# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2948d2e6-464b-52c3-a6e5-e882705723bf
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-12-16
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 16.12.2010 RR.2010.56
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_RR-2010-56_2010-12-16.pdf

## Full Text

Entscheid vom 16. Dezember 2010 
II. Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Cornelia Cova, Vorsitz, 
Andreas J. Keller und Joséphine Contu,  
Gerichtsschreiberin Chantal Blättler  

   
 
Parteien 

  
1. A. LTD., 
2. B. LTD., 
3. C. LTD.,  

 
vertreten durch Rechtsanwalt Roberto Dalla-
fior und Rechtsanwalt Patrik Salzmann, 

Beschwerdeführerinnen 1, 2 und 3 
 gegen 
   

STAATSANWALTSCHAFT I DES KANTONS ZÜ-
RICH,  

Beschwerdegegnerin 
 

Gegenstand  Internationale Rechtshilfe in Strafsachen an Austra-
lien 
 
Herausgabe von Beweismitteln 

 

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

Geschäftsnummer:  RR.2010.56-58 
 
 
 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 
 

A. Die australischen Strafverfolgungsbehörden führen gegen den Australier D. 
und allenfalls weitere Verdächtigte ein Verfahren. D. steht im Verdacht, mit 
Hilfe einer Struktur von Offshore-Gesellschaften, dem Zwischenschalten 
einer ganzen Reihe von Gesellschaften und Stiftungen und der Ausführung 
zahlreicher komplexer Aktientransfers seine massgeblichen Beteiligungen 
an der australischen Firma E. Ltd. und der schweizerischen Gesellschaft F. 
AG sowie die daraus resultierenden Erträge den australischen Behörden 
gegenüber arglistig verschleiert zu haben.  
 

B. Mit Rechtshilfeersuchen vom 7. März 2008 sowie den Ergänzungsersuchen 
vom 6. März 2009 und 23. Juli 2009 wandte sich das australische Attorney-
General’s Department an das Bundesamt für Justiz (nachfolgend „BJ“) und 
ersuchte unter anderem um Aktenedition beim Schweizer Finanzdienst-
leistungsunternehmen G. AG, um Eruierung der Bankverbindungen der E. 
(Ireland) Ltd. und der A. Ltd. bei der Bank H. SA, der C. Ltd. bei der Bank I. 
SA sowie der J. Group (einer aus 5 Gesellschaften bestehenden Gruppe) 
bei der Bank K. AG und der Bank L. AG (Verfahrensakten Urk. 2/9-34/1, 
1/9-1 und 1/9-13). Mit Eintretensverfügungen vom 8. Juli 2008 (Verfah-
rensakten Urk. 2/9-34/5) und 13. November 2009 (Verfahrensakten Urk. 
1/9-19) entsprach die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (nachfol-
gend „Staatsanwaltschaft“) den Rechtshilfeersuchen, verfügte die Edition 
aller beweisrelevanten Unterlagen, führte Zeugeneinvernahmen mit den 
Verantwortlichen der obgenannten Banken durch und liess von diesen zwi-
schen dem 21. und 22. Januar 2010 entsprechend den australischen Vor-
gaben Affidavits unterzeichnen (Verfahrensakten Urk. 1/9-28-30).  

 
C. Die edierten Bankunterlagen brachten in der Folge eine Bankverbindung 

der B. Ltd. mit der Bank L. AG zu Tage, an dessen Konto D. wirtschaftlicher 
Berechtigter war. Zudem wurde aufgrund der bei der G. AG erhobenen Un-
terlagen ersichtlich, dass ein Schweizer namens M. zeichnungsberechtigter 
Vertreter bezüglich der Bankkonten der A. Ltd., der B. Ltd. und der C. Ltd. 
sowie weiterer vier der J. Group zugehörenden Gesellschaften war. Mit 
Schreiben vom 28. Januar 2010 lud die Staatsanwaltschaft M. zur Akten-
einsicht und Einigungsverhandlung ein (Verfahrensakten Urk. 2/9-36/5). 
Anlässlich der Einigungsverhandlung vom 8. Februar 2010 erklärte sich M. 
mit der Herausgabe der bei der Bank K. AG edierten Bankunterlagen an 
die australischen Strafverfolgungsbehörden einverstanden. Hingegen ver-
weigerte er sein Einverständnis für die Herausgabe der übrigen Bankunter-
lagen (Verfahrensakten Urk. 2/9-36/6-7).  

 

- 3 - 

 

 

Mit Schlussverfügung vom 16. Februar 2010 ordnete die Staatsanwalt-
schaft die Herausgabe von Bankunterlagen betreffend Konto-Nr. 1, lautend 
auf die A. Ltd., und Konto-Nr. 2, lautend auf die B. Ltd., bei der Bank L. AG, 
sowie betreffend Konto-Nr. 3, lautend auf die C. Ltd. bei der Bank I. SA, an 
(act. 1/1).  

 
D. Dagegen gelangen die drei Gesellschaften mit Beschwerde vom 19. März 

2010 an die II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts und beantra-
gen die Aufhebung der Eintretensverfügung vom 13. November 2009 und 
der Schlussverfügung vom 16. Februar 2010, die Einstellung des Rechtshil-
feverfahrens sowie die Vernichtung der im Rechtshilfeverfahren erhobenen 
Dokumente oder die Rückgabe derselben an die Beschwerdeführerinnen 
bzw. an die ursprünglichen Inhaberinnen, die Bank L. AG in Zürich und die 
Bank I. SA in Zürich. Im Eventualpunkt beantragen sie, es sei der ersu-
chenden Behörde Frist zur Behebung der formellen Mängel des Rechtshil-
feersuchens anzusetzen (act. 1).  

 
Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Beschwerdeantwort (act. 5), 
während das BJ, ohne weitere Ausführungen zu machen, die Abweisung 
der Beschwerde beantragt (act. 7).  
 
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen Bezug genommen. 
 
 
 
 
Die II. Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 
1. 
1.1 Für die Rechtshilfe zwischen der Schweiz und Australien ist in erster Linie 

der bilaterale Rechtshilfevertrag vom 25. November 1991 in Strafsachen 
zwischen der Schweiz und Australien (SR 0.351.915.8; nachfolgend 
„Rechtshilfevertrag“) massgebend. Ferner ist das Übereinkommen ETS   
Nr. 141 über Geldwäscherei sowie Ermittlung, Beschlagnahme und Einzie-
hung von Erträgen aus Straftaten vom 8. November 1990 (GwUE; 
SR 0.311.53) anwendbar, welchem beide Staaten beigetreten sind.  

 
1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen weder ausdrücklich noch 

stillschweigend regeln, bzw. das schweizerische Landesrecht geringere An-
forderungen an die Rechtshilfe stellt (BGE 129 II 462 E. 1.1), sind das Bun-
desgesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in Strafsa-

- 4 - 

 

 

chen (IRSG; SR 351.1) und die dazugehörige Verordnung vom 24. Feb-
ruar 1982 (IRSV; SR 351.11) anwendbar (Art. 1 Abs. 1 IRSG; BGE 130 II 
337 E. 1; 128 II E. 1; 124 II 180 E. 1a). Das innerstaatliche Recht gilt nach 
dem Günstigkeitsprinzip auch dann, wenn dieses geringere Anforderungen 
an die Rechtshilfe stellt (BGE 129 II 462 E. 1.1 S. 464). Vorbehalten bleibt 
die Wahrung der Menschenrechte (vgl. BGE 135 IV 212 E. 2.3 S. 215; 123 
II 595 E. 7c S. 616 ff., je m.w.H.). 

 
2.  
2.1 Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Schlussverfügung 

der ausführenden kantonalen Behörde in internationalen Rechtshilfeange-
legenheiten, gegen welche innert 30 Tagen ab der schriftlichen Mitteilung 
bei der II. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde ge-
führt werden kann (Art. 80e Abs. 1 i.V.m. Art. 80k IRSG; Art. 28 Abs. 1 lit. e 
SGG; Art. 9 Abs. 3 des Reglements vom 20. Juni 2006 für das Bundes-
strafgericht, SR 173.710).  

 
 Die Schlussverfügung vom 16. Februar 2010 ist mit Beschwerde vom 

19. März 2010 fristgerecht angefochten worden.  
 

2.2 Zur Beschwerdeführung ist berechtigt, wer persönlich und direkt von einer 
Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an 
deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit. b IRSG). Personen, ge-
gen die sich das ausländische Strafverfahren richtet, sind unter denselben 
Bedingungen beschwerdelegitimiert (Art. 21 Abs. 3 IRSG). Bei der Erhe-
bung von Kontoinformationen gilt als persönlich und direkt betroffen im 
Sinne der Art. 21 Abs. 3 und 80h IRSG der Kontoinhaber (Art. 9a lit. a 
IRSV; BGE 118 Ib 547 E. 1d; BGE 122 II 130 E. 2b; TPF 2007 79 E. 1.6). 

 
Die angefochtene Verfügung bezieht sich auf die Herausgabe von Bankun-
terlagen von Konten der Beschwerdeführerinnen. Die Beschwerdelegitima-
tion ist daher gegeben, und es ist auf die Beschwerde einzutreten. 
 

2.3 Die II. Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebun-
den (Art. 25 Abs. 6 IRSG). Sie prüft die bei ihr erhobenen Rügen grund-
sätzlich mit freier Kognition. Sie ist aber nicht verpflichtet, nach weiteren 
der Rechtshilfe allenfalls entgegenstehenden Gründen zu forschen, die aus 
der Beschwerde nicht hervorgehen (BGE 123 II 134 E. 1d S. 136f.; 122 II 
367 E. 2d S. 372, mit Hinweisen). Ebenso wenig muss sich die urteilende 
Instanz nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung mit allen Partei-
standpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen 
ausdrücklich widerlegen. Sie kann sich auf die für ihren Entscheid wesentli-

- 5 - 

 

 

chen Punkte beschränken, und es genügt, wenn die Behörde wenigstens 
kurz die Überlegungen nennt, von denen sie sich leiten liess und auf wel-
che sich ihr Entscheid stützt (Urteil des Bundesgerichts 1A.59/2004 vom 
16. Juli 2004, E. 5.2, mit weiteren Hinweisen). 

 
3.  
3.1 Die Beschwerdeführerinnen machen vorab geltend, das australische 

Rechtshilfeersuchen und die beiden Ergänzungsersuchen würden allesamt 
an einem formellen Fehler leiden, denn es fehle die Bestätigung des ersu-
chenden Staates im Sinne von Art. 76 lit. c IRSG und Art. 31 IRSV, wonach 
die von den australischen Behörden geforderten Massnahmen nach austra-
lischem Recht zulässig seien (act. 1 S. 12).  

 
3.2 Eine solche Bestätigung ist in dem zwischen der Schweiz und Australien 

abgeschlossenen, hier in erster Linie massgebenden Rechtshilfeüberein-
kommen (siehe oben E. 1.1) nicht vorgesehen (vgl. Art. 7 Rechtshilfever-
trag). Verhält es sich so, darf die Rechtshilfeleistung in einem Fall wie dem 
vorliegenden nicht von der Vorlage einer derartigen Bestätigung abhängig 
gemacht werden (BGE 117 Ib 53 E. 1a mit Hinweisen, sodann BGE 120 Ib 
120 betreffend das Auslieferungsverfahren, zudem auch nicht publ. Bun-
desgerichtsentscheid vom 18. April 1996 i.S. X.). 

 
Eine Bestätigung der genannten Art wird in der Praxis im Übrigen nur dann 
verlangt, wenn ernsthafte Zweifel über die Zuständigkeit der anordnenden 
ausländischen Behörde oder über die Zulässigkeit der verlangten Mass-
nahme überhaupt bestehen (ZIMMERMANN, La coopération judiciare interna-
tionale en matière pénale, Bern 2009, N 300; BGE 128 II 407 E. 5.3.3; BGE 
123 II 161 E. 3.b). Solche Zweifel liegen vorliegend nicht vor, zumal 
Zwangsmassnahmen der in Frage stehenden Art gemäss dem hier mass-
gebenden Rechtshilfeübereinkommen ausdrücklich vorgesehen sind (Art. 1 
Ziff. 2 lit. b Rechtshilfevertrag). Die diesbezügliche Rüge der Beschwerde-
führerinnen ist daher unbegründet. 
 

4.  
4.1 Die Beschwerdeführerinnen machen ferner im Wesentlichen geltend, es 

würden keine rechtshilfefähigen Delikte vorliegen. Das D. und mutmasslich 
anderen Verdächtigen vorgeworfene Verhalten sei rechtlich als (blosse) 
Steuerhinterziehung zu qualifizieren und stelle damit keinen rechtshilfefähi-
gen Straftatbestand dar. Auch bestehe kein begründeter Verdacht gegen-
über D., er hätte sich der Geldwäscherei schuldig gemacht. 

 

- 6 - 

 

 

4.2 Erfordert die verlangte Rechtshilfe die Anwendung von Zwangsmassnah-
men, kann sie verweigert werden, wenn sie sich auf Handlungen oder 
Unterlassungen bezieht, die, falls unter ähnlichen Umständen im ersuchten 
Staat begangen, nach dem Recht dieses Staates nicht strafbar wären 
(Art. 3 Ziff.1 Rechtshilfevertrag; Art. 18 Abs. 1 lit. f GwUE; siehe auch Art. 
64 Abs. 1 IRSG).  

 
Für die Frage der beidseitigen Strafbarkeit nach schweizerischem Recht ist 
der im Ersuchen dargelegte Sachverhalt so zu subsumieren, wie wenn die 
Schweiz wegen des analogen Sachverhalts ein Strafverfahren eingeleitet 
hätte, und zu prüfen, ob die Tatbestandsmerkmale einer schweizerischen 
Strafnorm erfüllt wären (BGE 132 II 81 E. 2.7.2 S. 90; BGE 129 II 462 E. 
4.4 S. 465). Zu prüfen ist mithin, ob der im Ausland verübte inkriminierte 
Sachverhalt, sofern er – analog – in der Schweiz begangen worden wäre, 
die Tatbestandsmerkmale einer schweizerischen Strafnorm erfüllen würde. 
Die Strafnormen brauchen nach den Rechtssystem der Schweiz und des 
ersuchenden Staates nicht identisch zu sein (Urteil des Bundesgerichts 
1A.125/2006, E. 2.1 m.w.H.). Dabei genügt es, wenn der im Rechtshilfeer-
suchen geschilderte Sachverhalt unter einen einzigen Straftatbestand des 
schweizerischen Rechts subsumiert werden kann. Es braucht dann nicht 
weiter geprüft zu werden, ob darüber hinaus auch noch weitere Tatbestän-
de erfüllt sein könnten (BGE 129 II 462 E. 4.6 S. 466).  
 
Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob die in den Rechtshilfeersuchen ge-
schilderten Handlungen unter eine Strafbestimmung des schweizerischen 
Rechts subsumiert werden können. 
 

4.3  
4.3.1 Art. 2 Ziff. 1 lit. b des Rechthilfevertrages erlaubt den Vertragsparteien die 

Verweigerung der Rechtshilfe, wenn sich das Ersuchen auf Sachverhalte 
bezieht, die vom ersuchten Staat als fiskalische strafbare Handlungen an-
gesehen werden. Gemäss Art. 3 Abs. 3 Satz 1 IRSG wird einem Rechtshil-
feersuchen nicht entsprochen, wenn Gegenstand des Verfahrens eine Tat 
ist, die auf eine Verkürzung fiskalischer Abgaben gerichtet erscheint oder 
Vorschriften über währungs-, handels- oder wirtschafspolitische Massnah-
men verletzt. Die Schweiz leistet jedoch gestützt auf Art. 3 Abs. 3 lit. a 
IRSG Rechtshilfe, wenn das Verfahren einen Abgabebetrug betrifft. Der 
Begriff des Abgabebetrugs bestimmt sich gemäss Art. 24 Abs. 1 IRSV nach 
Art. 14 Abs. 2 VStrR. Danach liegt ein Abgabebetrug vor, wenn der Täter 
durch sein arglistiges Verhalten bewirkt, dass dem Gemeinwesen unrecht-
mässig und in einem erheblichen Betrag eine Abgabe, ein Beitrag oder ei-
ne andere Leistung vorenthalten oder dass dieses sonst am Vermögen ge-

- 7 - 

 

 

schädigt wird. Ein Abgabebetrug muss dabei nicht notwendigerweise durch 
Verwendung falscher oder gefälschter Urkunden begangen werden. Nach 
der Rechsprechung sind jedoch immer besondere Machenschaften, Kniffe 
oder ganze Lügengebäude erforderlich, damit eine arglistige Täuschung 
anzunehmen ist. Selbst blosses Schweigen kann arglistig sein, wenn der 
Täuschende den Getäuschten von einer möglichen Überprüfung abhält  
oder voraussieht, dass dieser mit Rücksicht auf ein besonderes Ver-
trauensverhältnis von einer Überprüfung absehen wird (u.a. BGE 125 II E. 
3a und b S. 252 f.; BGE 115 Ib 68 E. 3a/bb S. 74 ff.). 

 
4.3.2 In formeller Hinsicht muss das Rechtshilfeersuchen die mutmassliche straf-

bare Handlung bezeichnen und eine kurze Darstellung des Sachverhalts 
enthalten (Art. 7 Ziff. 1 und 2 Rechtshilfevertrag; Art. 28 Abs. 2 und 3 
IRSG). Beim Tatbestand des Abgabebetrugs stellt die Rechtsprechung an 
den Inhalt des Rechtshilfeersuchens erhöhte Anforderungen. Eine hinrei-
chend präzise Umschreibung der Verdachtsgründe soll verhindern, dass 
sich die ersuchende Behörde unter dem Deckmantel eines von ihr ohne 
Vorhandensein von Verdachtsmomenten lediglich behaupteten Abgabebe-
trugs Beweise verschafft, die zur Ahndung anderer Fiskaldelikte dienen sol-
len, für welche die Schweiz gemäss Art. 3 Abs. 3 IRSG keine Rechtshilfe 
gewährt. Demnach hat die ersuchende ausländische Behörde die Umstän-
de darzulegen, aus welchen sich ergeben soll, dass der Beschuldigte arg-
listig gehandelt hat (BGE 125 II 250 E. 5b S. 257). Der ersuchende Staat 
hat seinem Gesuch nicht notwendigerweise die Beweismittel beizulegen, 
es genügt wenn er diese bezeichnet und deren Existenz glaubhaft macht 
(ROBERT ZIMMERMANN, La coopération judiciaire internationale en matière 
pénale, 3. Aufl., Bern 2009, S. 598 f. N. 644). Bestehen Zweifel über die 
Merkmale der im Ersuchen erwähnten Abgaben, so holt gemäss Art. 24 
Abs. 3 IRSV das Bundesamt oder die kantonale Vollzugsbehörde die Stel-
lungnahme der Eidgenössischen Steuerverwaltung ein. Deren Bericht bin-
det allerdings weder die ausführende Behörde noch die Beschwerdeinstanz 
(ZIMMERMANN, a.a.O., S. 599 N. 645). 

 
4.3.3 Die australischen Strafverfolgungsbehörden gehen davon aus, dass D. im 

Mai 2003 über eine von ihm beherrschte Gesellschaft auf den British Virgin 
Islands (nachfolgend „B.V.I.“) über 5 Mio. E. Ltd.-Aktien erworben habe, 
ohne allerdings dafür eine Zahlung zu leisten. D. habe diese Aktien von der 
in Südafrika domizilierten Muttergesellschaft der E. Ltd., der P. Ltd., über-
tragen erhalten. Zur gleichen Zeit habe P. Ltd. eine Forderung von AUD 7.9 
Mio., welche sie gegenüber E. Ltd. gehabt habe, für AUD 1 an die Be-
schwerdeführerin 3 auf den B.V.I. verkauft. Geschäftsführer der Beschwer-
deführerin 3 sei M., ein enger Geschäftspartner von D., gewesen. Die Be-

- 8 - 

 

 

schwerdeführerin 3 habe umgehend die Forderung von AUD 7.9 Mio. im 
Teilbetrag von AUD 5.6 Mio. an eine Q. Inc. und im Teilbetrag von AUD 2.2 
Mio. an die von D. beherrschte australische R. Ltd. verkauft. R. Ltd. seien 
im April 2004 ca. 55 Mio. E. Ltd.-Aktien zugewiesen worden, als Bezahlung 
der Schuld im Umfang von AUD 2.2 Mio., die E. Ltd. gegenüber R. Ltd. ge-
habt habe. Während die Q. Inc. für die Forderungsübernahme AUD 3.8 
Mio. bezahlt und auf ein Konto der Beschwerdeführerin 3 bei der Bank I. 
SA überwiesen habe, habe R. Ltd. für die Forderungsübernahme mutmass-
lich keine Zahlung an die Beschwerdeführerin 3 geleistet, obwohl ursprüng-
lich ein Kaufpreis von AUD 1.5 Mio. vereinbart worden sein soll. R. Ltd. ha-
be in der Folge ihre über 55 Mio. E. Ltd.-Aktien in die von D. beherrschte 
und an der Bermuda-Börse zugelassene J. Group (bestehend aus 5 Ge-
sellschaften, darunter die Beschwerdeführerin 1) eingebracht, die ihrerseits 
die E. Ltd.-Aktien an fünf holländische Stiftungen weitertransferiert habe, 
wobei von der wirtschaftlichen Berechtigung von D. an diesen Stiftungen 
auszugehen sei. Die holländischen Stiftungen hätten die E. Ltd.-Aktien auf 
5 Depots bei der Bank K. AG hinterlegt. An diesen Depots sei M. zeich-
nungsberechtigt gewesen, wobei er stets im Auftrag von D. gehandelt ha-
be. Die australischen Strafverfolgungsbehörden gehen davon aus, dass die 
J. Group von M. errichtet worden sei und dass dieser als Geschäftsführer 
der betreffenden Gesellschaften fungiert habe.  
 
Mit Hilfe von M. und der Bank N. (heute Bank H. AG) habe D. Ende 2004 
eine Kapitalerhöhung der E. Ltd. durchgeführt. Das zugrunde liegende 
Vermögen für die Kapitalerhöhung habe aus Optionen für mehr als 5 Mio. 
Aktien der F. AG, eine an der Schweizer Börse kotierte Gesellschaft, be-
standen. Die F. AG-Aktien hätten dem damaligen Hauptgeschäftsführer der 
E. Ltd., S., gehört. Dieser habe die F. AG-Aktien auf ein auf den Namen 
von E. Ltd. (Ireland) Ltd., einer Tochtergesellschaft der E. Ltd., lautendes 
Konto bei der Bank N. hinterlegt. Nach durchgeführter Kapitalerhöhung An-
fang 2005 seien 1  Mio. der F. AG-Aktien auf ein Konto der Beschwerde-
führerin 1 bei der Bank N., an dem D. wirtschaftlicher Berechtigter gewesen 
sei, übertragen worden. Der Wert dieser 1 Mio. F. AG-Aktien habe sich auf 
ca. AUD 8.5 Mio. belaufen. In der Folge habe D. die 1 Mio. F. AG-Aktien 
gegen 48 Mio. E. Ltd.-Aktien, die von der J. Group gehalten worden seien, 
ausgetauscht. Die E. Ltd.-Aktien hätten zum Zeitpunkt des Tausches einen 
Wert von AUD 1.9 Mio. ausgewiesen. D. habe die  1 Mio. F. AG-Aktien un-
verzüglich verkauft und den Erlös auf ein Konto der R. Ltd. bei der Bank O. 
überwiesen, an dem er einziger Zeichnungsberechtigter gewesen sei. Im 
Jahre 2005 und Anfang 2006 seien die Kapitalerträge aus dem Verkauf der 
E. Ltd.-Aktien durch R. Ltd. an die Gesellschaften der J. Group in der Höhe 
von rund AUD 5.9 Mio. auf ein Konto bei der Bank L. AG überwiesen wor-

- 9 - 

 

 

den und anschliessend zugunsten von D. und R. Ltd. auf das bereits er-
wähnte Konto bei der Bank O. geflossen. Die Veräusserung der 48 Mio. E. 
Ltd.-Aktien im Austausch mit den F. AG-Aktien habe einen Nettokapitalge-
winn zwischen AUD 6.56 Mio. und AUD 6.82 Mio. ergeben. Die darauf zu 
zahlende Steuer hätte mindestens AUD 1.98 Mio. betragen. In den Steuer-
erklärungen von D. und R. Ltd. seien weder die Gelder, welche von der Be-
schwerdeführerin 1 geflossen seien, noch der Nettoertrag aus der Übertra-
gung der rund 55 Mio. E. Ltd.-Aktien an die Gesellschaften der J. Group, 
noch der Austausch der 48 Mio. E. Ltd.-Aktien für 1 Mio. F. AG-Aktien de-
klariert worden.  
 

4.3.4 Diese Sachverhaltsdarstellung enthält genügend Verdachtsgründe für  
einen rechtshilfefähigen Abgabebetrug und erfüllt die Voraussetzungen von 
Art. 7 Ziff. 1 und 2 Rechtshilfevertrag und Art. 28 Abs. 2 und 3 IRSG. Damit 
stellt sich die Frage, ob das geschilderte Vorgehen als arglistig bezeichnet 
werden kann. Nach herrschender Lehre und Rechtsprechung sind Steu-
ereinsparungs- bzw. Steuervermeidungsstrategien, welche sich auf die 
Ausschöpfung legaler Instrumente des Gesellschafts- und Fiskalrechts be-
schränken (wie z.B. die blosse Errichtung von steuerprivilegierten Domizil-
gesellschaften), grundsätzlich für sich alleine nicht als strafbare arglistige 
Täuschungsmethode zu qualifizieren (PETER J. M. VON CASTI-
WERGENSTEIN, Der Steuer- und Abgabebetrug im schweizerischen Recht, 
Diss. St. Gallen 1992, S. 118; URS R. BEHNISCH, Das Steuerstrafrecht im 
Recht der direkten Bundessteuer, Diss. Bern 1991, S. 221 ff.; BRUNO EG-
GIMANN, Domizilgesellschaften und Strafrechtshilfe bei Abgabebetrug, in 
Der Schweizer Treuhänder 60 (1986), S. 373; LIONEL FREI, 2 Jahre Straf-
rechtshilfe bei Abgabebetrug, in Steuer Revue 40 (1985), S. 190; SILVIO BI-
ANCHI, Rechtshilfe Schweiz/Italien bei Abgabebetrug, in Der Schweizer 
Treuhänder 57 (1983), S. 40 FN 4). Rechtshilfe ist hingegen bei Abgabebe-
trug zu gewähren, wenn also täuschende Vorkehren hinzutreten, die von 
der Fiskalbehörde – bei einer Gesamtwürdigung der fraglichen Steuerum-
gehungsmethode – nur schwer durchschaut werden können (Urteil des 
Bundesgerichtes 1A.244/2002 vom 24. Oktober 2003, E. 5.1 m.w.H.; vgl. 
auch URS R. BEHNISCH, Amts- und Rechtshilfe im Steuerrecht, in B. EHREN-
ZELLER [Hrsg.], Aktuelle Fragen der internationalen Amts- und Rechtshilfe, 
St. Gallen 2005, S. 97 ff.). Dem australischen Rechtshilfeersuchen liegt ein 
komplexer Sachverhalt zugrunde, wobei es – entgegen der Ausführungen 
der Beschwerdeführerinnen – nicht einfach um das blosse Nichtoffenlegen 
von Beteiligungen und Erträgen geht. Um die Beteiligung von D. an der E. 
Ltd. zu verschleiern, wurden vorliegend rund 55 Mio. und damit der grösste 
von D. gehaltene Anteil der E. Ltd.-Aktien verschiedenen von ihm be-
herrschten Gesellschaften auf den B.V.I. und in Holland übertragen. Ca. 48 

- 10 - 

 

 

Mio. dieser Aktien sollen alsdann zunächst auf einem Strohmann-Konto bei 
der Bank K. AG in der Schweiz deponiert und zu einem späteren Zeitpunkt 
mit 1 Mio. F. AG-Aktien getauscht worden sein. D. habe sämtliche F. AG-
Aktien sowie ca. 7 Mio. E. Ltd.-Aktien verkauft. Die Verkaufserlöse seien 
auf ein Konto bei der Bank L. AG lautend auf die Beschwerdeführerin 1, 
überwiesen und von dort auf eine australische Bank zugunsten der R. Ltd. 
einbezahlt worden. Diese Transaktionen seien in den Büchern der R. Ltd. 
als Darlehen verbucht worden. Das Zwischenschalten von ganzen Gesell-
schaftsgruppen im Ausland, die Verwendung verschiedener Konten bei di-
versen ausländischen Banken, welche teilweise auf Strohmänner lauteten, 
das Verschieben der Verkaufserlöse zunächst auf Bankkonten der Be-
schwerdeführerin 1 bei der Bank N. und der Bank L. AG und von dort auf 
ein Konto der Bank O. zugunsten der R. Ltd. sowie die Falschverbuchung 
der erzielten Verkaufserlöse sind aufgrund der für die ausländische Steuer-
behörde fehlenden Erkennbarkeit des ganzen Mechanismus insgesamt als 
Machenschaft im Sinne der oben zitierten Rechtsprechung zu qualifizieren. 
Ein solches Verhalten ist damit arglistig im Sinne der Rechtsprechung. 

 
Nach dem Gesagten ist vorliegend ein rechtshilfefähiger Abgabebetrug zu 
bejahen.  

 
4.4 Es bleibt die Beschwerdeführerinnen darauf hinzuweisen, dass die australi-

schen Strafverfolgungsbehörden in ihren beiden Ergänzungsersuchen je-
weils am Sachverhalt, wie im Rechtshilfeersuchen vom 7. März 2008 ge-
schildert, unverändert festhielten (Verfahrensakten Urk. 1/9-1 und 1/9-13). 
Dass die Behörden aufgrund des Ermittlungsstands zum Zeitpunkt der bei-
den Ergänzungsersuchen das Tatbestandselement des täuschenden Ver-
haltens von D. fallengelassen hätten – wie von den Beschwerdeführerinnen 
behauptet –, ist nicht ersichtlich. So, wie sich der Sachverhalt gegenwärtig 
präsentiert, ist er, wie dargelegt, unter den Tatbestand des Abgabebetru-
ges im Sinne von Art. 14 Abs. 2 VStrR zu subsumieren. Unter welchen 
strafbaren Tatbestand nach australischem Recht der Sachverhalt fällt, ist 
für den Rechtshilferichter ohne Belang. 

 
4.5 Ob der Sachverhalt auch unter den Tatbestand der Geldwäscherei im Sin-

ne von Art. 305bis StGB subsumiert werden kann, muss nicht weiter geprüft 
werden, da es genügt, dass das Verhalten von D. unter einen Tatbestand 
des schweizerischen Strafrechts subsumiert werden kann (Art. 3 Ziff. 1 
Rechtshilfevertrag und Art. 64 Abs. 1 IRSG).  
 

5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden die Beschwerdeführerinnen 
kostenpflichtig (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 15 Abs. 1 lit. a SGG). Für 

- 11 - 

 

 

die Berechnung der Gerichtsgebühren gelangt das Reglement vom 
11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht 
zur Anwendung (SR 173.711.32; Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 15 Abs. 1 
lit. a SGG). Unter Berücksichtigung aller Umstände ist die Gerichtsgebühr 
vorliegend auf Fr. 5'000.-- festzusetzen (Art. 3 i.V.m. Art. 4 lit. c des Regle-
ments) und den Beschwerdeführerinnen unter solidarischer Haftung aufzu-
erlegen, unter Anrechung des geleisteten Kostenvorschusses in gleicher 
Höhe.  

- 12 - 

 

 

 
Demnach erkennt die II. Beschwerdekammer: 
 
1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 
 
2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 5'000.-- wird den Beschwerdeführerinnen unter 

solidarischer Haftung auferlegt, unter Anrechung des geleisteten Kostenvor-
schusses in gleicher Höhe. 

 
 

Bellinzona, 17. Dezember 2010 
 
Im Namen der II. Beschwerdekammer 
des Bundesstrafgerichts 
 
Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin:  
 
 
 
 
 
 
Zustellung an 
 
- Rechtsanwalt Roberto Dallafior und Rechtsanwalt Patrik Salzmann  
- Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 
- Bundesamt für Justiz 
 
 
 
Rechtsmittelbelehrung 

Gegen Entscheide auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen kann innert zehn 
Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht Beschwerde 
eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. b BGG). 
 

Gegen einen Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen ist die 
Beschwerde nur zulässig, wenn er eine Auslieferung, eine Beschlagnahme, eine Herausgabe von 
Gegenständen oder Vermögenswerten oder eine Übermittlung von Informationen aus dem 
Geheimbereich betrifft und es sich um einen besonders bedeutenden Fall handelt (Art. 84 Abs. 1 
BGG). Ein besonders bedeutender Fall liegt insbesondere vor, wenn Gründe für die Annahme 
bestehen, dass elementare Verfahrensgrundsätze verletzt worden sind oder das Verfahren im 
Ausland schwere Mängel aufweist (Art. 84 Abs. 2 BGG).