# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3330e216-1c7f-573b-b4af-7f3908e64513
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-29
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 29.08.2011 E-3099/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3099-2010_2011-08-29.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­3099/2010

U r t e i l   v om   2 9 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz),
Richter Gérald Bovier, Richterin Gabriela Freihofer,
Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli.

Parteien A._______, geboren am (…), Türkei,  
vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, 
(…),

Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 23. März 2010 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Eigenen Angaben  zufolge  verliess  der Beschwerdeführer  die Türkei  am 
7. Mai  2008,  gelangte  am  14. Mai  2008  in  die  Schweiz  und  suchte  am 
28. Mai  2008  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  Vallorbe  um  Asyl 
nach, wo er am 11. Juni 2008 erstmals befragt wurde. Das BFM hörte ihn 
am 17.  Juli  2008  zu  den Asylgründen  an.  Im Wesentlichen machte  der 
Beschwerdeführer  geltend,  er  sei  kurdischer  Ethnie  und  stamme  aus 
B._______  (Provinz  C._______).  Er  sei  politisch  nie  aktiv  gewesen. 
Allerdings  hätten  er  und  seine  Familie  wegen  ihrer  ethnischen 
Zugehörigkeit,  aber  auch  wegen  ihres  politisch  aktiven  und  deshalb  zu 
einer  Gefängnisstrafe  verurteilten  Verwandten,  D._______,  unter 
polizeilichem  Druck  gestanden.  Deshalb  sei  die  Familie  im  Jahre  2002 
nach  E._______  Provinz  übersiedelt.  Nach  Abschluss  der  Mittelschule 
habe auch er  sich nach E._______ begeben und dort  in  verschiedenen 
F._______  gearbeitet.  Im  Januar  2007  habe  er  seine  Grosseltern  in 
B._______ besucht. Am dritten Tag nach seiner Ankunft sei er im Hause 
seiner  Grosseltern  von  Polizisten  in  Zivil  aufgesucht  und  aufgefordert 
worden,  mit  ihnen  im  Auto  mitzukommen.  In  der  Folge  hätten  ihn  die 
Polizisten  vor  die  Stadt  gebracht.  Dort  sei  er  nach  dem  Aufenthaltsort 
seines  Bruders  und  demjenigen  seines  Cousins,  D._______,  befragt 
worden.  Da  er  den  Polizisten  nicht  geantwortet  habe,  hätten  sie  ihn 
geschlagen. Nach einer Stunde sei er mit der Auflage entlassen worden, 
innerhalb  einer  Woche  der  Polizei  den  Aufenthaltsort  seiner  beiden 
Verwandten  zu  melden.  Nach  einem  einwöchigen  Aufenthalt  in 
B._______ sei er nach E._______ zurückgekehrt. Am 5. Mai 2008 habe 
die  Polizei  daheim  nach  ihm  gesucht.  Seine Mutter  habe  ihn  über  das 
Vorsprechen der Polizei orientiert. Am folgenden Tag habe er sich nach 
G._______  begeben,  um  anschliessend  in  die  Schweiz  zu  reisen.  Die 
Reise hätten sein Bruder und sein Onkel organisiert. Im Übrigen werde er 
in seiner Heimat auch deshalb gesucht, weil er seinen Militärdienst noch 
nicht geleistet habe.

B. 
Mit  Verfügung  vom  23.  März  2010  verneinte  das  BFM  die 
Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers,  lehnte  sein  Asylgesuch 
ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug 
an.

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C. 
Mit  Eingabe  vom  30.  April  2010  an  das  Bundesverwaltungsgericht 
beantragt  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter,  die 
Verfügung des BFM sei aufzuheben und die Sache sei zur Feststellung 
des  vollständigen  und  richtigen  rechtserheblichen  Sachverhalts  an  das 
BFM  zurückzuweisen.  Eventualiter  sei  die  Flüchtlingseigenschaft 
festzustellen. Subeventuell seien die Punkte 4 und 5 der angefochtenen 
Verfügung  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
aufzuheben. 

D. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  11. Mai  2010  setzte  der  Instruktionsrichter 
dem Beschwerdeführer Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses in der 
Höhe  von  Fr.  600.–,  welcher  Betrag  innert  der  angesetzten  Frist 
einbezahlt wurde.

E. 
Das  BFM  beantragt  in  der  Vernehmlassung  vom  10.  Juni  2010  die 
Abweisung  der  Beschwerde.  Am  15.  Juni  2010  stellte  der 
Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer  die  Vernehmlassung  zur 
Kenntnisnahme zu.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 
Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, 
SR 173.110]).

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Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem 
VGG, soweit dieses nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).

2. 
Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz 
teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt, 
hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise 
Änderung  und  ist  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert.  Auf  die 
frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  mithin  einzutreten 
(Art. 105  und  Art.  108  Abs.  1  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG,  Art. 48  Abs. 1 
und Art. 52 VwVG).

3. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

4. 
4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat 
oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion, 
Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder 
wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 
sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu 
werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des 
Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).

4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

5. 
5.1.  Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  ab,  da  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft 
gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten würden. Zur Begründung führte es 

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aus,  in  der  Türkei  existiere  die  Sippenhaft  nicht  mehr.  In  der  Praxis 
würden allerdings gelegentlich noch staatliche Repressalien gegen nahe 
Verwandte  politischer  Aktivisten  angewendet.  Solche  Behelligungen 
könnten  als  sogenannte  Reflexverfolgung  asylrechtlich  relevante 
Intensität  annehmen.  Die  Wahrscheinlichkeit,  Opfer  einer 
Reflexverfolgung  zu  werden,  sei  vor  allem  gegeben,  wenn  nach  einem 
flüchtigen Familienmitglied gefahndet werde und die Behörden Anlass zur 
Vermutung hätten,  jemand stehe mit dem Gesuchten  in engem Kontakt. 
Die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vorfälle würden aufgrund 
ihrer  Art  und  Intensität  jedoch  keine  ernsthaften  Nachteil  im  Sinne  von 
Art. 3 AsylG darstellen. Der Beschwerdeführer sei gerade einmal, nämlich 
im Jahre 2007, von den heimatlichen Behörden befragt worden. Darüber 
hinaus  sei  das  Motiv  für  die  behördliche  Befragung  des 
Beschwerdeführers  wenig  glaubhaft,  da  es  wenig  wahrscheinlich  sei, 
dass  die  türkischen  Behörden  den  Aufenthaltsort  der  angeführten 
Personen nicht kennen würden. Vom blossen Vorsprechen der Polizei am 
5.  Mai  2008  könne  nicht  auf  eine  relevante  Verfolgung  im  Sinne  des 
Asylgesetzes geschlossen werden. Schliesslich stelle die Einberufung  in 
den Militärdienst  keinen Grund  nach Art.  3  AsylG  dar. Dies  sei  nur  der 
Fall, wenn eine Person aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit mit einer 
unverhältnismässig  schweren  Strafe  zu  rechnen  habe,  wenn  das 
Strafmass  für  ihn  höher  ausfalle  als  für  eine  Person  ohne  diesen 
spezifischen  Hintergrund  oder  wenn  die  Erfüllung  der  Wehrpflicht  den 
Betroffenen  einer  gezielten  menschenrechtswidrigen  Behandlung 
aussetze. 

5.2.  In  der  Rechtsmitteleingabe  wird  gerügt,  das  BFM  habe  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  weder  vollständig  noch  richtig  abgeklärt. 
Der  Beschwerdeführer  habe  anlässlich  der  Erstbefragung  darauf 
hingewiesen, dass sich bereits sein Bruder wegen derselben Probleme in 
der  Schweiz  aufhalte.  Dabei  gehe  es  um  den  in  der  Schweiz  als 
Flüchtling  anerkannten Cousin,  D._______,  welcher  die  Ursache  seiner 
Probleme sei. Anlässlich der Anhörung habe der Beschwerdeführer diese 
Zusammenhänge  präzisiert.  Um  das  Vorliegen  einer  Reflexverfolgung 
vollständig und richtig abzuklären, hätte die Vorinstanz die Dossiers des 
Bruders  und  des  Cousins  zum  vorliegenden  Verfahren  des 
Beschwerdeführers  beiziehen müssen. Namentlich  handle  es  sich  beim 
Cousin  des  Beschwerdeführers  um  einen  prominenten  politischen 
Aktivisten, welcher zu einer zwölfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden 
sei. Indem das BFM die beiden Dossiers nicht beigezogen habe, habe es 
den  Sachverhalt  nicht  richtig  und  nicht  vollständig  festgestellt.  Für  den 

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Fall, dass die Sache nicht an die Vorinstanz zurückgewiesen werde, sei 
der  vollständige  und  richtige  Sachverhalt  durch  das 
Bundesverwaltungsgericht  festzustellen.  Namentlich  würden  die 
Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  des  Bruders  des 
Beschwerdeführers betreffend Reflexverfolgung auch für das vorliegende 
Verfahren  gelten.  Vorliegend  sei  auffallend,  dass  der Beschwerdeführer 
im Januar 2007,  kurze Zeit  nach der Ausreise  seines Bruders,  von den 
heimatlichen  Behörden  mitgenommen  worden  sei.  Vor  diesem 
Hintergrund stelle die Suche vom 5. Mai 2009 ein bedeutendes Ereignis 
dar.  Schliesslich werde  der  Beschwerdeführer  in  der  Türkei  wegen  des 
noch  zu  leistenden  Militärdienstes  gesucht.  Bei  einem  Grenzübertritt 
würde der Beschwerdeführer sofort festgenommen. Nach der Entlassung 
aus dem Gefängnis würde er umgehend in den Militärdienst überstellt.

5.3. Die Rüge des unrichtig und unvollständig  festgestellten Sachverhalt 
wegen  unterlassenem  Beizug  der  Asyldossiers  des  Cousins  und  des 
Bruders  ist  vorweg  zu  prüfen,  da  eine  allenfalls  ungenügende 
Sachverhaltsermittlung  eine  materielle  Beurteilung  des  Falles 
verunmöglichen würde.

Zunächst  ist  festzuhalten,  dass  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren 
insoweit  mit  dem  Verfahren  des  Bruders  des  Beschwerdeführers, 
H._______,  koordiniert  wird,  als  die  beiden  Urteile  gleichzeitig  ergehen 
und  die  Auswirkungen  des  einen  Verfahrens  auf  das  andere 
berücksichtigt  werden.  Aus  diesem  Umstand  ergibt  sich  daher,  dass 
sowohl das Asyldossier des Bruders des Beschwerdeführers als auch die 
Asylakten  des  Cousins,  D._______,  Grundlage  für  die  Beurteilung  des 
vorliegenden  Verfahrens  bilden.  Insoweit  wurde  dem  entsprechenden 
Prozessantrag auf Beizug der beiden Dossiers entsprochen.

Aufgrund der Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer anlässlich der 
Anhörungen  seinen Cousin  und  seinen Bruder H._______  erwähnt  und 
seine persönliche Verfolgung mit dem politischen Engagement sowie der 
Verurteilung  des  Cousins,  aber  auch  mit  der  polizeilichen  Befragung 
seines Bruders  in Verbindung gebracht beziehungsweise begründet hat. 
Anlässlich  der  Anhörungen  haben  die  Befrager  des  BFM  dem 
Beschwerdeführer diesbezüglich sowohl offene als auch konkrete Fragen 
gestellt. Insoweit wird offensichtlich, dass sich das BFM jederzeit bewusst 
war,  dass  der  Beschwerdeführer  seine  Vorbringen  auf  die  Asylgründe 
seines  Cousins  und  seines  Bruders  abstützt.  Sodann  ergibt  die 
Durchsicht der Protokolle, dass die Angaben des Beschwerdeführers ein 

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ausreichendes Bild  seiner Verfolgungssituation  im Heimatstaat ergaben, 
aufgrund dessen die Vorinstanz  im Zeitpunkt  seiner Entscheidfällung zu 
Recht  zum  Schluss  gelangen  durfte,  der  Sachverhalt  sei  hinreichend 
festgestellt  und  abschliessend  beurteilbar.  Insoweit  durfte  es  auch  von 
einem  Beizug  der  Dossiers  des  Cousins  und  des  Bruders  absehen. 
Demnach  hat  das  BFM  den  Sachverhalt  sowohl  richtig  als  auch 
vollständig  festgestellt. Dieser Schluss  drängt  sich  um  so mehr  auf,  als 
ein Sachverhalt erst dann als nicht richtig ermittelt gilt, wenn er eindeutig 
und augenfällig unzutreffend ist, beziehungsweise gilt er als unvollständig 
festgestellt,  wenn  in  der  Begründung  des  Entscheides  ein 
rechtswesentlicher  Umstand  übergangen  wird  (vgl.  FRITZ  GYGI, 
Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 286). Damit wird 
auch offensichtlich, dass allein die Tatsache, dass sich ein Asylsuchender 
auf die Verfolgung eines Verwandten beruft, nicht bereits zwingend den 
Beizug  dessen Dossiers  zur  Feststellung  des  Sachverhalts  erfordert.  In 
Anbetracht  der  vorstehenden  Erwägungen  erweist  sich  die  erhobene 
Rüge als unzutreffend, und es besteht keine Veranlassung, die Akten an 
die Vorinstanz zurückzuweisen. 

5.4. Das BFM hat das Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt, da 
seine  Vorbringen  den  Anforderungen  an  die  Zuerkennung  der 
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten würden. 

5.4.1. Der Beschwerdeführer  bringt  vor,  er  sei  im  Januar  2007  für  eine 
Stunde von der Polizei festgehalten und nach dem Aufenthaltsort seines 
Bruders  und  demjenigen  seines  Cousins  gefragt  worden.  Zudem  habe 
sich im Mai 2008 die Polizei zu Hause in E._______ nach ihm erkundigt. 
Dazu ist festzustellen, dass der angeführten Kurzfestnahme offensichtlich 
die  erforderliche  Intensität  fehlt,  um  sie  als  asylrechtlich  relevant  zu 
betrachten. Entsprechend stellte sie für den Beschwerdeführer seinerzeit 
auch keinen Anlass dar, deretwegen das Heimatland zu verlassen. Was 
die  polizeiliche  Nachfrage  im  Mai  2008  anbelangt,  so  kennt  der 
Beschwerdeführer  nicht  einmal  das  Motiv  für  diese  behördliche  Aktion. 
Möglicherweise  stand  sie  lediglich  im  Zusammenhang  mit  dem  seitens 
des  Beschwerdeführers  noch  nicht  geleisteten  Militärdienst  (vgl. 
diesbezüglich  nachstehend).  Jedenfalls  aber  stellt  diese  geltend 
gemachte  polizeiliche  Vorsprache  aufgrund  ihrer  Art  und  Intensität 
klarerweise keinen ernsthaften Nachteil im Sinne von Art. 3 AsylG dar. 

5.4.2.  Der  Beschwerdeführer  macht  weiter  geltend,  wegen  seines 
politisch aktiven Cousins, welcher in der Schweiz als Flüchtling anerkannt 

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worden  sei,  sowie  wegen  seines  einmal  von  der  Polizei  verhafteten 
Bruders  begründete  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  im  Sinne  einer 
Reflexverfolgung zu haben.

Unter  Reflexverfolgung  versteht  man  behördliche  Belästigungen  oder 
Behelligungen  von  Angehörigen  aufgrund  des  Umstandes,  dass  die 
Behörden  einer  gesuchten,  politisch  unbequemen  Person  nicht  habhaft 
werden  oder  schlechthin  von  deren Polit­Malus  auf  einen  solchen  auch 
bei  Angehörigen  schliessen.  Der  Zweck  einer  solchen Reflexverfolgung 
kann  insbesondere  darin  liegen,  Informationen  über  effektiv  gesuchte 
Personen zu erlangen beziehungsweise Geständnisse von Inhaftierten zu 
erzwingen.  Eine  "Sippenhaft"  in  diesem  weiteren  Sinn  ist  von  den 
türkischen  Behörden  namentlich  in  den  Jahren  des  intensiven 
militärischen  Konflikts  in  den  Süd­  und  Ostprovinzen  nicht  selten 
angewandt  worden,  wenn  es  galt,  den  Aufenthaltsort  von  flüchtigen 
Angehörigen  der  PKK  oder  anderer  staatsfeindlicher  Organisationen  zu 
ergründen.  Die  Wahrscheinlichkeit,  Opfer  einer  Reflexverfolgung  zu 
werden,  ist  namentlich  dann  gegeben,  wenn  nach  einem  flüchtigen 
Familienmitglied gefahndet wird und die Behörde Anlass zur Vermutung 
hat,  dass  jemand  mit  dem  Gesuchten  in  engem  Kontakt  steht.  Diese 
Wahrscheinlichkeit  erhöht  sich,  wenn  der Reflexverfolgte  aus  einer  den 
türkischen  Sicherheitskräften  als  "staatsfeindlich"  bekannten  Familie 
stammt  respektive  mehrere  illegal  politisch  tätige  Verwandte  aufweist. 
Auch  ein  eigenes,  nicht  unbedeutendes  Engagement  seitens  des 
Reflexverfolgten  für  illegale politische Organisationen erhöht das Risiko, 
Opfer  einer Sippenhaft  im weiteren Sinne  zu werden  (vgl.  die weiterhin 
zutreffende  Praxis  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [ARK]  in 
EMARK 1994 Nr. 5).

Zunächst  ist  festzuhalten,  dass  das  Asylgesuch  des  Bruders  des 
Beschwerdeführers,  H._______,  mit  heutigem  Urteil  des 
Bundesverwaltungsgerichts  abgewiesen  wird.  Insoweit  vermag  der 
Beschwerdeführer  aus dem Asylverfahren seines Bruders bezüglich der 
geltend  gemachten  Reflexverfolgung  nichts  zu  seinen  Gunsten 
abzuleiten. Was sodann die Berufung auf die Asylvorbringen des Cousins 
anbelangt,  ist zunächst  festzuhalten, dass die vom Beschwerdeführer  in 
diesem Zusammenhang geltend gemachte einstündige Festnahme sowie 
die  polizeilichen  Nachfragen  aufgrund  mangelnder  Intensität  nicht 
asylrelevant  sind.  Somit  verbleibt  vorliegend  einzig  die  Tatsache  der 
Verwandtschaft  des  Beschwerdeführers  mit  seinem  Cousin,  mithin  ein 
Umstand,  der  für  sich  alleine  besehen  nicht  das Vorliegen  einer  Furcht 

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vor  einer  künftigen  Verfolgung  im  Sinne  einer  Reflexverfolgung  zu 
begründen vermag, zumal der Beschwerdeführer kein eigenes politisches 
Profil  aufweist.  Überdies  ist  in  diesem  Zusammenhang  darauf 
hinzuweisen,  dass  D._______  mit  Schreiben  vom  1.  Februar  2011  auf 
seinen  Flüchtlingsstatus  verzichtete  und  die  Rückgabe  seiner 
heimatlichen Dokumente verlangte, um in die Türkei einreisen zu können. 
Mit Verfügung vom 30. März 2011 stellte das BFM fest, dass das Hüseyin 
Caliskan gewährte Asyl gestützt auf Art. 64 Abs. 1 Bst. c AsylG erloschen 
sei. Der Cousin D._______  ist mithin  im heutigen Zeitpunkt nicht  (mehr) 
verfolgt  und  hat  keine  begründete  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung.  In 
Anbetracht der vorliegenden Sachlage ist nicht davon auszugehen, dass 
der  Beschwerdeführer  einer  Reflexverfolgung  durch  die  türkischen 
Behörden ausgesetzt ist. 

5.4.3.  Der  Beschwerdeführer  bringt  schliesslich  vor,  er  habe  noch 
Militärdienst  zu  leisten.  Dazu  ist  festzuhalten,  dass  gemäss  konstanter 
Rechtsprechung  eine  allfällige  Strafe  wegen  Refraktion  oder  Desertion 
grundsätzlich  keine  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  darstellt.  Es 
gehört  zu  den  legitimen  Rechten  eines  Staates,  seine  Bürger  zum 
Militärdienst  einzuberufen  und  zur  Durchsetzung  der  Wehrpflicht 
strafrechtliche  oder  disziplinarische  Sanktionen  zu  verhängen  (vgl.  z.B. 
BVGE  D­5392/2010  vom  30. August  2010  und  D­1896/2009  vom 
22. September  2009).  Allerdings  ist  eine  wegen  Missachtung  der 
Dienstpflicht drohende Strafe dann asylrelevant, wenn der Wehrpflichtige 
wegen  seines  Verhaltens  mit  einer  Strafe  zu  rechnen  hat,  welche 
entweder aus Gründen nach Art.  3 AsylG diskriminierend höher ausfällt 
oder an sich unverhältnismässig hoch ist, oder wenn die Einberufung zum 
Wehrdienst darauf abzielt, einem Wehrpflichtigen aus einem der in Art. 3 
AsylG genannten Gründe erhebliche Nachteile zuzufügen oder diesen in 
völkerrechtlich verpönte Handlungen zu verstricken (EMARK 2004 Nr. 2). 
Wehrpflichtige  Männer  werden  in  der  Türkei  aufgrund  der 
Staatsangehörigkeit und ihres Jahrgangs für das Militär aufgeboten, ohne 
dass dieser Verpflichtung eine asylrechtlich relevante Verfolgungsabsicht 
des  Staates  zugrunde  liegen  würde.  Eine  allfällige  Bestrafung  des 
Beschwerdeführers  wegen  Wehrdienstverweigerung  wäre  mithin  als 
asylrechtlich  nicht  relevant  zu  qualifizieren. Kurdische Refraktäre  haben 
ihrer  Ethnie  wegen  nicht  generell  strengere  Strafen  im  Sinne  eines 
"Politmalus"  zu  befürchten.  Aufgrund  der  Akten  besteht  kein Grund  zur 
Annahme,  dass  ein  allfälliges  Verfahren  gegen  den  Beschwerdeführer 
aus anderen als militärstrafrechtlichen Gründen angehoben und er härter 
als andere Dienstverweigerer bestraft würde. Allerdings ist bekannt, dass 

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während  des Militärdienstes  Schikanen  von  türkischen  Kameraden  und 
Vorgesetzten  gegen  Kurden  vorkommen  können.  Solche  Behelligungen 
sind indes in der Regel nicht derart gravierend, als dass es sich dabei um 
ernsthafte Nachteile im Sinne des Asylgesetzes handeln würde. Es liegen 
somit keine Hinweise für das Vorliegen einer objektiv begründeten Furcht 
vor  Verfolgung  vor.  An  dieser  Einschätzung  respektive  der  Irrelevanz 
allfälliger  staatlicher  Massnahmen  unter  flüchtlingsrechtlichen 
Gesichtspunkten  vermögen  auch  die  beiden  im  Mai  2010  lediglich  in 
Kopie  eingereichten  Schreiben  des  Ministeriums  der  Nationalen 
Sicherheit B._______ vom 26.  Januar 2009 und 6. April  2010,  letzteres 
den  Bruder  des  Beschwerdeführers,  H._______,  betreffend,  nichts  zu 
ändern. 

5.4.4.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer 
keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  glaubhaft  machen  oder  nachweisen 
kann.  Bei  dieser  Sachlage  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren 
Ausführungen  in  den  Rechtsmitteleingaben  einzugehen,  da  sie  an  der 
vorstehenden  Feststellung  nichts  zu  ändern  vermögen.  Die  Vorinstanz 
hat  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  demnach  zu  Recht 
abgelehnt.

6. 
6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 32 
der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen 
[AsylV 1] SR 142.311).

7. 
7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

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Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner 
Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen 
der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in 
den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83 
Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  der  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerde­
führers  in  die  Türkei  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG 
rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 

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Ausschaffung in die Türkei dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer 
nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung 
ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 
Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses 
müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk") 
nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar  2008, Beschwerde Nr. 37201/06,  §§ 124 ­ 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Auch  die  allgemeine Menschenrechtssituation  in  der  Türkei 
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht 
als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

7.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.

Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  davon  aus,  dass  die  allgemeine 
Lage  in  der  Türkei  nicht  durch  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  durch  eine 
Situation  allgemeiner  Gewalt  gekennzeichnet  ist,  aufgrund  derer  die 
Zivilbevölkerung  als  konkret  gefährdet  bezeichnet  werden  müsste.  Der 
Vollzug  der  Wegweisung  ist  unter  diesen  Umständen  generell  als 
zumutbar  zu  bezeichnen.  Weiter  ist  festzuhalten,  dass  der 
Beschwerdeführer bis zu seiner Ausreise in der Türkei gelebt hat und mit 
diesem  Land  und  seiner  Tradition  verwurzelt  ist.  Gemäss  seinen 
Angaben  hat  sein  älterer  Bruder  in  E._______  ein  eigenes  Haus,  in 
welches  seine  Familie  im  Jahre  2002  und  der  Beschwerdeführer  selbst 
ein Jahr später übersiedelte. Damit verfügt der Beschwerdeführer  in der 
Türkei  über  ein  soziales  Beziehungsnetz,  auf  welches  er  bei  einer 
Rückkehr  zurückgreifen  kann. Sodann hat  er  vor  der Ausreise während 
viereinhalb  Jahren  an  verschiedenen  Orten  in  (…)  als  I._______ 
gearbeitet.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  davon  auszugehen,  dass  er  bei 
einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  (wieder)  eine  eigene  Existenz 
aufbauen  kann.  Jedenfalls  stellen  blosse  soziale  und  wirtschaftliche 
Schwierigkeiten gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts 
keine existenzbedrohende Situation dar, die den Vollzug der Wegweisung 

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als  unzumutbar  erscheinen  liesse.  Schliesslich  kann  der 
Beschwerdeführer  zusammen  mit  seinem  Bruder  H._______,  dessen 
Asylgesuch ebenfalls mit heutigem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 
abgewiesen wird, in die Türkei zurückkehren 

Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als 
zumutbar.

7.5.  Schliesslich  ist  der  Beschwerdeführer  im  Besitze  einer  türkischen 
Identitätskarte, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu 
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG).

7.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 ­ 4 AuG).

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

9. 
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 600.– dem 
Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG,  Art.  1  ­  3  des 
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) und mit dem 
am  26.  Mai  2010  geleisteten  Kostenvorschuss  in  gleicher  Höhe  zu 
verrechnen.

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.–  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt und mit dem am 26. Mai 2010 geleisteten Kostenvorschuss  in 
gleicher Höhe verrechnet.

3. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Stöckli Barbara Balmelli

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