# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b2b1cac0-cd50-5154-b95d-42575f663f91
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.08.2011 D-403/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-403-2009_2011-08-30.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­403/2009
law/mah

U r t e i l   v om   3 0 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter Kurt Gysi,
Richterin Contessina Theis,
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

Parteien A._______, geboren am (…),
Kosovo und Serbien,
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 16. Dezember 2008 / N (…).

D­403/2009

Seite 2

Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer,  kosovarischer  Staatsangehöriger  serbischer 
Ethnie  aus  Z._______  (Y._______),  verliess  am  16. September  2008 
seinen  Heimatstaat  und  reiste  am  18. September  2008  in  die  Schweiz 
ein, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte. 

B. 
Am  14. Oktober  2008  erhob  das  BFM  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ)  Chiasso  die  Personalien  des 
Beschwerdeführers und befragte  ihn summarisch zum Reiseweg und zu 
den Gründen für das Verlassen des Heimatlandes. Er reichte dabei seine 
Identitätskarte zu den Akten. Am 20. November 2008 hörte das BFM den 
Beschwerdeführer einlässlich zu den Asylgründen an.

Im Einzelnen machte er zur Begründung seines Asylgesuchs geltend, er 
sei am 10. August 2008 auf einem Parkplatz eines Supermarktes von drei 
Albanern  zusammengeschlagen worden,  die  vermutlich  sein  serbisches 
Autokennzeichen  gesehen  hätten.  Zwei  albanische Sicherheitsleute  des 
Supermarktes hätten ihm geholfen. Die Schläger hätten ihm gedroht, sie 
würden ihm den Kopf abschlagen, wenn sie ihn (den Beschwerdeführer) 
wiedersähen.  Er  sei  nach  Hause  gekehrt.  Sein  Bruder  habe  ihn  zur 
Krankenschwester gebracht, die  ihm ein Medikament gegeben habe. Er 
habe  mit  einem  Freund,  der  Polizist  gewesen  sei,  aber  die  Arbeit 
niedergelegt  habe,  über  eine  Anzeige  gesprochen.  Dieser  habe  ihm 
jedoch davon abgeraten, weil es nichts bringe, da die Kosovoalbaner seit 
der Unabhängigkeitserklärung alle Fäden  in den Händen hielten. Früher 
habe noch die UNMIK  (United Nations  Interim Administration Mission  in 
Kosovo)  intervenieren  können,  jetzt  auch  nicht  mehr.  Sein  Onkel  habe 
man auch umbringen wollen, als er mit dem Auto unterwegs gewesen sei. 
Dieser  habe  den  Vorfall  bei  der  Polizei  angezeigt,  die  aber  nichts 
unternommen habe. Aus Angst vor den Albanern habe er das Haus nicht 
mehr verlassen, bis er ausgereist sei.

C. 
Das  BFM  stellte  mit  Verfügung  vom  16. Dezember  2008  –  eröffnet  am 
24. Dezember  2008  –  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht  und  lehnte  sein  Asylgesuch  vom 
18. September  2008  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  des 
Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.

D­403/2009

Seite 3

D. 
Mit  Eingabe  vom  19. Januar  2009  (Datum  Poststempel)  erhob  der 
Beschwerdeführer  gegen  diesen  Entscheid  beim 
Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte,  die 
angefochtene  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben.  Der 
Beschwerdeführer  legte  der  Beschwerde  unzählige  Berichte  aus  dem 
Internet zur Situation im Kosovo bei.

E. 
Mit  Verfügung  vom  30. Januar  2009  stellte  der  zuständige 
Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  fest,  der 
Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz 
abwarten  und  forderte  ihn  auf,  bis  zum  20. Februar  2009  einen 
Kostenvorschuss  von  Fr. 600.–  einzuzahlen.  Der  verlangte 
Kostenvorschuss wurde am 16. Februar 2009 geleistet.

F. 
Am 20. Februar 2009 gab der  Instruktionsrichter dem BFM Gelegenheit, 
eine  Vernehmlassung  zur  Beschwerde  vom  19. Januar  2009 
einzureichen.

G. 
In  der  Vernehmlassung  vom  11. März  2009  beantragte  das  BFM  die 
Abweisung der Beschwerde.

H. 
Die  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  am  12. März  2009 
zur Kenntnisnahme zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 

D­403/2009

Seite 4

vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. 
Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). 
Nachdem  der  einverlangte  Kostenvorschuss  innert  angesetzter  Frist 
geleistet  wurde,  ist  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte 
Beschwerde  einzutreten  (Art. 108  Abs. 1  AsylG,  Art. 105  AsylG  i. V. m. 
Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).

3. 
3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen 
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).

3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 

D­403/2009

Seite 5

auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

3.3.  Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfüllt  eine 
asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie 
Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit 
beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  befürchten 
muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive 
durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure 
zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. 
BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37).  Aufgrund  der  Subsidiarität  des 
flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  setzt  die  Zuerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person  in 
ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz  finden kann (vgl. BVGE 
2008/12  E. 7.2.6.2  S. 174  f.,  BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37 f.). 
Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die 
Frage nach der  im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder 
begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im  Zeitpunkt  des 
Asylentscheides  ist  jedoch  im  Rahmen  der  Prüfung  nach  der  Aktualität 
der  Verfolgungsfurcht  ebenfalls  wesentlich.  Veränderungen  der 
objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid 
sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden 
Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/4  E. 5.4  S. 38  f.,  WALTER 
STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18).

4. 
4.1.  Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  mit  der  Begründung  ab,  die 
Vorbringen des Beschwerdeführers würden der Asylrelevanz entbehren.

Im  Einzelnen  führte  es  aus,  dass  Übergriffe  durch  Dritte  oder 
Befürchtungen, künftig solchen ausgesetzt zu sein, nur dann asylrelevant 
seien, wenn der Staat seiner Schutzpflicht nicht nachkomme oder nicht in 
der  Lage  sei,  Schutz  zu  gewähren.  Generell  sei  Schutz  gewährleistet, 
wenn  der  Staat  geeignete  Massnahmen  treffe,  um  die  Verfolgung  zu 
verhindern, beispielsweise durch wirksame Polizei­ und Justizorgane zur 
Ermittlung,  Strafverfolgung  und  Ahndung  von  Verfolgungshandlungen, 
und  wenn  Antragsteller  Zugang  zu  diesem  Schutz  hätten.  Der 
Beschwerdeführer habe nach eigenen Angaben freiwillig auf den Schutz 
seines  Heimatstaates  verzichtet.  Nach  Rücksprache  mit  einem  Freund 
habe  er  keinen  Sinn  darin  gesehen,  die  Angreifer  bei  der  Polizei 

D­403/2009

Seite 6

anzuzeigen.  Folglich  habe  der  Beschwerdeführer  dem  Staat  gar  keine 
Möglichkeit  geboten,  seinen  Schutzpflichten  nachzukommen.  Die 
Befürchtungen, wonach der Staat den Beschwerdeführer als Serben nicht 
schützen  werde,  seien  unbegründet.  Die  Sicherheitskräfte  würden 
regelmässig  bei  Übergriffen  intervenieren  und  Straftaten  gegen 
Angehörige von Minderheiten würden geahndet. Zusätzlich befände sich 
der Beschwerdeführer  vorliegend  sogar  in  einer  besonders  vorteilhaften 
Lage, da er die beiden albanischen Sicherheitskräfte des Supermarktes 
als  Zeugen  hätte  benennen  können.  Damit  würden  vorliegend  keine 
Anhaltspunkte  dafür  vorliegen,  dass  der Staat  seiner Schutzpflicht  nicht 
nachkomme oder  nicht  in  der  Lage  sei, Schutz  zu gewähren. Weiterhin 
könne  im  Kosovo,  trotz  vereinzelter  schwerwiegender  Übergriffe  auf 
Angehörige  ethnischer  Minderheiten  in  den  vergangenen  Jahren,  nicht 
allgemein  von  Vertreibungen  ausgegangen  werden.  Nach  der 
Unabhängigkeitserklärung vom 17. Februar 2008 sei im Kosovo weiterhin 
eine  internationale  zivile  und  militärische  Präsenz  vorgesehen.  Die 
UNMIK  solle  sukzessive  von  der  EU­Mission  (European  Union  Rule  of 
Law  Mission  in  Kosovo  [EULEX])  abgelöst  werden.  Internationale 
Streitkräfte  sowie  der  KPS  garantierten  Sicherheit.  Auch  in  den 
Siedlungsgebieten  der  Kosovo–Serben  garantierten  internationale 
Sicherheitskräfte  sowie  teilweise  serbische  Angehörige  des  KPS  die 
Sicherheit.  Am  15. Juni  2008  sei  die  neue  kosovarische  Verfassung  in 
Kraft getreten. Sie gestehe den Minderheiten umfassende Rechte zu. Die 
internationalen  Sicherheitskräfte  und  der  KPS  seien  in  der  Lage,  die 
ethnischen Minderheiten im Kosovo zu schützen. Die polizeiliche Präsenz 
sei  gut  sichtbar  sowie  flächendeckend.  Strafgerichtsbarkeit  und 
Strafvollzug  funktionierten  grösstenteils.  Bei  Übergriffen  würden  die 
Sicherheitskräfte  regelmässig  intervenieren  und  Straftaten  gegen 
Angehörige  von  Minderheiten  würden  geahndet.  Da  somit  vom 
Vorhandensein  eines  adäquaten  Schutzes  durch  den  Heimatstaat 
auszugehen sei, sei der im vorliegenden Fall geltend gemachte Übergriff 
nicht  asylrelevant.  Im  Übrigen  habe  der  Beschwerdeführer  bei  der 
Befragung im EVZ sowie bei der Bundesanhörung zu Protokoll gegeben, 
er  habe  bis  zu  diesem  Vorfall  am  10. August  2008  nie  Probleme  als 
Serbe  im  Kosovo  gehabt.  Aus  Kostengründen  habe  er  sogar  darauf 
verzichtet  sein  altes  serbisches  Autokennzeichen  gegen  ein – 
unauffälliges  –  kosovarisches  Kennzeichen  einzutauschen.  Insoweit  er 
vorgebracht habe, er habe sich den Kennzeichen­Wechsel finanziell nicht 
leisten können, könne ihm dies nicht geglaubt werden. Die Kosten hierfür 
hätten  lediglich einen Bruchteil der Kosten  für die Reise  in die Schweiz, 
welche nach seinen Angaben 2'200.– Euro gekostet habe, ausgemacht. 

D­403/2009

Seite 7

Für  Serben  aus  den  südlichen  Bezirken  existiere  zudem  als 
innerstaatliche  Fluchtalternative  der  Norden  Kosovos  und  als 
Aufenthaltsalternative  Serbien.  Bereits  durch  das  grundsätzliche 
Bestehen  einer  innerstaatlichen  Fluchtalternative  erübrige  sich  eine 
weitergehende Auseinandersetzung mit der Frage, ob Serben im Kosovo 
einer  asylrechtlich  relevanten  Gefährdung  ausgesetzt  seien.  Die 
Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  nicht  stand.  Demzufolge 
erfülle  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  so  dass 
das Asylgesuch abzulehnen sei.

4.2.  In der Beschwerde vom 19. Januar 2009 wird demgegenüber unter 
Hinweis auf die unzähligen Berichte aus dem Internet über die Situation 
in  Kosovo  geltend  gemacht,  dass  sich  die  Lage  zwischenzeitlich  nicht 
verbessert  habe.  Personen  aus  serbischen  Enklaven  würden  in  einem 
Ghetto  in  sehr  schlechten  Verhältnissen  leben.  Die  Leute  dürften  sich 
nicht  ausserhalb  des  eigenen  Dorfes  frei  bewegen,  Kinder  gingen  in 
Begleitung  von  KFOR­Soldaten  zur  Schule  und  Serben  könnten  keine 
Arbeitsstelle  bekommen.  Mit  jedem  Schritt  und  Tritt  treffe  die 
nichtalbanische  Bevölkerung  auf  Gewalt  und  Unsicherheit.  Es  herrsche 
grosse Gefahr für das Leben und Eigentum. In den letzten Jahren seien 
bei  organisierter  Gewalt  gegen  Serben  viele  Leute  getötet  und  verletzt 
worden.  Viele  serbische  Kirchen,  Häuser  und  andere  Habseligkeiten 
seien  verbrannt  worden.  Die  internationalen  Kräfte  hätten  bis  jetzt 
Personen  nichtalbanischer  Ethnie  ungenügend  geschützt.  Am  17.  und 
18. März 2004 sei es auch vor den Augen der UNMIK, KFOR und NATO 
zu  Gewalt  und  Terror  gekommen.  Der  Beschwerdeführer  sei  seit  dem 
18. September 2008 in der Schweiz. Sein Leben in seinem Heimatort sei 
nicht mehr ertragbar gewesen. Wegen den ständigen Bedrohungen und 
Bewegungsbegrenzungen  durch  die  Kosovoalbaner  und  der  ethnischen 
Kosovopolizei  sei  es  nach  der NATO­Bombardierung  und  dem Wegzug 
der jugoslawischen Armee sehr riskant geworden. Der Beschwerdeführer 
habe in einem serbischen Café gearbeitet, was sehr riskant sei, weil die 
Albaner oft auf serbische Cafés Angriffe lancieren würden. Er habe Mühe 
bei  der  Jobsuche,  weil  er  diskriminiert  werde.  Die  albanische 
Kosovopolizei  schütze  keine  andere  Ethnien,  sondern  gäbe  diese 
Informationen an Täter weiter und die Situation werde nur schlimmer. Der 
Beschwerdeführer  habe  einen  Übergriff  und  Bedrohungen  von  drei 
Albanern auf einem Parkplatz eines Supermarktes erlebt. Wegen diesem 
Vorfall  könne  er  nicht  mehr  in  seiner  Heimat  leben  und  habe  sich  zur 
Flucht entschieden, weil er Angst um sein Leben und die Zukunft gehabt 

D­403/2009

Seite 8

habe,  aber  auch  wegen  den  Diskriminierungen  gegen  Personen 
serbischer  Ethnie  und  christlichen  Glaubens.  Er  habe  sich  Geld  von 
seinen  Kollegen  geliehen  und  sei  geflüchtet.  Die  EULEX  sei  von  den 
Albanern mit Demonstrationen und Hass empfangen worden, weshalb er 
nicht davon ausgehe, dass die EULEX mit ungefähr 2000 Personen der 
nichtalbanischen  Bevölkerung  im  Kosovo  helfen  könne.  Seine 
Rückweisung nach Belgrad sei auch nicht zumutbar, weil er dort nicht zu 
Hause sei. In Serbien befänden sich mehrere hunderttausend Flüchtlinge 
aus  Kroatien,  Bosnien  und  Kosovo,  welche  in  unzumutbaren 
Verhältnissen  leben  würden  (ohne  Heizung,  fast  keine  Unterstützung, 
nicht  genügend  Nahrungsmittel).  Serbien  sei  auch  nach  der 
Kosovoanerkennung  ein  fremder  Staat  mit  Grenzen  und  einem  Zoll. 
Serbien  stecke  nach  langjährigen  Sanktionen  und  dem  NATO­Krieg  in 
Armut  und  könne  sich  nicht  um  mehrere  hunderttausend  Flüchtlinge 
sorgen.  In Kosovska Mitrovica sei die Situation auch sehr schlecht, weil 
das  auch  ein  Teil  des  Kosovos  sei,  wo  Leute  in  einem  Ghetto  leben 
würden.  Im nördlichen Stadtteil sei die Grenze mit Serbien mit dem Zoll 
und  der  Polizei,  im  Süden  auf  der  anderen  Flussseite  befinde  sich  der 
kosovoalbanische  Teil,  der  erfüllt  sei  mit  Hass  auf  alles  was  nicht 
albanisch sei. Die Leute hätten keine Arbeit und würden in Armut  leben. 
Die  beigelegten Berichte  aus  dem  Internet  über  die  terroristischen Akte 
gegen  die  nichtalbanische  Bevölkerung  würden  die  schlechte  Situation 
belegen.  Aus  diesen  Gründen  bitte  der  Beschwerdeführer  um  eine 
Verlängerung seines Aufenthalts  in der Schweiz bis sich die Situation  in 
seinem Heimatort  stabilisiert  habe,  ansonsten  er  in  Kosovo  in  den  Tod 
geschickt werde.

5. 
5.1. Das Bundesamt führte zur Begründung seines Asylentscheides aus, 
die Vorbringen des Beschwerdeführers, wonach er  im Kosovo aufgrund 
seiner Zugehörigkeit zur serbischen Minderheit von ethnischen Albanern 
im  Kosovo  zusammengeschlagen  und  bedroht  worden  sei,  seien  nicht 
asylrelevant,  da  einerseits  von  einem  adäquaten  Schutz  seines 
Heimatstaates  auszugehen  sei  und  dem  Beschwerdeführer  als 
Staatsangehörigen  von  Kosovo  zudem  eine  innerstaatliche 
Fluchtalternative im Norden von Kosovo zur Verfügung stehe. Ausserdem 
bejahte  es  implizit  das  Vorhandensein  einer  Zufluchtsmöglichkeit  in 
Serbien,  indem  es  im  Zusammenhang  mit  der  Frage  nach  der 
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges erwog, dem Beschwerdeführer 
würde  auch  nach  der  Unabhängigkeitserklärung  von  Kosovo  durch 

D­403/2009

Seite 9

Serbien  als  serbischer  Staatsbürger  erachtet,  weshalb  für  ihn 
grundsätzlich eine Aufenthaltsalternative in Serbien bestehe. 

5.2. Der  Beschwerdeführer machte  Übergriffe  von  drei  Kosovoalbanern 
geltend. Das BFM geht davon aus, der Beschwerdeführer könne im Süd­
Kosovo  adäquaten  Schutz  erhalten.  Nach  Erkenntnissen  des 
Bundesverwaltungsgericht  hat  die  Mehrheit  der  serbischen  Polizisten 
südlich des Ibar nach der Unabhängigkeitserklärung am 17. Februar 2008 
ihren Dienst  quittiert, was die Qualität  von Polizei­Einsätzen  in  ethnisch 
gemischten  Gebieten  stark  in  Mittleidenschaft  gezogen  hat.  Der 
serbischen Minderheit mangelt es in Gebieten, wo die meisten Polizisten 
Kosovoalbaner sind, an Vertrauen  in den KPS. Viele ethnisch motivierte 
Vorfälle,  welche  durch  den  KPS  untersucht  werden,  bleiben  ungelöst, 
wodurch  das  Vertrauen  der  Minderheiten­Bevölkerung  in  die 
Durchsetzung  des  Rechts  schwindet.  Die  Befürchtungen  des 
Beschwerdeführers, wonach eine Anzeige zu keinem Erfolg geführt hätte, 
sind deshalb – entgegen der Auffassung des BFM – nicht unbegründet. 
Hingegen  existiert  für  den  Beschwerdeführer  im  Nordkosovo,  wo  die 
Serben die überwiegende Mehrheit – auch in der Polizei – stellen und die 
serbischen  Gemeinden  praktisch  von  Belgrad  aus  regiert  werden,  eine 
innerstaatliche Fluchtalternative. 

5.3. Der Beschwerdeführer  ist  zudem aufgrund der Aktenlage einerseits 
als  Staatsangehöriger  der  Republik  Kosovo  zu  betrachten;  infolge  der 
serbischen Abstammung und Geburt auf  (ehemaligem) Staatsgebiet der 
Republik  Serbien  gemäss  dem  serbischen  Gesetz  über  die 
Staatsbürgerschaft  Nr. 135/04  vom  21. Dezember  2004  verfügt  er 
andererseits  auch  über  die  serbische  Staatsangehörigkeit  (vgl.  BVGE 
2010/41  E. 6.4.2).  Der  Beschwerdeführer  hat  auf  dem  eigenhändig 
ausgefüllten  Personalienblatt  im  EVZ  als  Staatsangehörigkeit  "Serbien" 
angegeben  (vgl.  act. A2/2)  und  sich  auch  anlässlich  der  Anhörung  am 
20. November 2008 als serbischen Staatsangehörigen bezeichnet. 

5.4. Gestützt auf Art. 1 A Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über 
die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sind Personen von 
der Anerkennung  der Rechtsstellung  als  Flüchtling  ausgeschlossen,  die 
mehrere  Staatsangehörigkeiten  besitzen  und  die  den  Schutz  von 
wenigstens  einem  dieser  Länder  in  Anspruch  nehmen  können.  Soweit 
verfügbar, hat der Schutz des Landes, dessen Staatsangehörigkeit  eine 
Person  besitzt,  Priorität  gegenüber  dem  internationalen  Schutz 
beziehungsweise  dem  Schutz  durch  einen  Drittstaat  (siehe  UNHCR, 

D­403/2009

Seite 10

Handbuch  über  Verfahren  und  Kriterien  zur  Feststellung  der 
Flüchtlingseigenschaft,  Rz. 106  f.,  WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des 
Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S. 35).

Dem  Beschwerdeführer  steht,  wie  soeben  dargelegt,  neben  der 
kosovarischen  auch  die  serbische  Staatsangehörigkeit  zu,  und  er  kann 
sich  somit  auch  nach  Serbien  begeben  und  dort  aufgrund  der 
bestehenden  Niederlassungsfreiheit  Wohnsitz  nehmen.  Der 
Beschwerdeführer macht zudem keine Fluchtgründe geltend, die sich auf 
das  Territorium  des  serbischen  Staates  (in  der  heute  international 
anerkannten,  also  die  ehemalige  Provinz  Kosovo  nicht  mehr 
einschliessenden  Ausdehnung)  beziehen.  Der  von  ihm  pauschal 
erhobene Einwand, allfälligen Diskriminierungen ausgesetzt zu sein, und 
der  –  mittels  Internetauszügen  belegte  –  Hinweis  auf  die  allgemein 
schwierige  wirtschaftliche  und  soziale  Lage  von  Kosovo­Serben  in 
Serbien  und  in  Mitrovica  vermag  jedenfalls  keine  flüchtlingsrelevante 
Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen. Nachdem er somit 
mit  Bezug  auf  Nordkosovo  und  Serbien  keine  asylrelevante  Verfolgung 
geltend machen kann, ist der Beschwerdeführer nicht auf den Schutz der 
Schweiz  angewiesen.  Das  BFM  hat  folglich  das  Asylgesuch  des 
Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt.

6. 
6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1  AsylG;  vgl.  BVGE  2009/50  E. 9  S. 733,  Entscheidungen  und 
Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2001 
Nr. 21).

6.3.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländerinnen und Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und 
Ausländer [AuG, SR 142.20]).

D­403/2009

Seite 11

6.4. Gemäss  Rechtsprechung  sind  die  Bedingungen  für  einen  Verzicht 
auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  (Unmöglichkeit,  Unzulässigkeit, 
Unzumutbarkeit;  vgl.  Art. 83  Abs. 2­4  AuG)  alternativer  Natur.  Sobald 
eine  der  Bedingungen  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als 
undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der 
Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu 
regeln (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4, EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.).

6.5. 
6.5.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl. 
Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).

6.5.2. In Bezug auf die allgemeine Sicherheits­ und Menschenrechtslage 
ist  festzuhalten,  dass  sowohl  in  Serbien  wie  auch  in  der  serbischen 
Enklave im Norden Kosovos keine Kriegs­ oder Bürgerkriegssituation und 
auch  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrscht,  die  den 
Wegweisungsvollzug  unzumutbar  erscheinen  liesse.  Der  Vollzug  der 
Wegweisung  ethnischer  Serben  mit  letztem  Wohnsitz  in  Kosovo  nach 
Serbien  oder  in  die  serbische  Enklave  im  Norden  Kosovos  ist  daher 
grundsätzlich zumutbar. 

6.5.3.  Indessen  kann  sich  der  Wegweisungsvollzug  in  die  serbische 
Enklave  im Norden Kosovos  oder  nach  Serbien  im  konkreten  Einzelfall 
als  unzumutbar  erweisen,  weil  die  betroffene  Person  dort  aus 
individuellen Gründen einer konkreten Gefährdung ausgesetzt wäre. Bei 
der  Beurteilung,  ob  der  betroffene  Person  im  Norden  Kosovos  oder  in 
Serbien eine zumutbare alternative Zufluchtsmöglichkeit offen steht, sind 
insbesondere die Möglichkeit der wirtschaftlichen Existenzsicherung, der 
persönliche Bezug zum Zufluchtsort, wie ein früherer Aufenthalt oder eine 
Arbeitsstelle,  und  ein  tragfähiges  familiäres  oder  sonstiges  soziales 
Beziehungsnetz sowie die Möglichkeit der gesellschaftlichen  Integration, 

D­403/2009

Seite 12

zu  berücksichtigen.  Im  Rahmen  dieser  Kriterien  sind  ferner  weitere 
Faktoren  in  die Erwägungen einzubeziehen,  so  insbesondere das Alter, 
der Gesundheitszustand, die Frage, ob Einzelperson oder Familie und die 
berufliche  Ausbildung,  der  betroffenen  Personen  (vgl.  BVGE  2010/41 
E. 8.3.3.6 S. 588 f.). 

6.5.4. Wie das BFM zu Recht  festgestellt  hat, erscheint der Vollzug der 
Wegweisung  nach  Z._______  (Y._______,  Südkosovo),  wo  der 
Beschwerdeführer  zeitlebens  gewohnt  hat  (vgl.  act.  A1/8  S. 1)  nicht 
zumutbar,  zumal die Wahrscheinlichkeit  einer  konkreten Gefährdung  für 
ethnische  Serben  ausserhalb  ihrer  Enklave  im  Norden  weiterhin  nicht 
ausgeschlossen werden  kann. Hingegen  ging  das BFM davon  aus,  der 
alleinstehende,  gesunde,  (…)­jährige Beschwerdeführer würde aufgrund 
einer soliden Schulbildung und  langjährigen Berufserfahrung als Kellner, 
Landbesitz im Kosovo und eines Beziehungsnetzes die Voraussetzungen 
mit  sich  bringen,  um  in  seiner  Heimat  weiterhin  ein  Auskommen  zu 
finden. Ausserdem könne er sich als serbischer Staatsangehöriger auch 
in  Serbien  niederlassen,  weshalb  die  Inanspruchnahme  der 
Aufenthaltsalternative  in  Serbien  ebenfalls  zumutbar  sei.  Dieser 
Einschätzung  kann  indessen  nicht  gefolgt  werden.  Aus  den  Akten  geht 
hervor, dass der Beschwerdeführer die Mitteltechnische Schule absolviert 
hat,  offenbar  aber  nie  einen  seiner  Ausbildung  entsprechenden  Beruf 
ausgeübt, sondern zuhause als Landwirt und in einem serbischen Café in 
X._______ während fünf Jahren als Kellner gearbeitet hat (vgl. act. A8/10 
S. 3 F5­F12). Der inzwischen (…)­jährige Beschwerdeführer verfügt damit 
– wie  vom  BFM  erwogen  –  zwar  über  eine  Ausbildung  und  über  eine 
gewisse Berufserfahrung. Die wirtschaftliche Situation  in den serbischen 
Enklaven  im  Kosovo  ist  indessen  desolat.  Angesichts  einer 
Arbeitslosenquote  unter  den  Kosovo­Serben  von  rund  70 Prozent  und 
angesichts des Umstandes, dass die serbische Bevölkerungsgruppe wie 
die Angehörigen der übrigen Minderheiten  in Kosovo kaum Zugang zum 
regulären  Arbeitsmarkt  hat  und  zudem  Diskriminierungen  beim  Zugang 
zu  Unterkünften  ausgesetzt  ist,  wird  es  dem  Beschwerdeführer  jedoch 
trotz  seiner  Ausbildung  und  bisheriger  Berufserfahrung  kaum  möglich 
sein,  in  der  serbischen Enklave  im Norden Kosovos  eine Anstellung  zu 
finden,  die  ihm  den  Aufbau  einer  wirtschaftlichen  Existenz  ermöglicht. 
Auch in Serbien sind die Bedingungen für Binnenflüchtlinge zum Aufbau 
einer wirtschaftlichen Existenz ungünstig. Nachdem in einer ersten Phase 
noch  eine  gewisse  Unterstützung  durch  internationale  Organisationen 
und private Hilfswerke  geflossen war, wurde die weitere Betreuung  von 
aus Kosovo vertriebenen Angehörigen der serbischen Volksgruppe bald 

D­403/2009

Seite 13

den  staatlichen  Behörden  übertragen.  Diese  lassen  indessen  ein 
konkretes  Interesse  an  der  Erleichterung  der  Integration  der 
kosovarischen Serben weitgehend vermissen, da sie grundsätzlich nach 
wie  vor  (auf  der  Basis  der  Auffassung,  Kosovo  bilde  einen  territorialen 
Bestandteil Serbiens) davon ausgehen, dass diese Personen längerfristig 
wieder  in  ihre  ursprünglichen  Herkunftsorte  in  Kosovo  zurückkehren 
werden.  Im  Falle  des  Beschwerdeführers  kommt  hinzu,  dass  er  nie  im 
Norden Kosovos oder  in Serbien gelebt oder gearbeitet hat und,  soweit 
feststellbar,  dort  auch  über  kein  tragfähiges  Beziehungsnetz  verfügt, 
welches  ihn  bei  der  sozialen  und  wirtschaftlichen  Integration  in  die 
Gesellschaft  unterstützen  könnte.  Unter  diesen  Umständen  wird  der 
Beschwerdeführer  aber  auch  in  Anbetracht  seiner  Ausbildung  und  der 
erworbenen  Berufserfahrung  kaum  in  der  Lage  sein,  sich  im  Norden 
Kosovos  oder  in  Serbien  aus  eigener  Kraft  eine  Existenzgrundlage 
aufzubauen.  Im  Ergebnis  besteht  für  den  Beschwerdeführer  dort  somit 
keine zumutbare Aufenthaltsalternative. 

6.5.5.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  sich  bei  gesamthafter 
Berücksichtigung  aller  wesentlichen  Umstände  der  Vollzug  der 
Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  im  vorliegenden  Einzelfall  als 
unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG erweist. Nachdem sich aus 
den Akten keine Hinweise auf das Vorliegen von Ausschlussgründen  im 
Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG ergeben, sind die Voraussetzungen für die 
Anordnung der vorläufigen Aufnahme erfüllt.

7. 
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit in Bezug auf 
die  Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft,  die  Ablehnung  des 
Asylgesuches und die verfügte Wegweisung aus der Schweiz (Ziffern 1­3 
des  Dispositivs)  die  Aufhebung  der  Verfügung  beantragt  wird.  Sie  ist 
hingegen  hinsichtlich  des  Vollzugs  der  Wegweisung  gutzuheissen.  Die 
Ziffern  4  und  5  des  Dispositivs  der  angefochtenen  Verfügung  vom 
16. Dezember  2008  sind  demnach  aufzuheben  und  das  BFM  ist 
anzuweisen,  den  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  nach  den 
gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln 
(Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 83 Abs. 4 AuG).

8. 
8.1. Im Hinblick auf die Kostenliquidation ist der Ausgang des Verfahrens 
im Asylpunkt als teilweises Unterliegen (vgl. Art. 63 Abs. 1, Satz 2 VwVG) 
zu  werten,  wobei  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  seiner  Praxis  im 

D­403/2009

Seite 14

Asylbeschwerdeverfahren  bei  Konstellationen  wie  der  vorliegenden  den 
partiellen  Misserfolg  mit  der  Hälfte  veranschlagt.  Dem  Ausgang  des 
Verfahrens  entsprechend  sind  die  Kosten  des  Verfahrens  dem 
Beschwerdeführer  somit  in  ermässigtem  Umfang  aufzuerlegen  und  auf 
insgesamt  Fr. 300.–  festzusetzen  (Art. 1­3  des  Reglements  vom 
21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Kosten sind durch 
den  einbezahlten  Vorschuss  von  Fr. 600.–  gedeckt  und  werden  mit 
diesem  verrechnet.  Der  Restbetrag  von  Fr. 300.–  ist  dem 
Beschwerdeführer zurückzuerstatten.

8.2. Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Entschädigung für die 
ihnen  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten 
(Art. 64  Abs. 1  VwVG  und  Art. 7  Abs. 1  VGKE).  Der  Beschwerdeführer 
hat seine Beschwerde selbst eingereicht. Es sind ihm mithin keine Kosten 
aus  einer  Vertretung  entstanden  (vgl.  Art. 9  Abs. 1  VGKE).  Weitere 
notwendige  Auslagen  (vgl.  Art. 13  VGKE),  die  dem  Beschwerdeführer 
erwachsen  sein  könnten,  sind  aufgrund  der  Akten  nicht  ersichtlich. 
Folglich  ist  ihm  trotz  teilweisen  Obsiegens  keine  Parteientschädigung 
zuzusprechen. 

(Dispositiv nächste Seite)

D­403/2009

Seite 15

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die  Beschwerde  wird,  soweit  den  Vollzug  der  Wegweisung  betreffend, 
gutgeheissen; im Übrigen wird sie abgewiesen.

2.  
Die Dispositivziffern 4 und 5 der Verfügung des BFM vom 16. Dezember 
2008  werden  aufgehoben  und  das  Bundesamt  wird  angewiesen,  die 
vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz anzuordnen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr. 300.–  werden  dem 
Beschwerdeführer  auferlegt  und  mit  dem  geleisteten  Kostenvorschuss 
von  Fr. 600.–  verrechnet.  Der  Restbetrag  von  Fr. 300.–  wird  dem 
Beschwerdeführer zurückerstattet.

4. 
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

5. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

Versand: