# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 54fe815f-2769-573c-8c6a-46c0ee91b283
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-04-12
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 12.04.2016 D-5356/2014
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5356-2014_2016-04-12.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-5356/2014 

 

 

 

  U r t e i l  v o m  1 2 .  A p r i l  2 0 1 6  

Besetzung 

 
Richter Martin Zoller (Vorsitz), 

Richter Fulvio Haefeli, Richter Yanick Felley, 

Gerichtsschreiber Philipp Reimann. 

   Parteien 
 

A._______, geboren am (…), 

Eritrea, 

vertreten durch Rechtsanwältin Jana Maletic, 

Caritas Schweiz,  

Beschwerdeführerin, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; 

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

 

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung (ohne Vollzug der Wegweisung) 

Verfügung des BFM vom 19. August 2014 / N (…). 

 

 

D-5356/2014 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin, eine eritreische Staatsangehörige tigrinischer 

Ethnie aus B._______, C._______, D._______, reiste am 7. Mai 2012 ge-

meinsam mit ihrem Halbbruder E._______ (geboren am […]) in die 

Schweiz ein, wo sie am selben Tag um Asyl nachsuchte. Am 24. Mai 2012 

erhob das damalige BFM im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

F._______ mittels Befragung ihres Halbbruders E._______ ihre Persona-

lien und erkundigte sich bei diesem über ihren Reiseweg und ihre Ausrei-

segründe. Dabei führte ihr Halbbruder im Wesentlichen aus, seine Halb-

schwester sei etwa im Dezember des Jahres 2011 gemeinsam mit ihrer 

Tante aus Eritrea ausgereist. Diese sei ausgereist, um zu ihrem in Juba 

lebenden Ehemann zu gelangen. Dabei habe sie seine Halbschwester, die 

auf ihre Kinder aufgepasst habe, einfach mitgenommen (vgl. act. A4/10 S. 

5 f. Ziff. 5.02 i.V.m. S. 8 Ziff. 7.02 in fine). Mit Zwischenverfügung vom 

30. Mai 2012 wies das BFM die Beschwerdeführerin und ihren Halbbruder 

für die Dauer des Verfahrens dem Kanton G._______ zu. Am 8. August 

2012 errichtete der Gemeinderat H._______ als Vormundschaftsbehörde 

für die minderjährige Beschwerdeführerin eine Beistandschaft nach Art. 

392 Ziff. 3 ZGB. Am 10. März 2014 hörte das BFM die Beschwerdeführerin 

einlässlich zu ihren Asylgründen an. 

Die Beschwerdeführerin begründete ihr Asylgesuch im Wesentlichen da-

mit, sie habe ihre Kindheit zusammen mit zwei Schwestern sowie ihrem 

Halbbruder E._______ bei ihre Grosseltern mütterlicherseits in B._______ 

verbracht und dort auch fünf Jahre lang die Schule besucht. Oftmals habe 

sie auch bei ihrer Tante I._______ in J._______ beziehungsweise in 

K._______ gelebt, wo sie einerseits die Schule besucht, andererseits das 

Kleinkind ihrer Tante gehütet habe. Eines Tages habe die Tante Probleme 

mit den eritreischen Militärbehörden bekommen. Deswegen sei ihre Tante 

wenig später gemeinsam mit ihr (der Beschwerdeführerin) sowie ihrem 

Kind aus Eritrea ausgereist. Zunächst seien sie per Bus von K._______ bis 

L._______ gefahren. Von dort aus seien sie zu Fuss nach M._______ im 

Sudan gelangt, wobei sie die ganze Nacht gelaufen seien. Von M._______ 

aus seien sie per Bus nach N._______ gereist, wo sie bei einem (…) (…) 

Zuflucht gefunden hätten. Dort habe sie auch ihren Halbbruder E._______ 

wiedergetroffen, der Eritrea bereits zu einem früheren Zeitpunkt verlassen 

habe. Gemeinsam hätten sie etwa fünf Monate bei dem in N._______ 

wohnhaften Verwandten zugebracht. Danach sei sie zusammen mit ihrem 

D-5356/2014 

Seite 3 

Halbbruder von N._______ aus per Flugzeug nach Europa und schliesslich 

am 7. Mai 2012 via nicht näher bekannte Länder in die Schweiz gelangt. 

B.  

Mit Verfügung vom 19. August 2014 – eröffnet am 20. August 2014 – stellte 

das BFM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft 

nicht, lehnte deren Asylgesuch ab und verfügte ihre Wegweisung aus der 

Schweiz. Gleichzeitig ordnete das Bundesamt die vorläufige Aufnahme der 

Beschwerdeführerin in der Schweiz wegen Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs an. 

C.  

Mit Verfügung (…) gewährte das BFM dem Halbbruder der Beschwerde-

führerin – E._______ (N […]) – Asyl. 

D.  

Mit Eingabe vom 19. September 2014 beantragte die Beschwerdeführerin 

mittels ihrer Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht, die ange-

fochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr in Zuerkennung der 

Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässig-

keit der Wegweisung festzustellen. Subeventualiter sei festzustellen, dass 

der ganze Sachverhalt unvollständig abgeklärt und der Entscheid mangel-

haft begründet sei, weshalb dieser vollständig aufzuheben und an die Vo-

rinstanz zurückzuweisen sei. Schliesslich beantragte die Beschwerdefüh-

rerin in verfahrensrechtlicher Hinsicht, es sei ihr die unentgeltliche Rechts-

pflege unter Einschluss der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu ge-

währen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten. Die 

Rechtsvertreterin fügte ihrer Beschwerde eine Fürsorgeabhängigkeitsbe-

stätigung der Caritas O._______ vom 3. September 2014 zugunsten ihrer 

Mandantin bei. 

E.  

Am 23. September 2014 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den 

Eingang der Beschwerde. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 26. September 2014 hiess der Instruktions-

richter des Bundesverwaltungsgerichts das Gesuch um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung und um Einsetzung der Rechtsvertreterin 

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Seite 4 

der Beschwerdeführerin als unentgeltliche Rechtsbeiständin gut. Gleich-

zeitig lud er die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung bis zum 

13. Oktober 2014 ein.  

G.  

Das BFM schloss in seiner Vernehmlassung vom 30. September 2014 auf 

Abweisung der Beschwerde. 

H.  

Das Bundesverwaltungsgericht stellte der Beschwerdeführerin die Ver-

nehmlassung des BFM am 1. Oktober 2014 zu und räumte ihr die Gele-

genheit ein, bis zum 16. Oktober 2014 eine Replik einzureichen. 

I.  

Am 15. Oktober 2014 reichte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin 

eine Replik ein. 

J.  

Mit Schreiben vom 1. April 2016 ersuchte das Bundesverwaltungsgericht 

die als unentgeltliche Rechtsbeiständin eingesetzte Rechtsvertretung der 

Beschwerdeführerin um Einreichung der Honorarnote. Dieser Aufforderung 

ist die Rechtsbeiständin in der Folge nicht nachgekommen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM (beziehungs-

weise das vormalige BFM) gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und 

ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sach-

gebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 liegt nicht vor. Das Bun-

desverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vorlie-

genden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig, 

ausser – was in casu nicht zutrifft – bei Vorliegen eines Auslieferungsersu-

chens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz 

sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Die Schweizerische Bundesversammlung hat am 14. Dezember 2012 

eine Revision des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 verabschiedet (AS 

2013 4375), welche am 1. Februar 2014 in Kraft getreten ist. Gemäss Abs. 

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Seite 5 

1 der diesbezüglichen Übergangsbestimmungen gilt für die im Zeitpunkt 

des Inkrafttretens hängigen Verfahren grundsätzlich das neue Recht. 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-

deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 AsylG sowie 

Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 

VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

Das BFM hat in seiner Verfügung vom 19. August 2014 die vorläufige Auf-

nahme der Beschwerdeführerin zufolge Unzumutbarkeit des Wegwei-

sungsvollzugs angeordnet. Diesbezüglich wurde die vorinstanzliche Verfü-

gung nicht angefochten. Damit beschränkt sich das vorliegende Beschwer-

deverfahren nur noch auf die Fragen, ob die Beschwerdeführerin die 

Flüchtlingseigenschaft erfüllt und ob ihr deswegen Asyl zu gewähren und 

auf die Wegweisung zu verzichten oder sie zumindest als Flüchtling vor-

läufig aufzunehmen ist. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, 

wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnte, 

wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimm-

ten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaf-

ten Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, solchen Nach-

teilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die 

Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; frauenspezifischen Flucht-

gründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 

4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Vorbringen sind glaubhaft, wenn sie genügend substanziiert, in 

sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in vagen Schilde-

rungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich sein oder der 

inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemei-

nen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asylsuchende 

Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere nicht der 

Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweis-

mittel abstützt (Art. 7 AsylG). Entscheidend ist, ob eine Gesamtwürdigung 

der Vorbringen ergibt, dass die Gründe, die für die Richtigkeit der Sachver-

haltsdarstellung des Gesuchstellers sprechen, überwiegen oder nicht (vgl. 

BVGE 2013/11 E. 5.1 [S. 142 f.]). 

5.  

5.1 Die Vorinstanz hielt in ihrer Verfügung vom 19. August 2014 fest, ge-

mäss nach wie vor geltender Praxis der Schweizer Asylbehörden werde 

eritreischen Deserteuren und Refraktären (mit Behördenkontakt) und Op-

fern von entsprechender Reflexverfolgung in der Regel Asyl gewährt. Per-

sonen im rekrutierungsfähigen Alter, die illegal ausgereist seien, erfüllten 

in der Regel die Flüchtlingseigenschaft aufgrund subjektiver Nachflucht-

gründe (Art. 54 AsylG). 

Aus den Akten gehe zum einen hervor, dass die Beschwerdeführerin nie in 

Kontakt mit den eritreischen (Militär-)Behörden gewesen sei, beziehungs-

weise Eritrea verlassen habe, als sie noch gar nicht im rekrutierungsfähi-

gen Alter gewesen sei. Folglich liege in ihrem Fall keine begründete Furcht 

vor Bestrafung wegen Desertion oder Refraktion aus der eritreischen Ar-

mee im zuvor erwähnten Sinn vor. Zum anderen sei ihre behauptete "ille-

gale Ausreise im rekrutierungsfähigen Alter" nicht glaubhaft: So habe sie 

sich zur angeblich erfolgten illegalen Ausreise aus Eritrea (genaues Datum 

ihrer Ausreise, Reisedauer, Schilderung der Planung und Organisation der 

Ausreise durch ihre Tante, Information zur Dauer der Busfahrt zwischen 

dem Abreiseort und L._______, Beschreibung der Gegend, Schilderung ih-

res Fussmarsches von L._______ an die eritreisch/sudanesische Grenze, 

durchquerte Landschaften) nicht näher zu äussern vermocht. Somit seien 

in ihrem Fall auch die Voraussetzungen zur Anerkennung als Flüchtling 

wegen subjektiven Nachfluchtgründen nicht gegeben. Aus diesen Gründen 

erfülle sie die Flüchtlingseigenschaft nicht, weshalb ihr Asylgesuch abzu-

lehnen sei. 

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5.2 In der Beschwerde vom 19. September 2014 wird geltend gemacht, der 

Halbbruder der Beschwerdeführerin, E._______, sei mit Asylentscheid 

vom (…) als Flüchtling in der Schweiz anerkannt worden. Wie letzterer in 

seinen Anhörungen durch die Schweizer Asylbehörden ausgeführt habe, 

sei er aus dem Militär geflüchtet. Aufgrund dieser Desertion und Flucht aus 

Eritrea habe auch für die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt ihrer Flucht aus 

Eritrea eine Gefahr der Reflexverfolgung bestanden. Weiter sei auch ihr 

Onkel aus dem Militär in den Sudan geflüchtet. Aus diesem Grund seien 

die Militärbehörden bei der Tante zuhause aufgetaucht und hätten ihr ge-

droht. Asylrelevante Nachteile nach Art. 3 AsylG könnten auch aus einer 

Reflexverfolgung entstehen, bei welcher sich Verfolgungsmassnahmen ab-

gesehen von der primär betroffenen Person auch auf Familienangehörige 

und Verwandte erstrecken würden (vgl. BVGE 2007/19, Entscheidungen 

und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 

1994 Nr. 5 E. 3h, EMARK 1994 Nr. 17). Dies sei inbesondere hinsichtlich 

begründeter Furcht vor Verfolgung relevant. Im Zeitpunkt der Flucht der 

Beschwerdeführerin habe nicht nur begründete Furcht vor Verfolgung auf-

grund Reflexverfolgung gestützt auf ihren Bruder, sondern auch gestützt 

auf die Flucht ihres Onkels bestanden. Nach der aktuellen Rechtsprechung 

des Bundesverwaltungsgerichts sei im Sinne von Art. 3 AsylG verfolgt, wer 

aus den in Abs. 1 genannten Gründen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 

sei oder begründete Furcht habe, solchen Nachteilen ausgesetzt zu wer-

den, das heisst von Dritten nachvollziehbare Gründe (objektives Element) 

für seine Furcht (subjektives Element) vorweise, mit gewisser Wahrschein-

lichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu werden 

(vgl. Urteil D-13/2014 des Bundesverwaltungsgerichts vom 10. Juli 2014). 

Dabei sei vom Bundesverwaltungsgericht anerkannt worden, dass die erit-

reischen Behörden auch die Familienangehörigen von Deserteuren im 

Sinne einer Sippenhaft Verfolgungsmassnahmen unterwerfen würden. Die 

Vorinstanz habe sich vorliegend zu Unrecht mit der Reflexverfolgung und 

der Furcht der Beschwerdeführerin vor künftiger Verfolgung nicht ausei-

nandergesetzt, zumal ihr Bruder aufgrund seiner Desertion in der Schweiz 

als Flüchtling anerkannt worden und auch ihr Onkel aus dem Militär ge-

flüchtet sei. Aus diesem Grunde müsse der Beschwerdeführerin wie ihrem 

Bruder Asyl in der Schweiz erteilt werden. 

Im Falle der Verneinung einer Reflexverfolgung der Beschwerdeführerin 

müsse dieser vom Bundesverwaltungsgericht zumindest die Flüchtlingsei-

genschaft zufolge subjektiver Nachfluchtgründe zugesprochen werden. Als 

solche würden unter anderem das illegale Verlassen des Heimatlandes 

(sogenannte Republikflucht) und das Einreichen eines Asylgesuches im 

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Seite 8 

Ausland gelten. Die Beschwerdeführerin habe ihre Heimat tatsächlich ille-

gal verlassen. Als Beleg für ihre eritreische Staatsangehörigkeit habe sie 

eine Taufurkunde beigelegt. Überdies habe die Vorinstanz auch ihren 

Schulbesuch in Eritrea bis zu ihrer Ausreise nicht angezweifelt. Wäre sie 

nicht aus Eritrea ausgereist, wäre sie zur Ableistung des obligatorischen 

Militärdienstes verpflichtet gewesen. Wie in den Urteilen D-3892/2009 vom 

6. April 2010 und D-218/2014 vom 1. Juli 2014 des Bundesverwaltungsge-

richts bestätigt werde, sei ein legales Verlassen des Landes nur mit einem 

gültigen Reisepass und einem zusätzlichen Ausreisevisum möglich. Die 

Ausreisevisas würden seit mehreren Jahren nur noch unter sehr restrikti-

ven Bedingungen und gegen Bezahlung sehr hoher Geldbeträge an we-

nige, loyal beurteilte Personen vergeben, wobei Kinder ab 11 Jahren, Män-

ner bis zum Alter von 54 und Frauen bis zum Alter von 47 Jahren grund-

sätzlich von der Visumserteilung ausgeschlossen seien. Das eritreische 

Regime erachte das illegale Verlassen des Landes als Zeichen politischer 

Opposition gegen den Staat und versuche mit drakonischen Massnahmen, 

der sinkenden Wehrbereitschaft sowie der Massenfluchtbewegung Herr zu 

werden. Die Beschwerdeführerin sei im Zeitpunkt ihrer Flucht aus Eritrea 

erst 12 Jahre alt und damit noch ein Kind gewesen. Ausserdem habe ihre 

detaillierte Anhörung durch das BFM erst zwei Jahre nach ihrer Flucht statt-

gefunden. Angesichts ihres kindlichen Alters mute es nicht realitätsfremd 

an, dass sie der Vorinstanz gegenüber keine detaillierten Angaben über 

ihre Flucht aus Eritrea habe machen können. Aus diesem Grunde sei die 

vorinstanzliche Einschätzung, wonach ihre illegale Ausreise zufolge vager 

Ausführungen unglaubhaft sei, nicht zutreffend. 

5.3 Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung fest, in Eritrea könne es bei 

Familienangehörigen von Deserteuren und Wehrdienstverweigerern zu 

asylrelevanten Reflexverfolgungen kommen. Sie würden übermässig ge-

büsst und gegebenenfalls inhaftiert. Oft werde ihnen die Lebensgrundlage 

entzogen. Die alleinige Furcht vor einer solchen Verfolgung reiche aller-

dings nicht aus, sondern es müsse ein besonderer Behördenkontakt vor-

liegen beziehungsweise konkrete Hinweise auf eine objektiv begründete 

Furcht glaubhaft gemacht werden. Solche Hinweise würden sich aufgrund 

der Aktenlage, der Aussagen der Beschwerdeführerin sowie den Ausfüh-

rungen in der Beschwerde nicht ergeben, weshalb auch die Existenz einer 

Reflexverfolgung zu verneinen sei. Im Weiteren habe sie Eritrea eigenen 

Angaben zufolge im Alter von zehn oder elf Jahren – und somit nicht im 

militärdienstpflichtigen Alter – verlassen. Darüber hinaus habe sie ihre an-

geblich erfolgte illegale Ausreise aus Eritrea wenig glaubhaft geschildert, 

was sich auch nicht durch ihr damaliges jugendliches Alter rechtfertigen 

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Seite 9 

lasse. Somit bleibe die behauptete illegale Ausreise im militärdienstpflich-

tigen Alter nach wie vor unglaubhaft. 

5.4 Die Rechtsvertretung äusserte sich in der Replik dahingehend, das 

BFM habe E._______ am (…) als Flüchtling in der Schweiz anerkannt. Da-

mit habe die Vorinstanz dessen Desertion und illegale Ausreise aus Eritrea 

als gegeben erachtet. Deshalb habe für die Beschwerdeführerin im Zeit-

punkt ihrer Ausreise auch eine diesbezügliche Gefahr einer Reflexverfol-

gung bestanden. Damit habe sie entgegen den Ausführungen der Vo-

rinstanz (in der Vernehmlassung) durchaus konkrete Hinweise auf eine ob-

jektiv begründete Furcht vor asylrelevanter Reflexverfolgung glaubhaft ma-

chen können. Weiter sei auch der Onkel der Beschwerdeführerin aus dem 

eritreischen Militär geflüchtet. Die Vorinstanz habe sich weder zur Flücht-

lingsanerkennung des Bruders noch zum Vorfall der Drohung seitens der 

Militärbehörden gegenüber der Tante geäussert. 

Alsdann habe sich die Vorinstanz nicht zur Flüchtlingseigenschaft im Rah-

men von subjektiven Nachfluchtgründen geäussert. Als solche würden un-

ter anderem das illegale Verlassen des Heimatlandes und das Einreichen 

eines Asylgesuches im Ausland gelten. Die Vorinstanz habe den Schulbe-

such der Beschwerdeführerin in Eritrea zu keinem Zeitpunkt bestritten. Da-

mit müsse auch als anerkannt gelten, dass durch den sechsjährigen Schul-

besuch unbestrittenermassen auch ein Kontakt zwischen den eritreischen 

Behörden und der Beschwerdeführerin hergestellt worden sei. 

6.  

6.1 Einleitend ist zu prüfen, ob die Gesamtvorbringen der Beschwerdefüh-

rerin einen Asylanspruch zu begründen vermögen. 

6.1.1 Vorab ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin Eritrea ungefähr 

im Alter von 12 Jahren verlassen hat. Damit war sie noch nicht im militär-

dienstpflichtigen Alter. Aus diesem Grunde fällt eine Asylgewährung wegen 

Refraktion von vornherein ausser Betracht. 

6.1.2 Die Beschwerdeführerin machte auf Beschwerdeebene zunächst 

geltend, ihrem Halbbruder E._______ sei vom BFM am (…) in Zuerken-

nung der Flüchtlingseigenschaft Asyl gewährt worden. Damit habe die Vo-

rinstanz dessen Desertion aus der eritreischen Armee als glaubhaft einge-

stuft. Aufgrund dieser Desertion habe auch für sie im Zeitpunkt ihrer Flucht 

aus Eritrea die Gefahr einer Reflexverfolgung bestanden. Dies umso mehr, 

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Seite 10 

als auch der Ehemann ihrer Tante aus der eritreischen Armee desertiert sei 

(vgl. Beschwerde S. 6 f. Ziffn. 4.7 und 4.8). 

Die Vorinstanz räumt in ihrer Vernehmlassung ein, dass es in Eritrea bei 

Familienangehörigen von Deserteuren und Wehrdienstverweigerern zu 

asylrechtlich relevanten Reflexverfolgungen kommen könne. Gleichzeitig 

hält das BFM zutreffend fest, die alleinige Furcht vor einer derartigen Ver-

folgung reiche nicht aus. Vielmehr müsse es in diesem Zusammenhang 

vor der Ausreise zu einem Behördenkontakt gekommen sein. Die Be-

schwerdeführerin machte indessen weder im Rahmen des erstinstanzli-

chen noch des Beschwerdeverfahrens geltend, dass sie im Zusammen-

hang mit der Desertion ihres Halbbruders in irgendeiner Weise seitens der 

heimatlichen Behörden angegangen beziehungsweise behelligt worden 

wäre. Die gleiche Feststellung gilt auch in Bezug auf den angeblich eben-

falls aus dem eritreischen Militär desertierten Ehemann ihrer Tante. So äus-

serte sich die Beschwerdeführerin diesbezüglich bei ihrer Anhörung am 

10. März 2014 dahingehend, ihre Tante habe Probleme mit den Militärbe-

hörden beziehungsweise Polizisten gehabt, wobei sie nicht genau wisse, 

welcher Natur die Probleme ihrer Tante gewesen seien (vgl. act. A23/11 S. 

5 F und A52). Damit bringt die Beschwerdeführerin hinlänglich zum Aus-

druck, dass sie persönlich vor dem Verlassen Eritreas weder im Zusam-

menhang mit ihrem Halbbruder noch ihrem Onkel behördliche Schwierig-

keiten hatte. Mit dieser Feststellung korrespondiert auch die Tatsache, 

dass die Beschwerdeführerin anlässlich ihrer Anhörung vom 10. März 2014 

die Frage, ob sie persönlich jemals Kontakt zu eritreischen Behörden ge-

habt habe, ausdrücklich verneinte (vgl. act. A23/11 S. 6 F und A65). Aus 

diesem Grunde ist auch ihrer Behauptung die Grundlage entzogen, sie sei 

im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Eritrea wegen ihres Halbbruders respektive 

Onkels einer asylbeachtlichen Gefahr einer Reflexverfolgung ausgesetzt 

gewesen. 

6.1.3 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist demnach festzuhalten, dass 

es der Beschwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrelevante Verfol-

gungssituation im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Eritrea glaubhaft zu ma-

chen. 

6.2 Sodann ist auf das weitere Vorbringen einzugehen, wonach die Be-

schwerdeführerin bei einer Wiedereinreise nach Eritrea in flüchtlingsrecht-

lich relevanter Weise gefährdet wäre, weil sie Eritrea illegal verlassen und 

ein Asylgesuch in der Schweiz gestellt habe. 

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Seite 11 

Damit werden durch die Beschwerdeführerin subjektive Nachfluchtgründe 

geltend gemacht. Solche sind dann anzunehmen, wenn eine asylsuchende 

Person erst durch die Flucht aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder 

wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne von 

Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit subjektiven Nachfluchtgrün-

den erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufge-

nommen (Art. 54 AsylG; vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1). Die am 1. Februar 

2014 in Kraft getretene Bestimmung von Art. 3 Abs. 4 AsylG hält zwar fest, 

dass Personen, die Gründe geltend machen, die wegen ihres Verhaltens 

nach der Ausreise entstanden sind und die weder Ausdruck noch Fortset-

zung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat bestehenden Überzeu-

gung oder Ausrichtung sind, keine Flüchtlinge sind. Diese einschränkende 

Feststellung wurde vom Gesetzgeber jedoch durch den – gesetzgebungs-

technisch an sich unnötigen – ausdrücklichen Hinweis auf den Vorbehalt 

der Geltung der FK wieder relativiert (Art. 3 Abs. 4 in fine AsylG). 

6.2.1 Die Vorinstanz vertritt hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin 

geltend gemachten illegalen Ausreise die Ansicht, diese könne zufolge feh-

lender Substanziiertheit nicht geglaubt werden. Dieser Sichtweise wird auf 

Beschwerdeebene namentlich entgegen gehalten, die Beschwerdeführerin 

sei bei ihrer Ausreise aus Eritrea erst 12 Jahre alt und als Folge der mit 

ihrer Ausreise verbundenen Strapazen in der Wahrnehmungsfähigkeit zu-

sätzlich reduziert gewesen. Ausserdem sei sie persönlich erst beinahe 

zwei Jahre nach der Einreise in die Schweiz über die Modalitäten ihrer Aus-

reise befragt worden, was hinsichtlich der Anforderungen an die Konsis-

tenz ihrer Schilderungen ebenfalls berücksichtigt werden müsse. 

Die Frage der Glaubhaftigkeit der illegalen Ausreise der Beschwerdeführe-

rin kann indes vorliegend aus nachstehenden Gründen offenbleiben: Das 

Bundesverwaltungsgericht vertritt diesbezüglich die Ansicht, dass kein be-

gründeter Anlass zur Annahme besteht, die Beschwerdeführerin habe auf-

grund ihrer im Alter von 12 Jahren erfolgten illegalen Ausreise künftige 

staatliche Verfolgungsmassnahmen zu befürchten. Denn es ist nicht davon 

auszugehen, dass das eritreische Regime die illegale Ausreise einer Zwölf-

jährigen, die auch seither nicht exilpolitisch in Erscheinung getreten ist, als 

Akt einer oppositionellen Haltung beziehungsweise als Landesverrat inter-

pretieren würde (vgl. in diesem Sinne auch die Urteile des Bundesverwal-

tungsgerichts D-3276/2015 vom 26. Juni 2015 und 

E-129/2015 E. 6 vom 20. Januar 2015). 

D-5356/2014 

Seite 12 

6.2.2 Es bestehen – mangels eines politischen Profils – darüber hinaus 

keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass die Beschwerdeführerin durch 

die Einreichung eines Asylgesuchs in der Schweiz ins Blickfeld der eritrei-

schen Behörden gelangt und als regimefeindliche Person aufgefallen wäre. 

6.2.3 Das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe ist somit zu verneinen 

(Art. 54 AsylG). 

7.  

7.1 Lehnt das Staatssekretariat das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 

ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet 

den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-

milie (Art. 44 AsylG). 

7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtliche 

Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-

chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die – einzig in den Punkten 1–3 

des Dispositivs angefochtene – Verfügung des BFM Bundesrecht nicht ver-

letzt und den Sachverhalt richtig und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 

AsylG). Die Beschwerde ist somit abzuweisen. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-

lich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da 

das Bundesverwaltungsgericht ihr indessen mit Zwischenverfügung vom 

26. September 2014 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt und sich an 

den diesbezüglichen Voraussetzungen nichts geändert hat, sind keine Ver-

fahrenskosten aufzuerlegen. 

10. Mit Zwischenverfügung vom 26. September 2014 hiess das Bundes-

verwaltungsgericht das Gesuch um Beiordnung der Rechtsvertreterin als 

unentgeltliche Rechtsbeiständin gut. Trotz Aufforderung ist bislang keine 

Honorarnote eingereicht worden, weshalb das Gericht die auszurichtende 

Entschädigung von Amtes wegen festsetzt. Gestützt auf die in Betracht zu 

ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 ff. des Reglements vom 21. Feb-

D-5356/2014 

Seite 13 

ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-

tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) ist der Rechtsbeiständin ein Betrag 

von Fr. 1100.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-5356/2014 

Seite 14 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Kosten auferlegt. 

3.  

Das Bundesverwaltungsgericht entrichtet der als amtlicher Rechtsbeistän-

din eingesetzten Rechtsvertreterin ein Honorar in Höhe von Fr. 1100.–. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Martin Zoller Philipp Reimann 

 

 

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