# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cee06223-b989-587b-8d5e-f877e15e2ade
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-07-24
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 24.07.2008 E-4815/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4815-2008_2008-07-24.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-4815/2008

{T 0/2}

U r t e i l  v o m  2 4 .  J u l i  2 0 0 8

Einzelrichter Bruno Huber, 
mit Zustimmung von Richterin Marianne Teuscher; 
Gerichtsschreiber Christoph Berger.

A._______, geboren _______,
Kongo (Kinshasa),
vertreten durch LL.M. lic. iur. Susanne Sadri,
_______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Wiedererwägung / 2. Asylgesuch; Verfügung des BFM 
vom 19. Juni 2008 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-4815/2008

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, 

dass der Beschwerdeführer am 30. Juni 2005 in der Schweiz um Asyl 
nachsuchte,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom 26. Juli  2005  feststellte,  der  Be-
schwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  das  Asylge-
such ablehnte und die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Voll-
zug anordnete,

dass  der  Beschwerdeführer  diesen  Entscheid  mit  Beschwerde  vom 
25. August 2005 bei der damals zuständigen Schweizerischen Asylre-
kurskommission (ARK) vollumfänglich anfocht,

dass die ARK auf die Beschwerde mit Urteil vom 18. November 2005 
wegen Nichtbezahlens des Kostenvorschusses nicht eintrat,

dass der  Beschwerdeführer  durch seine Rechtsvertreterin  dem BFM 
am  3.  Juni  2008  eine  als  "Wiedererwägungsgesuch"  bezeichnete 
Rechtsschrift zukommen liess, worin zur Hauptsache beantragt wurde, 
es sei die Verfügung der Vorinstanz vom 26. Juli 2005 in Wiedererwä-
gung zu ziehen und Nachfluchtgründe des Beschwerdeführers festzu-
stellen,

das  zur  Begründung  im  Wesentlichen  vorgebracht  wurde,  der  Be-
schwerdeführer sei aufgrund exilpolitischer Aktivitäten bei einer Rück-
kehr in sein Heimatland mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit aufgrund 
subjektiver  Nachfluchtgründe  gezielter  Verfolgung  und  ernsthaften 
Nachteilen im Sinne von Art. 3 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 
(AsylG, SR 142.31) ausgesetzt,

dass der Beschwerdeführer seiner Eingabe verschiedene Beweismittel 
und Unterlagen beilegte,

dass das BFM mit Verfügung vom 19. Juni 2008 feststellte, das Wie-
derwägungsgesuch sei abzuweisen, die Verfügung vom 26. Juli 2005 
sei rechtskräftig und vollstreckbar, einer allfälligen Beschwerde komme 
keine aufschiebende Wirkung zu und für das Verfahren eine Gebühr in 
der Höhe von Fr. 600.– erhob,

dass das Bundesamt die Verfügung damit begründete, das Bestehen 
von subjektiven Nachfluchtgründen sei zu verneinen,

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dass der Beschwerdeführer am 21. Juli 2008 (Poststempel) durch sei-
ne Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein-
reichen  und  beantragen  liess,  die  Verfügung  der  Vorinstanz  vom 
19. Juni 2008 sei aufzuheben und die aufschiebende Wirkung wieder-
herzustellen,  es  sei  ihm  sei  politisches  Asyl  zu  gewähren  und  die 
Unzulässigkeit  sowie Unzumutbarkeit  des Vollzuges der Wegweisung 
aus der Schweiz festzustellen und er sei als Folge davon vorläufig auf-
zunehmen,

dass er in verfahrensrechtlicher Hinsicht zudem beantragen liess, es 
sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren,

und zieht in Erwägung,

dass  gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Ju-
ni 2005 (VGG, SR 173.32) das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021) be-
urteilt, sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt,

dass als Vorinstanzen die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden 
gelten,

dass Verfügungen des BFM im Bereich des Asyls vor Bundesverwal-
tungsgericht  anfechtbar  sind,  welches  endgültig  darüber  entscheidet 
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass in der Rechtsschrift vom 3. Juni 2008 ausdrücklich die Feststel-
lung von Nachfluchtgründen beantragt wird,

dass aus den Ausführungen in der Begründung der Rechtsschrift vom 
3. Juni  2008  unmissverständlich  die  Absicht  des  Beschwerdeführers 
hervorgeht,  die Schweizer Behörden - noch immer oder erneut - um 
Schutz  vor  Verfolgung zu  ersuchen  (vgl. Entscheidungen und Mittei-
lungen der ARK [EMARK] 1998 Nr. 1 E. 6.c.bb S. 13),

dass ein weiteres Gesuch um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft 
nach  erfolglosem  Durchlaufen  eines  Asylverfahrens  aber  als  neues 
Asylgesuch zu behandeln ist, solange darin nicht zur Hauptsache Re-

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visionsgründe  geltend  gemacht  werden  (vgl.  EMARK  2006  Nr. 20 
E. 2.3. S. 214),

dass der Beschwerdeführer unbestrittenermassen in der Schweiz be-
reits ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen hat,

dass die Rechtsschrift  vom 3. Juni 2008 nicht darauf abzielt,  die be-
züglich  Nichtzuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  Ablehnung 
des Asylgesuchs in Rechtskraft erwachsene Verfügung des BFM vom 
26. Juli 2005 als von Anfang an fehlerhaft erscheinen zu lassen,

dass vielmehr darin aufzuzeigen versucht wird, dass sich seit Eintritt 
der Rechtskraft jener Verfügung die Situation des Beschwerdeführers 
in  einer  Weise  verändert  hat  (subjektive  Nachfluchtgründe),  welche 
nunmehr die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft rechtfertigen soll,

dass mithin keine Revisionsgründe angerufen werden,

dass es sich infolge dessen bei der als "Wiedererwägungsgesuch" be-
zeichneten Rechtsschrift  vom 3. Juni  2008 nicht  um ein Gesuch um 
Wiedererwägung  der  Verfügung  vom 26. Juli  2005,  sondern  um ein 
neues Asylgesuch handelt,

dass der Beschwerdeführer sich demzufolge wiederum im Asylverfah-
ren  befindet,  während  dessen  gesamter  Dauer  er  sich  gestützt  auf 
Art. 42 Abs. 1 AsylG in der Schweiz aufhalten kann,

dass unter den gesamten Umständen nicht davon ausgegangen wer-
den kann, das BFM habe die Eingabe vom 3. Juni 2008 versehentlich 
als  Wiedererwägungsgesuch behandelt,  sondern  vielmehr  angenom-
men werden muss, das Bundesamt nehme die Verletzung von Verfah-
rensvorschriften im vorliegenden Fall in Kauf,

dass unter diesen Umständen der festgestellte Verfahrensmangel nicht 
als  durch  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  geheilt  betrachtet 
werden kann, 

dass bei der vorliegenden Sachlage die Beschwerde offensichtlich be-
gründet ist,  weshalb der Richter als Einzelrichter mit Zustimmung ei-
nes  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  ent-
scheidet (Art. 111 Abs. 1 Bst. e AsylG),

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dass die Beschwerde demnach gutzuheissen, die angefochtene Verfü-
gung vom 26. Juli 2005 aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung 
im Sinne der vorstehenden Erwägungen an das BFM zurückzuweisen 
ist,

dass das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung 
der Beschwerde mit vorliegendem Urteil gegenstandslos geworden ist,

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  keine  Verfah-
renskosten aufzuerlegen sind (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG),  womit das 
Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss 
Art. 65 Abs. 1 VwVG gegenstandslos wird,

dass dem Beschwerdeführer angesichts des Obsiegens im Beschwer-
deverfahren in  Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG eine Parteient-
schädigung für  die ihm erwachsenen notwendigen Vertretungskosten 
zuzusprechen ist  (vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar  2008 
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt [VGKE, SR 173.320.2]), die vorliegend aufgrund der Akten zuver-
lässig abgeschätzt werden können sowie auf Fr. 600.– (inklusive Mehr-
wertsteuer  und  Auslagen)  festzusetzen sind  (Art.  14  Abs. 2  VGKE), 
und deshalb auf die Einforderung einer Kostennote verzichtet werden 
kann.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen.

2.
Die Verfügung des BFM vom 19. Juni 2008 wird vollumfänglich aufge-
hoben und die Sache zur Neubeurteilung im Sinne der Erwägungen an 
die Vorinstanz zurückgewiesen.

3.
Der Beschwerdeführer  kann den Ausgang des Asylverfahrens in  der 
Schweiz abwarten.

4.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

5.
Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteient-
schädigung von Fr. 600.– (inklusive MwSt und Auslagen) auszurichten.

6.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N_______ (per Kurier; in Kopie)
- Y._______ (in Kopie)

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Bruno Huber Christoph Berger

Versand: 

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