# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ed4eb807-ba31-58b6-b9f2-3549a6fb9b99
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-12-16
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 16.12.2022 SST.2022.134
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2022-134_2022-12-16.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 1. Kammer 

 

SST.2022.134 
(ST.2021.69; StA.2018.1764) 

 

 

Urteil vom 16. Dezember 2022 
 
 

Besetzung  Oberrichter Six, Präsident  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Vasvary 

Gerichtsschreiberin Wanner 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm, 

Untere Grabenstrasse 32, Postfach, 4800 Zofingen  

 

 
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1997, von Speicher, 

[…] 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Stefan Meichssner,  

[…] 

 

  

 
 

Gegenstand  Sexuelle Handlungen mit Kindern, Pornografie, Nötigung 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm erhob am 29. Juni 2021 Anklage 

gegen den Beschuldigten wegen mehrfacher (teilweise versuchter) 

sexueller Handlungen mit Kindern, Nötigung sowie mehrfacher Porno-

grafie. 

 

Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, dass er im 

Zeitraum zwischen 2. Februar 2015 bis 12. Oktober 2018 von seinem 

damaligen Wohnort aus (Adresse) auf verschiedenen sozialen Netzwerken 

– darunter Instagram, Snapchat, Facebook, MeetMe etc. – unter falschem 

Namen («B.») und unter Verwendung des Fotos eines ihm persönlich 

unbekannten, gutaussehenden Jungen aus Q., mit diversen Mädchen 

gechattet und diese jeweils dazu aufgefordert habe, ihm Nacktfotos/Videos 

resp. Fotos/Videos ihrer Brüste oder Genitalien zuzuschicken. In der Folge 

habe der Beschuldigte jeweils Printscreens/Screen-Aufnahmen der 

Konversationen sowie der erhaltenen Bilder gemacht, um diese auf seinem 

Mobiltelefon zu speichern. Insgesamt habe der Beschuldige so 680 

Mädchen angeschrieben. Insgesamt konnten 43 Bilder von Konversationen 

mit Mädchen sowie 553 Bildschirmaufnahmen in Form von Videos 

festgestellt werden (Anklageziffer 1). 

 

Weiter habe er zahlreiche auch eindeutig minderjährige Mädchen aufge-

fordert, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen, sich auszuziehen oder 

in anzüglichen Posen vor der Kamera sich selbst und ihren Intimbereich zu 

präsentieren, wobei er den Mädchen gedroht habe, die Bilder in irgendeiner 

Form zu veröffentlichen, sollte er nicht die von ihm geforderten Bilder resp. 

Videos erhalten (Anklageziffer 2). 

 

In zwei weiteren Fällen habe der Beschuldigte zwei Mädchen damit 

gedroht, die bereits erhaltenen Bilder zu veröffentlichen, woraufhin diese – 

nach erster Weigerung – ihm letztlich weitere Nacktbilder von sich zuge-

sendet haben sollen (Anklageziffer 3). 

 

Schliesslich habe der Beschuldigte an seinem damaligen Wohnort mit 

seinem Mobiltelefon Samsung Galaxy S8 insgesamt 7 Bilder mit 

kinderpornografischem Inhalt sowie eine Datei mit tierpornografischem 

Inhalt im Internet heruntergeladen und abgespeichert (Anklageziffer 4). 

  

 - 3 - 

 

 

2. 

Das Bezirksgericht Zofingen erkannte mit Urteil vom 17. März 2022: 

 

1. 
Der Beschuldigte wird freigesprochen von der Anklage  
- der mehrfachen - teilweise versuchten - sexuellen Handlungen mit einem Kind 

gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB teilweise i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB betreffend 
Anklageziffern 1. und 2.; 

- der mehrfachen harten Pornografie (tatsächliche sexuelle Handlungen mit 
Minderjährigen und der Tierpornografie) gemäss Art. 197 Abs. 4 und 5 StGB 
betreffend Anklageziffern 1., 2., 3. und 4.; 

- der mehrfachen Nötigung gemäss Art. 181 StGB betreffend Anklageziffern 2. und 3. 
 
2. 
Der Beschuldigte ist schuldig  
- der mehrfachen versuchten sexuellen Handlungen mit einem Kind gemäss Art. 187 

Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB betreffend Anklageziffer 3. 
 
3. 
3.1. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziffer 2 erwähnten Bestimmungen und gestützt 
auf Art. 34 StGB und Art. 47 StGB zu 120 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt. Der Tagessatz 
wird auf Fr. 100.00 festgesetzt. Die Geldstrafe beläuft sich auf Fr. 12'000.00. 
 
3.2. 
Dem Beschuldigten wird gestützt auf Art. 42 StGB für die Geldstrafe der bedingte 
Strafvollzug gewährt. Die Probezeit wird gestützt auf Art. 44 Abs. 1 StGB auf 2 Jahre 
festgesetzt. 
 
4. 
Der Beschuldigte wird in Anwendung der in Ziff. 2 erwähnten Bestimmung und gestützt auf 
Art. 42 Abs. 4 StGB und Art. 106 StGB zu einer Busse von Fr. 1'500.00 verurteilt. 
 
Wird die Busse schuldhaft nicht bezahlt, so wird eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen 
vollzogen. 
 
5. 
Es wird von einem Tätigkeitsverbot gemäss Art. 67 Abs. 3 StGB abgesehen. 
 
6. 
6.1. 
Sofern der Beschuldigte dies innert 30 Tagen seit Rechtskraft des vorliegenden Urteils 
beantragt und er die Kosten für die dauerhafte Löschung der verbotenen pornografischen 
Daten bezahlt, sind ihm folgende Gegenstände herauszugeben: 
- Samsung Galaxy S8, schwarz, mit Hülle 
- Samsung, weiss, mit Hülle grün 
- Samsung, weiss, ohne Hülle 
 
Bei unbenutztem Ablauf dieser Frist werden die Gegenstände eingezogen. Mit dem Vollzug 
wird die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm beauftragt. Sie trifft die sachgemässen 
Verfügungen. 
 
6.2. 
Der Datenträger mit Handyauswertungen bleibt als Bestandteil der Akten bei den Akten 
der Voruntersuchung. 
 

 - 4 - 

 

 

7. 
Die Anklagegebühr wird auf Fr. 2'000.00 festgesetzt. Die Anklagegebühr wird dem 
Beschuldigten zu einem Anteil von einem Viertel, somit der Betrag von Fr. 500.00 auferlegt. 
 
8. 
Die Verfahrenskosten bestehen aus: 
 

a) der Gerichtsgebühr von Fr. 2'500.00 

b) den Kosten für die amtliche Verteidigung von Fr.  9'146.20 

c) den verrechenbaren Polizeikostenrapporten  

 (IT-Forensik) von  Fr.  459.00 

d) Beweisführungskosten Fr.  43.55 

e)  den Spesen von Fr.  30.00 

Total  Fr.  12'178.75 

 
Dem Beschuldigten werden die Gebühr sowie die weiteren Kosten gemäss lit. c-e zu einem 
Viertel, somit der Betrag von Fr. 758.15 auferlegt. Der Restbetrag geht zu Lasten der 
Staatskasse. 
 
8.1. 
Die Kosten der amtlichen Verteidigung gemäss lit. b von total Fr. 9'146.20 (inkl. MwSt. 
Fr. 653.90) werden einstweilen von der Gerichtskasse bezahlt. Der Beschuldigte ist 
verpflichtet, dem Kanton Aargau die Kosten für die amtliche Verteidigung im Umfang von 
einem Viertel (d.h. Fr. 2'286.55) zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen 
Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

3. 

3.1. 

Mit Berufungserklärung vom 27. Juni 2022 beantragte die Staats-

anwaltschaft zusätzliche Schuldsprüche wegen mehrfacher, teilweise 

versuchter sexueller Handlungen mit einem Kind, mehrfacher Pornografie 

und mehrfacher Nötigung. Der Beschuldigte sei mit einer teilbedingten 

Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wovon 24 Monate bei einer Probezeit von 

2 Jahren bedingt aufzuschieben seien, zu verurteilen.  

 

3.2. 

Die Staatsanwaltschaft reichte am 21. Juli 2022 vorgängig zur 

Berufungsverhandlung eine schriftliche Berufungsbegründung ein. 

 

3.3. 

Mit vorgängiger Berufungsantwort vom 8. August 2022 beantragte der 

Beschuldigte die Abweisung der Berufung. 

 

4. 

Die Berufungsverhandlung fand am 6. Dezember 2022 statt. 

  

 - 5 - 

 

 

   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Vorinstanz hat den Beschuldigten von den Vorwürfen der mehrfachen 

(teilweise versuchten) sexuellen Handlungen mit einem Kind (betreffend 

Anklageziffer 1 und 2), der mehrfachen harten Pornografie (betreffend 

Anklageziffer 1 bis 4) sowie der mehrfachen Nötigung (betreffend Anklage-

ziffer 2 und 3) freigesprochen. In Bezug auf Anklageziffer 3 hat es den 

Beschuldigten wegen mehrfacher versuchter sexueller Handlungen mit 

einem Kind schuldig gesprochen. 

 

Die Berufung der Staatsanwaltschaft richtet sich gegen die vorinstanzlichen 

Freisprüche. In den übrigen Punkten wurde das vorinstanzliche Urteil nicht 

angefochten. Auch wurde keine Anschlussberufung erhoben. Eine 

Überprüfung der unangefochten gebliebenen Punkte, insbesondere auch 

hinsichtlich des Schuldspruchs wegen mehrfacher versuchter sexueller 

Handlungen mit einem Kind betreffend Anklageziffer 3, dem Absehen von 

einem Tätigkeitsverbot und der Regelung betr. Herausgabe der beschlag-

nahmten Gegenstände, findet somit, da keine Ausnahme gemäss Art. 404 

Abs. 2 StPO vorliegt (vgl. BGE 144 IV 383) – nicht statt (Art. 404 Abs. 1 

StPO). 

 

2. 

2.1. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und unbestritten geblieben, dass die 

Bundeskriminalpolizei gestützt auf zwei CyberTipline Reports der NCMEC 

die Meldung erhalten hatte, dass jemand unter dem MeetMe-Nutzernamen 

«B.» der Nötigung und des Besitzes von Pornografie verdächtigt werde. 

Die erhobene IP-Adresse konnte dem Anschlussinhaber C., dem Stiefvater 

des Beschuldigten, zugeordnet werden (UA act. 110 ff.). In der Folge stellte 

die Staatsanwaltschaft am 22. Mai 2018 einen Durchsuchungs- und 

Beschlagnahmebefehl (UA act. 015) sowie einen Ermittlungsauftrag 

(UA act. 098) aus, um die Identität hinter dem Pseudonym «B.» 

festzustellen. Der Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl wurde auf 

C. als Inhaber des Anschlusses mit der ermittelten IP-Adresse ausgestellt 

(UA act. 007). Die Hausdurchsuchung fand am 14. Oktober 2018 statt. Der 

Beschuldigte hat sich anlässlich dieser vor Ort mit der Auswertung der 

Geräte einverstanden erklärt und die Zugangscodes der Mobiltelefone 

bekannt gegeben. Im Übrigen wurden von Seiten des Beschuldigten nie 

Gründe für eine Siegelung vorgebracht und es sind auch keine erkennbar. 

Im Anschluss an die Hausdurchsuchung fand eine erste Einvernahme statt, 

anlässlich welcher er umfassend über seine Rechte aufgeklärt worden ist 

(UA act. 168 ff.). Die Staatsanwaltschaft forderte den Beschuldigten mit 

Schreiben vom 14. Oktober 2019 auf, einen Wahlverteidiger zu bestimmen, 

ansonsten ihm ein notwendiger amtlicher Verteidiger bestellt werden würde 

(UA act. 196). Mit Verfügung der Oberstaatsanwaltschaft vom 25. Oktober 

 - 6 - 

 

 

2019 wurde Rechtsanwalt Meichssner als amtlicher Verteidiger des 

Beschuldigten mit Wirkung ab 23. Oktober 2019 eingesetzt (UA act. 202). 

 

Umstritten ist, ob die Hausdurchsuchung vom 14. Oktober 2018 

rechtmässig erfolgt ist. Weiter ist umstritten, ob die Mutter und der 

Stiefvater des Beschuldigten sowie der Beschuldigte selber über ihre 

Rechte (insbesondere das Aussageverweigerungsrecht) aufgeklärt worden 

sind, weshalb die anlässlich der Hausdurchsuchung sichergestellten Mobil-

telefone und die Einvernahmen des Beschuldigten, soweit sie sich auf die 

Ergebnisse der Auswertung der Mobiltelefone beziehen, unverwertbar 

wären. Zudem ist umstritten, ob dem Beschuldigten bereits anlässlich der 

Einvernahme vom 21. April 2019 eine notwendige Verteidigung hätte 

bestellt werden müssen (vgl. Berufungsbegründung S. 2 ff.; Berufungs-

antwort S. 4 ff.). 

 

2.2. 

Entgegen der Vorinstanz waren die Voraussetzungen für eine 

Hausdurchsuchung nach Art. 244 f. StPO i.V.m. Art. 241 StPO vorliegend 

erfüllt. C. als Anschlussinhaber der erhobenen IP-Adresse und 

Hausberechtigter, der den Eingriff in sein Hausrecht zu erdulden hat, wurde 

im Durchsuchungs- und Beschlagnahmebefehl als «Beschuldigter» bzw. 

als Adressat aufgeführt und die zu durchsuchenden Räumlichkeiten und 

Aufzeichnungen sowie der Zweck der Massnahme, nämlich Hinweise auf 

Kinderpornografie sicherzustellen, wurden schriftlich festgehalten. Die 

Hausdurchsuchung vom 14. Oktober 2018 sowie der Hausdurchsuchungs-

befehl, lautend auf den Inhaber der zu durchsuchenden Räume, erfolgten 

rechtmässig. 

 

Auch die Aussagen des bei der Hausdurchsuchung anwesenden 

Beschuldigten (insbesondere zu den Zugangscodes der Mobiltelefone) 

sowie die entsprechenden Fragen und Antworten bei den Einvernahmen 

des Beschuldigten, welche sich auf die Ergebnisse der Auswertung der 

Mobiltelefone beziehen, sind verwertbar. Gemäss bundesgerichtlicher 

Rechtsprechung haben anwesende Inhaber der zu durchsuchenden 

Räume der Hausdurchsuchung beizuwohnen (vgl. auch Art. 245 Abs. 2 

Satz 1 StPO). Dies dient unter anderem der Erleichterung der Hausdurch-

suchung und erlaubt es den diese durchführenden Polizeibeamten 

insbesondere, dem Inhaber Fragen zu stellen etwa dazu, welche Räume 

er bewohnt und was sich in einem Behältnis befindet. Bei derartigen 

Fragen, welche die Hausdurchsuchung erleichtern sollen und sich auch an 

andere anwesende Personen richten können, handelt es sich um keine 

Einvernahme, weshalb Art. 157 f. StPO nicht anwendbar sind. Es war 

demnach nicht die Pflicht der Polizeibeamten, den Beschuldigten, seine 

Mutter oder seinen Stiefvater nach Art. 158 Abs. 1 lit. b StPO darauf 

hinzuweisen, dass sie die Aussage und die Mitwirkung verweigern können. 

Ein Beweisverwertungsverbot kann daher nach der dargelegten 

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Rechtsprechung im vorliegenden Verfahren nicht angenommen werden, 

weil die Polizeibeamten den Beschuldigten vor der Herausgabe der 

Zugangscodes nicht darüber aufgeklärt haben, dass er die Aussage und 

Mitwirkung verweigern kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1B_535/2021 

vom 19. Mai 2022 E. 2.3). Im Übrigen ist auch nicht offensichtlich, dass sich 

die Polizeibeamten bei der Erfragung der Zugangscodes zu den 

Mobiltelefonen des Beschuldigten unzulässiger Methoden nach Art. 140 

StPO i.V.m. Art. 141 StPO bedient hätten. Auch insoweit kann daher kein 

Beweisverwertungsverbot angenommen werden. Die Berufung der Staats-

anwaltschaft erweist sich in diesen Punkten als begründet. Die Mobil-

telefone und die ausgewerteten Daten sowie die entsprechenden Fragen 

und Antworten bei den Einvernahmen des Beschuldigten, welche sich auf 

die Ergebnisse der Auswertung der Mobiltelefone beziehen, sind verwert-

bar. 

 

Was die Bestellung eines notwendigen Verteidigers anbelangt, so ist mit 

der Vorinstanz festzuhalten, dass die Einvernahme vom 21. April 2019 

ohne Verteidiger stattgefunden hat, obwohl ein solcher notwendig war. 

Anlässlich der fraglichen Einvernahme wurde dem Beschuldigten 

vorgehalten, dass auf seinen Mobiltelefonen umfangreiches kinder-

pornografisches Material gefunden worden sei, nämlich über 100'000 

Bilder von Mädchen, die geschätzt zwischen 12 und 16 Jahren alt sein 

sollen (UA act. 175 ff.). Der Besitz von kinderpornografischen Bildern wird 

nach Art. 197 Abs. 4 StGB mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder 

Geldstrafe bestraft. Selbst wenn die Dateien zum damaligen Zeitpunkt noch 

nicht detailliert ausgewertet worden sind, konnte aufgrund der schieren 

Menge der vorhandenen Daten von einem nicht mehr leichten Fall 

ausgegangen werden und eine Strafandrohung von mehr als einem Jahr 

Freiheitsstrafe war realistisch. Der Beschuldigte hat nicht auf eine Wieder-

holung der Einvernahme verzichtet. Demnach ist diese Beweiserhebung 

nicht gültig und auf die Aussagen des Beschuldigten kann nicht zu seinen 

Ungunsten abgestellt werden. Die Berufung der Staatsanwaltschaft erweist 

sich in diesem Punkt als unbegründet. Grundsätzlich ist jedoch festzu-

halten, dass die gestützt auf Art. 131 Abs. 3 StPO einer Beweisverwer-

tungseinschränkung unterliegende (und vom Obergericht noch aus den 

Akten zu entfernenden) Einvernahme vom 21. April 2019 (UA act. 175 ff.) 

keinen Einfluss auf die in den nachfolgenden Einvernahmen gemachten 

Aussagen des Beschuldigten, durchgeführt in Anwesenheit seines Vertei-

digers, hatte. 

 

2.3. 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Mobiltelefone und die 

ausgewerteten Daten sowie die entsprechenden Fragen und Antworten bei 

den Einvernahmen des Beschuldigten – mit Ausnahme der ungültigen und 

nicht verwertbaren Befragung des Beschuldigten vom 21. April 2019 – 

verwertbar sind. 

 - 8 - 

 

 

 

3. 

3.1. 

Gemäss Anklageschrift vom 29. Juni 2021 wird dem Beschuldigten 

vorgeworfen, im Zeitraum vom 2. Februar 2015 bis 12. Oktober 2018, also 

während mehr als 3 ½ Jahren, auf verschiedenen sozialen Netzwerken mit 

über 680 minderjährigen Mädchen gechattet und diese jeweils dazu 

aufgefordert zu haben, ihm Nacktfotos und Videos zu schicken. Zum Teil 

habe der Beschuldigte die Mädchen dazu aufgefordert, sexuelle Han-

dlungen an sich vorzunehmen und dies zu filmen. Wenn sich die Mädchen 

geweigert hätten, seinen Wünschen nachzukommen, habe der  

Beschuldigte sie unter Druck gesetzt, indem er ihnen angedroht habe, die 

bereits erhaltenen Bilder zu veröffentlichen. Die so erhaltenen Fotos und 

Videos habe er auf seinen Handys abgespeichert. Weiter seien auf einem 

Handy des Beschuldigten 7 Bilder mit kinderpornografischem Inhalt sowie 

ein Video mit Tierpornografie sichergestellt worden. Auf den Mobiltelefonen 

des Beschuldigten seien 43 Bilder von Konversationen mit Mädchen und 

553 Bildschirmaufnahmen in Form von Videos sichergestellt worden. 

 

3.2. 

Die Anklageschrift bezeichnet unter anderem möglichst kurz, aber genau, 

die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von 

Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung (Art. 325 Abs. 1 lit. f 

StPO). Nach dem Anklagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den 

Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion; Art. 9 und 

Art. 325 StPO; Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 und 3 lit. 

a und b EMRK). Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last 

gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die 

Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. 

Zugleich bezweckt das Anklageprinzip den Schutz der Verteidigungsrechte 

der beschuldigten Person und garantiert den Anspruch auf rechtliches 

Gehör. Unter dem Gesichtspunkt der Informationsfunktion ist massgebend, 

dass die beschuldigte Person genau weiss, was ihr angelastet wird, damit 

sie ihre Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann (BGE 143 IV 63; 

Urteile des Bundesgerichts 6B_798/2021 vom 2. August 2022 E. 1.1 und 

6B_549/2021 vom 18. Mai 2022 E. 2.4.2; je mit weiteren Hinweisen). 

 

Entgegen der Bestimmung von Art. 325 Abs. 1 lit. e StPO bezeichnet die 

Anklageschrift die mutmasslich geschädigten Personen nicht bzw. nur in 

nicht identifizierbarer Art und Weise. In der Anklageschrift finden sich nur 

Namen in Anführungszeichen, z.T. unter Angabe der verwendeten 

Emoticons (z.B. pinke Herzen). Gemäss Anklageschrift ist keines der über 

680 mutmasslichen Opfer von der Untersuchungsbehörde je identifiziert 

worden, weshalb unklar ist, ob es sich bei den beim Beschuldigten 

sichergestellten Fotos und Videoaufnahmen tatsächlich um die Personen 

handelt, mit denen der Beschuldigte in Kontakt gestanden hat oder es sich 

 - 9 - 

 

 

beispielsweise um vorgespielte Identitäten handelt, die sich – wie der 

Beschuldigte dies getan hat – Bildmaterial anderer Personen bedient 

haben. Auch ist nicht auszuschliessen, dass sich hinter gewissen 

Identitäten gar keine real existierenden Personen, sondern blosse 

Kommunikationsprogramme befunden haben. Weder der richtige Name 

noch das genaue Alter der mutmasslichen Opfer wurde von der 

Untersuchungsbehörde trotz vorhandenen IP-Adressen in Erfahrung 

gebracht. Aus den Account-Namen der Mädchen allein lässt sich weder 

überprüfen noch erstellen, wie der richtige Name der mutmasslich 

betroffenen Mädchen lautet, wo diese wohnen und wie alt diese tatsächlich 

waren. Auch ist keines der mutmasslichen Opfer jemals im Verfahren in 

Erscheinung getreten. 

 

Sodann hat die Untersuchungsbehörde es betreffend die Vorwürfe der 

mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind (betreffend 

Anklageziffern 1 und 2) unterlassen, zu konkretisieren, bei welchen Bildern 

/ Videos von welchem Mädchen es zu einem Verleiten zu einer sexuellen 

Handlung oder zu einem Einbeziehen in eine solche gekommen sein soll 

und welche sexuellen Handlungen bei welchem Mädchen genau 

stattgefunden haben sollen. Auch bezüglich des Vorwurfs der mehrfachen 

sexuellen Nötigung (betreffend Anklageziffern 2 und 3) bleibt gemäss 

Anklageschrift unklar, inwiefern bei welchem Mädchen psychischer Druck 

angewendet wurde, zumal die Einwirkung erheblich sein und eine der 

Gewaltanwendung oder Bedrohung vergleichbare Intensität erreichen 

muss (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_83/2020 vom 18. Juni 2020 E. 3.3 

mit Hinweisen). Die Einschränkung in der freien Willensbildung bei den 

mutmasslichen Opfern sowie deren mentale Stärke kann gar nicht 

überprüft werden, zumal eine diesbezügliche Befragung der mutmass-

lichen Opfer mangels Feststellung deren Identität unmöglich ist. Es kann 

unter diesen Umständen nicht die Aufgabe des Gerichts sein, die Akten 

und insbesondere auch den Datenträger «Toshiba» nach wesentlichen 

Sachverhaltselementen zu durchforsten sowie Belege und Zusammen-

hänge zusammenzusuchen. Dem Obergericht ist es denn auch untersagt, 

die Rolle der Anklage zu übernehmen (vgl. BGE 148 IV 124 E. 2.6.7). 

 

Nach dem Gesagten erweist sich die Anklageschrift vom 29. Juni 2021 als 

Grundlage für eine Verurteilung hinsichtlich der im Berufungsverfahren 

noch strittigen Vorwürfe der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem 

Kind unter 16 Jahren (Art. 187 Ziff. 1 StGB) hinsichtlich die Anklageziffern 

1 und 2 sowie der mehrfachen sexuellen Nötigung (Art. 189 Abs. 1 StGB) 

hinsichtlich die Anklageziffern 2 und 3 als untauglich. Die Berufung der 

Staatsanwaltschaft ist in diesem Punkt unbegründet und ist abzuweisen. 

Der Beschuldigte ist diesbezüglich mit der Vorinstanz freizusprechen. 

 

Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die Unterlassung 

der Staatsanwaltschaft, den wahren Identitäten der gemäss Anklageschrift 

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mutmasslich geschädigten Personen hinsichtlich der Vorwürfe der 

mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind und der mehrfachen 

sexuellen Nötigung nachzugehen und in der Anklageschrift alle 

tatsächlichen Feststellungen darzulegen, aus denen sich genügend 

konkret die dem Beschuldigten vorgeworfenen Handlungen zu wessen 

Nachteil ergeben könnten, nicht zur Verpflichtung des Berufungsgerichts 

führen kann, der Staatsanwaltschaft Gelegenheit zur Anklageergänzung 

oder Anklageänderung zu geben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

6B_171/2022 vom 29. November 2022 E. 3.5, zur Publikation vorgesehen). 

 

3.3. 

3.3.1. 

Zu prüfen bleibt eine Verurteilung wegen mehrfacher Pornografie gemäss 

Art. 197 Abs. 4 und 5 StGB. 

 

Nach Art. 197 Abs. 4 StGB macht sich strafbar, wer Gegenstände oder 

Vorführungen im Sinne von Abs. 1 der Bestimmung, die tatsächliche 

sexuelle Handlungen mit Minderjährigen zum Inhalt haben, herstellt. Als 

Gegenstände im Sinne von Art. 197 Abs. 1 StGB gelten insbesondere 

pornografische Schriften, Ton- oder Bildaufnahmen und Abbildungen. Der 

Begriff «tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen» betrifft 

sexuelle Handlungen unter Einbezug von realen minderjährigen Personen. 

Als Pornografie bezeichnet werden Darstellungen und Darbietungen 

sexuellen Inhalts, die sexuelles Verhalten aus seinen menschlichen 

Bezügen heraustrennen und dadurch vergröbern und aufdringlich wirken 

lassen. Im Vordergrund stehen auf den Genitalbereich konzentrierende 

Darstellungen sexuellen Inhalts wie Geschlechtsverkehr, Oral- und 

Analverkehr oder Selbstbefriedigung (Urteil des Bundesgerichts 

1B_189/2018 vom 2. Mai 2018 E. 3.2 mit Hinweisen).  

 

Gemäss Art. 197 Abs. 5 StGB ist strafbar, wer pornografische Bildauf-

nahmen und Abbildungen, die sexuelle Handlungen mit Tieren oder 

tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen zum Inhalt haben, 

konsumiert, zum eigenen Konsum herstellt sowie sich über elektronische 

Mittel beschafft oder besitzt. Abs. 5 privilegiert Tathandlungen, die 

ausschliesslich dem Eigenkonsum des Täters dienen. Nach der Recht-

sprechung des Bundesgerichts ist auch die elektronische Speicherung 

einer Bild- oder Videodatei auf die Festplatte eines Computers oder einen 

anderen Datenträger eine Herstellungshandlung, ebenso das Abspeichern 

von Daten durch Herunterladen («Downloading») vom Internet oder von 

einem Datenträger auf einen andern (BGE 131 IV 16 E. 1.4 f.). 

 

3.3.2. 

Betreffend die Anklageziffer 1 wurde dem Beschuldigte vom Profil «K.» via 

Snapchat ein Bild des Intimbereichs eines Mädchens in Nahaufnahme 

zugesendet (siehe Datenträger Toshiba Ordner: Zugeordnete Chats – 

 - 11 - 

 

 

Mädchen, K. – 13yo). Die Nacktaufnahme ist objektiv betrachtet darauf 

angelegt, den Beschuldigten als Konsument sexuell aufzureizen. Die 

Sexualität rückt aufdringlich in den Vordergrund.  

 

Vom Profil «L.» sind ebenfalls Nacktfotos an den Beschuldigten versandt 

worden. Auf zwei Fotos ist der Genitalbereich sichtbar, wobei auf einem 

Foto das Mädchen ihre Schamlippen mit den Fingern spreizt (siehe 

Datenträger Toshiba Ordner: Zugeordnete Chats – Mädchen, L. – 14yo).  

 

Auch vom Profil «M.» sind drei Fotos ihres Intimbereichs an den 

Beschuldigten versandt worden, wobei das Mädchen ihre Genitalien mit 

ihren Fingern hervorhebt (siehe Datenträger Toshiba Ordner: Zugeordnete 

Chats – Mädchen, M. – 14yo).  

 

Des Weiteren erhielt der Beschuldigte vom Profil «N.» 16 Fotos, auf 

welchen die Genitalien eines Mädchens gezeigt werden, wobei das 

Mädchen auf vier Bildern an sich selbst sexuelle Handlungen vornimmt, 

indem sie sich ihre Finger in ihre Vagina einführt (siehe Datenträger 

Toshiba Ordner: Zugeordnete Chats – Mädchen, N. – 16yo). 

 

Für das Obergericht ist bei einer Betrachtung der Bilddateien erwiesen, 

dass es sich um minderjährige Mädchen handelt. Bei allen Fotos sind die 

Geschlechtsteile der Mädchen aufdringlich in den Vordergrund gerückt. Die 

Mädchen positionierten sich mit entblösstem Geschlechtsteil in einer nach 

den Umständen objektiv aufreizenden Stellung. Der Beschuldigte ist 

geständig, von minderjährigen Mädchen über spezifische Chats Nackt-

bilder erhalten zu haben und handelte vorsätzlich. Indem der Beschuldigte 

ausschliesslich zu seinem Eigenkonsum dienende Screenshots dieser 

Fotos anfertigte, die tatsächliche sexuelle Handlungen mit Minderjährigen 

zum Inhalt haben, hat er sich mehrfach nach Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB 

schuldig gemacht.  

 

3.3.3. 

Obwohl unter Anklageziffer 2 über 16 Profile aufgeführt sind, bei denen es 

zu Nacktfotos oder Videos gekommen sein soll, so ist es nur bei einzelnen 

Chats auch tatsächlich zum Versand von Nacktfotos und / oder Videos 

gekommen.  

 

Vom Profil «O.» (Anklageziffer 2.a; siehe Datenträger Toshiba Ordner: 

Konversation – naked – video 2017_11_21_03_32_11.mp4; UA act. 060) 

ist ein Nacktvideo an den Beschuldigten gesandt worden, in welchem sich 

eine junge Frau nackt vor dem Spiegel präsentiert und dann den 

Kamerafokus auf ihre Vagina legt. Bei der gezeigten Person ist davon 

auszugehen, dass es sich um eine bereits volljährige junge Frau handelt. 

Die erwachsenen Gesichtszüge und der Körperbau sprechen gegen eine 

minderjährige Person. Beim Profil «[rosa Blume]P.[rosa Blume]» wirkt die 

 - 12 - 

 

 

Darstellerin, die dem Beschuldigten u.a. fünf Nacktfotos mit Fokus auf den 

Genitalbereich sowie ein Video, wie sie sich mit ihren Fingern selbst 

befriedigt sendete, zwar etwas jünger als diejenige auf dem erstgenannten 

Profil, und es ist gut möglich, dass es sich um eine noch Minderjährige 

handelt (Anklageziffer 2.c; siehe Datenträger Toshiba Ordner: 

Konversation – naked – video 2017_12_14_01_41_16.mp4; UA act. 062; 

2017_12_14_01_48_31.mp4; UA act. 063). Es ist aber ebenso gut 

denkbar, dass die Darstellerin bereits volljährig ist, wovon in dubio pro reo 

zugunsten des Beschuldigten auszugehen ist. Auch bei den Profilen «D.» 

(Anklageziffer 2.d; siehe Datenträger Toshiba Ordner: Konversation – 

naked – video 2017_12_17_00_03_22.mp4; UA act. 064) «E.» 

(Anklageziffer 2.f; siehe Datenträger Toshiba Ordner: Konversation – 

naked – video 2017_12_22_05_53_49.mp4; UA act. 066), «F.» 

(Anklageziffer 2.j; siehe Datenträger Toshiba Ordner: Konversation – naked 

– video 2018_04_23_20_53_04.mp4; UA act. 078) und «G.» (Anklageziffer 

2.k; siehe Datenträger Toshiba Ordner: Konversation – naked – video 

2018_03_03_11_09_52.mp4; UA act. 079) ist für das Obergericht unklar, 

ob es sich tatsächlich um minderjährige Personen handelt. Bei diesen Foto- 

und Videodateien entfällt somit das objektive Tatbestandsmerkmal der 

minderjährigen Personen. Auch bei den angeführten Videos gemäss 

Anklageschrift S. 5 unten und 6 oben ist unklar, ob es sich um minderjährige 

Mädchen handelt. Die Videosequenzen sind zum Teil sehr kurz, aus dem 

Zusammenhang gerissen und es fehlt teilweise der Fokus auf die 

Geschlechtsteile. Eine Subsumierung nach Art. 197 StGB ist auch mangels 

Substantiierung in der Anklageschrift nicht möglich. 

 

Einzig bei den Profilen «H.» (Anklageziffer 2.g), «I.» (Anklageziffer 2.i) 

sowie «J.» (Anklageziffer 2.l) ist es für das Obergericht erstellt, dass es sich 

aufgrund der kindlichen Gesichtszüge und Körperbau um minderjährige 

Mädchen handelt. 

 

«H.» (Anklageziffer 2.g; siehe Datenträger Toshiba Ordner: Konversation – 

naked – video 2017_12_23_21_55_31.mp4, 2017_12_23_23_07_43.mp4, 

2017_12_23_23_16_50.mp4; UA act. 071 ff.) sendete dem Beschuldigten 

drei Fotos ihres Intimbereiches sowie ein Video, auf welchem sie ihre 

Finger vaginal einführt. «I.» (Anklageziffer 2.i; siehe Datenträger Toshiba 

Ordner: Konversation – naked – video 2018_02_12_23_51_50.mp4, 

2018_02_12_23_58_44.mp4, 2018_02_13_00_18_03.mp4; UA act. 075 

ff.) sendete dem Beschuldigten u.a. ein Video, auf welchem sie mit ihren 

Fingern ihren Intimbereich spreizt sowie ein Foto, auf welchem zu sehen 

ist, wie sie sich mit einem Stift vaginal penetriert. «J.» (Anklageziffer 2.l; 

siehe Datenträger Toshiba Ordner: Konversation – naked – video 

2018_06_02_18_51_16.mp4; UA act. 080), die im Übrigen dem 

Beschuldigten mitteilte, dass sie 13 Jahre alt sei, sendete dem 

Beschuldigten ein Video, in welchem sie ihren Intimbereich in Nah-

aufnahme präsentierte und sich mit ihren Fingern vaginal berührte. All 

 - 13 - 

 

 

diese Fotos und das Video erfüllen ohne weiteres den Tatbestand von 

Art. 197 Abs. 5 zweiter Satz StGB. 

 

3.3.4. 

Was den Sachverhalt gemäss Anklageziffer 3 anbelangt, so ist 

festzuhalten, dass der Beschuldigte zugegeben hat, dass er von beiden 

Mädchen Nacktbilder erhalten und er zumindest in Kauf genommen habe, 

dass die beiden Mädchen jünger als 16 Jahr alt seien. Die Fotos selber sind 

in den Akten nicht vorhanden. Aus den Chatverläufen ist aber zu 

entnehmen, dass der Beschuldigte von beiden Mädchen Fotos erhalten 

hat, bei welchen die Brüste zu erkennen sind (vgl. UA act. 110 ff.). Aus den 

Unterhaltungen gemäss dem Cyber-Tipline Report geht jedoch nicht 

hervor, ob die beiden Mädchen dem Beschuldigten pornografische Fotos 

oder Videos zugesandt haben. Die Tatbestände von Art. 197 Abs. 4 und 

Abs. 5 StGB sind hier nicht erfüllt. Die Berufung ist in diesem Punkt 

abzuweisen und der Freispruch zu bestätigen. 

 

3.3.5. 

Der Beschuldigte besass überdies entgegen der Anklageziffer 4 nicht 

sieben, sondern sechs Bilder von minderjährigen Mädchen (siehe 

Datenträger Toshiba Ordner: Kinderpornographie; vgl. GA act. 062). Diese 

sind aufgrund ihrer sehr kindlichen Gesichtszüge und der noch nicht weit 

entwickelten äusseren weiblichen Geschlechtsorgane als klar minderjährig 

zu qualifizieren. Die Bilddateien haben allesamt den Fokus auf die 

Geschlechtsteile gerichtet und erfüllen ohne weiteres den Tatbestand von 

Art. 197 Abs. 5 zweiter Satz StGB.  

 

Die Datei mit dem Inhalt, wonach sich eine erwachsene Frau von einem 

Pferd vaginal penetrieren lässt (siehe Datenträger Toshiba Ordner: 

Tierpornographie), erfüllt den Tatbestand von Art. 197 Abs. 5 erster Satz 

StGB. 

 

3.4. 

Zusammenfassend erweist sich die Berufung der Staatsanwaltschaft als 

teilweise begründet. Der Beschuldigte ist zusätzlich zum Schuldspruch 

wegen versuchter sexueller Handlungen mit Kindern (in Rechtskraft 

erwachsen hinsichtlich der Anklageziffer 3) wegen mehrfacher Pornografie 

gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 2 StGB hinsichtlich der Anklageziffern 1, 2 

und 4 und wegen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 5 Satz 1 StGB 

hinsichtlich der Anklageziffer 4 schuldig zu sprechen. Dafür ist eine 

angemessene Strafe festzusetzen. 

 

4. 

4.1. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

 - 14 - 

 

 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; je mit Hinweisen). 

Darauf kann verwiesen werden. 

 

4.2. 

Die Bestimmungen von Art. 197 Abs. 5 Satz 1 und Satz 2 StGB sowie 

Art. 187 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (betreffend Anklageziffer 3) 

sehen als Sanktion eine Freiheits- oder Geldstrafe vor. Bei der Wahl der 

Sanktionsart sind neben dem Verschulden unter Beachtung des Prinzips 

der Verhältnismässigkeit als wichtige Kriterien die Zweckmässigkeit und 

Angemessenheit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den 

Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre Wirksamkeit unter dem 

Gesichtswinkel der Prävention zu berücksichtigen (BGE 147 IV 241 E. 3). 

Wie zu zeigen sein wird, kommt bei einer Einzelbetrachtung bei allen 

Straftaten eine Geldstrafe infrage. 

 

4.3. 

Der Beschuldigte hat die einzelnen Handlungen, für die schuldig 

gesprochen wird, teilweise vor Inkrafttreten des per 1. Januar 2018 

teilrevidierten Sanktionsrechts begangen. Gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB ist 

grundsätzlich jenes Gesetz anwendbar, das im Zeitpunkt der Verübung der 

Tat anwendbar ist, es sei denn, das neue Gesetz sei das mildere (sog. lex 

mitior). Mit dem revidierten Sanktionenrecht wurde die Geldstrafe gemäss 

Art. 34 StGB von 360 auf 180 Tagessätze beschränkt. Diese 

Rechtsänderung kann sich sowohl zum Vor-, als auch zum Nachteil eines 

Verurteilten auswirken. In Konstellationen, in denen ein Verurteilter 

mehrere Straftatbestände erfüllt, für die verschuldensbedingt je eine 

Geldstrafe von weniger als 180 Tagessätzen auszufällen wäre, erweist sich 

das neue Recht als milder, weil es in Verbindung mit Art. 49 Abs. 1 StGB 

die auf dem Wege der Asperation zu bestimmende Sanktion auf insgesamt 

180 Tagessätze begrenzt, während nach altem Recht bis zu 360 

Tagessätze möglich gewesen wären. Das trifft auch auf den vorliegenden 

Fall zu, weshalb zugunsten des Beschuldigten neues Recht anzuwenden 

ist. 

 

4.4. 

4.4.1. 

Die Einsatzstrafe ist für die konkret schwerste versuchte sexuelle Handlung 

mit einem Kind zum Nachteil des Mädchens mit der E-Mail-Adresse 

aaa@aaa.com als schwerste Straftat festzusetzen. Dazu ergibt sich 

Folgendes: 

 

Wer mit einem Kind unter 16 Jahren eine sexuelle Handlung vornimmt, es 

zu einer solchen Handlung verleitet oder es in eine solche Handlung 

einbezieht, wird gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf 

Jahren oder Geldstrafe bestraft. Liegt ein blosser Versuch vor, ist in einem 

ersten Schritt die schuldangemessene Strafe für das vollendete Delikt 

 - 15 - 

 

 

festzulegen. Die derart ermittelte hypothetische Strafe ist in der Folge unter 

Berücksichtigung des fakultativen Strafmilderungsgrunds von Art. 22 

Abs. 1 StGB zu reduzieren (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_466/2013 

vom 25. Juli 2013 E. 2.3.1). Der ordentliche Rahmen ist nur zu verlassen, 

wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die angedrohte Strafe 

im konkreten Fall als zu hart erscheint (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8). 

 

Das Gericht misst die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens nach 

dem Verschulden zu (Art. 47 Abs. 1 StGB). Ausgangspunkt ist die Schwere 

der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts (Art. 47 

Abs. 2 StGB). Der Tatbestand der sexuellen Handlung mit einem Kind 

schützt die ungestörte psychisch-emotionale und sexuelle Entwicklung des 

Kindes (BGE 146 IV 153 E. 3.5.2). Auch wenn es dabei um eine 

Gefährdung (siehe Marginalie zu Art. 187 f. StGB) und nicht um einen 

Angriff auf die sexuelle Freiheit und Ehre geht (siehe Marginale zu 

Art. 189 ff. StGB), spielen dabei die konkret vorgenommenen sexuellen 

Handlungen, deren Intensität und deren Häufigkeit eine wichtige Rolle. Es 

versteht sich von selbst, dass als besonders schwer zu qualifizierende 

sexuelle Handlungen auch zu einer entsprechend höheren Gefährdung der 

ungestörten psychisch-emotionalen und sexuellen Entwicklung des 

betroffenen Kindes führen. 

 

Das Handeln des Beschuldigten war darauf gerichtet, das Mädchen 

sexuelle Handlungen an sich selbst vornehmen zu lassen und ihm dabei 

Bild- und Videoaufnahmen zu übermitteln, wobei sich der Beschuldigte 

dabei für das Mädchen erkennbar selbst befriedigte, was er mittels 

entsprechender Texte und/oder Bilder kundtat. Hinsichtlich der vollendeten 

Tat ist davon auszugehen, dass sich die sexuellen Handlungen nicht auf 

ein blosses Berühren beschränkt, sondern auf ein vaginales und anales 

Einführen von Gegenständen erstreckt hätten, wie dies bei anderen 

Kontakten aktenkundig der Fall war. Auch wenn es sich dabei im breiten 

Spektrum der vom Tatbestand der sexuellen Handlung mit einem Kind 

erfassten Erscheinungsformen nicht mehr um eine bloss leichte Form der 

sexuellen Handlung, sondern um ein Eindringen handelt, so ist vor dem 

Hintergrund des geschützten Rechtsguts der ungestörten psychisch-

emotionale und sexuellen Entwicklung zu berücksichtigen, dass das 

Mädchen diese Handlungen an sich selbst ohne physische Anwesenheit 

des Beschuldigten und zudem in der – irrigen – Annahme, dass es sich 

beim Beschuldigten um einen von ihr als attraktiv empfundenen Jungen in 

ähnlichem Alter wie sie selbst handeln würde, vorgenommen hätte. 

Entsprechend kann nicht von einer hohen Gefährdung der sexuellen 

Entwicklung ausgegangen werden, zumal das betroffene Mädchen nicht 

hat befragt werden können und damit auch nicht feststeht, ob es die wahre 

Identität bzw. das wahre Alter des Beschuldigten je erfahren hat. Wäre dies 

nicht der Fall, wäre – aus Sicht des Mädchens – von einer blossen 

 - 16 - 

 

 

sexuellen Erfahrung via Handy mit einem gleichaltrigen Jungen auszu-

gehen. 

 

Die Art und Weise bzw. die Verwerflichkeit des Handelns des Beschul-

digten ist insofern über die blosse Erfüllung des Tatbestands hinausgegan-

gen, als dass er das betroffene Mädchen unter Vorspiegelung einer 

falschen Identität – eines etwa gleichaltrigen, attraktiven Jungens – zuerst 

mit Komplimenten eindeckte, um dann zuerst vergleichsweise harmlose 

Fotos und später dann zunehmend eindeutigere Fotos und/oder Videos zu 

fordern bzw. das Mädchen dazu zu verleiten. Dieses täuschende Verhalten 

zeugt von einer nicht unerheblichen kriminellen Energie und ist 

verschuldenserhöhend zu berücksichtigen, auch wenn das betroffene 

Mädchen vom Schwindel möglicherweise gar nichts mitbekommen hat. 

 

Der Beschuldigte hat in subjektiver Hinsicht primär aus egoistischen 

Motiven, nämlich der Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse gehandelt. 

Dieser Umstand ist jedoch jedem Sexualdelikt immanent und entsprechend 

nicht verschuldenserhöhend zu gewichten (Urteil des Bundesgerichts 

6P.194/2001 vom 3. Dezember 2002 E. 7.4.2). Verschuldenserhöhend ist 

hingegen das sehr grosse Mass an Entscheidungsfreiheit, über welches 

der Beschuldigte verfügte, zu berücksichtigen. Es sind keine inneren oder 

äusseren Umstände ersichtlich, welche die Entscheidungsfreiheit des 

Beschuldigten hätten einschränken können. Je leichter es aber für ihn 

gewesen wäre, die sexuelle Integrität und das sexuelle Selbstbestim-

mungsrecht des von ihm unter falscher Identität kontaktierten Mädchens zu 

respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung dagegen und damit 

einhergehend das Verschulden (BGE 117 IV 112 E. 1; BGE 127 IV 101 

E. 2a).  

 

Insgesamt wäre hinsichtlich der vollendeten sexuellen Handlung mit einem 

Kind bzw. der Verleitung und des Einbezugs dazu von einem noch knapp 

leichten bis mittelschweren Verschulden und einer dafür angemessenen 

Geldstrafe von 180 Tagessätzen auszugehen. Da es vorliegend bei einem 

blossen Versuch geblieben ist, ist die Strafe angemessen zu reduzieren 

(Art. 22 Abs. 1 StGB). Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Versuch in 

einem vergleichsweise frühen Stadium der beabsichtigten sexuellen 

Handlungen verblieben ist, indem der Beschuldigte das Mädchen erst dazu 

zu verleiten versuchte, ein Foto von sich zu machen, auf welchem ihre 

Brüste erkennbar sind. Dies rechtfertigt, den Versuch im Umfang von 60 

Tagessätzen strafmindernd zu berücksichtigen, sodass die Einsatzstrafe 

für die versuchten sexuellen Handlungen zum Nachteil des Mädchens mit 

der E-Mail-Adresse aaa@aaa.com auf 120 Tagessätze Geldstrafe 

zuzüglich einer Verbindungsbusse (siehe dazu unten) als in ihrer Summe 

angemessene Sanktion festzusetzen ist. 

 

 - 17 - 

 

 

4.4.2. 

Diese Einsatzstrafe von 120 Tagessätzen Geldstrafe ist für die weiteren 

Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips gemäss Art. 49  

Abs.1 StGB angemessen zu erhöhen. 

 

Der Beschuldigte hat in einem zweiten Fall versuchter sexueller 

Handlungen mit einem Kind hinsichtlich die Anklageziffer 3 an das 

Mädchen mit der E-Mail-Adresse bbb@bbb.com Nachrichten gesendet, 

wobei sowohl hinsichtlich des vollendeten als auch versuchten Delikts von 

praktisch identischen Vorgehensweisen auszugehen ist, weshalb auf die 

obigen strafzumessungsrelevanten Erwägungen verwiesen werden kann. 

Insgesamt wäre damit für die versuchte Straftat von einer angemessenen 

Einzelstrafe von ebenfalls 120 Tagessätzen auszugehen. 

 

Im Rahmen der Asperation ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte 

zwar in beiden Fällen gleich vorgegangen ist, im Übrigen aber kein enger 

Zusammenhang zwischen den zum Nachteil zweier verschiedener Opfer 

begangenen Straftaten vorliegt. Entsprechend hoch ist der Gesamt-

schuldbeitrag zu veranschlagen. Angemessen erscheint eine Erhöhung der 

Einsatzstrafe von 120 Tagessätzen um 60 Tagessätze auf 180 Tagessätze 

zuzüglich einer Verbindungsbusse (siehe dazu unten) als in ihrer Summe 

angemessene Sanktion. 

 

4.4.3. 

Die Geldstrafe wäre an sich für die mehrfache Pornografie unter 

Berücksichtigung der sie betreffenden verschuldenserhöhenden und 

verschuldensmindernden Umstände deutlich zu erhöhen. Diesbezüglich ist 

jedoch zu beachten, dass die Strafobergrenze von 180 Tagessätzen 

bereits erreicht wurde und ein Strafartenwechsel nach der Rechtsprechung 

des Bundesgerichts ausgeschlossen ist, auch wenn dies bei einer 

Gesamtbetrachtung als nicht mehr schuldangemessen mild erscheint. 

 

4.4.4. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte 

weist keine Vorstrafen auf, was sich neutral auswirkt, da die Vorstrafen-

losigkeit als Normalfall zu gelten hat (BGE 136 IV 1).  

 

Der Beschuldigte zeigte sich hinsichtlich der ihm vorgeworfenen Delikte, für 

die er vorliegend schuldig gesprochen wird, in sachverhaltlicher Hinsicht 

grundsätzlich von Anfang an geständig, was strafmindernd zu 

berücksichtigen ist. Dass er die Erfüllung der ihm vorgeworfenen 

Tatbestände aus rechtlichen Gründen bestritten hat, kann ihm im Rahmen 

der Täterkomponente zwar nicht zum Nachteil gereichen. Eine erhebliche 

Strafminderung, wie sie bei einem von Anfang an geständigen und zudem 

nachhaltig einsichtigen und aufrichtig reuigen Täter möglich ist, ist damit 

aber ausgeschlossen. 

 - 18 - 

 

 

 

Weitere Faktoren, welche sich strafmindernd oder straferhöhend auswirken 

könnten, sind nicht ersichtlich. Insbesondere erweist sich die Straf-

empfindlichkeit des ledigen und gesunden Beschuldigten, der keine 

familiären Verpflichtungen hat, auch unter Berücksichtigung seiner Berufs-

tätigkeit als maximal durchschnittlich, zumal vorliegend keine Freiheits-

strafe ausgesprochen wird. Das Bundesgericht hat wiederholt betont, dass 

eine erhöhte Strafempfindlichkeit nur bei aussergewöhnlichen Umständen, 

die hier nicht vorliegen, zu bejahen ist (statt vieler: Urteil des 

Bundesgerichts 6B_1053/2018 vom 26. Februar 2019 E. 3.4 mit Hinweis).  

 

Insgesamt wirkt sich die Täterkomponente im Umfang von 30 Tagessätzen 

strafmindernd aus. 

 

4.5. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze des Beschleunigungsgebots 

wiederholt dargelegt (statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 

6B_1003/2020 und 6B_855/2020 vom 25. Oktober 2021 E. 1.5.4; BGE 143 

IV 373). Darauf kann verwiesen werden.  

 

Nach der Hausdurchsuchung vom 16. Oktober 2018 bis zur 

Anklageerhebung vom 29. Juni 2021 vergingen 32 Monate und danach 

nochmals 8 ½ Monate bis zur Hauptverhandlung vor Vorinstanz. Diese 

lange Verfahrensverzögerung lässt sich weder mit der umfangreichen 

Auswertung der Datenträger noch mit dem Ausbruch von Covid-19 im März 

2020 rechtfertigen. Bei dieser Verzögerung kann es auch nicht mehr bei 

einer blossen Feststellung im Dispositiv sein Bewenden haben, sondern es 

rechtfertigt sich eine Strafreduktion von 30 Tagessätzen zugunsten des 

Beschuldigten. Zudem ist die Verletzung des Beschleunigungsgebots im 

Dispositiv festzuhalten.  

 

4.6. 

Zusammenfassend ist unter Berücksichtigung der Strafartenobergrenze 

von 180 Tagessätzen, der positiven Täterkomponente und der Verletzung 

des Beschleunigungsgebotes eine (bedingte) Geldstrafe von 

120 Tagessätzen zuzüglich einer Verbindungsbusse (siehe dazu unten) 

auszusprechen. 

 

Damit bleibt es im Ergebnis trotz zusätzlicher Schuldsprüche bei der von 

der Vorinstanz ausgesprochenen Geldstrafe von 120 Tagessätzen. 

 

4.7. 

Die Höhe des Tagessatzes bemisst sich nach den Verhältnissen des Täters 

im Urteilszeitpunkt (Art. 34 Abs. 2 StGB). Massgebende Kriterien für die 

Bestimmung der Tagessatzhöhe sind das Einkommen, das Vermögen und 

der Lebensaufwand des Beschuldigten, seine Unterstützungspflichten und 

 - 19 - 

 

 

persönlichen Verhältnisse sowie sein Existenzminimum (BGE 142 IV 315 

E. 5 = Pra 2018 Nr. 52, Bestätigung der bisherigen Rechtsprechung). 

Ausgangspunkt ist das Nettoeinkommen, das der Täter im Zeitpunkt des 

Urteils durchschnittlich erzielt bzw. alle geldwerten Leistungen, die ihm 

zufliessen (BGE 134 IV 60 E. 6.1). 

 

Der Beschuldigte ist nicht verheiratet sowie kinderlos. Er hat keine 

Unterstützungspflichten. Gemäss den vom Beschuldigten anlässlich der 

Verhandlung vor Obergericht eingereichten aktuellen finanziellen Unter-

lagen sowie des Lohnausweises 2021 erzielt er ein durchschnittliches 

monatliches Nettoeinkommen von gerundet Fr. 4'500.00 (vgl. Protokoll der 

Berufungsverhandlung S. 3). Bei einem Pauschalabzug für die Kranken-

kasse, Steuern und notwendige Berufskosten von 20 % und einem Abzug 

von 15 % für die hohe Anzahl Tagessätze (BGE 134 IV 60 E. 6.5.2) 

resultiert ein Tagessatz von gerundet Fr. 100.00. 

 

4.8. 

Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf. Er lebt zusammen mit seiner 

Freundin in stabilen Verhältnissen und geht einer geregelten Arbeit nach 

(vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung S. 3 f.). Er zeigte sich von Anfang 

an grundsätzlich geständig. Auch wenn aufgrund der Art und Weise seiner 

Tatbegehung und insbesondere der Anzahl und Intensität seines Handelns 

gewisse Bedenken an seiner Legalbewährung bestehen, kann ihm keine 

eigentliche Schlechtprognose gestellt werden. Ihm ist mit der Vorinstanz für 

die Geldstrafe deshalb der bedingte Strafvollzug zu gewähren (Art. 42 

Abs. 1 StGB; BGE 134 IV 1 E. 4.2.2). Die Probezeit ist auf zwei Jahre 

festzusetzen (Art. 44 StGB). 

 

4.9. 

Eine bedingt ausgesprochene Strafe kann mit einer Busse verbunden 

werden (Art. 42 Abs. 4 StGB). Vorliegend ist die Verbindung der bedingt 

ausgesprochenen Freiheitsstrafe mit einer Busse angezeigt, um dem 

Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der Sanktion und die Konsequenzen 

seines Handelns deutlich vor Augen zu führen. Zudem soll er gegenüber 

einem Täter, der sich bloss wegen einer Übertretung (hier sexuelle 

Belästigung gemäss Art. 198 StGB anstatt versuchte sexuelle Handlung 

mit einem Kind) zu verantworten hat und dafür mit einer Busse bestraft wird, 

nicht bessergestellt werden (sog. Schnittstellenproblematik). Die Verbin-

dungsbusse sollte nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts einen 

Fünftel der Gesamtstrafe oder einen Viertel jener Strafe, die bedingt 

ausgesprochen wurde, nicht übersteigen (BGE 135 IV 188 E. 3.4.4; Urteil 

des Bundesgerichts 6B_1232/2013 vom 31. Januar 2014 E. 5). 

 

Um dem akzessorischen Charakter der Verbindungsstrafe gerecht zu 

werden, erscheint unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse 

 - 20 - 

 

 

und des Verschuldens des Beschuldigten eine Verbindungsbusse von 

Fr. 3'000.00 angemessen. 

 

Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem Nichtbezahlen der Verbindungs-

busse ist ausgehend vom als Umrechnungsschlüssel zu verwendenden 

Tagessatz von Fr. 100.00 (BGE 134 IV 60 E. 7.3.3 S. 77) auf 30 Tage fest-

zusetzen. 

 

4.10. 

Zusammengefasst ist der Beschuldigte zu einer bedingten Geldstrafe von 

120 Tagessätzen à Fr. 100.00, d.h. Fr. 12'000.00, zuzüglich einer 

Verbindungsbusse von Fr. 3'000.00, ersatzweise 30 Tage Freiheitsstrafe, 

zu verurteilen. 

 

5. 

5.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Berufungsverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob eine Partei 

im Berufungsverfahren als obsiegend oder unterliegend gilt, hängt davon 

ab, in welchem Ausmass ihre vor Obergericht gestellten Anträge gutge-

heissen wurden (Urteil des Bundesgerichts 6B_330/2016 vom 

10. November 2017 E. 4.3). Die Berufung der Staatsanwaltschaft erweist 

sich insofern als begründet, als hinsichtlich des Vorwurfs der Pornografie 

zusätzliche Schuldsprüche ergehen. Es bleibt jedoch bei der von der 

Vorinstanz ausgesprochenen bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen. 

Bei diesem Verfahrensausgang rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten die 

obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 (§ 18 VKD) im 

Umfange von 1/8, d.h. Fr. 500.00, aufzuerlegen und im Übrigen auf die 

Staatskasse zu nehmen. 

 

5.2. 

Der amtliche Verteidiger ist für das Berufungsverfahren gestützt auf die von 

ihm eingereichte Kostennote, angepasst an die effektive Dauer der 

Berufungsverhandlung und einem ausgangsgemäss kürzeren 

angemessenen Aufwand für Aufwendungen nach der Berufungs-

verhandlung mit gerundet Fr. 2'500.00 aus der Staatskasse zu 

entschädigen (Art. 135 Abs. 1 StPO i.V.m. § 9 Abs. 1 und Abs. 3bis AnwT). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten im Umfange von 1/8 

zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben 

(Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

5.3. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so befindet sie darin 

auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3 StPO). Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person 

 - 21 - 

 

 

die Kosten, wenn sie verurteilt wird. Wird sie teilweise freigesprochen, so 

sind ihr die Verfahrenskosten anteilsmässig aufzuerlegen. 

 

Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten die Verfahrenskosten unter Berück-

sichtigung der ergangenen Freisprüche zu ¼ auferlegt, was unter Berück-

sichtigung des Ausgangs des Berufungsverfahrens und einer Gewichtung 

der Schuldsprüche im Verhältnis zu den Freisprüchen nach wie vor 

angemessen erscheint und keiner Korrektur bedarf. 

 

5.4. 

Die Höhe der dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche Verfahren 

zugesprochenen Entschädigung von Fr. 9'146.20 ist mit Berufung nicht 

angefochten worden, womit es sein Bewenden hat (Urteil des Bundes-

gerichts 6B_1299/2018 vom 28. Januar 2019 E. 2). 

 

Diese Entschädigung ist vom Beschuldigten im Umfang von ¼ 

(d.h. Fr. 2'286.55) zurückzufordern, sobald es seine wirtschaftlichen 

Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). 

 

6. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 StPO, 

Art. 81 StPO). 

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Es wird festgestellt, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist. 

 

2. 

Der Beschuldigte wird freigesprochen von der Anklage 

- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind unter 16 Jahren 

gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB betreffend Anklageziffern 1 und 2; 

- der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB 

betreffend die Anklageziffern 2 und 3; 

- der mehrfachen Pornografie gemäss Art. 197 Abs. 4 und Abs. 5 StGB 

betreffend Anklageziffer 3.  

 - 22 - 

 

 

3. 

Der Beschuldigte ist schuldig 

- der mehrfachen versuchten sexuellen Handlungen mit einem Kind 

gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB betreffend 

Anklageziffer 3 [in Rechtskraft erwachsen]; 

- der mehrfachen Pornografie (tatsächliche sexuelle Handlungen mit 

Minderjährigen und Tierpornografie) gemäss Art. 197 und 5 StGB 

betreffend Anklageziffern 1, 2 und 4. 

 

4. 

Der Beschuldigte wird hierfür gemäss den in Ziff. 3 genannten 

Gesetzesbestimmungen sowie in Anwendung von Art. 47 StGB, Art. 49 

Abs. 1 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 StGB, Art. 44 StGB und Art. 106 

StGB 

 

zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à Fr. 100.00, d.h. 

Fr. 12'000.00, Probezeit 2 Jahre,  

 

und zu einer Verbindungsbusse von Fr. 3'000.00, ersatzweise 30 Tage 

Freiheitsstrafe, 

 

verurteilt. 

 

5. [in Rechtskraft erwachsen] 

Dem Beschuldigten werden, wenn er dies innert 30 Tagen nach Eintritt der 

Rechtskraft verlangt, gegen vorgängige Erstattung der Kosten für die 

dauerhafte Löschung der pornografischen Daten folgende beschlag-

nahmten Gegenstände herausgegeben: 

 

- Samsung Galaxy S8, schwarz, mit Hülle 

- Samsung, weiss, mit Hülle grün 

- Samsung, weiss, ohne Hülle 

 

Die Staatsanwaltschaft trifft die sachgemässen Verfügungen. 

 

6. 

6.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 4'000.00 werden dem 

Beschuldigten zu 1/8 mit Fr. 500.00 auferlegt und im Übrigen auf die 

Staatskasse genommen. 

 

6.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das 

Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 2'500.00 auszurichten. 

 

 - 23 - 

 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten zu 1/8 mit Fr. 312.50 

zurückgefordert, sobald es seine finanziellen Verhältnisse erlauben. 

 

7. 

7.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 5'032.55 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 2'000.00) werden dem Beschuldigten zu ¼, d.h. 

Fr. 1'258.15, auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse genommen.  

 

7.2. 

Die vorinstanzliche Gerichtskasse wird – insoweit noch keine Auszahlung 

erfolgt ist – angewiesen, dem amtlichen Verteidiger für das erstinstanzliche 

Verfahren eine Entschädigung von Fr. 9'146.20 auszurichten. 

 

Diese Entschädigung wird vom Beschuldigten im Umfang von ¼, d.h. 

Fr. 2'286.55, zurückgefordert, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse 

erlauben. 

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

  

 - 24 - 

 

 

   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht bezahlen 

bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Probezeit 

aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten 

verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 

StGB).  

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der 

vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das 

Schweizerische Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 

Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen 

Bundesgericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die 

Beschwerdelegitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 16. Dezember 2022 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 1. Kammer 

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

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