# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 453d1dbf-71e3-5066-883b-48ff9795ea53
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-08-25
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 25.08.2016 D-3745/2015
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-3745-2015_2016-08-25.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 
 Abteilung IV 

D-3745/2015 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 5 .  A u g u s t  2 0 1 6  

Besetzung 
 Richterin Daniela Brüschweiler (Vorsitz), 

Richterin Christa Luterbacher, Richter Hans Schürch,    

Gerichtsschreiberin Susanne Burgherr. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Eritrea, 

vertreten durch Titus Dürst,  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM; 

zuvor Bundesamt für Migration, BFM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  

Verfügung des SEM vom 7. Mai 2015 / N (…). 

 

 

 

D-3745/2015 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Mit Schreiben vom 25. September 2012 reichten die Eltern des Beschwer-

deführers über ihre Rechtsvertretung beim vormaligen BFM für sich und 

ihre (…) Kinder – darunter der damals noch minderjährige Beschwerdefüh-

rer – Asylgesuche ein und beantragten zwecks Durchführung des Asylver-

fahrens die Bewilligung der Einreise in die Schweiz. Der Eingabe lagen 

folgende Dokumente bei (teils in Kopie): Vollmacht vom 22. September 

2012, Darlegung der Fluchtgründe durch die Mutter vom 22. September 

2012, (…) Ausweis des Vaters, Identitätskarte der Mutter, UNHCR-Regist-

rierung, Fotos und Berichte des International Rescue Committees (IRC) 

vom 7. September 2012 (ärztliche Behandlung der Mutter) und vom 

20. September 2012 (ärztliche Behandlung des Beschwerdeführers). 

Die Eltern des Beschwerdeführers brachten im Wesentlichen vor, der Vater 

sei im Mai 2009 verhaftet und nach drei Monaten wieder freigelassen wor-

den, habe sich aber den Behörden weiter zur Verfügung halten müssen. 

Im August 2009 sei er verschwunden. Die Mutter sei danach zu Unrecht 

verdächtigt worden, den Aufenthaltsort ihres Mannes zu kennen, und ihr 

Haus sei mehrmals durchsucht worden. Sie habe Eritrea deshalb mit den 

Kindern im Dezember 2009 verlassen; via den Sudan seien sie nach Kenia 

gelangt, wo sich der Vater aufgehalten habe. In Kenia seien sie vom UN-

HCR als Asylsuchende registriert und dem B._______ Camp zugeteilt wor-

den, wo sie sich nunmehr seit Oktober 2010 aufhalten würden. Die Lebens-

bedingungen seien prekär. Zudem bestehe die Gefahr einer Rückschie-

bung, auch wenn Kenia die Flüchtlingskonvention unterzeichnet habe. 

B.  

Mit Zwischenverfügung vom 3. Dezember 2012 teilte das BFM dem Be-

schwerdeführer und seinen Familienangehörigen mit, dass asylsuchende 

Personen im Auslandsverfahren in der Regel durch die schweizerische 

Vertretung vor Ort zu befragen seien, indes die vorliegend zuständige Ver-

tretung zurzeit nicht in der Lage sei, solche Befragungen durchzuführen. 

Noch offene Fragen zum Sachverhalt würden deshalb mittels des aufge-

führten Fragenkataloges zur schriftlichen Beantwortung unterbreitet. 

C.  

Mit Schreiben vom 13. Februar 2013 reichte die Rechtsvertretung die von 

den Eltern des Beschwerdeführers unterzeichnete Stellungnahme zum 

Fragenkatalog ein. 

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Seite 3 

D.  

Mit Schreiben vom 17. Juni 2013 reichte die Rechtsvertretung einen Be-

richt des IRC vom 10. Juni 2013 betreffend den Gesundheitszustand des 

an (…) leidenden Beschwerdeführers ein. 

E.  

E.a Am 14. Mai 2014 wurde nebst den Eltern und dem jüngeren Bruder 

auch der Beschwerdeführer durch die Schweizer Vertretung in Nairobi be-

fragt.  

E.b Er brachte im Wesentlichen vor, er persönlich habe in Eritrea keine 

Probleme gehabt, aber sein Vater, der für eine C._______ gearbeitet und 

sich für bessere Arbeitsbedingungen eingesetzt habe, sei festgenommen 

worden. Nach der Haftentlassung sei er verschwunden. Seine Mutter habe 

sich deshalb an die Polizei gewendet. Daraufhin seien mehrmals Behör-

denvertreter zu ihnen nach Hause gekommen. Er habe D._______ deshalb 

zusammen mit seiner Mutter und den Geschwistern Ende November 2009 

verlassen und sie seien via den Sudan nach Kenia gelangt. Auf der Reise 

habe er einen (…) erlitten. Zuvor habe er nie gesundheitliche Probleme 

gehabt und nicht gewusst, dass er an (…) leide. In Kenia seien sie vom 

UNHCR als Flüchtlinge registriert und dem Flüchtlingslager B._______ zu-

geteilt worden. Er habe dort die Schule besucht und einen Englischkurs 

absolviert. In Kenia hätten sie keine Probleme. 

F.  

Mit Schreiben vom 16. Juni 2014 teilte die Rechtsvertretung mit, dass sich 

der Beschwerdeführer seit der Befragung vom 14. Mai 2014 noch immer in 

Nairobi aufhalte. Die Sicherheitslage in Kenia verschlechtere sich zuse-

hends. Zudem sei seine Familie zunehmend Repressalien seitens der ke-

nianischen Behörden ausgesetzt. 

G.  

G.a Mit Verfügung vom 7. Mai 2015 – eröffnet am 13. Mai 2015 – verwei-

gerte das SEM dem Beschwerdeführer die Einreise in die Schweiz und 

lehnte das Asylgesuch ab. 

G.b Zur Begründung führte es aus, Asylsuchenden werde gemäss aArt. 20 

Abs. 2 AsylG (SR 142.31) die Einreise in die Schweiz zur Abklärung des 

Sachverhalts bewilligt, wenn ihnen nicht zugemutet werden könne, im 

Wohnsitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land aus-

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Seite 4 

zureisen. Gemäss aArt. 20 Abs. 3 AsylG könne die Einreise bewilligt wer-

den, wenn glaubhaft gemacht werde, dass eine unmittelbare Gefahr für 

Leib, Leben oder Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG be-

stehe. Vorliegend erfordere die Sachverhaltsabklärung nicht die Anwesen-

heit des Beschwerdeführers in der Schweiz. Es könne aufgrund des voll-

ständig erstellten Sachverhalts davon ausgegangen werden, dass keine 

unmittelbare Gefährdung vorliege, die seine Einreise als notwendig er-

scheinen lasse. Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach aArt. 20 

Abs. 2 und 3 i.V.m. Art. 3 AsylG sei an restriktive Voraussetzungen ge-

knüpft. Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG 

seien mit Blick auf den Ausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG na-

mentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die 

praktische Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen 

Schutzsuche sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilati-

onsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend sei die Schutz-

bedürftigkeit der betreffenden Person, d. h. die Beantwortung der Frage, 

ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft erscheine und der 

Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer der Sachverhaltsabklärung zuge-

mutet werden könne, beziehungsweise ob es ihr – ohne nähere Prüfung 

einer allfälligen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG – zuzumuten sei, 

sich in einem anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Halte sich die Per-

son in einem Drittstaat auf, bedeute dies zwar nicht zwingend, dass es ihr 

auch zuzumuten sei, sich dort um Aufnahme zu bemühen, jedoch sei im 

Sinne einer Regelvermutung davon auszugehen, sie habe in dem Drittstaat 

bereits Schutz gefunden. In jedem Fall seien aber die Kriterien zu prüfen, 

welche die Zufluchtnahme in einem Drittstaat als zumutbar erscheinen lies-

sen, und mit einer allfälligen Beziehungsnähe zur Schweiz abzuwägen. 

Der Beschwerdeführer habe gemäss eigenen Angaben in Eritrea keine 

Schwierigkeiten mit den Behörden gehabt. Folglich lägen keine Gründe 

vor, ihm die Einreise in die Schweiz zu bewilligen. Die illegale Ausreise aus 

Eritrea stelle einen subjektiven Nachfluchtgrund dar, der nicht zur Asylge-

währung führen könne (Art. 54 AsylG), so dass deswegen auch keine Ein-

reisebewilligung erteilt werden könne. Damit erübrige sich eine Prüfung der 

weiteren Voraussetzungen der Erteilung einer Einreisebewilligung. 

G.c Mit separater Verfügung vom gleichen Datum lehnte das SEM unter 

Verweigerung der Einreisebewilligung auch die Asylgesuche der Eltern und 

Geschwister des Beschwerdeführers ab. 

 

D-3745/2015 

Seite 5 

H.  

H.a Mit Eingabe vom 12. Juni 2015 (Datum Poststempel; Schreiben datiert 

vom 9. Juni 2015) erhob der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsver-

treter (Vollmacht vom 6. Juni 2014) beim Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerde, worin um Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung und um 

Bewilligung der Einreise sowie um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft 

und um Gewährung des Asyls, eventualiter um Bewilligung der Einreise 

zwecks Durchführung des ordentlichen Asylverfahrens, ersucht wurde. In 

verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-

ses ersucht. 

H.b Zur Begründung brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, 

aufgrund des Erreichens der Volljährigkeit habe das SEM sein Verfahren 

von demjenigen seiner Eltern und Geschwister getrennt und für ihn eine 

separate Verfügung erlassen. Dies sei rechtlich zwar korrekt, aber er be-

antrage dennoch, in die Schutzbedürftigkeit seines Vaters – für deren Be-

gründung er auf die im Verfahren D-3740/2015 eingereichte Beschwerde 

verweise – eingeschlossen zu werden, sei seine persönliche Situation 

doch von der Verfolgung seines Vaters geprägt, auch wenn er selbst keine 

eigenen Asylgründe geltend machen könne. Zum Zeitpunkt der Ausreise 

aus Eritrea sei er noch minderjährig gewesen und er habe keine andere 

Wahl gehabt, als seiner Familie zu folgen.  

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 18. Juni 2015 verschob das Bundesverwal-

tungsgericht den Entscheid über das Gesuch um Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung auf einen späteren Zeitpunkt und verzichtete auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Beschwerdeverfahren sei mit 

demjenigen der Eltern und Geschwister (D-3740/2015) zu koordinieren. 

J.  

Mit Eingabe vom 26. Januar 2016 (Datum Poststempel; Schreiben datiert 

vom 18. Januar 2016) reichte E._______, bei der es sich um die (Ver-

wandte) des Beschwerdeführers handle, ein Schreiben der Kenya Human 

Rights Commission (KHRC) vom 14. November 2015, das die Flucht-

gründe der Familie und ihre Situation in Kenia darlege, und ein DHL-Auf-

gabeformular (datiert vom 13. Januar 2016; adressiert an den Rechtsver-

treter des Beschwerdeführers) ein. 

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Seite 6 

K.  

In der Vernehmlassung vom 6. April 2016 beantragte das SEM die Abwei-

sung der Beschwerde. 

Am 11. April 2016 wurde dem Beschwerdeführer die Vernehmlassung zur 

Kenntnisnahme zugestellt. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche 

Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb 

das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Mit den dringlichen Änderungen des Asylgesetzes vom 28. September 

2012 (AS 2012 5359), die am 29. September 2012 in Kraft getreten sind, 

wurden die Bestimmungen betreffend die Stellung von Asylgesuchen aus 

dem Ausland aufgehoben. Die Übergangsbestimmung (Ziffer III) hält je-

doch fest, dass für die vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 28. Sep-

tember 2012 gestellten Auslandsgesuche die massgeblichen Artikel 

(Art. 12, 19, 20, 41 Abs. 2, 52 und 68 AsylG) in der bisherigen Fassung 

anwendbar sind. Vorliegend kommen somit die bisherigen Bestimmungen 

betreffend das Auslandsverfahren zur Anwendung. 

1.3 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert. Auf die frist- 

und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 108 

Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und 

Art. 52 Abs. 1 VwVG). 

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Seite 7 

2.  

Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.  

3.1 Ein Asylgesuch konnte gemäss aArt. 19 AsylG im Ausland bei einer 

schweizerischen Vertretung gestellt werden, die es an das Bundesamt res-

pektive Staatssekretariat überwies (aArt. 20 Abs. 1 AsylG). Hinsichtlich des 

Verfahrens sah Art. 10 Abs. 1 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 

über Verfahrensfragen (AsylV 1, SR 142.311) vor, dass die schweizerische 

Vertretung mit der asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung 

durchführt. War dies nicht möglich, waren die Asylgründe schriftlich festzu-

halten (Art. 10 Abs. 2 AsylV 1). Der Verzicht auf eine Befragung im Ausland 

ist in der Verfügung zu begründen (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.7 f.). 

3.2 Vorliegend wurde der Beschwerdeführer bei der schweizerischen Ver-

tretung in Nairobi persönlich befragt. Daneben erhielten die Eltern des da-

mals noch minderjährigen Beschwerdeführers die Möglichkeit, die Asyl-

gründe schriftlich darzulegen, so dass den verfahrensrechtlichen Anforde-

rungen von Art. 10 AsylV 1 Genüge getan wurde. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person anerkannt, 

wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie vor der Ausreise 

zuletzt wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu 

einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschau-

ungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt ist oder begründete Furcht hat, 

solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten 

namentlich die Gefährdung von Leib, Leben oder Freiheit sowie Massnah-

men, die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 

Das SEM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn die 

asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen oder ihr die Auf-

nahme in einem Drittstaat zugemutet werden kann (Art. 3, Art. 7 und 

aArt. 52 Abs. 2 AsylG). Gemäss aArt. 20 Abs. 2 AsylG bewilligt das SEM 

einer asylsuchenden Person die Einreise in die Schweiz zur Asylerteilung, 

wenn diese die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, oder zur Abklä-

rung des Sachverhalts, wenn ihr nicht zugemutet werden kann, im Wohn-

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Seite 8 

sitz- oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in ein anderes Land auszurei-

sen. Gestützt auf aArt. 20 Abs. 3 AsylG kann das Eidgenössische Justiz- 

und Polizeidepartement (EJPD) schweizerische Vertretungen ermächti-

gen, Asylsuchenden die Einreise zu bewilligen, die glaubhaft machen, dass 

eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder für die Freiheit aus einem 

Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 

4.2 Für die Erteilung einer Einreisebewilligung gelten restriktive Vorausset-

zungen, wobei den Behörden ein weiter Ermessensspielraum zukommt. 

Neben der erforderlichen Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG sind mit 

Blick auf den Asylausschlussgrund von aArt. 52 Abs. 2 AsylG namentlich 

die Beziehungsnähe zur Schweiz und zu anderen Staaten, die praktische 

Möglichkeit und objektive Zumutbarkeit einer anderweitigen Schutzsuche 

sowie die voraussichtlichen Eingliederungs- und Assimilationsmöglichkei-

ten in Betracht zu ziehen. Ausschlaggebend für die Erteilung einer Einrei-

sebewilligung ist dabei die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Person, mit-

hin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung im Sinne von Art. 3 AsylG 

glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am Aufenthaltsort für die Dauer 

der Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. BVGE 2011/10 

E. 3.3. und E. 5.1). 

4.3 Massgebliches Gewicht kommt der Frage zu, ob die Person, die aus 

einem Drittstaat ein Asylgesuch stellt, bereits zum Zeitpunkt der Ausreise 

eine asylrechtlich relevante Gefährdung zu gewärtigen hatte (Vorflucht-

gründe), da im Auslandsverfahren das Bestehen der Flüchtlingseigen-

schaft allein aufgrund von subjektiven Nachfluchtgründen – d. h. einer Ge-

fährdungssituation, die erst durch das Verhalten nach der Ausreise aus 

dem Heimat- oder Herkunftsland geschaffen wurde (bspw. durch eine ille-

gale Ausreise oder die Ausübung exilpolitischer Tätigkeiten) – die Bewilli-

gung zur Einreise von vornherein ausschliesst (vgl. BVGE 2012/26 E. 7). 

5.  

5.1 Die Eltern des Beschwerdeführers haben die Asylgesuche für sich und 

alle damals minderjährigen Kinder rund drei Jahre nach der Ausreise aus 

Eritrea von dem Drittstaat Kenia aus gestellt. Es gilt zu prüfen, ob der Be-

schwerdeführer im Zeitpunkt der Ausreise aus Eritrea im Jahr 2009 eine 

asylrechtlich relevante Verfolgung (Vorfluchtgründe) zu gewärtigen hatte. 

Ist dies nicht der Fall, ist die Einreise in die Schweiz zu verweigern (vgl. die 

vorstehenden Ausführungen unter E. 4.3). 

D-3745/2015 

Seite 9 

5.2 Eine Überprüfung der Akten ergibt, dass vorliegend die Voraussetzun-

gen für die Erteilung einer Einreisebewilligung nicht erfüllt sind. Die ent-

sprechenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung, wonach es 

an einer akuten Gefährdung des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 3 

AsylG im Zeitpunkt seiner Ausreise aus Eritrea im Jahr 2009 fehle, erwei-

sen sich als zutreffend. Die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vom 

12. Juni 2015 und der Eingabe der (Verwandten) des Beschwerdeführers 

vom 26. Januar 2016 sind nicht geeignet, eine Änderung der vorinstanzli-

chen Einschätzung zu bewirken. Es liegen keine Hinweise vor, dass der 

Beschwerdeführer, der gemäss eigenen Angaben in Eritrea persönlich 

keine Probleme gehabt habe, aufgrund der Situation seiner Eltern (vgl. die 

entsprechenden Ausführungen im Beschwerdeurteil D-3740/2015) im Zeit-

punkt seiner Ausreise im Dezember 2009 einer flüchtlingsrechtlich relevan-

ten Verfolgung seitens der heimatlichen Behörden ausgesetzt gewesen 

wäre oder eine solche unmittelbar zu befürchten gehabt hätte.  

5.3 Mangels Vorliegens von Vorfluchtgründen erübrigt sich die Prüfung der 

Frage der Zumutbarkeit des Verbleibs des Beschwerdeführers im Drittstaat 

Kenia. Auf die Vorbringen zu seiner Lage in Kenia ist dementsprechend 

nicht weiter einzugehen. 

5.4 Aufgrund des Gesagten hat das SEM die Einreise des Beschwerdefüh-

rers in die Schweiz zutreffend verweigert und das Asylgesuch zu Recht ab-

gelehnt. 

6.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig 

sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-

zuweisen. 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich 

dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da jedoch 

dessen Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung vom 

12. Juni 2015 im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen ist, ist von 

der Kostenerhebung abzusehen. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-3745/2015 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss 

Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die schweize-

rische Vertretung in Nairobi. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Daniela Brüschweiler Susanne Burgherr 

 

 

Versand: