# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d32958cd-ad18-5c5d-ac96-bd0b85c663f7
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-01-28
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Zivilkammern 28.01.2022 KES 2021 720
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_001_KES-2021-720_2022-01-28.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Kindes- und Erwachsenen-
schutzgericht

Cour suprême
du canton de Berne

Tribunal de la protection
de l'enfant et de l'adulte

Entscheid
KES 21 720

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 06
Fax +41 31 634 50 53
Obergericht-Zivil.Bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 28. Januar 2022

Besetzung Oberrichterin Grütter (Referentin), Oberrichterin Falkner und 
Oberrichter D. Bähler
Gerichtsschreiberin Spichiger

Verfahrensbeteiligte A.________
vertreten durch Fürsprecher B.________

Beschwerdeführer

gegen

C.________

Beschwerdegegnerin

D.________
vertreten durch Fürsprecherin E.________

Betroffener

Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Oberland 
Ost, Schloss 11, Postfach, 3800 Interlaken

Vorinstanz

Gegenstand persönlicher Verkehr

Beschwerde gegen den Entscheid der Kindes- und Erwachsenen-
schutzbehörde (KESB) Oberland Ost vom 19. August 2021 
(Referenz: 2013-11151)

2

Regeste:

Art. 315 Abs. 1 ZGB; Zuständigkeit der Kindesschutzbehörde zur Neuregelung der Obhut. 
In der vollständigen Aufhebung des persönlichen Verkehrs eines Elternteils, der das Kind 
zuvor während 10 Tagen pro Monat betreut hat, liegt eine Neuregelung der Obhut. Obwohl 
hierüber grundsätzlich das für die Abänderung des Scheidungsurteils zuständige Gericht 
entscheidet, ist die Kindesschutzbehörde zuständig, sofern der Entscheid in einem Kin-
desschutzverfahren im engeren Sinne ergeht (E. 6).

Erwägungen:

I.

1.

1.1 A.________ (nachfolgend: Kindsvater/Beschwerdeführer) und C.________ (nach-
folgend: Kindsmutter/Beschwerdegegnerin) sind die Eltern von D.________, gebo-
ren am ______ 2007 (nachfolgend: Kind/Betroffener).

1.2 Die Ehe der Kindseltern wurde am 3. Juli 2014 geschieden (Entscheid des Regio-
nalgerichts Oberland vom 3. Juli 2014, amtliche Akten KESB). Gemäss der gericht-
lich genehmigten Scheidungsvereinbarung vom 3. Juli 2014 sollten die Kindseltern 
die gemeinsame elterliche Sorge über das Kind behalten und die Betreuung ab-
wechselnd übernehmen. Das Kind sollte während der Erwerbstätigkeit der Kinds-
mutter pro Monat ungefähr 10 Tage beim Vater verbringen und die restlichen 20 
Tage bei der Mutter. Dem Vater sollten zudem drei Wochen Ferien mit dem Kind 
zustehen. Zur Obhut findet sich im Scheidungsurteil keine Regelung. 

2.

2.1 Nachdem der Betroffene im Februar 2018 einer Lehrperson anvertraut hatte, dass 
er vom Vater bedrängt, beschimpft und verletzt werde und er sich bedroht fühle, er-
richtete die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Oberland Ost (nach-
folgend: Vorinstanz) mit Entscheid vom 19. August 2019 für ihn eine Beistandschaft 
nach Art. 308 Abs. 1 und 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210), 
sistierte vorsorglich das Besuchs- und Kontaktrecht des Kindsvaters, ordnete ein 
Fachgutachten an und ernannte eine Kindesvertreterin (Entscheid der Vorinstanz 
vom 19. August 2019, amtliche Akten KESB). 

2.2 Das Gutachten der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern (UPD) vom 30. Ja-
nuar 2020 (nachfolgend: Gutachten, amtliche Akten KESB) beschreibt die Belas-
tung des Betroffenen aufgrund der von ihm geschilderten Missbrauchserlebnisse 
durch den Kindsvater sowie der seit langer Zeit angespannten Situation auf Eltern-
ebene, die zu einem Loyalitätskonflikt geführt habe. Der Betroffene sei kognitiv al-
tersentsprechend entwickelt und mache einen intelligenten und wachen Eindruck. 
Er habe eine Tendenz, emotional sehr impulsiv zu reagieren und sein Selbstbe-
wusstsein und Selbstwertgefühl würden etwas fragil erscheinen. Das Kind wünsche 
derzeit keinen Kontakt zu seinem Vater. Es habe das Bedürfnis zur Ruhe kommen 

3

und die Dinge setzen lassen zu können, oder «am liebsten erstmal vergessen» zu 
können. Es lehne auch weitere Unterstützungsangebote klar ab. Es gebe Hinweise 
auf physische Gewaltanwendung, sexuellen Missbrauch sowie emotiona-
le/psychische Gewalt durch den Vater. Die Symptome wie Enuresis, widerkehrende 
impulsive und aggressive Durchbrüche, emotionale Labilität, Angstsymptomatik, 
Konzentrationsschwierigkeiten und Suizidäusserungen seien zwar nicht spezifisch 
für eine entsprechende Gewaltanwendung, deuteten in der Summe jedoch auf eine 
erhebliche Belastung des Kindes. Der Kindsvater habe Mühe, die Perspektive sei-
nes Sohnes einzunehmen und zeige gegenüber dessen aktuellen Bedürfnissen 
wenig Verständnis.

Die Gutachterinnen empfahlen, den persönlichen Verkehr zwischen Vater und 
Sohn bis mindestens im März 2021 zu sistieren. Der Widerstand des Kindes gegen 
diesen Kontakt sei derzeit so massiv, dass solcher eine weitere Belastung, einen 
erheblichen Stressfaktor und möglicherweise eine Retraumatisierung darstellen 
würde. Sollte der Betroffene sich anderweitig äussern, könne der Kontakt zum 
Kindsvater jederzeit über die Beistandschaft in die Wege geleitet werden. Im März 
2021 solle die Situation mit einem Kinder- und Jugendpsychiater beurteilt werden, 
um zu entscheiden, ob die Wiederaufnahme des persönlichen Verkehrs im Interes-
se des Kindes sei und dessen weiterer persönlichen Entwicklung, insbesondere der 
Identitätsbildung, diene. Auf weitere empfehlenswerte therapeutische Begleitung 
sei aufgrund des massiven Widerstands des Betroffenen zu verzichten. 

2.3 In der Folge sistierte die Vorinstanz den persönlichen Verkehr zwischen dem Be-
schwerdeführer und seinem Sohn und beauftragte die Beiständin, bei den involvier-
ten Fachpersonen Berichte einzuholen und bis zum 28. Februar 2021 hinsichtlich 
der Situation des persönlichen Verkehrs Bericht zu erstatten (Entscheid der Vor-
instanz vom 21. April 2020, amtliche Akten KESB).  

2.4 Der Strafeinzelrichter sprach den Beschwerdeführer von den Anschuldigungen der 
mehrfachen sexuellen Nötigung, sexuellen Handlungen mit Kind und qualifizierten 
einfachen Körperverletzung zum Nachteil des Betroffenen frei (Urteil vom 20. Mai 
2021, amtliche Akten KESB). 

3.

3.1 Mit Entscheid vom 19. August 2021 hob die Vorinstanz den persönlichen Verkehr 
zwischen Beschwerdeführer und Kind gemäss Ehescheidungsvereinbarung vom 
3. Juli 2014 auf (Ziff. 1) und verzichtete auf eine weiterführende Regelung des per-
sönlichen Verkehrs (Ziff. 2). 

3.2 Hiergegen erhob der Kindsvater, vertreten durch Fürsprecher B.________, am 
16. September 2021 Beschwerde (pag. 1 ff.). Er beantragt unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolge, der vorinstanzliche Entscheid sei aufzuheben und die Vorinstanz 
sei anzuweisen, das Kind anzuhören und vermittels des Kinderbeistandes den 
Kontakt zwischen dem Beschwerdeführer und dem Kind wiederum anzubahnen mit 
der Aussicht, die aktuell geltende gerichtliche Regelung der alternierenden Obhut 
schliesslich wiederum zu etablieren, dies in Vollstreckung des Scheidungsurteiles 
über die Eltern.

4

3.3 Die Kindsmutter schloss am 5. Oktober 2021 auf Abweisung der Beschwerde 
(pag. 27 ff.). 

3.4 Die Kinderanwältin beantragte am 7. Oktober 2021 ebenfalls die Abweisung der 
Beschwerde (pag. 21 ff.).

3.5 Die Vorinstanz verzichtete auf eine Stellungnahme und verwies vollumfänglich auf 
den angefochtenen Entscheid (pag. 31).

3.6 Am 26. Oktober 2021 reichte Fürsprecher B.________ seine Kostennote ein (pag. 
39 ff.). Am 29. Oktober 2021 ging die Kostennote der Kinderanwältin ein (pag. 45 
ff.). 

II.

4.

4.1 Für die Beschwerde gegen den Entscheid der Vorinstanz ist das Kindes- und Er-
wachsenenschutzgericht zuständig (Art. 314 Abs. 1 i.V.m. Art. 450 Abs. 1 ZGB 
i.V.m. Art. 65 und Art. 66 Bst. a des Gesetzes über den Kindes- und Erwachsenen-
schutz [KESG; BSG 213.316]).

4.2 Das Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz richtet sich nach den Be-
stimmungen gemäss Art. 450 ff. ZGB. Subsidiär gelangt kantonales Verfahrens-
recht, nämlich Art. 65 ff. KESG, zur Anwendung (Art. 450f ZGB i.V.m. Art. 1 Abs. 1 
Bst. d KESG). Dieses verweist seinerseits in Art. 72 KESG auf die Bestimmungen 
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).

4.3 Weil sich kaum fachspezifischen Fragen des Kindesschutzes stellen, erfolgt die 
Beurteilung der Beschwerde durch drei hauptamtliche Richterinnen und Richter 
(Art. 45 Abs. 3 Bst. b des Gesetzes über die Organisation der Gerichtsbehörden 
und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).

4.4 Die Beschwerdefrist beträgt nach Art. 450b Abs. 1 ZGB 30 Tage seit Mitteilung des 
Entscheids und wurde mit Postaufgabe der Beschwerde am 16. September 2021 
gewahrt. 

5. Die weiteren Sachurteilsvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. 
Auf die Beschwerde wird eingetreten.

III.

6.

6.1 Der Beschwerdeführer führt vorab aus, die Vorinstanz habe die alternierende Ob-
hut aufgehoben und ihm das Obhutsrecht vollständig entzogen bzw. die gesamte 
Obhut der Kindsmutter zugeteilt. Für den Entzug der Obhut wäre aber das Schei-
dungsgericht zuständig gewesen. Es habe sich vorliegend nicht um eine Frage des 
persönlichen Verkehrs oder der Betreuungsanteile gehandelt, wofür die KESB zu-
ständig wäre. Die Vorinstanz sei also zum Erlass des angefochtenen Entscheides 
unzuständig gewesen. 

5

6.2 Gemäss Art. 134 Abs. 4 ZGB ist für die Abänderung eines Scheidungsurteils be-
züglich des persönlichen Verkehrs oder der Betreuungsanteile grundsätzlich die 
KESB zuständig. Die Änderung der elterlichen Sorge oder Obhut hingegen bleibt in 
die Kompetenz des Scheidungsgerichts, es sei denn, die Eltern sind sich einig und 
stellen der KESB übereinstimmende Anträge (Art. 134 Abs. 3 ZGB).

6.3 Vorliegend ist fraglich, ob mit dem vorinstanzlichen Entscheid eine Neugestaltung 
bloss der Betreuungsanteile, oder aber der Obhut an sich, vorliegt. Der Beschwer-
deführer geht davon aus, dass die Ehegatten anlässlich der Scheidung eine ge-
meinsame Obhut vereinbart haben. Die Vorinstanz spricht im angefochtenen Ent-
scheid hingegen vom «persönlichen Verkehr», was der Terminologie bei nicht ge-
meinsamer Obhut entspricht (vgl. Art. 273 Abs. 1 ZGB). Das Scheidungsurteil re-
gelt die Obhut nicht ausdrücklich. Die Scheidungskonvention spricht aber von Be-
treuungsanteilen, was üblicherweise im Zusammenhang mit einer alternierenden 
Obhut steht (Urteil des Bundesgerichts 5A_139/2020 vom 26. November 2020 
E. 3.3.2; vgl. SCHWENZER/COTTIER, in: Basler Kommentar zum Zivilgesetzbuch I, 
6. Aufl. 2018, N. 10 zu Art. 298 ZGB). Vereinbart wurde nach dem Gesagten, dass 
der Kindsvater das Kind ungefähr 10 Tage im Monat betreut. Mit einem Betreu-
ungsanteil von einem Drittel kann praxisgemäss von einer alternierenden Obhut 
gesprochen werden. Weil der Kindsvater das Kind nach der angefochtenen Rege-
lung des Kontaktrechts nunmehr gar nicht mehr sieht, handelt es sich nicht bloss 
um eine Neuregelung der Betreuungsanteile. Faktisch legt der angefochtene Ent-
scheid die Obhut fest: diese liegt nun gänzlich bei der Kindsmutter, unter Aus-
schluss sogar des persönlichen Verkehrs des Kindsvaters. Hierfür wäre grundsätz-
lich das Scheidungsgericht zuständig.

6.4 Vorliegend liegt der Aufhebung der Kontakte allerdings nicht ein «blosser» Streit 
zwischen den Eltern um die Betreuung zugrunde. Es handelt sich nicht um ein ei-
gentliches Zweiparteienverfahren. Vielmehr erging der angefochtene Entscheid in 
einem Kindesschutzverfahren im engeren Sinn: Bereits aus dem zitierten Gutach-
ten der UPD ergibt sich, dass das Wohl des Betroffenen aufgrund der Umstände 
möglicherweise beeinträchtigt ist. Für Kindesschutzmassnahmen ist die Kindes-
schutzbehörde immer zuständig, zumal das Scheidungsverfahren der Kindseltern 
abgeschlossen ist (Art. 315 Abs. 1 ZGB und 315a Abs. 1 ZGB). Der Frage, ob das 
Kindeswohl gefährdet ist, kommt somit vorliegend doppelte Relevanz zu: Erstens 
entscheidet sich daran, ob die Vorinstanz für die Neuregelung der Betreuung und 
faktisch der Obhut zuständig war. Zweitens ist diese Frage für die materielle Prü-
fung des angefochtenen Entscheids ausschlaggebend. Aufgrund dessen ist davon 
auszugehen, dass die Vorinstanz zum Erlass des angefochtenen Entscheides zu-
ständig war und es ist direkt zu prüfen, ob die angeordnete Massnahme zum 
Schutz des Kindes notwendig ist.

7.

7.1 Prozessgegenstand ist die Aufhebung der Regelung des persönlichen Verkehrs, 
bzw. der Verzicht auf eine weiterführende Regelung des persönlichen Verkehrs 
zwischen dem Beschwerdeführer und dem Betroffenen. 

6

7.2 Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, der Beistand habe die Sistie-
rung des Besuchsrechts bis mindestens zum Abschluss des Strafverfahrens bean-
tragt. Er komme in seiner Situationsbeurteilung vom 8. April 2021 zum Schluss, 
dass die Haltung des Betroffenen klar und gleichgeblieben sei: Er wolle seinen Va-
ter nicht sehen und auch nicht brieflich mit ihm in Kontakt stehen. Er scheine aber 
nicht auszuschliessen, den Kindsvater zu einem späteren Zeitpunkt wieder sehen 
zu wollen. Der Betroffene sei sich bewusst, dass er in Bezug auf die Besuche ein 
Mitspracherecht habe und wünsche sich, dass sein Wille berücksichtigt werde. Die 
Vorinstanz würdigte auch, dass der Kindsvater von den strafrechtlichen Vorwürfen 
freigesprochen wurde. Diesem Umstand mass es aber keine ausschlaggebende 
Bedeutung zu. Das Kind sei mit 14 Jahren urteilsfähig und in der Lage, selbständig 
zu entscheiden, wann und in welcher Form es mit seinem Vater in Kontakt treten 
wolle. Dieser klare Wille gehe dem Bedürfnis des Kindsvaters, auf Kontakt zu sei-
nem Kind, vor. Deshalb sei auch ein begleitetes Besuchsrecht nicht zielführend. 
Die Beistandsperson habe auch weiterhin die Aufgabe, dem Betroffenen mindes-
tens einmal im Jahr aktuelle Informationen zum Kindsvater mitzuteilen sowie lau-
fend zu beurteilen und zu entscheiden, ob und in welcher Form ein Briefkontakt 
zwischen dem Betroffenen und dem Kindsvater sinnvoll erscheine.

7.3 Der Beschwerdeführer führt aus, er sei im Strafverfahren vollumfänglich freigespro-
chen worden. Der Gerichtspräsident sei zum Schluss gekommen, dass das Kind 
bezüglich der ihm angeblich vom Kindsvater an der Ferse zugefügten Verletzung 
mit einer Gabel gelogen habe. Bezüglich des angeblichen Missbrauchs sei erhellt 
worden, dass dem Kind während 9 Jahren immer wieder von der Mutter suggeriert 
worden sei, er werde vom Vater sexuell missbraucht und brutal behandelt. Nun sei 
erwiesen, dass für den Betroffenen durch seinen Vater nie eine Gefährdung be-
standen habe. Die KESB müsse den durch den Kontaktunterbruch entstandenen 
Schaden nun wieder gut machen. Der Betroffene wolle zwar vordergründig keinen 
Kontakt, doch sei er auch sein ganzes Leben lang durch die Kindsmutter in Bezug 
auf den Vater ungünstig beeinflusst worden. Es sei ihm nichts Anderes übrigge-
blieben, als die Vorwürfe selbst zu äussern, um dem Loyalitätskonflikt endlich ent-
gehen zu können. Dem Kind sei Hilfe anzubieten, damit es diesen Loyalitätskonflikt 
lösen könne, auch wenn es Kontakt zu seinem Vater habe. Der Betroffene habe zu 
Beginn des Prozesses geäussert, dass er verstehe, dass er keinen Kontakt mehr 
zu seinem Vater haben dürfe, dies falle ihm aber schwer, da er seinen Ätti doch 
gerne habe. Dennoch habe die KESB die vom Vater beantragte psychologische 
Betreuung für das Kind abgewiesen. Die Behörde müsse jedoch um die Verbesse-
rung der Rahmenbedingungen der Besuche bemüht sein, um so dem Kind die Zu-
stimmung zu ermöglichen. 

7.4 Die Kinderanwältin hielt in ihrer Stellungnahme fest, der Betroffene habe anlässlich 
eines persönlichen Treffens am 6. Oktober 2021 sehr deutlich gemacht, dass er 
nach wie vor kein Interesse an einer Wiederaufnahme des Kontakts mit seinem Va-
ter habe. Der Ausgang des Strafverfahrens habe daran nichts geändert. Weder 
möge er sich Gedanken machen, was geschehen müsste, damit Kontakte wieder 
möglich wären, noch gebe es Dinge, die er aktuell über oder von seinem Vater wis-
sen möchte. Er habe einzig die Perspektive offengelassen, die Kontakte vielleicht 
wiederaufzunehmen, wenn er älter sei. Dabei habe er keine konkreten Vorstellun-

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gen zum Zeitpunkt; er könne sich einfach vorstellen, dass sich seine Meinung ir-
gendwann ändern werde. Die Information, dass sein Vater die alternierende Obhut 
wieder installieren möchte, habe den Betroffenen sehr erschreckt. Er habe wissen 
wollen, ob er damit rechnen müsse, auch wenn er das überhaupt nicht wolle. Der 
Betroffene sei 14 Jahre alt und es könne ihm zugetraut werden, sich eine ei-
genständige Meinung über den Kontakt zu seinem Vater zu bilden. Ein Kontakt ge-
gen den klaren Willen des Kindes könnte auch faktisch nicht durchgesetzt werden 
und würde die Ablehnung nur noch verstärken. Ein separates Verfahren zur Rege-
lung der Obhut sei nicht notwendig. 

7.5 Die Kindsmutter hält fest, dass die Sistierung des persönlichen Verkehrs für das 
Kind und sie selbst eine grosse Entlastung sei. Das Strafverfahren habe für den 
Betroffenen Stress auf höchstem Niveau bedeutet. Der Freispruch sei aber trotz al-
lem eine Entlastung, denn der Betroffene hätte nicht gewollt, dass sein Vater ins 
Gefängnis müsse. Der Gerichtspräsident habe aber ausgeführt, dass der Frei-
spruch nicht bedeutet, dass er gelogen habe.

8.

8.1 Eltern, denen die elterliche Obhut nicht zusteht, und das minderjährige Kind haben 
gegenseitig Anspruch auf angemessenen persönlichen Verkehr (Art. 273 Abs. 1 
ZGB). Das Recht auf persönlichen Verkehr steht Eltern und Kindern um ihrer Per-
sönlichkeit willen zu. Sinn und Zweck des persönlichen Verkehrs ist die Aufrechter-
haltung regelmässiger Kontakte des Kindes zu seinen Eltern. In erster Linie dient 
das Besuchsrecht dem Interesse des Kindes, es ist aber auch ein Recht des betrof-
fenen Elternteils. Oberste Richtschnur für die Ausgestaltung (und Ausübung) eines 
Besuchsrechtes ist immer das Kindeswohl, welches anhand der Umstände des 
konkreten Einzelfalles zu beurteilen ist (BGE 131 III 209 E. 5 S. 212 m.H.). Allfällige 
Interessen der Eltern haben dahinter zurückzustehen (Schwenzer/Cottier, in: Bas-
ler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 6. Aufl. 2018, N. 6 und N. 10 f. zu Art. 273 ZGB 
m.w.H.). 

8.2 Wird das Wohl des Kindes durch den persönlichen Verkehr gefährdet, üben die 
Eltern ihn pflichtwidrig aus, haben sie sich nicht ernsthaft um das Kind gekümmert 
oder liegen andere wichtige Gründe vor, so kann ihnen das Recht auf persönlichen 
Verkehr verweigert oder entzogen werden (Art. 274 Abs. 2 ZGB). Gefährdet ist das 
Wohl des Kindes, wenn dessen ungestörte körperliche, seelische oder sittliche Ent-
faltung durch ein auch nur begrenztes Zusammensein mit dem nicht obhutsberech-
tigten Elternteil bedroht ist. Erforderlich ist auf Grund des Gebots der Verhältnis-
mässigkeit, dem Verweigerung oder Entziehung des persönlichen Verkehrs als 
Kindesschutzmassnahme unterliegen, dass der dargelegten Bedrohung nicht durch 
geeignete andere Vorkehren begegnet werden kann. Im Interesse des Kindes darf 
ein Elternteil vom persönlichen Verkehr mit ihm nur dann gänzlich ausgeschlossen 
werden, wenn die nachteiligen Auswirkungen des persönlichen Kontakts sich nicht 
anderweitig in für das Kind vertretbaren Grenzen halten lassen (BGE 122 III 
404 E. 3b S. 407 m.H.). Können die befürchteten Auswirkungen durch die persönli-
che Anwesenheit einer Drittperson (sog. begleitetes Besuchsrecht) hinreichend be-
grenzt werden, so verbieten das Persönlichkeitsrecht des nicht obhutsberechtigten 

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Elternteils, der Grundsatz der Verhältnismässigkeit, aber auch Sinn und Zweck des 
persönlichen Verkehrs dessen gänzliche Unterbindung (BGE 122 III 404 E. 3c 
S. 407 f.). 

9.

9.1 Aus den Vorakten schliesst, dass ein freiwilliges, unbegleitetes Besuchsrecht zwi-
schen dem Betroffenen und seinem Vater nicht stattfinden kann. Zu überprüfen 
bleibt damit, ob die Vorinstanz den Betroffenen zu Recht nicht zu einem begleiteten 
Besuchsrecht zwingt bzw. den Beschwerdeführer zu Recht vollständig vom Be-
suchsrecht ausschliesst. 

9.2 Der Betroffene zeigt diverse Auffälligkeiten mit Krankheitswert. Es kam unter Ande-
rem wiederholt zu Beschwerden wie Einnässen, Einschlafschwierigkeiten, aggres-
siven Durchbrüchen, Konzentrationsschwierigkeiten und teilweise sogar zu Suizid-
gedanken. Die Symptome des Betroffenen stehen für ihn im Zusammenhang mit 
seinem Verhältnis zum Kindsvater bzw. dem Konflikt seiner Eltern. Für ihn ist der 
von ihm geschilderte Missbrauch real, was seinen grossen Widerstand gegenüber 
dem Kindsvater auslöst (Gutachten, S. 33 und 41). Die Gutachterinnen, der Bei-
stand und die Kinderanwältin sprachen sich jeweils gegen ein (begleitetes) Be-
suchsrecht des Kindsvaters aus. Gestützt auf das Gutachten, die Akten der Vorin-
stanz sowie die Reaktionen des Betroffenen muss davon ausgegangen werden, 
dass sein Wohl durch erzwungene Kontakte mit dem Kindsvater gefährdet wird. Al-
lerdings können die Gründe für die grosse Belastung des Kindes, bzw. die 
«Schuldfrage» vorliegend offengelassen werden. Es geht im Kindesschutzverfah-
ren nicht darum, zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer (oder der Kindsmutter) die 
Schuld an der Situation zuzuweisen ist, wenn – wie vorliegend – klar ist, dass das 
Kind Schutz braucht. Einzig und allein dieser Schutz des Betroffenen, dessen Wohl 
es sicherzustellen gilt, steht im Zentrum des Kindesschutzverfahrens (Urteil des 
Bundesgerichts 5A_993/2016 vom 19. Juni 2017 E. 4.2.2; COTTIER, in: Kurzkom-
mentar Schweizerisches Zivilgesetzbuch, 2. Aufl., 2018, N 1 zu Art. 310 ZGB). 

9.3 Auch äussert der Betroffene selber anhaltend und deutlich, keinen Kontakt zu sei-
nem Vater zu wollen. Die Kinderanwältin schildert gar, dass ihn die Vorstellung an 
die (erneute) alternierende Obhut erschrecke. Dem deutlichen Willen des Betroffe-
nen hat die Vorinstanz zu Recht Beachtung geschenkt: er ist 14 Jahre alt und be-
züglich der Frage des Besuchsrechts vor dem gegebenen Hintergrund urteilsfähig 
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 5C.293/2005 vom 6. April 2006 E. 4.2). Ein 14-
jähriges Kind lässt sich nicht mehr gegen seinen Willen zu Kontakten zwingen. 
Dass diesem Verhalten allenfalls eine Beeinflussung durch die Kindsmutter zu-
grunde liegt, hat vorliegend nicht ausschlaggebende Bedeutung, zumal der Loya-
litätskonflikt real ist. Auch unter Berücksichtigung der starken Ablehnung des Be-
troffenen ist nicht zu sehen, inwiefern die Regelung eines regelmässigen persönli-
chen Verkehrs zum Beschwerdeführer dem Kindswohl dienen soll. Solcher würde 
die Gefahr mit sich bringen, negative Gefühle zu fördern und die Beziehung zum 
Beschwerdeführer zusätzlich zu belasten. 

9.4 Vor den bestehenden Stressfaktoren muss der Betroffene geschützt werden, damit 
er sich seinen dringlich anstehenden Entwicklungsaufgaben zu widmen vermag. 

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Aus den Umständen des Sachverhaltes ergibt sich, dass eine Stressreduktion vor-
nehmlich durch die Vermeidung eines erzwungenen Kontakts mit dem Beschwer-
deführer erreicht werden kann. Die Sistierung der Kontakte hat denn auch zu einer 
Verbesserung der psychischen Verfassung und des generellen Wohlbefindens des 
Kindes geführt (Gutachten, S. 33). Aufgrund der anhaltenden vehementen Ableh-
nung des Betroffenen könnten auch begleitete Besuche den Druck nicht genügend 
senken. Der Betroffene wäre dadurch trotzdem immer wieder mit dem ihn belas-
tenden Faktor konfrontiert. 

9.5 Von der Einräumung eines wenn auch nur begleiteten Besuchsrechts darf nament-
lich wegen der Wichtigkeit der Vater-Kind-Beziehung nicht leichthin abgesehen 
werden. In der Entwicklung des Kindes sind dessen Beziehungen zu beiden Eltern-
teilen wichtig, da sie bei seiner Identitätsfindung eine entscheidende Rolle spielen 
können (dazu BGE 130 III 585 E. 2.2.2 S. 590; 122 III 404 E. 3a S. 407; 120 II 
229 E. 3b/aa S. 233).  Im Umstand, dass das Kind seinen Vater nicht mehr sieht, 
liegt damit auch eine latente Gefährdungsmöglichkeit für seine Identitätsentwick-
lung. Diese Gefahr ist aber für den Betroffenen vorliegend wesentlich geringer als 
die Gefährdung durch einen Verbleib in einer ihn zerreissenden Situation zwischen 
den beiden Elternteilen und in direkter Konfrontation mit dem ihn beängstigenden 
Vater. Kontakte mit dem Kindsvater erzwingen zu wollen, wäre vorliegend nicht 
kindswohlkonform und würde damit dem obersten Leitsatz für die Ausübung des 
persönlichen Verkehrs widersprechen.

10. Nach dem Gesagten ist die Verweigerung des persönlichen Verkehrs und im Er-
gebnis auch einer alternierenden Obhut mit 10 väterlichen Betreuungstagen pro 
Monat nicht zu beanstanden und die Rügen des Beschwerdeführers erweisen sich 
als unbegründet. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

IV.

11. In Beschwerdeverfahren betreffend Kindesschutzmassnahmen werden keine Ver-
fahrenskosten erhoben (Art. 70 Abs. 3 Bst. d KESG).

12.

12.1 Da der Beschwerdeführer unterliegt, hat er seine Parteikosten selbst zu tragen.

12.2 Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei grundsätzlich die Parteikosten zu 
ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Beschwerdegegnerin war allerdings nicht 
anwaltlich vertreten und das Verfahren war nicht besonders aufwändig. Sie hat da-
her keinen Anspruch auf Parteikostenersatz bzw. eine Parteientschädigung 
(Art. 104 Abs. 1 und 2 VRPG).

12.3 Zuständig für die Festsetzung der Höhe der auszurichtenden Entschädigung an die 
Kinderanwältin ist die Vorinstanz als einsetzende Behörde (Art. 36 Abs. 1 i.V.m. 
Art. 37 KESG; die Einsetzung umfasst die Befugnis zur Vertretung des Kindes im 
Rechtsmittelverfahren [Art. 314abis Abs. 3 ZGB]). Das Kindes- und Erwachsenen-
schutzgericht wäre für die Festsetzung der Entschädigung nur zuständig, wenn es 
selbst für das Rechtsmittelverfahren einen Verfahrensbeistand eingesetzt hätte. 

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10

Dementsprechend ist die an Fürsprecherin E.________ für das Beschwerdeverfah-
ren zu bezahlende Entschädigung durch die Vorinstanz festzusetzen und auszu-
richten.

12.4 Die Vorinstanz hat von Gesetzes wegen keinen Anspruch auf Parteikostenersatz 
(Art. 104 Abs. 3 VRPG).

11

Das Gericht entscheidet:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

3. Es werden weder ein Parteikostenersatz noch eine Parteientschädigung gesprochen. 

4. Die an Fürsprecherin E.________ zu bezahlende Entschädigung ist durch die Vorin-
stanz festzusetzen und auszurichten. 

5. Zu eröffnen:
- dem Beschwerdeführer, vertreten durch Fürsprecher B.________
- der Vorinstanz   
- der Beschwerdegegnerin 
- der Kinderanwältin E.________

Mitzuteilen:
- dem Kantonalen Jugendamt, Gerechtigkeitsgasse 81, 3011 Bern 
- Rechtsanwalt F.________
- G.________, Sozialdienst H.________

Bern, 28. Januar 2022 Im Namen des Kindes- und 
Erwachsenenschutzgerichts

Die Referentin:

Oberrichterin Grütter

Die Gerichtsschreiberin:

Spichiger

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung dieser Entscheidbegründung beim Bundesge-
richt, Av. du Tribunal fédéral 29, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in Zivilsachen gemäss Art. 39 ff., 72 ff. und 
90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes (BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforde-
rungen von Art. 42 BGG entsprechen.

Hinweis
Der Entscheid ist rechtskräftig.