# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2c5cd391-e38e-5ba1-bcec-a23016fd27cc
**Source:** Glarus (GL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-03-27
**Language:** de
**Title:** Glarus Obergericht 27.03.2015 OG.2012.00033 (OGS.2015.27)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GL_Omni/GL_OG_001_OG-2012-00033_2015-03-27.html

## Full Text

Kanton Glarus

  	 

	
   

  	 

	
  Obergericht

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  Urteil
  vom 27. März 2015

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  Verfahren
  OG.2012.00033/34

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  A.______                                           Angeklagter

  	 

	
                                                             Berufungskläger
  (OG.2012.00033)

  	 

	
                                                             Berufungsbeklagter (OG.2012.00034)

  	 

	
   

  	 

	
  amtlich
  verteidigt durch Rechtsanwalt X.______

  	 

	
   

  	 

	
  gegen

  	 

	
   

  	 

	
  Staatsanwaltschaft                          Anklägerin

  	 

	
  des
  Kantons Glarus                           Berufungsbeklagte (OG.2012.00033)

  	 

	
  vertreten durch den Staatsanwalt

  	 

	
   

  	 

	
  B.______
                                            Privatkläger

  	 

	
                                                             Berufungsbeklagter (OG.2012.00033)

  	 

	
   

  	 

	
  vertreten durch Rechtsanwalt
  Y.______

  	 

	
   

  	 

	
  C.______
                                            Privatkläger

  	 

	
                                                             Berufungsbeklagter (OG.2012.00033)

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  D.______
  , E.______ , F.______       Privatkläger

  	 

	
                                                             Berufungskläger (OG.2012.00034)

  	 

	
  vertreten durch Rechtsanwalt Z.______ 

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  betreffend

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  mehrfachen
  Mord, mehrfachen Raub etc.

  	 

	
   

  	 

	
  Anträge der
  Parteien:

  	 

	
   

  	 

	
  A. des
  Beschuldigten, Berufungsklägers und Berufungsbeklagten (gemäss Berufungserklärung vom 1. Juni 2012 sowie den
  Ausführungen des Ver­teidigers an den Berufungsverhandlungen vom
  21. März 2013 und vom 13. November 2014:

  	 

	
   

  	 

	
  1.         Es
  sei festzustellen, dass das Urteil des Kantonsgerichtes Glarus vom 14. März
  2012 zur Schuldfrage in folgenden Punkten rechtskräftig geworden ist:

  	 

	
   

  	 

	
  -
  Schuldspruch wegen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB
  zum Nach­teil von Opfer 1;

  	 

	
  -
  Schuldspruch wegen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
  zum Nachteil von C.______;

  	 

	
  -
  Freispruch vom Vorwurf des Hausfriedensbru­ches im Sinne von Art. 186
  StGB zum Nachteil von Opfer 2.

  	 

	
   

  	 

	
  2.         Zudem
  sei der Beschuldigte schuldig zu sprechen:

  	 

	
   

  	 

	
  -
  des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zum Nachteil von
  Opfer 2;

  	 

	
  -
  des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und der
  fahrläs­sigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB zum Nachteil von Opfer
  3;

  	 

	
  -
  des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zum Nachteil von Opfer
  4.

  	 

	
   

  	 

	
  3.         Von
  den weiteren Vorwürfen sei der Beschuldigte freizusprechen.

  	 

	
   

  	 

	
  4.         Der
  Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren zu bestrafen, unter
  Anrechnung der erstandenen Haft, inkl. Auslieferungs-, Untersuchungs- und
  Sicherheitshaft.

  	 

	
              Eventualantrag
  (gestellt an der Verhandlung vom 13. November 2014): Der Beschuldigte sei mit
  einer Freiheitsstrafe von 18 Jahren zu bestrafen, unter Anrechnung der
  erstandenen Haft, inkl. Auslieferungs-, Untersuchungs- und Sicherheitshaft.

  	 

	
   

  	 

	
  5.         Es
  sei eine vollzugsbegleitende ambulante Massnahme anzuordnen.

  	 

	
   

  	 

	
  6.         Die
  Schadenersatzforderungen der Geschädigten B.______ und C.______ seien auf den
  Zivilweg zu verweisen.

  	 

	
   

  	 

	
  7.         Es
  sei dem Geschädigten B.______ eine Genugtuung von Fr. 20‘000.‑
  zuzu­sprechen, wovon Fr. 8‘000.‑ der Beschuldigte direkt dem
  Geschädigten zu be­zahlen habe.

  	 

	
   

  	 

	
  8.         Die
  nicht in Rechtskraft erwachsenen Ziff. 17 bis 22 des Urteils des Kantonsge­richtes
  [Zivilansprüche von D.______, E._____ und F.______] seien zu bestätigen.

  	 

	
   

  	 

	
  9.         Die
  Kosten des Berufungsverfahrens inkl. derjenigen der amtlichen Verteidi­gung
  seien auf die Staatskasse zu nehmen.

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  B. der
  Anklägerin und Berufungsbeklagten (gemäss den Ausfüh­rungen
  des Staatsanwalts an den Berufungsverhandlungen vom 21. März 2013 und
  vom 13. November 2014:

  	 

	
   

  	 

	
  1.         Es
  sei die Berufung des Beschuldigten abzuweisen.

  	 

	
   

  	 

	
  2.         Es
  sei das Urteil des Kantonsgerichtes Glarus vom 14. März 2012, soweit vom
  Beschuldigten angefochten, vollumfänglich zu bestätigen; alles unter Kosten­folge
  zu Lasten des Beschuldigten.

   

   

  	 

	
  C. der
  Privatkläger D.____,
  E.______ und F.______ (gemäss Eingabe vom
  5. Juni 2012 und den Ausführungen des Rechtsvertreters an den
  Berufungsverhandlungen vom 21. März 2013 und vom 13. November 2014:

  	 

	
   

  	 

	
  1.         Es sei die Berufung des Beschuldigten
  vollumfänglich abzuweisen, und es sei namentlich die angefochtene
  Verurteilung des Beschuldigten wegen Mordes, begangen an Opfer 4, zu
  bestätigen.

  	 

	
   

  	 

	
  2.         In
  Abänderung von Ziff. 17 und 18 des Urteils des Kantonsgerichtes Glarus
  vom 14. März 2012 sei der Beschuldigte zu verpflichten, der
  Zivilklägerin D.______ eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 60‘000.‑
  zuzüglich 5 % Zins seit dem 22. Februar 2007 zu bezahlen.

  	 

	
   

  	 

	
  3.         In
  Abänderung von Ziff. 19, 20, 21 und 22 des Urteils des Kantonsgerichtes
  Glarus vom 14. März 2012 sei der Beschuldigte zu verpflichten, den
  Zivilklägern E.______ und F.______ eine Genugtuung in der Höhe von je
  Fr. 35‘000.‑ zuzüglich 5 % Zins seit dem 22. Februar
  2007 zu be­zahlen.

  	 

	
   

  	 

	
  4.         Alles
  unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beschuldigten.

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  _____________________________

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  Das Obergericht zieht in Betracht:

  	 

	
   

  	 

	
  I.

  	 

	
  Prozessgeschichte

  	 

	
   

  	 

	
       1.— a)
  Die Staatsanwaltschaft des Kantons Glarus erhob am 29. Oktober 2010
  Anklage gegen A.______.

  	 

	
   

  	 

	
       b)
  Konkret sind in der Anklageschrift die folgenden Sachverhalte aufgeführt:

  	 

	
   

  	 

	
        aa)
  Diebstahl am 13. Juni 2005 in der Uhren-Bijouterie von Opfer 1;

  	 

	
        bb)
  Raubüberfall am 5. Juli 2005 auf die Bijouterie von Opfer 2; schwere 

              Körperverletzung zum Nachteil des Geschäftsinhabers Opfer 2;

  	 

	
        cc)
  Raubüberfall am 8. Juli 2005 auf die Bijouterie von Opfer 3; Ermordung 

              des Geschäftsinhabers Opfer 3;

  	 

	
        dd)
  Raubüberfall am 14. Februar 2006 auf das Uhren-Atelier von C.______; 

              schwere Körperverletzung zum Nachteil des Geschäftsinhabers C.______;

  	 

	
        ee)
  Raubüberfall am 22. Februar 2007 auf die Bijouterie von Opfer 4;

              Ermordung des Geschäftsführers Opfer 4.

  	 

	
   

  	 

	
       2.—
  Die Strafkammer des Kantonsgerichts Glarus fällte am 14. März 2012 nachste­hendes
  Urteil; dabei sind die Angaben in eckigen Klam­mern nachträglich hinzugefügt
  und dienen dem besseren Verständnis:

  	 

	
   

  	 

	
  1.       A.______ ist schuldig

  	 

	 
	
  des mehrfachen Mordes im Sinne
  von Art. 112 StGB,

   

   

  
	 
	
   

  des
  qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 4 StGB 

  [Raubüberfall auf die Bijouterie von Opfer 2],

  
	 
	
  des mehrfachen einfachen Raubes
  im Sinne vom Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,

  
	 
	
  des Diebstahls im Sinne von Art.
  139 Ziff. 1 StGB.

  
	
  2.       A.______ wird freigesprochen vom Vorwurf des
  Hausfriedensbruchs im Sinne 

  von Art. 186 StGB [Strafantrag
  von Opfer 2].

   

  	 

	
  3.       A.______ wird zu einer lebenslänglichen
  Freiheitsstrafe verurteilt. Es wird 

  vorgemerkt, dass sich A.______ seit 1. März 2007 in Haft sowie
  in vorzeitigem Strafvollzug befindet.

  	 

	
  4.       Über A.______ wird eine Verwahrung gemäss Art.
  64 Abs. 1 lit. a StGB

  angeordnet.

  	 

	
  5.       Die beiden sichergestellten Silberbarren zu je
  einem Kilogramm werden […]

  herausgegeben. 

  	 

	
  6.       Die bei A.______ sichergestellten Gegenstände,
  ausgenommen die unter 

            Ziffer 5 vorstehend erwähnten Silberbarren,
  werden eingezogen und der 

            Kantonspolizei Glarus zur gut
  scheinenden Verwendung überlassen.

  	 

	
  7.       Es wird vorgemerkt, dass A.______ die
  Genugtuungsforderung von Zivilklägerin 1

            im Betrage von Fr. 300.—
  anerkannt hat.

  	 

	
  8.       Auf die Anträge 2 und 3 der Zivilklägerin 1
  [Schadenersatzbegehren über

            insgesamt Fr. 20‘062.90]
  wird nicht eingetreten.

  	 

	
  9.       Es wird vorgemerkt, dass A.______ die
  Schadenersatzforderung von Opfer 2

           [beantragt: Fr. 139‘818.‑] im
  Grundsatz anerkannt hat. Betragsmässig wird 

           Opfer 2 mit seiner
  Schadenersatzforderung auf den Zivilweg verwiesen.

  	 

	
  10.     A.______ wird verpflichtet, Opfer 2 eine
  Genugtuung von Fr. 15'000.— nebst Zins

  zu 5 % seit 5. Juli
  2005 zu bezahlen.

  	 

	
  Es wird vorgemerkt, dass
  A.______ die Genugtuungsforderung von Opfer 2 im

  Umfang von Fr. 5'000.—
  anerkannt hat.

  	 

	
  11.     Im Übrigen wird die Genugtuungsforderung von
  Opfer 2 abgewiesen [beantragt:

           Fr. 30‘000.—].

  	 

	
  12.     Es wird vorgemerkt, dass A.______ die
  Schadenersatzforderung der SWICA

  Gesundheitsorganisation
  im Betrage von Fr. 16'107.20 anerkannt hat.

  	 

	
  13.     Es wird vorgemerkt, dass A.______ die
  Schadenersatzforderung von B.______ im 

            Betrage von Fr.
  7'625.— nebst Zins zu 5 % seit 1. Mai 2006 anerkannt hat.

  	 

	
  14.     A.______ wird
  verpflichtet, B.______ zusätzlich zu der vom Departement

  Volkswirtschaft
  und Inneres des Kantons Glarus mit Entscheid vom 

  5. Oktober
  2007

  zugesprochenen
  Genugtuung nach Opferhilfegesetz [zuerkannt: Fr. 12‘000.—] eine

  Genugtuung
  im Betrage von Fr. 28'000.— nebst Zins zu 5 % seit 28. Juli 2005 zu

  bezahlen.

  	 

	
            Es wird vorgemerkt, dass A.______ die
  Genugtuungsforderung von        B.______

  im Umfang von Fr.
  28'000.— anerkannt hat.

  	 

	
  15.     Es wird vorgemerkt, dass A.______ die
  Schadenersatzforderung von C.______ im

           Betrage von Fr.
  100'000.— anerkannt hat.

  	 

	
  16.     Es wird vorgemerkt, dass A.______ die
  Schadenersatzforderung der Allianz Suisse

  Versicherungs-Gesellschaft
  AG im Betrage von   Fr. 300'711.— anerkannt hat.

  	 

	
  17.     A.______ wird verpflichtet, D.______ eine
  Genugtuung im Betrage von Fr. 40'000.— 

           nebst Zins zu 5 % seit
  22. Februar 2007 zu bezahlen.

  	 

	
            Es wird vorgemerkt, dass A.______ die
  Genugtuungsforderung von D.______ im

           Umfang von Fr. 40'000.—
  anerkannt hat.

  	 

	
  18.     Im Übrigen wird die Genugtuungsforderung von
  D.______ abgewiesen [beantragt:

           Fr. 60‘000.—].

  	 

	
  19.     A.______ wird verpflichtet, E.______ eine
  Genugtuung im Betrage von

  Fr. 15'000.— nebst
  Zins zu 5 % seit 22. Februar 2007 zu bezahlen.

  	 

	
            Es wird vorgemerkt, dass A.______ die
  Genugtuungsforderung von        E.______

            im Umfang von Fr. 10'000.— anerkannt hat.

   

  	 

	
  20.     Im Übrigen wird die Genugtuungsforderung von
  E.______ abgewiesen [beantragt:

           Fr. 35‘000.—].

   

  	 

	
  21.     A.______ wird verpflichtet, F.______ eine
  Genugtuung im Betrage von Fr. 15'000.—

           nebst Zins zu 5 % seit 22.
  Februar 2007 zu bezahlen.

  	 

	
            Es wird vorgemerkt, dass A.______ die
  Genugtuungsforderung von F.______ im 

           Umfang von Fr. 10'000.— anerkannt hat.

   

  	 

	
  22.     Im Übrigen wird die Genugtuungsforderung von
  F.______ abgewiesen [beantragt:

           Fr. 35‘000.—].

  	 

	
  23.     A.______ wird verpflichtet, D.______, E.______
  und F.______ Schadenersatz im

           Betrage von Fr. 6'944.—
  nebst Zins zu 5 % seit 13. März 2008 zu bezahlen. 

  	 

	
            Es wird vorgemerkt, dass A.______ die
  Schadenersatzforderung von D.______,

           E.______ und F.______ im Umfang
  von Fr. 6'944.— anerkannt hat.

  	 

	
  24.     [Quantifizierung der
  Gerichtsgebühr und Barauslagen.]

  	 

	
  25.     [Überwälzung der Kosten auf
  A.______.]

  	 

	
  26.     A.______ wird verpflichtet, D.______, E.______
  und F.______ eine

           Parteientschädigung in der Höhe von gesamthaft
  Fr. 28'026.55 (inklusive Auslagen

           und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.

   

  	 

	
  27.     A.______ wird verpflichtet, Opfer 2 eine
  Parteientschädigung von Fr. 1'391.25 

           (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer) zu
  bezahlen.

   

  	 

	
  28.     Auf den Antrag von B.______ auf Zusprechung einer
  Parteientschädigung wird nicht

            eingetreten.

  	 

	
   

  	 

	
       3.— a)
  Am 1. Juni 2012 erhob der Verteidiger des Beschuldigten form- und
  fristge­recht Berufung mit den eingangs wiedergegebenen Begehren. Im
  Einzelnen richtet sich die Berufung des Beschuldigten gegen die folgenden
  Punkte des vorinstanzlichen Urteils:

  	 

	
   

  	 

	
       Dispositiv-Ziff. 1
  Alinea 1 (Verurteilung wegen mehrfachen Mordes);

  	 

	
       Dispositiv Ziff. 1 Alinea 2
  (Verurteilung wegen qualifizierten Raubes);

  	 

	
       Dispositiv-Ziff. 3
  (Anordnung einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe);

  	 

	
       Dispositiv-Ziff. 4
  (Anordnung der Verwahrung);

  	 

	
       Dispositiv-Ziff. 13
  (Schadenersatzforderung von B.______);

  	 

	
       Dispositiv-Ziff. 14
  (Genugtuungsforderung von B.______);

  	 

	
       Dispositiv-Ziff. 15
  (Schadenersatzforderung von C.______).

  	 

	
   

  	 

	
       b) Am 5. Juni 2012 liessen die Privatkläger D.______, E.______ und
  F.______ durch ihren Rechtsvertreter ebenfalls Beru­fung einreichen. Konkret
  wenden sie sich gegen Dispositiv-Ziff. 17-22 des vorinstanzlichen
  Urteils und bean­tragen je eine höhere Genugtuung.

  	 

	
   

  	 

	
       c)
  Ebenfalls mit Eingabe vom 5. Juni 2012 focht sodann der Privatkläger
  Opfer 2 Dispositiv-Ziff. 9-11 des vorinstanzlichen Entscheids an. Die
  Berufung von Opfer 2 wurde unter der Verfahrensnummer OG.2012.00035 erfasst.
  Mit Schreiben vom 3. April 2014 zog allerdings Opfer 2 seine Berufung
  noch vor Abschluss der Parteiverhandlungen wieder zurück (siehe dazu
  Art. 386 Abs. 2 lit. a StPO). Mit Präsidialverfügung vom
  11. April 2014 wurde daraufhin das Berufungsverfahren OG.2012.00035 als
  durch Rückzug erledigt am Geschäftsverzeichnis abgeschrieben.

  	 

	
   

  	 

	
       d) Die Staatsanwaltschaft sowie die übrigen Privatkläger haben gegen
  das vor­instanzliche Urteil kein Rechtsmittel ergriffen.

  	 

	
   

  	 

	
       4.—
  Die Verfahrensleitung verfügte in Anwendung von Art. 379 StPO in Verbin­dung
  mit Art. 342 Abs. 1 lit. a StPO eine Zweiteilung des
  Berufungsverfahrens im Sinne eines sogenannten Schuldinterlokuts (siehe dazu Schmid, StPO Praxiskommentar,
  2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, N 4 zu Art. 342 StPO).
  Sie legte fest, dass zunächst die Tat- sowie die Schuldfrage beurteilt und
  dann in einem zweiten Verfahrensteil allfällige Straf- und Nebenfolgen
  geprüft werden.

  	 

	
   

  	 

	
       5.— a)
  Am 14. März 2013 wurde der Beschuldigte vom Obergericht zu sämtli­chen
  Anklagepunkten persönlich befragt. Am 21. März 2013 plädierten die
  Parteivertreter zur Tat- und Schuld­frage; hinsicht­lich der dabei gemachten
  Ausführungen wird auf das Sit­zungsproto­koll so­wie die eingereichten
  Schriftsätze verwiesen.

  	 

	
   

  	 

	
       b) Am
  21. Juni 2013 fällte das Obergericht einen Zwischenentscheid. Darin
  hielt das Obergericht zunächst fest, welche Punkte des vorinstanzlichen Urteils
  unangefochten in Rechtskraft erwachsen waren und urteilte sodann über die
  Tat- und Schuldfrage.

  	 

	
   

  	 

	
       6.— a)
  Am 19. August 2013 ordnete die Verfahrensleitung im Hinblick auf die
  Überprüfung der erstinstanzlich verfügten Verwahrungsmassnahme eine psychiatri­sche
  Begutachtung des Beschuldigten an.

  	 

	
   

  	 

	
       b) Am
  12. April 2014 erstattete der beauftragte Gutachter dem Obergericht
  seine Expertise.

  	 

	
   

  	 

	
       7.—
  Am 13. November 2014 fand vor dem Obergericht der zweite Teil der Beru­fungsverhandlung
  statt. Dabei wurde zu Beginn der Beschuldigte kurz zu seiner aktuellen
  Situation befragt; anschliessend erörterte der Gutachter die anläss­lich der
  psychiatrischen Exploration gewonnenen Erkenntnisse und konnten die Parteien
  hierzu Ergänzungsfragen stellen. Daraufhin folgten die Plädoyers der Par­teivertreter
  zu den Sanktionsfolgen und den noch strittigen Zivilansprüchen. Die
  Ausführungen des Beschuldigten sowie die Erläuterungen des Gutachters wurden
  schriftlich protokolliert und zudem mit einem Aufnahmegerät auf­gezeichnet (siehe
  dazu Art. 78 Abs. 5bis StPO). Die Vorbringen der Partei­vertreter
  zur Sache sind dem Verhandlungsprotokoll zu entnehmen.

  	 

	
   

  	 

	
       8.—
  An seiner Sitzung vom 27. März 2015 entschied das Obergericht über die Straf-
  und Nebenfolgen. Die Parteien haben auf eine mündliche Urteilser­öffnung
  verzichtet; der Entscheid des Obergerichts wird darum schriftlich eröffnet
  (Art. 84 Abs. 3 StPO). Das vorliegende Endurteil umfasst im Sinne
  von Art. 342 Abs. 4 StPO sämtliche Entscheidziffern und schliesst
  damit den bereits früher eröffneten Zwischenentscheid vom 21. Juni 2013 mit
  ein (siehe dazu BSK-Hauri/Venetz,
  N 14 und N 18 zu Art. 342 StPO).

  	 

	
   

  	 

	
  II.

  	 

	
  Formelle Ausführungen

  	 

	
   

  	 

	
  1.— Das Berufungsgericht überprüft
  das erstinstanzliche Urteil nur in den ange­fochtenen Punkten (Art. 398
  Abs. 2 und Art. 404 Abs. 1 StPO). Wird gegen ein­zelne Punkte eines
  erstinstanzlichen Urteils kein Rechtsmittel ergriffen, erwach­sen die
  unangefochtenen Urteilspunkte rückwirkend auf den Tag der Entscheidung in
  Rechtskraft (Art. 437 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 StPO).
  Dasselbe gilt in Bezug auf zu­nächst angefochtene Punkte, wenn das
  Rechtsmittel später wieder zurückgezogen wird (Art. 437 Abs. 1
  lit. b und Abs. 2 StPO).

  	 

	
   

  	 

	
  2.— Die nachstehenden Ziffern des Urteilsdispositivs
  der Strafkammer des Kan­tonsgerichts Glarus vom 14. März 2012 wurden
  nicht angefoch­ten bzw. es ist die dagegen gerichtete Berufung später wieder
  zurückgezogen wor­den (siehe dazu oben E. I. 3. Bst. c). Diese
  Urteilspunkte sind demnach rechtskräf­tig:

  	 

	
   

  	 

	
  Dispositiv-Ziff. 1 Alinea 3:

  	 

	
  Schuldspruch wegen Raubes im Sinne von
  Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, began­gen am 14. Februar 2006 im „Uhren-Atelier“ von C.______;

  	 

	
  Schuldspruch wegen Raubes
  im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, began­gen am 8. Juli 2005 in der Bijouterie von Opfer 3;

  	 

	
  Schuldspruch wegen Raubes
  im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, began­gen am 22. Februar 2007 in der Bijouterie von Opfer 4;

  	 

	
   

  	 

	
  Dispositiv-Ziff. 1 Alinea 4:

  	 

	
  Schuldspruch wegen Diebstahls im Sinne von
  Art. 139 Ziff. 1 StGB, begangen am 13. Juni 2005 in der Uhren-Bijouterie von Opfer 1“;

  	 

	
   

  	 

	
  Dispositiv-Ziff. 2:

  	 

	
  Freispruch vom Vorhalt des
  Hausfriedensbruchs zum Nachteil von Opfer 2;

  	 

	
   

  	 

	
  Dispositiv-Ziff. 5 und Ziff. 6:

  	 

	
  Entscheidung über die weitere Verwendung
  sichergestellter Gegenstände;

  	 

	
   

  	 

	
  Dispositiv-Ziff. 7:

  	 

	
  Genugtuungsforderung von Zivilklägerin 1;

  	 

	
   

  	 

	
  Dispositiv-Ziff. 8:

  	 

	
  Nichteintreten auf die Schadenersatzbegehren
  von Zivilklägerin 1;

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  Dispositiv-Ziff. 9:

  	 

	
  Schadenersatzforderung von Opfer 2;

  	 

	
   

  	 

	
  Dispositiv-Ziff. 10:

  	 

	
  Zuerkennung einer Genugtuung von
  Fr. 15‘000.‑ an Opfer 2;

  	 

	
   

  	 

	
  Dispositiv-Ziff. 11:

  	 

	
  Im Mehrbetrag Abweisung der
  Genugtuungsforderung von Opfer 2;

  	 

	
   

  	 

	
  Dispositiv-Ziff. 12:

  	 

	
  Schadenersatzforderung der SWICA
  Gesundheitsorganisation;

  	 

	
   

  	 

	
  Dispositiv-Ziff. 16:

  	 

	
  Schadenersatzforderung der Allianz Suisse
  Versicherungs-Gesellschaft AG;

  	 

	
   

  	 

	
  Dispositiv-Ziff. 23:

  	 

	
  Schadenersatzforderung von D.______,
  E.______ und F.______;

  	 

	
   

  	 

	
  Dispositiv-Ziff. 26, Ziff. 27 und
  Ziff. 28:

  	 

	
  Regelung der erstinstanzlichen
  Parteientschädigungen betreffend D.______, E.______ und F.______, Opfer 2 und
  B.______.

  	 

	
   

  	 

	
  3.— Gemäss Art. 408 StPO hat das Berufungsgericht,
  wenn es auf die Berufung eintritt, in jedem Fall ein neues Urteil zu fällen,
  welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt. Sind wie hier bei einer
  Teilanfechtung einzelne Urteilspunkte des vor­instanzlichen Entscheids in
  Rechtskraft erwachsen, so sind diese rechtskräftigen Punkte im
  Berufungsentscheid vorab aufzuführen (Schmid, a.a.O., N 2 zu Art. 408
  StPO).

  	 

	
   

  	 

	
  4.— Die Berufung des Beschuldigten ist beim Obergericht
  unter der Nummer OG.2012.00033 erfasst. Die Berufung der Privatkläger
  D.______, E.______ und F.______ ist im Geschäftsverzeichnis mit der Nummer
  OG.2012.00034 ver­merkt. Die Berufungen werden gemeinsam behandelt; die
  Aktenführung erfolgt im selben Dossier, wobei die Aktennummerierung
  unmittelbar an die letzte Aktennum­mer des vorinstanzlichen
  Verfahrensdossiers SG.2010.01007 anknüpft.

  	 

	
   

  	 

	
       5.— a) Die Bestimmungen des Allgemeinen Teils des
  Strafgesetzbuches sind durch das Bundesgesetz vom 13. Dezember 2002 teilweise
  revidiert worden. Das neue Recht ist am 1. Januar 2007 in Kraft getreten.

  	 

	
   

  	 

	
       b) Der Beschuldigte beging die ihm angelasteten
  Straftaten teil­weise unter altem Recht (siehe oben S. 4 f.
  E. I.1.b). Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttreten
  der revidierten Bestimmungen verübt, erfolgt die Beurteilung aber erst
  nachher, so ist das neue Gesetz anwend­bar, wenn es für ihn das mildere ist
  (Art. 2 Abs. 2 StGB). Sind bei mehreren Taten einzelne nach altem,
  andere nach neuem Recht zu würdigen, ist am Ende eine Gesamtstrafe in
  Anwendung von Art. 49 StGB auszufällen (Trechsel/Vest,
  in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], StGB Praxiskommentar [nachfolgend StGB PK],
  2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, N 5 zu Art. 2 StGB).

  	 

	
   

  	 

	
       c) Bei dem im Lichte von Art. 2 Abs. 2 StGB
  konkret vorzunehmenden Vergleich ist das Recht bei Begehung und bei
  Beurteilung nicht abstrakt zu betrachten, son­dern es ist anhand des
  konkreten Sachver­halts zu prüfen, nach welchem der beiden Rechte der Täter
  für die gerade zu beur­teilende Tat besser wegkommt. Es ist dabei eine
  Gesamtbeurteilung vorzunehmen, was bedeutet, dass nicht beide Rechte par­tiell
  angewendet werden können, z.B. für die Strafbarkeit ein anderes als für die
  Folge (Trechsel/Vest, StGB PK, N 11 zu Art. 2 StGB; BSK-Popp/Berkemeier, N 18 zu Art. 2 StGB).

  	 

	
   

  	 

	
       d) Dem Beschuldigten werden vorliegend mit Ausnahme des
  Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB Kapitalverbrechen
  vorgehal­ten. Insoweit ist eine schuldan­gemessene Strafe absehbar, bei der
  ein bedingter bzw. teilbedingter Strafvollzug gemäss Art. 42 und
  Art. 43 StGB von vornherein aus­ser Frage steht (siehe auch den von der
  Ver­teidigung selber gestellten Antrag; oben Antrag Ziff. 4). Von daher
  erweist sich das neue Recht hinsichtlich der vor dem 1. Januar 2007
  verübten Straftaten nicht als das mildere. Insofern wäre daher das bisherige
  Recht anzuwen­den.

  	 

	
   

  	 

	
       e) Indes wurden die materiellen Voraussetzungen bei
  keinem der vorliegend in Frage stehenden Straftatbestände geändert;
  eingeführt wurden einzig die neuen Sanktionsbezeichnun­gen (Freiheitsstrafe
  anstelle von Zuchthaus bzw. Gefängnis; siehe AS 2006 S. 3502 ff.).
  Deshalb wäre es nur der Lesbarkeit des Ent­scheids ab­träglich, würden im
  Folgenden allein der juridischen Genauigkeit wegen alt- und neurechtli­che
  Bestimmungen nebeneinander zitiert. Kommt hinzu, dass das mit der Änderung
  vom 13. Dezember 2002 ebenfalls neu normierte Massnah­men­recht ge­mäss
  Art. 56-65 StGB auch bei Tätern zum Zuge kommt, welche vor dem
  1. Januar 2007 straffällig geworden sind (siehe Ziff. 2 Abs. 1
  der Schlussbestim­mungen der Änderung vom 13. Dezember 2002; AS 2006
  S. 3534; siehe hierzu auch BGE 134 IV 121).

  	 

	
   

  	 

	
       f) Aus den dargelegten Gründen werden in den
  nachstehenden Erwägungen aus­schliesslich Gesetzesnormen aus dem Strafgesetzbuch
  in der aktuell geltenden Fassung zitiert.

  	 

	
   

  	 

	
       6.— a) Im vorliegenden Verfahren wurde die
  Hauptverhandlung, wie bereits darge­legt, in zwei Abschnitte mit
  Zwischenurteil aufgeteilt. Im ersten Verfahrenssta­dium amtierte als
  Vorsitzender Dr. iur. Yves Rüedi, welcher später von seinem Amt als
  Obergerichtspräsident zu­rücktrat. Die Landsgemeinde 2014 wählte als Nachfol­ger
  Dr. iur. Thomas Nussbaumer ins Obergerichtspräsidium. Er leitete in der Folge
  den zweiten Teil der Hauptverhandlung am 13. November 2014 mit den
  Plädoyers der Parteien zu den Sanktions- und Nebenfolgen (act. 235) und
  wirkte beim vorlie­genden Endentscheid mit.

  	 

	
   

  	 

	
       b) Der Wechsel im Obergerichtspräsidium ist im Lichte von
  Art. 29 Abs. 2 und Art. 30 Abs. 1 BV unbedenklich, ohne
  dass eine Wiederholung des ersten Teils der Hauptverhandlung erforderlich
  gewesen wäre. Der gesamte bisherige Prozessstoff ist säuberlich dokumentiert,
  sodass sich der neue Obergerichtspräsident darüber lückenlos ins Bild zu
  setzen vermochte (siehe dazu BGE 117 Ia 133, S. 134). Zu­dem konnte
  er anlässlich der zweiten Hauptverhandlung vom 13. November 2014 auch
  unmittelbar einen eigenen Eindruck vom Beschuldigten gewinnen. Die Mitwir­kung
  des nunmehrigen Obergerichtspräsidenten beim vorliegenden Endentscheid bedeu­tet
  daher weder eine Verweigerung des rechtlichen Gehörs der Parteien noch eine
  Verletzung ihres Anspruchs auf Be­handlung der Streitsache durch ein verfas­sungsmässig
  besetztes Gericht. Die Parteien haben denn auch zu keinem Zeitpunkt gegen die
  ihnen frühzeitig angekündigte Änderung der Gerichtsbesetzung opponiert, so
  auch nicht anlässlich der Verhandlung vom 13. November 2014, als sie vom
  Vorsitzenden ausdrücklich danach gefragt wurden.

  	 

	
   

  	 

	
  III.

  	 

	
  Materielle Ausführungen zur Tat- und Schuldfrage

  	 

	
   

  	 

	
  1.—          Bereits rechtskräftig
  beurteilte Straftaten

  	 

	
   

  	 

	
  Die Vorinstanz hat den Beschuldigten in Bezug auf alle einge­klagten
  Sachver­halte (dazu im Einzelnen oben S. 4 f. E. I.1.b)
  schuldig gesprochen. Im vorliegenden Berufungsverfahren sind die beiden
  folgenden Delikte und deren rechtliche Würdi­gung nicht mehr umstritten:

  	 

	
   

  	 

	
  a) Diebstahl vom 13. Juni 2005 in der Uhren-Bijouterie von Opfer 1

  	 

	
   

  	 

	
  Am 13. Juni 2005 betrat der Beschuldigte kurz nach 16 Uhr die
  Uhren-Bijouterie von Opfer 1. Er liess sich dort von der damals 75-jährigen
  Verkäuferin (Zivilklägerin 1) Damenuhren zeigen. Als sie ihm auf dem
  Handrücken drei Armbanduhren mit einem Verkaufswert von zusammen
  Fr. 17‘300.‑ präsentierte, stiess er sie mit der Hand leicht am
  Oberkörper, entriss ihr die Uhren, rannte aus dem Geschäft und entkam
  unerkannt.

  	 

	
   

  	 

	
  Die Vorinstanz würdigt diese Tat des Beschuldigten in Übereinstimmung
  mit der Anklage zutreffend als Diebstahl im Sinne von Art. 139
  Ziff. 1 StGB (act. 3 S. 4-6; act. 163 S. 10 f.
  E. III.2.).

  	 

	
   

  	 

	
  b) Raubüberfall vom 14. Februar 2006 im Uhren-Atelier von
  C.______

  	 

	
   

  	 

	
  Am 14. Februar 2006 streckte der Beschuldigte den
  Geschäftsinhaber C.______ mit der Faust nieder und fesselte ihn mit
  Handschellen. Darauf räumte er mehrere Vitrinen aus, ver­setzte dem am Boden
  liegenden Geschäftsinhaber weitere Schläge an den Kopf, um ihn ruhig zu
  stellen, und machte sich schliesslich mit einer grossen Anzahl Armbanduhren
  da­von, deren Gesamtwert in der Anklage auf annähernd Fr. 400‘000.‑
  beziffert ist. Der zum Tatzeitpunkt knapp 58-jährige C.______ erlitt beim
  Überfall eine Hirner­schüt­terung, Rissquetschwunden und Prellungen im
  Gesicht und am Hinterkopf so­wie Schürfungen am Rücken; er konnte das Spital
  am nächsten Tag wieder verlas­sen, litt danach aber noch einige Wochen an
  posttrau­matischen Belastungsstörun­gen.

  	 

	
   

  	 

	
  Die Vorinstanz subsumiert den beschriebenen Überfall korrekt unter
  den Straf­tatbestand des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 StGB.

  	 

	
   

  	 

	
  Im Folgenden ist auf die im Berufungsverfahren noch umstrittenen
  Anklage­punkte einzugehen:

  	 

	
   

  	 

	
  2.—          Raubüberfall am 5. Juli
  2005 auf die Bijouterie von Opfer 2

  	 

	
   

  	 

	
  2.1.—       Unbestrittener Sachverhalt

  	 

	
   

  	 

	
  Der Beschuldigte ist im Sinne der Anklage gestän­dig, am Diens­tagvormittag,
  5. Juli 2005, die Bijouterie von Opfer 2 ausgeraubt zu haben. Während
  des Überfalls schlug er dem damals 71-jährigen Ladeninhaber (Opfer 2)
  mehrmals mit der Hand bzw. der Faust an den Kopf. Die ersten Schläge
  versetzte er ihm, als dieser aus dem Geschäft fliehen wollte, nach­dem der
  Beschuldigte ihm eröffnet hatte, dies sei ein Überfall. Ob der Schläge sank
  Opfer 2 zu Boden, worauf der Beschuldigte ihn unter den Achsel­höhlen fasste
  und in einen Nebenraum des Ladens schleppte. Dort versuchte er, den
  Überfallenen mit Klebeband zu fesseln, was jedoch misslang, worauf er erneut
  auf ihn einschlug, als dieser zu schreien begann und aufstehen wollte. In der
  Folge behändigte der Be­schuldigte ein Mobiltelefon sowie Uhren und Schmuck
  in einem Gesamtwert von rund Fr. 74‘000.‑ und steckte alles in
  eine Um­hängetasche. Danach verlangte er vom Ladeninhaber auch noch
  Brillanten und Geld. Als dieser ihm er­klärte, weder Geld noch Brillanten bei
  sich zu haben, schlug er ihm ein weite­res Mal ins Gesicht und eilte
  schliesslich davon.

  	 

	
   

  	 

	
  2.2.—       Rechtliche Würdigung

  	 

	
   

  	 

	
  2.2.1.— Die Vorinstanz hat die eben
  beschriebene Tathandlung des Beschul­digten in Übereinstimmung mit der
  Anklage als qualifizierten Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
  Abs. 1 i.V.m. Ziff. 4 StGB beurteilt. Die Verteidigung anerkennt
  die Verurteilung wegen Raubes im Sinne des Grundtat­bestandes von
  Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, bestreitet jedoch in ihrer
  Berufung das Vorlie­gen eines Qualifizierungsgrundes nach Art. 140
  Ziff. 4 StGB, da ihrer Ansicht nach der Beschuldigte das Opfer beim
  Überfall nicht schwer verletzt habe. Unabhängig von der konkreten Einstufung
  der Verlet­zungen habe der Be­schuldigte ohnehin nicht vorsätzlich oder
  eventualvorsätzlich eine schwere Körper­verletzung bewirken wollen. 

  	 

	
   

  	 

	
  2.2.2.— a) Gemäss Art. 140
  Ziff. 1 Abs. 1 StGB macht sich des Raubes schuldig und wird mit
  Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht unter
  180 Tagessätzen bestraft, wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter
  Androhung gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben oder nachdem er den
  Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht hat, einen Diebstahl begeht. Der
  Täter begeht einen qualifizierten Raub im Sinne von Art. 140
  Ziff. 4 StGB und gewärtigt dann eine Frei­heitsstrafe nicht unter fünf
  Jahren, wenn er beim Überfall das Opfer in Lebens­gefahr bringt, ihm eine
  schwere Körperverletzung zufügt oder es grausam behan­delt; der für eine
  Verurteilung nötige Vorsatz oder Eventualvorsatz muss dabei die qualifizie­renden
  Tatbestandsmerkmale umfassen (BGer 6S.531/2000 vom 27. Dezember 2000,
  E. 1a).

  	 

	
   

  	 

	
  b) Laut Anklage sowie dem Standpunkt der
  Vorinstanz verübte der Beschuldigte einen qualifizierten Raub, indem er dem
  Opfer zumindest eventualvorsätzlich eine schwere Körperverletzung zufügte
  (act. 3 S. 7 f. sowie act. 163 S. 21-23). Das
  Merkmal der schweren Körperverletzung knüpft an den Tatbestand von
  Art. 122 StGB an (Trechsel/Crameri,
  StGB PK, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, N 16 und N 20
  zu Art. 140 StGB; BSK-Niggli/Riedo,
  N 156 zu Art. 140 StGB). Dieser Bestimmung zufolge liegt eine
  schwere Körper­verletzung vor, wenn ein Mensch lebensgefährlich verletzt wird
  (Abs. 1), ebenso wenn der Körper, ein wichtiges Organ oder Glied
  verstümmelt, ein wichtiges Organ oder Glied unbrauch­bar oder jemand bleibend
  arbeitsunfähig, gebrechlich oder geisteskrank gemacht wird sowie wenn das
  Gesicht arg und bleibend entstellt wird (Abs. 2); sodann gilt im Sinne
  einer Generalklausel als tatbestandsmässig jede an­dere schwere Schädigung
  des Kör­pers oder der körperlichen oder geistigen Ge­sundheit eines Menschen
  (Abs. 3). Bei letztgenannter Tatbestandsvariante berück­sichtigt die
  Praxis nament­lich die Dauer eines Spitalaufenthalts, eine volle oder teil­weise
  Arbeitsunfähigkeit sowie Grad und Dauer der Invalidität und erlittenen
  Schmerzen; ferner fallen da­runter auch Fakto­ren, welche zwar die berufliche
  Tätig­keit nicht erheblich beein­trächtigen, dem Betroffenen aber insofern
  eine Einbusse der Lebensqualität brin­gen, als er Hobbys nicht mehr ausüben
  kann (Trechsel/Fingerhuth, StGB
  PK, N 9 zu Art. 122 StGB; BSK-Roth/Berkemeier,
  N 22 zu Art. 122 StGB).

  	 

	
   

  	 

	
  c) Gemäss Bericht des Instituts für
  Rechtsmedizin der Universität Zürich (IRM) erlitt Opfer 2 beim Überfall ein
  Schädel-Hirn-Trauma mit Blutungen im Bereich der Hirnhaut; zudem wies er eine
  Bissverletzung an der Lippe auf, ein Hämatom am Hals, ferner Prellmarken an der
  rechten Schulter und am linken Oberarm sowie Kratzspuren an beiden
  Unterarmen. Beim Eintreffen der Polizei am Tatort war Opfer 2 kaum
  ansprechbar und konnte sich bei den späteren Befragungen auch nicht mehr an
  das Tatgeschehen erinnern. Nach der Einlieferung von Opfer 2 ins Spital wurde
  aufgrund der erlittenen Verletzungen eine Intubation durchgeführt, weshalb er
  um­gehend ins Univer­sitätsspital Zürich verlegt werden musste; in der Folge
  war er knapp einen Monat in Spitalpflege, wovon die letzten zwölf Tage in der
  Höhenklinik Wald. Anlässlich einer weiteren Befragung knapp zwei Jahre nach
  dem Raubüberfall erklärte Opfer 2 gegenüber der Polizei, dass er seither
  Depressionen unterliege und deswe­gen regelmässig Medikamente benötige; zudem
  würden auch stets neue körperliche Beschwerden auftreten, namentlich könne er
  die Hände immer weniger bewegen. Als direkte Folge davon habe er nach dem
  verhängnisvollen Ereignis das Geschäft entgegen seinen Plänen aufge­ben
  müssen, da er die feinmotorisch anspruchsvollen Juwelierarbeiten nicht mehr
  habe ausführen können. Der Rechtsvertreter von Opfer 2 schilderte vor
  Gericht, sein Mandant sei zuvor ein äusserst aktiver und viel­seitig begabter
  Senior gewesen; seit dem Überfall aber leide er an Sprechstörungen sowie an
  Bewegungs- und Empfin­dungsstörungen an den Händen und könne seine bisherigen
  mit grosser Leiden­schaft und ansehnli­chem Erfolg getätigten Hobbys Malen,
  Klavier- und Theater­spielen nicht mehr aus­üben.

  	 

	
   

  	 

	
  d) Die Abgrenzung zwischen einer einfachen
  Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB und einer schweren
  Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB verläuft in der Praxis nicht
  schematisch (BSK-Roth/Berkemeier,
  N 23 f. zu Art. 122 StGB). Die zu dieser Thematik ergiebige
  Rechtsprechung setzt bei einer schweren Körper­verletzung eine nachhaltig
  gravierende körperliche Beein­trächti­gung voraus (siehe die Beispiele bei Trechsel/Fingerhuth, StGB PK,
  N 11 zu Art. 122 StGB).

  	 

	
   

  	 

	
  e) Die im IRM-Gutachten (act. VI/20)
  beschriebenen Verletzungen, welche Opfer 2 beim Überfall erlitt und
  einen mehrwöchigen Spitalaufenthalt erforderlich machten, sind eingedenk auch
  der gravierenden Nachwirkungen als schwere Kör­perverletzung einzustufen. Für
  das Gericht steht ausser Frage, dass der Beschul­digte sein damals
  71-jähriges Opfer mit gros­ser Brutalität malträtiert hat; der kräftige und
  muskulöse Beschuldigte (siehe dazu nachfolgend E. 3.2.2. Bst. b)
  nahm dabei die massiven Verletzungsfolgen zweifelsfrei in Kauf und handelte
  daher in Bezug auf die zugefügten Verletzungen jedenfalls mit
  Eventualvorsatz, zumal er auf den ältlichen Bijoutier mehrmals eingedroschen
  und ihm selbst dann noch weitere Schläge versetzt hatte, nachdem er bereits
  zu Boden gegangen war. Insofern sind denn auch die vom Opfervertreter
  beschriebenen Spätfolgen und die damit verbun­dene Einbusse an Lebensqualität
  fraglos auf diese Untat zurückzu­führen. Diese Beeinträchtigungen sind in den
  Untersuchungsakten in ärzt­lichen Berichten doku­mentiert, was die Vorinstanz
  übersehen und sich in diesem Kontext auf Notorietät berufen hat. Konkret hat
  ein Arzt Ende August 2005 bei Opfer 2 ein „Cervikalsyndrom nach
  Hirntrauma/Schädeltrauma“ diag­nostiziert und eine entsprechende
  Physiotherapie ver­ordnet. Im psy­chiatrischen Abklärungsbericht des
  Universitätsspitals Zürich vom 6. Februar 2006 werden sodann
  Angstzustände vermischt mit einer depressiven Störung sowie eine mutmassliche
  frontale Funktionsstörung beschrie­ben, wobei das ganze Beschwer­debild bei
  Opfer 2 als direkte Folge des Raubüberfalls gesehen wird
  (act. VI/28/11). Schliesslich erwähnt der Arzt in seinem Bericht vom
  27. März 2006 neben den bereits angesprochenen Beeinträchtigungen
  zusätzlich Empfindungsstö­rungen an den Händen.

  	 

	
   

  	 

	
  f) Abgesehen von den eben erörterten
  bleibenden gesundheitlichen Folgen hat der Beschuldigte sodann sein Opfer
  unmittelbar beim Überfall lebensgefährlich im Sinne von Art. 122
  Abs. 1 StGB verletzt. Nach der Einlieferung ins Spital musste Opfer 2
  umgehend intubiert und sogleich ins Universitätsspital Zürich verlegt werden.
  Opfer 2 befand sich in Lebens­gefahr, als der Beschuldigte nach dem Überfall
  aus der Bijouterie flüchtete und das schwer verletzte Opfer 2 seinem
  Schicksal überliess. Damit nahm er, insbe­sondere auch weil das Opfer bereits
  ein älterer Herr und dessen Konstitution daher für den Täter erkennbar nicht
  mehr die beste war, einen mögli­chen Tod von Opfer 2 in Kauf, nachdem er
  zuvor wissentlich und wil­lentlich massiv mit der Faust auf den Kopf des
  Opfers eingeschlagen hatte.

  	 

	
   

  	 

	
  g) Ist somit eine schwere Körper­verletzung
  im Sinne von Art. 122 StGB erstellt, ist die begangene Tat in
  Übereinstimmung mit der Vorinstanz als qualifizierter Raub im Sinne von Art.
  140 Ziff. 4 StGB einzuordnen. Indem im Übrigen der Beschuldigte das
  Opfer nach dem Überfall schwer verletzt am Tatort zurückgelassen und er damit
  das Opfer jedenfalls eventualvorsätzlich seinem Schicksal (mögliches
  Versterben vor Ort aufgrund der zugefügten Verletzungen) überlassen hatte,
  erfüllte er zusätz­lich den ebenfalls in Art. 140 Ziff. 4 StGB
  normierten Qualifikationsgrund der Her­beiführung einer Lebensgefahr (siehe
  dazu BSK-Niggli/Riedo,
  N 125 ff. zu Art. 140 StGB).

  	 

	
   

  	 

	
  2.3.—       Fazit

  	 

	
   

  	 

	
  Wie bereits die Vorinstanz zutreffend erkannt hat, sind in Bezug auf
  die eben beurteilte deliktische Handlung von A.______ keine Schuldausschluss-
  und Rechtfertigungsgründe ersichtlich. Dieser hat sich damit beim Überfall
  auf Opfer 2 des qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
  Abs. 1 und Ziff. 4 StGB schuldig gemacht.

  	 

	
   

  	 

	
   

  	 

	
  3.—          Raubüberfall am 8. Juli
  2005 auf die Bijouterie von Opfer 3

  	 

	
   

  	 

	
  3.1.—       Unbestrittener Sachverhalt

  	 

	
   

  	 

	
  a) Der Beschuldigte gesteht zu und stimmt
  darin mit der Anklage überein, am Freitag, 8. Juli 2005, um ca. 09.00 Uhr die
  Bijouterie von Opfer 3 überfallen zu haben. Ebenso ist er geständig, beim
  Überfall mehrmals auf den damals allein anwesenden 67-jährigen Juwelier
  eingeschlagen zu haben. Gemäss den detaillierten Schilderungen des
  Beschuldigten in der Untersuchung führte er den Überfall als Einzeltäter wie
  folgt aus: Er betrat das Geschäft, sprach im Kundenbereich mit dem Bijoutier
  wenige Worte und schlug ihm dann unvermittelt mit der zur Faust geballten
  Hand ins Gesicht. Als dieser darauf zu Boden sank, legte der Beschuldigte ihn
  in Handschellen und zog ihn in einen Nebenraum. Während der Beschuldigte an­schliessend
  aus zwei Glasvitrinen zahl­reiche Uhren und diversen Schmuck in einem
  Gesamtwert von rund Fr. 70‘000.‑ behändigte, kam der Ladeninhaber
  in den Verkaufsraum zurück und begab sich zur Ladentheke. Der Be­schuldigte
  ging auf ihn zu und versetzte ihm abermals Faustschläge an den Kopf, so dass
  er erneut hinfiel. — Die Polizei fand Opfer 3 später blutüberströmt hinter
  dem Verkaufstresen auf dem Rücken liegend, die Hände waren mit Hand­schellen
  auf dem Bauch gefesselt. Der bewusstlose und schwer­verletzte Opfer 3 wurde
  von der Sanität vor Ort not­fallmässig versorgt und ins Kantonsspital Glarus
  verbracht, musste aber noch glei­chentags nach Zürich ins Universitätsspital
  verlegt werden; am 28. Juli 2005 erlag er seinen schweren Verlet­zungen,
  ohne je wieder das Bewusstsein erlangt zu haben.

  	 

	
   

  	 

	
  b) Der Beschuldigte hatte zwar anlässlich
  der untersuchungsrichterlichen Einver­nahme am 27. Januar 2010 sein
  Geständnis vorübergehend widerrufen und geltend gemacht, dass ein Mittäter
  Opfer 3 getötet habe. Bei die­sem später zurückgezogenen Einwand handelte es
  sich um eine reine Schutzbe­hauptung. Die am Tatort sichergestellten Spuren
  geben keine Rückschlüsse auf die Anwesenheit eines zweiten Täters. Zudem
  konnten in der Bijouterie von Opfer 3 am Boden Schuhsohlenprofile eruiert
  werden, welche eine erkennbare Ähnlichkeit mit entspre­chenden Spuren in der
  vom Beschuldigten drei Tage zuvor überfallenen Bijouterie von Opfer 2
  aufwiesen. Sowohl bei jenem Überfall wie auch beim Raub in der Bijouterie von
  Opfer 3 trug der Täter anhand der festge­stellten Spu­renbilder mutmasslich
  einen Mokassin der Marke „Bata“. Der
  Beschuldigte selber erwähnte über­dies in der Un­tersuchung, dass er beim
  Raub in der Bijouterie von Opfer 2 Mokassin und beim folgenden Überfall in
  die Bijouterie von Opfer 3 womöglich die gleichen Schuhe getragen habe.

  	 

	
  Der Beschuldigte hatte zwischenzeitlich behauptet, diesen
  Raubüberfall gemein­sam mit einem Komplizen verübt zu haben. An der
  obergerichtlichen Hauptver­handlung erklärte er, er habe allein gehandelt.
  Auf die Frage, weshalb er in der Un­tersuchung von einem Mittäter sprach,
  führte er aus, man solle dem Urteil seine jüngsten Aussagen zugrunde legen
  und nicht das, was er früher einmal gesagt habe. In dieser Aussage spiegelt
  sich das eigentümliche Verhältnis des Beschuldigten zur Wahrheit. Auch hier
  versucht er, den Sachverhalt nach sei­nen Vorstellungen zu formen.

  	 

	
   

  	 

	
  3.2.—       Rechtliche Würdigung

  	 

	
   

  	 

	
  3.2.1.— Die Vorinstanz verurteilte den
  Beschuldigten hinsichtlich seines brutalen Überfalls auf den Bijoutier Opfer
  3 wegen Mordes im Sinne von Art. 112 StGB und Raubes im Sinne von
  Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Die Verteidigung stellt sich in
  ihrer Berufung auf den Standpunkt, die vom Beschuldigten verübte Tat sei als
  Raub gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie als fahrlässige
  Tötung im Sinne von Art. 117 StGB zu beurteilen. Es sei nämlich durch
  die Untersuchung nicht nachgewiesen, dass der Beschuldigte den Tod von Opfer
  3 in Kauf genommen habe, als er auf ihn einschlug.

  	 

	
   

  	 

	
  3.2.2.— a) Die äusserlich sichtbaren
  Kopfverletzungen von Opfer 3 wurden nach dem Überfall fotografisch
  festgehalten. Nur schon diese Fotos belegen, dass der Beschuldigte mit
  ungemeiner Wucht auf den Kopf seines Opfers eingeschlagen haben muss;
  aufgrund des Verletzungs­bildes bestand anfänglich gar die naheliegende
  Vermutung, dass der Beschuldigte mit einem massiven Gegen­stand zugeschlagen
  haben könnte, was er aber bestritt. Die später vom Institut für Rechtsme­dizin
  der Universität Zürich am Leichnam durchgeführte Obduktion ergab, dass das
  Opfer gravierende Hirnverletzungen mit Einblutungen aufwies, welche
  unmittelbar auf Schläge in das Gesicht zurückzufüh­ren sind. Die Schwere der
  Gehirnverletzungen wurde schon unmit­telbar nach der Einlieferung des Opfers
  ins Spital erkannt. Aufgrund der hoffnungs­losen Prognose erfolgten keine
  Therapiemassnahmen mehr.

  	 

	
   

  	 

	
  b) Der Beschuldigte ist 1,86 m gross
  und von erkennbar kräftiger Statur; er ist zudem ehemaliger Karatekämpfer.
  Gerade aber als früherer Kampfsportler wusste er um die Wirkung und
  Gefährlichkeit gezielter Faustschläge an den Kopf, wobei über dieses Wissen
  ohnehin jede Person verfügt. Dennoch hat er bei seinem Überfall nachweislich
  mit brachialer Gewalt auf Opfer 3 eingeschlagen; dies tat er fraglos mit dem
  Ziel, sein Opfer auf diese Weise widerstandsunfähig zu machen. Nachdem er den
  Juwelier bereits gefesselt hatte, prügelte er abermals auf ihn ein, als
  dieser aus dem Nebenzimmer in den Ver­kaufs­raum zurückkehrte und der
  Beschuldigte befürchtete, der Überfallene könnte bei der Ladentheke eine Waffe
  behändigen. An­hand der dem Opfer konkret zugefügten Verletzungen ist
  erstellt, dass der Beschul­digte brutal, zielgerichtet und absolut
  rücksichtslos handelte. Die Beweislage lässt keinen anderen Schluss zu, als
  dass es dem Beschuldigten einzig darum ging, möglichst ungestört an seine
  Beute zu gelangen. Er nahm in Kauf, dass er sein Opfer tödlich verletzen
  könnte. Es ist daher in Übereinstimmung mit der Vor­instanz, auf deren
  Erwägungen im Sinne von Art. 82 Abs. 4 StPO verwiesen wird,
  festzuhalten, dass der Beschuldigte den Tod seines Opfers eventualvorsätzlich
  in Kauf nahm. Eventualvorsatz ist im Hinblick auf die Strafbar­keit der
  Handlung dem direkten Vorsatz gleichgestellt (Art. 12 Abs. 2 StGB).

  	 

	
   

  	 

	
  c) Eine vorsätzliche Tötung (Art. 111 StGB)
  ist als Mord zu qualifizieren, wenn der Täter besonders skrupellos handelt,
  namentlich sein Beweggrund, der Zweck der Tat oder die Art der Ausführung
  besonders verwerflich sind (Art. 112 StGB). Mord zeichnet sich demnach durch
  die aussergewöhnlich krasse Missachtung frem­den Lebens bei der Durchsetzung
  eigener Absichten aus. Das Gesetz will den skru­pellosen, gemütskalten, krass
  und primitiv egoistischen Täter erfassen, der ohne soziale Regungen ist und
  sich daher zur Verfolgung seiner eigenen Interessen rück­sichtslos über das
  Leben anderer Menschen hinwegsetzt. Die Qualifikation ist in einer
  Gesamtwürdigung der äusseren und inneren Umstände der Tat vorzunehmen (BGer
  6S.84/2005 vom 20. Oktober 2005, E. 2.2; BGE 120 IV 265
  E. 3a S. 274). Ein für Mord typischer Fall ist namentlich die
  Tötung eines Menschen zum Zwecke des Raubes. Es genügt dabei bereits, dass
  die Tötung im Rahmen der Verübung des Raubes stattgefunden hat; es ist
  insoweit unerheblich, ob der Räuber vor, während oder unmittelbar nach der
  Phase der Aneignung der Beute und ob er ohne besonde­ren Grund oder aus Angst
  vor einer tatsächlichen oder vermuteten Reaktion des Opfers getötet hat (BGer
  6B_198/2012 vom 31. Mai 2012, E. 2.1; BGE 115 IV 187; siehe auch
  BSK-Schwarzenegger, N 10 zu
  Art. 112 StGB; Trechsel/Fingerhuth,
  StGB PK, N 11 zu Art. 112 StGB).

  	 

	
   

  	 

	
  d) Bereits die Vorinstanz hat in ihrem
  Entscheid zutreffend dargelegt, mit welcher Gefühlskälte und Entschlossenheit
  der Beschuldigte bei seinem Überfall in der Bijouterie von Opfer 3 vorging.
  Der Beschuldigte streckte den Juwelier mit der Faust nieder und schlug auch
  noch auf ihn ein, als er bereits gefesselt und wehrlos war. Das brachiale
  Vorgehen des Beschuldigten, bei dem er einen töd­lichen Ausgang für sein
  Opfer unzweifelhaft in Betracht zog, war ausschliesslich da­rauf
  ausgerichtet, bei seinem Überfall unbehelligt Beute zu ma­chen. Die brutale
  Tat zeugt von höchster Niederträchtigkeit und Rücksichtslosig­keit gegenüber
  dem Leben eines Mitmenschen und weist damit alle Merkmale eines Raubmordes im
  Sinne von Art. 112 StGB auf.

  	 

	
   

  	 

	
  e) Der Beschuldigte zeigte auch nach der Tat
  nicht das geringste Mitgefühl, indem er das schwerverletzte am Boden liegende
  Opfer 3 achtlos zurückliess. In der Untersuchung machte er zwar geltend, er
  habe vor dem Weggehen den Alarmknopf bei der Ladentheke gedrückt. Dies ist
  jedoch eine reine Schutzbehauptung. Bei der Polizei ist nie ein Alarm
  eingegangen und auf dem Alarmknopf fanden sich keine DNA-Spuren des
  Beschuldigten. Vor Obergericht damit konfrontiert, führte er aus, er habe den
  auf der Innen­seite der Ladentheke angebrachten Alarmknopf mit dem Fuss
  gedrückt. Diese Aussage aber unterstreicht nur zusätzlich die Absurdität der
  Bemü­hungen des Beschuldigten, sich hinterher in ein besseres Licht stellen
  zu wollen.

  	 

	
   

  	 

	
  3.3.—       Fazit

  	 

	
   

  	 

	
  Der Beschuldigte ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz wegen
  Mordes im Sinne von Art. 112 StGB zum Nachteil von Opfer 3 zu
  verurteilen. Zusätzlich hat er sich in Idealkonkurrenz des Raubes gemäss
  Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig gemacht (siehe dazu Trechsel/ Crameri, StGB PK, N 27
  zu Art. 140 StGB; hierzu ist anzufügen, dass in diesem Schuldpunkt
  bereits das erstinstanzliche Urteil in Rechtskraft erwachsen ist. Eine
  Qualifizierung der Raubhandlung im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB
  entfällt, da der Qualifikationsgrund der Lebensge­fährdung durch die
  vorsätzliche Tötung konsumiert wird (Trechsel/Crameri,
  StGB PK, N 27 zu Art. 140 StGB). Der Beschuldigte hat so­dann den
  Raubüberfall in voller Schuldfä­higkeit verübt, wie dies gutachterlich fun­diert
  und schlüssig dargelegt und im Übri­gen im Berufungsverfahren auch nie be­stritten
  worden ist. Demnach ist der vom Beschuldigten in seiner Berufung gestellte
  Antrag, er sei im Zusammen­hang mit dem Raubüberfall auf die Bijouterie von
  Opfer 3 bloss wegen fahrlässiger Tötung schul­dig zu sprechen, abzuweisen.

  	 

	
   

  	 

	
  4.—          Raubüberfall am
  22. Februar 2007 auf die Bijouterie von Opfer 4

  	 

	
   

  	 

	
  4.1.—       Unbestrittener Sachverhalt

  	 

	
   

  	 

	
  Anhand der Untersuchungsergebnisse ist der nachfolgende Sachverhalt
  erstellt und wird auch vom Beschuldigten nicht bestritten:

  	 

	
   

  	 

	
  a) Am Donnerstagmorgen, 22. Februar 2007,
  wurde kurz nach 09.00 Uhr die Bijouterie von Opfer 4 überfallen. Dabei
  wurde der damals allein im Geschäft anwesende knapp 48-jähri­ge Juwelier
  getötet. Zudem wurden Wertsachen, vorab Gelbgold und Silber, in einem
  mutmasslichen Gesamtbetrag von rund Fr. 200‘000.‑ entwendet.

  	 

	
   

  	 

	
  b) Die um 09.50 Uhr vom Vater des
  Überfallenen alarmierten Polizeibeamten fanden das Opfer in der Einbauküche
  neben dem Verkaufsraum des Ladens; schwer atmend und nicht mehr ansprechbar
  lag das Opfer mit blutüberströmtem Gesicht und auf den Rücken gefesselten
  Händen am Boden. Über den Kopf war bis zu den Augen eine blutdurchtränkte
  Jutetasche gestülpt. Trotz Reanimationsbe­mü­hungen durch die Sanität erlag
  Opfer 4 noch am Tatort sei­nen schwe­ren Verletzungen.

  	 

	
   

  	 

	
  c) Die Ärzte des Instituts für Rechtsmedizin
  der Universität Zürich stellten bei der noch am Tatort erfolgten Inspektion
  der Leiche namentlich Frakturen an der Nase und am rechten Gesichtsschädel
  sowie einen Bruch des rechten Handgelenks fest. Todesursache war nach ihrer
  Beurteilung ein zentrales Regulationsversagen infolge stumpfer
  Gesichtsschädel- und Hirnverletzung. Die nachfolgende Autop­sie bestätigte
  diese Einschätzung. Laut dem Obduktionsgutachten des IRM wurde Opfer 4 durch
  „äusserst massive stumpfe mechanische Gewalt auf den Kopf, insbesondere am
  Gesichtsschädel, rasch getötet“. Die Befunde ergaben „eine lebensgefährliche
  Zerstörung von Knochen sowohl am Gesichtsschädel als auch am frontalen
  Hirnschädel“; infolgedessen sei der Tod derart rasch eingetreten, dass sich
  die massiven Verletzungen an der Schädelbasis und am Gehirn morpho­logisch
  nicht mehr hätten auswirken können. Das IRM-Gutachten schliesst mit der
  Aussage, dass Opfer 4 mit blos­sen Fäusten erschlagen wurde, wiewohl aufgrund
  der ausserordentlich massiven Kopfverletzungen anfänglich wie im Fall von
  Opfer 3 die Vermutung bestand, die Täterschaft habe mit einem stumpfen
  mechanischen Gegenstand auf das Opfer eingewirkt.

  	 

	
   

  	 

	
  d) Bei der Spurensuche in der Umgebung des
  Tatortes fand die Polizei in einem in der Nähe abgestellten Container eine
  dop­pelläufige Schrotflinte. Am Tatort wurde ein weisser Plastiksack zurück­gelassen,
  in welchem sich verschiedene Schmuckstücke aus einer Vitrine der
  Schaufensterauslage be­fanden.

  	 

	
   

  	 

	
  4.2.—       Tatverhalten des
  Beschuldigten

  	 

	
   

  	 

	
  Der Beschuldigte ist geständig, am 22. Februar 2007 die Bijoute­rie
  von Opfer 4 überfallen und ausgeraubt zu haben. Sein Verteidiger machte jedoch
  an der Berufungsverhandlung unter Verweis auf bereits in der Unter­suchung
  gemachte Angaben seines Mandanten geltend, dass nicht dieser, sondern ein am
  Raub beteiligter Komplize den Juwelier getötet habe. Der Beschuldigte sei
  daher von diesem Vorhalt freizu­spre­chen, zumal er selber bei seinen
  Schlägen gar keinen Tötungsvorsatz gehabt habe. Im Folgenden ist damit der
  Anklage­sachverhalt hinsichtlich der Verantwortlichkeit für den Tod von Opfer
  4 zu klären.

  	 

	
   

  	 

	
  4.2.1.—      Personenkontrolle im Vorfeld
  des Raubes und Verhaftung des                    Beschuldigten

  	 

	
   

  	 

	
  a) Am Freitagmorgen, 16. Februar 2007,
  mithin sechs Tage vor dem Raubüber­fall auf die Bijouterie von Opfer 4, fiel
  einem Polizeibeamten an der ______strasse in Zürich ein geparkter dunkler BMW
  750i mit zwei Insassen auf. Vom betreffenden Parkfeld aus besteht freie Sicht
  auf die Bijouterie von Opfer 4. Da der Polizeibeamte das fragliche Fahrzeug
  wenige Tage zu­vor schon einmal in der Gegend gesehen hatte, nahm er zusammen
  mit einem Kol­legen eine Personenkontrolle vor. Dabei wiesen sich die
  Insassen als G. ______ und A.______ aus; das Auto war für den Export
  immatrikuliert und demgemäss mit einem befristeten Nummernschild versehen.
  Die späteren polizeilichen Ermittlun­gen ergaben, dass der ebenfalls
  litauische Staatsangehörige G. ______ den BMW am 29. Januar 2007 bei
  einem Autohändler in Wallisellen gekauft und glei­chentags beim Strassen­verkehrsamt
  in Winterthur Exportkontrollschilder gelöst hatte. Der Autohändler erinnerte
  sich, dass G. ______ in Begleitung eines Mannes war, dessen Sig­nalement auf
  A.______ hinweist.

  	 

	
   

  	 

	
  b) Am Mittwoch, 21. Februar 2007, bemerkten
  ein Bijoutier und seine Angestellte vor ihrem Uhrengeschäft in Zollikon zwei
  Männer, die sich seltsam verhielten. Der Bijoutier folgte den beiden
  Unbekannten und sah diese dann in einen in der Nähe abgestellten BMW
  einsteigen; aufgrund der abgelesenen Kontrollschildnummer so­wie der
  Personenbeschreibungen handelte es sich bei den Unbekannten um die wenige
  Tage zuvor an der ______strasse kontrollierten G. ______ und A.______.

  	 

	
   

  	 

	
  c) Am 1. März 2007 wurde der
  Beschuldigte anlässlich einer Per­sonenkontrolle im Zug zwischen Rosenheim
  und München vorläufig festgenommen, da er ein ver­botenes Messer sowie zwei
  Silberbarren und diversen Schmuck auf sich führte. Dank internationaler
  Zusammenar­beit der Polizei ergab sich rasch eine Verbindung zum Raubüberfall
  vom 22. Februar 2007 auf die Bijouterie von Opfer 4 und konnten hierauf erste
  Spu­renübereinstimmungen festgestellt sowie die Silberbarren und die
  Schmuckwaren dem dort erbeuteten Deliktsgut zugeordnet werden. Am
  2. April 2007 erfolgte die Überstellung von A.______ an die Schweizer
  Strafverfol­gungsorgane.

  	 

	
   

  	 

	
  4.2.2.—      Ermittlungen gegen G. ______

  	 

	
   

  	 

	
  a) Der nach dem Raubmord in der Bijouterie
  von Opfer 4 international zur Fahndung ausgeschriebene G. ______ wurde im
  Frühjahr 2008 in Lettland verhaftet  und nach längerem Prozedere am
  15. Januar 2009 an die Schweiz ausgeliefert.

  	 

	
   

  	 

	
  b) Die anschliessenden polizeilichen
  Abklärungen, namentlich Spurenvergleiche und Spiegelkonfrontationen, brachten
  keine stichhaltigen Hinweise auf eine Mitbe­teiligung von G. ______ am
  tödlichen Raubüberfall in Zürich. Die Untersuchung gegen G. ______ wurde
  darum eingestellt, worauf er am 17. Juni 2009 aus der Untersuchungshaft
  entlassen und nach Litauen ausgeflogen wurde.

  	 

	
   

  	 

	
  4.2.3.—      Aussagen des Beschuldigten
  A.______

  	 

	
   

  	 

	
  a) Der Beschuldigte führte bei der ersten
  polizeilichen Befragung am 3. April 2007 aus, dass er von Hintermännern,
  denen er Geld geschuldet habe, zum Raub­überfall auf die Bijouterie von Opfer
  4 gedrängt worden sei. Diese Hinter­männer – vom Beschuldigten während des
  ganzen Verfahrens trotz mehrma­liger Nachfrage nie näher bezeichnet – hätten
  ihm das Juweliergeschäft in Zürich gezeigt. In der Folge habe er vor Ort
  ausgekundschaftet, wie viele Angestellte in der Bijouterie arbeiten und wann
  sie konkret eintreffen. Da er selber damals keinen Führerausweis mehr gehabt
  habe, sei er jeweils von „Juri“ [G. ______ ] in die Nähe des Ladens
  chauffiert worden. Am Vorabend der Tat hätten die Hintermänner ihm
  Handschellen, Klebeband und eine doppelläufige Schrotflinte überreicht. Zudem
  hätten sie ihm für den Überfall eine Person zur Unterstützung in Aussicht
  gestellt. Am Tatmorgen sei er mit einem Auto abgeholt worden, wobei sich die
  Hilfs­person als „Juri“ (nachfolgend „Juri 2“) vorgestellt habe.

  	 

	
  Der Überfall selber hat sich nach der ersten Schilderung des
  Beschuldigten wie folgt zugetragen: „Juri 2“ und er seien getrennt
  voneinander zur Bijouterie gelaufen, nachdem sie zuvor in der Nähe parkiert
  hätten. An der Ladentüre hätten sie geläutet und seien eingelassen worden.
  Beim Betreten des Geschäfts sei der Verkäufer hinter der Theke gestanden; er
  [der Beschuldigte] habe aus seiner Umhängetasche die Schrotflinte hervorholen
  wollen, jedoch habe der Verschluss der Tasche geklemmt. Er habe hierauf den
  Verkäufer gebeten, ihm eine Uhr zu zeigen, dieser sei hinter der Theke
  hervorgetreten, worauf er ihm einen Faustschlag an den Kopf versetzt habe.
  Der Verkäufer sei zu Boden gefallen. Darauf hätten sie ihm die Hände mit
  Handschellen auf den Rücken gefesselt und ihn in einen Nebenraum [kleine
  Küche] ver­bracht, wo er [der Beschuldigte] noch zweimal auf das Opfer
  eingeschlagen habe. In der Folge hätten sie die Vitrinen gewaltsam geöffnet
  und ausgeräumt. Bevor sie danach das Geschäft wieder verlassen hätten, habe
  er [der Beschuldigte] den Verkäufer im Nebenraum bequemer hingesetzt, habe
  noch etwas Wasser vom Hahn geholt und ihm ins Gesicht geträufelt sowie seinen
  Kopf hin- und herbewegt, „um zu sehen, ob er noch in Ordnung ist“. Der Kopf
  des Opfers sei zuvor mit einem Sack bedeckt ge­wesen, wobei dies der Mittäter
  getan haben müsse. Beim Weggehen aus dem Geschäft
  will der Beschuldigte schliesslich noch den Alarmknopf gedrückt haben, damit
  das Opfer möglichst schnell gefunden werde.

  	 

	
   

  	 

	
  b) Anlässlich der Hafteinvernahme bei der
  Zürcher Staatsanwaltschaft am 4. April 2007 gab der Beschuldigte
  ebenfalls zu Protokoll, den Raubüberfall in Zürich im Unterschied zu den
  früheren Raubtaten nicht als Einzeltäter verübt zu haben. Sodann schilderte
  er den Ablauf des Geschehens ähnlich wie am Vortag gegenüber der Polizei: Er
  [der Beschuldigte] habe geplant, den Verkäufer mit der mitgeführten Waffe zu
  bedrohen. Weil sich aber die Tasche nicht habe öff­nen lassen und er darum
  die Flinte nicht habe hervorziehen können, habe er auf den Verkäufer
  eingeschlagen. Als er und sein Komplize hierauf den Verkäufer in Handschellen
  gelegt hätten, habe er noch zweimal zugeschlagen, damit dieser auf­höre zu
  schreien und sich zu wehren. Danach hätten sie das Opfer „in eine Art Zimmer“
  [kleine Küche neben dem Verkaufsraum] gesetzt und damit begonnen,
  Schmuckwaren einzupacken. Vor dem Verlassen des Ladens, sei er [der Beschul­digte]
  noch einmal in den Nebenraum zurückgekehrt, um nachzusehen, ob er den
  Verkäufer „wieder zur Besinnung holen müsse“. Dabei habe er bemerkt, dass
  sein Komplize, der zuvor noch etwas länger im Nebenraum zurückgeblieben sei,
  den Kopf des Verkäufers mit einem Tuch oder Sack bedeckt habe. Er [der
  Beschuldigte] habe dann den Sack hochgezogen und habe dem Verkäufer Wasser
  ins blutende Gesicht gespritzt, wobei dieser die Augen geöffnet und noch
  geantwortet habe.

  	 

	
   

  	 

	
  c) Bei der Einvernahme durch die Zürcher
  Staatsanwaltschaft am 28. April 2008 bestätigte der Beschuldigte seine bisherigen
  Aussagen zum Tatablauf. Er hielt an seiner bereits gegenüber der Polizei
  gemachten Darstellung fest, dass er selber den Verkäufer nicht stark
  geschlagen habe, denn dieser sei ein älte­rer Mann gewesen und er habe ihn
  lediglich ein­schüchtern wollen. Dabei sei ihm [dem Beschuldigten] bewusst
  gewesen, dass seine Schläge zu Verletzungen führen könnten, zu keinem
  Zeitpunkt aber habe er bedacht, dass sie tödlich sein könnten.

  	 

	
   

  	 

	
  d) Die Ausführungen des Beschuldigten bei
  der Befragung durch den Glarner Untersuchungsrichter am 7. August 2009
  decken sich im Wesentlichen mit den früheren Angaben. Er wollte den
  Raubüberfall auf Druck von Hintermännern verübt haben, wobei er anfügte, vor
  Ort nach den Anweisungen des ihm zugeteilten Kom­plizen gehandelt zu haben;
  es müsse auch dieser gewesen sein, der den Verkäufer getötet habe. Bei der
  Befragung am 27. Januar 2010 sagte der Beschuldigte aus, der Mittäter
  habe beim Überfall Handschuhe ge­tragen und habe wohl darum keine Spuren
  hinterlassen; die Videokamera im Geschäft müsste ihn jedoch erfasst haben.

  	 

	
   

  	 

	
  e) Vor Obergericht erklärte der
  Beschuldigte, er sei am Tod des Juweliers (Opfer 4) nicht schuld. Er selber
  habe ihm nur einen einzigen Schlag an den Kiefer versetzt, worauf der
  Juwelier zu Boden gefallen sei. Er habe dabei aber noch nicht geblutet. Was
  danach geschehen sei, habe er [der Beschul­digte] nicht gesehen, da der
  Komplize das Opfer gefesselt und in einen Nebenraum geschleppt habe. Dieser
  andere Beteiligte habe „Wowa“ geheissen und habe ihm den Raubüberfall
  vorgeschlagen. Ken­nen gelernt habe er ihn schon 2005, könne aber zu dessen
  Identität keine nähe­ren Angaben machen. Nachdem er vom Vorsitzen­den darauf
  hingewiesen wurde, dass er [der Beschuldigte] in der Untersuchung noch
  erklärt habe, er sei von Hintermän­nern zum Überfall gezwungen worden, meinte
  er dazu, das sei „alles Quatsch“ gewesen, das habe er nur fantasiert. 

  	 

	
   

  	 

	
  4.2.4.—      Ergebnisse der
  Spurenermittlungen

  	 

	
   

  	 

	
  Im Anschluss an den Raubüberfall am 22. Februar 2007 in der
  Bijouterie von Opfer 4 nahm die Polizei am und um den Tatort umfangrei­che
  Spurensiche­rungen vor. Dabei konnten nebst einem Fin­gerabdruck an einer
  Vitrine auch DNA-Spurenprofile ebenfalls an einer Vitrine, fer­ner am
  zurückgelasse­nen Plastiksack sowie an der sichergestellten Schrotflinte und
  an einem Schmuckstück eruiert werden, wel­che die Anwesenheit des
  Beschuldigten beim Raubüberfall in der Bijouterie bestäti­gen. Demgegenüber
  wurden am Tatort keine DNA-Spuren aufgefunden, welche auf die Beteiligung
  eines Mittäters am Raubüberfall hinweisen würden. Von den in der Bijouterie
  zahl­reich asservierten Spuren konnten in der Untersuchung einzig ein
  Fingerabdruck ab der Plastiktasche sowie zwei Schuhabdrücke nicht zugeordnet
  werden. Im Fall dieser Schuhabdrücke ergab sich freilich auch keine
  Übereinstim­mung mit den Schuhen des Beschuldigten. Allein dies aber belegt
  noch nicht die Anwesenheit eines Mittäters; die nicht identifizierten Sohlen­abdrücke
  lassen sich durchaus auch damit erklären, dass der Beschuldigte bis zu seiner
  Verhaftung erst mehrere Tage nach dem Überfall die damals getragenen Kleider
  und Schuhe längst gewechselt hatte. Schliesslich ist fest­zuhalten, dass im
  Juweliergeschäft zwar eine Videokamera in­stalliert war, diese jedoch nur das
  Live-Bild aus dem Verkaufs­raum ins dahinterlie­gende Büro übertrug, ohne
  aber die Vorgänge im Laden gleich­zeitig aufzuzeichnen. Als Fazit bleibt
  damit, dass sich trotz breit angelegter und auf­wändiger Untersuchung keine
  gesicherten Anhaltspunkte für die Tatbeteiligung eines Mittäters ergaben. An­zufügen
  ist zudem noch, dass während und nach dem Raubüberfall im Juwelierge­schäft
  kein akustischer Alarm losging; auch bestand keine direkte Alarmverbindung
  von der Bijouterie zur nahegelegenen Polizeiwache.

  	 

	
   

  	 

	
  4.2.5.—      Würdigung der gesamten Beweislage

  	 

	
   

  	 

	
  a) Die vom Beschuldigten geschilderte
  Sachdarstellung, dass er den Raubüber­fall auf die Bijouterie nicht allein,
  sondern zusammen mit einem Mittäter verübt habe, findet in den
  Untersuchungsergebnissen keine Stütze. Es steht daher ausser Frage, dass der
  Beschuldigte auch bei diesem Überfall gleich wie bei den vorangegangenen
  Raubtaten in Wetzikon und Glarus vor Ort als Einzeltäter handelte. Zutreffend
  hat in diesem Zusam­menhang schon die Vorinstanz ergänzend auch auf das
  übereinstimmende Tat­muster bei allen drei Ver­brechen hingewiesen. Aus­nahmslos
  wurden die betroffenen Juweliere mit massiven Faustschlägen an den Kopf
  niedergestreckt. Wohl führte der Beschuldigte beim Raub in Zürich im
  Unterschied zu den früheren Überfällen in einer Umhängetasche eine Waffe mit
  sich, welche er dann aber unmittelbar nach dem Betreten des Geschäfts wegen
  eines klemmenden Ver­schlusses nicht aus der Tasche habe ziehen können.
  Allein dies aber ist noch kein ausschlaggebendes Indiz dafür, dass der
  Überfall zu zweit begangen wurde, indem dabei geplant gewesen wäre, dass er
  [der Beschuldigte] den Bijoutier mit der Waffe bedrohen und der Mittäter
  diesen dann fesseln würde. Der Beschuldigte nämlich kann ohne weiteres auch
  als Einzelperson ins Auge gefasst haben, den Verkäufer mit der Waffe
  einzuschüchtern und auf diese Weise dessen Widerstand zu brechen. Als dieser
  Plan in der Folge nicht aufging, brach er das Vorhaben nicht einfach ab,
  sondern entschied sich umgehend zur Anwendung brachialer Gewalt, wie er dies
  schliesslich schon in den früheren Fällen getan hatte.

  	 

	
   

  	 

	
  b) Bereits die von der Polizei am Tatort
  aufgenommenen Fotos dokumentieren, mit welch ungemeiner Brutalität der
  Beschuldigte beim Überfall auf sein Opfer ein­gewirkt hat. Bestätigt wird
  dies durch die bei der Obduktion der Leiche erkannten schweren
  Kopfverletzungen. Nach Einschät­zung der Gutachter schlug der Beschuldigte
  mit massiver Gewalt zu und führte dadurch den raschen Tod des Opfers herbei.
  Vor diesem Hintergrund ist offensichtlich, dass der Beschuldigte beim
  Überfall mit ausgesprochener Radikalität handelte; er verwendete seine ganze
  Körperkraft da­rauf, das Opfer mit Faustschlägen vollkom­men auszuschalten,
  um dann ungehindert zur angestrebten Beute zu gelangen. Die Brutalität und
  Entschlossenheit des Vor­gehens des Beschuldigten liess dem Opfer keine
  Chance. Der Beschul­digte selber erklärte in der Untersuchung sinngemäss, er
  habe den überfallenen Verkäufer nur gerade so stark geschlagen, dass ihm ohne
  Widerstand die Hand­schellen hätten angelegt werden können. Danach habe er
  noch einmal zugeschla­gen, damit das Opfer aufhöre zu schreien. Diese
  Ausführun­gen des Beschuldigten sind als erfundene Schutzbehauptungen zu
  bezeichnen, wenn man sich die dem Opfer effektiv zugefüg­ten Schädelfrakturen
  vor Augen führt, die nur mit enormer Gewaltanwendung bewirkt werden konn­ten.
  Der Beschuldigte lässt auch hier die Tendenz erkennen, seine Taten geschönt
  darzustellen. Unglaub­haft ist namentlich seine Schilderung, er habe sich vor
  dem Verlassen des Tatorts um sein Opfer gekümmert, indem er Wasser vom Hahn
  geholt und es ihm ins Gesicht geträufelt habe. Es ist darauf hinzuweisen,
  dass ein Plastiksack mit einem Teil der Beute am Tatort zurückgelassen wurde.
  Offensichtlich musste der Beschul­digte die Bijouterie überstürzt verlassen.
  Er hatte somit kaum Zeit für die behauptete Für­sorge. Zudem ist seine
  Darstellung realitätsfern, wenn man bedenkt, wie er das Opfer zuvor
  zugerichtet hat. 

  	 

	
   

  	 

	
  4.3.—       Rechtliche Beurteilung

  	 

	
   

  	 

	
  4.3.1.— a) Hinsichtlich der
  rechtlichen Beurteilung der soeben erstellten Hand­lungen des Beschuldigten
  kann vorweg auf die Ausführungen im zuvor behan­delten Mordfall von Opfer 3
  verwiesen werden, nachdem jenes Verbrechen nach dem gleichen Muster ablief
  wie der Überfall auf Opfer 4.

  	 

	
   

  	 

	
  b) Der Beschuldigte nahm mit seinen
  gezielten und massiven Faustschlägen an den Kopf von Opfer 4 dessen Tod in
  Kauf, wenn diese Fatalität nicht sogar das unmittelbare Ziel seines
  gewaltsamen Vorge­hens war. Damit steht fest, dass der Beschuldigte
  jedenfalls mit Eventualvorsatz (Art. 12 Abs. 2 StGB) Opfer 4
  umgebracht hat.

  	 

	
   

  	 

	
  c) Aus den gleichen Überlegungen wie bereits
  im oben behandelten Fall von Opfer 3 ist auch vorliegend die vorsätzlich
  begangene Tötung als Mord im Sinne von Art. 112 StGB zu qualifizieren.
  Skrupellos, brutal und gemütskalt hat der Beschuldigte einen Menschen
  erschlagen, um sich fremde Vermögenswerte anzu­eignen. Der mit grösster
  Niedertracht ausge­führte Gewaltakt erfüllt sämtliche Krite­rien eines
  Raubmordes (BGE 115 IV 187; siehe auch BSK-Schwarzenegger, N 10 zu Art. 112 StGB; Trechsel/Fingerhuth, StGB PK,
  N 11 zu Art. 112 StGB).

  	 

	
   

  	 

	
  d) Insoweit der Beschuldigte auch in Bezug
  auf den vorliegenden Raubüberfall erklärte, vor dem Weggehen aus dem Laden
  einen Alarmknopf betätigt zu haben, ist dies als unbehelfliche
  Schutzbehauptung abzutun. Denn es ist von niemandem registriert worden, dass
  irgendein Alarm ausgelöst worden wäre. Erneut zeigt sich das beharrliche
  Bestreben des Beschuldigten, sich berechnend in einem besseren Licht
  darzustellen.

  	 

	
   

  	 

	
  4.4.—       Fazit

  	 

	
   

  	 

	
  4.4.1.— In Übereinstimmung mit der
  Vorinstanz ist der Be­schuldigte wegen Mordes im Sinne von Art. 112 StGB
  zum Nachteil von Opfer 4 zu verurteilen. Zudem hat er sich in Idealkonkurrenz
  des Raubes ge­mäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig
  gemacht (siehe dazu Trechsel/ Crameri,
  StGB PK, N 27 zu Art. 140 StGB; hierzu ist anzumerken, dass in
  diesem Schuldpunkt bereits das erstinstanzliche Urteil in Rechtskraft
  erwachsen ist). Gleich wie im zuvor erörterten Mordfall von Opfer 3 ist auch
  hier die Raubhandlung nicht unter Art. 140 Ziff. 4 StGB zu
  subsumieren, da bei einem Raubmord der Qualifikationsgrund der
  Lebensgefährdung durch die vorsätzliche Tötung konsumiert wird (Trechsel/Crameri, StGB PK, N 27
  zu Art. 140 StGB). Gemäss dem schlüssig und überzeugend begründeten
  Gutachten war der Beschul­digte bei der Begehung des Raubüberfalls
  uneingeschränkt schuldfähig, was im Berufungsverfahren auch nie in Abrede
  gestellt wor­den ist. Infolgedessen ist der An­trag des Beschuldigten, er sei
  vom Vor­halt der Tötung von Opfer 4 freizusprechen, abzuweisen.

  	 

	
   

  	 

	
  4.4.2.— Lediglich der Vollständigkeit halber
  ist anzufügen, dass die rechtliche Beurteilung des Überfalls auf die
  Bijouterie von Opfer 4 nicht anders aus­fiele, selbst wenn der Beschuldigte
  das Verbrechen zusammen mit einer Drittperson verübt hätte. Bei der vom
  Beschuldigten selber geschilderten Tatversion steht näm­lich ausser Zweifel,
  dass er und sein Komplize beim Raubüberfall Hand in Hand zusammengewirkt und
  damit gleichberechtigt und koordiniert vorgegangen wären; beide hätten sie
  mit ihrem gemeinsam beschlossenen und durchgeführten, skrupel­losen und
  gewaltexzessiven Vorgehen den Tod ihres Opfers zumindest eventual­vorsätzlich
  herbeigeführt. Es läge daher Mittäterschaft vor (Trechsel/Jean-Richard, StGB PK, vor Art. 24 StGB
  N 10 ff.) und das Tatverhalten des Beschul­digten wäre gleich wie
  bei Einzeltäterschaft ebenfalls als Mord im Sinne von Art. 112 StGB
  sowie als Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zu
  qualifizieren.

  	 

	
   

  	 

	
  IV.

  	 

	
  Strafzumessung

  	 

	
   

  	 

	
  1.—          Allgemeine Ausführungen zum
  Strafrahmen

  	 

	
   

  	 

	
  a) Der Beschuldigte hat bei seinen
  Raubüberfällen am 8. Juli 2005 auf die Bijouterie von Opfer 3 und am
  22. Februar 2007 auf die Bijouterie von Opfer 4 die vor Ort
  angetroffenen Juweliere ermordet. Bei Mord sieht das Gesetz als Strafe eine
  lebenslängliche Freiheitsstrafe oder eine zeitige Freiheitsstrafe von
  mindestens zehn bis zwanzig Jahren vor (Art. 112 StGB in Ver­bindung mit
  Art. 40 StGB). Neben den beiden Mordtaten hat der Beschuldigte an­lässlich
  der insgesamt fünf verübten Überfälle auf Bijouterien zwischen Juni 2005 und
  Februar 2007 weitere mit Frei­heitsstrafe bedrohte Straftatbestände
  verwirklicht, dabei teilweise in Ideal- und teil­weise in Realkonkurrenz.
  Konkret erfüllt hat er den mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren
  Freiheitsentzug belegten Tatbestand des qualifizierten Raubes im Sinne von
  Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 4 StGB, ferner mehrfach
  den Tatbestand des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1
  StGB  und schliesslich noch den Tatbestand des Diebstahls im Sinne von
  Art. 139 Ziff. 1 StGB.

  	 

	
   

  	 

	
  b) aa) Hat der Täter durch eine oder mehrere
  Handlungen die Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so
  verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der schwersten Straftat und erhöht
  sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um
  mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das gesetzliche Höchstmass der
  Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Das Gericht hat demnach
  gedanklich in einem ersten Schritt die Einsatzstrafe für das schwerste Delikt
  festzulegen; hierauf erhöht es diese Einsatzstrafe unter Einbezug der anderen
  Straftaten sowie unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände zu einer
  Gesamt­strafe (Urteil des Bundesgerichts 6B_405/2011 vom 24. Januar 2012
  E. 5.4).

  	 

	
   

  	 

	
  bb) Vorliegend handelt es sich bei den am
  8. Juli 2005 und am 22. Februar 2007 verübten Mordtaten um die am
  schwersten wiegenden Straftaten. Der massgebliche Strafrahmen reicht dabei
  gemäss Art. 112 StGB von mindestens 10 Jahren Frei­heitsstrafe bis
  hin zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe als der vom Gesetzgeber vor­gegebenen
  absoluten Höchststrafe (Art. 40 StGB). Sind zwei Mordtaten nebenei­nander
  zu sanktionieren und erachtet dabei das Gericht in Bezug auf die je einzelne
  Tat eine zeitige Freiheitsstrafe als schuldangemessene Einsatzstrafe, so ist
  bei der Festlegung der Gesamtstrafe eine Strafschärfung auf lebenslängliche
  Freiheitsstrafe möglich (siehe dazu BGE 116 IV 300 E. 2c
  S. 303 ff; BGE 132 IV 102 E. 9.1
  S. 105 f.; Urteil des Bundesgerichts 6B_599/2013 vom 8. Mai
  2014, E. 3.3. und E. 3.4.).

  	 

	
   

  	 

	
  2.—          Konkrete Strafzumessung

  	 

	
   

  	 

	
  2.1.— Gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB
  bemisst das Gericht die Höhe der Strafe nach dem Verschulden des Täters;
  dabei sind das Vorleben, die persönlichen Ver­hältnisse sowie die Wirkung der
  Strafe auf das Leben des Täters zu berücksichti­gen. Das Verschulden wird
  nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts,
  nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters
  sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren
  Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu ver­meiden
  (Art. 47 Abs. 2 StGB). Der Begriff des Verschuldens bezieht sich
  auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftaten; hierbei
  ist zu unter­scheiden zwischen der Tat- und der Täterkomponente (siehe dazu
  BGE 117 IV 112 E. 1 S. 113 f.). Dieser Vorgabe folgt in
  methodischer Hinsicht die nachstehende Substanziierung des Tatverschuldens
  von A.______.

  	 

	
   

  	 

	
  2.2.1.— a) Der Beschuldigte A.______ brachte bei seinen Raubtaten zwei
  Menschen um; hierbei fügte er zugleich auch den Hinterbliebenen der Opfer
  uner­messliches Leid zu. Die verübten Mordtaten weisen damit einen
  Unrechtsgehalt von ausserordentlich hoher Tragweite auf. Das menschliche
  Leben ist das höchste und wertvollste aller Rechtsgüter, was sich auch darin
  niederschlägt, dass bei einer Tötung unter wie hier qualifizierenden
  Umständen (Mord) der schärfste Strafrahmen zur Anwendung gelangt.

  	 

	
   

  	 

	
  b) A.______ hat die Tötungshandlungen bei vollständig
  vorhandener Ein­sichts- und Steuerungsfähigkeit begangen, wie im ersten
  Gutachten schlüssig und überzeugend begründet und im Übrigen im
  Zweitgutachten bestätigt wird. Allein schon vor diesem Hintergrund ist daher
  in Anbetracht der Schwere der verübten Taten das Mass des tatrelevanten
  Verschuldens als ausserordentlich hoch zu bemessen.

  	 

	
   

  	 

	
  c) A.______ hat
  konkret die beiden tödlich ausgegangenen Raubüberfälle mit ungemeiner
  Brutalität ausgeführt. Sein deliktisches Vorgehen war in beiden Fällen darauf
  ausgerichtet, die ihm allein schon altersmässig körperlich weit unterle­genen
  Ladeninhaber rasch und wirkungsvoll ausser Gefecht zu setzen. Hierzu hat er
  mit enorm hart ausgeführten Faustschlägen auf den Kopf seiner Opfer eingewirkt.
  Der kräftig gebaute und frühere Kampfsportler setzte seine Faust­schläge mit
  derar­tiger Gewalt ein, dass die Ärzte anhand der Verletzungsbilder zu­nächst
  vermuteten, die Opfer wären mit einem mechanischen Gegenstand malträ­tiert
  worden. Der Beschuldigte handelte brutal, zielgerichtet und absolut
  rücksichtslos; er ging mit ausgesprochener Radikalität vor und verwendete
  dabei seine ganze Körperkraft darauf, das Opfer mit Faustschlägen
  auszuschalten, um dann ungehindert zur angestrebten Beute zu ge­langen. Nur
  schon dieser unge­heure Krafteinsatz bei den Überfällen unterstreicht die
  massive krimi­nelle Energie, welche A.______ bei seinen Taten aufwendete. Im
  Fall von Opfer 3 drosch er zu­dem auf den Juwelier selbst dann noch weiter
  ein, als er ihn be­reits gefesselt hatte und jener somit ohnehin schon
  praktisch widerstandsunfähig war; er tat dies letztlich aus dem einzig
  niedrigen Grund, weil sich das Opfer nach den ersten massiven Schlägen noch
  einmal aufraffte und er sich dadurch beim Ausräumen der Vitrinen gestört
  fühlte.

  	 

	
   

  	 

	
  d) Wohl hat das Gericht bei der rechtlichen Würdigung
  der Mordtaten erwogen, A.______ habe mit Eventualvorsatz gehandelt. Dies
  schmälert jedoch sein Verschulden keinesfalls. Denn bereits die Inkaufnahme
  des Todes seiner Opfer als Folge der ihnen zugefügten Schläge offenbart eine
  krass primitive, niederträchtige und gleichgültige Gesinnung gegenüber dem
  menschlichen Leben.

  	 

	
   

  	 

	
  e) Im zweiten Gutachten hält der forensische
  Sachverständige fest, dass sich in den Taten des Beschuldigten „ein
  aussergewöhnlich skrupelloses und gewaltberei­tes Verhaltensmuster“
  manifestiere. Wie der Gutachter in diesem Zusammenhang überzeugend aufzeigt,
  ist beim Beschuldigten eine chronifi­zierte Gewaltbereitschaft erkennbar,
  nämlich eine „in der Persönlichkeit verankerte Tendenz, instrumentell Gewalt
  anzuwenden“. Die Gewalt werde gerade nicht von Emotionen getrieben;
  vielmehr werde „Gewalt als legitimes Mittel angesehen, eigene Interessen
  durchzusetzen“. Diese Definition sei „in nahezu klassischer Weise durch die
  Art und die beabsichtigte Funktion der Gewaltanwendung von A. ______ im
  Rahmen der Anlassdelikte erfüllt“. Hinzu kommt, dass gemäss Gutachten die
  beim Beschuldigten erkennbare chronifi­zierte Gewaltbereitschaft gepaart ist
  mit einer „fokussierten Zielgerichtetheit“. Dieser Persönlichkeitszug zeige
  sich darin, dass der Beschuldigte, hat er einmal den Ent­scheid für eine
  Handlung getroffen, „konsequent und ‚diszipliniert‘ auf die Umset­zung
  fokussiert“ sei; „Relativierungen, abwägende Realitätsprüfungen, die Berück­sichtigung
  von Konsequenzen, Zweifel oder Ambivalenz haben dann keinen Platz mehr“. In
  dieser Phase – so die stichhaltige Folgerung des Gutachters – sei der Be­schuldigte,
  gleichsam mit einem Tunnelblick, „vollständig auf die handlungsbezo­gene Umsetzung
  ausgerichtet“ und blende alles andere aus. Allerdings ist die vom
  Beschuldigten bei seinen Delikten an den Tag gelegte über­proportionale
  Gewaltanwendung in der plausibel erörterten Sichtweise des Gutachters nicht
  ausschliesslich durch die „chronifizierte Gewaltbereitschaft“ zu er­klären.
  Diese begründet wohl die grundsätzliche Bereitschaft zum Gewalteinsatz, nicht
  aber das ausgeprägte Ausmass dieser Gewalt. Hierbei ist nämlich zu konsta­tieren,
  dass A.______ gegenüber der Aussenwelt generell ein ausgeprägtes Misstrauen
  hegt („negative Perzeption der Aussenwelt: Subtyp unsicher“;). Infolgedessen
  besteht seine Strategie darin, Situatio­nen möglichst vollständig zu
  kontrollieren („Dominanzfokus“;). Als sich daher in den Raubüberfällen
  Situationen ergaben, in denen der Beschuldigte zumindest subjektiv glaubte,
  die Kontrolle verlieren zu können, war er nicht mehr die kühl handelnde und
  planende Person. Der drohende Kontrollver­lust dürfte dabei nach Ansicht des
  Gutachters zu einer nennenswerten innerlichen Anspannung geführt haben. In
  diesen Momenten sei Gewalt nicht mehr nur rein in­strumentell eingesetzt
  worden, sondern sei stark emotional unterfüttert gewesen, was schliesslich
  den Boden für eine ausgeprägte, deutlich überproportionale Gewaltanwendung geebnet
  habe. Diese auf sozusagen emotionaler Ebene angesiedelten Defizite in der
  Persönlich­keit des Beschuldigten vermögen allerdings dessen Tatverschulden
  nicht zu schmälern. Denn die Schuldfähigkeit, sprich die Einsichts- und
  Steuerungsfähigkeit (Art. 19 Abs. 1 StGB), war beim Beschuldigten
  bei allen Straftaten uneingeschränkt gegeben. Insofern hat sich der
  Beschuldigte bei seinen Gewalttaten jedenfalls über sämtliche in der
  menschlichen Vernunft verankerten Barrieren und Leitplanken bewusst hinweggesetzt,
  was ihm unter dem Gesichtspunkt des Verschuldens uneingeschränkt anzulasten
  ist.

  	 

	
   

  	 

	
  f) Die Delikte von A.______ weisen in zeitlicher Hinsicht keinen engen
  Zusammenhang auf; sie erfolgten sozusagen in drei Phasen. Die ersten räuberi­schen
  Gewalttaten fallen auf Juni/Juli 2005 (Entreissdiebstahl in der „Opfer 1
  Uhren-Bijouterie“ in Zürich; Raubüberfall mit schwerer Körperverletzung in
  Wetzikon; Raubmord in Glarus). Im Feb­ruar 2006 folgte der Raubüberfall mit
  schwerer Körperverletzung in Zü­rich, und ein weiteres Jahr später, im
  Februar 2007, verübte er den Raubmord an Opfer 4 in Zürich. Der in Litauen
  wohnhafte Beschuldigte reiste jeweils als Kriminaltourist gezielt zur
  Begehung von Raubüberfällen in die Schweiz. Wie er dem Gutachter erklärte,
  habe er gewusst, „dass die Schweiz ein reiches Land sei“ und man „hier durch
  Straftaten sehr viel Geld bekommen könne, sehr viel mehr als in Litauen“.
  Sein Antrieb war mithin reine Habgier. Bei seinen kriminellen Handlungen
  darauf fokussiert, einen möglichst hohen Gewinn zu erlangen, ging er mit
  abgebrühter Entschlossenheit vor und war dabei punkto Gewalteinsatz zum
  Äussersten bereit. Beim Ganzen ist geradezu be­zeichnend, dass er für seine
  Überfälle ausschliesslich Bijouterien auswählte, wo be­kanntermassen
  ausserordentlich hohe Sachwerte vorzufinden sind. Eine kaltblütig berechnende
  Strategie im Vorgehen des Beschuldigenden ist ferner darin zu erken­nen, dass
  die überfallenen Geschäfte meist von älteren Personen als Einzelbetriebe
  geführt wurden. Mit Ausnahme des allerersten Delikts in der Uhren-Bijouterie
  von Opfer 1  legte es der Beschuldigte denn auch bei sämtlichen Überfällen
  darauf an, sogleich nach dem Betreten der Geschäfte die jeweils allein
  anwesenden und kör­perlich schwächeren Verkäufer ohne langes Federlesen mit
  der Faust niederzu­schlagen und ausser Gefecht zu setzen, um danach
  unbehelligt die Wertsachen zu­sammenraffen zu können.

  	 

	
   

  	 

	
  g) Die Kenntnisse über das Vorleben des Beschuldigten basieren weitgehend
  auf dessen eigenen Aus­sagen in der Untersu­chung und in den psychiatrischen
  Explorationen. Immerhin aber haben die drei vom zweiten Gutachter telefonisch
  kontaktierten Personen aus A.______s Umfeld in Litauen dessen Darstellung
  über seinen persönlichen Werdegang im Wesentlichen bestätigt; jedenfalls haben
  sich daraus keine offen­kundigen Widersprüche zu den Angaben von A.______
  ergeben. Demnach scheint A.______ bis zum Alter von rund 29 Jahren ein
  angepasstes Leben geführt zu haben. Abgesehen von einer hier nicht
  einschlägigen Vorstrafe aus dem Strassenverkehr sowie vereinzelten pubertä­ren
  Scharmützeln hat er sich während der Jugend­zeit sowie als junger Erwachsener
  grundsätzlich rechtskonform verhalten. Zu einer nachhaltigen Zäsur in der
  Lebensgeschichte des Beschuldigten kam es im Zeitraum 2002/2003. Der
  Beschuldigte erwähnte gegenüber dem Zweitgutachter, dass er zu jener Zeit
  Schulden gehabt habe; obwohl er viel gearbeitet habe, habe er es auf keinen
  grünen Zweig gebracht. In dieser Lage habe er sich einer kriminellen Gruppe
  angeschlossen, wel­che er bereits von früher aus dem Umfeld des von ihm
  betriebe­nen Kampfsports gekannt habe. Sein Ziel sei es gewesen, seine
  Schulden abzu­bauen und damit sein eigenes Leben zu verbessern; auch sei er
  auf die „andere (kriminelle) Seite des Lebens“ neugierig gewesen. Innerhalb
  der kriminellen Gruppe habe jeder „auf eigene Rechnung“ gearbeitet. Man habe
  dann die Beute jeweils geteilt, und wenn einer von ihnen einen Rechtsanwalt
  gebraucht habe, hätten sich alle darum gekümmert und diesen finanziert. Die
  Tat­sache, dass sich der Beschuldigte leichthin und letztlich aus zynischer
  Opportunität für den Gang in die Kriminalität entschieden hat, fällt in
  verschuldensrelevanter Hin­sicht erheblich ins Gewicht. Offensichtlich
  überdrüssig der Mühsal täglicher Arbeit schmiedete er in kaltherziger Manier
  den Plan, fortan seinen Lebensunterhalt auf schwer kriminelle Weise zu
  bestreiten. Es handelte sich mithin um einen bewussten und eindeutig
  kalkulierten Entscheid des Beschuldigten, bei seinen wiederholten Raubtaten
  in der Schweiz die Integrität und das Wohlergehen anderer Menschen den
  eigenen (rein geldwerten) Interessen komplett unterzuordnen. In dieser augen­fällig
  selbstsüchti­gen und extrem unsozialen Haltung offenbart sich ein ausseror­dentlich
  hohes Mass an deliktischem Willen bar von Empathie und Respekt gegen­über dem
  Leben von Mitmenschen.

  	 

	
   

  	 

	
  h) Das Verschulden von A.______ summiert sich sodann zusätzlich durch den
  Umstand, dass er zwei Morde begangen hat und überdies weitere schwere
  Straftaten verübt hat, dabei namentlich auch einen qualifizierten Raub mit
  schwerer Körperverletzung.

  	 

	
   

  	 

	
  2.2.2.— a) In Bezug auf das Vorleben
  des Beschuldigten ist im Wesentlichen auf die Ausführungen abzustellen,
  welche der Beschuldigte selber anlässlich der beiden psychiatrischen
  Begutachtungen gemacht hat, wobei diese teilweise divergieren. Ohnehin lassen
  sich die betreffenden Angaben anhand der verfügbaren Akten und Informationen
  kaum verifizieren, sieht man einmal von den wenigen Auskünften ab, welche der
  Zweitgutachter von drei Personen aus dem Bekanntenkreis des Beschuldigten in
  Litauen eingeholt hat.

  	 

	
   

  	 

	
  aa) Die eheliche Situation der Eltern des im
  November 1974 in Vilnius/Litauen als Einzelkind geborenen Beschuldigten war
  offensichtlich bereits früh zerrüttet. Die damals rund 25-jährige Mutter zog
  daher mit dem kleinen Sohn schon bald nach der Geburt zu ihrer Familie nach
  Russland, kehrte jedoch nach rund einem Jahr auf Drängen der Grossmutter
  väterlicherseits wieder nach Litauen zurück. Obwohl zwi­schenzeitlich
  geschieden, lebte die Mutter in der Folge wieder mit dem etwa drei bis vier
  Jahre jüngeren Vater zusammen. Der Beschuldigte berichtete, dass sein Vater
  viel Alkohol getrunken und viele Frauengeschichten gehabt habe. 1997 habe der
  Vater die Familie endgültig verlassen und sei zu einer anderen Frau gezogen.
  2003 sei der Vater verstorben, wobei er (der Beschuldigte) nicht wisse woran,
  habe er doch zu seinem Vater nach dessen Wegzug kaum mehr Kontakt gehabt. Der
  Beschuldigte hat seinen Vater als „kriminelles Element“ in Erinnerung. Er sei
  zwei­mal inhaftiert gewesen. Als sein Vater Ende der 1970er Jahre aus dem
  Gefängnis entlassen worden sei, sei es für ihn als Kind schwierig geworden;
  er sei vom Vater oft geschlagen worden und habe einen grossen „psychischen
  Druck“ erlebt. Dem­gegenüber beschreibt der Beschuldigte das Verhältnis zu
  seiner Mutter als sehr eng und herzlich; zu ihr habe er aus der
  Justizvollzugsanstalt heraus nach wie vor regelmässigen telefonischen
  Kontakt.

  	 

	
   

  	 

	
  bb) Nach Abschluss der Schulzeit
  (Sekundarstufe) zog der Beschuldigte zur Grossmutter mütterlicherseits nach
  Russland und absolvierte dort eine Ausbildung an landwirtschaftlichen
  Gerätschaften und Maschinen sowie eine Lehre als LKW-Chauffeur. Danach kehrte
  er nach Litauen zurück; in Vilnius habe er dann zusam­men mit einem Kollegen
  eine Wohnung gemietet. In dieser Zeit habe er intensiv fernöstliche
  Kampfsportarten betrieben. Es sei sein Lebensziel gewesen, Sport­meister und
  Trainer zu werden, woran ihn dann aber eine Knieverletzung gehindert habe.
  Daneben habe er bis Frühjahr 2004 an wechselnden Stellen im Sicherheits­bereich
  (Security) und als Barmann gearbeitet. Grund für seine häufigen Stellen­wechsel
  sei gewesen, dass er immer öfter und län­ger sowie zu unterschiedlichen
  Tageszeiten trainiert habe, weshalb seine ganze Priorität zusehends dem Sport
  ge­golten habe. In der Berufungsverhandlung äus­serte der Beschuldigte, dass
  er seine letzte Arbeitsstelle wegen Meinungsverschie­denheiten mit
  Vorgesetzten verloren habe. In der Folge habe er sich um keine wei­tere
  Festanstellung mehr bemüht. Er habe nur noch „inoffiziell“ temporär
  gearbeitet und so seinen Unterhalt bestritten.

  	 

	
   

  	 

	
  cc) Mit Ausnahme vereinzelter Trinkgelage
  wurde vom Beschuldigten kein Dro­gen- oder Alkoholabusus geschildert und es
  liegen auch keine entsprechenden An­haltspunkte vor. Der Beschuldigte ist in
  grundsätzlich guter körperlicher Verfassung.

  	 

	
   

  	 

	
  b) Der Gutachter diagnostizierte in der
  Persönlichkeit des Beschuldigten eine Dissozialität mit psychopathischer
  Akzentuierung. Symptomatisch hierfür ist die bei allen Delikten erkennbare
  Tendenz, sich geradezu leichthin über geltende Regeln und Normen
  hinwegzusetzen. Ebenso deutet der offenkundig „einfach“ und unver­mittelt
  erfolgte Einstieg in die Kriminalität auf eine starke dissoziale Disposition
  hin. Aufgrund dieser Persönlichkeitsstruktur konstatierte der Gutachter, dass
  dem Beschuldigten bei seinem Gang in die Kriminalität keine kognitiven oder
  emotiona­len Hürden im Wege gestanden seien und er in der Folge ebenfalls
  keine innerli­chen [emotionalen] Barrieren habe überwinden müssen, um die als
  nützlich ange­sehene Gewalt bei seinen Delikten anzuwenden; emotionale Hürden
  oder gar Empathie für die Opfer seien nicht zu erkennen. Die dargelegten
  Defizite in der Persönlichkeit des Beschuldigten be­günstigen bzw. erleichtern
  im Ergebnis die Entscheidung zum Delinquieren sowie zur Ausführung der
  kriminellen Handlungen. Diese persönlichkeitsimmanente Schwäche ist leicht
  strafmindernd zu berücksichtigen.

  	 

	
   

  	 

	
  c) Ebenfalls strafmindernd fällt ins
  Gewicht, dass der Beschuldigte im Elternhaus vonseiten seines Vaters
  wiederholt körperliche Gewalt am eigenen Leib erlebt hat, was mutmasslich die
  Entwicklung der eigenen Empathiefähigkeit negativ beeinflusst haben dürfte.

  	 

	
   

  	 

	
  d) Anlässlich der Berufungsverhandlung vor
  Obergericht am 13. November 2014 hat der Beschuldigte erstmals überhaupt
  Anzeichen von Reue über die begangenen schweren Straftaten bekundet. Er
  wisse, dass seine Taten praktisch unmöglich zu verzeihen seien; er sei „sehr
  stark schuld an diesen Taten und werde dieses schwere Kreuz sein ganzes Leben
  lang tragen müssen“. Dazu ersuchte er die Angehörigen, „wenn es ihnen dann
  irgendwann mal möglich sein sollte“, ihm zu ver­zeihen. Relativiert wird die
  ansatzweise geäusserte Einsicht in das verübte immense Leid und Unrecht allerdings
  dadurch, dass der Beschuldigte im Mordfall von Opfer 4 trotz erdrückender
  Beweislage seine Täterschaft nach wie vor in Abrede stellt; er sei zwar in
  der Bijouterie „als Mittäter“ anwesend gewesen, sei aber am Mord nicht
  schuldig. Insgesamt ist das inzwischen in geringem Mass erkennbare Bedauern
  über sein deliktisches Verhalten leicht strafmindernd zu würdigen.

  	 

	
   

  	 

	
  e) A.______ hat in der Untersuchung sowie im gerichtlichen Verfahren wie­derholt
  unterschiedliche Versionen zum Tatgeschehen zu Protokoll gegeben. Bei­spielsweise
  hatte er im Mordfall von Opfer 3 anfänglich seine Einzeltäterschaft einge­standen,
  brachte später einen nicht namentlich genannten Komplizen ins Spiel, ehe er
  wieder zu seiner ursprünglichen Version zurückkehrte. Im Mordfall von Opfer 4
  brachte er eine unbekannte Drittperson ins Spiel und gab vorübergehend vor,
  zu diesem Überfall gezwungen worden zu sein. Gegenüber dem zweiten Gutachter
  erklärte er, er habe „in der Vergangenheit während der Untersuchung und auch
  während des letzten Gutachtens viel gelogen und z.T. einfach Dinge erzählt,
  um die wahren Verhältnisse zu verschleiern. Anlässlich der persönlichen
  Befragung vor Obergericht hielt er fest, als Entscheidungsgrundlage sei das
  zu nehmen, was er aktuell sage und nicht das, was er früher einmal gesagt
  habe. Im zweiten forensi­schen Fachbericht werden manipulative
  Verhaltensweisen als Merkmal der beim Beschuldigten erkannten Dissozialität
  mit psychopathischer Akzentuierung be­schrieben. Vor diesem Hintergrund
  schloss denn auch der Gutachter auf eine mögliche Unsicherheit hinsichtlich
  des Wahrheitsgehalts der Aussagen des Beschuldigten. Nach Meinung des
  Experten könne allgemein – vor allem auch mit Bezug auf das frühere
  Aussageverhalten – sicher festgehalten wer­den, „dass bei A. ______ eine
  Tendenz zu taktisch motivierten Aussagen und entsprechend manipulativen
  Tendenzen zu beobachten ist“.

  	 

	
   

  	 

	
  f) Der Verteidiger des Beschuldigten
  plädierte an der Berufungsverhandlung für eine Strafreduktion, weil sein
  Mandant zwar nicht vollumfänglich, jedoch „in weiten und wesentlichen Teilen“
  ein Geständnis abgelegt habe. Wie aber soeben dargelegt wurde, lässt sich das
  Aussageverhalten des Beschuldigten in der Untersuchung sowie im bisherigen
  Prozessverlauf keineswegs als stringent und kooperativ bezeichnen. So hat der
  Beschuldigte anlässlich der Schlusseinvernahme in der Untersuchung am
  27. Januar 2010 seine zuvor abgelegten Geständnisse in wesentlichen
  Teilen widerrufen und hat seine Tatschuld auch im anschliessenden
  gerichtlichen Verfahren in zentralen Punkten bestritten. Vorlie­gend wurde
  der Beschuldigte denn auch vor allem gestützt auf eine erdrückende
  Indizienlage als Täter der beiden Morde überführt. Insoweit daher der
  Beschuldigte in den Worten seines Vertreters „bezüglich der objektiven Tatumstände
  in praktisch allen Teilen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe geständig“ war,
  ist dies folglich nur minim straf­mindernd zu berücksichtigen.

  	 

	
   

  	 

	
  g) Es sind keine Anhaltspunkte ersichtlich,
  welche beim Beschuldigten auf eine besondere Strafempfindlichkeit (dazu BSK-Wiprächtiger/Keller,
  N 150 zu Art. 47 StGB) hinweisen würden und
  gegebenenfalls strafmindernd zu berücksichtigen wä­ren.

  	 

	
   

  	 

	
  2.3.— a) Nach Abwägung der soeben
  dargelegten strafzumessungsrelevanten Aspekte ist das Verschulden von A.______ als ausserordentlich schwer einzu­stufen.
  Als einzig adäquate Strafe zu diesem hohen Mass an Verschulden ist in
  Übereinstimmung mit der Vorinstanz eine lebenslängliche Freiheitsstrafe
  festzule­gen. Weil somit das bereits erstinstanzlich ausgesprochene Strafmass
  zu bestätigen ist, wird zu dessen Begründung zusätzlich zu den vorstehenden
  Ausführungen aus­drücklich und integral auch auf die vorinstanzlichen
  Erwägungen zur Strafzumes­sung verwiesen.

  	 

	
   

  	 

	
  b) Der Beschuldigte hat bei seinen Raubtaten
  in zwei Fällen den Geschäftsinha­ber ermordet: Das eine Mal beim Überfall am
  8. Juli 2005 auf die Bijouterie in Glarus, das andere Mal beim Überfall
  am 22. Februar 2007 auf die Bijouterie in Zürich. Angesichts des sehr
  grossen Verschuldens und der nur unwesentlich ins Gewicht fallenden
  Strafminderungsfaktoren ist schon für eine ein­zige Tötung eine
  lebenslängliche Freiheitsstrafe verwirkt. Aber selbst wenn man als
  Einsatzstrafe für einen Mord noch eine zeitige Freiheitsstrafe im Bereich von
  18 bis 20 Jahren in Betracht zöge, kann aufgrund der zwingenden
  Strafschärfung für den zweiten, verschuldensmässig ebenfalls sehr schwer
  wiegenden Mord die schuldan­gemessene Gesamtstrafe nur eine lebenslängliche
  Freiheitsstrafe sein.

  	 

	
   

  	 

	
  2.4.— a) Der Verteidiger des
  Beschuldigten machte vor Obergericht geltend, das vorliegende Strafverfahren
  habe unangemessen lange gedauert, weshalb die Strafe zwingend merklich zu
  reduzieren sei. Vorliegend sei die Untersuchung im Sommer 2008 abgeschlossen
  worden, die vorinstanzliche Verhandlung habe aber erst im März 2012
  stattgefunden. Zudem dauere inzwischen auch das Berufungsverfahren schon
  lange.

  	 

	
   

  	 

	
  b) aa) Das in Art. 6 Ziff. 1 EMRK
  und Art. 29 Abs. 1 BV verankerte Beschleuni­gungsgebot verpflichtet
  Behörden, das Strafverfahren zügig voranzutreiben, um den Beschuldigten nicht
  unnötig über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen. Bei
  überlanger Verfahrensdauer ist diesem Aspekt unter Umständen im Rahmen der
  Strafzumessung mit einer Strafminderung Rechnung zu tragen (dazu BSK-Wiprächtiger/Keller,
  N 179, N 181 und N 186 zu Art. 47 StGB).

  	 

	
   

  	 

	
  bb) Vorliegend ist der vom Verteidiger
  erhobene Vorwurf der Verfahrensverzögerung insoweit zu relativieren, als dass
  die Untersuchung nicht bereits im Sommer 2008 abgeschlossen wurde. Noch im
  Jahr 2009 mussten Ermittlungen wegen einer allfälligen Mittäterschaft von G.
  ______ durchgeführt werden. In der Folge fand am 27. Januar 2010 die
  Schlusseinvernahme durch den Verhörrichter