# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c8db72c2-1fb6-5159-a53a-75e6b46eb233
**Source:** Bundesgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2002-06-07
**Language:** de
**Title:** Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (1987-2017) Zollrekurskommission 07.06.2002 JAAC 67.24
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_VB/CH_VB_016_JAAC-67-24--_2002-06-07.pdf

## Full Text

JAAC 67.24

Entscheid der Eidgenössischen Zollrekurskommission
vom 7. Juni 2002 i.S. A. SA [ZRK 2001-011]

Art. 76 al. 1 let. d OTVA. Remise de l’impôt à l’importation en raison
de l’insolvabilité de l’importateur. Exercice du pouvoir d’appréciation
conforme au droit.

- Selon l’art. 76 al. 1 let. d OTVA, l’impôt à l’importation ne doit pas
être remboursé tel quel dans son entier, mais peut au contraire être
remis partiellement ou en totalité, lorsque l’état de fait visé par cette
disposition est réalisé (consid. 2).

- En tant qu’autorité compétente pour les décisions en matière de remise
d’impôt (art. 76 al. 2 OTVA), la Direction générale des douanes doit
rendre son prononcé en usant de manière appropriée de son pouvoir
d’appréciation. Dans ce cadre, l’autorité doit en particulier respecter
les principes de l’égalité de traitement et de la proportionnalité, son
devoir de préserver l’intérêt public ainsi que le sens et le but de l’ordre
juridique (consid. 2a).

- En l’espèce, la diminution partielle de la remise d’impôt à un tiers
du montant se révèle conforme au principe de l’égalité de traitement
ainsi qu’à celui de la proportionnalité; elle est par ailleurs justifiée en
raison de la négligence de la recourante lors de l’attribution d’un crédit
à l’importateur. L’autorité inférieure a sauvegardé l’intérêt public et a
observé le sens et le but de la réglementation légale, si bien qu’elle n’a
pas outrepassé le pouvoir d’appréciation qui lui revient (consid. 3).

Art. 76 Abs. 1 Bst. d MWSTV. Erlass der Einfuhrsteuer wegen
Zahlungsunfähigkeit des steuerpflichtigen Importeurs. Pflichtgemässe
Ermessensausübung.

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- Die Einfuhrsteuer ist nach Art. 76 Abs. 1 Bst. d MWSTV nicht unbesehen
vollumfänglich zu erstatten, sondern kann ganz oder teilweise erlassen
werden, wenn ein entsprechender Sachverhalt vorliegt (E. 2).

- Die Oberzolldirektion als für Entscheidungen über den
Steuererlass zuständige Instanz (Art. 76 Abs. 2 MWSTV) hat den
Erlassentscheid nach pflichtgemässem Ermessen vorzunehmen.
Bei der Ermessensausübung hat sie sich insbesondere an das
Rechtsgleichheitsgebot, das Verhältnismässigkeitsprinzip, die Pflicht
zur Wahrung der öffentlichen Interessen sowie Sinn und Zweck der
gesetzlichen Ordnung zu halten (E. 2a).

- Im vorliegenden Fall erweist sich die teilweise Kürzung des
Steuererlasses um einen Drittel als mit dem Rechtsgleichheitsgebot
und dem Verhältnismässigkeitsprinzip vereinbar sowie aufgrund
der Fahrlässigkeit der Beschwerdeführerin bei der Kreditgewährung
gegenüber der Importeurin als gerechtfertigt; die Vorinstanz hat die
öffentlichen Interessen gewahrt, Sinn und Zweck der gesetzlichen
Ordnung beachtet und mithin den ihr zustehenden Ermessensspielraum
nicht überschritten (E. 3).

Art. 76 cpv. 1 lett. d OIVA. Condono dell’imposta sull’importazione
per insolvenza dell’importatore assoggettato all’imposta. Esercizio
conforme al diritto del potere di apprezzamento.

- Secondo l’art. 76 cpv. 1 lett. d OIVA, l’imposta sull’importazione
non deve essere versata integralmente, ma può essere condonata
parzialmente o completamente, se si realizzano le condizioni previste
dalla menzionata disposizione legale (consid. 2).

- La Direzione generale delle dogane, quale istanza competente
per decisioni sul condono dell’imposta (art. 76 cpv. 2 OIVA), deve
decidere utilizzando in modo adeguato il potere d’apprezzamento
di cui dispone. Nell’esercizio di tale potere essa deve in particolare
attenersi al principio della parità di trattamento, al principio della
proporzionalità, all’obbligo di tutela degli interessi pubblici e al senso
e allo scopo della base legale (consid. 2a).

- Nella fattispecie, la riduzione parziale di un terzo del condono
dell’imposta rispetta i principi della parità di trattamento e della
proporzionalità ed è giustificata tenuto conto anche della negligenza
della ricorrente nella concessione di credito all’importatore; l’autorità
inferiore ha tutelato gli interessi pubblici e ha osservato il senso e lo
scopo della legge, per cui non ha abusato del potere d’apprezzamento
a sua disposizione (consid. 3).

2

Zusammenfassung des Sachverhalts:

A. Im Auftrag der Firma S. SA (Importeurin) beantragte die A. SA in der Zeit
vom 26. August bis 23. Dezember 1999 bei diversen Zollämtern in Chiasso
und Basel die definitive Einfuhrverzollung von insgesamt 29 Sendungen
Textilwaren. Die Zollämter nahmen die Abfertigungen antragsgemäss vor und
erhoben die Mehrwertsteuer wie folgt: (…) Total Fr. 43’327.40.

B.Mit Schreiben vom 28. Juli 2000 ersuchte die A. SA die Oberzolldirektion
(OZD) um Erlass der Mehrwertsteuer in Höhe von Fr. 43’327.40. Als
Begründung ihrer Erlassgesuche führte sie an, die Importeurin sei in Nachlass
gefallen.

C. Am 7. August 2000 bestätigte die Oberzolldirektion den Erhalt der
Gesuche und orientierte die A. SA dahingehend, dass zunächst die Frist der
Nachlass-stundung von sechs Monaten abgewartet werden müsse, da erst
dann feststehe, ob ein Nachlassvertrag abgeschlossen werde.

Am 28. Mai 2001 wurde das Konkursverfahren über die Importeurin mangels
Aktiven eingestellt.

D.Mit Verfügung vom 19. Juli 2001 erliess die OZD der A. SA die Einfuhrsteuer

I. für die Einfuhren vom 26. August bis 20. Oktober 1999 ganz (Fr. 15’782.50),

II. für die Einfuhren vom 5. November bis 23. Dezember 1999 zu zwei Dritteln
(2/3 von Fr. 27’544.90 = Fr. 18’363.25).

Die OZD begründet den nur teilweisen Erlass der Einfuhrsteuer damit, dass die
A. SA bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit ihres Auftraggebers nicht mit
der angezeigten Sorgfalt vorgegangen sei. Mit ihrer Geschäftsabwicklung sei
die A. SA bewusst und in eigener Verantwortung ein unternehmerisches Risiko
eingegangen, welches nicht auf die Behörden überwälzt werden könne. Die
Mehrwertsteuerverordnung schütze nicht vor solchen Risiken.

E. Gegen diese Verfügung erhebt die A. SA (Beschwerdeführerin) am 7. August
2001 Beschwerde bei der Eidgenössischen Zollrekurskommission (ZRK).
Darin beantragt sie den Erlass der gesamten Mehrwertsteuer in Höhe von
Fr. 43’327.40. In ihrer Begründung führt sie aus, noch bis am 15. November
1999 regelmässig Zahlungen ihrer Schuldnerin erhalten zu haben. Ihr
Verhalten habe sodann kaufmännischen Grundsätzen entsprochen und die
von ihr eingegangenen Risiken hätten sich im Rahmen des in der Wirtschaft
Üblichen bewegt. Zudem hätten auch die italienischen Lieferanten der
konkursiten Importeurin nicht auf strengeren Zahlungskonditionen bestanden.
Bei dieser Sachlage habe kein Anlass bestanden, ihrer Kundin bereits ab dem
26. August 1999 jeglichen Kredit zu verweigern.

F. In ihrer Vernehmlassung vom 10. Oktober 2001 beantragt die OZD
die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Sie bestätigt darin
die Argumentation ihrer Verfügung vom 28. Mai 2001. Dass die

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Beschwerdeführerin es zuliess und bis 60 Tage zuwartete, bis die Firma S. SA
die Rechnungen beglich, müsse sie sich entgegen halten lassen. Die OZD habe
im Rahmen ihres pflichtgemässen Ermessens gehandelt.

Aus den Erwägungen:

1.a. Seit Inkrafttreten des neuen Mehrwertsteuergesetzes am 1. Januar 2001 ist
die ZRK Beschwerdeinstanz für Verfügungen der OZD über den Zollnachlass
(Art. 127 des Zollgesetzes vom 1. Oktober 1925 [ZG], SR 631.0) und den Erlass
der Einfuhrsteuer (Art. 84 des Bundesgesetzes vom 2. September 1999 über
die Mehrwertsteuer [MWSTG], SR 641.20; Art. 92 MWSTG in Verbindung mit
Art. 109 Abs. 1 Bst. c Ziff. 5 ZG).

b. Die dem Erlassgesuch zu Grunde liegenden Einfuhren haben vom
26. August bis 23. Dezember 1999 stattgefunden. Gemäss Art. 8 Abs. 1
der Übergangsbestimmungen (UeB) der alten Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 29. Mai 1874, in Kraft bis zum
31. Dezember 1999 (aBV[76]) bzw. Art. 196 Ziff. 14 Abs. 1 der neuen
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999
(BV, SR 101) werden durch den Bundesrat die Ausführungsbestimmungen
bis zum Inkrafttreten eines Mehrwertsteuergesetzes erlassen. Aufgrund
dessen erliess der Bundesrat die Mehrwertsteuerverordnung vom
22. Juni 1994 (MWSTV, AS 1994 1464). Am 2. September 1999 beschloss die
Bundesversammlung das MWSTG. Das Mehrwertsteuergesetz ist am 1. Januar
2001 in Kraft getreten (Beschluss des Bundesrates vom 29. März 2000, AS 2000
1346), woraus folgt, dass die Mehrwertsteuerverordnung aufgehoben wurde.
Indessen bleiben nach Art. 93 Abs. 1 MWSTG die aufgehobenen Bestimmungen,
unter Vorbehalt von Art. 94 MWSTG, weiterhin auf alle während deren
Geltungsdauer eingetretenen Tatsachen und entstandenen Rechtsverhältnisse
anwendbar. Vorliegend kommt Art. 94 MWSTG nicht zur Anwendung, weshalb
die Mehrwertsteuerverordnung weiterhin anwendbar bleibt.

Die fraglichen Einfuhren und das Gesuch um Erlass fallen noch in den
zeitlichen Geltungsbereich der alten Mehrwertsteuerverordnung und sind
daher materiell nach Art. 76 MWSTV zu beurteilen (Art. 93 Abs. 1 MWSTG).

c. (…)

d. Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin die Steuer auf der Einfuhr
von Gegenständen im Umfang von Fr. 43’327.40 wegen Zahlungsunfähigkeit
der als Importeurin auftretenden Auftraggeberin der Verzollungen nicht
weiterbelasten konnte. Wie das Konkursamt V. mit Schreiben vom 12. Juli 2001
mitteilte, wurde mit Verfügung vom 28. Mai 2001 das über die Importeurin am
23. November 2000 eröffnete Konkursverfahren mangels Aktiven eingestellt.

2.a. Die Steuer auf der Einfuhr von Gegenständen kann ganz oder teilweise
erlassen werden, wenn der mit der Verzollung Beauftragte die Steuer wegen
Zahlungsunfähigkeit des nach den Art. 17 und 20 MWSTV steuerpflichtigen
Importeurs nicht weiterbelasten kann (Art. 76 Abs. 1 Bst. d MWSTV; vgl.
Art. 84 Abs. 1 Bst. d MWSTG). Sinn und Zweck dieser Bestimmung ist eine
gewisse Milderung des mit der Bezahlung der Einfuhrsteuer im Auftrag
eines Importeurs verbundenen unternehmerischen Risikos. Dabei ist jedoch
auf eine möglichst rechtsgleiche Behandlung der betroffenen Spediteure zu
achten, damit nicht jener, der beim Inkasso Vorsicht walten lässt (z. B. indem
er Vorauszahlung oder Barzahlung verlangt bzw. auf die Ausführung des

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Auftrages allenfalls verzichtet), gegenüber jenen Mitbewerbern benachteiligt
wird, die darauf vertrauen, dass sie die nicht weiterbelastbaren Steuern auf
demWeg des Erlasses wieder geltend machen können.

Die Einfuhrsteuer ist somit nach Art. 76 Abs. 1 Bst. d MWSTV nicht unbesehen
vollumfänglich zu erstatten, sondern kann ganz oder teilweise erlassen
werden, wenn ein entsprechender Sachverhalt vorliegt. Die OZD als
für Entscheidungen über den Steuererlass zuständige Instanz (Art. 76
Abs. 2 MWSTV) hat den Erlassentscheid nach pflichtgemässem Ermessen
vorzunehmen. Bei der Ermessensausübung hat sie sich insbesondere an das
Rechtsgleichheitsgebot, das Verhältnismässigkeitsprinzip und die Pflicht zur
Wahrung der öffentlichen Interessen zu halten.

Der Verordnungsgeber wollte den Erlass der wegen Zahlungsunfähigkeit
von im Inland als steuerpflichtig registrierten Importeuren nicht
weiterbelastbaren Steuer in das Ermessen der OZD stellen, ansonsten hätte
er nicht eine «Kann»-Formulierung gewählt. So erhält die Behörde einen
Spielraum für den Entscheid im Einzelfall, bei dem neben den oben erwähnten
Verfassungsprinzipien immer auch Sinn und Zweck der gesetzlichen Ordnung
zu beachten sind (Ulrich Häfelin/Georg Müller, Grundriss des Allgemeinen
Verwaltungsrechts, Zürich 1998, Rz. 344 ff.).

b. Die Verfassungsmässigkeit von Art. 76 Abs. 1 Bst. d MWSTV ist nicht in
Frage gestellt und offensichtlich gegeben. Zwar erhielt der Bundesrat in
Art. 8 UeB aBV (vgl. Art. 196 Ziff. 14 BV) keinen ausdrücklichen Auftrag, einen
Erlass der Einfuhrsteuer vorzusehen. Der Erlass stützt sich jedoch auf die
Generalklausel von Art. 8 Abs. 1 UeB aBV (Art. 196 Ziff. 14 Abs. 1 BV), nach
welcher der Bundesrat die Ausführungsbestimmungen zur Mehrwertsteuer
festlegt. So lässt die bundesgerichtliche Rechtsprechung keine Gelegenheit aus,
dem Bundesrat regelmässig den gleichen politischen Entscheidungsspielraum
zuzugestehen wie dem ordentlichen Gesetzgeber (statt vieler: BGE 125 II
331, BGE 123 II 298 f.). Zudem sieht die Zollgesetzgebung den Erlass ebenfalls
vor und zwar für den Zollbetrag (Art. 127 ZG). Da die Zollzahlungspflicht
unter anderem die Einfuhrsteuer mitumfasst, bestand mit Bezug auf den
Erlass der Einfuhrsteuer gewissermassen Regelungsbedarf aus Gründen
der Vereinheitlichung, Rechtssicherheit und Praktikabilität. Der Bundesrat
hielt es ferner offenbar nicht für gerechtfertigt, den Beauftragten (z. B. den
Spediteur) das ganze Delkredererisiko tragen zu lassen für eine Steuer, die
grundsätzlich nicht er, sondern der steuerpflichtige Importeur schuldet
(vgl. Kommentar des Eidgenössischen Finanzdepartementes [EFD] zur
Mehrwertsteuerverordnung[77], zu Art. 76 Abs. 1; Stephan Kuhn/Peter Spinnler,
Mehrwertsteuer, Ergänzungsband, Muri/Bern 1994, S. 61).

c. Wer als Spediteur Aufträge auf Verzollung zur Einfuhr einreicht, wird
zollzahlungspflichtig und damit auch steuerpflichtig (Art. 68 MWSTV). Als
Steuerpflichtiger haftet er für die durch die Einfuhr geschuldeten Abgaben.
Die Erhebung der Steuer und das vertragliche Auftragsverhältnis zwischen
dem Spediteur und seinem Auftraggeber sind strikte zu trennen. Die für
die Erhebung der Steuer zuständige Behörde hat auf das privatrechtliche
Vertragsverhältnis zwischen Spediteur und Auftraggeber keinerlei Einfluss.

3.a. Im vorliegenden Fall rügt die Beschwerdeführerin, dass die Vorinstanz die
geschuldete und nicht weiterbelastbare Einfuhrsteuer nicht vollumfänglich,
sondern nur teilweise erliess. Sie beantragt, dem Gesuch auf Erlass der vollen

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http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_125_II_331&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_125_II_331&resolve=1
http://jumpcgi.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE_123_II_298&resolve=1

Einfuhrsteuer in Höhe von Fr. 43’327.40 stattzugeben. Insbesondere bestreitet
sie die von der Vorinstanz festgestellte Fahrlässigkeit bei der Kreditgewährung
und macht geltend, sie habe sich jederzeit nach kaufmännischen Grundsätzen
verhalten.

Die angefochtene Verfügung belastet 29 Importe mit der Einfuhrsteuer.
Diese Steuerbeträge konnte die Beschwerdeführerin der zahlungsunfähigen
Importeurin nicht weiterbelasten.

Die Beschwerdeführerin führte bei sämtlichen Rechnungen als
Zahlungstermin «nach Rechnungserhalt» an. Die ersten zwei Sendungen
verzollte sie am 26. August 1999 zur Einfuhr, bis Ende Oktober 1999 betrugen
die gesamten Ausstände Fr. 20’036.15, wovon Fr. 15’782.50 Einfuhrsteuer.
Obwohl die Rechnungen für diese Verzollungen mit dem Zahlungstermin
«nach Rechnungserhalt» noch unbezahlt waren, bevorschusste die
Beschwerdeführerin die Importeurin vom 5. November bis 23. Dezember
1999 mit weiteren insgesamt Fr. 33’719.30, wovon Fr. 27’544.90 Einfuhrsteuer.

Vom 5. November 1999 aus betrachtet war der Anspruch auf Rückerstattung
der bezahlten Einfuhrsteuer für die erste Sendung 71 Tage zuvor entstanden.
Die Rechnung der Beschwerdeführerin für diese Sendung war am
3. September 1999, also über zwei Monate vor dem 5. November 1999
ausgestellt worden. Dennoch verzollte die Beschwerdeführerin weiterhin
Sendungen für die Importeurin, ohne dafür irgend eine finanzielle Sicherheit
erhalten zu haben.

Obwohl die Beschwerdeführerin auf den Rechnungen als Zahlungstermin
«nach Rechnungserhalt» vermerkt hatte, wartete sie 37 bis 60 Tage ohne
Debitoren-Bewirtschaftungsmassnahmen zu ergreifen, bis die Importeurin
die Rechnungen beglich. Derartige Verzögerungen widersprechen unter
den gegebenen Umständen einer Geschäftsführung nach kaufmännischen
Grundsätzen. So empfiehlt der Verband Schweizerischer Speditions- und
Logistikunternehmen seinen Mitgliedern, Guthaben schnellstens bezahlen zu
lassen, insbesondere auch wegen der allenfalls zur Anwendung kommenden
gesetzlichen Bestimmungen. Die Beschwerdeführerin hat diese Empfehlungen
nicht beachtet und ist mithin ein unternehmerisches Risiko eingegangen, das
allein sie zu verantworten hat.

In Berücksichtigung der vorangehenden Erwägungen erweist sich, dass
die Vorinstanz bei der Kürzung des Steuererlasses um einen Drittel ab dem
5. November 1999 das ihr zustehende Ermessen nicht überschritten hat.

b. Die Beschwerdeführerin rügt imWeiteren, die Vorinstanz habe von ihr
verlangt, schon am 26. August 1999 die «Notbremse» zu ziehen und der
Importeurin jeglichen Kredit zu verweigern. Dies widerspreche sämtlichen
kaufmännischen Gepflogenheiten.

Tatsache ist, dass die OZD der Beschwerdeführerin die Einfuhrsteuer für die
Einfuhren in den Monaten August, September und Oktober 1999 vollständig
erlassen hat. Ein im Verhältnis zum vollständigen Erlass um einen Drittel
gekürzter Erlass wurde erst ab jenem Zeitpunkt verfügt, nach dem weiterhin
zu gleichen Konditionen Einfuhrsteuern durch die Beschwerdeführerin
bevorschusst wurden, obwohl die Importeurin das Zahlungsziel für die erste
Sendung um zwei Monate verpasst hatte.

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Die Beschwerdeführerin versucht, mit Kontoauszügen regelmässige Zahlungen
der Importeurin zu belegen. Diese regelmässigen Zahlungen sind jedoch nicht
geeignet, die Bonität der Importeurin zu belegen. Die Beschwerdeführerin
reagierte nicht auf fortlaufende Zahlungsfristüberschreitungen von
40 bis 100 Tagen, obwohl sie auf ihren Rechnungen den Vermerk
«Zahlungsbedingungen: Nach Rechnungserhalt» angebracht hatte. Aus den
Beilagen zur Beschwerde (Kontoauszüge) geht hervor, dass die Importeurin
ihr Konto letztmals am 5. Februar 1999 ausgeglichen hatte. Das nach den
Zahlungseingängen verbleibende Restguthaben der Beschwerdeführerin
betrug am 23. Juli 1999 Fr. 4’819.55, am 26. August 1999 Fr. 8’417.40 und am
18. Oktober 1999 Fr. 21’750.10. Am 26. Oktober 1999, 60 Tage nach der ersten
Einfuhrabfertigung, für welche um Erlass der Einfuhrsteuer ersucht wurde,
erreichten die offenen Forderungen der Beschwerdeführerin gegenüber der
Importeurin den Stand von Fr. 29’574.85. Daraus wird klar, dass innerhalb
kurzer Zeit die Ausstände der Importeurin stark angestiegen sind. Derartige
Zunahmen von Zahlungsausständen geben in Bezug auf die Liquidität eines
Kunden durchaus Hinweise, aus welchen die Beschwerdeführerin Schlüsse
und Konsequenzen hätte ziehen müssen. Die Beschwerdeführerin hätte nicht
gegen kaufmännische Gepflogenheiten verstossen, wenn sie die Importeurin
einer Bonitätsprüfung unterzogen, ihr eine Kreditlimite gesetzt oder nur
noch gegen Vorauszahlung Waren ausgehändigt hätte. Diese Vorsicht wäre
angezeigt und für die Beschwerdeführerin zumutbar gewesen. Sie hat jedoch
darauf verzichtet.

Gestützt auf die vorangehenden Erwägungen erweist sich die Kürzung
des Steuererlasses um einen Drittel ab dem 5. November 1999 als mit dem
Rechtsgleichheitsgebot und dem Verhältnismässigkeitsprinzip vereinbar.
Die Vorinstanz hat die öffentlichen Interessen gewahrt, Sinn und Zweck
der gesetzlichen Ordnung beachtet und mithin den ihr zustehenden
Ermessensspielraum nicht überschritten.

4. Aufgrund dieser Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. (…)

[76] Zu lesen auf der Internetseite des Bundesamtes für Justiz unter
http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/
bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf
[77] Zu beziehen bei der Eidgenössischen Steuerverwaltung, Abteilung
Mehrwertsteuer, Schwarztorstr. 50, 3003 Bern.

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http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf
http://www.ofj.admin.ch/etc/medialib/data/staat_buerger/gesetzgebung/bundesverfassung.Par.0006.File.tmp/bv-alt-d.pdf

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JAAC 67.24 - Entscheid der Eidgenössischen Zollrekurskommission vom 7. Juni 2002 i.S.

A. SA [ZRK 2001-011]

In Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
Dans Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération
In Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr 2003
Année

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Band 67
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	Entscheid der Eidgenössischen Zollrekurskommission vom 7. Juni 2002 i.S. A. SA [ZRK 2001-011]