# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** fe18b799-561b-5edd-9ed9-b7ea55bf2654
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-09-11
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 11.09.2020 SK.2019.71
**Docket/Reference:** SK.2019.71
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_SK-2019-71_2020-09-11

## Full Text

Beteiligung an / eventualiter Unterstützung einer kriminellen Organisation (Art. 260ter Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB), mehrfache Herstellung und mehrfacher Besitz von Gewaltdarstellungen (Art. 135 Abs. 1 und 1bis StGB), mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern (Art. 187 Ziff. 1 StGB), mehrfache Herstellung und mehrfacher Besitz von Pornografie (Art. 197 Ziff. 4 und 5 StGB);;Beteiligung an / eventualiter Unterstützung einer kriminellen Organisation (Art. 260ter Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB), mehrfache Herstellung und mehrfacher Besitz von Gewaltdarstellungen (Art. 135 Abs. 1 und 1bis StGB), mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern (Art. 187 Ziff. 1 StGB), mehrfache Herstellung und mehrfacher Besitz von Pornografie (Art. 197 Ziff. 4 und 5 StGB);;Beteiligung an / eventualiter Unterstützung einer kriminellen Organisation (Art. 260ter Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB), mehrfache Herstellung und mehrfacher Besitz von Gewaltdarstellungen (Art. 135 Abs. 1 und 1bis StGB), mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern (Art. 187 Ziff. 1 StGB), mehrfache Herstellung und mehrfacher Besitz von Pornografie (Art. 197 Ziff. 4 und 5 StGB);;Beteiligung an / eventualiter Unterstützung einer kriminellen Organisation (Art. 260ter Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB), mehrfache Herstellung und mehrfacher Besitz von Gewaltdarstellungen (Art. 135 Abs. 1 und 1bis StGB), mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern (Art. 187 Ziff. 1 StGB), mehrfache Herstellung und mehrfacher Besitz von Pornografie (Art. 197 Ziff. 4 und 5 StGB)

Urteil vom 11. September 2020 
Strafkammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter Martin Stupf, Vorsitz 

Joséphine Contu Albrizio und Stefan Heimgartner,  

Gerichtsschreiber David Heeb  

Parteien  BUNDESANWALTSCHAFT, vertreten durch 

Staatsanwältin des Bundes Juliette Noto,   

 

 
gegen 

 

  
1. A., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Stephan 

A. Buchli 

 

2. B., amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dominic 

Nellen 

 

Gegenstand  
Beteiligung an / eventualiter Unterstützung einer kriminel-

len Organisation, mehrfache Herstellung und mehrfacher 

Besitz von Gewaltdarstellungen, mehrfache sexuelle 

Handlungen mit Kindern, mehrfache Herstellung und 

mehrfacher Besitz von Pornografie 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

Geschäftsnummer:  SK.2019.71 

- 2 - 

Anträge der Bundesanwaltschaft: 

A. 

 

1. Der Beschuldigte A. sei schuldig zu sprechen: 

 

- der Beteiligung an / eventualiter Unterstützung einer kriminellen Organisation 

(Art. 260ter Ziff. 1 StGB); 

- der Gewaltdarstellungen (Art. 135 Abs. 1 und Abs. 1bis StGB). 

 

2. A. sei zu verurteilen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 42 Monaten. 

 

3. Die bis zur Urteilseröffnung erstandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft von ins-

gesamt 364 Tagen sei auf den Vollzug der Freiheitsstrafe anzurechnen. 

 

4. Die Hälfte der im Vorverfahren entstandenen Gebühren von Fr. 60'000.-- sowie die 

A. betreffenden Auslagen von Fr. 255'943.40, zuzüglich der durch das Gericht fest-

zulegenden Kosten für das erstinstanzliche Hauptverfahren, seien A. aufzuerlegen 

(Art. 422 ff. StPO). 

 

B. 

 

1. Der Beschuldigte B. sei schuldig zu sprechen: 

 

- der Beteiligung an / eventualiter Unterstützung einer kriminellen Organisation 

(Art. 260ter Ziff. 1 StGB); 

- der Gewaltdarstellungen (Art. 135 Abs. 1 und Abs. 1bis StGB); 

- der sexuellen Handlungen mit Kindern (Art. 187 Ziff. 1 StGB); 

- der Pornografie (Art. 197 Abs. 4 und Abs. 5 StGB). 

 

2. B. sei zu verurteilen zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 34 Monaten. 

 

3. Die Hälfte der im Vorverfahren entstandenen Gebühren von Fr. 60'000.-- sowie die 

B. betreffenden Auslagen von Fr. 134'522.40, zuzüglich der durch das Gericht fest-

zulegenden Kosten für das erstinstanzliche Hauptverfahren, seien B. aufzuerlegen 

(Art. 422 ff. StPO). 

 

  

- 3 - 

Anträge der Verteidigung von A.: 

1. Der Beschuldigte A. sei vollumfänglich freizusprechen. 

 

2. Es seien sämtliche dem Beschuldigten A. auferlegten Ersatzmassnahmen aufzuhe-

ben. 

 

3. Es sei A. eine angemessene Genugtuung aus der Staatskasse von ca.  

Fr. 60'000.-- auszurichten. 

 

4. Sämtliche beschlagnahmten Gegenstände seien definitiv einzuziehen und der La-

gerbehörde zur Vernichtung zu überlassen. 

 

5. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens, inklusive dieje-

nigen der amtlichen Verteidigung, seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu neh-

men. 

Anträge der Verteidigung von B.: 

I. 

 

1. B. sei freizusprechen vom Vorwurf der Beteiligung an bzw. Unterstützung der krimi-

nellen Organisation «Islamischer Staat» (IS) bzw. deren Vorgängerorganisation (I-

SIG), angeblich begangen: 

 

a. gemäss Ziff. 1.2.2.2. Anklageschrift durch die Unterstützung der Organisation 

«Islamischer Staat» (IS) bzw. deren Vorgängerorganisation (ISIG) im Zeitraum 

vom 31. Mai 2014 bis 19. Dezember 2014 im Raum Winterthur, in der Schweiz, 

in Mazedonien und anderswo;  

 

b. gemäss Ziff. 1.2.2.2.1. Anklageschrift durch die versuchte Ausreise nach Syrien 

in das Herrschaftsgebiet der kriminellen Organisation «Islamischer Staat» (IS) 

am 18. Dezember 2014 in der Schweiz und Mazedonien; 

 

c. gemäss Ziff. 1.2.2.2.2. Anklageschrift durch das Anwerben von C. mit dem Ziel, 

bei ihr den Entschluss zu wecken, sich nach Syrien zu begeben und dem IS an-

zuschliessen und sie in diesem Vorhaben organisatorisch unterstützte im Zeit-

raum vom 3. Oktober 2014 bis 19. Dezember 2014, vornehmlich im Raum Win-

terthur; 

 

- 4 - 

d. gemäss Ziff. 1.2.2.2.3 Anklageschrift durch die Verbreitung von Propaganda für 

die kriminelle Organisation «Islamischer Staat» (IS) bzw. deren Vorgängerorga-

nisation (ISIG) im Zeitraum vom 31. Mai 2014 bis 5. Juli 2014. 

 

2. B. sei freizusprechen vom Vorwurf der mehrfachen Herstellung und des mehrfachen 

Besitzes von Gewaltdarstellungen, angeblich begangen: 

 

a. gemäss Ziff. 1.2.2.3. Anklageschrift, indem er Fotografien mit Hinrichtungssze-

nen auf seinem Mobiltelefon (Samsung Galaxy S7 Edge 64 GB) mindestens für 

seinen eigenen Konsum speicherte, festgestellt am 14. November 2016 an sei-

nem Domizil. 

 

3. B. sei freizusprechen vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit Kindern, angeblich 

begangen:  

 

a. gemäss Ziff. 1.2.2.4. Anklageschrift mit C., die zum Zeitpunkt der angeblichen 

sexuellen Handlungen das 16. Altersjahr noch nicht vollendet hatte, den Bei-

schlaf vollzog, begangen im Zeitraum zwischen Oktober und Dezember 2014, 

am Rheinfall und anderswo in der Schweiz. 

 

4. B. sei freizusprechen vom Vorwurf der mehrfachen Herstellung und des mehrfachen 

Besitzes von pornografischer Fotografie, angeblich begangen: 

 

a. gemäss Ziff. 1.2.2.5 Anklageschrift, indem er Fotografien, die sexuelle Handlun-

gen zwischen Menschen und Tieren zeigen, auf seinem Mobiltelefon (Samsung 

Galaxy S7 Edge 64 GB) mindestens für seinen eigenen Konsum speicherte, fest-

gestellt am 14. November 2016 an seinem Domizil;  

 

b. gemäss Ziff. 1.2.2.5. Anklageschrift, indem er Fotografien, sexueller Gewalt ge-

gen junge Frauen, auf seinem Mobiltelefon (Samsung Galaxy S7 Edge 64 GB) 

mindestens für seinen eigenen Konsum speicherte, festgestellt am 14. November 

2016 an seinem Domizil. 

 

5. Eventualiter sei B. freizusprechen bezüglich des Würdigungsvorbehalts des Bun-

desstrafgerichts vom 10. August 2020, den Vorwurf der Verbreitung von IS-

Propaganda gegen die Beschuldigten auch unter dem Aspekt des Verstosses gegen 

Art. 2 der altrechtlichen Verordnung der Bundesversammlung über das Verbot der 

Gruppierung Al-Qaïda und verwandter Organisationen vom 23. Dezember 2011 zu 

würdigen und dabei insbesondere unter der Tatbestandsvariante des «Förderns auf 

andere Weise». 

- 5 - 

 Unter Auferlegung der Verfahrenskosten an die Schweizerische Eidgenossenschaft, 

der Ausrichtung einer Entschädigung des Anwaltshonorars von Rechtsanwalt  

Nellen gemäss noch einzureichender Honorarnote und der Ausrichtung einer Ent-

schädigung/Genugtuung gemäss untenstehender Aufstellung an B.. 

 

II. 

 

B. sei infolge Freispruchs eine Entschädigung/Genugtuung gemäss folgender Aufstellung 

auszurichten: 

 

1. Entschädigung in der Höhe von Fr. 2'976.50 für Erwerbseinbussen. 

 

2. Entschädigung für Auslagen im Strafverfahren (Reisekosten/Hotelübernachtung/ 

Verpflegung) in der Höhe von Fr. 2'333.--. 

 

3. Genugtuung in gerichtlich zu bestimmender Höhe, mindestens Fr. 10'000.--. 

 

III. 

 

Weiter sei zu verfügen: 

 

1. Die anlässlich der Hauptverhandlung im Original zu den Akten gereichten Doku-

mente des Amtsgerichts Gostivar seien an B. herauszugeben. 

 

2. Sämtliche sichergestellten/beschlagnahmten Gegenstände seien an B. herauszu-

geben. 

 

3. Es sei die unverzügliche Löschung resp. Vernichtung des DNA-Profils von B. sowie 

sämtliche Resultate der erkennungsdienstlichen Erfassung (insb. daktyloskopische 

Daten, Fotografien und Signalement) aus sämtlichen Registern gerichtlich anzuord-

nen. 

 

4. Das Honorar der amtlichen Verteidigung sei gemäss der eingereichten Honorarnote 

gerichtlich zu bestimmen. 

 

5. Die weiteren Verfügungen seien von Amtes wegen zu treffen. 

 

 

 

 

 

- 6 - 

Prozessgeschichte: 

A. Die Bundeskriminalpolizei wurde ab März 2014 von verschiedenen ausländi-

schen Polizeidienststellen auf Verbindungen von A. zu extremistischen Islamis-

ten aufmerksam gemacht. Sein Name fiel auch im Zusammenhang mit dem ju-

gendlichen Geschwisterpaar C. und D. aus Winterthur, welche im Dezember 

2014 nach Syrien ins Gebiet der Terrororganisation «Islamischer Staat» gereist 

und von A. und weiteren Akteuren in seinem Umfeld dazu verleitet worden seien 

(BA pag. 5-1-2). Gestützt auf diese Informationen eröffnete die Bundeskriminal-

polizei am 9. Januar 2015 ein polizeiliches Ermittlungsverfahren. Am 29. Januar 

2015 erstattete die Bundeskriminalpolizei bei der Bundesanwaltschaft Strafan-

zeige gegen A. und unbekannte Täterschaft wegen Verdachts der Unterstützung 

einer kriminellen Organisation (Art. 260ter StGB) und (eventualiter) des Verstos-

ses gegen das Bundesgesetz über das Verbot der Gruppierungen «Al-Qaïda» 

und «Islamischer Staat» (nachfolgend: IS) sowie verwandter Organisationen vom 

12. Dezember 2014 (SR 122; nachfolgend: Al-Qaïda/IS-Gesetz [BA pag. 5-1-1, -

4]).  

B. Die Bundesanwaltschaft eröffnete am 12. Februar 2015 eine Strafuntersuchung 

gegen A. und unbekannte Täterschaft wegen Verdachts der Unterstützung einer 

kriminellen Organisation (Art. 260ter StGB) und Verstosses gegen Art. 2 des Al-

Qaïda/IS-Gesetzes (BA pag. 1-1-1 f.). Mit Verfügung vom 16. März 2016 dehnte 

sie das Strafverfahren zunächst personell auf B. (BA pag. 1-1-3) und am 10. Juni 

2016 sachlich gegen B. auf den Tatbestand der sexuellen Handlungen mit Kin-

dern aus (Art. 187 Ziff. 1 StGB [BA pag. 1-1-7]). 

C. A. wurde am 16. Februar 2016 verhaftet. Er befand sich vom 19. Februar 2016 

bis am 14. Februar 2017 in Untersuchungshaft, wobei die ersten drei Monate der 

Haft im Rahmen eines von der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich geführ-

ten Verfahrens wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Sportförderungs-

gesetz und Betrugs angeordnet wurden (BA pag. 6-1-1, -6). Mit Bewilligung des 

zuständigen Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Bern wurden ab dem 

Datum der Haftentlassung mehrere Ersatzmassnahmen (Ausweis- und Schrif-

tensperre; Einschränkung der Bewegungsfreiheit; Kontaktverbote; Teilnahme an 

einem Beschäftigungsprogramm; Electronic Monitoring; Begleitung durch den 

Dienst Gewaltschutz der Kantonspolizei Zürich; Gewährung des jederzeitigen 

Zugangs durch die Bundeskriminalpolizei sowie Kantonspolizei Zürich zu den be-

wohnten Räumlichkeiten, benutzten Fahrzeugen und Informatikmitteln; Melde-

pflicht, etc.) verfügt (BA pag. 6-1-203, -207). Die drei letztgenannten Ersatzmas-

snahmen bestehen nach wie vor (vgl. Lit. L. nachfolgend). 

- 7 - 

D. Am 16. Februar 2016 fand am Domizil von A. eine Hausdurchsuchung statt, wo-

bei die beweisrelevanten Gegenstände von der Bundesanwaltschaft beschlag-

nahmt wurden (BA pag. 8-5-7 f.). Die Bundesanwaltschaft führte vom 9. März 

2015 bis 1. Juli 2016 Telefonüberwachungen (rückwirkend und Echtzeit), Obser-

vationen (GPS und IMSI-Catcher), verdeckte Ermittlungen (Observationen mit 

GPS-Tracker) sowie akustische und optische Überwachungen durch (BA pag. 9-

1-35, -9-3-35). Im Zeitraum vom 1. April 2015 bis 19. September 2019 holte sie 

im Rahmen der internationalen und nationalen Rechtshilfe verschiedene Unter-

lagen (Einvernahmeprotokolle, Urteile und Gutachten im Zusammenhang mit 

dem IS und Vorgängerorganisationen, Berichte über die Sicherstellung und Aus-

wertung elektronischer Datenträger von A. etc.) ein (BA pag. 18-1-1-1, -18-2-4-

215). Am 14. November 2016 führte die Bundesanwaltschaft am Domizil von B. 

eine Hausdurchsuchung durch und beschlagnahmte elektronische Datenträger 

(BA pag. 8-4-5 f.). Mit Verfügungen vom 24. November 2016 holte die Bundes-

anwaltschaft von verschiedenen Finanzinstituten (E. AG; F. GmbH; G. AG; H. 

SA; I. SA; J. AG; K. AG) Auskünfte über die Geschäfts- und Kreditkartenbezie-

hungen der Beschuldigten und mutmasslichen Mitbeteiligten ein und ordnete die 

Herausgabe von Unterlagen zu deren finanziellen Verhältnissen an (BA pag. 7-

10-1-1, -7-16-2-4). 

E. Die Bundesanwaltschaft dehnte die Strafuntersuchung sachlich mehrfach weiter 

aus, so am 6. März 2019 gegen B. auf die Tatbestände der Gewaltdarstellungen 

(Art. 135 StGB) und Pornografie (Art. 197 StGB [BA pag. 1-1-9 f.]) und mit Ver-

fügung vom 13. Mai 2019 gegen A. auf den Tatbestand der Gewaltdarstellungen 

(Art. 135 StGB) (BA pag. 1-1-12 f.). Gleichzeitig vereinigte sie die Verfahren ge-

gen die Beschuldigten gestützt auf Art. 26 Abs. 2 StPO in der Hand der Bundes-

behörden (BA pag. 1-1-9 f.; 1-1-12 f.). 

F. Am 24. Oktober 2019 erhob die Bundesanwaltschaft gegen die Beschuldigten 

Anklage wegen Beteiligung an bzw. Unterstützung einer kriminellen Organisation 

(Art. 260ter Ziff. 1 StGB) sowie weiterer Delikte (Geschäftsnummer SK.2019.62: 

TPF pag. 41.100.1, -42).  

G. Die Prüfung der Anklageschrift vom 24. Oktober 2019 im Sinne von Art. 329 StPO 

ergab, dass gestützt darauf im Hauptanklagepunkt kein Urteil ergehen konnte, 

insbesondere wegen fehlender Klarheit, ob und inwiefern der Kampfverband 

«Jaish al-Muhajirin wa-l-Ansar» (nachfolgend: «JAMWA» [«Armee der Emigran-

ten und Unterstützer»]), an welcher sich A. Ende 2013 in Syrien beteiligt haben 

soll, durch eine etwaige organisatorische Eingliederung Teil des IS gewesen sein 

soll. Es war weiter nicht ersichtlich, wann der formale Anschluss des Kampfver-

bands «JAMWA» an den IS stattgefunden haben soll. Mit anderen Worten fehlte 

- 8 - 

in der Anklageschrift die Umschreibung, inwiefern die «JAMWA» im anklagere-

levanten Zeitraum Teil des IS gewesen sein soll. Schliesslich fehlte die nament-

liche Nennung der mit dem IS «verwandten kriminellen Organisationen und/oder 

Vorgängerorganisationen», an welchen die Beschuldigten beteiligt gewesen sein 

bzw. unterstützend mitgewirkt haben sollen. Mit Beschluss vom 13. November 

2019 wies die Strafkammer die Anklageschrift deshalb zur Ergänzung an die 

Bundesanwaltschaft zurück, sistierte das Verfahren und hob die Rechtshängig-

keit des Verfahrens beim Gericht auf (TPF pag. 41.932.1, -5). 

H. Am 18. November 2019 reichte die Bundesanwaltschaft eine neue, ergänzte An-

klageschrift ein (TPF pag. 42.100.1-54). 

I. Die mit Verfügung des Vorsitzenden der Strafkammer vom 20. November 2019 

den Parteien vorgeschlagenen vier Zeitfenster für eine mögliche Hauptverhand-

lung im Zeitraum von Februar 2020 bis April 2020 wurden revoziert, nachdem die 

Verteidiger relevante Verhinderungsgründe vorgebracht hatten (TPF pag. 42. 

250.1-7).  

J. Mit Verfügungen vom 20. November 2019, 17. Dezember 2019, 24. Januar 2020, 

23. April 2020 und 15. Mai 2020 entschied der Vorsitzende über Beweismass-

nahmen und hiess die Beweisanträge teilweise gut (TPF pag. 42.250.1-5, 8-14). 

K. Im Rahmen der Prozessvorbereitung holte das Gericht von Amtes wegen die er-

forderlichen Beweismittel zu den persönlichen und finanziellen Verhältnissen der 

Beschuldigten ein (Formulare betr. persönliche und finanzielle Verhältnisse 

[TPF pag. 42.231.4.5-7; 42.232.4.5-23]; Auszüge aus dem Schweizerischen 

Strafregister [TPF pag. 42.231.1.2; 42.232.1.2]; Betreibungsregisterauszüge der 

Betreibungsämter Oberwinterthur und Bezirk Frauenfeld [TPF pag. 42.231.3.2-

4; 42.232.3.2]; Steuerunterlagen bzw. letzte Veranlagungsverfügungen der Steu-

erämter des Kantons Zürich [TPF pag. 42.231.2.2-21; 42.232.2.2-26]). In Bezug 

auf A. liess es von der Bundeskriminalpolizei einen Amtsbericht zu einem Schrift-

zug auf einer Sturmhaube erstellen, welcher am 13. Mai 2020 erstattet wurde 

(TPF pag. 42.262.2.5-11). Zudem holte das Gericht einen aktuellen Gewalt-

schutzbericht der Kantonspolizei Zürich (datierend vom 24. Juni 2020) betreffend 

die Lebensumstände, Arbeitssituation, Integration, Gefährdung und den religiö-

sen Hintergrund von A. ein (TPF pag. 42.262.3.5,-18). Ausserdem erkannte das 

Gericht auf Antrag der Verteidiger sämtliche beim Obergericht des Kantons Zü-

rich beigezogenen Verfahrensakten (ca. 34 Bundesordner) betreffend C. und D. 

sowie das bei der Staatsanwaltschaft Graz edierte Einvernahmeprotokoll der am 

13. März 2019 durchgeführten Zeugeneinvernahme des in Österreich wegen ter-

roristischer Aktivitäten im Zusammenhang mit dem IS sowie Mordes zu einer 20-

- 9 - 

jährigen Freiheitsstrafe verurteilten L. in Kopie zu den hiesigen Verfahrensakten 

SK.2019.71 (TPF pag. 42.261.1.4-37). 

L. Mit Entscheiden vom 26. November 2019, 26. Februar 2020, 20. Mai 2020 und 

27. August 2020 verlängerte das kantonale Zwangsmassnahmengericht Bern auf 

Antrag des Vorsitzenden die Ersatzmassnahmen gegen A. (vgl. Lit. C.; TPF pag. 

42.231.8.006 ff.). Mit Urteil der Strafkammer vom 11. September 2020 wurden 

die gegenüber A. mit Entscheid des kantonalen Zwangsmassnahmengerichts 

Bern vom 29. Mai 2019 angeordneten und zuletzt mit Entscheid vom 27. August 

2020 verlängerten Ersatzmassnahmen weitergeführt. Das Amt für Justizvollzug 

des Kantons Zürich sowie die Kantonspolizei Zürich wurden entsprechend infor-

miert (TPF pag. 42.930.001 ff.). 

M. Die Hauptverhandlung (Parteiverhandlungen) fand vom 10. bis und mit 12. Au-

gust 2020 in Anwesenheit der Anklägerin sowie der Beschuldigten und ihrer Ver-

teidiger am Sitz des Bundesstrafgerichts statt (TPF pag. 42.720.001, -025). 

N. Mit Verfügung vom 21. August 2020 wurde der Beschuldigte B. vom persönlichen 

Erscheinen für die Urteilseröffnung dispensiert (TPF pag. 42.255.001, -003). 

O. Das Urteil der Strafkammer wurde am 11. September 2020 in Anwesenheit der 

vorgeladenen Parteien mündlich eröffnet und begründet (TPF pag. 42.720.021, 

-024). 

P. Am 14. sowie 21. September 2020 meldeten beide Beschuldigten fristgerecht 

Berufung gegen das Urteil an (Art. 399 Abs. 1 i.V.m. Art. 398 Abs. 1 StPO). 

 

Die Strafkammer erwägt: 

I. Vorfragen und Prozessuales 

1. Schweizerische Gerichtsbarkeit 

Der Tatbestand der kriminellen Organisation sieht eine ergänzende Zuständig-

keit zu den allgemeinen Bestimmungen von Art. 6 und 7 StGB für die Verfolgung 

von Auslandtaten im Rahmen von Art. 260ter Ziff. 1 StGB vor: Strafbar ist dem-

nach auch, wer die Tat im Ausland begeht, wenn die Organisation ihre verbre-

cherische Tätigkeit ganz oder teilweise in der Schweiz ausübt oder auszuüben 

beabsichtigt (Art. 260ter Ziff. 3 StGB). 

- 10 - 

Die Bundesanwaltschaft wirft den Beschuldigten in den Hauptanklagepunkten 

(Ziffern 1.1.2.2.1 [A.] und 1.2.2.2.1 [B.]) vor, ihre Straftaten nach Art. 260ter StGB 

(Beteiligung an / eventuell Unterstützung der kriminellen Organisation «IS im Irak 

und Grosssyrien» [nachfolgend: ISIG] bzw. IS) in den Jahren 2013 (A.) und 2014 

(B.) im Ausland in Syrien (A.) bzw. in der ehemaligen Republik Mazedonien (B.) 

begangen zu haben. Die angeklagten Straftaten unterstehen im Sinne von 

Art. 260ter Ziff. 3 StGB der schweizerischen Gerichtsbarkeit, da der ISIG und IS 

ihre verbrecherischen Tätigkeiten im anklagerelevanten Zeitraum unter anderem 

mittels Propaganda in der Schweiz ausgeübt haben (Urteile des Bundesstrafge-

richts SK.2019.23 vom 15. Juli 2019 und SK.2019.63 vom 18. Dezember 2019). 

In Bezug auf die weiteren angeklagten Tatbestände (vgl. E. II. 5.; III. 3 [Anklage-

punkt 1.2.2.4], 5. und 6.) stellen sich keine diesbezüglichen Fragen. Die schwei-

zerische Gerichtsbarkeit ist demnach insgesamt gegeben.  

2. Bundesgerichtsbarkeit und Zuständigkeit 

Das Gericht prüft seine Zuständigkeit von Amtes wegen. Die Anklage lautet im 

Hauptanklagepunkt auf Beteiligung an / eventuell Unterstützung einer kriminellen 

Organisation. Art. 260ter Ziff. 1 StGB (kriminelle Organisation) untersteht nach 

Art. 24 Abs. 1 StPO der Bundesgerichtsbarkeit, wenn die Straftat zu einem we-

sentlichen Teil im Ausland begangen worden ist (lit. a) oder in mehreren Kanto-

nen begangen worden ist und dabei kein eindeutiger Schwerpunkt in einem Kan-

ton besteht (lit. b). Vorliegend wirft die Bundesanwaltschaft den Beschuldigten 

vor, die Straftat nach Art. 260ter Ziff. 1 StGB in Syrien (A.) bzw. in der ehemaligen 

Republik Mazedonien (B.) begangen zu haben (dazu E. I. 1). Die  

Voraussetzungen von Art. 24 Abs. 1 StPO sind somit erfüllt. Für die Verfolgung 

der weiteren angeklagten Delikte – Gewaltdarstellungen, sexuelle Handlungen 

mit Kindern, Pornografie – bestünde grundsätzlich kantonale Zuständigkeit 

(Art. 22 StPO). Mit Verfügungen vom 6. März 2019 und 13. Mai 2019 (BA pag. 

1-1-9 f., 12 f.) ordnete die Bundesanwaltschaft gestützt auf Art. 26 Abs. 2 StPO 

die Vereinigung der Verfahren in der Hand der Bundesbehörden an (vgl. Lit. E.). 

Die sachliche Zuständigkeit der Strafkammer des Bundesstrafgerichts ist somit 

für sämtliche angeklagten Straftatbestände gegeben (Art. 19 Abs. 1 StPO i.V.m. 

Art. 35 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation 

der Strafbehörden des Bundes [Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 

173.71]).  

Die Kompetenz des Kollegialgerichts der Strafkammer des Bundesstrafgerichts 

ergibt sich aus Art. 19 Abs. 2 StPO e contrario i.V.m. Art. 36 Abs. 1 StBOG. 

- 11 - 

3. Anklageprinzip 

3.1 Nach dem aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie aus Art. 6 Ziff. 1 und 

Ziff. 3 lit. a und b EMRK abgeleiteten und in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen 

Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsver-

fahrens (Umgrenzungsfunktion; Immutabilitätsprinzip). Das Gericht ist an den in 

der Anklage wiedergegebenen Sachverhalt gebunden, nicht aber an dessen 

rechtliche Würdigung durch die Anklagebehörde (Art. 350 Abs. 1 StPO). In der 

Anklageschrift sind (unter anderem) die der beschuldigten Person vorgeworfenen 

Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung 

möglichst kurz, aber genau, zu bezeichnen (Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO). Zugleich 

bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der Verteidigungsrechte der beschul-

digten Person und garantiert den Anspruch auf rechtliches Gehör (Informations-

funktion; BGE 133 IV 235 E. 6.2 f.; 126 I 19 E. 2a; je mit Hinweisen). Durch klare 

Umgrenzung des Prozessgegenstands und Vermittlung der für die Verteidigung 

notwendigen Informationen soll dem Betroffenen ein faires Verfahren garantiert 

werden. Entscheidend ist, dass der Beschuldigte genau weiss, was ihm konkret 

vorgeworfen wird (Urteile des Bundesgerichts 6B_209/2010 vom 2. Dezember 

2010 E. 2.4 und 6B_794/2007 vom 14. April 2008 E. 2.1, je m.w.H.). Ungenauig-

keiten sind solange nicht von entscheidender Bedeutung, als für die beschuldigte 

Person keine Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten ihr angelastet wird. 

Überspitzt formalistische Anforderungen dürfen an die Anklageschrift nicht ge-

stellt werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_114/2019 vom 26. Februar 2020 

E. 2.1; HEIMGARTNER/NIGGLI, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 325 StPO 

N. 37a). 

3.2  

3.2.1 Die Verteidigung von A. rügte im Rahmen des Plädoyers in verschiedener Hin-

sicht eine Verletzung des Anklageprinzips im Zusammenhang mit der Gruppie-

rung «JAMWA» (TPF pag. 42.721.156, -161). Der Beschuldigte soll sich laut An-

klage an dieser Teilorganisation des IS von Mitte November 2013 bis 8. Dezem-

ber 2013 beteiligt haben. Die Anklage umschreibe insbesondere nicht, ob die 

«JAMWA» im massgeblichen Zeitraum an verbrecherischen Aktivitäten des IS 

beteiligt und terroristisch tätig gewesen sei und sich dieser kriminellen Organisa-

tion angeschlossen habe. Überdies gehe aus der Anklage nicht hervor, inwiefern 

die «JAMWA» ihren Aufbau und ihre personelle Zusammensetzung geheim ge-

halten habe. Es mangle insofern an der Umschreibung eines wesentlichen Tat-

bestandsmerkmals für eine kriminelle Organisation. Sodann enthalte die Anklage 

keine Angaben, dass A. in irgendeiner Form funktional in die «JAMWA» bzw. den 

IS eingegliedert worden sei. 

- 12 - 

3.2.2 Die Anklage umschreibt mit hinreichender Klarheit, dass die «JAMWA» eine Tei-

lorganisation der damaligen kriminellen Organisation ISIG gewesen sei: Es wird 

dargelegt, dass die Gruppierung ein zum ISIG zugehöriger Kampfverband gewe-

sen sein soll. Ebenso wird der historische Kontext in zeitlicher, personeller und 

sachlicher Hinsicht erläutert: Es werden nicht nur die einzelnen Entwicklungsstu-

fen bis zur Gründung des IS dargestellt, sondern insbesondere auch das im an-

klagerelevanten Zeitraum bestehende Verhältnis zwischen der «JAMWA» und 

dem von Abu Bakr al-Baghdadi (nachfolgend: al-Baghdadi) angeführten ISIG be-

schrieben (TPF pag. 42.100.009 f.).  

Der Anklage ist somit implizit zu entnehmen, dass es sich bei der «JAMWA» 

ebenfalls um eine kriminelle Organisation gehandelt habe. Da es sich nach kon-

stanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung beim IS sowie ISIG um kriminelle 

Organisationen handelt(e), erübrigte sich eine nähere Umschreibung der für kri-

minelle Organisationen charakteristischen Voraussetzungen (E. II. 2.1.1; 

BGE 142 IV 175 E. 5.8). Weiter ist der Anklage zu entnehmen, dass A. von Mitte 

November 2013 bis 8. Dezember 2013 für die «JAMWA» Kampf- und Wachein-

sätze geleistet habe. Die zu beurteilenden Tatbeiträge gehen aus der Anklage 

klar hervor. Eine Verletzung des Akkusationsprinzips liegt nicht vor. 

Was die weiteren Einwände in diesem Zusammenhang betrifft, so sind diese, wie 

nachfolgend noch darzulegen sein wird, mangels funktioneller Eingliederung von 

A. in die JAMWA nicht entscheidrelevant (vgl. E. 2.3.4.1c). Es erübrigen sich da-

her weitere Ausführungen an dieser Stelle. 

4. Beweisverwertbarkeit 

4.1 Verwertbarkeit der Einvernahmeprotokolle 

4.1.1 Die Verteidigung von A. machte geltend, bei der Einvernahme von M. vom 11. 

März 2015 sei das Teilnahme- und Fragerecht des Beschuldigten nach Art. 147 

Abs. 1 StPO verletzt worden, zumal die Strafuntersuchung bereits eröffnet gewe-

sen sei. Zudem seien vom Bundesstrafgericht die Akten des gegen die Ge-

schwister C. und D. im Kanton Zürich geführten Strafverfahrens beigezogen wor-

den. Entsprechend würden nun diverse weitere Einvernahmen vorliegen, bei-

spielsweise diejenige von N., O., P., bei welchen das Teilnahme- und Fragerecht 

des Beschuldigten ebenfalls verletzt worden sei. Diese Einvernahmeprotokolle 

seien nach Art. 147 Abs. 1 und 4 StPO nicht zulasten des Beschuldigten verwert-

bar (TPF pag. 42.721.152). 

4.1.2 Ein Beschuldigter hat in einem Strafverfahren gemäss Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK 

Anspruch darauf, bei der Befragung von Belastungszeugen anwesend zu sein 

- 13 - 

und diesem Fragen zu stellen (BGE 125 I 127 E. 6c/ee). Dieses Recht bezieht 

sich ebenfalls auf Auskunftspersonen. Mit Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK soll ausge-

schlossen werden, dass ein Strafurteil auf Aussagen von Zeugen abgestützt wird, 

ohne dass dem Beschuldigten wenigstens einmal im Verfahren eine angemes-

sene und hinreichende Gelegenheit gegeben wurde, das Zeugnis in Zweifel zu 

ziehen und Fragen an den Zeugen zu stellen (BGE 118 Ia 462 E. 5.a; 116 Ia 289 

E. 3.a; 113 Ia 422 E. 3.c). Dem Anspruch, den Belastungszeugen Fragen zu stel-

len, kommt insofern grundsätzlich absoluter Charakter zu; er erfährt aber in der 

Praxis in zweifacher Hinsicht eine gewisse Relativierung: So gilt er nur, wenn 

dem streitigen Zeugnis alleinige oder ausschlaggebende Bedeutung zukommt, 

dieses also den einzigen oder den wesentlichen Beweis darstellt (BGE 131 I 476 

E. 2.2; 129 I 151 E. 3.1). Gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO haben die Parteien das 

Recht, bei Beweiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte an-

wesend zu sein und einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Art. 147 

Abs. 1 StPO sieht somit ein Teilnahme-Fragerecht der Parteien, namentlich für 

die beschuldigte Person, vor (Art. 104 Abs. 1 lit. a StPO). Kein solches Teilnah-

merecht besteht demzufolge im polizeilichen Ermittlungsverfahren, soweit es 

sich um selbstständige Ermittlungen gemäss Art. 306 StPO handelt. Ein Teilnah-

merecht der Parteien besteht lediglich bei polizeilichen Einvernahmen, welche 

von der Staatsanwaltschaft an die Polizei delegiert wurden. Beweise, die in Ver-

letzung der Bestimmungen dieses Artikels bzw. Art. 147 StPO erhoben wurden, 

dürfen nicht zulasten der Partei verwertet werden, die nicht anwesend war 

(Art. 147 Abs. 4 StPO). 

4.1.3 Am 12. Februar 2015 eröffnete die Bundesanwaltschaft gestützt auf den Antrag 

der Bundeskriminalpolizei vom 29. Januar 2015 eine Strafuntersuchung gegen 

A. (Lit. B.). Im vorliegenden Strafverfahren gibt es belastende Aussagen gegen 

A., welche vor und nach der Eröffnung der Strafuntersuchung erfolgten. Bei den 

Einvernahmen vor Eröffnung der Strafuntersuchung ist zunächst zu prüfen, ob 

es sich um selbstständige polizeiliche Ermittlungen handelte. 

4.1.3.1 Vorab geht es konkret um die Frage der Verwertbarkeit der belastenden Aussa-

gen von Q., M. und N. im Zusammenhang mit dem nach Syrien zum IS ausge-

reisten Geschwisterpaar C. und D. bei der Bundeskriminalpolizei vom 29. De-

zember 2014 (BA pag. 5-1-5 ff.). Gemäss Akten wurde die Bundeskriminalpolizei 

auf Anzeige der Kantonspolizei Zürich hin tätig und eröffnete am 23. Dezember 

2014 ein polizeiliches Ermittlungsverfahren im Rahmen dessen die genannten 

Auskunftspersonen einvernommen wurden. Da die belastenden Aussagen der 

Auskunftspersonen zwar vor Eröffnung der Strafuntersuchung gegen A., aber in 

einem selbständigen Ermittlungsverfahren der Bundeskriminalpolizei und nicht 

im Auftrag der Bundesanwaltschaft getätigt wurden, standen A. an den fraglichen 

- 14 - 

Einvernahmen keine Teilnahmerechte zu und die dort gemachten Aussagen kön-

nen unbeschränkt verwertet werden (SCHLEIMINGER METTLER, Basler Kommen-

tar, 2. Aufl. 2014, Art. 147 StPO N. 7a; BGE 139 IV 25 E. 5.4.3, S. 35). 

4.1.3.2 Die Einvernahmen von M. als Auskunftsperson bei der Bundesanwaltschaft vom 

11. März 2015 (BA pag. 12-1-3, -15) sowie diejenige von Q. bei der Kantonspoli-

zei Zürich vom 3. November 2015 als Auskunftsperson (TPF pag. 42.262.1 042, 

Ordner 26, Akten 13/2 [Akten des Obergerichts des Kantons Zürich]) fanden hin-

gegen in Verletzung der Teilnahmerechte des Beschuldigten statt. Die genannten 

Personen wurden u.a. auch deshalb an der Hauptverhandlung vom 10. August 

2020 als Zeugen einvernommen. Damit wurde das Konfrontationsrecht nachträg-

lich gewährt und die Verletzung des rechtlichen Gehörs insofern geheilt. Die üb-

rigen belastenden Aussagen, welche nach Eröffnung der Strafuntersuchung ge-

gen A. in Verletzung des Konfrontationsrechts bzw. des Teilnahmerechts ge-

macht wurden, werden nicht zu Lasten des Beschuldigten verwertet. Dies gilt so-

wohl in Bezug auf die im Ausland wie in der Schweiz durchgeführten Einvernah-

men. Dasselbe gilt analog für den Beschuldigten B.. 

4.2 Verwertbarkeit der rechtshilfeweise erhobenen Beweise 

4.2.1 Die Verteidigung von A. machte eine Unverwertbarkeit der rechtshilfeweise im 

Ausland erhobenen Beweise durch die Bundesanwaltschaft geltend, so etwa in 

Bezug auf das Gutachten vom 28. April 2014 von Dr. Guido Steinberg zur The-

matik IS und in Bezug auf ausländische Urteile. Da der Beschuldigte seine Teil-

nahmerechte bei diesen Beweiserhebungen nicht ausreichend habe wahrneh-

men können, seien diese Beweise nicht zu seinen Lasten zu verwerten (Art. 148 

Abs. 2 i.V.m. Art. 147 Abs. 4 und Art. 141 Abs. 1 Satz 2 StPO; TPF pag. 

42.721.153 f.). 

4.2.2 Werden Beweise im Rahmen eines Rechtshilfegesuchs im Ausland erhoben, so 

ist dem Teilnahmerecht der Parteien gemäss Art. 148 Abs. 1 StPO Genüge ge-

tan, wenn diese zuhanden der ersuchten ausländischen Behörde Fragen formu-

lieren können (lit. a); nach Eingang des erledigten Rechtshilfegesuchs Einsicht 

in das Protokoll erhalten (lit. b) und schriftliche Ergänzungsfragen stellen können 

(lit. c). Mit den Beweisabnahmen nach Art. 147 StPO erhalten die Parteien die 

Gelegenheit, die Beweiserhebung beeinflussen zu können (SCHLEIMINGER METT-

LER, a.a.O., Art. 147 StPO N. 3). Bei Beweiserhebungen im Sinne von Art. 147 

StPO handelt es sich um Beweisabnahmen und nicht um Beweissicherungen. 

Kein Teilnahmerecht besteht bei der Erhebung von Beweismitteln, die prozess-

rechtlich bereits existieren (BOMMER, Parteirechte der beschuldigten Person bei 

Beweiserhebungen in der Untersuchung, in: recht 2010, Heft 6, S. 197 f.). Bei 

derartigen Beweismitteln ist eine Teilnahme aufgrund der Art gar nicht (mehr) 

- 15 - 

möglich (vgl. HEIMGARTNER/NIGGLI, Basler Kommentar, Internationales Straf-

recht, 2015, Art. 80b IRSG N. 6). 

4.2.3 Bei den vorliegend von der Bundesanwaltschaft im Ausland erhobenen Doku-

menten handelte es sich jeweils um einen rechtshilfeweisen Beizug von Akten 

seitens der Strafverfolgungsbehörde, bei welchen die Beweislage nicht beein-

flusst werden konnte (vgl. TPF pag. 42.720.008). Eine Verletzung des rechtlichen 

Gehörs liegt daher nicht vor. Der Einwand ist unbegründet. 

5. Anwendbares Recht 

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach geltendem Recht beurteilt, wer nach des-

sen Inkrafttreten ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat. Massgebend ist 

der Zeitpunkt der Vornahme der tatbestandsmässigen Handlung (POPP/BERKE-

MEIER, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 2 StGB N. 5). Als Ausnahme be-

stimmt Art. 2 Abs. 2 StGB, dass eine Tat, welche vor Inkrafttreten des Gesetzes 

begangen wurde, nach dem neuen Recht zu beurteilen ist, wenn dieses für den 

Täter das mildere ist (lex mitior). 

5.2 In den Hauptanklagepunkten betreffend Beteiligung an / eventuell Unterstützung 

einer kriminellen Organisation (ISIG bzw. IS) gemäss Art. 260ter Ziff. 1 StGB (An-

klagepunkte 1.1.2.2 [A.] und 1.2.2.2 [B.]) werden den Beschuldigten Tathandlun-

gen vorgeworfen, welche sie vor Inkrafttreten des Al-Qaïda/IS-Gesetzes am 

1. Januar 2015 begangen haben sollen. Es stellt sich daher die Frage, in wel-

chem Verhältnis Art. 260ter Ziff. 1 StGB zu Art. 2 des Al-Qaïda/IS-Gesetzes steht. 

5.2.1 Art. 260ter Ziff. 1 StGB und Art. 2 Abs. 2 Al-Qaïda/IS-Gesetz unterscheiden sich 

hinsichtlich des Strafrahmens nicht; er beträgt in beiden Fällen Geldstrafe oder 

Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren. Alle angeklagten Handlungen, welche vor dem 

Inkrafttreten des Al-Qaïda/IS-Gesetzes am 1. Januar 2015 verwirklicht wurden, 

werden demzufolge unter dem Gesichtspunkt des Tatbestandes der Beteiligung 

an / eventuell Unterstützung einer kriminellen Organisation nach Art. 260ter Ziff. 1 

StGB geprüft (vgl. ENGLER, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 260ter StGB 

N. 30; Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2019.23 vom 15. Juli 2019 E. 1.6.2.1). 

5.2.2 Für den Tatzeitraum bis 31. Dezember 2014 galt neben Art. 260ter Ziff. 1 StGB 

die altrechtliche Verordnung der Bundesversammlung vom 23. Dezember 2011 

über das Verbot der Gruppierung Al-Qaïda und verwandter Organisationen (In-

krafttreten am 1. Dezember 2012; SR 122; AS 2012 1). Das Gericht behielt sich 

gestützt auf Art. 344 StPO vor, den Vorwurf der Verbreitung von IS-Propaganda 

auch unter dem Aspekt des Verstosses gegen Art. 2 dieser Verordnung zu wür-

digen, insbesondere unter der Tatbestandsvariante des «Förderns auf andere 

- 16 - 

Weise» (TPF pag. 42.720.009). Die altrechtliche Al-Qaïda-Verordnung wäre für 

den angeklagten Deliktszeitraum vor 2015 nur anwendbar, sofern nicht strengere 

Strafbestimmungen zur Anwendung gelangen. Bei Art. 260ter Ziff. 1 StGB handelt 

es sich um eine solche strengere Strafbestimmung (Urteil des Bundesgerichts 

6B_1104/2016 vom 7. März 2017 E. 1.2.2; ENGLER, a.a.O., Art. 260ter StGB 

N. 29). Die Anwendbarkeit der altrechtlichen Al-Qaïda-Verordnung wäre folglich 

nur zu prüfen gewesen, sofern die inkriminierten Handlungen nicht die Intensität 

der Stärkung des Potentials der kriminellen Organisation im Sinne von Art. 260ter 

Ziff. 1 StGB erreicht hätten (vgl. E. II. 4.2.2). Dies ist – wie nachfolgend zu zeigen 

sein wird (E. II. 4.6 [A.] und E. III. 4.7 [B.]) – jedoch nicht der Fall, weshalb die 

Verordnung vorliegend nicht zur Anwendung gelangt. 

6. Beweismittel 

Im Rahmen dieser Strafuntersuchung wurden eine Vielzahl von Berichten erstellt 

und beigezogen, darunter Analysen, Auswertungsberichte (zu Audionachrichten, 

Konversationen, Videos, Überwachungsmassnahmen etc.), Amtsberichte und 

polizeiliche Schlussberichte. Ferner finden sich in den Akten Gutachten, umfang-

reiches Fotomaterial und rechtshilfeweise beigezogene Akten. Im Folgenden 

werden die wesentlichen Beweismittel aufgeführt, die der besseren Lesbarkeit 

wegen nachfolgend nur noch mit der Paginanummer abgekürzt werden: 

Allgemein bzw. in Bezug auf beide Beschuldigten: 

- Schlussbericht Bundeskriminalpolizei vom 06.12.2017 inkl. Beilagen (BA pag. 10-1-1196 ff.). 

- Bericht Bundeskriminalpolizei vom 16.09.2015 über die Auswertung der aktiven technischen 

Überwachungsmassnahmen (BA pag. 9-1-256 ff.). 

- Bericht Bundeskriminalpolizei vom 13.07.2016 über die Auswertung der rückwirkenden Tele-

fonranddaten inkl. Beilagen (BA 10-1-154 ff.). 

- Zwischenbericht Bundeskriminalpolizei vom 05.08.2016 betreffend die Zeitspanne vom 

15.02.2015 bis 16.02.2016 inkl. Beilagen (BA pag. 10-1-197 ff.) 

- Rapport Analyse financière der Bundeskriminalpolizei vom 16.01.2017 (BA pag. 10-1-403 ff.). 

- Analysebericht Bundeskriminalpolizei vom 17.12.2015 über den bosniakisch-salafistischen 

(Gewalt-) Extremismus und ausgewählte Exponenten (BA pag. 23-4-59 ff.). 

- Rapport d'analyse sur l’ «État islamique en Irak et au Sham» der Bundeskriminalpolizei vom 

03.09.2014 (BA pag. 9-3-128 ff.). 

- Akten des Obergerichts des Kantons Zürich betreffend C. und D. (beinhaltend [34 Ordner]: Ak-

ten der Jugendstaatsanwaltschaft Winterthur, des Bezirksgerichts Winterthur und des Oberge-

richts des Kantons Zürich). 

- Gutachten von Dr. Guido Steinberg vom 28.04.2014 zum Islamischen Staat im Irak und Syrien 

(ISIS) (in Syrien) als terroristischer Organisation (BA pag. 18-1-1-762 ff.). 

- 17 - 

- Gutachten von Dr. Guido Steinberg vom 20.02.2015 zu der Armee der Auswanderer und Helfer 

JAMWA als terroristische Organisation (BA pag. 18-1-1-910 ff.). 

- Gutachten von Dr. Guido Steinberg vom 07.03.2015 zur terroristischen Organisation IS (BA 

pag. 18-1-1-924 ff.). 

- Gutachten von Dr. Guido Steinberg vom 02.11.2015 zu der Armee der Auswanderer und Helfer 

JAMWA als terroristische Organisation (BA pag. 18-1-1-1061). 

- Gutachten von Dr. Guido Steinberg vom 04.02.2016 im Verfahren gegen L. u.a. (BA pag. B-18-

1-3-1-1 ff.). 

- Urteil des Gerichts Bosnien und Herzegowina vom 05.11.2015 (BA pag. 18-1-5-286 ff.). 

- Urteil des Gerichts Bosnien und Herzegowina, Appellationsabteilung, vom 28.03.2016 gegen 

R. (welches das Urteil des Gerichtshofes Bosnien-Herzegowina vom 05.11.2015 bestätigte) 

(BA pag. 10-1-1020 ff.; 1413 ff.). 

In Bezug auf A.:  

- Bericht Bundeskriminalpolizei vom 01.11.2017 zu dem bei A. anlässlich der Hausdurchsuchung 

vom 16.09.2016 auf dessen Notebook Asus sichergestellten Backup mit Namen Aisha #2 inkl. 

Beilagen (BA pag. 10-1-1056 ff.). 

- Bericht Bundeskriminalpolizei vom 20.01.2017 betreffend Syrienreise und IS-Kontakte von 

A. inkl. Beilagen (BA pag. 10-1-414 ff.). 

- Amtsbericht Bundeskriminalpolizei vom 13.05.2020 zur auf einer Fotografie sichtbaren Klei-

dung und dem Schriftzug auf einer Sturmhaube (TPF pag. 42.262.2.5). 

- Rapport final Bundeskriminalpolizei vom 08.12.2017 betreffend Exploitation des vidéos inkl. 

Beilagen (BA pag. 10-1-1443 ff.). 

- Bericht Bundeskriminalpolizei vom 06.04.2018 zu den Kontakten und Gesprächen zwischen A. 

und D. inkl. Beilagen (BA 10-1-1544 ff.). 

- Bericht Bundeskriminalpolizei vom 27.09.2016 betreffend Exploitation d’une surveillance 

électronique sur deux adresses e-mails (BA pag. 10-1-291). 

- Bericht Bundeskriminalpolizei vom 01.11.2016 über die Auswertung von Chat-Applikationen 

(BA pag. 10-1-347 ff.). 

- Bericht Bundeskriminalpolizei vom 16.12.2016 über die Kontakte von A. mit S. und L. bezüglich 

Finanzierung «Al-Nusra Front», Arar al Sham» und Islamischer Zentralrat Schweiz (BA pag. 

10-1-397 ff.). 

- Bericht Bundeskriminalpolizei vom 20.01.2017 betreffend Syrienreise und IS-Kontakte von A. 

inkl. Beilagen (BA pag. 10-1-414 ff.). 

- Bericht Bundeskriminalpolizei vom 20.02.2017 über die Chatkontakte über die Applikation 

WhatsApp von A. mit L. inkl. Beilagen (BA pag. 10-1-584 ff.). 

- Gewaltschutzbericht der Kantonspolizei Zürich vom 24.06.2020 (TPF pag. 42.262.3.6 ff.). 

- Gewaltschutzbericht der Kantonspolizei Zürich vom 15.02.2019 (BA pag. 18-2-3-210 ff.). 

- Gewaltschutzbericht der Kantonspolizei Zürich vom 09.11.2018 (BA pag. 18-2-3-187 ff.). 

- Gewaltschutzbericht der Kantonspolizei Zürich vom 30.04.2018 (BA pag. 18-2-3-171 ff.). 

- Gewaltschutzbericht der Kantonspolizei Zürich vom 31.10.2017 (BA pag. 18-2-3-153 ff.). 

- 18 - 

- Gewaltschutzbericht der Kantonspolizei Zürich vom 08.08.2017 (BA pag. 18-2-3-123A ff.). 

- Gewaltschutzbericht der Kantonspolizei Zürich vom 03.05.2017 (BA pag. 18-2-3-104 ff.). 

In Bezug auf B.: 

- Bericht BKP vom 23.02.2017 über die Auswertung von sichergestellten Gegenständen inkl. 

Beilage (BA pag. 10-1-665 ff.). 

- Bericht BKP vom 23.02.2017 über die anlässlich der Hausdurchsuchung vom 14.11.2016 fest-

gestellten Fotos und Videos auf den sichergestellten Mobiltelefonen i.S. B. (BA pag. 10-1-742 

ff.). 

- Bericht BKP vom 24.07.2017 (Erkenntnisstand 28.02.2017 [BA pag. 10-1-929 ff.]). 

- Nachtragsbericht BKP vom 03.08.2018 zum Bericht BKP vom 23.02.2017 betreffend die Mobil-

telefone von B. inkl. Beilagen (BA pag. 10-1-1564 ff). 

- Aktennotiz BKP vom 17.10.2019 inkl. Beilage (BA pag. 10-1-1630 ff.). 

II. Beschuldigter A. 

1. Die Bundesanwaltschaft wirft A. im Hauptanklagepunkt (Anklagepunkte 1.1.2.2.1 

- 1.1.2.2.3) zusammenfassend vor, sich vom 1. September 2012 bis 26. Novem-

ber 2014 am IS bzw. dessen Vorgängerorganisationen «IS im Irak» (nachfol-

gend: ISI) und ISIG beteiligt bzw. diese verschiedentlich (mit Kampf- und Wach-

einsätzen, Rekrutierung und Propaganda) unterstützt zu haben. Ausserdem soll 

er sich Ende 2013 an Kampfhandlungen des Kampfverbands «JAMWA» beteiligt 

haben, welche Teilorganisation des ISIG gewesen sei. 

1.1 Historische Entwicklung der kriminellen Organisation IS bzw. deren Vor-

gängerorganisationen (ISI, ISIG) und Teilorganisation («JAMWA») 

1.1.1 Aufgrund des Anklagevorwurfs ist zunächst zu klären, ob es sich beim IS, ISIG 

und ISI um ein und dieselbe Organisation in verschiedenen Entwicklungsstufen 

mit unterschiedlichen Benennungen handelt. Diese Beurteilung ist in Bezug auf 

alle drei erwähnten Anklagepunkte (E. II. 1) von Relevanz, weshalb sie vorweg-

zunehmen ist (E. II. 1.1.2). Schliesslich ist vorab zu prüfen, ob die «JAMWA» 

Ende 2013 Teil des ISIG war (E. II. 1.1.3). 

1.1.2 ISI, ISIG und IS 

1.1.2.1 Die Gründung des IS geht auf ein Zerwürfnis innerhalb der Al-Qaïda im Jahre 

2014 zurück, insbesondere zwischen dem damaligen Führer des irakischen Al-

Qaïda-Ablegers ISI, al-Baghdadi, und dem Führer des syrischen Al-Qaïda-Able-

gers namens «Jabhat Al-Nusra». Al-Baghdadi beabsichtigte, die «Jabhat Al-

- 19 - 

Nusra» in Syrien ihm zu unterstellen. Zu diesem Zweck rief er im April 2013 ei-

genmächtig den «Islamischen Staat im Irak und Syrien» (nachfolgend: ISIS; auch 

«Islamischer Staat im Irak und der Levante», ISIL) aus und erklärte die «Jabhat 

Al-Nusra» zu dessen Ableger. T., [Funktion] der «Jabhat Al-Nusra», weigerte 

sich, sich al-Baghdadi zu unterstellen. In einer Audiobotschaft vom 10. April 2013 

erneuerte er daher im Namen der «Jabhat Al-Nusra» ausschliesslich dem [Funk-

tion] der Kern-Al-Qaïda, AA., die Treue, die Anerkennung dessen Oberhauptstel-

lung und den Gehorsam. AA. hiess die durch al-Baghdadi ausgerufene Vereini-

gung der «Jabhat Al-Nusra» und des IS in die Gruppierung ISIS (oder ISIL) nicht 

gut. Er löste sie auf und wies das irakische Gebiet (wieder) dem IS im Irak (ISI) 

und das syrische Gebiet (wieder) der «Jabhat Al-Nusra» zu. In der Folge spitzte 

sich der Streit der beiden Al-Qaïda-Gruppierungen zu. AA. schloss al-Baghdadi 

deshalb im Februar 2014 aus dem Al-Qaïda-Verbund aus. Im Juni 2014 nahmen 

ISIS-Anhänger Mossul ein, wo al-Baghdadi am 29. Juni 2014 eigenmächtig ein 

sogenanntes Kalifat namens IS ausrief und sich selbst als Kalifen bezeichnete. 

Das Kalifat sollte landesübergreifend gelten, weshalb sein Name keine Staatsan-

gaben (z.B. Irak, Syrien) aufführte (NEUMANN, Die neuen Dschihadisten, 2015; 

S. 82-83 und 169; NAJI, Islamischer Staat [IS], 2015, S. 13-17, 92 und 108; BÉ-

NICHOU/KHOSROKHAVAR/MIGAUX, Le jihadisme, 2015, S. 472; LE SOMMIER, 

Daech, l’histoire, 2016, S. 98-99 und 106-107; LUIZARD, Die Falle des Kalifats, 

2017 [deutsche Ausgabe von: Le piège Daech, 2015], S. 115-120; SAID, Islami-

scher Staat, 2014, S. 59-69 und S. 82-87; GERGES, A history, ISIS, 2017, S. 175-

193; 247-248; 256; BA pag. 18-1-1-762, -793). 

1.1.2.2 Die Botschaft vom 12. November 2014 zum Bundesgesetz über das Verbot der 

Gruppierungen «Al-Qaïda» und «Islamischer Staat» sowie verwandter Organisa-

tionen (Botschaft 2014, BBl 2014 8925 ff.) fasst die zuvor skizzierte historische 

Entwicklung des IS wie folgt zusammen: Als neuer terroristisch motivierter Haupt-

akteur tritt die Gruppierung «Islamischer Staat» auf. Historisch geht die Gruppie-

rung «Islamischer Staat» auf die 2003 oder früher gegründete Gruppierung «Al-

Tawhid wa Al-Jihad» zurück. 2004 schwor die Gruppierung Osama Bin Ladin 

Gefolgschaft und wurde zur Gruppierung «Al-Qaïda im Irak» (AQI). 2006 wurde 

aus der AQI die Gruppierung «Islamischer Staat im Irak» (ISI). Im Rahmen des 

Konflikts in Syrien entsandte der ISI Kämpfer nach Syrien, um dort die Gruppie-

rung «Jabhat Al-Nusra» (JaN; auch Nusra-Front) zu gründen. 2013 wurde aus 

dem ISI die Gruppierung «Islamischer Staat im Irak und in (Gross-) Syrien» 

(ISIS). Zu diesem Zeitpunkt entfachte sich ein Konflikt zwischen der Nusra-Front 

und anderen Gruppierungen. Der ISIS entschloss sich 2014, der «Al-Qaïda» 

keine Gefolgschaft mehr zu leisten, und etablierte sich als eine eigenständige 

Gruppierung. Am 29. Juni 2014 verkündete der ISIS die Schaffung des Kalifats 

in den sich unter seiner Kontrolle befindenden Gebieten. Der bisherige ISIS-An-

https://de.wikipedia.org/wiki/Levante

- 20 - 

führer, Abu Bakr al-Baghdadi, wurde zum sogenannten Kalifen «Ibrahim» er-

nannt und die Gruppierung in «Islamischer Staat» umbenannt. Gemäss der Na-

menliste des Sanktionskomitees des UNO-Sicherheitsrats […] figuriert der «Isla-

mische Staat» als von der Gruppierung «Al-Qaïda» dissidente Organisation. Der 

«Islamische Staat» ist eine unabhängige, internationale, dschihadistisch moti-

vierte Terrorgruppierung, die heute weite Gebiete in Syrien und im Irak ihrer Ge-

walt unterworfen hat und diese kontrolliert (Botschaft 2014, BBl 2014 8930; zur 

historischen Entwicklung der Al-Qaïda und des IS vgl. Urteile des Bundesstraf-

gerichts SK.2013.39 vom 2. Mai 2014 und Berichtigung vom 22. Juli 2014 

E. B.1.3.4c, nicht publiziert in TPF 2015 1; SK.2017.49 vom 15. Juni 2018 

E. 2.1.3 f. und SK.2015.45 vom 18. März 2016 E. I.2, II.1.4, II.1.5, II.5.3.2). 

1.1.2.3 Nach dem Gesagten ist unbestritten, dass die mit dem Namen IS bekanntgewor-

dene Terrororganisation bereits vor ihrer Proklamation am 29. Juni 2014 die Be-

zeichnungen ISI (vom 15. Oktober 2006 bis 8. April 2013) und ISIG (vom 8. April 

2013 bis Ende Juni 2014) trug. Die hierarchischen Führungs-, Organisations-, 

Planungsstrukturen und Zielsetzungen («Wiederherstellung bzw. Errichtung des 

Kalifats» mittels Einsatzes terroristischer Gewaltmittel) unterschieden sich grund-

sätzlich nicht. Es handelt sich letztlich um dieselbe Organisation in verschiede-

nen Entwicklungsstufen mit unterschiedlichen Bezeichnungen (vgl. Urteil des 

Bundesstrafgerichts SK.2015.45 vom 18. März 2016 E. 2.2). Dass sich der ISI, 

ISIG und IS dynamisch dem sich ändernden militärischen und politischen Umfeld 

anpasste, steht dem nicht entgegen. 

1.1.3 «JAMWA» (Jaish al-Muhajirin-wa-I-Ansar) 

Aufgrund der Akten und historischen Quellen liegt zur «JAMWA» folgendes Be-

weisergebnis vor: Die «JAMWA» ist bzw. war ein dem ISIG angehörender 

dschihadistisch-salafistischer Kampfverband. Sie wurde im März 2013 durch die 

Vereinigung der Gruppierung «Katibat al-Muhajirin» («Emigranten-Bataillon» o-

der auch «Muhajirin-Brigade») mit den weitgehend unbekannten militant-islamis-

tischen syrischen Gruppen «Jaish Muhammad» und «Kata’ib Khattab» gegrün-

det. Der uneingeschränkte Anführer der strikt militärisch-hierarchisch organisier-

ten «JAMWA» war der Emir Abu Umar al-Shishani. Das damalige Hauptquartier 

der «JAMWA» befand sich in Haritan, nordwestlich von Aleppo (Syrien). Der ISIG 

kontrollierte Aleppo einschliesslich Haritan. Administrativ bildete Haritan einen 

Teil des «Mount Simeon District» des «Aleppo Governorate». Al-Shishani hatte 

sich ebenfalls in Haritan einquartiert. Das Ziel dieser Vereinigung – die Errichtung 

eines weltumspannenden Kalifats – suchte sie im Wege des militärischen 

Kampfs dadurch zu erreichen, dass sie nach dem Ausbruch des syrischen Bür-

gerkrieges auf Seiten der Assad-Gegner agierte. Al-Shishani leistete am 21. No-

vember 2013 den für sich und die «JAMWA»-Angehörigen massgeblichen 

- 21 - 

Treueeid gegenüber dem damaligen ISIG-Führer al-Baghdadi und bewirkte 

dadurch (formell) den Anschluss an diese grössere Organisation. Dieses Ereig-

nis war aber nur der Abschluss eines Prozesses, der bereits im Frühjahr 2013 

begonnen hatte. Dies belegt u.a. eine Videobotschaft des Emirs der Gruppierung 

«Junud ash-Sham», BB., in welcher er von einem Anschluss im Mai/Juni 2013 

von Abu Umar al-Shishani an den ISIG spricht. Damit waren fortan die Vorgaben 

und Anweisungen der ISIG-Führung auch für die Kämpfer der «JAMWA» bin-

dend, die damit in die übergreifenden Strukturen des ISIG eingegliedert wurden. 

Zu diesen Kämpfern zählten auch diejenigen der zumindest von August bis No-

vember 2013 in Haritan bei Aleppo stationierten Einheit «muhajirun halab» (Aus-

wanderer von Aleppo) (BA pag. 13-1-625, 652, 708; 10-1-427; 10-1-1338, 1344; 

TPF pag. 42.100.11; Gutachten STEINBERG vom 20.02.2015 zur «Armee der 

Auswanderer und Helfer» [Jaish al-Muhajirin wa-I-Ansar], BA pag. 18-1-1-910-

923; BA pag.10-1-1120, 1184). 

Nach dem Gesagten war die «JAMWA» ab Mai/Juni 2013 de facto und organi-

satorisch in den ISIG eingegliedert und somit ab Mitte 2013 Teilorganisation des 

ISIG und damit Teil einer Vorgängerorganisation des IS. 

1.2 Ideologische Gesinnung und (internationale) Kontakte zu Exponenten der 

salafistisch-dschihadistischen Bewegung 

Vorab gilt es aufzuzeigen, welche ideologische Gesinnung und religiöse Über-

zeugung der Beschuldigte im anklagerelevanten Zeitraum (Anklagepunkte 

1.1.2.2.1-1.1.2.2.3 [vom 1. September 2012 bis 26. November 2014]) vertrat. 

1.2.1 Der Beschuldigte war ein Anhänger und Befürworter der von Ahmad al-Hazimi – 

einem radikal-islamischen Gelehrten aus Saudiarabien – begründeten Glaubens-

lehre des «wahren Manhaj». Zentrales Thema des «wahren Manhaj» (zu 

deutsch: «Der wahre Weg») ist der reine Monotheismus. Demnach ist alles zu 

verurteilen, was in Konkurrenz zu diesem Monotheismus steht. Der Grundge-

danke der Lehre beruht darauf, dass Unwissen nicht vor dem Ausschluss aus 

der muslimischen Gemeinschaft schützt. Es können Gläubige (auch Muslime) 

aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden und zu Ungläubigen (zu «Kufr» 

bzw. «Kafir» [= Gottesleugner]) erklärt werden (dieser Vorgang wird «Takfir» ge-

nannt), wenn ihnen ein religiöses Erfordernis nicht bekannt ist. Ungläubige – 

Christen, Anhänger anderer Religionen, insbesondere aber auch Schiiten – dür-

fen dieser Glaubenslehre zufolge ohne Konsequenzen getötet werden. Diese 

Glaubenslehre fand auch beim IS respektive dessen Vorgängerorganisationen 

viele Anhänger (BA pag. 10-1-1070; 10-1-1283). 

- 22 - 

1.2.2 Die radikale Auslegung des «wahren Manhaj» wurde insbesondere auch von L. 

alias «L1.» vertreten, einem salafistisch-extremistischen, serbischen (Hass-)Pre-

diger, welcher mit Urteil des Landesgerichts für Strafsachen Graz (A) vom 13. 

Juli 2016 u.a. wegen terroristischer Straftaten zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jah-

ren verurteilt worden ist (BA pag. B-18-1-3-1-674 ff.). Im Protokoll der Hauptver-

handlung ist nachzulesen, dass sich L. spätestens ab 2009 als Vordenker der 

radikal-islamistischen Szene in Österreich betätigt und spätestens von Sommer 

2011 bis Ende November 2014 für den IS bzw. dessen Vorgängerorganisa-

tion(en) Mitglieder und Kämpfer angeworben habe, indem er die Teilnahme am 

Jihad zur Errichtung des als IS bezeichneten, nach radikal-islamistischen 

Grundsätzen gestalteten Gottesstaates als religiöse Pflicht jedes Muslims darge-

stellt habe. Er habe seine Zuhörer/Gesprächspartner aufgefordert, sich zur Erfül-

lung dieser Pflicht diesen terroristischen Vereinigungen anzuschliessen und an 

Kampfhandlungen zur Errichtung eines solchen Gottesstaates in Syrien und im 

Irak teilzunehmen (BA pag. B-18-1-3-1-668 f.). Die durch L. verbreiteten Bot-

schaften und Ansichten wurden einer gutachterlichen Analyse (vom 7. Juli 2015) 

durch den Islamwissenschaftler Dr. Guido Steinberg von der Stiftung Wissen-

schaft und Politik, Berlin, unterzogen. Demzufolge stehe L. «weit ausserhalb des 

orthodoxen Islams» und vertrete «vielmehr eine jihadistische Ideologie auf der 

Grundlage einer wahhabitischen/salafistischen Islaminterpretation». L. verbreite 

nicht nur jihadistisches Gedankengut; er befürworte namentlich auch die Aktivi-

täten des IS und bezeichne den Jihad als eine Glaubenspflicht. Zudem kündige 

er den Kampf gegen die westliche Welt an, sobald die Muslime stark genug seien 

(BA pag. B-18-1-3-1-1 ff.; 10-1-1286 f.). 

1.2.3 Der Beschuldigte erklärte, L. seit etwa 2012 zu kennen (BA pag. 13-1-563) und 

Gefallen an dessen radikalen Predigten gefunden zu haben (BA pag. 13-1-223). 

Er habe L. in Wien besucht und sei auch zu dessen Vorträgen gegangen (BA 

pag. 13-1-14 f.). «L1.» (= L.) habe in Medina den Professorentitel in Islamwis-

senschaften erworben, darum sei er für ihn sowohl ein Scheich («geistiger Füh-

rer»), als auch eine wichtige Ansprechperson für den reinen Monotheismus aus 

dem Islam gewesen (BA pag. 13-1-51; 10-1-1289 ff.; TPF pag. 42.731.8 ff.). Be-

merkenswert ist, dass der Beschuldigte in einer WhatsApp-Konversation vom 11. 

Oktober 2012 mit CC. ([Funktion] in der An’Nur-Moschee bis Ende Juni 2013, 

danach bis Ende Juni 2014 in der DD. Moschee) erklärte, L. sei sein Ansprech-

partner in Sachen «Dawla» (= IS) (BA pag. 10-1-1083, 10-1-1285). Anlässlich 

der Hauptverhandlung bestätigte der Beschuldigte, dass L. für ihn im anklagere-

levanten Zeitraum (September 2012 bis Ende 2014) das grösste religiöse Vorbild 

bzw. die höchste Autorität in Glaubensfragen gewesen sei (TPF pag. 42.731.9). 

Die sichergestellten Dateien enthalten diesbezüglich zahlreiche Konversationen 

zwischen den von L. und dem Beschuldigten benutzten Mobiltelefonen (BA pag. 

- 23 - 

13-1-51; 10-1-1284, -1294). Insgesamt konnten 1'332 Chatkontakte zwischen 

den beiden Personen im anklagerelevanten Zeitraum festgestellt werden. Von 

Bedeutung ist, dass die Anfragen seitens des Beschuldigten erfolgten und er über 

das Strafverfahren von L. bei den österreichischen Strafbehörden informiert war. 

Die Auswertung der Chats ergab, dass sich L. und der Beschuldigte stets zu ähn-

lichen Themen ausgetauscht hatten: Zum IS als Ziel; Kontakte zu verurteilten 

Rekrutierern für den IS und deren Gehilfen; Kontakte zu Personen, welche in den 

Jihad respektive nach Syrien zogen; die Kampfausbildung in der vom Beschul-

digten gegründeten «EE.»; Finanzierungen (z.B. Katar [im Zusammenhang mit 

dem Islamischen Zentralrat Schweiz IZRS] sowie Gelder, welche nach Österreich 

gebracht werden sollten) sowie Diskussionen über die Auslegung der islami-

schen Religion (BA pag. 10-1-584, -607 ff., inkl. Beilagen). Der Beschuldigte 

nahm L. auch in die Chatgruppe «Der richtige Manhaj» auf (BA pag. 10-1-1106). 

Das Gericht erachtet im Wesentlichen die folgenden Chatnachrichten als verfah-

rensrelevant (in zeitlich chronologischer Reihenfolge): 

 

- Am 3. November 2012 erhielt der Beschuldigte von L. einen Film mit hörbaren «Allahu Akbar»-

Rufen. A. teilte am 4. November 2012 seine Zustimmung mit, indem er L. schrieb: «MashaAllah 

ich will ihn gerne kennenlernen» (BA pag. 13-1-565, 582 f.). 

- Am 30. Juni 2013 sandte der Beschuldigte ein Bild eines Messers an L., welches einer Hand-

granate gleicht (BA pag. 10-1-608). 

- Am 3. November 2013 sandte der Beschuldigte ein Foto an L., welches ihn in Bosnien in Kampf-

montur zeigt (BA pag. 10-1-615). 

- Am 19. April 2014, 17:27:33 Uhr, sandte L. per Chat einen Zeitungsausschnitt einer österreichi-

schen Zeitung mit folgendem Inhalt an den Beschuldigten: «[Titel des Artikels]» Auf dem dazu-

gehörigen Bild ist L. mit schwarzem Balken vor den Augen zu sehen. Die Zeitung schrieb: «L1.» 

(gemeint: L.) gilt als einer der radikalsten Salafisten (BA pag. 10-1-619; 13-1-591). Der Beschul-

digte schrieb um 18:15:22 Uhr zurück: «Haha radikalsten salafisten». Um 18:15:54 Uhr schrieb 

der Beschuldigte weiter: «last meinen sheikh in sha ALLAH ruhe ihr kufar (= Ungläubigen)» (BA 

pag. 13-1-592). 

- Am 23. April 2014, 12:28:30 Uhr, schrieb A. an L.: «Ich bin auch im auge der kufar (= Ungläu-

bigen)» (BA pag. 10-1-596, 13-1-593). Um 12:32:00 Uhr schrieb der Beschuldigte weiter: «Er 

ist keine Gefahr für Österreich. Und der Italiener auch nicht, der sieht ja gar nicht aus wie ein 

salafist» (BA pag. 10-1-596; 13-1-594). 

- Am 19. Juni 2014, 20:33:25 Uhr, sandte L. eine Audionachricht an den Beschuldigten mit dem 

Aufruf, sich dem IS anzuschliessen und den Schiiten, den Ungläubigen sowie den Christen den 

Kopf abzuschlagen. Im Lied findet sich ein Aufruf zum gewaltsamen Jihad (BA pag. 10-1-625; 

10-1-596, 13-1-596). Am 20. Juni 2014, 00:10:44 Uhr, antwortete der Beschuldigte: «Ja mas-

haALLAH gefährlich haha» (BA pag. 13-1-597). 

- Am 6. Juli 2014, 22:32:35 Uhr, sandte der Beschuldigte per Chat ein Bild an L., auf welchem 

das Wort «Khalifat» und das Siegel des Propheten zu sehen ist (BA pag. 10-1-626). 

- Am 7. Juli 2014, 01:21:19 Uhr bis 01:29:42 Uhr, tauschten der Beschuldigte und L. Bilder mit 

Bezug zum IS aus und sprachen über die «Dewla» (BA pag. 13-1-14, 33-36). 

- 24 - 

-  Ebenfalls am 7. Juli 2014, 03:07:04 Uhr, sandte der Beschuldigte ein weiteres Bild an L., wel-

ches einen Pass zeigt und den Text, dass der IS bereits 11'000 Pässe gedruckt haben soll (BA 

pag. 10-1-627). 

- Am 1. September 2014, 21:17:48 Uhr, sandte der Beschuldigte per Chat einen Youtube-Link 

an L.. Das Video heisst: «Der Islamische Staat bleibt bestehen.» (BA pag. 10-1-600). 

- Am 19. September 2014, 12:18:48 Uhr, sandte der Beschuldigte ein Video an L., in welchem 

ein Porträt von FF. zu sehen und ein Nasheed zu hören ist, mit der Aufforderung, sich dem IS 

anzuschliessen (BA pag. 10-1-640; 13-1-572; 13-1-603 f.). Die deutsche Version des Nasheeds 

lautet wie folgt: «Meine Gemeinde, die Morgendämmerung ist erschienen, so warte auf den 

erwarteten Sieg. Der «Islamische Staat» ist erstanden durch das Blut der Rechtschaffenen, 

durch den Jihad der Frommen. Sie haben ihre Seelen angeboten in Rechtschaffenheit mit Kon-

stanz und Überzeugung, sodass die Religion errichtet werden konnte. In welcher das Gesetz 

des Herrn der Welt gilt. Meine Gemeinde akzeptiere die gute Botschaft und verzage nicht, denn 

der Sieg ist nahe und die gefürchtete Macht hat angefangen und die Periode des Erstarrens ist 

beendet, durch glaubensstarke Männer, die das Kriegstreiben nicht fürchten (…).» (BA pag. 13-

1-604). 

- Am 19. Oktober 2014, 20:13:47 Uhr, sandte der Beschuldigte ein Video über WhatsApp an L., 

in welchem der Beschuldigte zu sehen ist, wie er aus einer Moschee geht und sich über einen 

Vorbeter beklagt und diesen als «Kafir» (Ungläubigen) bezeichnet (BA pag. 10-1-645). 

- Am 20. Oktober 2014, 14:09:43 Uhr, während einer Pilgerfahrt des Beschuldigten, sandte er 

per Chat ein Selfie an L., welches ihn im Hotel «GG.» in Mekka zeigt. Im Sekundentakt sandte 

er diverse weitere Fotos, unter anderem vom Buffet dieses Hotels. Um 14:11:00 Uhr kommen-

tierte der Beschuldigte die Bilder wie folgt: «Es schmeckt noch viel besser, wenn das die Kufar 

(Ungläubigen) bezahlen.» (BA pag. 10-1-650). 

- Am 25. Oktober 2014, 18:45:59 Uhr, sandte L. ein Bild einer Karikatur an den Beschuldigten, in 

welcher ein ISIG-Kämpfer von einem US-Flugzeug «gekitzelt» wird. A. antwortete um 20:27:17 

Uhr: «Haha masha ALLAH genau so.» (BA pag. 10-1-651). 

- Am 26. Oktober 2014 sandte der Beschuldigte an L. per WhatsApp die Audiobotschaft, dass 

Scheich HH. bei ihm übernachten würde (BA pag. 10-1-603; 13-1-605). 

- Am 26. Oktober 2014, 14:55:40 Uhr, sandte der Beschuldigte an L. ein Gruppenfoto eines Aus-

flugs zum Rheinfall in Schaffhausen, wo der Beschuldigte u.a. mit HH., FF., B. und II. zu sehen 

ist (BA pag. 10-1-654). 

- Vom 27. Oktober 2014 bis 28. Oktober 2014 fand ein längerer Chat zwischen dem Beschuldig-

ten und L. betreffend S. ([Funktion] des IZRS) statt. L. fragte: «Kennst du den?» Im Laufe des 

Chats schrieb L., dass er sich gerne mit S. unterhalten würde, und fragte den Beschuldigten, 

ob er dessen Nummer habe. Der Beschuldigte gab die Mobiltelefonnummer 1 an. Der Beschul-

digte erklärte L. bereits zuvor, dass S. ihn mögen würde und schon bei ihm zuhause gewesen 

sei. L. wollte am 28. Oktober 2014, 00:17:07 Uhr, wissen: «Zentralrat werden die von saudi 

arabien unterstützt?» worauf der Beschuldigte um 00:17:25 Uhr, antwortete: «Qatar glaube 

ich.» 

- Am 31. Oktober 2014, 00:02:59 Uhr, am Tag der Hinfahrt des Beschuldigten zu L. nach Wien, 

sandte er ihm ein Foto von ihm, HH., B. und weiteren Personen zu (BA pag. 10-1-660). 

- Am 3. November 2014, 21:46:04 Uhr, während des Besuchs des Beschuldigten bei L. in Wien, 

fragte ihn L.: «Hast ein paar fotos»? Worauf der Beschuldigte antwortete: «Ich habe gelöscht 

wegen der kontrolle und dem zoll» (BA pag. 10-1-604). 

- 25 - 

1.2.4 Aus den elektronischen Sicherstellungen geht weiter hervor, dass der Beschul-

digte enge Kontakte zu dem aus der Republik Bosnien und Herzegowina stam-

menden R. alias «R1.» pflegte, einem einflussreichen, populären Prediger, der 

im Dezember 2013 zur «höchsten Autorität in der salafistisch-(gewalt)-extremis-

tischen Szene von Bosnien und Herzegowina» aufgestiegen war. R. bekannte 

sich in Interviews öffentlich zum IS, rechtfertigte dessen Verbrechen und bezeich-

nete den IS als eine «Notwendigkeit für Muslime». R. wurde u.a. als Rekrutierer 

europäischer Muslime für den IS bekannt. In einer seiner «Khutbas» (Freitags-

predigten) vom August 2014 verteidigte er den IS. R. wurde am 3. September 

2014 verhaftet. Ihm wurde namentlich vorgeworfen, in den Jahren 2013 und 2014 

als religiöse Autorität der salafistischen Gemeinschaft sowohl bei Treffen wie 

etwa in Gornja Maoča (einem kleinen Dorf in den bosnischen Bergen, in welchem 

ab 2015 Fahnen des IS geweht haben und von dort aus Kämpfer nach Syrien in 

den Jihad gezogen sein sollen; vgl. BA pag. 10-1-1300 f.), als auch mittels Y-

ouTube veröffentlichten Predigten vorsätzlich Personen angestiftet zu haben, 

sich dem ISIS/IS anzuschliessen und an dessen Aktivitäten zu beteiligen. Am 5. 

November 2015 wurde R. von einem Gericht in Bosnien und Herzegowina wegen 

«öffentlicher Anstiftung zu terroristischen Aktivitäten, Rekrutierung von Terroris-

ten und Organisation einer terroristischen Vereinigung» zu sieben Jahren Ge-

fängnis verurteilt. Das Urteil wurde am 28. März 2016 in zweiter Instanz bestätigt 

und ist rechtskräftig (BA pag. 23-4-88; 10-1-1294 ff.; 10-1-589 f.; 18-1-5-379). 

Mehrmals besuchte der Beschuldigte R. in Bosnien und Herzegowina (nament-

lich am 23. Juni 2013, im Oktober/November 2013 und vom 15.-18. Au-

gust 2014). Vorliegend ist R. insbesondere hinsichtlich der Ausreise von JJ. (ei-

nem engen Freund des Beschuldigten) im September 2014 nach Syrien zum IS 

von Relevanz (siehe unten E. II. 3.5.3). Wie sehr der Beschuldigte «R2.», wie er 

ihn nannte, verehrte, zeigen etwa folgende Feststellungen: Der u.a. von R. im 

Februar 2013 in einem Hotel in Tuzla gehaltene Vortrag mit dem Thema «[Titel]» 

wollte der Beschuldigte übersetzen lassen (BA pag. 10-1-1093). Anfangs Juni 

2013 befand sich R. in der Schweiz, besuchte den Beschuldigten sowie dessen 

Umfeld und predigte mehrfach. Eine Predigt von R. befand sich auch auf einer 

beim Beschuldigten sichergestellten Audioaufnahme (BA pag. 10-1-1088 f.). Da-

bei war dem Beschuldigten bewusst, dass die Vorträge und Predigten von R. 

heikel gewesen sein mussten, denn er war offensichtlich darauf bedacht, die Zu-

hörerschaft auf Eingeweihte zu reduzieren, und sandte deshalb am 3. Juni 2013 

über WhatsApp an mehrere Personen (darunter die späteren Syrien-Reisenden 

JJ. und KK.) eine Einladung mit folgendem Vermerk: «Vortrag von R2. morgen 

ca. 19.30h, Bosnisch/Deutsch, Winterthur, ihr wisst wo! in sha ALLAH, Nicht wei-

terleiten!!!» (BA pag. 10-1-1096, 1104). Auch die Verhaftung von R. im Septem-

ber 2014 wurde vom Beschuldigten und seinem Umfeld thematisiert (BA pag. 10-

1-1072). 

- 26 - 

 Anlässlich der Hauptverhandlung bestätigte der Beschuldigte, im fraglichen Zeit-

raum «mehr oder weniger das gleiche Gedankengut» wie R. gehabt zu haben. 

Es sei ihm auch bekannt gewesen, dass R. sich öffentlich zum IS bekannt und 

die Mitgliedschaft in dieser Organisation als eine Notwendigkeit für Muslime be-

zeichnet habe (TPF pag. 42.731.11). Weiter habe er gewusst, dass R. innerhalb 

von Dschihadistenkreisen eine Autorität in Bosnien und Herzegowina gewesen 

sei (TPF pag. 42.731.15). Auf einer sichergestellten Fotografie ist der Beschul-

digte mit R. zu sehen; beide halten den linken ausgestreckten Zeigefinger in die 

Höhe (BA pag. B-10-1-3-216). Dazu befragt, erklärte der Beschuldigte, dieses 

Zeichen stehe für die Einheit Gottes, den Monotheismus, und es gebe eine be-

stimmte Gruppe, die dieses Zeichen publik gemacht habe – der IS (TPF pag. 

42.731.14). 

1.2.5 Auch der radikale mazedonische Prediger HH. galt dem Beschuldigten als religi-

öse Ansprechperson (BA pag. 10-1-1070). Er erklärte zwar, HH. nur ein einziges 

Mal getroffen zu haben und auch dessen Sprache (Albanisch) nicht zu sprechen 

(TPF pag. 42.731.15 f.). Aus den Akten ist jedoch ersichtlich, dass sich der Be-

schuldigte bereits ab Juli 2013 für HH. zu interessieren begann (BA pag. 10-1-

1107). Von Bedeutung ist weiter ein fotografisch dokumentiertes Treffen vom Ok-

tober 2014 zwischen dem Beschuldigten und HH. in der Schweiz (BA pag. 10-1-

1173; B-10-1-3-213 f.). Der Beschuldigte erklärte, HH. habe ein Seminar in einer 

Moschee gehalten (TPF pag. 42.731.16). HH. wurde in Mazedonien wegen Rek-

rutierungen für den Jihad in Syrien und Irak («He is considered the main recruiter 

for ISIS in Macedonia») zu einer Haftstrafe von 7 Jahren verurteilt (BA pag. 10-

1-1299). 

1.2.6 Eine – zumindest in den Jahren 2013 bis Frühsommer 2014 – wichtige Bezugs-

person in religiösen Fragen stellte für den Beschuldigten der aus Bosnien und 

Herzegowina stammende und in Deutschland lebende, radikal islamische Predi-

ger LL. (alias «LL1.») dar (BA pag. 10-1-1138;10-1-1216). Der Beschuldigte be-

zeichnete LL. als «Sheikh», kommunizierte mit ihm via WhatsApp und besuchte 

ihn regelmässig in Deutschland (BA pag. 10-1-1298, 1300; 10-1-1129, 1134). An 

der am 28. September 2013 im Hotel MM. in Winterthur durchgeführten Benefiz-

veranstaltung für Syrien, welche vom Beschuldigten mitorganisiert wurde, nahm 

LL. als Hauptreferent teil (BA pag. 10-1-1298, 1336; B-10-1-1-124 f. [Flyer]). Be-

merkenswert ist die auf Geheimhaltung bedachte Planung dieser Veranstaltung: 

Da die Moschee DD. damals nicht mit radikalen Themen in Verbindung gebracht 

werden durfte, wurde der Veranstaltungsort im Hotel MM. in den elektronischen 

Medien sehr kurzfristig bekanntgegeben. Weiter waren für die radikal-islami-

schen Vorträge von LL. nur ausgewählte Gäste eingeladen. Es war der Beschul-

digte als Mitorganisator dieses Anlasses, der in einem längeren Chat auf diese 

Besonderheiten aufmerksam machte, indem er LL. am Abend des 26. September 

- 27 - 

2013 Folgendes schrieb: «Am benefiz kannst du’s uns voll geben. Aber die mo-

sche müssen wir gut hüten.» (BA pag. 10-1-1112; B-10-1-2-134). Fotos der Ver-

anstaltung zeigen, dass sich vor allem ein junges Publikum für den Beitrag von 

LL. interessierte, darunter der Ende 2014 nach Syrien zum IS ausreisende D. 

(vgl. unten E. II. 3.5.2). An der Podiumsbühne waren zudem drei Flaggen befes-

tigt, in der Mitte jene mit dem späteren Erkennungssymbol des IS (BA pag. 10-

1-1113, B-10-1-2-139, 141). Zwischen LL. und dem Beschuldigten kam es ab 

Juni 2014 zum Bruch, da sich LL. zur Lehre von NN. bekannte, welcher sich in 

Syrien nicht dem IS anschliessen wollte (BA pag. 10-1-1298). Der Beschuldigte 

kommentierte diese Haltung NN.’s am 14. August 2014 als Katastrophe und 

hoffte, NN. werde die Wahrheit erkennen und sich doch noch dem IS anschlies-

sen. In einer Sprachnachricht vom 19. August 2014 an den Beschuldigten 

machte LL. deutlich, dass die vom Beschuldigten praktizierte Lehre von al-Hazimi 

mit dem IS nicht korrelieren könne (BA pag. 10-1-1155 f.). Der Beschuldigte be-

kannte sich trotzdem weiterhin zum IS. 

1.2.7 Bei den Personen L., R. und HH. handelt(e) es sich nachweislich um (Hass-)Pre-

diger und glühende Anhänger des Wertekanons des IS, welche u.a. wegen ter-

roristischer Aktivitäten im Zusammenhang mit dem IS (z.B. Rekrutierungen) zu 

hohen Freiheitsstrafen zwischen 7 und 20 Jahren verurteilt wurden (BA pag. 18-

1-3-1-635, -672; 10-1-1196 ff.; 10-1-1056 ff.). LL. vertrat anfänglich eine eben-

solche radikal-islamische Haltung mit Bezügen zum IS (BA pag. 10-1-1108). All 

diesen vier Personen ist gemeinsam, dass sie für den Beschuldigten religiöse 

Autoritäten darstellten und er sie als «Scheichs» bezeichnete. Besonders gros-

sen Einfluss übten die Glaubensüberzeugungen und Predigten von L. (alias 

«L1.») und R. (alias «R2.») auf den Beschuldigten aus. Dass er darüber hinaus 

noch zu weiteren, bekannten Vertretern und Anhängern der salafistischen Bewe-

gung in Europa Kontakte pflegte – darunter die deutschen islamistischen Predi-

ger OO. und PP. sowie S., [Funktion] des IZRS – rundet das von ihm gewonnene 

Bild eines sehr radikalen salafistischen Muslims ab. 

1.2.8 Das Bekenntnis des Beschuldigten zum IS wurde zudem von der mit ihm nach 

islamischem Recht verheirateten QQ., welche am 3. November 2016 rechtshilfe-

weise durch die deutsche Generalbundesanwaltschaft als Zeugin einvernommen 

wurde, bestätigt: Der Beschuldigte habe die Aktionen des IS ihr gegenüber gut-

geheissen. Befragt zur religiösen Gesinnung des Beschuldigten, erklärte sie, er 

sei der Auffassung gewesen, man solle (unbedingt) nach Syrien gehen, um zu 

kämpfen. Sie habe derartige Aussagen als extrem bzw. radikal empfunden (BA 

pag. 13-1-556; 18-1-1-247 f., 252 f.). 

1.2.9 Schliesslich lässt auch das beim Beschuldigten zahlreich sichergestellte Beweis-

material (Fotos, Filme, Devotionalien etc.) ohne weiteres auf seine (damalige) 

- 28 - 

ideologische Gesinnung für den IS schliessen, wie die nachfolgende Auswahl 

zeigt: ein Bild mit der Flagge des IS, Fotos mit salafistischem Erkennungszeichen 

(BA pag. 13-1-630), ein Viber-Chat mit al-Baghdadi im Hintergrund (BA pag. 13-

1-527); Gewaltvideospiele (wie «Islamic State», «Blackflag», «Advanced-Ter-

ror») mit eindeutig islamistischem Bezug (BA pag. 9-1-264, 295 ff.; 10-1-1259); 

die bei der Hausdurchsuchung beschlagnahmte Flagge des IS (BA pag. 8-5-7 f.); 

ein Film des IS mit Erschiessungs- und Enthauptungsszenen (BA pag. 10-1-

1328; 10-1-1176; B-10-1-3-247) sowie Fotos des Beschuldigten mit ausgestreck-

tem, linkem Zeigefinger als Symbol für den IS (BA pag. B-10-1-2-178; B-10-1-3-

216).  

1.2.10 Im Rahmen des Vorverfahrens sagte der Beschuldigte aus, er sei ein (starker) 

Sympathisant des IS gewesen (BA pag. 13-1-218, 568 f., 687), was er anlässlich 

der Hauptverhandlung bestätigte (TPF pag. 42.731.14; 17). Vor Gericht räumte 

er zudem ein, im anklagerelevanten Zeitraum ein strenggläubiger Muslim (sunni-

tischer Ausrichtung) gewesen und der Grundlehre des «wahren Manhaj» gefolgt 

zu sein. Er habe sich bereits ab ca. 2011/12, d.h. noch vor seiner Reise nach 

Syrien (im November 2013), mit dieser radikalen Lehre befasst. Er habe das Ka-

lifat des IS und zu Beginn auch dessen Taten gutgeheissen. Zudem räumte er 

ein, auch die Kampfhandlungen, Enthauptungen und Hinrichtungen des IS (da-

mals) befürwortet zu haben (TPF pag. 42.731.007 f.; 012 f.). Anlässlich einer 

früheren Einvernahme erklärte er, ihn habe nur der Monotheismus interessiert 

(BA pag. 13-1-51).  

1.3 Für das Gericht ist erstellt, dass der Beschuldigte im Anklagezeitraum (2012-

2014) zu den salafistisch-jihadistischen Autoritätspersonen und Predigern L., R., 

HH. und (bis im Frühsommer 2014) LL. zum Teil sehr enge Kontakte pflegte und 

sich insbesondere deren Einstellung, Wertekanon und Ideologie zum IS, zum 

Jihad sowie zur Errichtung eines weltumspannenden Kalifats zu eigen machte 

und inhaltlich vollumfänglich teilte. Dies geht u.a. auch aus einem SMS-Schrift-

verkehr zwischen dem Beschuldigten und einem nicht näher bekannten «RR.» 

(mazedonischer Staatsangehöriger) vom 14. März 2013 hervor (Auszug): Letz-

terer – offensichtlich ein Anhänger eines gemässigten Islams – versuchte dem 

Beschuldigten zu erklären, dass «diese videos sind nicht gut bruder…diese vi-

deos verankern und vertiefen hass im herzen…als hamza in uhud getötet wurde, 

wurde unser prophet sehr böse und schwor rache, daraufhin hat Allah ihn er-

mahnt…die muslime sind barmherzig und zeigen ihre kraft und stärke nur in front, 

und wenn sie nicht in front sind, dann sind sie mild, arbeiten für das gute und 

wünschen die rechtleitung bzw. das paradies für alle menschen, egal wie sie 

sind…» und «die gelehrten heute drehen die verse und hadithe wie sie lust dazu 

haben… aber Allah will einen anderen Islam und zwar den von sahaba, tabiin 

und tabitabiin… und das ist der Islam, der am nächsten zum sunnah ist… nur mit 

- 29 - 

dieser einstellung kommen muslime aus der misere, ansonsten nie und nimmer, 

selbst wenn sie die einzigen wären, wo atombombe besitzen würden… Allah liebt 

kein Islam wo Gewalt herrscht, selbst wenn es sogar verteidigung wäre…». Der 

Beschuldigte liess sich jedoch nicht beeindrucken, hielt an seinen radikalen 

Überzeugungen fest und kommentierte unter Berufung auf seine religiösen Au-

toritäten die Ansichten von RR. u.a. wie folgt: «Bist du jetzt voll der murjia gewor-

den subhanaALLAH was ist los mit dir hast du den manhaj gewechselt bevor du 

so etwas sagst solltest du leute mit wissen frage z.b. SS., NN., R1. (= R., alias 

«R2.»), TT., L1. (= L.), CC. diese ausage ist eine katastrophe.» (BA pag. 10-1-

1100 f.). Diese und weitere Aussagen belegen weiter, dass er seine fanatisch 

geprägte Bewunderung für den IS nie in Zweifel zog, im Gegenteil: Er hiess nicht 

nur die Kampfhandlungen des IS gut, sondern auch dessen Gräueltaten, wie Ent-

hauptungen und Hinrichtungen (TPF pag. 42.731.11 ff.). Im Ergebnis zeigt das 

beim Beschuldigten sichergestellte Beweismaterial in Form von Chats, Fotos und 

Videos, insbesondere aus dem Jahre 2014, in seiner Gesamtheit deutlich auf, 

dass es sich beim Beschuldigten im Anklagezeitraum um einen glühenden An-

hänger der vom IS und seinen Vorgängerorganisationen vertretenen und prakti-

zierten radikal-salafistischen Glaubenslehre und Werteideologie handelte. Der 

Beschuldigte liess daneben keine anderen ideologischen Gesinnungen gelten 

selbst wenn diese ebenfalls radikal waren. So nannte er etwa Anhänger der 

(ebenfalls) terroristischen Vereinigung «Jabhat Al-Nusra» (einem Ableger der Al-

Qaïda) verächtlich «Nusra Cheerleaders» (BA pag. 10-1-1151 f.). Mehrfach er-

wähnte der Beschuldigte, dass er nur mit Brüdern zusammen sei, welche auf 

dem richtigen (wahren) «Manhaj» wären (BA pag. 10-1-1181). In diesem Zusam-

menhang mag die Tatsache paradox erscheinen, dass die Radikalität dieser von 

al-Hazimi begründeten Glaubenslehre sogar die Enthauptung von mindestens 

zwei Scharia-Richtern des IS zur Folge hatte. Trotz dieser Ereignisse bekannte 

sich der Beschuldigte über den gesamten Anklagezeitraum kompromisslos zum 

IS, zumal auch seine (beiden) «Sheikhs» auf «Haqq» (= Wahrheit; wird als Sy-

nonym für den IS verwendet) waren, wie er einem Kollegen (AAA.) am 20. Juni 

2014 über WhatsApp mitteilte (BA pag. 10-1-1147, 1176). 

2. Beteiligung an / eventuell Unterstützung einer kriminellen Organisation ge-

mäss Art. 260ter Ziff. 1 StGB (Anklagepunkt 1.1.2.2.1 [Einsatz in Syrien auf 

dem Herrschaftsgebiet des ISIG]) 

2.1 Gemäss Art. 260ter Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB macht sich strafbar, wer sich an 

einer Organisation beteiligt, die ihren Aufbau und ihre personelle Zusammenset-

zung geheim hält und die den Zweck verfolgt, Gewaltverbrechen zu begehen  

oder sich mit verbrecherischen Mitteln zu bereichern, oder wer eine solche Orga-

nisation in ihrer verbrecherischen Tätigkeit unterstützt. 

- 30 - 

2.1.1 Nach der Praxis des Bundesgerichts fallen unter den Begriff der kriminellen Or-

ganisation insbesondere hochgefährliche terroristische Organisationen, wie etwa 

das internationale Netzwerk Al-Qaïda (BGE 142 IV 175 E. 5.4; 133 IV 58 E. 5.3.1; 

131 II 235 E. 2.12, je mit Hinweisen). Auch der ISI, dessen Nachfolgeorganisation 

ISIG und der IS sind unstreitig kriminelle Organisationen im Sinne des Tatbe-

standes (Urteil des Bundesgerichts 6B_1132/2016 vom 7. März 2017 E. 6.1; 

BGE 142 IV 175 E. 5.8; Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2015.45 vom 18. März 

2016 E. 1.4; zum Ganzen ENGLER, a.a.O., Art. 260ter StGB N. 7). 

2.1.2 Die Tathandlung der Beteiligung setzt voraus, dass sich der Täter in die kriminelle 

Organisation funktionell eingliedert und im Hinblick auf deren verbrecherische 

Zweckverfolgung tätig wird (BGE 133 IV 58 E. 5.3.1 S. 71; ENGLER, a.a.O., 

Art. 260ter StGB N. 12). Bei der Beteiligungsvariante wird die Mitgliedschaft in 

einer kriminellen Organisation vorausgesetzt (PAJAROLA/OEHEN/THOMMEN, 

in: ACKERMANN [Hrsg.], Kommentar, Kriminelles Vermögen / Kriminelle Organi-

sationen, Band II, 2018, Art. 260ter StGB N. 380, 427). Die einzelnen Aktivitäten 

des Beteiligten brauchen für sich allein nicht notwendigerweise illegal zu sein 

bzw. konkrete Straftatbestände zu erfüllen (BGE 133 IV 58 E. 5.3.1 S. 71; ENG-

LER, a.a.O., Art. 260ter StGB N. 12). Es genügen namentlich auch logistische Vor-

kehren, die dem Organisationszweck unmittelbar dienen (wie Auskundschaften, 

Planen oder Bereitstellen der operativen Mittel, insbesondere Beschaffen von 

Fahrzeugen, Waffen, Kommunikationsmitteln oder Finanzdienstleistungen etc.). 

Die Beteiligung setzt keine massgebliche Funktion innerhalb der Organisation 

voraus. Sie kann informeller Natur sein oder auch geheim gehalten werden 

(BGE 133 IV 58 E. 5.3.1 S. 71; Urteil des Bundesgerichts 6B_1132/2016 vom 

7. März 2017 E. 6.2.3; Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2015.45 vom 

18. März 2016 E. 1.5; ENGLER, a.a.O., Art. 260ter StGB N. 12). Die Aktivitäten des 

Beteiligten müssen aber für die verbrecherische Zweckverfolgung unmittelbar 

oder mittelbar wesentlich sein. Die Wesentlichkeit des Handelns einer Person ist 

vom Richter im Einzelfall nach den konkreten Umständen zu ermessen. Dabei 

wird ein einzelner, wenn auch entscheidender Beitrag nicht genügen, den Tatbe-

stand der Beteiligung zu erfüllen. Beteiligung (ebenso Unterstützung) ist stets 

Täterschaft und schliesst Gehilfenschaft oder Anstiftung zur Beteiligung aus 

(ENGLER, a.a.O., Art. 260ter StGB N. 12). Dennoch ist zu berücksichtigen, dass 

der Begriff der Beteiligung an einer kriminellen Organisation gemäss Bundesge-

richt mit Rücksicht auf den Zweck der Bestimmung und in Anbetracht der alter-

nativen Tatbestandsvariante der Unterstützung einer kriminellen Organisation 

weit zu fassen ist. An einer kriminellen Organisation ist nicht nur beteiligt, wer 

ihrem «harten Kern» angehört. Auch wer zu ihrem erweiterten Kreis angehört 

und längerfristig bereit ist, die ihm erteilten Befehle zu befolgen, ist ungeachtet 

seiner formellen Stellung in der Organisation an dieser im Sinne von 

Art. 260ter StGB beteiligt (Urteil des Bundesgerichts 6B_1132/2016 vom 

- 31 - 

7. März 2017 E. 6.2.3; ENGLER, a.a.O., Art. 260ter StGB N. 12). Neben den Füh-

rungspersonen, den Verwaltungsorganen oder den ständigen Mitgliedern der 

Kampf- und Logistikeinheiten umfasst der IS als staatsähnliche Entität auch an-

dere Angehörige, die regelmässig oder bei Bedarf Aufgaben für die Organisation 

übernehmen können. Konkret heisst das, dass nebst einer «hierarchischen, dau-

erhaften und arbeitsteiligen Struktur mit Austauschbarkeit der Mitglieder» ein 

Umfeld faktischer (nicht «eingeschriebener») Befehlsempfänger besteht, die fa-

natisiert sind, und daher im Rahmen der Zielsetzung der Organisation in Befol-

gung von Appellen und Aufforderungen regelmässig oder bei Bedarf Aufgaben 

übernehmen, später aber in diesem Umfeld haften bleiben, nicht zuletzt auch 

wegen praktischer Anreize, welche die Organisation zu gewähren vorgibt oder 

gewährt. Auch solche Personen sind letztlich in den IS eingegliedert bzw. infor-

mell beteiligt im Sinne des zitierten BGE 133 IV 58 (Urteil des Bundesstrafge-

richts SK.2015.45 vom 18. März 2016 E. 1.5). 

2.1.3 Die Unterstützung einer kriminellen Organisation kommt bei Personen in Be-

tracht, die nicht in die Organisationsstruktur integriert sind. Diese verlangt einen 

bewussten Beitrag zur Förderung der verbrecherischen Aktivitäten der kriminel-

len Organisation (Urteil des Bundesgerichts 6B_1132/2016 vom 7. März 2017 

E. 1.3.3; BGE 132 IV 132 E. 4.1.4; Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2019.23 

vom 15. Juli 2019 E. 3.3.3). Als Unterstützer kommen nur Nicht-Mitglieder in 

Frage, die für die Organisation handeln (PAJAROLA/OEHEN/THOMMEN, a.a.O., 

Art. 260ter StGB N. 426 f.). Der Gesetzgeber zielt insbesondere auf Mittelsperso-

nen, die als Bindeglieder zur legalen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft einen 

entscheidenden Beitrag zur Stärkung krimineller Organisationen leisten 

(PAJAROLA/OEHEN/THOMMEN, a.a.O., Art. 260ter StGB N. 426; ARZT, in: Schmid 

[Hrsg.], Kommentar Einziehung, Organisiertes Verbrechen, Geldwäscherei, Bd. 

I, 2. Aufl. 2007, Art. 260ter StGB N. 154; ENGLER, a.a.O., Art. 260ter StGB N. 13; 

vgl. Botschaft, BBl 1993 III, 301). Zwischen der Unterstützungshandlung und der 

verbrecherischen Tätigkeit muss ein gewisser Zusammenhang bestehen. Würde 

dies nicht vorausgesetzt, dann wäre das gesetzliche Merkmal «in ihrer verbre-

cherischen Tätigkeit» überflüssig. Für die Unterstützung nach Art. 260ter Ziff. 1 

Abs. 2 StGB ist indessen der Nachweis von kausalen Tatbeiträgen im Hinblick 

auf ein konkretes Delikt nicht erforderlich (Urteil des Bundesgerichts 

6B_1132/2016 vom 7. März 2017 E. 1.3.3; BGE 133 IV 58 E. 5.3.1). Die Unter-

stützungshandlung ist erfolgsdeliktisch zu verstehen: Es genügt jede Stärkung 

des Potentials der Organisation (Urteile des Bundesstrafgerichts SK.2019.23 

vom 15. Juli 2019 E. 3.3.3 und SK.2013.39 vom 2. Mai/22. Juli 2014 E. 1.2.4). 

Sodann haben die dem Täter vorgeworfenen Handlungen die verbrecherischen 

Zwecke der kriminellen Organisation zu fördern und nicht bloss einem ihrer Mit-

glieder zu Gute zu kommen, damit der Tatbestand der Unterstützung erfüllt ist 

(TPF 2007 20 E. 4.3). Die Rekrutierung von neuen Anhängern für den IS durch 

- 32 - 

ein Nicht-Mitglied des IS stellt eine typische Unterstützungshandlung dar. Das 

blosse Sympathisieren mit einer kriminellen oder terroristischen Organisation  

oder das «Bewundern» einer solchen stellt noch keine Unterstützung dar (BGE 

132 IV 132 E. 4.1.4; 133 IV 58 E. 5.3.1 S. 71, ENGLER, a.a.O., Art. 260ter StGB 

N. 14). Bei der Unterstützungshandlung muss es sich um ein effektives Bemühen 

handeln, ein blosser Versuch zur Unterstützung bleibt hingegen straflos (ENGLER, 

a.a.O., Art. 260ter StGB N. 13). 

2.1.4 Strafbar macht sich, wer (eventual-)vorsätzlich handelt (Art. 12 Abs. 1 und 2 

StGB; BGE 132 IV 132, 135; ENGLER, a.a.O., Art. 260ter StGB N. 13; FORSTER, 

ZStrR 2003, 438). Der Täter muss wissen oder es zumindest für möglich halten, 

dass er sich an einer kriminellen Organisation beteiligt (Mitgliedschaft mit Aktivi-

tät) bzw. eine solche unterstützt (Stärkung des Potenzials der Organisation) 

(PAJAROLA/OEHEN/THOMMEN, a.a.O., Art. 260ter StGB N. 490). Bezüglich seiner 

Tathandlung muss er zumindest eventualvorsätzlich damit rechnen, dass sie der 

kriminellen Zwecksetzung der Organisation dient; ein Zusammenhang mit einem 

konkreten Verbrechen muss indes nicht vom Vorsatz umfasst sein (TRECH-

SEL/VEST, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 260ter StGB N. 11). Der Vorsatz 

muss sich bei beiden Tatbestandsvarianten (Beteiligung/Unterstützung) auf die 

Förderung der kriminellen Organisation bzw. ihres kriminellen Zweckes bezie-

hen. Die Tatvariante der Unterstützung gemäss Art. 260ter StGB verlangt einen 

bewussten Beitrag zur Förderung der verbrecherischen Aktivitäten der kriminel-

len Organisation (BGE 142 IV 175 E. 5.2.4; 132 IV 132 E. 4.1.4). Nicht erforder-

lich ist, dass der Täter über die effektive deliktische Tätigkeit der Organisation im 

Bilde ist. Der Täter muss jedoch wissen oder in Kauf nehmen, dass die Organi-

sation Gewalt- oder Bereicherungsdelikte begeht, die klar über Bagatellverstösse 

hinausgehen (ENGLER, a.a.O., Art. 260ter StGB N. 14; Urteil des Bundesstrafge-

richts SK.2016.69 vom 15. Juli 2016 E. 1.16).  

2.1.5 Der Tatbestand von Art. 260ter StGB kann nicht mit sich selbst in Konkurrenz 

stehen, wenn der Täter mehrere Male zu Gunsten der kriminellen Organisation 

gehandelt hat. Die Beteiligungsvariante von Art. 260ter StGB ist als Dauerdelikt 

anzusehen mit der Konsequenz, dass der Tatbestand bei tatbestandsmässigen 

Einzelhandlungen während eines längeren Zeitraums nur einmal erfüllt ist (Urteil 

des Bundesstrafgerichts SK.2019.23 vom 15. Juli 2019 E. 5.3.2). 

Mehrfache Unterstützungshandlungen stellen der Sache nach eine Stärkung der 

kriminellen Organisation dar, d.h. derselbe Täter kann auch den Tatbestand der 

Unterstützung nur einmal und nicht mehrfach erfüllen. Die gegenteilige Ansicht 

würde auf eine Benachteiligung des Unterstützungstäters im Vergleich zum Be-

teiligungstäter hinauslaufen (Urteile des Bundesstrafgerichts SK.2013.39 vom 

- 33 - 

2. Mai 2014 und Berichtigung vom 22. Juli 2014, B. E. 1.2.7 m.w.H.; SK.2019.23 

vom 15. Juli 2019 E. 5.3.2). 

2.2 Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, er sei Mitte November 

2013 nach Syrien in das Herrschaftsgebiet zu dem zur kriminellen Organisation 

ISIG gehörenden Kampfverband «JAMWA» gereist, um sich an diesem zu betei-

ligen und in seinen Aktivitäten zu unterstützen. Er habe sich der kriminellen Or-

ganisation «JAMWA» angeschlossen und sich bis am 9. Dezember 2013 an de-

ren bewaffneten Wach- und Kampfeinsätzen beteiligt. Der Beschuldigte soll wis-

sentlich und willentlich gehandelt haben.  

2.2.1 Der Anklagevorwurf stützt sich auf zwei Einzelhandlungen (bewaffnete Wach-

dienste und bewaffnete Kampfeinsätze für die JAMWA [Anklageschrift 

Ziff. 1.1.2.2.1, S. 12-16]), die in ihrer Gesamtheit den Beweis für die Tatbestands-

mässigkeit des Verhaltens gemäss Art. 260ter Ziff. 1 StGB (Beteiligung an / even-

tuell Unterstützung einer kriminellen Organisation) erbringen sollen.  

Der Untersuchungsgrundsatz gemäss Art. 6 StPO richtet sich an die Strafbehör-

den, also an Strafverfolgungsbehörden und Strafgerichte (Art. 12 ff. StPO), doch 

ist die Abklärung des massgeblichen Sachverhalts durch das erstinstanzliche 

Gericht durch den Anklagegrundsatz begrenzt (RIEDO/FIOLKA, Basler Kommen-

tar, 2. Aufl. 2014, Art. 6 StPO N 16 ff. und 47 ff.). Der Sachverhalt ist insoweit zu 

ermitteln, als dies für die Beurteilung der in Frage stehenden konkreten Strafsa-

che erforderlich erscheint. Welche Tatsachen für die Beurteilung von Bedeutung 

sind, ergibt sich aus den materiell-strafrechtlichen Normen, die zur Anwendung 

kommen (könnten). Zu ermitteln sind ausserdem rein verfahrensrechtlich bedeut-

same Tatsachen sowie die Tatsachen, welche für die Strafzumessung von Be-

deutung sein können (RIEDO/FIOLKA, a.a.O., Art. 6 StPO N. 67 ff.). Über Tatsa-

chen, die unerheblich, offenkundig, der Strafbehörde bekannt oder bereits 

rechtsgenügend erwiesen sind, ist nicht Beweis zu führen (Art. 139 Abs. 2 StPO). 

Im Lichte dessen nimmt das Gericht den Beweis für die angeklagten Einzelhand-

lungen (vorliegend: Kampf- und Wacheinsätze) nur so weit ab, bis sich aus ihnen 

der Beweis für die rechtserheblichen Tatsachen ergibt, gestützt auf welche die 

Tatbestandsmässigkeit des inkriminierten Verhaltens bejaht und die Gewichtung 

des Verschuldens vorgenommen werden kann. Mithin geht es nicht um die Wür-

digung der Elemente aller Einzelhandlungen, welche in der Anklageschrift unter 

Ziff. 1.1.2.2.1 angeführt werden. Sollte die Beteiligung am IS bzw. eventualiter 

die Unterstützung des IS durch eine Aktion bewiesen sein, so brauchen die übri-

gen Vorwürfe der Anklage nur insoweit gewürdigt zu werden, als sie sich in ihrem 

Unrechtsgehalt signifikant unterscheiden und den Zeitraum ihrer Realisierung 

definieren, was für die Strafzumessung wesentlich ist. 

- 34 - 

2.2.2 Die Anklageschrift besteht grösstenteils aus Zusammenfassungen der über-

wachten und sichergestellten Kommunikation (Telefongespräche, WhatsApp- 

und Chat-Nachrichten, SMS) des Beschuldigten mit diversen Personen sowie 

Videos und Fotografien vom Beschuldigten. Die Zuordnung dieser Datenträger 

zum Beschuldigten ist aufgrund des Inhalts unzweifelhaft und wird vom Beschul-

digten auch nicht bestritten (vgl. BA pag. 10-1-1056 ff.; 10-1-584 ff.). 

2.2.3 Der Inhalt der Kommunikationen ist zum Teil interpretationsbedürftig im Hinblick 

auf den Nachweis der Beteiligungs- oder Unterstützungshandlungen. Die An-

klage enthält zahlreiche Beispiele, wie etwa «Er ist gar nicht Hilfsorganisation»; 

«Morgen fangen sie mit dem Training an, mein Mann auch»; «Elhamdulillah wie 

laufts, ich khöre die kuffar griefet a». Die Bundesanwaltschaft deutet derartige 

Kommunikation in ihrer Gesamtheit als Nachweis für den Anklagevorwurf. Ob 

jede einzelne dieser Deutungen zutreffend ist, braucht nicht geprüft zu werden. 

Sollte der jeweils interessierende Sachverhalt durch eine oder mehrere der auf-

geführten Kommunikationen oder weitere Beweismittel rechtsgenügend erstellt 

sein, erübrigt sich die Würdigung der restlichen Kommunikationen. 

2.3 Zu den einzelnen Aktivitäten (im Sinne von Art. 260ter Ziff. 1 StGB) 

2.3.1 Im Folgenden wird insbesondere im Hinblick auf die Abgrenzung der Tatbe-

standsvariante der Beteiligung an / eventualiter Unterstützung einer kriminellen 

Organisation zu prüfen sein, ob und inwiefern der Beschuldigte in die «JAMWA» 

bzw. in eine Vorgängerorganisation des IS eingegliedert war. 

2.3.2 Der Beschuldigte gab zu, sich von Mitte November bis zum 7. Dezember 2013 in 

Syrien aufgehalten zu haben. Er will sich aber weder der JAMWA noch einer 

anderen, dem IS zugehörigen Kampfverband oder Organisation angeschlossen 

und an irgendwelchen Kampfhandlungen teilgenommen haben. Er bestritt, sich 

jemals auf Territorium befunden zu haben, das von einer Vorgängerorganisation 

des IS kontrolliert worden sei. Im Wesentlichen bringt er vor, der Zweck seiner 

dreiwöchigen Reise sei die Verteilung von Hilfsgütern gewesen. Er sei aus hu-

manitären Gründen in Syrien gewesen und habe sich der Freien Syrischen Ar-

mee (nachfolgend: FSA) angeschlossen. Er hätte gute Absichten gehegt und nie-

mandem schaden wollen. Am 8. Dezember 2013 sei er via Türkei in die Schweiz 

zurückgekehrt (BA pag. 13-1-6, 11, 53, 55 f., 59, 61, 77-79, 128, 134, 179, 203, 

441, 625; 10-1-1337; TPF pag. 42.731.19 ff.). 

2.3.2.1 Den Zweck und die Anreise nach Syrien beschrieb der Beschuldigte wie folgt: Er 

habe von LL. nach der Benefizveranstaltung von «Ansar International Süd-

Deutschland» für Syrien vom 28. September 2013 in Winterthur das Angebot er-

halten, in das türkisch-syrische Grenzgebiet zu reisen, um dort «Kleider und so 

weiter» zu verteilen. Er sei nach dieser Veranstaltung gefragt worden, ob er Zeit 

- 35 - 

und Lust hätte, einen Teil des gesammelten Geldes, Fr. 10'000.--, in die Türkei 

und danach weiter an die syrische Grenze zu bringen. Er habe sehen wollen, wie 

«Ansar» dort arbeite. Entsprechend sei er am 9. November 2013 mit BBB., den 

er vor drei Jahren an einem Seminar getroffen habe, von Zürich/Kloten nach Is-

tanbul geflogen. Der Flug von Zürich nach Istanbul sei von LL. organisiert und 

bezahlt worden. Bei einer Moschee in Instabul habe er sich mit LL. getroffen und 

von dort aus seien sie – der Beschuldigte, LL., BBB. und weitere Bosnier – (am 

11. November 2013) mit dem Auto in das Sperrgebiet Türkei/Syrien gefahren. 

Zwar habe er gewusst, dass sie nach Syrien weiterfahren würden, jedoch habe 

er über keine Informationen verfügt, was das genaue Ziel sein sollte. Vor dem 

Grenzübertritt habe er in der Türkei bzw. kurz nach der Grenze in einem Survival-

Shop getarnte Kleider, Militärkleider bzw. «Military» Modeartikel, u.a. beige Ca-

mouflage-Hosen, eine Sturmmütze und eine Jacke gekauft; Waffen habe es in 

diesem Geschäft nicht gegeben (BA pag. 13-1-5 f., 11 ff., 22, 50 ff., 67, 73 f., 224, 

244, 690; TPF pag. 42.731.19 f., 28). 

 An der Grenze habe es nur Militär, nämlich die FSA gegeben. Ein Organisator 

der FSA habe gesagt, man solle in der Öffentlichkeit Masken tragen. In seiner 

ersten Einvernahme erklärte der Beschuldigte, sich klar auf dem Territorium der 

FSA befunden zu haben. Eine Woche habe er sich im Sperrgebiet aufgehalten 

und dort «Kleider verteilt und andere Sachen gemacht» (BA pag. 13-1-11, 22). 

Ergänzend gab er in der zweiten Einvernahme zu Protokoll, er sei bei den Rebel-

len und der FSA gewesen bzw. an einem Ort, wo Rebellen und die syrische Ar-

mee gemeinsam gekämpft hätten. An den Ortsnamen könne er sich nicht erin-

nern. Er sei für längere Zeit in einem Militärcamp der FSA gewesen. Das Camp 

habe sich etwas ausserhalb befunden, in einem ländlichen, hügeligen Gebiet. Es 

sei umzäunt, bewacht und mit einem kleinen Artilleriegeschütz gesichert gewe-

sen. Die bewaffneten Personen hätten Sturmgewehre getragen. Es sei gut mög-

lich, dass einige Leute an die Front gegangen und andere von der Front zurück-

gekehrt seien. Zuvor habe er sich in einer Villa aufgehalten, bei welcher zwei 

Fassbomben eingeschlagen hätten. In diesem Camp sei es sicherer gewesen; 

dort habe es Frauen, Kinder, Bosnier sowie Rebellen und Mitglieder der FSA 

gegeben. Er habe sich in einer grösseren Villa aufgehalten und von weitem habe 

man Geschützlärm gehört. Nach einer Woche sei er wegen Brechdurchfall in ein 

kleines Spital, vermutlich von der FSA, gebracht worden. Von den Ortsnamen 

Haritan, As-Suwayda, Aleppo, Atma oder Kalamun-Gebirge habe er – bis auf Al-

eppo – noch nie gehört. Er sei aber nicht in Aleppo gewesen bzw. ob er an einem 

dieser Orte gewesen sei, wisse er nicht (BA pag. 13-1-55 ff., 62). In seiner dritten 

Einvernahme erklärte der Beschuldigte, er habe sich «nicht unbedingt» bei der 

FSA befunden, es hätte auch andere Rebellen gegeben. Es sei für ihn schwierig 

gewesen, zu unterscheiden, um welche Gruppe oder Rebellen es sich gehandelt 

- 36 - 

habe. Er habe keine IS-Flaggen gesehen; es sei nicht spezifisch markiert gewe-

sen, dass nur IS-Mitglieder anwesend gewesen wären. Aber es habe Personen 

gegeben, von denen er erfahren habe, dass sie später zum IS gegangen seien. 

Nach seiner Erinnerung sei er 21 Tage im Lager gewesen, wobei er in der ersten 

Woche an einer Magendarmgrippe gelitten habe. Er sei seiner Meinung nach in 

ein Krankenhaus der FSA gebracht worden, weil die dort anwesende Frau im 

Gegensatz zu Frauen aus salafistischen Gruppen nicht verschleiert gewesen sei 

und der Arzt keinen Bart getragen habe. Ob er jemals in Aleppo gewesen sei, 

wisse er nicht (BA pag. 13-1-67 ff.). Bei seiner vierten Einvernahme wurde ihm 

die folgende Chatnachricht seiner Ehefrau vom 3. Dezember 2013 vorgehalten: 

«Mein Mann ist in Aleppo.» Der Beschuldigte erklärte dazu, er streite nicht ab, in 

Aleppo gewesen zu sein: Von der Ortschaft her würde es passen, weil es in der 

Nähe der Grenze sei (BA pag. 13-1-133). In einer späteren (siebten) Befragung 

führte er aus, er wisse nicht mehr (genau), wo er sich aufgehalten habe; es 

könnte Aleppo gewesen sein. Er wisse auch nicht, welche Gruppierungen an die-

sem Ort gewesen seien. An anderer Stelle erklärte er, in Syrien bei den Rebellen 

gewesen zu sein. Erst als er zurückgekehrt sei, habe es den IS gegeben (BA 

pag. 13-1-238, 244). Anlässlich der Befragung vom 27. Januar 2017 bestätigte 

der Beschuldigte, sich nach dem Grenzübertritt und nach dem Einkauf warmer 

Kleidung auf dem Gebiet von Rebellen und der FSA aufgehalten zu haben. Auf 

Vorhalt eines Fotos, auf welchem im Hintergrund das Ortsschild von Hraytan 

bzw. Haritan erkennbar ist und den Beschuldigten in voller Kampfmontur mit 

Sturmgewehr zeigt, erklärte er, froh zu sein, dass nun herausgefunden wurde, 

wo er sich aufgehalten habe. Konfrontiert mit dem Umstand, dass sich das Haupt-

quartier der Einheit von Abu Omar al-Shishani, der Kampfverband «JAMWA», 

Ende 2013 in Haritan befunden habe und al-Shishani daselbst in einer Villa ein-

quartiert gewesen sei, erklärte der Beschuldigte, er sei nicht in dieser Villa gewe-

sen und in Haritan habe es auch die FSA gegeben. Den Namen «JAMWA» höre 

er das erste Mal (BA pag. 13-1-624 ff., 642-646). Bei seiner Befragung vor Ge-

richt gab er zu Protokoll, er sei in Syrien in einem umkämpften Gebiet gewesen, 

mit vielen Gruppierungen, darunter auch die FSA. Kurz nach der Grenze, sei er 

für zwei bis drei Wochen in einem gemischten Camp mit Frauen und Kindern 

untergebracht worden. Es habe dort ein Haus mit Frauen und Kindern gegeben. 

Er sei von Leuten, die er nicht kenne und die sich ihm nicht vorgestellt hätten, in 

dieses grosse Haus gebracht worden. Es habe auch Leute gegeben, die trainiert 

hätten. Eine Gruppierung habe er in diesem Camp jedoch nicht feststellen kön-

nen; es habe verschiedene Häuser mit verschiedenen Gruppierungen gegeben. 

Er sei aber «nicht gerade dort» gewesen, wo Rebellen und die FSA zuammen 

gekämpft hätten; er habe die Häuser an der Front, in der Ferne auf einem Hügel, 

gesehen, deshalb habe man die Schiesserei ziemlich entfernt gehört. Wo er sich 

aufgehalten habe, sei es ruhig und sicher gewesen. Es sei üblich gewesen, dass 

- 37 - 

dort jeder, auch Sechzehnjährige, im Kampfanzug herumgelaufen seien. Er hätte 

in diesem Camp ausharren sollen bis LL. mit den Fahrzeugen vorbeigekommen 

wäre. Doch er habe nicht so lange warten wollen, da er erfahren habe, dass seine 

Mutter an Brustkrebs erkrankt sei und er zurückreisen wollte (TPF pag. 42.731.20 

ff., 26 f.). Ein türkischstämmiger Syrer habe ihn mit dem Taxi zu einem Busfahrer 

gefahren, de