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**Case Identifier:** a12ebf87-6d49-5ef0-bd4f-83a73807e9b8
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-04-30
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 30.04.2025 SST.2024.250
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2024-250_2025-04-30.pdf

## Full Text

Obergericht 

Strafgericht, 3. Kammer 

 

SST.2024.250 
(ST.2021.36; STA.2020.7901) 

 

 

Urteil vom 30. April 2025 
 

 

Besetzung  Oberrichterin Möckli, Präsidentin  

Oberrichter Fedier 

Oberrichterin Jacober  

Gerichtsschreiberin M. Stierli 

 

 
   

Anklägerin   Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau, 

Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg  

 

    
    

Beschuldigter   A._____,  

geboren am tt.mm.1985, von Portugal, 

[…] 

verteidigt durch Rechtsanwalt Nicolas Pfister,  

[…]   

  

 
 

Gegenstand  Grobe Verkehrsregelverletzungen 
 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Das Obergericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

Das Obergericht verurteilte den Beschuldigten mit Urteil vom 8. November 

2022 wegen mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln gemäss 

Art. 90 Abs. 2 SVG durch Nichtbeachten eines Signals vor einem Bahn-

übergang gemäss Art. 28 SVG und durch Verletzung der Vorsichtspflichten 

beim Befahren eines Bahnübergangs gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG, wobei 

von fahrlässiger Tatbegehung ausgegangen wurde, zu einer unbedingten 

Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je Fr. 100.00, ausmachend Fr. 9'000.00.  

 

2. 

Eine durch den Beschuldigten gegen diesen Entscheid erhobene 

Beschwerde hiess das Bundesgericht mit Urteil 7B_286/2022 vom 

22. Oktober 2024 teilweise gut, hob das Urteil des Obergerichts vom 

8. November 2022 auf und wies die Sache zu neuer Entscheidung an das 

Obergericht zurück.  

 

3. 

3.1. 

Mit Verfügung vom 19. November 2024 wurde den Parteien Gelegenheit 

gegeben, im Rahmen der Bindungswirkung des Bundesgerichtsurteils eine 

Stellungnahme einzureichen und Anträge zu stellen. Ferner wurde der 

Beschuldigte aufgefordert, sich zu seinen aktuellen persönlichen Verhält-

nissen zu äussern. Abschliessend wurde den Parteien in Aussicht gestellt, 

dass – ohne entsprechenden Parteiantrag – keine weitere Berufungs-

verhandlung durchgeführt werde.  

 

3.2. 

Die Staatsanwaltschaft beantragte mit Stellungnahme vom 11. Dezember 

2024, der Beschuldigte sei in Zulassung der anlässlich der Berufungs-

verhandlung vom 8. November 2022 eingereichten Ergänzung der Anklage 

der fahrlässigen groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 

Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 100 Ziff. 1 SVG schuldig zu sprechen und zu einer 

Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu verurteilen. 

 

3.3. 

Der Beschuldigte beantragte mit Stellungnahme vom 24. Januar 2025 

einen Schuldspruch wegen mehrfacher einfacher Verletzung der Verkehrs-

regeln gemäss Art. 90 Abs. 1 i.V.m. Art. 100 Ziff. 1 SVG durch Nicht-

beachtung eines Signals vor einem Bahnübergang gemäss Art. 28 SVG 

und durch Verletzung der Vorsichtspflichten beim Befahren eines Bahn-

übergangs gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG. Dafür sei er zu einer Busse in 

schuldangemessener, richterlich zu bestimmender Höhe zu verurteilen. Die 

Kosten für das zweite Berufungsverfahren seien dabei auf die Staatskasse 

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zu nehmen und ihm sei eine angemessene Entschädigung gemäss noch 

einzureichender Kostennote auszurichten.  

 

3.4. 

Mit Verfügung vom 28. Januar 2025 wurde festgestellt, dass die Parteien 

auf eine weitere Berufungsverhandlung verzichten. 

 

 
   

Das Obergericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

1.1. 

Das Bundesgericht hat in seinem Urteil vom 22. Oktober 2024 verbindlich 

festgehalten, dass der vorinstanzliche Schuldspruch wegen fahrlässig 

begangener mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln den 

Anklagegrundsatz verletze, nachdem der zur Anklage erhobene Straf-

befehl vom 22. Januar 2021, auf den sich das Obergericht gestützt habe, 

dem Beschuldigten eindeutig ein vorsätzliches Handeln vorgeworfen habe 

und über die Zulassung der von der Staatsanwaltschaft im Rahmen der 

Vorfragen anlässlich der Berufungsverhandlung vom 8. November 2022 

vorgelegten ergänzten Anklageschrift, die dem Beschuldigten auch eine 

fahrlässige grobe Verletzung der Verkehrsregeln zur Last lege, nicht 

entschieden worden sei (Urteil des Bundesgerichts 7B_286/2022 vom 

22. Oktober 2024 E. 2.2 ff.). Art. 333 Abs. 1 StPO zur Änderung der 

Anklage sei anwendbar in der Konstellation, in der neben der vorsätzlichen 

Begehung auch die fahrlässige Handlung unter Strafe stehe und das 

Gericht allenfalls eine andere rechtlichen Würdigung des subjektiven 

Tatbestands vornehmen möchte. Eine solche Änderung der Anklage sei in 

Anwendung von Art. 379 StPO im Rahmen der Anträge der Parteien und 

soweit mit dem Verbot der «reformatio in peius» vereinbar auch im 

Berufungsverfahren noch zulässig. Unter den gleichen Voraussetzungen 

könne eine Anklageänderung auch noch nach einer Rückweisung durch 

das Bundesgericht erfolgen. Die Sache sei somit an das Obergericht 

zurückzuweisen, damit dieses den Tatvorwurf gemäss geänderter 

Anklageschrift – unter Gewährung des rechtlichen Gehörs – erneut prüfen 

könne (Urteil des Bundesgerichts 7B_286/2022 vom 22. Oktober 2024 

E. 2.4.1 f. mit Hinweisen). 

 

1.2. 

Gemäss den verbindlichen Erwägungen des Bundesgerichts ist von einer 

zulässigen Anklageergänzung im Berufungsverfahren auszugehen. Das 

Verbot der reformatio in peius stellt vorliegend kein Hindernis dar, zumal 

nur die Staatsanwaltschaft Berufung erhoben und einen Schuldspruch 

wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG 

beantragt hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte die Ergänzung der Anklage 

sodann im Rahmen der Vorfragen anlässlich der Berufungsverhandlung 

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vom 8. November 2022 beantragt und der Beschuldigte hatte im Rahmen 

des Berufungsverfahrens nach Rückweisung durch das Bundesgericht 

Gelegenheit, sich zur geänderten Anklage bzw. zum Vorwurf der fahrlässi-

gen groben Verletzung der Verkehrsregeln zu äussern (vgl. Stellungnahme 

des Beschuldigten vom 24. Januar 2025). Entsprechend verlangt der 

Beschuldigte nun in seiner Eingabe vom 24. Januar 2025 auch, dass er der 

(einfachen) Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG 

i.V.m. Art. 100 Ziff. 1 SVG – letztgenannte Bestimmung stellt die 

Fahrlässigkeit unter Strafe – verurteilt wird.  

 

Der Tatvorwurf ist somit gemäss der folgenden geänderten Anklage 

(Dossier SST.2022.176 act. 87 f.) zu prüfen: 

 

Sachverhalt: 
 
Grobe Verletzung der Verkehrsregeln durch: 
 
- Mangelnde Aufmerksamkeit 

(Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 100 Ziff. 1 SVG, Art. 31 Abs. 1 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV) 
 

- Nichtbeachten Signale (Wechselblinker) vor Bahnübergang 
(Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 100 Ziff. 1 SVG, Art. 28 SVG) 
 

- Nichtbeherrschen des Fahrzeuges 
(Art. 90 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 100 Ziff. 1 SVG, Art. 31 Abs. 1 SVG) 

 
Der Beschuldigte hat fahrlässig, d.h. aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit, durch grobe 
Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervor-
gerufen, indem er dem Verkehr nicht genügende Aufmerksamkeit zugewendet hat, trotz 
Halt gebietenden Signalen vor einem Bahnübergang nicht angehalten hat sowie sein Fahr-
zeug nicht oder ungenügend beherrscht hat, sodass er seinen Vorsichtspflichten als 
Fahrzeuglenker nicht nachkommen konnte und eine Kollision mit einem Schienenfahrzeug 
verursachte. 
 
Begangen: 
Ort:  5703 Seon, Seetalstrasse, Bahnübergang Einmündung Talstrasse 
Zeit: Freitag, 4. September 2020, ca. 08:50 Uhr 
Fahrzeug:  Lieferwagen ’’Mercedes-Benz", AG […] 
 
Vorgehen: 
Zur vorgenannten Zeit lenkte der Beschuldigte den genannten Lieferwagen von Lenzburg 
herkommend auf der Seetalstrasse in Seon in Fahrtrichtung Beinwil am See. Beim 
obgenannten Bahnübergang achtete sich der Beschuldigte entgegen der im Strassen-
verkehr allgemein geltenden Pflicht zur Aufmerksamkeit und im Besonderen als 
Führer eines Motorfahrzeuges, der eine Eisenbahnlinie überqueren wollte, nicht auf 
die mittels Wechselblinker angezeigte, bevorstehende Durchfahrt eines Zuges und fuhr mit 
seinem Lieferwagen auf den Bahnübergang. Erst durch die vom Lokomotivführer des 
Zuges abgegebenen Achtungssignale wurde der Beschuldigte auf den herannahenden 
Zug aufmerksam, konnte den Lieferwagen aber nicht mehr rechtzeitig anhalten. Auch die 
vom Lokomotivführer eingeleitete Schnellbremsung des Zuges konnte die Kollision nicht 
mehr verhindern. Durch sein Verhalten rief der Beschuldigte eine ernstliche Gefahr für die 
Sicherheit anderer, namentlich die Personen im Zug, hervor. 
Dabei hielt der Beschuldigte für möglich, dass er infolge mangelnder Aufmerksam-
keit gegenüber dem Verkehr und v.a. infolge Nichtbeachtens der Wechselblinker 

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beim Befahren des Bahnübergangs mit dem herannahenden Zug kollidieren und 
dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer, namentlich die Personen 
im Zug, hervorrufen könnte, vertraute aber pflichtwidrig darauf, dass dies nicht 
passieren werde. Eventualiter sah der Beschuldigte dies nicht voraus und wollte 
dies auch nicht. 
Hätte der Beschuldigte seine ihm obliegenden Sorgfaltspflicht jedoch erfüllt und 
dem Verkehr und insbesondere der mittels Wechselblinker angezeigten, bevor-
stehenden Durchfahrt eines Zuges die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt, so 
hätte er bemerkt, dass der Zug herannaht und er vor dem Befahren des Bahn-
überganges dessen Durchfahrt abwarten musste, um eine Kollision mit demselben 
zu vermeiden. Es war für den Beschuldigten auch vorhersehbar und lag nicht 
ausserhalb der allgemeinen Lebenserfahrung, dass wenn er seine Aufmerksamkeit 
nicht vollständig der Strasse und dem Verkehr zuwendet, er die Wechselblinker beim 
Bahnübergang übersehen, mit dem herannahenden Zug kollidieren und dadurch 
eine ernstliche Gefahr für die anderen Verkehrsteilnehmer hervorrufen könnte. 
 
Bemerkung: 
Durch die Kollision wurde niemand verletzt. Es entstand jedoch erheblicher Sachschaden 
am Lieferwagen und am Schienenfahrzeug. 

 

1.3. 

Gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG macht sich strafbar, wer durch grobe 

Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit 

anderer hervorruft oder in Kauf nimmt.  

 

Der objektive Tatbestand ist erfüllt, wenn der Täter eine wichtige Verkehrs-

vorschrift in objektiv schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit 

ernstlich gefährdet. Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer ist 

bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben. Diese setzt die 

naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung 

voraus. Eine konkrete Gefahr oder Verletzung ist nicht verlangt (BGE 143 

IV 508 E. 1.3; 142 IV 93 E. 3.1; 131 IV 133 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts 

6B_926/2024 vom 17. Dezember 2024 E. 2.1.2; je mit Hinweisen).  

 

Subjektiv erfordert der Tatbestand ein rücksichtsloses oder sonst 

schwerwiegend verkehrsregelwidriges Verhalten, das heisst ein schweres 

Verschulden, bei fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit. 

Diese ist zu bejahen, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit 

seiner Fahrweise bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit kommt aber auch in 

Betracht, wenn der Täter die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer 

pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht. Die Annahme einer groben 

Verletzung von Verkehrsregeln setzt in diesem Fall voraus, dass das 

Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf Rück-

sichtslosigkeit beruht. Rücksichtslos ist unter anderem ein bedenkenloses 

Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern. Dieses kann auch in einem 

blossen momentanen Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen 

bestehen (BGE 131 IV 133 E. 3.2 mit Hinweisen). Je schwerer die 

Verletzung von Verkehrsregeln objektiv wiegt, desto eher wird Rücksichts-

losigkeit subjektiv zu bejahen sein, sofern keine besonderen Gegenindizien 

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vorliegen (BGE 142 IV 93 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts 7B_482/2023 

vom 23. Januar 2025 E. 4.1.1; je mit Hinweisen). 

 

Nach Art. 28 SVG ist vor Bahnübergängen anzuhalten, wenn Schranken 

sich schliessen oder Signale Halt gebieten und, wo solche fehlen, wenn 

Eisenbahnfahrzeuge herannahen. Zu den Halt gebietenden Signalen am 

Bahnübergang gehören unter anderem rote Wechselblinklichtsignale und 

rote (einfache) Blinklichtsignale (Art. 93 Abs. 2 SSV; Signal Nr. 3.20 und 

3.21). Um das rechtzeitige Anhalten sicherzustellen, gebietet Art. 32 Abs. 1 

SVG, dass namentlich vor Bahnübergängen langsam zu fahren und 

nötigenfalls sogar anzuhalten ist. 

 

Der Fahrzeugführer muss das Fahrzeug ständig so beherrschen, dass er 

seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann (Art. 31 Abs. 1 SVG). Er muss 

also jederzeit in der Lage sein, auf die jeweils erforderliche Weise auf das 

Fahrzeug einzuwirken und auf jede Gefahr ohne Zeitverlust zweckmässig 

zu reagieren (BGE 120 IV 63 E. 2a). Insbesondere bei der Annäherung an 

einen Bahnübergang hat der Fahrzeugführer eine erhöhte Vorsicht walten 

zu lassen um, wenn nötig, in genügendem Abstand vor dem Gleis anhalten 

zu können (vgl. BGE 93 II 111 E. 10 mit Hinweis auf BGE 87 II 301 E. 3). 

Überraschend auftretende Gefahren stellen oft hohe Ansprüche an die 

Reaktionsfähigkeit, weshalb dem Fahrzeugführer nicht zum Vorwurf 

gemacht werden kann, wenn sich seine Reaktion im Nachhinein als nicht 

die beste aller denkbaren Reaktionsweisen erweist, so lange die getroffene 

Reaktion als verständlich und nicht als abwegig erscheint (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_309/2016 vom 10. November 2016 E. 4.3). Ferner 

muss der Fahrzeugführer seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem 

Verkehr zuwenden (Art. 3 Abs. 1 Satz 1 VRV). Das Mass der Aufmerksam-

keit, die der Fahrzeugführer nach Art. 31 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 3 Abs. 1 

VRV der Strasse und dem Verkehr zuzuwenden hat, richtet sich nach den 

gesamten Umständen, namentlich der Verkehrsdichte, den örtlichen 

Verhältnissen, der Zeit, der Sicht und den voraussehbaren Gefahren-

quellen (BGE 137 IV 290 E. 3.6; 137 II 302 E. 3c). Insbesondere in 

Baustellenbereichen wird vom Fahrzeugführer ein erhöhtes Mass an 

Aufmerksamkeit verlangt (Urteil des Bundesgerichts 6B_565/2010 vom 

21. Oktober 2010 E. 3.1). 

 

1.4. 

In tatsächlicher Hinsicht ist erstellt und im Berufungsverfahren unbestritten 

geblieben, dass der Beschuldigte am 4. September 2020 um ca. 08:50 Uhr 

als Lenker eines Mercedes-Benz Lieferwagens, Kontrollschild AG […], auf 

der Seetalstrasse in Seon in Fahrtrichtung Beinwil am See bei der 

Einmündung Talstrasse die mittels Wechselblinker angezeigte bevorste-

hende Durchfahrt eines Zuges nicht bemerkt und den Bahnübergang 

befahren hat. Der Beschuldigte hat, nachdem er durch die Achtungssignale 

des Zuges auf den herannahenden Zug aufmerksam gemacht worden ist, 

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nicht mehr rechtzeitig rückwärtsfahren können, weshalb es trotz 

Schnellbremsung des Zugführers zu einer Kollision gekommen ist. Verletzt 

wurde dadurch niemand, es entstand jedoch ein Sachschaden am 

Lieferwagen des Beschuldigten und am Zug (vorinstanzliches Urteil E. 3.4; 

Dossier SST.2022.176 act. 44; Stellungnahme vom 24. Januar 2025). 

 

Der Beschuldigte bestreitet nicht, dass er das Haltegebot gemäss Art. 28 

SVG sowie die Vorsichtspflichten beim Befahren eines Bahnübergangs 

gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG verletzt hat, und dass er damit wichtige 

Verkehrsvorschriften in objektiv schwerer Weise missachtet und die 

Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet hat. Er bestreitet hingegen, 

rücksichtslos und dementsprechend grobfahrlässig gehandelt zu haben. Er 

habe sich angesichts der viel grösseren Betriebsgefahr des heran-

nahenden Zuges primär selbst gefährdet. Eine solche Selbstgefährdung sei 

weder auf vorsätzliches noch grobfahrlässiges Verhalten, sondern vielmehr 

auf eine leichte Unaufmerksamkeit zurückzuführen. Zudem habe es vor 

dem Bahnübergang eine Baustelle gegeben und der Bahnübergang habe 

früher eine Schranke gehabt. Er sei davon ausgegangen, dass der 

Bahnübergang im Falle einer Zugdurchfahrt mit einer Bahnschranke 

abgesperrt wäre und er sich vollständig auf die Baustelle konzentrieren 

könne (Stellungnahme vom 24. Januar 2025). 

 

1.5. 

1.5.1. 

Die bevorstehende Zugdurchfahrt wurde dem Beschuldigten beim 

Bahnübergang Seetalstrasse / Talstrasse unbestrittenermassen durch ein 

Wechselblinklichtsignal angezeigt. Zusätzlich war der Bahnübergang mit 

einem Andreaskreuz (Signal Nr. 3.22) gekennzeichnet (UA act. 30). Indem 

der Beschuldigte das Wechselblinklichtsignal beim Bahnübergang Seetal-

strasse / Talstrasse nach eigenen Angaben nicht wahrgenommen hat (UA 

act. 38, 84), mangelte es ihm an der pflichtgemässen Aufmerksamkeit. 

Indem der Beschuldigte das Wechselblinklichtsignal nicht wahrgenommen 

und nicht angehalten hat, hat er gegen das Haltegebot nach Art. 28 SVG 

sowie gegen die Pflicht zur Aufmerksamkeit gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG 

i.V.m. Art. 3 Abs. 1 VRV verstossen. Führt allerdings die mangelnde 

Aufmerksamkeit – wie vorliegend – zur fahrlässigen Nichtbeachtung eines 

Signals vor einem Bahnübergang, wird die mangelnde Aufmerksamkeit 

davon konsumiert und es kann nur ein Schuldspruch wegen Nichtbeach-

tung eines Signals ergehen. 

 

1.5.2. 

Nachdem der Beschuldigte vor dem Bahnübergang nicht angehalten hat, 

weil er das Wechselblinklichtsignal überhaupt nicht wahrgenommen hatte, 

ist er den ihm beim Befahren eines Bahnübergangs obliegenden Vorsichts-

pflichten gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG nicht genügend nachgekommen. Da 

er die Warnblinker überhaupt nicht beachtet hat, durfte er den Bahnüber-

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gang nicht ohne Weiteres passieren. Vielmehr hat der Fahrzeuglenker, 

sofern er sich nicht durch einen bewussten Blick auf das Wechselblinklicht-

signal vergewissert, beim Passieren eines Bahnübergangs diesen so 

vorsichtig zu befahren, dass er einen herannahenden Zug erkennen und 

nötigenfalls anhalten kann. Ein solches Verhalten liess der Beschuldigte 

gänzlich vermissen. Er hat den – an dieser Stelle mit gerader Strecke gut 

und von Weitem sichtbaren Zug – mangels genügender Aufmerksamkeit 

zu spät erkannt und deshalb nicht mehr rechtzeitig und adäquat reagieren 

können, so dass es zu einer Kollision gekommen ist. Dass er nach eigenen 

Angaben den Rückwärtsgang einzulegen versucht hat, ändert nichts daran, 

dass er den ihm zuvor obliegenden Vorsichtspflichten nicht nachgekom-

men ist. Ebenso wenig entlastet ihn der Umstand, dass nicht das ganze, 

sondern nur der vordere Teil des Fahrzeugs auf den Gleisen stand. Denn 

wäre er, nachdem er überhaupt kein Wechselblinklicht gesehen hatte, der 

Situation entsprechend angepasst langsam gefahren und hätte sich mit 

einem bewussten Blick versichert, dass kein Zug ab der Haltestelle Seon 

und der dort gerade verlaufenden Strecke herannaht, hätte er rechtzeitig 

sowie vollständig anhalten und damit eine Kollision vermeiden können. Vor 

diesem Hintergrund ist die vom Beschuldigten viel zu spät getroffene 

Reaktion nicht entschuldbar. Er ist den ihm gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG 

obliegenden Vorsichtspflichten überhaupt nicht nachgekommen 

 

1.5.3. 

Der Beschuldigte hat somit das Haltegebot gemäss Art. 28 SVG sowie die 

Vorsichtspflichten beim Befahren eines Bahnübergangs gemäss Art. 31 

Abs. 1 SVG verletzt, indem er zunächst das Wechselblinklichtsignal nicht 

wahrgenommen und nicht gestoppt hat und dann beim Befahren des Bahn-

übergangs den herannahenden Zug mangels genügender Aufmerksamkeit 

zu spät erkannt hat und deshalb nicht mehr rechtzeitig vor den Gleisen hat 

anhalten können. Dadurch hat er für die allgemeine Verkehrssicherheit und 

mittelbar zum Schutz von Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer 

wichtige Verkehrsregeln schwer verletzt und nicht nur eine erhöhte 

abstrakte, sondern eine konkrete Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer, 

insbesondere die Zuginsassen, geschaffen, zumal der Zugführer infolge 

der Verkehrsregelverletzungen des Beschuldigten eine Vollbremsung 

einleiten musste und es zu einer Kollision gekommen ist (mit u.a. Gefahr 

von Stürzen insbesondere stehender Zugreisender). Dies gilt umso mehr, 

als dass es sich beim Fahrzeug des Beschuldigten um einen Lieferwagen 

gehandelt hat, wodurch bei einer Kollision eine entsprechend höhere 

Gefahr für Sach- und Personenschaden bestanden hat. Es ist lediglich 

glücklichen Umständen zu verdanken, dass durch die Kollision lediglich 

(erheblicher) Sachschaden verursacht worden ist. Da die Verkehrs-

regelverletzungen in einem äusserst engen räumlichen und zeitlichen 

Zusammenhang stehen und sich in der Schaffung ein und derselben 

Gefahr niedergeschlagen haben, ist hinsichtlich der groben Verletzung der 

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Verkehrsregeln von einer einfachen Begehung auszugehen. Der objektive 

Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG ist erfüllt. 

 

1.6. 

Der Beschuldigte hat den betreffenden Bahnübergang schon mehrmals 

und auch schon, seitdem sich davor eine Baustelle befunden hat, überquert 

(UA act. 39; vgl. Dossier SST.2022.176 act. 34). Er hat gewusst, dass sich 

an dieser Stelle ein Bahnübergang befindet und dennoch elementare 

Vorsichtspflichten missachtet, indem er vor dem Befahren des Bahnüber-

gangs weder auf das Wechselblinklichtsignal noch auf den herannahenden 

Zug geachtet bzw. diese nicht wahrgenommen hat. Diese Pflichtwidrigkei-

ten wiegen angesichts der Auffälligkeit des Wechselblinklichtsignals und 

der von einem Bahnübergang ausgehenden hohen Gefahr schwer. Der 

Beschuldigte kann nichts zu seinen Gunsten aus dem von ihm zitierten 

BGE 118 IV 285 ableiten, konnte der ein Rotlicht übersehende Täter in 

diesem Fall doch die ruhige und übersichtliche Verkehrssituation beobach-

ten und auf das einmündende Fahrzeug Rücksicht nehmen, wobei der 

Beschuldigte im Gegensatz nicht nur das – im Vergleich zu einem Rotlicht 

auffälligere – Wechselblinklichtsignal, sondern auch den herannahenden 

Zug mangels genügender Aufmerksamkeit nicht bemerkt hat, weshalb es 

zu einer Kollision gekommen ist. Indem er den Bahnübergang befahren hat, 

ohne seinen Aufmerksamkeitspflichten hinsichtlich einer allfälligen Zug-

durchfahrt nachzukommen, mithin ohne sicher sein zu können, dass sich 

kein Zug nähert, hat er bedenkenlos gegenüber Leib und Leben der 

Zuginsassen und damit rücksichtslos gehandelt. Das Handeln des 

Beschuldigten ist folglich als grobfahrlässig zu qualifizieren. Dass er damit 

auch sich selbst gefährdet hat, vermag entgegen seiner Auffassung daran 

nichts zu ändern, schliesst ein Nichtbedenken der Gefährdung eigener 

Interessen ein Nichtbedenken fremder Interessen doch nicht aus. Der 

Umstand, dass vor dem Bahnübergang eine Baustelle installiert war, lässt 

das bedenken- und demgemäss grobfahrlässige Verhalten entgegen 

seiner Ansicht ebenfalls nicht entfallen. Im Gegenteil wäre gerade 

deswegen eine erhöhte Aufmerksamkeit geboten gewesen. Dasselbe gilt 

bezüglich der fehlenden Schranke, denn gemäss Art. 93 Abs. 2 SVS ist ein 

rotes (Blink-)Licht einer solchen gleichgestellt, weshalb der Beschuldigte 

auch ohne Abschrankung zum Halten verpflichtet war und was ihm bekannt 

sein musste, ansonsten es ihm ohnehin an der Fahrkompetenz gemangelt 

hätte (Art. 14 Abs. 1 und Abs. 3 lit. a SVG). Besondere Umstände, die das 

Verhalten subjektiv in einem milderen Licht erscheinen liessen, liegen nicht 

vor. Auch der subjektive Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG ist damit erfüllt. 

 

1.7. 

Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte der groben Verletzung der 

Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG durch Nichtbeachten eines 

Signals vor einem Bahnübergang gemäss Art. 28 SVG und Verletzung der 

Vorsichtspflichten beim Befahren eines Bahnübergangs gemäss Art. 31 

 - 10 - 

 

 

Abs. 1 SVG schuldig zu sprechen. Dass der Beschuldigte bloss fahrlässig 

gehandelt hat, muss im Dispositiv nicht erwähnt werden, denn die Quali-

fikation der Verkehrsregelverletzung als vorsätzlich oder grobfahrlässig ist 

nur für die Strafzumessung, nicht aber für die Erfüllung des Tatbestands 

von Bedeutung (Urteil des Bundesgerichts 6B_452/2016 vom 23. Dezem-

ber 2016 E. 1.2). 

 

2. 

2.1. 

Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB wiederholt dargelegt (BGE 147 IV 241; BGE 144 IV 313; BGE 144 IV 

217; BGE 141 IV 61 E. 6.1.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.). Darauf kann 

verwiesen werden. 

 

2.2. 

Der Tatbestand der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 

Abs. 2 SVG sieht eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geld-

strafe vor. Ausgangspunkt für die Bestimmung des Verschuldens ist die 

Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts 

(Art. 47 Abs. 2 StGB). Beim Tatbestand der groben Verletzung der 

Verkehrsregeln ist das geschützte Rechtsgut die Verkehrssicherheit 

respektive der Schutz von Leib und Leben der Verkehrsteilnehmer vor einer 

erhöhten abstrakten Gefahr. 

 

Indem der Beschuldigte am 4. September 2020 um ca. 8:50 Uhr in Seon 

beim Bahnübergang Seetalstrasse / Talstrasse trotz Wechselblinklicht-

signal nicht angehalten hat und darauf den ihm beim Befahren des Bahn-

übergangs – nachdem er sich nicht versichert hatte, ob das Wechsel-

blinklichtsignal Halt geboten hatte oder nicht – obliegenden Vorsichts-

pflichten nicht nachgekommen ist, so dass er den herannahenden Zug 

nicht rechtzeitig gesehen hat und seinen Lieferwagen auch nicht mehr 

rechtzeitig vor den Gleisen hat anhalten können, hat er die Verkehrs-

sicherheit und das Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer nicht nur 

abstrakt, sondern in konkreter Art und Weise gefährdet. Diese vom 

Beschuldigten grobfahrlässig begangene grobe Verletzung der Verkehrs-

regeln wiegt umso schwerer, als allgemein bekannt ist, dass bei Bahnüber-

gängen eine erhöhte Vorsicht walten zu lassen und besonders auf die 

Signalisation zu achten ist, da eine Kollision mit einem Zug regelmässig zu 

grossen Sach- und Personenschäden führt. Dass es vorliegend nur zu 

einem Sach- und nicht auch zu einem Personenschaden gekommen ist, ist 

lediglich auf glückliche Umstände und insbesondere auch auf die 

frühzeitige Bremsreaktion des Zugführers zurückzuführen. Das Verhalten 

des Beschuldigten geht aufgrund der von ihm geschaffenen unmittelbaren 

Gefahr für eine Vielzahl von Zugpassagieren, mit denen aufgrund der 

Uhrzeit im morgendlichen Pendlerverkehr durchaus zu rechnen war, 

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deutlich über die blosse Erfüllung des Tatbestands der groben Verletzung 

der Verkehrsregeln, der keine konkrete Gefährdung erfordert, hinaus.  

 

Der Beschuldigte hat fahrlässig gehandelt, was verschuldensmässig 

weniger schwer wiegt als vorsätzliches Handeln. Es ist jedoch nicht 

ersichtlich, weshalb es dem Beschuldigten nicht möglich war, das Wechsel-

blinklichtsignal sowie den aufgrund der geraden Streckenführung gut 

sichtbaren Zug wahrzunehmen. Der Beschuldigte hat den betreffenden 

Bahnübergang schon mehrmals und auch schon, seitdem sich davor eine 

Baustelle befunden hat, überquert (UA act. 39; vgl. Dossier SST.2022.176 

act. 34), wodurch er durchaus mit der Verkehrssituation beim genannten 

Bahnübergang vertraut war. Doch selbst wenn er die Baustelle beim 

Bahnübergang vorher noch nicht bewusst realisiert hätte, hätte dies von 

ihm nicht eine geringere, sondern eine erhöhte Aufmerksamkeit gefordert. 

Weiter verfügt der Beschuldigte aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als 

Berufschauffeur über viel Erfahrung im Strassenverkehr (UA act. 39; 

Dossier SST.2022.176 act. 32). Entsprechend hätte von ihm umso mehr 

erwartet werden können, dass er sich vor dem Befahren eines Bahn-

übergangs mit einem bewussten Blick auf das Wechselblinklichtsignal 

versichert, dass dieses nicht zum Halten aufforderte, und beim Passieren 

des Bahnübergangs genügend aufmerksam ist, um den ihm obliegenden 

Vorsichtspflichten nachkommen zu können. 

 

Insgesamt ist unter Berücksichtigung des breiten Spektrums der vom 

Tatbestand der groben Verletzung der Verkehrsregeln erfassten 

Fahrweisen von einem in Relation zum Strafrahmen von bis zu 3 Jahren 

Freiheitsstrafe gerade noch leichten Verschulden und einer dafür 

angemessenen Geldstrafe von 80 Tagessätzen sowie einer Verbindungs-

busse (siehe nachstehend) als in ihrer Gesamtheit angemessene Sanktion 

auszugehen. 

 

2.3. 

Hinsichtlich der Täterkomponente ergibt sich Folgendes: Der Beschuldigte 

ist mehrfach einschlägig vorbestraft. Er wurde von der Staatsanwaltschaft 

Lenzburg-Aarau mit Strafbefehl vom 18. Juni 2014 wegen mehrfacher 

grober Verletzung der Verkehrsregeln sowie (einfacher) Verletzung der 

Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 

Fr. 110.00 und zu einer Busse von Fr. 2'500.00 verurteilt. Mit Strafbefehl 

vom 6. Januar 2017 wurde der Beschuldigte von der Staatsanwaltschaft 

Graubünden wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand zu einer bedingten 

Geldstrafe von 30 Tagessätzen à Fr. 130.00 und einer Busse von 

Fr. 800.00 verurteilt. Der Führerausweis wurde dem Beschuldigten bereits 

drei Mal entzogen: Im Jahr 2014 für vier Monate wegen Überholens und 

ungenügenden Abstands, im Jahr 2016 für rund eineinhalb Monate und im 

Jahr 2017 für rund zehn Monate jeweils wegen Übermüdung und 

Sekundenschlafs (UA act. 9 f.). Auch wenn dem Beschuldigten hinsichtlich 

 - 12 - 

 

 

der neu begangenen Straftaten bloss Fahrlässigkeit vorzuwerfen ist, sind 

die Vorstrafen straferhöhend zu berücksichtigen, da der Beschuldigte 

daraus offensichtlich nicht die notwendigen Lehren gezogen hat. Auch die 

Führerausweisentzüge haben den Beschuldigten nicht dazu anhalten 

können, sich im Strassenverkehr aufmerksamer zu verhalten und stets den 

ihm beim Führen eines Motorfahrzeugs obliegenden Vorsichtspflichten 

nachzukommen. 

 

Weitere im Rahmen der Täterkomponente zu berücksichtigende Umstände 

liegen nicht vor. Insbesondere kann der Beschuldigte aus dem Vorbringen, 

es habe am Bahnübergang Seetalstrasse / Talstrasse eine Baustelle 

gegeben, keine strafmindernden Umstände ableiten. Vielmehr zeugt diese 

Aussage von wenig Einsicht. Nach dem Gesagten ist die dem Verschulden 

angemessene Strafe aufgrund der insgesamt negativen Täterkomponente 

um 10 Tagessätze auf 90 Tagessätze zu erhöhen.  

 

2.4. 

Strafmindernd wirkt sich hingegen die Verletzung des Beschleunigungs-

gebots aus. Die Gesamtdauer des Verfahrens hat bis zum heutigen 

Zeitpunkt rund 4 Jahre und 7 Monate betragen, wobei etwas weniger als 

zwei Jahre auf das Verfahren vor Bundesgericht entfallen sind, was in 

Anbetracht dessen, dass es sich um keinen komplexen Fall handelt, zu 

lange ist. Die Verletzung des Beschleunigungsgebots ist im Dispositiv 

festzuhalten und es ist ihr mit einer Strafreduktion von 10 Tagessätzen auf 

insgesamt 80 Tagessätze Rechnung zu tragen. 

 

2.5. 

Die Tagessatzhöhe bestimmt sich nach den persönlichen und wirtschaftli-

chen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils (Art. 34 Abs. 2 

StGB). Dass sich die persönlichen und finanziellen Verhältnisse des 

Beschuldigten im Vergleich zum Zeitpunkt des Urteils vom 8. November 

2022 massgeblich verändert hätten, macht er nicht geltend und legt – trotz 

entsprechender Aufforderung mit Verfügung vom 19. November 2024 – 

keine Unterlagen dazu ins Recht. Entsprechend ist von gleichen familiären 

und finanziellen Verhältnissen auszugehen. Ausgehend von einem 

durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommen von Fr. 4'350.00 mit 

einem Abzug von 20% für die Krankenkasse, Steuern und notwendigen 

Berufskosten sowie einem anteilsmässigen Unterstützungsabzug von 10% 

für die Tochter resultiert damit ein Tagessatz von Fr. 100.00 (vgl. Urteil vom 

8. November 2022 E. 4.5). 

 

2.6. 

Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe in der Regel auf, wenn 

eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der 

Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 

 - 13 - 

 

 

StGB). Der Strafaufschub ist die Regel, von der grundsätzlich nur bei 

ungünstiger Prognose abgewichen werden darf (BGE 134 IV 1 E. 4.2.2). 

 

Der Beschuldigte ist mehrfach einschlägig vorbestraft und ihm wurde auch 

bereits mehrfach der Führerausweis entzogen (siehe dazu oben bei der 

Täterkomponente), was bei der Prognosestellung als erheblich ungünsti-

ges Element zu gewichten ist. Weder die bedingt ausgesprochenen Geld-

strafen noch die Bussen von insgesamt Fr. 3'300.00 noch die Führer-

ausweisentzüge konnten ihn von der vorliegenden groben Verletzung der 

Verkehrsregeln abhalten. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die Vor-

strafen des Beschuldigten aus dem Jahr 2014 und 2017 und die damit 

zusammenhängenden Führerausweisentzüge bereits länger zurückliegen 

und es sich mit 50 bzw. 30 Tagessätzen um Geldstrafen im tieferen Bereich 

gehandelt hat. Zu berücksichtigen ist sodann, dass es sich bei der 

vorliegenden groben Verletzung der Verkehrsregeln um ein Fahrlässig-

keitsdelikt gehandelt hat und der Beschuldigte sich seither, d.h. seit 

nunmehr rund 4 Jahren und 7 Monaten, wohl verhalten hat. Dieses 

ausgewiesene Wohlverhalten stellte eine Veränderung im Vergleich zum 

Urteil des Obergerichts vom 8. November 2022 dar. Aufgrund der 

gesamten Umstände kann dem Beschuldigten zwar keine positive 

Prognose gestellt werden, jedoch ist nun auch knapp nicht von einer 

eigentlichen Schlechtprognose auszugehen. Dem Beschuldigten ist daher 

der bedingte Strafvollzug zu gewähren. Den noch bestehenden Bedenken 

an seiner Legalbewährung ist mit einer Probezeit von 5 Jahren sowie einer 

Verbindungsbusse Rechnung zu tragen. 

 

2.7. 

Eine bedingt ausgesprochene Geldstrafe kann mit einer Busse verbunden 

werden (Art. 42 Abs. 4 StGB). Vorliegend ist die Verbindung der bedingt 

ausgesprochenen Geldstrafe mit einer Busse angezeigt, um dem 

Beschuldigten die Ernsthaftigkeit der Sanktion und die Konsequenzen 

seines Handelns deutlich vor Augen zu führen. Zudem soll er gegenüber 

einem Täter, der sich bloss wegen einer Übertretung zu verantworten hat 

und dafür mit einer Busse bestraft wird, nicht bessergestellt werden (sog. 

Schnittstellenproblematik; BGE 146 IV 145 E. 2.2). 

 

Unter Berücksichtigung der Denkzettelfunktion, der untergeordneten 

Bedeutung der Verbindungsbusse, der wirtschaftlichen Verhältnisse und 

des Verschuldens des Beschuldigten sowie des Umstands, dass das 

Bundesgericht die Obergrenze der Verbindungsstrafe auf 20 % der in der 

Summe schuldangemessenen Strafe, d.h. der Geldstrafe und der 

Verbindungsbusse in ihrer Gesamtheit, festgelegt hat (BGE 149 IV 321 

E. 1.3.2; 146 IV 145 E. 2.2; 135 IV 188 E. 3.4.4), ist die Verbindungsbusse 

auf Fr. 2'000.00  festzusetzen. 

 

 - 14 - 

 

 

Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhaftem Nichtbezahlen der Busse ist 

ausgehend vom als Umrechnungsschlüssel zu verwendenden Tagessatz 

von Fr. 100.00 (BGE 134 IV 60 E. 7.3.3) auf 20 Tage festzusetzen (Art. 106 

Abs. 2 StGB). 

 

2.8. 

Zusammenfassend ist der Beschuldigte mit einer bedingten Geldstrafe von 

80 Tagessätzen à Fr. 100.00, Probezeit 5 Jahre, sowie einer Verbindungs-

busse von Fr. 2'000.00, ersatzweise 20 Tage Freiheitsstrafe, zu bestrafen. 

 

3. 

3.1. 

Die Parteien tragen die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).  

 

Die Staatsanwaltschaft obsiegt vollumfänglich, nachdem sie mit Berufung 

einen Schuldspruch wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln sowie 

eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen beantragt hatte. Die Kosten 

des Berufungsverfahrens (SST.2022.176) bis zur bundesgerichtlichen 

Rückweisung der Sache an das Obergericht sind auf Fr. 3'000.00 (§ 18 

VKD; vgl. § 29 GebührD) festzusetzen und ausgangsgemäss voll-

umfänglich dem Beschuldigten aufzuerlegen. Für das Berufungsverfahren 

nach Rückweisung durch das Bundesgericht sind keine zusätzlichen 

Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

 

3.2. 

Der Kostenentscheid präjudiziert die Entschädigungsfrage (BGE 147 IV 

47). Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte keinen Anspruch auf 

Entschädigung für das Berufungsverfahren SST.2022.176 (Art. 436 Abs. 1 

StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario). 

 

Für das Berufungsverfahren nach der Rückweisung durch das Bundes-

gericht hat der Beschuldigte grundsätzlich Anspruch auf eine Partei-

entschädigung, wobei diese dem freigewählten Verteidiger zuzusprechen 

ist (vgl. Art. 429 Abs. 3 StPO). Der freigewählte Verteidiger hat – trotz 

Mitteilung mit Verfügung vom 24. Februar 2025, dass der Rechtsschriften-

wechsel abgeschlossen ist und das Verfahren als spruchreif erachtet wird 

– keine Kostennote eingereicht. Entsprechend hat das Obergericht den 

anwaltlichen Aufwand nach seinem pflichtgemässen Ermessen zu 

schätzen. Vorliegend erscheint ein Aufwand von 3 Stunden für die zu 

entschädigende Stellungnahme vom 24. Januar 2025 (3 Seiten 

umfassend) als angemessen. Unter Berücksichtigung des gemäss § 9 

Abs. 2bis AnwT anwendbaren Stundenansatzes von Fr. 240.00, der 

pauschalisierten (§ 13 AnwT) und praxisgemäss auf 3 % zu veranschla-

genden Auslagen und der gesetzlichen Mehrwertsteuer von 8.1 % resultiert 

eine auf Fr. 800.00 gerundete Parteientschädigung. 

 - 15 - 

 

 

 

4. 

Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie 

darin auch über die vorinstanzlichen Kostenfolgen (Art. 428 Abs. 3 StPO). 

Mit Blick darauf, dass der Beschuldigte im Sinne der Anklage der groben 

Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gesprochen wird, sind dem 

Beschuldigten die vorinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 2'010.00 

vollumfänglich aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Diese Kosten be-

stehen aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 800.00, den Polizeikosten von 

Fr. 310.00 (§ 17 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 VKD; vgl. § 29 GebührD) sowie der 

Anklagegebühr von Fr. 900.00. Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte 

keinen Anspruch auf eine Entschädigung (Art. 429 Abs. 1 StPO e 

contrario). 

 

5. 

Tritt das Berufungsgericht, wie vorliegend, auf die Berufung ein, so fällt es 

ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil ersetzt (Art. 408 Abs. 1 

StPO, Art. 81 StPO).  

 

 
   

Das Obergericht erkennt: 

 

1. 

Es wird festgestellt, dass das Beschleunigungsgebot verletzt worden ist. 

 

2. 

Der Beschuldigte ist der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss 

Art. 90 Abs. 2 SVG durch Nichtbeachtung eines Signals vor einem 

Bahnübergang gemäss Art. 28 SVG und Verletzung der Vorsichtspflichten 

beim Befahren eines Bahnübergangs gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG schuldig.  

 

3. 

Der Beschuldigte wird gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG und in Anwendung von 

Art. 102 Abs. 1 SVG, Art. 47 StGB, Art. 34 StGB, Art. 42 Abs. 1 und 4 

StGB, Art. 44 StGB und Art. 106 StGB 

 

zu einer bedingten Geldstrafe von 80 Tagessätzen à Fr. 100.00, d.h. 

Fr. 8'000.00, Probezeit 5 Jahre,  

 

und zu einer Verbindungsbusse von Fr. 2'000.00, ersatzweise 20 Tage 

Freiheitsstrafe,  

 

verurteilt. 

 

 - 16 - 

 

 

4. 

4.1. 

Die obergerichtlichen Verfahrenskosten von Fr. 3'000.00 werden dem 

Beschuldigten auferlegt und im Übrigen auf die Staatskasse genommen. 

 

4.2. 

Die Obergerichtskasse wird angewiesen, Rechtsanwalt Nicolas Pfister für 

das Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 800.00 (inkl. Auslagen 

und Mehrwertsteuer) auszurichten. Im Übrigen hat der Beschuldigte seine 

obergerichtlichen Parteikosten selbst zu tragen.  

 

5. 

5.1. 

Die erstinstanzlichen Verfahrenskosten von Fr. 2'010.00 (inkl. Anklage-

gebühr von Fr. 900.00) werden dem Beschuldigten auferlegt.  

 

5.2. 

Der Beschuldigte hat seine erstinstanzlichen Parteikosten selbst zu tragen.  

 

 

 Zustellung an:  

[…] 

 

 
   

Hinweis zur Bedeutung der bedingt ausgesprochenen Strafe  

(Art. 44 Abs. 3 StGB) 

 

Bei einer ausgefällten bedingten Geld- oder Freiheitsstrafe wird der Vollzug aufgeschoben. 

Gleichzeitig wird dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt. Hat 

sich der Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit bewährt, so wird die aufgeschobene Strafe 

nicht mehr vollzogen (Art. 45 StGB). Das bedeutet, dass die Geldstrafe dann nicht bezahlen 

bzw. die Freiheitsstrafe nicht anzutreten ist. Begeht der Verurteilte während der Probezeit 

aber ein Verbrechen oder Vergehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten 

verüben wird, so widerruft das Gericht grundsätzlich die bedingte Strafe (Art. 46 Abs. 1 

StGB).  

 

 
   

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG) 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen, von der schriftlichen Eröffnung der vollstän-

digen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Beschwerde an das Schweizerische 

Bundesgericht erhoben werden (Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 

Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-

gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG). 

 

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren 

Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte 

elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, 

 - 17 - 

 

 

inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf 

die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen 

hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-

legitimation ist Art. 81 BGG massgebend. 

 

 
   

Aarau, 30. April 2025 

 

Obergericht des Kantons Aargau 

Strafgericht, 3. Kammer 

Die Präsidentin:    Die Gerichtsschreiberin: 

 

 

 

Möckli     M. Stierli