# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** ab9112a6-d52d-507c-825a-7953f529b3d4
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-10
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Versicherungsgericht 10.01.2023 VBE.2022.178
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_007_VBE-2022-178_2023-01-10.pdf

## Full Text

Versicherungsgericht 

4. Kammer 

 

 

VBE.2022.178 / sb / ce       
(Vers.-Nr. 756.3016.3007.22)  

Art. 2 

 

 

Urteil vom 10. Januar 2023 
 

 

Besetzung  Oberrichter Roth, Präsident  

Oberrichterin Merkofer  

Oberrichterin Fischer  

Gerichtsschreiber Berner  

 

 
   

Beschwerde- 

führer  

 A._____   

vertreten durch Dr. iur. Barbara Wyler, Rechtsanwältin,  

Zürcherstrasse 310, Postfach, 8501 Frauenfeld  

 

 
   

Beschwerde- 

gegnerin  

 SVA Aargau, IV-Stelle, Bahnhofplatz 3C, Postfach, 5001 Aarau  

 

 
   

Beigeladene   B._____   

 

 
 

Gegenstand  Beschwerdeverfahren betreffend IVG Renten 

(Verfügung vom 25. März 2022) 
 

  

 - 2 - 

 

 

 

   

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten: 

 

1. 

1.1. 

Der 1965 geborene Beschwerdeführer meldete sich am 4. Oktober 2004 

wegen diverser Beschwerden erstmals bei der Beschwerdegegnerin zum 

Bezug von Leistungen (Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung 

(IV) an. Die Beschwerdegegnerin klärte daraufhin die gesundheitliche so-

wie erwerbliche Situation ab und verneinte schliesslich gestützt auf ein von 

ihr eingeholtes polydisziplinäres Gutachten vom 30. November 2007 mit 

Verfügung vom 27. Mai 2008 einen Invalidenrentenanspruch des Be-

schwerdeführers.  

 

1.2. 

Nachdem die Beschwerdegegnerin auf drei Neuanmeldungen des Be-

schwerdeführers vom 18. September 2009, 29. Februar 2012 und 23. Sep-

tember 2015 mit Verfügungen vom 9. November 2010, 11. Dezember 2012 

und 22. Juli 2016 jeweils nicht eingetreten war, nahm sie nach einer weite-

ren Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom 3. August 2016 sachver-

haltliche Abklärungen vor und wies das Leistungsbegehren mit Verfügung 

vom 11. Juli 2018 schliesslich ab. Die dagegen vom Beschwerdeführer er-

hobene Beschwerde hiess das Versicherungsgericht mit Urteil 

VBE.2018.648 vom 3. Juni 2019 teilweise gut, hob die Verfügung vom 

11. Juli 2018 auf und wies die Sache zur weiteren Abklärung sowie zur an-

schliessenden Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurück. Diese 

liess den Beschwerdeführer in der Folge durch die MEDAS Zürich GmbH, 

Zürich, polydisziplinär begutachten. Gestützt auf das am 9. April 2020 er-

stattete Gutachten sowie die ergänzende gutachterliche Stellungnahme 

vom 5. Mai 2020 stellte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer 

nach Rücksprache mit ihrem internen Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) 

mit Vorbescheid vom 29. September 2020 die Abweisung des Leistungs-

begehrens betreffend Invalidenrente in Aussicht. Unter Berücksichtigung 

der dagegen am 2. November 2020 erhobenen Einwände verfügte sie 

schliesslich am 25. März 2022 wie vorbeschieden. 

 

2. 

2.1. 

Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 11. Mai 2022 fristgerecht Be-

schwerde und stellte folgende Anträge: 

 

"1. 
Die angefochtene Verfügung der SVA Aargau, IV-Stelle, vom 25. März 
2022 betreffend Invalidenrente sei aufzuheben. 
 
2. 
Es seien zusätzliche Abklärungen, insb. auch erwerblicher Art, vorzuneh-
men und es sei der Invaliditätsgrad zu berechnen. 

 - 3 - 

 

 

 

3. 
Es sei dem Beschwerdeführer für das vorliegende Beschwerdeverfahren 
die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Verbeiständung 
in der Person der Unterzeichnenden zu gewähren. 
 
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der SVA Aargau." 

 

2.2. 

Mit Vernehmlassung vom 24. Mai 2022 beantragte die Beschwerdegegne-

rin die Abweisung der Beschwerde. 

 

2.3. 

Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 1. Juni 2022 wurde die aus den 

Akten ersichtliche berufliche Vorsorgeeinrichtung des Beschwerdeführers 

zum Verfahren beigeladen und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme einge-

räumt. Diese liess sich innert Frist nicht vernehmen. 

 

2.4. 

Mit Eingabe vom 16. August 2022 zog der Beschwerdeführer das Gesuch 

um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zurück. 

 

 
   

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung: 

 

1. 

Die Beschwerdegegnerin geht in ihrer Verfügung vom 25. März 2022 ge-

stützt auf das von ihr eingeholte polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 

9. April 2020 (Vernehmlassungsbeilage [VB] 136.4) mit ergänzender gut-

achterlicher Stellungnahme vom 5. Mai 2020 (VB 141) sowie eine Stellung-

nahme von RAD-Arzt Dr. med. C., Facharzt für Orthopädische Chirurgie 

und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 29. Juni 2020 (VB 143) 

im Wesentlichen davon aus, dass aus invalidenversicherungsrechtlicher 

Sicht zufolge Aggravation nicht von einer die Arbeitsfähigkeit einschrän-

kenden gesundheitlichen Beeinträchtigung auszugehen sei. Es bestehe 

daher kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (VB 159).  

 

Der Beschwerdeführer macht demgegenüber zusammengefasst geltend, 

es sei von der im MEDAS-Gutachten vom 9. April 2020 attestierten Arbeits-

unfähigkeit auszugehen. Ein Ausschlussgrund im Sinne einer Aggravation 

liege nicht vor. Unter Berücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs vom 

Invalideneinkommen resultiere daher ein Invaliditätsgrad, aufgrund dessen 

er Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung habe.  

 

Damit ist streitig und nachfolgend zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin 

einen Invalidenrentenanspruch des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 

25. März 2022 zu Recht verneint hat.  

 - 4 - 

 

 

 

2. 

2.1. 

Vorgängig ist auf Folgendes hinzuweisen: Mit Verfügung vom 27. Mai 2008 

verneinte die Beschwerdegegnerin erstmals einen Invalidenrentenan-

spruch des Beschwerdeführers (VB 35). Ferner trat sie mit Verfügungen 

vom 9. November 2010 (VB 47), 11. Dezember 2012 (VB 52) und 22. Juli 

2016 (VB 77) auf die jeweiligen Neuanmeldungen des Beschwerdeführers 

vom 18. September 2009 (VB 39.1), 29. Februar 2012 (VB 48) und 

23. September 2015 (VB 62) nicht ein. Es handelt sich demnach beim hier 

zu beurteilenden Leistungsbegehren vom 3. August 2016 (VB 80) um eine 

Neuanmeldung, weshalb insbesondere massgebend wäre, ob seit der letz-

ten materiellen Prüfung des Rentenanspruchs eine wesentliche Änderung 

in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist, die geeignet ist, den In-

validitätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (vgl. statt 

vieler BGE 134 V 131 E. 3 S. S. 132 f. und 133 V 108 E. 5 S. 110 ff.). Dies 

kann indes mit nachfolgender Begründung letztlich offen bleiben.  

 

2.2. 

Am 1. Januar 2022 sind die Änderung vom 19. Juni 2020 betreffend Wei-

terentwicklung der IV (WEIV) in Kraft getreten. Weder dem IVG noch der 

IVV sind besonderen Übergangsbestimmungen betreffend die Anwendbar-

keit dieser Änderungen im Hinblick auf nach dem 1. Januar 2022 beurteilte 

mögliche Rentenansprüche des Zeitraums bis zum 31. Dezember 2021 zu 

entnehmen. Es sind daher nach den allgemeinen übergangsrechtlichen 

Grundsätzen jene Bestimmungen anzuwenden, die bei der Erfüllung des 

rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestands Gel-

tung haben beziehungsweise hatten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 

8C_136/2021 vom 7. April 2022 E. 3.2.1 mit Verweis unter anderem auf 

BGE 144 V 210 E. 4.3.1 S. 213).  

 

3. 

3.1. 

3.1.1. 

Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit 

oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zu-

mutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder ver-

bessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch 

durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen 

sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 

ATSG) sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). 

 

3.1.2. 

Invalidität gemäss Art. 4 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 7 f. ATSG bedeutet im 

Allgemeinen den durch die Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 

oder psychischen Gesundheit verursachten und nach zumutbarer Behand-

lung und Eingliederung verbleibenden ganzen oder teilweisen Verlust der 

 - 5 - 

 

 

 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (MEYER/REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts 

zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversiche-

rung [IVG], 3. Aufl. 2014, N. 102 zu Art. 4 IVG mit Hinweis auf BGE 130 V 

343 E. 3.2.1 S. 346). 

 

3.2. 

3.2.1. 

Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im 

Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und 

gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. 

Aufgabe des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu 

Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkei-

ten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztli-

chen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel-

che Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können 

(BGE 132 V 93 E. 4 S. 99 f. mit Hinweisen).  

 

3.2.2. 

Der Versicherungsträger und das Gericht (vgl. Art. 61 lit. c in fine ATSG) 

haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisre-

geln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwer-

deverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle Beweismittel, unabhängig 

davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entschei-

den hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des 

streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander 

widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, 

ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-

ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 

abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352; vgl. auch BGE 132 V 393 E. 2.1 

S. 396). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entschei-

dend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen 

Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, 

in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beur-

teilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situa-

tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet 

sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352). Ausschlag-

gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft 

eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auf-

trag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 

351 E. 3a S. 352; 122 V 157 E. 1c S. 160 f.). Dennoch hat es die Recht-

sprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar 

erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gut-

achten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 

E. 3b S. 352). 

 

 - 6 - 

 

 

 

3.2.3. 

Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-

ten Gutachten externer Spezialärzte, welche auf Grund eingehender Be-

obachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht 

erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen 

gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, so-

lange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise spre-

chen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353). Den Gut-

achten kommt somit bei Abklärungen im Leistungsbereich der Sozialversi-

cherung überragende Bedeutung zu (UELI KIESER, Kommentar zum Bun-

desgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 

4. Aufl. 2020, N. 13 zu Art. 44 ATSG; vgl. auch BGE 132 V 93 E. 5.2.8 

S. 105). 

 

4. 

4.1. 

In ihrer Verfügung vom 25. März 2022 stützte sich die Beschwerdegegnerin 

in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das von ihr eingeholte poly-

disziplinäre MEDAS-Gutachten vom 9. April 2020 (VB 136.4). Dieses ver-

eint eine internistische Beurteilung durch Dr. med. D., Facharzt für Allge-

meine Innere Medizin sowie für Kardiologie, eine orthopädische Beurtei-

lung durch Dr. med. E., Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma-

tologie des Bewegungsapparates, eine psychiatrische Beurteilung durch 

Dr. med. F., Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie eine 

neuropsychologische Beurteilung durch MSc G., Fachpsychologin für Neu-

ropsychologie. Es wurden – neben diversen Diagnosen ohne Auswirkung 

auf die Arbeitsfähigkeit – folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits-

fähigkeit gestellt (VB 136.4, S. 28 f.): 

 

"- AC-Arthrose links und rechts (ICD-10 M 19.91) 
 

 - Beginnende Coxarthrose rechts, aseptische Femurkopfnekrose (ICD-
10 M 16) 

 
 - Gonarthrose bds. mit Bakerzyste rechts (ICD-10 M 17) 
 
 - Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F 45.4) mit hypo-

chondrischer Störung" 

 

Zusammenfassend hielten die Gutachter aus gesamtmedizinischer Sicht 

fest, der Beschwerdeführer sei seit August 2016 in seiner angestammten 

Tätigkeit als Polier/ Schleifer (VB 136.1, S. 10) beziehungsweise als Be-

triebsangestellter in der Rohrfertigungslinie (vgl. die Angaben der ehemali-

gen Arbeitgeberin des Beschwerdeführers in VB 18, S. 4) voll arbeitsunfä-

hig. In einer angepassten Tätigkeit (ohne längeres Sitzen oder Stehen, 

ohne Bücken, ohne Heben von Gewichten über 5 kg und ohne Gehen wäh-

rend einer Dauer von mehr als 30 Minuten [VB 136.2, S. 20], intellektuell 

 - 7 - 

 

 

 

einfach, mit flexiblen Einsatzzeiten, regelmässigen Pausen und wenig Kun-

denkontakt [VB 136.2, S. 38]) bestehe seit dem gleichen Zeitpunkt eine Ar-

beitsfähigkeit von 80 % beziehungsweise seit Juli 2018 eine solche von 

70 % (VB 136.4, S. 38). Daran hielten die Dres. med. E. und F. aus ortho-

pädisch-psychiatrischer Sicht in ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 

5. Mai 2020 (VB 141) zu den von Dr. med. C. in seiner Stellungnahme vom 

20. April 2020 formulierten (VB 138) und ihnen am 28. April 2020 unterbrei-

teten (vgl. VB 139) Ergänzungsfragen fest. 

 

4.2. 

Der Beschwerdeführer wurde zur Erstellung des MEDAS-Gutachtens vom 

9. April 2020 fachärztlich umfassend und in Kenntnis sowie unter Würdi-

gung der Vorakten (vgl. VB 136.1, S. 1 und 13 ff., VB 136.2, S. 2 ff. und 

S. 23, sowie VB 136.3, S. 1 ff.) inklusive der Observationsergebnisse in 

VB 95 (vgl. VB 136.4, S. 34 ff.) und unter Berücksichtigung der geklagten 

Beschwerden (VB 136.2, S. 4 ff., VB 136.3, S. 8 ff., VB 136.4, S. 19 ff. und 

S. 24 ff.) untersucht. Es wurden ferner eigene Zusatzuntersuchungen 

durchgeführt (Lungenfunktionsprüfung, Labor, Röntgenuntersuchung des 

Thorax; vgl. VB 136.1, S. 53 f., und VB 136.5, S. 2 ff.) Die Gutachter beur-

teilten die medizinischen Zusammenhänge sowie die medizinische Situa-

tion einleuchtend und gelangten zu einer nachvollziehbar begründeten 

Schlussfolgerung. Dem Gutachten kommt damit grundsätzlich Beweiswert 

im Sinne vorstehender Kriterien (vgl. vorne E. 3.2.2. und E. 3.2.3.) zu. Es 

ist denn auch bezüglich der Diagnostik und der Beurteilung der Arbeitsfä-

higkeit in der angestammten sowie in einer angepassten Tätigkeit – nach 

Lage der Akten zu Recht – unumstritten.  

 

Die Beschwerdegegnerin geht indes davon aus, aus invalidenversiche-

rungsrechtlicher Sicht bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit für sämtliche Tä-

tigkeiten, weil die gutachterlich attestierte Leistungseinschränkung über-

wiegend auf Aggravation beruhe, was die Annahme einer "versicherte[n]" 

gesundheitlichen Beeinträchtigung rechtsprechungsgemäss von vornhe-

rein ausschliesse (vgl. dazu BGE 141 V 281 E. 2.2 S. 287 f.).  

 

Der Beschwerdeführer vertritt demgegenüber die Ansicht, es liege keine 

Aggravation vor, weshalb die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsbeurteilung 

massgebend sei.  

 

Wie es sich damit verhält, kann indes letztlich offen bleiben. Selbst wenn 

nämlich von der im MEDAS-Gutachten attestierten vollen Arbeitsunfähig-

keit in der angestammten und einer Arbeitsfähigkeit von 70% beziehungs-

weise 80 % in einer angepassten Tätigkeit ausgegangen würde, resultierte 

kein rentenbegründender Invaliditätsgrad, wie nachfolgend aufgezeigt wird.  

 

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5. 

5.1. 

Hinsichtlich der aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht bestehenden 

erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens ist massgebend, 

dass sich der Beschwerdeführer am 3. August 2016 (erneut) zum Leis-

tungsbezug angemeldet hat (vgl. VB 80), womit ein allfälliger Rentenan-

spruch frühestens im Februar 2017 entstehen konnte (Art. 29 Abs. 1 IVG; 

vgl. dazu vorne E. 3.1.1.). Ein allfälliger Rentenanspruch des Beschwerde-

führers ist daher nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechts-

lage zu beurteilen (vgl. vorne E. 2.2.).  

 

5.2. 

Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist 

Art. 16 ATSG anwendbar (Art. 28a Abs. 1 IVG). Für die Bestimmung des 

Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person 

nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Be-

handlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumut-

bare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Be-

ziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn 

sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG; sogenannte allgemeine Me-

thode des Einkommensvergleichs). Der Einkommensvergleich hat in der 

Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbs-

einkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen-

übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali-

ditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4 S. 348 f., 128 V 29 E. 1 

S. 30 und 104 V 135 E. 2a sowie b S. 136 f.).  

 

5.3. 

5.3.1. 

Das Valideneinkommen gemäss Art. 16 ATSG bestimmt sich anhand des 

zuletzt vor Eintritt der Invalidität tatsächlich erzielten, nötigenfalls der Teu-

erung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Erwerbsein-

kommens (vgl. statt vieler BGE 135 V 58 E. 3.1 S. 59). Es ist vorliegend – 

wie bereits in der rechtskräftigen Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 

27. Mai 2008 (vgl. VB 35) – gestützt auf die Angaben der vormaligen Ar-

beitgeberin des Beschwerdeführers für das Jahr 2005 (vgl. die Aktennotiz 

vom 21. Februar 2008 in VB 30) unter Berücksichtigung der Nominallohn-

entwicklung von 2005 bis 2010 von 122.1/114 (vgl. den vom Bundesamt für 

Statistik [BFS] herausgegebenen Nominallohnindex, Männer, 2002 bis 

2010, Abschnitt D) und von 2010 bis 2017 von 104.9/100 (vgl. Nominallohnin-

dex, Männer, 2011 bis 2021, Abschnitt C) für das Jahr 2017 (vgl. dazu 

vorne E. 5.1.) auf Fr. 73'847.65 (13 x Fr. 5'056.00 x 122.1/114 x 
104.9/100) fest-

zusetzen.  

 

 - 9 - 

 

 

 

5.3.2. 

Der Beschwerdeführer übt keine Erwerbstätigkeit aus, weshalb zur Fest-

setzung des Invalideneinkommens nach der Rechtsprechung die Tabellen-

löhne gemäss der Schweizer Lohnstrukturerhebung (LSE) des BFS heran-

zuziehen sind (BGE 135 V 297 E. 5.2 S. 301 mit Hinweis unter anderem 

auf BGE 129 V 472 E. 4.2.1 S. 475). Das Invalideneinkommen ist daher 

gestützt auf den Totalwert für Männer im Kompetenzniveau 1 der Tabelle 

TA1_tirage_skill_level der für den massgebenden Zeitpunkt des frühest-

möglichen Rentenbeginns im Verfügungszeitpunkt aktuellsten (vgl. dazu 

statt vieler SVR 2022 IV Nr. 23 S. 73, 8C_202/2021 E. 6.2.2, und 

SVR 2020 IV Nr. 70 S. 243, 8C_132/2020 E. 4.2.1) LSE 2016 und unter 

Berücksichtigung einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 

41.7 Stunden (vgl. die LSE-Tabelle T 03.02.03.01.04.01, Betriebsübliche 

Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total), der Nominallohentwicklung 

von 2016 bis 2017 von 104.6/104.1 (vgl. Nominallohnindex, Männer, 2011 bis 

2021, Total) sowie einer Arbeitsfähigkeit von (mindestens) 70 % auf 

Fr. 46'987.00 festzusetzen (12 x Fr. 5'340.00 x 41.7/40 x 
104.6/104.1 x 0.7). 

 

5.3.3. 

Der Beschwerdeführer bringt vor, es sei ihm wegen seiner gesundheitli-

chen Einschränkungen, seines Alters und seiner Desintegration vom Ar-

beitsmarkt beim Invalideneinkommen ein leidensbedingter Abzug von 25 % 

zu gewähren. Die gesundheitlichen Einschränkungen fanden indes bei der 

Bemessung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten und einer angepass-

ten Tätigkeit respektive im angegebenen Profil der zumutbaren Tätigkeiten 

(vgl. E. 4.1.) hinreichend Berücksichtigung, weshalb sie nicht zusätzlich in 

die Bemessung eines allfälligen leidensbedingten Abzugs einfliessen und 

so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dür-

fen (vgl. statt vieler BGE 146 V 16 E. 4.1 S. 20 mit Hinweis). Ein Alter von 

wie hier mehr als 50 Jahren wirkt gar lohnerhöhend (vgl. statt vieler 

BGE 146 V 16 E. 7.2.1 S. 16 f. und SVR 2021 IV Nr. 7 S. 19, 8C_151/2020 

E. 6.3.3). Eine lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt schliesslich fällt bei 

Tätigkeiten des Kompetenzniveaus 1 nicht ins Gewicht (Urteil des Bundes-

gerichts 9C_414/2017 vom 21. September 2017 E. 4.3). Den weiteren Ak-

ten sind keine anderen einen Abzug begründenden Umstände zu entneh-

men, weshalb – selbst unter Berücksichtigung des ausländerrechtlichen 

Status des Beschwerdeführers (Niederlassungsbewilligung; vgl. den Aus-

weis C in VB 2.1, S. 3) – insgesamt (vgl. zur gesamthaften Schätzung 

SVR 2017 IV Nr. 91 S. 284, 8C_320/2017 E. 3.3.1) kein leidensbedingter 

Abzug zu gewähren ist.  

 

5.4. 

Bei einem Valideneinkommen von Fr. 73'847.65 und einem Invalidenein-

kommen von Fr. 46'987.00 ergibt sich ein Invaliditätsgrad von gerundet 

36 % ([Fr. 73'847.65 – Fr. 46'987.00) ÷ Fr. 73'847.65 x 100), was keinen 

Anspruch auf eine Invalidenrente zu vermitteln vermag (vgl. vorne E. 3.1.). 

 - 10 - 

 

 

 

Die Beschwerdegegnerin hat einen Invalidenrentenanspruch des Be-

schwerdeführers folglich – unabhängig vom allfälligen Vorliegen einer neu-

anmeldungsrechtlich relevanten Veränderung (vgl. vorne E. 2.1.) – im Er-

gebnis zu Recht verneint. 

 

6. 

6.1. 

Nach dem Dargelegten ist die Beschwerde abzuweisen. 

 

6.2. 

Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten 

werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im 

Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende 

Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Sie sind gemäss dem Verfahrensaus-

gang dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.  

 

6.3. 

Dem Beschwerdeführer steht nach dem Ausgang des Verfahrens (Art. 61 

lit. g ATSG) und der Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer Stellung als Sozi-

alversicherungsträgerin (BGE 126 V 143 E. 4 S. 149 ff.) kein Anspruch auf 

Parteientschädigung zu.  

 

 
   

Das Versicherungsgericht erkennt: 

 

1. 

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

2. 

Die Verfahrenskosten von Fr. 800.00 werden dem Beschwerdeführer auf-

erlegt. 

 

3. 

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 

 

 
   

Zustellung an: 

den Beschwerdeführer (Vertreterin; 2-fach) 

die Beschwerdegegnerin 

die Beigeladene 

das Bundesamt für Sozialversicherungen 

  

 - 11 - 

 

 

 

   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim 

Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung 

mit Art. 90 ff. BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom sieb-

ten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli 

bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar 

(Art. 46 BGG).  

 

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6,  

6004 Luzern, zuzustellen. 

 

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe 

der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines 

Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweis-

mittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Hän-

den hat (Art. 42 BGG). 

 

 
   

Aarau, 10. Januar 2023 

 

Versicherungsgericht des Kantons Aargau 

4. Kammer 

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: 

 

 

 

Roth Berner