# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4b6cb280-03a8-58a5-97fa-98dba2a341f8
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-10-23
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 23.10.2015 100 2015 295
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2015-295_2015-10-23.pdf

## Full Text

Auf eine gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten ist das Bundesgericht am 7. Dezember 2015 nicht 
eingetreten (BGer 2C_1091/2015).

100.2015.295U
BUR/RAP

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 23. Oktober 2015

Verwaltungsrichter Burkhard, Abteilungspräsident
Gerichtsschreiberin Zemp

A.________
Beschwerdeführer

gegen

Einwohnergemeinde Bern 
Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie, Predigergasse 12, 
Postfach, 3000 Bern 7
Beschwerdegegnerin

und

Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland
Poststrasse 25, 3071 Ostermundigen

betreffend Gebühr für begleiteten Besuchssonntag (Entscheid des 
Regierungsstatthalteramts Bern-Mittelland vom 1. September 2015; 
vbv 4/2015)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 23.10.2015, Nr. 100.2015.295U, 
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Sachverhalt und Erwägungen:

1.

1.1 A.________ besuchte am 15. Juni 2014 seine Tochter B.________ 
im Rahmen der vom Amt für Erwachsenen- und Kindesschutz der 
Einwohnergemeinde (EG) Bern durchgeführten Besuchssonntage. Hierfür 
wurde ihm am 8. Juli 2014 eine Gebühr von 35 Franken in Rechnung 
gestellt. Weil A.________ die Rechnung nicht bezahlte und auch die 
beiden Mahnungen vom 26. August und 16. September 2014 erfolglos 
waren, verfügte der Finanzdienst am 8. Oktober 2014, dass A.________ für 
die Teilnahme am Besuchssonntag den Betrag von 55 Franken (inkl. 20 
Franken Mahnspesen) zu bezahlen habe. Das gegen diese Verfügung 
erhobene Rechtsmittel wies die EG Bern (Direktion für Sicherheit, Umwelt 
und Energie) mit Entscheid vom 19. Dezember 2014 ab.

1.2 Gegen den Entscheid der EG Bern erhob A.________ am 27. Ja-
nuar 2015 Beschwerde beim Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland. Er 
beantragte neben der Aufhebung des angefochtenen Entscheids auch die 
Anordnung von Disziplinarmassnahmen gegenüber Mitarbeitenden der 
kantonalen Erwachsenen- und Kindesschutzbehörde und Wiedergut-
machung. Am 21. Mai 2015 stellte er zudem ein Ablehnungsbegehren 
gegen den mit der Beschwerdesache befassten juristischen Mitarbeiter des 
Regierungsstatthalteramts. Mit Entscheid vom 1. September 2015 wies das 
Regierungsstatthalteramt das Ablehnungsgesuch und die Beschwerde ab, 
soweit es auf diese eintrat.

1.3 Gegen diesen Entscheid hat A.________ mit Eingabe vom 8. Ok-
tober 2015 Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhoben. Er ist weiterhin nicht 
bereit, die Gebühr für die Teilnahme am Besuchssonntag zu zahlen. Nebst 
zahlreichen Anträgen stellt er auch das Begehren, die Sache sei an die 
Vorinstanz zurückzuweisen mit der Verpflichtung, dass alle seine Begehren 
geprüft werden und die Verfahrensleitung einer «geeigneten und mit Un-
rechtsempfinden ausgestatten» Person übertragen werde. In diesem Zu-
sammenhang beharrt er auf dem Ausstand des juristischen Mitarbeiters 
und stellt er auch ein Ablehnungsgesuch gegen die Leiterin der Abteilung 

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Recht des Regierungsstatthalteramts Bern-Mittelland. Schliesslich verlangt 
er unentgeltliche Rechtspflege für das Verfahren vor dem Verwaltungs-
gericht.

2.

Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als letzte kan-
tonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des Gesetzes 
vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 
zuständig. Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilge-
nommen, ist durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt und 
hat insoweit ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder 
Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Auf die Beschwerde ist grundsätzlich 
einzutreten. Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Ent-
scheid auf Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG). Das vor-
liegende Urteil fällt in die einzelrichterliche Zuständigkeit, da der Streitwert 
von 20'000 Franken nicht erreicht wird (Art. 57 Abs. 1 des Gesetzes vom 
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staats-
anwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).

3.

Die Gemeinde hat die umstrittene Gebühr gestützt auf das Reglement vom 
21. Mai 2000 über die Gebührenerhebung durch die Stadtverwaltung Bern 
(Gebührenreglement; GebR [SSSB 154.11]) erhoben. Das GebR wurde 
von den Stimmberechtigten erlassen und entspricht einem formellen Ge-
setz (vgl. Art. 50 Abs. 2 des Gemeindegesetzes vom 16. März 1998 [GG; 
BSG 170.11]). Gemäss Art. 1 Abs. 2 GebR werden in den Anhängen I-VI 
die gebührenpflichtigen Leistungen bezeichnet. Laut Ziff. 11.5 des An-
hangs III beträgt bei gerichtlich angeordneten und freiwilligen begleiteten 
Besuchssonntagen (getrennt lebende Familien) die Gebühr pro er-
wachsene Person 20 Franken und pro Kind 15 Franken. Nach Art. 16 
Abs. 2 GebR ist eine zweite Mahnung gebührenpflichtig; die Mahngebühr 
beträgt 20 Franken (Anhang I, Ziff. 2.6.4). Die Höhe der Gebühr von insge-

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samt 55 Franken ist somit rechtens. Der Beschwerdeführer bestreitet dies 
nicht. Er ist aber der Meinung, das GebR sei unbeachtlich, weil er weder in 
Bern wohne noch Gemeindebürger sei. Dieser Einwand ist unbehelflich. 
Denn entsprechend Art. 12 GebR, der auch im Einklang mit den allgemei-
nen Grundsätzen des Gebührenrechts steht, ist Gebührenschuldner, wer 
eine gebührenpflichtige Leistung veranlasst, verursacht oder nutzt. Es ist 
unbestritten, dass der Beschwerdeführer am 15. Juni 2014 vom Angebot 
des begleiteten Besuchssonntags der EG Bern Gebrauch gemacht hat. 
Aus gebührenrechtlicher Sicht ist nicht entscheidend, dass der Beschwer-
deführer der Meinung ist, er habe ein unbeschränktes Besuchsrecht und 
dürfe selber bestimmen, wann und wo er seine Tochter sehen wolle. In 
diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass eine Anordnung des Ge-
richtspräsidenten des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 1. Juli 2014 
aktenkundig ist, wonach (jedenfalls zur fraglichen Zeit) der Kontakt des 
Beschwerdeführers zur Tochter auf ein vierzehntägliches begleitetes Be-
suchsrecht gemäss den Empfehlungen des Amtes für Erwachsenen- und 
Kindesschutz der EG Bern beschränkt war (act. 3A3, Beilage 11). Alle 
diese Dinge sind dem Beschwerdeführer bereits von der Vorinstanz aus-
führlich dargelegt worden.

4.

Der Beschwerdeführer kritisiert, dass die Vorinstanz bezüglich verschiede-
ner Begehren auf seine Beschwerde nicht eingetreten ist. Anfechtungs-
gegenstand im vorinstanzlichen Beschwerdeverfahren bildet der Entscheid 
der EG Bern vom 19. Dezember 2014 betreffend die Gebühr für den Be-
suchssonntag. Das Anfechtungsobjekt steckt den Rahmen des An-
fechtungsverfahrens und damit den möglichen Streitgegenstand im Be-
schwerdeverfahren ab (vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum 
bernischen VRPG, 1989, Art. 25 N. 13). Das bedeutet, dass der Beschwer-
deführer nicht Fragen zum Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens 
vor dem Regierungsstatthalteramt machen konnte, die nicht schon Gegen-
stand des angefochtenen Entscheids der Gemeinde bildeten. Die Vor-
instanz ist daher zu Recht auf die Beschwerde nicht eingetreten, soweit der 
Beschwerdeführer die Anordnung von disziplinarrechtlichen Massnahmen 

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oder strafrechtlichen Sanktionen gegen verschiedene Behördenmitglieder 
sowie Wiedergutmachung (finanzielle Entschädigung) verlangte. In dieser 
Hinsicht fehlt es im Übrigen auch an der sachlichen Zuständigkeit des 
Regierungsstatthalteramts. Auch diese Aspekte hat die Vorinstanz dem 
Beschwerdeführer im angefochtenen Entscheid ausführlich dargelegt. Der 
Beschwerdeführer wendet dagegen einzig ein, «die formaljuristische Argu-
mentation» sei «spitzfindig» und «die Fokussierung auf die Gebühren-
erhebung für einen Besuchstag banal und nutzlos». Es ist zwar ver-
ständlich, dass den Beschwerdeführer das Besuchsrecht gegenüber der 
Tochter stark beschäftigt. Das kann aber nicht dazu führen, in einem Ge-
bührenstreit entgegen den einschlägigen Verfahrens- und Zuständigkeits-
vorschriften die Besuchsrechtsregelung zum Thema zu machen.

5.

Der angefochtene Entscheid erweist sich somit als rechtlich korrekt. Eine 
Rückweisung der Sache an das Regierungsstatthalteramt zur Fortsetzung 
des Verfahrens mit Bezeichnung einer neuen verfahrensleitenden Person 
(vgl. Rechtsbegehren vorne E. 1.3) fällt daher ausser Betracht. Es erübrigt 
sich daher, auf die vom Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang 
ebenfalls aufgeworfenen Ausstandsfragen einzugehen. Es rechtfertigen 
sich dennoch folgende Hinweise: Die Vorinstanz hat im angefochtenen 
Entscheid auch das Ablehnungsgesuch gegen den mit dem Verfahren be-
fassten juristischen Mitarbeiter abgewiesen. Für den Entscheid verantwort-
lich ist die Regierungsstatthalter-Stellvertreterin, die zugleich Leiterin der 
Abteilung Recht ist. Dies ist korrekt, denn über Ablehnungsbegehren gegen 
einen Mitarbeiter einer Verwaltungsjustizbehörde entscheidet die vorge-
setzte Stelle (vgl. Art. 9 Abs. 2 Satz 2 VRPG). Der Beschwerdeführer bringt 
nichts vor, was den Entscheid der Vorinstanz diesbezüglich als rechts-
fehlerhaft erscheinen liesse. Insbesondere kann dem Amtsjuristen keine 
Verschleppung des Verfahrens vorgeworfen werden, weil er nicht mehr auf 
die vom Beschwerdeführer aufgeworfenen Fragen ausserhalb des Streit-
gegenstands eingehen wollte. Das Ablehnungsbegehren ist umso weniger 
verständlich, als das Regierungsstatthalteramt als Entgegenkommen ur-
sprünglich einen «runden Tisch» organisieren wollte, um die Probleme im 

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Zusammenhang mit dem Besuchsrecht zu diskutieren (vgl. zur Vermitt-
lungsfunktion zwischen Bürgern und Behörden Art. 9 Abs. 1 Bst. e des 
Gesetzes vom 26. März 2006 über die Regierungsstatthalterinnen und 
Regierungsstatthalter [BSG 152.321]). Der Beschwerdeführer ist schliess-
lich der Auffassung, dass auch die Regierungsstatthalter-Stellvertreterin als 
Verfasserin des angefochtenen Entscheids «in den Ausstand zu ver-
weisen» sei. Dazu ist zu sagen, dass zum vornherein kein Ausstandsgrund 
im Sinn von Art. 9 Abs. 1 Bst. f VRPG darstellt, wenn die Regierungsstatt-
halter-Stellvertreterin einen Entscheid gefällt hat, der dem Beschwerde-
führer missfällt. Die Aufhebung des angefochtenen Entscheids kommt 
jedenfalls nicht in Frage.

6.

Die Beschwerde ist als offensichtlich unbegründet abzuweisen, soweit auf 
sie einzutreten ist. Damit wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Er hat aber ein Gesuch um unentgeltliche Rechts-
pflege gemäss Art. 111 ff. VRPG gestellt. Die Vorinstanz hat dem Be-
schwerdeführer sämtliche entscheidwesentlichen Fragen in einem ausführ-
lichen begründeten Entscheid dargelegt und erklärt. Die dagegen erhobene 
Beschwerde ist daher als zum vornherein aussichtslos zu bezeichnen, 
weshalb das Gesuch abzuweisen ist (Art. 111 Abs. 1 Bst. b VRPG). Da 
über das Gesuch erst im Endentscheid befunden wird, sind die Kosten 
praxisgemäss bloss in der Höhe der üblichen Abschreibungsgebühr zu 
erheben.

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

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3. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine reduzierte Pauschalgebühr von Fr. 300.--, werden dem Beschwer-
deführer auferlegt.

4. Es werden keine Parteikosten gesprochen.

5. Zu eröffnen:
- dem Beschwerdeführer
- der Beschwerdegegnerin 
- dem Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen 
Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 
17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.