# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b3c27655-b55d-5919-a0e8-629e7a5a87a1
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-30
**Language:** de
**Title:** Aktenlage unvollständig, Berufskrankheit, keine Abklärungen zu überholender Kausalität bei Todesursache getätigt, Rückweisung, allfällige Kürzung Hinterlassenenleistungen gestützt auf Art. 36 Abs. 2 UVG
**Docket/Reference:** UV.2022.00137
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/UV.2022.00137.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
UV.2022.00137
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Slavik
Ersatzrichterin Gasser Küffer
Gerichtsschreiberin Lanzicher
Urteil
vom
30. August 2023
in Sach
en
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Kurt Pfau
Stadthausstrasse 12, Postfach 2197, 8401 Winterthur
gegen
Suva
Rechtsabteilung
Postfach 4358, 6002 Luzern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der
1943
geborene
Y.___
war zuletzt
als Elektromonteur/
Telematiker
bei
der
Z.___
AG
angestellt und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der
Suva
gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Schadenmeldung UVG vom
21. April 2021
liess er der
Suva
mitteilen, dass er
an einer Asbest-Lunge leide
(Urk.
9/1
).
Am 10. Mai 2021 verstarb der Versicherte (Urk.
9
/16).
Mit Verfügung vom 19. Mai 2021 anerkannte die Suva das Vorliegen einer Berufskrankheit und sprach
X.___
,
der Witwe des Versicherten,
eine Integritätsent
schädigung
aufgrund einer Integritätseinbusse
von 80 % zu (Urk.
9
/18
).
Mit Verfügung vom 3. März 2022 (Urk.
9
/36
) verneinte die Suva eine Leis
tungspflicht im Zusammenhang mit dem Tod des Versicherten mit der Begrün
dung, dass dieser nicht auf die von ihr anerkannte Berufskrankheit zurückzu
führen sei.
Die vo
n der Witwe des
Versicherten gegen diesen Entscheid erhobene Einsprache vom
4. April 2022
(Urk.
9
/
41
) wies die
Suva
mit Entscheid vom
15.
Juni 2022
ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
die Witwe des
Versicherte
n
am
17. August 2022
Beschwerde (Urk.
1) und beantragte, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und es sei
die Vorinstanz zu verpflichten, ihr die gesetzlich zustehenden Leis
tungen als Folge der Berufskrankheit zu erbringen. Zudem sei die Vorinstanz anzuweisen
,
ein medizinisches Gutachten zur Klärung der Todesursache des Ver
sicherten in Auftrag zu geben und es sei eine öffentliche Verhandlung durch
zuführen (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
11. Oktober 2022
beantragte die
Suva
, die Beschwerde sei abzuweisen (Urk.
8
)
. Mit Replik vom 3. Januar 2023 (Urk. 13) beantragte die Beschwerdeführerin neu, der angefochtene
Einsprache
entscheid
sei aufzuheben und es sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen mit der Verpflichtung, ein neutrales medizinisches Gutachten zur Frage der primären Todesursache des Versicherten in Auftrag zu geben.
Mit Duplik vom 7.
Februar 2023 (Urk. 18)
hielt die Suva an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest,
was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
17. Februar 2023
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
20
).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise 9. Novem
ber 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Die hier zu beurteilende Berufskrankheit brach nach dem 1. Januar 2017 aus
, weshalb die ab diesem Zeitpunkt gültigen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art. 28
UVG
haben der überlebende Ehegatte und die Kinder Anspruch auf
Hinterlassenenrenten
, wenn der Versicherte an den Folgen des Unfalls
-
dem
gemäss
Art. 9 Abs. 3 UVG Berufskrankheiten von ihrem Ausbruch an grund
sätz
lich gleichgestellt sind
-
stirbt. Dies stellt einen vom Tod der versicherten Person abgeleiteten selbständigen Anspruch dar (BGE 135 V 153 E.
4.4 und E.
4.11).
1.3
Als Berufskrankheiten gelten Krankheiten, die bei der beruflichen Tätigkeit aus
schliesslich oder vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden sind. Der Bundesrat erstellt die Liste dieser Stoffe und Arbeiten sowie der arbeitsbedingten Erkrankungen (Art. 9 Abs. 1 UVG). Die schädigenden Stoffe und arbeitsbedingten Erkrankungen sind im Anhang 1 zur UVV aufgeführt. In dieser Liste wird «Asbeststaub» als schädigender Stoff erwähnt. Nach der Rechtsprechung ist eine «vorwiegende» Verursachung von Krankheiten durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten nur dann gegeben, wenn diese mehr wiegen als alle anderen mitbeteiligten Ursachen, mithin im gesamten Ursachen
spektrum mehr als 50 % ausmachen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_22/2019 vom 24. September 2019 E. 8.2.2.1 mit Hinweis)
.
1.4
Liegt eine Berufskrankheit vor, so wird für ihre weiteren Folgen nur der gewöhn
liche, adäquate Kausalzusammenhang gefordert. Für die grundsätzliche Haftung der Unfallversicherung genügt es somit, wenn die Berufskrankheit zu einem klei
neren Teil den Tod des Versicherten verursacht hat; es ist nicht erforderlich, dass der Schaden vorwiegend durch die Berufskrankheit bedingt
ist
, sofern die Berufs
krankheit ihrerseits ausschliesslich oder vorwiegend auf die im Gesetz genannten Ursachen zurückgeht
(Urteil des Bundesgerichts 8C_474/2010 vom 29. Juli 2010 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Die Invalidenrenten, Integritätsentschädigungen und die
Hinterlassenenrenten
werden in Anwendung von Art. 36 Abs. 2 UVG angemessen gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung oder der Tod nur teilweise die Folge eines Unfalles
(bzw.
einer Berufskrankheit)
ist
. Das Mass der Kürzung von Renten und Integri
täts
entschädigungen beim Vorliegen unfallfremder Ursachen richtet sich gemäss Art. 47 UVV nach deren Bedeutung für die Gesundheitsschädigung oder den Tod, wobei den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Berechtigten eben
falls Rechnung getragen werden kann
.
1.
6
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versicher
ungs
interner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erschei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicher
ungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
neh
men (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(Urk. 2) damit, dass
es sich beim
Pleuramesotheliom
des Versicherten
unbest
r
itten
um
eine Berufs
krankheit
ge
hande
lt habe
, welche von ihr auch als sol
c
he anerkann
t
worden sei.
Das
Pleuramesotheliom
sei jedoch - aus näher dargelegten Gründen - nicht Ursache für den Tod des Versicherten gewesen
. Vielmehr sei dieser an einem
berufskrankheitsfremden
Glioblastom WHO Grad IV
verstorben
. Auf die Beurteilung von Dr.
A.___
sei abzustellen. Aus dem Todesfallbericht gehe hervor, dass letztlich das Glioblastom-Rezidiv prognoseführend gewesen sei und hierfür keine
tumorgerichtete
Therapieoption mehr bestanden habe. Ein Kau
sal
zusammenhang zwischen dem Tod des Versicherten und dem als Berufskrank
heit anerkannten
Pleuramesotheliom
könne nicht mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit angenommen werden, weshalb sie - die Beschwerdegegnerin -
nicht weiter leistungspflichtig sei
(S. 5-
8).
In ihrer Beschwerdeantwort (Urk.
8
) hielt sie ergänzend fest,
für die Klärung der Frage nach der Todesursache sei der Entscheid des Tumorboards vom 29
.
April 2021, bei prognoseführendem
Glioblastomrezidiv
keine
tumorgerichtete
Therapie des Glioblastoms mehr durchzuführen, ausschlaggebend. Aufgrund des fortge
schrittenen Glioblastoms
sei eine multimodale Therapie des
Mesothelioms
, welche bei ansonsten gesunden Patienten noch eine Lebenserwartung von zwei bis drei Jahren ergeben könne, nicht mehr in Betracht gekommen. Der Versicherte habe bei seinem Ableben eine intakte linke Lunge gehabt, mit welcher eine aus
reichende Atemfunktion gewährleistet gewesen sei. Das Ableben im Rahmen eines Glioblastoms könne durchaus mit einer
pulmonaren
Insuffizienz einher
gehen. Auch der Zustand einer raschen Vigilanzminderung und erheblichen Schwäche könne eher dem länger vorbestandenen Glioblastom als dem
Meso
theliom
zugeordnet werden.
Der Tod des Versicherten sei nicht auf seine von der Beschwerdegegnerin als Berufskrankheit anerkannte Erkrankung
Pleurameso
theliom
zurückzuführen (
S. 3
-5).
2.2
D
i
e Beschwerdeführer
in
stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
der Versicherte sei an einem malignen Glioblastom (Hirntumor)
sowie
an einem malignen
Pleuramesotheliom
(bösartiger Brustfelltumor) erkrankt. Beim
Pleura
meso
theliom
handle es sich um eine von der Beschwerdegegnerin anerkannte Berufskrankheit in Folge einer langjährigen Asbestexposition als Elektromonteur.
Der Versicherte habe in den letzten 14 Tagen
vor dem Tod primär mit den Komplikationen des
Pleuramesothelioms
zu kämpfen gehabt. Er sei an diesen verstorben und nicht primär am Glioblastom
,
auch wenn dieses möglicherweise zur Destabilisierung seines allgemeinen Gesundheitszustandes beigetragen habe. Welches Krankheitsbild als primäre Todesursache in Frage komme, könne letztlich aber nur von einem Sachverständigen im Rahmen eines medizinischen Gutachtens geklärt werden
(S. 3-
5).
Auf
die
versicherungsinternen Bericht
e
der Beschwerdegegnerin könne nicht abgestellt werden. Die Sache sei an
diese
zur Durchführung eines medizinischen Gutachtens zurückzuweisen (Urk. 13 S. 3-4).
3.
3.
1
Im
Todesfall-Bericht
des Zentrums für Palliative Care des
Kantonsspitals
B.___
vom 12. Mai 2021 (Urk.
9
/24/2-4)
stellten Dr. med.
C.___
, Leitende Ärztin, und Dr. med. univ.
D.___
, Oberarzt,
folgende Diagnosen
(S. 1
2)
:
1.
Glioblastom WHO Grad IV, IDH
wildtype
, MGMT
unmethyliert
, E
rstdiagnose
12.
September
2020
-
Klinik: Hemiparese links und fokal-neurologische Krampfanfälle
brachio
fazial
links
-
15.
September
2020:
p
arietale Minikraniotomie mit Tumorresektion und
Duraplastik
parietal rechts
-
MRI 16.
September
2020:
v
ollständige Entfernung der kontrastmittelauf
nehmenden Tumorkomponente
-
postoperative Radiotherapie mit 15 x 2.67 Gy = 40.05 Gy vom 20.
Oktober bis 9. November
2020
-
MRI 19.
Februar
2021:
k
ein Hinweis auf ein Rezidiv
-
aktuell (16.
April
2021): Tumorrezidiv, klinisch Absence-Epilepsie, MRI Schädel: Tumorrezidiv
temporopolar
, Gyrus frontalis inferior/medius links
-
29.
April
2021
:
Tumorboard Neuroonkologie: keine weiteren
tumorge
richteten
Therapieoptionen
(BSC)
2.
Pleuramesotheliom
rechts, E
rstdiagnose
2020
-
St
atus nach
Asbestexposition vor 40 Jahren (Elektromonteur)
-
12.
September
2020 CT Thorax:
a
usgeprägte zirkuläre irreguläre pleurale Wandverdickungen, nahezu die
gesamte rechte Pleura betreffend
-
16.
April
2021 CT Thorax:
d
eutliche Progredienz der pleuralen Wandver
dickungen mit
Serothorax
und
Totalatelektase
rechts. Konsekutive Ver
legung des Mediastinums nach links. Invasion der
hilären Strukturen rechts sowie der Trachea. Progrediente
perihepatische
Implantate und
Pleura
karzinose
im Oberbauch links mit
konkomittierendem
Aszites
-
22.
April
2021:
t
ransthorakale Stanzbiopsie mit diagnostischer/the
ra
peutischer
Pleurapunktion
:
Drainage von 500 ml Erguss, histologischer Nachweis von
Mesotheliomzellen
-
27.
April
2021 Bronchoskopie:
v
ollständiger Verschluss aller Oberlappen
segmente rechts und
hochgradige Stenosierung des proximalen Unter
lappen
bronchus rechts, am ehesten durch extrinsische
Tumorkompression
-
28.
April
2021:
PleurX
-Einlage
-
29.
April
2021 Tumorboard:
b
ei prognoseführendem
Glioblastomrezidiv
keine
tumorgerichtete
Therapie
3.
s
trukturelle Epilepsie
-
Klinik:
f
okale Krampfanfälle linke Gesichtshälfte, linker Arm, EM 08/2020
-
i.R. Narbengewebe nach
Glioblastomoperation
und Bestrahlung
4.
t
horakales viszerales Schmerzsyndrom
-
bei progredientem
Mesotheliom
, grossvolumigem Pleuraerguss und
PleurX
-Einlage
5.
l
imitierende Fatigue, ECOG 4
-
primär
t
umorbedingt mit Tagesmüdigkeit, Leistungsintoleranz, zunehmen
der Immobilisierung und
Bettlägerigkeit
6.
Anorexie-Kachexie-Syndrom, Grad 1
-
Gewichtsverlust 3 kg (4,2
% des K
örpergewichts
) über 2 Monate, BMI aktuell 22.8 kg/m
2
-
erhebliche Energie- und Eiweissmangelernährung (NRS > 5 / Verschlech
terung Ernährungszustand
Grad 3)
7.
p
erioperative ausgedehnte Ischämie medial und
posterior
der Resektionshöhle EM 09/2020
-
Klinik:
a
rmbetonte Hemiparese links
8.
Diskusprotrusion
C3/4 und C5/6, E
rstdiagnose
vor 2004
Dazu führten
sie
aus, dass d
ie Übernahme von der Klinik für Innere Medizin erfolgt
sei
zur Symptomkontrolle bei symptomatischem Rezidiv eines Glio
blas
toms sowie progredientem
Pleuramesotheliom
. Für den bisherigen Verlauf
werde
auf den Verlegungsbericht der Medizin
verwiesen
. Zusammengefasst
sei
es innert
weniger Tage zu einer Entkräftigung mit Immobilisation, Fatigue und Vigi
lanzminderung gekommen
.
Gemäss Tumorboard-Entscheid
hätten
beim prog
no
se
führenden Glioblastom-Rezidiv keine
tumorgerichtete
n
Therapieop
tio
n
en
bestan
den.
Für den
Versicherten seien
thorakale Schmerzen im Vordergrund
gestanden
, welche
sie im Rahmen
des progredienten
Mesothelioms
, des gross
volumigen Pleuraergusses und der kürzlichen
PleurX
-Einlage interpretiert
hätt
en. Unter angepasster Analgesie und regelmässiger Drainage
sei
eine gute Schmerz
kontrolle
gelungen
. Die Vigilanzminderung und
die
Absenzen
hätten am ehesten im Rahmen
des
Glioblastomprogresses
mit perifokaler
Ödembildung
bestanden
und sich mit erhöhter Dexamethason- und
Levetiracetamdosierung
verbessert
. Anhaltend
hätten
jedoch eine erhebliche Fatigue und auch psychische Belastung
bestanden
. Der
Versicherte habe
immer versucht, den Tumor zu besiegen und nun
gespürt
, dass die Kräfte abnehmen
würden
und er
habe
sich mit existentiellen Fragen konfrontiert
gesehen
. Nach anfänglicher Überforderung des
Versicherten
und seiner Familie
sei
mit stützenden Gesprächen und optimierter Symptom
kontrolle eine rasche Adaptation an die neue Situation
gelungen.
Wie erwartet
habe
sich der Zustand rasch mit erneuter Vigilanzminderung und klinische
m Verdacht auf
(Aspirations
-
)
P
neumonie
verschlechtert
.
Der Versicherte sei
ruhig am 10.
Mai
2021 um 21:03 Uhr
verstorben
. Eine Autopsie
sei
nicht durchgeführt
worden (S. 2)
.
3.
2
Suva
-Ä
rztin
Dr. med.
A.___
, Fachärztin für Arbeitsmedizin, hielt in ihrer ärztlichen Beurteilung vom 18. August 2021 (Urk. 9/28) fest, gemäss dem Todesfallbericht vom 12. Mai 2021 aus dem
B.___
sei beim Versicherten bis zum Tod die führende, infauste Diagnose Glioblastom gewesen, an der er letztendlich überwiegend wahrscheinlich verstorben sei. Somit sei als Todesursache die Diagnose Glioblastom anzunehmen, nicht die anerkannte Berufskrankheit
Meso
theliom
.
3.
3
In ihrer Beurteilung vom 23. Februar 2022 (Urk. 9/35
) ergänzte Dr.
A.___
,
dem Todesfall-Bericht des
B.___
vom 12. Mai 2021 sei zu entnehmen,
dass nicht nur die Diagnose Glioblastom (Hauptdiagnose)
,
sondern auch die Diagnose
Pleuramesotheliom
(anerkannte Berufskrankheit und Zweit-/Neben
diagnose) bestand
en
hätten
.
Gemäss Einwand der Beschwerdeführerin hätten
für den Versicherten die thorakalen Beschwerden im Vordergrund
ge
standen (korrekt gemäss Bericht
B.___
)
,
welche
hätten
behandelt werden
können
, «wogegen der Hirntumor von der Symptomatik her ziemlich unauffällig blieb», was nicht dem Bericht
des
B.___
entspreche
, «Vigilanzminderung und Absenzen bestanden
a.e
. i.R. des
Glioblastomprogresses
mit perifokaler
Ödembildung
...». Die Schluss
folgerung
der Beschwerdeführerin, wonach der Versicherte gemäss dem Todes
fall-Bericht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit primär am asbestbedingten
Mesotheliom
und den damit verbundenen schwerwiegenden Komplikationen verstorben sei, sei
falsch
.
E
ntweder
sei
der ausführliche Bericht aus dem
B.___
nicht korrekt gelesen oder fehlinterpretiert
worden (S. 1).
Für die Klärung der Frage
der Todesursache sei
der Entscheid des Tumorboards vom 29.
April
2021 «bei prognoseführendem
Glioblastomrezidiv
keine
tumorgerichtete
Therapie des Glioblastoms» ausschlaggebend. Aufgrund des fortgeschrittenen Glioblastoms
sei
eine multimodale Therapie des
Mesothelioms
, die bei sonst gesunden Patienten eine Lebenserwartung von
zwei
bis
drei
Jahren ergeben
könne,
nicht mehr in Betracht
gekommen
. Des
W
eiteren
sei
«die Übernahme von der Klinik für Innere Medizin
…
zur Symptomkontrolle bei symptomatischem Rezidiv eines Glio
blastoms, sowie progredientem
Pleuramesotheliom
»
erfolgt
. Für den
Versicherten
habe
somit die palliative Therapie aufgrund des Glioblastoms im Vordergrund
gestanden
.
Z
usammenfassend
gehe
aus dem
Todesfall-
Bericht unmissver
ständ
lich als zum Tode führende Diagnose das berufskrankh
e
itsfremde
Glioblastom hervor.
Dass die Todesursache primär auf die von der
Beschwerdegegnerin
aner
kannte Berufskrankheit zurückzuführen sei, entspreche nicht der Richtigkeit (S.
2).
3.
4
Prof. Dr. med.
E.___
, Chefarzt und Klinikleiter des Instituts für Radio-Onkologie am
B.___
, hielt in seinem Bericht vom 12. August 2022 zu Händen der Beschwerdeführerin folgende Diagnosen fest (Urk. 9/47):
1.
rezidiv Glioblastom WHO Grad IV, Erstdiagnose 12. September 2020
-
MGMT nicht methyliert, IDH1 wilde type
-
Lobulus
parietalis inferior bis in den inferioren Anteil des Gyrus
post
centralis
rechts reichend
-
Hemiparese links und fokal-neurologische Krampfanfälle
brachiofazial
links
-
CT 12. September 2020: Raumforderung rechtshemisphärisch, keine Hirn
druckzeichen, keine Mittellinienverlagerung
-
MRI 12. September 2020:
p
rimär hirneigener Tumor von max. knapp 4 cm Durchmesser mit deutlichem perifokalem Ödem und mit geringer deszen
dierender Verlagerung des Mesenzephalons und geringer Mittellinien
ver
lagerung, sowohl die morphologischen Charakteristika als auch die funk
tionellen Charakteristika sprechen für ein Glioblastom
-
Status nach parietaler Minikraniotomie mit navigationsgesteuerter 5-Alanin-assistierter Tumorresektion und
Biopsieentnahme
mit
Duraplastik
parietal rechts 15. September 2020
-
MRI 16. September 2020: vollständige Entfernung der kontrastmittel
auf
nehmenden Tumorkomponente, stationäres
periläsionales
Ödem mit gerin
gem raumfordernde
m
Effekt ohne Dynamik zur Voruntersuchung, perio
perative ausgedehnte Ischämie medial und
posterior
der Resektionshöhle
-
Status nach postoperativer Radiotherapie
Teilhirn
rechts mit 15 x 2.67 Gy = 40.05 Gy vom 20. Oktober bis 9. November 2020
-
MRI Schädel 10.
Dezember
2020:
k
ein sicherer Hinweis auf Tumorrezidiv, kein Hinweis auf eine
Leptomeningeosis
carcinomatosa
, deutlich
regredientes
perifokales Ödem mit nun wieder gut entfaltetem Unterhorn rechts
-
Status nach epileptischem Anfall unter 1000 mg Levet
i
racetam 16.
Februar
2021
-
MR Schädel 18
.
Februar
2021:
k
ein Hinweis auf ein Rezidiv bei Zustand nach Resektion eines rechts parietalen Tumors mit postoperativen Residuen
-
kontrollierte Tumorsituation, keine neuen epileptischen Episoden seit Erh
ö
hung von Levetiracetam auf 2000 mg pro Tag
-
MR Schädel 16.
April
2021:
d
ie kontrastmittelanreichenden Areale
tem
poropolar
links wie auch im Gyrus frontalis inferior und medius links zeigen sowohl erhöhten K-trans-Wert, erhöhten RCBV als auch erhöhten ADC und sind somit zusammen mit den morphologischen Charakteristika in erster Linie vereinbar mit Tumorgewebe im Sinne von Zweittumoren, das kleine oder leere kontrastmittelanreichernde Areal am
posteroinferioren
/medialen Rand des Resektionsbereiches parietal auf der rechten Seite hat keinen pathologisch erhöhten RCBV
und ist somit in erster Linie vereinbar mit Narbengewebe
2.
Pleuramesotheliom
mit progredienten pleuralen Wandverdickungen rechts, E
rstdiagnose April
2022
(richtig: 2021)
-
Serothorax
mit
Toralatelektase
rechts
-
CT 12.
September
2020:
a
usgeprägte zirkuläre irreguläre pleurale Wand
verdickungen, nahezu die gesamte rechte Pleura betreffend, D
ifferential
diagnose
Pleuramesotheliom
(wahrscheinlich T2-3, N
0
, M
0
)
-
CT Thorax 16.
April
2021:
d
eutliche Progredienz des
Pleuramesothelioms
mit
Serothorax
und totaler Atelektase rechts, Verlegung des Mediastinums nach links, Inversion der hilären Strukturen rechts sowie der Trachea, progrediente
perihepatische
Implantate und
Pleurakarzinose
im Oberbauch links mit
konkomit
t
ierendem
Aszites
-
22.
April
2022
(richtig: 2021)
: Histologie: Weichgewebsbiopsien und Anteile quergestreifter Muskelfasern mit Infiltraten
d
urch ein
Mesotheliom
-
Zytologie 3.
Mai
2022
(richtig: 2021)
:
d
as Sediment (Aszites) enthält auf einem zellreichen gemischten reaktiven Hintergrund (Lymp
h
ozyten, Histio
zyten, neutrophile Granulozyten und
mesotheliale
Reizformen) stellenweise auch schwer atypische Mesothelien mit Verlust der Desmin-Expression, das Gesamtzellbild spricht für eine Manifestation im Rahme
n
des vorbekannten
Mesothelioms
, Status nach Asbest-Exposition (Elektromonteur) vor 40 bis 45 Jahren
Dazu führte er aus, hinsichtlich der Todesursache sei festzuhalten, dass der Ver
sicherte an zwei malignen Erkrankungen gelitten habe. Einerseits an einem Glioblastom, andererseits an einem
Pleuramesotheliom
. Nach der Primärtherapie des Glioblastoms bis November 2020 sei es im April 2021 zu einem Rezidiv gekommen. Zudem habe sich der Versicherte mit einer raschen Tumorprogression
des
Pleuramesothelioms
im gleichen Zeitraum präsentiert. Aufgrund der Ver
schlech
terung des Allgemeinzustandes einschliesslich Atemnot habe er hospi
ta
lisiert werden müssen und sei dann auch am 10. Mai 2021 am
B.___
verstorben. Hinsichtlich der Todesursache sei festzuhalten, dass beide Erkrankungsbilder eine hohe Mortalität aufweisen und für sich in der Regel in einer palliativen Situation enden und zum Tode führen würden. Beim Versicherten sei es nicht eindeutig klar, welches Erkrankungsbild den Tod am 10
.
Mai 2022
(richtig: 2021)
herbei
ge
führt habe. Es sei nicht auszuschliessen, dass die respiratorischen Komplika
tionen seitens des
Pleuramesothelioms
die unmittelbare Todesursache dargestellt beziehungsweise den Sterbeprozess beschleunigt hätten. Ein medizinisches Gut
achten könne zur Klärung beitragen.
3.
5
In ihrer ärztlichen Beurteilung vom 21. September 2022 (Urk. 9/49) ergänzte Dr.
A.___
,
Histologie und MRI-Untersuchung
würden
die Unabhän
gigkeit des
Pleuramesothelioms
vom Glioblastom und umgekehrt
dokumentieren.
Prof.
Dr.
E.___
gebe
an, «nach der Primärtherapie des Glioblastoms bis November 2020 kam es im April 2021 zu einem Rezidiv. Zudem präsentierte sich der Patient mit einer raschen Tumorprogression des
Pleuramesothelioms
im glei
chen Zeitraum.» Die rasche Progression des
Pleuramesothelioms
sei
auf dessen feh
lende Therapie gemäss Beschluss des Tumorboards bei infauster Prognose des füh
renden Glioblastom
s
zurückzuführen. Als Konklusion schreib
e
Prof.
Dr.
E.___
, «aus meiner Sicht ist es nicht auszuschliessen, dass die respiratorischen Komplikationen Seitens des
Pleuramesotheliom
die unmittelbare Todesursache darstellt, beziehungsweise den Sterbeprozess beschleunigt haben». Diese unklare Aussage
könne
so hingenommen werden,
treffe
jedoch allenfalls den Beweisgrad der Möglichkeit, aber nicht der überwiegenden Wahrschein
lichkeit. Auch widerspr
e
ch
e
Prof.
Dr.
E.___
,
bei dem der Versicherte wahr
scheinlich nur im Oktober/November 2020 kurz mit 15 Bestrahlungen behandelt
worden sei
, damit dem Bericht der Ärzte der Medizinischen Klinik des
B.___
vom 12
. Mai
2021
,
wo er wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum und bis zum Ableben behandelt
worden sei (S. 1)
.
I
m MRI vom 19.
Februar
2021
habe
kein Hinweis auf ein Rezidiv
des Glioblastoms
bestand
en
, hingegen rund zwei Monate später, nämlich am 16.
April
2021,
sei
ein Tumorrezidiv des Glioblastoms röntgendiagnostisch festgestellt
worden
. Das
sei
normal bei einem Glioblastom,
das
in der Regel nicht R
0
(ohne Tumorspuren an den Resektionsrändern) reseziert werden
könne
und in der Folge trotz weiterer Therapien rezidivier
e
. Allerdings
sei
am 29.
April
2021 durch das Tumorboard entschieden
worden
, dass keine weiteren
tumorgerichteten
(Glioblastom) Thera
pien mehr vorgenommen werden soll
t
en. Gemäss dem Thorax-CT vom 16.
April
2021
hätten
der
Serothorax
und die totale Atelektase nur rechts
bestanden
. Aller
dings
sei
das
Pleuramesotheliom
bereits in Bronchien und
Trachlea
eingewachsen
gewesen
. Das
Pleuramesotheliom
sei
wegen der infausten Erstdiagnose «Glioblas
tom» unbehandelt
geblieben (S. 2)
.
Die Beschwerdeführerin mache geltend
, dass in den letzten rund 14 Tagen vor dem Tod die Beschwerden
des Versicherten
ausgehend vom
Pleuramesotheliom
rechts (pleurale Wandverdickung und Pleuraerguss rechts) im Vordergrund
ge
stan
den
seien
, zusätzlich eine Atelektase rechts. Zum Zeitpunkt des Ablebens
habe
der Versicherte eine intakte Lunge (links)
gehabt
, mit der eine ausreichende Atemfunktion gewährleistet
gewesen sei
. Eine einseitige pleurale Wandver
dickung, Pleuraerguss sowie Atelektase
seien
für sich allein keine Todesursachen. Bei paarigen Organen
könne
mit nur einem Organ die Lebensfunktion auf
rechterhalten und teilweise sogar ein normales Leben geführt werden. Die Bronchoskopie am 27.
April 2
021: «Vollständiger Verschluss aller Oberlappen
segmente rechts und hochgradige Stenosierung des proximalen Unterlappen
bronchus rechts, am ehesten durch extrinsische Tumorkompression» betr
e
ff
e
nur die rechte Lunge, die linke
werde
nicht erwähnt. Gegen die beschriebenen Flüssigkeitsansammlungen in den Körperhöhlen
sei
am 28.
April
2021 mit Einlage einer
PleurX
-Drainage Abhilfe geschaffen
worden
. Aus ärztlicher Erfah
rung
könne
das Ableben im Rahmen eines Glioblastom
s
ebenso mit pulmonaler Insuffizienz einhergehen, da die Atmung unwillkürlich vom Gehirn gesteuert
werde
. Der beschriebene Zustand rascher Vigilanzminderung und erheblicher Schwäche
könne
eher dem länger vorbestehenden Glioblastom als dem erst neu gesicherten
Mesotheliom
zugeordnet werden
. Die Auffassung der Beschwerde
führerin, wonach die fortgeschrittene Erkrankung des
Pleuramesothelioms
und die dadurch verursachten schwerwiegenden Komplikationen den Tod primär herbeigeführt hätten und das Glioblastom möglicherweise zur Destabilisierung des allgemeinen Gesundheitszustandes des Versicherten beigetragen habe, ent
spreche den Mutmassungen eines medizinischen Laien.
Aufgrund der überwie
gend klaren Datenlage, dass das Glioblastom zum Tod geführt ha
be
,
seien
keine weiteren Abklärungen vorzunehmen, da das
Pleuramesotheliom
höchstens mög
licher
weise am Ableben des Versicherten ursächlich
gewesen sei (S. 2-3)
.
Zusammenfassend
seien
die früheren Beurteilungen des Ablebens im Zusammen
hang mit den
einzelnen
Diagnosen aufgrund der oben dargelegten Zusammen
hänge korrekt
gewesen
.
Ein Gutachten
sei
nicht nötig.
E
ine Ursächlichkeit des als Berufskrankheit anerkannten
Mesoth
e
lioms
am Ableben des Versicherten
sei
möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich
(S. 3-4)
.
3.
6
Prof. Dr.
E.___
führte in seiner Stellungnahme vom 19. Dezember 2022 zu Händen der Beschwerdeführerin aus (Urk. 14),
m
edizinische Ausgangslage bilde der Todesfallbericht des
B.___
vom 12.
Mai
2021. Darin
werde
sowohl die Diagnose eines Glioblastoms als auch eines
Pleuramesothelioms
gestellt. Im
Todesfallbericht
werde
unter dem Datum vom 16.
April
2021 im Zusammenhang mit dem
Glioblastom ein Tumorrezidiv festgehalten. Am 29.
April
2021
sei
am Tumorboard
Neuroonkologie beschlossen
worden
, keine weiteren
tumorge
rich
teten
Therapien durchzuführen in
Anbetracht des progredienten
Pleurameso
thelioms
: «
Angesichts der beiden Tumore, der
fehlenden guten Therapieoptionen beim Glioblastom (eine
Rezidivbestrahlung
wäre aufgrund
der grossflächigen Ausdehnung unmöglich bis schwierig) empfiehlt das Tumorboard eine rein
symptomorientierte Behandlung i.
S.
einer aktiven Symptomkontrolle mit Evalu
a
tion von
PleurX
und ev. analgetischer Bestrahlung thorakal (d.h. Verzicht auf
antitumorale
Therapie
einer der beiden Tumore)
.
»
Daraus folg
e
allerdings keineswegs, dass das Glioblastom mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit den Tod des
Versicherten
herbeigeführt ha
be.
Gemäss Todesfall-Bericht
hätten
sich deutliche Komplikationen als Folge des
Pleuramesothelioms
ergeben
(S. 1).
Nach Eintritt des Todes am 10.
Mai
2021
sei
auf eine Autopsie verzichtet
worden
, da zu jenem
Zeitpunkt nicht an die versicherungsrechtliche Thematik gedacht
worden sei
. Aus medizinischer
Sicht
könne
unter den gegebenen Umständen weder
das Glioblastom noch das
Pleuramesotheliom
mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit als primäre Todesursache
betrachtet werden. Allenfalls
sei
es denk
bar, dass im Rahmen eines medizinischen
Gutachtens die primäre Todesursache unter dem Gesichtspunkt der höheren
Wahrscheinlichkeit näher geklärt werden könnte. Es
spreche
sehr viel dafür, dass beide
Krankheitsbilder (Glioblastom,
P
l
euramesotheliom
) in beidseitigem Zusammenwirken den Tod
verursacht
hätten (S. 2).
4.
4.1
Vorliegend ist unbestritten und ausgewiesen, dass der Versicherte in seinem letzten Lebensjahr an einem
Glioblastom
und an einem
P
l
euramesotheliom
litt.
Die
Beschwerdegegnerin
hat das
P
l
euramesotheliom
als durch eine berufliche Asbestexposition verursacht und damit als Berufskrankheit anerkannt.
Gemäss den unbestritten gebliebenen und nachvollziehbaren Ausführungen der Kreis
ärztin
Dr.
A.___
(Urk. 9/35/2) handelte es sich demgegenüber beim
Glioblastom
weder um eine
Berufskrankheit
noch um eine
Folge einer Berufs
krankheit
.
Hiervon ist auszugehen. Für die Folgen dieses Tumors ist die Beschwer
degegnerin entsprechend nicht leistungspflichtig.
Da jedoch
der
Kausalzusammenhang zwischen
einer
anerkannten Berufskrank
heit und dem Tod
eine
r versicherten Person
nicht qualifiziert zu sein braucht (vgl.
vorstehend
E.
1.
4
), um eine grundsätzliche Leistungspflicht der
Unfallver
sicherung
auszulösen,
ist für den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin nicht erforderlich, dass der Versicherte überwiegend wahrscheinlich an den Fol
gen des
P
l
euramesotheliom
s
verstorben ist. Vielmehr
genügt es
für eine Leis
tungspflicht der Beschwerdegegnerin
, wenn die
ses
auch nur
zu einem klei
neren Teil de
ssen
Tod
(mit-)
verursacht hat
.
4.2
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass Prof. Dr.
E.___
in seiner Stellungnahme vom 19. Dezember 2022 (Urk. 14) aus einem Bericht des Tumorboards Neuro
onkologie vom 29. April 2021 zitierte, welcher nicht bei den Akten ist. Im Todesfall-Bericht vom 12. Mai 2021 (Urk. 9/24/2-4) wird auf einen Verlegungs
bericht der Medizin verwiesen (S. 2)
;
auch dieser ist den Unterlagen nicht zu entnehmen. Weiter ist davon auszugehen, dass im
B.___
eine Krankengeschichte des Versicherten erstellt wurde,
auch diese hat die Beschwerdegegnerin nicht eingeholt.
Die
entscheidrelevanten
Akten erweisen sich damit als unvollständig
und der
medizinische
Sachverhalt entsprechend als nicht ausreichend abgeklärt.
Die Sache ist bereits aus diesem Grund an die Beschwerdegegnerin zurück
zu
weisen.
4.3
Hinzu kommt, dass sich a
us den medizinischen Akten ein
uneinheitliches Bild hinsichtlich der Todesursache des Versicherten
ergibt
.
So
begründete d
ie Fach
ärztin für Arbeitsmedizin Dr.
A.___
ausführlich, weshalb ihrer Ansicht nach das
als Berufskrankheit anerkannte
Pleuram
esoth
e
liom
den Tod des Versicher
ten
nicht überwiegend wahrscheinlich
verursacht ha
t
(
vorstehend
E.
3.
2
-3.
3
und E. 3.
5
).
Dies ist indes nicht die relevante Fragestellung im vor
liegenden Verfahren.
Der Chefarzt und Klinikleiter des Instituts für Radio-Onko
logie am
B.___
Prof. Dr.
E.___
ist demgegenüber der Ansicht, dass
keineswegs das Glioblastom mit überwiegender Wahrscheinlichkeit den Tod des
Versicherten
herbeigeführt ha
t
(vorstehend E. 3.
4
und E. 3.
6
)
.
Die beiden Fachärzte
kommen diesbezüglich zu vollkommen divergierenden Ergebnissen; zwischen den beiden Seiten ist ein eigentlicher Expertenstreit entstanden, der nicht gestützt auf juristische Überlegungen zu entscheiden, sondern in erster Linie medizinisch zu klären ist. In beweisrechtlicher Hinsicht halten sich ihre Berichte die Waage; es kann durch das erkennende Gericht nicht entschieden werden, welche Einschät
zung überwiegend wahrscheinlich die richtige ist. Dafür sind offensichtlich spezifische fachärztliche Kenntnisse notwendig.
Überdies äusserte
sich Dr.
A.___
nicht
zur
gewöhnlichen
Kausalität
gemäss der vorstehenden Erwägung 1.4
und
nahm
keiner der beiden Fachärzte explizit Stellung zur
wohl
entscheid
relevanten
Frage,
ob, wenn die anerkannte Berufskrankheit nicht ausgebrochen wäre, der Tod des Versicherten überwiegend wahrscheinlich in gleicher Weise und im gleichen Zeitpunkt eingetreten wäre.
Denn t
rifft dies zu, so wäre
selbst dann, wenn anzunehmen wäre, die Berufskrankheit hätte ihrerseits ohne das Auftreten des
Glioblastom
s
innert kurzer Zeit zum Tod des Versicherten geführt, eine Leistungspflicht
der Beschwerdegegnerin
zu verneinen (sog.
«
überholende Kausalität
»
). Ist jedoch anzunehmen, der Tod des Versicherten wäre ohne
das
P
l
euramesotheliom
und de
ss
en Folgen nicht oder erst zu einem späteren Zeit
punkt eingetreten, so ist die grundsätzliche Leistungspflicht der
Beschwerdegeg
nerin
zu bejahen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_474/2010 vom 29. Juli 2010 E.
4.3 mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3.1)
.
Die Beschwerdegegnerin hat hierzu keinerlei Abklärungen getätigt
und weder sie noch die Beschwerdeführerin haben sich dazu im Verfahren je geäussert.
Die Sache ist auch aus diesem Grund an
die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie
- nach Beizug der
fehlenden
Unterlagen -
die erforderlichen
Abklärungen
in Form einer externen
Expertise
tätige und über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu entscheide.
4.4
S
ollte
der Tod des Versicherten
auch nur
teilweise auf die Berufskrankheit zurück
zuführen
sein
, besteht grundsätzlich ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Witwenrente.
Soweit
aber
das Ableben des Versicherten nur teilweise auf ein versichertes Risiko zurückzuführen ist, wird die
Beschwerdegegnerin
diesfalls zusätz
lich
über eine Kürzung der Witwenrente im Sinne von Art. 36 Abs. 2 UVG
i.V.m
. Art. 47 UVV
zu befinden haben
(E. 1.5)
. In Betracht fällt
gegebenenfalls
auch eine vergleichsweise Festlegung des Rentenbetrages (Art. 50
des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
).
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde
.
5.
Die Beschwerdeführerin beantragte die Durchführung einer öffentlichen Ver
hand
lung (Urk. 1 S. 2
und Urk. 1
9
).
Das kantonale Gericht kann von einer solchen jedoch unter anderem dann absehen, wenn es auch ohne eine
öffentliche Ver
handlung
aufgrund der Akten zum Schluss gelangt, dass dem materiellen Rechts
begehren der bezüglich der Verhandlung Antrag stellenden Partei zu entsprechen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_495/2020 vom 6. Januar 2021 E.
2.2).
Da dem Antrag der Beschwerdeführerin
auf Rückweisung der Sache an die Beschwerde
gegnerin
(vgl. Urk. 13 S. 2)
vollständig entsprochen wird
, wird auf die Durch
führung der beantragten öffentlichen Verhandlung verzichtet.
6.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57; vgl. auch BGE 141 V 281 E. 11.1 mit Hinweis), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine
Parteientschädigung
hat.
Diese wird vom Gericht ohne Rück
sicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens
fest
gesetzt (§ 34 Abs. 1
und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Die Beschwerdegegnerin ist deshalb zu verpflichten, de
r
Beschwerde
führer
in
eine
Parteientschädigung
von Fr. 2‘
4
00.-- (inkl. Barauslagen und 7.7 % MWS
T
) aus
zurichten.
Das Gericht erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird
der
angefochtene
Einspracheentscheid
vom
15. Juni 2022
aufgehoben und die Sache an die
Suva
zurückgewiesen, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu entscheide.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, de
r
Beschwerdeführer
in
eine Parteient
schädigung von Fr. 2‘400.-- (inkl. Barauslagen und MWST) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanw
alt Dr. Kurt Pfau
-
Suva
-
Bundesamt für Gesundheit
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht
Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art.
46
BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkun
den sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubLanzicher