# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 34950758-480e-5c1b-9d40-6b4a96a572ed
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2018-05-17
**Language:** de
**Title:** Bern Kantonale Anwaltsaufsichtsbehörde 17.05.2018 AA 2017 210
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Anwaltsaufsicht/BE_AK_001_AA-2017-210_2018-05-17.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

Anwaltsaufsichtsbehörde

Cour suprême
du canton de Berne

Autorité de surveillance
des avocats

Entscheid
AA 17 210

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 05
anwaltsaufsicht.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 17. Mai 2018

Besetzung Oberrichter Studiger (Präsident), Fürsprecherin Matter (Referen-
tin), Oberrichter Guéra, Gerichtspräsident Zürcher, Fürsprecher 
F. Müller, 
Gerichtsschreiberin Spielmann

Verfahrensbeteiligte A.________

vertreten durch Rechtsanwältin B.________

Anzeiger

gegen

C.________

Disziplinarbeklagter

Gegenstand Disziplinarverfahren

Anzeige vom 23. November 2017

Regeste:
Interessenkonflikte (Art. 12 lit. c BGFA)
Berufsregelverletzung bejaht bei Vertretung des Anzeigers in einer arbeitsrechtlichen 
Streitigkeit (Kündigung) und späterer Vertretung der Gegenpartei gegen den Anzeiger in 
einer anderen arbeitsrechtlichen Streitigkeit (Kündigung). 

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Erwägungen:

I. Prozessgeschichte

1. Mit Eingabe vom 23. November 2017 gelangte A.________, vertreten durch 
Rechtsanwältin B.________ (nachfolgend: Anzeiger), an die Anwaltsaufsichts-
behörde des Kantons Bern und beschwerte sich über Rechtsanwalt C.________ 
(nachfolgend: Disziplinarbeklagter). Der Anzeiger führte aus, der Disziplinarbeklag-
te habe ihn im Jahr 2011 in einer arbeitsrechtlichen Angelegenheit vertreten und 
trete nun als Anwalt der Gegenpartei in einer Streitigkeit betreffend missbräuchli-
cher Kündigung gegen ihn auf. 

Der Anzeiger führte weiter aus, der Disziplinarbeklagte habe damit das Gebot zur 
Vermeidung von Interessenkonflikten verletzt, da die Streitigkeit dasselbe Rechts-
gebiet betreffe und Informationen aus dem damaligen Verfahren erneut gegen ihn 
verwendet werden könnten (p. 1 ff.).

2. Die Anwaltsaufsichtsbehörde bestätigte am 27. November 2017 den Eingang der 
Anzeige gegen den Disziplinarbeklagten und erläuterte dem Anzeiger, dass er im 
Disziplinarverfahren keine Parteistellung habe, das Gesetz ihm jedoch die Möglich-
keit gebe zu verlangen, dass ihm über die Art der Erledigung der Anzeige Auskunft 
erteilt werde, sofern er dies wünsche (p. 81). Der Anzeiger erklärte am 1. Dezem-
ber 2017, dass er bezüglich der Art der Erledigung der Anzeige informiert werden 
wolle (p. 87).

3. Am 27. November 2017 gab die Anwaltsaufsichtsbehörde dem Disziplinarbeklagten 
Kenntnis vom Schreiben des Anzeigers und setzte ihm Frist bis am 20. Dezember 
2017, um kurz zu den erhobenen Vorwürfen Stellung zu beziehen. Der Disziplinar-
beklagte wurde darauf aufmerksam gemacht, dass eine Anzeige durch Dritte ihn 
nicht von der Schweigepflicht befreie (p. 83).

4. Der Disziplinarbeklagte reichte am 19. Dezember 2017 eine Stellungnahme ein (p. 
91 f.). Er beantragte, auf die Eröffnung eines Disziplinarverfahrens zu verzichten. 
Er habe im Jahr 2011 den Anzeiger vertreten. Dies sei ihm bei der Annahme des 
Mandates entgangen, da das Dossier bei einer ehemaligen Praktikantin abgespei-
chert gewesen sei. Die Aufgabe habe damals darin bestanden, die Klage ein-
zureichen, in der fast ausschliesslich eine grundsätzliche Rechtsfrage aufgeworfen 
worden sei (Sind Willensmängel bei einer Kündigung möglich?). Dieses Verfahren 
habe in keiner Hinsicht etwas mit dem vorliegenden zu tun gehabt. Der Arbeitgeber 
sei ein anderer und es seien keine faktischen oder rechtlichen Zusammenhänge 
mit dem alten Verfahren ersichtlich. Es gebe keinerlei Kenntnisse, die im vorliegen-
den Verfahren behilflich sein könnten. Nur die Tatsache, dass es sich um eine ar-
beitsrechtliche Streitigkeit handle, genüge für die Annahme eines Interessenkonflik-
tes nicht. Er erkenne deshalb keinen Interessenkonflikt, weder abstrakt noch kon-
kret. Am Tag nach dem Versand der Klageantwort sei ihm mitgeteilt worden, dass 
er den Anzeiger zuvor vertreten habe. Er habe sich nach Recherchen und Rück-
sprachen dazu entschieden, das Verfahren weiterzuführen.

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5. Mit Verfügung vom 16. Januar 2018 nahm die Anwaltsaufsichtsbehörde Kenntnis 
von der Stellungnahme des Disziplinarbeklagten und hielt fest, dass er am 18. Juni 
2002 im Anwaltsregister des Kantons Bern eingetragen worden sei und somit der 
Aufsicht im Sinne von Art. 14 des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2000 über die 
Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte (BGFA; SR 935.61) in Verbindung mit 
Art. 14 des kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) 
unterstehe. Sie eröffnete gestützt auf die Anzeige vom 23. November 2017 gegen 
den Disziplinarbeklagten ein Disziplinarverfahren wegen möglicher Verletzung von 
Art. 12 lit. c BGFA und lud den Disziplinarbeklagten ein, innert 21 Tagen eine aus-
führliche Stellungnahme einzureichen. Er wurde erneut darauf hingewiesen, dass 
eine Anzeige durch Dritte ihn nicht von der Schweigepflicht befreie (p. 95 ff.).

6. Innert erstreckter Frist reichte der Disziplinarbeklagte am 16. Februar 2018 eine 
detaillierte Stellungnahme ein und beantragte, es sei festzuhalten, dass er Art. 12 
lit. c BGFA nicht verletzt habe und entsprechend von einer Disziplinarmassnahme 
abzusehen sei (p. 107 ff.). Zur Begründung verwies er hauptsächlich auf die Kurz-
stellungnahme vom 19. Dezember 2017 und führte Folgendes aus: Der Anzeiger 
habe sich im November 2011 an ihn gewandt. Er habe viel zu tun gehabt und dem 
Anzeiger angeboten, dass die damalige Praktikantin die Klage verfassen könne. 
Die ganze Korrespondenz sei in der Folge über sie gelaufen. Dies sei der Grund 
gewesen, weshalb erst eine umfassende Recherche gezeigt habe, dass er den An-
zeiger vertreten habe. Er habe nach dem Schreiben von Rechtsanwältin 
B.________ die Rechtslage abgeklärt, seine Mandantin informiert und beschlos-
sen, seine Mandantin weiterhin zu vertreten. Auch der Gerichtspräsident im laufen-
den Verfahren habe ihn angerufen und ihm mitgeteilt, dass er laut Gerichtsdaten-
bank den Anzeiger vertreten habe. 

Weiter hielt der Disziplinarbeklagte in seiner Stellungnahme fest, dass er den An-
zeiger bei einer ersten Besprechung gesehen, die Klage unterschrieben und ihn im 
Prozesstermin vertreten habe. Inhaltlich sei es damals um die Frage gegangen, ob 
der Anzeiger seine eigene Kündigung des Arbeitsvertrages wegen Täuschung wi-
derrufen könne. Im jetzigen Verfahren behaupte der Anzeiger ausschliesslich eine 
missbräuchliche Kündigung und zudem sei der Arbeitgeber ein anderer. Er habe 
den Anzeiger weder positiv noch negativ in Erinnerung. Auch das Prozessthema 
habe nichts mit dem damaligen Prozessthema zu tun. Nach Durchsicht des alten 
Dossiers gebe es keine Erkenntnisse, die irgendetwas mit dem jetzigen Verfahren 
zu tun hätten, weder rechtlich noch faktisch. 

In seinen rechtlichen Ausführungen zitierte der Disziplinarbeklagte den Gesetzes-
text und führte mehrere Entscheide und Lehrmeinungen auf. Ausserdem teilte er 
mit, dass Rechtsanwältin B.________ in ihrer Anzeige ausführe, ihr «Mandant be-
fürchtet, dass Informationen aus dem damaligen Verfahren durchaus erneut gegen 
ihn verwendet werden können» und unklar sei, was damit gemeint sei und weshalb 
von «erneut» gesprochen werde. 

Zusammenfassend hielt der Disziplinarbeklagte fest, es müsse minimal dargestellt 
werden, wo der Anzeiger den Interessenkonflikt sehe. Dass es sich zweimal um ei-
ne arbeitsrechtliche Streitigkeit handle, sei nicht entscheidend. Weit wichtiger seien 

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der konkrete Sachverhalt und die persönliche Beziehung zum Klienten. Entschei-
dend sei für ihn auch der Zeitablauf. Das frühere Verfahren liege in seinem Archiv 
mehrere hunderte Nummern hinter dem aktuellen Stand. Er sehe entsprechend 
keinen Interessenkonflikt. 

7. Mit Verfügung vom 22. Februar 2018 gab die Aufsichtsbehörde dem Disziplinarbe-
klagten die für die Mitwirkung am zu fällenden Entscheid vorgesehenen Mitglieder 
bekannt und räumte ihm eine Frist von 10 Tagen ein, allfällige Ablehnungsgründe 
mitzuteilen (p. 119 ff.). 

II. Zuständigkeit

8. Der Disziplinarbeklagte ist im Anwaltsregister des Kantons Bern eingetragen. Der 
mit der Eingabe vom 23. November 2017 beanstandete Sachverhalt beschlägt sei-
ne Berufsausübung. Nach Massgabe von Art. 14 BGFA ist damit die sachliche, ört-
liche und funktionelle Zuständigkeit der Anwaltsaufsichtsbehörde des Kantons Bern 
gegeben.

III. Würdigung

9. Eingangs sei erwähnt, dass die angerufene Aufsichtsbehörde den Sachverhalt von 
Amtes wegen ermittelt, weshalb unbeachtlich ist, wenn der Disziplinarbeklagte mo-
niert, dass aus der Anzeige nicht klar werde, was gemeint sein könnte, und der In-
teressenkonflikt minimal dargestellt werden müsse (Art. 34 BGFA i.V.m. Art. 21 
KAG und Art. 18 Abs. 1 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungs-
rechtspflege (VRPG; BSG 155.21).

10. Die Berufsregeln der Anwälte sind seit dem 1. Juni 2002 im BGFA geregelt. Die 
Umschreibung in Art. 12 BGFA ist abschliessender Natur, d.h. für abweichende 
kantonale Vorschriften besteht kein Raum (BGE 130 II 72 E. 3). Zur Auslegung von 
Art. 12 BGFA kann zudem nur noch beschränkt auf die jeweiligen Standesregeln 
der kantonalen Anwaltsverbände abgestellt werden, welche bis anhin regelmässig 
herangezogen wurden, um die im betreffenden Kanton geltenden Berufspflichten 
zu konkretisieren (FELLMANN, in: FELLMANN/ZINDEL, Kommentar zum Anwaltsge-
setz, Zürich 2011, N 4 ff. zu Art. 12 BGFA). 

11. Gemäss Art. 12 lit. c BGFA hat der Anwalt jeden Konflikt zwischen den Interessen 
seiner Klientschaft und den Personen, mit denen er geschäftlich oder privat in Be-
ziehung steht, zu meiden.

a) Nach dem Wortlaut von Art. 12 lit. c BGFA beurteilt sich der verpönte Interessen-
konflikt nur aus dem Blickwinkel der Klientschaft und mit Bezug auf weitere (aktuel-
le) private oder geschäftliche Beziehungen des Anwalts. Vorliegend würde dies be-
deuten, dass ein Verstoss nur vorliegen könnte, wenn der Disziplinarbeklagte ge-
schäftliche oder private Beziehungen mit Personen hätte, deren Interessen denje-
nigen des Anzeigers entgegenstehen. 

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b) Nach herrschender Lehre ist jedoch der Wortlaut des Gesetzes zu eng. Eine ver-
pönte Interessenkollision kann auch mit Blick auf frühere Mandate gegeben sein. 
Hier beschränkt sich indessen die Sperrwirkung bezüglich neuer Mandate auf sol-
che im gleichen Sachzusammenhang. Die Übernahme eines Mandates gegen ei-
nen früheren Klienten ist in jedem Fall nur zulässig, wenn sich der Gegenstand des 
neuen Mandats in rechtlicher oder sachlicher Hinsicht vom früheren Auftrag unter-
scheidet, mithin keine Identität der Streitmaterie vorliegt. In Art. 13 des Gesetzes 
vom 6. Februar 1984 über die Fürsprecher (FG) waren diese beiden Konstellatio-
nen von verpönter Interessenkollision zusammengefasst worden. Auch Art. 13 der 
Schweizerischen Standesregeln des Schweizerischen Anwaltsverbands (SSR) 
verbietet dem Anwalt die Annahme eines (neuen) Mandates, wenn die Gefahr der 
Verletzung des Berufsgeheimnisses bezüglich der von früheren Klienten anvertrau-
ten Information besteht oder die Kenntnis der Angelegenheit früherer Klienten die-
sen zu einem Nachteil gereichen würde. Dies ist Ausfluss der die Mandatsbeendi-
gung überdauernden Schweige- und Treuepflicht. Der blosse Zeitablauf vermag 
diesbezüglich nichts zu ändern, da das Berufsgeheimnis zeitlich unbeschränkt be-
stehen bleibt. Der Zeitablauf ist demnach gerade nicht entscheidend und der Diszi-
plinarbeklagte vermag mit seinem Hinweis, das Mandat liege in seinem siebzehn-
jährigen Archiv mehrere hundert Nummern hinter dem aktuellen Stand nichts zu 
seinen Gunsten abzuleiten.

c) Nach BGE 134 II 108 reicht die bloss abstrakte Möglichkeit des Auftretens ge-
gensätzlicher Interessenlagen nicht aus, um auf eine unzulässige Vertretung zu 
schliessen; verlangt wird vielmehr ein sich aus den gesamten Umständen erge-
bender konkreter Interessenkonflikt. Nicht erforderlich ist, dass sich der Konflikt be-
reits zum Nachteil eines Klienten ausgewirkt hat. Unzulässig ist die Konfliktsituation 
selbst. Es genügt, dass ein Anwalt sich auf ein solches Verhältnis eingelassen hat 
(BRUNNER/HENN/KRIESI, Anwaltsrecht, Zürich 2015, N 161). Wird während der 
Führung eines Mandates ein verbotener Interessenkonflikt festgestellt, hat der An-
walt das Mandat unverzüglich niederzulegen (FELLMANN, in: FELLMANN/ZINDEL, 
a.a.O., N 85 zu Art. 12 BGFA).

12. Es ist erstellt, dass der Disziplinarbeklagte im Jahr 2011 den Anzeiger vertreten hat 
und nun in einem Verfahren gegen den Anzeiger die Gegenpartei vertritt. Nach 
Aussagen des Disziplinarbeklagten war im arbeitsrechtlichen Verfahren aus dem 
Jahr 2011 die Kündigung des Anzeigers Streitgegenstand. Es stellte sich damals 
die Frage, ob diese Kündigung aufgrund einer Täuschung widerrufen werden kön-
ne. Im aktuellen Verfahren handelt es sich erneut um eine arbeitsrechtliche Strei-
tigkeit. In diesem Verfahren geht es wiederum um eine Kündigung, wobei der An-
zeiger die Meinung vertritt, die Kündigung des Arbeitgebers gegen ihn sei rechts-
missbräuchlich. Es ist nach dem Gesagten offensichtlich, dass es zwischen den 
beiden Verfahren Berührungspunkte gibt: In beiden Verfahren handelt es sich um 
arbeitsrechtliche Streitigkeiten, in beiden Verfahren geht es um Kündigungen und 
in beiden Fällen war der Anzeiger Arbeitnehmer. Ein gewisser sachlicher Zusam-
menhang ist damit nicht von der Hand zu weisen, auch wenn die Kündigung im ei-
nen Verfahren vom Anzeiger und im anderen Verfahren vom Arbeitgeber ausge-

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sprochen wurde und es sich in den beiden Fällen nicht um denselben Arbeitgeber 
handelt. 

13. Es stellt sich die Frage, ob der Disziplinarbeklagte aus dem früheren Mandatsver-
hältnis über Informationen des Anzeigers verfügt, die er im laufenden Verfahren 
gegen ihn verwenden könnte. Der Disziplinarbeklagte führt aus, es sei im ersten 
Verfahren (nur) um eine Rechtsfrage des Obligationenrechts gegangen. Es ist aber 
notorisch, dass ein Klient seinem Anwalt nie nur den rechtlich relevanten Sachver-
halt schildert, sondern den gesamten ihm relevant erscheinenden Sachverhalt. 
Wenn sich eine Rechtsfrage im Kontext einer vom Arbeitgeber erfolgten Kündigung 
präsentiert, die dieser später wieder zurück ziehen will, werden dem Anwalt des-
halb mit Sicherheit auch Informationen über den Charakter des Klienten, über sein 
Verhältnis gegenüber seinem Arbeitgeber und anderes mehr anvertraut, die in ei-
nem späteren Verfahren, in dem es um eine – vom früheren Klienten behauptete – 
missbräuchliche Kündigung geht, von Relevanz sind. Es besteht daher die Gefahr 
der Verletzung des Berufsgeheimnisses bezüglich dieser im ersten Verfahren an-
vertrauten Informationen. Das würde sogar dann gelten, wenn der Disziplinarbe-
klagte über keinerlei solche Informationen verfügte, denn das Vorgehen gegen ei-
nen früheren Klienten (sog. «Parteiwechsel») ist schon dann untersagt, wenn auch 
nur die Möglichkeit besteht, dass Kenntnisse aus dem ehemaligen Mandatsver-
hältnis bewusst oder unbewusst verwendet werden könnten (FELLMANN, in: FELL-
MANN/ZINDEL, a.a.O., N 108 ff. zu Art. 12 BGFA, m.w.H.). Ein solcher Fall liegt hier 
zweifellos vor. Der Disziplinarbeklagte hätte die Gegenseite aus diesem Grund 
nicht vertreten dürfen.

14. Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass eine disziplinarisch relevante Ver-
letzung von Art. 12 lit. c BGFA vorliegt.

15. Gemäss Art. 17 BGFA kann die Aufsichtsbehörde bei Verletzung dieses Gesetzes 
die abschliessend aufgezählten Disziplinarmassnahmen anordnen, welche von ei-
ner Verwarnung bis zum dauernden Berufsverbot reichen.

a) Disziplinarsanktionen sind nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip zu bemessen. 
Massgebend sind die Schwere des Verstosses, das Mass des Verschuldens sowie 
das berufliche Vorleben des Anwalts. Die Schwere der Sanktion hat sich überdies 
an ihrem Zweck zu orientieren; dieser besteht neben der Wahrung der Disziplin in-
nerhalb des Berufsstandes insbesondere darin, den fehlbaren Anwalt zu einem in 
Zukunft standeskonformen Verhalten zu veranlassen (POLEDNA, in: FELL-
MANN/ZINDEL, a.a.O., N 15 und 23 ff. zu Art. 17 BGFA).

b) Die Vermeidung von Interessenkollisionen gehört zu den zentralen Berufspflichten 
des Anwalts. Die Missachtung der gegenüber einer früheren Klientschaft fortdau-
ernden Treuepflicht ist grundsätzlich geeignet, das Vertrauen der rechtsuchenden 
Bevölkerung in die Anwaltschaft zu erschüttern.

c) Die Disziplinarbeklagte hätte die Unzulässigkeit der Mandatsübernahme bei gebo-
tener Sorgfalt von Anfang an erkennen und sich danach richten müssen, spätes-
tens aber nachdem die Anwältin des Anzeigers ihn darauf aufmerksam gemacht 

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hat, dass ihres Erachtens ein Interessenkonflikt vorliege und ihn zudem auch der 
Gerichtspräsident auf sein früheres Mandatsverhältnis aufmerksam gemacht hat. 
Der Disziplinarbeklagte hat sich dennoch dazu entschieden, das Mandat gegen 
den früheren Klienten weiterzuführen. Daher fallen Verwarnung und Verweis als 
Disziplinarmassnahme ausser Betracht.

d) Nach dem Gesagten und in Anbetracht aller Umstände erscheint vorliegend eine 
Busse im untersten Bereich des Bussenrahmens in der Höhe von CHF 300.00 im 
Sinne von Art. 17 Abs. 1 lit. c BGFA als angebrachte und verhältnismässige Diszi-
plinarmassnahme.

16. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Disziplinarbeklagten gemäss Art. 35 
Abs. 1. KAG die Verfahrenskosten in der Höhe von CHF 1‘500.00 aufzuerlegen.

17. Der Disziplinarbeklagte hat gemäss Art. 36 Abs. 1 KAG weder Anspruch auf Par-
teikostenersatz noch auf Parteientschädigung und hat dies auch nicht verlangt.

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Die Anwaltsaufsichtsbehörde entscheidet:

1. Dem Disziplinarbeklagten wird wegen Verletzung von Art. 12 lit. c BGFA eine Busse in 
der Höhe von CHF 300.00 auferlegt.

2. Die Kosten dieses Verfahrens, bestimmt auf CHF 1‘500.00 werden dem Disziplinarbe-
klagten auferlegt.

3. Parteikostenersatz und/oder Parteientschädigung werden keine gesprochen.

4. Zu eröffnen:
- dem Disziplinarbeklagten

5. Dem Anzeiger wird die Art der Erledigung des Verfahrens mit separatem Schreiben 
mitgeteilt (Art. 32 Abs. 2 KAG).

Bern, 17. Mai 2018
(Ausfertigung vom 8. Juni 2018)

Im Namen der Anwaltsaufsichtsbehörde

Der Präsident:

Oberrichter Studiger

Die Gerichtsschreiberin:

Spielmann

Rechtsmittelbelehrung
Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern Beschwerde ge-
führt werden gemäss Art. 22 des Kantonalen Anwaltsgesetzes vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11) in 
Verbindung mit Art. 74 ff. des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 
155.21).

Die kantonalen Gesetzestexte sind online abrufbar unter www.belex.sites.be.ch, die eidgenössischen unter 
https://www.admin.ch/gov/de/start/bundesrecht/systematische-sammlung.html.

Hinweis: 
Dieser Entscheid ist rechtskräftig.