# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a62a8c9b-783d-5bbe-b430-19d6a2fd638b
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2021-06-23
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 23.06.2021 E-6762/2018
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6762-2018_2021-06-23.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-6762/2018 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 3 .  J u n i  2 0 2 1  

Besetzung 
 Richterin Esther Marti (Vorsitz), 

Richterin Contessina Theis,  

Richter David R. Wenger,    

Gerichtsschreiberin Regina Seraina Goll. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Tschad,   

vertreten durch MLaw El Uali Emmhammed Said,  

Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Aargau,   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (ohne Wegweisungsvollzug);  

Verfügung des SEM vom 30. Oktober 2018 / N (…). 

 

 

 

E-6762/2018 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.   

Der minderjährige Beschwerdeführer suchte am (…) Juni 2016 in der 

Schweiz um Asyl nach. Die Befragung zur Person (BzP) fand am 28. Juni 

2016 statt (Protokoll in den SEM-Akten A7), die Anhörung am 23. August 

2018 (Protokoll in den SEM-Akten A26) und am 25. Oktober 2018 (Proto-

koll in den SEM-Akten A29). 

Der Beschwerdeführer gab als Muttersprache "(…)" an. Bereits anlässlich 

der BzP merkte er an, nicht gut Arabisch zu verstehen und wiederholte dies 

an der Anhörung. Auf die Frage, ob die Anhörung in Deutsch durchgeführt 

werden könne, antwortete er, es sei wie mit dem Arabisch, er verstehe ein 

paar Wörter, es sei aber schwierig. Er war dann mit dem Vorschlag, die 

Anhörung in Deutsch und Arabisch durchzuführen, wenn ihm alles ganz 

langsam erklärt werde, einverstanden. Nach auch von der Hilfswerksver-

tretung bezeugten deutlichen Schwierigkeiten des Beschwerdeführers, 

den Dolmetscher zu verstehen und sich auszudrücken, wurde die Anhö-

rung abgebrochen. Nachdem weiterhin kein Dolmetscher für die Mutter-

sprache des Beschwerdeführers gefunden werden konnte, versuchten sich 

die beteiligten Personen nach Wiederaufnahme der Anhörung, doch auf 

Arabisch und Deutsch zu verständigen.  

B.  

Der Beschwerdeführer gab zu seinen Asylgründen im Wesentlichen an, er 

sei tschadischer Staatsangehöriger der Ethnie (…) und im Dorf B._______, 

(…) Kilometer östlich von C._______, Region D._______, geboren, wo er 

bis zu seiner Ausreise gelebt habe; die Schule habe er nicht besucht, son-

dern seit seinem siebten Lebensjahr auf dem Acker gearbeitet. Seine El-

tern seien während der Revolution im Jahr (…) ums Leben gekommen. 

Sein Vater habe der Opposition angehört und sei bei der Teilnahme an ei-

ner Demonstration gezielt getötet worden. Sie hätten zu Hause Kühe und 

Ziegen gehabt und als ein bis zwei Monate später in der Nacht Leute ge-

kommen seien, sei die Mutter rausgegangen und nicht mehr zurückge-

kehrt. Zusammen mit dem Nachbarn habe sein Bruder die Mutter gesucht 

und am Morgen tot aufgefunden, auch sie sei umgebracht worden. Danach 

habe seine Grossmutter ihn und seinen Bruder aufgenommen und sie 

grossgezogen. In seinem Dorf gebe es zwei Stämme, die (…) und die (…). 

Ersterer beherrsche das Dorf, ein Teil seines eigenen Stamms ([…]) gehöre 

der Opposition an. Es gebe Probleme zwischen den beiden Stämmen ei-

nerseits sowie zwischen der Opposition und der Regierung andererseits. 

E-6762/2018 

Seite 3 

Angehörige des (…)stamms würden ausserdem für die Regierung spionie-

ren und hätten wohl auch seine Mutter getötet. Da seine Familie der Op-

position angehöre, habe auch er immer wieder Probleme gehabt, sei als 

«Verrätersohn» beschimpft und mit dem Tod bedroht worden. Auch auf-

grund seiner Abstammung sei er seit jeher diskriminiert worden; Angehö-

rige seines Stammes hätten auch nicht die Schule besuchen oder Wasser 

vom Dorf trinken dürfen. Eines Tages seien sieben Sicherheitsleute der 

Regierung zu ihnen gekommen und hätten das Haus durchsucht. Er sei 

geohrfeigt und seine Grossmutter mit der Waffe bedroht worden, er habe 

starke Angst gehabt. Sie hätten ihm gesagt, er könne auch ohne Grund 

festgenommen werden. Seine Grossmutter habe ihm erklärt, die Häuser 

der oppositionellen Familien würden durchsucht, weil Oppositionelle eine 

Schule bauen würden, obwohl sie dazu nicht befugt seien. Sie habe sich 

zunehmend um seine Sicherheit gesorgt, weil nicht davon auszugehen sei, 

dass die Probleme je aufhören würden. Sie habe ihn aufgefordert, auszu-

reisen, was er kurz darauf getan habe. In Libyen sei er inhaftiert worden 

und habe danach gearbeitet, um seine Reise nach Italien finanzieren zu 

können. Dort habe er etwas Arabisch gelernt.  

C.  

Mit Verfügung vom 30. Oktober 2018 verneinte die Vorinstanz die Flücht-

lingseigenschaft des Beschwerdeführers und lehnte sein Asylgesuch ab. 

Gleichzeitig ordnete sie seine Wegweisung aus der Schweiz an und nahm 

ihn aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig in 

der Schweiz auf.  

D.  

Mit Beschwerde vom 28. November 2018 an das Bundesverwaltungsge-

richt beantragt der Beschwerdeführer die Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewäh-

rung von Asyl. Sinngemäss ersucht er schliesslich um Rückweisung an die 

Vorinstanz zur erneuten Anhörung in seiner Muttersprache. 

In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung unter Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

sowie um die Einsetzung eines Rechtsvertreters als unentgeltlichen 

Rechtsbeistand.  

Der Beschwerde legte er ein handschriftliches Schreiben bei, in welchem 

er zur Sachverhaltsergänzung fünf Fragen beantwortete, welche seine 

Gastfamilie ihm gestellt habe.   

E-6762/2018 

Seite 4 

E.  

Mit Schreiben vom 29. November 2018 bestätigte das Bundesverwaltungs-

gericht den Eingang der Beschwerde.  

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 10. Dezember 2018 hiess die Instruktionsrich-

terin des Bundesverwaltungsgerichts die Gesuche des Beschwerdeführers 

um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung – unter Vorbehalt einer 

nachträglichen Veränderung seiner finanziellen Verhältnisse – und Rechts-

verbeiständung gut und forderte den Beschwerdeführer auf, eine Person 

zur Übernahme der mandatierten Rechtsvertretung mitzuteilen. Gleichzei-

tig lud sie die Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.  

G.  

Die Vernehmlassung der Vorinstanz vom 13. Dezember 2018 ging am 

17. Dezember 2018 beim Bundesverwaltungsgericht ein.  

H.  

Mit Eingabe vom 18. Dezember 2018 zeigte der rubrizierte Rechtsvertreter 

die Übernahme des Mandats an, woraufhin er mit Zwischenverfügung vom 

20. Dezember 2018 als amtlicher Rechtsbeistand des Beschwerdeführers 

eingesetzt wurde. Gleichzeitig erhielt Letzterer die Möglichkeit, zur Ver-

nehmlassung Stellung zu nehmen. Diese nahm der Beschwerdeführer mit 

Replik vom 10. Januar 2019 wahr.  

I.  

Eine Verfahrensstandanfrage vom 18. Januar 2021 beantwortete die In-

struktionsrichterin am darauf folgenden Tag.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

E-6762/2018 

Seite 5 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

Hinsichtlich des AsylG kommt das alte Recht zur Anwendung (Abs. 1 der 

Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 

2015). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Die Vorinstanz begründet ihren Asylentscheid mit der fehlenden asyl-

rechtlichen Relevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers.  

Die Kommunikation in der Anhörung sei zwar teilweise erschwert gewesen, 

es sei dem Beschwerdeführer aber gemäss eigenen Angaben gut gelun-

gen, den relevanten Sachverhalt zu schildern. Die erlittenen Schikanen 

seien zwar zu bedauern, sie erreichten jedoch die Anforderungen an die 

Intensität nicht, zumal sie keine direkte Bedrohung für Leib und Leben dar-

stellten. Es sei auch eher davon auszugehen, dass kein Interesse an seiner 

Person bestanden habe, da er nach dem Tod seiner Eltern noch neun 

Jahre in seinem Heimatdorf habe leben können. Ausserdem sei er zum 

Zeitpunkt seiner Ausreise (…) Jahre alt und selbst nie politisch aktiv gewe-

sen. Dem regierungsnahen Clan sei es nicht darum gegangen, ihn persön-

lich zu verfolgen, sondern Personen aus einem regierungskritischen Um-

feld einzuschüchtern. Darauf deute vor allem hin, dass er zwar wiederholt 

beschimpft, bedroht und mehrmals geschlagen worden sei, die Täter je-

doch jedes Mal wieder abgezogen seien. Zu Hause sei er in Ruhe gelassen 

worden. Dafür spreche auch, dass es anderen Familien, die oppositionelle 

Mitglieder gehabt hätten, gleichermassen ergangen sei. Die geltend ge-

machte Hausdurchsuchung, welche der ausschlaggebende Grund für die 

Ausreise gewesen sei, stelle keine Beeinträchtigung im Sinne von Art. 3 

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Seite 6 

AsylG dar. Er persönlich habe mit der Ursache der Hausdurchsuchung 

nichts zu tun gehabt. Seine Grossmutter habe ihm von den vermuteten 

Gründen für die Hausdurchsuchung erst im Nachhinein erzählt und die be-

waffneten Personen hätten das Haus verlassen, ohne ihn zu belangen. 

Mangels Asylrelevanz könne auch darauf verzichtet werden, auf mögliche 

Unglaubhaftigkeitselemente in den Vorbringen einzugehen.  

3.2 Der Beschwerdeführer hält dem in seiner Beschwerdeschrift entgegen, 

er habe seine Asylgründe aufgrund der sprachlichen Probleme nicht gehö-

rig vorbringen können. Ihm sei nach Erhalt des Asylentscheids klargewor-

den, dass er viele Fragen bei der Anhörung nicht richtig verstanden habe. 

Die erschwerte Kommunikation habe zu Fehlinterpretationen durch die Ge-

sprächsbeteiligten während der Anhörung geführt. Auch die Rücküberset-

zung des Anhörungsprotokolls sei erschwert verlaufen.  

Der Sachverhalt sei insofern nicht richtig festgestellt, als er selbst bei den 

Bauarbeiten für die unerlaubte Schule mitgewirkt habe, vier bis fünf Tage 

bevor es zu der geltend gemachten Hausdurchsuchung gekommen sei. 

Die Sicherheitsläute hätten ihn dabei sehr wohl festnehmen wollen, er habe 

aber entwischen und sich nahe des Hauses verstecken können. Andere 

Beteiligte seien verhaftet worden und seine Grossmutter habe sich grosse 

Sorgen gemacht, zumal er kurz später erneut gesucht worden sei. Diese 

ergänzenden Angaben seien seinen Antworten auf Fragen seiner Gastfa-

milie zu entnehmen, die wiederum dem mit der Beschwerde eingereichten 

Schreiben zu entnehmen seien. 

Dass er, wie im Asylentscheid erwähnt, auch immer wieder in Ruhe gelas-

sen worden sei, sei darauf zurückzuführen, dass er selbst politisch nicht 

aktiv gewesen sei. Er habe aber bereits seit seiner Kindheit Bedrohungen, 

Freiheitseinschränkungen und Verletzungen von Menschenrechten erlei-

den müssen wegen der oppositionellen Haltung seines Vaters und seiner 

Ethnie. Er habe sich nirgends beschweren, wehren, Hilfe beanspruchen 

oder Schutz suchen können. Er habe weder zur Schule gehen können 

noch eine Ausbildung machen dürfen und sei im Alltag stark eingeschränkt 

gewesen. Diese konstante Bedrohungssituation wegen der oppositionellen 

Haltung seiner verstorbenen Eltern habe sich zu einer akut gefährdenden 

Situation verändert, als die Sicherheitsleute sein Zuhause durchsucht hät-

ten, zumal er beim nicht tolerierten Schulhausbau geholfen habe. Er wäre 

wie andere auch abtransportiert oder gar getötet worden, wenn er nicht 

geflohen wäre. Die Angst aufgefunden zu werden sowie die Vorstellung, 

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Seite 7 

das gleiche Schicksal wie seine ermordeten Eltern zu erleiden, habe bei 

ihm einen unerträglichen psychischen Druck verursacht.  

3.3 In ihrer Vernehmlassung hält die Vorinstanz zunächst fest, dass die Be-

schwerdeschrift zwar keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismit-

tel, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten, ent-

halte, sie gebe aber zu folgenden Bemerkungen beziehungsweise Richtig-

stellungen Anlass. Der Beschwerdeführer sei in der Lage gewesen, den für 

sein Asylverfahren relevanten Sachverhalt zu schildern. Das Anhö-

rungsteam habe sich sehr darum bemüht, dass er die Fragen richtig ver-

stehe und genügend Zeit habe, auf die Fragen zu antworten. Er habe 

schliesslich auch bestätigt, alles gesagt haben zu können, was für sein 

Asylverfahren wesentlich sei, und dass keine weiteren Asylgründe vorlä-

gen. Ausserdem sei aus dem Protokoll ersichtlich, dass er frei und ausführ-

lich über die Ausreisegründe und die Ausreise selbst habe sprechen kön-

nen. Es sei nicht ersichtlich, weshalb der Beschwerdeführer seine Asylvor-

bringen schriftlich auf Deutsch besser hätte vorbringen können, als münd-

lich bei der einen Monat zuvor stattfindenden Anhörung. Ausserdem wür-

den die vier von Hand geschriebenen und vom Beschwerdeführer unter-

schriebenen Korrekturen darauf hindeuteten, dass er die Möglichkeit, Kor-

rekturen anzubringen, habe wahrnehmen können.  

3.4 Der inzwischen vertretene Beschwerdeführer replizierte darauf, dass 

sich die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung lediglich mit den formellen Rü-

gen auseinandersetze, nicht aber mit seinen Schilderungen zum Sachver-

halt. Sie versuche eine offensichtliche Verletzung des rechtlichen Gehörs 

zu legitimieren, indem sie die Relevanz der Verständigung bei einer Anhö-

rung herunterzuspiele. Die Beurteilung eines Asylgesuchs stehe und falle 

mit der Qualität der Übersetzung beziehungsweise mit der Möglichkeit sich 

ohne Schwierigkeiten äussern und die eigenen Asylvorbringen präzise er-

klären zu können. Das Argument der Vorinstanz, es sei nicht ersichtlich, 

weshalb er seine Asylvorbringen schriftlich auf Deutsch besser hätte dar-

legen können als in der Anhörung, sei nicht nachvollziehbar. Er verfüge 

nach wie vor nicht über ausreichende Deutschkenntnisse, um seine Asyl-

gründe ausführlich und verständlich genug darzulegen. Er habe aber, so-

weit sprachlich möglich, glaubhaft machen können, dass ihm Verfolgung 

im Sinne von Art. 3 AsylG drohe. Insbesondere seien auch die Konsequen-

zen der Tätigkeiten und Geschichte seiner Eltern zu berücksichtigen (Re-

flexverfolgung).  

 

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Seite 8 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer macht in formeller Hinsicht eine Verletzung sei-

nes Anspruchs auf rechtliches Gehör geltend, da er nicht in seiner Mutter-

sprache angehört wurde.   

4.2 Der in Art. 29 Abs. 2 BV garantierte und in den Art. 26-33 VwVG kon-

kretisierte Grundsatz des rechtlichen Gehörs umfasst alle Befugnisse, die 

einer Partei einzuräumen sind, damit sie ihren Standpunkt wirksam zur 

Geltung bringen kann. Dazu gehört insbesondere das Recht der betroffe-

nen Person, sich vor Erlass eines Entscheides zur Sache zu äussern, er-

hebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit er-

heblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesent-

licher Beweise mitzuwirken. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist grund-

sätzlich formeller Natur, weshalb eine entsprechende Verletzung dieses 

Grundsatzes – ungeachtet der materiellen Auswirkungen – regelmässig 

zur Aufhebung des daraufhin ergangen Entscheides führt.   

4.3 Der Beschwerdeführer konnte mangels Dolmetscher nicht in seiner 

Muttersprache (…) angehört werden. Die Anhörung fand schliesslich auf 

Arabisch und Deutsch statt, beides Sprachen, die der Beschwerdeführer 

nur gebrochen spricht. Sämtliche Beteiligte scheinen sich grosse Mühe ge-

geben zu haben, damit der Beschwerdeführer seine Asylgründe dennoch 

verständlich machen konnte; auch ihm selbst wird seitens des SEM gros-

ses Bemühen, an der Sachverhaltserstellung mitzuwirken und sich ver-

ständlich zu machen, attestiert. Auf der anderen Seite ist offensichtlich, 

dass bereits die Umstände – Anhörung in zwei Fremdsprachen, die der 

Beschwerdeführer beide nur gebrochen spricht – den formellen Anforde-

rungen an eine Anhörung zu den Asylgründen nicht genügen kann. Ent-

sprechende Verständigungsschwierigkeiten gehen denn auch aus den 

Protokollen hervor. Angesichts dieser als schwerwiegend einzustufenden 

Verletzung formellen Rechts wäre grundsätzlich eine Kassation der ange-

fochtenen Verfügung angezeigt, zumal der Fehler auf Beschwerdestufe 

nicht geheilt werden kann. In Berücksichtigung der gesamten Umstände 

und aus prozessökonomischen Überlegungen entscheidet das Gericht vor-

liegend dennoch reformatorisch (Art. 61 Abs. 1 VwVG), zumal sich der 

rechtserhebliche Sachverhalt ohne erheblichen Mehraufwand seitens der 

Beschwerdeinstanz hinreichend aus den Akten feststellen lässt und dem 

Beschwerdeführer angesichts des Verfahrensausgangs aus diesem Vor-

gehen auch kein Nachteil erwächst.  

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Seite 9 

4.4 Zusammenfassend erweist sich eine Rückweisung der Angelegenheit 

in Berücksichtigung der Gesamtumstände trotz der schwerwiegenden Ver-

fahrensmängel nicht als sachgerecht und das Gericht entscheidet reforma-

torisch.  

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von 

bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten 

muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive 

durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zuge-

fügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen, ohne adä-

quaten Schutz im Heimatland finden zu können. Im Übrigen muss festste-

hen, dass die von einer Verfolgung bedrohte asylsuchende Person über 

keine innerstaatliche Schutzalternative verfügt (vgl. BVGE 2013/21 E. 8.1 

m.w.H.). Die erlittene Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich kausal 

für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich 

auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. 

Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffenen 

Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexverfolgung 

vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Reflexverfol-

gung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 

AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile mit beachtli-

cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet befürchten 

muss (zum Begriff der Reflexverfolgung BVGE 2007/19 E. 3.3 S. 225, un-

ter Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 

Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3h; vgl. ausserdem EMARK 

1994 Nr. 17).  

http://links.weblaw.ch/BVGE-2007/19
http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/5
http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/17
http://links.weblaw.ch/EMARK-1994/17

E-6762/2018 

Seite 10 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

Glaubhaftmachung bedeutet – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein 

reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände 

und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob 

die Gründe, die für die Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhalts-

darstellung sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objekti-

vierte Sichtweise abzustellen. Eine wesentliche Voraussetzung für die 

Glaubhaftmachung einer Verfolgung ist eine die eigenen Erlebnisse betref-

fende, substanziierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete 

Schilderung der dargelegten Vorkommnisse. Die wahrheitsgemässe Schil-

derung einer tatsächlich erlittenen Verfolgung ist gekennzeichnet durch 

Korrektheit, Originalität, hinreichende Präzision und innere Übereinstim-

mung. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erlebnissen insbesondere 

bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten oder nachgeschobenen 

Vorbringen. Bei der Beurteilung der Glaubhaftmachung geht es um eine 

Gesamtbeurteilung aller Elemente (Übereinstimmung bezüglich des we-

sentlichen Sachverhaltes, Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, 

persönliche Glaubwürdigkeit usw.), die für oder gegen den Gesuchsteller 

sprechen. Glaubhaft ist eine Sachverhaltsdarstellung, wenn die positiven 

Elemente überwiegen. Für die Glaubhaftmachung reicht es demnach nicht 

aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar möglich ist, aber in Würdigung 

der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende Umstände gegen 

die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung sprechen (vgl. BVGE 2015/3 E. 

6.5.1 m.w.H.). 

6.  

6.1 Die Vorinstanz zweifelt nicht daran, dass der Beschwerdeführer aus 

der angegebenen Region Tschads stammt und seit Kindesalter immer wie-

der von diskriminierenden Behandlungen durch Angehörige des 

(…)stamms sowie durch Sicherheitsleute der tschadischen Regierung be-

troffen war und bedroht worden sei, unter anderem als Sohn eines Verrä-

ters. Sie geht aber einerseits davon aus, es habe sich dabei mangels In-

tensität nur um asylrechtlich irrelevante Schikanen gehandelt. Andererseits 

sei der Beschwerdeführer auch nicht gezielt verfolgt worden.  

E-6762/2018 

Seite 11 

6.2 Hinsichtlich des rechtserheblichen Sachverhalts ist vorab festzustellen, 

dass auch das Bundesverwaltungsgericht keinen Anlass hat, massgeblich 

an der Sachdarstellung des Beschwerdeführers hinsichtlich seiner Her-

kunft und den erlittenen Behelligungen aufgrund der Oppositionszugehö-

rigkeit seines Vaters und aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit zu 

zweifeln. Nach Ansicht des Bundesverwaltungsgerichts ist auch glaubhaft, 

dass bei seiner Grossmutter eine Hausdurchsuchung stattgefunden hat im 

Zusammenhang mit dem unerlaubten Bau einer Schule sowie dass es 

auch dabei zu Übergriffen und Bedrohungen kam. Die Ausführungen des 

Beschwerdeführers sind schlüssig und unter Berücksichtigung der sprach-

lichen Probleme auch substanziiert ausgefallen. Er übertreibt nicht (vgl. 

etwa A29 F106 wo er nach der Herkunft seiner Narben gefragt wird, vgl. 

auch A7 Ziff. 7.01, A29 F52) und wirkt sehr bemüht den Sachverhalt – auch 

in zwei ihm fremden Sprachen – möglichst genau wiederzugeben. Seine 

Schilderungen zeichnen sich auch durch persönliche Betroffenheit aus 

(vgl. etwa die Schilderung der Bedrohungen und Diskriminierungen unter 

A29 F41: GS hat Tränen in den Augen). Auch nennt er immer wieder De-

tails, die so bei der Wiedergabe eines konstruierten Sachverhalts nicht zu 

erwarten sind (vgl. ebd. die Schilderung als die Mutter umgebracht worden 

sei, wo er spontan den Namen des Nachbarn einschiebt, oder später die 

Schilderung der Ausreise). Er zeichnet sich generell im gesamten Verfah-

ren vor der Vorinstanz durch eine hohe persönliche Glaubwürdigkeit aus. 

Zu seinen Gunsten zu berücksichtigen ist schliesslich das von ihm Erlebte 

und sein noch sehr junges Alter im Zeitpunkt dieser Erlebnisse und seiner 

Ausreise. Zwar lässt sich auch in Berücksichtigung der formellen Fehler 

und des eben Gesagten das Vorbringen auf Beschwerdestufe, er sei selbst 

am illegalen Schulhausbau beteiligt gewesen, nur schwer mit seinen frühe-

ren Angaben vereinbaren, zumal er an der Anhörung klar ausgesagt hatte, 

seine Grossmutter habe ihm erst nach der Hausdurchsuchung von dem 

Schulhausbau erzählt (vgl. A29 F114 f.). Wesentliches Gewicht zu seinen 

Ungunsten vermag dieser Umstand aber nicht zu entfalten, zumal das SEM 

in der Vernehmlassung diesbezüglich keine Einwände erhebt. Letztlich ist 

die Frage, ob er tatsächlich bei diesem Schulhausbau mitgeholfen hat, an-

gesichts der nachfolgend aufzuzeigenden Würdigung des unbestrittenen 

Sachverhalts auch nicht entscheidend.   

In einer Gesamtwürdigung aller Elemente konnte der Beschwerdeführer-

glaubhaft machen, dass er aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit, aber 

insbesondere als Sohn eines als Verräter angesehenen Oppositionellen 

seit der Kindheit diskriminiert, bedroht und auch geschlagen worden ist. Er 

war offensichtlich in seiner Lebensführung eingeschränkt, konnte die 

E-6762/2018 

Seite 12 

Schule nicht besuchen und sich auch nicht frei bewegen. War er dennoch 

unterwegs, musste er damit rechnen, beschimpft, bedroht oder geschlagen 

zu werden. Nachdem es im (…) 2015 in seinem Zuhause zu einer Haus-

durchsuchung kam, während der die bewaffneten Soldaten ihn geohrfeigt 

und seine Grossmutter mit der Waffe bedroht haben, verliess er auf Ge-

heiss seiner Grossmutter hin sein Herkunftsdorf und schliesslich auch sei-

nen Heimatstaat. Dieser Sachverhalt ist der folgenden Würdigung zu-

grunde zu legen.   

7.  

7.1 Der Einschätzung des SEM, den unbestrittenen Schikanen, Übergriffen 

und Bedrohungen mangle es an Intensität um asylrechtlich relevant zu 

sein, kann nicht gefolgt werden. Zwar mag dies für die einzelnen Massnah-

men für sich alleine genommen zutreffen. Die angefochtene Verfügung 

lässt aber eine Beurteilung der Sachdarstellung des Beschwerdeführers in 

ihrer Gesamtheit vermissen und verkennt, dass ernsthafte Nachteile auch 

in einem unerträglichen psychischen Druck liegen können (Art. 3 Abs. 2 

AsylG). Darunter werden unter anderem Massnahmen erfasst, die sich 

nicht unmittelbar gegen die Rechtsgüter Leib, Leben oder Freiheit richten, 

sondern auf andere Weise ein menschenwürdiges Leben verunmöglichen. 

Die Anforderungen an die Annahme einer solchen Konstellation sind hoch. 

Ausgangspunkt für die Bejahung eines unerträglichen psychischen Drucks 

stellen in der Regel konkrete Eingriffe dar, die tatsächlich stattgefunden 

haben und aus einem der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Motive erfolgt 

sind. Die Verfolgungsmassnahmen müssen in einer objektivierten Betrach-

tung zudem als genügend intensiv erscheinen, dass der betroffenen Per-

son ein weiterer Verbleib in ihrem Heimatstaat objektiv nicht mehr zugemu-

tet werden kann; ausschlaggebend ist mit anderen Worten nicht, wie die 

betroffene Person die Situation subjektiv erlebt hat, sondern ob aufgrund 

der tatsächlichen Gegebenheiten für Aussenstehende nachvollziehbar ist, 

dass der psychische Druck unerträglich geworden ist (vgl. EMARK 2005 

Nr. 21 E. 10.3; BVGE 2010/28 E. 3.3.1.1 m.w.H., BVGE 2011/16 E. 5.1 

sowie BVGE 2014/29 E. 4.3 f., BBl 1983 III 783 m.w.H.; SAMUEL WEREN-

FELS, 1987: Der Begriff des Flüchtlings im schweizerischen Asylrecht. Bern, 

S. 269 ff., Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], Handbuch zum Asyl- und 

Wegweisungsverfahren, 2. Auflage, S. 177 m.w.H.). Die Intensität, welche 

solche Massnahmen aufweisen müssen, lässt sich sodann nicht in allge-

meine Regeln fassen. Sie ist durch die Auswirkungen bei der betroffenen 

Person, dem unerträglichen psychischen Druck, gekennzeichnet und im 

Einzelfall zu beurteilen. Schikanen und Diskriminierungen, welche für sich 

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Seite 13 

betrachtet keine genügende Intensität aufweisen, können flüchtlingsrecht-

lich relevant sein, wenn sie lange andauern oder immer wieder vorkom-

men, einen geordneten Tagesablauf stets und grundsätzlich verunmögli-

chen und eine ständige Angst vor neuen Massnahmen entstehen lassen 

und Betroffene so letztlich in ähnlich schwerer Weise wie bei Eingriffen in 

die körperliche Unversehrtheit oder Bewegungsfreiheit getroffen werden 

(vgl. EMARK 1993/7 E. 3b; EMARK 2005/21, E. 10.3; CONSTANTIN 

HRUSCHKA in: Marc Spescha / Hanspeter Thür / Andreas Zünd / Peter Bolzli 

/ Constantin Hruschka / Fanny De Weck (Hrsg.): Kommentar Migrations-

recht, 5. Auflage, Zürich 2019, N 9 zu Art. 3 Abs. 1 und 2 AsylG; SAMUEL 

WERENFELS, 1987: a.a.O. , S. 269 ff, insb. S. 275). 

7.2 Der Beschwerdeführer ist seit dem Tod seiner Eltern im Jahr (…) – als 

er selbst (…) Jahre alt war – diskriminiert worden, da sein Vater der Oppo-

sition angehörte. Er gibt an, seit seinem 11. Lebensjahr von anderen Kin-

dern und Erwachsenen immer wieder als "Verrätersohn" beschimpft, gede-

mütigt, benachteiligt, geschlagen und regelmässig mit dem Tod bedroht 

worden zu sein. Es sei ihm, auch aufgrund seiner Zugehörigkeit zum 

Stamm der (…), nicht erlaubt gewesen, Wasser aus dem Dorf zu trinken 

und wenn er Wasser im Tal habe holen wollen, hätten ihn die anderen Kin-

der beschimpft und ihm gesagt, er werde, wie seine Eltern, auch getötet 

werden. Die Schule hat der Beschwerdeführer nicht besuchen und auch 

nicht wie andere Kinder auf der Strasse spielen können. Er habe unter an-

derem zu Hause kein Licht anmachen, nicht mit einer Gasflasche kochen 

dürfen und auch nicht in den Supermarkt gehen können. Nach 20 Uhr habe 

er das Haus nicht mehr verlassen dürfen (vgl. A29 F17f., F32, F41, F53, 

F66 F84-89, F96, F109, F116, F117). Er gab auch an, er habe keine Iden-

titätskarte beantragen können, da er dazu die Tötung seiner Eltern und 

seine Stammeszugehörigkeit hätte leugnen müssen (vgl. A7 Ziff. 1.11 und 

A29 F66).  

Der Beschwerdeführer hat demnach über Jahre – den Grossteil seiner 

Kindheit und Jugendzeit – hinweg Schikanen, Diskriminierungen und Über-

griffe erlebt, seine Bewegungsfreiheit war massiv eingeschränkt und er 

musste stets befürchten, es drohe ihm weiteres oder gar schlimmeres Un-

gemach. Die vielschichtigen Diskriminierungen und insbesondere die ste-

tige Angst um das eigene Leben stellten einen massiven Eingriff in das 

Leben des Beschwerdeführers, der dies alles als Kind erlebt hat, dar. Das 

Argument des SEM, seine Verfolger hätten ihn auch immer wieder in Ruhe 

gelassen ist offensichtlich untauglich. Der Beschwerdeführer hatte im Üb-

rigen mehrmals angegeben, seine Grossmutter habe sich zunehmend – 

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Seite 14 

und insbesondere nach der Hausdurchsuchung im (…) 2015, als die Si-

cherheitsleute dem Beschwerdeführer drohten, sie könnten ihn auch ohne 

Grund jederzeit festnehmen – um sein Wohlergehen gefürchtet. Dies ist 

angesichts des zunehmenden Alters des Beschwerdeführers auch gut 

nachvollziehbar, ist doch aus Sicht der Verfolger nicht von der Hand zu 

weisen, dass sich der Beschwerdeführer der Opposition hätte anschlies-

sen können.  

7.3 Das Bundesverwaltungsgericht kommt nach dem Gesagten im vorlie-

genden Einzelfall zum Schluss, dass die über Jahre erfahrenen Diskrimi-

nierungen und Behelligungen durch Angehörige des (…)stamms sowie 

durch Sicherheitsleute der tschadischen Regierung, welche den Be-

schwerdeführer schliesslich zur Ausreise aus Tschad veranlasst haben, als 

unerträglicher psychischer Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu qua-

lifizieren sind. Die ohne Weiteres nachvollziehbare subjektive Furcht im 

Zeitpunkt der Ausreise ist auch objektiv begründet. Inwiefern diese heute 

nicht mehr vorliegen würde, ist nicht ersichtlich. Das Verfolgungsmotiv wird 

vom SEM nicht bestritten und liegt offensichtlich, im Sinne einer Reflexver-

folgung, in der oppositionellen Haltung der Familie, insbesondere des Va-

ters des Beschwerdeführers sowie in seiner Ethnie. Sodann ist nicht von 

staatlichem Schutz auszugehen für die Übergriffe der Angehörigen des 

gegnerischen Stammes, zumal die staatlichen Sicherheitsleute selbst für 

massgebliche Verfolgungsmassnahmen verantwortlich waren. Auch eine 

innerstaatliche Aufenthaltsalternative ist nicht gegeben, was sich bereits 

aus dem als unzumutbar qualifizierten Wegweisungsvollzug ergibt. 

Schliesslich ist das Argument des SEM für die fehlende Gezieltheit offen-

sichtlich unzutreffend. Der Umstand, dass auch andere Angehörige der Op-

position oder desselben Stammes verfolgt würden, schliesst eine solche 

klarerweise nicht aus. 

7.4 Zusammenfassend erfüllt der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigen-

schaft im Sinne von Art. 3 AsylG. Es sind keine Asylausschlussgründe er-

sichtlich, weshalb dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren ist. 

8.  

Die angefochtene Verfügung verletzt demnach Bundesrecht (Art. 106 Abs. 

1 AsylG) und ist gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung vom 30. Okto-

ber 2018 ist aufzuheben und das SEM anzuweisen, dem Beschwerdefüh-

rer Asyl zu gewähren.  

 

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Seite 15 

9.   

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

9.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE eine Entschädi-

gung für die ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-

chen. Entschädigungspflichtig ist nur der notwendige Aufwand, weshalb zu 

berücksichtigen gilt, dass einzig die eineinhalbseitige Replik durch den 

rubrizierten Rechtvertreter verfasst worden ist. Dieser hat keine Kosten-

note eingereicht, weshalb das Honorar aufgrund der Akten festzulegen ist 

(Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Die von der Vorinstanz zu entrichtende Par-

teientschädigung ist in Berücksichtigung der genannten Umstände sowie 

der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. VGKE) auf 

Fr. 300.– (inkl. Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c 

VGKE) festzusetzen.  

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 16 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.   

Die angefochtene Verfügung vom 30. Oktober 2018 wird aufgehoben, der 

Beschwerdeführer wird als Flüchtling anerkannt und das SEM wird ange-

wiesen, ihm Asyl zu gewähren.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 300.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Esther Marti Regina Seraina Goll 

 

 

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