# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cc0c2c02-4f5c-50c7-9b8d-a31be1bf7a97
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-06-07
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 07.06.2017 SK 2015 124
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2015-124_2017-06-07.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 15 124

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 635 48 15
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 7. Juni 2017 

Besetzung Oberrichter Aebi (Präsident i.V.), Oberrichter Kiener, Oberrichter 
J. Bähler
Gerichtsschreiber Neuenschwander

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

Gegenstand Freiheitsberaubung, Erpressung, versuchte Nötigung, einfache 
Körperverletzung etc.

Neubeurteilung des Urteils der 2. Strafkammer des Obergerichts 
des Kantons Bern vom 24. Juni 2014 (2. SK 13 367)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Kollegialgericht Bern-Mittelland erkannte am 27. September 2013 (pag. 1881 
ff.; Hervorhebungen im Original):

I.

Das Strafverfahren gegen A.________ wegen

1. einfacher Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand und an einem Wehrlosen an-
geblich gemeinsam mit D.________ begangen ca. im Januar 2006 eventuell Ende 2005 bis 
Herbst 2007 in Bern und eventuell andernorts zum Nachteil des E.________;

2. Nötigung, angeblich gemeinsam mit D.________ begangen am 28.07.2006 in Laupen und Um-
gebung zum Nachteil des F.________ und des G.________; 

3. Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, angeblich begangen in Bern und an-
dernorts

3.1 durch Verkauf von 50 Ecstasy-Tabletten an F.________ ca. im Frühling 2006; 

3.2 durch Verkauf von 50 Ecstasy-Tabletten an eine unbekannte Person im Verlaufe des Jah-
res 2006;

3.3 durch Verkauf und Übergabe einer unbestimmten Menge Kokaingemisch an H.________ 
von Mai 2006 bis 28. September 2006;

3.4 durch Verkauf und Übergabe einer unbestimmten Menge Kokaingemisch an D.________ 
von Mai 2006 bis 28. September 2006;

3.5 durch Kauf und Konsum von Kokaingemisch und Cannabis in der Zeit von Mai 2010 bis 
28. September 2010; 

wird gestützt auf Art. 329 Abs. 4 und 5 StPO zufolge Verjährung gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB 
eingestellt.

Ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der versuchten qualifizierten Erpressung (Art. 156 Ziff. 3 i.V. mit Art. 140 Ziff. 4 StGB) und der 
versuchten Nötigung, begangen am 08.12.2009 in Bern zum Nachteil des H.________;

2. der versuchten Erpressung (Art. 156 Ziff. 1 StGB), mehrfach begangen ca. Mitte Januar 2012 
und am 24.01.2012 in Bern zum Nachteil des H.________;

3. der Freiheitsberaubung, der versuchten Nötigung und der einfachen Körperverletzung zum 
Nachteil eines Wehrlosen, gemeinsam mit I.________ und H.________ begangen am 
11.12.2009 zum Nachteil des J.________;

3

4. der qualifizierten Erpressung (Art. 156 Ziff. 3 i.V. mit Art. 140 Ziff. 1 StGB), gemeinsam mit 
D.________ begangen am 28.07.2006 in Laupen zum Nachteil des F.________ und des 
G.________;

5. der Freiheitsberaubung und des Raubs, gemeinsam mit D.________ begangen von ca. Mitte 
2006 bis Herbst 2007 eventuell früher in Bern/Schliern und Umgebung zum Nachteil von 
G.________;

6. der Freiheitsberaubung, gemeinsam mit D.________ begangen ca. im Januar 2006 eventuell 
im Zeitraum Ende 2005 bis Herbst 2007 in Bern und eventuell andernorts zum Nachteil des 
E.________;

7. der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, teilweise mengenmässig qualifi-
ziert begangen durch Kauf, Besitz, Aufbewahren, Verkauf, Anstaltentreffen zum Verkauf von 
Kokaingemisch; Anbau und Verkauf von Marihuana sowie Abgabe von Ecstasy (MDMA); 

- in der Zeitspanne von anfangs 2009 bis Oktober 2009 durch Kauf zwecks Weiterverkauf 
von ca. 510 g Kokaingemisch und Verkauf eines Teils davon an verschiedene Personen;

- im Winter 2007/2008 und im Winter 2008/2009 durch Anbau von ca. 1,4 kg Marihuana und 
Verkauf von ca. 1,3 kg davon an verschiedene Personen;

- im Jahre 2007 oder später durch Übergabe von 10 Ecstasy-Tabletten an H.________ und 
einer geringen Menge MDMA an eine unbekannte Person;

- im Mai 2009 durch Anstaltentreffen zum Verkauf einer unbestimmten Menge Kokainge-
misch;

- ab 29. September 2006 bis Ende 2009 durch Verkauf und Übergabe einer unbestimmten, 
nicht qualifizierten Menge Kokaingemisch an H.________;

- ab 29. September 2006 bis Herbst 2007 durch Verkauf und Übergabe einer unbestimmten, 
nicht qualifizierten Menge Kokaingemisch an D.________;

- in der Zeit von Oktober 2010 bis am 25.01.2012 durch Konsum von Kokaingemisch und 
Cannabis und am 25.01.2012 durch Besitz zum Konsum von ca. 148 g Marihuana; 

8. der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, begangen in Bern und andernorts im Oktober 
2009 durch den Kauf einer Selbstladepistole ZCZ ohne Waffenerwerbsschein und durch den 
Kauf eines Schalldämpfers ohne kantonale Ausnahmebewilligung; 

und in Anwendung der Art. 19 Abs. 2, 22, 47, 48a, 49 Abs. 1, 51, 57 Abs. 2, 59 Abs. 3, 106, 123 Ziff. 1 
i.V. mit Ziff. 2 Abs. 1 und 3, 140 Ziff. 1 und 4, 156 Ziff. 1 und 3, 181, 183 Ziff. 1 StGB; Art. 19 Abs. 1 lit. 
a, c und d, 2 lit. a und 3 lit. a und b; 19a BetmG; Art. 4 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 lit. a, 5 Abs. 1 lit. g, 8, 
28b i.V. mit Art. 8 Abs. 2, 31, 33 Abs. 1 lit. a WG; Art. 15 und 71 WV; Art. 426 StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 6 1/2 Jahren.

Die Untersuchungshaft von 251 Tagen wird an die Freiheitsstrafe angerechnet. 

Es wird eine stationäre psychotherapeutische Massnahme gemäss Art. 59 Abs. 3 StGB an-
geordnet.

Es wird festgestellt, dass die Massnahme am 02.10.2012 vorzeitig angetreten worden ist.

2. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 200.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 2 Tage festgesetzt.

4

3. Zu den Verfahrenskosten, die sich zusammensetzen wie folgt

Gebühren:

CHF 42139.60
Kosten des Gerichts CHF 9000.00
Total CHF 51139.60

Kosten der Untersuchung

Auslagen:

Kanzleiauslagen Gericht CHF 100.00
Kosten Ergänzungsgutachten CHF 1247.80
Kosten der Staatsanwaltschaft CHF 2500.00

Total CHF 3‘847.80

Total Verfahrenskosten CHF 54‘987.40

III.

1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von 
A.________ durch Rechtsanwalt C.________ werden wie folgt bestimmt:

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt C.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 15‘515.80. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Rechtsanwalt C.________ die Differenz von CHF 3‘829.70 zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

IV.

Weiter wird verfügt:

1. A.________ geht in den Massnahmenvollzug zurück.

2. Die beschlagnahmten Drogen und Drogenutensilien (3 Waagen, 1 Löffel), 1 Bankbeleg, 2 Papie-
re, 1 Hülle schwarz, 1 Störsender defekt, 1 Schulterpolster, 1 Kunststofftasche mit Kabelbindern, 
2 Sturmhauben und 1 Glas mit Flüssigkeit werden zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB).

3. Die beschlagnahmte Waffen, Zubehör und Munition

Leistungen ab 1.1.2011
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 70.92 200.00 CHF 14'184.00
CHF 182.50

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 14'366.50 CHF 1'149.30
CHF

Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 15'515.80

volles Honorar 250.00 CHF 17'730.00
CHF 182.50

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 17'912.50 CHF 1'433.00
CHF 0.00

Total CHF 19'345.50

nachforderbarer Betrag CHF 3'829.70

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

5

- 1 Faustfeuerwaffe Glock mit 3 Magazinen, 1 Kunstoffteil zur Glock, 1 Zubehör zur Pistole 
Glock mit 1 Broschüre

- 1 Faustfeuerwaffe Crvena Zastava inkl. Schalldämpfer und 1 Magazin zur Crvena Zastava

- 1 Elektroschocker Panther mit Batterien

- 1 Nunchaku

- 2 Säckli Munition (enthalten in der Kunststofftasche)

- 1 Stahlrute

- 2 Minigrip Munition

- 1 Holster der Marke Bianchi

werden der Kantonspolizei Bern übergeben zwecks Vernichtung oder Verwendung zu Studien-
zwecken.

4. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. .________) ist nach Ablauf 
der Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG).

2. Urteil der 2. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern vom 24. Juni 2014 

Die 2. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Bern erkannte im Urteil vom 
24. Juni 2014 (SK 13 367) Folgendes (pag. 2187 ff.; Hervorhebungen im Original):

I.

Es wird festgestellt, dass das Urteil des Kollegialgerichts Bern-Mittelland vom 27. September 2013 in-
soweit in Rechtskraft erwachsen ist als

1. das Strafverfahren gegen A.________ wegen 

1.1. einfacher Körperverletzung mit gefährlichem Gegenstand und an einem Wehrlosen 
angeblich gemeinsam mit D.________ begangen ca. im Januar 2006 eventuell Ende 2005 
bis Herbst 2007 in Bern und eventuell andernorts zum Nachteil des E.________;

1.2. Nötigung, angeblich gemeinsam mit D.________ begangen am 28.07.2006 in Laupen und 
Umgebung zum Nachteil des F.________ und des G.________; 

1.3. Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, angeblich begangen in Bern und 
andernorts

1.3.1. durch Verkauf von 50 Ecstasy-Tabletten an F.________ ca. im Frühling 2006;  

1.3.2. durch Verkauf von 50 Ecstasy-Tabletten an eine unbekannte Person im Verlaufe 
des Jahres 2006;

1.3.3. durch Verkauf und Übergabe einer unbestimmten Menge Kokaingemisch an 
H.________ von Mai 2006 bis 28. September 2006;

1.3.4. durch Verkauf und Übergabe einer unbestimmten Menge Kokaingemisch an 
D.________ von Mai 2006 bis 28. September 2006;

1.3.5. durch Kauf und Konsum von Kokaingemisch und Cannabis in der Zeit von Mai 
2010 bis 28. September 2010; 

6

gestützt auf Art. 329 Abs. 4 und 5 StPO zufolge Verjährung gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. c StGB, 
ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten, ein-
gestellt wurde.

2. A.________ schuldig erklärt wurde:

2.1. der versuchten Erpressung (Art. 156 Ziff. 1 StGB), mehrfach begangen ca. Mitte Januar 
2012 und am 24.01.2012 in Bern zum Nachteil des H.________;

2.2. der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, teilweise mengenmässig qua-
lifiziert begangen durch Kauf, Besitz, Aufbewahren, Verkauf, Anstaltentreffen zum Verkauf 
von Kokaingemisch; Anbau und Verkauf von Marihuana sowie Abgabe von Ecstasy (MD-
MA); 
- in der Zeitspanne von anfangs 2009 bis Oktober 2009 durch Kauf zwecks Weiterver-

kauf von ca. 510 g Kokaingemisch und Verkauf eines Teils davon an verschiedene 
Personen;

- im Winter 2007/2008 und im Winter 2008/2009 durch Anbau von ca. 1,4 kg Marihuana 
und Verkauf von ca. 1,3 kg davon an verschiedene Personen;

- im Jahre 2007 oder später durch Übergabe von 10 Ecstasy-Tabletten an H.________ 
und einer geringen Menge MDMA an eine unbekannte Person;

- im Mai 2009 durch Anstaltentreffen zum Verkauf einer unbestimmten Menge Kokain-
gemisch;

- ab 29. September 2006 bis Ende 2009 durch Verkauf und Übergabe einer unbestimm-
ten, nicht qualifizierten Menge Kokaingemisch an H.________;

- ab 29. September 2006 bis Herbst 2007 durch Verkauf und Übergabe einer unbestimm-
ten, nicht qualifizierten Menge Kokaingemisch an D.________;

- in der Zeit von Oktober 2010 bis am 25.01.2012 durch Konsum von Kokaingemisch und 
Cannabis und am 25.01.2012 durch Besitz zum Konsum von ca. 148 g Marihuana; 

2.3. der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, begangen in Bern und andernorts im Ok-
tober 2009 durch den Kauf einer Selbstladepistole ZCZ ohne Waffenerwerbsschein und 
durch den Kauf eines Schalldämpfers ohne kantonale Ausnahmebewilligung.

3. A.________ u.a. gestützt auf Art. 19a BetmG zu einer Übertretungsbusse von CHF 200.00 ver-
urteilt und die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung auf 2 Tage festgesetzt wur-
de.

4. Weiter verfügt wurde:

4.1. Die beschlagnahmten Drogen und Drogenutensilien (3 Waagen, 1 Löffel), 1 Bankbeleg, 2 
Papiere, 1 Hülle schwarz, 1 Störsender defekt, 1 Schulterpolster, 1 Kunststofftasche mit 
Kabelbindern, 2 Sturmhauben und 1 Glas mit Flüssigkeit werden zur Vernichtung eingezo-
gen (Art. 69 StGB).

4.2. Die beschlagnahmten Waffen, Zubehör und Munition
- 1 Faustfeuerwaffe Glock mit 3 Magazinen, 1 Kunstoffteil zur Glock, 1 Zubehör zur Pis-

tole Glock mit 1 Broschüre;
- 1 Faustfeuerwaffe Crvena Zastava inkl. Schalldämpfer und 1 Magazin zur Crvena Zas-

tava;
- 1 Elektroschocker Panther mit Batterien;
- 1 Nunchaku;

7

- 2 Säckli Munition (enthalten in der Kunststofftasche);
- 1 Stahlrute;
- 2 Minigrip Munition;
- 1 Holster der Marke Bianchi;

werden der Kantonspolizei Bern übergeben zwecks Vernichtung oder Verwendung zu Stu-
dienzwecken.

II.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der versuchten qualifizierten Erpressung (Art. 156 Ziff. 3 i.V. mit Art. 140 Ziff. 4 StGB) und der 
versuchten Nötigung, begangen am 08.12.2009 in Bern zum Nachteil des H.________;

2. der Freiheitsberaubung, der versuchten Nötigung und der einfachen Körperverletzung zum 
Nachteil eines Wehrlosen, gemeinsam mit I.________ und H.________ begangen am 
11.12.2009 zum Nachteil des J.________;

3. der qualifizierten Erpressung (Art. 156 Ziff. 3 i.V. mit Art. 140 Ziff. 1 StGB), gemeinsam mit 
D.________ begangen am 28.07.2006 in Laupen zum Nachteil des F.________ und des 
G.________;

4. der Freiheitsberaubung und des Raubs, gemeinsam mit D.________ begangen von ca. Mitte 
2006 bis Herbst 2007, eventuell früher, in Bern/Schliern und Umgebung zum Nachteil von 
G.________;

5. der Freiheitsberaubung, gemeinsam mit D.________ begangen ca. im Januar 2006, eventuell im 
Zeitraum Ende 2005 bis Herbst 2007, in Bern und eventuell andernorts zum Nachteil des 
E.________.

III.

A.________ wird in Anwendung der Art. 19 Abs. 2, 22, 47, 48a, 49 Abs. 1, 51, 57 Abs. 2, 59, 106, 123 
Ziff. 1 i.V. mit Ziff. 2 Abs. 1 und 3, 140 Ziff. 1 und 4, 156 Ziff. 1 und 3, 181, 183 Ziff. 1 StGB; Art. 19 
Abs. 1 lit. a, c und d, 2 lit. a und 3 lit. b BetmG; Art. 4 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 lit. a, 5 Abs. 1 lit. g, 8, 
28b i.V. mit Art. 8 Abs. 2, 31, 33 Abs. 1 lit. a WG; Art. 15 und 71 WV; Art. 426 ff. StPO

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 6 ½ Jahren.

Die Untersuchungshaft von 251 Tagen wird an die Freiheitsstrafe angerechnet. 

Es wird eine stationäre psychotherapeutische Massnahme gemäss Art. 59 StGB angeordnet.

Es wird festgestellt, dass die Massnahme am 02.10.2012 vorzeitig angetreten worden ist.

2. Zu den erstinstanzlichen Verfahrenskosten, insgesamt bestimmt auf CHF 55‘126.10. 

3. Zu den oberinstanzlichen Verfahrenskosten, insgesamt bestimmt auf CHF 5‘000.00.

IV.

Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers der beschuldigten Person, Rechtsanwalt C.________, 
wurde/wird für das erst- bzw. oberinstanzliche Verfahren wie folgt bestimmt:

8

Erste Instanz

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 70.92 200.00 CHF 14'184.00
Reisezuschlag CHF

CHF 182.50
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 14'366.50 CHF 1'149.30

CHF
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 15'515.80

volles Honorar 70.92 250.00 CHF 17'730.00
Reisezuschlag CHF

CHF 182.50
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 17'912.50 CHF 1'433.00

CHF 0.00
Total CHF 19'345.50

nachforderbarer Betrag CHF 3'829.70

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Obere Instanz

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 30.00 200.00 CHF 6'000.00
Reisezuschlag 2.00 150.00 CHF 300.00

CHF 91.10
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 6'391.10 CHF 511.30

CHF
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 6'902.40

volles Honorar 30.00 250.00 CHF 7'500.00
Reisezuschlag 2.00 150.00 CHF 300.00

CHF 91.10
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 7'891.10 CHF 631.30

CHF 0.00
Total CHF 8'522.40

nachforderbarer Betrag CHF 1'620.00

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

A.________ hat dem Kanton Bern die für das erstinstanzliche Verfahren ausgerichtete Entschädigung 
von insgesamt CHF 15‘515.80 zurück zu zahlen und Rechtsanwalt C.________ die Differenz zwi-
schen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar, ausmachend CHF 3‘829.70 zu erstat-
ten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

A.________ hat dem Kanton Bern ebenfalls die für das oberinstanzliche Verfahren ausgerichtete Ent-
schädigung von insgesamt CHF 6‘902.40 zurückzuzahlen und Rechtsanwalt C.________ die Diffe-
renz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar, ausmachend CHF 1‘620.00 zu 
erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

V.

Weiter wird verfügt:

1. A.________ geht in den Massnahmenvollzug zurück. 

9

2. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. .________) ist nach Ablauf der 
Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG).

3. Urteil des Bundesgerichts 6B_884/2014 vom 8. April 2015

Mit Urteil 6B_884/2014 vom 8. April 2015 hiess das Bundesgericht die gegen das 
obergerichtliche Urteil vom 24. Juni 2014 gerichtete Beschwerde des Beschuldig-
ten/Berufungsführers (nachfolgend: Beschuldigter) teilweise gut, hob das angefoch-
tene Urteil auf und wies die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz 
zurück, soweit es auf die Beschwerde eintrat (pag. 2303 ff.; vgl. zum Umfang der 
daraus resultierenden Neubeurteilung Ziff. 7.1 hiernach).

4. Prozessgeschichte im Neubeurteilungsverfahren

4.1 Amtliche Verteidigung und Forensisch-Psychiatrische Begutachtung

Unmittelbar nach Eingang des bundesgerichtlichen Rückweisungsentscheids wur-
de dem Beschuldigten am 30. April 2015 (pag. 2315) mitgeteilt, dass er auch im 
Neubeurteilungsverfahren Anspruch auf eine amtliche Verteidigung (notwendige 
Verteidigung gemäss Art. 130 der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 
5. Oktober 2007 [StPO; SR 312.0]) habe. Er wurde aufgefordert, einen Verteidiger 
seiner Wahl zu bezeichnen. Mit Schreiben vom 13. Mai 2015 teilte der Beschuldig-
te mit, Rechtsanwalt C.________ werde die Verteidigung wieder übernehmen 
(pag. 2320). In der Folge wurde dem Beschuldigten mit Verfügung vom 22. Mai 
2015 Rechtsanwalt C.________ als amtlicher Verteidiger für das Neubeurteilungs-
verfahren beigeordnet (pag. 2322 f.). Gleichzeitig gab der Verfahrensleiter den Par-
teien davon Kenntnis, dass er im Sinne der bundesgerichtlichen Erwägungen (E. 
3.4.3) beabsichtige, bei Prof. em. Dr. K.________ einen schriftlichen Bericht zur 
Erstellung des Forensisch-Psychiatrischen Gutachtens vom 17. April 2012 (inkl. 
Ergänzungsberichte vom 29. Juni 2012 und 13. September 2013) einzuholen und 
ihr diverse Fragen zur Beantwortung zu unterbreiten. Noch bevor der Auftrag an 
die Expertin erfolgt war, teilte der Beschuldigte mit Schreiben vom 23. Juni 2015 
mit, er lasse sich dank der finanziellen Unterstützung seiner Mutter künftig privat 
durch Rechtsanwalt B.________ vertreten (pag. 2333), worauf die Verfahrenslei-
tung das amtliche Mandat mit Verfügung vom 29. Juni 2015 sistierte und dem pri-
vaten Verteidiger die Akten zur Einsichtnahme zustellte (pag. 2338 f.). 

Nach Eingang der Stellungnahmen der Parteien zur beabsichtigten Fragestellung 
(Generalstaatsanwaltschaft: pag. 2327; Beschuldigter: pag. 2330 f.) wurde der mit 
diversen Ergänzungsfragen der Verteidigung komplettierte Fragenkatalog am 
7. August 2015 Prof. em. Dr. K.________ zur Beantwortung unterbreitet (pag. 2348 
ff.). Ihr Bericht vom 25. August 2015 (pag. 2352 ff.) wurde den Parteien unter Ein-
räumung der Möglichkeit zur Stellung allfälliger Erläuterungs- oder Ergänzungsfra-
gen zugestellt. Da das Gutachten bereits wieder einige Zeit zurücklag und der vor-
genannte Bericht darauf schliessen liess, dass wesentliche Teile der Begutachtung 
von der von Prof. em. Dr. K.________ beigezogenen Psychologin durchgeführt 
worden waren, wurden die Parteien gleichzeitig über die Absicht der Verfahrenslei-
tung in Kenntnis gesetzt, den Beschuldigten erneut forensisch-psychiatrisch begut-
achten zu lassen. Als Experte wurde Dr. med. L.________ vorgeschlagen 

10

(pag. 2358 f.). Erläuterungs- oder Ergänzungsfragen wurden von den Parteien kei-
ne gestellt, hingegen bestritt der private Verteidiger des Beschuldigten in seiner 
Stellungnahme vom 12. Oktober 2015 die Neutralität und Unabhängigkeit des vor-
geschlagenen Experten. Er schlug die Einsetzung eines ausserkantonalen Exper-
ten vor. Zudem beantragte er, die amtlichen Akten seien zumindest für die neuerli-
che Begutachtung um das seiner Auffassung nach nicht verwertbare forensische 
Gutachten mit sämtlichen dazugehörenden Stellungnahmen und Ergänzungen zu 
reduzieren. Darüber hinaus bleibe zu prüfen, ob die entsprechenden Aktenstellen 
allenfalls gänzlich aus den Akten zu entfernen seien (pag. 2424 f.). 

Mit persönlichem Schreiben vom 5. Oktober 2015 beantragte der Beschuldigte dem 
Gericht, seinen privaten Verteidiger rückwirkend als amtlichen Verteidiger einzu-
setzen und gleichzeitig seinen bisherigen amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt 
C.________, endgültig von dessen amtlichem Mandat zu entbinden. Seinen Aus-
führungen zufolge hatte seine Mutter ihre finanzielle Unterstützung ohne erkennba-
ren Anlass eingestellt. Zudem hatte der Beschuldigte gegen den bisherigen amtli-
chen Verteidiger Anzeige bei der Anwaltsaufsichtsbehörde eingereicht (pag. 2406 
f.). In teilweiser Gutheissung des Gesuchs und unter dem Vorbehalt, dass sich der 
bisher privat beauftragte Rechtsanwalt B.________ schriftlich bereit erkläre, das 
amtliche Mandat zu übernehmen, verfügte die Verfahrensleitung am 30. Oktober 
2015 die Einsetzung des letzteren als amtlichen Verteidiger mit Wirkung ab dem 
5. Oktober 2015. Rechtsanwalt C.________ wurde derweil mit sofortiger Wirkung 
aus dem amtlichen Mandat entlassen (pag. 2434 ff.). Im Beschluss vom 27. No-
vember 2015 gab die Kammer den Parteien Kenntnis vom Einverständnis von 
Rechtsanwalt B.________ zur Übernahme der amtlichen Verteidigung gemäss der 
Einsetzungsverfügung. Gleichzeitig bestimmte sie die Entschädigung des bisheri-
gen amtlichen Verteidigers (pag. 2447 f.). 

Mit begründeter Verfügung des Verfahrensleiters vom 27. November 2015 wurden 
die Anträge der Verteidigung vom 12. Oktober 2015 bezüglich der Person des Gut-
achters und der Reduktion der Akten um die gutachterlichen Ausführungen von 
Prof. em. Dr. K.________ abgewiesen. Gleichzeitig gab die Verfahrensleitung den 
Parteien Gelegenheit, zum Entwurf des Fragenkatalogs an den psychiatrischen 
Experten Stellung zu nehmen und allfällige Ergänzungsfragen zu beantragen 
(pag. 2451 ff.). Während die Generalstaatsanwaltschaft auf die Stellung von Er-
gänzungsfragen verzichtete (pag. 2458), reichte der Beschuldigte innert erstreckter 
Frist am 11. Januar 2016 drei ergänzende Fragen ein. Zudem beantragte er, an-
stelle von Dr. med. L.________ einen zertifizierten psychiatrischen Forensiker aus 
der Innerschweiz als Sachverständigen einzusetzen (pag. 2477 ff.). Mit begründe-
ter Verfügung vom 17. März 2016 wies die Verfahrensleitung die Aufnahme von 
zwei Ergänzungsfragen in den Fragenkatalog ab. Hingegen hiess sie die Anträge 
der Verteidigung insoweit gut, als dass sie den Fragenkatalog um eine von der Ver-
teidigung ausformulierte Frage ergänzte und den Parteien vorschlug, anstelle von 
Dr. med. L.________ neu Dr. med. M.________, Forensische Dienste der Luzerner 
Psychiatrie (nachfolgend: LUPS), mit der Ausarbeitung des Gutachtens zu beauf-
tragen (pag. 2481 ff.). Nachdem sich weder die Generalstaatsanwaltschaft noch 
der Beschuldigte gegen den neu vorgeschlagenen Experten stellten (pag. 2486 
bzw. pag. 2487), wurde diesem mit Verfügung vom 4. April 2016 ein entsprechen-

11

der Auftrag erteilt (pag. 2491 ff.). Das innert verlängerter Frist erstellte forensisch-
psychiatrische Gutachten datiert vom 11. Oktober 2016 (pag. 2541 ff.). Es wurde 
den Parteien am 17. Oktober 2016 zur Stellungnahme zugestellt (pag. 2643 f.). 
Sowohl die Generalstaatsanwaltschaft in ihrer Eingabe vom 21. Oktober 2016 
(pag. 2647 ff.) als auch die Verteidigung in ihrer Eingabe vom 15. November 2016 
(pag. 2658 f.) hatten diverse Ergänzungsfragen. Mit Verfügung der Verfahrenslei-
tung vom 17. November 2016 (pag. 2663 f.) wurden die Fragen dem Gutachter zur 
Stellungnahme unterbreitet und von ihm bzw. der Mitgutachterin am 14. Dezember 
2016 beantwortet (pag. 2671 ff.). 

4.2 Vorzeitiger Massnahmenvollzug und Haftentlassungsgesuche

Der Beschuldigte befindet sich seit dem 2. Oktober 2012 im vorzeitigen Massnah-
menantritt, wobei er am 8. August 2014 von der X._____ (Anstalt) wegen Untrag-
barkeit zur Verfügung gestellt wurde. Weil sich die Suche nach einer Anschlusslö-
sung für die Abteilung Straf- und Massnahmenvollzug des damaligen Amts für 
Freiheitsentzug und Betreuung (nachfolgend: ASMV) schwierig gestaltete, musste 
er für längere Zeit in ein Regionalgefängnis verlegt werden. Mit Verfügung vom 
1. Dezember 2015 informierte die ASMV die Kammer über die per 25. November 
2015 erfolgte Verlegung des Beschuldigten in die N._____ (Anstalt) wo er in den 
Kleingruppenvollzug der O.______ (Abteilung) aufgenommen wurde (pag. 2459 ff.). 

Gegen diese Verfügung erhob der Beschuldigte am 17. Dezember 2015 Be-
schwerde bei der Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern (nachfolgend: 
POM). Über diesen Umstand informierte er die Kammer durch Zusendung einer 
Beschwerdekopie (pag. 2464 ff.). Nachdem sich der Beschuldigte selber mittlerwei-
le positiv zum derzeitigen Setting gestellt hatte, wurde das Beschwerdeverfahren 
am 22. Januar 2016 als gegenstandslos abgeschrieben (pag. 2523 ff.). Der Aufent-
halt in der N._____ (Anstalt) wurde seither mit Verfügungen der ASMV vom 23. Mai 
2016 (pag. 2499 ff.) und vom 23. November 2016 (pag. 2665 ff.) um jeweils 6 Mo-
nate verlängert. Ein vom Beschuldigten am 8. Januar 2017 gestelltes Gesuch um 
Gewährung eines Sachurlaubs für Indikationsgespräche zur Vorbereitung ambulan-
ter Therapien wurde von der ASMV mit Verfügung vom 8. März 2017 abgewiesen 
(pag. 2711 ff.). Mit Verfügung vom 19. Mai 2017 ordneten die Bewährungs- und 
Vollzugsdienste des bernischen Amts für Justizvollzug (nachfolgend: BVD) 
schliesslich eine weitere 6-monatige Verlängerung in der N._____ (Anstalt) an 
(pag. 2737 ff.).

Der Beschuldigte stellte während des Neubeurteilungsverfahrens auch zwei Haft-
entlassungsgesuche. Ein erstes Gesuch vom 17. September 2015 (pag. 2363 ff.) 
wurde mit begründeter Verfügung vom 7. Oktober 2015 abgewiesen (pag. 2393 ff.). 
Auch ein zweites Gesuch vom 9. Februar 2017 (vgl. separates Verfahren SK 17 64, 
pag. 1 ff.) wurde von der Verfahrensleitung mit begründeter Verfügung vom 2. März 
2017 (SK 17 64, pag. 89 ff.) abgewiesen. Die vom Beschuldigten (in dieser Sache 
nunmehr vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. P.________) dagegen erhobene 
Beschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil vom 18. April 2017 ab (Entscheid 
BGer 1B_136/2017; SK 17 64, pag. 141 ff.).

12

Die Hauptverhandlung im Neubeurteilungsverfahren fand am 2. bzw. 6./7. Juni 
2017 statt (pag. 2769 ff.).

5. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Nebst dem im Vordergrund stehenden forensisch-psychiatrischen Gutachten vom 
11. Oktober 2016 (pag. 2541 ff.) inkl. Ergänzungen vom 14. Dezember 2016 
(pag. 2671 ff.) wurden im Hinblick auf die Berufungsverhandlung ein aktueller 
Strafregisterauszug (datierend vom 1. Mai 2017; pag. 2724) sowie ein aktueller 
Führungs-/Vollzugsbericht über den Beschuldigten bei der N._____ (Anstalt) (datie-
rend vom 28. April 2017; pag. 2721 f.) eingeholt. Die Parteien wurden je mit einer 
Kopie bedient.

Mit Eingabe vom 28. April 2017 stellte der Beschuldigte den Beweisantrag, im 
Rahmen der Berufungsverhandlung Q.________ als Auskunftsperson/Zeugen zu 
befragen, da dieser bezüglich Ziff. II/5. des ersten oberinstanzlichen Urteils vom 
24. Juni 2014 sachdienliche Angaben machen könne (pag. 2717 f.). Nach Einho-
lung einer Stellungnahme der Generalstaatsanwaltschaft (pag. 2731 f.) wurde die-
ser Antrag mit begründetem Kammerbeschluss vom 8. Mai 2017 abgewiesen 
(pag. 2733 f.).

Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 2. Juni 2017 wurde der Beschuldigte 
eingehend zu seiner aktuellen Situation bzw. zu seiner Haltung gegenüber einer 
allfälligen Massnahme befragt (pag. 2782 ff.). Ebenso erfolgte oberinstanzlich eine 
Befragung des Sachverständigen Dr. med. M.________ (pag. 2774 ff.). Ferner 
wurde das Schreiben des Beschuldigten an die Anstaltsleitung der N._____ (An-
stalt) vom 10. Mai 2017 (pag. 2743 f.) zu den Akten erkannt und es wurden die Ak-
ten des Haftentlassungsgesuchs vom 9. Februar 2017 (SK 17 64) beigezogen 
(pag. 2772). Schliesslich wurde dem vom Beschuldigten im Rahmen der Beru-
fungsverhandlung gestellten Antrag, die vom 30. Mai 2017 datierenden Dokumente 
«Freisprüche und Strafmilderung, Gegendarstellungen und Argumente 
A.________» (pag. 2802 ff.) und «Plädoyer A.________» (pag. 2799 ff.) zu den Ak-
ten zu erkennen, stattgegeben (pag. 2789).

6. Anträge der Parteien

Rechtsanwalt B.________ stellte in der Berufungsverhandlung namens des Be-
schuldigten folgende Anträge (pag. 2806 f.):

I.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 27. September 2013 
hinsichtlich Ziff. I.; II. 2, 7, 8; IV. 2, 3 und soweit er zu einer Übertretungsbusse von CHF 200.00 we-
gen Widerhandlungen gegen das BetmG verurteilt worden war, in Rechtskraft erwachsen ist. 

Il.

A.________ vgt. sei

freizusprechen:

13

von den Anschuldigungen 

1. der versuchten qualifizierten Erpressung (Art. 156 Ziff. 3 i.V. mit Art. 140 Ziff. 4 StGB) und 
der versuchten Nötigung, begangen am 08.12.2009 in Bern zum Nachteil des H.________;

2. der Freiheitsberaubung, der versuchten Nötigung und der einfachen Körperverletzung 
zum Nachteil eines Wehrlosen, gemeinsam mit I.________ und H.________ begangen am 
11.12.2009 zum Nachteil des J.________;

3. der qualifizierten Erpressung (Art. 156 Ziff. 3 i.V. mit Art. 140 Ziff. 1 StGB), gemeinsam mit 
D.________ begangen am 28.07.2006 in Laupen zum Nachteil des F.________ und des 
G.________;

4. der Freiheitsberaubung und des Raubs, gemeinsam mit D.________ begangen von ca. Mitte 
2006 bis Herbst 2007, eventuell früher, in Bern/Schliern und Umgebung zum Nachteil von 
G.________;

5. der Freiheitsberaubung, gemeinsam mit D.________ begangen ca. im Januar 2006, eventu-
ell im Zeitraum Ende 2005 bis Herbst 2007, in Bern und eventuell andernorts zum Nachteil des 
E.________. 

unter Auferlegung der teilweisen erstinstanzlichen sowie der gesamten oberinstanzlichen Verfahrens-
kosten an den Kanton Bern und unter Ausrichtung einer Entschädigung für die Verteidigungskosten 
gemäss Kostennoten sowie einer persönlichen Entschädigung für die ausgestandene Überhaft (859 
Tage) in der Höhe von CHF 171'800.00 für A.________.

III.

A.________ vgt. sei gestützt auf die bereits rechtskräftigen Schuldsprüche gemäss Ziff. I. hievor und 
in Anwendung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren unter Anrechnung der ausgestandenen Untersuchungs-
haft im Umfang von 251 Tagen mit vorzeitigem Massnahmeantritt seit 02.10.2012;

2. zu einer ambulanten Therapie gemäss Art. 63 StGB; 

3. zu den teilweisen erstinstanzlichen Verfahrenskosten soweit sie auf die rechtskräftigen 
Schuldsprüche entfallen.

IV.

Im Weiteren sei 

zu verfügen:

1. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gemäss eingereichter Kostennote zu bestimmen. 

2. Die übrigen erforderlichen Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen.

Die Generalstaatsanwaltschaft stellte im Rahmen der Berufungsverhandlung fol-
gende Anträge (pag. 2808 f.):

14

I.

Es sei festzustellen, dass das Urteil des Regionalgerichts Bern-Mittelland vom 27.09.2013 insofern in 
Rechtskraft erwachsen ist, als 

1.1 das Verfahren gegen A.________ wegen qualifizierter einfacher Körperverletzung zN von 
E.________, wegen Nötigung zN von F.________ sowie G.________ und wegen Widerhandlun-
gen gegen das BetmG (Urteilsdispositiv I.3) wegen Verjährung ohne Ausrichtung einer Entschädi-
gung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten eingestellt worden ist; 

1.2 A.________ wegen versuchter Erpressung, mehrfach begangen im Januar 2012 zN von 
H.________, wegen teilweise qualifizierter Widerhandlungen gegen das BetmG und Widerhand-
lungen gegen das Waffengesetz schuldig gesprochen worden ist; 

1.3 A.________ zu einer Übertretungsbusse von CHF 200.00 verurteilt worden ist; 

1.4 Verfügungen gemäss Urteilsdispositiv Ziff. IV. 2. und 3. getroffen worden sind. 

II.

1. Der Beschuldigte sei wie in erster Instanz schuldig zu sprechen wegen 

1.1 versuchter qualifizierter Erpressung (Art. 158 Ziff. 3 i.V.m. Art. 140 Ziff. 4 StGB) und versuch-
ter Nötigung, begangen am 08.12.2009 in Bern zN von H.________;

1.2 Freiheitsberaubung, versuchter Nötigung und einfacher Körperverletzung zum Nachteil eines 
Wehrlosen, begangen am 11.12.2009 zN von J.________;

1.3 qualifizierter Erpressung (Art. 156 Ziff. 3 i.V.m. Art. 140 Ziff. 1 StGB), begangen am 
28.07.2006 in Laupen zN von F.________ und G.________;

1.4 Freiheitsberaubung und Raubs, begangen ca. in der Zeit 2006/2007, eventuell früher, in 
Bern/Schliern und Umgebung zN von G.________;

1.5 Freiheitsberaubung, begangen ca. im Januar 2006, eventuell früher oder später, in Bern und 
eventuell andernorts zN von E.________.

2. Er sei in Anwendung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen zu verurteilen zu einer Frei-
heitsstrafe von 8 Jahren und 8 Monaten; die Untersuchungshaft sei anzurechnen; es sei eine 
stationäre psychotherapeutische Massnahme gemäss Art. 59 StGB (zwecks Behandlung der 
psychischen Störungen und der Suchtproblematik) anzuordnen, unter Feststellung, dass die 
Massnahme am 02.10.2012 vorzeitig angetreten worden ist. 

3. Er sei zu den Verfahrenskosten des erstinstanzlichen und des zweiten oberinstanzlichen Verfah-
rens zu verurteilen. Die Kosten des ersten oberinstanzlichen Verfahrens seien je hälftig dem Be-
rufungsführer und dem Kanton aufzuerlegen. 

IV.

1. Der Beschuldigte sei in den Massnahmenvollzug zurückzuführen. 

2. Es seien im Übrigen die üblichen Verfügungen zu treffen (DNA-Profil, Honorar der amtlichen 
Verteidigung).

(Beantragte Gebühr gemäss Art. 21 VKD: CHF 500.00)

15

7. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

7.1 Umfang der Neubeurteilung

Die Behörde, an welche zurückgewiesen wird, ist an die rechtlichen Erwägungen 
im Rückweisungsentscheid gebunden. Dabei betrifft die Verbindlichkeit sowohl 
Punkte, bezüglich denen keine Rückweisung erfolgt, die also «definitiv» entschie-
den wurden, wie auch diejenigen Erwägungen, welche den Rückweisungsauftrag 
umschreiben (vgl. dazu MEYER/ DORMANN, in: Basler Kommentar Bundesgerichts-
gesetz, 2. Aufl. 2011, N 18 zu Art. 107 BGG mit Hinweisen, sowie BGE 135 III 334 
E. 2; bestätigt im Urteil des Bundesgerichts 6B_434/2014 vom 24. November 2014 
E. 1.3.1). Ergibt sich aus der Urteilsbegründung des Bundesgerichts, dass es sich 
materiell um eine Teilaufhebung handelt, gilt das kantonale Urteil im Übrigen als 
bestätigt (BGE 122 I 250 E. 2b). Die kantonale Instanz hat sich demnach bei der 
neuen Entscheidung auf das zu beschränken, was sich aus den Erwägungen des 
Bundesgerichts als Gegenstand der neuen Beurteilung ergibt. Wird eine Be-
schwerde in Strafsachen gutgeheissen und das vorinstanzliche Urteil aufgehoben, 
soll das Verfahren nicht als Ganzes neu in Gang gesetzt werden, sondern nur in-
soweit, als dies notwendig ist, um den verbindlichen Erwägungen des Bundesge-
richts Rechnung zu tragen (Urteil des Bundesgerichts 6B_434/2014 vom 24. No-
vember 2014 E. 1.3.3).

Ausgangspunkt ist vorliegend das Urteil des Bundesgerichts 6B_884/2014 vom 
8. April 2015. In Erwägung 3 führt das Bundesgericht aus, die Beschwerde werde 
insoweit gutgeheissen, als der Beschuldigte bemängelt habe, das psychiatrische 
Gutachten – gestützt auf welches eine stationäre therapeutische Massnahme nach 
Art. 59 des Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (StGB; SR 311.0) verfügt 
wurde – sei nicht von einem psychiatrischen Facharzt, sondern von einer Psycho-
login erstellt worden. Das Bundesgericht hob das angefochtene Urteil auf und wies 
die Sache zur Abklärung der Frage, ob ein Facharzt für Psychiatrie und Psychothe-
rapie stets die Leitung und uneingeschränkte Verantwortung für Befunderhebung, 
Befundauswertung und Befundbeurteilung gehabt habe, und gegebenenfalls zur 
Einholung eines neuen Gutachtens sowie zur Neubeurteilung an die Vorinstanz 
zurück. Die gegen die vorinstanzliche Sachverhaltsfeststellung und Beweiswürdi-
gung vorgebrachten Rügen wies das Bundesgericht hingegen allesamt als unbe-
gründet ab, soweit es überhaupt darauf eintrat (E. 2.2. - 2.5).

Die Erwägungen des Bundesgerichts sind für die Kammer verbindlich. Für das vor-
liegende Verfahren bedeutet dies zunächst, dass alle Punkte, die im ersten oberin-
stanzlichen Verfahren nicht angefochten waren und deren Rechtskraft von der 
Kammer festgestellt wurde, rechtskräftig sind und rechtskräftig bleiben (Ziff. I. 1. - 
4. des Dispositivs im Neubeurteilungsverfahren [S. 43 f.], welche den nämlichen 
Ziffern im ersten oberinstanzlichen Verfahren entsprechen). Auch für ein Zurück-
kommen auf Fragen des Sachverhalts und der Beweiswürdigung bleibt entgegen 
der Auffassung der Verteidigung kein Raum. Was die rechtlichen Erwägungen im 
ersten oberinstanzlichen Urteil betrifft, wurden diese vom Beschuldigten vor Bun-
desgericht nicht gerügt. Auf sie ist entsprechend nur zurückzukommen, wenn sich 
dies durch neue Beweismassnahmen aufdrängt. Eine Modifikation der Strafzumes-

https://www.swisslex.ch/AssetDetail.mvc/Show?assetGuid=4fe38550-7768-4aa2-9e23-ca9402caf415&SP=6|jko0v5#cons_2b

16

sung bleibt demgegenüber in den Schranken des Verschlechterungsverbots mög-
lich. Die Frage der Massnahme steht dabei klar im Vordergrund. 

7.2 Zum Verschlechterungsverbot im Speziellen

7.2.1 Allgemeines

Nach Art. 391 Abs. 2 Satz 1 darf ein Entscheid nicht zum Nachteil der beschuldig-
ten oder verurteilten Person abgeändert werden, wenn das Rechtsmittel nur zu de-
ren Gunsten ergriffen worden ist. Vorbehalten bleibt nach Abs. 2 Satz 2 der vorge-
nannten Bestimmung eine strengere Bestrafung «aufgrund von Tatsachen, die dem 
erstinstanzlichen Gericht nicht bekannt sein konnten».

Wie schon die Vorinstanz ging auch die Kammer im ersten oberinstanzlichen Ver-
fahren – gestützt auf das Gutachten vom 17. April 2012 des Forensisch-
Psychiatrischen Dienstes der Universität Bern (nachfolgend: FPD) – beim Beschul-
digen von einer leicht bis mittelgradigen Verminderung der Schuldfähigkeit aus, 
was im Rahmen der Strafzumessung zu einer erheblichen Strafmilderung führte 
(pag. 2240). Im Zusammenhang mit der neuerlichen Begutachtung des Beschuldig-
ten wurde auch die Abklärung der Schuldfähigkeit in Auftrag gegeben. Im Gutach-
ten vom 11. Oktober 2016 der LUPS führten die Gutachter aus, es lägen keine In-
dizien vor, die den Schluss auf eine Verminderung der Schuldfähigkeit zuliessen. 
Am 1. Juni 2017 teilte der Verfahrensleiter den Parteien mit, die Kammer fühle sich 
angesichts der neuen gutachterlichen Erkenntnisse nicht an das Verschlechte-
rungsverbot gebunden (pag. 2748 f.). 

7.2.2 Vorbringen der Parteien

Die Generalstaatsanwaltschaft führte aus, das Verschlechterungsverbot greife in 
der vorliegenden Konstellation nicht. Indem das neu eingeholte Gutachten auf die 
volle Schuldfähigkeit des Beschuldigten erkenne, enthalte es eine neue Tatsache, 
die von der Vorinstanz nicht hätte zur Kenntnis genommen werden können. Anders 
verhalte es sich mit Blick auf die Sanktion [recte: Massnahme]. Da sich das neue 
Gutachten nicht zu einer allfälligen Verwahrung äussere, könne diese auch nicht 
nachträglich angeordnet werden.

Der Beschuldigte liess dagegen ausführen, bereits die Vorinstanz hätte mit einem 
ergänzenden Gutachten zu den gleichen Erkenntnissen gelangen können. Ein sol-
ches sei von der Verteidigung sowohl in erster, wie auch in oberer Instanz verge-
bens beantragt worden. Es würden damit keine neuen Tatsachen vorliegen, welche 
der Vorinstanz nicht hätten bekannt sein können. Im Weiteren sei fraglich, inwiefern 
ein neues Gutachten überhaupt eine neue Tatsache im Sinne von Art. 391 Abs. 2 
Satz 2 StPO darstellen könne. Beide Experten hätten den Beschuldigten gestützt 
auf die gleichen Unterlagen untersucht, seien dabei aber zu unterschiedlichen Ein-
schätzungen gelangt. Die Neuheit betreffe somit nicht Tatsachen, sondern deren 
Würdigung. Angesichts des den Experten in diesem Bereich zustehenden Ermes-
sensspielraums könne die Einschätzung von Prof. em. Dr. K.________ auch nicht 
als qualifiziert falsch bezeichnet werden. Im Ergebnis würden damit keine Umstän-
de vorliegen, die es ausnahmsweise rechtfertigen könnten, einem Gutachten die 
Qualität einer neuen Tatsache zuzusprechen. Das Verschlechterungsverbot gelte 
sodann nicht nur für die Massnahme, sondern auch für die Strafhöhe. 

17

In ihrer Replik wandte die Generalstaatsanwaltschaft ein, die Ausführungen der 
Verteidigung seien grundsätzlich zutreffend, würden aber ein taugliches Gutachten 
voraussetzen. Ein solches habe im vorliegenden Verfahren gerade nicht existiert. 
Vielmehr habe das Bundesgericht festgestellt, das Gutachten von Prof. em. Dr. 
K.________ sei nicht verwertbar und damit für die Kammer als Ganzes unbeacht-
lich. Eine solche Wende sei für die erste Instanz nicht vorhersehbar gewesen und 
es habe für sie damit kein Anlass dazu bestanden, ein neues Gutachten einzuho-
len. Die Verteidigung habe das Gutachten aus anderen Gründen bemängelt. Es 
liege somit ein neues Gutachten vor, welches ausnahmsweise auch eine neue Tat-
sache darstelle. 

Der Beschuldigte hielt dem im Rahmen seiner Duplik entgegen, die Verteidigung 
habe mehrfach auf die Mangelhaftigkeit des Gutachtens hingewiesen, sei aber mit 
ihren Einwänden bis zum Bundesgericht nicht gehört worden. Nun im Nachhinein 
das Gutachten als nicht existent zu betrachten, mute geradezu zynisch an. Das 
Gutachten sei immerhin so weit beachtet worden, als der Beschuldigte gestützt 
darauf in einer Massnahme belassen worden sei. Es befinde sich auch weiter in 
den Akten und sei dem neuen Gutachter im Zuge der Ausarbeitung seines Gutach-
tens auch zur Verfügung gestellt worden. 

7.2.3 Erwägungen der Kammer

a) Vorbemerkung 

In seinem Rückweisungsentscheid erwog das Bundesgericht, eine schwergewichtig 
von einer Psychologin und nicht einer psychiatrischen Fachärztin erstellte Expertise 
genüge den an eine sachverständige Person gestellten Anforderungen nicht. Das 
zu einem grossen Teil von Dr. phil. R.________ erstellte Gutachten vom 17. April 
2012 eignet sich darum nicht als Grundlage für die Anordnung einer Massnahme.  
Da auch die Beurteilung der Schuldfähigkeit gestützt auf eine sachverständige 
Begutachtung zu erfolgen hat (Art. 20 StGB), stellt sich vor dem Hintergrund des 
erwähnten Entscheids die Frage, welche Bedeutung der Einschätzung im 
Gutachten vom 17. April 2012 in diesem Zusammenhang zukommen kann. 

Die von der Generalstaatsanwaltschaft nahe gelegte komplette Unbeachtlichkeit 
würde nach Ansicht der Kammer zu weit führen: Prof. em. Dr. K.________ und Dr. 
phil. R.________ äusserten sich im besagten Gutachten in klarer und nachvoll-
ziehbarer Form zur Frage der Schuldfähigkeit. Ihre Ausführungen bewegen sich 
grundsätzlich in der Bandbreite dessen, was ein Gutachten einem Gericht als Hilfe-
stellung für seinen Entscheid bieten kann und muss. Eine volle Schuldfähigkeit war 
weder im ersten oberinstanzlichen Verfahren noch vor Bundesgericht Thema. Die 
gleich mehrfache Passivität der Staatsanwaltschaft legt sodann den Schluss nahe, 
dass sie die von Prof. em. Dr. K.________ und Dr. phil. R.________ angestellten 
Überlegungen zur verminderten Schuldfähigkeit zumindest als vertretbar erachtete. 
Es wäre unter diesen Umständen stossend, ein für die Position des Beschuldigten 
sprechendes Gutachten, auf welches mehrere Instanzen abgestellt haben und wel-
ches sich nach wie vor in den Akten befindet, als schlicht unbeachtlich zu bezeich-
nen, wenngleich es als Folge des bundesgerichtlichen Rückweisungsentscheids 
mit einer gewissen Zurückhaltung zu würdigen ist. 

18

b) Allgemeines zum Verschlechterungsverbot

Das Verbot der reformatio in peius wird für das Verfahren vor Bundesgericht aus 
Art. 107 des Bundesgerichtsgesetzes (BGG; SR 173.110) abgeleitet und bindet im 
Falle einer Rückweisung auch die kantonalen Behörden (Urteil des Bundesgerichts 
6B_165/2011 vom 19. Juli 2011 E. 3.1). Inhaltlich richtet sich das 
Verschlechterungsverbot auch im Neubeurteilungsverfahren nach Art. 391 Abs. 2 
StPO (SCHMID NIKLAUS, Handbuch des Schweizerischen Strafprozessrechts, 2. 
Aufl. 2013, N 1491). Nach Art. 391 Abs. 2 Satz 2 StPO ist somit beim Vorliegen von 
«Tatsachen, die dem erstinstanzlichen Gericht nicht bekannt sein konnten» 
ausnahmsweise auch eine strengere Bestrafung des Beschuldigten möglich. 

Art. 391 Abs. 2 Satz 2 wurde in die StPO aufgenommen, weil es als stossend 
empfunden wurde, Tatsachen, Akten oder Beweismittel, von denen erst nach dem 
erstinstanzlich Urteil Kenntnis erlangt wurde, nicht (auch zum Nachteil der 
beschuldigten Person) zu verwenden (Botschaft vom 21. Dezember 2005 zur 
Vereinheitlichung des Strafverfahrens, BBl 2006 1311). In der Lehre ist indessen 
umstritten, welche Reichweite der Bestimmung in der Praxis zukommen soll 
(ZIEGLER/KELLER, in: Basler Kommentar 
Strafprozessordnung/Jugendstrafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N 5 zu Art. 391 
StPO; vgl. zu einer Zusammenstellung der Lehrmeinungen das Urteil des 
Bundesgerichts 6B_129/2015 vom 11. April 2016 E. 2.2, übersetzt in Pra 105 
[2016] Nr. 102). Wesentlich erscheint vorab, dass es sich beim Verbot der 
reformatio in peius (Satz 1 von Art. 391 Abs. 2 StPO) um den Regelfall handelt, in 
welchem der allein berufungsführende Beschuldigte vor einer strengeren 
Bestrafung in oberer Instanz geschützt werden soll. Satz 2 stellt dazu einen 
singulären Ausnahmefall dar, was einen beschränkten Anwendungsbereich 
nahelegt. Relativ verbreitet ist die Lehrmeinung, dass sich eine Anwendung dann 
rechtfertigt, wenn neue Tatsachen auftauchen, die auch in einem 
Revisionsverfahren geltend gemacht werden könnten. Analog zu Art. 410 Abs. 1 
lit. a StPO kommt demnach nur jenen Tatsachen Relevanz zu, die zu einer 
erheblich strengeren Bestrafung des Beschuldigten im betreffenden Punkt führen 
(VIKTOR LIEBER, in: DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER [Hrsg.], Kommentar zur 
Schweizerischen StPO, 2. Aufl. 2014, N 20 zu Art. 391 StPO; SCHMID, Handbuch, 
N 1494; DERSELBE, Schweizerische Strafprozessordnung Praxiskommentar, 
2. Aufl. 2013, N 6 zu Art. 391; ZIEGLER/KELLER, a.a.O., N 5 zu Art. 391 StPO). 

Eine Revision im Sinne von Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO zugunsten der verurteilten 
Person kommt in Betracht, wenn neue, vor dem Entscheid eingetretene Tatsachen 
oder neue Beweismittel auftauchen, die geeignet sind, einen Freispruch oder eine 
wesentlich mildere Bestrafung der verurteilten Person herbeizuführen. Ungeachtet 
der Frage, ob sich die tatsächliche Grundlage für die Erstellung eines Gutachtens 
geändert hat oder nicht, stellen die Erkenntnisse einer sachverständigen Person, 
die bisher nicht gehört und damit auch nicht in die Entscheidfindung einbezogen 
worden ist, immer ein neues Beweismittel dar (MARIANNE HEER, in: Basler 
Kommentar Strafprozessordnung/Jugendstrafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N 5 
zu Art. 410 StPO), weshalb sich diesem Kriterium mit Blick auf Gutachten nicht viel 
abgewinnen lässt. Weiterführend ist indessen die Frage nach dessen Erheblichkeit. 

19

Beweismittel sind erheblich, wenn sie geeignet sind, die Beweisgrundlage des 
früheren Urteils so zu erschüttern, dass aufgrund des veränderten Sachverhalts ein 
wesentlich milderes Urteil – bzw. im Falle von Art. 391 Abs. 2 Satz 2 StPO eine 
wesentlich strengere Bestrafung – möglich ist (Urteil des Bundesgerichts 
6B_742/2016 vom 6. Februar 2017 E. 1.3 mit Hinweisen). 

Ein neues Gutachten kann nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts Anlass 
zur Wiederaufnahme geben, wenn es neue Tatsachen nachweist oder tatsächliche 
Annahmen im früheren Urteil als ungenau oder falsch erscheinen lässt. Unbeacht-
lich ist, ob es sich dabei um ein amtlich oder privat erstelltes Gutachten handelt. 
Soweit ein neues Gutachten lediglich eine vom früheren Gutachten abweichende 
Meinung vertritt, rechtfertigt dies noch keine Revision. «Es muss vielmehr mit über-
legenen Gründen abweichen und klare Fehler des früheren Gutachtens aufzeigen, 
die geeignet sind, die Beweisgrundlage des Urteils zu erschüttern» (Urteil des 
Bundesgerichts 6B_413/2016 vom 2. August 2016 E. 1.3.1 mit Hinweisen). 

In einem die Invalidenversicherung betreffenden Fall hatte das Bundesgericht über 
die Zulässigkeit einer gestützt auf ein neues Gutachten erfolgten Modifikation des 
Grads der Arbeits(un)fähigkeit zu befinden. Es führte aus, ausschlaggebend sei, 
dass das Beweismittel nicht bloss der Sachverhaltswürdigung, sondern der Sach-
verhaltsfeststellung diene. Es genüge daher nicht, dass ein neues Gutachten den 
Sachverhalt anders werte; vielmehr bedürfe es neuer Elemente tatsächlicher Natur, 
welche die Entscheidungsgrundlagen als objektiv mangelhaft erscheinen liessen.  
Namentlich bei der Festsetzung der Arbeitsunfähigkeit verfüge ein Gutachter über 
einen beachtlichen Ermessensspielraum, basiere doch die Einschätzung der Ar-
beits(un)fähigkeit massgeblich auf Schätzung oder Würdigung der erfragten und 
entdeckten Symptome. Ein (prozessrechtlicher) Revisionsgrund falle demnach 
überhaupt nur in Betracht, wenn bereits im ursprünglichen Verfahren der untersu-
chende Arzt und die entscheidende Behörde das Ermessen wegen eines neu er-
hobenen Befundes zwingend anders hätten ausüben und infolgedessen zu einem 
anderen Ergebnis hätten gelangen müssen (Urteil des Bundesgerichts 
8C_779/2014 E. 3.3 mit Verweis auf die Urteile 8C_349/2014 vom 18. August 2014 
E. 3.3.2 und 9C_955/2012 vom 13. Februar 2013 E. 3.3.1).

Entscheidend ist mithin, auf welchem Sachverhalt die jeweiligen Expertisen grün-
deten, bzw. welche tatsächlichen Elemente sie der Beurteilung der Schuldfähigkeit 
zugrunde legten.  

c) Gutachten 

Prof. em. Dr. K.________ und Dr. phil. R.________ diagnostizierten dem Beschul-
digten in ihrem Gutachten vom 17. April 2012 eine kombinierte Persönlichkeitss-
törung mit narzisstischen, emotional instabilen, histrionischen und paranoiden An-
teilen sowie querulatorische Tendenzen. Zudem bestehe die Verdachtsdiagnose 
eines schädlichen Gebrauchs multipler Substanzen und des Konsums sonstiger 
psychotroper Substanzen. Der Beschuldigte habe mit seiner Tat Personen, die er 
des Diebstahls verdächtigt habe, bestrafen bzw. von ihnen ein Geständnis erpres-
sen wollen. Die Art und Weise der Tatausführung lasse einen erheblichen Pla-
nungsgrad erkennen. Die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung sei eine psychi-

20

sche Störung erheblicher Schwere. Sie stehe mit den Tatgeschehen in dem Sinne 
in Zusammenhang, «als aus ihrer Symptomatik die Motivation und die Art und Wei-
se des Denkens und des Handelns» resultierten. Die Störung sei aus forensisch-
psychiatrischer Sicht geeignet, die Schuldfähigkeit in leichtem bis mittlerem Masse 
zu mindern: Während die Einsichtsfähigkeit in das Unrecht des Tuns als weitge-
hend erhalten zu erachten sei, müsse die Steuerungsfähigkeit als in leichtem bis 
mittlerem Masse vermindert angesehen werden (Gutachten vom 17. April 2012 
S. 41 f; pag. 1117 f.). 

Auch PD Dr. med. S.________ stellte im Rahmen seines für den Beschuldigten 
ausgearbeiteten Privatgutachtens vom 16. Juni 2014 bei diesem eine kombinierte 
Persönlichkeitsstörung (narzisstisch, impulsiv resp. emotional instabil) fest und dia-
gnostizierte zudem ein Abhängigkeitssyndrom von Haschisch und Kokain (Gutach-
ten vom 16. Juni 2014 S. 88 [Frage 1b]). Hinsichtlich der Schuldfähigkeit führte PD 
Dr. med. S.________ aus, diese sei einerseits aufgrund der überdauernden erheb-
lichen Persönlichkeitsstörung und andererseits «aufgrund der Prägung durch das 
Wechselbad der Drogenwirkung zwischen toxischem aufpeitschendem Effekt und 
zur Hektik antreibenden Entzugserscheinungen» dauerhaft leicht vermindert gewe-
sen. Wegen einem «ungewöhnlichen Übermass an Kokain» und einer «ausserge-
wöhnlichen Hektik und Angetriebenheit» sei bei der Tat zum Nachteil von 
H.________ von einer leicht bis mittelschweren Verminderung der Schuldfähigkeit 
auszugehen (Gutachten vom 16. Juni 2014 S. 81 ff.)

Im Gutachten vom 11. Oktober 2016 gelangen Frau T.________ (Oberärztin) und 
Dr. med. M.________ zum Schluss, beim Beschuldigten liege nebst einer narzissti-
schen Persönlichkeitsstörung auch eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit 
emotional-instabilen (impulsiven) und dissozialen Zügen sowie ein Abhängigkeits-
syndrom von Kokain und Cannabis vor (Gutachten vom 11. Oktober 2016 S. 86). 
Die Fähigkeit des Beschuldigten, das Unrecht seiner Taten einzusehen, sei zum 
jeweiligen Tatzeitpunkt aber weder durch das Abhängigkeitssyndrom, noch durch 
die Persönlichkeitsmerkmale tangiert gewesen. Der hohe Planungsgrad des Vor-
falls lasse nicht erkennen, dass sich der Beschuldigte bei der Tat zum Nachteil von 
H.________ in einem unkontrollierbaren Erregungszustand befunden habe und 
planlos, ratlos und von der Situation komplett überfordert gewesen sei, wie er sel-
ber geltend mache. Vielmehr sei eine wutgeprägte Aggression handlungsleitend 
gewesen, welche eine Bestrafung für begangene Regel- und Territorialitätsverlet-
zungen zum Ziel gehabt habe. Die spezifische Tatvorgeschichte, die Vorberei-
tungshandlungen für die Tat, deren zielgerichtete Ausgestaltung, der in Etappen 
gegliederte, komplexe Handlungsablauf und die erhaltene Intropsektionsfähigkeit 
sowie die exakte und detailreiche Erinnerung würden nicht auf eine Verminderung 
der Steuerungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt hindeuten (Gutachten vom 11. Oktober 
2016 S. 89 f.). Im Rahmen der Hauptverhandlung führte Dr. med. M.________ prä-
zisierend aus, wesentlich für die Beurteilung der Schuldfähigkeit sei nicht der Be-
stand einer psychischen Störung, sondern der Zustand einer Person zum Tatzeit-
punkt; konkret ihr Denken und der Handlungsablauf. Soweit man dies als Aus-
ganspunkt nehme, sei zu keinem Tatzeitpunkt von einer Einschränkung der 
Schuldfähigkeit auszugehen (pag. 2775 Z. 14-17). Wesentlich für seine Diagnose 

21

sei die mutmassliche Planung und das kontrollierte Vorgehen gewesen, welches 
der Beschuldigte an den Tag gelegt habe (pag. 2775 Z. 3-8). 

d) Beurteilung der Schuldfähigkeit 

Die Begutachtung des Beschuldigten erfolgte in allen drei Fällen gestützt auf die 
amtlichen Akten und eine forensisch-psychiatrische Untersuchung des Beschuldig-
ten, gegebenenfalls ergänzt durch Auskünfte von vormals behandelnden Ärzten 
oder dem Beschuldigten nahestehenden Personen – mithin gestützt auf die glei-
chen Unterlagen. Auch die gestellten Diagnosen variieren im Ergebnis bloss mar-
ginal (dazu oben). Mit Blick auf eine allfällige Einschränkung der Schuldfähigkeit 
gelangten die Gutachter indessen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Sowohl im 
Gutachten vom 17. April 2012 als auch im Privatgutachten vom 16. Juni 2014 führt 
die Diagnose der kombinierten Persönlichkeitsstörung – allenfalls unter Berücksich-
tigung der Folgen des Abhängigkeitssyndroms – zu einer Verminderung der 
Schuldfähigkeit. Dr. med. M.________ führte dagegen aus, die Beurteilung der 
Schuldfähigkeit müsse sich am Zustand des Täters zum Tatzeitpunkt und nicht al-
leine an einer psychischen Störung orientieren. Dieser Zustand liefere zu wenige 
Anhaltspunkte, um von einer Einschränkung der Einsichts- oder der Steuerungs-
fähigkeit auszugehen. Vielmehr sei der Beschuldigte auch zum Tatzeitpunkt in der 
Lage gewesen, das Unrecht seiner Taten einzusehen und alternative Verhaltens-
weisen zu wählen. Auch in der Lehre herrscht Einigkeit darüber, dass nicht auto-
matisch von einer psychischen Störung auf die Verminderung der Schuldfähigkeit 
geschlossen werden darf (NOLL THOMAS, Die Schuldfähigkeit aus psychiatrisch- 
psychologischer Sicht, in: ZStrR 135 [2017], S. 63; BOMMER / DITTMANN, in: Basler 
Kommentar Strafgesetzbuch I, 3. Aufl. 2013, N 27 zu Art. 19 StGB; BOMMER FELIX, 
in: Basler Kommentar Strafgesetzbuch I, 3. Aufl. 2013, N 34 zu Art. 20 StGB je mit 
Hinweisen). Die Annahme einer Verminderung ist vielmehr nur dann zulässig, 
wenn eine sorgfältige Analyse des Einzelfalls ergeben hat, dass die Persönlich-
keitsmerkmale zum Tatzeitpunkt zu einer erheblichen Einschränkung der Einsichts- 
oder Steuerungsfähigkeit geführt haben (NOLL, a.a.O., S. 63 f.). 

Vorliegend ist zunächst zu beachten, dass der hohe Planungsgrad der Tat sowie 
das komplexe und kontrollierte Vorgehen des Beschuldigten, welche von Dr. med. 
M.________ als entscheidende Parameter für die voll erhaltene Schuldfähigkeit 
aufgeführt wurden, auch in die Beurteilung von Prof. em. Dr. K.________ und Dr. 
phil. R.________ einflossen (pag. 1118). Es fehlen auch Hinweise auf weitere Ele-
mente tatsächlicher Natur, die im Vorgutachten unberücksichtigt geblieben wären 
und so die abweichende Einschätzung erklären könnten. Da sich weder der Nach-
weis noch die Einstufung der verminderten Schuldfähigkeit mit exakten naturwis-
senschaftlichen Methoden objektivieren lassen und die Gutachter bei der Bewer-
tung der Schuldfähigkeit von einem grossen subjektiven Ermessen Gebrauch ma-
chen (BGE 136 IV 55 E. 4.3 mit Verweis auf BOMMER / DITTMANN, a.a.O, N 73 zu 
Art. 19 StGB), ist davon auszugehen, dass die unterschiedliche Einschätzung der 
Schuldfähigkeit nicht auf einem Fehler in einem der Gutachten basiert, sondern von 
einer unterschiedlichen Gewichtung der Einflüsse der psychischen Störung auf das 
Denken und Handeln des Beschuldigten in der konkreten Situation herrührt. Dr. 
med. M.________ zeigte denn auch keine eindeutigen Fehler im Gutachten vom 

22

17. April 2012 auf, gestützt auf welche sich die Kammer veranlasst sähe, von einer 
objektiven Mangelhaftigkeit desselben auszugehen. 

Nach dem Gesagten erblickt die Kammer im Gutachten vom 11. Oktober 2016 kei-
ne neue Tatsache, welche es ausnahmsweise rechtfertigen würde, vom Verbot der 
reformatio in peius abzuweichen. Eine strengere Bestrafung des Beschuldigten 
bleibt damit im Neubeurteilungsverfahren ausgeschlossen. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

Gemäss den Ausführungen unter Ziff. 7.1 hiervor, besteht für ein Zurückkommen 
auf Fragen des Sachverhalts und der Beweiswürdigung vorliegend kein Raum. Es 
kann entsprechend auf Ziff. II des ersten oberinstanzlichen Motivs verwiesen wer-
den (pag. 2198-2225).

III. Rechtliche Würdigung

Die rechtliche Würdigung war in der Beschwerde ans Bundesgericht des Beschul-
digten nur im Zusammenhang mit der Kritik an der oberinstanzlichen Sachverhalts-
feststellung und Beweiswürdigung ein Thema. Das Bundesgericht wies diese Rü-
gen allesamt als unbegründet ab, soweit es sie nicht bereits als bloss appellatori-
sche Kritik abtat und gar nicht darauf eintrat (E. 2 des Rückweisungsentscheids). 
Da auch die im Rahmen des Neubeurteilungsverfahrens ergänzend erhobenen 
Beweise keine abweichende rechtliche Würdigung nahelegen, kann diesbezüglich 
und der Einfachheit halber auf das erste oberinstanzliche Motiv verwiesen werden. 
Die ausführlichen Erwägungen zur rechtlichen Würdigung auf pag. 2225-2235 gel-
ten hiermit als wiederholt. 

IV. Strafzumessung

8. Allgemeines

Wie bereits im Zusammenhang mit der Frage nach der Geltung des Verschlechte-
rungsverbots erwähnt, wurde die Strafzumessung im ersten oberinstanzlichen Ur-
teil gestützt auf das Gutachten vom 17. April 2012 (pag. 1117 f.) unter Berücksich-
tigung einer leicht bis mittelschwer verminderten Schuldfähigkeit vorgenommen. 
Der Verminderung der Steuerungsfähigkeit wurde bereits auf Stufe der Einsatzstra-
fe mit einer Strafreduktion von 1 ½ Jahren Rechnung getragen (pag. 2239). Auch 
bei der Asperation der weiteren Delikte fiel sie jeweils strafmildernd ins Gewicht 
(pag. 2240 f.). Ein entsprechendes Vorgehen wäre mit Blick auf das Gutachten 
vom 11. Oktober 2016, welches nunmehr von einer vollen Schuldfähigkeit bezüg-
lich aller Delikte ausgeht (pag. 2639 f.), nicht mehr zu rechtfertigen. Vor diesem 
Hintergrund stellt die Kammer trotz der Geltung des Verschlechterungsverbots im 
Sinne einer «Neunerprobe» Überlegungen zur Strafhöhe an. 

23

9. Strafrahmen und Einsatzstrafe

Der Strafrahmen für die schwerste Tat – räuberische Erpressung mit grausamer 
Behandlung gemäss Art. 156 Ziff. 3 i.V. mit Art. 140 Ziff. 4 StGB – beträgt Frei-
heitsstrafe von 5 bis 20 Jahren. Im ersten oberinstanzlichen Entscheid erachtete 
die Kammer gestützt auf die objektive Tatschwere eine Strafe von 6 Jahren als an-
gemessen, welche sie im Rahmen der subjektiven Tatschwere um 1 ½ Jahre (ver-
minderte Schuldfähigkeit) bzw. um weitere 5 Monate (Versuch) herabsetzte 
(pag. 2238 f.). Unter Berücksichtigung eines Geständnisrabatts von einem Monat 
gelangte sie nach der Gewichtung der Täterkomponente zu einer Einsatzstrafe von 
4 Jahren. 

Ausgehend vom neusten Gutachten erachtet es die Kammer als angemessen, die 
für die verminderte Schuldfähigkeit zum Abzug gebrachten 1 ½ Jahre aufzurech-
nen. Auch wenn der Versuch und das im Rahmen der Täterkomponenten berück-
sichtigte Geständnis des Beschuldigten stärker gewichtet und mit 10 bzw. 2 Mona-
ten berücksichtigt würden, resultiert eine Einsatzstrafe von immer noch 5 Jahren 
Freiheitsstrafe. 

10. Asperation für weitere Delikte

Im Rahmen des ersten oberinstanzlichen Urteils erstellte die Kammer eine Zu-
sammenstellung der ihr angemessen erscheinenden Strafen (in Monaten) für die 
einzelnen Delikte; dies stets unter Berücksichtigung einer leicht bis mittelgradig 
verminderten Schuldfähigkeit (pag. 2240 f.): 

versuchte Nötigung zum Nachteil von H.________  2
versuchte Erpressung, mehrfach zum Nachteil von H.________  (rechtskräftig)  6
Freiheitsberaubung zum Nachteil von J.________  5
versuchte Nötigung zum Nachteil von J.________  2
qualifizierte einfache Körperverletzung zum Nachteil von J.________  2
qualifizierte Erpressung zum Nachteil von F.________ / G.________ 12 
Freiheitsberaubung zum Nachteil von G.________  5
Raub (einfach) zum Nachteil von G.________  6
Freiheitsberaubung zum Nachteil von E.________  5
BetmG-Widerhandlungen, z.T.  mengenmässig qualifiziert  18
WG-Widerhandlungen  1
Total  64

Die auf diese Weise für die weiteren Straftaten ermittelten 64 Monate asperierte die 
Kammer durchwegs mit einem Faktor von 50% und gelangte so zu einer – 3 Mona-
te über dem erstinstanzlichen Urteil liegenden – Gesamtstrafe von 6 Jahren und 8 
Monaten. 

Da die Schuldfähigkeit gemäss dem Gutachten vom 11. Oktober 2016 mit Blick auf 
alle Delikte als voll erhalten anzusehen ist (dazu oben Ziff. 7.2.3/c), wäre die bei 
den weiteren Delikten vorgenommene Strafreduktion ebenfalls nicht angezeigt ge-
wesen. Auch der von der Kammer berücksichtigte Asperationsfaktor von 50% lies-
se sich nur hinsichtlich der zulasten von H.________ begangenen Delikte rechtfer-

24

tigten, während bezüglich der Delikte gegenüber den übrigen Geschädigten mit 
dem praxisgemäss angewandten Faktor von 2/3 zu aperieren gewesen wäre. 

Entsprechend dem Vorgehen bei der Korrektur der Einsatzstrafe wäre somit auch 
bei den weiteren Delikten ein Zuschlag von 25% zu veranschlagen gewesen, was 
zu einer zusätzlichen Strafe von 80 Monaten geführt hätte. Bei einem (zu Gunsten 
des Beschuldigten) gerundeten Asperationsfaktor von durchwegs 60% würde dar-
aus eine dem Verschulden des Beschuldigten angemessene Gesamtstrafe von 9 
Jahren resultieren. Aufgrund des Verbots der reformatio in peius ist indessen die 
Gesamtstrafe von 6 ½ Jahren, wie sie von der Vorinstanz ausgesprochen wurde, 
zu bestätigen. 

11. Lange Verfahrensdauer

Das Verfahren gegen den Beschuldigten läuft bereits seit dem 24. Januar 2012 und 
damit seit über 5 Jahren. Bei einer derart langen Verfahrensdauer stellt sich die 
Frage, ob das Verfahren stets mit der gebührenden Priorität behandelt wurde. Das 
Beschleunigungsgebot (Art. 5 StPO, Art. 29 Abs. 1 der Schweizerischen Bundes-
verfassung [BV; SR 101] und Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Men-
schenrechte und Grundfreiheiten [EMRK; SR 0.101]) verpflichtet die Behörden, das 
Strafverfahren zügig voranzutreiben, um die beschuldigte Person nicht unnötig 
über die gegen sie erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen. Es gilt für das 
ganze Verfahren. Die Angemessenheit der Verfahrensdauer hängt von den konkre-
ten Umständen des Einzelfalls ab, welche in ihrer Gesamtheit zu würdigen sind. Zu 
berücksichtigen sind etwa die Schwere des Tatvorwurfs, die Komplexität des Sach-
verhalts, die dadurch gebotenen Untersuchungshandlungen, das Verhalten des 
Beschuldigten und dasjenige der Behörden sowie die Zumutbarkeit für den Be-
schuldigten. Die Beurteilung der Verfahrensdauer entzieht sich jedoch starren Re-
geln (Urteil des Bundesgerichts 6B_462/2014 vom 27. August 2015 E. 1.3 mit Hin-
weisen). 

Vorliegend ist neben dem Ausmass an Tatvorwürfen auch die Anzahl an übrigen 
Beteiligten und damit der Aufwand der Untersuchung als überdurchschnittlich zu 
bezeichnen. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte im Zuge des nun vierten gericht-
lichen Verfahrens bereits zum zweiten Mal forensisch-psychiatrisch begutachtet 
werden musste. Sowohl bei der Urteilsbegründung als auch bei der forensisch-
psychiatrischen Begutachtung handelt es sich um aufwändige und zeitintensive 
Prozesse. Der Beschuldigte trug sodann selber wesentlich zur langen Verfahrens-
dauer bei, indem er mit zahlreichen Beschwerden und Gesuchen an die Behörden 
gelangte und gleich mehrmals eine Auswechslung seines amtlichen Verteidigers 
verlangte. Dies ist sein gutes Recht, zieht aber notwendigerweise eine längere Ver-
fahrensdauer nach sich. Im Rahmen der Gesamtwürdigung ist vorliegend entschei-
dend, dass keine längeren Zeitperioden auszumachen sind, innert welchen die 
Behörden ohne Grund untätig geblieben wären. Mit der Generalstaatsanwaltschaft 
sind für die Kammer keine Rechtsverzögerungen bzw. keine Verletzung des Be-
schleunigungsgebots auszumachen.

25

12. Anrechnung Untersuchungshaft / Massnahme 

Sowohl die Dauer der ausgestandenen Untersuchungshaft als auch der mit einer 
Massnahme verbundene Freiheitsentzug sind auf die Strafe anzurechnen (Art. 51 
und 57 Abs. 3 StGB). Der Beschuldigte wurde am 25. Januar 2012 von der Polizei 
vorläufig festgenommen (pag. 13 ff.). Mit Verfügung vom 7. August 2012 wurde das 
Gesuch des Beschuldigten um vorzeitigen Massnahmenantritt gutgeheissen 
(pag. 93 ff.). Dieser wurde auf den 2. Oktober 2012 festgesetzt (pag. 103 ff.). Damit 
verbrachte der Beschuldigte bis zum zweiten oberinstanzlichen Urteil (7. Juni 2017) 
251 Tage in Untersuchungshaft und absolvierte (z.T. allerdings nur formell) 1‘961 
Tage im vorzeitigen Massnahmenvollzug, welche allesamt auf die ausgesprochene 
Strafe anzurechnen sind. 

V. Massnahme 

13. Allgemeines

Das vorliegend geltende Verschlechterungsverbot ist von der Kammer auch mit 
Blick auf die Frage der Massnahme zu beachten. Nicht zulässig wäre demnach die 
Anordnung einer über eine stationäre Massnahme nach Art. 59 StGB hinausge-
henden Massnahme. Dies betrifft neben der Verwahrung (Art. 64 Abs. 1 StGB) 
auch die theoretisch mögliche, aber von der Lehre abgelehnte Kombination zweier 
als notwendig erachteter Massnahmen im Sinne von Art. 56a StGB (dazu HEER, in: 
Basler Kommentar Strafgesetzbuch I, 3. Aufl. 2013, N 57 zu Art. 60 StGB mit Hin-
weisen).

Gemäss Art. 56 Abs. 1 StGB ist eine Massnahme anzuordnen, wenn eine Strafe al-
lein nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, ein 
Behandlungsbedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfor-
dert und die Voraussetzungen der Art. 59 – 61, 63 oder 64 StGB erfüllt sind. 

Nach Art. 59 Abs. 1 StGB ist für die Anordnung einer stationären therapeutischen 
Massnahme erforderlich, dass beim Täter eine schwere psychische Störung vor-
liegt, sein Verbrechen oder Vergehen in Zusammenhang mit seiner psychischen 
Störung steht und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit sei-
ner psychischen Störung in Zusammenhang stehender Taten begegnen. Voraus-
gesetzt wird eine hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass sich durch die entspre-
chende Massnahme über die Dauer von fünf Jahren die Gefahr weiterer Straftaten 
deutlich verringern lässt (BGE 140 IV E. 3.2.4; 134 IV 315 E. 3.4.1). Ist der Täter 
von Suchtstoffen oder in anderer Weise abhängig, so kann das Gericht gemäss 
Art. 60 Abs.1 StGB unter den nämlichen Bedingungen eine stationäre Behandlung 
anordnen. Es trägt dabei dem Behandlungsgesuch und der Behandlungsbereit-
schaft des Täters Rechnung (Art. 60 Abs. 2 StGB). 

Ist der Täter psychisch schwer gestört, ist er von Suchtstoffen oder in anderer Wei-
se abhängig, so kann das Gericht anordnen, dass er nicht stationär, sondern am-
bulant behandelt wird, wenn der Täter eine mit Strafe bedrohte Tat verübt hat, die 
mit seinem Zustand in Zusammenhang steht und zu erwarten ist, dadurch lasse 

26

sich der Gefahr weiterer mit dem Zustand des Täters in Zusammenhang stehenden 
Taten begegnen (Art. 63 Abs. 1 StGB).

Die Anordnung einer Massnahme setzt zudem voraus, dass der mit ihr verbundene 
Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlich-
keit und Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig ist (Art. 56 Abs. 2 
StGB). Das Gericht hat sich beim Entscheid über die Anordnung einer Massnahme 
nach den Art. 59 – 61, 63 und 64 StGB auf eine sachverständige Begutachtung zu 
stützen, welche sich über die Notwendigkeit und die Erfolgsaussichten einer Be-
handlung des Täters, die Art und Wahrscheinlichkeit weiterer möglicher Straftaten 
und die Möglichkeiten des Vollzugs der Massnahme äussert (Art. 56 Abs. 3 StGB). 
Trotz der Geltung des Grundsatzes der freien Beweiswürdigung darf ein Gericht in 
Fachfragen nicht ohne triftige Gründe von diesem Gutachten abweichen und muss 
Abweichungen begründen (Urteil des Bundesgerichts 6B_409/2017 vom 17. Mai 
2017 E. 1.2.1 mit Verweis auf BGE 141 IV 369 E. 6.1). 

14. Gutachten vom 11. Oktober 2016

Vorab kann festgehalten werden, dass die Exploration des Beschuldigten ausser-
ordentlich umfangreich ausgefallen ist. Er wurde während gesamthaft 18 Stunden 
und 20 Minuten, davon über 5 Stunden durch den Hauptgutachter, untersucht 
(pag. 2542). Das Gutachten ist entsprechend ausführlich. Weiter beantworteten die 
Gutachter in einer ergänzenden Stellungnahme Zusatzfragen der Parteien (Schrei-
ben vom 14. Dezember 2016; pag. 2671 ff.). Schliesslich wurde der Hauptgutachter 
an der Hauptverhandlung im Neubeurteilungsverfahren mündlich befragt, wo er Er-
gänzungen anbrachte und Teile des Gutachtens präzisierte (pag. 2774 ff.). Dem 
Gericht liegen damit sowohl Informationen zur Notwendigkeit und den Erfolgsaus-
sichten einer Behandlung des Täters, zur Art und Wahrscheinlichkeit weiterer mög-
licher Straftaten als auch zu den Möglichkeiten des Vollzugs der Massnahme vor. 
Das Gutachten erfüllt die in Art. 56 Abs. 3 StGB umschriebenen Anforderungen.

Die Verfasser des Gutachtens kommen zunächst zum Schluss, beim Beschuldigten 
habe zum Zeitpunkt der vorgeworfenen Taten ein langjähriges chronifiziertes Ab-
hängigkeitssyndrom von Kokain (ICD-10: F14.2) und Cannabis (ICD-10: F12.2) 
vorgelegen (Gutachten vom 11. Oktober 2016 S. 77). Hinsichtlich der allgemeinen 
Kriterien einer Persönlichkeitsstörung seien beim Beschuldigten zwei Punkte aus 
dem Spektrum der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Ty-
pus erfüllt: Einerseits weise er eine deutliche Tendenz auf, Impulse ohne Berück-
sichtigung von Konsequenzen auszuagieren; dies verbunden mit unvorhersehbarer 
und launischer Stimmung. Andererseits bestehe eine Neigung zu emotionalen 
Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, emotionales Verhalten zu kontrollieren (Gutach-
ten vom 11. Oktober S. 81). Nebst einer klar diagnostizierten narzisstischen Per-
sönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.80; Gutachten vom 11. Oktober 2016 S. 81 ff.) at-
testieren die Gutachter dem Beschuldigten zudem (1) eine sehr geringe Frustrati-
onstoleranz und eine niedrige Schwelle für aggressives einschliesslich gewalttäti-
ges Verhalten und (2) eine deutliche Neigung, andere zu beschuldigen oder plausi-
ble Rationalisierungen für das Verhalten anzubieten, durch welches er in Konflikt 
mit der Gesellschaft geraten ist. Er erfülle damit zwei spezifische Kriterien für die 

27

Diagnose einer dissozialen Persönlichkeitsstörung, was allerdings nicht für eine 
separate Codierung ausreiche. Es sei indessen eine kombinierte Persönlichkeitss-
törung mit emotional instabilen (impulsiven) und dissozialen Zügen (ICD-10: F61.0) 
zu diagnostizieren (Gutachten vom 11. Oktober 2016 S. 85 f.). Die Gutachter wei-
sen sodann darauf hin, dass zum Zeitpunkt der Anlasstaten die neben der Abhän-
gigkeitsproblematik bestehenden Persönlichkeitsauffälligkeiten einen Verstehens-
hintergrund für die Suchtproblematik bieten könnten. So stelle der Substanzkon-
sum des Beschuldigten aus gutachterlicher Sicht den untauglichen Versuch dar, 
seine persönlichen Schwierigkeiten im Sinne einer «Egoprothese» zu bewältigen, 
aber auch um Gefühle der Anspannung und des Ärgers zu dämpfen (Gutachten 
vom 11. Oktober 2016 S. 86). 

Die Gutachter führen aus, beim Beschuldigten bestehe aufgrund seiner Abhängig-
keit von Suchtstoffen und aufgrund von Persönlichkeitsmerkmalen die hohe Gefahr 
einer erneuten Delinquenz, solange er sich nicht störungsspezifisch behandeln las-
se. Eine Beeindruckung durch die aktuelle Inhaftierung lasse sich noch nicht fest-
stellen. Es seien mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut einschlägige Delikte im Sinne 
der Anlasstaten zu erwarten. (Gutachten vom 11. Oktober 2016, S. 100 [Frage 3]). 
Da der Beschuldigte eine vollzugsbegleitende deliktsorientierte psychotherapeuti-
sche Behandlung zwar anlässlich seiner Inhaftierung signalisiert, letztlich aber 
dennoch durchwegs abgelehnt habe, sei die Erfassung und Bearbeitung problema-
tischer Persönlichkeitsanteile und Schutzfaktoren durch eine Fachperson bis anhin 
noch nicht möglich gewesen. Die Thematisierung von Delikten mit dem Aufsichts-
personal könne dem Anspruch einer deliktsorientierten störungsspezifischen The-
rapie nicht gerecht werden. Ebenso wenig könne allein auf die Angaben des Be-
schuldigten, wonach er seine problematischen Persönlichkeitsanteile mittels einer 
Eigenreflexion bearbeitet habe, abgestellt werden. Eine «Spontanheilung» resp. ei-
ne «Selbstheilung» der Störung widerspreche vielmehr dem gängigen Wissen um 
dieses Störungsbild. Wichtige Belastungsproben in der Form einer Versetzung in 
den Normalverzug oder von Vollzugslockerungen, anhand welcher die geltend ge-
machten Einstellungs- und Verhaltensänderungen hätten validiert werden können, 
stünden derzeit noch aus. Auch wenn der Beschuldigte während der bisherigen In-
haftierung den körperlichen Drogenentzug bereits erfolgreich absolviert habe, be-
stehe bei ihm ein hohes Risiko, ausserhalb der geschützten Umgebung der Straf-
anstalt erneut einschlägig zu delinquieren, da er noch keine störungsspezifische 
Behandlung der Persönlichkeitsstörung und der Suchterkrankung aufgenommen 
habe (Schreiben vom 14. Dezember 2016 S. 4 f. [Frage 2.2]). 

Die Gutachter führen weiter aus, sowohl die Persönlichkeitsstörung als auch die 
Abhängigkeitsstörung würden bis heute fortbestehen. Es handle sich um länger 
dauernde bzw. andauernde psychische Störungen (Gutachten vom 11. Oktober 
2016 S. 100 f. [Frage 4.1]). In Bezug auf die narzisstische Persönlichkeitsstörung 
und die kombinierte Störung erachten sie die Behandlungsmöglichkeiten als einge-
schränkt, da der Beschuldigte aufgrund der Ich-Syntonie (das eigene Verhalten 
werde von ihm nicht als störend, abweichend oder normverletzend empfunden) 
kein Problembewusstsein und auch keine Behandlungsmöglichkeit sehe. Die Kri-
minalprognose könne darum aktuell vorwiegend über eine langfristige Entwöh-
nungstherapie beeinflusst werden. Eine Behandlung des Abhängigkeitssyndroms 

28

sei indessen nur sinnvoll, wenn der Beschuldigte für eine konsequente Aufarbei-
tung motiviert sei, mithin eine tragfähige Veränderungsbereitschaft zeige. Da diese 
Grundvoraussetzungen momentan nicht gegeben seien, müsse eine effektive Be-
handlung vollzugsbegleitend oder stationär erfolgen (Gutachten vom 11. Oktober 
2016 S. 98 i.V.m. S. 101 [Frage 4.2]).

Die Gutachter präzisieren, ein initialer Widerwille gegenüber einem begrenzten sta-
tionären Rahmen sei bei Betroffenen von Abhängigkeitsstörungen nicht selten. Die 
Behandlung sei dadurch nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt. Allerdings 
sei der Beschuldigte aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung therapeutisch schwer 
zu erreichen (Gutachten vom 11. Oktober 2016 S. 101 [Frage 4.4]). Anders beurtei-
len die Gutachter die Erfolgsaussichten einer auf die Behandlung der narzissti-
schen und kombinierten Persönlichkeitsstörung gerichteten, gegen den Willen des 
Beschuldigten angeordneten therapeutischen Massnahme. So liessen vor allem 
das fehlende Problembewusstsein und die fehlenden Bereitschaft des Beschuldig-
ten, sich mit den problematischen Persönlichkeitsmerkmalen im Rahmen einer the-
rapeutischen Massnahme nach Art. 59 StGB auseinander zu setzen, die Umset-
zung entsprechender Therapieziele mit Skepsis betrachten. Ohne die aktive Mitar-
beit des Beschuldigten sei eine solche Massnahme auf einer forensischen Station 
mit milieutherapeutischen und Gruppentherapieangeboten nicht sinnvoll zu führen 
(Schreiben vom 14. Dezember 2016 S. 2 f. [Frage 1.3]). Daher bestehe beim Be-
schuldigten aus forensisch-psychiatrischer Sicht keine Indikation für eine stationäre 
therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB (Gutachten vom 11. Oktober 2016 
S. 98 [6.5 Therapie]). Aus gutachterlicher Sicht empfehle sich eine ambulante Be-
handlung gemäss Art. 63 StGB, welche beide Störungsbilder berücksichtige und 
vollzugsbegleitend durchgeführt werden könne (Gutachten vom 11. Oktober 2016 
S. 98 i.V.m. S. 102). Vorzuziehen [gemeint zeitlich: vgl. die anlässlich der Haupt-
verhandlung angebrachte Präzisierung auf pag. 2776 Z. 22-32] sei eine stationäre 
Therapie nach Art. 60 StGB in einem abstinenzorientierten, hochstrukturierten 
Rahmen, wie beispielsweise im Massnahmenzentrum U.________, sofern der Be-
schuldigte Bereitschaft dafür zeigen sollte (Gutachten vom 11. Oktober 2016 
S. 101 f. [Frage 4.4]). 

15. Vorbringen der Parteien

15.1 Beschuldigter

Mit Blick auf die Massnahme führte die Verteidigung im Rahmen der zweiten obe-
rinstanzlichen Hauptverhandlung aus, das neue Gutachten mache keinen schlech-
ten Eindruck. In Übereinstimmung mit den früheren Gutachten und den Feststel-
lungen im Urteil des Bundesgerichts 1B_136/2017 vom 18. April 2017 stelle es die 
Massnahmebedürftigkeit des Beschuldigten fest, weshalb diese nicht mehr in Ab-
rede gestellt werden könne. Zu erwähnen sei indessen, dass sich die prognostizier-
te hohe Rückfallgefahr lediglich auf zwei Prognoseinstrumente stütze, was vor dem 
Hintergrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung problematisch sei. Es sei 
mithin fraglich, ob die genannten Prognoseinstrumente bei der Beurteilung der 
Rückfallgefahr richtig eingesetzt worden seien. 

29

Der Gutachter habe die Frage, welche Massnahme beim Beschuldigten anzuord-
nen sei, eingehend thematisiert und dabei aus medizinischen und therapeutischen 
Gründen von einer stationären Massnahme nach Art. 59 StGB abgeraten. Er weise 
insbesondere darauf hin, dass eine Therapie in einem stationären Setting aufgrund 
der fehlenden Motivation des Beschuldigten nicht erfolgreich zu führen sei. Anders 
als beispielsweise bei einer Schizophrenie könne bei der beim Beschuldigten dia-
gnostizierten Persönlichkeitsstörung auch eine initiale Weigerung nicht überwun-
den werden. Da sich der Beschuldigte bereits seit 2012 konstant einer Teilnahme 
an einer therapeutischen Massnahme widersetze, könne diesbezüglich nicht von 
einem vorübergehenden Phänomen gesprochen werden. 

Auch aus juristischer Sicht seien die Voraussetzungen für die Anordnung einer sta-
tionären Massnahme nach Art. 59 StGB nicht erfüllt: Eine solche dürfe nach der 
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nämlich nur dann angeordnet werden, wenn 
eine hinreichende Wahrscheinlichkeit bestehe, durch diesen Schritt das Risiko für 
die Begehung weiterer Straftaten zu verringern. Eine bloss vage Möglichkeit und 
die Erwartung einer bloss minimalen Verringerung würden eine Anordnung indes-
sen nicht rechtfertigen. Da eine erfolgreiche Behandlung der diagnostizierten Per-
sönlichkeitsstörung eine Mitarbeit des Beschuldigten voraussetze, dieser aber die 
Aufarbeitung in einem stationären Setting verweigere, sei mit der Anordnung auch 
keine Verringerung der Rückfallgefahr verbunden. Die Sinnlosigkeit eines solchen 
Vorgehens zeige sich auch im Umstand, dass sich der Beschuldigte seit beinahe 5 
Jahren im vorzeitigen Massnahmenvollzug befinde, bisher aber noch nicht der ge-
ringste Therapieerfolg habe herbeigeführt werden können bzw. noch nicht einmal 
ein Therapiewillen geschaffen worden sei. 

Das Gutachten empfehle sodann eine Massnahme nach Art. 60 StGB, soweit der 
Beschuldigte dafür eine Motivation zeige. Diesbezüglich sei zu beachten, dass der 
Beschuldigte bereits erfolgreich einen Entzug durchgeführt und somit seine Abhän-
gigkeit überwunden habe. Er sei daher auch nicht bereit, sich einer Suchtbehand-
lung zu unterziehen, wenn diese stationär durchgeführt werde. 

Gemäss dem Gutachten dränge sich eine ambulante Therapie nach Art. 63 StGB 
beim Beschuldigten auf. Dieser sei für eine solche Massnahme – wie er bereits 
verschiedentlich im Vorfeld geäussert habe – äusserst motiviert, wolle sie aber erst 
nach dem Vollzug antreten. Im Rahmen von Art. 63 StGB könnte sowohl der Sucht 
wie auch der Persönlichkeitsstörung Rechnung getragen werden. Auch die sonsti-
gen Modalitäten seien auf die Situation des Beschuldigten zugeschnitten. Art 63 
StGB sei daher nicht nur eine Alternative zu einer stationären Massnahme gemäss 
Art. 59 StGB, sondern stelle vielmehr die einzige sinnvolle Behandlungsmöglichkeit 
dar. 

Der Beschuldigte selber führte im Rahmen der Neubeurteilungsverhandlung aus, er 
könne die Diagnosen im Gutachten zum grössten Teil nachvollziehen und zum 
grössten Teil auch bestätigen. Es handle sich dabei aber nur um die Oberfläche. 
Es seien Bausteine, die noch nicht richtig zusammengesetzt worden seien 
(pag. 2784 Z. 16-20). Er nehme seit dem ersten Tag in Gefangenschaft keine Dro-
gen mehr und sei seit über 5 Jahren clean (pag. 2784 Z. 23-30). Er müsse damit 
keinen Entzug mehr machen, der sich über Jahre hinziehe. Vielmehr müssten Stra-

30

tegien zur Vermeidung eines Rückfalls erarbeitet werden (pag. 2784 Z. 32-40). Er 
sei grundsätzlich sehr therapiewillig. Es brauche aber die richtige Form, die richti-
gen Ziele und das richtige Augenmass (pag. 2785 Z. 1-5). Es sei bisher immer nur 
eine stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB im Raum gestanden 
(pag. 2785 Z. 30-35). Zu einer solchen sei er aber nicht bereit, da man in diesem 
Setting für eine unbestimmte Zeit weggesperrt werde, was eine Hoffnungslosigkeit 
mit sich bringe; dies habe er von Personen erfahren, welche eine entsprechende 
Massnahme gemacht hätten (pag. 2785 f. Z. 41-4). 

15.2 Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft führte aus, das neue Gutachten halte vor der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung stand und sei damit sowohl mit Blick auf die 
Schuldfähigkeit wie auch die Massnahme zu beachten. Es diagnostiziere beim Be-
schuldigten ein Abhängigkeitssyndrom von Cannabis und Kokain sowie eine nar-
zisstische und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen 
(impulsiven) und dissozialen Zügen. Im Zusammenwirken dieser Störungen sei oh-
ne weiteres eine schwere psychische Störung im Sinne von Art. 59 StGB zu erbli-
cken. Die Abhängigkeitserkrankung und die Persönlichkeitsstörungen könnten 
gemäss dem Gutachten nicht unabhängig voneinander behandelt werden, da sich 
die Suchterkrankung komorbid auf dem Boden der Persönlichkeitsstörung entwi-
ckelt habe. Es stehe sodann ausser Frage, dass zwischen dem Störungsbild und 
den begangenen Straftaten ein Zusammenhang bestehe. In Übereinstimmung mit 
den früheren Gutachten werde dem Beschuldigten eine hohe Rückfallgefahr attes-
tiert. Da im zu beurteilenden Fall Verletzungen höchster Rechtsgüter drohten, seien 
die an die Rückfallgefahr zu stellenden Anforderungen zudem herabgesetzt. Ent-
scheidend für die Diagnose seien gemäss der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung nicht die Anzahl der verwendeten Prognoseinstrumente, sondern deren 
Handhabung. Vorliegend hätten sich die Gutachter mit den Testergebnissen aus-
einandergesetzt und den Beschuldigten individuell eingeschätzt. Es bestünden da-
her keine triftigen Gründe, um von der gutachterlichen Einschätzung abzuweichen. 
Schliesslich erweise sich eine stationäre psychotherapeutische Massnahme in der 
vorliegenden Konstellation auch als verhältnismässig. 

Was die Massnahmenempfehlung im Gutachten betreffe, sei diese für das Gericht 
nicht verbindlich. Es sei Aufgabe des Gutachters, die Behandlungsmöglichkeiten 
für das diagnostizierte Störungsbild darzulegen. Die Bestimmung des passenden 
Gefässes für die Behandlung sei indessen Sache des Gerichts. Vorliegend bestehe 
eine Interaktion zwischen der Drogenproblematik und der Persönlichkeitsstörung, 
weshalb eine isolierte Suchtbehandlung nicht zielführend sei. Dies werde vom Gut-
achten unterstrichen und auch vom Beschuldigten selber anerkannt. Das Gutach-
ten komme weiter zum Schluss, lediglich eine Behandlung der Abhängigkeitser-
krankung sei nicht geeignet, den Beschuldigten von weiteren Delikten abzuhalten. 
Eine Behandlung habe somit nebst der Sucht insbesondere auch die Persönlich-
keitsmerkmale zu beeinflussen. Bis zu diesem Stadium sei das Gutachten nach-
vollziehbar und überzeugend. Soweit es indessen zum Schluss gelange, die Be-
handlung habe im Rahmen einer ambulanten Massnahme zu erfolgen, sei es wi-
dersprüchlich und wenig überzeugend. Es indiziere vielmehr verschiedentlich sel-

31

ber, dass eine solche vorliegend nicht angebracht sei. So führe es aus, dem Be-
schuldigten mangle es nicht nur an einer Behandlungsbereitschaft, sondern er zei-
ge auch keine Einsicht in seine Taten. Er führe seine Delinquenz ausschliesslich 
auf den Drogeneinfluss zurück und schiebe den Opfern eine Mitschuld zu. Entspre-
chend sei der Beschuldigte nicht zu einer Aufarbeitung motiviert. Das Gutachten 
schliesse weiter auf eine hohe Rückfallgefahr und empfehle entsprechend, den Be-
schuldigten trotz des bereits durchgeführten Drogenentzugs nicht in Freiheit zu ent-
lassen. Es gehe sodann von einer mehrjährigen Behandlung aus, welche aufgrund 
der Behandlungsresistenz des Beschuldigten in einem engmaschigen Rahmen zu 
führen sei. Dieser Rahmen würde bei einer ambulanten Behandlung wegfallen, die 
Gefährlichkeit des Beschuldigten aber fortbestehen. Es müsse darum eine statio-
näre Massnahme angeordnet werden. Allein die fehlende Therapiemotivation des 
Beschuldigten reiche nicht aus, um von einer Anordnung abzusehen; ansonsten 
wäre Art. 59 StGB in solchen Fällen toter Buchstabe. Auch wenn der Beschuldigte 
momentan noch nicht einsichtig sei, müsse Art. 59 StGB trotzdem angewendet 
werden. Eine Unmöglichkeit der Behandlung – welche dann eine Verwahrung indi-
ziere – liege beim Beschuldigten indessen nicht vor. Auch der Experte erachte eine 
Veränderung zwar als schwierig, aber nicht als unmöglich. Es sei überdies höchst 
zweifelhaft, ob der Beschuldigte weiter zu einer Therapie bereit wäre, wenn der 
schützende Rahmen wegfiele. So gebe er zwar an, für eine ambulante Therapie 
motiviert zu sein, habe aber sehr strikte Vorstellungen, was die Therapierung anbe-
lange und in der Vergangenheit jede Therapie abgebrochen oder gar nicht erst be-
gonnen, wenn sie ihm missfallen habe. Nach dem Gesagten sei eine ambulante 
Therapie nicht eine gleichwertige Massnahme zu Art. 59 StGB. Insbesondere der 
fortbestehenden Gefährlichkeit und dem äusserst zweifelhaften Therapiewillen 
würde bei der Anordnung einer ambulanten Massnahme nicht genügend Rechnung 
getragen. 

16. Erwägungen der Kammer

16.1 Mit den Taten in Zusammenhang stehende schwere psychische Störung

Mit dem diagnostizierten langjährigen chronifizierten Abhängigkeitssyndrom von 
Kokain (ICD-10: F14.2) und Cannabis (F12.2), der narzisstischen Persönlichkeitss-
törung (F60.8) sowie der kombinierten Persönlichkeitsstörung mit emotional-
instabilen und dissozialen Zügen (F61.0) lagen beim Beschuldigten zum Tatzeit-
punkt verschiedene Störungsbilder vor, wovon aus gutachterlicher Sicht insbeson-
dere das letztgenannte sein psychosoziales Funktionsniveau in klinischer Weise 
beeinträchtigte (Gutachten vom 11. Oktober 2016 S. 99 [Frage 1.2]). Die Störungen 
werden von den Gutachtern sodann als länger dauernd bzw. andauernd und bis 
heute fortbestehend beschrieben (Gutachten vom 11. Oktober 2016 S. 101 [Frage 
4.1]). Angesichts der Mehrfachdiagnose und der mit den Störungen verbundenen 
Defiziten kann mit den Gutachtern ohne weiteres von einer schweren psychischen 
Störung im Sinne von Art. 59 Abs. 1 StGB ausgegangen werden. Auch der Zu-
sammenhang zwischen den psychischen Störungen und der Tatbegehung wird 
durch die Gutachter bejaht und lässt sich anhand der für die Persönlichkeitsstörung 
typischen «aggressiven Durchbrüchen» (dazu oben Ziff. 14) für die Kammer un-

32

schwer nachvollziehen (Gutachten vom 11. Oktober 2016 S. 101 [Frage 4.1]; so 
auch das Privatgutachten vom 16. Juni 2014 S. 90; pag. 2194). 

16.2 Rückfallgefahr

Die Gutachter attestieren dem Beschuldigten aufgrund des Abhängigkeitsyndroms 
und der vorliegenden Persönlichkeitsmerkmale eine hohe Rückfallgefahr für Delikte 
aus dem Bereich der Anlasstaten, solange er sich nicht störungsspezifisch behan-
deln lasse (Ausführungen oben Ziff. 14; Gutachten vom 11. Oktober 2016 S. 100 
[Fragen 3.1-3.3]).

Die Einschätzung erfolgte im Einzelnen unter Beizug der Prognoseinstrumente des 
HCR-20 (Standardisierte Erfassung kriminalprognostischer Risikomerkmale) und 
des VRAG (Violence Risk Appraisals; Standardisierte Erfassung des Gewaltpoten-
tials). Die Ergebnisse des HCR-20 führten die Gutachter zum Schluss, das Risiko, 
erneut Drogen zu konsumieren und einschlägige Delikte zu begehen, sei beim Be-
schuldigten signifikant hoch (Gutachten vom 11. Oktober 2016 S. 94 f.). Beim 
VRAG führte die Analyse zu einem Gesamtscore von 13 Punkten, womit der Be-
schuldigte den obersten Wert in der Risikokategorie 6 (von 9) erreichte (Punktwerte 
zwischen 7 bis 13). Straftäter mit vergleichbaren Merkmalkombinationen wurden 
innerhalb von 7 Jahren zu 44% und innerhalb von 10 Jahren zu 58% erneut wegen 
einem Gewaltdelikt angeklagt oder verurteilt (Gutachten vom 11. Oktober 2016 
S. 97).

Soweit die Verteidigung vorbringt, die Gutachter hätten bei ihrer Beurteilung eine 
ungenügende Anzahl Prognoseinstrumente beigezogen bzw. «unreflektiert» von 
den Testergebnissen auf die hohe Rückfallgefahr geschlossen, kann ihr nicht ge-
folgt werden. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung können Progno-
seinstrumente zwar Anhaltspunkte bezüglich der Ausprägung eines «strukturellen 
Grundrisikos» eines Betroffenen liefern, eignen sich aber nicht, um selbstständig 
eine fundierte individuelle Gefährlichkeitsprognose tragfähig zu begründen. Zur Er-
stellung einer individuellen Prognose bedürfe es über die Anwendung derartiger In-
strumente hinaus zusätzlich einer differenzierten Einzelfallanalyse durch die sach-
verständige Person (Urteile des Bundesgerichts 6B_424/2015 vom 4. Dezember 
2015 E. 3.3; 6B_772/2007 vom 9. April 2008 E. 4.2 je mit Hinweisen). Zwar könne 
eine fachgerechte Anwendung der Prognoseinstrumente zu einer verbesserten Ri-
sikoeinschätzung beitragen; die Arbeit eines Gutachters, welcher sich bei der Erar-
beitung einer Individualprognose auf Prognoseinstrumente stütze, bestehe aber 
hauptsächlich darin, «die derart ermittelten Werte bzw. Befunde im Gutachten aus-
zuwerten, diese nachvollzieh- und überprüfbar zu erläutern und den Bezug zur 
Gutachterstellung herzustellen» (Urteil des Bundesgerichts 6B_424/2015 vom 
4. Dezember 2015 E. 3.4).

Nach dem Gesagten misst sich die Qualität einer Gefährlichkeitsprognose nicht an 
der Anzahl der verwendeten Prognoseinstrumente, sondern an deren Handhabung 
bzw. an der gestützt darauf erstellten Einzelfallanalyse. Die Gutachter erläutern 
nicht nur den Anwendungsbereich der verwendeten Instrumente, sondern legen in 
nachvollziehbarer Weise dar, gestützt auf welche Sachverhalte oder auf welche 
Diagnose sie ein Item bewerten bzw. eine Variabel gewichten (Gutachten vom 

33

11. Oktober 2016 S. 92 ff. [HCR-20] bzw. S. 95 ff. [VRAG]) und wie sie entspre-
chend zu der hohen Rückfallgefahr gelangen. In der Kategorie «Risiko-
Management» des HCR-20 machen die Gutachter Aussagen über das künftige 
Verhalten des Beschuldigten unter den nach der Entlassung zu erwartenden äus-
seren Umständen. Sie führen aus, der Beschuldigte verfüge noch nicht über ein 
tragfähiges Beziehungsnetz, auf welches er zurückgreifen und welches sich delikt-
spräventiv auswirken könne. Zudem sehe er sich mit hohen Schulden konfrontiert. 
Er verfüge zwar über ein Renteneinkommen von CHF 5‘000.00, was sich stabilisie-
rend auswirke, habe aber keine Personen aus dem näheren Umfeld, welche ihm 
unterstützend zur Seite stehen könnten. So biete weder die Beziehung zu seiner 
ehemaligen Partnerin Frau V.________, noch jene zu seiner Adoptivmutter Gewähr 
für konstruktive Interaktion. Da eine störungsspezifische Behandlung noch nicht 
habe aufgenommen werden können, fehlten ihm derzeit deliktspräventive Kompe-
tenzen und Handlungsstrategien. In der Vergangenheit habe der Beschuldigte sei-
ne labilen Affekte mit Drogen «mediziert». In der Sicherheitshaft ohne milieuthera-
peutische Interventionen und Gruppentherapien könne er die tiefere Auseinander-
setzung mit anderen vermeiden, was sich zwar aktuell stabilisierend auf ihn aus-
wirke, nicht aber die Persönlichkeitsstörung beeinflusse. Bei einer Entlassung wür-
den dem Beschuldigten in Alltagssituationen Anpassungsleistungen abverlangt, 
welche seinem Bedürfnis nach Dominanz und Autonomie zuwider liefen. Auch 
wenn der Beschuldigte den körperlichen Drogenentzug während der bisherigen In-
haftierung bereits hinter sich gebracht habe, bestehe beim Beschuldigten ein hohes 
Risiko, erneut drogenrückfällig zu werden, und damit verbunden das erhöhte Risiko 
einer erneuten Delinquenz (Gutachten vom 11. Oktober 2016 S. 95 i.V.m. S.98). 

Diese Ausführungen überzeugen und legen in strukturierter und nachvollziehbarer 
Weise dar, weshalb beim Beschuldigten von einer erhöhten Rückfallgefahr auszu-
gehen ist. Es bestehen weder Indizien, die auf Fehler innerhalb der Tests hindeu-
ten, noch kann den Gutachtern vorgeworfen werden, sie hätten die im vorliegenden 
Fall relevanten Begleitumstände und Besonderheiten in ungenügender Weise in ih-
re Einschätzung einfliessen lassen und so direkt von den Testergebnissen auf die 
hohe Rückfallgefahr geschlossen. 

16.3 Massnahmenbedürftigkeit und Massnahmennotwendigkeit

Unter Berücksichtigung der mit der Tatbegehung in Zusammenhang stehenden 
schweren psychischen Störung des Beschuldigten auf der einen Seite und der ho-
hen Rückfallgefahr für Gewaltdelikte bzw. der schlechten Legalprognose auf der 
anderen Seite erscheint eine Strafe allein nicht geeignet, den Beschuldigten von 
der Begehung künftiger Straftaten abzuhalten. Die beschriebenen Umstände offen-
baren vielmehr ein Behandlungsbedürfnis. Die Massnahmenbedürftigkeit wird sei-
tens des Beschuldigten denn auch nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Umstritten 
ist lediglich, welche Massnahme dem Zustand des Beschuldigten angemessen 
bzw. welche Massnahme gestützt auf die Empfehlungen im Gutachten vom 11. Ok-
tober 2016 anzuordnen ist. 

34

16.4 Angemessene Massnahme

Das Massnahmenrecht ermöglicht eine spezialpräventiv flexible, einzelfall- und si-
tuationsgerechte Anwendung (BGE 123 IV 100 E. 3; 106 IV 101 E. 2d). Ob auf eine 
ambulante Therapie oder auf eine stationäre Behandlung zu erkennen ist, hängt 
vom Zustand des Täters ab (Urteil des Bundesgerichts 6B_440/2014 vom 14. Ok-
tober 2014 E. 5.2 mit Verweis auf BGE 100 IV 12 E. 2b). Massgebend für die Wahl 
der Massnahme muss grundsätzlich sein, welche Form der Behandlung für die op-
timale Erreichung des Massnahmenzwecks – der Verhinderung künftiger Straftaten 
(ausführlich dazu BGE 141 IV 236 E. 3.7 f.) – notwendig und geeignet erscheint 
(Urteil des Bundesgerichts 6B_440/2014 vom 14. Oktober 2014 E. 5.2). 

Die ambulante Behandlung stellt nichts anderes als eine besondere Art des Voll-
zugs einer stationären Massnahme dar (HEER, a.a.O., N 12 zu Art. 63 StGB mit 
Hinweis) und ist als solche in der Regel keine schwerwiegende Massnahme (so 
schon Urteile 6S.623/1997 vom 26. November 1997 E. 2a und 6S.592/1990 vom 
26. Juli 1991 E. 2b). Dagegen ist die stationäre Behandlung umfassender und bil-
det einen vergleichsweise schwerer wiegenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte 
der betroffenen Person. Die eingriffsintensivere stationäre Massnahme ist gegenü-
ber der milderen ambulanten Massnahme insofern subsidiär (Urteil des Bundesge-
richts 6B_440/2014 vom 14. Oktober 2014 E. 5.3).

Die Frage, welche Massnahme anzuordnen ist, beurteilt sich vorab nach rein ärztli-
chen Kriterien (HEER, a.a.O, N 12 zu Art. 63 StGB). Die Gutachter berücksichtigten 
bei ihrer Massnahmenempfehlung neben den diagnostizierten Störungsbildern 
auch die Therapiewilligkeit bzw. die Kooperationsbereitschaft des Beschuldigten 
und erarbeiteten gestützt darauf ein Behandlungsprofil. Darin wägen sie aus medi-
zinischer Sicht die Erfolgschancen der zugänglichen Massnahmen gegeneinander 
ab. Sie gelangen zum Schluss, der Beschuldigte sei aufgrund einer Ich-Syntonie 
und des damit einhergehenden fehlenden Störungs- und Problembewusstseins 
therapeutisch schwer zu erreichen. Die beim Beschuldigten ausgeprägte Weige-
rung, an einer stationären therapeutischen Massnahme teilzunehmen, sei mit Blick 
auf die narzisstische und die kombinierte Persönlichkeitsstörung geeignet, das Er-
reichen von Therapiezielen nachhaltig zu vereiteln. Die Kriminalprognose könne 
daher aktuell vorwiegend über eine langfristige Entwöhnungstherapie beeinflusst 
werden. Da der Beschuldigte aber auch nicht zu einer Aufarbeitung des Abhängig-
keitssyndroms motiviert sei, könne eine effektive Behandlung nur vollzugsbeglei-
tend oder stationär erfolgen. In ihrer Empfehlung schliessen sie auf eine ambulante 
Therapie, welche aus psychiatrischer Sicht vollzugsbegleitend oder bei vorherigem 
Strafvollzug geführt werden könne. Zeitlich vorzuziehen wäre eine stationäre 
Suchtbehandlung nach Art. 60 StGB in einem abstinenzorientierten, hochstruktu-
rierten und gesicherten Rahmen wie beispielsweise im Massnahmenzentrum 
U.________, sofern der Beschuldigte dafür Bereitschaft zeigen sollte. 

Da der Beschuldigte eine stationäre Behandlung entschieden verweigert und auch 
zu einer ambulanten Massnahme erst nach seiner Entlassung Hand bieten will, 
würde die Empfehlung darauf hinauslaufen, den Beschuldigten unbehandelt in 
Freiheit zu entlassen. Dies steht wiederum in krassem Widerspruch zu den mit 
Blick auf den Massnahmenzweck gemachten Ausführungen zur Rückfallgefahr, 

35

wonach vom Beschuldigten in unbehandeltem Zustand mit hoher Wahrscheinlich-
keit erneut Gewaltdelikte zu erwarten seien. N