# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4832b766-b06f-598d-be83-e4ec41897ac6
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2025-03-07
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 07.03.2025 D-3393/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3393-2020_2025-03-07.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-3393/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  7 .  M ä r z  2 0 2 5   

Besetzung 
 Richter Simon Thurnheer (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler,  

Richterin Jeannine Scherrer-Bänziger,    

Gerichtsschreiberin Leslie Werne. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch lic. iur. Bernhard Jüsi, Rechtsanwalt,  

(…),  

Beschwerdeführerin,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 3. Juni 2020. 

 

 

 

D-3393/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin suchte am 6. September 2017 zusammen mit ih-

rem syrischen Ehemann B._______ in der Schweiz um Asyl nach.  

B.  

Anlässlich der Summarbefragung (BzP) vom 12. September 2017 und der 

einlässlichen Anhörung vom 9. November 2017 machte die Beschwerde-

führerin im Wesentlichen geltend, sie sei türkische Staatsangehörige kur-

discher Ethnie und stamme aus C._______. Aufgrund ihrer Partnerwahl 

hätten sich einige ihrer Verwandten von ihr abgewandt und sie wiederholt 

belästigt.  

C.  

Am 18. Juni 2018 wurde D._______ als erstes Kind der Beschwerdeführe-

rin in der Schweiz geboren und in das dannzumal noch hängige erstin-

stanzliche Asylverfahren ihres Ehemanns respektive des Kindsvaters ein-

bezogen.  

D.  

Mit Verfügung vom 27. März 2020 trat das SEM auf das Asylgesuch ihres 

Ehemanns und ihres ersten Kindes nicht ein. Das Verfahren der dagegen 

erhobenen Beschwerde schrieb das Bundesverwaltungsgericht mit Ab-

schreibungsentscheid D-2130/2020 vom 6. Mai 2020 als durch Wiederer-

wägung gegenstandslos geworden ab, nachdem das SEM die angefoch-

tene Verfügung in Wiedererwägung gezogen hatte. 

E.  

Mit Verfügung vom 3. Juni 2020 – tags darauf eröffnet – stellte das SEM 

fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und 

lehnte ihr Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es die Wegweisung aus der 

Schweiz und ordnete den Vollzug an.  

Auf die Asylgesuche des Ehemannes der Beschwerdeführerin und ihres 

ersten Kindes trat das SEM mit separater Verfügung gleichen Datums neu-

erlich nicht ein. 

F.  

Mit Eingabe vom 3. Juli 2020 erhob die Beschwerdeführerin – handelnd 

durch ihren Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsgericht gegen die 

Verfügung vom 3. Juni 2020 Beschwerde und beantragte, die ange- 

D-3393/2020 

Seite 3 

fochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft fest-

zustellen und ihr Asyl zu gewähren. Eventualiter sei sie wegen Unzulässig-

keit, subeventualiter wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs 

vorläufig aufzunehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie die 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, inklusive Verzicht auf die 

Erhebung eines Kostenvorschusses sowie die Beiordnung des rubrizierten 

Rechtsvertreters zum amtlichen Rechtsbeistand. Im Weiteren sei das Ver-

fahren mit jenem ihres Ehemannes und ihres Kindes zu vereinigen bezie-

hungsweise zumindest zu koordinieren.  

G.  

Mit Eingabe vom 23. Juli 2020 respektive 6. August 2020 reichte der 

Rechtsvertreter weitere Beweismittel zu den Akten. 

H.  

Am 9. März 2021 reichte der Rechtsvertreter im Verfahren des Ehemannes 

der Beschwerdeführerin eine gemeinsame Kostennote zu den Akten. 

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 8. April 2021 hiess der Instruktionsrichter die 

Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie amtli-

chen Rechtsverbeiständung gut, setzte den rubrizierten Rechtsvertreter als 

amtlichen Rechtsbeistand ein, verzichtete antragsgemäss auf die Erhe-

bung eines Kostenvorschusses und lud die Vorinstanz zur Vernehmlas-

sung ein.  

J.  

Die Vernehmlassung des SEM vom 14. April 2021, in welcher es an seinen 

in der angefochtenen Verfügung gemachten Ausführungen vollumfänglich 

festhielt, wurde der Beschwerdeführerin am 16. April 2021 zur Kenntnis 

gebracht. 

K.  

Mit Urteil D-3027/2020 vom 9. November 2021 hob das Bundesverwal-

tungsgericht die den Ehemann der Beschwerdeführerin sowie ihr erstes 

Kind betreffende Verfügung vom 3. Juni 2020 auf und wies die Sache zur 

weiteren Sachverhaltsabklärung sowie zur erneuten Beurteilung an das 

SEM zurück.  

L.  

Mit Verfügung vom 9. November 2021 sistierte der Instruktionsrichter das 

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Beschwerdeverfahren der Beschwerdeführerin bis zur Neubeurteilung des 

Asylgesuchs ihres Ehemanns und ihres ersten Kindes. 

M.  

Am 11. August 2022 wurde das zweite Kind der Beschwerdeführerin na-

mens E._______ geboren. 

N.  

In Anbetracht des Zeitablaufes und im Hinblick auf die Weiterführung des 

Beschwerdeverfahrens forderte der Instruktionsrichter die Beschwerde- 

führerin mit Verfügung vom 1. November 2024 – mithin unter sinngemäs-

ser Aufhebung der Sistierung – dazu auf, zu ihren Familienverhältnissen 

sowie zum Verbleib ihres Ehemannes Auskunft zu geben. 

O.  

Mit Eingabe ihrer Rechtsvertretung vom 18. November 2024 teilte die Be-

schwerdeführerin unter der Beigabe diverser Beweismittel mit, sie lebe wei-

terhin in einem gemeinsamen Haushalt mit ihrem Ehemann und den ge-

meinsamen Kindern. Deren Asylverfahren sei jedoch weiterhin beim SEM 

hängig. 

P.  

Der Instruktionsrichter lud die Vorinstanz mit Verfügung vom 22. November 

2024 zu einem weiteren Schriftenwechsel ein. 

Q.  

Mit Eingabe vom 26. Dezember 2024 nahm die Beschwerdeführerin unter 

Beilage eines Internetartikels vom 10. Dezember 2024 zur zweiten Ver-

nehmlassung des SEM vom 4. Dezember 2024 Stellung.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes 

vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-

gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-

stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember 

2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und 

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Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-

setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins 

AIG übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Ge-

setzesbezeichnung verwendet. 

2.  

2.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem 

Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 

Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerdeführerin ist als Verfü-

gungsadressatin zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf 

die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten 

(aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

2.2 Die Akten des Asylverfahrens des Ehemannes und des gemeinsamen 

Kindes wurden beigezogen. 

3.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 AsylG).  

5.  

5.1 Das SEM begründete die angefochtene Verfügung damit, dass die Vor-

bringen der Beschwerdeführerin insgesamt den Anforderungen an die 

Flüchtlingseigenschaft nicht genügten. Die von ihr geltend gemachten 

Übergriffe gingen von privaten Dritten aus und hätten ihr aufgrund ihrer Art 

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und Intensität auch nicht ein menschenwürdiges Leben in der Türkei ver-

unmöglicht oder in unzumutbarer Weise erschwert, zumal sie sich bislang 

nicht um staatlichen Schutz bemüht habe. Weiter sei der Vollzug der Weg-

weisung sodann auch zulässig, zumutbar und möglich, zumal die Be-

schwerdeführerin mit ihrem Ehemann und dem gemeinsamen Kind in den 

Heimatstaat zurückkehren werde. 

5.2 Demgegenüber wandte die Beschwerdeführerin in ihrer Rechtsmitte-

leingabe im Wesentlichen ein, die Vorinstanz verkenne, dass sie in der Tür-

kei einem unerträglichen psychischen Druck ausgesetzt gewesen sei. Im 

Weiteren bestehe die Gefahr, dass ihr Ehemann, der bereits in Syrien ge-

sucht worden sei, auch in der Türkei der Unterstützung der kurdischen Sa-

che bezichtigt und verfolgt werde. Aus diesem Grund fürchte die Be- 

schwerdeführerin eine Reflexverfolgung in der Türkei aufgrund ihrer Ehe. 

Ausser Acht lasse die Vorinstanz darüber hinaus, dass der Ehemann der 

Beschwerdeführerin in der Türkei nicht über einen geregelten Aufenthalt 

verfüge und keinen solchen erlangen könne, was zwangsläufig die Tren-

nung der Familie zur Folge habe.  

5.3 In ihren Vernehmlassungen hielt die Vorinstanz grundsätzlich an ihren 

Erwägungen fest und führte aus, das SEM sei seit dem Urteil des Bundes-

verwaltungsgerichts vom 9. November 2021 im Verfahren des Ehemannes 

und des Kindes der Beschwerdeführerin nicht untätig geblieben und habe 

Abklärungen zu einer allfälligen Einreise ihres syrischen Ehemannes in die 

Türkei Ende August 2023 in die Wege geleitet. Die Abklärungen kämen 

jedoch nicht voran, da das türkische Konsulat eine Kopie der Identitätskarte 

der Beschwerdeführerin verlange, das SEM diese aufgrund des noch hän-

gigen Beschwerdeverfahrens jedoch nicht zur Verfügung stellen könne. 

Sofern die vorliegende Beschwerde abgewiesen würde, könne das SEM 

seine Abklärungen den Ehemann und die Kinder betreffend fortsetzen. 

5.4 Die Beschwerdeführerin entgegnet dem, sofern die Frage des Aufent-

halts ihres Ehemannes und ihrer Kinder in der Türkei nicht durch das SEM 

geklärt werden könne, müsse davon ausgegangen werden, dass die Fami-

lie nicht in der Türkei zusammenleben könne. 

6.  

6.1 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-

grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die 

Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des 

rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren 

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notwendigen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände 

abzuklären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Die unrichtige 

oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts bildet 

einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unrichtig ist die 

Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher oder aktenwid-

riger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-

den sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-

SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 

3. Aufl. 2013, Rz. 1043 m.w.H.).  

6.2 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV in Verbindung mit Art. 29 VwVG haben die 

Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle 

Befugnisse umfasst, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem 

Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 

144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korre-

liert die Pflicht der Behörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft 

zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. 

Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte An-

fechtung ermöglicht. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit 

allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne 

Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).  

7.  

7.1 Wie nachfolgend aufgezeigt wird, hat die Vorinstanz den Sachverhalt 

nicht rechtsgenüglich abgeklärt, so dass das Bundesverwaltungsgericht 

nicht in der Lage ist, abschliessend über die vorliegende Sache zu ent-

scheiden. Zudem hat sie es unterlassen, die Asylvorbringen der Beschwer-

deführerin umfassend zu prüfen. 

7.2 Mit Urteil D-3027/2020 vom 9. November 2021 hob das Bundesverwal-

tungsgericht die den Ehemann der Beschwerdeführerin sowie ihr erstes 

Kind betreffende Verfügung vom 3. Juni 2020 auf, da sich der rechtserheb-

liche Sachverhalt als nicht ausreichend erstellt erwiesen hatte. Es stellte 

fest, die Vorinstanz habe die Einreisemöglichkeit des syrischen Eheman-

nes und des gemeinsamen Kindes mit dem Zweck der Wohnsitznahme in 

der Türkei nicht ausreichend geprüft. Wie die Vorinstanz auf Beschwerde-

ebene selbst eingesteht, ist das entsprechende Verfahren, welches unbe-

strittenermassen mit dem vorliegenden konnex ist, weiterhin hängig. Den 

Ausführungen der Vorinstanz auf Beschwerdeebene ist sodann weiter zu 

entnehmen, dass nach wie vor nicht erstellt ist, ob ein Zusammenleben der 

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Seite 8 

Familie in der Türkei tatsächlich möglich ist. Das Säumnis im Verfahren des 

Ehemannes und der Kinder betrifft sodann auch die Beschwerdeführerin, 

insbesondere im Hinblick auf den Wegweisungsvollzug und eine allfällige 

Verletzung von Art. 8 EMRK. Darüber hinaus ist darauf hinzuweisen, dass 

die Beschwerdeführerin in der Beschwerde ausdrücklich eine Reflexverfol-

gung geltend machte. Dieses Vorbringen wird ebenfalls unter Berücksich-

tigung der Situation des Ehemannes und der aktuellen Verhältnisse in den 

beiden Herkunftsländern neu zu beurteilen sein. 

8.  

8.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungs- 

gericht in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindli-

chen Weisungen an die Vorinstanz zurück.  

8.2 Eine Kassation und Rückweisung an die Vorinstanz ist insbesondere 

angezeigt, wenn weitere Tatsachen festgestellt werden müssen und ein 

umfassendes Beweisverfahren durchzuführen ist. Die in diesen Fällen feh-

lende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Be-

schwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus 

prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber 

nicht (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.). Eine Verletzung des Anspruchs auf recht-

liches Gehör führt - angesichts des formellen Charakters des Gehörsan-

spruchs unabhängig davon, ob die angefochtene Verfügung bei korrekter 

Verfahrensführung im Ergebnis anders ausgefallen wäre - grundsätzlich 

ebenfalls zur Kassation und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Die 

Heilung von Gehörsverletzungen aus prozessökonomischen Gründen ist 

auf Beschwerdeebene nur möglich, sofern das Versäumte nachgeholt wird, 

der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen kann und der Beschwer-

deinstanz für die konkrete Streitfrage die freie Überprüfungsbefugnis in Be-

zug auf Tatbestand und Rechtsanwendung zukommt sowie die festge-

stellte Verletzung nicht schwerwiegender Natur ist und die fehlende Ent-

scheidreife durch die Beschwerdeinstanz mit vertretbarem Aufwand herge-

stellt werden kann (vgl. BVGE 2014/22 E. 5.3 m.w.H.).  

8.3 Vorliegend ist eine Kassation der angefochtenen Verfügung und Rück-

weisung der Sache an die Vorinstanz angezeigt. Das Bundesverwaltungs-

gericht kommt zum Schluss, dass das SEM den rechtserheblichen Sach-

verhalt unvollständig festgestellt und den Anspruch auf rechtliches Gehör 

der Beschwerdeführerin in schwerwiegender Weise verletzt hat und die 

Heilung dieser Mängel im Beschwerdeverfahren nicht möglich ist, weshalb 

der Entscheid aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der 

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Seite 9 

Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist. Die Kassation drängt 

sich insbesondere auch deshalb auf, weil die Vorinstanz ihr Tätigwerden 

im konnexen Verfahren davon abhängig gemacht hat, dass das vorlie-

gende Verfahren nicht rechtshängig ist. Das SEM ist anzuweisen den 

Sachverhalt durch weitere Abklärungen – insbesondere betreffend Einrei-

semöglichkeit des syrischen Ehemannes und der gemeinsamen Kinder mit 

dem Zweck der Wohnsitznahme in der Türkei – vollständig festzustellen. 

Anschliessend ist die Sache – unter Würdigung aller entscheidwesentli-

chen Sachverhaltselemente und koordiniert mit dem Verfahren des Ehe-

mannes und der gemeinsamen Kinder – neu zu entscheiden. Angesichts 

des gebotenen Handelns von Amtes wegen ist unbeachtlich, dass auf Be-

schwerdeebene keine formellen Rügen erhoben wurden und es erübrigt 

sich, auf die weiteren mit der Beschwerdeschrift geltend gemachten Rügen 

einzugehen. 

9.   

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die Verfügung vom 

3. Juni 2020 ist aufzuheben und die Sache zur vollständigen Feststellung 

des rechtserheblichen Sachverhalts und anschliessenden Neubeurteilung 

an die Vorinstanz zurückzuweisen.  

10.   

10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

10.2  

10.2.1 Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts ihres Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihr 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

10.2.2 Mit Eingabe vom 9. März 2021 wurde im Verfahren des Ehemannes 

und Kindes der Beschwerdeführerin (Geschäftsnummer D-3027/2020) 

eine Kostennote ins Recht gelegt, wonach sich die Bemühungen des 

Rechtsvertreters auf 7.65 Stunden bei einem Stundenansatz von Fr. 300.– 

belaufen. Zusätzlich werden Auslagen in der Höhe von Fr. 770.40 

aufgeführt. Der vom Rechtsvertreter ausgewiesene Stundenansatz von 

Fr. 300.– bewegt sich im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE. Aufgrund der 

Angabe («B._______ und A._______») sowie aufgrund des geltend 

gemachten zeitlichen Aufwands in der Kostennote ging das Gericht im 

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Seite 10 

Urteil D-3027/2020 vom 9. November 2021 davon aus, dass sich die 

Kostennote auf beide Verfahren bezog und entsprechend nur die Hälfte 

der geltend gemachten Kosten als Parteientschädigung auszurichten war. 

Folglich ist der Restbetrag im vorliegenden Verfahren zu sprechen und um 

die in der Kostennote vom 9. März 2021 nicht berücksichtigten Eingaben 

der Beschwerdeführerin vom 18. November 2024 respektive 

26. Dezember 2024 zu erhöhen. Die Vorinstanz wird demnach 

angewiesen, der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung in der 

Höhe von Fr. 1'950.- (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) 

auszurichten. Die unentgeltliche Rechtsverbeiständung ist gegenstandslos 

geworden.  

 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

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Seite 11 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen.  

2.  

Die angefochtene Verfügung vom 3. Juni 2020 wird aufgehoben und die 

Sache im Sinne der Erwägungen an das SEM zurückgewiesen.  

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

4.  

Das SEM wird angewiesen, der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 1'950.– auszurichten.  

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Simon Thurnheer Leslie Werne 

 

 

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