# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dc9f6f97-b89b-5275-a9b3-3cb026a8a52a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-07-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.07.2020 A-6511/2019
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_A-6511-2019_2020-07-29.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung I 

A-6511/2019 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 9 .  J u l i  2 0 2 0  

Besetzung 
 Richter Daniel Riedo (Vorsitz), 

Richterin Annie Rochat Pauchard, 

Richterin Sonja Bossart Meier,    

Gerichtsschreiberin Zulema Rickenbacher. 
 

 
 

Parteien 
 A._______ AG, 

[…],   

vertreten durch 

Simone Gasser, Rechtsanwältin, 

[…],  

Beschwerdeführerin,  

 
 

 
gegen 

 
 

Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV, 

Hauptabteilung Mehrwertsteuer, 

[…],    

Vorinstanz.  

 
 

 
 

Gegenstand 
 MWST; Verjährung (2011 - 2013). 

 

 

 

A-6511/2019 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Bei der A._______ AG (nachfolgend: Steuerpflichtige) handelt es sich 

gemäss Eintrag im Handelsregister um eine im Immobiliengeschäft tätige 

Gesellschaft. Seit dem [Datum] 1998 ist sie im Register der mehrwertsteu-

erpflichtigen Personen der Eidgenössischen Steuerverwaltung (nachfol-

gend: ESTV) eingetragen. Gestützt auf die entsprechende Bewilligung der 

ESTV vom [Datum] 1998 rechnet die Steuerpflichtige nach vereinnahmten 

Entgelten ab (vgl. nachfolgend E. 2.1.2 und E. 3.2). 

A.b Anlässlich einer gemäss Modul 11 des Kontrollberichts «im Frühsom-

mer 2015» bzw. gemäss angefochtenem Einspracheentscheid «im April 

2016» (recte wohl April 2015) mündlich angekündigten Mehrwertsteuer-

kontrolle wurden die Steuerperioden 2011 bis und mit 2013 (Zeitraum vom 

1. Januar 2011 bis zum 31. Dezember 2013) überprüft. Auch zum Zeitpunkt 

der Durchführung der Kontrolle befinden sich in den Akten unterschiedliche 

Angaben. So befindet sich im Modul 1 des Kontrollberichts ein handschrift-

licher Eintrag, wonach die Kontrolle am «26. und 27. Mai 2015» stattgefun-

den habe und in Modul 11 die Information, mit der Kontrolle sei im «Herbst 

2015» vor Ort begonnen worden. Im Zuge dieser Kontrolle wurde festge-

stellt, dass eine unübersichtliche Buchführung vorlag, insbesondere Um-

satzabstimmungen auch auf Anfrage hin nicht erhältlich waren, Belege we-

der zeitnah noch einfach verfügbar waren und eine Durchmischung zwi-

schen der Steuerpflichtigen und einem dieser nahestehenden Unterneh-

men vorlag. 

A.c Mit Einschätzungsmitteilung Nr. […] vom 30. März 2017 setzte die 

ESTV die Steuerforderung – gemäss den gestützt auf die Kontrolle vorge-

nommenen Korrekturen – für die genannten Steuerperioden fest. Die Ein-

schätzungsmitteilung ging der Steuerpflichtigen gemäss Zustellnachweis 

am 31. März 2017 zu. 

A.d Mit «Einsprache» vom 27. April 2017 bestritt die Steuerpflichtige die 

Richtigkeit der Einschätzungsmitteilung vom 30. März 2017, wobei die Be-

gründung erst in Aussicht gestellt wurde. Mit Schreiben vom 3. Juli 2017 

ersuchte die Steuerpflichtige um eine Fristerstreckung zur Einreichung 

der Begründung bis «vorläufig Ende September 2017». Es folgten diverse 

Fristerstreckungsgesuche bis die Steuerpflichtige schliesslich mit Eingabe 

vom 26. Januar 2018 die Begründung ihrer Eingabe vom 27. April 2017 

nachreichte. Die Steuerpflichtige rügte, die Umsatzaufrechnung für das 

A-6511/2019 

Seite 3 

Jahr 2011 sei nicht nachvollziehbar und ersuchte um Erläuterung der Be-

rechnung sowie anschliessende Gewährung des rechtlichen Gehörs. 

A.e Nach Prüfung der Vorbringen der Steuerpflichtigen erliess die 

ESTV am 11. März 2019 eine Verfügung. Mit dieser machte sie die Diffe-

renz zwischen der Steuerforderung und der deklarierten Steuer wie folgt 

geltend: 2011: Fr. 12'134.--; 2012: Fr. 1'187; 2013: Fr. 28'384.-- (Total: 

Fr. 41'705.--). 

A.f Gegen die genannte Verfügung erhob die Steuerpflichtige mit Eingabe 

vom 5. April 2019 Einsprache und stellte folgende Anträge: 

1. Es sei festzustellen, dass die Mehrwertsteuerforderung gegenüber der 

Steuerpflichtigen verjährt sei. 

2. Eventualiter: Das Einspracheverfahren sei bis auf Weiteres zu sistie-

ren. 

3. Subeventualiter: Die Verfügung vom 11. März 2019 sei aufzuheben und 

die Mehrwertsteuerforderung gegenüber der Steuerpflichtigen sei für 

die Steuerperioden 2011 - 2013 neu festzusetzen. 

A.g Mit Einspracheentscheid vom 7. November 2019 wies die ESTV die 

Einsprache der Steuerpflichtigen vom 5. April 2019 ab und forderte für die 

Steuerperioden 2011 bis und mit 2013 Fr. 41'705.-- zuzüglich Verzugszins 

von 4% ab dem 31. Dezember 2012 nach. 

B.  

B.a Mit Eingabe vom 9. Dezember 2019 erhob die Steuerpflichtige (nach-

folgend: Beschwerdeführerin) gegen den genannten Einspracheentscheid 

Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht. Beantragt wird – unter 

Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der ESTV – die Aufhebung 

des angefochtenen Entscheides mit der Feststellung, dass die Mehrwert-

steuerforderungen gemäss angefochtenem Entscheid für die Steuerperio-

den 2011 bis und mit 2013 verjährt seien. 

B.b Mit Vernehmlassung vom 17. April 2020 beantragt die ESTV (nachfol-

gend: Vorinstanz), die Beschwerde sei in Bezug auf die Steuerperiode 

2011 aufgrund eingetretener Verjährung gutzuheissen, im Übrigen aber ab-

zuweisen; dies unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin. 

A-6511/2019 

Seite 4 

Auf die konkreten Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Un-

terlagen wird – soweit entscheidwesentlich – im Rahmen der nachfolgen-

den Erwägungen eingegangen. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Vorliegend stellt der an-

gefochtene Einspracheentscheid vom 7. November 2019 eine solche Ver-

fügung dar. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor. Die                

Vorinstanz ist zudem eine Behörde im Sinn von Art. 33 VGG. Das Bundes-

verwaltungsgericht ist demnach für die Beurteilung der vorliegenden Be-

schwerde zuständig. 

1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach 

dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 

1.3 Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin des angefochtenen Ein-

spracheentscheides zur Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG). 

Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50 

Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist nach dem Gesagten einzutreten. 

1.4  

1.4.1 Im Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung 

von Amtes wegen. Das Bundesverwaltungsgericht ist verpflichtet, auf den 

unter Mitwirkung der Verfahrensbeteiligen festgestellten Sachverhalt die 

richtigen Rechtsnormen und damit jenen Rechtssatz anzuwenden, den 

es als den zutreffenden erachtet, und ihm jene Auslegung zu geben, 

von der es überzeugt ist (BGE 119 V 347 E. 1a; ANDRÉ MOSER/MICHAEL 

BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-

gericht, 2013, Rz. 1.54). 

1.4.2 Gemäss der Untersuchungsmaxime trägt die Behörde die Beweis-

führungslast (sog. subjektive oder formelle Beweislast). Gelangt der Rich-

ter trotz genügender Abklärung des Sachverhalts unter Respektierung des 

Untersuchungsgrundsatzes und aufgrund der (freien) Beweiswürdigung 

(vgl. Art. 81 Abs. 3 MWSTG) nicht zur Überzeugung, eine rechtserhebliche 

Tatsache habe sich verwirklicht, so stellt sich die Frage, ob zum Nachteil 

A-6511/2019 

Seite 5 

der Steuerbehörde oder des Steuerpflichtigen zu entscheiden ist, mit an-

deren Worten, wer die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat (sog. ma-

terielle Beweislast; zum Ganzen: Urteil des BVGer A-5892/2018 vom 4. Juli 

2019 E. 1.5.2). Im Steuerrecht gilt grundsätzlich, dass die Steuerbehörde 

für die steuerbegründenden und steuererhöhenden Tatsachen beweisbe-

lastet ist, während der steuerpflichtigen Person der Nachweis der Tatsa-

chen obliegt, welche die Steuerschuld mindern oder aufheben (statt vieler: 

BGE 140 II 248 E. 3.5, 121 II 257 E. 4 c/aa und E. 3 c sowie Urteile des 

BVGer A-3050/2015 vom 6. Oktober 2015 E. 1.4 und A-5556/2019 vom 

28. Mai 2020 E. 1.3.2). 

1.5  

1.5.1 Nach den allgemeinen intertemporalen Regeln sind in verfahrens-

rechtlicher Hinsicht diejenigen Rechtssätze massgebend, welche im Zeit-

punkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (vgl. BGE 130 V 1 

E. 3.2); dies unter Vorbehalt spezialgesetzlicher Übergangsbestimmun-

gen. In materieller Hinsicht sind dagegen grundsätzlich diejenigen Rechts-

sätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden 

Sachverhalts Geltung hatten (vgl. BGE 134 V 315 E. 1.2; zum Ganzen: 

Urteil des BVGer A-5445/2017 vom 3. Januar 2019 E. 1.6.1). 

1.5.2 Der vorliegende Sachverhalt betrifft die Steuerperioden 2011, 2012 

und 2013. Damit kommt in materieller Hinsicht das am 1. Januar 2010 in 

Kraft getretene Mehrwertsteuergesetz – in der jeweils gültigen Fassung – 

zur Anwendung. Dies gilt insbesondere auch für die Bestimmungen zur 

Verjährung, zumal es sich dabei nicht um Verfahrensrecht sondern ein ma-

teriell-rechtliches Institut handelt (BGE 137 II 17 E. 1.1, BGE 126 II 1 E. 2a; 

Urteil des BVGer A-5410/2016 vom 8. November 2017 E. 1.3.2; MICHAEL 

BEUSCH, Der Untergang der Steuerforderung, 2012, S. 282 m.w.H.). 

2.  

2.1  

2.1.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 12. Juni 2009 über 

die Mehrwertsteuer (Mehrwertsteuergesetz, MWSTG; SR 641.20) erhebt 

der Bund gestützt auf Art. 130 BV eine allgemeine Verbrauchssteuer nach 

dem System der Netto-Allphasensteuer (Mehrwertsteuer). Die Steuer be-

zweckt die Besteuerung des nicht unternehmerischen Endverbrauchs im 

Inland (Art. 1 Abs. 1 MWSTG). Soweit hier interessierend, wird als Mehr-

wertsteuer eine Steuer auf den im Inland von steuerpflichtigen Personen 

gegen Entgelt erbrachten Leistungen erhoben (Inlandsteuer; Art. 1 Abs. 2 

Bst. a MWSTG). 

A-6511/2019 

Seite 6 

2.1.2 Über die Steuer wird grundsätzlich nach vereinbarten Entgelten ab-

gerechnet (vgl. Art. 39 Abs. 1 MWSTG), wobei die ESTV der Steuerpflich-

tigen Person auf Antrag gestattet, über die Steuer nach vereinnahmten 

Entgelten abzurechnen (Art. 39 Abs. 2 MWSTG). Im Falle der Abrechnung 

nach vereinnahmten Entgelten – wie sie die Beschwerdeführerin vornimmt 

(vgl. Sachverhalt Bst. A.a) – entsteht die Umsatzsteuerschuld mit der Ver-

einnahmung des Entgelts (Art. 40 Abs. 2 MWSTG). 

2.2  

2.2.1 Die Veranlagung und Entrichtung der Inlandsteuer erfolgt nach 

dem Selbstveranlagungsprinzip. Dies bedeutet, dass der Leistungserbrin-

ger selbst für die Feststellung der Mehrwertsteuerpflicht bzw. -forderung 

verantwortlich ist (vgl. BGE 140 II 202 E. 5.4; Urteile des BVGer 

A-1418/2018 vom 24. April 2019 E. 2.2, A-2788/2018 vom 27. September 

2018 E. 2.6; nichts daran ändert, dass neuere deutschsprachige Bundes-

gerichtsentscheide von «modifizierter Selbstveranlagung» sprechen 

[BGE 144 I 340 E. 2.2.1, mit Hinweisen]; vgl. zum Ganzen: Urteil des 

BVGer A-2978/2019 vom 30. April 2020 E. 2.2.1). 

2.2.2 Gemäss Art. 34 Abs. 1 Bst. a MWSTG wird die Mehrwertsteuer je 

«Steuerperiode» erhoben. Als Steuerperiode gilt grundsätzlich das Kalen-

derjahr (vgl. Art. 34 Abs. 2 und Abs. 3 MWSTG). Dies stellt gegenüber 

dem bis Ende 2009 geltenden Recht insofern eine Neuerung dar, als 

dass die Steuerperiode erstmals klar definiert wird (MICHAEL BEUSCH, in: 

Geiger/Schluckebier [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über die 

Mehrwertsteuer [nachfolgend: MWSTG-Kommentar 2019], 2. Aufl. 2019, 

N 5 zu Art. 34). Innerhalb der Steuerperiode erfolgt die Abrechnung der 

Steuer in der Regel vierteljährlich (Art. 35 Abs. 1 Bst. a MWSTG). Das 

heisst, eine «Steuerperiode» umfasst grundsätzlich vier «Abrechnungspe-

rioden» à drei Monate (Quartalsabrechnungen). Nach Art. 71 Abs. 1 

MWSTG hat die steuerpflichtige Person gegenüber der ESTV innert 60 Ta-

gen nach Ablauf der Abrechnungsperiode unaufgefordert in der vorge-

schriebenen Form über die Steuerforderung abzurechnen. 

2.2.3 Rechtskräftig wird die Steuerforderung durch eine in Rechtskraft er-

wachsene Verfügung, einen in Rechtskraft erwachsenen Einspracheent-

scheid oder ein in Rechtskraft erwachsenes Urteil (Art. 43 Abs. 1 Bst. a 

MWSTG), die schriftliche Anerkennung oder die vorbehaltlose Bezahlung 

einer Einschätzungsmitteilung durch die steuerpflichtige Person (Art. 43 

Abs. 1 Bst. b MWSTG) oder den Eintritt der Festsetzungsverjährung 

(Art. 43 Abs. 1 Bst. c MWSTG). 

A-6511/2019 

Seite 7 

2.3  

2.3.1 Das Recht, eine Steuerforderung festzusetzen, verjährt gemäss 

Art. 42 Abs. 1 MWSTG fünf Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem 

sie entstanden ist («relative Verjährungsfrist»). 

Die Verjährung kann unterbrochen werden. Das bedeutet, dass die Verjäh-

rungsfrist im Zeitpunkt des Zugangs der verjährungsunterbrechenden      

Erklärung oder Handlung neu zu laufen beginnt (BAUMGARTNER/CLAVADET-

SCHER/KOCHER, Vom alten zum neuen Mehrwertsteuergesetz, 2010, § 8 

N 45). Wird die Verjährung durch die steuerpflichtige Person unterbrochen, 

beträgt die relative Frist ab Unterbrechung wiederum fünf Jahre. Wird die 

Verjährung hingegen durch die ESTV oder eine Rechtsmittelinstanz unter-

brochen, so beträgt die neu beginnende Frist zwei Jahre (vgl. Art. 42 Abs. 3 

MWSTG). Diese relative Verjährungsfrist kann bis zum Zeitpunkt der «ab-

soluten Festsetzungsverjährung» (vgl. nachfolgend E. 2.3.2) unterbrochen 

werden (Art. 42 Abs. 2 und Abs. 6 MWSTG; vgl. BLUM, in: MWSTG-Kom-

mentar 2019, N 32 zu Art. 78). 

Verjährungsunterbrechend wirken gemäss Art. 42 Abs. 2 MWSTG eine 

«auf Festsetzung oder Korrektur der Steuerforderung gerichtete emp-

fangsbedürftige schriftliche Erklärung», eine «Verfügung», ein «Ein-

spracheentscheid» oder ein «Urteil». Sodann wird die Verjährungsfrist 

auch mit der (schriftlichen) Ankündigung einer Kontrolle nach Art. 78 Abs. 3 

MWSTG oder mit dem Beginn einer unangekündigten Kontrolle unterbro-

chen. 

2.3.2 Das Recht, die Steuerforderung festzusetzen, verjährt in jedem Fall 

zehn Jahre nach Ablauf der Steuerperiode, in der die Steuerforderung ent-

standen ist («absolute Verjährungsfrist»; Art. 42 Abs. 6 MWSTG). 

2.3.3 Die Verjährung der Mehrwertsteuerforderung ist von Amtes wegen 

zu prüfen (BGE 142 II 182 E. 3.2.1, BGE 138 II 169 E. 3.2, BGE 133 II 366 

E. 3.3; BVGE 2009/12 E. 6.3.1). 

3.  

Im vorliegenden Verfahren bestreitet die Beschwerdeführerin die konkrete 

Höhe der mit Einspracheentscheid vom 7. November 2019 festgesetzten 

Steuernachforderung von gesamthaft Fr. 41'705.-- für die Steuerperioden 

2011 bis und mit 2013 nicht. Sie verweist lediglich darauf, dass die Fest-

setzungsverjährung betreffend diese Steuerperioden bereits eingetreten 

sei (vgl. Sachverhalt Bst. B.a). Somit bilden weder die Begründetheit noch 

A-6511/2019 

Seite 8 

die Höhe der Forderung Streitgegenstand und es ist im Rahmen des vor-

liegenden Verfahrens einzig die Verjährungsfrage zu klären. 

3.1 Das Gericht hat den Eintritt der Verjährung von Amtes wegen zu prüfen 

(vgl. E. 2.3.3). Das bedeutet, dass ein Beschwerdeführer die Verjährung 

nicht selbst geltend zu machen braucht, damit sie – falls eingetreten – be-

rücksichtigt wird. Umgekehrt hat dies auch zu bedeuten, dass das Gericht 

den Eintritt der Verjährung ebenso unabhängig zu prüfen hat, wenn die Vor-

instanz – wie im vorliegenden Fall – anlässlich der Vernehmlassung im Be-

schwerdeverfahren zum Ergebnis gelangt, die Festsetzungsverjährung sei 

in Bezug auf eine bestimmte Steuerperiode bereits eingetreten (vgl. nach-

folgend E. 3.2.1.3). 

3.2 Wie erwähnt, verjährt das Recht, eine Steuerforderung festzusetzen, 

fünf Jahre nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem sie entstanden ist 

(E. 2.3.1). Die «Steuerforderung» bzw. die «Steuerschuld» entsteht ge-

mäss Gesetz im Falle der Abrechnung nach vereinnahmten Entgelten 

– wie sie die Beschwerdeführerin vornimmt (Sachverhalt Bst. A.a) – zum 

Zeitpunkt der Vereinnahmung des Entgelts (E. 2.1.2). 

3.2.1 Für die Steuerperiode 2011 bedeutet dies im vorliegenden Fall Fol-

gendes: 

3.2.1.1 Alle Entgelte, welche die Beschwerdeführerin im Jahr 2011 für steu-

erbare Leistungen vereinnahmt hat, sind für die Berechnung der Steuer-

schuld bzw. Steuerforderung für die Steuerperiode 2011 heranzuziehen 

(vgl. E. 2.1.2). Daraus folgt, dass die gesamte Steuerschuld bzw. Steuer-

forderung für die Steuerperiode 2011 zwischen dem 1. Januar 2011 und 

dem 31. Dezember 2011 entstanden ist. Da das Recht, die Steuerforde-

rung festzusetzen, nach dem unmissverständlichen Gesetzeswortlaut, fünf 

Jahre «nach Ablauf des Kalenderjahres, in welchem die Steuerforderung 

entstanden ist» endet, begann die Verjährungsfrist für die gesamte Steuer-

forderung der Steuerperiode 2011 am 1. Januar 2012 und hätte – ohne 

Unterbruch – am 31. Dezember 2016 geendet. Daraus wird ersichtlich, 

dass die Argumentation der Beschwerdeführerin, wonach jede einzelne 

Quartalsabrechnung eine eigene Verjährungsfrist auslöse, welche indivi-

duell unterbrochen werden müsse, jeder Grundlage entbehrt. 

3.2.1.2 Wie in Erwägung 2.3.1 festgehalten, kann die Festsetzungsverjäh-

rung unterbrochen werden. Dies geschieht gemäss Gesetz u.a. durch eine 

A-6511/2019 

Seite 9 

auf Festsetzung oder Korrektur der Steuerforderung gerichtete empfangs-

bedürftige schriftliche Erklärung, eine Verfügung, einen Einspracheent-

scheid oder ein Urteil. Da Verfügungen im Gesetz explizit neben den «emp-

fangsbedürftigen schriftlichen Erklärungen» genannt werden, steht entge-

gen der Auffassung der Beschwerdeführerin fest, dass Letztere keine Ver-

fügungen sein und auch keinen Verfügungscharakter aufweisen müssen. 

Auch Einschätzungsmitteilungen sind schriftliche Erklärungen, welche der 

Festsetzung bzw. Korrektur der Steuerforderung dienen. Dass ihnen ver-

jährungsunterbrechende Wirkung zukommt, hat das Bundesverwaltungs-

gericht bereits entschieden (vgl. Urteil A-6544/2012 vom 12. September 

2013 E. 4.5). 

3.2.1.3 Im vorliegenden Fall begann die Verjährungsfrist am 1. Januar 

2012 zu laufen und hätte ohne Unterbrechung am 31. Dezember 2016 ge-

endet (E. 3.2.1.1). Da die Einschätzungsmitteilung der ESTV vom 30. März 

2017 der Beschwerdeführerin am 31. März 2017 zugegangen ist (vgl. 

Sachverhalt Bst. A.c), geht die Vorinstanz (allerdings erst seit ihrer Ver-

nehmlassung im vorliegenden Beschwerdeverfahren) davon aus, dass die 

Festsetzungsverjährung betreffend die Steuerperiode 2011 bereits einge-

treten ist – und zwar selbst unter ihrer Annahme, dass der 4. Quartalsab-

rechnung, welche am 21. März 2012 eingereicht worden war, verjährungs-

unterbrechende Wirkung zukomme. Das Gericht erachtet letztere An-

nahme als fraglich, verzichtet aber an dieser Stelle auf weitere Ausführun-

gen diesbezüglich, zumal sich die Beantwortung dieser Frage im vorliegen-

den Fall als nicht entscheidrelevant erweist. Dass die Verjährung für die 

Steuerperiode 2011 eingetreten ist, würde jedenfalls zutreffen, sofern zwi-

schen dem 1. Januar 2012 und dem 31. Dezember 2016 keine anderwei-

tige verjährungsunterbrechende Handlung stattgefunden hat. Wie es sich 

damit verhält, ist aufgrund des in Erwägung 3.1 Gesagten im Folgenden zu 

prüfen. 

3.2.1.4 Neben der hier bereits beschriebenen Unterbrechungshandlung 

(Einschätzungsmitteilung) wirkt beispielsweise auch eine von der ESTV 

durchgeführte Kontrolle verjährungsunterbrechend. Wie in Erwägung 2.3.1 

erwähnt, werden Kontrollen in Angekündigte und Unangekündigte unter-

schieden, wobei erstere die Regel sind. Nur in begründeten Fällen kann 

eine «unangekündigte Kontrolle» durchgeführt werden (Art. 78 Abs. 3 

MWSTG). Daraus folgt – soweit hier interessierend – dass eine formell in-

korrekt angekündigte Kontrolle nicht automatisch als «unangekündigte 

Kontrolle» im Sinne des Gesetzes gewertet werden und somit nicht ohne 

A-6511/2019 

Seite 10 

Weiteres nach den diesbezüglichen Bestimmungen hinsichtlich der Verjäh-

rungsunterbrechung vorgegangen werden kann.  

Das Gesetz sieht vor, dass die Verjährungsfrist im Falle einer angekündig-

ten Kontrolle mit (Zugang) der schriftlichen Ankündigung bei der steuer-

pflichtigen Person unterbrochen wird. Bei unangekündigten Kontrollen er-

folgt der Unterbruch mit Beginn der Kontrolle (E. 2.3.1). Im vorliegenden 

Fall hat unbestrittenermassen eine angekündigte Kontrolle stattgefunden, 

wobei die Ankündigung nur mündlich erfolgt ist. Ob dies dazu führt, dass 

die Kontrolle überhaupt nicht verjährungsunterbrechend wirkt, oder ob al-

lenfalls auch auf den Zeitpunkt der mündlichen Ankündigung abgestellt 

werden könnte, wäre durch Auslegung zu eruieren. Anlässlich des hier zu 

beurteilenden Falles erübrigt sich dies allerdings, zumal das genaue Da-

tum der mündlichen Ankündigung nicht festgehalten worden bzw. nicht ak-

tenkundig ist (vgl. Sachverhalt Bst. A.b). Da sich die verjährungsunterbre-

chende Wirkung einer Ankündigung der Kontrolle vorliegend zu Gunsten 

der ESTV auswirken würde, wäre diese für den Umstand beweisbelastet, 

dass die (bloss mündliche) Ankündigung der Kontrolle tatsächlich nicht vor 

dem 31. März 2015 erfolgt ist, sondern innerhalb der entsprechenden zwei-

jährigen Frist der Festsetzungsverjährung bis zum 31. März 2017 (Zustel-

lung der Einschätzungsmitteilung). Dass ihr dieser Nachweis einzig mit 

dem Hinweis, die Ankündigung der Kontrolle habe «im Frühsommer 2015» 

bzw. «im April 2015» (vgl. Sachverhalt Bst. A.b) stattgefunden misslingt, 

wird auch ihr selbst bewusst gewesen sein, ist sie doch zum Schluss ge-

kommen, dass die Verjährung bereits eingetreten sei. 

Andere verjährungsunterbrechende Handlungen sind im vorliegenden Fall 

weder ersichtlich noch werden solche geltend gemacht. Angesichts des-

sen, ist dem Antrag der Vorinstanz auf Gutheissung der Beschwerde in Be-

zug auf die Steuerperiode 2011 stattzugeben. 

3.2.2 Im Weiteren ist auf die Steuerperioden 2012 und 2013 einzugehen: 

3.2.2.1 Entsprechend dem in Erwägung 3.2.1.1 Dargelegten, begann die 

Verjährungsfrist für die Festsetzung der Steuerforderung betreffend die 

Steuerperiode 2012 am 1. Januar 2013 und hätte ohne Unterbrechung am 

31. Dezember 2017 geendet (E. 2.3.1). Daraus wird ersichtlich, dass die 

Unterbrechung durch die ESTV mit Einschätzungsmitteilung vom 30. März 

2017 (vgl. Sachverhalt Bst. A.c) rechtzeitig erfolgt ist. Im Weiteren wurde 

die Verjährungsfrist spätestens mit der Verfügung der Vorinstanz vom 

11. März 2019 (vgl. Sachverhalt Bst. A.e) erneut rechtzeitig unterbrochen. 

A-6511/2019 

Seite 11 

Die nächsten Unterbrüche erfolgten durch die Beschwerdeführerin mit Ein-

sprache vom 5. April 2019 sowie durch die Vorinstanz mit Einspracheent-

scheid vom 7. November 2019. Die absolute Verjährungsfrist betreffend die 

Steuerperiode 2012 tritt mit Ablauf des 31. Dezember 2022 ein. 

3.2.2.2 Da die relative Festsetzungsverjährung betreffend die Steuerperi-

ode 2012 wie gezeigt noch nicht eingetreten ist, ist sie es im vorliegenden 

Fall auch für die Steuerperiode 2013 nicht. Dasselbe gilt selbstredend hin-

sichtlich der absoluten Verjährung (vgl. E. 2.3.2). 

3.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die relative Verjährung betref-

fend die Steuerperiode 2011 im vorliegenden Fall eingetreten und die Be-

schwerde, den übereinstimmenden Anträgen der Parteien entsprechend, 

insoweit gutzuheissen ist. Das bedeutet, dass sich das Total der mit dem 

angefochtenen Einspracheentscheid geltend gemachten Steuerkorrektur 

(Fr. 41'705.--; vgl. Sachverhalt A.g) um Fr. 12'134.-- (vgl. Sachverhalt A.e) 

und damit auf Fr. 29'571.-- reduziert. Hingegen ist betreffend die Steuerpe-

rioden 2012 und 2013 weder die relative noch die absolute Festsetzungs-

verjährung eingetreten, weshalb die Beschwerde diesbezüglich abzuwei-

sen ist. 

4.  

4.1 Die Verfahrenskosten werden in der Regel der unterliegenden Partei 

auferlegt; unterliegt diese nur teilweise, so werden die Verfahrenskosten 

ermässigt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Insgesamt sind die Verfahrenskosten auf 

Fr. 3’000.-- festzusetzen (vgl. Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]) und der zu 

rund einem Drittel obsiegenden Beschwerdeführerin im Umfang von 

Fr. 2’000.-- aufzuerlegen. Letzterer Betrag ist dem geleisteten Kostenvor-

schuss von Fr. 3'000.-- zu entnehmen. Der Restbetrag von Fr. 1'000.--

ist der Beschwerdeführerin nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden 

Urteils zurückzuerstatten. 

Der Vorinstanz können keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 63 

Abs. 2 VwVG). 

4.2 Der teilweise obsiegenden Beschwerdeführerin ist für die notwendigen 

und verhältnismässig hohen Kosten ihrer Vertretung eine reduzierte Par-

teientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 Abs. 2 

A-6511/2019 

Seite 12 

VGKE). Die Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht. In An-

wendung von Art. 14 Abs. 2 VGKE und unter Berücksichtigung der gesam-

ten Umstände erscheint eine reduzierte Parteientschädigung von praxis-

gemäss Fr. 1'500.-- als angemessen. 

 

Das Dispositiv befindet sich auf der folgenden Seite.  

A-6511/2019 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird in Bezug auf die Steuerperiode 2011 gutgeheissen, 

im Übrigen aber abgewiesen. 

2.  

Die Verfahrenskosten werden auf Fr. 3’000.-- festgesetzt und der Be-

schwerdeführerin im Umfang von Fr. 2'000.-- auferlegt. Letzterer Betrag 

wird dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 3’000.-- entnommen. Der 

Restbetrag von Fr. 1’000.-- wird der Beschwerdeführerin nach Eintritt der 

Rechtskraft des vorliegenden Urteils zurückerstattet. 

3.  

Die Vorinstanz wird verpflichtet, der Beschwerdeführerin eine reduzierte 

Parteientschädigung in Höhe von Fr. 1'500.-- zu bezahlen. 

4.  

Dieses Urteil geht an: 

– die Beschwerdeführerin (Gerichtsurkunde) 

– die Vorinstanz (Ref-Nr. […]; Gerichtsurkunde) 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniel Riedo Zulema Rickenbacher 

 

Rechtsmittelbelehrung: 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen nach Eröffnung beim Bun-

desgericht, 1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Ange-

legenheiten geführt werden (Art. 82 ff., 90 ff. und 100 BGG). Die Frist ist 

gewahrt, wenn die Beschwerde spätestens am letzten Tag der Frist beim 

Bundesgericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen 

A-6511/2019 

Seite 14 

Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Ver-

tretung übergeben worden ist (Art. 48 Abs. 1 BGG). Die Rechtsschrift ist in 

einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung 

mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten. Der ange-

fochtene Entscheid und die Beweismittel sind, soweit sie die beschwerde-

führende Partei in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). 

 

Versand: