# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** dbf57898-de2c-5ac9-9b9a-f6516c6b1dec
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-03-06
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 06.03.2024 SK 2023 45
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2023-45_2024-03-06.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 23 45+46

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 6. März 2024 

Besetzung Oberrichterin Friederich Hörr (Präsidentin), 
Obergerichtssuppleantin Salzmann, 
Oberrichter Wuillemin
Gerichtsschreiberin Bucher

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Fürsprecherin B.________
v.d. Rechtsanwalt C.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

und

D.________
v.d. Rechtsanwalt E.________

Strafklägerin

Gegenstand Freiheitsberaubung, Gefährdung des Lebens, einfache Körperver-
letzung etc. sowie Widerrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Kollegialgericht) vom 19. Mai 2022 (PEN 20 557+558)

2

Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (nachfolgend: Vorinstanz) erkannte mit 
Urteil vom 19. Mai 2022 was folgt (pag. 406 ff., Hervorhebungen im Original):

I.

Das Strafverfahren gegen A.________

1. wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, angeblich begangen in der 
Zeit vom 01.09.2018 bis am 18.05.2019, in F.________ (Ortschaft), G.________ (Adresse), 
Wohnung des Beschuldigten und anderswo durch Konsum einer unbekannten Menge Marihua-
na und Kokain (AKS Ziff. I.13);

2. wegen Widerhandlung gegen das Gesetz über Niederlassung und Aufenthalt der Schwei-
zer, angeblich begangen in der Zeit von Frühling 2018 bis am 17.05.2019, in 
F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), Wohnung des Beschuldigten durch Nichtanmel-
den bei der Gemeinde (AKS Ziff. I.14);

3. wegen Widerhandlung gegen das Gesetz über das kantonale Strafrecht, angeblich began-
gen am 17.05.2019, zwischen ca. 22:15 Uhr und 23:30 Uhr, in F.________(Ortschaft), 
G.________(Adresse), Wohnung des Beschuldigten (AKS Ziff. I.15) durch Nachtruhestörung;

wird infolge Eintritts der Verfolgungsverjährung eingestellt,

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

II.

A.________ wird freigesprochen:

von der Anschuldigung der schweren Körperverletzung, evtl. einfachen Körperverletzung, angeb-
lich begangen in der Zeit von November 2018 bis August 2019 in F.________ (Ortschaft), 
H.________ (Ortschaft), I.________ (Ortschaft) und anderswo, z.N. von D.________ (AKS-
Ergänzung Ziff. I.17) 

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten.

III.

A.________ wird schuldig erklärt:

1. der Freiheitsberaubung, begangen am 06.02.2019, in F.________(Ortschaft), 
G.________(Adresse), z.N. von D.________ (AKS Ziff. I.1);

2. der versuchten Gefährdung des Lebens, begangen in der Zeit von Juli/August 2019, auf der 
Autobahn J.________ auf der Strecke K.________ (Ortschaft) – H.________(Ortschaft), z.N. 
von D.________ (AKS Ziff. I.2);

3. der Gefährdung des Lebens, mehrfach begangen am 22.11.2018, in F.________(Ortschaft), 
G.________(Adresse), z.N. von D.________ (AKS Ziff. I.3 (Würgen) und AKS-Ergänzung Ziff. 
I.16 (Messer am Hals);

3

4. der einfachen Körperverletzung, begangen am 06.02.2019, im Bus Nr. ________ (Nummer) 
von H.________(Ortschaft) nach F.________(Ortschaft) und in F.________(Ortschaft), 
G.________(Adresse), z.N. von D.________ (AKS Ziff. I.4);

5. der Tätlichkeiten, mehrfach begangen

5.1. in der Zeit von Juni/Juli 2019, in H.________(Ortschaft), am L.________ (See), z.N. von 
D.________ (AKS Ziff. I.5.1);

5.2. im Sommer 2019, in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), z.N. von D.________ 
(AKS Ziff. I.5.2);

6. der Drohung, mehrfach begangen

6.1. am 06.02.2019, im Bus Nr. ________ (Nummer) von H.________ (Ortschaft) nach 
F.________(Ortschaft) und in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), z.N. von 
D.________ (AKS Ziff. I.6.1);

6.2. im Sommer 2019, in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), z.N. von D.________ 
(AKS Ziff. I.6.2);

7. der Nötigung, mehrfach begangen

7.1. im Winter 2018/2019, in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), z.N. von 
D.________ (AKS Ziff. I.7.1);

7.2. am 06.02.2019, im Bus Nr. 7 von H.________(Ortschaft) nach F.________(Ortschaft), 
z.N. von D.________ (AKS Ziff. I.7.2);

8. der Beschimpfung, mehrfach begangen

8.1. am 06.02.2019, in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), z.N. von D.________ 
(AKS Ziff. I.8.1);

8.2. am 17.05.2019, in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), z.N. von M.________ 
(AKS Ziff. I.8.2);

9. der Sachbeschädigung, begangen in der Zeit von Juni/Juli 2019, in H.________(Ortschaft), am 
L.________(See), z.N. von D.________ (Schadenshöhe: CHF 900.00; AKS Ziff. I.9);

10. der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, begangen am 17.05.2019, in 
F.________(Ortschaft), G.________(Adresse) (AKS Ziff. I.10);

11. der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, mehrfach begangen, durch

11.1. grobe Verkehrsregelverletzung, begangen in der Zeit vom 24.07.2019 bis am 
31.08.2019, auf der Autobahn N.________ auf der Strecke O.________ (Ortschaft) – 
H.________(Ortschaft), durch Überschreiten der signalisierten Höchstgeschwindigkeit 
von 120 km/h um ca. 50 km/h (AKS Ziff. I.11.1);

11.2. Führen eines Personenwagens ohne Berechtigung, begangen in der Zeit vom 
24.07.2019 bis am 31.08.2019, auf der Autobahn N.________ auf der Strecke 
O.________(Ortschaft) – H.________(Ortschaft) (AKS Ziff. I.11.2);

12. der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, festgestellt am 10.04.2019, in 
F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), durch Importieren einer Soft-Air-Pistole ohne 
entsprechende Bewilligung (AKS Ziff. I.12);

4

13. der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen in der Zeit vom 
19.05.2019 bis am 04.12.2019, in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), durch Konsum 
einer unbekannten Menge Marihuana und Kokain (AKS Ziff. I.13).

IV.

Der A.________ mit Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 04.09.2017 für eine Frei-
heitsstrafe von 12 Monaten gewährte bedingte Vollzug wird widerrufen.

V.

A.________ wird

in Anwendung der 
Art. 22 Abs. 1, 34, 40, 42 Abs. 1, 44, 47, 49 Abs. 1, 51, 106, 123 Ziff. 1, 126 Abs. 1, 129, 144 Abs. 1, 
177 Abs. 1, 180 Abs. 1, 181, 183 Ziff. 1, 285 Ziff. 1 StGB 
Art. 10 Abs. 2, 32 Abs. 2, 90 Abs. 2, 95 Abs. 1 Bst. a SVG
Art. 4a Abs. 1 Bst. d VRV
Art. 4 Abs. 1 Bst. g, 25, 33 Abs. 1 Bst. a WG
Art. 19a Ziff. 1 BetmG
Art. 426 StPO

sowie unter Einbezug der seinerzeit bedingt ausgesprochenen und nunmehr zu vollziehenden Strafe 
im Sinne einer Gesamtstrafe gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 50 Monaten.

Die Polizeihaft von einem Tag (17./18.05.2019) wird im Umfang von einem Tag auf die Frei-
heitsstrafe angerechnet.

2. Zu einer Geldstrafe von 108 Tagessätzen zu CHF 120.00, ausmachend total CHF 12'960.00.

Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.

3. Zu einer Übertretungsbusse von CHF 750.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nicht-
bezahlung wird auf 8 Tage festgesetzt.

4. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 16'450.00 und Aus-
lagen (inkl. Kosten für die amtliche Verteidigung) von CHF 12'488.75, insgesamt bestimmt auf 
CHF 28'938.75 (ohne Kosten für die amtliche Verteidigung auf CHF 16'572.40).

[Zusammensetzung Verfahrenskosten]

VI.

1. Die amtliche Entschädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung von 
A.________ durch Fürsprecherin B.________ werden wie folgt bestimmt:

5

Leistungen ab 01.01.2018
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 56.00 200.00 CHF 11’200.00
Reisezuschlag CHF 0.00

CHF 282.20
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 11’482.20 CHF 884.15

CHF 0.00
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 12’366.35

volles Honorar 56.00 250.00 CHF 14’000.00
Reisezuschlag CHF 0.00

CHF 282.20
Mehrwertsteuer 7.7% auf CHF 14’282.20 CHF 1’099.75

CHF 0.00
Total CHF 15’381.95

nachforderbarer Betrag CHF 3’015.60

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen ohne MWSt

Auslagen MWST-pflichtig

Auslagen ohne MWST

Der Kanton Bern entschädigt Fürsprecherin B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 12'366.35. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen 
und Fürsprecherin B.________ die Differenz von CHF 3'015.60 zwischen der amtlichen Ent-
schädigung und dem vollen Honorar zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 
erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

VII.

A.________ wird in Anwendung von Art. 41, 47 und 49 OR sowie Art. 126 und 433 Abs. 1 StPO wei-
ter verurteilt:

1. Zur Bezahlung von CHF 900.00 Schadenersatz zuzüglich 5 % Zins seit dem 31.07.2019 an die 
Straf- und Zivilklägerin D.________.

2. Die weitergehende Schadenersatzforderung der Straf- und Zivilklägerin D.________ wird 
dem Grundsatz nach gutgeheissen und die Haftungsquote von A.________ auf 100 % fest-
gelegt. Für die Festlegung der Höhe der Forderung wird die Straf- und Zivilklägerin D.________ 
auf den Zivilweg verwiesen.

3. Zur Bezahlung von CHF 7'000.00 Genugtuung zuzüglich 5 % Zins seit dem 01.04.2019 an die 
Straf- und Zivilklägerin D.________. Soweit weitergehend wird die Genugtuungsforderung ab-
gewiesen. 

4. Zur Bezahlung einer Parteientschädigung von CHF 10'168.70 an die Straf- und Zivilklägerin 
D.________.

5. Für die Beurteilung der Zivilklage werden keine Kosten ausgeschieden. 

VIII.

Weiter wird verfügt:

1. Es wird festgestellt, dass in diesem Verfahren das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist. 
Diesem Umstand wurde bei der Strafzumessung mit einer Strafminderung von 3 Monaten bei 
der Freiheitsstrafe und 7 Strafeinheiten bei der Geldstrafe Rechnung getragen.

2. Die beschlagnahmte Waffe (Softairpistole) wird zur Vernichtung eingezogen (Art. 69 StGB).

3. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten 
(PCN-Nr. ________; ________) durch die auftraggebende Behörde wird nach Ablauf der ge-

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setzlichen Frist erteilt (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung bio-
metrischer erkennungsdienstlicher Daten).

[Eröffnungs- und Mitteilungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete A.________ (nachfolgend: Beschuldigter), amtlich 
verteidigt durch Fürsprecherin B.________, am 30. Mai 2022 fristgerecht Berufung 
an (pag. 414). Die schriftliche Urteilsbegründung datiert vom 30. Januar 2023 und 
wurde dem Beschuldigten mit Verfügung des gleichen Tages zugestellt (pag. 518 
f.).

Die form- und fristgerechte Berufungserklärung datiert vom 27. Februar 2023 (pag. 
528 ff.). Der Beschuldigte focht das Urteil hinsichtlich der Schuldsprüche (Ziff. III.), 
des Widerrufs (Ziff. IV.), der Sanktion sowie der Auferlegung der Verfahrenskosten 
(Ziff. V.), der Zivilklage (Ziff. VII.) und betreffend die weiteren Verfügungen (Ziff. 
VIII.) an. Ebenfalls angefochten wurde der Kosten- und Entschädigungsentscheid 
in Bezug auf die Einstellungen und den Freispruch (Ziff. I. und II.). 

Es wurden keine Gründe für ein Nichteintreten auf die Berufung geltend gemacht. 
Ebenso wurde keine Anschlussberufung erhoben. 

3. Wechsel der Verteidigung

Mit Schreiben vom 23. März 2023 teilte Rechtsanwalt C.________ der Verfahrens-
leitung mit, durch den Beschuldigten mit dessen privaten Verteidigung beauftragt 
worden zu sein (pag. 543 ff.). In der Folge sistierte die Verfahrensleitung mit Verfü-
gung vom 24. März 2023 das amtliche Mandat von Fürsprecherin B.________ mit 
sofortiger Wirkung und orientierte die Parteien und Fürsprecherin B.________ 
darüber, dass die Festsetzung des Honorars im Endurteil erfolgt (pag. 547 f.). Am 
28. März 2023 reichte Fürsprecherin B.________ ihre Honorarnote ein (pag. 550.1 
ff.). 

4. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die Berufungsverhandlung wurden über den Beschuldigten von 
Amtes wegen ein Strafregisterauszug, datierend vom 16. Februar 2024 (pag. 631 
ff.), ein Auszug aus dem Administrativmassnahmenregister ADMAS, ebenfalls 
datierend vom 16. Februar 2024 (pag. 634 ff.), ein Betreibungsregisterauszug, 
datierend vom 14. Februar 2024 (pag. 627.1 ff.), sowie ein Leumundsbericht mit 
Datum vom 2. Februar 2024 (inkl. Bericht über die wirtschaftlichen Verhältnisse) 
eingeholt (pag. 628 ff.). Weiter wurden die Strassenverkehrsakten der 
Motorfahrzeugkontrolle des Kantons P.________ (Kanton) ediert (pag. 594 ff.). Bei 
der Staatsanwaltschaft Q.________ (Ortschaft) wurde der Verfahrensstand betref-
fend das gegen den Beschuldigten geführte, hängige Verfahren ________ erfragt 
(pag. 610 ff.) und eine Aktennotiz bezüglich eines Telefonats mit der 
Staatsanwaltschaft Q.________(Ortschaft) zu den Akten genommen (pag. 607). 
Anlässlich der Berufungsverhandlung teilte die Vorsitzende den Parteien mit, dass 
gemäss diesem Telefonat die im fraglichen Verfahren fallführende Staatsanwältin 
der Staatsanwaltschaft Q.________(Ortschaft) abwesend sei, weshalb zeitnah kein 

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Urteil erfolge. Gemäss den Angaben der Staatsanwaltschaft 
Q.________(Ortschaft) sei der Beschuldigte geständig und das Verfahren werde 
voraussichtlich im Strafbefehlsverfahren erledigt. Die Staatsanwaltschaft 
Q.________(Ortschaft) habe die bisherigen Verfahrensakten zugesandt. Da kein 
für das vorliegende Verfahren zu berücksichtigender, rechtskräftiger Strafbefehl 
vorgelegen habe, sei auf deren Zustellung an die Parteien verzichtet worden (pag. 
644).

An der Berufungsverhandlung wurde D.________ ergänzend befragt (pag. 645 ff.). 
Zusätzlich wurden die von der Verteidigung des Beschuldigten eingereichten unda-
tierten Auszüge eines WhatsApp-Chats und eines undatierten Briefes mit einer 
Übersetzung sowie ein Notfallbericht des Spitalzentrums R.________ (Klinik) vom 
18. November 2018 mit angehängten Bildern zu den Akten erkannt (pag. 660; pag. 
662; pag. 678 ff.). Die Beweisanträge der Verteidigung des Beschuldigten auf Ein-
holung eines aussagepsychologischen Gutachtens über D.________ und Edition 
der Akten betreffend S.________ (pag. 641 f.; pag. 659) wurden nach Gewährung 
des rechtlichen Gehörs (pag. 642 f.; pag. 659 f.) begründet abgewiesen. Für die 
Begründung wird auf die Ausführungen im oberinstanzlichen Protokoll verwiesen 
(pag. 643; pag. 660 f.).

5. Konfrontationsvermeidung, Dispensation, Säumnis und prozessuale Stellung 
von D.________

D.________ beantragte mit Eingabe vom 5. Juli 2023 bezugnehmend auf die Vor-
ladung vom 21. Juni 2023, dass die Konfrontation mit dem Beschuldigten anläss-
lich der Berufungsverhandlung zu vermeiden und sie mit Ausnahme ihrer eigenen 
Befragung von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung zu dispensieren sei 
(pag. 576 f.). Die Anträge wurden mit Verfügung vom 6. Juli 2023 gutgeheissen 
und in Aussicht gestellt, dass geeignete Vorkehrungen getroffen würden, damit sich 
D.________ und der Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung nicht be-
gegnen würden. Ferner wurde der Hinweis angebracht, dass sich D.________ 
durch eine Vertrauensperson begleiten lassen könne (pag. 579 f.).

Der Beschuldigte erschien trotz gehöriger Vorladung vom 21. Juni 2023 (polizeilich 
zugestellt am 12. Juli 2023 [pag. 587]) unentschuldigt nicht zur 
Berufungsverhandlung vor der 2. Strafkammer (vgl. pag. 640), wurde jedoch durch 
seinen Verteidiger vertreten. Die Vorsitzende erklärte den Beschuldigten infolge-
dessen für säumig, woraufhin die Kammer begründet beschloss, das Berufungsver-
fahren angesichts seiner Stellung als alleiniger Berufungsführer und gestützt auf 
die bundesgerichtliche Rechtsprechung (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 
6B_1293/2018 vom 14. März 2019 E 3.3.3.) in seiner Abwesenheit weiterzuführen 
(vgl. pag. 640 f.).

Weiter entschied die Kammer anlässlich der Berufungsverhandlung über den vor-
frageweisen Antrag der Verteidigung des Beschuldigten, wonach sich D.________ 
nur als Strafklägerin im Verfahren konstituiert habe, nach Gewährung des rechtli-
chen Gehörs und nachdem D.________ diesbezüglich befragt worden war (pag. 
641 ff.; pag. 653 Z. 1 ff.). Auf die Zivilklage von D.________ wurde mit Beschluss 
vom 5. März 2024 ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten nicht eingetreten. Zur 

8

Begründung wurde ausgeführt, dass D.________ im Strafantrag vom 
7. Februar 2019 nur die Strafklage angekreuzt habe. Die diesbezüglichen, auf dem 
Formular ersichtlichen Erläuterungen seien klar (vgl. pag. 46). Im Zeitpunkt der 
Strafantragsstellung sei D.________ noch in einer Beziehung mit dem Beschuldig-
ten gewesen. Sie habe selbst ausgesagt, dass es in der Beziehung ein Hin und Her 
gewesen sei und es sei wahrscheinlich, dass sie in Bezug auf die Unterscheidung 
und die Rechtsfolgen der Straf- und Zivilklage aufgeklärt worden sei (pag. 653 Z. 
18 und Z. 31 ff.). Im Formular werde die Strafklage von der Zivilklage klar unter-
schieden und D.________ habe nicht nur Strafantrag gestellt, der beide Klagen be-
inhalte. Gleiches gelte in Bezug auf den zweiten Strafantrag, datierend vom 
29. August 2019 (pag. 83). D.________ hätte sich bereits während des Vorverfah-
rens als Zivilklägerin konstituieren können und es sei nicht ersichtlich, weshalb sie 
dies erst nach Abschluss des Vorverfahrens getan habe (vgl. die Eingabe vom 31. 
August 2020 [pag. 184 f.]). Auch lägen keine Anhaltspunkte vor, dass D.________ 
aufgrund eines Willensmangels auf die Zivilklage verzichtet habe. Wenn sie sich 
erst im Berufungsverfahren auf den Willensmangel berufe, sei dies klarerweise 
verspätet (pag. 660 f.). In den nachfolgenden Ausführungen wird D.________ somit 
als Strafklägerin bezeichnet. 

6. Anträge der Parteien

6.1 Anträge der Verteidigung

Aufgrund des Nichteintretens auf die Zivilklage der Strafklägerin (vgl. E. 5. hiervor) 
verzichtete Rechtsanwalt C.________ mündlich auf Ziff. 3 seiner schriftlich einge-
reichten Anträge. Er stellte für den Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhand-
lung namentlich folgende Anträge (pag. 694):

1. Mangels genügender Anklagegrundlage sei auf die Anklage nicht einzutreten und das Verfahren 
gegen meinen Mandanten vollumfänglich einzustellen. 

2. Eventualiter sei mein Klient vollumfänglich von Schuld und Strafe freizusprechen. 

3. […] 

4. Von einem Widerruf des bedingt gewährten Vollzugs der Freiheitsstrafe von 12 Monaten im Ur-
teil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 04.09.2017 sei abzusehen. 

5. Es sei A.________ eine angemessene Genugtuung für das lange Verfahren sowie für die er-
standene Haft zuzusprechen. 

6. Die beschlagnahmte Softair Pistole sei meinem Mandanten nach Rechtskraft des Urteils auf 
erstes Verlangen herauszugeben. 

7. Die Kosten des vor- und erstinstanzlichen Verfahrens und ebenso des Berufungsverfahrens sei-
en auf die Staatskasse zu nehmen. 

8. Von einer Parteientschädigung zugunsten der anwaltlichen Vertretung der Privatklägerin sei ab-
zusehen. 

9. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien definitiv auf die Staatskasse zu nehmen - ohne 
Rückforderungsvorbehalt - und meinem Mandanten sei für die erbetene Verteidigung eine an-
gemessene Entschädigung entsprechend der eingereichten Honorarnote zuzusprechen.

9

6.2 Anträge der Generalstaatsanwaltschaft

Die oberinstanzlichen Anträge der Generalstaatsanwaltschaft lauten wie folgt 
(pag. 697 ff.; Hervorhebungen im Original):

I.

Es sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland (Kol-
legialgericht) vom 19.05.2022 in Rechtskraft erwachsen ist hinsichtlich

1. der Einstellungen infolge Verjährung in Bezug auf folgende Vorwürfe:

1.1. Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, angeblich begangen in der Zeit 
vom 01.09.2018 bis am 18.05.2019, in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), 
Wohnung des Beschuldigten und anderswo durch Konsum einer unbekannten Menge 
Marihuana und Kokain (AKS Ziff. 1.13);

1.2. Widerhandlung gegen das Gesetz über Niederlassung und Aufenthalt der Schweizer, an-
geblich begangen in der Zeit von Frühling2018bisam 17.05.2019, in 
F.________(Ortschaft), G.________ (Adresse), Wohnung des Beschuldigten durch 
Nichtanmelden bei der Gemeinde (AKS Ziff. 1.14);

1.3. Widerhandlung gegen das Gesetz über das kantonale Strafrecht, angeblich begangen 
am 17.05.2019, zwischen ca. 22:15 Uhr und 23:30 Uhr, in F.________(Ortschaft), 
G.________(Adresse), Wohnung des Beschuldigten durch Nachtruhestörung (AKS Ziff. 
1.15);

ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten,

2. des Freispruchs von der Anschuldigung der schweren Körperverletzung, evtl. einfachen Kör-
perverletzung, angeblich begangen in der Zeit von November 2018 bis August 2019 in 
F.________(Ortschaft), H.________(Ortschaft), I.________(Ortschaft) und anderswo, z.N. von 
D.________ (AKS-Ergänzung Ziff. 1.17), ohne Ausrichtung einer Entschädigung und ohne Aus-
scheidung von Verfahrenskosten.

II.

Das Widerrufsverfahren betreffend das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-Seeland vom 
04.09.2017 für eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten sei einzustellen (Art. 46 Abs. 5 StGB).

III.

A.________ sei schuldig zu erklären:

1. der Freiheitsberaubung, begangen am 06.02.2019, in F.________(Ortschaft), 
G.________(Adresse), z.N. von D.________ (AKS Ziff. 1.1);

2. der versuchten Gefährdung des Lebens, begangen in der Zeit von Juli/August 2019, auf der 
Autobahn J.________ auf der Strecke K.________(Ortschaft) - H.________(Ortschaft), z.N. von 
D.________ (AKS Ziff. 1.2);

3. der Gefährdung des Lebens, mehrfach begangen am 22.11.2018, in F.________(Ortschaft), 
G.________(Adresse), z.N. von D.________ (AKS Ziff. 1.3 (Würgen) und AKS-Ergänzung Ziff. 
1.16 (Messer am Hals);

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4. der einfachen Körperverletzung, begangen am 06.02.2019, im Bus Nr. ________ (Nummer) 
von H.________(Ortschaft) nach F.________(Ortschaft) und in F.________(Ortschaft), 
G.________(Adresse), z.N. von D.________ (AKS Ziff. 1.4);

5. der Tätlichkeiten, mehrfach begangen

5.1. in der Zeit von Juni/Juli 2019, in H.________(Ortschaft), am L.________(See), z.N. von 
D.________ (AKS Ziff. 1.5.1);

5.2. im Sommer 2019, in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), z.N. von D.________ 
(AKS Ziff. 1.5.2);

6. der Drohung, mehrfach begangen

6.1. am 06.02.2019, im Bus Ni. ________ (Nummer) von H.________(Ortschaft) nach 
F.________ (Ortschaft) und in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), z.N. von 
D.________ (AKS Ziff. 1.6.1);

6.2. im Sommer 2019, in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), z.N. von D.________ 
(AKS Ziff. 1.6.2);

7. der Nötigung, mehrfach begangen

7.1. im Winter 2018/2019, in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), z.N. von 
D.________ (AKS Ziff. 1.7.1);

7.2. am 06.02.2019, im Bus Ni. ________ (Nummer) von H.________(Ortschaft) nach 
F.________(Ortschaft), z.N. von D.________ (AKS Ziff. 1.7.2);

8. der Beschimpfung, mehrfach begangen

8.1. am 06.02.2019, in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), z.N. von D.________ 
(AKS Ziff. 1.8.1),

8.2. am 17.05.2019, in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), z.N. von M.________ 
(AKS Ziff. 1.8.2);

9. der Sachbeschädigung, begangen in der Zeit von Juni/Juli 2019, in H.________(Ortschaft), am 
L.________(See), z.N. von D.________ (Schadenshöhe: CHF 900.00; AKS Ziff. 1.9);

10. der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, begangen am 17.05.2019, in 
F.________(Ortschaft), G.________(Adresse) (AKS Ziff. 1.10);

11. der Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz, mehrfach begangen durch

11.1. grobe Verkehrsregelverletzung, begangen in der Zeit vom 24.07.2019 bis am 
31.08.2019, auf der Autobahn N.________ auf der Strecke O.________(Ortschaft) - 
H.________(Ortschaft), durch Oberschreiten der signalisierten Höchstgeschwindigkeit 
von 120 km/h um ca. 50 km/h (AKS Ziff. 1.11.1);

11.2. Führen eines Personenwagens ohne Berechtigung, begangen in der Zeit vom 
24.07.2019 bis am 31.08.2019, auf der Autobahn N.________ auf der Strecke 
O.________(Ortschaft) - H.________(Ortschaft) (AKS Ziff. 1.11.2);

12. der Widerhandlung gegen das Waffengesetz, festgestellt am 10.04.2019, in 
F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), durch Importieren einer Soft-Air-Pistole ohne 
entsprechende Bewilligung (AKS Ziff. 1.12);

11

13. der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, begangen in der Zeit vom 
19.05.2019 bis am 04.12.2019, in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), durch Konsum 
einer unbekannten Menge Marihuana und Kokain (AKS Ziff. 1.13).

IV.

A.________ sei in Anwendung von Art. 22 Abs. 1, 34, 40, 42 Abs. 1, 44, 47, 49 Abs. 1, 51, 106, 123 
Ziff. 1, 126 Abs. 1, 129, 144 Abs. 1, 177 Abs. 1, 180 Abs. 1, 181, 183 Ziff. 1, 285 Ziff. 1 StGB; Art. 10 
Abs. 2, 32 Abs. 2, 90 Abs. 2, 95 Abs. 1 Bst. a SVG; Art. 4a Abs. 1 Bst. d VRV; Art. 4 Abs. 1 Bst. g, 25, 
33 Abs. 1 Bst. a WG Art. 19a Ziff. 1 BetmG; Art. 426 StPO

zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 40 Monaten, unter Anrechnung der ausgestandenen Polizeihaft 
von 1 Tag (17./18.05.2019);

2. zu einer Geldstrafe von 108 Tagessätzen zu CHF 120.00, ausmachend total CHF 12'960.00. 
Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit auf 3 Jahre festzusetzen.

3. zu einer Busse von CHF 750.00, unter Festsetzung der Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter 
Nichtbezahlung auf 8 Tage;

4. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine angemessene 
Gebühr gemäss Art. 21 VKD).

V.

Im Weiteren sei zu verfügen:

1. Die beschlagnahmte Waffe (Soft-Air-Pistole) sei zur Vernichtung einzuziehen (Art. 69 StGB).

2. Die von A.________ erfassten biometrischen erkennungsdienstlichen Daten seien nach 30 Jah-
ren, gerechnet ab Urteilsdatum, zu löschen (Art. 354 Abs. 4 Bst. a StGB i.V.m. Art. 16 Abs. 2 
Bst. c und Art. 16 Abs. 3 DNA-ProfilG).

3. Das Honorar der amtlichen Verteidigerin sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).

6.3 Anträge der Strafklägerin

Auch Rechtsanwalt E.________ verzichtete als Folge des Nichteintretens auf die 
Zivilklage (vgl. E. 5. hiervor) auf den Antrag bezüglich Bestätigung des vorinstanzli-
chen Urteils hinsichtlich der Zivilklage. Er stellte für die Strafklägerin an der Beru-
fungsverhandlung die folgenden Anträge (pag. 701; Hervorhebungen im Original):

I.

Des erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Berner Jura - Seeland (Kollegialgericht) vom 19. 
Mai 2022 (PEN 20 557 + 558) sei vollumfänglich zu bestätigen, insbesondere hinsichtlich der ge-
gen den Beschuldigten/Berufungsführer ausgefällten Schuldsprüche […].

II.

Der Beschuldigte/Berufungsführer, sei zu verurteilen,

1. zur Übernahme der Verfahrenskosten im Berufungsverfahren;

12

2. zur Bezahlung der lnterventionskosten für den Rechtsbeistand der Straf- und Zivilklägerin im Be-
rufungsverfahren gemäss eingereichter Kostennote von Rechtsanwalt E.________, T.________ 
(Ortschaft).

7. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Zu überprüfen sind infolge Anfechtung durch den Beschuldigten die erstinstanzli-
chen Schuldsprüche samt Strafzumessung, Widerruf und Kostenverlegung. Folg-
lich ist auch über die Rück- und Nachzahlungspflichten betreffend die Entschädi-
gung der amtlichen Verteidigung (Fürsprecherin B.________, Mandat sistiert) im 
erstinstanzlichen Verfahren zu befinden, die Höhe der amtlichen Entschädigung ist 
demgegenüber in Rechtskraft erwachsen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 
6B_1231/2022 vom 10. März 2023). Ferner sind Entschädigungsansprüche des 
Beschuldigten zu prüfen und die amtliche Entschädigung von Fürsprecherin 
B.________ im oberinstanzlichen Verfahren samt allfälliger Rückzahlungspflicht 
des Beschuldigten zu bestimmen. Der Rechtskraft nicht zugänglich ist ferner die 
Verfügung über die erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten. 

Nicht angefochten und in Rechtskraft erwachsen ist das erstinstanzliche Urteil be-
züglich der Einstellungen des Strafverfahrens sowie des Freispruchs. In diesen 
Punkten ist jedoch der vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsentscheid zu 
überprüfen. Zufolge Nichteintretens (vgl. E. 5. hiervor) ist nicht mehr über die Zivil-
klage zu befinden. 

Die Kammer überprüft das vorinstanzliche Urteil in den angefochtenen Punkten mit 
voller Kognition (Art. 398 Abs. 3 der Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO; 
SR 312.0]). Aufgrund der alleinigen Berufung des Beschuldigten gilt das Ver-
schlechterungsverbot; das erstinstanzliche Urteil darf nicht zu seinem Nachteil ab-
geändert werden (Art. 391 Abs. 2 StPO).

8. Widerrufsverfahren

Gemäss Art. 46 Abs. 5 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) 
darf ein Widerruf nicht mehr angeordnet werden, wenn seit dem Ablauf der Probe-
zeit drei Jahre vergangen sind. Die Probezeit beginnt mit der Eröffnung des Urteils 
zu laufen, das vollstreckbar wird (Art. 44 Abs. 4 StGB). Massgebend für die Einhal-
tung der Frist nach Art. 46 Abs. 5 StGB ist das Urteil der Berufungsinstanz, soweit 
es das erstinstanzliche Urteil auch betreffend den Widerruf ersetzt (BGE 143 IV 
441 E. 2.2 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 6B_733/2019 vom 15. No-
vember 2019 E. 1.4.).

Vorliegend wurde dem Beschuldigten mit Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland vom 4. September 2017 für eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten der be-
dingte Vollzug gewährt, wobei die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt wurde. Die 
Probezeit endete am 4. September 2019. Da bis zur oberinstanzlichen Berufungs-
verhandlung mehr als drei Jahre vergangen sind, darf ein Widerruf nicht mehr an-
geordnet werden. Das Widerrufsverfahren ist folglich einzustellen (vgl. pag. 640). 
Für die Kostenfolge wird auf Ziff. 46. hiernach verwiesen.

13

9. Verletzung des Anklagegrundsatzes

9.1 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

Rechtsanwalt C.________ brachte für den Beschuldigten zusammengefasst vor, 
bei der vorliegenden Anklageschrift handle es sich bestenfalls um eine skizzenhaf-
te, summarische Auflistung von angeblichen Vorfällen, aber nicht um eine Anklage-
schrift im Sinne der StPO. Er rügte insbesondere das Vorgehen der Staatsanwalt-
schaft im Zusammenhang mit der Anklageschrift vom 20. August 2020 und der An-
klageergänzung vom 13. Mai 2022. Weiter führte Rechtsanwalt C.________ aus, 
die Anklageschrift führe 15 Delikte und auf fünf Zeilen die gesetzlichen Bestim-
mungen auf. Wenn eine beschuldigte Person derart herleiten müsse, was ihr vor-
geworfen werde und unter welcher Gesetzesbestimmung die Anklagesachverhalte 
zu subsumieren seien, liege eine Verletzung des Anklageprinzips vor. Der Be-
schuldigte könne sich nicht ernsthaft zur Wehr setzen, wenn er die gesetzlichen 
Bestimmungen nicht kenne. Schliesslich machte Rechtsanwalt C.________ Vor-
bringen zu einzelnen Anklagepunkten (zum Ganzen pag. 663 ff.). Wenn die Gene-
ralstaatsanwaltschaft ausführe, die Deliktszeiträume seien weiträumig umschrie-
ben, weil man es nicht besser gewusst habe, sei dem entgegen zu halten, dass die 
Staatsanwaltschaft nicht nur eine Einvernahme hätte durchführen müssen, sondern 
mehrere, um genau prüfen zu können, wann das Geschilderte vorgefallen sei. 
Wenn der Beschuldigte seinen Standpunkt angebracht habe, sei ihm das sofort um 
die Ohren geschlagen und wenn die Strafklägerin irgendetwas gesagt habe, sei 
dies nicht kritisch hinterfragt worden. Das sei der Vorwurf, welcher der Anklage-
schrift gemacht werde (pag. 673). 

Staatsanwältin U.________ hielt für die Generalstaatsanwaltschaft im Wesentli-
chen dagegen, die Anklageschrift sei effektiv knapp, aber der Sachverhalt ausrei-
chend umschrieben und der Beschuldigte habe stets gewusst, was ihm vorgewor-
fen werde. Ungenauigkeiten in Bezug auf Daten seien nicht immer vermeidbar, 
insbesondere bei Beziehungsdaten und in Fällen häuslicher Gewalt. Es werde auf 
die Urteile des Bundesgerichts 6B_103/2017 und 6B_228/2015 verwiesen (zum 
Ganzen pag. 668). Weiter brachte Staatsanwältin U.________ bezugnehmend auf 
die Daten in der Anklageschrift vor, die Staatsanwaltschaft habe nachgefragt, aber 
die Strafklägerin habe dies nicht sagen können. Das sei in solchen Beziehungsde-
likten nicht ungewöhnlich (pag. 674). 

Rechtsanwalt E.________ führte seinerseits für die Strafklägerin zusammenfas-
send aus, es seien die Grundsätze der bundesgerichtlichen Rechtsprechung im Ur-
teil BGE 143 IV 63 in Erinnerung zu rufen. Entscheidend sei, dass die betroffene 
Person genau wisse, welcher Handlung sie beschuldigt und wie das Verhalten 
rechtlich qualifiziert werde. Vorliegend habe der Beschuldigte genau gewusst, was 
ihm vorgeworfen werde, zumal auch seine Verteidigung im erstinstanzlichen Par-
teivortrag stundenlang inhaltliche Angaben gemacht und sich einlässlich zu den 
Vorwürfen geäussert habe. Offensichtlich habe sie die Vorwürfe mit ihm bespro-
chen, ansonsten sie sich nicht derart hätte äussern können. Seitens der Verteidi-
gung sei damals keine Verletzung des Anklageprinzips geltend gemacht worden. 
Auch heute habe eine Einlassung zu den Vorwürfen und eine materielle Auseinan-
dersetzung stattgefunden. Ebenfalls habe das Bundesgericht wiederholt festgehal-

14

ten, dass eine knappe Anklageschrift nicht unzulässig sei. Es gehe darum, ob der 
Beschuldigte wisse, was ihm vorgeworfen werde. Und wenn er sich dazu äussere, 
dann sei der Anklagegrundsatz gewahrt (pag. 671; pag. 675). 

Der besseren Übersicht und Verständlichkeit halber werden die weiteren Vorbrin-
gen der Parteien – soweit diese die einzelnen Anklageziffern zum Gegenstand ha-
ben – direkt im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen unter den jeweiligen An-
klageziffern wiedergegeben und sogleich behandelt.

9.2 Rechtliche Grundlagen

Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Ge-
richtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und Art. 325 StPO; Art. 29 Abs. 2 
und Art. 32 Abs. 2 BV). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last ge-
legten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe 
in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich be-
zweckt das Anklageprinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten 
Person und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion). 
Entscheidend ist, dass die beschuldigte Person genau weiss, welcher konkreter 
Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit 
sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbereiten kann und nicht Gefahr läuft, erst an 
der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu werden. So-
lange klar ist, welcher Sachverhalt der beschuldigten Person vorgeworfen wird, 
kann auch eine fehlerhafte und unpräzise Anklage nicht dazu führen, dass es zu 
keinem Schuldspruch kommen darf. Die nähere Begründung der Anklage erfolgt an 
Schranken; es ist Sache des Gerichts, den Sachverhalt verbindlich festzustellen. 
Dieses ist an den in der Anklage umschriebenen Sachverhalt, nicht aber an die 
darin vorgenommene rechtliche Würdigung gebunden (Art. 350 Abs. 1 StPO; BGE 
143 IV 63 E. 2.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_879/2018 vom 
26. April 2019 E. 1.1). 

Wie detailliert der Sachverhalt umschrieben sein muss, hängt von den Umständen 
des Einzelfalls, insbesondere von der Schwere der Vorhalte, der Komplexität der 
Subsumtion und in gewissem Masse auch von der Beweislage ab. Die Umschrei-
bungsdichte ist mithin relativer Natur und hat sich am Anklageprinzip zu orientieren. 
Massgebend ist, ob der Beschuldigte – bei objektiver Betrachtung – im Ergebnis 
über alle wesentlichen, relevanten Anklagevorhalte hinreichend genau informiert 
wird (BGE 143 IV 63 E. 2.2.; 103 Ia 6, E. 1b, je mit Hinweisen; HEIMGART-
NER/NIGGLI, Basler Kommentar StPO/JStPO, 3. Aufl. 2023, N. 25 zu Art. 325 
StPO). Die Angabe eines bestimmten Zeitraums genügt, wenn sich die zeitlichen 
Verhältnisse nicht exakt rekonstruieren lassen, solange für die beschuldigte Person 
kein Zweifel besteht, welches Verhalten ihr vorgeworfen wird. Das Gesetz verlangt 
nicht das präzise Datum, sondern die «Beschreibung von [...] Zeit», die üblicher-
weise in der Angabe eines Datums erfolgen kann. Die Zeit-Angabe ist indes nur ei-
ne der Angaben zur Umschreibung der Tatausführung. Es hängt wesentlich von 
Beweissituation und Gewährleistung effektiver Verteidigungsmöglichkeiten und 
damit von der Verfahrensfairness ab, ob ein längerer Zeitrahmen noch als im Sinne 
von Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO genügend bestimmt beurteilt werden kann. Mit ande-
ren Worten bestimmt sich die (noch) zulässige Zeitangabe nach Massgabe des 

15

konkreten Anklagesachverhalts (Urteile des Bundesgerichts 6B_1003/2020 vom 
21. April 2021 E. 1.2.1; 6B_212/2019 vom 15. Mai 2019 E. 1.2.1; 6B_1227/2018 
vom 8. Februar 2019 E. 1.2; je mit Hinweisen). Bei gehäuften und regelmässigen 
Delikten wird dem Anklagegrundsatz Genüge getan, wenn die Handlungen in zeitli-
cher und örtlicher Hinsicht lediglich approximativ umschrieben werden. Der Zeit-
raum ist auf eine bestimmte Dauer einzugrenzen. Nicht entscheidend ist, ob sich 
die beschuldigte Person effektiv ein Alibi beschaffen kann oder sich an den Tatzeit-
raum erinnert (Urteile des Bundesgerichts 6B_1003/2020 vom 21. April 2021 E. 
1.2.1; 6B_619/2019 vom 11. März 2020 E. 2.3; 6B_997/2019 vom 8. Januar 2020 
E. 2.3; je mit Hinweisen). Insbesondere bei Familiendelikten kann nicht erwartet 
werden, dass über jeden einzelnen Vorfall Buch geführt wird (Urteile des Bundes-
gerichts 6B_228/2015 vom 25. August 2015 E. 1.3; 6B_167/2014 vom 5. Januar 
2015 E. 1.5; 6B_100/2014 vom 18. Dezember 2014 E. 2.3.1; je mit Hinweis). 

Gemäss Art. 329 Abs. 1 lit. a StPO prüft die Verfahrensleitung, ob die Anklage-
schrift und die Akten ordnungsgemäss erstellt sind. Ergibt sich aufgrund dieser Prü-
fung oder später im Verfahren, dass ein Urteil zurzeit nicht ergehen kann, so sistiert 
das Gericht das Verfahren. Falls erforderlich, weist es die Anklage zur Ergänzung 
oder Berichtigung an die Staatsanwaltschaft zurück (Art. 329 Abs. 2 StPO). Nach 
Art. 333 Abs. 1 StPO gibt das Gericht der Staatsanwaltschaft zudem Gelegenheit, 
die Anklage zu ändern, wenn nach seiner Auffassung der in der Anklageschrift um-
schriebene Sachverhalt einen anderen Straftatbestand erfüllen könnte, die Ankla-
geschrift aber den gesetzlichen Anforderungen nicht entspricht (vgl. BGE 149 IV 42 
E. 3; Urteil des Bundesgerichts 6B_1055/2022 vom 21. Dezember 2023 E. 2.2.1; je 
mit Hinweisen). Als Beispiel wird regelmässig der Fall erwähnt, dass das Gericht 
anstatt der angeklagten Veruntreuung auch eine rechtliche Würdigung des Sach-
verhalts als Betrug für möglich erachtet, die Anklage indessen nicht sagt, durch 
welches Verhalten sich die beschuldigte Person arglistig verhalten haben soll. In 
solchen Fällen wird die Staatsanwaltschaft eingeladen, den Sachverhalt der Ankla-
ge in Bezug auf das Merkmal der Arglist zu ergänzen (Urteil des Bundesgerichts 
6B_171/2022 vom 29. November 2022 E. 3.4.1.). Werden während des Hauptver-
fahrens neue Straftaten der beschuldigten Person bekannt, so kann das Gericht 
der Staatsanwaltschaft gestatten, die Anklage zu erweitern (Art. 333 Abs. 2 StPO). 
Will es den Sachverhalt rechtlich anders würdigen als die Staatsanwaltschaft in der 
Anklageschrift, so eröffnet es dies den anwesenden Parteien und gibt ihnen Gele-
genheit zur Stellungnahme (Art. 344 StPO). Die StPO unterscheidet folglich zwi-
schen der Verbesserung einer nicht ordnungsgemäss erstellten Anklageschrift 
durch Ergänzung oder Berichtigung (Art. 329 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 StPO), der 
Änderung oder Ergänzung der Anklage bezüglich des angeklagten Sachverhalts 
(Anklageänderung bzw. -ergänzung, Art. 333 Abs. 1 StPO) und der Erweiterung 
der Anklage um eine zusätzliche Straftat (Anklageerweiterung, Art. 333 Abs. 2 
StPO; BGE 148 IV 124 E. 2.6.2; 147 IV 167 E. 1.4 und E. 1.5.1). 

9.3 Vorbemerkungen

Vorab ist der Hinweis angebracht, dass die formelle Rüge der Verletzung des An-
klagegrundsatzes – entgegen den Einwänden der Rechtsvertretung der Strafkläge-
rin und der Generalstaatsanwaltschaft – stets vorgebracht werden kann und nicht 

16

etwa verwirkt. Der Verzicht der vormaligen Verteidigerin des Beschuldigten, diese 
Rügen bereits vor der Vorinstanz vorzubringen, ist vorliegend unbeachtlich (vgl. 
auch die zutreffenden Ausführungen von Rechtsanwalt C.________ im oberin-
stanzlichen Parteivortrag [pag. 675]). 

9.4 Ad Ziff. I.1. der Anklageschrift

Die Verteidigung des Beschuldigten brachte vor, es sei nicht klar, ob der Beschul-
digte den Schlüssel an sich genommen oder versteckt habe. Auch werde nicht um-
schrieben, dass die Strafklägerin die Wohnung nicht habe verlassen dürfen und wie 
sie der Beschuldigte daran gehindert haben solle.

Es trifft zu, dass die Anklageschrift offen lässt, ob der Beschuldigte den Schlüssel 
«an sich nahm» oder «versteckte». Inwiefern darin eine Verletzung des Anklage-
grundsatzes liegen soll, ist nicht ersichtlich, zumal diese gemäss hiervor zitierter 
Rechtsprechung den Sachverhalt hinreichend und nicht abschliessend umschrei-
ben muss. Die Würdigung des Sachverhalts bleibt Aufgabe des Gerichts. Weiter 
führt die Anklageschrift aus, dass der Beschuldigte die Strafklägerin während der 
Dauer von ca. einer Stunde «gegen ihren Willen» in der abgeschlossenen Woh-
nung «festhielt» (pag. 176). Daraus erhellt klar der Vorwurf, dass sie nicht in der 
Wohnung bleiben wollte. Ebenfalls umschrieben wird entgegen dem Einwand der 
Verteidigung des Beschuldigten, wie der Beschuldigte die Strafklägerin am Verlas-
sen der Wohnung hinderte («indem der Beschuldigte die Türe seiner Wohnung ab-
schloss, die Schlüssel an sich nahm oder versteckte und die unter Ziff. 4. hiernach 
beschriebene einfache Körperverletzung zum Nachteil von D.________ beging und 
sie dabei […] in der abgeschlossenen Wohnung festhielt.»). 

9.5 Ad Ziff. I.2. der Anklageschrift

Gegen diesen Anklagepunkt wendete die Verteidigung des Beschuldigten ein, die 
versuchte Gefährdung des Lebens werde nicht genügend und die Skrupellosigkeit 
gar nicht umschrieben. Zudem sei diese im Juli oder August 2019 begangen wor-
den, wobei sich frage, wann genau. Weiter frage sich, was für ein Auto es gewesen 
sei, ob es überhaupt ein Auto oder gar ein Töff gewesen sei und wessen Auto, so-
wie, ob es ein Lenkradschloss gehabt habe. Weiter stelle sich die Frage, ob das 
Lenkrad blockiert hätte, wenn der Zündschlüssel gezogen worden wäre. Auch nach 
der oberinstanzlichen Einvernahme sei unklar, um welche Fahrt es sich konkret 
gehandelt habe. 

Vorab ist ganz allgemein auf die Rüge der aus Sicht der Verteidigung des Beschul-
digten ungenauen Daten bzw. Tatzeitpunkte einzugehen. Wie hiervor zitiert hat das 
Bundesgericht mehrfach bestätigt, dass die Angabe eines Zeitraumes genügt. 
Ebenfalls lässt die Rechtsprechung bei regelmässigen Delikten eine ungefähre 
Umschreibung der Handlungen in zeitlicher und örtlicher Hinsicht zu. Dies ist vor-
liegend der Fall. Die gegen die Strafklägerin verübten Delikte ereigneten sich 
während der ein Jahr dauernden Beziehung zwischen ihr und dem Beschuldigten 
und weisen eine gewisse Regelmässigkeit bzw. Gleichförmigkeit im Ablauf auf. Es 
wäre erstaunlich, wenn sich die Strafklägerin jeweils an das genaue Datum und die 
Uhrzeit erinnern könnte, zumal über solche Ereignisse für gewöhnlich nicht Buch 
geführt wird. Stattdessen konnte sie die Vorfälle inhaltlich detailliert beschreiben, 

17

was nachvollziehbar erscheint, bleiben doch emotional einschneidende Erlebnisse 
erfahrungsgemäss besser im Gedächtnis als Daten. Die Zeiträume lassen sich 
überdies auf wenige Monate oder auf einen Monat eingrenzen und sind insofern 
auch nicht zeitlich vage. Ebenfalls sind die Vorwürfe in sachlicher und örtlicher Hin-
sicht genügend detailliert umschrieben, was eine ausreichende Individualisierung 
der Taten erlaubt und eine allfällige relative zeitliche Unbestimmtheit der Anklage 
aufzuwiegen vermag. Der Beschuldigte selbst äusserte sich teilweise zu den ihm 
vorgeworfenen Delikten, darüber hinaus machte er von seinem Aussageverweige-
rungsrecht Gebrauch bzw. erschien an der Berufungsverhandlung unentschuldigt 
nicht. Er erhielt somit mehrfach und damit ausreichend Gelegenheit, zu den ange-
klagten Sachverhalten Stellung zu nehmen. Vor diesem Hintergrund verfängt der 
Einwand, er habe sich nicht hinreichend zu den Vorwürfen äussern können, nicht. 

Das Geschehnis gemäss Ziff. I.2. der Anklageschrift schilderte die Strafklägerin 
erstmals anlässlich ihrer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 29. April 2020 
und gab als Deliktszeitraum Juli/August 2019 an (pag. 22 Z. 438 ff.). Angesichts 
des Zeitablaufs war ihr eine noch nähere Eingrenzung kaum möglich. Neben dem 
Zeitraum («begangen in der Zeit von Juli/August 2019») bezeichnet die Anklage-
schrift weitere Angaben zur Fahrt («auf der Autobahn J.________ auf der Strecke 
K.________ (Ortschaft)-H.________ (Ortschaft)»), die Beteiligten («der Beschul-
digte als Beifahrer», «die Lenkerin D.________»), das konkrete Vorgehen («indem 
der Beschuldigte […] während der Fahrt auf der Autobahn bei einer Geschwindig-
keit von ca. 120 km/h versuchte den Schlüssel aus den Zündschloss herauszuzie-
hen») und die Absichten des Beschuldigten («[…] dass sich das Lenkrad blockiert 
und die Lenkerin […] die Herrschaft über das Fahrzeug verliert und so einen Unfall 
mit Schwerverletzten verursacht.» [pag. 176]). Entgegen der Verteidigung des Be-
schuldigten umschreibt die Anklageschrift somit unzweifelhaft, dass es sich um ein 
Fahrzeug gehandelt hat. Um welche Marke oder Ausführung es sich hierbei ge-
handelt hat, ist mit Blick auf die rechtliche Würdigung ebenso wenig von Relevanz, 
wie die Frage, ob das Ziehen des Zündschlüssels das Lenkrad blockiert hätte. In-
sofern mussten entgegen der Verteidigung des Beschuldigten diesbezüglich von 
der Staatsanwaltschaft auch keine Nachforschungen angestellt werden (pag. 674). 
Soweit vorgebracht wird, die versuchte Gefährdung des Lebens werde nicht um-
schrieben, ist dieser Einwand nicht zu hören. Wie nachfolgend noch ausgeführt 
wird, können sämtliche Sachverhaltselemente aus der Anklageschrift abgeleitet 
werden (vgl. E. 15.4 hiernach). Der Beschuldigte wusste, welcher Lebensvorgang 
Gegenstand der Anklage bildet und konnte sich angemessen verteidigen. 

9.6 Ad Ziff. I.3. der Anklageschrift und Ziff. I.3. sowie Ziff. I.16. der Anklageergänzung

9.6.1 Vorbringen der Parteien

Die Verteidigung des Beschuldigten machte zusammengefasst geltend, während 
des Hauptverfahrens habe die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift gestützt auf 
Art. 333 Abs. 2 StPO um zwei weitere Ziffern ergänzt und neue Vorwürfe hinzuge-
fügt. Zudem sei die bereits bestehende Ziff. 3 der Anklageschrift um den Sachver-
halt der Gefährdung des Lebens ergänzt worden. Dieses Vorgehen sei nicht zuläs-
sig. Gemäss Art. 333 Abs. 1 StPO könne die Anklage geändert werden, wenn der 
in der Anklageschrift umschriebene Sachverhalt einen anderen Straftatbestand er-

18

füllen könnte, die Anklageschrift aber den gesetzlichen Anforderungen nicht ent-
spreche. In dieser Konstellation werde der in der Anklageschrift umschriebene 
Sachverhalt nicht mehr geändert. Vorliegend habe die Staatsanwaltschaft neue 
Vorwürfe in die Anklageschrift aufgenommen, die allerdings schon im Vorverfahren 
ein Thema gewesen seien. Neue Vorwürfe könnten gemäss Art. 333 Abs. 2 StPO 
nur als Ergänzung in die Anklage aufgenommen werden, wenn sie sich aus dem 
Hauptverfahren ergeben würden. Die Staatsanwaltschaft habe diese Punkte nicht 
in die Anklage aufgenommen gehabt und dass sie dies auf Anlass der Vertretung 
der Strafklägerin nachgeholt habe, sei eine eklatante Verletzung des Anklageprin-
zips. Die Anklageschrift hätte zurückgewiesen werden müssen, was aber nicht er-
folgt sei. Deshalb sei eine Verurteilung in den Ziff. I.16., I.17. und I.3 der Anklage-
ergänzung nicht möglich. Mit der Anklageergänzung habe die Staatsanwaltschaft 
zudem neue Beweismittel eingereicht, wobei sich die Frage stelle, wo diese Akten 
vorher gewesen seien und ob es noch andere gebe. Klar sei, dass sich die Straf-
klägerin bei diesem angeblichen Vorfall bei der Polizei gemeldet und auf das Stel-
len eines Strafantrags verzichtet habe. Trotzdem habe die Vorinstanz diesen Vor-
fall kurzerhand unter den Anklagezeitraum von Dezember 2018 und Januar 2019 
als Gefährdung des Lebens in das Verfahren eingebracht. Dies, obwohl der Vorfall 
im Polizeirapport als einfache Körperverletzung aufgeführt und die Verletzungen im 
IRM-Bericht als Bagatellverletzungen beschrieben worden seien. Auch diese un-
zulässige Abänderung der Anklageschrift verletze den Anklagegrundsatz und die 
Verurteilung basiere auf reiner Willkür (pag. 663). In der Replik brachte Rechtsan-
walt C.________ vor, es sei ausführlich zur Gefährdung des Lebens, aber nicht zur 
Anklageergänzung plädiert worden. Das Vorbringen bezüglich der Anklageergän-
zung mit dem Argument a maiore ad minus sei nicht richtig und es gebe genügend 
Urteile, die festhalten würden, dass im Hauptverfahren nicht neue Umstände prä-
sentiert werden dürften. Das Gesetz sei diesbezüglich klar, ebenso die Rechtspre-
chung. Der Kunstgriff mit der Ergänzung nach Art. 333 Abs. 2 StPO, um diese auf 
diesem Umweg bei der Beurteilung einzubringen, sei nicht zulässig. Die Staatsan-
waltschaft hätte die Anklageschrift zurückziehen können. Aber sie könne nicht im 
Nachhinein noch nachbessern und etwas in die Anklageschrift hineinflicken (pag. 
673). 

Staatsanwältin U.________ brachte für die Generalstaatsanwaltschaft vor, dass die 
Anklageschrift gestützt auf Art. 340 Abs. 1 lit. b StPO nach Behandlung allfälliger 
Vorfragen nicht mehr zurückgezogen werden könne. A maiore ad minus lasse dies 
den Schluss zu, dass die Anklageschrift vorher noch angepasst werden könne. Es 
frage sich, warum die Verteidigung nicht interveniert habe, sondern dies erst im Be-
rufungsverfahren zum Thema mache. Betreffend Ziff. I.3. der Anklageschrift sei der 
Beschuldigte von der Vorinstanz der Gefährdung des Lebens, begangen am 
22. November 2018 verurteilt worden. In der Anklageschrift sei von einem Zeitraum 
zwischen Dezember 2018 und Januar 2019 die Rede gewesen, aber erst im Rah-
men der Hauptverhandlung habe sich ergeben, dass der Vorfall am gleichen Tag 
gewesen sei, wie jener mit dem Messer. Deshalb sei das Datum korrekt (pag. 668).

Rechtsanwalt E.________ führte aus, betreffend die Anklageergänzung liege wohl 
ein Anwendungsfall von Art. 333 Abs. 2 StPO vor. Mit der Generalstaatsanwalt-
schaft könne die Staatsanwaltschaft gestützt auf Art. 340 Abs. 1 lit. b StPO e con-

19

trario die Anklage vor der Behandlung von Vorfragen noch zurückziehen. Vorlie-
gend liege ein Rückzug unter sofortiger Wiedereinreichung vor, da der angesetzte 
Termin der Hauptverhandlung gewahrt worden sei. Gegen dieses Vorgehen habe 
die Verteidigung keinen Einwand erhoben und überdies die Möglichkeit gehabt, 
sich vorzubereiten und an der Hauptverhandlung zur Ergänzung einlässlich zu 
äussern. Dies sei unschön, aber nicht unzulässig. Falls kein Anwendungsfall von 
Art. 340 Abs. 1 StPO vorliege, könne als Eventualbegründung Art. 329 Abs. 2 StPO 
herangezogen werden (pag. 671). Es gebe kein Urteil des Bundesgerichts, welches 
verbiete, dass die Anklageschrift an die Staatsanwaltschaft zurückgegeben werde. 
Die Sachlage wäre anders gewesen, wenn die Verteidigung gesagt hätte, sie kön-
ne sich nicht hinreichend vorbereiten. Tatsache sei aber, dass die Anklageschrift 
zurückgezogen und wiedereingereicht worden sei und die Verteidigung nicht dage-
gen opponiert habe. Art. 340 StPO erlaube einen Rückzug der Anklageschrift bis 
zur Verhandlung; davon habe die Staatsanwaltschaft Gebrauch gemacht (pag. 
675). 

9.6.2 Erwägungen der Kammer

Vorliegend wurde dem Beschuldigte in Ziff. I.3. der Anklageschrift eine versuchte 
schwere Körperverletzung, evtl. versuchte einfache Körperverletzung, begangen in 
der Zeit zwischen Dezember 2018 und Januar 2019 in dessen Wohnung zum 
Nachteil der Strafklägerin vorgeworfen, indem er die Strafklägerin «packte, auf den 
Boden führte und sie würgte, so dass sie für zwei Sekunden das Bewusstsein ver-
lor, dann wieder zu sich kam und zunächst nicht wusste, wo sie war und der Be-
schuldigte sie anschliessend ohrfeigte.». Durch sein Verhalten solle der Beschul-
digte beabsichtigt bzw. zumindest in Kauf genommen haben, dass sich die Straf-
klägerin lebensgefährlich verletzt und/oder eine andere schwere Schädigung des 
Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit zuzieht (pag. 175). Nach 
Eingang des Schreibens von Rechtsanwalt E.________ vom 12. Mai 2022, in dem 
um Ergänzung der Anklageschrift und eine andere rechtliche Würdigung des Sach-
verhalts gemäss Ziff. I.3. der Anklageschrift ersucht wurde (pag. 291 ff.), wies die 
Vorinstanz die zuständige Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 12. Mai 2022 in 
Anwendung von Art. 333 StPO an, die Anklageschrift zu erweitern bzw. zu ändern 
(pag. 297 f.). Mit Anklageergänzung vom 13. Mai 2022 ergänzte die Staatsanwalt-
schaft die Anklageschrift gestützt auf Art. 333 Abs. 2 StPO – soweit oberinstanzlich 
noch relevant – um den Vorwurf einer Gefährdung des Lebens, begangen im Win-
ter 2018, evtl. in der Zeit vom 22. November 2018 an der G.________(Adresse) in 
F.________(Ortschaft) zum Nachteil der Strafklägerin (Ziff. I.16. der Anklageergän-
zung). Weiter reichte die Staatsanwaltschaft eine Kopie des Einvernahmeprotokolls 
der Kantonspolizei Bern vom 22. November 2018, ein rechtsmedizinisches Gutach-
ten des Instituts für Rechtsmedizin (nachfolgend IRM) vom 22. November 2018 und 
einen Rapport des Kriminaltechnischen Dienstes der Kantonspolizei Bern (nachfol-
gend KTD) vom 12. Dezember 2018 inkl. dreier Fotos (pag. 316 ff.) zu den Akten. 
Sie führte hierzu aus, diese zusätzlichen Unterlagen könnten zur Erstellung des 
nun in dubio pro duriore angeklagten Sachverhalts gemäss Ziff. I.16. der Anklage-
ergänzung dienen. Sodann wurde Ziff. I.3. der Anklageschrift wie folgt ergänzt: 
«Evtl. durch sein Verhalten schuf der Beschuldigte skrupellos und willentlich eine 
unmittelbare, konkrete Gefahr für das Leben von D.________. Er wusste, dass 

20

aufgrund seines Verhaltens die nahe Möglichkeit bestand, dass D.________ durch 
das Würgen lebensgefährliche Verletzungen erleiden würde. Der Beschuldigte 
handelte trotz dieses Wissens, weil ihm die Gefährdung gleichgültig war.». Die 
Staatsanwaltschaft beantragte, diese Ziffer der Anklageschrift ebenfalls unter Art. 
129 StGB zu würdigen (pag. 313 f.). Diesen Würdigungsvorbehalt brachte die Vor-
instanz anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung an (vgl. pag. 341). 

Soweit Ziff. I.3. der Anklageschrift betreffend ergänzte die Staatsanwaltschaft den 
Sachverhalt eventualiter um die Tatbestandselemente der Gefährdung des Lebens 
(Skrupellosigkeit, unmittelbare Lebensgefahr, direkter Vorsatz). Dabei handelt es 
sich um eine sog. Anklageänderung bzw. -ergänzung und den typischen Anwen-
dungsfall von Art. 333 Abs. 1 StPO, da der angeklagte Sachverhalt aus Sicht der 
Vorinstanz den Tatbestand der Gefährdung des Lebens erfüllen könnte, diese Tat-
bestandselemente jedoch in der Anklageschrift nicht (vollständig) umschrieben 
worden waren. Insofern wurde das dritte Lemma der Ziff. I.3. der Anklageschrift 
durch den eventualiter angeklagten Sachverhalt zusätzlich ergänzt. Diese Ankla-
geänderung wurde den Parteien vor Durchführung der Hauptverhandlung vom 
17. Mai 2022 zur Kenntnis gebracht (vgl. pag. 331 f.). Es ist weder ersichtlich noch 
dargetan, dass sich der Beschuldigte nicht hinreichend dagegen hätte verteidigen 
können. Die damalige Rechtsvertretung des Beschuldigten äusserte sich in ihrem 
erstinstanzlichen Parteivortrag zu diesem Anklagepunkt denn auch zum Tatbe-
stand der Gefährdung des Lebens (pag. 381). Eine Verletzung des Anklagegrund-
satzes liegt somit nicht vor.

Fraglich ist allerdings, ob Ziff. I.16. der Anklageergänzung unter den hiervor zitier-
ten Voraussetzungen von Art. 333 Abs. 1 oder Abs. 2 StPO zulässig ist. Mit Blick 
auf die nachfolgende Beweiswürdigung (vgl. E. 15.5 hiernach) kann dieser Punkt 
jedoch offengelassen werden.

9.7 Ad Ziff. I.4. der Anklageschrift 

Die Verteidigung des Beschuldigten führte aus, die Umschreibung sei auch hier 
oberflächlich. Es sei nicht klar, wie stark der Beschuldigte die Strafklägerin an den 
Haaren gezogen und wohin er genau ins Gesicht geschlagen habe und wann dies 
genau gewesen sei. 

Vorab ist dem Einwand entgegen zu halten, dass die Frage, wie stark der Beschul-
digte die Strafklägerin an den Haaren gezogen und wohin er sie ins Gesicht ge-
schlagen haben soll, eine Frage der gerichtlichen Beweiswürdigung darstellt. Ent-
scheidend ist vorliegend, dass die Anklageschrift den Vorwurf enthält, demnach er 
sie an den Haaren gezogen und ins Gesicht geschlagen haben soll. Diesbezüglich 
ist die Anklage klar, insbesondere wird auch die Art der Schläge umschrieben 
(«[…] an den Haaren zog […] mit der flachen Hand mit Schwung ins Gesicht schlug 
[…] schlug ihr mit der flachen Hand mindestens viel Mal ins Gesicht […]» [pag. 176 
f.]). Hinsichtlich der Rüge betreffend den Tatzeitpunkt kann auf die Erwägungen un-
ter Ziff. 9.5 hiervor verwiesen werden.

9.8 Ad Ziff. I.5.1. der Anklageschrift 

Rechtsanwalt C.________ brachte hierzu namens des Beschuldigten vor, dies sei 
irgendwann im Juni oder Juli 2019 irgendwo am L.________(See) passiert. Gegen 

21

derart unspezifische Angaben könne man sich schlicht nicht zur Wehr setzen und 
auch kein Alibi angeben. 

Bezüglich des angeklagten Zeitraums kann auf die Erwägungen unter Ziff. 9.5 hier-
vor verwiesen werden. Angesichts der Vielzahl an Vorfällen innerhalb der Bezie-
hung zwischen der Strafklägerin und dem Beschuldigten kann nicht erwartet wer-
den, dass hierzu konkretere Angaben, wie eine Adresse oder Ortschaft, gemacht 
werden. Vielmehr wird dem Anklagegrundsatz angesichts der weiteren individuali-
sierenden, einzigartigen Merkmale des angeklagten Geschehens («[…] indem der 
Beschuldigte D.________ ins Gesicht biss») genüge getan, obwohl die Handlung in 
zeitlicher und örtlicher Hinsicht lediglich approximativ umschrieben wird. Entgegen 
der Verteidigung des Beschuldigten ist gestützt auf die zitierte Rechtsprechung 
nicht entscheidend, dass sich der Beschuldigte effektiv ein Alibi beschaffen kann. 
Vielmehr musste der Beschuldigte wissen, was ihm vorgeworfen wurde. Was er 
denn auch tat, zumal er zu diesem Anklagepunkt angab, es erinnere ihn an einen 
Vorfall zwischen der Strafklägerin und ihrem Exfreund (vgl. dazu E. 15.6 hiernach).

9.9 Ad Ziff. I.5.2. der Anklageschrift 

Die Verteidigung des Beschuldigten merkte an, auch hier sei der Zeitpunkt unspezi-
fisch wie bei Ziff. 5.1. der Anklageschrift. Es sei irgendwann im Sommer 2019 ge-
wesen. Aber «Sommer» sei keine genaue Zeitangabe. 

Es kann vorab auf die Erwägungen unter Ziff. 9.5 hiervor verwiesen werden. Ob-
wohl der Zeitraum «Sommer 2019» in der Anklageschrift vage ist, muss berück-
sichtigt werden, dass es sich hierbei um mehrere über einen längeren Zeitraum 
verübte, und insoweit gehäufte und regelmässige Übergriffe innerhalb der konflikt-
behafteten Beziehung zwischen der Strafklägerin und dem Beschuldigten handelte 
(«[…] indem der Beschuldigte D.________ wiederholt ohrfeigte, stiess, an den Ar-
men packte, sie würgte und an den Haaren zog» [pag. 177]). Insofern genügt diese 
Zeitangabe. 

9.10 Ad Ziff. I.6.1. und I.6.2. der Anklageschrift

Zu diesem Anklagepunkt führte die Verteidigung des Beschuldigten aus, der Be-
schuldigte solle der Strafklägerin gedroht haben. Hierbei handle es sich jedoch um 
eine rechtliche Würdigung und keine Umschreibung des Sachverhalts. Es frage 
sich, wie genau und in welcher Form der Beschuldigte das gemacht haben solle. 
Habe er es gesagt, geschrieben oder mittels Brieftaube mitgeteilt?

Dass der Begriff «drohte» in der Anklageschrift als Synonym verwendet wurde, ist 
vorliegend unproblematisch. Die fraglichen Aussagen werden wortwörtlich wieder-
gegeben ([…] sie werde schon sehen was zuhause passiere, bzw. «wemer de da-
heime si schlahni di kaputt, isch guet?» und […] dass man solche Leute wie sie, 
umbringen müsse» sowie «[…] Du wirst schon sehen was passieren wird», «Du 
weisst ja was das letzte Mal passiert ist» und «Mach nicht, dass ich es auf meine 
Art regeln muss»). Auch wird in der Anklageschrift bezüglich beider Anklagepunkte 
hinreichend umschrieben, in welcher Form der Beschuldigte die «Drohung» bzw. 
seine Aussagen an die Strafklägerin richtete ([…] indem der Beschuldigte 
D.________ im Bus drohte […] und anschliessend in der Wohnung sagte […]»; […] 
indem der Beschuldigte D.________ wiederholt drohte […]»). Ebenfalls ergibt sich 

22

aus der Anklageschrift, dass die Strafklägerin die Drohungen ernst nahm und Angst 
hatte (pag. 177). Daraus wird klar, dass der Beschuldigte dies mündlich gegenüber 
der Strafklägerin machte. 

9.11 Ad Ziff. I.7.1. der Anklageschrift 

Gegen diesen Anklagepunkt wendete die Verteidigung des Beschuldigten ein, die 
Bezeichnung Winter 2018/2019 sei völlig ungenau. Zudem sei nicht umschrieben, 
um welche Videos es sich konkret gehandelt habe bzw. was auf den Videos gewe-
sen sein solle. Ebenfalls stelle sich die Frage, ob es diese Videos überhaupt gege-
ben habe. 

Hinsichtlich des vorgeworfenen Tatzeitpunkts kann auf die Erwägungen unter Ziff. 
9.5 hiervor verwiesen werden. Die Anklageschrift umschreibt ferner den Inhalt der 
Videos («[…] Videos, welche die beiden beim Geschlechtsverkehr zeigen […]» 
[pag. 178]). Der Einwand bezüglich der Existenz der Videos zielt ins Leere, zumal 
entsprechend der nachfolgenden Beweiswürdigung (vgl. E. 15.8 hiernach) der Be-
schuldigte und die Strafklägerin übereinstimmend angaben, dass diese Videos 
existierten. 

9.12 Ad Ziff. I.7.2. der Anklageschrift 

Die Verteidigung des Beschuldigten brachte vor, es sei nicht klar, ob die Strafkläge-
rin wegen des Festhaltens tatsächlich daran gehindert worden sei, aus dem Bus 
auszusteigen. Für die Erfüllung des Tatbestands der Nötigung müsse eine Person 
genötigt werden, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden, aber in dieser Hin-
sicht werde in der Anklageschrift nichts umschrieben. 

Diesbezüglich führte die Anklageschrift aus, was folgt: «[…] indem der Beschuldig-
te an der Bushaltestelle […] den Arm von D.________ packte und anschliessend 
im Bus, als sie aussteigen wollte, ihre linke Hand festhielt und sie mit den Worten 
[…] am Aussteigen aus dem Bus hinderte» (pag. 178). Somit wird deutlich um-
schrieben, dass die Strafklägerin durch das Festhalten ihrer Hand am Aussteigen 
gehindert wurde. 

9.13 Ad Ziff. I.8.1. und I.8.2. der Anklageschrift 

Zu diesem Anklagepunkt brachte die Verteidigung des Beschuldigten vor, dass der 
Beschuldigte die Strafklägerin «Schlampe» genannt haben solle. Aber es sei nicht 
klar, ob er diese Äusserung gegenüber einer Drittperson gemacht habe und ob dies 
schriftlich oder mündlich erfolgte. 

Die Anklageschrift umschreibt das Geschehen vorliegend hinreichend. So sind die 
Geschädigten, die Äusserungen und deren Form klar («[…] indem der Beschuldigte 
D.________ eine «Schlampe» nannte»; […] indem der Beschuldigte den anwesen-
den Polizisten […] ein «Arschloch», einen «Sauhund» und einen «Hurensohn» 
nannte.» [pag. 178]). Für die Tatbestandserfüllung von Art. 177 StGB ist unerheb-
lich, gegenüber wem die fraglichen Äusserungen getätigt wurden. Ob sich noch 
andere Personen in Hörweite befanden, ist eine Frage der gerichtlichen Beweis-
würdigung. 

23

9.14 Ad Ziff. I.9. der Anklageschrift 

Die Verteidigung des Beschuldigten brachte vor, es sei nicht umschrieben, was ge-
nau kaputt gegangen sei oder um was für einen Schaden es sich gehandelt habe. 
Namentlich sei völlig unklar, ob der Schaden geringfügig gewesen sei.

Vorliegend wird in der Anklageschrift umschrieben, dass der Beschuldigte das Mo-
biltelefon der Strafklägerin gegen sie warf, es zu Boden fiel und kaputt ging (pag. 
178). Da der Anklagesachverhalt keine Hinweise enthält, der auf einen geringfügi-
gen Wert des Mobiltelefons schliessen lassen würde, kann daraus ohne Weiteres 
die Schlussfolgerung gezogen werden, dass es sich hierbei um eine Sache mit ei-
nem Wert von über CHF 300.00 gehandelt hatte. Auch diesbezüglich ist die Ankla-
geschrift klar.

9.15 Ad Ziff. I.10. der Anklageschrift 

Hierzu führte Rechtsanwalt C.________ namens seines Mandanten aus, es sei völ-
lig unklar, inwiefern der Beschuldigte den Polizisten angegriffen haben solle. Es 
frage sich, ob es ein Zupacken, Kneifen oder Heben gewesen sei. Dagegen könne 
man sich auch nicht verteidigen. Zudem werde der Versuch angeklagt, den Polizis-
ten zu schlagen. Aber es werde ein Versuch in rechtlicher Hinsicht und kein Be-
schrieb, wie das Ganze konkret vorgefallen sei, formuliert. Auch hinsichtlich der 
angeblichen Drohung stehe nichts. Die Frage stelle sich, ob es ein Anschreien, 
Flüstern oder Sagen gewesen sei.

Aus der Anklageschrift geht hinreichend hervor, inwiefern der Beschuldigte den Po-
lizisten angriff und den anwesenden Polizisten drohte («[…] einen Polizisten mit 
den Händen angriff, diesen zu schlagen versuchte und den anwesenden Polizisten 
drohte, dass es nicht fertig sei und man sich immer zweimal im Lebens sehe.» 
[pag. 179]). Für die Erfüllung des Tatbestands der Drohung ist nicht entscheidend, 
ob der Beschuldigte diese Drohung schrie oder flüsterte. Auch hierbei handelt es 
sich um eine Frage der gerichtlichen Beweiswürdigung. 

9.16 Ad Ziff. I.11.1. der Anklageschrift 

Gegen diesen Anklagepunkt wendete die Verteidigung des Beschuldigten ein, dem 
Beschuldigten werde vorgeworfen, mit einer Geschwindigkeit von ca. 170 km/h ge-
fahren zu sein. Aber es frage sich, was das «ca.» heisse. In dubio pro reo sei wohl 
eine Geschwindigkeit von 120 km/h anzunehmen. Zudem frage sich, ob die Straf-
klägerin dem Beschuldigten den Wagen überlassen habe, was aber nicht unter-
sucht worden sei. 

Vorliegend wirft die Anklageschrift dem Beschuldigten vor, mit einer Geschwindig-
keit von ca. 170 km/h gefahren zu sein und damit die zulässige Höchstgeschwin-
digkeit von 120 km/h um ca. 50 km/h überschritten zu haben (pag. 179). Mangels 
objektiver Beweismittel wurde diesbezüglich auf die Aussagen der Strafklägerin 
abgestellt, die ihrerseits angegeben hatte, der Beschuldigte sei mit 170 km/h bis 
200 km/h auf der Autobahn nach H.________(Ortschaft) gefahren (pag. 22 Z. 435). 
Welche Geschwindigkeit konkret angenommen wird, ist eine Frage der gerichtli-
chen Beweiswürdigung. Die Anklageschrift umschreibt das Geschehene hierfür hin-
reichend. Da der Beschuldigte diesbezüglich Aussagen machte und angab, die 

24

Strafklägerin sei weggefahren und man könne die Videoüberwachung der 
V.________ (Unternehmen) konsultieren (vgl. E. 17. hiernach; pag. 34 Z. 386 ff.), 
wusste er auch, welche Fahrt bzw. welcher Vorfall ihm vorgeworfen wird und konn-
te sich entsprechend verteidigen. Bezüglich der Frage nach dem Überlassen des 
Fahrzeuges durch die Strafklägerin kann auf die Erwägungen unter Ziff. 17. hier-
nach verwiesen werden.

9.17 Ad Ziff. I.12. der Anklageschrift 

Die Verteidigung des Beschuldigten führte aus, in der Anklageschrift finde sich kein 
einziger Hinweis, um was für eine Waffe es sich gehandelt haben solle. Zudem sei 
der Anklagezeitraum mit «begangen am 10.04.2019 und früher» bezeichnet. Der 
Beschuldigte habe in F.________(Ortschaft) nichts eingeführt. Weiter wendete die 
Verteidigung des Beschuldigten ein, dass sich in den Akten keine Abbildung finde, 
wie die Soft-Air-Waffe ausgesehen habe, obwohl das Gesetz verlange, dass die 
Waffe mit einer echten Waffe verwechselt werden könne (pag. 668).

Bezüglich dieses Vorwurfs beschreibt die Anklageschrift, der Beschuldigte habe 
«[…] eine Soft-Air-Pistole, welche aufgrund ihres Aussehens mit einer echten Feu-
erwaffe verwechselt werden kann», ohne entsprechende Bewilligung in die 
Schweiz eingeführt (pag. 179). Demnach wird die Waffe hinreichend umschrieben. 
Ebenfalls genügend sind die Zeit- und Ortsbezeichnungen («[…] begangen am 
10.04.2019 und früher, in F.________(Ortschaft), G.________(Adresse), und an-
derswo […]»). Zu diesem Vorwurf machte der Beschuldigte konkrete Aussagen und 
gab an, die Waffe in W.________ (Land) erworben zu haben (vgl. E. 18. hiernach), 
womit er wusste, was ihm vorgeworfen wird. Dem Umstand, dass sich in den Akten 
keine Abbildung der Waffe befindet, ist im Rahmen der gerichtlichen Beweiswürdi-
gung Rechnung zu tragen. 

9.18 Ad Ziff. I.13. der Anklageschrift 

Schliesslich brachte Rechtsanwalt C.________ namens seines Mandanten zu die-
sem Anklagepunkt vor, es handle sich um eine pauschale Umschreibung eines 
Konsums. Es sei klar, dass nicht jede Konsumhandlung aufgeführt werden könne, 
aber so wie vorliegend sei es derart pauschal, dass es dem Anklagegrundsatz nicht 
genügen könne. 

Die Anklage wirft dem Beschuldigten eine Widerhandlung gegen das Betäubungs-
mittelgesetz vor, indem er «[…] in der Zeit vom 01.09.2018 bis am 04.12.2019, in 
F.________(Ortschaft) […] Wohnung des Beschuldigten und anderswo […] unbe-
fugt eine unbekannte Menge Marihuana und Kokain konsumierte.» (pag. 179). 
Zwar wird dem Beschuldigten in wenig konkreter Weise vorgeworfen, Marihuana 
und Kokain konsumiert zu haben. Ihm musste allerdings klar sein, welche Kon-
sumhandlungen damit gemeint sind, zumal er insbesondere den Konsum von Ma-
rihuana – jedenfalls dem Grundsatz nach – zugab (vgl. E. 19. hiernach). Die Orte 
und den Zeitraum grenzt die Anklageschrift ein. Ferner ist nicht zu beanstanden, 
dass die Staatsanwaltschaft von einer unbekannten Menge Marihuana und Kokain 
ausgegangen war. 

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9.19 Fazit

Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen genügt die Anklageschrift den gesetzli-
chen Anforderungen. Davon ausgenommen ist Ziff. I.16. der Anklageergänzung, 
deren Überprüfung unterbleiben kann. Der Beschuldigte wusste, was ihm vorge-
worfen wird. Er war über sämtliche wesentlichen und relevanten Anklagevorhalte 
genau informiert und konnte sich entsprechend verteidigen. Der Anklagegrundsatz 
ist somit nicht verletzt.

10. Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes

10.1 Oberinstanzliche Vorbringen der Parteien

Rechtsanwalt C.________ rügte für den Beschuldigten weiter, dass einseitig zu 
dessen Ungunsten ermittelt worden sei, so dass der Beschuldigte resigniert und 
sich entschieden habe, nichts mehr zu sagen. Demgegenüber habe die Strafkläge-
rin sagen können, was sie wolle und es habe umgehend Eingang in die Anklage-
schrift gefunden. Trotz der Vielzahl an Vorwürfen habe nur eine einzige staatsan-
waltschaftliche Einvernahme und keine Schlusseinvernahme stattgefunden, obwohl 
dies im Gesetz so vorgesehen sei. Entlastenden Elementen, wie beispielsweise 
den Videoaufnahmen der V.________(Unternehmen) oder im Bus, sei nicht nach-
gegangen worden und es habe auch keine Einvernahme der Kollegin, die während 
der Fahrt auf der Rückbank gesessen haben solle, stattgefunden. Damit habe die 
Staatsanwaltschaft Art. 6 StPO, wonach Strafbehörden belastende und entlastende 
Umstände mit gleicher Sorgfalt untersuchen müssen, klar verletzt (pag. 662 f.). 
Weiter hielt die Verteidigung des Beschuldigten dem Vorbringen der General-
staatsanwaltschaft, wonach die Videos nicht eingeholt worden seien, da diese wohl 
nicht mehr existiert hätten, entgegen, dass nicht einmal der Versuch unternommen 
worden sei. Die Verfahrensleitung liege bei der Staatsanwaltschaft und es könne 
nicht sein, dass der Beschuldigte die Einholung dieser Beweise beantragen müsse 
bzw. er habe dies ja sogar selbst gesagt (pag. 673). 

Diesbezüglich führte Staatsanwältin U.________ für die Generalstaatsanwaltschaft 
aus, Videos würden im Allgemeinen schnell gelöscht und seien im Anzeigezeit-
punkt mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht mehr vorhanden gewesen. Es sei nicht 
einzusehen, weshalb die Verteidigung nicht weitere Beweismassnahmen beantragt 
habe. Gleiches gelte hinsichtlich der Kollegin, die auch im Auto gewesen sein solle 
(pag. 668). 

Rechtsanwalt E.________ verzichtete auf Ausführungen hierzu.

10.2 Rechtliche Grundlagen

Nach dem Untersuchungsgrundsatz klären die Strafbehörden von Amtes wegen al-
le für die Beurteilung der Tat und der beschuldigten Person bedeutsamen Tatsa-
chen ab (Art. 6 Abs. 1 StPO). Sie untersuchen die belastenden und entlastenden 
Umstände mit gleicher Sorgfalt (Art. 6 Abs. 2 StPO). Der Untersuchungsgrundsatz 
gilt sowohl für die Strafverfolgungsbehörden als auch für die Gerichte (vgl. Art. 12 
ff. StPO; Wohlers, in: DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER [Hrsg.], Kommentar zur 
Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 4 zu Art. 6 StPO; RIE-
DO/FIOLKA, in: Basler Kommentar StPO/JStPO, 3. Aufl. 2023, N. 47 zu Art. 6 StPO). 

26

Der Untersuchungsgrundsatz verpflichtet das Gericht nicht, von Amtes wegen Be-
weiserhebungen vorzunehmen, wenn es sich aufgrund der bereits erhobenen Be-
weise seine Überzeugung gebildet hat und in vorweggenommener Beweiswürdi-
gung annehmen darf, dass die zusätzlichen Beweise nichts an seiner Überzeugung 
zu ändern vermöchten (BGE 141 I 60 E. 3.3; BGE 136 I 229 E. 5.3; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_656/2017 vom 5. Juli 2017 E. 2 mit Hinweis). Die beschuldigte Per-
son kann den Behörden grundsätzlich zudem nicht vorwerfen, gewissen Beweisen 
nicht nachgegangen zu sein, wenn sie es unterliess, rechtzeitig und formgerecht 
entsprechende Beweisanträge zu stellen (BGE 125 I 127 E. 6c/bb S. 134; Urteile 
des Bundesgerichts 1B_115/2021 vom 3. Mai 2021 E. 2.1.; 6B_130/2012 vom 
22. Oktober 2012 E. 3.3, nicht publ. in: BGE 138 IV 209; je mit Hinweisen).

10.3 Erwägungen der Kammer

Es trifft zwar zu, dass der Beschuldigte im Zusammenhang mit den Vorwürfen der 
Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz anlässlich der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme vom 29. April 2020 angegeben hatte, dass man dies 
doch einfach mit den Videoaufnahmen aus der Garage der 
V.________(Unternehmen) beweisen könne (pag. 34 Z. 390). Der Einwand der 
Verteidigung des Beschuldigten ist dennoch unbegründet. Wie die Generalstaats-
anwaltschaft zutreffend ausführte, ist vorliegend nachvollziehbar, dass kein Ver-
such unternommen wurde, eine allfällige Videoaufnahme der Garage der fraglichen 
V.________ (Unternehmen) zu edieren. Es gilt zu bedenken, dass Videoaufnah-
men in der Regel innert einer bestimmten Zeitdauer – üblicherweise 72 Stunden – 
gelöscht oder überschrieben werden. Insofern erstaunt nicht, dass die Staatsan-
waltschaft, nachdem sie im April 2020 und somit knapp ein Jahr nach diesem Vor-
fall, Kenntnis erlangt hatte, diesem Hinweis nicht nachging. 

Ferner konnte auch die Vorinstanz in antizipierter Beweiswürdigung auf die Ab-
nahme von Beweisen verzichten, wenn sie aufgrund bereits abgenommener Be-
weise ihre Überzeugung gebildet hatte und ohne Willkür annehmen konnte, diese 
werde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert. Wie im Rahmen der nach-
folgenden Beweiswürdigung noch dargelegt wird, war dies vorliegend der Fall (vgl. 
E. 17. hiernach). Die Vorinstanz erachtete die Aussagen der Strafklägerin als 
glaubhaft und stellte gestützt darauf die Tatsache als erwiesen an, dass es der Be-
schuldigte war, der im fraglichen Zeitraum das Fahrzeug der Strafklägerin lenkte 
und die angeklagte Geschwindigkeitsüberschreitung beging. Ebenfalls erachtete 
sie die Aussagen der Strafklägerin als glaubhaft, wonach der Beschuldigte im Zu-
sammenhang mit einem anderen Vorfall versucht hatte, den Schlüssel aus dem 
Zündschloss zu ziehen. Was die Einvernahme der Kollegin der Strafklägerin anbe-
langt, so wäre es dem Beschuldigten bzw. dessen Rechtsvertretung freigestanden, 
deren Einvernahme zu beantragen. Allerdings ist auch hier der Verzicht auf eine 
Beweisabnahme durch die Vorinstanz nicht zu beanstanden, zumal einzig der Be-
schuldigte angab, es sei bei diesem konkreten Vorfall noch eine Kollegin der Straf-
klägerin dabei gewesen (pag. 28 Z. 154; vgl. zum zweiten Vorfall E. 15.4.3 hier-
nach) und sie dessen Aussagen als unglaubhaft qualifizierte. 

27

11. Verwertbarkeit der Aussagen der Strafklägerin

11.1 Vorbringen der Parteien

Die Verteidigung brachte für den Beschuldigten weiter vor, indem die Vorinstanz in 
ihrer Urteilsbegründung in wesentlichen Teilen auf die Aussagen der Strafklägerin 
vor der Polizei abgestellt habe, habe sie sich auf unverwertbare Aussagen abge-
stützt. Die StPO schreibe vor, dass Beweiserhebungen in Anwesenheit der Vertei-
digung erfolgen müssen. Die Verletzung der Teilnahmerechte dürfe sich nicht zu 
Lasten des Beschuldigten auswirken. Es handle sich um ein absolutes Verwer-
tungsverbot, sofern sich der Betroffene darauf berufe (pag. 665). 

Staatsanwältin U.________ hielt dagegen, das Teilnahmerecht gelte nicht absolut 
und könne eingeschränkt werden. Die Strafklägerin sei nach ihrer Ersteinvernahme 
bei der Polizei mehrfach parteiöffentlich einvernommen worden, weshalb diese Er-
steinvernahmen verwertbar seien (pag. 668). Es sei nicht ersichtlich, was sich 
geändert hätte, wenn die Staatsanwaltschaft eine weitere Einvernahme durchge-
führt hätte. Aber auch die Verteidigung des Beschuldigten hätte selbst ergänzende 
Fragen sowie Beweisanträge stellen können, wenn sie der Ansicht gewesen wäre, 
dass die Einvernahmen ungenügend gewesen seien (pag. 674). 

Rechtsanwalt E.________ verzichtete seinerseits auf Ausführungen.

11.2 Erwägungen der Kammer

Gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO haben die Parteien das Recht, bei Beweiserhebun-
gen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und einver-
nommenen Personen Fragen zu stellen. Vor Eröffnung einer Untersuchung durch 
die Staatsanwaltschaft besteht der Anspruch auf Parteiöffentlichkeit nicht. Bei Be-
weiserhebungen durch die Polizei, etwa bei polizeilichen Einvernahmen von Aus-
kunftspersonen gestützt auf Art. 306 Abs. 2 lit. b StPO, sind die Parteien mit ande-
ren Worten nicht zur Teilnahme berechtigt (Art. 147 Abs. 1 StPO e contrario; BGE 
143 IV 397 E. 3.3.2; 139 IV 25 E. 5.4.3; Urteile des Bundesgerichts 6B_1092/2022 
vom 9. Januar 2023 E. 2.3.2; 6B_14/2021 vom 28. Juli 2021 E. 1.3.2; 
6B_1080/2020 vom 10. Juni 2021 E. 5.2; 6B_1385/2019 vom 27. Februar 2020 E. 
1.1; 6B_128/2018 vom 8. Februar 2019 E. 2.2.2). 

Die hier zur Diskussion stehenden polizeilichen Einvernahmen der Strafklägerin als 
Opfer bzw. als Auskunftsperson vom 7. Februar 2019 (pag. 59 ff.) und vom 
3. September 2019 [recte: 6. September 2019] (pag. 85 ff.) wurden im polizeilichen 
Ermittlungsverfahren und nicht im Auftrag der Staatsanwaltschaft durchgeführt. 
Entsprechend verletzt die Abwesenheit des Beschuldigten dessen Teilnahmerechte 
nicht. Es ist – nachdem die Strafklägerin anschliessend vor der Staatsanwaltschaft 
(pag. 10 ff.), der Vorinstanz (pag. 343 ff.) und oberinstanzlich (pag. 645 ff.) in An-
wesenheit der Verteidigung des Beschuldigten (pag. 10; pag. 341; pag. 640) und 
unter Beachtung des Fragerechts (pag. 22; pag. 354; pag. 656 ff.) einvernommen 
wurde – nicht erkennbar, weshalb die polizeilichen Einvernahmen nicht zu Lasten 
des Beschuldigten verwertet werden dürften. Die Strafklägerin hat sich in den par-
teiöffentlichen Einvernahmen zu den einzelnen Vorwürfen inhaltlich geäussert, 
weshalb auch das Konfrontationsrecht des Beschuldigten formell und materiell ge-

28

wahrt wurde. Der Beschuldigte hatte ausreichend Gelegenheit, die Aussagen der 
Strafklägerin in Zweifel zu ziehen und ihr Fragen zu stellen bzw. stellen zu lassen. 

12. Verwertbarkeit des Wahrnehmungsberichts

12.1 Vorbringen der Parteien

Schliesslich brachte Rechtsanwalt C.________ namens seines Mandanten hin-
sichtlich des Vorwurfs der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte vor, 
die betreffenden Polizisten hätten unter Hinweis auf die Wahrheitspflicht oder einer 
Belehrung Aussagen machen müssen. Der aktenkundige Anzeigerapport könne 
nicht als Wahrnehmungsbericht interpretiert werden. Dazu sei ein entsprechender 
Antrag der Staatsanwaltschaft nötig. Da damit kein verwertbares Beweismittel vor-
liege, müsse dies zu einem Freispruch führen. Er verwies weiter auf die Aus-
führungen der vormaligen Verteidigung im erstinstanzlichen Parteivortrag (pag. 667 
f.).

Für die Generalstaatsanwaltschaft führte Staatsanwältin U.________ aus, es treffe 
zu, dass die Polizisten nicht befragt worden seien, aber als Beweismittel lägen die 
parteiöffentliche Befragung der Strafklägerin sowie der Wahrnehmungsbericht vor. 
Eine Befragung sei von der Verteidigung des Beschuldigten auch nicht beantragt 
worden (pag. 670). 

Diesbezüglich machte Rechtsanwalt E.________ keine Ausführungen.

12.2 Erwägungen der Kammer

Entgegen dem Einwand der Verteidigung des Beschuldigten ist vorliegend ein vom 
betreffenden Polizisten erstellter Berichtsrapport mit dessen Wahrnehmungen, da-
tierend vom 3. Juni 2019, aktenkundig (pag. 73 ff.). Somit geht deren Einwand, wo-
nach der Anzeigerapport nicht als Wahrnehmungsbericht interpretiert werden kön-
ne, fehl. Ein polizeilicher Wahrnehmungsbericht ist gemäss bundesgerichtlicher 
Rechtsprechung ohne Weiteres verwertbar (Urteile des Bundesgerichts 
6B_359/2021 vom 20. Mai 2021 E. 1.4.; 6B_730/2012 vom 24. Juni 2013 E. 1.9.; 
vgl. auch 6B_452/2011 vom 23. September 2011 E. 2.2.2; 6B_75/2009 vom 2. Juni 
2009 E. 2.3; 1P.553/2006 vom 30. April 2007 E. 5.2). Es sind keine Gründe ersicht-
lich, von dieser Rechtsprechung abzuweichen; solche werden auch nicht dargetan. 
Die sachlichen Wahrnehmungen des Polizisten stimmen, wie nachfolgend noch 
dargelegt wird (vgl. E. 16. hiernach), im Wesentlichen mit den Schilderungen der 
Strafklägerin zu diesem Vorfall überein. Schliesslich findet sich weder in den ein-
schlägigen Gesetzesbestimmungen noch in der Rechtsprechung die Vorgabe, dass 
die Erstellung eines Wahrnehmungsberichts zwangsläufig von der Staatsanwalt-
schaft in Auftrag gegeben werden muss.

Daraus folgt, dass der Wahrnehmungsbericht vom 3. Juni 2019 verwertbar ist.

29

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

13. Vorbemerkungen

Die nachfolgenden Ausführungen folgen grob dem Aufbau der erstinstanzlichen Ur-
teilsbegründung. Soweit die Vorwürfe identische Tatzeitpunkte betreffen, werden 
diese – soweit möglich und sinnvoll – unter der gleichen Ziffer erörtert. Zuerst wer-
den die Anklagepunkte zum Nachteil der Strafklägerin, danach die Beschimpfung 
sowie Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, sowie die Widerhand-
lungen gegen das Strassenverkehrsgesetz und das Waffengesetz und zuletzt die 
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz behandelt.

Sodann werden die oberinstanzlichen Vorbringen der Parteien direkt in den nach-
folgenden Erwägungen aufgegriffen und behandelt (zum Ganzen pag. 665 ff.).

14. Theoretische Grundlagen der Beweiswürdigung

Auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz zu den theoretischen Grundla-
gen der Beweiswürdigung kann vollumfänglich verwiesen werden (pag. 438 ff., S. 
14 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung). 

Ergänzend ist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung hinzuweisen, wonach es 
zwar das Recht einer beschuldigten Person ist, sich selbst nicht belasten zu müs-
sen und seine Aussage auch zu verweigern. Jedoch ist es mit der Unschuldsver-
mutung unter gewissen Umständen vereinbar, das Aussageverhalten der beschul-
digten Person in die Beweiswürdigung miteinzubeziehen. Dies ist der Fall, wenn 
sich die beschuldigte Person weigert, zu ihrer Entlastung erforderliche Angaben zu 
machen, bzw. wenn sie es unterlässt, entlastende Behauptungen näher zu sub-
stantiieren, obschon eine Erklärung angesichts der belastenden Beweiselemente 
vernünftigerweise erwartet werden darf (Urteile des Bundesgerichts 6B_1385/2021 
vom 29. August 2023 E. 2.4.1; 6B_1205/2022 vom 22. März 2023 E. 2.4.1; 
6B_582/2021 vom 1. September 2021 E. 4.3.1; 6B_1302/2020 vom 
3. Februar 2021 E. 1.4.4, nicht publ. in: BGE 147 IV 176; je mit Hinweisen). 

15. Anklagepunkte zum Nachteil der Strafklägerin

15.1 Allgemeine Erwägungen

Die Sachverhalte stellen ein Vier-Augen-Delikt dar. Den Aussagen der beiden Par-
teien kommt somit entscheidende Bedeutung für die Beweiswürdigung zu. Nach-
folgend wird zunächst das Aussageverhalten der Strafklägerin und des Beschuldig-
ten einzeln dargelegt. Anschliessend werden die Vorwürfe gemäss der Anklage-
schrift gewürdigt und die erstellten Sachverhalte hergeleitet. Wie nachfolgend auf-
gezeigt wird, stützen sich die Vorwürfe gegen den Beschuldigten nebst den (als 
glaubhaft erachteten) Aussagen der Strafklägerin auf diverse weitere Beweismittel 
wie die Aussagen des Beschuldigten, Polizeirapporte, Fotodokumentationen und 
medizinische Berichte. Auf diese ist vorab bereits kurz einzugehen. 

Die Vorinstanz hat die massgeblichen Beweismittel korrekt zusammengefasst. Es 
kann auf ihre Erwägungen verwiesen werden (pag. 431 ff., S. 7 ff. der erstinstanzli-
chen Urteilsbegründung; pag. 461 ff., S. 37 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-

30

dung; pag. 464 f., S. 40 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 472 ff., S. 
48 ff. der erstinstanzlichen Urteilsbegründung; pag. 480 ff., S. 56 ff. der erstinstanz-
lichen Urteilsbegründung; pag. 485 f., S. 61 f. der erstinstanzlichen Urteilsbegrün-
dung). Einzig sind die Ausführungen der Vorinstanz dahingehend zu korrigieren, 
dass die polizeiliche Einvernahme des Beschuldigten vom 4. Dezember 2019 und 
nicht vom 25. November 2019 und die polizeiliche Einvernahme der Strafklägerin 
vom 6. September 2019 und nicht vom 3. September 2019 datieren (vgl. pag. 89 
und pag. 93; pag. 85 und pag. 88). Allfällige Ergänzungen der Kammer sowie die 
Aussagen der Strafklägerin an der Berufungsverhandlung (pag. 645 ff.) werden di-
rekt in den nachfolgenden Ausführungen aufgegriffen. 

15.1.1 Anzeigerapporte, Fotodokumentationen und medizinische Berichte

Die in den Akten liegenden Anzeigerapporte zeigen anschaulich auf, wie sich die 
Strafklägerin direkt nach einem Vorfall und auch nach Beendigung der Beziehung 
an die Polizei wandte und wie der Beschuldigte anlässlich eines Polizeieinsatzes 
wegen einer Nachtruhestörung reagierte (pag. 42 ff., pag. 66 ff., pag. 80 ff.). 

Der Arztbericht von Dr. med. X.________ vom 25. Juni 2019 (pag. 57 ff.) mit beilie-
genden Fotos stützte sich auf eine Untersuchung der Strafklägerin am Tag nach 
dem Vorfall vom 6. Februar 2019. Die dokumentierten Verletzungen der Strafkläge-
rin lassen auf ihr zugefügte Gewalt schliessen. Weiter soll es gemäss der Strafklä-
gerin am 22. November 2018 zu einer Auseinandersetzung zwischen ihr und dem 
Beschuldigten gekommen sein. In der dem Rapport des KTD vom 12. Dezember 
2018 beiliegenden Fotodokumentation, die am 22. November 2018 erstellt wurde, 
sind Verletzungen an der Vorderseite des Halses der Strafklägerin dokumentiert 
(pag. 320 ff.). Mit der ebenfalls noch am Tag des Vorfalls erfolgten Untersuchung 
der Strafklägerin durch die Ärztin des IRM konnten gemäss rechtsmedizinischem 
Gutachten vom 18. Dezember 2018 (pag. 324 ff.) auf stumpfe Gewalteinwirkung 
zurückzuführende Verletzungen am Hals in Form von Hauteinblutungen und einer 
oberflächlichen Hautabschürfung festgestellt werden. Gemäss diesem Gutachten 
waren die Verletzungen mit den mündlichen Angaben der Strafklägerin («Packen 
des Halses» resp. «gegen den Hals drücken») und zeitlich mit dem geltend ge-
machten Ereigniszeitpunkt vereinbar (pag. 324; pag. 326). Ebenfalls fanden sich 
zwei Hautverfärbungen im Bereich der rechten Schulter und zwei Hautrötungen am 
rechten Oberschenkel, deren Entstehung im Rahmen einer körperlichen Auseinan-
dersetzung denkbar seien, jedoch auch als Bagatellverletzungen ohne Zusammen-
hang zum geltend gemachten Ereignis entstanden sein könnten (pag. 326). Somit 
sind im Anschluss an zwei Vorfälle verschiedenste Verletzungen der Strafklägerin 
dokumentiert, die auf wiederholte Gewalt des Beschuldigten gegenüber der Straf-
klägerin hindeuten. 

15.1.2 Aussagen der Strafklägerin

Die beiden Strafanzeigen vom 7. Februar 2019 und vom 29. August 2019, auf de-
nen eine Vielzahl der vorliegend zu beurteilenden Vorwürfen gründen, erstattete 
die Strafklägerin selbst, als sie sich nach Auseinandersetzungen mit dem Beschul-
digten an die Polizei wandte und dort die konkreten Vorfälle sowie die erlebte Ge-
walt durch den Beschuldigten schilderte. Weiter ist aktenkundig, dass es, wie be-

31

reits erwähnt, am 22. November 2018 einen Vorfall gab, den die Strafklägerin der 
Polizei meldete. Sie zog diese Anzeige in der Folge aber wieder zurück (pag. 316 
ff.). Auch im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 6. Februar 2019 hatte die Straf-
klägerin gegenüber der zuständigen Polizistin zunächst noch in Aussicht gestellt, 
den Strafantrag zurückzuziehen (pag. 44). Dieses ambivalente Verhalten gegenü-
ber den Strafbehörden vermochte die Strafklägerin nachvollziehbar zu erklären. Im 
Zusammenhang mit dem Vorfall vom 6. Februar 2019 sagte sie aus, der Beschul-
digte habe sie die ganze Zeit zum Rückzug des Strafantrags gezwungen. Er würde 
sie lieben und sie ihn ja auch. Der Beschuldigte habe immer gesagt, dass er nicht 
Angst vor der Anzeige habe, aber trotzdem habe er immer gewollt, dass sie sie 
zurückziehe (pag. 20 Z. 358 ff.). Er habe ihr auch versprochen, dass er es nicht 
mehr machen werde (pag. 19 Z. 342 f.). Dazu passen ferner ihre Aussagen, wo-
nach sie die Vorfälle damals nicht als schlimm angesehen habe. Für sie sei es wie 
normal gewesen, auch wenn sie eine Woche lang blaue Flecken gehabt habe (pag. 
20 Z. 362 ff.). Damals habe sie sich gesagt, dass ein «Chlapf» in einer Beziehung 
passieren könne. Sie habe ihn einfach geliebt und sich gedacht, das sei normal 
(pag. 652 Z. 27 ff.). Entgegen der Verteidigung des Beschuldigten spricht auch ihre 
Konstitution als Strafklägerin im Verfahren und ihre oberinstanzliche Aussage, wo-
nach sie ein Interesse an Schadensersatz und Genugtuung habe (pag. 656 Z. 11 
f.), nicht dagegen. Ebenfalls ist nachvollziehbar, dass sie u.a. aus Angst davor, 
dass sich der Beschuldigte tatsächlich etwas antun würde, die Polizei orientierte 
(pag. 345 Z. 5 ff.) und nun nach Beendigung der Beziehung ihr Recht einfordert. 
Ein solches Umdenken schilderte die Strafklägerin eindrücklich vor der Staatsan-
waltschaft auf Frage, warum sie den Strafantrag zuerst habe zurückziehen wollen: 
«Ich habe mir gedacht, wenn er mich einmal so fest schlägt und mich liegen lässt, 
dann weiss man wenigstens, dass er es war. Am Anfang dachte ich so, jetzt denke 
ich anders. Ich denke, dass ich all dies nicht verdient habe.» (pag. 19 Z. 351 ff.). 

Die Schilderungen der Strafklägerin sind generell in lebhafter und schlichter Spra-
che gehalten und wirken keinesfalls einstudiert. So bejahte sie die Frage im Zu-
sammenhang mit dem Vorfall vom 6. Februar 2019, ob sie sich mit einem Messer 
umgebracht hätte, deutlich. Nicht minder eindrücklich zeugt ihre Begründung von 
der von ihr empfundenen Verzweiflung: «Er hätte mich sowieso weiterhin geschla-
gen. Dann wäre es ja besser, wenn ich es beenden würde.» (pag. 61 Z. 100 f.). Die 
Erstaussagen anlässlich der Einvernahme vom 7. Februar 2019 sind detailliert und 
die Strafklägerin schilderte das Geschehene in weiten Teilen in freier Erzählung 
(bspw. pag. 60 Z. 43 ff.; pag. 61 Z. 105 ff.). Gleiches gilt bezüglich ihrer Aussagen 
vom 6. September 2019 (bspw. pag. 85 Z. 21 ff.; pag. 86 Z. 41 ff.). Auch ihre An-
gaben gegenüber Dr. med. X.________ sind frei von Aggravierungen und fügen 
sich in ihre übrigen Aussagen gegenüber den Strafverfolgungsbehörden und den 
Gerichten. Solche Aussagen der ersten Stunde sind denn auch gemäss bundesge-
richtlicher Rechtsprechung in der Regel unbefangener und zuverlässiger, als späte-
re Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen 
oder auf andere Art beeinflusst sein können (BGE 115 V 143 E. 8.c). Lebhaft schil-
derte sie Emotionen und innere Vorgänge, wie beispielsweise, dass es ihr unange-
nehm gewesen sei, als der Beschuldigte wütend geworden sei, sie am linken Arm 
gepackt und gesagt habe «was bisch du für eini», weil alle Leute zu ihnen geschaut 

32

hätten und als der Beschuldigte im Bus immer noch so laut gesprochen habe (pag. 
60 Z. 48 ff. und Z. 54 f.), dass sie das Gefühl gehabt habe, sie werde taub und sie 
Angst gehabt habe, dass ihre linke Gesichtshälfte gelähmt sein werde (pag. 61 Z. 
84 f.) und sich nach dem Würgen sehr hilflos gefühlt und nicht gewusst habe, was 
als Nächstes auf sie zukomme (pag. 651 Z. 28 ff.). Sie vermochte konkrete Ge-
sprächsinhalte wiederzugeben (pag. 60 Z. 59 f.; pag. 61 Z. 67 f.; pag. 86 Z. 29), 
schilderte das Geschehene detailliert (bspw. pag. 15 Z. 180 f.; pag. 61 Z. 61 f.; pag. 
62 Z. 111 ff.; pag. 86 Z. 59 ff.) und gestand auch Unsicherheiten ein (Sie wisse 
nicht mehr, ob er mit der flachen Hand oder der Faust auf ihren Kopf geschlagen 
habe und sie könne nicht sagen, wie oft er zugeschlagen habe [pag. 61 Z. 72 f. und 
Z. 77 f.]). Hervorzuheben sind sodann die Aussagen der Strafklägerin, wonach ihr 
Cousin angerufen und ihr der Beschuldigte das Mobiltelefon aus der Hand genom-
men habe. Sie habe ihm versichert, dass sie nichts sagen werde, sie aber abneh-
men müsse, weil ihr Cousin sonst ihre Mutter informiere. Also habe ihr der Be-
schuldigte das Handy gegeben und sie habe via Facetime abgenommen. Der Cou-
sin habe bemerkt, dass etwas nicht gestimmt habe und gesagt, wenn sie nicht in 
30 Minuten zuhause sei, rufe er ihre Mutter an (pag. 61 Z. 106 ff.). Diese geschil-
derte Komplikation im eigenen Handlungsablauf ist äusserst originell und wäre 
nicht zu erwarten, wenn ihre Aussagen keinen realen Erlebnishintergrund hätten. 
Lebensnah und selbsterlebt mutet nicht zuletzt die Aussage der Strafklägerin an, 
wonach ihr der Beschuldigte gesagt habe, sie könne so nicht nach Hause, sie solle 
wenigstens die Haare etwas nach vorne nehmen, damit man nichts sehe (pag. 62 
Z. 111 f.). Auch ihre Aussagen vor der Staatsanwaltschaft sowie erst- und oberin-
stanzlich weisen zahlreiche Realitätskriterien auf und wirken erlebnisbasiert. Vor 
der Staatsanwaltschaft erweiterte sie die Rahmengeschichte und ergänzte das 
Vorgefallene (Der Beschuldigte habe wegen eines Streits Rosen gekauft [pag. 13 
Z. 103]; der Beschuldigte habe ihr im Bus an den Haaren gezogen [pag. 13 Z. 105 
f.] und als der Cousin angerufen habe, habe der Beschuldigte das Gefühl gehabt, 
sie würde ihn betrügen [pag. 13 Z. 116 f.]). Dies tat sie auch vor der Vorinstanz (Sie 
habe auf dem Handy des Beschuldigten gesehen, dass er seinem Kollegen ein Bild 
von ihr in Unterwäsche geschickt habe. Sie habe Angst gehabt, dass er auch die 
Videos weiterschicken würde [pag. 345 Z. 19 f. und Z. 27]; Wenn der Polizist den 
Beschuldigten nicht in Handschellen gelegt hätte, wäre es wohl gar nicht gegan-
gen. Man habe dem Beschuldigten auch nicht die Schuhe anziehen können [pag. 
348 Z. 44 ff.]). Im Falle einer Falschaussage wären derartige Erweiterungen von 
Nebensächlichkeiten nicht zu erwarten. Ebenfalls gab sie oberinstanzlich die durch 
den Beschuldigten ausgeübte Gewalt mit den bisherigen Aussagen sowie den vor-
geworfenen Handlungen übereinstimmend wieder (Meistens sei er ihr an den Hals 
gegangen und habe sie gewürgt, an den Haaren gezogen, ins Gesicht gebissen, 
auf den Boden gerissen, mit der Faust und mit der Handfläche geschlagen [pag. 
649 Z. 3 ff.]). Die Aussagen der Strafklägerin sind gespickt mit Nebensächlichkeiten 
(Sie habe hinten am Kopf Schmerzen gehabt, wo sie der Beschuldigte gepackt ha-
be. Deshalb habe sie ein paar Tage nicht auf dem Kissen schlafen können [pag. 19 
Z. 332 ff.; pag. 351 Z. 35 ff.]; am 24. Juli 2019 habe sie die Autoprüfung gemacht, 
sei dann nach AD.________(Land) geflogen und dann habe das mit dem Auto an-
gefangen [pag. 22 Z. 449 f.]; der Beschuldigte habe ihr auch Blumen und Schoko-

33

lade geschenkt, die hätten sie dann gemeinsam gegessen [pag. 62 Z. 137 f.]), was 
ebenfalls als Realitätskriterium zu werten ist. 

Den Aussagen der Strafklägerin sind keine Aggravationstendenzen zu entnehmen. 
Sie sind teilweise beschönigend und die Strafklägerin suchte Entschuldigungen für 
das Verhalten des Beschuldigten, teilweise auch bei sich selbst. Der Beschuldigte 
habe sie auch später wieder an den Haaren gezogen, aber nicht schlimm (pag. 62 
Z. 139 f.). Oder: Sie habe den Beschuldigten an diesem Tag im Bus auch ein wenig 
provoziert, indem sie ihm gesagt habe, er könne ihr sowieso nichts machen (pag. 
16 Z. 215 f.). Und: Vielleicht habe sie ihn provoziert, weil sie gesagt habe, dass sie 
gehe, ihn nicht mehr sehen und nicht mehr mit ihm zusammen sein wolle (pag. 347 
Z. 40 f.). Im Falle einer erfundenen Geschichte hätte sie den Beschuldigten kaum 
auf diese Weise noch in Schutz genommen. Bei den weiteren Einvernahmen ver-
mochte die Strafklägerin glaubhaft zu schildern, weshalb sie Angst gehabt hatte 
(vgl. bspw. pag. 13 Z. 114 ff.; pag. 346 Z. 28 ff.). Ihre geltend gemachte Angst vor 
dem Beschuldigten erscheint gestützt auf ihre Aussagen folgerichtig. Es ist entge-
gen der Verteidigung des Beschuldigten (pag. 665) weit hergeholt, dass die Straf-
klägerin Erlebtes aus ihrer früheren Beziehung auf ihre Beziehung mit dem Be-
schuldigten übertragen hat. Obwohl sie oberinstanzlich zu Protokoll gab, dass sie 
ihr vorheriger Freund geschlagen und sie eine Strafanzeige gegen ihn eingereicht 
hatte (pag. 654 Z. 7; pag. 655 Z. 22 f.; pag. 656 Z. 26), konnte sie die Vorwürfe ge-
gen den Beschuldigten detailliert, konstant und erlebensbasiert wiedergeben. Da-
gegen spricht ferner, dass hinsichtlich des Vorfalls vom 17. Mai 2019 keinerlei Hin-
weise einer Absprache mit den Polizisten bestehen (vgl. dazu E. 16. hiernach) und 
ein Absprechen mit der Mutter und dem Cousin unwahrscheinlich erscheint (vgl. 
dazu sogleich). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung entstand nicht der Ein-
druck, dass die Aussagen der Strafklägerin darauf abzielten, dem Beschuldigten zu 
schaden oder sie finanzielle Absichten verfolgte. Der Umstand, dass die Strafkläge-
rin anlässlich ihrer ersten Strafanzeige keine Zivilansprüche geltend machte, ist 
dadurch erklärbar, dass sie in diesem Zeitpunkt noch mit ihm zusammen war. Auch 
insofern zeigte sie trotz der – wie dargelegt zu spät erhobenen – Zivilklage im 
Hauptverfahren kein widersprüchliches Verhalten. Wenn es der Strafklägerin dar-
um gegangen wäre, den Beschuldigten zu Unrecht zu belasten, wäre es ihr ein 
Leichtes gewesen, die Anzahl der Vorwürfe zu erhöhen oder diese dramatischer 
darzustellen. Es wären durchaus einfachere Geschehensabläufe und zielführende-
re Strategien für Falschbelastungen denkbar gewesen. Auch ein allfälliges Motiv für 
eine Falschbelastung vermag die Kammer weder in den Aussagen der Strafkläge-
rin noch in den Akten auszumachen. Gemäss Anzeigerapport vom 6. Juni 2019 
nannte die Strafklägerin den Beschuldigten am Telefon mit der Polizei noch «ihren 
Freund», mit dem sie am Tag vorher die Beziehung habe beenden wollen (pag. 42 
f.); entsprechend dem Anzeigerapport vom 10. März 2020 bezeichnete sie ihn be-
reits als ihren Ex-Freund (pag. 81). Es ist schwer vorstellbar, dass die Strafklägerin 
bereits nach Beendigung der Beziehung erneut eine Anzeige einreichen sollte, 
würden die von ihr geschilderten Sachverhalte nicht zutreffen. Sie müsste überdies 
mit erheblicher krimineller Energie gehandelt haben, um diese Vorwürfe zu erfinden 
und diese während des gesamten Verfahrens aufrecht zu erhalten. Dies ist insbe-

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sondere auch angesichts ihres psychischen Zustands (vgl. dazu sogleich) kaum 
vorstellbar. 

Den Aussagen der Strafklägerin sind einige wenige Widersprüche auszumachen. 
Dem Anzeigerapport vom 6. Juni 2019 geht im Zusammenhang mit der ersten An-
zeige vom 7. Februar 2019 hervor, dass die Strafklägerin noch in der selben Nacht 
(Donnerstag, 7. Februar 2019, 00:22 Uhr) telefonisch der Polizei mitteilte, dass sie 
von ihrem Freund zusammengeschlagen worden sei (pag. 42). Somit geschah die 
Mit