# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4e32babb-2db9-505a-83e2-05cdf33ee47a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-05-17
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 17.05.2018 E-4062/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4062-2015_2018-05-17.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-4062/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 7 .  M a i  2 0 1 8  

Besetzung 
 Richterin Constance Leisinger (Vorsitz), 

Richter Hans Schürch, Richterin Sylvie Cossy, 

Gerichtsschreiberin Sandra Bodenmann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Türkei,   

vertreten durch lic. iur. Serif Altunakar, Rechtsberatung, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

(vormals: Bundesamt für Migration [BFM]), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 28. Mai 2015 / N (…). 

 

 

 

E-4062/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

I. 

A.  

Der Beschwerdeführer – ein aus B._______ (Provinz Istanbul) stammen-

der türkischer Staatsangehöriger kurdischer Ethnie mit letztem Wohnsitz in 

Diyarbakir – verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen Angaben am 

20. September 2011, reiste am 25. September 2011 in die Schweiz ein und 

stelle am 27. September 2011 im Asyl- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

Kreuzlingen ein Asylgesuch. Am 7. Oktober 2011 wurde er im EVZ sum-

marisch befragt und am 5. Dezember 2011 durch das BFM eingehend zu 

seinen Asylgründen angehört. 

Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend, 

er sei als Kurde stets von den türkischen Behörden unterdrückt worden. 

Sein Vater sei Mitglied der Partiya Karkerên Kurdistan (PKK) und ab 1994 

in den Bergen gewesen; er lebe seit Jahren in der Schweiz als anerkannter 

Flüchtling. Auch sein Bruder C._______ habe sich der PKK angeschlos-

sen; seit 1997 habe er nichts mehr von seinem Bruder gehört. Seine 

Schwester (D._______) habe sich ebenfalls der PKK angeschlossen, sie 

sei dann aber aus gesundheitlichen Gründen wieder zur Familie zurückge-

kehrt. Seine Onkel väterlicherseits seien umgebracht worden.  

Aufgrund dieser familiären Umstände habe er in seinem Heimatland keine 

Arbeit gefunden. Der Name E._______ sei der Polizei bekannt gewesen. 

Er sei seit Kindesalter – etwa ab 1989 – von den Behörden nicht in Ruhe 

gelassen worden; diese hätten stets wissen wollen, wo sich sein Vater und 

sein Bruder C._______ aufhalten würden. Seine Mutter sei immer wieder 

festgenommen worden. Er sei oftmals auf der Strasse kontrolliert und mehr 

als zehnmal festgehalten worden; die längste Festnahme habe drei Tage 

gedauert. Als seine Familie im Jahr 2005/2006 nach Diyarbakir gezogen 

sei, habe er sich einen auf einen anderen Namen lautenden, gefälschten 

Identitätsausweis beschafft, um die Probleme, die er aufgrund seiner Zu-

gehörigkeit zur Familie E._______ gehabt habe, zu vermeiden. Er sei aber 

immer wieder als Angehöriger der Familie E._______ "dechiffriert" worden. 

Nach dem Wegzug des Vaters habe er mit seiner Familie mehrmals inner-

halb der Türkei den Wohnort gewechselt; sie seien aber an allen Orten 

erneut behelligt worden. In Diyarbakir habe er die Unterdrückung am 

stärksten erlebt; möglicherweise weil er bereits älter gewesen sei. Zudem 

habe er sich nicht an der Universität immatrikulieren können, weil er den 

E-4062/2015 

Seite 3 

Militärdienst noch nicht geleistet habe; es könne von ihm jedoch nicht ver-

langt werden, dass er im Militärdienst gegen seinen Bruder kämpfe.  

Seit 2004 sei er Mitglied beim Menschenrechtsverein İnsan Hakları 

Derneği (IHD) und seit 2006 Mitglied der Partei Baris ve Demokrasi Partisi 

(BDP). Zu den letzten von ihm vor der Ausreise erlittenen Behelligungen 

durch türkische Sicherheitskräfte, welche schliesslich zum Ausreiseent-

schluss geführt hätten machte er Folgendes geltend: Er sei  an Neujahr 

2011 und nach der Nevrozfeier im März 2011 auf den Polizeiposten 

F._______ (Diyarbakir) mitgenommen und zu seinem Vater und Bruder ver-

hört worden. Bei dieser Anhörung sei er misshandelt worden. Er habe zu-

nächst damit umgehen können, aber als seine Mutter auch behelligt wor-

den sei, sei dies zu viel geworden. Seine letzte Festnahme sei im August 

2011 auf der G._______ bei Istanbul erfolgt, wegen eines Streits, an wel-

chem er nicht beteiligt gewesen sei. Die Behörden hätten ihn auch anläss-

lich dieser Festnahme zu seinen Familienangehörigen befragt. Einige Tage 

später habe er bei der Staatsanwaltschaft als Zeuge aussagen müssen, es 

sei jedoch nie ein Gerichtsverfahren gegen ihn eingeleitet worden.  

Der Beschwerdeführer reichte sowohl den gefälschten als auch seinen 

echten Identitätsausweis (Nüfus Cüzdani) sowie seinen Ausweis des Men-

schenrechtsvereins IHD zu den Akten. 

B.  

Mit Verfügung vom 14. Juni 2012 verneinte das BFM die Flüchtlingseigen-

schaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die 

Wegweisung aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an.  

C.  

Mit Beschwerde vom 18. Juli 2012 focht der Beschwerdeführer diese Ver-

fügung beim Bundesverwaltungsgericht an.  

D.  

Das Bundesverwaltungsgericht hiess mit Urteil vom 3. Juli 2014 (Entscheid 

E-3811/2012) die Beschwerde gut, hob die Verfügung des BFM vom 

14. Juni 2012 auf und wies die Sache zur erneuten Sachverhaltsabklärung 

und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. 

Zur Begründung führte das Gericht aus, es könne trotz der (damals) ver-

besserten Menschenrechtslage in der Türkei nicht generell ausgeschlos-

sen werden, dass Angehörige von PKK-Anhängern in der Türkei misshan-

delt und gefoltert würden oder zumindest begründete Furcht hätten, Opfer 

E-4062/2015 

Seite 4 

von asylrelevanter Reflexverfolgung zu werden. Sowohl zum Bruder, der 

gemäss Angaben des Beschwerdeführers noch immer für die PKK in der 

Türkei tätig sei, als auch zu den weiteren Familienangehörigen, würden in 

der angefochtenen Verfügung und der Vernehmlassung keine Überlegun-

gen angestellt, obwohl konkrete Verwandte bezeichnet worden seien. Der 

Beschwerdeführer habe vorgetragen, gewisse Verwandte befänden sich 

wegen Reflexverfolgung in politischer Haft oder seien erst vor Kurzem ent-

lassen worden. 

Es hätten sich zur Prüfung einer flüchtlingsrelevanten Reflexverfolgung 

weitere Abklärungen zur aktuellen Situation des Vaters und des Bruders 

als auch zu weiteren Verwandten aufgedrängt. Das BFM sei in der ange-

fochtenen Verfügung selbst davon ausgegangen, dass sich der Vater seit 

den 1970er Jahren für die PKK engagiert habe und sich auch in der 

Schweiz für kurdische Anliegen einsetze. Der Vater sei vom BFM am 3. Ok-

tober 2007 als Flüchtling anerkannt und vorläufig aufgenommen worden, 

nachdem Asylausschlussgründe vorgelegen hätten. Er habe über Jahre 

hinweg im Sinne der PKK politisiert und in verschiedenen Staaten als eine 

Art Diplomat fungiert. Er habe sich während eines Jahres als persönlicher 

Gast des PKK-Führers Abdullah Öcalan in dessen damaligem Hauptquar-

tier in Syrien befunden, habe sich in unmittelbarer Nähe zum engsten Füh-

rungskreis der PKK aufgehalten und dabei namhafte Beiträge zum Aufbau 

der Organisation geleistet. Es sei durchaus denkbar, dass der Vater auch 

zum heutigen Zeitpunkt noch für die PKK aktiv sei, weshalb die vorinstanz-

liche Argumentation, behördliche Behelligungen seien 18 Jahre nach der 

Ausreise des Vaters Ausreise aus der Türkei unwahrscheinlich, ins Leere 

laufe. Die Vorinstanz habe unterlassen, den Beschwerdeführer zur aktuel-

len Situation des Vaters, des Bruders und der weiteren Verwandten mit an-

geblicher PKK-Nähe vertiefte Fragen zu stellen. Zudem habe sie darauf 

verzichtet, entsprechende Unterlagen der besagten Familienangehörigen, 

die sich allesamt in der Schweiz in einem Asylverfahren befinden würden 

oder eines durchlaufen hätten, beizuziehen. Im Weiteren verwies das Ge-

richt auf die Verfahren der Schwester (D._______; D-3725/2012) und der 

Cousine des Beschwerdeführers (D-1554/2013), in welchen die Vorinstanz 

angewiesen worden sei, die Reflexverfolgungssituation der Betreffenden 

umfassend abzuklären. 

Die im Verfahren D-3725/2012 beigezogenen Verfahrensakten der Eltern 

H._______ und I._______; N […]) und weiterer Familienangehörigen des 

E-4062/2015 

Seite 5 

Beschwerdeführers hätten ergeben, dass einige Verwandte wegen politi-

scher Betätigung für kurdische Organisationen und Parteien in der Türkei 

zu teilweise mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden seien.  

Die Vorinstanz habe den für die Frage der Reflexverfolgung relevanten 

Sachverhalt nicht in rechtsgenüglicher Weise abgeklärt und dadurch den 

rechtlichen Gehörsanspruch verletzt. Beim Beschwerdeführer würden sich 

bei einer Rückkehr gleichermassen die Frage einer drohenden Reflexver-

folgung stellen. Der Sachverhalt sei aus den gleichen Gründen wie bei der 

Schwester auch bei ihm unvollständig abgeklärt worden.  

II. 

E.  

Am 13. April 2015 fand eine zusätzliche Anhörung des Beschwerdeführers 

durch das SEM statt.  

Dabei brachte dieser ergänzend vor, er stehe immer noch in Kontakt mit 

seinen in Diyarbakir lebenden Schwestern. Diese seien Mitglieder der BDP 

und hätten sich – wie ihre Ehemänner – bei den (damals bevorstehenden) 

Wahlen engagiert. Sie würden von den Behörden unterdrückt, unter ande-

rem wegen ihrer in der Schweiz lebenden Familienangehörigen. Es würden 

ständig Polizeikontrollen durchgeführt. Seine Schwestern hätten ihm be-

richtet, dass die Polizei davon ausgehe, dass er in die Berge geflohen sei. 

Die Polizei habe sich auch bei Freunden nach ihm erkundigt. Sein älterer 

Bruder C._______, der sich 1996/1997 der PKK angeschlossen habe, 

halte sich zurzeit in J._______, Syrien auf und beteilige sich am Kampf. 

Der Beschwerdeführer halte über das Internet und Twitter mit diesem Bru-

der Kontakt. Zudem seien mehrere Verwandte, namentlich Nichten, Neffen 

und Cousins seiner Eltern (insbesondere K._______) sowie die Schwester 

und eine Cousine eines Vaters (L._______), mit welchem der Beschwer-

deführer in Istanbul und Diyarbakir im gleichen Haus gewohnt habe, bei 

der PKK und hielten sich in den Bergen auf. Bei seinen eigenen Festnah-

men in der Türkei sei er damals nach L._______, K._______ und deren 

Kindern verhört worden.  

Er selbst engagiere sich auch in der Schweiz politisch. Sein Vater sei eben-

falls Mitglied der BDP in der Schweiz und werbe aktiv Leute an für die Wah-

len. Seine in der Schweiz lebende Schwester D._______ (N […]) habe psy-

chische Probleme, unter anderem wegen des PKK-Hintergrunds der Fami-

lie E._______ und der sich daraus ergebenden Probleme.  

E-4062/2015 

Seite 6 

Anlässlich der geltend gemachten Festnahmen durch die Polizei sei er zur 

Zusammenarbeit angehalten worden; man habe über ihn zu Informationen 

über weitere Personen gelangen wollen. Im Fall einer Rückkehr in die Tür-

kei befürchte er, dem gleichen Druck ausgesetzt zu werden wie seine Ver-

wandten. Nachdem er bereits einige Militärdienstaufgebote erhalten habe, 

würde er zudem in den Militärdienst eingezogen und dabei riskieren, unter 

einem Vorwand umgebracht zu werden.  

F.  

Mit Schreiben vom 17. April 2015 gewährte das SEM dem Beschwerdefüh-

rer das rechtliche Gehör zu Widersprüchen innerhalb seines Sachverhalts-

vortrages und gab ihm Gelegenheit, sich hierzu schriftlich zu äussern. Ins-

besondere wurde ausgeführt, der Beschwerdeführer habe eine Wohnge-

meinschaft mit seiner Grosscousine L._______ in Istanbul und Diyarbakir 

vorgetragen. Zudem habe er angegeben, mit seiner Schwester D._______ 

und deren Familie in Diyarbakir gelebt zu haben. Aus den Akten von 

L._______ (N […]) würden sich keine Hinweise ergeben, dass diese über-

haupt einmal in Diyarbakir gelebt oder gar mit dem Beschwerdeführer zu-

sammengewohnt habe. Auch seine Schwester D._______ habe keine ent-

sprechende Wohngemeinschaft erwähnt. 

G.  

In seiner Stellungnahme vom 1. Mai 2015 führte der Beschwerdeführer 

aus, er sei mit L._______ verwandt; diese werde in der Türkei immer noch 

gesucht; sie habe sich oft verstecken müssen, um sich einer polizeilichen 

Festnahme zu entziehen. Bevor sie ins Ausland geflüchtet sei, sei sie auch 

für kurze Zeit in Diyarbakir gewesen; während dieses Kurzaufenthaltes 

habe sie die Familie des Beschwerdeführers besucht; damals habe der 

Beschwerdeführer mit seiner Mutter und weiteren Geschwistern zusam-

mengewohnt. Er habe L._______ das letzte Mal in Diyarbakir gesehen. 

Vorher habe diese (versteckt) und zusammen mit ihm in Istanbul gelebt, 

was aktenkundig sei. Er habe an seiner Anhörung vom 13. April 2015 von 

einem Besuch von L._______ gesprochen und nicht gesagt, dass sie mit 

ihm in Diyarbakir gelebt habe. Die betreffende Protokollstelle sei falsch 

übersetzt worden. 

H.  

Mit Verfügung vom 28. Mai 2015 – eröffnet am 30. Mai 2015 – verneinte 

das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein 

Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete 

deren Vollzug an. 

E-4062/2015 

Seite 7 

Zur Begründung führte die Vorinstanz aus, die geltend gemachte Re-

flexverfolgung des Beschwerdeführers in Bezug auf seinen  Vater er-

scheine im Kern glaubhaft. Sein Vater halte sich seit 2005 in der Schweiz 

auf und sei als anerkannter Flüchtling vorläufig aufgenommen. Es sei be-

kannt, dass sich der Vater in den 1970-er Jahren für die PKK engagiert 

habe und sich auch in der Schweiz weiterhin für kurdische Anliegen ein-

setze. Daher sei auch glaubhaft, dass die Familie des Beschwerdeführers 

wegen des Vaters unter einem gewissen Druck gestanden und mehrmalige 

Kontrollen und allenfalls Mitnahmen auf den Polizeiposten habe über sich 

ergehen lassen müssen.  

Es bestünden vorliegend aber Zweifel an der Intensität und Häufigkeit der 

geltend gemachten Behelligungen  dem Beschwerdeführer gegenüber. 

Seine diesbezüglichen Vorbringen hätten sich teilweise als unglaubhaft er-

wiesen, weshalb grundsätzlich von weniger ernsthaften Massnahmen aus-

gegangen werde. Im Rahmen seiner Anhörungen habe der Beschwerde-

führer nur wenig konkrete Ausführungen gemacht, insbesondere zur Häu-

figkeit von Übergriffen und zu den näheren Umständen seiner Festnah-

men. Er habe keine einzige Festnahme konkret und detailliert schildern 

können. In der ergänzenden Anhörung habe er auch keine genauen Anga-

ben über die Probleme seiner Schwestern und deren Ehemänner angege-

ben und die Nachfragen nach den letzten Polizeikontrollen nur vage beant-

wortet. Er habe weder die Anzahl noch die Regelmässigkeit oder die unge-

fähren Daten dieser Kontrollen angegeben, obwohl es dabei um seine per-

sönliche Gefährdung gehe. Seine Ausführungen über die Mitgliedschaft 

seiner Schwester bei der PKK seien unsubstanziiert und ausweichend aus-

gefallen. Gemäss seinen eigenen Angaben lebe diese Schwester seit Jah-

ren in der Türkei ohne Mitglied der PKK zu sein oder grössere behördliche 

Probleme zu haben. Es sei daher nicht nachvollziehbar, weshalb die Be-

hörden den Beschwerdeführer noch immer über die Zeit seiner Schwester 

bei der PKK ausfragen sollten. Es sei bekannt, dass bei Festnahmen auf 

einem Polizei- oder Gendarmerieposten in der Türkei den betroffenen Per-

sonen eine Festnahmebestätigung ausgestellt werde. Da der Beschwerde-

führer mehr als zehn Mal auf einen Posten mitgenommen worden und bis 

zu drei Tage festgehalten worden sein solle, sei es praktisch unmöglich, 

dass diesem nie eine Festnahmebestätigung ausgehändigt worden sei.   

Ungeachtet dessen würden die geschilderten Massnahmen der türkischen 

Behörden auch keine asylrelevante Intensität aufweisen. So sei der Be-

schwerdeführer zwar regelmässig mitgenommen und befragt worden und 

er habe Schwierigkeiten gehabt, eine Arbeit zu finden. Doch sei gegen ihn 

E-4062/2015 

Seite 8 

weder ein politisch motiviertes strafrechtliches Verfahren eingeleitet noch 

sei er in Gefängnishaft genommen worden. Obwohl anerkannt werde, dass 

die erlittenen Belästigungen durchaus unangenehm seien, würden diese 

kein menschenwürdiges Leben in der Türkei verunmöglichen und daher 

die geforderte Intensität einer asylrelevanten Verfolgung nicht erreichen.  

Es sei zudem unwahrscheinlich, dass die türkischen Behörden ihn wäh-

rend 18 Jahren regelmässig nach seinem Vater gefragt haben sollen, ob-

wohl der Vater während all dieser Jahrer nie zu Hause angetroffen worden 

sei. Der Vater habe sich seit 1994 im Ausland aufgehalten, weshalb nicht 

nachvollzogen werden könne, weshalb die Familie die Behörden nicht ent-

sprechend informiert habe. Es dürfe auch davon ausgegangen werden, 

dass die Behörden vom Auslandaufenthalt des Vaters gewusst hätten und 

den Druck auf die Familie nach jahrelangen erfolglosen Kontrollen verrin-

gert hätten. Der Familienname des Beschwerdeführers sei in der Türkei ein 

sehr häufiger Name, weshalb nicht geglaubt werden könne, dass der Be-

schwerdeführer nur deswegen bei Kontrollen immer wieder mitgenommen 

worden sei. Nachdem er eine gefälschte Identitätskarte mit einem anderen 

Namen benutzt habe, sei zudem wenig wahrscheinlich, dass die Polizeibe-

amten den Beschwerdeführer jeweils erkannt hätten. Es könne angesichts 

der Grösse der Stadt Diyarbakir mit 800‘000 Einwohnern und des Um-

stands, dass der Beschwerdeführer ursprünglich aus Istanbul stamme und 

erst im Jahr 2006 nach Diyarbakir gezogen sei, nicht davon ausgegangen 

werden, dass er der örtlichen Polizei besonders bekannt gewesen sei und 

ständig Probleme gehabt habe.  

Es könne nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, dass der Beschwer-

deführ wegen seines Bruders C._______ in der Vergangenheit von den 

Behörden befragt worden sei. Es sei jedoch nicht davon auszugehen, dass 

die türkischen Behörden ihn seit mehr als zehn Jahren aus diesem Grund 

belästigen würden, ausser es bestünde der Verdacht, dass er in engem 

Kontakt zu diesem Bruder stehen würde, was offensichtlich nicht zutreffe.  

Man sei auch im Falle der Mutter und der Schwester des Beschwerdefüh-

rers im jeweiligen Asylverfahren zum Schluss gekommen, dass diese nicht 

in asylbeachtlicher Weise gefährdet seien. Ausserdem könne von den an-

geblichen Belästigungen der beiden in der Türkei lebenden Schwestern im 

Zusammenhang mit deren Engagement bei den Lokalwahlen nicht abge-

leitet werden, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr besonders 

gefährdet wäre.  

E-4062/2015 

Seite 9 

Bei den beiden Anhörungen habe der Beschwerdeführer, abgesehen von 

der Kernfamilie, weitere Verwandte nicht erwähnt und somit nicht direkt 

geltend gemacht, dass er derentwegen Probleme gehabt habe. Die Perso-

nen, welchen in der Schweiz Asyl gewährt worden sei, seien selbst asylre-

levanten Nachteilen ausgesetzt gewesen. Der Beschwerdeführer habe 

selbst angegeben, seine Grosscousine M._______ (N […]) sei als Gemein-

depräsidentin in N._______ angeklagt worden und ihr würden vierzig Jahre 

Haft drohen. Auf die Asylgründe seiner weiteren Verwandten (Gross-cou-

sine L._______, N […] und deren Söhne O._______, N […] und P._______, 

N […], Grossonkel Q._______, N […] und dessen Frau; sowie die Nichte 

der genannten Grosscousine, R._______, N […]) dürfe aus Datenschutz-

gründen nicht näher eingegangen werden. Es habe nicht bei allen diesen 

Personen eine asylrelevante Verfolgung bejaht werden können, sondern 

lediglich bei denjenigen, die selbst politisch sehr aktiv gewesen seien und 

deswegen konkreten asylbeachtlichen Nachteilen ausgesetzt gewesen 

seien. Daraus ergebe sich, dass gezielt gegen politisch aktive Personen 

vorgegangen werde und viel weniger gegen deren Verwandte. Diese Per-

sonen würden an teils weit entfernten Orten leben und die Beziehung des 

Beschwerdeführers zu ihnen sei nur sehr oberflächlich. Daher seien keine 

konkreten Zusammenhänge zu diesen Verwandten auszumachen, welche 

auf eine Reflexverfolgung deuten könnten. Obwohl er an der ergänzenden 

Anhörung behauptet habe, L._______ und für kurze Zeit auch deren 

Söhne, hätten in Istanbul und in Diyarbakir mit ihm gelebt, könne dieses 

Vorbringen nicht geglaubt werden. Es könne nur von blossen Besuchen 

ausgegangen werden, denn der Beschwerdeführer sei in den vorangegan-

genen Befragungen konkret nach Mitbewohnern gefragt worden, habe 

diese aber in diesem Zusammenhang nicht erwähnt. Es könne daher keine 

über ein normales verwandtschaftliches Verhältnis hinausgehende, enge 

Beziehung ausgemacht werden, welche für eine Reflexverfolgung von be-

sonderem Interesse sein könnte. Das gleiche gelte auch für die anderen 

aufgezählten Verwandten, zu welchen er noch weniger Kontakt gepflegt 

habe. Die in der Beschwerde vom 18. Juli 2012 geltend gemachte Ermor-

dung zweier Onkel in den Jahren 1993 und 1994 sei für die Einschätzung 

der heutigen Gefährdungslage nicht mehr relevant.  

Nach dem Militärputsch vom 12. September 1980 sei es oft zu Repressio-

nen gegenüber Familienangehörigen von Personen gekommen, welche 

von den Behörden als Aktivisten separatistisch oder extremistisch einge-

stufter Gruppierungen verdächtigt worden seien. Derartige Reflexverfol-

gungsmassnahmen seitens der türkischen Behörden seien bis Ende der 

1990er Jahre verbreitet gewesen. Heute präsentiere sich die Lage jedoch 

E-4062/2015 

Seite 10 

anders: die Türkei habe seit dem Jahr 2001 im Hinblick auf die Beitrittsver-

handlungen mit der EU eine Reihe von Reformen beschlossen, die zu einer 

deutlichen Verbesserung der Menschenrechtslage geführt hätten und dazu 

beitragen würden, dass sich in der Türkei eine schrittweise Annäherung an 

europäische Standards vollziehe. Seit der Einführung von zusätzlichen 

Strafverfahrensgarantien im Juni 2005 habe sich insbesondere die Rechts-

sicherheit verbessert, wodurch die früher verbreitete behördliche Willkür 

weitgehend verdrängt worden sei. Eine dennoch von Übergriffen betroffene 

Person habe heute die Möglichkeit, sich dagegen zur Wehr zu setzen, bei-

spielsweise mit Hilfe eines Anwaltes oder einer Menschenrechtsorganisa-

tion. Da der Beschwerdeführer Mitglied des IHD gewesen sei, sei nicht ver-

ständlich, weshalb er entsprechende Schritte nicht vorgenommen habe.  

Es könne insgesamt nicht davon ausgegangen werden, dass der Be-

schwerdeführer wegen seines familiären Umfeldes mit beachtlicher Wahr-

scheinlichkeit und in absehbarer Zukunft von Reflexverfolgungsmassnah-

men ernsthaften Ausmasses betroffen werden könnte. Es erübrige sich da-

her, die Möglichkeit einer innerstaatlichen Fluchtalternative zu prüfen.   

Zu der in der ergänzenden Anhörung vorgetragenen Teilnahme an Anläs-

sen und Demonstrationen in der Schweiz sei festzustellen, dass der Be-

schwerdeführer keine bestimmte Funktion im (…)verein innegehabt und 

sich nicht anderweitig öffentlich exponiert habe. Seine Tätigkeiten seien 

vergleichbar mit denjenigen einer Vielzahl von Kurden in der Schweiz. Es 

sei nicht anzunehmen, dass er deswegen ins Visier der türkischen Behör-

den geraten sei.  

In der Türkei würden Personen ausschliesslich aufgrund ihrer Staatsange-

hörigkeit, des Alters, des Geschlechts und der medizinischen Tauglichkeit 

zum Militärdienst aufgeboten. Mit der Einberufung liege somit keine Verfol-

gung aufgrund eines asylbeachtlichen Motivs vor. Bezüglich seiner Militär-

dienstpflicht habe sich der Beschwerdeführer zudem widersprüchlich ge-

äussert. So habe er einerseits angegeben, er hätte bereits 2002 dem Mili-

tärdienst antreten müssen; er habe nie ein Aufgebot erhalten. Andererseits 

habe er zu Protokoll gegeben, 2002 ein Aufgebot erhalten zu haben; die 

Vorladungen habe er sofort vernichtet. Da er oft umgezogen sei, habe er 

nie mehr etwas vom Militärdienst gehört. Als er sich 2010 bei der Universi-

tät habe einschreiben wollen sei ihm dies verweigert worden mit der Be-

gründung, dass er noch keinen Militärdienst geleistet habe. Dabei handle 

es sich um ein legitimes Druckmittel der Behörden. In der Türkei gebe es 

E-4062/2015 

Seite 11 

zudem zahlreiche Möglichkeiten, keinen oder nur einen abgekürzten Mili-

tärdienst leisten zu müssen. Der Beschwerdeführer sei zweimal nach Zy-

pern gereist, um dort zu arbeiten und habe bei der Wiedereinreise in die 

Türkei keine Probleme gehabt. Es stehe daher gar nicht fest, dass der Be-

schwerdeführer bei einer Rückkehr überhaupt Militärdienst leisten müsste. 

Diese Vorbringen seien daher nicht asylrelevant.  

Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug zulässig, zumutbar und möglich.  

I.  

Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 29. Juni 2015 erhob der Be-

schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die 

Verfügung des SEM vom 28. Mai 2015. Er beantragte die Aufhebung der 

Verfügung, die Feststellung seiner Flüchtlingseigenschaft und die Gewäh-

rung von Asyl; eventualiter sei wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungs-

vollzuges die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher 

Hinsicht wurde der Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses 

beantragt. 

Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, der Beschwerdefüh-

rer stamme aus einer Familie, die sich seit langer Zeit für die kurdische 

Sache engagiere. Aufgrund der politischen Aktivitäten der einzelnen Fami-

lienangehörigen werde der Familie seitens der türkischen Behörden ein 

„terroristenfreundliches Umfeld“ zugeschrieben. Dabei wurde auf zwölf na-

mentlich genannte Familienmitglieder und auf deren aktuelle Situation 

(Aufenthaltsort und -status) verwiesen.  

Die Vorinstanz bestreite die Angaben des Beschwerdeführers hinsichtlich 

der Reflexverfolgung wegen seines Vaters im Kern nicht. Der Vater habe 

sich seit den 1970er Jahren für die PKK engagiert, habe die Türkei vor 

mehreren Jahren aus politischen Gründen verlassen müssen und lebe in 

der Schweiz als anerkannter Flüchtling. Mehrere nahe und entfernte Ver-

wandte des Beschwerdeführers hätten ebenfalls aus politischen Gründen 

ins Ausland flüchten müssen; manche seien in der Türkei im Gefängnis. 

Die ganze Familie und Verwandte seien aufgrund ihrer politischen Aktivi-

täten den türkischen Behörden bekannt; die Familie sei fichiert und stigma-

tisiert. Wie der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Anhörung angegeben 

habe, seien er und andere Familienangehörigen vor allem wegen des Va-

ters und des Bruders C._______ im Visier der Behörden gestanden. Die 

Ausführungen der Vorinstanz zur Demokratisierung und Verbesserung der 

Menschenrechtssituation würden nicht oder nur beschränkt zutreffen. 

E-4062/2015 

Seite 12 

Hierzu wurde auf die Politik des türkischen Staates gegen die kurdische 

Bevölkerung, insbesondere auf das rigide Vorgehen gegen kurdische Po-

litaktivisten, verwiesen. Die Lage sei zudem wegen der Erfolge der Kurden 

in Syrien sehr angespannt. In den letzten Jahren seien über 6‘000 kurdi-

sche Politiker und Sympathisanten der legalen kurdischen Partei DTP (De-

mokratik Toplum Partisi) und der BDP verhaftet worden. Die AKP-(Adalet 

ve Kalkınma Partisi; Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) Regierung 

habe schon längst mit der Umsetzung der versprochenen Reformen auf-

gehört.  

Vorliegend müsse davon ausgegangen werden, dass zumindest eine Re-

flexverfolgung vorliege. Die asylrechtliche Praxis gehe von der Existenz ei-

ner Reflexverfolgung für Familienmitglieder von gesuchten oder inhaftier-

ten Personen in der Türkei aus (vgl. Entscheide und Mitteilungen der Asyl-

rekurskommission [EMARK] 1993 Nr. 6). Zahlreichen nahen und entfern-

ten Verwandten des Beschwerdeführers sei aus politischen Gründen be-

reits Asyl gewährt worden. 

Der Militärdienst sei nicht der Hauptgrund, sondern nur ein Mitgrund für die 

Flucht des Beschwerdeführers gewesen. Die Furcht des Beschwerdefüh-

rers, dass auch ihm während des Militärdienstes Gefahr drohe, sei jedoch 

begründet. Der Nachname „E._______“ sei einem grossen kurdischen 

Stamm zuzuordnen. Dessen Angehörige lebten mehrheitlich in der Provinz 

Sirnak, wo seit Jahrzehnten ein erbarmungsloser Krieg zwischen der PKK 

und den türkischen Armeeeinheiten stattfinde. Fast der ganze Familien-

stamm sei seit der Erklärung des bewaffneten Kampfes an den türkischen 

Staat im Jahr 1984 PKK-freundlich, was den Behörden bekannt sei.  

Wie der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme vom 1. Mai 2015 be-

reits erwähnt habe, habe er in Diyarbakir nicht mit L._______ gewohnt; 

seine Familie sei von ihr einige Tage lang besucht worden. 

Es treffe nicht zu, dass die Angaben des Beschwerdeführers zu den per-

sönlich erlittenen Festnahmen oder in Bezug auf die Mitgliedschaft seiner 

Schwester bei der PKK unglaubhaft seien. Die Behauptung der Vorinstanz, 

wonach bei jeder Festnahme eine entsprechende Bestätigung ausgehän-

digt werde, sei unbegründet geblieben. Es sei ihm weder ein Hausdurch-

suchungsbefehl noch eine Befragungsprotokoll ausgehändigt worden, was 

bei einem politischen Hintergrund und insbesondere in den kurdischen 

Provinzen üblich sei. Er stehe im Visier der türkischen Behörden und sei 

E-4062/2015 

Seite 13 

im Fall einer Rückkehr asylbeachtlichen Nachteilen ausgesetzt. Der Weg-

weisungsvollzug sei jedenfalls unzumutbar, weshalb er – wie seine 

Schwester – vorläufig aufzunehmen sei. 

J.  

Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 7. Juli 2015 

wurde festgestellt, dass der Beschwerdeführer den Ausgang des Verfah-

rens in der Schweiz abwarten könne. Gleichzeitig wurde auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses verzichtet. 

K.  

In seiner Vernehmlassung vom 13. Dezember 2016 führte das SEM ergän-

zend aus, die Situation des Beschwerdeführers habe sich in Bezug auf eine 

allfällige Reflexverfolgung wegen seines Vaters, seines Bruders und der 

weiteren Verwandtschaft trotz der Verschlechterung der Menschenrechts-

lage in der Türkei nicht verändert. Aus den Verfahrensakten gingen keine 

Hinweise vor, dass die engsten Familienmitglieder wieder verstärkt ins Vi-

sier der Behörden gelangt seien. Insbesondere der Vater habe sich ge-

mäss den Akten exilpolitisch nicht öffentlich exponiert, weshalb sich das 

Interesse der türkischen Behörden gegenüber dem Beschwerdeführer 

nicht verändert haben dürfte. 

Der Asylantrag der Schwester D._______ (N […]) sei ebenfalls abgelehnt 

worden, da das SEM zum Schluss gekommen sei, dass weder eine asyl-

relevante Verfolgung, noch eine begründete Furcht vor einer zukünftigen 

Verfolgung vorliege. Deren vorläufige Aufnahme sei verfügt worden, weil 

ihr eine Rückkehr aus persönlichen Gründen nicht zugemutet werden 

könne, und nicht weil sie in der Türkei asylrechtlich gefährdet sei.  

Im Weiteren habe der Beschwerdeführer die Möglichkeit, in Istanbul wieder 

seinen Wohnsitz aufzunehmen, wenn er nicht nach Diyarbakir zurückkeh-

ren wolle. Es sei zudem zwar nicht auszuschliessen, dass Kurden in der 

türkischen Armee vermehrten Schikanen durch ihre türkischen Kameraden 

und Vorgesetzten ausgesetzt sein könnten. Bei diesen Schikanen handle 

es sich jedoch nicht um ernsthafte Nachteile im Sinne des AsylG, weshalb 

das Vorbringen betreffend Militärdienst nicht asylrelevant sei.  

L.  

Mit Replikeingabe vom 6. Januar 2017 hielt der Beschwerdeführer daran 

fest, dass er angesichts seines familiären Hintergrundes in der Türkei einer 

Reflexverfolgung unterliege. Es sei erstaunlich, dass das SEM von einer 

E-4062/2015 

Seite 14 

Verschlechterung der Menschenrechtslage ausgehe, aber trotzdem keine 

Gefahr darin sehe, den Beschwerdeführer ins Heimatland zurückzuschi-

cken. Die Lage in der Türkei habe sich insbesondere seit Juli 2015 ver-

schlimmert und es komme täglich zu Verhaftungen. Hunderttausende Be-

amte, Lehrer, Ärzte und weitere Personen seien bereits unter dem Deck-

mantel der Unterstützung einer Terrororganisation aus ihrem Dienst entlas-

sen worden. Tausende Richter und Staatsanwälte, die der AKP- Regierung 

missfallen hätten, seien ihres Amtes enthoben worden. Hunderte von kriti-

schen Journalisten und Intellektuelle seien in Haft; das AKP-Regime tole-

riere keine Opposition. 

In fast allen kurdischen Städten herrsche immer noch eine bürgerkriegs-

ähnliche Situation. Es komme täglich zu Zusammenstössen zwischen der 

PKK und den türkischen Armeeeinheiten. Seit dem Putschversuch vom Juli 

2017 werde das Land per Dekret von Staatspräsidenten Erdogan, der sich 

inzwischen zu einem Diktator entwickelt habe, regiert. Das Parlament habe 

keine Funktionen mehr und die Gewaltenteilung sei praktisch aufgehoben. 

Die Türkei habe die Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der 

Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) in den kurdischen 

Gebieten ausgesetzt. Dort sei den Sicherheitskräften für ihr Vorgehen ge-

gen die „Terroristen“ Straffreiheit zugesichert worden. Jeden Tag würden 

kurdische Politiker, HDP-Sympathisanten sowie Kurden, die verdächtigt 

würden, mit der PKK zu sympathisieren, festgenommen; dafür reiche be-

reits ein geringer Verdacht. Das SEM habe diese Tatsachen bei ihrer Wür-

digung der Situation des Beschwerdeführers bewusst ausgeblendet. Die 

Lage sei in der ganzen Türkei sehr angespannt, weshalb der Beschwerde-

führer überall Gefahr laufen würde, jederzeit verhaftet zu werden, insbe-

sondere zumal er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit behörd-

lich registriert sei. Vor diesem Hintergrund sei auch seine Furcht im Zusam-

menhang mit seiner Militärdienstpflicht begründet.  

M.  

Am 1. November 2017 teilte die unterzeichnende Richterin dem Beschwer-

deführer mit, dass sie ab sofort als Instruktionsrichterin für das vorliegen-

den Beschwerdeverfahrens eingesetzt worden sei. 

N.  

Mit Eingabe vom 1. Dezember 2017 hielt der Beschwerdeführer ergänzend 

fest, seit der Aufkündigung der Friedensverhandlungen zwischen dem tür-

kischen Staat und der PKK im Juli 2015 und dem gescheiterten Putschver-

such am 16. Juli 2017 habe sich die Lage in der Türkei zu Ungunsten des 

E-4062/2015 

Seite 15 

Beschwerdeführers radikal verändert. Dazu wurde auf Länderanalysen der 

Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) vom 7. Juli 2017 und vom 19. Mai 

2017 verwiesen.  

Gleichzeitig reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers seine Kos-

tennote ein. 

O.  

Am 28. Dezember 2017 liess sich das SEM nochmals vernehmen und hielt 

ergänzend fest, der Beschwerdeführer habe im Rahmen des Beschwerde-

verfahrens keine individuellen Gründe geltend gemacht, weshalb er infolge 

der neuen Situation in der Türkei besonders gefährdet wäre, sondern habe 

nur die allgemeine Lage beschrieben. 

P.  

In seiner Eingabe vom 6. Februar 2018 verwies der Beschwerdeführer 

nochmals auf seine politischen Aktivitäten sowie auf die Lage seines Vaters 

und der anderweitigen Familienangehörigen und schloss auf eine persön-

lich begründete Reflexverfolgungssituation. Im Falle einer Rückschaffung 

würde er mit Sicherheit verhaftet und könne nicht mit einem fairen Verfah-

ren rechnen.  

Zur Stützung seiner Vorbringen wurde ein Internet-Bericht des Tagesanzei-

ger: „Wer Frieden sagt, landet im Gefängnis“ vom 5. Februar 2018 nach-

gereicht. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

E-4062/2015 

Seite 16 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG; 

Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).  

2.1 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet befürchten muss, 

welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Or-

gane des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt wor-

den sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 

E. 5.2). 

2.2 Begründete Furcht vor Verfolgung liegt vor, wenn konkreter Anlass zur 

Annahme besteht, eine Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt 

der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit 

verwirklicht beziehungsweise werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit 

ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Eine 

bloss entfernte Möglichkeit künftiger Verfolgung genügt nicht; es müssen 

konkrete Indizien vorliegen, welche den Eintritt der erwarteten – und aus 

einem der vom Gesetz aufgezählten Motive – erfolgenden Benachteiligung 

als wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch 

und nachvollziehbar erscheinen lassen (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2). 

2.3 Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffe-

nen Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexver-

folgung vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Re-

flexverfolgung betroffene Person ernsthaften Nachteilen im Sinne von 

Art. 3 Abs. 2 AsylG ausgesetzt ist oder sie die Zufügung solcher Nachteile 

E-4062/2015 

Seite 17 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründet 

befürchten muss (vgl. BVGE 2007/19 E. 3.3). Dabei kommen in einem sol-

chen Kontext bei der Prüfung einer begründeten Furcht vor Verfolgung be-

weiserleichternde Grundsätze zur Anwendung (vgl. dazu insbesondere E-

MARK 1993 Nr. 6, E. 4, S. 38 mit weiteren Verweisen; Weiterführung dieser 

Praxis durch die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, bei-

spielsweise im Urteil des BVGer E-2734/2015 vom 16. April 2018 mit wei-

terem Verweis auf Urteil E-3738/2006 vom 5. Februar 2009 E. 5.3.1).   

2.4 Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die 

Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-

troffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichen-

den Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E.7.2.6.2, BVGE 2008/4 

E. 5.2).  

2.5 Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situ-

ation im Zeitpunkt des Entscheides, wobei erlittene Verfolgung oder im 

Zeitpunkt der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfolgung auf 

eine andauernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen der Situa-

tion im Heimat- oder Herkunftsstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid 

sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsuchenden Person zu berücksich-

tigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2, BVGE 2010/9 E. 5.2, BVGE 2007/31 E. 5.3 

f., jeweils m.w.H.). 

2.6 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

3.  

Nach einer Prüfung aller Verfahrensakten und unter Mitberücksichtigung 

der für die Beurteilung des vorliegenden Asylbeschwerdeverfahrens beige-

zogenen Asylverfahrensakten, insbesondere der Eltern des Beschwerde-

führers (H._______ und I._______; N […]), kann das Bundesverwaltungs-

gericht die Erwägungen der Vorinstanz zur Unglaubhaftigkeit der Vorbrin-

gen des Beschwerdeführers und zu deren fehlender Asylrelevanz nicht be-

stätigen. Vielmehr kommt es zum Schluss, dass die Angaben des Be-

E-4062/2015 

Seite 18 

schwerdeführers ein zusammenhängendes glaubhaftes Gesamtbild wie-

dergeben, welches flüchtlings- und asylrechtlich von Relevanz ist. Dabei 

ist hervorzugeben, dass die vom Beschwerdeführer geschilderten Ereig-

nisse und die daraus abgeleitete Verfolgungssituation sich weitestgehend 

mit den entsprechenden Vorbringen und Schilderungen seines Vaters und 

seiner Mutter decken.  

3.1 Hinsichtlich der vom Beschwerdeführer geäusserten Angst vor einer 

Reflexverfolgung aufgrund seines familiären Umfelds ist festzustellen, 

dass Sippenhaft im juristisch technischen Sinn als gesetzlich erlaubte Haft-

barmachung einer ganzen Familie für Vergehen einzelner ihrer Angehöri-

gen in der Türkei grundsätzlich nicht existiert. Indessen werden staatliche 

Repressalien gegen Familienangehörige von politischen Aktivisten  vor al-

lem in den Süd- und Ostprovinzen der Türkei angewendet, was als "Re-

flexverfolgung" flüchtlingsrechtlich im Sinne von Art. 3 AsylG relevant sein 

kann. Auch zum heutigen Zeitpunkt kann die Gefahr allfälliger Repressa-

lien gegen Familienangehörige mutmasslicher Aktivisten der PKK, einer ih-

rer Nachfolgeorganisationen oder anderer von den türkischen Behörden 

als separatistisch eingestufter kurdischer Gruppierungen grundsätzlich 

nicht ausgeschlossen werden. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer solchen 

Reflexverfolgung zu werden, erhöht sich vor allem dann, wenn nach einem 

flüchtigen Familienmitglied gefahndet wird und die Behörde Anlass zur Ver-

mutung hat, dass jemand mit der gesuchten Person in engem Kontakt 

steht. Am Ehesten dürften Personen von einer Reflexverfolgung bedroht 

sein, bei denen ein eigenes nicht unbedeutendes politisches Engagement 

für illegale politische Organisationen hinzukommt beziehungsweise ihnen 

seitens der Behörden unterstellt wird, und die sich offen für politisch aktive 

Verwandte einsetzen (vgl. Urteil des BVGer D-7146/2014 vom 12. Mai 

2015 sowie EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.1, mit weiteren Verweisen).  

3.2 Im Nachfolgenden ist auf die vom Bundeverwaltungsgericht beigezo-

genen Asylverfahrensakten der Eltern des Beschwerdeführers einzuge-

hen. Der Vater des Beschwerdeführers, H._______ wurde mit Verfügung 

des BFM vom 3. Oktober 2007 als Flüchtling anerkannt. Aus den beigezo-

genen Asylverfahrensakten geht Folgendes hervor: 

3.2.1 Im Rahmen seines Asylverfahrens brachte der Vater des Beschwer-

deführers vor, er habe als kurdischer Intellektueller seit den 1970er Jahren 

die Anliegen der Kurden unterstützt. Er sei nie PKK-Mitglied geworden, 

habe aber mit Abdullah Öcalan, dem PKK-Führer, und dessen Gedanken-

gut sympathisiert. In den frühen 1990er Jahren sei er Kreisvorsteher der 

E-4062/2015 

Seite 19 

(damaligen) DEP (Demokrasi Partisi; Demokratiepartei) und der HEP 

(Halkın Emek Partisi; Arbeitspartei des Volkes) sowie Vorstandsmitglied 

der HADEP (Halkın Demokrasi Partisi; Partei der Demokratie des Volkes) 

gewesen. Im Jahr 1992 sei er im Rahmen geheimer Wahlen ins Kurdische 

Nationalparlament (KUM) gewählt worden. Zudem habe er als Mitinhaber 

eines Verlages mehrere Bücher über Öcalan herausgegeben. Nachdem 

zwei Attentate gegen ihn verübt worden seien, sei er im Jahr 1994 unter-

getaucht. Er sei in mehreren Verfahren in Abwesenheit zu Freiheitsstrafen 

von 3, 8 und 12 Jahren und 6 Monate verurteilt worden. Zudem seien drei 

Haftbefehle gegen ihn ausgestellt worden. Nach seiner Flucht aus der Tür-

kei habe er sich nach Rumänien begeben, wo er für die „Kurdische Frie-

densinitiative“ tätig gewesen und diplomatische Beziehungen aufgebaut 

habe. Anschliessend habe er sich in Griechenland aufgehalten, wo er den 

Flüchtlingsstatus erhalten habe. Im Jahr 1997 sei er unter einer anderen 

Identität nach Syrien gereist, wo er ein Jahr lang mit Öcalan in Ausbildungs-

lagern gelebt und an dessen „Erziehungsstunden“ teilgenommen habe. An-

schliessend habe er sich in den Nordirak und in den kurdischen Teil Irans 

begeben, wo er in PKK-Lagern und in den Bergen bei den Guerilla gelebt 

habe. Ende 2001 sei er weiter nach Russland gereist, wo er weitere politi-

sche und diplomatische Beziehungen aufgebaut habe, obwohl sein Ge-

sundheitszustand sein Engagement eingeschränkt habe. Über die Ukraine 

sei er wiederum nach Rumänien gereist. In allen Ländern habe er sich in 

kurdischen Vereinen engagiert, habe sich journalistisch betätigt und sei 

von kurdischen Organisationen unterstützt worden. In Rumänien sei er im 

April 2005 als „persona non grata“ festgenommen worden und hätte an die 

Türkei ausgeliefert werden sollen. Mit einem rumänischen Flüchtlingspass 

sei es ihm dann gelungen, in die Schweiz zu gelangen und am 12. Oktober 

2005 ein Asylgesuch einzureichen. Er habe sich auch in der Schweiz kul-

turell und politisch betätigt, unter anderem als Vorsitzender des (…) (…) in 

T._______. Sein Sohn C._______ und seine Tochter D._______ seien 

PKK-Kämpfer gewesen; C._______ sei Kadermitglied der PKK. Seine 

ganze Familie habe mehrmals von Istanbul nach Diyarbakir umziehen 

müssen, um den Druck auszuweichen. Seine Frau sei in Istanbul einer täg-

lichen Unterschriftspflicht unterstanden. Sein Sohn A._______ (der Be-

schwerdeführer) habe die Schule unterbrechen müssen, weil er ins Militär 

hätte gehen müssen. A._______ (der Beschwerdeführer) habe sich eine 

gefälschte Identitätskarte besorgt, um den Repressionen zu entgehen. 

Seine gesamte Familie stehe unter Druck. 

E-4062/2015 

Seite 20 

3.2.2 In seiner Verfügung vom 3. Oktober 2007 kam das BFM zum Schluss, 

H._______ erfülle die Flüchtlingseigenschaft aufgrund der in der Türkei er-

littenen Nachteilen und des Bestehens einer begründeten Furcht vor wei-

teren ernsthaften Nachteilen. Er sei ein wichtiger kurdischer Politiker der 

ersten Stunde und habe sich seit den 1970er Jahren für die kurdische Sa-

che eingesetzt. Er habe öffentliche Ämter für die DEP und deren Nachfol-

geparteien bekleidet und sei Mitglied des illegalen Kurdischen Nationalpar-

laments gewesen. Er habe sich etwa ein Jahr lang als Gast bei Öcalan in 

Syrien aufgehalten, was auf eine grosse Nähe zur PKK hindeute. Seine 

quasi neutrale Haltung als intellektueller Beobachter der PKK vermöge je-

doch nicht zu überzeugen. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass 

H._______ als Bindeglied zwischen legalen kurdischen Organisationen 

und der PKK eine wesentlich wichtigere Rolle gespielt habe als vorgetra-

gen, er die Politik der PKK vertreten und einen wesentlichen Beitrag zu 

ihrer Entwicklung geleistet habe. Zudem unterstütze er nach wie vor die 

PKK und vertrete ihr Gedankengut. Er habe über Jahre einen Tatbeitrag an 

das Funktionieren der PKK geleistet, der den Anforderungen an eine ver-

werfliche Handlung genüge, weshalb er von der Asylgewährung ausge-

schossen werde. 

3.3 Die Mutter des Beschwerdeführers, I._______ (N […]), wurde mit Ver-

fügung des BFM vom 14. März 2012 in die Flüchtlingseigenschaft ihres 

Ehemannes einbezogen, während ihre originäre Flüchtlingseigenschaft 

verneint wurde.  

3.4 Im Weiteren wurden mehrere Verwandte des Beschwerdeführers in der 

Schweiz als Flüchtlinge anerkannt und es wurde ihnen Asyl erteilt.  

Mit Entscheid D-7146/2016 wurde P._______ (N […]), der Sohn von 

L._______, einer Grosscousine des Beschwerdeführers als Flüchtling an-

erkannt und ihm wurde Asyl gewährt. Dabei erwog das Gericht, P._______ 

stamme unbestrittenermassen aus einer politisch aktiven Familie, sei be-

reits mehrmals mit den türkischen Sicherheitskräften in Kontakt geraten 

und sei einige Male kurzfristig festgenommen worden. Dabei seien ihm 

weitere ernsthafte Nachteile angedroht worden für den Fall, dass er sich 

weiterhin politisch betätige. In der Türkei werde nach mehreren, in der 

Schweiz lebenden, Verwandten gefahndet (namentlich: L._______ und de-

ren Tochter M._______). Es sei daher davon auszugehen, dass er im Fall 

einer Rückkehr in die Türkei ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 

AsylG ausgesetzt würde, zumal ihm bei diesem politischen Hintergrund 

keine innerstaatliche Fluchtalternative zur Verfügung stehe. 

E-4062/2015 

Seite 21 

3.5 Der Beizug der Verfahrensakten der genannten Verwandten des Be-

schwerdeführers ergibt grundsätzlich ein übereinstimmendes Bild. Ein Ver-

gleich der jeweiligen Angaben der Verwandten zeigt, dass sich die Schil-

derungen des Beschwerdeführers – namentlich zu seinen mehrfachen Mit-

nahmen aufs Polizeirevier im Zusammenhang mit behördlichen Suchen 

nach seinem Vater H._______, seinem Bruder C._______, seiner Gros-

scousine L._______ und deren Nachkommen und der darauf resultieren-

den Reflexverfolgungssituation (vgl. Sachverhalt oben, Bst. E) – weitge-

hend und ohne erwähnenswerte Widersprüche mit den Angaben seiner 

Verwandten decken.  

Die Vorinstanz hat die geltend gemachte Reflexverfolgung des Beschwer-

deführers im Kern als glaubhaft qualifiziert. Es wurde dabei explizit festge-

halten, es sei glaubhaft, dass die Familie des Beschwerdeführers wegen 

des Vaters unter einem gewissen Druck gestanden und mehrmalige Kon-

trollen und allenfalls Mitnahmen auf den Polizeiposten habe über sich er-

gehen lassen müssen. Es könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass 

die Familie wegen des Bruders C._______, der sich seit 1996 bei der PKK 

aufhalten solle, gewissen behördlichen Belästigungen ausgesetzt worden 

sei (vgl. Verfügung vom 25. Mai 2015, Ziffer II/1, Bst. a, Seite 4). Die Vo-

rinstanz hat sich indessen auf den Standpunkt gestellt, die Vorbringen des 

Beschwerdeführer seien hinsichtlich der Frage, ob dieser mit seiner Gros-

scousine L._______ jemals in einer Haushaltsgemeinschaft zusammenge-

lebt habe, widersprüchlich ausgefallen. Nachdem die Verwandtschaft des 

Beschwerdeführers zu dieser Grosscousine an sich nicht in Frage gestellt 

wurde, kann die Frage offengelassen werde, ob sich diese Verwandte nur 

sporadisch zu Besuchszwecken im Haus des Beschwerdeführers aufge-

halten oder eine tatsächliche Wohngemeinschaft begründet hat. Diese 

Frage ist für die vorliegende Einschätzung einer drohenden Reflexverfol-

gung nicht von ausschlagender Bedeutung, nachdem der gemeinsame 

Nachname, die gemeinsame Zugehörigkeit zur Grossfamilie „E._______“ 

und das Bestehen von persönlichen Kontakten zwischen dem Beschwer-

deführer und seiner Grosscousine aufgrund der Aktenlage angenommen 

werden können.   

3.6 Die Gründe, die zur Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft des Va-

ters führten, entfalten nach Einschätzung des Gerichts auch Wirkung auf 

den Beschwerdeführer.  

E-4062/2015 

Seite 22 

Unter Würdigung aller massgeblichen Umstände geht das Bundesverwal-

tungsgericht davon aus, dass der Beschwerdeführer im Heimatstaat be-

reits Vorverfolgungsmassnahmen in dem von ihm beschriebenen Ausmass 

erlitten hat, zumal seine Aussagen in sich schlüssig sind, in keiner Weise 

überzogen wirken und – wie bereits festgehalten – sich auch mit den Aus-

sagen seiner Familienangehörigen decken. Er ist mehrmals von den türki-

schen Sicherheitskräften im Rahmen von Identitätskontrollen auf den Poli-

zeiposten mitgenommen und zu seinen Familienangehörigen verhört wor-

den. Das Gericht hat keine konkrete Veranlassung, daran zu zweifeln, dass 

der Beschwerdeführer dabei Misshandlungen erdulden musste, wie er dies 

vorgetragen hat. Beide Eltern des Beschwerdeführers haben im Rahmen 

ihrer jeweiligen Befragungen angegeben, dass die gesamte Familie 

E._______ bedroht worden sei; ihre explizite, mehrfache Erwähnung der 

Gefährdung der gesamten Familie ist auffallend. Es kann nicht davon aus-

gegangen werden, dass es sich hierbei um konzertierte Gefälligkeitsaus-

sagen zugunsten ihres Sohnes A._______ handelte. Das Gericht hat so-

dann keine Veranlassung, daran zu zweifeln, dass der Beschwerdeführer 

selbst mehrfache behördliche Behelligungen im Zusammenhang mit der 

Fahndung der türkischen Behörden nach seinem Vater, seinem Bruder und 

nach seinen weiter entfernten Verwandten der E._______-Familie erlitten 

hat. Das in diesem Zusammenhang vorgetragene Argument der Vo-

rinstanz, wonach der Druck auf den Beschwerdeführer 18 Jahre nach der 

Ausreise seines Vaters aus der Türkei kaum ein asylbeachtliches Ausmass 

angenommen haben könne, kann angesichts des bekannten rigorosen 

Vorgehens der türkischen Behörden gegenüber politisch missliebigen Per-

sonen und deren Angehörigen vom Gericht nicht bestätigt werden.  

Es muss mit überwiegender Wahrscheinlichkeit vielmehr davon ausgegan-

gen werden, dass der Beschwerdeführer im Fall einer Rückkehr in sein 

Heimatland ins Visier der dortigen Behörden geraten würde. Dabei dürften 

die türkischen Behörden insbesondere daran interessiert sein, den Aufent-

haltsort des Vaters und seines Bruders ausfindig zu machen, da gegen 

diese mehrere Strafverfahren eingeleitet wurden und sie behördlich ge-

sucht werden. Den glaubhaft zu Protokoll gegebenen Angaben des Be-

schwerdeführers zu Folge sollen seine Schwestern und seine Schwager 

den Polizeibehörden gegenüber angegeben haben, dass er sich in den 

Bergen (in der Türkei) aufhalte (vgl. A31, Antworten 37 und 38), was einen 

PKK-Verdacht gegen ihn erhärten dürfte. Sollte der Aufenthalt des Be-

schwerdeführers den türkischen Behörden bekannt werden, ist zudem da-

E-4062/2015 

Seite 23 

von auszugehen, dass diese annehmen dürften, dass der Beschwerdefüh-

rer in engem Kontakt zu seinen hier lebenden Vater gestanden hat und 

weiterhin entsprechende Verbindungen unterhält.  

3.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer aus 

einer politisch exponierten Familie stammt, die sich seit Jahrzehnten mit 

der kurdischen Sache identifiziert, sich für kurdische Anliegen einsetzt und 

zumindest im Verdacht steht, das Gedankengut der PKK ideologisch mit-

zutragen. Der Beschwerdeführer hat in diesem Zusammenhang bereits be-

hördliche Behelligungen erlitten.  

3.8 Schliesslich ist für die Beurteilung einer zukünftigen Verfolgung des Be-

schwerdeführers zu berücksichtigen, dass sich die Situation in der Türkei 

in den letzten Monaten und insbesondere seit der Verhängung des Not-

stands im Juli 2016, welche im Januar 2018 für weitere drei Monate ver-

längert wurde (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ] vom 18.01.2018: Der Aus-

nahmezustand in der Türke wird zum sechsten Mal verlängert, 

https://www.nzz.ch/international/der-ausnahmezustand-in-der-tuerkei-

wird-zum-sechstenmal-verlaengert-ld.1348993, abgerufen am 

11.05.2018), wesentlich verändert hat. So ist bereits seit den Parlaments-

wahlen im Juni 2015 respektive im November 2015 und dem gleichzeitigen 

Wiederaufflackern des Kurdenkonflikts eine deutliche Verschlechterung 

der Menschenrechtslage zu erkennen. Der UN High Commissioner for Hu-

man Rights (UNCHR) berichtete in seinem Bericht über die Lage im Süd-

osten der Türkei vom März 2017 von massiven Zerstörungen, Tötungen 

und zahlreichen anderen Menschenrechtsverletzungen durch türkische Si-

cherheitskräfte. Kurdische Oppositionelle stehen oftmals pauschal im Ver-

dacht, an angeblichen terroristischen Umtrieben beteiligt zu sein. Seit dem 

gescheiterten Putschversuch und der Verhängung des Ausnahmezustands 

ist schliesslich eine weitere massive Verschärfung des Kurdenkonflikts zu 

beobachten. Es kommt zunehmend zu Verhaftungen von Kurden, die poli-

tisch tätig sind. Im März 2017 kam es (erneut) zu einer Verhaftungswelle 

gegen rund 2‘000 Personen, von welcher – neben mutmassliche Gülen-

Anhänger, einzelne mutmassliche IS-Anhänger und Linksaktivisten – vor 

allem Kurden, denen Verbindungen zur verbotenen PKK vorgeworfen 

wurde, betroffen wurden. Mit den zahlreichen Festnahmen von tatsächli-

chen und vermeintlichen Regimegegnern und Oppositionellen und insbe-

sondere auch von Personen, welche angeblich mit der HDP und ihrer regi-

onalen Schwesterpartei im Südosten der Türkei (DBP) in Kontakt stehen, 

hat sich das bereits bei der Ausreise des Beschwerdeführers vorhandene 

Verfolgungsrisiko weiter verschärft (vgl. dazu: U.S. Department of State, 

E-4062/2015 

Seite 24 

Country Report on Human Rights Practices 2016 – Turkey, 03.03.2017, 

http://www.state.gov/j/drl/rls/hrrpt/humanrightsreport/in-

dex.htm?year=2016&dlid=265482; UN High Commissioner for Human 

Rights (UNHCHR), Report on the Human Rights Situation in South-East 

Turkey – July 2015 to December 2016, 10.03.2017, http://www.oh-

chr.org/Documents/Countries/TR/OHCHR_South-East_TurkeyRe-

port_10March2017.pdf, Frankfurter Allgemeine Zeitung [FAZ], Die Türkei 

vor dem Referendum: Mehr als 2000 Festnahmen in einer Woche, 

20.03.2017, http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/tuerkei-verzeichnet-

ueber-2000-festnahmen-vor-referendum-14933800.html [alle abgerufen 

am 11.05.2018] sowie Urteil des BVGer D-3520/2015 vom 1. September 

2017 E. 7.3 mit weiterem Verweis auf E-5347/2014 vom 16. November 

2016 E.5.6.2).  

3.9 Im Falle einer Rückkehr des Beschwerdeführers in die Türkei ist mit 

überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die türkischen 

Behörden diesen angesichts seiner familiären Verbindungen und politi-

schen Hintergrunds als Mitglied der Familie E._______ und als Regime-

gegner erkennen würden. Gleichzeitig muss angenommen werden, dass 

die heimatlichen Behörden den Verdacht hegen würden, dass er sich im 

Dunstkreis der PKK bewegt und sich daher – aus türkischer Sicht – poli-

tisch missliebig engagiert. Der Beschwerdeführer hat deshalb eine begrün-

dete Furcht, wegen der politischen Aktivitäten seiner nahen Familienange-

hörigen im Rahmen einer Anschluss- respektive Reflexverfolgung ernst-

hafte Nachteile zu erleiden.  

3.10 Der Beschwerdeführer hatte im Rahmen seiner beiden Befragungen 

mehrfach auch auf den Umstand hingewiesen, dass er im heutigen Zeit-

punkt auch wegen seiner Militärdienstpflicht asylbeachtliche Nachteile be-

fürchte. Nachdem dem Beschwerdeführer bereits aufgrund der persönliche 

erlittenen behördlichen Behelligungen und wegen seines familiären Hinter-

grundes eine flüchtlingsrelevante Verfolgung droht, kann die weitere Frage, 

ob ihm angesichts seines nicht geleisteten Militärdienstes zusätzlich eine 

flüchtlingsrelevante Gefahr droht, offengelassen werden. 

4.  

4.1 Nach dem Gesagten ist zusammenfassend festzustellen, dass der Be-

schwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise eine begründete Furcht vor 

drohender, flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung hatte. Eine solche ob-

jektiv begründete Furcht vor Verfolgung ist unter Berücksichtigung der ak-

tuellen Lage im Heimatstaat und der konkreten familiären Umstände auch 

E-4062/2015 

Seite 25 

im heutigen Zeitpunkt noch zu bejahen. Eine innerstaatliche Fluchtalterna-

tive besteht nicht. Der Beschwerdeführer ist demnach als Flüchtling anzu-

erkennen. Es ist ihm mangels Vorliegens eines persönlichen Asylaus-

schlussgrundes im Sinne von Art. 53 AsylG in der Schweiz Asyl zu gewäh-

ren (vgl. Art. 49 AsylG). 

4.2 Die Beschwerde ist gutzuheissen und die angefochtene Verfügung 

vom 28. Mai 2015 ist aufzuheben. Das SEM ist anzuweisen, dem Be-

schwerdeführer in Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft der Schweiz 

Asyl zu gewähren.   

5.  

5.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

5.2 Dem vertretenen Beschwerdeführer ist angesichts seines Obsiegens 

in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die ihm 

notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.  

Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte am 1. Dezember 2017 

eine Kostennote ein, gemäss welcher er einen Arbeitsaufwand von insge-

samt 12 Stunden à Fr. 200.- geltend machte. Der in Rechnung gestellte 

Aufwand von insgesamt 12 Stunden (für die Ausarbeitung der zehnseitigen 

Beschwerdeschrift vom 29. Juni 2015, der dreiseitigen Replikeingabe vom 

6. Januar 2017 und der weiteren drei- respektive zweiseitigen Eingaben 

vom 1. Dezember 2017 und 6. Februar 2018) erscheint im Vergleich mit 

ähnlich gelagerten Verfahren überhöht und ist auf 9 Stunden zu reduzieren. 

Der ausgewiesene Stundenansatz von Fr. 200.- ist reglementskonform 

(vgl. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Dem Beschwerdeführer ist somit unter Berück-

sichtigung der Bemessungsgrundsätze nach Art. 7 ff. VGKE eine Partei-

entschädigung von Fr. 1‘800.- zu Lasten des SEM zuzusprechen.  

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-4062/2015 

Seite 26 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des BFM vom 28. Mai 2015 wird aufgehoben.  

3.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer in Zuerkennung der 

Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. 

4.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  

5.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1‘800.– 

auszurichten. 

6.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Constance Leisinger Sandra Bodenmann 

 

 

Versand: