# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b528e7a2-18e4-5d5b-abfd-599fc85ee2e4
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-22
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 22.11.2023 SBK.2023.323
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2023-323_2023-11-22.pdf

## Full Text

Obergericht
Beschwerdekammer in Strafsachen

SBK.2023.323
([…]; […])
Art. 369

Entscheid vom 22. November 2023

Besetzung Oberrichter Richli, Präsident
Oberrichterin Massari
Oberrichter Giese
Gerichtsschreiber Burkhard

Beschwerde-
führer

A._____,
[…]
amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Reto Ineichen,
[…]

Beschwerde-
gegnerin

Staatsanwaltschaft Luzern, Abteilung 2 Emmen,
Rüeggisingerstrasse 29, Postfach, 6021 Emmenbrücke

Anfechtungs-
gegenstand

Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des Kantons Aargau vom
19. Oktober 2023 betreffend Anordnung von Untersuchungshaft

in der Strafsache gegen A._____

- 2 -

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:

1.
Am 11. Oktober 2023 kam es in Stetten zu einem Einbruchdiebstahl in ein
Einfamilienhaus. Am 17. Oktober 2023 wurde der Beschwerdeführer bei
seiner Einreise in die Schweiz als Tatverdächtiger festgenommen.

2.
2.1.
Die Staatsanwaltschaft Baden beantragte am 18. Oktober 2023 beim
Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau die Versetzung des Be-
schwerdeführers in Untersuchungshaft für einstweilen drei Monate. Der Be-
schwerdeführer beantragte anlässlich der Haftverhandlung vom 19. Okto-
ber 2023 die Abweisung des Haftantrags und seine unverzügliche Haftent-
lassung.

2.2.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau versetzte den Be-
schwerdeführer mit Verfügung vom 19. Oktober 2023 einstweilen bis zum
30. November 2023 in Untersuchungshaft.

3.
3.1.
Der Beschwerdeführer erhob gegen diese ihm am 25. Oktober 2023 zuge-
stellte Verfügung mit Eingabe vom 6. November 2023 Beschwerde. Er be-
antragte (unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staats-
kasse) die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und seine umgehende
Entlassung aus der Untersuchungshaft.

3.2.
Die Staatsanwaltschaft Baden beantragte mit Beschwerdeantwort vom
9. November 2023 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen.
Gleichzeitig teilte sie mit, dass die Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern,
Abteilung 2 Emmen, das Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer mit
Verfügung vom 3. November 2023 übernommen habe und dass der Be-
schwerdeführer "am heutigen Tag" der Kantonspolizei Luzern zugeführt
werde. Zudem informierte sie über einen stattgefundenen Wechsel der
amtlichen Verteidigung, welcher von der bisherigen amtlichen Verteidigerin
mit Eingabe datiert vom 13. November 2023 (Postaufgabe am 14. Novem-
ber 2023) bestätigt wurde.

- 3 -

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:

1.
1.1.
Der Beschwerdeführer ist gestützt auf Art. 222 StPO i.V.m. Art 393 Abs. 1
lit. c StPO berechtigt, die Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des
Kantons Aargau vom 19. Oktober 2023 mit Beschwerde bei der Beschwer-
deinstanz anzufechten.

1.2.
Weil die Staatsanwaltschaft Luzern, Abteilung 2 Emmen, das von der
Staatsanwaltschaft Baden gegen den Beschwerdeführer geführte Strafver-
fahren übernahm, stellt sich die Frage, ob die mit der Beschwerde befasste
Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aargau
die örtlich zuständige Beschwerdeinstanz ist.

1.3.
Verhaftete Personen werden den Behörden anderer Kantone erst zuge-
führt, wenn die Zuständigkeit verbindlich bestimmt ist (Art. 42 Abs. 2 StPO).
Daraus folgt, dass die zuerst mit der Sache befasste Behörde bis zur defi-
nitiven Klärung der Zuständigkeit auch ein Haftverfahren i.S.v. Art. 224
StPO durchzuführen hat. Weil die beschuldigte Person auch einen An-
spruch auf ein ordnungsgemässes Haftverfahren hat, muss es jedoch auch
über den Zeitpunkt der definitiven Klärung der Zuständigkeit hinaus bei der
bisherigen Zuständigkeit bleiben, wenn der neu zuständige Kanton in der
zur Verfügung stehenden Zeit kein ordnungsgemässes Haftverfahren
durchführen könnte. Ähnliches gilt für anhängige Haftbeschwerden. Kommt
es zu einem Wechsel der örtlichen Zuständigkeit während der Rechtshän-
gigkeit eines Haftbeschwerdeverfahrens, verbleibt die Zuständigkeit zur
Beurteilung der Haftbeschwerde bei der Beschwerdeinstanz des bisher zu-
ständigen Kantons (STEPHAN SCHLEGEL, in: Donatsch/Lieber/Sum-
mers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessord-
nung, 3. Aufl. 2020, N. 3 zu Art. 42 StPO).

1.4.
Am 3. November 2023 erliess die Staatsanwaltschaft Luzern, Abteilung 2
Emmen, eine gemäss Rechtsmittelbelehrung innert 10 Tagen mit Be-
schwerde beim Bundesstrafgericht anfechtbare Übernahmeverfügung, wo-
nach sie das bis anhin von der Staatsanwaltschaft Baden geführte Straf-
verfahren unter Vorbehalt neuer (eine Überprüfung der Zuständigkeit erfor-
derlich machenden) Erkenntnisse übernehme. Diese Verfügung wurde der
Staatsanwaltschaft Baden am 6. November 2023 zugestellt, die wiederum
die Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts des Kantons Aar-
gau am 9. November 2023 über die Verfahrensübernahme und die glei-
chentags stattgefundene Überführung des Beschwerdeführers informierte.

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Nachdem der Beschwerdeführer am 9. November 2023 der Staatsanwalt-
schaft Luzern, Abteilung 2 Emmen, überführt wurde, ist der Wechsel der
örtlichen Zuständigkeit frühestens per 9. November 2023 als i.S.v. Art. 42
StPO verbindlich bestimmt zu betrachten. Weil zu diesem Zeitpunkt das
Haftbeschwerdeverfahren bereits bei der Beschwerdekammer in Strafsa-
chen des Obergerichts des Kantons Aargau anhängig war, bleibt diese zur
Beurteilung der Haftbeschwerde zuständig. Auf die frist- (Art. 396 Abs. 1
StPO) und formgerecht (Art. 385 Abs. 1 StPO) erhobene Beschwerde ist
somit einzutreten.

2.
Untersuchungshaft nach Art. 221 Abs. 1 StPO setzt einen dringenden Tat-
verdacht auf ein stattgefundenes Verbrechen oder Vergehen sowie einen
besonderen Haftgrund in Form von Flucht- (lit. a), Kollusions- (lit. b) oder
Wiederholungsgefahr (lit. c) voraus. Als strafprozessuale Zwangsmass-
nahme hat sie zudem verhältnismässig zu sein. Gemäss Art. 212 Abs. 3
StPO darf sie nicht länger dauern als die zu erwartende Freiheitsstrafe
(sog. Verbot der Überhaft). Gemäss Art. 212 Abs. 2 lit. c StPO bzw. Art. 237
Abs. 1 StPO ist sie zudem aufzuheben, wenn Ersatzmassnahmen zum glei-
chen Ziel führen.

3.
3.1.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau legte die theoreti-
schen Grundlagen, nach denen das Vorliegen eines dringenden Tatver-
dachts zu prüfen ist, in seiner E. 3.2.1 zutreffend dar. Darauf kann verwie-
sen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).

3.2.
3.2.1.
Die Staatsanwaltschaft Baden warf dem Beschwerdeführer im Haftantrag
als Diebstahl, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch vor, u.a. den am
11. Oktober 2023 in Stetten stattgefundenen Einbruchdiebstahl in ein Ein-
familienhaus begangen zu haben.

3.2.2.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau stellte unter Bezug-
nahme auf einen Bericht der Kantonspolizei Aargau vom 11. Oktober 2023
(act. 70 ff.) fest, dass eine Videoüberwachung der Nachbarschaft des vom
Einbruchdiebstahl betroffenen Einfamilienhauses einen damit mutmasslich
in Zusammenhang stehenden VW Golf mit österreichischen Kontrollschil-
dern ([…]) sowie drei Tatverdächtige aufgezeichnet habe. Der Beschwer-
deführer und zwei weitere Personen (B._____ und C._____) seien am 17.
Oktober 2023 bei ihrer Einreise von Österreich in die Schweiz im besagten
VW Golf angehalten worden.

- 5 -

Mit Verweis auf das "Sicherstellungsprotokoll" der Kantonspolizei St. Gal-
len vom 17. Oktober 2023 (act.  48 f.) stellte das Zwangsmassnahmenge-
richt des Kantons Aargau weiter fest, dass bei der Anhaltung mutmassli-
ches Deliktsgut (Schmuck; Bargeld) und mutmassliche Einbruchwerkzeuge
(drei Schraubenzieher; zwei Paar Handschuhe; Taschenlampe) sicherge-
stellt worden seien.

In der Folge habe der Beschwerdeführer auf den Überwachungsbildern des
Tatorts identifiziert werden können. Weil bei dem Einbruchdiebstahl Wert-
sachen von Fr. 9'800.00 gestohlen worden seien und weil ein schräg ge-
stelltes Fenster beim Einstieg beschädigt worden sei, sei ein hinreichend
begründeter Anfangstatverdacht auf Diebstahl, Hausfriedensbruch und
Sachbeschädigung gegeben, zumal Mittäterschaft vorliegend nicht voraus-
setze, dass der Beschwerdeführer selbst das Einfamilienhaus hätte betre-
ten müssen.

3.2.3.
Der Beschwerdeführer führte mit Beschwerde aus, eingestanden zu haben,
zusammen mit B._____ und C._____ am Tatort gewesen zu sein. Er habe
"in diesen Tagen" B._____ und C._____, die zum Betteln unterwegs gewe-
sen seien, "herumchauffiert". B._____ und C._____ hätten ihm hierfür Lohn
versprochen und teilweise auch bezahlt. Am 11. Oktober 2023 hätten sie
von ihm verlangt, es auch einmal mit Betteln zu probieren. Er sei gegangen,
habe geklopft und als niemand geöffnet habe, sei er zum Auto zurückge-
kehrt. Die Videoaufnahme bestätige dies. Sie zeige auch, dass B._____
und C._____ daraufhin zur Liegenschaft gegangen seien, während er im
Auto verblieben sei.

Die Staatsanwaltschaft Baden habe in den vergangenen drei Wochen (ab-
gesehen von einer Gerichtsstandsanfrage am 30. Oktober 2023) soweit er-
sichtlich keine Untersuchungshandlungen vorgenommen. Die Mitbeschul-
digten B._____ und C._____ seien noch am 17. Oktober 2023 freigelassen
worden.

Er räume ein, dass seine Anwesenheit am Tatort im möglichen Tatzeitraum
"als dringender Tatverdacht" angesehen werden könne. Bezüglich B._____
und C._____ gelte aber ein noch dringenderer Tatverdacht. Es sei nahelie-
gend, dass der Einbruchdiebstahl, wenn überhaupt, von B._____ und
C._____ begangen worden sei. Er bestreite eine Tatbeteiligung. Bei ihm
sei kein Deliktsgut aus jenem Einbruchdiebstahl gefunden worden. Auch
sei nicht erstellt, dass es sich bei den sichergestellten Schraubenziehern
um das Einbruchswerkzeug handle. Sei die Staatsanwaltschaft Baden be-
züglich B._____ und C._____ nicht von einem dringenden Tatverdacht aus-
gegangen, müsse dies umso mehr auch für ihn gelten.

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Die Untersuchungshaft dürfte hauptsächlich wegen in anderen Kantonen
(St. Gallen; Nidwalden) geführten Strafuntersuchungen angeordnet worden
sein, die ihn aber nicht zur Verhaftung ausgeschrieben hätten. Die Staats-
anwaltschaft Baden versuche nun offenbar, ihn in die Verantwortung des
Kantons Luzern "abzutreten". Dem Strafregisterauszug sei aber kein Straf-
verfahren des Kantons Luzern zu entnehmen. Auch der Kanton Luzern
habe ihn nicht zur Verhaftung ausgeschrieben. Untersuchungshaft diene
nicht dazu, einer beschuldigten Person für den Fall, dass eine andere
(ausserkantonale) Staatsanwaltschaft Interesse an ihr haben könnte, die
Freiheit zu entziehen.

3.2.4.
Der Beschwerdeführer vermag mit seinen Behauptungen, während etwa
einer Woche nur nichtsahnender Chauffeur von B._____ und C._____ ge-
wesen zu sein und nur gerade am 11. Oktober 2023 von diesen überredet
worden zu sein, auch einmal an eine Haustüre zu klopfen (Einvernahme
vom 18. Oktober 2023 [act. 12 ff.], vgl. etwa Fragen 17 f., 33, 48, 54 f.), die
angesichts der gesamten Umstände ohne Weiteres naheliegende Vermu-
tung, dass er den Einbruchdiebstahl in Stetten vom 11. Oktober 2023 in
Mittäterschaft mit B._____ und C._____ verübte, nicht zu relativieren. Dass
er sich von den ihm angeblich kaum bekannten B._____ und C._____ (Fra-
gen 31 f.) habe weismachen lassen, dass diese "von Haustüre zu Haus-
türe" bettelten (Frage 48), was in dieser Form kaum der Fall gewesen sein
dürfte, und dass er sich von ihnen schliesslich "ein einziges Mal" (Frage 55)
auch zu einem entsprechenden Versuch habe überreden lassen, wäre
höchstens bei einer aussergewöhnlichen Unbedarftheit des Beschwerde-
führers halbwegs nachvollziehbar. Ein solche vermag der Beschwerdefüh-
rer aber mit seinen insgesamt auffallend detailarmen Aussagen, die bei
summarischer Betrachtung eher an zurechtgelegte und kaum überprüfbare
Schutzbehauptungen denken lassen, nicht glaubhaft zu machen.

3.2.5.
Dass das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau wegen des
Einbruchdiebstahls in Stetten vom 11. Oktober 2023 einen dringenden Tat-
verdacht (i.S.v. Art. 221 Abs. 1 StPO) auf Diebstahl, Hausfriedensbruch
und Sachbeschädigung bejahte, ist damit nicht zu beanstanden.

Dies gilt losgelöst davon, ob die Staatsanwaltschaft Baden auch betreffend
B._____ und C._____ Untersuchungshaft beantragte oder (wie vom
Beschwerdeführer behauptet) nicht:

- Erstens hängt die Anordnung von Untersuchungshaft nach dem in
E. 2 Ausgeführten nicht einzig vom Vorliegen eines dringenden Tatver-
dachts ab. Nur schon deshalb lässt der blosse Umstand, dass B._____
und C._____ womöglich nicht in Untersuchungshaft versetzt wurden,

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keine direkten Rückschlüsse auf den den Beschwerdeführer betreffen-
den dringenden Tatverdacht zu.

- Zweitens ist es durchaus denkbar, dass die Staatsanwaltschaft Baden
(sozusagen in Umkehr der vom Beschwerdeführer behaupteten Rollen-
verteilung) den Beschwerdeführer als eigentlichen Chef und B._____
und C._____ bloss als dessen Handlanger betrachtete.

- Drittens spielt das vom Beschwerdeführer sinngemäss angesprochene
Gleichbehandlungsgebot bei der Beurteilung der Rechtmässigkeit der
vom Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau angeordneten
Untersuchungshaft zumindest vorliegend keine Rolle (vgl. hierzu exem-
plarisch Urteil des Bundesgerichts 1B_387/2016 vom 17. November
2016 E. 7).

Die Behauptung des Beschwerdeführers, dass er nur scheinbar wegen des
Einbruchdiebstahls in Stetten vom 11. Oktober 2023 in Untersuchungshaft
versetzt worden sei, in Tat und Wahrheit aber deshalb, um ausserkantona-
len Staatsanwaltschaften wegen irgendwelcher (unbekannter) Vorwürfe
Zugriff auf ihn zu ermöglichen, erscheint damit unbegründet.

Auch die weitere Behauptung des Beschwerdeführers, wonach die Staats-
anwaltschaft Baden (wegen Fehlens eines eigenen Strafverfolgungsin-
teresses) während mehrerer Wochen untätig geblieben sei, ist unbegrün-
det. Die Staatsanwaltschaft Baden legte im Haftantrag vom 18. Oktober
2023 dar, dass es nunmehr um die Spurenauswertung (DNA; Auswertung
des Mobiltelefons) gehe. Dass diese Auswertung noch nicht zu dem Be-
schwerdeführer bereits kommunizierten Ergebnissen geführt hat, erstaunt
angesichts der konkreten Umstände (es geht um einen Einbruchdiebstahl
mit mutmasslich mehreren Beteiligten und der Beschwerdeführer ist nicht
geständig) nicht. Gibt es damit aber keine konkreten Hinweise für eine un-
begründete Untätigkeit der Staatsanwaltschaft Baden, kann daraus auch
nicht im Sinne des Beschwerdeführers auf ein fehlendes Strafverfolgungs-
interesse der Staatsanwaltschaft Baden geschlossen werden.

3.2.6.
3.2.6.1.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau nahm zudem (auch
in E. 3.2.3) Bezug auf von der Staatsanwaltschaft Uznach (wegen Dieb-
stahls), der Staatsanwaltschaft Nidwalden (wegen Diebstahls) und der
Staatsanwaltschaft Luzern, Abteilung 2 Emmen, (wegen mehrfachen Dieb-
stahls und Urkundenfälschung) geführte Strafuntersuchungen. In diesem
Zusammenhang verwies es auf einen Behördenauszug aus dem Strafregi-
ster-Informationssystem vom 17. Oktober 2023 (act. 45) und "telefonische

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Abklärungen der Strafuntersuchungsbehörden". Was es mit diesen Verfah-
ren genau auf sich habe, habe noch nicht geprüft werden können. Derzeit
sei aber auch diesbezüglich ein dringender Tatverdacht zu bejahen.

3.2.6.2.
Der Beschwerdeführer führte hierzu mit Beschwerde aus, dass er nichts
von diesen Verfahren wisse. Hätten die ausserkantonalen Staatsanwalt-
schaften ihn festnehmen wollen, hätten sie ihn zur Verhaftung ausschrei-
ben können, was sie aber nicht getan hätten.

3.2.6.3.
Wie vom Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau in seiner
E. 3.2.1 ausgeführt, braucht es für einen dringenden Tatverdacht konkrete
Anhaltspunkte, dass die beschuldigte Person ein Verbrechen oder Verge-
hens begangen hat. Hierfür genügt es auch ganz zu Beginn einer
Strafuntersuchung nicht, bloss mögliche Straftatbestände zu benennen.
Vielmehr sind die behaupteten Straftatbestände mit einem konkreten Le-
benssachverhalt in Verbindung zu bringen. Weil sich den Akten nicht an-
satzweise entnehmen lässt, auf welche konkreten Lebenssachverhalte sich
die von ausserkantonalen Staatsanwaltschaften erhobenen Vorwürfe be-
ziehen, kann diesbezüglich kein dringender Tatverdacht bejaht werden.

4.
4.1.
Die Staatsanwaltschaft Baden machte im Haftantrag als besonderen Haft-
grund Fluchtgefahr geltend. Der Beschwerdeführer sei Staatsangehöriger
von Rumänien und lebe und arbeite nach eigenen Angaben in Österreich.
In der Schweiz verfüge er weder über ein (familiäres) Beziehungsnetz noch
über eine Arbeitsstelle. Im Falle seiner Verurteilung habe er (wenngleich
nicht vorbestraft) mit einer Freiheitsstrafe sowie einer obligatorischen Lan-
desverweisung zu rechnen.

4.2.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau legte die theoreti-
schen Grundlagen, nach denen das Vorliegen von Fluchtgefahr zu prüfen
ist, in seiner E. 3.3.1 zutreffend dar. Darauf kann verwiesen werden. In der
Sache schloss es sich (in E. 3.3.4) im Wesentlichen den Ausführungen der
Staatsanwaltschaft Baden an und bejahte den besonderen Haftgrund der
Fluchtgefahr.

4.3.
Der Beschwerdeführer führte mit Beschwerde aus, dass er in Österreich
wohne und arbeite und dort auch kontaktiert werden könnte. Er wisse, dass
er ausgeliefert werden könnte, und sei deshalb daran interessiert, für die

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hiesigen Strafverfolgungsbehörden erreichbar zu bleiben. Er sei nicht ein-
schlägig vorbestraft und ihm drohe keine längere, unbedingte Freiheits-
strafe, der er sich entziehen könnte.

4.4.
Der Beschwerdeführer hat im Falle seiner Verurteilung wegen der von ei-
nem dringenden Tatverdacht getragenen Vorwürfe (insbesondere Dieb-
stahl i.S.v. Art. 139 Ziff. 1 StGB und Hausfriedensbruch i.S.v. Art. 186
StGB) mit einer Freiheitsstrafe zu rechnen. Dass diese – mangels Vorstra-
fen – bedingt ausfallen wird, steht keinesfalls fest. Sollten sich die von ei-
nem dringenden Tatverdacht getragenen Vorwürfe bewahrheiten (wovon
derzeit auszugehen ist), liesse dies den Einbruchdiebstahl in Stetten vom
11. Oktober 2023 nämlich nicht als Folge einer momentanen Unbesonnen-
heit erscheinen, sondern vielmehr als eine mit nicht unerheblichem Auf-
wand geplante Straftat. Beim Beschwerdeführer handelt es sich mit grosser
Wahrscheinlichkeit um einen Kriminaltouristen, was seine Legalprognose
beeinträchtigen dürfte.

Darüber hinaus steht ausser Frage, dass der Beschwerdeführer seinen Le-
bensmittelpunkt jedenfalls nicht in der Schweiz hat und die Schweiz wohl
auch ohne Strafverfahren wieder baldmöglichst verlassen möchte. Nach
eigenen Angaben absolvierte er seine Schulzeit in Rumänien, machte da-
nach keine Berufs- oder sonstige Weiterbildung und ist seit Februar 2023
selbständig in Österreich tätig. Seine Firma sei eine Art Einzelunterneh-
men, welches einen Vertrag mit einer Firma in Österreich habe. In Öster-
reich lebe er mit seiner Freundin. Freizeit habe er keine. Die Frage nach
seinen Zukunftsplänen beantwortete er mit "Arbeiten" (Einvernahme vom
18. Oktober 2023 zu den persönlichen Verhältnissen [act. 35 ff.], Fragen
14, 25 ff., 29 ff., 33, 80, 82). Zwar legen diese Aussagen nahe, dass der
Lebensmittelpunkt des Beschwerdeführers derzeit in Österreich liegt. Sie
legen aber nicht nahe, dass er in einer Art und Weise in Österreich verwur-
zelt sein könnte, dass er sich auch dort (zur Vermeidung einer Ausliefe-
rung) den schweizerischen Strafverfolgungsbehörden ohne Weiteres zur
Verfügung halten würde. So scheint sich der Beschwerdeführer etwa be-
ruflich erst kürzlich in Österreich im Bereich der "Personenbetreuung" selb-
ständig gemacht zu haben, vermag er aber kein plastisches Bild dieser Tä-
tigkeit zu vermitteln. Unter diesen Umständen ist nicht einzusehen, weshalb
die blosse Möglichkeit, dass Österreich einem allfälligen Auslieferungser-
suchen stattgeben könnte, bei der Beurteilung der Fluchtgefahr ausnahms-
weise zu berücksichtigen wäre (vgl. hierzu auch BGE 145 IV 503 E. 2.2,
wonach eine allfällige Fluchtgefahr selbst bei einer befürchteten Ausreise
in ein Land, das eine beschuldigte Person grundsätzlich an die Schweiz
ausliefern bzw. stellvertretend verfolgen könnte, nicht dahinfällt).

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4.5.
Der besondere Haftgrund der Fluchtgefahr ist damit mit dem Zwangsmass-
nahmengericht des Kantons Aargau zu bejahen.

5.
5.1.
Die Staatsanwaltschaft Baden machte im Haftantrag als besonderen Haft-
grund zudem Kollusionsgefahr geltend. Die "verschiedenen" Delikte müs-
sten sorgfältig aufgearbeitet und dem Beschwerdeführer in Einvernahmen
vorgehalten werden. Zudem müssten verschiedene Spuren ausgewertet
werden (DNA; Auswertung des Mobiltelefons zur Ermittlung allfälliger Mit-
täter etc.).

5.2.
Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau legte die theoreti-
schen Grundlagen, nach denen das Vorliegen von Kollusionsgefahr zu prü-
fen ist, in seiner E. 3.4.1 zutreffend dar. Darauf kann verwiesen werden. In
der Sache (in E. 3.4.4) wies es darauf hin, dass die Strafuntersuchung noch
ganz am Anfang stehe. DNA-Spuren und das Mobiltelefon des Beschwer-
deführers müssten ausgewertet werden. Die Rolle des Beschwerdeführers
beim Einbruchdiebstahl sei zu klären. Konfrontationseinvernahmen mit den
Mitbeschuldigten seien durchzuführen. Konkrete Anhaltspunkte für Kol-
lusion ergäben sich etwa aus den unglaubhaften Aussagen des Beschwer-
deführers hinsichtlich der Bekanntschaft zu den beiden Mittätern und seiner
Rolle bei den "Bettelfahrten". Auch der Leumund des Beschwerdeführers
spreche für Kollusionsgefahr. Im Falle seiner Haftentlassung sei zu be-
fürchten, dass er sich mit den mutmasslichen Mittätern oder unbekannten
Dritten absprechen und weiteres Deliktsgut verschwinden lassen würde.
Der besondere Haftgrund der Kollusionsgefahr sei damit zu bejahen.

5.3.
Der Beschwerdeführer bestritt das Vorliegen von Kollusionsgefahr mit Be-
schwerde im Wesentlichen damit, dass die Ermittlungen bezüglich des Ein-
bruchdiebstahls in Stetten vom 11. Oktober 2023 abgeschlossen seien und
dass die Spurenauswertung nicht seine Inhaftierung erfordere. Weitere Un-
tersuchungshandlungen seien nicht angekündigt worden. Auch die Mitbe-
schuldigten B._____ und C._____ seien schon längst wieder auf freiem
Fuss.

5.4.
Wenn der Beschwerdeführer bei seiner Einvernahme vom 18. Oktober
2023 (act. 12 ff.) ausführte, dass ihm (erst) jetzt klar geworden sei, dass
B._____ und C._____ damals nicht betteln gegangen seien (Fragen 114
f.), ist unschwer zu erahnen, dass seine Verteidigungsstrategie kaum mit
derjenigen von B._____ und C._____ übereinstimmen dürfte. Weshalb

- 11 -

B._____ und C._____ trotzdem für allfällige Kollusionsversuche des Be-
schwerdeführers empfänglich sein sollten, ist bei dieser Ausgangslage
nicht einsichtig.

Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau stellte zudem in sei-
ner E. 3.5.4 fest, dass es keine Kenntnis davon habe, ob sich auch B._____
und C._____ in Haft befänden. Die Staatsanwaltschaft Baden äusserte sich
hierzu mit Beschwerdeantwort nicht, obwohl dies für die Beurteilung der
Kollusionsgefahr im Verhältnis zu B._____ und C._____ offensichtlich von
Belang ist. Dies legt nahe, dass die Staatsanwaltschaft Baden keine Kol-
lusionsgefahr in Bezug auf B._____ und C._____ sieht (womöglich, weil
sich B._____ und C._____ entgegen der Behauptung des Beschwerdefüh-
rers doch in Untersuchungshaft befinden). Im Haftantrag machte sie denn
auch gar keine Kollusionsgefahr im Verhältnis zu B._____ und C._____
geltend.

Was die vom Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau geäusserte
Befürchtung anbelangt, dass der Beschwerdeführer Deliktsgut verschwin-
den lassen könnte, liegt die Vermutung nahe, dass das Deliktsgut mut-
masslich im Ausland bereits zum Verschwinden gebracht wurde, zumal es
bei der Einreise des Beschwerdeführers aus Österreich in die Schweiz am
17. Oktober 2023 nicht sichergestellt werden konnte. Unter diesen Umstän-
den wäre es an der Staatsanwaltschaft Baden gewesen, im Haftantrag eine
anderslautende Befürchtung mit kurzer Begründung geltend zu machen,
was sie aber nicht tat.

Warum wegen der von der Staatsanwaltschaft Baden im Haftantrag in Aus-
sicht gestellten Spurenauswertung auf eine Kollusionsgefahr zu schliessen
sein soll, ist ebenfalls nicht einsichtig, nachdem der Beschwerdeführer auf
die DNA- und Mobiltelefonauswertung offensichtlich keinen Einfluss neh-
men kann und es keine konkreten Hinweise darauf gibt, dass beim Ein-
bruchdiebstahl in Stetten vom 11. Oktober 2011 nebst dem Beschwerde-
führer und B._____ und C._____ noch weitere Personen beteiligt gewesen
sein könnten.

5.5.
Der besondere Haftgrund der Kollusionsgefahr ist damit zu verneinen.

6.
6.1.
Was die Verhältnismässigkeit der angeordneten Untersuchungshaft anbe-
langt, führte das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau in seiner
E. 3.5.2 aus, dass derzeit keine ausreichenden Ersatzmassnahmen er-
sichtlich seien.

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6.2.
Der Beschwerdeführer brachte mit Beschwerde nichts vor, was eine andere
Sichtweise nahelegen würde. Die Fluchtgefahr ist derzeit als ausgeprägt
zu betrachten. Insbesondere eine Flucht nach Österreich oder auch Rumä-
nien wäre für den Beschwerdeführer wohl einfach zu bewerkstelligen. Wie
sie sich durch eine Schriftensperre, ein Electronic Monitoring oder sonst
eine Ersatzmassnahme wirksam verhindern liesse, ist nicht ersichtlich
(vgl. hierzu auch Urteil des Bundesgerichts 1B_177/2021 vom 22. April
2021 E. 5.1, wonach sich Ersatzmassnahmen bei ausgeprägter Fluchtge-
fahr regelmässig als nicht ausreichend erweisen).

6.3.
Darüber hinaus ist festzustellen, dass die vom Zwangsmassnahmengericht
des Kantons Aargau einstweilen bis zum 30. November 2023 angeordnete
Untersuchungshaft das Verbot der Überhaft (Art. 212 Abs. 3 StPO) offen-
sichtlich nicht verletzt. Auch die vom Beschwerdeführer sinngemäss be-
hauptete Verletzung des Beschleunigungsgebots in Haftsachen (vgl. vor-
stehende E. 3.2.3) liegt nach dem in E. 3.2.5 Ausgeführten nicht vor. Viel-
mehr ist die vom Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau einst-
weilen bis zum 30. November 2023 angeordnete Untersuchungshaft in Be-
rücksichtigung des von der Staatsanwaltschaft Baden im Haftantrag darge-
legten Untersuchungsbedarfs ohne weiteres angemessen.

Die Beschwerde erweist sich damit als unbegründet und ist dementspre-
chend abzuweisen.

7.
7.1.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens sind ausgangsgemäss dem mit sei-
ner Beschwerde unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 428
Abs. 1 StPO).

7.2.
Nachdem die anfängliche amtliche Verteidigerin des Beschwerdeführers
die Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts mit Eingabe da-
tiert vom 13. November 2023 (Postaufgabe am 14. November 2023) darum
ersuchte, die weitere Korrespondenz dem aktuellen amtlichen Verteidiger
zukommen zu lassen, ist davon auszugehen, dass sie ihre Aufwendungen
für dieses Beschwerdeverfahren bereits gegenüber der Staatsanwaltschaft
Baden geltend gemacht hat (vgl. hierzu auch das mit Beschwerdeantwort
eingereichte Schreiben der Staatsanwaltschaft Baden vom 6. November
2023).

7.3.
Eine mit diesem Beschwerdeverfahren zusammenhängende Entschädi-
gung des aktuellen amtlichen Verteidigers ist am Ende des Strafverfahrens

- 13 -

von der dannzumal zuständigen Instanz festzulegen (Art. 135 Abs. 2
StPO).

Die Beschwerdekammer entscheidet:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gerichtsge-
bühr von Fr. 1'000.00 und den Auslagen von Fr. 48.00, zusammen
Fr. 1'048.00, werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

Zustellung an:
[…]

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG)

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-
lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-
schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde
kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn
diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-
sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-
den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde
(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-
gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren
Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte elek-
tronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen, in-
wiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf die
sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen
hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-
legitimation ist Art. 81 BGG massgebend.

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Aarau, 22. November 2023

Obergericht des Kantons Aargau
Beschwerdekammer in Strafsachen
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Richli Burkhard