# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 19195a77-a1d3-5719-87ad-808fa4fd82bc
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht Praxis des Verwaltungsgerichts (PVG) 00.00.0000 PVG 2017 26
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_006_PVG-2017-26_0000-00-00.pdf

## Full Text

11/26 Submission PVG 2017

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26 Ausschluss einer Offerte. Fehlen einer Unterschrift. Ver- bot 
des überspitzten Formalismus.
– Zur Thematik des Ausschlusses infolge Unvollständig- keit 

eines Angebots unter Berücksichtigung des Verbots eines 
überspitzten Formalismus (E.3c, d).

– In Präzisierung der Rechtsprechung wurde das Fehlen 
einer Unterschrift auf der Selbstdeklaration als nicht ge- 
nügend für den Ausschluss vom Verfahren taxiert, da auf zwei 
gleichzeitig eingereichten Offerten die Unterschrif- ten auf 
der jeweiligen Selbstdeklaration einwandfrei vorhanden 
waren und die Vergabebehörde die Offeren- tin vor dem 
Zuschlag noch selbst zur Nachreichung di- verser Belege 
und Dokumente aufgefordert hatte (E.3e).

Esclusione di un’offerta. Mancanza di una sottoscrizione. 
Divieto del formalismo eccessivo.
– Sul tema dell’esclusione dalla considerazione a segui- to 

dell’incompletezza di un’offerta nell’ottica del divieto del 
formalismo eccessivo (cons. 3c, d).

– Nel senso di una precisazione della prassi, un’autocerti- 
ficazione priva della firma non è stata considerata suffi- 
ciente per l’esclusione dalla procedura perché in due of- 
ferte introdotte contemporaneamente le sottoscrizioni 
sulle rispettive autodichiarazioni erano state apportate 
correttamente e prima dell’assegnazione l’autorità de- 
liberante stessa aveva ancora invitato la concorrente a 
introdurre diversi giustificativi e documenti (cons. 3e).

Erwägungen:
3. c) Zur Thematik des Ausschlusses infolge Unvollstän- 

digkeit des Angebots unter Berücksichtigung des Prinzips der Ver- 
hältnismässigkeit bzw. des Verbots eines überspitzten Formalis- 
mus äusserte sich das streitberufene Gericht in der Vergangenheit 
gleich mehrfach (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons 
Graubünden [VGU] U 16 97 vom 10. Januar 2017 E.4, U 14 79 vom
25. November 2014 E.3c, U 10 85 vom 14. September 2010 E.1b). Im 
aktuellsten VGU U 16 105 vom 20. Februar 2017 E. 3c S. 12 wurde 
überdies zum überspitzten Formalismus bereits richtungsweisend 
auf den sachdienlichen Entscheid VB.2014.0021 des Verwaltungs- 
gerichts des Kantons Zürich vom 21. August 2014 hingewiesen, wo- 
rin einleuchtend was folgt festgehalten wurde (E.6):

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«6.1 Aus dem Verbot des überspitzten Formalismus kann 
sich eine Pflicht der Behörde ergeben, den Privaten von Amtes 
wegen auf Verfahrensfehler hinzuweisen, die er begangen hat 
oder die er im Begriff ist zu begehen. Diese Pflicht setzt voraus, 
dass der Fehler leicht zu erkennen ist und rechtzeitig behoben wer- 
den kann (BGE 125 I 166 E.3a mit Hinweisen; BVGr, 13. März 2007, 
B-1774/2006, E. 3.2 mit Hinweisen; EBRK, 23. Dezember 2005, VPB 
70.33, E.2b mit Hinweisen). In diesem Zusammenhang stellt sich 
die Frage, ob und in welchem Umfang den Offertstellern bei un- 
vollständigen Angeboten, die an sich einen Verfahrensausschluss 
rechtfertigen würden, die Möglichkeit einzuräumen ist, die fehlen- 
den Unterlagen nachzureichen (vgl. Daniela Lutz, Die fachgerech- 
te Auswertung von Offerten, in: Jean-Baptiste Zufferey/Hubert 
Stöckli [Hrsg.], Aktuelles Vergaberecht 2008, Zürich 2008, S. 215
ff. Rz. 10).

6.2 Grundsätzlich besteht ein gewisser Ermessensspiel- 
raum der Vergabestelle, ob sie ein unvollständiges Angebot von 
der Vergabe überhaupt ausschliessen oder aber die fehlenden 
Angaben und Unterlagen nachträglich noch einholen bzw. vor- 
handene Unklarheiten durch entsprechende Rückfragen beseiti- 
gen will. Die Vergabebehörde muss jedoch vermeiden, dass mit 
der nachträglichen Behebung des Mangels eine Ungleichbehand- 
lung oder Bevorzugung einzelner Anbieter entsteht. Die Tendenz 
in Lehre und Rechtsprechung geht denn auch dahin, in Beach- 
tung des Gleichbehandlungsgebots in solchen Fällen eine strenge 
Haltung einzunehmen und auch in nur geringem Masse unvoll- 
ständige oder veränderte Angebote konsequent von der Vergabe 
auszuschliessen. Von einem überspitzten Formalismus ist eher 
dann auszugehen, wenn der Mangel auf eine Unklarheit der Aus- 
schreibungsunterlagen oder ein offensichtliches Versehen des 
Anbieters zurückzuführen ist, als wenn er von diesem bewusst in 
Kauf genommen wurde (VGer, 7. März 2012, VB.2011.00581, E.4.1 
mit Hinweisen).»

In Nachachtung dieser strengen Rechtsprechung müsste 
das strittige Angebot wegen Nichtunterzeichnung der Selbstde- 
klaration wohl grundsätzlich ausgeschlossen werden. Gleichzeitig 
mit dem strittigen Angebot hat die Beschwerdeführerin vorliegend 
aber noch zwei weitere Angebote mit Unterschrift auf der Selbst- 
deklaration eingereicht. Diese Besonderheit im Verfahrensablauf 
gilt es gebührend zu berücksichtigen bzw. zu würdigen.

d) Im bereits erwähnten Urteil VGU U 16 97 kam das Ver- 
waltungsgericht zur Auffassung, dass der Ausschluss einer Offerte

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wegen einer unabsichtlich fehlerhaft ausgefüllten Selbstdeklara- 
tion (Zeilen vertauscht) als überspitzt formalistisch zu betrachten 
und damit die Beschwerde gutzuheissen sei, allerdings mit dem 
Zusatz, dass die Vergabebehörde die Anbieterin von zahlreichen 
früheren Offerten und Aufträgen her kannte und ihr deshalb die 
vertauschten Antworten hätten auffallen sollen; dies nicht zuletzt, 
weil die falschen Antworten einen Einfluss auf allenfalls laufende 
Aufträge gehabt hätten. Im aktuellsten VGU 16 105 erwog dasselbe 
Gericht, dass ein bewusstes Abweichen von der Anbieterin gegen- 
über den verbindlich dargelegten Gültigkeitsvorschriften zum Aus- 
schluss führen müsse. In diesem Streitfall hatte die preisgünstigs- 
te Anbieterin die mit dem Angebot einzureichenden Musterplatten 
erst vier Tage später eingereicht mit der Begründung, sie hätte 
dann sowieso einen Kundentermin in Chur gehabt und die Abliefe- 
rung so koordinieren und eine zusätzliche Fahrt vermeiden können. 
Aus dem soeben Gesagten lässt sich ableiten, dass die jeweiligen 
Begleitumstände, welche zur Unvollständigkeit führten, ebenfalls 
von grosser Bedeutung für den Bestand des Ausschlusses sind.

e) In Bezug auf den hier zur Beurteilung gestellten Grenz- 
fall U 17 7 könnte der Ausschluss wegen fehlender Unterschrift auf 
der Selbstdeklaration (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 5
S. 20 bzw. beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 9 S. 20) isoliert 
betrachtet durchaus noch als im weiten Ermessen der Beschwer- 
degegnerin 1 liegend angesehen werden; womit der doch sehr 
liberalen Haltung des Aargauer Verwaltungsgerichts im zitierten 
Urteil (AGVE 2005 Nr. 52 E.2 S. 256 f.) nicht gefolgt würde. Im kon- 
kreten Fall liegt aber eine mit VGU 16 97 vergleichbare Situation 
vor: Zusätzlich zum offensichtlichen Versehen der Beschwerdefüh- 
rerin durch das Versäumnis der Unterschrift, welches zudem für 
die Beschwerdegegnerin 1 leicht erkennbar war und überdies noch 
rechtzeitig hätte behoben werden können, tritt hier eben noch der 
konkrete Begleitumstand hinzu, dass die Selbstdeklaration in den 
beiden anderen, gleichzeitig eingereichten Offerten, ordnungsge- 
mäss unterzeichnet war. Zwar ist es nicht richtig, dass von einer 
vorhandenen Selbstdeklaration in einem oder zwei Angeboten au- 
tomatisch auf die Selbstdeklaration in einem andern bzw. dritten 
Angebot geschlossen werden darf; trotzdem wäre hier ein Aus- 
schluss der Beschwerdeführerin unverhältnismässig und überspitzt 
formalistisch. Dies gilt vorliegend umso mehr, als die Beschwerde- 
gegnerin 1 bezüglich aller drei Offerten (Pos. BKP 422.25, 422.35, 
422.45) nach Eingang derselben zusätzliche Informationen einver- 
langte (vgl. Bf-act. 6 bzw. Bg-act. 5) und die fehlende Unterschrift

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auf einem einzigen von drei Selbstdeklarationsformularen ein of- 
fensichtliches Versehen darstellt. Der angeordnete Ausschluss der 
Beschwerdeführerin ist daher als ‚überspitzt formalistisch‘ zu be- 
werten und der angefochtene Entscheid folgerichtig aufzuheben. 
Der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin zudem ein um rund Fr. 
400‘000.– preisgünstigeres Angebot als die Beschwerdegegnerin 
2 eingereicht hatte, war hingegen in diesem Verfahrensstadium 
noch keine Relevanz beizumessen.
U 17 7 Urteil vom 22. März 2017