# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 13f05622-86ea-5f07-a1d1-cc6a60a0df9a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-11-11
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 11.11.2011 A-1447/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-1447-2010_2011-11-11.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung I
A­1447/2010

U r t e i l   v om   1 1 .   No v embe r   2 0 1 1

Besetzung Richterin Salome Zimmermann (Vorsitz),
Richter Daniel Riedo, Richter Michael Beusch,
Gerichtsschreiber Jürg Steiger.

Parteien A._______,
Beschwerdeführer, 

gegen

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, Hauptabteilung 
Mehrwertsteuer, Schwarztorstrasse 50, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Mehrwertsteuer (1. Quartal 2002 bis 4. Quartal 2006;
Steuerpflicht, Ermessenseinschätzung).

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Sachverhalt:

A. 
A._______ betreibt in Basel in der Rechtsform eines Einzelunternehmers 
einen Taxibetrieb. Am 19. September 2007  forderte die Eidgenössische 
Steuerverwaltung (ESTV) ihn zur Überprüfung seiner Steuerpflicht auf, ab 
dem  Zeitpunkt  der  Aufnahme  der  selbständigen  Tätigkeit  Bilanzen  und 
Erfolgsrechnungen sowie Aufwand­ und Ertragskonti einzureichen. Dieser 
Aufforderung kam A._______ insoweit nach, als er die Erfolgsrechnungen 
der Jahre 2001 bis 2006 einreichte.

B. 
Am 10. Dezember 2007  teilte die ESTV A._______ nach einer  internen 
Kontrolle mit, er werde rückwirkend per 1. Januar 2002  ins Register der 
Mehrwertsteuerpflichtigen  eingetragen.  Sie  begründete  dies 
ausschliesslich  damit,  sie  habe  "aufgrund  der  Aufwendungen  in  Ihren 
Erfolgsrechnungen (…) erhebliche Abweichungen zu den ausgewiesenen 
Erträgen" festgestellt. Der Umsatz habe deshalb "hochgerechnet" werden 
müssen. Für die Berechnungsgrundlage wurde auf den Anhang der dem 
Schreiben beiliegenden Ergänzungsabrechnung (EA) verwiesen. Daraus 
ist ersichtlich, dass die ESTV für die Umsatzberechnung in einem ersten 
Schritt  vom  in  der  Erfolgsrechnung  ausgewiesenen  Aufwand  (nach 
Vornahme  von  Korrekturen)  einen  pauschalen  Abzug  von  15%  für  den 
nicht  mit  Vorsteuern  belasteten  Aufwand  vornahm.  Den  so  ermittelten 
Betrag setzte sie in einem zweiten Schritt mit 26.376% ein und rechnete 
diesen  auf  100%  hoch.  Das  Ergebnis  wurde  als  mehrwertsteuerlich 
massgebender Umsatz  festgelegt. Auf diesen Betrag wendete die ESTV 
den Saldosteuersatz (SSS) für das Taxigewerbe von 4,6% (bis Juni 2004) 
bzw. 5,2% (ab Juli 2004) an.  In der Folge  forderte die ESTV mit EA Nr. 
366'107 vom 10. Dezember 2007 Fr. 25'278.­­  (zuzüglich Zins) nach.  Im 
Weiteren räumte sie A._______ eine Frist von 30 Tagen ein, um zur EA 
Stellung zu nehmen und allenfalls Belege wie Fahrtenschreiberscheiben 
einzureichen.

C. 
Mit Schreiben vom 7. Januar 2008 bestritt A._______ die Nachforderung. 
In der Folge forderte die ESTV ihn am 28. Januar 2008 auf, für die Zeit ab 
dem 1.  Januar 2002 sämtliche Fahrtenschreiberscheiben, Kontrollkarten 
sowie  Service­  und  Reparaturrechnungen  einzureichen.  Dieser 
Aufforderung  kam  der  Beschwerdeführer  am  15.  Januar  2008  insoweit 
nach,  als  er  die  Fahrtenschreiberscheiben  der  Jahre  2005  und  2006 

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einreichte.  Aufgrund  dieser  Unterlagen  korrigierte  die  ESTV  ihre 
Schätzung.  Sie  änderte  die  Berechnungsmethode  der 
Ermessenseinschätzung,  indem  sie  nicht  mehr  vom  Aufwand  auf  den 
Umsatz  schloss,  sondern  auf  die  geschäftlich  gefahrenen  Kilometer 
abstellte  und  von  einem  kalkulatorisch  ermittelten  Umsatz  von  Fr. 
2.15/Kilometer (km) ausging. Mittels Gutschriftsanzeige (GS) Nr. 117'293 
vom 28. April 2008 reduzierte sie den mit der EA Nr. 366'107 geforderten 
Steuerbetrag um Fr. 1'688.­­. Mit Entscheid vom 28. April 2008 bestätigte 
die ESTV  ihre Nachforderung  von  insgesamt  Fr. 23'590.­­  (Fr.  25'278.­­ 
minus Fr. 1'688.­­).

D. 
Am 23. Mai 2008 erhob A._______ Einsprache gegen den Entscheid der 
ESTV  vom  28.  April  2008.  Er  machte  insbesondere  geltend,  er  fahre 
jeweils über Mittag nach Hause. Es sei deshalb ein täglicher Arbeitsweg 
von  20  km  (wenn  er  ab  dem  Bahnhof  Basel  SBB  arbeite)  bzw.  27  km 
(wenn  er  ab  dem  Flughafen  arbeite)  zu  berücksichtigen.  Mit  Schreiben 
vom 27. Mai 2008 ergänzte A._______ seine Einsprache. Er brachte vor, 
er habe im Jahr 2002 6'300 km, im Jahr 2003 4'200 km und im Jahr 2004 
6'300 km für Fahrten zu seiner Mutter in Österreich zurückgelegt, bei der 
er  seine  Ferien  verbracht  habe.  Dies  sei  bei  der  kalkulatorischen 
Umsatzermittlung ebenfalls zu berücksichtigen.

E. 
Am 10. September 2008 teilte die ESTV A._______ mit, seine Einsprache 
genüge  den  gesetzlichen  Anforderungen  nicht.  Sie  forderte  ihn  auf, 
Nachweise für die geltend gemachten Ferienfahrten und den behaupteten 
täglichen  Arbeitsweg  einzureichen.  Zudem  ersuchte  die  ESTV  um 
Einreichung  der  gesamten  Buchhaltung  einschliesslich  Kassabücher, 
Tagesrapporte und Monatszusammenstellungen über die Einnahmen der 
Jahre  2000  bis  2006.  Mit  Schreiben  vom  26.  September  2008  reichte 
A._______  Fotokopien  von  Fahrtenschreiberscheiben  vom  November 
2007  sowie  Einsatzpläne  der  Taxi  Zentrale  hinsichtlich  des 
Flughafendienstes  ein.  Im  Übrigen  legte  er  aber  dar,  die  bereits 
eingereichten  Erfolgsrechnungen  seien  seine  einzigen 
Buchhaltungsunterlagen.  Die  Fahrten  nach  Österreich  könne  lediglich 
seine Mutter bestätigen.

F. 
Mit  Einspracheentscheid  vom  5.  Februar  2010  hiess  die  ESTV  die 
Einsprache im Umfang von Fr. 1'779.­­ gut, wies sie im Übrigen aber ab. 

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Sie  erkannte,  A._______  schulde  ihr  für  die  Steuerperioden  vom  1. 
Quartal 2002 bis 4. Quartal 2006 Fr. 21'811.­­ Mehrwertsteuer zuzüglich 
Verzugszins. Zur Begründung führte die ESTV im Wesentlichen aus, die 
Buchhaltung von A._______ weise erhebliche Mängel auf. Er habe weder 
ein  Kassabuch  noch  Grundbücher  geführt.  Sie  habe  deshalb  die 
Steuerschuld  ermessensweise  schätzen  müssen.  Grundlage  für  die 
Umsatzkalkulation  hätten  die  Angaben  auf  den  eingereichten 
Fahrtenschreiberscheiben  gebildet  unter  Berücksichtigung  eines  Anteils 
für private Fahrten. Da sie nur über Fahrtenschreiberscheiben betreffend 
die  Jahre  2005  und  2006  verfügt  habe  und  die  daraus  hervorgehende 
Anzahl  geschäftlich  gefahrener  Kilometer  für  beide  Jahre  praktisch 
identisch gewesen sei, habe sie den Umsatz für die Jahre 2002 bis 2004 
aufgrund der ermittelten Werte der Jahre 2005 und 2006 geschätzt. Den 
von  ihr  verwendeten Ansatz  von Fr.  2.15/km habe  sie  aufgrund  von  38 
Datensätzen  ermittelt.  Die  erhobenen  Daten  würden  Angestellte  von 
diversen Taxibetrieben in der Stadt Basel betreffen. Dabei seien Vollzeit­ 
und Teilzeitangestellte, Tag­  und Nachtchauffeure,  solche mit  und ohne 
Funk  bzw.  auch  Fahrten  zu  (reduzierten)  Spezialpreisen  berücksichtigt 
worden.  Der  Erfahrungswert  stelle  den  durchschnittlichen  Erlös  eines 
selbständigen  Taxifahrers  pro  geschäftlich  gefahrenen  Kilometer  in  der 
betreffenden  Region  dar.  Im  Betrag  von  Fr. 2.15/km  seien  auch  die 
sogenannten  "Leerfahrten"  berücksichtigt  worden.  Für  privat  gefahrene 
Kilometer habe sie einen Pauschalbetrag von 100 km pro Arbeitswoche 
eingesetzt. Im Weiteren stellte die ESTV jedoch fest, dass ihre bisherige 
Nachforderung Rechnungsfehler beinhalte. Einerseits sei der Arbeitsweg 
(zweimal  5  km) nicht  in Abzug gebracht worden,  andererseits  seien die 
Ruhe­ und Ferientage nicht korrekt zusammengezählt worden. Nach den 
betreffenden  Korrekturen  ergebe  sich  für  2005  ein  steuerbarer  Umsatz 
von Fr. 90'576.80  und  für  2006  ein  solcher  von Fr. 90'738.05.  Aufgrund 
der  nachgereichten  Einsatzpläne  der  Taxizentrale  bezüglich  Frühdienst 
am Flughafen könne A._______ zudem ein zusätzlicher Arbeitsweg von 
sieben  Kilometer  an  Tagen  gewährt  werden,  an  denen  er  nachweislich 
Flughafendienst  geleistet  habe  (an 73 Tagen  im  Jahr  2005 und an 139 
Tagen  im Jahr 2006).  Im Übrigen habe dieser aber den Nachweis nicht 
erbracht,  dass  er  jeweils  über  Mittag  nach  Hause  gefahren  sei.  Im 
Weiteren  könnten  nur  Ferienfahrten  von  3'095  km  pro  Jahr  akzeptiert 
werden. Dies entspreche dem Durchschnitt der nachgewiesenen Fahrten 
in  den  Jahren  2005  und  2006.  Ein  weitergehender  Abzug  sei  aufgrund 
mangelnder Belege nicht möglich.

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Die  korrigierte  Umsatzschätzung  ergebe  für  das  Jahr  2005  einen 
steuerbaren  Umsatz  von  Fr.  89'478.15  und  für  das  Jahr  2006  einen 
solchen von Fr. 88'646.10. Der Durchschnitt dieser Umsätze, d.h. rund Fr. 
89'000.­­,  legte  die  ESTV  auf  die  Jahre  2002  bis  2004  um.  Auf  diese 
Umsätze wendete sie schliesslich den massgebenden SSS von 4,6% (bis 
Juni  2004)  bzw.  5,2%  (ab  Juli  2004)  an.  In  der  Folge  stellte  die  ESTV 
fest, dass die Voraussetzungen für die subjektive Steuerpflicht ab dem 1. 
Januar 2002 gegeben seien.

G. 
Mit  Eingabe  vom  9.  März  2010  führte  A._______  (Beschwerdeführer) 
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 5. Februar 2010 beim 
Bundesverwaltungsgericht.  Er  beantragte  die  Sistierung  des  Verfahrens 
bis  zu  einem  Urteil  im  Beschwerdeverfahren  A­2998/2009.  In  diesem 
Verfahren  gehe  es  ebenfalls  um  die  Überprüfung  der  Rechtmässigkeit 
einer  Umsatzschätzung  eines  Taxibetriebes  mittels  des  Ansatzes  von 
Fr. 2.15/km.  Mit  Zwischenverfügung  vom  12.  März  2010  forderte  das 
Bundesverwaltungsgericht den Beschwerdeführer auf, seine Beschwerde 
zu  verbessern,  indem er  konkrete Begehren  stelle  und  eine Begrünung 
nachliefere.

H. 
Am  18. März  2010  reichte  der  Beschwerdeführer  eine 
Beschwerdeverbesserung  ein.  Er  stellte  folgende  Rechtsbegehren  "(1) 
Der Einspracheentscheid vom 6. Februar 2010 sei aufzuheben und es sei 
festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  in  den  Jahren  2002  bis  2006 
nicht mehrwertsteuerpflichtig war.  (2) Das Verfahren sei zu sistieren, bis 
im  Verfahren  A­2998/2009  ein  rechtskräftiger  Entscheid  vorliege".  Zur 
Begründung  brachte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  vor,  er 
bestreite,  pro  geschäftlich  gefahrenen Kilometer  Fr.  2.15 Umsatz  erzielt 
zu  haben.  Dieser  Ansatz  beruhe  auf  einer  nicht  repräsentativen 
Abklärung  der  ESTV  bei  unselbständig  erwerbstätigen  Taxifahrern.  Es 
bestünden begründete Zweifel an der gewählten Schätzungsmethode. Er 
beantrage  ein  neutrales  Gutachten  sowie  den  Beizug  der  Akten  eines 
anderen  Taxifahrers  (MWST­Nr.  …),  der  seinen  Umsatz 
ordnungsgemäss aufgezeichnet und einen Ansatz von Fr. 1.­­/km erzielt 
habe.

Im  Weiteren  bestreite  er,  dass  er  eine  mit  den  im  Spezialdossier  der 
ESTV  erfassten  Datensätzen  vergleichbare  Struktur  aufweise.  Die 
betreffende Statistik der ESTV beruhe auf Zahlen angestellter Taxifahrer 

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grosser  Taxiunternehmen  mit  einer  Zentrale.  Er  gehöre  aber  zu  den 
selbständigen  Taxifahrern,  die  nur  sehr  locker  an  eine  Taxizentrale 
angeschlossen seien. Er fahre den nicht sehr lukrativen Flughafendienst, 
der  von  den  grossen  Unternehmen  gemieden  werde.  Strittig  sei 
grundsätzlich  nur  noch  der  Kilometeransatz.  Wenn  dieser  verbindlich 
festgelegt  sei,  gehe  es  allein  darum,  ihn  mit  der  Anzahl  geschäftlich 
gefahrener  Kilometer  zu  multiplizieren.  Er  bestreite  die  von  der  ESTV 
berechnete Anzahl von vorliegend rund 42'000 km pro Jahr nicht. Es sei 
zu  beachten,  dass  er  bereits  bei  einer  Kürzung  des  Kilometeransatzes 
um  15%  nicht  mehr  steuerpflichtig  sei.  Würden  die  von  der  ESTV 
berücksichtigten  5%  Trinkgelder  nicht  einbezogen,  falle  seine 
Steuerpflicht für die Jahre 2002 bis 2004 von vornherein dahin.

I. 
Am 4. Mai 2010 teilte die ESTV mit, sie habe gegen eine Sistierung des 
Beschwerdeverfahrens nichts einzuwenden. Mit Zwischenverfügung vom 
6.  Mai  2010  sistierte  das  Bundesverwaltungsgericht  das  vorliegende 
Verfahren  bis  zum  Vorliegen  eines  rechtskräftigen  Entscheids  im 
Verfahren A­2998/2009. 

Mit  Verfügung  vom  9.  Februar  2011  sandte  das 
Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  das  inzwischen  in 
Rechtskraft erwachsene Urteil A­2998/2009 vom 11. November 2010 zu. 
Im  Weiteren  forderte  es  diesen  auf,  sich  bis  zum  1.  März  2011  zum 
weiteren  Verlauf  des  Verfahrens  zu  äussern,  ansonsten  es  seinen 
normalen Verlauf nehme. Der Beschwerdeführer liess die Frist unbenutzt 
verstreichen.

J. 
Auf  Aufforderung  des  Bundesverwaltungsgerichts  reichte  die  ESTV  am 
1. Juni 2011 eine Vernehmlassung ein. Darin schloss sie auf Abweisung 
der Beschwerde unter Kostenfolge zulasten des Beschwerdeführers. Die 
ESTV hielt an ihren bisher gemachten Ausführungen fest.

K. 
Gemäss  telefonischer Auskunft der Kantonspolizei Basel, Taxibüro, vom 
26. Juli 2011, verfügte der Beschwerdeführer u.a. in den Jahren 2001 bis 
2006 über eine Taxihalterbewilligung A der Stadt Basel.

Auf  die  Eingaben  der  Parteien  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  im 
Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art.  31  des Bundesgesetzes  vom 17.  Juni  2005  über  das 
Bundesverwaltungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) 
beurteilt dieses Gericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des 
Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021),  sofern  keine  Ausnahme 
nach  Art.  32  VGG  gegeben  ist.  Eine  solche  liegt  nicht  vor  und  die 
Vorinstanz  ist  eine  Behörde  im  Sinne  von  Art.  33  VGG.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist daher  für die Beurteilung der vorliegenden 
Beschwerde zuständig.

1.2. Gemäss  Art.  25  Abs.  2  VwVG  ist  dem  Begehren  um  Erlass  einer 
Feststellungsverfügung  zu  entsprechen,  wenn  der  Gesuchsteller  ein 
entsprechendes  schutzwürdiges  Interesse  nachweist.  Laut 
bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  ist  der  Anspruch  auf  Erlass  einer 
Feststellungsverfügung  subsidiär  gegenüber  rechtsgestaltenden 
Verfügungen  (BGE  132  V  18  E. 2.1,  119  V  13  E.  2a;  BVGE  2010/12 
E. 2.3;  Urteil  des  Bundesgerichts  1C_6/2007  vom  22.  August  2007 
E. 3.3).  Dem  Beschwerdeführer  fehlt  bei  seinem  formellen 
Feststellungsbegehren,  dass  er  in  den  Jahren  2002  bis  2006  nicht 
mehrwertsteuerpflichtig  gewesen  sei,  folglich  ein  schutzwürdiges 
Interesse  an  deren  Behandlung,  weil  bereits  das  negative 
Leistungsbegehren,  der  Antrag  auf  Aufhebung  der  angefochtenen 
Nachbelastung  inkl.  Verzugszinsen  (durch  Aufhebung  des 
Einspracheentscheids),  gestellt  worden  ist.  Damit  kann  anhand  eines 
konkreten  Falls  entschieden  werden,  ob  die  fragliche 
Steuernachbelastung  zu  Recht  besteht,  was  das  Feststellungsinteresse 
hinfällig  werden  lässt  (Urteil  des  Bundesgerichts  2C_726/2009  vom  20. 
Januar  2010  E.  1.3;  BVGE  2007/24  E.  1.3;  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­7819/2008  vom  31.  Januar  2011  E. 1.3). 
Auf  das  Feststellungsbegehren  ist  somit  nicht  einzutreten.  Mit  dieser 
Einschränkung  ist  auf  die  im  Übrigen  frist­  und  nach  Verbesserung 
formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten.

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1.3. Am 1. Januar 2010 ist das Bundesgesetz vom 12. Juni 2009 über die 
Mehrwertsteuer  (MWSTG,  SR  641.20)  in  Kraft  getreten.  Die  bisherigen 
gesetzlichen  Bestimmungen  sowie  die  darauf  gestützt  erlassenen 
Vorschriften  bleiben  grundsätzlich  weiterhin  auf  alle  während  ihrer 
Geltungsdauer  eingetretenen  Tatsachen  und  entstandenen 
Rechtsverhältnisse  anwendbar  (Art.  112  Abs.  1  MWSTG).  Da  sich  der 
vorliegende  Sachverhalt  in  den  Jahren  2001­2006  zugetragen  hat, 
untersteht das vorliegende Verfahren deshalb in materieller Hinsicht dem 
Bundesgesetz  vom  2.  September  1999  über  die  Mehrwertsteuer 
(aMWSTG, AS 2000 1300).

Demgegenüber  ist  das  neue  mehrwertsteuerliche  Verfahrensrecht  im 
Sinn  von  Art.  113  Abs.  3  MWSTG  auf  sämtliche  im  Zeitpunkt  des 
Inkrafttretens hängige Verfahren anwendbar. Allerdings ist Art. 113 Abs. 3 
MWSTG  insofern  restriktiv  auszulegen,  als  nur  eigentliche 
Verfahrensnormen  sofort  auf  hängige  Verfahren  anzuwenden  sind,  und 
es  dabei  nicht  zu  einer  Anwendung  von  neuem  materiellen  Recht  auf 
altrechtliche  Sachverhalte  kommen  darf  (ausführlich:  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­1113/2009  vom  23.  Februar  2010  E.  1.3; 
s.a. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A­4360/2008 und A­4415/2008 
vom  4. März  2010  E. 1.2).  Kein  Verfahrensrecht  in  diesem  engen  Sinn 
stellen  im  vorliegen­den  Entscheid  etwa  Themen  wie  die 
Buchführungspflicht,  das  Selbstveranlagungsprinzip  oder  die 
Ermessensveranlagung dar, so dass vorliegend diesbezüglich noch altes 
Recht  anwendbar  ist.  Keine  Anwendung  finden  deshalb  beispielsweise 
Art.  70,  71,  72  oder  79  MWSTG,  obwohl  sie  unter  dem  Titel 
"Verfahrensrecht  für die  Inland­ und die Bezugsteuer" stehen (Urteil des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­1605/2006  vom  4.  März  2010  E.  1.5). 
Hingegen  kann  unter  anderem  Art.  81  MWSTG  unter  die  von  Art.  113 
Abs. 3 MWSTG anvisierten Verfahrensbestimmungen subsumiert werden 
(PASCAL MOLLARD/XAVIER OBERSON/ANNE TISSOT BENEDETTO, Traité TVA, 
Basel  2009,  S.  1235  N.  670).  Art.  81  MWSTG  gilt  damit  grundsätzlich 
auch für hängige Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht.

2. 
2.1. 
2.1.1. Die  für die Entscheidfindung  (Rechtsanwendung)  vorzunehmende 
Tatsachenfeststellung  setzt  voraus,  dass  die Sachlage  korrekt  und  voll­
ständig  ermittelt  wurde.  Das  Verwaltungsverfahren  und  die 
Verwaltungsrechtspflege  werden  deshalb  grundsätzlich  von  der 
Untersuchungsmaxime  beherrscht.  Demnach  muss  die  entscheidende 

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Behörde  den  Sach­verhalt  von  sich  aus  abklären.  Der 
Untersuchungsgrundsatz gilt auch  im Mehrwertsteuerrecht. Nach Art. 81 
Abs.  1 MWSTG  findet  der Vorbehalt  für Steuerverfahren  gemäss Art.  2 
Abs. 1 VwVG auf das Mehrwertsteuerrecht keine Anwendung mehr (vgl. 
aber  E.  1.3).  Der  Untersuchungsgrundsatz  wird  im 
Mehrwertsteuerverfahren  aber  dadurch  relativiert,  dass  dem 
Steuerpflichtigen  spezialgesetzlich  statuierte  Mitwirkungspflichten 
auferlegt werden  (vgl. BVGE 2009/60 E. 2.1.2).  Insbesondere gilt  es zu 
beachten, dass für die Veranlagung und Entrichtung der Mehrwertsteuer 
das Selbstveranlagungsprinzip gilt (vgl. unten E. 2.3).

2.1.2.  Gemäss  dem  Untersuchungsgrundsatz  trägt  die  Behörde  die 
Beweisführungslast  (subjektive  oder  formelle  Beweislast).  Wie  sich 
allfällige  Zweifel  nach  abgeschlossener  Sachverhaltsermittlung  auf  den 
Entscheid der Behörde auswirken, wird hingegen nicht geregelt. Für die 
(materielle) Beweislast ist – mangels spezialgesetzlicher Regelung – Art. 
8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB, 
SR 210)  in  analoger  Anwendung  massgebend.  Gemäss  dem  darin 
verankerten  Rechtsprinzip  trägt  derjenige  den  Nachteil  der 
"Nichtnachweislichkeit" einer Tatsache, der aus ihr Rechte ableiten wollte 
(Urteil des Bundesgerichts 9C_267/2007 vom 4. September 2007 E. 1.3; 
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­2998/2009 vom 11. November 
2010  E. 2.1.3,  A­3123/2008  vom  27.  April  2010  E. 2.1.3,  A­1597/2006 
und A­1598/2006 vom 17. August 2009 E. 4.1).

Im Steuerrecht gilt grundsätzlich, dass die Steuerbehörde für die steuer­
begründenden  und  ­mehrenden  Tatsachen  den  Nachweis  zu  erbringen 
hat, während  der  steuerpflichtigen Person  der Nachweis  der  Tatsachen 
obliegt,  welche  die  Steuerschuld  mindern  oder  aufheben  (Urteil  des 
Bundesgerichts  vom  14.  Juli  2005,  veröffentlicht  in  Archiv  für 
Schweizerisches Abgaberecht  [ASA]  75 S.  495  ff.  E.  5.4;  zum Ganzen: 
Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11.  November 
2010  E. 2.1.3;  vgl.  auch  statt  vieler  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­1597/2006  und  A­1598/2006  vom  17. 
August 2009 E. 4.1, A­1506/2006 vom 3. Juni 2008 E. 2.3.1, A­3069/2007 
vom 29. Januar 2008 E. 1.2; ERNST BLUMENSTEIN/PETER LOCHER, System 
des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich 2002, S. 454).

2.2.  Der  Mehrwertsteuer  unterliegen  insbesondere  die  Umsätze,  die 
durch  steuerpflichtige  Personen  im  Inland  mit  entgeltlich  erbrachten 

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Lieferungen  von  Gegenständen  und  Dienstleistungen  getätigt  werden 
(Art. 5 Bst. a und b aMWSTG).

Steuerpflichtig  ist  grundsätzlich,  wer  eine  mit  der  Erzielung  von 
Einnahmen  verbundene  gewerbliche  oder  berufliche  Tätigkeit 
selbstständig  aus­übt,  sofern  seine  Lieferungen  und  seine 
Dienstleistungen  im  Inland  jährlich  gesamthaft  Fr.  75'000.­­  übersteigen 
(Art. 21 Abs. 1 aMWSTG). Eine Ausnahme von der Steuerpflicht besteht 
insofern,  als  die  nach  Abzug  der  Vorsteuer  verbleibende  Steuer 
(Steuerzahllast)  regelmässig  nicht  mehr  als  Fr.  4'000.­­  beträgt;  diese 
Ausnahme bleibt auf Jahresumsätze bis zu Fr. 250'000.­­ beschränkt (Art. 
25 Abs. 1 Bst. a aMWSTG; vgl. dazu die von der ESTV herausgegebene 
Spezialbroschüre Nr. 02, Steuerpflicht bei der Mehrwertsteuer, gültig mit 
Einführung  des  aMWSTG  per  1.  Januar  2001  bis  31.  Dezember  2007, 
Ziff.  2.2.3).  Für  bestehende  Betriebe,  bei  welchen  im  Zeitpunkt  der 
Aufnahme  der  Tätigkeit  keine  Steuerpflicht  gegeben  war,  beginnt  die 
Steuerpflicht  am  1.  Januar,  wenn  im  vorangehenden  Jahr  die  oben 
erwähnten Betragsgrenzen  kumulativ  überschritten worden sind  (Art.  28 
Abs. 1 aMWSTG). Massgebend für die Steuerpflicht ist das vereinnahmte 
Entgelt  des  Vorjahres;  dieses  ist  wie  folgt  zu  ermitteln:  Einnahmen 
zuzüglich Entgelt aus Verrechnung und Warenhingabe an Zahlungs statt 
(ESTV,  Spezialbroschüre  Nr.  02,  a.a.O.,  Ziff.  3.3;  vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts A­2149/2008 und A­2170/2008  vom 17. Mai 
2010 E. 3.2).

2.3. Die  Veranlagung  und  Entrichtung  der  Mehrwertsteuer  erfolgt  nach 
dem  Selbstveranlagungsprinzip  (Art.  46  f.  aMWSTG; 
BLUMENSTEIN/LOCHER,  a.a.O.,  S.  421  ff.;  ALOIS  CAMENZIND/NIKLAUS 
HONAUER/KLAUS  A.  VALLENDER,  Handbuch  zum  Mehrwertsteuergesetz 
[MWSTG],  Bern  2003,  2. Aufl.,  Rz.  78).  Dies  bedeutet  vorab,  dass  der 
Leistungserbringer  bereits  für  die  Feststellung  seiner 
Mehrwertsteuerpflicht  selbst  verantwortlich  ist  und  sich  gegebenenfalls 
unaufgefordert anzumelden hat (Art. 56 Abs. 1 aMWSTG; vgl. Urteile des 
Bundesgerichts  2A.109/2005  vom  10.  März  2006  E.  2.1,  2A.304/2003 
vom 14. November 2003 E. 3.5; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts 
A­2149/2008  und  A­2170/2008  vom  17.  Mai  2010  E.  3.1,  A­8485/2007 
vom 22. Dezember 2009 E. 2.2, A­12/2007 vom 28. Januar 2009 E. 2.7). 
Bei  festgestellter  Steuerpflicht  hat  er  sodann  selbst  und  unaufgefordert 
über seine Umsätze und Vorsteuern abzurechnen und  innerhalb von 60 
Tagen  nach  Ablauf  der  Abrechnungsperiode  den  geschuldeten 
Mehrwertsteuerbetrag (Steuer vom Umsatz abzüglich Vorsteuern) an die 

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ESTV  abzuliefern.  Die  ESTV  ermittelt  die  Höhe  des  geschuldeten 
Mehrwertsteuerbetrages nur dann an Stelle der steuerpflichtigen Person, 
wenn  diese  ihren  Pflichten  nicht  nachkommt  (Art.  60  aMWSTG;  Urteile 
des Bundesverwaltungsgerichts A­2998/2009 vom 11. November 2010 E. 
2.4, A­4146/2009 vom 9. März 2010 E. 3.1 mit Hinweisen).

2.4. 
2.4.1. Zu den Obliegenheiten der steuerpflichtigen Person gehört  insbe­
sondere  die  Buchführungspflicht  (vgl.  dazu  die  Urteile  des 
Bundesgerichts  2A.552/2006  vom 1.  Februar  2007 E.  3.1,  2A.109/2005 
vom 10. März 2006 E. 2.1  f.). Gemäss Art. 58 Abs. 1 aMWSTG hat die 
Mehr­wertsteuerpflichtige  ihre  Geschäftsbücher  ordnungsgemäss  zu 
führen und so einzurichten, dass sich aus  ihnen die  für die Feststellung 
der Mehrwertsteuerpflicht  sowie  für  die Berechnung der Steuer  und der 
ab­ziehbaren  Vorsteuern  massgebenden  Tatsachen  leicht  und 
zuverlässig ermitteln lassen.

2.4.2.  Die  mehrwertsteuerliche  Buchführungspflicht  knüpft  nach  dem 
klaren Wortlaut von Art. 58 Abs. 1 aMWSTG und sachgerechterweise an 
eine bestehende Mehrwertsteuerpflicht an.  Insofern missverständlich, da 
logisch  nicht  denkbar,  ist  damit  die  Aussage,  das  Mehrwertsteuerrecht 
gebiete  die  Führung  von  Geschäftsbüchern  im  oben  erwähnten  Sinn 
schon  betreffend  Feststellung  der  Steuerpflicht,  besteht  doch  vor 
Entstehung  der  Steuerpflicht  eben  gerade  noch  keine  steuerpflichtige 
Person,  welche  unter  den  Anwendungsbereich  von  Art.  58  Abs.  1 
aMWSTG  fallen  könnte.  Da  indessen  die  Selbstveranlagung  auch  die 
Anmeldepflicht umfasst (Art. 56 aMWSTG), sind auch Unternehmerinnen 
und Unternehmer, die noch nicht mehrwertsteuerpflichtig sind, gehalten, 
durch  geeignete  Massnahmen  periodisch  zu  überprüfen,  ob  sie  der 
Mehrwertsteuerpflicht  unterliegen  (BVGE  2009/60  E.  2.5.1;  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11.  November  2010 
E. 2.5.2, A­5875/2009  vom 16.  Juni  2010 E. 3.2.1, A­1578/2006  vom 2. 
Oktober 2008 E. 2.4.1 mit Hinweisen).

2.4.3. Über  die Buchführungspflicht  kann  die ESTV nähere Bestimmun­
gen aufstellen. Von dieser Befugnis hat sie im Rahmen des Erlasses der 
Wegleitung  für Mehrwertsteuerpflichtige  (in erster Auflage erschienen  im 
Herbst 1994 [neu herausgegeben im Frühling 1997]; als Wegleitung 2001 
zur Mehrwertsteuer [Wegleitung 2001] neu herausgegeben per 1. Januar 
2001 [und per 1. Januar 2008 als Wegleitung 2008 zur Mehrwertsteuer]) 
Gebrauch gemacht. In der – vorliegend einschlägigen – Wegleitung 2001 

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sind  genauere  Angaben  enthalten,  wie  eine  derartige  Buchhaltung 
auszugestalten  ist  (Rz.  878  ff.).  Alle  Geschäftsvorfälle  müssen 
fortlaufend, chronologisch und lückenlos aufgezeichnet werden (Rz. 884) 
und alle Eintragungen haben sich auf entsprechende Belege zu stützen, 
so dass die einzelnen Geschäftsvorfälle von der Eintragung  in die Hilfs­ 
und  Grundbücher  bis  zur  Steuerabrechnung  und  bis  zum 
Jahresabschluss  sowie  umgekehrt  leicht  und  genau  verfolgt  werden 
können  (sog.  "Prüfspur";  vgl.  Rz.  893  f.;  vgl.  Urteil  des  Bundesgerichts 
2A.297/2005 vom 3. Februar 2006 E. 3.1).

2.4.4. Nach der Rechtsprechung ist der Steuerpflichtige selbst bei gerin­
gem  Barverkehr  zur  Führung  zumindest  eines  einfachen  ordentlichen 
Kassabuchs verpflichtet. Er ist zwar mehrwertsteuerrechtlich nicht gehal­
ten,  kaufmännische  Bücher  im  Sinne  des  Handelsrechts  zu  führen;  die 
Bücher müssen die erzielten Umsätze jedoch lückenlos erfassen und die 
entsprechenden  Belege  sind  aufzuheben  (Urteile  des  Bundesgerichts 
2A.693/2006  vom  26.  Juli  2007  E.  3.1,  2A.569/2006  vom  28.  Februar 
2007  E.  3.1;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­1634/2006  vom 
31.  März  2009  E.  3.5,  A­1527/2006  vom  6.  März  2008  E.  2.2, 
A­1406/2006 vom 30. Januar 2008 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen). Damit 
befinden  sich  die  mehrwertsteuerlichen  Anforderungen  an  die 
Aufzeichnungspflicht auch  im Einklang mit den bei den direkten Steuern 
geltenden Regelungen. Die detaillierte und chronologische Führung eines 
Kassabuches muss besonders hohen Anforderungen genügen. Soll also 
ein Kassabuch  für die Richtigkeit des erfassten Bargeldverkehrs Beweis 
erbringen,  ist  zu  verlangen,  dass  in  diesem  die  Bareinnahmen  und  ­
ausgaben  fortlaufend,  lückenlos  und  zeitnah  aufgezeichnet  werden  und 
durch Kassenstürze regelmässig – in bargeld­intensiven Betrieben täglich 
– kontrolliert  werden.  Nur  auf  diese  Weise  ist  gewährleistet,  dass  die 
erfassten  Bareinnahmen  vollständig  sind,  das  heisst  den  effektiven 
Bareinnahmen  entsprechen  (vgl.  Urteile  des  Bundesgerichts 
2C_302/2009  vom  15.  Oktober  2009  E.  4.2,  2A.693/2006  vom  26.  Juli 
2007  E.  3.1,  2A.657/2005  vom  9.  Juni  2006  E.  3;  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11. November  2010 
E. 2.5.4,  A­5875/2009  vom  16.  Juni  2010  E. 3.3,  A­705/2008  vom  12. 
April  2010  E. 2.3,  A­746/2007  vom  6. November  2009  E.  2.2.1  mit 
weiteren Hinweisen).

2.5. 
2.5.1.  Liegen  keine  oder  nur  unvollständige  Aufzeichnungen  vor  oder 
stimmen die ausgewiesenen Ergebnisse mit dem wirklichen Sachverhalt 

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offensichtlich nicht überein, so nimmt die ESTV gemäss Art. 60 aMWSTG 
eine Schätzung nach pflichtgemässem Ermessen vor. Diese Bestimmung 
ist  auch  heranzuziehen,  falls mangels Aufzeichnungen  – worunter  nicht 
nur Geschäftsbücher im Sinne von Art. 58 Abs. 1 aMWSTG zu verstehen 
sind  (vgl.  dazu PASCAL MOLLARD,  TVA et  taxation par  estimation,  veröf­
fentlicht  in ASA 69 S. 518) – die sachverhaltsmässigen Grundlagen zur 
Beantwortung  der  Frage,  ob  überhaupt  eine  Steuerpflicht  vorliegt,  nicht 
einwandfrei  ermittelt  werden  können  (zur  Ermessensveranlagung  als 
Sachverhaltsermittlung  durch  Schätzung  vgl.  grundlegend 
BLUMENSTEIN/LOCHER,  a.a.O.,  S.  404;  zur  Rechtslage  bei  den  direkten 
Steuern  THOMAS  STADELMANN,  Beweislast  oder  Einschätzung  nach 
pflichtgemäs­sem Ermessen, veröffentlicht in SteuerRevue [StR] 2001, S. 
258 ff., S. 260).

2.5.2. Art. 60 aMWSTG unterscheidet nach dem Gesagten zwei vonein­
ander unabhängige Konstellationen, welche zu einer Ermessenstaxation 
führen. Die erste ist diejenige der ungenügenden Aufzeichnung (Konstel­
lation 1).  In diesem Fall hat eine Schätzung insbesondere auch dann zu 
erfolgen, wenn  –  bei  feststehender Steuerpflicht  –  die Verstösse  gegen 
die  formellen  Buchhaltungsvorschriften  als  derart  gravierend  zu 
qualifizieren  sind,  dass  sie  die  materielle  Richtigkeit  der 
Buchhaltungsergebnisse in Frage stellen (statt vieler: BGE 105 Ib 181 E. 
4a, Urteile des Bundesgerichts 2C_429/2009 vom 9. November 2009 E. 
3,  2A.437/2005  vom  3. Mai  2006  E.  3.1;  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A­4450/2010 vom 8. September 2011 E. 4.1, 
A­705/2008 vom 12. April 2010 E. 2.4). Zweitens kann selbst eine formell 
einwandfreie  Buchführung  die  Durchführung  einer  Schätzung  erfordern, 
wenn  die  ausgewiesenen  Ergebnisse  mit  dem  wirklichen  Sachverhalt 
offensichtlich  nicht  übereinstimmen  (Konstellation  2).  Dies  ist  nach  der 
Rechtsprechung  der  Fall,  wenn  die  in  den  Büchern  enthaltenen 
Geschäftsergebnisse  von  den  von  der  Steuerverwaltung  erhobenen 
branchenspezifischen  Erfahrungszahlen  wesentlich  abweichen, 
vorausgesetzt  die  kontrollierte  Person  ist  nicht  in  der  Lage,  allfällige 
besondere  Umstände,  auf  Grund  welcher  diese  Abweichung  erklärt 
werden  kann,  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen 
(Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­4450/2010 vom 8. September 
2011 E. 4.1, A­2998/2009 vom 11. November 2010 E. 2.6.2, A­705/2008 
vom 12. April 2010 E. 2.4).

2.6. 

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2.6.1. Sind die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation erfüllt, so ist 
die  ESTV  nicht  nur  berechtigt,  sondern  verpflichtet,  eine  solche  nach 
pflichtgemässem  Ermessen  vorzunehmen.  Die  Fälle,  in  denen  die 
Steuerpflichtigen ihre Mitwirkungspflichten nicht wahrnehmen bzw. keine, 
unvollständige  oder  ungenügende  Aufzeichnungen  über  ihre  Umsätze 
(bzw. hinsichtlich Feststellung oder Überprüfung der Steuerpflicht) führen, 
dürfen keine Steuerausfälle zur Folge haben (Urteile des Bundesgerichts 
2A.552/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.2,  2A.552/2006 vom 1. Februar 
2007  E.  3.2;  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3678/2007  und 
A­3680/2007 vom 18. August 2009 E. 3.2).

2.6.2.  Die  Vornahme  der  Schätzung  nach  pflichtgemässem  Ermessen 
bedeutet  insbesondere,  dass  die  ESTV  dabei  diejenige 
Schätzungsmethode  zu  wählen  hat,  die  den  individuellen  Verhältnissen 
im Betrieb des Steuerpflichtigen soweit  als möglich Rechnung  trägt, auf 
plausiblen An­gaben beruht und deren Ergebnis der wirklichen Situation 
möglichst nahe kommt (Urteile des Bundesgerichts 2C_426/2007 vom 22. 
November 2007 E. 3.2, 2A.552/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.3; Urteile 
des Bun­desverwaltungsgerichts A­1113/2009  vom 23. Februar 2010 E. 
2.3,  A­1578/2006  vom  2.  Oktober  2008  E.  4.2; 
CAMENZIND/HONAUER/VALLENDER, a.a.O., Rz. 1682).  In Betracht kommen 
einerseits  Schätzungsmethoden,  die  auf  eine  Ergänzung  oder 
Rekonstruktion  der  ungenügenden  Buchhaltung  hinauslaufen, 
andererseits  Umsatzschätzungen  aufgrund  unbestrittener  Teil­
Rechnungsergebnisse  in  Verbindung  mit  Erfahrungssätzen  (Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A­4450/2010 vom 8. September 2011 E. 4.2, 
A­2184/2008 und A­2185/2008 vom 3. Juni 2010 E. 5.1, A­705/2008 vom 
12. April 2010 E. 2.6.2, A­1379/2007 vom 18. März 2010 E. 4.2; vgl. auch 
MOLLARD, a.a.O., S. 530 ff.). Die brauchbaren Teile der Buchhaltung und 
allenfalls vorhandene Belege sind soweit als möglich bei der Schätzung 
mitzuberücksichtigen.  Sie  können  durchaus  als  Basiswerte  der 
Ermessenstaxation  fungieren  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A­4360/2008 und A­4415/2008 vom 4. März 2010 E. 2.5.2, A­1578/2006 
vom  2.  Oktober  2008  E.  4.2;  HANS  GERBER,  Die  Steuerschätzung 
[Veranlagung nach Ermessen], veröffentlicht in StR 1980, S. 307).

2.6.3.  Im  Rahmen  einer  Ermessenstaxation  ist  es  nach  der 
Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  zulässig,  dass  die  ESTV  eine 
Prüfung  der  Verhältnisse  während  eines  Teils  der  Kontrollperiode 
vornimmt und in der Folge das Ergebnis auf den gesamten kontrollierten 
Zeitraum  umlegt  bzw.  hochrechnet  (sog.  Umlageverfahren), 

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vorausgesetzt  die  massgebenden  Verhältnisse  im  eingehend 
kontrollierten  Zeitabschnitt  seien  ähnlich  wie  in  der  gesamten 
Kontrollperiode (Urteile des Bundesgerichts 2C_309/2009 vom 1. Februar 
2010  E.  2.2  und  2A.437/2005  vom  3.  Mai  2006  E.  4.3.2;  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11. November  2010  E. 
2.7.3, A­5875/2009 vom 16. Juni 2010 E. 3.6.2, A­705/2008 vom 12. April 
2010 E. 2.6.2, A­4146/2009 vom 9. März 2010 E. 3.4).

2.7. Die Vorinstanz zieht bei  ihrer Arbeit Erfahrungszahlen heran, sei es 
im  Rahmen  der  Prüfung  der  Voraussetzungen  der 
Ermessensveranlagung  oder  sei  es  für  die  Vornahme  der  Schätzung. 
Nach  der  Rechtsprechung  ist  das  Abstellen  auf  Erfahrungszahlen 
grundsätzlich  nicht  zu  beanstanden  (vgl.  statt  vieler:  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­3678/2007  und  A­3680/2007  vom  18. 
August 2009 E. 3.1, 4.2).

2.7.1.  Erfahrungszahlen  sind  Ergebnisse,  die  aus  zuverlässigen 
Buchhaltungen  gewonnen  und  nach  betriebswirtschaftlichen 
Gesichtspunkten  statistisch  verarbeitet  werden.  Sie  sind  keine 
Rechtssätze  und  auch  keine  Beweismittel  (solange  sie  nicht  z.B.  durch 
ein  Sachverständigengutachten  erwiesen  sind),  die  den 
Geschäftsbüchern gleichgestellt wären (MARTIN ZWEIFEL/SILVIA HUNZIKER, 
Beweis und Beweislast im Steuerverfahren bei der Prüfung von Leistung 
und  Gegenleistung  unter  dem  Gesichtswinkel  des  Drittvergleichs 
["dealing at arm's length"], veröffentlicht in ASA 77 S. 658 ff., 665, 679 mit 
Hinweisen).

2.7.2.  Erfahrungszahlen  drücken  Gesetzmässigkeiten  in  den 
Verdienstverhältnissen  einzelner  Branchen  aus.  Diese  Funktion  kommt 
ihnen aber nur dann zu, wenn sie auf einer sicheren Grundlage beruhen 
(vgl.  ZWEIFEL/HUNZIKER,  a.a.O.,  S.  679).  Sollen  Erfahrungswerte 
Aufschluss  über  durchschnittliche  Umsatzziffern  geben,  müssen  sie 
deshalb breit  abgestützt  sein und sollten nebst  der Betriebsstruktur  und 
den  regionalen Gegebenheiten auch die Betriebsgrösse berücksichtigen 
(MOLLARD,  a.a.O.,  S.  553).  Mit  anderen  Worten  müssen  sie  aufgrund 
umfassender,  repräsentativer,  homogener  und  aktueller  Stichproben 
gewonnen  werden.  Das  verlangt,  dass  sie  aufgrund  einer  genügenden 
Anzahl von Fällen ermittelt werden müssen. Der Stichprobenumfang lässt 
sich  nicht  in  einer  absoluten  Zahl  bestimmen, welche  für  alle Branchen 
gültig  wäre.  Die Wahl  der  Stichproben  darf  nicht  einseitig  nur  günstige 
oder  ungünstige  Verhältnisse  betreffen.  Sie  muss  alle  Verhältnisse  in 

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angemessener Anzahl umfassen, um repräsentative Ergebnisse ermitteln 
zu  können  (Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts A­3123/2008  vom 27. 
April 2010 E. 2.8.2).

2.7.3. Die Steuerbehörde hat die Pflicht, der steuerpflichtigen Person die 
Grundlagen der Erfahrungszahlen kundzugeben  (vgl. ZWEIFEL/HUNZIKER, 
a.a.O., S. 682  f. mit  zahlreichen Hinweisen). Dies  folgt aus der Begrün­
dungspflicht. Die Behörde hat  dem Steuerpflichtigen die Art  und Weise, 
wie  die  Ermessensveranlagung  zustande  gekommen  ist  –  beinhaltend 
auch die Zahlen und Erfahrungswerte –, bekannt zu geben. Sie hat zu er­
läutern, dass die zum Vergleich herangezogenen Betriebe nicht nur der 
gleichen  Branche  entstammen  wie  das  eingeschätzte  (gegebenenfalls) 
steuerpflichtige  Unternehmen,  sondern  auch  in  anderer  Hinsicht 
vergleichbar sind, wie zum Beispiel betreffend Standort, Betriebsgrösse, 
Kundenkreis usw. Nur so ist es der steuerpflichtigen Person möglich, die 
Veranlagung  sachgerecht  anzufechten  (Urteil  des  Bundesgerichts 
2A.284/2000 vom 5. Dezember 2000 E. 3 mit Hinweisen).

2.7.4. Da es sich bei Erfahrungszahlen prinzipiell um Durchschnittswerte 
handelt,  dürfen  sie  im  Einzelfall  nicht  lediglich  in  schematischer  Weise 
angewendet werden. In Ausübung des pflichtgemässen Ermessens muss 
bei  der  Anwendung  von  Erfahrungszahlen  deshalb  deren  Streubreite 
(zwischen Maximal­  und Minimalwert)  beachtet  werden,  wenn  eine  den 
individuellen  Verhältnissen  gerecht  werdende  Schätzung  erfolgen  soll 
(Urteile  des  Bundesgerichts  vom  4.  Mai  1983,  veröffentlicht  in  ASA  52 
S. 234  E. 4;  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3123/2008  vom 
27. April  2010  E.  2.8.4,  A­1578/2006  vom  2.  Oktober  2008  E.  6.3). 
Inwiefern  die  Verwaltung  ihr  Ermessen  ausgeübt  hat,  ist  in  der 
Entscheidbegründung darzulegen (BVGE 2009/60 E. 2.8.4; zum Ganzen: 
Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11.  November 
2010 E. 2.8.3).

2.8. 
2.8.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kann  den  angefochtenen 
Einspracheentscheid  grundsätzlich  in  vollem  Umfang  überprüfen.  Die 
Beschwerdeführerin kann neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 
Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder unvollständigen Feststellung des 
rechts­erheblichen Sachverhaltes  (Art.  49 Bst.  b VwVG)  auch  die Rüge 
der Unangemessenheit erheben (Art. 49 Bst. c VwVG).

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2.8.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  überprüft  das  Vorliegen  der  Vor­
aussetzungen  für  die Vornahme einer Ermessenstaxation  –  als Rechts­
frage  –  uneingeschränkt  (statt  vieler:  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­3678/2007  und  A­3680/2007  vom  18. 
August  2009  E.  5).  Als  ausserhalb  der  Verwaltungsorganisation  und 
Behördenhierarchie  stehendes,  von  der  richterlichen  Unabhängigkeit 
bestimmtes Verwaltungsgericht auf­erlegt dieses sich trotz des möglichen 
Rügegrundes  der  Unangemessenheit  bei  der  Überprüfung  von 
zulässigerweise erfolgten Ermessensveranlagungen jedoch eine gewisse 
Zurückhaltung  und  reduziert  dergestalt  seine  Prüfungsdichte. 
Grundsätzlich setzt das Bundesverwaltungsgericht nur dann sein eigenes 
Ermessen an die Stelle desjenigen der Vorinstanz, wenn dieser bei  der 
Schätzung  erhebliche  Ermessensfehler  unterlaufen  sind  (statt  vieler: 
Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2184/2008  und  A­2185/2008 
vom  3.  Juni  2010  E.  5.2,  A­4309/2008  vom  30.  April  2010  E.  2.2,  A­
3678/2007  und  A­3680/2007  vom  18.  August  2009  E.  5).  Diese  Praxis 
wurde  vom  Bundesgericht  bestätigt  (Urteil  des  Bundesgerichts 
2C_426/2007 vom 22. November 2007 E. 4.3).

2.8.3.  Für  das  Vorliegen  der  Voraussetzungen  zur  Vornahme  einer 
Ermessenseinschätzung  ist  nach  den  allgemeinen  Beweislastregeln  die 
ESTV  beweisbelastet  (Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A­1960/2007 vom 1. Februar 2010 E. 2.4.2, A­1578/2006 vom 2. Oktober 
2008 E.  5.3, A­1527/2006  und A­1528/2006  vom 6. März  2008 E.  2.4). 
Gelangt  das  Gericht  somit  in  freier  Beweiswürdigung  nicht  zur 
Überzeugung,  eine  der  beiden  tatbestandsmässig  vorausgesetzten 
Konstellationen von Art. 60 aMWSTG (vgl. dazu oben, E. 2.5.2) habe sich 
verwirklicht, so  ist gemäss der objektiven Beweislastregel zu Ungunsten 
der  ESTV  zu  entscheiden  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts 
A­1578/2006 vom 2. Oktober 2008 E. 5.3, A­1527/2006 und A­1528/2006 
vom 6. März 2008 E. 2.4).

Waren die Voraussetzungen für eine Ermessenstaxation im Einzelfall er­
füllt  und  hat  die  ESTV  damit  zulässigerweise  eine  Schätzung  nach  Er­
messen durchgeführt, obliegt es – in Umkehr der allgemeinen Beweislast­
regeln – der steuerpflichtigen Person, den Beweis für die Unrichtigkeit der 
Schätzung  zu  erbringen  (statt  vieler:  Urteile  des  Bundesgerichts 
2C_171/2008 vom 30.  Juli  2008 E. 4.3, 2A.642/2004 vom 14. Juli  2005 
E. 5.4; Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A­5460/2008 vom 12. Mai 
2010 E. 2.5.4, A­1578/2006 vom 2. Oktober 2008 E. 5.3). Sie kann sich 
gegen eine zulässigerweise durchgeführte Ermessenseinschätzung des­

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halb  nicht  mit  allgemeiner  Kritik  zur  Wehr  setzen.  Vielmehr  hat  sie 
darzulegen,  dass  die  von  der  ESTV  vorgenommene  Schätzung 
offensichtlich  fehlerhaft  ist,  und  sie  hat  auch  den  Beweis  für  ihre 
vorgebrachten  Behauptungen  zu  erbringen  (anstatt  vieler:  Urteil  des 
Bundesgerichts 2A.437/2005 vom 3. Mai 2006 E. 3.3 unter Verweis auf 
MOLLARD,  a.a.O.,  S.  559  und  die  dort  zitierte  Rechtsprechung;  zum 
Ganzen:  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­3123/2008  vom  27. 
April 2010 E. 2.9.3).

2.9. Aus dem Gebot der Gewährung des rechtlichen Gehörs – und damit 
nicht nur aus Art. 33 Abs. 1 VwVG, sondern auch aus Art. 29 Abs. 2 BV – 
folgt im Weiteren, und dies trotz Art. 81 Abs. 3 MWSTG, der Anspruch auf 
Abnahme  der  von  einer  Partei  angebotenen  Beweise,  soweit  diese 
erhebliche Tatsachen betreffen und nicht offensichtlich beweisuntauglich 
sind  (BGE  127  I  54  E.  2b  mit  Hinweisen).  Keine  Verletzung  des 
rechtlichen  Gehörs  liegt  vor,  wenn  eine  Behörde  auf  die  Abnahme 
beantragter Beweismittel verzichtet, weil die antizipierte Beweiswürdigung 
ergibt, dass die Beweisanträge eine nicht erhebliche Tatsache betreffen 
oder offensichtlich untauglich sind, etwa weil ihnen die Beweiseignung an 
sich  abgeht  oder  die  betreffende  Tatsache  aus  den  Akten  bereits 
genügend  ersichtlich  ist  und  angenommen  werden  kann,  dass  die 
Durchführung des Beweises  im Ergebnis nichts ändern wird  (BGE 131  I 
153 E. 3, 130 II 429 E. 2.1, 125 I 134 E. 6c/cc; Urteil des Bundesgerichts 
2C_115/2007  vom  11.  Februar  2008  E.  2.2;  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11.  November  2010 
E. 2.2.3,  A­2149/2008  und  A­2170/2008  vom  17.  Mai  2010  E.  2.3, 
A­7703/2007 vom 15. Februar 2010 E. 4.2).

3. 
Im vorliegenden Fall  hat die ESTV den Umsatz des Beschwerdeführers 
ermessensweise ermittelt. In einem ersten Schritt ist darüber zu befinden, 
ob  die  ESTV  zu  Recht  das  Vorliegen  der  Voraussetzungen  für  eine 
Ermessenseinschätzung bejaht hat (E. 3.1). Erst und nur falls dies zutrifft, 
gilt  es  in  einem  zweiten  Schritt  zu  überprüfen,  ob  sich  die 
Ermessensveranlagung in ihrer Höhe als korrekt erweist (E. 3.2 bis 3.3).

3.1. Die ESTV begründet die Vornahme der Ermessenseinschätzung mit 
fehlenden Kassabüchern  und weiteren Mängeln  in  der Buchhaltung.  Es 
seien  weder  Grundbücher  noch  eine  doppelte  Buchhaltung  geführt 
worden.  Für  die  Jahre  2002  bis  2006  lägen  jeweils  lediglich  die 
Erfolgsrechnungen,  Abrechnungen  mit  der  Taxizentrale,  Tankbelege 

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sowie  Reparaturrechnungen  vor.  Von  der  Möglichkeit  der  Verfolgung 
einzelner  Geschäftsfälle  –  auch  stichprobenweise  –  sowohl  vom 
Einzelbeleg über die Buchhaltung bis zur Mehrwertsteuerabrechnung als 
auch  in  umgekehrter  Richtung  könne  keine  Rede  sein.  Diese 
Ausführungen  der  ESTV  bestreitet  der  Beschwerdeführer  nicht  weiter. 
Nach  der  Rechtsprechung  war  er  gehalten,  durch  geeignete 
Massnahmen  periodisch  zu  überprüfen,  ob  er  die Voraussetzungen  der 
Steuerpflicht erfüllt (E. 2.4.2). Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, 
dass der vorliegende Taxibetrieb einen bargeldintensiven Betrieb darstellt 
(vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom 
11. November 2010 E. 3.2.1, A­281/2009 vom 14. Oktober 2010 E. 6.1.2, 
A­2149/2008 und A­2170/2008 vom 17. Mai 2010 E. 6.1.2), weshalb  für 
diese  Prüfung  die  Führung  eines  tagfertigen  Kassabuches  zwingend 
erforderlich  ist. Die Bareinnahmen und Barausgaben müssen  in  diesem 
fortlaufend, lückenlos und zeitnah aufgezeichnet und durch Kassenstürze 
kontrolliert  werden  (E. 2.4.4;  vgl.  auch  Urteil  des  Bundesgerichts 
2A.109/2005 vom 10. März 2006 E. 2.2 und E. 4.3 mit insoweit ähnlicher 
Sachverhaltskonstellation).  Aufgrund  des  Fehlens  eines  solchen 
Kassabuches ist die Buchführung des Beschwerdeführers bereits deshalb 
mangelhaft.  Es  fehlen  die  sachverhaltsmässigen  Grundlagen  zur 
Beantwortung  der  Frage,  ob  eine Steuerpflicht  gegeben  ist.  Bei  diesem 
Resultat  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren  von  der  ESTV  genannten 
Gründe für die Vornahme der Ermessenseinschätzung einzugehen.

Die  Voraussetzungen  für  eine  Ermessenseinschätzung waren  demnach 
gegeben (E. 2.5) und die ESTV war deshalb nicht nur berechtigt, sondern 
auch verpflichtet, eine solche vorzunehmen.

3.2.  Zu  prüfen  ist  nun,  ob  die  von  der  ESTV  vorgenommene  Ermes­
senseinschätzung  den  individuellen  Verhältnissen  des 
Beschwerdeführers  soweit  als  möglich  Rechnung  trägt,  auf  plausiblen 
Angaben  beruht  und  deren  Ergebnis  der  wirklichen  Situation  möglichst 
nahe  kommt  (E. 2.6.2).  Bereits  ausgeführt  wurde,  dass  das 
Bundesverwaltungsgericht  bei  dieser  Prüfung  nur  dann  sein  eigenes 
Ermessen  an  die  Stelle  desjenigen  der  Vorinstanz  setzt,  wenn  dieser 
erhebliche  Ermessensfehler  unterlaufen  sind  (E.  2.8.2).  Die  Beweislast 
für die Unrichtigkeit der Schätzung trägt der Beschwerdeführer (E. 2.8.3).

3.2.1. Die Berechnung der Anzahl geschäftlich gefahrener Kilometer wird 
vom  Beschwerdeführer  nicht  mehr  bestritten.  Diese  von  der  ESTV 
vorgenommene  Berechnung  anhand  der  Fahrtenschreiberscheiben  der 

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Jahre 2005 und 2006 erweist sich denn auch als rechtmässig. Die ESTV 
berücksichtigte den  individuellen Arbeitsweg des Beschwerdeführers.  Im 
Weiteren  erscheint  die  für  private  Zwecke  in  Abzug  gebrachte  Anzahl 
Kilometer (grundsätzlich 100 km pro Arbeitswoche, zusätzliche Kilometer 
soweit durch Fahrtenschreiberscheiben belegt;  vgl. Einspracheentscheid 
S. 17) dem Gericht angemessen und entspricht auch dem Vorgehen der 
ESTV  in  anderen,  ähnlich  gelagerten  Fällen  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11.  November  2010 
E. 3.3.2.5).  Gemäss  der  zutreffenden  Berechnung  der  ESTV  ist  in  der 
Folge  für  die  Berechnung  der  Mehrwertsteuer  für  das  Jahr  2005  von 
42'825  km und  für  2006  von 42'310  km auszugehen. Da betreffend  die 
Jahre 2002 bis 2004 keine Fahrtenschreiberscheiben eingereicht wurden, 
nahm die ESTV eine Umlage der durchschnittlichen Kilometerzahlen der 
Jahre  2005  und  2006  auf  die  Jahre  2002  bis  2004  vor.  Diese  Umlage 
erweist sich als zulässig, da keine Anhaltspunkte dafür vorliegend, dass 
in  diesen  Jahren  nicht  von  ähnlichen  Verhältnissen  auszugehen  wäre, 
wie in den Jahren 2005 und 2006 (E. 2.6.3).

3.2.2.  Der  Beschwerdeführer  bestreitet  dagegen  den  von  der  ESTV 
aufgrund ihrer Erfahrungswerte geschätzten Ansatz von Fr. 2.15 Umsatz 
pro Kilometer.

Zunächst ist daran zu erinnern, dass die fraglichen Erfahrungszahlen vor­
liegend nicht  im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen der Ermes­
sensveranlagung, sondern für die Vornahme der eigentlichen Schätzung 
herangezogen worden sind. Bei Beweislosigkeit trägt der Beschwerdefüh­
rer  die  Beweislast  dafür,  dass  die  von  der  ESTV  verwendeten  Erfah­
rungswerte für seinen Betrieb nicht sachgerecht sind (E. 2.8.3). Die ESTV 
hat ihm diesen Nachweis aber zu ermöglichen, indem sie ihm die Grund­
lagen  der  Erfahrungszahlen  kundgibt.  Dies  hat  die  ESTV  in  ihrem  Ein­
spracheentscheid  vom  5.  Februar  2010  getan.  Sie  legte  darin 
insbesondere dar, sie habe den Erfahrungswert von Fr. 2.15/km aus 38 
Datensätzen  berechnet.  Die  erhobenen  Daten  würden  Angestellte  von 
diversen Taxibetrieben in der Stadt Basel betreffen. Dabei seien Vollzeit­ 
und Teilzeitangestellte, Tag­  und Nachtchauffeure,  solche mit  und ohne 
Funk und auch Fahrten zu Spezialpreisen berücksichtigt worden. Zudem 
seien  bei  den  erhobenen  Daten  alle  Arten  von  Fahrten  inbegriffen 
(Flughafen, Kundenkarte, Kreditkarte, Fahrten für Pharmafirmen etc.). Im 
Weiteren  legte  die ESTV  insbesondere detailliert  dar, welche Leer­  und 
Privatfahrten beim ermittelten Ansatz berücksichtigt worden seien (vgl. S. 
12  des  Einspracheentscheids).  Die  ESTV  ist  demnach  ihrer 

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Begründungspflicht  in  genügender  Weise  nachgekommen.  Im  Übrigen 
war  der  damalige  Vertreter  des  Beschwerdeführers,  der  die 
Beschwerdeergänzung  vom  18.  März  2010  verfasst  hat,  ebenfalls 
Vertreter  im Pilotverfahren A­2998/2009  (vgl.  unten E. 3.3.1).  In diesem 
Beschwerdeverfahren  erhielt  dieser  Einsicht  in  das  Spezialdossier  der 
ESTV,  das  die  Berechnung  des  vorliegend  relevanten  Erfahrungswerts 
von Fr. 2.15/km aufzeigt.

In der Folge ist zu prüfen, ob die ESTV sich bei ihrer Schätzung zu Recht 
auf diese Erfahrungszahlen gestützt hat. Dies wäre der Fall, wenn sie auf 
einer  sicheren  Grundlage  beruhen  und  aufgrund  umfassender,  re­
präsentativer,  homogener  und  aktueller  Stichproben  gewonnen  worden 
sind (E. 2.7.2).

3.3. 
3.3.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hatte  bereits  in  seinem  Urteil 
A­2998/2009  vom  11.  November  2010  Gelegenheit,  eine 
ermessensweise  Umsatzschätzung  der  ESTV  bezüglich  eines 
Taxibetriebes  in  der Stadt  Basel  zu  überprüfen. Die ESTV wendete  bei 
dieser Schätzung die gleichen Erfahrungszahlen wie im vorliegenden Fall 
an.  Im  Weiteren  handelte  es  sich  ebenfalls  um  einen  (selbständigen) 
Einzelunternehmer,  der  an  eine  Taxizentrale  angeschlossen  ist,  ein 
normales  Taxi  betreibt  und  über  eine  Taxihalterbewilligung  A  verfügt 
(Letzteres  im  Gegensatz  zum  Sachverhalt,  der  dem  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­7809/2010  vom  5. September  2011 
zugrunde  gelegen  hat).  Das  Bundesverwaltungsgericht  kam  in  diesem 
Pilotfall  zum  Ergebnis,  dass  sich  die  ESTV  bei  der  Ermittlung  des 
Ansatzes  von  Fr. 2.15/km  (inkl.  Fr.  0.11  Trinkgeld)  auf  Datensätze 
gestützt  habe,  welche  die  lokalen  und  betrieblichen  Eigenheiten  des 
betreffenden  Taxibetriebes  berücksichtigt  hätten.  Die  Datenerhebung 
könne  als  genügend  breit  und  aktuell  sowie  für  den  Beschwerdeführer 
repräsentativ bezeichnet werden. Ebenfalls korrekt gewesen sei, dass die 
ESTV den Mittelwert der bei den 38 Datensätzen ermittelten Umsätze pro 
Kilometer  angewendet  habe.  Es  bestünden  keine  Hinweise  auf 
individuelle Verhältnisse beim betreffenden Taxibetrieb, die einen davon 
abweichenden  Ansatz  nahe  legen  würden  (vgl.  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11.  November  2010  E. 
3.5).

Analoges gilt für den vorliegenden Fall, da der relevante Sachverhalt mit 
demjenigen  des  Pilotfalls  vergleichbar  ist.  Der  von  der  ESTV  ermittelte 

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Ansatz  von  Fr.  2.15/km  kann  deshalb  auch  vorliegend  der 
ermessensweisen  Umsatzschätzung  zugrunde  gelegt  werden.  Es  ist 
darauf  hinzuweisen,  dass  bei  der  Festsetzung  dieses  Ansatzes 
selbstverständlich gewisse Ungenauigkeiten in Kauf zu nehmen sind, die 
sich  systemimmanent  bei  der  Ermittlung  von  Durchschnittswerten 
ergeben. Der Beschwerdeführer hätte es aber in der Hand gehabt, durch 
ordnungsgemässe  Aufzeichnungen  von  vornherein  Klarheit  über  seine 
tatsächlich erzielten Umsätze zu schaffen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
2C_429/2009 vom 9. November 2009 E. 5.2).

3.4. Der Beschwerdeführer wendet  ein,  er  sei  im Gegensatz  zu  den  im 
Spezialdossier  der  ESTV  erfassten  angestellten  Taxifahrer  selbständig 
erwerbend.  Die  von  der  ESTV  bei  der  Ermittlung  der  Erfahrungszahlen 
berücksichtigten  grossen  Taxiunternehmen  mit  einer  Zentrale  und 
mehreren  Angestellten  hätten  eine  mit  ihm  nicht  vergleichbare  Struktur 
und  demzufolge  seien  die  Daten  für  ihn  nicht  repräsentativ.  Er  sei  nur 
sehr  locker an eine Taxizentrale angeschlossen. Er  fahre den nicht sehr 
lukrativen  Flughafendienst,  der  bei  den  grossen  Taxiunternehmen 
gemieden  werde  und  versuche  dann,  zusätzlich  morgens  oder  abends 
noch  an  einigen  neuralgischen  Punkten  Fahrgäste  aufzunehmen.  Dort 
bildeten  sich  jedoch  immer  lange Warteschlangen  von  Taxis.  Diese  Art 
von  Geschäft  sei  wenig  gewinn­  und  umsatzträchtig.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  erachtet  diese Einwände als  nicht  stichhaltig. 
Die  ESTV  hat  bei  ihrer  Schätzung  des  Kilometeransatzes  die 
Besonderheiten  des  Beschwerdeführers  in  Bezug  auf  den  Ort  (Stadt 
Basel)  und  das  Fahrzeug  (normales  Taxi)  berücksichtigt.  Da  er  als 
selbständiger  Taxifahrer  den  selben  Tarifen  untersteht  wie  die 
angestellten und er ebenso der Taxi­Zentrale angeschlossen ist, ergeben 
sich  hinsichtlich  der  Umsatzerzielung  pro  Kilometer  keine  erkennbaren 
Unterschiede.  Aufgrund  der  vollautomatischen  Vermittlung  der 
Taxifahrten  durch  die  Taxi­Zentrale  (anhand  Satellitenortung  aller 
Fahrzeuge  mittels  GPS;  vgl.  die  insoweit  unbestrittenen  Ausführungen 
auf S. 7 der Vernehmlassung der ESTV vom 1. Juni 2011) ist im Übrigen 
nicht davon auszugehen, dass die angestellten Taxifahrer mehr Aufträge 
erhalten als die selbständigen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
A­2998/2009  vom  11. November  2010  E. 3.4.4).  Im  Weiteren 
berücksichtigen die von der ESTV erhobenen Datensätze mitunter auch 
den  Flughafendienst  (vgl.  E. 3.2.2).  Im  Übrigen  wirken  sich  die 
Warteschlagen an den neuralgischen Punkten hinsichtlich der Wartezeit 
für alle Taxis gleich aus. Zudem ist bei der vorliegenden Kalkulation des 
Umsatzes  nicht  die  Wartedauer  relevant,  sondern  das  Verhältnis  der 

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gefahrenen Kilometer zum Umsatz. Die von der ESTV erhobenen Daten 
sind  demzufolge  auch  für  den  Beschwerdeführer  als  selbständiger 
Taxifahrer repräsentativ.

3.5.  Der  Beschwerdeführer  bestreitet  zudem  den  Zuschlag  von  5% 
Trinkgeld. Nach Art.  33 Abs. 2 aMWSTG gehört  zum Entgelt  alles, was 
der Empfänger oder an seiner Stelle ein Dritter als Gegenleistung für die 
Lieferung  oder  Dienstleistung  aufwendet.  Der  Fahrgast  zahlt  dem 
selbständigen Taxifahrer für die von diesem erbrachte Dienstleistung das 
Fahrgeld und allenfalls ein Trinkgeld. Letzteres ist damit Teil des Entgelts, 
welches gemäss Art. 33 Abs. 1 aMWSTG die Bemessungsgrundlage für 
die Steuer bildet. Die ESTV hat folglich zu Recht einen Zuschlag für das 
geschätzte  Trinkgeld  vorgenommen.  Dessen  Festlegung  auf  5% 
erscheint  dem  Bundesverwaltungsgericht  nicht  unangemessen.  Da  der 
Beschwerdeführer  keine  begründeten  Einwände  vorbringt,  ist  der 
genannte Zuschlag zu bestätigen  (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
A­2998/2009  vom  11. November  2010  E. 3.4.5).  Das  Argument  des 
Beschwerdeführers,  dass  –  bei  Nichtberücksichtigung  des 
aufgerechneten Trinkgelds – seine Steuerpflicht entfallen würde, ist nicht 
relevant. 

3.6.  Der  Beschwerdeführer  stellt  ferner  den  Antrag,  die  Akten  eines 
Taxifahrers mit  der MWST­Nr.  (…)  seien  im vorliegenden Verfahren  ins 
Recht  zu  ziehen.  Dieser  habe  seine  Buchhaltung  ordnungsgemäss 
geführt  und  einen  Ansatz  von  Fr.  1.­­/km  erzielt.  Im  Sinne  einer 
antizipierten  Beweiswürdigung  (E.  2.9)  kann  auf  den  Beizug  der 
genannten  Akten  verzichtet  werden.  Der  Beschwerdeführer  fordert  mit 
seinem  Antrag  eine  Berechnung  seines  Umsatzes  aufgrund  eines 
einzigen,  von  ihm  ausgewählten,  seines  Erachtens  vergleichbaren 
Betriebes,  anstatt  Anwendung  der  von  der  ESTV  ermittelten 
Erfahrungszahlen.  Dabei  verkennt  er,  dass  diese  von  ihm  behaupteten 
Vergleichszahlen  nicht  geeignet  sind,  die  Richtigkeit  der 
Ermessenseinschätzung  der  ESTV  in  Zweifel  zu  ziehen.  Der 
Beschwerdeführer  müsste  darlegen,  weshalb  die  Schätzung  für  "ihn" 
nicht sachgerecht sein soll. Dies kann er nicht mit Zahlen eines anderen 
Betriebes  tun, ohne nachzuweisen, dass dieser mit seinem vergleichbar 
ist  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  A­2998/2009  vom  11. 
November 2010 E. 3.4.2).

3.7. Die Schätzung der ESTV erweist sich damit sowohl hinsichtlich der 
ermittelten Kilometer als auch des Ansatzes von Fr. 2.15/km als korrekt. 

A­1447/2010

Seite 24

Weil  er  sowohl  die  Umsatzgrenze  von  Fr.  75'000.­­  als  auch  die 
Steuerzahllast von Fr. 4'000.­­ in den Jahren 2001 bis 2006 überschreitet, 
ist  die  Steuerpflicht  des  Beschwerdeführers  ab  dem  1.  Januar  2002 
gegeben  (E. 2.2).  Keine  Rolle  kann  im  Übrigen  der  Umstand  spielen, 
dass  der  Beschwerdeführer  mit  Bezug  auf  die  Steuerzahllast  die 
massgebende  Schwelle  von  Fr. 4000.­­  in  den  Jahren  2001  bis  2003 
"nur" um Fr. 94.­­ überschritten hat.

3.8.  Im  Sinn  einer  antizipierten  Beweiswürdigung  (E.  2.9)  kann 
schliesslich  auf  das  vom  Beschwerdeführer  beantragte  Gutachten  über 
den  Kilometeransatz  verzichtet  werden.  Das  Bundesverwaltungsgericht 
hat  aufgrund  der  Aktenlage  und  gestützt  auf  die  mittlerweile  gefestigte 
Rechtsprechung zur Frage des Kilometeransatzes bei Basler Taxis seine 
Überzeugung  von  der  Richtigkeit  der  Ermessenseinschätzung  gebildet. 
Ein  Gutachten  vermöchte  daran  nichts  zu  ändern  (vgl.  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A­2998/2009 vom 11. November 2010 E. 3.5, 
A­2184/2008 und A­2185/2008 vom 3. Juni 2010 E. 6.2.4.2, A­2149/2008 
und A­2170/2008 vom 17. Mai 2010 E. 6.2.6 mit Hinweis auf BGE 119 Ib 
492 E. 5b).

Im  Weiteren  ist  anzumerken,  dass  die  ESTV  nicht  nur  bei  der 
Bestimmung  der  Steuerzahllast,  sondern  auch  bei  der  Berechnung  der 
Steuerschuld  die  Saldosteuersatzmethode  angewendet  hat.  Sie  hat  bei 
der  Ermessenseinschätzung  somit  Vorsteuern  berücksichtigt  und  ist 
damit  dem  Beschwerdeführer  entgegengekommen.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  hat  keinen  Anlass,  dieses  Entgegenkommen 
in  Frage  zu  stellen  (vgl.  dazu  auch  Urteile  des 
Bundesverwaltungsgerichts A­2998/2009 vom 11. November 2010 E. 3.6, 
A­281/2009  vom  14.  Oktober  2010  E.  6.2.4,  A­2184/2008  vom  3.  Juni 
2010 E. 6.3, A­2149/2008 und A­2170/2008 vom 17. Mai 2010 E. 6.2.7, 
A­1614/2006 vom 1. Oktober 2008 mit dem Hinweis, dass die ESTV auch 
andere gleichgelagerte Fälle rechtsgleich zu behandeln hat).

4. 
Nach  dem  Gesagten  ist  die  Beschwerde  abzuweisen,  soweit  darauf 
einzutreten ist. Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten  in der Höhe 
von  Fr.  3'000.­­  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1 
VwVG)  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe  zu 
verrechnen.

A­1447/2010

Seite 25

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  3'000.­­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt.  Sie  werden  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss  von 
Fr. 3'000.­­ verrechnet.

3. 
Dieses Urteil geht an:

– den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde)
– die Vorinstanz (Ref­Nr. …; Gerichtsurkunde)

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

Salome Zimmermann Jürg Steiger

Rechtsmittelbelehrung:
Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen 
Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des 
Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die 
Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, 
deren Begründung mit Angabe der Beweismittel  und die Unterschrift  zu 
enthalten. Der angefochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit 
sie der Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).

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