# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 10ad272c-accb-51bd-8a17-3aaddb167008
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-08-31
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 31.08.2011 E-6368/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6368-2008_2011-08-31.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

Abteilung V
E­6368/2008

U r t e i l   v om   3 1 .   Augus t   2 0 1 1

Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz),
Richter Hans Schürch, Richter François Badoud,   
Gerichtsschreiber Thomas Hardegger.

Parteien A._______, geboren am (…), Irak, 
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
10. September 2008 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Der Beschwerdeführer, ein Kurde sunnitischen Glaubens aus B._______ 
bei  (…),  Provinz  Dohuk,  verliess  eigenen  Angaben  zufolge  seinen 
Heimatstaat  am  25.  November  2006,  reiste  über  die  Türkei  und 
unbekannte  Länder  am  7.  Januar  2007  in  die  Schweiz  ein  und  suchte 
gleichentags um Asyl nach. Am 29. Januar 2007 wurde er im Empfangs­ 
und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Chiasso  befragt,  und  am  17.  September 
2007 erfolgte die Anhörung zu den Asylgründen durch das Migrationsamt 
des Kantons (…). 

Anlässlich  der  Anhörungen  führte  er  aus,  er  sei  nach  dem 
Primarschulabschluss  im  Jahr  1993  ohne  Beschäftigung  gewesen  und 
habe sich  zu Hause aufgehalten.  1998 bis Ende Oktober  2006 habe er 
als Fahrer eines Kleinlastwagens gearbeitet. Bis Juni 2006 habe er keine 
Probleme  gehabt.  Als  einfaches  Mitglied  der  kommunistischen  Partei 
("Hizbi  Shui  Kurdistan"),  welcher  er  im  Sommer  2006  beigetreten  sei, 
habe er etwa sechs­ bis siebenmal in seinem Heimatdorf die Zeitung (…) 
in  Coiffeurgeschäften  verteilt  und  mit  Freunden  wiederholt  politische 
Diskussionen  geführt.  Anderes  habe  er  nie  gemacht.  Er  habe  sich 
namentlich  auch  nicht  an  öffentlichen  Diskussionen  beteiligt.  Die 
vorgenannten  Tätigkeiten  hätten  jedoch  in  B._______  zu  Konflikten mit 
der  Sicherheitsbehörde  der  Demokratischen  Partei  Kurdistans  (KDP) 
geführt.  Er  sei  Mitte  September  2006  von  deren  Sicherheitsbeamten 
(namens  F.  und  M.)  festgenommen  worden.  Die  KDP  habe  ihn  zur 
Beendigung  seines  Engagements  und  seiner  Tätigkeiten  für  die 
Kommunisten angehalten. Ihm sei vorgehalten worden, zu oft und zu viel 
über den Kommunismus zu sprechen; man wolle nicht, dass er sich wie 
ein  Kommunist  verhalte.  Die  KDP  habe  ihm  gegenüber  argumentiert, 
dass seine Familie nicht kommunistisch sei; ohne eine Haltungsänderung 
seinerseits dürfte er kaum bei seiner Familie bleiben können. Da er sich 
vor  ernsthaften  Nachteilen  seitens  der  Sicherheitsbehörde  der  KDP 
gefürchtet habe, sei er  in die Türkei geflohen. Die Grenze im Raum (…) 
habe  er  illegal  überquert,  und  von  Istanbul  aus  sei  mit  einem 
Lastkraftwagen in die Schweiz gekommen.

Der Beschwerdeführer reichte eine irakische Identitätskarte zu den Akten. 

B. 
Mit  Verfügung  vom  10.  September  2008  –  eröffnet  am  15.  September 
2008 –  lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab, 

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verfügte seine Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. 
Zur  Begründung  führte  es  aus,  dass  die  Vorbringen  des 
Beschwerdeführers  in  ihrer  Gesamtheit  den  Anforderungen  an  die 
Glaubhaftigkeit  nicht  standzuhalten  vermöchten,  so  dass  ihre 
Asylrelevanz  nicht  zu  prüfen  sei.  Infolgedessen  erfülle  er  die 
Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  das  Asylgesuch  sei  abzulehnen.  Der 
Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. 

C. 
Nach  erfolgter  Akteneinsicht  vom  25.  September  2008  reichte  der 
Beschwerdeführer  am  7.  Oktober  2008  beim  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerde  ein  mit  den  Anträgen  auf  Aufhebung  der  Verfügung  des 
BFM,  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft,  Asylgewährung  und 
(recte:  oder)  vorläufige  Aufnahme  wegen  Unzulässigkeit  und 
Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs.  In  formeller  Hinsicht  wurde 
um Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung,  einschliesslich  des 
Verzichts  auf  Erhebung  eines  Kostenvorschusses,  Ausrichtung  einer 
Parteientschädigung  und  Ansetzung  einer  sechswöchigen  Frist  zur 
Einreichung des Originals der polizeilichen Vorladung ersucht. 

D. 
Mit  Zwischenverfügung  vom  15.  Oktober  2008  sah  das 
Bundesverwaltungsgericht  von  der  Erhebung  eines  Kostenvorschusses 
ab  und  verschob  den  Entscheid  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der 
unentgeltlichen  Prozessführung  auf  einen  späteren  Zeitpunkt,  verlangte 
unter  Fristansetzung  einen  Nachweis  für  die  prozessuale 
Fürsorgeabhängigkeit  und  wies  das  Gesuch  um  Fristerstreckung  zur 
Nachreichung eines Originaldokumentes ab. 

E. 
Die  nachgereichten  Fürsorgebestätigungen  datieren  vom  15.  und  23. 
Oktober 2008.

F. 
In  seiner  Vernehmlassung  vom  20.  Oktober  2008  beantragte  das  BFM 
die  Abweisung  der  Beschwerde.  Der  Beschwerdeführer  verzichtete 
konkludent auf eine Stellungnahme.

G. 
Die originale Vorladung des Polizeireviers B._______ vom 14. September 
2006 wurde am 17. Oktober 2008 zu den Akten nachgereicht.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1.    Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht 
Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 
172.021). Das BFM gehört  zu  den Behörden  nach Art. 33 VGG und  ist 
daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das 
Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG  liegt nicht 
vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die 
Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem 
Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines 
Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die 
beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes 
vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2.  Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts 
anderes bestimmt (Art. 37 VGG).

1.3.    Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht  Der 
Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders 
berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 
beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde 
legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

 Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

2. 
2.1.   Die Schweiz gewährt Flüchtlingen grundsätzlich Asyl (Art. 2 Abs. 1 
AsylG).  Gemäss  Art.  3  AsylG  sind  Flüchtlinge  Personen,  die  in  ihrem 
Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer 
Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen 
Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften 
Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen 
Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten 

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namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit 
sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck 
bewirken.

2.2.    Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7 
AsylG).

3. 
3.1.   Das BFM würdigte  in der Verfügung vom 10. September 2008 die 
Asylvorbringen als insgesamt unglaubhaft. Zur Begründung führte es aus, 
der  Beschwerdeführer  sei  nicht  in  der  Lage  gewesen,  über  seine 
Aktivitäten  zu  Gunsten  der  kommunistischen  Partei  ausführlich  und 
detailliert  zu  sprechen  und  die  in  seinem  Heimatdorf  spezifischen 
Aktivitäten  seiner  Partei  nachvollziehbar  zu  schildern.  Somit  könne  er 
nicht  für die kommunistische Partei  tätig gewesen sein. Weiter seien die 
Aufenthalte  im Gefängnis nicht differenziert geschildert worden, weshalb 
davon  auszugehen  sei,  dass  er  nicht  in  Haft  genommen  worden  sei. 
Schliesslich habe er im Verlauf der Befragungen widersprüchliche Daten 
zum  Beginn  seiner  Mitgliedschaft  zur  kommunistischen  Partei  (…)  und 
widersprüchliche Modalitäten  zur  erlebten Haft  angegeben. Nach  seiner 
ersten Aussagen soll er dreimal  in Haft gehalten und  in der Haftzeit von 
den Eltern  und  dem Muhtar  besucht worden  sein. Gemäss  der  zweiten 
Befragung habe er sich  lediglich zweimal  in Haft befunden und sei nicht 
besucht worden. Auf diese Unstimmigkeiten angesprochen, habe er keine 
plausiblen  Auflösungen  liefern  können.  Folglich  seien  die  Angaben  des 
Beschwerdeführers  in  ihrer  Gesamtheit  nicht  glaubhaft,  so  dass  deren 
Asylrelevanz nicht geprüft werden müsse. Er erfülle die Voraussetzungen 
an die Flüchtlingseigenschaft nicht. 

Vom  Beschwerdeführer  wird  in  seiner  Eingabe  entgegnet,  er  sei  eine 
Person,  die  über  eine  geringe  schulische  Ausbildung  verfüge,  vermöge 
aber  trotz  dieses  Mankos  durchaus  genügende  Angaben  zur  Partei  zu 
liefern: Seine Angaben zu den Zielen der Partei, zu deren Führern und zu 
den  Modalitäten  der  Gründung  der  Partei  seien  aktenkundig.  Er  habe 
zudem  dargelegt,  dass  die  kommunistische  Partei  von  der  KDP  als 
politische Opposition  vor  allem  in  ländlichen Gebieten  verfolgt  sei,  was 

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die Substanz seiner politischen Kenntnisse unterstreiche. Zudem habe er 
seine  Tätigkeiten  für  die  Partei  näher  beschrieben.  Folglich  sei  von 
verhältnismässig  detailreichen  und  realitätsnah  geschilderten 
Sachvorträgen  auszugehen.  Somit  sei  klar,  dass  er  für  die 
kommunistische  Partei  tätig  gewesen  sei.  Dieser  Schluss  lasse  sich 
durch  die  Vorladung  des  Polizeireviers  B._______  vom  (…)  stützen. 
Darin  sei  er  als Mitglied  der  kommunistischen Partei  erwähnt.  Er  sei  in 
Zusammenhang  mit  seiner  politischen  Tätigkeit  polizeilich  vorgeladen 
worden. Die Existenz dieser Vorladung lasse zudem den Rückschluss zu, 
dass  er  im  (…)  2006  in  Haft  gehalten  worden  sei.  Auch  die  erlebten 
Haftmodalitäten habe er genügend aufschlussreich geschildert. So habe 
er  die  Gründe  seiner  Festnahmen,  die  Auflagen  seiner  Entlassung,  die 
Namen  handelnder  Personen,  Zeitpunkt  und  Dauer  der  erlebten 
Haftverhältnisse  zu  Protokoll  gegeben.  Es  könne  in  diesem 
Zusammenhang  nicht  von  der  Dürftigkeit  persönlicher  Angaben 
gesprochen  werden,  weil  die  befragende  Person  ihn  nie  zu  einer 
persönlichen Beschreibung der Haftmodalitäten angehalten habe. Zudem 
führe  er  seine  politische  Arbeit  für  diese  Partei  weiter.  Unter 
Berücksichtigung  aller  Angaben  seien  die  ihm  vorgehaltenen 
Widersprüche unwesentlicher Natur; sie hätten Nuancencharakter. Damit 
seien die angegebenen Tätigkeiten für die kommunistische Partei und die 
Behelligungen  durch  den  Sicherheitsdienst  glaubhaft  gemacht.  Er  sei 
verdächtigt,  aufgrund  seiner  Mitgliedschaft  bei  der  kommunistischen 
Partei mit der Baath­Partei zusammen gearbeitet zu haben. Es sei zudem 
bekannt,  dass  politisch  oppositionelle  Personen  auf  kurdischem 
Territorium  Opfer  von  willkürlichen  Inhaftierungen  und  Folter  geworden 
oder  spurlos  verschwunden  seien.  Folglich  habe  er  für  den  Fall  einer 
Rückkehr  ins  Heimatland  begründete  Furcht  vor  ernsthaften  Nachteilen 
seitens des irakischen Sicherheitsdienstes. Ihm drohe Haft und Folter.

In  der  Vernehmlassung  vom  20.  Oktober  2008  verwies  das  BFM  auf 
seine  bisherigen  Erwägungen,  an  denen  es  festhalte.  Das  in  Kopie 
eingereichte  und  als  Haftbefehl  bezeichnete  Schreiben,  das  eine 
Verfolgung  des  Beschwerdeführers  durch  die  Behörden  wegen  der 
Mitgliedschaft bei der kommunistischen Partei belegen solle, werde vom 
Amt  keiner  materiellen  Prüfung  unterzogen,  da  derartige  Beweismittel 
erfahrungsgemäss  käuflich  leicht  erhältlich  seien  und  die 
unterschiedlichen  formalen und  inhaltlichen Kriterien bei der Ausstellung 
die schlüssige Überprüfung des Dokuments verunmöglichen. Namentlich 
erübrige  sich  auch  eine  nähere  Würdigung  des  Dokuments  wegen 
unglaubhafter Asylangaben.

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Die  polizeiliche  "Mitteilung"  vom  (…)  2006  wurde  im  Auftrag  des 
Beschwerdeführers  übersetzt.  Dieser  Übersetzung  ist  zu  entnehmen, 
dass  er  als  Mitglied  der  kommunistischen  Partei  Kurdistans  sich 
umgehend beim örtlichen Polizeirevier zu melden habe.

3.2.    Das  Gericht  kommt  in  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  zum 
Schluss,  dass  sich  die  Darstellungen  des  Beschwerdeführers  in 
unplausiblen  Schilderungen  erschöpfen,  in  zentralen  Punkten  zu  wenig 
substanziiert ausgefallen sind und Widersprüche aufweisen.

So  weiss  der  (…)­jährige  Beschwerdeführer  offensichtlich  wenig 
Bescheid über die kommunistische Partei, deren Mitglied er sein will, über 
deren  örtlichen  Aktivitäten  und  seine  angeblichen  Parteikollegen.  Seine 
Kenntnisse über die "Hizb al­Schuyu'i al Kurdistani", die Kommunistische 
Partei  Kurdistans,  bewegen  sich  trotz  einer  angegebenen  aktiven 
Mitgliedschaftsdauer von über zwei Jahren (A1 S. 5 und A11 S. 13) bloss 
im Bereich von Gemeinplätzen. Wohl ist ihm bekannt, dass die Gründung 
des kurdischen Zweiges der  irakischen kommunistischen Partei  im Jahr 
1993 erfolgt  ist und dass sie von Kamal Shakir geführt wird (A11 S. 11), 
doch  stellen  seine  Antworten  auf  die  Frage,  was  er  über  diese  Partei 
wisse  –  nämlich:  sie  mag  generell  die  Arbeiter,  sie  mag  die 
Gleichbehandlung aller Menschen und sie mag die armen Menschen; sie 
will, dass die Arbeiter bessere Arbeitsbedingungen haben  (A11 S. 11) – 
derartige  Platituden  dar,  dass  ihm  weder  die  zweijährige  Mitgliedschaft 
geglaubt werden  kann,  noch  die Behauptung,  dass  er  oft  und  viel  über 
den Kommunismus gesprochen habe (A11 S. 8, 10 und 11). Das massive 
Defizit an elementarem und aktuellem konkretem Wissen über die Partei 
und  das  offensichtlich  bestehende  Defizit  an  einem  persönlichem 
Erfahrungsschatz  im  Umgang  mit  örtlichen  und  parteibezogenen 
Aufgaben  sind  Fakten,  die  mit  einem  bescheidenen  schulischen 
Ausbildungsstand nicht erklärt werden können. Weiter lassen sich seinen 
Schilderungen  betreffend  die  Kontakte  mit  dem  Sicherheitsdienst  der 
KDP, die Modalitäten der Festnahmen, der Aufenthalte im Gefängnis und 
der Freilassungen kaum Realkennzeichen entnehmen. In diesem Kontext 
ist festzuhalten, dass der Vorhalt des Beschwerdeführers, wonach ihn der 
Befrager nicht ausreichend in zentralen Bereichen seiner Asylbegründung 
zu  substantiierten  Antworten  angehalten  habe,  nicht  zutrifft.  Weiter 
sprechen die  angegebenen  Inhaftierungsorte  und Haftdauern  gegen die 
Sachverhaltsversionen des Beschwerdeführers. Dass  jemand ein halbes 
beziehungsweise  ganzes  Jahr,  nachdem  er  verhaftet  worden  ist,  nicht 
mehr weiss,  ob  er  nun  zweimal  oder  dreimal  in Haft  genommen wurde 

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(A1  S.  5,  A11  S.  7  und  13),  kann  nicht  geglaubt  werden.  Gemäss 
Erstbefragung  ist er das erste Mal eine Nacht  lang und zweimal etwa  je 
eine  Stunde  lang  von  den  Sicherheitskräften  festgehalten  worden; 
gemäss der kantonalen Befragung  ist er beim ersten Mal zwei Tage auf 
dem Posten des Sicherheitsdienstes  in Haft gewesen und beim zweiten 
Mal  eine  Nacht  (A1  S.  5,  A11  S.  5  und  7).  Bei  der  zweiten  Befragung 
wäre ohne ein Nachhaken des Befragers wohl  keine Rede mehr davon 
gewesen,  dass  sich  ein Muhtar während  der Haft  für  seine Freilassung 
eingesetzt  hat.  Jedoch  gab  er  in  diesem  Zusammenhang  und  auf 
Nachfrage hin in klarem Widerspruch zu den Erstaussagen an, die Eltern 
und der Muhtar hätten in der Haft nicht besucht (A1 S. 5, A11 S. 12 und 
13).

Aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die 
weiteren, die Flüchtlingseigenschaft beschlagenden Ausführungen in der 
Beschwerde  und  auf  die  eingereichten  Beweismittel  näher  einzugehen, 
da  sie  am  Ausgang  dieses  Verfahrens  nichts  ändern  können.  Der 
Beschwerdeführer  konnte  keine  Gründe  nach  Art.  7  AsylG  nachweisen 
oder  glaubhaft  machen.  Das  BFM  hat  demnach  zu  Recht  die 
Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 

4. 
4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

4.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1  AsylG,  Art.  32  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über 
Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]).

5. 
5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).  Bezüglich  der  Geltendmachung  von 
Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des 
Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der 

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gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst, 
sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und 
andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, 
in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl., 
Basel 2009, Rz. 11.148).

Der Vollzug  ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der 
Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den 
Heimat­, Herkunfts­ oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 
AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). 
Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

Die Vorinstanz wies  in  ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf 
hin,  dass  das  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  nur 
Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers in den Irak ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 
AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des 
Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für 
den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Irak  dort  mit  beachtlicher 
Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen 
Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des 
Europäischen Gerichtshofes  für Menschenrechte  (EGMR) und  jener des 
UN­Anti­Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete 
Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall 
einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen 

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würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar  2008, Beschwerde Nr. 37201/06,  §§ 124 ­ 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Nordirak 
lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als 
unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig. 

5.2.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 
allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl. 
Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818).  Im  hier  interessierenden 
Zusammenhang  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  seinem  Urteil 
BVGE  2008/5  eine  Einschätzung  der  Sicherheitslage  in  den  drei 
autonomen  kurdischen  Nordprovinzen  Dohuk,  Erbil  und  Suleimaniya 
vorgenommen, die auch heute weiterhin gültig  ist. Es wurde  festgestellt, 
dass in den drei kurdischen Provinzen keine Situation allgemeiner Gewalt 
herrscht und die dortige politische Lage nicht dermassen angespannt ist, 
als  dass  eine  Rückführung  dorthin  als  generell  unzumutbar  betrachtet 
werden  müsste  beziehungsweise  Anlass  zur  Annahme  einer  konkreten 
Gefährdung  bestehe.  Die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  setzt 
jedoch  voraus,  dass  die  betreffende  Person  entweder  ursprünglich  aus 
der Region  stammt  oder  eine  längere Zeit  dort  gelebt  hat  und  über  ein 
soziales  Netz  (Familie,  Verwandtschaft  oder  Bekanntenkreis)  oder  über 
Beziehungen  zu  den  herrschenden  Parteien  verfügt.  Andernfalls  dürfte 
eine soziale und wirtschaftliche  Integration  in die kurdische Gesellschaft 
nicht  gelingen,  da  der  Erhalt  einer  Arbeitsstelle  oder  von  Wohnraum 
weitgehend von gesellschaftlichen und politischen Beziehungen abhängt. 
Die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  ist  in  der  Regel  für 
alleinstehende,  gesunde  und  junge  kurdische  Männer,  die  ursprünglich 
aus der Region stammen, zumutbar. 

Der  Beschwerdeführer  stammt  aus  B._______,  (eine  Provinz  des 
Nordiraks), wo er  geboren  sei  und bis  zur Ausreise  vom 25. November 
2006 gelebt habe. Er verfügt dort über ein Familiennetz (… [A1 S. 2]) und 
kann  daher  zu Verwandten  zurückkehren,  so  dass  seine Wohnsituation 
als gesichert gelten kann. Eigenen Angaben zufolge weist er zwar keine 

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weitere Schulbildung als eine absolvierte Primarschulzeit auf. Er  ist aber 
acht  Jahre  lang  vor  seinem  Wegzug  aus  dem  Heimatland  als  Fahrer 
eines  Kleinlastwagens  arbeitstätig  gewesen.  Angesichts  des  Alters  und 
des  soweit  aktenkundig  guten  Gesundheitszustandes  des 
Beschwerdeführers  sowie  seiner  bisherigen  Berufserfahrung  ist  davon 
auszugehen,  dass  er  sich  in  seiner  Heimat  in  den  Arbeitsmarkt 
integrieren kann. Folglich sind keine individuellen Hindernisse ersichtlich, 
die den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar erscheinen lassen.

5.3.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG, 
BVGE 2008/34  E. 12),  weshalb  der  Wegweisungsvollzug  auch  als 
möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG), zumal eine Identitätskarte 
bei den Akten liegt.

5.4.   Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu 
Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 
fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83 
Abs. 1 ­ 4 AuG).

6. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

7. 
Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem 
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Nachdem 
das vom Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe vom 7. Oktober 
2008  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Prozessführung  mit  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts 
vom  15. Oktober  2008  auf  später  verwiesen wurde,  ist  nun  darüber  zu 
befinden.  Für  den  Zeitpunkt  ihrer  Einreichung  sind  die  Rechtsbegehren 
nicht als aussichtslos zu qualifizieren. Auf Grund der Aktenlage muss der 
Beschwerdeführer als bedürftig betrachtet werden, weshalb das Gesuch 
um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  des  Art.  65 
Abs. 1 VwVG gutzuheissen und auf die Erhebung von Verfahrenskosten 
zu verzichten ist.

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(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. 
Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird 
gutgeheissen.

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Walter Stöckli Thomas Hardegger

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