# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8933c633-c879-5a53-bae6-39d0aa406dd5
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-16
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 16.08.2023 SK 2022 416
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2022-416_2023-08-16.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Urteil
SK 22 416+417

Hochschulstrasse 17
Postfach 
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 16. August 2023 

Besetzung Oberrichter Horisberger (Präsident i.V.), 
Oberrichterin Weingart, Oberrichter Schmid
Gerichtsschreiber Stähli

Verfahrensbeteiligte A.________
a.v.d. Rechtsanwalt B.________

Beschuldigter/Berufungsführer

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

 

Gegenstand versuchte schwere Körperverletzung, mehrfach begangen sowie 
Widerrufsverfahren

Berufung gegen das Urteil des Regionalgerichts Emmental-
Oberaargau (Kollegialgericht) vom 30. März 2022 (PEN 21 
331+332)

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Erwägungen:

I. Formelles

1. Erstinstanzliches Urteil

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau (Kollegialgericht in Dreierbesetzung; 
nachfolgend Vorinstanz) fällte betreffend A.________ (nachfolgend Beschuldigter) 
am 30. März 2022 folgendes Urteil (pag. 442 ff.). 

I.

A.________ wird schuldig erklärt:

der versuchten schweren Körperverletzung, mehrfach begangen am 28.12.2018, ca. 11:10 Uhr in 
Langenthal z.N. von C.________ und D.________

und in Anwendung der 
Art. 22 Abs. 1, 40, 43, 44, 47, 49 Abs. 1, 66a, 122 StGB
Art. 426 ff. StPO 
Art. 21 und 24 der Verordnung (EG) Nr. 1987/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 
20. Dezember 2006 über die Einrichtung, den Betrieb und die Nutzung des Schengener Informations-
systems der zweiten Generation (SIS II) 
Art. 20 ff. N-SIS-Verordnung

verurteilt:

1. Zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten.

Davon sind 12 Monate zu vollziehen. Für eine Teilstrafe von 24 Monaten wird der Vollzug aufge-
schoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.

2. Zu einer Landesverweisung von 5 Jahren.

Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 
Schengener Informationssystem (SIS) angeordnet.

3. Zu den Verfahrenskosten, sich zusammensetzend aus Gebühren von CHF 19'100.00 und Aus-
lagen von CHF 5'227.65, insgesamt bestimmt auf CHF 24'327.65.

[Kostentabelle]

II. 

1. Der A.________ mit Strafbefehl der Regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau vom 
18.12.2018 für eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je CHF 30.00, ausmachend CHF 300.00, 
gewährte bedingte Vollzug wird nicht widerrufen. 

2. Die Verfahrenskosten für das Widerrufsverfahren von CHF 300.00 werden A.________ aufer-
legt.

III.

1. Die amtliche Entschädigung für die amtliche Verteidigung von A.________ durch Rechtsanwalt 
B.________ wird wie folgt bestimmt:

[Honorartabelle]

3

Der Kanton Bern entschädigt Rechtsanwalt B.________ für die amtliche Verteidigung von 
A.________ mit CHF 11'668.65. 

A.________ hat dem Kanton Bern die ausgerichtete amtliche Entschädigung zurückzuzahlen, 
sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).

IV.

Weiter wird beschlossen:

[Eröffnungsformel]

2. Berufung

Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte, amtlich verteidigt durch Rechtsan-
walt B.________, mit Eingabe vom 30. März 2022 fristgerecht Berufung an 
(pag. 447). Mit Eingabe vom 25. Juli 2022 folgte die ebenso frist- und formgerechte 
Berufungserklärung des Beschuldigten (pag. 515 ff.). 

Seitens der Generalstaatsanwaltschaft wurden keine Gründe für ein Nichteintreten 
geltend gemacht und keine Anschlussberufung erklärt (pag. 528 f.). 

3. Oberinstanzliche Beweisergänzungen und Würdigungsvorbehalt

Im Hinblick auf die oberinstanzliche Hauptverhandlung wurde von Amtes wegen 
über den Beschuldigten beim Amt für Migration und Bürgerrecht des Kantons Ba-
sel-Landschaft ein Bericht zur Prüfung der strafrechtlichen Landesverweisung (da-
tierend vom 29. Juni 2023; pag. 558 f.) eingeholt. Sodann wurde ein Leumundsbe-
richt samt Erhebungsformular wirtschaftliche Verhältnisse (datierend vom 10. Juli 
2023; pag. 561 ff.) sowie ein aktueller Strafregisterauszug (datierend vom 13. Juli 
2023; pag. 572 f.) eingeholt. Ferner wurde von Amtes wegen der aktuellste Bei-
standschaftsbericht Kindesschutz betreffend die beiden Kinder des Beschuldigten 
angefordert, woraufhin der Regionale Sozialdienst F.________ (Ort) telefonisch 
mitteilte, dass die Beistandschaft durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehör-
de (KESB) eingestellt wurde (pag. 550). Stattdessen wurden die Akten der KESB 
Oberaargau eingeholt (pag. 575 ff.). 

Mit Eingabe vom 3. August 2023 (Eingang per Fax: 4. August 2023) beantragte 
Rechtsanwalt B.________ namens des Beschuldigten, es sei E.________, die Ex-
Ehefrau des Beschuldigten, an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung als Zeugin 
einzuvernehmen (pag. 601 f.; pag. 606 f.). Zur Begründung wurde angeführt, die 
Befragung sei notwendig zur Beurteilung eines allfälligen schweren persönlichen 
Härtefalls i.S.v. Art. 66a Abs. 2 StGB. 

Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte in ihrer Stellungnahme vom 7. August 
2023 die Abweisung des Beweisantrags und führte zur Begründung aus, die fragli-
chen Umstände könnten anhand der Akten ohne Weiteres beurteilt werden. Es sei 
nicht ersichtlich, inwiefern eine Befragung der Ex-Ehefrau des Beschuldigten neue 
Erkenntnisse bringen sollte (pag. 611). 

Mit Beschluss vom 9. August 2023 wurde der Beweisantrag abgewiesen und für 
die Begründung vorab auf die Stellungnahme der Generalstaatsanwaltschaft ver-
wiesen. Weiter wurde ausgeführt, dass die Familienverhältnisse des Beschuldigten 

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aktenkundig sind und er an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung auch zu sei-
ner Person befragt wird, wobei er sich zur aktuellen Beziehung zu seiner Ex-
Ehefrau äussern kann (pag. 612 f.). 

An der oberinstanzlichen Hauptverhandlung stellte Rechtsanwalt B.________ vor-
frageweise folgende Anträge (pag. 615 und pag. 646): 

I. Anträge
1. Der angeklagte Sachverhalt sei unter dem Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG, eventualiter un-

ter dem Tatbestand von Art. 90 Abs. 3 SVG zu würdigen und zu beurteilen.
II. Beweisanträge
2. Es seien der neue Arbeitsvertrag ab 1. Januar 2023, die Lohnabrechnung Januar 2023, das 

Schreiben des Berufungsklägers vom 31.01.2023 an das Sozialamt der Ex-Ehefrau, die Quittun-
gen betr. bezahlte Kinderunterhaltsbeiträge, das Schreiben vom 20. April 2023 und 19. Juli 2023 
der Sozialen Dienste F.________ (Ort) bezüglich Familienzulagen sowie [sic] zu den Akten zu 
nehmen und als Beweismittel zuzulassen. 

3. Es sei Frau E.________, F.________ (Adresse), als Zeugin zu befragen.  

Zur Begründung des Würdigungsvorbehalts führt Rechtsanwalt B.________ aus, 
der Sachverhalt könne gemäss dem Beweisergebnis der Verteidigung mangels 
Schädigungsvorsatzes lediglich unter Art. 90 SVG subsumiert werden. Die Ankla-
geschrift enthalte alle für eine Subsumtion unter Art. 90 Abs. 2 und 3 SVG erforder-
lichen Umstände. Zur Begründung der Beweisanträge wurde angeführt, die einge-
reichten Unterlagen würden zur Aktualisierung der Umstände in Bezug auf die 
Landesverweisung dienen, welche gegebenenfalls zu prüfen sei. Zum erneuten An-
trag um Befragung der Ex-Ehefrau des Beschuldigten als Zeugin wurde im Wesent-
lichen dasselbe ausgeführt wie in der Eingabe vom 3. August 2023 (zum Ganzen 
pag. 616). 

Die Generalstaatsanwaltschaft erhob keine grundsätzlichen Einwände gegen den 
beantragten Würdigungsvorbehalt, hielt aber an der rechtlichen Würdigung gemäss 
der Anklageschrift fest. Hinsichtlich die eingereichten Unterlagen wurden ebenso 
keine Einwände erhoben. Hingegen sei der erneute Antrag um Einvernahme der 
Ex-Ehefrau des Beschuldigten abzuweisen, wobei auf die Stellungnahme der Ge-
neralstaatsanwaltschaft vom 7. August 2023 (pag. 610 f.) und den Beschluss der 
Kammer vom 9. August 2023 (pag. 612 f.) verwiesen werde. An der Ausgangslage 
habe sich nichts geändert (zum Ganzen pag. 616).

Die Kammer wies den von der Verteidigung beantragten Würdigungsvorbehalt ab 
und führte aus, dass die Umschreibung des zur Anklage gebrachten Sachverhalts 
klarerweise von der rechtlichen Würdigung der versuchten schweren Körperverlet-
zung ausgeht und nur dieser Sachverhalt geprüft wird. Die eingereichten Unterla-
gen (Arbeitsvertrag, die Lohnabrechnung Januar 2023, Schreiben des Berufungs-
klägers vom 31.01.2023 an das Sozialamt der Ex-Ehefrau, Quittungen betr. bezahl-
te Kinderunterhaltsbeiträge, Schreiben vom 20. April 2023 und 19. Juli 2023 der 
Sozialen Dienste F.________ (Ort) bezüglich Familienzulagen; pag. 647 ff.) wurden 
zu den Akten erkannt. Der neuerliche Antrag um eine Zeugenbefragung der Ex-
Ehefrau des Beschuldigten wurde – nach der Einvernahme des Beschuldigten – 

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abgewiesen. Zur Begründung wurde auf den Beschluss der Kammer vom 9. Au-
gust 2023 verwiesen (zum Ganzen pag. 617 f. und pag. 638). 

An der oberinstanzlichen Hauptverhandlung wurde der Beschuldigte erneut zu sei-
ner Person und zur Sache befragt (pag. 619 ff.). 

4. Anträge der Parteien

4.1 Verteidigung

Die Verteidigung stellte an der oberinstanzlichen Hauptverhandlung namens des 
Beschuldigten folgende Anträge (pag. 653 f.): 

Hauptbegehren
1. Die Verurteilung des Berufungsklägers wegen mehrfach versuchter schwerer Körperverlet-

zung angeblich begangen am 28. Dezember 2018 sei vollumfänglich aufzuheben und der 
Berufungskläger freizusprechen. Weiter sei die angeordnete Landesverweisung aufzuheben. 

2. Die erstinstanzliche Kostenauferlegung gemäss Ziffer I / 3 und II / 2 des Urteilsdispositivs sei 
aufzuheben und die gesamten Verfahrenskosten der Staatskasse aufzuerlegen. 

3. Die gemäss Ziffer III / 1 des Urteilsdispositivs dem Beschuldigten auferlegte Rückzahlungs-
pflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO sei aufzuheben und die Kosten der amtlichen Verteidi-
gung seien vollumfänglich und endgültig auf die Staatskasse zu nehmen. 

4. Die Verfahrenskosten für das Berufungsverfahren (inklusive Kosten der amtlichen Verteidi-
gung) seien endgültig auf die Staatskasse zu nehmen. 

Eventual und Subeventualbegehren
5. Eventualiter sei der Berufungskläger – nach Aufhebung des angefochtenen Urteils – wegen 

grober Verletzung der Verkehrsregeln i.S.v. Art. 90 Abs. 2 SVG, sub-eventualiter wegen qua-
lifizierter grober Verletzung der Verkehrsregeln i.S.v. Art. 90 Abs. 3 SVG zu einer bedingten 
Freiheitsstrafe von höchstens 12 Monaten zu verurteilen. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei 
aufzuschieben und die Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen. 

6. Es seien die Kosten der Untersuchung und des erst- und obergerichtlichen Verfahrens (ohne 
Kosten der amtlichen Entschädigung) im Umfang von 1/5 dem Beschuldigten aufzuerlegen 
und im Umfang von 4/5 auf die Staatskasse zu nehmen sowie die Kosten für die amtliche 
Verteidigung im Umfang von 1/5 einstweilen und im Umfang von 4/5 definitiv auf die Staats-
kasse zu nehmen. 

Weitere Anträge
7. Es sei festzustellen, dass die Strafverfolgungsbehörden und das erstinstanzliche Gericht im 

vorliegenden Fall das Beschleunigungsgebot massiv verletzt haben. 
8. Die eingereichte Honorarnote der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahrens sei zu 

genehmigen. 

4.2 Generalstaatsanwaltschaft

Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte Folgendes (pag. 657 f.): 
I.

A.________ sei schuldig zu erklären: 
der versuchten schweren Körperverletzung, mehrfach begangen am 28.12.2018, ca. 11:10 Uhr, in 
Langenthal z.N. von C.________ und D.________
und er sei in Anwendung von Art. 22 Abs. 1, 40, 43, 44, 47, 49 Abs. 1, 66a Abs. 1 Bst. b, 122 StGB; 
Art. 426 ff. StPO

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zu verurteilen:

1. zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten. 
Davon seien 12 Monate zu vollziehen. Für eine Teilstrafe von 24 Monaten sei der Vollzug 
aufzuschieben und die Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen. 

2. zu einer Landesverweisung von 5 Jahren. 
3. zur Bezahlung der erst- und oberinstanzlichen Verfahrenskosten (inkl. einer angemessenen 

Gebühr gemäss Art. 21 VKD). 

II.

1. Der A.________ mit Urteil der Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau vom 
18.12.2018 (EO 18 6860) für eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je CHF 30.00, ausma-
chend CHF 300.00, gewährte bedingte Vollzug sei nicht zu widerrufen (Art. 46 Abs. 2 StGB). 

2. Die erst- und oberinstanzlichen Kosten für das Widerrufsverfahren seien A.________ aufzu-
erlegen. 

III.

Im Weiteren sei zu verfügen: 
1. Es sei die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufenthaltsverweigerung) im 

Schengener Informationssystem (SIS) anzuordnen. 
2. Das Honorar des amtlichen Verteidigers sei gerichtlich zu bestimmen (Art. 135 StPO). 

5. Verfahrensgegenstand und Kognition der Kammer

Das erstinstanzliche Urteil wird grundsätzlich vollumfänglich angefochten. Zu über-
prüfen ist der Schuldspruch wegen mehrfacher versuchter schwerer Körperverlet-
zung sowie die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe, die Anordnung einer Landes-
verweisung für die Dauer von 5 Jahren samt SIS-Ausschreibung und die erstin-
stanzliche Kostenverlegung, einschliesslich die Kosten des Widerrufsverfahrens 
(Ziff. II.2. des erstinstanzlichen Urteils) und die Rückzahlungspflicht der amtlichen 
Entschädigung (Ziff. III.1. des erstinstanzlichen Urteils). 

Der Nicht-Widerruf des mit Urteil der Regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-
Oberaargau vom 18. Dezember 2018 gewährten bedingten Vollzugs für eine 
Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je CHF 30.00 (Ziff. II.1. des erstinstanzlichen Ur-
teils) kann dabei aufgrund des angefochtenen Schuldspruchs nicht in Rechtskraft 
erwachsen, obwohl seitens der Parteien in diesem Punkt keine Abänderung des 
erstinstanzlichen Urteils beantragt wurde (vgl. etwa Urteil des Obergerichts des 
Kantons Bern SK 20 277 vom 23. April 2023, E. 6). Allfällig zu widerrufende Strafen 
haben zudem Einfluss auf die Prognosestellung betreffend den bedingten Strafvoll-
zug (STEFAN TRECHSEL/MARK PIETH, in: Schweizerisches Strafgesetzbuch – Pra-
xiskommentar, 4. Aufl. 2021, N 14 zu Art. 42 StGB). Wenn auch der Beschuldigte 
als alleiniger Berufungsführer in diesem Punkt nicht beschwert ist, muss es der 
Kammer möglich sein, auf das Widerrufsverfahren zurückzukommen. 

Die Festsetzung der Entschädigung für die amtliche Verteidigung im erstinstanzli-
chen Verfahren wurde in oberer Instanz nicht angefochten und ist in Rechtskraft 
erwachsen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_1231/2022 vom 10. März 2023). Da-
von ausgenommen ist eine allfällige Rück- und Nachzahlungspflicht des Beschul-
digten. 

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Die Kammer überprüft die angefochtenen Punkte mit voller Kognition (Art. 398 
Abs. 3 Schweizerische Strafprozessordnung [StPO; SR 312.0]). Aufgrund der allei-
nigen Berufung durch den Beschuldigten darf das erstinstanzliche Urteil nicht zu 
seinen Ungunsten abgeändert werden; es gilt das Verschlechterungsverbot 
(Art. 391 Abs. 2 StPO). 

6. Verletzung des Anklagegrundsatzes? 

Die Verteidigung rügte wie bereits in erster Instanz eine Verletzung des Anklage-
grundsatzes. Sie begründete dies damit, dass in der Anklageschrift nicht ausge-
führt werde, wann der Beschuldigte den unterstellten Vorsatz zur schweren Kör-
perverletzung gefasst habe. Die Anklageschrift führe aus, der Beschuldigte sei 
noch in der Absicht zur Führung eines Gesprächs nach G.________ (Ort) gefah-
ren. Wann er sich stattdessen umentschieden haben solle, gehe aus der Anklage-
schrift nicht hervor. In der Anklageschrift hätte geschrieben werden müssen, dass 
der Beschuldigte beim Wenden einen entsprechenden Vorsatz gefasst habe. Da 
dies jedoch fehle, verletze der vorinstanzliche Schuldspruch den Anklagegrundsatz 
(zum Ganzen pag. 639).

Der Einwand der Verteidigung ist unbegründet. Es kann vorab auf die korrekten 
Ausführungen der Generalstaatsanwaltschaft im oberinstanzlichen Parteivortrag 
(pag. 641 f.) sowie die Erwägungen der Vorinstanz (Ziff. II. des erstinstanzlichen 
Urteilsmotivs; pag. 459 f.) verwiesen werden. Es ist nicht einzusehen, welche wei-
teren Angaben im Anklagesachverhalt erforderlich sein sollen. Dem Beschuldigten 
war zur Ausübung seiner Verteidigungsrechte ausreichend klar, was ihm vorgewor-
fen wird. Der Vorschlag der Verteidigung, in welchem Zeitpunkt der Vorsatz gefasst 
worden sein müsse, belegt, dass auch seitens der Verteidigung keine Missver-
ständnisse oder Unklarheiten dazu vorliegen, was dem Beschuldigten vorgeworfen 
wird. 

II. Sachverhalt und Beweiswürdigung

7. Rechtliche Grundlagen zur Beweiswürdigung

Es wird auf die korrekten Ausführungen der Vorinstanz verwiesen (Ziff. III.1. des 
erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 460 ff.). 

8. Vorwurf gemäss Anklageschrift

Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift vom 7. Januar 2021 versuchte 
schwere Körperverletzung, mehrfach begangen am 28. Dezember 2018 in Langen-
thal, zum Nachteil von C.________ und D.________, vorgeworfen, durch folgendes 
Vorgehen (pag. 329 f.):  

A.________ war wütend auf die Familie C.________ / D.________, insbesondere auf D.________, 
weil diese seine Ehefrau unterstützten, welche ihn nach häuslicher Gewalt verlassen hatte. Er hat 
deshalb mehrfach gedroht, dass er die ganze Familie umbringe, wenn sie ihm seine Frau nicht 
zurückschicken würden. Die Ehegatten D.________ und C.________ haben diese Drohungen jedoch 
nicht ernst genommen.

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Am 28.12.2018 wollte A.________ wieder einmal mit D.________, welche in G.________ (Ort) arbei-
tet, über seine Exfrau und die Kinder sprechen. Deshalb fuhr er von Langenthal Richtung G.________ 
(Ort). In G.________ (Ort) kam ihm das Fahrzeug der Ehegatten D.________ und C.________, ein 
Hyundai i20, entgegen. Am Steuer sass C.________, auf dem Beifahrersitz D.________. A.________ 
wendete sein Fahrzeug bei der Landi G.________ (Ort) und fuhr den beiden nach, wiederum Rich-
tung Langenthal. Der Abstand war bis H.________ (Ort) gross. Nach H.________ (Ort), auf der lan-
gen Geraden Richtung Langenthal, im Ausserortsbereich (zulässige Höchstgeschwindigkeit 80 km/h), 
beschleunigte A.________ seinen Personenwagen VW Touran auf 135 km/h nach Abzug der Sicher-
heitsmarge von 14 km/h (Auslesung Bordcomputer 149 km/h) und fuhr mit dieser Geschwindigkeit 
absichtlich frontal in das Heck des Personenwagens der Ehegatten D.________ und C.________, 
welcher zu diesem Zeitpunkt eine Geschwindigkeit von ca. 70 km/h hatte. 

Das Fahrzeug der Ehegatten D.________ und C.________ wurde durch die Kollision von der Fahr-
bahn geschleudert, drehte sich im Wiesland ca. 270 Grad um die eigene Achse, ohne sich zu über-
schlagen, und kam dann zum Stillstand. 

D.________ hatte nach dem Unfall ca. 14 Tage körperliche Schmerzen, war jedoch nicht verletzt. 
Schlimmer waren die psychischen Folgen, da sie fürchtete, dass so etwas wieder passieren könnte, 
ihr oder ihrer Familie. 

C.________ litt unmittelbar nach dem Unfall an geringgradigen Schmerzen bei Links- und Rechtsdre-
hung der Halswirbelsäule, an einer Druckdolenz im mittleren Bereich der Brustwirbelsäule über den 
Dornfortsätzen. Danach hatte er ca. vier Monate Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich, welche 
er jedoch lediglich mit Schmerzmitteln behandelt hat. Auch psychisch ging es ihm ca. vier Monate 
nicht gut. Danach hatte er keine Beschwerden mehr. 

Dass die Ehegatten D.________ und C.________ keine gravierenderen Verletzungen erlitten haben, 
ist reiner Zufall bzw. Glück. A.________ ist absichtlich mit hoher Geschwindigkeit, insbesondere mit 
einem grossen Geschwindigkeitsunterschied von ca. 65 km/h auf das Fahrzeug der Geschädigten 
aufgefahren und hat damit eine schwere Verletzung der beiden zumindest in Kauf genommen (Even-
tualvorsatz) wenn nicht gar beabsichtigt (direkter Vorsatz).

Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung brachte die Staatsanwaltschaft 
eine Präzisierung betreffend die Geschwindigkeit des Beschuldigten an. Diese ha-
be gemäss Auslesung 139 km/h, statt 149 km/h, betragen. Nach Abzug der Sicher-
heitsmarge ergäbe sich somit eine Geschwindigkeit von 125 km/h und der Ge-
schwindigkeitsunterschied zum Auto der Geschädigten habe 55 km/h betragen 
(pag. 419). 

9. Unbestrittener und bestrittener Sachverhalt

Die Vorinstanz hat den unbestrittenen und bestrittenen Sachverhalt, wie folgt, zu-
treffend festgehalten (Ziff. III.3. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 463 f.): 

Der Rahmensachverhalt ist vorliegend grösstenteils unbestritten und gestützt auf die vorhandenen 
Beweismittel erstellt. Insbesondere sind vorliegend die familiären Verhältnisse zwischen dem Be-
schuldigten und den Geschädigten unstrittig. So handelt es sich bei der Geschädigten D.________ 
um die Tante der damaligen und mittlerweile geschiedenen (p. 233 ff.) Ehefrau des Beschuldigten. 
Letztere lebte zum Tatzeitpunkt mit den beiden gemeinsamen Kindern – aufgrund häuslicher Gewalt 
seitens des Beschuldigten (p. 27 ff.) – bereits getrennt vom Beschuldigten (p. 27 ff., p. 221 ff.). Das 
von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) mit Entscheid vom 09.08.2018 angeordnete 

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begleitete Besuchsrecht wurde vom Beschuldigten bis zum Tatzeitpunkt nie wahrgenommen (p. 221 
ff., p. 228 ff.). 

In diesem Zusammenhang ist grundsätzlich unbestritten, dass der Beschuldigte D.________ bzw. 
beiden Geschädigten zum Tatzeitpunkt die Schuld am Scheitern seiner Ehe gab, wie er selbst mehr-
fach zu Protokoll gab (vgl. p. 146 Z. 162 f.; p. 151 Z. 68, vgl. auch p. 23 und p. 113 Z. 63 ff.). 

Gestützt auf die in diesem Punkt übereinstimmenden Aussagen sowie die übrigen Beweismittel ist 
weiter unbestritten und erstellt, dass dem Beschuldigten am 28.12.2018 um ca. 11:00 Uhr in 
G.________ (Ort) – als er auf dem Weg zu D.________ war, um mit dieser über seine familiäre Situa-
tion zu sprechen – das Fahrzeug der Geschädigten entgegenkam, der Beschuldigte sein Fahrzeug 
wendete und den Geschädigten, die er beide im Fahrzeug wahrnahm (p. 146 Z. 155 f.), in Richtung 
Langenthal hinterherfuhr, wo es auf der Strecke zwischen H.________ (Ort) und Langenthal zu einer 
Kollision zwischen den Fahrzeugen der Beteiligten kam (p. 3 ff., p. 99 ff., p. 112 ff., p. 144 ff.). Zum 
konkreten Unfallhergang ist lediglich unbestritten bzw. erstellt, dass das Fahrzeug des Beschuldigten 
mit demjenigen der Geschädigten kollidierte, das Fahrzeug der Geschädigten von der Fahrbahn ge-
schleudert wurde, sich im Wiesland drehte und dann zum Stillstand kam. Das Fahrzeug des Beschul-
digten kam ca. 300 Meter weiter auf der Strasse zum Stillstand. Beide Fahrzeuge erlitten einen Total-
schaden (p. 47 ff.). Die Geschädigten erlitten durch die Kollision unbestrittenermassen leichte Verlet-
zungen, wobei diesbezüglich auf die Anklageschrift und die entsprechenden Arztberichte verwiesen 
wird (p. 200 f., p. 204 f., p. 213 f. und p. 217 f.). Hinweise, wonach bei den Beteiligten die Fahrfähig-
keit aufgrund von Alkohol oder sonstigen Substanzen eingeschränkt war, liegen keine vor (p. 80 ff.). 

Demgegenüber ist strittig und muss im Rahmen der Beweiswürdigung geprüft werden, wie es genau 
zur Kollision kam, namentlich, ob der Beschuldigte absichtlich mit einer Geschwindigkeit von 139 
km/h frontal in das Heck des Personenwagens der Geschädigten fuhr, welcher zu diesem Zeitpunkt 
rund 70 km/h fuhr, oder ob der Beschuldigte aufgrund eines misslungenen Überholmanövers, d.h. un-
absichtlich, mit dem Fahrzeug der Geschädigten kollidierte.

Zudem ist weiter strittig, ob der Beschuldigte im Vorfeld des Unfalltags gegenüber den Geschädigten 
bzw. deren Familie Drohungen ausgestossen hat. Zwar wurde das Verfahren gegen den Beschuldig-
ten diesbezüglich eingestellt, so dass diese Vorwürfe nicht Gegenstand der Anklage sind (p. 325 ff.). 
Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Sachverhalt im Zusammenhang mit allfälligen Drohungen für die 
vorliegende Würdigung nicht berücksichtigt werden kann. Insbesondere lassen die Geschehnisse im 
Vorfeld des Unfalltags allenfalls Rückschlüsse auf die Absicht des Beschuldigten im Zeitpunkt der Kol-
lision zu. Dem steht Art. 11 Abs. 1 StPO (ne bis in idem) nicht entgegen. 

10. Beweisergebnis der Vorinstanz

Die Vorinstanz hielt zunächst fest, dass die objektiven Beweismittel und die Spu-
renlage am Unfallort eine frontale Kollision des Fahrzeugs des Beschuldigten mit 
dem Heck des Fahrzeugs der Geschädigten belegen würden. Dies lege nahe, dass 
der Beschuldigte die Kollision mit Absicht herbeigeführt habe bzw. die vom Be-
schuldigten behauptete Kollision im Rahmen eines abgebrochenen Überholmanö-
vers deutlich weniger wahrscheinlich sei. Die Aussagen des Beschuldigten liessen 
sodann ebenso auf eine absichtliche Herbeiführung der Kollision schliessen, eben-
so die Vorgeschichte und die familiären Umstände. Zusammenfassend erachtete 
die Vorinstanz den Sachverhalt gemäss Anklageschrift als erstellt. Der Beschuldig-
te sei mit seinem Fahrzeug mit einer Geschwindigkeit von 139 km/h absichtlich in 

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das Heck des Fahrzeugs der Geschädigten gefahren (zum Ganzen Ziff. III.5. des 
erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 466 ff.).

11. Vorbringen der Parteien

11.1 Verteidigung 

Seitens der Verteidigung wird kritisiert, dass auf eine Absicht bzw. Inkaufnahme ei-
ner Körperverletzung der Geschädigten geschlossen werde. Die Vorinstanz habe 
diesbezüglich die Aussagen des Beschuldigten fälschlicherweise als widersprüch-
lich qualifiziert. Tatsächlich könnten seine unterschiedlichen Erklärungen, was er 
genau beabsichtigt habe, auch kumulativ betrachtet werden. Er habe einfach seine 
Familie zurückgewinnen wollen, aber offensichtlich keinen konkreten Plan hierfür 
gehabt. Die Geschädigten hätten sich demgegenüber entgegen der Vorinstanz 
tatsächlich in Widersprüche verstrickt, so hinsichtlich der Aussage, wie weit das vor 
ihnen fahrende Auto entfernt gewesen sei (50-100 Meter vs. 150-200 Meter). Das 
Fehlen von Bremsspuren sei darauf zurückzuführen, dass der Beschuldigte nicht 
habe abbremsen können, bis es zur Kollision gekommen sei. Die Geschädigten 
hätten zur Kollision nur Vermutungen äussern können. Letztlich habe der Beschul-
digte einfach seine Fahrfähigkeiten masslos überschätzt. Sein Verhalten möge ob-
jektiv fragwürdig erscheinen, sei aber menschlich nachvollziehbar. Ob er zuvor ge-
genüber den Geschädigten Drohungen ausgestossen habe, sei irrelevant und dürfe 
angesichts der rechtskräftigen Verfahrenseinstellung nicht zur Begründung einer 
Schädigungsabsicht herangezogen werden. Insoweit habe die Vorinstanz den 
Grundsatz ne bis in idem verletzt (Zum Ganzen pag. 639 ff.). 

11.2 Generalstaatsanwaltschaft

Gemäss der Generalstaatsanwaltschaft würden die Aussagen des Beschuldigten 
über ein angeblich verunglücktes Überholmanöver keinen Sinn ergeben. Es sei 
nicht ersichtlich, weshalb er das Überholmanöver nicht einfach kontrolliert hätte 
abbrechen können, wenn es denn stattgefunden hätte. Dafür hätte er in erster Linie 
abbremsen müssen, was gemäss der Spurenlage aber nicht erfolgt sei. Bei seiner 
Schilderung müsste es auch eher zu einer seitlichen Kollision gekommen sein. Die 
Spuren des Unfalls würden sich mit der Version des Beschuldigten einfach nicht in 
Einklang bringen lassen. Sein Aussageverhalten sei generell widersprüchlich. Viele 
seiner Erklärungsversuche würden nachgeschoben wirken. Stimmig und nachvoll-
ziehbar seien einzig die Aussagen der Geschädigten. Es sei erstellt, dass der Be-
schuldigte im Zeitpunkt der Kollision mit einer Geschwindigkeit von 139 km/h un-
terwegs gewesen sei. Die zur Anklage gebrachte Version lasse sich auch mit der 
Vorgeschichte vereinbaren. Der Beschuldigte habe die Geschädigten kurze Zeit vor 
dem Unfall mit dem Tod bedroht. Dies sei auch von deren Söhnen bestätigt wor-
den. Zu einer Verfahrenseinstellung sei es nur gekommen, weil die Drohung nicht 
ernst genommen worden sei. Es verletzte ausserdem nicht den Grundsatz ne bis in 
idem, die geäusserten Drohungen als erstellt zu erachten (zum Ganzen 
pag. 641 ff.). 

11

12. Beweiswürdigung der Kammer

12.1 Vorbemerkungen

Die Vorinstanz hielt zunächst die vorhandenen objektiven Beweismittel fest 
(Ziff. III.4.1. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 464 f.), fasste anschliessend 
die verfügbaren subjektiven Beweismittel zusammen (Ziff. III.4.2. des erstinstanzli-
chen Urteilsmotivs; pag. 465 ff.) und nahm sodann eine gesamthafte Würdigung 
vor. Die massgebenden Beweisthemen wurden grösstenteils mithilfe der objektiven 
Beweismittel untersucht, die punktuell den Aussagen der Betroffenen gegenüber-
gestellt wurden. 

Die Kammer schliesst sich dem sorgfältig hergeleiteten Beweisergebnis der Vorin-
stanz im Wesentlichen an, wie nachfolgend aufgezeigt wird. Dabei wird – nicht zu-
letzt im Hinblick auf die Vorbringen der Verteidigung – zunächst auf das allgemeine 
Aussageverhalten der Parteien eingegangen (sogleich E. 12.2 unten) und ansch-
liessend eine konkrete Beweiswürdigung vorgenommen (E. 12.3 unten), beides je-
weils unter Einbezug der Erwägungen der Vorinstanz.  

12.2 Aussageverhalten der Parteien

Die Vorinstanz fasst die Aussagen der beiden Geschädigten, C.________ als 
Fahrzeugführer und D.________ als Beifahrerin, wie folgt zusammen (pag. 465): 

C.________ und D.________ wurden direkt nach dem Unfall am 28.12.2018 handschriftlich einver-
nommen und machten im Kern übereinstimmende Aussagen zum Unfallhergang bzw. zur Kollision (p. 
23 und p. 26). Beide wurden anschliessend am 09.01.2019 polizeilich als Auskunftspersonen einver-
nommen und bestätigten im Grundsatz ihre bisher gemachten Aussagen (p. 98 ff. und p. 111 ff.). 
Schliesslich liegen ihre (Zeugen-)Aussagen anlässlich der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft 
vom 18.05.2020 vor (p. 106 ff.). 

Zum strittigen Sachverhalt gaben beide jeweils sinngemäss an, der Beschuldigte sei ihnen mit einer 
hohen Geschwindigkeit von hinten frontal ins Heck gefahren (p. 23, p. 101 Z. 108 ff., Z. 125 ff., p. 102 
Z. 185 f., p. 108 Z. 62, p. 26, p. 114 Z. 123 ff., p. 115 Z. 197 f., p. 116 Z. 222 f.). Zudem sagten sie 
beide übereinstimmend aus, dass der Beschuldigte vor der Kollision nicht versucht habe, sie zu über-
holen bzw. hätten sie dies zumindest nicht gesehen. Es sei lediglich weiter vorne noch ein Auto ge-
fahren, welches aber bereits bei der Kurve gewesen sei. Ansonsten habe es im Kollisionszeitpunkt 
weder auf ihrer noch auf der Gegenspur weitere Fahrzeuge gehabt (p. 101 Z. 147 ff., p. 102 Z. 161, Z. 
173 f., p. 103 Z. 209 f., Z. 213 ff., p. 114 Z. 144 ff., Z. 155 f., p. 115 Z. 164 f., Z. 181 f., Z. 185 ff., p. 
116 Z. 210 ff.). Was die vorgängigen Drohungen anbelangt, sagten beide übereinstimmend und sinn-
gemäss aus, dass der Beschuldigte ihrer Familie ca. drei Wochen vor dem 28.12.2018 mit dem Tod 
gedroht habe (p. 99 Z. 37 ff., p. 100 Z. 69 ff., p. 108 Z. 69 ff., p. 113 Z. 63 ff., Z. 81 ff., Z. 100 ff.). 

Die Geschädigten sagten beide konstant aus und widersprachen sich gegenseitig 
nicht. Sowohl hinsichtlich der Vorgeschichte (pag. 99 f., Z. 49 ff.; pag. 26; pag. 113, 
Z. 83 ff.) wie auch zur Kollision am 28. Dezember 2018 (pag. 23; pag. 100 f., 
Z. 95 ff.; pag. 114, Z. 111 ff.) stimmen ihre Angaben überein. Dabei ist zu berück-
sichtigen, dass sie bereits wenige Stunden nach der Kollision auf der Notfallstation 
des Spitals erstmals handschriftlich befragt wurden (pag. 7; pag. 23 und 26). Sie 
hatten bis dahin keine Gelegenheit, sich abzusprechen. Ihre Aussagen wirken so-
dann erlebnisbasiert und detailliert. Besonders die Darstellung, wonach sie den 

12

entgegenkommenden Beschuldigten anhand seines Autokennzeichens «BL» er-
kannt und anschliessend bemerkt hätten, dass er gewendet habe und ihnen nach-
gefahren sei, wirkt selbsterlebt. In diesem Punkt stimmen ihre Aussagen denn auch 
mit denjenigen des Beschuldigten überein. Ihre Angaben zu der Kollision entspre-
chen sodann ihren unterschiedlichen Perspektiven als Fahrer bzw. als Beifahrerin. 
Besonders eindrücklich erscheint die konstante Aussage von D.________ als Bei-
fahrerin, wonach sie zunächst nicht realisiert habe, womit ihr Auto kollidiert sei, und 
sie erst nach dem Aussteigen von ihrem Ehemann und den Ersthelferinnen erfah-
ren habe, was passiert sei (pag. 26; pag. 114, Z. 111 ff.; pag. 123, Z. 131 ff.). 

In den Aussagen beider Geschädigten sind keine Anhaltspunkte erkennbar, die auf 
übermässige Belastung des Beschuldigten hindeuten würden. Zu den erlittenen 
Verletzungen befragt, ist bei beiden keinerlei Dramatisierung ersichtlich (vgl. 
pag. 112, Z. 35; pag. 99, Z. 31 ff.). Auch zur Vorgeschichte, auf die noch einzuge-
hen sein wird, sagte D.________ durchwegs differenziert aus, dass der Beschul-
digte sie nie direkt bedroht habe (pag. 113, Z. 81) oder tätlich gegen sie geworden 
sei (pag. 117, Z. 291 f.). Zu den vorausgegangenen Drohungen des Beschuldigten 
sagten beide beschwichtigend aus, sie hätten dies nicht so ernst genommen 
(pag. 122, Z. 107 f.; ähnlich pag. 100, Z. 69 ff.). 

Die Geschädigten machten im Verfahren keine Zivilforderung gegen den Beschul-
digten geltend und konstituierten sich nicht als Privatkläger, obschon sie wegen 
des Vorfalls nicht gedeckte finanzielle Einbussen erlitten oder zumindest Aussich-
ten auf eine Genugtuung gehabt haben dürften. D.________ verzichtete sogar auf 
das ihr zustehende Zeugengeld (pag. 125, Z. 233). Es ist nicht ersichtlich, welchen 
Vorteil die beiden Geschädigten daraus hätten ziehen sollen, den Beschuldigten 
wahrheitswidrig zu belasten. Ihre fehlende Parteistellung im Strafverfahren gegen 
den Beschuldigten hatte zur Folge, dass sie keine Einsicht in die amtlichen Akten 
nehmen konnten. Dass ihre Darstellung dennoch mit den objektiven Beweismitteln 
übereinstimmt, so unter anderem mit dem Bericht des Unfalltechnischen Dienstes 
und der Dokumentation des Unfallortes (pag. 33 ff.; dazu eingehender E. 12.3 un-
ten), spricht klar für die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen. 

Daran vermögen die Vorbringen der Verteidigung nichts zu ändern. Soweit die Ver-
teidigung entscheidende Widersprüche in den Distanzangaben der Geschädigten 
zum vorausfahrenden Fahrzeug ausgemacht haben will (150-200 Meter [pag. 101, 
Z. 152] vs. 50-100 Meter [pag. 115, Z. 164]), kann ihr nicht gefolgt werden. Einer-
seits machten die Geschädigten klar, dass sie den Abstand nicht mit Sicherheit an-
geben konnten (vgl. insbesondere pag. 115, Z. 164 f.). Es handelt sich offensicht-
lich um Schätzungen. Andererseits dürfte der Abstand zum vorausfahrenden Fahr-
zeug, dem sie über eine längere Strecke gefolgt waren, nicht ständig gleich gross 
gewesen sein. D.________ sagte explizit aus, dass der Abstand stetig grösser ge-
worden sei, weil ihr Ehemann konstant unter der zulässigen Höchstgeschwindigkeit 
gefahren sei (pag. 115, Z. 169 ff.), was wiederum mit dem beiderseits angegebe-
nen Fahrtempo übereinstimmt (pag. 101, Z. 137). Die Geschädigten wurden direkt 
nacheinander befragt und machten ihre übereinstimmenden Angaben, wonach sich 
das vorausfahrende Fahrzeug bei der Kollision nicht unmittelbar vor ihnen befun-
den habe, unabhängig voneinander. Sie hatten mangels Akteneinsicht keine 

13

Kenntnisse darüber, welche Bedeutung die Distanz zum vorausfahrenden Fahr-
zeug für die Beweiswürdigung und die Darstellung des Beschuldigten hatte. 

Im Ergebnis sind die Aussagen der Geschädigten als glaubhaft einzustufen und es 
sind keine Gründe ersichtlich, davon abzuweichen. 

Die Aussagen des Beschuldigten fasste die Vorinstanz folgendermassen zusam-
men (pag. 465 f.): 

Der Beschuldigte wurde erstmals am 29.12.2018 polizeilich einvernommen (p. 142 ff.). Weiter liegen 
seine Aussagen anlässlich der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 18.05.2020 vor 
(p. 149 ff.). Schliesslich wurde er an der Hauptverhandlung vom 29.03.2022 erneut einvernommen 
(p. 420 ff.). 

Der Beschuldigte bestritt durchgehend, den Geschädigten absichtlich ins Heck gefahren zu sein. 
Sinngemäss machte er geltend, er habe die Geschädigten überholen wollen, um mit ihnen zu spre-
chen. Da aber vor den Geschädigten ein grünes Fahrzeug gefahren sei, welches er vorher nicht ge-
sehen habe, sei er wieder zurück auf seine Spur gefahren. Aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit 
und weil die Geschädigten gebremst hätten, sei er ihnen hinten reingefahren (p. 145 Z. 96 ff., p. 146 
Z. 150 f., Z. 155 ff., p. 147 Z. 198 ff., p. 151 Z. 51 ff., Z. 61 f., p. 420 Z. 40 ff., p. 421 Z. 1 ff., Z. 35 ff.). 
Auch allfällige Drohungen im Vorfeld des 28.12.2018 bestritt der Beschuldigte und führte aus, dass 
die Familie lügen würde (p. 151 Z. 71 ff., p. 422 Z. 14 ff.). 

Zum Aussageverhalten des Beschuldigten ist hervorzuheben, dass er kritischen 
Fragen häufig auswich und Erklärungen nachschob, die in Widerspruch zu anderen 
Aussagen und den objektiven Beweismitteln standen. Auch an der oberinstanzli-
chen Einvernahme zeigte sich deutlich, dass seine Darstellung über ein abgebro-
chenes Überholmanöver, das zur Kollision geführt haben solle, in mehrerlei nicht 
stimmig ist. 

Bereits der angegebene Grund für den Abbruch des Manövers wirkt widersprüch-
lich. An seiner Erstbefragung am 28. Dezember 2018 machte der Beschuldigte gel-
tend, dass er beim Überholen plötzlich ein vor den Geschädigten fahrendes Auto 
bemerkt und deshalb das Manöver abgebrochen habe (pag. 145, Z. 96; pag. 148; 
ebenso pag. 151, Z. 51 f.; pag. 421, Z. 3 f.). Es scheint bereits wenig überzeugend, 
dass der Beschuldigte durch ein angeblich vorausfahrendes Auto überrascht wor-
den wäre. Er war zunächst in der entgegengesetzten Richtung am Auto der Ge-
schädigten vorbeigefahren und musste dem Gegenverkehr Beachtung geschenkt 
haben, damit er das Auto der Geschädigten erkennen, wenden und ihnen hinter-
herfahren konnte. An der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 18. Mai 2020 
schob der Beschuldigte sodann zur Erklärung nach, dass zusätzlich die Strassen-
markierung zum Überholen nicht mehr vorhanden gewesen sei (pag. 151, Z. 51 ff.), 
was mit Blick auf den Unfallort nicht zutrifft (pag. 49 ff.; vgl. ebenso pag. 421, 
Z. 12 ff.). Der Aufprall ereignete sich auf einem Abschnitt mit normalen Leitlinien. 
Die Vorwarnlinien, welche die durchgezogene Sicherheitslinie ankündigen, befan-
den sich in einiger Distanz voraus. Mit dem ermittelten Geschwindigkeitsunter-
schied (dazu E. 12.3 unten) hätte das Überholmanöver ohne weiteres vor der Si-
cherheitslinie vollzogen werden können. 

Auch den Ablauf des angeblich abgebrochenen Überholmanövers konnte der Be-
schuldigte nicht schlüssig erklären. Anlässlich der Erstbefragung stellte er den Vor-

14

gang in einer schematischen Zeichnung so dar, dass er mit seinem Auto bereits 
den rechten Fahrstreifen verlassen hatte und auf der Gegenfahrbahn gefahren sei 
(pag. 148). Dazu sagte er aus, dass er infolge des Abbruchs «wieder zurück auf die 
rechte Spur» habe fahren müssen (pag. 145, Z. 97 f.). Auch vor der Vorinstanz gab 
er an, dass er, nachdem er das angeblich vor den Geschädigten fahrende Auto 
bemerkt habe, wieder habe «zurück» fahren müssen und hinter den Geschädigten 
«eingespurt» habe (pag. 421, Z. 4, Z. 9 f. und Z. 32 f.). Vor der Kammer wollte er 
sich demgegenüber zunächst nicht festlegen, ob er sich im Zeitpunkt des Abbruchs 
des Überholvorgangs bereits auf der Gegenfahrbahn befunden habe (pag. 634, 
Z. 25); er wisse gar nicht, was passiert sei, es sei alles so schnell gegangen 
(pag. 634, Z. 15 f.). Auf Vorhalt seiner früheren Aussagen widersprach sich der Be-
schuldigte jedoch und bejahte, dass er sich bereits auf der Gegenfahrbahn befun-
den habe (pag. 635, Z. 9 f.). Es ist offensichtlich, dass er seine Aussagen dem 
Vorhalt anpasste, was nicht auf einen realen Erlebnishintergrund schliessen lässt. 
Seine Beschreibungen des Vorgangs an der oberinstanzlichen Einvernahme sind 
trotz mehrmaliger Nachfrage sprunghaft, kaum nachvollziehbar und wirken in kei-
ner Weise selbsterlebt (vgl. pag. 634). 

Es bleibt bei der Darstellung des Beschuldigten unklar, wie es bei einem angeblich 
abgebrochenen Überholmanöver zu einem frontalen Aufprall mit dem Heck des 
Fahrzeugs der Geschädigten kommen konnte. Das von ihm behauptete Überhol-
manöver würde eher eine seitliche Kollision nahelegen, was sich mit dem Spuren-
bild indessen nicht vereinbaren lässt (dazu E. 12.3 unten). Die diesbezüglich vom 
Beschuldigten offerierte Erklärung, die Geschädigten müssten nach seinem Wie-
dereinspuren unerwartet gebremst haben, so dass er ihnen ins Heck gefahren sei 
(so pag. 145, Z. 99; pag. 634, Z. 20 f.), basierte nicht auf seinen Beobachtungen, 
sondern stellt offensichtlich eine blosse Behauptung dar. Unklar bleibt bei der Dar-
stellung des Beschuldigten ebenso, was mit dem Überholmanöver bezweckt wer-
den sollte. Auch an der oberinstanzlichen Einvernahme konnte er nicht schlüssig 
darlegen, wie es beim oder nach dem Überholmanöver zu einem Gespräch mit den 
Geschädigten hätte kommen sollen. 

Die ersichtlichen Widersprüche und Unstimmigkeiten in den Aussagen des Be-
schuldigten lassen sich nicht darauf zurückführen, dass an der ersten polizeilichen 
Einvernahme vom 29. Dezember 2018 keine Übersetzung anwesend war 
(pag. 142 ff.), wie die Verteidigung geltend machte. Dem Beschuldigten wurde an 
der Erstbefragung ein Merkblatt für beschuldigte Personen in tamilischer Sprache 
ausgehändigt und er verzichtete in Kenntnis seiner Rechte auf eine Übersetzung 
(pag. 143, Z. 4; vgl. auch pag. 143, Z. 16 ff.). Der Beschuldigten war imstande, in 
freier Erzählung auszusagen und, wo erforderlich, auf eine weitere Befragung mit 
Übersetzung zu verweisen (pag. 145, Z. 130 f.). Seine Erstaussagen ohne Über-
setzung weisen verglichen mit den weiteren Befragungen keine erheblichen Dis-
krepanzen in seiner Darstellung auf. Einzig die Aussage, wonach seine Ex-
Freundin (gemeint wohl D.________) in G.________ (Ort) arbeite (pag. 144, 
Z. 81 ff.), scheint zunächst auf ein Missverständnis hinzudeuten. Jedoch klärte der 
Beschuldigte sogleich selbst, wer gemeint war (pag. 145, Z. 96). Ausserdem gab er 
an, dass er mit D.________ in der Vergangenheit ebenfalls eine Beziehung gehabt 
habe (pag. 146, Z. 172 f.), sodass er sie wohl tatsächlich zunächst als Ex-Freundin 

15

bezeichnet haben dürfte. Die Tatsache, dass der Beschuldigte an seiner polizeili-
chen Erstbefragung auf eine Übersetzung verzichtete, hat somit keinen Einfluss auf 
die Beweiswürdigung. Im Übrigen erscheint auch seine Darstellung, er habe im 
Zeitpunkt seiner Erstbefragung noch kaum sein Bewusstsein wiedererlangt gehabt 
(pag. 626, Z. 16 ff.; vgl. ferner pag. 625, Z. 27 ff. mit Verweis auf pag. 563), mit 
Blick auf seine Aussagen dramatisiert und wenig einleuchtend. 

Die obige exemplarische Auflistung von Widersprüchen und Unstimmigkeiten lässt 
sich überdies nicht auf eine limitierte Ausdrucksfähigkeit des Beschuldigten zurück-
führen, wie die Verteidigung weiter vorbrachte. Der singuläre Vorfall wäre 
grundsätzlich einfach zu beschreiben gewesen. Es ist vielmehr evident, dass die 
Darstellung des Beschuldigten der Kollision als missglücktes Überholmanöver in 
vielerlei Hinsicht nicht stimmig ist und sich nicht mit den objektiven Beweismitteln in 
Einklang bringen lässt, weil sie nicht der Wahrheit entspricht. Auch in anderen, 
nicht direkt mit der Kollision zusammenhängenden Punkten sind seine Aussagen 
offensichtlich widersprüchlich, so beispielsweise zu seinem Aufenthaltsort vor dem 
Zusammentreffend mit den Geschädigten. An der staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme vom 18. Mai 2020 bestätigte der Beschuldigte auf Vorhalt der Aussagen 
von D.________, dass er unmittelbar vor der Fahrt nach G.________ (Ort) beim 
Domizil seiner Ex-Ehefrau in F.________ (Ort) gewesen sei, wobei diese die Tür 
nicht geöffnet habe (pag. 153, Z. 149 ff.). Vor der Kammer sagte er erst auf ent-
sprechende Frage aus, dass er nach F.________ (Ort) gefahren sei (pag. 627, 
Z. 23). Allerdings wolle er nicht bei seiner Ex-Ehefrau gewesen sein, sondern habe 
lediglich versucht, sie telefonisch zu erreichen (pag. 627, Z. 32 ff.). 

Mit der Vorinstanz ist somit festzuhalten, dass die Aussagen des Beschuldigten 
nicht glaubhaft sind. 

Die Aussagen von I.________ und J.________ (pag. 127 ff. und pag. 133 ff.) und 
der Ex-Ehefrau des Beschuldigten, E.________ (pag. 140 f.), haben für die Be-
weiswürdigung keine Bedeutung. Es wird auf die Ausführungen der Vorinstanz 
verwiesen (pag. 466). 

12.3 Konkrete Beweiswürdigung

Die Vorinstanz gab einleitend die bestehenden und zu untersuchenden Sachver-
haltshypothesen zutreffend wieder und hielt die Problematik für die Beweiswürdi-
gung betreffend umstrittener innerer Tatsachen korrekt fest (pag. 466): 

Es ist vorliegend unbestritten, dass der Beschuldigte mit dem Fahrzeug der Geschädigten kollidierte. 
Mithin bestehen zwei mögliche Versionen des Tathergangs: Bei der angeklagten Version verursachte 
der Beschuldigte die Frontalkollision mit dem Heck des Fahrzeugs der Geschädigten absichtlich, bei 
der anderen Version wurde die Kollision durch ein abgebrochenes Überholmanöver unabsichtlich ver-
ursacht. Die Absicht als innere Tatsache kann bei einem nicht geständigen Täter regelmässig nur ge-
stützt auf äusserlich feststellbare Indizien, die Rückschlüsse auf die innere Einstellung des Täters er-
lauben, bewiesen werden. 

Zur Geschwindigkeit des Beschuldigten im Zeitpunkt der Kollision führte die Vorin-
stanz Folgendes aus (pag. 466 ff.): 

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In erster Linie sind hierzu die objektiven Beweismittel, insbesondere die Feststellungen im Berichts-
rapport des UTD vom 29.01.2019 (p. 33 ff.) sowie die UTD Dokumentation (p. 47 ff.) beizuziehen. 
Aufgrund der Kollision wurde beim VW Touran – dem Fahrzeug des Beschuldigten – eine sogenannte 
Crashabschaltung ausgelöst, welche im Zeitpunkt der Abschaltung eine Fahrgeschwindigkeit des Be-
schuldigten von 139 km/h registrierte. Entsprechend wurde zur Plausibilitätsprüfung eine Berechnung 
der Fahrgeschwindigkeit im Zeitpunkt der Kollision vorgenommen, dies anhand der registrierten Mo-
tordrehzahl unter Einbezug der Getriebeübersetzung der einzelnen Gänge. Dies ergab eine Fahrge-
schwindigkeit von 144 km/h im 3. Gang im Zeitpunkt der Aufzeichnung der Fehlermeldung (p. 36). 
Das Gericht hat keinen Grund, an diesen Angaben zu zweifeln, zumal sie sich ohne Weiteres mit wei-
teren Beweismitteln in Einklang bringen lassen. Einerseits erlitten beide Fahrzeuge starke Beschädi-
gungen (p. 34 sowie p. 60 ff. und 70 ff.), welche auf eine hohe Geschwindigkeit des Beschuldigten 
bzw. einen hohen Geschwindigkeitsunterschied der beiden Fahrzeuge schliessen lassen. Anderer-
seits sind die Aussagen der Geschädigten in diesem Punkt übereinstimmend. Beide gaben an, das 
Fahrzeug des Beschuldigten im Rückspiegel weit hinten gesehen zu haben und plötzlich habe es ge-
knallt (p. 101 Z. 106 ff. und p. 114 Z. 123 f.), was auf ein schnelles Beschleunigen durch den Be-
schuldigten schliessen lässt. Auch in Bezug auf die gefahrene Geschwindigkeit machten sie überein-
stimmende Aussagen, wonach die Geschwindigkeit des Beschuldigten sehr hoch gewesen sein muss 
(p. 102 Z. 185 f., p. 115 Z. 197 f.). Die diesbezüglichen Aussagen der Geschädigten sind glaubhaft; 
sie geben tatsächlich Erlebtes wieder, sind nachvollziehbar und detailreich. So gibt D.________ an, 
sich nicht geachtet zu haben, was auf der Strasse passierte, plötzlich habe es einen Aufprall gege-
ben. Sie habe zuerst noch gedacht, ihr Mann sei über einen Stein gefahren. Dann habe sie eher an 
einen Weltuntergang gedacht (p. 114 Z. 122 – 125). Diese Schilderungen enthalten typische Real-
kennzeichen. Die Aussagen des Beschuldigten, wonach er etwa 80 km/h bis 90 km/h gefahren sei (p. 
145 Z. 137, p. 155 Z. 226) bzw. es nicht sein könne, dass er 139 km/h gefahren sei (p. 421 Z. 25 f.), 
sind unter Berücksichtigung der vorhandenen Beweismittel als Schutzbehauptung zu qualifizieren und 
es kann nicht darauf abgestellt werden (vgl. auch nachfolgende Ausführungen zu seinen Aussagen 
bzw. zu seinem Aussageverhalten). Das Gericht geht deshalb von einer gefahrenen Geschwindigkeit 
des Beschuldigten im Kollisionszeitpunkt von 139 km/h aus. 

Ein Sicherheitsabzug hat nach Ansicht des Gerichts – im Unterschied zur Anklageschrift – nicht zu er-
folgen, zumal die Geschwindigkeit im Kollisionszeitpunkt vom UTD mittels Plausibilitätsprüfung auf 
144 km/h ermittelt wurde und zu Gunsten des Beschuldigten vorliegend bereits auf die tiefere regis-
trierte Geschwindigkeit abgestellt wird. Art. 8 Abs. 2 lit. c der Verordnung des ASTRA zur Strassen-
verkehrskontrollverordnung (VSKV-ASTRA vom 22.05.2008; SR 741.013.1), auf den sich die Staats-
anwaltschaft stützt, ist lediglich bei Aufzeichnungen von Fahrt- und Restwegschreibern sowie Daten-
aufzeichnungsgeräten anzuwenden. Das Bundesgericht hat in diesem Zusammenhang festgehalten, 
dass die Regeln der VSKV-ASTRA bei Feststellung von Geschwindigkeitsüberschreitungen auf ande-
re Weise – namentlich aufgrund eines Gutachtens – nicht zur Anwendung kommen bzw. die freie Be-
weiswürdigung durch die Gerichte unberührt lassen (Urteil des Bundesgerichts 6B_921/2014 vom 
21.01.2015 E. 1.3.1 ff.). Selbst wenn ein entsprechender Abzug von 14 km/h vorgenommen werden 
würde, würde dies nichts daran ändern, dass der Beschuldigte mit massiv übersetzter Geschwindig-
keit unterwegs war. 

Dem schliesst sich die Kammer an. Gestützt auf den Bericht des Unfalltechnischen 
Dienstes, welcher durch die Darstellung der Geschädigten gestützt wird, ist von ei-
ner Geschwindigkeit des Beschuldigten im Kollisionszeitpunkt von 139 km/h aus-
zugehen, wobei kein Sicherheitsabzug vorzunehmen ist. Es kann wiederholend 
insbesondere festgehalten werden, dass die beiden Geschädigten ihre Angaben 

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zur hohen Geschwindigkeit des Autos des Beschuldigten ohne Kenntnisse der ob-
jektiven Beweismittel machten. Sie konnten nicht wissen, dass die registrierte Ge-
schwindigkeit im Zeitpunkt der Crash-Abschaltung ihre Angaben stützen würden. 
Hervorzuheben ist sodann, dass der VW Touran des Beschuldigten mit einem me-
chanischen 6-Gang-Schaltgetriebe ausgestattet ist und die Motordrehzahl gemäss 
den «Freeze Frame»-Daten bei der Crash-Abschaltung im Zeitpunkt des Aufpralls 
bei 6702 Umdrehungen pro Minute (U/min) lag (pag. 35). Nebst der Geschwindig-
keit war somit auch die Drehzahl ausserordentlich hoch. 

Zur Geschwindigkeit des Autos der Geschädigten liegen keine objektiven Beweis-
mittel, sondern einzig die Aussagen der Geschädigten vor. Gemäss ihren überein-
stimmenden Angaben seien sie mit einer Geschwindigkeit von ca. 70 km/h gefah-
ren (pag. 23; pag. 101, Z. 105; pag. 114, Z. 132 f.; pag. 123, Z. 143). Besonders 
lebensnah erscheint in diesem Zusammenhang die Aussage von D.________, wo-
nach ihr Ehemann immer ca. 10 km/h unterhalb der Geschwindigkeitsbegrenzung 
fahre und sie selbst wohl schneller gefahren wäre (pag. 115, Z. 169 ff.). Es ist kein 
Grund ersichtlich, von ihren glaubhaften Aussagen abzuweichen, zumal sie keinen 
Grund hatten, in diesem Punkt falsche Angaben zu machen. 

Anhaltspunkte dafür, dass das Auto der Geschädigten kurz vor dem Aufprall abge-
bremst hätte, bestehen nicht. Der Beschuldigte stützte seine diesbezüglichen Be-
hauptungen nicht auf Beobachtungen (vgl. pag. 145, Z. 115 ff.). Es handelt sich of-
fensichtlich um eine reine Mutmassung, die angesichts seines Aussageverhaltens 
nicht glaubhaft ist. Es kann in diesem Punkt ebenso auf die glaubhaften Aussagen 
der Geschädigten abgestellt werden, wonach sie mit konstanter Geschwindigkeit 
weiterfuhren und, wenn überhaupt, erst nach dem Aufprall abbremsten (pag. 103, 
Z. 221 und Z. 225 ff.). Gestützt auf die Angaben der Geschädigten ist ebenso klar, 
dass beide während der Fahrt die Sicherheitsgurte angelegt hatten. Den gegentei-
ligen Vorbringen der Verteidigung kann nicht gefolgt werden. Der Unfalltechnische 
Dienst hat in seiner Unfalldokumentation klar festgehalten, dass bei einer Kollision 
thermische Belastungsspuren entstehen können (pag. 67 f.). Es wurde demge-
genüber nicht festgehalten, dass das Fehlen solcher Spuren belegen würde, dass 
D.________ keinen Sicherheitsgurt getragen hätte. Ohnehin erschiene der Rück-
schluss der Verteidigung, wonach das Nichttragen des Sicherheitsgurtes verbun-
den mit den eher geringfügigen Verletzungen von D.________ auf einen nicht allzu 
grossen Geschwindigkeitsunterschied hindeute (vgl. pag. 429 f.), hoch spekulativ. 
Auch wenn D.________ den Sicherheitsgurt tatsächlich nicht getragen hätte, hätte 
dies in Anbetracht der übrigen Beweismittel keine Bedeutung. 

Die Geschädigten waren mit einer konstanten Fahrgeschwindigkeit von 70 km/h 
unterwegs. Somit bestand zwischen den Fahrzeugen der Geschädigten und des 
Beschuldigten im Zeitpunkt des Aufpralls ein Geschwindigkeitsunterschied von 
69 km/h. In Anbetracht der relativ starken Schäden am Heck des Fahrzeugs der 
Geschädigten und an der Front des Fahrzeugs des Beschuldigten muss bei einer 
Auffahrkollision denn auch ein signifikanter Geschwindigkeitsunterschied vorgele-
gen haben (pag. 61 ff. sowie pag. 70 ff.). Um das Fahrtempo von 139 km/h zu er-
reichen und zum Auto der Geschädigten aufzuschliessen, muss der Beschuldigte 
nach dem Wenden das Tempo massiv erhöht haben. Es liegt auf der Hand, dass 

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die Motordrehzahl von 6702 U/min nicht erst im Zeitpunkt des Aufpralls erreicht 
wurde, sondern bereits zuvor in einem sehr hohen Bereich gewesen sein muss. 
Andernfalls hätte die Geschwindigkeit von 139 km/h im 3. Gang nicht erreicht wer-
den können. Der Beschuldigte hat das Gaspedal seines Autos somit nach dem 
Wenden und bis zur Crash-Abschaltung stark, wenn nicht sogar voll betätigt. Ein 
benzinbetriebener Vierzylinder-Viertaktmotor, wie er im VW Sharan des Beschul-
digten vorhanden war (pag. 34), verursacht bei dieser Tourenzahl gerichtsnotorisch 
grossen, unüberhörbaren Lärm. Daraus ergibt sich, dass der Beschuldigte vor dem 
Aufprall entgegen der Darstellung der Verteidigung die grosse Geschwindigkeit 
seines Autos zur Kenntnis genommen bzw. diese sogar beabsichtigt haben muss. 

Ein geringfügiges Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit liesse sich 
mit mangelnder Aufmerksamkeit gerade noch erklären. Ein Überschreiten der 
zulässigen Höchstgeschwindigkeit um rund 60 km/h ist jedoch mit blosser Unacht-
samkeit nicht mehr zu erklären, zumal der schnell kleiner werdende Abstand zum 
Fahrzeug der Geschädigten sowie die hohe Motordrehzahl bemerkt worden sein 
muss. Die Darstellung der Verteidigung, wonach der Beschuldigte abgelenkt gewe-
sen sei und seine massiv übersetzte Geschwindigkeit nicht bemerkt habe, leuchtet 
bei diesen Gegebenheiten absolut nicht ein. Das Erreichen eines derartigen Ge-
schwindigkeitsunterschieds wäre für das behauptete Überholmanöver zudem nicht 
erforderlich gewesen, wie die Vorinstanz zu Recht festhielt. Es weist vielmehr dar-
auf hin, dass der Beschuldigte absichtlich mit einer möglichst grossen Geschwin-
digkeit in das Heck des Fahrzeugs der Geschädigten fahren wollte. 

Dies wird bestärkt durch die Spurenlage am Unfallort, zu der die Vorinstanz Fol-
gendes festhielt: 

Im Weiteren kann die vom UTD dokumentierte Spurenlage zur Klärung des Unfallhergangs beigezo-
gen werden. Es wurden keinerlei Bremsspuren vorgefunden (vgl. p. 52 ff.). Beim vom Beschuldigten 
geschilderten abgebrochenen Überholmanöver wären solche bei einer derart hohen Geschwindigkeit 
jedoch ohne Weiteres zu erwarten gewesen. Die Verteidigung brachte diesbezüglich vor, es sei nicht 
erstellt, dass der Beschuldigte frontal ins Heck der Geschädigten gefahren sei, da das Auto der Ge-
schädigten nach rechts geschleudert worden und auf den Aufnahmen zu sehen sei, dass der Be-
schuldigte leicht links aufgeprallt sei. Dadurch werde das Überholmanöver des Beschuldigten 
bestätigt (p. 430). Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Die Spurenlage, so insbesondere die 
Pneudruckspur des VW Tourans (p. 53 i.V.m. p. 48), deutet vielmehr darauf hin, dass sich das Fahr-
zeug des Beschuldigten im Kollisionszeitpunkt direkt hinter dem Fahrzeug der Geschädigten befun-
den haben muss. Hätte der Beschuldigte ein Überholmanöver abgebrochen, wäre eine gerade verlau-
fende Pneudruckspur auf der rechten Strassenseite nicht naheliegend. Zudem deuten die dokumen-
tierten Schäden an den beiden Fahrzeugen (p. 62 und p. 72) – entgegen dem von der Verteidigung 
Vorgebrachten – vielmehr darauf hin, dass der Beschuldigte ungebremst frontal ins Heck der Ge-
schädigten gefahren ist. Dass das Fahrzeug des Beschuldigten auf der linken Seite ein leicht grösse-
rer Schaden aufweist (p. 72), dürfte vielmehr auf die unterschiedliche Fahrzeugbreite der beiden 
Fahrzeuge zurückzuführen sein. Zudem sagte der Beschuldigte selbst aus, er habe nach dem Abbre-
chen des Überholmanövers zurück auf die rechte Spur fahren müssen und sei aufgrund seiner hohen 
Geschwindigkeit hinten in das schwarze Auto gefahren (p. 145 Z. 96 – 99, p. 421 Z. 32 f.). Mithin 
macht selbst der Beschuldigte nicht geltend, er sei seitlich, als er sich noch auf der linken Fahrbahn 

19

befunden habe, mit den Geschädigten kollidiert, was allerdings beim geschilderten Überholmanöver 
eher zu erwarten gewesen wäre. 

Die dadurch resultierende Erkenntnis, wonach der Beschuldigte frontal ins Heck der Geschädigten 
prallte, deckt sich mit den bisherigen Erkenntnissen und indiziert eine vom Beschuldigten absichtlich 
verursachte Kollision bzw. lässt das vom Beschuldigten behauptete Überholmanöver viel weniger 
wahrscheinlich erscheinen. 

Dem schliesst sich die Kammer an. Das Fahrzeug der Geschädigten drehte sich in-
folge des Aufpralls lediglich zu rund ¾ um die eigene Achse (vgl. die Unfalldoku-
mentation, pag. 53 ff.). Bei einer eher seitlichen Kollision, wie bei einem missglück-
ten Überholmanöver zu erwarten wäre, würde ein derart wuchtiger Aufprall eine 
stärkere Rotation bewirken. Die Tatsache, dass beim Auto der Geschädigten wohl 
nur der fahrerseitige Airbag ausgelöst wurde (vgl. pag. 45), hat diesbezüglich keine 
Bedeutung. Dass die auf das Auto der Geschädigten wirkenden Kräfte nicht 
gleichmässig auf das Heck verteilt waren, sondern eher auf der linken Fahrerseite 
wirkten, zeigt sich gerade an der erkennbaren ¾-Drehung im Uhrzeigersinn 
(pag. 55). Auf eine seitliche Kollision im Sinne eines verunglückten Überholmanö-
vers weist dies indessen nicht hin. Schliesslich hatte das Auto des Beschuldigten 
gar keinen seitlichen Drall, wie bei einer eher seitlichen Kollision mit dieser Wucht 
zu erwarten wäre. Andernfalls wäre ein Geradeausfahren über einen längeren 
Streckenabschnitt ohne Motorenantrieb, was das Lenken stark erschwert, kaum 
mehr möglich gewesen. 

Das Auto des Beschuldigten fuhr nach der Kollision und der Crash-Abschaltung 
des Motors jedoch noch rund 300 Meter weiter auf dem geraden, leicht abfälligen 
Strassenabschnitt (pag. 48, Legende lit. a; vgl. ferner Google Maps für die Höhen-
differenz von rund 20 Meter auf einem Streckenabschnitt von rund 700 Meter). Da-
bei hatte das Auto des Beschuldigten aufgrund der Crash-Abschaltung im Moment 
des Aufpralls keinen Motorenantrieb mehr. Durch die Kollision verlor das gemäss 
Internetrecherche deutlich schwerere Auto des Beschuldigten (bestätigt durch die-
sen an der oberinstanzlichen Einvernahme, pag. 629, Z. 29 ff.) somit kaum Ener-
gie. Es liegt auf der Hand, dass der Beschuldigte vor (und nach) der Kollision mit 
dem Auto der Geschädigten nicht abbremste, wie es bei einer unerwarteten Kollisi-
on zu erwarten wäre. Dies deckt sich mit der Tatsache, dass am Unfallort keine 
Bremsspuren ersichtlich waren (pag. 52 ff.). Der Beschuldigte nahm bis hin zum 
Aufprall offensichtlich noch nicht einmal den Fuss vom Gaspedal. Gerichtsnotorisch 
hätte dies bei der vorliegenden, ausserordentlich hohen Motordrehzahl im 3. Gang 
eine rapide Reduktion der Anzahl Umdrehungen pro Minute bewirkt. Dass diese im 
Zeitpunkt des Aufpralls immer noch bei 6702 U/min lagen, belegt, dass das Gas-
pedal konstant betätigt wurde. 

Kommt hinzu, dass die Erklärungen des Beschuldigten zum Grund und zum Her-
gang der Kollision, wie bereits erläutert (E. 12.2 oben), nicht stimmig und unglaub-
haft sind. Es ist nicht einzusehen, wie der Beschuldigte durch das behauptete 
Überholmanöver überhaupt ein Gespräch mit den Geschädigten hätte erzwingen 
wollen. Wenn es ihm um ein Gespräch gegangen wäre, hätte er ihnen problemlos 
zu ihrem Domizil folgen können, das, wie er wusste, nicht mehr weit entfernt war 
(vgl. pag. 629, Z. 1 ff.). Die von der Verteidigung offerierte Erklärung, wonach der 

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Beschuldigte schlicht keinen konkreten Plan gehabt habe, wie es zu einem Ge-
spräch hätte kommen sollen (pag. 640), überzeugt nicht. Dass unmittelbar vor den 
Geschädigten ein weiteres Auto fuhr, was den Beschuldigten zum Abbruch des 
Manövers gezwungen habe, ist angesichts der glaubhaften Aussagen der Geschä-
digten klar widerlegt. Mit der gefahrenen Geschwindigkeit von 139 km/h wäre es 
zudem ohne weiteres möglich gewesen, beide Fahrzeuge zu überholen. Der Stre-
ckenabschnitt verlief noch einige Distanz gerade, leicht abschüssig und war mithin 
ideal zum Überholen. Bei seiner Behauptung, er habe gedacht, das Überholen 
zweier Autos sei strafbar (pag. 154, Z. 200), handelt es sich – auch mit Blick auf 
seine massiv übersetzte Geschwindigkeit – um eine geradezu fadenscheinige 
Schutzbehauptung. 

Angesichts der Spurenlage am Unfallort, den glaubhaften Aussagen der Geschä-
digten sowie den unstimmigen Schutzbehauptungen des Beschuldigten liegt auf 
der Hand, dass er die Kollision absichtlich herbeigeführt hat. Der Hintergrund die-
ses Handelns ist in der familiären Vorgeschichte zu erblicken. Im Tatzeitpunkt hatte 
der Beschuldigte familiäre Probleme, nachdem es in der Vergangenheit zu Vorfäl-
len häuslicher Gewalt gekommen war (vgl. pag. 12). Er selbst sagte in der Unter-
suchung aus, dass er seine damalige Ehefrau (zumindest bei einer Gelegenheit) 
geschlagen habe (pag. 146, Z. 189 f.). Infolgedessen war seine damalige Ehefrau 
im Februar 2017 mit den beiden gemeinsamen Söhnen aus dem Haushalt ausge-
zogen, wobei D.________ als Ansprechpartnerin und für die Vermittlung einer Un-
terkunft behilflich gewesen sei (pag. 113, Z. 83 ff.; pag. 99, Z. 49 ff.; vgl. ebenso 
den Anzeigerapport vom 27. März 2017, pag. 27 ff.). Der Beschuldigte wollte die 
Trennung von seiner damaligen Ehefrau offenbar nicht akzeptieren, wie er auch 
nach dem Vorfall vom 28. Dezember 2018 aussagte (vgl. pag. 147, Z. 203). Noch 
an der oberinstanzlichen Einvernahme sagte er aus, dass D.________ für die 
Trennung von seiner Ex-Ehefrau verantwortlich sei (pag. 630, Z. 9 ff.; vgl. auch 
pag. 146, Z. 180 ff.; pag. 147, Z. 196). Mit Datum vom 11. Juli 2017 wurde denn 
auch ein Kontakt-, Rayon und Annäherungsverbot gegen den Beschuldigten ange-
ordnet (pag. 580). Am 29. Mai 2018 demolierte der Beschuldigte in stark alkoholi-
siertem Zustand diverse Möbelstücke in der Wohnung seiner Schwester; gemäss 
dieser wegen der familiären Probleme (vgl. pag. 31). Der Strafbefehl, mit dem der 
Beschuldigte wegen Sachbeschädigung verurteilt wurde, datiert vom 18. Dezember 
2018, mithin nur 10 Tage vor dem vorliegend interessierenden Sachverhalt 
(pag. 245). Am 23. Dezember 2018 war es beim Domizil der Ex-Ehefrau des Be-
schuldigten zu einem weiteren Vorfall gekommen, bei dem zur Durchsetzung des 
Annäherungsverbots sogleich die Polizei avisiert wurde (pag. 112, Z. 52 ff.; 
pag. 12; pag. 145, Z. 121 ff.; vgl. ferner pag. 12). 

Trotz des bestehenden Kontakt-, Rayon und Annäherungsverbots suchte der Be-
schuldigte somit den Kontakt zu seiner Ex-Ehefrau und wollte die Trennung von ihr 
nicht akzeptieren. Verbunden mit der Tatsache, dass er D.________ für das Schei-
tern seiner Ehe verantwortlich machte, liegt es auf der Hand, dass er Groll gegen 
sie hegte. Gemäss den glaubhaften Aussagen der Geschädigten wurden sie in der 
Folge mehrmals vom Beschuldigten kontaktiert und aufgefordert, ihm seine dama-
lige Ehefrau «zurückzugeben» (pag. 100, Z. 69 f.). Beide Geschädigten berichteten 
denn auch übereinstimmend von drohenden Äusserungen im Vorfeld des 28. De-

21

zember 2018 (pag. 100, Z. 69 ff.; pag. 113, Z. 63 und Z. 81 ff.). Diese Drohungen 
im Rahmen des vorliegenden Strafverfahrens als erstellt zu erachten, verstösst 
entgegen der Verteidigung nicht gegen das Verbot doppelter Strafverfolgung (vgl. 
pag. 640). In der rechtskräftigen Einstellungsverfügung vom 10. Dezember 2020 
der Regionalen Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau wurde ausdrücklich 
festgehalten, dass die Schilderungen der Geschädigten über vom Beschuldigten 
geäusserte Drohungen glaubhaft sind. Die Verfahrenseinstellung erfolgte einzig, 
weil sie die Äusserungen nicht ernst genommen hatten und nicht durch diese in 
Angst und Schrecken versetzt worden waren, mithin der Tatbestand von Art. 180 
Abs. 1 StGB nicht erfüllt war (vgl. zum Ganzen vgl. pag. 326). Die materielle 
Rechtskraft der Einstellungsverfügung widerspricht somit nicht der Tatsache, dass 
Drohungen geäussert wurden, die indes nicht ernst genommen wurden. 

Die im Vorfeld durch den Beschuldigten geäusserten Drohungen erhärten weiter 
den Schluss, dass die Kollision absichtlich herbeigeführt wurde. Ein Zusammen-
hang des Vorfalls mit der familiären Vorgeschichte zeigt sich zudem im Ablauf vor 
der Kollision. Der Beschuldigte befand sich am 28. Dezember 2018 – seinen Anga-
ben zufolge – im Auftrag seines Arbeitgebers in der Gegend, um Fleisch zu kaufen 
(pag. 626, Z. 33 ff.). Anschliessend begab er sich nach F.________ (Ort), zum 
Domizil seiner Ex-Ehefrau (so noch pag. 153, Z. 152). An der oberinstanzlichen 
Einvernahme bestritt der Beschuldigte zwar, nach F.________ (Ort) zum Domizil 
seiner Ex-Ehefrau gefahren zu sein, und behauptete, er habe lediglich versucht, sie 
anzurufen (pag. 627, Z. 27 ff.). Jedenfalls sprechen die im Anschluss gefahrene 
Route via H.________ (Ort) nach G.________ (Ort), wo er die entgegenkommen-
den Geschädigten bemerkte, wie auch seine ursprünglichen Aussagen dafür, dass 
er zuvor in F.________ (Ort) gewesen sein muss. 

In F.________ (Ort) fasste der Beschuldigte die Absicht, D.________ aufzusuchen, 
die, wie er wusste, im Altersheim in G.________ (Ort) arbeitete (pag. 144, Z. 81). 
Ob es ihm in diesem Zeitpunkt wie behauptet nur darum gegangen sei, mit 
D.________ zu sprechen, ist zweifelhaft. Bei der letzten Kontaktaufnahme mit sei-
ner Ex-Ehefrau rund 1 Woche zuvor wurde sogleich die Polizei beigezogen. Er hat-
te bereits mehrfach Kontakt mit D.________, um seine Ex-Ehefrau «zurück zu er-
halten», was keinen Erfolg brachte. Stattdessen hatte er sie und auch ihren Ehe-
mann erwiesenermassen bedroht. Welchen positiven Effekt ein weiteres Gespräch 
wenige Tage nach der jüngsten Eskalation samt einem Polizeieinsatz haben sollte, 
ist nicht nachvollziehbar. Die Absicht des Beschuldigten in diesem Zeitpunkt ist in-
dessen nicht relevant und kann offengelassen werden. 

Auf dem Weg nach G.________ (Ort) zum Arbeitsplatz von D.________ fuhren ihm 
die beiden Geschädigten in ihrem Auto entgegnen, wobei der Beschuldigte wahr-
nahm, dass sich beide in dem Auto befanden (pag. 628, Z. 17 ff.). Der Beschuldigte 
wendete bei nächster Gelegenheit und fuhr ihnen hinterher. Er betätigte das Gas-
pedal seines Autos im 3. Gang voll und überschritt die geltende Höchstgeschwin-
digkeit massiv. Aufgrund seiner enormen Geschwindigkeit schloss er schnell zu 
den Geschädigten auf und fuhr direkt und frontal in das Heck ihres Autos. Entge-
gen den Erwägungen der Vorinstanz und den Vorbringen der Verteidigung ist evi-
dent, dass der Beschuldigte dabei beabsichtigte, die Geschädigten in ihrer körperli-

22

chen Integrität zu verletzen. Ob er zuvor noch die Absicht hatte, ein Gespräch mit 
ihnen zu führen, ist wie erwähnt nicht relevant. Seine Fahrweise lässt sich nicht 
anders erklären, als dass er eine Kollision herbeiführen wollte, sodass er zu einem 
nicht näher bekannten Zeitpunkt die entsprechende Absicht gefasst haben muss. 
Verbunden mit der familiären Vorgeschichte und den gegenüber beiden Geschä-
digten geäusserten Drohungen stellt die Kollision offensichtlich kein Zufall, sondern 
Absicht dar. Anhand der äusseren Umstände kann ohne weiteres auf die Absicht 
des Beschuldigten geschlossen werden, D.________ und C.________ an ihrer 
körperlichen Integrität zu schädigen. Wie bei der Subsumtion aufgezeigt wird, war 
sein Wille auf das Verursachen schwerer Verletzungen gerichtet. 

Der Sachverhalt gemäss Anklageschrift ist somit erstellt, wobei im Sinne einer Prä-
zisierung beim Beschuldigten von einer Geschwindigkeit von 139 km/h ausgegan-
gen wird. 

III. Rechtliche Würdigung

13. Anwendbares Recht

Mit dem Bundesgesetz über die Harmonisierung der Strafrahmen (AS 2023 259), in 
Kraft getreten per 1. Juli 2023, wurde Art. 122 StGB revidiert und die Mindeststraf-
androhung von sechs Monaten Freiheitsstrafe auf ein Jahr erhöht. Die unterschied-
lichen Tatvarianten der schweren Körperverletzung wurden sodann in Bst. a-c 
strukturiert, jedoch keiner inhaltlichen Änderung unterzogen (vgl. BBl 2018 2827, 
S. 2858 f.). 

Der Beschuldigte beging die zu beurteilende Straftat vor der zwischenzeitlichen 
Revision des Art. 122 StGB durch Inkrafttreten des Bundesgesetzes über die Har-
monisierung der Strafrahmen. Gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB ist das im Tatzeitpunkt 
geltende Recht anzuwenden, es sei denn, das neue Recht sei für den Beschuldig-
ten milder. Dies ist vorliegend nicht der Fall, sodass Art. 122 StGB in seiner bis 
zum 30. Juni 2023 geltenden Fassung zur Anwendung gelangt. 

14. Rechtliche Grundlagen zu Art. 122 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB 

Der schweren Körperverletzung i.S.v. Art. 122 Abs. 1 StGB macht sich schuldig, 
wer vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt, wer vorsätzlich den Kör-
per, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichti-
ges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsun-
fähig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg und 
bleibend entstellt (Abs. 2) oder vorsätzlich eine andere schwere Schädigung des 
Körpers oder der körperlichen oder geistigen Gesundheit eines Menschen verur-
sacht (Abs. 3). 

Führt der Täter, nachdem er mit der Ausführung eines Verbrechens oder Verge-
hens begonnen hat, die strafbare Tätigkeit nicht zu Ende oder tritt der zur Vollen-
dung der Tat gehörende Erfolg nicht ein oder kann dieser nicht eintreten, so kann 
das Gericht die Strafe mildern (Art. 22 Abs. 1 StGB). Ein Versuch liegt vor, wenn 
der Täter sämtliche subjektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt und seine Tatent-

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schlossenheit manifestiert hat, ohne dass alle objektiven Tatbestandsmerkmale 
verwirklicht sind (BGE 140 IV 150 E. 3.4; BGE 137 IV 113 E. 1.4.2; BGE 131 IV 
100 E. 7.2.1, je mit Hinweisen). Zum Versuch gehören somit der Entschluss des 
Täters, eine Straftat zu begehen und die Umsetzung des Tatentschlusses in eine 
Handlung. Der Täter muss mit der Ausführung der Tat (mindestens) begonnen ha-
ben. Das Vorliegen eines Versuchs ist demnach zwar nach objektivem Massstab, 
aber auf subjektiver Beurteilungsgrundlage festzustellen (vgl. zum Ganzen BGer 
6B_183/2014 E. 3.4).

Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen und Wil-
len ausführt. Vorsätzlich handelt bereits, wer die Verwirklichung der Tat für möglich 
hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 StGB). Nach ständiger Rechtsprechung ist 
Eventualvorsatz gegeben, wenn der Täter den Eintritt des Erfolgs beziehungsweise 
die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch handelt, weil er den 
Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm abfindet, mag er ihm 
auch unerwünscht sein (BGE 147 IV 439 E. 7.3.1; 137 IV 1 E. 4.2.3; 133 IV 
222 E. 5.3; je mit Hinweisen).  

Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht – soweit der Täter nicht 
geständig ist – regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und auf Erfah-
rungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse auf die innere Einstellung des Täters 
erlauben (Urteil des Bundesgerichts 6B_73/2015 vom 25. November 2015 
E. 1.3.2).

15. Subsumtion

Gemäss oberinstanzlichem Beweisergebnis erkannte der Beschuldigte das Fahr-
zeug der Geschädigten und sah, dass sich beide darin befanden. Er wendete, um 
ihnen hinterher zu fahren, beschleunigte seine Fahrt im 3. Gang auf 139 km/h und 
fuhr mit seinem Auto frontal in das Heck des 70 km/h schnell fahrenden Autos der 
Geschädigten. Beide Geschädigten erlitten durch die Kollision keine lebensgefähr-
lichen Verletzungen oder bleibende Schädigungen. C.________ klagte über 
Schmerzen der Hals- und Brustwirbelsäule, erlitt eine ausgeprägte Muskelverspan-
nung im ganzen Schultergürtelbereich und litt unter der psychischen Belastung 
durch den Unfall (p. 200 f. und p. 204 f.). D.________ erlitt lediglich leichte Be-
schwerden der Halswirbelsäule. Sie wies eine muskuläre Dysbalance im Schulter-
gürtel und Rückenbereich auf (p. 217 f.). Die Verletzungen der Geschädigten errei-
chen somit nicht die für den objektiven Tatbestand von Art. 122 StGB verlangte 
Schwere. Gemäss oberinstanzlichem Beweisergebnis hatte der Beschuldigte je-
doch die Absicht gefasst, die Geschädigten zu verletzen. Aus den objektiven Um-
ständen seines Verhaltens ergibt sich dabei klar, dass er bewusst schwerwiegen-
de, die Geschädigten in ihrer Arbeitsfähigkeit nachhaltig einschränkende oder gar 
lebensbedrohliche Verletzungen verursachen wollte:

So beschleunigte er sein Fahrzeug nach dem Passieren des Ortsendschilds 
H.________ (Ort) im 3. Gang auf 139 km/h bzw. betätigte das Gaspedal voll und 
musste anhand des rasch kleiner werdenden Abstands zum Fahrzeug der Ge-
schädigten erkannt haben, dass diese mit deutlich geringerer Geschwindigkeit fuh-
ren. Seine hohe Geschwindigkeit muss er dabei auch aufgrund des Motorenlärms, 

24

den der benzinbetriebene Vierzylinder-Viertaktmotor im Auto des Beschuldigten mit 
einer Motordrehzahl von bis zu 6702 U/min verursachte, wahrgenommen haben. 
Bis zur Kollision bremste er seine Geschwindigkeit nicht ab, sodass sein Fahrzeug 
nach der Crash-Abschaltung noch weitere 300 Meter auf dem geraden Strecken-
abschnitt weiterfuhr. Für die Geschädigten kam die Kollision mit dem deutlich 
schneller fahrenden Fahrzeug des Beschuldigten, wie er wusste, praktisch aus 
dem Nichts und sie hatten keinerlei Möglichkeit, sich darauf vorzubereiten oder die 
Handhabung ihres Fahrzeugs entsprechend anzupassen. Infolge der unerwarteten 
Kollision kam das Fahrzeug der Geschädigten von der Strasse ab, drehte sich um 
die eigene Achse und kam vor einer Baumreihe zu stehen. Der Beschuldigte hatte 
nach dem Aufprall gegen das Fahrzeug der Geschädigten, wie er wusste, keine 
Möglichkeit, auf die Situation Einfluss zu nehmen. Es bestand aufgrund der Um-
stände eine grosse Wahrscheinlichkeit für ernste Folgen der Auffahrkollision, bei-
spielsweise durch ein Überschlagen des Fahrzeugs der Geschädigten, einen un-
gebremsten Aufprall gegen ein Hindernis oder ähnliche naheliegende Unwägbar-
keiten, wodurch die Geschädigten gravierende Verletzungen davongetragen hät-
ten. Dass dies nicht eingetreten ist, war purer Zufall. Durch sein Verhalten hat der 
Beschuldigte seinen Willen manifestiert, besonders schwere Verletzungen i.S.v. 
Art. 122 StGB zu verursachen.  

Der Beschuldigte ist somit der versuchten schweren Körperverletzung, mehrfach 
begangen am 28. Dezember 2018 in Langenthal zum Nachteil von C.________ 
und D.________ schuldig zu erklären. 

IV. Strafzumessung

16. Rechtliche Grundlagen 

Es wird auf die korrekten vorinstanzlichen Erwägungen zu den rechtlichen Grund-
lagen der Strafzumessung verwiesen (Ziff. V.1. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; 
pag. 476 ff.). 

17. Methodik und Gesamtstrafenbildung

Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, hat der Beschuldigte durch eine Handlung 
die physische Integrität zweier Personen verletzt bzw. schwer zu verletzen versucht 
(BGE 124 IV 145). Es liegen somit zwei Rechtsgutsverletzungen vor und es gelan-
gen die Grundsätze der Strafzumessung beim Zusammentreffen mehrere strafba-
rer Handlungen gemäss Art. 49 StGB zur Anwendung. Für beide Rechtsgutsverlet-
zungen sind somit angemessene Strafen zu ermitteln. 

Eine (vollendete) schwere Körperverletzung nach Art. 122 StGB kann nur mit einer 
Freiheitsstrafe geahndet werden. Gemäss Art. 48a Abs. 2 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 
StGB könnte aufgrund der gegebenen Versuchsstrafbarkeit grundsätzlich auch auf 
eine Geldstrafe entschieden werden. Angesichts des Tatverschuldens ist es im vor-
liegenden Fall jedoch nicht angezeigt, von der Freiheitsstrafe als gesetzlich vorge-
sehen Regelsanktion abzuweichen (NIGGLI/ MAEDER, in: Basler Kommentar, Straf-
recht (StGB/JStG), 4. Aufl. 2019 [nachfolgend zitiert als BSK StGB-VERFASSER], 
N 28 zu Art. 22 StGB). Beide Taten sind mit einer Freiheitsstrafe zu sanktionieren. 

25

Aufgrund der Gleichartigkeit der Strafarten ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 
StGB eine Gesamtstrafe auszufällen. Der Strafrahmen reicht gemäss Art. 122 
StGB in seiner bis zum 30. Juni 2023 geltenden Fassung von einer Freiheitsstrafe 
von 6 Monaten bis zu 10 Jahren. Gründe für ein Über- oder Unterschreiten dieses 
Strafrahmens liegen nicht vor. 

Angesichts der ähnlichen Verletzungsbilder der beiden Geschädigten unterscheidet 
sich das Tatverschulden bei beiden Taten nicht und es lässt sich keine schwerste 
Straftat ermitteln. Nachfolgend wird die Einsatzstrafe ohne Bezugnahme auf eine 
konkrete geschädigte Person bestimmt und anschliessend im Sinne von Art. 49 
Abs. 1 StGB angemessen erhöht. 

18. Einsatzstrafe 

18.1 Objektive Tatschwere

Die Bewertung des Ausmasses des verschuldeten Erfolgs gestaltet sich bei gege-
bener Versuchsstrafbarkeit regelmässig schwierig. Wie die Vorinstanz zutreffend 
festhielt, hat der Beschuldigte mit seinem Vorgehen massiv in das Rechtsgut der 
körperlichen Integrität der Geschädigten eingegriffen (vgl. pag. 478 f.). Der Vorfall 
rief bei beiden Geschädigten leichte Verletzungen hervor und hatte auch psychi-
sche Auswirkungen. 

Zur Art und Weise der Tatbegehung sowie Verwerflichkeit des Handels ist festzu-
halten, dass der Beschuldigte besonders rücksichtslos und verwerflich vorging, in-
dem er mit einer extrem hohen Geschwindigkeit absichtlich ungebremst von hinten 
überraschend ins Heck des Fahrzeugs der Geschädigten fuhr. Sein Vorgehen 
nahm den Geschädigten jede Möglichkeit, schadensmindernd einzugreifen. Sie 
konnten die Kollision nicht vorhersehen und waren den infolge des Aufpralls freige-
setzten physikalischen Kräften ausgeliefert. Dabei hatte der Beschuldigte keinerlei 
Kontrolle über das Geschehen. Er konnte insbesondere die – offensichtlich situati-
onsgerechte – Reaktion von C.________ am Steuer nicht vorhersehen und etwaige 
ungünstige Reaktionen des Lenkers nicht zum vornherein ausschliessen. Die Tat-
handlung basierte auf einer eher spontanen Entscheidung aus dem Affekt heraus 
und folgte keinem elaborierten Plan. 

Der Sichtweise der Verteidigung, wonach das Verhalten des Beschuldigten zwar 
fragwürdig, jedoch menschlich nachvollziehbar sei, da er seine Ehe habe retten 
wollen, kann in keiner Weise gefolgt werden (pag. 430). Das Verhalten des Be-
schuldigten war offensichtlich nicht geeignet, an seiner familiären Situation etwas 
zu ändern, und war rein destruktiv motiviert. Sein Vorgehen ist nicht ansatzweise 
nachvollziehbar. 

Die objektive Tatschwere ist insgesamt als leicht bis mittelschwer einzustufen. An-
gemessen ist eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten. 

18.2 Subjektive Tatschwere

Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, was deliktsimmanent und neutral zu 
werten ist. Seine Beweggründe und Ziele lagen darin, den Geschädigten, primär 
der Tante seiner Ex-Ehefrau, aus Wut, Kränkung und Rache Schaden zuzufügen. 

26

Noch an der oberinstanzlichen Einvernahme machte er diese für die Trennung von 
seiner Ex-Ehefrau verantwortlich. Dies obwohl er häusliche Gewalt zum Nachteil 
seiner Ex-Ehefrau eingestand (pag. 146, Z. 178 ff.) und zu keiner selbstkritischen 
Reflexion über eigenes Fehlverhalten in der Beziehung bereit zu sein schien. Die 
Beweggründe sind nieder, jedoch noch gerade tatbestandsimmanent und damit 
neutral zu werten. Dem Beschuldigten wäre rechtstreues Verhalten ohne Weiteres 
möglich gewesen. 

Insgesamt ist die subjektive Tatschwere neutral zu werten. 

18.3 Fakultative Strafmilderungsgründe

Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe beim vollendeten Versuch hängt un-
ter anderem von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs und den tatsächlichen 
Folgen der Tat ab. Die Reduktion der Strafe wird umso geringer sein, je näher der 
tatbestandsmässige Erfolg und wie schwerwiegender die tatsächlichen Folgen der 
Tat waren (BSK StGB-WIPRÄCHTIGER/KELLER, N 24 zu Art. 48a StGB). 

Die Geschädigten erlitten lediglich leichte Verletzungen und psychische Beein-
trächtigungen. Diese erscheinen verglichen mit allen, nach der allgemeinen Le-
benserfahrung bei Kollisionen wie der vorliegenden möglichen bzw. zu erwarten-
den Folgen eher moderat. Dass die Geschädigten dermassen glimpflich davonka-
men, ist jedoch einzig dem Zufall zu verdanken. Der Beschuldigte hatte keinerlei 
Kontrolle über das Ausmass der Beeinträchtigungen, welche die Geschädigten da-
vontragen würden, und hatte alles getan, damit diese schwerwiegend hätten aus-
fallen können. 

Die letztlich moderaten Verletzungen rechtfertigen dennoch eine Reduktion der 
Freiheitsstrafe um 8 Monate. 

18.4 Zwischenfazit zur Einsatzstrafe

Die Einsatzstrafe beträgt 28 Monate Freiheitsstrafe. 

19. Asperation 

Die versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil der zweiten geschädigten 
Person unterscheidet sich hinsichtlich der objektiven und subjektiven Tatschwere 
nicht, weshalb auf die obigen Ausführungen verwiesen werden kann (E. 18 oben). 
Als Einzelstrafe wären folgerichtig auch hierfür 28 Monate Freiheitsstrafe ange-
messen. 

Die Vorinstanz asperierte die Einzelstrafe betreffend die zweite verletzte Person 
wegen des engen sachlichen Zusammenhangs mit ½. Aus Sicht der Kammer ist 
jedoch entscheidend, dass der Beschuldigte beide Geschädigten im Fahrzeug 
wahrgenommen hatte und sich dennoch (direktvorsätzlich) entschloss, beiden 
durch Verursachen einer Kollision schwere Verletzungen zuzufügen. Aus diesem 
Grund ist eine Asperation im Umfang von rund ⅔ angezeigt. 

Im Sinne eines Zwischenresultats ergibt sich eine Freiheitsstrafe von 45 Monaten. 

27

20. Täterkomponenten

Zu den Täterkomponenten kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen 
werden (Ziff. V.5. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 481), die mangels Rele-
vanz keine Ergänzungen erfordern. Namentlich sind das Vorleben und die persön-
lichen Verhältnisse des Beschuldigten sowie sein Verhalten nach der Tat und im 
Strafverfahren neutral. Es ist keine besonders Strafempfindlichkeit auszumachen. 
Der Beschuldigte zeigt keine Einsicht oder Reue, was sich – ebenso wie die nicht 
einschlägigen Vorstrafen – ebenfalls neutral auswirkt. 

21. Verletzung des Beschleunigungsgebots

Das in Art. 29 Abs. 1 BV garantierte und in Art. 5 StPO konkretisierte Beschleuni-
gungsgebot verpflichtet die Behörden, das Strafverfahren zügig voranzutreiben, um 
die beschuldigte Person nicht unnötig über die gegen sie erhobenen Vorwürfe im 
Ungewissen zu lassen (BGE 124 I 139 E. 2a). Es gilt für das gesamte Verfahren. 
Welche Verfahrensdauer angemessen ist, hängt von den konkreten Umständen 
des Einzelfalls ab, welche in ihrer Gesamtheit zu würdigen sind (Urteil des Bun-
desgerichts 6P.119/2003 vom 20. Januar 2004 E. 3.2). Kriterien für die Angemes-
senheit der Verfahrensdauer im Rahmen des Strafverfahrens sind etwa die Schwe-
re des Tatvorwurfs, die Komplexität des Sachverhalts, die dadurch gebotenen Un-
tersuchungshandlungen, das Verhalten des Beschuldigten und dasjenige der 
Behörden sowie die Zumutbarkeit für den Beschuldigten (MATHYS, Leitfaden Straf-
zumessung, 2. Auflage, N 367; Urteil des Bundesgerichts 6B_1303/2018 vom 
9. September 2019 E. 1.2; BGE 143 IV 373 E. 1.4.1; BGE 130 I 269 E. 2.3 und 
3.1). Eine Verletzung des Beschleunigungsgebots führt in der Regel zu einer 
Strafreduktion, in Ausnahmefällen sogar zum Verzicht auf jegliche Strafe oder in 
extremen Fällen – als ultima ratio – zu einer Verfahrenseinstellung (BGE 143 IV 
373 E. 1.4 sowie 133 IV 158 E. 8 = Pra 97 [2008] Nr. 45). Dabei kommt dem Ge-
richt weites Ermessen zu (BGE 143 IV 373 E. 1.4.2). Die Verletzung des Beschleu-
nigungsgebots muss im Urteil ausdrücklich festgehalten und es muss dargelegt 
werden, in welcher Weise dieser Umstand berücksichtigt wurde (BGE 117 IV 124 
E. 4.d; Urteil des Bundesgerichts 6B_195/2017 vom 9. November 2017 E. 3.7). 

Nach dem Vorfall vom 28. Dezember 2018 führte die Kantonspolizei sogleich die 
handschriftlichen Erstbefragungen der Geschädigten sowie zeitnah die polizeili-
chen Einvernahmen durch (pag.15 ff.; pag. 98 ff.; pag. 111 ff.; pag. 142 ff.). Der Un-
falltechnische Dienst erstellte zügig einen Berichtsrapport zuhanden der Staatsan-
waltschaft, der vom 29. Januar 2019 datiert (pag. 33 ff.). Nach der formellen Eröff-
nung des Strafverfahrens am 11. Januar 2019 dauerte es jedoch rund 11 Monate, 
bis der Anzeigerapport der Kantonspolizei vom 12. Dezember 2019 einging 
(pag. 3 ff.), was im vorliegenden Fall als zu lange einzustufen ist. Zwischenzeitliche 
Ermittlungshandlungen sind nicht ersichtlich. 

Ab Eingang des Anzeigerapports wurde die Untersuchung durch die Staatsanwalt-
schaft zügig vorangetrieben. Im Januar 2020 wurden Abklärungen zum Behand-
lungsverlauf bei den Geschädigten bzw. deren Ärzten durchgeführt, im Mai 2020 
folgten staatsanwaltschaftliche Einvernahmen und der Beizug diverser Akten 
(pag. 220 ff.) und am 5. November 2020 wurde den Parteien der Abschluss der Un-

28

tersuchung mitgeteilt (pag. 304). Die Anklageschrift wurde am 7. Januar 2021 dem 
Regionalgericht Emmental-Oberaargau übermittelt. 

Die ursprünglich auf 27. Oktober 2021 angesetzte erstinstanzliche Hauptverhand-
lung wurde mit Verfügung vom 20. Oktober 2021 von Amtes wegen abgesetzt und 
die Sache in Anwendung von Art. 334 Abs. 1 StPO dem Kollegialgericht übermittelt 
(pag. 378 ff.). Die erstinstanzliche Hauptverhandlung vor dem Kollegialgericht in 
Dreierbesetzung fand sodann am 29. und 30. März 2022 statt (pag. 418 ff.). Die 
Begründung des erstinstanzlichen Urteils wurde am 30. Juni 2022 ausgefertigt. 
Obwohl zwischen den einzelnen Verfahrenshandlungen in erster Instanz keine 
nicht nachvollziehbaren Verzögerungen ersichtlich sind, ist die Dauer des erstin-
stanzlichen Verfahrens von rund 14 Monaten bis zum Urteil bzw. von 17 Monaten 
bis zum Versand des Urteilsmotivs angesichts des geringen Aktenumfangs als zu 
lange einzustufen. 

Auch das oberinstanzliche Verfahren ist – trotz sofortiger Terminumfrage und An-
setzen der Verhandlung durch die Verfahrensleitung – insgesamt als zu lange ein-
zustufen. Die Akten gingen per 30. Juni 2022 beim Obergericht ein und das oberin-
stanzliche Urteil datiert vom 17. August 2023. 

Die aufgezeigten Verfahrensverzögerungen können nicht dem Beschuldigten ange-
lastet werden. Sie sind im Einzelnen als geringfügig einzustufen, rechtfertigen in ih-
rer Gesamtheit jedoch eine Strafreduktion. Schliesslich hatte der Beschuldigte in 
der Zeit zwischen dem Vorfall am 28. Dezember 2018 und dem oberinstanzlichen 
Urteil vom 17. August 2023 eine lange Phase der Ungewissheit zu erdulden. Es 
rechtfertigt sich eine Reduktion der Freiheitsstrafe um 3 Monate. Im Sinne eines 
Zwischenresultats ergibt sich eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten. 

22. Verschlechterungsverbot und konkretes Strafmass

Angemessen wäre somit eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten. Aufgrund des gel-
tenden Verschlechterungsverbots darf das von der Vorinstanz festgesetzte Straf-
mass von 36 Monaten Freiheitsstrafe indes nicht überschritten werden. 

23. Vollzug

Gemäss Art. 43 Abs. 1 StGB kann der Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens 
einem Jahr und höchstens drei Jahren teilweise aufgeschoben werden, wenn dies 
notwendig ist, um dem Verschulden des Täters genügend Rechnung zu tragen. 
Der unbedingt vollziehbare Teil darf die Hälfte der Strafe nicht übersteigen und so-
wohl der aufgeschobene wie auch der zu vollziehende Teil müssen mindestens 
sechs Monate betragen (Art. 43 Abs. 2 und 3 StGB). 

Die Vorinstanz gewährte den teilbedingten Vollzug, weil der Beschuldigte seit der 
Tat nicht mehr straffällig geworden sei und sich das Strafverfahren ausreichend 
spezialpräventiv ausgewirkt habe. Eine (vollständig) unbedingte Freiheitsstrafe 
scheine daher nicht notwendig, ihn von weiteren Straftaten abzuhalten. Unter 
Berücksichtigung der konkreten Umstände setzte die Vorinstanz den zu vollziehen-
den Teil auf 12 Monate fest und schob die verbleibenden 24 Monate Freiheitsstrafe 
bei einer Probezeit von 2 Jahren auf. 

29

Die Kammer schliesst sich der Auffassung der Vorinstanz an. Am Ursprung des 
Vorfalls stand letztlich die Beziehung zwischen dem Beschuldigten und seiner Ex-
Ehefrau, die im Tatzeitpunkt aufgrund von Verfehlungen seitens des Beschuldigten 
äusserst belastet war. In dieser Hinsicht ist im Urteilszeitpunkt jedoch eine Norma-
lisierung auszumachen. Beim Beschuldigten ist somit nicht von einer negativen Le-
galprognose auszugehen und der teilbedingte Vollzug ist zu gewähren. Festzuhal-
ten ist dennoch, dass der Beschuldigte weiterhin der Tante seiner Ex-Ehefrau, die 
mit der vorliegenden Straftat geschädigt wurde, die Schuld für die Trennung gibt 
und in dieser Hinsicht uneinsichtig ist. Es fällt ferner auf, dass sich mehrere Vorfäl-
le, die strafrechtlich relevant waren oder zumindest zu familiären Konflikten führten, 
unter Alkoholeinfluss ereigneten (vgl. pag. 27 ff., insbesondere die Angaben der 
Ex-Ehefrau des Beschuldigten, pag. 29; ferner pag. 30 f.). Der Beschuldigte trinkt 
jedoch nach wie vor regelmässig Alkohol und ist auch im Urteilszeitpunkt nicht ge-
willt, seinen Alkoholkonsum zu limitieren (pag. 625, Z. 9 ff.), obwohl er einsieht, 
dass dies für die Beziehung zu seiner Ex-Ehefrau einen positiven Effekt haben 
könnte (pag. 632, Z. 12 ff.).

Der unbedingt vollziehbare Teil, der gemäss Gesetz und angesichts des geltenden 
Verschlechterungsverbots im vorliegenden Fall 6 bis 12 Monate Freiheitsstrafe be-
tragen könnte, wird mit Blick auf das Gesagte und das Tatverschulden mit der Vor-
instanz auf 12 Monate festgesetzt. Eine Reduktion des vollziehbaren Teils im Ver-
gleich zum vorinstanzlichen Urteil ist nicht angezeigt. Die von der Vorinstanz auf 
die gesetzliche Minimaldauer von 2 Jahren festgelegte Probezeit wird bestätigt, 
zumal eine längere Probezeit aufgrund des geltenden Verschlechterungsverbots 
von vornherein ausgeschlossen ist. 

V. Widerrufsverfahren

Auf den Widerruf des dem Beschuldigten mit Urteil der Regionalen Staatsanwalt-
schaft Emmental-Oberaargau vom 18. Dezember 2018 für eine Geldstrafe von 10 
Tagessätzen zu je CHF 30.00, ausmachend CHF 30.00, gewährten bedingten Voll-
zugs wird verzichtet. Mit Blick auf die obigen Ausführungen zum teilbedingten Voll-
zug der Freiheitsstrafe erscheint ein Widerruf zur Verbesserung der Legalprognose 
nicht dienlich. Im Übrigen würde beim oberinstanzlichen Strafmass (E. 22 oben) 
das Verbot der refomatio in peius einem Widerruf entgegenstehen. 

Die Kosten des erstinstanzlichen Widerrufsverfahrens von CHF 300.00 werden 
A.________ auferlegt. In oberer Instanz werden keine Kosten für das Widerrufsver-
fahren ausgeschieden. 

VI. Landesverweisung

24. Rechtliche Grundlagen

Es wird auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen (Ziff. VII.1. 
des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 486 ff.), wobei mit Blick auf die Subsumti-
on Folgendes hervorzuheben ist: 

30

Von einem schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB ist 
bei einem Eingriff von einer gewissen Tragweite in den Anspruch des Ausländers 
auf das in Art. 13 BV und Art. 8 EMRK verankerte Recht auf Achtung des Privat- 
und Familienlebens auszugehen (Urteile des Bundesgerichts 6B_1178/2020 vom 
10. März 2021 E. 3.2.5; 6B_1087/2020 vom 25. November 2020 E. 5.2; je mit Hin-
weisen). Das durch Art. 13 BV beziehungsweise Art. 8 EMRK geschützte Recht auf 
Achtung des Familienlebens ist berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder 
Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung 
einer in der Schweiz gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, oh-
ne dass es dieser ohne Weiteres möglich beziehungsweise zumutbar wäre, ihr 
Familienleben andernorts zu pflegen (BGE 144 I 266 E. 3.3, E. 4.2 und E. 
5.1; 144 II 1 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_205/2020 vom 5. Februar 2021 
E. 2.3.3). Zum geschützten Familienkreis gehört in erster Linie die Kernfamilie, d.h. 
die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern (BGE 145 I 227 
E. 5.3; 144 II 1 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_205/2020 vom 5. Februar 
2021 E. 2.3.3). 

Sind Kinder involviert, ist bei der Interessenabwägung als wesentliches Element 
zudem den Kindesinteressen und dem Kindeswohl Rechnung zu tragen (BGE 143 I 
21 E. 5.5.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_140/2021 vom 24. Februar 2022 
E. 6.4.2; 6B_1319/2020 vom 1. Dezember 2021 E. 1.2.3; 6B_855/2020 vom 
25. Oktober 2021 E. 3.3.2; je mit Hinweisen; Urteile des EGMR Usmanov gegen 
Russland vom 22. Dezember 2020, Nr. 43936/18, § 56; Üner gegen Niederlan-
de vom 18. Oktober 2006, Nr. 46410/99, § 58). In Bezug auf die Kinder des von der 
Landesverweisung betroffenen Elternteils berücksichtigt die Rechtsprechung ins-
besondere, ob die Eltern des Kindes zusammenleben und ein gemeinsames Sor-
ge- und Obhutsrecht haben oder ob der von der Landesverweisung betroffene El-
ternteil das alleinige Sorge- und Obhutsrecht hat bzw. ob er gar nicht sorge- und 
obhutsberechtigt ist und seine Kontakte zum Kind daher nur im Rahmen eines Be-
suchsrechts pflegt (Urteil des Bundesgerichts 6B_1319/2020 vom 1. Dezember 
2021 E. 1.2.3 mit Hinweis).  

25. Subsumtion

25.1 Grundsatz

Mit der mehrfachen versuchten schweren Körperverletzung liegen Katalogtaten 
i.S.v. Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB vor, die grundsätzlich eine obligatorische Landes-
verweisung von 5 bis 15 Jahren nach sich ziehen (vgl. BGE 146 IV 105 E. 3.4.1; 
BGE 144 IV 168 E. 1.4.1). 

25.2 Schwerer persönlicher Härtefall

Die Vorinstanz ging methodisch korrekt vor und hat das Vorliegen eines schweren 
persönlichen Härtefalls in Erwägungen sämtlicher relevanter Umstände verneint. 
Es wird vorab – mit den nachfolgenden Ergänzungen zu den aktuellsten Verhält-
nissen – auf deren Erwägungen verwiesen, denen sich die Kammer vollumfänglich 
anschliesst (Ziff. VII.3. des erstinstanzlichen Urteilsmotivs; pag. 489 ff.). 

31

25.2.1 Aufenthaltsdauer

Der Beschuldigte wurde in Sri Lanka geboren und lebte dort bis ins Alter von 20 
Jahren (pag. 558). Er hat somit die prägenden Kindheits- und Jugendjahre in Sri 
Lanka verbracht. Seit nunmehr 32 Jahren lebt er in der Schweiz. Die Aufenthalts-
dauer ist somit sehr lange. 

Das Bundesgericht hat wiederholt festgehalten, dass sich das Vorliegen eines 
schweren persönlichen Härtefalls nicht anhand von starren Vorgaben bezüglich der 
Anwesenheitsdauer bestimmt (BGE 146 IV 105 Regeste). Die lange Aufenthalts-
dauer in der Schweiz begründet grundsätzlich ein Interesse am Verbleib, ist jedoch 
vor dem Hintergrund der Integration zu werten. 

25.2.2 Integration

Der Beschuldigte verfügt über keine abgeschlossene Berufungsausbildung. Für die 
beruflichen Stationen seit der Einreise in die Schweiz wird auf seinen bei Erstellung 
des Leumundsberichts zu den Akten gegebenen Lebenslauf verwiesen (pag. 565). 
Seit November 2017 arbeitet der Beschuldigte in einem tamilischen Lebensmittel-
laden in K.________ (Ort). Er wurde zeitweise von der Sozialhilfe unterstützt 
(pag. 558). Der Umfang der bezogenen Sozialhilfe ist in Anbetracht der Anwesen-
heitsdauer jedoch gering. Verlustscheine wurden über den Beschuldigte nicht aus-
gestellt und es sind lediglich Betreibungen im Betrag von CHF 1'449.85 vermerkt 
(pag. 568 ff.). Es ist somit anzumerken, dass der Beschuldigte während seines 
Aufenthalts in der Schweiz grösstenteils erwerbstätig war. Seine aktuelle Anstel-
lung scheint durch persönliche Beziehungen zur Geschäftsführung begünstigt wor-
den zu sein (pag. 623, Z. 17 ff.). Jedenfalls konnte er den Lebensunterhalt für sich 
selbst bislang grösstenteils selbst bestreiten. Im Zeitraum seit der Trennung von 
seiner Ex-Ehefrau im Februar 2017 bis zum Januar 2023 leistete er jedoch wegen 
zu geringen Einkünften keinen Unterhalt an seine Ex-Ehefrau sowie die gemein-
samen Söhne (vgl. pag. 587; pag. 223; pag. 649). Diese mussten folglich durch die 
Sozialhilfe unterstützt werden. 

Beruflich ist der Beschuldigte somit in gewissem Masse integriert. Mit seinem Ein-
kommen bestritt er indessen bis vor kurzem nur seinen eigenen Lebensunterhalt. 
Während rund 5 ½ Jahren seit der Trennung zahlte er keinen Unterhalt an seine 
Ex-Ehefrau und die gemeinsamen Söhne. Sozial, kulturell und gesellschaftlich ist 
der Beschuldigte kaum integriert. Seine Sprachkenntnisse sind trotz der langen 
Anwesenheit limitiert. Nach über 30-jährigem Aufenthalt dürften fliessende Kennt-
nisse einer Landessprache als Ausdruck gelungener Integration vorausgesetzt 
werden. Dies belegt zugleich, dass der Beschuldigte grösstenteils Umgang mit 
Landsleuten aus dem eigenen Kulturkreis pflegt. 

Zur Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung hielt die Vorinstanz zutref-
fend fest (vgl. pag. 491): 
Schliesslich ist auch der strafrechtliche Leumund des Beschuldigten getrübt. Mit Strafbefehl vom 

18.12.2018 wurde er wegen Sachbeschädigung verurteilt (p. 245). Zudem wurde gegen ihn ein Ver-

fahren wegen häuslicher Gewalt geführt und dem Beschuldigten wurde ein Kontaktverbot und ein be-

gleitetes Besuchsrecht auferlegt (vgl. Ausführungen zu den familiären Verhältnissen hiernach). Zwar 

scheint der Beschuldigte seit dem vorliegend zu beurteilenden Vorfall ruhiger geworden zu sein, er-

32

neut Kontakt zu seinen Kindern aufgebaut zu haben und ein für alle Beteiligten vertretbares Besuchs-

recht zu leben. Nichtsdestotrotz kann nicht von einer nachhaltigen positiven Persönlichkeitsentwick-

lung des Beschuldigten in der Schweiz, die durch eine Landesverweisung zunichtegemacht würde, 

gesprochen werden. 

Dem schliesst sich die Kammer an. Die bis zum erstinstanzlichen Urteil vermerkte 
Verbesserung in der Beachtung der öffentlichen Ordnung setzte sich im oberin-
stanzlichen Verfahren grundsätzlich fort. Die Kammer kommt indes nicht umhin 
festzustellen, dass einige neu eingetretenen, geltend gemachten Umstände gerade 
auf die Prüfung der Landesverweisung ausgerichtet zu sein scheinen. So ist nicht 
nachvollziehbar, weshalb der Beschuldigte nach seiner langjährigen Anstellung 
beim Food Center K.________ (Ort) per 1. Januar 2023 einen neuen Arbeitsvertrag 
mit gleichem Pensum und gleichem Tätigkeitsbereich, jedoch höherem Lohn er-
hielt, in dem, nach langjähriger Zusammenarbeit, erneut eine dreimonatige Probe-
zeit vereinbart wurde (pag. 647). Die Veranlassung, einen höheren Lohn zu verlan-
gen, um Unterhalt für seine Kinder leisten zu können (pag. 624, Z. 12 ff.), hätte 
schon seit Jahren bestanden. Der neue Arbeitsvertrag scheint vielmehr darauf ge-
richtet gewesen zu sein, die plötzliche Aufnahme von Unterhaltsleistungen zuguns-
ten seiner Kinder per Ende Januar 2023 zu begründen (pag. 649). So scheint der 
Beschuldigte denn auch der Meinung zu sein, die Unterhaltspflichten nehme er 
freiwillig war (pag. 624, Z. 42 ff.). 

Verglichen mit dem Tatzeitpunkt ist somit weiterhin eine Normalisierung und Stabi-
lisierung der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten sowie seiner Achtung 
vor der öffentlichen Ordnung auszumachen. Dies stellt indessen lediglich eine Ver-
besserung zur vorherigen, äusserst turbulenten Zeit dar, die von einem zuweilen 
tätlichen Trennungsstreit geprägt war und in den vorliegenden Anlasstaten kulmi-
nierte.  

Insgesamt kann die Integration des Beschuldigten mit der Vorinstanz höchstens als 
durchschnittlich eingestuft werden. 

25.2.3 F