# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 877d914f-926e-5f70-96be-57e3ab3dcf1b
**Source:** Basel-Stadt (BS)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-04-20
**Language:** de
**Title:** Basel-Stadt Appellationsgericht 20.04.2021 SB.2019.39 (AG.2021.326)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BS_Omni/BS_APG_001_SB-2019-39_2021-04-20.html

## Full Text

Appellationsgericht

  
  des Kantons Basel-Stadt

  

  Dreiergericht

   

  

 

SB.2019.39

 

URTEIL

 

vom 20.
April 2021

 

 

Mitwirkende

 

lic. iur. Liselotte Henz (Vorsitz), Prof.
Dr. Jonas Weber,

Dr. Cordula Lötscher und Gerichtsschreiber
Dr. Beat Jucker

 

 

 

Beteiligte

 

A____, geb.
[...]                                                                  Berufungskläger

c/o [...]                                         
                                           Beschuldigter

vertreten durch B____, Advokat,

[...]

 

gegen

 

Staatsanwaltschaft Basel-Stadt                                 
Berufungsbeklagte

Binningerstrasse 21, 4001 Basel

 

 

Privatklägerin

 

C____

 

 

Gegenstand

 

Berufung gegen ein Urteil des
Einzelgerichts in Strafsachen 

vom 10. Dezember 2018
(SG.2018.159)

 

betreffend einfache
Körperverletzung, Drohung und Sachbeschädigung

 

Sachverhalt

 

Mit Urteil des
Einzelgerichts in Strafsachen vom 10. Dezember 2018 wurde A____ (Berufungskläger)
der einfachen Körperverletzung, der Drohung sowie der Sachbeschädigung schuldig
erklärt und zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von sechs Monaten (Probezeit
zwei Jahre) verurteilt (unter Einrechnung von 44 Tagen Untersuchungshaft). Von
der Anklage der Drohung (zum Nachteil von D____) und des geringfügigen
Diebstahls wurde er hingegen freigesprochen. Im Anklagepunkt betreffend
Beschimpfung und Drohung zum Nachteil von E____ wurde das Verfahren zufolge
Rückzug des Strafantrags eingestellt. Darüber hinaus ist über die beschlagnahmten
Gegenstände verfügt worden und wurden dem Berufungskläger Verfahrenskosten in
Höhe von CHF 6’552.– sowie eine Urteilsgebühr von CHF 2’000.– auferlegt. Im
Übrigen ist sein amtlicher Verteidiger unter Rückforderungsvorbehalt aus der
Strafgerichtskasse entschädigt worden. 

 

Gegen dieses
Urteil hat der Berufungskläger am 11. Dezember 2018 Berufung angemeldet und mit
Eingabe vom 3. April 2019 Berufung erklärt bzw. dieselbe sogleich begründet. Es
wird beantragt, es sei das angefochtene Urteil kosten- und entschädigungsfällig
aufzuheben und A____ freizusprechen. Für die 45 Tage unschuldig erlittener
Untersuchungshaft sei ihm eine Entschädigung von CHF 9’000.– auszurichten. Eventualiter
sei «in Verbindung mit dem Urteil des Strafgerichts des Kantons Basel-Landschaft
vom 26. August 2020 im Umfang von zusätzlich zwei Monaten eine Gesamtstrafe von
insgesamt acht Monaten zu bilden und ebenfalls zugunsten der ambulanten
Massnahme aufzuschieben». Die Staatsanwaltschaft beantragt, die Berufung
kostenpflichtig abzuweisen. 

 

In der
Berufungserklärung sind zudem mehrere Beweisanträge gestellt worden. So wurde beantragt,
es sei – um beurteilen zu können, ob und welche Auswirkungen ihr Drogenkonsum
auf ihre Wahrnehmungen, ihre Gefühlswelt und die Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen
habe – ein Glaubhaftigkeitsgutachten betreffend C____ (Privatklägerin) in
Auftrag zu geben (Ziff. 1). Zudem sei zur Beurteilung der Frage, ob eine
Verletzung an der Innenseite des linken Oberarmes möglich ist, wenn die
Privatklägerin ihren linken Oberarm schützend über ihrem Kopf hält, durch den
medizinisch-forensischen Dienst der Universität Basel ein Gutachten erstellen
zu lassen (Ziff. 2). Darüber hinaus werden eine kriminaltechnische Untersuchung
der Einstichspuren und der Vergleich mit dem Messer sowie ein Vergleich der
Spuren am Türrahmen mit der Krücke verlangt (Ziff. 3). Ausserdem wird verlangt,
die Aufnahmezeit der eingereichten Fotos [Akten S. 207 f.] festzustellen (Ziff.
4). Ferner sei eine gutachterliche Stellungnahme betreffend das Fehlen von DNA
am Messergriff einzuholen (Ziff. 5). Ausserdem sei ein
forensisch-psychiatrisches Gutachten bezüglich der Aussage- und Schuldfähigkeit
des Berufungsklägers einzuholen, eventualiter sei das Gutachten, welches das
Strafgericht Basel-Landschaft im Verfahren [...] in Auftrag gegeben hat,
beizuziehen (Ziff. 6). Diesen letzten Antrag hat die Verfahrensleiterin mit
Verfügung vom 15. Mai 2020 in dem Sinne gutgeheissen, als dass die
Sachverständige, die bereits am 11. September 2019 im Baselbieter
Strafverfahren ein Gutachten (welches im Oktober 2019 beim Appellationsgericht
einging) über den Berufungskläger erstellt hat (F____), in die Berufungsverhandlung
geladen wurde. Die übrigen Beweisanträge sind mit begründeter Verfügung der
instruierenden Appellationsgerichtspräsidentin vom 15. Mai 2020
vorbehältlich eines anderslautenden Entscheids des erkennenden Gerichts auf
erneuten Antrag abgelehnt worden. 

 

Nachdem am 13.
Februar 2020 ein Zwischenentscheid betreffend Gültigkeit der Berufungserklärung
erging und die ursprünglich auf den 28. August 2020 angesetzte
Berufungsverhandlung auf Gesuch des Berufungsklägers hin aufgrund pandemiebedingter
Einreisebeschränkungen verschoben werden musste, hat die zweitinstanzliche
Hauptverhandlung nunmehr am 20. April 2021 stattgefunden. Hierbei wurde
zunächst der Berufungskläger befragt. Anschliessend kam die bereits seit Beginn
der Berufungsverhandlung anwesende Sachverständige F____ zu Wort. Sodann gelangte
der amtliche Verteidiger zum Vortrag. Die fakultativ geladene
Staatsanwaltschaft hat auf eine Teilnahme an der Verhandlung verzichtet. Für
sämtliche Ausführungen wird auf das Verhandlungsprotokoll verwiesen. Die
Einzelheiten der Parteistandpunkte ergeben sich ‒ soweit für den
Entscheid von Relevanz ‒ aus dem erstinstanzlichen Urteil und den nachfolgenden
Erwägungen. 

 

 

Erwägungen

 

1.

1.1      Gemäss
Art. 398 Abs. 1 der Strafprozessordnung (StPO, SR 312.0) ist die Berufung gegen
Urteile erstinstanzlicher Gerichte zulässig, mit denen das Verfahren ganz oder
teilweise abgeschlossen wird, was vorliegend der Fall ist. Zuständiges
Berufungsgericht ist nach § 88 Abs. 1 und 92 Abs. 1 Ziff. 1 des Gerichtsorganisationsgesetzes
(GOG, SG 154.100) ein Dreiergericht des Appellationsgerichts. Der
Berufungskläger ist vom angefochtenen Urteil berührt und hat ein rechtlich
geschütztes Interesse an dessen Abänderung, sodass er gemäss Art. 382 Abs. 1
StPO zur Erklärung der Berufung legitimiert ist. Auf das form- und fristgerecht
eingereichte Rechtsmittel ist daher einzutreten.

 

1.2      Gemäss
Art. 398 Abs. 3 StPO können mit der Berufung Rechtsverletzungen,
einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung
und Rechtsverzögerung, die unvollständige oder unrichtige Feststellung des
Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden.

 

1.3

1.3.1   Im
Rechtsmittelverfahren gilt die Dispositionsmaxime. Die Berufung kann demgemäss
auf die Anfechtung von Teilen des Urteils beschränkt werden (Art. 399 Abs. 3
lit. a und Abs. 4 StPO). Erfolgt eine Teilanfechtung, erwachsen die nicht
angefochtenen Punkte in Teilrechtskraft. 

 

1.3.2   Die
Freisprüche von der Anklage der Drohung (zum Nachteil von D____) und des
geringfügigen Diebstahls, die Einstellung des Verfahrens betreffend
Beschimpfung sowie die Entschädigung des amtlichen Verteidigers (mit Rückforderungsvorbehalt)
sind nicht angefochten worden und deshalb in Rechtskraft erwachsen. Darüber ist
im Berufungsverfahren nicht zu befinden. Eine Drohung zum Nachteil von E____
wurde nicht angeklagt, sodass diesbezüglich auch kein Freispruch hätte erfolgen
dürfen.

 

2.

Anlässlich der
heutigen Hauptverhandlung hat der Berufungskläger an den in der
Berufungserklärung vom 3. April 2019 gestellten und seitens der
Verfahrensleitung mit begründeter Verfügung vom 15. Mai 2020 abgelehnten
Beweisanträgen festgehalten (Akten S. 796). Da für die Begründung des
Entscheids über die Beweisanträge eine Einbettung derselben in das Gesamtgefüge
der erhobenen Beweise erforderlich ist, erfolgen entsprechende Ausführungen im
Zusammenhang mit der in Erwägung 3 vorzunehmenden Sachverhaltsfeststellung.

 

3.

3.1

3.1.1   Der
in der Anklage geschilderte Sachverhalt stützt sich im Wesentlichen auf die
Angaben der Privatklägerin. In ihrer ersten Einvernahme vom 3. April 2018 gab
sie zu Protokoll, dass sie und auch der Berufungskläger, der bei ihr wohnte, in
der Nacht vom 31. März 2018 zum 1. April 2018 im Ausgang gewesen seien,
mehrheitlich jedoch unabhängig voneinander. Nachdem sie sich am 2. April 2018 über
die seitens des Berufungsklägers schmutzig hinterlassene Küche per SMS und
Telefon beschwert hatte, sei A____ gleichentags zurück in die Wohnung gekommen,
woraufhin sich die in der Anklage beschriebenen Vorfälle ereignet hätten. Der Berufungskläger
habe Bargeld in Höhe von CHF 400.‒ auf den Boden geworfen, eine
Büchse mit weiterem Bargeld geöffnet und das darin enthaltene Geld (CHF 250.‒)
an sich genommen. Die Situation sei dann eskaliert, der Berufungskläger sei «explodiert»
und habe eine im Entrée liegende Krücke behändigt. Damit habe er zuerst in den
Türrahmen geschlagen und dann in der Küche gegen ein Kästchen und gegen einen
Stuhl. Sie, die Privatklägerin, sei in der Küche in einer Ecke gekauert und
habe sich gegen den nun gegen sie erfolgenden Schlag mit der Krücke mit ihren
Armen geschützt, indem sie ihren rechten Arm vor das Gesicht und den linken Arm
über den Kopf gehalten habe. Der Berufungskläger habe dabei keine Drohung ausgesprochen
und sie auch nicht anderweitig geschlagen. Dann sei das Messer ins Spiel
gekommen. A____ habe es von der Küchenzeile genommen und es zweimal mit der
Klinge nach unten in den Küchentisch geschlagen. Einmal habe er noch mit dem
Messer in den Rahmen der Küchentüre gestochen. Sie habe gedacht, dass er mit
dem Messer auf sie einstechen wollte. Der Berufungskläger habe in der Folge
seinen Anwalt angerufen, welcher ihm geraten habe, die Wohnung zu verlassen, was
A____ dann mitsamt dem Geld auch getan habe. Aufgrund von SMS-Nachrichten, die der
Berufungskläger ihr nachträglich schrieb, glaube sie, dass er im Nachhinein
gemerkt habe, dass er das Geld gar nicht hätte mitnehmen dürfen (Akten S. 143
ff.).

 

3.1.2   Anlässlich
der Konfrontationseinvernahme vom 17. April 2018 schilderte die Privatklägerin die
Vorkommnisse erneut. Demnach sei der Berufungskläger nach den SMS wegen der
schmutzigen Küche in die Wohnung gekommen und «explodiert». Er habe angefangen,
mit der im Entrée liegenden Krücke, die er mit beiden Händen gehalten habe,
herumzuschlagen. Sie habe ihn aufhalten wollen, sei aber zwischen den Küchentisch
und den Kühlschrank «heruntergerutscht», wo sie sich klein gemacht hatte. Dann
habe er mit dem Messer auf den Küchentisch und in den Türrahmen gestochen.
Zuvor habe er noch Geld auf den Boden geworfen und es anschliessend – als er
mit seinem Anwalt telefoniert hatte und dieser ihm riet, die Wohnung zu verlassen
– mitgenommen (ebenso den Inhalt der Büchse auf dem Küchentisch [mindestens CHF
250.‒]). Im Verlauf der Einvernahme präzisierte sie, der Berufungskläger habe
mit der Krücke auf den Küchentisch und den Türrahmen geschlagen, bis die Krücke
zerbrochen sei. Dann habe er das Messer genommen. Damit habe er von oben herab auf
den Küchentisch und später auf den Türrahmen eingestochen (wo die Messerklinge
abgebrochen sei), während sie sich noch immer zwischen dem Tisch und dem
Kühlschrank befunden habe. Sie glaube, es habe bei ihm einfach «Klick» im Hirn
gemacht, sie habe das Gefühl gehabt, er höre sie nicht einmal mehr. Sie habe am
linken Unterarm einen und am anderen Arm zwei blaue Flecken erlitten (Akten S. 190
ff.).

 

3.1.3   Schliesslich
wurde die Privatklägerin anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung als
Auskunftsperson befragt. Dort gab sie zu Protokoll, wie der Berufungskläger nach
den SMS wegen der schmutzigen Küche in die Wohnung gekommen sei, sogleich die
Krücke im Gang behändigt und damit zuerst im Entrée und danach in der Küche um
sich und auch in den Türrahmen geschlagen habe. Er habe sie – als sie in der Küche
kauerte – mit der Krücke am Oberarm getroffen. Als die Krücke kaputtgegangen
sei, habe er das Messer genommen. Sie habe sich zwischen Tisch und Küche klein
gemacht. Er habe mit dem Messer den Tischrand unmittelbar neben ihr getroffen
und das Messer beim Rausgehen noch in den Türrahmen gestochen, wobei die Klinge
abgebrochen sei. Nachdem er seinen Anwalt angerufen hatte, habe er das auf dem
Boden liegende Bargeld genommen und die Wohnung verlassen (Akten S. 413
ff.).

 

3.2

3.2.1   Anlässlich
seiner Befragung vor dem Zwangsmassnahmengericht gab der Berufungskläger zu
Protokoll, die Privatklägerin habe ihn über das soziale Netzwerk kontaktiert.
Sie habe ihn gefragt, ob er für sie einen Spiegel aufhängen und aus SBB-Paletten
ein Bett zusammenbauen könnte. Es sei aber nie die Rede davon gewesen, dass er
die Paletten auch noch in den 5. Stock tragen müsse. Obwohl er mit dem
Betäubungsmittelkonsum der Privatklägerin – welchen er bereits beim
Zusammenbauen des Bettes beobachtet haben will – nichts zu tun haben wollte, habe
er eine Zeit lang bei ihr gewohnt. Die Hämatome, welche die Privatklägerin
erlitt, stammten nicht von ihm. Die Privatklägerin sei ein «Schussel» und
gestürzt. Auch die Einstichstellen am Türrahmen und dem Tisch stammten nicht
von ihm. Zudem sei er es gewesen, der die Polizei am zur Diskussion stehenden
Tag kontaktiert habe, und nicht die Privatklägerin (Akten S. 66 ff.).

 

3.2.2   An
seiner ersten Einvernahme vom 3. April 2018 sagte der Berufungskläger aus, die
Privatklägerin hätte ihn über «Facebook» kontaktiert und gefragt, ob er ihr ein
Bild und einen Spiegel an die Wand hängen sowie ein Bett zusammenbauen könnte. Nach
längerem SMS-Kontakt habe er zugesagt und ihr ein paar diesbezügliche Vorschläge
gemacht. Sie habe aber nicht gesagt, dass er den schweren Spiegel auch noch in
den 5. Stock tragen musste. Während des Zusammenwohnens habe er auch gemerkt,
dass die Privatklägerin Marihuana und andere Drogen konsumierte. Er habe damit
aber nichts zu tun haben wollen. Die Vorhalte bestreitet er. Er habe bestimmt
nichts gestohlen, vielmehr sei es sein Geld gewesen, das er mitgenommen habe.
Auf die Eskalation angesprochen macht er zunächst geltend, dass er einfach gehen
wollte, woraufhin die Privatklägerin ihm in den Weg gestanden sei. Später meint
er dazu: «Die Frau hatte mir irgendwelche Fotos angefangen zu zeigen, von
irgendwelchen Drogenchefs und ich sagte so ein Scheiss interessiert mich nicht.
Sie hatte mich auch versucht dazu zu verführen. Dort beim Esstisch. Ich hatte
aber nichts davon genommen von dem Zeugs, was sie dort liegen hatte». Auf den
Vorhalt, er habe die Privatklägerin mit einer Krücke geschlagen, meint er: «Ich
wollte durchlaufen und diese blöde Krücke lag im Weg. Ich hatte diese dann
genommen und habe diese Krücke in die Küche geworfen. Und bin gegangen». Sonst
habe er mit Krücke nichts gemacht, C____ habe sich die Verletzungen «anders
geholt», sie «schusele» oft. An die Behändigung eines Messer mag er sich nicht
erinnern. Auch die Einstichstellen an den diversen Möbeln habe sie «selber
gemacht» (Akten S. 168 ff.).

 

3.2.3   Anlässlich
der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gab er anfänglich zu Protokoll, er sei am
Sonntag 1. April 2018 in die Wohnung gekommen, habe der Privatklägerin Geld auf
den Tisch gelegt (er wisse aber nicht mehr wie viel) und sei sogleich wieder
gegangen. Erst auf entsprechende Nachfrage, weshalb dann ein Polizeieinsatz
notwendig geworden sei (nun soll sein Anwalt die Polizei requiriert haben), gab
er an, dass die Privatklägerin ihm den Weg zum Ausgang mit den Krücken versperrt
habe. Sie sei später einmal in der Küche verschwunden, weshalb er in diesem
Augenblick gehen konnte. Er habe nicht mit ihr geredet, sie nicht bedroht, kein
Messer in der Hand gehalten und auch nicht mit der Krücke auf verschiedene
Gegenstände geschlagen. Die Privatklägerin habe «nichts gross gesagt»,
jedenfalls wisse er nicht mehr, was gesprochen worden sei. Auf jeden Fall
gehöre das Geld, das er mitgenommen habe, ihm (Akten S. 408 ff.).

 

3.2.4   Auch
an der heutigen Berufungsverhandlung hat A____ die Vorwürfe rundweg
abgestritten. Die Privatklägerin habe ihn über «Facebook» kontaktiert. Er habe
ihr aus Paletten ein Bett gezimmert und auch ein Bild aufgehängt. Sie habe in
der Küche immer einen «Joint» geraucht und gewollt, dass er mitrauche. Sie habe
auch versucht, ihm Amphetamine, Kokain und Pillen anzubieten. C____ habe um die
Mittagszeit regelmässig Ecstasy, Speed und Kokain konsumiert. Er habe aber
immer abgelehnt. Aus Geldmangel habe sie ihm angeboten, eine Wohngemeinschaft zu
gründen, weshalb er bei ihr eingezogen sei. Einige Zeit danach sei es –
mutmasslich, weil sie eine von ihm abgelehnte Affäre wollte bzw. wegen der
verschmutzten Küche – eskaliert. Er habe seine Sachen gepackt und sei gegangen,
woraufhin sie ihm noch ein Messer hinterhergeworfen habe. Mehr möchte er dazu
nicht mehr sagen (Akten S. 850 f.).

 

3.3

3.3.1   Die
Glaubwürdigkeit einer Person lässt sich an ihrer Persönlichkeit, ihren
(möglichen) Motiven und der Aussagesituation abschätzen. Die Glaubhaftigkeit
einer Aussage bestimmt sich nach ihrem Inhalt; je detaillierter, individueller
und in sich verflochtener eine Aussage ist, desto glaubhafter ist sie (Zweidler, Die Würdigung von Aussagen, in
ZBJV 132/1996, S. 115 ff.). Dabei ist sämtlichen Umständen, welche objektiv für
die Erforschung von Tatsachen von Bedeutung sein können, Rechnung zu tragen. In
Lehre und Rechtsprechung ist anerkannt, dass sich die Glaubhaftigkeit einer
Aussage im Wesentlichen nach ihrem Inhalt bestimmt. Danach unterscheiden sich
Aussagen über selbst erlebte Ereignisse in ihrer Qualität von Aussagen, welche
nicht auf selbst erlebten Vorgängen beruhen (vgl. dazu Ludewig/Baumer/Tavor, Einführung in die Aussagepsychologie,
Wie können aussagepsychologische Erkenntnisse Richtern und Staatsanwälten
helfen?, in: Ludewig/Baumer/Tavor [Hrsg.], Aussagepsychologie für die
Rechtspraxis, Zürich 2017, S. 17 ff., 43 ff.; Undeutsch,
Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen, in: Undeutsch [Hrsg.],
Handbuch der Psychologie, Band 11: Forensische Psychologie, Göttingen 1967, S.
26 ff.). Überprüft wird dabei in erster Linie die Hypothese, ob die aussagende
Person mit den gegebenen individuellen Voraussetzungen, unter den gegebenen
Befragungsumständen und Entstehungsbedingungen der Aussage sowie unter
Berücksichtigung der im konkreten Fall möglichen Einflüssen von Dritten diese
spezifische Aussage machen könnte, wenn diese nicht auf einem realen
Erlebnishintergrund basierte (Volbert,
Glaubwürdigkeitsbegutachtung bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch, Zeitschrift
für Kinder- und Jugendpsychiatrie 1995, S. 20 ff.; vgl. BGer 6B_760/2010
vom 13. Dezember 2010 E. 2.3). 

 

3.3.2   Damit
eine Aussage als zuverlässig erachtet werden kann, ist sie besonders auf das
Vorhandensein von Realitätskriterien und umgekehrt auf das Fehlen von
Phantasiesignalen zu überprüfen; dabei hat auch eine Einordnung sogenannter
Warnmerkmale zu erfolgen (vgl. Ludewig/Baumer/Tavor,
a.a.O., S. 46 ff.; Hussels, von
Wahrheiten und Lügen, Eine Darstellung der Glaubhaftigkeitskriterien anhand der
Rechtsprechung, forumpoenale 6/2012, S. 368 ff.; Wiprächtiger, Aussagepsychologische Begutachtung im
Strafrecht, forumpoenale 1/2010, S. 40 f.; Ferrari,
Erkenntnisse aus der Aussagepsychologie, plädoyer 4/09, S. 34 ff.; Dittmann, Zur Glaubhaftigkeit von
Zeugenaussagen, in: plädoyer 2/1997, S. 33 ff.). Bei der
Glaubhaftigkeitsbeurteilung ist immer auch davon auszugehen, dass die Aussage
nicht realitätsbegründet sein kann. Erst wenn sich diese Annahme
(Nullhypothese) aufgrund der festgestellten Realitätskriterien nicht mehr
halten lässt, wird geschlossen, dass die Aussage einem wirklichen Erleben
entspricht und wahr ist (BGE 133 I 33 E. 4.3 S. 45 f., 129 I 49 E. 5 S. 58
f.; BGer 6B_542/2019 vom 28. August 2019 E. 2.3.1; AGE SB.2017.112
vom 9. Juli 2018 E. 4.1.2). Gegenüber den Realitätskriterien sind also in jedem
Fall auch mögliche Anhaltspunkte für eine Falschbezichtigung abzuwägen (vgl. dazu
Dittmann, a.a.O., S. 34 f.). 

 

3.4

3.4.1   Die
Aussagen von C____ erscheinen – wie bereits das Strafgericht zutreffend erwogen
hat (vgl. vorinstanzliches Urteil S. 9 ff.) – glaubhaft. Ihre differenzierten und
stringenten Schilderungen enthalten zahlreiche Realitätskennzeichen, die in
ihrer Gesamtheit darauf schliessen lassen, dass sie auf selbst Erlebtem
beruhen. Das Kerngeschehen (SMS wegen schmutziger Küche, Eskalation,
Behändigung Krücke im Entrée, Schlag mit Krücke in Türrahmen, Schläge gegen
Mobiliar in der Küche, Schlag gegen sie, Stich mit dem Messer auf Küchentisch,
Stich in Küchentürrahmen, Abbrechen der Messerklinge, Anruf bei B____,
Verlassen der Wohnung) schildert sie – ohne stereotyp zu wirken – durch mehrere
Befragungen hindurch stets gleich. Ihre Angaben sind zudem in sich stimmig und
logisch konsistent, im freien Bericht durchaus auch sprunghaft und nicht
chronologisch («Und ah ja, das mit dem Geld noch. Vorher war noch das mit dem
Geld, welches er auf den Boden geworfen hatte. Auf dem Küchentisch habe ich
eine Büchse, dort sind CHF 300.00 drin gewesen, welche ich Herr A____
ausgelehnt hatte» [Akten S. 190]). In ihren Aussagen finden sich auch spontane
Ergänzungen («Er ist dann noch ins Ankleidezimmer von mir und nahm eine Tasche
oder so. Er tat dort auch wie Sau [...] Es kam dann auch die Neonröhre runter
vom Kästchen» [Akten S. 414]). Darüber hinaus schildert sie auch unverstandene
Handlungselemente («Was ich nicht verstanden habe ist, dass er mir immer gesagt
hat, dass er nirgends gemeldet ist. Ich sagte ihm, dass er einen Beistand haben
müsste, damit dieser ihm helfen können wegen einer Wohnung usw.» [Akten S.
161]). Ihre Angaben sind ferner sehr detailreich («Das Messer ging wirklich in
den Tischrand rein. Er fluchte. Beim Rausgehen stach er es in den Türrahmen.
Dort brach das Messer ab» [Akten S. 414]). Sie schildert auch Interaktionen und
Wortwechsel («Ich ging schon auf ihn zu und sagte, er solle aufhören, aber er
wurde nur noch wütender» [Akten S. 414]), eigene Gefühle und Gedanken («Ich
hatte das Gefühl, er hört mich nicht einmal mehr» [Akten S. 193]) und gesteht
Erinnerungslücken ein (Akten S. 196, 198, 200). Für die Glaubhaftigkeit ihrer
Aussagen spricht alsdann auch der Verzicht auf naheliegende Mehrbelastungen,
beispielsweise bezüglich (verbaler) Drohungen, der Anzahl Schläge (Akten S. 159
f.) oder des abhandengekommenen Geldes (Akten S. 190). Entsprechend
berichtete die Privatklägerin auch, dass das Zusammenleben mit dem Berufungskläger
bis zum inkriminierten Vorfall gut gewesen sei («Er telefonierte mir auch, ob
er etwas einkaufen solle, brachte ab und zu auch Blumen nach Hause. Er war
immer lieb und nett zu mir. Es gab nie Probleme wegen Geld usw. Ich konnte auch
mein Portemonnaie liegen lassen und er hat nichts gemacht» [Akten S. 162]).
Der Vorfall habe sie überrascht (Akten S. 417), sie kenne den Berufungskläger
so nicht (Akten S. 192). Schliesslich beschönigt sie auch nicht, dass sie sauer
war («Dann stand ich auf und sah, dass er bei mir in der Küche eine riesen
Sauerei hinterlassen hatte in der Küche. Er weiss, ich habe ihm dies schon ein
paarmal gesagt, dass ich Ordnung wolle. Ich habe ihm eine SMS geschrieben, dass
mir jetzt alle am Arsch lecken können [...] Es ist ein Tick von mir diese Putzerei,
das ist nun mal so also fertig» [Akten S. 144]).

 

3.4.2   Die
Aussagen der Privatklägerin werden überdies durch Screenshots von SMS-Nachrichten
zwischen ihr und dem Berufungskläger (Akten S. 146 ff., 267 ff.) objektiviert.
Ihnen ist zu entnehmen, wie C____ dem Berufungskläger eine aufgebrachte SMS
schreibt, wonach sie nicht seine Putzfrau sei und es ihr reiche. Der Berufungskläger
kündigt um 15.33 Uhr an, er werde Unterlagen in der Wohnung abholen, worauf die
Privatklägerin ihm schreibt, sie wolle keinen Streit. A____ muss im Zeitraum
zwischen dieser Nachricht um 15.42 Uhr und der nächsten Nachricht von C____ um
17.51 Uhr in der Wohnung aufgetaucht sein, zumal Letztere um 17.51 Uhr fragt,
wo ihr Schlüssel sei. Es ist zwar zutreffend, dass die Privatklägerin in den
Nachrichten nach dem Vorfall in der Wohnung nicht explizit von der erlebten
Gewalt spricht (Akten S. 442). Jedoch ist ihrer Nachricht um 18.26 Uhr ein Bedauern
über das Verhalten des Berufungsklägers zu entnehmen («Warum bist du so böse zu
mir gewesen. Ich hätte für dich alles gemacht echt alles» [Akten S. 272]).
Auch ihr Verhalten nach der Tat spricht nicht gegen ihre Glaubwürdigkeit, zumal
es nachvollziehbar ist, dass sie die Polizei erst um 18.28 Uhr verständigte,
nachdem sie den ersten Schock verdaut und bemerkt hatte, dass ihr Schlüssel
fehlte und sie auch ihr Geld zurück wollte (Akten S. 123, 522 f.). Dazu
passt, dass C____ auf den anwesenden Polizisten G____, der vor der Vorinstanz
als Zeuge einvernommen wurde, einen verängstigten Eindruck machte (Akten S. 411).

 

3.4.3   Die
Schilderungen der Privatklägerin lassen sich zudem mit dem am Tatort
festgestellten Spurenbild in Einklang bringen. So lag im Flur der Wohnung die
zerbrochene Krücke (Akten S. 132). Auf der Tischplatte und dem Rahmen der Küchentür
sowie am Küchenstuhl und dem Rahmen der Wohnzimmertür wurden Beschädigungen
festgestellt (Akten S. 134 ff.), die sich durch Messerstiche respektive durch
das Schlagen mit einem Gegenstand erklären lassen. In der Küche befand sich darüber
hinaus ein Küchenmesser mit abgebrochener Klinge (Akten S. 132). Da der
Berufungskläger in diesem Zusammenhang beharrlich behauptet, die Privatklägerin
habe die Schäden mit dem Messer bzw. der Krücke selber verursacht (Akten
S. 532 f; vgl. dazu schon E. 3.2), ist auf die auch im Berufungsverfahren
verlangte kriminaltechnische Untersuchung der Einstichspuren und den Vergleich
mit dem Messer sowie auf den Vergleich der Spuren am Türrahmen mit der Krücke
gemäss Beweisantrag Ziff. 3 auch nach Ansicht des Gesamtgerichts zu verzichten.

 

Wenn der
Berufungskläger überdies einwendet, für die Selbstbeibringung der Schäden
spreche auch, dass man am Messergriff keine Spuren gefunden habe bzw. die
Privatklägerin dieses abgewischt haben müsse (Akten S. 430, 533 f., 815 ff.), verkennt
er, dass am Messer und auch am Griffstück tatsächlich DNA-Spuren gesichert
werden konnten, diese hingegen nicht interpretierbar waren (Akten S. 238c-e; DNA
des Berufungsklägers fand sich an der Messerspitze [Akten S. 238a-b]). Dies
ist – wie bereits das Strafgericht zutreffend erwogen hat (vorinstanzliches
Urteil S. 7, 10) – regelmässig bei inkompletten Profilen der Fall, die
nicht reproduzierbar sind, oder bei Spuren, die mehr als drei Profile
enthalten. Dieser Befund bedeutet nicht, dass der Berufungskläger als
Spurengeber ausgeschlossen werden kann, ist aber neutral zu werten. Eine
gutachterliche Stellungnahme betreffend das Fehlen von DNA am Messergriff ist
daher obsolet und der entsprechende Beweisantrag bleibt abzulehnen. Anzumerken
bleibt, dass der DNA vorliegend ohnehin keine allzu grosse Bedeutung zukommt,
da der Berufungskläger in der Wohnung gelebt hat und das Messer auch bei
anderer Gelegenheit benutzt haben könnte. 

 

3.4.4   Darüber
hinaus wurden bei C____ Hämatome am rechten Unterarm sowie der Innenseite des
linken Oberarms festgestellt und mittels Behandlungseintrag (Akten S. 167) bzw.
Fotos (Akten S. 131, 154 f.) dokumentiert, wobei das Hämatom am Unterarm nicht
sehr ausgeprägt und eher klein (zirka 1cm) war (Akten S. 131). Wenn der Berufungskläger
diesbezüglich geltend macht, C____ habe sich diese Verletzungen selbst
beigebracht oder sie sich bei einem Sturz zugezogen (Akten S. 449), ist ihm mit
dem Strafgericht (vorinstanzliches Urteil S. 10) entgegenzuhalten, dass ein
Sturzgeschehen aufgrund der Lokalisation der Verletzungen und der fehlenden
Schürfkomponente als Ursache ausgeschlossen werden kann. Zudem können die
Verletzungen mit der von der Privatklägerin glaubhaft beschriebenen
Abwehrhaltung ohne Weiteres erklärt werden, zumal diese adäquat erscheint und
auch die erlittenen Hämatome entgegen der Ansicht des Berufungsklägers (Akten
S. 797) zu ihrer Beschreibung passen. Der entsprechende Beweisantrag, wonach
zur Beurteilung der Frage, ob eine Verletzung an der Innenseite des linken
Oberarmes möglich ist, wenn die Privatklägerin ihren linken Oberarm
gleichzeitig schützend über ihrem Kopf hält, beim medizinisch-forensischen
Dienst der Universität Basel ein Gutachten einzuholen (Ziff. 2), ist daher auch
vom Gesamtgericht abzuweisen. 

 

3.4.5   Die
Privatklägerin hat laut Polizeirapport vom 2. April 2018 ausgesagt, der
Berufungskläger handle mit falschen Ecstasy-Tabletten (Akten S. 126). Wie dem
Untersuchungsbericht des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Basel (IRM)
zu den beim Berufungskläger sichergestellten Tabletten (Akten S. 96a, 128) entnommen
werden kann, handelte es sich bei den sichergestellten Pillen um vier
Pfefferminzbonbons (Akten S. 142 f.). Dass die Privatklägerin – wie die
Verteidigung insinuiert (Akten S. 524 f.) – den Berufungskläger diesbezüglich zu
Unrecht beschuldigt haben soll, entbehrt damit – zumindest was den Inhalt der
Pillen angeht – jeglicher Grundlage. Vielmehr dürften sich (auch) die in diesem
Zusammenhang getätigten Aussagen als zutreffend erweisen, womit ein weiteres
Indiz für die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin besteht. Dasselbe
gilt für die Depositionen, welche die Privatklägerin anlässlich ihrer
Einvernahme vom 17. April 2018 bzw. vor der Vorinstanz getätigt hat, als sie zu
Protokoll gab, sie habe in der Nacht zum 1. April 2018 Marihuana und
wahrscheinlich auch Amphetamine konsumiert (Akten S. 200 f.) bzw. nach dem
Ausgang auch etwas zum Schlafen genommen (Akten S. 413), was durch die immunochemische
Untersuchung vom 18. April 2018 bestätigt wird (diese ergab ein positives
Resultat auf Cannabinoide, Benzodiazepine und Amphetamine [Akten S. 828 f.]). 

 

3.5

3.5.1   Zum
Beweisantrag Ziff. 1, wonach ein Glaubhaftigkeitsgutachten betreffend C____ in
Auftrag zu geben sei, ist Folgendes festzuhalten: Gemäss
Art. 164 Abs. 1 StPO werden das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse
einer Zeugin oder eines Zeugen nur abgeklärt, soweit dies zur Prüfung ihrer
Glaubwürdigkeit erforderlich ist. Die Verfahrensleitung kann eine ambulante
Begutachtung anordnen, wenn sie Zweifel an der Urteilsfähigkeit hat oder wenn
Anhaltspunkte für eine psychische Störung vorliegen, sofern die Bedeutung des
Strafverfahrens und des Zeugnisses dies rechtfertigt (Art. 164 Abs. 2 StPO). Aufgrund
des Verweises in Art. 180 Abs. 2 StPO gilt die genannte Bestimmung
grundsätzlich auch für die Privatklägerschaft (BGer 1B_342/2016 vom 12.
Dezember 2016 E. 2). Sodann bestimmt Art. 182 StPO, dass die Staatsanwaltschaft
und die Gerichte eine oder mehrere sachverständige Personen beiziehen, wenn sie
nicht über die besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, die zur
Feststellung oder Beurteilung eines Sachverhalts erforderlich sind (BGer
6B_1090/2018 vom 17. Januar 2019 E. 1.2).

 

3.5.2   Die Prüfung der
Glaubhaftigkeit von Aussagen ist Teil der Beweiswürdigung und damit primär
Aufgabe des Gerichts. Eine Begutachtung durch eine sachverständige Person
drängt sich nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur dann auf, wenn das
Gericht aufgrund besonderer Umstände auf zusätzliches medizinisches oder
psychologisches Fachwissen angewiesen ist. Dies ist etwa dann der Fall, wenn
bruchstückhafte oder schwer interpretierbare Äusserungen eines Kleinkinds zu
beurteilen sind, bei ernsthaften Anzeichen geistiger Störungen, welche die Aussagefähigkeit
bzw. Aussageehrlichkeit des Zeugen beeinträchtigen könnten, oder wenn konkrete
Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Zeuge unter dem Einfluss von
Drittpersonen steht (BGE 129 IV 179 E 2.4 S. 183 ff., 128 I 81 E. 2 S. 84 ff.;
BGer 6B_1211/2018 vom 3. Juli 2019 E. 1.2, 6B_1090/2018 vom 17.
Januar 2019 E. 1.2, 6B_113/2017 vom 26. September 2017 E. 1.2, 6B_333/2014
vom 22. Oktober 2014 E. 2.1). Dem Gericht steht bei der Beantwortung der Frage,
ob aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalls der Beizug einer
sachverständigen Person notwendig ist, ein Ermessensspielraum zu (BGer
6B_1211/2018 vom 3. Juli 2019 E. 1.2, 6B_1090/2018 vom 17. Januar 2019 E.
1.2). Eine starre Beweisregel, wonach bei streitigen Aussagen des mutmasslichen
Opfers stets ein Aussagegutachten anzuordnen wäre, widerspräche dem Grundsatz
der freien Beweiswürdigung (BGer 6B_23/2017 vom 14. November 2017 E. 1.2,
6B_1294 /2015 vom 18. Mai 2016 E. 5.1. mit weiteren Hinweisen).

 

3.5.3   Die
Privatklägerin gab – wie bereits erwähnt (vgl. dazu E. 3.4.5) – anlässlich der
Einvernahme vom 17. April 2018 bzw. vor der Vorinstanz zu Protokoll, sie habe
in der Nacht zum 1. April 2018 Marihuana und wahrscheinlich auch Amphetamine
konsumiert (Akten S. 200 f.) bzw. nach dem Ausgang auch etwas zum Schlafen
genommen (Akten S. 413). Dies wird durch die immunochemische Untersuchung vom
18. April 2018 bestätigt (diese ergab ein positives Resultat auf Cannabinoide,
Benzodiazepine und Amphetamine [Akten S. 828 f.]). Anhaltspunkte dafür, dass die Privatklägerin dadurch in
ihrer Wahrnehmungs-, Erinnerungs- oder Wiedergabefähigkeit beeinträchtigt und
zur wahrheitsgemässen Aussage nicht fähig oder nicht willens gewesen wäre,
ergeben sich aber weder aus dem Inhalt ihrer Aussagen noch aus den
Begleitumständen der Befragungen, zumal auch den requirierten Polizeibeamten am
2. April 2018 – notabene rund 1,5 Tage nach dem entsprechenden Konsum – nichts Aussergewöhnliches
aufgefallen ist und sie auch keine Notwendigkeit sahen, einen Drogen- oder
Alkoholschnelltest durchzuführen (Akten S. 411). Auch wenn die
konsumierten Betäubungsmittel im Grundsatz gewisse Nebenwirkungen haben mögen
(vgl. Akten S. 830 ff.), bestehen in casu keinerlei
Auffälligkeiten in der Person oder Anzeichen für kognitive Beeinträchtigungen,
welche sich in den Aussagen der Privatklägerin widerspiegelten und dem Gericht
die fachgerechte Aussageanalyse und Beweiswürdigung erschwerten, zumal das gestützt
auf die Aussagen des Berufungsklägers eingeleitete Strafverfahren gegen die
Privatklägerin in Anwendung von Art. 19a Ziff. 2 des
Betäubungsmittelgesetzes (BetmG, SR 812.121) bereits am 17. Juli 2018
eingestellt worden ist. Dabei konnten keine Hinweise auf übermässigen Cannabis-
und Amphetaminkonsum gefunden werden und lagen auch keine Hinweise für ein
Konsumverhalten, welches auf eine Abhängigkeit schliessen liesse, vor (Akten
S. 530, 641). Da somit keine Anzeichen vorliegen, welche geeignet sind,
Zweifel an der Aussagetüchtigkeit der Privatklägerin zu begründen, ist der
entsprechende Beweisantrag auch vom Gesamtgericht abzuweisen.

 

3.6

3.6.1   Was
die Aussagen des Berufungsklägers anbetrifft, fällt mit dem Strafgericht
(vorinstanzliches Urteil S. 11) auf, dass seine Angaben zur Vorgeschichte (Kontakt
über die sozialen Medien, Montage eines Spiegels und Zusammenbauen eines Betts
aus SBB-Paletten, wobei er diese noch in den 5. Stock tragen musste) sehr
ausführlich sind. Im Gegensatz dazu fallen seine kaum Realitätskriterien
beinhaltenden Angaben in Bezug auf das Tat- bzw. Kerngeschehen äusserst knapp
und farblos aus. Es ist – wie das Strafgericht zutreffend erwogen hat
(vorinstanzliches Urteil S. 11) – ein eigentlicher Strukturbruch festzustellen.
Zum eigentlichen Kerngeschehen machte er im Vorverfahren zunächst geltend, die
Privatklägerin habe sich ihm in den Weg gestellt und am Verlassen der Wohnung
gehindert, um nur wenig später dem widersprechend auszuführen, die Krücke sei
ihm beim Verlassen der Wohnung im Weg gelegen, weshalb er sie in die Küche geworfen
habe. Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung gab er dann zu
Protokoll, C____ habe sich ihm in den Weg gestellt und er habe nicht gehen
können. In der heutigen Berufungsverhandlung hat er ausgesagt, er habe seine
Sachen gepackt und sei gegangen, woraufhin die Privatklägerin ihm noch ein
Messer hinterhergeworfen habe. Abgesehen davon, dass die Depositionen des
Berufungsklägers sogar innerhalb derselben Einvernahme inkonstant sind, lässt
sich mit keiner seiner vorgetragenen Sachverhaltsvarianten erklären, weshalb
ein Polizeieinsatz notwendig geworden sein sollte. Bezüglich der Requisition
ist im Übrigen in den Akten entgegen seiner Ansicht nirgends dokumentiert, dass
er oder sein Anwalt es waren, der am Tattag initial die Polizei riefen. Vielmehr
geht aus dem Polizeirapport vom 2. April 2018 hervor, dass C____ die Melderin
gewesen ist (Akten S. 123 ff.). Zudem sagte der in der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung als Zeuge einvernommene Polizeibeamte G____ aus, «Frau C____»
habe die Polizei requiriert (Akten S. 411). 

 

3.6.2   Für
das von der Verteidigung vorgebrachte Motiv für eine Falschbelastung, welches
in verschmähter Liebe bestehen soll (Akten S. 444, 531), finden sich in den
Akten keinerlei Anhaltspunkte. Es dürfte zwar zutreffen, dass die
Privatklägerin den Berufungskläger mochte (Akten S. 199). «Liebesbeteuerungen»
findet man in den Akten aber nirgends. Zudem hat der Berufungskläger heute
selbst zu Protokoll gegeben, dass C____ eine «Kollegin» gewesen sei (Akten S. 850).
Klar aktenwidrig ist auch die Behauptung, die Privatklägerin habe den
Berufungskläger nach der Tat mit SMS bombardiert und weitere Liebesschwüre von
sich gegeben (Akten S. 523). Dass die körperlich unterlegene und aufgrund
ihrer Hüftoperation beeinträchtigte Privatklägerin versucht habe, den
Berufungskläger physisch am Verlassen der Wohnung zu hindern und Letzterer deswegen
seinen Anwalt kontaktiert haben soll, erscheint lebensfremd. Zudem wollte die
Privatklägerin gemäss den sich in den Akten befindlichen SMS (Akten S. 146 ff.)
gar nicht, dass der Berufungskläger in die Wohnung kommt, weshalb auch nicht
nachvollziehbar ist, weshalb sie ihn in der Folge am Verlassen ebendieser hätte
hindern sollen. Der Grund für die «Eskalation» war entgegen der Verteidigung
(Akten S. 519, 806) nicht etwa, dass der Berufungskläger ausziehen wollte,
sondern – wie aus den Screenshots der SMS unmissverständlich hervorgeht (Akten
S. 150) – dass sich der Berufungskläger wegen den SMS betreffend die schmutzige
Küche über Gebühr gemassregelt fühlte. Schliesslich ist der Unterstellung, der
Drogenkonsum der Privatklägerin habe zu wiederholten Anfällen geführt (Akten S.
806), genauso wie der Behauptung, die Privatklägerin sei zur Finanzierung ihrer
Drogensucht auf die Untermieteinnahmen angewiesen gewesen (Akten S. 526, 807),
mit der Einstellung des Strafverfahrens im Sinne von Art. 19a Ziff. 2 BetmG jede
Grundlage entzogen. 

 

3.6.3   Darüber
hinaus sind aufgrund von Reizungen unvermittelt auftretende Wut- bzw. Gewaltausbrüche
vor dem Hintergrund der mit rechtskräftigem Urteil des Strafgerichts
Basel-Landschaft vom 26. August 2020 geahndeten Delikte (Akten S. 439 ff.) im
Sinne der Täteradäquanz (vgl. dazu AGE SB.2018.19 vom 19. Mai 2020 E. 5.5.2,
SB.2018.27 vom 27. August 2019 E. 2.7, SB.2016.51 vom 13. März 2018 E. 5.2;
OGer ZH SB150083 vom 21. Januar 2016 E. 6.9 und 7) für den Berufungskläger
auch nicht untypisch, zumal die Sachverständige in ihrem Gutachten und auch
heute ausgeführt hat, der Berufungskläger habe grosse Mühe, mit belastenden
Situationen adäquat umzugehen (Akten S. 632, 851). Im Übrigen hat auch die
Privatklägerin ausgeführt, dass A____ seine Wutausbrüche nicht unter Kontrolle
hat (Akten S. 161 f.).

 

3.7

3.7.1   Die
widersprüchlichen, weitgehend pauschalen und wenig plausiblen Depositionen des
Berufungsklägers sind nach dem Gesagten nicht einmal ansatzweise glaubhaft und
stehen im Widerspruch zu den in ihrem materiellen Gehalt und auch der
Aussagegenese her uneingeschränkt glaubhaften Depositionen von C____, welche im
Übrigen durch weitere, teils objektive Beweismittel gestützt werden. Der
angeklagte Sachverhalt ist daher erstellt.

 

3.7.2   Hinsichtlich
des Beweisantrags Ziff. 4, wonach die Aufnahmezeit der sich in Akten auf Seite 207
f. befindlichen Fotos festzustellen sei (Akten S. 428, 430), ist festzuhalten,
dass die Fotos zum Vornherein nicht geeignet sind, den Vorwurf der Wegnahme zu
widerlegen. Es ist daher – wie bereits das Strafgericht zutreffend erwogen hat
(vorinstanzliches Urteil S. 6 f.) – auf die Abklärung der Entstehungszeit der
Aufnahmen zu verzichten, wobei zufolge rechtskräftig gewordenem Freispruch von
der Anklage wegen geringfügigen Diebstahls (vgl. dazu E. 1.3) ohnehin nicht
ersichtlich ist, was die Aufnahmezeitpunkte beweisen sollten.

 

4.

4.1

4.1.1   Wer
vorsätzlich einen Menschen an Körper oder Gesundheit schädigt, wird, auf
Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art.
123 Ziff. 1 des Strafgesetzbuches [StGB, SR 311.0]). Die körperliche Integrität
ist dann im Sinne einer Körperverletzung beeinträchtigt, wenn innere oder
äussere Verletzungen oder Schädigungen zugefügt werden, die mindestens eine
gewisse Behandlung und Heilungszeit erfordern, also etwa Knochenbrüche, auch
wenn sie unkompliziert sind und verhältnismässig rasch und problemlos
ausheilen, aber auch bereits Hirnerschütterungen, Quetschungen mit Blutergüssen
und Schürfungen, sofern sie um einiges über blosse Kratzer hinausgehen. Dass
die körperlichen Beeinträchtigungen den Beizug eines Arztes nötig machen, ist
jedoch nicht gefordert. Auf blosse Tätlichkeiten (Art. 126 StGB) ist umgekehrt dann
zu erkennen, wenn Schürfungen, Kratzwunden, Quetschungen oder bloss blaue
Flecken offensichtlich so harmlos sind, dass sie in kürzester Zeit vorübergehen
und ausheilen (BGE 119 IV 1 E. 4 S. 2, 127 IV 59 E. 2 S. 60 ff.; Roth/Berkemeier, in: Basler Kommentar,
4. Auflage 2019, Art. 123 StGB N 3 f.; Trechsel/Geth,
in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar,
3. Auflage, Zürich 2018; Art. 123 N 2).

 

4.1.2   Die
Privatklägerin erlitt gemäss ärztlichem Zeugnis von [...] vom 3. April 2018 ein
ca. 10 x 12 cm grosses Hämatom an der Innenseite des linken Oberarms und ein
ca. 1 cm durchmessendes Hämatom auf der Aussenseite des rechten Unterarms.
Ausserdem beklage sie vermehrte Schmerzen an der operierten Hüfte zufolge
vehementer Schutzbewegungen (Akten S. 167). Wie sich aus den sich in den Akten
befindlichen Fotografien ergibt (Akten S. 131, 154 f.), ist das Hämatom am
linken Oberarm nicht nur gross, sondern auch massiv blutunterlaufen und deutet
auf einen intensiven, mit einiger Wucht ausgeführten Schlag hin. Es kann daher nicht
von einer harmlosen Verletzung im Sinne von Art. 126 StGB, die in kürzester Zeit
vorübergeht und ausheilt, gesprochen werden. Da entgegen der Ansicht des
Berufungsklägers (Akten S. 210, 813) ein gültiger Strafantrag vorliegt, erfolgt
ein Schuldspruch wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB.

 

4.2      Indem
der Berufungskläger mit dem Küchenmesser auf den Tisch einstach, neben dem die
Privatklägerin kauerte, stellte er ihr in Aussicht, vom Messer getroffen und
(schwer) verletzt zu werden. Dass A____ das Messer mit einiger Wut in den Tisch
gerammt haben muss und die Drohkulisse damit umso ernsthafter war, zeigt auch
die Tatsache, dass die Klinge später abgebrochen ist. Dass er C____ damit in
Angst und Schrecken versetzte, illustriert neben ihren glaubhaften Depositionen
auch die Aussage des Polizisten G____, der zu Protokoll gab, die Privatklägerin
habe auf ihn einen verängstigten Eindruck gemacht (Akten S. 411). Der
Tatbestand der Drohung (Art. 180 Abs. 1 StGB) ist damit erfüllt und es ergeht
daher ein entsprechender Schuldspruch. 

 

4.3      Durch
die Beschädigung des Küchentisches, des Küchenstuhls, der Krücke und des
Messers hat der Berufungskläger zudem einen Sachschaden verursacht. Zusammen mit
den Schäden, die durch das Einstechen des Messers gegen den Küchentürrahmen
bzw. das Schlagen der Krücke gegen den Flurtürrahmen (Akten S. 132 ff.), die
zweifellos über gewöhnliche Gebrauchsspuren (Art. 267a des Obligationenrechts
[OR, SR 220]) hinausgehen, hat er insgesamt einen die Grenze der
Geringfügigkeit überschreitenden Sachschaden zumindest in Kauf genommen (die
Grenze beträgt CHF 300.–; vgl. dazu Weissenberger,
in: Basler Kommentar, 4. Auflage 2019, Art. 144 StGB N 108), zumal nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung auch die Mieterin zum Strafantrag berechtigt ist (BGE 144 IV 49
E. 1.2 S. 51, 117 IV 437 E. 1b S. 438; BGer 6B_622/2008 vom 13.
Januar 2009 E. 5.1; vgl. auch Riedo,
in: Basler Kommentar, 4. Auflage 2019, Art. 30 StGB N 9, 21; Donatsch, in:
Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder [Hrsg.], StGB Kommentar, 20. Auflage,
Zürich 2018, Art. 30 N 6). Es ergeht daher zusätzlich ein Schuldspruch wegen
Sachbeschädigung nach Art. 144 Abs. 1 StGB.

 

5.

5.1      An
die Strafzumessung werden drei grundsätzliche Anforderungen gestellt: Sie muss
einerseits zu einer verhältnismässigen Strafe führen (Billigkeit), zudem ein
Höchstmass an Gleichheit gewähren (Rechtssicherheit) und andererseits
transparent sowie überzeugend begründet und dadurch überprüfbar sein
(Legitimation durch Verfahren; vgl. dazu Trechsel/Thommen,
in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar,
3. Auflage, Zürich 2018, Art. 47 N 3). Massgeblich für die Strafzumessung ist
gemäss Art. 47 Abs. 1 StGB das Verschulden des Täters. Dabei zu berücksichtigen
sind das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse und seine Strafempfindlichkeit.
Die Bewertung des Verschuldens wird in Art. 42 Abs. 2 StGB dahingehend
präzisiert, dass dieses nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des
betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen
und Zielen des Täters sowie danach bestimmt wird, wie weit der Täter nach den
inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung
zu vermeiden. Dem Gericht kommt ein Ermessen zu, in welchem Umfang es die
einzelnen Kriterien berücksichtigt (BGE 134 IV 17 E. 2.1 S. 19 f.).

 

5.2      Auszugehen
ist vom Strafrahmen für das am schwersten wiegende Delikt, hier der einfachen
Körperverletzung, worauf Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe steht
(Art. 123 Ziff. 1 StGB). Sofern für die Drohung und die Sachbeschädigung nach
erfolgter Verschuldensbewertung eine Gesamtstrafe in Frage kommt, ist die
Strafe in Anwendung des Asperationsprinzips im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB
angemessen zu erhöhen (vgl. dazu nachfolgend E. 5.4, 5.5).

 

5.3

5.3.1   Das
Verschulden des Berufungsklägers wiegt eher leicht. Es ist von einer spontanen
Tat auszugehen, wobei er die Privatklägerin einmal mit der Krücke schlug. Obwohl
die Krücke wohl als gefährlicher Gegenstand im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2
StGB zu qualifizieren wäre (dies ist aufgrund des Verbots der reformatio in
peius im Berufungsverfahren aber nicht mehr zu diskutieren [Art. 391 Abs. 2
StPO]), sind die von C____ erlittenen Verletzungen im unteren Bereich einer
einfachen Körperverletzung anzusiedeln. Erschwerend wirkt sich hingegen aus,
dass die Privatklägerin zwischen Tisch und Kühlschrank am Boden kauerte und
völlig wehrlos war, als der Berufungskläger mit der Krücke zuschlug. In
subjektiver Hinsicht ist ein nachvollziehbarer Auslöser für die Wut auf die
Privatklägerin, welche den zumindest eventualvorsätzlich handelnden Berufungskläger
bei sich aufnahm und der er ein Dach über dem Kopf zu verdanken hatte, nicht
erkennbar. Eine Einsatzstrafe von sechs Monaten Freiheitsstrafe bzw. 180
Tagessätzen Geldstrafe erscheint dem Tatverschulden angemessen.

 

5.3.2   Der
Berufungskläger weist gemäss aktuellem Strafregisterauszug seit Herbst 2019
insgesamt fünf Vorstrafen aus. Wurde er mit Urteil der Staatsanwaltschaft
Basel-Stadt vom 19. September 2019 und dem Urteil des Strafgerichtspräsidenten Basel-Stadt
vom 21. November 2019 noch zu bedingt vollziehbaren Geldstrafen verurteilt,
wurde bereits im Urteil der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft vom
11. August 2020 auf eine unbedingte Geldstrafe erkannt. Mit Urteilen des
Strafgerichts Basel-Landschaft vom 26. August 2020 (vgl. dazu E. 3.6.3,
5.8.1, 5.9) und der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 12. November 2020 wurden
sodann wegen Verletzungen derselben Rechtsgüter wie sie vorliegend zur
Diskussion stehen, jeweils Freiheitsstrafen ausgefällt (Akten S. 721 ff.).
Daraus erhellt, dass Geldstrafen in spezialpräventiver Hinsicht offenbar keine
genügende Wirkung erzielen und sich der Berufungskläger bei dieser Sanktionsart
nicht von delinquentem Verhalten distanzieren konnte. Nach dem Gesagten ist auch
vorliegend auf eine (Gesamt)Freiheitsstrafe zu erkennen. 

 

5.4      Das
Verschulden betreffend die Drohung wiegt ebenfalls nicht mehr bloss leicht. Mit
dem der Drohung vorangehenden Handlungen hat A____ eine Kulisse aufgebaut, die
schliesslich in der Drohung mit dem Messer gipfelte. Dabei wirkt sich
verschuldenserhöhend aus, dass es sich nicht um eine bloss verbale Drohung
handelte, sondern der Berufungskläger dazu ein Messer benutzte. Durch das
Stechen gegen die Tischplatte in unmittelbarer Nähe des Körpers der
Privatklägerin erschien die Gefahr für C____ unmittelbar bevorstehend. Am Boden
kauernd war sie in dieser Situation dem Berufungskläger völlig ausgeliefert und
im Ungewissen, ob er unmittelbar zur Verwirklichung der Drohung ansetzen und
tatsächlich mit dem Messer auf sie losgehen würde. Isoliert betrachtet
erschiene für die Drohung eine Freiheitsstrafe von nur knapp unterhalb sechs Monaten
dem Verschulden von A____ angemessen. In Anwendung des Asperationsprinzips
(Art. 49 Abs. 1 StGB) wird die bisher zugemessene Freiheitsstrafe um drei
Monate, auf neun Monate, erhöht.

 

5.5      Schliesslich
hat der Berufungskläger aus Wut einen Tisch, einen Stuhl, ein Messer, die
Krücke und zwei Türrahmen in der Wohnung der Privatklägerin in insgesamt nicht
mehr geringfügigem Masse beschädigt. Die bisher zugemessene Freiheitsstrafe ist
dafür in Anwendung des Asperationsprinzips (Art. 49 Ab. 1 StGB) um einen Monat
zu erhöhen.

 

5.6      Betreffend
die Täterkomponenten ist festzuhalten, dass sich die persönlichen
Lebensumstände des heute [...]-jährigen, ledigen und kinderlosen Berufungsklägers
nicht einfach gestalten. Er ist in [...] geboren, hat dann aber die Schulen in
der Schweiz absolviert und hier auch eine Ausbildung als [...] gemacht. Eine
Weiterbildung als [...] hat der eine Niederlassungsbewilligung besitzende
Berufungskläger mitunter wegen Geldproblemen abgebrochen. Daraus resultieren
auch Schulden von ungefähr CHF 30'000.‒. Infolge zweier Unfälle bezieht
er seit dem Jahr [...] eine IV-Rente. Seine Eltern leben seit Februar letzten
Jahres wieder in ihrem Heimatland. Zu ihnen hält der Berufungskläger
telefonischen Kontakt. Seine Geschwister (Bruder und Schwester) leben zwar in
der Schweiz, zu ihnen besteht aber nur seltener Kontakt. Mit Ausnahme einer
Tante, die ihn regelmässig besucht, scheint A____ ansonsten kein stabiles und
unterstützendes Umfeld zu haben. Auch verfügt er über keine feste Wohnsituation,
lebte er doch immer wieder an anderen Adressen, zweitweise auch in der
Notschlafstelle (Akten S. 3 ff., 406 ff., 845 ff.). Obwohl die geschilderten
Verhältnisse sicherlich nicht als leicht einzustufen sind, lassen sich daraus dennoch
keine strafmindernden Umstände ableiten.

 

5.7

5.7.1   Die
Sachverständige, F____, diagnostizierte beim schon eine längere Zeit unter
psychischen Problemen leidenden und deshalb regelmässig Medikamente
einnehmenden Berufungskläger in ihrem für das Strafverfahren im Kanton
Basel-Landschaft erstellten Gutachten vom 11. September 2019 (Akten S. 589 ff.),
welches die Verfahrensleiterin beigezogen hat, eine schwere Störung aus dem
schizophrenen Formenkreis (ICD-10 F20). Sie geht von einer mittelgradig
eingeschränkten Steuerungsfähigkeit aus. Zu den Tatzeitpunkten, an denen der
Berufungskläger zusätzlich alkoholisiert gewesen bzw. tatzeitnah Kokain konsumiert
hatte, müsse man – ebenfalls die vordiagnostizierte schwere psychische Störung zugrunde
legend – eine schwere Minderung der Schuldfähigkeit diskutieren (Akten S. 632). Anlässlich der Berufungsverhandlung
hat sie ausgeführt, dass der weitere Verlauf, über welchen der Berufungskläger
heute berichtet habe, gut zur Diagnose passe. Dass die Privatklägerin berichtete,
A____ habe wirr geredet bzw. sie habe ihn gar nicht verstanden (Akten S. 144), deute
zudem darauf hin, dass der Berufungskläger auch zur Tatzeit symptombelastet
gewesen sei. Aufgrund eines negativen Drug-Wipe-Tests bzw. einer 0 Promille
anzeigenden Atemalkoholprobe (Akten S. 127) sei zudem auszuschliessen,
dass die Steuerungsfähigkeit sonst wie beeinträchtigt gewesen wäre. Sie
gehe für vorliegendes Verfahren ebenfalls von einer mittelgradigen Verminderung
der Steuerungsfähigkeit aus (Akten S. 851). 

 

5.7.2   Das
ausführlich begründete Gutachten und die heutigen Ausführungen von F____
überzeugen in allen Teilen. Es ist vorbehaltlos darauf abzustellen. Demgemäss
ist die bisher zugemessene Freiheitsstrafe – wie es bereits das Strafgericht
Basel-Landschaft getan hat (Akten S. 983) – in Anwendung von Art. 19 Abs. 2
StGB um rund die Hälfte, auf fünf Monate, zu reduzieren.

 

5.8

5.8.1   Der
Berufungskläger wurde mit rechtskräftigem Urteil des Strafgerichts
Basel-Landschaft vom 26. August 2020 der einfachen Körperverletzung, der
mehrfachen Sachbeschädigung, der mehrfachen Drohung, der mehrfachen, teils
versuchten Nötigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs, der Gewalt und Drohung
gegen Behörden und Beamte, der Hinderung einer Amtshandlung sowie des Vergehens
gegen das Waffengesetz schuldig gesprochen und unter Annahme einer verminderten
Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB zu einer unbedingten
Freiheitsstrafe von sechs Monaten sowie einer Geldstrafe von zehn Tagessätzen
zu CHF 30.– verurteilt, wobei der Vollzug zugunsten einer ambulanten Behandlung
nach Art. 63 StGB aufgeschoben wurde (als Zusatzstrafe zum Urteil der
Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 19. September 2019). Da A____ diese Delikte
zwischen Februar 2014 und November 2016, also bevor er mit dem angefochtenen
erstinstanzlichen Urteil vom 10. Dezember 2018 verurteilt worden ist, verübte
und die Tat darüber hinaus mit der gleichen Strafart wie vorliegend geahndet
wurde, ist heute eine Zusatzstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 2 StGB auszufällen
(vgl. dazu BGE 138 IV 113 E. 3.4.2 S. 116 ff.; AGE SB.2019.111 vom 9. Juni 2020
E. 6.7, SB.2018.44 vom 23. Januar 2019 E. 4.6; Trechsel/Thommen,
a.a.O., Art. 49 N 13). 

 

5.8.2   Den
vorliegend zu beurteilenden Delikten wäre angesichts der Vielzahl der im Kanton
Basel-Landschaft beurteilten, dieselben Rechtsgüter betreffenden Straftaten keine
zentrale Bedeutung zugekommen, sodass 90 Tage Freiheitsstrafe an die vorliegend
auszufällende Strafe anzurechnen sind und die bisher zugemessene Freiheitsstrafe
daher entsprechend, das heisst auf insgesamt zwei Monate Freiheitsstrafe, zu
reduzieren ist. Die Strafe ist nur schon aufgrund des Verbots der reformatio in
peius gemäss Art. 42 Abs. 1 StGB bedingt auszusprechen (Probezeit zwei Jahre). Der
Anrechnung der ausgestandenen Haft steht nichts entgegen (Art. 51 StGB), womit auch
der Antrag auf Zusprechung einer Haftentschädigung abzuweisen ist.

 

5.9      Der
Berufungskläger wurde aufgrund eines akut psychotischen Zustandsbilds bzw.
einer daraus abgeleiteten Fremdgefährdung (A____ wurde in einer Tiefgarage
aufgegriffen, wo er kundtat, er wolle herumschiessen bzw. einen [...] und [...]
töten, es brauche Leichensäcke) mit Entscheid der Kindes- und
Erwachsenenschutzbehörde Kreis Liestal vom 17. März 2021 im Rahmen einer
fürsorgerischen Unterbringung in die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
in Liestal eingewiesen (Akten S. 845, 849). Per 22. April 2021 kann der
Berufungskläger zwecks zweimonatiger stationärer Einleitung der mit Urteil des
Strafgerichts Basel-Landschaft vom 26. August 2020 angeordneten ambulanten
Massnahme in die Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) eintreten.
Vor diesem Hintergrund ist die Anordnung einer weiteren Massnahme nicht
angezeigt, wobei eine solche von der Staatsanwaltschaft auch nicht beantragt
worden ist.

 

6.

Was die
beschlagnahmten Gegenstände angeht, stimmen A____ und C____ im Sinne eines
kleinsten gemeinsamen Nenners überein, dass der Berufungskläger der
Privatklägerin aus dem streitgegenständlichen Vorfall herrührend mindestens CHF
250.‒ schuldet (Akten S. 151, 413, 420, 422, 850). Zur Begleichung dieser
Schuld wird der Privatklägerin nach Rechtskraft des Urteils ein Teil des
sichergestellten Guthabens von CHF 650.‒ (Pos. 1003) ausgerichtet (Art.
73 Abs. 1 lit. b StGB). Die restlichen CHF 400.– werden gemäss Art. 442
Abs. 4 StPO mit den Verfahrenskosten verrechnet (vgl. dazu nachfolgend E. 7.2).
Das abgebrochene Messer (Pos. 1009) wird in Anwendung von Art. 69 Abs. 1 des
Strafgesetzbuches eingezogen und vernichtet. Der USB-Stick mit gesicherten
Daten des Mobiltelefons (Pos. 1002) verbleibt in den Akten. Hingegen wird dem
Berufungskläger der beschlagnahmte Reisepass (Pos. 1001) mangels
Deliktskonnexes unter Aufhebung der Beschlagnahme zurückgegeben (Art. 69 Abs. 1
StGB e contrario).

 

7.

7.1      Die
schuldig gesprochene Person hat – sofern keine gesetzlichen Ausnahmen vorliegen
– gestützt auf Art. 426 Abs. 1 StPO sämtliche kausalen Verfahrenskosten zu
tragen (BGer 6B_811/2014 vom 13. März 2015 E. 1.4). Die Verfahrenskosten werden
demnach gemäss Verursacherprinzip verlegt.

 

7.2      Da
der Berufungskläger auch im Berufungsverfahren wegen einfacher
Körperverletzung, Drohung und Sachbeschädigung schuldig gesprochen wird, sind
die erstinstanzlichen Verfahrenskosten zu belassen. Demgemäss trägt der
Berufungskläger für das erstinstanzliche Verfahren Kosten in Höhe von CHF
6’552.– und eine Urteilsgebühr von CHF 2’000.‒. Sein Kostendepot in Höhe
von CHF 400.‒ wird damit verrechnet.

 

8.

8.1      Für
die Kosten des Rechtsmittelverfahrens kommt Art. 428 Abs. 1 StPO zum Tragen. Ob
bzw. inwieweit eine Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt,
hängt davon ab, in welchem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten
Anträge gutgeheissen werden (BGer 6B_1025/2014 vom 9. Februar 2015 E. 2.4.1).

 

8.2      Der
Berufungskläger unterliegt mit seinen Anträgen in der Hauptsache, obsiegt indes
mit seinem Eventualantrag. Es rechtfertigt sich deshalb, ihm die Kosten des
zweitinstanzlichen Verfahrens mit Einschluss einer um 50 % reduzierten Urteilsgebühr
von insgesamt CHF 1’500.– (inklusive Kanzleiauslagen, zuzüglich der Kosten der
Publikation der Vorladung im Kantonsblatt von CHF 15.–, zuzüglich der Kosten
der Expertise von F____ anlässlich der Berufungsverhandlung vom 20. April
2021 in Höhe von CHF 1'275.–, zuzüglich allfälliger übriger Auslagen)
aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 21 Abs. 1 des
Gerichtsgebührenreglements [GGR, SG 154.810]).

 

9.

9.1      Dem
amtlichen Verteidiger, B____, wird aus der Gerichtskasse eine Entschädigung
gemäss seiner Aufstellung, zuzüglich vier Stunden für die heutige
Berufungsverhandlung, ausgerichtet. Für den genauen Betrag wird auf das
Urteilsdispositiv verwiesen.

 

9.2      Da
der Berufungskläger mit seinem Eventualantrag obsiegt, umfasst die
Rückerstattungspflicht bezüglich des Honorars seines amtlichen Verteidigers im
Falle einer wirtschaftlichen Besserstellung 50 % des zugesprochenen Honorars
(Art. 135 Abs. 4 StPO).

 

 

Demgemäss
erkennt das Appellationsgericht (Dreiergericht):

 

://:        Es
wird festgestellt, dass folgende Punkte des Urteils des Einzelgerichts in
Strafsachen vom 10. Dezember 2018 mangels Anfechtung in Rechtskraft
erwachsen sind:

-      
Freisprüche von der Anklage der Drohung zum Nachteil von D____ und des
geringfügigen Vermögensdelikts (Diebstahl);

-      
Einstellung des Verfahrens betreffend Beschimpfung zum Nachteil von E____;

-      
Entschädigung des amtlichen Verteidigers (mit Rückforderungsvorbehalt).

 

A____ wird – in teilweiser Gutheissung seiner
Berufung – der einfachen Körperverletzung, der Drohung sowie der
Sachbeschädigung schuldig erklärt und verurteilt zu 2 Monaten
Freiheitsstrafe, unter Einrechnung der Untersuchungshaft zwischen dem 2.
April 2018 und dem 16. Mai 2018, mit bedingtem Strafvollzug, unter Auferlegung
einer Probezeit von 2 Jahren, 

als Zusatzstrafe zum Urteil des Strafgerichts des
Kantons Basel-Landschaft vom 26. August 2020,

in Anwendung von Art. 123 Ziff. 1, 180 Abs. 1, 144 Abs.
1 sowie 19 Abs. 2, 42 Abs. 1, 44 Abs. 1, 49 Abs. 1 und 2 sowie 51 des
Strafgesetzbuches.

 

Der Antrag von A____ auf Zusprechung einer
Haftentschädigung wird abgewiesen. 

 

Der beschlagnahmte Reisepass (Pos. 1001) wird A____
unter Aufhebung der Beschlagnahme zurückgegeben. 

 

Das eingezogene Bargeld in Höhe von insgesamt CHF 650.–
(Pos. 1003) wird unter Aufhebung der Beschlagnahme gemäss Art. 73 Abs. 1
lit. b des Strafgesetzbuches im Umfang von CHF 250.– C____ zugesprochen. Die
restlichen CHF 400.– werden gemäss Art. 442 Abs. 4 StPO mit den
Verfahrenskosten verrechnet. 

 

Das abgebrochene Messer (Pos. 1009) wird in Anwendung
von Art. 69 Abs. 1 des Strafgesetzbuches eingezogen und vernichtet.

 

Der USB-Stick mit gesicherten Daten des Mobiltelefons
(Pos. 1002) verbleibt in den Akten.

 

A____ trägt die Kosten von CHF 6’552.– und eine
Urteilsgebühr von CHF 2’000.‒ für das erstinstanzliche Verfahren sowie
die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens mit Einschluss einer reduzierten Urteilsgebühr
von CHF 1’500.‒ (inklusive Kanzleiauslagen, zuzüglich der Kosten der
Publikation der Vorladung im Kantonsblatt von CHF 15.–, zuzüglich der Kosten
der Expertise von F____ anlässlich der Berufungsverhandlung vom 20. April 2021
in Höhe von CHF 1'275.–, zuzüglich allfälliger übriger Auslagen).

 

Dem amtlichen Verteidiger, B____, wird für die zweite
Instanz ein Honorar in Höhe von CHF 7‘866.65 und ein Auslagenersatz von CHF 251.85,
zuzüglich Mehrwertsteuer von insgesamt CHF 625.15 (7,7 % auf CHF 8‘118.50),
somit total CHF 8‘743.65, aus der Gerichtskasse zugesprochen. Art. 135 Abs. 4
der Strafprozessordnung bleibt im Umfang von 50 % vorbehalten.

 

Mitteilung an:

-      
Berufungskläger

-      
Staatsanwaltschaft Basel-Stadt

-      
Privatklägerin

-      
Strafgericht Basel-Stadt

-      
Strafregister-Informationssystem VOSTRA

-      
F____

-      
Migrationsamt des Kantons Basel-Landschaft

 

APPELLATIONSGERICHT BASEL-STADT

 

Die Präsidentin                                                         Der
Gerichtsschreiber

 

 

lic. iur.
Liselotte Henz                                               Dr. Beat Jucker

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung

 

Gegen diesen
Entscheid kann unter den Voraussetzungen von Art. 78 ff. des
Bundesgerichtsgesetzes (BGG) innert 30 Tagen seit schriftlicher Eröffnung Beschwerde
in Strafsachen erhoben werden. Die Beschwerdeschrift muss spätestens am
letzten Tag der Frist beim Bundesgericht (1000 Lausanne 14) eingereicht oder zu
dessen Handen der Schweizerischen Post oder einer diplomatischen oder
konsularischen Vertretung der Schweiz im Ausland übergeben werden (Art. 48 Abs.
1 BGG). Für die Anforderungen an den Inhalt der Beschwerdeschrift wird auf Art.
42 BGG verwiesen. Über die Zulässigkeit des Rechtsmittels entscheidet das
Bundesgericht.

 

Die amtliche
Verteidigung kann gegen den Entscheid betreffend ihre Entschädigung für das
zweitinstanzliche Verfahren gemäss Art. 135 Abs. 3 lit. b der
Strafprozessordnung (StPO) innert 10 Tagen seit schriftlicher Eröffnung
Beschwerde beim Bundesstrafgericht (Viale Stefano Franscini 7, Postfach 2720,
6501 Bellinzona) erheben (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 6B_360/2014 vom
30. Oktober 2014).