# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b28f6be2-9b34-5b21-8b3f-18a3c60cce07
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2010-09-02
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 02.09.2010 S 2009 173
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2009-173_2010-09-02.pdf

## Full Text

S 09 173

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 2. September 2010

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend IV-Rente

1. …, geboren 1962 und wohnhaft in …, besuchte nach der obligatorischen 

Schulzeit eine Haushaltungsschule. Danach trat sie, ohne vorher eine 

berufliche Ausbildung zu absolvieren, eine Stelle als Fabrikarbeiterin bei der 

Firma … in … an. Bis zu ihrer Heirat 1991 arbeitete sie zu 100%, und nach 

der Scheidung 1998 nahm sie die Tätigkeit bei der … wieder zu 80% auf.

2. Im Alter von 18 Jahren musste … wegen einer psychotischen Episode in der 

Klinik … hospitalisiert werden; diagnostiziert wurde damals ein hebephrener 

Schub. Nach 26 symptomfreien Jahren wurde sie vom 24. Dezember 2006 

bis am 9. Februar 2007 erneut in der Klinik … behandelt. Die Diagnose lautete 

auf akute schizophrenieforme Störung. Rund zwei Monate nach dem Austritt 

aus der Klinik … wurde sie in die Klinik … eingewiesen, wo sie vom 2. April 

2007 bis am 24. August 2007 wegen einer schweren depressiven Episode mit 

psychotischen Symptomen in stationärer Behandlung war. Seit dem Austritt 

aus der Klinik ist sie in ambulanter psychiatrischer Behandlung. Die Arbeit bei 

ihrem bisherigen Arbeitgeber nahm sie nach dem Klinikaustritt zu 40% wieder 

auf.

3. Mit Gesuch vom 18. Januar 2008 meldete sich … zum Bezug einer IV-Rente 

an. Im Rahmen der Abklärungen der IV-Stelle teilte Dr. med. …, Chefarzt der 

Klinik …, mit Bericht vom 12. März 2008 mit, die Versicherte leide unter 

rezidivierenden depressiven Störungen. Die letzten beiden Episoden seien so 

intensiv gewesen, dass sie im Nachgang behindert geblieben und nur zu 50% 

arbeitsfähig sei. Mit Bericht vom 17. November 2008 teilte Dr. med. … mit, der 

Gesundheitszustand der Versicherten sei stationär geblieben. Ein 

Arbeitsversuch in einem 80%-Pensum habe abgebrochen werden müssen, 

weil die Krankheitssymptome zugenommen hätten. Psychiatrischerseits 

bestehe nach wie vor eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit. Daran werde sich in 

absehbarer Zukunft nichts Wesentliches ändern. Im Auftrag der IV-Stelle 

wurde die Versicherte am 30. Dezember 2008 von Dr. med. …, Facharzt FMH 

für Psychiatrie und Psychotherapie, untersucht. In seinem Gutachten vom 3. 

März 2009 kam Dr. med. … zum Schluss, zum Zeitpunkt der Untersuchung 

könne keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

gestellt werden. Entsprechend sei die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen 

Tätigkeit nicht eingeschränkt. 

4. Mit Vorbescheid vom 18. März 2009 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, 

sie beabsichtige zu verfügen, dass ab dem 1. Dezember 2007 befristet bis am 

30. September 2008 ein Anspruch auf eine Viertelsrente bestehe. Bei der 

Bemessung des Invaliditätsgrades war die IV-Stelle davon ausgegangen, 

dass die Versicherte ohne Behinderung zu 80% als Fabrikarbeiterin bei der 

… und zu 20% im Haushalt tätig wäre. Für die Zeit bis Ende Juni 2008 nahm 

die IV-Stelle für die Tätigkeit als Fabrikarbeiterin eine Einschränkung von 50% 

an, für die Tätigkeit im Haushalt keine Einschränkung, so dass sich ein 

Invaliditätsgrad von 40% ergab. Für die Zeit ab Juli 2008 nahm sie an, es 

bestehe keine behinderungsbedingte Einschränkung mehr, so dass ein 

Invaliditätsgrad von 0% resultierte. Gegen diesen Vorbescheid erhob die 

Versicherte keinen Einwand. Mit Verfügung vom 16. Oktober 2009 wurde der 

Vorbescheid bestätigt.

5. Gegen diese Verfügung liess die Versicherte am 16. November 2009 

Beschwerde ans Verwaltungsgericht erheben. Sie beantragte, die 

angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und die Angelegenheit sei zu 

weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; 

eventualiter sei ihr mindestens mit Wirkung ab dem 1. Dezember 2007 

befristet bis zum 30. März 2009 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. 

Weiter beantragte sie, es sei die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen. 

Zur Begründung machte sie geltend, im Januar 2009 habe sie ihr Pensum auf 

80% gesteigert, doch im August 2009 sei es zu einem Rückfall gekommen, 

und sie habe vom 25. August bis am 17. September 2009 in der Klinik … 

behandelt werden müssen. Sie reichte den Austrittsbericht der Klinik vom 21. 

September 2009 ein, in welchem Dr. med. … festhält, als mögliche Ursache 

für die Dekompensation sehe sowohl die Patientin als auch er das Erhöhen 

des Arbeitspensums auf 80%. Diagnostiziert wurde eine rezidivierende 

depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode. Die Arbeitsfähigkeit wurde 

mit 50% ab dem 26. September 2009 bis auf weiteres angegeben. Die 

Beschwerdeführerin argumentierte, dieser Vorfall zeige klar, dass ihr ein 

Arbeitspensum von 80% aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar sei. 

Weiter kritisierte die Beschwerdeführerin, der Invaliditätsgrad sei nicht nach 

der gemischten Methode, sondern nach den Grundsätzen für Erwerbstätige 

zu berechnen. Aufgrund der Arbeitsfähigkeit von 40% ergebe sich gegenüber 

dem vorherigen Pensum von 80% eine Erwerbseinbusse von 50% und damit 

eine halbe Rente. Schliesslich bemängelte die Beschwerdeführerin, es dürfe 

nicht auf die Aussage von Dr. med. … abgestellt werden, wonach sie Ende 

Juni 2008 die volle Arbeitsfähigkeit wiedererlangt habe. Dr. med. … habe sie 

am 30. Dezember 2008 untersucht. Dieses Datum sei der frühestmögliche 

Zeitpunkt für den Dr. med. … ihre Arbeitsfähigkeit habe beurteilen können. Er 

habe nicht in einem engen Patient-Arzt-Verhältnis mit ihr gestanden, so dass 

die rückwirkende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nach der Praxis des 

Bundesgerichts nicht erlaubt sei. 

6. Die IV-Stelle beantragte, der Beschwerdeführerin sei eine reformatio in peius 

in dem Sinne anzudrohen, dass die angefochtene Verfügung aufgehoben und 

der Beschwerdeführerin keine Rente zugesprochen werde. Eventualiter sei 

die Beschwerde abzuweisen. In der Begründung stimmte sie der 

Beschwerdeführerin darin zu, dass der Invaliditätsgrad nicht nach der 

gemischten Methode, sondern nach der Methode für Erwerbstätige zu 

ermitteln sei. Weiter machte sie geltend, auf die Beurteilung der 

Arbeitsfähigkeit durch Dr. med. … könne vollumfänglich abgestellt werden. 

Aber selbst wenn man davon ausginge, dass der Beschwerdeführerin nur 

noch eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit zumutbar sei, resultiere kein 

rentenbegründender Invaliditätsgrad. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 

35'880.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 22'425.-- (Fr. 35'880.-- : 8 x 

5) ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 37.5%. Bei richtiger Betrachtung hätte 

die Beschwerdeführerin damit auch keinen Anspruch auf eine befristete 

Viertelsrente.

7. Die Beschwerdeführerin hielt an ihren Anträgen und Ausführungen fest. Sie 

machte zudem geltend, die von Dr. med. … attestierte Arbeitsfähigkeit von 

50% beziehe sich auf ein 80%-Pensum, so dass die Arbeitsfähigkeit absolut 

nur 40% betrage. Zur Bestätigung reichte sie ein entsprechendes Schreiben 

von Dr. med. … vom 20. Januar 2010 nach. 

8. Die IV-Stelle entgegnete, die Frage, ob sich die von Dr. med. … attestierte 

Arbeitsfähigkeit auf ein 100%- oder ein 80%-Pensum beziehe, betreffe 

ohnehin nur den Zeitraum, für welchen sie einen Antrag auf reformatio in peius 

gestellt habe. Bezüglich des aktuellen Rentenanspruchs sei diese Frage 

unerheblich, vermöge doch der Austrittsbericht der Klinik … zwar eine 

vorübergehende Verschlechterung aber keine andauernde Veränderung des 

Gesundheitszustandes darzulegen, so dass weiterhin auf das Gutachten von 

Dr. med. … abgestellt werden könne.

Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften wird soweit erforderlich 

in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Beschwerdegegenstand ist die Frage, ob die IV-Stelle der 

Beschwerdeführerin zu Recht eine Viertelsrente ab dem 1. Dezember 2007 

bis am 30. September 2008 zugesprochen hat. Die Beschwerdeführerin ist 

der Ansicht, ihre Arbeitsfähigkeit sei nicht genügend abgeklärt und der 

Invaliditätsgrad sei nicht korrekt festgelegt worden.

2. Als Invalidität gilt gemäss Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen 

Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG / SR 830.1) und Art. 4 des 

Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG / SR 831.20) die durch 

einen körperlichen oder geistigen Gesundheitsschaden verursachte, 

voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit. 

Ist eine Versicherte mindestens 40% invalid, so hat sie Anspruch auf eine 

Viertelsrente, bei mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei mindestens 60% 

auf eine Dreiviertelsrente und ab 70% auf eine Vollrente (Art. 28 Abs. 1 IVG). 

3. Art. 28a IVG sieht für die Ermittlung des Invaliditätsgrades drei verschiedene 

Methoden vor, die Methode des Einkommensvergleichs für Erwerbstätige 

(Art. 16 ATSG, Art. 28a Abs. 1 IVG), die Methode des Betätigungsvergleichs 

für Nichterwerbstätige (Art. 28a Abs. 2 IVG, Art. 27 der Verordnung über die 

Invalidenversicherung / IVV / SR 831.201) und die gemischte Methode für 

Teilerwerbstätige (Art. 28a Abs.3 IVG, Art. 27bis IVV). Für die Wahl der 

Methode ist entscheidend, welchen Status die Versicherte bei sonst gleichen 

Verhältnissen im Gesundheitsfall hypothetisch hätte (BGE 133 V 477 E 6.3). 

Im vorliegenden Fall hat die IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung die 

gemischte Methode angewendet, im Beschwerdeverfahren dann aber der 

Beschwerdeführerin darin zugestimmt, dass die Methode des 

Einkommensvergleichs für Erwerbstätige anzuwenden sei. Dies ist richtig. Die 

Beschwerdeführerin hat sich nach der Scheidung für ein 80%-Pensum 

entschieden, weil ihr der entsprechende Lohn zum Leben genügte und sie 

mehr Freizeit geniessen wollte und nicht, weil sie mehr Zeit in den Haushalt 

investieren wollte. Dieses Ergebnis steht in Einklang mit der 

bundesgerichtlichen Praxis, wonach allein stehende Personen bei einer 

Reduktion des Beschäftigungsgrades aus freien Stücken nicht automatisch 

zu Teilerwerbstätigen mit einem Aufgabenbereich Haushalt neben der 

Berufsausübung werden (BGE 131 V 51 E. 5.2.).

4. Der Invaliditätsgrad ist somit vorliegend in Anwendung der Methode des 

Einkommensvergleichs zu ermitteln, indem das Erwerbseinkommen, das die 

Versicherte nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der 

medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch 

eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen 

könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum 

Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden 

wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). Für die Beurteilung der Rentenfrage 

ist der Sachverhalt massgeblich, der sich zum Zeitpunkt des 

Verfügungserlasses am 16. Oktober 2009 verwirklicht hatte (BGE 121 V 366).

5. Das Valideneinkommen von Fr. 35'880.-- wurde gestützt auf das Einkommen 

bemessen, das die Beschwerdeführerin bei der Distec AG im Jahr 2008 bei 

einem 80%-Pensum verdient hätte. Dies ist korrekt und wurde von der 

Beschwerdeführerin auch nicht beanstandet.

6. Streitig ist das Invalideneinkommen, beziehungsweise die für die Bemessung 

des Invalideneinkommens entscheidende Frage, in welchem Umfang der 

Beschwerdeführerin ihre bisherige Tätigkeit noch zugemutet werden kann. 

Für die Beantwortung dieser Frage sind Sozialversicherungsträger und 

Sozialversicherungsrichter auf medizinische Experten angewiesen. 

Vorliegend stehen einerseits die Arztberichte von Dr. med. …, Chefarzt der 

Klinik …, zur Verfügung, in welchen der Beschwerdeführerin eine 50%-ige 

Arbeitsfähigkeit attestiert wird (12. März 2008, 17. November 2008, 21. 

September 2009), und andererseits das Gutachten von Dr. med. …, Facharzt 

FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (3. März 2009). In diesem Gutachten 

führt Dr. med. … aus, er könne Dr. med. … Diagnose der rezidivierenden 

depressiven Störung nicht nachvollziehen. Die Explorandin habe vielmehr an 

einer Schizophrenie gelitten, welche aber seit längerer Zeit vollständig 

remittiert sei. Zum Zeitpunkt der Untersuchung am 30. Dezember 2008 könne 

keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt 

werden. Entsprechend sei die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit nicht 

eingeschränkt. In der Zeit vom Austritt aus der Klinik … am 24. August 2007 

bis Mitte 2008 habe eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. 

7. Für den Zeitraum vom 1. Dezember 2007 bis Ende Juni 2008 steht somit 

sowohl eine Einschätzung von Dr. med. … als auch eine solche von Dr. med. 

… zur Verfügung. Die Beschwerdegegnerin hat sich zu Recht auf diejenige 

von Dr. med. … abgestützt, hat doch der erst deutlich später involvierte Dr. 

med. … im Bezug auf den hier fraglichen Zeitraum keine eigene Beurteilung 

vorgenommen, sondern Dr. med. … Beurteilung dem Wortlaut nach 

übernommen. Die Beschwerdegegnerin hat gestützt auf den Wortlaut der 

Beurteilung von Dr. med. … eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit angenommen. Dies 

ist nicht korrekt, weil Dr. med. … nachträglich explizit bestätigt hat, die von 

ihm festgestellte 50%-ige Arbeitsfähigkeit beziehe sich auf das von der 

Beschwerdeführerin vor der Erkrankung ausgeübte 80%-Pensum. Es 

resultiert somit absolut eine Arbeitsfähigkeit von bloss 40% und ein 

Invalideneinkommen von Fr. 17'940.--. Der Invaliditätsgrad für den Zeitraum 

vom 1. Dezember 2007 bis am 30. September 2008 liegt deshalb bei 50%, 

und die Beschwerdeführerin hat für die genannte Zeit Anspruch auf eine halbe 

Rente.

8. a) Zu untersuchen ist nun die Arbeitsfähigkeit im Zeitraum von Ende Juni 2008 

bis zum Zeitpunkt des Untersuchs durch Dr. med. … am 30. Dezember 2008. 

Zu klären ist vorerst, ob für die rückwirkende Beurteilung von sechs Monaten 

vor dem Untersuch auf Dr. med. … abgestellt werden kann. Die 

Beschwerdeführerin beruft sich auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, 

wonach der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit grundsätzlich 

echtzeitlich nachgewiesen werden muss, und eine rückwirkende 

Einschätzung der Arbeitsfähigkeit allenfalls für einen kurzen Zeitraum erlaubt 

ist, wenn ein enges Arzt-Patient-Verhältnis vorliegt (Urteil des Bundesgerichts 

9C_950/2008 vom 18. März 2009). Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, 

diese Rechtsprechung gelte analog für die Bestimmung des Zeitpunkts der 

Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit. Dies ist nicht der Fall. Nach der 

Rechtsprechung des Bundesgerichts ist nicht stets zwingend eine 

echtzeitliche ärztliche Einschätzung erforderlich (Urteil des Bundesgerichts 

8C_195/2009 vom 2. September 2009). Vielmehr kann bei gleich bleibendem 

Gesundheitszustand auch auf eine rückwirkende 

Arbeitsfähigkeitseinschätzung abgestellt werden, sofern sie überzeugend ist. 

Vorliegend gibt es in den Akten keinerlei Hinweise darauf, dass sich der 

gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin im Zeitraum von Ende Juni 

bis zum 30. Dezember 2008 wesentlich verändert hätte. Vielmehr gibt es 

gewichtige Hinweise darauf, dass der Gesundheitszustand in dieser Phase 

gleich geblieben war. So gibt der behandelnde Psychiater Dr. med. … im 

November 2008 an, die Arbeitsfähigkeit sei nach wie vor gleich und es werde 

sich in absehbarer Zukunft nichts Wesentliches ändern. Der Vorgesetzte der 

Beschwerdeführerin erklärte in einem Telefongespräch am 10. Februar 2009 

mit Dr. med. …, anfänglich nach dem Ausbruch der Krankheit sei es sehr 

schwierig gewesen, dann habe sich aber die Arbeitsleistung der 

Beschwerdeführerin kontinuierlich verbessert. Seit einem halben Jahr arbeite 

sie wieder mit ihm zusammen und es habe eigentlich keine Probleme mehr 

gegeben (Gutachten S. 18 und 28). Die Beschwerdeführerin ihrerseits räumt 

immerhin selbst ein, dass es diesfalls nicht seit Ende Juni, sondern seit dem 

10. August 2008 keine „Probleme“ mehr gegeben hätte. Angesichts dieser 

Ausführungen ist somit die durch den Gutachter vorgenommene retrospektive 

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von sechs Monaten vertretbar.

b) Für die Zeit von Ende Juni 2008 bis zum 30. Dezember 2008 liegen somit 

zwei sich widersprechende ärztliche Beurteilungen vor. Während Dr. med. … 

die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf absolut 40% festlegt, nimmt 

Dr. med. … in seinem Gutachten eine Arbeitsfähigkeit von 100% an. Nach der 

Praxis des Bundesgerichts kann in einem solchen Fall dem einen 

Beweismittel nur dann der Vorrang gegeben werden, wenn sein Beweiswert 

klarerweise grösser ist als derjenige des anderen. Hinsichtlich des 

Beweiswertes eines Arztberichtes ist dabei entscheidend, ob der Bericht für 

die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, 

auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten 

abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge 

und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet, und ob die 

Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 122 V 159). 

Angesichts dieser Kriterien ist dem Gutachten von Dr. med. … ein grösserer 

Beweiswert beizumessen. Das Gutachten erfüllt alle genannten 

Voraussetzungen. In der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und 

in der Beurteilung der medizinischen Situation leuchtet es deutlich besser ein 

als der Bericht von Dr. med. ... An letzterem irritiert, dass er einerseits 

feststellt, seit Juni 2008 hätten nur noch die Beschwerden in den Beinen 

Probleme gemacht und die Folgeschäden der psychischen Behinderung 

seien nicht mehr vorhanden gewesen, dass er aber dennoch eine bloss 40%-

ige Arbeitsfähigkeit annimmt. Dr. med. … Schlussfolgerung erscheint zu 

wenig begründet, da kein Bezug zu klaren aktuellen psychischen Problemen 

gemacht wird. Weiter irritiert, dass Dr. med. … anlässlich eines 

Telefongesprächs mit Dr. med. … am 10. Februar 2009 ausführte, die 

Explorandin habe sich lange an die Überzeugung geklammert, nicht mehr als 

50% arbeitsfähig zu sein, nun habe es wohl etwas Druck gebraucht, sie vom 

Gegenteil zu überzeugen. Er denke, dass es gut funktionieren könnte, wenn 

die Explorandin 80% arbeite. Seit längerer Zeit sei der Zustand der 

Explorandin deutlich stabiler als früher, die Situation habe sich insgesamt 

deutlich verbessert. Diese Aussage steht in klarem Widerspruch zu der im 

Arztbericht vom November 2008 geäusserten Ansicht, gemäss welcher der 

Zustand angeblich unverändert geblieben war. Nachdem die Arbeitsfähigkeit 

nach dem Klinikaustritt im August 2007 gemäss Dr. med. … bei absolut 40% 

gelegen hatte, hätte sich die im Telefongespräch genannte deutliche 

Stabilisierung im November 2008 in einer verbesserten Arbeitsfähigkeit 

niederschlagen müssen. Schliesslich kommt dem Gutachten von Dr. med. … 

nicht zuletzt deshalb voller Beweiswert zu, weil sich Dr. med. … überzeugend 

und schlüssig mit der abweichenden Einschätzung von Dr. med. … 

auseinandersetzt. Für die Zeit vom 30. September 2008 bis zum 30. 

Dezember 2008 ist deshalb gestützt auf die Beurteilung von Dr. med. … eine 

100%-ige Arbeitsfähigkeit anzunehmen, so dass sich ein Invaliditätsgrad von 

0% ergibt.

c) Für den Zeitraum vom 30. Dezember 2008 bis zum erneuten Klinikeintritt am 

25. August 2009 stehen ebenfalls die unterschiedlichen Einschätzungen der 

Arbeitsfähigkeit durch Dr. med. … und Dr. med. … zur Verfügung. Aus den 

bereits dargelegten Gründen (vgl. 8.b.) ist auf das Gutachten von Dr. med. … 

abzustellen, so dass für diesen Zeitraum ebenfalls kein Rentenanspruch 

besteht. 

d) Zu prüfen bleibt die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der Zeit nach 

ihrer stationären Behandlung in der Klinik … vom 25. August 2009 bis am 17. 

September 2009. Zur Verfügung steht für diese Zeit einerseits der 

Austrittsbericht, in welchem Dr. med. … eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit 

attestiert. Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, auf diesen Bericht könne 

nicht abgestellt werden, da nicht anzunehmen sei, dass sich Dr. med. … 

anlässlich des Klinikaufenthalts vertieft mit der Frage der längerfristigen 

Arbeitsfähigkeit auseinander gesetzt habe. Dem ist zuzustimmen. Zur 

Verfügung steht andererseits das Gutachten von Dr. med. ... Diesem 

Gutachten kommt wie gezeigt grundsätzlich volle Beweiskraft zu (vgl. 8.b.). 

Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin wird die Beweiskraft durch die 

erneute Hospitalisierung nicht erschüttert, dies aus den nachstehend 

dargelegten Gründen. Aus dem Austrittsbericht geht hervor, dass die 

Hospitalisierung aufgrund einer vorübergehenden Krise notwendig wurde, 

und dass diese Krise keine bleibende Verschlechterung des 

Gesundheitszustandes nach sich zog. Gemäss Austrittsbericht hatten nur die 

Symptome einer leichten depressiven Episode vorgelegen, hatte bereits die 

Entlastung der Situation der Patientin aus dem Tief herausgeholfen, und 

hatten sich sowohl die Magenbeschwerden als auch das Gefühl des 

weggezogenen Bodens rasch verflüchtigt. Die Beschwerdeführerin erlangte 

mit anderen Worten zu Ende der Hospitalisation wieder den Zustand, in 

welchem sie sich zum Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. med. … einige 

Monate vorher befunden hatte. Dieser Zustand wird offensichtlich durch die 

beiden Psychiater Dr. med. … und Dr. med. … bezüglich der Arbeitsfähigkeit 

unterschiedlich beurteilt. Wie gezeigt, setzt sich Dr. med. … in seinem 

Gutachten in nachvollziehbarer Weise mit der anders lautenden Einschätzung 

von Dr. med. … auseinander, so dass die Einschätzung von Dr. med. … im 

Austrittsbericht die Beweiskraft des Gutachtens von Dr. med. … nicht zu 

erschüttern vermag. Gestützt auf dieses Gutachten ist somit auch in der Zeit 

nach der Krise von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Für diese 

Zeit besteht demzufolge kein Anspruch auf eine Rente.

9. Die Beschwerdeführerin beantragt weitere ärztliche Abklärungen. Diesem 

Antrag kann nicht stattgegeben werden. Nach der Praxis der Gerichte hat die 

IV-Stelle keine weiteren medizinischen Abklärungen zu veranlassen, wenn die 

aktenkundigen Arztberichte ein ausreichend klares Bild über den 

Gesundheitsschaden und seine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit 

ergeben, so dass eine zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs 

möglich ist (BGE 122 V 157 Erw. 1d; Entscheid des Verwaltungsgerichtes 

VGU S 00 188). Vorliegend kommt dem Gutachten von Dr. med. … wie 

gezeigt für die Zeit vor und nach der Krise voller Beweiswert zu, so dass eine 

erneute Abklärung für den hier relevanten Zeitpunkt vor der angefochtenen 

Verfügung nicht angezeigt ist. 

10. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin für den Zeitraum 

vom 1. Dezember 2007 bis am 30. September 2008 Anspruch auf eine halbe 

Rente hat. Ansonsten besteht kein Rentenanspruch. Die angefochtene 

Verfügung erweist sich somit als rechtswidrig, und die dagegen erhobene 

Beschwerde ist gutzuheissen. 

11. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten 

um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem 

kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach 

dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200-

1000 Franken festgelegt. Vorliegend hat die unterliegende IV-Stelle Kosten in 

der Höhe von Fr. 700.-- zu übernehmen. Zudem hat die IV-Stelle die 

obsiegende Beschwerdeführerin aussergerichtlich mit Fr. 2'000.-- zu 

entschädigen (Art. 61 lit. g ATSG). Angesichts dieses Ergebnisses wird der 

von der Beschwerdeführerin gestellte Antrag auf unentgeltliche Rechtspflege 

und Rechtsverbeiständung gegenstandslos.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, und die IV-Stelle wird 

verpflichtet, … für die Zeit vom 1. Dezember 2007 bis am 30. September 2008 

eine halbe IV-Rente auszurichten.

2. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden (IV-Stelle) hat 

innert 30 Tagen seit Zustellung dieses Entscheides Gerichtskosten in der 

Höhe von Fr. 700.-- an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden zu 

bezahlen. 

3. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden (IV-Stelle) hat … 

aussergerichtlich mit Fr. 2'000.-- (inkl. MWST) zu entschädigen.