# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 67ee5505-c73a-51e4-8f6e-3eccef7f93e2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-10-27
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 27.10.2022 D-4776/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4776-2022_2022-10-27.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4776/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 7 .  O k t o b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Einzelrichterin Jeannine Scherrer-Bänziger, 

mit Zustimmung von Richter Markus König; 

Gerichtsschreiber Stefan Weber. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (...), 

Irak,   

vertreten durch Lara Aharchaou, Rechtsanwältin, 

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung 

(Dublin-Verfahren); 

Verfügung des SEM vom 4. Oktober 2022 / N (...). 

 

 

 

D-4776/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach. 

A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Euro-

dac) vom 19. August 2022 ergab, dass er am (...) in Litauen um Asyl er-

sucht hatte. 

A.c Am 23. August 2022 fand die Personalienaufnahme (PA) und am 

2. September 2022 das persönliche Gespräch gemäss Art. 5 der Verord-

nung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 

26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung 

des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehö-

rigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf inter-

nationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) statt. Dabei 

wurde dem Beschwerdeführer unter anderem das rechtliche Gehör zur all-

fälligen Zuständigkeit Litauens für die Durchführung des Asyl- und Weg-

weisungsverfahrens gewährt. Zugleich wurde er nach seinem Gesund-

heitszustand befragt.  

Der Beschwerdeführer führte an, er habe in Litauen keinen Asylantrag ge-

stellt. Er sei am (...) illegal durch B._______ nach Litauen eingereist. Dort 

sei er verhaftet worden und die Behörden hätten ihm seine Fingerabdrücke 

abgenommen. Es sei ihm gesagt worden, es handle sich um eine Sicher-

heitskontrolle. Er habe den Behörden mitgeteilt, er wolle nicht in Litauen 

bleiben und er habe auch nie über ein Asylgesuch gesprochen. Er sei da-

nach in einem geschlossenen Zentrum untergebracht gewesen und an-

schliessend in weitere ähnliche Zentren beziehungsweise Gefängnisse 

verlegt worden. Die Zentren seien alle überfüllt und sehr klein gewesen. Es 

habe (Nennung der Zustände in den Zentren). Die Behörden hätten einen 

psychischen Krieg gegen die in den Zentren untergebrachten Personen 

geführt. Er sei immer wieder belästigt worden, so (Nennung Belästigun-

gen). Als er gegen die Missstände protestiert habe, sei er mit einem Pfef-

ferspray angegriffen oder (Nennung Dauer) in Einzelhaft versetzt worden. 

Ein Kollege sei (Nennung Vorfall). Stets sei ihm (Beschwerdeführer) gesagt 

worden, dass er in seine Heimat zurückkehren müsse und ein Terrorist sei. 

Bei einem Fluchtversuch sei er festgenommen worden und (Nennung 

Dauer) in Einzelhaft gekommen. In der Einzelhaft sei er stets an den Hän-

den gefesselt gewesen. Zudem sei das Licht in der Zelle immer um (Nen-

nung Uhrzeit) ausgeschaltet worden, obwohl er gesagt habe, dass er Angst 

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vor der Dunkelheit habe. Seither habe er psychische Probleme. Um (Nen-

nung Uhrzeit) morgens sei jeweils ein lauter Alarm losgegangen, um ihn zu 

wecken. Gemäss dem damaligen Entscheid sei er in Litauen zu (Nennung 

Strafmass) verurteilt worden. Dennoch sei er nach (Nennung Dauer) Haft 

nicht unmittelbar freigelassen worden, obschon er das Urteil gezeigt habe. 

Jene Person habe daraufhin das Entlassungsdatum einfach von Hand ge-

ändert. Zudem sei er gezwungen worden, wiederholt irgendwelche Formu-

lare zu unterschreiben, ansonsten er in den Irak zurückgeschickt worden 

wäre. Die Hilfsorganisationen in jenem Zentrum hätten nichts gegen die 

Zustände unternommen, da sie befürchtet hätten, strengen Massnahmen 

seitens der litauischen Regierung unterworfen zu werden. Schliesslich 

habe er das Zentrum verlassen können, nachdem die Behörden ihm ge-

sagt hätten, sie seien für ihn nicht mehr zuständig.  

 

Zu seinem Gesundheitszustand führte er an, er habe aufgrund der Lebens-

umstände in Litauen und der dortigen Bedingungen (Nennung Leiden). 

A.d Am 16. September 2022 ersuchte das SEM die litauischen Behörden 

um Übernahme des Beschwerdeführers nach Art. 18 Abs. 1 Bst. d der Ver-

ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates 

vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-

mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-

angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags 

auf internationalen Schutz (Dublin-III-VO). Die litauischen Behörden nah-

men innerhalb der festgelegten Frist zum Übernahmeersuchen keine Stel-

lung. 

A.e Das SEM nahm mehrere (Nennung Beweismittel) betreffend den Be-

schwerdeführer (...) sowie weitere Beweismittel (Aufzählung Beweismittel) 

zu den Akten. 

B.  

Mit Verfügung vom 4. Oktober 2022 – eröffnet am 12. Oktober 2022 – trat 

das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylge-

such des Beschwerdeführers nicht ein, ordnete dessen Wegweisung aus 

der Schweiz nach Litauen an und forderte ihn auf, die Schweiz spätestens 

am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Zudem händigte es 

ihm die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und stellte 

fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

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Seite 4 

C.  

Am (...) fand die "Voranmeldung Spezialfall an Kanton" durch das SEM we-

gen (...) Erkrankungen des Beschwerdeführers (Nennung Leiden) statt. 

D.  

Mit Beschwerde vom 19. Oktober 2022 focht der Beschwerdeführer die 

Verfügung des SEM vom 4. Oktober 2022 beim Bundesverwaltungsgericht 

an. Er beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die 

Vorinstanz sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten, eventualiter 

sei die Sache zur vollständigen Abklärung des Sachverhalts an die Vor-

instanz zurückzuweisen, subeventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, 

individuelle Zusicherungen bezüglich adäquater medizinischer Versorgung 

und Unterbringung einzuholen. In formeller Hinsicht beantragte er, es sei 

der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, die Vorinstanz und 

die Vollzugsbehörden seien anzuweisen, bis zum Entscheid über das 

Rechtsmittel von jeglichen Vollzugshandlungen abzusehen und es sei die 

unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses zu verzichten. 

E.  

Mit superprovisorischer Massnahme vom 21. Oktober 2022 setzte die In-

struktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung einstweilen aus. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – 

endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdefüh-

rer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 

VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 108 

Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist – unter Vorbehalt von E. 2.2 – 

einzutreten. 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

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Seite 5 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

3.  

Über offensichtlich begründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher Zu-

ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer 

zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend 

aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb das Urteil 

nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

4.  

4.1 Der Beschwerdeführer rügt eine Verletzung der Untersuchungs- und 

Begründungspflicht, mithin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. 

Er macht geltend, das SEM nehme in der angefochtenen Verfügung keine 

vertiefte Auseinandersetzung mit seinen Vorbringen vor, sondern begnüge 

sich mit dem bloss allgemeinen Hinweis, dass die von ihm angeführten 

Missstände und angeblichen Misshandlungen nichts an der allgemeinen 

Einschätzung ändern würden, wonach in Litauen der Zugang zu einem 

rechtsstaatlichen Verfahren im Sinne des Dublin-Systems bestehe und 

Dublin-Rückkehrern keine Kettenabschiebungen, systemische Gewalt      

oder Inhaftierung drohten.  

Zudem habe er infolge seines Aufenthalts in Litauen ausgewiesene psychi-

sche Beschwerden entwickelt. Im Rahmen einer allgemeinärztlichen Kon-

sultation seien die Diagnosen (Nennung Diagnosen) gestellt und ihm ein 

(Nennung Medikament) verschrieben worden. Obwohl eine (...) Behand-

lung durch einen Facharzt geplant sei, sei die entsprechende fachärztliche 

Begutachtung und Behandlung vom SEM nicht abgewartet worden. Dies 

verletze die Untersuchungspflicht, zumal aufgrund der bisherigen Abklä-

rungen Hinweise darauf bestünden, dass es sich bei ihm um eine beson-

ders verletzliche Person handelt, die auf eine (...) Behandlung angewiesen 

sei. Mit Blick auf den anlässlich des Dublin-Gesprächs geschilderten be-

schränkten Zugang zu medizinischer Behandlung sowie der dokumentier-

ten medizinischen Unterversorgung in den litauischen Haftzentren sei die 

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pauschale Aussage der Vorinstanz, wonach keine Hinweise vorlägen, dass 

ihm Litauen eine medizinische Behandlung verweigert hätte oder dies in 

Zukunft tun würde, nicht nachvollziehbar. Da die litauischen Behörden das 

Rückübernahmegesuch der Vorinstanz unbeantwortet gelassen hätten, sei 

der Stand seines dortigen Asylgesuchs unbekannt. 

4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer 

Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich ist, 

dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich ausei-

nandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt 

(vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). 

Der Untersuchungsgrundsatz verlangt, dass die Behörde von Amtes we-

gen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen 

Sachverhalts sorgt, die für das Verfahren notwendigen Unterlagen be-

schafft, die rechtlich relevanten Umstände abklärt und ordnungsgemäss 

darüber Beweis führt. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der 

Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird 

oder Beweise falsch gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn 

nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksich-

tigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Ver-

waltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). 

Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Behörde, ihren Entscheid zu 

begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Aus der Begründungspflicht als Teilge-

halt des rechtlichen Gehörs ergibt sich, dass die Abfassung der Begrün-

dung dem Betroffenen ermöglichen soll, den Entscheid sachgerecht anzu-

fechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die 

Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen 

können. Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügungs-

gegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffe-

nen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten In-

teressen des Betroffenen – und um solche geht es bei Verfahren betreffend 

Asyl und Wegweisung – eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl. 

BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2).  

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Seite 7 

4.3 Der Beschwerdeführer macht schwerwiegendere Probleme bezüglich 

seiner Situation als Asylsuchender in Litauen geltend (Nennung Probleme). 

Obwohl er sich im Rahmen des Dublin-Gesprächs ausführlich zu den ihm 

angeblich widerfahrenen Geschehnissen und Misshandlungen äusserte 

(vgl. SEM act. 1190167-15/4 [nachfolgend act. 15)], nahm das SEM darauf 

in seinen Erwägungen – abgesehen von den Ausführungen zu den einge-

reichten (Nennung Beweismittel) – keinen individuellen Bezug. Die Be-

gründung des SEM fiel – gemessen an den konkreten Vorbringen – äus-

serst oberflächlich aus. Der bloss textbausteinartige Hinweis darauf, dass 

sich der Beschwerdeführer auf dem Rechtsweg an die zuständigen Behör-

den Litauens wenden könne, sollte er der Ansicht sein, dass sein dortiges 

Asylverfahren nicht korrekt durchgeführt worden sei oder sollte er sich 

durch die litauischen Behörden oder Dritte ungerecht oder rechtswidrig be-

handelt fühlen (vgl. SEM act. 1190167-24/16 [nachfolgend act. 24], S. 4), 

vermag in der vorliegenden besonderen Konstellation den Anforderungen 

an die Begründungspflicht nicht zu genügen. Dies gilt umso mehr, als die 

Vorbringen des Beschwerdeführers – soweit ersichtlich – von der Vor- 

instanz offenbar nicht in Frage gestellt werden.  

4.4 Im Weiteren hat sich das SEM auch nicht ansatzweise einzelfallbezo-

gen zu den gemäss Beschwerdeführer gerade vom Litauen-Aufenthalt her-

rührenden (...) Beeinträchtigungen seines Gesundheitszustandes geäus-

sert. Zwar hat es die im (Nennung Beweismittel) enthaltene Diagnoseliste 

aufgeführt (Nennung Diagnose); vgl. SEM act. 1190167-23/3 [nachfolgend: 

act. 23], S. 2). Dazu führte es aber lediglich aus, Litauen gewährleiste auch 

abgewiesenen Asylsuchenden die notwendige medizinische Grundversor-

gung und es lägen keine Hinweise vor, wonach Litauen dem Beschwerde-

führer eine medizinische Behandlung verweigert hätte oder zukünftig ver-

weigern würde (vgl. act. 24, S. 6, 3. Abschnitt). Darin ist keine auf die per-

sönliche gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers bezogene Be-

gründung und Beurteilung zu erkennen.  

4.5 In gesundheitlicher Hinsicht ist sodann festzuhalten, dass sich in Anbe-

tracht der derzeitigen Aktenlage der (...) Gesundheitszustand des Be-

schwerdeführers nicht verlässlich einschätzen lässt, zumal hinsichtlich der 

Diagnose (Nennung Diagnose) lediglich ein (Nennung Beweismittel) (vgl. 

act. 23) bei den Akten des SEM liegt. Aus diesem ist ersichtlich, dass der 

Beschwerdeführer (Nennung Therapie). Zudem wurde darin das Aufglei-

sen einer voraussichtlichen Behandlung mit mehreren Terminen bei einer 

Fachperson als noch nicht abschätzbar bezeichnet. Angesichts dieses 

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(Nennung Beweismittel) kann die allfällige Verbesserung oder Stabilisie-

rung seines (...) Zustands aufgrund der bis zu diesem Zeitpunkt verordne-

ten Medikation, mithin die Behandelbarkeit der bei ihm festgestellten (...) 

Probleme in Litauen nicht zuverlässig beurteilt werden. Aus den Akten ist 

in diesem Zusammenhang immerhin ersichtlich, dass das SEM den Be-

schwerdeführer infolge medizinischer Probleme (...) Art, die rasche medi-

zinische Weiterbehandlung benötigten, dem Kanton am (Nennung Zeit-

punkt) als Spezialfall voranmeldete. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass 

– nebst einer Verletzung der Begründungspflicht – der rechtserhebliche 

Sachverhalt in medizinischer Hinsicht als unvollständig abgeklärt zu beur-

teilen ist. Damit kann zum aktuellen Zeitpunkt nicht festgelegt werden, ob 

hinsichtlich des Beschwerdeführers die Einholung einer individuellen Zusi-

cherung der medizinischen Behandlung bei den litauischen Behörden ein-

zuholen ist. In diesem Zusammenhang ist von besonderer Bedeutung, 

dass – nachdem die Behörden Litauens das Wiederaufnahmeersuchen 

des SEM vom 16. September 2022 unbeantwortet gelassen haben – der 

Stand des Asylverfahrens des Beschwerdeführers in Litauen nicht bekannt 

ist. Es kann daher nicht beurteilt werden, in welchen Strukturen der Be-

schwerdeführer dort untergebracht würde und wie sich für ihn die Aufent-

haltsbedingungen – namentlich der Zugang zu (...) Behandlung – in Litauen 

gestalten würden. 

4.6 Dem Gesagten nach ist das SEM seiner Begründungspflicht – in der 

vorliegend besonderen Konstellation – nicht hinreichend nachgekommen 

und es hat den rechtserheblichen Sachverhalt nicht ausreichend abgeklärt. 

Damit hat es das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt. 

5.  

5.1 Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, weshalb des-

sen Verletzung grundsätzlich ungeachtet der materiellen Auswirkungen zur 

Aufhebung des betreffenden Entscheides führt (vgl. BVGE 2008/47 

E. 3.3.4). Vorliegend sieht sich das Bundesverwaltungsgericht nicht veran-

lasst, mittels durch das Gericht vorzunehmender weiterer Sachverhaltsab-

klärungen eine Heilung der Gehörsverletzung vorzunehmen, zumal dem 

Beschwerdeführer dadurch eine Instanz verloren ginge und die fehlende 

Entscheidreife durch die Beschwerdeinstanz nicht mit vertretbarem Auf-

wand hergestellt werden kann. 

5.2 Aufgrund des vorstehend Gesagten ist die angefochtene Verfügung 

aufzuheben und die Sache zur weiteren vollständigen Sachverhaltsabklä-

rung und zu neuem Entscheid an das SEM zurückzuweisen. Das SEM ist 

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aufzufordern, den Sachverhalt unter Einhaltung der Begründungspflicht 

und angemessener Berücksichtigung der hinreichend abgeklärten medizi-

nischen Sachlage neu zu beurteilen. 

6.  

Nach dem Gesagten verletzt die angefochtene Verfügung Bundesrecht. 

Die Beschwerde ist somit gutzuheissen, soweit die Aufhebung der ange-

fochtenen Verfügung und die Rückweisung an die Vorinstanz beantragt 

wird. Es erübrigt sich, auf die weiteren Beschwerdevorbringen weiter ein-

zugehen.  

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.  

Da der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren durch die ihm zuge-

wiesene Rechtsvertretung im Sinne von Art. 102f Abs. 1 i.V.m. Art. 102h 

Abs. 3 AsylG vertreten war, deren Leistungen vom Bund nach Massgabe 

von Art. 102k AsylG entschädigt werden, ist keine Parteientschädigung 

auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite)   

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Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird im Sinne der Erwägungen gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 4. Oktober 2022 wird aufgehoben und die Sache im 

Sinne der Erwägungen zur vollständigen Sachverhaltsabklärung und Neu-

beurteilung an das SEM zurückgewiesen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Jeannine Scherrer-Bänziger Stefan Weber 

 

 

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