# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 81eb9615-2ea2-5061-9376-76ce1771d537
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-03-18
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 18.03.2013 IV 2012/35
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2012-35_2013-03-18.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2012/35

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 18.03.2013

Entscheiddatum: 18.03.2013

Entscheid Versicherungsgericht, 18.03.2013
Art. 12 IVG. Psychotherapie bei einem Minderjährigen (posttraumtische 
Belastungsstörung) Eine psychomentale Retardierung (Entwicklungsalter 
fünf Jahre, biologisches Alter 11,5 Jahre) bedeutet nicht ohne weiteres, dass 
eine Eingliederung ins Erwerbsleben zum Vornherein ausgeschlossen ist. Als 
Eingliederung ins Erwerbsleben gilt auch eine Eingliederung in eine Tätigkeit 
in einer geschützten Werkstätte, falls mit dieser Tätigkeit ein nennenswerter 
ökonomischer Mehrwert geschaffen wird (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. März 2013, IV 
2012/35).

Präsident Martin Rutishauser, Versicherungsrichter Joachim Huber, 

Versicherungsrichterin Marie-Theres Rüegg Haltinner; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl

 

Entscheid vom 18. März 2013

in Sachen

Helsana Versicherungen AG, Versicherungsrecht, Postfach, 8081 Zürich,

Beschwerdeführerin,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

Beschwerdegegnerin,

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und

A.___,

Beigeladener,

vertreten durch Amtsvormundschaft Wil, Poststrasse 10, 9500 Wil,

betreffend

medizinische Massnahmen (Psychotherapie für A.___)

 

Sachverhalt:

A.     

A.a   A.___ wurde am 17. August 2000 zum Bezug von IV-Leistungen angemeldet (IV-

act. 1). Gemäss den Angaben von Dr. med. B.___, Kinderarzt FMH, vom 1. September 

2000 litt er an einer Alkoholembryopathie und an einer zerebralen Bewegungsstörung 

(IV-act. 7). Mit einer Verfügung vom 19. September 2000 (IV-act. 9) sprach die IV-Stelle 

gestützt auf Art. 13 IVG Leistungen zur Behandlung der Geburtsgebrechen Nr. 390 

(angeborene cerebrale Lähmungen) und Nr. 493 (Folgen von Embryo- und 

Foetopathien) zu. Dr. med. C.___, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, ersuchte im 

September 2004 um eine Kostengutsprache für eine ergotherapeutische Behandlung 

(IV-act. 73). Er begründete dies mit den multiplen Entwicklungsrückständen des 

Versicherten (IV.act. 74). Die Ergotherapie D.___ beantragte am 1. November 2004 eine 

Sonderschulung (IV-act. 76). Der Schulpsychologe hatte am 1. Juni 2004 angegeben, 

der Versicherte sei schulbildungsfähig (IQ nach Kramer-Test: 67). Die IV-Stelle erteilte 

am 20. Dezember 2004 die Kostengutsprache für eine Ergotherapie (IV-act. 80) und am 

11. März 2005 für eine Sonderschulmassnahme (IV-act. 84). Am 30. August 2005 

wurde um die Übernahme der Kosten einer Hippotherapie ersucht (IV-act. 111). Dr. 

C.___ teilte am 6. September 2005 mit (IV-act. 112), diese Therapie diene der 

Verbesserung der Motorik bei ataktischen Bewegungsstörungen. Auch dies wurde 

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bewilligt (IV-act. 119). In einem Bericht vom 2. Februar 2009 hielt die Ergotherapeutin 

u.a. fest (IV-act. 152), der Versicherte kenne Begriffe wie vorne, hinten, oben, unten, 

rechts und links, er kenne auch viele Buchstaben und Zahlen sicher, er könne bis 20 

abzählen und kleine Mengen bis 10 zusammenzählen. Er habe gute Fortschritte beim 

Lesen und Schreiben gemacht und er arbeite selbständiger und sehr konzentriert.

A.b   Der Beistand des Versicherten stellte am 6. April 2010 ein Gesuch um die 

Übernahme einer Psychotherapie-Traumatherapie (IV-act. 165). Die IV-Stelle erkundigte 

sich am 2. August 2010 bei Dr. med. E.___ vom Ostschweizer Kinderspital, von 

welchem Trauma die Rede sei und welcher Zusammenhang zwischen der 

Traumatherapie und den beiden Geburtsgebrechen bestehe (IV-act. 179). Dr. E.___ 

antwortete am 16. August 2010 (IV-act. 180), im Rahmen der Alkoholembryopathie 

(Geburtsgebrechen Nr. 493) sei es in den ersten Lebensjahren zu einer Vielzahl von 

traumatisierenden Erlebnissen gekommen. Diese Erfahrungen bei einem durch den 

intrauterinen Alkoholeinfluss geschädigten Kind durch eine wiederholt alkoholisierte 

Mutter schienen sich nun in massiven Ängsten zu äussern. Bei Streitigkeiten im 

schulischen Umfeld zeige der Versicherte häufig eine sogenannte Freeze-Reaktion, d.h. 

er erstarre. Dies äussere sich als soziale Kontaktstörung mit emotionaler 

Distanziertheit, was den Versicherten in der Partizipation beeinträchtige. Dies wiederum 

wirke sich sehr einschneidend auf die Beschulung und die Berufsausbildung und damit 

auf die berufliche Eingliederung aus. Die durch diese Traumatisierung bedingte 

massive frühkindliche Verunsicherung bewirke zudem ein geringes Selbstwertgefühl 

und eine Beeinträchtigung bei der Äusserung der eigenen Bedürfnisse. Zusätzlich habe 

die ataktische CP eine Verunsicherung zur Folge. Mit einer gezielten, zeitlich begrenzen 

therapeutischen Intervention könne eine massive Verbesserung der späteren 

beruflichen Integration erreicht werden. Dr. med. F.___ vom RAD hielt dazu am 25. 

August 2010 fest (IV-act. 181), die Traumata seien nicht direkt durch die Embryopathie 

bedingt, denn sie seien nach der Geburt im Rahmen von massiven 

Auseinandersetzungen der Mutter mit dem Lebenspartner aufgetreten. Deshalb 

bestehe aus medizinischer Sicht kein direkter Zusammenhang zwischen der 

Traumatherapie und den Geburtsgebrechen. Mit einer Verfügung vom 15. Oktober 

2010 wies die IV-Stelle das Begehren um eine Kostengutsprache für die 

Psychotherapie ab (IV-act. 186). Sie begründete dies damit, dass die Psychotherapie 

noch nicht während eines Jahres durchgeführt werde, dass eine Eingliederung in der 

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freien Wirtschaft mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nie in Frage kommen werde, so 

dass die Voraussetzungen des Art. 12 IVG nicht erfüllt seien, und dass kein direkter 

Zusammenhang zwischen der Traumatherapie und den Geburtsgebrechen bestehe.

A.c   Am 9. Mai 2011 wurde erneut um die Übernahme der Kosten einer 

Psychotherapie ersucht (IV-act. 195). Dr. med. G.___, Kinder- und Jugendpsychiatrie, 

machte geltend, die Behandlung dauere nun schon mehr als ein Jahr (Behandlungs­

beginn 21. April 2010). Der Versicherte weise eine posttraumatische Belastungsstörung 

auf, die zu einer sozialen Kontaktstörung und zu einer emotionalen Distanziertheit 

führe. Dies beeinträchtige die Beschulung und die Lernfähigkeit. Gemäss dem Bericht 

von Dr. E.___ bestehe ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der posttraumatischen 

Belastungsstörung und dem Geburtsgebrechen Nr. 493. Der Versicherte werde noch 

etwa ein Jahr eine psychotherapeutische Behandlung benötigen, um langfristig 

wesentliche Auswirkungen auf die schulische Karriere und die spätere Berufsbildung zu 

unterbinden. Am 11. Juni 2011 gab Dr. G.___ ergänzend an (IV-act. 197), im bisherigen 

Behandlungsverlauf habe sich eine deutliche Besserung im Autonomieverhalten 

ergeben. Zudem habe der Versicherte im Lernverhalten Fortschritte gemacht. 

Therapieziele seien die Verbesserung des Selbstwertgefühls und eine gute Integration 

im schulischen Umfeld. Dr. med. H.___ vom RAD hielt dazu am 10. November 2011 

fest (IV-act. 204), aus medizinischer Sicht sei tatsächlich davon auszugehen, dass der 

Versicherte ohne eine gezielte psychotherapeutische Unterstützung in der schulischen 

und beruflichen Entwicklung nachhaltig beeinträchtigt wäre. Allerdings bestehe ein 

erheblicher Entwicklungsrückstand (Entwicklungsalter 5 Jahre, biologisches Alter 11,5 

Jahre). Ausserdem weise der Versicherte autistische Verhaltenszüge auf. Aufgrund 

dieser schweren psychomentalen Retardierung könne keine positive Prognose 

hinsichtlich einer späteren erfolgreichen beruflichen Eingliederung in der freien 

Wirtschaft gestellt werden. Mit einem Vorbescheid vom 15. November 2011 (IV-act. 

206) teilte die IV-Stelle mit, dass sie beabsichtige, das Begehren um die Übernahme 

der Kosten einer Psychotherapie abzuweisen. Sie begründete dies damit, dass keine 

positive Diagnose hinsichtlich einer erfolgreichen beruflichen Eingliederung in der freien 

Wirtschaft gestellt werden könne. Dr. med. I.___, Vertrauensarzt der Helsana 

Versicherungen AG, notierte am 25. November 2011 (IV-act. 210-9 f.), die 

Psychotherapie sei medizinisch indiziert, der Zusammenhang mit dem 

Geburtsgebrechen Nr. 493 sei gegeben, bei einem Unterbleiben der Psychotherapie 

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wäre eine erhebliche Beeinträchtigung der Beschulung und der Integration zu erwarten, 

die bisherige Behandlung habe zu einer Besserung im Autonomie- und im 

Lernverhalten geführt, so dass nicht von einer desolaten Prognose gesprochen werden 

könne, und es sei mit einer Verbesserung der Integrationschancen zu rechnen. Die 

Helsana Versicherungen AG machte am 6. Dezember 2011 geltend (IV-act. 210-1 ff.), 

Dr. G.___ habe unter Verweis auf den Bericht von Dr. E.___ eine positive Prognose 

gestellt. Dasselbe gelte für Dr. I.___. Deshalb seien die Leistungsvoraussetzungen 

gemäss Art. 12 IVG erfüllt. Dr. E.___ habe auch den Zusammenhang zwischen der 

Psychotherapie und dem Geburtsgebrechen Nr. 493 bejaht. Die IV-Stelle habe es 

unterlassen zu prüfen, ob die Kosten der Psychotherapie allenfalls gestützt auf Art. 13 

IVG übernommen werden könnten. Mit einer Verfügung vom 16. Januar 2012 wies die 

IV-Stelle das Leistungsgesuch ab (IV-act. 212). Sie wies darauf hin, dass sie den 

Zusammenhang zwischen der Psychotherapiebedürftigkeit und den Geburtsgebrechen 

bereits mit der Verfügung vom 15. Oktober 2010 verneint habe. Der Versicherte werde 

mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht in der freien Wirtschaft eingegliedert 

werden können.

B.       

B.a   Die Helsana Versicherungen AG erhob am 24. Januar 2012 Beschwerde (act. G 1) 

mit dem Antrag, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die Kosten für die 

ambulante Psychotherapie zu übernehmen; eventualiter sei das Verfahren zu weiteren 

Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Begründung entsprach 

den Ausführungen in der Stellungnahme zum Vorbescheid.

B.b   Die Beschwerdegegnerin beantragte am 30. März 2012 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 5). Sie machte geltend, es bestehe kein Leistungsanspruch 

gestützt auf Art. 12 IVG, weil mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen 

sei, dass der - zum Gerichtsverfahren beigeladene - Versicherte nicht in die freie 

Wirtschaft werde eingegliedert werden können. Deshalb werde mit der Psychotherapie 

das Leiden an sich behandelt. Die Traumata seien nicht durch die Embryopathie 

bedingt, sondern durch die späteren Auseinandersetzungen zwischen der Mutter und 

dem Lebenspartner. Demnach komme auch kein Leistungsanspruch gestützt auf Art. 

13 IVG in Frage.

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Erwägungen:

1.      

Gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG haben invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte 

einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet 

sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, 

wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a), und die Voraussetzungen für 

den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Zu den 

Eingliederungsmassnahmen gehören unter anderem die medizinischen Massnahmen 

(Art. 8 Abs. 3 lit. a IVG). Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch 

auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen notwendigen medizinischen 

Massnahmen (Art. 13 Abs. 1 IVG). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche 

diese Massnahmen gewährt werden (Art. 13 Abs. 2 Satz 1 IVG). Die Liste der 

Geburtsgebrechen bildet Gegenstand einer besonderen Verordnung (Art. 3 IVV). Als 

Geburtsgebrechen gelten Gebrechen, die bei vollendeter Geburt bestehen (Art. 1 Abs. 

1 Satz 1 GgV). Gemäss den Angaben von Dr. E.___ (vgl. IV-act. 180) besteht die direkte 

Ursache des Bedarfs nach einer Psychotherapie nicht in einem Geburtsgebrechen, 

sondern in einer Vielzahl traumatisierender Erlebnisse des Beigeladenen in den ersten 

Lebensjahren. Die Folgen dieser Erlebnisse für die psychische Gesundheit sind also 

nicht schon bei der Geburt vorhanden gewesen, was eine Qualifikation als 

Geburtsgebrechen ausschliesst. Trotzdem sind Dr. E.___ und später auch Dr. G.___ 

(vgl. IV-act. 195) davon ausgegangen, dass eine enge Verbindung der psychischen 

Beeinträchtigung (posttraumatische Belastungsstörung) mit den Geburtsgebrechen Nr. 

390 und Nr. 493 bestehe, die es erlaube, die Psychotherapie als Teil der Behandlung 

dieser beiden Geburtsgebrechen zu qualifizieren. Dieser Zusammenhang kann nur 

therapeutischer Natur sein. Die Symptome der durch die traumatisierenden Erlebnisse 

bewirkten posttraumatischen Belastungsstörung erschweren oder beeinträchtigen 

nämlich die Therapie der beiden Geburtsgebrechen. Dieser Umstand kann angesichts 

der diesbezüglich eindeutigen gesetzlichen und verordnungsmässigen Konzeption 

nicht ausreichen, um die Psychotherapie als Behandlung der beiden Geburtsgebrechen 

zu betrachten. Der Umstand allein, dass eine erworbene Krankheit zu einem 

vorbestehenden Geburtsgebrechen hinzutritt und dessen Behandlung bzw. die 

Behandlung des gesamten Krankheitskomplexes erschwert, rechtfertigt es nicht, auch 

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die erworbene Krankheit unter Art. 13 IVG zu subsumieren, um so die Kosten der 

Behandlung beider Krankheiten durch die Invalidenversicherung finanzieren zu können. 

Für eine solche Interpretation bietet die geschilderte Rechtslage keinen Raum. Die 

Beschwerdegegnerin hat somit zu Recht eine Übernahme der Kosten der 

Psychotherapie gestützt auf Art. 13 IVG verweigert.

2.        

2.1    Nach Art. 12 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch 

auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, 

sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den 

Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, 

sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor 

wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren (Abs. 1). Die Einschränkung "bis zum 

vollendeten 20. Altersjahr" wurde bei im Übrigen unverändertem Wortlaut mit der 5. IV-

Revision ab 1. Januar 2008 in Art. 12 Abs. 1 IVG eingefügt. Unter der bis Ende 2007 

gültig gewesenen Fassung von Art. 12 IVG durfte sich die medizinische Massnahme bei 

Erwachsenen nicht auf die Behandlung des Leidens an sich richten. Die 

Rechtsprechung kannte von dieser Regel jedoch eine Ausnahme für nichterwerbstätige 

Personen vor dem vollendeten 20. Altersjahr. Diese galten als invalid, wenn die 

Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit 

voraussichtlich eine ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zur Folge hatte (Art. 5 

Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 2 ATSG). Nach der vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision 

gültigen Rechtsprechung konnten medizinische Vorkehren bei Jugendlichen deshalb 

schon dann überwiegend der beruflichen Eingliederung dienen und trotz des 

einstweilen noch labilen Leidenscharakters von der IV übernommen werden, wenn 

ohne diese Vorkehren eine Heilung mit Defekt oder ein sonstwie stabilisierter Zustand 

einträte, wodurch die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit oder beide 

beeinträchtigt würden (AHI 2003 S. 104 E. 2; EVGE I 484/02 vom 27. Oktober 2003 und 

I 16/03 vom 6. Mai 2003; BGE 105 V 20). Diese Praxis legte aArt. 12 Abs. 1 IVG also in 

Bezug auf unter 20-Jährige gegen den Wortlaut aus. Die Kosten einer Behandlung von 

Versicherten vor dem vollendeten 20. Altersjahr wurden von der Invalidenversicherung 

getragen, wenn das Leiden mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einem schwer 

korrigierbaren, die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit erheblich behindernden 

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oder gar verunmöglichenden stabilen pathologischen Zustand führen konnte. Im 

Rahmen der 5. IV-Revision sollte Art. 12 IVG nach dem Willen des Bundesrats ersatzlos 

gestrichen und sämtliche medizinischen Massnahmen sollten bei der 

Krankenversicherung angesiedelt werden (vgl. Ziff. 1.6.3.2 der Botschaft des 

Bundesrats vom 22. Juni 2005 zur Änderung des IVG, BBl 2005 4459, 4540 ff.). Das 

Parlament folgte diesem Vorschlag nicht und sprach sich dafür aus, dass die 

Invalidenversicherung weiterhin bis zum 20. Altersjahr der versicherten Person im 

Rahmen der beruflichen Eingliederung für die medizinischen Massnahmen aufkommen 

müsse. Die Praxis, wonach bei Kindern und Jugendlichen selbst bei labilem 

Leidenscharakter bzw. Behandlung des Leidens an sich medizinische Massnahmen 

übernommen wurden, wenn ohne diese eine Heilung mit Defekt oder ein sonstwie 

stabilisierter Zustand einträte, sollte beibehalten werden (vgl. Ulrich Meyer, 

Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2010, S. 133 

f.; vgl. auch Annina Baltisser, Der Anspruch auf medizinische Massnahmen nach Art. 

12 IVG, in: Ueli Kieser/Miriam Lendfers [Hrsg.], Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 

[JaSo] 2013, S. 111 ff.). Der seit 1. Januar 2008 in Kraft stehende Art. 12 Abs. 1 IVG ist 

daher nicht seinem Wortlaut getreu anzuwenden. Der dort festgeschriebene Grundsatz, 

dass die medizinische Massnahme nicht auf die Behandlung des Leidens an sich 

gerichtet sein darf, wie dies vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision praxisgemäss 

ausschliesslich bei über 20-Jährigen der Fall war, kann folglich nicht auf unter 20-

Jährige übertragen werden (vgl. auch die Entscheide IV 2011/62 vom 24. August 2011 

und IV 2009/443+457 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 

13. August 2010, E. 3; letzterer bestätigt durch den Bundesgerichtsentscheid 

9C_809/2010 vom 23. Dezember 2010). Im vorliegenden Fall besteht somit ein 

Anspruch auf eine Übernahme der Kosten der Psychotherapie, wenn das Leiden mit 

hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einem schwer korrigierbaren, die spätere 

Ausbildung und Erwerbsfähigkeit erheblich behindernden oder gar verunmöglichenden 

stabilen pathologischen Zustand führen wird.

2.2    Dr. G.___ hat angegeben (vgl. IV-act. 195), bei einem Unterbleiben der 

psychotherapeutischen Behandlung wäre die Lernfähigkeit des Beigeladenen so stark 

beeinträchtigt, dass die schulische Karriere und die spätere Berufsausbildung in 

erheblichem Ausmass gefährdet wären. Die seit mehr als einem Jahr durchgeführte 

Psychotherapie habe Fortschritte im Lernverhalten bewirkt (IV-act. 197). Dr. H.___ vom 

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RAD hingegen hat aus dem erheblichen Entwicklungsrückstand des Beigeladenen den 

Schluss gezogen (vgl. IV-act. 204), dass keine positive Prognose hinsichtlich einer 

späteren erfolgreichen beruflichen Eingliederung in der freien Wirtschaft gestellt werden 

könne. Offensichtlich ist er also davon ausgegangen, dass die Psychotherapie zwar 

durchaus erfolgversprechend sei und die Lernfähigkeit des Beigeladenen verbessern 

könne, dass dies aber irrelevant sei, weil die beiden Geburtsgebrechen eine berufliche 

Ausbildung zum Vornherein ausschlössen, der Beigeladene also nie, auch nicht bei 

einer vollumfänglich erfolgreichen Psychotherapie, in der freien Wirtschaft werde 

eingegliedert werden können. Diese Prognose von Dr. H.___ beruht auf einer 

Auslegung des Art. 12 Abs. 1 IVG, die unter den dort verwendeten Begriff des 

Erwerbslebens nur eine Eingliederung in der freien Wirtschaft subsumieren will. Das ist 

eine zu enge Auslegung des Begriffs des Erwerbslebens, denn allein schon aus 

Gründen der Gleichbehandlung muss damit auch die Beschäftigung in einer 

geschützten Werkstätte gemeint sein (falls es sich dabei nicht um eine reine 

Beschäftigungstherapie handelt, bei der kein ökonomischer Mehrwert geschaffen wird). 

Wäre trotz der durch die beiden Geburtsgebrechen bewirkten schweren 

psychomentalen Retardierung eine ökonomisch sinnvolle Verwertung der 

Arbeitsfähigkeit in einer geschützten Werkstätte möglich, wenn die posttraumatische 

Belastungsstörung adäquat behandelt würde, so läge also eine erfolgreiche 

Eingliederung des Beigeladenen ins Erwerbsleben vor. Von der Retardierung allein 

kann nicht auf eine definitive Unfähigkeit zur Eingliederung ins Erwerbsleben (im 

obgenannten weiten Sinn) geschlossen werden, denn Art. 12 Abs. 1 IVG erfordert 

keinen Eingliederungserfolg bereits in dem Alter, in dem gesunde junge Menschen ins 

Erwerbsleben treten. Dr. H.___ scheint davon ausgegangen zu sein, dass der 

Beigeladene auch nicht mit Verzögerung ins Erwerbsleben werde eintreten können, 

weil ihm das entsprechende Entwicklungspotential völlig fehle. Wenn diese Prognose 

von Dr. H.___ zur weiteren Entwicklung des Beigeladenen plausibel wäre, müsste 

davon ausgegangen werden, dass dieser aufgrund der beiden Geburtsgebrechen 

tatsächlich keine Aussicht darauf hätte, je ins Erwerbsleben eintreten zu könne, selbst 

wenn es sich dabei "nur" um eine Erwerbstätigkeit in einer geschützten Werkstätte 

handeln würde. Da die behandelnden Ärzte und die übrigen den Beigeladenen 

betreuenden Personen aber immer von einem entsprechenden Entwicklungspotential 

ausgegangen sind, kann die Prognose von Dr. H.___ nicht als ausreichend 

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wahrscheinlich qualifiziert werden. Es kann also nicht angenommen werden, dass der 

Beigeladene mit ausreichender Wahrscheinlichkeit auch bei einer erfolgreichen 

psychotherapeutischen Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung nicht 

fähig sei, sich ins Erwerbsleben einzugliedern. Allerdings lassen auch die Angaben der 

behandelnden Ärzte nicht mit ausreichender Wahrscheinlichkeit vermuten, dass bei 

einer erfolgreichen Therapie der posttraumatischen Belastungsstörung von einer guten 

Chance auf eine erfolgreiche Eingliederung ins Erwerbsleben auszugehen sei. 

Demnach hat die Beschwerdegegnerin es in Verletzung ihrer Untersuchungspflicht 

unterlassen, die Aussichten auf eine erfolgreiche Eingliederung ins Erwerbsleben zu 

klären. Dazu wäre es erforderlich gewesen, den behandelnden Ärzten die Möglichkeit 

zu geben, sich zur Überzeugungskraft der Prognose von Dr. H.___ zu äussern und 

anschliessend selbst eine Prognose abzugeben. Da sich der Sachverhalt also in Bezug 

auf die Leistungsvoraussetzungen gemäss Art. 12 Abs. 1 IVG als unzureichend 

abgeklärt erweist, ist die Sache zur Vervollständigung der Sachverhaltskenntnis an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sollte der Einbezug der behandelnden Ärzte in 

die Prognosestellung betreffend die Eingliederung ins Erwerbsleben nicht zur Klärung 

des Sachverhalts führen, wird die Beschwerdegegnerin eine Begutachtung ins Auge 

fassen müssen.

3.      

Da die angefochtene Verfügung in Verletzung der Untersuchungspflicht ergangen ist, 

muss sie aufgehoben werden. Die Sache ist zur weiteren Abklärung und zur 

anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dieser 

Verfahrensausgang ist im Hinblick auf die Verfahrenskosten als vollumfängliches 

Obsiegen der Beschwerdeführerin zu werten. Die Gerichtskosten sind deshalb von der 

Beschwerdegegnerin zu tragen. Der Beurteilungsaufwand erweist sich als 

durchschnittlich, weshalb die Gerichtsgebühr praxisgemäss auf Fr. 600.-- festzusetzen 

ist. Der Kostenvorschuss von ebenfalls Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin 

zurückzuerstatten.

 

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.       Die Beschwerde wird dahingehend gutgeheissen, dass die Verfügung vom 16. 

Januar 2012 aufgehoben und die Sache zur weiteren Abklärung und zur 

anschliessenden neuen Verfügung im Sinn der Erwägungen an die 

Beschwerdegegnerin

zurückgewiesen wird.

2.       Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen; der 

in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss wird der Beschwerdeführerin 

zurückerstattet.

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