# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cfeb1948-8dac-55cc-8480-06dc13ffa608
**Source:** Luzern (LU)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 
**Language:** de
**Title:** LU LGVE fragenkatalog_fpg_d.pdf?rev=b2ff731962eb4b5e90033fb828276a5e
**Docket/Reference:** fragenkatalog_fpg_d.pdf?rev=b2ff731962eb4b5e90033fb828276a5e
**URL:** https://gerichte.lu.ch/-/media/Gerichte/Dokumente/rechtsprechung/fragenkatalog_fpg_d.pdf?rev=b2ff731962eb4b5e90033fb828276a5e

## Full Text

AG FPRM/Fem

Fragenkatalog für forensisch-psychiatrische Begutachtungen

Hinweis: Erläuterungen zu den Fragen befinden sich am Schluss dieses Dokuments.

1.  Zur Frage nach einer psychischen Störung der beschuldigten Person:

a)  Hat die Untersuchung ergeben, dass die beschuldigte Person an einer psychischen Störung

gemäss einem anerkannten Klassifikationssystem leidet? Wenn ja, an welcher?

b) Welche psychischen Funktionen sind in welcher Art und in welchem Ausmass beeinträchtigt
(lebenspraktische Auswirkungen)? Wie ordnet sich die begutachtete Person hinsichtlich der
Ausprägung ihrer psychischen Störung in die Gesamtgruppe der Personen mit einer psy-
chischen Störung sowie in die entsprechende Diagnosekategorie ein?

2.  Zur Frage nach einer psychischen Störung zum Tatzeitpunkt/im Tatzeitraum und
  der Schuldfähigkeit (Art. 19 Abs. 1 und 2 StGB):

a)  Hat  die  Untersuchung ergeben, dass die beschuldigte Person zur Tatzeit/im Tatzeitraum
an einer  psychischen  Störung  gemäss einem  anerkannten  Klassifikationssystem gelitten
hat? Wenn ja, an welcher?

b)  Welche psychischen Funktionen waren in welcher Art und in welchem Ausmass beeinträch-
tigt (lebenspraktische Auswirkungen)? Wie ordnet sich die begutachtete Person hinsichtlich
der Ausprägung ihrer psychischen Störung in die Gesamtgruppe der Personen mit einer
psychischen Störung sowie in die entsprechende Diagnosekategorie ein?

c) Waren die Beeinträchtigungen der psychischen Funktionen der beschuldigten Person zur
Zeit der Tat(en) geeignet, deren Fähigkeit zur Einsicht in das Unrecht der Tat(en) oder zum
Handeln gemäss dieser Einsicht (Art. 19 Abs. 1 StGB) aufzuheben? Worin begründet sich
Ihre Einschätzung?

d)  Waren die Beeinträchtigungen der psychischen Funktionen der beschuldigten Person zur
Zeit der Tat(en) geeignet, deren Fähigkeit zur Einsicht in das Unrecht der Tat(en) oder zum
Handeln gemäss dieser Einsicht (Art. 19 Abs. 2 StGB) erheblich zu beeinträchtigen? Worin
begründet sich Ihre Einschätzung?

e) Im Falle einer erheblichen Beeinträchtigung gemäss Ziff. 2 lit. d: In welchem Ausmass schät-
zen Sie  diese Beeinträchtigung ein  (leicht-,  mittel- oder schwergradig)? Worin begründet
sich Ihre Einschätzung?

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern I Maulbeerstrasse 10 I Postfach I 3001 Bern I Tel. +41 31 636 25 00 I www.ssk-cps.ch

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3.  Zur Wahrscheinlichkeit zukünftiger strafbarer Handlungen:

a)  Soweit auf den konkreten Fall anwendbar: Welche statistisch relevanten Risikofaktoren für
zukünftige strafbare Handlungen bestehen bei der untersuchten Person? Wie ordnet sich
die  begutachtete  Person  in  der  Gesamtschau  im  Vergleich  zu  einem  gedachten  durch-
schnittlichen Täter in der vergleichbaren Deliktskategorie ein?

b)  Welche  individuellen  bzw.  klinischen  Risikofaktoren  für  zukünftige  strafbare  Handlungen

bestehen bei der untersuchten Person?

c)  Welche zukünftigen strafbaren Handlungen sind somit bei der untersuchten Person mit wel-

cher Wahrscheinlichkeit zu erwarten?

d)  Mit welcher Verlässlichkeit (wissenschaftlicher Evidenz) kann diese Beurteilung erfolgen?

4.  Zu einer strafrechtlichen Massnahme (Art. 59-61, 63 und 64 StGB)

a)  Besteht die für die Tatzeit festgestellte psychische Störung weiterhin?

b)  Wenn  ja: Welche  psychischen  Funktionen  sind  in  welcher Art  und  in  welchem  Ausmass
beeinträchtigt oder können in Zukunft beeinträchtigt sein (lebenspraktische Auswirkungen)?
Wie  ordnet  sich  die  begutachtete  Person  hinsichtlich  der  Ausprägung  ihrer  psychischen
Störung  in  die  Gesamtgruppe  der  Personen  mit einer  psychischen  Störung  sowie  in  die
entsprechende Diagnosekategorie ein?

c)  Stand(en) die vorgeworfene(n) Tat(en) damit in kausalem Zusammenhang?

d)  Gibt es für die festgestellte psychische Störung eine Behandlung? Gibt es wissenschaftliche
Evidenz oder klinische Erfahrung hinsichtlich der Möglichkeit  durch  eine Behandlung die
Rückfallwahrscheinlichkeit zu senken? Wenn ja, in welchem Ausmass? Wenn ja, worin be-
steht  eine  solche  Behandlung?  Mit  welcher  Behandlungsdauer  ist  erfahrungsgemäss  zu
rechnen?

e)  Welche strafrechtliche Massnahme ist bezüglich Therapiewirksamkeit am besten geeignet,
die Rückfallwahrscheinlichkeit zu reduzieren (Massnahme gemäss Art. 59, 60 oder 63 StGB
bzw. eine Kombination mehrerer Massnahmen)?

  Mit welchen allfälligen, den Therapieerfolg fördernden oder kompromittierenden Faktoren
und  welchen  konkreten  positiven  oder  negativen  Auswirkungen  auf  den  Therapieerfolg
muss im Fall der Anordnung der empfohlenen Massnahme gerechnet werden?

g)  Kann die ambulante Behandlung (sofern eine solche empfohlen werden sollte) auch wäh-
rend oder erst nach dem Vollzug einer Freiheitsstrafe durchgeführt werden bzw. würde
der vorausgehende oder gleichzeitige Vollzug einer Freiheitsstrafe diese Behandlung ver-
unmöglichen oder erheblich beeinträchtigen oder nicht? Aus welchen Gründen?

h)  Existiert eine zur Behandlung geeignete Vollzugseinrichtung bzw. Fachklinik?

i)   Ist die beschuldigte Person bereit und in der Lage, einer Behandlung zuzustimmen und sich

dieser zu unterziehen?

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j)   Könnte allenfalls auch eine gegen den Willen der beschuldigten Person angeordnete Be-
handlung die Wahrscheinlichkeit von strafbaren Handlungen senken? Wenn ja, in welchem
Ausmass?

k)  Falls der Täter zur Zeit der Tat noch nicht 25 Jahre alt war: Ist er in seiner Persönlichkeits-
entwicklung gestört? In welcher Art und in welchem Ausmass? Besteht ein Zusammenhang
zwischen der Störung der Persönlichkeitsentwicklung und der vorgeworfenen Tat sowie der
unter Ziff. 3 festgestellten Rückfallwahrscheinlichkeit? Ist eine Massnahme nach Art. 61
StGB  (allenfalls  in  Ergänzung  zu  den  unter  Ziff.  4e  genannten  Massnahmen)  geeignet,
diese Rückfallwahrscheinlichkeit zu reduzieren? Können Sie Empfehlungen zu einer geeig-
neten Einrichtung abgeben?

l)  Falls von Seiten des Gerichts oder der Staatsanwaltschaft die Anordnung einer Verwah-
rung in Erwägung gezogen wird: Besteht die Gefahr erneuter Katalogdelikte i.S.v. Art. 64
StGB aufgrund einer anhaltenden oder lang dauernden psychischen Störung mit erhebli-
chen lebenspraktischen Auswirkungen, oder besteht die Gefahr aufgrund von Persönlich-
keitsmerkmalen der beschuldigten Person, der Tatumstände oder ihrer gesamten Lebens-
umstände?

5. Andere Massnahmen

Gibt es aus sachverständiger Sicht Alternativen oder Ergänzungen zur Anordnung einer straf-
rechtlichen Massnahme,  um die Wahrscheinlichkeit von zukünftigen  strafbaren Handlungen
günstig zu beeinflussen? Wenn ja, welche sind das und wie können sie umgesetzt werden?

6. Weitere Bemerkungen

Gibt Ihnen der Fall zu ergänzenden Bemerkungen Anlass?

V 3.7.2020

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