# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f7bf2f12-3f97-578f-a424-f8f75a4d253d
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2017-11-02
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 02.11.2017 SK.2017.40
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_SK-2017-40_2017-11-02.pdf

## Full Text

Verfügung vom 2. November 2017 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Martin Stupf, Einzelrichter 

Gerichtsschreiberin Anne Kathrin Herzog 

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch Staatsan-

wältin des Bundes Manuela Graber, 

 

 

gegen 

  

A., erbeten verteidigt durch Rechtsanwalt Daniel U. 

Walder, 

 

Gegenstand 

 

Widerhandlung gegen das Güterkontrollgesetz 

(Rückweisung der Anklage) 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  SK.2017.40 

- 2 - 

Der Einzelrichter erwägt: 

I.  

1. Am 15. Juni 2017 erliess die Bundesanwaltschaft einen Strafbefehl gegen A. Der 

Beschuldigte wurde der Widerhandlung gegen das Güterkontrollgesetz gemäss 

Art. 14 Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 3 Abs. 1 GKV schuldig gesprochen und zu einer 

bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu Fr. 150.-- sowie zu einer 

Busse von Fr. 400.-- (pag. BA 03-00-05 f.) verurteilt. Der Beschuldigte erhob da-

gegen fristgerecht Einsprache (pag. BA 03-00-09). 

2. Am 17. August 2017 überwies die Bundesanwaltschaft dem hiesigen Gericht den 

Strafbefehl als Anklageschrift gestützt auf Art. 356 Abs. 1 StPO. Sie teilte mit, am 

Strafbefehl festzuhalten und beantragte, der Beschuldigte A. sei im Sinne des 

Strafbefehls vom 15. Juni 2017 zu verurteilen und schuldig zu sprechen. Gleich-

zeitig teilte sie ihren Verzicht auf eine Teilnahme an der Hauptverhandlung mit 

(TPF pag. 2-100-1 f.).  

II.  

1. Wird ein Strafbefehl infolge Überweisung an das Gericht zur Anklageschrift 

(Art. 356 Abs. 1 Satz 2 StPO), führt dieses – vorbehaltlich der Besonderheiten 

von Art. 356 StPO – das Verfahren nach Art. 328 ff. StPO durch (u.a. SCHMID, 

Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gal-

len 2013, Art. 356 StPO N 1 f.). Gemäss Art. 329 Abs. 1 StPO prüft die Verfah-

rensleitung nach Anklageerhebung, ob die Anklageschrift und die Akten ord-

nungsgemäss erstellt, die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind und ob Verfah-

renshindernisse bestehen. Ergibt sich aufgrund dieser Prüfung (oder später im 

Verfahren), dass ein Urteil nicht ergehen kann, so sistiert das Gericht das Ver-

fahren und weist die Anklage zur Ergänzung oder Berichtigung an die Staatsan-

waltschaft zurück (Art. 329 Abs. 2 StPO). Das Gericht entscheidet, ob ein sistier-

ter Fall bei ihm hängig bleibt (Art. 329 Abs. 3 StPO).  

Die Rückweisung der Anklage gestützt auf Art. 329 Abs. 2 StPO rechtfertigt sich 

u.a. dann, wenn die in der Hauptverhandlung erhobenen Beweise einen etwas 

anders gearteten Lebensvorgang ergeben als in der Anklage geschildert (STE-

PHENSON/ZALUNARDO-WALSER, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 329 

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StPO N 12) oder der Sachverhalt mit Bezug auf das angeklagte Delikt in wesent-

lichen Punkten unvollständig erscheint. Dies muss aufgrund der systematischen 

Stellung von Art. 329 StPO im Kapitel über die Vorbereitung der Hauptverhand-

lung auch für den Fall gelten, dass sich dies bereits aus den vorliegenden Be-

weisen ergibt, ohne dass damit eine eigentliche Beweiswürdigung vorgenommen 

würde. Eine Rückweisung ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch 

dann gerechtfertigt, wenn wesentliche (unverzichtbare) Beweismittel nicht erho-

ben wurden (STEPHENSON/ZALUNARDO-WALSER, a.a.O., Art. 329 StPO N 10a). 

2. Wird ein Strafbefehl an das Gericht überwiesen, gilt er als Anklageschrift 

(Art. 356 Abs. 1 Satz 2 StPO). Die Essentialia der Anklageschrift sind in Art. 325 

StPO festgehalten.  

2.1 Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des 

Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29 Abs. 

2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und Ziff. 3 lit. a und b EMRK). Das Gericht 

ist an den in der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden (Immutabili-

tätsprinzip), nicht aber an dessen rechtliche Würdigung durch die Anklagebe-

hörde (Art. 350 StPO). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last 

gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vor-

würfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Der An-

klagegrundsatz bezweckt zugleich den Schutz der Verteidigungsrechte der be-

schuldigten Person und dient dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Informations-

funktion; BGE 141 IV 132 E. 3.4.1; 140 IV 188 E. 1.3; je mit Hinweisen). Unter 

dem Gesichtspunkt der Informationsfunktion muss die beschuldigte Person aus 

der Anklage ersehen können, wessen sie angeklagt ist. Dies bedingt eine zu-

reichende Umschreibung der Tat. Entscheidend ist, dass die beschuldigte Per-

son genau weiss, welcher konkreter Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Ver-

halten rechtlich qualifiziert wird, damit sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbe-

reiten kann. Sie darf nicht Gefahr laufen, erst an der Gerichtsverhandlung mit 

neuen Anschuldigungen konfrontiert zu werden (Urteil des Bundesgerichts 

6B_894/2016 vom 14.03.2017 E. 1.1 ff. und BGE 143 IV 63 E. 2.2 mit weiteren 

Hinweisen). 

2.2 Auch wenn in einer Anklageschrift, und damit auch in einem Strafbefehl, der 

Sachverhalt möglichst kurz zu halten ist, so hat er im Hinblick auf Art. 325 Abs. 

1 lit. f StPO doch die notwendige Genauigkeit aufzuweisen. Zu den notwendigen 

Angaben der Anklageschrift gehören nebst der konzisen Sachverhaltsdarstellung 

auch die Angaben zu Ort, Datum und Zeit der Tatausführung (Art. 325 Abs. 1 lit. 

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f StPO). Die beschuldigte Person muss der Anklageschrift selbst entnehmen kön-

nen, welcher Sachverhalt ihr am Schluss des Vorverfahrens vorgeworfen wird 

und in welchen Umständen die Staatsanwaltschaft die einzelnen Tatbestands-

merkmale als erfüllt sieht. Es reicht zur Wahrung des Anklagegrundsatzes nicht 

aus, wenn die beschuldigte Person den ihr vorgeworfenen Sachverhalt den Ak-

ten entnehmen kann oder aufgrund des gesamten Verfahrens über den Vorwurf 

informiert ist. Ansonsten würde die gesetzliche Regelung des Anklagegrundsat-

zes gänzlich ausgehöhlt. Die massgebliche Frage lautet aber nicht (nur), ob der 

Angeklagte erkennen konnte, was ihm vorgeworfen wird, sondern auch ob An-

klagebehörde und Gericht dies können (NIGGLI/HEIMGARTNER, in: Basler Kom-

mentar StPO/JStPO, 2. Aufl. 2014, N. 46b zu Art. 9 StPO). Der konkrete Vorwurf 

muss ohne Einbezug sämtlicher Akten erkennbar sein. Schliesslich hat die 

Staatsanwaltschaft die nach ihrer Auffassung erfüllten Straftatbestände unter An-

gabe der anwendbaren Gesetzesbestimmungen zu benennen (Art. 325 Abs. 1 

lit. g StPO). 

3. Der Beschuldigte A. wurde gemäss Ziff. 1 des Dispositivs des Strafbefehls vom 

15. Juni 2017 wegen Widerhandlung gegen das Güterkontrollgesetz schuldig ge-

sprochen. Der Sachverhaltsumschreibung lässt sich in Bezug auf den gegen den 

Beschuldigten konkret erhobenen Vorwurf entnehmen, dass dieser im Rahmen 

einer Versteigerung der B. im Wallis einen Generator gekauft habe und vor dem 

Export keine Abklärungen beim SECO bezüglich einer Bewilligung getätigt habe. 

Dabei sei ihm nicht bekannt gewesen, dass eine solche benötigt werde. Im Übri-

gen hält die Anklageschrift fest, das Gut sei am 2. Oktober 2015 von einem Zoll-

deklaranten der Firma C. AG im Auftrag der Speditionsfirma D. GmbH zum Ex-

port als bewilligungsfrei angemeldet worden. Verkäuferin des Generators sei die 

Firma E. GmbH, in Z., gewesen; gegen den Exporteur, A., sei ein Strafverfahren 

eröffnet worden. 

3.1 Gemäss Anklageschrift soll der Zolldeklarant „im Auftrag der Speditionsfirma D. 

GmbH“ den Generator zum Export angemeldet haben. Diese Umschreibung 

lässt den Schluss zu, dass die Firma D. GmbH bzw. deren Verantwortliche das 

fragliche Gut aus der Schweiz exportierten. Welche Rolle der Beschuldigte dabei 

spielte, ist dem Strafbefehl nicht zu entnehmen. Namentlich umschreibt die An-

klage nicht, ob er für die Firma D. GmbH handelte oder diese das Gut in seinem 

oder eines anderen Auftrag ausführten. 

Die Anklageschrift bezeichnet die Firma E. GmbH als „Verkäuferin“, den Beschul-

digten als „Exporteur“ (pag. BA 03-00-05). In den Akten wird die E. GmbH ver-

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schiedentlich als Verkäuferin („involved seller“, BA pag. 05-00-03, „Verkaufs-

firma“, pag. BA 05-00-05;…-39 f.), aber auch als Exporteurin („Expediteur“, pag. 

BA 05-00-06;…-38; „Exporter“, BA pag. 05-00-09) bzw. Versenderin (BA pag. 05-

00-12; Ausfuhrliste der Zollstelle, pag. BA 05-00-36; Veranlagungsverfügung 

Ausfuhr, pag. BA 05-00-53) des hier interessierenden Guts bezeichnet. Auch hier 

fehlt der tatrelevante Zusammenhang zwischen dem Beschuldigten und der ge-

nannten Gesellschaft. 

In der Anklageschrift ist nicht umschrieben, ob und inwiefern der Beschuldigte 

selber oder als verantwortliches Organ der Firmen D. GmbH und/oder der E. 

GmbH das fragliche Gut ohne Ausfuhrbewilligung exportierte bzw. exportieren 

liess und darum als Exporteur bzw. Versender im Sinne von Art. 14 Abs. 1 lit. a 

GKG („ohne entsprechende Bewilligung Waren …ein-, aus-, durchführt“) gilt. 

3.2 In der Anklageschrift fehlen zudem notwendige Angaben zum Ort der Tatausfüh-

rung (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Die Anklage spricht sich weder darüber aus, wo 

bzw. an welchem Zollübergang das fragliche Gut von der Schweiz ins Ausland 

ausgeführt wurde, noch darüber, wo der Täter handelte oder hätte handeln sol-

len. 

3.3 Die Anhänge der Güterkontrollverordnung bilden integrierenden Bestandteil des 

Güterkontrollrechts. Sie sind zur Klärung der Frage, ob die zu exportierende 

Ware unter eine Exportkontrollnummer fällt und gegebenenfalls einer Bewilli-

gungspflicht nach Art. 3 Abs. 1 GKV unterliegt, von wesentlicher Bedeutung. Die 

Anklage hat demzufolge den anwendbaren Anhang zu nennen (Art. 325 Abs. 1 

lit. g StPO). Gemäss Anklageschrift wird das Gut vorliegend unter die Exportkon-

trollnummer ML17k des Anhangs 2 Teil 2 der GKV subsumiert. Sowohl in der 

GKV, als auch im Bericht des SECO vom 3. Mai 2016 (pag. BA 05-00-01 f.) wer-

den Güter der Kategorie ML17k jedoch im Anhang 3 (Liste der besonderen mili-

tärischen Güter) der GKV erfasst. 

4. Das Gericht ist an den in der Anklage umschriebenen Sachverhalt gebunden. Es 

darf im Rahmen von Art. 329 Abs. 1 lit. a StPO den realen Lebenssachverhalt 

nicht selber anhand der Akten oder einer vorgezogenen Beweiswürdigung for-

mulieren.  

4.1 Die Anklage ist vorliegend nicht nur mit blossen (unwesentlichen) Ungenauigkei-

ten behaftet. Sie genügt, ohne in überspitzten Formalismus zu verfallen, den An-

forderungen von Art. 325 Abs. 1 lit. f und g StPO nicht. Das Anklageprinzip (vgl. 

E. II. 2) ist somit verletzt; die Anklageschrift ist nicht ordnungsgemäss erstellt. 

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4.2 Aufgrund des Ausgeführten kann vorliegend kein Urteil ergehen, das Verfahren 

ist zu sistieren und die Anklageschrift vom 15. Juni 2017 – mit Retournierung der 

Verfahrensakten – an die Bundesanwaltschaft zurückzuweisen (Art. 329 Abs. 2 

StPO). Die Rechtshängigkeit verbleibt nicht beim Gericht (Art. 329 Abs. 3 StPO). 

  

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Der Einzelrichter verfügt: 

1. Das Verfahren SK.2017.40 wird sistiert. 

2. Die Anklage vom 15. Juni 2017 gegen A. wird im Sinne der Erwägungen an die 

Bundesanwaltschaft zurückgewiesen. 

3. Die Rechtshängigkeit verbleibt nicht beim Gericht. 

4. Die Verfahrensakten werden der Bundesanwaltschaft retourniert. 

5. Dieser Entscheid wird den Parteien schriftlich mitgeteilt.  

6. Es werden keine Kosten erhoben. 

 

Im Namen der Strafkammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Einzelrichter Die Gerichtsschreiberin 

 
 
 
 
 

 

Rechtsmittelbelehrung 

 
Beschwerde an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts 

Gegen Verfügungen und Beschlüsse sowie die Verfahrenshandlungen der Strafkammer des Bundesstrafge-
richts als erstinstanzliches Gericht, ausgenommen verfahrensleitende Entscheide, kann innert 10 Tagen 

schriftlich und begründet Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts geführt werden 
(Art. 393 Abs. 1 lit. b und Art. 396 Abs. 1 StPO; Art. 37 Abs. 1 StBOG). 
Gegen den Entschädigungsentscheid kann die amtliche Verteidigung innert 10 Tagen schriftlich und begrün-

det Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts führen (Art. 135 Abs. 3 lit. a und Art. 
396 Abs. 1 StPO; Art. 37 Abs. 1 StBOG). 
Mit der Beschwerde können gerügt werden: a. Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Miss-
brauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung; b. die unvollständige oder unrichtige 
Feststellung des Sachverhalts; c. Unangemessenheit (Art. 393 Abs. 2 StPO). 

Versand: 2. November 2017