# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 502ae202-f3e7-51fe-86f1-3d576734de4a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-06-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.06.2009 C-239/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_C-239-2008_2009-06-18.pdf

## Full Text

Abtei lung II I
C-239/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 8 .  J u n i  2 0 0 9

Richter Andreas Trommer (Vorsitz), 
Richter Bernard Vaudan, 
Richter Blaise Vuille, 
Gerichtsschreiberin Denise Kaufmann.

B._______, 
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Verweigerung eines Visums zu Besuchszwecken.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

C-239/2008

Sachverhalt:

A.
Die  1985  geborene  türkische  Staatsangehörige  G._______  (im  Fol-
genden:  Gesuchstellerin)  beantragte  am  2.  November  2007  bei  der 
Schweizerischen Botschaft  in Ankara ein Visum für  einen einmonati-
gen Besuchsaufenthalt bei ihrem Cousin bzw. Verlobten B._______ (im 
Folgenden: Gastgeber bzw. Beschwerdeführer) in Basel. In der Rubrik 
Hauptzweck der Reise liess sie nebst „Besuch“ zusätzlich „ggf. Ehe-
schliessung“  vermerken. Die  Schweizer  Vertretung lehnte es formlos 
ab, ein Visum in eigener Kompetenz zu erteilen und leitete das Ge-
such zur Prüfung und zum Entscheid an die Vorinstanz weiter.

B.
Zum Antrag begrüsst, holte die Migrationsbehörde des Kantons Basel-
Stadt beim Gastgeber ergänzende Auskünfte ein und leitete sie an die 
Vorinstanz weiter. Letztere lehnte es in einer Verfügung vom 19. De-
zember  2007 ab,  das beantragte Besuchsvisum zu erteilen. Dies im 
Wesentlichen mit der Begründung, die anstandslose und fristgerechte 
Wiederausreise nach einem Besuchsaufenthalt  könne nicht  als  gesi-
chert betrachtet werden. Die Gesuchstellerin lebe in einer Region, aus 
der als Folge der dort herrschenden wirtschaftlichen und soziokulturel-
len Verhältnisse ein anhaltend starker Zuwanderungsdruck festzustel-
len sei. Bei der Gesuchstellerin selbst seien weder zwingende berufli-
che noch gesellschaftliche Verpflichtungen, aber auch keine familiären 
Verantwortlichkeiten erkennbar, die trotz dieser Verhältnisse besonde-
re Gewähr für eine Wiederausreise bieten könnten.

C.
Mit Beschwerde vom 11. Januar 2008 beantragt der Gastgeber beim 
Bundesverwaltungsgericht  implizit,  die  vorinstanzliche  Verfügung  sei 
aufzuheben und das Visum für einen Besuchsaufenthalt sei zu ertei-
len. Zur Begründung bringt er sinngemäss vor, die Vorinstanz gehe zu 
Unrecht davon aus, dass die Wiederausreise der Gesuchstellerin nicht 
gesichert wäre. Diese habe nicht die Absicht, hier zu bleiben. Es gehe 
einzig darum, dass er und die Gesuchstellerin sich nach einer fünfjäh-
rigen Trennung wieder einmal sehen könnten. Eine Heirat zwischen ih-
nen sei zumindest jetzt noch nicht beabsichtigt. Er stehe für eine frist-
gerechte Wiederausreise seines Gastes ein und habe bereits eine ent-
sprechende  finanzielle  Garantie  geleistet.  Es  liege  ihm  fern,  gegen 
schriftliche Abmachungen bzw. das Gesetz zu verstossen.

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D.
Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung vom 18. Februar 2008 an 
der angefochtenen Verfügung fest.

E.
Der Beschwerdeführer machte von dem ihm eingeräumten Recht auf 
Replik keinen Gebrauch.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art.  31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht unter 
Vorbehalt der in Art. 32 VGG genannten Ausnahmen Beschwerden ge-
gen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021), welche von 
einer in Art. 33 VGG aufgeführten Behörde erlassen wurden. Darunter 
fallen  u.a. Verfügungen des BFM,  mit  denen  die  Erteilung  eines  Vi-
sums verweigert wird. In dieser Materie urteilt das Bundesverwaltungs-
gericht  endgültig  (Art.  83  Bst. c  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes 
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Sofern  das  Verwaltungsgerichtsgesetz  nichts  anderes  bestimmt, 
richtet  sich  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  nach 
dem VwVG (Art. 37 VGG).

1.3 Der Beschwerdeführer  ist  gemäss Art. 48 Abs. 1 VwVG zur  Be-
schwerde berechtigt. Auf die im Übrigen frist-  und formgerechte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 50–52 VwVG).

2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung 
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des 
Ermessens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhaltes und – sofern nicht eine kantonale Behörde 
als  Beschwerdeinstanz  verfügt  hat  –  die  Unangemessenheit  gerügt 
werden (Art. 49 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Be-
schwerdeverfahren das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist ge-
mäss Art. 62 Abs. 4 VwVG an die Begründung der Begehren nicht ge-
bunden und kann die Beschwerde auch aus anderen als den geltend 
gemachten  Gründen  gutheissen  oder  abweisen.  Massgebend  ist 

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grundsätzlich  die  Rechts-  und  Sachlage  zum  Zeitpunkt  seines  Ent-
scheides (vgl. E. 1.2 des in BGE 129 II 215 teilweise publizierten Ur-
teils 2A.451/2002 vom 28. März 2003).

3.
Das  schweizerische  Ausländerrecht  kennt  weder  ein  allgemeines 
Recht auf Einreise noch gewährt es einen besonderen Anspruch auf 
Erteilung eines Visums. Die Schweiz ist  daher – wie andere Staaten 
auch – grundsätzlich nicht gehalten, Ausländerinnen und Ausländern 
die Einreise zu gestatten. Vorbehältlich völkerrechtlicher Verpflichtun-
gen handelt  es sich dabei um einen autonomen Entscheid (vgl. Bot-
schaft  zum  Bundesgesetz  über  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 
8. März 2002, BBl 2002 3774; BGE 133 I 185 E. 2.3 S. 189).

4.
Der Bundesbeschluss vom 17. Dezember 2004 über die Genehmigung 
und die Umsetzung der bilateralen Abkommen zwischen der Schweiz 
und der  EU über  die Assoziierung an Schengen und an Dublin  (SR 
362) wurde in der Volksabstimmung vom 5. Juni 2005 angenommen. 
Die  entsprechenden  Assoziierungsabkommen  (darunter  das  Abkom-
men vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft,  der  Europäischen  Union  und  der  Europäischen  Gemein-
schaft über die Assoziierung dieses Staates bei der Umsetzung, An-
wendung  und  Entwicklung  des  Schengen-Besitzstands  [SAA,  SR 
0.360.268.1]) sind sodann für die Schweiz am 12. Dezember 2008 de-
finitiv  in  Kraft  getreten. Durch die Übernahme des Schengen-Besitz-
standes wurden im Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005 über die 
Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) entsprechende An-
passungen notwendig (vgl. u.a. Art. 2 Abs. 4 AuG, wonach die Bestim-
mungen über das Visumverfahren und über die Ein- und Ausreise nur 
gelten, sofern das Schengen-Recht keine abweichenden Bestimmun-
gen  enthält).  Im  Weiteren  ist  die  Verordnung  vom 24. Oktober  2007 
über das Einreise- und Visumverfahren (VEV, AS 2007 5537) total revi-
diert worden (vgl. Verordnung vom 22. Oktober 2008 über die Einreise 
und  die  Visumerteilung  [VEV,  SR  142.204]).  Art. 57  VEV  sieht  vor, 
dass  hängige  Verfahren  nach  dem  neuen,  übergeordneten  (Schen-
gen-)Recht fortgeführt werden. 

5.
5.1 Bezüglich  der  Einreisevoraussetzungen  für  einen  Aufenthalt  von 
höchstens drei Monaten verweist Art. 2 Abs. 1 VEV auf die Verordnung 

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(EG) Nr. 562/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 
15. März 2006 über einen Gemeinschaftskodex für das Überschreiten 
der  Grenzen  durch  Personen  (Schengener  Grenzkodex  [SGK,  ABl. 
L 105 vom 13.04.2006, S. 1–32]). Art. 5 Abs. 1 SGK präzisiert die Ein-
reisevoraussetzungen  für  Drittstaatsangehörige. Diese  benötigen  zur 
Einreise ein oder mehrere gültige Reisedokumente und – sofern sie 
der Visumspflicht unterliegen – ein gültiges Visum (Bst. a und b). Sie 
müssen den Zweck und die Umstände ihres beabsichtigten Aufenthalts 
belegen  und  hierfür  über  ausreichende  finanzielle  Mittel  verfügen 
(Bst. c). Im Weiteren dürfen sie nicht im Schengener Informationssys-
tem  (SIS)  zur  Einreiseverweigerung  ausgeschrieben  sein  und  keine 
Gefahr für die öffentliche Ordnung, die innere Sicherheit, die öffentli-
che Gesundheit oder die internationalen Beziehungen eines Mitglied-
staats darstellen (Bst. d und e).

5.2 Die  Einreisevoraussetzungen  gemäss  Schengener  Grenzkodex 
entsprechen im Wesentlichen Art. 5 Abs. 1 Bst. a–d AuG. Das in Art. 5 
Abs. 1 Bst. c SGK genannte Erfordernis, Zweck und Umstände des ge-
planten Aufenthalts zu belegen, wird in Art. 5 Abs. 1 AuG nicht explizit 
erwähnt. Demgegenüber verlangt Art. 5 Abs. 2 AuG, dass im Falle ei-
nes nur vorübergehenden Aufenthalts für die gesicherte Wiederausrei-
se Gewähr zu bieten ist. Dies stellt jedoch kein zusätzliches im natio-
nalen Recht verankertes Erfordernis dar und steht daher nicht im Wi-
derspruch zum Schengener Grenzkodex. Die Angabe des vorüberge-
henden Aufenthaltszwecks stellt  nämlich zugleich eine Absichtserklä-
rung dar, nach Erfüllung dieses Zwecks wieder ausreisen zu wollen. 
Erfolgen widersprüchliche oder unglaubwürdige Angaben zum Aufent-
haltszweck, so kann daraus der Schluss gezogen werden, dass der je-
weilige Gesuchsteller nicht willens ist, nach Ablauf des geplanten Auf-
enthalts den Schengenraum fristgerecht zu verlassen. In diesem Sinne 
äussert  sich auch die Gemeinsame Konsularische Instruktion an die 
diplomatischen  Missionen  und  die  konsularischen  Vertretungen,  die 
von  Berufskonsularbeamten  geleitet  werden  (GKI,  ABl.  C 326  vom 
22.12.2005, S. 1–149), die eine analoge Auslegung vornimmt. Die GKI 
verlangt  hinsichtlich  des Entscheids über  den Visumsantrag die Ein-
schätzung des Migrationsrisikos; es muss geprüft werden, "ob der An-
tragsteller die Absicht hat, in das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten mit 
Hilfe  eines  zu  Touristik-,  Studien-,  Geschäfts-  bzw.  zu  Familienbe-
suchszwecken ausgestellten Visums einzuwandern und sich dort nie-
derzulassen“ (vgl. ABl. C 326, S. 10).  Die laut Art. 5 Abs. 2 SGK zur 
Glaubhaftmachung des Aufenthaltszwecks in Frage kommenden Bele-

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ge werden beispielhaft in Anhang I des Schengener Grenzkodex auf-
gelistet. 

5.3 Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  ist  somit  festzuhalten, 
dass die nach Art. 5 Abs. 1 Bst. c SGK erforderliche Überprüfung des 
Aufenthaltszwecks dieselbe Fragestellung aufwirft wie die Überprüfung 
des in Art. 5 Abs. 2 AuG genannten Merkmals der gesicherten Wieder-
ausreise. Es kann daher an die bisherige Praxis und Rechtsprechung 
bezüglich des letztgenannten Merkmals angeknüpft werden. 

6.
Das Schengen-Recht nimmt eine Differenzierung in Bezug auf die Vi-
sumspflicht  von  Drittstaatsangehörigen  vor.  Die  Verordnung  (EG) 
Nr. 539/2001  des  Rates  vom  15. März  2001  (ABl.  L 81  vom 
21.03.2001, S. 1–7) verweist in Art. 1 Abs. 1 und 2 auf die Anhänge I 
und  II,  welche  jeweils  eine  Liste  von  Drittländern  enthalten.  In  An-
hang I sind diejenigen Drittstaaten aufgelistet, deren Staatsangehörige 
beim Überschreiten der Aussengrenzen der Schengen-Mitgliedstaaten 
im Besitz eines Visums sein müssen; Anhang II dagegen führt diejeni-
gen Drittländer auf, deren Staatsangehörige von der Visumspflicht be-
freit sind. Als türkische Staatsangehörige unterliegt die Gesuchstellerin 
damit der Visumspflicht. 

7.
7.1 Zur Prüfung des Kriteriums der gesicherten Wiederausreise muss 
ein zukünftiges Verhalten beurteilt werden. Dazu lassen sich in der Re-
gel  keine gesicherten Feststellungen,  sondern  lediglich Voraussagen 
machen. Dabei sind sämtliche Umstände des konkreten Einzelfalles zu 
würdigen.

7.2 Anhaltspunkte  zur  Beurteilung der  fristgerechten Wiederausreise 
können sich aus der allgemeinen Situation im Herkunftsland der Besu-
cherin oder des Besuchers ergeben. Einreisegesuche von Bürgerinnen 
und Bürgern aus Staaten bzw. Regionen mit politisch oder wirtschaft-
lich vergleichsweise ungünstigen Verhältnissen können darauf hindeu-
ten,  dass  die persönliche Interessenlage in  solchen Fällen nicht  mit 
dem Ziel  und  Zweck  einer  zeitlich  befristeten  Einreisebewilligung  in 
Einklang steht.

7.3 In der Türkei sind auch heute noch breite Bevölkerungsschichten 
von  vergleichsweise  schwierigen  wirtschaftlichen  und  sozialen  Le-
bensbedingungen  betroffen.  Die  Liberalisierungspolitik  der  letzten 

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Jahrzehnte hat dem Land zwar ein rasches Wirtschaftswachstum, aber 
ebenso  eine  zunehmend  ungleiche  Einkommensverteilung  beschert. 
Das nach der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahre 2001 wieder zu 
beobachtende  Wirtschaftswachstum  hat  der  breiten  Bevölkerungs-
mehrheit  weder mehr Beschäftigung bzw. Einkommen noch grössere 
Konsummöglichkeiten  gebracht.  Insbesondere  die  unteren  Bevölke-
rungsschichten leben weiterhin am Rande des Existenzminimums. Der 
jahrelange innenpolitische Konflikt in den Kurdengebieten im Südosten 
und Osten und die damit  einhergehenden Probleme haben zu einer 
massiven und anhaltenden Landflucht der Bevölkerung in die grösse-
ren Städte der Region sowie in die westlichen Gebiete des Landes ge-
führt,  was  wiederum  eine  Zunahme  der  Arbeitslosenquote  und  der 
ganzen  damit  verbundenen  sozialen  Problematik  nach  sich  zieht. 
Kommt hinzu, dass auch in der türkischen Wirtschaft  inzwischen die 
Folgen der aktuellen globalen Finanzkrise deutlich zu spüren sind. Der 
erhebliche Auftragsrückgang in der Industrieproduktion schlug sich be-
sonders auf die Zahl der Beschäftigten nieder. Im Januar 2009 erreich-
te  die  Arbeitslosenquote  mit  15,5  %  einen  Rekordwert  in  der  Ge-
schichte des Landes (Quelle: Länder- und Reiseinformationen auf der 
Webseite  des  Deutschen  Auswärtigen  Amtes,  www.auswaertiges-
amt.de   > Länder, Reisen und Sicherheit > Türkei > Wirtschaft, Stand 
Mai 2009; besucht am 8. Juni 2009).

Die Verhältnisse in der Türkei spiegeln sich in einer anhaltend hohen 
Emigrationsrate wider. Die Bereitschaft, das Land auf der Suche nach 
besseren Lebensbedingungen zu verlassen, zeigt sich erfahrungsge-
mäss besonders stark bei jüngeren und ungebundenen Personen. Ein 
bestehendes  Beziehungsnetz  (Freunde  oder  Verwandte)  im  Ausland 
ist ein wichtiges Element, das den Auswanderungswillen noch akzen-
tuieren kann.

7.4 In  Anbetracht  der  beschriebenen  Verhältnisse  in  der  Türkei  und 
der damit einhergehenden Migrationsbewegung ist die Beurteilung der 
Vorinstanz,  die  das  Risiko  einer  nicht  fristgerechten  Wiederausreise 
als relativ hoch einschätzte, nicht zu beanstanden. Es wäre jedoch zu 
schematisch und nicht haltbar, generell und ohne spezifische Anhalts-
punkte  ausschliesslich  aufgrund  der  allgemeinen  Lage  in  der  Her-
kunftsregion auf eine nicht hinreichend gesicherte Wiederausreise zu 
schliessen.  Die  allgemeinen  Verhältnisse  entbinden  die  Vorinstanz 
nicht  von  einer  einzelfallbezogenen  Beurteilung.  Namentlich  können 

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http://www.auswaertiges-amt.de/
http://www.auswaertiges-amt.de/

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berufliche, gesellschaftliche oder familiäre Verpflichtungen die Progno-
se einer anstandslosen Wiederausreise begünstigen.

8.
8.1 Bei der Gesuchstellerin handelt es sich um eine 23-jährige, unver-
heiratete  und  kinderlose Frau aus der  Stadt  Adiyaman im Südosten 
der Türkei. Über ihre familiären Verhältnisse vor Ort ist nur gerade be-
kannt, dass dort noch Angehörige leben (so aus den schriftlichen Aus-
künften des Beschwerdeführers gegenüber der Migrationsbehörde des 
Kantons  Basel-Stadt  zu  schliessen).  Es  versteht  sich  allerdings  von 
selbst, dass ein solcher, nicht näher erläuterter Hinweis auf die Exis-
tenz Verwandter nicht schon auf persönliche oder familiäre Verpflich-
tungen  der  Gesuchstellerin  schliessen  lässt,  welche  wiederum  die 
Prognose  einer  fristgerechten  und  anstandslosen  Wiederausreise 
nach einem Besuchsaufenthalt begünstigen könnten. 

8.2 Die  Gesuchstellerin  geht  keiner  Erwerbstätigkeit  nach.  In  ihrem 
persönlichen Visumsantrag liess sie in der Rubrik berufliche Tätigkeit 
„Studentin“  vermerken. Die  nachfolgende Rubrik  „Arbeitgeber/Schule 
oder  Universität“  liess  sie  aber  offen. Der  Beschwerdeführer  gab  in 
diesem Zusammenhang  gegenüber  der  Migrationsbehörde  des Kan-
tons Basel-Stadt an, sein Gast gehe zur Schule. Über weitere Details 
der Ausbildung äusserte er sich hingegen nicht. Auf die Frage, mit was 
sich der Gast nach seiner Rückkehr ins Heimatland beschäftigen wer-
de, vermerkte er „Schule weiter besuchen, evtl. Studium“. Die solcher-
massen spärlichen Angaben auch in diesem Bereich lassen kein Bild 
darüber zu, in welchen wirtschaftlichen Verhältnissen die Gesuchstel-
lerin  lebt  und welche (wirtschaftlichen und beruflichen)  Perspektiven 
sie nach einem Abschluss ihrer Ausbildung voraussichtlich haben wird.

8.3 Vorliegend kommt hinzu,  dass die Gesuchstellerin einen starken 
Bezug zur Schweiz hat, auch wenn sie selbst noch nie hier war. Hier 
lebt nämlich nebst dem Beschwerdeführer, den sie als ihren Verlobten 
bezeichnete, auch noch ein verheirateter Bruder (dies gemäss den An-
gaben des Beschwerdeführers gegenüber der Migrationsbehörde des 
Kantons Basel-Stadt). 

8.4 Die Vorinstanz durfte vor dem allgemeinen und persönlichen Hin-
tergrund demnach davon ausgehen, dass keine hinreichende Gewähr 
für  eine fristgerechte und anstandslose Wiederausreise der  Gesuch-
stellerin nach einem Besuchsaufenthalt besteht. An dieser Beurteilung 
vermögen  die  Zusicherungen  des  Beschwerdeführers  nichts  zu  än-

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dern.  Diese  sind  rechtlich  nicht  verbindlich  und  faktisch  auch  nicht 
durchsetzbar. Als Gastgeber kann der Beschwerdeführer zwar für ge-
wisse finanzielle Risiken im Zusammenhang mit dem Besuchsaufent-
halt, aus nahe liegenden Gründen aber nicht für ein bestimmtes Ver-
halten seines Gastes garantieren (anstelle vieler vgl. Urteile des Bun-
desverwaltungsgerichts  C-204/2008  vom  5. März  2009  E.  8.4  und 
C-3243/2007 vom 10. Juni 2008 E. 5.5). Bleibt anzumerken, dass sich 
die Vorstellungen seines Gastes offenbar nicht in allen Teilen mit den 
seinen decken. So liess die Gesuchstellerin in ihrem persönlichen Ein-
reisegesuch festhalten, dass eine Heirat anlässlich ihres Besuchs bei 
ihrem Verlobten möglich sei. Demgegenüber stellte der Beschwerde-
führer sowohl im Gesuchsverfahren wie auch in seiner Beschwerde in 
Abrede,  konkrete  Heiratspläne zu verfolgen. Beim geplanten Besuch 
gehe es darum, dass er und die Gesuchstellerin sich besser kennen 
lernen könnten. Die Gesuchstellerin sieht ihre nächste Zukunft offen-
bar  schon  heute  in  der  Schweiz,  und  es  kann  –  ohne  die  integren 
Absichten des Beschwerdeführers in Abrede stellen zu wollen – nicht 
ausgeschlossen werden, dass sie, einmal hier, versucht sein könnte, 
ihren Aufenthalt  zu verlängern bzw. auf eine andere rechtliche Basis 
zu stellen. Dies auch deshalb, weil – wie erwähnt – bereits ein Bruder 
hier ansässig ist. 

9.
Aus vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung 
im Lichte von Art. 49 VwVG nicht zu beanstanden ist. Die Beschwerde 
ist daher abzuweisen.

10.
Entsprechend  dem  Ausgang  des  Verfahrens  wird  der  unterliegende 
Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 1, 2 und 3 
Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [SR 173.320.2]).

Dispositiv S. 10

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Sie werden mit dem in gleicher Höhe geleisteten Kostenvor-
schuss verrechnet. 

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben)
- die Vorinstanz (Akten Ref-Nr. 2 327 019 retour)
- die Migrationsbehörde des Kantons Basel-Stadt.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Andreas Trommer Denise Kaufmann

Versand: 

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