# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d5929f55-8c57-5ef6-848d-a083c66c3e4a
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-12-16
**Language:** de
**Title:** BF erlitt als Beifahrerin eine Kollision und zog sich eine HWS-Distorision zu. Später traten Schwindel auf, für die spezialärztlich eine organische Erklärung gefunden wurde. Im IV-Gutachten, das auch im UV-Verfahren berücksichtigt wurde, wurde kein organisches Korrelat mehr gefunden; später erneut organische Diagnose.
**Docket/Reference:** UV.2012.00033
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2012.00033.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2012.00033
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Steiner Lettoriello
Urteil
vom
16. Dezember 2013
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Sebastian Lorentz
Lorentz Schmidt Partner, Rechtsanwälte
Weinbergstrasse 29, 8006 Zürich
dieser substituiert durch Rechtsanwalt Thomas Wyss
Lorentz Schmidt Partner, Rechtsanwälte
Weinbergstrasse 29, 8006 Zürich
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
vertreten durch Rechtsanwalt Reto Bachmann
Ineichen
Lischer
Zemp
, Rechtsanwälte und Notare
Schwanenplatz 4, 6004 Luzern
Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1964 geborene, aus
Y.___
stammende
X.___
war
ab Juni
2004 für drei Arbeitgeber tätig
(
Urk.
9/1,
Urk.
9/2.1 und
Urk.
9/3)
. Sie ar
beitete
wöchentlich 15 Stunden als
Spetterin
im Bereich Büroreinigung bei der
Z.___
der Stadt
A.___
(Urk. 9/
3
) und 34 Stunden als All
roun
derin bei der
B.___
,
der Autogarage ihres Ehemannes
(
Urk.
9/
1
)
und war dadurch
(über
beide Arbeitgeber)
bei
der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt Suva
obligatorisch gegen die Folgen von
Berufs- und Nichtberufsunfällen
versichert.
D
aneben arbeitete sie
wöchentlich
während
12 Stunden als Raumpflegerin bei der
C.___
AG (heute
D.___
AG; Urk. 9/2.1
) und war dadurch zudem bei der
Visana
Services AG gegen die Folgen von
Unfällen
versichert.
Am
11.
August
und 14.
September
2004 meldete die Versicherte
d
er Suva
, dass sie sich
als Beifah
rerin
bei einem Autounfall am 6. August 2004
in
Y.___
eine
Halswirbelsäu
len-Distorsion
zu
gezogen habe (
Urk.
9/
1
und
Urk.
9/3; die Unfallmeldung an die
Visana
erfolgte am 1
2.
August 2004:
Urk.
9/2.1
)
und
seither an Nacken
- und Brust
beins
chmerzen
sowie an Kopfschmerzen mit Ausstrahlung zu den Augen hin
leide
(
Urk.
9/1
,
Urk.
9/3
und
Urk.
9/6
)
. Neben den ständigen Kopf- und Nackenschmerzen
mache
ihr
besonders
Schwindel zu schaffen (
Urk.
9/16.1).
Die Suva
veranlasste
in der Folge
medizinische
Abklärungen
(
MRI vom 11. Novem
ber 2004;
Urk.
9/20, Krei
särztliche Untersuchung vom 11.
Feb
ruar 2005 und fachärztliche
neurootologische
Untersuchung
en
vom 13.
Juli 2005
,
vom 1
2.
September 2006
und vom 29. November 2007
;
Urk.
9/54
,
Urk.
9/93
und
Urk.
9/114
)
,
übernahm
die
Kosten für Heilbehandlungen
(insbesondere
Physio
therapie-Kosten;
Urk.
9/23,
Urk.
9/26,
Urk.
9/31,
Urk.
9/44
,
Urk.
9/106
und
Urk.
9/152
)
und erbrachte Taggeldleistungen (
Urk.
9/95)
.
Gestützt auf das von der IV-Stelle
im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren
veranlasste Gut
achten des
E.___
vom 9
. November 2009 (
Urk.
9/158) und der anschliessenden Beurtei
lung
desselben durch die
Suva-Versicherungsmediziner
(
Urk.
9/160 und
Urk.
9/161) stellte die Suva die Versi
cherungsleistungen mit Verfügung vom 6. September 2010 per 31. August 2010 ein (
Urk.
9/162).
Dagegen l
iess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Lorentz am 20. September 2010
und ergänzt am
31. Dezember 2010
Einsprache erheben
und verschiedene Arztberichte und Gutachten einreichen
(
Urk.
9/164
und
Urk.
9/174
/1-5
).
Die
Krankenversicherung
Groupe
Mutuel
zog ihren
am 17.
September 2010 vorsorglich erhobenen
Einwand
am 21. Oktober 2010 zu
rück
(
Urk.
9/166
und
Urk.
9/171
)
.
Mit Einsprache-Entscheid vom 4. Januar 2012
hielt die Suva an ihrem Entscheid fes
t und bestätigte die Einstellung
der
Leis
tungen per 31. August 2010
.
2.
Dagegen liess die Versicherte,
nunmehr
vertreten durch
Rechtsanwalt Wyss, am 6. Februar 2012 Beschwerde erheben (
Urk.
1) und die
Zusprache
der gesetzli
chen Leistungen wie insbesondere Heilbehandlung, Taggelder,
Integritätsent
schädigung
und Rente beantragen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
10. April 2012 beantragte die Suva die Abweisung der Beschwerde und die Bestäti
gung des Einsprache-Entscheides (
Urk.
8 S. 2).
Mit Verfügung vom 24. April 2012 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
12).
Replicando
und
duplicando
hielten die Parteien an ihren Anträgen fest (
Urk.
18 und
Urk.
22).
Mit Verfügung vom 6. Dezember
2012
wurden die Akten des
unfall
-
versiche
rungsrechtlichen
Verfahrens zum ebenfalls
hängigen
invaliden
-
versicherungs
rechtlichen
Prozesses Nr. IV.2010.01089 in Sachen
X.___
gegen die Sozialversicherungsanstalt Zürich, IV-Stelle, beigezogen (
Urk.
14 im Verfahren IV.2010.01089).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
3.
Mit heutigem Datum ergeht auch das Urteil im invalidenversicherungs
-
rechtli
chen Verfahren
IV
.
2010.01089
.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss dem Bundesgesetz über die Un
fall
versicherung (UVG) setzt zunächst voraus, dass zwischen dem
Unfaller
eignis
und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürli
cher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausal
zu
sammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetre
tene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungs
weise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürli
chen Kau
sal
zusam
men
hangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
leinige oder unmittel
bare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereig
nis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige In
tegrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit andern Wor
ten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 337 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Be
weis
würdigung
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1, 119 V 338 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 461 E. 5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 112 E. 2.1).
1.4
Für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Un
fall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ab
lauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden Arbeits- bezie
hungsweise Erwerbsunfähigkeit, die nicht auf organisch nachweisbare
Funkti
onsausfälle
zurückzuführen ist, rechtfertigt es sich, im Einzelfall analog zur Methode vorzugehen, wie sie für psychische Störungen nach einem Unfall ent
wickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c, 117 V 359
E. 5d/
bb
, vgl. auch 115 V 133 E. 6).
2.
2.1
D
ie Suva
begründete die Einstellung der Versicherungsleistun
gen per 31.
August 2010
damit,
dass
es sich bei den
von
X.___
nach wie vor geklagten Beschwerden
um solche
ohne organisches Korrelat
handle
und
zwischen diesen Beschwerden und
dem Verkehrsunfall vom 6.
August 2004
gestützt auf die sogenannte Schleudertrauma-Praxis des Bun
desgerichtes
kein adäquater Kausalzusammenhang bestehe.
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
macht geltend, dass
entsprechend der Beurteilung von
Dr.
F.___
mangels Vornahme einer
neurootologischen
Untersuchung nicht auf das
E.___
-Gutachten und die anschliessende Einschätzung der Suva-Mediziner
Dres
.
G.___
und
H.___
abgestellt werden könne.
Vielmehr sei auf
die praktisch zeitgleich erfolgte gerichtliche Begutachtung durch
Dr.
I.___
abzustellen
, welche im Rahmen des
Y.___
Haftpflichtv
er
fahrens
angeordnet worden
sei
und
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit im ange
stammten Beruf (
Incapacidad
pe
rmanente total) ergeben habe
. D
en
immer noch vorhandenen
Schwindelbeschwerden
liege ein
organisc
hes
Korrelat
zu Grunde
, weshalb sowohl der natürliche als auch der adäquate Kausalzusammenhang ge
geben und die Adäquanzprüfung nicht anhand der sogenannten
Schleuder
trauma-Praxis
vorzunehmen sei
Urk.
1 S. 3 ff. und S. 7
).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob
bei der Beschwerdeführerin nach wie vor
unfallkau
sale
Beschwerden vorliegen und
ob
die Beschwerdegegnerin ver
pflichtet ist,
über den
31. August 2010
hinaus
Leistungen der obligatorischen Unfallversiche
rung auszurichten.
3.
3.1
Die Suva veranlasste am 10. Februar 2005 eine kreisärztliche Untersuchung durch Kreisarzt
Dr.
med.
J.___
, Facharzt FMH für Chirurgie (
Urk.
9/34). In sei
ner Beurteilung vom 11. Februar 2005 führte
Dr.
J.___
aus, dass die Beschwer
deführerin im Anschluss an die Fahrzeugkollision am 6. August 2004 im We
sentlichen eine HWS-Distorsionssymptomatik mit Schwindel, Nackenschmerzen und Ausbreitung im oberen Wirbelsäulenbereich erlitten habe
,
und stellte eine diskrete HWS- und Wirbelsäulensymptomatik mit leichter
Druckdolenz
im Be
reich der Nackenmuskulatur beidseits und an den
cranialen
Ansatzpunkten aber ohne wesentliche Verspannung und Bewegungs-einschränkung fest
.
Dr.
J.___
beschrie
b, dass es im Dezember 2004 zu plötzlicher Symptomverstärkung bei
Hemikranie
rechts mit Kopfschmerzen, Licht- und Lärmempfindlichkeit, Nausea, Erbrechen, vermehrtem Schwindel und Migräne-Attacken gekommen sei; neu
rologische Untersuchungen seien im Gange (
Urk.
9/34.3).
Die Arbeitsunfähigkeit erachtete er bei allen drei Arbeitgebern als gerechtfertigt und bestätigte diese
weiterhin; mindestens bis zum Vorliegen der neurologischen
Abklärungsresul
tate
(
Urk.
9/34.4).
3.2
Im Rahmen der Untersuchung vom 6. Juli 2005 stellte
Dr.
G.___
, Facharzt für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Hals- und Gesichtschirurgie, Allergologie, klinische Immunologie und Arbeitsmedizin, Abteilung Arbeits
medizin Luzern der SUVA,
nach Vornahme einer
neurootologischen
Untersuchung fest, dass eine peripher-vestibuläre linksseitige Funktionsstörung habe nachgewiesen werden können, welche
zentral noch
unkompensiert
sei und
mit hoher Wahr
scheinlichkeit in kausalem Zusammenhan
g mit dem Unfallereignis vom 6.
August 2004 stehe. Was die Arbeitsfähigkeit anbelange, seien der Beschwer
deführerin gegenwärtig Reinigungsarbeiten mit Bücken und schnellem Auf
richten noch nicht zumutbar. Für leichtere Büroarbeiten in sitzender Stellung sei sie aus ORL-ärztlicher Sicht hingegen voll arbeitsfähig. Um auszuloten, in
wieweit sich diese peripher-vestibuläre Funktionsstörung links noch erholen könne, solle die Beschwerdeführerin zirka in einem Jahr wieder
neurootologisch
kontrolliert werden (Urk. 9/54.3).
Die vorgesehene Folgeuntersuchung
fand am 12
. September 2006 statt und
Dr.
G.___
beschrieb
in seinem
Bericht
vom 14. September 2006
, dass im Rah
men der Untersuchung im Vergleich zur ersten Untersuchung
im
Juli 2005 eine partielle zentrale Kompen
sation der peripher-vestibulären linksseitigen Funkti
onsstörung habe festgestellt werden können. Aus ORL-ärztlicher Sicht könne
der Versicherten
gegen
wärtig eine leichtere Tätigkeit im Sitzen oder Stehen in einem reduzierten Zeitrahmen zugemutet werden. Arbeiten mit erhöhter
Absturz
gefahr
seien zu vermeiden
. Eine Schlusskontrolle sah
Dr.
G.___
in einem Jahr vor
(Urk. 9/93)
. In seinem
Bericht vom 3
. Dezember 2007
bestätigte er in der Folge einen im Vergleich zur Voruntersuchung unveränderten ORL-Status.
Arbeiten im Sitzen könnten
der Versicherten
aus rein ORL-ärztlicher Sicht voll zugemutet werden. Für Arbeiten im Stehen sei sie aufgrund der vorliegenden Untersuchungsresultate hingegen ungeeignet. Aufgrund der leichten bis mittel
schweren Störung des Gleichgewichtsfunktionssystems gebe es einen
unfallbe
dingten
entschädigungs
pflichtigen Integritätsschaden von 15 %
(Urk. 9/114
).
3
.3
Im Rahmen des invalidenversicherungsrechtlichen Verfahrens veranlasste die IV-Stelle
in Nachachtung des Urteils des hiesigen Gerichts vom 30. Dezember 2008 (im Verfahren IV.2008.00101)
eine polydisziplinäre (
internistisch-allge
meinmedizinische
, psychiatrische und neurologische) Abklärung durch das
E.___
(Gutachten
vom
9. November 2009; Urk. 9/
158
). Mit Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit diagnostizierten die Gutachter ein zervikales Schmerzsyndrom (ICD-10 R52.2), mit/bei einer muskulären
Dysbalance
im Schultergürtelbereich
(ICD-10 M53.8) und einem Status nach Autounfall (Seitkollision) mit
HWS-Distorsions
trauma
am 6. August 2004 (ICD-10 S13.6). Als Diagnosen ohne Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit beschrieben sie eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0, eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54), eine Migräne ohne Aura (ICD-10 G43.0), Klagen über „Schwindel“ ohne organisches Korrelat (ICD-10 R42) bei aktuell funktionellen Beschwerden im Sinne eines phobischen Schwindels bei initial organischem Korrelat (leichte peripher-vestibuläre Funktionsstörung links laut Angabe) bei Diagnose einer Schmerzverarbeitungsstörung sowie einer grenzwertigen Adipositas (BMI 29,5 kg/m
2
; ICD-10 E66.0).
Die Gutachter hielten fest, dass im Zeitpunkt der Begutachtung im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, keinerlei Korrelat für einen Schwindel bestehe, auch der früher nachgewiesene Lagerungsschwindel sei nicht mehr nachweisbar, bei Lageänderungen sei kein pathologischer Nystagmus mehr erkennbar. Obwohl der Schwindel nicht objektivierbar sei, sollten Tätigkeiten mit grosser
Sturzge
fahr
vermieden werden. Ansonsten seien aus neurologischer Sicht körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere
Tätigkeiten zumutbar (
Urk.
9/158
S. 21).
Zusammenfassend kamen die Gutachter zum Schluss, dass bei der Beschwerde
führerin für körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere, adaptierte Tä
tigkeiten eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit bestehe. Als Raumpfle
gerin mit durchschnittlichem Anforderungsprofil bestehe eine 80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Im Haushaltbereich bestehe keine Eins
chränkung der Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
9/15
8 S. 23).
3.4
Die IV-Stelle leitete das
E.___
-Gutachten
(gestützt auf welches sie der Beschwerde
führerin eine von August 2005 bis November 2007 befristete ganze Invalidenrente zusprach)
auch an die S
uva
weiter, welche ihrerseits
Dr.
G.___
um eine Einschätzung des Gutachtens ersuchte
. In seiner Beurteilung vom 20.
Augus
t 2010 verwies
Dr.
G.___
auf seine
2005,
2006 und 2007
vorgenom
menen
neurootologischen
Untersuchungen, im Rahmen dere
r jeweils eine leichte peripher-
vestibuläre Funktionsstörung links in reproduzierbarer Weise habe objektiviert werden können. Weiter führte er aus, dass mittlerweile davon ausgegangen werden könne,
dass die nachgewiesene peripher-
vestibuläre Funktionsstörung links irreversibel sei, da sie auch drei Jahre nach dem
Unfall
ereignis
nachweisbar gewesen sei und daher erfahrungsgemäss als irreversibel aufzufassen sei. Weiter führte
Dr.
G.___
aus, dass die beschriebene Funktions
störung anlässlich der
rotatorischen
experimentellen Untersuchungen auf einem Drehpendelstuhl als organisch strukturelle Läsion habe nachgewiesen werden
können und aufgrund der Anamnese mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in kausalem Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 6. August 2004 stehe.
Dr.
G.___
bemerkte, dass diese eher diskreten objektivierbaren Befunde sechs Jahre nach dem Unfallereignis keine klinische Relevanz mehr hätten, da das periphere Defizit unterdessen zentral erfahrungsgemäss vollständig kompensiert sei. Er kam zum Schluss, dass aufgrund der gutachterlichen Untersuchung durch das
E.___
gegenwärtig ein phobischer Schwindel persistiere, der aus neurologi
scher Sicht organisch kein Korrelat mehr habe, was seine Beobachtungen, dass der
neurootologisch
nachgewiesene Befund nicht überbewertet werden dürfe
, untermaue
re (
Urk.
9/160).
In der Folge stellte die Suva
die Versicherungsleistungen
mit Verfügung vom 6. September 2010 (
Urk.
9/162)
per 31. August 2010 ein.
3.5
Im
Bericht des
K.___
vom 8. November 2010, welchen die Beschwerdeführerin im Rahmen des
Einspracheverfahrens
eingereicht hatte,
diagnostizierte
Dr.
med.
L.___
eine pe
riphere
Vestibulopathie
(ICD-10 H81.3), eine zentrale
Vestibulopathie
(ICD-10 H81.4) und einen Status nach HWS-Distorsionstrauma am 6. August 2004.
Dr.
L.___
führte aus, dass in der von ihm vorgenommenen
otoneurologischen
Untersuchung die vormals beschriebene Unterfunktion des peripheren
Vestibu
larapparates
links nicht mehr
habe
gefunden werden
können
und zum Zeit
punkt der Untersuchung ein prompt und seitengleich erregbarer
Vestibularap
parat
zu sehen gewesen sei. Im Übrigen persistierten aber die vormals beschrie
benen auffälligen Befunde, insbesondere der vergrösserte
Gain
bei
Rec
hts
nystagmen
in der
Optokinetik
sowie die
Linkspräponderanz
auf dem
Pendel
stuhl
. Weiter hielt er fest, dass die rein vertikalen
Nystagmen
nach oben ohne
rotatorische
Komponente bei den Lagerungen mit Kopfhängelage rechts und links nicht dem Bild des benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels entsprä
chen und nicht klar einer peripheren oder zentralen
Vestibulopathie
zuzuordnen sei
en
. Klassischerweise spreche der vertikale Nystagmus nach oben für eine zentrale
Vestibulopathie
. Unter Berücksichtigung der früheren Befunde könne aber auch eine
Otolithenfunktionsstörung
einen vertikalen Nystagmus auslösen. In dieses Bild würden auch die rudimentär ableitbaren,
vestibulär
evozierten
myogenen
Potenziale rechts passen. Die Untersuchung auf dem Balancemaster unterstütze die Diagnose der persistierenden klinisch relevanten
Vestibulopa
thie
. Abschliessend hielt
Dr.
L.___
fest, dass
,
auch wenn sich die periphere Er
regbarkeit zentral kompensiert habe, eher nicht mit einer weiteren Verbesserung des Krankheitsbildes zu rechnen sei. Die Kompensationsmechanismen müssten nach dieser Latenz als persistierend unzureichend
bezeichnet werden (
Urk.
9/174/5
).
3.6
Am 21. September 2011
nahm
Dr.
G.___
zum Bericht von
Dr.
L.___
Stellung und
führte aus, dass
die im Dezember 2007 im Rahmen der
neurootologischen
U
ntersuchung
noch festgestellte
peripher-
vestibuläre Funktionsstörung links
gemäss
Dr.
L.___
in seiner Untersuchung
nicht mehr habe nachgewiesen wer
den können. Hingegen habe
Dr.
L.___
einen rein vertikalen Nystagmus nach oben nachgewiesen, den er
indes
weder einer peripheren noch einer zentralen
Vestibulopathie
habe zuordnen können. Allerdings
habe
Dr.
L.___
nicht ange
geben
, ob dieser Befund reproduzierbar gewesen sei. Immerhin seien sämtliche vorange
gangenen
neurologischen Untersuchungen (am 21. Dezember 2004 durch
Dr.
M.___
, am 7. August 2007 durch
Dr.
N.___
und am 9. November 2009 durch
Dr.
O.___
) normal ausgefallen.
Für
Dr.
G.___
ergaben sich aus
neurootologischer
Sicht keine weitergehenden diagnostischen oder therapeutischen Konsequenzen und er hielt zusammenfas
send fest, dass die Beschwerdeführerin im Anschluss an
das
HWS-Distorsions
trauma
v
om 6. August 2004 eine peripher-
vestibuläre Funktionsstörung links aufgewiesen habe, die anlässlich einer Kontrolluntersuchung bei der Suva vom 3. Dezember 2007 noch nachweisbar gewesen sei, aber anlässlich einer weiteren Kontrolluntersuchung drei Jahre später am 8. November 2010 im
K.___
nicht mehr habe nachgew
ie
sen werden können (
Urk.
9/179
).
4.
4.1
Im Rahmen des ersten invalidenversicherungsrechtlichen Beschwerdeverfahrens (IV.2008.00101) wurde gerichtlich festgestellt, dass sich die nach dem Unfall vom 6. August 2004 involvierten Ärzte, Dr.
P.___
, Dr.
M.___
, Dr.
G.___
und die
Q.___
-Gutachter in diag
nostischer Hinsicht zumindest darin einig
gewesen seien
, dass vordergründig eine peripher-vestibuläre Funktionsstörung
bestehe
, welche den Schwindel verur
sachte. Eine Divergenz hinsichtlich der Diagnosen best
ehe
hingegen darin, dass die Experten des
Q.___
der Beschwerdeführerin eine artifizielle Störung, mithin ein absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen von körperlichen oder psychischen Symptomen oder Behinderungen (ICD-10, 5. Auflage, S. 250)
,
unterstellten. Ob dieser aus versicherungstechnischer Sicht relevante, in den übrigen medizinischen Unterlagen jedoch nicht ausge
wiesene Befund zutr
effe
, liess sich im Rahmen des Verfahrens IV.2008.00101 nicht be
antworten.
Die involvierten Mediziner hatten die konkreten Arbeitsaufgaben und unterschied
lichen Arbeitsplätze der Beschwerdeführerin nicht genügend konkret oder nur unvollständig in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einbezogen und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zudem diametral unterschiedlich
beurteilt. Dies führte dazu, dass sich das Ausmass der (Rest-)Arbeitsfähigkeit im Rahmen des Verfahrens IV.2008.00101 nicht aufgrund der Aktenlage ermitteln liess. Entsprechend wurde die Sache zur Klärung des Krankheitsbildes, insbe
sondere der Frage nach dem allfälligen Vorliegen einer Aggravation und der daraus resultierenden zumutbaren Arbeitsfähigkeit zurückgewiesen, damit die IV-Stelle die erforder
lichen medizinischen Untersuchungen anordne, hernach eine Analyse der der Beschwerdeführerin obliegenden Aufgaben ihrer verschie
denen angestammten Tätigkeiten vornehme und den Invaliditätsgrad neu er
mittle.
4.2
Aufgrund des vorstehend Gesagten ergibt sich nun, dass die im Zentrum ste
hende, 2007
otoneurologisch
noch bestätigte peripher-
vestibuläre
Funktions
störung links 2009/2010 nicht mehr festgestellt werden konnte und sowohl das
E.___
-Gutachten, Suva-Arzt
Dr.
G.___
und auch
Dr.
L.___
vom
K.___
diesbezüglich überein
stimmen.
Aufgrund der Akten steht hingegen fest, dass
Dr.
L.___
am 8. November 2010
nach Vornahme einer
otoneurologischen
Untersuchung den
(organischen)
Be
fund einer peripheren
Vestibulopathie
(ICD-10 H81.3) und einer zentralen
Ves
tibulopathie
(ICD-10
H81.4) erhob und damit
möglicherweise
ein organisches Korrelat
für
die im Zentrum stehende Schwindelproblematik
fand
.
Aus dem Bericht geht jedoch nicht hervor, wie stark die Beeinträchtigung ist, wie lange sie bereits besteht und ob
sie
einer Behandlung zugänglich ist. Auch
enthält d
er Bericht keine Angaben zur allfälligen Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit
.
4.3
Der Vollständigkeit halber ist zudem festzuhalten, dass das
Gerichtsgutachten des
Y.___
Haftpflichtv
erfahren
s
nicht ohne W
eiteres übernommen werden
kann
,
und für das vorliegende unfallversicherungsrechtliche Verfahren
nicht verwertbar ist
,
da es nicht den schweizerischen Anforderungen an ein
Gerichts
gutachten
entspricht beziehungsweise
ihm
eine abweichende Einschätzung
der Invalidität zu Grunde liegt.
4.
4
Zusammenfassend ist daher festzustellen, dass mit der
otoneurologisch
gestell
ten Diagnose einer
zentral-vestibulären Störung
möglicherweise
ein
organischer
Befund vorhanden ist, dessen
Unfallkausalität
und
Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit
noch unklar sind.
Die Sache ist daher an die
Suva
zurückzuwei
sen, damit sie ergänzende Abklärungen vornimmt und hernach über den An
spruch der Beschwerdeführerin auf
über den August 2010 hinausgehende
un
fallversicherungsrechtliche
Leistungen
neu befindet. Sinnvollerweise ist die entsprechende Abklärung durch ein von der
Suva und
IV-Stelle gemeinsam in
Auftrag zu gebendes Gutachten vorzunehmen, wobei die Suva zusätzlich die Frage der Kausalität
und allenfalls der Adäquanz
zu klären haben wird.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine Prozessentschä
digung in der Höhe von Fr.
3‘700
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) ange
messen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass der
Einsprache
entscheid
vom 4. Januar 2012
aufgehoben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückge
wie
sen wird, damit sie im Sinne der Erwägungen verfahre und hernach über ihre
Leis
tung
spflicht
neu entscheide.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
der Beschwerdeführerin
eine
Prozessent
schä
di
gung
von Fr.
3‘700
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Thomas Wyss
-
Rechtsanwalt Reto Bachmann
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigSteiner Lettoriello