# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2926fddb-7e48-5520-a841-fddaabca259f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-06-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.06.2008 D-4455/2006
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4455-2006_2008-06-16.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-4455/2006
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 6 .  J u n i  2 0 0 8

Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), 
Richterin Gabriela Freihofer, Richter Gérald Bovier, 
Gerichtsschreiberin Ulrike Raemy.

A._______, geboren (...), Türkei, 
vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, 
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 
3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 17. Mai 
2005 / N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-4455/2006

Sachverhalt:

A.
Die Beschwerdeführerin verliess den Heimatstaat nach eigenen Anga-
ben am 1. Mai 2004 in B._______ und gelangte auf dem Seeweg nach 
Italien, von wo aus sie am 5. Mai 2004 illegal in die Schweiz gelangte. 
Hier stellte sie am selben Tag ein Asylgesuch. Am 6. Mai 2004 fand die 
Befragung in der Empfangsstelle (...) (seit dem 1. Januar 2005: Emp-
fangs- und Verfahrenszentrum [...]) statt. Am 26. Mai 2004 hörte sie die 
zuständige kantonale Behörde zu ihren Asylgründen an.

B.

B.a
Zur  Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdeführerin 
im wesentlichen geltend,  sie  habe an Aktivitäten der  HADEP teilge-
nommen, sei aber nicht Parteimitglied gewesen. Im Jahre 1994 sei sie 
15  Tage lang  auf  dem Gendarmerieposten  von C._______ inhaftiert 
gewesen, nachdem sie zwei als Guerilla getarnten Männern zu essen 
gegeben habe. Während ihrer Haft habe sie schwere Misshandlungen 
erlitten. In der Folge leide sie heute unter gesundheitlichen Problemen 
(Beckenprobleme). Im Jahre 2003 sei sie anlässlich des Newrozfestes 
erneut festgenommen worden. Die Behörden hätten von ihr erfahren 
wollen, ob sie immer noch den Terroristen helfe. In D._______ sei es 
ein  Jahr  später  im  Zusammenhang  mit  der  Newrozfeier  zu 
Ausschreitungen  gekommen.  Die  Sicherheitskräfte  hätten  mehrere 
Personen  festgenommen,  unter  anderem  auch  Leute  aus  dem 
Bekanntenkreis  der  Beschwerdeführerin.  Diese  hätten  die 
Beschwerdeführerin  denunziert,  woraufhin  die  Fahndung  nach  ihr 
eingeleitet  worden  sei.  Vor  diesem  Hintergrund  habe  sie  die  Türkei 
verlassen.

B.b Zur Untermauerung ihrer Vorbringen reichte die Beschwerdefüh-
rerin  am  9.  Juni  2004  die  Fotokopie  eines  Zeitungauschnitts  der 
E._______ zu den Akten. 

C.
Das Bundesamt stellte mit Verfügung vom 17. Mai 2005 - eröffnet am 
24. Mai 2005 - fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingsei-
genschaft  nicht,  lehnte  das  Asylgesuch  ab  und  wies  sie  aus  der 
Schweiz  weg.  Es  begründete  seinen  ablehnenden  Entscheid  damit, 

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dass ihre Vorbringen insgesamt den Anforderungen an die Glaubhaf-
tigkeit  nicht  genügten. Den  Wegweisungsvollzug  erachtete  das  BFM 
als zulässig, zumutbar und möglich. Auf die weiteren Einzelheiten wird 
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

D.
Mit Beschwerde an die damalige Schweizerische Asylrekurskommissi-
on (ARK) vom 23. Juni 2005 liess die Beschwerdeführerin beantragen, 
es sei ihr unter Ansetzung einer angemessenen Frist zur Einreichung 
einer  Beschwerdeergänzung  Einsicht  in  die  Aktenstücke  A3/1  und 
A6/2 zu gewähren. Es sei die Verfügung des BFM vom 17. Mai 2005 
aufzuheben und es sei  die Sache zur Feststellung des vollständigen 
und rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neubeurteilung an das 
BFM zurückzuweisen. Eventuell  sei  die Verfügung des BFM vom 17. 
Mai 2005 aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft der Beschwer-
deführerin festzustellen und es sei ihr in der Schweiz Asyl zu gewäh-
ren. Eventuell  sei  die Verfügung des BFM vom 17. Mai  2005 in  den 
Punkten 4 und 5 des Dispositivs aufzuheben und es sei die Unzumut-
barkeit des Vollzuges der Wegweisung festzustellen. Der Beschwerde 
war  unter  anderem  ein  Schreiben  des  Kantonsspital  (...)  vom  2. 
Dezember 2004 beigelegt, gemäss dem sich die  Beschwerdeführerin 
kürzlich einer Operation unterzogen und eine Hüftprothese eingesetzt 
erhalten  habe  und  ihr  infolgedessen  ein  Implantatausweis  zugestellt 
wurde.

E.
Mit Zwischenverfügung vom 8. Juli 2005 teilte die damals zuständige 
Instruktionsrichterin  der  ARK der  Beschwerdeführerin mit,  sie  könne 
den Entscheid in der Schweiz abwarten. Das Gesuch um Einsicht in 
das Aktenstück A6/2 wurde gutgeheissen, währendem das Gesuch um 
Einsicht  in  das  Aktenstück  A3/1  abgewiesen  wurde. Antragsgemäss 
wurde  der  Beschwerdeführerin  eine  Frist  zur  Einreichung  einer  Be-
schwerdeergänzung bis am 25. Juli 2005 eingeräumt.

F.
Am 25. Juli 2005 reichte der Rechtsvertreter der  Beschwerdeführerin 
fristgerecht eine Beschwerdeergänzung zu den Akten. In der Beilage 
befanden  sich  der  Original-Zeitungsausschnitt  der  E._______  sowie 
ein  Arztbericht  der  Hausärztin  vom  30.  Juni  2005  und  des 
Kantonsspitals  (...),  Klinik  für  Orthopädische  Chirurgie  vom  13.  Juli 
2005. Gemäss letzterem leide die  Beschwerdeführerin an einer Hüft-

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Dysplasie  beidseits  mit  hoher  Hüftluxation  infolge  eines  Ge-
burtsgebrechen. Da die Gelenkskongruenz fehle, komme es zu einer 
verfrühten Arthrose, was der Patientin  Beschwerden bereite. Bei den 
Veränderungen  in  den  beiderseitigen  Hüftgelenken  handle  es  sich 
nicht  um eine  Folge der  Folterungen. Gemäss dem Arztzeugnis  der 
Hausärztin  liege  bei  der  Beschwerdeführerin ein  posttraumatisches 
Belastungssyndrom mit suizidalen Gedanken vor. Aus dem eingereich-
ten Zeitungsartikel gehe hervor, dass am 21. März 2004 in D._______ 
eine Newroz-Feier stattgefunden habe. Die Polizei sei auf dieser Feier 
erschienen und habe die Gegend grossräumig abgeriegelt. In der Fol-
ge seien vier Personen verletzt  und sieben Personen festgenommen 
worden,  darunter  F._______.  Die  Beschwerdeführerin habe  sich  mit 
der Gruppe von C._______ zu dieser Feier begeben. Auf der Hinreise 
habe sie die ihr bereits im Rahmen der politischen Aktivität bekannte 
F._______  näher  kennengelernt,  welche  in  C._______  lebe  und  un-
gefähr  27  Jahre  alt  sei.  F._______  habe  bei  ihrer  Festnahme  die 
Beschwerdeführerin verraten.  Auch  wenn  die  Beschwerdeführerin in 
dem  eingereichten  Zeitungsartikel  nicht  namentlich  erwähnt  werde, 
stelle  dieser  ein taugliches Beweismittel  dar,  welches der  Abklärung 
des Sachverhalts und der Glaubhaftmachung der asylrelevanten Ver-
folgung durchaus diene. Die  Beschwerdeführerin sei  im Rahmen der 
vollständigen und richtigen Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts  zu  ihrem  Kontakt  zu  F._______  sowie  insbesondere  deren 
Festnahme und ihrer Situation zu befragen. Gleichzeitig ersuchte der 
Rechtsvertreter  um  Fristansetzung,  um  weitere  Beweismittel  be-
treffend F._______ einreichen zu können. Eventualiter ersuchte er um 
Ansetzung  einer  angemessenen  Frist  zur  Einreichung  weiterer 
Beweismittel betreffend den Gesundheitszustand der  Beschwerdefüh-
rerin. Diese leide gemäss ärztlichem Kurzbericht  vom 30. Juni  2005 
unter  PTBS mit  suizidalen  Gedanken.  Bisher  sei  ihr  gegenüber  nur 
Nothilfe geleistet worden, aber sie bedürfte einer weitergehenden Be-
handlung. Im  Zusammenhang  mit  der  diagnostizierten  Hüftdysplasie 
der  Beschwerdeführerin  ersuchte  der  Rechtsvertreter  erneut  und  in 
Wiederholung seines Antrages in der Beschwerdeschrift um die Anset-
zung  einer  Frist  zur  Einreichung  eines  diesbezüglich  ausführlichen 
ärztlichen Berichts, mit der Begründung, den am vorliegenden Fall be-
teiligten medizinischen Laien sei es nicht möglich, ohne weitere Infor-
mationen eines  Spezialisten über  den Fall  zu befinden. Dies  erhelle 
auch ein kurzer Blick ins Internet. So habe der Rechtsvertreter in kür-
zester Zeit in verschiedenen Foren den Erfahrungsberichten Betroffe-
ner  entnehmen können,  dass  ein  Hüftdysplasie  oft  jahrelang  unent-

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deckt bleibe und erst bei schwer wiegenden Schmerzen diagnostiziert 
werde.

G.
Mit Zwischenverfügung vom 15. August 2005 wurde die Beschwerde-
führerin unter Hinweis auf die Säumnisfolge aufgefordert, bis am 30. 
August 2005 einen Kostenvorschuss im Betrag von Fr. 600.-- zu leis-
ten. Gleichzeitig erhielt  sie die Gelegenheit,  innert  der gleichen Frist 
die  von  ihr  in  Aussicht  gestellten  Beweismittel  -  nötigenfalls  in  eine 
Amtssprache übersetzt - einzureichen, andernfalls aufgrund der übri-
gen Akten entschieden werde. 

H.
Am 30. August 2005 liess die Beschwerdeführerin um Gewährung der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  ersuchen  und  beantragte  erneut,  eine 
Fristerstreckung beziehungsweise Fristansetzung zur Beibringung von 
Beweismitteln  sowie  weitergehende  medizinische  Abklärungen  von 
Amtes  wegen.  Der  Eingabe  war  unter  anderem  ein  Arztbericht  des 
mittlerweile  für  die  Beschwerdeführerin  zuständigen  Zentrumsarztes 
vom 23. August 2005 beigelegt, gemäss dem die  Beschwerdeführerin 
wegen  ihres  Hüftleidens  sowie  im  Rahmen eines  posttraumatischen 
Belastungssyndroms mit Antidepressiva behandelt werde. Bei der Be-
schwerdeführerin sei  eine  intensive psychotherapeutische Betreuung 
inklusive einer medikamentösen Therapie angezeigt. Im Weiteren sei 
es  der  Beschwerdeführerin  mittlerweile  gelungen,  mit  F._______  in 
Kontakt  zu treten. Diese habe aber Angst  davor, irgendwelche Infor-
mationen zu geben oder sich in sonstiger Weise zu diesem Fall zu äu-
ssern. Die Beschwerdeführerin bemühe sich auch in diesem Punkt um 
weitere Beweismittel und Informationen. In Rahmen einer Botschafts-
abklärung dürfte es möglich sein, F._______ ausfindig zu machen und 
abzuklären, inwieweit ein Verfahren gegen sie eingeleitet und wie sie 
durch  die  türkischen  Behörden  behelligt  worden  sei.  Der  Eingabe 
lagen  Ausweisekopien  verschiedener  Verwandter  der  Be-
schwerdeführerin bei. Demnach lebe eine ihrer Schwestern als aner-
kannter Flüchtling in Frankreich, und eine andere Schwester sowie ei-
ner ihrer Cousins als anerkannte Flüchtlinge in der Schweiz. Obwohl 
die  Beschwerdeführerin bereits  bei  der  Befragung in  der  Empfangs-
stelle ihre in der Schweiz lebende Schwester erwähnt habe, enthalte 
die angefochtenen Verfügung keinerlei Angaben oder Hinweise auf die 
Verwandtschaft  der  Beschwerdeführerin in  der  Schweiz.  Auch  unter 
diesem Gesichtspunkt sei die Rückweisung zur vollständigen und rich-

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tigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts betreffend die in 
der Schweiz befindlichen Verwandten unumgänglich.

I.
Die  damals  zuständige  Instruktionsrichterin  der  ARK  teilte  der  Be-
schwerdeführerin mit Zwischenverfügung vom 6. September 2005 mit, 
über  das  (erstaunlicherweise  erst  im  Verlauf  des  Instruktionsverfah-
rens) gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspfle-
ge werde im Endentscheid befunden. Gleichzeitig lehnte sie die weite-
ren Anträge ab.

J.  
Am 9. September 2005 erklärte der Rechtsvertreter der Beschwerde-
führerin, der ergänzende Bericht bezüglich der in der Beschwerdeer-
gänzung  vom 25. Juli  2005  aufgeworfenen  Fragen  sei  aus  diversen 
Gründen  noch  nicht  eingetroffen.  Nach  Erhalt  werde  er  diesen  der 
ARK unverzüglich zustellen und ersuchte um dessen Berücksichtigung 
im Rahmen von Art. 32 Abs. 2  des Bundesgesetzes vom 20. Dezem-
ber  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021). Der 
Eingabe  lag  eine Orientierungskopie  gleichen Datums bezüglich  der 
Anfrage des Rechtsvertreters an den Chirurgen bei.

K.
Mit Vernehmlassung vom 12. September 2005 beantragte das BFM die 
Abweisung der Beschwerde. Gemäss den eingereichten Arztzeugnis-
sen vom 30. Juni 2005 sowie vom 13. Juli 2005 leide die Beschwerde-
führerin an einer geburtsbedingten Hüft-Dysplasie. Dabei sei in letzte-
rem ausdrücklich festgehalten worden, dass es sich bei den Verände-
rungen der Hüftgelenke nicht  um die Folge von Folterungen handle. 
Somit stehe auch aus medizinischer Sicht eindeutig fest, dass die Ge-
brechen  der  Beschwerdeführerin entgegen  deren  anderslautenden 
Aussagen,  nicht  die  Folge  schwerster  Folterungen  seien.  Aus  dem 
Arztbericht  vom 23.  August  2005  gehe  unter  anderem  hervor,  dass 
sich bei der  Beschwerdeführerin im Rahmen der von ihr beschriebe-
nen Inhaftierungen und Folterungen eine depressive Symptomatik von 
zum Teil erheblichem Ausmass entwickelt habe mit Angstgefühlen und 
Ausnahmezuständen in Form eines posttraumatischen Belastungssyn-
droms. Eine intensive psychotherapeutische Betreuung inklusive medi-
kamentöser Therapie sei  indiziert. Wie  bereits  dargelegt  worden sei, 
seien die Gründe für Angstgefühle nicht auf Inhaftierungen und Folte-
rungen in der Türkei zurückzuführen. Derartige depressive Krankheits-

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bilder stelle man vielfach bei Personen fest,  die  von einem Wegwei-
sungsvollzug betroffen seien und deren Traum des Aufbaus einer Exis-
tenz in der Schweiz beendet worden sei. Eine allfällige Fortführung der 
in der Schweiz begonnenen psychotherapeutischen und medikamentö-
sen Behandlung sei auch in der Türkei ohne weiteres möglich, zumal 
dort  auch die hier festgestellten sprachlichen Schwierigkeiten bei der 
Behandlung dahin fielen.

L.
Die  Beschwerdeführerin erhielt  mit  Zwischenverfügung vom 15. Sep-
tember 2005 unter Hinweis auf die Säumnisfolge die Gelegenheit, sich 
bis  am 30. September  2005 zur  Vernehmlassung des BFM vom 12. 
September 2005 zu äussern.

M.
Am 30. September 2005 liess sich die Beschwerdeführerin fristgerecht 
vernehmen. Als Beilage liess sie einen ergänzenden Arztbericht vom 
13. September 2005 zu den Akten reichen. Demnach sei es möglich, 
dass die  Hüft-Dysplasie häufig  lange unerkannt  bleibe  und sich erst 
durch grössere  Belastungen bemerkbar mache. Ausgeprägte gewalt-
same Abduktions-Bewegungen im Hüftgelenk bewirkten eine erhöhte 
Belastung  des  Gelenkes  (insbesondere  der  Labrumanteile)  und  be-
schleunigten die Entwicklung der Arthrose. Es sei demnach durchaus 
nachvollziehbar, dass erst die genannten Folterungen und Vergewalti-
gungen im Jahre 1994 zu den von der Patientin angegebenen Schmer-
zen und Leiden geführt hätten. Die Frage, ob es möglich sei, dass es 
sich  bei  der  Hüft-Dysplasie  um  eine  konstitutionelle  Prädisposition 
handle und die Beschwerden erst nach den Folterungen und Vergewal-
tigungen im Jahre 1994 im Alter von 17 Jahren aufgetreten seien, sei 
bejaht worden. Hingegen sei die Frage verneint worden, ob aufgrund 
der verfrühten Arthrose Schlüsse auf den Zeitpunkt gezogen werden 
könnten, ab dem sich das Geburtsgebrechen der Beschwerdeführerin 
als schmerzhaftes und auffälliges Leiden manifestiert habe.

N.
Die  Beschwerdeführerin liess  am  5.  Januar  2006  einen  Arztbericht 
vom 20. Dezember 2005 des Ambulatoriums für Sozialpsychiatrie zu 
den Akten reichen und stellte eine Ergänzung des Arztberichts in Aus-
sicht. Mit Eingabe vom 24. Februar 2006 liess sie das in Aussicht ge-
stellte Arztzeugnis, datiert  vom 17. Februar 2006, nachreichen. Dem-
zufolge sei bei der  Beschwerdeführerin eine schwere depressive Epi-

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sode vermutlich ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)  sowie 
eine  posttraumatische  Belastungsstörung  (ICD-10  F43.1)  diagnosti-
ziert worden. Seit dem 28. Oktober 2005 werde sie im Ambulatorium 
für Sozialpsychiatrie behandelt, wobei neben einer Gesprächtherapie 
auch eine medikamentöse Behandlung (hochdosierte  Antidepressiva 
verschiedener Substanzen) im Mittelpunkt stehe. Die Frage nach der 
Behandelbarkeit der Erkrankung im Heimatland der Beschwerdeführe-
rin sowie nach ihrer  Reisefähigkeit  könne nicht  beantwortet  werden. 
Sollte  die  Beschwerdeführerin bei  einer Rückkehr in die Türkei nicht 
mehr behandelt werden, sei die Prognose auf jeden Fall ganz schlecht. 
Ohne  Behandlung werde sich  die  Patientin  mit  grosser  Wahrschein-
lichkeit suizidieren. 

O.
Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 13. Juli 2007 stell-
te der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ein Ausstandsbegehren 
gegen den vorsitzenden Richter, welches mit Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts vom 14. Februar 2008 abgewiesen wurde.

P.
Am 21. Februar 2008 beantragte der Rechtsvertreter der Beschwerde-
führerin mit  Verweis auf  das Ausstandsverfahren, das Urteil  vom 14. 
Februar  2008 und die dadurch eingetretene Verzögerung die Anset-
zung einer angemessenen Frist zur ergänzenden Stellungnahme be-
züglich des heute aktuellen Sachverhalts.

Q.
Der Beschwerdeführerin wurde mit Zwischenverfügung vom 27. Febru-
ar 2008 Frist bis am 13. März 2008 zur Einreichung einer Beschwerde-
ergänzung gewährt.

R.
Mit  Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  13.  März  2008 
liess sich die  Beschwerdeführerin insofern vernehmen, als sie erneut 
um Gewährung  einer  angemessenen  Frist  zur  Einreichung  aktueller 
Arztzeugnisse bezüglich des geltend gemachten Hüftleidens sowie be-
züglich ihrer  psychischer Erkrankung und der Ergebnisse der in  der 
Türkei in Gang gesetzten Abklärungen ersuchte.

S.
Der Antrag auf Ansetzung einer neuen Frist zur Einreichung weiterer 

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Beweismittel wurde mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsge-
richts vom 27. März 2008 abgelehnt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt  Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5  VwVG. Das Bun-
desamt für Migration (BFM) gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG 
und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine 
das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt 
nicht  vor. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet in diesem 
Bereich  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998 
[AsylG, SR 142.31];  Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat am 1. Januar 2007 die Beurtei-
lung der bei der ARK hängigen Verfahren übernommen. Das neue Ver-
fahrensrecht ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).

1.3 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführerin  ist durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt  und 
hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung. Die  Beschwerdeführerin  ist  daher  zur  Einreichung der 
Beschwerde legitimiert  (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 50 ff. 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

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3.  

3.1 Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

4.

4.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie 
genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dür-
fen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in  wesentlichen 
Punkten nicht widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder 
den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darü-
ber  hinaus  muss  der  Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erschei-
nen, was insbesondere dann nicht der Fall ist, wenn er wichtige Tatsa-
chen unterdrückt  oder bewusst  falsch darstellt,  im Laufe des Verfah-
rens Vorbringen auswechselt,  steigert  oder unbegründet  nachschiebt 
oder  die  nötige  Mitwirkung  am  Verfahren  verweigert.  Glaubhaftma-
chung bedeutet ferner - im Gegensatz zum strikten Beweis - ein redu-
ziertes Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände 
und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, 
ob die Gründe, welche für die Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung 
sprechen, überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sicht-
weise abzustellen (vgl. Art. 7 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen 

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der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1996  Nr.  27 
S. 263 f. E. 3c.aa; Nr. 28 E. 3A S. 270).

4.2 Gemäss ihren protokollierten Aussagen will die Beschwerdeführe-
rin in den Jahren 2000 bis 2004 in D._______ gelebt (vgl. A1/S. 1) und 
dort von 2001 bis 2003 ihren Lebensunterhalt als Verkäuferin in einem 
Möbelgeschäft verdient haben (vgl. A1/S. 2). Bei der kantonalen Anhö-
rung schwächte die Beschwerdeführerin diese Aussagen dahingehend 
ab,  dass  sie  nur  in  den  Jahren  2000  bis  2003  bei  ihrem Bruder  in 
D._______  gelebt  und  in  dieser  Zeit  der  erwähnten  Erwerbstätigkeit 
nachgegangen sei. Danach habe sie bei verschiedenen Freunden und 
Bekannten in D._______ gelebt. Ihre Arbeit  habe sie gekündigt,  weil 
die  Polizei  sie  an  ihrem Arbeitsplatz  schnell  ausfindig  gemacht  und 
verfolgt habe (vgl. A5/S. 5). Im weiteren Verlauf der selben Anhörung 
erklärte sie, sie sei aus Angst vor der Polizei einfach nicht mehr zur Ar-
beit gegangen. Ihr Bruder habe dann ihren Arbeitgeber davon benach-
richtigt (vgl. A5/ S. 6). Unbestritten bleibt aber, dass die Beschwerde-
führerin vor ihrer Ausreise einige Jahre an der gleichen Adresse wohn-
haft und zwei Jahre lang im gleichen Betrieb erwerbstätig gewesen ist. 
Dieses Verhalten widerspricht jedoch klar demjenigen einer tatsächlich 
verfolgten Person und steht auch im vorliegenden Fall im Widerspruch 
zur  geltend  gemachten  Verfolgung,  wäre  es  doch  den  türkischen 
Sicherheitsbehörden  beziehungsweise  der  Polizei  ein  Leichtes 
gewesen, die Beschwerdeführerin ausfindig zu machen.

4.3 Am  11.  August  2003  hat  die  Beschwerdeführerin  in  C._______ 
legal eine Identitätskarte (Nüfus Cuzdani) erhalten, welche sie bereits 
in  der  Empfangsstelle  zu  den  Akten  gereicht  hat.  Eine  tatsächlich 
verfolgte  Person  würde  jedoch  kaum  freiwillig  mit  den  heimatlichen 
Behörden  in  Kontakt  treten.  Vor  dem  Hintergrund,  dass  die 
Beschwerdeführerin im gleichen Jahre ihre Erwerbstätigkeit aus Furcht 
vor der Polizei aufgegeben haben will,  ist  nicht einzusehen, weshalb 
sie dann aus freien Stücken eine Identitätskarte beantragt haben will 
und dabei in Kontakt mit den heimatlichen Behörden getreten ist, vor 
denen sie angeblich Furcht gehabt haben will. Darüber hinaus hat sie 
allem Anschein nach die Identitätskarte problemlos erhalten, was auf 
ein  fehlendes  Verfolgungsinteresse  der  türkischen  Behörden 
gegenüber der Beschwerdeführerin schliessen lässt.

4.4 Auch die weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin lassen kei-
ne Hinweise auf die geltend gemachte Verfolgungssituation erkennen. 

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4.4.1 Die Beschwerdeführerin  machte zur  Begründung ihres Asylge-
suches im Wesentlichen geltend, sie werde seit dem Jahre 1994 in ih-
rer Heimat unter dem Verdacht, die PKK zu unterstützen behelligt. Sie 
sei  auf den Polizeiposten mitgenommen, verhört,  inhaftiert,  misshan-
delt  und vergewaltigt  worden. Dennoch soll  in all  den Jahren nie ein 
Strafverfahren gegen sie eröffnet worden sein, sie will nie eine Vorla-
dung  erhalten  haben  noch  sei  es  zu  einer  Gerichtsverhandlung  ge-
kommen. Gestützt  auf  öffentlich  zugängliche  Quellen  ist  jedoch  das 
geschilderte Verhalten der türkischen Behörden beziehungsweise der 
Sicherheitskräfte nicht mit dem tatsächlichen Verhalten türkischer Si-
cherheitskräfte zu vereinbaren. Vielmehr wird gegen türkische Staats-
angehörige,  die  verdächtigt  werden,  die  PKK zu unterstützen bezie-
hungsweise unterstützt zu haben, zielgerichtet und mit der Eröffnung 
eines  Strafverfahrens  vorgegangen. Auch der  Umstand,  wonach  nur 
die  Beschwerdeführerin  inhaftiert  und  misshandelt  worden  sein  soll, 
währendem  die  männlichen  Familienangehörigen  verschont  worden 
sein sollen, die angeblich politisch regen Geschwister der Beschwer-
deführerin keine Probleme in der Türkei gehabt haben sollen und der 
in Van lebende Bruder der Beschwerdeführerin sogar ausgesprochen 
gerne an den Newroz-Feierlichkeiten teilgenommen haben wolle (vgl. 
A5/  S.  16),  bestätigt  die  Zweifel  an  den  geltend  gemachten  Verfol-
gungsvorbringen.

4.4.2 Die  Zweifel  werden  zudem  durch  die  Aussage  erhärtet,  dass 
zwar die Beschwerdeführerin selber den Entschluss zur Ausreise nach 
dem 21. März 2004 gefasst haben will, ihr Bruder jedoch die Reise or-
ganisiert und bezahlt haben soll (vgl. A5 / S. 6).

4.5 Die  Beschwerdeführerin  reichte  im  Rahmen  des  Asylverfahrens 
mehrere ärztliche Berichte zu den Akten, in denen neben körperlichen 
Beschwerden  (Hüft-Dysplasie)  auch  psychische  Erkrankungen  diag-
nostiziert  wurden  (Depressionen,  posttraumatische  Belastungsstö-
rung). Wie nachfolgend aufgezeigt wird, sind die eingereichten Arztbe-
richte  indessen  nicht  geeignet,  die  von  der  Beschwerdeführerin  ge-
schilderte Verfolgung glaubhaft erscheinen zu lassen.

4.5.1 So handelt es sich gemäss den eingereichten Arztberichten vom 
30. Juni 2005 sowie vom 13. Juli 2005 bei der bei der Beschwerdefüh-
rerin  diagnostizierten  Hüft-Dysplasie um ein  Geburtsgebrechen. Ge-
mäss dem ergänzenden ärztlichen Bericht  vom 13. September  2005 
könne  die  Hüft-Dysplasie  zwar  häufig  lange  unerkannt  bleiben  und 

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sich erst durch grössere Belastungen bemerkbar machen. Ausgepräg-
te, gewaltsame Abduktions-Bewegungen im Hüftgelenk bewirkten eine 
erhöhte Belastung des Gelenks (insbesondere der Labrumanteile) und 
beschleunigten die Entwicklung einer Arthrose. Abweichend von den 
ersten  zwei  Berichten  wird  im  letztgenannten  Arztbericht  weiter 
angeführt, es sei durchaus nachvollziehbar, dass erst die Folterungen 
und  Vergewaltigungen  im  Jahre  1994  zu  den  von  der  Patientin 
angegebenen Schmerzen und Leiden geführt hätten. 

4.5.2 Damit  ist  jedoch nicht  erwiesen,  dass die Hüft-Dysplasie ihren 
Ursprung in den geltend gemachten Misshandlungen habe. Vielmehr 
kann  deren  Ursprung  multikausal  sein.  Der  Rechtsvertreter  der  Be-
schwerdeführerin weist denn auch in der Beschwerdeergänzung vom 
25. Juli 2005 zu Recht auf verschiedene Erfahrungsberichte von ganz 
unterschiedlichen Personen hin, die ebenfalls von Hüft-Dysplasie be-
troffen  sind.  Diese  wiederum  machen  Leistungssport,  eine  überwie-
gend im Stehen ausgeübte berufliche Tätigkeit (Verkäuferin) sowie den 
Lauf der Jahre als Ursache ihres Leidens geltend. Somit gelingt es der 
Beschwerdeführerin nicht,  darzulegen,  dass  die  diagnostizierte  Hüft-
Dysplasie mit  überwiegender Wahrscheinlichkeit  auf  die behaupteten 
Misshandlungen und Vergewaltigungen zurückzuführen ist.

4.5.3 Auch der Hinweis auf eine bei der Beschwerdeführerin erstmals 
durch einen Facharzt  für  Allgemeine Medizin FMH (Arztzeugnis vom 
30.  Juni  2005)  diagnostizierte  posttraumatische  Belastungsstörung 
(PTBS), welche in der Folge durch verschiedene Arztzeugnisse bestä-
tigt  wurde,  vermag,  wie  sich aus  den folgenden Erwägungen ergibt, 
keinen Hinweis auf Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu liefern.

4.5.4 Zur Beurteilung der Beweiskraft sind weder die Herkunft des Be-
weismittels  noch  dessen  Bezeichnung  als  Bericht  oder  Expertise 
massgeblich; die Beweiskraft eines ärztlichen Berichts kann daher nur 
verneint werden, wenn der Richter über konkrete Indizien verfügt, wel-
che  geeignet  sind,  die  Zuverlässigkeit  dieses  Berichts  in  Zweifel  zu 
ziehen (vgl. EMARK 2002 Nr. 18 E. 4a.aa S. 145 f.). Ärztliche Berichte, 
die von Asylsuchenden eingereicht werden, unterliegen der freien rich-
terlichen  Beweiswürdigung  (vgl.  EMARK  2002  Nr. 13  E.  6c  S.  115; 
CLAUDIA COTTING-SCHALCH,  La pratique de la  Commission suisse de re-
cours en matière d'asile relative à l'appréciation de documents médi-
caux, in: Asyl3/02, S. 16). Den für die Beweiswürdigung unerlässlichen 
Mindestsachverstand eignet sich der Richter unter anderem durch Stu-

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dium der Fachliteratur an (vgl. A. Bühler, Gerichtsgutachter und -gut-
achten im Zivilprozess, in:  MARIANNE HEER/CHRISTIAN SCHÖBI {Hrsg.}, Ge-
richt und Expertise, Schriften der Stiftung für die Weiterbildung schwei-
zerischer Richterinnen und Richter  SWR/Band 6, S. 63). So hat  das 
Bundesgericht  in  seinen Begründungen wiederholt  auf  medizinische, 
insbesondere  psychiatrische  aber  auch  auf  aussagepsychologische 
Fachliteratur verwiesen (siehe BGE 127 I 55 Erw. 2e, S. 57 f.; Praxis 
2003 Nr. 98, Erw. 5-7, S. 527 ff.) Auch die ehemalige ARK stützte sich 
auf medizinische Fachliteratur ab (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 6.2. S. 
211, wo auf eine Stellungnahme der Schweizerischen Gesellschaft für 
pädiatrische  Radiologie  hingewiesen wird; siehe  auch EMARK 2004 
Nr. 7 E. 5d.bb S. 50, mit Bezugnahme auf die Klassifikation des ameri-
kanischen Center for Disease Control and Prevention {CDC}).

4.6 In casu wird eine Traumatisierung der Beschwerdeführerin seitens 
des Bundesverwaltungsgerichts nicht bezweifelt.  Was indes die Fest-
stellbarkeit der Ursachen einer Traumatisierung betrifft, so hat die ehe-
malige  ARK bereits  1994  in  einem unveröffentlichten Urteil  vom 25. 
Mai 1994 (auszugsweise publiziert  in Asyl 1994/4, S. 92) ausgeführt: 
„Glaubhaft gemacht ist aufgrund der gutachterlichen Feststellung einer 
posttraumatischen  Belastungsstörung  einzig,  dass  die  Beschwerde-
führerin ein traumatisierendes Ereignis erlebt haben muss. Die genau-
en Umstände dieses Erlebnisses - was für die Frage der Asylrelevanz 
von entscheidender Bedeutung wäre - bleiben indessen unklar. Da im 
Asylverfahren für den Nachweis der Flüchtlingseigenschaft - trotz des 
herabgesetzten Beweismassstabs und des dabei  geltenden Untersu-
chungsgrundsatzes - der/die Asylgesuchsteller/in die Beweislast (d.h. 
die  Folgen  des  misslungenen  Nachweises)  trägt,  kann  aus  diesem 
Grund der Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft  nicht zuer-
kannt  werden“.  Dieser  Beurteilung  der  Beweiskraft  einer  psychiatri-
schen Diagnose ist auch im vorliegenden Verfahren zuzustimmen. „Mit 
psychiatrisch-psychotherapeutischen  Mitteln  kann  nicht  sicher  er-
schlossen  werden,  ob  tatsächlich  in  der  Vorgeschichte  ein  Ereignis 
vorlag und wie dieses geartet war“ (MARTIN LEONHARDT/ KLAUS FOERSTER, 
Probleme bei der Begutachtung der posttraumatischen Belastungsstö-
rung, in: Der medizinische Sachverständige 99 {2003}, S. 151). Zudem 
muss auch nicht jedes festgestellte Erscheinungsbild einer seelischen 
Traumatisierung  oder  jedes  Krankheitsbild  einer  posttraumatischen 
Belastungsstörung (PTBS) auf Folter und menschenrechtswidriger Be-
handlung in einem Verfolgungskontext beruhen. Für das Vorliegen ent-
sprechender Symptome kann es auch andere Ursachen, wie Unfälle, 

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Naturkatastrophen,  Entwurzelungsprozesse,  interfamiliäre  Spannun-
gen (Fehlgeburten, schwere Erkrankungen oder Tod von Familienmit-
gliedern usw.), geben (vgl.  WILHELM TREIBER, Flüchtlingstraumatisierung 
im Schnittfeld zwischen Justiz und Medizin, in: ZAR 8/2002, S. 286). 
Die  bei  der  Beschwerdeführerin  diagnostizierte  posttraumatische 
Belastungsstörung  bildet  keinen  Hinweis  für  asylrechtlich  relevante 
Ereignisse  (vgl.  auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
D-5266/2006  vom  29.  Januar  2008  E.3.4  S.  11  sowie  E-6840/2006 
vom 11. Mai 2007 E. 5.6 S. 10), zumal oben dargelegt wurde, dass die 
Asylvorbringen  der  Beschwerdeführerin  als  unglaubhaft  zu  erachten 
sind.  Eine  Durchsicht  der  eingereichten  Arztzeugnisse  zeigt  auch, 
dass die Beschwerdeführerin  vor ihrer Operation im November 2004 
keine nennenswerten psychischen Probleme geltend machte. Gemäss 
dem  eingereichten  Arztbericht  vom  30.  Juni  2005  suchte  die 
Beschwerdeführerin nach  ihrer  Operation  ihre  Hausärztin  wegen 
Schlafstörungen  und  einem  allgemeinen  Unwohlsein  auf.  In  der 
Beschwerdeeingabe  vom 23. Juni  2005 hält  der  Rechtsvertreter  der 
Beschwerdeführerin fest, diese werde wegen einer akut auftretenden 
Suizidalität durch Dr. G._______ ärztlich betreut. Der Übergang vom 
Asylbewerberzentrum  in  eine  eigenen  Wohnung  habe  bei  der 
Beschwerdeführerin eine grosse psychische Krise ausgelöst. Sie lebe 
deshalb  zurzeit  bei  ihrem Schwager  in  H._______. Ebenso  wird  im 
Bericht  des  Ambulatoriums  für  Sozialpsychiatrie  vom 20.  Dezember 
2005  festgehalten,  dass  die  (psychische)  Problematik  nach  der 
Operation  der  Beschwerdeführerin begonnen  habe.  Zuvor  sei  die 
Beschwerdeführerin eine  fröhliche  Person  gewesen  und  habe  viel 
gelacht. Sie sei sehr hilfsbereit und immer präsent gewesen. Bei dieser 
Sachlage  sind  den  eingereichten  medizinischen  Unterlagen  keine 
stichhaltigen Hinweise für eine mit überwiegender Wahrscheinlichkeit 
bestehende asylrelevante Verfolgung zu entnehmen, zumal  auch die 
Ursachen  der  diagnostizierten  schweren  depressiven  Episode  nicht 
erurierbar sind.

4.7 Die Beschwerdeführerin machte überdies die Gefahr einer Reflex-
verfolgung geltend. Das Bundesverwaltungsgericht geht - in Anlehnung 
an die bisherige Praxis  der ARK (vgl. EMARK 2005 Nr. 21) -  davon 
aus, dass in der Türkei staatliche Repressalien gegen Familienange-
hörige  von  politischen  Aktivisten  angewandt  werden,  die  als  so  ge-
nannte  Revlexverfolgung  flüchtlingsrechtlich  erheblich  im  Sinne  von 
Art. 3 AsylG sein können. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Reflex-
verfolgung zu werden, ist nach der Praxis der ARK vorallem dann ge-

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geben,  wenn  nach einem flüchtigen  Familienmitglied  gefahndet  wird 
und die Behörde Anlass zur Vermutung hat, dass jemand mit der ge-
suchten Person in engem Kontakt steht. Diese Wahrscheinlichkeit er-
höht sich, wenn ein nicht unbedeutendes politisches Engagement der 
reflexverfolgten  Person  für  illegale  politische  Organisationen  hinzu-
kommt beziehungsweise ihr seitens der Behörden unterstellt wird (vgl. 
EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.1 S. 195). Selbst bei Wahrunterstellung ei-
nes Verwandtschaftsverhältnisses zu den von der Beschwerdeführerin 
genannten Personen ist aber nicht von einer Reflexverfolgung auszu-
gehen, machte sie doch im erstinstanzlichen Asylverfahren nicht gel-
tend,  wegen  Familienangehörigen  verfolgt  worden  zu  sein.  Vielmehr 
gab sie zu Protokoll, dass ihre Geschwister in der Türkei keine Proble-
me hätten (vgl. A5/S. 16). Die erstmals auf Beschwerdeebene vorge-
brachte Furcht vor Reflexverfolgung ist deshalb unglaubhaft.

4.8 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erübrigt es sich, auf die 
weiteren Ausführungen in der Beschwerde einzugehen, weil sie am Er-
gebnis nichts ändern können. Die Anträge auf Durchführung einer Bot-
schaftsanfrage  sowie  auf  Rückweisung  der  Sache  an  das  BFM zur 
vollständigen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachver-
halts sind deshalb abzuweisen. Zusammenfassend ist  demnach fest-
zustellen, dass die Beschwerdeführerin keine Verfolgung im Sinne von 
Art. 3 AsylG glaubhaft machen und nicht als Flüchtling anerkannt wer-
de kann. Mangels erfüllter  Flüchtlingeigenschaft  ist  ihr zu Recht das 
nachgesuchte Asyl nicht gewährt worden.

5.

5.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

5.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei-
ner  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 

6.

6.1 Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar 
oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsver-

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hältnis nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Auf-
nahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bun-
desgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). 

So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus ei-
nem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Ge-
fahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 
5  Abs.  1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR 
0.142.30]).

Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

6.3 Die Vorinstanz wies in  ihrer  angefochtenen Verfügung zutreffend 
darauf hin, dass der Grundsatz der Nichtrückschiebung nur Personen 
schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. MARIO GATTIKER, 
Das Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 89). Da 
es  der  Beschwerdeführerin  nicht  gelungen ist,  eine  asylrechtlich  er-
hebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft  zu machen, kann 
das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-
Refoulements  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden. 
Eine  Rückkehr  der  Beschwerdeführerin  in  den Heimatstaat  ist  dem-
nach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführe-
rin noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall ei-
ner  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahr-

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scheinlichkeit  einer  nach  Art.  3  EMRK  oder  Art.  1  FoK  verbotenen 
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäi-
schen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des 
UN-Anti-Folterausschusses müsste die Beschwerdeführerin eine kon-
krete Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihr 
im Fall  einer  Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche Behandlung 
drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16 S. 122, mit weiteren Hinwei-
sen;  EGMR,  Bensaid  gegen  Grossbritannien,  Urteil  vom 6.  Februar 
2001, Recueil des arrêts et décisions 2001-I, S. 327 ff.). Die allgemei-
ne Menschenrechtssituation im Heimatstaat  lässt  den Wegweisungs-
vollzug  zum heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig  er-
scheinen. 

Was die mit verschiedenen Arztberichten diagnostizierten psychischen 
Probleme  der  Beschwerdeführerin  anbelangt,  ist  festzuhalten,  dass 
der Europäische Gerichtshof  für  Menschenrechte (EGMR) in  seinem 
Urteil vom 20. März 1991 2001 i.S. Cruz Varas gegen Schweden (Be-
schwerde Nr. 46/1990/237307) entschieden hat, dass der Vollzug der 
"Ausweisung"  von  Personen,  die  an  einer  posttraumatischen  Belas-
tungsstörung leiden beziehungsweise suizidgefährdet  sind,  nicht  ge-
gen Art. 3 EMRK verstösst  (vgl. a.a.O.,  E. 44,  45,  46,  insbesondere 
77-86). Der Gerichtshof hat diese Praxis im Unzulässigkeitsentscheid 
vom 29. Juni 2004 i.S. Salkic in Bezug auf die posttraumatische Belas-
tungsstörung bestätigt (vgl. Unzulässigkeitsentscheid des EGMR vom 
29. Juni 2004 i.S. Salkic und andere gegen Schweden, Nr. 7702/04, 3, 
8-11 [englischer Text]). 

Zwar  wird  geltend  gemacht,  dass  die  Beschwerdeführerin suizidge-
fährdet  sei.  Was  die  Frage  nach  der  allfälligen  Suizidalität  der  Be-
schwerdeführerin betrifft,  so  kann  zunächst  auf  die  diesbezügliche 
bundesgerichtliche Rechtsprechung im Falle einer zwangsweisen Aus-
schaffung verwiesen werden, wo gleichermassen die allfällige Verlet-
zung von Art. 3 EMRK geprüft wird (siehe Urteil  des Bundesgerichts 
vom 29. August 2001 i.S. S.D. und M.D., 2P.116/2001, Ziff. 4c). Nach 
der Rechtsprechung des Bundesgerichts steht ein Suizidversuch der 
Ausschaffungshaft nicht entgegen (vgl. THOMAS HUGI YAR, Zwangsmass-
nahmen  im  Ausländerrecht,  in:  PETER UEBERSAX/PETER MÜNCH/THOMAS 
GEISER/MARTIN ARNOLD {Hrsg.}, Ausländerrecht, Handbücher für die An-
waltspraxis, Band VIII, Basel u.a. 2002, S. 315 mit Hinweis auf das Ur-
teil des Bundesgerichts vom 1. April 1996 i.S. T., 2A.167/1996, S. 7). 
Die  Anwendung  der  vorerwähnten  bundesgerichtlichen  Rechtspre-

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chung in Bezug auf eine allfällige Suizidalität der  Beschwerdeführerin 
drängt sich auch bei der dem Vollzugsstadium vorangehenden Beurtei-
lung der völkerrechtlichen Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs auf, 
zumal sich in beiden Fällen die Prüfung unter dem Blickwinkel von Art. 
3 EMRK stellt. Drohen Ausländer für den Fall des Vollzuges des Weg-
weisungsentscheides mit  Suizid,  so ist  nach dem Europäischen Ge-
richtshof für Menschenrechte der wegweisende Staat nicht verpflichtet, 
vom Vollzug der Ausweisung Abstand zu nehmen; solange er  Mass-
nahmen ergreift, um die Umsetzung der Suiziddrohung zu verhindern, 
vermag die Ausschaffung nicht gegen Art. 3 EMRK zu verstossen. Im 
Fall Dragan gegen Deutschland hatte der Gerichtshof die Beschwerde 
einer  psychisch  kranken  Frau zu  beurteilen,  die  von den  deutschen 
Behörden  nach  Rumänien  ausgeschafft  werden  sollte  und  ernsthaft 
gedroht hatte, sie würde sich umbringen, wenn sie behördlich gezwun-
gen würde, Deutschland zu verlassen. Der Gerichtshof, der davon aus-
ging,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  Rumänien  keiner  hinreichend 
konkreten Gefahr ausgesetzt sein würde, dass ihre Krankheit nicht be-
handelt werden könnte, kam zum Schluss, dass nach Art. 3 EMRK kei-
ne Verpflichtung besteht, von einer zu vollziehenden Weg- oder Aus-
weisung Abstand zu nehmen, wenn die betroffene Person mit  Suizid 
droht; die Zulässigkeit  des Vollzugs der Weg- oder Ausweisung setzt 
dann  allerdings  voraus,  dass  der  ausschaffende  Staat  geeignete 
Massnahmen ergreift,  um die  Umsetzung  der  Suiziddrohung  im  Zu-
sammenhang mit der Ausschaffung zu verhindern (vgl. den  Unzuläs-
sigkeitsentscheid des EGMR vom 7. Oktober 2004 i.S. Dragan und 
andere  gegen Deutschland, Nr. 33743/03, angeführt in  EMARK 2005 
Nr. 23 E. 5.1 S. 212). Der Suizidalität der Beschwerdeführerin ist des-
halb durch Heranziehen von medizinischem Fachpersonal bei der Aus-
schaffung Rechnung zu tragen.

Die gesundheitlichen Probleme der Beschwerdeführerin stellen selbst 
dann  unter  dem Blickwinkel  von Art.  3  EMRK kein  völkerrechtliches 
Vollzugshindernis  dar,  falls  in  der  Türkei  der  medizinische  Standard 
schlechter als in der Schweiz wäre (vgl. EMARK 2004 Nr. 6 E. 7 S. 40 
ff., 2004 Nr. 7 E. 5 S. 47 ff., Bundesgerichtsurteil vom 30. September 
2002 i.S. A. und B. gegen Service de la population du canton de Vaud, 
E. 2.3 [SZIER 3/2003, S. 308]). Diese nationale Rechtsprechung steht 
im Einklang mit derjenigen der Strassburger Organe, wonach allein die 
Tatsache, dass die Umstände der medizinischen Versorgung im Hei-
matland für den Betroffenen weniger vorteilhaft wären als jene, die er 
im Aufenthaltsstaat hat, für die Beurteilung unter dem Blickwinkel von 

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Art. 3 EMRK nicht entscheidend ist (vgl. Urteil des EGMR vom 6. Feb-
ruar 2001 i.S. Bensaid gegen Vereinigtes Königreich [Grossbritannien], 
E. 38, Beschwerde Nr. 44599/98; Entscheid des EGMR vom 29. Juni 
2004 über die Zulassung der Beschwerde N. 7702/04 i.S. Salkic und 
andere gegen Schweden, "The Law", Ziff. 1, S. 7).

Vielmehr steht fest, dass die Beschwerdeführerin in ihrem Heimatland 
auf  die  dort  bestehenden  und  nach  Kenntnis  des 
Bundesverwaltungsgerichts  als  ausreichend  zu  bezeichnenden 
psychiatrischen  Behandlungsinstitutionen  zurückgreifen  kann.  Vor 
diesem  Hintergrund  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  der 
Beschwerdeführerin  in  Beachtung  der  massgeblichen  völker-  und 
landesrechtlichen Bestimmungen als zulässig zu bezeichnen. Überdies 
lässt sich die Frage der Reisefähigkeit  - welche in den eingereichten 
ärztlichen Berichten offengelassen wurde - im vorliegenden Verfahren 
letztendlich  nur  im  Rahmen  des  tatsächlichen  Vollzugs  konkret 
überprüfen.  Eine  amtsärztlich  bescheinigte  Reiseunfähigkeit  der 
Beschwerdeführerin  liegt  jedenfalls  bis  heute  nicht  vor.  Nach  dem 
Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- 
als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG –  die  vorläufige  Aufnahme zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

6.5 Vorliegend  ist  der  Vollzug  als  zumutbar  zu  erachten,  weil  keine 
Hinweise dafür erkennbar sind, die Beschwerdeführerin wäre bei einer 
Rückkehr  in  die Türkei  einer  konkreten Gefährdung ausgesetzt. Das 
Bundesverwaltungsgericht  erachtet  den  Wegweisungsvollzug  in  die 
Türkei  gestützt  auf  die  allgemeine  Lage  als  generell  zumutbar  (vgl. 
EMARK 2005 Nr. 21). 

6.5.1 Die  Beschwerdeführerin  stammt  ursprünglich  aus  I._______, 
C._______  (Provinz  J._______),  zog  aber  im  Jahre  2000   nach 
D._______, wo sie bis zu ihrer Ausreise beziehungsweise bis im Jahre 
2003 lebte. Sollte sie nicht in ihr Heimatdorf zurückkehren wollen, wo 

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gemäss  ihren  Aussagen  noch  heute  ihre  Mutter  und  eine  ihrer 
Schwestern leben, könnte sie sich auch nach D._______ begeben, wo 
sie vor ihrer Ausreise gelebt hat und über ein soziales Netz verfügte. 
Darüber hinaus ist es ihr aufgrund der bestehenden Niederlassungs-
freiheit  in  der  Türkei  unbenommen,  sich  in  einem  anderen  Teil  des 
Landes niederzulassen, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. 
Diese Möglichkeit besteht umso mehr, als sie bei der kantonalen An-
hörung erklärte, sie habe in der Türkei in guten Verhältnissen gelebt 
(vgl. A5/S.5).

6.5.2 Nach  Auffassung  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  der  Be-
schwerdeführerin die  Rückkehr  in  die  Türkei  zuzumuten.  Wie  Erwä-
gung 4.6 zu entnehmen ist, geht das Bundesverwaltungsgericht davon 
aus, dass das psychische Krankheitsbild der Beschwerdeführerin nicht 
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die von ihr zur Begründung 
des  Asylgesuches  als  fluchtauslösend  geschilderten  Ereignisse  zu-
rückzuführen ist, sondern auch andere Ursachen haben kann. 

6.5.3 Sollten sich bei der Beschwerdeführerin heute noch vorhandene 
suizidale Tendenzen im Falle eines allfälligen zwangsweisen Vollzugs 
der Wegweisung akzentuieren, wäre dem mit geeigneten medikamen-
tösen oder allenfalls auch psychotherapeutischen Massnahmen entge-
gen zu wirken, so dass für sie eine konkrete Gefahr ernster gesund-
heitlicher Schäden auszuschliessen wäre. Wie in der Vernehmlassung 
vom 12. September 2005 bereits zutreffend ausgeführt wurde, können 
in der Türkei die von der  Beschwerdeführerin benötigten Gesprächs-
therapien ohne Sprachprobleme - gemäss ärztlichem Bericht vom 20. 
Dezember spricht die Beschwerdeführerin kein Deutsch - durchgeführt 
werden. Im Übrigen kann die  Beschwerdeführerin bei ihrer Rückkehr 
auf ein intaktes soziales Netz zurückgreifen. Darüber hinaus kann sie 
darauf vertrauen, die von ihr benötigte Fürsorge zu erhalten, zumal es 
in der Türkei üblich ist, Angehörige zu Hause zu pflegen beziehungs-
weise zu  betreuen. Folglich kann davon ausgegangen werden,  dass 
die Rückkehr der Beschwerdeführerin in ihren angestammten Sprach- 
und Kulturkreis  in  mancherlei  Hinsicht  allgemein  positive Folgen auf 
ihre Lebenssituation und damit auch ihre Gesundheit haben dürfte. 

6.5.4 Insgesamt ist nach dem Gesagten nicht davon auszugehen, die 
gesundheitlichen Probleme der  Beschwerdeführerin  würden im Falle 
der  freiwilligen  Rückkehr  in  die  Heimat  beziehungsweise  eines 
zwangsweisen Vollzugs der Wegweisung dorthin mangels ausreichen-

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der medizinischer Behandlungsmöglichkeiten eine drastische und le-
bensbedrohende  Verschlechterung  ihres  Gesundheitzustandes  nach 
sich ziehen (vgl. EMARK 2004 Nr. 7 E. 5d, EMARK 2003 Nr. 24 E. 5b 
S. 157 f.). Letztere Bedingungen sind für die Beschwerdeführerin nicht 
erfüllt, zumal es ihr zumutbar ist, für die Behandlung ihrer Leiden auf 
die  medizinische  Infrastruktur  ihres  Heimatlandes  zurückzugreifen, 
was,  wie  oben  unter  Ziffer  6.5.4  der  Erwägungen  angeführt  wurde, 
möglich ist. Schliesslich kann die Beschwerdeführerin bei der Vorins-
tanz  unter  Vorlage  entsprechender  ärztlicher  Atteste  medizinische 
Rückkehrhilfe beantragen (Art. 93  Abs. 1 Bst. c  AsylG i.V.m. Art. 75 
AsylV 2). Im Übrigen sprechen auch keine anderen Gründe gegen die 
Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs der Beschwerdeführerin. Der 
Wegweisungsvollzug  erweist  sich  somit  auch  unter  individuellen  As-
pekten als zumutbar.

6.6 Schliesslich  obliegt  es  der  Beschwerdeführerin,  sich  bei  der  zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwen-
digen Reisedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb 
der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 
83 Abs. 2 AuG).

7.
Insgesamt ist die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung zu bestä-
tigen. Die Vorinstanz hat deren Vollzug zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt  eine Anordnung 
der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AuG).

8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 
Bundesrecht  nicht  verletzt,  den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig 
und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). Die Be-
schwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 600.-- festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 11. Dezem-
ber 2006 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-
waltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem aber aufgrund der 
Aktenlage von der Bedürftigkeit  der Beschwerdeführerin auszugehen 
ist und die Begehren im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nicht als 
aussichtslos  zu  bezeichnen  waren,  ist  in  Gutheissung  des  Gesuchs 

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um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege von einer Kostenauf-
lage abzusehen (Art. 65 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sin-
ne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin  (Einschreiben; Beila-
ge: [...])

- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-
ten Ref.-Nr. N _______ (per Kurier; in Kopie)

- (die zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Fulvio Haefeli Ulrike Raemy

Versand: 

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