# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2c7e6f86-40e1-5a6c-a121-3e283d55d217
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 1997-10-22
**Language:** de
**Title:** Ausnützungsziffer. Berücksichtigung von in den Vollgeschossen realisiertem Gewerbebonus bei der Ermittlung der ausnützungsprivilegierten Fläche im Dachgeschoss.
**Docket/Reference:** BRKE III Nr. 0187/1997
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRKE_III_187_1997_43.pdf

## Full Text

BRKE III Nr. 187/1997 vom 22. Oktober 1997 in BEZ 1998 Nr. 13

(bestätigt mit VB.97.00504 vom 4. März 1998)

6. a) Die Rekurrenten machen geltend, dass das von ihnen angefochtene Pro-
jekt  zu  einer  Übernutzung  der  Bauparzelle  führe.  Zur  Begründung  führen  sie  an, 
dass  bei  der  Ermittlung  der  – für  die  Frage  der  Nichtanrechenbarkeit  von  Nutzflä-
chen  in  Dach- und  Untergeschossen  massgeblichen  – «gesamten  zulässigen  Aus-
nützung» im Sinne von § 255 Abs. 2 PBG der von Art. 14 Abs. 3 BauO vorgesehene 
Gewerbebonus  nicht  hätte  berücksichtigt  werden  dürfen.  Da  die  Dachgeschosse 
ausschliesslich  Wohnzwecken  dienten,  dürfe  der  Umfang  der  nicht  anrechenbaren 
Nutzfläche in diesen Geschossen lediglich anhand der Ausnützung ermittelt werden, 
welche Art. 9 Abs. 1 BauO in der hier massgeblichen dreigeschossigen Wohnzone 
mit Gewerbeerleichterung (WG3) für das Wohnen zur Verfügung stelle.

b) Nach § 255 Abs. 1 PBG sind an die Ausnützungsziffer alle dem Wohnen, Ar-
beiten  oder  sonst  dem  dauernden  Aufenthalt dienenden oder hierfür verwendbaren 
Räume  in  Vollgeschossen  samt  Erschliessungsflächen,  Sanitärräumen und inneren 
Trennwänden anzurechnen. Entsprechende Flächen in Dach- und Untergeschossen 
sind nach § 255 Abs. 2 PBG anrechenbar, soweit sie je Geschoss die Fläche über-
schreiten, welche sich bei gleichmässiger Aufteilung der gesamten zulässigen Aus-
nützung auf die zulässige Vollgeschosszahl ergäbe.

Der  Sinn  des  anlässlich  der  Gesetzesrevision  vom  1.  September  1991  im  vor-
stehenden  Sinn  neugefassten  §  255  Abs.  2  PBG  liegt  allein  darin,  Missbräuchen 
entgegenzuwirken.  Die  Norm  will  verhindern,  dass  architektonisch  unbefriedigende 
Bauten  erstellt  werden,  bei  denen  zur  Vermeidung  der  Anrechnung  an  die  Ausnüt-
zung  grosse  (oder  gar  sämtliche  [sog.  «Nullhaus»])  Teile  der  Nutzflächen  in  Dach-
und Untergeschossen untergebracht werden. Ein weitergehender Zweck kommt die-
ser  Bestimmung  nicht  zu.  Insbesondere  hat  sie  keine  ausnützungsbeschränkende 
Funktion  im  Sinne  der  rekurrentischen  Auslegung.  Die  gesamte  zulässige  Ausnüt-
zung  im  Sinne  von  §  255  Abs.  2  PBG  bildet  dasjenige  Mass,  welches  die  Bauord-
nung in den jeweils fraglichen Bauzonen für die zonenkonformen Verwendungszwe-
cke insgesamt zur Verfügung stellt. Gewährt eine Bau- und Zonenordnung wie vor-
liegend einen sog. Gewerbebonus, so sind diesbezügliche Ausnützungserhöhungen 
entgegen  der  rekurrentischen  Auffassung  bei  der  Frage,  in  welchem  Umfang  Nutz-
flächen in Dach- und Untergeschossen nicht anrechenbar seien, nicht unberücksich-
tigt zu lassen.

- 2 -

Vielmehr bilden derartige, gestützt auf § 49a Abs. 3 PBG statuierte erhöhte Nut-
zungsziffern  für  gewerbliche  Zwecke  Teil  der  gesamthaft  zulässigen  Ausnützung. 
Daran ändert nichts, dass diese zusätzlichen Nutzflächen nicht bedingungslos, son-
dern  lediglich  unter  der  Voraussetzung  der  gewerblichen  Verwendung  konsumiert 
werden  können.  Verzichtet  ein  Bauherr  auf  die  Möglichkeit,  die  ausschliesslich  für 
gewerbliche Zwecke zugelassenen Nutzflächen zu realisieren, so verhält es sich im 
Ergebnis  nicht  wesentlich  anders,  als  wenn  in  einer  Zone  ohne  Gewerbebonus  die 
zulässige  Ausnützung  nicht  vollständig  ausgeschöpft  wird,  was  nicht  dazu  führt,
dass  sich  die  nicht  anrechenbaren  Nutzflächen  in  Dach- und  Untergeschossen  re-
duzierten.  Deren  Mass  entspricht  auch  diesfalls  dem  der  zonengemässen  Vollge-
schosszahl  entsprechenden  Bruchteil  der  theoretisch  zulässigen  Maximalausnüt-
zung, auf welche § 255 Abs. 2 PBG abstellt.

Die Nichtberücksichtigung eines allfälligen Gewerbebonus würde insbesondere 
dann  zu  einem  unhaltbaren  Resultat  führen,  wenn  dieser  neben  der  ansonsten  zu-
lässigen Ausnützung ausgeschöpft würde, indem die in Dach- und Untergeschossen 
ausnützungsprivilegierten  Flächen  entgegen  dem  Gesetzeswortlaut  nicht  dem  von 
der  zulässigen  Geschosszahl  abhängigen  Bruchteil  der  gesamthaft  möglichen  und 
auch  realisierten Ausnützung entsprächen. Der Umstand, dass ein zur Gesamtaus-
nützung  gezählter  Gewerbebonus  entgegen  dem  primären  Zweck  dieses  Instituts 
mittelbar  auch  zu  einem  «Wohnbonus» wird, kann im Hinblick auf den regelmässig 
geringen Umfang, in welchem dies der Fall ist, ohne weiteres hingenommen werden. 
Unpraktikabel wäre es, die Berücksichtigung eines allfälligen Gewerbebonus im Sin-
ne  des  rekurrentischen  Dafürhaltens  von  der  tatsächlichen  Dachgeschossnutzung 
abhängig zu machen.

Die rekurrentischen Einwände erweisen sich als unbegründet.