# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e442c57f-02bc-581e-8d35-f27d35c58bca
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.12.2010 D-8350/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-8350-2010_2010-12-10.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-8350/2010/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 0 .  D e z e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Bendicht Tellenbach, 
mit Zustimmung von 
Richterin Jenny de Coulon Scuntaro;
Gerichtsschreiber Daniel Stadelmann.

A._______, geboren (...), Georgien,
(...),
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-
Verfahren; Verfügung des BFM vom 24. November 2010 / 
N _______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-8350/2010

Das Bundesverwaltungsgericht,

in Anwendung

des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31),

des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungs-
verfahren (VwVG, SR 172.021),

des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungs-
gericht (VGG, SR 173.32),

des  Bundesgesetzes  vom  17.  Juni  2005  über  das  Bundesgericht 
(BGG, SR 173.110),

des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländer-
innen und Ausländer (AuG, SR 142.20),

der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschen-
rechte und Grundfreiheiten (Europäische Menschenrechtskonvention, 
EMRK, SR 0.101),

des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht-
linge (Flüchtlingskonvention, FK, SR 0.142.30),

des Abkommens vom 26. Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen 
Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft über die Kri-
terien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die 
Prüfung eines in  einem Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz gestellten 
Asylantrags  (Dublin-Assoziierungsabkommen  [DAA,  SR 
0.142.392.68]),

der Verordnung (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar  2003 
zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehöri-
gen in einem Mitgliedstaat gestellten Asylantrags zuständig ist (Dublin-
II-VO),

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der  Verordnung  (EG)  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom 
2. September 2003 mit Durchführungsbestimmungen zur Dublin-II-VO 
(DVO Dublin),

des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschä-
digungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2),

stellt fest,

dass der Beschwerdeführer am 11. Oktober 2010 in der Schweiz ein 
Asylgesuch stellte,

dass das BFM mit  – am 26. November  2010 eröffneter – Verfügung 
vom 24. November 2010 in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. d AsylG 
auf das Asylgesuch nicht eintrat und in Anwendung der Dublin-II-Ver-
ordnung  den  Beschwerdeführer  in  die  Slowakei  wegwies,  wobei  es 
festhielt, einer Beschwerde gegen diese Verfügung komme keine auf-
schiebende Wirkung zu,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 3. Dezember 2010 gegen 
diesen Entscheid Beschwerde erhob und dabei beantragte, es sei die 
Verfügung vom 24. November 2010 vollumfänglich aufzuheben, es sei 
das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  materiell  mit  Selbsteintritts-
recht der Schweizer Eidgenossenschaft zu überprüfen, indem die An-
gelegenheit zur Neubearbeitung und zu weiteren Abklärungen an den 
Beschwerdegegner zurückzuweisen sei,

dass er zudem in verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte, es sei ihm 
die unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG zu ge-
währen  und  der  Beschwerde  sei  die  aufschiebende  Wirkung  zu  er-
teilen,

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom 
6. Dezember  2010 per  Telefax den Vollzug der  Wegweisung gestützt 
auf Art. 56 VwVG provisorisch aussetzte,

dass die vorinstanzlichen Akten am 7. Dezember 2010 beim Bundes-
verwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

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und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden ge-
gen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG 
i.V.m. Art. 31-33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),

dass die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht wurde, der Be-
schwerdeführer durch die angefochtene Verfügung besonders berührt 
ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legiti-
miert ist (Art. 108 AsylG sowie Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und 
Art. 48 Abs. 1 und 52 VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie den Nichteintretensent-
scheid  als  unrechtmässig  erachtet  – einer  selbständigen materiellen 
Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zu 
neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. Entscheidun-
gen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission 
[EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichter li-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung eines zweiten Richters entschie-
den wird (Art. 111 Bst. e AsylG), und es sich, wie nachfolgend aufge-
zeigt, um eine solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur 
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-

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führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  dem Beschwerdeführer  gestützt  auf  die  Tatsache,  dass  er  am 
2. November 2008 in der Slowakei registriert beziehungsweise daktylo-
skopiert worden war, am 18. Oktober 2010 anlässlich der Befragung im 
Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  (...)  das  rechtliche  Gehör 
zum bevorstehenden  Nichteintretensentscheid,  zur  Zuständigkeit  der 
Slowakei und zur Wegweisung in die Slowakei gewährt wurde,

dass er dabei geltend gemacht habe, er kehre nicht in die Slowakei zu -
rück, wenn er von dort nach Georgien ausgeschafft werde,

dass das BFM gestützt auf die Aussagen des Beschwerdeführers und 
den oben erwähnten EURODAC-Treffer am 15. November 2010 an die 
Slowakei ein Ersuchen um Übernahme des Beschwerdeführers stellte,

dass die Slowakei  am 24. November  2010 dem Ersuchen um Über-
nahme zugestimmt hat,

dass die  Vorinstanz in  der  angefochtenen Verfügung zutreffend aus-
führte, weshalb die Slowakei für die Durchführung des Asylverfahrens 
zuständig ist,

dass der Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 3. Dezember 2010 
vorbringt,  ihm drohe bei einer Rücküberstellung in die Slowakei eine 
Wegweisung der slowakischen Behörden nach Georgien,

dass er in Georgien jedoch an Leib und Leben gefährdet sei,

dass die Slowakei möglicherweise nicht bereit sei, seinen Asylantrag 
frei  zu überprüfen,  und er  daher  die Schweiz auf  Beschwerdeebene 
um materielle  Überprüfung seines Asylgesuches mit  entsprechender 
Ausübung des Selbsteintrittsrechts ersuche,

dass  die  Einwände  des  Beschwerdeführers  gegen  den  vorinstanzli-
chen Entscheid indessen unbehelflich sind, da es gemäss den Zustän-
digkeitsregeln der Dublin-II-VO nunmehr in der Verantwortung der Slo-
wakei liegt, das Asylverfahren betreffend den Beschwerdeführer nach 
den geltenden völkerrechtlichen Regeln und Standards durchzuführen 
und dabei eine allfällige für die Flüchtlingseigenschaft relevante oder 

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unter dem Aspekt des Schutzes der Menschenrechte zu beachtende 
Gefährdung des Beschwerdeführers zu prüfen,

dass die Slowakei sowohl Signatarstaat der Flüchtlingskonvention als 
auch der Europäischen Menschenrechtskonvention ist,

dass keine konkreten Anhaltspunkte vorliegen, wonach sich die Slowa-
kei  nicht  an  die  daraus  resultierenden  völkerrechtlichen  Verpflich-
tungen hält,

dass  daher  keine  Veranlassung  besteht,  die  Bestimmung  über  das 
Selbsteintrittsrecht im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-Verordnung an-
zuwenden,

dass zur Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwä-
gungen der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung verwiesen wer-
den kann,

dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG 
zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten 
ist,

dass  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch  in  der  Regel  die  Weg-
weisung aus der  Schweiz zur  Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  vor-
liegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem 
kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. EMARK 2001 
Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den 
gesetzlichen  Bestimmungen steht  und  demnach  vom Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren  in  den  für  die  Prüfung  des  Asylgesuches  zu-
ständigen Staat  handelt,  systembedingt  kein Raum bleibt  für  Ersatz-
massnahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.v.m. Art. 83 Abs. 1 
AuG,

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Dublin-Verfahrens stattfinden muss (vgl. vorgehende 
Erwägungen),

dass in diesem Sinne die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung in 
die Slowakei zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtete,

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dass der Beschwerdeführer demnach nicht darzutun vermag, inwiefern 
die angefochtene Verfügung Bundesrecht  verletzt,  den rechtserhebli-
chen Sachverhalt  unrichtig oder unvollständig feststellt  oder unange-
messen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,

dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im 
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist, da die Begehren – wie 
sich  aus den vorliegenden Erwägungen ergibt  –  als  aussichtslos  zu 
bezeichnen  sind,  weshalb  die  kumulativen  Voraussetzungen  für  die 
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege nicht erfüllt sind,

dass mit  dem direkten Entscheid  in  der  Hauptsache der  Verfahrens-
antrag  auf  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  gegen-
standslos geworden ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von Fr. 600.-- 
(Art. 2 und 3 VGKE) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 
Abs. 1 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.-- werden  dem Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- den Beschwerdeführer (Einschreiben; Beilage: Einzahlungsschein)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N _______ 

(per Kurier; in Kopie)
- (...) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bendicht Tellenbach Daniel Stadelmann

Versand:

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