# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 68ae9923-1c54-5bc2-b577-c1227fc6c508
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-02-18
**Language:** de
**Title:** Schmerzstörung ist ausnahmsweise nicht überwindbar. Bei befristetem Arbeitsverhältnis ist betreffend Valideneinkommen nicht auf LSE zu greifen.
**Docket/Reference:** IV.2012.00728
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.00728.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.00728
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiber Sonderegger
Urteil
vom
18. Februar 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Sebastian Lorentz
Lorentz Schmidt Partner, Rechtsanwälte
Weinbergstrasse 29, 8006 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
,
geboren 1957, meldete sich w
egen eine
r
2008
diagnostizier
te
n
Tumorerkrankung
, d
ie
Rücken- und Beinschmerzen sowie eine Depression nach sich zog, am
7.
November 2010 zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (
Urk.
7/4
). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zog
einen Bericht der
letzten
Arbeitgeberin
, der
Y.___
,
(
Urk.
7/9)
,
bei und holte
Arztberichte ein (Urk.
7/10-11). Am
15.
März 2011 verneinte sie den Anspruch des Versicherten auf berufliche Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
7/16).
M
it der mitbefassten Militärversicherung wurde eine Begutachtung durch die MEDAS
Z.___
veranlasst (
Urk.
7/19-
20). Die Expertise wurde am 25.
Juli 2011 erstattet (
Urk.
7/25).
Im Weiteren
zog die IV-Stelle die Akten der Militärversicherung bei (
Urk.
7/24/1-437,
Urk.
7/26/1-388)
und liess
einen Aus
zug aus dem individuellen Konto erstellen (IK-Auszug vom
7.
Februar 2012;
Urk.
7/27
)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/3
0
-32,
Urk.
7/34)
verneinte
s
ie mit Verfügung vom
6.
J
uni 2012
den Leistungsanspruch
von
X.___
(
Urk.
7/36 =
Urk.
2)
2.
Hie
gegen
erhob der Versicherte mit Eingabe vom
6.
Juli 2012
Beschwerde und beantrag
t
e, es sei
en ihm
d
ie gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine ganze Rente zuzusprechen; eventualiter sei die Sache zur Gewährung von beruflichen Massnahmen
an die
IV-Stelle
zurückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Durchführung einer öffentlichen Verhandlung und eines zweiten
Schrif
tenwechsels
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle schloss in der Vernehmlassung vom 2
8.
August 2012 auf
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Beschwer
deführer am
2.
Oktober
2012
zur Kenntnis gebracht
wurde (
Urk.
8).
Nachdem d
as Gericht
am
8.
November 2012
von der Anordnung eines zweiten
Schriften
wechsels
ab
gesehen hatte
(
Urk.
9)
,
liess
sich
der Beschwerdeführer nicht mehr vernehmen.
Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.
2
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperli
che Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rück
bildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unter
schiedlichem therapeutischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicher
ten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352).
1.
3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
fest, der Beschwerdeführer
sei
vom
1.
April 2008 bis
am 2
1.
Oktober 2009, das heisst bis
zu
m
Austritt aus der
A.___
,
in jeglicher Tätigkeit arbeitsunfähig
gewesen
. Das Wartejahr sei per 3
1.
März 2009 abgelaufen. In jenem Zeitpunkt habe der Invaliditätsgrad - ausgehend von ein
em
Valideneinkommen
von Fr.
95‘792.-- - 100
%
betragen
. A
b 2
2.
Oktober 2009
sei eine leidensangepasste Tätigkeit im Umfang von 50
%
zumutbar
gewesen
, was einen Invaliditätsgrad von
65
%
ergebe. A
b 22. Januar 2010
habe
sich der Gesundheitszustand weiter verbessert
. Der Beschwerdeführer sei in einer Verweistätigkeit zunächst zu 100
% und ab Sommer 2010 zu 80
%
arbeitsfähig gewesen
, so dass kein
ren
tenbeg
ründender
Invaliditätsgrad mehr
resultiere
(S. 2 f.)
.
Der Rentenanspruch entstehe frühestens sechs Monate nach
dessen
Geltendmachung.
Die Anmel
dung zum Leistungsbezug sei am 2
9.
November 2011
(richtig: 2010; Urk.
7/4)
und somit verspätet
eingegangen
(
S
. 3
).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor
(
Urk.
1)
, er sei jahrelang als
Medien
schaffender
im Ausland tätig und freiwillig bei der AHV und der IV versichert gewesen
(S. 3)
. Vom 2
8.
Februar bis
7.
Oktober 2008 sei er in leitender Funktion bei der
B.___
im
C.___
gewesen und habe einen Lohn, zuzüglich Zulagen und Nebenkosten
,
von insgesamt
Fr.
127‘
074.--
jährlich
erzielt
(S. 4)
. Nach Be
endigung des befristeten Arbeitsvertrages seien weitere Auslandeinsätze für die
Y.___
geplant gewesen, bei denen er noch mehr verdient hätte. Dieses Einkommen sei abzuklären und als
Valideneinkommen
heranzuziehen
(S.
12 f.). Am 2.
September 2008 sei der Tumor im Bereich der Lendenwirbelsäule operiert worden. Aus gesundheitlichen Gründen seien in der Folge keine
Auslandein
sätze
mehr in Frage gekommen (S. 5).
Die Mediziner hätten eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren diagnostiziert (S.
10). Er leide an einer psychischen
Komorbidität
beziehungsweise einer chro
nischen körperlichen Begleiterkrankung (S. 9 f.). Zudem seien gleich mehrere der massgebenden Kriterien erfüllt, weshalb die Schmerzstörung als unüber
windbar zu gelten habe (S. 11).
Ferner
bestritt
d
er
Beschwerdeführer
, dass sich seine Arbeitsfähigkeit seit der Operation
vom 2.
September 2008
verbessert habe
,
seien doch
die Einschränkungen gleich geblieben
(S. 11).
Schliesslich hielt er dafür, bei einem Inva
liditätsgrad von 20
% habe er Anspruch auf
Umschu
lungsmassnahmen
(S. 13).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
Soweit er im Eventualstandpunkt die Rückweisung der Sache zur Gewährung von beruflichen Massnahmen beantragt
e
(
Urk.
1 S. 2), ist festzuhalten, dass
die Beschwerdegegnerin bereits am 1
5.
März 2011 berufli
che Ei
ngliederungsmassnahmen verneint hat
(
Urk.
7/16),
ohne dass
der
Be
schwerdeführer
innert nützlicher Frist
eine anfechtbare Verfügung verlangt hätte
.
D
er
hier
angefochtene Entscheid
(Urk.
2)
beschlägt
allein
die Frage des
Rentenanspruchs,
weshalb
eine Rückweisung zu
r
Prüfung von
anderen Leistun
g
en
ausser Betracht fällt und
mangels eines Anfechtungsgegenstandes auf d
as Begehren um berufliche Massnahmen
nicht eingetreten werden kann.
Festzuhalten bleibt jedoch, dass die Beschwerdegegnerin
am
1
5.
März 2011 fest
hielt, dass sie bei kompletter Aktenlage berufliche Eingliederungsmassnah
men erneut prüfen werde (
Urk.
7/16). Dem Beschwerdeführer bleibt es daher unbenommen, mit dem entsprechenden Begehren erneut an die
Beschwerdegeg
nerin
zu gelangen.
3.
3.1
Im Rahmen der Abklärungen der im Frühjahr 2008
aufgetretenen
Bein- und Rückenschmerzen (
Urk.
7/24/412, Urk. 7/24/426
428) wurde ein
Schwannom
auf Höhe LWK 3/4 entdeckt, welches am
2.
September 2008
im
D.___
,
Neurochirurgische Klinik,
operativ
entfernt wurde
(
Urk.
7/24/403-405). Eine asymptomatische Läsion auf der Höhe S1 wurde als Verdacht auf
ein
weitere
s
Schwannom
beschrieben
, das vorerst nur zu kontrol
lieren sei
(
Urk.
7/24/396).
Bei anhaltenden Schmerzen
nach der Operation
dauerte d
ie Arbeitsunfähigkeit an (vgl.
Urk.
7/24/314,
Urk.
7/24/343,
Urk.
7/24/36
3-36
4
,
Urk.
7/24/357
, Urk.
7/26/265
).
Am 2
2.
Mai 2009
empfahl
Dr.
med.
E.___
,
Oberarzt am
D.___
,
Neurochirur
gische Klinik,
angesichts der persistierenden Schmerzen eine stationäre Rehabi
litation (
Urk.
7/24/308).
Dr.
med.
F.___
,
Obe
rarzt a
n der
G.___
,
erwähnte im Bericht vom
6.
August
2009 eine Schmerzstörung (Urk.
7/24/290).
3.2
Vom 1
2.
August bis 2
1.
Oktober 2009 war der Beschwerdeführer in der
A.___
hospitalisiert
. Im Austrittsbericht vom 2
6.
Oktober 2009
(
Urk.
7/24/242-265)
wurden
aufgrund der
erhobenen
Befunde
sowie neurologi
scher (
Urk.
7/24/250-252), orthopädischer (
Urk.
7/24/253-259) und
schmerz
therapeutischer
Konsilien
(
Urk.
24/261-265)
folgende (gekürzt wiedergegebene) Diagnosen genannt (S. 1):
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit intermittierend
ra
dikulärer
S1-Reizsymptomatik bei
-
Schwannom
auf der Höhe L3
-
Schwannom
auf Höhe S1 ohne Gr
ö
ssenzunahme
-
rezidivierende Beschwerden rechtes Kniegelenk
Bildgebend hätten sich weitgehend unauffällige
ossäre
Verhältnisse mit ledig
lich leichten degenerativen Veränderungen im mittleren und unteren
Lenden
wirbelsäulenbereich
gezeigt (S. 2 unten). Aus orthopädischer Sicht hätten die Schmerzen nicht vollständig erklärt werden können
, wobei e
ine lokale
Nerven
schädigung
nicht ausgeschlossen werden
könne
. Eine psychische Störung von Krankheitswert habe sich nicht ergeben (S. 3).
In der Tätigkeit als Journalist sei der Beschwerdeführer halbtags arbeitsfähig. Die Tätigkeit als Auslandkorrespondent sei jedoch momentan nicht zumutbar.
Zu vermeiden seien Stresssituationen und
eine
psychophysische Überforderung.
Andere leichte Tätigkeiten seien während einer Angewöhnung
zunächst
halb
tags
und nach drei Monaten
ganztags zumutbar
(S. 2)
.
3.3
Dr.
E.___
hielt im
Bericht vom 1
4.
Dezember 2009
dafür,
die
radikuläre
Reizsymptomatik
entspreche
am ehesten
dem
Dermatom
S1 rechts (Urk. 7/221
; vgl. auch schon
Urk.
7/24/308
).
3.
4
Dr.
med.
H.___
,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, der den Beschwerde
führer seit 1
7.
November 2009 behandelt, berichtete am
5.
Mai 2010 von einer depressiven Reaktion auf das therapieresistente Schmerzsyndrom. Er diagnosti
zierte eine depressive Episode mittelschweren Ausmasses (ICD-10 F32.1) und
regte
eine Schmerztherapie bei Prof.
Dr.
med.
I.___
,
Facharzt FMH für Anästhe
siologie
, an
(
Urk.
7/11/1-4
Ziff.
1.1,
Urk.
7/11/6-
9
)
, welche Behandlung der Be
schwerdeführer Anfang 2010 aufnahm (
Urk.
7/10/1
Ziff.
1.2)
.
Prof.
I.___
diagnostizierte i
n den Berichten
vom 2
0.
Se
ptember 2010 (Urk.
7/10
/1-3,
Urk.
7/10/5-6
) neben einer depressiven Verstimmung ein chro
ni
sches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit
radikulärer
Reizsymptomatik bei Status nach
Fenestration
L3/L4 und Ex
s
t
irpation eines
Schwannoms
am 2.
September 2008 und bei Verdacht auf ein
Schwannom
S1 rechts (
Ziff.
1.1). Der Beschwerdeführer leide an Konzentrationsstörungen, Schläfrigkeit, an selte
ner Übelkeit, Unwohlsein und sei leicht verwirrt (
Ziff.
1.7).
Beide behandelnden Ärzte attestierten eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Urk. 7/10 und
Urk.
7/11 je
Ziff.
1.
6), wobei
Dr.
I.___
am 2
6.
April 2010 in
Bezug auf eine leidensangepasste
Tätigkeit
ausführte,
unter medikamentöser
T
herapie
mit einer Schmerzreduktion um 50
%
könne die
Arbeitsfähigkeit
wahr
scheinlich erhöht werden
(
Urk.
7/24/191).
Eine genaue Einschätzung dieser Arbeits
fähigkeit unterliess er.
3.
5
Dr.
med.
J.___
,
Rheumatologie FMH, Chefarzt der MEDAS
Z.___
,
erstat
tete
das
interdisziplinäre Gutachten am
2
5.
Juli 2011
(
Urk.
7/
25
) gestützt auf die
Vorakten
(S. 1-15)
, die persönliche Befragung
(S. 15-20)
,
seine
rheuma
tologische
Untersuchung des Beschwerdeführers
(S. 21) sowie die Untersuchun
gen
in den Fachgebieten
Neurologie
(Teilgutachten
von
Dr.
med.
K.___
,
Neu
rologie FMH, vom
7.
Juni 2011
;
vollständig in
Urk.
7/2
4/51-54
)
und
Psychiatrie
(Teilgutachten
von
Dr.
med.
L.___
,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom
6.
Juni 2011
;
vollständig in
Urk.
7/2
4/55-64
)
.
Dr.
J.___
nannte folgende Diagnosen mit
Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit (S.
24 Ziff.
4.
1
und S. 28
Ziff.
6.1.2
):
-
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom und
radikuläres
Reiz
symptom
am ehesten S1 rechts bei
-
Status nach Exstirpation eines
Schwannoms
auf der Höhe L3/
4
durch
Hemilaminektomie
am
2.
September 2008
-
kernspintomographisch kleinem
Schwannom
auf Höhe L5/S1 rechts
-
komplizierte, protrahierte T
r
auerreaktion (ICD-10 F38.8), entsprechend einer leichten depressiven Episode
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (
gemäss
Dr.
L.___
:
ICD-10 F45.41
;
vgl.
Urk.
7/24/58 oben
)
Als Diagnose ohne Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
nannte
d
er
Gutachter
eine aktuell weitgehend asymptomatische
Meniskusläsion rechts
.
Auf die Frage, ob die Entwicklung einer chronischen Schmerzkrankheit aus medi
zinischer Sicht erklärbar sei (S. 26 oben), antwortete der Gutachte
r
, aus der psychiatrischen Exploration
habe sich ergeben, dass
sich
eine komplizierte protrahierte Trauerreaktion
(auf verschiedene Verluste, wie Aufgabe des
Geschäfts, Gesundheit und mehre
re
Anschlussstellenangebote, Aufgabe seiner Tätigkeit als Journalist und Verlassen des Gastlandes
;
vgl.
Urk.
7/24/60)
sowie eine chronische Schmerzstörung entwickelt habe (S. 27 unten). Der inzwischen
chronifizierte
Schmerz könne weder aus somatischer noch aus psychiatrischer Sicht monokausal erklärt werden. Es handle sich um ein Mischbild mit einem somatischen Kern und einem psy
chischen Überbau (S.
28).
Die Reizsymptomatik S1 könne auf das dortige
Schwannom
oder auf den Eingriff auf Höhe L3/4 zu
rückgeführt werden, auch wenn weder eine Instabilität noch eine übermässige Narbenbildung nachweisbar sei (S. 28 unten). Die Angaben des Beschwerde
führers wirkten glaubhaft
, doch könnten die geltend gemachten Einschränkun
gen nicht allein mit objektivierbaren somatischen Befunden erklärt werden
(S.
29).
Mit Blick auf die Arbeitsfähigkeit schilderte der Gutachter aus rheumatologi
scher/neurologischer Sicht Einschränkungen in Bezug auf die
Gewichtslimite
für gehäuftes Heben und Tragen, auf starke repetitive Erschütterungen und auf prolongierte Zwangshaltungen. Die Quantifizierung der Arbeitsfähigkeit als Auslandkorrespondent sei mangels eines objektiven Arbeitsplatzbeschriebs nicht möglich. Eine leidensangepasste Tätigkeit sei aus somatischen Gründen ganz
tägig zumutbar (S. 30 Mitte). Aus psychiatrischer Sicht bestünden leichte Ein
schränkungen für die Anpassung an Regeln, Routinen und
die
Kontaktfähigkeit zu Dritten, mittelgradige Einschränkungen für Planung und Strukturierung von Aufgaben, Anwendung fachlicher Kompetenzen, Durchhalte- und
Selbstbe
haup
tungsfähigkeit
, Spon
t
anaktivitäten und Verkehrsfähigkeit; schwere Ein
schrän
kungen bestünden in Bezug auf Flexibilität, Entscheidungs- und Urteilsfähig
keit. Aus psychiatrischer Sicht betrage die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als freischaffender Journalist 50
%
, in einer weniger anspruchsvollen Tätigkeit 70
%
, verbesserbar durch geeignete Therapien
(S. 30 f.).
Der Gutachter führte z
um Verlauf der Arbeitsunfähigkeit aus, diese habe Anfang April 2008 begonnen. Bis zum Aufenthalt in der
A.___
sei
d
er
Beschwerdeführer
stets
zu
100
%
arbeitsunfähig gewesen. Hernach sei von den Ärzten der
A.___
in einer angepassten Tätigkeit
eine
Arbeitsfähigkeit
im Umfang
von zunächst 50
%
,
steigerbar
auf 100
%
,
als zumutbar erachtet worden. Die psychische Einschränkung bestehe wohl seit Sommer 2010 etwa im selben Ausmass wie im Begutachtungszeitpunkt (S. 31 Mitte).
3.
6
Dr.
med.
M.___
,
Facharzt für Neurologie FMH und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom regionalen ärztlichen Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD),
hielt
das MEDAS-Gutachten für beweiskräftig. Der Beschwerdeführer sei in einer Verweistätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig mit einer
Leistungseinschrän
kung
von 20
%
wegen der Schmerzsymptomatik (Urk. 7/29/5-7).
Allerdings
führte
Dr.
M.___
aus, d
er vom Gutachter
Dr.
J.___
aus psychiatrischer Sicht attestierten Arbeitsfähigkeit von 70
%
in einer Verweistätigkeit könne unter Berücksichtigung der Rechtsprechung nicht gefolgt werden. Es liege eine chro
nische Schmerzstörung vor, die überwindbar sei. Seit April 2008 sei der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit zu 100
% arbeitsunfähig
; s
eit dem Austritt aus der
A.___
betrage die Arbeits
un
fähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit 50
%
und
seit
21.
Januar 2010
, das heisst drei Monate nach Austritt aus der
A.___
,
betrage sie
0
%
.
Letztere
Einschätzung
leg
te die Beschwerdegegnerin ihrem angefochtenen Ent
scheid zu Grunde
und ermittelte die abgestuften Invaliditätsgrade
.
4.
4.1
Betreffend den
Zeitpunkt de
s Beginns
des Rentenanspruches hat die
Beschwer
degegnerin
zu Recht festgehalten, dass
der Rentenanspruch
frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruches entsteht (
Art.
29
Abs.
1 IVG).
Nach unstreitig bestandenem Wartejahr ging die
Anmeldung
des Beschwerde
führers
zum Leistungsbezug
a
usgewiesenermassen
am 2
9.
November 2010
bei der Beschwerdegegnerin
ein (vgl. Eingangsstempel auf Urk.
7/4/1),
weshalb
der R
entenanspruch frühestens am 29.
Mai 2011 entstehen konnte. Damit sind die Verhältnisse zu prüfen, wie sie
seit
jenem Zeitpunkt vorgelegen haben. Für die davor liegende Zeit ist der Rentenanspruch
o
hne
W
eiteres
zu verneinen
, so dass die entsprechende Sachlage nicht
massgebend
und daher nicht näher zu beleuchten
ist.
4.2
In somatischer Hinsicht gehen die Parteien übereinstimmend
davon aus, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit als
Auslandkorrespon
dent
nicht mehr, aber in einer leidensangepassten Tätigkeit vollständig arbeits
fähig
ist
. Dies ist
aufgrund der
dargelegten
medizinischen Aktenlage
nicht zu beanstanden.
Aus psychiatrischer Sicht anerkannte die Beschwerdegegnerin im massgeblichen Zeitpunkt eine Leistungseinschränkung von 20
%
(wegen der
Schmerzproble
matik
; vgl. vorstehend E. 3.
6
)
,
sie
ging mithin
von einer Restarbeitsfähigkeit von 80
%
aus (
Urk.
2 S. 3 oben). Dagegen postulierte der Beschwerdeführer, seine Schmerzen seien nicht überwindbar
(
Urk.
1)
.
4.3
Der
MEDAS-
Gutachter attestierte aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 70 % in einer angepassten Tätigkeit.
Er diagnostizierte neben dem chroni
schen
lumbovertebralen
Schmerzsyndrom und dem
radikulären
Reizsyndrom eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (vorstehend E. 3.
5
).
Der Gutachter legte ausführlich und nachvollziehbar dar, dass zwar relativ geringe bildgebende Befunde vorlägen, die Beschwerden aber neben dem psychischen durchaus auch einen somatischen Kern hätten. Dabei stützte er sich auch auf die begutachtende Neurologin, die zwar keine objekti
vierbaren neurologischen Defizite erhob, aber in Bezug auf das
radikuläre
Reizsyndrom eine
residuelle
Symptomatik nach der Operation oder das verblie
bene
Schwannom
als Ursachen nicht ausschliessen konnte (Urk. 7/24/54). Zum nämlichen Schluss gelangte der Orthopäde der
A.___
bereits am 1. September 2009 (
Urk.
7/24/256 f.).
Ausweislich der medizinischen Akten kann
ein physiologischer Prozess als Ursache für die Schmerzsymptomatik nicht mit S
icherheit ausgeschlossen werden
,
was der Gutachter mit der diagnostizier
ten chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zum Ausdruck brachte.
Wie es sich letztlich mit dem somatischen Kern verhält, kann mit Blick auf die nachstehenden Erwägungen offen gelassen werden.
Der Beschwerdegegnerin ist
insoweit beizupflichten, dass die
mit ICD-10 F45.41 codierte Diagnose
rechtsprechungs
gemäss
-
genauso
wie die
somatoforme
n
Schmerzstörungen und ähnliche
pathogenetisch
-ätiologisch unklare
syndromale
Leidenszustände
-
in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG führende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
nach sich zieht
(
Urteil des
Bundesgerichts 8C_381/2012 vom 2
0.
Juni 2012 E. 4.2.1)
.
Allerdings hat RAD-Arzt
Dr.
M.___
und mit ihm die Beschwerdegegnerin zu Unrecht
die Prüfung
unterlassen,
ob u
nd inwiefern
der Beschwerdeführer
über psychisch
e Ressourcen verfügt, die es i
hm
erlauben, trotz den subjektiv erlebten Schmerzen einer Arbeit nachzugehen (vgl. vorstehend E. 1.2).
4.
4
Unabdingbare Grundlage für die Beurteilung der Rechtsfrage, ob und gegebe
nen
falls inwieweit einer versicherten Person unter Aufbringung allen guten Willens die Überwindung ihrer Schmerzen und die Verwertung ihrer verblei
benden Arbeitskraft zumutbar ist oder nicht, bilden die fachärztlichen Stellung
nahmen zum psychischen Gesundheitszustand und zu dem aus medizinischer Sicht (objektiv) vorhandenen Leistungspotenzial (BGE 130 V 352 E. 2.2.5). Bei ihrer Einschätzung der psychischen Ressourcen des Exploranden, mit den Schmerzen umzugehen, haben die begutachtenden Ärzte notwendigerweise auch die
Morbiditätsk
riterien zu beachten
und sich daran zu orientieren (Urteil des Bundesgerichts
8C_3
11/2013 vom
2.
Dezember 2013 E. 5.2 mit Hinweisen).
Der begutachtende Psychiater
bejahte das
Vorliegen
einer psychischen
Komor
bidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer
(
Urk.
7/24/62 Mitte).
Er
diagnostizierte
jedoch
eine komplizierte, protrahierte Trauerreaktion, entspre
chend einer leichten depressiven Episode (
Urk.
7/24/58),
welche Diagnose nach ständiger Rechtsprechung
keine
psych
i
sche
Komorbidität
von erh
eblicher Schwere und Ausprägung
dar
stellt
(
Urteil des Bundesgerichts
9C_426/2013 vom 2
6.
Dezember 2013 E. 2.2.2 mit Hinweisen).
Daran ändert auch nichts, dass
Dr.
H.___
abweichend vom MEDAS-Gutachten eine
depressive Episode mittschweren Ausmasses
diag
nostizierte (vgl. vorstehend E.
3.4
)
, denn auch
eine solche
begründet
keine von depressiven Verstimmungszuständen klar unter
scheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselbständigten
Gesund
heitsschadens
, die es der betroffenen Person verunmöglichten, die Folgen der Schmerzstörung zu überwinden
(Urteil des Bundesgerichts 9C_736/2011 vom
7.
Februar 2012 E. 4.2.2.1 mit Hinweisen).
Es sind daher die w
eiteren massgeblichen Faktoren
(vgl. vorstehend E. 1.2)
zu prüfen. Von diesen
bejahte
Dr.
L.___
das Vorliegen eines (knapp) mehrjährigen Krankheitsverlaufs, ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens und unbefriedigende Behandlu
ngsergebnisse (Urk.
7/24/62).
Ausgewiesenermassen
leidet der Beschwerdeführer weiterhin an der 2008 erho
benen Tumorerkrankung mit dem
Schwannom
in der Wirbelsäule auf der Höhe S1
, mithin einer
chronischen
körperlichen Begleiterkrankung
. Diese schränkt
den Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit a
ls
Auslandkorrespon
dent
-
in durch das Gutacht
en nicht abschliessend geklärtem
Ausmass
-
anhal
tend ein.
Trotz des im September 2008 operativ entfernten Tumors ist
seit Frühjahr 2008
bis zum möglichen Rentenbeginn
im Mai 2011 ein
mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter Symptomatik ohne längerdauernde Rück
bildung
ausgewiesen.
Bereits kurz nach der Operation war von einer persistie
renden Schmerzsymptomatik die Rede (vgl. vorstehend E. 3.1 und MEDAS-Gut
achten
Urk.
7/
25/25)
, die in der Folge unverändert anhielt
.
Mit de
m
MEDAS-Gutachter ist
sodann von einem sozialen Rückzug in allen Belangen des Lebens auszugehen.
Der Beschwerdeführer
legte gegenüber
Dr.
J.___
dar
,
„
sein Freundeskreis sei zunehmend zerbröckelt, eigentlich habe er nur noch einen einzigen Journalisten aus der früheren Zeit, mit dem er gele
gentlich Kontakt habe, sonst
sehe
er neben seiner Frau nur noch Leute aus dem Gesundheitswesen
, er s
ei
auch nicht mehr an die Klassenzusammenkunft ge
gangen, habe auch gar keine Lust dazu, möchte auch nicht, dass andere Leute an seinem Leid teilnehmen“ (Urk. 7/25/19). Der Beschreibung seines Tagesab
laufs (
Urk.
7/25/20) ist nichts anderes zu entnehmen, als dass er - abgesehen von seinen Therapien - die Tage allein beziehungsweise mit seiner Ehefrau ver
bringt.
Es bestehen dabei keine Hinweise darauf, dass diese Angaben nicht zutreffen
, was
auch
die Beschwerdegegnerin
nicht geltend machte
.
D
as
Krit
erium des Scheiterns einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz)
hat
als erfüllt
zu gelten, hat sich doch der Beschwerdeführer kooperativ den ärztlicherseits empfohlenen Behandlungen unterzogen, so
den verordneten Physiotherapien
, de
r Kräftigungstherapie
,
der Rehabilitation in
A.___
, der
Psychotherapie bei
Dr.
H.___
und der Schmerztherapie
bei
Prof.
I.___
.
Zudem nahm er
an
der Schmerzgruppe teil (vgl.
Urk.
7/24/55
, Urk.
7/26/231
).
Damit sind die erwähnten Kriterien in ausreichender Ausprägung vorhanden,
so
dass die
somatoforme
Funktionsstörung ausnahmsweise
als
nicht überwindbar
zu bezeichnen ist.
4.5
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit ist auf die
nachvollziehbar begründeten Aus
führungen im MEDAS
Gutachten abzustellen und von einer Arbeitsfähigkeit von 70
%
in einer Verweistätigkeit
auszugehen
.
Abweichend von
dieser
gut
achterlichen
Beurteilung wurde im Austrittsbericht der
A.___
die Arbeits
fähigkeit in einer Verweistätigkeit zwar
noch
auf 100
%
veranschlagt,
doch hat
der Psychiater
Dr.
L.___
im MEDAS-Gutachten den Verlauf des psy
chischen Gesundheitszustandes dargelegt und überzeugend dargetan, dass an
ders als
anlässlich des Austritts aus der
A.___
im
Begutachtungszeitpunkt eine psychiatrische Störung mit Krankheitswert erhoben werden musste (
Urk.
7/24/59 f.).
Dies erklärt die
zurückhaltendere
Einschätzung
der Arbeits
fähigkeit
im
MEDAS-Gutachten
hinreichend.
Die umfassende
MEDAS-
Beurteilung wird
auch
durch die abweichende Einschät
zung des RAD-Arztes nicht
entkräftet
, ist doch dessen Aktenbeurteilung
überhaupt
nicht begründet
. Schliesslich
hat sich
Prof.
I.___
hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit
nicht klar geäussert.
5.
5
.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die
se
gesundheitliche Beeinträchtigung in
erwerbli
cher Hinsicht auswirkt.
Für die Ermittlung des Einkommens, welches der
Beschwerdeführer
ohne Invalidität erzielen könnte (
Valideneinkommen
), ist entscheidend, was er im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns, im vorliegenden Fall am
1.
Mai 2011 (vgl. vorstehend E. 4.1)
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde
r tatsächlich verdient hätte
.
Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der
realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empi
rischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne
Gesundheitsscha
den
fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit erstellt sein
(BGE 129 V 222 E. 4.3.1
).
5
.2
Hinsichtlich des
Valideneinkommens
vertrat
die Beschwerdegegnerin
den
Stand
punkt
, die Anstellung als Presseoffizier bei der
Y.___
hätte wegen der Befristung
des Arbeitsvertrages
auch ohne Gesundheitsschaden geendet. Der Beschwerdeführer habe dort viel mehr verdient als bei den früheren Arbeitge
bern. Sie e
rmittelte
daher
anhand der vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebung (LSE 20
10
, T
A1
Ziff.
58-63
, Informa
tion und Kommunikation,
Anforderungsn
iveau 3
,
Männer
)
unter Berücksichti
gung der betriebsüblichen Arbeitszeit ein i
n den J
ahr
en
2010
und
2011 massge
bendes
Valideneinkommen
von
Fr.
9
5
‘792.-- (
Fr.
7‘788.-- : 40 x 41 x 12;
Urk.
2,
Urk.
7/28/1
-2
)
, was der Beschwerdeführer als zu niedrig rügte (Urk. 1)
.
5.3
Im Zeitpunkt der Diagnose der
Tumorerkrankung stand der Beschwerdeführer in einem bis
7.
Oktober 2008 befristeten Arbeitsverhältnis als Presseoffizier mit der
Y.___
.
Dabei erzielte er ein Jahreseinkommen von
Fr.
106‘674.--, zuzüglich Zulagen un
d Nebenkosten von monatlich
insge
samt
Fr.
1‘700.--
(
Urk.
7/26/380
-388).
Von der Regel, dass der zuletzt erzielte Lohn Grundlage des
Valideneinkommens
bildet, ist abzuweichen, wenn die letzte Stelle aus invaliditätsfremden Gründen gekündigt worden ist. In solchen Fällen ist das
Valideneinkommen
notgedrun
gen aufgrund statistischer Daten zu bestimmen (vgl. Thomas Ackermann,
Die Bemessung des Invaliditätsgrades, in:
Kieser
/
Lendfers
[Hrsg.],
Sozialversiche
rungsrechtstagung
2012
,
S. 26).
Der Beschwerdegegnerin ist zwar beizupflich
ten, dass der Arbeitsvertrag mit der
Y.___
wegen der Befristung und nicht aus gesundheitlichen Gründen beendet wurde. Doch bestätigte die
Arbeitgeberin
, dass der Einsatz im
C.___
ohne die
Tumorerkran
kung
verlängert oder im Dezember 2009 oder später wieder aufgenommen wor
den wäre. Für die
se
Verlängerung seien bereits Verhandlungen geführt worden (Urk. 7/26/131-132).
Unter
diese
Umständen
erscheint als überwiegend wahr
scheinlich, dass der Beschwerdeführer bei voller Gesundheit seine Tätigkeit als Presseoffizier weitergeführt hätte. Es besteht daher keine Veranlassung, um vom zuletzt erzielten Lohn abzuweichen und
auf
Tabellenlöhne
zu greifen.
Daran ändert auch nichts, dass der Beschwerdeführer bei den früheren Arbeitgebern weitaus weniger verdient ha
be
, wie die
Beschwerdegegnerin
behauptete
(
Urk.
7/28/1). De
nn de
m IK-Auszug ist lediglich zu entnehmen, dass der Be
schwerdeführer vor der Aufnahme der Tätigkeit als Presseoffizier der
Y.___
während Jahren als
Auslandschweizer freiwillig versichert
gewesen
war, welche Sachlage in den übrigen Akten ihre Stütze findet. Über die
im Ausland erzielten Einkünfte
liegen jedoch keine Erhebungen in den Akten, so dass dazu nichts gesagt werden kann.
Damit ist
zur Ermittlung des
Valideneinkommens
vom
vertraglich vereinbarten
Lohn
als Presseoffizier
von
Fr.
127‘07
4
.--
(
Fr.
106‘674.-- +
Fr.
20‘400.--) im Jahr 2008 auszugehen
.
Angepasst an die
geschlechterspezifische
Nominallohn
ent
wicklung
(
2098 im 2008
und
2171
im
2011; Die
Volkswirtschaft
,
12-2013
, S.
91, Tabelle B10.3), ist das massgebende
Valideneinkommen
auf
Fr.
131‘49
6
.-- (Fr. 127‘07
4
.
-- :
2098 x 2171) festzusetzen.
Aus den vom Beschwerdeführer beantragten Abklärungen über die weitere
Lohn
entwicklung
(
Urk.
1 S. 12) sind keine massgeblichen neuen Erkenntnisse zu erwarten. Eine berufliche Weiterentwicklung ist nur bei konkreten Anhalts
punkte
n
für einen beruflichen Aufstieg und ein entsprechend höheres Einkom
men zu berücksichtigen und konkrete Schritte müssen kundgetan worden sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_3
22
/2011
vom 2
1.
Juli 2011
E. 4.1). Davon kann hier keine Rede sein, weshalb allfällige
mögliche Lohnentwicklungen
von vorn
herein
ausser Acht zu bleiben haben.
5.4
Zur Berechnung des Invalideneinkommens zog die Beschwerdegegnerin eben
falls die LSE 2010 heran. Für eine behinderungsangepasste Tätigkeit im Bereich Administration, Kontroll- oder allgemeine Betriebsarbeiten (LSE TA1
Ziff.
1-93, Anforderungsniveau 3) betrage das Jahreseinkommen für Männer im Jahr 2011 bei einer zumutbaren Leistungsfähigke
it von 80
%
unter Berücksichtigung der betriebsüblichen Arbeitszeit
Fr.
58‘995.--
(
Fr.
5‘
9
09.--
x 12 x 0.8 : 40 x 41.6;
Urk.
7/28/2-3), was unbestritten blieb.
Unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung
(2
150
im 20
10 und
2171
im
2011; Die Volkswirtschaft, 12-2013, S. 91, Tabelle B10.3)
und der korrekten betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden (
Die Volk
swirtschaft, 12-2013, S.
9
0
, Tabelle B
9.2) beträgt das massgebende Invalideneinkommen bei der
Rest
arbeitsfähigkeit
von 70
%
Fr.
52‘250.--
(
Fr.
5‘9
09.--
x 12 x
0.
7
:
40 x 41.
7 : 2150 x 2171).
Bei der Gegenüberstellung des Validen- und des Invalideneinkommens resultiert eine Einkommenseinbusse von
Fr.
79‘24
6
.-- (
Fr.
131‘49
6
.
--
.
/. Fr. 52‘250.
), was eine
n
Invaliditätsgrad von 60
%
ergibt
.
Damit hat der Beschwerdeführer mit Wirkung ab
1.
Mai 2011 Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
, was zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde führt.
5.5
Bei diesem Ausgang des Verfahren
s
wurde dem Hauptantrag des Beschwerde
führers zwar nicht vollumfänglich, aber weitgehend entsprochen. Aus
prozess
ökonomischen
Gründen rechtfertigt sich daher, von der Durchführung der beantragten öffentlichen Verhandlung abzusehen.
Zum Antrag auf Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels bleibt zu bemer
ken, dass
zur Gewährleistung des
Replikrechts
genügt, wenn das Gericht die
Eingaben zur Kenntnisnahme zustell
t. Von den Parteien kann
erwartet wer
den
, dass
sie umgehend unaufgefordert Stellung
nehmen
(Urteil des Bundesge
richts 9C_367/2013 vom 1
0.
Dezember 2013 E. 3.2).
D
er Beschwerdeführer hat sich nicht mehr vernehmen lassen, so dass sich Weiterungen dazu
erübrigen.
5.6
Die Militärversicherung könnte in Bezug auf Verrechnungsansprüche vom vor
liegenden Entscheid betroffen sein, weshalb ihr das Urteil zu eröffnen ist.
6.
6.1
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig, wo
bei die Kosten nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgelegt werden. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens s
ind die ermessensweise auf
Fr.
9
00.-- anzusetzenden Gerichtskosten der unterliegenden
Beschwerdegegnerin a
ufzuerlegen
.
6.2
Der
obsiegende
Beschwerdeführer hat
gemäss
Art.
61
lit
. g
ATSG Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese sind nach
§
34
Abs.
3
Gesetz über das Sozialver
sicherungsgericht
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
zu bemessen und ermessensweise auf
Fr.
1‘
9
00.-- (inkl
usiv
Barauslagen und M
ehrwertsteuer
) festzulegen.
Das Gericht erkennt:
1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird
die Verfügung
der
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
6.
Juni 2012
aufgehoben, und es wird festgestellt, dass d
er
Beschwerdeführer ab dem
1.
Mai 2011 A
nspruch auf eine
Drei
viertelsrente
hat.
Im Übrigen wird nicht auf die
Beschwerde
eingetreten.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
900.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. Rech
nung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Beschwerdeführer eine
Prozessent
schädigung
von
Fr.
1‘900
.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Sebastian Lorentz
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
-
SUVA St. Gallen, Militärversicherung, Postfach, 9000 St. Gallen (Referenz 82.669.255/537)
-
Pensionskassse
PUBLICA
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
GräubSonderegger