# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4b04e2e1-95a8-5593-bfd9-6d5819e52fbc
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2012-01-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.01.2012 D-796/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-796-2009_2012-01-18.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung IV
D­796/2009
law/rep/sps

U r t e i l   v om   1 8 .   J a nua r   2 0 1 2

Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz),
Richter Bendicht Tellenbach, Richter Robert Galliker;
Gerichtsschreiber Philipp Reimann.

Parteien A._______, geboren am (…),
Georgien,
vertreten durch lic. iur. Susanne Gnekow, Rechtsanwältin, 
Caritas Schweiz, (…),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Gegenstand Vollzug der Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 29. Dezember 2008 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der  Beschwerdeführer,  ein  georgischer  Staatsangehöriger  aus 
B._______ in Abchasien, verliess seine Heimat eigenen Angaben zufolge 
im Jahre 1992 und  lebte  fortan –  von kurzen Unterbrüchen abgesehen, 
bis  Anfang  September  2008  in  Russland.  Schliesslich  gelangte  er  am 
5. Oktober 2008 via die Ukraine und weitere Länder illegal in die Schweiz, 
wo er am selben Tag um Asyl nachsuchte. Am 20. Oktober 2008 erhob 
das  BFM  im  damaligen  Transitzentrum  (heute:  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum;  EVZ)  Altstätten  seine  Personalien  und  befragte  ihn 
zu seinem Reiseweg sowie – summarisch – zu seinen Ausreisegründen. 
Mit Zwischenverfügung vom 21. Oktober 2008 wies  ihn das BFM für die 
Dauer  des  Verfahrens  dem  Kanton  C._______  zu.  Am  11. November 
2008  befragte  ihn  das  BFM  in  Bern­Wabern  einlässlich  zu  seinen 
Asylgründen.  Dabei  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen 
geltend,  er  habe  im  Jahre  1992  auf  georgischer  Seite  im 
Abchasienkonflikt gekämpft und sei Mitglied der georgischen Bürgerwehr 
D._______  gewesen.  Im  Herbst  1992  sei  ein  Kampfgenosse,  welcher 
gemeinsam  mit  ihm  auf  Patrouille  unterwegs  gewesen  sei,  von 
feindlichen  Verbänden  tödlich  verletzt  worden.  Nachdem  er  allein  vom 
Patrouillengang  zurückgekehrt  sei,  hätten  ihn  die  übrigen  Angehörigen 
der  Bürgerwehr  indessen  verdächtigt,  etwas  mit  dem  Tode  des 
Verschwundenen zu  tun zu haben. Dessen Verwandte hätten Blutrache 
geschworen.  In  der  Folge  sei  er  zu  einem  nicht  näher  bekannten 
Zeitpunkt mit  einem Messer  im Brustbereich  verletzt  worden, wobei  die 
Angreifer  ihn für  tot gehalten und einfach  liegen gelassen hätten. Dieser 
Umstand  habe  ihm  ermöglicht,  unbemerkt  die  Flucht  zu  ergreifen  und 
nach Russland auszureisen.  In den Jahren 2000 beziehungsweise 2004 
sei  er  zweimal  kurzfristig  nach  Georgien  zurückgekehrt,  jedoch 
anschliessend wieder nach Russland zurückgekehrt: Im Jahre 2000 sei er 
für drei Tage  in seine Heimatstadt B._______ zurückgekehrt, weil  seine 
Eltern  gestorben  seien.  Im  Jahre  2004  sei  er  abermals  nach  Georgien 
zurückgekehrt, um sich verschiedene Dokumente ausfertigen zu  lassen. 
So habe ihm die Verwaltung in Tiflis einen Flüchtlingsausweis und einen 
Pensionsschein  ausgestellt,  da  ihm  Ärzte  zuvor  schriftlich  seine 
Arbeitsunfähigkeit  bestätigt  hätten.  Anschliessend  sei  er  wieder  nach 
E._______  in  Russland  zurückgekehrt,  wo  er  einen  kleinen  Laden 
betrieben  habe,  in  dem  er  gängige  Kioskartikel  verkauft  habe.  Ende 
August 2008 hätten ihn Kinder aus der Nachbarschaft darüber informiert, 
dass  Aktivisten  der  Molodaja  Gvardia  seinen  Laden  aus 

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ausländerfeindlichen  Motiven  in  Brand  gesteckt  hätten.  Wenig  später 
habe  er  deswegen  Russland  verlassen,  um  in  der  Schweiz  um  Asyl 
nachzusuchen.

Der  Beschwerdeführer  reichte  im  Rahmen  des  erstinstanzlichen 
Verfahrens Kopien eines georgischen Pensionsscheins Nr. (…) vom (…), 
eines  georgischen  Flüchtlingsausweises  aus  dem  Jahre  2004,  einer 
georgischen  Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung  Nr.  (…)  vom  (…)  und 
eines Mitgliederausweises Nr. (…) der D._______ zu den Akten.

B. 
Mit Verfügung  vom 29. Dezember  2008  –  eröffnet  am 7. Januar  2009 – 
stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Zur 
Begründung  führte  das BFM aus,  dessen Vorbringen,  im  Jahre 1992  in 
Abchasien Ziel  einer Blutfehde gewesen  zu  sein,  liege nunmehr  bereits 
16  Jahre  zurück,  weshalb  die  Flüchtlingseigenschaft  bereits  mangels 
einer  aktuellen  Gefährdung  verneint  werden  müsse.  Soweit  er 
demgegenüber  behaupte,  im  August  2008  in  Russland  rassistisch 
motivierten Übergriffen ausgesetzt gewesen zu sein, hätte er sich diesen 
ohne Weiteres  durch  eine  Rückkehr  nach  Georgien  entziehen  können, 
weshalb  er  zu  keinem  Zeitpunkt  auf  eine  Schutzgewährung  durch  die 
Schweiz  angewiesen  gewesen  sei.  Gleichzeitig  verfügte  das  BFM  die 
Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den 
Vollzug  der  Wegweisung  an.  Diesbezüglich  hielt  das  BFM  in  seiner 
Verfügung  vom  29. Dezember  2008  fest,  in  Georgien  herrsche  keine 
Situation  allgemeiner  Gewalt,  weshalb  nicht  von  einer  konkreten 
Gefährdung  der  Bevölkerung  im  Sinne  von  Art. 83  Abs. 4  des 
Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und 
Ausländer  (AuG, SR 142.20) auszugehen sei. Zudem gebe es aufgrund 
der  Aktenlage  auch  keine  individuellen  Gründe,  die  gegen  die 
Zumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  des  Beschwerdeführers 
sprechen  würden.  Insbesondere  gelte  es,  dem  Umstand  Rechnung  zu 
tragen, dass sich dieser im April 2004 in Georgien die Arbeitsunfähigkeit 
habe  attestieren  und  ihm  im  selben  Zeitraum  ein  Pensionsschein 
ausgestellt  worden  sei.  Der  Beschwerdeführer  habe  in  diesem 
Zusammenhang  persönlich  zu  Protokoll  gegeben,  dass  er  sich  den 
Pensionsschein  in  Georgien  erneuern  lassen  könnte,  falls  er  abermals 
arbeitsunfähig  sein  sollte.  Zudem  habe  er  sich  die  Dokumente  nach 
eigenem  Bekunden  anfertigen  lassen,  um  sich  die  Möglichkeit  einer 
künftigen Rückkehr nach Georgien offenzuhalten. Der Beschwerdeführer 

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kenne  demnach  die  heimischen  Sozialstrukturen  und  werde  sich  zu 
helfen wissen, falls diese gegebenenfalls in Anspruch genommen werden 
müssten.  Ferner  stehe  es  ihm  frei,  die  Rückkehr  nach  Russland 
anzutreten. Da er während 13 Jahren in E._______ gelebt habe, dürfte er 
dort  auch  über  ein  soziales  Netzwerk  verfügen.  Die  gegenwärtigen 
Ressentiments  gegenüber  den  georgischen  Einwanderern  in  Russland 
stellten  kein  Wegweisungshindernis  im  Sinne  des  schweizerischen 
Asylgesetzes  dar.  Somit  sei  eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers 
sowohl  in  den Heimatstaat Georgien  als  auch  in  dessen Herkunftsstaat 
Russland  als  zumutbar  zu  erachten.  Überdies  erweise  sich  ein 
Wegweisungsvollzug auch als zulässig und möglich.

C. 
Mit  Eingabe  vom  6. Februar  2009  erhob  der  Beschwerdeführer  mittels 
seiner  Rechtsvertreterin  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde 
gegen  die  Verfügung  des  BFM  vom  29. Dezember  2008.  Darin  wird 
beantragt,  der  angefochtene  Entscheid  sei  aufzuheben,  es  sei  die 
Unzumutbarkeit  der  Wegweisung  festzustellen  und  dem 
Beschwerdeführer  von  Amtes  wegen  die  vorläufige  Aufnahme  zu 
gewähren.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wird  beantragt,  es  sei  dem 
Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, auf die 
Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sei  zu  verzichten  und  die 
Unterzeichnende  sei  ihm  als  unentgeltliche  Rechtsvertretung 
beizuordnen.

Zur Begründung wird ausgeführt, eine Rückkehr des Beschwerdeführers 
nach  Georgien  erweise  sich  als  unzumutbar,  da  er  dort  aufgrund  der 
prekären  sozioökonomischen  Lage  mit  an  Sicherheit  grenzender 
Wahrscheinlichkeit  kein  existenzsicherndes  Einkommen  erzielen  werde 
und als schwer kranke, alleinstehende und überdies der Diskriminierung 
ausgesetzte  Person  a  priori  in  eine  existenzbedrohende  Notlage 
gelangen  dürfte.  Angesichts  der  Tatsache,  dass  die  nationalistische 
Gruppierung Molodaja Gvardia Ende August 2008 einen Brandanschlag 
auf  seinen  Kiosk  in  E._______  verübt  und  ihn  damit  zum  definitiven 
Verlassen  Russlands  gezwungen  habe,  falle  auch  eine  Rückkehr  nach 
Russland ausser Betracht. Ausserdem verfüge er nicht über die russische 
Staatsbürgerschaft,  weshalb  er  keine  Möglichkeit  hätte,  dort  dauerhaft 
legal  zu  leben. Daran  ändere  auch der Umstand nichts,  dass Russland 
bemüht sei, Abchasen russische Pässe zu verteilen, da er im Falle einer 
Annahme  der  russischen  Staatsbürgerschaft  die  georgische 
Staatsbürgerschaft  aufgeben müsste,  was  er  nicht  zu  tun  beabsichtige, 

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da er nach wie vor auf eine Rückkehr  in sein Heimatland unter anderen 
Voraussetzungen  hoffe.  Im Weiteren  verfüge  er  in  Russland  über  kein 
soziales  Beziehungsnetz.  Bezeichnenderweise  sei  er  auch  nie  über  ein 
allfälliges  soziales  Netz  in  Russland  befragt  worden,  was  eine 
unvollständige  Sachverhaltsermittlung  beziehungsweise  eine  Verletzung 
des  Untersuchungsgrundsatzes  darstelle.  Von  der  blossen 
Aufenthaltsdauer  des  Beschwerdeführers  in  Russland  auf  ein 
funktionierendes soziales Umfeld zu schliessen, wie die Vorinstanz dies 
getan habe, stelle demgegenüber eine unzulässige Regelvermutung dar. 
Darüber  hinaus  stellten  aber  auch  seine  zahlreichen  gesundheitlichen 
Probleme ein Wegweisungsvollzugshindernis in Bezug auf beide Staaten 
dar, da ihm ein adäquater Zugang zur Gesundheitsversorgung in beiden 
Ländern  bereits  mangels  persönlicher  finanzieller  Ressourcen  faktisch 
verwehrt sei.

Mit  der  Beschwerde  wurde  eine  Fürsorgebestätigung  der  Caritas 
C._______ vom 3. Februar 2009, eine Auskunft der SFH­Länderanalyse 
("Georgien: Behandlungsmöglichkeiten von Hepatitis C und der Umgang 
mit  Drogensüchtigen")  vom  21. Juni  2005,  eine  Medienmitteilung  SFH 
("Angespannte  Lage:  Keine  Wegweisung  in  den  Kaukasus")  vom 
4. September  2008,  einen  ärztlichen  Bericht  von  Dr. med.  F._______, 
Facharzt  FMH  für Allgemeine Medizin  vom 30. Januar  2009  sowie  eine 
vom  Beschwerdeführer  am  29. Januar  2009  unterzeichnete  Erklärung 
betreffend  die  Entbindung  der  ihn  behandelnden  Ärzteschaft  von  deren 
beruflicher Schweigepflicht eingereicht.

D. 
Mit Verfügung vom 11. Februar 2009 teilte das Bundesverwaltungsgericht 
dem  Beschwerdeführer  mit,  er  dürfe  den  Ausgang  seines  Verfahrens 
gestützt  auf  Art.  42  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, 
SR 142.31)  in  der  Schweiz  abwarten,  und  über  das  Gesuch  um 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 
des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 
Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  werde  zu  einem  späteren 
Zeitpunkt  entschieden.  Gleichzeitig  wurde  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses  verzichtet,  das  Gesuch  um  unentgeltliche 
Rechtsverbeiständung  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 2  VwVG  abgewiesen 
und dem BFM Gelegenheit eingeräumt, innert Frist eine Vernehmlassung 
zur Beschwerde einzureichen. 

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E. 
Das BFM hielt  in  seiner Vernehmlassung vom 30. März 2009 einleitend 
fest,  die  Beschwerdeschrift  enthalte  Noven,  welche  in  die  bisherige 
Gesamtbeurteilung  einbezogen  werden  müssten.  Gemäss  dem  auf 
Beschwerdeebene  eingereichten  ärztlichen  Bericht  leide  der 
Beschwerdeführer  an  einer  aktiven  Hepatitis  C,  an  chronischen 
skelettären  Schmerzen,  Psoriasis,  einer  reaktiven  Depression  und  sei 
opiatabhängig vom Typ Tramadolol und anderer Suchtmittel. Ferner habe 
er  einen  Bericht  des  Schweizerischen  Flüchtlingshilfswerks  über  die 
Behandlungsmöglichkeiten  von  Hepatitis  C  und  den  Umgang  mit 
Drogensüchtigen  in  Georgien  sowie  eine  Medienmitteilung  desselben 
Hilfswerks  eingereicht.  Die  medizinischen  Nova  stellten  jedoch  kein 
Wegweisungsvollzugshindernis  dar,  da  der  Beschwerdeführer  an 
Krankheiten leide, die allesamt in Georgien behandelbar seien. Demnach 
müsse  im Rahmen der  folgenden Gesamtwürdigung untersucht werden, 
ob  anderweitige  Umstände  in  Kumulation  zu  den  medizinischen  Nova 
dazu  führen  könnten,  im  Wegweisungspunkt  zu  einer  anderen 
Einschätzung  zu  gelangen.  Im Wesentlichen  gelte  es  zu  prüfen,  ob  die 
gemischtethnische  Herkunft  des  Beschwerdeführers  allenfalls  den 
Zugang zur medizinischen Versorgung erschweren könnte. Gemäss den 
Erkenntnissen  des  BFM  sei  dies  nicht  der  Fall,  da  keine  ethnischen 
Zugangsdiskriminierungen  im  georgischen  Gesundheitswesen 
bestünden. Dennoch müsse festgehalten werden, dass die medizinische 
Versorgung in Georgien nicht allen Personen im selben Mass zugänglich 
sei. Die Zugänglichkeit sei namentlich von der Finanzkraft der Patienten 
abhängig.  Da  der  Beschwerdeführer  nach  einer  allfälligen  Rückführung 
nach Georgien medizinische Rückkehrhilfe  in Anspruch  nehmen  könne, 
werde  ihm  indessen  die  Zugänglichkeit  zum  Gesundheitswesen  nicht 
verwehrt.  Die  von  der  Rückkehrhilfe  begleiteten   georgischen 
Drogenabhängigen erhielten überdies einen privilegierten Zugang zu den 
heimischen Drogenentzugsprogrammen, so dass  in diesem Punkt sogar 
von  einer  Besserstellung  gegenüber  dem  landesüblichen  Durchschnitt 
gesprochen  werden  könne.  Dem  Beschwerdeführer  stehe  es  demnach 
offen,  sich  für  ein  solches  Programm  anzumelden.  Die  medizinischen 
Nova stellten demzufolge auch in Kumulation der anderen Umstände kein 
Wegweisungsvollzugshindernis dar. Zweifellos werde er in Georgien eine 
sozioökonomische  schwierige Situation  vorfinden. Doch  auch  in  diesem 
Punkt sei darauf hinzuweisen, dass er vom länderspezifischen Programm 
der Rückkehrhilfe profitieren könne, wodurch es  ihm möglich sein sollte, 
lebenssichernde  Existenzgrundlagen  zu  schaffen.  Im  Übrigen  verwies 

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das  BFM  auf  seine  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  und 
beantragte die Abweisung der Beschwerde.

F. 
Das Bundesverwaltungsgericht stellte dem Beschwerdeführer am 1. April 
2009  die  Vernehmlassung  des  BFM  vom  30. März  2009  zur 
Kenntnisnahme zu und räumte ihm die Gelegenheit ein, bis zum 16. April 
2009 eine Replik einzureichen.

G. 
In der Replik vom 16. April 2009 wurde  im Wesentlichen ausgeführt, die 
gesundheitlichen  Probleme  des  Beschwerdeführers  seien  in  Georgien 
faktisch  nicht  behandelbar,  da  ihm  die  Finanzierung  einer  Behandlung 
nicht möglich wäre. Daran ändere  auch der  vorinstanzliche Hinweis  auf 
die Möglichkeit einer  Inanspruchnahme der medizinischen Rückkehrhilfe 
sowie des länderspezifischen Rückkehrprogramms nichts, da diese Hilfen 
zeitlich limitiert seien, die Behandlung einer aktiven Hepatitis C viel Geld 
koste (20'000 bis 30'000 Franken), der Beschwerdeführer selbst mittellos 
sei,  in  Georgien  über  kein  existenzsicherndes  soziales  Beziehungsnetz 
verfüge  und  unter  invalidisierenden  Gesundheitsbeschwerden  leide. 
Darüber  hinaus  betrage  die  Arbeitslosigkeit  in  Georgien  offiziell  30  %. 
Gerade alleinstehende ältere Menschen sowie Menschen mit chronischer 
Krankheit  oder Behinderung  seien  in Georgien  am  stärksten  von Armut 
betroffen.

H. 
Mit Begleitschreiben vom 29. Januar 2010 teilte die Rechtsvertreterin des 
Beschwerdeführers  dem  Bundesverwaltungsgericht  unter  Beilegung 
eines  ärztlichen Schreibens  von Dr. med. G._______, Oberarzt  am  (…) 
vom 18. Oktober  2009 mit,  ihr Mandant habe zunächst  im Vorfeld einer 
geplanten  Behandlung  seiner  chronischen  Hepatitis  C­Infektion  eine 
Testphase  durchlaufen,  um  abzuschätzen,  ob  dieser  überhaupt  in  der 
Lage  sei,  die  mit  erheblichen  Nebenwirkungen  verbundene  Therapie 
überhaupt durchzustehen. Dabei sei auch ein psychologisches Gutachten 
erstellt und der Beschwerdeführer auf seine Abstinenz von verschiedenen 
Suchtmitteln  und  seine  Kooperation  bei  wiederholten  medizinischen 
Kontrollen  überprüft  worden.  Gemäss  heutigen  Telefonat  mit  Dr. med. 
G._______  sei  die  aktive  Phase  der  Behandlung  ihres  Mandanten 
nunmehr  gestartet  worden,  nachdem  die  Testphase  sehr  gut  verlaufen 
sei. Die Therapie dauere sechs bis zwölf Monate. Es handle sich dabei 
um  eine  vorbeugende  Behandlung  eines  Leberschadens.  Ob  diese 

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Therapie  letztlich  erfolgreich  sei  beziehungsweise  wie  weit  der 
Beschwerdeführer danach noch auf ärztliche Hilfe angewiesen sei, könne 
zum  heutigen  Zeitpunkt  noch  nicht  gesagt  werden.  Diesbezügliche 
ärztliche  Informationen  würden  indessen  selbstverständlich  an  das 
Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet.

I. 
Mit  Begleitschreiben  vom  18. März  2010  reichte  die  Rechtsvertreterin 
zwei  ärztliche  Berichte  von  Dr.  med.  H._______,  FMH  Innere 
Medizin/Gastroenterologie  vom  3. Februar  2010  beziehungsweise  von 
Dr. med.  I._______,  FMH  Allgemeine  Medizin  vom  7. März  2010  ein. 
Dem  ärztlichen  Bericht  von  Dr.  med.  H._______  vom  3. Februar  2010 
zufolge  wird  die  Therapie  gegen  die  Hepatitis  C  mit  PEG­Interferon 
Ribavarin 24 Wochen dauern. Der besagte ärztliche Bericht äussert sich 
weiter dahingehend, eine Wegweisung des Beschwerdeführers während 
der  aktuellen  Therapie  sei  aus  medizinischer  Sicht  nicht  vertretbar,  da 
eine Unterbrechung der Therapie mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem 
Rückfall  führen  und  überdies  eine  Resistenzentwicklung  des  Virus 
begünstigen würde, was im Falle einer eventuellen Wiederaufnahme der 
Therapie  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  zu  deutlich  schlechteren 
Behandlungsaussichten  führen  würde.  Die  Erkrankung  sei  mit  einer 
deutlich erhöhten Morbidität und Mortalität verbunden, da sie im späteren 
Verlauf  mit  einer  Leberzirrhose  oder  Leberzellkrebs  assoziiert  sei.  Der 
langfristige  Behandlungserfolg  sei  frühestens  sechs  Monate  nach 
Abschluss  der  Therapie  abschätzbar,  so  dass  Verlaufskontrollen  bis  zu 
diesem Zeitpunkt notwendig seien, um das Rückfallrisiko abschätzen zu 
können  beziehungsweise  über  eine  allfällige  Nachfolgetherapie  zu 
entscheiden.  Sollte  das  Virus  sechs  Monate  nach  Ende  der  Therapie 
nicht mehr nachweisbar  sein,  könne die Behandlung als abgeschlossen 
und der Beschwerdeführer als geheilt gelten. Die Behandlung könne auch 
dann  als  abgeschlossen  beziehungsweise  die  Krankheit  als  ausgeheilt 
gelten, wenn sich  innerhalb eines Jahres nach Ende der Therapie keine 
Virusvermehrung mehr nachweisen lasse.

Dem ärztlichen Bericht von Dr. med.  I._______ vom 7. März 2010  ist zu 
entnehmen, dass der Beschwerdeführer zusätzlich an einer Unterfunktion 
der  Nebenschilddrüse  (Hypoparathyreoïdismus)  leidet,  die  zu  einer 
Calciumstoffwechselstörung  führt, welche durch Substitution mit Vitamin 
D  beziehungsweise  dessen Metaboliten  und Calcium behandelt werden 
kann  und  einer  strikten  Überwachung  der  entsprechenden  Blutwerte 
bedarf.  Bei  stabilisierten  Verhältnissen  müsse  die  Behandlung  alle  drei 

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bis  sechs  Monate  fortgeführt  werden.  Eine  unbehandelte  Unterfunktion 
der  Nebenschilddrüse  verursache  neuromuskuläre  und  neurologische 
Symptome,  etwa  beispielsweise  Muskelspasmen,  Gesichtskrämpfe  und 
in  extremen  Fällen  Verkrampfungen  im  Kehlkopfbereich  mit 
Atemstörungen.  Bei  langer  Dauer  der  Calciumwechselstörung  könnten 
auch  chronische  psychische  Störungen  wie  Depressionen  oder 
Psychosen,  Herzrhytmusstörungen,  Darmkrämpfe  und  chronische 
Verdauungsstörungen (Malabsorption) auftreten.

J. 
Mit  Eingabe  vom  13.  August  2010  ersuchte  das  Amt  für  Migration  des 
Kantons  C._______  um  prioritäre  Behandlung  der  Beschwerde,  da  der 
Beschwerdeführer bereits mehrere Male straffällig geworden sei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 
Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des 
Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme 
im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und 
entscheidet  im  Bereich  des  Asylrechts  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen 
eines  Auslieferungsersuchens  eines  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d 
Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

1.2.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, 
hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 
(Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die 
frist­ und formgerecht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 50 und 
Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 

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oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Wie  in der Verfügung vom 11. Februar 2009  festgestellt,  richtet sich die 
vorliegende Beschwerde allein  gegen den  von der Vorinstanz  verfügten 
Vollzug  der  Wegweisung.  Entsprechend  der  Rechtsbegehren  und  der 
Beschwerdebegründung  bildet  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens 
die  Frage,  ob  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  zu  Recht  als 
zulässig und zumutbar erklärt hat. 

4. 
4.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

4.2. 
4.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 

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4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

4.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da 
rechtskräftig feststeht, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, 
eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft 
zu  machen,  kann  der  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der 
Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden. 
Eine Rückkehr  des Beschwerdeführers  in  den Heimatstaat  ist  demnach 
unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Der  Beschwerdeführer  macht  zwar  sinngemäss  geltend,  er 
würde  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Georgien  nach  wie  vor  Gefahr 
laufen,  als  vermeintlicher  Verräter  und  Mörder  eines  Landsmannes  im 
Rahmen  seiner  früheren  Zugehörigkeit  zur  Bürgerwehr  D._______  im 
Jahre  1992  wiedererkannt  und  zur  Rechenschaft  gezogen  zu  werden 
(vgl. Beschwerde S. 6 Ziff. 3.1.4.2 i.V.m. S. 7 Ziff. 3.1.5.3). Der genannte 
Vorfall  liegt nun aber zeitlich derart weit zurück, dass aus heutiger Sicht 
keine  rechtsgenüglichen  Hinweise  dafür  bestehen,  dass  der 
Beschwerdeführer  deswegen  heute  noch  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  einer  Gefahr  an  Leib  und  Leben  ausgesetzt  sein 
könnte.  Auch  die  allgemeine Menschenrechtssituation  in Georgien  lässt 
den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig 
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl 
im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.

4.3. 

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4.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl. 
Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3818).

4.3.2.  Hinsichtlich  der  allgemeinen  Lage  in  Georgien  ist  anzumerken, 
dass  es  Anfang  der  90­er  Jahre  des  letzten  Jahrhunderts  sowie  im 
August 2008 zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen russischen 
und  georgischen  Kampfverbänden  in  den  georgischen  autonomen 
Gebieten Abchasien und Südossetien gekommen und der Status dieser 
zwei  Gebiete  nach  wie  vor  ungelöst  ist.  In  Georgien  herrscht  indessen 
landesweit  weder  eine  Bürgerkriegssituation  noch  eine  Situation 
allgemeiner Gewalt. Es bleibt demnach zu prüfen, ob individuelle Gründe 
vorliegen,  die  eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  seinen 
Heimatstaat  als  unzumutbar  erscheinen  lassen.  Insbesondere  ist  zu 
prüfen,  ob  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Beschwerden  ein 
individuelles Vollzugshindernis bilden.

4.3.3. Nach der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts kann im Rahmen 
der Tatbestandsvariante der medizinischen Notlage im Sinne von Art. 83 
Abs. 4  AuG  nur  dann  auf  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
geschlossen werden, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im 
Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen 
und  lebensgefährdenden  Beeinträchtigung  des  Gesundheitszustandes 
der  betroffenen  Person  führt,  wobei  als  wesentlich  die  allgemeine  und 
dringende  medizinische  Behandlung  erachtet  wird,  welche  zur 
Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist. 
Unzumutbarkeit  liegt  jedenfalls  dann  noch  nicht  vor,  wenn  im  Heimat­ 
oder  Herkunftsstaat  eine  nicht  dem  schweizerischen  Standard 
entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/52 
E. 10.1  S. 756 f.,  BVGE  2009/51  E. 5.5  S. 748,  BVGE  2009/2  E.  9.3.2 
S. 21).

4.3.4. Wie  den  auf  Beschwerdeebene  eingereichten  diversen  ärztlichen 
Berichten  entnommen  werden  kann,  wurden  in  der  Schweiz  beim 
Beschwerdeführer  mehrere  behandlungsbedürftige  Krankheiten 
diagnostiziert.  So  litt  der Beschwerdeführer  bei  seiner Einreise  an einer 

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chronischen aktiven Hepaptitis C,  an  einer Psoriasis  (Schuppenflechte), 
an  chronischen  skelettären  Schmerzen  unklarer  Genese,  an  einer 
Calciumstoffwechselstörung  als  Folge  einer  Unterfunktion  der 
Nebenschilddrüse  (Hypokalziämie bei Hypoparathyreoïdismus),  an einer 
Opiatabhängigkeit  vom  Typ  Tramadolol,  an  einer  Drogenabhängigkeit 
und an einer reaktiven Depression.

4.3.4.1 Hinsichtlich der Hepatitis C geht aus den ärztlichen Berichten von 
Dr. med.  G._______  vom  18. Oktober  2009  beziehungsweise  von 
Dr. med.  H._______  vom  3. Februar  2010  hervor,  dass  sich  der 
Beschwerdeführer  nach  erfolgreichem  Durchlaufen  einer  medizinischen 
Probephase, bei der seine Abstinenz von diversen Suchtmitteln und seine 
Kooperation bei wiederholten medizinischen Kontrollen überprüft wurde, 
seit  ungefähr  Anfang  des  Jahres  2010  in  einem  aktiven 
Therapieprogramm gegen die aktive Hepatitis C befand, welche mit PEG 
Interferon  mit  dem  Virostatikum  Ribavarin  durchgeführt  wurde.  Dabei 
veranschlagte  Dr. med.  H._______  in  seinem  Bericht  vom  3. Februar 
2010 die Dauer der Therapie auf 24 Wochen und hielt ergänzend fest, die 
Behandlung  könne  als  abgeschlossen  beziehungsweise  der  Patient  als 
geheilt  gelten,  wenn  das  Virus  anlässlich  der  letzten  Verlaufskontrolle 
sechs  Monate  nach  Ende  der  Therapie  nicht  mehr  nachweisbar  sei 
beziehungsweise bei einem stabilen Verlauf innerhalb eines Jahres nach 
Ende  der  Therapie  keine  Virusvermehrung  mehr  festgestellt  werden 
könne.  Gleichzeitig  stellte  die  Rechtsvertreterin  in  ihrem  an  das 
Bundesverwaltungsgericht adressierten Begleitschreiben vom 29. Januar 
2010 die Nachreichung weiterer ärztlicher Informationen in Aussicht. Legt 
man die vorerwähnten Zeitparameter zugrunde, wäre die  therapeutische 
Behandlung der Hepatitis C des Beschwerdeführers mit Interferon bereits 
etwa  im  Juli/  August  2010  abgeschlossen worden. Rechnet man weiter 
eine einjährige Beobachtung des Erfolgsverlaufs der Therapie dazu, wäre 
die  Gesamtbehandlung  des  Beschwerdeführers  spätestens  im  August 
2011  abgeschlossen  gewesen.  Angesichts  der  in  Art. 8  Abs. 1  AsylG 
statuierten Mitwirkungspflicht, welche gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG 
insbesondere  auch  die  Ein­  beziehungsweise  Nachreichung  allfälliger 
Beweismittel  umfasst  und  des  bereits  an  früherer  Stelle  erwähnten 
Anerbietens  der  Rechtsvertreterin,  aktuelle  ärztliche  Berichte  bezüglich 
des Gesundheitszustandes ihres Mandanten unverzüglich nachzureichen 
(vgl. für das erstinstanzliche Verfahren BVGE 2009/50 E. 10.2 S. 734 f.), 
ist  in  freier  Beweiswürdigung  (Art. 40  des  Bundesgesetzes  vom 
4. Dezember  1947  über  den  Bundeszivilprozess  [BZP,  SR 273]  i.V.m. 
Art. 19  VwVG)  davon  auszugehen,  dass  die  Nachkontrolle  des 

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Therapieverlaufs  der  behandelten  Hepatitis  C  des  Beschwerdeführers 
trotz  Fehlens  entsprechender  ärztlicher  Berichte  spätestens  im  August 
2011  abgeschlossen  worden  beziehungsweise  die  entsprechende 
Krankheit  des  Beschwerdeführers  seit  diesem  Zeitpunkt  als  geheilt  zu 
erachten ist.

4.3.4.2  Hinsichtlich  der  Calciumstoffwechselstörung,  der  skelettären 
Schmerzen  unklaren  Ursprungs  und  der  Psoriasis  des 
Beschwerdeführers  ist  den  medizinischen  Unterlagen  zu  entnehmen, 
dass diese Krankheiten mit entsprechenden Wirkstoffen beziehungsweise 
Medikamenten  ohne Weiteres  behandelt  werden  können  (vgl.  ärztlicher 
Bericht von Dr. med. F._______ vom 30. Januar 2009 und von Dr. med. 
I._______  vom  7. März  2010),  ohne  dass  zusätzliche 
Therapiemassnahmen erforderlich sind.

4.3.4.3  Was  die  frühere  Polytoxikomanie  des  Beschwerdeführers 
anbelangt,  ist  dem  ärztlichen  Bericht  von  Dr.  med.  H._______  vom 
3. Februar  2010  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  diese 
(aktuell)  sehr  gut  im Griff  habe  und  insbesondere  keine  harten  Drogen 
mehr konsumiere, was im Übrigen auch mit der Tatsache korrespondiert, 
dass  bei  ihm  nach  erfolgreicher  Testphase  eine  Therapie  gegen  seine 
Hepatitis  C  durchgeführt  worden  ist.  So  besehen  ist  aufgrund  der 
Aktenlage  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  seine 
Suchtproblematik  unter  Kontrolle  gebracht  hat.  Soweit  der  Standpunkt 
vertreten  wird,  der  Beschwerdeführer  könnte  wieder  in  die 
Drogenabhängigkeit abgleiten, wenn er das sichere Umfeld der Schweiz 
verlassen beziehungsweise nach Georgien oder Russland zurückkehren 
müsse  (vgl. Eingabe vom 29. Januar 2010 S. 1, Ziff. 3),  ist  festzuhalten, 
dass diese Annahme einerseits hypothetischer Natur ist und andererseits 
auch  eine  gewisse  Eigenverantwortung  des  Beschwerdeführers 
vorausgesetzt und erwartet werden kann.

4.4.  Nach  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  war  das 
Gesundheitswesen  in  Georgien  in  den  letzten  Jahren  einer  starken 
Umstrukturierung  unterworfen.  Vor  allem  in  den  letzten  zwei  bis  drei 
Jahren hat die medizinische Versorgung  in Georgien grosse Fortschritte 
gemacht.  Viele  Kliniken  wurden  privatisiert  und  der  Grossteil  der 
Einrichtungen  ist  mittlerweile  gut  ausgerüstet.  Ebenso  sind  fast  alle 
Krankheiten  in  Georgien  behandelbar.  Jede  Stadt  hat  mindestens  ein 
Krankenhaus und ein Zentrum für ambulante Behandlung. In den Dörfern 
ist  jeweils  ein  Family  Doctor  und  eine  Krankenschwester  stationiert.  Im 

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Weiteren  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  in  Georgien  alle  Arten  von 
Medikamenten des westeuropäischen Marktes als Originalpräparate oder 
Generika zur Verfügung stehen. Darüber hinaus existiert in Georgien seit 
dem  Jahre  2006  ein  Sozialhilfeprogramm  für  Personen  unter  der 
Armutsgrenze, das eine kostenlose Krankenversicherung einschliesst.

4.5.  Aufgrund  des  Gesagten  ist  davon  auszugehen,  dass  die 
gesundheitlichen  Probleme  des  Beschwerdeführers  auch  in  Georgien 
adäquat  behandelt  werden  können.  Wegen  des  im  Jahre  2006 
eingeführten  Sozialhilfeprogramms  für  Bedürftige  ist  anzunehmen,  dass 
der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in sein Heimatland selbst dann 
Zugang  zu  den  notwendigen  Behandlungen  haben  wird,  wenn  es  ihm 
nicht möglich  sein  sollte,  selbst  für  sämtliche Kosten der Behandlungen 
aufzukommen.  Abgesehen  davon  hat  der  Beschwerdeführer  die 
Möglichkeit,  beim BFM  einen Antrag  auf medizinische Rückkehrhilfe  zu 
stellen  (Art. 93  Abs. 1  Bst. d  AsylG,  Art. 75  der  Asylverordnung  2  vom 
11. August  1999  über  Finanzierungsfragen  [AsylV 2,  SR 142.312])  und 
fürs Erste, einen Medikamentenstock aus der Schweiz mitzunehmen. Der 
Umstand, dass die Behandlungsmöglichkeiten im Herkunftsland eventuell 
nicht  dem  medizinischen  Standard  in  der  Schweiz  entsprechen,  macht 
den  Vollzug  der  Wegweisung  für  den  Beschwerdeführer  noch  nicht 
unzumutbar;  dies  wäre  einzig  dann  der  Fall,  wenn  die  ungenügende 
Möglichkeit der Weiterbehandlung eine drastische und lebensbedrohende 
Verschlechterung  des  Gesundheitszustandes  nach  sich  ziehen  würde, 
was vorliegend aufgrund der Akten sowie der in der Heimat bestehenden 
Behandlungsmöglichkeiten  nicht  anzunehmen  ist.  Es  ist  somit 
zusammenfassend  festzustellen,  dass  die  gesundheitlichen  Probleme 
des Beschwerdeführers kein Wegweisungsvollzugshindernis darstellen.

4.6. Wiewohl  der Beschwerdeführer  nach  eigenen Angaben  –  von  zwei 
kurzzeitigen  Aufenthalten  in  Georgien  in  den  Jahren  2000  und  2004 
abgesehen – seit 1992 nicht mehr in seiner Heimat gelebt hat, leben dort 
eine Schwester, zwei Tanten und ein Onkel sowie mehrere Cousins und 
Cousinen  (vgl.  act.  A1/12  S. 3  Ziff. 12).  Da  der  Beschwerdeführer  die 
Originale  der  im  Jahre  2004  in  Tiflis  erhältlich  gemachten  heimatlichen 
Dokumente  (Pensionsschein,  Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung  und 
Flüchtlingsausweis)  gemäss  eigenen  Verlautbarungen  bei  seiner 
Schwester  in Tiflis hinterlegt hat,  ist zumindest davon auszugehen, dass 
er sie  im Jahre 2004 in der georgischen Hauptstadt besucht hat und ein 
vertrautes Verhältnis zu ihr zu haben scheint. Bei dieser Sachlage bleibt 
es  ihm unbenommen, seine Kontakte zu  ihr zu  reaktivieren. Ausserdem 

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ist es ihm zuzumuten, auch seine Kontakte zu seinen übrigen in Georgien 
wohnhaften  Verwandten  zu  intensivieren,  weshalb  von  einem 
Beziehungsnetz des Beschwerdeführers in Georgien auszugehen ist, das 
ihm eine Reintegration zweifellos erleichtern sollte. Abgesehen davon ist 
festzuhalten, dass blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von 
denen  die  ansässige  Bevölkerung  im  Allgemeinen  betroffen  ist,  nicht 
genügen,  um  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 83  Abs. 4  AuG 
darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2, EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1 
S. 215, EMARK 2003 Nr. 24 E. 5e S. 159).

4.7.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Vorinstanz  den 
Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig  und  zumutbar  erachtet  hat. 
Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt daher nicht in Betracht.

5. 
Aus  diesen  Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist demnach abzuweisen.

6. 
Bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens wären  die  Kosten  des  Verfahrens 
grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1 
VwVG). Da sich die Beschwerde vom 6. Februar 2009 indessen nicht als 
aussichtslos  erweist  und  nach  wie  vor  von  dessen  Bedürftigkeit 
auszugehen  ist,  ist  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen  und  von 
der Erhebung von Verfahrenskosten abzusehen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Seite 17

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutgeheissen.

3. 
Es werden keine Kosten erhoben.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Lang Philipp Reimann

Versand:

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Seite 18

Zustellung erfolgt an:

– die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben)
– das BFM, Asyl und Rückkehr, Zentrale Verfahren und Rückkehr, mit 

den Akten N (…) (per Kurier; in Kopie)
– das Amt für Migration des Kantons Luzern ad LU (…) (in Kopie)