5  und  4.2.6).  Im  vorliegenden  Fall  hat  der  Privatkläger  demnach  für  die 

Verteidigungskosten der Beschuldigten aufzukommen.

-  11  -

2.3. Die amtliche Verteidigung macht ein Honorar von insgesamt Fr. 15'236.15 für 

das Berufungsverfahren geltend (Urk. 132). Dieser Betrag ist zwar ausgewiesen, 

aber deutlich zu hoch, zumal kein Aufwandshonorar geschuldet ist. Gemäss Praxis 

ist bei der Festsetzung des Honorars des amtlichen Verteidigers bei sogenannten 

einfachen Standardverfahren von den in der Verordnung über die Anwaltsgebühren 

vom  8. September  2010  (Anwaltsgebührenverordnung,  LS 215.3,  nachstehend: 

AnwGebV) angeführten Ansätzen auszugehen. Gemäss § 1 Abs. 2 AnwGebV setzt 

sich  die  Entschädigung  aus  der  Gebühr  und  den  notwendigen  Auslagen 

zusammen.  Die  Gebühr  für  die  Führung  eines  Strafprozesses  (einschliesslich 

Vorbereitung des Parteivortrages und Teilnahme an der Hauptverhandlung) beträgt 

im  Bereich  der  Zuständigkeit  des  Einzelgerichtes  –  auch  grundsätzlich  im 

Berufungsverfahren – in der Regel Fr. 600.– bis Fr. 8'000.–, wobei auch zu berück-

sichtigen  ist,  ob  das  vorinstanzliche  Urteil  ganz  oder  nur  teilweise  angefochten 

wurde (§ 18 Abs. 1 i.V.m. § 17 Abs. 1 lit. a AnwGebV). Innerhalb dieses Rahmens 

wird die Grundgebühr nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und 

Umfang  der  Bemühungen  und  Schwierigkeiten  des  Falles,  bemessen  (vgl.  §  2 

AnwGebV).

2.4. Der  Aktenumfang  ist  vorliegend  –  für  ein  Berufungsverfahren  –  als  noch 

gering  zu  bezeichnen.  Der  zu  beurteilende  Sachverhalt  ist  zeitlich,  örtlich  und 

personell eng umgrenzt. Die Anzahl der erhobenen Beweismittel, insbesondere die 

Einvernahmen,  ist  überschaubar.  Im  Berufungsverfahren  waren  keine  neue 

Beweise zu erheben. Die sich im Rahmen der Berufung stellenden Fragen waren 

–  für  einen  Rechtsanwalt  –  insgesamt  wenig  komplex.  Insgesamt  erscheint  es 

angemessen,  die  Entschädigungsgebühr  auf  Fr.  5'000.–  festzusetzen.  Hinzu 

kommt die Mehrwertsteuer von 8.1%, weshalb die amtliche Verteidigung mit ins-

gesamt  Fr. 5'405.–  aus  der  Gerichtskasse  zu  entschädigen  ist.  Wie  bereits  die 

Vorinstanz zutreffend festhielt, werden notwendige Auslagen, welche gemäss § 22 

Abs. 1 AnwGebV namentlich bezahlte Gerichtskosten, Reisespesen, Porti, Kosten 

für  Telekommunikation  und  Fotokopien  umfassen,  nur  dann  entschädigt,  wenn 

diese  mittels  Aufstellung  ausgewiesen  werden.  Nicht  entschädigt  werden  jedoch 

Kleinspesenpauschalen, welche nicht den tatsächlich zu vergütenden Aufwendun-

-  12  -

gen entsprechen. Demnach ist Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ keine Entschädigung 

für die geltend gemachte Kleinspesenpauschale von 3 % zuzusprechen.

2.5. Die durch den Privatkläger geleistete Prozesskaution von Fr. 3'600.-- ist zur 

teilweisen  Deckung  der  ihm  auferlegten  Kosten  des  Berufungsverfahrens  zu 

verwenden.

-  13  -

Es wird erkannt:

1.

Die Beschuldigte B._____ ist der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 

i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB nicht schuldig und wird freigesprochen.

2.

3.

Der Beschuldigten wird eine Genugtuung von Fr. 2'000.-- zugesprochen.

Das  erstinstanzliche  Kosten-  und  Entschädigungsdispositiv  (Ziff.  3-7)  wird 

bestätigt.

4.

Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:

Fr.

Fr.

3'600.--

; die weiteren Kosten betragen:

5'405.--

  amtliche Verteidigung (inkl. 8,1% MWSt).

5.

Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive der Kosten der amtlichen Ver-

teidigung, werden dem Privatkläger auferlegt. 

Die durch den Privatkläger geleistete Prozesskaution von Fr. 3'600.-- wird 

zur teilweisen Deckung der ihm auferlegten Kosten des Berufungsverfah-

rens verwendet.

6. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten (übergeben)

die Staatsanwaltschaft See/Oberland (versandt)

die Vertretung des Privatklägers im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft (übergeben)

sowie in vollständiger Ausfertigung an







die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der 
Beschuldigten

die Staatsanwaltschaft See/Oberland 

die Vertretung des Privatklägers im Doppel für sich und die 
Privatklägerschaft

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung 

allfälliger Rechtsmittel an

-  14  -











die Vorinstanz

das Migrationsamt des Kantons Zürich

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA zur Entfernung der Daten 
gemäss Art. 32 Abs. 1 StReG mittels Kopie von Urk. 130

die Kantonspolizei Zürich, KDM-ZD, mit separatem Schreiben (§ 54a 
Abs. 1 PolG).

die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA, mit dem Formular "Löschung 
des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Bestim-
mung der Vernichtungs- und Löschungsdaten"

7. Gegen  diesen  Entscheid  kann  bundesrechtliche  Beschwerde  in  Straf-

sachen erhoben werden.

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschrie-

benen Weise schriftlich einzureichen.

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes.

Obergericht des Kantons Zürich
I. Strafkammer

Zürich, 9. Juli 2025

Der Präsident:

Die Gerichtsschreiberin:

lic. iur. C. Maira

MLaw T. Künzle