# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 718a885d-efb3-5bec-b3ff-f934fd63943b
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-01-30
**Language:** de
**Title:** Rückweisung zur Ergänzung und Vervollständigung eines MEDAS-Gutachtens
**Docket/Reference:** IV.2012.00681
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2012.00681.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2012.00681
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Grünig, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Spitz
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Kobel
Urteil
vom
30. Januar 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Milosav Milovanovic
Beratungsstelle für Ausländer
Frohaldenstrasse
76, 8180 Bülach
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 1971, arbeitete ab Oktober 1999 als Bäcker bei der
Y.___
(vgl. den Arbeitsvertrag in
Urk.
31/71/1). Im März 2000 meldete die Arbeit
geberin der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva)
, dass
X.___
an arbeitsbedingten Ekzemen an den Händen leide (
Urk.
31/1).
Die medizinischen
Abklärungen
führten zur Diagnose eines kumulativ toxischen Handekzems aufgrund der Feuchtarbeit mit Teig (vgl. den Bericht der Dermato
logischen Klinik des
Z.___
vom 3
0.
Juni 2000, Urk.
31/10
, und die weiteren Berichte der Klini
k bis zum Frühjahr 2004 in Urk.
31/17,
Urk.
31/22,
Urk.
31/27,
Urk.
31/3
3,
Urk.
31/35,
Urk.
31/40, Urk.
31/55 und
Urk.
31/57). Nach Versuchen,
X.___
bei der angestammten Arbeitgeberin im Bereich der Verpackung einzusetzen, wurde das Arbeitsverhältnis auf Ende Juli 2004 aufgelöst (vgl. die Besprechungsprotokolle in
Urk.
31/1-60 mit dem abschliessenden Protokoll über die Besprechung des Schadenexperten der Suva mit den zuständi
gen Personen im Betrieb vom 18.
Mai 2004,
Urk.
31/60). Die Suva liess
X.___
Ende Juni 2004 arbeitsmedizinisch untersuchen (Bericht von
Dr.
med.
A.___
vom
2.
Juli 2004,
Urk.
31/67) und
stellte die
Taggeld
leistungen
daraufhin mit Verfügung vom 1
2.
Juli 2004 ab dem
1.
August 2004 ein, da
X.___
in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei (
Urk.
31/70).
Die Verfügung war Gegenstand eines Einsp
rache- und
Beschwer
de
verfahrens
(
vgl. das Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 3
0.
August 2005 im Prozess Nr. UV.2005.00077,
Urk.
31/1
12).
1.2
Am 1
0.
Juli 2004 meldete
sich
X.___
bei der Invalidenver
sicherung an (
Urk.
7/1).
D
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle,
holte die m
edizinischen Angaben
und die
Angaben über die frühere Arbeit des Versicherten
ein (
Urk.
7/12 und
Urk.
7/7)
und traf berufliche Abklärungen (Verlaufsprotokoll vom 3
1.
August 2005,
Urk.
7/41)
.
Gleichzeitig fand
en
unter Mitwirkung der Suva
Bestrebungen zur beruflichen
Wiedereingliederung des Versicherten
über die
B.___
statt (vgl. die Verlaufsprotokolle in
Urk.
31/87)
. Ein neues Arbeitsverhältnis in einer Bäckerei wurde wegen des Wiederauftretens von Ekz
emen wieder aufgelöst (vgl. Urk.
31/88-106)
; im Mai 2005 konnte der Versicherte jedoch bei der
C.___
eine
Vollzeits
telle als Prozessoperator antreten (Arbeitsvertrag vom
9.
Mai 2005,
Urk.
7/18/1-3; Schlussbericht der
B.___
vom 2
5.
August 2005,
Urk.
7/18/4-5).
Die IV-Stelle eröffnete ihm daraufhin mit Verfügung vom 3
0.
August 2005, er habe keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen, da er angemessen eingegliedert sei (
Urk.
7/20).
1.3
Die Suva erklärte den Versicherten in der Folge mit Verfügung vom 1
0.
Oktober 2006 rückwirkend ab dem
1.
August 2004 als nicht geeignet für alle Arbeiten mit Teig (
Urk.
7/22) und entschied mit den Verfügungen vom
2.
März 2007 und vom 1
3.
Februar 2008 über seinen Anspruch auf eine Übergangsentschädigung (
Urk.
7/23 und
Urk.
7/24; vgl. auch die Akten der Suva in
Urk.
31/113-185).
1.4
Nachdem der Versicherte bereits im September 2009 wegen chronischer Kopf
schmerzen untersucht worden war (Bericht des
D.___
vom 1
0.
September 2009,
Urk.
7/40/7),
begab er sich im Jahr
2010 wegen
thorako
lumbovertebralen
Schmerzen
, die Ende Februar 2010 akut geworden
waren
und zur Arbeitseinstellung geführt hatten,
in ärztliche Behandlung
(
Bericht der
E.___
vom 1
1.
März 2010,
Urk.
7/40/30-31; Bericht
des
Z.___
vom 2
9.
März 2010,
Urk.
7/40/16-23
; Bericht von
Dr.
med.
F.___
, Spezialarzt für Neurologie, vom 2
4.
August 2010,
Urk.
7/40/28-29).
Am 2
9.
Juni 2010 meldete sich
X.___
erneut bei der Invalidenversiche
rung an (
Urk.
7/28). Die SVA, IV-Stelle,
holte die Angaben der Arbeitgeberin vom 1
3.
Juli 2010 ein (
Urk.
7/33)
und liess sich von der Hausärztin
Dr.
med.
G.___
, Spezialärztin für Inne
re Medizin, den
Bericht vom
2.
September
2010 erstatten (
Urk.
7/40
/1-6).
Die Hausärztin legte i
hrem Bericht unter anderem
einen Bericht des
H.___
vom 1
0.
August 2010 über Erstkonsultationen von Mitte Jahr bei (
Urk.
7/40/25-27).
Nach beruflichen Abkläru
ngen (Verlaufsprotokoll vom 18.
Oktober 2010,
Urk.
7/43) teilte die IV
-Stelle dem Versicherten am 28.
Oktober 2010 mit, dass aufgrund seines Gesundheitszustandes
zur Zeit
keine beruflichen Eingliede
rungsmassnahmen möglich seien und sie deshalb den Rentenanspruch prüfen werde (
Urk.
7/47).
Das Arbeitsverhältnis mit der
C.___
wurde per Ende November 2010
aufgelöst (
Urk.
7/43/1 und Urk.
7/43/3).
1.5
Mit Schreiben vom
6.
Dezember 2010 teilte die IV-Stelle
X.___
mit, dass sie
eine medizinische Abklärung durchführen lassen werde (
Urk.
7/49). Der Versicherte liess ihr in der Folge den Be
r
icht des
H.___
vom 2
6.
Januar 2011 über eine interdisziplinäre Schmerzbehandlung zukommen (
Urk.
7/51)
, und die IV-Stelle
nahm einen weiteren Bericht des
H.___
vom 1
1.
Mai 2011 zu den Akten (
Urk.
7/53/5-8 und
Urk.
7/54). Anschliessend holte sie den weiteren Bericht von
Dr.
G.___
vom
9.
O
ktober 2011 ein (Urk.
7/58/1-5)
und erhielt vom Versicherten den
Kurzbericht
der
I.___
vom 1
9.
Dezember 2011, mit dem die Klinik seinem Rechtsvertreter Fragen zu einem stationären Aufenthalt von Ende Juni bis Ende August 2011 beantwortet hatte (
Urk.
7/67).
Am
5.
Januar 2012 erstattete die MEDAS
J.___
im Auftrag der IV-Stelle das polydi
s
ziplinäre Gutachten (
Urk.
7
/69, gezeichnet von
Dr.
med.
K.___
, Facharzt für Allgemeine Medizi
n, und vom Chefarzt
Dr.
med.
L.___
, Spezialarzt für
Rheumatologie;
K
onsiliarbericht
von
Dr.
med.
M.___
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
6.
September 2011,
Urk.
7/68/14-21;
Konsiliarbericht
von
Dr.
med.
N.___
, Spezialarzt für Neurologie, vom 2
9.
September 2011,
Urk.
7/68/3-6;
Konsilia
rbericht
von Dr.
med.
O.___
, Spezialarzt für Rheumatol
ogie, vom
5.
Oktober 2011, Urk.
7/68/7-13)
.
Die IV-Stelle liess den Fall
anschliessend durch
Dr.
med.
P.___
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, des Regiona
len Ärztlichen Dienstes (RAD) b
eurteilen (Stellungnahme vom 7.
Februar 2012,
Urk.
7/77/6) und
teilte dem Versicherten daraufhin mit Vorbescheid vom
8.
März 2012 mit, dass sie seinen
Rentenanspruch zu verneinen gedenke, da der Invaliditätsgrad unter 30
%
liege (
Urk.
7/79
; vgl. auch das Feststellungsblatt vom
8.
März 2012,
Urk.
7/77
). Der Versicherte, vertreten durch
Milosav Milova
novic, Beratungsstelle für Ausländer, liess mit Eingabe vom
9.
April 2012 zum Vorbescheid Stellu
ng nehmen (
Urk.
7/81) und eine Stellungnahme
des
H.___
vom 2
7.
Februar 2012
zum MEDAS-Gutachten
einreichen (
Urk.
7/80/8-11).
Überdies liess er darauf hinweisen, dass er sich
zur Zeit
wieder in stationärer Behandlung in der
I.___
befinde (
Urk.
7/81/2).
Aufgrund einer weiteren Stellungnahme von
Dr.
P.___
vom
8.
Mai 2012 und einer Stellungnahme
des RAD-Arztes
dipl.
med.
Q.___
, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
8.
Mai 2012 (Feststellungsblatt vom 2
3.
Mai
2012,
Urk.
7/82)
entschied die
IV-Stelle mit Verfügung vom 23.
Mai 2012 im Sinne ihres Vorbescheids
und verneinte den Anspruch von
X.___
auf eine Invalidenrente (
Urk.
2 =
Urk.
7/83)
.
Am 2
5.
Mai 2012 übermittelte das
R.___
(vgl. die Aktennotiz in
Urk.
7/85) der IV-Stelle den Austrittsbericht der
I.___
vom
7.
Mai 2012 über
die stationäre Behandlung des Versicherten von Ende Februar bis Ende Apr
il 2012 (
Urk.
7/86/2-7), und dessen
Rechtsvertreter
liess der IV-Stelle zudem einen
Kurzbericht der Klinik vom 15.
Mai 2012 zukommen (
Urk.
7/86/1
; Schreiben des Rechtsvertreters vom 3
0.
Mai 2012,
Urk.
7/87). Die IV-Stelle teilte mit Schreiben vom 2
1.
Juni 2012 mit, dass si
e auch unter Berücksichtigung der neuen medizinischen Unterlagen an ihrer Beurteilung festhalte (
Urk.
7/88; vgl. die weitere Stellungnahme
von
dipl.
med.
Q.___
vom 2
1.
Juni 2012,
Urk.
7/89).
2.
Der Versicherte liess daraufhin durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom
2
5.
Juni 2012 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
3.
Mai 2012 erheben (
Urk.
1) und beantragen, ihm sei in Aufhebung der Verfügung eine ganze Rente zuzusprechen
(
Urk.
1 S. 1). Als neues Beweismittel liess er eine Stellungnahme des
H.___
vom 3
0.
Juni 2011 zu
zwei
medi
zinischen Gutachten zuhanden des Krankentaggeldversicherers einreichen (
Urk.
3/4). Ausserdem liess er in
prozessualer Hinsicht
um die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung ersuchen (
Urk.
1 S. 1).
Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
3.
August 2012 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit Verfügung vom 1
9.
September 2012
(
Urk.
11)
gewährte das Gericht dem Versicherten die unentgeltliche Prozessführung
und setzte ihn von der Beschwerdeantwort in Kenntnis. Im weiteren Verlauf liess der Versicherte dem Gericht verschiedene medizinische Berichte zustellen, nämlich den Bericht des
H.___
vom 2
5.
September 2012
(
Urk.
14), den Bericht von
Dr.
med.
S.___
, Spezialärztin für Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom
6.
Oktober 2012 (
Urk.
17), den Bericht des
H.___
vom 2
0.
September 2013, Prof.
Dr.
med.
T.___
, Facharzt für Psychotherapie, Psychoanalyse und psychosomatische Medizin (
Urk.
26), und den Bericht von Prof.
T.___
, der den Versicherten seit Oktober 2013 in einer anderen Praxis behandelte, vom 1
7.
Oktober 2013 (
Urk.
34).
Die IV-Stelle verzichtete jeweils auf Stellungnahmen dazu (
Urk.
18,
Urk.
20 und
Urk.
37).
Mit Verfügung vom
2.
Oktober 2013 (
Urk.
28) zog das Gericht die Akten der Suva bei (
Urk.
31/1-186). Die Parteien sahen davon ab, zu diesen Akten Stel
lung zu nehmen.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
Am
1.
Januar 2012 sind die im
Zuge der Revision
6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG) und
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher
Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurtei
lung jene Rechtsnormen zugrunde zu legen sind, die gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung ist am
2
3.
Mai
2012 ergangen. Da ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der IV-Revision 6a begonnen hat - zur Diskussion steht
der Anspruch auf eine Rente aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit ab Februar 2010 -
und die Verfügung eine Dauerleistung betrifft, ist entsprechend der dargelegten
intertemporalrecht
lichen
Regelung für die Zeit
bis Ende 2011 auf die damals gültig gewesenen Bestimmungen und für die Zeit ab Anfang 2012 auf die neuen Normen der IV
Revision 6a abzustellen
(vgl. zur
4.
IV-Revision: BGE 130 V 445; Urteil des
Bundesgerichts I 428/04 vom
7.
Juni 2006, E. 1). Soweit jedoch die Revision
6a keine substanziellen
Änderungen gegenüber der frühe
ren Rechtslage gebracht hat
, ist die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 1
9.
Mai 2009, E. 2).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
2.2
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 % oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40 % invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG (in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes
Invaliden
einkommen
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkom
men
).
2.3
Der Rentenanspruch entsteht nach Art. 28 Abs. 1 IVG frühe
stens in dem Zeit
punkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig war (
lit
. b), sofern sie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (
lit
. c). Zu
sätzlich kann der Rentenanspruch gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG
(in der seit dem 1.
Januar 2008 in Kraft stehenden Fassung)
nicht vor Ablauf von sechs Mona
ten nach der Geltendmach
ung entstehen
.
Die Rente wird vom Beginn des Mo
nats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (Abs. 3).
Während bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades die Erwerbseinbusse und damit die Höhe des Einkommens eine entscheidende Rolle spielt, das auf dem gesamten in Frage kommenden Arbeitsmarkt mit einer dem Gesundheitsschaden angepassten zumutbaren Tätigkeit erzielbar ist (Art. 7 ATSG), beurteilt sich die Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) im Sinne von Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG nach der durch einen Gesundheitsschaden bedingten Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen, und es kommt dabei in der
Regel einzig auf die Einschrän
kungen im bisherigen Beruf an (vgl. BGE 130 V 97 E. 3.2, 1
05 V 156 E. 2a, 97 V 226 E. 2).
Die Wartezeit im Sinne
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröff
net, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ein
getreten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen).
2.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
-gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG).
Anlass zur Rentenrevision gibt rechtsprechungsgemäss jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditäts
grad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen).
Die Grundsätze zur Rentenrevision gelten
rechtsprechungsge
mäss
auch dort, wo sich eine versicherte Person, deren Rentenanspruch verneint worden ist, bei der Invalidenversicherung erneut zum Rentenbezug anmeldet. Auch dort ist zu prüfen, ob seit dem Erlass des rentenabweisenden Entscheids eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist (vgl. BGE 130 V 71 E. 3.1 und 3.2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.4).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer entgegen der angefochtenen Verfügung vom 2
3.
Mai 2012 (
Urk.
2) Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
3.2
Der Beschwerdeführer hatte sich vor der Anmeldung vom
2
9.
Juni 2010 (Urk.
7/28), welche die rentenabweisende Verfügung vom 2
3.
Mai 2012 nach sich zog,
ein erstes Mal bereits
am 1
0.
Juli 2004 bei der Invalidenversicherung angemeldet (
Urk.
7/1).
Die Verfügung vom 3
0.
August
2005
, die aufgrund der
Anmeldung vom
1
0.
Juli 2004
ergangen war
, hatte jedoch l
ediglich den Anspruch auf beruf
liche Eingliederungsmassnahmen zum Gegenstand
gehabt
(
Urk.
7/20). Mit der ange
fochtenen Verfügung vom
2
3.
Mai 2012
wurde somit zum ersten Mal über den Rentenanspruch des
Beschwerdeführers entschieden,
und bei de
r Anmeldung vom 2
9.
Juni 2010
handelt es sich demnach, was diesen Anspruch betrifft, um ein erstmaliges Leistungsgesuch. Die Grundsätze zur Rentenrevision sind daher nicht anw
endbar, und der Anspruch des Be
schwer
deführers auf eine Invalidenrente
ist mithin nicht von vornherein
von einer Än
derung im Sachverhalt ab einem bestimmten Zeitpunkt abhängig.
3.3
Gemäss den Angaben der Arbeitgeberin vom 1
3.
Juli 2010 stellte der Beschwer
deführer seine A
rbeitstätigkeit aus gesundheitlichen G
ründen am 25.
Februar 2010 ein (
Urk.
7/33/4)
. Ab dann war er auch arbeitsunfähig geschrieben (
Urk.
7/33/5), nach hausärztlich
em Attest spätestens ab dem 17.
Juni 2010 zu 10
0
%
(
Urk.
7/40/2 und
Urk.
7/58/
2).
Bei einer durchschnittliche
n
Arbeitsunfä
higkeit während
eines Jahres von mindestens 40
% hat er somit frühestens ab dem
1.
Februar 2011 Anspruch auf eine Rente, sofern er ab diesem Zeitpunkt eine krankheitsbedingte Erwerbseinbuss
e von mindestens 40
%
aufweist.
Die vorbestandene
gesundheitliche
Einschränkung für Arbeiten mit Teig
führt nicht zu einem früheren Ablauf des Wartejahres.
Denn
nach der Aufgabe der Tätigkeit als Bäcker
konnte der Beschwerdeführer eine Vollzeitstelle antreten, mit der er ein Einkommen von mehr als 80
%
des Einkommens im Bäckerberuf erzielte (vgl. die Berechnungen der Suva zur Überga
ngsentschädigung in Urk.
7/23
und
Urk.
7/24
). Eine Erwerbseinbusse von mindestens 20
%
, wie sie im Falle eines Berufswechsels aus Krankheitsgründen und späterer gesundheitli
cher Einschränkungen im neuen Beruf für die Ermittlung der Wartezeit massge
bend ist (vgl. Urteil des B
undesgerichts I 305/2000 vom 8.
April 2002, E. 3c), ist demnach nicht ausgewiesen. Die Wartezeit konnt
e
damit nicht vor dem 2
5.
Februar 2010 zu laufen beginnen.
3.4
3.4.1
D
er rentenabwei
senden Verfügung vom
2
3.
Mai 2012
(
Urk.
2)
liegt die An
nahme zugrunde, der Beschwerdeführer sei sowohl für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
als Maschinenführer als auch für jede andere angepasste Tätigkeit zu 70
%
arbeitsfähig. Diese Annahme stützt sich auf das
polydisziplinäre
Gutach
ten der MEDAS
J.___
vom
5.
Januar 2012
(
Urk.
7/68 und 7/69)
, das von
den RAD-Ärzten
Dr.
P.___
und
dipl.
med.
Q.___
als
taugliche Ent
schei
dungsbasis beurteilt wurde (
Urk.
7/77/6 und
Urk.
7/82).
3.4.2
Die somatisch-medizinischen Beurteilungen der MEDAS-Gutachter leuchten
in Bezug auf die erhobenen Befunde, die gestellten Diagnosen und die
Einschät
zung der
Arbeitsfähigkeit ein
,
und es
kann darauf abgestellt werden.
Bei der
neurologischen Untersuchung
standen die Kopfschmerzen im Vorde
r
grund, die bereits im Herbst
2009, also vor der Einstellung der Arbeitstätigkeit Ende Februar 2010,
Gegenstand von Abklärungen gewesen waren. Wie der neurologische
Konsiliar
gutachter
Dr.
N.___
am 2
9.
September 2011
zutreffend bemerkte
(
Urk.
7/68/5)
, war die Magnetresonanztomographie des Schädels vom September 2009
bis auf eine 8 mm grosse
Cyste
unauffällig gewesen (vgl.
Urk.
7/40/7), und der
Konsiliar
gutachter
hielt eine Beteiligung dieser
Cyste
an den geklagten Schmerzen für unwahrscheinlich, da er
als Grund für
deren Ent
stehung
ein Schädel-Hirn-Trauma des Jahres 1985 in Betracht zog, der Be
sc
hwerdeführer
jedoch zwischenzeitlich
wieder eine uneingeschränkte Arbeits
fähigkeit erlangt hatte.
Sodann stimmt die Einordnung der Kopfschmerzen als spannungsbedingt mit Übergängen in Migräne und der Verdacht auf eine schmerzmittelbedingte Komponente (
Urk.
7/68/5-6) mit den vorangegangenen Beurteilungen von
Dr.
F.___
(
Urk.
7/40/28-29
) und Dr.
U.___
(vgl. die Zu
sammenfassung eines Berichts vom 2
5.
Februar 2011 in
Urk.
7/69/13)
überein.
Es ist daher plausibel, dass
Dr.
N.___
die Kopfschmerzen auch nicht durch sonstige
neurologisch
relevante Befunde erklären konnte (Urk. 7/68/5
6).
Die übrigen neurologischen Untersuchungen durch
Dr.
N.___
ergaben ebenfalls keine Auffälligkeiten
(vgl.
Urk.
7/68/
4-
6)
.
I
nbesondere
konnte
Dr.
N.___
keine Anhaltspunkte für eine
radikuläre
Läsion als Ursache der
lumbovertebralen
Symptomatik
finden (
Urk.
7/68/6), sodass auch von dieser Seite her keine Ar
beitsunfähigkeit aus neurologischer Sicht ausgewiesen ist.
Der strukturelle
lumbovertebrale
Befund einer
Bandscheibenprotrusion
auf der Höhe L4/5 war Gegenstand der Ausführungen des rheumatologischen
Konsiliar
gutachters
Dr.
O.___
. Dieser nahm Bezug
(vgl.
Urk.
7/68/10)
auf
eine
Magnet
resonanztomographie
in
der
E.___
vom
1.
März 2010, die diesen Befund gezeigt hatte; die Klinik hatte jedoch keine
Nervenwurzelkom
pression
festgestellt, hatte des Weiteren auch eine
Spondylozystitis
ausschlies
sen können und hatte die Beschwerden als
letzlich
unklar bezeichnet (
Urk.
7/58/6-7).
Dr.
O.___
folgte der Annahme der fehlenden Relevanz der
Dis
kusprotrusion
für die Beschwerden (
Urk.
7/68/11), konnte zudem eine systemisch rheumatologische/immunologische Krankh
eit ausschliessen
und erachtete schliesslich den
muskuletta
len
Status als unauffällig
, nachdem
sich
eine recht ausgeprägte thorakale Kyphose als aufrichtbar
erwiesen hatte, die Beweglichkeit des Rückens und der Gelenke nur
geringgradig
eingeschränkt war und
keine überdurchschnittlichen
myofaszialen
Befunde der Weichteile
zu erkennen waren
(
Urk.
7/68/9 und
Urk.
7/68/11).
Wenn
Dr.
O.___
bei diesen Untersuchungsergeb
nissen eine
rheumatologischerseits
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit annahm (
Urk.
7/68/10 und
Urk.
7/68/11), so ist dies ebenfalls einleuchtend.
Dies gilt umso mehr, als
schon
der Rheumatologe des
H.___
den Beschwerdeführer
im Bericht über die interdisziplinäre
Schmerz
behandlung
vom 2
6.
Januar 2011 aus rheumatologischer Sicht als zu 100
%
ar
beitsfäh
ig erachtet hatte (
Urk.
7/51/5). Ausserdem waren bei der Untersuchung durch
Dr.
O.___
einige der
Waddell
-Zeichen als
Indikatoren für eine nicht-orga
nische Pathologi
e positiv
, und
Dr.
O.___
vermutete deshalb
einleuchtenderweise
ein psychisches Geschehen als Ursache der geklagten Schmerzen (
Urk.
7/68/
9 und
Urk.
7/68/11
).
3.4.3
Dr.
M.___
nannte im psychiatrischen
Konsiliargutachten
vom 2
6.
September 2011
(vgl.
Urk.
7/68/18)
als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit eine maligne Regression im Rahmen einer ängstlichen (vermeidenden) Persönlichkeitsstörung (
Code F
60.6
der Internationalen Klassifikation psychi
scher Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10)
und als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
aktenanamnestisch
eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung und eine schwere depressive Episode (ICD-10 Code F45.4 und Code F32.3).
Die Auseinandersetzung von
Dr.
M.___
mit der Aktenanamnese, also mit der Krankheitsgeschichte, wie sie sich aus den
Vorak
ten
ergibt
, ist allerdings unvollständig.
Der eingehenden persönlichen Anamnese unter „subjektive Angaben des Versi
cherten“ (
Urk.
7/68/14-17) steht unter „Anamnese aufgrund der Akten“
einzig
der Hinweis gegenüber, viele Daten in den Unterlagen seien stichprobenweise überprüft worden, es hätten sich keine grundlegenden Widersprüche ergeben und es werde auf die Dokumente verwiesen
(Urk.
7/68/14). Tatsächlich sind i
m Gesamtgutachten sämtliche
bei der Exploration
vorhanden
gewesenen
medizi
nischen Berichte
aufgelistet und zusammengefasst
(
Urk.
7/69/1-15
). Es handelt sich dabei jedoch
lediglich um eine Übersicht
darstell
enden Charakters. Diese soll den Gutachtern der einzelnen Fachgebiete die Arbeit insofern erleichtern, als sie von einer (nochmaligen) inhaltlichen Darstellung absehen
können, sie entbindet sie jedoch nicht von der
Diskussion und
der
Würdigung der für sie massgebend
en Berichte. Diese Diskussion und Würdigung ist
vorliegendenfalls
nicht in der erforderlichen Breite und Tiefe erfolgt
.
Die psychiatrische Krankengeschichte des Beschwerdeführers wurde mit
der erstmaligen Vorsprache im
H.___
von Mitte 2010 manifest.
Damals beschrieben die Fachpersonen
eine deutlich depressiv-resignierte Stimmung
und deutliche kognitive Einschränkungen und stellten
die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode ohne Anhaltspunkte für psy
chotische
Erlebnisweisen (
ICD-
10 Code
F32.1;
Urk.
7/40/25
-26
)
, und i
m Bericht vom 2
6.
Januar 2011 über die interdisziplinäre
Schmerzbehandlung beschrieb der zuständige Psychiater eine
vergleichbare Symptomatik (Urk.
7/51/2).
In der Folge
unterzog sich der Beschwerdeführer
von Anfang März bis Anfang Mai 2011
eine
r
achtwöchige
n
tagesklinische
n
Behandlung
im
H.___
. Im Ber
icht über deren Verlauf vom 11.
Mai 2011
sprachen die Fachpersonen nunmehr von einer schweren depressiven Episode
(ICD-10 Code F32.2)
und konstatierten eine lediglich leichte
bis mittelgradige Reduktion
der
depressiven
Symptomatik (
Urk.
7/54 und Urk.
7/53
/7).
Die
I.___
, wo der Beschwerdeführer anschliessend von Ende Juni bis Ende August 2011 hospitalisiert war, stellte gemäss ihrem Bericht vom 2
5.
August 2011, der lediglich in Form der Zusammenfassung im MEDAS-Gut
achten vorliegt,
nunmehr
- neben der Diagnose einer anhaltenden
somato
formen
Schmerzstörung (ICD-10 Code 45.4) -
eine psychotische Symptomatik fest
und interpretierte diese als eine Pseudo-Halluzination im Rahmen einer schweren depressiven Störung mit psychotischen Symptomen (
ICD-10 Code F32.3;
Urk.
7/69/
14-15)
.
Eine Arbeitsfähigkeitsbeurteilung fehlt
im zusammen
gefassten Bericht
der Klinik selbst
;
im Kurzbericht vom 1
9.
Dezember 2011 bemass die Klinik die Arbeitsunfähigkeit jedoch auf 100
%
(
Urk.
7/67). Dies stimmt
überein mit der
Definition im ICD-10-Manual
, nach der
es
im Falle einer
schweren Depression unwahrscheinlich
ist
, dass der Patient in der Lage ist, sozi
ale, häusliche und berufliche Aktivitäten fortzuführen.
Wenn
Dr.
M.___
b
ei der so dokumentierten Krankengeschichte
zur abweichen
den Diagnose einer Persönlichkeitsstörung gelangte und die
psychisch bedingte
Einschränkung in de
r Arbeitsfähigkeit überdies
seit der Einstellung der
Arbeits
tätigkeit
durchgehend auf lediglich 30
%
bemass,
und dies
nur wenige Wochen
nach dem Austritt der Beschwerdeführers aus der
I.___
, so ist für die Nachvollziehbarkeit dieser Einschätzung eine eingehende Analyse und Diskussion der
psychiatrischen
Vorbeurteilungen
und eine Begrün
dung der eigenen
, divergierenden
Beurteilung
erforderlich.
Dr.
M.___
erwähnte indessen die Behandlung im
H.___
und die zu
gehörigen Berichte gar nicht
und
beschränkte sich
hinsichtlich der
Hospitalisa
tion
in der
I.___
darauf,
zum einen
der
Auffassung
zu widersprechen
, der Beschwerdeführer habe beim Ereignis von Ende Februar 2010 - offenbar
einem
Verhebetrauma
- eine
Retraumatisierung
in Bezug auf den Autounfall vor 25 Jahren erlitten
(von
Dr.
M.___
irrtümlich als Arbeits
unfall bezeichnet)
, und zum anderen der Klinik insoweit zuzustim
men, als sie die Sinnestäuschungen als Pseudo-Halluzinationen qualifizierte (
Urk.
7/68/19).
Diese beiden kurzen Hinweise genügen d
en dargelegten An
forderungen an eine
auch für den medizinischen Laien
nachvollziehbare
Beurtei
lung
n
icht. Die
s gilt umso mehr, als
Dr.
M.___
ausführte
, man könnte ar
gumentieren, die Kriterien des Mini-ICF-Ratings
(
zur Beurteilung von Fähigkeitsstörungen bei psychischen Erkrankungen
) seien in mittlerem bis erheblichem Ausmass praktisch durchgän
gig erfüllt und die sogenannten
Foersterschen
Kriterien (Kriterien, die
rechtspre
chungsgemäss
in Anlehnung an eine bestimmte medizinische Lehrmeinung
ge
geben sein müssen, damit organisch nicht erklärbare Schmerzen eine relevante Arbeitsunfähigkeit begründen;
vgl. BGE 137 V 64 E. 4.1 und 130 V 396 E. 6.2
)
seien überwiegend erfüllt, er plädiere aber dennoch dafür, dass dem Beschwer
deführer aus Gründen der restriktiven Diagnose nur eine Teilarbeitsunfähigkeit zugestanden werde
, weil vorbestehende Persönlichkeitseigenschaften und sozio
kulturelle Faktoren an der Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit mitbeteiligt seien (
Urk.
7/68/20).
Denn die Diagnose einer Depression
des
schweren
Aus
mass
es
, wie sie die
I.___
annahm,
spräche
nach den vorstehenden Ausführungen
für eine volle Arbeitsunfähigkeit,
ungeachtet des Vorhandenseins von invaliditätsfremden Faktoren
und auch ungeachtet der genannten
Krit
erien, welche die Rechtsprechung im Hinblick auf die anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung entwickelt hat.
3.4.4
Neben
den Unvollständigkeiten
im
konsiliarischen
Gutachten von
Dr.
M.___
, dessen Beurteilung im Gesamtgutachten über
nommen wurde (vgl. Urk. 7/69/23
25),
liegen Versäumnisse der Beschwerdegegnerin vor.
So
unter
liess sie es
, von der
I.___
einen spezifisch zu ihren
Handen
erstellten Bericht einzuholen, obwohl
Dr.
G.___
im Bericht vom
9.
Oktober 2011 den
dortigen Aufenthalt des Beschwerdeführers
zumindestens
am Rand erwähnt hatte (vgl.
Urk.
7/58/3) und der
Beschwerde
führer ihr einen Kurzbericht der Klinik vom 1
9.
Dezember 2011 hatte zukom
men lassen (
Urk.
7/67). Auch als der Beschwerdeführer im
Vorbescheidverfahren
auf die laufende erneute stationäre Behandlung in der
I.___
hinweisen liess (vgl.
Urk.
7/81/2), sah die
Beschwerdegegne
rin
weiterhin von der Einholung eines Berichts der Klinik ab
und nahm vor Er
lass der angefochtenen Verfügung vom 2
3.
Mai 2012 auch keine Kenntnis vom Austrittsbericht
, den die Klinik bereits am
7.
Mai 20
12 verfasst hatte (
Urk.
7/84
).
Erst während de
r
laufenden Beschwerde
frist
holte sie schliesslich die
versiche
rungsinterne
Stellungnahme von
Dr.
Q.___
vom 21.
Juni 2012 ein, und dieser hielt darin
nur
fest,
die psychopathologische Beschreibung sei identisch mit derjenigen im psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS und unterschiedlich sei
lediglich
die Wertung im MEDAS-Gutachten
(
Urk.
7/89)
.
Angesichts der vorste
hend erörterten Unvollständigkeiten
im psychiatrischen
Konsiliarbericht
von
Dr.
M.___
wäre es indessen angezeigt gewesen, die MEDAS-Gutachter über die erneute stationäre Behandlung des Beschwerdeführers in der
I.___
zu informieren und sie aufzufordern, ihre
Beurteilung unter Berücksichtigung dieses weiteren Verlaufs
und der erläuterten Lücken in der Beg
ründung nochmals zu überprüfen.
3.4.5
Damit
bedarf es
weiterer
medizinischer
K
lärungen für die Beurteilung des Renten
anspruchs des Beschwerdeführers. Zunächst werden IV-spezifische Be
richte des
Z.___
und des
H.___
sowie gegebenenfalls auch vom ak
tuell behandelnden Psychiater Prof
.
T.___
(vgl.
Urk.
34)
einzuholen sein.
Danach werden die Akten der MEDAS
J.___
zur
Ergänzung und Vervollständigung
im Sinne der vorstehen
den Darlegungen zu unterbreiten sein. A
uch unter der Herrschaft der neuen Rechtsprechung (BGE 137 V 210)
ist vorerst
kein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben, da vorab die Akten und die bisherigen gutachterlichen Ausführungen zu ergänzen sind (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Zu diesem Zweck ist die Sache vielmehr an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen.
Diese Rückweisung schliesst auch die Berücksichtigung
der im vorliegenden Verfahren
eingereich
ten aktuellen Bericht
e ein
und die Auflage an die
Beschwerdegegnerin, ein neues, vor allem psychiatrisches,
Gutachten in Auftrag zu geben, wenn dies nach der
vorab
veranlassten Ergänzung geboten sein sollte.
Ein neues Gutach
ten
kann - anstelle der Ergänzung des bestehenden Gutachtens - auch dann angezeigt sein, wenn die Beschwerdegegnerin angesichts des Zeitablaufs eine Beurteilung des Verlaufs im gesamten, bis in di
e Gegenwart reichenden Zeit
raum
in Betracht zieht.
Nebenbei ist zudem darauf hinzuweisen, dass bei der Invaliditätsbemessung entgegen dem Vorgehen der Beschwerdegegnerin (vgl. den
Einkommensver
gleich
vom
2.
März 2012,
Urk.
7/76)
als
Valideneinkommen
nicht das
mutmass
liche
Einkommen
an der zuletzt innegehabten Stelle, sondern das mutmassliche Einkommen einzusetzen ist, das der Beschwerdeführer als Bäcker bei der
Y.___
erzielt hätte
, wenn er diese Stelle nicht krankheitsbedingt hätte aufgeben müssen.
3.5
Damit ist die Beschwerde in
dem Sinne gutzuheissen, dass die
angefochtene
Verfügung vom 2
3.
Mai 2012 aufzuheben
und die Sache an die
Beschwerde
gegnerin
zurückzuweisen ist, damit diese die erforderlichen Abklärungen im Sinne der Erwägungen tätige und hernach über
den Rentenanspruch neu be
finde
.
4.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende
Be
schwerdegegnerin
kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des g
esetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) ermessensweise auf Fr. 800.--
festzusetzen.
5.
Nach Art. 61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person An
spruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskriterien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] sowie § 8 der Verordnung über die Ge
büh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Unter Berücksichtigung dieser Kriterien rechtfertigt es sich, dem Beschwerde-führer eine Prozessentschädigung von
Fr.
2‘100.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in
dem Sinne gutgeheissen, dass die
angefochtene
Verfügung vom 2
3.
Mai
2012 aufgehoben
und die Sache an die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird
, damit diese die erforderlichen Abklä
rungen im Sinne der Erwägungen tätige und hernach über
die Frage der
Rentenaufhe
bung
neu befinde
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rech
nung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechts
kraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
ei
ne
Prozessent
schädigung
von
Fr.
2‘100.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer
) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Milosav Milovanovic
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still:
vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Ur
kunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GrünigKobel