# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** eb357777-79ac-5509-9bb2-97b52550ab11
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.12.2011 E-6183/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6183-2011_2011-12-15.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung V
E­6183/2011

U r t e i l   v om   1 5 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer,
mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi;  
Gerichtsschreiber Simon Thurnheer.

Parteien A._______, geboren am (…),
Nigeria, 
(…),  
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Zuweisung der Asylsuchenden an die Kantone; Verfügung 
des BFM vom 7. November 2011 / N (…).

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Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass der Beschwerdeführer am 12. Oktober 2011 in der Schweiz um Asyl 
nachsuchte,

dass  das BFM den Beschwerdeführer mit  Verfügung  vom 7. November 
2011 für die Dauer des Asylverfahrens dem Kanton B._______ zuwies,

dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  11.  November  2011 
(Poststempel) gegen diese Verfügung Beschwerde erhob und beantragte, 
die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  das  BFM  sei 
anzuweisen, die Zuweisung an den Kanton C._______ zu verfügen,

dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  die  Gewährung  der 
unentgeltlichen Rechtspflege sowie den Verzicht auf die Erhebung eines 
Kostenvorschusses beantragte,

dass  er  unter  anderem geltend machte,  die Kantonszuweisung  verletze 
das Recht auf Einheit der Familie, da es den Besuch seines Kindes, von 
dessen Mutter er geschieden sei, erschwere, 

dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Zwischenverfügung  vom  18. 
November  2011  die  Behandlung  des  Gesuchs  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Rechtspflege  auf  einen  späteren  Zeitpunkt  verwies,  auf 
die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtete  und  den 
Beschwerdeführer  unter  Androhung,  bei  ungenutztem  Verstreichen  der 
Frist auf Grund der Akten zu entscheiden, aufforderte, innert angesetzter 
Frist  die  Besuchsrechtsmodalitäten  darzulegen,  einschliesslich  der 
Beilage von Beweismitteln, und auszuführen, in welchem Umfang und auf 
welche Weise er von seinem Besuchsrecht Gebrauch mache,

dass  diese  Zwischenverfügung  dem  Beschwerdeführer  nicht  zugestellt 
werden konnte und von der Post mit dem Vermerk  „nicht abgeholt“ ans 
Bundesverwaltungsgericht zurückgeschickt wurde,

dass das Bundesverwaltungsgericht endgültig über Beschwerden gegen 
Verfügungen  (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über 
das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  entscheidet 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31] i.V.m. 
Art.  31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  [VGG, 
SR  173.32];  Art.  83 Bst.  d  Ziff.  1  des Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. 
Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

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dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG 
richtet, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 
6 AsylG),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung 
besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der 
Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG),

dass er  ferner eine Verletzung des Grundsatzes der Einheit der Familie 
rügt  und  damit  den  in  Art.  27  Abs.  3  AsylG  genannten  zulässigen 
Rügegrund anruft (vgl. BVGE 2008/47 E. 1.2 S. 672),

dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde 
einzutreten  ist  (Art.  108  Abs.  1  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52 
VwVG),

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher 
Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise 
einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es 
sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt, 
weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist 
(Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass  im vorliegenden Fall gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen 
Schriftenwechsel verzichtet wurde,

dass  der  Beschwerdeführer  die  Zwischenverfügung  vom  18. November 
2011,  mit  welcher  er  aufgefordert  wurde,  seinen  geltend  gemachten 
Anspruch zu substanziieren, nicht von der Post abgeholt hat, 

dass  gemäss  Art.  12  Abs.  1  AsylG  eine  Mitteilung,  die  nur  gegen 
Unterschrift  des  Adressaten  oder  einer  anderen  berechtigten  Person 
überbracht wird, spätestens am siebten Tag nach dem ersten erfolglosen 
Zustellungsversuch als erfolgt gilt,

dass  der  Beschwerdeführer,  wenn  er  ein  Verfahren  eingeleitet  hat,  in 
dessen  Verlauf  er mit  der  Zustellung  von Gerichtsakten  rechnen muss, 
dafür  zu  sorgen  hat,  dass  er  an  seiner  offiziellen  Adresse  postalisch 
erreichbar  ist,  und  falls  er  dies  nicht  tut,  die  daraus  resultierenden 
Konsequenzen zu tragen hat,

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dass  der  Beschwerdeführer  sich  auch  nicht  beim 
Bundesverwaltungsgericht erkundigte, in welcher Angelegenheit ihm eine 
Abholeinladung zugegangen ist,

dass  die  genannte  Zwischenverfügung  dementsprechend  als  zugestellt 
und eröffnet gilt,

dass daher androhungsgemäss auf Grund der Aktenlage zu entscheiden 
ist,

dass  das  BFM  die  Asylsuchenden  gemäss  Art.  27  Abs.  3  AsylG  den 
Kantonen  zuweist  und  dabei  den  schützenswerten  Interessen  der 
Kantone und der Asylsuchenden Rechnung  trägt, wobei es gemäss Art. 
22  Abs.  1  der  Asylverordnung  1  vom  11.  August  1999  über 
Verfahrensfragen  (AsylV 1, SR 142.311) bereits  in der Schweiz  lebende 
Familienangehörige,  Staatsangehörigkeiten  und  eine  allfällige 
Betreuungsintensität berücksichtigt, 

dass  sich  das  Bundesamt  dabei  in  formeller  Hinsicht  mit  einem 
ausdrücklichen  und  eingehend  begründeten  Gesuch  um  Zuweisung  in 
einen  bestimmten  Kanton  aus  familiären  Gründen  konkret 
auseinandersetzen  muss  und  in  der  Zuweisungsverfügung  eine 
Abwägung  vorzunehmen  und  diese  zu  begründen  hat  (vgl.  BVGE 
2008/47 E. 3 S. 674 ff.),

dass vorliegend die vorinstanzlichen Akten aber kein solches Gesuch um 
Zuweisung in einen bestimmten Kanton enthalten, mit dem sich das BFM 
hätte auseinandersetzen müssen,

dass  mit  Blick  auf  das  Beschwerderecht  bei  Kantonszuteilungen  der 
Schutzbereich  des  in  Art.  27  Abs.  3  letzter  Satz  AsylG  erwähnten 
Grundsatzes  der  Einheit  der  Familie  nicht  über  denjenigen  hinausgeht, 
der sich aus den entsprechenden Begriffen in Art. 44 Abs. 1 und Art. 51 
Abs. 1 und 2 AsylG sowie Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 
zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 
0.101) ergibt (BVGE 2008/47 E. 4.1 S. 677 ff.),

dass  der  Beschwerdeführer  und  sein  Kind  zwar  Bestandteil  der  vom 
Grundsatz der Einheit der Familie geschützten Kernfamilie bilden,

dass  jedoch  nur  eine  tatsächlich  gelebte  Familiengemeinschaft  den 
Schutz von Art. 8 EMRK geniesst,

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dass  insbesondere  bei  einem  Vater,  dessen  Kind  nicht  in  seinem 
Haushalt  lebt,  die  blosse  biologische  Abstammung  ohne  weitere 
rechtliche  oder  tatsächliche  Elemente,  die  auf  eine  enge  persönliche 
Beziehung hinweisen, nicht ausreicht, um aus dem Grundsatz der Einheit 
der  Familie  einen  Anspruch  zu  begründen  (vgl.  JENS  MEYER­LADEWIG, 
Europäische  Menschenrechtskonvention,  Handkommentar,  3.  Aufl., 
Baden­Baden, 2011, Rz. 50 zu Art. 8),

dass  hinsichtlich  des  vorliegenden  Gesuchs  um  Kantonswechsel  die 
Anforderungen  an  die  rechtlichen  und  tatsächlichen  Elemente,  die  auf 
eine enge persönliche Beziehung des Vaters zu seinem Kind hinweisen, 
besonders  streng  zu  handhaben  sind,  da  von  vornherein  kein 
gemeinsamer  Haushalt  beantragt  wird,  welcher  einen  Kantonswechsel 
notwendig machen würde, sondern mit dem Kantonswechsel lediglich die 
Ausübung des Besuchsrechts erleichtert werden soll, 

dass  indessen das Besuchsrecht ohne weiteres auch aus einem andern 
Kanton wahrgenommen werden kann,

dass  bei  der  Würdigung  jener  Elemente  die  geringe  Entfernung  des 
Kantons B._______ zur Stadt C._______ zu berücksichtigen  ist, welche 
die  Betätigung  des  Besuchsrechts  aus  dem  zugewiesenen  Kanton 
(B._______) ohne weiteres als zumutbar erscheinen lässt,

dass den Akten keine Hinweise auf eine enge persönliche Beziehung des 
Beschwerdeführers zu seinem Kind zu entnehmen sind,

dass der Beschwerdeführer weder substanziiert hat, in welchem Umfang 
und auf welche Art und Weise er sein Besuchsrecht wahrnimmt, noch die 
scheidungsrechtlichen Modalitäten des Besuchsrechts dargelegt hat,

dass  demnach  keine  Hinweise  vorliegen,  die  geeignet  sind,  einen 
Anspruch  aus  dem  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  zu  begründen, 
zumal  das  Besuchsrecht  ohne  weiteres  vom  Kanton  B._______  aus 
wahrgenommen werden kann, 

dass es dem Beschwerdeführer somit nicht gelingt darzutun, inwiefern die 
angefochtene Verfügung den Grundsatz der Einheit der Familie verletzt, 
weshalb die Beschwerde abzuweisen ist,

dass  sich  das  Begehren  gemäss  obigen  Erwägungen  als  aussichtslos 
erweist,  so  dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen ist,

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Seite 6

dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­­ 
(Art. 1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 
173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 VwVG) 
sind.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
abgewiesen.

3. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils mittels 
beigelegtem  Einzahlungsschein  zu  Gunsten  der  Gerichtskasse  zu 
überweisen.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Gabriela Freihofer Simon Thurnheer

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