# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d1463393-bc1a-5dcc-ae3b-e4dbc85120dc
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-09-04
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 04.09.2014 200 2014 452
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_200-2014-452_2014-09-04.pdf

## Full Text

200 14 452 IV
SCJ/TOZ/SEE

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung

Urteil des Einzelrichters vom 4. September 2014

Verwaltungsrichter Scheidegger
Gerichtsschreiberin Tomic

A.________
Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Bern 
Scheibenstrasse 70, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin

betreffend Verfügung vom 31. März 2014

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 4. Sept. 2014, IV/14/452, Seite 2

Sachverhalt:

A.

Die 1964 geborene A.________ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) 
leidet seit Jahren an einer beidseitigen Innenohrschwerhörigkeit (Antwort-
beilagen der Invalidenversicherung [AB] 17 S. 2). Die IV-Stelle Bern (IVB 
resp. Beschwerdegegnerin) übernahm in den Jahren 2002, 2008 und 2009 
je die Kosten für die erforderliche Hörgeräteversorgung (AB 11, 28 und 73). 
Am 9. Januar 2014 meldete sich die Versicherte bei der IVB für eine vorzei-
tige Hörgeräteneuversorgung an (AB 183). Nach Einholung einer Expertise 
von Dr. med. B.________, Facharzt für Oto-Rhino-Laryngologie (ORL) 
FMH, vom 11. Februar 2014 (AB 188) stellte sie der Versicherten mit Vor-
bescheid vom 13. März vom 2014 (AB 189) die Abweisung des Leistungs-
begehrens in Aussicht. Daran hielt sie nach erhobenem Einwand der Versi-
cherten vom 17. März 2014 (AB 190) fest und wies mit Verfügung vom 
31. März 2014 (AB 194) das Gesuch um vorzeitige Hörgeräteneuversor-
gung ab. Sie erwog hauptsächlich, sie habe letztmals am 6. November 
2009 Kostengutsprache für ein Hörgerät geleistet. Ein Beitrag für den Er-
satz des Hörgerätes sei frühestens nach sechs Jahren nach der Anpas-
sung möglich, somit im Oktober 2015. Gemäss den aktuell gültigen Richtli-
nien könne eine vorzeitige Neuversorgung (vor Ablauf von sechs Jahren) 
beantragt werden, wenn der Gesamthörverlust um mehr als 15 Prozent-
punkte zugenommen habe. Bei hochgradig Schwerhörigen (gemäss letzter 
Expertise: mindestens 60 % Gesamthörverlust) genüge für den Anspruch 
auf die Vergütung einer vorzeitigen Neuversorgung eine Zunahme des Ge-
samthörverlustes um 10 Prozentpunkte. Da vorliegend die Zunahme des 
Gesamthörverlustes bei 4 % liege (Expertise des Spitals C.________, Au-
diologische Station, vom 11. September 2009 [AB 68 S. 3 bis 10]: Gesamt-
hörverlust von 92.47 %; Expertise von Dr. med. B.________ vom 11. Fe-
bruar 2014 [AB 188]: Gesamthörverlust von 96.5 %), bestehe kein An-
spruch auf eine vorzeitige Hörgeräteneuversorgung. 

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B.

Hiergegen erhob die Versicherte am 13. Mai 2014 Beschwerde und bean-
tragte die Aufhebung des ergangenen Verwaltungsaktes. Die Beschwerde-
gegnerin sei zu verpflichten, die Kosten für das Hörgerät sowie dessen 
Anpassung vollumfänglich zu übernehmen. Gleichzeitig stellte sie ein Ge-
such um unentgeltliche Rechtspflege. 

Mit Beschwerdeantwort vom 4. Juni 2014 beantragte die Beschwerdegeg-
nerin die Abweisung der Beschwerde. 

Auf die entsprechende Aufforderung durch den Instruktionsrichter hin nahm 
die Beschwerdegegnerin mit Ergänzung zur Beschwerdeantwort vom 
23. Juni 2014 zur Frage der Berechnung des Gesamthörverlusts von 2009 
und 2014 Stellung.

Erwägungen:

1.

1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversiche-
rungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des 
Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über 
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 
(ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes über 
die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft vom 
11. Juni 2009 (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. 
Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträ-
gen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt 
und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie 
zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist 
gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversi-
cherung vom 19. Juni 1959 [IVG; SR 831.20]). Da auch die Bestimmungen 
über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 

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i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege 
vom 23. Mai 1989 [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Be-
schwerde einzutreten.

1.2 Anfechtungsobjekt bildet die Verfügung vom 31. März 2014 (AB 
194). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch auf eine vorzeitige Hörgeräte-
neuversorgung. 

1.3 Der Streitwert liegt unter Fr. 20'000.-- (vgl. AB 73), weshalb die Be-
urteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 
Abs. 1 GSOG).

1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an 
die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; 
Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).

2.

2.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben invalide oder von einer Invalidität 
(Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungsmass-
nahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit 
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustel-
len, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den 
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Zu diesen 
Massnahmen gehören nach Art. 8 Abs. 3 lit. d i.V.m. Art. 21 Abs. 1 IVG im 
Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste die Hilfsmittel, derer 
eine versicherte Person für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der 
Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Er-
werbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum 
Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedarf. Ferner bestimmt Art. 21 
Abs. 2 IVG, dass Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewe-
gung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbst-
sorge kostspieliger Geräte bedürfen, im Rahmen einer vom Bundesrat auf-
zustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch auf 
solche Hilfsmittel haben. 

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Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzen-
der Vorschriften im Sinne von Art. 21 Abs. 2 und 4 IVG hat der Bundesrat 
in Art. 14 der Verordnung über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 
1961 (IVV; SR 831.201) an das Eidg. Departement des Innern übertragen, 
welches die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invali-
denversicherung vom 29. November 1976 (HVI; SR 831.232.51) mit an-
hangsweise aufgeführter Hilfsmittelliste erlassen hat. Laut Art. 2 HVI be-
steht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmit-
tel, soweit diese für die Fortbewegung, die Herstellung des Kontaktes mit 
der Umwelt oder für die Selbstsorge notwendig sind (Abs. 1); Anspruch auf 
die in dieser Liste mit * bezeichneten Hilfsmittel besteht nur, soweit diese 
für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit im Aufgabenbe-
reich, für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Angewöhnung oder 
für die bei einzelnen Hilfsmitteln ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig 
sind (Abs. 2). 

2.2 Gemäss Ziff. 5.07 HVI-Anhang sind Hörgeräte bei Schwerhörigkeit 
abzugeben, sofern das Hörvermögen durch ein solches Gerät namhaft ver-
bessert wird und die versicherte Person sich wesentlich besser mit der 
Umwelt verständigen kann. Die versicherte Person hat Anspruch auf eine 
Pauschalvergütung, die höchstens alle sechs Jahre beansprucht werden 
kann; ein früherer Ersatz der Hörgeräte vor Ablauf dieser Frist ist möglich, 
wenn eine wesentliche Veränderung der Hörfähigkeit dies erfordert. Hör-
geräte sind durch Fachpersonen abzugeben.

2.3 Gemäss Ziff. 2046 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozi-
alversicherungen (BSV) über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invali-
denversicherung (KHMI; gültig ab 1. Januar 2013) muss für eine vorzeitige 
Auszahlung des Pauschalbetrages vor Ablauf von sechs Jahren die in den 
ORL-Expertenrichtlinien definierte Verschlechterung des prozentualen Hör-
verlustes erreicht sein. Die für diese Feststellung notwendige ORL-
Expertise kann durch die Invalidenversicherung finanziert werden.

Die Kommission für Audiologie und Expertenwesen der Schweizerischen 
Gesellschaft für Oto-Rhino-Laryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie er-
stellte unter den Vorgaben und im Auftrag des BSV Richtlinien für ORL-
Expertenärzte zum Abklärungsauftrag zur Vergütung von Hörgeräten durch 

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die Sozialversicherungen IV und AHV (gültig ab 1. Juli 2011). Nach Punkt 
4.2 der ORL-Richtlinien kann eine vorzeitige Neuversorgung bei der Sozia-
lversicherung beantragt werden, wenn der Gesamt-Hörverlust um mehr als 
15 Prozentpunkte zugenommen hat. Bei hochgradig Schwerhörigen 
(gemäss letzter Expertise: mindestens 60 % Gesamthörverlust) genügt für 
den Anspruch auf die Vergütung einer vorzeitigen Neuversorgung eine Zu-
nahme des binauralen Gesamthörverlustes um 10 Prozentpunkte. 

Am 23. Dezember 2013 hatte das BSV im IV-Rundschreiben Nr. 326 über 
die Neudefinierung des Anspruchs auf eine vorzeitige Hörgeräteneuversor-
gung orientiert (gültig ab 1. Januar 2014). 

3.

3.1 Die letztmalige Kostengutsprache für ein Hörgerät (Marke Widex 
Aikia AKXPT) vom 6. November 2009 (AB 73) stützte sich in medizinischer 
Hinsicht auf die Expertise des Spitals C.________ vom 11. September 
2009 (AB 68 S. 3 bis 10). In dieser wurde festgehalten, dass nach der CPT-
AMA-Tabelle der Hörverlust rechts 82.9 %, links 100 % bzw. der Hörverlust 
in der Sprachaudiometrie rechts 87 %, links 100 % betragen habe (AB 68 
S. 10). 

Ausgehend von diesen Werten hat sich der Gesamthörverlust auf 92.47 % 
(369.9 % [82.9 % + 100 % + 87 % + 100 %] : 4 [zur Berechnung des Ge-
samthörverlustes: Punkt 4.1.2 der ORL-Richtlinien]) belaufen.

3.2 Der angefochtenen Verfügung vom 31. März 2014 (AB 194) liegt die 
Expertise von Dr. med. B.________ vom 11. Februar 2014 (AB 188) zu 
Grunde. Dieser ist zu entnehmen, dass der Hörverlust in der Tonaudio-
metrie rechts 93 %, links 100 % bzw. der Hörverlust in der Sprachaudiome-
trie rechts 93 %, links 100 % betrage (AB 188 S. 2 Ziff. 2). Ausgehend von 
diesen Werten beläuft sich der Gesamthörverlust auf 96.5 % (386 % [93 % 
+ 100 % + 93 % + 100 %] : 4).

3.3 Der Vergleich der beiden Werte ergibt eine Zunahme des 
binauralen Gesamthörverlustes von 4 %. Nach den oben zitierten ORL-

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Richtlinien (vgl. E. 2.3 hiervor) schliesst dies einen Anspruch auf vorzeitige 
Hörgeräteneuversorgung aus. Es bleibt indes zu prüfen, inwieweit der in 
den Richtlinien definierte Schwellenwert von 10 % gesetzes- und verfas-
sungskonform ist.

4.

4.1 Nach der Rechtsprechung kann das Bundesgericht Verordnungen 
des Bundesrates und der Departemente grundsätzlich, von hier nicht in 
Betracht fallenden Ausnahmen abgesehen, auf ihre Rechtmässigkeit hin 
überprüfen. Bei (unselbstständigen) Verordnungen, die sich auf eine ge-
setzliche Delegation stützen, prüft es, ob sie sich in den Grenzen der dem 
Bundesrat bzw. dem Departement im Gesetz eingeräumten Befugnisse 
halten. Wird durch die gesetzliche Delegation ein sehr weiter Spielraum 
des Ermessens für die Regelung auf Verordnungsebene eingeräumt, muss 
sich das Gericht auf die Prüfung beschränken, ob die umstrittenen Verord-
nungsvorschriften offensichtlich aus dem Rahmen der dem Bundesrat bzw. 
dem Departement im Gesetz delegierten Kompetenzen herausfallen oder 
aus andern Gründen verfassungs- oder gesetzwidrig sind. Es kann jedoch 
sein eigenes Ermessen nicht an die Stelle desjenigen des Bundesrates 
oder des Departements setzen und es hat auch nicht die Zweckmässigkeit 
zu untersuchen (Entscheid des Bundesgerichts [BGer] vom 25. Februar 
2009, 9C_828/2008, E. 4.2.1). Vorbehalten bleibt in allen Fällen die Über-
prüfung einer Verordnungsnorm auf Willkür. Gemäss der Rechtsprechung 
ist ein Rechtssatz willkürlich, wenn er sich nicht auf ernsthafte sachliche 
Gründe stützen lässt oder sinn- und zwecklos ist (BGE 131 I 1 E. 4.2 S. 6). 
Die Grundsätze, gemäss welchen das Bundesgericht eine Verordnung des 
Bundesrats oder eines Departements auf ihre Rechtmässigkeit hin überprü-
fen darf, sind für das vorliegende Verfahren vor dem kantonalen Verwal-
tungsgericht als analog anwendbar zu betrachten.

4.2 Von der Verordnung zu unterscheiden sind die oben (vgl. E. 2.3 
hiervor) zitierten Richtlinien und die Verwaltungsweisungen des BSV. Ver-
waltungsweisungen sind keine eigenen Rechtsregeln, sondern stellen nur 
eine Konkretisierung und Umschreibung der gesetzlichen und 

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verordnungsmässigen Bestimmungen dar. Es handelt sich hierbei um Vor-
gaben an die Vollzugsorgane der Versicherung über die Art und Weise, wie 
diese ihre Befugnisse auszuüben haben. Als solche stellen Verwaltungs-
weisungen den Standpunkt der Verwaltung über die Anwendung der 
Rechtsregeln dar und dienen im Rahmen der fachlichen Aufsicht des BSV 
(vgl. Art. 64a IVG) einer einheitlichen Rechtsanwendung, um eine Gleich-
behandlung der Versicherten, aber auch die verwaltungsmässige Praktika-
bilität zu gewährleisten. Deshalb richten sich solche Ausführungsvorschrif-
ten rechtsprechungsgemäss nur an die Durchführungsstellen; für das Sozi-
alversicherungsgericht sind sie nicht verbindlich. Dies heisst indessen 
nicht, dass Verwaltungsweisungen für das Sozialversicherungsgericht un-
beachtlich sind. Vielmehr soll das Gericht sie berücksichtigen, soweit sie 
eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der an-
wendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also 
nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine 
überzeugende Konkretisierung der gesetzlichen und verordnungsmässigen 
Leistungsvoraussetzungen darstellen. Insofern wird dem Bestreben der 
Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwen-
dung zu gewährleisten, Rechnung getragen (Entscheid des BGer vom 17. 
Oktober 2006, I 539/06, E. 4.3; siehe auch BGE 139 V 122 E. 3.3.4 S. 
125).

4.3 Zunächst ist auf die Frage einzugehen, inwieweit Ziff. 5.07 HVI-
Anhang im Einklang mit übergeordnetem Gesetzes- und Verfassungsrecht, 
insbesondere mit Art. 21 IVG (vgl. E. 2.1 hiervor) steht. 

Aus Ziff. 5.07 HVI-Anhang geht hervor, dass die versicherte Person An-
spruch auf eine Pauschalvergütung für Hörgeräteversorgung hat, die 
höchstens alle sechs Jahre beansprucht werden kann, und ein früherer 
Ersatz der Hörgeräte vor Ablauf dieser Frist möglich ist, wenn eine wesent-
liche Veränderung der Hörfähigkeit dies erfordert (vgl. E. 2.2 hiervor). Vor-
liegend ist einerseits festzustellen, dass aus Art. 21 IVG ein weiter Ermes-
sensspielraum des Verordnungsgebers abgeleitet werden kann, ob und 
bejahendenfalls ab wann sowie ab welchem Grad einer Veränderung der 
gesundheitlichen Beeinträchtigung Anspruch auf eine Neuversorgung bzw. 
eine vorzeitige Neuversorgung eines Hilfsmittels besteht. Andererseits er-

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scheint jedenfalls sachlich begründet, dass der Veränderung der Hörfähig-
keit gemäss Ziff. 5.07 HVI-Anhang einige Erheblichkeit zukommen muss. 
Ziff. 5.07 HVI-Anhang erweist sich damit als gesetzes- und verfassungs-
konform.

4.4 Weiter ist zu prüfen, inwieweit die ORL-Richtlinien des BSV als ver-
bindlich zu betrachten sind. In Konkretisierung von Ziff. 5.07 HVI-Anhang 
ist in diesen festgehalten (Punkt 4.2), dass bei hochgradig Schwerhörigen 
(gemäss letzter Expertise: mindestens 60 % Gesamthörverlust) für den 
Anspruch auf die Vergütung einer vorzeitigen Neuversorgung eine Zunah-
me des binauralen Gesamthörverlustes um 10 Prozentpunkte genügt (vgl. 
E. 2.3 hiervor). 

4.4.1 Zunächst ist auf die Bestimmung des Art. 14 Abs. 2 lit. b IVV hinzu-
weisen, wonach das Departement das Bundesamt ermächtigen kann, Ver-
gütungslimiten der Versicherung für spezifische Hilfsmittel festzulegen. 
Zwar lässt sich hieraus nicht direkt eine Kompetenz des BSV ableiten, Er-
heblichkeitsschwellen für den Anspruch auf eine Hörgeräteneuversorgung 
zu umschreiben. Aus dem Wortlaut von Ziff. 5.07 HVI-Anhang („eine we-
sentliche Veränderung der Hörfähigkeit“) muss jedoch abgeleitet werden, 
dass eine gewisse Zunahme des Hörverlustes bestehen muss, ansonsten 
das neue Hilfsmittel resp. Hörgerät von vornherein nicht zu einer namhaf-
ten Verbesserung beitragen kann. Insofern sieht das Verordnungsrecht 
selber eine Erheblichkeitsschwelle vor und ist es der Verwaltung bzw. dem 
federführenden BSV mit Blick auf den Aspekt der einheitlichen Rechtsan-
wendung nicht verwehrt, in Zusammenarbeit mit Fachleuten zu definieren, 
welche Zunahme des Hörverlustes in Zusammenhang mit einer vorzeitigen 
Hörgeräteneuversorgung als erheblich zu gelten hat.

4.4.2 Es stellt sich sodann die Frage, ob für die Begründung eines An-
spruchs auf eine vorzeitige Neuversorgung bei hochgradig Schwerhörigen 
die Festlegung des betreffenden Grenzwertes von 10 % sachlich gerecht-
fertigt ist. Diesbezüglich fehlen jegliche Anhaltspunkte, welche die vom 
BSV getroffene Regelung als unvertretbar erscheinen liessen. Die ORL-
Richtlinien wurden vom Bundesamt in Zusammenarbeit mit der 
Kommission für Audiologie und Expertenwesen der Schweizerischen Ge-
sellschaft für Oto-Rhino-Laryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie, also 

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unter Berücksichtigung der Einschätzungen von Fachärzten, erarbeitet. Es 
ist somit aus ORL-ärztlicher Sicht begründet, dass bei hochgradig Schwer-
hörigen (gemäss letzter Expertise: mindestens 60 % Gesamthörverlust) - 
unabhängig von einem allfälligen gesteigerten Eingliederungsbedürfnis der 
versicherten Person - ein Anspruch auf eine vorzeitige Neuversorgung erst 
ab einer Zunahme des binauralen Gesamthörverlustes um 10 % besteht. 
Eine wichtige Rolle spielt hierbei auch der Aspekt der Rechtsgleichheit; mit 
der vorliegenden gesetzlichen Lösung, wonach zur Begründung eines inva-
lidenversicherungsrechtlichen Anspruchs auf eine vorzeitige Neuversor-
gung die Zunahme des binauralen Gesamthörverlustes einen bestimmten 
Prozentsatz erreicht haben muss, ist der Grundsatz der Gleichbehandlung 
aller in der Invalidenversicherung versicherten Personen eingehalten. Ge-
samthaft ist mit den ORL-Richtlinien eine gesetzeskonforme Handhabung 
somit gewährleistet. Es ist auch davon auszugehen, dass in der Regel eine 
diesen Richtlinien entsprechende Zunahme des binauralen Gesamthörver-
lustes dem invaliditätsbedingten Neuversorgungsbedarf im Einzelfall 
Rechnung trägt. Aufgrund der nachfolgenden Darlegungen kann die Frage, 
ob für die Begründung eines Anspruchs auf eine vorzeitige Neuversorgung 
bei hochgradig Schwerhörigen die Festlegung des Grenzwertes von 10 % 
sachlich gerechtfertigt ist, aber letzten Endes offen gelassen werden. 

4.4.3 In der Beschwerde (vgl. S. 4 f. Ziff. 5) wird zu Recht geltend ge-
macht, dass bei einem vorbestehenden Gesamthörverlust von über 90 % 
die genannte Regelung der Weisung (Punkt 4.2 der ORL-Richtlinien) keine 
dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwend-
baren gesetzlichen Bestimmung (Ziff. 5.07 HVI-Anhang) bzw. des Begriffs 
„wesentliche Veränderung der Hörfähigkeit“ zulässt, da eine solche regel-
mässig ausgeschlossen ist. Bei einem vorbestehenden Gesamthörverlust 
von über 90 % ist deshalb der Bestimmung Punkt 4.2 der ORL-Richtlinien 
eine Anwendung zu versagen, da sie keine dem Einzelfall angepasste 
Handhabung von Ziff. 5.07 HVI-Anhang erlaubt. 

4.4.4 Weiter wird in der Beschwerde (vgl. S. 5 Ziff. 6) zutreffend und aus-
führlich dargelegt, dass bei einer Zunahme des Hörverlustes von 92.47 % 
auf 96.5 %, wie dies bei der Beschwerdeführerin ausgewiesen ist (vgl. 
E. 3.1 f. hiervor), die verbliebene Hörfähigkeit um mehr als die Hälfte ab-

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nimmt (100 - [3.5 x 100 : 7.53] = 53.5 %; siehe aber den offensichtlichen 
Verschrieb in der entsprechenden Berechnung in der Beschwerde [S. 5 
Ziff. 6 Zeile 10]: recte: 92.47 %, statt „60 %“). Eine solche Veränderung der 
Hörfähigkeit ist ohne weiteres als wesentlich zu betrachten, weshalb im 
vorliegenden Fall die Voraussetzungen von Ziff. 5.07 HVI-Anhang erfüllt 
sind. 

5.

Nach dem Dargelegten ist in Gutheissung der Beschwerde die angefochte-
ne Verfügung vom 31. März 2014 (AB 194) aufzuheben und die Sache an 
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen zur Prüfung der weiteren An-
spruchsvoraussetzungen und zu erneutem Entscheid. 

6.

6.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem 
kantonalen Versicherungsgericht in Streitigkeiten um die Bewilligung oder 
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem 
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 
Fr. 200.-- bis Fr. 1’000.-- festzulegen.

Die Verfahrenskosten, gerichtlich bestimmt auf Fr. 300.--, hat bei diesem 
Ausgang des Verfahrens die unterliegende Beschwerdegegnerin zu tragen 
(Art. 108 Abs. 1 VRPG; BVR 2009 S. 186 E. 4).

6.2 Die nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat nach 
konstanter Praxis trotz ihres Obsiegens keinen Anspruch auf eine Parteien-
tschädigung, da der Aufwand zur Wahrung ihrer Interessen den Rahmen 
dessen nicht überschreitet, was der Einzelne üblicher- und zumutbarerwei-
se nebenbei zur Besorgung seiner persönlichen Angelegenheiten auf sich 
zu nehmen hat (BGE 127 V 205 E. 4b S. 207).

6.3 Da der Beschwerdeführerin keine Verfahrenskosten auferlegt wer-
den, ist ihr Rechtsschutzinteresse an der Beurteilung des Gesuchs um un-

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entgeltliche Rechtspflege dahingefallen. Entsprechend ist das Verfahren 
um Erteilung der unentgeltlichen Rechtspflege als gegenstandslos gewor-
den vom Protokoll abzuschreiben (MERKLI/AESCHLIMANN/HERZOG, 
Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 39 N. 1).

Demnach entscheidet der Einzelrichter:

1. In Gutheissung der Beschwerde wird die angefochtene Verfügung der 
IV-Stelle Bern vom 31. März 2014 aufgehoben und die Sache an die 
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie im Sinne der Erwä-
gungen verfahre und neu verfüge.

2. Die Verfahrenskosten von Fr. 300.-- werden der Beschwerdegegnerin 
zur Bezahlung auferlegt.

3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4. Das Verfahren betreffend das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege 
wird als gegenstandslos geworden vom Geschäftsverzeichnis abge-
schrieben.

5. Zu eröffnen (R):
- A.________ (samt eingereichten Akten)
- IV-Stelle Bern (samt eingereichten Akten)
- Bundesamt für Sozialversicherungen

Hinweis: Im Falle einer Anfechtung dieses Entscheides sind die Akten dem 
Bundesgericht zuzustellen.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

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Rechtsmittelbelehrung 
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Zustellung der schriftlichen Begrün-
dung beim Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, Beschwerde in öf-
fentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ge-
führt werden.