# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eb6c946a-a7c5-53cb-b51b-baf7eeb2ff3e
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2018-12-19
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 19.12.2018 BG.2018.33
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG/CH_BSTG_001_BG-2018-33_2018-12-19.pdf

## Full Text

Beschluss vom 19. Dezember 2018 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Giorgio Bomio-Giovanascini, Vorsitz, 

Andreas J. Keller und Cornelia Cova,  

Gerichtsschreiber Martin Eckner  

   
Parteien   

A., 

Beschwerdeführer 

 

 gegen 

   

1. KANTON THURGAU, Generalstaatsanwalt-

schaft, 

 

2. KANTON BERN, Generalstaatsanwaltschaft, 

Beschwerdegegner 

  

Gegenstand  Anfechtung des Gerichtsstands  

(Art. 41 Abs. 2 StPO); 

Rechtsverzögerung (Art. 393 Abs. 2 lit. a StPO) 

 
  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BG.2018.33  

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. A. stellte mit Schreiben vom 28. Juni am 3. Juli 2018 (Datum Eingangsstem-

pel) bei der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland Strafanzeige und Strafan-

trag. Die Anzeige betraf Vorfälle im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit 

(2005 bis 2014) als […] bei B., welche die Outsourcing-Dienstleisterin der C. 

AG sei.  

 

Zwischen 2012 und 2017 sei er von Angestellten der C. AG in Z. sowie an 

seinem Arbeitsplatz in Y. (TG) bedroht worden. Die Drohungen seien na-

mentlich durch die Frage "Willst du für ein Geheimnis sterben?" (in Z.), eine 

Pistolengeste (in Y. am Arbeitsplatz) und Hinweise auf Konsequenzen für A. 

selbst und seine Familie erfolgt. Er sei sodann in diversen Gesprächen dazu 

genötigt worden, über Missstände und weitere Vorgehen zu sprechen, wel-

che den beiden erwähnten Unternehmen schaden könnten. Er habe darüber 

bis zum Ende seines Arbeitsverhältnisses mit seiner Frau und später seiner 

Hausärztin gesprochen. Als der Wille zum Aufhören deutlich geworden sei, 

sei er mit einem Messer angegriffen, beinahe in einen Unfall verwickelt und 

von Fremden aggressiv angegangen und beschimpft worden. Aufgrund der 

Ereignisse im Jahr 2012 habe er die Polizei in X. informiert, ohne dabei eine 

Strafanzeige zu stellen.  

 

 

B. Die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern leitete mit Anfrage an den 

Kanton Thurgau vom 12. Juli 2018 das Gerichtsstandsverfahren ein. Die 

Staatsanwaltschaft Kreuzlingen lehnte die Übernahme am 20. Juli 2018 zu-

nächst ab. Nach dem Schreiben des Kantons Bern vom 31. Juli 2018 erliess 

die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen am 20. August 2018 die Übernahmever-

fügung.  

 

 

C. Gegen diese führte A. mit Schreiben vom 31. August 2018 Beschwerde an 

die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts. Er beantragt sinngemäss, 

es sei die Zuständigkeit des Kantons Bern festzustellen (act. 1). Damit ein-

hergehend stellte er auch eine Rechtsverzögerungsbeschwerde ("Untätig-

keitsbeschwerde").  

 

Das Gericht ersuchte die beteiligten Staatsanwaltschaften am 21. Septem-

ber 2018, die Verfahrensakten einzureichen (act. 5). Diese gingen ein am 

25. September 2018 (act. 6 Kanton Bern) und 27. September 2018 (act. 7, 8 

Kanton Thurgau).  

 

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D. Die Sendungsverfolgungen zeigten auf, dass dem Vertreter von A. die Über-

nahmeverfügung am 23. August 2018, 23.59 Uhr, zugestellt wurde. Die Be-

schwerde vom 31. August 2018 wiederum ist der Schweizer Post am 4. Sep-

tember 2018 zugegangen (act. 4, 8.0, 8.1). Da demnach die Beschwerdefrist 

am 24. August 2018 zu laufen begonnen und bereits am 3. September 2018 

geendet zu haben schien, wurde A. am 27. September 2018 eingeladen, 

dazu Stellung zu nehmen (act. 9; vgl. Erwägung 2.3 unten). A. erklärte dazu 

im Schreiben vom 3. Oktober 2018, die Beschwerde sei am 31. August 2018 

sowohl gefaxt, als auch durch Frau D. als Niederschrift bei der Staatsanwalt-

schaft Kreuzlingen eingeworfen worden (act. 10). 

 

Da sich die Niederschrift nicht in den eingereichten Verfahrensakten befand, 

wurde die Staatsanwaltschaft Kreuzlingen am 6. November 2018 eingela-

den, Stellung zu nehmen (act. 12). Sie führte am 12. November 2018 aus 

(act. 14), am Montag, 3. September 2018 die genannte Beschwerde im Brief-

kasten erhalten zu haben. Auf dem Briefumschlag stehe, dass das Schrei-

ben am Freitag, 31. August 2018, von Frau D. eingeworfen worden sei (vgl. 

act. 14.1, 14.1.1–14.1.3). Die Eingabe der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen 

wurde A. am 13. November 2018 zur Kenntnis gebracht (act. 15).  

 

 

E. Es wurde kein Schriftenwechsel durchgeführt (vgl. Art. 390 Abs. 2 StPO im 

Umkehrschluss).  

 

Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit 

erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-

men.  

 

 

 

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Will eine Partei die Zuständigkeit der mit dem Strafverfahren befassten Be-

hörde anfechten, so hat sie dieser unverzüglich die Überweisung des Falles  

an die zuständige Strafbehörde zu beantragen (Art. 41 Abs. 1 StPO sog. 

Überweisungsverfahren). Die mit dem Antrag befasste Behörde hat – so dies 

nicht bereits geschehen ist – einen Meinungsaustausch im Sinne von Art. 39 

Abs. 2 StPO einzuleiten oder direkt durch Verfügung ihre eigene Zuständig-

keit zu bestätigen (Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2012.42 vom 

23. Januar 2013 E. 1.1; BG.2012.2 vom 16. März 2012 E. 1.1).  

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Verfügt eine Staatsanwaltschaft, dass sie zuständig sei, so kann diejenige 

Partei sich innert zehn Tagen bei der Beschwerdekammer des Bundesstraf-

gerichts beschweren (Art. 41 Abs. 2 Satz 1 StPO i.V.m. Art. 40 Abs. 2 StPO 

und Art. 37 Abs. 1 StBOG), die vorbringt, ihr ordentlicher Gerichtsstand 

(Art. 31–37 StPO i.V.m. Art. 38 Abs. 1 und Art. 41 Abs. 1 StPO) werde miss-

achtet (Art. 41 Abs. 2 Satz 2 StPO).  

 

1.2 Der Beschwerdeführer hat Strafantrag gestellt, ist damit Privatkläger, als sol-

cher Partei des Strafverfahrens (vgl. Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO) und zur Ein-

reichung einer Beschwerde gegen eine Gerichtsstandsverfügung legitimiert 

(vgl. Art. 41 Abs. 2 StPO).  

1.3  

1.3.1 Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist in-

nert 10 Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzu-

reichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Schriftliche Eingaben sind zu datieren und 

zu unterzeichnen (Art. 110 Abs. 1 StPO). Nach ständiger Rechtsprechung 

des Bundesgerichts muss die Unterschrift eigenhändig auf dem Schriftdoku-

ment angebracht werden, weshalb bei Eingaben, die der Schriftform bedür-

fen, die Einreichung per Telefax zur Fristwahrung nicht genügt (BGE 142 IV 

299 E. 1.1; 121 II 252 E. 3 f.; Urteile des Bundesgerichts 6B_51/2015 vom 

28. Oktober 2015 E. 2.2; 2C_531/2015 vom 18. Juni 2015 E. 2.1; 

1B_160/2013 vom 17. Mai 2013 E. 2.1; je mit Hinweisen). 

Fristen, die durch eine Mitteilung oder den Eintritt eines Ereignisses ausge-

löst werden, beginnen am folgenden Tag zu laufen. Fällt der letzte Tag der 

Frist auf einen Samstag, einen Sonntag oder einen vom Bundesrecht oder 

vom kantonalen Recht anerkannten Feiertag, so endet sie am nächstfolgen-

den Werktag. Massgebend ist das Recht des Kantons, in dem die Partei oder 

ihr Rechtsbeistand den Wohnsitz oder den Sitz hat (Art. 90 Abs. 1 und 2 

StPO). Die Frist ist eingehalten, wenn die Verfahrenshandlung spätestens 

am letzten Tag bei der zuständigen Behörde vorgenommen wird. Eingaben 

müssen spätestens am letzten Tag der Frist bei der Strafbehörde abgegeben 

oder zu deren Handen der Schweizerischen Post, einer schweizerischen dip-

lomatischen oder konsularischen Vertretung oder, im Falle von inhaftierten 

Personen, der Anstaltsleitung übergeben werden (Art. 91 Abs. 1 und 2 

StPO).  

1.3.2 Vorliegend hat die Schweizer Post die Eingabe des Beschwerdeführers vom 

31. August 2018 erst am 4. September 2018 erhalten, mithin einen Tag nach 

Ablauf der zehntägigen Beschwerdefrist und damit verspätet. Der Beschwer-

deführer konnte indes zureichend dartun (vgl. dazu und zum Fristenlauf 

obige litera D), die unterzeichnete Beschwerdeschrift so in den Briefkasten 

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der Staatsanwaltschaft Kreuzlingen gelegt zu haben, dass diese sie jeden-

falls am 3. September 2018 und damit rechtzeitig erhielt. Die Beschwerde ist 

damit fristgerecht erhoben worden.  

1.4 Sind somit die Eintretensvoraussetzungen erfüllt, ist auf die Gerichtsstands-

beschwerde einzutreten. 

1.5 Der Beschwerdeführer erklärt, aufgrund der fehlenden Identitätsfeststellung 

der Beschuldigten und deren fehlender Einvernahme trotz sachdienlicher 

Hinweise, Rechtsverzögerungsbeschwerde zu erheben (act. 1). Die Akten 

geben indes keine Hinweise darauf, dass er wegen der Verfahrensdauer bei 

einer Vorinstanz bereits einmal interveniert hätte (zu diesem Erfordernis Ur-

teil des Bundesgerichts 1B_24/2013 vom 12. Februar 2013 E. 4 m.w.H.). 

Ohnehin ist für eine Rechtsverzögerungsbeschwerde nicht die Beschwerde-

kammer des Bundesstrafgerichts zuständig, sondern der Beschwerdeweg 

an die kantonale Beschwerdekammer einzuschlagen (vgl. Art. 22 i.V.m. 

Art. 20 Abs. 1 lit. b StPO). Dies gilt auch, wenn sie gegen die Staatsanwalt-

schaft im Zusammenhang mit einem Gerichtsstandsverfahren erhoben wird. 

Damit ist auf die Rechtsverzögerungsbeschwerde nicht einzutreten.  

 

2.  

2.1 Für die Verfolgung und Beurteilung einer Straftat sind die Behörden des Or-

tes zuständig, an dem die Tat verübt worden ist. Liegt nur der Ort, an dem 

der Erfolg der Straftat eingetreten ist, in der Schweiz, so sind die Behörden 

dieses Ortes zuständig. Ist die Straftat an mehreren Orten verübt worden 

oder ist der Erfolg an mehreren Orten eingetreten, so sind die Behörden des 

Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen wor-

den sind (Art. 31 Abs. 1 und 2 StPO Gerichtsstand des Tatortes). 

2.2 Der Beschwerdeführer schildert (vgl. obige litera A), dass er in der Schweiz 

in Y. (Thurgau) bedroht worden sei. Ebenso sind die ersten Verfolgungs-

handlungen (Meldung des Beschwerdeführers an die Polizei in X.) im Kanton 

Thurgau erfolgt. Die Übernahme des Strafverfahrens ist durch den Kanton 

erfolgt, in welchem der Tatort liegt (Kanton Thurgau). Damit ist Art. 31 StPO 

entsprochen worden. Die Beschwerde ist somit offensichtlich unbegründet 

und abzuweisen. 

 

3. Vorliegend sind keine Gerichtsgebühren zu erheben.  

 

 

 

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Demnach erkennt die Beschwerdekammer: 

 

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 

 

2. Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben.  

 

 

Bellinzona, 20. Dezember 2018 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- A. 

- Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Thurgau 

- Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.