# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2db6c213-0ec0-5873-bf09-ad7185364975
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2015-10-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.10.2015 E-4621/2013
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4621-2013_2015-10-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-4621/2013 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  O k t o b e r  2 0 1 5  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richterin Regula Schenker Senn, 

Richter Walter Stöckli, 

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Pakistan, 

vertreten durch Ozan Polatli, Advokatur Gysin + Roth, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; 

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM 

vom 15. Juli 2013 / N (…). 

 

 

 

E-4621/2013 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der pakistanische Beschwerdeführer aus der Provinz Punjab sei am (…) 

2012 von Islamabad über ein arabisches Land in ein ihm unbekanntes 

Land in Europa ausgereist, von wo aus er am 11. Januar 2012 mit einem 

Auto in die Schweiz gefahren sei, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. 

Im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen wurde er am 

18. Januar 2012 summarisch zu seiner Person und seinem Reiseweg be-

fragt; am 5. Juli 2013 wurde er eingehend zu seiner Asylbegründung ange-

hört. Dabei machte er im Wesentlichen geltend, sein Stiefvater habe ihn 

misshandelt und er werde aufgrund seines Glaubens – er sei ein Angehö-

riger der Ahmadiyya – ständig belästigt und bedroht. 

B.  

Mit Verfügung vom 15. Juli 2013 – eröffnet am 16. Juli 2013 – lehnte das 

BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, wies ihn aus der Schweiz 

weg und ordnete den Vollzug dieser Wegweisung an. Es begründete sei-

nen Entscheid im Wesentlichen damit, dass seine Vorbringen unglaubhaft 

(Art. 7 AsylG) und asylirrelevant (Art. 3 AsylG) seien. Der Vollzug der Weg-

weisung sei zudem zulässig, zumutbar und möglich. 

C.  

Der Beschwerdeführer reichte am 16. August 2013 durch seinen Rechts-

vertreter eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein und bean-

tragte dabei, dass nach Aufhebung der Verfügung vom 15. Juli 2013 das 

Asylgesuch des Beschwerdeführers gutzuheissen und ihm Asyl zu gewäh-

ren sei. Eventualiter sei ein Vollzugshindernis festzustellen und die vorläu-

fige Aufnahme zu verfügen. In prozessrechtlicher Hinsicht sei die unent-

geltliche Rechtspflege zu gewähren sowie auf die Erhebung eines Kosten-

vorschusses zu verzichten. 

Der Eingabe lagen unter anderem je eine Kopie eines "(…)" vom (…) 2008 

des "(…)", Karachi, und eines undatierten "(…)" des "(…)" über den Ab-

schluss des Beschwerdeführers als Automechaniker sowie Berichte über 

die Lage der Ahmadis in Pakistan bei. 

D.  

Mit Verfügung vom 23. August 2013 verzichtete das Bundesverwaltungs-

gericht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und wies das Gesuch 

E-4621/2013 

Seite 3 

um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ab. Die Behandlung des Ge-

suchs um unentgeltliche Prozessführung wurde auf einen späteren Zeit-

punkt verschoben. 

E.   

Im Rahmen einer Vernehmlassung hielt das BFM am 7. Oktober 2013 fest, 

dass die Beschwerdeschrift keine neuen erhebliche Tatsachen oder Be-

weismittel enthalte, die eine Änderung seines Entscheides rechtfertigen 

könnten. 

F.  

In seiner Replik unterstrich der Beschwerdeführer am 25. Oktober 2013 die 

Bedrohungslage der Ahmadis in Pakistan und wies auf seine persönliche 

Situation hin. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM bzw. BFM ge-

hört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des 

Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 

im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist 

daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und ent-

scheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines 

Auslieferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdefüh-

rende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung bzw. Änderung. Er ist daher zur Einreichung 

der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 

Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

E-4621/2013 

Seite 4 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

3.  

Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des Asylge-

setzes vom 14. Dezember 2012 gilt für die im Zeitpunkt des Inkrafttretens 

der Rechtsänderung (am 1. Februar 2014) hängigen Verfahren mit Aus-

nahmen das neue Recht. Unter den Begriff "hängige Verfahren" sind auch 

beim Bundesverwaltungsgericht hängige Beschwerdeverfahren zu subsu-

mieren (vgl. Urteil des BVGer E-662/2014 vom 17. März 2014 E. 2.3 

und 2.4.1 ff. m.w.H.). Auf diese ist somit neues Recht anzuwenden, sofern 

keine der in den Abs. 2-4 der Übergangsbestimmungen genannten Aus-

nahmen greift. Da hier keine Ausnahme zur Anwendung gelangt, ist auf 

das vorliegende Beschwerdeverfahren neues Recht anzuwenden. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situ-

ation im Zeitpunkt des Asylentscheides. Ausgangspunkt der Prüfung ist die 

Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Furcht vor einer 

absehbaren Verfolgung im Heimatstaat. Veränderungen der objektiven Si-

tuation im Heimatland zwischen Ausreise und Asylentscheid sind zuguns-

ten oder zulasten der schutzsuchenden Person zu berücksichtigen (vgl. 

BVGE 2011/50 E. 3.1.2; 2010/57 E. 2.4 und 3.2, je m.w.H.; WALTER KÄLIN, 

Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S. 135 ff.). 

4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

E-4621/2013 

Seite 5 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.  

5.1 Der Beschwerdeführer brachte zu Protokoll, dass er ab seinem (…) Le-

bensjahr, d.h. nach der Scheidung seiner Eltern (A16 S. 3), bei seiner Mut-

ter in B._______ (Provinz Punjab) gewohnt habe (A6 S. 5; A16 S. 13). Mit 

(…) Jahren (ca. im Jahr 1994/95) sei er zu seinen Grosseltern ins Chak (= 

Dorf) (...) (bei C._______, Provinz Punjab) – ca. (…) Autostunden von 

B._______ entfernt – umgesiedelt (A16 S. 13). Regelmässig während der 

Schulferien habe er jedoch seine Mutter besucht (A16 S. 4 f. und 13). 

Diese habe ca. im Jahr 2004/05 (A6 S. 9) wieder geheiratet, doch dieser 

Stiefvater habe ihn immer, wenn er betrunken war – was zwei- bis dreimal 

in der Woche geschehen sei –, geschlagen. Zudem habe dieser ihn auch, 

um an Geld zur Befriedigung seiner Alkoholsucht zu kommen, verkaufen 

wollen (A6 S. 9; A16 S. 3 f., 6 und 11 f.).  

Im Chak (...) sei er als praktizierender Ahmadi gewohnheitsmässig durch 

die Dorfbewohner und die Mullahs bedroht, beschimpft und belästigt wor-

den. Man habe ihn auch schlagen wollen (A6 S. 9; A16 S. 3 f., 7 und 9). 

Sein Grossvater sei der Präsident ihrer Glaubensgemeinschaft gewesen, 

weshalb der Beschwerdeführer kleinere Arbeiten, wie z.B. Kinder zu unter-

richten, in der Gemeinschaft übernommen habe (A16 S. 7 f.). Eines Nachts 

(ca. im Jahr 2010) hätten Unbekannte versucht, seinen Grossvater zu ent-

führen: Während der Beschwerdeführer im Haus gewesen sei, habe sein 

Grossvater mit Gästen draussen in einem offenen Aufenthaltsraum gele-

gen, dann habe der Beschwerdeführer Schüsse und laute Stimmen gehört 

und sie – die im Haus waren – hätten sich versteckt. Später sei der Gross-

vater ins Haus gekommen. Er habe berichtet, dass zwei bewaffnete Per-

sonen ihn während des Schlafs überrascht und versucht hätten, ihn fest-

zuhalten; als er wach geworden sei, habe er sich mit einem Kopfkissen 

gewehrt. Dabei sei eine der unbekannten Personen auf den Boden gefallen 

und ein Schuss habe sich gelöst. Danach sei der Grossvater ins Haus ge-

flüchtet (A16 S. 8, 10 f. und 13). Der Grossvater habe dem Beschwerde-

führer deshalb – nach dem Tod seiner Mutter im Herbst 2011 (A6 S. 9; A16 

S. 5 und 13 f.) – geraten, ins Ausland zu gehen (A6 S. 9; A16 S. 9). Am (…) 

2012 habe er dann das Land verlassen (A6 S. 7). 

Der Vater des Beschwerdeführers – D._______ (N […]) – ist am (…) 1995 

in die Schweiz eingereist und stellte ein Asylgesuch; seit dem Jahr 2014 

E-4621/2013 

Seite 6 

sind er, seine Ehefrau und seine zwei minderjährigen Kinder eingebürgert. 

D._______ habe ungefähr im Jahr 2008/09 mit dem Beschwerdeführer 

Kontakt aufgenommen (A16 S. 4). 

5.2 Das BFM hielt in seiner Verfügung vom 15. Juli 2013 fest, dass die Vor-

bringen nicht glaubhaft seien im Sinne von Art. 7 AsylG. So habe der Be-

schwerdeführer die versuchte Entführung seines Grossvaters an der Be-

fragung nicht erwähnt; an der späteren Anhörung sei die Schilderung die-

ser Tat schliesslich widersprüchlich ausgefallen, welche zudem der allge-

meinen Erfahrung und der Logik des Handelns widerspreche. Auch sei un-

klar, ob der Beschwerdeführer nach seiner Schulzeit gearbeitet habe und 

wann genau seine Mutter verstorben sei. Darüber hinaus seien seine An-

gaben hinsichtlich des Treffens mit dem Schlepper und des Reisewegs 

ebenfalls nicht konsistent. 

Die geschilderten Beeinträchtigungen und Beschimpfungen, denen der Be-

schwerdeführer als Angehöriger der Ahmadiyya ausgesetzt gewesen sei, 

würden die erforderliche Schwelle der Intensität nicht erreichen, um im 

Sinne von Art. 3 AsylG asylrelevant zu sein. Es gelte festzuhalten, dass die 

Diskriminierungen und Schikanen, welche die Ahmadis in Pakistan zu er-

leiden hätten, keine Kollektivverfolgung darstellen würden. Die Befürch-

tung, entführt zu werden, könne, so das BFM weiter, nicht geteilt werden. 

Zudem habe der Beschwerdeführer keine besondere Position innerhalb 

der Gemeinschaft inne gehabt und seinen Glauben im privaten Rahmen 

praktiziert. Aufgrund des tiefen Gefährdungsprofils und des Fehlens asyl-

relevanter Verfolgungsmassnahmen könne nicht von einer befürchteten 

Furcht vor Verfolgung ausgegangen werden. 

Den angeblichen Misshandlungen durch den Stiefvater des Beschwerde-

führers und dessen Absicht, ihn verkaufen zu wollen, sei der Beschwerde-

führer mit dem Tod der Mutter nicht länger ausgesetzt, weshalb darauf ver-

zichtet werden könne, die Glaubhaftigkeit dieser Angaben zu prüfen. 

5.3 Demgegenüber argumentierte der Beschwerdeführer in seiner Rechts-

mittelschrift vom 16. August 2013 im Wesentlichen, dass behauptete Un-

glaubhaftigkeitselemente auf eine fehler- oder lückenhafte Übersetzung 

seiner Aussagen zurückzuführen seien, da der Übersetzer kein Ahmadi ge-

wesen sei. Die genaue Umschreibung der versuchten Entführung spre-

chen weiter dafür, dass diese tatsächlich stattgefunden habe. Darüber hin-

aus seien entgegen der Behauptung der Vorinstanz hinsichtlich des zeitli-

chen Ablaufs der versuchten Entführung keine Widersprüche erkennbar. 

E-4621/2013 

Seite 7 

Zudem habe der Beschwerdeführer – wie das beigelegte Attest belege – 

einen Automechanikerkurs von ca. drei bis vier Monaten besucht; aufgrund 

seiner Glaubenszugehörigkeit habe er indes nie eine Arbeitsstelle gefun-

den. Ferner sei bezüglich der Angaben des Todeszeitpunkts der Mutter nur 

eine Abweichung von drei Monaten festzustellen; dass dieser Tod nur vor-

geschoben sei, sei somit nicht haltbar. Letztlich seien die Vorgaben insge-

samt als glaubhaft zu qualifizieren (Art. 7 AsylG). Da der Beschwerdeführer 

unbestrittenermassen ein Ahmadi sei und deswegen von staatlicher wie 

auch von nichtstaatlicher Seite verfolgt werde, habe er wegen dieser Reli-

gionszugehörigkeit bei einer Rückkehr mit ernsthaften Nachteilen zu rech-

nen (Art. 3 AsylG).  

6.  

6.1 Das Bundesverwaltungsgericht legt hinsichtlich der Fragen der Flücht-

lingseigenschaft und der Asylgewährung im Folgenden das Gewicht auf die 

Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers (Art. 3 AsylG). 

6.2 Die Angehörigen der Glaubensgemeinschaft der Ahmadiyya sind in Pa-

kistan in ihrem religiösen Leben in einschneidender Weise eingeschränkt. 

Sie verstehen sich selber als Muslime, werden von den orthodoxen Musli-

men jedoch als Ketzer betrachtet, da sie das fundamentale Glaubensprin-

zip des Islams – Muhammed sei der letzte aller Propheten gewesen – ver-

worfen haben. 1974 wurden die Ahmadis durch Beschluss der pakistani-

schen Nationalversammlung aus der Gemeinschaft der Muslime ausge-

schlossen und zu einer nicht-muslimischen Minderheit erklärt. Seither wur-

den einige Strafgesetzbestimmungen ins pakistanische Strafgesetz-buch 

aufgenommen (unter anderem der sogenannte "Blasphemieparagraph"), 

die diskriminierenden Charakter haben und sich insbesondere auch gegen 

die Ahmadis richten. Sämtliche Formen, mit denen die Ahmadis ihren mus-

limischen Glauben ausdrücken und ausüben, können daher bewirken, 

dass orthodoxe Muslime sich in ihrem religiösen Empfinden beleidigt und 

ihren wahren Glauben beeinträchtigt sehen, und vermögen Reaktionen der 

Betroffenen (und grundsätzlich auch strafrechtliche Verfolgung) auszulö-

sen (vgl. BVGE 2014/32 E. 6.4; Urteile des BVGer D-5941/2013 vom 8. Ja-

nuar 2014 E. 5.6.2 und E-4992/2006 vom 10. Mai 2011 E. 7.3; EMARK 

2002 Nr. 3 E. 7.d.bb). 

6.3 Der Beschwerdeführer gab an, dass ca. im Jahr 2010 (A16 S. 8) be-

waffnete Unbekannte versucht hätten, seinen Grossvater – der Präsident 

der Ahmadiyya des Chak (...), welche ungefähr (…) Mitglieder habe (A16 

S. 7) – zu entführen. Nach diesem Vorfall sei er meistens – seine Mutter 

E-4621/2013 

Seite 8 

sei im (…) 2011 verstorben (A6 S. 9; A16 S. 5 und 13 f.) – im Dorf geblie-

ben; weitere Entführungsversuche oder andere Vorfälle habe es nicht ge-

geben (A16 S. 9). Dieser Vorfall habe ihn indes bewogen, das Land zu ver-

lassen (A16 S. 9). Tatsächlich sei er aber erst am (…) 2012 – also fast zwei 

Jahre später – ausgereist (A6 S. 7). Diese angebliche Verfolgungssituation 

ist indes nach fast zwei Jahren nicht mehr als aktuell zu bezeichnen, d.h. 

zwischen dem Ereignis und der Flucht besteht durch die längere Zeit-

spanne kein zeitlicher Kausalzusammenhang (vgl. E. 4.2). Es besteht zu-

dem kein Anlass zur Annahme, dass sich im Falle einer Rückkehr eine sol-

che Verfolgungsmassnahme mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in ab-

sehbarer Zeit verwirklicht, zumal der mutmassliche Entführungsversuch 

sich nicht gegen den Beschwerdeführer persönlich gerichtet habe. Letztlich 

genügt es nicht, dass diese Furcht lediglich mit Vorkommnissen oder Um-

ständen, die sich früher oder später möglicherweise ereignen könnten, be-

gründet wird. Folglich sind diese Ereignisse, die den Beschwerdeführer zur 

Ausreise bewogen haben sollen, nicht asylrelevant im Sinne von Art. 3 

AsylG. 

6.4 Des Weiteren gab er an, er werde – weil er der Glaubensgemeinschaft 

der Ahmadiyya zugehöre – im Chak (...) ständig bedroht, beschimpft und 

belästigt. Der Beschwerdeführer sei ein praktizierender Ahmadi; er habe 

regelmässig drei bis vier Kinder der Gemeinschaft über den Koran sowie 

über die Art und Weise des Betens unterrichtet und habe das Gotteshaus 

zum Beten besucht. Dies sei indes nicht öffentlich geschehen, weil dies 

verboten sei (A16 S. 7 f.), obwohl jeder im Dorf gewusst habe, dass er ein 

Ahmadi sei (A16 S. 8). Dass der Beschwerdeführer ein Ahmadi ist, wurde 

vom BFM in seiner Verfügung vom 15. Juli 2013 nicht bestritten. 

6.4.1 Die flüchtlingsrechtlich zu beurteilenden Massnahmen müssen nicht 

nur gezielt und kausal für die Flucht sein, sondern auch eine bestimmte 

Intensität aufweisen. Nicht bestritten wird, dass der Beschwerdeführer als 

Ahmadi mit Belästigungen von Privatpersonen aus dem Dorf zu kämpfen 

hatte: Er sei früher in der Schule verprügelt worden, man habe ihn als Un-

gläubigen beschimpft und er durfte damals das Wasser in der Schule nicht 

trinken (A16 S. 9). Auch nach der Schule sei er grundlos beschimpft und 

belästigt worden, weswegen er die meiste Zeit zu Hause gesessen habe. 

Ihre Gebetshäuser durften sie nicht Moschee nennen (A16 S. 9). Die 

Ahmadis hätten überall in ganz Pakistan (z.B. Karachi, Lahore etc.) Prob-

leme; egal, wohin man gehen würde (A16 S. 12). Diese Behelligungen sind 

nicht genügend intensiv, um als asylrelevant zu gelten, auch wenn durch 

E-4621/2013 

Seite 9 

ihre Regelmässigkeit eine gewisse Zermürbung nicht bestritten wird. Wei-

ter fällt auf, dass der Beschwerdeführer immer nur von Behelligungen im 

Chak (...) – dem Wohnort des Grossvaters – gesprochen hat; indes hat er 

nie von Belästigungen in B._______ berichtet, wo seine Mutter gewohnt 

hat. Dies mag daran liegen, dass von der Bevölkerung der Stadt 

B._______, die im Jahr (…) von Angehörigen der Ahmadiyya Muslim Ja-

maat (AMJ) gegründet und die gegen den Willen der Einwohner im Jahr 

(…) in E._______ umbenannt wurde, mehr als 95% der Ahmadiyya ange-

hören. 

6.4.2 Die Anforderungen an die Feststellung einer Kollektivverfolgung sind 

gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sehr hoch 

(vgl. BVGE 2014/32 E. 7.2; 2013/21 E. 9.1; 2013/12 E. 6, je m.w.H.). Nach 

konstanter Rechtsprechung anerkennt das Bundesverwaltungsgericht be-

treffend Ahmadis keine Kollektivverfolgung. Es geht aber in ständiger Pra-

xis davon aus, dass der besonderen Situation der Ahmadis dadurch Rech-

nung zu tragen ist, dass bereits die Zugehörigkeit zu dieser Glaubensge-

meinschaft als starkes Indiz für die Annahme der Unzumutbarkeit eines 

Wegweisungsvollzugs gilt (vgl. E. 8.3); die Beurteilung im Einzelfall ist in-

des nach den Regeln der Individualprüfung vorzunehmen (vgl. BVGE 

2014/32 E. 7.4 m.w.H.). 

6.4.3 Dem Urteil des Gerichtshofs der EU (EuGH) vom 5. September 2012 

(in den Rechtssachen C-71/11 und C-99/11) kommt für den vorliegenden 

Fall keine Bedeutung zu. Der Gerichtshof stellte sich wie auch die schwei-

zerischen Asylbehörden auf den Standpunkt, dass nicht jeder Eingriff in die 

Religionsfreiheit eine Verfolgungshandlung im Sinne der jeweils zu beach-

tenden Bestimmungen bedeutet. Wie die schweizerischen Asylbehörden 

geht der EuGH davon aus, dass bei einem Antragssteller, der nach seiner 

Rückkehr in sein Herkunftsland religiöse Betätigungen vornehmen werde, 

die ihn der tatsächlichen Gefahr einer Verfolgung aussetzten, begründete 

Furcht vor Verfolgung vorliegen könne. 

Beim Beschwerdeführer ist davon auszugehen, dass er sich nach einer 

allfälligen Rückkehr nach Pakistan religiös betätigen wird, da er schon seit 

Geburt ein Ahmadi war (A16 S. 3) und sich als praktizierend – indes nicht 

als religiös aktiv (A6 S. 10) – bezeichnet (A16 S. 7). Diese Tatsache sei im 

Chak (...) auch allgemein bekannt gewesen (A16 S. 8). Aufgrund seiner 

Religion war er zwar Behelligungen ausgesetzt, die indes bis anhin nicht 

intensiv genug waren (vgl. E. 6.4.1). Deshalb kann nicht davon ausgegan-

gen werden, dass er nach einer Rückkehr in seine Heimat aufgrund seiner 

E-4621/2013 

Seite 10 

bekannten Glaubenszugehörigkeit oder der Art und Weise, wie er seinen 

Glauben lebt, verfolgt würde. 

6.5 Dem Beschwerdeführer ist es nach dem Gesagten nicht gelungen, 

asylrechtlich relevante Verfolgungsgründe im Sinne von Art. 3 AsylG vor-

zubringen, weshalb die Vorinstanz zu Recht das Asylgesuch ablehnte. 

7.  

7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis 

nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme 

(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 

der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den 

Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 

AuG). 

8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 

gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, 

zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 

AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 

die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK]). 

E-4621/2013 

Seite 11 

Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV), Art. 3 des Überein-

kommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, 

unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK) und der 

Praxis zu Art. 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) darf 

niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder 

Behandlung unterworfen werden. 

8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-

rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur 

Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-

dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG 

verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren 

keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Pa-

kistan ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 

8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-

rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer 

Ausschaffung nach Pakistan dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 

nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung aus-

gesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-

schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste 

der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder 

glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-

menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-

gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, § 124 ff. m.w.H.). 

Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Pakistan lässt den Weg-

weisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. 

Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der 

asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 

8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und 

Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-

grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-

dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung 

festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige 

Aufnahme zu gewähren. 

8.3.1 Die Vorinstanz bemerkte in ihrer Verfügung vom 15. Juli 2013 im We-

sentlichen, dass aus den Akten keine konkreten Hinweise darauf ersichtlich 

seien, dass der Beschwerdeführer im Falle einer Rückkehr nach Pakistan 

E-4621/2013 

Seite 12 

aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher 

Natur in eine existenzbedrohende Situation gerate, welche einen Vollzug 

der Wegweisung unzumutbar erscheinen lassen würde. Im Rahmen der 

Vernehmlassung vom 7. Oktober 2013 hielt das BFM zudem fest, dass kein 

zusätzliches Gefährdungsindiz erkennbar sei, zumal er keine exponierte 

Stellung innerhalb der Ahmadiyya-Gemeinschaft eingenommen habe. 

8.3.2 Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hielt demgegenüber 

fest, dass – mit Hinweis auf verschiedene Berichte und Zeitungsartikel – 

das religiöse Leben der Ahmadis in Pakistan in einschneidender Weise ein-

geschränkt sei. Als starkes Indiz für einen unzumutbaren Vollzug der Weg-

weisung sei seine Abstammung aus einer bekannten Ahmadi-Familie; zu-

dem habe er Kindern auch zum Thema Religion unterrichtet. Als Ahmadi 

könne er weder über eine geregelte Wohnsituation noch über ein gesicher-

tes Einkommen verfügen. 

8.3.3 In Pakistan herrscht keine landesweite Situation allgemeiner Gewalt, 

weshalb der Wegweisungsvollzug als generell zumutbar zu erachten ist. 

8.3.4 Der schwierigen Lage, der die Ahmadis in Pakistan ausgesetzt sind, 

wird praxisgemäss dadurch Rechnung getragen, dass bereits die Zuge-

hörigkeit zu dieser Glaubensgemeinschaft als "starkes Indiz" für die An-

nahme der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges qualifiziert wird, 

wobei die Beurteilung im Einzelfall nach den Regeln der Individualprüfung 

vorzunehmen ist. Die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist dann 

anzunehmen, wenn sich aus der persönlichen Situation des betreffenden 

Beschwerdeführers ein zusätzliches – das heisst über die schwierige All-

tagslage der Ahmadis hinausgehendes – individuelles Gefährdungsindiz 

ergibt (vgl. Urteil BVGer E-4992/2006 vom 10. Mai 2011 E. 7.3). In diesem 

Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Lage der Ahmadis sich in den 

letzten Jahren mit der zunehmenden Islamisierung in Pakistan verschärft 

hat. Gemäss diversen Berichten stieg die Zahl der Übergriffe, Tötungen 

und Festnahmen von Ahmadis in den letzten Jahren kontinuierlich an. Am 

28. Mai 2010 kam es zu zwei Terroranschlägen auf Ahmadis in 

Lahore/Punjab, bei welchen insgesamt 86 Menschen ums Leben kamen 

und 124 verletzt wurden (vgl. U.S. Department of State, International Reli-

gious Freedom Report 2010, 17. November 2010, S. 1 und 8 ff.; Amnesty 

International Report 2010, Pakistan, S. 250 und 252 f.). Auch sind seither 

immer wieder Übergriffe auf Ahmadis und deren Institutionen zu verzeich-

nen, wobei die Behörden meist nicht oder nur unzureichend intervenieren 

(vgl. NZZ [Neue Zürcher Zeitung] vom 17. März 2015, Christen im Visier, 

E-4621/2013 

Seite 13 

Kommentar von ANDRES WYSLING; UK Home Office, Country Information 

and Guidance, Pakistan: Ahmadis, Februar 2015; U.S. Commission on In-

ternational Religious Freedom, Annual Report 2012, März 2012, S. 120 ff.; 

U.S. Department of State, International Religious Freedom Report 2012 

Executive Summary, 20. Mai 2013). Im Jahr 2014 wurden elf Ahmadis für 

ihren Glauben getötet (vgl. Report on the Persecution of Ahmadis in Paki-

stan during the Year 2014, S. 1 ff. [https://www.persecutionof-ahma-

dis.org/wp-content/uploads/2010/03/Per-secution-of-Ahmadis-in-Pakis-

tan-2014.pdf, besucht am 29. September 2015]). 

8.3.5 Der heute (…)-jährige Beschwerdeführer stammt aus der Provinz 

Punjab und somit aus einer der Provinzen (Punjab und Sindh), in denen 

die Übergriffe auf Ahmadis vermehrt vorkommen. Es ist indes festzuhalten, 

dass er in seiner Heimat keine besonders exponierte Stellung in der 

Ahmadiyya im Chak (...) inne hatte. Zwar sei sein Grossvater Präsident 

dieser Gemeinschaft (A16 S. 7), doch diese Stellung bezieht sich auf Letzt-

genannten und hat keine erkenntlichen Auswirkungen auf den Beschwer-

deführer. Im Chak (...) leben ca. (…) Ahmadis in (…) Häusern (A16 S. 7), 

also eine eher kleine Gruppe. Der Beschwerdeführer gab an, er habe ca. 

drei bis vier Kinder des Dorfes über den Koran unterrichtet und sei als Vor-

beter tätig gewesen (A16 S. 7). Doch diese Funktionen sind nicht als aus-

sergewöhnlich zu bezeichnen, zumal er diese nur ausübte, wenn keine an-

dere erwachsene Person anwesend gewesen sei (A16 S. 8). Konflikte mit 

Behörden oder Organisationen habe er nie gehabt (A6 S. 10). Aus den Ak-

ten geht weiter hervor, dass er in F._______ über eine verheiratete 

Schwester (A6 S. 6) verfügt, welche indes ihre Adresse häufig aufgrund 

derselben Problemen wechsle (A6 S. 10; A16 S. 12). Folglich habe er nur 

über seinen Grossvater Kontakt mit ihr (A16 S. 3). In B._______ habe er 

einen Onkel, der ihm indes auch nicht helfen könne (A16 S. 12). Indes 

kennt er die Stadt B._______ bzw. E._______ (vgl. E. 6.4.1) seit seiner 

Kindheit, da er teilweise dort aufgewachsen sei und immer wieder seine 

dort wohnhaft gewesene Mutter besucht habe. Es kann folglich davon aus-

gegangen werden, dass er dort oder auch im Chak (...), wo er den grössten 

Teil seines Lebens verbracht habe und wo sein Grossvater und seine 

Grossmutter noch leben würden (A16 S. 3 und 13), über ein solides Bezie-

hungsnetz verfügt. Seinem Grossvater gehe es gut; er habe monatlich 

Kontakt zu ihm (A16 S. 2 f.). Hinzu kommt, dass er mit der Unterstützung 

seines hier in der Schweiz anwesenden Vaters rechnen kann. Der junge 

und gesunde Beschwerdeführer verfügt zudem über eine fast (…)jährige 

Schulbildung und über eine Ausbildung von drei bis vier Monaten als Auto-

mechaniker (A6 S. 4; unklar ist, ob er auf diesem Beruf vor seiner Ausreise 

E-4621/2013 

Seite 14 

tätig gewesen ist [A16 S. 11]), weshalb er in der Lage sein wird, sich in der 

Heimat wirtschaftlich zu integrieren. Die Rückkehrhilfe der Schweiz, die 

ihm allenfalls gewährt wird, wird ihm den Wiedereinstieg in Pakistan eben-

falls erleichtern (Art. 93 AsylG und Art. 62 ff. AsylV 2). 

8.3.6 Nach Berücksichtigung aller Umstände ist festzuhalten, dass sich 

vorliegend kein ausreichendes zusätzliches – d.h. über die schwierige Aus-

gangslage der Ahmadis hinausgehendes – individuelles Gefährdungsindiz 

ergibt, das den Wegweisungsvollzug des Beschwerdeführers als unzumut-

bar erscheinen lassen würde.  

8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-

gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-

sedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. dazu auch BVGE 

2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 

bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 

8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 

Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der 

vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG). 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.  

10.  

10.1 Der Beschwerdeführer reichte mit seiner Beschwerdeschrift vom 

16. August 2013 ein Gesuch um Gewährung er unentgeltlichen Prozess-

führung ein. Mit Verfügung vom 23. August 2013 wurde der Entscheid über 

dieses Gesuch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. 

10.2 Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird eine Partei, die nicht über die er-

forderlichen Mittel verfügt, auf Antrag hin von der Bezahlung der Verfah-

renskosten befreit, wenn ihr Begehren im Zeitpunkt der Gesuchseinrei-

chung nicht aussichtslos erscheint. 

10.3 Aus den vorstehenden Erwägungen wird ersichtlich, dass die Rechts-

begehren im Zeitpunkt ihrer Einreichung nicht aussichtslos waren. Trotz 

der Tätigkeit des Beschwerdeführers als Betriebsmitarbeiter im (…) in 

E-4621/2013 

Seite 15 

G._______ ist aufgrund des geringen Lohnes von seiner Bedürftigkeit aus-

zugehen. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von 

Art. 65 Abs. 1 VwVG ist daher gutzuheissen und es sind keine Verfahrens-

kosten zu erheben.  

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-4621/2013 

Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird gut-

geheissen. 

3.  

Dem Beschwerdeführer werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe