# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b5559703-eb28-52ef-b981-c96535177c4d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-06-04
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 04.06.2024 E-2250/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-2250-2020_2024-06-04.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-2250/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  4 .  J u n i  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter David R. Wenger (Vorsitz), 

Richterin Susanne Bolz-Reimann,  

Richter Grégory Sauder,    

Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Staat unbekannt,   

vertreten durch MLaw Sandra Wehrli,  

(…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 31. März 2020 / N (…). 

 

 

 

E-2250/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zu-

folge am 9. September 2019 und gelangte am 5. Oktober 2019 in die 

Schweiz, wo er am gleichen Tag um Asyl nachsuchte. Am 14. Oktober 2019 

wurden eine Personalienaufnahme (nachfolgend: PA) und am 16. Oktober 

2019 im Beisein seiner Rechtsvertretung ein Dublin-Gespräch durchge-

führt. Am 4. Dezember 2019 wurde er einlässlich zu seinen Asylgründen 

angehört. Am 11. Dezember 2019 wurde sein Verfahren dem erweiterten 

Verfahren zugewiesen.  

Der Beschwerdeführer brachte im Wesentlichen vor, er sei chinesischer 

Staatsangehöriger, tibetischer Ethnie aus dem Dorf B._______, Kreis 

Chamdo, Bezirk Kandzee, wo er geboren sei und bis kurz vor seiner Aus-

reise gelebt habe. Er spreche den tibetischen Kham-Dialekt und ein wenig 

Chinesisch. Er habe nie die Schule besucht, da er keinen Bedarf gehabt 

habe. Er habe seiner Familie beim Handel – Verkauf von Mönchsgewän-

dern – geholfen. Die Situation in Tibet sei heikel gewesen und es habe 

zahlreiche Selbstverbrennungen gegeben. Er habe an einen Verwandten 

über Weixing (We-Chat) Nachrichten geschickt. Zudem habe er Bilder von 

seiner Heiligkeit als Bildschirm-Hintergrund gehabt. Davon hätten die Chi-

nesen erfahren, weshalb sie am nächsten Tag bei seiner Familie vorbeige-

kommen seien und eine Kontrolle durchgeführt hätten. In der Folge sei ihre 

Steuer für das Handelstreiben erhöht worden. Er sei aus Angst vor Nach-

stellungen bereits vorher geflohen.  

B.  

Das SEM zweifelte an der angeblichen Herkunft des Beschwerdeführers, 

weshalb es die amtsinterne Fachstelle LINGUA mit Abklärungen über die 

geltend gemachte Herkunft des Beschwerdeführers beauftragte. Basie-

rend auf einem Telefongespräch vom 9. Dezember 2019, welches aufge-

zeichnet wurde, erstellte die sachverständige Person «AS19» eine Evalu-

ation der landeskundlich-kulturellen Kenntnisse des Beschwerdeführers 

sowie eine linguistische Analyse. In ihrem Bericht vom 6. Januar 2020 kam 

«AS19»zum Schluss, dass der Beschwerdeführer eindeutig in einer exilti-

betischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksrepublik China sozialisiert 

worden sei und eindeutig nicht aus dem von ihm angegebenen Ort 

stamme. 

C.  

Mit Schreiben vom 21. Januar 2020 teilte das SEM dem Beschwerdeführer 

E-2250/2020 

Seite 3 

mit, es sei zum Telefongespräch eine LINGUA-Analyse erstellt worden und 

informierte ihn über den Werdegang und die Qualifikation der sachverstän-

digen Person. Gleichzeitig übermittelte es ihm eine ausführliche Zusam-

menfassung des Abklärungsergebnisses der LINGUA-Analyse und ge-

währte ihm dazu das rechtliche Gehör. Es teilte ihm dabei mit, die sachver-

ständige Person sei zum Schluss gekommen, dass insbesondere aufgrund 

der landeskundlich-kulturellen und linguistischen Analyse davon auszuge-

hen sei, dass er eindeutig nicht wie angegeben im Gebiet Kharu, sondern 

in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der Volksrepublik China 

hauptsozialisiert worden sei.  

D.  

Der Beschwerdeführer hielt in seiner Stellungnahme vom 23. Januar 2020 

dazu fest, er sei im Gebiet Kharu sozialisiert worden. Aufgrund seines Le-

bens sei es nicht unplausibel, dass ihm der Bereich der administrativen 

Einteilung fremd gewesen sei. Zudem habe er allgemein gebräuchliche 

Gewürze nennen können. Sein Stiefvater habe sich um die Ausstellung 

seiner Dokumente gekümmert. Er habe keine Kenntnis über Schulferien 

und Schuluniform, da diese chinesischen Vorgaben im sehr abgeschiede-

nen Dorf nicht ernsthaft befolgt worden seien. Sein Handy und der Vertrag 

habe ebenfalls sein Stiefvater besorgt, was ausnahmsweise funktioniert 

habe. In seinem Dorf sei das Chinesische wenig präsent, weshalb er nur 

wenige und passive Kenntnisse habe. Er sei beim Interview immer wieder 

in die von der befragenden Person benutzte Sprache verfallen, obwohl er 

zur Verwendung seines Heimatdialekts aufgefordert worden sei. Er habe 

sehr gute Kenntnisse der geografischen Begebenheiten und viel Alltags-

wissen, was für eine ortsansässige, aber ungebildete Person typisch sei.  

E.  

Mit Verfügung vom 31. März 2020 stellte das SEM fest, der Beschwerde-

führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, 

verfügte die Wegweisung – unter Ausschluss des Vollzugs in die Volksre-

publik China – und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug 

der Wegweisung. 

F.  

Das SEM lud den Beschwerdeführer auf dessen Ersuchen mit Schreiben 

vom 8. April 2020 für eine Anhörung der Gesprächsaufzeichnung auf den 

17. April 2020 ein. 

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Seite 4 

G.  

Mit Eingabe vom 28. April 2020 erhob der Beschwerdeführer durch seine 

Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und bean-

tragte die Aufhebung der Verfügung der Vorinstanz vom 31. März 2020, die 

Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl, 

eventualiter sei ihm unter Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft die vor-

läufige Aufnahme zu gewähren, subeventualiter sei er aufgrund der Un-

möglichkeit, Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Weg-

weisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufzunehmen, subsubeventua-

liter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgelt-

lichen Prozessführung und um Beiordnung der unterzeichnenden Rechts-

anwältin als unentgeltliche Rechtsbeiständin. 

Gleichzeitig reichte er eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung und eine 

Honorarrechnung zu den Akten. 

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 4. Mai 2020 wurden die Gesuche um Gewäh-

rung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Verzicht auf die Erhebung 

eines Kostenvorschusses gutgeheissen und dem Beschwerdeführer seine 

Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. 

I.  

Die Vorinstanz reichte am 18. Mai 2020 eine Vernehmlassung ein. 

J.  

Der Beschwerdeführer nahm dazu in seiner Replik vom 4. Juni 2020 Stel-

lung und reichte eine weitere Honorarrechnung ein. 

K.  

Mit Eingabe vom 17. November 2020 gab der Beschwerdeführer eine er-

gänzende Eingabe und weitere Beweismittel (Bericht aus der Neue Zür-

cher Zeitung [NZZ] am Sonntag vom 24. Oktober 2020, Gutachten zu LIN-

GUA-Analyse des Experten «AS19» vom 29. September 2020 mit Anhang) 

und eine weitere Honorarrechnung zu den Akten. 

L.  

Mit Zwischenverfügung vom 7. Februar 2024 forderte der Instruktionsrich-

ter den Beschwerdeführer auf, seine allenfalls weiterhin bestehende Be-

dürftigkeit nachzuweisen. 

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Seite 5 

M.  

Mit Eingabe vom 20. Februar 2024 reichte der Beschwerdeführer das von 

ihm ausgefüllte Formular "Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege" samt 

Beilagen (Kopien von Mietvertrag, Prämienabrechnung Krankenkasse Ja-

nuar 2024, Lohnabrechnungen März 2023 und Oktober 2023) ein. 

N 

Am 27. März 2024 übermittelte das SEM dem BVGer das mit Beschwerde 

vom 28. April 2020 eingereichte und vom SEM in seiner Vernehmlassung 

als Fälschung erkannte Ausweisdokument (BVGer-Akte 11). 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 

(AS 2016 3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfah-

ren gilt das bisherige Recht (Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Än-

derung des AsylG vom 25. September 2015).  

1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-

würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist 

daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 

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Seite 6 

Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-

schwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-

länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Das SEM begründete seine Verfügung damit, aufgrund erheblicher 

Zweifel an der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Identität und 

Herkunft habe es eine Sprach- und Herkunftsanalyse in Auftrag gegeben. 

Der Experte (die sachverständige Person) sei in seiner gestützt auf das 

telefonische Interview mit dem Beschwerdeführer erstellten Analyse zum 

Schluss gelangt, dass die Sozialisation des Beschwerdeführers eindeutig 

nicht im Gebiet Kharu, welches der Stadt Chamdo unterstellt sei, stattge-

funden hat, sondern eindeutig in der exiltibetischen Gemeinschaft aus-

serhalb der Volksrepublik China. Zwar hätten sich einige wenige länder-

kulturellen Kenntnisse zur von ihm vorgetragenen Heimatregion nachwei-

sen lassen. Andererseits seien aber eine Reihe von Wissenslücken und 

Unstimmigkeiten vorhanden, die vor dem angegebenen biografischen Hin-

tergrund des Beschwerdeführers nicht erklärbar seien. So habe er keine 

oder falsche Angaben zur Heimatgemeinde und zum Heimatkreis gemacht. 

Dies sei unerwartet für eine Person, die 21 Jahre lang in Tibet gelebt habe. 

Es sei zudem unerwartet, dass er als übergeordnete administrative Einheit 

Khadzee genannt habe. Chamdo sei Khadzee nie untergeordnet gewesen 

und gehöre der Provinz Sichuan an. Es sei dem Beschwerdeführer nicht 

bekannt, dass das Autonome Gebiet Tibet und die Provinz Sichuan ge-

trennte administrative Bereiche seien. Er habe zwar zwei weitere Kreise 

von Tibet benennen können. Jedoch sei unerwartet, dass er keine Nach-

barkreise seines Heimatkreises oder andere Kreise von Chamdo habe 

nennen können. Seine Erklärung zu Märkten und Ämtern in der Kreishaupt-

stadt sei für Tibet nicht spezifisch. Zur Geografie habe er zutreffende An-

gaben machen können. Die von ihm genannten Speisen in Tibet würden 

auch in angrenzenden Ländern zubereitet. Seine Antworten auf die Frage 

nach Gewürzen sei aufgrund seiner angegebenen Tätigkeit (Zubereiten 

von Speisen) nicht zufriedenstellend. Seine Angaben zum Wäschewa-

schen seien relativ unspezifisch; er habe indes das chinesische Wort für 

Waschpulver verstanden. Die Fragen zu den Dokumenten (Existenz eines 

Familienbüchleins für die Ausstellung des Personalausweises, Höhe der 

Gebühr für die Ausstellung des Personalausweises, zuständiges Amt für 

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die Ausstellung seines Personalausweises) habe er nicht oder unzutref-

fend beantwortet. Im Bereich der Schule und Sonstiges (Schulferien, Na-

men der Schule seiner Geschwister, Schuluniform und Schul-Eintrittsalter) 

habe er falsche oder keine Angaben gemacht. Zudem seien seine Angaben 

zur Beschaffung einer Telefonnummer und der Existenz von Telekommuni-

kationsfirmen in Tibet unzutreffend. Im Weiteren ging die sachverständige 

Person hinsichtlich der Sprech- und Sprachkompetenz aufgrund der bio-

grafischen Angaben des Beschwerdeführers davon aus, dass er mutter-

sprachlich mutmasslich den tibetischen Dialekt von Chamdo spreche so-

wie Kenntnisse einfacher chinesischer Wörter und Redewendungen aus 

seinem Alltagsleben habe. Seine Sprache dürfte zudem nur wenig von Va-

rietäten von ausserhalb nennenswert geprägt worden sein. Einflüsse exil-

tibetischer Varietäten seien nicht zu erwarten, da der angegebene Aufent-

halt im Exil zu kurz gewesen sei, um eine sprachliche Beeinflussung zu 

bewirken. Es sei auch zu erwarten, dass er nur mit gewissen Einschrän-

kungen Zentraltibetisch verstehen könne. Er sei explizit darum gebeten 

worden, seinen Heimatdialekt zu sprechen. Somit sei zu erwarten gewe-

sen, dass sein Kham-Tibetischer Chamdo-Dialekt ohne Einflüsse anderer 

Varietäten sei. Seine Sprache weise jedoch auf den analysierten Ebenen 

überwiegend Gemeinsamkeiten mit dem Dialekt von Lhasa auf. Dass er 

aktiv Formen verwende, die im Innertibetischen ungrammatisch seien, ent-

spreche nicht den Erwartungen. Auch seine Chinesischkenntnisse würden 

diese Erwartungen nicht erfüllen. Gemäss der Einschätzung des Experten 

konnte der Beschwerdeführer die Erwartungen an seine Sprache insge-

samt nicht erfüllen.  

Das SEM führte weiter aus, dass die Erklärungen des Beschwerdeführers 

in seiner Stellungnahme zum Abklärungsergebnis vom 10. Februar 2020 

an der Feststellung der sachverständigen Person nichts ändern würden. 

Da davon auszugehen sei, dass er nicht in der von ihm angegebenen Re-

gion sozialisiert worden sei, werde den von ihm geltend gemachten Aus-

reise- beziehungsweise Asylgründen die Grundlage entzogen. Dies werde 

auch durch seine substanzarmen und nicht nachvollziehbaren Ausführun-

gen zu seinen Fluchtgründen untermauert. Seine Antworten seien äusserst 

vage ausgefallen und wiesen keinerlei Realkennzeichen auf. Schliesslich 

sei seine Schilderung des Reisewegs äusserst knapp und ohne jegliche 

Realkennzeichen und damit unglaubhaft. 

3.2 Der Beschwerdeführer führt in seiner Rechtsmitteleingabe sein man-

gelhaftes Wissen zu landeskundlich-kulturellen Fragen (administrative Ein-

teilung, Unkenntnis betreffend Gewürze, Schulferien, Schuluniform, 

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Schuleintrittsalter, etc.) im Wesentlichen auf seine fehlende Schulbildung 

und eingeschränkte intellektuelle Fähigkeiten sowie sein mangelndes Inte-

resse an Bildung und Kenntnissen zurück: Er verfüge kaum über theoreti-

sches Wissen, habe aber Angaben zur Geografie machen können. Er habe 

mittlerweile seine Identitätskarte im Original erhalten, die einige Ungereimt-

heiten aufweise. Vermutlich sei er bei seiner Geburt nicht im Familienbüch-

lein registriert worden. Dies sei in Tibet möglich und betreffe oft Kinder mit 

Behinderung. Die Ausstellung einer Identitätskarte ohne Familienbüchlein 

mit überhöhten Gebühren und der aussergewöhnliche Ausstellungsort 

(C._______) liessen sich vorliegend damit erklären, dass diese höchst-

wahrscheinlich illegal erfolgt sei. Ferner sei es seinem Vater möglich ge-

wesen, sein Handy und die dazugehörende Telefonnummer zu beschaffen. 

Tibet sei ein korruptes Land und mit Geld sei einiges möglich. Im Weiteren 

macht der Beschwerdeführer zu den Feststellungen hinsichtlich seiner 

Sprache geltend, er spreche sowohl Chamdo- wie auch Lhasa-Dialekt. Die 

Lhasa-Kenntnisse habe er durch seinen Medienkonsum und die Handels-

beziehungen seines Vaters erworben. Er sei beim Interview immer wieder 

in den Lhasa-Dialekt verfallen. Dort habe er die Frage nicht immer verstan-

den. Das Ergebnis der LINGUA-Analyse widerspiegle nicht seine wirkli-

chen Kenntnisse im heimischen Dialekt und in der chinesischen Sprache. 

Das unübliche Verwenden von aktiven Formen sei möglicherweise auf eine 

Intelligenzminderung zurückzuführen. Schliesslich seien seine Schilderun-

gen des Reisewegs und seiner Asylgründe in ihrer Kernaussage schlüssig 

und ohne Widersprüche ausgefallen. Die von ihm genannten Gründe für 

seine persönliche Verfolgung seien nachvollziehbar und liessen sich mit 

den internationalen Berichten zur Lage in Tibet untermauern. In der Be-

schwerdeeingabe wurde sodann erneut auf die eingeschränkten intellektu-

ellen Fähigkeiten hingewiesen. Dem Beschwerdeführer drohe im Falle ei-

ner Rückkehr aufgrund des Postens von Dalai Lama-Bildern auf We-Chat 

sowie seiner illegalen Ausreise und dem Stellen eines Asylgesuchs eine 

langjährige Gefängnisstrafe. In Anbetracht seiner höchst wahrscheinlich 

vorhandenen geistigen Behinderung sei von einer besonders starken Ge-

fährdung auszugehen.  

3.3 Die Vorinstanz hält in ihrer Vernehmlassung an ihrem Standpunkt fest. 

Zudem führte sie aus, eine Überprüfung der auf Beschwerdeebene einge-

reichten Identitätskarte habe ergeben, dass es sich bei dieser um eine To-

talfälschung handle. Die eingereichte gefälschte Identitätskarte bestätige 

die Zweifel an der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Herkunft und 

Asylgründen. Es erstaune überdies, dass er die Identitätskarte erst auf Be-

schwerdeebene eingereicht habe. Weiter habe er im Laufe des 

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Asylverfahrens widersprüchliche Angaben zu seiner Identitätskarte ge-

macht. Im Dublin-Gespräch habe er angegeben, diese sei in C._______ 

ausgestellt und hier in der Schweiz beim Waschen zerstört worden. Ande-

rerseits habe er eingeräumt, es handle sich dabei um die gefälschte Iden-

titätskarte, wobei er erklärt habe, der Schlepper habe ihm bei der Ankunft 

in der Schweiz alles abgenommen. Auch unter Berücksichtigung einer all-

fällig verminderten Intelligenz des Beschwerdeführers hätten konsistente 

Angaben erwartet werden können. Es scheine auch wenig plausibel, dass 

er bei der Geburt aufgrund seines Intelligenzdefizits nichts im Familien-

büchlein registriert worden sei, da sich eine Intelligenzminderung erst in 

der Entwicklung manifestiere. Auch eine allfällige illegale Beschaffung der 

Identitätskarte sei nicht plausibel. Selbst wenn dem so wäre, wären keine 

Fälschungsmerkmale zu erwarten gewesen.  

3.4 In der Replik wird zu den von der Vorinstanz als substanzarm und nicht 

nachvollziehbar bezeichneten Ausführungen eingewendet, es habe nicht 

zweifelsfrei eruiert werden können, ob der Beschwerdeführer die Fragen 

wirklich verstanden habe. Dies gelte auch in Bezug auf die LINGUA-Ana-

lyse. Die Dolmetscherin habe nach Anhörung der CD zum Telefoninterview 

auf Verständigungsschwierigkeiten des Beschwerdeführers hingewiesen. 

Solche hätten sich auch anlässlich der Anhörung ergeben. Es sei nicht bei 

allen Verständigungsproblemen nachgefragt worden. Hinsichtlich der Iden-

titätskarte sei bereits in der Beschwerdeschrift darauf hingewiesen worden, 

dass diese höchstwahrscheinlich illegal beschafft worden sei und deshalb 

einige Abweichungen enthalte. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass er 

als Neugeborenes nicht registriert worden sei. Eine solche Nichtregistrie-

rung führe dazu, dass er sich nicht auf legalem Weg eine Identitätskarte 

habe beschaffen können. Die gefälschte Identitätskarte sei deshalb nicht 

geeignet, die von der Vorinstanz festgestellten Zweifel an seiner Herkunft 

und seinen Asylgründen zu bestätigen. Vielmehr spreche dies für die 

Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Überdies könne den Anhörungsprotokol-

len nicht der Eindruck entnommen werden, dass sich der Beschwerdefüh-

rer über die Wichtigkeit dieses Dokumentes im Klaren war. Es gebe auch 

Erklärungen für seine Angaben "Kopie" und "Fälschung". Es sei wohl die 

Kopie und nicht das Original beim Waschen zerstört worden. 

4.  

In der Beschwerde wird in formeller Hinsicht eine Verletzung des Untersu-

chungsgrundsatzes moniert. Diese Rüge ist vorab zu beurteilen, da sie al-

lenfalls geeignet wäre, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu 

bewirken. 

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Seite 10 

4.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes 

wegen fest. Die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtser-

heblichen Sachverhalts bildet einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 

Bst. b AsylG). Sie müssen die für das Verfahren erforderlichen Sachver-

haltsunterlagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären 

und darüber ordnungsgemäss Beweis führen (dazu auch Art. 30-33 

VwVG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung insbesondere, wenn der 

Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird 

oder Beweise nicht erfasst oder falsch gewürdigt worden sind; unvollstän-

dig ist sie, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachum-

stände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs-

verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, 

Rz. 1043, BVGE 2022 I/6 E.4.2.2). 

4.2 Der Beschwerdeführer rügt insbesondere, es liessen sich aus dem In-

terview zur LINGUA-Analyse und der Anhörung grosse Verständigungs-

probleme entnehmen. Sein Verhalten könnte auf eine Intelligenzminderung 

(geistige Behinderung) hinweisen, welche zur Einschränkung von kogniti-

ven, sprachlichen und sozialen Fähigkeiten führe. Die Abklärung dieses 

Sachverhalts sei unentbehrlich, da dies seine Glaubwürdigkeit beschlage. 

Dem Anhörungsprotokoll lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdefüh-

rer zu Beginn der Anhörung die Verständigung mit dem Dolmetscher als 

gut bezeichnet hat. Er wurde auch darauf hingewiesen, sich zu melden, 

sollte er etwas nicht verstehen (vgl. SEM-Akte […]-16 F1 f.). Im ersten Teil 

der Anhörung deuten keine Auffälligkeiten auf Verständigungsschwierigkei-

ten hin. Wenige Male musste der Dolmetscher nachfragen, weil er einen 

Teil der Aussagen des Beschwerdeführers nicht verstand (vgl. F21, F77, 

F84, F94). Zudem forderte der Befrager den Beschwerdeführer dazu auf, 

klarer zu sprechen sowie ganze Sätze zu machen und ausführlicher zu er-

zählen (vgl. F22, F93). Im Laufe der Anhörung mussten einzelne Fragen 

wiederholt oder anders formuliert werden, weil die Antworten des Be-

schwerdeführers diesen nicht entsprachen oder nicht vollständig waren. In 

der Folge konnten diese geklärt respektive zufriedenstellend beantwortet 

werden (vgl. F29-32, F55-61). Im Verlaufe der weiteren Anhörung antwor-

tete er auf die Frage, wie er den Dolmetscher bisher verstanden habe, mit 

sehr gut (vgl. F105). Ferner war er in der Lage, seine Asylvorbringen in 

einem freien, längeren Bericht vorzutragen (vgl. F108 ff.). Der Befrager 

stellte ihm mehrere Zusatzfragen, um ein genaueres Bild der Ereignisse 

(Zusammenfassung) zu erhalten (vgl. F114-120). Die meisten Anschluss-

fragen konnte der Beschwerdeführer ohne weiteres beantworten (vgl. 

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Seite 11 

F121 ff.). Ferner versicherte sich der Befrager immer wieder, ob er – der 

Befrager – alles richtig verstanden habe und gab dem Beschwerdeführer 

Gelegenheit, sich dazu zu äussern (vgl. F127). An den wenigen Stellen, bei 

denen der Beschwerdeführer die ihm gestellten Fragen nicht verstand, 

wurden die Fragen umformuliert und konnten so beantwortet werden. Er 

erhielt wiederholt Gelegenheit, seine Antworten zu präzisieren. Bei der 

Durchsicht des Protokolls entsteht nie der Eindruck, dass er mit der Schil-

derung seiner Asylgründe (mangels kognitiver Fähigkeiten) überfordert war 

oder überdurchschnittliche Schwierigkeiten hatte, seine Vorbringen ausrei-

chend darzulegen. Darüber hinaus hat auch die anwesende Rechtsvertre-

terin trotz wiederholten Gelegenheiten keine Bemerkungen angebracht, 

die auf ein Verständigungsproblem oder eine eingeschränkte kognitive Fä-

higkeit des Beschwerdeführers hindeuten würden. Insgesamt geht das 

Bundesverwaltungsgericht gleich wie die Vorinstanz davon aus, dass der 

Beschwerdeführer seine Asylvorbringen ausreichend hat vortragen kön-

nen. In der Beschwerdeschrift wird der von ihm vorgetragene Sachverhalt 

überdies nicht anders dargestellt. Ferner wurde in der LINGUA-Analyse die 

Verständigung zwischen der Interviewerin und dem Beschwerdeführer im 

Allgemeinen als gut bezeichnet. Sprachliche Verständnisschwierigkeiten 

hätten jeweils durch Nachfragen gelöst werden können. Trotz der oft un-

deutlichen und schnellen Sprechweise des Beschwerdeführers sei eine 

Analyse möglich gewesen. Insgesamt kann entgegen der anderslautenden 

Behauptung in der Beschwerde nicht der Schluss gezogen werden, der 

Beschwerdeführer sei aus kognitiven Gründen nicht in der Lage gewesen, 

der Anhörung und dem Telefoninterview zu folgen und seine Erlebnisse 

adäquat vorzubringen. Dementsprechend ist auch der Vorinstanz in ihrer 

Vernehmlassung zu folgen, wonach der Beschwerdeführer den gestellten 

Fragen grösstenteils zu folgen vermochte und sinngemässe Antworten hat 

geben können. Überdies spricht der Umstand, dass der Beschwerdeführer 

seine Reise in die Schweiz offenbar alleine angetreten hat und er seit Mitte 

2022 bei denselben Unternehmen in der Schweiz einer Arbeit als Allroun-

der nachgeht, dafür, dass er über ausreichende kognitive Fähigkeiten ver-

fügt. Im Übrigen stellt der Umstand, dass der Beschwerdeführer mit der 

Sachverhaltswürdigung und den Schlussfolgerungen der Vorinstanz nicht 

einverstanden ist, keine Verletzung der Abklärungspflicht respektive der 

Pflicht zur korrekten Sachverhaltsfeststellung dar, sondern beschlägt viel-

mehr die Frage der materiellen Richtigkeit des Asylentscheids. 

4.3 Aufgrund des Ausgeführten ist keine weitergehende Abklärungspflicht 

des SEM zu erkennen. Es besteht damit kein Zweifel an der Verwertbarkeit 

des Inhalts des Befragungsprotokolls sowie des Telefoninterviews zwecks 

E-2250/2020 

Seite 12 

LINGUA-Analyse. Damit ist die diesbezügliche Rüge nicht geeignet, aus 

formellen Gründen eine Kassation zu bewirken.  

4.4 In der Eingabe vom 17. November 2020 werden erstmals ernsthafte 

Zweifel an der Qualität und am Beweiswert der von der sachverständigen 

Person «AS19» durchgeführten LINGUA-Analyse geäussert. Das Bundes-

verwaltungsgericht kommt diesbezüglich – wie nachstehend ausgeführt 

wird – zum Ergebnis, dass Qualität und Beweiswert der LINGUA-Analyse 

nicht anzuzweifeln sind (vgl. E. 7.5). 

4.5 Insgesamt erweisen sich die formellen Rügen als unbegründet. Es be-

steht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung aufzuheben und 

die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das dies-

bezügliche Eventualbegehren ist abzuweisen. 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

5.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und 

folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2012/5 E. 2.2).  

6.  

Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts wird bei Personen tibeti-

scher Ethnie, die ihre wahre Herkunft verschleiern oder verheimlichen, 

E-2250/2020 

Seite 13 

vermutungsweise davon ausgegangen, dass keine flüchtlings- oder weg-

weisungsbeachtlichen Gründe gegen eine Rückkehr an ihren bisherigen 

Aufenthaltsort bestehen, zumal die Abklärungspflicht der Asylbehörden 

ihre Grenze an der Mitwirkungspflicht der asylsuchenden Person findet. 

Verunmöglicht ein tibetischer Asylsuchender durch die Verletzung seiner 

Mitwirkungspflicht die Abklärung, welchen effektiven Status er in seinem 

bisherigen Aufenthaltsstaat innehat, kann namentlich keine Drittstaatenab-

klärung im Sinne von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG stattfinden. Durch die 

Verheimlichung und Verschleierung der wahren Herkunft wird auch die Prü-

fung der Flüchtlingseigenschaft der betreffenden Person in Bezug auf ihr 

effektives Heimatland verunmöglicht (vgl. BVGE 2014/12 E. 5.9.f; Refe-

renzurteil D-2337/2021 vom 5. Juli 2023). 

7.  

7.1 Vor diesem Hintergrund kommt der Frage, ob eine asylsuchende Per-

son tatsächlich aus der Autonomen Region Tibet in der Volksrepublik China 

stammt beziehungsweise bis zu ihrer angeblichen Ausreise dort gelebt hat, 

eine entscheidende Bedeutung zu. Vorliegend hat das SEM zur Klärung 

dieser Fragen eine LINGUA-Analyse in Auftrag gegeben. Bei diesen Ana-

lysen handelt es sich zwar nicht um Sachverständigengutachten (Art. 12 

Bst. e VwVG; Art. 57 ff. des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über 

den Bundeszivilprozess [BZP, SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG), sondern um 

schriftliche Auskünfte einer Drittperson (Art. 12 Bst. c VwVG; Art. 49 BZP 

i.V.m. Art. 19 VwVG). Sofern bestimmte Anforderungen an die fachliche 

Qualifikation, Objektivität und Neutralität des Analysten und an die inhaltli-

che Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit der Analysen erfüllt sind, ist 

ihnen jedoch ein erhöhter Beweiswert beizumessen (vgl. BVGE 2015/10 

E. 5.1; 2014/12 E. 4.2.1). 

7.2 In seiner Eingabe vom 16. November 2020 erhebt der Beschwerdefüh-

rer Zweifel an der Qualität der LINGUA-Analyse von «AS19» und unter-

mauerte diese mit einem Artikel aus der NZZ und dem Hinweis auf ein in 

einem anderen Verfahren von vier Tibetologie-Experten erstellten Gutach-

ten zum LINGUA-Bericht von «AS19». Die vier Wissenschaftler, die seit 

Jahrzehnten zur tibetischen Sprache, Kultur und Geschichte forschen wür-

den, hätten grosse Zweifel an der fachlichen Qualifikation und der Neutra-

lität von «AS19» geäussert und seien zum Schluss gekommen, der Pro-

band (um den es in jenem untersuchten Verfahren ging) sei in der Region 

sozialisiert worden, die er in seinem Asylverfahren angegeben habe. Das 

Gutachten zeige auf, dass die sachverständige Person «AS19» bei ihren 

Analysen grobe Fehler begehe. Vor diesem Hintergrund müsse der 

E-2250/2020 

Seite 14 

Beweiswert der (vorliegenden) Analyse (ebenfalls) grundlegend hinterfragt 

werden. Die Schlussfolgerung des SEM, wonach der Beschwerdeführer 

nicht im Kreis Tau aufgewachsen sei, sei nicht nachvollziehbar. 

7.3 In seinem Referenz-Urteil D-2337/2021 vom 5. Juli 2023 hat sich das 

Bundesverwaltungsgericht eingehend mit der Qualifikation und Arbeits-

weise der sachverständigen Person «AS19» auseinandergesetzt. Nach ei-

ner umfassenden Prüfung des Werdegangs, der aktuellen professionellen 

Tätigkeit sowie der wissenschaftlichen Reisetätigkeiten stellte es fest, dass 

«AS19» kompetent sei, eine fachlich korrekte, neutrale und objektive LIN-

GUA-Analyse zur Überprüfung der Sozialisation eines Asylsuchenden in 

der Autonomen Region Tibet vorzunehmen (a.a.O. E. 7.4.2). Weiter wurde 

darauf hingewiesen, dass die Arbeitsweise der Fachstelle LINGUA in zwei 

Forschungsprojekten untersucht worden sei und die daraus resultierenden 

Empfehlungen umgesetzt worden seien. LINGUA arbeite an der Optimie-

rung der allgemeinen Methodik und werde in einer dieser Studien als «best 

practice» im Bereich von LADO (language analysis for the determination 

of origin) bezeichnet (a.a.O. 7.8). Die Qualität und Aussagekraft der von 

«AS19» erstellten LINGUA-Analysen sei somit nicht grundsätzlich zu be-

anstanden. Dies ändere jedoch nichts daran, dass LINGUA-Analysen in 

jedem Einzelfall auf ihre Aussagekraft hin geprüft werden müssten (a.a.O. 

E. 7.9). Das Bundesverwaltungsgericht hielt in der Folge fest, dass die ge-

gen die Aussagekraft der LINGUA-Analyse vorgebrachten Einwände als 

nicht erheblich zu qualifizieren seien, weshalb der Analyse erhöhter Be-

weiswert zuzumessen sei. 

7.4 Für den vorliegenden Fall ist festzuhalten, dass sich die von «AS19» 

erstellte linguistische Analyse als nachvollziehbar und schlüssig erweist. 

Die Analyse basiert auf einem 69-minütigen Telefongespräch des Be-

schwerdeführers mit der Person «TAS09». Der Beschwerdeführer wurde 

zu Beginn des Gesprächs explizit darum gebeten, seinen Heimatdialekt zu 

sprechen. Die sachverständige Person hielt in ihrer Analyse vorab fest, die 

Verständigung zwischen der Interviewerin und dem Beschwerdeführer sei 

im Allgemeinen gut gewesen. Es sei manchmal zu sprachlichen Verständ-

nisschwierigkeiten gekommen, welche durch Nachfrage hätten gelöst wer-

den können. Trotz der oft undeutlichen und schnellen Sprechweise des Be-

schwerdeführers sei eine Analyse möglich gewesen. Daher kann das Tele-

foninterview auch unter Berücksichtigung des in der Beschwerdeschrift er-

wähnten Eindrucks der bei der CD-Anhörung anwesenden Dolmetscherin 

als ausreichende Grundlage für die LINGUA-Analyse bezeichnet werden. 

Gemäss «Werdegang und Qualifikation der sachverständigen Person» 

E-2250/2020 

Seite 15 

verfügt «AS19» über analyserelevante tibetische und chinesische Sprach-

kenntnisse (vgl. SEM-Akte […]-27). Diese hat in ihrer Analyse anhand der 

Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Biographie (Geburtsort, Auf-

enthalte, angegebene Sprachkenntnisse, keine Schulbildung, Tätigkeit als 

Hausmann und Aushilfsarbeiten, etc.) die Anforderungen an die Sprache 

in den verschiedenen Bereichen formuliert und diese bei der Beurteilung 

der einzelnen relevanten linguistischen Bereiche (Phonetik/Phonologie, 

Morphologie/Morphosyntax, Lexikon, Pragmatik/Semantik) berücksichtigt. 

Zudem wurde die Sprechweise des Beschwerdeführers mit dem Dialekt 

von Chamdo, worüber wissenschaftliche Forschung existiere, verglichen 

und wo notwendig, Materialien anderer Kham-Dialekte hinzugezogen. In 

der Folge mass «AS19» die Aussagen des Beschwerdeführers an den for-

mulierten Erwartungen und zog daraus ihre Schlüsse. Der resultierende 

Lingua-Bericht erscheint fundiert, schlüssig und objektiv nachvollziehbar. 

Zudem ist die Analyse inhaltlich als ausgewogen zu erachten, da dem gel-

tend gemachten biografischen Hintergrund des Beschwerdeführers sowohl 

bei der Einschätzung der landeskundlich-kulturellen Kenntnisse als auch 

der sprachlichen Fähigkeiten Rechnung getragen wurde. So hielt «AS19» 

etwa fest, dass der Beschwerdeführer über einige wenige landeskundlich-

kulturelle Kenntnisse zu der von ihm angegebenen Heimatregion verfüge. 

Es seien aber auch eine Reihe von Lücken und Unstimmigkeiten vorhan-

den, die vor dem von ihm angegebenen biografischen Hintergrund nicht 

erklärbar seien. Offenkundig wurden in der Lingua-Analyse nicht nur die 

Aspekte abgehandelt, welche gegen eine Sozialisation in der angeblichen 

Heimatregion sprechen, sondern auch diejenigen, welche für eine solche 

sprechen. Ebenso nachvollziehbar ist die Feststellung der linguistischen 

Analyse, wonach der Beschwerdeführer auf allen analysierten Ebenen 

überwiegend Gemeinsamkeiten mit dem Dialekt von Lhasa aufweise und 

aktiv Formen verwende, die im Innertibetischen ungrammatisch seien, 

weshalb er die Erwartungen an die Sprache insgesamt nicht erfülle. Das 

aus diesen Feststellungen gezogene Fazit, wonach der Beschwerdeführer 

eindeutig nicht wie angegeben im Gebiet Kharu hauptsozialisiert worden 

sei, sondern eindeutig in einer exiltibetischen Gemeinschaft ausserhalb der 

Volksrepublik China erscheint daher nachvollziehbar.  

7.5 Insgesamt ist festzustellen, dass weder die Qualität noch die Aussage-

kraft der von «AS19» erstellten LINGUA-Analyse zu beanstanden sind (vgl. 

Urteil des BVGer D-2337/2021 a.a.O.). Somit ist der Analyse erhöhter Be-

weiswert beizumessen. Auch der Umfang und die Tiefe der entsprechen-

den Würdigung der Analyseergebnisse durch die Vorinstanz in der ange-

fochtenen Verfügung sind nicht zu beanstanden. 

E-2250/2020 

Seite 16 

8.  

8.1 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Angaben des Beschwerdeführers zu 

seiner Herkunft und seiner Sozialisierung (Dorf B._______, Kreis Chamdo, 

Bezirk Kandzee) glaubhaft sind, respektive ob er aus der Autonomen Re-

gion Tibet in der Volksrepublik China stammt beziehungsweise bis zu sei-

ner angeblichen Ausreise dort gelebt hat. 

8.2 Vorab kann festgehalten werden, dass sich die Schlussfolgerungen der 

LINGUA-Analyse neben dem linguistischen auch auf einen landeskund-

lich-kulturellen Teil stützen und somit mehrere Komponenten umfassen. 

Vorliegend wurde der Beschwerdeführer nach der auch das Bundesver-

waltungsgericht überzeugenden Meinung der sachverständigen Person 

sehr wahrscheinlich nicht in der Autonomen Region Tibet sozialisiert. Diese 

Erkenntnis wurde in den Analysen und in der Verfügung des SEM einge-

hend dargelegt und in letzterer auch eingehend gewürdigt, ohne dass nur 

auf einzelne Elemente der LINGUA-Analyse abgestellt worden wäre. Es 

kann deshalb zu deren Inhalt zur Vermeidung von erneuten Wiederholun-

gen auf die sehr ausführliche Begründung der angefochtenen Verfügung 

des SEM und auf die Akten verwiesen werden. So entsprechen die landes-

kundlich-kulturellen Kenntnisse des Beschwerdeführers gemäss der Ana-

lyse nicht denjenigen, die man von einer Person mit der angegebenen Auf-

enthaltsdauer, mit dem angegebenen sozialen Hintergrund und der ange-

gebenen Tätigkeit erwarten kann. Der Beschwerdeführer setzt sich in der 

Beschwerde inhaltlich mit der Herkunftsanalyse und bereits in der Stellung-

nahme vor der Vorinstanz zwar auseinander; indessen überzeugen seine 

Erläuterungen nicht. Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass er 

gemäss eigenen Angaben nie die Schule besucht hat, und deshalb nur we-

nige Kenntnisse zur administrativen Gliederung, zur Schule und anderem 

hat, enthalten seine Aussagen auch (fehlerhafte oder fehlende) Elemente, 

die nicht mit einer Biografie in Tibet vereinbar sind. Dies betrifft insbeson-

dere die Unkenntnis zur eigenen Heimatgemeinde und die falsch angege-

bene übergeordnete administrative Einheit. Auch vermag er mit dem Ein-

wand, aufgrund seines Desinteresses für die Schule keine Angaben zu Fe-

rien, Schuluniform, Name der von seinen Geschwistern besuchten Schule 

machen zu können, nicht zu überzeugen. Sofern er zudem das unübliche 

Vorgehen bei der Beschaffung eines Handys und der dazugehörenden Te-

lefonnummer sowie einer Identitätskarte auf illegalem Weg mit der allge-

meinen Korruption in Tibet erklärt, muss dies als Schutzbehauptung ge-

wertet werden. Überdies sind auch die fehlenden Angaben zu Speisen und 

Haushalt, selbst wenn seine Familie anders als andere gekocht haben 

sollte, nicht nachvollziehbar. Insgesamt vermögen die verschiedenen 

E-2250/2020 

Seite 17 

Erklärungsversuche auf Beschwerdeebene das fehlende Wissen nicht zu 

erklären. 

8.3 Auch in Hinblick auf die sprachliche Kompetenz des Beschwerdefüh-

rers überzeugen die Feststellungen der sachverständigen Person. Sie hielt 

fest, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Biografie das Zentraltibe-

tisch der Interviewerin nur mit gewissen Einschränkungen verstehen 

dürfte, was aber nicht der Fall gewesen sei. Dies weise darauf hin, dass er 

intensiver und länger einer dem Zentraltibetischen nahestehenden Varietät 

ausgesetzt gewesen sein dürfte. Seine Sprache weise überwiegend Ge-

meinsamkeiten mit dem Lhasa-Dialekt auf. Zudem verwende er aktiv For-

men, die im Innertibetischen ungrammatisch seien. Der Beschwerdeführer 

vermag weder mit der angeblich eingeschränkten Intelligenz noch mit der 

schwierigen Verständigung beim Telefoninterview – er habe die Fragen der 

Interviewerin nicht immer erfassen können – die festgestellten aktiven For-

men und Gemeinsamkeiten seiner Sprache mit dem Lhasa-Dialekt zu er-

klären. Der vom Beschwerdeführer gesprochene Dialekt ist deshalb ein 

wichtiger Aspekt für die Annahme seiner Hauptsozialisierung in einer exil-

tibetischen Gemeinschaft. 

8.4 Des Weiteren ist anhand seiner Aussagen in den Asylbefragungen zu 

klären, ob der Beschwerdeführer glaubhaft machen kann, in der Autono-

men Region Tibet sozialisiert worden zu sein, oder ob er seine Herkunft 

beziehungsweise seinen letzten Wohnsitz zu verschleiern versucht. In die-

sem Punkt ist dem SEM dahingehend zuzustimmen, dass die vorgebrach-

ten Ausreise- und Asylgründe substanzarm und nicht nachvollziehbar aus-

gefallen sind. Es liegen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass die 

chinesischen Behörden aufgrund seines We-Chats und des Postens eines 

Dalai Lama-Bildes ein konkretes Interesse an seiner Person gehabt hätten. 

Vielmehr basieren seine Aussagen auf einer blossen Vermutung. Auch der 

Hinweis in der Beschwerdeschrift auf internationale Berichte zur Lage in 

Tibet vermag nichts zur Substanziierung seiner Verfolgungsvorbringen bei-

zutragen. Überdies ist die Schilderung des Reisewegs auch nach mehre-

ren Nachfragen äusserst knapp und ohne Realkennzeichen ausgefallen 

(vgl. SEM-Akte […]-16). Sie hinterlässt nicht den Eindruck von tatsächlich 

Erlebtem. Da die Aussagen zu den Fluchtgründen jedoch nur indirekte 

Rückschlüsse auf die Glaubhaftigkeit der Angaben zur Herkunft zulassen, 

ist diesem Indiz nur beschränktes Gewicht beizumessen.  

8.5 Schliesslich wird die Annahme der Vorinstanz, der Beschwerdeführer 

habe über seine tatsächliche Herkunft getäuscht, dadurch bekräftigt, dass 

E-2250/2020 

Seite 18 

er auf Beschwerdeebene eine Identitätskarte eingereicht hat, die sich in 

einer Echtheitsprüfung durch die Vorinstanz als Totalfälschung erwiesen 

hat. Das Gericht hat keinen Anlass, am Ergebnis der Dokumentenprüfung, 

welche von einer zertifizierten und qualifizierten Stelle durchgeführt wurde, 

zu zweifeln. Es kann diesbezüglich auf die Feststellungen der Vorinstanz 

in ihrer Vernehmlassung hingewiesen werden. Wie die Vorinstanz ferner 

zutreffend ausgeführt hat, bestätigt die Einreichung einer Totalfälschung 

die Zweifel an den vorgebrachten Asylgründen. Der Beschwerdeführer be-

streitet die Fälschungsvorwürfe nicht, sondern macht dazu in seiner Replik 

geltend, er habe aufgrund seiner Nichtregistrierung als Neugeborenem 

keine Identitätskarte auf legalem Weg beschaffen können und wisse nicht 

einmal, wie sein Stiefvater dabei vorgegangen sei. Dieser Erklärungsver-

such vermag jedoch nicht darüber hinwegzutäuschen, dass aus der Einrei-

chung einer Totalfälschung keine glaubhaften Schlussfolgerungen in Be-

zug auf die vorgebrachte Herkunft des Beschwerdeführers gezogen wer-

den können. Zudem wird dadurch dessen Glaubwürdigkeit erschüttert. Die 

als Totalfälschung erkannte Identitätskarte ([…]) wird vom Bundesverwal-

tungsgericht gestützt auf Art. 10 Abs. 4 AsylG eingezogen.  

8.6 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist somit festzustellen, dass 

der Beschwerdeführer über seine Herkunft getäuscht hat. In Anwendung 

der in BVGE 2014/12 E. 5.10 entwickelten Rechtsprechung hat das SEM 

daher zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint 

und sein Asylgesuch abgelehnt. 

9.  

9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

9.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

10.  

10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 

nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den 

gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; 

Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). 

E-2250/2020 

Seite 19 

Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss 

Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei 

der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen, 

wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft 

zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.). 

10.2 Unter Hinweis auf die in Erwägung 7 skizzierte Rechtsprechung ist 

der Vollzug der Wegweisung für zulässig, zumutbar und möglich zu erach-

ten. Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht 

(Art. 83 Abs. 1–4 AIG). 

10.3 Nachdem diejenigen Tibeterinnen und Tibeter, die die chinesische 

Staatsbürgerschaft besitzen, in Bezug auf China zumindest subjektive 

Nachfluchtgründe haben, weil sie von den chinesischen Behörden als Un-

terstützer des Dalai Lama und damit als separatistisch gesinnte Oppositio-

nelle betrachtet werden und – wiederum in Bezug auf China – die Flücht-

lingseigenschaft erfüllen (vgl. BVGE 2009/29), ist an dieser Stelle in Über-

einstimmung mit der vorinstanzlichen Verfügung darauf hinzuweisen, dass 

für alle Exil-Tibeter und -Tibeterinnen und somit auch für den Beschwerde-

führer ein Vollzug der Wegweisung nach China ausgeschlossen ist, da 

ihnen dort gegebenenfalls eine unmenschliche Behandlung im Sinne von 

Art. 3 EMRK droht. 

11.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen. 

12.  

12.1 Mit Zwischenverfügung vom 4. Mai 2020 wurde das mit der Be-

schwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-

führung (Art. 65 Abs. 1 VwVG) gutgeheissen. Gemäss den vom Beschwer-

deführer mit Eingabe vom 20. Februar 2024 eingereichten Unterlagen ha-

ben sich seine finanziellen Verhältnisse zwischenzeitlich in relevanter 

Weise verändert, so dass er nicht mehr als bedürftig zu erachten ist. Die 

Ziffer 1 des Dispositivs der Instruktionsverfügung vom 4. Mai 2020 ist des-

halb wiedererwägungsweise aufzuheben und der Antrag auf Bewilligung 

der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Wir-

kung ex nunc abzuweisen (vgl. BGE 122 I 322 E. 2c; EMARK [Entschei-

dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission] 

2000 Nr. 6 E. 9). Folglich sind dem Beschwerdeführer mangels heutiger 

E-2250/2020 

Seite 20 

prozessualer Bedürftigkeit die Kosten des Verfahrens von Fr. 750.– (Art. 1–

3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-

gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) aufzu-

erlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG).  

12.2 Mit Zwischenverfügung vom 4. Mai 2020 wurde MLaw Sandra Wehrli 

als amtliche Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers eingesetzt. Nach-

dem die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht mehr erfüllt sind 

und der entsprechende Entscheid hievor wiedererwägungsweise aufgeho-

ben wurde, mangelt es auch an den Voraussetzungen für die Bestellung 

eines Anwaltes im Sinne von Art. 102m Abs. 3 AsylG AsylG. Folglich ist die 

Ziffer 3 des Dispositivs der Zwischenverfügung vom 4. Mai 2020 ebenfalls 

wiedererwägungsweise aufzuheben und das Gesuch um Beiordnung einer 

unentgeltlichen Rechtsvertretung mit Wirkung für die Zukunft (vgl. KAY-

SER/ALTMANN, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungs-

verfahren [VwVG], 2019, Rz. 51 zu Art. 65) abzuweisen. Demnach ist der 

Rechtsvertreterin ein amtliches Honorar für die bis anhin notwendigen Auf-

wendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Der in den Honorarno-

ten vom 28. April 2020, 4. Juni 2020 und 17. November 2020 ausgewie-

sene Zeitaufwand von insgesamt 14 Stunden erweist sich mit Blick auf den 

Umstand, dass der vorliegende Fall weder in tatsächlicher noch in rechtli-

cher Hinsicht besonders komplex erscheint, als überhöht und wird entspre-

chend angepasst. Das Bundesverwaltungsgericht geht vorliegend von ei-

nem zeitlichen Aufwand von 9 Stunden aus. Indessen sind die aufgeführ-

ten Spesen (inklusive Dolmetscher) in Höhe von Fr. 525.10 als angemes-

sen zu bezeichnen. Zudem ist wie in der Verfügung vom 4. Mai 2020 an-

gekündigt, bei nichtanwaltlichen Rechtsbeiständen von einem Stundenan-

satz von maximal Fr. 150.– auszugehen. Demzufolge ist der amtlichen 

Rechtsbeiständin ein Gesamtbetrag von gerundet Fr. 1'875.– (inkl. Ausla-

gen) durch das Gericht zu vergüten. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-2250/2020 

Seite 21 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Die als Fälschung erkannte Identitätskarte ([…]) wird eingezogen. 

3.  

Die mit Instruktionsverfügung vom 4. Mai 2020 gewährte unentgeltliche 

Prozessführung wird wiedererwägungsweise entzogen. Die Verfahrens-

kosten von Fr. 750.– werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Dieser Be-

trag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichts-

kasse zu überweisen. 

4.  

Die mit Zwischenverfügung vom 4. Mai 2020 gewährte amtliche Rechts-

verbeiständung wird mit Wirkung für die Zukunft abgewiesen. MLaw 

Sandra Wehrli wird zulasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar in 

der Höhe von Fr. 1'875.– zugesprochen. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

David R. Wenger Alexandra Püntener 

 

Versand: