# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ad8a1bd6-0747-5d58-b946-9ce30ba529a1
**Source:** TA (TA)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-02-26
**Language:** de
**Title:** Schiedsgerichte Schweizer Sportgericht 26.02.2025 SSG 2024/E/15
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/TA_SST/TA_SST_001_SSG-2024-E-15_2025-02-26.pdf

## Full Text

1 

 

 

SSG 2024/E/15 - SSI v. A._____ 
 

 

 
 
 
 

Entscheid 
 

des 

 

SCHWEIZER SPORTGERICHTS 

 

in folgender Besetzung: 

 

Vorsitzender Richter:  Sven Hintermann, Rechtsanwalt, Zürich 

Richterin:   Anita Züllig, Rechtsanwältin, Zug 

Richter:    Benvenuto Savoldelli, Rechtsanwalt und Notar, Olten 

 

 

 

In der Sache zwischen 

 

 

 

 

Stiftung Swiss Sport Integrity (SSI), Eigerstrasse 60, 3007 Bern 

vertreten durch Hanjo Schnydrig, Rechtsdienst, und Seraina Gebhardt, Rechtsanwältin 

 

- Antragstellerin - 

 

 

und 

 

A._____,  

vertreten durch Paul Hollenstein, Rechtsanwalt 

- Angeschuldigte Person - 

 

 

 

 
  

 

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I. Die Parteien 

1. Die Stiftung Swiss Sport Integrity ("SSI" oder "Antragstellerin") ist eine Stiftung nach schwei-

zerischem Recht mit Sitz in Bern (Schweiz). Seit dem 1. Januar 2022 ist SSI sowohl als natio-

nale Agentur zur Bekämpfung von Doping (Art. 19 Abs. 2 SpoFöG1 und Art. 73 SpoFöV2) als 

auch als Nationale Meldestelle für Ethikverstösse und Missbrauchsfälle im Schweizer Sport 

(Art. 72f SpoFöV) zuständig. 

 

2. A._____ ("angeschuldigte Person") (geboren 1973) war vom 1. August 2018 bis 29. Oktober 

2022 Cheftrainerin des X._____ (X._____). 

 

3. Die SSI und die angeschuldigte Person werden im Folgenden gemeinsam als "Parteien" be-

zeichnet. 

II. Sachverhalt und Prozessgeschichte 

4. Das vorliegende Verfahren betrifft potenzielle Verstösse gegen das Swiss Olympic Ethik-Sta-

tut des Schweizer Sports vom 1. Januar 2022 ("Ethik-Statut")3. 

 

5. Nachfolgend ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Elemente des Sachverhalts basie-

rend auf den eingereichten Akten sowie den Schilderungen der Parteien in ihren schriftli-

chen Eingaben und anlässlich der mündlichen Verhandlung vor dem Schweizer Sportgericht 

vom 16. Januar 2025 ("Hauptverhandlung") wiedergegeben. Für weiterführende Details 

wird auf die Eingaben der Parteien, die Verfahrensakten und die Inhalte der Hauptverhand-

lung verwiesen respektive im nachfolgenden Entscheid nur dort auf sie eingegangen, wo 

dies für die Beurteilung der betreffenden Fragen relevant ist. 

A. Verfahren vor Swiss Sport Integrity 

6. Am 18. Mai 2022 informierte der Schweizerische Turnverband ("STV") die Meldestelle der 

SSI über einen Vorfall anlässlich eines Wettkampfes in V._____ vom 14. bis 15. Mai 2022. 

Dabei habe die angeschuldigte Person in der Rolle als Cheftrainerin eine junge Athletin mit 

dem Namen B._____ und mit ukrainischer Herkunft äusserst aggressiv angeschrien, weil 

diese sich angeblich auf der den an der Qualifikation teilnehmenden Gymnastinnen, denen 

die betroffene Athletin nicht angehörte, vorbehaltenen Fläche aufgehalten habe.  

 

7. Am 7. Juni 2022 ging eine anonyme Meldung bei der SSI ein, in der geschildert wurde, dass 

die angeschuldigte Person die Athletinnen unter Druck setze, laut in der Halle herumschreie, 

die Athletinnen anschreie, demotiviere, demütige, zum Weinen bringe, in Angst versetze, 

zum Schweigen bringe und ihre Launen an ihnen auslasse. Diese Verhaltensweisen fänden 

teilweise auch unmittelbar vor beziehungsweise während Wettkämpfen statt. Nicht nur ge-

genüber den Athletinnen soll sich die angeschuldigte Person herablassend geäussert haben, 

sondern auch gegenüber deren Eltern. Ebenso soll sie sich den Athletinnen gegenüber miss-

billigend über die Körper und das Gewicht geäussert haben. Der angeschuldigten Person 

wird nachgesagt, sie habe Athletinnen Übungen viele Male wiederholen lassen, bis diese 

hätten weinen müssen. 

 
1  Bundesgesetz über die Förderung von Sport und Bewegung vom 17. Juni 2011, SR 415.0 (Sportförde-

rungsgesetz, SpoFöG). 
2  Verordnung über die Förderung von Sport und Bewegung vom 23. Mai 2012, SR 415.01 (Sportförde-

rungsverordnung, SpoFöV). 
3  Swiss Olympic Ethik-Statut des Schweizer Sports vom 1. Januar 2022, Version inkl. der Anpassungen 

mit Inkrafttreten per 26. November 2022 (Ethik-Statut). 

 

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8. Mit Datum vom 9. Juni 2022 wurde eine weitere anonyme Meldung eingereicht. Diese Mel-

dung griff erneut die Thematik der Ernährung der Athletinnen auf. Viele Athletinnen seien 

physisch und mental am Anschlag, da das Trainingsvolumen zu hoch sei. Ebenfalls am 9. Juni 

2022 erhielt die SSI einen Telefonanruf einer Person, welche schilderte, dass die Athletinnen 

stark unter dem Verhalten der angeschuldigten Person leiden würden. Die meldende Person 

berichtete, die angeschuldigte Person kritisiere das Gewicht der Athletinnen, wobei die mel-

dende Person Bezug auf eine Athletin nahm, deren Gewicht gemäss ihren Angaben bereits 

kritisch sei. Dies habe auch der zuständige Sportarzt Dr. Patrik Noack bestätigt. 

 

9. Am 10. Juni 2022 erstattete der dannzumal amtierende Präsident des X._____, C._____, 

Meldung bei der SSI. Darin schilderte er, dass im vergangenen Jahr eine Abklärung betref-

fend die angeschuldigte Person durchgeführt worden sei. In den vergangenen Monaten 

seien weitere Vorwürfe gegen sie dazugekommen. Diese beträfen unter anderem Schreien 

in der Halle durch die angeschuldigte Person sowie unsensible Handhabungen der Gewichts-

thematik. 

 

10. Ebenfalls am 10. Juni 2022 erstattete die damalige Balletttrainerin des X._____, D._____, 

Meldung bei der SSI. Dabei berichtete sie, eine 12-jährige Athletin, E._____, sei am 10. Feb-

ruar 2022 von der angeschuldigten Person angeschrien worden, bis sie geweint habe. 

Ebenso führte D._____ in der Mitteilung aus, sie habe bereits am 27. April 2022 gegenüber 

dem Vorstand des X._____ eine Mitteilung gemacht. In dieser Mitteilung hatte D._____ un-

ter anderem deponiert, die angeschuldigte Person habe die Athletin F._____ wiederholt als 

"Psycho" bezeichnet. Auch sei die damals 8-jährige G._____ 2020 von der angeschuldigten 

Person gezwungen worden, dasselbe Körperelement 100-mal zu wiederholen. Aufgrund 

dessen soll G._____ vor Schmerzen im Rücken geweint haben. Die angeschuldigte Person 

habe dies wahrgenommen, es sei ihr aber egal gewesen. Sie habe daraufhin G._____ gesagt, 

sie solle ihrer Mutter sagen, sie sei für diese Sportart nicht geeignet. D._____ führte weiter 

aus, sie habe am 2. Juni 2022 dem Vorstand des X._____ per E-Mail einen Vorfall vom Vortag 

gemeldet, an welchem die angeschuldigte Person bereits fünf Minuten nach Trainingsbe-

ginn ausgerastet sei und Athletinnen angeschrien habe, weil sie mit dem Trainingsablauf, 

den D._____ durchgeführt hatte, nicht zufrieden gewesen sei. Nachdem die angeschuldigte 

Person gegenüber D._____ lauthals Vorwürfe zu erheben begonnen habe, habe D._____ das 

Training verlassen, weil sie sich und die Athletinnen nicht länger dieser Situation habe aus-

setzen wollen. Sie habe daraufhin gesundheitliche Beschwerden bekommen und sich ins 

Kantonsspital zu einer Untersuchung begeben müssen. 

 

11. Am 17. Juni kontaktierte der Chef Spitzensport des Turnverbands Y._____, H._____, SSI. Er 

berichtete, er habe grundsätzlich selbst eine Meldung machen wollen, andere seien ihm 

jedoch zuvorgekommen. Er führte aus, er habe bereits im April 2021 anlässlich seines ersten 

Besuches ein seltsames Gefühl gehabt. Die Kinder hätten auf ihn eingeschüchtert gewirkt. 

Er habe das damals C._____ gemeldet, diese Beobachtung sei aber von diesem negiert wor-

den. Aufgrund der Meldung der Familie I._____ sei er zusammen mit J._____, einem Vor-

standsmitglied des X._____, und K._____ vom Vertrauensteam Z._____ für die Untersu-

chung im Fall Alina I._____ eingesetzt worden. 

 

12. Am 23. und 25. Juni sowie am 5. Juli 2022 wurde die von D._____ eingereichte Meldung 

durch sie ergänzt. Sie reichte ein Video ein, auf welchem im Hintergrund angeblich hörbar 

sei, wie die angeschuldigte Person in der Halle gegenüber den Athletinnen die Intelligenz 

von Kindern in der Schweiz und das Schweizer Bildungssystem hinterfrage. Ebenso ergänzte 

D._____ ihre Meldung bezüglich eines Vorfalls, der sich bei der Qualifikation der Jugend 

P2/P3 stattgefunden habe. Dabei habe die angeschuldigte Person zu G._____ gesagt, sie 

solle ihre Sachen packen, da sie geweint habe. Die Videoaufnahmen wurden von SSI 

 

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schliesslich angesichts der Unsicherheit, ob die rechtlichen Rahmenbedingungen für das Er-

stellen oder Verwenden der Aufnahmen eingehalten wurden, und wegen der schlechten 

Qualität nicht zu den Akten genommen. 

 

13. Am 8. September 2022 ergänzte der STV seine Meldung vom 18. Mai 2022 mit der Mittei-

lung, ein ausführlicher Brief der Eltern einer betroffenen Athletin des X._____ habe sie er-

reicht. Die Vorwürfe betrafen auch hier das Verhalten der angeschuldigten Person, ihre un-

sensiblen Äusserungen das Gewicht der Athletinnen betreffend, das Anschreien von Athle-

tinnen und Hilfstrainerinnen sowie der Umstand, dass Athletinnen ausgeschlossen und Fa-

milien zum Schweigen gebracht würden, wenn Athletinnen oder deren Eltern sich kritisch 

betreffend die angeschuldigte Person äusserten. Im X._____ herrsche eine Angstkultur, bei 

der die Athletinnen wüssten, dass sie «bestraft» würden, wenn die Eltern sich bei der ange-

schuldigten Person beschwerten. 

1. Vorabklärungen 

14. Aufgrund der Meldungen kontaktierte SSI ab Juli 2022 zunächst mehrere Athletinnen bezie-

hungsweise deren gesetzlichen Vertretungen und führte in der Folge Befragungen durch. Im 

Verlaufe des Untersuchungsverfahrens wurden SSI zusätzlich von Athletinnen, Eltern und 

weiteren Personen mit engem Bezug zum X._____ über unterschiedliche Kanäle verschie-

dene Informationen zugetragen. Dabei bestehen gemäss SSI auf im X._____ grundsätzlich 

zwei Lager: Auf der einen Seite stünden Eltern und Athletinnen, die angegeben hätten, vor-

behaltlos hinter der angeschuldigten Person zu stehen und auf der anderen Seit solche, die 

sich in der Tendenz negativ betreffend ihre Verhaltensweise und Trainingsmethoden äusser-

ten. 

 

15. SSI fasst die Vorwürfe an die angeschuldigte Person so zusammen, in der Halle herrsche eine 

Angstkultur. Die angeschuldigte Person verhalte sich launisch. Die Gymnastinnen wüssten 

jeweils nicht, in welcher Stimmung sie sie antreffen würden, wenn die Gymnastinnen in die 

Halle kämen. Sie würden von der angeschuldigten Person regelmässig angeschrien, beleidigt 

und verbal erniedrigt. Viele Athletinnen hätten berichtet, sie selbst und andere Athletinnen 

hätten während des Trainings regelmässig weinen müssen. Mehrfach sei berichtet worden, 

Athletinnen seien aus der Halle geworfen worden, insbesondere dann, wenn Athletinnen 

hätten weinen müssen. Wenn die Gymnastinnen eine Übung nicht korrekt ausgeführt hät-

ten, seien sie regelmässig ignoriert worden. Mehrfach sei berichtet worden, im Training 

nicht fehlerfrei vorgezeigte Elemente von Übungen hätten teilweise x-fach wiederholt wer-

den müssen, teils bis zur völligen Erschöpfung. Es seien seitens der angeschuldigten Person 

unsensible und teils gefährliche Aussagen zum Körpergewicht und zum Essverhalten der 

Gymnastinnen getätigt worden. Athletinnen seien gegen ihren klar erkennbaren Willen ge-

filmt worden. Es sei von Trainingsmethoden berichtet worden, bei denen Athletinnen in drei 

Reihen aufgestellt werden. Habe eine Gymnastin das erwartete Leistungsniveau nicht abru-

fen können, habe sie eine Reihe nach hinten rücken müssen. Weiter sei von Ungleichbe-

handlungen berichtet worden, ebenso von Vorfällen bei denen die angeschuldigte Person 

mit den Gefühlen der Athletinnen gespielt und die Athletinnen manipuliert zu haben 

scheine. 

 

16. Aufgrund der erhaltenen Meldungen ging SSI davon aus, dass die angeschuldigte Person ge-

genüber den Athletinnen psychische Gewalt anwende, was unter die Verletzung der physi-

schen [recte: psychischen] Integrität im Sinne des Ethik-Statuts zu subsumieren sei. Ebenfalls 

untersuchte die SSI den im Raum stehenden Vorwurf der Verletzung der physischen Integri-

tät der Athletinnen. 

 

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2. Untersuchungsverfahren 

17. Am 16. September 2022 eröffnete SSI mit Verfügung vom gleichen Tag die Untersuchung 

und sprach eine vorläufige Massnahme aus. Damit wies die Antragstellerin die angeschul-

digte Person an, die Halle, in welcher trainiert werde, der Öffentlichkeit zugänglich zu halten, 

wobei dies den Zutritt von Eltern, Angehörigen und Freunden und Freundinnen der Athle-

tinnen sowie Vorstandsmitgliedern des X._____, Mitgliedern von Sportverbänden und üb-

rige Interessierte betreffe. 

 

18. Die angeschuldigte Person wies die gegen sie erhobenen Vorwürfe in ihrer Stellungnahme 

vom 22. September 2022 über ihre Rechtsvertretung zurück, erklärte sich mit der vorläufi-

gen Massnahme jedoch einverstanden, allerdings unter Ausschluss der "übrigen Interessier-

ten". Daraufhin hielt SSI mit Verfügung vom 29. September 2022 an der vorläufigen Mass-

nahme fest, strich jedoch die Öffnung der Halle gegenüber "übrigen Interessierten" aus der 

vorläufigen Massnahme. 

 

19. Um sicherzustellen, dass die Massnahme umgesetzt wurde, beauftragte SSI am 29. Septem-

ber 2022 den Turnverband Y._____, mittels Stichproben die Einhaltung der verfügten vor-

läufigen Massnahmen zu überwachen. 

 

20. Am 29. Oktober 2022 wurde SSI darüber informiert, dass die angeschuldigte Person durch 

den Vorstand des X._____ entlassen und per sofort freigestellt wurde. Da sich die vorläufige 

Massnahme vom 16. September 2022 beziehungsweise vom 29. September 2022 an die 

angeschuldigte Person richtete, entfiel mit dem Kündigungsschritt der Grund für die ange-

ordnete vorläufige Massnahme. 

 

21. Insgesamt wurden im Rahmen des Untersuchungsverfahrens elf Athletinnen befragt, wobei 

zu diesem Zeitpunkt die Mehrzahl als Athletinnen im X._____ aktiv waren. Neun der Athle-

tinnen wünschten anonym zu bleiben. Den Eltern wurde anlässlich der Befragungen die 

Möglichkeit geboten, Ergänzungen zu den Aussagen der jeweiligen Tochter zu Protokoll zu 

geben. Ebenfalls befragt wurden weitere regelmässig in der Halle anwesende Personen wie 

zum Beispiel die Balletttrainerin D._____. Weiter wurden schriftliche Stellungnahmen von 

Peiline Schütz, Ressortchefin Rhythmische Gymnastik und Chefin Nachwuchs Rhythmische 

Gymnastik beim STV, sowie von M._____, ehemaliger Verantwortlicher Spitzensport im 

Zentralvorstand des W._____ eingeholt. Daneben wurden weitere Personen befragt. Dr. 

med. Patrik Noack, Health Performance Officer von Swiss Olympic und zuständiger Arzt für 

die Gymnastinnen des X._____ wurde auch angefragt, seine Antwort blieb während des Un-

tersuchungsverfahrens jedoch aus. 

 

22. Im Laufe des Untersuchungsverfahrens erhielt SSI diverse Anrufe und E-Mails von Athletin-

nen, Eltern und weiteren Personen mit engem Bezug zum X._____ mit Schilderungen neue-

rer angeblicher Vorfälle.  

 

23. Anlässlich ihrer Befragung durch SSI vom 25. November 2022 und 5. Dezember 2022 ver-

langte die angeschuldigte Person Akteneinsicht, welche ihr mit Verfügung vom 28. Dezem-

ber 2022 gewährt wurde. Mit Eingabe vom 27. Februar 2023 nahm die angeschuldigte Per-

son Stellung zum bisherigen Untersuchungsergebnis und stellte dabei den Antrag das gegen 

sie laufende Verfahren einzustellen und ein Verfahren wegen Ethikverstössen gegen 

H._____ zu eröffnen. 

 

24. Die angeschuldigte Person führte in ihrer Aussage aus, sie sehe sich als wichtige Bezugsper-

son für die Athletinnen. Sie betonte, ihr seien Ehrlichkeit, Vertrauen und Disziplin wichtig. 

 

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Sie wies darauf hin, dass es während des Trainings unter anderem auch unruhig sei, da auch 

Schulkinder, andere Sportler sowie fremde Kinder sich in der Halle aufhielten. Sie sei eine 

laute Person, setze jedoch die Kinder weder herab noch verängstige sie sie. Ebenso machte 

die angeschuldigte Person geltend, dass keine Angstkultur bestehe, dies auch vor dem Hin-

tergrund, dass die Athletinnen mit ihr zusammen essen gehen würden.  

 

25. In ihrer Stellungnahme machte die angeschuldigte Person geltend, es handle sich bei den 

Vorwürfen lediglich um Pauschalvorwürde. Seitens SSI seien keine entlastenden Stimmen 

und ebenso wenig die angeschuldigte Person selbst angehört worden. 

 

26. Die Athletinnen sowie ihre Eltern und andere Personen gaben im Rahmen des Untersu-

chungsverfahrens zu Protokoll, die angeschuldigte Person sei sehr launisch gewesen und 

habe dementsprechend bei schlechter Laune auch viel geschrien. Die angeschuldigte Person 

habe das Gewicht der Athletinnen kritisiert. Ebenso gaben Athletinnen zu Protokoll, sie hät-

ten sich ungleich behandelt und erniedrigt gefühlt. Die Athletinnen sowie andere Personen 

gaben an, die Athletinnen würden während des Trainings sehr viel weinen Unter den Vorfäl-

len, die konkret von den befragten Personen geschildert wurden, waren unter anderem die 

folgenden: 

• Die Athletin F._____ sei von der angeschuldigten Person als "Psycho" bezeichnet wor-

den; 

• die Athletin G._____ sei gegen ihren Willen von der angeschuldigten Person gefilmt 

worden; 

• die angeschuldigte Person habe so fest in der Halle geschrien, dass die Ballettlehrerin 

D._____ das Training verlassen habe; 

• die angeschuldigte Person habe eine Athletin, die aufgrund des Schreiens und Schi-

kanierens durch die angeschuldigte Person habe weinen müssen, auf die Toilette ge-

schickt, um sich "auszuweinen", wobei man das Schluchzen der Athletin von der Toi-

lette bis in die Halle gehört habe, und 

• die angeschuldigte Person habe anlässlich eines Wettkampfes in V._____ eine Athle-

tin mit ukrainischer Herkunft äusserst aggressiv auf russisch angeschrien. 

B. Verfahren vor der Disziplinarkammer des Schweizer Sports 

27. Der Untersuchungsbericht, datiert vom 28. Mai 2024, wurde von SSI in Sachen SSI und 

A._____ betreffend diverser Ethikverstösse mit folgenden Anträgen an die Disziplinarkam-

mer des Schweizer Sports ("DK") eingereicht: 

 
"In prozessualer Hinsicht: 

1. Es sei durch die Disziplinarkammer des Schweizer Sports in Feststellung ihrer Zu-
ständigkeit ein Verfahren gegen A._____ zu eröffnen. 

2. Das in Übereinstimmung prozessualem Antrag mit Ziff. 1 eröffnete Verfahren sei 
in deutscher Sprache zu führen. 

3. Es sei durch die Disziplinarkammer des Schweizer Sports ein ergänzendes Prüf-
verfahren durchzuführen. 

4. Es seien die im vorliegenden Bericht anonym auftretenden Personen 'Anonym 3' 
sowie die Mutter von 'Anonym 1' nach vorgängiger Rücksprache mit Swiss Sport 
Integrity sowie unter fortgesetzter Wahrung der Anonymität von der Disziplinar-
kammer des Schweizer Sports zum Sachverhalt, insbesondere zum Umgang von 
A._____ mit den Athletinnen des X._____, zu befragen. 

5. Es sei die ehemalige Balletttrainerin des X._____, D._____, von der Disziplinar-
kammer des Schweizer Sports zum Sachverhalt, insbesondere zum Umgang von 
A._____ mit den Athletinnen des X._____, zu befragen. 

 

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6. Es sei der Vorstand des X._____, vertreten durch N._____, zum Sachverhalt, ins-
besondere zu seiner Kenntnis vom Umgang von A._____ mit den Athletinnen des 
X._____ zu befragen. 

7. Es sei das Vorstandsmitglied H._____, zum Sachverhalt, insbesondere zu seiner 
Kenntnis vom Umgang von A._____ mit den Athletinnen des X._____ zu befra-
gen. 

8. Es sei Dr. Patrik Noack zum Sachverhalt, insbesondere zu seiner Kenntnis vom 
Umgang von A._____ mit den Athletinnen des X._____ sowie allfälliger Be-
schwerden der Athletinnen und Eltern diesbezüglich zu befragen und/oder von 
ihm zu derselben Fragestellung eine schriftliche Stellungnahme einzuholen. 

9. In Bezug auf die Anträge in prozessualer Hinsicht sei der Stiftung Swiss Sport 
Integrity die Gelegenheit einzuräumen, Ergänzungsfragen an die erwähnten 
Personen zu stellen. 

In materieller Hinsicht: 

1. Es sei durch die Disziplinarkammer des Schweizer Sports durch A._____ began-
gene Verstösse gegen die Art. 2.1.1 und 2.1.2 Swiss Olympic Ethik-Statut des 
Schweizer Sports sowie Art. 6 Ethik-Charta für den Schweizer Sport von Swiss 
Olympic festzustellen. 

2. Es sei A._____ zu verpflichten, auf eigene Kosten ein Coaching von mindestens 
30 Stunden zu absolvieren, in welcher sie das eigene Verhalten als Trainerin so-
wie die angewandte psychische Gewalt gegenüber Minderjährigen im Leis-
tungssport reflektiert, dabei sei: 

2.1 A._____ zu verpflichten, vorliegenden Untersuchungsbericht sowie den 
Entscheid der Disziplinarkammer des Schweizer Sports der/dem betreffen-
den Coach:in vorzulegen. 

2.2 A._____ zu verpflichten, sich zum Voraus die Geeignetheit des gewählten 
Coachingangebots von der Stiftung Swiss Sport Integrity bestätigen zu las-
sen. 

2.3 A._____ zu verpflichten, gegenüber der Stiftung Swiss Sport Integrity nach 
Abschluss des mindestens 30-stündigen Coachings gemäss materieller An-
trag Ziff. 2 den Nachweis zu erbringen, dieses erfolgreich absolviert zu ha-
ben. 

3. Es sei gegen A._____ eine teilbedingte Sperre von drei Jahren betreffend das 
Trainieren minderjähriger Athlet:innen zu verhängen. Mindestens bis zur Vor-
lage des Nachweises gemäss materieller Antrag Ziff. 2.3 sei ihr zu verbieten, in 
der Schweiz minderjährige Athlet:innen zu trainieren. 

4. Es sei A._____ zu verpflichten, ab Wiederaufnahme der Tätigkeit als Trainerin 
sowie anschliessend quartalsweise gegenüber dem Schweizerischen Turnver-
band nachzuweisen, für die Dauer von mindestens zwei Jahren ein das Erlernte 
fortführendes, regelmässiges, geeignetes Coaching für das Trainieren minder-
jähriger Athlet:innen in Anspruch zu nehmen (inklusive regelmässiger direkter 
Überwachung am Trainingsort); sie sei dabei zu verpflichten, die Geeignetheit 
der/des Coach:in bzw. Coachings vom Schweizerischen Turnverband vorab prü-
fen und die Aufnahme der Tätigkeit als Trainerin damit zusammenhängend be-
willigen zu lassen. 

5. Es sei A._____ für die Dauer von drei Jahren jegliche Tätigkeit als Organmitglied 
eines Sportvereins oder -verbands zu untersagen. 

6. Es sei gegenüber A._____ eine Geldbusse in Höhe von CHF 1 '000 auszuspre-
chen. 

7. Ein Teil der Kosten des Untersuchungsverfahrens vor der Stiftung Swiss Sport In-
tegrity im Betrag von CHF 2'000 sei A._____ zu überbürden. 

 

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8. Die Kosten des Verfahrens vor der Disziplinarkammer des Schweizer Sports seien 
A._____ aufzuerlegen. 

 Eventualiter: Der Stiftung Swiss Sport Integrity seien keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen. 

9. Es sei zugunsten der Stiftung Swiss Sport Integrity durch A._____ zu begleichen-
der Ersatz der Parteikosten zu sprechen. 

 Eventualiter: Es seien keine Parteikosten zulasten der Stiftung Swiss Sport Integ-
rity zu sprechen. 

10. Der Entscheid der Disziplinarkammer des Schweizer Sports sei im Sinne von Art. 
6.3 Abs. 2 Ethik-Statut zu veröffentlichen, unter namentlicher Nennung von 
A._____. 

11. Swiss Olympic sei mit dem begründeten Entscheid der Disziplinarkammer des 
Schweizer Sports zu bedienen. 

12. Das Bundesamt für Sport sei durch die Disziplinarkammer des Schweizer Sports 
(ausschliesslich) mit dem Dispositiv deren Entscheids zu bedienen. 

13. Der Schweizerische Turnverband sei von der Disziplinarkammer des Schweizer 
Sports in geeigneter Weise über die mit dem begründeten Entscheid der Diszip-
linarkammer des Schweizer Sports zusammenhängenden, vom Schweizerischen 
Turnverband wahrzunehmenden Aufgaben in Kenntnis zu setzen.  

III. Verfahren vor dem Schweizer Sportgericht 

A. Vorbemerkung 

28. Die DK hat ihre Tätigkeit gemäss einem Beschluss des Sportparlaments von Swiss Olympic 

am 30. Juni 2024 eingestellt. Gemäss diesem Beschluss gehen sämtliche Kompetenzen der 

DK an die Stiftung Schweizer Sportgericht über. Am 13. August 2024 fand die Überweisung 

an das Sekretariat des Sportgerichts statt. 

B. Eröffnung des Verfahrens, Verfahrensleitung 

29. Mit Eröffnungsschreiben vom 26. August 2024 benachrichtigte der Direktor der Stiftung 

Schweizer Sportgericht die Parteien über die Einreichung des Untersuchungsberichts und 

informierte sie unter anderem darüber, dass sämtliche Kompetenzen der DK an die Stiftung 

Sportgericht übergegangen seien. Mit gleichem Schreiben vom 26. August 2024 wurden den 

Parteien ausserdem die Bestellung des Gerichts, die zuständige Kammer sowie die Sprache 

des vorliegenden Verfahrens mitgeteilt. Darüber hinaus wurden die Parteien über die Kom-

munikationsmittel mit dem Schweizer Sportgericht sowie über die Möglichkeit eines Bei-

stands und diejenige der unentgeltlichen Rechtspflege informiert. Des Weiteren wurde dem 

STV als nationaler Sportverband und den Personen, welche einen Ethikverstoss geltend ma-

chen, eine Frist von 10 Arbeitstagen gesetzt, um die Parteistellung in vorliegendem Verfah-

ren beantragen zu können. Schliesslich wurden die Parteien darüber informiert, dass sie bis 

zum 16. September 2024 das Recht hätten, in schriftlicher oder mündlicher Form Stellung 

zu nehmen sowie Anträge zu stellen. 

 

30. Mit E-Mail vom 30. August 2024 teilte der STV dem Schweizer Sportgericht mit, dass auf 

eine Parteistellung verzichtet werde. 

 

31. Mit Eingabe vom 20. September 2024 nahm die angeschuldigte Person Stellung zum Unter-

suchungsbericht vom 28. Mai 2024 der SSI und stellte folgende Anträge: 

 

 

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"1. Sowohl die prozessualen als auch die materiellen Rechtsbegehren der Stiftung 
Swiss Sport Integrity (SSI) seien abzuweisen. 

2. Eventualiter sei im Falle der Eröffnung eines Verfahrens festzustellen, dass 
A._____ keine Verstösse gegen das Ethik-Statut begangen hat. 

3. A._____ seien keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

4. Es sei A._____ eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen." 

 

32. Am 18. November 2024 erliess der Direktor im Namen des Gerichts eine Verfahrensverfü-

gung unter anderem in Bezug auf die Gerichtsbarkeit und Zuständigkeit des Schweizer Sport-

gerichts, wobei die Parteien gebeten wurden, die Verfügung bis zum 28. November2024 zu 

unterzeichnen. Mit gleicher Verfügung wurde SSI aufgefordert, innert Frist bis zum 28. No-

vember 2024 den Antrag zu begründen, dass ein ergänzendes Prüfverfahren durchzuführen 

sei, sowie Stellung zur Anwendbarkeit des Ethik-Statuts zu nehmen. Die angeschuldigte Per-

son wurde aufgefordert, innert derselben Frist eine Vollmacht der Rechtsvertretung nach-

zureichen. Schliesslich wurden die Parteien darüber informiert, dass eine mündliche Ver-

handlung stattfinden werde und dass das Urteil nach Massgabe des VerfRegl4 unter Berück-

sichtigung der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen auf der Website des Schweizer Sport-

gerichts publiziert werde. 

 

33. Gleichentags reichte die Rechtsvertretung der angeschuldigten Person per E-Mail die unter-

zeichnete Verfahrensverfügung und die Vollmacht ein.  

 

34. Am 21. November2024 erhielt das Schweizer Sportgericht von SSI die unterzeichnete Ver-

fahrensverfügung und am 27. November 2024 die Stellungnahme betreffend Begründung 

zum Antrag zur Durchführung eines ergänzenden Prüfverfahrens und zur Anwendbarkeit 

des Ethik-Statuts. 

 

35. Mit Verfahrensverfügung vom 23. Dezember 2024 wurden die Parteien zur Hauptverhand-

lung am 16. Januar 2025 in Zürich eingeladen und unter anderem über den Ablauf der Ver-

handlung sowie über die Folgen eines unentschuldigten Fernbleibens, über die Aufzeich-

nung und den Ablauf der Verhandlung informiert. Zudem beschloss das Gericht unter Be-

rücksichtigung der Stellungnahme von SSI vom 27. November 2024, die Zeug:innen D._____, 

N._____, H._____, Patrik Noack, und O._____ im Rahmen der Hauptverhandlung zu befra-

gen, wobei das Schweizer Sportgericht SSI und die angeschuldigte Person aufforderte, die 

Kontaktinformationen der Zeug:innen bekannt zu geben. Gleichzeitig lud das Schweizer 

Sportgericht die angeschuldigte Person ein, bei Bedarf bis am 10. Januar 2024 zur Stellung-

nahme von SSI vom 27. November 2024 Stellung zu nehmen. 

 

36. Mit Schreiben vom 30. Dezember 2024 reichte SSI die von ihr geforderten Kontaktinforma-

tionen der Zeug:innen ein. Gleichentags reichte die Rechtsvertretung der angeschuldigten 

Person die von ihr geforderte Adresse der Zeugin ein. Daraufhin lud das Schweizer Sportge-

richt mit Schreiben vom 6. Januar 2025 die Zeug:innen zur Hauptverhandlung ein. 

 

37. Am 8. Januar 2025 reichte die angeschuldigte Person ihre Stellungnahme zur Stellungnahme 

von SSI vom 27. November 2024 ein, wobei sie insbesondere vermerkte, dass "die grund-

sätzliche Anwendbarkeit des Ethik-Statuts auf angebliche Vorfälle, die sich nach dem 1. Ja-

nuar 2022 ereignet haben sollen, unbestritten [ist]." 

 

38. Mit Verfügung vom 10. Januar 2025 verlängerte der Direktor das Verfahren um zwei Monate 

bis am 26. Februar 2025. 

 
4  Reglement betreffend das Verfahren vor dem Schweizer Sportgericht vom 1. Juli 2024 (VerfRegl). 

 

 10 

C. Hauptverhandlung 

39. Am 16. Januar 2025 fand die Hauptverhandlung in Zürich statt. Das Gericht wurde während 

der gesamten Verhandlung von Miro Vuille, Case Manager am Sekretariat der Stiftung 

Schweizer Sportgericht, unterstützt. Ausserdem nahmen an der Verhandlung die angeschul-

digte Person, vertreten durch RA Paul Hollenstein, sowie SSI, vertreten durch RAin Seraina 

Gebhardt und Hanjo Schnydrig, Rechtsdienst SSI, teil. 

 

40. Zu Beginn der Verhandlung bestätigten die Parteien, sie hätten keine Einwände gegen die 

Zusammensetzung des Gerichts und gegen die Aufzeichnung der Verhandlung, keine weite-

ren Einwände und keine Vorfragen. 

 

41. Im Anschluss hatten die Parteien Gelegenheit, ihre Ausführungen und Argumente vorzutra-

gen. 

 

42. Im Rahmen ihres Plädoyers stellte SSI fest, ihren Anträgen Ziff. 1-3 und Ziff. 5-8 des Untersu-

chungsberichts sei stattgegeben worden, und hielt noch an den folgenden Anträgen fest: 

 
"In prozessualer Hinsicht: 

4. Es seien die im vorliegenden Bericht anonym auftretenden Personen 'Anonym 3' 
sowie die Mutter von 'Anonym 1' nach vorgängiger Rücksprache mit Swiss Sport 
Integrity sowie unter fortgesetzter Wahrung der Anonymität durch das Schwei-
zer Sportgericht zum Sachverhalt, insbesondere zum Umgang von A._____ mit 
den Athletinnen des X._____, zu befragen. 

9. In Bezug auf die Anträge in prozessualer Hinsicht sei der Stiftung Swiss Sport 
Integrity die Gelegenheit einzuräumen, Ergänzungsfragen an die erwähnten 
Personen zu stellen. 

In materieller Hinsicht: 

1. Es sei durch das Schweizer Sportgericht durch A._____ begangene Verstösse ge-
gen die Art. 2.1.1 und 2.1.2 Swiss Olympic Ethik-Statut des Schweizer Sports so-
wie Art. 6 Ethik-Charta für den Schweizer Sport von Swiss Olympic festzustellen. 

2. Es sei A._____ zu verpflichten, auf eigene Kosten ein Coaching von mindestens 
30 Stunden zu absolvieren, in welcher sie das eigene Verhalten als Trainerin so-
wie die angewandte psychische Gewalt gegenüber Minderjährigen im Leis-
tungssport reflektiert, dabei sei: 

2.2 [recte 2.1] A._____ zu verpflichten, vorliegenden Untersuchungsbericht so-
wie den Entscheid des Schweizer Sportgerichts der/dem betref-
fenden Coach:in vorzulegen. 

2.3 [recte 2.2] A._____ zu verpflichten, sich zum Voraus die Geeignetheit des 
gewählten Coachingangebots von der Stiftung Swiss Sport In-
tegrity bestätigen zu !assen. 

2.4 [recte 2.3] A._____ zu verpflichten, gegenüber der Stiftung Swiss Sport In-
tegrity nach Abschluss des mindestens 30-stündigen Coachings 
gemäss materieller Antrag Ziff. 2 den Nachweis zu erbringen, 
dieses erfolgreich absolviert zu haben. 

3. Es sei gegen A._____ eine teilbedingte Sperre von drei Jahren betreffend das 
Trainieren minderjähriger Athlet:innen zu verhängen. Mindestens bis zur Vor-
lage des Nachweises gemäss materieller Antrag Ziff. 2.3 sei ihr zu verbieten, in 
der Schweiz minderjährige Athlet:innen zu trainieren. 

4. Es sei A._____ zu verpflichten, ab Wiederaufnahme der Tätigkeit als Trainerin 
sowie anschliessend quartalsweise gegenüber dem Schweizerischen Turnver-
band nachzuweisen, für die Dauer von mindestens zwei Jahren ein das Erlernte 

 

 11 

fortführendes, regelmässiges, geeignetes Coaching für das Trainieren minder-
jähriger Athlet:innen in Anspruch zu nehmen (inklusive regelmässiger direkter 
Überwachung am Trainingsort); sie sei dabei zu verpflichten, die Geeignetheit 
der/des Coach:in bzw. Coachings vom Schweizerischen Turnverband vorab prü-
fen und die Aufnahme der Tätigkeit als Trainerin damit zusammenhängend be-
willigen zu lassen. 

5. Es sei A._____ für die Dauer von drei Jahren jegliche Tätigkeit als Organmitglied 
eines Sportvereins oder -verbands zu untersagen. 

6. Es sei gegenüber A._____ eine Geldbusse in Höhe von CHF 1'000 auszusprechen. 

7. Ein Teil der Kosten des Untersuchungsverfahrens vor der Stiftung Swiss Sport In-
tegrity im Betrag von CHF 2'000 sei A._____ zu überbürden. 

8. Die Kosten des Verfahrens vor dem Schweizer Sportgericht seien A._____ aufzu-
erlegen. 

 Eventualiter: Der Stiftung Swiss Sport Integrity seien keine Verfahrenskosten auf-
zuerlegen. 

9. Es sei zugunsten der Stiftung Swiss Sport Integrity durch A._____ zu begleichen-
der Ersatz der Parteikosten zu sprechen. 

 Eventualiter: Es seien keine Parteikosten zulasten der Stiftung Swiss Sport Integ-
rity zu sprechen. 

10. Der Entscheid des Schweizer Sportgerichts sei im Sinne von Art. 6.3 Abs. 2 Ethik-
Statut zu veröffentlichen, unter namentlicher Nennung von A._____. 

11. Swiss Olympic sei mit dem begründeten Entscheid des Schweizer Sportgerichts 
zu bedienen. 

12. Das Bundesamt für Sport sei durch das Schweizer Sportgericht (ausschliesslich) 
mit dem Dispositiv deren Entscheids zu bedienen. 

13. Der Schweizerische Turnverband sei vom Schweizer Sportgericht in geeigneter 
Weise über die mit dem begründeten Entscheid des Schweizer Sportgerichts 
zusammenhängenden, vom Schweizerischen Turnverband wahrzunehmenden 
Aufgaben in Kenntnis zu setzen." 

 

Ergänzend stellte SSI den Antrag, es seien gegenläufige Anträge der angeschuldigten Person 

abzuweisen. 

 

43. Die angeschuldigte Person bestätigte, den Untersuchungsbericht zur Kenntnis genommen 

zu haben und liess durch ihren Rechtsvertreter an den Anträgen in der Stellungnahme vom 

20. September 2024 festhalten. Zudem beantragte sie, es seien keine weiteren Personen, 

wie von SSI in Ziff. 4 ihrer Anträge beantragt, zu befragen, wobei eventualiter, soweit dem 

prozessualen Antrag Ziff. 4 von SSI stattgegeben werde, auch Athletinnen und/oder Eltern 

aus den Familien P._____, Q._____ und O._____ zu befragen seien. 

 

44. Im Anschluss wurden zunächst die Zeug:innen befragt, wobei D._____ nicht erschien. An-

schliessend fand die Befragung der Parteien durch das Gericht statt. Die Parteien erhielten 

sowohl bei den Zeug:innen- als auch bei den Parteibefragungen jeweils Gelegenheit, Ergän-

zungsfragen zu stellen, womit das Schweizer Sportgericht dem prozessualen Antrag Ziff. 9 

von SSI stattgab. 

 

45. Mit Abschluss der Befragungen beschloss das Schweizer Sportgericht, das Beweisverfahren 

werde geschlossen, jedoch unter den Vorbehalten, dass  

• SSI aufgefordert werde, die im Jahr 2022 gültigen Statuten des X._____ sowie die 

Honorarnote ihrer Rechtsvertretung nachzureichen; und 

 

 12 

• die angeschuldigte Person aufgefordert werde, ihren Arbeitsvertrag mit dem X._____ 

sowie die Honorarnote ihrer Rechtsvertretung nachzureichen. 

 

46. Das Gericht beschloss somit, den prozessualen Antrag von SSI Ziff. 4 abzuweisen und dem 

Antrag der angeschuldigten Person, dass keine weiteren Personen zu befragen seien, statt-

zugeben, da aus der Sicht des Schweizer Sportgerichts ausreichend Informationen vorhan-

den und genügend Akten ins Recht gelegt worden sind. 

 

47. Schliesslich erhielten die Parteien Gelegenheit, sich im Rahmen der Schlussvorträge ab-

schliessend zu Sache zu äussern. Die angeschuldigte Person hatte zudem das letzte Wort. 

Am Ende der Verhandlung bestätigten die Parteien, dass ihr rechtliches Gehör in vollem Um-

fang gewahrt worden sei. 

 

48. Mit E-Mail vom 17. Januar 2025 reichte die angeschuldigte Person den Arbeitsvertrag mit 

dem X._____ sowie die Honorarnote ihres Rechtsvertreters ein. Mit E-Mail vom 20. Januar 

2025 reichte SSI die Statuten des X._____ mit Gültigkeit im Jahr 2022 und mit E-Mail vom 

22. Januar 2025 die Aufstellung der Parteikosten beim Schweizer Sportgericht ein.  

IV. Positionen der Parteien 

49. Dieser Abschnitt des Entscheids enthält keine abschliessende Auflistung der Behauptungen 

der Parteien, sondern soll eine Zusammenfassung des Inhalts der wichtigsten Argumente 

der Parteien bieten. Bei der Prüfung und Entscheidung über die Ansprüche der Parteien in 

diesem Entscheid hat das Gericht alle von den Parteien vorgebrachten Argumente und Be-

weise berücksichtigt und sorgfältig geprüft, einschliesslich der Behauptungen und Argu-

mente, die in diesem Abschnitt des Entscheids oder in der nachstehenden Erörterung der 

Ansprüche nicht erwähnt werden. 

A. Die Position der Antragstellerin 

50. Die Vorbringen der Antragstellerin, basierend auf ihren schriftlichen Eingaben und mündli-

chen Ausführungen anlässlich der Verhandlung, können wie folgt zusammenfasst werden: 

1. Vorbemerkung 

51. SSI betont im Untersuchungsbericht, während der Dauer des Untersuchungsverfahrens so-

wie der Tätigkeit der angeschuldigten Person als Cheftrainerin hätten zwei Lager an Athle-

tinnen beziehungsweise Eltern bestanden. Einerseits wurde die angeschuldigte Person und 

ihre Methoden unterstützt, andererseits wurde sie und ihr Verhalten als problematisch er-

achtet. Dabei weist SSI darauf hin, dass die Aussagen aus dem unkritischen Lager diejenigen 

aus dem kritischen Lager nicht widerlegen würden. SSI geht zudem davon aus, dass die El-

tern - bewusst oder unterbewusst - eine Rolle in der bestehenden Problematik eingenom-

men hätten. Keine Eltern hätten ihre Töchter im Zeitraum zwischen dem Eingehen der ersten 

Meldungen bei SSI und der Freistellung der angeschuldigten Person aus dem Training bezie-

hungsweise aus dem X._____ genommen. 

 

52. Hinsichtlich der Wertung der Hauptvorwürfe verweist SSI auf die Forschungsergebnisse von 

BRASSARD et al.5 Diese definieren psychische Gewalt als wiederholtes Muster oder extreme 

Ausprägung von Verhalten von Fürsorgepersonen, das die Befriedigung grundlegender psy-

chologischer Bedürfnisse des Kindes verhindert und dem Kind vermittelt, es sei wertlos, 

 
5 BRASSARD, M.R., HART, S. N. & GLASER, D. (2020), Psychological maltreatment: an international challenge to chil-
dren 's safety and well being. Child Abuse and Neglect. 

 

 13 

unvollständig, ungeliebt, unerwünscht, bedroht oder beachtet nur zur Befriedigung der Be-

dürfnisse anderer Personen. Dabei unterscheiden BRASSARD et al. sechs Dimensionen psychi-

scher Gewalt: Demütigung, Bedrohung, Ausbeutung/altersunangemessene Forderungen, 

emotionale Kälte, Isolierung sowie physische/psychische Vernachlässigung.  

2. Launenhaftigkeit der angeschuldigten Person 

53. SSI erachtet als erwiesen, dass die Stimmung in der Halle abhängig von der Laune der ange-

schuldigten Person sei. Die Athletinnen wüssten nicht, was sie jeweils erwarte, wenn sie zum 

Training erschienen. Gemäss den Beschreibungen gebe es dabei saisonale Schwankungen. 

Es spiele eine Rolle, ob ein AK-Test beziehungsweise ein Wettkampf bevorstehe oder nicht. 

Die angeschuldigte Person habe eingeräumt, gegenüber einer Athletin gewisse unsensible 

Äusserungen getätigt zu haben, habe diese allerdings leicht anders dargestellt als anlässlich 

der Befragungen geschildert. Als Entschuldigung habe sie beispielsweise auf Eltern verwie-

sen, die angeblich Druck ausgeübt hätten. Solches Verhalten sei als unberechenbar zu be-

zeichnen, was zu Verunsicherung bei den Athletinnen führe. 

3. Angstkultur in der Halle beziehungsweise während des Trainings bei der angeschuldigten 

Person 

54. Gewisse Aussagen von Athletinnen und ihren Eltern werden von SSI als "Angstkultur" zu-

sammengefasst und gewertet. Als Beispiel dafür führt diese an, die angeschuldigte Person 

weise den Kindern die Schuld beispielsweise für Schmerzen, für Misserfolge etc. zu. Könne 

eine Athletin die geforderte Leistung nicht abrufen oder mache sie Fehler, werde sie an den 

Rand beziehungsweise in eine Ecke des Teppichs geschickt. Oder sie werde ignoriert, verbal 

erniedrigt, beschimpft und dies vor anderen Athletinnen oder Trainerinnen. 

 

55. Die angeschuldigte Person habe zu Protokoll gegeben, ihr sei ganz klar Disziplin wichtig. In 

ihrem Training herrsche keine Angstkultur, es handle sich um eine Disziplin-, Ordnungs- und 

gesundheitsbewusste Kultur. Gemäss SSI zeugt dies nicht von einer geeigneten Vorstellung 

zur Gestaltung einer gelingenden Entwicklungsbegleitung und -förderung von Kindern, 

wenn für eine Trainerin von Minderjährigen Disziplin und Ordnung als oberste Gebote ge-

nannt werden. 

 

56. SSI vertritt den Standpunkt, dass im Rahmen einer pädagogischen Bindung Angst nie gut sei. 

Eine Angstkultur gehöre nicht in die Sporthalle, da sie zu grosser Verunsicherung der Athle-

tinnen und in der Folge zu einer Einschränkung der Leistung führe. 

 

57. SSI sieht als erstellt an, dass im X._____ unter der Trainingsverantwortung der angeschul-

digten Person eine Angstkultur im klassischen Sinne geherrscht habe. 

4. Weinen der Athletinnen während Trainings beziehungsweise bei Wettkämpfen in Begleitung 

der angeschuldigten Person 

58. Diverse Athletinnen gaben an, dass sie während des Trainings weinen mussten. SSI betont, 

die Athletinnen weinten nicht oder nicht lediglich deshalb, weil sie nach einer missglückten 

Übung oder dergleichen enttäuscht über sich selber waren, sondern überwiegend, weil sie 

durch die angeschuldigte Person angeschrien, niedergemacht, gedemütigt oder beleidigt 

worden seien oder weil sie Angst gehabt hätten, dass dies demnächst bevorstehen könnte. 

 

59. Die angeschuldigte Person habe zum Weinen der Athletinnen teilweise widersprüchliche 

Aussagen gemacht. Einerseits habe sie geschildert, dies habe sich im Verlauf ihrer vierjähri-

gen Tätigkeit gebessert, andererseits habe sie selbst ausgeführt, dass beispielsweise 

 

 14 

G._____ oft weine. Es scheine folglich selbst nach ihren Angaben regelmässig vorgekommen 

zu sein, dass in ihrem Training Athletinnen weinten. 

 

60. SSI stellt sich auf den Standpunkt, das Weinen der Athletinnen sei Ausdruck und Folge einer 

schlechten Atmosphäre während des Trainings. Die angeschuldigte Person habe die Pflicht, 

angemessene Vorkehrungen zu treffen, um den Athletinnen den Druck etwas zu nehmen. 

Sie habe kritisch zu prüfen. ob ihre Trainingsmethoden entsprechende Denkweisen und ent-

sprechendes Verhalten der Athletinnen (mit-)verursache. Entsprechende Selbstreflexion sei 

bei der angeschuldigten Person nicht existent. 

5. Anschreien, Beleidigen und verbale Erniedrigung 

61. SSI berichtet, diverse Athletinnen hätten geschildet, dass sie regelmässig angeschrien, be-

leidigt und verbal erniedrigt worden seien. Anlässlich ihrer Befragung gab die angeschuldigte 

Person an, sie habe eine laute Stimme und jüngere Athletinnen würden vielleicht nicht den 

Unterschied zwischen Schreien und einer lauten Stimme kennen. Ebenso wies die ange-

schuldigte Person auf die generelle bestehende Lautstärke in der Halle hin. 

 

62. SSI vertritt die Ansicht, dass die Schilderungen der Athletinnen diesbezüglich insgesamt 

glaubhaft seien. Die Beschreibungen hätten sich vielfach gedeckt, die beschriebene Vorge-

hensweise der angeschuldigten Person sowie der jeweilige Zusammenhang hätten sich ge-

ähnelt und klare Muster erkennen lassen. Die angeschuldigte Person sei eine wichtige Be-

zugsperson für die Gymnastinnen. Indem sie die vulnerablen Kinder und Jugendlichen im-

mer wieder angeschrieben, verbal erniedrigt und beleidigt habe, sei sie ihrer emotionalen 

Verantwortung nicht nachgekommen. Mit diesem Verhalten sei das Selbstwertgefühl der 

Kinder und Jugendlichen stetig geschwächt worden. Das Anschreien sei verletzend für die 

Athletinnen und als Grenzüberschreitung zu betrachten. Auch die Überlegung, die Athletin-

nen würden sich daran gewöhnen, rechtfertige nicht, angeschrien zu werden. Wenn eine 

Trainerin ausnahmsweise Athletinnen anschreie oder mit unschönen Worten bezeichne, 

wäre gemäss Ansicht von SSI besonders wichtig, dass eine Auseinandersetzung mit dem Ziel, 

die pädagogische Beziehung wieder herzustellen, stattfinde. Dies sei nicht geschehen. Bei 

ihren Ausführungen stützt sich SSI auf die Kriterien von BRASSARD et al. und sieht in diesem 

Verhalten der angeschuldigten Person die Dimensionen Demütigung, emotionale Kälte, al-

tersunangemessene Forderungen und psychische Vernachlässigung bestätigt. 

6. Bezeichnung von F._____ als "Psycho" 

63. Im Rahmen der Befragung bestätigte die angeschuldigte Person, dass sie die besagte Athle-

tin im Jahr 2021 als "Psycho" bezeichnet habe. Gemäss SSI habe die angeschuldigte Person 

diesbezüglich nicht die geringste Sensibilität gezeigt, sondern sich entsprechend abwertend 

über die Familie F._____ geäussert und gleichzeitig die Verantwortung für die angeblichen 

Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Athletin der Familie F._____ beziehungsweise 

den angeblichen innerfamiliären Problemen zugeschoben. 

 

64. SSI stellt sich auf den Standpunkt, es sei ausserordentlich erniedrigend und demütigend, 

wenn ein Kind regelmässig von einer wichtigen Bezugsperson höre, dass es ein "Psycho" 

oder "psycho" sei. Falle einer Trainerin auf, dass das Verhalten eines Kindes von der Norm 

erheblich abweiche oder dass es beispielsweise in einem schwierigen familiären Umfeld auf-

wachse, so solle dies zwingend thematisiert werden. Diese Verhaltensweise falle unter die 

Dimensionen Demütigung und psychische Vernachlässigung sowie allenfalls emotionale 

Kälte. Dabei handle es sich gemäss SSI ebenfalls um psychische Gewalt gegenüber der Ath-

letin.  

 

 15 

7. Von der angeschuldigten Person ignoriert werden, wenn die erwartete Leistung nicht er-

bracht wurde 

65. Mehrere Athletinnen erzählten gemäss SSI, die angeschuldigte Person habe sie oder andere 

Athletinnen manchmal ignoriert, wenn sie eine Übung beziehungsweise ein Element nicht 

korrekt ausgeführt hätten. Die angeschuldigte Person habe dies sinngemäss bestritten be-

ziehungsweise sei auf den Vorhalt wenig eingegangen. SSI zweifle jedoch nicht daran, dass 

die angeschuldigte Person wiederholt Athletinnen durch Ignorieren abgestraft habe, wenn 

diese die gewünschten Verhaltensweisen und/oder Leistungen nicht zeigten, oder wenn de-

ren Eltern sich in einer Form engagiert oder nicht engagiert hätten, die der angeschuldigten 

Person nicht gefällig gewesen sei. 

 

66. Gemäss SSI wäre es wichtig, dass die Trainerin den Athletinnen das Gefühl gebe, für sie un-

terstützend da zu sein. Die Gymnastinnen benötigten in solchen Situationen eine ermuti-

gende, stärkende Rückmeldung. Wenn das Gegenteil passiere, verstärke dies die negativen 

Gefühle. Die Athletin fühle sich als Versagerin. SSI sieht in diesem Verhalten eine Form der 

psychischen Gewalt, da sie das Ignorieren unter die Dimension emotionale Kälte und Isolie-

rung falle. 

8. Verweisen von Athletinnen durch die angeschuldigte Person aus der Halle, aus dem Training, 

an den Rand oder in die Ecke 

67. Diverse Athletinnen berichteten gemäss SSI, die angeschuldigte Person habe sie oder andere 

Athletinnen wiederholt aus der Halle oder an den Rand der Halle geschickt. Die angeschul-

digte Person habe bei ihrer Befragung nicht bestritten, dass sie die Athletinnen, die weinten, 

zur Toilette schicke, sondern gab an, dies mit den Worten "gehe bitte in die Toilette, mach 

dich frisch" zu tun. Sie schicke nach fünf Minuten eine andere Athletin, um die Betroffene 

abzuholen. Sie habe nicht bestritten, der Athletin sinngemäss vorzuhalten, diese habe ‘ge-

sponnen’. Die angeschuldigte Person habe erklärt, diese Äusserung sei nicht böse gemeint. 

Ihr scheine diesbezüglich aber völlig zu entgehen, was solche Bemerkungen bei den be-

troffenen Athletinnen auslösten. Nicht nur werde diese in einer belastenden Situation weg-

geschickt und damit isoliert, darüber hinaus werde ihr das Gefühl vermittelt, an der Über-

forderung selbst schuld zu sein. 

 

68. Die Ausführungen der Athletinnen überzeugen SSI. Mit der Aufforderung, an den Rand be-

ziehungsweise in die Ecke zu gehen, habe die angeschuldigte Person bewirkt, dass die be-

treffende Athletin aus dem System, aus der Gruppe ausgeschlossen worden sei. SSI erkennt 

im Verhalten der angeschuldigten Person psychische Gewalt, die sich in Isolierung und De-

mütigung äussere. 

9. Aussagen der angeschuldigten Person zu den Themen Körpergewicht, Essverhalten und Aus-

sehen der Athletinnen 

69. Diverse Athletinnen berichteten gemäss SSI von Bemerkungen der angeschuldigten Person 

zu ihrem Körpergewicht, den Essgewohnheiten und dem Aussehen von Athletinnen. Die an-

geschuldigte Person soll wiederholt Athletinnen zu sich genommen und sie über ihre Essens-

gewohnheiten befragt zu haben. Manche Athletinnen hätten davon berichtet, es seien ihnen 

beispielsweise Süssigkeiten untersagt worden. Die angeschuldigte Person habe ungefragt 

ihre Meinung dazu geäussert, welche Athletin gerade ab- oder zugenommen habe, oder bei 

welcher Athletin es nötig sei, Gewicht zu verlieren. 

 

70. SSI stellt sich auf den Standpunkt, die Thematik des Körpergewichts sei von der angeschul-

digten Person oftmals in einem unpassenden Rahmen und ohne jegliche Sensibilität auf die 

 

 16 

vulnerablen, heranwachsenden Athletinnen angegangen worden. Die Athletinnen des 

X._____ seien durchwegs dünn, teils sogar mager beziehungsweise würden gar ein bedenk-

lich tiefes Körpergewicht und/oder sogar eine bekannte Essstörung aufweisen. Solche un-

sensiblen Aussagen in einem öffentlichen Rahmen führten dazu, dass sich die Gefahr für die 

Entwicklung von Essstörung und/oder einem negativen Körperbild bei den Athletinnen er-

höhe. Besonders auffällig hätten auch die Ausführungen zu R._____ und S._____ erschie-

nen, zu welchen die angeschuldigte Person vor der EM gesagt habe, dass sie bei der Vorbe-

reitung durch Weglassen von Süssigkeiten eines, zwei Kilogramm abnehmen sollten. Bei be-

reits untergewichtigen Athletinnen dürfe eine solche Äusserung nicht vorkommen. Die Er-

klärung der angeschuldigten Person, dass sie damit den Aufbau mit gesunden Lebensmitteln 

habe vorbereiten wollen, erscheint SSI nicht glaubhaft. Die Antragstellerin stuft diese Ver-

haltensweise als psychische Gewalt ein, die sich durch Demütigung und Erniedrigung zeigt. 

10. Trainingsmethode des Aufstellens in drei Reihen je nach Leistung 

71. Gemäss Schilderungen der Athletinnen mussten sich diese während des Trainings oftmals in 

drei Reihen aufstellen. Habe eine Athletin einen Fehler gemacht, sei sie aufgefordert wor-

den, in die hinteren Reihen zu wechseln. SSI beschreibt, dass es sich dabei um ein Konzept 

der Verhaltenspsychologie handle, nämlich um die Konditionierung mit negativer Konse-

quenz. Damit werde bewirkt, dass ein unerwünschtes Verhalten durch die Anwendung einer 

unangenehmen oder aversiven Konsequenz reduziert oder vermindert werde. Dies führe 

wiederum zu Angst. Vor allen Athletinnen aufgefordert zu werden, eine Reihe nach hinten 

zu wechseln, sei demütigend, und die Athletin fühle sich ausgestellt. Durch dieses Verhalten 

werde die Angstkultur während des Trainings beziehungsweise in der Halle geschürt und 

aufrecht erhalten. Peiline Schütz, die Ressortchefin Rhythmische Gymnastik und Chefin 

Nachwuchs Rhythmische Gymnastik beim STV, habe erklärt, diese Vorgehensweise werde 

vom STV nicht unterstützt. Es handle sich um eine nicht mehr zeitgemässe Vorgehensweise, 

die Gymnastinnen aus den Oststaaten kennen und als Trainerinnen weitertragen würden. 

 

72. SSI stellt sich auf den Standpunkt, es handle sich dabei um Demütigung und stelle eine Di-

mension der psychischen Gewalt dar. Es werde allerdings darauf hingewiesen und sei zu be-

rücksichtigen, dass diese Trainingsmethode bis vor einigen Jahren eine auch in der Schweiz 

übliche Praxis gewesen sei. 

11. Manipulation beziehungsweise Spielen mit den Gefühlen der Athletinnen durch die ange-

schuldigte Person 

73. D._____ warf im Rahmen der Befragung durch SSI der angeschuldigten Person vor, sie könne 

nicht damit umgehen, wenn die Kinder Gefühle zeigten. Die angeschuldigte Person verbiete 

den Athletinnen, Süssigkeiten zu essen. Als aber im Jahr 2022 einmal der Vorstand im Trai-

ning gewesen sei, habe sie G._____ eine Packung Kekse gegeben und ihr gesagt, sie solle 

diese an die Athletinnen verteilen. Die Mädchen seien schockiert gewesen, hätten nicht ge-

wusst, was sie damit anfangen sollten, und hätten deswegen abgelehnt. Auch benutze die 

angeschuldigte Person die Angst der Athletinnen als Kontrollmethode, bringe die Gymnas-

tinnen zum Weinen und dazu, in eine Krise zu fallen und werfe sie dann aus der Halle, für 

manchmal mehr als eine halbe Stunde. 

 

74. Die angeschuldigte Person habe bei der Befragung zu Protokoll gegeben, das Aufstellen in 

drei Reihen sei eine Spezialität von ihr. SSI vertritt dabei den Standpunkt, diese Vorgehens-

weise bestrafe ein Mädchen, wenn diese das gewünschte Verhalten nicht aufzeige. Nur wer 

die gewünschte Leistung - Präsenz, geforderte Leistung - zeige, komme nach vorne und da-

mit näher an die Trainerin heran. Das Abstrafen sowie das Belohnen würden öffentlich ge-

schehen, vor den Augen der andere in der Halle anwesenden Gymnastinnen. Die 

 

 17 

angeschuldigte Person steuere auf diese Weise das von ihr gewünschte Verhalten der Ath-

letinnen. SSI stuft dieses Verhalten als Manipulation ein, was gemäss BRASSARD et al. den 

Dimensionen Demütigung und Bedrohung zuzuordnen ist. 

12. Filmen durch die angeschuldigte Person gegen den Willen von Athletinnen 

75. Diverse Athletinnen, insbesondere G._____, bestätigten im Rahmen der Befragungen durch 

SSI, sie seien mehrfach gegen ihren klar ersichtlichen Willen gefilmt worden. Angesichts der 

weitgehend übereinstimmenden Schilderungen erachtet SSI den Sachverhalt diesbezüglich 

als klar erstellt. SSI stellt sich auf den Standpunkt, das Filmen gegen den Willen einer Person 

sei für die betroffene Person demütigend und könne sich selbstwertmindernd auswirken. Es 

sei eine Grenzverletzung der Intimität und ein Missbrauch des Vertrauens. Als G._____ ge-

filmt worden sei und versucht habe, zu flüchten, habe die angeschuldigte Person sie angeb-

lich durch Halten am Arm daran behindert, wobei sie somit einen körperlichen Übergriff 

verübt habe. Die Auswirkungen des wiederholten unerlaubten Filmens könne für die Athle-

tin verheerend sein. 

 

76. Die angeschuldigte Person habe nicht bestritten, dass sie zumindest die Athletin G._____ 

gegen deren Willen gefilmt habe. Betreffend andere Athletinnen habe sie erklärt, sie habe 

diese zu Trainingszwecken gefilmt. Die angeschuldigte Person führte betreffend G._____ 

aus, dass sie diese gefilmt habe, um ihren Eltern aufzuzeigen, dass ihre Tochter Schmerzen 

habe und sie so für sie gekämpft habe. SSI erscheinen diese Ausführungen nicht bis wenig 

glaubhaft. Gemäss SSI handle es sich dabei um eine schlechte Ausrede. Es habe kein recht-

fertigender Grund bestanden, G._____ gegen deren klar erkennbaren Willen zu filmen. 

 

77. Bezüglich der Drohung, bald in der ganzen Halle Kameras aufzustellen, damit sie beweisen 

könne, dass die Athletinnen faul seien, wenn sie nicht hinschaue, habe die angeschuldigte 

Person, auf T._____ verwiesen, die mit Problemen an Rücken, Hüften und Füssen aus dem 

Verein Zürichsee gekommen sei und vor dem AK-Test habe belastende Elemente trainieren 

wollen, was die angeschuldigte Person habe verhindern müssen. Sie habe dies aus Transpa-

renzgründen gemacht für den Fall, das von zu Hause Unklarheiten kommen würden. Gemäss 

SSI handle es sich bei diesen Ausführungen offensichtlich um Schutzbehauptungen. Diese 

Verhaltensweisen rechnet SSI den Dimensionen Demütigung, Bedrohung und emotionale 

Kälte zu, was als psychische Gewalt zu deuten sei. 

13. Ungleichbehandlung 

78. SSI führt diesbezüglich aus, von mehreren Athletinnen und Eltern sowie von weiteren Per-

sonen sei erwähnt worden, die angeschuldigte Person bevorzuge manche Athletinnen be-

ziehungsweise Familien. Es seien dabei weitgehend übereinstimmende Aussagen dazu ge-

macht worden, welche Athletinnen beziehungsweise Familien die bevorzugten seien. Wie-

derholt sei geäussert worden, die angeschuldigte Person bevorzuge Athletinnen, deren El-

tern besonders unterstützend ihr gegenüber oder gegenüber dem X._____ aufträten. Im 

Verlaufe ihrer eigenen Befragung habe sich die angeschuldigte Person zudem abwertend 

gegenüber einzelnen Eltern oder Familien geäussert. Sie scheine effektiv gewisse Eltern be-

ziehungsweise Familien besser zu mögen als andere und halte ihre Meinung auch nicht zu-

rück. SSI bemerkt jedoch selber, die dahingehenden Vorwürfe seien etwas unkonkret bezie-

hungsweise teilweise widersprüchlich. Es lasse sich weder ausschliessen noch zweifelsfrei 

nachweisen, dass einige Athletinnen von der angeschuldigten Person besser behandelt wor-

den seien als andere Athletinnen. 

 

79. SSI stellt sich schliesslich auf den Standpunkt, bei den Athletinnen des X._____ sei eine ge-

wisse Gewöhnung an die von der angeschuldigten Person ausgeübte psychische Gewalt 

 

 18 

eingetreten. In diesem geschlossenen System würden die Kinder und Jugendlichen soziali-

siert. Sie starteten oftmals als ganz kleine Mädchen ohne Vergleichsmöglichkeiten hinsicht-

lich des Umgangs und des Verhaltens einer Trainerin ihren Athletinnen gegenüber. Die klei-

neren Mädchen übernähmen die Leidensfähigkeit der älteren Mädchen hinsichtlich der Me-

thoden und Verhaltensweisen der angeschuldigten Person. Dies führe dazu, dass sie annäh-

men, die betreffenden Verhaltensweisen der angeschuldigten Person seien normal und an-

gemessen beziehungsweise erforderlich. Eigene, davon abweichende Gefühle und Einschät-

zungen würden als falsch bewertet und daher negiert. Folge davon sei, dass bei Fehlverhal-

ten, bei Nichtabrufen der gewünschten Leistungen oder auch bei emotionalen Ausbrüchen 

die Athletinnen die Schuld auf sich nähmen. 

 

80. Vorliegend müsse davon ausgegangen werden, dass die Eltern – bewusst oder unbewusst – 

eine Rolle in der bestehenden Problematik eingenommen hätten. Es habe Eltern gegeben, 

die anlässlich der Befragungen sinngemäss angegeben hätten, bislang nicht oder zumindest 

nicht im Detail gewusst zu haben, was sich in der Trainingshalle unter der angeschuldigten 

Person abspiele. Es habe Eltern gegeben, die sich teils mehrfach bei SSI gemeldet und be-

richtet hätten, die Situation in der Halle habe sich nicht gebessert oder sei schlimmer ge-

worden. Mehrere Eltern hätten dabei direkt die Forderung gestellt, SSI solle dafür sorgen, 

dass die Trainerin möglichst zeitnah entlassen beziehungsweise freigestellt werde. Dennoch 

müsse dazu festgestellt werden, dass von keinen Eltern die Tochter im Zeitraum zwischen 

dem Eingehen der ersten Meldungen bei SSI und der Freistellung der angeschuldigten Per-

son aus dem Training beziehungsweise aus dem X._____ genommen worden sei. Anderer-

seits habe es Eltern gegeben, welche sich vehement für die angeschuldigte Person einge-

setzt hätten. Von diesen sei teilweise die Forderung an SSI herangetragen worden dafür zu 

sorgen, dass die angeschuldigte Person wieder eingestellt werde. Unter diesen Eltern habe 

es solche gegeben, die während der Befragungen ihrer Töchter erheblich Einfluss genom-

men oder zu nehmen versucht hätten. Warum manche Eltern sich entsprechend verhalten 

hätten – seien es solche, die die angeschuldigte Person unterstützt hätten oder solche die 

sich kritisch geäussert hätten – sei teilweise schwer nachzuvollziehen. Es habe den Eindruck 

hinterlassen, manche Eltern seien bereit, für den sportlichen Erfolg der eigenen Kinder sehr 

viel in Kauf zu nehmen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Erwartungen man-

cher Eltern hinsichtlich des sportlichen Erfolgs ihrer Töchter die schwierige Situation im 

X._____ zusätzlich befeuert habe und wohl auch gewissen Druck auf die angeschuldigte Per-

son ausgeübt habe. Nichtsdestotrotz sei und bleibe die Trainerin verantwortlich für ihr Ver-

halten gegenüber den Athletinnen. 

14. Besondere, die Verhaltensweisen der angeschuldigten Person illustrierende Vorfälle 

81. Athletin G._____, x-faches Wiederholen des Elements "Ringstand" vorgefallen im Oktober 

oder November 2020: 

Gemäss den Aussagen von D._____ habe die damals achtjährige G._____ dasselbe Kör-

perelement 100mal wiederholen müssen, weil dieses nicht gut genug ausgeführt worden 

sei. Dabei habe die Athletin wegen Rückenschmerzen geweint. Die angeschuldigte Person 

habe gesagt, die Athletin solle das Körperelement "so lange ich will und bis du das so machst, 

wie ich will" üben. D._____ gab an, sie habe aus Mitgefühl weinen müssen. Die angeschul-

digte Person habe dazu zu Protokoll gegeben, sie habe mit G._____ wenig zu tun, diese sei 

nicht in ihrer Gruppe. Gemäss den übereinstimmenden Aussagen der Athletinnen und von 

D._____ zu diesem Vorfall sei es jedoch die angeschuldigte Person selber gewesen, die die 

Anweisung gegenüber G._____ gegeben habe und niemand sonst. Der Verweis, sie habe mit 

G._____ wenig zu tun, müsse deshalb als unglaubhafte Ausrede bezeichnet werden. SSI be-

urteilt den Vorfall als psychische Gewalt, ausgedrückt durch Demütigung, altersunangemes-

sene Forderungen und psychische Vernachlässigung. 

 

 19 

82. Vorfall mit G._____ vom 24. April 2022, erste Qualifikation der Jugend P2/P3 

Diesen Vorfall habe ebenfalls D._____ im Rahmen der Befragung durch SSI geschildert. 

G._____ habe beim Aufwärmen geweint, als sie den Überspagat gemacht habe. Die ange-

schuldigte Person habe dies gesehen und sie angewiesen, sie solle ihre Sachen packen und 

den Wettkampf verlassen. Daraufhin habe G._____ noch mehr geweint. Die angeschuldigte 

Person habe die Mutter der Athletin angerufen und darauf bestanden, dass diese ihre Toch-

ter abholen solle. Nach dem Telefonat habe die angeschuldigte Person G._____ weinend 

zurückgelassen. SSI stellt sich auf den Standpunkt, die angeschuldigte Person schiebe die 

Verantwortung für ihr eigenes Fehlverhalten gegenüber Athletinnen anderen zu: den Eltern, 

den Athletinnen, den Umständen, etc. Wenn die angeschuldigte Person anlässlich eines 

Wettkampfes feststelle, dass eine Athletin psychisch oder physisch an ihr Limit komme, dann 

habe sie dies nach Kräften aufzufangen und die Athletin zu unterstützen, zu ermutigen und 

positiv zu motivieren. Falsch sei es, die Athletin zu erniedrigen, zu beschimpfen, zu demora-

lisieren oder zu ignorieren. SSI beurteilt diesen Vorfall als psychische Gewalt in den Dimen-

sionen Demütigung, Bedrohung, emotionale Kälte, altersunangemessene Forderungen, Iso-

lierung und psychische Vernachlässigung. 

 

83. Vorfall in V.____, Wettkampf vom 14./15. Mai 2022 

Gemäss einer weiteren Meldung habe die angeschuldigte Person anlässlich des Wettkampfs 

vom 14./15. Mai 2022 in V._____ eine Athletin angeschrien, welche sich anscheinend nicht 

auf der korrekten Fläche befunden und damit gemäss den Aussagen der angeschuldigten 

Person deren Athletinnen gestört habe, indem Geräte auf diese gefallen seien. Gemäss dem 

Vorwurf habe die angeschuldigte Person unter anderem auf russisch sinngemäss gesagt 

"Verschwinde von hier, was soll das, "wenn du noch einmal auf die Matte gehst, schmeisse 

ich dich aus der Halle, verschwinde". Das Verhalten der angeschuldigten Person sei auch 

Aussenstehenden negativ aufgefallen. Die angeschuldigte Person habe gemäss eigenen Aus-

sagen jedoch lediglich gesagt: "du gehst jetzt auf jene Fläche und kommst nicht auf diese 

Fläche, auf keinen Fall. " Sie hätte das schon ruhiger sagen können. SSI kommt hier zum 

Schluss, das Verständnis für Verhalten und Bedürfnisse einer Athletin in jungem Alter 

scheine der angeschuldigten Person weitgehend zu fehlen. Ebenfalls auffällig erscheine, 

dass diese sich dazu geäussert habe, der Vorfall sei für sie selbst traumatisch gewesen be-

zugnehmend auf die Äusserungen der Mutter, für das ukrainische Mädchen sei der Vorfall 

dagegen nicht schlimm gewesen. SSI wertet das Anschreien der Athletin als Form der psy-

chischen Gewalt in den Dimensionen Demütigung, Bedrohung und altersunangemessene 

Forderungen. 

 

84. Training vom 14. September 2022 

Gemäss den Schilderungen der Athletinnen seien im Training am 14. September 2022 meh-

rere Athletinnen von der angeschuldigten Person angegangen worden. Unter anderem sei 

die Athletin T._____ auf russisch von der angeschuldigten Person angefahren worden. Die 

angeschuldigte Person habe nach der Zurechtweisung vor allen durch die ganze Halle ge-

schrien, dass es so nicht mehr mit T._____ gehe, dass diese sich überhaupt keine Mühe gebe, 

nicht zuhöre, die Zusammenarbeit so nicht funktioniere und sie, die angeschuldigte Person, 

nicht wisse, ob es ein Fehler gewesen sei, T._____ in das X._____ zu holen. Daraufhin habe 

T._____ geweint. 

Auch habe die angeschuldigte Person an diesem Tag anlässlich des Trainings G._____ ohne 

deren Einwilligung mit ihrem Mobiltelefon gefilmt und gedroht, in der ganzen Halle Kameras 

aufzustellen, um jederzeit überwachen zu können, wer was mache beziehungsweise damit 

sie beweisen könne, dass die Mädchen nichts machen würden, wenn sie nicht hinschaue, 

da diese faul seien. Als die Athletin R._____ Bewegungsabläufe geübt habe, sei diese durch 

die angeschuldigte Person unterbrochen worden, und diese habe die Bewegungsabläufe als 

"reine Katastrophe" bezeichnet. Darauf habe R._____ nachgefragt, was nicht in Ordnung sei, 

 

 20 

worauf die angeschuldigte Person ausgerastet sei und R._____ angeschrien habe. Diese Ver-

haltensweisen fielen gemäss SSI unter die Dimensionen Demütigung, Bedrohung, emotio-

nale Kälte, Isolierung sowie psychischer Vernachlässigung und seien somit Ausübung von 

psychischer Gewalt. 

 

85. Athletin U._____, Vorfall von Anfang Oktober 2022 

Gemäss Schilderungen sei die Athletin U._____ während des Aufwärmens bei der Hilfstrai-

nerin gewesen, wobei diese die Athletin mehrfach korrigierte, so dass diese zu weinen be-

gonnen habe. Die angeschuldigte Person habe dies mitbekommen und die Athletin ange-

schrien, dass die Athletin müde und krank sei und zuhause hätte sagen müssen, dass sie das 

Training nicht besuchen könne. Die Athletin sei von der angeschuldigten Person auf die Toi-

lette geschickt worden. Auf dem Weg zur Toilette habe die angeschuldigte Person die Athle-

tin weiterhin angeschrien. U._____ habe so laut in der Toilette geweint, dass man sie bis in 

die Trainingshalle gehört habe. SSI bezeichnet die Verhaltensweise der angeschuldigten Per-

son als anschreien, verbal erniedrigend, demütigen, Schuld zuweisen, wegschicken sowie 

emotional vernachlässigen und zählt diese zu den Dimensionen der Demütigung, emotio-

nale Kälte, Isolierung und psychische Vernachlässigung. SSI stellt sich auf den Standpunkt, 

dass die angeschuldigte Person diesbezüglich psychische Gewalt ausgeübt habe. 

15. Gesamtbetrachtung 

86. SSI stellt sich auf den Standpunkt, die angeschuldigte Person habe nach den Kategorien ge-

mäss BRASSARD et al. seit Jahren psychische Gewalt gegenüber den Athletinnen des X._____ 

ausgeübt. Sie habe diverse herabwürdigende, schikanierende oder verhöhnende Aussagen 

gegenüber diversen Athletinnen gemacht. Wenn Athletinnen durch solche Äusserungen Ess-

störungen entwickelten, müsse von einer krankheitswertigen Veränderung bei der Athletin 

ausgegangen werden. Es bestünden diverse Hinweise, wonach einzelne Athletinnen ihre 

Essgewohnheiten aufgrund der Bemerkungen der angeschuldigten Person verändert hätten. 

Damit sei das Verhalten der angeschuldigten Person auch unter Art. 2.1.2 Abs. 2 Ethik-Statut 

zu subsumieren, wonach eine psychische Beeinträchtigung insbesondere dann vorliege, 

wenn eine Person unter Ausnützung ihrer Machtposition oder eines Abhängigkeitsverhält-

nisses gegenüber einer anderen Person durch absichtliches, anhaltendes oder wiederholen-

des kontaktloses Verhalten eine krankheitswertige Veränderung bei der betroffenen Person 

hervorrufe. Gleiches gelte, wenn Athletinnen des X._____ ihr Verhalten in der Halle über-

mässig und ihre elementaren Bedürfnisse vernachlässigend anpassten, um nicht das Miss-

fallen der angeschuldigten Person zu erregen. 

 

87. Als die angeschuldigte Person G._____ dazu angehalten habe, die Übung "Ringstand" x-fach 

zu wiederholen, obwohl G._____ vor Schmerzen zu weinen angefangen habe, habe sie de-

ren physische Integrität verletzt. Allerdings habe dieser Vorfall vor Geltung des Ethik-Statuts 

stattgefunden. Indem sie G._____ die Aufwärmung gleichermassen durchlaufen lasse wie 

Athletinnen, welche diese ohne grössere Probleme durchständen, habe die angeschuldigte 

Person aber auch nach Inkrafttreten des Ethik-Statuts gegen die physische Integrität von 

Athletinnen verstossen. 

 

88. Auch mit den diversen unpassenden und unsensiblen Bemerkungen zu Körperbau und Ess-

gewohnheiten der Athletinnen habe die angeschuldigte Person nicht nur die psychische, 

sondern letztlich auch die physische Integrität von Athletinnen verletzt. Zusammenfassend 

sei festzuhalten, dass die angeschuldigte Person mit ihrem Verhalten primär gegen die psy-

chische, jedoch auch gegen die physische Integrität der Athletinnen des X._____ verstossen 

habe. 

 

 21 

16. Beantragte Sanktionen 

89. In ihrem Untersuchungsbericht und anlässlich der Hauptverhandlung führt SSI aus, sie sei 

sich bewusst, dass die Ethik-Charta für Vorfälle vor dem 1. Januar 2022 keine Sanktionen 

vorsehe. Dennoch sollten gemäss SSI Verstösse, die vor 2022 stattgefunden hätten, ebenfalls 

in die Gesamtbetrachtung miteinbezogen und damit für die Sanktionierung der angeschul-

digten Person berücksichtigt werden. 

 

90. Bezüglich der Disziplinarmassnahmen führt SSI aus, gemäss Art. 6.1 lit. b Ethik-Statut könn-

ten Verstösse gegen das Ethik-Statut mit einem vorübergehenden oder bei schwerwiegen-

den Verstössen dauernden Verbot bestimmter Tätigkeiten im organisierten Sport (Sperren) 

sanktioniert werden. Nach lit. c derselben Bestimmung könnten Verstösse ausserdem mit 

einer vorübergehenden oder bei schwerwiegenden Verstössen dauernden Abberufung aus 

einem Gremium einer Sportorganisation, zum Beispiel einem Vorstand, sanktioniert wer-

den. Gemäss Abs. 2 derselben Bestimmung könne das Schweizer Sportgericht zudem an-

stelle oder zusätzlich zu einer Disziplinarmassnahme ein zeitlich begrenztes Monitoring be-

ziehungsweise Coaching einer fehlbaren Person durch eine unabhängige Betreuungsperson 

beziehungsweise -stelle anordnen. 

 

91. In Bezug auf die Zumessung der Disziplinarmassnahme sei strafverschärfend im Sinne von 

Art. 6.2 Abs. 2 Ethik-Statut zu werten, dass die Athletinnen gegenüber der angeschuldigten 

Person in einem Abhängigkeitsverhältnis stünden, wobei der angeschuldigten Person dies 

klar gewesen sei und sie diesen Zustand ausgenutzt habe. Zudem habe das angebliche Ver-

halten der angeschuldigten Person über den Zeitraum von mehreren Jahren wiederholt und 

andauernd stattgefunden. Mehrere Athletinnen seien betroffen gewesen. Ausserdem 

handle es sich bei den Athletinnen um Minderjährige. Ein einsichtiges Verhalten habe die 

angeschuldigte Person bisher weitgehend nicht gezeigt. Ebenso seien keine Anstrengungen 

zur Widergutmachung ersichtlich. Zu beachten sei ferner auch, dass es betreffend einen Fall, 

in dem es um die Athletin I._____ gegangen sei, bereits ein internes Untersuchungsverfah-

ren gegeben habe - und dennoch habe keine Einsicht und kein Umdenken bei der angeschul-

digten Person stattgefunden. Neutral hinsichtlich der Strafzumessung sei zu werten, dass die 

angeschuldigte Person bei ihrer Befragung mitgewirkt habe; dazu sei sie aufgrund ihrer Mit-

wirkungspflicht auch verpflichtet. Strafmilderungsgründe im Sinne von Abs. 3 der Bestim-

mung seien keine ersichtlich. So habe die angeschuldigte Person keine Ethikverstösse zeit-

nah eingestanden und sie zeige auch keine Reue beziehungsweise tätige Reue. 

 

92. Unter den gegebenen Umständen erscheine für SSI eine bloss milde Sanktionierung der an-

geschuldigten Person nicht mehr angemessen. Das Handeln der angeschuldigten Person hin-

terlasse den Eindruck, als sei sie in Bezug auf Themen wie die Gewährleistung eines ange-

messenen und zeitgemässen Umgangs mit minderjährigen Athletinnen im Leistungssport 

grundsätzlich, das Erkennen und Respektieren von körperlichen und insbesondere psychi-

schen Grenzen minderjähriger Athletinnen, damit zusammenhängend das Stellen altersan-

gemessener Forderungen, weiter das Einhalten angemessener Kommunikationsweisen, das 

Gewährleisten einer gesunden Trainingskultur und das Anwenden zeitgemässer, den in der 

Schweiz angestrebten Kulturwandel im Sport berücksichtigender Trainingsmethoden nicht 

ausreichend sensibilisiert. Entsprechend erscheine es SSI als dringend angezeigt, die ange-

schuldigte Person zu verpflichten, sich diesbezüglich in geeigneter Form und in angemesse-

nem Umfang mit ihren bisherigen - in diesem Bericht umschriebenen - Vorgehensweisen 

und Werten auseinanderzusetzen, um die notwendige Verbesserung zu erreichen. Sie sei 

daher zu verpflichten, ein dafür geeignetes Coaching in Anspruch zu nehmen. Ein Umfang 

von 30 Stunden nebst der teilbedingten Sperre von drei Jahren betreffend das Trainieren 

minderjähriger Athlet:innen sowie den weiteren beantragten Sanktionen erscheine dabei 

 

 22 

als minimal angezeigt. Hinsichtlich der vor dem Inkrafttreten des Ethik-Status vorgefallenen 

beziehungsweise durch die angeschuldigte Person begangenen Ethikverstösse beantragte 

SSI, diese als Verstösse gegen die Ethik-Charta festzustellen und die beantragten Sanktionen 

als Empfehlungen gegenüber der angeschuldigten Person und dem STV auszusprechen. 

B. Die Position der angeschuldigten Person 

93. Die Vorbringen der angeschuldigten Person lassen sich im Wesentlichen wie folgt zusam-

menfassen: 

1. Vorbemerkung 

94. Die angeschuldigte Person betont in ihren Stellungnahmen und anlässlich der Hauptver-

handlung, dass die meisten durch SSI erhobenen Vorwürfe allgemeiner und pauschaler Na-

tur seien. Sie stellte sich auf den Standpunkt, SSI sei ihr gegenüber von Anfang an voreinge-

nommen gewesen. Dies vor dem Hintergrund, dass SSI bereits im Schreiben vom 16. Sep-

tember 2022 von einer "hohen Wahrscheinlichkeit" davon ausgegangen sei, dass die ange-

schuldigte Person gegen die psychische und physische Integrität der Athletinnen verstossen 

habe, obwohl diese zu diesem Zeitpunkt noch nicht befragt worden sei.  

 

95. Die angeschuldigte Person hält fest, SSI empfinde die Meldungen für glaubhaft, weil sie im 

Wesentlichen übereinstimmten und nicht abgesprochen wirkten. Darauf entgegnete sie, die 

von SSI einstimmig qualifizierten Aussagen, die zum grössten Teil von Eltern stammten, wür-

den von der Mehrheit der Athletinnen und Eltern nicht bestätigt und im Gegenteil stehe 

eine überwiegende Anzahl von Athletinnen und Eltern den negativen Meldungen gegen-

über, die sich positiv über die angeschuldigte Person geäussert hätten. Sie räumte in diesem 

Zusammenhang ein, dass SSI recht habe, wenn sie davon ausgehe, dass positive Äusserun-

gen nicht zwingend bedeuten würden, dass die belastenden Äusserungen unzutreffend 

seien. Umgekehrt würden negative Meldungen aber auch nicht bedeuten, dass sie zwingend 

zuträfen. Es stehe somit Aussage gegen Aussage, wobei keine objektiven Anhaltspunkte für 

einen Ethikverstoss vorlägen. Bei der aussagepsychologischen Würdigung sei darüber hin-

aus in drei Schritten vorzugehen: Zunächst seien die intellektuellen und sprachlichen Kom-

petenzen der zu befragenden Personen zu eruieren, dann sei eine Motivationsanalyse zu 

erstellen und schliesslich die Aussage inhaltlich zu prüfen. Diese Würdigung sei so nicht er-

folgt. Somit sei insgesamt nicht von einem rechtsgenüglich erstellten Sachverhalt die Rede.  

2. Launenhaftigkeit der Beschuldigten und Angstkultur 

96. Bezüglich dieses Vorwurfes führt die angeschuldigte Person aus, die Aussagen seien stark 

divergierend. Sie anerkennt, dass ihrerseits eine gewisse Launenhaftigkeit bestehe. Sie be-

gründete dies mitunter damit, dass im X._____ eine knappe Personalsituation vorgeherrscht 

habe, weshalb sie auch mit Schmerzen oder bei Krankheit ins Training gekommen sei. Dabei 

stelle sich ihr aber die Frage, ob Launenhaftigkeit tatsächlich ein Ethikverstoss sein könne. 

 

97. Die angeschuldigte Person macht weiter geltend, SSI sehe den Vorwurf der Angstkultur au-

tomatisch als erstellt an, wenn eine anonyme Meldeperson diese Auffassung äussere. Die-

ses Schlagwort dürfe von einer erwachsenen Person stammen, die die Verhältnisse in der 

Halle bekanntlich nicht aus eigener Anschauung kenne. Anlässlich der Hauptverhandlung 

wies die angeschuldigte Person "die in diesem Zusammenhang erhobene pauschale Begrün-

dung der SSI, Athletinnen würden ignoriert, verbal erniedrigt und beschimpft" zurück. 

 

 23 

3. Weinen der Athletinnen 

98. Die angeschuldigte Person stellt sich in ihren verschiedenen Stellungnahmen und anlässlich 

der Hauptverhandlung auf den Standpunkt, sie habe sich um die weinenden Kinder geküm-

mert. Sie habe auch jeweils mit den Eltern Kontakt aufgenommen. Auch würden die Kinder 

bei der neuen Trainerin weinen. Demnach sei es nicht aussergewöhnlich, dass insbesondere 

die jüngeren Athletinnen weinen würden. Sie bestreite nicht, dass sie Mädchen, die wein-

ten, auf die Toilette schicke, damit sich diese frisch machen und sich beruhigen könnten. 

4. Anschreien, Beleidigen und verbal Erniedrigen durch A._____ 

99. Die angeschuldigte Person vertritt den Standpunkt, der Vorwurf des Anschreiens werde von 

verschiedenen Seiten in Abrede gestellt. Ebenso sei zu berücksichtigen, dass das Training 

nicht in einer sterilen Umgebung stattfinde, da in der Halle ständige Unruhe herrsche. Dies, 

weil die Halle nicht nur dem X._____ zur Verfügung stehe, sondern auch für andere geöffnet 

sei. Dies führe dazu, dass die Anweisungen der angeschuldigten Person gelegentlich als 

Schreien empfunden werden könnten, auch aufgrund dessen, dass sie über eine laute 

Stimme verfüge. 

 

100. Die angeschuldigte Person vertritt die Ansicht, der von SSI in diesem Zusammenhang erho-

bene Vorwurf der emotionalen Kälte und psychischen Vernachlässigung stehe im deutlichen 

Widerspruch zur Aussage einer anderen, von SSI anonym befragten Person, wonach die an-

geschuldigte Person nachfrage, wenn sie merke, dass es einer Athletin nicht gut gehe. Im 

Übrigen gestand die angeschuldigte Person, folgende einzelne Äusserungen je mindestens 

einmal getätigt zu haben, wobei sie im Rahmen der Befragung im Untersuchungsverfahren 

durch SSI sowie anlässlich der Hauptverhandlung den jeweiligen Kontext erläuterte: "Du bist 

schlecht geworden"; "Du bist Null vorwärts gekommen"; "ich kann mir nicht vorstellen, dass 

du gut in der Schule bist"; "es war eine Dummheit gewesen, so zu arbeiten, die Übung so 

und so statt anders zu machen"; "du schaffst das nicht, wenn du [bestimmte Sachen] nicht 

machst"; "das war totale Katastrophe"; "wenn du heute keine Lust hast, nicht magst, dann 

können wir die Eltern anrufen und die holen dich ab und wir schauen morgen wieder". Die 

angeschuldigte Person bestritt dagegen, die folgenden vorgeworfenen Äusserungen getätigt 

zu haben: "Du bist dumm"; "Geh heim"; "Wenn du keine Lust hast, kannst du gleich gehen". 

5. "Psycho" 

101. Die angeschuldigte Person bestreitet nicht, dass das Wort "Psycho" im Jahr 2021 einmal ge-

fallen sei. Dies sei aber nicht gegenüber der Athletin, sondern gegenüber einer Hilfstrainerin 

geschehen. Sie stellte sich auf den Standpunkt, dass nicht mal die ihr nicht gut gesinnte 

D._____ ausgesagt habe, dass das besagte Wort mehrfach gefallen sei. 

6. Aussagen der angeschuldigten Person zu den Themen Körpergewicht, Essverhalten und Aus-

sehen der Athletinnen 

102. Die angeschuldigte Person bestreitet nicht, dass sie den Athletinnen oft gesagt habe, sie 

müssten auf ihre Ernährung achten. Sie habe den Athletinnen jedoch keine Süssigkeiten ver-

boten. Anlässlich der Hauptverhandlung erwähnte die angeschuldigte Person, sie habe sich 

im Rahmen ihres Studiums und auch bei vielen weiteren Weiterbildungen im Rahmen ihrer 

beruflichen Karriere als Trainerin mit Ernährung befasst. 

 

 24 

7. Filmen gegen den Willen der Athletinnen und der Umgang mit Süssigkeiten 

103. Die angeschuldigte Person führt diesbezüglich aus, beim Filmen habe es sich um eine Trai-

ningsmethodik gehandelt. Es sei bereits dargestellt worden, dass G._____ von der ange-

schuldigten Person gegen ihren Willen gefilmt worden sei. Mehrere Athletinnen hätten an-

gegeben, dass sie von der angeschuldigten Person aufgefordert worden seien, sich gegen-

seitig zu filmen, um so Fehler zu erkennen und sich zu verbessern. Die Fehlerhaftigkeit dieses 

Verhaltens erschliesse sich der angeschuldigten Person nicht. 

 

104. Mit Bezug auf den Umgang mit Süssigkeiten bestreitet die angeschuldigte Person nicht, den 

Athletinnen oft gesagt zu haben, sie müssten aufpassen, was sie essen. Anlässlich der Haupt-

verhandlung erklärt die angeschuldigte Person, dass gerade im Umgang mit Zucker differen-

ziert umzugehen sei, dass Athletinnen bei Wettkämpfen beispielsweise auch zuckerhaltige 

Süssgetränke trinken dürften, weil sie dies brauchen könnten, und dass sie sich unter ande-

rem im Rahmen ihres Studiums auch mit gesunder Ernährung im Leistungssport befasst 

habe. Auch hierbei erschliesse sich der angeschuldigten Person nicht, was an dem unbestrit-

tenen Verhalten in einem Leistungszentrum falsch sein solle. 

8. Sanktionen 

105. Die angeschuldigte Person stellt sich auf den Standpunkt, SSI verliere betreffend die bean-

tragten Sanktionen jedes Mass. SSI begründe die Sanktionen damit, dass sie den Eindruck 

habe, die angeschuldigte Person sei auf Themen wie Gewährleistung eines angemessenen 

und zeitgemässen Umgangs mit minderjährigen Athletinnen im Leistungssport nicht genü-

gend sensibilisiert. Dabei stütze sich dieser Eindruck in erster Linie auf subjektive anonyme 

Anschuldigungen sowie auf die Aussagen zweier ihr offen feindlich gesinnten Personen. 

 

106. Hinsichtlich des Berufsverbots verliere SSI kein Wort bezüglich des Verhältnisses des bean-

tragten Berufsverbots mit der verfassungsmässigen Wirtschaftsfreiheit nach Art. 27 BV. An-

gesichts der Tatsache, dass SSI der angeschuldigten Person weder die Ausübung physischer 

noch sexueller Gewalt vorwerfen könne, fehle es an jeder sachlichen Grundlage für ein Be-

rufsverbot. 

V. Zuständigkeit 

107. Das Schweizer Sportgericht ist eine Stiftung, die von Swiss Olympic per 1. Juli 2024 gegrün-

det wurde und den Zweck hat, ein unabhängiges Gericht zu betreiben, das bei Streitigkeiten 

im Sport oder möglichen Regelverstössen entscheidet. Als unabhängige Disziplinarstelle im 

Sinne von Art. 72g Abs. 1 lit. a SpoFöV ist das Schweizer Sportgericht zuständig für die Beur-

teilung der ihr von der Meldestelle überwiesenen Fälle von mutmasslichem Fehlverhalten 

oder mutmasslichen Missständen.  

 

108. Gemäss Art. 11 Abs. 1 VerfRegl entscheidet das Schweizer Sportgericht selbst über seine 

Zuständigkeit. Das VerfRegl ist per 1. Juli 2024 in Kraft getreten und ersetzt das Reglement 

betreffend das Verfahren vor der DK vom 1. Juli 2022. Das VerfRegl vom 1. Juli 2024 findet 

auf sämtliche Verfahren Anwendung, für die Swiss Olympic und die nationalen Sportver-

bände auf die Zuständigkeit der bisherigen "Disziplinarkammer des Schweizer Sports" oder 

des Schweizer Sportgerichts verweisen (Art. 29 Abs. 1 VerfRegl). Gemäss Art.  1.2 Abs. 10 

der Statuten von Swiss Olympic vom 24. November 2023 (mit Inkrafttreten per 1. Juli 2024) 

ist die "Sanktionierung von potenziellen Verstössen gegen das Dopingstatut und das Ethik-

Statut […] Aufgabe der Stiftung Schweizer Sportgericht". Weiter sieht Art. 1.2 Abs. 10 vor, 

dass die Stiftung Schweizer Sportgericht "für die Beurteilung von Fällen [zuständig ist], die 

 

 25 

ihr durch SSI bezüglich potenzieller Verstösse gegen das Ethik-Statut des Schweizer Sports 

angetragen werden". Ausserdem sieht Art. 10 Abs. 2 der Statuten von Swiss Olympic vor, 

dass die Stiftung Schweizer Sportgericht grundsätzlich ebenfalls "in noch nicht abgeschlos-

senen Verfahren im Zusammenhang mit dem Doping-Statut oder dem Ethik-Statut von Swiss 

Olympic [entscheidet], für die vor ihrer Gründung die Disziplinarkammer des Schweizer 

Sports zuständig gewesen ist". Schliesslich ist das Schweizer Sportgericht für sämtliche Ver-

fahren zuständig, die gemäss den Vorschriften des VerfRegl eröffnet werden oder eröffnet 

worden sind (Art. 30 Abs. 2 VerfRegl). 

 

109. In casu geht es unter anderem um potenzielle Verstösse gegen das Ethik-Statut aus dem Jahr 

2022, welches am 1. Januar 2022 in Kraft getreten ist, mithin um die Beurteilung und Sank-

tionierung von potenziellen Ethikverstössen im Sinne von Art. 1.2 Abs. 10 und Art. 10 Abs. 2 

der Statuten von Swiss Olympic (Version mit Inkrafttreten per 1. Juli 2024). Basierend darauf 

sowie basierend auf den obigen Ausführungen ist die Zuständigkeit des Schweizer Sportge-

richts zur rechtlichen Beurteilung und möglichen Sanktionierung der vorliegend in Frage ste-

henden Vorfälle aus dem Jahr 2022 zu bejahen.  

 

110. Die Zuständigkeit des Schweizer Sportgerichts zur Beurteilung der vorliegend in Frage ste-

henden Vorfälle aus dem Jahr 2022 ergibt sich ausserdem auch aus dem Beschlussprotokoll 

der 27. Versammlung des Sportparlaments von Swiss Olympic und aus dem Ethik-Statut, 

welches in Art. 5.6 auf die "Beurteilung durch die Disziplinarkammer" verweist. Wie im Be-

schlussprotokoll unter Traktandum 9 festgehalten, sind gemäss dem Beschluss vom 24. No-

vember 2023 die Änderungen der Statuten gutgeheissen worden und damit sämtliche Kom-

petenzen der DK an die Stiftung Schweizer Sportgericht übergegangen. Entsprechend ist seit 

dem 1. Juli 2024 das Schweizer Sportgericht für Verfahren zuständig, für welche bis zum 30. 

Juni 2024 die DK zuständig gewesen ist (vgl. dazu auch Art. 10 Abs. 2 der Statuten von Swiss 

Olympic, Version mit Inkrafttreten per 1. Juli 2024 vom 1. Juli 2024). 

 

111. In Bezug auf die potenziellen Verstösse gegen das Ethik-Statut, die sich vor dem 1. Januar 

2022 ereignet haben sollen, sieht die Situation anders aus: Diese haben sich vor dem Inkraft-

treten des Ethik-Statuts und der entsprechenden Änderungen der Statuten von Swiss Olym-

pic und somit zu einem Zeitpunkt ereignet, als die Untersuchung, die rechtliche Beurteilung 

sowie die mögliche Sanktionierung im Bereich Ethik noch im Zuständigkeitsbereich der na-

tionalen Sportverbände lag. Massgebend sind somit die einschlägigen Übergangsbestim-

mungen von Art. 8.2 Ethik-Statut, die auch die Zuständigkeit der DK respektive des Schwei-

zer Sportgerichts betreffen. 

 

112. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts werden die Statuten und untergeordneten 

Regelungen von grossen Sportorganisationen (z. B. FIFA oder UEFA) gleich wie die Gesetze 

ausgelegt.6 Als Nationales Olympisches Komitee und als Dachorganisation des Schweizer 

Sports gehört Swiss Olympic zweifellos zu den grossen Sportorganisationen der Schweiz. 

Dementsprechend sind die Statuten und Reglemente von Swiss Olympic, einschliesslich das 

Ethik-Statut, wie Gesetze auszulegen. Obwohl die Auslegung dabei mit dem Wortlaut be-

ginnt, müssen Gesetzesbestimmungen auch im Verhältnis zu anderen gesetzlichen Bestim-

mungen und im Rahmen ihres regulatorischen Kontexts (systematisch), aufgrund ihres ver-

folgten Ziels und der dabei geschützten Interessen (teleologisch) sowie unter Berücksichti-

gung des Willens des Gesetzgebers (historisch) ausgelegt werden.7 Das Gericht weicht vom 

Gesetzestext ab, wenn die Auslegung insgesamt zeigt, dass dieser Gesetzestext nicht in allen 

Punkten dem wahren Sinn der betreffenden Bestimmung entspricht und zu Ergebnissen 

 
6 Vgl. BGer vom 28. Mai 2018, 4A_314/2017, E 2.3.1. 
7 Vgl. BGE 142 III 402, E. 2.5.1. 

 

 26 

führt, die der Gesetzgeber nicht gewollt haben kann und die dem Gerechtigkeitsempfinden 

oder dem Grundsatz der Gleichbehandlung widersprechen.8 

 

113. Art. 8.2 des Ethik-Statuts vom 1. Januar 2022 wurde in Art. 10.3 des Ethik-Statuts vom 1. 

Januar 2025 klarer verfasst. Sofern Art. 8.2 des Ethik-Statuts vom 1. Januar 2022 bei der 

Auslegung offene Fragen aufwirft oder Lücken aufweist, kann zu seiner Auslegung auch je-

nes vom 1. Januar 2025 herangezogen werden, wenn jene Bestimmungen von der zuständi-

gen Stellen insbesondere konkretisiert wurden.9  

 

114. Die Übergangsbestimmungen des vorliegend anwendbaren Ethik-Statuts sehen für die Be-

urteilung von laufenden Verfahren sowie von Vorfällen, die sich zwischen 2020 und 2021 

ereignet haben, Folgendes vor: 

• Gemäss Art. 8.2 Abs. 1 Ethik-Statut sind "Untersuchungsverfahren wegen Ethikverstös-

sen, die vor dem 1. Januar 2022 von Mitgliedsverbänden von Swiss Olympic eingeleitet 

worden sind und die am 1. Januar 2022 noch nicht abgeschlossen sind, […] von der 

damit befassten Instanz zu Ende zu führen und mit einem Schlussbericht abzuschlies-

sen. Zur rechtlichen Beurteilung der Untersuchungsergebnisse ist ab 1. Januar 2022 die 

Disziplinarkammer zuständig." Der erste Satz dieses Absatzes präzisiert somit die Kom-

petenzen der Mitgliedsverbände von Swiss Olympic gegenüber SSI ("Untersuchungs-

zuständigkeit"), der zweite Satz die Kompetenzen der DK gegenüber den rechtspre-

chenden Instanzen der Mitgliedverbände von Swiss Olympic ("Entscheidungszustän-

digkeit"). Diese Unterscheidung zwischen der Untersuchungszuständigkeit") und der 

Entscheidungszuständigkeit geht nun im Übrigen auch klarer aus den Art. 10.3.2 und 

10.3.3 des Ethik-Statuts vom 1. Januar 2025 hervor. 

• In casu ging am 7. Juni 2022 eine erste anonyme Meldung bei SSI ein, welcher in der 

Folge weitere anonyme Meldungen folgten. SSI informierte die angeschuldigte Person 

mit Schreiben vom 21. Juni 2022 über den Eingang mehrerer anonymer Meldungen 

betreffend eines möglichen Ethikverstosses durch sie. Die Eröffnung des Untersu-

chungsverfahrens durch SSI wurde mit Schreiben vom 16. September 2022 der ange-

schuldigten Person, dem X._____, dem Schweizerischen Turnverband und dem Turn-

verband Y._____ mitgeteilt. Anhaltspunkte, nach welchen im vorliegenden Fall bereits 

vor dem 1. Januar 2022 allfällige Untersuchungsverfahren im Sinne von Art. 8.2 Abs. 1 

Ethik-Statut eingeleitet wurden, sind keine vorhanden. SSI war daher für die Durchfüh-

rung einer Untersuchung zuständig.  

• Die Entscheidungszuständigkeit der DK muss unter Berücksichtigung des Art. 8.2 Abs. 

2 und 3 Ethik-Statut geprüft werden. Art. 8.2 Abs. 2 Ethik-Statut lautet wie folgt: "Zur 

rechtlichen Beurteilung von Ergebnissen von abgeschlossenen Untersuchungen eines 

Mitgliedverbands von Swiss-Olympic, bei denen am 1. Januar 2022 bereits ein Verfah-

ren vor einer rechtsprechenden Instanz hängig ist, bleibt diese Instanz bis zum Erlass 

eines Endentscheides zuständig". Aus systematischer Sicht stellt Art. 8.2 Abs. 2 des 

Ethik-Statuts eine Ausnahme zu Absatz 1 letzter Satz dar. 

• In casu wurde das Untersuchungsverfahren wie bereits erwähnt am 16. September 

2022 durch SSI eröffnet, weshalb bereits aus diesem Grund Art. 8.2 Abs. 2 Ethik-Statut 

nicht anwendbar ist. Zudem wurde, soweit dies aus den Akten ersichtlich ist, einzig vor 

dem Schweizer Sportgericht als rechtsprechender Instanz mit Verfügung vom 26. Au-

gust 2024 ein Verfahren eröffnet, nicht aber vor einer anderen Instanz (z.B. von Swiss 

Olympic oder einem Mitgliedverband von Swiss Olympic). Ein Verfahren vor einer 

rechtsprechenden Instanz war damit vorliegend am 1. Januar 2022 noch nicht hängig, 

weshalb Art. 8.2 Abs. 2 Ethik-Statut auf jeden Fall keine Anwendung findet.  

 
8 Vgl. BGE 142 III 402, E. 2.5.1. 
9 Vgl. BGer vom 10. Februar 2012, 5A_21/2011, E 5.4.3. 

 

 27 

• Somit ist die Entscheidungszuständigkeit der DK nur im Hinblick auf Art. 8.2 Abs. 1, 

letzter Satz und Abs. 3 des Ethik-Statuts zu prüfen. Gemäss Art. 8.2 Abs. 3 Ethik-Statut 

ist "[z]ur rechtlichen Beurteilung von Untersuchungsergebnissen, bei denen noch kein 

Verfahren vor einer rechtsprechenden Instanz eröffnet worden ist, […] ab 1. Januar 

2022 die Disziplinarkammer zuständig." In casu hatte bis zum 1. Januar 2022 keine 

rechtsprechende Instanz ein Verfahren eröffnet. Der Bericht, den SSI über die Ergeb-

nisse ihrer Untersuchungen gemäss Art. 5.5 Abs. 1 Ethik-Statut erstellt hat, datiert auf 

den 28. Mai 2024. Einerseits kann eine systematische Auslegung von Art. 8.3 Abs.3 in 

Verbindung mit Art. 8.3 Abs. 2 Ethik-Statut zum Schluss kommen, dass zum Zeitpunkt 

des Inkrafttretens des Ethik-Statuts am 1. Januar 2022 keine Untersuchungsergebnisse 

vorlagen, weshalb sich in casu auch gestützt auf Art. 8.2 Abs. 3 Ethik-Statut keine Zu-

ständigkeit des Schweizer Sportgerichts für diejenigen Vorfälle ergibt, die sich vor 2022 

ereignet hatten. Andererseits kann aus systematischer Sicht argumentiert werden, 

dass Art. 8.2 Abs. 3 des Ethik-Statuts zusammen mit Abs. 1, letzter Satz und Abs. 2 (als 

Ausnahme zu Abs. 1) gelesen werden muss. Bei letzterem Schluss (der letztlich den 

Zeitpunkt des Vorliegens von Untersuchungsergebnissen offenlässt) ist die DK zustän-

dig und hat folglich auch die Kompetenz, über Fälle zu entscheiden, die sich in den 

Jahren 2020 und 2021 ereigneten.  

• Schliesslich bestimmt Art. 8.2 Abs. 4 Ethik-Statut, dass "[b]ei der Beurteilung von Ethik-

verstössen, die vor dem 1. Januar 2022 stattgefunden haben, […] die Disziplinarkam-

mer das Ethikreglement des betreffenden Mitgliedsverbandes an[wendet]. Das Verfah-

ren richtet sich nach dem Verfahrensreglement der Disziplinarkammer". Art. 8.2 Abs. 

4 Ethik-Statut stellt demnach eine Regelung zum anwendbaren Recht dar. Eine Zustän-

digkeitsvorschrift ist darin nicht enthalten. Entsprechend kann aus Art. 8.2 Abs. 4 Ethik-

Statut keine Zuständigkeit des Schweizer Sportgerichts zur Beurteilung der Vorfälle aus 

den Jahren 2020 bis und mit 2021 abgeleitet werden.  

 

115. Unabhängig von den obenstehenden Ausführungen gilt es jedoch zu prüfen, ob Art. 8.2 des 

Ethik-Statuts mit den Vorschriften übereinstimmen, die für das Schweizer Sportgericht als 

Disziplinarstelle gemäss der SpoFöV bindend sind. 

 

116. Am 1. März 2023 trat Art. 72g Abs. 1 lit. a Ziff. 2 SpoFöV in Kraft. Diese Bestimmung sieht 

vor, dass die Disziplinarstelle (d.h. das Schweizer Sportgericht) "die in den Reglementen des 

Dachverbands vorgesehenen Sanktionen oder Massnahmen aussprechen kann". In den Er-

läuterungen zur Änderung der SpoFöV vom 25. Januar 2023 steht dabei explizit: "Sie [Dis-

ziplinarstelle] wendet in materieller Hinsicht die vom Dachverband erlassenen Reglemente 

an und kann die darin vorgesehenen Sanktionen und Massnahmen aussprechen".10 

 

117. Angesichts dieses klaren Wortlauts von Art. 72g Abs. 1 lit. a Ziff. 2 SpoFöV und seiner Erläu-

terungen ist das Schweizer Sportgericht der Ansicht, dass nur das Ethik-Statut von ihm an-

gewendet werden kann, nicht aber des Ethikreglement des betreffenden Mitgliedsverbands. 

Das Ethik-Statut sieht im Übrigen auch keine Sanktionen oder Massnahmen für Fälle vor, die 

sich vor dem 1. Januar 2022 ereignet haben, da es auf die Reglemente der betreffende Mit-

gliedsverbände verweist. 

 

118. Als höherrangige (und später in Kraft getretene) Rechtsnorm machte Art. 72g Abs. 1 lit. a 

Ziff. 2 SpoFöV daher Art. 8.2 Abs. 1, letzte Satz, Abs. 2, 3 und 4 des Ethik-Statuts ungültig, 

soweit es die Zuständigkeit für die Beurteilung von Fällen betrifft, die sich in den Jahren 2020 

und 2021 ereignet haben. Swiss Olympic ist sich dessen bewusst und hat daher die 

 
10 Vgl. dazu auch "Änderungen der Sportförderungsverordnung: Erläuterungen" des Bundesamtes für Sport 
BASPO vom Januar 2023, S. 18. 

 

 28 

Art. 10.3.3 Abs. 5 und 10.3.4 des Ethik-Statuts vom 1. Januar 2025 verabschiedet, um spezi-

fisch auf diesen Umstand zu reagieren. Dies ändert jedoch nichts am vorliegenden Fall, der 

gemäss dem Ethik-Statut (vom 1. Januar 2022) beurteilt wird. 

 

119. Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass das Schweizer Sportgericht zur Beurteilung 

von Vorfällen, die sich vor dem 1. Januar 2022 ereignet haben, nicht zuständig ist. Obwohl 

eine Auslegung von Art. 8.2 des Ethik-Statuts ergeben kann, dass die DK für Fälle zuständig 

ist, die sich vor dem 1. Januar 2022 ereignet haben und in denen zum Zeitpunkt des Inkraft-

tretens des Ethik-Statuts am 1. Januar 2022 noch kein Verfahren – vor einer Untersuchungs-

instanz oder einer rechtsprechenden Instanz – zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Ethik-

Statuts am 1. Januar 2022 eingeleitet bzw. hängig oder bereits abgeschlossen war, wurde 

diese Bestimmung spätestens durch Art. 72g Abs. 1 lit. a Ziff. 2 SpoFöv ungültig. Hingegen 

ist das Schweizer Sportgericht zur Beurteilung von Vorfällen ab dem 1. Januar 2022 zustän-

dig. Im Übrigen haben beide Parteien die Zuständigkeit des Schweizer Sportgerichts mit Un-

terzeichnung der Verfahrensverfügung vorbehaltslos anerkannt und auch während der 

Hauptverhandlung vom 16. Januar 2025 nicht bestritten. 

VI. Anwendbares Recht 

120. Rechtsgrundlage zur Definition, Untersuchung, Beurteilung und Sanktionierung von Ethik-

verstössen sowie des dazugehörigen Verfahrens bildet das Ethik-Statut. Dieses trat per 1. Ja-

nuar 2022 in Kraft (vgl. Art. 8.3 Abs. 1 Ethik-Statut). Die Genehmigung des Ethik-Statuts er-

folgte anlässlich der 25. Versammlung des Sportparlaments, an welcher das Sportparlament 

die entsprechenden Änderungen der Statuten von Swiss Olympic per 1. Januar 2022 be-

schlossen hat.  

 

121. Seit Inkrafttreten des Ethik-Statuts am 1. Januar 2022 wurde dieses bereits einige Male an-

gepasst. Die erste inhaltliche Anpassung erfolgte durch das Sportparlament am 25. Novem-

ber 2022 und trat tags darauf in Kraft. Da sich die vorliegend in Frage stehenden Ethik-

verstösse vor diesem Datum zugetragen haben, wendet das Schweizer Sportgericht die erste 

Fassung des Ethik-Statuts mit Inkrafttreten per 1. Januar 2022 an. Im Folgenden ist daher, 

soweit nicht anders vermerkt, jeweils vom Ethik-Statut in seiner Version vom 1. Januar 2022 

die Rede. 

 

122. Mit Genehmigung des Ethik-Statuts und den entsprechenden Änderungen der Statuten von 

Swiss Olympic per 1. Januar 2022 haben die nationalen Sportverbände die Kompetenz und 

Zuständigkeit im Bereich Ethik zur Untersuchung, rechtlichen Beurteilung sowie Sanktionie-

rung auf SSI und die damalige DK übertragen. In organisatorischer Hinsicht wurden die Mel-

destelle und die Stelle zur Untersuchung von gemeldeten Tatbeständen SSI und die rechtli-

che Beurteilung auf die DK übertragen. Wie unter Rz. 107 ff. ausgeführt, ist seit dem 1. Juli 

2024 das Schweizer Sportgericht für Verfahren zuständig, für welche bis zum 30. Juni 2024 

die DK zuständig gewesen ist. In casu steht die Beurteilung von Vorfällen aus dem Jahr 2022 

und somit von solchen nach Inkrafttreten des Ethik-Statuts nicht in Frage, weshalb der zeit-

liche Geltungsbereich des Ethik-Statuts in vorliegendem Verfahren vor dem Schweizer Sport-

gericht gegeben ist.  

 

123. Ist der zeitli