# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 387e7297-f8b5-5985-a140-64bcc8b13c9c
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-09-29
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 29.09.2014 IV 2013/63
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2013-63_2014-09-29.pdf

## Full Text

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 1/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2013/63

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 08.06.2020

Entscheiddatum: 29.09.2014

Entscheid Versicherungsgericht, 29.09.2014
Art. 28 IVG. Rentenanspruch. Umfang der Erwerbstätigkeit im 
hypothetischen Gesundheitsfall. Zusprache einer ganzen Rente (Entscheid 
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. September 2014, 
IV 2013/63).

Entscheid Versicherungsgericht, 29.09.2014

Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg Haltinner, Versicherungsrichter Ralph Jöhl,

Versicherungsrichterin Marie Löhrer; Gerichtsschreiber Daniel Furrer

Entscheid vom 29. September 2014

in Sachen

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Joos, Marktplatz 4, Postfach 646,

9004 St. Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 2/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

betreffend

Rente (Status)

Sachverhalt:

A.    

A.a  A.___ meldete sich am 9. Juni 2011 wegen einer Psychose zum Bezug von IV-

Leistungen an (IV-act. 1).

A.b  Die Versicherte war vom 29. April bis 3. Juni 2011 in der Psychiatrischen Klinik 

B.___ hospitalisiert gewesen (IV-act. 17). In der Aktennotiz vom 17. Juni 2011 hielt 

RAD-Arzt Dr. med. C.___ aufgrund eines Telefonats mit Oberarzt Dr. med. D.___ der 

Psychiatrischen Klinik B.___ fest, dass die Krankheit lange unbehandelt gewesen sei 

und die Behandlung aufgrund des drängenden Austrittswunsches der Versicherten 

nicht habe abgeschlossen werden können. Sie habe in lediglich teilweise remittiertem 

Zustand entlassen werden müssen. Die Krankheit bestehe wahrscheinlich schon seit 

mehreren Jahren (IV-act. 8). Im Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik B.___ vom 

30. Juni 2011 wurde eine paranoide Schizophrenie, Verlauf unklar, 

Beobachtungszeitraum weniger als ein Jahr (ICD-10: F 20.09) diagnostiziert und eine 

Arbeitsfähigkeit von 0% attestiert (act. 17).

A.c  Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit / Haushalt gab 

die Versicherte am 29. November 2011 unter anderem an, dass sie heute ohne 

Behinderung eine Erwerbstätigkeit im Ausmass von 20% in der Reinigung ausüben 

würde (IV-act. 19).

A.d  In der Stellungnahme vom 10. April 2012 hielt der RAD-Arzt Dr. med. E.___, 

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, die Defizite einer ausgeprägten 

adynamen Störung mit Beeinträchtigung des sozialen Kontaktes bei stark 

eingeschränkter Rollenfähigkeit und geringer Spontanität, formale Denkstörungen im 

Sinne der Einengung sowie inhaltlich in einer Eigenwelt gering variierter, 

ausschnitthafter und wenig integrierter Gegenwartsbezug fest. Die floriden 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 3/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Wahnsymptome hätten sich zwischenzeitlich gebessert. Eine Arbeitsfähigkeit in der 

freien Wirtschaft sei nicht erkennbar (IV-act. 24).

A.e  Gemäss Abklärungsbericht Haushalt vom 1. Oktober 2012 hat die Versicherte von 

1982 bis 1984 zu 100% in einer Stickerei/Spedition gearbeitet. Danach folgte eine 

Familienphase mit der Heirat im Jahr 1984 und der Geburt des Sohnes im Jahr 1985. 

Nach der Scheidung im Jahr 2001 habe die Versicherte für eine befristete Zeit Alimente 

erhalten. Von 2002 bis 2008 habe sie als Reinigungsangestellte in einem Pensum von 

20% gearbeitet. Aufgrund der Auftragslage habe ihr der Arbeitgeber gekündigt und sie 

habe wieder eine Stelle als Reinigungsangestellte in einem Pensum von 20% gesucht. 

Die ca. Fr. 500.-- hätten ihr zum Leben gereicht, eine RAV-Anmeldung sei nie erfolgt. 

Eine Berufsausbildung habe sie nicht abgeschlossen. Die Versicherte habe angegeben, 

dass sie ohne Behinderung eine 20%ige Arbeitstätigkeit ausüben würde. Eine höhere 

Arbeitstätigkeit könne sie sich nicht vorstellen, da sie mit dem Einkommen auskommen 

würde. Die Versicherte könne sämtliche Haushaltstätigkeiten selber erledigen. Den 

Haushalt führe sie zusammen mit ihrer Mutter. Einschränkungen bestünden keine; im 

Erwerbsbereich sei jedoch gemäss Feststellungen des RAD-Arztes eine 

Arbeitsunfähigkeit von 100% gegeben (IV-act. 36). Gemäss Verlaufsbericht von Dr. 

med. F.___, Allgemeine Medizin FMH, vom 22. Oktober 2012 sei der 

Gesundheitszustand unverändert (IV-act. 37-2).

A.f   Mit Vorbescheid vom 9. November 2012 stellte die IV-Stelle der Versicherten die 

Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Die Abklärungen hätten ergeben, dass 

die Versicherte ohne Gesundheitsschaden einer Erwerbstätigkeit von 20% nachgehen 

würde. Der Invaliditätsgrad liege bei 20% (IV-act. 41).

A.g  Mit Einwand vom 28. November 2012 beantragte das Sozial- und 

Vormundschaftsamt der Gemeinde G.___, dass der Versicherten eine ganze Rente 

zugesprochen werde. Es sei davon auszugehen, dass ihr aufgrund der Erkrankung ein 

gewisser Realitätsbezug fehle und sie deshalb nicht in der Lage sei, die Frage der 

Arbeitstätigkeit ohne Behinderung zu beantworten. Es sei offensichtlich, dass sie ihren 

Lebensunterhalt mit einer Erwerbstätigkeit von 20% nicht bestreiten könne (IV-act. 44).

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 4/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

A.h  Mit Verfügung vom 8. Januar 2013 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der 

Versicherten entsprechend dem Vorbescheid ab. Zum Einwand des Sozialamtes G.___ 

hielt sie fest, dass die spontanen "Aussagen der 1. Stunde" einer versicherten Person 

in der Regel zuverlässiger seien als die späteren Ausführungen. Zudem sei der 

Versicherten bei der Abklärung vor Ort die Einstufung der Erwerbstätigkeit und deren 

Auswirkungen auf den Invaliditätsgrad eingehend erklärt worden und sie habe an der 

Einstufung 20% Erwerb festgehalten. Gemäss den Angaben der Versicherten würde sie 

wenig finanzielle Mittel für ihren Lebensunterhalt benötigen (IV-act. 45).

B.    

B.a  Gegen die Verfügung vom 8. Januar 2013 richtet sich die vorliegend zu 

beurteilende Beschwerde vom 7. Februar 2013. Der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt lic.iur. Markus Joos, St. Gallen, beantragt unter 

Kosten- und Entschädigungsfolge, dass der Beschwerdeführerin auf der Grundlage 

eines Invaliditätsgrades von 100% eine ganze IV-Rente zuzusprechen sei; eventuell sei 

die Angelegenheit zur Festsetzung der Rente an die Beschwerdegegnerin 

zurückzuweisen. Der Rechtsvertreter begründet dies im Wesentlichen damit, dass bei 

der Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung von einer 

hypothetischen Erwerbstätigkeit von 100% auszugehen sei, zumal sie darauf 

angewiesen wäre, nach Wegfall der Alimente seitens ihres früheren Ehemannes in 

finanzieller Unabhängigkeit leben zu können. Auf die Aussagen der Beschwerdeführerin 

anlässlich der Haushaltabklärung könne aufgrund ihrer eingeschränkten kognitiven 

Fähigkeiten nicht abgestellt werden. Ebenfalls könne die letzte Erwerbstätigkeit im 

Pensum von 20% nicht als Referenzgrösse herangezogen werden, da anzunehmen sei, 

dass die Beschwerdeführerin bereits seit mehr als fünf Jahren krankheitsbedingt 

eingeschränkt sei (act. G 1).

B.b  Mit Beschwerdeantwort vom 29. April 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin die 

Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung macht sie geltend, dass die 

Beschwerdeführerin in der Lage gewesen sei, die Frage nach dem Ausmass der 

Erwerbstätigkeit im hypothetischen Gesundheitsfall richtig zu verstehen und zu 

beantworten. Zudem habe die Beschwerdeführerin auch nach dem Wegfall der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 5/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

nachehelichen Unterhaltsbeiträge im April 2005 keine Bemühungen getroffen, ihr 

Erwerbspensum von 20% zu erhöhen (act. G 6).

B.c  Am 14. Mai 2013 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen 

Rechtspflege (Befreiung von Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen 

Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 7).

B.d  In der Replik vom 13. August 2013 hält der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin unverändert an seiner Beschwerde fest (act. G 12). Die 

Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 14).

Erwägungen:

1.

Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch der 

Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung.

2.

2.1  Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil 

des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise 

Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen und es habe ihr auch nicht 

zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt 

gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, 

als Invalidität. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, 

geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung 

und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten 

auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 

Die Invalidität im Sinn von Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen Einkommensvergleich 

ermittelt. Dabei wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach 

Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 6/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das 

sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Die Methode 

zur Bemessung der konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, 

wird vom ATSG nicht geregelt. Diese Lücke füllt Art. 28a Abs. 2 des Bundesgesetzes 

über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20). Es ist darauf abzustellen, in welchem 

Mass die betreffende Person behindert ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen. Als 

Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Person gelten insbesondere die übliche 

Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische 

Tätigkeiten (Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). 

Die Bestimmung von Art. 28a Abs. 3 IVG regelt die sogenannte gemischte Methode der 

Invaliditätsbemessung bei Personen, die zum Teil erwerbstätig und zum Teil im 

Aufgabenbereich tätig sind. In einem solchen Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit 

und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad ist 

entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen. Ist bei einer Person, 

die nur zum Teil erwerbstätig ist, anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des 

Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden vollzeitlich erwerbstätig wäre, so ist 

die Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu 

bemessen (Art. 27 IVV).

2.2  Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn 

die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn 

sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% 

besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.

3.

Vorliegend ist insbesondere die von der Beschwerdegegnerin im Rahmen der 

Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode vorgenommene Aufteilung in 

20% Erwerbstätigkeit und 80% Haushalt umstritten. Der Rechtsvertreter der 

Beschwerdeführerin macht geltend, sie sei als voll Erwerbstätige einzustufen.

3.1  Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als 

nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen 

bis 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 7/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung 

bestünde (BGE 125 V 150 E. 2c). Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonderen 

sind nach der Rechtsprechung die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen 

Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber 

Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die 

persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt 

sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung 

entwickelt hätten, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall 

ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad 

der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 E. 2c; BGE 117 

V 194 f. E. 3b mit Hinweisen; AHI 1997 S. 288 ff. E. 2b, AHI 1996 S. 197 E. 1c, je mit 

Hinweisen). Die finanzielle Notwendigkeit, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, ist 

ebenfalls ein Kriterium (BGE 117 V 194 f. E. 3b mit Hinweisen). Die konkrete Situation 

und die Vorbringen der Versicherten sind nach Massgabe der allgemeinen 

Lebenserfahrung zu würdigen (BGE 117 V 194 E. 3b mit Hinweis).

3.2  Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt gab die 

Beschwerdeführerin am 29. November 2011 an, dass sie heute ohne Behinderung zu 

20% einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde (IV-act. 19-2). Anlässlich der 

Haushaltabklärung vor Ort am 4. September 2012 erklärte die Beschwerdeführerin 

ebenfalls, im hypothetischen Gesundheitsfall wäre sie in einem Pensum von 20% 

arbeitstätig. Eine höhere Arbeitstätigkeit könne sie sich nicht vorstellen, da sie mit dem 

Einkommen auskommen würde (IV-act. 36-2). Gemäss Abklärungsbericht Haushalt 

habe die Beschwerdeführerin im Gespräch mehrmals angegeben, dass sie nicht mehr 

als 20% arbeiten würde. Ihr habe das Geld immer gereicht und sie sei lieber zu Hause 

(IV-act. 36-6).

3.3  Die Beschwerdegegnerin hat in der Folge auf die Einstufung in 20% Erwerb und 

80% Haushalt abgestellt und gestützt auf die gemischte Methode einen nicht renten­

begründenden Invaliditätsgrad von 20% ermittelt (vgl. IV-act. 41). Der Rechtsvertreter 

bestreitet in der Beschwerde, dass die Beschwerdeführerin die Frage nach der 

hypothetischen Erwerbstätigkeit richtig verstanden habe und in der Lage gewesen sei, 

im vollen Bewusstsein sämtlicher Umstände darauf zu antworten. Sie leide seit Jahren 

an paranoider Schizophrenie und es werde ihr eine formale Denkstörung, welche sich 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 8/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

unter anderem in einem mangelnden Gegenwartsbezug äussere, attestiert. In 

Anbetracht dieser Diagnose und der Komplexität der Fragestellung sei es abwegig, den 

Rentenentscheid auf die Antwort der Beschwerdeführerin abzustützen. Indem die 

Beschwerdeführerin die Erwerbstätigkeit zu 20% damit begründe, dass dies für sie 

ausreichen würde, verkenne sie offensichtlich ihre tatsächlichen 

Lebenshaltungskosten. Bei ihrer letzten Erwerbstätigkeit als Reinigungsangestellte 

habe sie bei einem Pensum von 20% ein monatliches Einkommen von Fr. 500.-- erzielt. 

Damit könne sie ihren Lebensunterhalt auch bei bescheidener Lebensweise nicht 

bestreiten (act. G 1). In der Replik ergänzte der Rechtsvertreter, dass die 

Beschwerdeführerin aufgrund der paranoiden Schizophrenie keinen Realitätsbezug 

habe und sich nicht als krank wahrnehme. Deshalb sei sie offensichtlich nicht in der 

Lage, die Frage zu verstehen und zu beantworten, in welchem Umfang sie erwerbstätig 

wäre, wenn sie nicht krank wäre (act. G 12). Die Beschwerdegegnerin hält dem in der 

Beschwerdeantwort entgegen, dass sich bei der Abklärung vor Ort keine Hinweise für 

eine Beeinträchtigung des Auffassungsvermögens der Beschwerdeführerin ergeben 

hätten. Die detaillierten Angaben im Abklärungsbericht Haushalt würden dafür 

sprechen, dass die Beschwerdeführerin in der Lage gewesen sei, die Frage nach der 

hypothetischen Erwerbstätigkeit richtig zu verstehen und zu beantworten (act. G 6). 

Aus der Stellungnahme der Abklärungsperson vom 8. März 2013 geht hervor, dass die 

Beschwerdeführerin bei der Abklärung vor Ort mehrmals auf die Arbeitstätigkeit ohne 

Behinderung angesprochen und die Qualifikation eingehend und mehrmals erklärt 

worden sei. Gemäss der Abklärungsperson habe die Beschwerdeführerin die Frage 

verstanden und keinen Eindruck hinterlassen, dass dies in Frage gestellt werden 

müsste. Dass die Beschwerdeführerin teilweise finanziell von der Mutter unterstützt 

werde, sei IV-fremd, da dies seit Jahren im Sinne der Mutter sei (IV-act. 49).

3.4  Zu beachten ist, dass die Antwort auf die Frage, ob und gegebenenfalls in 

welchem Ausmass eine versicherte Person ohne ihren Gesundheitsschaden einer 

Erwerbstätigkeit nachginge, meist eine hohe Abstraktions- und Analyseleistung 

voraussetzt. Die Abklärung dieses äusserst relevanten Punktes hat mit einer 

sorgfältigen, der Verständnismöglichkeit der versicherten Person angepassten 

Fragestellung zu erfolgen, bei der sie auch in die Lage versetzt wird, ihre Situation im 

fiktiven Gesundheitsfall umfassend zu analysieren, die verschiedenen Varianten 

durchzudenken und entsprechend ihrer Wahrscheinlichkeit zu werten. Gemäss der 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 9/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Stellungnahme vom 8. März 2013 sei der Beschwerdeführerin die Frage der 

Qualifikation eingehend und mehrmals erklärt worden und sie habe die Frage 

verstanden (IV-act. 49). Des Weiteren gibt es keine Anzeichen und es wird auch nicht 

geltend gemacht, dass die Beschwerdeführerin bei der Haushaltsabklärung mangelhaft 

informiert worden sei. Aufgrund der psychiatrisch / neuropsychologisch festgestellten 

Defizite der Beschwerdeführerin mit unter anderem formalen Denkstörungen und 

Beeinträchtigungen des Gegenwartsbezugs (vgl. IV-act. 7, 17, 23), muss jedoch davon 

ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage war, die 

hypothetischen Verhältnisse realistisch einzuschätzen. Deshalb kann nicht auf die 

Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltabklärung abgestellt werden.

3.5  Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht zudem geltend, dass die letzte 

Erwerbstätigkeit nicht als Referenzgrösse für die hypothetische Erwerbstätigkeit 

herangezogen werden könne, da die Beschwerdeführerin höchstwahrscheinlich schon 

damals durch den Gesundheitszustand limitiert gewesen sei. Den Aussagen der 

Beschwerdeführerin könne der Sinn entnommen werden, dass sie ohne Behinderung 

mindestens in einem Umfang erwerbstätig wäre, der es ihr erlauben würde, in 

finanzieller Unabhängigkeit zu leben. Es sei deshalb von einer hypothetischen 

Erwerbstätigkeit von 100% auszugehen, womit sie ein monatliches Einkommen von Fr. 

2'500.-- erzielen würde und damit ihre bescheidenen Lebenshaltungskosten selber 

bestreiten könnte (act. G 1). Die Beschwerdegegnerin macht demgegenüber geltend, 

dass der geschiedene Ehegatte der Beschwerdeführerin ab April 2005 keine 

nachehelichen Unterhaltsbeiträge mehr habe leisten müssen. Die Beschwerdeführerin 

habe 2008 ihre Stelle als Raumpflegerin im 20%-Pensum aus wirtschaftlichen Gründen 

verloren. Der Wegfall der Unterhaltspflicht habe die Beschwerdeführerin offensichtlich 

nicht dazu veranlasst, sich um eine Erhöhung des Erwerbspensums zu bemühen. Auch 

nach dem Stellenverlust im Juni 2008 scheine sich die Beschwerdeführerin nicht um 

eine Anstellung mit höherem Erwerbspensum als 20% bemüht zu haben. Da keine 

ärztlichen Berichte aus jener Zeit

aktenkundig seien, verbiete sich der Schluss, der damalige Gesundheitszustand der 

Beschwerdeführerin hätte keine Erwerbstätigkeit von mehr als 20% zugelassen. 

Vielmehr liege der Schluss nahe, dass die Beschwerdeführerin angesichts der geringen 

Lebenshaltungskosten aufgrund des Zusammenlebens mit ihrer im Rentenalter 

stehenden Mutter in deren eigenem Wohnhaus sich an eine bescheidene Lebensweise 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 10/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

gewöhnt und sich deshalb nicht veranlasst gesehen habe, mehr als 20% zu arbeiten 

(act. G 6). In der Replik erwidert der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, dass es 

sich aus den Akten nicht ergebe, dass die Beschwerdeführerin sich nicht um eine 

Anstellung mit höherem Erwerbspensum als 20% bemüht habe. Vielmehr gehe aus 

dem Abklärungsbericht Haushalt hervor, dass sie sich intensiv um eine Stelle bemüht 

habe, jedoch "jahrelang nur Absagen erhalten habe". Es sei davon auszugehen, dass 

sie sich auch um Stellen mit  einem Pensum von mehr als 20% bemüht habe. Der 

Stellenverlust und die anschliessende erfolglose Bewerbungstätigkeit seien zudem im 

Zusammenhang mit der schweren Erkrankung der Beschwerdeführerin zu sehen (act. 

G 12).

3.6  Aus dem Gesprächsprotokoll des RAD vom 17. Juni 2011 geht hervor, dass die 

Beschwerdeführerin gemäss Dr. D.___, Oberarzt der Psychiatrischen Klinik B.___, 

wahrscheinlich seit 4-5 Jahren an einer paranoiden Schizophrenie leide (IV-act. 7). 

Gemäss RAD-Arzt würden die Einschränkungen überwiegend wahrscheinlich seit 

mehreren Jahren bestehen (IV-act. 8). Aufgrund dieser Angaben ist der Beginn der 

Krankheit bei der Beschwerdeführerin nicht eindeutig eruierbar. Seit 2002 war die 

Beschwerdeführerin als Reinigungsmitarbeitern zu 20% erwerbstätig. Es ist nicht 

nachgewiesen, dass sich die Beschwerdeführerin nach dem Wegfall des nachehelichen 

Unterhalts per 1. April 2005 (vgl. act. G 6.2) um eine Steigerung der Erwerbstätigkeit 

bemüht hätte. Da nicht klar ist, ob die Beschwerdeführerin bereits damals unter 

psychischen Einschränkungen gelitten hat, kann ihr dies aber jedenfalls nicht zum 

Nachteil ausgelegt werden.

3.7  Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht geltend, dass diese zur 

Bestreitung ihres Lebensbedarfs auf ein volles Erwerbseinkommen angewiesen sei. Die 

Beschwerdeführerin lebt im gleichen Haushalt wie ihre Mutter und verrichtet die 

Haushaltarbeiten zusammen mit dieser. Die Beschwerdeführerin wird vom Sozialamt 

seit Oktober 2008 unterstützt. Die gemäss Bestätigung des Sozialamts der Gemeinde 

G.___ vom 12. Februar 2013 bis dahin geleisteten Unterstützungen (Wohnkosten 

müssen nicht übernommen werden) beliefen sich auf Fr. 66'605.10 netto (vgl. act. G 

4.1). Sozialhilfe wird nur geleistet, soweit kein Anspruch auf 

Sozialversicherungsleistungen besteht (Art. 2 Abs. 2 lit. b des Sozialhilfegesetzes [SHG; 

sGS 381.1]). Es muss deshalb die Frage gestellt werden, wie sich die 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 11/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall hypothetisch verhalten würde, wenn sie keine 

Leistungen des Sozialamtes erhielte. Gemäss RAD-Arzt Dr. E.___ sei eine 

Einschränkung der Selbststrukturierung in einer selbständigen Wohnform ohne 

Begleitung durch die Mutter anzunehmen (IV-act. 24-2). Daraus kann geschlossen 

werden, dass das Zusammenleben der Beschwerdeführerin mit ihrer Mutter im 

gleichen Haushalt in der Krankheit begründet ist und die Beschwerdeführerin im 

hypothetischen Gesundheitsfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einen eigenen 

Haushalt führen würde. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (vgl. act. G 6, 

S. 5) ist mithin nicht von durch das Zusammenleben mit der Mutter bedingten 

geringeren Lebenshaltungskosten auszugehen. Vielmehr ist anzunehmen, dass im 

Gesundheitsfall die Beschwerdeführerin, welche über keinen Berufsabschluss verfügt, 

einer Hilfsarbeiterinnentätigkeit zu einem vollen Pensum nachgehen würde, um die 

Lebenshaltungskosten decken zu können.

3.8  Der RAD-Arzt Dr. E.___ geht in seiner Stellungnahme vom 10. April 2012 von einer 

in der freien Wirtschaft nicht vorhandenen Arbeitsfähigkeit aus. Er stützt sich dabei auf 

die Aktennotiz des RAD-Arztes Dr. C.___ nach Kontakt mit dem behandelnden 

Klinikoberarzt vom 17. Juni 2011, auf den Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik 

B.___ vom 30. Juni 2011, auf den Bericht des Hausarztes vom 16. November 2011, auf 

ein Gespräch mit dem behandelnden Psychotherapeuten lic. phil. H.___, Praxis Dr. 

med. I.___, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom 10. April 2012 und ein 

Telefongespräch mit dem Hausarzt vom 10. April 2012. Die Darstellungen dieser 

behandelnden Fachpersonen seien wechselseitig widerspruchsfrei. Die 

Beschwerdeführerin leide seit Jahren an einer paranoiden Schizophrenie. Nebst den 

Defiziten der ausgeprägten adynamen Störung und der formalen Denkstörungen mit 

wenig integriertem Gegenwartsbezug sei der auch für eine einfache, intellektuell 

anspruchslose Tätigkeit notwendige, schwingungsfähige Austausch (für 

Arbeitsanweisungen und berufskollegialen Umgang) krankheitsbedingt nicht in 

ausreichendem Masse herstellbar. Unter Medikation und fortgesetzter Psychotherapie 

habe sich eine gewisse Stabilisierung erreichen lassen. Eine weitere funktionelle 

Besserung sei in absehbarer Zeit nicht zu erwarten (IV-act. 24-2). Die fehlende 

Arbeitsfähigkeit im Erwerbsbereich ist denn auch unbestritten.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

3.9  Bei einer Qualifikation als 100% Erwerbstätige und einer Arbeitsunfähigkeit von 

100% besteht ein IV-Grad von 100% und damit Anspruch auf eine ganze Rente. Unter 

Berücksichtigung der sechsmonatigen Frist seit der im Juni 2011 erfolgten Anmeldung 

gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG hat die Beschwerdeführerin ab 1. Dezember 2011 Anspruch 

auf eine ganze Rente. Da die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen schon seit 

mehreren Jahren an einer paranoiden Schizophrenie leidet und zu 100% arbeitsunfähig 

ist, ist nämlich auch die Voraussetzung des Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b 

IVG erfüllt.

4.

4.1  Nach dem Gesagten ist in Gutheissung der Beschwerde die Verfügung vom 8. 

Januar 2013 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Dezember 

2011 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache 

an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

4.2  Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem 

Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 

1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1  IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint 

in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des 

Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.

4.3  Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei 

Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese wird vom Versicherungsgericht 

festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache 

und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege 

beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der 

Honorarordnung (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im zu 

beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- 

(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Die Festlegung einer 

Entschädigung aus unentgeltlicher Rechtsverbeiständung erübrigt sich bei diesem 

Prozessausgang.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

bis

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/13

Publikationsplattform

St.Galler Gerichte

entschieden:

1.      In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 8. Januar 2013 aufge­

hoben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Dezember 2011 eine ganze 

Rente zugesprochen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe wird die Sache an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.      Die Beschwerdegegnerin bezahlt eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--.

3.      Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung 

von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte
	Entscheid Versicherungsgericht, 29.09.2014
	Art. 28 IVG. Rentenanspruch. Umfang der Erwerbstätigkeit im hypothetischen Gesundheitsfall. Zusprache einer ganzen Rente (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 29. September 2014, IV 2013/63).

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

	Publikationsplattform
	St.Galler Gerichte

		2025-07-19T09:37:41+0200
	"9001 St.Gallen"
	Publikationsplattform Kanton St.Gallen