# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5dc2b01a-70b2-5a15-a9a9-c3457cfb31c8
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-05-07
**Language:** de
**Title:** Medizinische Aktenlage ungenügend. Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2024.00343
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00343.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00343
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Gerichtsschreiberin Casanova
Urteil
vom
7. Mai 2025
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwältin Angela Widmer-Fäh
KSPartner
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1969 und zuletzt tätig als Spengler, meldete sich
am
2
1.
Februar 2023 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf einen seit 2014 bestehenden Morbus Osler bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/7).
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und teilte mit Schreiben vom 1
9.
Juni 2023 mit, dass die Voraussetzungen für Eingliederungsmassnahmen nicht erfüllt seien (
Urk.
6/27).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 2
8.
Februar 2024,
Urk.
6/47;
Einwand vom
7.
März 2024,
Urk.
6/52) wies die IV
Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom
8.
Mai 2024 ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
0.
Juni 2024 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Rente ab Oktober 2023 zu gewähren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um einen zweiten Schriftenwechsel (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
August 2024 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
6/1-68). Hierüber wurde der Beschwerdeführer mit Verfügung 2
8.
August 2024 in Kenntnis gesetzt. Gleich
zeitig
teilte das Gericht ihm mit, dass die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels nicht als erforderlich erachtet werde, es ihm aber unbenommen bleibe, sich nochmals zur Sache zu äussern (
Urk.
7). Der Beschwerdeführer liess sich noch zweimal vernehmen und reichte weitere Unterlagen ein (
Urk.
8,
Urk.
9/1-4;
Urk.
13 und
Urk.
14), worüber die Beschwerdegegnerin jeweils in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
10,
Urk.
15). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine weitere Stellungnahme (vgl.
Urk.
11).
3.
Auf die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung dafür, dass
gemäss
ihren Abklärungen seit
Oktober 2022 gesundheitliche Einschränkungen vorlägen, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten. Mit diesem Datum werde das Wartejahr eröffnet. Die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass keine gesundheitlichen Einschränkungen im Sinne der Invaliden
versicherung vorlägen. Seit Mitte Dezember 2023 sei der Beschwerdeführer
wieder voll arbeitsfähig. Bei erneuter Blutungsneigung bestehe die Empfehlung zur Therapie mit
Tranexansäure
oder
Bevacizumab
(
Urk.
2).
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber im Wesentlichen vor, dass
die Einschätzung
des Arztes des regionalen ärztlichen Dienstes (RAD)
Dr.
med.
Y.___
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie
des Bewegungsapparates
, nicht nachvollziehbar sei.
Dr.
Y.___
attestiere eine durchgehende
,
zwischen 50 und 100
%
liegende Arbeitsunfähigkeit ab dem 3
1.
Oktober 2022 bis zum 1
0.
Dezember 2023 - mithin über ein Jahr. Warum es sich nicht um einen invalidenversicherungsrechtlich relevanten Gesundheits
schaden handeln solle, geh
e
allerdings nicht hervor.
Dr.
Y.___
stütz
e
sich bei der Einschätzung, dass der Beschwerdeführer ab dem 1
1.
Dezember 2023 wieder voll arbeitsfähig sein solle, auf den Bericht
der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie
des Universitätsspitals
Z.___
(folgend:
ORL
Z.___
) vom 1
1.
Dezember 202
3.
Dieser Bericht beziehe sich allerdings lediglich auf das Nasenbluten und lasse keine Rückschlüsse in den anderen Fachbereichen
wie z.
B.
Hämatologie zu. Dies werde auch deutlich, da beim Hausarzt weiterhin alle zwei Wochen Eiseninfusionen stattfänden
. Des Weiteren fehlten i
m
Bericht de
r ORL
Z.___
objektive
Befunde. Wenn nun RAD-Arzt
Dr.
Y.___
festhalte, dass auf den Bericht von
Dr.
med.
A.___
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
, vom 1
5.
Dezember 2023 nicht abgestellt werden könne, da zum vorherigen Bericht de
r
ORL
Z.___
keine veränderten Befunde vorlägen, lasse dies erhebliche Zweifel auf
kommen. Der Beschwerdeführer erhalte nach wie vor zweimal monatlich Eisen
infusionen, trotzdem
befänden sich seine Werte
nicht im Normbereich. Die
vorliegende
Anämie ziehe eine reduzierte körperliche Belastbarkeit nach sich, so dass ihm
sowohl
die angestammte als auch eine angepasste Tätigkeit nur noch vier Stunden täglich zumutbar sei. Entsprechend führe
Dr.
A.___
aus, dass der Beschwerdeführer aufgrund der rezidivierenden
anämisierenden
Blutungen sehr müde und in einem ausgeprägt reduzierten Allgemeinzustand sei.
Ferner sei der Arbeitgeber sehr entgegenkommen
d
und gebe dem Beschwerdeführer lediglich noch
leichtere Tätigkeiten, da es bei schwereren zu Nasenbluten komme. Damit setze sich der RAD in seiner reinen Aktenbeurteilung nicht auseinander. Die angestammte Tätigkeit sei eine schwere Tätigkeit, warum ihm diese gemäss RAD noch zumutbar sein sollte, sei nicht nachvollziehbar. Die reine RAD
Aktenbeurteilung sei unvollständig, nicht nachvollziehbar und mangelhaft. Fakt sei, dass
d
er
Beschwerdeführer
jeden Tag in der Intensität stark variierendes Nasenbluten habe. Die Anämie schränke ihn erheblich ein und er sei entsprechend den Ausführungen von
Dr.
A.___
auch in einer angepassten Tätigkeit noch maximal 50
%
arbeitsfähig. Dem Beschwerdeführer stehe
entsprechend eine
Rente
zu. Sollte nicht darauf abgestützt werden, sei der Gesundheitszustand mittels Gutachten abzuklären. Selbst bei Abstellen auf den RAD stünde dem Beschwerdeführer eine befristete Rente zu (
Urk.
1).
Ergänzend führte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 3
0.
September 2024 aus, dass der bei
liegenden Stellungnahme von
Dr.
A.___
entnommen werden könne, dass sein Hämoglobinwert trotz 14täglicher Eiseninfusionen viel zu tief sei. Das gehe einher mit einer schweren Fatigue bei symptomatischer Anämie, was eine schwer eingeschränkte Leistungsfähigkeit nach sich ziehe, so dass er knapp 50
%
arbeiten könne. Dies werde auch vom leitenden Arzt der Hämatologie des
Z.___
bestätigt. Der RAD-Arzt habe sich mit diesen tiefen Hämoglobinwerten nicht auseinander
gesetzt. Im Weiteren habe der Beschwerdeführer eine Änderungskündigung erhalten und sei aktuell nur noch 50
%
angestellt (
Urk.
8). Der mittlerweile gestartete Behandlungsversuch habe aufgrund von Nebenwirkungen abge
brochen werden müssen, so dass keine weitere
n
therapeutische
n
Optionen mehr bestünden (
Urk.
13).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.
2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Eine Rente nach Abs. 1 wird nicht zugesprochen, solange die Möglichkeiten zur Eingliederung im Sinne von Art. 8 Abs. 1
bis
und 1
ter
nicht ausgeschöpft sind (Art. 28 Abs. 1
bis
IVG). Gemäss Art. 28b Abs. 1 IVG wird die Höhe des Rentenanspruchs in prozentualen Anteilen an einer ganzen Rente festgelegt. Bei einem Invaliditätsgrad von 50-69 % entspricht der prozentuale Anteil dem Invaliditätsgrad (Abs. 2). Bei einem Invaliditätsgrad ab 70 % besteht Anspruch auf eine ganze Rente (Abs. 3). Bei einem Invaliditätsgrad unter 50 % gelten die folgenden prozentualen Anteile (Abs. 4):
Invaliditätsgrad
prozentualer Anteil
49 Prozent
47.5
Prozent
48 Prozent
45
Prozent
47 Prozent
42.5
Prozent
46 Prozent
40
Prozent
45 Prozent
37.5
Prozent
44 Prozent
35
Prozent
43 Prozent
32.5
Prozent
42 Prozent
30
Prozent
41 Prozent
27.5
Prozent
40 Prozent
25
Prozent
2.3
2.3.1
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das
heisst
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je
m.w.H
.).
2.3.2
Gemäss Art. 54a IVG stehen die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) den IV
Stellen für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung (Abs. 2). Sie legen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungs
fähigkeit der versicherten Person für die Ausübung einer zumutbaren Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich fest (Abs. 3). Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Abs. 4). Nach Art. 49
der Verord
nung über die Invalidenversicherung
(
IVV
)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Bei der Festsetzung der funktionellen Leistungsfähigkeit (Art. 54a Abs. 3 IVG) ist die medizinisch attestierte Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und für angepasste Tätigkeiten unter Berücksichtigung sämtlicher physischen, psychischen und geistigen Ressourcen und Einschränkungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht zu beurteilen und zu begründen (Abs. 1
bis
). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
Reine Aktengutachten sind beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteile des Bundesgerichts 8C_574/2023 vom 9. Januar 2024 E. 3.2 und 8C_812/2021 vom 17. Februar 2022 E. 5.2, je mit Hinweisen
).
2.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt überhaupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betreffende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der –
anschliessend
reformatorisch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 139 V 99 E. 1.1, 137 V 210
E. 4.4.1.4
m.w.H
.; Urteil des Bundesgerichts 9C_354/2020 vom 8. September 2020 E. 2.1)
.
3.
Die medizinische Aktenlage stellt sich im Wesentlichen folgendermassen dar:
3.1
Dr.
A.___
notierte in seinem zuhanden der Krankentaggel
d
versicherung erstellten Bericht vom 1
4.
Oktober 2022
eine symptomatische Anämie bei Morbus Osler. Der Beschwerdeführer sei zu 50
%
arbeitsfähig. Ob diese Gesundheitsschädigung bleibend sei, sei noch unsicher (
Urk.
6/11/11).
3.2
Prof.
Dr. Dr.
med.
B.___
, Facharzt für Hämatologie
und Allgemeine Innere Medizin
, diagnostizierte in seinem Bericht vom
1.
Februar 2023 eine hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie (Morbus Osler, Erstdiagnose 2014). Er führte aus, dass sich der Beschwerdeführer bei einem bekannten Morbus Osler planmässig zur Verlaufskontrolle vorstelle. Der Beschwerdeführer berichte wieder über vermehrtes Nasenbluten. Es zeige sich heute das Hämoglobin trotz einer kürzlich durchgeführten Eisensubstitution wieder bei 8
3.
Dies spreche dafür, dass die Blutungssituation aktuell etwas verstärkt sei. Der Beschwerdeführer werde sich beim Hausarzt zur erneuten Eisensubstitution melden.
Zwischenzeitlich sei eine Koloskopie erfolgt,
welche nur geringe Veränderungen durch den Morbus Osler im Darm gezeigt habe. Diese seien nicht ursächlich für den starken Eisenverlust. Somit bleibe weiterhin die Epistaxis das führende Problem, welches hier zu rezidivierenden Eisenmangelanämien führe. Diesbezüglich melde er den Beschwerdeführer bei der ORL am
Z.___
an. Sie hätten auch nochmals über die medikamentöse Therapie gesprochen. Neben der
Tranexamsäure
habe er auch angedeutet, dass die Gabe von
Bevacizumab
eine Option darstellen würde. Diese Substanz könne zu einer deutlichen Verbesserung der Blutungssituation bei Patienten mit dieser angeborenen Erkrankung führen. Es führe allerdings auch neben den positiven Effekten an den Blutgefässen teilweise zu thromboembolischen Komplikationen und Blutdruckveränderungen. Der Beschwerdeführer sei noch skeptisch, insbesondere da er starker Raucher sei und Angst bezüglich thromboembolischen-kardialen Ereignissen habe. Eine Kontrolle finde in acht Wochen erneut statt (
Urk.
6/14/4 f.).
3.3
3.3.1
Der Beschwerdeführer stellte sich am 2
0.
Februar 2023 in der Rhinologie Sprechstunde der ORL
Z.___
vor.
Dr.
med. C
.___
, Facharzt für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, notierte, dass der Beschwerdeführer seit der letzten Kontrolle im Dezember 2022 berichte, dass er wieder mehr Blutungen aus der Nase gehabt hätte. Diese sei
en
vor allem auf der linken Seite lokalisiert und es hätte mehrmals täglich für ca. 10 Minuten geblutet. Durch Applikation von
Tranexamsäurespray
respektive Propranolol-Gel habe die Blutung jeweils wieder
sistiert werden können. Nach Provokation, z.
B. Husten, fange es wieder an zu bluten. Einer Behandlung mit systemischer
Tranexamsäure
gegenüber
sei er zurückhaltend eingestellt, da dies subjektiv in der Vergangenheit die Situation eher verschlechtert habe.
Aufgrund der Zunahme der Blutungsepisoden bezüglich Intensität und Frequenz sei eine erneute Nasenendoskopie,
Konvolutverödung
und
das
Auswechseln der
Silastikfolien
geplant im März 2023 (
Urk.
6/14/7).
3.3.2
Die geplante
Operation fand am 1
5.
März 2023 statt (
Urk.
6/38/31 f.) und dem Beschwerdeführer wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1
5.
bis 2
6.
März 2023 attestiert (
Urk.
6/38/34).
3.4
In der Verlaufskontrolle vom 3
1.
März 2023 notierte Prof.
Dr. Dr.
B.___
,
dass zwischenzeitlich eine erneute Operation bei den Kollegen der ORL am
Z.___
stattgefunden habe. Seitdem habe sich die Intensität der Blutung aus dem Nasenbereich etwas abgeschwächt. Das Häm
o
globin sei aktuell bei 93 g/l. Sie hätten erneut über die therapeutischen Optionen mit
Tranexamsäure
oder
Bevacizumab
gesprochen. Er habe sich noch nicht für die Einleitung entschieden. Die Kontrollen und Eiseninfusionen fänden beim Hausarzt statt, und da keine Interventionen mehr geplant seien, fänden keine Kontrollen in der Hämatologie mehr statt. Bei Therapiewunsch oder Zunahme der Blutungsaktivität könne sich der Beschwerdeführer jederzeit melden (
Urk.
6/35).
3.
5
Dr.
A.___
notierte in seinem Folgebericht zuhanden der Krankentaggeld
versicherung vom
2.
Juni 2023, dass eine ausgeprägte Müdigkeit bei Blutungsanämie bestehe. Es würden weiterhin regelmässige Eiseninfusionen sowie Kontrollen am
Z.___
durchgeführt. Die Prognose sei unsicher.
De
r
Beschwerdeführer
sei zu 50 % arbeitsunfähig seit dem
1.
Dezember 2022 bis 3
0.
August 202
3. Dr.
A.___
konstatierte, dass
eine 50%ige Berentung notwendig sein werde, eventuell auch mehr (
Urk.
6/29).
3.6
3.6.1
Anlässlich der Verlaufskontrolle vom
2.
November 2023 am ORL
Z.___
wurde notiert, dass der Beschwerdeführer über eine relativ ruhige Situation mit nur sehr leichtem Blutabgang jeden zweiten Tag berichte. Er könne die Nase nicht reinigen, da sonst eine Epistaxis provoziert werden könne. Sein Geruchssinn sei abhängig vom Nasensekret, in der Regel aber uneingeschränkt. Seit der Einlage der
Sil
astik
folie
bestehe eine Stinknase, welche auch sein Umfeld wahrnehme. Schmerzen habe er keine. Der Gestank störe mehr sein Umfeld als ihn selbst, die Möglichkeit einer Entfernung der Folien sei besprochen worden, er wolle aber zuwarten, respektive den Eingriff in 2-3 Monaten planen (
Urk.
6/38/27).
3.6.2
Im von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht der ORL
Z.___
vom 1
1.
Dezember 2023 wurde festgehalten, dass sie jeweils nur kurzzeitige Arbeitsunfähigkeiten für wenige Tage attestiert hätten. Aus ORL-Sicht bestehe eine stabile Situation, die letzte Kontrolle habe am
2.
November 2023 stattgefunden. Aus ihrer Sicht sei bei gutem Verlauf ohne Blutungen eine volle Arbeitsfähigkeit gegeben (
Urk.
6/38).
3.7
Dr.
A.___
notierte in seinem von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht vom 1
5.
Dezember 2023 (
Urk.
6/40), dass der Beschwerdeführer weiterhin seit dem
1.
Dezember 2022 zu 50
%
arbeitsunfähig sei. Es liege nach wie vor der Morbus Osler mit massiven rezidivierenden
anämisierenden
Epistaxis-Episoden trotz wiederholter
Verödungen
vor. Eine Eiseninfusion finde 14täglich statt. Es bestünden Funktionseinschränkungen durch die Anämie und eine Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit. Sowohl die bisherige als auch eine angepasste Tätigkeit seien während vier Stunden täglich zumutbar.
3.8
RAD-Arzt
Dr.
Y.___
notierte in seiner Stellungnahme vom
9.
Januar 2024 (
Urk.
6/46/4 ff.) eine hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie (Morbus Osler, Erstdiagnose 2014) mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. In der bisherigen Tätigkeit als Spengler bestünden bei ausgeprägter Anämie (aktuell nicht vorhanden) Einschränkungen bei
Tätigkeiten im Gefahrenbereich auf Leitern/
Gerüsten. Leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, ohne Tätigkeiten im Gefahren
bereich von Leitern/Gerüsten und
ohne
Tätigkeiten in ausgeprägt trockenem Milieu
,
seien zumutbar.
Dr.
Y.___
beurteilte die Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Spengler folgendermassen:
-
100
%
vom 2
2.
bis 2
9.
Juni 2022
-
50
%
vom 3
1.
Oktober bis
2.
Dezember 2022
-
50
%
vom
1.
Dezember 2022 bis 3
0.
August 2023
-
100
%
vom 1
5.
bis 2
6.
März 2023
-
50
%
von März 2023 bis 1
0.
Dezember 2023
-
0
%
ab 1
1.
Dezember 2023
Prognostisch sei von keiner wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes auszugehen. Aktuell seien keine medizinischen Massnahmen erforderlich. Es bestehe bei erneuter Blutungsneigung die Empfehlung zur Therapie mit
Tranexansäure
oder
Bevacizumab
.
Dr.
Y.___
fasste zusammen, dass beim Beschwerdeführer die Diagnose eines Morbus Osler mit intermittierender,
anämisierender
Epistaxis bestehe. Nach der
letzten Operation am 1
5.
März 2023 sei eine Stabilisierung des Gesundheits
zustandes eingetreten. Mit Arztbericht ORL
Z.___
vom 1
1.
November 2023 werde anhaltend eine Verbesserung des Gesundheitszustandes festgestellt, ein IV
relevanter
Gesundheitsschaden liege nicht vor. Aus Sicht des RAD könne nicht auf den letzten Arztbericht von
Dr.
A.___
abgestellt werden, der weiterhin von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausgehe. Es würden im Bericht vom 1
5.
Dezember 2023 keine veränderten Befunde im Vergleich zum Bericht ORL
Z.___
vom 1
1.
Dezember 2023 festgestellt. Somit handle es sich nur um eine andere Beurteilung eines gleichen Befundes.
3.9
3.9.1
Dr.
A.___
nahm nach ergangenem Vorbescheid am
8.
März 2024 Stellung zuhanden der Beschwerdegegnerin und führte aus, dass er den Entscheid nicht nachvollziehen könne. Der Beschwerdeführer sei in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand, könne nur
knapp ein 50%-Pensum als Metallbauer bewältigen. Die Hämoglobinwerte in den letzten Wochen schwankten zwischen 6.6 und 7.9 unter regelmässigen Eiseninfusionen bei rezidivierenden Blutungen. Nur dank grossem Entgegenkommen des Arbeitgebers sei ein 50%-Pensum überhaupt zu bewältigen. Er habe
dem Beschwerdeführer
empfohlen Einwand zu erheben und empfehle, ihn vertrauensärztlich untersuchen zu lassen (
Urk.
6/50;
Urk.
6/55).
3.9.2
Am 2
6.
März 2024 ergänzte
Dr.
A.___
, dass es trotz operative
r
Eingriffe weiter zu
anämisierenden
Blutungen aus der Nase komme. Trotz zum Teil wöchentlichen Eiseninfusionen schwanke das Hämoglobin zwischen 6 und 11
%
, zuletzt im Februar 2024 wieder 6
%
. Der Arbeitgeber sei ihm entgegengekommen und habe ihm vermehrt nur noch leichtere Arbeit übertragen, bei schwerer Arbeit komme es regelmässig zu massivem Nasenbluten. Der Beschwerdeführer sei aufgrund der rezidivierenden
anämisierenden
Blutungen sehr müde in einem ausgeprägt reduzierten Allgemeinzustand und eine volle Arbeitsfähigkeit sei aus hausärztlicher Sicht vollständig ausgeschlossen. Auch die 50%ige Arbeits
fähigkeit mit leichter Arbeit am angestammten Arbeitsplatz brauche ein Entgegenkommen des Arbeitgebers aufgrund der reduzierten Kraft und allgemeinen Schwäche des Beschwerdeführers. Er bitte um eine Vorstellung beim RAD, damit dieser sich einen Eindruck des schwer angeschlagenen Gesundheitszustandes machen könne. Aufgrund der Sprachkenntnisse und des Alters erscheine eine Umschulung als nicht realistisch und sinnvoll (
Urk.
6/61).
3.10
Dr.
Y.___
nahm am
2
9.
April 2024 erneut Stellung und führte aus, dass
sich
anhand der neu eingegangen Arztberichte von
Dr.
A.___
,
der noch nicht
gewürdigten Berichte der
Z.___
Hämatologie vom 2
1.
Oktober 2022 sowie der Endoskopie vom
4.
Januar 2023 keine neuen, unberücksichtigten Tatsachen ergäben, welche eine Änderung in der Beurteilung der letzten RAD
Stellungnahme begründeten (
Urk.
6/63/2).
3.11
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens beantwortete
Dr.
A.___
im Bericht vom
5.
Juli 2024 verschiedene Rückfragen der Rechtsvertreterin des Beschwerde
führers. Er führte aus, dass das normale Hämoglobin bei einem Mann zwischen 14-16 g% liege. Seit März 2024 sei der Hämoglobinwert trotz 14-täglicher Eiseninfusionen in der Höhe von 6.6-7.0 g% gelegen. Im Vordergrund stünden beim Beschwerdeführer eine schwere Fatigue bei symptomatischer Anämie, trotz regelmässigen Eiseninfusionen und normalem Ferritin. Eigentlich bestehe seit einem Jahr eine schwer eingeschränkte Leistungsfähigkeit aufgrund der Anämie. Diese Fatigue habe sich seit dem 2
6.
März 2024 eher noch verschlechtert. Nach wenigen Stunden Arbeit sei der Beschwerdeführer begreiflicherweise müde, erschöpft. Aufgrund der Fatigue und Anämie könne er sich nicht vorstellen, das
s
der Beschwerdeführer als Spengler oder angepasst wieder 100
%
arbeitsfähig sein solle. Der Beschwerdeführer sei in regelmässiger Kontrolle im
Z.___
. Trotz regelmässiger
Verödungen
könnten die Blutungsepisoden aus der Nase nicht gestoppt werden. Bei fehlendem Anstieg des Hämoglobins auch unter Eisen
substitution werde er den Beschwerdeführe in der Hämatologie
Z.___
vorstellen
,
um eine weitere hämatologische Krankheit nicht zu verpassen (
Urk.
9/3).
3.12
3.12.1
Im Bericht vom 1
1.
September 2024 führte Prof.
Dr. Dr.
B.___
aus, dass der Beschwerdeführer
weiter über die bekannte Symptomatik mit regelmässigen
Epistaxisepisoden
und entsprechenden Eiseninfusionen intravenös berichte. Es habe sich
insgesamt
an der Symptomatik und der Menge der notwendigen Eiseninfusionen nichts geändert. Es gebe auch im Blutbild oder klinisch keinen Hinweis für eine andere hämatologische Erkrankung. Aufgrund des niedrigen Hämoglobinwertes sei aus seiner Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
, wie sie aktuell attestiert werde, langfristig gerechtfertigt. Eine körperlich schwere Arbeit mit diesen Hämoglobinwerten sei aus hämatologischer Sicht mit zunehmendem Alter nicht gegeben. Sie hätten erneut über die Möglichkeit der
Cyklokaprongabe
oder ggf. auch eine Gabe von
Bevacizumab
zur eventuellen Reduktion der Frequenz der
Epistaxisepisoden
gesprochen. Aufgrund der schlechten Erfahrung mit
Cyklokapronsäure
könne sich der Beschwerdeführer aktuell nicht vorstellen, dieses Medikament erneut zu versuchen. Auch eine
r
Therapie mit
Bevacizumab
stehe er aufgrund der möglichen kardiovaskulären Risiken eher zurückhaltend entgegen (
Urk.
9/4).
3.12.2
Prof.
Dr. Dr.
B.___
führte in seinem im Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht vom
1
0.
Januar 2025 aus
(
Urk.
14)
, dass in der Zwischenzeit ein Behandlungsversuch mit
Tranexamsäure
während zwei Wochen unternommen worden sei. Subjektiv sei es zu keiner Abnahme der Blutungen gekommen. Es sei auch weiterhin die regelmässige Gabe von Eisen notwendig. Bei der gestrigen Konsultation sei das
Hämaglobin
in einem Bereich von 72g/l gelegen. Die Therapie mit
Tranexamsäure
sei aufgrund gastrointestinaler Unverträglichkeit gestoppt worden. Es zeige sich aktuell somit keine therapeutische Option
,
um die Blutungsaktivität bei der Grunderkrankung zu stoppen. Eine Gabe von
Bevacizumab
sei bei den aktuell erhöhten kardiovaskulären Risiken eher nicht durchzuführen. Sie hätten sich darauf geeinigt, dass er weiterhin die Eisen
infusionen beim Hausarzt erhalte. Bei einem konstanten Hämoglobinwert unter 10 bestehe weiterhin eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Aus seiner Sicht gebe es keine hämatologischen Möglichkeiten
,
dies positiv zu beein
flussen.
4.
4.
1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich zur Beurteil
u
ng der versicherungs
medizinisch theoretischen Arbeitsfähigkeit auf die Einschätzungen von RAD-Arzt
Dr.
Y.___
. Dieser hielt in beiden Stellungnahmen fest, dass dem Beschwerde
führer eine angepasste Tätigkeit vollumfänglich zumutbar sei.
Dr.
Y.___
führte aus, dass bei ausgeprägter Anämie (aktuell nicht vorhanden) Ein
schränkungen bei Tätigkeiten im Gefahrenbereich auf Leitern/Gerüsten best
ünden
.
Dr.
Y.___
stützte sich zur Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit
ab Dezember 2023
auf den Bericht der ORL
Z.___
vom 1
1.
Dezember 2023, aus welchem eine volle Arbeitsfähigkeit hervorgehe (vgl.
Urk.
6/46/5; E. 3.6.2). Dabei verkennt er, dass darin lediglich aus ORL-Sicht Stellung genommen wurde in Bezug auf das Nasenbluten bzw. die vorangegangenen Interventionen diesbezüglich. Die ORL
Z.___
äusserte sich darin nicht zu den Auswirkungen der aus der Grunderkrankung bzw. durch das Nasenbluten verursachten Anämie trotz Eisensubstitution
.
Auch die von
Dr.
Y.___
vorgenommene Einschätzung der Arbeitsfähigkeit beruhte
nebst den Krankentaggeldakten für den Zeitraum vom
1.
Dezember 2022 bis zum 3
0.
August 2023 und seiner eigenen - nicht weiter begründeten
–
Ein
schätzung für den Zeitraum von März bis 1
0.
Dezember 2023
lediglich auf dem rudimentären Bericht der ORL
Z.___
vom 1
1.
Dezember 2023
(vgl.
Urk.
6/46/5)
. Eine Begründung, welche ihn
zur Übernahme dieser
Einschätzung bewog,
unterblieb. Eine Auseinandersetzung mit den Berichten von
Dr.
A.___
vom 1
4.
Oktober 2022
(E. 3.1),
2.
Juni 2023 (E. 3.5), 1
5.
Dezember 2023 (E. 3.7) sowie
8.
und 1
3.
März 2024 (E. 3.9),
in welche
n
dem Beschwerdeführer infolge der Anämie eine die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende ausgeprägte Müdigkeit attestiert wurde, fehlt. Des Weiteren unterliess es die Beschwerdegegnerin bzw.
Dr.
Y.___
, bei Prof.
Dr. Dr.
B.___
weitere Auskünfte bezüglich der
Auswirkungen
der Anämie beziehungsweise der Grunderkrankung Morbus Osler einzuholen
, so dass dieser sich diesbezüglich erst nach Erlass der leistungs
abweisenden Verfügung vernehmen liess.
Darüber hinaus
darf in Frage gestellt werden, inwieweit
Dr.
Y.___
als Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates aus fachlicher Sicht dazu berufen ist, eine hämatologische Erkrankung und deren Folgen zu beurteilen.
Zusammenfassend bestehen Zweifel an der versicherungsinternen Beurteilung durch
Dr.
Y.___
.
4.2
Die weiteren im Recht liegenden Arztbericht
e
erlauben ebenfalls keine abschliessende Beurteilung der funktionellen Einschränkungen bzw. der Arbeits
fähigkeit:
Die Berichte der Klinik ORL
Z.___
(E. 3.3; E. 3.6) beziehen sich - soweit dies aus den Akten ersichtlich ist - lediglich auf ihren Fachbereich und damit auf die Problematik des Nasenblutens. Sie äussern sich nicht zu allfälligen funktionellen Einschränkungen der Anämie trotz Eisensubstitution bzw. allfälliger direkter Auswirkungen des Morbus Osler.
Bezüglich der Berichte von
Dr.
A.___
(E. 3.1
,
E. 3.5
,
E. 3.7
,
E. 3.9
und E. 3.11
)
ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass
Hausärzte
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc)
. Dies gilt auch für die Bericht
e
von Prof.
Dr. Dr.
B.___
, gerade auch mit Blick darauf, dass er sich
- soweit aus den Akten ersichtlich -
erstmals
nach Erlass der leistungsabweisenden Verfügung
ausführlich zur Arbeitsfähigkeit geäussert hat (E. 3.2, E. 3.4, E. 3.12).
4.3
Zusammenfassend erweist sich der medizinische Sachverhalt als ungenügend abgeklärt. Die Sache ist daher in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers
bzw. dessen funktionelle Auswirkungen (auch im zeitlichen Verlauf) in geeigneter Weise abklärt. Danach hat die Beschwerdegegnerin über den Leistungsanspruch zu entscheiden.
5.
5.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr. 800.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen
, unabhängig davon, ob sie beantragt oder ob das Begehren im Haupt- oder Eventualantrag gestellt wird
(BGE
141 V 281 E. 11.1,
137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2)
. Folglich sind
die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Bei diesem Ausgang hat der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung.
Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) unter Berück
sichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr.
2
’
8
00.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügung der Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
8.
Mai 2024
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsanspruch de
s
Beschwerdeführer
s
neu entscheide.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Partei
entschädigung von
Fr.
2’800
.-- (inkl. Barauslagen und MWST) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Angela Widmer-Fäh
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstCasanova