# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** d17619d8-7212-567f-a867-52d4ec5b8e84
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-11-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.11.2016 E-3717/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3717-2016_2016-11-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-3717/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  N o v e m b e r  2 0 1 6  

Besetzung 
 Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), 

Richter Thomas Wespi, Richter Markus König,    

Gerichtsschreiberin Annina Mondgenast. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Syrien,  

(…)   

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 12. Mai 2016 / N (…). 

 

 

 

E-3717/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der minderjährige Beschwerdeführer kurdischer Ethnie aus Qamishli reiste 

am 18. September 2015 in Begleitung seines volljährigen Bruders 

B._______ in die Schweiz ein und ersuchte gleichentags um Asyl. Am 

23. September 2015 wurde ihm das rechtliche Gehör zur Zuweisung in den 

Kanton Bern gewährt. Am 14. März 2016 wurde er in Begleitung seines 

volljährigen Bruders C._______ zu seinen Asylgründen angehört und 

machte im Wesentlichen Folgendes geltend:  

Im Oktober 2014 habe er seinen Computer zur Reparatur gebracht und sei 

dann im Dunkeln mit dem Fahrrad nach Hause gefahren, als plötzlich ein 

schnell fahrendes Fahrzeug aufgetaucht sei. Aus Angst vor einer Entfüh-

rung habe er beschleunigt und sei in einen schmalen Weg eingebogen, in 

welchen das Fahrzeug nicht habe einbiegen können. Das Fahrzeug habe 

beim Eingang dieses Weges angehalten. Er habe bei einem Haus an die 

Tür geklopft und um Einlass gebeten. Vom Bewohner dieses Hauses sei 

er dann nach Hause begleitet worden. In seiner Heimatregion habe es viele 

Gruppierungen gegeben, die Leute entführt und Lösegelder gefordert hät-

ten. Nach diesem Vorfall habe sein Vater entschieden, ihn ausser Landes 

zu bringen. Alleine sei er in die Türkei gereist und habe dort seinen Bruder 

B._______ getroffen. In welche Länder er danach gereist sei, wisse er 

nicht. Die Türkei habe er über den Landweg verlassen und sei nach etwa 

19 oder 20 Tagen in der Schweiz angekommen. Seine Familie und er seien 

politisch nicht aktiv gewesen. Zu den Militärbehörden habe er keinen Kon-

takt gehabt. Nur ein Onkel väterlicherseits sei bei der „Party“ gewesen. Da-

bei habe es sich nicht um die Partei der Demokratischen Union (PYD) ge-

handelt. 

Als Beweismittel reichte er Schulzeugnisse der 7. und 9. Klasse, eine Impf-

karte sowie eine Kopie seines Familienbüchleins ein.  

B.  

Mit Verfügung vom 12. Mai 2016, eröffnet am 17. Mai 2016, verneinte die 

Vorinstanz das Bestehen der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-

rers und lehnte dessen Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete sie seine Weg-

weisung aus der Schweiz an, schob den Vollzug der Wegweisung jedoch 

zugunsten der vorläufigen Aufnahme auf.  

E-3717/2016 

Seite 3 

C.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 14. Juni 2016 be-

antragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der vorinstanzlichen Verfü-

gung und die Gewährung von Asyl unter Zuerkennung seiner Flüchtlings-

eigenschaft. Eventualiter sei die Unzulässigkeit des Vollzugs der Wegwei-

sung festzustellen und er sei als Flüchtling in der Schweiz vorläufig aufzu-

nehmen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche 

Prozessführung unter Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses.  

D.  

Mit Verfügung vom 18. Juli 2016 hiess die Instruktionsrichterin das Gesuch 

um unentgeltliche Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut 

und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Die Vorin-

stanz wurde zur Vernehmlassung eingeladen, um sich insbesondere zur 

vom Beschwerdeführer geltend gemachten fehlenden Ernennung einer 

Vertrauensperson zu äussern.  

E.  

In innert erstreckter Frist eingegangener Vernehmlassung vom 5. Au-

gust 2016 beantragte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde.  

F.  

Am 10. August 2016 wurde die Vernehmlassung dem Beschwerdeführer  

zur Kenntnis gebracht.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

E-3717/2016 

Seite 4 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1 AsylG 

i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist, 

unter Vorbehalt der nachfolgenden Ausführungen, einzutreten. 

Hinsichtlich des Eventualantrags ist der Beschwerdeführer infolge der vor-

instanzlich gewährten vorläufigen Aufnahme nicht beschwert. Auf den An-

trag auf Feststellung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs ist da-

her nicht einzutreten.  

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Zur Begründung des ablehnenden Asylentscheids qualifizierte die Vor- 

instanz die geltend gemachten Vorbringen als den Anforderungen von 

Art. 3 AsylG an die flüchtlingsrechtliche Beachtlichkeit nicht genügend, 

weshalb der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle. 

Seine Vorbringen seien Ausdruck der prekären Sicherheitslage in seiner 

Herkunftsregion, die von unterschiedlichen bewaffneten und kriminellen 

Gruppierungen geprägt sei. Von dieser Situation seien alle dort lebenden 

Personen gleichermassen betroffen, weshalb seine Vorbringen nicht asyl-

relevant seien.  

Aufgrund der Ablehnung des Asylgesuchs wies die Vorinstanz den Be-

schwerdeführer aus der Schweiz weg. Wegen der fehlenden Flüchtlingsei-

genschaft sei der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 

AsylG nicht anwendbar und aus den Akten würden sich keine Anhalts-

punkte ergeben, dass ihm im Falle einer Rückkehr in seinen Heimatstaat 

mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK verbotene 

Strafe oder Behandlung drohe. Den Vollzug der Wegweisung nach Syrien 

erachtete die Vorinstanz aufgrund der dortigen Sicherheitslage hingegen 

als nicht zumutbar, weshalb er in der Schweiz vorläufig aufzunehmen sei.  

E-3717/2016 

Seite 5 

3.2 In seiner Beschwerde machte der Beschwerdeführer insbesondere gel-

tend, ihm sei keine Vertrauensperson zugeteilt worden und er sei diesbe-

züglich auch nicht informiert worden, weshalb sein Recht auf ein faires Ver-

fahren verletzt worden sei. Zu seinen Asylgründen führte er aus, dass seine 

Familie schon immer Probleme mit dem Bashar Al-Assad Regime gehabt 

habe. So sei sein Onkel väterlicherseits politisch aktiv und mehrmals von 

der Regierung inhaftiert worden. Seine älteren Brüder hätten ebenfalls 

Probleme mit der Regierung gehabt. Sein Bruder, mit welchem er in die 

Schweiz eingereist sei, sei wegen Militärdienstverweigerung geflüchtet. 

Eine Schwester habe Syrien verlassen, weil sie von der Regierung gesucht 

worden sei. Sein Vater habe entschieden, dass sein Leben in Qamishli 

nicht mehr sicher sei, weshalb er ihn fortgeschickt habe. Aus sozio-kultu-

rellen Gründen habe er die Entscheidungen seines Vaters nicht in Frage 

gestellt. Seine Eltern und zwei Schwestern seien nach seiner Ausreise von 

Mitgliedern der PYD bedroht worden, diese hätten verlangt, dass er in den 

Kampf gehe. Seine Familie habe mittlerweile in die Türkei fliehen müssen. 

Wer nicht mit der PYD zusammenarbeite, werde als Gegner betrachtet und 

Lebensmittelcoupons, Strom und Medikamente würden gestrichen. Nach-

dem er (Beschwerdeführer) beinahe entführt worden sei, habe sein Vater 

gewusst, dass sein Leben in Syrien nicht mehr länger sicher sei. Entweder 

hätten die Entführer seine Familie um Geld erpresst oder ihn für ihre Ziele 

gefangen genommen und zur Zusammenarbeit für ihren Kampf gezwun-

gen. Es hätte aber auch sein können, dass sie ihn für einen Austausch mit 

seinen Brüdern oder Schwestern unter Druck gesetzt hätten; nur Gott 

wisse, was mit ihm geschehen wäre. Er sei gezielt verfolgt und beinahe 

festgenommen und entführt worden und wäre ernsthaften Nachteilen an 

Leib und Leben ausgesetzt gewesen. Seine Flüchtlingseigenschaft sei an-

zuerkennen, da er sich mit der gewährten vorläufigen Aufnahme nur 

schwer integrieren könne, er immer mit einer Ausreise aus der Schweiz 

rechnen müsse und sich nicht frei bewegen könne.  

3.3 In ihrer Vernehmlassung vom 5. August 2016 stellte die Vorinstanz fest, 

dass die Beschwerdeschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be-

weismittel enthalte, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtferti-

gen würden, und verwies auf ihre Erwägungen, an denen sie vollumfäng-

lich festhielt. 

  

E-3717/2016 

Seite 6 

4.  

4.1  In formeller Hinsicht machte der Beschwerdeführer geltend, ihm sei 

keine Vertrauensperson beigeordnet worden und er sei diesbezüglich auch 

nicht über seine Rechte und Pflichten aufgeklärt worden. Diese Rügen sind 

vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet sind, eine Kassation der  

vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.  

4.2 Steht die Minderjährigkeit einer unbegleiteten asylsuchenden Person 

fest, ist die zuständige Behörde gehalten, angemessene Massnahmen 

zum Schutz ihrer Rechte zu ergreifen. Unbegleitete minderjährige Asylsu-

chende verfügen regelmässig – da sie aus ihrem angestammten geogra-

phischen, sprachlichen, kulturellen und sozialen Umfeld herausgerissen 

wurden – nicht über die erforderlichen Fähigkeiten und Kenntnisse, um ihre 

Rechte im Asyl- und Wegweisungsverfahren selbständig wahrnehmen zu 

können. Aufgrund ihrer altersbedingten Unerfahrenheit sind sie auch in an-

deren Bereichen auf Unterstützung angewiesen, weshalb sie besonderen 

staatlichen Schutzes bedürfen. Die schweizerischen Behörden sind grund-

sätzlich dazu verpflichtet, für jede minderjährige Person ohne rechtliche 

Vertretung eine Vormundschaft (Art. 327 f. ZGB) oder eine Beistandschaft 

(Art. 306 ff. ZGB) zu errichten (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der 

Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1998 Nr. 13 E. 4b; 

1999 Nr. 2 E. 5; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-5672/20014 vom 

6. Januar 2016 E. 5.3.3).  

4.3 Der speziellen Situation von unbegleiteten Minderjährigen wird im Asyl-

verfahren unter anderem dadurch Rechnung getragen, dass für sie ‒ so-

lange keine vormundschaftlichen Massnahmen Platz gegriffen haben ‒ für 

die Dauer des Asylverfahrens, bevor die Anhörung zu den Asylgründen er-

folgt, von Amtes wegen eine rechtskundige Person beizuordnen ist (vgl. 

Art. 17 Abs. 3 AsylG i.V.m. Art. 7 Abs. 2 der Asylverordnung 1 über Verfah-

rensfragen [AsylV 1, SR 142.311]). Die Aufgaben einer Vertrauensperson 

sind vielfältig und umfassen neben der Wahrung der Interessen der min-

derjährigen Person im Asylverfahren auch andere administrative und orga-

nisatorische Aufgaben (z.B. Betreuung am Wohnort, Regelung versiche-

rungstechnischer Fragen, Sicherstellung einer allfälligen medizinischen  

oder psychologischen Behandlung usw.), was sich bereits aus der Überle-

gung ergibt, dass die eingesetzte Vertrauensperson mangels Errichtung ei-

ner Vormundschaft beziehungsweise einer Beistandschaft wohl zumindest 

teilweise deren Aufgaben wahrnehmen muss (vgl. EMARK 2003 Nr. 1 

E. 3c f.). Eine Verbeiständung respektive Beiordnung einer Vertrauensper-

E-3717/2016 

Seite 7 

son dient jedoch nicht nur dem Schutz der Rechte eines unbegleiteten min-

derjährigen Asylsuchenden, sondern ist auch im Sinne einer effizienten 

Verfahrensabwicklung angezeigt. Eine Missachtung der Verpflichtung zur 

Beiordnung einer Vertrauensperson im erstinstanzlichen Verfahren ist als 

Verletzung des rechtlichen Gehörs zu behandeln und führt – da eine Hei-

lung nur in Ausnahmefällen zulässig ist – in der Regel zur Kassation der 

angefochtenen Verfügung (vgl. BVGE 2011/23 E. 5.3.1, EMARK 2006 

Nr. 14 E. 4, 2003 Nr. 1 E. 5, 1999 Nr. 18 E. 5d, 1999 Nr. 2 E. 5, 1998 Nr. 13 

E. 4b).  

4.4 Bei der Beiordnung einer Vertrauensperson für unbegleitete asylsu-

chende Minderjährige handelt es sich um eine zwingend anzuordnende 

Massnahme zur Sicherstellung der Wahrung der Verfahrensrechte und  

-pflichten im Asylverfahren. Während der Urteilsfähigkeit einer unbegleite-

ten minderjährigen asylsuchenden Person im Rahmen der konkreten Aus-

gestaltung des Mandates der Vertrauensperson Rechnung zu tragen sein 

dürfte, bedarf es für die Beiordnung einer Vertrauensperson als solche 

nicht der Zustimmung der unbegleiteten minderjährigen Person. Der zwin-

gende Charakter dieser Massnahme ergibt sich bereits aus der Überle-

gung, dass es sich um eine asylrechtliche Übergangslösung für die Ergrei-

fung von zivilrechtlichen Kindesschutzmassnahmen (Vormundschaft oder 

Beistandschaft) durch die zuständigen kantonalen Behörden handelt und 

der Gesetzgeber explizit keinen spezialgesetzlichen Vorrang vor dem Kin-

desschutzrecht des ZGB konzipieren wollte (vgl. Urteil des Bundesverwal-

tungsgerichts D-5672/2014 vom 6. Januar 2016 E. 5.4.3).  

5.  

5.1 In einer Aktennotiz hält die Vorinstanz fest, der Beschwerdeführer sei 

in Begleitung seines volljährigen Bruders B._______ eingereist, beide wür-

den zu ihrem volljährigen Bruder im Kanton Bern zugewiesen werden und 

der Beschwerdeführer werde nicht als unbegleiteter Minderjähriger behan-

delt. Infolgedessen erfolgte keine Meldung an die zuständige kantonale 

Behörde betreffend einen unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden 

und ihm wurde weder ein Vormund noch ein Beistand oder eine Vertrau-

ensperson beigeordnet. Vor der ersten Anhörung mandatierte er von sich 

aus einen Rechtsanwalt, welcher von der Vorinstanz zur Anhörung einge-

laden wurde, mit Schreiben vom 2. März 2016 jedoch auf seine Teilnahme 

verzichtete. Der Beschwerdeführer befand sich bei der Anhörung vom 

14. März 2016 in Begleitung seines volljährigen Bruders C._______, wel-

cher das Protokoll mitunterzeichnete.  

E-3717/2016 

Seite 8 

5.2 Als unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender gilt, wer über keinen 

Elternteil oder keine erziehungsberechtigte Person in der Schweiz verfügt. 

Erziehungsberechtigt ist, wer die elterliche Sorge inne hat. Das Sorgerecht 

steht verheirateten Eltern, unverheirateten Eltern sowie vertretungsweise 

Stief- und Pflegeeltern, nicht aber volljährigen Geschwistern zu. Der Um-

stand, dass ein volljähriger Bruder des Beschwerdeführers in der Schweiz 

wohnhaft respektive er mit einem volljährigen Bruder eingereist ist, macht 

aus ihm deshalb keinen begleiteten Minderjährigen (vgl. EMARK 2004 

Nr. 9 E. 3c). Als unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender hätte ihm un-

verzüglich eine Vertrauensperson beigegeben werden müssen (Art. 17 

Abs. 3 AsylG), solange keine Beistandschaft oder Vormundschaft errichtet 

worden ist. Ein solches Vorgehen ist den Akten nicht zu entnehmen und 

ebenso wenig, dass er über sein Recht auf Beiordnung einer Vertrauens-

person aufgeklärt worden ist. Seine selbständige Mandatierung eines 

Rechtsanwalts vermag eine Vertrauensperson nicht zu ersetzen, da die 

Aufgaben eines Rechtsvertreters und einer Vertrauensperson nicht iden-

tisch sind. Die Aufgaben einer Vertrauensperson beziehen sich – wie oben 

dargelegt – nicht nur auf rein rechtliche Aspekte (vgl. oben E. 4.3). Bei der 

Beiordnung einer Vertrauensperson handelt es sich sodann um eine von 

staatlicher Seite anzuordnende Schutzmassnahme, welche nicht der Mit-

wirkung der minderjährigen Person bedarf und auf welche weder durch die 

Vorinstanz noch durch die unbegleitete minderjährige Person verzichtet 

werden kann.  

5.3 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz durch die feh-

lende Beiordnung einer Vertrauensperson sowie die ohne Vorladung eines 

Beistandes, Vormundes oder einer Vertrauensperson erfolgte Anhörung 

des Beschwerdeführers (respektive Eröffnung der vorinstanzlichen Verfü-

gung) den Sachverhalt nur unvollständig abgeklärt und das rechtliche Ge-

hör des Beschwerdeführers verletzt hat. Mit Blick auf die formelle Natur 

des Anspruchs auf rechtliches Gehör (vgl. BVGE 2007/30 E. 8.2; 2007/27 

E. 10.1) ist eine Heilung vorliegend ausgeschlossen. Die angefochtene 

Verfügung vom 12. Mai 2016 ist aufzuheben und die Vorinstanz ist anzu-

weisen, nach Beiordnung einer Vertrauensperson, eines Beistands oder 

eines Vormunds durch die zuständige Behörde, erneut eine Anhörung im 

Sinne von Art. 29 AsylG durchzuführen. Das Anhörungsprotokoll vom 

14. März 2016 darf nur zurückhaltend und unter Berücksichtigung des Re-

sultats der neuen Anhörung verwendet werden. Die Beschwerde ist inso-

weit gutzuheissen. Es erübrigt sich, auf die weiteren Begehren und Aus-

führungen auf Beschwerdeebene weiter einzugehen.   

E-3717/2016 

Seite 9 

6.  

6.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), wobei das Gesuch um unentgeltliche Pro-

zessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Verfügung vom 18. Juli 

2016 ohnehin gutgeheissen wurde.  

6.2 Vorliegend ist der Beschwerdeführer als obsiegend zu betrachten. Ob-

siegende Parteien haben grundsätzlich Anspruch auf eine Parteientschä-

digung für die ihnen erwachsenen notwendigen und verhältnismässig ho-

hen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Er ist jedoch auf Beschwerde-

stufe nicht rechtsvertreten und es sind auch keine verhältnismässig hohen 

Kosten ersichtlich, die ihm durch die Beschwerdeführung entstanden sein 

könnten. Ein entsprechender Antrag wurde denn auch nicht gestellt. Somit 

besteht kein Anlass zur Ausrichtung einer Parteientschädigung. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-3717/2016 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen, soweit da-

rauf eingetreten wird. 

2.  

Die Verfügung der Vorinstanz vom 12. Mai 2016 wird aufgehoben. Die Ak-

ten werden zur vollständigen Abklärung des rechtserheblichen Sachver-

halts und neuer Entscheidung an die Vorinstanz überwiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Regula Schenker Senn Annina Mondgenast 

 

 

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