# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3540cda3-d660-50f3-9cda-c5bab3933a6c
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-11-09
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 09.11.2017 SK 2017 43
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2017-43_2017-11-09.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 17 43

Hochschulstrasse 17
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 9. November 2017 

Besetzung Obergerichtssuppleantin Schödler (Präsident i.V.), 
Oberrichter Aebi, 
Oberrichter Kiener
Gerichtsschreiberin Garo

Verfahrensbeteiligte A.________
amtlich verteidigt durch Fürsprecherin B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Maulbeerstras-
se 10, Postfach 6250, 3001 Bern

Anschlussberufungsführerin

und

C.________

Straf- und Zivilklägerin/Anschlussberufungsführerin

Gegenstand versuchte vorsätzliche Tötung, evtl. versuchte schwere Körperver-
letzung, vorsätzliche schwere Körperverletzung  etc.

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura-
Seeland (Kollegialgericht) vom 2. November 2016 (PEN 16 404)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland (Kollegialgericht; nachfolgend Vorin-
stanz) erklärte A.________ (nachfolgend Beschuldigter) mit Urteil vom 2. Novem-
ber 2016 (pag. 913 ff.) der versuchten vorsätzlichen Tötung, begangen am 25. Juni 
2015 in D.________ (Ort) z.N.v. C.________ (nachfolgend Straf- und Zivilklägerin) 
schuldig und verurteilte ihn in Anwendung der einschlägigen Gesetzesbestimmun-
gen zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren, wobei die ausgestandene Untersu-
chungshaft von 224 Tagen vollumfänglich auf die Freiheitsstrafe angerechnet wur-
de, sowie zu den erstinstanzlichen Verfahrenskosten (Ziff. I. des erstinstanzlichen 
Urteilsdispositivs; pag. 914). Weiter bestimmte die Vorinstanz die amtliche Ent-
schädigung und das volle Honorar für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten 
durch Fürsprecherin B.________ (Ziff. II. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs; 
pag. 915) und verurteilte den Beschuldigten im Zivilpunkt in Anwendung der ein-
schlägigen Gesetzesbestimmungen zur Bezahlung von CHF 10‘000.00 Genugtu-
ung an die Straf- und Zivilklägerin. Soweit weitergehend wurde die Genugtuungs-
forderung ohne Ausscheidung von Verfahrenskosten abgewiesen (Ziff. III. des erst-
instanzlichen Urteilsdispositivs; pag. 915). Sodann hiess die Vorinstanz die Scha-
denersatzforderung der Straf- und Zivilklägerin dem Grundsatz nach gut und ver-
wies diese für die vollständige Beurteilung auf den Zivilweg, ohne dass dafür Kos-
ten ausgeschieden wurden (Ziff. IV. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs; pag. 
915 f.). Schliesslich traf die Vorinstanz die erforderlichen Verfügungen (Ziff. V. des 
erstinstanzlichen Urteilsdispositivs; pag. 916).

Mit Urteilsberichtigung vom 7. November 2016 (pag. 930 ff.) berichtigte die Vorin-
stanz das Urteilsdispositiv vom 2. November 2016 insofern, als dass die Auslagen 
und damit die gesamthaften erstinstanzlichen Verfahrenskosten gemäss Ziff. I.2. 
des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs sowie die amtliche Entschädigung der Ver-
teidigerin gemäss Ziff. II.1. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs korrigiert wurden 
(vgl. pag. 931). 

2. Berufung und Anschlussberufungen

Gegen dieses Urteil meldete Fürsprecherin B.________ namens und auftrags des 
Beschuldigten mit Eingabe vom 14. November 2016 fristgerecht die Berufung an 
(pag. 962). Die Berufungserklärung erfolgte ebenfalls form- und fristgerecht mit 
Eingabe vom 21. Februar 2017 (pag. 1075 ff.). 

Die Generalstaatsanwaltschaft erhob mit Schreiben vom 6. März 2017 Anschluss-
berufung. Gleichzeitig teilte sie mit, dass aus Sicht der Generalstaatsanwaltschaft 
kein Grund für ein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten bestehe 
(pag. 1083 f.). Die Straf- und Zivilklägerin liess sich mit Stellungnahme vom 
14. März 2017 vernehmen, wobei sie weder Gründe für ein Nichteintreten auf die 
Berufung des Beschuldigten geltend machte, noch Anschlussberufung erhob 
(pag. 1086 ff.). 

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Mit Stellungnahme vom 10. April 2017 teilte der Beschuldigte mit, dass gegen die 
Anschlussberufung der Generalstaatsanwaltschaft keine Nichteintretensgründe gel-
tend gemacht würden (pag. 1104). Die Straf- und Zivilklägerin liess sich zu diesem 
Punkt innert Frist nicht vernehmen. 

Die Straf- und Zivilklägerin erhob zwar weder Anschlussberufung noch eine 
selbständige Berufung und bezeichnete sich selbst auch nicht als Anschlussberu-
fungsführerin bzw. Berufungsführerin, führte indessen in ihrer Eingabe vom 
16. März 2017 Folgendes aus (pag. 1086):

«[…] Ich mache erneut geltend, dass mich der Angeschuldigte vorsätzlich brutal angegriffen und es 
dabei in Kauf genommen hat, dass der Angriff für mich tödlich hätte enden können. Ich ersuche das 
Gericht, den Angeschuldigten […] zu bestrafen und mich für die erlittenen und noch andauernden 
Nachteile vollumfänglich zu entschädigen. (…). Ich beantrage Ihnen daher, die Genugtuungs- und 
Entschädigungsfrage erneut zu prüfen und mir gegebenenfalls Gelegenheit zu geben, Ihnen eine 
Kostenzusammenstellung meiner Aufwendungen vorzulegen, die mir im Zusammenhang mit dem An-
griff meines Bruders entstanden sind.»

Sodann beantrage die Straf- und Zivilklägerin auch in ihrer umfangreichen Eingabe 
vom 4. November 2017 eine Abänderung des erstinstanzlichen Urteils zum Nach-
teil des Beschuldigten, insbesondere eine gegenüber der ihr zugesprochenen 
Summe höhere Genugtuung sowie auch hinsichtlich der Schadenersatzsummer ei-
nen höheren Betrag (vgl. pag. 1158 ff.). Die beiden erwähnten Eingaben der Straf- 
und Zivilklägerin bleiben insofern unklar, als die Straf- und Zivilklägerin wie erwähnt 
nicht ausdrücklich Anschlussberufung oder eine eigenständige Berufung erhob. Da 
es sich bei der Straf- und Zivilklägerin um eine juristisch unbedarfte Person han-
delt, sind deren Anträge gleichwohl als Anschlussberufung zu qualifizieren, sollte 
dies dem Willen der Straf- und Zivilklägerin entsprechen. In der oberinstanzlichen 
Verhandlung wurden die anwesende Straf- und Zivilklägerin sowie die übrigen Par-
teien deshalb daraufhin gewiesen, dass aufgrund der Eingaben der Straf- und Zivil-
klägerin vom 16. März 2017 und vom 4. November 2017 vorfrageweise geklärt 
werden müsse, ob die Straf- und Zivilklägerin im vorliegenden Berufungsverfahren 
Anschlussberufungsführerin sei oder nicht. Die Straf- und Zivilklägerin wurde in der 
Folge darüber aufgeklärt, was dies betreffend ihre gestellten Anträge sowie in Be-
zug auf die möglichen Kostenfolgen bedeutet. Die Straf- und Zivilklägerin gab dar-
aufhin bekannt, im oberinstanzlichen Verfahren Anschlussberufungsführerin sein 
zu wollen. Dem Generalstaatsanwalt und dem Beschuldigten wurde zu dieser Fra-
ge das rechtliche Gehör gewährt, es wurden keine Einwände gegen die An-
schlussberufung der Straf- und Zivilklägerin erhoben. In der Folge wurde die Ein-
gabe der Straf- und Zivilklägerin vom 4. November 2017 als erster schriftlicher Par-
teivortrag angesehen (pag. 1195 f.). 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Verhandlung wurden von Amtes wegen ein 
Leumundsbericht (datierend vom 6. Oktober 2017, pag. 1130 f.) sowie ein aktueller 
Strafregisterauszug (datierend vom 11. Oktober 2017, pag. 1138) eingeholt, wobei 
ersterer unvollständig ist, weil der Beschuldigte von der Kantonspolizei St. Gallen 
nicht kontaktiert werden konnte.

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Anlässlich der oberinstanzlichen Hauptverhandlung wurden zudem der 
Beschuldigte zur Person und zur Sache, die Straf- und Zivilklägerin zur Sache 
sowie Dr. med. E.________ (Facharzt für Rechtsmedizin) als Sachverständiger 
einvernommen. Ferner reichte Fürsprecherin B.________ anlässlich der 
Einvernahme des Beschuldigten in der oberinstanzlichen Verhandlung mehrere 
Fotos ein (vgl. pag. 1202 Z. 14 f. sowie pag. 1230 ff.). Nachdem den Parteien das 
rechtliche Gehör gewährt worden war, beschloss die Kammer, sowohl die 
erwähnten Fotos, als auch die von der Straf- und Zivilklägerin mit Eingabe vom 
4. November 2017 eingereichten Beilagen zu den Akten zu erkennen (vgl. 
pag. 1214). 

4. Anträge der Parteien

Fürsprecherin B.________ stellte und begründete in der oberinstanzlichen Ver-
handlung namens und auftrags des Beschuldigten folgende Anträge (pag. 1214 f.): 

«I. A.________ sei freizusprechen von den Vorwürfen 
1. der versuchten vorsätzlichen Tötung, ev. der versuchten schweren Körperverletzung (gem. 

Ziffer 1 der Anklageschrift) und 
2. der vorsätzlichen schweren Körperverletzung, ev. der versuchten schweren Körperverlet-

zung (gem. Ziffer 2 der Anklageschrift). 
II. A.________ sei hingegen schuldig zu erklären wegen einfacher Körperverletzung mit gefährli-

chem Gegenstand begangen am 25. Juni 2015 zwischen 6.00 und 6.24 Uhr in D.________ 
(Ort), z.N. von C.________, indem der Beschuldigte seine mit ihm in einem Streit befindende 
Schwester mit einem Holzstock, welchen er für den Fall eines Betretens des Grundstücks durch 
das Opfer bereit gelegt hatte, vom gemeinsamen Grundstück zu jagen und ihr eine Lektion ertei-
len wollte, indem er mit diesem Holzstock auf den Kopf, die linke Schulter, den Rücken, die 
Hände und Arme des Opfers einschlug. Diese Schläge hatten zur Folge, dass das Opfer zu Bo-
den fiel und sich einen Bruch der Seitenwand der rechten Kieferhöhle, einen mehrfachen Na-
senbeinbruch, eine Fraktur der Nasennebenhöhle, einen offenen Bruch des linken Zeigefingers 
mit Ausriss der Streckensehne, eine Quetschung respektive irreparable Verletzung der Arterie 
des linken Zeigefingers, eine erhebliche Quetschung der beiden Nerven des linken Zeigefingers, 
eine Hirnerschütterung sowie diverse Prellungen und Rissquetschwunden unter anderem am 
Hinterkopf und im Gesicht erlitt,

und er sei in Anwendung der entsprechenden, einschlägigen Gesetzesbestimmungen zu verur-
teilen: 

1. zu einer Geldstrafe von 240 Tagessätzen à CHF 90.00, wobei die ausgestandene Haft vom 
25.6.2015 bis am 3.2.2016 von 224 Tage und die 273 Tage dauernden Ersatzmassnah-
men im Rahmen von 1/3 insgesamt im Umfang von 240 Tagen anzurechnen sei und der 
Vollzug der Strafe aufzuschieben und die Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen sei, 

2. zu 1/3 der erstinstanzlichen Verfahrenskosten.
III.
1. Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten seien zu 2/3 dem Kanton Bern aufzuerlegen. 
2. A.________ sei für die Freisprüche eine Entschädigung für die erstinstanzlichen Verteidigungs-

kosten im Umfang von 2/3 der eingereichten Honorar- und Spesennote zuzusprechen. 
3. Für die Schuldsprüche sei das erstinstanzliche Honorar der amtlichen Verteidigerin im Umfang 

von 1/3 der eingereichten Honorar- und Spesennote zu bestimmen. 

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4. Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten seien dem Kanton Bern aufzuerlegen. 
5. A.________ sei eine Entschädigung für die oberinstanzlichen Verteidigungskosten gemäss Ho-

norar- und Spesennote zuzusprechen. 
6. A.________ sei eine Entschädigung bzw. Genugtuung von CHF 9'900.00 für die Überhaft bzw. 

die rechtswidrige Sicherheitshaft von insgesamt 99 Tagen à CHF 100.00 auszurichten. 
7. A.________ sei eine Entschädigung für die Anwaltskosten im Beschwerdeverfahren BK 16 462 

von total CHF 1'955.90 (7 Stunden à CHF 250.00 zuzüglich Spesen CHF 61.00 zuzüglich 
MwSt. 8% CHF 144.90) auszurichten. 

IV.
1. Die Schadenersatzforderung der Privatklägerin sei zur Feststellung der Höhe des Anspruchs an 

das Zivilgericht zu verweisen. 

2. Die Genugtuungsforderung der Privatklägerin sei im Umfang von CHF 2'000.00 gutzuheissen, 
soweit weitergehend abzuweisen.»

Generalstaatsanwalt F.________ beantragte und begründete seinerseits Folgen-
des (pag. 1222 f.):

«A.________ sei 

schuldig zu erklären: 

der versuchten eventualvorsätzlichen Tötung, begangen am 25. Juni 2015 zwischen 06:00 und 06:24 
Uhr in D.________ (Ort) z.N. von C.________, 

und er sei in Anwendung von Art. 426 ff. StPO sowie Art. 22 Abs. 1, 40, 47, 51 und 111 StGB 

zu verurteilen: 

1. zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren, unter Anrechnung der ausgestandenen Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft von 247 Tagen; 

2. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. eine Gebühr von 
CHF 600 gemäss Art. 21 VKD).

und es sei im Weiteren zu verfügen: 

1. Die beschlagnahmten Gegenstände seien einzuziehen und zu vernichten (Art. 69 StGB). 

2. Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. ________) sei nach Ablauf der 
Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen (Art. 16 Abs. 4 DNA-ProfilG). 

3. Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstlichen Daten ist 
nach Ablauf der Frist durch die auftraggebende Behörde einzuholen (Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 
Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten). 

4. Das Honorar der amtlichen Verteidigerin sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO).» 

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Die Straf- und Zivilklägerin hatte bereits mit Eingabe vom 4. November 2017 die 
folgenden Anträge gestellt (pag. 1160):

«1. Der Berufungsführer sei in Bestätigung des erstinstanzlichen Schuldpunktes wegen versuchter 
vorsätzlicher Tötung zu verurteilen, indessen zu einer Freiheitsstrafe nicht unter sechs Jahren; 

2. Es sei der Berufungsführer zu verpflichten, der Zivilklägerin Schadenersatz für die Nachteile der 
Arbeitsunfähigkeit in Höhe von CHF 50‘586.50 netto und für entstandene Anwaltskosten in Höhe 
von CHF 1‘073.20 zu bezahlen; 

3. Es seien die Schadenersatzansprüche für die übrigen durch die widerrechtliche Handlung des 
Berufungsführers verursachten Schadenspositionen dem Grundsatz nach gutzuheissen und für 
die vollständige Beurteilung auf den Zivilweg zu verweisen; 

4. Es sei der Berufungsführer zu verpflichten, der Zivilklägerin eine Genugtuung in Höhe von 
CHF 40‘000.00, eventualiter bestimmbar nach richterlichem Ermessen, zuzüglich Zins zu 5% 
seit dem 25. Juni 2015 zu bezahlen; 

5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MwSt.) zu Lasten des Berufungsführers.»

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Der Beschuldigte hat das erstinstanzliche Urteil mit Berufungserklärung vom 
20. Februar 2017 vollumfänglich angefochten (pag. 1075). Die Anschlussberufung 
der Generalstaatsanwaltschaft verlangt eine Bestätigung des erstinstanzlichen 
Schuldspruchs wegen versuchter vorsätzlicher Tötung sowie ein höheres Straf-
mass (Ziff. I. des erstinstanzlichen Urteilsdispositivs; pag. 1083 f.), während die 
Straf- und Zivilklägerin eine Bestätigung des erstinstanzlichen Schuldspruches, 
hingegen eine Verurteilung des Beschuldigten zu höheren Schadenersatz- bzw. 
Genugtuungszahlungen zu ihren Gunsten beantragt (pag. 1160). Damit ist das 
erstinstanzliche Urteil durch die Kammer gesamthaft neu zu beurteilen. 

Die Kammer verfügt über volle Kognition (Art. 398 Abs. 3 StPO). Zufolge An-
schlussberufungen der Generalstaatsanwaltschaft sowie der Straf- und Zivilklägerin 
gilt das Verschlechterungsverbot nicht und dürfen sowohl der Sanktionenpunkt, als 
auch der Zivilpunkt zum Nachteil der Beschuldigten abgeändert werden (Art. 391 
Abs. 2 StPO e contrario).

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

6. Angeklagter Sachverhalt

Gegenstand des Verfahrens ist der in der Anklageschrift vom 12. Mai 2016 
(pag. 675 ff.) umschriebene Vorfall vom 25. Juni 2015, zwischen 06.00 und 
06.24 Uhr in D.________ (Ort). Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, seine 
Schwester, die Straf- und Zivilklägerin, mit einem Holzstock von ca. 160 m Länge 
und ca. 6 - 7 cm Durchmesser mehrfach hart auf Kopf, linke Schulter, Rücken, 
Hände und Arme geschlagen zu haben, um sie vom gemeinsamen Grundstück zu 
jagen und ihr eine Lektion zu erteilen. Die Straf- und Zivilklägerin sei durch die 
Schläge zu Boden gefallen, kurz bewusstlos geworden und habe folgende Verlet-
zungen erlitten: Einen Bruch der Seitenwand der rechten Kieferhöhle, einen mehr-

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fachen Nasenbeinbruch, eine Fraktur der Nasennebenhöhle, einen offenen Bruch 
des linken Zeigefingers mit Ausriss der Streckensehne, eine Quetschung respekti-
ve irreparable Verletzung der Arterie des linken Zeigefingers, eine erhebliche Quet-
schung der beiden Nerven des linken Zeigefingers, eine Hirnerschütterung sowie 
diverse Prellungen und Rissquetschwunden unter anderem am Hinterkopf und im 
Gesicht. Die Verletzung des linken Zeigefingers habe trotz operativen Eingriffen zu 
einer andauernden erheblichen Funktionseinschränkung der linken Hand geführt. 

Die Anklageschrift umfasst drei Anklagepunkte, welche jedoch alle denselben Vor-
fall umschreiben. Die Kammer betrachtet diese – wie auch die Staatsanwaltschaft 
(vgl. deren Anträge in der oberinstanzlichen Hauptverhandlung, pag. 1222) sowie 
die Vorinstanz (vgl. das erstinstanzliche Urteilsdispositiv, pag. 914) – deshalb nicht 
als unterschiedliche Anklagesachverhalte im Sinne einer Alternativanklage, son-
dern geht vielmehr von einer Eventualanklage im Sinne von Art. 325 Abs. 2 StPO 
aus, mit der Folge, dass, entgegen den Anträgen der Verteidigung in der oberin-
stanzlichen Verhandlung, im Falle eines Schuldspruches in einem Anklagepunkt 
keine Freisprüche für die anderen Anklagepunkte zu erfolgen haben (vgl. 
pag. 1214). 

7. Unbestrittener Sachverhalt

Der angeklagte Sachverhalt ist im Wesentlichen unbestritten. Hintergrund des zur 
Beurteilung stehenden Vorfalles ist ein seit Jahrzehnten zerrüttetes Verhältnis zwi-
schen den Geschwistern A.________. Der Beschuldigte wirft seiner Schwester 
namentlich vor, ihn in den 80er-Jahren, als er auf einer längeren Weltreise war, be-
stohlen zu haben und eine Erbschleicherin zu sein. Nach dem Ableben ihrer Eltern 
bilden die Geschwister eine Erbengemeinschaft, die insbesondere zwei Grundstü-
cke in G.________ (Ort) und D.________ (Ort) umfasst. Eine Einigung über die 
Erbteilung konnte bislang nicht erzielt werden (vgl. pag. 1198 Z. 33 f., pag. 1204 
Z. 33 ff. und Z. 41 f.).

Am Tag des Vorfalls begab sich die Straf- und Zivilklägerin frühmorgens zum 
Grundstück in D.________ (Ort), um dort Sandsäcke abzuholen. Gemäss ihren ei-
genen Angaben ging sie dabei davon aus, dass sich der Beschuldigte an diesem 
Tag nicht dort aufhalten würde. Unbestritten ist auch, dass die Straf- und Zivilkläge-
rin beim Anblick des Beschuldigten wegrannte, dieser aber einen bereits zuvor be-
reitgestellten Pfefferspray sowie einen «Holzchnebu» behändigte, ihr folgte und 
mehrfach auf sie einschlug (pag. 12, 240, 813). Wie bereits die Vorinstanz zutref-
fend festhielt, ist weiter unbestritten, dass die Straf- und Zivilklägerin unbewaffnet 
war und sich gegen den Angriff nicht zur Wehr setzte, sowie, dass der Beschuldigte 
schliesslich von ihr abliess und sie verletzt liegen liess. Unbestrittenermassen 
stand der Beschuldigte beim Vorfall weder unter Einfluss von Alkohol noch von 
Drogen (vgl. pag. 340 ff.) und wurde seinerseits nicht verletzt (vgl. pag. 336 ff.). Die 
Straf- und Zivilklägerin konnte nach dem Vorfall mit ihrem Auto noch nach 
G.________ (Ort) fahren, von wo aus sie die Rettungskräfte avisierte (pag. 266 f.).

Die Straf- und Zivilklägerin erlitt durch die Schläge die im IRM-Gutachten vom 
15. Juli 2015 (pag. 323 ff.), im Rapport des KTD (pag. 292 ff.) und in diversen Arzt-
berichten (pag. 348 ff.) dokumentierten Verletzungen, wie sie auch in der Anklage-

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schrift umschrieben sind. Sie befand sich jedoch zu keinem Zeitpunkt in Lebensge-
fahr. 

8. Bestrittener Sachverhalt und Beweiswürdigung

8.1 Vorbemerkungen

Für die Grundlagen der Beweiswürdigung wird vorab auf die zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen (vgl. pag. 1008 f., S. 7 f. Entscheidbegrün-
dung). Mit der Vorinstanz ist weiter festzuhalten, dass der Beschuldigte grössten-
teils geständig ist und seine Aussagen zum Tatablauf im Wesentlichen mit denjeni-
gen der Straf- und Zivilklägerin übereinstimmen und deshalb die Aussagen beider 
Parteien grundsätzlich als glaubhaft einzustufen sind. Für die rechtliche Beurteilung 
wesentliche Einzelheiten des angeklagten Sachverhaltes werden von den Parteien 
allerdings unterschiedlich geschildert. So insbesondere die Frage, ob der Beschul-
digte und die Straf- und Zivilklägerin vor den Schlägen zusammen gesprochen ha-
ben oder nicht (vgl. dazu die Erwägungen unter 8.2 Phase vor den Schlägen hier-
nach), welches Tatwerkzeug der Beschuldigte verwendete (vgl. dazu die Erwägun-
gen unter 8.3 Tatwerkzeug hiernach), wie oft der Beschuldigte zuschlug (vgl. dazu 
8.4 Anzahl der Schläge hiernach), ob er das Tatwerkzeug in einer oder in beiden 
Händen hielt, mit welcher Heftigkeit er zuschlug und ob die Straf- und Zivilklägerin 
im Zeitpunkt der Schläge aufrecht stand oder bereits am Boden lag (vgl. dazu die 
Erwägungen unter 8.5 Ausführung der Schläge und Verletzungsfolgen hiernach). 

8.2 Phase vor den Schlägen

8.2.1 Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Wie bereits ausgeführt, sagte die Straf- und Zivilklägerin in sämtlichen Einvernah-
men aus, sie sei am fraglichen frühen Morgen nach D.________ (Ort) gefahren, um 
dort Sandsäcke zu behändigen, wobei sie davon ausgegangen sei, dass ihr Bruder 
nicht anwesend sein werde (pag. 265 Z. 71 ff. und Z. 82 f., pag. 805 Z. 28 ff.). Bei 
der Staatsanwaltschaft gab sie am 13. Juli 2015 weiter zu Protokoll, ihr Bruder sei 
jedoch vor Ort gewesen und im Laufschritt auf sie zugekommen, wobei er sie ge-
fragt habe, was sie wolle. Sie habe geantwortet, sie wolle die Sandsäcke holen 
kommen, daraufhin sei sie so schnell sie gekonnt habe, in Richtung ihres Autos 
davongerannt (pag. 265 Z. 85 ff., pag. 266 Z. 100). In der erstinstanzlichen Haupt-
verhandlung gab die Straf- und Zivilklägerin demgegenüber an, sie habe den Be-
schuldigten mit einem Stock in der einen und einem Gegenstand in der anderen 
Hand kommen sehen (pag. 805 Z. 43 ff.). Sie habe zu ihm gesagt, sie hole nur ihre 
Sandsäcke und sei dann weggerannt. Im Auto wäre sie vor dem Beschuldigten 
nicht sicher gewesen, deshalb habe sie sich dazu entschieden, nicht zum Auto zu 
rennen, sondern wegzurennen (pag. 806 Z. 1 ff.). 

8.2.2 Aussagen des Beschuldigten 

Der Beschuldigte sagte in der ersten polizeilichen Einvernahme aus, er habe ein 
Auto rückwärts auf das Grundstück fahren sehen und seine Schwester bemerkt. Er 
habe ihr dann gesagt, dass D.________ (Ort) für sie tabu sei und dass nicht ge-
stohlen werde (pag. 238 Z. 27 f. und Z. 31 f., pag. 241 Z. 154 ff.). Anlässlich der 
Hafteinvernahme sagte der Beschuldigte demgegenüber aus, er habe an diesem 

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Morgen nicht mit seiner Schwester gesprochen, sondern sie gleich weggejagt 
(pag. 12 Z. 124 f.). In der Einvernahme vom 13. Juli 2015 sagte er dann wiederum 
aus, er habe seiner Schwester vor den Schlägen gesagt, dass sie in D.________ 
(Ort) nichts verloren habe (pag. 259 Z. 75 f.). Auf Frage gab er zudem zu Protokoll, 
er sei ihr nachgerannt (pag. 259 Z. 78 f.). In der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung präzisierte der Beschuldigte dies insofern, als er angab, er sei nicht angerannt 
gekommen. Erst als die Straf- und Zivilklägerin davongerannt sei, sei er ihr nachge-
rannt (pag. 810 Z. 37 f.). In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gab der Be-
schuldigte zu Protokoll, er habe seiner Schwester gesagt, sie solle «abfahre» 
(pag. 813 Z. 13 ff.). Er bestätigte zudem seine Angaben, wonach er am Anfang 
nicht zu ihr hingerannt, sondern normal gegangen sei. Erst als seine Schwester 
weggerannt sei, sei er ihr hinterhergerannt (pag. 813 Z. 19 ff.). Dabei blieb er auch 
in der oberinstanzlichen Verhandlung, wenn er zu Protokoll gab, er sei nicht ange-
rannt gekommen, sondern normal gegangen (pag. 1201 Z. 10 ff.). Er sei einfach so 
gegangen, wie wenn jemand durch die Stadt Bern gehe, er habe einen normalen 
Schritt, er gehe nicht schnell (pag. 1202 Z. 1 ff.). Auf Vorhalt seiner früheren Anga-
ben gab er schliesslich Folgendes zu Protokoll: «Ich bin gegangen. Irgendwann lief 
sie los, da bin ich ihr hinterher gerannt.» (pag. 1202 Z. 8 ff.). 

8.2.3 Würdigung

Ob vor den Schlägen zwischen den Parteien ein Wortwechsel stattfand, und wenn 
ja mit welchem Wortlaut, ist unklar geblieben, aber letztlich auch nicht entschei-
dend. Fest steht gestützt auf die Aussagen beider Parteien nämlich, dass den 
Schlägen sicherlich keine eigentliche verbale Auseinandersetzung oder verbale 
Provokationen seitens der Straf- und Zivilklägerin vorausgingen, sondern der Be-
schuldigte höchstens sinngemäss gegenüber seiner Schwester äusserte, sie habe 
in D.________ (Ort) nichts zu suchen, bevor diese unbestrittenermassen die Flucht 
ergriff. Erstellt ist weiter, dass der Beschuldigte daraufhin einen Pfefferspray und 
einen «Holzchnebu», welche er zuvor bereitgelegt hatte, behändigte, ihr nachrann-
te und sie schliesslich auch einholte.

8.3 Tatwerkzeug

8.3.1 Aussagen der Straf- und Zivilklägerin

Die Straf- und Zivilklägerin beschrieb das Tatwerkzeug als einen Holzstock und 
«Holzchnebu», es habe sich vermutlich um ein Rundholz gehandelt. Dieser Holz-
stock sei mindestens einen Meter lang gewesen und der Durchmesser habe ca. 6 -
 7 cm betragen (pag. 266 Z. 104 f., Z. 107 ff., pag. 806 Z. 8 ff.). 

8.3.2 Aussagen des Beschuldigten

In der ersten polizeilichen Befragung unmittelbar nach dem Vorfall und auch in der 
gleichentags stattfindenden Hafteinvernahme sagte der Beschuldigte aus, er habe 
mit einem «Holzchnebu» auf seine Schwester eingeschlagen. Dieser sei ca. 1,2 m 
lang gewesen und der Durchmesser sei dicker als ein Gabelstil, also ca. 4 - 5 cm. 
Er habe diesen nach dem Vorfall weggeworfen, wieder auf den Holzhaufen, woher 
er ihn behändigt habe (vgl. pag. 239 Z. 50 ff. sowie pag. 12 Z. 133 ff.). Anlässlich 
der Einvernahme vom 13. Juli 2015 bestätigte der Beschuldigte seine frühere Be-
schreibung des «Holzchnebus», wollte aber zu dessen Verbleib nichts sagen 

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(pag. 258 Z. 37 ff., Z. 41 f. und Z. 53 f.). Auch in der erstinstanzlichen und in der 
oberinstanzlichen Hauptverhandlung wollte der Beschuldigte zum Tatwerkzeug 
keine Aussagen mehr machen (pag. 812 Z. 17 ff., pag. 1200 Z. 30 ff.). 

8.3.3 Aussagen Dr. E.________ (Facharzt für Rechtsmedizin)

Der Sachverständige führte in der oberinstanzlichen Verhandlung auf Frage, ob 
sich aus dem Verletzungsbild der Straf- und Zivilklägerin der Schluss herleiten las-
sen, dass es sich bei der Tatwaffe um einen Holzstock mit einer Länge von 
ca. 120 cm und einem Durchmesser von 4 - 5 cm gehandelt habe, aus, die bei der 
Straf- und Zivilklägerin festgestellten geformten Hautunterblutungen und Hautein-
blutungen hätten die Besonderheit, zentral eine Ablassung zu zeigen bzw. eine 
Aussparung. Die Unterblutung verlaufe ringförmig bzw. in einer Doppelkontur. Dies 
sei ein Charakteristikum, welches man insbesondere bei Stockschlägen antreffe, 
wo die Aufschlagstelle selbst blass zurückbleibe und an den Rändern die Gefäss-
zerreissungen innerhalb des Gewebes stattfinden würden, so dass es zu einer 
doppelstriemenartigen Zeichnung komme. Das sei bei der Straf- und Zivilklägerin 
an mindestens vier abgrenzbaren Positionen nachvollziehbar, so dass schlussend-
lich ein gedachtes Tatwerkzeug von 4 cm Durchmesser bei Schlagwucht geeignet 
wäre, derartige konturierte Verletzungen hervorzurufen (pag. 1208 Z. 22 ff.). Auf 
die Dicke des Schlagwerkzeuges konnte der Experte hingegen keine Rückschlüsse 
ziehen. Er gab an, aus der Verletzung selbst auf den Charakter des Schlagwerk-
zeuges grundsätzlich rückschliessen zu können, nicht aber auf die konkrete Aus-
formung bzw. Dimension. Schliesslich bestätigte Dr. E.________ (Facharzt für 
Rechtsmedizin), dass derartige Verletzungen bei bekannten, ähnlich dimensionier-
ten Gegenständen beobachtet worden seien (pag. 1209 Z. 1 ff.). Die Verletzungen 
an den Händen, an deren Folgen die Straf- und Zivilklägerin heute noch leide, sei-
en Zeichen massiver stumpfer Gewalteinwirkung und ebenfalls zwanglos erklärbar 
mit einem derartigen Tatwerkzeug und zwanglos nachvollziehbar als passive Ab-
wehrverletzung, wie dies die Straf- und Zivilklägerin gezeigt habe (pag. 1210 
Z. 40 ff.). Auf die Frage, ob es möglich sei, dass man auf die dokumentierte Weise 
auf einen Menschen einwirke, ohne dass anschliessend am Schlagwerkzeug Blut 
festgestellt werden könne, führte der Sachverständige aus, es gebe verschiedene 
Möglichkeiten, die erklären könnten, warum ein tatsächlich gebrauchtes Schlag-
werkzeug keine verwertbaren Spuren aufweise: Witterungsverhältnisse im weites-
ten Sinne (die wären hier zu berücksichtigen, weil sich das Tatgeschehen im Freien 
abgespielt haben solle) und Oberflächenbeschaffenheit (Schwierigkeit einer Detek-
tion von möglicherweise latenten Spuren). Bei der Untersuchung einer vermuteten 
Spur an einem solchen Objekt müsste die allfällige Degravation von DNA-haltigem 
Material besonders berücksichtigt werden. Und letztlich könne keiner die Spurlast 
an einem solchen Schlagwerkzeug auf der Basis der erlittenen offenen Verletzung 
prognostizieren, weshalb möglicherweise nur latente, d.h. nicht offensichtliche Spu-
ren vorgelegen haben könnten (pag. 1211 Z. 23 ff.). Mit dem Begriff «Degravation» 
meine er die Zersetzung von DNA unter verschiedensten äusseren Einflüssen. Als 
Ergänzung der Aufzählung sei noch zu berücksichtigen, dass evtl. auch durch Ma-
nipulationen des Tatwerkzeugs – Behändigung im weitesten Sinne – Spuren verlo-
ren gegangen sein könnten. Er ergänze diesen Punkt, weil er im Institut einen 
mehrfach zersägten Holzast in ähnlicher Dimension vorgelegt bekommen habe. 

11

Diesen hätten sie dokumentiert und Spuren gesucht, ohne derartige abgrenzen zu 
können. Jedoch sei eben gerade eine Manipulation im Sinne des Zersägens 
durchaus geeignet, dass bei diesem Behändigen des Objektes die sichtbaren Spu-
ren verloren gegangen sein könnten (pag. 1211 Z. 35 ff.). 

8.3.4 Objektive Beweismittel

Anlässlich der Tatortbegehung mit dem KTD wurde am 14. Juli 2015 durch die Po-
lizei in einem Nebengebäude der Liegenschaft in D.________ (Ort) ein in sechs 
Stücke zersägter Buchenast gefunden. Dieser weist zusammengesetzt eine Länge 
von ca. 160 cm, einen Durchmesser zwischen 4 - 7 cm sowie ein Gewicht von 
ca. 2200 g auf (pag. 106 sowie pag. 305 f.). Aufgrund der ersten, nicht protokollier-
ten und in den weiteren Einvernahmen nicht bestätigten Aussagen des Beschuldig-
ten gegenüber der Polizei, wonach er den Stecken, mit dem er seine Schwester 
geschlagen habe, zersägt habe (vgl. pag. 104, pag. 105 und pag. 121), bestand die 
Vermutung, dass es sich beim sichergestellten zersägten Ast um das Tatwerkzeug 
handeln könne. Mehrere durch das IRM Bern durchgeführte Vortests auf menschli-
ches Blut verliefen negativ und es konnten keine verwertbaren DNA-Profile erstellt 
werden, die einen Direktvergleich ermöglicht hätten (pag. 307 ff.). 

8.3.5 Würdigung

Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festhielt, konnte das konkret verwendete Tat-
werkzeug im Rahmen der Untersuchung nicht ermittelt werden (vgl. pag. 1026, 
S. 25 Entscheidbegründung). Es ist somit insbesondere nicht erwiesen, dass es 
sich beim Tatwerkzeug um den auf pag. 306 abgebildeten, in Stücke zersägten 
Buchenast handelt. Um die Liegenschaft in D.________ (Ort) herum sind eine Viel-
zahl von Holzstecken dokumentiert, die aufgrund der Beschreibungen der Straf- 
und Zivilklägerin und des Beschuldigten selbst als Tatwerkzeug in Fragen kämen 
(vgl. Fotos KTD pag. 284 ff.). Jedenfalls erachtet es die Kammer gestützt auf die 
diesbezüglich konstanten Aussagen des Beschuldigten, welche durch jene der 
Straf- und Zivilklägerin und des Sachverständigen bestätigt werden, in Überein-
stimmung mit der Vorinstanz als erstellt, dass es sich beim Tatwerkzeug um einen 
nicht näher bestimmbaren Holzstock von ca. 1,2 m Länge und ca. 4 - 5 cm Dicke 
handelte. 

8.4 Anzahl der Schläge

8.4.1 Aussagen Straf- und Zivilklägerin

Anlässlich der staatsanwaltlichen Einvernahme vom 13. Juli 2015 gab die Straf- 
und Zivilklägerin zunächst an, der Beschuldigte habe insgesamt fünf bis sechsmal 
zugeschlagen (pag. 266 Z. 116 ff.). In der erstinstanzlichen Hauptverhandlung sag-
te sie demgegenüber aus, sie habe die Schläge gar nicht richtig gespürt, wohl weil 
sie nach dem ersten Schlag wie bewusstlos gewesen sei. Sie könne sich nicht er-
klären, wie er ihr übers Gesicht habe schlagen können, zumal sie dieses immer 
weggedreht habe (pag. 806 Z. 15 ff). Im Rahmen des Berufungsverfahren reichte 
die Straf- und Zivilklägerin mit Schreiben vom 14. März 2017 (pag. 1086 f.) sodann 
ein Dokument ein, in welchem sie den Tathergang schilderte (pag. 1090), sowie ein 
kommentiertes Foto, auf welchem sie ihre Position während den Schlägen darstell-
te (pag. 1091 f.). Dabei machte sie mindestens sechs Schläge geltend. 

12

8.4.2 Aussagen Beschuldigter

Der Beschuldigte räumte in den Befragungen konstant drei, maximal vier Schläge 
ein. Zu Beginn der ersten Befragung unmittelbar nach dem Vorfall, sagte er aus, er 
habe mit einem «Holzchnebu» zwei, drei Mal auf seine Schwester eingeschlagen, 
bis diese umgefallen sei. Dann habe er aufgehört auf sie einzuschlagen (pag. 238 
Z. 30 f.). Zum Schluss dieser Einvernahme bestätigte der Beschuldigte nochmals, 
er habe ihr dreimal eins «putzt» (pag. 243 Z. 260 f.). Auch anlässlich der gleichen-
tags durchgeführten Hafteinvernahme sagte der Beschuldigte aus, er sei der Mei-
nung, er habe drei Mal zugeschlagen, es könnten jedoch auch vier Schläge gewe-
sen sein (pag. 12 Z. 134 ff.). Und in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung führte 
er bestätigend aus, er nehme an, dass er seine Schwester drei Mal geschlagen 
habe, räumte aber auf Nachfrage ein, es könnten auch vier Schläge gewesen sein 
(pag. 811 Z. 8 ff. und Z. 29 ff.).

8.4.3 Aussagen Dr. E.________ (Facharzt für Rechtsmedizin)

Auf Frage, ob sich aus den Verletzungsbildern der Straf- und Zivilklägerin Rück-
schlüsse auf die Anzahl der Schläge ziehen lassen, gab der Sachverständige in der 
oberinstanzlichen Verhandlung zu Protokoll, er könne eine Mindestzahl von erfor-
derlichen Einwirkungen i.S.v. Schlägen formulieren, um das derartig dokumentierte 
Verletzungsbild hervorzurufen. Am Kopf seien mindestens vier Einwirkungen er-
folgt. Die zwei klaffenden Kopfschwartendurchtrennungen in der behaarten Kopf-
haut würden je einem Schlag entsprechen. Die zwei Hautdurchtrennungen ober-
halb der Augenbrauen, welche relativ ähnlich geformt seien, könnten theoretisch 
von einem Schlag herrühren. Es sei aber durchaus nicht ausgeschlossen, dass es 
sich um zwei Entstehungszeitpunkte gehandelt habe für die rechte und die linke 
Augenbraue. Viertens liege eine Schwellung der linken Gesichtsschläfenregion vor, 
die mindestens eine Einwirkung erfordere, was nicht ausschliesse, dass es weitere 
Schläge gegeben haben könnte an dieser Stelle. Weiter lägen die abgrenzbaren 
vier geformten Hauteinblutungen/Hautunterblutungen vor – eine am Rücken rechts, 
eine auf der linken Schulterhöhe sowie mindestens zwei, die den linken Oberarm 
nach rückenwärts betreffen. Im Bereich des linken Oberarmes sei eine weitere 
Möglichkeit gegeben, dass hier noch weitere Schlageeinwirkungen stattgefunden 
haben könnten, es habe genügend Hämatomausprägungen. Nur zwei Ausprägun-
gen seien so charakteristisch ausgeprägt, dass man sie als zwei einzelne stumpfe 
mechanische Gewalteinwirkungen voneinander abgrenzen könne. Das mache ins-
gesamt mindestens vier Mal Kopf und vier Mal Oberkörper (pag. 1209 Z. 7 ff.). Die 
Frage, ob beim Rumpf auch mehrere Verletzungen durch einen Schlag entstanden 
sein könnten, beantwortete der Sachverständige wie folgt (pag. 1209 Z. 28 ff.): 
«Nein. Die aufgezählten sind separate. Es könnten höchstens noch weitere hinzu-
gekommen sein.». Später in der Einvernahme führte der Experte ergänzend aus, 
bei der vom IRM durchgeführten körperlichen Untersuchung hätten sich keine Hin-
weise auf eine Verletzung im Nacken ergeben. Dies schliesse jedoch die von der 
Straf- und Zivilklägerin beschriebene Haltung der Hände im Nacken bei Schlagein-
wirkung in dieser Region nicht aus. Zwei Schläge in unmittelbarer Nähe zur Na-
ckenregion seien am Hinterkopf und an der linken Schulter gelegen. Insofern käme 
eine zusätzliche Schlageinwirkung auf die Hände der Straf- und Zivilklägerin im 

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Sinne einer gesonderten Gewalteinwirkung (Nummer neun) beispielswiese in der 
von ihr geschilderten Lage und Handhaltung im Genick in Betracht (pag. 1213 
Z. 13 ff.). 

8.4.4 Würdigung

Erstellt und unbestritten ist, dass der Beschuldigte mehrere Schläge gegen die 
Straf- und Zivilklägerin ausführte. Die Vorinstanz kam aufgrund des Verletzungsbil-
des zum Ergebnis, dass der Beschuldigte insgesamt sechs Mal auf die Straf- und 
Zivilklägerin einschlug (pag. 1025, S. 24 Entscheidbegründung). Dieser Schlussfol-
gerung kann sich die Kammer jedoch nicht anschliessen. Gestützt auf die schlüssi-
gen und nachvollziehbaren Aussagen des Sachverständigen in der oberinstanzli-
chen Verhandlung ist vielmehr von insgesamt neun Schlägen auszugehen – min-
destens vier Schläge müssen gemäss dem Experten gegen den Kopf, mindestens 
vier Schläge gegen den Rumpf sowie ein Schlag gegen die Hand (Abwehrverlet-
zung) erfolgt sein. Dem stehen denn auch die Aussagen der Straf- und Zivilklägerin 
nicht entgegen, welche zwar nur fünf bis sechs Schläge geltend macht, gleichzeitig 
aber sowohl in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung wie auch in ihrem nachträg-
lich eingereichten Schreiben ausführte, sie sei ohnmächtig geworden und habe die 
Schläge folglich nicht mehr gespürt. Entsprechend können ihren Aussagen auch 
keine verlässlichen Angaben zur Anzahl der Schläge entnommen werden. Die An-
gaben des Beschuldigten schliesslich, sind, was die Anzahl der Schläge betrifft, als 
Schutzbehauptung zu qualifizieren und vermögen die Glaubhaftigkeit der gutach-
terlichen Ausführungen nicht zu erschüttern. 

8.5 Ausführung der Schläge und Verletzungsfolgen

8.5.1 Aussagen Straf- und Zivilklägerin

Fraglich ist weiter, in welcher Position sich die Straf- und Zivilklägerin zum Zeit-
punkt der Schlageinwirkung befand, bzw. ob sie aufrecht stand oder ob sie bereits 
am Boden lag. Die Straf- und Zivilklägerin selber sagte bei der staatsanwaltschaftli-
chen Einvernahme aus, der Beschuldigte sei plötzlich vor ihr gestanden und habe 
sie zu Boden geworfen, als sie zum Auto gerannt sei (pag. 266 Z. 100 ff.). Sie habe 
versucht, ihren Körper zu schützen. Der Beschuldigte habe mit dem Holzstock 
hoch aufgezogen und habe auf sie eingeschlagen, auf ihren Körper und auf ihren 
Kopf (pag. 266 Z. 104 f. und Z. 108 f.). Er habe dazu beide Hände benutzt 
(pag. 266 Z. 109). Der eine Schlag sei vielleicht nicht so stark gewesen, aber dann 
sei ein weiterer Schlag gegen den Kopf gekommen. Zwei bis drei Schläge seien 
sehr stark gewesen. Am Anfang habe sie sich noch etwas gedreht und er habe 
möglicherweise das Ziel verfehlt. Sie wisse es nicht mehr so genau, sie sei dann 
einen Moment weg gewesen (pag. 266 Z. 117 ff. und Z. 122 f.). In der erstinstanzli-
chen Hauptverhandlung führte die Straf- und Zivilklägerin aus, sie sei dem Be-
schuldigten nur leicht angekommen, weil sie noch am Laufen gewesen sei und sei 
dann fast wie eine Gummipuppe zusammengefallen auf die Knie. Sie habe dann 
kurz aufgeschaut und gesehen, wie er mit beiden Händen aufgezogen habe mit 
dem Stock. Sie habe ihrerseits versucht, sich mit beiden Händen über dem Kopf zu 
schützen (pag. 806 Z. 7 ff.). Auch in der nach der erstinstanzlichen Hauptverhand-
lung eingereichten Eingabe vom 14. März 2017 (pag. 1090 f.) hielt die Straf- und 

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Zivilklägerin gleichbleibend fest, der Beschuldigte habe mit beiden Händen aufge-
zogen und mit einer massiven Tatwaffe gegen ihren Kopf gezielt. Sie habe mit den 
Händen Genick und Halswirbelsäule schützen können, sei dann aber ohnmächtig 
geworden. Darüber hinaus machte die Straf- und Zivilklägerin im erwähnten 
Schreiben jedoch weitergehende, auffällig detaillierte Angaben, meinte sich insbe-
sondere daran erinnern zu können, dass ihre Hände schützend über dem Ge-
nick/der Wirbelsäule gelegen hätten, wobei die linke Hand über der rechten gele-
gen habe. Gleichzeitig führte sie jedoch aus, sie sei in «tiefe Ohnmacht» gefallen 
und habe die Schläge, welche der Beschuldigte ihr im Liegen ausgeteilt habe, nicht 
mehr gespürt. Erstmals machte die Straf- und Zivilklägerin zudem geltend, der Be-
schuldigte habe sie, als sie gerannt sei, mit «irgendeinem starken Mittel» erreicht, 
welches sie sofort gelähmt und dazu geführt habe, dass sie nicht mehr habe atmen 
können, benommen geworden und eingesackt sei. Nachdem der Beschuldigte sie 
geschlagen habe, habe er sie, während sie weiterhin ohnmächtig gewesen sei, 
noch gedreht und weggeschleift, um ihr danach noch zusätzlich zwei weitere mas-
sive Schläge ins Gesicht zu verpassen. Dies schliesst die Straf- und Zivilklägerin 
daraus, dass sie bevor sie das Bewusstsein verloren habe auf dem Bauch gelegen 
habe, dann aber im Gesicht stark blutend auf dem Rücken liegend wieder erwacht 
sei (pag. 1090). Diese nachträglichen Angaben der Straf- und Zivilklägerin gewich-
tet die Kammer als stark aggravierend. In der oberinstanzlichen Verhandlung gab 
die Straf- und Zivilklägerin schliesslich zu Protokoll, sie sei losgerannt, und hinge-
fallen, als sie auf der Strasse gewesen sei. Sie habe raufgeschaut und den Be-
schuldigten mit beiden Händen aufziehen sehen. Da habe sie einfach noch den 
Kopf mit den Händen zu schützen versucht, danach sei sie bewusstlos gewesen. 
Das Bild, wie er mit erhobenen Armen dagestanden sei, sehe sie noch vor sich 
(pag. 1206 Z. 12 ff.). 

8.5.2 Aussagen Beschuldigter

Auf Frage, wie er denn zugeschlagen habe, antwortete der Beschuldigte in der ers-
ten Befragung, er wisse dies nicht mehr genau, entweder mit beiden Händen oder 
mit einer Hand, entweder über den Kopf oder von der Seite. Er habe seiner 
Schwester gegen den Rücken und auch auf den Kopf geschlagen, letzteres jedoch 
nicht extra, er habe nicht gezielt (pag. 240 Z. 126 ff.). Gefragt, wie fest er denn zu-
geschlagen habe, antwortete er: «wenn man schlägt, schlägt man nicht weich. ‹Äs 
isch mir aues nach obe cho›» (pag. 240 Z. 136 ff.). Auf einer Skala von 1 bis 10 
ordnete er selbst seine Schläge bei 4 oder 5 ein und sagte aus, er hätte noch stär-
ker schlagen können, habe aber schon stark geschlagen (pag. 240 Z. 140 ff.). In 
der Hafteinvernahme gab der Beschuldigte zu Protokoll, er habe gegen Rücken 
und Seite der Straf- und Zivilklägerin geschlagen, sehe aber aufgrund der Fotos, 
dass er sie auch am Kopf getroffen habe. Vielleicht sei sie auch noch im Fallen ge-
troffen worden, am Boden habe er aber nicht mehr auf sie eingeschlagen (pag. 12 
Z. 152 ff.). In der Einvernahme vom 13. Juli 2015 sagte er aus, er habe nicht lange 
nachgedacht, wohin er schlage, er habe einfach irgendwohin geschlagen, dort wo 
er gerade getroffen habe (pag. 259 Z. 81 f.). Seine Schwester sei noch gestanden, 
als er zugeschlagen habe, dann sei sie auf den Boden gefallen (pag. 259 Z. 84 ff.). 
Auch anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gab der Beschuldigte zu, 
seine Schwester geschlagen zu haben, jedoch nicht, als diese bereits am Boden 

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gelegen habe (pag. 810 Z. 39 ff.). Auf Frage des Gerichtspräsidenten, wie er den 
Vorfall heute beurteile, räumte der Beschuldigte ein, er habe zu hart zugeschlagen, 
er habe es nicht im Griff gehabt (pag. 812). In der oberinstanzlichen Verhandlung 
bestätigte der Beschuldigte beim Anblick seiner Schwester sowohl einen Pfeffer-
spray als auch einen «Holzchnebu» behändigt zu haben (pag. 1200 Z. 12 ff.). Den 
Pfefferspray habe er in der linken Hand gehalten, während er seine Schwester mit 
der rechten Hand mit dem «Chnebu» geschlagen habe (pag. 1200 Z. 17 ff.). Auf 
die Frage, was er heute über den Vorfall denke, gab der Beschuldigte zu Protokoll, 
er hätte nicht so schlagen sollen [Anm.: Gemeint wohl «nicht so heftig»]. Er hätte 
andere Methoden haben sollen, um seine Schwester fortzujagen (pag. 1201 
Z. 1 ff.). Zum Grund, weshalb er seine Schwester geschlagen habe, sagte der Be-
schuldigte über das gesamte Verfahren hinweg konstant aus, er habe dieser eine 
Lektion erteilen wollen, weil sie nach seinem Empfinden wiederholt Grenzen über-
schritten und insbesondere auf dem Grundstück in D.________ (Ort) nichts zu su-
chen habe (pag. 11, pag. 238 Z. 27 ff., pag. 239 Z. 74 ff., pag. 241 Z. 151 f., 
pag. 257 Z. 8 ff., pag. 258 Z. 21 ff und Z. 30 f., pag. 259 Z. 91 ff., pag. 810 Z. 31 f. 
und Z. 37 ff., pag. 812 Z. 11). In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 
13. Juli 2015 gab er zu Protokoll, er habe schon damit gerechnet, dass sie dabei 
eine «Bleuele» oder so davontragen könnte (pag. 260 Z. 104 ff.). Hingegen bestritt 
der Beschuldigte konstant, dass er seine Schwester habe töten wollen (vgl. pag. 13 
Z. 162 f., pag. 260 Z. 92 f. und Z. 108). 

8.5.3 Gutachten IRM und Aussagen Dr. E.________ (Facharzt für Rechtsmedizin) 

Die Straf- und Zivilklägerin wurde wenige Stunden nach dem Vorfall im Regional-
spital Biel durch das IRM untersucht (pag. 323 ff.). Gemäss rechtsmedizinischem 
Gutachten vom 15. Juli 2015 sind sowohl die geformten Hauteinblutungen bzw. 
Hautunterblutungen am linken Oberarm und Rücken, wie auch die Quetschwunden 
am Kopf und an beiden Augenbrauen mit einer Entstehung durch Schläge mit ei-
nem länglichen Gegenstand wie einem Stock vereinbar. Die Verletzungen an der 
linken Hand könnten auch durch Abwehr von Schlägen entstanden sein. Eine Le-
bensgefahr bestand gemäss Gutachten des IRM zu keinem Zeitpunkt. Da das kon-
kret verwendete Tatwerkzeug vorliegend nicht ermittelt werden konnte (vgl. dazu 
II.8.3. Tatwerkzeug hiervor), sah sich das IRM im Gutachten ausser Stande Aussa-
gen darüber zu machen, ob dieses geeignet gewesen wäre, schwere Schädel- 
und/oder Hirnverletzungen herbeizuführen. Allgemein hielt das IRM fest, dass bei 
Schlägen mit einem schweren Gegenstand, z.B. einer Eisenstange, durchaus da-
von auszugehen sei, dass es zu Schädel-/oder Hirnverletzungen kommen könne 
(pag. 328). 

Der Sachverständige Dr. E.________ (Facharzt für Rechtsmedizin) bestätigte in 
der oberinstanzlichen Verhandlung das Gutachten des IRM (pag. 1208 Z. 14 ff.). 
Auf die Frage, ob sich aus den Verletzungsbildern der Straf- und Zivilklägerin 
Rückschlüsse darauf ziehen lassen, in welcher Position sich die Straf- und Zivilklä-
gerin im Zeitpunkt der Schlageinwirkung befunden habe (stehend, kniend, auf dem 
Rücken, der Seite oder dem Bauch liegend, etc.), führte der Sachverständige aus, 
es gebe aus rechtsmedizinischer Sicht aufgrund des Grössenverhältnisses der be-
teiligten Personen und der Annahme eines länglichen Schlagwerkzeuges keine 

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Position am Opfer, die nicht auch im Stehen erreichbar gewesen wäre. Somit gebe 
es aufgrund der Verletzungsdispositionen keinen Anhaltspunkt der auf eine spezifi-
sche Lage resp. Haltung des Opfers zum Zeitpunkt der Gewalteinwirkung schlies-
sen lassen könnte. Weiterhin habe man aufgrund des bisher bekannt gewordenen 
Tatortes ebenfalls keinen konkreten Hinweis auf eine bestimmte Position. Wenn er 
gefragt würde, ob die von der Straf- und Zivilklägerin angegebene Position zu ei-
nem bestimmten Zeitpunkt denkbar gewesen wäre, müsste er dies bejahen. Er 
könne dies aber – und ähnliche Feststellungen – nicht positiv aus den hier erhobe-
nen Befunden ableiten. Allerdings seien die Einwirkungen offensichtlich eben von 
verschiedenen Seiten dem Opfer beigebracht worden. Man habe Gesichtsverlet-
zungen aber auch Verletzungen an der Körperrückseite, sowie am ehesten von 
hinten geführte Schläge, z.B. auf die Schulter und auf den linken Oberarm, woraus 
man auf eine gewisse Dynamik des Handlungsablaufes rückschliessen könne, oh-
ne eine Position zur jeweiligen Verletzung definieren oder bezeichnen zu können 
(pag. 1209 Z. 32 ff.). 

Die Frage, wie gross die Wahrscheinlichkeit einer schweren Schädel-
/Hirnverletzung bzw. des Todeseintritts im Allgemeinen ist, wenn mit einem Holz-
stock von ca. 120 cm Länge und einem Durchmesser von ca. 4 - 5 cm derart auf 
einen Menschen eingeschlagen wird, lässt sich gemäss Dr. E.________ (Facharzt 
für Rechtsmedizin) nicht vorhersagen. Er führte aus, er könne nur bestätigen, dass 
es grundsätzlich möglich sei, einem Menschen mit einem etwa 4 cm durchmessen-
den Ast von ca. 1,2 m Länge – sofern der Ast nicht breche – den Schädel einzu-
schlagen (pag. 1210 Z. 6 ff.). Später in derselben Einvernahme führte er bestäti-
gend aus, es wäre mit einem derartigen Ast, vorausgesetzt dieser würde nicht bre-
chen, möglich, jemanden im schlimmsten Fall tödlich zu verletzen. Ob dies ein 
Bruch des Schädeldachs, eine Blutung innerhalb des Hirnschädels, eine direkte 
Hirngewebsquetschung oder auch eine verschiebende Verletzung der Halswir-
belsäule wäre – all diese Verletzungen könnten den Tod herbeiführen (vgl. 
pag. 1210 Z. 29 ff.). Der Experte hielt jedoch auch deutlich fest, aus den Verletzun-
gen lasse sich im vorliegenden konkreten Fall nicht schliessen, wie gross die 
Wahrscheinlichkeit eines Todeseintritts gewesen sei. Jedenfalls seien nach dem 
Erkenntnisstand, den man abschliessend habe gewinnen können, keine belegba-
ren Hinweise ersichtlich, dass sich die Straf- und Zivilklägerin zu irgendeinem Zeit-
punkt in Lebensgefahr befunden hätte (pag. 1210 Z. 23 ff.). 

Im Hinblick auf die am Kopf hervorgerufenen Verletzungen ist gemäss dem Sach-
verständigen eher von einer mässigen Schlagwucht auszugehen, weil es letztend-
lich nicht zur Fraktur des Schädeldaches oder von Schädelknochen gekommen sei. 
Hingegen liessen die konturierten Hämatome, die man an den vier benannten Stel-
len am Rumpf abgrenzen könne, insbesondere an der Schulter und am linken 
Oberarm an eine erhebliche Einwirkung denken, weil es nicht so einfach sei, dass 
derartig konturierte Unterblutungszeichen entstehen würden. Dies hänge einerseits 
von der Form des konkreten Tatwerkzeugs ab – welches man vorliegend nicht 
kenne – andererseits erfordere es aber auch eine gewisse Wucht des Tatgefässes, 
damit die Blutgefässe an den Rändern platzen bzw. reissen und nicht dort, wo das 
Werkzeug auftreffe. Wenn ein Werkzeug relativ rund sei, brauche es umso heftige-
re, d.h. kurzfristigere Verformungen des Gewebes, woraus man in gewisser Weise 

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auf die Intensität der Einwirkung rückschliessen könne (pag. 1211 Z. 8 ff.). Die bei 
der Straf- und Zivilklägerin festgestellte Abwehrbewegung habe er einer sogenann-
ten passiven, also sich schützenden Abwehr, zugeordnet. Im Gegensatz dazu be-
stehe in der Situation von zwei sich gegenüber stehenden Protagonisten die Mög-
lichkeit für eine aktive Abwehrbewegung, von der man jedoch keine Spuren habe 
feststellen können. Dies schliesse aber nicht aus, dass eine derartige Bewegung 
stattgefunden hätte. Das wäre aber bei einer derartigen aktiven Abwehrbewegung 
nicht zu einer Abwehrverletzung gekommen (pag. 1212 Z. 1 ff.). Betreffend die bei 
der Straf- und Zivilklägerin festgestellten Kopfschwartendurchtrennungen hielt der 
Experte fest, diese seien auf den klassischen Mechanismus einer sog. Quet-
schrisswunde in Folge stumpf-mechanischer Gewalteinwirkung zurückzuführen. In 
Folge des Schlages mit dem hier stockähnlichen Gegenstand komme es zunächst 
zu einer Quetschung der Kopfschwarte an der Stelle der Gewalteinwirkung und 
durch den Widerlagereffekt des darunter liegenden Schädelknochens reisse die 
Kopfschwarte auf und die unter Spannung stehenden Wundränder führten zum 
klaffenden Aspekt der Verletzung. Aus dem Klaffen der Verletzung lasse sich aber 
nicht die Intensität der Einwirkung ableiten (pag. 1212 Z. 13 ff.). 

8.5.4 Weitere Arztberichte 

Die Straf- und Zivilklägerin befand sich nach dem Vorfall über längere Zeit in medi-
zinischer Behandlung, insbesondere wegen den Verletzungen an der linken Hand. 
Hierzu hielt Dr. H.________ (Arzt) in seinem Arztbericht vom 17. Dezember 2015 
fest, dass ein erhebliches Quetschtrauma bestehe, mit der Folge, dass der linke 
Zeigefinger nicht mehr gebogen werden könne und damit in seiner Funktion einge-
schränkt sei (pag. 350 f.). 

Am 4. August 2015 wurde in der I.________ (Klinik) ein MRI durchgeführt. Im Be-
richt der I.________ (Klinik) vom 14. Dezember 2015 wird festgehalten, dass dabei 
keine traumabedingten intrakraniellen Verletzungen festgestellt wurden und keine 
Lebensgefahr bestand. Prinzipiell sei aber bei einem tätlichen Angriff mit nachweis-
licher Kopfverletzung mit einem erheblichen schwerwiegenden Verletzungsmuster 
zu rechnen (pag. 354 ff.). 

Mit Eingabe vom 4. November 2017 (pag. 1158 ff.) reichte die Straf- und Zivilkläge-
rin zudem aktuelle Arztberichte ein. Der Bericht der J.________ (Universitätsklinik) 
vom 12. Oktober 2017 betreffend die Sprechstunde beim Handchirurgen vom 
2. Oktober 2017 (pag. 1171 f.) hält fest, bei der Straf- und Zivilklägerin bestehe er-
gotherapeutisch ein ordentlicher Verlauf, aufgrund der eingesteiften Verhältnisse im 
2. Strahl [Anm.: Als Strahl bezeichnet man einen Finger und den dahinter liegen-
den Mittelhand-Knochen. Der 2. Strahl ist der Strahl vom Zeigefinger.] könnten an 
den IP-Gelenken keine Fortschritte mehr erwartet werden (pag. 1172). Gemäss 
dem Bericht der J.________ (Universitätsklinik) über die neurologische und neuro-
physiologische Untersuchung vom 10. Oktober 2017 (pag. 1173 ff.) ist in Bezug auf 
die Straf- und Zivilklägerin klinisch neurologisch derzeit kein neurologisches Defizit 
eruierbar. Die kognitiven Leistungen seien nicht überprüft worden, empfohlen wer-
de eine ausführliche neuropsychologische Testung. Die Kopfschmerzen würden 
von der Patientin toleriert, eine Medikation lehne sie ab. Im Verlauf seien diese wie 
auch die unspezifischen Schwindel- und Schwächegefühle langsam rückläufig. 

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Dennoch bestehe noch eine sehr deutliche Auseinandersetzung mit dem Trauma 
mit den dadurch bedingten Verletzungsfolgen und dem langsamen Erholungsver-
lauf. Der Patientin sei die Suche nach einem Hausarzt empfohlen worden, welcher 
die Vermittlung eines Psychologen oder Psychiaters mitübernehmen könne. Einer 
Gesprächstherapie stehe die Patientin sehr positiv gegenüber. Der Zufallsbefund 
der pialen arterio-venösen Malformation des Vermis mit Drainage über die Vena 
magna Galeni in den Sinus sagittalis iferior und superior bei Verschluss des Sinus 
rectus sei grundsätzlich verdächtig auf eine posttraumatische Veränderung. Es soll-
te eine intracranielle Dopplersonographie erfolgen mit Frage nach Shuntvolumen 
(pag. 1175). 

Auf Vorhalt dieses Berichts gab der Sachverständige Dr. E.________ (Facharzt für 
Rechtsmedizin) in der oberinstanzlichen Verhandlung zu Protokoll, dieser letzte 
Satz [recte: gemeint sind wohl die beiden letzten Sätze] erscheine a priori etwas 
widersprüchlich. Einerseits werde von einer artheriovenösen Malformation, also ei-
ner Missbildung (anlagebedingt?), gesprochen, andererseits sei dieser Befund ver-
dächtig auf eine posttraumatische Veränderung, also eine Folge der Gewalteinwir-
kung. Die bezeichnete anatomische Situation liege so zentral in der hinteren Schä-
delgrube, dass aus rechtsmedizinischer Sicht nicht ersichtlich sei, wie es dort zu 
einer traumatischen Einwirkung gekommen sein sollte, zumal nach der eingehen-
den Schädel-CT-Diagnostik im Spitalzentrum Biel keinerlei Verletzungsfolgen am 
Schädelknochen resp. innerhalb der Schädelkapsel festgestellt worden seien, die 
einen Hinweis auf eine tieferreichende Schädigung gegeben hätten. Dabei sei an-
zumerken, dass die vom neurologischen Kollegen angesprochene Veränderung 
selbst bei der CT-Untersuchung in Biel vermutlich nicht hätte festgestellt werden 
können (pag. 1212 Z. 25 ff.). Auf Nachfrage seitens der Generalstaatsanwaltschaft 
bestätigte Dr. E.________ (Facharzt für Rechtsmedizin) in der Folge, dass nach 
Auffassung des Verfassers des Berichts eine Malformation und der Verdacht 
bestünden, dass diese posttraumatisch entstanden sei. Sodann fügte der Sachver-
ständige an, er selber habe den rechtsmedizinischen Standpunkt jedoch klar ge-
macht (pag. 1212 Z. 40 ff.). 

8.5.5 Würdigung

Gestützt auf die konstanten Aussagen der Straf- und Zivilklägerin ist nach Auffas-
sung der Kammer im Ergebnis davon auszugehen, dass der Beschuldigte das Tat-
werkzeug mit beiden Händen führte. Auch der Beschuldigte selbst räumte diese 
Möglichkeit anfänglich ein. Demgegenüber sind seine späteren, bestreitenden Aus-
sagen nachgeschoben und damit nicht glaubhaft. So will der Beschuldigte gemäss 
seinen Angaben in der oberinstanzlichen Verhandlung den Pfefferspray in der lin-
ken Hand gehalten haben, während er den Schlag einzig mit der rechten Hand 
ausgeführt haben will. Die Kammer ist jedoch mit der Generalstaatsanwaltschaft 
gestützt auf die glaubhafte, eindrückliche Schilderung der Straf- und Zivilklägerin 
davon überzeugt, dass der Beschuldigte den Ast mit beiden Händen fasste und 
beide Arme über den Kopf hob bevor er auf die Straf- und Zivilklägerin einschlug 
(vgl. dazu auch die Ausführungen der Generalstaatsanwaltschaft in der oberin-
stanzlichen Verhandlung, pag. 1225). Ein Fassen eines Astes dieser Dicke (ca. 4 -
 5 cm) bzw. ein Zuschlagen mit beiden Händen ist denn auch selbst unter gleich-

19

zeitigem Halten des Pfeffersprays in der linken Hand – wie dies der Beschuldigte 
zuletzt geltend machte – möglich. 

Hinsichtlich der Position der Straf- und Zivilklägerin sagte der Beschuldigte kon-
stant aus, die Straf- und Zivilklägerin sei bei sämtlichen Schlägen gestanden. Auch 
bestritt er, noch weiter zugeschlagen zu haben, als sie bereits am Boden lag. Er 
schloss hingegen nicht aus, allenfalls im Moment des Fallens noch Schläge ausge-
führt zu haben. Die Straf- und Zivilklägerin sagte demgegenüber aus, der Beschul-
digte habe auch noch zugeschlagen, als sie bereits am Boden gelegen sei, wobei 
sie sich zumindest am Anfang noch bewegt habe. Detaillierte Angaben zu ihrer ei-
genen Position im Zeitpunkt der einzelnen Schläge und auch dazu, aus welcher 
Richtung diese jeweils ausgeführt wurden und wo sie sie getroffen haben, konnte 
die Straf- und Zivilklägerin hingegen nicht machen. Es fällt zudem auf, dass ihre 
Angaben in diesem Zusammenhang im Nachhinein stark aggravierend wurden, sie 
beschreibt dramatisch, wie sie noch alle Schläge miterlebt haben will, als sie schon 
am Boden gelegen habe, obschon sie ja angeblich ohnmächtig war (vgl. Beilage 
«Ad Tathergang, 25. Juni 2015» zum Schreiben vom 14. März 2017, pag. 1090; 
vgl. auch die entsprechenden Ausführungen der Verteidigung in der oberinstanzli-
chen Verhandlung, pag. 1217). Auf diese Ausführungen kann deshalb nicht abge-
stellt werden. Der Sachverständige konnte in Bezug auf die Frage nach der Positi-
on der Straf- und Zivilklägerin in der oberinstanzlichen Verhandlung keine sach-
dienlichen Angaben machen; er gab zu Protokoll, dass aufgrund der Verletzungen 
der Straf- und Zivilklägerin nicht auf deren Position geschlossen werden könne. Zu 
Gunsten des Beschuldigten ist deshalb im Ergebnis festzuhalten, dass es sich um 
ein dynamisches, insgesamt kurzes Geschehen handelte und nicht eruiert werden 
kann, in welcher Position sich die Straf- und Zivilklägerin genau befand, als der Be-
schuldigte die Schläge ausführte (vgl. dazu insbesondere auch die diesbezüglichen 
Ausführungen des Sachverständigen in der oberinstanzlichen Verhandlung, 
pag. 1209 Z. 32 ff.). Gestützt insbesondere auf die Aussagen des Beschuldigten 
selbst steht für die Kammer somit fest, dass dieser sowohl Schläge gegen die 
Straf- und Zivilklägerin ausführte, als diese noch stand, als auch, dass er noch zu-
schlug, als diese bereits im Fallen war. Nicht erstellt ist entgegen den Ausführun-
gen der Generalstaatsanwaltschaft in der oberinstanzlichen Verhandlung jedoch, 
dass der Beschuldigte weiterhin auf die Straf- und Zivilklägerin einschlug, als diese 
bewusstlos am Boden lag (vgl. pag. 1224). Das wird von der Straf- und Zivilklägerin 
zwar geltend gemacht, sie räumt jedoch selbst ein, dies letztlich aus den Verlet-
zungen zu schliessen. Unbestrittenermassen liess der Beschuldigte schliesslich 
von sich aus von der Straf- und Zivilklägerin ab und kehrte ins Haus zurück, ohne 
sich um seine verletzte Schwester zu kümmern.

Bezüglich der Heftigkeit der Schläge geht die Kammer gestützt auf die Ausführun-
gen des Sachverständigen in der oberinstanzlichen Verhandlung davon aus, dass 
die Schläge gegen den Kopf mit bloss mässiger Heftigkeit, diejenigen gegen den 
Rumpf hingegen heftig erfolgten (vgl. die gegenteiligen Ausführungen der General-
staatsanwaltschaft, pag. 1224). Die sachverständigen Angaben decken sich betref-
fend die Schläge gegen den Kopf auch mit den Angaben des Beschuldigten, wel-
cher angegeben hatte, heftige Schläge ausgeteilt, jedoch nicht mit voller Wucht zu-
geschlagen zu haben. Der Beschuldigte selbst gab insbesondere zu Protokoll, er 

20

habe stark geschlagen, er hätte jedoch noch stärker schlagen können. Selbst die 
Straf- und Zivilklägerin sagte aus, dass einige der Schläge stark gewesen seien, 
jedoch nicht alle. 

Aufgrund seiner eigenen Aussagen und der dokumentierten Verletzungen ist zu-
dem erstellt, dass der Beschuldigte Schläge gegen Rücken und Oberkörper der 
Straf- und Zivilklägerin ausführte und sie dort auch traf. Weiter ist erstellt, dass der 
Beschuldigte, wie er selber einräumt, unkontrolliert zuschlug und dabei im Rahmen 
des dynamischen Geschehens auch in Kauf nahm, die Straf- und Zivilklägerin – 
wie konkret auch geschehen – am Kopf zu treffen. Dass er aber ausschliesslich 
gezielt gegen den Kopf der Straf- und Zivilklägerin geschlagen hätte, kann dem 
Beschuldigten nicht nachgewiesen werden. Ziel des Beschuldigten war es, seiner 
Schwester eine Lektion zu erteilen, damit sie sich künftig von der Liegenschaft in 
D.________ (Ort) fernhalte. 

Erwiesen ist schliesslich, dass die Straf- und Zivilklägerin durch die Schläge die 
oben beschriebenen Verletzungen an Kopf, Oberkörper und linker Hand erlitt, wo-
bei in Bezug auf letztere der linke Zeigefinger nachhaltig beeinträchtigt ist, was eine 
dauernde Einschränkung der Funktionsfähigkeit der gesamten Hand mit sich bringt. 
Eine Lebensgefahr bestand zu keinem Zeitpunkt. 

III. Rechtliche Würdigung

9. Versuchte eventualvorsätzliche Tötung

In Bezug auf die theoretischen Ausführungen zu den objektiven und subjektiven 
Tatbestandskomponenten von Art. 111 StGB sowie zu Art. 22 Abs. 1 StGB kann 
vorab auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden 
(pag. 1028 f., S. 27 f. Entscheidbegründung). Dabei betont die Kammer, dass der 
Richter für den Nachweis des Vorsatzes dann vom Wissen des Täters auf dessen 
Willen schliessen darf, wenn sich dem Täter die Verwirklichung der Gefahr als so 
wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, sie als Folge hinzunehmen, ver-
nünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann. Je grösser 
die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je schwerer die 
Rechtsgutsverletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolgerung, der Täter habe 
die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen. Ein Tötungsvorsatz ist hingegen 
zu verneinen, wenn der Täter trotz der erkannten möglichen Lebensgefahr handelt, 
aber darauf vertraut, die Todesgefahr werde sich nicht realisieren. 
Ein Tötungsvorsatz kann zudem angesichts der hohen Mindeststrafe bei Straftaten 
gegen das Leben und des gravierenden Schuldvorwurfs bei Kapitaldelikten nur an-
genommen werden, wenn zum Wissenselement weitere Umstände hinzukommen. 
Solche Umstände liegen namentlich dann vor, wenn der Täter das ihm bekannte 
Risiko in keiner Weise kalkulieren und dosieren kann und der Geschädigte keinerlei 
Abwehrchancen hat (BGer 6B_1250/2013, Urteil vom 24. April 2015 mit Hinwei-
sen).

Den Schuldspruch wegen vollendeten Versuches einer eventualvorsätzlichen 
Tötung begründete die Vorinstanz damit, dass der Beschuldigte gemäss vorin-

21

stanzlichem Beweisergebnis vier Mal hart gegen den Kopf der Straf- und Zivilkläge-
rin geschlagen habe und allgemein bekannt sei, dass bei wiederholten Schlägen 
mit einem schweren, harten Gegenstand wie einem massiven Holzstock gegen 
sensible Körperregionen wie den Kopf die Gefahr von tödlichen Verletzungen be-
stehe. In seinem Zorn und im Rahmen des dynamischen Geschehens sei es dem 
Beschuldigten zudem nicht möglich gewesen, die Härte der Schläge zu dosieren 
und deren Ziel zu lokalisieren. Der Beschuldigte habe zudem nicht im Affekt ge-
handelt, sondern Vorbereitungshandlungen getroffen, indem er im Hinblick auf eine 
Begegnung mit der Schwester einen Stock bereitgelegt und einen Pfefferspray ge-
kauft habe. Der Beschuldigte habe den Tod der Straf- und Zivilklägerin zwar nicht 
gewollt, aber für den Fall seines Eintritts in Kauf genommen (pag. 1029 ff., S. 28 ff. 
Entscheidbegründung). 

Dieser Schlussfolgerung der Vorinstanz kann sich die Kammer – gestützt auf das 
oberinstanzliche Beweisergebnis – nicht anschliessen. Vorliegend befand sich die 
Straf- und Zivilklägerin aufgrund der Schläge nicht in Lebensgefahr. Wie bereits 
ausgeführt, ist in Übereinstimmung mit dem Gutachten des IRM Bern und dem Be-
richt von Dr. K.________ (Arzt) allerdings davon auszugehen, dass die Schläge 
des Beschuldigten durchaus geeignet waren, auch gravierendere Verletzungen zu 
bewirken, als sie effektiv entstanden sind, insbesondere hätten Schädel- oder Hirn-
verletzungen resultieren können. Daraus kann jedoch nach Auffassung der Kam-
mer nicht ohne weiteres die Schlussfolgerung gezogen werden, dass die Schläge 
des Beschuldigten objektiv geeignet waren, auch Verletzungen hervorzurufen, die 
mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu einer unmittelbaren Lebensgefahr oder gar 
zum Tod geführt hätten. Weder das IRM Bern noch Dr. K.________ (Arzt) erwäh-
nen in ihren Berichten ein solches konkretes Risiko tödlicher Verletzungen, son-
dern belassen es bei allgemeinen Aussagen. Auf nichts anderes lassen denn auch 
die gutachterlichen Ausführungen in der oberinstanzlichen Verhandlung schliessen. 
Die konkreten Verletzungshandlungen des Beschuldigten erscheinen vorliegend 
letztlich nicht als derart gefährlich, als dass daraus auf eine eventualvorsätzliche 
Tötung geschlossen werden könnte. So ist gemäss dem Beweisergebnis von ins-
gesamt neun zwar heftigen und unkontrollierten Schlägen auszugehen, welche 
aber nicht mit voller Wucht und v.a. nicht gezielt gegen den Kopf ausgeführt wur-
den. Weiter ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte nicht etwa mit einem we-
sentlich gefährlicheren, geformten, rechteigentlichen Schlagwerkzeug, wie bei-
spielsweise einem Baseballschläger zuschlug, mit welchem ein genaues Zielen 
und Treffen möglich gewesen wäre, sondern sich vielmehr eines unhandlichen, na-
turbelassenen Astes bediente. Ausserdem setzte sich das Opfer zwar nicht aktiv 
zur Wehr und wurde schliesslich bewusstlos, konnte sich jedoch noch abdrehen 
und die Hände schützend über den Kopf legen, was zu den schweren Abwehrver-
letzungen an der linken Hand führte. 

Dass der Beschuldigte auch noch auf die Straf- und Zivilklägerin eingeschlagen 
hätte, als diese bereits bewusstlos und damit wehrlos am Boden lag, ist, wie bereits 
ausgeführt, nicht erstellt. Vielmehr liess der Beschuldigte nach dem Sturz der Straf- 
und Zivilklägerin ab und kehrte ins Haus zurück, da sein Ziel, ihr eine Lektion zu 
verpassen, erfüllt war. Die Tatsache, dass sich der Beschuldigte nach der Tat von 
seiner Schwester abwandte und davon ging wird allenfalls im Rahmen der Straf-

22

zumessung zu berücksichtigen sein, entgegen den Ausführungen der General-
staatsanwaltschaft in der oberinstanzlichen Verhandlung (vgl. pag. 1226) ist dies 
aber in Bezug auf einen allfälligen Tötungsvorsatz nicht entscheidend. 

Schliesslich liegen auch keine Hinweise dafür vor, dass der Beschuldigte die Tat im 
Vorfeld geplant hätte. Insbesondere gehen die Ausführungen der Generalstaats-
anwaltschaft, wonach der Beschuldigte Vorbereitungshandlungen getroffen und 
insbesondere einen Pfefferspray gekauft habe (vgl. pag. 1225 f.), fehl, zumal sich 
eine Vorbereitungshandlung – um für die rechtliche Qualifikation als Tötungsvor-
satz im vorliegenden Fall relevant zu sein – wenn schon auf ein zur Tötung geeig-
netes Tatwerkzeug beziehen müsste. Dass ein Pfefferspray jedoch kein geeignetes 
Tatwerkzeug für eine Tötung ist, ist offensichtlich (vgl. die entsprechenden Aus-
führungen der Verteidigung in der oberinstanzlichen Verhandlung, pag. 1218). Die 
Tatsache, dass der Beschuldigte im Hinblick auf weitere Besuche von der Schwes-
ter einen Pfefferspray besorgte und nicht etwa ein Messer oder ein gefährliches 
Schlagwerkzeug wie eine Eisenstange oder einen Baseballschläger, zeigt nach 
Auffassung der Kammer vielmehr gerade, dass es ihm vordergründig um eine 
«Abwehr» im Sinne eines Vertreibens der Schwester ging und nicht um einen tödli-
chen Angriff auf letztere. 

Zusammenfassend waren vorliegend weder das Risiko eines Todeseintrittes derart 
hoch, noch die Handlungen des Beschuldigten von einer Art und Weise, dass da-
durch auf eine Inkaufnahme der Todesfolge geschlossen werden müsste. Ein 
Tötungsvorsatz kann dem Beschuldigten somit nicht nachgewiesen werden. 

10. Schwere Körperverletzung

10.1 Objektiver Tatbestand

Eine schwere Körperverletzung gemäss Art. 122 Abs. 2 StGB begeht, wer vorsätz-
lich ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder unbrauchbar 
macht. Als wichtige Glieder gelten dabei vor allem die Extremitäten, also Arme und 
Beine, Hände und Füsse, aber auch Ellenbogen und Schultern sowie Knie- und 
Hüftgelenke. Ob einzelne Finger als wichtige Glieder anzusehen sind, ist entspre-
chend der Auswirkungen auf die Funktion der Hand als Ganzes zu beurteilen. Als 
wichtig eingestuft werden etwa das Endglied des rechten Daumens, wie auch der 
linke Daumen, da dadurch die Greiffunktion betroffen ist. Als nicht erheblich wurde 
hingegen der kleine Finger der linken Hand beurteilt (BSK StGB-ROTH/BERKEMEIER 
N 11 zu Art. 122 mit Verweis auf die Rechtsprechung). Ein wichtiges Glied ist dann 
unbrauchbar, wenn dessen Grundfunktionen erheblich gestört sind. Eine nur leichte 
Beeinträchtigung genügt hingegen nicht, selbst wenn sie dauerhaft und nicht be-
hebbar ist (BGer 6B_26/2011 vom 20. Juni 2011, E. 2.4.1., mit Verweis auf 
BGE 129 IV 1, E.3.2). 

Im Entscheid BGer 6B_26/2011 vom 20. Juni 2011 qualifizierte das Bundesgericht 
den konstanten Sensibilitätsverlust des Zeige- und Mittelfingers der rechten Hand, 
verbunden mit bewegungs- und belastungsabhängigen Schmerzen sowie einer 
ausgeprägten Kälteempfindlichkeit bei einer Rechtshänderin, bei welcher die volle 
Funktionsfähigkeit der rechten Hand nicht mehr eintreten wird, im Ergebnis als 
schwere Körperverletzung. Das Bundesgericht hielt fest, die rechte Hand sei insbe-

23

sondere bei einer Rechtshänderin ein wichtiges Glied i.S.v. Art. 122 Abs. 2 StGB. 
Stehe fest, dass deren Funktionsfähigkeit nicht mehr vollständig eintreten werde 
und sich die Geschädigte deswegen beruflich umorientieren müsse, demgemäss 
die Verletzungsfolgen objektiv wie auch subjektiv schwer wiegten, sei nicht zu be-
anstanden, dass die Vorinstanz von einer schweren Körperverletzung gemäss Art. 
122 Abs. 2 StGB ausgehe (vgl. E. 2.4). Im Übrigen – so das Bundesgericht weiter – 
seien die Vorbringen des Beschwerdeführers auch deshalb unbehelflich, weil eine 
Kombination verschiedener Beeinträchtigungen, die für sich allein noch nicht als 
schwere Körperverletzung gelten, diese Qualifikation in der gesamtheitlichen Wür-
digung im Rahmen der Generalklausel nach Art. 122 Abs. 3 StGB rechtfertigen 
könne. Dies sei im zitierten Entscheid der Fall, die Geschädigte sei neben der dar-
gelegten Verletzung aufgrund der verminderten Belastbarkeit ihrer rechten Hand 
während mindestens zehn Monaten arbeitsunfähig gewesen, was gemäss Recht-
sprechung als lang dauernde Arbeitsunfähigkeit gelte. Hinzu kämen der lange Hei-
lungsprozess mit den zwei Operationen, die zahlreichen weiteren Verletzungen an 
den Armen, Händen und auf der Stirn der Geschädigten sowie die Beeinträchti-
gungen (konstanter Sensibilitätsverlust und allfällig bleibende bewegungs- sowie 
belastungsabhängige Schmerzen) des Zeige- und Mittelfingers ihrer rechten Hand, 
die sie im Alltag relevant behinderten (vgl. ebenfalls E. 2.4 mit weiteren Hinweisen). 

Die Verteidigung machte im Rahmen des oberinstanzlichen Parteivortrages gel-
tend, die Straf- und Zivilklägerin habe einzig im Zusammenhang mit der Verletzung 
des linken Zeigefingers noch Spätfolgen zu tragen, alle anderen Verletzungen sei-
en verheilt. Zwar sei die Straf- und Zivilklägerin in funktioneller Hinsicht sicher ein-
geschränkt, zumal sie den Zeigefinger nicht mehr biegen könne, ein Griff zwischen 
Daumen und Zeigefinger sowie ein Zeigen mit dem Zeigefinger seien aber nach 
wie vor möglich. Eine Invalidität im eigentlichen Sinn sei von den Ärzten denn auch 
verneint worden. In der oberinstanzlichen Verhandlung sei die Straf- und Zivilkläge-
rin schliesslich auch in der Lage gewesen, die Seiten des Einvernahmeprotokolls 
umzublättern. Zu berücksichtigen sei in diesem Zusammenhang auch, dass die 
Straf- und Zivilklägerin Rechtshänderin und auch nicht etwa Pianistin oder Flötistin 
sei. Entsprechend sei der linke Zeigefinger bei ihr nicht mit der gleichen Funktion 
und eine Verletzung nicht mit den gleichen Einschränkungen verbunden. Im Übri-
gen könne die Straf- und Zivilklägerin nach wie vor gut auf einer Tastatur schrei-
ben, wie anhand der vielen Eingaben ersichtlich sei (vgl. pag. 1217 f.). 

Aufgrund der beim Vorfall erlittenen Verletzungen kann die Straf- und Zivilklägerin 
den Zeigefinger der linken Hand trotz mehrerer Operationen nicht mehr biegen, 
dieser bleibt dauerhaft in einer Streckstellung. Dass damit auch eine erhebliche 
und bleibende Einschränkung der Funktionsfähigkeit der linken Hand verbunden 
ist, wie sie in den Berichten der behandelnden Ärzte umschrieben wird, ist offen-
sichtlich – die Tatsache, dass die Straf- und Zivilklägerin den linken Zeigefinger 
nicht mehr biegen kann, beeinträchtigt sie sowohl bei alltäglichen Verrichtungen, 
als auch in Bezug auf die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit. Trotz zweimaliger 
Operation konnten Sensorik und Bewegungsfähigkeit nicht wieder hergestellt wer-
den. Allein die bleibende Einschränkung der Funktionsfähigkeit der linken Hand für 
sich begründet damit nach Auffassung der Kammer bereits eine schwere Körper-
verletzung i.S.v. Art. 122 Abs. 2 StGB. Daran vermag auch die Tatsache nichts zu 

24

ändern, dass die Straf- und Zivilklägerin gemäss eigenen Angaben Rechtshänderin 
ist, zumal sie insbesondere auch in beruflicher Hinsicht auf die Funktionsfähigkeit 
der linken Hand angewiesen wäre (vgl. pag. 1206 Z. 6 ff.). Mit der Generalstaats-
anwaltschaft ist schliesslich festzuhalten, dass die Tatsache, dass die Straf- und 
Zivilklägerin weiterhin mit den anderen Fingern bzw. mit der anderen Hand etwas 
Tippen und/oder eine Seite umblättern kann, in diesem Zusammenhang irrelevant 
ist (vgl. pag. 1224). 

Hinzu kommt, dass selbst wenn man den objektiven Tatbestand von Art. 122 
Abs. 2 StGB verneinen würde, darüber hinaus gestützt auf die vorhandenen Arzt-
berichte und die gutachterliche Einschätzung angesichts der langen Rekonvales-
zenzzeit, der nach wie vor auftretenden Kopfschmerzen sowie dem latenten Druck 
im Kopf der Straf- und Zivilklägerin entsprechend der hiervor zitierten bundesge-
richtlichen Rechtsprechung auch der Auffangtatbestand nach Art. 122 Abs. 3 StGB 
zu bejahen wäre. 

Der objektive Tatbestand einer vollendeten schweren Körperverletzung im Sinne 
von Art. 122 Abs. 2 StGB ist damit erfüllt. 

10.2 Subjektiver Tatbestand

In Frage steht auch in Bezug auf eine schwere Körperverletzung ein eventualvor-
sätzliches Handeln des Beschuldigten. Es wird diesbezüglich vorab auf die Aus-
führungen unter III.9. Versuchte eventualvorsätzliche Tötung hiervor verwiesen. 
Nach seinen konstanten Aussagen wollte der Beschuldigte seiner Schwester mit 
den Schlägen eine Lektion erteilen, damit diese nicht mehr nach D.________ (Ort) 
komme (vgl. dazu auch die entsprechenden Ausführungen der Verteidigung in der 
oberinstanzlichen Verhandlung, pag. 1218 f.). Das eigentliche Handlungsziel des 
Beschuldigten war es somit nicht, der Straf- und Zivilklägerin schwere Verletzungen 
zuzufügen. Dass die Straf- und Zivilklägerin aber durch die Schläge erheblich ver-
letzt werden könnte, nahm der Beschuldigte dabei in Kauf, wie er selbst einräumte, 
auch wenn er sich möglicherweise über die Verletzungsfolgen im Voraus keine de-
taillierten Vorstellungen machte. Letzteres ist jedoch auch nicht entscheidend – 
dass unkontrollierte, relativ heftige, gegen die obere Körperhälfte und den Kopf ge-
richtete Schläge mit einem relativ massiven Holzstock, wie ihn der Beschuldigte 
verwendet hat, geeignet sind, gravierende Verletzungen zu bewirken, ist allgemein 
bekannt und musste auch dem Beschuldigten bewusst sein. Zu denken ist an 
Schädel- und/oder Hirnverletzungen, Verletzungen der Augen mit Beeinträchtigung 
der Sehkraft, Verletzungen der Wirbelsäle mit Lähmungsfolgen oder erhebliche 
Verletzungen an Armen und Händen, namentlich durch Abwehrverletzungen, wie 
sie vorliegend effektiv entstanden sind. Dies war dem Beschuldigten bewusst, 
räumte er doch in den Befragungen ein, man könne sicher «etwas kaputt machen», 
wenn man jemandem gegen den Kopf schlage (pag. 14 Z. 200 f.) bzw. dass er zu 
hart zugeschlagen und es nicht im Griff gehabt habe (pag. 812 Z. 34 ff.). 

Der Beschuldigte ist somit wegen eventualvorsätzlicher schwerer Körperverletzung 
i.S.v. Art. 122 Abs. 2 StGB schuldig zu erklären. 

25

IV. Strafzumessung

11. Allgemeine Grundlagen der Strafzumessung und Strafrahmen

Betreffend die allgemeinen Grundlagen der Strafzumessung kann auf die zutref-
fenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. pag. 1033 f., S. 32 f. 
Entscheidbegründung). 

Der Strafrahmen von Art. 122 StGB reicht von einer Geldstrafe nicht unter 180 Ta-
gessätzen bis zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren. 

12. Tatkomponenten

12.1 Objektive Tatkomponenten

In Bezug auf das Kriterium des Ausmasses der Verletzung hält die Kammer fest, 
dass der Beschuldigte mehrmals mit einem relativ massiven Holzstock gegen 
Oberkörper und Kopf der Straf- und Zivilklägerin schlug und diese dabei erheblich 
verletzte. Letzteres wird jedoch bereits durch den Tatbestand der schweren Kör-
perverletzung gemäss Art. 122 Abs. 2 StGB mit entsprechend hoher Strafandro-
hung abgedeckt und hat bei der Strafzumessung folglich keine eigenständige Be-
deutung. Die Straf- und Zivilklägerin befand sich nie in Lebensgefahr. Ohne die von 
der Straf- und Zivilklägerin im konkret vorliegenden Fall erlittenen Verletzungen 
verharmlosen zu wollen, sind diese denn auch im Vergleich zu anderen theoretisch 
möglichen schweren Körperverletzungen bloss als mittelschwer einzuordnen. Die 
meisten Verletzungen sind verheilt, dies allerdings erst nach einer länger dauern-
den Rekonvaleszenz, diversen medizinischen Eingriffen und einer längeren Ar-
beitsunfähigkeit. Die Funktion der linken Hand bleibt wie ausgeführt dauerhaft be-
einträchtigt, ohne dass dies jedoch der Grad einer eigentlichen Invalidität erreichen 
würde (vgl. den Bericht der I.________ (Klinik), pag. 355). 

Betreffend die Verwerflichkeit ist trotz abweichender rechtlicher Würdigung in 
Übereinstimmung mit der Vorinstanz festzuhalten, dass der Beschuldigte eine doch 
erhebliche Gewaltbereitschaft gegenüber der Straf- und Zivilklägerin offenbarte, 
obwohl diese unbewaffnet war und sich nicht gegen die Schläge wehrte, geschwei-
ge denn den Beschuldigten ihrerseits angriff. Die Straf- und Zivilklägerin war viel-
mehr nach dem Erblicken des Beschuldigten bereits im Begriff, das Grundstück zu 
verlassen. Trotzdem rannte der Beschuldigte ihr nach und schlug sie. Entgegen 
den Ausführungen der Generalstaatsanwaltschaft in der oberinstanzlichen Ver-
handlung (vgl. pag. 1226) schlug der Beschuldigte dabei jedoch gerade nicht ge-
zielt auf den Kopf der Straf- und Zivilklägerin (vgl. dazu II.8.5. Ausführung der 
Schläge und Verletzungsfolgen hiervor). Für den Fall, dass seine Schwester wie-
derum auf dem Grundstück in D.________ (Ort) auftauchen sollte, was für sie nach 
Ansicht des Beschuldigten tabu war, hatte der Beschuldigte vorgesorgt – er hatte 
sich einen Pfefferspray besorgt und einen Holzstock bereitgelegt. Die Tat erfolgte 
somit nicht spontan, sondern es war vielmehr bereits seit einiger Zeit ein latenter 
Tatentschluss beim Beschuldigten vorhanden. Der Beschuldigte verübte mit seiner 
Handlung effektiv Selbstjustiz, statt zur Lösung des Grundkonfliktes auf legale, 
durchaus zur Verfügung stehende Mittel – wie vermittelnde Gespräche, eine Klage 
vor dem Zivilgericht oder ein Mediationsbegehren – zurückzugreifen.

26

Vor diesem Hintergrund sowie im Vergleich zu anderen ähnlich gelagerten Fällen 
geht die Kammer insgesamt von einem mittelschweren objektiven Tatverschulden 
und einer dafür angemessenen Einsatzstrafe von 48 Monaten aus. 

12.2 Subjektive Tatschwere

Hinsichtlich der Willensrichtung ist festzuhalten, dass der Beschuldigte mit Eventu-
alvorsatz handelte, was zu einer gewissen Reduktion der Strafe führen muss. In 
diesem Zusammenhang sind auch die Beweggründe des Beschuldigten zu berück-
sichtigen; sein eigentliches Ziel war es, seiner Schwester durch die Schläge eine 
Lektion zu erteilen, damit sie sich künftig vom Grundstück in D.________ (Ort) 
fernhalte. Dass er sie dabei schwer verletzen könnte, nahm er billigend in Kauf. 
Vorliegend erscheint deshalb eine Reduktion der Einsatzstrafe um 6 Monate auf 
42 Monate als angemessen. Die Vermeidbarkeit ist schliesslich offensichtlich ge-
geben; die Straf- und Zivilklägerin machte sofort nachdem sie den Beschuldigten 
erblickt hatte, Anstalten, das Grundstück zu verlassen. Der Beschuldigte hätte sie 
somit einfach ziehen lassen können. Hinweise für eine eingeschränkte Schuld-
fähigkeit liegen keine vor. 

Unter Einbezug der subjektiven Tatschwere ist zwar weiterhin von einem mittel-
schweren Verschulden auszugehen, die Einsatzstrafe ist jedoch auf 42 Monate zu 
reduzieren. 

13. Täterkomponenten

Hierzu kann grundsätzlich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden (pag. 1036 ff., S. 35 ff. Entscheidbegründung; vgl. auch die Aus-
führungen der Verteidigung in der oberinstanzlichen Verhandlung, pag. 1215 f.). 
Betreffend das Vorleben des Beschuldigten hält die Kammer ergänzend fest, dass 
dieser in geordneten Verhältnissen aufgewachsen ist, mit dem Abend-Technikum 
eine gute Ausbildung absolviert hat und nach ausgedehnten Reisen und verschie-
denen Anstellungsverhältnissen schliesslich mehrere Jahre selbständig tätig war. 
Der Beschuldigte hat keine Schulden, jedoch eine Vorstrafe aus dem Jahr 2013 
wegen einer Beschimpfung (vgl. den Strafregisterauszug vom 11. Oktober 2017, 
pag. 1138), diese ist leicht straferhöhend zu berücksichtigen. Eine psychische Er-
krankung liegt gemäss dem erstellten psychiatrischen Gutachten nicht vor, ebenso 
wenig andere gesundheitliche Beeinträchtigungen. 

Betreffend die aktuellen persönlichen Verhältnisse hält die Kammer fest, dass kein 
aktueller Leumundsbericht eingeholt werden konnte, da seitens der Polizei eine 
Kontaktaufnahme mit dem Beschuldigten nicht möglich war. Der Beschuldigte 
konnte dies in der oberinstanzlichen Verhandlung nachvollziehbar erklären, wes-
halb dies nicht zu seinem Nachteil gewichtet wird (vgl. pag. 1189 Z. 10 ff., 
pag. 1199 Z. 18 ff.; vgl. dazu auch die Ausführungen der Verteidigung in der obe-
rinstanzlichen Verhandlung, pag. 1221). Im Rahmen der Befragung zu den aktuel-
len persönlichen Verhältnissen in der oberinstanzlichen Verhandlung gab der Be-
schuldigte zu Protokoll, er wohne aktuell nach wie vor in L.________ (Ort). Sein 
monatliches Einkommen bestehe aus der AHV und einer Pension. Nebenbei leiste 
er noch Freiwilligenarbeit. Insgesamt belaufe sich sein monatliches Einkommen auf 
CHF 4‘000.00 netto. Sein Vermögen betrage ca. CHF 300‘000.00 (pag. 1197 

27

Z. 17 ff.). Angesprochen auf seine Gesundheit gab der Beschuldigte zu Protokoll, 
er habe vor fünf Wochen einen Unfall gehabt, bei welchem er das Knie verletzt ha-
be. Er müsse deswegen nun Physiotherapie machen. Ausserdem habe er noch ei-
nen Zeckenbissen gehabt (pag. 1197 Z. 36 ff.). Aktuell werde er nicht mehr von der 
Bewährungshilfe und auch nicht von Sozialdienst der Gemeinde unterstützt. Er 
denke nicht, dass ihm eine solche Unterstützung etwas bringen würde (pag. 1198 
Z. 1 ff.). Soziale Kontakte habe er wenige. In D.________ (Ort) habe er aufgrund 
der Arbeit Kontakte, in L.________ (Ort) habe er Freunde, welche er regelmässig 
sehe (pag. 1198 Z. 22 ff.). Die aktuellen persönlichen Verhältnisse des Beschuldig-
ten sind neutral zu gewichten. 

Betreffend das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren ist festzuhalten, dass 
der Beschuldigte die Tat im Grundsatz von Anfang an eingestanden hat, wobei sein 
Geständnis nicht die wesentliche Frage nach dem konkreten Tatwerkzeug umfass-
te. Mit fortschreitender Verfahrensdauer schien aus den Aussagen des Beschuldig-
ten zunehmend eine gewisse Einsicht durch, dass er beim Vorfall zu stark zuge-
schlagen hatte. Eine eigentliche Reue ist beim Beschuldigten jedoch bis heute 
nicht ersichtlich, geschweige denn, dass er Anstalten unternommen hätte zur Lö-
sung des Grundkonfliktes mit seiner Schwester beizutragen (vgl. das letzte Wort 
des Beschuldigten in der oberinstanzlichen Verhandlung, pag. 1228, sowie seine 
Ausführungen in der oberinstanzlichen Einvernahme, pag. 1198 Z. 33 ff.). Dies al-
les darf dem Beschuldigten nicht straferhöhend zur Last gelegt werden, hat aber 
zur Konsequenz, dass vorliegend – wenn überhaupt – höchstens in einem sehr ge-
ringen Umfang ein Geständnisrabatt zugebilligt werden kann. Den Behörden ge-
genüber verhielt sich der Beschuldigte mit Ausnahme seines Verhaltens anlässlich 
der erstinstanzlichen Urteilseröffnung, für welches er sich jedoch schriftlich ent-
schuldigte, korrekt. 

Die Strafempfindlichkeit ist als durchschnittlich zu bezeichnen. 

Die leichte Straferhöhung wegen der Vorstrafe und der geringe Geständnisrabatt 
heben sich nach Auffassung der Kammer gegenseitig auf. Damit sind die Täter-
komponenten insgesamt neutral zu gewichten, womit es bei einer Einsatzstrafe von 
42 Monaten bleibt.

14. Fazit Strafmass 

Der Beschuldigte ist zu einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten, entsprechend 
3½ Jahren, zu verurteilen.

15. Anrechnung Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie Ersatzmassnahme

Auf diese Strafe sind die ausgestandene Untersuchungshaft von 224 Tagen 
(25. Juni 2015 bis 3. Februar 2016) sowie die Sicherheitshaft nach dem erstin-
stanzlichen Urteil von total 24 Tagen (2. November bis 25. November 2016) anzu-
rechnen, ausmachend gesamthaft 248 Tage. 

Weiter ist betreffend die für die Dauer vom 4. Februar bis zum 2. November 2016 
angeordneten Ersatzmassnahmen – namentlich die Anweisung, sich einer ambu-
lanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen, die An-

28

weisung, sich durch die Bewährungshilfe unterstützen und beraten zu lassen sowie 
das Verbot, sich der Straf- und Zivilklägerin auf weniger als 100 Meter anzunähern 
(vgl. pag. 85 ff. sowie pag. 705 ff.) – eine Anrechnung zu prüfen. Die Kammer er-
achtet die angeordneten Ersatzmassnahmen nicht als derart einschneidend, als 
dass sich, wie von der Verteidigung beantragt (vgl. pag. 1221), eine Anrechnung im 
Umfang von 1/3 rechtfertigen würden. Auch kann entgegen den Ausführungen der 
Verteidigung in der oberinstanzlichen Verhandlung nicht von einer Gesamtdauer 
von 273 Tagen ausgegangen werden (vgl. auch dazu pag. 1221), zumal der Be-
schuldigte insgesamt bloss 10 therapeutische Sitzungen à 50 Minuten wahrneh-
men musste. Vielmehr ist in Bezug auf die Anweisung, sich durch die Bewährungs-
hilfe unterstützten zu lassen, sowie betreffend das Verbot, sich der Straf- und Zivil-
klägerin anzunähern, gar keine Anrechnung vorzunehmen, da diese Ersatzmass-
nahmen den Beschuldigten in seiner persönlichen Freiheit praktisch gar nicht be-
einträchtigten. Hingegen erachtet die Kammer für die angeordnete ambulante 
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung eine Anrechnung im Umfang von 
zwei Tagen als angemessen. 

V. Zivilpunkt

16. Schadenersatz

Hierzu kann vorab vollumfänglich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorin-
stanz verwiesen werden (pag. 1041 f., S. 40 f. Entscheidbegründung). 

Mit Eingabe vom 4. November 2017 stellte die Straf- und Zivilklägerin den Antrag, 
der Beschuldigte sei zu verpflichten, für die Nachteile der Arbeitsunfähigkeit Scha-
denersatz in der Höhe von CHF 50‘586.50 netto und für ihr entstandene Anwalts-
kosten Schadenersatz in Höhe von CHF 1‘073.20 zu bezahlen. Weiter beantragte 
die Straf- und Zivilklägerin es seien die Schadenersatzansprüche für die übrigen 
durch die widerrechtliche Handlung des Beschuldigten verursachten Schadenspo-
sitionen dem Grundsatz nach gutzuheissen und für die vollständige Beurteilung auf 
den Zivilweg zu verweisen (pag. 1160). Zur Begründung ihres Schadenersatzan-
spruches reichte die Straf- und Zivilklägerin diverse Belege ein (pag. 1170 ff., vgl. 
auch pag. 831 ff.). 

Die Verteidigung führte in der oberinstanzlichen Verhandlung aus, es sei nach wie 
vor unklar, inwiefern durch den Vorfall vom 25. Juni 2015 überhaupt ein Schaden 
verursacht worden sei. Es sei nicht rechtsgenüglich belegt, dass die Straf- und Zi-
vilklägerin wegen besagtem Vorfall nicht mehr habe arbeiten können, sie sei nicht 
invalid. Von Ende März bis Ende Juni seien sogar Lohnbelege vorliegend; dem-
nach habe die Straf- und Zivilklägerin arbeiten können und habe monatlich fast 
CHF 9‘000.00 verdient. Offenbar habe sie auch Arbeitslosengeld erhalten und sei 
somit grundsätzlich vermittelbar gewesen. Auch sei nicht klar, ob sie ohne den Vor-
fall immer Arbeit gehabt hätte und ob sie immer zum gleichen Lohn hätte arbeiten 
können. Die Grundlage für den Schadenersatzanspruch sei somit nicht eruierbar. 
Die vorinstanzliche Verweisung der Schadenersatzforderung auf den Zivilweg sei 
deshalb zu Recht erfolgt, daran änderten auch die neu eingereichten Unterlagen 
nichts (pag. 1222). 

29

Die Voraussetzungen für die Zusprechung von Schadenersatz gestützt auf 
Art. 41 OR sind vorliegend nach Auffassung der Kammer zweifellos erfüllt, womit 
klar ist, dass dem Grundsatz nach eine Entschädigung geschuldet ist. Jedoch be-
stehen in Bezug auf die geschuldete Schadenersatzhöhe nach wie vor Fragezei-
chen. Wie die Verteidigung in der oberinstanzlichen Verhandlung zu Recht vor-
brachte (vgl. pag. 1218 und pag. 1222), ist die Kausalität betreffend einzelne Scha-
densposten, insbesondere was die Nachteile einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit an-
belangt, vorliegend noch unklar – insbesondere irritiert in diesem Zusammenhang, 
dass die Straf- und Zivilklägerin offenbar zumindest im Frühling 2016 noch arbeite-
te (pag. 1180) und danach Arbeitslosenentschädigung bezog (vgl. pag. 1183 und 
pag. 1187), mithin vermittelbar war. Hinzu kommt, dass die medizinische Behand-
lung der linken Hand nach wie vor nicht abgeschlossen ist. 

Die Schadenersatzforderung der Straf- und Zivilklägerin ist somit dem Grundsatz 
nach gutzuheissen. Zur vollständigen Beurteilung der gesamten Schadenersatzfor-
derung ist die Straf- und Zivilklägerin auf den Zivilweg zu verweisen. 

17. Genugtuung

Auch zu den Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genugtuung sowie zu 
den Kriterien für die Festlegung der Genugtuungshöhe kann vorab vollumfänglich 
auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. 
pag. 1042 f., S. 41 f. Entscheidbegründung). 

Die Straf- und Zivilklägerin macht vorliegend einen Genugtuungsanspruch in der 
Höhe von CHF 40'000.00 geltend, zuzüglich Zins zu 5% seit dem 25. Juni 2015, 
eventualiter bestimmbar nach richterlichem Ermessen (pag. 1160). 

Die Vorinstanz sprach der Straf- und Zivilklägerin eine solche von CHF 10'000.00 
zu (pag. 915). Der Beschuldigte anerkennt seinerseits gemäss den Ausführungen 
der Verteidigung in der oberinstanzlichen Verhandlung eine Genugtuung im Um-
fang von CHF 2‘000.00 zu schulden. Demgegenüber werde seitens der Verteidi-
gung eine Genugtuungsforderung in Höhe von CHF 40‘000.00 als eindeutig zu 
hoch erachtet, zumal es um eine einfache Körperverletzung gehe und die seeli-
schen Leiden sicher nicht so gross seien wie sie die Straf- und Zivilklägerin geltend 
mache, insbesondere leide sie wohl kaum an Todesängsten. Auch habe die Straf- 
und Zivilklägerin selber nicht gerade ein konfliktentschärfendes Verhalten an den 
Tag gelegt (vgl. pag. 1222). 

Die Zusprechung einer Genugtuung ist vorliegend zweifelsohne gerechtfertigt. Die 
Straf- und Zivilklägerin stand aufgrund des überraschenden Angriffs erhebliche 
Schmerzen und Ängste aus und musste sich langwierigen medizinischen Ab-
klärungen und Behandlung unterziehen, wenn sie sich auch nie in Lebensgefahr 
befand. Bis heute bleibt jedoch der linke Zeigefinger in seiner Funktion einge-
schränkt, verursacht unangenehme Sinnesempfindungen und erinnert täglich an 
den traumatischen Vorfall. Dafür, dass die Straf- und Zivilklägerin aufgrund des 
Vorfalls an medizinisch nachgewiesenen anhaltenden psychischen Folgen leiden 
würde, wie sie dies geltend macht (vgl. pag. 1227 f.), gibt es in den Akten jedoch 
keine objektivierbaren Hinweise, insbesondere liegt kein Therapiebericht vor. Auch 
geht die Kammer gestützt auf den persönlichen Eindruck, welchen sie von der 

30

Straf- und Zivilklägerin in der oberinstanzlichen Verhandlung erhielt, und ange-
sichts der Tatsache, dass die Straf- und Zivilklägerin offenbar auch nach der Tat 
wiederholt die Liegenschaft in D.________ (Ort) und damit die Nähe des und die 
Konfrontation mit dem Beschuldigten aufsuchte, nicht von einer schweren Trauma-
tisierung aus (vgl. dazu auch die entsprechenden Ausführungen der Verteidigung in 
der oberinstanzlichen Verhandlung, pag. 1219 f., sowie die seitens der Verteidi-
gung eingereichten Fotografien der von der Straf- und Zivilklägerin auf dem Grund-
stück in D.________ (Ort) verteilten Zettel, pag. 1230 ff.).

Insgesamt erachtet die Kammer die von der Vorinstanz zugesprochene Genugtu-
ung in Höhe von CHF 10‘000.00 als eher hoch, aber im Vergleich mit ähnlichen Re-
ferenzfällen (vgl. HÜTTE/LANDOLT, Genugtuungsrecht, Band 2, Genugtuung bei 
Körperverletzungen, Zürich/St. Gallen 2013) sowie angesichts der erlittenen 
Schmerzen, dem ausgestandenen Schock sowie der bleibenden funktionellen Be-
einträchtigung der linken Hand noch angemessen. 

18. Verfahrenskosten

Für die Beurteilung des Zivilpunktes rechtfertigt sich keine Ausscheidung von Ver-
fahrenskosten.

VI. Kosten und Entschädigung

19. Verfahrenskosten

Die beschuldigte Person trägt die erstinstanzlichen Verfahrenskosten, wenn sie 
verurteilt wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Entsprechend ist der Beschuldigte zur Be-
zahlung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten, bestimmt auf CHF 26‘192.15, zu 
verurteilen (pag. 931). 

Oberinstanzlich belaufen sich die Verfahrenskosten auf CHF 7‘694.00 (Gebühr Be-
rufungsverfahren CHF 6‘000.00 + Entschädigung Sachverständiger CHF 1‘694.00). 
Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres 
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte obsiegt 
oberinstanzlich nur teilweise zufolge Schuldspruchs wegen eines weniger schwe-
ren Delikts und Verurteilung zu einer weniger hohen Strafe. Ausgehend von den 
Anträgen der Parteien – die Generalstaatsanwaltschaft beantragte einen Schuld-
spruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und eine Freiheitsstrafe von 6 Jah-
ren – ist das Urteil der Kammer in Bezug auf die Sanktion ungefähr in der Mitte an-
zusiedeln, was die rechtliche Qualifikation anbelangt, verlieren beide Parteien. Da-
mit rechtfertigt sich folgende Aufteilung der oberinstanzlichen Verfahrenskosten: 
3/5 der oberinstanzlichen Verfahrenskosten, ausmachend CHF 4‘616.40, sind dem 
Beschuldigten zur Bezahlung aufzuerlegen, 2/5 der oberinstanzlichen Verfahrens-
kosten, ausmachend CHF 3‘077.60, dem Kanton Bern. 

20. Entschädigung

Die Entschädigung für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten durch Fürspre-
cherin B.________ im erstinstanzlichen Verfahren ist gestützt auf die als angemes-

31

sen erachtete Honorarnote von Fürsprecherin B.________ vom 2. November 2016 
(pag. 824 ff.) auf CHF 18‘177.00 festzusetzen. 

Oberinstanzlich macht Fürsprecherin B.________ mit Honorarnote vom 8. Novem-
ber 2017 (pag. 1247 f.) einen Aufwand von 36.75 Stunden geltend, was die Kam-
mer als geboten und angemessen erachtet, wobei damit auch der Aufwand im Ver-
fahren BK 16 462 sowie die Wegentschädigung als abgegolten gelten. Somit ist die 
Entschädigung für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten durch Fürspreche-
rin B.________ im oberinstanzlichen Verfahren auf CHF 8‘414.10 festzusetzen. 

Der Beschuldigte hat dem Kanton Bern die für das erst- und oberinstanzliche Ver-
fahren ausgerichtete Entschädigung von insgesamt CHF 26‘591.10 
(CHF 18‘177.00 + CHF 8‘414.10) zurückzuzahlen und Fürsprecherin B.________ 
die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar, 
ausmachend CHF 6‘183.00 (CHF 4‘198.50 + CHF 1‘984.50) zu erstatten, sobald es 
seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

VII. Verfügungen

Folgende beschlagnahmten Gegenstände sind in Anwendung von Art. 69 StGB zur 
Vernichtung einzuziehen: 

- 1 zersägter Ast;
- 1 Vergleichsast;
- 2 Pfeffersprays.

Die Zustimmung zur Löschung des erstellten DNA-Profils (PCN-Nr. .________) ist 
nach Ablauf der Frist durch das zuständige Bundesamt einzuholen (Art. 16 Abs. 4 
DNA-ProfilG). 

Die Zustimmung zur Löschung der erhobenen biometrischen erkennungsdienstli-
chen Daten ist nach Ablauf der Frist durch die auftraggebende Behörde einzuholen 
(Art. 17 Abs. 4 i.V.m. Art. 19 Abs. 1 Verordnung über die Bearbeitung biometrischer 
erkennungsdienstlicher Daten). 

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VIII. Dispositiv

Die 2. Strafkammer erkennt:

I.

A.________ wird schuldig erklärt: 

der schweren Körperverletzung, begangen am 25. Juni 2015 in D.________ (Ort) zum 
Nachteil von C.________

und in Anwendung der Artikel
40, 47, 51, 122 StGB
426 Abs. 1, 428 Abs. 1 StPO

verurteilt: 

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 3½ Jahren. 

Die ausgestandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft (248 Tage) sowie die ange-
ordneten Ersatzmassnahmen werden im Umfang von insgesamt 250 Tagen auf die 
Freiheitsstrafe angerechnet. 

2. Zur Bezahlung der erstinstanzlichen Verfahrenskosten, bestimmt auf 
CHF 26‘192.15.

3. Zur Bezahlung von 3/5 der oberinstanzlichen Verfahrenskosten, insgesamt be-
stimmt auf CHF 7‘694.00 (Gebühr Berufungsverfahren CHF 6‘000.00 + Entschädi-
gung Sachverständiger CHF 1‘694.00), ausmachend CHF 4‘616.40.

4. Zur Bezahlung einer Parteientschädigung von CHF 1‘073.20 an die Straf- und Zivil-
klägerin C.________ für deren Aufwendungen im erstinstanzlichen Verfahren. 

II.

2/5 der oberinstanzlichen Verfahrenskosten, insgesamt bestimmt auf CHF 7‘694.00 
(Gebühr Berufungsverfahren CHF 6‘000.00 + Entschädigung Sachverständiger 
CHF 1‘694.00), ausmachend CHF 3‘077.60, werden dem Kanton Bern auferlegt. 

33

III.

Die Entschädigung der amtlichen Verteidigerin der beschuldigten Person, Fürsprecherin 
B.________, wird für das erst- bzw. oberinstanzliche Verfahren wie folgt bestimmt:

Erste Instanz
Stunden Satz

amtliche Entschädigung 77.75 200.00 CHF 15'550.00
CHF 1'280.55

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 16'830.55 CHF 1'346.45
Total, vom Kanton Bern auszurichten CHF 18'177.00

volles Honorar CHF 19'437.50
CHF 1'280.55

Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 20'718.05 CHF 1'657.45
Total CHF 22'375.50

nachforderbarer Betrag CHF 4'198.50

Auslagen MWSt-pflichtig

Auslagen MWST-pflichtig

Obere Instanz

Stunden Satz
amtliche Entschädigung 36.75 200.00 CHF 7'350.00

CHF 440.85
Mehrwertsteuer 8.0% auf CHF 7'790.85 CHF 623.25
Total, vom Kanton