# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** e15e1353-697c-5865-9cc1-80b7627966a2
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2024-11-28
**Language:** de
**Title:** Einordnung einer rund 20m hohen Mobilfunk-Antennenanlage
**Docket/Reference:** BRGE IV Nr. 0182/2024
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/auszug_r4.2024.00093.pdf

## Full Text

Baurekursgericht
des Kantons Zürich
4. Abteilung

ll

G.-Nr.
BRGE IV Nr.

R4.2024.00093
0182/2024

Entscheid vom 28. November 2024

Mitwirkende

Abteilungspräsident Reto Philipp, Baurichter Roland Keller, Baurichterin
Petra Röthlisberger, Gerichtsschreiber Christoph Forster

in Sachen

Rekurrentin

A, […]

vertreten durch […]

gegen

Rekursgegner

1.  Gemeinderat X, […]

vertreten durch […]

Beigeladene

2.-27. […]

2 - 27 vertreten durch […]

betreffend

Beschluss des Gemeinderates vom 29. April 2024; Bauverweigerung für Mo-
bilfunk-Antennenanlage, […]
______________________________________________________

hat sich ergeben:

A.

Mit Beschluss vom 29. April 2024 verweigerte der Gemeinderat X der A die

baurechtliche  Bewilligung  für  eine  Mobilfunk-Antennenanlage  auf  dem

Grundstück Kat.-Nr. 1 an der C-Strasse 1 in X.

B.

Gegen diesen Entscheid erhob die A mit Eingabe vom 3. Juni 2024 Rekurs

beim  Baurekursgericht  des  Kantons  Zürich  und  beantragte  die  Aufhebung

des Entscheides sowie die Erteilung der Baubewilligung für das vorgenannte

Bauvorhaben;  dies  unter  Kosten-  und  Entschädigungsfolgen  (zzgl.  MwSt.)

zulasten der Vorinstanz.

C.

Mit Verfügung vom 4. Juni 2024 wurde vom Rekurseingang Vormerk genom-

men und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet sowie Dritten, welche die

Zustellung  des  baurechtlichen  Entscheids  verlangt  hatten,  die  Möglichkeit

zur Beiladung in das Rekursverfahren eröffnet.

D.

Mit Verfügung vom 26. Juni 2024 wurden insgesamt 44 Personen dem Bei-

ladungsgesuch vom 20. Juni 2024 entsprechend in das Rekursverfahren bei-

geladen. Auf Gesuch vom 8. Juli 2024 wurden diverse Beigeladene formlos

aus dem Rubrum entlassen.

E.

Mit Eingabe vom 10. Juli 2024 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des

Rekurses unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekurrentin.

Die Beigeladenen beantragten mit Eingabe vom 24. Juli 2024 die Abweisung

des Rekurses, soweit darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädi-

gungsfolgen zulasten der Rekurrentin.

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F.

Mit  Replik  vom  14.  August  2024  bzw.  Dupliken  vom  2.  und  3. Septem-

ber 2024 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.

G.

Am 24. Oktober 2024 führte die 4. Abteilung des Baurekursgerichtes im Bei-

sein der erschienenen Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch.

Es kommt in Betracht:

1.

Die Rekurrentin ist als Adressatin des angefochtenen Beschlusses im Sinne

von § 338a des Planungs- und Baugesetzes (PBG) ohne Weiteres zur Re-

kurserhebung legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen er-

füllt sind, ist auf den Rekurs einzutreten.

2.

Das Baugrundstück Kat.-Nr. 1 liegt in der Gewerbezone G gemäss Bau- und

Zonenordnung der Gemeinde X (BZO). Nach den Plänen der privaten Re-

kursgegnerin soll auf dieser Parzelle ein freistehender Mobilfunkmast mit ei-

ner Höhe von knapp 20 m (exkl. Blitzfangstange) erstellt werden. Der Mast

soll mit Antennenmodulen mit Frequenzen zwischen 700 MHz und 2,1 GHz

und in den Azimuten (Abweichungen in Grad von Nord) von 30°, 130° und

270° sowie mit remote radio heads (RRH's) bestückt werden.

Die  Bauherrschaft  beabsichtigte bereits  im  Jahr  2019  die  Errichtung einer

Mobilfunk-Antennenanlage an derselben Stelle. Der damals geplante Mast

hätte rund 25 m hoch werden sollen. Gegen die vom Gemeinderat X hierfür

damals erteilte baurechtliche Bewilligung erhoben diverse Nachbarschaften

gemeinsam Rekurs beim Baurekursgericht, welches in Gutheissung des Re-

kurses  die  Baubewilligung  mit  Entscheid  vom  5. Dezember  2019  aufhob.

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Dies deshalb, weil der Einordungsentscheid des Gemeinderates X sachlich

nicht vertretbar war (BRGE IV Nr. 0161/2019; bestätigt mit VB.2020.00033

vom 25. Juni 2020).

Für das im vorliegenden Verfahren strittige Bauprojekt hat der Gemeinderat

X die baurechtliche Bewilligung nunmehr verweigert. Er erwog im angefoch-

tenen  Entscheid,  dass  der  Standort  landschaftlich  exponiert  und  an  der

Grenze zum Landwirtschaftsgebiet gut einsehbar sei. Er befinde sich in einer

vergleichsweise  kleinflächigen  Gewerbezone  am  Siedlungsrand, die  durch

Gewerbegebäude mit kleinen Grundrissen und geringer Höhenentwicklung

geprägt sei. Weiter befinde sich die Anlage nahe der kleinräumig bebauten

Wohnzone. Die Antenne erziele trotz geringerer Höhe im Vergleich zu einem

früheren Projekt nach wie vor eine grosse Fernwirkung. Mit ihrer Höhe von

19,9 m bzw. 20,1 m ab Niveau beim Tor und einer maximalen seitlichen Aus-

ladung  von rund  1,3 m erscheine  die  Antenne überdimensioniert und trete

markant in Erscheinung. Sie weise keinen Bezug zur bestehenden baulichen

und landschaftlichen Umgebung auf. Es werde keine befriedigende Einord-

nung erreicht.

3.1.

Die Rekurrentin wendet dagegen kurz zusammengefasst ein, dass die Vor-

instanz ihr Ermessen überschritten habe. Bei der Standortwahl seien funk-

technische Gründe und immissionsrechtliche Vorgaben zu beachten. Ihrem

Zweck entsprechend seien Mobilfunk-Antennenanlage auf exponierte Stand-

orte angewiesen und könnten nur bedingt gestaltet werden. Durchschnittlich

dimensionierte Mobilfunkanlagen seien unter dem Gesichtspunkt der Einord-

nung  in  der Regel  zuzulassen,  sofern  nicht individuelle  Schutzobjekte tan-

giert oder sonst wie spezielle Verhältnisse vorliegen würden. Der Mast sei
auf  das technisch mögliche  Minimum reduziert worden,  um  eine bestmög-

liche Einordnung erzielen zu können.

3.2.

Der Gemeinderat X weist in seiner Vernehmlassung zunächst auf die örtli-

chen Verhältnisse hin und führt aus, dass das Terrain gegen Norden von der

Gewerbezone zur Bahnlinie abfalle und die anschliessende Landschaft offen

und wenig coupiert sei, sodass eine Mobilfunk-Antennenanlage, welche die

Gewerbebauten überrage, vor allem von Norden, aber auch von Westen her

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gut einsehbar sei. Die Gewerbezone selbst sei vergleichsweise klein und mit

Gewerbebauten überbaut, die 7-11 m hoch seien. Eine Mobilfunk-Antennen-

anlage würde diese bestehende Bebauung somit weiterhin weit sichtbar um

10 m überragen. Die Rekurrentin müsste konkret aufzeigen, dass die Min-

derhöhe von 4,43 m die Argumente von Baurekurs- und Verwaltungsgericht

(im ersten Rechtsgang) hinfällig mache. Die Rekurrentin halte indes einzig

fest, dass die Mobilfunk-Antennenanlage angesichts der örtlichen Gegeben-

heiten insgesamt zwar eine gewisse Fernwirkung erziele, aber nicht beson-

ders gross und nicht markant in Erscheinung trete. Die Verkürzung der An-

tenne  auf  19,9 m  mache  indes  keine  wesentliche  Änderung  am  Erschei-

nungsbild aus. Im Übrigen habe sich seit den Gerichtsentscheiden nichts an

den örtlichen Verhältnissen geändert.

3.3.

Die Beigeladenen stellen sich zusammengefasst auf den Standpunkt, dass

sich seit dem ersten Rechtsgang weder die Situation vor Ort geändert habe

noch  das  Projekt  wesentlich  geändert  worden  sei.  Es  sei  nicht  auszu-

schliessen, dass eine weitere Reduktion oder Alternativen möglich seien, zu-

mal  bereits  im  ersten  Rechtsgang  von  der  Bauherrschaft geltend  gemacht

worden sei, die damals geplante Höhe von 25 m sei technisch bedingt. Ohne

eine  Netzabdeckung  des  umliegenden  Nichtbauzonenland  könnte  die  An-

tenne vermutlich zusätzlich deutlich redimensioniert werden. Die Landschaft

werde durch die Positionierung am Siedlungsrand beeinträchtigt. Sowohl das

Gebäude  auf  dem  Baugrundstück  als  auch  die  übrigen  Gebäude  würden

durch die Anlage klar bzw. deutlich überragt. Eine Kaschierung sei nicht fest-

stellbar. Die Antenne würde aus nahezu allen Blickrichtungen sichtbar sein.

Im Nahbereich würde die Kernzone und verschiedene Schutzobjekte liegen,

welche zumindest teilweise im Kontext mit der geplanten Anlage gut wahr-

nehmbar seien, was das Ortsbild erheblich beeinträchtige.

4.1.

Gemäss § 238 Abs. 1 PBG sind Bauten, Anlagen und Umschwung für sich

und in ihrem Zusammenhang mit der baulichen und landschaftlichen Umge-

bung  im  Ganzen  und in  ihren  einzelnen  Teilen so  zu  gestalten,  dass  eine

befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird; diese Anforderung gilt auch für

Materialien und Farben.

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Diese Vorschrift enthält eine Grundanforderung an Bauten, Anlagen und Um-

schwung. Verlangt wird sowohl eine gewisse Qualität der Gestaltung in sich

als auch der Einordnung in die bauliche und landschaftliche Umgebung. So

kann namentlich die Gleichförmigkeit wesentliches Gestaltungsmerkmal ei-

ner  bestehenden Überbauung sein. Die  genügende  Einordnung  fehlt aller-

dings nicht bereits bei der Einführung einer neuen Formensprache in ein ein-

heitliches Bild einer älteren Überbauung; vielmehr ist ein Einordnungsman-

gel  erst  gegeben,  wenn  die  entsprechende  Baute  oder  Anlage  gegenüber

der  Ausgestaltung  von  Gebäuden,  Häusergruppen  oder  Strassenzügen  in

störenden Widerspruch tritt oder sonst einen stossenden Gegensatz zu den

die  Umgebung  prägenden  Merkmalen  oder  zum  Quartiercharakter  bildet.

Eine  Einordnung  gemäss  §  238  Abs.  1  PBG  muss  nicht  ideal  bzw.  "gut",

sondern lediglich "genügend" sein. Dies ist auch dann erfüllt, wenn eine an-

dersartige Gestaltung als besser bzw. als wünschenswert qualifiziert würde.

Die Frage, ob eine befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird, ist gestützt

auf objektive, nachvollziehbare Kriterien zu beantworten. Blosses Empfinden

rechtfertigt keinen Eingriff in das Eigentum (vgl. VB.2018.00395 vom 7. Feb-

ruar 2019, E. 4.2. ff.).

4.2.

Soweit den Gemeinden bei der Anwendung von Bestimmungen des kanto-

nalen  Rechts  als  Ausfluss  der  Gemeindeautonomie  eine  besondere  Ent-

scheidungs-  und  Ermessensfreiheit  zukommt,  überprüft  das  Baurekursge-

richt  entsprechende  Entscheide mit Zurückhaltung.  Beruht der kommunale

Entscheid auf einer vertretbaren Würdigung der massgebenden Umstände,

so  hat  ihn  die  Rekursinstanz  zu  respektieren.  Die  Rekursinstanz  darf  nur

dann einschreiten,  wenn die  Baubehörde  ihren  Ermessensspielraum  über-

schreitet, indem sie sich von unsachlichen, dem Zweck der in Frage stehen-

den Regelung fremden Erwägungen leiten lässt oder allgemeine Rechtsprin-
zipien, wie das Verbot von Willkür oder den Grundsatz der Verhältnismäs-

sigkeit,  verletzt.  Dabei  darf  sich  die  Rekursinstanz  jedoch  nicht  auf  eine

blosse Willkürprüfung beschränken, vielmehr muss die Eingriffsschwelle tie-

fer gesetzt werden (vgl. BGE 145 I 52, E. 3.6., mit Hinweisen).

Ob eine Bestimmung des kantonalen Rechts den Gemeinden einen autono-

men  Entscheidungsspielraum  einräumt,  ist  durch  Auslegung  zu  ermitteln

(Marco  Donatsch,  in:  Kommentar  VRG,  3.  Aufl.,  Zürich/Basel/Genf  2014,

§ 20 Rz. 62).  Nach ständiger  Praxis der  kantonalen Instanzen  betrifft dies

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insbesondere §  238  PBG,  ferner aber  auch etwa  §  71 PBG betreffend die

bauliche  Gestaltung  und  Einordnung  von  Arealüberbauungen,  §  237  PBG

betreffend  die  Beurteilung  der  Verkehrssicherheit  einer  Zufahrt  und  § 357

Abs. 1 PBG betreffend die Beurteilung zulässiger Änderungen an vorschrifts-

widrigen Bauten (Donatsch, § 20 Rz. 72).

4.3.

Die Vorinstanz hat die durch das Baurekurs- und das Verwaltungsgericht im

Rahmen der abschlägigen Beurteilung des Vorgängerprojekts berücksichtig-

ten Gegebenheiten in der Beurteilung des vorliegend streitbetroffenen Pro-

jekts aufgenommen und kommt dabei zum Schluss, dass die Anlage nach

wie vor eine grosse Fernwirkung aufweise, überdimensioniert erscheine und

markant in Erscheinung trete. Die Anlage weise keinen Bezug zur bestehen-

den baulichen und landschaftlichen Umgebung auf.

Wie sich am Augenschein feststellen liess, treffen die vorinstanzlichen Fest-

stellungen in Bezug auf die landschaftliche und bauliche Umgebung (nach

wie vor) zu. Die Gewerbezone, in welcher die strittige Mobilfunk-Antennen-

anlage erstellt werden soll, ist kleinflächig und die dort stehenden Gebäuden

sind nicht besonders hoch. Auch die weitere Umgebung mit der Wohnzone

im  Süden  sowie  der  Kernzone  im  Norden  weist  eine  kleinräumige  Bebau-

ungsstruktur  auf.  Zutreffend  ist  ebenfalls,  dass  das  Terrain  gegen  Norden

von der Gewerbezone zur Bahnlinie abfällt und daran eine offene Landschaft

anschliesst.

Indes unterlässt es die Vorinstanz in der Beurteilung des vorliegend strittigen

Projekts  die  Redimensionierung  der Anlage als  Ganzes  gebührend  zu  be-

rücksichtigen. Mit dem vorliegenden strittigen Baugesuch wurde im Vergleich

zum  Vorgängerprojekt  nicht nur  die  Masthöhe  reduziert,  sondern  auch  die
nunmehr geplanten  Antennenmodule  sollen  jeweils  um  satte 55 cm kürzer

ausfallen.  Überdies  sollen  keine  zusätzlichen  runden  Richtfunkantennen

mehr montiert werden und die stattdessen neu geplanten RRH's liegen enger

am Masten an. Der geplante Mast verfügt im Vergleich zum Vorgängerpro-

jekt kurzum über ein kompakteres Aussehen. Die gesamte Anlage erscheint

damit nicht nur weniger hoch, sondern auch deutlich aufgeräumter und we-

niger mächtig (s. zur Veranschaulichung die direkte Gegenüberstellung der

Anlagen in act. 17, S. 5, s. auch act. 19.6 und act. 19.18). Aufgrund dieser

gegenüber  dem  Vorgängerprojekt  vorgenommenen  Änderungen  erscheint

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es willkürlich, wenn sich die Vorinstanz zur Begründung der nunmehr ausge-

sprochenen Bauverweigerung weitestgehend auf die Argumente der Rechts-

mittelinstanzen zum ursprünglichen Projekt beruft.

4.4.

Am Augenschein war sodann feststellbar, dass der Mast von Standorten im

Wohnquartier im Süden des Antennenstandorts aus betrachtet zwar sichtbar

sein wird. Er wird jedoch die Firste der Hauptgebäude des Quartiers – wenn

überhaupt – nur in geringem Mass überragen (s. Prot. S. 12 f., Fotografien

Nrn. 9 ff.). Deshalb und zufolge der umschriebenen Redimensionierung der

Antennen- und systemtechnischen Modulen kann aus dem Blickwinkel eines

im Quartier stehenden unbefangenen Betrachters nicht (mehr) von einer do-

minanten  und  damit  störenden  Erscheinung  der  Anlage  in  Bezug  auf  das

besagte  Wohnquartier  ausgegangen  werden.  Dass  die  Anlage  teilweise

nach wie vor sichtbar sein wird, ändert daran nichts. Eine weitere Reduktion

der Höhe oder gar eine – in der Umsetzung ohnehin fragwürdige – vollstän-

dige Kaschierung der Anlage wäre angesichts der heterogenen Umgebung

und des Umstandes, dass es sich beim besagten Wohnquartier nicht um eine

Bebauung handelt, die sich durch eine besondere architektonische Qualität

auszeichnet, mit dem Verhältnismässigkeitsprinzip nicht zu vereinbaren. Ab-

gesehen  davon  handelt  es  sich  bei  der  strittigen  Anlage  nicht  um  eine

aussergewöhnlich hohe Anlage, die im Verein mit der Standortwahl in einer

Gewerbezone von einem neutralen Betrachter nicht mehr als standardisierte

technische Anlage hingenommen werden würde.

Die reduzierte Höhe des Mastes ist sodann von Norden betrachtet augenfäl-

lig,  sodass  nicht  (mehr)  gesagt  werden  kann,  die  Anlage  wirke  auf  dieser

Seite exponiert und in der kleinflächigen Gewerbezone mit den relativ tiefen

Gebäuden überdimensioniert (vgl. Prot. S. 9, Fotografie Nr. 4 mit act. 24.4,
Fotografie Nr. 1 f. [unter Berücksichtigung des tieferen Standorts des Foto-

grafen  im  ersten  Rechtsgang],  s.  auch  die  entsprechende  Fotografie  in

act. 24.3). Die reduzierte Höhe im Verein mit den Änderungen an den Modu-

len und der Systemtechnik wird fraglos dazu führen, dass die Anlage auch

von Westen her betrachtet – auch mit Blick auf die Gebäude der Wohnzone

im  Süden  –  nicht  mehr  überhöht und  dominant  in  Erscheinung  treten  wird

(s. Prot. S. 8, Fotografie Nr. 1). Schliesslich vermag (auch) die im Osten der

Kernzone zugewiesenen Quartiere von X entgegen der Auffassung der Bei-

geladenen  keine  erhöhten  gestalterischen  Anforderungen  an  die  geplante

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Anlage zu stellen; dies insbesondere auch nicht in Form einer weiteren Hö-

henreduktion. Abgesehen davon, dass die Kernzone per se kein Schutzob-

jekt  darstellt,  ist  nicht  ersichtlich,  inwiefern  die  Mobilfunk-Antennenanlage

das sich in der Kernzone manifestierende schutzwürdige Ortsbild tangieren

soll. Weder  wurde  solches anlässlich  des  Augenscheins des  vorliegenden

Verfahrens festgestellt, noch ergibt sich solches aus den Akten (s. insb. act.

24.3, letzte Fotografie). Ein rechtsrelevanter Bezug zwischen Antenne und

den in der Kernzone situierten Schutzobjekten wurde von den Beigeladenen

nicht dargetan. Dies gilt auch für die Liegenschaft "B" (Grundstück Kat.-Nr. 2;

vgl. hierzu BRGE IV Nr. 0161/2019 vom 5. Dezember 2019, E. 3.5).

4.5.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass mit der Redimensionierung der An-

lage sowohl dem Umstand Rechnung getragen wurde, dass es sich bei der

Standortzone  um  eine  kleinflächige  Gewerbezone  handelt,  als  auch  der

Nähe zum kleinmassstäblichen Wohnquartier und der ländlichen Umgebung.

Wenn die Vorinstanz in ihrer Beurteilung zum Schluss kommt, dass die An-

lage überdimensioniert erscheine und keinen Bezug zur baulichen und land-

schaftlichen  Umgebung  aufweise,  ist  dies  im  Lichte  des  in  Bezug  auf  die

Höhe  und Ausstattung geänderten  Projekts nicht  mehr  sachlich  vertretbar.

Die Bauverweigerung lässt sich nicht auf § 238 Abs. 1 PBG stützen.

5.1.

Im  angefochtenen  Bauentscheid  wurde das Bauvorhaben trotz  der  festge-

stellten  mangelhaften  Einordnung  auch  auf  die  Vereinbarkeit  mit  weiteren

einschlägigen Bauvorschriften geprüft. Namentlich wurde dem Bauvorhaben

die Zonenkonformität attestiert. Auf die entsprechende Rüge der Beigelade-

nen ist damit vorliegend einzugehen. Diese bringen hierzu vor, es sei frag-
lich, ob die Antennenanlage zonenkonform sei, soweit diese auch das um-

liegende  Gebiet  in  der Landwirtschaftszone  versorge. Die  Ausrichtung  der

Antenne  lasse  vermuten,  dass  im  Wesentlichen auch  das  Nichtbauzonen-

land abgedeckt werden solle. Mit der geplanten Antenne müsste aber primär

das Bauzonenland abgedeckt werden.

5.2.

Mobilfunkanlagen sind als Infrastrukturanlagen im Baugebiet nicht generell

und unabhängig von ihrem Verwendungszweck zulässig. Auch bei ihnen ist

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im ordentlichen Baubewilligungsverfahren zu prüfen, ob sie dem Zweck der

betreffenden Nutzungszone entsprechen (Art. 22 Abs. 2 lit. a des Raumpla-

nungsgesetzes [RPG]).

Zu  beachten ist  vorliegend,  dass  die Gemeinde  X von der Kompetenz  ge-

mäss  §  49a  Abs.  3  PBG  Gebrauch  gemacht  hat  und  in  Art. 37  BZO  eine

Kaskaden- bzw. zonenspezifische Prioritätenregelungen festgelegt hat, wel-

che die vorliegend zu beurteilende Anlage unstrittig einhält, zumal sich der

Standort in einer Zone erster Priorität befindet und deshalb keine weiteren

Nachweise zu verlangen sind (s. Art. 37 Abs. 2 BZO).

Hinsichtlich der Beanstandungen der Beigeladenen, wonach mit dem streit-

betroffenen  Vorhaben  angesichts  der  Antennenausrichtungen  im  Wesent-

lichen das Nichtbauzonenland abgedeckt werden solle, ist zunächst festzu-

halten, dass unstrittig Abschnitte der übergeordneten Verkehrsinfrastruktur,

welche ausserhalb der Bauzone im Norden der Ortschaft vorbeiführt, abge-

deckt werden sollen. So dient die Antennen mit der Ausrichtung Azimut 270°

angesichts dieser Senderichtung sowie der hohen Sendeleistung fraglos zur

Hauptsache der Versorgung der übergeordneten Verkehrsträger und mithin

von  Nichtbauzonenland.  Abgesehen  davon,  dass  eine  Anlage  mit  einem

Standort in der  Gewerbezone gemäss Art. 37  Abs. 1  BZO auch der über-

kommunalen  Versorgung  dienen  darf  –  wobei,  wie  im  ersten  Rechtsgang

festgehalten, diesbezüglich aufgrund der hierzu erforderlichen Höhe und der

konkreten Umstände aus Einordnungsüberlegungen enge Grenzen zu set-

zen sind –, ist vorliegend indes insgesamt nicht davon auszugehen, dass zu

einem überwiegenden Teil Nichtbauzonenland abgedeckt werden soll.

In der Ausrichtung Azimut 30° weisen die Antennen eine moderate Sende-

leistung auf (d.h. lediglich etwas mehr als die Hälfte der Leistung der übrigen
Senderichtungen)  und  werden  mithin  trotz  der  Senderichtung  (zur  Bauzo-

nengrenze)  nur  teilweise  auch  Nichtbauzonenland  und  die  Verkehrsinfra-

struktur im Norden abdecken. In Bezug auf die Antennen mit der Ausrichtung

Azimut 130° liegt aufgrund der Ausrichtung auf der Hand, dass diese Anten-

nen zur Hauptsache Bauzonenland abdecken sollen. Insbesondere aufgrund

der vorliegend begrenzten Ausdehnung der Bauzone ist ferner nicht zu ver-

meiden,  dass  die  Anlage  auch  über  die  Bauzonengrenze  hinaus  senden

wird,  zumal  elektromagnetische  Strahlung  nicht  an  der  Zonengrenze  halt-

macht.

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Die  Rüge  der  Beigeladenen  hinsichtlich  der Zonenkonformität  erweist  sich

als unbegründet.

6.

Zusammenfassend ist der angefochtene Entscheid in Gutheissung des Re-

kurses aufzuheben. Der Gemeinderat X ist einzuladen, die Baubewilligung

für  das  nachgesuchte  Bauvorhaben  unter  den  notwendigen  Nebenbestim-

mungen (namentlich hinsichtlich einer der Umgebung angepassten Farbge-

bung) zu erteilen.

7.

Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten zur Hälfte dem Gemeinderat X

und unter solidarischer Haftung für die Hälfte der Kosten zu je 1/52 den Bei-

geladenen  2-27  aufzuerlegen  (§  13  des  Verwaltungsrechtspflegegesetzes

[VRG]).

Nach § 338 Abs. 1 PBG bzw. § 2 der Gebührenverordnung des Verwaltungs-

gerichts (GebV VGr) legt das Baurekursgericht die Gerichtsgebühr nach sei-

nem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem bestimm-

baren  Streitwert  oder  dem tatsächlichen  Streitinteresse fest. Liegt  wie  hier

ein Verfahren ohne bestimmbaren Streitwert vor, beträgt die Gerichtsgebühr

in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 Abs. 2 GebV

VGr).  Bei  der  Bemessung  der  Gebührenhöhe  steht  der  Rekursinstanz  ein

grosser  Ermessensspielraum  zu  (Kaspar  Plüss,  in:  Kommentar  VRG,

3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 13 Rz. 25 ff.).

Demnach ist die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 5'200.-- festzusetzen.

8.

Gemäss § 17 Abs. 2 lit. a VRG kann im Rekursverfahren und im Verfahren

vor dem Verwaltungsgericht die unterliegende Partei oder Amtsstelle zu ei-

ner  angemessenen  Entschädigung  für  die  Umtriebe  der  Gegenpartei  ver-

pflichtet werden, wenn die rechtsgenügende Darlegung komplizierter Sach-

verhalte und schwieriger Rechtsfragen besonderen Aufwand erforderte oder

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den Beizug eines Rechtsbeistandes rechtfertigte. Die Bemessung der Um-

triebsentschädigung richtet sich nach § 8 GebV VGr.

Der Beizug eines Rechtsbeistandes ist in aller Regel als Grund für die Zu-

sprechung einer  Umtriebsentschädigung einzustufen  (VB.2003.00093 vom

16. Oktober 2003, E. 3.1.). Demnach ist vorliegend der Rekurrentin eine Um-

triebsentschädigung  zuzusprechen. Angemessen erscheint ein Betrag  von

Fr. 1'950.--, zahlbar zu je 1/26 durch die solidarisch für den Gesamtbetrag

haftbaren Beigeladenen 2-27. Da die Umtriebsentschädigung pauschal fest-

gelegt  wird,  entfällt  die  Zusprechung  eines  Mehrwertsteuerzusatzes  von

vornherein (BRKE II Nrn. 0247 und 0248/2007 in BEZ 2007 Nr. 56).

Der  Vorinstanz  und  den  Beigeladenen  steht  die  beantragte  Umtriebsent-

schädigung ausgangsgemäss von vornherein nicht zu.

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