# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4d7b63ac-753d-56b1-b15b-9fa1082e85f7
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-11-20
**Language:** de
**Title:** Neuanmeldung nach rentenverneinendem Urteil. PTBS verneint; aber mit diagnostizierter mittelgradiger depressiver Episode invalidisierender Gesundheitsschaden und damit seit letztmaliger Prüfung des Rentenanspruches relevante Veränderung des Gesundheitszustandes ausgewiesen. Gutheissung. (BGE 9C_13/2016)
**Docket/Reference:** IV.2014.00984
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2014.00984.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2014.00984
II. Kammer
Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Käch
Ersatzrichterin Lienhard
Gerichtsschreiberin Schucan
Urteil
vom
20. November 2015
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Tobias
Figi
Fankhauser Rechtsanwälte
Rennweg 10, 8022 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1962,
meldete sich erstmals am 26. März 2009 unter Hinweis auf
einen Tennisellenbogen
bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/6
Ziff.
6.2
). Mit Verfügung vom 7. April 2011 (Urk. 7
/73
) verneinte die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV
Stelle
, einen
Anspruch auf eine Invalidenrente. Die
s
wurde mit Urteil des hiesi
gen Gerichts vom 1
0.
Juli 2012 im Verfahren Nr. IV.2011.0
0
555
(
Urk.
7/94
) und mit
Urteil des Bundesgerichts vom 3
1.
Oktober 2012 (Urk.
7/97
)
bestätigt
.
1.2
Nachdem die Versicherte am
8.
November
2012 ein erneutes Revisionsgesu
ch
ge
stellt
hatte
(
Urk.
7/
96
)
,
holte di
e IV-Stelle unter anderem
ein p
sychiatrisches Gutachten ein, das am 1
7.
Juli 2013 erstattet wurde (Urk. 7/111
). Nach durchgeführte
m
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/114
-
115,
Urk.
7/118
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
7.
August 2014 einen Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
7/
120
=
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
4.
September 2014
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
7.
August 2014
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
,
und es sei
ihr eine angemessene Invalidenrente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantra
gte mit Beschwerdeantwort vom 1
6.
Oktober 2014 (
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde
der Beschwerdeführerin am 8.
Dezember 2014
zur Kenntnis geb
racht (
Urk.
8
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revi
sionsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre
Verfügung (
Urk.
2)
damit, aus somati
scher Sicht sei im Vergleich zur letztmaligen Beurteilung im April 2011 von einem unveränderten Gesundheitszustand auszugehen
,
und der Beschwerde
führerin sei ihre bisherige wie auch eine adaptierte Verweistätigkeit weiterhin zu 100
%
zumutbar. In psychiatrischer Hinsicht könne auf das Gutachten vom Juli 2013
abgestellt werden. Es sei demnach eine psychiatrische Verschlechte
rung eingetr
ete
n, welche die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in subjek
tiver Weise eins
chränke. Die
neuen Diagnosen hätten nach Rechtsprechung nicht die erforderliche Intensität, als dass sie als invalidisierend gelten könnten
(S. 2)
.
Eine rechtlich bedeutsame Verschlechterung des psychischen Gesun
d
heitszustandes im Vergleich zur letztmaligen
Verfügung vom April 2011 sei demnach nicht ausgewies
en
(S. 3).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
es sei aktenwidrig, dass
im Gutachten vom Juli 2013
das Vorliegen einer post
traumatischen
Belastungsstörung
(PTBS)
verneint
worden sei und
bei ihr kein sozialer Rückzug vorläge (S. 10
Ziff.
5.14
, S. 16
Ziff.
7.6
).
Die diagnostizierte
mittelgradige depress
ive Episode
habe
Krankheitswert
(S. 12 f.
Ziff.
6.4-6). Sie sei durch die andauernde Depression massiv in der Erwerbstätigkeit und im Haushalt eingeschränkt (
S. 13
Ziff.
6.7). Auch sei das V
orliegen einer PTBS durch die schweren Traumatisierungen in der Kindheit und anschliessend in der Ehe ausgewiesen (S. 14
Ziff.
6.8)
. D
ie
somatoforme
Schmerzstörung sei nicht überwindbar (S. 17
Ziff.
7.7).
Da sie aufgrund der mindestens mittelschweren Depression auch im Haushalt eingeschränkt sei
,
liege der
Gesamtinvaliditäts
grad
bei 60
%
(S. 18
Ziff.
8.3).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob in psychi
atri
scher Hinsicht seit April 2011 eine revisionsrelevante Veränderung eingetreten ist
.
3.
Im Urteil vom 1
0.
Juli 2012
ist
gestützt auf das psychiatrische
Gutachten von
Dr.
med.
Y.___
, Facharzt für Psychiatrie und  Psychotherapie, vom November 2010 (vgl.
Urk.
7/63)
und
gestützt auf
das rheumatologische Gut
achten von
Dr.
med.
Z.___
, Fachärztin für Rheumatologie und All
gemeine Innere Medizin,
vom Oktober 2010
(
Urk.
7/62)
davon ausgegangen
worden
, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 7. April 2011
(
Urk.
7/73) weder in ihren
angestammten Beruf
en als
Detailhan
delsangestellte
und Hauswartin
no
ch in vergleichbaren Verweis
tätigkeiten gesundheitlich eingeschränkt
war
(vgl.
Urk.
7/94 E. 5).
Insbesondere
konnte
der psychiatrische Gutachte
r
Dr.
Y.___
keine psychiatri
sche Diagnose mit Auswirkung a
uf die Arbeitsfähigkeit stellen, was so auch mit den Angaben der Beschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt übereinstimmte.
Die
Beschwerdeführerin
führte anlässlich der Begutachtung
auch aus, sie habe sich subjektiv nie depressiv gefühlt (vgl.
Urk.
7/63 S. 7 Ziff.
8.5-6).
4.
4.1
Zum Zeitpunkt der vorliegend angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
präsentierte sich die relevante medizinische Aktenlage wie folgt:
Die Ärzte des
A.___
, Spital
B.___
, stellten in ihrem
Aus
tritts
b
ericht
vom 1
6.
September 2011 (
Urk.
7/86
/1-3
=
Urk.
7/89/17-21)
fol
gen
de Diagnose
n
(S. 1):
-
rezidivierende depressive Störungen, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.01) mit Anteilen einer PTBS (ICD-10 F43.1) mit/bei
-
schwerer Traumatisierung in der Kindheit
-
ausgeprägten generalisierten Schmerzen
-
chronische
Epicondylopathie
humeroradialis
links mehr als rechts,
Erst
diagnose
August 2007
-
cerv
icospondylogenes
und
-brachiales Syndrom
-
anamnestisch passagere Schwellung
des oberen Sprunggelenkes
links nach Belastung
-
Vitamin D-Mangel (
supplementiert
)
-
Hypoalimentation, BMI 18 kg/m
2
Die Ärzte führten aus, die Beschwerdeführerin habe sich zum ersten Mal vom 1
8.
März bis
7.
April 2011 bei ihnen in stationärer Behandlung befunden. Auf
grund eines lange geplanten Auslandaufenthaltes sei die Therapie vom
8.
bis 1
7.
April
2011
unterbrochen worden mit geplantem Wiedereintritt (S. 1 oben). Die Beschwerdeführerin sei seit einem Gespräch am
3.
Februar 2011 bei der RAV-Berufsberatung, wo sie unter anderem über ihre Kindheitserlebnisse erzählt habe, in eine depressive Stimmungslage mit vermehrten Schmerzen geraten. Sie habe an Gewicht abgenommen, leide unter Antriebsmangel und könne keine Freude mehr empfinden (S. 1 unten).
Der Beschwerdeführerin sei die psychotherapeutische Auseinandersetzung mit ihrer ausgesprochen traumatischen Vorgeschichte sehr wichtig gewesen. Es sei ihr gelungen, Vertrauen zur Therapeutin aufzubauen und nach und nach sowohl über kunstthe
rapeutisches Gestalten als auch über
das Erzählen
die
verschiedene
n
traumatische
n
Situationen insbesondere mit ihrem Stiefvater zu
deponieren. Es sei ihr zunehmend gelungen, sich zu entspannen und in Kontakt mit ihrer inneren Ruhe zu kommen (S. 3 oben).
Sie
habe zwar weiterhin Beschwerden, es sei jedoch der Austritt nach Hause vereinbart worden, um ei
nen Hospitalismus zu vermeiden
. Sie sei für das
tages
klinische
Programm angemeldet (S. 3 unten).
4.
2
Dr.
med.
C.___
, Fachärztin für Physikalische Medizin
,
und
für
Rehabilitation
und Rheumatologie
,
stellte in ihrem
Bericht vom 3
1.
Mai 2012 (
Urk.
7/89/5-8 =
Urk.
7/90 =
Urk.
7/91)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit (S. 1)
:
-
ausgeprägte depressive Störung mit
-
somatischem Syndrom
-
PTBS
-
ausgeprägten generalisierten Schmerzen
-
frozen
Shoulder
links
-
chronische
Epicondylopathia
humero
radialis
links mehr als rechts
-
klinisch Verdacht auf
Plica
humeroradialis
links
-
Status nach Exzision des degene
rierten Sehnengewebes aus der
muscu
lus
extensor
carpi
radialis
brevis
Sehne und
Denervation
links (Operation nach
Nirschl
) am
5.
Februar 2009
-
Verdacht auf primäres
Raynaudphänomen
-
minim erhöhter Rheumafaktor (2008
)
-
cervicospondylogenes
Syndrom beidseits
Dr.
C.___
führte aus, die Beschwerdeführerin sei vom 3
0.
Januar 2003 bis 18.
März 2011 bei ihr in Behandlung gewesen. Eine IV-Untersuchung habe am 1
6.
März 2012 stattgefunden (
Ziff.
1.2).
N
achdem sie die Patientin nun ein ganzes Jahr nicht mehr gesehen habe, sei sie jetzt sehr verändert. Sie habe verängstigt, angespannt, zittrig und sehr unruhig gewirkt.
Dr.
C.___
führte aus, es handle sich um eine untergewichtige, stark nervös und unruhig wirkende Patientin in vermindertem Allgemeinzustand. Die Prognose sei unbestimmt. Im Moment sei die psychische Situation der Patientin im Vor
dergrund. Sie leide an einer schweren Depression mit
einer
Angstkomponente, die ihren Alltag völlig beherrsche. Zusätzlich seien die Schmerzen in unverän
derter Intensität vorhanden und auch durch starke Schmerzmittel nicht richtig
verminderbar
(
Ziff.
1.4). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bestehe aus psychi
atrischer Sicht eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, weshalb sich eine zusätzliche rheumatologische Beurteilung erübrige (
Ziff.
1.6). Die psychische Einschränkung verhindere eine Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.7).
4.
3
Dr.
med.
D.___
, Facharzt für Psychiatrie und für Psychotherapie,
stellte in seinem
Bericht vom 2
7.
November 2012 (
Urk.
7/100)
folgende Diagnosen:
-
anhaltende PTBS mit einer mittelgradigen Depression
-
anhaltende Anorexia
nervosa
-
generalisierte Schmerzstörung
Die Beschwerdeführerin befinde sich seit dem Austritt aus der psychiatrischen Klinik ab dem 2
0.
September 2011 regelmässig in seiner psychiatrischen Sprechstunde.
B
is
zum
2
5.
Juni 2012 seien die Sitzungsfrequenzen wöchentlich gewesen. Da sich der psychische Zustand in dieser Zeit unter der Neueinstellung der Medikamente und der psychiatrischen Behandlung verbessert habe, habe die Sitzungsfrequenz ab Juli 2012 auf zwe
iwöchentlich reduziert werden kö
nnen. Die P
a
tientin komme aber zusätzlich seit Juli 2012 regelmässig in die Gruppentherapie für Depressionspatienten mit PTBS, welche einmal im Monat durchgeführt werde
. Die Beschwerdeführerin sei gemäss seiner fachlichen Abklärung weiterhin zu 100% arbeitsunfähig und in diesem psychischen Zustand auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht vermittelbar.
Dr.
D.___
führte aus, er könne als behandelnder Psychiater den Antrag bei der Inval
idenversicherung nur unterstütz
en. Personen, welche an einer PTBS leiden, hätten ein Ereignis überstanden, welches ihr Leben oder ihre körperliche Integrität bedroht habe. Häufig
riefen
solche Erlebnisse kurzfristig heftige e
motionale Reaktionen hervor
wie Angst, Hilflosigkeit, Aggressivität oder Grauen.
Aus diesem
Grund seien Situationen zu vermeiden, welche die Patienten an das Trauma erinnern (S. 1).
4.
4
Dr.
C.___
nannte in ihrem
Bericht vom 1
4.
Februar 2013 (
Urk.
7/103)
die glei
chen Diagnosen wie in ihrem Bericht vom 3
1.
Mai 201
2.
Die Beschwerdeführe
rin habe selbst angegeben, es gehe ihr schlechter als vor einem Jahr, insbeson
dere von der Psyche her. Sie habe keine Lebensfreude mehr und keine Lust, irgendetwas zu unternehm
en. Sie könne kaum den Haushalt
führen und den Hund habe sie ebenfalls abgeben müssen, da sie die Betreuung nicht selbständig habe wahrnehmen können.
Sie habe ein schlechtes Gewissen, da sie ihre Aufga
ben zu Hause ebenfalls nicht voll wahrnehmen könne. Im Sommer sei es eher besser, jetzt mit der Kälte gehe es ihr deutlich schlechter. Schmerzen habe sie in beiden Ellbogen, in den Schultern beidseits und im Nacken ausstrahlend in die Brustwirbelsäule.
Dr.
C.___
führte aus, im klinischen Status zeige sich unverän
dert eine untergewichtige, nervös und unruhig wirkende Patientin in vermin
dertem Allgemeinzustand, die körperlichen Befunde seien unverändert zur Untersuchung vom Mai 201
2.
Insgesamt sei die Patientin vor allem wegen der ausgeprägten PTBS mit einer stark depressiven Komponente im Moment sicher zu 100
%
arbeitsunfähig. Die rheumatologische Problematik sei dadurch stark in
den Hintergrund gerückt (S. 1). Die Prognose sei abhängig von der psychischen Situation, möglicherweise könne sich diese in den nächsten drei Jahren verbes
sern (S. 2).
4.
5
Am 1
7.
Juli 2013 erstattete
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, das von der Beschwerdegegnerin veranlasste p
sychiatri
sches Gutachten (
Urk.
7/111)
. Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit nannte er eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syn
drom (ICD-10 F32.11) auf dem Boden einer akzentuierten Persönlichkeit mit selbstunsicheren und abhängigen Zügen. Als Differenzialdiagnose
n
nannte er eine kombinierte Persönlichkeitsstörung, abhängig und selbstunsicher (ICD-10 F61.0) und eine anhaltend
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4).
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine unklare Essstörung (ICD-10 F50.9
)
bei anamnestisch Status nach Anorexia
nervosa
(S.
20
Ziff.
4).
Dr.
E.___
führte aus, aufgrund der aktuellen depressiven Symptomatik, welche derzeit als mittelgradig eingestuft werden müsse, sei die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Aussendienstmitarbeiterin einer Pharmafirma oder einer Tätigkeit im Detailhandel um 50
%
eingeschränkt. Die Begründung liege in der schweren Beeinträchtigung von Durchhaltefähigkeit und
Selbstbehauptungsfä
higkeit
, im Weiteren mittelgradiger Einschränkung von Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, Spontanaktivitäten sowie Planung als auch Strukturierung von Aufgaben (S. 25
Ziff.
6). Für eine angepasste Tätigkeit
und auch im Haushalt
müsse gleichermassen von einer 50%igen Einschränkung mit der gleichen Begründung ausgegangen werden (S. 26
Ziff.
7
, S. 27
Ziff.
2
). Es sei anzu
nehmen, dass diese Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bereits im April 2011 bestanden habe. Entsprechende depressive Symptome seien bereits im
Austritts
bericht
des
A.___
des Spital
B.___
erwähnt worden (S. 26
Ziff.
8).
Eine rasche Integration in einen Arbeitsprozess wäre zu befürworten und würde der Fixierung auf das psychische Krankheitsbild entgegenwirken. Zudem benötige die Versicherte dringend eine Strukturierung ihres Alltags (S.
26
Ziff.
10).
Es handle sich um ein Leiden mit Krankheitswert. Psychosoziale Faktoren
schienen
nicht massgeblich beteiligt zu sein (S. 27
Ziff.
3). Eine Verbesserung des Gesundheitsscha
dens sei grundsätzlich möglich
(S. 28
Ziff.
5).
Dr.
E.___
führte aus,
in der psychiatrischen Anam
nese falle eine Essstörung auf, welche z
um heutigen Zeitpunkt eher in den Hintergrund getreten zu sein
scheine
(S. 23 oben).
A
nlässlich der Untersuchung habe die Explorandin
geklagt, an
depressive
n
Symp
tome
n
und Schmerzzuständen zu leiden. Seit vier Jahren bestünden
gemäss Angaben der Beschwerdeführerin
Angstzustände.
Dr.
E.___
führte aus, d
iese seien jedoch wenig fassbar. So habe die Beschwerdeführerin
unter ande
rem
angegeben, Angst vor den eigenen Katzen gehabt und diese schliesslich weggegeben zu haben. In der psychiatrischen Exploration sei eine reduzierte Stimmungslage feststellbar gewesen. Die affektive Schwingungsfähigkeit sei eingeschränkt gewesen. Es hätten Versagensgefühle, Gedankenkreisen und Insuffizienzgefühle bestanden
. Lustlosigkeit, Interessenlosigkeit un
d
ein
sozialer Rückzug seien auf Anf
rage vorhanden. Sowohl in der Untersuchung als auch in der entsprechenden Testung habe sich eine a
uffällige Persönlichkeit gezeigt
(S.
23 Mitte).
Diagnostisch bestehe
kein Zweifel am Vorliegen einer mittelgradigen depressi
ven Episode mit somatischem Syndrom
.
Es sei eine
Persönlichkeitsakzen
tuierung
mit vor allem abhängigen Zügen sicherlich vorhanden. Diese sei schwer abgrenzbar von einer Persönlichkeitsstörung. Eine solche wäre aber eher
leichtgradig
ausgeprägt.
Gemäss Aktenlage fänden sich keine eindeutigen Hinweise auf früher durchlau
fene depressive Episoden, weshalb nicht von einer rezidivierenden depressiven Störung ausgegangen werden könne (S. 23 unten f.). Die gegenwärtige Depres
sion bestehe seit mindestens April 2011.
Eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung könne nicht sicher ausgeschlos
sen werden. Ein Zusammenhang zu den belastenden Kindheitserinnerungen sei durchaus möglich und könne zu emotionalen Konflikten geführt haben
(S. 24 oben)
.
Eine
PTBS
könne hingegen nicht bestätigt werden. So habe die Explorandin nicht über ein wiederholtes Erleben des Traumas im Sinne von Nachhall
erinnerungen oder
in
Träumen berichtet. Zudem habe kein Gefühl von
Betäubt
sein
oder emotionaler Stumpfheit respektive gar einer Gleichgültigkeit anderen Menschen gegenüber bestanden. Weiter seien keine Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber, keine
Anhedonie
und keine Vermeidung von Akti
vitäten oder Situationen, welche Erinnerungen an das Trauma wach rufen könnten
,
zu finden. Auch sei keine vegetative Übererregbarkeit mit
Vigilanz
steigerung
oder übermässiger Schreckhaftigkeit feststellbar.
Gemäss ICD-10 könne diese Störung nur dann diagnostiziert werden, wenn sie innerhalb von sechs Monaten nach einem traumatisierenden Ereignis von aus
sergewöhnlicher Schwere aufgetreten sei. Die genannten ausgeprägten genera
lisierten Schmerzen seien nicht geeignet, eine PTBS zu erklären. Gemäss ICD-10 seien hier belastende Ereignisse oder Situationen gemeint, die von ausserge
wöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorriefen (S. 24 Mitte).
Dr.
E.___
führte aus, zur bestehenden Depression müsse festgehalten werden, dass diese unter einer eher erstaunlichen medikamentösen
Kombinationsbe
handlung
noch vorhanden sei.
Diese Medikation entspreche nicht den aktuell anerkannten Leitlinien der Behandlung
für eine mittelgradige depressive Epi
sode und deute eher auf eine gewisse
Polypragmasie
hin
(S. 24 f. unten).
Hinsichtlich der durchgemachten
Hospitalisation
im Spital
B.___
falle auf, dass diese mindestens einmalig aufgrund eines Auslandaufenthaltes der Versi
cherten habe unterbrochen werden können, was darauf hinweise, dass zu dem Zeitpunkt keine ausgeprägte depressive Episode schweren Ausmasses vorhanden gewesen sein dürfte. Es bleibe ni
cht vollständig nachvollziehbar
weshalb es vor zwei Jahren zu einer psychischen Dekompen
sation gekommen sei, nachdem sich
die Explorandin während der Begutachtung durch
Dr.
Y.___
im Jahr 2010 nie psychisch krank oder depressiv erlebt habe. Momentan bestehe eine starke Fixierung auf die psychischen Probleme, was die Prognose wenig günstig erscheinen lasse. Es wäre auch für den weiteren Krankheitsverlauf günstig, wenn die Versicherte wieder voll ins Alltagsleben und im Hinblick auf eine Wiederaufnahme einer Teilarbeitsfähigkeit beruflich
reintegrie
rt
werden könnte (S. 25 Mitte).
4.
6
Dr.
D.___
stellte in seinem Bericht
vom
1.
September 2014 (
Urk.
3/4)
folgende psychiatrischen Diagnosen (S. 2 oben):
-
anhaltende PTBS (ICD-10 F43.1)
-
rezidivierende depressive Episoden (ICD-10 F33.11) gegenwärtig mittelgra
dige depressive Episode mit somatischem Syndrom
-
Anorexia
nervosa
(ICD-10 F50.0)
Als somatische Diagnose nannte
Dr.
D.___
eine anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
(ICD-10 F45.3). Er führte
aus,
Dr.
E.___
masse
sich sehr viel an, wenn er denke, dass seine Begutachtung von wenigen S
tunden ihm das Recht gebe, seine
langjährige Th
erapie als nicht l
eitlinienkonform
zu bezeich
nen
und
ihn
einer „gewissen
Polypragmasie
“ zu bezichtigen.
Es treffe tatsächlich zu, dass einige der nach ICD-10 vorhandenen Symptome der Kriterien für eine Persönlichkeitsstörung
ent
sprächen. Eines der wichtigsten Kriterien, dass die Abweichung stabil, bereits schon im Kindesalter oder in der Adoleszenz begonnen habe, treffe nicht zu.
Dr.
D.___
führte aus, sämtliche Kriter
ien für eine PTBS seien erfüllt; s
o das bedrohliche Ereignis durch Miss
handlungen des Stiefvaters, Flash-Backs, Vermeidungsverhalten
.
W
eiter seien
Ein- und Durchschlafstörungen bekannt, Reizbarkeit,
Konzentrationsschwierig
keiten
,
Hypervigilanz
und erhöhte Schreckhaftigkeit.
Er halte an den im Spital
B.___
gestellten Diagnosen fest (S. 1).
Seit dem letzten Bericht im März 2014 sei es in Zusammenarbeit mit der Rheuma
tologin
Dr.
C.___
möglich gewesen, die
somatoforme
Schmerzstörung in den Griff zu bekommen. Die Beschwerdeführerin habe gelernt, mit der Krank
heit umzugehen und durch eine neuerarbeitete Strategie nicht immer gleich den ga
nzen Haushalt auf einmal
machen zu wollen und die Arbeit aufzuteilen, was wiederum ihre Schmerzen in Grenzen halte. Die Schmerzen seien aber nicht verschwunden und die
somatoforme
Schmerzstörung sei sicher noch vorhan
den. Die Patientin sei in den letzten fünf Jahren mehrmals leitlinienkonform behandelt worden
, wie von
Dr.
E.___
erwünscht, jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Erst mit der aktuellen medikamentösen Therapie sei es gelungen, die Beschwerdeführerin stabil zu halten, sodass ein weiterer Klinikaufenthalt habe vermieden werden können. Im Gutachten von
Dr.
E.___
sei nirgends auf die nach wie vor bestehende Anorexia
nervosa
der Patientin eingegangen worden, obwohl diese im Alltag mindestens 40
%
der Gedank
engänge der Patientin ein
nehme
(S. 2 Mitte). Zudem habe sie damals im Spital
B.___
die Therapie unterbrechen müssen, um ihren schwerkranken Schwiegervater in
F.___
zu besuchen, was therapeutisch damals wichtig gewesen sei (S. 2 unten).
Dr.
D.___
führte aus, gemäss seiner fachlichen Abklärung sei die Beschwerde
führerin weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig und sei bereits beim Haushalt erle
digen überfordert. Sie weise starke Konzentrationsstörungen auf und zeige trotzt Lithiumtherapie starke Sti
mmungsschwankungen. Der Ehemann müsse
die Medikamente richten, da die Patientin auch mit der Einnahme der Medika
mente überfordert sei und ihr die Konzentration fehle (S. 3 oben).
5.
5.1
Bei seit der letztmaligen Beurteilung des Gesundheitszustandes unverändert gebliebene
m
somatischen Gesundheitszustand ging die Beschwerdegegnerin gestützt auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
E.___
vom Juli 2013 (vor
stehend E. 4.5) in psychiatrischer Hinsicht zwar von einer Verschlechterung aus, welche jedoch die Beschwerdeführerin lediglich subjektiv einschränke und daher keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe
(vorstehend E. 2.1)
.
5.2
In somatischer Hinsicht lässt sich kein seit der letztmaligen Begutachtung durch
Dr.
Z.___
im Oktober 2010 (vorstehend E. 3)
veränderter Gesundheitszu
stand entnehmen.
Die Rheumatologin
Dr.
C.___
sah die psychiatrische Proble
matik als
für die Arbeitsunfähigkeit ursächlich im Vordergrund stehend an und
begründete fachfremd eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
mit
der
ausgeprägten PTBS mit einer stark depressiven Komponente
.
Auch suchte die Beschwerde
führerin die behandelnde Rheumatologin seit Mitte März 2011 nicht mehr auf und begab sich erst im Rahmen des eingeleiteten Revisions
verfahrens ab Mitte März 2012 wieder in
deren
Behandlung
(vgl. vorstehend E 4.2 und E. 4.4)
.
5.3
Eine psychisch bedingte Invalidität im Sinne des Gesetzes liegt nur dann vor, wenn ein psychisches Leiden mit Krankheitswert fachärztlich ausgewiesen ist und es der betroffenen Person trotz Aufbietung allen guten Willens, die verblei
bende Leistungsfähigkeit zu verwerten, wegen ihrer Beschwerden nicht zuzu
muten ist, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, wobei das
Mass
des
Forderbaren
weitgehend objektiv bestimmt wird (BGE 130 V 352 f. E. 2.2.1, 131 V 49).
5.4
Kurz vor Erlass der Verfügung vom
7.
April 2011 (
Urk.
7/73) trat bei der Beschwerdeführerin eine Verschlechterung ihres psychischen Zustandes ein. Hatte sie anlässlich der Begutachtung bei
Dr.
Y.___
im Oktober 2010 noch ausgeführt, sich nie depressiv gefühlt zu haben (vgl. vorstehend E. 3), war ihr Zustand im März 2011 derart, dass sie sich in stationäre Behandlung im Spital
B.___
begeben musste. Auslöser war offenbar eine Besprechung bei der RAV-Berufsberatung im Februar 201
1.
Die Entlassung aus der stationären Behandlung erfolgte bei fortdauernden Beschwerden zur Vermeidung eines Hospitalismus (vgl. vorstehend E. 4.1). In der Folge stellten die behandelnden Ärzte übereinstimmend eine psychische Verschlechterung fest. Die Rheumatolo
gin
Dr.
C.___
beschrieb, nachdem sie die Beschwerdeführerin ein Jahr nicht mehr gesehen hatte, dass diese nun sehr verändert, verängstigt, angespannt und unruhig und völlig von ihrer Depression beherrscht sei (vgl. vorstehend E. 4.2). Auch wenn
Dr.
C.___
keine Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist, kann aus ihrer Beschreibung doch geschlossen werden, dass der psychische Zustand der Beschwerdeführerin stark im Vordergrund der Beschwerden stand.
Der
Psychiater
Dr.
D.___
führte aus, dass sich die Beschwerdeführerin nach Austritt aus der Klinik von September 2011 bis Juni 2012 wöchentlich von ihm habe behandeln lassen. Nach einer dadurch und durch medikamentöse Behandlung eingetretenen Verbesserung habe die Sitzungsfrequenz ab Juli 2012 auf zweiwöchentlich reduziert werden können; die Beschwerdeführerin nehme aber zusätzlich eine monatliche Gruppentherapie wahr (vgl. vorstehend E. 4.3).
Dr.
C.___
stellte auch im Februar 2013 fest, dass die somatische Situation ange
sichts des psychischen Zustandes stark in den Hintergrund rücke und die Beschwerdeführerin aus psychischen Gründen arbeitsunfähig sei (vgl. vorste
hend E. 4.4). Angesichts dieses Verlaufes und der konsequenten Befolgung der psychiatrischen Therapie kann entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
nicht von einem nicht invalidisierenden Gesundheitsschaden ausgegangen wer
den.
5.5
Dies wird durch das Gutachten von
Dr.
E.___
bestätigt, der im Wesentlichen eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom auf dem Boden einer akzentuierten Persönlichkeit mit selbstunsicheren und abhängigen Zügen diagnostizierte, welche die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beeinflusst. Dieses Gutachten vermag den praxisgemässen Anforderungen (vgl. vorstehend E. 1.5) zu genügen, wovon im Übrigen auch die Beschwerdegegnerin ausging (vgl.
Urk.
2 S. 2 oben;
Urk.
7/112/5).
Dr.
E.___
legte in nachvollziehbarer Weise dar, dass die Beschwerdeführerin infolge der schweren Beeinträchtigung der Durchhalte- und Selbstbehauptungsfähigkeit und der mittelgradigen Beein
trächtigung von Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, der Spontanaktivitäten und der Planung und Strukturierung von Aufgaben in der angestammten und einer angepassten Tätigkeit wie auch im Haushalt zu 50
%
arbeitsunfähig ist und dass diese Arbeitsunfähigkeit bereits im April 2011 bestanden hat.
Dr.
E.___
schloss psychosoziale Faktoren aus (vgl. vorstehend E. 4.5). Somit ist ein psychisches Leiden mit Krankheitswert fachärztlich ausgewiesen.
Aus objektiver Sicht (vgl. vorstehend E. 5.3) erscheint eine Haushalt- und Er
werbstätigkeit aufgrund der Beurteilung durch
Dr.
E.___
lediglich im Umfang von 50
%
zumutbar. Auch wenn es sich bei einer mittelgradigen depressiven Episode rechtsprechungs- und definitionsgemäss um ein vorübergehendes Lei
den handelt, schliesst dies eine - allenfalls vorübergehende
invalidenversi
cherungsrechtlich
relevante Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit nicht aus. Dies insbesondere, als die Beschwerdeführerin eine konsequente, sogar sta
tionäre Therapie wahrnahm und -nimmt und gemäss Beurteilung durch
Dr.
D.___
nach mehrjähriger Therapie dennoch kein nennenswerter Erfolg erzielt werden konnte. Es sei erst mit der aktuellen medikamentösen Therapie gelungen, die Beschwerdeführerin stabil zu halten, wodurch ein weiterer Klini
kaufenthalt habe vermieden werden können (vgl. vorstehend E. 4.6). Es ist somit nicht auszuschliessen, dass es sich vorliegend um ein therapieresistentes Leiden handelt (vgl. dazu die
Urteile
des Bundesgerichts
9C_917/2012 vom 1
4.
August 2013 E. 3.2; 9C_696/2012 vom 1
9.
Juni 2013 E. 4.3.2.1; 9C_250/2012 vom 2
9.
November 2012 E. 5).
5.6
Dr.
E.___
verneinte
dagegen
ausdrücklich
das
V
orliegen einer
PTBS
und ver
wies zur Recht auf die von
Dr.
D.___
(vorstehend E. 4.3 und E. 4.6)
unberück
sichtigt gebliebenen Kriterien zur Diagnostik nach ICD-1
0.
Auch ge
mäss der Praxis des Bundesgerichtes kann
die Diagnose einer
PTBS
nur gestellt werden, wenn die Symptomatik innerhalb von sechs Monaten nach einem belastenden Ereignis
aufgetreten ist (vgl. Urteile des Bun
desgerichts vom 20. Februar 2008 8C_242/2007 E. 2.3.3 sowie vom 22. Au
gust 2007 I 750/2006 E. 3.2.1).
Dies ist vorliegend
ausgewiesener
m
assen
nicht der Fall. So befand sich
die Beschwerdeführerin
bis zur Begutachtung durch
Dr.
Y.___
im Herbst 2010
nicht in psychiatrischer Behandlung und begab sich erstmals im Jahr
2011
in eine solche. Indes bestätigte sie anlässlich der Begutachtung bei
Dr.
Y.___
, sich nie psychisch krank gefühlt zu haben
(vgl. vorstehend E. 3)
.
Hinsichtlich
der Anorexia
nervosa
ist
auszuführen, dass diese schon im Zeit
punkt der Begutachtung
durch
Dr.
Z.___
und
Dr.
Y.___
als ohne Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit befunden wurde, und auch
Dr.
E.___
die
Ess
störung als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
erachtete
.
Nachdem
Dr.
D.___
zur Begründung der nach seiner Ansicht vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin auf nicht ausgewiesene Diagnosen abstellte, ist der Beurteilung durch
Dr.
E.___
, wonach die Beschwerdeführerin in allen Tätigkeiten zu 50
%
arbeitsunfähig ist, zu folgen.
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin wäre im Gesundheitsfall zu 80
%
erwerbs- und zu 20
%
im Haushalt tätig aus (vgl.
Urk.
1 S. 18;
Urk.
7/73 S. 3;
Urk.
7/94 E. 5.4).
6.2
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig, wird für diesen Teil die Invali
di
tät nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
ben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Im Rahmen der gemischten Methode bestimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein
Betätigungs
vergleich
vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teil
invaliditä
ten
ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hinweisen; vgl. BGE 134 V 9).
6.3
Die Parteien gehen übereinstimmend von einem hypothetischen
Validen
ein
kom
men
von
Fr.
53‘950.-- aus (
Urk.
7/112/6;
Urk.
1 S. 18). Dabei handelt es sich um das im Gesundheitsfall bei der
G.___
AG in einem Pensum von 70
%
erzielbare Einkommen (vgl.
Urk.
7/13 in Verbindung mit
Urk.
7/34). Hinzuzurechnen ist hierbei jedoch das als Hauswartin erzielte Einkommen (vgl.
Urk.
7/73/3), was gemäss IK-Auszug durchschnittlich Fr. 6‘012.-- (
Urk.
7/47;
Fr.
7‘093.-- +
Fr.
4‘931.-- / 2) beträgt. Damit ist von einem hypothetischen
Validen
einkommen
von
Fr.
59‘962.-- auszugehen. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
in jeglicher Tätigkeit, somit auch in der angestammten, ergibt dies ein hypothetisches Invalideneinkommen
Fr.
29‘981.-- (
Fr.
59‘962.--
x 0.5).
Entgegen
der
Vorbringen der Beschwerdeführerin rechtfer
tigt sich kein
behinderungs
bedingter
Abzug, da der psychischen Beeinträchti
gung mittels der teilweisen Arbeitsunfähigkeit bereits genügend Rechnung getragen wird.
Damit ergibt sich für den Erwerbsbereich eine Einschränkung von 50
%
, was bei einer Gewichtung von 80
%
einen Teil- Invaliditätsgrad von 40
%
ergibt (50 x 0.8).
6.4
Im Haushaltbereich ergibt sich bei einer Gewichtung von 20
%
und einer Arbeits
unfähigkeit von 50
%
ein Teil-Invaliditätsgrad von 10
%
(50 x 0.2). Nach Addition der beiden Teilbereiche besteht ein Gesamtinvaliditätsgrad von 50
%
und damit Anspruch auf eine halbe Rente.
6.5
Das Wartejahr begann im April 2011 zu laufen (vgl.
Urk.
7/111 S. 26
Ziff.
8) und endete dementsprechend im März 201
2.
Zwar meldete sich die Beschwer
deführerin erst am
8.
November 2012 erneut bei der Beschwerdegegnerin an (vgl.
Urk.
7/96). Es ist aber dennoch nicht von einem Anspruchsbeginn sechs Monate nach Geltendmachung (
Art.
29
Abs.
1 IVG) auszugehen, denn die Beschwerdeführerin brachte bereits im Rahmen des früheren
Beschwerdever
fahrens
am 2
0.
Mai 2011 (
Urk.
7/78/3 ff.) ihren stationären Aufenthalt und damit die Verschlechterung zur Kenntnis (vgl. Urk. 7/78/24). Das hiesige Gericht erachtete im Urteil vom 1
0.
Juli 2012 denn auch eine Verschlechterung ab April 2011 als möglich und überwies deshalb die Sache nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils an die Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
7/94 E. 5.5 und Dispositiv-
Ziff.
1). Es rechtfertigt sich deshalb, als Zeitpunkt der Geltendmachung das Datum der Beschwerde vom 2
0.
Mai 2011 festzusetzen. Damit beginnt der Ren
tenanspruch ab Ablauf des Wartejahrs, somit ab
1.
April 2012.
Dies führt zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides und zur Gutheissung der Beschwerde.
7
.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Beschwerd
egegnerin
aufzuerlegen.
7.2
Ausgangsgemäss
steht der obsiegenden Beschwerdeführerin eine
Prozessent
schä
digung
zu, die
gemäss
Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgerichts (
GSVGer
)
ohne
Rück
sicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem
Mass
des Obsiegens zu bemessen ist.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und beim bis Ende 2014 gerichtsüb
lichen Stundenansatz von Fr. 200
.-- ist die
Prozessent
schädigung
vorliegend auf Fr.
2‘000.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzu
setzen.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 2
7.
August 2014 aufgehoben, und es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin ab 1. April 2012 Anspruch auf eine halbe Rente hat.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerde
gegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die
Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin eine
Prozessent
schä
digung
von Fr. 2‘000.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Tobias
Figi
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu ent
halten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
MosimannSchucan