# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f3ea2659-4102-51dd-a301-04447b22e322
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.01.2012 B-6762/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_B-6762-2011_2012-01-12.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung II

Postfach
CH­3000 Bern 14
Telefon +41 (0)58 705 25 60
Fax +41 (0)58 705 29 80
www.bundesverwaltungsgericht.ch

Geschäfts­Nr. B­6762/2011
stm/bub

Zw i s ch env e r f ü gung
vom   1 2 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richter Marc Steiner,
Gerichtsschreiberin Sabine Büttler.

In der Beschwerdesache

Parteien X. _____ AG,  
vertreten durch lic. iur. Konrad Jeker, Rechtsanwalt, 
Bielstrasse 8, Postfach 663, 4502 Solothurn,
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Bauten und Logistik BBL, 
KBB / Rechtsdienst, Fellerstrasse 21, 3003 Bern,   
Vergabestelle, 

Gegenstand Projekt­ID 77270, Meldungsnummer 714825, WTO­Projekt 
(1124) 104 "Systematische Sammlung des Bundesrechts 
(SR), Nachträge" / Akteneinsicht,

http://www.bundesverwaltungsgericht.ch

B­6762/2011

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wird festgestellt und in Erwägung gezogen,

dass die Beschwerdeführerin in Bezug auf die Akteneinsicht verlangt, es 
seien  der  Werkvertrag  über  die  bisherigen  Nachträge  der  SR,  das 
vollständige Projekt­Dossier,  insbesondere die Bewertung des Angebots 
der  Zuschlagsempfängerin  und  der  Beschwerdeführerin,  sowie  Belege 
über  die  bisherigen  Lieferfristen  von  "Y."  und  die  Abrechnungen  der 
Produktionspreise der vier Nachträge im Jahr 2010 auf Basis des letzten 
Zuschlags zu edieren,

dass  die  Vergabestelle  mit  Eingabe  vom  9.  Januar  2012  die  Akten 
eingereicht hat und beantragt, es sei der Beschwerdeführerin nur insoweit 
Einsicht  in  die  Akten  zu  gewähren,  als  der  Einsichtnahme  keine 
Amtsgeheimnisse  oder  Berufs­  und  Geschäftsgeheimnisse  Dritter 
entgegen stehen,

dass die Vergabestelle entsprechend der Instruktion, es seien diejenigen 
Aktenstücke und Passagen, welche von der Akteneinsicht auszunehmen 
sind,  genau  zu  bezeichnen,  einen  besonderen  Ordner  mit  denjenigen 
Unterlagen eingereicht hat, die der Beschwerdeführerin nach Auffassung 
der Vergabestelle zugestellt werden können,

dass  dieser  Ordner  vor  allem  in  Griff  6  den  Evaluationsbericht  vom 
21. November  2011  enthält,  welchen  die  Vergabestelle  abgedeckt  hat 
namentlich mit  dem  Ziel,  der  Beschwerdeführerin  nicht  nur  die  Namen, 
sondern auch die Anzahl derjenigen Anbieter vorzuenthalten, welche die 
Ausschreibungsunterlagen von SIMAP heruntergeladen haben,

dass dasselbe gilt für die Anzahl derjenigen Anbieter, welche eine Offerte 
eingereicht haben,

dass  der  Vergabestelle  mit  Verfügung  vom  10.  Januar  2012  ein 
gerichtlicher  Abdeckungsvorschlag  zur  umgehenden  Stellungnahme 
zugestellt  worden  ist,  welcher  dazu  führt,  dass  die  Anzahl  der  SIMAP­
Interessierten und der offerierenden Anbieter bekannt gegeben wird, nicht 
aber die Identität der Anbieter, soweit sie nicht bereits bekannt ist,

dass  die  Vergabestelle  sich  mit  Eingabe  vom  12.  Januar  2012 
dahingehend  geäussert  hat,  dass  die  Angaben  über  die  Anzahl 
(potenzieller) Anbieter für die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten 
(vergaberechtlichen) Rügen nicht relevant sei, weshalb den gerichtlichen 
Abdeckungsvorschlägen nicht zugestimmt werden könne,

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dass Anordnungen betreffend die Akteneinsicht einzelrichterlich erfolgen 
(Zwischenverfügung B­1172/2011 vom 6. Mai 2011, E. 1.3 mit Hinweis),

dass  nach  Art.  27  Abs.  1  Bst.  b  VwVG  jene  Akten  vom  allgemeinen 
Einsichtsrecht  ausgenommen  bleiben,  bezüglich  welcher  ein 
überwiegendes Geheimhaltungsinteresse besteht  (vgl.  zum Ganzen den 
Zwischenentscheid  des  Bundesverwaltungsgerichts  B­3803/2010  vom 
23. Juni 2010 E. 7.2 mit Hinweisen),

dass  die Vergabestelle  vorliegend  kein  solches  geltend macht,  sondern 
lediglich  aufgrund  der  Rügen  der  Beschwerdeführerin  davon  ausgeht, 
diese  habe  kein  schutzwürdiges  Interesse  an  der  Herausgabe  dieser 
Informationen (Eingabe vom 12. Januar 2012, ad Ziff. 5),

dass  der  Vergabestelle  zwar  dahingehend  zuzustimmen  ist,  dass  die 
Akteneinsicht  aufgrund  des  Prozessgegenstandes  beschränkt  werden 
kann,  indem z.B. keine Einsicht  in die materiellen Evaluationsunterlagen 
gewährt  wird,  solange  der  Prozess  auf  die  Zuständigkeit  des  Gerichts 
beschränkt  ist  (Urteil  B­1687/2010  vom  21.  Juni  2011,  zur  Publikation 
vorgesehen, insb. E. 9.2; vgl. auch Zwischenverfügung B­2197/2011 vom 
19. Mai 2011, E. 5 mit Hinweisen),

dass der Vergabestelle auch insofern beizupflichten ist, als sich bereits in 
früheren  Verfahren  Vergabestellen  und  Zuschlagsempfängerinnen  auf 
den  Standpunkt  gestellt  haben,  Akteneinsicht  sei  nur  insoweit  zu 
gewähren, als das in Frage stehende Aktenstück in Bezug auf eine Rüge 
der  Beschwerdeführerin  relevant  ist  (vgl.  dazu  namentlich  die 
Zwischenverfügung B­3604/2007 vom 16. November 2007, E. 2.3),

dass  selbst  für  den  Fall,  dass  die  Akteneinsicht  namentlich  bei 
umfangreichen  Akten  tatsächlich  je  nach  Rügen  unterschiedlich 
auszugestalten wäre, was hier nicht weiter zu erörtern  ist, eine derartige 
Argumentation  jedenfalls  in  Bezug  auf  den  Evaluationsbericht  als 
Kernstück  jeder  Vergabeakte  keine  Anwendung  finden  kann  vor  dem 
Hintergrund,  dass  im  Grundsatz  schützenswert  zwar  die  Sphäre  der 
Anbieter  ist,  in der Regel nicht  aber diejenige der Vergabestelle,  soweit 
die  in  Frage  stehenden  Unterlagen  nicht  Geschäftsgeheimnisse 
enthalten,

dass  vielmehr  das  Ziel  des  Rechtsmittelverfahrens  in 
Beschaffungsverfahren  ist,  das  Vorgehen  der  Vergabestelle 
nachvollziehbar  zu  machen,  unter  anderem  mit  Hilfe  der  Akteneinsicht 

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(Marc  Steiner,  Das  Verfahren  vor  Bundesverwaltungsgericht  in 
Vergabesachen, in: Michael Leupold et alii (Hrsg.), Der Weg zum Recht, 
Festschrift für Alfred Bühler, Zürich 2008, S. 405 ff., insb. S. 417),

dass  zwar  je  nach  Marktgegebenheiten  die  Bekanntgabe  der  Anzahl 
Anbieter  möglicherweise  tatsächlich  Auswirkungen  auf  den Wettbewerb 
haben  könnte,  wobei  hier  offen  bleiben  kann,  ob  und  inwieweit  dieser 
Umstand  eine  Beschränkung  des  Akteneinsichtsrechts  rechtfertigen 
kann,

dass  die  Vergabestelle  im  vorliegenden  Fall  aber  ausdrücklich  auf  eine 
interne  Marktstudie  verweist,  wonach  62  Anbieter  die  notwendigen 
Voraussetzungen  erfüllen,  womit  nicht  gleichzeitig  mit  Hinweis  auf  die 
Marktstruktur  die  Beschränkung  der  Akteneinsicht  begründet  werden 
kann,

dass  demnach  der  Beschwerdeführerin  die  Fassung  des 
Evaluationsberichts  gemäss  dem  gerichtlichen  Abdeckungsvorschlag 
offen  zu  legen  ist,  wobei  insbesondere  die  Namen  der  SIMAP­
interessierten Anbieter abzudecken sind,

dass der Vergabestelle praxisgemäss Reaktionszeit eingeräumt wird, um 
anzuzeigen,  dass  eine  Anfechtung  des  vorliegenden 
Zwischenentscheides  erwogen  wird  (Zwischenverfügung  B­1172/2011 
vom  6.  Mai  2011,  E. 9;  vgl.  zum  Ganzen  neuerdings  Marc  Steiner, 
Management  komplexer  Fälle  aus  dem  Bereich  des 
Wirtschaftsverwaltungsrechts, Richterzeitung 4/2011),

dass  demgegenüber  der  seitens  der  Vergabestelle  für  die 
Beschwerdeführerin  vorbereitete Ordner mit  dem  gemäss  Eingabe  vom 
12. Januar 2012 überarbeiteten Aktenverzeichnis der Beschwerdeführerin 
mit der vorliegenden Verfügung zugestellt werden kann,

dass  die  Zuschlagsempfängerin  um  Stellungnahme  ersucht  worden  ist 
betreffend  die  Bekanntgabe  der  Totaloffertsumme  gemäss  S.  9  ihrer 
Offerte vom 9. November 2011,

dass  diese  mit  Eingabe  vom  11.  Januar  2012  die  Einwilligung  zur 
Bekanntgabe  dieser  Summe  erteilt  hat,  welche  lautet  "Total  (6  Jahre, 
24 Nachträge) CHF 3'401'754.—",

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dass von der Stellungnahme der Vergabestelle betreffend die Marktstudie 
einstweilen lediglich Kenntnis genommen wird,

dass  weitere  Anordnungen  in  Bezug  auf  die  Akteneinsicht  sowohl  mit 
Blick  auf  den  Zwischenentscheid  betreffend  die  aufschiebende Wirkung 
als auch namentlich für das Hauptverfahren vorbehalten bleiben.

Demnach verfügt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Der  Beschwerdeführerin  wird  Akteneinsicht  gewährt  in  den 
Evaluationsbericht  vom  21.  November  2012  gemäss  dem  gerichtlichen 
Abdeckungsvorschlag vom 10. Januar 2012.

2. 
Die  Akten  gemäss  Ziff.  1  hiervor  werden  der  Beschwerdeführerin  fünf 
Kalendertage  nach  der  postalischen  Zustellung  des  vorliegenden 
Zwischenentscheides  zugestellt,  soweit  die  Vergabestelle  dem  Gericht 
nicht  innert dieser Frist anzeigt,  dass sie eine Beschwerde  in öffentlich­
rechtlichen Angelegenheiten gegen den vorliegenden Zwischenentscheid 
in Erwägung zieht. 

3. 
Der Beschwerdeführerin wird  der  seitens  der Vergabestelle  vorbereitete 
Ordner  zugestellt  zuzüglich  Aktenverzeichnis  gemäss  der  Eingabe  der 
Vergabestelle vom 12. Januar 2012.

4. 
Mit dem Einverständnis der Zuschlagsempfängerin wird die 
Totaloffertsumme wie folgt bekannt gegeben: 
"Total (6 Jahre, 24 Nachträge) CHF 3'401'754.—"

5. 
Weitere Anordnungen betreffend die Akteneinsicht bleiben vorbehalten.

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6. 
Diese Verfügung geht an:

– die  Beschwerdeführerin  (Einschreiben,  vorab  mit  Aktenverzeichnis 
per Fax; Beilagen gemäss Ziffer 3 hiervor) 

– die  Vergabestelle  (Ref­Nr.  SIMAP  Nr.  714825;  Einschreiben  mit 
Rückschein, vorab per Fax)

– die Zuschlagsempfängerin (Einschreiben, vorab per Fax)

Der Instruktionsrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Marc Steiner Sabine Büttler

Rechtsmittelbelehrung:

Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim 
Bundesgericht,  1000  Lausanne  14,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen 
Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des 
Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die 
Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der 
Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene 
Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie der Beschwerdeführer in 
Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG).

Versand: 13. Januar 2012