# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 26856040-59c2-50d1-897b-cef48e4a3716
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-07-31
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 31.07.2013 SR130015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SR130015_2013-07-31.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    

 
 

Geschäfts-Nr.: SR130015-O/U/jv 
 

Mitwirkend: Die Oberrichter lic. iur. S. Volken, Präsident, lic. iur. Ch. Prinz und 

Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Brenn sowie der Gerichtsschreiber 

lic. iur. P. Rietmann 

Beschluss vom 31. Juli 2013 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  
vertreten durch Leitenden Staatsanwalt Dr. iur. R. Jäger,  

Gesuchstellerin 

 

gegen 

 

A._____,  
Gesuchsgegner 

 

betreffend Revision 

Revisionsgesuch gegen zwei Strafbefehle der Staatsanwaltschaft  
Winterthur/Unterland vom 2. April 2012 (D-3/2012/2621) und vom  
7. April 2012 (D-7/2012/2809) 
 

- 2 - 

Erwägungen: 

I. 

1. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 2. April 

2012 wurde der Gesuchsgegner A._____ des mehrfachen Diebstahls im Sinne 

von Art. 139 Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen und mit einer bedingten Geldstrafe 

von 45 Tagessätzen zu je Fr. 30.– bestraft (Urk. 1/1/7). Kurz darauf wurde der 

Gesuchsgegner mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/ Unterland vom 

7. April 2012 des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, teil-

weise in Verbindung mit Art. 172ter StGB, sowie des Hausfriedensbruchs im Sinne 

von Art. 186 StGB schuldig gesprochen und mit einer unbedingten Freiheitsstrafe 

von 60 Tagen bestraft (Urk. 1/2/12) Beide Strafbefehle sind in Rechtskraft er-

wachsen (Urk. 3).  

2. Mit Eingabe vom 5. Juni 2013 stellte die Staatsanwaltschaft Winterthur/  

Unterland (Gesuchstellerin) ein Revisionsbegehren und liess gestützt auf Art. 410 

Abs. 1 lit. a StPO die Aufhebung der vorgenannten Strafbefehle und die Rückwei-

sung der beiden Verfahren an die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland zur 

neuen Beurteilung beantragen (Urk. 2). 

3. Das Begehren erweist sich sofort als begründet, weshalb vorliegend darauf 

verzichtet werden kann, dem Gesuchsgegner für dieses Verfahren einen Rechts-

vertreter zu bestellen respektive Nachforschungen nach seinem aktuellen Aufent-

halt hinsichtlich einer Gesuchsantwort anzustellen. 

II. 

1. Die Gesuchstellerin begründet das Revisionsgesuch damit, dass der  

Beschuldigte aufgrund der neuen Erkenntnisse gemäss des Altersgutachtens der 

Universität Zürich vom 27. August 2012 zu den Tatzeiten (31. März 2012 und 

7. April 2012) noch minderjährig gewesen sei und dementsprechend gemäss  

- 3 - 

Jugendstrafrecht und nicht nach dem Erwachsenenstrafrecht hätte zur  

Rechenschaft gezogen werden müssen (Urk. 2 S. 2). 

2. Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO setzt voraus, dass ein Gesuchsteller neue und 

erhebliche Tatsachen und/oder Beweismittel geltend macht. Tatsachen bzw.  

Beweismittel sind erheblich, wenn sie geeignet sind, die der Verurteilung  

zugrunde liegenden Feststellungen so zu erschüttern, dass eine wesentlich  

mildere Bestrafung oder ein (Teil-)Freispruch möglich erscheint. Neu im Sinne  

eines Revisionsgrundes von Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO bedeutet, dass die vorge-

brachte Tatsache oder das Beweismittel zum Zeitpunkt des Entscheides zwar  

bereits vorhanden war, von der urteilenden Behörde aber nicht zur Grundlage  

ihres Entscheides gemacht worden ist. Bei einem Strafbefehl bedeutet Neuheit 

nach der Praxis des Bundesgerichts, dass der Sachverhalt nicht in den Akten 

enthalten war. Wurden Tatsachen und Beweismittel bereits ins frühere Verfahren 

eingebracht, dort aber nicht oder falsch berücksichtigt oder gewertet, sind  

dagegen die zur Anfechtung des Strafentscheids möglichen Rechtsmittel zu  

ergreifen (vgl. Heer in: BSK Schweizerischen Strafprozessordnung, Basel 2011,  

N 34 zu Art. 410, mit Verweis auf BGE 130 IV 72 E. 2.3. = Pra 94 [2005] Nr. 35, 

sowie N 65 ff. zu Art. 410). 

3. Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich hielt in seinem  

Gutachten zur Altersschätzung vom 27. August 2012 fest, dass der Gesuchsgeg-

ner am 7. Juli 2012 das 18. Altersjahr noch nicht zurückgelegt habe (Urk. 1/1/12 

S. 5; Urk. 1/2/17 S. 5). Da sämtliche mit den beiden erwähnten Strafbefehlen der 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland verfolgten Taten noch vor dem 7. Juli 

2012 verwirklicht wurden (Urk. 1/1/7 S. 3; Urk. 1/2/12 S. 2 f.), ist auch in diesem 

Zusammenhang von der Feststellung des Instituts für Rechtsmedizin auszuge-

hen. Es liegt mithin eine neue, bereits zum Zeitpunkt der Bestrafung durch die 

Strafbefehle bestehende Tatsache vor, welche im Übrigen im Sinne von Art. 410 

Abs. 1 lit. a StPO geeignet ist, eine wesentlich mildere Bestrafung des Gesuchs-

gegners herbeizuführen, zumal seine Taten – mit der Staatsanwaltschaft –  

gemäss Jugendstrafrecht hätten beurteilt werden sollen (vgl. Art. 3 Abs. 1 JStG in 

- 4 - 

Verbindung mit Art. 1 JStPO), welches grundsätzlich ein milderes Sanktions-

system vorsieht (vgl. Art. 21 ff. JStG). 

4. Das Revisionsbegehren ist somit gutzuheissen. Die angefochtenen  

Strafbefehle der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 2./7. April 2012 

sind aufzuheben und die entsprechenden Verfahren sind an die Gesuchstellerin 

zur neuen Behandlung bzw. zur Weiterleitung an die zuständige Jugendanwalt-

schaft sowie zur Mitteilung an die relevanten Amtsstellen zurückzuweisen. 

5. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Revisionsverfahrens auf die  

Gerichtskasse zu nehmen. 

Es wird beschlossen: 

1. Das Revisionsbegehren wird gutgeheissen. 

2. Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 2. April 

2012 (Unt. Nr. D-3/2012/2621), mit welchem A._____ wegen mehrfachen 

Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB mit einer bedingten Geldstrafe 

von 45 Tagessätzen zu je Fr. 30.– bestraft wurde, wird aufgehoben. 

3. Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 7. April 

2012 (Unt. Nr. D-7/2012/43), mit welchem A._____ wegen mehrfachen 

Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit 

Art. 172ter StGB, sowie wegen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 

StGB mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 60 Tagen bestraft wurde, 

wird aufgehoben. 

4. Zur erneuten Behandlung bzw. zur Weiterleitung an die zuständige Jugend-

anwaltschaft werden die Akten nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittel-

frist resp. Erledigung allfälliger Rechtsmittel an die Staatsanwaltschaft  

Winterthur/Unterland zurückgewiesen. 

- 5 - 

5. Die Kosten des Revisionsverfahrens werden auf die Gerichtskasse  

genommen.  

6. Schriftliche Mitteilung an 

− an den Gesuchsgegner durch Publikation im Amtsblatt des Kantons 
Zürich 

− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland  

 sowie nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist resp. Erledigung  

allfälliger Rechtsmittel an  

− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland (unter Rücksendung der 
Akten)  

7. Rechtsmittel: 

Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundes-

gerichtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

 Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
Obergericht des Kantons Zürich 

I. Strafkammer 
 
 

Zürich, 31. Juli 2013 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

lic. iur. S. Volken 
 

Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 

lic. iur. P. Rietmann 
 

 

	Beschluss vom 31. Juli 2013
	I.
	II.
	2. Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO setzt voraus, dass ein Gesuchsteller neue und erhebliche Tatsachen und/oder Beweismittel geltend macht. Tatsachen bzw.  Beweismittel sind erheblich, wenn sie geeignet sind, die der Verurteilung  zugrunde liegenden Festst...
	3. Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich hielt in seinem  Gutachten zur Altersschätzung vom 27. August 2012 fest, dass der Gesuchsgegner am 7. Juli 2012 das 18. Altersjahr noch nicht zurückgelegt habe (Urk. 1/1/12 S. 5; Urk. 1/2/17 S. ...
	4. Das Revisionsbegehren ist somit gutzuheissen. Die angefochtenen  Strafbefehle der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 2./7. April 2012 sind aufzuheben und die entsprechenden Verfahren sind an die Gesuchstellerin zur neuen Behandlung bzw. zu...

	Es wird beschlossen:
	1. Das Revisionsbegehren wird gutgeheissen.
	2. Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 2. April 2012 (Unt. Nr. D-3/2012/2621), mit welchem A._____ wegen mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB mit einer bedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je Fr. ...
	3. Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 7. April 2012 (Unt. Nr. D-7/2012/43), mit welchem A._____ wegen mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 172ter StGB, sowie wegen Haus...
	4. Zur erneuten Behandlung bzw. zur Weiterleitung an die zuständige Jugendanwaltschaft werden die Akten nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist resp. Erledigung allfälliger Rechtsmittel an die Staatsanwaltschaft  Winterthur/Unterland zurückgewie...
	5. Die Kosten des Revisionsverfahrens werden auf die Gerichtskasse  genommen.
	6. Schriftliche Mitteilung an
	 an den Gesuchsgegner durch Publikation im Amtsblatt des Kantons Zürich
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland (unter Rücksendung der Akten)

	7. Rechtsmittel: Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.