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**Case Identifier:** 17edc153-044f-5e4b-b250-88d54c80a14a
**Source:** Valais/Wallis (VS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-06
**Language:** de
**Title:** Wallis Sonstiges Gericht Sonstige Kammer 06.12.2022 P1 22 45
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/VS_Gerichte/VS_BZG_999_P1-22-45_2022-12-06.pdf

## Full Text

Mit Urteil vom 1. Mai 2023 (6B_117/2023) wies das Bundesgericht eine gegen vorliegen-
den Entscheid gerichtete Beschwerde in Strafsachen ab, soweit es auf sie eintrat. 

P1 22 45 

 

URTEIL VOM 6. DEZEMBER 2022 

 

Kantonsgericht Wallis 

I. Strafrechtliche Abteilung 

 

Besetzung: Dr. Thierry Schnyder, Präsident; Candido Prada, Kantonsrichter, Fernando 

Willisch Ersatzrichter; Flurina Steiner, Gerichtsschreiberin 

 

in Sachen 

 

Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis, Amt der Region Oberwallis, vertreten durch 

Dominic Lehner, Staatsanwalt 

und 

 

X _________, vertreten durch Rechtsanwältin Graziella Walker Salzmann, 3904 Naters 

gegen 

 

Y _________, Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwalt Fabian Williner, 3930 Visp 

 

(Vergewaltigung; häusliche Gewalt; Landesverweisung; Genugtuung) 

Berufung gegen das Urteil des Kreisgerichts Oberwallis für den Bezirk Brig 

vom 7. September 2021 [BRG S1 21 9]  

- 2 - 

Verfahren 

Die Aktenstellen werden nachfolgend wie folgt zitiert: 
 
Gerichtsakten oranger Hefter (Gericht S. ) 
Hauptakten Staatsanwaltschaft (Staatsanwaltschaft S. ) 
Akten der Polizei grauer Ordner (Polizei S. ) 

Weitere Hefter aus anderen Verfahren tragen die auf dem Deckblatt vorhandene Aktennummer 

 

A.  Das Kreisgericht Oberwallis für den Bezirk Brig fällte nach Abschluss der  

Strafuntersuchung und aufgrund der Anklageschrift vom 1. März 2021 (Gericht S. 1 ff.) 

am 7. September 2021 folgendes Urteil, welches am 8. September 2021 als Judikatum 

(Gericht S. 83 ff.) und am 8. April 2022 in begründeter Form schriftlich eröffnet wurde 

(Gericht S. 93 ff. und S. 169): 

1. Das Strafverfahren gegen Y _________ wird eingestellt: 

1.1 infolge fehlender schweizerischer Strafhoheit (Art. 3 Abs. 1 StGB) bezüglich der angeblich in  
Nordmazedonien begangenen Tatvorwürfe; 

1.2  infolge Verletzung des Anklagegrundsatzes (Art. 9 Abs. 1 StPO) bezüglich der Vorwürfe der mehr-
fachen Nötigung (Art. 181 StGB) durch Drohung mit Erschiessen bzw. mit Erstechen, angeblich 
begangen zwischen Mai 2015 und Juni 2017 z.N. von X _________; 

1.3  infolge Rückzugs des Strafantrags bezüglich des Vorwurfs der geringfügigen Sachbeschädigung 
(Art. 144 Abs. 1 i.V.m. Art. 172ter StGB), angeblich begangen Ende Juli/Anfang Augst 2017 z.N. 
von X _________; 

1.4  infolge Verjährung (Art. 109 StGB) bezüglich der Vorwürfe der mehrfachen Tätlichkeiten (Art. 126 
StGB) sowie des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage (Art. 179septies StGB), angeblich begangen 
z.N. von X _________. 

2. Y _________ wird vom Vorwurf der mehrfachen Freiheitsberaubung (Art. 183 Ziff. 1 StGB), angeblich 
begangen zwischen September 2016 und Juni 2017 z.N. von X _________, freigesprochen. 

3. Y _________ wird schuldig erkannt: 

3.1 der mehrfachen Vergewaltigung (Art. 190 Abs. 1 StGB), begangen im September 2016, am 3. März 
2017 sowie zwischen Januar und Juni 2017 z.N. von X _________; 

3.2 der mehrfachen Nötigung (Art. 181 StGB), begangen im Mai 2015, am 8. Juni 2016 und im  
September 2016 z.N. von X _________; 

3.3 der Drohung (Art. 180 Abs. 2 lit. b StGB), begangen am 3. März 2017 z.N. von X _________; 

3.4 der mehrfachen einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 2 StGB), begangen zwischen Mai 2015 
und Ende Juni 2017 z.N. von X _________. 

4. Y _________ wird mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten sowie einer Geldstrafe von 
180 Tagessätzen zu je Fr. 90.00, ausmachend Fr. 16'200.00, bestraft. 

Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten und bei einer Probezeit von drei Jahren 
aufgeschoben. 

Die vom 25. September bis 12. Oktober 2017 ausgestandene Untersuchungshaft von 18 Tagen ist  
an den zu vollziehenden Teil von 12 Monaten anzurechnen. 

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5. Es wird eine vollzugsbegleitende ambulante psychotherapeutische Behandlung (Art. 63 Abs. 1 StGB) 
angeordnet. 

6. Y _________ wird für acht Jahre aus der Schweiz verwiesen (Art. 66a Abs. 1 lit. h StGB). Es wird die 
Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im Schengener Infor-
mationssystem (SIS) angeordnet. 

7. Y _________ bezahlt X _________ eine Genugtuung von Fr. 14’000.00 zuzüglich Zins zu 5% seit  
25. Juni 2017. 

8. Die Verfahrenskosten von Fr. 20'000.00, bestehend aus den Kosten der Staatsanwaltschaft von 
Fr. 17'500.00 sowie der Gerichtsgebühr von Fr. 2'500.00, werden im Umfang von 4/5, ausmachend 
Fr. 16'000.00, Y _________ und im Umfang von 1/5, - ausmachend Fr. 4'000.00, dem Staat Wallis 
auferlegt.  

9. Es wird Akt davon genommen, dass der Staat Wallis Rechtsanwältin Fabienne Murmann als amtliche 
Verteidigerin von Y _________ mit Fr. 12'559.60 entschädigt hat. 

10. Der Staat Wallis bezahlt Rechtsanwalt Fabian Williner als amtlichem Verteidiger von Y _________ eine 
Entschädigung von Fr. 7'300.00. 

11. Y _________ hat dem Staat Wallis die Entschädigung für die amtliche Verteidigung im Umfang von 4/5, 
ausmachend Fr. 15'887.70, zurückzuerstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen. 

12. Y _________ bezahlt X _________ eine Parteientschädigung von Fr. 9'800.00. 

B.  Der Verurteilte reichte am 16. September 2021 die Berufungsanmeldung (Gericht  

S. 88) und am 2. Mai 2022 die Berufungserklärung mit folgenden Anträgen ein (Gericht 

S. 174 f.): 

1. Die Berufung sei gutzuheissen. 

2. Die Ziffern 3 (3.1, 3.2, 3.3 und 3.4), 4, 5 6, und 7 des Urteils des Kreisgerichts Oberwallis vom 
07.09.2021 seien aufzuheben. 

3. Ziffer 8 des Urteils des Kreisgerichts Oberwallis vom 07.09.2021 sei dahingehend abzuändern, dass 
die Verfahrenskosten vollumfänglich dem Fiskus aufzuerlegen seien. 

4. Ziffer 9 des Urteils des Kreisgerichts Oberwallis vom 07.09.2021 sei dahingehend abzuändern, dass  
Y _________ für das erstinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung in Höhe von CHF 20'000.00 
zu bezahlen sei, wobei die der Rechtsanwältin Fabienne Murmann als amtliche Verteidigerin bezahlte 
Entschädigung in Höhe von CHF 12’559.60 anzurechnen sei. 

5. Ziffer 10 des Urteils des Kreisgerichts Oberwallis vom 07.09.2021 sei aufzuheben. 

6. Y _________ sei für die ausgestandene Untersuchungshaft vom 25.09.2017 bis 12.10.20217 eine  
Entschädigung in Höhe von CHF 3’400.00 zuzusprechen. 

7. Die Kosten des Berufungsverfahrens und Entscheids seien dem Fiskus aufzuerlegen. 

8. Y _________ sei für das Berufungsverfahren eine angemessene Parteientschädigung zu bezahlen. 

Eventualiter: 

Dem amtliche Verteidiger Fabian Williner sei für das Berufungsverfahren zu Lasten des Fiskus eine 
angemessene Entschädigung gemäss GTar und hinterlegter Honorarnote zuzusprechen.  

C.  Es wurden keine weiteren Rechtsmittel deponiert. 

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D.  Die Beteiligten stellten an der Berufungsverhandlung vom 26. September 2022  

(Gericht S. 192) folgende Anträge: 

Staatsanwaltschaft (Gericht S. 206): 

1. Die Berufung von Y _________ vom 2. Mai 2021 gegen das Urteil S1 21 9 des Kreisgerichts 1  
Oberwallis für den Bezirk Brig vom 7. September 2021 ist abzuweisen und das erstinstanzliche Urteil  
S 1 21 9 vollumfänglich zu bestätigen. 

2. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden Y _________ auferlegt. 

3. Y _________ bezahlt X _________ eine angemessene und vom Gericht festzusetzende Parteientschä-
digung für das Berufungsverfahren. 

Privatklägerin (Gericht S. 207): 

1. Die Berufung des Beschuldigten Y _________ ist, soweit überhaupt darauf einzutreten ist, abzuweisen, 
und das Urteil des Kreisgerichts 1 Oberwallis für den Bezirks Brig vom 7. September 2022 vollumfäng-
lich zu bestätigen. 

2. Die Kosten von Verfahren und Entscheid gehen zu Lasten des Berufungsklägers. 

3. Der Privatklägerin ist für das Berufungsverfahren eine Parteientschädigung von mindestens 
CHF 4'021.25 (mit 4 Stunden Verhandlung; inkl. MWST. und Auslagen) gemäss hinterlegter Kostenzu-
sammenstellung zuzusprechen. 

Verteidigung (Gericht S. 213): 

1. Die Ziffern 3 (3.1, 3.2, 3.3 und 3.4), 4, 5 6, und 7 des Urteils des Kreisgerichts Oberwallis vom 7.  
September 2021 seien aufzuheben.  

2. Ziffer 8 des Urteils des Kreisgerichts Oberwallis vom 07.09.2021 sei dahingehend abzuändern, dass 
die Verfahrenskosten vollumfänglich dem Fiskus aufzuerlegen seien. 

3. Ziffer 9 des Urteils des Kreisgerichts Oberwallis vom 07.09.2021 sei dahingehend abzuändern, dass  
Y _________ für das erstinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung in Höhe von CHF 20'000.00 
zu bezahlen sei, wobei die der Rechtsanwältin Fabienne Murmann als amtliche Verteidigerin bezahlte 
Entschädigung in Höhe von CHF 12'559.60 anzurechnen sei. 

4. Ziffer 10 des Urteils des Kreisgerichts Oberwallis vom 07.09.2021 sei aufzuheben. 

5. Y _________ sei für die ausgestandene Untersuchungshaft vom 25.09.2017 bis 12.10.20217 eine  
Entschädigung in Höhe von CHF 3400.00 zuzusprechen. 

6. Die Kosten des Berufungsverfahrens und Entscheids seien dem Fiskus aufzuerlegen. 

E.  Die Beteiligten verzichteten am Schluss der Berufungsverhandlung auf ein mündlich 

begründetes Urteil (Gericht S. 194).  

 
Sachverhalt und Erwägungen 

1. Formelles 

1.1  Nach der vorliegend anwendbaren StPO (Art. 1 Abs. 1 StPO) ist gegen Urteile erst-

instanzlicher Gerichte, d.h. des Bezirksrichters als Einzelrichter und des Kreisgerichts 

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als Kollegialgericht (Art. 19 StPO; Art. 12 EGStPO), mit denen das Verfahren ganz oder 

teilweise abgeschlossen worden ist, gemäss Art. 398 Abs. 1 i.V.m. Art. 21 Abs. 1 lit. a 

StPO die Berufung zulässig. Das Kantonsgericht ist Berufungsinstanz (Art. 14 Abs. 1 

EGStPO). Ein Kantonsrichter kann bei Berufungen gegen Urteile der Bezirksrichter allein 

entscheiden, wenn als Hauptstrafe eine Busse, eine Geldstrafe, eine gemeinnützige  

Arbeit oder eine bedingte Freiheitsstrafe auszufällen und keine vorausgehende bedingte 

Freiheitsstrafe zu widerrufen ist (Art. 19 Abs. 2 StPO; Art. 14 Abs. 2 Satz 1 EGStPO). 

Der mit der Behandlung betraute Kantonsrichter kann den Fall vor den Gerichtshof  

bringen, welcher auch die übrigen Berufungen beurteilt (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 

3 EGStPO).  

Die Zuständigkeit des hier urteilenden Gerichts ist in casu gegeben. 

1.2  Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Ände-

rung eines Entscheides hat, kann ein Rechtsmittel ergreifen. Der Beschuldigte ist vom 

erstinstanzlichen Schuldspruch direkt betroffen. Er ist damit in seinen rechtlich geschütz-

ten Interessen berührt und demzufolge zur Berufung legitimiert (Art. 392 Abs. 1 StPO). 

Der Berufungskläger ist zur Einreichung der Rechtsmittel legitimiert. 

1.3  Die Berufung ist innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils beim erstinstanzlichen 

Gericht entweder schriftlich oder mündlich zu Protokoll anzumelden (Art. 399 Abs. 1 

StPO). Innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils hat die Partei, die 

Berufung angemeldet hat, dem Berufungsgericht eine schriftliche Berufungserklärung 

einzureichen und darin anzugeben, inwieweit sie das Urteil anficht und dessen Abände-

rung verlangt (Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO). Die anderen Parteien können innert 20  

Tagen seit Empfang der Berufungserklärung Anschlussberufung einreichen (Art. 400 

Abs. 3 StPO). 

Der Beschuldigte erhielt das Judikatum am 8. September 2021 übermittelt (Gericht 

S. 86) und meldete die Berufung am 16. September 2021 an (Gericht S. 88). Das ange-

fochtene Urteil wurde am Freitag, 8. April 2022 schriftlich begründet versandt (Gericht  

S. 171). Die Berufungserklärung folgte am Montag, 2. Mai 2022 (Gericht S. 172 und  

S. 177). Die gesetzlich erforderlichen Handlungen sind mithin rechtzeitig erfolgt.  

Die übrigen Parteien haben keine weiteren Rechtsmittel deponiert. 

1.4  Die Beteiligten können mit der Berufung im Regelfall Rechtsverletzungen, Rechts-

verweigerung und Rechtsverzögerung, die unvollständige oder unrichtige Feststellung 

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des Sachverhalts sowie Unangemessenheit rügen (Art. 398 Abs. 3 StPO). Einschrän-

kende Vorschriften gelten für Übertretungen sowie im Zivilpunkt (Art. 398 Abs. 4 und 5 

StPO). Wer nur Teile des Urteils anficht, hat in der Berufungserklärung verbindlich an-

zugeben, auf welche der in Art. 399 Abs. 4 lit. a bis g StPO aufgezählten Teile sich die 

Berufung beschränkt. Das Berufungsgericht kann das Urteil in allen angefochtenen 

Punkten umfassend überprüfen (Art. 398 Abs. 2 StPO). Seine Kontrolle bleibt jedoch im 

Prinzip auf die angefochtenen Punkte beschränkt (Art. 404 Abs. 1 StPO). Es kann aber 

zu Gunsten der beschuldigten Person auch nicht angefochtene Punkte kontrollieren, um 

gesetzwidrige oder unbillige Entscheidungen zu verhindern (Art. 404 Abs. 2 StPO; zur 

Ausdehnung gutheissender Rechtsmittelentscheide vgl. Art. 392 StPO). Die Berufung 

hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung (Art. 402 StPO). 

Das Berufungsgericht fällt bei Eintreten auf die Berufung ein neues Urteil (Art. 408 StPO) 

oder weist die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück, sofern das erstin-

stanzliche Verfahren wesentliche Mängel aufweist, die im Berufungsverfahren nicht  

geheilt werden können (Art. 409 StPO). 

Ziff. 1 (Einstellungen) und Ziff. 2 (Freisprüche) des Urteils vom 7. September 2021 sind 

in Rechtskraft erwachsen. 

Der Verteidiger fordert die Aufhebung von Ziff. 9 und beantragt eine Entschädigung von 

Fr. 20'000.00. Die Summe der erstinstanzlich als Entschädigung zugesprochenen zwei 

Beträge (Fr. 12'559.60 plus Fr. 7'300.00) liegt unter dem neu geforderten Betrag von  

Fr. 20'000.00. Der Anwalt hat keine Beschwerde gegen die Höhe des bisher zugespro-

chenen Honorars in eigenem Namen eingereicht, weshalb derlei nicht mehr geprüft wer-

den muss (zum Vorgehen bei der Anfechtung der erstinstanzlich zugesprochenen  

Entschädigung für den amtlichen Verteidiger vgl. BGE 139 IV 119). Es bleibt mithin mit 

der erstinstanzlich ausgesprochenen Entschädigung von Fr. 12'559.60 plus Fr. 7'300.00. 

1.5  Die Rechtsmittelinstanz darf nach Art. 391 Abs. 2 StPO Entscheide nicht zum Nach-

teil der beschuldigten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten 

ergriffen worden ist (Verbot der reformatio in peius; vgl. BGE 139 IV 282 E. 2.5). Das 

Verschlechterungsverbot ist auch verletzt, wenn die Kosten- und Entschädigungsrege-

lung zum Nachteil des Rechtsmittelklägers geändert wird (Bundesgerichtsurteil 

6B_1046/2013 vom 14. Mai 2014 E. 2.3). 

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2.  Sachverhalt 

2.1  Die Anklageschrift umschreibt den Sachverhalt einleitend wie folgt, bevor sie  

genauer auf die einzelnen Tatvorwürfe eingeht (Gericht S. 3): 

X _________ und Y _________ haben sich im Jahr 2011 kennengelernt und führten ab diesem Zeitpunkt 

eine inoffizielle On-Off-Beziehung bis zu ihrer Verlobung vom 6. Oktober 2013, wobei beide noch bei ihren 

Eltern in A _________ (Adresse: B _________, A _________) und C _________ (Adresse: D _________, 

C _________) wohnten. Ab Anfang 2015 zogen sie zusammen und wohnten bei den Eltern von  

X _________ im gleichen Haushalt in A _________ (Ordner S. 31, 38, 71, 77, 105, 122, 132). In dieser Zeit 

- d.h. ab Mai 2015 - begann Y _________ gegenüber X _________ physische und psychische Gewalt aus-

zuüben (vgl. nachfolgend Ziffer 1.2). Nach ihrer Hochzeit vom xx.xx 2016 in E _________/Nordmazedonien 

zogen sie Anfang September 2016 in eine eigene Wohnung am F _________ in A _________. X _________ 

arbeitete in der G _________ in A _________ und Y _________ war in der Zeit von Anfang 2015 bis Mitte 

2017 mehrheitlich arbeitslos und ging lediglich während einigen Monaten einer Arbeit nach (Ordner, S. 77 

f., 129, 231; Hefter, S. 220 f.). In der Ehe kam es sodann mehrmals zu Geschlechtsverkehr gegen ihren 

Willen und nahmen auch die Gewalttätigkeiten zu. Auch begann Y _________ sie zu kontrollieren und zu 

überwachen. So schrieb er X _________ vor, mit welchen Personen sie Beziehungen führen und wen sie 

treffen durfte. Damit er stets ihren Aufenthaltsort kannte, befahl er ihr, den Ortungsdienst auf ihrem Mobilte-

lefon fortdauernd eingeschaltet zu haben. Ständig kontrollierte und überwachte er sie, indem er ihren  

Aufenthaltsort mittels Ortungsdienst und Kontrollanrufen überprüfte, sie mittels Ortungsdienst auf ihrem  

Mobiltelefon an piepste, ihr Mobiltelefon kontrollierte und hierbei u.a. auch ihre WhatsApp-Mitteilungen las; 

auch wartete er ihr in der Tiefgarage ihres Arbeitsplatzes auf. Ohne seine Erlaubnis durfte X _________ - 

mit Ausnahme von normalen Alltagsterminen (Arbeit, Besuche bei Hausarzt) - nicht gehen, wohin sie wollte. 

Es kam auch mehrmals vor, dass er X _________ und sich selbst gemeinsam in ihrer Wohnung in  

A _________ einsperrte (Ordner, S. 39, 41, 63 f.; Hefter, S. 206, 217, 238 f. 226; vgl. auch nachfolgend 

Ziffer 1.2). Am 25. Juni 2017 zog Y _________ aus der gemeinsamen Wohnung in A _________ aus und 

lebte sodann bei seinen Eltern in C _________. Am xx oder xx 2017 erfolgte im Islam-Zentrum in Visp ihre 

Ehescheidung. Mittlerweile ist Y _________ mit einer anderen Frau verheiratet und wohnt mit ihr zusammen 

in C _________ (Ordner, S. 105, 206, 251, 254; Hefter, S. 278).  

X _________ fürchtete sich sehr vor Y _________, hatte Angst vor gewalttätigen Übergriffen und Angst um 

ihr Leben. X _________ wurde seitens Y _________ vor und während der Ehe mit physischer, psychischer 

und sexueller Gewalt derart terrorisiert, tyrannisiert und in Angst versetzt, sodass sie sich - insbesondere 

auch im Wissen um das Gewaltpotential von Y _________, dessen gewalttätige Vergangenheit und  

Waffenaffinität und im Bewusstsein ihrer gemeinsamen, patriarchalischen Kultur - ihrem Schicksal nur mehr 

fügen konnte. Selbst nach der Trennung und Anzeigeerstattung fürchtete X _________ um ihr Leben, hatte 

Angst vor weiterer Gewalt durch Y _________, vor seinem Aufsuchen/Auflauern vor der Wohnungstüre und 

am Arbeitsort und blockierte seine Mobiltelefonnummer auf ihrem Mobiltelefon. X _________ erlitt gesund-

heitliche Probleme (Angstzustände, Schreckhaftigkeit, Verfolgungswahn, Flashbacks mit Dissoziation, 

Schlafstörungen, Appetit- und Gewichtverlust) und zog sich sozial zurück. Ab Juli 2017 bis Ende Februar 

2019 befand sie sich wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung infolge Gewalt in der Partnerschaft 

mit begleitend depressiven Symptomen in psychiatrischer/psychologischer Behandlung im PZO. In der Zeit 

vom 1. Juli 2017 bis 30. September 2017 war sie zu 100 % und ab 25. September 2017 bis Dezember 2017 

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zu 50 % arbeitsunfähig. Ab Januar 2018 bis Juni 2018 wurde ihre Arbeitsfähigkeit von 50 % kontinuierlich 

bis auf 100 % erhöht (Ordner, S. 40-43, 54, 59-61, 128, 345-361; Hefter S. 54, 205).  

Gemäss Gutachten von Dr. med. Thomas Claussen vom 19. Februar 2018 leidet Y _________ an einer 

deutlichen Persönlichkeitsakzentuierung mit dissozialen und unreifen Zügen (Ordner, S. 320 ff., 331). 

3.  Strafrechtliche Vorhalte 

3.1  Unschuldsvermutung, Beweiswürdigung und Methodik 

3.1.1  Jede Person gilt bis zu ihrer rechtskräftigen Verurteilung als unschuldig  

(Unschuldsvermutung, Art. 10 Abs. 1 StPO). Das Gericht würdigt die Beweise frei nach 

seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung (Art. 10 Abs. 2 StPO).  

Die in Art. 32 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 2 EMRK gewährleistete Unschuldsvermutung 

besagt als Beweislastregel, die Anklagebehörde müsse die Schuld des Angeklagten  

beweisen und nicht dieser seine Unschuld. Der gleiche Grundsatz verbietet dem Straf-

richter als Beweiswürdigungsregel, sich von der Existenz eines für den Angeklagten un-

günstigen Sachverhalts überzeugt erklären zu lassen, wenn bei objektiver Betrachtung 

erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, der Sachverhalt habe sich so 

verwirklicht (BGE 138 V 74 E. 7). Der Strafrichter geht im Falle unüberwindlicher Zweifel 

von der für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus. Die Maxime bezieht sich 

nur auf die Feststellung der Tatsachen und nicht auf deren rechtliche Würdigung.  

„Aussage-gegen-Aussage-Konstellationen“, in welchen sich als massgebliche Beweise 

belastende Aussagen des mutmasslichen Opfers und bestreitende Aussagen der be-

schuldigten Person gegenüberstehen, müssen keineswegs zwingend oder auch nur 

höchstwahrscheinlich gestützt auf den Grundsatz „in dubio pro reo“ zu einem Freispruch 

führen (vgl. BGE 137 IV 122 E. 3.3). Der Erstaussage kommt in der Aussagepsychologie 

aufgrund gedächtnispsychologischer Voraussetzungen entscheidende Bedeutung zu 

(Bundesgerichtsurteil 6B_760/2010 vom 13. Dezember 2010 E. 2.4.1).  

Die Glaubhaftigkeit einer Aussage ist für die Wahrheitsfindung bedeutungsvoll. Sie wird 

durch methodische Prüfung ihres Inhalts darauf analysiert, ob die auf ein bestimmtes 

Geschehen bezogenen Angaben dem tatsächlichen Erleben des Zeugen entspringen. 

Die betreffende Äusserung ist namentlich auf das Vorhandensein von Realitätskriterien 

(Aussagedetails, Individualität, Verflechtung, Widerspruchsfreiheit, Konstanz etc.) und 

umgekehrt auf das Fehlen von Phantasiesignalen zu untersuchen. Das Gericht hat zu 

kontrollieren, ob die aussagende Person eine solche Behauptung unter Berücksichti-

gung der Umstände, ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit und der Motivlage auch ohne 

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realen Erlebnishintergrund machen könnte. Die Richter sollen im Rahmen eines hypo-

thesengeleiteten Vorgehens durch Inhaltsanalyse (aussageimmanente Qualitätsmerk-

male, sogenannte Realkennzeichen) und Bewertung der Entstehungsgeschichte der 

Aussage sowie des Aussageverhaltens das insgesamt gewonnene Ergebnis auf Fehler-

quellen testen. Die Prüfung soll ausserdem die persönliche Kompetenz der aussagen-

den Person werten. Das Gericht hat dabei vorab von einer nichtrealitätsbegründeten 

Aussage auszugehen. Erst wenn sich diese Annahme (Nullhypothese) aufgrund der fest-

gestellten Realitätskriterien nicht mehr halten lässt, darf das Gericht darauf schliessen, 

dass die Aussage einem wirklichen Erleben entspricht und wahr ist (vgl. BGE 133 I 33 

E. 4.3; Bundesgerichtsurteil 6B_760/2016 vom 29. Juni 2017 E. 4.2 mit weiteren Hinwei-

sen). 

Selbst erlebte Ereignisse bleiben länger im Gedächtnis gespeichert als blosse Erfindun-

gen. Erlebnisbegründete Schilderungen schneiden bei wiederholten Befragungen  

bezüglich Konstanz besser ab als erfundene Aussagen. Erinnerungsverluste sind aller-

dings immer möglich, sie müssen geradezu erwartet werden. Teils wird von „relativer 

Konstanz“ gesprochen, wobei Abweichungen, die mit einem natürlichen Erinnerungsver-

lust zu vereinbaren sind, Merkmale für die Bejahung der Glaubhaftigkeit sind: Es wäre 

zu einfach, zu behaupten, die Konstanz einer Aussage spräche für ihre Glaubhaftigkeit, 

während die Inkonstanz ihre Unglaubhaftigkeit anzeigt. Entscheidend ist die Prüfung der 

Art der Konstanz. Erwartete Konstanzen betreffen etwa Handlungen des Kerngesche-

hens, unmittelbar am Kerngeschehen beteiligte Personen, Tatörtlichkeiten, handlungs-

relevante Gegenstände, globale Körperpositionen oder Lichtverhältnisse (Helligkeit bzw. 

Dunkelheit). Erwartete Erinnerungsverluste (psychologisch erwartete Inkonstanzen)  

beziehen sich hingegen auf Schilderungen des peripheren Geschehens, die zeitliche 

Reihenfolge von verschiedenen Phasen eines Vorganges oder von verschiedenen  

abgeschlossenen Handlungen, auf Schätzungen beruhende Angaben, Angaben über 

unangenehme Empfindungen, Häufigkeitsangaben bei ähnlichen Vorfällen, Kleidung, 

Wetterverhältnisse oder Zahlenangaben (Berlinger, Glaubhaftigkeitsbegutachtung im 

Strafprozess, Beweiseignung und Beweiswert, Zürich/Basel/Genf 2014, S. 44 f.).  

Es ist mithin zu prüfen, was als «Kerngeschehen» und was als «Randgeschehen» an-

zusehen ist. Die überwiegende Meinung in Rechtsprechung und Literatur definiert das 

Kerngeschehen subjektiv: Das Gericht hat mithin das, was für die betreffende Auskunfts-

person in der konkreten Situation emotional besonders wichtig erschien und sie bewegt 

hat, zu bestimmen. Dieses subjektive Kerngeschehen muss somit im Prozess von Zeuge 

zu Zeuge neu bestimmt werden. Es existiert kein (feststehendes) prozessuales, sondern 

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nur ein personales Kerngeschehen. Die herrschende Rechtsprechung und Lehre defi-

niert Kerngeschehen folglich nicht aus der Sicht des in Frage stehenden Tatbestandes 

oder Lebenssachverhaltes (Hussels, Von Wahrheiten und Lügen - Eine Darstellung der 

Glaubhaftigkeitskriterien anhand der Rechtsprechung, forumpoenale 6/2012 S. 372). 

Die Zeitintervalle zwischen den Aussagen sowie zwischen den Aussagen und den ge-

schilderten Ereignissen sind bei der Konstanzanalyse von zentraler Bedeutung. Ein  

Unterschied von wenigen Wochen erlaubt es regelmässig nicht, signifikante Konstanz-

phänomene zu entwickeln. Das Gericht darf andererseits bei Zeiträumen von mehr als 

zwei oder drei Jahren auch bei erlebnisbegründeten Aussagen regelmässig keine Kon-

stanz mehr erwarten (Berlinger, a.a.O., S. 45). 

3.1.2  Da eine Vielzahl von Strafvorwürfen mit unterschiedlichen Beweisen vorliegen, 

aber häufig eine Aussage-gegen-Aussagekonstellation besteht, wird zur Abklärung des 

Sachverhalts wie folgt vorgegangen: Das Kantonsgericht wird zunächst generell  

relevante Beweise anführen und würdigen (E. 3.2). Es wird anschliessend das allge-

meine Aussageverhalten der Betroffenen (E. 3.3) und des Beschuldigten (E. 3.4),  

erörtern. Beide Beteiligten haben mehrfach ausgesagt, was v.a. in Bezug auf die Aus-

sagenkonstanz relevant sein kann. Die Äusserungen zu den konkreten Tatvorwürfen 

werden der Übersicht halber jeweils nach Vorhalt gegliedert, in chronologischer Reihen-

folge dargelegt und unter Beachtung der übrigen Beweismittel gewürdigt. Die rechtliche 

Subsumtion erfolgt am Schluss des jeweiligen Ereignisses (E. 3.5 – E. 3.11). An den 

entsprechenden Stellen sind folglich auch die Tatbestandselemente der anwendbaren 

Strafbestimmung aufgeführt und zwar jeweils dort, wo zum ersten Mal ein Schuldspruch 

für die entsprechende Straftat zur Diskussion steht. 

3.2  Generell relevante Beweismittel 

3.2.1  Die Akten enthalten Fotos mit Hämatomen an der Innenseite des Oberschenkels 

der Privatklägerin (S. 14; S. 361). Die Ablichtung stamme vom Vorfall vom 8. Juni 2017 

(S. 41) und zeige Kniffverletzungen (Gericht S. 198). 

3.2.2  Die Betroffene verweist am 21. August 2017 auf digitale Botschaften, die sie mit 

der Mutter des Angeklagten nach dem Vorfall vom 8. Juni 2016 ausgetauscht habe  

(S. 39; Staatsanwaltschaft S. 210). Diese liegen in den Akten und enthalten u.a. folgen-

den Wortlaut (S. 18):  

Betroffene:  

«Vielleicht werde ich es zutiefst bereuen, aber geschlagen werde ich dann nie wieder» 

- 11 - 

Mutter: 

«Ja, er wird’s versuchen, dich nicht mehr anzurühren, weil er bereut es danach, aber lass es, weil er 

könnte Selbstmord begehen.»  

«Dann wäre es schlecht für uns und für dich» 

Betroffene: 

«Wie oft haben wir gesagt, er fasst mich nicht mehr an und jedes Mal bekomme ich umso mehr 

Schläge». 

Mutter 

«Heute fastet er, nehme es ihm nicht übel. » 

Die Mutter des Angeklagten ist sich zu diesem Zeitpunkt über das gewalttätige Verhalten 

ihres Sohnes bewusst und versucht es zu verharmlosen. Die Botschaften bestätigen 

ausserdem, dass die Mutter bereits frühzeitiger vom Sohn über Gewalttätigkeiten orien-

tiert gewesen ist; sie gibt an, dieser habe ihr nachträglich erklärt, ihm täte ein solches 

Verhalten jeweils leid. 

3.2.3  Der Angeklagte hat über seinen Cousin bei einer Drittperson eine SIM-Karte  

organisiert und diese verwendet, um die Betroffene nach eingeleitetem Strafverfahren 

zwischen November 2017 bis Januar 2018 über hundert Mal (S. 244) anonym anzuru-

fen und zu behelligen. Dies sei eine Racheaktion gewesen, weil anonyme telefonische 

Belästigungen gegenüber seiner Familie erfolgt seien. Er vermutete die Urheberschaft 

im Umfeld der Privatklägerin (S. 239 f.). 

Dieses wiederholte anonyme Kontaktieren ist bei der Beurteilung der Massnahmenbe-

dürftigkeit relevant. Es beweist ferner die fehlende Einsicht des Berufungsklägers in  

Bezug auf sein vergleichbares, hinterhältiges Verhalten nach der Trennung (vgl. E. 3.3), 

welches die nachfolgend behandelten Treffen in H _________ und I _________ ermög-

licht hat. 

3.2.4  Der Angeklagte ist gemeinsam mit Drittpersonen am 22. August 2009 per Straf-

befehl verurteilt worden, weil er gemeinsam mit Kollegen mit einer Softair-Pistole 

Schüsse aus einer Wohnung abgegeben hat (S1 10 585). Der Beschuldigte ist am 

12. Juni 2012 mittels Strafbefehl rechtskräftig verurteilt worden, weil er am 25. Juli 2011 

einen Polizisten mit einem Holzpfahl attackiert hat. Eine Verurteilung wegen Angriffs ist 

im gleichen Strafbefehl erfolgt, weil der Angeklagte am 2. Oktober 2011 auf eine  

Zivilperson eingeprügelt hat (SAO 12 10’323). Das gewalttätige Verhalten ist namentlich 

in Bezug auf das Gutachten (vgl. E. 5) von Interesse.  

- 12 - 

Die Betroffene gibt an, der Beschuldigte verfüge über ein langes Messer. Er trage immer 

ein Butterflymesser und Schlagringe mit sich. Die ganzen Kollegen hätten 2011/2012 

eine «9mm» nach C _________ eingeschleust, sie wisse aber nicht, wo sich diese be-

findet. Er habe schon Polizisten geschlagen (S. 40 f.). Die Mutter der Privatklägerin will 

diese Messer selbst gesehen haben, als sie wöchentlich die Wohnung der Parteien  

gereinigt habe (S. 61 f.). Der Angeklagte bestreitet den Besitz eines Messers oder einer 

Waffe (S. 111 und S. 154). Waffen sind beim Betroffenen nicht gefunden worden. Er ist 

allerdings, vor der Verhaftung, von der Betroffenen über das eingeleitete Verfahren vor-

gewarnt worden (S. 158). Die Aussagen von Tochter und Mutter erscheinen, im Gesamt-

zusammenhang mit den übrigen Darlegungen, durchaus als glaubwürdig. 

3.2.5  Die Polizisten haben die Privatklägerin gefragt, ob sie nach einem solchen Vorfall 

je zu einem Arzt gegangen sei. Sie hat dies verneint, zumal der arbeitslose Beschuldigte 

sie immer kontrolliert habe (S. 41). Sie habe den Arzt nach der Trennung auf Empfehlung 

der Polizei konsultiert, um Beweismittel zu haben (Staatsanwaltschaft S. 208).  

Die Frauenärztin der Privatklägerin bestätigt, bei drei Terminen mit der Betroffenen sei 

der Angeklagte zwei Mal anwesend gewesen. Sie könne sich aber nicht erinnern, ob er 

auch am 25. August 2017 mitgekommen sei. Die Betroffene habe Schmerzen gehabt 

und Medikamente gegen Pilzerkrankungen und bakterieller Vaginose erhalten. Die  

Betroffene habe nie geäussert, vom Partner missbraucht worden zu sein und die Ärztin 

habe auch keine entsprechenden Verletzungen festgestellt (S. 166). 

Die Frauenärztin bestätigt am 19. Juli 2012 eine Vergewaltigung, die das Opfer mit 15 

Jahren in den Ferien in Nordmazedonien erfahren haben will (S. 394). 

Die Hausärztin hat am 11. September 2017 eine Zusammenfassung der Behandlungen 

der Betroffenen deponiert. Letztere sei im Jahr 2009 wegen drohender Magersucht  

behandelt worden (S. 345). Die Privatklägerin sei am 30. Mai 2016 wegen multiplen  

Kontusionen am Knie und am Fuss wegen angeblichem Sturz auf der Treppe in der 

Praxis erschienen. Sie habe jegliche Gewaltanwendung verneint (S. 347). 

Die Betroffene hat sich zum wiederholten Male in psychologischer Behandlung befun-

den. Derlei sei 2011 wegen des Entzugs von Cannabis und einer kurzfristigen Trennung 

vom Angeklagten erforderlich gewesen (S. 132). Eine Mitteilung des Psychiatriezent-

rums Oberwallis vom 13. Juni 2013 bescheinigt Störungen durch Cannabinoide und  

soziale Ängste. Die Patientin habe den Cannabiskonsum gemäss eigenen Angaben 

deutlich vermindert und leide seither unter starken Ängsten (S. 383).  

- 13 - 

Die Hausärztin hat am 1. Juli 2017 die «Diagnose» gestellt, die Privatklägerin sei  

Stalking- und Vergewaltigungsopfer (S. 360). Ein weiterer Bericht vom 13. Juli 2017 des 

Spitalzentrums Oberwallis bescheinigt eine posttraumatische Belastungsstörung infolge 

Gewalt in der Partnerschaft. Die Betroffene habe nach ca. einem Jahr zunehmender 

psychischer körperlicher und sexueller Gewalt durch ihren langjährigen Partner den Mut 

gefunden, diesen aus der Wohnung zu weisen und anzuzeigen (S. 356). Eine Mitteilung 

des Spitalzentrums Oberwallis, Psychiatriezentrum, vom 31. August 2017 bestätigt eine 

PTBS-Symptomatik mit Flashbacks, dissoziativem Erleben, vermehrter Schreckhaf-

tigkeit und Ängstlichkeit, jeweils mittelgradig bis schwer ausgeprägt. Es bestehe eine 

mittelgradig bis schwer ausgeprägte depressive Symptomatik (S. 351 f.).  

Die Akten enthalten Arbeitsunfähigkeitszeugnisse vom 10. Juli 2017, 24. Juli 2017, 

23. August 2017, 26. Juli 2017. Die Privatklägerin ist bis zum 30. September 2017  

arbeitsunfähig gewesen (S. 353 ff.). Das Spitalzentrum Oberwallis hat schliesslich  

bestätigt, die Patientin sei vom 7. Juli 2017 - 7. November 2017 zu 100% arbeitsunfähig 

geschrieben worden. Die Einschränkung habe sich danach bis Ende Jahr um 50%  

reduziert. Die Privatklägerin habe danach bis zum 31. Januar 2018 zu 60% arbeiten 

können (Staatsanwaltschaft S. 135). 

Die Chefärztin des Psychiatriezentrums Oberwallis hat am 2. Oktober 2017 erklärt, eine 

Befragung der Betroffenen sei «aus medizinischen Gründen» nicht zumutbar (S. 136). 

Eine vergleichbare Mitteilung befindet sich auch für die Berufungsverhandlung in den 

Akten. Die Privatklägerin solle demnach jede weitere zusätzliche Belastung wegen der 

Schwangerschaft vermeiden. Weitere Befragungen könnten zu einer Retraumatisierung 

mit Flashbacks führen. Die Patientin bedürfe Medikamente zur Stressminderung und 

Beruhigung (Gericht S. 189). 

Die Ärzte thematisieren erst nach der Trennung häusliche Gewalt im Zusammenhang 

mit dem Angeklagten. Diese liegt, wie die übrigen Beweismittel zweifelsfrei ergeben, vor. 

Die Privatklägerin hat derlei folglich zunächst verheimlicht. Die zahlreichen medizini-

schen Unterlagen weisen auf eine posttraumatische Belastungsstörung hin, was sowohl 

als Hilfstatsache wie auch bei der Aussagenwürdigung der Privatklägerin zu beachten 

ist. Eine frühere psychologische Behandlung hat freilich stattgefunden, während des  

Zusammenlebens ist aber davon keine Rede. 

3.2.6  J _________, Vater der Betroffenen, will wiederholt beobachtet haben, wie seine 

Tochter weinend aus dem Zimmer getreten sei. Der Beschuldigte habe sie geschlagen. 

Er habe im Gesicht und an den Armen blaue Flecken festgestellt (S. 53). Die Gewalt 

- 14 - 

habe bereits vor der Heirat begonnen. Sie seien wiederholt mit dem Angeklagten zu-

sammengesessen, um über die Gewalt zu reden. Dieser habe Besserung gelobt, kurz 

darauf habe es aber wieder Probleme gegeben (S. 54). 

Diese Aussage bestätigt namentlich die Thematisierung von häuslicher Gewalt mit dem 

Angeklagten. Dies bestärkt oben aufgeführte E-Mails der Mutter des Angeklagten, die 

von entsprechenden Handlungen in Kenntnis gesetzt war und ihrerseits den Sohn darauf 

angesprochen hatte. Der Vater der Privatklägerin steht freilich auf der Seite seiner Toch-

ter, ist aber beim Aussagenverhalten generell zurückhaltend und damit glaubwürdiger 

als die Eltern des Beschuldigten. 

3.2.7  K _________, Mutter der Privatklägerin, will erste Probleme nach dem ersten Jahr 

seit der Verlobung der Parteien festgestellt haben. Letztere hätten anderthalb Jahre bei 

ihnen gewohnt. Die Mutter habe ihre Tochter mehrere Male im Zimmer schreien gehört 

und es seien Schmerzensschrei gewesen. Die Auskunftsperson habe sich dorthin bege-

ben, sei aber von den Parteien gebeten worden, den Raum zu verlassen, weil sie die 

Probleme selbst lösen wollten. Ihre Tochter habe den Angeklagten während dieser Zeit 

aus dem Appartement geworfen, worauf sich dessen Eltern eingeschaltete hätten, um 

die Situation zu beruhigen. Die Mutter will später Wesensveränderungen an der Tochter 

festgestellt haben und zwar vor der Hochzeit (S. 59). Die Tochter habe der Mutter Blut-

ergüsse am Hals sowie Kratzer an den Armen und Beinen gezeigt und erklärt, diese 

stammten von Schlägen des Angeklagten. Eigentliche Gewalthandlungen habe sie  

jedoch nicht beobachtet (S. 60). 

K _________ bestätigt in der zweiten Befragung vom 9. Oktober 2017, sie habe nicht 

gesehen, wie ihre Tochter geschlagen worden sei. Letztere habe ihr das erzählt und 

zwar nach einigen Tagen oder nach einem weiteren Streit (S. 141). Sie habe mit der 

Tochter über die sexuellen Übergriffe gesprochen, es liege aber an der Tochter, die  

Vorwürfe zu beschreiben (S. 143). Sie wolle sich da einfach nicht einmischen (S. 144). 

Die Aussagen dieser Zeugin sind bemerkenswert, weil sie Ausführungen der Tochter 

bestärken, wonach diese zunächst versucht habe, Probleme mit dem Angeklagten  

untereinander zu lösen. Die Mutter der Betroffenen hat ausserdem für Gewalthandlun-

gen typische Verletzungen selbst konstatiert. Sie gibt sich in Bezug auf die vorgeworfe-

nen sexuellen Handlungen zurückhaltend, will aber derlei nachträglich von ihrer Tochter 

mitbekommen haben. 

- 15 - 

Es ist schliesslich bemerkenswert, wie sich die Mutter zurückhält, obwohl sie naturge-

mäss ein Interesse am Verfahrensausgang zugunsten der Tochter verfügt. Auch ihr Aus-

sageverhalten ist deutlich zurückhaltender als dasjenige der Familie des Angeklagten. 

Dies ist auch beachtlich, weil sie einen dramatischen Teil des Vorfalls vom September 

2016 telefonisch miterlebt hat. 

3.2.8  L _________, Vater des Angeklagten, gibt am 25. September 2017 vor der Polizei 

an, er habe keine Gewalttätigkeiten gesehen. Er habe gehört, die Privatklägerin hätte 

mehrmals behauptet, geschlagen worden zu sein. Sein Sohn habe diese zurückgeris-

sen, als sie vom Balkon springen wollte. Die Frau der Auskunftsperson habe etwas  

gesehen, sie werde dies aber selbst aussagen. Die Familie der Betroffenen behaupte, 

der Angeklagte schlage diese. Sie habe aber auch (sic!) den Beschuldigten geschlagen. 

Die Betroffene habe ein paar Mal Theater in der Wohnung veranstaltet (S. 69). Seine 

Frau habe ihm erzählt, die Privatklägerin habe in der Nacht, als er gearbeitet habe,  

geschrien (S. 70). Die Betroffene habe während des Zusammenlebens mit dem Ange-

klagten immer wieder Aussetzer gehabt. Das Paar habe gestritten, er glaube aber nicht, 

dass es zu Gewalttätigkeiten gekommen sei. Er habe nur einmal Kratzer bei seinem 

Sohn gesehen. Die Mutter der Privatklägerin habe ihm Anschreien bestätigt (S. 71). Die 

Auskunftsperson will nie etwas von sexuellen Übergriffen gehört haben, derlei sei auch 

von der Familie der Betroffenen nie behauptet worden. Der Vater des Angeklagten  

erklärt anschliessend, das Hauptproblem in der Beziehung bilde die Privatklägerin, wel-

che im Kopf Probleme habe. Der Sohn habe ein Programm auf seinem Handy gehabt, 

um diese zu überwachen (S. 72). Der Vater schulde der Betroffenen noch eine Aussteuer 

von rund Fr. 3'000.00 für die Scheidung (S. 73). 

Das Aussageverhalten der Auskunftsperson in Bezug auf die häusliche Gewalt erscheint 

widersprüchlich. Er bestätigt interessanterweise, sein Sohn habe die Privatklägerin mit 

Hilfe des Mobiltelefons überwacht. Ferner ist in einer Antwort von gegenseitiger physi-

scher Gewalt die Rede.  

3.2.9  M _________, Mutter des Angeklagten, bezieht in ihrer Polizeibefragung vom 

25. September 2017 am deutlichsten Stellung gegen die Betroffene und für ihren Sohn 

(S. 75). Die Aussage enthält wiederholt vielseitige Vorwürfe (der Sohn würde «Scheisse» 

essen, wenn die Betroffene ihm das vorsetzt [S. 76], die Privatklägerin habe nackt nach 

Draussen gewollt [S. 76], sie habe ihre Eltern angelogen [S. 76], sie habe im Ausgang 

mit allen gestritten [S. 77], die Eltern des Angeklagten hätten für die Betroffene keinen 

Wert [S. 78]) und Beleidigungen («komische Frau» [S. 76], «dumme Tochter» [S. 79]) 

- 16 - 

gegen die Betroffene. Der Angeklagte habe die Privatklägerin nie geschlagen. Die Aus-

kunftsperson wird mit ihren digitalen Botschaften konfrontiert. Sie bestätigt, die Mitteilun-

gen verfasst zu haben. Die Mutter der Betroffenen habe Probleme mit einer Zuckerkrank-

heit, weshalb die Auskunftsperson die Betroffene gebeten habe, ihr nichts über den  

Vorfall zu sagen (S. 77). Die Auskunftsperson wird anschliessend auf ihre digital  

versandte Ankündigung angesprochen, ihr Ehemann werde mit dem Angeklagten reden. 

Die Betroffene habe ausserdem geschrieben, sie wolle nicht mehr täglich Schläge ertra-

gen. Die Auskunftsperson antwortet, falls diese Vorhalte zutreffen würden, warum hätte 

die Privatklägerin um eine Heirat gebeten. Sie habe durchaus verbalen Streit mitbekom-

men, Schläge seien ihr aber nicht bekannt. Die Privatklägerin habe dem Beschuldigten 

wiederholt mit der Polizei gedroht, weshalb sich dieser gehütet hätte, gewalttätig zu sein 

(S. 78). Die Privatklägerin hätte sich psychisch abklären lassen sollen, weil es jedes Mal 

Ausraster gegeben habe. Die Mutter des Angeklagten habe nie von sexuellen Übergrif-

fen gehört (S. 79). 

Diese Antworten überzeugen nicht und erklären nicht, warum die Auskunftsperson der 

Betroffenen vorab Mitteilungen mit dem oben zitierten Wortlaut, wonach ihr häusliche 

Gewalt bekannt gewesen ist, übermittelt hat. Das Aussageverhalten der Mutter des  

Angeklagten ist im Vergleich mit sämtlichen anderen Eltern der Parteien am einseitigs-

ten. Sie vermag ausserdem nicht zu erklären, warum sie die oben zitierten digitalen  

Botschaften versandt hat. 

3.2.10  N _________, ist Schwester des Angeklagten und will von sich aus aussagen 

und hat sich mit Notizen vorbereitet. Sie umschreibt die Privatklägerin als impulsiv,  

eifersüchtig, grob, unehrlich und undankbar (S. 83 f.). Diese sei vom Arbeitgeber in eine 

psychische Behandlung geschickt worden und habe beim Rauchen gezittert (S. 84). Die 

Auskunftsperson wäre nicht vor die Polizei getreten, wenn sie davon ausgehen würde, 

dass ihr Bruder gegen die Betroffene die vorgeworfenen Taten tatsächlich begangen 

hätte (S. 84). Die beiden Frauen hätten auch über Sex geredet und die Betroffene habe 

erklärt, diesen gerne regelmässig zu praktizieren. Ein Tag ohne Geschlechtsverkehr sei 

ein verlorener Tag, sie könnte 10 Mal pro Tag Sex haben. Die Privatklägerin habe ihr 

gegenüber nie erklärt, der Bruder wolle zu häufig Sex von ihr oder habe sie dazu  

gezwungen (S. 85). Die Auskunftsperson erzählt von Magie, an welche alle Albaner glau-

ben würden und behauptet ein vulgäres sowie gewalttätiges Handeln der Betroffenen 

während einer Autofahrt (S. 86). Die Betroffene verursache den vorliegenden Prozess, 

damit der Angeklagte für 10 - 15 Jahre ins Gefängnis müsse. Sie wolle dessen leben 

zerstören. Er solle nicht heiraten können, da sie sehr eifersüchtig sei (S. 88).  

- 17 - 

Die Schwester bestätigt schliesslich, nie Verletzungen am Körper des Opfers wahrge-

nommen zu haben. Er habe nie seine Kraft gegen sie eingesetzt (S. 88). 

Es ist von einer vorbereiteten und parteiischen Aussage der Schwester des Beschuldig-

ten auszugehen, deren Beweiswert gering ist. 

3.2.11  N _________ deponiert in laufender Sitzung Belege aus dem Jahr 2011, welche 

u.a. auf eine Abtreibung durch die Betroffene hinweisen. Der Angeklagte will diese zu-

fälligerweise bei seiner damaligen Freundin gefunden haben. Sie hätten auch Ursache 

für die Trennung gebildet (S. 87 und S. 89 ff.; Aussagen des Angeklagten zu diesen 

Briefen befinden sich auf S. 117 und auf S. 152). Die Betroffene bezeichnet den angeb-

lichen Schwangerschaftsabbruch als «Aprilscherz». Es habe weder ein Kind noch eine 

Abtreibung gegeben. Das sei damals witzig gewesen (S. 134). Die polizeilichen Ermitt-

lungen haben ergeben, dass es sich bei den aktenkundigen Belegen um Fälschungen 

handelt, welche die Privatklägerin angefertigt haben will, um eine Kollegin zu narren  

(S. 10).  

Das Finden und Vorweisen solcher Belege zeigen das Misstrauen und die Kontrolltätig-

keit des Beschuldigten gegenüber seiner damaligen Partnerin auf. Die Familie des  

Angeklagten nutzt ferner im Strafprozess gefundene Urkunden, die eigentlich irrelevant 

sind, um die Privatklägerin zu diskreditieren.  

Der Angeklagte hat am 11. Oktober 2017 zugegeben, er hätte die Zettel eigentlich ver-

nichten sollen, dies aber nicht getan. Er hat ferner die Ärztin, welche auf der Urkunde 

genannt ist, zu kontaktieren versucht. Diese hat ihm gegenüber Auskünfte verweigert  

(S. 162). Das zeigt erneut das erhebliche Mass der vom Beschuldigten durchgeführten 

Kontrollen und sein Misstrauen gegenüber der Partnerin auf. Er hat ferner keinen  

Skrupel, Unterlagen vor Gericht deponieren zu lassen, die er eigentlich hätte vernichten 

wollen. 

3.2.12  O _________ ist Arbeitskollegin und Freundin der Privatklägerin (S. 64). Sie hät-

ten sich 2014 kennengelernt. Die Zeugin bestätigt die erhebliche Kontrolle durch den 

Angeklagten. Die Betroffene habe fast immer geweint, wenn sie ihre Kollegin angerufen 

habe, weil ihr der Angeklagte etwas angetan habe. Die Gewalt habe 2015 richtig ange-

fangen, die Privatklägerin habe ihr beschrieben, sie werde geschlagen und auch einge-

sperrt. Derlei habe sich bis zur Trennung im Jahr 2016 hingezogen. Sie habe ihr auf der 

Arbeit mehrfach Hämatome gezeigt, welche entstanden seien, weil der Angeklagte die 

Betroffene festgehalten habe. Die Zeugin habe auch Blutergüsse am Oberschenkel und 

- 18 - 

blaue Flecken im Gesicht gezeigt. Der Beschuldigte habe das Mobiltelefon der Privat-

klägerin kontrolliert, weshalb sie der Kollegin das Verhalten nicht mehr über Whatsapp-

Mitteilungen eröffnet habe. Sie habe der Zeugin meistens während der Arbeit von den 

Gewalttätigkeiten erzählt und bei dieser Gelegenheit die Verletzungen gezeigt. Es sei 

bei einem Vorfall auch von Würgen die Rede gewesen, ohne dies zu konkretisieren. Es 

sei mehrfach vorgekommen, dass die Zivilpartei nach der Mittagspause zum Arbeiten 

zurückgekommen sei und erzählt habe, der Angeklagte habe sie zu Geschlechtsverkehr 

gezwungen, obwohl sie eigentlich nicht gewollt habe (S. 65). 

Diese Aussagen bestätigen Verletzungen, die mit häuslicher Gewalt zusammenhängen 

können. Die Zeugin bekräftigt auch die erhebliche Kontrolle, welche der Beklagte gegen-

über seiner Partnerin ausgeführt hat. Die Kollegin vermag schliesslich, vom Hörensagen, 

sexuelle Übergriffe zu bekräftigen. 

3.2.13  P _________, der während Oktober 2016 bis 25. Juni 2017 im gleichen, gut 

isolierten Gebäude wie das Paar gewohnt hat, bestätigt regelmässige lautstarke und 

emotionale Streitigkeiten. Diese hätten ab April 2017 bis zur Trennung zugenommen. Er 

kann keine Gewaltanwendung bestätigen, hat jedoch gehört, wie der Angeklagte der 

Betroffenen gesagt hat «dann spring endlich, dann ist es endlich vorbei». Die Privatklä-

gerin habe sich nach der Trennung in schlechter Form befunden (S. 260 f.). 

Dieser Zeuge bestätigt demnach lautstarke und emotionale Streitereien. Es gibt eine 

andere Szene, bei welcher sich die Partner auf dem Balkon befinden und strittig ist, was 

der Angeklagte in diesem Augenblick der Betroffenen sagt. Er ist, laut dieser Zeugen-

aussage, durchaus im Stande, seiner Partnerin vorzuschlagen, vom Balkon zu springen. 

3.2.14  Die Vorinstanz verweist schliesslich, korrekterweise, auf Ausführungen des 

Sachverständigen (Gericht S. 143). Der Gutachter stellt wegen den Vorstrafen, den  

Eigenangaben des Beschuldigten und den Aussagen eines Bekannten eine deutliche 

Neigung des Beschuldigten zu gewalttätigen Handlungen fest. 

3.2.15  Es lässt sich als erstes Zwischenergebnis bereits aufgrund der Aussagen des 

Vaters des Berufungsklägers und der Arbeitskollegin der Privatklägerin bestätigen, dass 

der Angeklagte seine Partnerin erheblich, u.a. mit Hilfe des Mobiltelefons kontrolliert hat. 

Er hat auch ungefragt ihre Unterlagen durchsucht und scheut sich nicht, diese im Straf-

prozess mit Hilfe von Familienmitgliedern zu hinterlegen, wenn er die Privatklägerin 

dadurch diskreditieren kann.  

Der Angeklagte hat die Betroffene nach der Trennung erheblich anonym belästigt. 

- 19 - 

Die Partner haben, wie dies ein Nachbar festgestellt hat und auch die Eltern bestätigen, 

regelmässig emotional und lautstark gestritten. Sie haben vielfach versucht, ihre Bezie-

hungsprobleme alleine zu lösen. 

Das Gericht erachtet das Vorliegen von physischer häuslicher Gewalt wegen den akten-

kundigen digitalen Botschaften der Mutter des Angeklagten als bewiesen. Dies wird 

durch die Aussage der Berufskollegin, welche davon nicht nur gehört, sondern auch ent-

sprechende Verletzungen wahrgenommen hat, bestärkt. Auch die ärztlich festgestellte 

posttraumatische Belastungsstörung weist darauf hin und schliesslich bestätigt auch der 

Sachverständige derlei Tendenzen. Die Eltern sind über Gewalthandlungen orientiert 

gewesen und haben diese auch mit dem Angeklagten thematisiert. 

Die Arbeitskollegin bestätigt ferner unfreiwillige sexuelle Handlungen, hat diese aber 

nicht selbst wahrgenommen. Ein weiterer Hinweis für solche Verhaltensweisen bilden 

die oben erwähnten ärztlichen Zeugnisse, in welchen derlei aufgrund der Mitteilung der 

Betroffenen attestiert wird. Es fällt andererseits auf, dass die Privatklägerin dies den  

Eltern, die über häusliche Gewalt informiert gewesen sind, erst nach der Trennung kund-

getan hat. Auch die behandelnden Ärzte haben davon erst nach der Trennung erfahren. 

Darauf ist bei der allgemeinen Prüfung des Aussageverhaltens der Betroffenen zurück-

zukommen. 

3.3  Aussagenverhalten und Handlungsweise der Betroffenen nach der Strafan-

zeige 

3.3.1  Die Betroffene ist vor der Berufungsverhandlung vier Mal befragt worden. Die Zeit-

räume zwischen den einzelnen Einvernahmen sind erheblich. Die zur Diskussion  

stehenden Vorwürfe sollen sich teilweise mehr als ein Jahr vor der Anzeigenerstattung 

ereignet haben. Die Betroffene spricht schliesslich von wiederholter häuslicher Gewalt, 

also nicht bloss von einem Vorfall und sie ist nach den Ereignissen während Monaten 

medizinisch behandelt worden. Die Angelegenheiten haben sich teilweise über Stunden 

hingezogen, es ist partiell von komplexen und dynamischem Handlungsabfolgen die 

Rede, wobei auch emotional geführte Streitigkeiten vorliegen. Dies alles kann die  

Erinnerung und die Konstanz der Aussagen beeinträchtigen. 

3.3.2  Der Angeklagte hat die Reihenfolge der Belastungen, welche die Betroffene  

gegenüber der Polizei vorbringt, im Plädoyer beanstandet. Die Anzeigeerstatterin habe 

in der Erstaussage nicht zunächst die erheblichsten Delikte genannt, was üblicherweise 

so geschehe. Es ist bei diesem Vorgehen im konkreten Fall beachtlich, dass eine Viel-

zahl von Gewaltformen und Vorfällen angeklagt und von den Ermittlungsbehörden  

- 20 - 

protokolliert und untersucht worden sind. Die Betroffene beschreibt die Vorfälle in der 

ersten Befragung gemäss Frage 7 (S. 36) in zeitlicher Hinsicht chronologisch, was auch 

ein systematisches und übersichtliches Vorgehen darstellen kann. Der Beweiswert ihrer 

Aussage wird dadurch nicht geschmälert. 

3.3.3  Die Betroffene habe laut Beschuldigtem schon einmal eine Strafanzeige wegen 

sexueller Belästigung gegen ihren Fahrlehrer deponiert. Jener habe angeblich Suizid 

begangen. Er habe ihr über die Beine gestrichen (S. 160). Die Privatklägerin hat dazu in 

der Hauptverhandlung erklärt, es habe tatsächlich einen Vorfall mit ihrem ersten Fahr-

lehrer gegeben. Sie habe das damalige Geschehen eigentlich nicht als relevant erachtet, 

jedoch ihrem zweiten Fahrlehrer, der entsprechende Informationen über seinen Konkur-

renten gesammelt hatte, auf dessen Anfrage hin Auskunft erteilt (Gericht S. 197). Es ist 

wegen dieses Vorfalls nicht davon auszugehen, die Betroffene versuche bewusst zu  

Unrecht Drittpersonen mit Sexualdelikten zu belasten, da die Initiative zur Anzeigeerstat-

tung nicht von ihr ausgegangen ist. 

3.3.4 

3.3.4.1  Die Betroffene hat am 21. August 2017 behauptet, sich erheblich vor dem  

Angeklagten zu fürchten. Sie denke, er warte nur darauf, sie alleine anzutreffen, «damit 

er es mir geben kann» (S. 42). Die Privatklägerin sei am 21. September 2017 auf dem 

Polizeiposten erschienen und habe gefragt, ob sie die Strafklage zurückziehen könne, 

weil sie dem ganzen Druck nicht mehr widerstehen könne (S. 34.1). 

Die Parteien hätten sich gemäss polizeilicher Aktennotiz am 22. September 2017 nach 

der Arbeit in H _________ getroffen und beim Kieswerk von I _________ Geschlechts-

verkehr im Auto praktiziert. Sie hätten sich am folgenden Samstag in I _________ ein 

Hotelzimmer gemietet und dort gemeinsam übernachtet (vgl. Aussage der Hotelbetrei-

berin ab S. 93 ff. und Aussage des Beschuldigten S. 114 ff.). Es sei laut Angeklagtem 

auch dort zu Geschlechtsverkehr gekommen (S. 33 f.). Aktenkundige Fotos belegen, wie 

die Betroffene gemeinsam mit dem Angeklagten am 22. September 2017 um 22:07 Uhr 

im Parkhaus Q _________ in H _________ einfahren ist (S. 28). Der Berufungskläger 

löste gemäss einer weiteren Ablichtung den Ausfahrschein (S. 28). Er küsste die  

Betroffene zum Abschied (S. 29).  

Der Beschuldigte wird am 29. September 2017 auf die Angst der Betroffenen aufmerk-

sam gemacht und fragt daraufhin, warum sich diese mit ihm treffe und im Hotel über-

nachte, wenn sie Angst vor ihm habe (S. 113). Der Angeklagte gibt schliesslich am 

11. Oktober 2017 zu bedenken, die Privatklägerin habe ihn zwei Mal, am 22. und am  

- 21 - 

24. September 2017, vor Polizeikontrollen gewarnt und zugesagt, eine allfällige aus die-

sem Verfahren hervorgehende Busse zu übernehmen (S. 151 f. und S. 9). 

Die Polizei erachtet dieses Verhalten der Betroffenen als «zwiespältig». Die Betroffene 

lebe nicht in grosser Angst vor dem Angeklagten (S. 10). Sie hält fest:  

«Wir sind der Meinung, dass X _________ nach ihrer Trennung von Y _________ Anschuldigungen gegen 

Y _________ erhoben hat, die nicht vollumfänglich der Wahrheit entsprechen. Sie dürfte über das Ausmass 

der Ermittlungen, die ihre Klage auslöste, selbst überrascht gewesen sein, weshalb sie diese wohl gerne 

zurückgezogen hätte. Aus den vorliegenden Unterlagen geht zudem hervor, dass sich X _________ schon 

vermehrt als Opfer dargestellt hatte, um auf diese Weise ihr Umfeld zu manipulieren. Dabei war sie sehr 

zielgerichtet und konsequent vorgegangen.» 

Die Betroffene hat dem Beschuldigten am 22. September 2017 um 22:45 Uhr über Snap-

chat Mitteilungen geschickt, in welchen sie die Trennung wortreich bedauert (Gericht 

S. 34 ff.). Der Angeklagte sei das Wichtigste in ihrem Leben.  

Dieses Verhalten der Betroffenen ist nachfolgend zu prüfen, zumal die Ordnungshüter 

die Glaubwürdigkeit der Betroffenen deswegen in Frage stellen. 

3.3.4.2  Der Berufungskläger beschreibt vor der Polizei dieses Zusammentreffen aus-

führlich. Er erwähnt aber auch, die Betroffene habe ihm zu diesem Zeitpunkt gesagt, sie 

befürchte, dass er ihr irgendetwas antun würde (S. 115). Sogar der Beschuldigte bestä-

tigt also, von der Betroffenen zum damaligen Zeitpunkt gehört zu haben, dass sie sich 

vor ihm fürchte. Es ist im Übrigen durchaus möglich, dass diese, zu jenem Zeitpunkt in 

psychiatrischer Behandlung, im Verlauf eines Monats nach der Trennung wiederum  

bereit ist, den Angeklagten zu treffen. 

3.3.4.3  Die Betroffene gibt am 3. Oktober 2017 an, sie seien sechs Jahre zusammen 

gewesen und sie habe ihn immer noch gerne. Dies gelte auch nach allem, was er  

gemacht habe. Sie habe für ihn alles aufgegeben (S. 130). Die Privatklägerin wird auf 

die Treffen aufmerksam gemacht und bestreitet bei dieser Einvernahme das Treffen vom 

Freitag (S. 131 und S. 133). Dies ist freilich eine Lüge, die ausführlich konstruiert wird 

und ein solches Aussageverhalten ist bei der Beweiswürdigung durchaus auch zu  

beachten. Die Betroffene korrigiert ihre Falschaussage jedoch vor Gericht von sich aus. 

Sie gibt zu bedenken, es sei nicht einfach, sich von der Gewalt zu lösen und einfach zu 

verabschieden. Angst sei die Motivation für die Strafanzeige gewesen (Gericht, S. 27). 

Sie habe im Oktober 2017 auch gegenüber einer Mitarbeiterin des Zentrums für Entwick-

lung und Therapie des Kindes und Jugendlichen (ZET) festgehalten, sich nicht stark  

genug für den Strafprozess zu führen und die Anzeige zurückziehen zu wollen. Sie habe 

- 22 - 

auch vor der Einvernahme vor dem Kreisgericht schlecht geschlafen und nicht mehr  

normal essen können (Gericht, S. 29; vgl. Staatsanwaltschaft S. 54). Solche Zustände 

werden aufgrund der medizinischen Unterlagen bestätigt. 

Die Betroffene gibt vor dem Staatsanwalt am 16. April 2019 an, vom Angeklagten mit 

Hilfe der Handys kontrolliert worden zu sein. Sie habe normale Termine wahrnehmen 

können, sonst habe er sie aber nirgends hingehen lassen. Sie habe lange geschwiegen, 

aber das, was in der Beziehung geschehen sei, nicht mehr ertragen können (Staatsan-

waltschaft S. 207). Sie habe nicht die Polizei gerufen, weil sie auf eine Verbesserung der 

Situation gehofft habe. Sie habe ihn wirklich geliebt und für ihn viel aufgegeben. Bis auf 

den unerwünschten Sex und die Gewalt sei alles andere gut gewesen (Staatsanwalt-

schaft S. 211 f.).  

Die Betroffene gibt schliesslich am 3. Oktober 2017 gegenüber der Polizei an, von einem 

«R _________» digital kontaktiert worden zu sein, der extrem viel von ihr gewusst habe. 

Sie habe zunächst den Beschuldigten verdächtigt, sei von diesem Gedanken jedoch  

abgerückt (S. 129). Sie sei am Donnerstag (21. September 2017) vom Angeklagten kon-

taktiert worden. Sie sei am Schlafen gewesen, weil sie bereits ihre Medikamente genom-

men habe. Dieser habe sie aufgefordert, sie wegen der Facebook-Geschichte in Ruhe 

zu lassen. Sie habe ihm erwidert, damit nichts zu tun zu haben. Er selbst habe versichert, 

dies ebenso nicht gewesen zu sein. Sie habe geweint und sie hätten dann über Facetime 

weitergeredet. Er habe gesehen, wie schlecht es ihr gegangen sei und eine Zusammen-

kunft vorgeschlagen. Sie hätten sich schliesslich getroffen (S. 131; vgl. auch die über-

einstimmende Aussage vor Kantonsgericht [Gericht S. 197]). Der Angeklagte muss am 

11. Oktober 2017 gegenüber der Polizei zugeben, als R _________ aufgetreten zu sein 

(S. 151). Die Privatklägerin habe ihn gehackt und dann habe er ihr eines auswischen 

wollen. Er habe ausserdem früher auf einem Stick zwei Männer gesehen, die der  

Betroffenen ein Liebeslied singen und diese unter einem Aliasnahmen anfragen wollen, 

ob sie die Betroffene kennen würden (S. 157). Er habe ausserdem versucht, die Privat-

klägerin unter diesem falschen Namen nach Bern zu locken um ihr dort alles zu erklären, 

so wie er das am Sonntag in I _________ gemacht habe (S. 158). Es ist somit festzu-

halten, dass der Angeklagte wiederholt mit einer List versucht hat, Treffen mit der  

ahnungslosen, damals vulnerablen Betroffenen zu arrangieren. Die diesbezüglich  

ahnungslose, weiterhin verliebe und geschwächte Privatklägerin lässt sich täuschen. 

Der Berufungskläger bestätigt anschliessend gegenüber der Polizei diese Treffen und 

nutzt sie, um die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin in Frage zu stellen (S. 158 f.).  

- 23 - 

Angesichts der Labilität der Betroffenen im August/September 2017 ist ein solches  

täuschendes Verhalten hinterhältig. 

3.3.4.4  Die Aussage der Mutter der Privatklägerin vom 12. September 2017 ist in diesem 

Zusammenhang interessant. Diese vermutet, ihre Tochter liebe den Beschuldigten wohl 

immer noch. Sie habe sich zur Trennung durchgerungen, wohl, weil sie die Schläge nicht 

mehr ertrage (S. 59 f.). Die Mutter der Betroffenen gibt weiter an, der Berufungskläger 

habe nach dem Streit im September 2016 gemeinsam mit seinem Vater die Wohnung 

des Paares verlassen wollen und diesen angewiesen, seine Sachen zu packen. Die  

Privatklägerin habe sich danach grosse Sorgen über die Schulden gemacht, die sie we-

gen der Wohnung aufgenommen hätten. Der Vater des Beschuldigten habe nämlich dar-

getan, sie würde keinen roten Rappen sehen. Der Angeklagte habe daraufhin seine  

Sachen in der Wohnung gelassen und erklärt, sie würden es noch einmal versuchen. Es 

sei von da an, abgesehen von kleineren Ausnahmen, im Grossen und Ganzen gutge-

gangen. Ihre Tochter habe ihr von den sexuellen Übergriffen erst erzählt, als sie sich 

getrennt hätten (S. 61). Die Partnerschaft hat mehrere Jahre gedauert und neben einer 

emotionalen Bindung auch gemeinsame Investitionen beinhaltet. Dies benachteiligt die 

Frau materiell und macht sie auf eine andere Art und Weise abhängig. Derlei erschwerte 

es der Betroffenen auf eine andere Art und Weise, sich vom Privatkläger zu trennen. 

3.3.4.5  Der Bericht des Spitalzentrums Oberwallis vom 13. Juli 2017 bescheinigt u.a., 

dass die Betroffene nach ca. einem Jahr zunehmender psychischer körperlicher und  

sexueller Gewalt durch ihren langjährigen Partner den Mut gefunden habe, diesen aus 

der Wohnung zu weisen und anzuzeigen (S. 356). Auch dieses Attest bekräftigt die 

Schwierigkeit der Privatklägerin, sich vom Betroffenen zu lösen. 

3.3.4.6  Die Polizei hält das Benehmen der Betroffenen für widersprüchlich. Letztere hat, 

gemäss eigener Darlegung und Aussagen der Mutter, den Berufungskläger auch nach 

der Trennung noch geliebt. Sie hat gemäss obigen Schilderungen befürchtet, bei einer 

Auflösung der mehrjährigen Beziehung in finanzielle Not zu geraten. Es hat eine ambi-

valente Gefühlslage bestanden, wobei die Betroffene in diesem Zeitpunkt zusätzlich  

wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung vollständig arbeitsunfähig gewesen 

ist und Medikamente konsumiert hat. 

Das Gericht geht davon aus, dass sich auch Opfer häuslicher Gewalt, nicht immer so 

konsequent verhalten, wie dies die Polizei gemäss obigen Ausführungen erwartet, sonst 

wäre z.B. Art. 55a StGB nicht eingeführt worden.  

- 24 - 

Die Kontaktaufnahmen nach der Trennung sind schliesslich durch den Betroffenen  

erfolgt, der dazu hinterhältig vorgegangen ist. 

3.3.5  Es ist weiter zu beachten, dass die Betroffene gegenüber den Verwandten freilich 

die physische Gewalt, nicht aber die sexuellen Missbräuche thematisiert hat. Das  

Kantonsgericht kann diesbezüglich auf den BGE 147 IV 409 E. 5.4.1 verweisen, wonach 

Opfer von Sexualdelikten aus verschiedenen Gründen, namentlich aus Angst und 

Scham, oftmals auf eine Anzeigeerstattung verzichten. Betroffene befinden sich nach 

einem traumatischen Erlebnis wie etwa einer Vergewaltigung nicht selten in einem  

Zustand des Schocks und der Erstarrung. Es komme in diesem Zustand zu Verdrän-

gungs- resp. Verleugnungsbestrebungen, welche dazu führen, dass sich das Opfer  

(in einer ersten Phase) niemandem anvertraut. Es ist unter diesen Gesichtspunkten 

nachvollziehbar, wenn die Betroffene die Missbräuche gegenüber ihren Angehörigen zu-

nächst nicht thematisiert hat. 

3.3.6  Die Beziehung und deren Beendigung muss differenziert beachtet werden. Es ist 

der Betroffenen aus obgenannten Gründen schwergefallen, sich vom Angeklagten zu 

lösen. Dieser hat die entsprechenden Probleme mit hinterhältigem Vorgehen ausgenutzt 

hat, um zwei weitere Treffen zu arrangieren, welche er später im Strafprozess verwen-

det, um die Ex-Partnerin zu diskreditieren.  

Als zweites Zwischenergebnis kann somit festgehalten werden: Die Aussagen der  

Privatklägerin sind durchaus mit Vorsicht zu würdigen zumal sie sich im Strafprozess 

nicht immer ehrlich verhalten hat. Die Trennung hat für diese jedoch keinen einfachen 

Schritt dargestellt. Das lange Verschweigen von angeblichen sexuellen Missbräuchen 

stellt ihre Glaubwürdigkeit nicht generell in Abrede. 

3.3.7  Die Vorinstanz hat zusammenfassend erwogen, die Betroffene habe frei ausge-

sagt, ohne Suggestionen. Letztere sind tatsächlich nicht ersichtlich. Die Beschreibungen 

enthielten Details und Nebensächlichkeiten sowie Angaben zu eigenem Fehlverhalten. 

Das Kreisgericht hat weiter festgestellt, Motive zu einer unrechtmässigen Belastung  

würden fehlen (Gericht S. 137). Die Beziehung werde differenziert wiedergegeben,  

wobei es weitere Vorfälle gegeben habe, welche jedoch harmloser gewesen seien. Die 

Aussagen erscheinen erlebnisbasiert (Gericht S. 138) und liessen sich durch andere 

Aussagen untermauern (Gericht S. 138 - 140). Die Vorinstanz beachtet auch die Emoti-

onalität der Betroffenen (Gericht S. 141). Das Kantonsgericht schliesst sich, auch  

gemäss nachfolgenden Ausführungen, welche die Beweise nach den einzelnen Tatvor-

würfen gegliedert widergeben, diesen Darlegungen der Vorinstanz an. 

- 25 - 

3.4  Aussagenverhalten des Beschuldigten 

3.4.1  Der Berufungskläger wird an der Hafteröffnungseinvernahme mit den Vorwürfen 

konfrontiert, die Betroffene mehrmals am Hals gepackt, sie gewürgt, sie mehrfach ver-

gewaltigt, mehrfach mit dem Tod bedroht und eingesperrt zu haben. Er bestreitet dies 

(Staatsanwaltschaft S. 15).  

3.4.2  Der Beschuldigte gibt an der Hafteröffnungssitzung vom 26. September 2017 an, 

es sei nichts passiert. Er habe die Privatklägerin am letzten Wochenende getroffen und 

eine Nacht mit ihr verbracht. Sie hätten gesprochen und einander gegenseitig beteuert, 

dass es ihnen leidtue. Das Problem seien die Familien gewesen. Die Betroffene habe 

ihm am Tag der Trennung immer wieder vorgeworfen, sie geschlagen zu haben. Das 

stimme aber nicht. Sie habe ihm bereits während der Beziehung gedroht, wenn es mit 

ihnen zu Ende gehe, würden sie sich vor dem Richter treffen. Sie wolle dafür sorgen, 

dass er die Schweiz verlassen müsse (Staatsanwaltschaft S. 43).  

Der Angeklagte bringt mit der Trennung ein Motiv vor, warum er zu Unrecht belastet 

worden sein soll. Es ist allerdings die Betroffene, welche die Separation initiiert hat,  

weshalb es widersprüchlich erscheint, wenn diese deswegen den Strafprozess initiiert. 

3.4.3  Der Beschuldigte bestreitet am 29. September 2017 Gewalthandlungen und  

behauptet, die Privatklägerin habe ihm nach der Trennung gedroht, dessen Leben zu 

zerstören (S. 108). Der Betroffene glaubt, seine Freundin habe ihm magisches Wasser 

zu trinken geben wollen (S. 112). Diese sei wie eine Zeitbombe, man wisse nie, wann 

sie Platze. Sie lasse sich auch nicht belehren (S. 115).  

3.4.4  Der Angeklagte bestreitet auch bei seiner zweiten polizeilichen Einvernahme vom 

11. Oktober 2017 Gewalthandlungen. Seine ehemalige Freundin habe ihm gedroht, ihn 

ins Gefängnis und vor den Richter zu bringen. Drei gefundene Zettel, in welchen u.a. 

von einer Abtreibung die Rede sei, seien ursächlich für das Strafverfahren (S. 152). Der 

Angeklagte habe seine Ex-Freundin höchstens mit der Hand weggeschubst, da man 

Frauen nicht schlage (S. 153). Er habe diese nicht vergewaltigt oder zu Sex gezwungen. 

Es habe Situationen gegeben, da sei er wegen der Arbeit selbst nicht im Stande für 

Geschlechtsverkehr gewesen. Er habe es dann aber doch irgendwie geschafft (S. 155). 

Der Berufungskläger bringt ein neues Argument vor, warum er zu Unrecht belastet wird, 

nämlich die gefälschten Bescheinigungen zur Abtreibung. Dies erscheint erneut wenig 

glaubwürdig, da diese Erklärungen nicht den Tatsachen entsprechen und er sie eigent-

lich vernichtet haben will. 

- 26 - 

3.4.5  Spätere Aussagen des Beschuldigten befinden sich, wie bereits angekündigt 

(E. 3.1.2) bei den nachfolgend diskutierten Tatvorwürfen. 

3.4.6  Die Vorinstanz beachtet Aussagen des Betroffenen zu seinen Vorstrafen, welche 

sich als falsch erwiesen haben (Gericht S. 141 E. 3.5.3). Sie berücksichtigt weiter  

Anpassungen in den Darstellungen, welche durch die Konfrontation mit Beschreibungen 

seiner Familie hervorgerufen worden sind. Sie hält Erklärungen für absolut realitätsfremd 

und unglaubhaft. Die Varianten des Angeklagten würden auch durch spätere Aussagen 

relativiert (Gericht S. 142 f. E. 3.5.3). Das Kantonsgericht schliesst sich den vorinstanz-

lichen Ausführungen an und verweist dazu ergänzend und präzisierend auf nachfol-

gende Erörterungen zu den Aussagen des Beschuldigten bei den einzelnen Vorhalten. 

3.5  Vorfall vom Mai 2015 in C _________ (Nötigung) 

3.5.1  Dieser Sachverhalt ist wie folgt angeklagt (Gericht S. 3 f.): 

Im Mai 2015 kam es am Bahnhof in C _________ zu einem Streit, da X _________ einem Cousin von ihm 

die Kosten der Verlobung nicht zahlen wollte. Dies brachte Y _________ in Rage und als sie sodann in den 

nächsten, in Richtung S _________ fahrenden Zug einsteigen wollte, liess er dies nicht zu und packte sie 

mit den Händen an den Oberarmen und zog sie gewaltsam in den übernächsten, in Richtung S _________ 

fahrenden Zug (Perron 5), in welchem sich praktisch keine Leute befanden. Während er sie in den anderen 

Zug zog, versuchte X _________ vergeblich, sich loszureissen und weinte die ganze Zeit über. Als sie beide 

in einem Zugabteil des Zuges standen, packte er sie mit den Händen vorne mitten ins Gesicht und schlug 

ihren Hinterkopf mehrmals gegen die Lehne der Sitzbank des Zuges. Y _________ hielt ihr hierbei eine 

Hand auf ihren Mund, sodass sie nicht schreien konnte und schrie sie an, dass sie schweigen solle. Als 

sodann andere Leute das Zugabteil betraten, liess er von ihr ab. Gemeinsam fuhren sie sodann mit dem 

Zug nach H _________, wo Y _________ ausstieg und nach C _________ zurückfuhr. X _________ fuhr 

weiter bis nach S _________ (Ordner, S. 23, 36, 38,122 f.; Hefter, S. 208 f.). 

3.5.2  Wer jemanden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch 

andere Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder 

zu dulden, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe sanktioniert 

(Art. 181 StGB). Die rechtswidrige Verletzung der Freiheit der Willensbildung oder -be-

tätigung durch Gewalt, ernstliche Drohung oder andere Mittel bildet Tathandlung. Die 

Willens- und Handlungsfreiheit einer Person ist geschütztes Rechtsgut, wobei es durch 

die Rechtsordnung begrenzt wird (Velnon/Rüdy, Basler Kommentar, 4. A., N. 14 zu 

Art. 181 StGB). Nicht jedes tatbestandsmässige Verhalten ist bei Fehlen von Rechtferti-

gungsgründen auch rechtswidrig. Die Rechtswidrigkeit bei Art. 181 StGB bedarf vielmehr 

einer zusätzlichen, besonderen Begründung. Eine Nötigung ist rechtswidrig, wenn das 

Mittel oder der Zweck unerlaubt ist oder wenn das Mittel zum erstrebten Zweck im  

falschen Verhältnis steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen 

- 27 - 

Mittel und einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist (BGE 134 

IV 216 E. 1). Die Intensität der angewandten Gewalt braucht nicht so gross zu sein, dass 

das Opfer widerstandsunfähig wird. Es reicht die Anwendung von Gewalt, welche den 

konkreten Willen des Opfers bricht (Trechsel/Mona, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxis-

kommentar StGB, 4. A., 2021, Nr. 3 zu Art. 181 StGB). Die Nötigung ist erst vollendet, 

wenn sich das Opfer nach dem Willen des Täters verhält (Trechsel/Mona, a.a.O., N. 9 

zu Art. 181). 

Gewalt ist als Eingriff in höchstpersönliche Rechte als Mittel grundsätzlich rechtswidrig. 

Eine Person, die mit einer physischen Einwirkung die Bewegungsfreiheit einer anderen 

Person einschränkt, handelt grundsätzlich rechtswidrig (BGE 101 IV 42 E. 3b; Urteil des 

Zürcher Obergerichts SB120525 vom 16. August 2013).  

3.5.3  Die Vorinstanz hat das Ziehen in den Zug sowie das verschliessen des Mundes je 

als Nötigung qualifiziert (Gericht S. 148 E. 4.2.2). 

3.5.4 

3.5.4.1  Die Betroffene erzählt bei ihrer ersten polizeilichen Befragung vom 21. August 

2017, der erste Vorfall habe sich im Mai 2015 ereignet. Der Angeklagte habe sie in  

C _________ im Zug geschlagen (S. 36). Sie habe dessen Cousin keine Verlobung zah-

len wollen. Der Angeklagte habe sie nicht in den Zug steigen lassen. Er habe sie gepackt 

und in einen anderen Zug gezogen. Er habe dort ihren Kopf gepackt und diesen gegen 

den Sitz geschlagen. «Krank». Er habe nicht verstehen wollen, dass sie seinem Cousin 

die Verlobung nicht zahlen wolle. Es sei von da an losgegangen. Er habe ihr die Schuld 

für seine, kurz zuvor eingetretene Arbeitslosigkeit zugeschoben. Er habe sie, auf Nach-

frage der Anwältin, richtig am Kopf gepackt, nicht nur an den Haaren oder so. Der  

Lebensunterhalt sei vom Vater finanziert worden, der Betroffene habe auch Arbeitslo-

sengeld bezogen. Sie habe Ende Monat den gemeinsamen Haushalt subventioniert  

(S. 38). 

3.5.4.2  Die Betroffene erklärt in der zweiten Befragung vom 3. Oktober 2017, sie seien 

in C _________ im Bahnhof beim Ticketautomaten gestanden. Der Angeklagte habe 

erwähnt, sie müsse auch an die Verlobung des Cousins zahlen. Sie habe entgegnet, 

nicht mit diesem Verwandt zu sein und nicht zahlen zu wollen, was einen Streit verur-

sacht habe. Sie hätten immer lauter diskutiert. Der Angeklagte habe sie am Oberarm 

gepackt und in Richtung Zug in einen Zugwagen hineingezogen. Er habe sie an den 

Haaren gepackt und mit dem Kopf an den Sitz geschlagen. Er habe irgendwann ihr  

Mobiltelefon an das Wagenfenster geschlagen, worauf es kaputtgegangen sei. Er habe 

- 28 - 

sie ständig am Schreien zu hindern versucht. Er habe ihr dazu seine Hand vor den Mund 

gehalten und geschrien, sie solle schweigen. Sie hätten sich dann beruhigt. Sie glaube, 

dies habe sich beim Gleis Nr. 5 ereignet. Sie seien gemeinsam aus dem Zug gestiegen 

und Richtung S _________ gefahren. Der Angeklagte sei in H _________ ausgestiegen 

und nach C _________ zurückgekehrt (S. 122 f.). Der Angeklagte habe sie an den  

Haaren gepackt und den Kopf gegen den Sitz geschlagen. Sie seien im Abteil gestanden 

und er habe ihren Kopf mehrfach gegen die Lehne der Sitzbank geschlagen (S. 123). 

Der Zeitraum zwischen erster und zweiter Befragung liegt nicht so weit auseinander, 

wohl aber derjenige zwischen dem Vorfall und den beiden Befragungen. Die zweite Aus-

sage zu diesem Anlass ist detaillierter als die erste, gestückelte. Dies erklärt einen Teil 

der Unterschiede. Es ist auffällig, wenn die Betroffene in der ersten Einvernahme betont, 

sie sei am Kopf und nicht an den Haaren gepackt worden und dies in der zweiten Befra-

gung anders widergibt. Dies kann aber letztlich mit dem Vorliegen eines dynamischen 

Tatvorgangs und der Mehrzahl von Gewaltdelikten erklärt werden. 

3.5.4.3  Die Betroffene gibt am 16. April 2019 an, es sei zum Streit wegen der Finanzie-

rung der Hochzeit des Vetters gekommen. Er habe sie daraufhin gepackt und aus dem 

Zug, der gerade Richtung S _________ gefahren wäre, in einen anderen Zug Richtung 

S _________ gezogen. Der zweite Zug sei ziemlich leer gewesen. Der Angeklagte habe 

dann den Kopf gepackt und gegen die Sitzlehne geschlagen (Staatsanwaltschaft  

S. 208). Er habe sie mit beiden Händen mitten ins Gesicht gepackt und den Hinterkopf 

gegen die Sitzlehne der Bank geschlagen. Der Angeklagte habe sie an den Oberarmen 

gepackt und in den Zug gezogen, sie habe geweint. Er habe von ihr im Zug abgelassen, 

als andere Leute ins Abteil gekommen seien und die Bahn demnächst abfahren sollte 

(Staatsanwaltschaft S. 209). 

Auffällig ist, dass der Startort zu Beginn der Streiterei wechselt. Die Betroffene will sich 

neu in einem Zug und nicht mehr vor dem Ticketautomaten aufgehalten haben. Diese 

dritte Befragung ist jedoch deutlich später als die zwei vorausgehenden erfolgt und es 

dürfte für die Betroffene keinen subjektiv wesentlichen Sachverhalt darstellen, wo sich 

die Partner zu Beginn der Streitigkeit befunden haben.  

3.5.4.4  Die Betroffene bestätigt vor Kantonsgericht die bisherigen Aussagen, will sich 

aber nicht mehr daran zurückerinnern (Gericht S. 197). Der Vetter habe T _________ 

geheissen (Gericht S. 196). 

Die Beschuldigte ist mithin im Stande, spontan den Namen der Person zu nennen,  

welche streitursächlich gewesen ist. 

- 29 - 

3.5.5  Die Mutter des Angeklagten hält fest, es habe nicht nur in U _________, sondern 

bereits in C _________ einen Vorfall gegeben. Ihr Sohn habe die Privatklägerin auf den 

Bahnhof begleitet, jene habe geschrien. Der Beschuldigte habe sie an der Schulter  

gepackt und verlangt, dass sie schweige. Es habe viele Albaner auf der Strasse, welche 

sie verstünden. Der Angeklagte habe die Betroffene gehalten. Sein Handy sei bei diesem 

Streit kaputtgegangen (S. 77). Es ist letztlich fragwürdig, ob die Auskunftsperson in die-

ser Aussage den angeklagten Vorfall beschreibt. Das Kantonsgericht hält die Darstellung 

jedoch für relevant, weil die häufig parteiisch aussagende Mutter des Berufungsklägers 

hier bestätigt, dass dieser seine Partnerin ergreift, wenn er den Standpunkt vertritt, sie 

rede zu laut.  

3.5.6  Der Angeklagte bestreitet, über einen Cousin zu verfügen, der verlobt sei (S. 108). 

Er habe die Betroffene nicht am Kopf gepackt und gegen die Sitze des Zugs geschlagen. 

Der Angeklagte bestreitet vor Kantonsgericht, seine Partnerin in einen Zug gestossen 

und ihr den Mund zugehalten zu haben (S. 201). 

3.5.7 

3.5.7.1  Das Kantonsgericht hält die oben angeführten Behauptungen der Betroffenen 

zu diesem Vorfall, auch unter Beachtung der generellen Beweismittel, wonach der  

Angeklagte ihr gegenüber zu Gewalt geneigt hat, für erlebnisbasiert. Es liegen Gewalt-

handlungen vor, die die Bewegungsfreiheit der Betroffenen, aber auch ihre Redefreiheit 

eingeschränkt haben. Derlei Vorgehen ist rechtswidrig.  

3.5.7.2  Der Verteidiger hat die Frage aufgeworfen, ob das Pressen der Hand auf den 

Mund, um die Betroffene zum Schweigen zu bringen, eine hinreichende Gewaltanwen-

dung darstellt. 

Als Gewaltanwendung gilt gemäss unterschiedlicher Doktrin, welche von  

Heizmann/Lüönd, in: Graf [Hrsg.], StGB Annotierter Kommentar, 2020, N. 4 zu Art. 181 

StGB zusammengefasst ist, jede Einwirkung auf den Körper eines Menschen u.a. mit 

«physikalisch Mitteln» oder als «physischer Eingriff in die Rechtssphäre eines anderen» 

und zwar mit Wirkung auf dessen Körper, nicht auf dessen Psyche, oder als «die unter 

Gebrauch körperlicher (Tat-)Kraft vollzogene physische Einwirkung auf einen anderen». 

Die ältere Lehre hat postuliert, der Täter müsse erhebliche körperliche Kraft aufwenden, 

um physisch auf das Opfer einzuwirken. Die neuere Doktrin ist sich demgegenüber einig, 

dass für die in Art. 181 StGB vorausgesetzte Gewalt keine besondere Kraftanwendung 

des Täters vorliegen müsse. Das Bundesgericht bezeichnet das erforderliche, für die 

Erfüllung des Tatbestands erforderliche Mass der Gewalteinwirkung als relativ. Derselbe 

- 30 - 

physische Zwang kann sich abhängig von Erfahrung und Konstitution des Opfers gegen-

über dem einen als tatbestandsmässig und gegenüber dem anderen als nicht tatbe-

standsmässig erweisen (vgl. BGE 101 IV 42 E. 3a). 

Dieses angeklagte Verhalten ist in seiner Gesamtheit zu beurteilen. Der Beschuldigte 

hat seine Partnerin mit Gewalt in einen Zug gezogen, er hat ihr dort den Mund verschlos-

sen und sie zusätzlich noch angeschrien, sie solle schweigen. Die für eine Nötigung 

erforderliche Gewalt ist dadurch erreicht. Die übrigen Tatbestandselemente geben  

keinen Anlass für weitere Ausführungen. Dafür ist auf das angefochtene Urteil zu ver-

weisen. 

3.5.7.3  Die Vorinstanz hat den Beschuldigten für diesen Vorfall zu Recht wegen zwei-

facher Nötigung verurteilt. 

3.6  Vorfall vom 8. Juni 2016 in Visp (Nötigung) 

3.6.1  Der Sachverhalt ist wie folgt angeklagt (Gericht S. 3 f.): 

Am 8. Juni 2016 holte X _________ Y _________ nach dessen Führerschein-Theorieprüfung bei der  

Motorfahrzeugkontrolle in Visp mit dem Auto ab. Da er die Prüfung zum wiederholten Male nicht bestanden 

hatte, kam es zwischen ihnen zu einer verbalen Auseinandersetzung. Als bei der Migros in Visp ihre Mutter 

K _________ und ihr Bruder V _________ hinzustiegen und sich ihr Bruder ans Steuer setzte, hörten sie 

mit dem Streiten auf. Hinter dem Bahnhof, beim Parkplatz des Restaurants Mühle, stiegen X _________ 

und Y _________ sodann aus und begannen sogleich ihren Streit fortzusetzen, wobei Y _________ aggres-

siv und laut wurde. Als sie zu ihm sagte, dass wenn sie nicht vernünftig miteinander reden könnten, sie 

zurück ins Fahrzeug zu ihrer Familie gehen würde, geriet er in Rage und packte sie kurz vor der Unterfüh-

rung zum Bahnhof mit einer Hand gewaltsam von hinten um den Hals und die Schulter und mit der anderen 

Hand hielt er sie am Bauch fest. K _________ und V _________ bekamen dies mit und mischten sich verbal 

ein, worauf X _________ - aus Angst vor einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Y _________ 

und ihrem Bruder V _________ - zu ihnen sagte, dass sie dies alleine klären würden. Darauf packte  

Y _________ sie am Arm, bog ihr diesen auf den Rücken und drängte/zog sie in Richtung Schulhäuser. 

X _________ wollte aber nicht dorthin, hatte Angst vor weiterer Gewalt seitens Y _________ und begann 

um Hilfe zu schreien. Als Passanten darauf aufmerksam wurden, liess er sie Ios, worauf sie zum Bahnhof 

flüchtete. Er folgte ihr. Beim Ticketautomaten packte er ihre Hände und sagte ihr, mit ihr reden zu müssen. 

X _________ riss sich alsdann los und rannte auf das Perron 5, wohin er ihr wieder folgte. Da viele  

beobachtende Personen vor Ort waren, liess er schliesslich von ihr ab (Ordner, S. 15-24, 36, 38 f., 60, 123; 

Hefter, S. 209 f.). 

3.6.2  Die Vorinstanz hat das Packen und Halten kurz vor der Unterführung und das 

drängen Richtung Schulhäuser als Nötigung qualifiziert (S. 148 f. E. 4.3.2). 

3.6.3 

3.6.3.1  Die Betroffene erzählt bei ihrer ersten polizeilichen Befragung vom 21. August 

- 31 - 

2017, der Angeklagte habe sie am Bahnhof in Visp geschlagen und umhergezogen 

(S. 36). Sie habe den Angeklagten zur Theorieprüfung für den Führerschein von  

C _________ nach Visp gefahren und zwischenzeitlich ihre Mutter und ihren Bruder ab-

geholt. Sie hätten anschliessend den Beschuldigten hinter dem Bahnhof beim Restau-

rant Mühle abgeholt. Dieser habe die Betroffene an der Hand gezogen. Deren Mutter 

habe gefragt, was los sei, worauf der Berufungskläger erklärt habe, alles sei in Ordnung. 

Der Bruder der Privatklägerin sei ausgestiegen und habe gefragt, was das solle.  

Die Betroffene habe geantwortet, sie regle dies selbst und er solle sich nicht einmischen. 

Der Angeklagte habe sie Richtung Schulhäuser gezogen, obwohl sie nicht habe mitge-

hen wollen. Sie habe gesagt, sie gingen mit dem Zug nach Hause, er nach C _________ 

und sie nach S _________. Er habe ihre Hände hinter den (S. 38) Rücken gepackt und 

sie in die von ihm gewünschte Richtung gestossen. Sie habe um Hilfe gerufen, aber alle 

Personen hätten nur blöd geschaut oder seien einfach weitergelaufen. Er habe sie an-

schliessend losgelassen. Sie sei dann in eine Unterführung zum Billettautomaten gegan-

gen um ein Ticket zu lösen. Er habe immer wieder ihre Hände gepackt und gemeint, er 

müsse mit ihr reden. Sie sei auf den Perron gerannt und er hinterher. Es seien dort viele 

Leute gewesen, weshalb er aufgegeben habe. Er habe sie danach angerufen und auf-

gefordert, zur Migros hinzugehen. Sie sei zu den Cars gegangen, weil die dortige  

Verbindung nach Brig besser gewesen sei. Die Mutter des Angeklagten habe sie darauf-

hin angeschrieben (S. 39). 

3.6.3.2  Die Betroffene erklärt am 3. Oktober 2017, am entsprechenden Tag sei Rama-

dan gewesen und beide hätten gefastet. Sie beschreibt anschliessend, wie sie zum Park-

platz gelangt ist. Der Beschuldigte habe das Examen zum wiederholten Male nicht be-

standen und sie wisse nicht, wieviele Male sie ihn dorthin gefahren habe. Er habe immer 

erklärt, nun gelernt zu haben. Die ersten Diskussionen hätten auf der Fahrt von der  

Motorfahrzeugkontrolle bis zur Migros begonnen. Sie sei möglicherweise noch wütender 

als üblich gewesen, weil sie gefastet hatte und ihm sei es wohl nicht besser gegangen. 

Sie hätten aufgehört zu streiten, als ihre Leute eingestiegen seien, aber beim Aussteigen 

vor dem Bahnhof wieder angefangen. Der Angeklagte habe seine Stimme erhoben und 

sie habe ihm erwidert, sie sollten sich beherrschen und versuchen, die Sache in Ruhe 

zu besprechen. Sie habe ihm erklärt, wenn sie nicht vernünftig miteinander diskutieren 

würde, werde sie sogleich umkehren und mit ihren Leuten weggehen. Er habe sie da-

raufhin um den Hals und an die Schulter gepackt. Er habe sie mit dem anderen Arm am 

Bauch festgehalten. Dies habe sich im Bereich ereignet, wo die Fahrräder vor der  

Unterführung stünden. Ihre Mutter habe das Fahrzeugfenster hinuntergelassen und der 

Bruder habe sich eingemischt. Sie habe beide aufgefordert, zu gehen, sie wolle dies 

- 32 - 

alleine klären. Sie habe den Fortlauf dieser Geschichte das erste Mal erzählt und wolle 

dies nicht mehr wiederholen. Die Polizei bringt daraufhin den weiteren Sachverhalt  

suggestiv vor und fragt, woher die Betroffene Angst gehabt habe. Sie habe aufgrund der 

Erfahrung in C _________ und weiterer Gewalttätigkeiten nicht auf den Schulhausplatz 

gehen wollen. Sie habe ihre Leute weggeschickt, weil sie nicht gewollt habe, dass diese 

das Problem regeln. Sie habe eine Eskalation und tätliche Auseinandersetzung  

zwischen ihrem Freund und ihrem Bruder befürchtet (S. 123). 

3.6.3.3  Die Betroffene bestätigt schliesslich vor der Staatsanwaltschaft am 16. April 

2019 den behaupteten Ablauf, will ihn aber nicht mehr beschreiben. Sie sei geflohen, 

weil sie Angst vor neuerlicher Gewalt gehabt habe (S. 209 f.). 

3.6.3.4  Der Detailreichtum und auch die Einschiebungen fallen bei den ersten Aussagen 

zum Vorfall besonders auf. Die Beschreibungen der Betroffenen erscheinen, wie bereits 

erwähnt, erlebnisbasiert, allfällige Diskrepanzen v.a. mit dem Zeitablauf begründbar.  

3.6.4  Der Vater der Betroffenen gibt an, seine Ehegattin habe ihm vom Geschehen 

erzählt (S. 54). 

3.6.5  Die Mutter der Betroffenen bestätigt, der Angeklagte habe die Privatklägerin an 

der Schulter gepackt und Richtung Bahnhofunterführung geschleift. Er habe sie seitlich 

rechts in ein kleines Gässchen Richtung Schulhäuser geschoben. Die Mutter habe  

daraufhin das Fenster geöffnet und den Angeklagten gefragt, was er mit ihrer Tochter 

mache. Er habe nicht geantwortet und die Privatklägerin habe ihr erklärt, sie wollten das 

untereinander regeln. Der Sohn der Auskunftsperson sei daraufhin aus dem Auto aus-

gestiegen und habe den Angeklagten gefragt, was er mache. Letzterer habe erneut nicht 

geantwortet und die Betroffene habe darauf hingewiesen, sie wollten das als Paar  

gemeinsam klären. Die Auskunftsperson habe daraufhin mit der Mutter des Angeklagten 

Kontakt aufgenommen, welche versprochen habe, eine solche Begebenheit werde sich 

nicht mehr ereignen (S. 60). 

Diese Aussage beschreibt den Vorfall aus einem anderen Gesichtswinkel. Es stellt sich 

höchstens die Frage, ob die Parteien bereits weiter entfernt, also im Seitengässchen 

Richtung Schulhaus gewesen sind, als die Familienangehörigen der Betroffenen  

interveniert haben. Allfällige Diskrepanzen könnten aber mit dem Zeitablauf begründet 

werden. 

3.6.6  Die Mutter des Angeklagten hält fest, ihr Sohn habe erzählt, er habe mit der  

Privatklägerin nach Hause gewollt um dort zu sprechen. Diese habe aber am Bahnhof 

- 33 - 

herumgeschrien. Er habe ihr die Hand vor den Mund gehalten, damit sie nicht so laut 

schreien könne. Sie habe laut um Hilfe geschrien. Deren Mutter und Bruder hätten sie 

abgeholt und der Angeklagte sei mit dem Zug nach C _________ zurückgekehrt (S. 77). 

Diese Auskunftsperson, welche regelmässig zugunsten ihres Sohnes aussagt, gibt zu-

mindest an, dieser habe seiner Partnerin den Mund verschlossen und sie habe um Hilfe 

gerufen. 

3.6.7  Der bereits erwähnte Chatverlauf zwischen der Privatklägerin und der Mutter des 

Beschuldigten nach diesem Vorfall enthält u.a. die Bitte an die Privatklägerin, ihren Eltern 

nichts zu sagen (S. 15). Die Betroffene bestätigt, zu Hause nichts zu erzählen. Sie sei 

nur eine Hure für den Privatkläger. Sie habe ihn am Bahnhof Visp abgeholt und er habe 

sie dort zurückgelassen (S. 16). Die Mütter erklärt, der Angeklagte sei nervös. Der Vater 

werde das mit ihm in Ordnung bringen. Die Betroffene antwortet, mit dem Berufungsklä-

ger gehe es nicht mehr. Sie wolle nicht täglich Schläge einstecken. Sie wisse nicht, ob 

alle den Streit am Bahnhof gesehen hätten. Die Mutter antwortet daraufhin, es solle nicht 

weiter eskalieren. Sie ist im weiteren Chatverlauf bemüht, zu deseskalieren (S. 17 ff.). 

Die Betroffene bestätigt somit auch in den digitalen Botschaften nach diesem Ereignis 

wiederholt, geschlagen zu werden. 

3.6.8  L _________ will etwas von einem Vorfall in Visp gehört haben, aber nicht wissen, 

was passiert sei (S. 71). Die Betroffene habe herumgeschrien (S. 72). 

3.6.9  Der Beschuldigte bestätigt den Streit beim Bahnhof Visp, der aber nur verbal  

erfolgt sei (S. 109). Es hätten sicher Passanten reagiert, wenn die Betroffene geschrien 

hätte. Das Durchfallen bei der Theorieprüfung sei Ursache des Streits gewesen, sie habe 

ihn danach beleidigt (S. 109).  

3.6.10  Die Aussagen der Betroffenen erscheinen wiederum erlebnisbasiert und werden 

durch Drittaussagen sowie den digitalen Austausch von Botschaften bestärkt. Der ange-

klagte Vorfall ist wiederum bewiesen. Die vorinstanzlichen Verurteilungen können  

folglich bestätigt werden. 

3.7  Vorfall vom September 2016 in C _________ (Vergewaltigung/Nötigung) 

3.7.1  Das Ereignis ist wie folgt angeklagt (Gericht S. 4 f.): 

Im September 2016 kam Y _________ in den frühen Morgenstunden vom Ausgang nach Hause zu seinen 

Eltern (W _________, C _________). X _________ war ebenfalls dort und war in seinem Zimmer am  

Schlafen. Bei der Rückkehr kam es wegen seiner späten Rückkehr zu einem Streit zwischen ihnen. Hierbei 

- 34 - 

packte er sie mit beiden Händen an den Oberarmen, zog sie gewaltsam auf die zum Schlafen auf dem 

Boden gelegte Matratze und zog - nachdem er seine Kleider ausgezogen hatte - ihr den Pyjama aus. Danach 

legte er sich auf die sich auf dem Rücken liegende X _________, drang mit seinem Penis in ihre Vagina ein 

und begann sie zu penetrieren. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich X _________ verbal und auch körperlich 

zu wehren versucht, indem sie zu ihm gesagt hatte, dass sie das nicht wolle und sie ihn mit den Händen 

wegzustossen versucht hatte. Aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit (Grösse und Gewicht von  

X _________: 1.69 m und ca. 47 kg [Ordner, S. 233]) gelang ihr dies aber nicht, weswegen sie die vaginale 

Penetration - auch aus Angst vor weiterer Gewalt - wehrlos über sich ergehen liess. Als er zum Orgasmus 

kam, zog er seinen Penis aus ihrer Vagina, ejakulierte auf ihre Brust (Hefter, S. 215) und liess von ihr ab. In 

der Folge sagte sie zu ihm, dass dies eine Vergewaltigung sei, worauf ihr Y _________ antwortete, sie sei 

seine Frau, weshalb es keine Vergewaltigung sei. Aus Angst vor weiterer Gewalt legte sich X _________ 

sodann schlafen. Gegen 8.00 Uhr stand sie auf, zog sich an, packte ihre Sachen und wollte nach Hause 

nach A _________ gehen. Letztlich war es Y _________, der dies aber nicht zuliess und sie mit Gewalt 

zurückhielt. Er schlug ihr mit der flachen Hand ins Gesicht (Ohrfeige) und packte sie - nach ihrer versuchten 

Gegenwehr, ihn wegzustossen - mit der Hand am Hals und würgte sie. X _________ kriegte keine Luft mehr 

und begann sich erneut zur Wehr zu setzen, indem sie ihm in sein T-Shirt packte und ihm dieses zerriss, 

worauf er ihr eine weitere Ohrfeige verpasste. In der Folge rannte sie auf den Balkon und versuchte dort mit 

ihrem Mobiltelefon die Polizei anzurufen. Doch Y _________ bemerkte dies und entriss ihr das Mobiltelefon 

aus den Händen. Zurück in der Wohnung gelang es X _________ im weiteren Verlauf, den Wohnungs-

schlüssel zu behändigen und nach dem Aufschliessen der Türe den Schlüssel aus dem Fenster zu werfen. 

Als sie alsdann durch die aufgeschlossene Türe die Wohnung verlassen wollte, gab ihr Y _________ wieder 

eine Ohrfeige, worauf sie ein Stück Fleisch aus dem neben der Türe aufgestellten Tiefkühler ergriff und 

dieses nach ihm warf. Daraufhin packte er sie ein weiteres Mal mit einer Hand am Hals und hielt sie in dieser 

Position einen Moment lang fest, bis er sie schliesslich gehen liess. X _________ erlitt bei diesem Vorfall 

Flecken und Kratzer im Hals- und Brustbereich, auf der rechten Gesichtshälfte sowie am Rücken (Ordner, 

S. 36 f., 61, 124 f., 142 f., 348; Hefter, S. 208, 210-214, 215, 226).  

3.7.2  Wer eine Person zur Duldung einer beischlafsähnlichen oder einer anderen  

sexuellen Handlung nötigt, namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter 

psychischen Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht, begeht eine sexuelle  

Nötigung gemäss Art. 189 StGB. Derjenige, der unter den genannten Umständen eine 

Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt, macht sich nach 

Art. 190 StGB der Vergewaltigung schuldig.  

Die von der Rechtsprechung geforderte Gegenwehr des Opfers meint eine tatkräftige 

und manifeste Willensbezeugung, mit welcher dem Täter unmissverständlich klarge-

macht wird, mit sexuellen Handlungen nicht einverstanden zu sein (Bundesgerichtsurteil 

6B_1444/2020 vom 10. März 2021 E. 2.3.2 mit Hinweisen). Eine gültige Einwilligung 

kann aus fehlendem verbalen oder physischen Widerstand und selbst aus Äusserungen 

wie „De mach halt!“ oder der Bitte um die Verwendung eines Kondoms nicht abgeleitet 

werden, wenn aufgrund der gesamten Begleitumstände ersichtlich wird, dass diese  

verbale Zustimmung durch ein Nötigungsmittel erzwungen worden ist (Scheidegger, Das 

- 35 - 

Sexualstrafrecht der Schweiz, Grundlagen und Reformbedarf, 2018, S. 35 mit Hinwei-

sen). 

Der Täter muss das Opfer durch eine Nötigungshandlung dazu bringen, die sexuelle 

Handlung zu erdulden oder zu erbringen (BGE 131 IV 167 E. 3). Eine tatbestandsmäs-

sige Gewaltanwendung im Sinne von Art. 189 und Art. 190 StGB kann auch dann gege-

ben sein, wenn das Opfer seinen Widerstand aufgrund der Ausweglosigkeit resp. aus 

Angst vor einer weiteren Eskalation der Situation irgendwann aufgibt (Bundesgerichts-

urteil 6B_298/2020 vom 24. Juni 2021 E. 5.5.3 mit Hinweisen). Die Dominanz muss nicht 

notwendigerweise mit der Furcht des Opfers vor körperlicher Gewalt verknüpft sein. Das 

Opfer kann auch aus Angst vor der Unnachgiebigkeit oder Strenge des Täters, dem  

Verlust seiner Zuneigung oder derjenigen anderer Bezugspersonen in einen lähmenden 

Gewissenskonflikt geraten. Der Täter kann das Opfer psychisch und physisch so  

erschöpfen, dass es sich dem ungewollten Sexualakt nicht mehr widersetzt (Bundesge-

richtsurteil 6B_983/2008 vom 3. Februar 2009 E. 3.2).  

3.7.3  Die Vorinstanz hat die sexuelle Handlung als Vergewaltigung qualifiziert. Das  

Zurückziehen auf den Balkon und die Entnahme des Mobiltelefons stellten Nötigungs-

handlungen dar. Die Einschliessung sei hingegen möglicherweise durch die Mutter und 

nicht durch den Beschuldigten erfolgt, weshalb in diesem Zusammenhang kein Schuld-

spruch erfolgt ist (Gericht S. 149 f. E. 4.4.1). 

3.7.4 

3.7.4.1  Die Betroffene erzählt bei ihrer ersten polizeilichen Befragung vom 21. August 

2017, der Angeklagte sei eines Tages im Sommer 2016 früh morgens nach Hause  

gekehrt und habe sie vergewaltigt. Sie habe anschliessend nach Brig gewollt, sei aber 

von der Mutter des Berufungsklägers eingesperrt worden. Die Partner hätten sich  

gegenseitig geschlagen. Die Mutter habe irgendwann die Türe geöffnet und sie habe 

gehen können. Der Angeklagte sei vom Ausgang nach Hause gekommen. Sie habe sich 

in dessen Zimmer in C _________ befunden. Sie habe die Türe geschlossen und geöff-

net, als er sie angerufen habe. Es sei direkt zu einem Streit gekommen. Er habe sie mit 

beiden Händen an den Oberarmen gepackt. Er habe sie ausziehen wollen «und dann 

ja». Das zu späte zurückkommen sei streitursächlich gewesen (S. 36). Das Zimmer in  

C _________ sei klein und beinhalte ein Einzelbett. Sie hätten deswegen zum Schlafen 

die Matratze auf den Boden gelegt. Er habe versucht, sie auf die am Boden liegende 

Matratze zu ziehen. Er habe sie dorthin gelegt, sie langsam ausgezogen und «ihn» rein-

gesteckt. Sie hätten beide keine Kleider getragen. Er ziehe sich eigentlich immer kom-

plett aus. Sie habe meistens gebissen oder versucht, ihn wegzustossen. Er sei aber 

ziemlich «dicker» als sie, weshalb sie ihn nie habe wegstossen können. Sie habe nicht 

- 36 - 

um Hilfe gerufen. Sie habe ihm oft gesagt, sie wolle keinen Geschlechtsverkehr und das 

stelle eine Vergewaltigung dar, weil sie nicht wolle. Er sei damit nicht einverstanden ge-

wesen. Er habe gesagt, die Betroffene sei seine Frau und dann sei dies keine Vergewal-

tigung. Der Angeklagte habe damals bei seinen Eltern gewohnt, es sei früh morgens 

gewesen, sie habe keine Eskalation gewollt und habe sich deswegen zum Schlafen hin-

gelegt. Sie sei gegen 08:00 Uhr aufgestanden, habe ihre Sachen packen und nach Brig 

fahren wollen. Er habe erklärt, dies sei in Ordnung, er werde ihr folgen. Sie habe dies 

seiner Mutter erzählt, welche antwortete, sie habe den Streit mitbekommen. Die Privat-

klägerin solle warten, bis der Vater des Angeklagten dort sei. Die Betroffene sei damit 

nicht einverstanden gewesen, sie habe gehen wollen. Die Mutter habe daraufhin den 

Beschuldigten gerufen, der die Betroffene geohrfeigt habe. Diese habe ihn wegstossen 

wollen, worauf er sie am Hals gepackt und geohrfeigt habe. Sie sei auf den Balkon  

gerannt, worauf er ihr angekündigt habe, sie solle doch springen. Die Privatklägerin habe 

nur noch gehen wollen. Sie habe von dort die Polizei in C _________ anrufen wollen. 

Der Angeklagte habe ihr Handy genommen. Sie habe, als sie wieder in der Wohnung 

waren, den Schlüssel nehmen und die Türe öffnen können. Sie habe den Schlüssel auch 

aus dem Fenster geworfen. Neben der Türe stehe ein Tiefkühler. Die Mutter des Ange-

klagten habe dann noch mit den Eltern der Betroffenen telefoniert und behauptet,  

Letztere spinne komplett und dass das so nicht gehe. Die Angerufenen hätten gemeint, 

man solle ihre Tochter herauslassen, da sie das Einsperren nicht gewohnt sei. Der An-

geklagte habe während des gesamten Vorfalls bekundet, die Privatklägerin sei keine 

gute Frau. Er habe ihr ausserdem beim Verlassen der Wohnung noch eine Ohrfeige 

verpasst. Die Privatklägerin habe daraufhin ein Stück Fleisch vom Tiefkühler genommen 

und ihm angeworfen. Er habe sie daraufhin am Hals gepackt, sie habe dann gehen  

können. Bei der ersten Vergewaltigung habe er sie nicht mehr richtig atmen können. Die 

anderen Male habe er sie nur noch gehalten (S. 37).  

3.7.4.2  Die Privatklägerin bestätigt am 3. Oktober 2017, einmal tiefgefrorenes Fleisch 

gegen den Beschuldigten geworfen zu haben. Sie wird auf Aussagen der Auskunftsper-

sonen aufmerksam gemacht, wonach dieser Vorfall am Geburtstag der Mutter, also am 

xx.xx 2016 stattgefunden haben könnte. Sie bestreitet dies und leitet mit Hilfe einer statt-

gefundenen Auslandsreise sowie dem Erhalt ihres eigenen Wohnungsschlüssels für  

A _________ her, wieso sie den Zeitraum eingrenzen kann. Es habe zu diesem Zeit-

punkt in C _________ keinen Schnee gegeben und niemand habe mit einer Taschen-

lampe in der Nacht einen Schlüssel suchen müssen. Sie sei sich sicher, dass dieser 

Vorfall im Sommer oder Herbst stattgefunden habe. Sie erklärt weiter, mehrfach erfolglos 

gebeten zu haben, ihr die Wohnungstüre in C _________ zu öffnen. Sie habe die  

- 37 - 

Wohnungstüre schliesslic