# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 111cbb78-3380-55a5-bca2-5d2b17781057
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-04-28
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Verwaltungsgericht 28.04.2015 B 2013/248
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VG_001_B-2013-248_2015-04-28.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: B 2013/248

Stelle: Verwaltungsgericht

Rubrik: Verwaltungsgericht

Publikationsdatum: 28.04.2015

Entscheiddatum: 28.04.2015

Entscheid Verwaltungsgericht, 28.04.2015
Ausländerrecht, Art. 47 Abs. 1 und 4 AuG (SR 142.20), Art. 73 Abs. 1 VZAE 
(SR 142.201), Art. 13 BV (SR 101), Art. 8 EMRK (SR 0.101) sowie Art. 3 und 12 
KRK (SR 0.107).Die Nachzugsfristen gemäss Art. 47 Abs. 1 AuG und Art. 73 
Abs. 1 VZAE sind als absolute Fristen zu verstehen. Für verpasste 
Nachzugsfristen hat der Bundesgesetzgeber in Art. 47 Abs. 4 AuG die 
Möglichkeit des nachträglichen Familiennachzugs bei Vorliegen von 
wichtigen familiären Gründen vorgesehen. Ein Gesuch um Familiennachzug 
eines Kindes, das kulturell wie sprachlich im Heimatland verwurzelt ist, dort 
noch Verwandte hat und die gesamte Schulzeit dort absolvierte, beinhaltet 
keinen wichtigen familiären Grund, wenn die Trennung sowie das Verpassen 
der Nachzugsfrist den Eltern anzulasten ist (Verwaltungsgericht, 
B 2013/248).Entscheid vom 28. April 2015

Besetzung

Präsident Eugster; Verwaltungsrichter Linder, Heer, Rufener, Bietenharder; 

Gerichtsschreiber Schmid

Verfahrensbeteiligte

X.Y.,

Beschwerdeführer,

vertreten durch Rechtsanwalt mag.iur. Antonius Falkner, Mag. Antonius Falkner 

Rechtsanwalt AG, Lettstrasse 18, Postfach 304, 9490 Vaduz,

gegen

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Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen, Oberer Graben 32, 

9001 St. Gallen,

Vorinstanz,

Gegenstand

Familiennachzugsgesuch für R.Y.

Das Verwaltungsgericht stellt fest:

A.            

a. X.Y., geb. 1971, stammt aus der Türkei und kam im Rahmen des Familiennachzugs 

zu seinen Eltern 1974 in die Schweiz. Er besitzt die Niederlassungsbewilligung (act. G 

13 I/66). 1992 heiratete er die 1972 geborene türkische Staatsangehörige A.Y., welche 

1993 in die Schweiz einreiste und die Aufenthaltsbewilligung erhielt. Die beiden 

gemeinsamen Söhne des Ehepaars, R.Y. und S.Y., kamen in der Schweiz zur Welt und 

erhielten Niederlassungsbewilligungen. Am 8. April 2000 reiste das Ehepaar X.Y. und 

A.Y. mit den Söhnen für eine Therapie in die Türkei aus. Am 14. März 2002 kehrte X.Y. 

allein in die Schweiz zurück; seine Niederlassungsbewilligung sowie die 

Niederlassungsbewilligungen der Kinder hatte er bis 7. April 2002 reserviert (act. G 13 

I/33 f.; G 13 III/3). Am 13. Juni 2002 stellte er beim Ausländeramt des Kantons St. 

Gallen (heute: Migrationsamt) ein Familiennachzugsgesuch für die Ehefrau und die 

beiden Kinder. Dieses Gesuch zog er am 5. September 2002 zurück mit dem Hinweis, 

dass er es später wieder einreichen wolle (act. G 13 I/55).

b. Am 18. April 2012 stellte X.Y. ein zweites Familiennachzugsgesuch für seine Ehefrau 

und die beiden Kinder (act. G 13 I/117 f.). Nach Einräumung des rechtlichen Gehörs 

(act. G 13 I/125, 141) wies das Migrationsamt das Gesuch für den Sohn R.Y. mit 

Verfügung vom 29. November 2012 ab mit der Begründung, dass es nicht innert der 

gesetzlichen Frist erfolgt sei und wichtige familiäre Gründe für einen nachträglichen 

Familiennachzug nicht vorlägen. Die Verweigerung des Nachzugs von R.Y. entspreche 

überwiegenden öffentlichen Interessen (act. G 13 I/181). Das Familiennachzugsgesuch 

für die Ehefrau und den Sohn S.Y. blieben vorderhand beim Migrationsamt pendent. 

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Den gegen die Verfügung vom 29. November 2012 erhobenen Rekurs vom 13. 

Dezember 2012 (act. G 13/1) wies das Sicherheits- und Justizdepartement des 

Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 6. November 2013 ab (act. G 2).

B.             

a. Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt mag. iur. Antonius Falkner, Vaduz, für 

X.Y. mit Eingabe vom 22. November 2013 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, der 

Entscheid sei dergestalt abzuändern, dass der Familiennachzug für R.Y. bewilligt 

werde; eventuell sei der Entscheid aufzuheben und die Angelegenheit zu neuer 

Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kostenfolge zulasten der 

Vorinstanz (act. G 1).

b. In den Schreiben vom 25. November und 18. Dezember 2013 forderte das 

Verwaltungsgericht den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers auf, eine 

Zustelladresse oder einen Zustellbevollmächtigten in der Schweiz zu bezeichnen, 

andernfalls die Korrespondenz (prozessleitende Verfügungen) an die Adresse des 

Beschwerdeführers zugestellt werde (act. G 4, 7). Dieser Aufforderung kam der 

Rechtsvertreter nicht nach, weshalb die spätere prozessleitende Verfügung (act. G 9) 

an die Adresse des Beschwerdeführers ging (act. G 8). Auch der heutige Entscheid 

geht dementsprechend an den Beschwerdeführer.

c. In der Vernehmlassung vom 11. Februar 2014 beantragte die Vorinstanz Abweisung 

der Beschwerde und verwies unter Verzicht auf ergänzende Bemerkungen auf die 

Erwägungen im angefochtenen Entscheid (act. G 12).

d. Am 16. April 2014 erteilte das Migrationsamt, unter Bedingungen und ausdrücklich 

ohne Präjudiz für das vorliegende Verfahren, die Aufenthaltsbewilligungen im 

Familiennachzug für die Ehefrau und den jüngeren Sohn des Beschwerdeführers (act. 

G 15).

e. Auf die Darlegungen in der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in 

den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:

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1.            (…).

2.             

2.1.        Ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jahren von Personen mit 

Niederlassungsbewilligung haben nach Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die 

Ausländerinnen und Ausländer (SR 142.20; AuG) Anspruch auf Erteilung und 

Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen, der 

Nachzug innerhalb von fünf Jahren und bei Kindern über zwölf Jahren innerhalb von 

zwölf Monaten erfolgt, der Anspruch nicht rechtsmissbräuchlich geltend gemacht wird 

und zudem kein Widerrufsgrund nach Art. 63 AuG vorliegt (vgl. Art. 51 Abs. 1 AuG). 

Sodann muss der Nachzugsberechtigte über das Sorgerecht verfügen und das 

Kindeswohl darf dem Nachzug nicht offensichtlich entgegenstehen (vgl. BGE 136 II 78 

E. 4.7 und 4.8; vgl. Marc Spescha, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, Migrationsrecht, 3. 

Aufl. 2012, Rz. 3 zu Art. 42 und Rz. 2 zu Art. 43 AuG). Die Fristen beginnen bei 

Familienangehörigen von Ausländerinnen und Ausländern mit der Erteilung der 

Aufenthalts- und Niederlassungsbewilligung oder der Entstehung des 

Familienverhältnisses (Art. 47 Abs. 3 lit. b AuG). Ist die Einreise vor dem Zeitpunkt des 

Inkrafttretens des Ausländergesetzes erfolgt oder das Familienverhältnis vor diesem 

entstanden, läuft die Nachzugsfrist ab dem 1. Januar 2008 (Art. 126 Abs. 3 AuG). 

Massgebend ist das Alter des Kindes bei Einreichung des Nachzugsgesuchs (BGE 136 

II 497).

2.2.        Ein nachträglicher, d.h. ein nicht fristgerechter, Familiennachzug wird nur 

bewilligt, wenn hierfür wichtige familiäre Gründe sprechen (Art. 47 Abs. 4 AuG; BGer 

2C_276/2011 vom 10. Oktober 2011, E. 4). Solche liegen unter anderem dann vor, 

wenn das Kindeswohl schwergewichtig nur durch einen Nachzug in die Schweiz 

sachgerecht gewahrt werden kann (vgl. Art. 75 VZAE [SR 142.201]). Entgegen dem 

Wortlaut dieser Verordnungsbestimmung ist dabei nach der höchstrichtlichen 

Rechtsprechung jedoch nicht ausschliesslich auf das Kindeswohl abzustellen; es 

bedarf vielmehr einer Gesamtschau unter Berücksichtigung aller relevanten Elemente 

im Einzelfall. Dabei ist dem Sinn und Zweck der Fristenregelung Rechnung zu tragen, 

welche die Integration der Kinder erleichtern will, indem diese durch einen frühzeitigen 

Nachzug unter anderem auch eine möglichst umfassende Schulbildung in der Schweiz 

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geniessen sollen. Zudem geht es darum, Nachzugsgesuchen entgegenzuwirken, die 

rechtsmissbräuchlich erst kurz vor Erreichen des erwerbstätigen Alters gestellt werden, 

wenn also die erleichterte Zulassung zur Erwerbstätigkeit und nicht (mehr) die Bildung 

einer echten Familiengemeinschaft im Vordergrund steht (BBl 2002 3754 f. Ziff. 

1.3.7.7). Die Bewilligung des Nachzugs nach Ablauf der Fristen hat nach dem Willen 

des Gesetzgebers die Ausnahme zu bleiben; dabei ist Art. 47 Abs. 4 Satz 1 AuG jeweils 

dennoch so zu handhaben, dass der Anspruch auf Schutz des Familienlebens nach 

Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 BV nicht verletzt wird (BGer 2C_765/2011 vom 28. November 

2011, E. 2.1; BGer 2C_205/2011 vom 3. Oktober 2011, E. 4.2; BGer 2C_709/2010 vom 

25. Februar 2011, E. 5.1.1).

3.             

3.1.        R.Y. war im Zeitpunkt des Inkrafttretens des AuG (1. Januar 2008) gut 12 

Jahre und bei Einreichung des Gesuchs um Familiennachzug am 18. April 2012 (act. G 

13 I/117, 118 und 120) knapp 17 Jahre alt. Er wäre innerhalb eines Jahres nach 

Inkrafttreten des Ausländergesetzes - und damit vor Ende 2009 - nachzuziehen 

gewesen, nachdem der Beschwerdeführer seit 2002 (Wiedereinreise) hier über eine 

Niederlassungsbewilligung und damit über einen Rechtsanspruch auf die 

Zusammenführung verfügte. Im April 2000 war das Ehepaar X.Y. und A.Y. mit den 

Söhnen zu Therapiezwecken (betreffend die Krankheit des Beschwerdeführers) in die 

Türkei ausgereist (act. G 13 I/33). Nach seiner Rückkehr in die Schweiz im Jahr 2002 

ohne seine Familie ersuchte der Beschwerdeführer zwar um einen Nachzug, doch zog 

er das entsprechende Begehren wieder zurück (act. G 13 I/55). Er erachtete die 

Zusammenführung der Gesamtfamilie damals offenbar nicht für vordringlich genug, um 

an dieser festzuhalten. Hinsichtlich der damals vorliegenden gesundheitlichen und 

finanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers ergibt sich aus den Akten, dass er seit 

1. August 1997 eine ganze Rente der Invalidenversicherung bezog, wobei die 

monatlichen Leistungen sich ab Januar 2002 auf Fr. 4'326.-- beliefen (act. G 13 I/37). 

Unbestritten blieb die Feststellung im vorinstanzlichen Entscheid, dass die für das Jahr 

2011 ausgerichteten Leistungen aus beruflicher Vorsorge (Fr. 649.50 pro Monat; act. G 

13 I/70) in etwa denjenigen für das Jahr 2008 entsprochen haben dürften und der 

Beschwerdeführer den Bedarf für einen Familiennachzug der Gesamtfamilie (Fr. 

4'485.05 pro Monat; act. G 13 I/127) mit seinen Einkünften bereits im Jahr 2002 

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abgedeckt hätte (act. G 2 S. 7). Diesem Umstand kommt entgegen der Auffassung des 

Beschwerdeführers (act. G 1 S. 3 f.) insofern eine Bedeutung zu, als damit das 

Nichtvorliegen von finanziellen Hindernissen für einen Nachzug der ganzen Familie ab 

dem Jahr 2002 und auch in den Jahren 2008 und 2009 als dargetan zu gelten hat. Dies 

umso mehr, als der Beschwerdeführer als Bezüger einer Invalidenrente überdies 

(nötigenfalls) auch Anspruch auf Ergänzungsleistungen gehabt hätte (vgl. BGer 

2C_448/2007 vom 20. Februar 2008, E. 3.4 und 3.5). Wäre der Familiennachzug in den 

erwähnten Jahren aus finanziellen Gründen nicht in Betracht gekommen und erst im 

Jahr 2012 möglich geworden, hätte dies bei der Prüfung der Frage des nachträglichen 

Nachzugs (nachstehende E. 3.3) zugunsten des Beschwerdeführers berücksichtigt 

werden müssen.

3.2.        Der Beschwerdeführer lässt vorab in formeller Sicht beanstanden, dass das 

Recht von R.Y., ihn zum Nachzugsgesuch anzuhören, nicht beachtet worden sei. 

Indem die Vorinstanz dieses Anhörungsrecht missachtet habe, welches sich aus dem 

in der Schweiz direkt anwendbaren Art. 12 Abs. 2 des Übereinkommens vom 20. 

November 1989 über die Rechte der Kinder (Kinderrechtekonvention, SR 0.107; KRK) 

ableite, liege ein grober Verfahrensmangel vor, der zur Aufhebung des angefochtenen 

Entscheids führen müsse (act. G 1 S. 3). Dazu ist festzuhalten, dass im 

ausländerrechtlichen Bewilligungsverfahren kein vorbehaltloser Anspruch auf 

persönliche Anhörung des Kindes besteht (vgl. BGer 2A.423/2005 vom 25. Oktober 

2005, E. 5, sowie Art. 47 Abs. 4 Satz 2 AuG: "…sofern dies erforderlich ist."). Jedenfalls 

fällt ausser Betracht, den Kindern speziell im Hinblick auf eine allfällige Anhörung 

zwingend die Anwesenheit während der weiteren Verfahrensdauer zu gestatten. Eine 

Anhörung kann auch auf schriftliche Weise stattfinden (BGer 2A.759/2005 vom 31. 

Januar 2006, E. 2.2.2; BGer 2C_192/2011 vom 14. September 2011, E. 3.3.2). Der 

anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hätte grundsätzlich im Rahmen des rechtlichen 

Gehörs vor Verfügungserlass und wiederum im Rekursverfahren die Möglichkeit 

gehabt, eine solche Anhörung seines Sohnes zu beantragen. Ein entsprechender 

Antrag wurde jedoch nicht gestellt und auch keine allfällige schriftliche Stellungnahme 

des Sohnes eingereicht (vgl. act. G 13 I/125, 141, 204). Die Erforderlichkeit einer 

persönlichen Anhörung kann vor diesem Hintergrund nicht als dargetan gelten. Zudem 

hatte auch der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers im Verfahren vor dem 

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Migrationsamt, im Rekursverfahren und im Beschwerdeverfahren Gelegenheit, die 

Sichtweise des Sohnes R.Y. darzulegen.

3.3.        Zu klären ist, ob wichtige Gründe für einen nachträglichen Familiennachzug im 

Rahmen von Art. 47 Abs. 4 AuG zu bejahen sind. Nach Art. 96 AuG sind bei der 

Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse 

sowie der Grad der Integration des Kindes mit einzubeziehen. Die Vorinstanz kam im 

angefochtenen Entscheid unter anderem zum Schluss, es erscheine nicht plausibel, 

dass nach der jahrelangen Trennung ein familiäres Zusammenleben ein echtes und 

wichtiges Anliegen sein solle. Vielmehr lasse das lange Zuwarten bis zum 

Nachzugsgesuch darauf schliessen, dass kein dringendes Bedürfnis nach Herstellung 

einer Familiengemeinschaft bestanden habe. Fest stehe, dass der Beschwerdeführer 

es verpasst habe, sein Kind möglichst frühzeitig in der Schweiz zu integrieren. R.Y. 

kenne die Schweiz, wenn überhaupt noch, lediglich aus der Zeit als kleines Kind. Er sei 

im Heimatland sprachlich und kulturell verwurzelt. Es sei vor diesem Hintergrund 

höchst fraglich, ob ein Familiennachzug dem Kindeswohl entspreche. Der an ADHS 

leidende R.Y. erhalte in der Türkei medizinische Betreuung. Diese könne auch nach 

Ausreise der Mutter und des Bruders in die Schweiz weitergeführt werden. Gemäss 

Arbeitsbestätigung würde R.Y. zu 50% in einer Bar arbeiten (act. G 13 I/186). In 

Anbetracht seines Alters und des Umstandes, dass er zumindest einer 

Teilzeiterwerbstätigkeit nachgehen könne, sei davon auszugehen, dass sein 

persönlicher Betreuungsbedarf, neben der medizinischen Betreuung, nicht derart gross 

sei, dass dieser nicht von den Grosseltern und allenfalls weiteren Verwandten in der 

Türkei erbracht werden könne. Gemäss den eingereichten Unterlagen würden die 

Grosseltern unter Bluthochdruck leiden und der Grossvater habe einen 

Herzklappenfehler. Diese gesundheitlichen Einschränkungen würden nicht 

verunmöglichen, R.Y. im erforderlichen Ausmass noch zu betreuen. Es bestehe ein 

öffentliches Interesse daran, den Nachzug von Kindern, die mit erheblichen 

Integrationsschwierigkeiten zu kämpfen hätten, restriktiv zu handhaben. Das öffentliche 

Interesse an der Verweigerung des Familiennachzugs überwiege die privaten 

Interessen des Beschwerdeführers und seines Sohnes. Der Kontakt könne mit den 

gängigen Kommunikationsmitteln, mit Besuchen sowie gemeinsamen Ferien 

aufrechterhalten werden (act. G 2 S. 8-10). Der Beschwerdeführer lässt einwenden, die 

Vorinstanz halte den für den Entscheid wesentlichen Sachverhalt unzureichend oder 

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gar falsch fest. Geradezu stossend seien die knappen Ausführungen im 

vorinstanzlichen Entscheid (act. G 2 S. 9) zur ADHS-Erkrankung, an welcher R.Y. seit 

der Geburt leide. Diese sei geprägt von psychischen Beeinträchtigungen beim 

Betroffenen, von Verhaltensstörungen und von einer Beeinträchtigung der 

Konzentrations- und Merkfähigkeit. R.Y. sei aufgrund seiner Erkrankung auf den 

Kontakt zu seinen Eltern dringend angewiesen (vgl. act. G 3/2 und 3/3). Die Erkrankung 

werde in den meisten Fällen als psychoorganisches Syndrom (POS) und dieses als 

Geburtsgebrechen anerkannt. Die Vorinstanz habe keinerlei Abklärungen zu den Folgen 

dieser Erkrankung getroffen. Es sei falsch und aus dem Zusammenhang gerissen, 

wenn die Vorinstanz folgere, R.Y. sei zu 50% arbeitsfähig gleich einem gesunden 

Menschen. Für eine Betreuung eines Kindes mit ADHS durch die Grosseltern in der 

Türkei fehle es an der notwendigen engen emotionalen Bindung. Die Grosseltern seien 

zudem selbst gesundheitlich angeschlagen; die Grossmutter sei pflege- und 

betreuungsbedürftig. Wichtige Gründe für einen Nachzug von R.Y. seien im Kindeswohl 

begründet und dementsprechend zu bejahen. Der vorinstanzliche Entscheid werfe die 

berechtigte Frage auf, welche Fälle von wichtigen, familiären Gründen ausreichen 

würden, um einen Nachzug nach Art. 47 Abs. 4 AuG zu gewährleisten. Denn wenn dem 

Beschwerdeführer für sein erkranktes Kind der Nachzug nicht bewilligt würde, wäre ein 

solcher wohl generell nicht möglich (act. G 1 S. 4-10).

3.3.1.    Fest steht, dass der in der Schweiz geborene R.Y., nachdem er wie erwähnt im 

April 2000 als Fünfjähriger mit seiner Familie in die Türkei ausgereist und dort 

eingeschult worden war, einen wesentlichen Teil der Kindheit und die gesamte 

Schulzeit in der Türkei verbrachte (act. G 13 I/164, 166, 168 und 172). Als der 

Beschwerdeführer im Jahr 2002 in die Schweiz zurückkehrte, liess er ihn zusammen 

mit der Mutter und dem jüngeren Brüder dort zurück und akzeptierte damit, die 

entsprechenden familiären Beziehungen künftig nur besuchsweise und damit 

eingeschränkt leben zu können. Von Seiten der Schule, welche R.Y. besucht hatte, 

wurde am 20. Juni 2012 festgehalten, zu Beginn sei bei ihm ein Aufmerksamkeitsdefizit 

festgestellt worden. Der leistungsschwache Schüler habe sich nicht gut ausdrücken 

können und habe nicht viel Interesse am Unterricht gezeigt. Im Juni 2012 stehe nun ein 

vollkommen anderer R.Y. vor uns. Er erziele im Unterricht bessere Noten und 

übernehme bei Veranstaltungen viel leichter Aufgaben. Vor allem sein Umgang mit den 

Menschen sei besser geworden (act. G 13 I/145; vgl. auch Schul-Bestätigung vom 14. 

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August 2012, act. G 13 I/166). In einem Arztbericht vom 29. Juni 2012 wurde vermerkt, 

dass R.Y., der wegen seines Aufmerksamkeitsdefizits und seiner emotionalen 

Probleme beobachtet werde, sein Leben mit Unterstützung seiner Familie normal 

fortsetzen solle (act. G 13 I/147). Ein weiterer Arztbericht vom 23. August 2012 

bescheinigte eine Erforderlichkeit des Umzugs von R.Y. mit seiner Familie in die 

Schweiz, um die Behandlung fortsetzen und die Leistungen in der Schule steigern zu 

können. Die Grosseltern seien alt und krank und nicht in der Lage, R.Y. zu 

unterstützen. In Abwesenheit der Familie leide R.Y. an Depressionsanfällen und sei 

suizidgefährdet (act. G 13 I/158).

3.3.2.    Im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung war R.Y. bereits in einem Alter, das ihm 

erlaubte, mit der finanziellen Hilfe der Eltern aus der Schweiz, allenfalls unter 

punktueller Betreuung durch in der Heimat lebende Familienmitglieder oder durch 

Dritte, selbständig zu leben. Hieran vermag das Bestehen von 

Konzentrationsstörungen und einer leichten depressiven Episode (act. G 13 I/162) 

nichts zu ändern. Nach der Rechtsprechung wird dabei eine allenfalls erforderliche, 

durch den Beschwerdeführer finanzierte Drittbetreuung als zumutbar erachtet (BGer 

2C_578/2012 vom 22. Februar 2013, E. 5.3 unten mit Hinweis auf BGer 2C_780/2012 

vom 3. September 2012, E. 2.3.2, und BGer 2C_205/2011 vom 3. Oktober 2011, E. 

4.7), zumal auch die 1950 geborenen, gesundheitlich eingeschränkten Grosseltern (vgl. 

act. G 13 I/155-158, 188, 190, 192) einen - wenn auch unter Umständen begrenzten - 

Betreuungsanteil übernehmen können. Im Weiteren wäre auch ein - allenfalls zeitlich 

begrenzter - Wegzug des Beschwerdeführers und/oder seiner Ehefrau in die Türkei zur 

notwendigen Betreuung des Sohnes insofern nicht zum vornherein unzumutbar, als der 

Lebensunterhalt nach Lage der Akten durch die schweizerischen Rentenleistungen 

gesichert ist und der Beschwerdeführer keinem Erwerb nachgeht.

3.3.3.    Es fragt sich, ob der der Umstand des gleichzeitigen Nachzugs des 

betreuenden Elternteils (d.h. der Mutter) und des jüngeren Bruders von R.Y. - dieser 

wurde am 16. April 2014 bewilligt (act. G 15) - einen wichtigen familiären Grund 

darstellt. Soweit sich die Literatur dazu äussert, tendiert sie zur Bejahung eines 

wichtigen familiären Grundes zugunsten des Kindernachzugs. Die Zusammenführung 

der Gesamtfamilie entspreche in aller Regel dem Kindeswohl (vgl. Rumo-Jungo/

Spescha, Kindeswohl, Kindesanhörung und Kindeswille in ausländerrechtlichen 

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Kontexten, AJP 2009 S. 1111, insbesondere Fn. 60; Martina Caroni, Bundesgesetz 

über die Ausländerinnen und Ausländer, Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], 2010, Rz. 24 

zu Art. 47 AuG). Diese Auffassung übergeht nach Meinung des Bundesgerichts, dass 

eine Übersiedlung in ein anderes Land vor allem für Kinder bzw. Jugendliche, die 

mindestens schon ihren 13. Geburtstag hatten (vgl. dazu Art. 47 Abs. 1 Satz 2 AuG), 

einen bedeutenden Eingriff darstelle. Insbesondere dann, wenn sie die Sprache der 

Gegend, in welche sie nachziehen sollen, nicht beherrschten, führe der Wechsel zu 

einer Entwurzelung und sei - zumindest anfänglich - mit erheblichen Problemen 

verbunden. Das Kindeswohl könne also auch für die Beibehaltung des bisherigen 

Zustandes sprechen. Letztlich bedürfe es einer Gesamtschau. Dabei sei zu 

berücksichtigen, dass die Bewilligung des Nachzugs nach Ablauf der Fristen dem 

Willen des Gesetzgebers zufolge die Ausnahme und nicht die Regel bilden solle. Ein 

solcher Nachzug komme nicht in Betracht, wenn der Nachzugswillige die Einhaltung 

von Fristen, die ihm die Zusammenführung der Gesamtfamilie ermöglicht hätte, 

versäumt habe und er keine gewichtigen Gründe geltend mache, um erst später einen 

derartigen Nachzug zu beantragen (BGer 2C_205/2011 a.a.O., E. 4.4; BGer 

2C_765/2011 vom 28. November 2011, E. 2.1; BGer 2C_578/2012 a.a.O., E. 4.3). Hinzu 

kommt vorliegend, dass das Migrationsamt den Nachzug der Mutter und des jüngeren 

Bruders ausdrücklich unter Hinweis auf das vorliegende Beschwerdeverfahren als 

unpräjudiziell bewilligte (act. G 15).

Nachdem R.Y. wie dargelegt lediglich die ersten fünf Lebensjahre in der Schweiz 

verlebte und die Schulzeit in der Türkei absolvierte, dürfte ihm die sprachliche und 

kulturelle Integration in die hiesigen Verhältnisse schwerfallen. Es sind keine 

stichhaltigen Gründe ersichtlich, weshalb R.Y. kurz vor seiner Volljährigkeit und damit 

im Wesentlichen mit Blick auf den Zugang zum Arbeitsmarkt noch in die Schweiz sollte 

nachgezogen werden können, nachdem der Beschwerdeführer sich während Jahren 

nicht hierum bemühte, obwohl er über einen entsprechenden Rechtsanspruch verfügte 

(vgl. die Urteile 2C_506/2012 vom 12. Juni 2012 E. 2 und 2C_888/2011 vom 20. Juni 

2012 E. 3.2) und auch die finanziellen Mittel dafür grundsätzlich vorhanden gewesen 

wären. Es kann daher nicht von einer unfreiwilligen Trennung des Beschwerdeführers 

von seiner Familie ausgegangen werden; vielmehr setzte er selbst die Ursache für die 

Trennung. Zu beachten ist hier auch, dass für die Beurteilung zwar das Alter des 

Kindes im Zeitpunkt der Einreichung des Nachzugsgesuchs massgebend ist, 

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anderseits jedoch auf den Sachverhalt im Urteilszeitpunkt abzustellen ist. Im 

Urteilszeitpunkt war R.Y. volljährig, weshalb er sich nur noch eingeschränkt auf den 

Anspruch auf Familienleben (Art. 8 EMRK) berufen kann. Nach Art. 96 AuG sind bei der 

Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse 

sowie der Grad der Integration des Kindes. Der Vorinstanz kann nicht zum Vorwurf 

gemacht werden, sie habe mit der Bestätigung der Verweigerung des Nachzugs von 

R.Y. einen unverhältnismässigen Entscheid gefällt. Ihr kann insbesondere keine 

Ermessensverletzung bzw. willkürliche Ermessensausübung vorgeworfen werden, 

wenn sie vorliegend das öffentliche Interesse an der Ablehnung des 

Familiennachzugsgesuchs für R.Y. schwerer gewichtete als das private Interesse des 

Beschwerdeführers an der Bewilligung des Nachzugs. Weitere Gründe dafür, dass die 

Vorinstanz die Ablehnung zu Unrecht als verhältnismässig erachtet hat, lassen sich den 

Akten und den Eingaben des Beschwerdeführers - insbesondere den von ihm 

eingereichten schulischen und ärztlichen Berichten - nicht entnehmen. Die Tatsache 

allein, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz eine Teilzeittätigkeit ausüben (act. G 

13 I/186) oder eine Vorlehre (act. G 13 I/187) absolvieren könnte, bildet keinen 

zureichenden Anlass, aufgrund dessen ein nachträglicher Nachzug ausserhalb der 

Fristen zu bewilligen wäre. Dementsprechend war es auch nicht die Sache der 

Vorinstanz, weitere Abklärungen zu den Folgen der ADHS-Erkrankung für die 

Arbeitsfähigkeit (vgl. act. G 1 S. 4) zu treffen. Bei fehlendem Nachweis einer 

Ermessensüberschreitung bzw. eines Ermessensmissbrauchs und einer Verletzung des 

Verhältnismässigkeitsgrundsatzes besteht kein zureichender Anlass für das 

Verwaltungsgericht (vgl. Art. 61 Abs. 3 VRP), den angefochtenen Entscheid zu 

korrigieren. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.

4.            (…).

Demnach erkennt das Verwaltungsgericht zu Recht:

1.            Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.            Der Beschwerdeführer bezahlt amtliche Kosten von Fr. 2'000.--, unter 

Verrechnung mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss.

3.            Ausseramtliche Kosten werden nicht entschädigt.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 12/12

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St.Galler Gerichte

Der Präsident                        Der Gerichtsschreiber

Eugster                                  Schmid

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	Entscheid Verwaltungsgericht, 28.04.2015
	Ausländerrecht, Art. 47 Abs. 1 und 4 AuG (SR 142.20), Art. 73 Abs. 1 VZAE (SR 142.201), Art. 13 BV (SR 101), Art. 8 EMRK (SR 0.101) sowie Art. 3 und 12 KRK (SR 0.107).Die Nachzugsfristen gemäss Art. 47 Abs. 1 AuG und Art. 73 Abs. 1 VZAE sind als absolute Fristen zu verstehen. Für verpasste Nachzugsfristen hat der Bundesgesetzgeber in Art. 47 Abs. 4 AuG die Möglichkeit des nachträglichen Familiennachzugs bei Vorliegen von wichtigen familiären Gründen vorgesehen. Ein Gesuch um Familiennachzug eines Kindes, das kulturell wie sprachlich im Heimatland verwurzelt ist, dort noch Verwandte hat und die gesamte Schulzeit dort absolvierte, beinhaltet keinen wichtigen familiären Grund, wenn die Trennung sowie das Verpassen der Nachzugsfrist den Eltern anzulasten ist (Verwaltungsgericht, B 2013/248).Entscheid vom 28. April 2015

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