# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f1b4214f-889b-57a9-8e8f-4473c6f6299e
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-09-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.09.2011 D-5150/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5150-2011_2011-09-22.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­5150/2011/sed

U r t e i l   v om     2 2 .   S ep t embe r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichter Bendicht Tellenbach,
mit Zustimmung von Richter Walter Lang; 
Gerichtsschreiberin Susanne Scheidegger.

Parteien A._______, geboren am (…),
Nigeria, 
B._______,  
Beschwerdeführerin, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­
Verfahren); 
Verfügung des BFM vom 9. September 2011 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht,

In Anwendung

des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31),

des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021),

des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das 
Bundesverwaltungsgericht (VGG, SR 173.32),

des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht  (BGG, 
SR 173.110),

des Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über  die Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20),

der  Asylverordnung  1  über  Verfahrensfragen  vom  11.  August  1999 
(AsylV 1, SR 142.311),

des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR 
173.320.2),

der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte 
und  Grundfreiheiten  (Europäische  Menschenrechtskonvention,  EMRK, 
SR 0.101),

der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur 
Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des 
Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem 
Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags 
zuständig ist (Dublin­II­VO),

stellt fest, 

dass  die  Beschwerdeführerin  am  (…)  in  der  Schweiz  ein  Asylgesuch 
stellte, 

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dass sie anlässlich der Befragung im Empfangs­ und Verfahrenszentrum 
Chiasso  vom  19.  Mai  2011  angab,  aus  Nigeria  zu  stammen  und  über 
Italien in die Schweiz eingereist zu sein,

dass  die Beschwerdeführerin  anlässlich  der Gewährung des  rechtlichen 
Gehörs vom 19. Mai 2011 erklärte, sie habe die Zuständigkeit Italiens für 
das Dublinverfahren verstanden, aber weiter ausführte, dass sie in Italien 
keine Papiere habe,  nicht  arbeiten  könne und somit  keine Perspektiven 
habe, 

dass das BFM mit Verfügung vom 9. September 2011 in Anwendung von 
Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin 
vom 16. Mai 2011 nicht eintrat, die Wegweisung nach Italien verfügte, die 
Beschwerdeführerin  –  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im 
Unterlassungsfall  –  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am  Tag  nach 
Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, feststellte, der Kanton Zürich sei 
verpflichtet,  die  Wegweisungsverfügung  zu  vollziehen  sowie  dass  eine 
allfällige  Beschwerde  gegen  die  vorliegende  Verfügung  keine 
aufschiebende  Wirkung  habe,  und  der  Beschwerdeführerin  die 
editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushändigte, 

dass für die Begründung der Verfügung auf die Akten zu verweisen ist,

dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  15.  September  2011 
(Poststempel)  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde  erhob  und  sinngemäss  beantragte,  die  angefochtene 
Verfügung sei aufzuheben und die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, 
von einer Überstellung nach Italien abzusehen. 

dass  für  den  Inhalt  der  Beschwerde  auf  die  Akten  zu  verweisen  und, 
soweit entscheidwesentlich, nachfolgend darauf einzugehen ist,

dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  19.  September  2011  beim 
Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen 
Verfügungen  (Art.  5  VwVG)  des  BFM  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 

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entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 
105 Abs. 1 AsylG i.V.m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),

dass  aufgrund  der  vorhandenen  Akten  das  Zustelldatum  der 
angefochtenen  BFM­Verfügung  vom  9.  September  2011  nicht 
ersichtlich  ist,  die  am  15.  September  2011  der  Post  übergebene 
Beschwerde  allerdings  offensichtlich  innerhalb  der  Beschwerdefrist 
von fünf Arbeitstagen eingereicht wurde und sich damit als rechtzeitig 
erweist,

dass  die  Beschwerdeführerin  durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren 
Aufhebung beziehungsweise Änderung hat und daher zur Einreichung 
der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art.  108  AsylG  sowie  Art.  105  AsylG 
i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG),

dass  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  somit 
einzutreten ist, 

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG), und es 
sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass mit  Beschwerde  die Verletzung  von Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art.  106  Abs.  1 
AsylG),

dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der 
Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

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dass auf Asylgesuche in der Regel unter anderem dann nicht eingetreten 
wird, wenn Asylsuchende  in  einen Drittstaat  ausreisen  können, welcher 
für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens 
staatsvertraglich zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  aufgrund  der  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  und  der 
Abklärungen  des  BFM  bei  der  EURODAC­Datenbank  feststeht,  dass 
sich  die  Beschwerdeführerin  in  Italien  aufgehalten  hat  und  dort  ein 
Asylgesuch gestellt hat, 

dass  die  italienischen  Behörden  auf  das  Ersuchen  der  Schweizer 
Behörden um Rückübernahme der Beschwerdeführerin bis zum Ablauf 
der Frist am 17. August 2011 keine Antwort erteilt haben,

dass somit Italien für die Prüfung des am 16. Mai 2011 in der Schweiz 
eingereichten Asylgesuchs  des Beschwerdeführers  zuständig  ist  (vgl. 
Art. 10 Abs. 1 Dublin ­II­VO),

dass  die  Beschwerdeführerin  in  ihrer  Beschwerde  geltend macht,  sie 
habe keine Familie, Bekannte oder Freunde  in  Italien, hingegen habe 
sie in der Schweiz Freunde gefunden,

dass  sie  weiter  ausführt,  dass  man  keinen  Schlafplatz,  kein  Essen 
oder  Sonstiges  in  Italien  bekomme  und  auf  sich  allein  gestellt  sei, 
weshalb  am  Ende  nichts  anderes  übrig  bleibe,  als  seinen  Körper  zu 
verkaufen, was sie auf keinen Fall wolle, 

dass  diese  Einwände  indessen  nicht  geeignet  sind,  die  von  der 
Vorinstanz  zu  Recht  festgestellte  Zuständigkeit  Italiens  gemäss  den 
Bestimmungen  der  Dublin­II­VO  zur  Prüfung  des  Asylgesuchs  zu 
widerlegen und ebensowenig Gründe für einen allfälligen Selbsteintritt 
gemäss Art.  3 Abs.  2 Dublin­II­VO bzw. Art.  29a Abs.  3 AslV1 bilden 
können, 

dass hinsichtlich Berichte zu den Aufnahme­ und Lebensbedingungen für 
asylsuchende  respektive bereits als Flüchtlinge anerkannte Personen  in 
Italien  festzustellen  ist,  dass  die  italienischen  Behörden  seit  geraumer 
Zeit  mit  einer  grossen  Anzahl  von  Einwanderern  aus  nordafrikanischen 
Staaten konfrontiert sind, was immer wieder zu Kapazitätsengpässen bei 
den Aufnahmezentren führt,

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dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den 
Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen 
Aufenthalts­  und  Lebensbedingungen  ­  eine  Betreuung  durch  die 
italienischen Behörden oder durch die privaten karitativen Organisationen 
ist  nicht  in  jedem Fall  gewährleistet  ­  nicht  zum Schluss gelangt,  Italien 
verletze  nachgewiesenermassen  in  systematischer  Weise  die  Richtlinie 
Nr. 2003/9/EG,

dass  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Dublin­Rück­
kehrende  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden 
bevorzugt  behandelt werden  und  sich  neben den  staatlichen Strukturen 
auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von 
Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen,

dass  unter  diesen  Umständen  entgegen  den  Beschwerdevorbringen 
keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür  ersichtlich  sind,  die 
Beschwerdeführerin würde im Falle einer Rückkehr nach Italien in eine 
existenzielle Notlage geraten,

dass somit das BFM in der angefochtenen Verfügung den Sachverhalt 
richtig und vollständig feststellte, 

dass das BFM demnach  in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
zu Recht  auf  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerin  nicht  eingetreten 
ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die 
Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art.  44  Abs.1  AsylG), 
vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und 
zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. EMARK 
2001 Nr.  21), weshalb  die  verfügte Wegweisung  im Einklang mit  den 
gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde,

dass  im  Rahmen  des  Dublin­Verfahrens,  bei  dem  es  sich  um  ein 
Überstellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches 
zuständigen  Staat  handelt,  systembedingt  kein  Raum  bleibt  für 
Ersatzmassnahmen  im Sinne  von Art.  44 Abs.  2 AsylG  i.v.m.  Art.  83 
Abs. 1 AuG,

dass  eine  entsprechende  Prüfung  soweit  notwendig  vielmehr  bereits 
im Rahmen des Dublin­Verfahrens stattfinden muss,

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dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Italien zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtete,

dass  die  Beschwerdeführerin  demnach  nicht  darzutun  vermag, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder  unangemessen  ist  (Art.  106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde 
abzuweisen ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.– 
(Art.  16  Abs.  1  Bst.  a  VGG  i.V.m.  Art.  2  und  3  VGKE)  der 
Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

 

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.  
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Bendicht Tellenbach Susanne Scheidegger

Versand: