# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7e775d71-416f-5ccf-aa00-5c88e7ceef2c
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-23
**Language:** de
**Title:** Festsetzung kantonaler Gestaltungsplan für Kiesabbaugebiet
**Docket/Reference:** BRGE III Nrn. 0196-0197/2022
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/auszug_brge_iii_nrn._0196-0197_2022_vom_23._november_2022.pdf

## Full Text

Baurekursgericht 
des Kantons Zürich 

3. Abteilung 

G.-Nrn. 
BRGE III Nrn. 

R3.2022.00117 und R3.2022.00118 
0196/2022 und 0197/2022 

Entscheid vom 23. November 2022     

Mitwirkende 

Abteilungspräsident Felix Müller, Baurichterin Marlen Patt, Baurichter Martin 
Farner, Gerichtsschreiber Paul Wegmann     

in Sachen 

Rekurrierende 

IG KN, c/o FH, […] 

R3.2022.00117 
1. 
2.  A AG, […] 
3.  B AG, […] 
4.  FH und MH, […] 
5.  MS und BS, […] 
6.  MF und IF, […] 
7.  TB, […] 

alle vertreten durch […] 

R3.2022.00118 
1.  C AG, […] 
2.  MG, […] 
3.  Erbengemeinschaft GW, bestehend aus:  

3.1.  UW, […] 
3.2.  BF, […] 
3.3.  YS, […] 
3.4.  LS, […] 

alle vertreten durch […] 

gegen 

Rekursgegnerin 

1.  Baudirektion Kanton Zürich, Walchetor, Walcheplatz 2, Postfach, 

8090 Zürich  

Mitbeteiligte 

2.  Gemeinderat Lindau, Tagelswangerstrasse 2, 8315 Lindau  

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
3.  K AG, […] 

Nr. 3 vertreten durch […] 

4.  Stadtrat Illnau-Effretikon, Märtplatz 29, 8307 Illnau-Effretikon  

betreffend 

Verfügung  der  Baudirektion  Kanton  Zürich  Nr.  ARE 0242/22  vom  27. April 
2022; Festsetzung kantonaler Gestaltungsplan Kiesabbaugebiet "Kiesgrube 
Tagelswangen", Lindau 
_______________________________________________________ 

hat sich ergeben: 

A. 

Mit Verfügung vom 27. April 2022 setzte die Baudirektion Kanton Zürich den 

kantonalen  Gestaltungsplan  Kiesabbaugebiet  "Kiesgrube  Tagelswangen", 

mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Waldrodung, fest. Die Publikation er-

folgte am 6. Mai 2022.  

B. 

Gegen diese Verfügung erhoben die IG KN, die A AG, die B AG, FH und MH, 

MS und BS, MF und IF sowie TB mit gemeinsamer Eingabe vom 2. Juni 2022 

Rekurs  an das  Baurekursgericht  des  Kantons  Zürich und  stellten folgende 

Rechtsbegehren: 

  " 1.  Die Verfügung der Baudirektion vom 27. April 2022 sei aufzuheben 
und  der  kantonale  Gestaltungsplan  "Kiesgrube  Tagelswangen"  sei 
dementsprechend nicht festzusetzen. 

    2.  Das  Materialgewinnungsgebiet  Nr.  17  "Lindau,  Tagelswangen"  sei 
aus dem kantonalen Richtplan zu streichen, eventualiter sei festzu-
stellen, dass der entsprechende Eintrag nicht anwendbar ist. 

    3.  Eventualiter sei die Etappe Nord, "Chäsen", aus dem kantonalen Ge-

staltungsplan zu streichen. 

R3.2022.00117 

Seite 2 

 
 
 
 
    4.  Subeventualiter sei der kantonale Gestaltungsplan wie folgt abzuän-

dern bzw. zu ergänzen: 

4.1  Neuformulierung von Art. 9 GPV (Arbeitszeiten) wie folgt: 

'1 Abbau-, Auffüll- und Rekultivierungsarbeiten finden von Mon-
tag  bis  Freitag  [eventualiter:  an  Werktagen]  unter  Einhaltung 
der in Absatz 2 aufgeführten Zeiten innerhalb der gesetzlichen 
Arbeitszeiten statt. 

2 Der Abbaubetrieb findet zwischen 07.00 Uhr und 17.00 Uhr, 
der  Verladebetrieb  zwischen  07.00  Uhr  und  19.00  Uhr  statt. 
Zwischen 12.00 und 13.00 Uhr ist eine Mittagspause einzuhal-
ten.  Ausnahme  ist  die  Behebung  von  technischen  Unterbrü-
chen.' 

4.2  Ergänzung von Art. 10 GPV (Art der Fahrtenkontrolle) wie folgt 

(unterstrichene Teile): 

'Die durch den Betrieb der Kiesgrube Tagelswangen induzier-
ten LKW-Fahrten sind dem Kanton Zürich sowie den Gemein-
den (Lindau und Illnau-Effretikon) jährlich auszuweisen. Über-
steigt das induzierte Verkehrsaufkommen (im Schnitt über die 
letzten drei Jahre) 40'000 LKW-Fahrten pro Jahr (Etappe 1, Er-
schliessung  via  Vogelsang  /  Bietenholzstrasse)  resp.  86'000 
LKW-Fahrten pro Jahr (Etappe 2, Erschliessung via Seuchen-
rank / Zürcherstrasse) resp. 17'200 LKW-Fahrten pro Jahr im 
Zentrum  von  Tagelswangen,  so  ist  die  Strassenlärmsituation 
erneut zu beurteilen.' 

4.3  Ergänzung von Art. 32 (Monitoring) Abs. 1 GPV wie folgt (un-

terstrichene Teile): 

'Es ist ein Monitoring der umweltrechtlichen Emissionen zu füh-
ren. Dieses ist zusammen mit dem ersten Baugesuch bei der 
Gemeinde  einzureichen.  Dabei  sind  insbesondere  auch  die 
Verkehrssituation  in  Tagelswangen  und  deren  Auswirkungen 
auf den Fuss- und Veloverkehr, insbesondere die Schulwege, 
zu überwachen.' 

    5.  Unter  Kosten- und  Entschädigungsfolgen  zulasten  der  Rekursgeg-

nerin." 

Mit  Präsidialverfügung  vom  3. Juni  2022  wurde  vom  Rekurseingang  unter 

der  Geschäftsnummer  R3.2022.00117  Vormerk  genommen  und  das  Ver-

nehmlassungsverfahren  eröffnet.  Der  Gemeinderat  Lindau  und  die  K  AG 

wurden als Mitbeteiligte in das Rekursverfahren einbezogen. 

R3.2022.00117 

Seite 3 

 
 
     
     
 
     
 
     
     
 
     
     
 
C. 

Mit gemeinsamer Eingabe  vom  4. Juni 2022  erhoben auch die  C AG,  MG 

sowie die Erbengemeinschaft GW, bestehend aus UW, BF, YS und LS Re-

kurs an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragten – unter 

Kosten- und Entschädigungsfolgen – im Sinne eines "Hauptantrags 1" was 

folgt: 

  " Die Festsetzung des vorliegenden Gestaltungsplanes verbunden mit dem 
Waldrodungsgesuch sei mangels dem Vorliegen der Grundvoraussetzun-
gen  und  der  Nichtbeachtung  der  gesetzlichen  Vorgaben  und  Verfahren 
aufzuheben." 

Sodann stellten sie - unter Hinweis darauf, "die Details in den Begründungen" 

würden als Bestandteil der Anträge gelten – die folgenden Eventualanträge: 

  " [Antrag 2:] Die Umgrenzung des Gestaltungsplans (GP) sei zu überprüfen 
und der Abstand zum Siedlungsgebiet sei im Sinne der Begründung neu 
festzulegen. Der vorgesehene Schutzwall sei auf mindestens 5.00 m zu 
erhöhen." 

  " [Antrag 3:] Die Höchstgeschwindigkeit auf der Zürcherstrasse in Tagels-
wangen sei ab Ortseingang auf höchstens 50 km/Std. festzusetzen. Wei-
tere verkehrsberuhigende Massnahmen wie z.B. ein Ortseingangskreisel 
in Tagelswangen seien festzulegen. Zur Vermeidung von Strassentrans-
porten  sei  auch  für  die  Wiederauffüllung  ein  Transportanteil  über  die 
Schiene von mindestens 50 % festzulegen." 

  " [Antrag 4:] Die räumliche Ausdehnung der Förderbandanlagen sei in ihrer 
Gesamtwirkung planlich und visuell darzustellen (maximale Ausdehnung 
aus  der  Sicht  der  Landschaft  und  der  nahen  Siedlungen).  Der  Gestal-
tungsplan inkl. Umweltverträglichkeitsbericht sei entsprechend zu ergän-
zen." 

  " [Antrag 5] Für das vorgesehene Monitoring (Art. 10 und Art. 32 GP-Vor-
schriften) sollen die wichtigsten organisatorischen und inhaltlichen Vorga-
ben im Gestaltungsplan näher festgelegt werden. Das ganze Monitoring 
soll jederzeit öffentlich zugänglich sein. Die Berichtsfristen sollen wesent-
lich  reduziert  werden.  Für  das  Monitoring  sind  zusätzliche  organisatori-
sche und verfahrensmässige Anordnungen im Sinne der nachfolgenden 
Begründung zu treffen." 

  " [Antrag 6] Die Bestimmung in Art. 4 Abs. 2 letzter Satz der Vorschriften 
zum Gestaltungsplan sei ersatzlos zu streichen. Allenfalls sei sie mit ei-
nem eng gefassten Enddatum zu versehen. Sofern die Bestimmung nicht 
gestrichen wird, sei sie nochmals einem ergänzenden Mitwirkungsverfah-
ren zu unterstellen." 

R3.2022.00117 

Seite 4 

 
 
Mit  Präsidialverfügung  vom  8. Juni  2022  wurde  vom  Rekurseingang  unter 

der  Geschäftsnummer  R3.2022.00118  Vormerk  genommen  und  das  Ver-

nehmlassungsverfahren eröffnet. 

D. 

Im  Rekursverfahren  G.-Nr.  R3.2022.00117  verzichtete  die  Gemeinde  Lin-

dau  mit  Schreiben  vom  24.  Juni  2022  ausdrücklich  auf  Einreichung  einer 

Vernehmlassung. Die Baudirektion beantragte mit Eingabe vom 6. Juli 2022 

- unter Verweis auf den Mitbericht des Amts für Raumentwicklung (ARE) vom 

5. Juli 2022 - die Abweisung des Rekurses (wobei im Mitbericht der Antrag 

auf  Abweisung,  soweit  auf  den  Rekurs  einzutreten  sei,  lautete).  Die  K  AG 

beantragte mit Vernehmlassung vom 7. Juli 2022, der Rekurs sei abzuwei-

sen, sofern darauf einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen 

zulasten der Rekurrierenden. 

Mit Replik vom 15. August 2022 und Dupliken vom 1. September 2022 (unter 

Verweis auf den Mitbericht des ARE vom 31. August 2022) und vom 6. Sep-

tember 2022 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Der Gemeinderat 

Lindau verzichtete stillschweigend auf Einreichung einer Duplik. Der mit Prä-

sidialverfügung vom 16. August 2022 als Mitbeteiligter in das Rekursverfah-

ren  einbezogene  Stadtrat  Illnau-Effretikon  verzichtete  mit  Schreiben  vom 

12. September  2022  ausdrücklich  auf  Einreichung  einer  Vernehmlassung. 

Mit Eingabe vom 22. September 2022 haben die Rekurrierenden tripliziert, 

wozu sich die K AG mit Eingabe vom 11. Oktober 2022 vernehmen liess. 

E. 

Auch im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00118 verzichtete die Gemeinde 
Lindau mit Schreiben vom 24. Juni 2022 ausdrücklich auf Einreichung einer 

Vernehmlassung. Die Baudirektion beantragte mit Eingabe vom 6. Juli 2022 

– unter Verweis auf den Mitbericht des ARE vom 5. Juli 2022 – die Abwei-

sung des Rekurses (wobei im Mitbericht der Antrag auf Abweisung, soweit 

auf den Rekurs einzutreten sei, lautete). Die K AG beantragte mit Vernehm-

lassung vom 7. Juli 2022, der Rekurs sei abzuweisen, sofern darauf einzu-

treten sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekurrie-

renden. 

R3.2022.00117 

Seite 5 

 
 
Mit Replik vom 6. August 2022 und Dupliken vom 1. September 2022 (unter 

Verweis auf den Mitbericht des ARE vom 31. August 2022) und vom 6. Sep-

tember 2022 hielten die Parteien an ihren Anträgen fest. Der Gemeinderat 

Lindau verzichtete stillschweigend auf Einreichung einer Duplik. Der mit Prä-

sidialverfügung vom 16. August 2022 als Mitbeteiligter in das Rekursverfah-

ren  einbezogene  Stadtrat  Illnau-Effretikon  verzichtete  mit  Schreiben  vom 

12. September 2022 ausdrücklich auf Einreichung einer Vernehmlassung. 

F. 

Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit zur Entscheidbegründung erfor-

derlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen. 

Es kommt in Betracht: 

1. 

Streitgegenstand  bildet  der  kantonale  Gestaltungsplan  "Kiesgrube  Tagels-

wangen", mit welchem der Kiesabbau, die Wiederauffüllung und die Rekulti-

vierung  innerhalb  des  Gestaltungsplanperimeters  geregelt  werden  sollen. 

Das entsprechende, südwestlich von Tagelswangen (Gemeinde Lindau) und 

Effretikon gelegene Gebiet ist im kantonalen Richtplan als Standort für Ma-

terialgewinnung verzeichnet (Richtplantext, Pt. 5.3.2, Karteneintrag Nr. 17). 

Der eine Fläche von ca. 45,0 ha umfassende, auf dem Gemeindegebiet von 

Lindau befindliche Gestaltungsplanperimeter bzw. das innerhalb desselben 

gelegene Abbaugebiet von ca. 32,9 ha umfasst die drei räumlich getrennten 

Teilgebiete "Rodig" (11,4 ha [Gestaltungsplangebiet] bzw. 4,5 ha [Abbauge-

biet]), "Schoren" (13,0 bzw. 11,4 ha) und "Chäsen" (20,6 bzw. 17,0 ha), wo-

bei  in  den  massgebenden  Plänen  (act.  18.4  bis  18.6  [soweit  nicht  anders 

vermerkt 

jeweils  bezogen  auf  die  Akten  des  Verfahrens  G.-Nr. 

R3.2022.00117])  für  die  jeweiligen  Abbaugebiete  Teilphasen  des  Abbaus 

kartographisch festgehalten sind. Dabei befindet sich das Teilgebiet Rodig 

südlich  der  –  sich  in  diesem  Bereich  kreuzenden  –  Bahnlinie  Zürich-Win-

R3.2022.00117 

Seite 6 

 
 
terthur und der Autobahn A1 bzw. A4, das weiter nordöstlich gelegene Ge-

biet Schoren zwischen Bahnlinie im Süden und Autobahn im Norden und das 

Gebiet Chäsen nördlich des Abbaugebiets Rodig und nördlich von Bahnlinie 

und Autobahn. Vorgesehen ist, zunächst die Etappe Süd (Rodig und Scho-

ren) und nach Abschluss derselben die Etappe Nord (Chäsen) abzubauen, 
wobei von einer gesamten kieshaltigen Aushubmenge von ca. 7.9 Mio. m3 
und einer Mehrauffüllung von ca. 1,063 Mio. Festkubikmeter ausgegangen 

wird. Der Abbaubetrieb vom ersten Aushub für die eigentliche Kiesgrube bis 

zur  abgeschlossenen  Wiederauffüllung  darf  für  die  Etappe  Süd  höchstens 

16 Jahre und für die Etappe Nord höchstens 10 Jahre betragen, wobei beide 

Fristen um je 2 Jahre verlängert werden können, falls ungünstige Witterung 

eine vorschriftsgemässe Wiederauffüllung resp. Rekultivierung nicht zulässt. 

Dabei darf die maximal offene Grubenfläche insgesamt 4,0 ha – sowie zu-

sätzlich eine offene Fläche von 1.0 ha für Wanderbiotope – nicht überschrei-

ten;  für  den  Fall,  dass  Tunnelausbruch  aus  dem  Brüttenertunnel  mit  dem 

Förderband  antransportiert  und  in  die  Kiesgrube  eingebaut  wird,  kann  die 

maximal zulässige offene Grubenfläche auf 10,0 ha erhöht werden. 

Hinsichtlich des Materialtransports ist vorgesehen, dass der Transport von 

den Abbaugebieten zu den Verladegleisen – der im Teilgebiet Rodig zu er-

stellenden Verlade- und Anschlussgleisanlage – per Förderbandanlage er-

folgt, wobei das abgebaute Material mindestens zu 80 % per Bahn zur Auf-

bereitungsanlage  in Bäretswil  transportiert  wird.  Die  Materialtransporte  zur 

Wiederauffüllung erfolgen demgegenüber grundsätzlich auf der Strasse. Da-

bei ist die Erschliessung der Etappe Süd über die auf dem Gebiet der Ge-

meinde  Illnau-Effretikon  gelegene  Vogelsang-,  Industrie-  und  Bietenholz-

strasse vorgesehen, von wo sich die Route in Richtung Autobahnanschluss 

Hegnau fortsetzt; die Erschliessung der Etappe Nord erfolgt über die Staats-

strasse  S-1  im  sogenannten  "Seuchenrank"  an  der  Grenze  zwischen  den 
Gemeinden  Bassersdorf  und  Lindau,  wobei  der  weitere  Routenverlauf  so-

wohl  nach  Westen  (bzw.  zunächst  kurz  Süden)  –  Strassenbezeichnung 

Neue Winterthurerstrasse – in Richtung Autobahnanschluss Brüttisellen als 

auch nach Osten (bzw. zunächst kurz Norden) – Strassenbezeichnung Zür-

cherstrasse – und damit durch Tagelswangen möglich ist. 

Die zum Gestaltungsplangebiet gehörenden Flächen befinden sich grössten-

teils in der kantonalen Landwirtschaftszone, wobei es sich insoweit gemäss 

den kartographischen Festlegungen im kantonalen Richtplan weitestgehend 

R3.2022.00117 

Seite 7 

 
 
um Fruchtfolgeflächen handelt. Im östlichen Teil des Gebiets Rodig, in wel-

chem die Verlade- und Anschlussgleisanlage geplant ist, befindet sich Wald. 

Aus diesem Grund und weil zudem die geplanten Strassen der internen Er-

schliessung  -  und  teilweise  auch  Förderbandanlagen  -  durch Waldgebiete 

führen, ist seitens der K AG ein Rodungsgesuch für - als temporär qualifi-
zierte - Rodungen im Umfang von 41'263 m2 eingereicht worden. Weiter be-
findet sich ein Teil des Abbaugebiets Chäsen innerhalb des Perimeters der 

"glazial  geprägten  Form  Vorwalden",  welche  als  Teil  des  Objekts  Nr.  101 

"Drumlinlandschaft  Nürensdorf-Lindau-Illnau"  im  Inventar  der  Natur-  und 

Landschaftsschutzobjekte  von  überkommunaler  Bedeutung  vom  4.  Januar 

1980  ("Inventar  80")  verzeichnet  war,  jedoch  im neuen,  mit  Verfügung  der 

Baudirektion  vom  14.  Januar  2022  festgesetzten  kantonalen  Inventar  der 

Landschaftsschutzobjekte  (KILO)  nicht  mehr  enthalten  ist.  Die  nordöstlich 

des Gebiets Chäsen gelegenen Gebäude des dem Abbaugebiet zugewand-

ten  Dorfrandes  von  Tagelswangen  gehören  -  von  Nordwesten  (beispiels-

weise  Neustadtstrasse)  Richtung  Südosten  (beispielsweise  Büelstrasse)  - 

zur  Gewerbezone  G3b  (mit  einem  der  Kernzone  zugeschiedenen  Ein-

sprengsel), zur Kernzone und zur Wohnzone W2/1.3, wobei für letztere die 

Lärmempfindlichkeitsstufe (ES) II, für die Flächen der anderen Zonen die ES 

III gilt. 

2.1.1 

Die Rekurrierenden im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00117 bringen zur 

Begründung ihrer Legitimation vor, das Kiesabbaugebiet reiche bis 250 m an 

den  Dorfrand  von  Tagelswangen  heran.  Aufgrund  der  erhöhten  Lage  der 

Häuser am Ortsrand entstehe eine arenaähnliche Situation mit freiem Blick 

in die Grube, wobei Schall und Staub direkt zu den Liegenschaften hochstei-

gen  würden.  Die  teilweise  geplanten  Schutzwälle  von  mindestens  3,0 m 
Höhe plus Heckenbepflanzung nützten aufgrund dieser Topographie wenig 

bis nichts. Auch wenn die massgeblichen Immissionsgrenzwerte angeblich 

eingehalten  werden  könnten, erhöhe  sich  die  Lärmbelastung  gemäss  Um-

weltverträglichkeitsbericht  (UVB)  -  welcher  indessen  nicht  alle  relevanten 

Lärmarten beinhalte - deutlich und steige etwa an der Büelstrasse auf einen 

Beurteilungspegel Lr von bis zu 51 db(A) an. Die Liegenschaften am Dorf-

rand würden ab Inkrafttreten des Gestaltungsplans erheblich an Wert verlie-

ren. Für die Etappe Nord werde mit 408 LKW-Fahrten pro Tag gerechnet. 

Die Zusatzbelastung zum Gesamtverkehr auf der Staatsstrasse S-1 betrage 

R3.2022.00117 

Seite 8 

 
 
nur 4 %, betreffend Schwerverkehrsfahrten jedoch 100 %. Zwar sollten da-

von nur etwa 20 % von bzw. nach Norden und damit durch Tagelswangen 

fahren, doch sei diese Zahl lediglich im UVB - als Annahme zur Berechnung 

des Zusatzverkehrs - erwähnt, nicht aber im Bericht Erschliessung, im Da-

tenblatt  Verkehrsaufkommen  oder 

in  den  Gestaltungsplanvorschriften 

(GPV), wobei die Baudirektion im Bericht zu den Einwendungen im Gegenteil 

betone,  dass  nicht  vorgeschrieben  werden  könne,  welche  Route  auf  den 

Staatsstrassen  gefahren  werde.  Im  schlimmsten  Fall  würden  somit  100  % 

des zusätzlichen Schwerverkehrs durch Tagelswangen fahren, weshalb be-

sonders  betroffen auch  die  Anwohner  der  Zürcherstrasse  sowie  die  Eltern 

der diese Strasse überquerenden Schulkinder seien. 

Spezifisch die einzelnen Rekurrierenden betreffend wird sodann darauf hin-

gewiesen, bei der Rekurrentin 1 (IG KN) handle es sich um einen Verein, der 

im Sinne einer egoistischen Verbandsbeschwerde Rekurs erhebe. Gemäss 

bundesgerichtlicher  Rechtsprechung  sei  ausreichend,  dass  damit  die  Inte-

ressen einer Grosszahl - und nicht zwingend der Mehrheit - der Mitglieder 

gewahrt würden. Von den 35 Mitgliedern des Vereins seien 21 am Dorfrand 

von  Tagelswangen  in  der  ersten  oder  zweiten  Bebauungstiefe  gegen  den 

Kiesgrubenperimeter gelegen wohnhaft, als Eigentümer oder Mieter in unge-

kündigtem Mietverhältnis. Ein weiteres Mitglied wohne unmittelbar an der Z-

Strasse. Von den verbleibenden 13 Mitgliedern wohnten mehrere in dritter 

Bautiefe am Dorfrand, andere wohnten nahe der Z-Strasse und hätten schul-

pflichtige Kinder. Hinsichtlich der weiteren Rekurrierenden wird ausgeführt, 

die Rekurrierenden 2 bis 6 seien Eigentümer von Liegenschaften am Orts-

rand von Tagelswangen, während die Rekurrentin 7 an der Z-Strasse wohn-

haft  sei.  Bezüglich  der  beiden  juristischen  Personen  erfolgen  spezifische 

Hinweise auf die erwarteten wirtschaftlichen Auswirkungen bei Realisierung 

der Kiesgrube (Rekurrentin 2: Verlust von Mietzinseinnahmen; Rekurrentin 
3: Infragestellung der aktuellen geschäftlichen Grundstücksnutzung […]). 

Die  Rekurrierenden  im  Rekursverfahren  G.-Nr.  R3.2022.00118  verweisen 

zur  Begründung  ihrer  Legitimation  darauf,  sie  seien  "Grundbesitzer"  bzw. 

wohnhaft im Bereich der N-Strasse bzw. der Z-Strasse im Abstand von ca. 

250 m zur geplanten Kiesgrube. 

R3.2022.00117 

Seite 9 

 
 
2.1.2 

Die Baudirektion verweist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung, wo-

nach bei Entfernungen von mehr als 100 m eine Beeinträchtigung aufgrund 

der konkreten Gegebenheiten glaubhaft gemacht werden müsse. Nur eine 

deutlich  wahrnehmbare  Immissionszunahme  vermöge  die  Legitimation  zu 

begründen. Im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00117 führt die Baudirektion weiter 

aus, Nachbarn seien zur Beschwerdeführung legitimiert, wenn sie mit Sicher-

heit oder zumindest grosser Wahrscheinlichkeit durch Immissionen wie bei-

spielsweise  Lärm,  Staub,  Erschütterungen  oder  Licht  betroffen  würden.  In 

Bezug  auf  die  monierte  Verkehrszunahme  werde  ein  besonderes  Berührt-

sein bejaht, wenn eine Verkehrsanlage wahrnehmbar stärkere Lärmimmissi-

onen im Sinne von Art. 9 der Lärmschutzverordnung (LSV) erzeuge, was bei 

einem Anstieg des Lärmpegels um 1 dB(A), entsprechend einer Verkehrszu-

nahme um 25 %, der Fall sei. Für die Fahrten in Richtung Tagelswangen sei 

von einer plausiblen Annahme von 17'200 Fahrten/Jahr ausgegangen wor-

den. Selbst  bei  einer Verdoppelung  der  induzierten  Fahrtenzahl  durch  Ta-

gelswangen würden die Emissionen beim am meisten belasteten Abschnitt 

in  Tagelswangen  einzig  um  0,8  dB(A)  zunehmen.  Beachtlich  sei  sodann, 

dass  die  Rekurrierenden  überwiegend  und  pauschal  auf  die  Distanz  von 

250 m  zum  Gestaltungsplanperimeter  abstellen  würden,  der  Abstand  zum 

eigentlichen Kiesabbau aber zum Teil bedeutend höher sei. Die lärmschutz-

rechtlichen Planungswerte könnten zum Teil deutlich eingehalten werden. Im 

Verfahren G.-Nr. R3.2022.00118 erachtet es die Baudirektion als fraglich, ob 

die äusserst kurze und sehr allgemein gehaltene Begründung der Legitima-

tion  die  Anforderungen  an  deren  substantiierte  Darlegung  zu  erfüllen  ver-

möge, zumal die lärmschutzrechtlichen Planungswerte eingehalten würden 

und es bei der Z-Strasse auf der Höhe Tagelswangen zu keiner lärmschutz-

rechtlich wahrnehmbaren Verkehrszunahme komme. 

Die K AG (im Folgenden: Mitbeteiligte) hält dafür, da sie bereits auf der Pla-

nungsebene  eine  Vielzahl  von  Massnahmen  (namentlich  Mindestabstand 

von  250  m  zum  Siedlungsrand,  Erstellung  eines  Schutzwalls,  Einhausung 

der Förderbänder) getroffen habe, um die Bewohner der Siedlungsgebiete 

vor Immissionen - insbesondere betreffend Lärm, Staub und Erschütterun-

gen - zu schützen, und da diese Massnahmen gemäss UVB geeignet seien, 

den fraglichen Schutz zu gewährleisten, misslinge den Rekurrierenden eine 

immissionsrechtliche  Begründung  ihrer  Legitimation.  Eine  solche  ergebe 

sich auch nicht aufgrund der Immissionen des Zubringerverkehrs, da die im 

R3.2022.00117 

Seite 10 

 
 
UVB ausgewiesenen Lärmzunahmen entlang der Zufahrtsstrecken von ma-

ximal  0,7  dB(A)  im  nicht  wahrnehmbaren  Bereich  liegen  würden  und  der 

durch den Kiesabbau erzeugte Verkehr einen maximalen Anteil von 1,6 % 

des durchschnittlichen Tagesverkehrs (DTV) erreiche. Dabei sei mit an Si-

cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass entgegen der im 

UVB als "worst case" zugrunde gelegten Annahme der Transport des Auf-

füllmaterials für die Kiesgrube "Chäsen" nicht über die ganze Zeitspanne von 

Norden  her  erfolgen  werde.  Zudem  sei  der  übrige  Verkehr  von  im  Schnitt 

täglich 9'000 Fahrzeugen weder lärmtechnisch noch betreffend Verkehrssi-

cherheit zu vernachlässigen und würden Lastwagen in Tagelswangen zum 

Dorfbild gehören, so dass der Zusatzverkehr nicht vom allgemeinen Stras-

senverkehr  unterscheidbar  sei.  Spezifisch  das  Rekursverfahren  G.-Nr. 

R3.2022.00117 betreffend führt die Mitbeteiligte weiter aus, die Legitimation 

ergebe sich auch nicht aus einer eingeschränkten Sicht, da keine spektaku-

läre  Aussicht  bestehe  und  zudem  aufgrund  der  getroffenen  Massnahmen 

(Begrünung  des  Schutzwalls,  Mindestabstand  zur  Siedlung,  Wahrung  des 

Waldabstands) die Sicht ins Grüne während der gesamten Betriebszeit si-

chergestellt sei. Weiter würden sämtliche behaupteten Wertverluste der re-

kurrentischen Liegenschaften bestritten. 

2.2 

Im Raumplanungsrecht und im öffentlichen Baurecht ist gemäss § 338a des 

Planungs-  und  Baugesetzes  (PBG)  zum  Rekurs  und  zur  Beschwerde  be-

rechtigt, wer durch die angefochtene Anordnung berührt ist und ein schutz-

würdiges Interesse an ihrer Aufhebung oder Änderung hat (vgl. auch § 21 

Abs.  1  des  Verwaltungsrechtspflegegesetzes  [VRG]).  Dasselbe  gilt  für  die 

Anfechtung von Erlassen (§ 338a Satz 2 PBG). § 338a PBG gilt auch für die 

Anfechtung  von  Nutzungsplänen,  wozu  die  Gestaltungspläne  zählen 

(VB.2018.00760 vom 8. Juli 2020, E. 1.2). 

Das Erfordernis des Berührtseins beinhaltet, dass der Rekurrent in einer be-

sonderen,  beachtenswerten,  nahen  Beziehung  zum  Streitgegenstand  ste-

hen und stärker als beliebige Dritte oder die Allgemeinheit von diesem be-

troffen  sein muss.  Das  vom Gesetz  alsdann  verlangte  schutzwürdige  Inte-

resse (Anfechtungsinteresse) setzt voraus, dass der Rekurrent mit der Gut-

heissung des Rekurses einen Nutzen erlangt bzw. einen Nachteil abwendet. 

Sofern und soweit der Rekurs mit hierzu von vornherein ungeeigneten Rü-

gen begründet wird, fehlt es am Anfechtungsinteresse. Das Interesse kann 

R3.2022.00117 

Seite 11 

 
 
rechtlicher oder tatsächlicher Natur sein. Das Kriterium der Schutzwürdigkeit 

zeigt indes an, dass nicht jedes beliebige Interesse anerkannt wird; ob ein 

Interesse schutzwürdig ist, ergibt sich aus seiner rechtlichen Würdigung. Der 

angestrebte  Nutzen  muss  stets  ein  eigener  sein.  Allein  die Wahrnehmung 

von  öffentlichen  Interessen  oder  Interessen  Dritter  genügt  demnach  nicht. 

Der  Rekurrent  muss  zudem  von  der  Anordnung  unmittelbar  betroffen  sein 

(Martin Bertschi, in: Kommentar VRG, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, § 21 

Rz. 10 ff. und 53 ff.). 

Nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  sind  Nachbarn  zur  Be-

schwerdeführung gegen ein Bauvorhaben - oder wie vorliegend gegen einen 

Gestaltungsplan - legitimiert, wenn sie mit Sicherheit oder zumindest grosser 

Wahrscheinlichkeit durch Immissionen (Lärm, Staub, Erschütterungen, Licht 

oder andere Einwirkungen) betroffen werden, die der Bau oder Betrieb der 

fraglichen Anlage hervorruft. Bei weiträumigen Einwirkungen kann ein gros-

ser Kreis von Personen zur Beschwerdeführung legitimiert sein. Als wichti-

ges Kriterium zur Beurteilung der Betroffenheit dient in der Praxis die räum-

liche Distanz zum Bauvorhaben bzw. zur Anlage. Die Rechtsprechung bejaht 

in  der  Regel  die  Legitimation  von  Nachbarn,  deren  Liegenschaften  sich  in 

einem Umkreis von bis zu rund 100 m befinden. Bei grösseren Entfernungen 

muss eine Beeinträchtigung aufgrund der konkreten Gegebenheiten glaub-

haft gemacht werden. Allerdings wurde stets betont, dass nicht schematisch 

auf einzelne Kriterien (insbesondere Distanzwerte) abgestellt werden dürfe, 

sondern  eine  Gesamtwürdigung  anhand  der  konkreten  Verhältnisse  erfor-

derlich  sei.  Bei  Lärm,  der  durch  eine  Anlage  oder  deren  Zubringerverkehr 

verursacht  wird,  bejaht  das  Bundesgericht  die  Legitimation,  wenn  die  Zu-

nahme deutlich wahrnehmbar ist; dies wird anhand von qualitativen (Art des 

Verkehrsgeräuschs) und quantitativen Kriterien (Erhöhung des Lärmpegels) 

beurteilt  (BGE  140  II  214,  E.  2.3;  vgl.  auch  BGE  136  II  281,  E.  2.3.1  und 
2.3.2; je mit weiteren Hinweisen). 

2.3.1 

Der grösste Teil der Rekurrierenden beider Rekursverfahren leitet die Legiti-

mation aus dem Eigentum an Grundstücken ab, die sich in erster oder zwei-

ter Bautiefe am südwestlichen Dorfrand von Tagelswangen befinden (vgl. im 

Einzelnen E. 2.3.2). Während im nordwestlichen Teil dieses Gebiets der Ab-

stand der rekurrentischen Liegenschaften bzw. Gebäude zum Abbaugebiet 

R3.2022.00117 

Seite 12 

 
 
Chäsen ca. 250 m beträgt, befinden sich andere der fraglichen Liegenschaf-

ten in grösserer Entfernung, wobei sich für den südöstlichen Teil (Gebiet B-

Strasse) ab den Grundstücksgrenzen der ersten Bautiefe gemessen Distan-

zen zwischen ca. 300 und 350 m bis zum Gestaltungsplanperimeter des Ge-

biets Chäsen ergeben, von dem das Abbaugebiet nochmals um ca. 50 bis 

60 m zurückversetzt ist; zum Abbaugebiet Schoren weisen die am weitesten 

südöstlich  gelegenen  Grundstücke  von  Tagelswangen  einen  Abstand  von 

ca. 250 bis 300 m auf. Obwohl damit die massgeblichen Distanzen deutlich 

mehr  als  100  m  betragen,  ist  aufgrund  der  aus  den  Plänen  (vgl.  insb. 

act. 18.3) sowie der Karte "Digitale Höhenmodelle 2017 Bund" im Geoinfor-

mations-System des Kantons Zürich (GIS-ZH; https://maps.zh.ch/) ersichtli-

chen  topographischen  Verhältnisse  (erhöhter  Dorfrand  auf  einer  Kote  zwi-

schen ca. 495 bis 500 m im nordwestlichen und ca. 511 bis 515 m im süd-

östlichen Teil, von wo sich das bestehende Gelände bis auf eine Kote von 

ca. 490 bis 495 m absenkt, um sodann im Abbaugebiet Chäsen wieder bis 

auf maximal ca. 506 m anzusteigen) davon auszugehen, dass die mit dem 

Kiesabbau einhergehenden landschaftlichen Veränderungen von den fragli-

chen Grundstücken aus ohne weiteres wahrnehmbar sein werden und auch 

allfällige Immissionen primär diese Grundstücke betreffen würden. Schon in-

soweit unterscheidet sich die Situation der Rekurrierenden deutlich von der-

jenigen wie sie im Rahmen einer verpönten Popularbeschwerde, mit welcher 

ausschliesslich öffentliche Interessen wahrgenommen werden sollen, gege-

ben wäre, ohne dass dabei angesichts der Dimensionen des streitbetroffe-

nen  Vorhabens  massgeblich  ins  Gewicht  fallen  würde,  dass  die  zulässige 

Minimaldistanz zum Siedlungsrand von 250 m teilweise wie dargelegt über-

schritten wird. Entscheidend ist sodann, dass im Rahmen der Legitimations-

prüfung eine Gesamtbetrachtung zu erfolgen hat, welche auch der Kombina-

tion  verschiedener  Einwirkungen  Rechnung  trägt.  In  diesem  Sinn  ist  zu-

nächst davon auszugehen, dass die durch den Kiesabbau über einen länge-
ren Zeitraum bewirkte Veränderung des Landschaftsbildes auch bei objekti-

ver Betrachtung als nachteilig empfunden werden kann, wobei dieser Aspekt 

entgegen der Mitbeteiligten - welche sich für ihre abweichende Ansicht aus-

schliesslich  auf  zivilrechtliche  Entscheide  zur  nachbarrechtlichen  Bestim-

mung von Art. 684 des Zivilgesetzbuchs (ZGB) stützt - nicht erst dann in Be-

tracht fällt, wenn eine geradezu "spektakuläre" Aussicht beeinträchtigt wird. 

Den  erwähnten  kartographischen  Darstellungen  lässt  sich  sodann  entneh-

men,  dass  die  entsprechenden  Veränderungen  ungeachtet  der  Errichtung 

eines Schutzwalls im nordöstlichen Teil des Abbaugebiets Chäsen sichtbar 

R3.2022.00117 

Seite 13 

 
 
sein werden, kommt die Abdeckungswirkung des Walls (inklusive Bepflan-

zung) doch erst in einem relativ weit fortgeschrittenen Abbaustadium umfas-

send zum Tragen (vgl. insbesondere die Schnitte in act. 18.6, anhand derer 

sich in Kombination mit den aus act. 18.3 ersichtlichen Distanzen die Abde-

ckungswirkung nachvollziehen lässt). 

Was sodann die immissionsschutzrechtlichen Aspekte anbelangt, lässt die 

Rekursgegnerschaft im Rahmen der Infragestellung der Legitimation ausser 

Acht,  dass  die  Rekurrierenden  mit  verschiedenen  ihrer  Rügen  gerade  die 

Aussagekraft der immissionsrechtlichen Beurteilung im UVB in Frage stellen 

und entsprechend  im Ergebnis  (insbesondere  im  Rahmen der  eventualiter 

bzw.  subeventualiter  gestellten  Anträge)  teilweise  eine  Überprüfung  der 

Frage verlangen, ob die angeordneten Immissionsschutzmassnahmen aus-

reichend sind. So wird im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00117 unter an-

derem  beanstandet,  bei  der  Ermittlung  des  Betriebslärms  seien  nicht  alle 

massgeblichen Lärmquellen berücksichtigt worden (vgl. nachfolgend E. 8), 

während  hinsichtlich  der  Verkehrszunahme  moniert  wird,  diese  beruhe  für 

die Etappe Nord auf einer Aufteilung der Verkehrsströme, die in den rechts-

verbindlichen  Vorgaben  des  Gestaltungsplans  keinen  Niederschlag  finde 

(vgl. E. 7). Im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00118 werden unter anderem 

eine  fehlende  Einhaltung  des  Abstandes  zum  Siedlungsrand,  die  unzu-

reichende Höhe des Schutzwalls, Unklarheiten bezüglich der Lage der För-

derbandanlagen  sowie  eine Erhöhung  der Immissionen  aufgrund des  Um-

stands, dass  die  offene  Grubenfläche  gemäss  den GPV  unter  bestimmten 

Voraussetzungen 10 ha anstatt - wie im UVB zugrunde gelegt - lediglich 4 ha 

betragen dürfe (vgl. E. 1), gerügt. Unabhängig davon, ob sich diese Vorbrin-

gen  im  Rahmen  der materiellen  Beurteilung  als  begründet erweisen,  kann 

damit  jedenfalls  im  Kontext  der  Legitimationsprüfung  nicht  unbesehen  auf 

die  entsprechenden  immissionsschutzrechtlichen  Beurteilungen  abgestellt 
werden, da andernfalls die materielle Prüfung in unzulässiger Weise vorweg-

genommen  würde.  Dabei  kann  es  den  Rekurrierenden  umso  weniger  ver-

wehrt sein, die fraglichen Beurteilungen und die Angemessenheit der vorge-

sehenen Schutzmassnahmen in Frage zu stellen, als letztere gerade Aus-

druck davon sind, dass an sich - mithin vor Anordnung der entsprechenden 

Massnahmen  -  von  Emissionen  auszugehen  ist,  welche  zumindest  unter 

dem Aspekt des Vorsorgeprinzips gemäss Art. 11 Abs. 2 des Umweltschutz-

gesetzes (USG) eine Begrenzung verlangen. So kommt es hinsichtlich des 

Betriebslärms  entgegen  dem  Dafürhalten  der  Mitbeteiligten  nicht  lediglich 

R3.2022.00117 

Seite 14 

 
 
darauf an, ob die entsprechenden Planungswerte eingehalten sind. Spezi-

fisch den Verkehrslärm betreffend - dem im Übrigen ohnehin nur für die Le-

gitimation der Rekurrentin 7 im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00117 ausschlag-

gebende Bedeutung zukommt, während er im Übrigen, soweit relevant, je-

denfalls nur einen von mehreren Aspekten darstellt - ist sodann festzuhalten 

was folgt: Einen Hinweis darauf, dass grundsätzlich eine entsprechende und 

damit auch für die Legitimationsprüfung relevante Problematik besteht, liefert 

bereits die Beurteilung des UVB durch die Baudirektion bzw. die jeweiligen 

Fachstellen vom 2. Juli 2018 (act. 18.12), wo ausgeführt wird, auch wenn die 

lärmschutzrechtlichen  Bestimmungen  eingehalten  seien,  sei  während  des 

Betriebs  der  Kiesgrube  die  Lärmbelastung  durch  die  Lastwagentransporte 

nicht zu unterschätzen, weshalb auch bei der Anlieferung sämtliche Anstren-

gungen zu unternehmen seien, um Transporte per Lastwagen zu vermeiden 

(a.a.O., S. 15, vgl. auch S. 31). Zu berücksichtigen ist weiter, dass zwar die 

generelle Verkehrszunahme, welche für die Erschliessung der Etappe Nord 

ausgewiesen  wird,  lediglich  4  %  beträgt  (vgl.  die  [gegenüber  der  insoweit 

ohnehin identischen Schätzung in Anhang 5-1 des UVB] neuere Schätzung 

des Verkehrsaufkommens gemäss act. 18.7.5; vgl. darauf Bezug nehmend 

auch den Planungsbericht, der von maximal 4,8 % ausgeht [act. 18.7 S. 13]), 

die Zusatzbelastung mit Schwerverkehr jedoch mit 100 % beziffert wird. Zwar 

handelt es sich bei der zugrundeliegenden Anzahl von 204 Fuhren entspre-

chend 408 LKW pro Tag um die für die gesamte Etappe Nord prognostizier-

ten  Werte,  so  dass  insoweit  die  Aufteilung  der  Verkehrsströme  Richtung 

Westen und Osten unberücksichtigt bleibt. Da aber wie aufgezeigt im Ver-

fahren G.-Nr. R3.2022.00117 gerade die fehlende Verbindlichkeit einer ent-

sprechenden Aufteilung thematisiert wird, muss basierend auf den - der Le-

gitimationsprüfung  zugrunde  zu  legenden  -  rekurrentischen  Rügen  für  die 

Verkehrszunahme  in  Tagelswangen  von  einem  letztlich  unbestimmten,  je-

doch zumindest theoretisch denkbaren Wert in Höhe des gesamten zusätz-
lich generierten Verkehrs ausgegangen werden. Kann damit jedenfalls eine 

signifikante Erhöhung des Schwerverkehrsanteils nicht ausgeschlossen wer-

den,  so  geht  damit  eine  veränderte  akustische  Qualität  des  Verkehrsge-

räuschs einher, wobei eine solche qualitative Veränderung gemäss bundes-

gerichtlicher Rechtsprechung zur Folge haben kann, dass das Vorliegen ei-

ner wahrnehmbaren Veränderung auch dann zu bejahen ist, wenn die quan-

titative Lärmzunahme unter 1 dB(A) liegt (vgl. BGE 136 II 281, E. 2.5). Da 

nun bei der im UVB vorgenommenen Ermittlung des Verkehrslärms für die 

Etappe Nord die fragliche Aufteilung der Erschliessung Richtung Westen und 

R3.2022.00117 

Seite 15 

 
 
Osten im Verhältnis 80 % zu 20 % zugrunde gelegt wurde - womit sich (nebst 

einem  höheren  zukünftigen  DTV  und  einer  Umrechnung  der  täglichen  Zu-

satzbelastung  an  den  effektiv  betroffenen  220  Tagen  gemäss  Anhang  5.1 

auf einen Durchschnittswert für 365 Tage) die wesentlich tieferen ausgewie-

senen Anteile des Zusatzverkehrs am DTV erklären -, werden für die Stras-

senabschnitte in Tagelswangen Zunahmen von maximal 0,4 dB(A) ausge-

wiesen (act. 18.8 S. 29 und Anhang 8-1c; vgl. auch S. 17 f.). Berücksichtigt 

man  demgegenüber  den  unter  anderem  Gegenstand  der  rekurrentischen 

Rügen bildenden Umstand, dass gegebenenfalls ein wesentlich höherer An-

teil  als  20  %  des  Zusatzverkehrs  durch  Tagelswangen  führen  könnte,  so 

ergibt  sich  eine  entsprechende  Erhöhung  des  Emissionspegels,  die  sich 

nicht  zwingend  auf  die  seitens der  Baudirektion berechnete und  ins  Recht 

gelegte  Erhöhung  um  0,8  dB(A)  bei  Verdoppelung  des  Anteils  der  LKW-

Fahrten durch Tagelswangen (vgl. act. 18.16) beschränken muss. Die Kom-

bination dieses Effekts einer Erhöhung des Emissionspegels in Abhängigkeit 

von der effektiven Aufteilung der Verkehrsströme mit der vorstehend aufge-

zeigten Sichtweise, wonach aufgrund der qualitativen Veränderung des Ver-

kehrslärms auch bereits eine quantitative Zunahme von weniger als 1 dB(A) 

als wahrnehmbar gelten kann, hat zur Folge, dass auch der Aspekt des Ver-

kehrslärms vorliegend für die Anerkennung der Legitimation der Rekurrieren-

den - soweit sie von diesem betroffen sind - spricht. Hinzu kommt schliess-

lich, dass die monierte Verkehrszunahme und dabei insbesondere der Um-

stand, dass diese ausschliesslich aus LKW-Fahrten besteht und damit - wie 

dargelegt - zu einer Veränderung der Verkehrszusammensetzung führt, auch 

unter dem Aspekt der in beiden Rekursverfahren thematisierten Verkehrssi-

cherheit relevant ist, was im Sinne einer weiteren Einwirkung ebenfalls in die 

Legitimationsprüfung miteinzubeziehen ist. 

Damit ergibt sich zusammenfassend, dass aufgrund der gebotenen Gesamt-
betrachtung die Legitimation derjenigen Rekurrierenden, welche diese aus 

ihrem Bezug zu einem am Ortsrand von Tagelswangen gelegenen Grund-

stück herleiten, zu bejahen ist. Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen 

zu  den  Auswirkungen  der  Verkehrszunahme  auf  der  Z-Strasse  ist  sodann 

auch die Rekurrentin 7 im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00117 zur Re-

kurserhebung 

legitimiert.  Hinsichtlich  des  Rekursverfahrens  G.-Nr. 

R3.2022.00118 ist sodann festzuhalten, dass zwar die eigentliche Begrün-

dung der Legitimation im Rahmen der Rekursschrift äusserst knapp gehalten 

R3.2022.00117 

Seite 16 

 
 
ist. Indessen sind praxisgemäss auch die Ausführungen im Rahmen der ma-

teriellen Begründung des Rekurses in die Legitimationsbeurteilung miteinzu-

beziehen, soweit sie Aufschluss über die Legitimation zu geben vermögen 

(vgl. auch VB.2008.00051 vom 10. Juli 2008, E. 4.3), was vorliegend wie auf-

gezeigt der Fall ist. Aus diesem Grund sowie mit Blick darauf, dass aufgrund 

der  umfassenden  und  im  Rekursverfahren  G.-Nr.  R3.2022.00117  ohnehin 

gebotenen Prüfung die Legitimation der Eigentümer entsprechend gelegener 

Grundstücke feststeht, so dass es auch überspitzt formalistisch erschiene, 

den Rekurrierenden im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00118 unter Verweis auf 

eine mangelhafte Substantiierung die materielle Prüfung ihrer Vorbringen zu 

verweigern, ist auch in diesem Verfahren die Legitimation der Rekurrieren-

den anzuerkennen. 

2.3.2 

Hinsichtlich der einzelnen Rekurrierenden ist sodann festzuhalten was folgt: 

Wie  erwähnt  erhebt  die  Rekurrentin  1 

im  Rekursverfahren  G.-Nr. 

R3.2022.00117  eine  egoistische  Verbandsbeschwerde.  Ein  als  juristische 

Person  konstituierter  Verband  kann  –  im  eigenen  Namen,  aber  gewisser-

massen stellvertretend – die persönlichen Interessen seiner Mitglieder gel-

tend machen, wenn es sich um solche handelt, die er nach seinen Statuten 

zu wahren hat, die der Mehrheit oder doch einer Grosszahl seiner Mitglieder 

gemeinsam sind und zu deren Geltendmachung durch Rekurs jedes dieser 

Mitglieder befugt wäre (sogenannte egoistische Verbandsbeschwerde; vgl. 

BGE 142 II 80, E. 1.4.2.). Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt 

sein; sie sollen die Popularbeschwerde ausschliessen. Die Wahrung der In-

teressen der Mitglieder muss zu den statutarischen Aufgaben des Verbands 

gehören, wobei an die Formulierung in den Statuten allerdings keine hohen 

Anforderungen gestellt werden. Vorliegend ergibt sich aus Art. 2 der Vereins-
statuten (act. 6.2), dass Zweck des Vereins unter anderem die Bekämpfung 

der geplanten Kiesgrube in Tagelswangen und dabei insbesondere die Wah-

rung  der  persönlichen  Interessen  der  Mitglieder  bei  der  Bekämpfung  der 

Kiesgrube  sowie  die  Ergreifung  der  notwendigen  Rechtsmittel  ist.  Sodann 

ergibt  sich  aus  der  eingereichten  Mitgliederliste  (act.  6.5),  dass  21  der  35 

Mitglieder  einen  Bezug  zu  Grundstücken  aufweisen,  die  sich  in  der  ersten 

und  zweiten  (bzw.  in  einem  Fall  in  der  dritten)  Bautiefe  am  südwestlichen 

Ortsrand  von Tagelswangen  befinden.  Da  18  dieser 21  Mitglieder gemäss 

Eigentümerauskunft im GIS-ZH Eigentümer der fraglichen Grundstücke sind, 

R3.2022.00117 

Seite 17 

 
 
ist eine Mehrheit bzw. jedenfalls eine Grosszahl der Mitglieder im Sinne der 

vorstehenden Ausführungen zur Rekurserhebung legitimiert, so dass auch 

die Rekurslegitimation des Vereins anzuerkennen ist, wobei es sich bei die-

ser  Sachlage  insbesondere  als  entbehrlich  erweist,  bezüglich  bestimmter 

weiterer  Mitglieder  Nachweise  betreffend  das  Bestehen  eines  auf  unbe-

stimmte Dauer abgeschlossenen Mietverhältnisses einzufordern. 

Die  Rekurrierenden  2  bis  6  des  Rekursverfahrens  G.-Nr.  R3.2022.00117 

sind ebenfalls Eigentümer von entsprechenden Grundstücken der ersten und 

zweiten  Bautiefe,  so dass  auch  ihre  Legitimation  zu  bejahen  ist. Ebenfalls 

legitimiert ist die nachweislich in einem auf unbestimmte Dauer abgeschlos-

senen Mietverhältnis an der Z-Strasse in Tagelswangen wohnende Rekur-

rentin 7 (vgl. hierzu bereits E. 2.3.1). 

Die Rekurrierenden 2 und 3 im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00118 sind eben-

falls als Eigentümer von entsprechend gelegenen Grundstücken der ersten 

Bautiefe zur Rekurserhebung legitimiert. Bei der Rekurrentin 1 (C AG) han-

delt es sich zwar nicht um die Eigentümerin der Liegenschaft […] in Tagels-

wangen (Kat.-Nr. 1), die im Eigentum des Rekurrierenden 2 steht. Indessen 

befindet sich gemäss Handelsregisterauszug die Domiziladresse der Rekur-

rentin 1 an der fraglichen Adresse, wobei der Rekurrent 2 als einzelzeich-

nungsberechtigter Verwaltungsratspräsident der Rekurrentin 1 fungiert. Un-

ter diesen Umständen ist auch die Legitimation der Rekurrentin 1 zu bejahen. 

2.3.3 

Zusammenfassend sind sämtliche Rekurrierenden beider Verfahren zur Re-

kurserhebung legitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen er-

füllt sind, ist auf die beiden Rekurse einzutreten. Nicht einzutreten ist jedoch 

auf Antrag 2 im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00117, da Verfahrensge-
genstand lediglich der kantonale Gestaltungsplan bildet, so dass die bean-

tragte  Streichung  des  Eintrags  im  kantonalen  Richtplan  -  ungeachtet  der 

Möglichkeit einer akzessorischen Überprüfung (vgl. E. 4.2) - von vornherein 

ausser  Betracht  fällt,  während  es  hinsichtlich  des  eventualiter  gestellten 

Feststellungsbegehrens - ebenfalls mit Blick auf die Möglichkeit der akzesso-

rischen Überprüfung und deren Wirkungen - bereits am erforderlichen Fest-

stellungsinteresse fehlt. 

R3.2022.00117 

Seite 18 

 
 
3.1 

Die beiden Rekursverfahren betreffen den gleichen kantonalen Gestaltungs-

plan, weshalb sie aus prozessökonomischen Gründen zu vereinigen sind. 

3.2 

Es wird im Sinne einer Beweisofferte der Rekurrierenden im Verfahren G.-Nr. 

R3.2022.00117  die  Durchführung  eines  Augenscheins  beantragt  (vgl.  § 7 

VRG).  Das  Baurekursgericht  hat  unbesehen  von  Parteianträgen  nur  dann 

einen Augenschein durchzuführen, wenn die Verhältnisse vor Ort zwar ent-

scheidrelevant, auf Grund der Akten aber noch unklar sind. Diese Voraus-

setzung ist vorliegend nicht erfüllt, so dass kein Augenschein durchzuführen 

war. Zu beachten ist insbesondere, dass die fragliche Beweisofferte primär 

im  Kontext  der  Begründung  der  Legitimation  erfolgt,  welche  wie  dargelegt 

ohnehin zu bejahen ist, wobei namentlich dem seitens der Mitbeteiligten in 

diesem  Zusammenhang  vorgebrachten  Gegenargument  einer  fehlenden 

ausserordentlichen Qualität der Aussicht wie aufgezeigt (vgl. E. 2.3.1) keine 

Bedeutung zukommt. Hinsichtlich der nachstehenden materiellen Prüfung ist 

sodann - ebenfalls in Übereinstimmung mit dem bereits in E. 2.3.1 Ausge-

führten - festzuhalten, dass sich die Wahrnehmbarkeit der aufgrund des ge-

planten Kiesabbaus bewirkten landschaftlichen Veränderungen bereits aus 

den  Plänen  ergibt  und  dass  auch  die  Frage  des  Nutzens  des  geplanten 

Schutzwalls anhand der Pläne (insbesondere der Schnitte) und des im GIS-

ZH vorhandenen kartographischen Materials beurteilbar ist, ohne dass dies-

bezüglich aufgrund eines Augenscheins weitergehende Aufschlüsse zu ge-

winnen wären. 

3.3 

Im  Rekursverfahren  G.-Nr.  R3.2022.00118  beantragt  die  Baudirektion  den 

Beizug der im Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00117 eingereichten Verfah-
rensakten  "Festsetzungsdossier"  sowie  "Plandossier  öffentliche  Auflage". 

Der Beizug dieser im  Beilagenverzeichnis  zur Vernehmlassung der Baudi-

rektion 

referenzierten 

(vgl.  act.  14  und  16 

im  Verfahren  G.-Nr. 

R3.2022.00118) und damit den Rekurrierenden bekannten Akten ist durch 

Einfügen eines entsprechenden "Platzhalters" (act. 17 im Verfahren G.-Nr. 

R3.2022.00118) unter Verweis auf die Originalbeilagen im - nunmehr verei-

nigten - Rekursverfahren G.-Nr. R3.2022.00117 erfolgt, womit zugleich dem 

Antrag  der  Rekurrierenden  im  Verfahren  G.-Nr.  R3.2022.00118,  wonach 

R3.2022.00117 

Seite 19 

 
 
auch  das  im  Mitwirkungsverfahren  aufgelegte  Projektdossier  beizuziehen 

sei, stattgegeben worden ist. 

3.4 

Seitens der Rekurrierenden im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00118 wird in der 

Replik die "Mitwirkungslegitimation" der K AG in Zweifel gezogen, deren Ver-

hältnis  aus  den  öffentlich  aufgelegten  Festsetzungsakten  nicht  ersichtlich 

sei.  Nachdem  es  sich  bei  der  K  AG  um  diejenige  Unternehmung  handelt, 

welche den aufgrund des kantonalen Gestaltungsplans ermöglichten Kiesab-

bau  ausführen  würde  -  was  sich  ohne  weiteres  aus  dem  Planungsbericht 

ergibt (act. 18.7 S. 5; vgl. auch den als Beilage zum Planungsbericht Teil des 

Festsetzungsdossiers  bildenden  privatrechtlichen  Vertrag  zwischen  der  K 

AG, der Gemeinde Lindau und der Stadt Illnau-Effretikon [act. 18.7.1]) -, er-

weist sich deren Einbezug in die beiden vorliegenden Rekursverfahren als 

zulässig und sachgerecht. 

Als Mitbeteiligte miteinzubeziehen war weiter als Standortgemeinde die Ge-

meinde Lindau, auf deren Gebiet sich der Gestaltungsplanperimeter befin-

det.  Ebenfalls  -  nachträglich  -  miteinzubeziehen  war  die  Stadt  Illnau-Effre-

tikon, da auch für deren Stadtgebiet Festlegungen - im Zusammenhang mit 

der Erschliessung der Etappe Süd - erfolgen (vgl. insbesondere die entspre-

chenden  Einträge  zur  internen  Erschliessung  in  act.  18.3),  weshalb  denn 

auch beide Gemeinwesen in der angefochtenen Festsetzungsverfügung als 

Betroffene  genannt  und  bezüglich  Mitteilung  sowie  Auflage  zur  Einsicht-

nahme  gleich  behandelt  werden.  Nicht  einzubeziehen  war  demgegenüber 

die Gemeinde Bassersdorf, da diese von der Erschliessung der Etappe Nord 

lediglich betroffen ist, ohne dass aber für ihr Gemeindegebiet Festlegungen 

erfolgen würden (vgl. act. 18.3; vgl. zum Ganzen auch act. 18.7. S. 5), wes-

halb sie im Gegensatz zur Stadt Illnau-Effretikon auch in der Festsetzungs-
verfügung gerade nicht als Betroffene aufgeführt ist. 

4.1.1 

Die  Rekurrierenden  im  Verfahren  G.-Nr.  R3.2022.00117  verlangen  vorab 

eine akzessorische Überprüfung der im kantonalen Richtplan erfolgten Fest-

setzung des Materialgewinnungsgebiets Nr. 17 "Lindau, Tagelswangen". Zur 

Begründung führen sie aus, die Festsetzung anlässlich der Gesamtüberprü-

R3.2022.00117 

Seite 20 

 
 
fung des kantonalen Richtplans im Jahr 2014 sei ohne übergeordnete Ab-

stimmung  und  Interessenabwägung  erfolgt.  Im  entsprechenden  Erläute-

rungsbericht zu den Einwendungen werde nur darauf hingewiesen, dass die 

Mängel des vom Bundesgericht aufgehobenen - im Rahmen der 2009 erfolg-

ten  Teilrevision  "Versorgung,  Entsorgung"  vorgenommenen  erstmaligen  - 

Eintrags  behoben  worden  seien  und  sodann  eine  nicht  näher  spezifizierte 

Güterabwägung  erwähnt.  Dabei  sei  zwar  erkannt  worden,  dass  betreffend 

Landschaft und nahegelegene Siedlung ein Problem bestehen könnte, doch 

sei dies nur rudimentär und unzutreffend abgehandelt worden. Eine eigentli-

che Standortevaluation mit Vergleich, Bewertung und Priorisierung der ver-

schiedenen im Kanton vorhandenen potenziellen Abbaustandorte sei nicht 

vorgenommen und nirgends begründet worden, weshalb es an diesem sied-

lungsnahen, sensiblen Standort eines Abbaus bedürfe. Damit sei gegen die 

in Art. 2, 3 und 8 des Raumplanungsgesetzes (RPG) und Art. 2, 3 und 4 der 

Raumplanungsverordnung  (RPV)  niedergelegten  raumplanungsrechtlichen 

Vorgaben (namentlich die Beachtung der Planungsgrundsätze und das Ge-

bot der Interessenabwägung) verstossen worden. Im Übrigen seien die Aus-

führungen im genannten Bericht auch inhaltlich falsch oder irreführend: Der 

Bahnanteil werde beschönigend nur für den Abbau genannt, und dass die 

Strassenerschliessung  via  Siedlungsgebiet  ausgeschlossen  wäre  und  Ta-

gelswangen nicht von Mehrverkehr betroffen würde, treffe beides nicht zu; 

auch reiche der Abstand von 250 m zum Siedlungsgebiet bei weitem nicht 

zur  hinreichenden  Abmilderung  der  negativen  Auswirkungen.  Die  Festset-

zung stehe überdies im krassen Gegensatz zum Entscheid des Kantonsrats 

von  1978,  wonach eine  Kiesgrube  an diesem  Standort  infolge der  Auswir-

kungen auf das Siedlungsgebiet, die Landschaft und die landwirtschaftliche 

Bodennutzung  nicht  in  Frage  komme,  zumal  sich  diesbezüglich  seit  1978 

nichts geändert habe. Ob der Standort überhaupt geeignet sei, aus einer ge-

samthaften Betrachtung heraus benötigt werde und wenn ja in welchem Zeit-
horizont, sei nicht geprüft worden; ebenso wenig etliche wichtige gegen den 

Standort sprechende Interessen. Eine Kiesgrube am geplanten Standort mit-

ten in der Agglomeration Zürich in Siedlungsnähe auf einer der letzten ver-

bleibenden  Freiflächen  zwischen  Bahngleisen,  Autobahn,  Kantonsstrasse 

und Wohnsiedlungen, sei raumplanungsrechtlich derart widersinnig, dass sie 

klarerweise unzulässig sei. Nicht berücksichtigt worden seien unter anderem 

die  enormen  volkswirtschaftlichen  Kosten  (Entwertung  der  betroffenen 

Wohnliegenschaften während 30 Jahren; durch die ansässige Industrie zu 

treffende Schutzmassnahmen in Höhe von mehreren Millionen Franken oder 

R3.2022.00117 

Seite 21 

 
 
alternativ Wegzug der Industrie mit Verlust von Arbeitsplätzen; resultierende 

Steuerausfälle von etlichen Millionen Franken; Gesundheitskosten aufgrund 

des erhöhten Lärms und Staubs). Hinzu kämen der erhebliche Konflikt mit 

dem  Landschaftsschutz,  die  Blockierung  der  dringend  erforderlichen Wild-

tierquerung, eine heikle Situation betreffend Grundwasser sowie die Notwen-

digkeit von Rodungen, was bei der Festsetzung des Richtplans alles weder 

diskutiert noch berücksichtigt worden sei. Ein solcher Standort könnte höchs-

tens  nach  sorgfältiger  Abklärung  und  Priorisierung  als  letzter  "Notnagel" 

noch in Frage kommen, wenn sämtliche anderen abbaubaren Kiesreserven 

im Kanton erschöpft seien, was bei Weitem nicht der Fall sei, nachdem ge-

mäss Kiesstatistik  allein  schon  das  aktuell  richtplanerisch  ausgeschiedene 

Kiesrestvolumen für über 20 Jahre reiche. Es fehle vorliegend an einer nach-

vollziehbaren  Abstimmung  der  raumwirksamen  Tätigkeiten,  weshalb  der 

Richtplaneintrag aufzuheben, zumindest aber nicht anwendbar sei, was zur 

Aufhebung  der  angefochtenen  Festsetzung  des  kantonalen  Gestaltungs-

plans zufolge fehlender Grundlage im kantonalen Richtplan führe. Im Rah-

men ihrer weiteren Rüge, wonach der kantonale Gestaltungsplan auch zu-

folge  unvollständiger  und  fehlerhafter  Bedarfsabklärung  und  Interessenab-

wägung aufzuheben sei (vgl. nachfolgend E. 5), weisen die Rekurrierenden 

überdies darauf hin, soweit die im Zusammenhang mit dem Richtplaneintrag 

genannten privaten und öffentlichen Interessen nicht bereits auf Stufe Richt-

plan  hätten  einfliessen  müssen,  so  wäre  dies  jedenfalls  im  Rahmen  einer 

umfassenden Interessenabwägung auf Stufe Nutzungsplanung bzw. Gestal-

tungsplan erforderlich gewesen (wobei entsprechend die geltend gemachten 

Interessen in diesem Zusammenhang näher spezifiziert werden). 

4.1.2 

Die Baudirektion weist vernehmlassungsweise darauf hin, die Kiesabbauge-

biete  im  Kanton  Zürich  lägen  zu  einem  überwiegenden  Teil  im  nördlichen 
Unterland des Kantons, wo über 80 % des zürcherischen Kieses abgebaut 

würden.  Da  im  Kanton  Zürich  anfallendes,  unverschmutztes  Aushub-  und 

Abraummaterial  grundsätzlich  für  die  Rekultivierung  von  Materialgewin-

nungsgebieten zu verwenden sei, würden gegen 80 % des jährlich im Kanton 

deponierten  Aushubs  im  nördlichen  Kantonsteil  abgelagert.  Verwendet 

werde die abgebaute Gesteinskörnung hingegen in den zentral und südlich 

gelegenen Ballungszentren, wo auch der Aushub anfalle. Der Transport des 

Aushubs und der Gesteinskörnung verursache auf der Nord-Süd-Achse in-

R3.2022.00117 

Seite 22 

 
 
nerhalb  des  Kantons  sowie  über  die  Kantonsgrenzen  hinweg  Schwerver-

kehr,  was  sowohl  aufgrund  der  damit  einhergehenden  Auswirkungen  auf 

Raum  und  Umwelt  (Immissionen,  Belastung  der  Siedlungsgebiete  sowie 

Verkehrsanlagen) wie auch aus volkswirtschaftlicher Sicht (Stausituationen) 

einen Missstand darstelle. Der Kanton Zürich verfolge zwei Strategien, die 

im  Ergebnis  auch  die  wesentlichen  öffentlichen  Interessen  am  vorliegend 

streitbetroffenen  Kiesabbaugebiet  konkretisierten:  Einerseits  solle  eine  er-

höhte Verlagerung der  Aushubtransporte  auf  die  Bahn  erfolgen,  wobei  mit 

einer vom Regierungsrat dem Kantonsrat überwiesenen Vorlage zum Bahn-

transport  von  Aushub und  Gesteinskörnung  -  in  Übereinstimmung  mit  den 

richtplanerischen  Vorgaben  -  die  rechtliche  Grundlage  für  die  Pflicht  zum 

Bahntransport geschaffen werden solle, um den im Richtplan vorgesehenen 

Anteil der Bahntransporte von mindestens 35 % zu erreichen. Andererseits 

hätten  Abbau,  Aufbereitung  und Wegfuhr  der  Rohstoffe  sowie  Anfuhr  und 

Einbau von unverschmutztem Aushub- und Abraummaterial möglichst emis-

sionsarm  zu  erfolgen  und  seien  die  Transportdistanzen  möglichst  kurz  zu 

halten,  was  eine  regionale  Abbau-  und  Deponieversorgung  bedinge.  Wie 

sich der Kiesstatistik des Kantons Zürich und der Ermittlung der entsprechen-

den Transportströme entnehmen lasse, bestehe in den Regionen Winterthur 

und Umgebung sowie Glattal eine deutliche Unterversorgung an Kies, wes-

halb ein wesentliches öffentliches Interesse an einem regionalen Deponie- 

und  Kiesabbaugebiet,  welches  im  Anschluss  wieder  mit  unverschmutztem 

Aushubmaterial  verfüllt  werden  könne,  bestehe.  Mit  der  Festsetzung  von 

sachgerechten Standorten könnten Bedürfnisse aus einer übergeordneten, 

kantonalen Sicht berücksichtigt werden. Trotz bzw. gerade wegen der relati-

ven Nähe zu den Ballungszentren sowie in unmittelbarem Nahbereich von 

leistungsfähigen Verkehrsanlagen könnten nachteilige Auswirkungen auf die 

natürlichen Lebensgrundlagen, die Bevölkerung und die Wirtschaft vermie-

den oder gesamthaft möglichst gering gehalten werden, womit den diesbe-
züglichen  Planungszielen  und  -grundsätzen  nachgelebt  werde.  Ausgeführt 

wird  weiter,  die  aktuell  im  kantonalen  Richtplan  festgelegte  Kiesabbaupla-

nung sei im Jahr 2005 von Seiten des Amts für Abfall, Wasser, Energie und 

Luft (AWEL) mit einer Liste geplanter neuer Materialgewinnungsgebiete auf-

gestartet und im Rahmen der Ämterkonsultation durch die kantonalen Fach-

stellen  namentlich  hinsichtlich  der  Interessen  Naturschutz,  Landschafts-

schutz, Bodenschutz, Gewässerschutz, Lärm, Archäologie und Ortsbild ab-

geklärt worden, wobei sich hinsichtlich des streitbetroffenen Standorts keines 

der tangierten öffentlichen Interessen als Hinderungsgrund erwiesen habe. 

R3.2022.00117 

Seite 23 

 
 
Nachdem die ursprüngliche Festsetzung vom 24. November 2009 aufgrund 

einer Autonomiebeschwerde der Gemeinde Lindau durch das Bundesgericht 

aufgehoben worden sei, sei im Rahmen der Gesamtüberprüfung des kanto-

nalen Richtplans eine 'Wiederaufnahme' des Verfahrens zur Standortfestle-

gung erfolgt, wobei die Standortgemeinden bei der Anhörung und der öffent-

lichen  Auflage  einbezogen  worden  seien  und  die  Gemeinde  Lindau  am 

11. Juni  2013  durch  die  kantonsrätliche  Kommission  für  Energie,  Verkehr 

und Umwelt zu einer separaten Anhörung eingeladen worden sei, was zur 

Aufnahme zahlreicher Anliegen der Gemeinde als Eckwerte im kantonalen 

Richtplan geführt habe. Es sei eine stufengerechte Abwägung der Rechts-

güter vorgängig zum Richtplaneintrag erfolgt. Bei der entsprechenden Fest-

setzung handle es sich im Kern um einen politischen Entscheid, dessen po-

litische Elemente in einem Rechtsmittelverfahren nicht mehr überprüft wer-

den könnten. Schliesslich könne sich der Richtplan nur zu den räumlichen 

Belangen aus Sicht des Gemeinwesens äussern. 

Die Mitbeteiligte argumentiert entsprechend. 

4.1.3 

Im Rahmen der Replik halten die Rekurrierenden ergänzend fest, zwar sei 

jede  Verkürzung  von  Transportwegen  erwünscht,  doch  handle  es  sich  bei 

Transporten innerhalb des Kantons Zürich immer noch um kurze Wege; in 

anderen  Ländern  würde  die  Fläche  des  gesamten  Kantons  Zürich,  wenn 

nicht sogar des gesamten Mittellandes als eine einheitliche Region und der 

Kies aus dem Unterland überall als regional gelten. Weiter handle es sich bei 

der Standortfrage von Kiesabbaugebieten nicht oder nur am Rande um poli-

tische  Entscheide.  Nur  im  Rahmen  der  Ergebnisse  eines  raumplanungs-

rechtlich korrekten Vorgehens bestehe ein planerisches und damit auch po-

litisches Ermessen. In der Triplik wird sodann dargelegt, es sei ein wesentli-
cher Unterschied, ob direkt an eine Agglomerationsgemeinde heran und mit 

Verkehr durch diese hindurch eine neue Kiesgrube geschaffen werde oder 

ob längere Verkehrswege über bestehende Autobahnen und Überlandstras-

sen in Kauf genommen werden müssten. 

4.2.1 

Richtpläne sind behördenverbindlich (Art. 9 Abs. 1 RPG, § 19 Abs. 1 PBG), 

können jedoch bei der Nutzungsplanung im Rechtsmittel- und im Genehmi-

gungsverfahren akzessorisch auf ihre Recht- und Zweckmässigkeit überprüft 

R3.2022.00117 

Seite 24 

 
 
werden (§ 19 Abs. 2 PBG). Insbesondere ist eine akzessorische Prüfung der 

Richtplaneinträge  auch  bei  der  Festsetzung  von  überkommunalen  Gestal-

tungsplänen möglich, wovon jedoch die politischen Elemente eines solchen 

Entscheids nicht umfasst sind (VB.2016.00605 vom 15. Juni 2017, E. 6.5.1 

und 6.5.2; Christoph Fritzsche/Peter Bösch/Thomas Wipf/Daniel Kunz, Zür-

cher Planungs- und Baurecht, 6. Aufl., Wädenswil 2019, Bd. 1, S. 188). Wie 

sich  dem  entsprechenden  Urteil  des  Verwaltungsgerichts  betreffend  den 

kantonalen  Gestaltungsplan  für  eine  Jagdschiessanlage  entnehmen  lässt, 

bezieht sich diese Einschränkung allerdings zum einen auf den Grundsatz-

entscheid für die Erstellung einer entsprechenden Anlage (a.a.O., E. 6.5.2), 

zum andern auf den Umstand, dass es nach Auffassung des Verwaltungs-

gerichts  nicht  Aufgabe  der  Rekursinstanz  ist,  nochmals  eine  umfassende 

Prüfung und Bewertung der evaluierten Standorte oder gar allfällig weiterer 

solcher vorzunehmen, wobei das Verwaltungsgericht zugleich den im fragli-

chen  Verfahren  vorliegenden  Bericht  zur  Standortwahl  als  nachvollziehbar 

erachtete und die Bevorzugung des letztlich gewählten Standorts als schlüs-

sig bezeichnete (a.a.O., E. 6.5.4). Daraus erhellt, dass seitens der Rekurs-

instanz zwar nicht eine eigenständige Standortevaluation vorzunehmen ist, 

die (vorliegend strittige) Frage, ob die richtplanerische Festsetzung - insbe-

sondere  hinsichtlich  Interessenabwägung  und  Standortevaluation  -  über-

haupt auf einer rechtsgenügenden Vorgehensweise beruht, jedoch der ge-

richtlichen Überprüfung zugänglich ist. Dies entspricht denn auch der in der 

bundesgerichtlichen Rechtsprechung verwendeten Umschreibung, wo - be-

zogen auf die Überprüfungsbefugnis des Bundesgerichts im Rahmen der An-

fechtung  kantonaler  Richtpläne  durch  eine  Gemeinde  -  ausgeführt  wird, 

Richtpläne  hätten  vorwiegend  politischen  Charakter  und  stellten  einen  Akt 

planerischen und politischen Abwägens dar, der nur begrenzt justiziabel sei. 

Sei  der  Planungsträger  rechtlich  korrekt  vorgegangen  und  erschienen  das 

Vorgehen sowie die verwendeten Methoden zur Entscheidfindung als geeig-
net, so sei es nicht Sache des Bundesgerichts, die daraus hervorgegangene 

richtplanerische Vorgabe aufgrund einer anderen Interessengewichtung auf-

zuheben. Seitens der Beschwerdeführerin sei vor diesem Hintergrund dar-

zulegen, dass die umstrittene richtplanerische Standortfestlegung einer stu-

fengerechten Prüfung nicht standhalte (vgl. betreffend richtplanerische Fest-

setzung eines Kiesabbaugebiets BGr 1C_687/2020 vom 13. Januar 2022, E. 

3 [sowie E. 4.6, wo festgehalten wird, zwar greife das Bundesgericht nicht in 

die planerische Interessenabwägung des Kantons ein, doch setze dies vo-

raus, dass diese konsistent begründet und transparent gemacht werde, was 

R3.2022.00117 

Seite 25 

 
 
im konkreten Fall - in dem die Standortwahl nicht auf einer nachvollziehbaren 

Abstimmung der raumwirksamen Tätigkeit basierte - zur Aufhebung der richt-

planerischen Festsetzung führte]; vgl. auch BGE 146 I 36, E. 3.4). 

4.2.2 

Die Richtpläne und dabei insbesondere auch die in diesen enthaltenen Fest-

legungen zu Standort und Umfang räumlicher Grossprojekte beruhen auf ei-

ner  umfassenden  Interessenabwägung,  welche  auch  begründet  und  damit 

transparent  gemacht  werden  muss  (BGr  1C_346/2014  vom  26.  Oktober 

2016, E. 2.8; vgl. auch BGE 146 I 36, E. 4.4 Heinz Aemisegger/Samuel Kis-

sling, in: Praxiskommentar RPG: Nutzungsplanung, Zürich/Basel/Genf 2016, 

Vorbemerkungen zur Nutzungsplanung Rz.  10; Pierre Tschannen, in: Pra-

xiskommentar RPG: Richt- und Sachplanung, Interessabwägung, Zürich/Ba-

sel/Genf 2019, Art. 3 Rz. 34). Der Vorgang der Interessenabwägung umfasst 

zunächst die Ermittlung der berührten und rechtlich anerkannten Interessen, 

sodann  deren  Beurteilung  -  wobei  insbesondere  die  Vereinbarkeit  mit  der 

anzustrebenden  räumlichen  Entwicklung  und  die  möglichen  Auswirkungen 

zu berücksichtigen sind - und schliesslich die Optimierung der ermittelten und 

beurteilten Interessen, sodass sie auf Grund der Beurteilung, die ihnen zuteil 

wurde, im Entscheid möglichst umfassend zur Geltung gebracht werden kön-

nen  (Art.  3  RPV;  vgl.  zur  Methode  der  Interessenabwägung  umfassend 

Tschannen, a.a.O., Art. 3 Rz. 19 ff.; vgl. spezifisch den kantonalen Richtplan 

betreffend  auch  Art. 8  Abs.  1  RPG  und  Art. 5  Abs. 2  lit.  a  RPV  betreffend 

Umschreibung des Mindestinhalts - wonach der Richtplan unter anderem zu 

zeigen hat, wie die raumwirksamen Tätigkeiten im Hinblick auf die anzustre-

bende  Entwicklung  aufeinander  abgestimmt  werden  -  sowie  Art.  4  Abs.  2 

RPV, wonach die Planungen über die einzelnen Sachbereiche die tatsächli-

chen und rechtlichen Gegebenheiten und die absehbaren Nutzungskonflikte 

zeigen und eine Beurteilung der möglichen Entwicklungen aus gesamtheitli-
cher Sicht enthalten sollen). Dabei äussert sich der Richtplan allerdings allein 

zu räumlichen Anliegen der Gemeinwesen und handelt weder von privaten 

noch von nicht-räumlichen öffentlichen Interessen, weshalb die im Einzelfall 

notwendige Abwägung mit diesen weiteren Interessen noch - insbesondere 

im Rahmen der Nutzungsplanung (vgl. E. 5.2) - vorzunehmen bleibt (Tschan-

nen, a.a.O., Art. 9 Rz. 27). 

R3.2022.00117 

Seite 26 

 
 
Besondere Bedeutung kommt im Rahmen der Interessenabwägung den in 

Art. 3 RPG umschriebenen Planungsgrundsätzen zu, welche sich als recht-

lich ausgewiesene Interessen der Planung aus der Sicht des Gemeinwesens 

verstehen lassen (Tschannen, a.a.O., Art. 3 Rz. 19; vgl. auch die in § 18 PBG 

genannten, die Richtplanung betreffenden Gestaltungsgrundsätze). So sta-

tuiert Art. 3 Abs. 2 RPG den Grundsatz, dass die Landschaft zu schonen ist, 

und weist unter anderem darauf hin, insbesondere sollten der Landwirtschaft 

genügende Flächen geeigneten Kulturlandes, insbesondere Fruchtfolgeflä-

chen, erhalten bleiben (lit. a), naturnahe Landschaften und Erholungsräume 

erhalten bleiben (lit. d) und die Wälder ihre Funktionen erfüllen können (lit. 

e). Art. 3 Abs. 3 RPG hält im Rahmen der Planungsgrundsätze zur Siedlung 

unter anderem fest, insbesondere sollten Wohngebiete vor schädlichen oder 

lästigen  Einwirkungen  wie  Luftverschmutzung,  Lärm  und  Erschütterungen 

möglichst  verschont  werden  (lit.  b)  und  günstige  Voraussetzungen  für  die 

Versorgung  mit  Gütern  und  Dienstleistungen  sichergestellt  sein  (lit.  d).  Als 

Handlungsdirektiven  zur  Zielerreichung  (Tschannen,  a.a.O.,  Art.  1  Rz.  5) 

sind die Planungsgrundsätze überdies an die in Art. 1 RPG umschriebenen 

Ziele der Raumplanung zurückgebunden, wobei neben den in Abs. 1 enthal-

tenen, durch Raumplanung zu erreichenden Ziele insbesondere auch auf die 

in  Abs. 2  genannten, durch  Raumplanung  zu  unterstützenden  Ziele  hinzu-

weisen  ist,  zu  denen  unter  anderem  der  Schutz  der  natürlichen  Lebens-

grundlagen wie Boden, Luft, Wasser, Wald und Landschaft (lit. a), die Be-
rücksichtigung einer angemessenen Wohnqualität (lit. abis) und die Sicherung 
der ausreichenden Versorgungsbasis des Landes (lit. d) gehören. Die in den 

Zielen und Planungsgrundsätzen zum Ausdruck kommenden inhaltlichen Di-

rektiven schlagen sich schliesslich in Art. 2 Abs. 1 RPV nieder (Tschannen, 

a.a.O. Art. 2 RPG Rz. 58), wonach die Behörden im Hinblick auf die anzu-

strebende räumliche Entwicklung bei der Planung raumwirksamer Tätigkei-

ten insbesondere zu prüfen haben, wie viel Raum für die Tätigkeit benötigt 
wird (lit. a), welche Alternativen und Varianten in Betracht fallen (lit. b), ob 

die Tätigkeit mit den Zielen und Grundsätzen der Raumplanung vereinbar ist 

(lit.  c)  und  welche  Möglichkeiten  bestehen, den  Boden  haushälterisch  und 

umweltschonend zu nutzen sowie die Siedlungsordnung zu verbessern (lit. 

d). 

R3.2022.00117 

Seite 27 

 
 
4.3.1 

Während der im Rahmen einer Gesamtüberprüfung mit Beschluss des Kan-

tonsrats vom 31. Januar 1995 festgesetzte kantonale Richtplan im streitbe-

troffenen Gebiet noch kein Gebiet für Materialgewinnung vorgesehen hatte, 

erfolgte im Rahmen der mit Beschluss des Kantonsrats vom 24. November 

2009 festgesetzten Teilrevision (unter anderem) des Kapitels "Versorgung, 

Entsorgung"  in  Pt.  5.3.2  (Karteneinträge)  unter  Nr.  9  eine  entsprechende 

Festsetzung, für die als Bedingung "Bahnanschluss vorsehen; in Koordina-

tion mit Pt. 4.3.2 Nr. 25" (letzteres betreffend den geplanten Brüttener Tunnel 

[gemäss aktuellem Richtplantext Pt. 4.3.2 Nr. 27a]) vermerkt wurde. Nach-

dem  diese  Festsetzung  mit  BGE  136  I  265  wegen  Verletzung  des  Mitwir-

kungsrechts der Gemeinde Lindau - im Zusammenhang mit Vorbringen zum 

geplanten Bahnanschluss - aufgehoben worden war, wurde im Rahmen der 

mit  Beschluss  des  Kantonsrats  vom  18.  März  2014  festgesetzten  und  mit 

Beschluss des Bundesrates vom 29. April 2015 genehmigten Gesamtüber-

prüfung des kantonalen Richtplans erneut ein entsprechender Eintrag vorge-

nommen und als Nr. 22 das Materialgewinnungsgebiet Lindau, Tagelswan-

gen mit den Bedingungen "Strassenerschliessung via Siedlungsgebiet aus-

schliessen, Bahnanteil von 80 % für den Abbau vorsehen, Betrieb des Nord-

teils der Grube auf 12 Jahre beschränken" festgesetzt. Während seinerzeit 
eine Fläche von 26 ha und ein Abbauvolumen von 4.0 Mio. m3 ausgewiesen 
wurden, erfolgte im Rahmen des entsprechenden, mit Beschluss des Kan-

tonsrats vom 29. März 2021 festgesetzten Teils "Versorgung, Entsorgung" 

der Teilrevision 2017 (Vorlage 5517b) eine Anpassung für das mittlerweile 

unter der Nr. 17 verzeichnete Gebiet, für welches nun als Eckwerte für den 

Gestaltungsplan eine - auf das Abbaugebiet bezogene - Fläche von 35 ha 
und ein Abbauvolumen von 7,5 Mio. m3 ausgewiesen wurden (wobei es sich 
gemäss dem Bericht zu den Einwendungen zur fraglichen Vorlage [S. 10, zu 

Einwendung Nr. 42] um die Bereinigung einer Diskrepanz zwischen Richt-
plankarte und Richtplantext handelte [vgl. auch act. 18.7 S. 8]). 

Wie sich dem Erläuterungsbericht zu den Einwendungen zur Gesamtüber-

prüfung  (2014)  entnehmen  lässt,  beantragten  mehrere  Einwendende,  das 

Kiesabbaugebiet Lindau, Tagelswangen, zu streichen (S. 126, Einwendung 

Nr. 464). Der Erläuterungsbericht hält hierzu nach einleitendem Verweis auf 

die aufgehobene Festsetzung im Rahmen der Teilrevision 2009 fest, die vom 

Bundesgericht  erwähnten  Mängel  seien  behoben  worden,  indem  die  Ge-

R3.2022.00117 

Seite 28 

 
 
meinde in den Erarbeitungsprozess einbezogen worden sei und gemäss ei-

ner Machbarkeitsstudie und einer verbindlichen Zusage der SBB der Gleis-

anschluss und damit der Bahntransport bis zum Ende des Kiesabbaus ge-

währleistet  sei.  Im  Rahmen  der  Güterabwägung  würden  nach  wie  vor  die 

Gründe  für  die  Festlegung  des  Abbaugebiets  überwiegen:  Kiesbedarf  und 

die  Möglichkeit  des  Bahntransports.  Der  Kies  werde  etappenweise  abge-

baut, es werde immer nur eine kleine Fläche als Grube offen sein. Es werde 

genügend Aushubmaterial für die Rekultivierung zur Verfügung stehen. Die 

Wiederherstellung  des  Terrains  sei  im  Rahmen  des  Gestaltungsplans  ver-

bindlich  festzulegen.  Die  für  Fruchtfolgeflächen  notwendigen  Nutzungseig-

nungsklassen seien im Rahmen der Rekultivierung wieder herzustellen. Bei 

einer vorgesehenen Transportleistung von rund 2'000 t Kies pro Tag (zwei 

Züge)  ergebe  sich  ein  Abbauhorizont  von  rund  20  Jahren  für  die  ganze 

Grube.  Im Sinne  von Eckwerten für  die  Ausarbeitung  des  entsprechenden 

Gestaltungsplans würden im Richtplan die Bedingungen formuliert, wonach 

die  Strassenerschliessung  via  Siedlungsgebiet  auszuschliessen  sei,  ein 

Bahnanteil  von  80  %  für  den  Abbau  vorzusehen  sei  und  der  Betrieb  des 

Nordteils der Grube auf 12 Jahre beschränkt werden solle. Der Gestaltungs-

plan  werde  einer  Umweltverträglichkeitsprüfung  unterzogen.  Damit  sei  die 

Gewähr gegeben, dass alle gesetzlichen Bestimmungen des Umweltrechts 

eingehalten  würden  (Schutz  des  Grundwassers,  Lärmschutz,  Lufthygiene, 

Naturschutz etc.). Der Bahntransport werde als Auflage im Gestaltungsplan 

sowie  in  den  entsprechenden  Bewilligungen  festgelegt.  Der  Eingriff  in  die 

Landschaft  und Wohnqualität  der  benachbarten  Liegenschaften  könne  mit 

verschiedenen Massnahmen gelindert werden. Zudem sei der Perimeter des 

Abbaugebiets  bereits  im  Rahmen  der  Richtplanerarbeitung  2009  im  Ver-

gleich zur ursprünglich beabsichtigten Abgrenzung verschoben worden, so 

dass ein Abstand von mindestens 250 Meter zum Siedlungsrand eingehalten 

werde.  Die  Lastwagenzufuhr  von  Aushub  geschehe  über  den  "Seuchen-
rank". Tagelswangen werde somit nicht von Mehrverkehr betroffen. In den 

die  entsprechende  Einwendung  betreffenden  Ausführungen  im  Erläute-

rungsbericht zur - aufgehobenen - Festsetzung im Rahmen der Teilrevision 

2009 erfolgte zusätzlich der Hinweis, wonach es aus Sicht des Grundwas-

serschutzes  sowie  des  Naturschutzes  keine  Argumente  gegen  die  Festle-

gung gebe. 

R3.2022.00117 

Seite 29 

 
 
4.3.2 

Im  Unterschied  zu  anderen  richtplanerischen  Standortfestlegungen  ergibt 

sich  bei  Abbaugebieten  eine  relativ  weitgehende  erste  Beschränkung  der 

möglichen Standorte bereits aufgrund der natürlichen Gegebenheiten, indem 

primäre Voraussetzung das Bestehen entsprechender Rohstoffvorkommen 

ist. In diesem Sinn zeigt die im GIS-ZH verfügbare Kiesrohstoffkarte zum ei-

nen die hohe Eignung des vorliegend strittigen Gebiets, indem in diesem Al-

luvialkiese  über  der  Talsohle  (oft  verkittet)  mit  einer  Mächtigkeit  von  25 m 

nachgewiesen sind, während zum andern ersichtlich ist, dass dieses Gebiet 

zwar Teil einer sich insbesondere Richtung Südosten und teilweise Richtung 

Nordwesten  erstreckenden  Zone  entsprechender  -  allerdings  weitgehend 

weniger mächtiger - Vorkommen ist, dass sich aber im Übrigen grössere Vor-

kommen  primär  im  nördlichen  Kantonsgebiet  (sowie  ein  grösseres  -  zur 

Hauptsache vermutetes - Gebiet ganz im Süden des Kantons) befinden, wo-

bei  überdies  in  Kombination mit den  Angaben  im  kantonalen  Richtplan für 

verschiedene der ausserhalb des nördlichen Kantonsteils verzeichneten Vor-

kommen relativ offensichtliche Schwierigkeiten im Hinblick auf einen allfälli-

gen Abbau ersichtlich sind, indem diese sich in vollständig überbautem Ge-

biet, im Wald (wo gemäss Richtplantext, Pt. 5.3.1 ein Abbau nur aus wichti-

gen Gründen zulässig ist) oder in Landschaftsschutzgebieten befinden. 

Da die ungleiche Verteilung der Kiesvorkommen innerhalb des Kantons - wie 

sie  im  Übrigen  auch  im  Richtplantext,  Pt.  5.3.2,  Abb.  5.2  zum  Ausdruck 

kommt  -  nicht  mit  der  jeweiligen  Intensität  der  Bautätigkeit  übereinstimmt, 

kommt nun hinzu, dass für sämtliche der elf Planungsregionen eine erhebli-

che  Diskrepanz  zwischen dem  Volumen  des  Kiesabbaus und  des  Kiesbe-

darfs besteht, womit - aufgrund des Umstands, dass gemäss dem kantona-

len Richtplan unverschmutztes Aushub- und Abraummaterial grundsätzlich 

für  die  Rekultivierung  von  Materialgewinnungsgebieten  zu  verwenden  ist 
(vgl.  Richtplantext,  Pt.  5.3.1)  -  eine  entsprechende  Diskrepanz  zwischen 

Aushubanfall und Aushub-Einbau einhergeht (vgl. bezüglich der genannten 

Diskrepanzen die tabellarischen Übersichten in act. 18.15 S. 13 und 21 [auch 

zum Folgenden], wobei sich die regionalen Unterschiede betreffend Kiesab-

bau  und  Aushubeinbau  der  Kiesstatistik  [https://www.zh.ch/de/um-welt-

tiere/abfall-rohstoffe/rohstoffe/kies/kiesstatistik.html; zuletzt besucht am 11. 

November 2022] entnehmen lassen, während die unterschiedliche Intensität 

der  Bautätigkeit  -  und  damit  des  Kiesbedarfs  und  des  Aushubanfalls  -  mit 

R3.2022.00117 

Seite 30 

 
 
Schwerpunkten in den Regionen Stadt Zürich, Glattal, Winterthur und Um-

gebung und Limmattal aufgrund der unterschiedlichen Verteilung der Sied-

lungsgebiete  ohne  weiteres  plausibel  ist).  Die  fraglichen  massiven  Diskre-

panzen lassen sich dabei insbesondere auch für die das unmittelbare Ein-

zugsgebiet  des  streitbetroffenen  Kiesabbaugebiets  bildenden  Regionen 

Glattal  und  Winterthur  und  Umgebung  nachweisen.  Resultat  dieser  Un-

gleichverteilung  sind  erhebliche  Verkehrsströme  -  sowohl  betreffend  Ge-

steinskörnung als auch betreffend Aushubmaterial -, insbesondere auf der 

Nord-Süd-Achse innerhalb des Kantons (vgl. hierzu im Detail das vom AWEL 

verfasste  Dokument  "Aushubdeponien  Kiesabbaugebiete  Bahntransport" 

vom September 2015 [act. 18.14] und den von der EBP Schweiz AG im Auf-

trag des AWEL verfassten Bericht "Daten zu den Kies- und Aushubtranspor-

ten im Kanton Zürich [2020]" vom 25. Januar 2022 [act. 18.15], beide auch 

abrufbar 

unter 

https://www.zh.ch/de/umwelt-tiere/abfall-rohstoffe/roh-

stoffe/kies.html; zuletzt besucht am 11. November 2022). 

Der kantonale Richtplan hält in Pt. 5.3.1 betreffend Ziele der Materialgewin-

nung fest, Abbau, Aufbereitung und Wegfuhr der Rohstoffe sowie Anfuhr und 

Einbau von unverschmutztem Aushub- und Abraummaterial hätten möglichst 

emissionsarm  zu  erfolgen,  weshalb  die  Transportdistanzen  möglichst  kurz 

zu  halten  seien.  Mindestens  35  %  der  abgebauten  und  abzulagernden 

Menge müsse mit der Bahn oder im kombinierten Ladungsverkehr transpor-

tiert werden. Gemäss Pt. 5.3.2 sind neue Materialgewinnungsgebiete grund-

sätzlich nur dort vorgesehen, wo ein Bahnanschluss vorhanden oder dessen 

Neubau realistisch ist. Ausgehend von diesen übergeordneten richtplaneri-

schen Vorgaben ergibt sich in Kombination mit der vorstehend dargelegten 

unterschiedlichen räumlichen Verteilung von Kiesvorkommen und Bautätig-

keit - und in Übereinstimmung mit den zutreffenden Ausführungen der Bau-

direktion -, dass an einer ausgeglicheneren regionalen Verteilung der Abbau-
gebiete (soweit aufgrund der natürlichen Gegebenheiten überhaupt möglich) 

und dabei insbesondere an einem volumenmässig relativ grossen Abbauge-

biet in der vorliegend betroffenen Region (zentrales Kantonsgebiet) ein sehr 

erhebliches öffentliches Interesse - sowohl mit Blick auf die Herkunft des Kie-

ses als auch (und angesichts des lediglich für den Abbau bestehenden Bahn-

anteils  insbesondere)  zwecks  Verringerung  der  Transportwege  des  einzu-

bauenden  Aushubs  -  besteht.  Als  weiterer  die  Standortwahl  limitierender 

Faktor kommt sodann die Vorgabe betreffend Realisierbarkeit eines Bahn-

anschlusses hinzu, welche im streitbetroffenen Gebiet ebenfalls erfüllt ist, so 

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dass es sich auch in dieser Hinsicht als besonders geeignet erweist. Unter 

diesen Umständen kann entgegen den Rekurrierenden nicht gesagt werden, 

allfälligen  mit  dem  vorgesehenen  Abbaugebiet  verbundenen  Beeinträchti-

gungen stehe kein Gegenwert gegenüber, da der Gewinn einzig einer priva-

ten Kiesabbauunternehmung sowie den Eigentümern des benötigten Landes 

zufliessen würde, liegen doch bereits die Sicherstellung der Versorgung mit 

entsprechenden  Rohstoffen  und  die  korrespondierende  Ermöglichung  des 

Einbaus von Aushubmaterial als solche und sodann spezifisch die Bezeich-

nung von Abbaugebieten, mit denen die richtplanerisch definierten Ziele ei-

ner  Verkürzung  der  Transportwege  und  einer  Förderung  des  Bahnanteils 

umgesetzt werden können, im öffentlichen Interesse. Auch vermag das re-

kurrentische Argument betreffend im internationalen Vergleich ohnehin kurze 

Transportwege innerhalb des gesamten Kantonsgebiets nicht zu verfangen, 

ist doch zum einen der Kanton aufgrund des Umfangs seiner Planungshoheit 

von  vornherein  auf  eine  Optimierung  innerhalb  des  Kantonsgebiets  be-

schränkt,  während  zum  andern  ökologisch  auch  eine  Reduktion  entspre-

chender Transportwege (mit denen im Übrigen entgegen den Rekurrieren-

den ebenfalls eine Belastung von Siedlungsgebieten einhergeht) durchaus 

sinnvoll und signifikant erscheint, ganz abgesehen davon, dass mit der regi-

onalen Versorgung und dem regionalen Aushubeinbau auch Transporte in 

andere Kantone und ins Ausland (vgl. dazu act. 18.15, insb. S. 18 und 28) 

minimiert werden. 

Indem sich sodann die genannten Aspekte wie aufgezeigt bereits den gene-

rellen Ausführungen zur Materialgewinnung in Pt. 5.3 des Richtplantexts ent-

nehmen lassen und diese überdies teilweise - wenngleich in knapper Form - 

mit den Stichworten "Kiesbedarf" und "Möglichkeit des Bahntransports" auch 

in den referierten, den konkreten Richtplaneintrag betreffenden Ausführun-

gen im Erläuterungsbericht zu den Einwendungen (vgl. vorstehend E. 4.3.1) 
referenziert werden, kann davon ausgegangen werden, dass sie im Rahmen 

der  den  fraglichen  Standort  betreffenden  Interessenabwägung  bzw.  der 

Standortevaluation  nicht  nur  berücksichtigt  wurden,  sondern  dass  ihnen 

überdies besondere Bedeutung zuerkannt wurde. Im Sinne eines Zwischen-

ergebnisses lässt sich somit festhalten, dass aus dem kantonalen Richtplan 

und dem Erläuterungsbericht zur Gesamtüberprüfung 2014 hervorgeht, dass 

die mit der Planung betrauten Behörden von einem erheblichen öffentlichen 

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Interesse an einem Abbaugebiet in der fraglichen Region und mit der Mög-

lichkeit  eines  Bahnanschlusses  ausgingen,  was  wiederum  die  Festlegung 

des konkreten Standorts anleitete. 

4.3.3 

Aus der in E. 4.3.1 wiedergegebenen Passage des Erläuterungsberichts zur 

Gesamtüberprüfung 2014 geht sodann hervor, dass auch weitere, gegebe-

nenfalls  entgegenstehende  raumbezogene  öffentliche  Interessen  berück-

sichtigt wurden. Dies betrifft insbesondere die (relative) Siedlungsnähe des 

festgesetzten Abbaugebiets, den Einfluss auf die Landschaft sowie die Aus-

wirkungen auf die landwirtschaftliche Nutzung. Ersteres erhellt bereits dar-

aus, dass im Richtplantext selbst neu eine zeitliche Beschränkung des Be-

triebs  des  Nordteils  der  Grube  vorgesehen und die  Strassenerschliessung 

via Siedlungsgebiet ausgeschlossen wurde (wobei die Frage, ob diese Be-

dingung durch den Gestaltungsplan missachtet wurde [vgl. näher E. 7], des-

sen Richtplankonformität, nicht aber die Zulässigkeit des Richtplaneintrags 

betrifft).  Dass  den  Auswirkungen  auf  das  Siedlungsgebiet  im  Rahmen  der 

Interessenabwägung Beachtung geschenkt wurde, zeigen weiter die im Er-

läuterungsbericht erfolgenden Hinweise auf die Einhaltung eines Mindestab-

stands zum Siedlungsrand (und dies unabhängig von der materiellen Frage, 

ob sich dieser Abstand als ausreichend erweist), auf die zwecks Linderung 

des Eingriffs in die Wohnqualität vorzusehenden Massnahmen, auf die Frage 

der  Belastung  von  Tagelswangen  mit  Mehrverkehr  (wiederum  unabhängig 

davon,  ob  der  Gestaltungsplan  insoweit  mit  dem  Richtplan  übereinstimmt) 

sowie  generell  auf  die  im  Rahmen  der  nachgelagerten  Umweltverträglich-

keitsprüfung sicherzustellende Einhaltung der umweltrechtlichen - und damit 

insbesondere  auch  der  immissionsschutzrechtlichen  -  Vorgaben.  Was  so-

dann die Auswirkungen auf die Landschaft anbelangt, so finden diese zum 

einen ebenfalls im Erläuterungsbericht Erwähnung, wenn dieser auch inso-
weit auf lindernde Massnahmen verweist und zudem konkret festhält, dass 

jeweils nur eine kleine Fläche als Grube offen sein werde (wobei auch inso-

weit die richtplanerische Interessenabwägung von der nachgelagerten Frage 

zu unterscheiden ist, ob der Gestaltungsplan in unzulässiger Weise eine wei-

tergehende Öffnung des Geländes erlaubt [vgl. dazu E. 16.3]). Zu beachten 

ist sodann, dass hinsichtlich der im Zeitpunkt der richtplanerischen Festset-

zung  bestehenden  Inventarisierung  eines  Teils  des  potentiellen  Abbauge-

biets als Landschaftsschutzobjekt (vgl. E. 1) ohnehin erst auf der nachgela-

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gerten Stufe der Nutzungsplanung - nach Konkretisierung des Abbauvorha-

bens - über die Notwendigkeit einer vorgängigen Beurteilung der Schutzwür-

digkeit  entschieden  und  eine  solche  gegebenenfalls  veranlasst  werden 

konnte. Hinsichtlich der Auswirkungen auf die Landwirtschaft und dabei ins-

besondere  die  Fruchtfolgeflächen  weist  schliesslich  zum  einen  bereits  der 

Richtplantext selbst darauf hin, nach der Rekultivierung seien die Böden in 

ihrer  vor  der  Materialgewinnung  vorhandenen  Qualität  und  Fläche  wieder-

herzustellen (Pt. 5.3.1), was sodann im Erläuterungsbericht sowohl in allge-

meiner Form (S. 125, Einwendung Nr. 457) als auch spezifisch bezogen auf 

das  streitbetroffene  Materialgewinnungsgebiet  (S.  126,  Einwendung  464) 

wiederholt wird. Damit ist erstellt, dass die genannten raumbezogenen Inte-

ressen von den mit der Planungsaufgabe betrauten Behörden in ihre Über-

legungen miteinbezogen wurden, wobei der rekurrentische Vorwurf, wonach 

die  Ausführungen  im  Erläuterungsbericht  inhaltlich  falsch  oder  irreführend 

seien, unzutreffend ist (nachdem die monierte Erwähnung eines Bahnanteils 

von 80 % ausdrücklich auf den Abbau bezogen ist und die aufgrund des Ge-

staltungsplans gegebenenfalls denkbare Verkehrsbelastung von Tagelswan-

gen - das im Übrigen, wie in E. 2.3.1 aufgezeigt, nicht "mindestens von einer 

Verdoppelung des Schwerverkehrs betroffen" ist - wie vorstehend erwähnt 

nicht auf die Beurteilung der richtplanerischen Interessenabwägung zurück-

zuwirken vermag). 

Plausibel  erscheint  weiter,  dass  auch  den  raumbezogenen  umweltrechtli-

chen  Aspekten  im  Rahmen  einer  Ämterkonsultation  Rechnung  getragen 

wurde, wobei der Erläuterungsbericht zur ursprünglichen - aufgehobenen - 

Festsetzung diesen Umstand, wie in E. 4.3.1 ausgeführt, betreffend Grund-

wasser- und Naturschutz explizit erwähnt. Dass im Übrigen insoweit primär 

auf die Umweltverträglichkeitsprüfung im Rahmen des Gestaltungsplanver-

fahrens verwiesen wird, ist nicht zu beanstanden, nachdem das Vorhaben 
erst  in  diesem  Stadium  einen  genügend  hohen  Konkretisierungsgrad  auf-

weist, um entsprechende Abklärungen - wie auch, im Sinne einer Wechsel-

wirkung,  deren  Einfluss  auf  die  Ausgestaltung  der  konkreten  Vorgaben  im 

Rahmen  der  Gestaltungsplanvorschriften  -  zu  ermöglichen.  Dass  insoweit 

demgegenüber  im  Zeitpunkt  der  richtplanerischen  Festsetzung  eigentliche 

Ausschlusskriterien vorgelegen hätten, ist nicht ersichtlich und machen die 

Rekurrierenden zu Recht auch gar nicht geltend. Schliesslich sind - im Sinne 

des in E. 4.2.2 Dargelegten - verschiedene der von den Rekurrierenden ins 

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Seite 34 

 
 
Feld geführten Interessen noch gar nicht auf der Ebene des Richtplans, son-

dern erst im Rahmen der nachgelagerten Nutzungsplanung zu berücksichti-

gen (vgl. E. 5 ff.). In diesem Sinn werden etwa in BGr 1C_687/2020 vom 13. 

Januar 2022, E. 4.4, die Interessen am Schutz des Gebiets zur Erholung der 

Bevölkerung, am Schutz des Waldes sowie bezüglich eines Wildtierkorridors 

ausdrücklich von der Prüfung auf der Stufe der Richtplanung ausgenommen. 

Gleiches  gilt  schliesslich  auch für die  geltend  gemachten  -  von  vornherein 

nicht  raumbezogenen  und  zudem  primär  privaten  -  Interessen  finanzieller 

Art. 

Damit  ergibt  sich,  dass  vorliegend  die  im  kantonalen  Richtplan  enthaltene 

Festsetzung des streitbetroffenen Materialgewinnungsgebiets insgesamt auf 

einer rechtsgenügenden Interessenabwägung beruht und die Wahl des frag-

lichen  Standorts  nachvollziehbar  ist.  Auch  wurde  aufgrund  des  Einbezugs 

der genannten Interessen den in E. 4.2.2 wiedergegebenen Planungsgrund-

sätzen Rechnung getragen. Dabei unterscheidet sich die vorliegend zu be-

urteilende Konstellation insbesondere von derjenigen, welche dem - von den 

Rekurrierenden angeführten - Entscheid des Bundesgerichts 1C_687/2020 

vom 13. Januar 2022 zugrunde lag. Für die in diesem Entscheid vorgenom-

mene Aufhebung  der angefochtenen  richtplanerischen  Festsetzung  erwies 

sich als entscheidend, dass bereits bezüglich der prognostizierten Volumen 

des  abbaubaren  Kieses  erhebliche  Unklarheiten  bestanden  und  dass  die 

Festsetzung zudem in einem nicht plausibel erklärbaren Widerspruch zu den 

Ergebnissen der vorgängigen Standortevaluation stand (a.a.O., E. 4.2, 4.5 

und 4.6). In vergleichbarer Weise erachtete es das Bundesgericht in einem 

Verfahren betreffend einen "plan d'extraction" im Kanton Genf als für die an-

geordnete Aufhebung relevant, dass ein überwiegendes Interesse am Kie-

sabbau im streitbetroffenen Gebiet gerade auch mit Blick auf das Bestehen 

weiterer bedeutender Abbaugebiete nicht dargetan war (BGr 1C_243/2020 
vom 8. September 2021, E. 5.4.2; vgl. ähnlich auch BGE 112 IB 26, E .4.b.bb 

[betreffend eine - zufolge fehlenden Richtplaneintrags vorgenommene - Be-

urteilung nach Art. 24 RPG]). Im Gegensatz hierzu ergibt sich vorliegend - 

wie in E. 4.3.2 dargelegt - das öffentliche Interesse an einem Abbaugebiet 

am fraglichen Standort spezifisch aus der ungleichmässigen Verteilung der 

Abbaugebiete innerhalb des Kantons, ihrer Nichtübereinstimmung mit der je-

weiligen Intensität der Bautätigkeit und den als Folge davon entstehenden 

Verkehrsströmen  bzw.  aus  dem  Bestreben  der  mit  der  Planung  betrauten 

R3.2022.00117 

Seite 35 

 
 
Behörden,  diesen  als  problematisch  erkannten  Gegebenheiten  durch  ent-

sprechende  planerische  Massnahmen  entgegenzuwirken.  In  diesem  Sinn 

geht denn auch das rekurrentische Argument, wonach das streitbetroffene 

Gebiet  lediglich  als  letzter  "Notnagel"  nach  Erschöpfung  aller  anderen  ab-

baubaren Kiesreserven im Kanton in Frage käme, fehl, wird bei dieser Be-

trachtungsweise doch der entscheidende Aspekt der räumlichen Verteilung 

der Abbaugebiete - die insofern bezogen auf die angestrebten ökologischen 

Verbesserungen gerade nicht durch Gebiete in anderen Kantonsteilen sub-

stituierbar sind - ausser Acht gelassen. Als irrelevant erweisen sich schliess-

lich die Hinweise auf frühere Verlautbarungen zur Frage des Kiesabbaus im 

streitbetroffenen Gebiet, sind doch die mit der Planung betrauten Behörden 

ohne  weiteres  berechtigt,  im  Rahmen  der  Umsetzung  der  umschriebenen 

Strategie zu einer abweichenden Einschätzung zu gelangen, ohne dass eine 

wie auch immer geartete Bindungswirkung der früheren Positionsbezüge er-

kennbar wäre. Zusammenfassend erweist sich somit die im Rekursverfahren 

G.-Nr. R3.2022.00117 erhobene Rüge betreffend Festsetzung des streitbe-

troffenen Materialgewinnungsgebiets im kantonalen Richtplan als unbegrün-

det, womit es dem vorliegend Anfechtungsobjekt bildenden kantonalen Ge-

staltungsplan nicht bereits an der erforderlichen richtplanerischen Grundlage 

fehlt. 

5.1.1 

Wie bereits in E. 4.1.1 erwähnt, monieren die Rekurrierenden im Verfahren 

G.-Nr. R3.2022.00117 auch eine unvollständige und fehlerhafte Bedarfsab-

klärung und Interessenabwägung auf Stufe des Gestaltungsplans. Der Richt-

plan stehe unter dem Vorbehalt nachfolgender Interessenabwägungen, wo-

bei es am Ende auch zum Unterliegen der im Richtplan ausgedrückten Di-

rektiven kommen könne. Die bereits im Zusammenhang mit der den Richt-
planeintrag  betreffenden  Rüge  angeführten  Interessen  hätten  jedenfalls  in 

einer  umfassenden  Interessenabwägung  auf  Stufe  der  Nutzungsplanung 

bzw. des kantonalen Gestaltungsplans einfliessen müssen, was jedoch nicht 

der Fall sei. Der Standort sei infolge des Richtplaneintrags als gegeben er-

achtet worden. Zwar werde bei den einzelnen Themen versucht, über Mas-

snahmen  die  negativen  Auswirkungen  abzumildern,  eine  Gesamtbetrach-

tung, ob der Standort insgesamt überhaupt vertretbar sei, finde jedoch nir-

gends statt. Erwägungen zu den Interessen und massiven finanziellen Schä-

R3.2022.00117 

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den bei privaten Dritten und deren Folgen auch für die Gemeinde seien nir-

gends enthalten. Unter Verweis auf § 44a PBG machen die Rekurrierenden 

sodann geltend, eine Evaluation der verschiedenen Standorte mit einer Pri-

orisierung  unter  Berücksichtigung  aller  Faktoren,  insbesondere  auch  der 

zeitlichen, habe nie stattgefunden. Mit Blick auf die in der Folge im Einzelnen 

namhaft  gemachten  mangelhaften  Punkte  wird  schliesslich  festgehalten, 

eine Aufhebung des kantonalen Gestaltungsplans sei unabhängig davon, ob 

einige  oder  alle  der  entsprechenden  Mängel  noch  dazukämen  oder  nicht, 

schon allein aufgrund der Nähe des Siedlungsgebiets und der massiven fi-

nanziellen und persönlichen Konsequenzen für Anwohner und Gewerbe ge-

boten. 

Die Rekurrierenden im Verfahren G.-Nr. R4.2022.00118 machen geltend, für 

langfristige Massnahmen mit derart schwerwiegenden Eingriffen in die Land-

wirtschaftszone  und  in  die  Landschaft  seien  deren  Ortsgebundenheit  und 

Notwendigkeit erforderlich. Gemäss § 44a PBG sei zudem ein örtlicher und 

zeitlicher Bedarf erforderlich. Dieser werde vorliegend nicht nachgewiesen, 

zumal er sich insbesondere nicht aus dem generellen Hinweis auf den Kies-

bedarf  und  die  Möglichkeit,  mit  über  den  Kanton  verteilten  Abbaugebieten 

solche im Norden des Kantons zu entlasten, ergebe. Der Eintrag im Richt-

plan stelle ohne diese Nachweise keinen Freibrief für die konkrete Umset-

zung im Gestaltungsplan dar. Nach dem Grundsatz der Selbstbindung habe 

sich auch der Kanton an die eigenen Gesetzesvorhaben zu halten. Gemäss 

Art. 24a RPG dürften Bewilligungen für die Änderung von bestehenden Nut-

zungen  ausserhalb  der  Bauzonen  nur  erteilt  werden,  wenn  dadurch  keine 

neuen Auswirkungen auf Raum, Erschliessung und Umwelt entstehen wür-

den, was aber gemäss dem vorliegenden Gestaltungsplan unweigerlich der 

Fall sei. In der Replik wird ergänzend dargelegt, die angestrebte Verminde-

rung der Transporte im Kanton würde nicht greifen, da das Abbaumaterial 
zuerst  in  die  Region  Zürcher  Oberland  transportiert,  dort  verarbeitet  und 

dann per Lastwagen auf der Strasse verteilt würde, womit im Vergleich mit 

Kies aus dem Unterland ein praktisch gleicher oder gar weiterer Weg zurück-

gelegt werde. 

5.1.2 

Im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00117 entgegnet die Baudirektion, die Kiesbe-

schaffung und die Ablagerung von Aushub sollten möglichst innerhalb des 

Kantons stattfinden, wobei die geeigneten Standorte beschränkt seien. Der 

R3.2022.00117 

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gesamte Planungsprozess sei von einer jeweils stufengerechten Güter- und 

Interessenabwägung begleitet gewesen. Der kantonale Gestaltungsplan sei 

das Ergebnis einer umfassenden Interessenabwägung, was in den Planun-

terlagen entsprechend dokumentiert sei. Die Umweltverträglichkeitsprüfung 

habe  ergeben,  dass  die  gesetzlichen  Vorgaben  eingehalten  würden  bzw. 

seien in Nachachtung des Vorsorgeprinzips weitgehende Vorgaben gemacht 

worden. Den Interessen der Anwohnenden an einem möglichst emissions-

armen Betrieb sei insgesamt ein sehr hoher Stellenwert beigemessen wor-

den. Auch sei mit der Rekurrentin 1 ein freiwilliger Dialog-Prozess durchge-

führt  worden.  Bei  den  vorgebrachten  wirtschaftlichen  Schäden  handle  es 

sich um theoretische Schätzungen. Die behaupteten Emissionen und die be-

hauptete Entwertung der Liegenschaften würden bestritten. Die Mitbeteiligte 

argumentiert entsprechend. 

Auch im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00118 macht die Baudirektion - nach ein-

leitenden Ausführungen im Sinne des in E. 4.1.2 Ausgeführten - geltend, der 

Gestaltungsplan sei Ergebnis einer umfassenden Interessenabwägung. Sie 

weist zudem darauf hin, da die mit der Sondernutzungsplanung ermöglichten 

Nutzungen im nachgelagerten Baubewilligungsverfahren als zonenkonform 

bewilligt werden könnten, gelangten Art. 24 ff. RPG nicht zur Anwendung. In 

der  Duplik  wird  ergänzend  festgehalten,  auch  wenn  die  Kiesverarbeitung 

nicht vor Ort erfolge, entkräfte bereits ein Blick auf die Karte die Behauptung, 

dass  dabei  distanzmässig  kaum  eine  Differenz  zu  den  Abbaugebieten  im 

nördlichen  Kantonsteil  bestehe.  Auch  seien  beim  Zyklus  des  Kiesabbaus 

auch die Verfüllung mit unverschmutztem Aushub und die diesbezüglichen 

Transportwege  massgebend.  Die  Mitbeteiligte  führt  aus,  bereits  aufgrund 

des  Richtplaneintrags  habe  die Vorinstanz  von  einem  gewichtigen  öffentli-

chen  Interesse  am  Erlass  des  Gestaltungsplans  ausgehen  dürfen.  Zudem 

sei der Standort als Kiesabbaugebiet prädestiniert, da die geologischen Vo-
raussetzungen  ideal  und  die  verkehrstechnischen  Rahmenbedingungen 

günstig seien, was eine effektive dezentralisierte Abdeckung der regionalen 

Kiesversorgung ermögliche. Im Rahmen der Duplik wird ergänzend darauf 

hingewiesen, das Abbaumaterial werde im Zürcher Oberland in verschiede-

nen Werken, z.B. in Bäretswil und Gossau, aufbereitet, sodann ebenfalls im 

Zürcher Oberland veredelt und schliesslich hauptsächlich auf Baustellen im 

Zürcher Oberland geliefert, so dass von beträchtlichen Einsparungen, insbe-

sondere von LKW-Transportwegen für die regionale Kiesversorgung Zürcher 

Oberland, ausgegangen werden könne. 

R3.2022.00117 

Seite 38 

 
 
5.2 

Die im Richtplan festgehaltenen räumlichen Belange sind unverändert in die 

auf  der  nachgelagerten  Stufe  der  Nutzungsplanung  -  und  dabei  auch  bei 

Festsetzung  eines  Gestaltungsplans  -  erforderliche  Interessenabwägung 

einzugeben und bilden insofern deren verbindlichen Ausgangspunkt. Dabei 

sind die Aussagen des Richtplans jedoch zu bewerten und gegen die vom 

Richtplan nicht abgedeckten (öffentlichen und privaten) Interessen abzuwä-

gen, wobei es auch zum Unterliegen der im Richtplan ausgedrückten Direk-

tiven kommen kann (Tschannen, a.a.O., Art. 9 Rz. 28). Selbst wo der Richt-

plan  genaue  Standortaussagen trifft, erlauben  erst die nachfolgenden Pla-

nungs- und Bewilligungsverfahren die Frage zu beantworten, ob ein Projekt 

am Ende so, wie es vom Richtplan intendiert war, effektiv verwirklicht werden 

kann (Tschannen, a.a.O., Art. 9 Rz. 31; mit weiteren Hinweisen). Dabei ent-

spricht die vorzunehmende Interessenabwägung methodisch dem in E. 4.2.2 

Dargelegten, wobei aber - entsprechend dem ebenfalls bereits Ausgeführten 

- nun eine umfassende Abwägung aller rechtserheblichen Interessen unter 

Einbezug auch der nicht raumbezogenen öffentlichen sowie der privaten In-

teressen vorzunehmen ist. Dass dabei allerdings nicht leichthin von den richt-

planerischen  Festlegungen  abgewichen  werden  kann,  kommt  darin  zum 

Ausdruck, dass der Schluss auf Fehlbeurteilungen im Sinne einer unzutref-

fenden  Beurteilung  der  relativen  Bedeutung  der  Interessen  insbesondere 

dort als naheliegend erachtet wird, wo eine nachgelagerte Entscheidung im 

Widerspruch zum Richtplan steht (vgl. Tschannen, a.a.O., Art 3 Rz. 46). 

Spezifisch die Gestaltungspläne für Materialgewinnung und Materialablage-

rung betreffend hält § 44a PBG fest, entsprechende kantonale und regionale 

Gestaltungspläne würden nach örtlichem und zeitlichem Bedarf für jene Flä-

chen festgesetzt, die nach der Richtplanung für diese Zwecke vorgesehen 

sind (Abs. 1). Dabei werden mit dem Gestaltungsplan im Rahmen eines Ge-
samtkonzepts über das im Richtplan bezeichnete Gebiet für einen bestimmt 

umgrenzten Bereich die beanspruchte Landfläche, die Abbautiefe oder Auf-

füllhöhe sowie der Abbau- oder Deponievorgang samt allfälliger Etappierung 

festgelegt (Abs. 2). Der Gestaltungsplan hat auch Festlegungen über die vor-

gesehenen Bauten und Anlagen, die Wiederherstellung oder Neugestaltung 

der erfassten Flächen, den für eine spätere einwandfreie Nutzung vorzuse-

henden Bodenaufbau, die Erschliessung und die Transportwege sowie die 

weiteren für die Beurteilung der Umweltverträglichkeit erforderlichen Anga-

ben zu enthalten (Abs. 3). 

R3.2022.00117 

Seite 39 

 
 
5.3 

Soweit die Rekurrierenden in allgemeiner Weise das Fehlen einer umfassen-

den Interessenabwägung bzw. einer Gesamtbetrachtung auf Stufe des Ge-

staltungsplans beanstanden, kann ihnen nicht gefolgt werden. So ergibt sich 

aus dem Planungsbericht nach Art. 47 RPV vom 26. Oktober 2021 (act. 18.7) 

in Verbindung mit dem Umweltverträglichkeitsbericht vom 26. Juni 2017 (act. 

18.8; vgl. auch den Ergänzungsbericht vom 16. Februar 2018, act. 18.10), 

auf welchen erster ausdrücklich verweist (vgl. 18.7 S. 13 ff.), dass eine um-

fassende  Überprüfung  auch  der  nicht  unmittelbar  raumbezogenen  öffentli-

chen  Interessen  stattgefunden  hat.  Dass  dabei  konkrete,  die  Nutzung  des 

Abbaugebiets beschränkende Vorgaben jeweils in bestimmten thematischen 

Bereichen statuiert wurden, bedeutet nicht, dass die gesamthaft ermittelten 

Auswirkungen  des  Abbauvorhabens  für  die  Beurteilung  des  Gestaltungs-

plans nicht auch in dem Sinne relevant gewesen wären, dass dessen Fest-

setzung  gerade  mit  Blick  auf  die  Gesamtheit  dieser  Auswirkungen  und  ihr 

jeweiliges Ausmass als rechtmässig, zweckmässig und angemessen beur-

teilt wurde. Die seitens der Rekurrierenden als unzureichend kritisierten Aus-

führungen  in  Erwägung  D  der  angefochtenen  Festsetzungsverfügung,  wo-

nach  die  im  Planungsperimeter  relevanten  schutzwürdigen  Interessen  im 

Rahmen der Sachverhaltsermittlung während des Planungsprozesses sorg-

fältig  erfasst  und  im  vorliegenden  Planungswerk  nach  Abwägungen  best-

möglich berücksichtigt wurden, ist - entsprechend dem im Anschluss daran 

erfolgenden Verweis auf den Planungsbericht (act. 18.7) und den Bericht zu 

den Einwendungen (act. 18.11) - im Kontext dieser Dokumente (und damit 

auch der Umweltverträglichkeitsprüfung) zu lesen. Dabei werden namentlich 

mit  den  eigentlichen  immissionsschutzrechtlichen  Beurteilungen  auch  die 

massgeblichen  privaten  Interessen  einbezogen,  betreffen  diese  doch  zur 

Hauptsache die Verhinderung entsprechender Einwirkungen, wobei die Ge-

wichtung der jeweiligen Interessen unmittelbar vom Ausmass der fraglichen 
Immissionen abhängt. Dass demgegenüber die Frage der finanziellen Aus-

wirkungen auf die Eigentümer von Grundstücken im Umfeld des geplanten 

Abbaugebiets im Planungsbericht nicht eigens thematisiert wird, erweist sich 

unter diesen Umständen als unproblematisch, umso mehr als im Bericht zu 

den Einwendungen selbst zu diesem, eine potentielle Reflexwirkung allfälli-

ger Immissionen darstellenden Aspekt Ausführungen enthalten sind (vgl. act. 

18.11, insb. Einwendungen Nr. 60, 69, 70, 71, 73, 74 und 75), was die Mit-

berücksichtigung auch dieser Thematik belegt. 

R3.2022.00117 

Seite 40 

 
 
Was  sodann  die  inhaltliche  Seite  der  Interessenabwägung  anbelangt,  so 

kann eine abschliessende Beurteilung erst vorgenommen werden, nachdem 

auch die rekurrentischen Vorbringen zu einzelnen Themenbereichen geprüft 

worden sind (vgl. nachfolgend E. 15). Bereits an dieser Stelle lässt sich je-

doch festhalten, dass die im Verfahren R3.2022.00117 vertretene Ansicht, 

wonach  der  Gestaltungsplan  bereits  aufgrund  der  Siedlungsnähe  und  der 

behaupteten finanziellen und  persönlichen Einbussen  von  Anwohnern und 

Gewerbe  aufzuheben  sei,  zurückzuweisen  ist.  Im  Gegensatz  zu  den  -  im 

Rahmen der  Ausführungen  zur  Legitimation -  relativ  detailliert  dargelegten 

erwarteten finanziellen Belastungen der Rekurrentinnen 2 und 3 werden die 

Befürchtungen betreffend temporäre Wertverluste der angrenzenden Grund-

stücke nicht näher substantiiert. Auch wenn anzuerkennen ist, dass allfällige 

ideelle Immissionen - insbesondere in Zusammenhang mit der Sichtbarkeit 

des Abbaugebiets - entsprechende Effekte haben könnten, hängt jedenfalls 

deren Ausmass auch von den weiteren - nachstehend zu thematisierenden 

- Immissionen des Vorhabens ab. Selbst wenn sodann von gewissen Wert-

verlusten ausgegangen würde, hätte dies - wie auch die behaupteten finan-

ziellen Auswirkungen für zwei juristische Personen - jedenfalls bei isolierter 

Betrachtung nicht zur Folge, dass damit das sehr erhebliche öffentliche Inte-

resse  am  streitbetroffenen  Abbaugebiet  (vgl.  dazu  E.  4.3.2)  in  den  Hinter-

grund treten würde und in Abweichung vom Richtplaneintrag auf einen Ab-

bau zu verzichten wäre (womit sich auch die in der Replik offerierte Einho-

lung eines Gutachtens zu den Liegenschaftswerten erübrigt). 

Ebenfalls unbehelflich ist die von den Rekurrierenden beider Verfahren vor-

getragene Infragestellung des in § 44a Abs. 1 PBG erwähnten zeitlichen Be-

darfs. Ausgehend von den in E. 4.3.2 ausgewiesenen regionalen Diskrepan-

zen  zwischen  Kiesabbau  und  Kiesbedarf  und  zwischen  Aushubanfall  und 

Aushubeinbau ist im Gegenteil zu konstatieren, dass ein unmittelbarer zeitli-
cher  Bedarf  für  die  Realisierung  von  Abbaugebieten  in  den  zentralen  und 

südlichen  Regionen  des  Kantons  besteht,  da  insoweit  insbesondere  das 

Ausmass abbaubarer Vorkommen im nördlichen Kantonsteil nicht in Betracht 

fällt. Was sodann spezifisch den im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00118 thema-

tisierten Umstand der Verarbeitung des Kieses im Zürcher Oberland anbe-

langt, so ist hierzu zweierlei anzumerken: Zunächst ergibt sich auch bei Zu-

grundelegung der seitens der Mitbeteiligten beabsichtigten Verwendung des 

Kieses bereits hinsichtlich der Gesteinskörnung eine Verkürzung der Trans-

R3.2022.00117 

Seite 41 

 
 
portwege, insofern die primäre Alternative eine Versorgung der entsprechen-

den,  im  Zürcher  Oberland  gelegenen  Aufbereitungsanlagen  mit  Kies  aus 

dem Unterland wäre. Dass sodann die Verwendung des Kieses im Zürcher 

Oberland die im Zusammenhang mit dem Richtplaneintrag dargelegte Aus-

richtung auf eine regionale Versorgung der zentralen Kantonsgebiete in ge-

wissem Ausmass unterläuft (was allerdings den Richtplaneintrag von vorn-

herein nicht in Frage stellen kann), lässt den Gestaltungsplan ebenfalls nicht 

als unzweckmässig erscheinen. Dies deshalb, weil dem Ziel der Verkürzung 

der  Transportwege  hinsichtlich  der  Auffüllung  wesentlich  grössere  Bedeu-

tung als hinsichtlich der Materialversorgung zukommt, nachdem für letztere 

schon bis anhin - und so auch vorliegend - im Rahmen der Gestaltungspläne 

Bahnanteile festgelegt werden konnten, während für die Auffüllung ein ent-

sprechendes Instrumentarium bisher fehlte (vgl. zu den neusten Entwicklun-

gen E. 7.2.1), so dass die Lage der streitbetroffenen Kiesgrube unter diesem 

- primären - Aspekt nach wie vor unmittelbar den in E. 4.3.2 hervorgehobe-

nen Regionen und damit insgesamt einer ökologischeren Ausgestaltung des 

Materialkreislaufs zugutekommt. Entsprechend sind vorliegend sowohl das 

Erfordernis des örtlichen als auch des zeitlichen Bedarfs gemäss § 44a PBG 

erfüllt. 

Nicht weiter einzugehen ist auf die von den Rekurrierenden im Verfahren G.-

Nr. R3.2022.00118 ansatzweise angerufenen Voraussetzungen einer raum-

planungsrechtlichen Ausnahmebewilligung im Sinne von Art. 24 ff. RPG, da 

eine solche bei Vorliegen eines Gestaltungsplans nicht erforderlich ist und 

die  entsprechenden  Voraussetzungen  nicht  weiter  beachtlich  sind  (wobei 

sich überdies aufgrund des Richtplaneintrags auch die Frage einer Durch-

stossung des Landwirtschaftsgebiets durch den Gestaltungsplan - im Sinne 

von  Pt.  2.2.2  des  kantonalen  Richtplans  -  nicht  stellt,  vgl.  VB.2016.00605 

vom  15.  Juni  2017,  E.  6.5.3,  sowie  Fritzsche/Bösch/Wipf/  Kunz,  a.a.O., 
S. 188). 

6.1.1 

Wie bereits in E. 1 dargelegt, tangiert der Gestaltungsplanperimeter teilweise 

das  Objekt  "glazial  geprägte  Form  Vorwalden"  des  im  Inventar  der  Natur- 

und Landschaftsschutzobjekte von überkommunaler Bedeutung vom 4. Ja-

nuar 1980 ("Inventar 80") verzeichneten Objekts "Drumlinlandschaft Nürens-

dorf-Lindau-Illnau". In der angefochtenen Festsetzungsverfügung wird hierzu 

R3.2022.00117 

Seite 42 

 
 
ausgeführt,  das  betroffene  Teilobjekt  beinhalte  keine  charakteristischen 

Landschaftselemente,  sei  deshalb  landschaftlich  nicht  prägnant  und  nicht 

von regionaler oder kantonaler Bedeutung. Im Rahmen der Umweltverträg-

lichkeitsprüfung und der Umsetzung im Gestaltungsplan sei festgestellt wor-

den, dass die Schutzziele des Inventarobjekts durch geeignete und im Ge-

staltungsplan verbindlich festgelegte Massnahmen gewahrt werden könnten. 

Das Ziel der Erhaltung des glazial geprägten Landschaftsbildes könne durch 

die in Art. 29 GPV vorgesehene Wiederherstellung des ursprünglichen Reli-

efs nach dem Kiesabbau erreicht werden. Demnach sei für das Inventarob-

jekt keine formelle Unterschutzstellung durch eine Anordnung gemäss § 205 

PBG notwendig. Hingewiesen wird weiter auf den - ebenfalls bereits in E. 1 

erwähnten  -  Umstand,  dass  das  fragliche  Objekt  (aufgrund  umfassender 

Neubeurteilung, wonach es weder von überkommunaler Bedeutung noch in 

seiner Form und Ausgestaltung besonders wertvoll oder einzigartig im Kan-

ton Zürich sei) nicht ins neue kantonale Inventar der Landschaftsschutzob-

jekte (KILO), welches das Inventar 80 bezüglich des Teils Landschaftsschutz 

abgelöst hat, übernommen wurde. Da diese Nichtaufnahme aufgrund eines 

Rechtsmittelverfahrens noch nicht in Rechtskraft erwachsen sei, sei bezüg-

lich des fraglichen Objekts jedoch nach wie vor das Inventar 80 massgebend. 

6.1.2 

Die Rekurrierenden im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00117 halten diesbezüg-

lich fest, es würden Teile des Landschaftsschutzobjekts von überkommuna-

ler Bedeutung für die Dauer von mindestens 10 Jahren zerstört. Es handle 

sich um eine beeinträchtigende Geländeveränderung, die massiv gegen das 

Schutzziel der ungeschmälerten Erhaltung verstosse. Auch wenn die Land-

schaftsform anschliessend wiederhergestellt werde, gehe es bei einem geo-

logisch/geomorphologischen Schutzobjekt wie einer Drumlinlandschaft nicht 

nur um die Oberfläche. Es werde eine künstliche Disneyland-Landschaft ge-
schaffen. Dies sei vorliegend nicht berücksichtigt worden. 

Auch die Rekurrierenden im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00118 machen gel-

tend, der Schutzzweck kollidiere mit einer auf Jahrzehnte hinaus vorgesehe-

nen Kiesausbeutung. Indem der Kanton mit einem Gestaltungsplan festlege, 

dass das Abbaugebiet die Schutzziele nicht beeinträchtige, umgehe er das 

ordentliche  Verfahren  für  eine  notwendige  Schutzverordnung,  in  welchem 

erst der Schutzumfang definitiv bestimmt werden könne. 

R3.2022.00117 

Seite 43 

 
 
6.1.3 

Vernehmlassungsweise  stellt  sich  die  Baudirektion  auf  den  Standpunkt, 

Schutzinteressen  seien  einer  raumplanungsrechtlichen  Interessenabwä-

gung zugänglich. Das Landschaftsschutzinventar nehme diese Interessen-

abwägung nicht vorweg. Dem Landschaftsschutz könne mit dem angefoch-

tenen Gestaltungsplan genügend Rechnung getragen werden. Der tempo-

räre  Eingriff  und  die  Wiederauffüllung  mit  nicht  mehr  identischem  Material 

seien das Ergebnis der erfolgten Interessenabwägung. Die geologische Be-

schaffenheit bzw. der konkrete Bodenaufbau des geomorphologischen Ob-

jekts  stelle  kein Schutzziel  dar.  Massgebend  seien das  landschaftliche Er-

scheinungsbild und die prägende Topographie sowie das Relief des Objekts. 

Eine Schutzabklärung erfolge bei (potentiellen) Landschaftsschutzobjekten 

nur dann, wenn sich bei einem konkreten Vorhaben abzeichne, dass die im 

Objektblatt beschriebenen Schutzziele durch das Vorhaben nicht eingehal-

ten werden könnten, was vorliegend nicht der Fall sei. Der innerhalb der Bau-

direktion zuständigen Fachstelle Landschaft sei gestützt auf das vorhandene 

Sachverständigenwissen  eine  umfassende  Beurteilung  einer  Beeinträchti-

gung des im Inventar 80 als Schutzvermutung verzeichneten Objekts mög-

lich gewesen. 

Die Mitbeteiligte argumentiert entsprechend. 

6.2.1 

Entgegen den Ausführungen der Rekursgegnerschaft würde sich das Vorge-

hen der Baudirektion unter Zugrundelegung der Verzeichnung des fraglichen 

Objekts im Inventar 80 als unzulässig erweisen. Gemäss dem entsprechen-

den Inventarblatt (vgl. act. 18.8, Anhang 16-3) ist Schutzziel die "ungeschmä-

lerte  Erhaltung  des  glazial  geprägten  und  bislang  unversehrt  gebliebenen 

Landschaftsbildes", während als Massnahme "keine beeinträchtigenden Ge-
ländeveränderungen" vermerkt ist. Damit stellt sich zum einen die Frage, ob 

die vorgesehene teilweise Zerstörung des Objekts infolge des Kiesabbaus 

im Gebiet Chäsen sowie die gemäss Art. 29 GPV vorzunehmende Wieder-

herstellung  des  Terrains  gemäss  der  heute  vorhandenen  Topographie  mit 

einer Genauigkeit von 20 cm unter Verzicht auf eine Überhöhung in der Tat 

zur Folge haben, dass letztlich gar keine Beeinträchtigung des Objekts vor-

liegt (wofür die Umschreibung des Schutzziels unter Verweis auf das Land-

schaftsbild sprechen könnte) oder ob (ausgehend von der genannten Mass-

nahme,  wonach  beeinträchtigende  Geländeveränderungen  zu  unterlassen 

R3.2022.00117 

Seite 44 

 
 
sind) doch auch dem geologischen Aspekt und damit der Erhaltung des ur-

sprünglichen Materials Bedeutung zukommt. Selbst wenn aber von ersterem 

ausgegangen  würde, wäre  zum  andern  zu  klären,  welche  Bedeutung  dem 

Umstand zukommt, dass das fragliche Objekt jedenfalls auch hinsichtlich sei-

ner Erscheinungsweise für die Dauer des Kiesabbaus im fraglichen Gebiet 

zerstört wird. Beide Fragen können nur aufgrund einer Schutzabklärung und 

eines entsprechenden Entscheids, mit dem entweder der Schutzumfang des 

Objekts umschrieben oder seine Inventarentlassung angeordnet wird, beant-

wortet werden, wobei gestützt auf § 3 Abs. 1 lit. d der Verordnung über die 

Sachverständigenkommissionen  gemäss  §  216  PBG  (VSVK)  vorgängig 

überdies eine Stellungnahme der kantonalen Natur- und Heimatschutzkom-

mission (NHK) einzuholen ist. Insbesondere ist ein entsprechender Schutz-

entscheid auch Voraussetzung der erst gestützt darauf überhaupt möglichen 

Interessenabwägung  im  Rahmen  der  raumplanungsrechtlichen  Festlegun-

gen (vgl. zum Ganzen BRGE III Nr. 0168/2017 vom 7. Dezember 2017, E. 4, 

insb.  E.  4.4;  www.baurekursgericht-zh.ch).  Zwar  könnte  argumentiert  wer-

den,  dass  mit  dem  Entscheid,  das  fragliche  Objekt  nicht  ins  neue  Land-

schaftsschutzinventar (KILO) zu übernehmen, eine entsprechende Beurtei-

lung - im Sinne einer zumindest materiellen Inventarentlassung - erfolgt ist. 

Solange aber ein solcher Entscheid nicht in Rechtskraft erwachsen ist, kann 

darauf - worauf die angefochtene Verfügung zutreffend hinweist - nicht ab-

gestellt  werden.  Entsprechend  wäre  die  angefochtene  Festsetzungsverfü-

gung bei Massgeblichkeit des Inventars 80 zufolge fehlender Schutzabklä-

rung bzw. fehlenden - rechtskräftigen - Entscheids betreffend Unterschutz-

stellung  oder Inventarentlassung aufzuheben. 

6.2.2 

Indessen  hat  das  Baurekursgericht  mit  Entscheid  BRGE  III  Nr.  0133/2022 

vom 17. August 2022 (www.baurekursgericht-zh.ch) über den in der Festset-
zungsverfügung erwähnten Rekurs gegen die Nichtaufnahme des fraglichen 

Objekts im Rahmen der Neufestsetzung des kantonalen Inventars der Land-

schaftsschutzobjekte  entschieden  und  den  entsprechenden  Rekurs  abge-

wiesen, wobei dieser Entscheid in Rechtskraft erwachsen ist. Damit hat sich 

während  laufendem  Rechtsmittelverfahren  die  Rechtslage  insofern  verän-

dert, als es sich mittlerweile beim fraglichen Objekt nicht mehr um ein Inven-

tarobjekt handelt, womit die vorgenannten, aus diesem Status abgeleiteten 

Rechtsfolgen entfallen. Dass in dieser Konstellation auf die im Zeitpunkt des 

vorliegenden Rekursentscheids bestehende Rechtslage abzustellen ist (vgl. 

R3.2022.00117 

Seite 45 

 
 
zu den allgemeinen Voraussetzungen Marco Donatsch, in: Kommentar VRG, 

§ 20a Rz. 23 ff.), ergibt sich zum einen daraus, dass es sich bei der Frage 

des Status des entsprechenden Objekts (inventarisiert oder nicht) um einen 

Dauersachverhalt handelt; zum andern und vor allem ist zu berücksichtigen, 

dass eine Aufhebung der angefochtenen Festsetzungsverfügung aus dem in 

E. 6.2.1 genannten Grund sich als prozeduraler Leerlauf erweisen würde, da 

sich bei der dannzumal vorzunehmenden Neufestsetzung des Gestaltungs-

plans die Frage der Beeinträchtigung eines Inventarobjekts aufgrund der ge-

änderten Rechtslage gar nicht mehr stellen würde und die geforderte Schutz-

abklärung bzw. der entsprechende Entscheid obsolet wären. Zu beachten ist 

schliesslich, dass den Parteien wie dargelegt der Umstand, dass das fragli-

che  Objekt  nicht  ins  KILO  aufgenommen  und  gegen  diese  Nichtaufnahme 

ein Rechtsmittelverfahren angestrengt worden war, bekannt war, so dass sie 

Veranlassung hatten, sich zu den Folgen einer allfälligen rechtskräftigen Er-

ledigung  der  entsprechenden  Streitsache  zu  äussern  und  die  vorliegende 

Begründung demnach kein für sie nicht vorhersehbares und insofern über-

raschendes Element enthält. 

Damit ergibt sich zusammenfassend, dass aufgrund des Wegfalls der Inven-

tarisierung des früheren Inventarobjekts "glazial geprägte Form Vorwalden" 

eine Berücksichtigung des entsprechenden Umstands im Rahmen der Fest-

setzung  des  Gestaltungsplans  nicht mehr  erforderlich  bzw.  gar  nicht  mehr 

möglich ist, so dass die entsprechende Rüge ins Leere zielt. Insbesondere 

entfällt selbstredend auch eine entsprechende Berücksichtigung im Rahmen 

der Interessenabwägung, wobei insoweit zwar - unabhängig von der entfal-

lenen Inventarisierung - die Beeinträchtigung der Landschaft durchaus von 

Bedeutung ist, dem entsprechenden Interesse aber lediglich eine relativ ge-

ringe Bedeutung zukommt, nachdem einerseits die betroffene Landschaft - 

nach Wegfall der Inventarisierung - nicht mehr als besonders wertvoll bzw. 
verletzlich betrachtet werden kann, während andererseits die mit der Materi-

algewinnung zwangsläufig einhergehende Beeinträchtigung lediglich tempo-

rär und im Rahmen der Rekultivierung generell eine Orientierung an der der-

zeitigen Topographie vorgesehen ist (vgl. Art. 33 Abs. 1 GPV, wonach das 

wiederherzustellende Terrain ein kuppiges Relief zu bilden hat und analog 

der Topographie des Ursprungszustandes zu gestalten ist; vgl. auch Art. 29 

GPV, welcher ungeachtet des vorstehend Dargelegten weiterhin gilt und ent-

sprechend im Bereich des früheren Inventarobjekts eine Überhöhung aus-

schliesst). 

R3.2022.00117 

Seite 46 

 
 
7.1.1 

Die  Rekurrierenden  im  Verfahren  G.-Nr.  R3.2022.00117  machen  geltend, 

der Gestaltungsplan verstosse klar gegen die richtplanerische Vorgabe, wo-

nach die Erschliessung  durch  Siedlungsgebiet  auszuschliessen  sei,  zumal 

völlig  offen  sei,  welcher  Anteil  des  zusätzlichen  Schwerverkehrs  in  der 

Etappe  Chäsen  durch  Tagelswangen  fahren  werde.  Im  schlimmsten  Fall 

würden 408 LKW-Fahrten pro Tag durch das Zentrum rollen und u.a. Schul-

wege zerschneiden. Die Zahl von 20 % sei nur im UVB erwähnt, jedoch we-

der im Bericht Erschliessung noch anderswo genannt. Im Bericht zu den Ein-

wendungen werde betont, dass der Gestaltungsplan keine Priorisierung ei-

ner Fahrtrichtung ab Seuchenrank vorschreiben könne, womit die Baudirek-

tion indessen verkenne, dass dies im Rahmen der Nutzungsplanung (im Ge-

gensatz zu einer Polizeibewilligung) möglich sei. Art. 10 GPV sehe zwar eine 

Fahrtenkontrolle  vor,  wobei  aber  nur  die  Gesamtzahl  von  86'000  LKW-

Fahrten pro Jahr via Seuchenrank, nicht aber die Aufteilung Richtung Wes-

ten  (bzw.  im  Rank:  Süden)  und  Osten  (bzw.  im  Rank:  Norden)  betrachtet 

werde. Auch bezüglich des Monitorings gemäss Art. 32 GPV nütze es nichts 

zu wissen, wie viele LKW durch Tagelswangen fahren würden, wenn keine 

Vorgaben dazu beständen. 

7.1.2 

Die Baudirektion weist in ihrer Vernehmlassung darauf hin, im Rahmen der 

Umweltverträglichkeitsberichterstattung müssten Prognosen zum Verkehrs-

aufkommen und zur Verkehrsverteilung getroffen werden, die immer mit Un-

sicherheiten behaftet seien. Dabei seien die Annahmen plausibel und sach-

gerecht, zumal möglichst kurze Fahrten nicht einzig aus ökologischer, son-

dern  auch  aus  einer  ökonomischen  Motivation  angestrebt  würden  und  die 

Ballungszentren  so  gelegen  seien,  dass  sie  über  die  Neue  Win-

terthurerstrasse in Richtung Brüttisellerkreuz sowie die Zufahrt über das In-
dustriegebiet der Stadt Illnau-Effretikon bedient würden. Die Notwendigkeit 

für eine differenziertere Betrachtung sei durch die kantonalen Fachstellen als 

nicht gegeben erachtet worden, da Richtung Tagelswangen die Anforderun-

gen der Lärmschutzverordnung deutlich eingehalten würden, was selbst bei 

einer  Verdoppelung  der  induzierten  Fahrtenzahl  durch  Tagelswangen  der 

Fall wäre. Aus dem kantonalen Richtplan ergebe sich keine Vorgabe, dass 

die  Zürcherstrasse  nicht  befahren  werden  dürfe,  was  auch  keinen  Sinn 

ergäbe, da es sich um eine Hauptverkehrsstrasse und somit eine Anlage der 

Grundversorgung handle, die nordseitig direkt zu einem Autobahnzubringer 

R3.2022.00117 

Seite 47 

 
 
führe. Die Schulkinder südlich der Zürcherstrasse müssten bereits heute die 

Hauptverkehrsstrasse  überqueren,  wobei  gesicherte  Fussgängerstreifen 

und Sicherheitsinseln bestünden. Es sei nicht mit veränderten Auswirkungen 

auf die Verkehrssicherheit zu rechnen. 

Die Mitbeteiligte argumentiert, die Erschliessung über das Siedlungsgebiet 

werde  bereits  mit  den  Vorgaben  im  Gestaltungsplan  verbindlich  minimiert. 

Weitere Vorgaben zu Fahrtrichtungen und Höchstzahlen seien nicht möglich 

bzw. unverhältnismässig. Da die Fahrten für die Wiederauffüllungsphase von 

der geographischen Lage der offenen Baustellen abhängig seien, wäre eine 

Fixierung der Zu- und Wegfahrten sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch 

unsinnig. 

Die Rekurrierenden entgegnen im Rahmen der Replik, es könne durchaus 

angebracht sein, zum Schutz der Anwohnenden "ökologisch unsinnige" Um-

wege  zu  fahren.  Ökologische  Interessen  gingen  den  Interessen  der  Ver-

kehrssicherheit, des Lärmschutzes und der Wohnqualität nicht automatisch 

und per se vor, sondern es sei ein vernünftiger Kompromiss zu finden, wie 

er mit den im UVB angenommenen 20 % (17'600 Fahrten/Jahr) wohl etwa 

vertretbar wäre. 

7.2.1 

Gemäss Art. 12 GPV, welcher die übergeordnete Erschliessung regelt, ist für 

den Abtransport des Kieses ein Bahnanteil von mindestens 80 % je Abbau-

gebiet und Etappe einzuhalten (Abs. 1). Für die Zu- und Abtransporte dürfen 

sodann  nur  die  im  Situationsplan  als  "interne  Erschliessung  motorisierter 

Verkehr"  festgelegten  Routen  verwendet  werden,  wobei  grundsätzlich  die 

beiden Etappen wie folgt zu erschliessen sind: Etappe Süd via Vogelsang / 

Bietenholzstrasse,  Illnau-Effretikon;  Etappe  Nord  via  Seuchenrank  /  Zür-
cherstrasse, Lindau / Bassersdorf (Abs. 3). Eine Durchfahrt des Stadtkörpers 

von Illnau-Effretikon ist mit Ausnahme des Gebietes Vogelsang und Bieten-

holz,  eine  Durchfahrt  des  Siedlungsgebietes  Lindau  mit  Ausnahme  der 

Durchfahrt auf der Zürcherstrasse unzulässig, wobei zudem bezüglich Bau-

stellen, deren wirtschaftliches Erreichen eine Querung der Siedlungsgebiete 

erfordert, eine Ausnahme statuiert wird (Abs. 5). Wie bereits in E. 2.3.1 dar-

gelegt, geht der UVB für die Etappe Nord von einer Aufteilung der Verkehrs-

ströme (welche maximal 20 % des abgebauten Materials sowie im Sinne ei-

R3.2022.00117 

Seite 48 

 
 
ner "worst case"-Betrachtung 100 % des Auffüllmaterials betreffen) aus, in-

dem 80 % Richtung Westen (Neue Winterthurerstrasse, Autobahnanschluss 

Brüttisellen) und 20 % Richtung Osten (Zürcherstrasse und damit Durchfahrt 

durch Tagelswangen) erfolgen sollen (act. 18.8 S. 17 f. sowie entsprechend 

im Rahmen der Berechnung der Lärmimmissionen gemäss Anhang 8-1c und 

8-1d). Das Strassen-Erschliessungs-Konzept hält entsprechend, aber unbe-

stimmter fest, die nördliche Etappe werde über den Seuchenrank erschlos-

sen, wobei die Lastwagen ab diesem in der Regel nach Westen in Richtung 

Autobahnanschluss Brüttisellen oder umgekehrt fahren würden; Einmünden 

und Abbiegen in bzw. aus Richtung Tagelswangen sei normalerweise nicht 

vorgesehen,  bleibe  aber  möglich  für  Transporte  aus  bzw.  zu  nördlich  und 

östlich  der  Kiesgrube  gelegenen  Gebieten,  um  die  Fahrdistanzen  zu  mini-

mieren, wobei spezifisch die "Durchfahrt Tagelswangen" betreffend festge-

halten  wird,  die  Fahrzeuge  von  und  zur  Kiesgrube  würden  ausschliesslich 

die Staatsstrassen benützen (act. 18.7.4 S. 6). Die Priorisierung der westli-

chen Route wird sodann auch im Planungsbericht erwähnt (act. 18.7 S. 12). 

In den Gestaltungsplanvorschriften und den entsprechenden Angaben in den 

Plänen finden sich jedoch keine Vorgaben zur fraglichen Aufteilung, während 

im Bericht zu den Einwendungen - in gewissem Widerspruch insbesondere 

zum  Planungsbericht  -  ausdrücklich  darauf  hingewiesen  wird,  der  Gestal-

tungsplan nehme keine Priorisierung der Fahrtrichtung ab Seuchenrank vor, 

zumal  der  Kanton auch  keine  Routen für  die  Zu-  und Wegfahrten  auf  den 

Staatsstrassen vorschreiben könne (act. 18.11 S. 3 und 5 f. zu Einwendun-

gen Nr. 2 und 9). 

Was  zunächst  das  Verhältnis  der  im  Gestaltungsplan  vorgesehenen  Er-

schliessungslösung zu den im kantonalen Richtplan formulierten Bedingun-

gen anbelangt, so ist zwar im Sinne des in E. 4.3.1 Ausgeführten nicht zu 

verkennen, dass mit  dem  Ausschluss der  Strassenerschliessung  via  Sied-
lungsgebiet spezifisch der Ort Tagelswangen entlastet werden sollte, zumal 

im Erläuterungsbericht zu den Einwendungen (zur Gesamtüberprüfung 2014 

des  kantonalen  Richtplans)  ausdrücklich  hervorgehoben  wird,  Tagelswan-

gen werde nicht von Mehrverkehr betroffen. Damit erschiene eine Erschlies-

sung der Etappe Nord, welche ausschliesslich oder hauptsächlich über die 

durch Tagelswangen führende Zürcherstrasse erfolgen würde, als richtplan-

widrig. Im Gegensatz dazu erweist sich jedoch eine Erschliessungsvariante, 

in der ein untergeordneter Anteil der Verkehrsströme auf dieser Route ver-

läuft,  nicht  von  vornherein  als  unzulässig:  Fraglich  ist  bereits,  ob  dies  der 

R3.2022.00117 

Seite 49 

 
 
entsprechenden Formulierung des Richtplans überhaupt entgegensteht, zu-

mal diese - im Gegensatz zum Erläuterungsbericht - an sich allgemein ge-

halten und nicht auf Tagelswangen beschränkt ist, die möglichen Strassener-

schliessungen  zwischen  Abbaugebiet  und  Autobahnanschlüssen  aber  für 

sämtliche Abbaugebiete zwangsläufig in gewissem Ausmass Siedlungsge-

biete  betreffen  (für  die  Etappe  Süd:  Kindhausen  und  Volketswil;  für  die 

Etappe Nord bei Zu- und Wegfahrt Richtung Westen: Baltenswil und Brütti-

sellen). Selbst wenn aber die richtplanerische Vorgabe als vollständiger Aus-

schluss  einer  Durchfahrbarkeit  des  Gebiets  Tagelswangen  verstanden 

würde, läge mit Blick darauf, dass in Art. 12 Abs. 5 GPV ein entsprechender 

Ausschluss erfolgt und hiervon lediglich die Zürcherstrasse ausgenommen 

wird,  sowie  unter  Zugrundelegung  eines  Erschliessungskonzepts,  welches 

als Haupterschliessungsrichtung von der westlichen Route ausgeht, höchs-

tens eine Abweichung untergeordneter Natur im Sinne von § 16 Abs. 2 PBG 

vor, die überdies sachlich gerechtfertigt wäre, da es in ökologischer Hinsicht 

plausibel erscheint, für den - primär relevanten - Transport des Auffüllmate-

rials bei entsprechender Lage der Baustellen keine unnötige Verlängerung 

der Transportdistanzen zu erzwingen. Eine entsprechende Erschliessungs-

lösung  ist  überdies  immissionsschutzrechtlich  zulässig,  nachdem  der  Um-

weltverträglichkeitsbericht  unter  Zugrundelegung  eines  die  östliche  Route 

betreffenden  Anteils  von  20  %  des  Zusatzverkehrs  für  die  Zürcherstrasse 

Zunahmen des Emissionspegels von 0,2 bis 0,4 dB(A) ausweist (womit - un-

ter Berücksichtigung des Umstands, dass damit auch der Anteil des Schwer-

verkehrs nicht um 100 %, sondern lediglich um 20 % ansteigen würde - der 

vorliegend einschlägige Art. 9 lit. b LSV eingehalten wäre; vgl. act. 18.8 S. 

28 f. sowie Anhang 8-1c, wobei gemäss Anhang 8-1d durch das Verkehrs-

aufkommen der neuen Anlage allein auch die Planungswerte deutlich einge-

halten werden). 

Die Problematik liegt nun darin, dass eine entsprechende Aufteilung der Ver-

kehrsströme nicht verbindlich vorgegeben ist, obwohl solches - entgegen der 

Ansicht  der  Baudirektion  -  im  Rahmen  des  kantonalen  Gestaltungsplans 

möglich wäre, nachdem § 44a Abs. 3 PBG ausdrücklich die Regelung der 

Transportwege  erwähnt  (vgl.  auch  Fritzsche/Bösch/Wipf/Kunz,  a.a.O.,  S. 

187 f., wonach Gestaltungspläne gemäss § 44a PBG im Gegensatz zu allen 

anderen  Arten  von  Gestaltungsplänen  auch  Festlegungen  ausserhalb  des 

Gestaltungsplangebiets enthalten dürfen). Damit stellt sich die Frage, ob im 

R3.2022.00117 

Seite 50 

 
 
vorliegenden  Rekursverfahren  durch  Anpassung  der  Gestaltungsplanvor-

schriften eine entsprechende verbindliche Vorgabe zu statieren ist, obwohl 

solches seitens der Rekurrierenden formell nicht in dieser Art beantragt wird 

(vgl. immerhin zu entsprechenden Ausführungen im Kontext der Subeventu-

alanträge  E.  7.2.2).  Indessen  ist  vorab  zu  beachten,  dass  die  im  UVB  zu-

grunde gelegte Aufteilung der Verkehrsströme nicht einem normativen An-

satz verpflichtet war, sondern als Abschätzung der tatsächlichen Gegeben-

heiten - bei fehlender Vorgabe - zu verstehen ist. Diese Annahmen, welche 

im Rahmen der Beurteilung des UVB seitens der Fachstelle Lärmschutz als 

plausibel beurteilt wurden (vgl. act. 18.12 S. 14), erweisen sich mit Blick auf 

die  Verteilung  der  Siedlungsgebiete  in  der Tat als  grundsätzlich  schlüssig, 

auch wenn nicht zu verkennen ist, dass aufgrund der Lage der Stadt Win-

terthur auch ein gewisses Risiko für eine nicht unerhebliche Beanspruchung 

der östlichen Erschliessungsvariante besteht. Zu berücksichtigen ist weiter 

eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Verkehrszunahme im Zusammen-

hang mit dem Transport von Auffüllmaterial insgesamt geringer als prognos-

tiziert  ausfallen  dürfte,  da  mit  §  232a  PBG  und  der  Verordnung  über  den 

Bahntransport von Aushub und Gesteinskörnung (BTV) mittlerweile Bestim-

mungen  in  Kraft  gesetzt  sind,  welche  unter  bestimmten  Voraussetzungen 

auch eine Verpflichtung der Bauherrschaft zum Bahntransport von Aushub 

ermöglichen.  Gegen  eine  fixe  Vorgabe  zur  Aufteilung  der  Verkehrsströme 

spricht sodann, dass die mit dem Gestaltungsplan angestrebte Flexibilisie-

rung einem ökologischen Anliegen der Verkürzung der Transportwege ver-

pflichtet und insofern grundsätzlich berechtigt ist, solange sich daraus für die 

Anwohnenden in Tagelswangen keine untragbaren Auswirkungen ergeben. 

Da letzteres mit weniger weit gehenden Vorgaben - wie sie nachstehend in 

E. 7.2.2 aufgezeigt werden - sichergestellt werden kann, ist auf eine verbind-

liche quantitative Vorgabe zur Aufteilung der Verkehrsströme bei Erschlies-

sung der Etappe Nord zu verzichten. In diesem Sinn bzw. generell mit Blick 
auf  die  geltend  gemachte  Unzulässigkeit  des  Gestaltungsplans  unter  dem 

Aspekt des durch diesen ermöglichten zusätzlichen Verkehrsaufkommens in 

Tagelswangen erweist sich die rekurrentische Rüge somit als unbegründet. 

7.2.2 

Im  Verfahren  G.-Nr.  R3.2022.00117  beantragen  die  Rekurrierenden  sube-

ventualiter eine Ergänzung von Art. 10 GPV, wonach im Rahmen der Fahr-

tenkontrolle  auch  die  durch  Tagelswangen  fahrenden  LKW  zu  zählen  und 

bei Überschreitung der Zahl von 17'200 LKW (entsprechend 20 % des für die 

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Etappe  Nord  insgesamt  prognostizierten  Verkehrsaufkommens)  die  Stras-

senlärmsituation neu zu beurteilen sei. Zur Begründung führen sie aus, je-

denfalls die fraglichen 20 % müssten verpflichtend als Maximum eingehalten 

werden. Ebenfalls subeventualiter beantragt wird eine Ergänzung von Art. 32 

GPV betreffend Monitoring der umweltrechtlichen Emissionen, indem in der 

fraglichen Bestimmung ausdrücklich eine Überwachung der Verkehrssitua-

tion in Tagelswangen und deren Auswirkungen auf den Fuss- und Velover-

kehr, insbesondere die Schulwege, zu erwähnen sei. Zur Begründung wird 

darauf hingewiesen, der blosse Hinweis im Bericht zu den Einwendungen, 

wonach Massnahmen geprüft würden, sofern das Verkehrsaufkommen Aus-

wirkungen auf die Verkehrssicherheit bzw. den Schulweg habe, sei eine sehr 

schwache und unverbindliche Grundlage. 

Die  Baudirektion  hält  bezüglich  der  Subeventualanträge  in  allgemeiner 

Weise fest, der Anspruch auf einen wirksamen Rechtsschutz mit voller Kog-

nition könne nicht bedeuten, dass die Rekursinstanz die im dafür vorgesehe-

nen Verfahren ergangene Festlegung umfassend mit der seitens der Rekur-

rierenden subeventualiter beantragten Variante abwäge. Die von den Rekur-

rierenden verlangte Obergrenze von 20 % sei nicht durchsetzbar und zudem 

aufgrund der zum Teil massiven Umwege hochgradig unzweckmässig, wo-

bei überdies bei einer Plafonierung die zulässige Fahrtenzahl erneut zu dis-

kutieren wäre. Mit den Rekurrierenden sei jedoch übereinzustimmen, dass 

es wichtig sei, durch das Monitoring gemäss Art. 32 GPV die Aufteilung der 

Fahrten  zu  erfassen, was  aber  nicht  zwingend  in  den  Gestaltungsplanvor-

schriften festzuhalten sei. Die Mitbeteiligte argumentiert entsprechend. 

Gemäss Art. 10 GPV sind die durch den Betrieb der Kiesgrube induzierten 

LKW-Fahrten  dem  Kanton  Zürich  und  den  Gemeinden  (Lindau  und  Illnau-

Effretikon) jährlich auszuweisen, wobei die Strassenlärmsituation erneut zu 
beurteilen  ist,  wenn  in  der  Etappe  2  das  induzierte  Verkehrsaufkommen 

86'000 LKW-Fahrten pro Jahr übersteigt. Art. 32 Abs. 1 GPV sieht vor, dass 

ein Monitoring der umweltrechtlichen Emissionen zu führen ist, das zusam-

men  mit  dem  ersten  Baugesuch  bei  der  Gemeinde  einzureichen  ist.  Auch 

wenn bezüglich des Art. 10 GPV betreffenden Subeventualantrags im Rah-

men der rekurrentischen Begründung - und entsprechend in der Vernehm-

lassung der Baudirektion - eine eigentliche Plafonierung erwähnt wird, ent-

spricht dies gerade nicht der beantragten Ergänzung von Art. 10 GPV, mit 

welcher  für  den  Fall  der  Überschreitung  einer  bestimmten  Anzahl  Fahrten 

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Seite 52 

 
 
lediglich  eine  erneute  Beurteilung  der  Strassenlärmsituation  vorgegeben 

wird. Entsprechend war die Frage der Plafonierung denn auch vorstehend - 

im Kontext des Hauptantrags (vgl. E. 7.2.1) - zu behandeln (und zu verwer-

fen). Im Gegensatz dazu erscheint jedoch eine Überprüfung und Neubeur-

teilung der durch den Zusatzverkehr verursachten Lärmimmissionen gerade 

aufgrund des - in E. 7.2.1 dargelegten - Umstands, dass in den Gestaltungs-

planvorschriften  verbindliche  Vorgaben  zur  Aufteilung  der  Verkehrsströme 

fehlen, gerechtfertigt, da damit hinsichtlich der Lärmimmissionen allfälligen 

negativen Auswirkungen einer potentiell problematischen übermässigen Zu-

nahme  des  Mehrverkehrs  durch  Tagelswangen  wirksam  entgegengewirkt 

werden kann, indem eine mit den Vorgaben der LSV oder dem Vorsorgeprin-

zip gemäss Art. 11 Abs. 2 USG nicht mehr kompatible Erhöhung der Lärm-

immissionen überhaupt erst erkannt und im Rahmen einer Neubeurteilung 

mittels Anordnung entsprechender Massnahmen (gegebenenfalls einer Pla-

fonierung) wirksam korrigiert werden kann. Art. 10 GPV ist daher - soweit der 

Gestaltungplan als solcher Bestand hat (vgl. dazu E. 15, wobei dieser Hin-

weis  auch  für  die  vorgezogene  Behandlung  weiterer  subeventualiter  und 

eventualiter gestellter Anträge gilt) - antragsgemäss zu ergänzen, wobei da-

rin  mit  Blick  auf  die  fundamentale  Bedeutung  der  immissionsschutzrechtli-

chen  Auswirkungen  des  Abbauvorhabens  kein  unzulässiger  Eingriff  in  die 

Planungsautonomie der Vorinstanz zu sehen ist (vgl. zum erheblichen De-

taillierungsgrad von Korrekturen bezüglich der Vorschriften eines kantonalen 

Gestaltungsplans  auch  BRGE IV  Nr. 0101/2016  vom  1.  September  2016; 

www.baurekursgericht-zh.ch). Da mit dieser Änderung sodann die bei über-

mässiger Verkehrszunahme ebenfalls potentiell problematischen Auswirkun-

gen auf die Verkehrssicherheit nicht abgedeckt sind, erweist es sich überdies 

als gerechtfertigt, diesbezüglich die beantragte Präzisierung in Art. 32 GPV 

einzufügen, umso mehr, als seitens der Rekursgegnerschaft keine Gründe 

dargelegt  werden,  weshalb  die  entsprechende  Ergänzung  materiell  un-
zweckmässig sein sollte. Die subeventualiter gestellten Anträge 4.2 und 4.3 

sind somit - sofern der Gestaltungsplan als solcher Bestand hat - gutzuheis-

sen. 

7.2.3 

Die Rekurrierenden im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00118 beantragen eventu-

aliter zum einen verschiedene verkehrsberuhigende Massnahmen (Tempo-

reduktion, Ortseingangskreisel), zum andern die Festlegung eines Bahnan-

R3.2022.00117 

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teils von mindestens 50 % auch für die Wiederauffüllung (Antrag 3). Zur Be-

gründung verweisen sie einerseits auf § 240 Abs. 2 PBG, wonach bei durch 

ein  Vorhaben  ausgelöstem  ungewöhnlich  starkem  Verkehr  Vorkehren  zur 

Gewährleistung  der  Verkehrssicherheit  angeordnet  werden  können,  ande-

rerseits  auf  §  44a  PBG.  Die  ohnehin  schon  sehr  verkehrsreiche  Zür-

cherstrasse werde durch die Durchfahrt der schweren Kieslastwagen noch 

mehr belastet. Es sei deshalb unabdingbar, eine Temporeduktion vorzuneh-

men und bauliche Massnahmen zu prüfen. Betreffend Wiederauffüllung wür-

den die errechneten Durchschnittswerte für die Fahrfrequenzen eine gleich-

mässige Verteilung vortäuschen, was aber den tatsächlichen Verhältnissen 

nicht entsprechen werde. Die Verkehrsprobleme für die Wiederauffüllungs-

phase  seien  nicht  gelöst,  zumal  bei  gleichzeitigem  Abbau  eine  Mehrfach-

Verkehrsbelastung bestehe. Daher sei auch für die Wiederauffüllung ein min-

destens hälftiger Bahnanteil vorzusehen. Ein Gestaltungsplan für ein Vorha-

ben dieses Ausmasses müsse die Auswirkungen im weiteren Umfeld ganz-

heitlich berücksichtigen und die notwendigen Massnahmen und Anordnun-

gen  verfahrensmässig  koordinieren.  Beantragt  wird  sodann  eine  Präzisie-

rung des vorgesehenen Monitorings (Antrag 5): Die Berichtsfrist von einem 

Jahr sei zu lange und eine Umschreibung der wichtigsten Rahmenbedingun-

gen und organisatorischen Belange fehle. Entweder müsse dies im Gestal-

tungsplan genauer geregelt oder es müsse festgelegt werden, dass die Be-

gleitgruppe mit der Durchführungsorganisation betraut werde. 

Die Baudirektion verweist zunächst auf die im UVB enthaltenen Angaben zur 

mengenmässigen  Verkehrsbelastung  und  zu  den  erwarteten  zusätzlichen 

Immissionen sowie auf die in Art. 10, 12 und 32 GPV enthaltenen Vorgaben. 

Die seitens der Rekurrierenden verlangten Verkehrsanordnungen seien ge-

mäss kantonaler Signalisationsverordnung (KSigV) im dafür vorgesehenen 

Verfahren durch die Kantonspolizei zu verfügen und könnten nicht im Rah-
men eines kantonalen Gestaltungsplans festgesetzt werden. Eine Koordina-

tionspflicht bestehe nicht bzw. sei eine sofortige Anordnung einer Verkehrs-

anordnung in der konkret zu beurteilenden Situation nicht geboten. Bezüglich 

Antrag 5 wird festgehalten, die in der Praxis übliche Berichtsfrist von einem 

Jahr  sei  damit  begründet,  dass die Anlieferung  von  Auffüllmaterial starken 

Schwankungen unterliege, so dass eine Auswertung auf Monatsbasis nicht 

zweckmässig sei. Die Mitbeteiligte weist ergänzend darauf hin, eine weitere 

Verpflichtung betreffend hälftigen Bahnanteil wäre gar nicht möglich bzw. je-

denfalls unverhältnismässig und läge zudem nicht im öffentlichen Interesse, 

R3.2022.00117 

Seite 54 

 
 
da die Zu- und Wegfahrten von der geographischen Lage der Baustellen ab-

hängig seien. 

Hinsichtlich des Eventualantrags Nr. 3 erscheint bereits fraglich, ob die an-

begehrten Verkehrsberuhigungsmassnahmen überhaupt im Rahmen eines 

Gestaltungsplans angeordnet bzw. zumindest eine Koordination mit den ent-

sprechenden Verfahren eingefordert werden könnte, erwähnt doch § 44 Abs. 

3 PBG lediglich die "Transportwege", womit primär Festlegungen zur Rou-

tenwahl gemeint sein dürften, während sich der das Baubewilligungsverfah-

ren betreffende § 240 Abs. 2 PBG als nicht einschlägig erweist. Die Frage 

kann letztlich offen bleiben, da eine Notwendigkeit für die von den Rekurrie-

renden aufgeführten Massnahmen jedenfalls im jetzigen Zeitpunkt nicht er-

sichtlich ist. Dies deshalb, weil bei einer Verkehrszunahme im Umfang der 

im UVB prognostizierten Werte einerseits betreffend Lärmimmissionen eine 

unproblematische  Situation  besteht,  während  andererseits  hinsichtlich  der 

Verkehrssicherheit jedenfalls nicht von vornherein mit Beeinträchtigungen zu 

rechnen ist, welche die fraglichen Massnahmen als geboten erscheinen lies-

sen. Sollte im Rahmen des - im Sinne von E. 7.2.2 präzisierten - Monitorings 

bzw. der entsprechenden Fahrtenkontrolle eine von den Prognosen abwei-

chende  und  mit  problematischen  Auswirkungen  verbundene  Entwicklung 

festgestellt werden, so wäre dannzumal über die zur Korrektur derselben er-

forderlichen Massnahmen zu entscheiden. Eine vorgängige Anordnung er-

scheint auch unter Berücksichtigung einer ungleichmässigen Verteilung des 

Zusatzverkehrs  nicht  geboten,  da  -  ganz  abgesehen  von  der  lärmschutz-

rechtlich  ohnehin  gebotenen  Berechnung  anhand  des  durchschnittlichen 

Verkehrsaufkommens (vgl. Anhang 3 Ziff. 31 Abs. 4 und Ziff. 32 Abs. 1 LSV) 

- bei Zugrundelegung eines (im Sinne von E. 7.2.2 gerade zu überprüfenden) 

Anteils von 20 % des insgesamt für die Etappe Nord generierten Zusatzver-

kehrs  noch  nicht  von  einer  problematischen  Konstellation  auszugehen  ist 
und insoweit ein gewisser Spielraum verbleibt. Für die beantragte Vorgabe 

eines Bahnanteils auch betreffend die Transporte von Auffüllmaterial fehlt es 

sodann an einer gesetzlichen Grundlage bzw. erweist sich diese jedenfalls 

als unzweckmässig, nachdem die entsprechenden neu eingeführten Bestim-

mungen (vgl. E. 7.2.1) sich an die jeweilige Bauherrschaft richten und eine 

Pflicht zum Bahntransport an präzise umschriebene Voraussetzungen knüp-

fen. Kein Anlass besteht schliesslich für die relativ unbestimmt umschriebe-

nen Ergänzungen der Gestaltungsplanvorschrift zum Monitoring, zumal Art. 

32 Abs. 1 Satz 2 GPV durch die Verpflichtung, das Monitoring zusammen 

R3.2022.00117 

Seite 55 

 
 
mit dem ersten Baugesuch bei der Gemeinde einzureichen, eine Prüfung der 

Sachgerechtigkeit  der  vorgesehenen  Modalitäten  sicherstellt.  Plausibel  er-

scheint  weiter  die  Begründung  der  beanstandeten  Berichtsfrist  von  einem 

Jahr (gemäss Art. 10 GPV), so dass auch insoweit keine Änderung angezeigt 

ist.  Zusammenfassend  ergibt  sich  somit,  dass  die  rekurrentischen Eventu-

alanträge Nrn. 3 und 5 abzuweisen sind. 

8.1.1 

Die Rekurrierenden im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00117 rügen weiter die Un-

vollständigkeit der Lärmprognosen betreffend Betriebslärm, da bei den Be-

rechnungen im UVB nur die eingesetzten Maschinen, Förderbänder etc. be-

rücksichtigt worden seien, eine wesentliche Lärmquelle aber das Umschüt-

ten des Kieses sein werde, einerseits beim Aufladen auf die Förderbänder, 

andererseits und insbesondere beim Beladen der Waggons. Gemäss Art. 7 

Abs.  1  GPV müssten die  Förderbänder  eingehaust  sein,  soweit  dies  tech-

nisch möglich sei, die Einhausung der Verladestation sei aber mit Hinweis 

auf das vorgesehene Monitoring abgelehnt worden. Angesichts der Dimen-

sionen einer solchen Einhausung verstünden die Rekurrierenden grundsätz-

lich,  dass  diese  nicht  im  Rahmen  des allgemeinen  umweltrechtlichen  Vor-

sorgeprinzips angeordnet werde, auch wenn sie dies weiterhin als notwendig 

erachteten. Diese Entscheidung müsse aber auf der Basis von vollständigen 

und  korrekten  Lärmprognosen  getroffen  werden;  ohne  diese  Grundlage 

könne die umweltrechtliche Zulässigkeit des Gestaltungsplans nicht beurteilt 

werden. 

8.1.2 

Die  Baudirektion  entgegnet,  im  UVB  sei  aufgezeigt  worden,  dass  die  Pla-

nungswerte  gemäss  Anhang  6  LSV  eingehalten  werden  könnten.  Zudem 
seien gestützt auf Art. 8 Abs. 3 GPV allfällige weitere Massnahmen umzu-

setzen, wenn übermässiger Lärm verursacht würde. Bei der von den Rekur-

rierenden  erwähnten  Lärmart  handle  es  sich  um  Emissionen,  welche  von 

verschiedenen Faktoren (Material, Grösse, Feuchtigkeit etc.) abhängen wür-

den und somit schwer prognostizierbar seien. Die Anlagen und Tätigkeiten 

seien aber gemäss UVB in der Lärmprognose sehr wohl berücksichtigt wor-

den.  Weiter  werde  die  Forderung,  die  Einhaltung  der  massgeblichen  Pla-

nungswerte  dauerhaft  sicherzustellen,  mit  dem  in  Art.  32  GPV  verlangten 

R3.2022.00117 

Seite 56 

 
 
Monitoring unterstützt. Das in sich schlüssige Schutzkonzept sei im nachge-

lagerten  Baubewilligungsverfahren  stufengerecht  weiter  zu  konkretisieren. 

Die Lage der Verladestation in weiter Distanz zu den Siedlungsgebieten sei 

auch in Bezug auf die Lärmemissionen optimiert. 

Die  Mitbeteiligte  führt  aus,  sämtliche  beachtlichen  Lärmquellen  seien  im 

Zuge der Messungen integral berücksichtigt worden. Dabei sei auch der spe-

zifisch mit dem Kies verbundene, nicht maschinenbezogene Lärm miteinbe-

rechnet worden; gerade deswegen umfasse die Lärmprognose eine Pegel-

korrektur K1 von zusätzlichen 5 dB im Hinblick auf die konkrete Störwirkung 

von Industrie- und Gewerbeanlagen und eine Korrektur K3 um 2 dB zufolge 

etwaiger  impulshaltiger  (schlagender)  Geräusche.  Im  Übrigen  dürften  ge-

stützt auf das Vorsorgeprinzip keinerlei unverhältnismässigen Massnahmen 

verlangt werden. Auch stelle das Monitoring-Konzept einen rechtsvorgaben-

konformen Lärmschutz dauerhaft sicher. 

Dem halten die Rekurrierenden in der Replik entgegen, die Pegelkorrektur 

K1 solle abdecken, dass der variable Charakter von Industrie- und Gewer-

belärm generell störender wirke, als dies durch einen reinen Mittelungspegel 

abgebildet werde. Die Pegelkorrektur beziehe sich aber nur auf den Mitte-

lungswert  der  in  diesem  überhaupt  verarbeiteten  Lärmarten,  decke  vorlie-

gend also nur die Variabilität des Lärms der Förderbänder und Maschinen 

ab. 

8.2.1 

Das geplante Kiesabbaugebiet stellt eine neue ortsfeste Anlage im Sinne von 

Art. 7 LSV dar. Entsprechend sind gemäss Abs. 1 die Lärmemissionen so 

weit  zu  begrenzen,  als  dies  technisch  und  betrieblich  möglich  sowie  wirt-

schaftlich  tragbar  ist  (lit.  a)  und  dass  die  von  der  Anlage  allein  erzeugten 
Lärmimmissionen  die  Planungswerte  nicht  überschreiten  (lit.  b).  Anhang 6 

LSV  statuiert  Belastungsgrenzwerte  für  Industrie-  und  Gewerbelärm  und 

äussert sich in Ziff. 3 zur Ermittlung des Beurteilungspegels, wobei in Ziff. 33 

verschiedene  Pegelkorrekturen  (K1  bis  K3)  vorgesehen  sind:  Mit  K1  wird 

dem Umstand Rechnung getragen, dass der variable Charakter von Indust-

rie- und Gewerbelärm generell störender wirkt als dies durch den reinen Mit-

telungspegel abgebildet wird (Anlagentyp), K2 berücksichtigt die Hörbarkeit 

des Tongehalts des Lärms (Tonhaltigkeit) und K3 die Hörbarkeit des Impuls-

gehalts des Lärms (impulshaltige, schlagende Geräusche wie beispielsweise 

R3.2022.00117 

Seite 57 

 
 
das Auf- und Abladen von Metallteilen in einem Industriewerk; vgl. zu den 

Pegelkorrekturen auch die vom Bundesamt für Umwelt [BAFU] herausgege-

bene Vollzugshilfe Ermittlung und Beurteilung von Industrie- und Gewerbe-

lärm [Bern 2016], S. 19). 

8.2.2 

Im  UVB  wird  bezüglich  der  Ermittlung  des Betriebslärms  während  der  Be-

triebsphase zwar als Lärmquelle unter anderem die Beladung der Bahnwa-

gen erwähnt (act. 18.8 S. 25). Nicht völlig klar ist allerdings, ob in den Be-

rechnungen des Betriebslärms der durch das Aufschlagen des Kieses verur-

sachte  Lärm  wirklich  berücksichtigt  worden  ist,  sehen  die  entsprechenden 

Berechnungen  doch bezüglich  des  Beladungsvorgangs  lediglich  die  Lärm-

quelle "Radlader (Bahnverlad)" vor (act. 18.8 Anhang 7-2; vgl. auch die Nen-

nung der Lärmquellen im Zusammenhang mit deren jeweiliger Lage in act. 

18.8 S. 25). Immerhin könnte der Umstand, dass für die fragliche Lärmquelle 

- wie im übrigen für sämtliche weiteren Lärmquellen mit Ausnahme des Ver-

kehrs auf dem Betriebsareal - eine Pegelkorrektur K3 von 2 dB(A) verwendet 

wurde, dafür sprechen, dass damit gerade dem spezifischen Geräusch des 

Materials  im  Rahmen  der  jeweiligen  Abbau-,  Umladungs-  und  Auffüllvor-

gänge  Rechnung  getragen  werden  sollte,  zumal  nicht  ersichtlich  ist,  dass 

eine entsprechende Pegelkorrektur für das Geräusch der Maschinen selbst 

erforderlich wäre. Die Frage braucht jedoch nicht abschliessend entschieden 

zu werden. In Übereinstimmung mit dem zutreffenden Hinweis der Rekurs-

gegnerschaft ist nämlich zu berücksichtigen, dass selbst eine allfällige Nicht-

berücksichtigung  der  entsprechenden  Lärmquelle  sich  letztlich  nicht  zum 

Nachteil der Rekurrierenden auswirken könnte, da über Art. 8 Abs. 3 GPV - 

wonach  die  Einhaltung  der  Anforderungen nach  Anhang 6  LSV  in  der  Be-

triebsphase dauerhaft sicherzustellen ist - in Verbindung mit dem erforderlich 

Monitoring gemäss Art. 32 GPV gewährleistet ist, dass eine allfällige Über-
schreitung der Planungswerte erkannt und durch entsprechende Massnah-

men korrigiert würde (vgl. auch die entsprechenden, im Hinblick auf das Be-

willigungsverfahren  statuierten  Vorgaben  in  der  angefochtenen  Festset-

zungsverfügung  [act. 4  S.  8],  wo  überdies  auch  die  störungsgerechte  Be-

rücksichtigung  der  Pegelkorrekturen  verlangt  wird,  welche  im  Rahmen  der 

Vorprüfung aufgrund insoweit teilweise nicht nachvollziehbarer Angaben im 

UVB angemahnt worden war [vgl. act. 18.12 S. 16]). Diese Lösung erweist 

sich insbesondere auch deshalb als zulässig, weil einerseits seitens der Bau-

direktion plausibel dargelegt wird, dass die fraglichen Emissionen schwierig 

R3.2022.00117 

Seite 58 

 
 
zu prognostizieren seien (so dass insoweit ohnehin der nachträglichen Über-

wachung besondere Bedeutung zukommt), während andererseits bezüglich 

der ermittelten Immissionspegel - und mit Blick auf die Lage der Verladean-

lage  -  vor  allem  der  unmittelbar  an  das  Abbaugebiet  Schoren  grenzende 

Empfangspunkt 1, bei welchem der Planungswert der ES III im belastends-

ten Betriebszustand  gerade  eingehalten  wird  (vgl.  act.  18.8  S.  26  und  An-

hang 7-2), problematisch erscheint, insoweit aber - sofern bei Feststellung 

einer  Überschreitung  der  Planungswerte  eine  Einhausung  der  Verladean-

lage nicht als gangbarer Weg erachtet würde - gegebenenfalls die Abbautä-

tigkeit  in  den  fraglichen  Teilphasen  entsprechend  eingeschränkt  werden 

müsste und insofern letztlich jedenfalls eine Einhaltung der Planungswerte 

gewährleistet werden kann. Damit ergibt sich bezüglich der rekurrentischen 

Rüge, dass diese für sich genommen ohnehin nicht zur beantragten Aufhe-

bung der Festsetzungsverfügung führt, dass damit aber auch kein für die In-

teressenabwägung  ins  Gewicht  fallender  Aspekt  benannt  wird,  da  letztlich 

bezüglich des Betriebslärms von einer Einhaltung der Planungswerte ausge-

gangen werden kann. 

8.3 

Ebenfalls im Kontext des Betriebslärms zu behandeln ist weiter der erste der 

im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00117 gestellten Subeventualanträge, wonach 

eine Verschärfung von Art. 9 GPV betreffend Arbeitszeiten vorzunehmen sei. 

Zur  Begründung  wird  -  unter  Bezugnahme  auf  die  im  Einwendungsbericht 

geäusserte Ansicht, wonach ein generelles Verbot des Betriebs an Sonnta-

gen oder in der Nacht nicht durchsetzbar sei - ausgeführt, soweit der Kanton 

nutzungsplanerisch tätig werde, habe er eine Handhabe für Einschränkun-

gen  gegenüber  gesetzlichen  Arbeitszeiten  oder  Lärmschutzvorschriften. 

Zum Schutz der Anwohner sei es im Minimum erforderlich, dass die in den 

GPV festgehaltenen Betriebszeiten strikt und nicht bloss "grundsätzlich" und 
"in der Regel" gelten würden. Als Ausnahme erscheine einzig die Behebung 

von technischen Unterbrüchen als verhältnismässig und vertretbar. Die For-

mulierung "werktags" umfasse auch den Samstag; es sei jedoch das Erho-

lungsbedürfnis an den Wochenenden zu respektieren, da ein einziger Tag 

Ruhe pro Woche nicht ausreiche und gesundheitliche Konsequenzen habe. 

Die Baudirektion entgegnet, grundsätzlich seien die gesetzlichen Arbeitszei-

ten verbindlich. Im Rahmen der GPV seien diverse Massnahmen zur Emis-

R3.2022.00117 

Seite 59 

 
 
sionsbegrenzung vorgenommen worden. Die Planungswerte würden einge-

halten. Eine im Gestaltungsplan abweichend von den bundesrechtlich gel-

tenden  Arbeitszeiten festgelegte  Einschränkung  würde  zu  Vollzugsschwie-

rigkeiten führen und den Kiesabbau verlängern. Gewisse Arbeiten an Sams-

tagen  seien  als  zumutbar  angesehen  worden,  zumal  an diesem Tag  auch 

Rasen  gemäht  und  Handwerkerarbeiten  erledigt  werden  dürften.  Regulie-

rend dürften sich zudem die Vorgaben an die Arbeits- und Ruhezeiten von 

Berufsfahrern auswirken. Nacht- und Sonntagsarbeit seien nach Art. 27 Ver-

ordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1) grundsätzlich untersagt. Die Mitbe-

teiligte  macht  geltend,  mit  der  Formulierung  von  Art.  9  GPV  sei  man  dem 

Bedürfnis nach einer Konkretisierung hinsichtlich des Vorbehalts für Aufhol-

zeiten  aufgrund  empfindlicher  Ausfälle  bereits  im  Rahmen  der  Mitwirkung 

nachgekommen; weitergehende Beschränkungen wären nicht mehr verhält-

nismässig und auch nicht gestützt auf das Vorsorgeprinzip begründbar. 

Gemäss  Art.  9  GPV  finden  Abbau-,  Auffüll-  und  Rekultivierungsarbeiten 

grundsätzlich  an  Werktagen  innerhalb  der  gesetzlichen  Arbeitszeiten  statt 

(Abs. 1). Der Abbaubetrieb findet in der Regel zwischen 07.00 Uhr und 17.00 

Uhr, der Verladebetrieb zwischen 07.00 Uhr und 19.00 Uhr statt. Zwischen 

12.00 und 13.00 Uhr ist eine Mittagspause einzuhalten. Ausnahmen sind das 

Ausnützen  von  trockener Witterung  für  Bodenarbeiten  und/oder  die  Behe-

bung  von  technischen  Unterbrüchen  (Abs.  2).  Im  Rahmen  der  Beurteilung 

des UVB durch die kantonalen Fachstellen wurde bezüglich der damaligen 

Fassung von Art. 9 GPV festgehalten, die Bestimmung enthalte einen Vor-

behalt,  wonach  unter  besonderen  Umständen  Abweichungen  vorbehalten 

blieben. Im Bericht nach Art. 47 RPV werde dazu ausgeführt, mit Ausnahme 

unvorhersehbarer Ereignisse seien keine Sonn- oder Feiertagsarbeiten vor-

gesehen; vorbehalten blieben Aufholzeiten aufgrund empfindlicher Ausfälle 

durch  unvorhersehbare  unverschuldete  Ereignisse  wie  schlechte  Witte-
rungsbedingungen  oder  archäologische  Funde,  um  den  Etappierungsplan 

des Kiesabbaubetriebs einhalten zu können. Hierzu äusserte die Fachstelle 

die Einschätzung, ein solches Vorgehen sei aus der Sicht des Lärmschutzes 

nicht gerechtfertigt; dem Ruhebedürfnis der Bevölkerung von 19.00 Uhr bis 

07.00  Uhr  sowie  an  Sonn-  und  Feiertagen  sei  Rechnung  zu  tragen  (act. 

18.12 S. 14). Auch wenn in der Folge der generelle Vorbehalt von Abwei-

chungen unter besonderen Umständen gestrichen wurde, fand stattdessen 

die vorstehend erwähnte Ausnahmebestimmung Eingang in Art. 9 GPV, wo-

bei  die  Kommentierung  im  Planungsbericht  bemerkenswerterweise  immer 

R3.2022.00117 

Seite 60 

 
 
noch  den  umfassenderen  generellen  Hinweis  auf  unvorhersehbare  unver-

schuldete Ereignisse wie schlechte Witterungsbedingungen oder archäolo-

gische Funde enthält (act. 18.7 S. 18). Den Rekurrierenden ist insoweit zu-

zustimmen, als zunächst eine nähere Bestimmung der zulässigen Betriebs-

zeiten im Gestaltungsplan zulässig ist. Begründet ist - auch mit Blick auf das 

umweltrechtliche Vorsorgeprinzip gemäss Art. 11 Abs. 2 USG - weiter das 

Anliegen, ausnahmsweise Tätigkeiten an Sonn- und Feiertagen sowie aus-

serhalb der definierten Arbeitszeiten auf die Behebung von technischen Un-

terbrüchen zu beschränken, da die Berücksichtigung der - notorisch unbe-

ständigen  -  Witterungsverhältnisse  als  zu  unbestimmt  und  in  dieser  Form 

auch  klarerweise  als  zu  weitgehend  erscheint  (umso  mehr  als  seitens  der 

Mitbeteiligten gegebenenfalls ein Verzicht auf eine vollständige Realisierung 

des Abbaus hinzunehmen wäre und dadurch die mit dem fraglichen Abbau-

vorhaben  verfolgten  öffentlichen  Interessen  voraussichtlich  nicht  nennens-

wert beeinträchtigt würden). Nicht vorzusehen ist demgegenüber der bean-

tragte Ausschluss von Arbeiten an Samstagen, da insoweit aufgrund der an 

diesem Tag generell zulässigen Tätigkeiten im Gegensatz zu Sonn- und Fei-

ertagen nicht von einem gleichermassen ausgeprägten Ruhebedürfnis aus-

gegangen  werden  kann.  Zusammenfassend  erweist  es  sich  somit  als  ge-

rechtfertigt, den  entsprechenden Subeventualantrag  in  seiner  Eventualfas-

sung ("an Werktagen") gutzuheissen und Art. 9 GPV entsprechend abzuän-

dern, wobei bezüglich der Frage der generellen Zulässigkeit einer entspre-

chenden Änderung auf das in E. 7.2.2 Ausgeführte verwiesen werden kann. 

9. 

Die Rekurrierenden im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00117 rügen - neben den 

bereits in E. 6 bis 8 abgehandelten Aspekten - im Sinne weiterer unberück-

sichtigt  gebliebener  Interessen  diverse  weitere  Punkte  (vgl.  nachstehend 
E. 9 bis 13), welche in ihrer Summe die Unzulässigkeit des Kiesabbaugebiets 

begründen sollen. Vorab machen sie geltend, es werde ein sehr wichtiges 

Naherholungsgebiet für die Dauer einer ganzen Generation zerstört. 

In Übereinstimmung mit den zutreffenden Ausführungen der Rekursgegner-

schaft sowie mit Blick auf die in den entsprechenden Karten im GIS-ZH er-

sichtliche Ausdehnung und Lage der in unmittelbarer Nähe von Tagelswan-

gen gelegenen Wälder ist diesbezüglich festzuhalten, dass ein Ausweichen 

R3.2022.00117 

Seite 61 

 
 
auf andere nahegelegene Naherholungsgebiete ohne weiteres möglich ist, 

so dass dem fraglichen Aspekt kein besonderes Gewicht zukommt. 

10.1 

Gerügt  wird  weiter,  der  dringend  erforderliche  nationale  Wildtierkorridor 

Nr. 21 bzw. die geplante Landschaftsverbindung Nr. 28 gemäss kantonalem 

Richtplan sei frühestens nach Abschluss der Rekultivierungstätigkeiten des 

Abbaugebiets Rodig realisierbar, was eine weitere Verzögerung um mindes-

tens 16 Jahre bedeute. Es sei anzunehmen, dass die Planung wegen des 

vorliegend  strittigen  kantonalen  Gestaltungsplans  nicht  weiter  vorangetrie-

ben werde, doch werde nirgends erwogen, ob dies vertretbar sei. 

Die Baudirektion führt in ihrer Vernehmlassung aus, gemäss ständiger Aus-

führungspraxis sowohl der Baudirektion als auch der weiteren beteiligten Ak-

teure würden Wildtierüber- oder -unterführungen gleichzeitig mit anstehen-

den  Sanierungsprojekten  ausgeführt.  Gemäss  aktuellem  Sanierungsplan 

des Bundesamts für Strassen (ASTRA) sei der Start der Planung einer Wild-

tierbrücke im Wildtierkorridor ZH 21 auf das Jahr 2022 vorgesehen, der Start 

der Realisierung erfolge frühestens im Jahr 2030, wobei noch nicht geklärt 

sei, wo das Bauwerk zu liegen komme. Eine Koordination der Bauarbeiten 

zur  Wildtierüberführung  mit  dem  Betrieb  des  Kiesabbaus  sei  geboten  und 

wünschenswert, könne aber bei dieser Ausgangslage und im heutigen Zeit-

punkt  noch  bestehenden  Planungsunsicherheiten  nicht  mittels  konkreter 

Festlegungen im Gestaltungsplan verortet werden. 

Die Mitbeteiligte bestreitet eine Verzögerung der Wildtierbrücke infolge des 

Kiesabbaus.  Die  Planung  für  einen  allfälligen  Wildtierkorridor  habe  noch 

nicht einmal begonnen und insofern sei auch die genaue Lage der Querung 
völlig offen; diese könnte im gesamten Bereich des Wildtierkorridors zu lie-

gen kommen. 

10.2 

In der angefochtenen Festsetzungsverfügung wird im Hinblick auf das Bewil-

ligungsverfahren  festgehalten,  die  Endgestaltung  beim  Abbaugebiet  Rodig 

sei zwingend mit der Realisierung der Landschaftsverbindung Nr. 28 gemäss 

kantonalem Richtplan bzw. dem Wildtierkorridor zu koordinieren, wobei auf 

den  Projektstand  der  Landschaftsverbindung  bzw.  des  Wildtierkorridors 

R3.2022.00117 

Seite 62 

 
 
Rücksicht zu nehmen sei. Gemäss Art. 20 Abs. 2 GPV wäre der im Richt-

plantext erwähnte Wildtierkorridor Nr. 21 frühestens realisierbar, sobald die 

Abbau- und Rekultivierungstätigkeiten des Abbaugebiets Rodig abgeschlos-

sen seien. Wie sich dem UVB entnehmen lässt, gilt der fragliche Wildtierkor-

ridor als Massnahme (Funktion) für die geplante Landschaftsverbindung (LV) 

Nr. 28 (vgl. dazu Pt. 3.9.2 des Richtplantexts). Es sei angedacht, die Wild-

tierquerung  innerhalb  der  LV  Nr.  28  im  westlichen  Teil  des  Abbaugebiets 

Rodig zu erstellen. Wann die Wildtierquerung gebaut werden solle, stehe je-

doch noch nicht fest. Wenn planerisch und terminlich möglich, werde die Re-

alisierung von Vorteil mit dem vorliegenden Projekt koordiniert (act. 18.8 S. 

58; vgl. zur angedachten Lage auch act. 18.3). 

Der Baudirektion ist zunächst insofern zuzustimmen, als eine weitergehende 

Koordination  im  Rahmen  des  Gestaltungsplans  aufgrund  des  Planungs-

stands nicht möglich erscheint. Sodann trifft zwar der rekurrentische Hinweis, 

wonach der geplante Kiesabbau zu einer Verzögerung der Realisierung des 

Wildtierkorridors führen könne, zu, wobei allerdings aufgrund des Perimeters 

des Wildtierkorridors und der auch westlich des Abbaugebiets vorgesehenen 

Massnahmen  (vgl.  act.  18.8  Anhang  15.12)  eine  schon  in  einem  früheren 

Zeitpunkt mögliche Verbesserung der derzeitigen Situation nicht undenkbar 

erscheint. So oder so ist aber jedenfalls mit Blick auf die - auch unabhängig 

vom  strittigen  Kiesabbau  bestehende  -  Unbestimmtheit  des  Realisierungs-

horizonts des Wildtierkorridors die Bedeutung des entsprechenden dem Kie-

sabbau entgegenstehenden Interesses als relativ gering einzustufen. 

11.1 

Die Rekurrierenden halten dafür, es sei schwer verständlich, warum im ge-

samten Gebiet aus Grundwasserschutz-Überlegungen keine Erdwärmeson-
den  bewilligt  würden,  der  wesentlich  massivere  Eingriff  eines  Jahrzehnte 

dauernden Kiesabbaus aber verträglich sein solle. Der abzubauende Kies-

körper speise direkt die Grundwasserfassungen um Baltenswil und Brüttisel-

len.  Dass  und  weshalb  die  geringfügige  Überdeckung  im  Umfang  des  ge-

setzlichen Minimums von zwei Metern in einem so wichtigen Zuströmbereich 

ausreichend  sei,  werde  nirgends  dargelegt  und erscheine  zweifelhaft.  Das 

Füllmaterial werde in keinem Fall dieselben Filtrier- und Speicherqualitäten 

R3.2022.00117 

Seite 63 

 
 
wie  der  abgebaute  Kies  aufweisen,  weshalb  mit  einer  langfristigen  Ver-

schlechterung der Situation zu rechnen sei, wobei entsprechende Angaben 

oder Auflagen fehlten. 

11.2 

Die  Abbaugebiete  liegen  im  Gewässerschutzbereich  Au,  das  Abbaugebiet 

Chäsen und teilweise auch das Abbaugebiet Rodig überdies im Zuströmbe-

reich Zu bestimmter westlich gelegener Trinkwasserpumpwerke und Grund-

wasserfassungen (vgl. act. 18.10 [Ergänzungsbericht zum UVB], Beilage 2 

[Bericht "Grundwasserverhältnisse und Abbaukoten" der Dr. von Moos AG 

vom 23. Oktober 2017], S. 6; vgl. auch die Gewässerschutzkarte im GIS-ZH). 

Gemäss Art. 44 Abs. 3 des Gewässerschutzgesetzes (GSchG) kann bei ei-

nem  Grundwasservorkommen,  das  sich  nach  Menge  und  Qualität  für  die 

Wassergewinnung eignet, die Ausbeutung von Kies, Sand und anderem Ma-

terial oberhalb des Grundwasserspiegels bewilligt werden, wenn über dem 

höchstmöglichen Grundwasserspiegel eine schützende Materialschicht be-

lassen wird, welche nach den örtlichen Gegebenheiten zu bemessen ist. Ge-

mäss  Anhang  4  Ziff.  211  Abs.  3  lit.  a  der  Gewässerschutzverordnung 

(GSchV) muss bei der Ausbeutung von Kies, Sand und anderem Material im 

Gewässerschutzbereich Au eine schützende Materialschicht von mindestens 

2 m über dem natürlichen, zehnjährigen Grundwasserhöchstspiegel belas-

sen werden. 

Vorliegend  wurden  die  Koten  für  den  Abbau  entsprechend  festgelegt  (vgl. 

die Schnitte in den Plänen der einzelnen Abbaugebiete, act. 18.4 bis 18.6), 

wobei  die  Ermittlung  des  Grundwasserhöchstspiegels  nachvollziehbar  ist 

(vgl. die erwähnte Beilage 2 von act. 18.10). Art. 16 GPV sieht zudem vor, 

dass die Grundwasserverhältnisse im Kiesabbaugebiet während der ganzen 

Betriebsdauer zu überwachen sind. In Übereinstimmung mit den zutreffen-
den Ausführungen der Baudirektion kann festgehalten werden, dass die Re-

kurrierenden sich mit den erfolgten gutachterlichen Abklärungen nicht konk-

ret auseinandersetzen und dass überdies keine konkreten Anhaltspunkte ei-

ner Gefährdung bestehen. Das rekurrentische Vorbringen erweist sich ent-

sprechend als unbegründet, womit insoweit auch kein dem Kiesabbau ent-

gegenstehendes Interesse erkennbar ist. 

R3.2022.00117 

Seite 64 

 
 
12.1 

Die Rekurrierenden weisen im Sinne einer "Anmerkung zur Rodung" darauf 

hin, mit dem Rodungsgesuch (vgl. act. 18.10) würden temporäre Rodungen 
im Ausmass von 41'200 m2 beantragt, wobei Ersatzaufforstungen erst nach 
dem  Rückbau  der  Beförderungsanlagen  geplant  seien.  Nachdem  im  ur-

sprünglichen Rodungsgesuch von einer Dauer von 40 Jahren die Rede ge-

wesen sei, weshalb das BAFU die geplante Rodung als definitive Rodung - 

für welche nach Art. 7 Abs. 1 des Waldgesetzes (WaG) in derselben Gegend 

Realersatz zu leisten sei - beurteilt habe (vgl. act. 6.9), sei das Rodungsge-

such in der Folge auf eine Dauer von "26 Jahre, plus maximal 4 Jahre" kor-

rigiert  worden,  woraufhin  das  BAFU  in  einer  zweiten  Stellungnahme  (act. 

6.10) befunden habe, es liege damit aus waldrechtlicher Sicht keine definitive 

Rodung  mehr  vor.  Unklar  sei  einerseits,  weshalb  das  BAFU  zum  Schluss 

gelangt sei, die Grenze für eine temporäre Rodung liege bei 30 Jahren. Da 

es mindestens 20 Jahre dauere, bis sich nach einer Aufforstung eine eigent-

liche  Waldqualität  einstelle,  wären  das  50  Jahre  waldloser  Zustand,  was 

deutlich zu lange sei. Weiter würden sich die 26 plus maximal 4 Jahre offen-

sichtlich auf die maximalen Abbaudauern gemäss Art. 30 GPV beziehen. Vor 

Beginn  des  Abbaubetriebs  müssten  aber  die  Verladestation  und  die  Er-

schliessungswege erstellt und nach Beendigung alles zurückgebaut werden, 

wofür mit je zusätzlichen 1-2 Jahren zu rechnen sei. Damit handle es sich 

auch dann um eine definitive Rodung, wenn man mit dem BAFU von einer 

30-Jahre-Limite ausgehe. Es fehle aber an Projekten für den demnach erfor-

derlichen Realersatz. 

12.2 

Gemäss  Art.  4  WaG  gilt  als  Rodung  die  dauernde  oder  vorübergehende 

Zweckentfremdung von Waldboden. Für jede Rodung ist gemäss Art. 7 Abs. 

1 WaG in derselben Gegend mit standortgerechten Arten Realersatz zu leis-
ten. Dabei gibt das Waldrecht nicht vor, wie lange die Fristen zur Umsetzung 

des Realersatzes sein sollen oder dürfen, wobei es eine Rolle spielen kann, 

ob die Rodung definitiv oder temporär erfolgt (Nina Dajcar, in: Kommentar 

zum Waldgesetz, Zürich/Genf 2022, Art. 7 Rz. 43 f.). Insbesondere können 

bei temporären Rodungen, wenn am gleichen Ort wieder aufgeforstet wer-

den soll, aber zunächst die Fläche anderweitig genutzt werden soll, wie bei-

spielsweise  bei  Kiesgruben,  deutlich  längere  Fristen  als  üblich  angesetzt 

werden, wobei teilweise davon ausgegangen wird, bei Unmöglichkeit einer 

Wiederaufforstung am gleichen Ort innert 25 Jahren könne in der Regel nicht 

R3.2022.00117 

Seite 65 

 
 
mehr  von  einer  temporären  Rodung  ausgegangen  werden,  sondern  liege 

eine definitive Rodung vor, für die an einem anderen Standort Realersatz zu 

leisten sei (Dajcar, a.a.O., Art. 7 Rz. 46). Generell gilt jedoch, dass die Frist 

den Besonderheiten der Rodung und des sie erfordernden Werks anzupas-

sen ist, weshalb die Fristen bei temporären Rodungen für den Kiesabbau in 

besonderen Fällen, wo eine kürzere Dauer nicht zweckmässig wäre, im Ein-

klang mit der zeitlichen Ausrichtung der entsprechenden Nutzungsplanung 

auf insgesamt höchstens 30 Jahre festgelegt werden können, wobei die Ro-

dungen  etappenweise  zu  erfolgen  haben  (Peter  M.  Keller,  in  Kommentar 

zum Waldgesetz, Art. 5 Rz. 44 und 60; vgl. auch Keller, a.a.O., Art. 4 Rz. 15, 

wo  überdies  für  die  einzelnen  Etappen  von  einer  maximalen  Frist  von  25 

Jahren ausgegangen wird). 

12.3 

Vorliegend bezieht sich das Rodungsgesuch auf Flächen (Verlade- und An-

schlussgleisanlage, Erschliessung), die - zumindest bezüglich der flächen-

mässig  bedeutsamen  Verlade-  und  Anschlussgleisanlage  -  zwangsläufig 

während der gesamten Betriebsdauer genutzt werden müssen, da damit die 

Realisierung des Bahnanteils ermöglicht wird. In diesem Sinn ist eine Etap-

pierung  (im  Gegensatz  zu  den  Abbaugebieten,  für  die  vorliegend  jedoch 

keine  Rodungen  erforderlich  sind)  ausgeschlossen.  Unter  diesen  Umstän-

den  und  mit  Blick  auf  den  Planungshorizont  des  gesamten  Vorhabens  er-

weist sich die Anwendung einer Frist von 30 Jahren entgegen den Rekurrie-

renden als gerechtfertigt und die vom BAFU abgegebene Einschätzung (act. 

6.10) als zutreffend. 

Was sodann den Umstand betrifft, dass bereits für den Abbau unter Berück-

sichtigung der Reservezeiten eine Dauer von 30 Jahren resultiert, während 

bezüglich der Dauer der Rodung der Zeitbedarf für Erstellung und Abbau der 
fraglichen Anlagen mitzuberücksichtigen ist, so erweist sich primär als ent-

scheidend, dass massgeblich für die Beurteilung des temporären Charakters 

der erforderlichen Rodung die im Rodungsgesuch - bzw. einer zukünftigen 

Rodungsbewilligung - genannte Dauer von insgesamt 30 Jahren ist, welche 

- in Übereinstimmung mit dem zutreffenden Hinweis der Baudirektion - die 

Zeit für Erstellung und Abbau mitumfasst. Dass sich unter diesen Umständen 

die  in  Art.  30  GPV  vorgesehenen  Dauern  der  Abbauphasen  nicht  als  un-

zweckmässig - da in Widerspruch zum Rodungsgesuch stehend - erweisen, 

ist darauf zurückzuführen, dass zwar mit Blick auf die Befristung der Rodung 

R3.2022.00117 

Seite 66 

 
 
ein  vollständiges  Ausnützen  der  jeweiligen  Reservefristen  (für  den Abbau) 

nicht  möglich  sein  wird,  dass  aber  der  mit  diesen  eingeräumte  Spielraum 

nichtsdestotrotz  sinnvoll  ist,  da  nicht  im  Voraus  absehbar  ist,  in  welcher 

Etappe sich eine - als bloss teilweise ohne weiteres denkbare - Inanspruch-

nahme der Reservefristen als zweckmässig erweisen wird. 

Damit ergibt sich zusammenfassend zum einen, dass entgegen den Rekur-

rierenden von einer temporären Rodung auszugehen ist und entsprechend 

das Fehlen von Projekten für den Realersatz dem strittigen Abbauvorhaben 

nicht entgegensteht. Zum andern ist bezüglich der Interessenabwägung zu 

berücksichtigen, dass es sich bei der erforderlichen Rodung zwar um eine 

temporäre handelt, für die jedoch die maximal zulässige Frist zur Anwendung 

gelangt, so dass in zeitlicher Hinsicht von einem empfindlichen Eingriff aus-

zugehen ist. Demgegenüber liegt flächenmässig kein besonders intensiver 

Eingriff  vor,  nachdem  wie  erwähnt  insbesondere  die  Abbaugebiete  selbst 

keiner Rodungen bedürfen. 

13.1 

In der Replik bringen die Rekurrierenden erstmals vor, die Kiesgrube hätte 

auch  Auswirkungen  auf  das  Ortsbild  bzw.  auf  schutzwürdige  Objekte  am 

Ortsrand. So werde im kommunalen Inventar der schützenswerten Bauten 

und Anlagen dem alten Schulhaus […] bescheinigt, dass es einen herausra-

genden Situationswert besitze und für das Ortsbild von hoher Bedeutung sei. 

In Richtung des geplanten Kiesabbaugebiets im Südwesten sei der Standort 

in der Nutzungsplanung daher immer freigehalten worden. Dieser Situations-

wert werde beeinträchtigt. 

13.2 
Das fragliche Vorbringen erfolgt verspätet, weshalb an sich nicht weiter da-

rauf einzugehen ist. Der Vollständigkeit halber ist jedoch darauf hinzuweisen, 

dass die geltend gemachte Beeinträchtigung auch materiell nicht ersichtlich 

ist. So weist das fragliche Objekt, welches sich zwar in der ersten Bautiefe, 

aber  auf  der  etwas  zurückversetzt  gelegenen  Parzelle  Kat.-Nr. 2  befindet, 

einen Abstand von über 350 m zum nächstgelegenen Abbaugebiet Chäsen 

auf. Auch lassen sich dem Inventarblatt des unter der Nr. 32 im kommunalen 

Inventar figurierenden Objekts (vgl. https://www.lindau.ch/raumplanung; zu-

letzt  besucht  am  11. November  2022)  keine  Hinweise  darauf  entnehmen, 

R3.2022.00117 

Seite 67 

 
 
dass für die Wahrnehmung des Schulhauses ein (sehr) ausgedehnter unbe-

rührter Freiraum von besonderer Bedeutung wäre. Davon ausgehend, dass 

bei Fehlen spezifischer gegenteiliger Hinweise der Geltungsbereich eines In-

ventareintrags - analog demjenigen einer Schutzverfügung - regelmässig nur 

bis zur Grundstücksgrenze der fraglichen Liegenschaft reicht, entfällt in der 

vorliegenden Konstellation auch von vornherein die Notwendigkeit einer das 

fragliche Objekt betreffenden Schutzabklärung. Zusammenfassend ist somit 

- in Übereinstimmung mit den zutreffenden Ausführungen der Baudirektion - 

festzuhalten,  dass  die  (verspätet)  geltend  gemachte  Beeinträchtigung  des 

inventarisierten  Denkmalschutzobjekts  nicht  ersichtlich  ist,  wobei  sich  auf-

grund  der  offenkundigen  Unbegründetheit  der  fraglichen  Rüge  ein  Augen-

schein auch bezüglich dieses Vorbringens als entbehrlich erwies. Entspre-

chend  stehen  dem  geplanten  Abbauvorhaben  keine  Interessen  des  Denk-

malschutzes und des - seitens der Rekurrierenden nicht näher spezifizierten 

- Ortsbildschutzes gegenüber. 

14. 

In beiden Rekursverfahren äussern sich die Rekurrierenden nicht spezifisch 

zum Aspekt der mit dem geplanten Kiesabbau verbundenen - vorübergehen-

den - Inanspruchnahme von Fruchtfolgeflächen (FFF). Auch dieser Aspekt 

ist jedoch in eine umfassende Interessenabwägung miteinzubeziehen, wobei 

sich überdies spezifische Fragen bezüglich der erforderlichen Kompensation 

stellen können (vgl. hinsichtlich eines "plan d'extraction" für den Kiesabbau 

BGr 1C_243/2020 vom 8. September 2021, E. 5, insb. 5.4). 

Vorliegend wurde der Aspekt der mit dem geplanten Kiesabbaugebiet ver-

bundenen vorübergehenden Beanspruchung von FFF bereits in die Interes-

senabwägung  auf  Stufe  des  kantonalen  Richtplans  miteinbezogen  (vgl. 
E. 4.3.3). Dabei gilt Kiesabbau als temporäre Nutzung im Landwirtschaftsge-

biet, womit die Kompensationspflicht sich grundsätzlich auf den Umstand be-

zieht, dass die beanspruchten FFF nach dem Abbau wiederherzustellen sind 

(vgl. hierzu auch den Erläuterungsbericht zur Gesamtüberprüfung 2014 des 

kantonalen Richtplans, S. 125 zu Einwendung Nr. 457). In diesem Sinn und 

in Übereinstimmung mit den richtplanerischen Vorgaben (vgl. allgemein Pt. 

3.2.2  und  3.2.3  lit.  a  sowie  spezifisch  zu  Materialgewinnungsgebieten  Pt. 

5.3.1 des Richtplantexts) hält Art. 23 GPV fest, der Verlust an Fruchtfolgeflä-

chen  müsse  flächengleich  und  gleichwertig  kompensiert  werden.  Wie  sich 

R3.2022.00117 

Seite 68 

 
 
dem UVB entnehmen lässt, werden durch den Kiesabbau FFF im Umfang 

von 33 ha tangiert, wobei es sich grösstenteils um temporär beanspruchte 

FFF handelt. Auf 15 % der Flächen (5,5 ha), auf welchen baulich in den Bo-

den eingegriffen wird, werden jedoch naturnahe Flächen (NNF) ausgebildet, 

auf denen  kein  Boden  mehr  aufgetragen  wird.  Dies bedeutet,  dass  4,8  ha 

FFF durch das Projekt verloren gehen (act. 18.8 S. 39). Dabei ist aufgrund 

der Erwähnung des Verlusts im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung 

offenkundig, dass auch dieser Aspekt in die Interessenabwägung auf Stufe 

des Gestaltungsplans eingeflossen ist. 

Bezüglich der Kompensation des fraglichen Verlusts weist der UVB sodann 

darauf hin, diese erfolge durch Aufwertung von Böden ausserhalb des Pro-

jektperimeters.  In  Frage  kämen  dabei  nur  Böden,  die  bereits  anthropogen 

verändert seien. Es mache Sinn, die Kompensation auf möglichst wenigen, 

dafür grösseren Flächen durchzuführen. Im Rahmen dieses Projekts seien 

keine Abklärungen  zu möglichen  Kompensationsflächen  durchgeführt  wor-

den. Weitergehende Abklärungen seien im Rahmen der Endphase in einem 

separaten Projekt durchzuführen (act. 18.8 S. 41). Dieses Vorgehen könnte 

prima  vista  problematisch  erscheinen,  da  grundsätzlich  eine  Prüfung  der 

Kompensationsmöglichkeiten bereits auf Stufe Nutzungsplanung zu erfolgen 

hat (vgl. [allerdings im Kontext einer Durchstossung des Landwirtschaftsge-

biets, die vorliegend - wie in E. 5.3 dargelegt - aufgrund des Richtplanein-

trags des Abbaugebiets gerade zu verneinen ist] BRGE IV Nrn. 0074/2022 

und 0075/2022 vom 28. April 2022, E. 8.1; www.baurekursgericht-zh.ch; mit 

weiteren Hinweisen). Der genannte Grundsatz ist in der vorliegenden Kons-

tellation allerdings zu relativieren: Wie sich dem Bericht zu den Einwendun-

gen  (zum  angefochtenen  kantonalen  Gestaltungsplan)  entnehmen  lässt, 

können  gemäss  Dienstanweisung  zum  Merkblatt  "Ressource  Boden  und 

Sachplan Fruchtfolgeflächen" der Baudirektion durch die Schaffung naturna-
her Flächen verlustig gehende FFF bei Materialabbau- und Deponievorha-

ben auf Abbau- oder Deponiestandorten kompensiert werden, die zum Zeit-

punkt der Erhebung der FFF (2009) noch nicht rekultiviert waren und daher 

nicht als FFF galten. Dadurch stünden in den nächsten Jahrzehnten genü-

gend Kompensationsflächen zur Verfügung (act. 18.11 S. 20 f. zu Einwen-

dung Nr. 36). Der fragliche Hinweis erfolgt in Ziff. 5.2 der genannten, vom 

Mai 2011 datierenden Weisung (abrufbar unter https://www.zh.ch/de/planen-

bauen/bauvor-schriften/bodenschutz/fruchtfolgeflaechen.html;  zuletzt  be-

sucht  am  11.  November  2022)  unter  ausdrücklicher  Bezugnahme  auf  die 

R3.2022.00117 

Seite 69 

 
 
Vorgabe einer  Überführung  von  15  %  der Gesamtfläche  in naturnahe  Flä-

chen. Entsprechend kann davon ausgegangen werden, dass für diesen spe-

zifischen Anwendungsfall der Kompensation die Verfügbarkeit genügender 

Kompensationsflächen  generell  zu  bejahen  ist,  womit  sich  der  Umstand, 

dass vorliegend auf Stufe des Gestaltungsplans keine näheren Abklärungen 

zu  konkreten  Kompensationsmöglichkeiten  erfolgten,  als  unproblematisch 

erweist. 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Aspekt der (grundsätzlich 

temporären)  Beanspruchung  von  FFF  zwar  ein  dem öffentlichen  Interesse 

am geplanten Kiesabbau gegenläufiges Interesse darstellt, dieses aber in-

sofern zu relativieren ist, als einerseits die Beanspruchung der Flächen etap-

penweise erfolgt, womit sich die Dauer der Beanspruchung erheblich redu-

ziert, während andererseits eine umfassende Kompensation (primär mittels 

Wiederherstellung  der  verwendeten  Flächen,  im  Umfang  der  Verluste  zu-

folge Umwandlung in NNF durch Aufwertung von Ersatzflächen) erfolgt. 

15. 

Im Sinne der in E. 5.3 in Aussicht gestellten, nunmehr vorzunehmenden um-

fassenden  Beurteilung  der  vorinstanzlichen  Interessenabwägung  auf  Stufe 

Gestaltungsplan lässt sich festhalten was folgt: Die vorstehend als massge-

blich erkannten Interessen wurden - wie sich insbesondere dem Planungs-

bericht in Verbindung mit dem UVB sowie dem Bericht zu den Einwendungen 

entnehmen  lässt  -  seitens  der  Vorinstanz  umfassend  ermittelt,  wobei  die 

Würdigung der jeweiligen Interessen in nachvollziehbarer und sachgerechter 

Weise  erfolgt  ist.  Dabei  wurde  im  letztlich  im  Sinne  einer  Optimierung  der 

Interessen  zu  treffenden  Entscheid  zu  Recht  -  gestützt  auf  die  bereits  auf 

Stufe des kantonalen Richtplans erfolgte Interessenabwägung - von einem 
sehr erheblichen öffentlichen Interesse an einem zugleich dem Einbau von 

Auffüllmaterial  dienenden  Materialgewinnungsgebiet  im  fraglichen  Gebiet 

ausgegangen  (vgl.  zur  Begründung  dieser  Bewertung  E. 4.3.2).  Bezüglich 

weiterer raumbezogener Interessen wurde zunächst dem Aspekt des Land-

schaftsschutzes  im  Ergebnis  zu  Recht  keine  besondere  Bedeutung  zuer-

kannt (vgl. E. 6) und die (temporäre) Beanspruchung des Landwirtschaftsge-

biets  ebenfalls  zu  Recht  nicht  als  bedeutsames  entgegenstehendes  Inte-

resse gewichtet (vgl. E. 14). Hinsichtlich der (relativen) Siedlungsnähe wurde 

R3.2022.00117 

Seite 70 

 
 
sodann zu Recht berücksichtigt, dass die insoweit entscheidenden immissi-

onsschutzrechtlichen  Auswirkungen  durch  zahlreiche  Massnahmen  be-

grenzt  werden  können:  Insbesondere  kann  bezüglich  der  Luftreinhaltung 

vom  Fehlen  relevanter  Veränderungen  der  Immissionsbelastungen  ausge-

gangen  werden,  während  spezifisch  die  Staubbegrenzung  betreffend  eine 

übermässige  Belastung  durch  die  vorgesehenen  Massnahmen  verhindert 

wird (vgl. im Einzelnen act. 18.8 S. 18 ff. sowie die in der Festsetzungsver-

fügung erfolgenden Vorgaben betreffend allfällige zukünftige Massnahmen 

[act. 4 S. 8]). Betreffend Betriebs- und Verkehrslärm ist - letzteres betreffend 

jedenfalls  im  Ergebnis  (unter  Berücksichtigung  der  anzuordnenden  Ände-

rung von Art. 10 GPV) - ebenfalls von einer beschränkten Zunahme der Im-

missionen auszugehen (vgl. E. 7 und 8). Damit werden zugleich die geltend 

gemachten  privaten  (und  abgeleiteten  öffentlichen)  finanziellen  Interessen 

relativiert (vgl. bereits E. 5.3). Unberücksichtigt bleiben konnten sodann die 

seitens der Rekurrierenden des Verfahrens G.-Nr. R3.2022.00117 ins Feld 

geführten Interessen des Erhalts des Naherholungsgebiets (vgl. E. 9), des 

Grundwasserschutzes  (vgl.  E.  11)  und  des  Denkmalschutzes  (vgl.  E.  13), 

während  das  Interesse  an  einer  raschen  Realisierung  der Wildtierquerung 

aufgrund der entsprechenden Planungsgeschichte zumindest zu relativieren 

ist (vgl. E. 10). Bezüglich der Beanspruchung des Waldes durch temporäre 

Rodung  ist  sodann  die  Erheblichkeit  des  zeitlichen  Aspekts  zur  einge-

schränkten Bedeutung des räumlichen Aspekts in Beziehung zu setzen, wo-

mit im Ergebnis auch diesem Interesse keine überragende Bedeutung zuer-

kannt wurde (vgl. E. 12). Zusammenfassend ergibt sich, dass die Baudirek-

tion  gestützt  auf  eine  umfassende  Interessenabwägung  zu  Recht  den  das 

strittige  Abbauvorhaben  ermöglichenden  Gestaltungsplan  festgesetzt  und 

nicht  in Abweichung  von  der  rechtmässigen richtplanerischen  Festsetzung 

(vgl. dazu E. 4) deren nutzungsplanerische Umsetzung verweigert hat. Die 

entsprechende  Rüge  einer  unvollständigen  und  fehlerhaften  Interessenab-
wägung  auf  Stufe  des  kantonalen  Gestaltungsplans  erweist  sich  somit  als 

unbegründet. Bei diesem Ergebnis entfällt selbstredend auch die im Verfah-

ren G.-Nr. R3.2022.00117 im Sinne eines Eventualantrags verlangte Strei-

chung der Etappe Nord (Chäsen) aus dem kantonalen Gestaltungsplan. 

R3.2022.00117 

Seite 71 

 
 
16.1.1 

Die  Rekurrierenden  im  Verfahren  G.-Nr.  R3.2022.00118  stellen  verschie-

dene weitere Eventualanträge, die nachfolgend (E. 16.1 bis 16.3) zu behan-

deln sind. Gemäss Antrag 2 machen sie geltend, der in Art. 5 Abs. 1 GPV 

vorgesehene Abstand ab Böschungskrone der Gruben zum Siedlungsrand 

von 250 m sei gegenüber dem Gebiet an der Neustadtstrasse nicht einge-

halten, da er fälschlicherweise von der Südfassade des Gebäudes Neustadt-

strasse 6 anstatt von der Zonengrenze aus gemessen worden sei. Im privat-

rechtlichen Vertrag der K AG mit den Gemeinden sei ein Abstand von 250 m 

zum  Siedlungsgebiet vereinbart,  weshalb  es  unzweckmässig  sei,  wenn  im 

Gestaltungsplan ein kleinerer, aufgrund der Vereinbarung gar nicht ausführ-

barer Abstand bestimmt würde. Weiter beanstanden die Rekurrierenden, der 

geplante Schutzwall von 3 m Höhe sei zu tief. Die Wirksamkeit und die Lärm-

reduktion seien im Gestaltungsplan nicht ausgewiesen. Der Wall müsse min-

destens  auf  5  m  erhöht  werden,  da  der  Abbau  praktisch  an  der  höchsten 

Stelle des Gebiets beginne und der auf wesentlich tieferem Geländeniveau 

vorgesehene Schutzwall daher lange Zeit kaum Wirkung entfalte. Entgegen 

dem Bericht zu den Einwendungen könne der Wall mit dem abzubauenden 

Bodenmaterial ohne weiteres auf eine Höhe von 5 m geschüttet werden. 

16.1.2 

Hinsichtlich  der monierten  Messweise des Mindestabstands  von 250  m  ist 

vorab darauf hinzuweisen, dass zwischen dem in Art. 5 Abs. 1 GPV verwen-

deten  Begriff  des  Siedlungsrandes  und  dem  im  privatrechtlichen  Vertrag 

(act. 18.7.1  Ziff.  2.2)  verwendeten  des  Siedlungsgebiets  prima  vista  keine 

Diskrepanz  besteht.  Entscheidend  ist  damit,  ob  die  im  Situationsplan  (act. 

18.3)  ausgewiesene  Messweise  bis  zur  Fassade  des  rekurrentischen  Ge-

bäudes (anstatt bis zur Zonengrenze) mit dieser Begrifflichkeit kompatibel ist 

bzw. sie in zulässiger Weise konkretisiert oder ob insoweit eine widersprüch-
liche gestaltungsplanerische Festlegung vorliegt. Letzteres ist - in Überein-

stimmung mit den zutreffenden Ausführungen der Rekursgegnerschaft - zu 

verneinen, ist doch die Begrifflichkeit als solche nicht eindeutig, während der 

primär immissionsbegrenzende Zweck des Mindestabstands die zur Anwen-

dung gebrachte Messweise jedenfalls nicht als unhaltbar erscheinen lässt. 

Soweit im Übrigen im Sinne eines zusätzlichen Arguments der Rekurrieren-

den auf den rekurrentischen Grundstücken näher an der Grundstücksgrenze 

liegende  Gebäude  realisiert  werden  sollten,  wäre  eine  entsprechende  An-

R3.2022.00117 

Seite 72 

 
 
passung des Abbauperimeters um wenige Meter im Rahmen der Baubewil-

ligung  problemlos  möglich.  Damit  besteht  für  einen  korrigierenden  Eingriff 

bereits auf Stufe Gestaltungsplan keine Veranlassung. 

Bezüglich der Höhe des geplanten Schutzwalls ist aufgrund der rekurrenti-

schen Ausführungen nicht dargetan, dass eine Anpassung der Vorgaben in 

Art. 14 Abs. 2 und 3 GPV (Mindesthöhe von 3 m plus Hecke mit Pflanzen in 

Höhe von mindestens 2 m zu Beginn des Abbaus) geboten und die entspre-

chenden Masse nicht vom planerischen Ermessen der Vorinstanz gedeckt 

wären. Plausibel ist insbesondere der vorinstanzliche Hinweis, wonach sich 

die fragliche Höhe aufgrund der Anforderungen des Bodenschutzes ergebe. 

Das seitens der Rekurrierenden genannte Problem der (zeitlich) begrenzten 

Wirkung des Schutzwalls in Abhängigkeit vom Stand des Abbaus bzw. der 

Auffüllung  (vgl.  dazu  bereits  E.  2.3.1)  würde  sich  im  Übrigen  -  lediglich  in 

veränderter Form - auch bei Anpassung der Höhe stellen. Entscheidend ist 

insoweit, dass gemäss dem UVB - wie bereits dargelegt - die durch einen 

Wall  teilweise  beeinflussbaren  Immissionen  (namentlich  Betriebslärm  und 

Staub)  den  gesetzlichen  Vorgaben entsprechen; dass unter  dem Titel des 

allgemeinen umweltrechtlichen Vorsorgeprinzips eine Erhöhung des Schutz-

walls zwingend erforderlich wäre, lässt sich sodann - namentlich mit Blick auf 

die erwähnte bodenschutzrechtliche Problematik - nicht behaupten. 

Zusammenfassend sind die Eventualanträge gemäss Antrag 2 abzuweisen. 

16.2 

In Antrag 4 monieren die Rekurrierenden, aufgrund der Angaben in den Plä-

nen liessen sich die räumlichen Wirkungen der Förderbandanlagen nicht ab-

lesen. Der Gestaltungsplan sei insoweit ungenügend. 

In  den  Plänen  ist  die  Lage  der  fest  montierten  Förderbänder  schematisch 

festgehalten.  In  Übereinstimmung  mit  den  zutreffenden  Ausführungen  der 

Baudirektion ist demgegenüber eine Visualisierung der mobilen Teile nicht 

sinnvoll, da sich deren Lage zwecks Sicherstellung eines effizienten Materi-

alabbaus  verändern  wird.  Plausibel  ist  sodann  der  Hinweis,  dass  die  kon-

krete Erscheinung der Förderbänder einer Prüfung im Baubewilligungsver-

fahren vorbehalten bleiben soll, erscheinen die von den Rekurrierenden ge-

forderten Präzisierungen doch im Gestaltungsplanverfahren nicht als stufen-

gerecht. Auch dieser Eventualantrag ist mithin abzuweisen. 

R3.2022.00117 

Seite 73 

 
 
16.3.1 

Schliesslich beanstanden die Rekurrierenden mit Antrag 6, nach dem Mitwir-

kungsverfahren sei in Art. 4 Abs. 2 GPV die Ergänzung eingefügt worden, 

wonach für den Fall, dass Tunnelausbruch aus dem Brüttenertunnel mit dem 

Förderband antransportiert und in die Kiesgrube eingebaut werde, die maxi-

mal zulässige offene Grubenfläche auf 10.0 ha erhöht werden könne. Es sei 

zu beanstanden, dass eine so wesentliche Änderung nachträglich direkt mit 

der Festsetzung erfolge. Im UVB sei ein solches Eventualszenario nicht ge-

prüft worden. So wesentliche Änderungen einer Vorlage müssten auf deren 

gesamtheitliche  Auswirkungen  geprüft  werden  und  zwingend  zu  einer  teil-

weisen  Wiederholung  des  Mitwirkungsverfahrens  führen.  Auch  im  privat-

rechtlichen Vertrag sei festgehalten, dass die offene Fläche nie mehr als 4 

ha betragen dürfe. Es wäre unzweckmässig, wenn der Gestaltungsplan nun 

bis  zu  10  ha  offener  Fläche  bewilligen  würde  und  diese  Bestimmung  auf-

grund der Verpflichtungen aus dem privatrechtlichen Vertrag gar nie ange-

wendet werden könnte. Eine Fläche von 10 ha entspräche der ganzen sied-

lungsnahen und landschaftlich empfindlichsten Etappe Nord, deren Gebiet 

dann  10  Jahre  lang  offengehalten  werden  könnte.  Zweckmässigerweise 

müssten dann für bestimmte Teilflächen Zwischentermine und ein bestimm-

tes, stark gekürztes Enddatum festgelegt werden. 

16.3.2 

Die fragliche Ergänzung von Art. 4 Abs. 2 GPV erfolgte aufgrund entspre-

chender Einwendungen  im  Mitwirkungsverfahren  (vgl.  act.  18.11, S. 29  zu 

Einwendungen Nrn. 48 und 49). Dass diese berücksichtigt wurden und die 

letztlich festgesetzte Fassung nicht erneut einem Mitwirkungsverfahren un-

terstellt wurde, ist nicht zu beanstanden. Bei der Anhörung gemäss § 7 Abs. 

2 PBG handelt es sich um eine der politischen Einflussnahme dienende Form 

der Mitwirkung im Sinne von Art. 4 Abs. 2 RPG. Diese ist vom individuellen 
Rechtsschutz  (mit  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs)  zu  unterscheiden, 

wobei das Bundesrecht letzteren betreffend mit Art. 33 RPG auch ein Ver-

fahren genügen lässt, in dem sich Betroffene erst gegenüber der Rechtsmit-

telinstanz erstmalig rechtlich zur Wehr setzen können und nicht schon ge-

genüber der Planungsbehörde (BGE 135 II 286, E. 5.3). Unter diesem Titel 

besteht somit kein Anspruch auf erneute Durchführung eines Mitwirkungs-

verfahrens, sondern erweist es sich als zulässig, den Betroffenen bezüglich 

der nachträglichen Änderungen auf den Rechtsmittelweg zu verweisen. Zu 

R3.2022.00117 

Seite 74 

 
 
beachten ist überdies, dass zur Thematisierung derjenigen Aspekte, auf wel-

che  sich  die  beanstandete  Änderung  gegebenenfalls  auszuwirken  vermag 

(vgl. dazu sogleich), bereits aufgrund der im Mitwirkungsverfahren bekann-

ten Ausgestaltung Veranlassung bestand, so dass durch die Änderung ge-

rade keine gänzlich neuartigen Fragen zur Diskussion gestellt werden. 

Ebenfalls nicht zu wiederholen war vorliegend die Umweltverträglichkeitsprü-

fung. Die fragliche Änderung wirkt sich primär bezüglich des Eingriffs in die 

Landschaft  aus,  dem  allerdings  -  wie  in  E.  6  dargelegt  -  vorliegend  keine 

besondere  Bedeutung  zukommt,  erst  recht  nicht  in  den  für  den  allfälligen 

Einbau  von  Ausbruchmaterial  des  Brüttenertunnels  voraussichtlich  in  Be-

tracht fallenden Abbaugebieten der Etappe Süd (vgl. zur zeitlichen Planung 

des Brüttenertunnels act. 18.17). Unzutreffend ist insoweit auch der rekur-

rentische  Hinweis  auf  die  Flächenverhältnisse,  umfasst  das  Abbaugebiet 

Chäsen doch gemäss Art. 2 Abs. 3 GPV 17 ha, so dass es mitnichten der 

gegebenenfalls zulässigen offenen Fläche von 10 ha entspricht. Was sodann 

die Belastung durch Immissionen (insbesondere Lärm und Staub) anbelangt, 

so kann zwar ein gewisser Einfluss der Vergrösserung der zulässigen offe-

nen Fläche auf die entsprechenden Auswirkungen nicht von vornherein aus-

geschlossen werden. Mit Blick darauf, dass für beide genannten Immissions-

arten wie bereits in anderem Kontext erwähnt im Gestaltungsplan und in der 

Festsetzungsverfügung  Vorgaben  bestehen,  welche  die  zukünftige  Einhal-

tung  der  Planungswerte  und  des  Prinzips  der  vorsorglichen  Emissionsbe-

grenzung  sicherstellen,  ist  jedoch  gewährleistet,  dass  auch  eine  Verände-

rung des Masses der zulässigen offenen Flächen nicht zu einer Missachtung 

der gesetzlichen immissionsschutzrechtlichen Vorgaben führt. Auch besteht 

insoweit - wie ebenfalls bereits erwähnt - bezüglich der Luftreinhaltung ein 

erheblicher und betreffend Betriebslärm mit Ausnahme des Empfangspunkts 

1 ebenfalls ein gewisser Spielraum, wobei hinsichtlich der Lärmimmissionen 
überdies  zu  berücksichtigen  ist,  dass  bei  Nutzung  der  Synergien  mit  dem 

Bau  des  Brüttenertunnels  für  die  Auffüllphasen  eine  erhebliche  Reduktion 

der LKW-Fahrten resultieren würde. Hierin liegt denn auch die Zweckmäs-

sigkeit der strittigen Änderung von Art. 4 Abs. 2 GPV, wobei das Offenhalten 

grösserer Flächen aufgrund des kontinuierlichen und schnellen Anfalls von 

Ausbruchmaterial erforderlich ist, was aber zugleich eine insgesamt raschere 

Auffüllung zur Folge hätte. Dieser spezifische Vorteil relativiert denn auch die 

bei Erhöhung des zulässigen Masses offener Flächen entstehende Diskre-

panz zu den Ausführungen im Erläuterungsbericht zur Gesamtüberprüfung 

R3.2022.00117 

Seite 75 

 
 
2014 des kantonalen Richtplans (wo von kleinen offenen Flächen die Rede 

ist).  Unproblematisch  erscheint  schliesslich  die  geltend  gemachte  Diskre-

panz zu Ziff. 1.1 des privatrechtlichen Vertrags, da dieser zwar der Realisie-

rung  der  im  Gestaltungsplan  geschaffenen  Möglichkeit  entgegenstehen 

würde, jedoch gerade mit Blick auf die Zweckmässigkeit einer entsprechen-

den Lösung eine nachträgliche Anpassung des Vertrags nicht ausgeschlos-

sen  erscheint  (vgl.  zur  positiven  Grundhaltung  der  Gemeinde  Lindau  act. 

18.11, S. 40 zu Einwendung Nr. 77). 

Damit  ergibt  sich  zusammenfassend,  dass  auch  der  Eventualantrag  auf 

Streichung des letzten Satzes von Art. 4 Abs. 2 GPV abzuweisen ist. Eben-

falls nicht stattzugeben ist dem nicht näher begründeten Antrag auf Festset-

zung eines abweichenden Enddatums, da eine solche Vorgabe angesichts 

der  zeitlichen  Unwägbarkeiten  hinsichtlich  der  Realisierung  des  Brüt-

tenertunnels ihrerseits unzweckmässig wäre. 

17. 

Zusammengefasst  ist  der  Rekurs  im  Verfahren  G.-Nr.  R3.2022.00117  teil-

weise gutzuheissen. Demgemäss sind Art. 9, 10 und 32 Abs. 1 GPV im Sinne 

der subeventualiter gestellten Anträge neu zu fassen. Im Übrigen ist der Re-

kurs abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. 

Der Rekurs im Verfahren G.-Nr. R3.2022.00118 ist abzuweisen. 

18.1 

Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten zu je 9/140, unter solidarischer 

Haftung für 9/20 der Verfahrenskosten, den sieben rekurrentischen Parteien 
des Verfahrens G.-Nr. R3.2022.00117, zu je 1/6, unter solidarischer Haftung 

für  die  Hälfte  der  Verfahrenskosten  den  drei  rekurrentischen  Parteien  des 

Verfahrens  G.-Nr.  R3.2022.00118  und  zu  je  1/40  der  Baudirektion  Kanton 

Zürich und der K AG aufzuerlegen (§ 13 VRG).  

Nach § 338 Abs. 1 PBG bzw. § 2 der Gebührenverordnung des Verwaltungs-

gerichts (GebV VGr) legt das Baurekursgericht die Gerichtsgebühr nach sei-

nem Zeitaufwand, nach der Schwierigkeit des Falls und nach dem bestimm-

baren  Streitwert  oder dem  tatsächlichen  Streitinteresse fest.  Liegt  wie  hier 

R3.2022.00117 

Seite 76 

 
 
ein Verfahren ohne bestimmbaren Streitwert vor, beträgt die Gerichtsgebühr 

in der Regel Fr. 500.-- bis Fr. 50'000.-- (§ 338 Abs. 2 PBG; § 3 Abs. 2 GebV 

VGr). In besonders aufwendigen Verfahren kann die Gerichtsgebühr bis auf 

das Doppelte erhöht werden (§ 4 Abs. 1 GebV VGr). Bei der Bemessung der 

Gebührenhöhe steht der Rekursinstanz ein grosser Ermessensspielraum zu 

(Kaspar Plüss, in: Kommentar VRG, § 13 Rz. 25 ff.).  

Im Lichte des vorliegend gegebenen tatsächlichen Streitinteresses (kantona-

ler Gestaltungsplan betreffend Kiesabbau in einem 45 ha umfassenden Ge-

staltungsplanperimeter für eine Dauer von maximal 30 Jahren), der Vereini-

gung mehrerer Rekursverfahren sowie des Umfangs des vorliegenden Ur-

teils, ist die Gerichtsgebühr auf Fr. 20'000.-- festzusetzen (BGr 1C_566/2015 

vom 18. Februar 2016, E. 2; BGr 1C_244/2013 vom 4. Juli 2013, E. 4; BRGE 

II Nrn. 0162 und 0163/2012 vom 23. Oktober 2012, E. 16, in BEZ 2014 Nr. 

36; Entscheid bestätigt mit VB.2012.00774 vom 22. August 2013, dieser be-

stätigt  mit  BGr  1C_810/2013  vom  14.  Juli  2014;  www.baurekursgericht-

zh.ch). 

18.2 

Gemäss § 17 Abs. 2 lit. a VRG kann im Rekursverfahren und im Verfahren 

vor dem Verwaltungsgericht die unterliegende Partei oder Amtsstelle zu ei-

ner  angemessenen  Entschädigung  für  die  Umtriebe  der  Gegenpartei  ver-

pflichtet werden, wenn die rechtsgenügende Darlegung komplizierter Sach-

verhalte und schwieriger Rechtsfragen besonderen Aufwand erforderte  oder 

den Beizug eines Rechtsbeistandes rechtfertigte. Die Bemessung der Um-

triebsentschädigung richtet sich nach § 8 GebV VGr. 

Der Beizug eines Rechtsbeistandes ist in aller Regel als Grund für die Zu-

sprechung  einer  Umtriebsentschädigung  einzustufen  (VB.2003.00093  vom 
16. Oktober 2003, E. 3.1.). Demnach ist vorliegend der K AG zulasten der 

solidarisch haftbaren sieben rekurrentischen Parteien des Verfahrens G.-Nr. 

R3.2022.00117  eine  dem  teilweisen  Unterliegen  entsprechend  reduzierte 

Umtriebsentschädigung in Höhe von Fr. 1'360.-- und zulasten der solidarisch 

haftbaren  drei 

rekurrentischen  Parteien  des  Verfahrens  G.-Nr. 

R3.2022.00118 eine Umtriebsentschädigung in Höhe von Fr. 1'700.-- zuzu-

sprechen.  Da  die  Umtriebsentschädigung  pauschal festgelegt  wird,  entfällt 

die  Zusprechung  eines  Mehrwertsteuerzusatzes  von  vornherein  (BRKE II 

Nrn. 0247 und 0248/2007 in BEZ 2007 Nr. 56; www.baurekursgericht-zh.ch). 

R3.2022.00117 

Seite 77 

 
 
Den Rekurrierenden beider Verfahren steht bei diesem Verfahrensausgang 

von vornherein keine Umtriebsentschädigung zu. 

R3.2022.00117 

Seite 4 

 
 
R3.2022.00117 + R3.2022.00118 / Protokoll Seite 5