# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0e674c97-1163-558a-bd71-1b4928d1fcf5
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-08-29
**Language:** de
**Title:** Gewässerschutz. Gewässerabstand. Dispens. Übergangsbestimmungen der revidierten Gewässerschutzverordnung in der Fassung vom 4. Mai 2011.
**Docket/Reference:** BRGE III Nr. 0104/2012
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_III_0104_2012_605.pdf

## Full Text

BRGE III Nr. 0104/2012 vom 29. August 2012 in BEZ 2012 Nr. 68 

2.1  Streitbetroffen  ist  das  an  der  S-Strasse  8d  liegende  Grundstück 
Kat.-Nr.  5393.  Die  Parzelle  befindet  sich  an  einem  ab  der  nordwestlich 
vorbeiführenden  S-Strasse  nach  Südosten  gegen  den  M-Bach  abfallenden 
Hang.  Die  südöstliche  Parzellengrenze  verläuft 
inmitten  dieses  Bachs. 
in  der  zweiten  Bautiefe  der  S-Strasse  gelegene 
Überbaut 
Rekursgrundstück durch ein älteres, mit dem in der ersten Bautiefe befindlichen 
Gebäude  S-Strasse  8c  zusammengebautes  Einfamilienhaus  (Pol.-Nr.  8d). 
im  Bach  verlaufenden  südöstlichen 
Dieses  weist  zu  der  wie  erwähnt 
Grundstücksgrenze einen zwischen 11,5 m und 14 m variierenden Abstand auf. 

ist  das 

Die Rekurrierenden beabsichtigen, südöstlich des bestehenden Gebäudes 
einen  eine  selbständige  Wohneinheit  beinhaltenden  Flachdachanbau  zu 
realisieren.  Dieser  ragt  bis  7  m  an  die  südöstliche  Grundstücksgrenze  und 
damit bis zu jener Linie, ab welcher das Terrain auf dem Rekursgrundstück mit 
einer  Neigung  von  rund  45°  gegen  den  M-Bach  abfällt.  Der  nordöstliche  Teil 
des  Anbaus  ist  auf  einer  Länge  von  ca.  5,5  m  oberirdisch,  indem  er  dort, 
abgestützt  auf  eine 
in  der  Nordostecke  geplante  Stützwand,  einen 
Autoabstellplatz überdacht. 

2.2  Mit  den  vorliegend  angefochtenen,  formell  und  materiell  koordinierten 
Entscheiden  der  Baudirektion  und  der  örtlichen  Baubehörde  wurde  die 
Bewilligung  für  das  vorstehend  umschriebene  Projekt  verweigert.  Seitens  der 
Gemeinde, die das Vorhaben ansonsten als bewilligungsfähig einstufte, erfolgte 
dies  –  wie  der  in  Rekursantwort  gestellte  Antrag  zeigt  –  eher  widerwillig 
«aufgrund  der  kantonalen  Verweigerung».  Letztere  stützt  sich,  worauf 
zurückzukommen ist, auf die am 1. Juni 2011 in Kraft getretene revidierte (eid-
genössische) Gewässerschutzverordnung.  

3.1 Nach § 18 des Wasserwirtschaftsgesetzes (WWG) bedürfen «bauliche 
Veränderungen  von  Oberflächengewässern  und  in  deren  Abstandsbereich» 
einer  Bewilligung  der  zuständigen  Direktion  (konkret  der  Baudirektion).  Diese 
Regelung bezog sich vormals auf § 21 Abs. 1 WWG, nach welcher Bestimmung 
ober-  und  unterirdische  Bauten  und  Anlagen  gegenüber  offenen  und 
eingedolten  öffentlichen  Oberflächengewässern  einen  Abstand  von  5  m 
einzuhalten haben (bzw. hatten). Diesem Abstandserfordernis, von dem bei der 
Planung  des  strittigen  Bauvorhabens  ausgegangen  wurde,  wird  gemäss  einer 

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im  Nachgang  zum  Augenschein  eingereichten 
von  der  Bauherrschaft 
Berechnung  eines  Ingenieurbüros  gerade  noch  genügt.  Wäre  es  bei  der  von 
den Gemeinden zu vollziehenden Regelung von § 21 WWG geblieben, hätte es 
einer Bewilligung durch die Baudirektion nicht bedurft. Die Notwendigkeit einer 
Beurteilung durch diese ergab sich erst aus den nachgenannten Umständen.  

3.2 Rund eineinhalb Monate vor der am 21. Juli 2011 erfolgten Einreichung 
des  Baugesuchs,  nämlich  am  1.  Juni  2011,  ist  die  revidierte  Gewässer-
schutzverordnung (GSchV, in der Fassung vom 4. Mai 2011) in Kraft getreten. 
In  dieser  werden  die  Kantone  gestützt  auf  den  am  1.  Januar  2011  in  Kraft 
getretenen  Art.  36a  des  revidierten  Gewässerschutzgesetzes  (GSchG,  in  der 
Fassung  vom  11.  Dezember 2009) verpflichtet,  den  Raumbedarf  oberirdischer 
Gewässer  festzulegen.  Das  Ziel  ist  die  Revitalisierung  der  Gewässer,  für 
welche die Kantone nach Art. 38a GSchG zu sorgen haben. 

In  Art.  41a  GSchV  wird  der  bei  Fliessgewässern  notwendige  Gewässer-
raum  festgelegt.  Absatz  1  dieser  Norm  regelt  den  bei  Biotopen,  Moorland-
schaften,  Wasser-  und  Zugvogelreservaten  von  nationaler  (und  bei  Letzteren 
internationaler)  Bedeutung  sowie  bei  kantonalen  Natur-  und 
überdies 
Landschaftsschutzgebieten  notwendigen  Gewässerraum.  In  Art.  41a  Abs.  2 
GSchV wird für die «übrigen Gebiete» die von der Gerinnesohle des jeweiligen 
Fliessgewässers  abhängige  Breite  des  Gewässerraums  bestimmt.  Letzterer 
beträgt  bei  Fliessgewässern  mit  einer  Gerinnesohle  von  weniger  als  2  m 
«natürlicher Breite» 11 m. Bei einer 2-15 m breiten Gerinnesohle ergibt sich der 
Gewässerraum aus der 2,5-fachen Breite der Gerinnesohle plus 7 m. 

Nach  Art.  41a  Abs.  3  GschV  muss  die  nach  den  Absätzen  1  und  2 
berechnete  Breite  des  Gewässerraums  erhöht  werden,  wenn  dies  (u.a.)  zur 
Gewährleistung  des  Hochwasserschutzes  oder  des  für  eine  Revitalisierung 
ist.  Umgekehrt  kann  die  Breite  des 
erforderlichen  Raums  notwendig 
Gewässerraums nach Absatz 4 in «dicht überbauten Gebieten» den baulichen 
Gegebenheiten  angepasst  werden.  Vorausgesetzt  ist,  dass  der  Schutz  vor 
Hochwasser gewährleistet ist. 

Innerhalb des Gewässerraums sind nach Art. 41c Abs. 1 Satz 1 GSchV nur 
standortgebundene,  im  öffentlichen  Interesse  liegende  Anlagen  wie  Fuss-  und 
Wanderwege, Flusskraftwerke oder Brücken zulässig. Nach Satz 2 dieser Norm 
kann  die  Behörde  in  dicht  überbauten  Gebieten  für  zonenkonforme  Anlagen 
Ausnahmen  bewilligen,  soweit  keine  überwiegenden  Interessen  entgegen-
stehen.  

3.3  Gemäss  den  Übergangsbestimmungen  der  Gewässerschutzver-
ordnung haben die Kantone den Gewässerraum nach Art. 41a GschV (und dem 
sich  auf  stehende  Gewässer  beziehenden  Art.  41b  GSchV)  bis  zum  31. 
Dezember  2018  festzulegen.  Solange  dies  nicht  erfolgt  ist,  gelten  die 
Vorschriften  für  Anlagen  nach  Art.  41c  GSchV  bei  Fliessgewässern  mit  einer 
Gerinnesohle bis 12 m übergangsrechtlich auf einem beidseitigen Streifen von 
8 m plus die Breite der bestehenden Gerinnesohle.  

 
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Die  Rekurrierenden  und  die  Baudirektion  gehen  beim  M-Bach  überein-
stimmend  von  einer  2,5  m  breiten  Gerinnesohle  aus.  Daraus  ergibt  sich 
beidseits ein von Bauten und Anlagen grundsätzlich freizuhaltender Uferbereich 
von 10,5 m (und damit letztlich ein Gewässerraum von 23,5 m [2 x 10,5 m = 21 
m  +  2,5  m  {Gerinnesohle}  =  23,5  m]).  Dieser  freizuhaltende  Bereich  erstreckt 
sich  bis  zur  Ostecke  des  auf  dem  Rekursgrundstück  vorhandenen  Gebäudes, 
was  zum  einen  zur  Folge  hat,  dass  der  geplante  Anbau  weitgehend  innerhalb 
von diesem liegt, und zum anderen eine Beurteilung des Vorhabens durch die 
Baudirektion erforderlich machte (§ 18 WWG). 

3.4  Die  Baudirektion  erwog 

ihrer  vorliegend  zur  Hauptsache 
in 
angefochtenen Verfügung, dass es sich beim geplanten Bauvorhaben nicht um 
eine  standortgebundene  Anlage  handle  und  diese  auch  nicht  im  öffentlichen 
Interesse  liege.  Die  nach  §  18  WWG  erforderliche  wasserbaupolizeiliche 
Bewilligung  sowie  die  gewässerschutzrechtliche  Ausnahmebewilligung  nach 
Art. 41c Abs. 1 Satz 2 GSchV könnten daher nicht erteilt werden.  

4.1  Nach  Auffassung  der  Rekurrierenden  hat  die  Baudirektion  bei  ihrem 
Entscheid unterlassen, die konkreten örtlichen Verhältnisse zu berücksichtigen 
und  ihren  Entscheid  nach  Sinn  und  Zweck  von  Art.  41c  Abs.  1  Satz  2  GSchV 
auszurichten.  Nach  dem  erläuternden  Bericht  des  Bundesamtes 
für 
Umweltschutz  (BAFU)  vom  20.  April  2011  zur  Revision  der  Gewässer-
schutzverordnung  seien  –  unter  der  Voraussetzung  der  Gewährleistung  des 
Hochwasserschutzes  –  in  dicht  überbauten  Gebieten  (Städte,  Dorfzentren) 
Ausnahmen vom grundsätzlichen Anlagenverbot im Gewässerraum zu erteilen, 
um eine Siedlungsentwicklung nach innen und eine aus Sicht der Raumplanung 
erwünschte städtebauliche Verdichtung zu ermöglichen. In casu sei von einem 
dicht überbauten Gebiet auszugehen. Entgegen der Annahme der Baudirektion 
sei  nicht  erforderlich,  dass  an  der  Realisierung  des  in  Frage  stehenden 
Bauvorhabens  ein  öffentliches  Interesse  bestehe.  Dem  Vorhaben  dürften 
lediglich  keine  überwiegenden  Interessen  entgegenstehen.  Solche  seien  im 
Hinblick  darauf,  dass  in  casu  eine  Beeinträchtigung  durch  Hochwasser  aus 
topografischen  Gründen  ausgeschlossen  werden  könne  und  auch  keine 
Eingriffe  in  die  bestehende  Ufervegetation  geplant  seien,  nicht  erkennbar.  Zu 
berücksichtigen  sei  überdies,  dass  selbst  bei  der  Realisierung  des  strittigen 
Bauvorhabens  ein  Gewässerraum  verbleibe,  dessen  Breite  (nämlich  13,5  m) 
über  dem  Mass  liege,  das  sich  nach  der  Regelung  von  Art.  41a  Abs.  2  lit.  b 
GSchV für die definitive Festlegung ergebe (13,25 m). 

Auf die Entgegnungen der Rekursgegnerschaft wird, soweit erforderlich, in 

den nachstehenden Erwägungen eingegangen. 

4.2.1  Dem  rekurrentischen  Einwand,  wonach  beim  M-Bach  von  einem 
künftigen Gewässerraum mit einer Breite von 13,25 m auszugehen sei, hält die 
Baudirektion  in  ihrer  Duplik  entgegen,  dass  bei  der  definitiven  Festlegung  des 
Gewässerraums  nicht  von  der  «aktuellen»  Gerinnesohlenbreite  von  2,5  m 
auszugehen  sei.  Diese  müsse,  um  die  nach  der  Gewässerschutzverordnung 
massgebende  «natürliche»  Breite  der  Gerinnesohle  zu  ermitteln,  aus 
ökomorphologischen  (das heisst die  strukturelle  Ausprägung  eines  Gewässers 
und  dessen  Uferbereich  betreffenden)  Gründen  mit  dem  Faktor  2  multipliziert 

 
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werden. Daraus resultieren eine Gerinnesohle von 5 m und damit ein künftiger 
Gewässerraum von 19,5 m (2,5 x 5 m = 12,5 m + 7 m = 19,5 m). 

4.2.2 Dass und weshalb ein solcher Faktor zur Anwendung zu bringen ist, 
sich  der  Gewässerschutzverordnung  nicht  direkt  entnehmen. 
lässt 
Diesbezügliche  Hinweise  ergeben  sich  aus  dem  erwähnten  erläuternden  Be-
richt des BAFU zur Revision dieser Verordnung, konkret zu deren Übergangs-
bestimmungen,  wo  von  der  Notwendigkeit  eines  Korrekturfaktors die  Rede  ist. 
Dieser  dient  der  Ermittlung  der  «natürlichen»  Gerinnesohlenbreite,  auf  welche 
in Art. 41a GSchV abgestellt wird. Die Übergangsbestimmungen beziehen sich 
demgegenüber  auf  die  –  bedingt  durch  Verbauungen  und  Begradigungen  im 
Vergleich zur «natürlichen» häufig geringere  – «aktuelle» Gerinnesohlenbreite. 
Der aus ökomorphologischen Gründen je nach dem Zustand des Gewässers im 
Einzelfall  anzuwendende  Korrekturfaktor  ist  einem  Merkblatt  der  Baudirektion 
zu entnehmen (max. Faktor 2). 

4.2.3  Dadurch,  dass  die  Übergangsbestimmungen  auf  die  aktuelle  und 
nicht  die  natürliche  Gerinnesohlenbreite  abstellen,  sind  diese  zumindest  dort, 
wo  die  genannten  Sohlenbreiten  auseinanderklaffen,  weniger  einschneidend, 
als  es  auf  den  ersten  Blick  erscheinen  mag.  Nichtsdestotrotz  sind  die 
Übergangsbestimmungen  zumindest  bei  schmalen  Fliessgewässern  relativ 
restriktiv.  Zur  Veranschaulichung  ist  folgendes  Beispiel  anzuführen.  Bei  einem 
Fliessgewässer mit einer «aktuellen» Gerinnesohlenbreite von 2 m ist nach den 
Übergangsbestimmung  beidseits  ein  Uferbereich  von  10  m  (Gerinnesohlen-
breite  +  8 m) freizuhalten,  wodurch  sich faktisch  ein  Gewässerraum  von  22 m 
ergibt (2 x 10 m + Gerinnesohle). Bei der definitiven Festlegung des Gewässer-
raums  beim  selben  Gewässer  betrüge  dessen  Breite  selbst  bei  der  Anwend-
barkeit  des  maximalen  Korrekturfaktors  (x  2)  lediglich  17  m  (2  m  [aktuelle 
Sohlenbreite] x Korrekturfaktor 2 = 4 m x 2.5 = 10 m + 7 m = 17 m). 

5.1.  Die  Rekurrierenden  begründen  die  von  ihnen  beantragte  Aufhebung 
der angefochtenen Entscheide wie erwähnt mit der Regelung von Art. 41c Abs. 
1  Satz  2  GSchV,  auf  welche  in  den  Übergangsbestimmungen  verwiesen  wird. 
Nach dieser Norm kann die (zuständige) Behörde vom grundsätzlichen Verbot 
nicht  standortgebundener Anlagen  im  Gewässerraum  eine  Ausnahme erteilen, 
sofern  ein  dicht  überbautes  Gebiet  vorliegt,  es  sich  beim  geplanten  Vorhaben 
um  eine  zonenkonforme  Anlage  handelt  und  dem  Vorhaben  überdies  keine 
überwiegenden Interessen entgegenstehen. 

Aufgrund  der  Ausgestaltung  als  «Kann-Vorschrift»  steht  der  zur  erst-
instanzlichen  Anwendung  dieser  Norm  zuständigen  Behörde  (nämlich  der 
Baudirektion)  ein  Ermessensspielraum  zu.  In  diesen  darf  die  Rekursinstanz, 
sofern von einer vertretbaren Handhabung auszugehen ist, gleich wie etwa bei 
der  (im  Regelfall  durch  die  örtlichen  Baubehörden  anzuwendenden)  Einord-
nungsvorschrift von § 238 PBG, nicht eingreifen. 

5.2.  Nach  Auffassung  der  Rekurrierenden 

ist  das  Beharren  der 
Baudirektion auf dem sich aufgrund der Übergangsbestimmungen ergebenden 
vorläufigen  Gewässerraum  dadurch,  dass  dieser  «nie  auch  im  Entferntesten» 
der  definitiven  Festlegung  entsprechen  werde,  geradezu  willkürlich.  In  der 

 
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Replik  halten  sie  dafür,  dass  das  strittige  Bauvorhaben  unzweifelhaft 
ausserhalb  des  definitiven  Gewässerraums  liege.  Letzteres  steht  nach  dem 
vorstehenden  Exkurs  in  den  Erwägungsziffern  4.2.1  und  4.2.2  indessen 
keineswegs  fest.  Soweit  die  Rekurrierenden  daher  zwar  unausgesprochen, 
festzulegende 
jedoch  sinngemäss  davon  ausgehen,  dass  der  definitiv 
Gewässerraum  mit  dem  nach  dem  bisherigen  §  21  WWG  einzuhaltenden 
Gewässerabstand identisch sein werde, besteht hierfür keine Gewissheit.  

5.3  Auf  Letzteres 

lässt  entgegen  der 

rekurrentischen  Auffassung 
insbesondere  die  im  fraglichen  Gebiet  bestehende  Überbauung  nicht  ohne 
Weiteres  schliessen.  Im  hier  interessierenden  Bereich  verläuft  der  M-Bach  im 
Gegensatz  zu  den  hang-  und  talseits  anschliessenden  Abschnitten  dieses 
Gewässers  über  eine  Länge  von  rund  120  m  uneingedolt.  Gemäss  der 
Mitteilung Nr. 27 des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) 
zum  Gewässerschutz  ist  die  ökomorphologische  Bedeutung  von  Fliessge-
wässern  (von  der  Mündung  her  fluss-  bzw.  bachaufwärts)  abschnittsweise  zu 
erheben.  Dabei  sollen  die  einzelnen  Abschnitte  nicht  kürzer  als  25  m  sein. 
Diese  Publikation  wurde  zwar  bereits  im  Jahr  1998  und  damit  vor  dem 
Inkrafttreten der revidierten Gewässerschutzverordnung herausgegeben. Es ist 
jedoch  davon  auszugehen,  dass  die  in  dieser  enthaltenen  Anordnungen 
weiterhin  gültig  sind.  Der fragliche,  (u.a.)  entlang  des  Rekursgrundstücks bzw. 
teilweise  auf  diesem  verlaufende  uneingedolte  Teil  des  M-Bachs  ist  daher  als 
eigenständiger  Abschnitt  zu  betrachten.  Innerhalb  von  diesem  ragen  die 
bestehenden  Gebäude  auf  den  Grundstücken  Kat.-Nrn.  4087  und  4545  (S-
Strasse  6  und  8a)  eingeräumtermassen  relativ  nahe  an  den  M-Bach  (nämlich 
rund  6-7  m).  Diese  Bauten,  die  –  soweit  erkennbar  –  rechtmässig  erstellt 
wurden  und  bestimmungsgemäss  genutzt  werden,  sind  nach  Art.  41c  Abs.  2 
GSchV in ihrem Bestand geschützt, können jedoch im Hinblick darauf, dass die 
übrigen  Bauten  entlang  des  fraglichen  Bachabschnitts  grössere,  wie  auf  dem 
Rekursgrundstücks 11 m und mehr betragende Abstände zu diesem Gewässer 
aufweisen,  nicht  als  Referenz  für  den  künftigen  definitiven  Gewässerraum 
herangezogen werden. Andernfalls würde die den Kantonen in Art. 38a GSchG 
auferlegte  Verpflichtung,  für  die  Revitalisierung  der  Gewässer  zu  sorgen, 
unterlaufen.  Es  ist  ohne  Weiteres  denkbar,  dass  die  erwähnten  Bauten  (S-
Strasse  6  und  8a)  vom  künftigen  definitiven  Gewässerraum  angeschnitten 
werden.  Da  sie  wie  erwähnt  Bestandesschutz  geniessen,  besteht  kein 
zwingender  Grund  dazu,  diese  Gebäude  bei  der  entsprechenden  Festsetzung 
zu  umfahren.  Im  Hinblick  auf  eine  irgendwann  allenfalls  erfolgende  Neuüber-
bauung  erscheint  es  vielmehr  zweckmässig,  den  definitiven  Gewässerraum 
unter teilweisem Einbezug der bestehenden Bauten festzusetzen.  

5.4  Auch  der  von  den  Rekurrierenden  überdies  angeführte  Umstand, 
wonach  vorliegend  von  einem  dicht  überbauten  Gebiet  im  Sinne  von  Art.  41c 
Abs.  1  Satz  2  GSchV  auszugehen  sei,  führt  entgegen  deren  Auffassung  nicht 
dazu, dass ihr Projekt ohne Weiteres bewilligungsfähig ist. Die Baudirektion, die 
ebenfalls von einer dichten Überbauung ausgeht, macht zu Recht geltend, dass 
das  Vorliegen  einer  solchen  nicht  zwangsläufig  dazu  führt,  dass  für  nicht 
standortgebundene  Bauten  und  Anlagen  im  Gewässerraum  Ausnahmebewil-
ligungen  zu  erteilen  seien.  Vorausgesetzt  ist,  dass  einem  Dispens  keine 
überwiegenden  Interessen  entgegenstehen.  Als  solche  kommen  im  vorliegen-

 
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den Zusammenhang vorab Belange des Gewässerschutzes in Betracht. Hierzu 
gehört,  dass  Fliessgewässern  der  für  eine  Revitalisierung  notwendige  Raum 
soweit  als möglich  zur  Verfügung  gestellt  wird.  Es  kann  nicht  Sinn und  Zweck 
der  Ausnahmeregelung  von  Art.  41c  Abs.  1  Satz  2  GSchV  sein,  dass  aus 
gewässerschutzrechtlicher  Sicht  notwendige  und  auch  vorhandene  Freiräume 
dadurch  beschränkt  werden,  dass  innerhalb  von  diesen  nicht  standortgebun-
dene  Bauten  und  Anlagen  dispensweise  bewilligt  werden.  Wenn,  worauf  die 
im  erläuternden  Bericht  zur  Revision  der 
Rekurrierenden  verweisen, 
Gewässerschutzverordnung  angeführt  wird,  dass  durch  Ausnahmebewilligun-
gen nach Art. 41c Abs. 1 Satz 2 GSchV eine im öffentlichen Interesse liegende 
bauliche Verdichtung ermöglicht werden soll, ist nicht zu übersehen, dass dort 
als Anwendungsfall «Baulücken» genannt werden. Beim Füllen von Baulücken 
werden im Regelfall bestehende Gebäudefluchten übernommen und wird nicht, 
wie  es  hier  geplant  ist,  die  Überbauung  gegen  das  Gewässer  hin  ausgedehnt 
und  hierbei  ein  bisheriger  Freiraum,  der  aus  gewässerschutzrechtlicher  Sicht 
mutmasslich  zumindest  zum  Teil  erhalten  bleiben  muss, 
in  Anspruch 
genommen.  Dem  steht  ein  überwiegendes  gewässerschutzrechtliches  (öffent-
liches)  Interesse  entgegen.  Daran  ändert  nichts,  dass  im  konkreten  Fall  der 
Schutz  vor  Hochwasser,  welcher  nach  Art.  41a  Abs.  4  GSchV  bei  der 
Festsetzung  von  reduzierten  definitiven  Gewässerräumen  in  dicht  überbauten 
Gebieten gewährleistet sein muss, mit einiger Wahrscheinlichkeit kein Problem 
darstellen dürfte.  

Nicht  unerwähnt  bleiben  soll,  dass  die  Möglichkeit  von  Ausnahme-
bewilligungen  nach  dem  erläuternden  Bericht  nicht  auf  Baulücken  beschränkt 
ist.  Solche  werden  dort  nur  als  Beispiel  angeführt.  Gleichwohl  lässt  dieser 
Hinweis  tendenziell  darauf  schliessen,  dass  mit  der  Ausnahmeregelung  nicht 
beabsichtigt  wurde,  in  dicht  überbauten  Gebieten  die  noch  vorhandenen 
Gewässerräume  durch  eine  zu  liberale  Dispenspraxis  in  weiterem  Umfang  zu 
reduzieren.  Solches  wäre  mit  den  durch  die  Revision  des  Gewässerschutz-
gesetzes  und  die  Revision  der  Gewässerschutzverordnung  verfolgten  Zielen, 
nämlich  den  für  eine  natürliche  Funktion  von  Fliessgewässern  notwendigen 
Raum zu sichern, nicht vereinbar.  

5.5  Beim  vorliegend  strittigen  Bauvorhaben  kommt  folgendes  hinzu:  Die 
Rekurrierenden  machen  geltend,  dass  die  Realisierung  des  von 
ihnen 
geplanten  Anbaus  an  der  bestehenden  Uferbestockung  des  M-Bachs  nichts 
ändern  werde.  Diese  bleibe  vielmehr  erhalten.  Abgesehen  davon,  dass  die 
Rekurrierenden  hierbei  davon  ausgehen,  dass  der  künftige  Gewässerraum  im 
Wesentlichen  mit  dem  nach  dem  bisherigen  §  21  WWG  zu  beachtenden 
Gewässerabstand  zusammenfällt  und  daher  nur  dieser  zu  beachten  sei,  was 
keineswegs  feststeht,  erweist  sich  die  rekurrentische  Darstellung  als  äusserst 
fraglich. Der geplante Anbau soll wie eingangs erwähnt bis ca. 6,5 m an den M-
Bach  und  damit  bis  zu  jener  Linie  ragen,  ab  welcher  das  Terrain  auf  dem 
Rekursgrundstück  relativ  steil  gegen  diesen  Bach  abfällt.  Das  an  diese 
Böschung  angrenzende  Terrain  auf  dem  Rekursgrundstück  neigt  gemäss  den 
Feststellungen  anlässlich  des  Augenscheins  dazu,  sich  gegen  den  Bach  hin 
abzusenken.  Hochbauten  in  diesem  Bereich  des  Rekursgrundstücks  würden 
eingreifende  Massnahmen  zu  einer ausreichenden  Fundierung  erfordern.  Dies 
gilt  in  erster  Linie  für  die  aus  statischen  Gründen  unumgängliche  Stützmauer, 

 
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auf  welcher  der  oberirdische,  den  Carport  überdachende  Teil  des  geplanten 
Anbaus  aufliegen  soll.  Auch  der Carport selbst  und  der an  diesen  südwestlich 
anschliessende  Teil  des  Erdgeschosses  (mit  Dusche  und  Bad)  müssten 
ausreichend fundiert werden. Das geplante Bauvorhaben könnte ohne grössere 
Eingriffe  in  das  heute  bestehende  Terrain,  namentlich  die  gegen  den  M-Bach 
hin abfallende Böschung, nicht realisiert werden. Dass die heutige Bestockung 
der Letzteren erhalten werden könnte, ist unwahrscheinlich. Diese müsste wohl 
eher  zugunsten  einer  tief  im  Erdreich  verankerten  (und  damit  allenfalls  in  den 
natürlichen  Austausch  von  Oberflächen-  und  Grundwasser  eingreifenden) 
Stützmauer  oder  sonstigen  Fundierungsmassnahmen  weichen,  womit  im  Ver-
gleich zum heutigen Zustand eine Verschlechterung einträte.  

6.1 Aus all diesen Gründen ist nicht zu beanstanden, dass die Baudirektion 
das  Vorliegen  der  Voraussetzungen  für  eine  Ausnahmebewilligung  nach  Art. 
41c  Abs.  1  Satz  2  GSchV  verneinte  (und  aus  diesem  Grund  eine  Bewilligung 
auch durch die örtliche Baubehörde verweigert werden musste). 

Dies führt zur Abweisung des Rekurses.