# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 86b13f7b-a791-5d9a-813f-702c93b0259b
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-10-20
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 20.10.2022 SK 2021 559
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2021-559_2022-10-20.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

1. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

1re Chambre pénale

Urteil
SK 21 559

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 20. Oktober 2022

Besetzung Oberrichter Zbinden (Präsident i.V.), 
Oberrichterin Hubschmid, Oberrichterin Friederich Hörr
Gerichtsschreiberin Bettler

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Fürsprecher B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

C.________
amtlich vertreten durch D.________

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand sexuelle Handlungen mit Kindern, evtl. sexuelle Belästigung

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland 
(Einzelgericht) vom 22. April 2021 (PEN 20 405)

2

Inhaltsverzeichnis

I. Formelles..........................................................................................................................4
1. Erstinstanzliches Urteil ..............................................................................................4
2. Berufung....................................................................................................................4
3. Beweisergänzungen..................................................................................................4
4. Anträge der Parteien .................................................................................................6
5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer ..................................................6

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung ..................................................................................7
6. Ausgangslage............................................................................................................7
7. Beweismittel ..............................................................................................................8
8. Beweiswürdigung ......................................................................................................9

8.1 Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung .............................................9
8.2 Aussagen der Privatklägerin ..........................................................................10
8.3 Aussagen des Beschuldigten.........................................................................13
8.4 Aussagen von H.________............................................................................17
8.5 Weitere Beweismittel......................................................................................18
8.6 Beweisergebnis und erwiesener Sachverhalt ................................................18

III. Rechtliche Würdigung ....................................................................................................19
9. Rechtliche Grundlagen............................................................................................19
10. Subsumtion .............................................................................................................20

IV.Strafzumessung .............................................................................................................21
11. Anwendbares Recht / Strafart .................................................................................21
12. Konkretes Vorgehen und Strafrahmen....................................................................22
13. Tatkomponenten .....................................................................................................23

13.1 Einsatzstrafe ..................................................................................................23
13.2 Asperation ......................................................................................................24

14. Täterkomponenten ..................................................................................................24
15. Strafmass und Höhe des Tagessatzes ...................................................................26
16. Strafvollzug..............................................................................................................26
17. Fazit.........................................................................................................................27

V. Landesverweisung .........................................................................................................27
18. Theoretische Grundlagen........................................................................................27
19. Subsumtion .............................................................................................................28

19.1 Katalogtat nach Art. 66a Abs. 1 StGB............................................................28
19.2 Härtefallprüfung..............................................................................................29
19.3 Vollzugshindernisse .......................................................................................31

20. Dauer der Landesverweisung .................................................................................31
21. Ausschreibung der Landesverweisung im SIS........................................................32

VI.Tätigkeitsverbot ..............................................................................................................33
VII. Zivilpunkt....................................................................................................................35
VIII. Kosten und Entschädigung........................................................................................35

3

22. Verfahrenskosten ....................................................................................................35
23. Entschädigung der amtlichen Verteidigung.............................................................35
24. Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsbeiständin.............................................36

IX.Verfügungen...................................................................................................................37
X. Dispositiv ........................................................................................................................38

4

I. Formelles 

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Bern-Mittelland (Einzelgericht; nachfolgend: Vorinstanz) er-
klärte A.________ (nachfolgend: Beschuldigter) mit Urteil vom 22. April 2021 
(pag. 210 ff.) der sexuellen Handlungen mit Kindern, begangen im Dezember 2017 
und am 10. November 2019 in Bern, schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstra-
fe von 180 Tagessätzen zu CHF 60.00, ausmachend total CHF 10'800.00, unter 
Gewährung des bedingten Strafvollzugs mit einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu 
den Verfahrenskosten, bestimmt auf CHF 5'600.00. Die Vorinstanz sprach eine 
Landesverweisung von 5 Jahren aus und ordnete deren Ausschreibung im Schen-
gener Informationssystem an. Zudem wurde dem Beschuldigten jede berufliche 
und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit, die einen regelmässigen Kontakt 
zu Minderjährigen umfasst, untersagt (pag. 211 und pag. 213, Ziff. I. und Ziff. IV. 2. 
erstinstanzliches Urteil).

Im Zivilpunkt verurteilte die Vorinstanz den Beschuldigten zur Bezahlung von 
CHF 2’000.00 Genugtuung zuzüglich 5% Zins seit dem 10. November 2019 an die 
Straf- und Zivilklägerin C.________ (nachfolgend: Privatklägerin). Auf die Aus-
scheidung von Verfahrenskosten für die Zivilklage wurde verzichtet (pag. 213, 
Ziff. III. erstinstanzliches Urteil).

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, vertreten durch Fürsprecher 
B.________, mit Schreiben vom 30. April 2021 form- und fristgerecht die Berufung 
an (pag. 217). Nach Zustellung der schriftlichen Urteilsbegründung mit Verfügung 
vom 19. November 2021 (pag. 266 f.) erklärte der Beschuldigte mit Eingabe vom 
8. Dezember 2021 form- und fristgerecht die vollumfängliche Berufung (pag. 270). 
Die Privatklägerin teilte mit Schreiben vom 16. Dezember 2021 mit, dass sie auf ei-
ne Anschlussberufung verzichte und kein Nichteintreten auf die Berufung des Be-
schuldigten geltend mache (pag. 278). Die Generalstaatsanwaltschaft verzichtete 
mit Schreiben vom 27. Dezember 2021 auf die Teilnahme am oberinstanzlichen 
Verfahren (pag. 280 f.). Mit Eingabe vom 26. September 2022 verzichtete die Pri-
vatklägerin auf das persönliche Erscheinen an der Berufungsverhandlung und stell-
te schriftliche Anträge (pag. 442 ff.).

Die Berufungsverhandlung vor der 1. Strafkammer fand am 20. Oktober 2022 in 
Anwesenheit des Beschuldigten, seines Verteidigers und eines Übersetzers statt 
(pag. 482 ff.). 

3. Beweisergänzungen

Von Amtes wegen wurden oberinstanzlich im Sinne einer Beweisergänzung ein Be-
richt der Einwohnerdienste, Migration und Fremdenpolizei der Stadt Bern (nachfol-
gend: EMF), ein Bericht des Staatssekretariats für Migration (nachfolgend: SEM), 

5

ein aktueller Leumundsbericht (inkl. Erhebungsformular wirtschaftliche Verhältnis-
se) sowie ein aktueller Strafregisterauszug über den Beschuldigten eingeholt 
(pag. 283; pag. 324 ff.; pag. 464 f.; pag. 467 ff.; pag. 473). 

Zudem wurde der Beschuldigte an der oberinstanzlichen Verhandlung unter Beizug 
eines Übersetzers für Somalisch ergänzend einvernommen (pag. 484 ff.). 

Zum Verzicht auf eine nochmalige Befragung der Privatklägerin kann Folgendes 
ausgeführt werden: 

Die Privatklägerin wurde am .________ geboren (pag. 2) und ist damit im Zeitpunkt 
der Berufungsverhandlung 17-jährig. Damit steht sie unter den besonderen Mass-
nahmen zum Schutz von Kindern als Opfer nach Art. 154 der Schweizerischen 
Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0). Ist erkennbar, dass die Einvernahme oder 
die Gegenüberstellung für das Kind zu einer schweren psychischen Belastung 
führen könnte, darf das Kind während des ganzen Verfahrens in der Regel nicht 
mehr als zweimal einvernommen werden (Art. 154 Abs. 4 Bst. b StPO). Dies wird 
als Regel mit Ausnahmen definiert, da auf der anderen Seite der Bestimmung von 
Art. 343 Abs. 3 StPO nachgelebt werden muss, wonach Beweise nochmals erho-
ben werden müssen, wenn die unmittelbare Kenntnis für die Urteilsfällung notwen-
dig erscheint, was meist bei Aussage-gegen-Aussage-Konstellationen der Fall ist. 
Immerhin besteht hierbei noch ein gewisser Ermessensspielraum und insofern ein 
Unterschied zwischen dem erst- und oberinstanzlichen Verfahren, als die Beru-
fungsinstanz im Beweisverfahren primär auf die im Vorverfahren und in der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung erhobenen Akten abstellt. Beweisergänzungen sind 
in zweiter Instanz nur in bestimmten, vom Gesetz umschriebenen Fällen vorgese-
hen (Art. 389 StPO; vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_931/2021 vom 15. August 
2022 E. 3.2).

Vorliegend war etwa aus den Ausführungen in der Zivilklage vom 23. Februar 2021 
(pag. 163 ff.) auf das gesetzliche Belastungsrisiko bei nochmaliger Befragung zu 
schliessen. Wichtiger aber noch war für den Verzicht auf nochmalige Befragung der 
Umstand, dass aufgrund der zwei Videobefragungen der Privatklägerin deren Aus-
sagen nicht nur inhaltlich, sondern auch vom Aussageverhalten her auch durch die 
obere Instanz direkt überprüft werden können (vgl. Ziff. II. 8.2 nachfolgend). Auf-
grund des Zeitablaufs seit den Vorfällen erschien eine dritte Befragung ebenfalls 
weder sinnvoll noch zumutbar. Abgesehen davon – was aber für die von Amtes 
wegen vorzunehmende Beweisabnahme nicht ausschlaggebend ist – hat auch die  
Vorinstanz die Privatklägerin vom persönlichen Erscheinen an der erstinstanzlichen 
Hauptverhandlung dispensiert (pag. 148 f.). Die Verteidigung hat sich dieser Vor-
gehensweise weder in erster noch in oberer Instanz widersetzt (pag. 147; 
pag. 288).

6

4. Anträge der Parteien

Fürsprecher B.________ stellte und begründete namens des Beschuldigten fol-
gende Anträge (pag. 492): 
- A.________ sei freizusprechen von der Anschuldigung der sexuellen Handlungen mit Kindern, 

angeblich begangen im Dezember 2017 und am 10. November 2019, zum Nachteil von 
C.________, 

unter Ausrichtung einer Entschädigung für die Verteidigungskosten und 

unter Übernahme der Verfahrenskosten durch den Staat.

- Die Zivilklage sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen abzuweisen. 

- Das Honorar der amtlichen Verteidigung sei gemäss Kostennote gerichtlich festzusetzen. 

Rechtsanwältin D.________ stellte und begründete mit Eingabe vom 26. Septem-
ber 2022 namens der Privatklägerin folgende Anträge (pag. 442 f.):
1. Der Beschuldigte A.________ sei in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils des Regionalge-

richts Bern-Mittelland vom 22.04.2021 schuldig zu sprechen der sexuellen Handlungen mit Kind, 
begangen im Jahr 2017 sowie am 10.11.2019 in Bern, zum Nachteil der Straf- und Zivilklägerin 
C.________; 

2. A.________ sei in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils in Anwendung der einschlägigen 
Gesetzesartikel zu einer angemessenen Strafe zu verurteilen; 

3. A.________ seien die Verfahrenskosten zur Bezahlung aufzuerlegen;

4. A.________ sei in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils zur Bezahlung einer Genugtuung 
von CHF 2'000 zzgl. Zins zu 5% seit dem 10.11.2019 an die Straf- und Zivilklägerin C.________ 
zu verurteilen; 

5. A.________ sei zur Bezahlung der Anwaltskosten der Straf- und Zivilklägerin C.________ (erst-
instanzlich gemäss Ziffer II., 2. des Urteils vom 22.04.2021; oberinstanzlich gemäss beiliegend 
eingereichter Honorarnote) zu verurteilen, unter Berücksichtigung der der Straf- und Zivilklägerin 
C.________ erteilten unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 138 StPO); 

6. Allfällige weitere Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Die Kammer hat infolge der vollumfänglichen Berufung das gesamte erstinstanzli-
che Urteil zu überprüfen. Praxisgemäss ist dabei auch über die erhobenen biome-
trischen erkennungsdienstlichen Daten neu zu befinden (pag. 213, Ziff. IV. 1. erst-
instanzliches Urteil). Auf die Höhe der Entschädigung des amtlichen Verteidigers 
des Beschuldigten und der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin in 
erster Instanz ist nur zurückzukommen, sofern die Vorinstanz das ihr bei der Hono-
rarfestsetzung zustehende Ermessen in unhaltbarer Weise ausgeübt haben sollte 
(Urteile des Bundesgerichts 6B_769/2016 vom 11. Januar 2017 E. 2.3; 
6B_349/2016 vom 13. Dezember 2016 E. 2.4.2). 

Die Kammer verfügt als Berufungsgericht über umfassende Kognition in tatsächli-
cher und rechtlicher Hinsicht (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO) und ist aufgrund der al-
leinigen Berufung des Beschuldigten an das Verschlechterungsverbot (Verbot der 
reformatio in peius) gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO gebunden, d.h. sie darf das Urteil 
nicht zu Ungunsten des Beschuldigten abändern.

7

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Ausgangslage 

Dem Beschuldigten werden in Ziff. I. der Anklageschrift vom 29. Mai 2020 
(pag. 129 ff.) sexuelle Handlungen mit Kindern, mehrfach begangen (evtl. sexuelle 
Belästigung, mehrfach begangen) zur Last gelegt. Der Sachverhalt wird in der An-
klageschrift wie folgt umschrieben (pag. 129 f.): 

1.1. im Verlaufe des Jahres 2017 (vermutlich im Dezember, genaues Datum unbekannt) in 
G.________ (Adresse)

Der damals ca. 25-jährige Beschuldigte, welcher in einer Wohnung vis-à-vis derjenigen der 
Privatklägerin wohnte, mit deren Familie befreundet war und bei Bedarf jeweils zu ihr und ihren 
Geschwistern schaute, begab sich ins Zimmer der damals 12-jährigen Privatklägerin, als sie sich 
schlafend stellte. In der Folge griff er ihr vorsätzlich einmalig unter dem Pyjama an die Brust, 
worauf sie zu schreien begann. Daraufhin liess er sofort von ihr ab.

1.2. am 10.11.2019 in G.________ (Adresse)

Der Beschuldigte klingelte bei ihren Nachbarn und fragte nach einer Zitrone. Nachdem die 
Privatklägerin in der Küche Nachschau gehalten hatte, aber nur Zitronensaft anbieten konnte, 
sprach er sie im Korridor der Wohnung auf ihr SnapChat-Account hat, worauf er sie vorsätzlich 
zu sich zog, „Chumm, umarm mi" sagte, sie dabei unvermittelt umarmte und auch nicht von ihr 
abliess, als sie ihn aufgefordert hatte, damit aufzuhören. Daraufhin griff er ihr über den Kleidern 
mit der rechten Hand einmalig an die linke Brust, worauf sie ihn wegstiess und ultimativ 
aufforderte, die Wohnung zu verlassen, was er schliesslich tat.

Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, ist unbestritten, dass sich der Beschuldig-
te beim ersten Vorfall im Jahr 2017 (Ziff. 1.1. der Anklageschrift) in der Wohnung 
der Familie der Privatklägerin aufhielt und zur Privatklägerin und ihren Geschwis-
tern schaute. Beim zweiten Vorfall vom 10. November 2019 (Ziff. 1.2. der Anklage-
schrift) ist unbestritten, dass der Beschuldigte an der Wohnungstür klingelte und 
anschliessend die Wohnung betrat. Weiter ist unbestritten, dass er nach einer Zi-
trone fragte, die Privatklägerin jedoch nur Zitronensaftkonzentrat fand und es da-
nach zu einem Aufeinandertreffen kam (pag. 227 f., S. 5 f. der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung). 

Ergänzend und präzisierend ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte die Pri-
vatklägerin im Zeitpunkt der Vorfälle bereits längere Zeit kannte. An der oberin-
stanzlichen Verhandlung gab er an, die Privatklägerin sei für ihn wie eine Tochter 
gewesen. Er habe mit ihrer Familie von 2016 bis 2020 zusammengelebt. Sie hätten 
im gleichen Haus gelebt. 2017 habe er etwa 90% der Zeit auf die Kinder aufge-
passt. Sie seien wie seine eigenen Kinder gewesen (pag. 488 Z. 6 ff., Z. 39 ff.; 
pag. 489 Z. 4 f.).

8

Für den bestrittenen Sachverhalt kann ebenfalls auf die zutreffenden Ausführungen 
der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 228, S. 6 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung): 
Im Wesentlichen ist beim ersten Vorfall im Jahr 2017 bestritten, dass sich der Beschuldigte in das 

Zimmer der Privatklägerin begeben haben soll, während dem sich diese schlafend stellte. Zudem ist 

bestritten, dass der Beschuldigte die Privatklägerin einmalig unter dem Pyjama an die Brust gefasst 

haben soll, worauf sie geschrien habe.

Beim zweiten Vorfall vom 10.11.2019 ist bestritten, dass der Beschuldigte der Privatklägerin nahege-

kommen sei – vielmehr sei sie ihm nahegekommen. Weiter ist bestritten, dass der Beschuldigte die 

Privatklägerin auf den SnapChat-Account angesprochen haben soll. Auch wird bestritten, dass der Be-

schuldigte die Privatklägerin an sich gezogen und umarmt habe, nicht von ihr abgelassen und ihr über 

den Kleidern mit der rechten Hand einmalig an die linke Brust gefasst habe. Ebenfalls bestritten wird, 

dass die Privatklägerin den Beschuldigten aufgefordert habe aufzuhören und ihn dann nach dem An-

fassen der Brust weggestossen habe. Schliesslich wird vom Beschuldigten geltend gemacht, die Pri-

vatklägerin habe ihn nicht aufgefordert, die Wohnung zu verlassen, sondern er sei selbständig gegan-

gen. Auch bestritten wird, dass der Beschuldigte die Tür zum Zimmer der Brüder sowie die Gangtür 

geschlossen habe. Von daher lässt sich zusammengefasst feststellen, dass der Beschuldigte den kon-

kreten Sachverhalt – mit Ausnahme seiner jeweiligen Anwesenheit – vollständig bestritt.

7. Beweismittel

Der Kammer liegen als Beweisgrundlage hauptsächlich subjektive Beweismittel in 
Form von Aussagen vor, wobei zur Feststellung des Sachverhalts in erster Linie 
auf die Aussagen der Privatklägerin (pag. 30 ff.; pag. 43 ff.) und des Beschuldigten 
(pag. 52 ff.; pag. 62 ff.; pag. 173 ff.) abgestellt werden muss. Die Vorinstanz hat 
diese Aussagen, die Aussagen der Mutter der Privatklägerin (H.________, pag. 23 
ff.) sowie die weiteren Beweismittel (Berichtsrapport vom 11. November 2019 
[pag. 2 f.], Anzeigerapport vom 17. Februar 2020 [pag. 6 ff.], Nachtrag vom 14. Mai 
2020 [pag. 13 ff.] sowie vom Beschuldigten eingereichte Fotos [pag. 178]) ausführ-
lich wiedergegeben (pag. 230 ff., S. 8 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 
Darauf kann verwiesen werden. 

An der Berufungsverhandlung vom 20. Oktober 2022 bestätigte der Beschuldigte 
seine bisherigen Aussagen und betonte mehrfach, die Privatklägerin habe ihn um-
armt und er habe sie daraufhin distanziert. Er habe nichts Anderes gemacht 
(pag. 488 Z. 14 f., Z. 24 f.; pag. 489 Z. 15 f.; pag. 491 Z. 21 f.). Die Mutter der Pri-
vatklägerin wolle seinen Namen ruinieren (pag. 488 Z. 31). Es handle sich um ein 
Konstrukt (pag. 489 Z. 3). Auf Frage, weshalb die Privatklägerin so etwas erzähle 
und ihn entsprechend belaste, erklärte der Beschuldigte, es gehe um die Familie. 
Er habe Fotos, die belegen, dass er mit der Mutter der Privatklägerin zusammen 
gewesen sei. Sie hätten sich verlobt. Sie habe ihn betrogen und habe Geld von ihm 
gewollt. Die Familie habe ihn ruinieren wollen. Die Mutter habe keinen guten Ruf. 
Sie habe fünf oder sechs Männer gehabt und er sei Teil dieser Männer gewesen. 

9

Auf Nachfrage des Verfahrensleiters, ob er mit der Mutter der Privatklägerin eine 
Beziehung gehabt habe, gab der Beschuldigte an, sie habe ihm gesagt, dass sie 
heiraten sollen, weil ihn die Kinder gut mögen. Er habe ihr aber gesagt, dass er 
nicht könne, weil er eine Frau und Kinder habe. Er glaube, sie sei eifersüchtig ge-
wesen. Sie hätten keine sexuelle Beziehung gehabt. Die Mutter habe es aber ge-
wollt und sei oft in seinem Zimmer gewesen. Die Privatklägerin unterstütze ihre 
Mutter. Sie sei vom Charakter her wie ihre Mutter (pag. 489 Z. 19 ff.). 

Soweit sich ergänzende und/oder präzisierende Ausführungen zu den Beweismit-
teln aufdrängen, erfolgen diese im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung 
der Kammer. 

8. Beweiswürdigung 

8.1 Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung

Die Ausführungen der Vorinstanz zu den allgemeinen Grundlagen der Beweiswür-
digung sind korrekt (pag. 229, S. 7 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Dar-
auf kann verwiesen werden. Wiederholt sei an dieser Stelle:

Das Gericht würdigt das Ergebnis der Beweisaufnahme und fällt das Urteil nach seiner freien, aus der 
Hauptverhandlung und den Akten gewonnenen Überzeugung (Art. 350 Abs. 2 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 
StPO). Freie Beweiswürdigung bedeutet, dass jede verurteilende Erkenntnis auf der aus der Beweis-
würdigung geschöpften Überzeugung des Gerichts von der Schuld der beschuldigten Person beruhen 
soll. Die freie Beweiswürdigung gründet auf gewissenhaft festgestellten Tatsachen und logischen 
Schlussfolgerungen; sie darf sich nicht auf blossen Verdacht oder blosse Vermutung stützen 
(BSK StPO-HOFER, 2. Auflage 2014, Art. 10 N 58 und 61, m.w.H.). Bestehen unüberwindliche Zweifel 
an der Erfüllung der tatsächlichen Voraussetzungen der angeklagten Tat, so geht das Gericht von der 
für die beschuldigte Person günstigeren Sachlage aus (Art. 10 Abs. 3 StPO).

Ergänzend zu den Ausführungen der Vorinstanz ist anzufügen, dass bei der Wür-
digung von Aussagen grundsätzlich zu beachten ist, dass jede (Zeugen-)Aussage 
eine Leistung ist, die gewisse Sinnes- und Geistesgaben zur Wahrnehmung einer 
Tatsache sowie zur Mitteilung des Wahrgenommenen voraussetzt. Die drei not-
wendigen Bestandteile dafür sind Wahrnehmungs-, Erinnerungs- und Ausdrucks-
fähigkeit (vgl. zum Ganzen BÄHLER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Straf-
prozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 1 ff. zu Art. 163 StPO). Die Aussageanalyse stellt 
die konkrete Aussage in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung. Dabei wird der Inhalt 
der Aussage anhand bestimmter Kriterien (der von der Vorinstanz im Einzelnen 
dargestellten Realkennzeichen bzw. Lügensignale) analysiert. Dahinter steht die 
Überlegung, dass jemand, der ein reales Erlebnis schildert, dies quantitativ und 
qualitativ anders tut, als jemand, der eine Phantasiegeschichte erzählt. Eine Aus-
sage hat umso mehr die Vermutung für sich, dass ein «realitätsbegründetes Ereig-
nis» geschildert wird, umso weniger der Auskunftsperson/dem Zeugen zuzutrauen 
ist, dass sie/er die Geschehensabläufe, so wie von ihr/ihm dargestellt, aus eigener 
Kraft erfinden könnte (BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 

10

Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 4. Aufl. 2014, N. 288 ff.). 
Die Realkennzeichenanalyse kann dabei nicht im Sinne einer Checkliste abgear-
beitet werden, wonach einfach aufgezählt wird, wie viele Realkennzeichen in einer 
Aussage festgestellt wurden. Die inhaltlichen Merkmale erhalten ihre diagnostische 
Bedeutung vielmehr erst durch ein In-Beziehung-Setzen zu anderen diagnosti-
schen Befunden (KÖHNKEN, Referat am Lehrgang richterlicher Tätigkeit, die Beur-
teilung der Glaubhaftigkeit von Kinderaussagen). 

8.2 Aussagen der Privatklägerin

Die Privatklägerin sagte an den beiden Videoeinvernahmen vom 11. November 
2019 (pag. 30 ff.) und 13. Februar 2020 (pag. 43 ff.) im Kerngeschehen konstant 
und gleichbleibend aus. Ihre Aussagen zeichnen sich durch das Fehlen jeglicher 
Lügensignale und durch zahlreiche Realitätskriterien aus. Es sind keine Anhalts-
punkte ersichtlich, dass die Aussagetüchtigkeit der Privatklägerin in grundsätzlicher 
Weise beeinträchtigt gewesen wäre (vgl. dazu die Spezialistenberichte OHG, 
pag. 39 ff.; pag. 48 ff.). Wahrnehmungs-, Erinnerungs- und Ausdrucksfähigkeit 
scheinen grundsätzlich gegeben, vielleicht mit marginalen Abstrichen aufgrund des 
Zeitablaufs (vor allem hinsichtlich der Details des Vorfalls von 2017).

Die Privatklägerin schilderte die beiden Vorfälle mehrfach detailliert, stimmig und 
nachvollziehbar (pag. 31 f. Min. 14:15 ff.; pag. 35 Min. 14:39 ff.; pag. 44 Min. 13:37 
ff.; pag. 46). Das Erzählte wirkt selbst erlebt und ist individuell durchzeichnet. So 
führte sie beispielsweise an der Videoeinvernahme vom 11. November 2019 aus, 
der Beschuldigte habe am Abend zuvor geklingelt und nach einer Zitrone gefragt. 
Sie habe ihm gesagt, er solle kurz warten und sei anschliessend in die Küche ge-
gangen um die Zitrone zu holen. Er sei danach in die Wohnung eingetreten. Sie 
habe nur flüssige Zitrone – also Zitronensaftkonzentrat – gefunden. Er habe ihr ge-
sagt, dass er eine richtige Zitrone wolle. Sie sei dann nochmals in die Küche ge-
gangen, um nach einer richtigen Zitrone zu suchen. Währenddessen sei der Be-
schuldigte in das Zimmer der Brüder gegangen und habe ihnen gesagt, dass sie 
schlafen sollen, da es Abend sei. Danach habe er die Türe des Zimmers der Brü-
der und die Gangtüre geschlossen. Sie sei zu ihm gegangen und habe gesagt, 
dass sie keine Zitrone habe. Dann habe der Beschuldigte sie gefragt, was eigent-
lich mit ihrem SnapChat Account los sei. Sie habe ihm gesagt, dass sie einen neu-
en Account habe, da sie das Passwort zum alten Account vergessen habe. Er habe 
ihr dann gesagt, sie solle ihm das Handy geben. Das habe sie gemacht und er ha-
be sich dann selber «geaddet». Als er weggeschaut habe, habe sie ihn aber wieder 
gelöscht, weil sie keine älteren Männer auf SnapChat haben wolle. Anschliessend 
habe der Beschuldigte angefangen, sie zu umarmen und sie habe gesagt «bitte la 
mi, la mi, la mi». Danach habe er sie nochmals umarmt und sie habe gesagt «la mi 
bitte». Ihre Brüder hätten sie nicht hören können, da die Türe geschlossen gewe-
sen sei. Der Beschuldigte habe gefragt «warum, warum, warum». Danach habe er 
sie an der Brust angefasst. Sie habe dies zuerst gar nicht realisiert. Zwei Sekunden 
später sei sie dann «mega hässig» geworden und habe ihn weggestossen. Sie ha-

11

be ihm gesagt, «gang use», habe die Türe aufgerissen und ihn nach draussen ge-
stossen. Danach sei sie in die Küche gerannt und habe ihre Mutter angerufen 
(pag. 31 f. Min. 14:15 ff.). 

Die Privatklägerin erwähnte an der Videoeinvernahme vom 11. November 2019 
spontan und von sich aus, dass es 2017 bereits einmal zu einem Vorfall mit dem 
Beschuldigten gekommen sei (pag. 32 Min. 14:18 ff.). Sie schilderte, sie habe da-
mals um 21:00 Uhr das Handy abgeben müssen. Das habe sie an diesem Tag 
aber nicht gemacht und habe ihr Handy unter dem Kopfkissen versteckt. Soweit sie 
dies noch wisse, habe der Beschuldigte ihren kleinen Bruder ins Bett gebracht. 
Dann sei er zu ihr ins Zimmer gekommen und habe sie gefragt, ob sie schlafe. Sie 
habe nichts gesagt und sich schlafend gestellt. Dann sei er mit der Hand unter ihr 
T-Shirt gegangen und sei so hochgefahren. Sie sei so erschrocken, dass sie 
«durchgedreht» sei, woraufhin ihr grosser Bruder ins Zimmer gekommen sei. Sie 
habe anschliessend ihre Mutter angerufen und ihr Stiefvater sei dann nach Hause 
gekommen. Ihre Mutter habe am nächsten Tag mit dem Beschuldigten gespro-
chen. In diesem Gespräch habe er sich entschuldigt und gesagt, dass das nicht 
wieder vorkommen werde (pag. 35 Min. 14:39 ff.). 

Die Privatklägerin gab die Örtlichkeiten der beiden Vorfälle präzise an. Ihre Aussa-
gen enthalten zudem aussergewöhnliche Nebensächlichkeiten, wie beispielsweise, 
dass der Beschuldigte beim Vorfall 2019 die Türe zum Zimmer der Brüder und die 
Gangtüre geschlossen habe und sie auf ihren SnapChat Account angesprochen 
habe (pag. 31 Min. 14:15 ff.; pag. 44 Min. 13:37 ff.). Beim Vorfall 2017 habe sie 
sich wegen des verbotenerweise noch bei ihr befindlichen und unter dem Kissen 
versteckten Handys schlafend gestellt (pag. 35 Min. 14:39 ff.). Ausserdem gab die 
Privatklägerin mehrfach Gesprächsinhalte mit dem Beschuldigten wieder und be-
schrieb altersentsprechend, wie sie sich fühlte, als der Beschuldigte sie angefasst 
habe. Sie sei «mega hässig» geworden und habe ihn weggestossen. In der Nacht 
habe sie Angst gehabt in ihrem Zimmer zu schlafen, da dieses gerade neben sei-
ner Wohnung sei. Sie habe die ganze Nacht nicht schlafen können und habe im-
mer wieder geweint. Sie habe sich die ganze Zeit so «dräckig» gefühlt (pag. 34 
Min. 14:30 ff.; pag. 37 Min. 14:51 ff.). Der Mix an aufkochenden Gefühlen erscheint 
stimmig, insbesondere, wenn man den Konnex zum Vorfall 2017 bedenkt.

In den Aussagen der Privatklägerin sind keine Aggravierungstendenzen ersichtlich. 
So führte sie beispielsweise an der Videoeinvernahme vom 11. November 2019 
aus, der Beschuldigte habe sie am Tag zuvor nur an der linken Brust angefasst, 
dies über den Kleidern und nur einmal (pag. 33 f. Min. 14:27 ff., 14:30 ff.). Die Fra-
ge der Polizei, ob der Beschuldigte währenddessen versucht habe, sie zu küssen, 
verneinte sie (pag. 34 Min. 14:30 ff.). Die Berührung der Brust sei schnell gegan-
gen (pag. 37 Min. 14:55 ff.). Anlässlich der Videoeinvernahme vom 13. Februar 
2020 ergänzte die Privatklägerin, der Beschuldigte habe die Brust leicht gedrückt. 
Sie habe keine Schmerzen gehabt (pag. 45 Min. 14:00). Die Privatklägerin hätte 
mehrmals Gelegenheit gehabt, den Vorfall schlimmer darzustellen und die Hand-

12

lungen des Beschuldigten schwerwiegender erscheinen zu lassen, als sie dies ge-
macht hat. Der Umstand, dass die Privatklägerin den Beschuldigten nicht unnötig 
belastete und klar differenzierte, deutet darauf hin, dass sie die Wahrheit sagte. 
Hätte sie den Vorfall erfunden, wäre es ein Einfaches gewesen, die Erzählungen 
aufzubauschen. Auch die zeitliche Angabe von 10 bis 15 Minuten (pag. 32 
Min. 14:20 ff.) erscheint der Schilderung adäquat. 

In den Aussagen der Privatklägerin finden sich gewisse Punkte, die allenfalls als 
ungereimt bezeichnet werden können. So gab sie an der Videoeinvernahme vom 
11. November 2019 zu Protokoll, sie habe beim Vorfall 2017 ein T-Shirt und kurze 
Hosen getragen. Nach dem Vorfall habe sie ihre Mutter angerufen. Demgegenüber 
schilderte die Privatklägerin an der Videoeinvernahme vom 13. Februar 2020 sie 
habe damals ein luftiges, bis zum Knöchel reichendes einteiliges Kleid getragen. 
Sie habe es dann ihrem Stiefvater erzählt, der ihre Mutter angerufen habe 
(pag. 46). In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass der Vorfall von 
2017 im Zeitpunkt der ersten Einvernahme der Privatklägerin bereits rund zwei 
Jahre zurücklag. Die erwähnten Ungereimtheiten in ihren Aussagen erscheinen mit 
Blick auf den Zeitablauf ohne Weiteres nachvollziehbar und tangieren die Glaub-
würdigkeit der Privatklägerin nicht. Das für sie massgebliche Kerngeschehen war 
nicht die Frage der Nachtbekleidung.

Die Verteidigung bringt sodann vor, in den Aussagen der Privatklägerin gebe es 
Widersprüche bezüglich der Berührung des Beschuldigten beim Vorfall 2017 
(pag. 492). 

Im Rapport der Videoeinvernahme vom 11. November 2019 wurde festgehalten, 
der Beschuldigte sei 2017 mit der Hand unter ihr T-Shirt gegangen und so hochge-
fahren (pag. 35 Min. 14:39 ff.). Bei der zweiten Videoeinvernahme vom 13. Februar 
2020 gab die Privatklägerin hingegen zu Protokoll, der Beschuldigte habe ihr von 
oben in den Ausschnitt an die Brust gefasst (pag. 46 Min. 14:14 ff.). Auf dem Video 
ist allerdings ersichtlich, dass sich die Privatklägerin an der Einvernahme vom 
11. November 2019 nicht sicher war, ob der Beschuldigte ihr von unten oder oben 
in ihr Pyjama gefasst habe. Sie hielt ausdrücklich fest, dass sie nichts Falsches sa-
ge möchte (pag. 42 Min 14:41 ff.). 

Das Verhalten der Privatklägerin nach dem Vorfall vom 10. November 2019 spricht 
ebenfalls für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. Sie rief unmittelbar nach dem Vor-
fall ihre Mutter an, welche gleichentags um 21:23 Uhr der Regionalpolizei Bern 
meldete, dass ihre Tochter von einem Nachbarn sexuell belästigt worden sei 
(pag. 2). Gemäss dem Berichtsrapport vom 11. November 2019 habe die Privat-
klägerin vor Ort einen ängstlichen, aber gefassten Eindruck gemacht (pag. 3). Es 
gibt keine Anhaltspunkte, dass die Aussagen der Privatklägerin durch Suggesti-
onseinflüsse entstanden sein könnten. Die Vorinstanz wies zu Recht darauf hin, 
dass eine Fremdbeeinflussung jedenfalls für die erste Einvernahme nahezu ausge-
schlossen erscheint, zumal die Einvernahme derart zeitnah erfolgte (pag. 235, 
S. 13 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

13

Bei Betrachtung der Videobefragungen gibt die intelligent wirkende Jugendliche 
ernsthaft und ruhig Auskunft, wirkt auch in den aufgenommenen Pausen ohne be-
fragende Person in der Nähe sehr ruhig. Bei den Fragen sucht sie auch Augenkon-
takt und senkt manchmal den Blick, um nachzudenken. In der ersten Befragung 
beginnen ihre Hände etwas zu arbeiten, als sie genauer zu den intimen Momenten 
Auskunft geben soll. In der zweiten Videobefragung nimmt sie die Vorhalte aus der 
Version des Beschuldigten ruhig entgegen, versucht, sie zu beantworten und gibt 
an, wenn sie etwas nicht weiss oder unsicher ist. 

Schliesslich ist nicht ersichtlich, weshalb die Privatklägerin den Beschuldigten zu 
Unrecht belasten und sich einem für sie belastenden Strafverfahren aussetzen soll-
te. Auf die vom Beschuldigten vorgebrachten Motive wird nachfolgend noch einge-
gangen. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin eine 
Vielzahl an verschiedensten Realkennzeichen aufweisen. Ein stereotypes Aussa-
geverhalten ist ebenso wenig erkennbar wie allfällige sonstige Lügensignale. Ihre 
Ausführungen sind schlüssig und fügen sich zu einem stimmigen Gesamtbild zu-
sammen. Die Kammer erachtet deshalb die Aussagen der Privatklägerin – in Über-
einstimmung mit der Vorinstanz – als glaubhaft.

8.3 Aussagen des Beschuldigten

Der Beschuldigte schilderte sowohl die Geschehnisse vom 10. November 2019 als 
auch jene von 2017 ganz anders als die Privatklägerin. Er bestritt in sämtlichen 
Einvernahmen, der Privatklägerin an die Brust gefasst zu haben (pag. 58 Z. 238 ff., 
Z. 243 f.; pag. 59 Z. 271 ff., Z. 302 f.; pag. 64 Z. 58 ff.; pag. 174 Z. 23 f.; pag. 488 
Z. 15). Die Aussagetüchtigkeit des Beschuldigten ist zu bejahen. Die Ausdrucks-
fähigkeit war unter Einschaltung einer Übersetzung gegeben. Abgesehen von ei-
nem Hinweis des Beschuldigten auf seine Müdigkeit bei der ersten Befragung, die 
jedoch keinen Einfluss auf den Inhalt seiner Aussagen gehabt habe (pag. 174 Z. 45 
f.), gibt es keine Anhaltspunkte auf negative Rahmenbedingungen bei den Befra-
gungen. Natürlich muss auch beim Beschuldigten berücksichtigt werden, dass ge-
rade seit dem Vorfall von 2017 doch geraume Zeit vergangen ist, bis er hierzu be-
fragt wurde. Die Vorinstanz wies ferner zu Recht darauf hin, dass der Beschuldigte 
keiner Aussage- und insbesondere keiner Wahrheitspflicht untersteht (pag. 247, 
S. 25 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Bei Betrachtung seiner Aussagen 
fällt allerdings auf, dass sich der Beschuldigte in erhebliche Widersprüche und Un-
gereimtheiten verstrickt hat, die nicht mehr einfach mit normalen Erinnerungsver-
lusten und Zeitablauf erklärbar sind. 

Auffallend ist zunächst, dass der Beschuldigte den Vorfall von 2019 in den Einver-
nahmen ganz unterschiedlich schilderte und immer mehr ausschmückte. 

In seinen ersten Aussagen an der delegierten Einvernahme vom 14. November 
2019 (pag. 52 ff.) schilderte der Beschuldigte, als er aus dem Zimmer der Jungs 
gekommen sei, sei er mit der Privatklägerin zusammengestossen. «Also sie kam 

14

direkt zu mir und hat sich aufgedrängt». Sie seien Gesicht zu Gesicht gewesen und 
Brust an Brust aufeinandergetroffen. Er habe die Privatklägerin sofort im Brustbe-
reich auf Schulterhöhe mit beiden Händen weggestossen und gesagt, er sage es 
ihrer Mutter. Die Privatklägerin habe ihn daraufhin gebeten, ihrer Mutter nichts zu 
sagen (pag. 54 Z. 62 ff.; pag. 56 Z. 142 ff., Z. 148 f.; pag. 58 Z. 256). Er habe sie 
nicht umarmen wollen. Sie seien einfach zusammengestossen. Er habe sie nicht 
angefasst (pag. 58 Z. 228 f.). An der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 
4. Mai 2020 (pag. 62 ff.) sprach der Beschuldigte nicht mehr davon, dass er mit der 
Privatklägerin zusammengestossen sei. Vielmehr erklärte er, die Privatklägerin sei 
zu ihm gekommen und habe ihn umarmt (pag. 64 Z. 68). Sie habe ihn umarmt, weil 
er nur ein Unterhemd getragen habe (pag. 65 Z. 117). Anlässlich der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung vom 3. März 2021 (pag. 173 ff.) machte der Beschuldigte 
dann geltend, die Privatklägerin sei auf ihn zugekommen und habe ihn von hinten 
umarmt. Er habe sich dann umgedreht und habe sie weggestossen (pag. 174 Z. 15 
f.; pag. 175 Z. 16 ff.). Die Rechtsvertreterin der Privatklägerin wies zu Recht darauf 
hin, dass eine Umarmung von hinten etwas ganz Anderes ist, als die ursprüngliche 
Version eines Zusammenstosses (pag. 445). Zudem gab der Beschuldigte erstmals 
vor der Vorinstanz zu Protokoll, als er sich umgedreht habe, habe die Privatklägerin 
ihn wieder umarmt und habe «Onkel Schatzi» zu ihm gesagt (pag. 175 Z. 20 f.). An 
der Berufungsverhandlung vom 20. Oktober 2022 bestätigte der Beschuldigte seine 
bisherigen Aussagen und betonte mehrfach, die Privatklägerin habe ihn umarmt 
und er habe sie daraufhin distanziert. Er habe nichts Anderes gemacht (pag. 488 
Z. 14 f., Z. 24 f.; pag. 489 Z. 15 f.; pag. 491 Z. 21 f.).

Die Erklärungsversuche des Beschuldigten zum Vorfall von 2019 wirken wenig 
plausibel und erscheinen konstruiert. Wenn der Beschuldigte am 10. November 
2019 tatsächlich mit der Privatklägerin zusammengestossen wäre, wie er es bei der 
Polizei geschildert hat, stellt sich die Frage, weshalb er die Privatklägerin dann so 
rabiat von sich hätte wegstossen sollen und es ihrer Mutter sagen wollte. Dass die 
Privatklägerin ihn daraufhin gebeten habe, ihrer Mutter nichts zu sagen, weil diese 
sie sonst schlage (pag. 56 Z. 158), erscheint geradezu abwegig. Wie die Privatklä-
gerin zutreffend ausführte, würde man sich bei einem Zusammenstossen doch 
vielmehr schlicht entschuldigen (pag. 45). Auf Frage des Staatsanwaltes, weshalb 
ihn die Privatklägerin hätte umarmen sollen, meinte der Beschuldigte, er habe ge-
sehen, wie sich die Privatklägerin gegenüber ihren Geschwistern schlecht verhal-
ten habe. Ihr kleiner Bruder sei zu ihm gekommen und habe ihn aufgefordert, mit 
ihm zu gehen. Seine Schwester habe ihm einen Zungenkuss gegeben (pag. 65 
Z. 87 ff.). Diese Erklärung erscheint unlogisch und lebensfremd. Zudem passt sie 
(soweit es um ein Geschehen vom 10. November 2019 gehen sollte) weder zu sei-
nen Aussagen, wonach der kleine Bruder zu ihm gekommen sei und ihm gesagt 
habe, dass sein älterer Bruder ihn geschlagen habe und sie sich gestritten hätten 
(pag. 54 Z. 58 f.; pag. 56 Z. 133 ff.; pag. 64 Z. 65 f.), noch zu seiner neusten Versi-
on, wonach die Privatklägerin ihn von hinten umarmt und ihn dabei «Onkel Schat-
zi» genannt habe (pag. 174 Z. 15 f.; pag. 175 Z. 16 ff.).

15

Auffallend ist weiter, dass der Beschuldigte in seiner freien Schilderung an der ers-
ten Einvernahme berichtet hat, die Privatklägerin sei eines Abends zu ihm ins 
Zimmer gekommen und er habe sie weggeschickt (pag. 54 Z. 44 ff.). Der Beschul-
digte wusste sogar noch, was er damals für Kleidung getragen hatte (ein somali-
sches Gewand, welches Männer tragen; pag. 54 Z. 45 f.). Der Vorfall von 2017 
muss also auch für ihn von einer gewissen Bedeutung gewesen sein. 

In seinen Aussagen zum Vorfall von 2017 sind ebenfalls Widersprüche und Un-
stimmigkeiten erkennbar. An der ersten Einvernahme führte der Beschuldigte aus, 
die Privatklägerin sei damals zu ihm ins Zimmer gekommen. Sie habe sich neben 
ihn gesetzt und gesagt, «Onkel, ich möchte bei dir bleiben, ich habe Angst». Er ha-
be Nein gesagt und sie zurück in ihr Zimmer geschickt. Am nächsten Tag sei ihre 
Mutter zu ihm gekommen und habe ihn gefragt, warum er der Privatklägerin an die 
Brust gefasst habe. Er habe dies bestritten. Daraufhin habe die Mutter gesagt, 
«gut, dann vergessen wir das» (pag. 54 Z. 44 ff.; pag. 59 Z. 276 ff.). Gegenüber der 
Staatsanwaltschaft schilderte der Beschuldigte demgegenüber, er habe damals bei 
den Brüdern der Privatklägerin im Zimmer geschlafen. Die Privatklägerin sei dann 
in dieses Zimmer gekommen, weil sie Angst gehabt habe (pag. 67 Z. 174 ff.). Sie 
habe ihm gesagt, dass sie nicht alleine schlafen könne und auch bei ihm und den 
Brüdern schlafen möchte. Anders als bei der Polizei gab der Beschuldigte nun nicht 
mehr an, dass er die Privatklägerin zurück in ihr Zimmer geschickt habe. Vielmehr 
erklärte er, als sie eingeschlafen sei, habe er seine Matratze genommen und sei 
zum Schlafen ins Wohnzimmer gegangen (pag. 68 Z. 206 ff.). Ebenfalls anders als 
noch bei der Polizei bestritt der Beschuldigte nun, dass ihn die Mutter der Privat-
klägerin auf diesen Vorfall angesprochen habe. Sie hätten nie über so etwas ge-
sprochen (pag. 68 Z. 218 ff.; pag. 70 Z. 284 f.). Auch anlässlich der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung und an der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte 
zu Protokoll, es habe nie ein Gespräch mit der Mutter der Privatklägerin gegeben 
(pag. 175 Z. 31 f.; pag. 489 Z. 7 ff.).

An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung machte der Beschuldigte erstmals gel-
tend, der Vorwurf sei ein Konstrukt der Mutter der Privatklägerin. Die Mutter habe 
ihn haben wollen. Er habe ihr aber gesagt, dass er verheiratet sei. Dann habe sie 
das Ganze erfunden und mit der Privatklägerin abgesprochen. Die Verteidigung 
reichte daraufhin Fotos ein, die die Aussagen des Beschuldigten belegen sollen. Er 
habe keine Beziehung mit der Mutter gehabt. Sie habe ihn gefragt, ob er sie heira-
ten möchte, weil die Kinder ihn kennen. Er habe aber verneint, weil er selber Frau 
und Kinder habe. Die Mutter habe ihm gesagt, wenn er sie heirate, erhalte er eine 
B-Bewilligung. Er habe aber trotzdem verneint, da er keine Scheinehe wolle 
(pag. 174 Z. 27 ff.). Auch an der Berufungsverhandlung berief sich der Beschuldig-
te auf ein angebliches Rachekonstrukt (pag. 489 Z. 3). Die Mutter der Privatkläge-
rin wolle seinen Namen ruinieren (pag. 488 Z. 31). Auf Frage, weshalb die Privat-
klägerin so etwas erzähle und ihn entsprechend belaste, erklärte der Beschuldigte, 
es gehe um die Familie. Er habe Fotos, die belegen, dass er mit der Mutter der Pri-

16

vatklägerin zusammen gewesen sei. Sie hätten sich verlobt. Sie habe ihn betrogen 
und habe Geld von ihm gewollt. Die Familie habe ihn ruinieren wollen. Die Mutter 
habe keinen guten Ruf. Sie habe fünf oder sechs Männer gehabt und er sei Teil 
dieser Männer gewesen. Auf Nachfrage des Verfahrensleiters, ob er mit der Mutter 
der Privatklägerin eine Beziehung gehabt habe, gab der Beschuldigte an, sie habe 
ihm gesagt, dass sie heiraten sollen, weil ihn die Kinder gut mögen. Er habe ihr 
aber gesagt, dass er nicht könne, weil er eine Frau und Kinder habe. Er glaube, sie 
sei eifersüchtig gewesen. Sie hätten keine sexuelle Beziehung gehabt. Die Mutter 
habe es aber gewollt und sei oft in seinem Zimmer gewesen. Dies sei auch der 
Grund, weshalb ihr Ehemann nach England gereist sei. Die Privatklägerin unter-
stütze ihre Mutter. Wenn die Mutter als erwachsene Person so etwas gesagt hätte, 
wäre es nicht so glaubwürdig gewesen. Aber bei der Privatklägerin schon. Sie sei 
vom Charakter her wie ihre Mutter (pag. 489 Z. 19 ff.). Auf Nachfrage des Verfah-
rensleiters, wie denn der Charakter dieser beiden sei, meinte der Beschuldigte, der 
Stiefvater der Privatklägerin sei nach England gereist, weil die Privatklägerin ihn 
gestört habe und ihn nach Geld gefragt habe (pag. 490 Z. 1 ff.). 

Die Vorinstanz wies zu Recht darauf hin, dass ein solches Rachekonstrukt viel 
Vorbereitung und zahlreiche Absprachen erfordert hätte, was unter Einbezug eines 
12- bzw. 14-jährigen Mädchens kaum vorstellbar ist (pag. 248, S. 26 der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). Hinzu kommt, dass der Beschuldigte das angebli-
che Konstrukt erst an der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, in der dritten Ein-
vernahme, vorgebracht hat. Schliesslich sprechen auch die glaubhaften Aussagen 
der Mutter der Privatklägerin an der Fortsetzungsverhandlung vom 22. April 2021 
klar gegen ein Konstrukt (vgl. Ziff. II. 8.4 hinten). Die Vorbringen des Beschuldigten 
zum angeblichen Falschbelastungsmotiv der Mutter erscheinen daher nicht glaub-
haft. Es ist – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – von einer Schutzbehauptung 
auszugehen (pag. 248, S. 26 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Mit den 
zahlreichen Gegenangriffen an der Berufungsverhandlung versuchte der Beschul-
digte offensichtlich, die Privatklägerin und ihre Mutter in ein schlechtes Licht zu rü-
cken und ihre Glaubwürdigkeit abzuschwächen.

Weiter redete der Beschuldigte den Vorfall 2019 von der Dauer her klein auf nur ein 
bis zwei Minuten (pag. 174 Z. 19). Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass diese 
Zeitangabe bereits mit Blick auf seine eigenen Schilderungen zum Ablauf des Ge-
schehens in der Wohnung nicht plausibel erscheint (pag. 248, S. 26 der erstin-
stanzlichen Urteilsbegründung). Angesprochen auf die Gangtüre, die er zugetan 
habe, bevor er die Privatklägerin umarmt habe, bestritt der Beschuldigte, dass es in 
der Wohnung eine Gangtüre gab (pag. 66 Z. 143 ff.). Auf der von der Polizei erstell-
ten Fotodokumentation und dem erstellten Grundriss der Wohnung ist indes er-
sichtlich, dass sich hinter dem Eingangsbereich eine Gangtüre befindet (pag. 16; 
pag. 21). In Bedrängnis kamen vom Beschuldigten platte Aussagen wie: «Ich bin 
ein Muslim und weiss, dass ich nicht lügen soll» (pag. 58 Z. 229 f.) oder «Ich habe 
nur Angst vor Allah, weil Allah alles sieht. Deshalb habe ich Angst solche Sa-

17

chen zu machen» (pag. 58 Z. 252 f.). Schliesslich fällt auf, dass der Beschuldigte 
in den Einvernahmen mehrfach nach Beweisen fragte, wenn er sich nicht anders 
zu verteidigen wusste (vgl. pag. 65 Z. 109 f.; pag. 66 Z. 123). Es gebe keine Be-
weise, dass er so etwas gemacht habe (pag. 68 Z. 236; pag. 69 Z. 260; pag. 175 
Z. 46; vgl. auch pag. 176 Z. 3; pag. 489 Z. 16 f.).

Beim Beschuldigten liegt sodann ein Motiv für allfällige Falschaussagen vor, fürch-
tete er doch bereits an der delegierten Einvernahme vom 14. November 2019, dass 
die Anschuldigungen seine Zukunft ruinieren oder schädigen (pag. 59 Z. 311 f.). 
Spätestens mit der Mitteilung der Sistierung des Verfahrens betreffend Erteilung 
einer Aufenthaltsbewilligung am 11. März 2020 (pag. 400) dürfte dem Beschuldig-
ten der Zusammenhang mit seinem Aufenthaltsstatus ganz konkret ersichtlich ge-
wesen sein. 

Insgesamt ist festzuhalten, dass die Aussagen des Beschuldigten in den zentralen, 
die Anklage betreffenden Punkten, nicht glaubhaft wirken. Sie sind teilweise wider-
sprüchlich und nicht nachvollziehbar und stehen den Aussagen der Privatklägerin 
diametral entgegen. Für die Beurteilung des Sachverhalts kann deshalb nicht auf 
die Aussagen des Beschuldigten abgestellt werden. 

8.4 Aussagen von H.________

Die Privatklägerin rief nach dem Vorfall vom 10. November 2019 ihre Mutter 
H.________ an und erzählte ihr, was vorgefallen ist. An der delegierten Einver-
nahme vom 21. November 2019 (pag. 23 ff.) beschrieb H.________ den aufge-
wühlten Zustand ihrer Tochter (pag. 24 Z. 35 f.; pag. 25 Z. 87 f.) und schilderte de-
tailliert, stimmig und nachvollziehbar, was die Privatklägerin ihr erzählte hatte 
(pag. 24 f. Z. 37 ff.; pag. 26 Z. 114 ff.). Es gibt keine Hinweise auf eine Einschrän-
kung der Aussagetüchtigkeit von H.________. 

Das Gewicht der Aussagen von H.________ ist zwar in der Gesamtbetrachtung 
schon deshalb objektiv etwas geringer, als es sich dabei (soweit es um die konkre-
ten Vorfälle selber geht) um Aussagen vom Hörensagen durch das eigene Kind 
handelt. Es kann aber festgehalten werden, dass H.________ bei den Videoein-
vernahmen der Privatklägerin selber nicht dabei war und ihre Kenntnisse folglich 
nicht aus diesen Befragungen hat. Hinzu kommt, dass sich der zweite Vorfall un-
streitig am Abend des 10. November 2019 ereignete und H.________ noch am 
selben Abend die Polizei avisierte. Ihre Aussagen sind in sich widerspruchsfrei und 
es sind auch keine Widersprüche zu den Schilderungen der Privatklägerin ersicht-
lich. H.________ bestätigte unter Zeugenpflicht, dass sie den Beschuldigten 2017 
auf den Vorfall angesprochen habe. Dieser habe zunächst alles abgestritten. Dann 
habe er aber gesagt, er wisse nicht, was mit ihm los sei und habe sich entschuldigt 
(pag. 26 Z. 130 ff.; pag. 27 Z. 180 ff.). Sie habe ihm seine Entschuldigung damals 
geglaubt (pag. 27 Z. 191 ff.). Entsprechend enttäuscht zeigte sich H.________, 
dass es 2019 wieder zu einem Vorfall gekommen ist (vgl. pag. 24 Z. 30 ff.). 
H.________ konnte auch plausibel erklären, weshalb sie 2017 keine Anzeige ein-

18

gereicht hatte. Sie habe damals mit ihrer Mutter darüber gesprochen. Ihr Exmann 
habe auch gesagt, dass es nicht schlimm sei und der Beschuldigte sich ja ent-
schuldigt habe. Der Beschuldigte habe nur einen N-Ausweis, den er verlieren kön-
ne. Deshalb hätten sie es dann so belassen (pag. 198 Z. 19 ff.). Aufgewertet wer-
den die Aussagen von H.________ insbesondere dadurch, dass sie keine Über-
treibungen macht und das früher gute Verhältnis zum Beschuldigten nicht ausblen-
det. Sie gab an, der Beschuldigte sei 2017 wie ein Bruder für sie gewesen 
(pag. 196 Z. 32 f.; pag. 197 Z. 3, Z. 33). Gerade dies lässt ihre ruhige und unter 
Zeugenpflicht gemachten Aussagen zu ihrem nicht vorhandenen Interesse am Be-
schuldigten und den von ihm eingereichten Fotos glaubhaft erscheinen (vgl. 
pag. 196 f. Z. 36 ff.). Es gibt keine Hinweise, die auf ein Rachekonstrukt ihrerseits 
schliessen lassen. 

Auch wenn H.________ für die zu beurteilenden Vorfälle lediglich eine Zeugin vom 
Hörensagen ist, unterstreichen ihre Aussagen das Gesamtbild und können ergän-
zend zu den Ausführungen der Privatklägerin herangezogen werden.  

8.5 Weitere Beweismittel

Gemäss dem Berichtsrapport vom 11. November 2019 (pag. 2 f.) meldete 
H.________ der Regionalpolizei Bern am 10. November 2019 um 21:23 Uhr, dass 
ihre Tochter von einem Nachbarn sexuell belästigt worden sei (pag. 2). Sie belaste-
te den Beschuldigten somit bereits zu diesem Zeitpunkt nicht übermässig. Wenn es 
sich tatsächlich um ein Rachekonstrukt handeln würde, hätten die Privatklägerin 
und ihre Mutter den Beschuldigten wohl schwerer belastet. Gemäss dem Berichts-
rapport habe die Privatklägerin vor Ort einen ängstlichen, aber gefassten Eindruck 
gemacht. Der Bruder der Privatklägerin habe angegeben, dass der Beschuldigte zu 
ihm ins Zimmer gekommen sei und ihm gesagt habe, er solle schlafen, da es schon 
spät sei. Anschliessend habe der Beschuldigte das Zimmer verlassen und die 
Zimmertüre geschlossen (pag. 3). Diese Angaben decken sich mit den Aussagen 
der Privatklägerin (pag. 31 Min. 14:15 ff.) und jenen von H.________ (pag. 25 
Z. 59; pag. 26 Z. 98 ff.). 

Aus dem Umstand, dass bei der Auswertung des Natels des Beschuldigten keine 
verbotenen Erzeugnisse oder fallrelevanten Daten festgestellt werden konnten, 
lässt sich nichts zu Gunsten des Beschuldigten ableiten (vgl. pag. 8). 

8.6 Beweisergebnis und erwiesener Sachverhalt

Die Beweislage charakterisiert sich zusammengefasst dadurch, dass die Aussagen 
der Privatklägerin nach den Kriterien der Aussagepsychologie sehr glaubhaft sind 
und in den Aussagen der übrigen befragten Personen Verknüpfungen finden. Die 
Aussagen des Beschuldigten weisen demgegenüber zahlreiche Auffälligkeiten auf 
und erscheinen in den zentralen, die Anklage betreffenden Punkten, nicht glaub-
haft. Es gibt keine Hinweise, die auf ein Rachekonstrukt schliessen lassen. 

19

Für die Kammer bestehen keine Zweifel daran, dass die Vorfälle so stattgefunden 
haben, wie sie von der Privatklägerin geschildert wurden und wie sie der Anklage-
schrift vom 29. Mai 2020 (pag. 129 ff.) zugrunde gelegt wurden. Die Kammer er-
achtet die in der Anklageschrift umschriebenen Sachverhalte als erwiesen 
(pag. 129 f.).

III. Rechtliche Würdigung

9. Rechtliche Grundlagen 

Gemäss Art. 187 Ziff. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) 
wird wegen sexuellen Handlungen mit Kindern bestraft, wer mit einem Kind unter 
16 Jahren eine sexuelle Handlung vornimmt, es zu einer solchen Handlung verlei-
tet oder es in eine sexuelle Handlung einbezieht. 

Für die rechtlichen Grundlagen zum Tatbestand von Art. 187 Ziff. 1 StGB kann auf 
die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (pag. 250 ff., 
S. 28 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). Zur Abgrenzung des Tatbe-
stands von Art. 187 Ziff. 1 StGB zur sexuellen Belästigung gemäss Art. 198 Abs. 2 
StGB ist ergänzend und präzisierend auf Folgendes hinzuweisen: 

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung lassen sich sexuelle Handlungen 
nach der Eindeutigkeit ihres Sexualbezugs abgrenzen. Keine sexuellen Handlun-
gen sind Verhaltensweisen, die nach ihrem äusseren Erscheinungsbild keinen un-
mittelbaren sexuellen Bezug aufweisen. Als sexuelle Handlungen im Sinne von 
Art. 187 Ziff. 1 StGB gelten hingegen Verhaltensweisen, die für den Aussenstehen-
den nach ihrem äusseren Erscheinungsbild einen unmittelbaren sexuellen Bezug 
aufweisen und im Hinblick auf das geschützte Rechtsgut erheblich sind (BGE 131 
IV 100 E. 7.1; 125 IV 58 E. 3b; Urteile des Bundesgerichts 6B_658/2020 vom 
23. August 2021 E. 2.4.1; 6B_1/2021 vom 10. Mai 2021 E. 2.2; 6B_935/2020 vom 
25. Februar 2021 E. 3.1; je mit Hinweisen). Bedeutsam für die Beurteilung der Er-
heblichkeit sind qualitativ die Art und quantitativ die Intensität sowie die Dauer der 
Handlung, wobei die gesamten Begleitumstände – so etwa das Alter des Opfers 
und der Altersunterschied zum Täter – zu berücksichtigen sind (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_658/2020 vom 23. August 2021 E. 2.4.1 mit Hinweisen).

Gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB macht sich der sexuellen Belästigung schuldig, wer 
jemanden tätlich oder in grober Weise durch Worte sexuell belästigt. Die Bestim-
mung erfasst geringfügigere Beeinträchtigungen der sexuellen Integrität. Ob sie ei-
ne Verletzung der Selbstbestimmung darstellen, kann zweifelhaft sein. Sie sind 
aber mit solchen Eingriffen vergleichbar, indem sie die betroffene Person jedenfalls 
ohne ihren Willen mit Sexualität konfrontieren. Es handelt sich um qualifiziert uner-
wünschte sexuelle Annäherungen bzw. um physische, optische und verbale Zumu-
tungen sexueller Art. Aus dem Merkmal der Belästigung ergibt sich, dass das Opfer 
in diese weder eingewilligt noch sie – etwa spasseshalber – provoziert haben darf. 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_658%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-IV-100%3Ade&number_of_ranks=0#page100
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_658%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-IV-100%3Ade&number_of_ranks=0#page100
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_658%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-IV-58%3Ade&number_of_ranks=0#page58

20

Die tätliche Belästigung gemäss Art. 198 Abs. 2 StGB setzt eine körperliche Kon-
taktnahme voraus. Hiefür genügen bereits wenig intensive Annäherungsversuche 
oder Zudringlichkeiten, solange sie nur nach ihrem äusseren Erscheinungsbild se-
xuelle Bedeutung haben. Hierunter fallen neben dem überraschenden Anfassen ei-
ner Person an den Geschlechtsteilen auch weniger aufdringliche Berührungen wie 
das Antasten an der Brust oder am Gesäss, das Betasten von Bauch und Beinen, 
auch über den Kleidern, oder Umarmungen (BGE 137 IV 263 E. 3.1; Urteil des 
Bundesgerichts 6B_658/2020 vom 23. August 2021 E. 2.4.2; je mit Hinweisen). 

10. Subsumtion 

Die Privatklägerin, geb. .________, war im Zeitpunkt des ersten Vorfalls 2017 
12 Jahre und beim zweiten Vorfall am 10. November 2019 14 Jahre alt und damit 
ein Kind bzw. eine Jugendliche im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB. Der Beschuldig-
te, geb. .________, war im Tatzeitpunkt 25 bzw. 27 Jahre alt. Es bestand somit ei-
ne Altersdifferenz von mehr als drei Jahren, weshalb der Beschuldigte als Täter 
nach Art. 187 StGB gilt.

Das Beweisverfahren hat ergeben, dass sich der Beschuldigte 2017 ins Zimmer 
der damals 12-jährigen Privatklägerin begab, als sie sich schlafend stellte. In der 
Folge griff er ihr einmalig unter dem Pyjama an die Brust. Das Anfassen der nack-
ten Brust unter der Kleidung ist klar als sexuelle Handlung im Sinne von Art. 187 
Ziff. 1 StGB zu beurteilen. 

Beim Vorfall vom 10. November 2019 zog der Beschuldigte die Privatklägerin un-
vermittelt an sich, umarmte sie und liess auch nicht von ihr ab, als sie ihn aufforder-
te, damit aufzuhören. Daraufhin griff er ihr über den Kleidern einmalig an die Brust, 
worauf sie ihn wegstiess und ultimativ aufforderte, die Wohnung zu verlassen, was 
er schliesslich tat. 

Der körperliche Kontakt war zwar von kurzer Dauer und die Berührung der Brust 
erfolgte über den Kleidern. Anders als in dem von der Verteidigung erwähnten Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_1102/2019 vom 28. November 2019 spielte sich der 
Vorfall vom 10. November 2019 (wie bereits der Vorfall 2017) allerdings nicht in der 
Öffentlichkeit und in Anwesenheit zahlreicher Personen, sondern in der Wohnung 
der Privatklägerin, mithin in ihrem Privatbereich, ab. Der Beschuldigte schloss vor 
dem Übergriff sowohl die Türe zum Schlafzimmer der Brüder als auch die Gangtü-
re. Die Privatklägerin war daher mit dem 13 Jahre älteren Beschuldigten alleine 
und es war niemand da, der ihr hätte helfen können. Der Beschuldigte zog die Pri-
vatklägerin unvermittelt an sich, umarmte sie, fasste ihr an die Brust und drückte 
diese gemäss den Aussagen der Privatklägerin leicht (pag. 45 Min. 14:00). Es han-
delte sich nicht um eine flüchtige, zufällige Berührung, sondern um einen absichtli-
chen, spürbaren Griff an die Brust der Privatklägerin (vgl. MAIER, in: Basler Kom-
mentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N. 11 zu Art. 187 StGB; TRECHSEL/BERTOSSA, 
Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Auflage 2021, N. 6 zu 
Art. 187 StGB). Schliesslich ist der Vorfall 2019 im Kontext mit dem Vorfall 2017 zu 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_658%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-IV-263%3Ade&number_of_ranks=0#page263

21

sehen, was auch die Privatklägerin so empfunden hat. Es kam in beiden Fällen zu 
einem körperlichen Kontakt zwischen dem Beschuldigten und der Privatklägerin 
und dabei zu einem bewussten Anfassen der Brust. Unter Berücksichtigung dieser 
Umstände erreicht auch der Übergriff vom 10. November 2019 die für die Annahme 
einer sexuellen Handlung im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB notwendige Intensität. 
Die Zudringlichkeiten des Beschuldigten waren geeignet, die ungestörte sexuelle 
Entwicklung der Privatklägerin und ihre sexuelle Selbstbestimmung zu gefährden. 
Der objektive Tatbestand der sexuellen Handlung mit Kindern gemäss Art. 187 
Ziff. 1 StGB ist auch beim Vorfall vom 10. November 2019 erfüllt.

In subjektiver Hinsicht ist mindestens Eventualvorsatz erforderlich (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_506/2019 vom 27. August 2019 E. 2.2 mit Hinweis). Der Beschul-
digte wusste, dass die ihm vorgeworfenen Verhaltensweisen eine sexuelle Bedeu-
tung hatten (vgl. pag. 59 Z. 312 ff.). Zudem kannte er als Freund der Familie das 
Alter der Privatklägerin. Er sagte denn auch aus, er könne sich nicht vorstellen, ei-
ne 14-Jährige anzufassen (pag. 55 Z. 91 f.). Auch der Altersunterschied von deut-
lich mehr als drei Jahren war ihm bewusst. Der Beschuldigte handelte in beiden 
Fällen mit Wissen und Willen. Der subjektive Tatbestand ist erfüllt. 

Der Beschuldigte ist somit – in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils – der 
mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB schul-
dig zu sprechen. 

IV. Strafzumessung

11. Anwendbares Recht / Strafart 

Am 1. Januar 2018 sind die revidierten Bestimmungen des Allgemeinen Teils des 
Strafgesetzbuchs in Kraft getreten. Hat der Täter vor diesem Datum ein Verbre-
chen oder Vergehen begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst nachher, so sind 
gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB die neuen Bestimmungen anzuwenden, wenn sie für 
ihn milder sind. Ob das neue im Vergleich zum alten Gesetz milder ist, beurteilt 
sich nicht nach einer abstrakten Betrachtungsweise, sondern in Bezug auf den 
konkreten Fall (Grundsatz der konkreten Vergleichsmethode; BGE 134 IV 82 
E. 6.2.1). Ausschlaggebend ist, nach welchem Recht der Täter für die zu beurtei-
lende Tat besser wegkommt (BGE 126 IV 5 E. 2c mit Hinweisen). Anzuwenden ist 
in Bezug auf ein und dieselbe Tat nur entweder das alte oder das neue Recht. Eine 
kombinierte Anwendung der beiden Rechte ist ausgeschlossen (BGE 134 IV 82 
E. 6.2.3 mit Hinweisen). Hat der Täter mehrere selbständige strafbare Handlungen 
begangen, so ist in Bezug auf jede einzelne Handlung gesondert zu prüfen, ob das 
alte oder das neue Recht milder ist. Gegebenenfalls ist eine Gesamtstrafe zu bil-
den (BGE 134 IV 82 E. 6.2.1 und E. 6.2.3).

Der Beschuldigte beging die beiden vorliegend zu beurteilenden Delikte im De-
zember 2017 und am 10. November 2019. Der Strafrahmen für sexuelle Handlun-

22

gen mit Kindern war bereits vor dem 1. Januar 2018 Freiheitsstrafe bis zu fünf Jah-
ren oder Geldstrafe, also jeweils gleich für den Vorfall von 2017 und denjenigen 
von 2019. Allerdings war bis Ende 2017 eine Geldstrafe bis 360 Tagessätze mög-
lich (vgl. Art. 34 Abs. 1 aStGB). Zusätzlich galt nach Art. 41 Abs. 1 aStGB bis zu 
einer Strafe von sechs Monaten eine klare Vorrangstellung der Geldstrafe vor der 
Freiheitsstrafe. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung verschärft der neue 
Art. 34 StGB (in Kraft seit 1. Januar 2018), nach welchem die Geldstrafe mindes-
tens drei und höchstens 180 Tagessätze beträgt, das Sanktionensystem insofern, 
als es den Anwendungsbereich der Geldstrafe einschränkt und denjenigen der 
Freiheitsstrafe entsprechend ausdehnt (BGE 147 IV 241 E. 4). 

Damit wäre für den Vorfall von 2017 grundsätzlich das alte Recht milder. Aufgrund 
des zu beachtenden Verschlechterungsverbots (vgl. Ziff. I. 5. vorne) steht vorlie-
gend ohnehin nur eine Geldstrafe zur Diskussion, wie sie von der Vorinstanz aus-
gefällt wurde. Eine solche erscheint aber auch unter Berücksichtigung der in der 
Rechtsprechung genannten Kriterien (Verschulden des Täters, Angemessenheit 
der Strafe, ihre Auswirkungen auf den Täter und auf seine soziale Situation sowie 
ihre Wirksamkeit unter dem Gesichtswinkel der Prävention, vgl. BGE 147 IV 241 
E. 3) ausreichend, wobei beispielhaft etwa auf die fehlenden Vorstrafen des Be-
schuldigten und dessen Anstellung verwiesen werden kann. 

Die Frage des anwendbaren Rechts wird aufgrund des Verschlechterungsverbots, 
welches die Kammer auch auf maximal 180 Tagessätze beschränkt, zu einer aka-
demischen Frage (da nach altem wie auch neuem Recht eine Geldstrafe von 
180 Tagessätzen möglich ist). Korrekterweise wäre für die beiden Vorfälle je vom 
im Tatzeitpunkt geltenden Recht auszugehen. Da aber aus den zwei Geldstrafen 
eine Gesamtstrafe zu bilden ist, ist für beide Vorfälle das StGB in seiner seit dem 
1. Januar 2018 geltenden Fassung anzuwenden.

12. Konkretes Vorgehen und Strafrahmen

Die allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz zur Strafzumessung sind zutreffend. 
Darauf kann verwiesen werden (pag. 253 f., S. 31 f. der erstinstanzlichen Urteils-
begründung). 

Der Beschuldigte hat sich der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern 
schuldig gemacht. Entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist 
zunächst der Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die 
Einsatzstrafe für die schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens festzusetzen 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1079/2016 vom 21. März 2017 E. 1.3 mit Hinwei-
sen). Übereinstimmend mit der Vorinstanz stellt sich der Vorfall 2017 aufgrund des 
konkreten Vorgehens (Berührung der Brust unter den Kleidern eines vermeintlich 
schlafenden Kindes) und des damaligen Alters der Privatklägerin als schwerwie-
gender dar. Demnach ist hierzu die Einsatzstrafe zu bilden (pag. 255, S. 33 der 
erstinstanzlichen Urteilsbegründung).

23

In einem zweiten Schritt ist die Einsatzstrafe aufgrund des weiteren Vorfalls 2019 in 
Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB angemessen zu erhöhen. Trotz Asperation 
sind vorliegend keine aussergewöhnlichen Umstände ersichtlich, die es gebieten 
würden, den ordentlichen Strafrahmen zu verlassen (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8 mit 
Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_853/2014 vom 9. Februar 2015 E. 4.2). 

13. Tatkomponenten

13.1 Einsatzstrafe

Der Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Kindern will die Gefährdung der se-
xuellen Entwicklung der Unmündigen verhindern. Es geht darum, die ungestörte 
Entwicklung des Kindes zu gewährleisten, bis es die notwendige Reife erlangt hat, 
damit es zur verantwortlichen Einwilligung zu sexuellen Handlungen in der Lage ist 
(MAIER, in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N. 1 zu Art. 187 StGB). 
Die Schwere der Verletzung des geschützten Rechtsguts ist bei Sexualdelikten er-
fahrungsgemäss schwierig zu bestimmen. Die Folgen und Traumatisierungen hän-
gen unter anderem ab von der Art und Intensität der sexuellen Ausbeutung, vom 
Alter der betroffenen Kinder, vom Geschlecht und Alter des Täters und von der In-
tensität der Beziehung zwischen Opfer und Täter. Welcher einzelne Faktor in wel-
cher Intensität schädigend wirkt, bleibt aber im Einzelfall unvorhersehbar. Gesichert 
scheint einzig, dass sexuelle Übergriffe für jedes Kind ernsthafte Risiken bergen, in 
seiner persönlichen Entwicklung durch das Erlebte in irgendeiner Form beeinträch-
tigt zu werden (MAIER, a.a.O., N. 2 zu Art. 187 StGB). 

Die damals 12-jährige Privatklägerin war beim Vorfall von 2017 am Anfang ihrer 
Pubertät und damit besonders verletzlich. H.________ schilderte, ihre Tochter sei 
nach dem Vorfall traurig und schockiert gewesen und habe viel Zeit gebraucht. Sie 
sei Männern gegenüber zurückhaltend geworden, habe ihnen nicht mehr die Hand 
gegeben und habe auch mit ihrem Stiefvater nicht mehr gespielt. Mit der Zeit sei es 
aber wieder besser geworden (pag. 27 Z. 162 ff.). Diese Aussagen zeigen, dass 
die Schwere der Verletzung des geschützten Rechtsguts nicht zu bagatellisieren 
ist.

Betreffend die Art und Weise des Vorgehens bzw. die Verwerflichkeit des Handelns 
ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte seine Zugehörigkeit zur Familie der 
Privatklägerin schamlos ausgenutzt hat. Er missbrauchte das Vertrauen der Privat-
klägerin und ihrer Familie massiv, unabhängig davon, ob er damals einen regel-
rechten Kinderhüte-Auftrag hatte oder nicht. Ohne dieses Vertrauen hätte er sich 
nicht alleine mit der Privatklägerin und ihren Brüdern in der Wohnung und erst recht 
nicht in ihrem Zimmer aufhalten können. Zu berücksichtigen ist allerdings auch, 
dass es sich nur um eine kurze Berührung der Brust handelte und es zu keinen 
weitergehenden sexuellen Handlungen kam. Der Beschuldigte liess sofort von ihr 
ab, als die Privatklägerin zu schreien begann. Unter den Tatbestand von Art. 187 
Ziff. 1 StGB fallen auch weit schwerer ins Gewicht fallende Übergriffe, was in der 
maximalen Strafandrohung von fünf Jahren Freiheitsstrafe zum Ausdruck kommt. 

https://expert.bger.ch/php/expert/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_853%2F2014&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-IV-55%3Ade&number_of_ranks=0#page55

24

Nichtsdestotrotz handelte es sich um eine klare Grenzüberschreitung gegenüber 
einer Minderjährigen.

Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich und aus egoistischen Gründen. Es ging 
ihm um die Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse, was indes tatbestandsim-
manent und deshalb neutral zu gewichten ist. 

Das Tatverschulden ist – im Verhältnis zum Strafrahmen – insgesamt als leicht zu 
bezeichnen. Die Kammer erachtet für den Vorfall 2017 in Übereinstimmung mit der 
Vorinstanz eine Einsatzstrafe von rund 150 Strafeinheiten als dem Tatverschulden 
des Beschuldigten angemessen (pag. 256, S. 34 der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung).

13.2 Asperation

Der Vorfall 2019 ist vom Tatverschulden her etwas leichter zu gewichten als derje-
nige von 2017. Es handelte sich um ein Umarmen und Anfassen der Brust über 
den Kleidern. Die Privatklägerin war zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre älter als beim 
ersten Vorfall und der Vorfall ereignete sich nicht in ihrem Schlafzimmer, sondern 
im Korridor der Wohnung. Dennoch sind die Folgen des Übergriffs wiederum nicht 
zu bagatellisieren. Der Vorfall führte bei der Privatklägerin – in Kombination mit den 
bereits 2017 gemachten Erfahrungen – zu einer starken Verunsicherung. 
H.________ schilderte, ihre Tochter sei nach dem Vorfall geschockt gewesen und 
habe nicht richtig sprechen können. Sie habe richtig Angst gehabt und habe ge-
sagt, «Mami, er hat es wieder gemacht». Ihre Tochter habe sich nach dem Vorfall 
verändert. Sie habe mehr Angst und wolle nicht mehr in ihrem Zimmer schlafen, da 
es so nahe am Zimmer des Beschuldigten sei. Wenn sie in die Schule gehe, gehe 
sie mit L.________. Sie habe schon zwei Mal in der Schule weinen müssen und 
habe auch Gespräche mit dem Schulsozialarbeiter gehabt (pag. 25 Z. 87 ff.). Die 
Angst der Privatklägerin vor dem Beschuldigten ging so weit, dass die Familie 
schliesslich sogar umgezogen ist. 

Betreffend die subjektiven Tatkomponenten kann zunächst auf die Ausführungen 
zum Vorfall 2017 (vgl. Ziff. IV 13.1 hiervor) verwiesen werden. Zu berücksichtigen 
ist, dass der Beschuldigte der Mutter der Privatklägerin an sich versprochen hatte, 
dass sich so etwas nicht mehr wiederholen wird. 

Das Tatverschulden wiegt insgesamt noch leicht. Für den Vorfall 2019 erscheint 
für sich alleine beurteilt eine Strafe von rund 120 Strafeinheiten als angemessen. In 
Anwendung des Asperationsprinzips gelangt die Kammer zu einer asperierten Stra-
fe von rund 80 Strafeinheiten, so dass die Einsatzstrafe von 150 Strafeinheiten auf 
230 Strafeinheiten zu erhöhen ist. 

14. Täterkomponenten

Die Vorinstanz führte zum Vorleben und zu den persönlichen Verhältnissen des 
Beschuldigten Folgendes aus (pag. 256 f., S. 34 f. der erstinstanzlichen Urteilsbe-
gründung): 

25

Zum Vorleben des Beschuldigte enthalten die Akten nur wenige Informationen. Bekannt ist, dass der 
Beschuldigte in Somalia aufgewachsen ist, vier Schwestern und fünf Brüder hatte (zum Teil verstor-
ben), die Primar- und Oberstufenschule in Somalia besuchte und am 26.01.2015 in die Schweiz ein-
reiste. Am Tag der Einreise stellte er ein Asylgesuch, welches am 13.03.2018 durch das Staatssekre-
tariat für Migration abgewiesen wurde. Der Beschuldigte wurde vorläufig in der Schweiz aufgenom-
men und erhielt einen F-Ausweis, welcher bis am 12.03.2020 gültig war. Zurzeit ist ein Gesuch hängig 
um Umwandlung des F-Ausweises in eine (befristete) Aufenthaltsbewilligung. Bis im August 2018 
wurde der Beschuldigte finanziell vom Kompetenzzentrum Integration unterstützt, seither ist er finan-
ziell unabhängig.

Zu den persönlichen Verhältnissen kann gesagt werden, dass der Beschuldigte verheiratet ist und 
gemäss eigenen Angaben zwei Kinder hat, die zurzeit in Uganda leben. Er arbeitet zu 80% (un-
selbständig) und verdient maximal CHF 3’000.00 pro Monat. Seine monatlichen Ausgaben belaufen 
sich auf CHF 500.00 Miete, CHF 450.00 Krankenkasse und CHF 500.00 Unterstützung der Familie in 
Uganda. Er weist weder Vermögen noch Schulden auf. Aus dieser kurzen Zusammenstellung ergibt 
sich, dass der Beschuldigte in sehr engen finanziellen Verhältnissen lebt; insgesamt sind seine per-
sönlichen Verhältnisse als normal bzw. neutral zu bezeichnen.

Der Beschuldigte hat nach wie vor einen F-Ausweis (pag. 467; pag. 485 Z. 5 ff.). 
An der oberinstanzlichen Verhandlung gab er an, er habe eine B-Bewilligung bean-
tragt und möchte seine Familie nachziehen (pag. 487 Z. 44). Sein Gesuch um Um-
wandlung des F-Ausweises in eine Aufenthaltsbewilligung sei immer noch hängig 
bzw. sistiert, weil das Strafverfahren abgewartet werde (pag. 485 Z. 9 ff.). Der Be-
schuldigte arbeitet Vollzeit als Chauffeur bei einem Transportunternehmen und hat 
an den Wochenenden zusätzlich noch einen Nebenjob als Küchenhilfe in einem 
Restaurant. Dabei erzielt er ein monatliches Nettoeinkommen von CHF 3'800.00 + 
CHF 500.00 bis CHF 700.00. Er hat weder Schulden noch Vermögen (pag. 470; 
pag. 486 Z. 14 ff., Z. 20 f., Z. 26 f.).

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wirkt sich die Vorstrafenlosigkeit bei 
der Strafzumessung grundsätzlich neutral aus und ist deshalb nicht strafmindernd 
zu berücksichtigen (BGE 136 IV 1 E. 2.6.4 S. 3). 

Das Verhalten des Beschuldigten nach der Tat und im Strafverfahren ist nicht zu 
beanstanden. Er hat sich stets korrekt und soweit möglich auch kooperativ verhal-
ten. Ein solches Verhalten darf jedoch erwartet werden und führt deshalb gemäss 
ständiger Praxis nicht zu einer Strafminderung. Der Beschuldigte bestritt die ihm 
zur Last gelegten Taten auch im oberinstanzlichen Verfahren, was allerdings von 
seinem Recht, sich nicht selber belasten zu müssen, gedeckt ist und deshalb nicht 
zu seinen Ungunsten berücksichtigt werden darf. Dies bedeutet aber auch, dass 
unter dem Titel Geständnisbereitschaft keine Strafminderung erfolgen kann.

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts ist eine erhöhte Strafempfind-
lichkeit nur bei aussergewöhnlichen Umständen zu bejahen (Urteile des Bundesge-
richts 6B_216/2017 vom 11. Juli 2017 E. 2.3; 6B_748/2015 vom 29. Oktober 2015 
E. 1.3; 6B_1159/2014 vom 1. Juni 2015 E. 4.4; je mit Hinweisen). Solche Umstän-

26

de sind vorliegend nicht ersichtlich. Die Strafempfindlichkeit des Beschuldigten ist 
deshalb als neutral zu beurteilen.

Die Täterkomponenten wirken sich insgesamt neutral aus. 

15. Strafmass und Höhe des Tagessatzes 

Zusammenfassend erachtet die Kammer für den Schuldspruch wegen mehrfacher 
sexueller Handlungen mit Kindern eine Geldstrafe von 230 Tagessätzen als ange-
messen. Aufgrund des zu beachtenden Verschlechterungsverbots (vgl. Ziff. I. 5. 
vorne) darf die Kammer aber nicht über die von der Vorinstanz ausgesprochene 
Geldstrafe von 180 Tagessätzen hinausgehen.

Gemäss Art. 34 Abs. 2 StGB beträgt ein Tagessatz in der Regel mindestens 
CHF 30.00 und höchstens CHF 3'000.00. Das Gericht bestimmt die Höhe des Ta-
gessatzes nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im 
Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Einkommen und Vermögen, Lebensauf-
wand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem Existenz-
minimum. 

Die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten haben sich seit dem erstinstanzli-
chen Urteil verbessert. Sein monatliches Nettoeinkommen beträgt rund 
CHF 4'300.00 (CHF 3'800.00 + CHF 500.00 Nebenverdienst; pag. 470; pag. 486 
Z. 26 f.). Abzüglich des Pauschalabzugs von 25% für Krankenkasse und Steuern 
sowie unter Berücksichtigung eines Unterstützungsabzugs von monatlich 
CHF 800.00 (pag. 470; pag. 486 Z. 1), resultiert ein Tagessatz von abgerundet 
CHF 80.00. Die Kammer verletzt mit der Erhöhung des Tagessatzes angesichts 
der von ihr festgestellten und nach dem erstinstanzlichen Urteil verbesserten finan-
ziellen Verhältnisse des Beschuldigten das Verschlechterungsverbot nicht (vgl. 
BGE 144 IV 198 E. 5.4).

16. Strafvollzug

Gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geldstrafe in 
der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den 
Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Schiebt 
das Gericht den Vollzug einer Strafe auf, so bestimmt es dem Verurteilten eine 
Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB). Nach der Rechtspre-
chung des Bundesgerichts ist der Strafaufschub die Regel, von der grundsätzlich 
nur bei ungünstiger Prognose abgewichen werden darf (BGE 134 IV 1 E. 4.2.2). 

Es sind keine Anhaltspunkte für eine Schlechtprognose ersichtlich. Der Beschuldig-
te ist nicht vorbestraft und seit den vorliegend zu beurteilenden Delikten – mit Aus-
nahme einer einfachen Verkehrsregelverletzung (pag. 429 f.) – nicht mehr straffäl-
lig geworden (pag. 473). Zudem lebt er in geordneten persönlichen und finanziellen 
Verhältnissen. 

27

Die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Vollzugs sind somit erfüllt. 
Im Übrigen ist die Kammer aufgrund des zu beachtenden Verschlechterungsver-
bots ohnehin an diese Vollzugsart gebunden (vgl. BGE 142 IV 89 E. 2.1). Die Pro-
bezeit ist – ebenfalls begrenzt durch das Verschlechterungsverbot – auf das Mini-
mum von zwei Jahren festzusetzen. 

17. Fazit 

Der Beschuldigte ist nach dem Gesagten zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen 
zu CHF 80.00, ausmachend total CHF 14'400.00, zu verurteilen. Der Vollzug der 
Geldstrafe ist aufzuschieben und die Probezeit auf zwei Jahre festzusetzen.

V. Landesverweisung

18. Theoretische Grundlagen 

Gemäss Art. 66a Abs. 1 Bst. h StGB verweist das Gericht einen Ausländer, der 
wegen sexueller Handlungen mit Kindern verurteilt wird, unabhängig von der Höhe 
der Strafe für 5-15 Jahre aus der Schweiz. 

Die obligatorische Landesverweisung wegen einer Katalogtat im Sinne von Art. 66a 
Abs. 1 StGB greift grundsätzlich unabhängig von der konkreten Tatschwere 
(BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; BGE 144 IV 332 E. 3.1.3). Sie muss entsprechend den 
allgemeinen Regeln des StGB zudem grundsätzlich bei sämtlichen Täterschafts- 
und Teilnahmeformen sowie unabhängig davon ausgesprochen werden, ob es 
beim Versuch geblieben ist und ob die Strafe bedingt, unbedingt oder teilbedingt 
ausfällt (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; BGE 144 IV 168 E. 1.4.1). Es kommt bei der 
Landesverweisung insbesondere auch nicht auf die Höhe der Grundstrafe an 
(BERTOSSA, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, 
N. 4 zu Art. 66a StGB). 

Von der Anordnung der Landesverweisung kann nur ausnahmsweise unter den 
kumulativen Voraussetzungen abgesehen werden, dass sie (1.) einen schweren 
persönlichen Härtefall bewirken würde und (2.) die öffentlichen Interessen an der 
Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am Verbleib 
in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der besonderen Situation von 
Ausländern Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen 
sind (Art. 66a Abs. 2 StGB; sog. Härtefallklausel). Die Härtefallklausel von Art. 66a 
Abs. 2 StGB dient der Umsetzung des Verhältnismässigkeitsprinzips (Art. 5 Abs. 2 
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft [BV; SR 101]; 
BGE 146 IV 105 E. 3.4.2; 144 IV 332 E. 3.1.2 und E. 3.3.1). Sie ist restriktiv 
anzuwenden (BGE 146 IV 105 E. 3.4.2; 144 IV 332 E. 3.3.1 mit Hinweis). Nach der 
bundesgerichtlichen Rechtsprechung lässt sich zur kriteriengeleiteten Prüfung des 
Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB der Kriterienkatalog der Bestimmung 
über den «schwerwiegenden persönlichen Härtefall» in Art. 31 Abs. 1 der 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_45%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-IV-105%3Ade&number_of_ranks=0#page105
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_45%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-IV-332%3Ade&number_of_ranks=0#page332
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_45%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-IV-105%3Ade&number_of_ranks=0#page105
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_45%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-IV-332%3Ade&number_of_ranks=0#page332

28

Verordnung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit 
(VZAE; SR 142.201) heranziehen. Zu berücksichtigen sind namentlich der Grad 
der (persönlichen und wirtschaftlichen) Integration, einschliesslich familiäre 
Bindungen des Ausländers in der Schweiz bzw. in der Heimat, die 
Aufenthaltsdauer, der Gesundheitszustand und die Resozialisierungschancen. 
Ebenso ist der Rückfallgefahr und wiederholter Delinquenz Rechnung zu tragen. 
Das Gericht darf auch vor dem Inkrafttreten von Art. 66a StGB begangene 
Straftaten berücksichtigen (BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 144 IV 332 E. 3.3.2; Urteil 
des Bundesgerichts 6B_45/2020 vom 14. März 2022 E. 3.3.2 mit Hinweisen).  

Von einem schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB ist 
bei einem Eingriff von einer gewissen Tragweite in den Anspruch des Ausländers 
auf das in Art. 13 BV und Art. 8 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte 
und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) verankerte Recht auf Achtung des Privat- 
und Familienlebens auszugehen (Urteile des Bundesgerichts 6B_1264/2021 vom 
13. Juli 2022 E. 1.3.3; 6B_1024/2021 vom 2. Juni 2022 E. 3.3; 6B_105/2021 vom 
29. November 2021 E. 3.1; je mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung kann sich 
der Ausländer auf das Recht auf Privatleben nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK berufen, 
sofern er besonders intensive soziale und berufliche Verbindungen zur Schweiz 
aufweist, die über jene einer gewöhnlichen Integration hinausgehen (BGE 134 II 10 
E. 4.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_1264/2021 vom 13. Juli 2022 E. 1.3.3; 
6B_513/2021 vom 31. März 2022 E. 1.2.3; 6B_1189/2021 vom 16. Februar 2022 
E. 4.3; je mit Hinweisen). Das durch Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV geschützte Recht 
auf Achtung des Familienlebens ist berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder 
Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung 
einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, 
ohne dass es dieser ohne weiteres möglich bzw. zumutbar wäre, ihr Familienleben 
andernorts zu pflegen (BGE 144 I 266 E. 3.3; 144 II 1 E. 6.1; Urteil des 
Bundesgerichts 6B_1264/2021 vom 13. Juli 2022 E. 1.3.3;  je mit Hinweisen).

Art. 66d StGB regelt den Vollzug der obligatorischen Landesverweisung. Mögliche 
Vollzugshindernisse im Sinne dieser Bestimmung sind unter 
Verhältnismässigkeitsgesichtspunkten bereits bei der strafgerichtlichen Anordnung 
der Landesverweisung zu berücksichtigen, soweit die Verhältnisse stabil und die 
rechtliche Durchführbarkeit der Landesverweisung definitiv bestimmbar sind 
(Urteile des Bundesgerichts 6B_1368/2020 vom 30. Mai 2022 E. 4.3; 6B_45/2020 
vom 14. März 2022 E. 3.3.3; 6B_105/2021 vom 29. November 2021 E. 3.4.2; 
6B_1077/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.5.6). 

19. Subsumtion 

19.1 Katalogtat nach Art. 66a Abs. 1 StGB

Der Beschuldigte wurde wegen sexueller Handlungen mit Kindern verurteilt. In An-
wendung von Art. 66a Abs. 1 Bst. h StGB ist grundsätzlich eine obligatorische Lan-
desverweisung auszusprechen. Zu prüfen bleibt, ob beim Beschuldigten aufgrund 

https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_45%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F146-IV-105%3Ade&number_of_ranks=0#page105
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=6B_45%2F2020&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-IV-332%3Ade&number_of_ranks=0#page332
https://www.swisslex.ch/doc/aol/c84fa416-efc7-4fea-b1f6-c06104b6448a/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/512ecb57-3c39-4886-bc16-98f4ad8894a7/citeddoc/039741a1-04aa-4a41-ac7f-b57887909514/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/45c218d7-c521-47b8-8f42-65cd0ee2b4f7/citeddoc/6a4f75a5-b4e6-4b16-a7fd-058954192159/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/45c218d7-c521-47b8-8f42-65cd0ee2b4f7/citeddoc/6a4f75a5-b4e6-4b16-a7fd-058954192159/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/051f3a73-1fa4-4cf6-ab73-8e5ccc4d95df/eddc4ea5-1065-4aad-aa7b-5ff005425730/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/ca493fcd-5a1b-4b01-b188-98afc8e6904a/citeddoc/5bf70acc-e809-40fb-bcc9-64fd60f087b6/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/ca493fcd-5a1b-4b01-b188-98afc8e6904a/citeddoc/5bf70acc-e809-40fb-bcc9-64fd60f087b6/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/33272a3b-a565-498c-a8db-d3b118927362/citeddoc/fa8881da-fb99-4d56-876d-47f148a851c5/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/c88cb2fd-0b33-46bc-8473-bca571c9084f/citeddoc/96a3ccf3-eda9-42c0-8c3e-49b01ad96adb/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/c88cb2fd-0b33-46bc-8473-bca571c9084f/citeddoc/96a3ccf3-eda9-42c0-8c3e-49b01ad96adb/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/051f3a73-1fa4-4cf6-ab73-8e5ccc4d95df/eddc4ea5-1065-4aad-aa7b-5ff005425730/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/7c84b254-a2b7-4d95-ad7b-3eff7f38a29d/4930fef0-f31a-4a5f-abe6-d8da09fd437a/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/59b8ece3-4df5-4a76-8950-4f31b5e9e434/citeddoc/741f4f73-5221-4e60-be60-eb7d7e5aba14/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/aol/2eb1c517-0e15-4aac-9541-9af21b2699b0/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2f996c7a-c8ed-4b07-abbc-866d3c07337d/citeddoc/2d697105-3ca8-4f81-9a87-67df818394df/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2f996c7a-c8ed-4b07-abbc-866d3c07337d/citeddoc/2d697105-3ca8-4f81-9a87-67df818394df/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/45c218d7-c521-47b8-8f42-65cd0ee2b4f7/citeddoc/073e6384-38d3-40bb-9cbc-f4c94df62102/source/document-link
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/b3c651ea-a391-4b03-bc22-f55616f68031/citeddoc/5c71976e-a35f-4505-8864-ecc39e183d9d/source/document-link

29

eines schweren persönlichen Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB aus-
nahmsweise auf die Landesverweisung zu verzichten ist. 

19.2 Härtefallprüfung

19.2.1 Anwesenheitsdauer

Gemäss dem Bericht der EMF vom 28. April 2020 reiste der Beschuldigte am 
26. Januar 2015, im Alter von 23 Jahren, in die Schweiz ein (pag. 94). Er verbrach-
te damit weder seine Kindheit noch die prägenden Jugendjahre in der Schweiz. 
Andererseits befindet er sich nun seit über 7½ Jahren in der Schweiz, was sich of-
fenbar in sprachlicher Hinsicht zeigt. So wurde die Erhebung der wirtschaftlichen 
Verhältnisse und die polizeiliche Einvernahme vom 11. Oktober 2022 in deutscher 
Sprache gemacht (pag. 469; pag. 471 f.; vgl. auch pag. 374 und pag. 381 ff. mit 
Hinweisen auf Integrations- bzw. Sprachkurse).

Der Beschuldigte reiste ursprünglich unter Einreichung eines Asylgesuchs ein, wel-
ches jedoch mit Entscheid des SEM vom 13. März 2018 ablehnt wurde (pag. 342 
ff.; pag. 464 f.). Er wurde vorläufig in der Schweiz aufgenommen und erhielt einen 
F-Ausweis, den er immer noch hat (pag. 348; pag. 350; pag. 485 Z. 5 ff.). Sein Ge-
such um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung B ist bis zum rechtskräftigen Ab-
schluss des vorliegenden Strafverfahrens sistiert (pag. 400; pag. 408; pag. 485 Z. 9 
ff.). 

19.2.2 Berufliche und finanzielle Integration

Der Beschuldigte wurde bis im August 2018 vom Kompetenzzentrum Integration 
unterstützt und ist seither finanziell selbstständig (pag. 386). Er ist seit dem 1. Juli 
2018 in der Schweiz arbeitstätig, dies zunächst im Gastrobereich (pag. 352). Seit 
dem 6. August 2019 arbeitet er als Chauffeur bei einem Transportunternehmen zu 
nun 100% und hat an den Wochenenden zusätzlich noch einen Nebenjob als 
Küchenhilfe in einem Restaurant (pag. 376; pag. 398; pag. 470; pag. 486 Z. 14 ff.). 
Seine Arbeitgeberin zeigte sich zufrieden (pag. 398). Die Vorinstanz hielt zutreffend 
fest, dass der Beschuldigte in der Schweiz wirtschaftlich integriert ist. Er bestreitet 
seinen Lebensunterhalt selbstständig, ist nicht auf staatliche Hilfe angewiesen und 
weist keine Schulden auf (pag. 260, S. 38 der erstinstanzlichen Urteilsbegründung).  

19.2.3 Soziale und institutionelle Integration

In seiner Freizeit spielt der Beschuldigte Fussball und ist mit Kollegen unterwegs 
(pag. 468). Er trifft sich gemäss eigenen Angaben regelmässig mit Schweizern und 
spricht mit seinen Kollegen und beim Sport oft Deutsch (pag. 392). Einer dieser 
Kollegen deponierte am 21. Februar 2020 ein «Unterstützungsschreiben», wonach 
der Beschuldigte im Quartier gut vernetzt sei und sich aktiv im Quartierleben enga-
giere (pag. 397). Es ist anzunehmen, dass der Beschuldigte daneben auch in Kon-
takt mit Landsleuten ist oder zumindest war (dazu gehörte auch die Familie der Pri-
vatklägerin). Die EMF orteten allerdings in ihrem Bericht vom 28. April 2020 keine 
familiären oder verwandtschaftlichen Beziehungen des Beschuldigten in der 

30

Schweiz (pag. 94 f.). Ein Fokus der Interessen des Beschuldigten liegt auf seiner in 
Uganda lebenden Familie, die er offenbar im April 2019 in Uganda besuchen wollte 
(vgl. pag. 362 ff.).

19.2.4 Familienverhältnisse

Der Beschuldigte ist in Somalia bei seinen Eltern aufgewachsen (pag. 468). Seine 
Mutter, drei Geschwister sowie weitere Verwandte leben nach wie vor in Somalia 
(pag. 95; pag. 490 Z. 19 ff.). Zu seiner Mutter und seinen beiden Schwestern pflegt 
der Beschuldigte telefonischen Kontakt (pag. 490 Z. 24 f.). Sein Vater ist verstor-
ben (pag. 95). Der Beschuldigte ist gemäss eigenen Angaben nach islamischem 
Recht verheiratet und hat zwei Kinder, geb. 2012 und 2014 (pag. 94 f.). Seine Frau 
und seine Kinder leben in Uganda. Der Beschuldigte unterstützt sie mit monatlich 
CHF 600.00 bis CHF 800.00 und strebt (auch mit seinem Gesuch um Aufenthalts-
bewilligung) einen Familiennachzug an (pag. 485 Z. 15; pag. 486 Z. 1; pag. 487 
Z. 44). 

19.2.5 Gesundheitszustand 

Gesundheitliche Beschwerden des Beschuldigten sind nicht bekannt, abgesehen 
von einer kleinen Operation im Mund, die der Beschuldigte an der polizeilichen 
Einvernahme vom 11. Oktober 2022 erwähnte (pag. 472). 

19.2.6 Resozialisierungschancen im Heimatland

Vorab ist festzuhalten, dass ein Härtefall nicht bereits dann anzunehmen ist, wenn 
die Resozialisierungschancen in der Schweiz besser sind als im Heimatland, son-
dern erst dann, wenn die Resozialisierung im Heimatland praktisch unmöglich oder 
zumindest deutlich schlechter erscheint. 

Der Beschuldigte spricht Somali, die Amtssprache von Somalia (pag. 53). Er ist 
1992 in Somalia geboren und hat dort seine prägenden Kinder- und Jugendjahre 
verbracht. Von April 2012 bis März 2014 hatte er in Mogadischu einen eigenen Zi-
garetten- und Lebensmittelladen (pag. 95). Seine Mutter, drei Geschwister und wei-
tere Verwandte leben in Somalia. Der Beschuldigte verfügt somit in Somalia über 
ein familiäres Netz und ist mit der Sprache, der Kultur und den Gepflogenheiten in 
seinem Heimatland bestens vertraut. Eine Resozialisierung in seinem Heimatland 
erscheint daher grundsätzlich möglich, auch wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse 
schwierig sind.

19.2.7 Gesamtbetrachtung

Insgesamt ist festzuhalten, dass beim Beschuldigten gewisse Ansätze einer 
sprachlichen und sozialen Integration in der Schweiz vorhanden sind, die seine be-
rufliche Integration und seine finanzielle Selbstständigkeit ergänzen. Allerdings liegt 
zumindest ein Fokus seines Lebens (verständlicherweise) auf seiner noch im Aus-
land lebenden Familie und es sind keine familiären oder verwandtschaftlichen Be-
ziehungen in der Schweiz bekannt. Von einer eigentlichen Verwurzelung des Be-
schuldigten in der Schweiz im Sinne eines schweren persönlichen Härtefalles kann, 

31

zumal die Härtefallklausel restriktiv anzuwenden ist und der Beschuldigte weder in 
der Schweiz geboren noch aufgewachsen ist, nicht gesprochen werden.

Es ist somit davon auszugehen, dass die Landesverweisung beim Beschuldigten 
keinen schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB bewirkt. 
Damit erübrigt sich eine Interessenabwägung zwischen den privaten Interessen 
des Beschuldigten und dem öffentlichen Sicherheitsinteresse (vgl. Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1368/2020 vom 30. Mai 2022 E. 4.4.8). 

19.3 Vollzugshindernisse 

Der Anordnung einer Landesverweisung stehen im jetzigen Zeitpunkt keine Voll-
zugshindernisse entgegen. Der Beschuldigte ist kein anerkannter Flüchtling, was er 
auch nicht bestreitet. Der Beschuldigte bringt sodann nicht vor, dass er bei einer 
Rückkehr in sein Heimatland Somalia konkret gefährdet wäre und eine Landesver-
weisung deshalb unzumutbar wäre. Hinsichtlich solcher Umstände, die den Be-
schuldigten individuell-persönlich treffen müssten, käme ihm trotz Geltung des Un-
tersuchungsgrundsatzes eine Mitwirkungspflicht zu (vgl. Urteile des Bundesgerichts 
6B_1368/2020 vom 30. Mai 2022 E. 4.4.7; 6B_105/2021 vom 29. November 2021 
E. 3.4.2; 6B_1077/2020 vom 2. Juni 2021 E. 1.5.6; 6B_1024/2019 vom 29. Januar 
2020 E. 1.3.6). Das SEM hielt in seinem Bericht vom 13. Oktober 2022 fest, der in 
Art. 5 des Asylgesetzes (AsylG; SR 142.31) verankerte Grundsatz der Nichtrück-
schiebung könne keine Anwendung finden, da es dem Beschuldigten nicht gelun-
gen sei, eine asylrechtlich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu 
machen. Eine Rückkehr des Beschuldigten in den Heimatstaat sei demnach unter 
dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig (pag. 464). Der Wegweisungsvollzug 
nach Somalia, insbesondere nach Mogadischu, sei für die Vollzugsbehörden zwar 
aufwendig, aber grundsätzlich weder unmöglich noch generell unzulässig. Zudem 
sei eine freiwillige Ausreise des Beschuldigten möglich (pag. 465). Es lässt sich 
denn auch nicht mit hinreichender Sicherheit prognostizieren, wie sich die Lage in 
Somalia entwickeln wird. Der Landesverweisung stehen daher im jetzigen Zeit-
punkt keine völkerrechtlichen Bestimmungen entgegen. Es bleibt daran zu erin-
nern, dass die Vollzugsbehörde die Vollstreckbarkeit nötigenfalls anhand der aktu-
ellen Verhältnisse nach Art. 66d Abs. 1 StGB überprüfen und dabei auch Umstände 
beachten wird, die für die Beurteilung der Zumutbarkeit und Verhältnismässigkeit 
massgebend sind, in den Sachentscheid jedoch nicht oder erst als Prognose Ein-
gang gefunden haben (vgl. BGE 147 IV 453 E. 1.4.7; Urteile des Bundesgerichts 
6B_1368/2020 vom 30. Mai 2022 E. 4.4.7; 6B_1077/2020 vom 2. Juni 2021 
E. 1.5.6; 6B_747/2019 vom 24. Juni 2020 E. 2.1.2).  

20. Dauer der Landesverweisung

Art. 66a Abs. 1 StGB sieht als Dauer der obligatorischen Landesverweisung einen 
Rahmen von 5 bis 15 Jahren vor. Die Bemessung der Dauer im Einzelfall liegt im 
Ermessen des Gerichts, welches sich dabei insbesondere am Verhältnismässig-

https://www.swisslex.ch/doc/lawdoc/e8f08574-029f-4d59-8938-1a2257fed308/source/document-link

32

keitsgrundsatz zu orientieren hat (Botschaft zur Änderung des Strafgesetzbuchs 
und des Militärstrafgesetzes vom 26. Juni 2013, BBl 2013 5975 ff., S. 6021). 

Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten zu einer Landesverweisung von fünf 
Jahren (pag. 211, Ziff. I. 2. erstinstanzliches Urteil). Diese Dauer erscheint ange-
messen. Eine Änderung der Dauer kommt ohnehin nicht in Betracht, da es sich um 
die gesetzliche Minimaldauer handelt und das Urteil aufgrund des zu beachtenden 
Verschlechterungsverbots nicht zu Ungunsten des Beschuldigten abgeändert wer-
den darf (vgl. Ziff. I. 5. vorne). 

21. Ausschreibung der Landesverweisung im SIS

Die Kammer hat beim Aussprechen einer Landesverweisung auch zu prüfen, ob im 
Weiteren eine Ausschreibung im SIS zu erfolgen hat (BGE 146 IV 172 E. 3.2.5).

Die Ausschreibung bewirkt, dass dem Beschuldigten grundsätzlich die Einreise in 
das Hoheitsgebiet aller Schengen-Mitgliedsstaaten untersagt ist (BGE 146 IV 172 
E. 3.2.3). Eine Ausschreibung im SIS darf gemäss Art. 21 und Art. 24 Ziff. 1 der 
Verordnung (EG) Nr. 1987/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 
20. Dezember 2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des Schen-
gener Informationssystems der zweiten Generation (nachfolgend: SIS-II-
Verordnung) nur auf der Grundlage einer individuellen Bewertung unter Berück-
sichtigung des Verhältnismässigkeitsprinzips ergehen. Im Rahmen dieser Bewer-
tung ist bei der Ausschreibung gestützt auf Art. 24 Ziff. 2 SIS-II-Verordnung insbe-
sondere zu prüfen, ob von der betroffenen Person eine Gefahr für die öffentliche 
Sicherheit und Ordnung ausgeht. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die 
betreffende Person in einem Mitgliedstaat wegen einer Straftat verurteilt wurde, die 
mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bedroht ist (Art. 24 Abs. 2 
Bst. a SIS-II-Verordnung), oder wenn gegen sie der begründete Verdacht besteht, 
dass sie schwere Straftaten begangen hat, oder wenn konkrete Hinweise 
bestehen, dass sie solche Straftaten im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates plant 
(Art. 24 Abs. 2 Bst. b SIS-II-Verordnung). Verhältnismässig ist eine Ausschreibung 
im SIS immer dann, wenn eine solche Gefahr für die öffentliche Sicherheit und 
Ordnung gegeben ist. Sind die Voraussetzungen von Art. 21 und 24 Ziff. 1 und 2 
SIS-II-Verordnung erfüllt, besteht eine Pflicht zur Ausschreibung im SIS 
(BGE 146 IV 172 E. 3.2.2). 

Art. 24 Abs. 2 Bst. a SIS-II-Verordnung setzt weder eine Verurteilung zu einer Frei-
heitstrafe von mindestens einem Jahr voraus, noch eine