# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 1d9c3179-d8a3-590a-a0f2-21d3a846c8ff
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-06-10
**Language:** de
**Title:** Erstanmeldung; eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes im Zeitraum zwischen der Begutachtung und dem Verfügungserlass kann nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, weshalb weitere Abklärungen angezeigt sind.
**Docket/Reference:** IV.2018.00886
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00886.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00886
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiber Würsch
Urteil
vom
1
0.
Juni 2020
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Stadt Zürich Soziale Dienste
Y.___
, Sozialversicherungsrecht, Team Recht
Hönggerstrasse
24, 8037 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1962,
hat eine Ausbildung zur Grafikerin absolviert und war
ab dem
1.
Juni 2006
bei der
Z.___ GmbH
als Verkäuferin angestellt
. Mit Wirkung ab dem
1.
März 2007 wurde das anfängliche Vollzeit
pensum auf ein 80%-Pensum reduziert.
Per 3
1.
Juli 2015 wurde das Arbeitsver
hältnis von Seiten der Arbeitgeberin aufgelöst (
Urk.
7/24, 7/31, 7/36 und 7/81).
Nach erfolgter
Anmeldung zur
Früherfassung (vgl.
Urk.
7/25, 7/28) meldete sich die Versicherte am 20. Juni 2016
unter Hinweis auf persistierende Schmerzen, Bewegungseinschränkungen sowie eine psychische Beeinträchtigung
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/39). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte nebst Auszügen aus dem individuellen Konto (IK-Auszug,
Urk.
7/4, 7/47) insbesondere Arbeitgeberunter
lagen (
Urk.
7/
24, 7/81) sowie diverse Arztberichte ein (
Urk.
7/20, 7/35, 7/57, 7/63, 7/68 und 7/85). Zudem gab sie bei der MEDAS
A.___
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag (MEDAS-Gutachten vom 1
7.
Juli 2017,
Urk.
7/92).
Mit Vorbescheid vom
2.
August 2017 stellte sie der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/95), wogegen diese unter Beilage von Arztberichten (
Urk.
7/101 f.)
am 8.
September 2017 Einwand erhob (
Urk.
7/104).
Nach Kenntnisnahme weiterer ärztlicher Berichte (
Urk.
7/107/4 ff., 7/112, 7/114, 7/116, 7/118 und 7/119/4 ff.) und Stellungnahmen der Versicherten (Urk. 7/113, 7/117)
tätigte die IV-Stelle ergänzende Abklärungen zur sozialver
sicherungsrechtlichen Qualifikation der Versicherten (
Urk.
7/120 ff.)
. Nach Eingang einer weiteren Stellungnahme der Versicherten samt Arztberichten (
Urk.
7/126, 7/128)
und nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD,
Urk.
7/129/6)
verfügte die IV-Stelle am 14. September 2018 im angekün
digten Sinne (
Urk.
7/130 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X.___
am
1
0.
Oktober 2018 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Im Weiteren sei sie als zu 100
%
erwerbstätig zu qualifizieren. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen. Im Übrigen sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
November 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), worüber die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
4.
November 2018 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
8). Gleichzeitig wurde ihr Gesuch um unentgeltliche Prozess
führung bewilligt.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Für die Frage der zumutbaren Arbeitsleistung bei psychischen Krankheiten sind nach der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung sämtliche psychische Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (BGE 143 V 418).
Für diese Prüfung
hat das Bundesgericht spezielle Standardindikato
ren entwickelt.
Die
se
im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht
dabei
wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss
stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 14. Sep
tember 2018 (
Urk.
2) zusammengefasst,
dass der Beschwerdeführerin ausgehend vom MEDAS-Gutachten die bisherige Tätigkeit als Verkäuferin noch in einem 50%-Pensum zumutbar sei. Die Ausübung einer leidensangepassten Tätigkeit sei demgegenüber seit Juni 2015 in einem 66%-Pensum möglich.
Da die gesundheit
liche Einschränkung
jedoch
therapierbar sei und keine länger andauernde oder bleibende Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
vorliege
, bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Selbst die Berücksichtigung der aktuellen Arbeitsun
fähigkeit hätte keinen rentenbegründenden Invaliditätsgrad zur Folge.
An dieser Beurteilung werde auch mit Blick auf die im Vorbescheidverfahren durchgeführ
ten Abklärungen festgehalten.
Dies gelte namentlich auch für die sozialversiche
rungsrechtliche Qualifikation der Beschwerdeführerin, da nicht erwiesen sei, dass die im Rahmen der letzten Erwerbstätigkeit vorgenommene
Pensumsreduktion
auf 80
%
aus gesu
ndheitlichen Gründen erfolgt sei
.
2.2
Demgegenüber
machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift vom 1
0.
Oktober 2018 im Wesentlichen geltend, dass sie zu Unrecht nicht als
Vollzeiterwerbstätige qualifiziert worden sei.
Werde dies berücksichtigt
, so
resul
tiere bei einem Einkommensvergleich
ein Invaliditätsgrad von 51.5
%
und somit ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente (
Urk.
1 S. 6 ff.).
D
avon abgesehen bestünde auch dann ein Rentenanspruch, falls von einer Steigerbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf 75
%
ausgegangen würde. Ein invalidenversicherungs-rechtlich relevanter Gesundheitsschaden sei ausgewiesen (
Urk.
1 S. 9). Des Weiteren habe die Beschwerdegegnerin dem Umstand, dass sich der somatische Gesund
heitszustand nach der Begutachtung verschlechtert habe
, nicht Rechnung getragen
. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb kein Verlaufsgutachten eingeholt worden sei (
Urk.
1 S. 10 f.).
Im Übrigen
habe die Beschwerdegegnerin
im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
auch nicht zum
Ablauf des Wartejahrs Stellung
genommen
(
Urk.
1 S. 11).
3.
3.1
Vom 1
0.
bis 1
8.
Dezember 2014 war die Beschwerdeführerin aufgrund einer gedeckt perforierten
Sigmadivertikulitis
in der Klinik
B.___
hospitalisiert
(
Urk.
7/82/34 f.).
Mit
Berichten
vom 2
0.
März und 1
6.
Juli 2015 äusserte sich Dr.
med.
C.___
, Facharzt für Chirurgie,
dahingehend, dass
sich die Beschwerdeführerin von der Divertikulitis gut erholt habe. Die verbliebenen
Rest
beschwerden würden eher an eine Reizdarmproblematik als an eine
Divertikulose
erinnern
. Eine Indikation für eine Kolonresektion sei nicht gegeben (
Urk.
7/35/4-7).
3.2
Vom 2
8.
Juni bis 2
3.
Juli 2016 nahm die Beschwerdeführerin eine psychosoma
tische Behandlung im
Reha
z
entrum
D.___
wahr, wobei dem
(überarbei
teten)
Bericht vom
2
5.
November
2016 im Wesentlichen folgende Diagnosen zu entnehmen sind:
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Anteilen im Nacken und Schulterbereich (Erstdiagnose 2007)
-
Zervikalneuralgie
(
ICD-10
M54.2)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
posttraumatische Belastungsstörung
-
juvenile
Osteochondrose
der Wirbelsäule (ICD-10 M42.09)
-
Status nach Divertikulitis (Erstdiagnose Dezember 2014)
-
Kachexie (BMI 17 kg/m
2
).
Es wurde vom 2
8.
Juni bis 3
1.
August 2016 eine vollständige Arbeitsunf
ähigkeit attestiert (
Urk.
7/57,
7/71
/4).
3.3
Dr.
med.
E.___
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, hielt in seinem Bericht vom 1
4.
November 2016 grundsätzlich ausgehend von denselben Diag
nosen wie das
Rehaz
entrum
D.___
fest, dass seit dem 1
0.
Dezember 2014 bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorliege. Die Beweglichkeit der oberen Extremitäten (mehr rechts als links) sei schmerzbedingt hochgradig eingeschränkt. Zudem präsentiere sich die Beschwerdeführerin ängstlich und deutlich depressiv (
Urk.
7/68/1-5
; vgl. auch
Urk.
7/82
).
Mit Bericht vom
1.
November 2016 attestierte
Dr.
med.
F.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
aus rein psychiatrischer Sicht eine 40-50%ige Arbeitsunfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit, was Folge einer verminderten Belastbarkeit sei (
Urk.
7/63/2). Die Einschränkungen seien seit mindestens einem Jahr vorhan
den (
Urk.
7/63/5).
3.
4
Dem polydisziplinären MEDAS-Gutachten vom 1
7.
Juli 2017 sind folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (Urk. 7/92/18):
-
unvollständig remittierte depressive Störung (ICD-10 F32), differential
diagnostisch rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F33)
-
chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41).
Im Gegensatz dazu wurde ein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in Bezug auf folgende Diagnosen verneint:
-
Untergewicht (BMI 17.4 kg/m
2
)
-
Hinweise auf posttraumatische Störung ohne eigenständiges Krankheits
bild
-
Hinweise auf akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73)
-
chronisches rechtsseitiges Schulter-, Nacken-, Arm-Syndrom (ICD-10 R52.09).
Dr.
med.
G.___
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, hielt fest, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der internistischen Begutachtung über Nacken- und rechtsseitige Schulterschmerzen sowie über eine Unverträglichkeit gegenüber Weizen- und Milchprodukte
n
geklagt habe. Im Befund sei formal ein Untergewicht bei einem BMI von 17.4 k
g
/m
2
feststellbar gewesen; der internis
tische Status habe sich jedoch unauffällig dargestellt. Beim Sitzen sei eine erheb
liche Bewegungsunruhe mit wiederholtem Weinen, Schniefen und häufigem Naseputzen aufgefallen (
Urk.
7/92/15).
Dr.
med.
H.___
, Facharzt für Rheumatologie, führte in seiner Teilexpertise aus, dass die Beschwerdeführerin von einer weitgehend einschränkenden, seit Jahren bestehenden Problematik beim Gebrauch der rechten oberen Extremität berichtet
habe. Auf der linken Seite würden sich seit einiger Zeit vergleichbare Empfindungen anbahnen
. Hinweise für eine klassisch entzündliche oder neuro
gene Symptomatik habe die Anamnese der Beschwerdeführerin nicht befriedi
gend ergeben. Die
epikrisale
Dokumentation liefere aus rheumatologischer Sicht keine ergiebigen Beurteilungen oder Diagnosen.
Die systemische Anamnese habe ebenfalls keine Anhaltspunkte für eine
höhergradige
Krankheit im rheumatologi
schen Formenkreis gezeigt. Die klinische Untersuchung des Bewegungsapparates habe bei tauglicher Aussagekraft erfolgen können, wobei keine direkten oder indirekten Hinweise für spezifisch entzündliche oder anderweitige Störungen
eruierbar
gewesen seien. Gleiches gelte für eine allfällige spinale Störung respek
tive Genese der Situation. Ebenfalls nicht vorhanden seien Anhaltspunkte für
radikuläre
Störungen. Schliesslich habe die Bildgebung des oberen Achsenske
lettes eine andeutungsweise funktionale Streckhaltung
als Ausdruck einer muskulären
Dysbalance
ergeben, ansonsten aber keine
höhergradige
Pathologie und auch keine Hinweise auf ein rheumatisches Grundleiden. Hinsichtlich der anamnestisch erwähnten
Osteopenie
hätten sich weder klinisch noch radiologisch bestätigende Befunde gezeigt. Bei drei von fünf
Waddellzeichen
sei ausserdem auf Diskrepanzen und das unspezifische Verhalten der Beschwerdeführerin hin
zuweisen. Die Kriterien für eine Fibromyalgie-Symptomatik seien nicht erfüllt. Gesamthaft sei die Beschwerdeführerin sowohl für die angestammte Tätigkeit als Grafikerin als auch für die Tätigkeit als Kleid
er
verkäuferin aus rheumatologischer Sicht voll arbeitsfähig. Optimal wäre dabei insbesondere die Möglichkeit für Wechselpositionen. Diese Beurteilung sei in Anbetracht der Ergebnisse der dama
ligen MRI-Abklärungen
(vgl.
Urk.
7/35/1 f.)
spätestens seit April 2016 vertretbar (
Urk.
7/92/31 f.).
Anlässlich der psychiatrischen Exploration durch
Dr.
med.
I.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
habe die Beschwerde
führerin mitgeteilt, es sei ja wohl klar, dass man auch niedergedrückt sei und Depressionen habe, wenn man unter Schmerzen leide. Auf die Frage, ob sie wirk
lich Depressionen habe, habe sie zu einem späteren Zeitpunkt geantwortet, dass es nicht typische Depressionen seien. Dann wiederum habe sie berichtet, dass es Phasen gebe, in denen sie alles schwarzsehe
, nicht mehr wisse, wie es weitergehe und verzweifelt sei.
Der Schlaf sei ebenfalls nicht gut; es komme vor, dass sie nachts
schon
einmal erwache. Insgesamt schlafe sie nur noch sechs Stunden
. Im Weiteren habe sie Angst, da sie nun 55 Jahre alt und ohne Arbeit sei; lange gehe das nicht mehr gut. Taggelder
erhalte sie
nicht mehr; sie werde jetzt vom Sozial
amt unterstützt (
Urk.
7/92/37).
Zu den Untersuchungsbefunden hielt
Dr.
I.___
fest, dass weder Bewusstseins- noch Orientierungsstörungen fest
stellbar gewesen seien.
Relevante Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses hätten ebenfalls
nicht vorgelegen. Des Weiteren hätten insbe
sondere weder Hinweise auf Befürchtungen und Zwänge, noch auf ein Wahnerleben oder Sinnestäuschungen bestanden.
Im affektiven Bereich sei unter anderem teilweise ein Gefühl von Ratlosigkeit und Gefühllosigkeit feststellbar gewesen. Zudem
habe sich
die Beschwerdeführerin teilweise leicht ängstlich, deprimiert, innerlich unruhig, gereizt und
klagsam
präsentiert
. Im Weiteren hätten Anhaltspunkte für
leichte
Schlafstörungen und
einen leichten
sozialen Rückzug bestanden
(
Urk.
7/92/41 f.).
Ausgehend von den Befunden und den gestellten Diagnosen sei von psychiatrischer Seite auf eine leichte bis mittlere Einschränkung bei der Anpassung an Regeln und Routinen zu schliessen. Auch die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie
die Anwendung fachlicher Kompetenzen sei
en
beeinträchtigt. Bei Annahme einer unvollständig remittierten depressiven Störung und einer chronischen Schmerzstörung sei zudem die Durch
haltefähigkeit eingeschränkt. Leicht limitiert sei
en
ferner die Selbstbehauptungs- und Durchsetzungsfähigkeit. Als Ressourcen seien Ehrgeiz, Mut sowie eine vom Charakter her bestehende Ausdauer und Motivation zu nennen (
Urk.
7/92/48).
Für eine einfache und strukturierte Tätigkeit ohne besondere Anforderungen an die Stresstoleranz oder die emotionale Belastbarkeit könne der Beschwerdeführe
rin eine Restarbeitsfähigkeit von 66
%
attestiert werden. Bei konsequenter Nutzung der therapeutischen Möglichkeiten sollte eine Restarbeitsfähigkeit von 75
%
resultieren können.
Für die bisherige Tätigkeit sei aufgrund der qualitativen funktionellen Einschränkungen von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszuge
hen, wobei bei konsequenter Therapie mit einer Steigerung auf 66
%
gerechnet werden könne. Diese Angaben würden seit dem Zeitpunkt der Antragstellung gelten, ausgenommen zwischenzeitliche Krisen oder stationäre Aufenthalte, die durchaus mit zeitgebundener vollständiger Arbeitsunfähigkeit einhergehen können (
Urk.
7/92/49, 7/92/54).
Im interdisziplinären Konsens
gelangten die Gutachter zum Schluss, dass die Arbeitsfähigkeit als Verkäuferin im Rahmen der Hospitalisation wegen Diverti
kulitis ab dem 1
0.
Dezember 2014 aufgehoben gewesen sei. Nach einer Besserung habe die Arbeitsfähigkeit ab dem
1.
Mai 2015 50
%
betragen. Ab dem
1.
August 2014 (richtig wohl: 2015) habe sie wieder bei 0
%
gelegen. Aus psychiatrischer Sicht sei die
bisherige Tätigkeit seit Antragstellung zu 50
%
zumutbar. Für eine angepasste Tätigkeit bestehe eine Restarbeitsfähigkeit von 66 %
beziehungs
weise
bei konsequenter Nutzun
g therapeutischer Optionen
75
% (
Urk.
7/92/20).
3.
5
Im Juli 2017 trat bei der Beschwerdeführerin eine
Kapsulitis
adhaesiva
der linken Schulter auf, weshalb sie sich in der Universitätsklinik
J.___
in Behandlung begab (
Urk.
7/102). Zwecks psychosomatischer Rehabilitation war sie zudem vom
6.
August bis
2.
September 2017 im
Reha
z
entrum
D.___
hospitalisiert (
Urk.
7/101).
Mit Bericht vom 1
3.
Oktober 2017 hielten die Ärzte der Univer
sitätsklinik
J.___
fest, dass die
Kapsulitis
praktisch vollständig
regredient
sei. Aufgrund einer Tendinitis
calcarea
bestehe
subacromial
noch ein Reizzustand, weshalb eine erneute
subacromiale
Infiltration durchgeführt worden sei. Darauf
hin
habe die Beschwerdeführerin eine deutliche Besserung der Beschwerden angegeben (
Urk.
7/107/7 f.).
3.
6
Aufgrund einer chronischen rechtsbetonten
Zervikozephalgie
mit Ausstrahlung bis in die Hände wurde die Beschwerdeführerin ab November 2017 wiederholt in der Universitätsklinik
J.___
untersucht
, wobei ein Karpaltunnelsyndrom rechts ausgeschlossen werden konnte (
Urk.
7/112, 7/116/1 f.).
Des Weiteren ist dem
Be
richt
der
Klinik
K.___
vom 2
9.
Mai 2018 zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin über linksseitige Schulterschmerzen geklagt habe, welche seit etwa einem Dreivierteljahr bestünden.
Nachdem andere Behandlungsmetho
den keine relevante Besserung der Symptome gebracht hätten, sei zur Auflösung des Kalkes in der Schulter Ameisensäure gespritzt worden, was zu einer massiven
Schmerzexazerbation
geführt habe. Klinisch lasse sich noch eine Reststeife
fest
stellen; wahrscheinlich sei durch die Infiltration der Ameisensäure der Kalk lang
sam aufgelöst worden, was per se schon eine sehr schmerzhafte Reaktion sei. Durch das Fehlen des Cortisons sei auch keine Abschwächung der Entzündungs
reaktion erfolgt
. Aktuell zeige sich im Ultraschall noch wenig
Restkalk
sowie eine
leichte Bursitis bei initialer
Rotatorenmanschette
(
Urk.
7/128/1 f.).
Mit Bericht vom 1
2.
Juli 2018 wurde sodann festgehalten, dass zwischenzeitlich eine deutliche Besserung der Schmerzsymptomatik eingetreten sei. Die Schulter sei aber nach wie vor stark irritiert und die Steife habe noch nicht abgenommen (
Urk.
7/128/3).
3.
7
Dr.
med.
L.___
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinen Berichten vom
2
4.
Januar und 1
5.
Mai 2018 namentlich folgende Diagno
sen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/114/4, 7/118/1):
-
aktuell mittel- bis
schwergradige
depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
chronische somatoforme Schmerzstörung im Kopf-, Nacken- u
nd Schul
terbereich (ICD-10 F45.4
)
-
posttraumatische Belastungsstörung im Kindes- und Jugendalter (ICD-10 F43.1).
Die Beschwerdeführerin sei psychisch instabil und
dekompensiere
bei geringer Überforderung. Aufgrund der verminderten körperlichen und kognitiven
Leis
tungs
- und Durchhaltefähigkeit sowie der verminderten Stresstoleranz sie sie derzeit zu 100
%
arbeitsunfähig. Auch im Haushalt sei sie aufgrund der
Schmerzsymptomatik stark eingeschränkt und werde durch die Spitex unterstützt (
Urk.
7/114/7, 7/118/2).
3.
8
Dr.
med.
M.___
, Facharzt für Chirurgie sowie Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom
RAD hielt mit Stellungnahme vom 2
6.
Juni 2018 im Wesentlichen fest, dass
keine neuen, unberücksichtigten medizinischen Tatsachen vorgebracht worden seien. Es werde daher empfohlen, an der RAD-Stellungnahme vom 2
4.
Juli 2017 festzuhalten (
Urk.
7/129/6). Damals
hatte
Dr.
M.___
die Auffassung
vertreten
, dass auf das MEDAS-Gutachten abgestellt werden könne (vgl.
Urk.
7/94/4 f.).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist
das Entstehen eines
Anspruch
s
der Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalide
nversicherung
bis zum Zeitpunkt des Erlasses der vorliegend angefochtenen Verfügung am 1
4.
September 2018
.
4.2
Die Beschwerdegegnerin legte ihrer Beurteilung in medizinischer Hinsicht prin
zipiell das MEDAS-Gutachten vom 1
7.
Juli 2017 (
Urk.
7/92) sowie die RAD-Stellungnahmen vom 2
4.
Juli 2017 (
Urk.
7/94/4 f.) und 2
6.
Juni 2018 (Urk. 7/129/6) zu Grunde.
Sie gelangte zum Schluss, dass die gesundheitliche Einschränkung keine länger andauernde oder bleibende Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe. In Anbetracht der Therapierbarkeit der Erkrankungen seien diese invalidenversicherungsrechtlich nicht von Relevanz (
Urk.
2 S. 2).
Es mag zutreffen, dass
die MEDAS-Gutachter im interdisziplinären Konsens und insbesondere auch
Dr.
I.___
aus rein psychiatrischer Sicht die Behandlungsmöglichkeiten
für nicht ausgeschöpft erachtete
n
. Dies
leuchtet
namentlich angesichts
der festgestellten mässigen Compliance bezüglich Phar
makotherapie
ein
(vgl.
Urk.
7/92/18, 7/92/47 und 7/92/52 f.).
Trotzdem greift die Argumentation der Beschwerdegegnerin zu kurz, da die Frage der Auswirkungen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung auf das funktionelle Leistungsvermögen entscheidend ist. Gemäss der seit November 2017 geltenden bundesgerichtlichen Praxis (BGE 143 V 409 und 418) gelangt in diesem Zusammenhang grundsätzlich für sämtliche psychischen Leiden das
indikatorengeleitete
Beweisverfahren im Sinne von BGE 141 V 281 zur Anwendung. Dabei bildet die Behandlungs- und Eingliederungsresistenz nur einen der einzubeziehenden Faktoren (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1
; vgl. E. 1.3 vorstehend
).
4.3
Davon abgesehen vermag d
ie angefochtene Verfügung
auch
aus weiteren Grün
den nicht zu überzeugen.
Entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin sind auch nach November 2017 Behandlungen im Zusammenhang mit den von
der Beschwerdeführerin beklagten Schulterschmerzen dokumentiert.
So kann insbesondere mit Blick auf die Berichte der
Klinik
K.___
vom 2
9.
Mai und 1
2.
Juli 2018 nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass sich der somatische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im
massgebenden
Zeitraum zwischen der MEDAS-Begutachtung und
dem Verfü
gungserlass
in relevanter Weise verschlechtert hat.
So musste
zur Auflösung einer Verkalkung im linken Schultergelenk
nachdem diverse andere Behandlungsop
tionen keine Wirkung gezeigt hatten
eine Infiltration mit Ameisensäure vorgenommen werden, wobei die von der Beschwerdeführerin
in der Folge
geklagten
starken
Schmerzen aus fachärztlicher Sicht als nachvollziehbar einge
stuft wurden
(vgl.
Urk.
7/128).
Dem RAD wurden diese Unterlagen jedoch nicht vorgelegt, weshalb
zumindest geringe Zweifel
an
der Zuverlässigkeit der Beurtei
lung von
Dr.
M.___
vom 2
6.
Juni 2018
(Urk. 7/129/6) bestehen
und daher nicht darauf abgestellt werden kann (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7
).
Der Beschwerdeführerin ist
folglich
beizupflichten, dass
in Anbetracht des geltenden Untersuchungsgrundsatzes (
Art.
43
Abs.
1 ATSG) weitere Abklärungen
angezeigt gewesen wären.
Dies
wird die Beschwerdegegne
rin nachzuholen haben, wobei
sie
sich ausser
dem
unter Einbezug der
bereits erwähnten
Standardindikatoren
vertieft mit dem Verlauf
des Schweregrades der
bei der
Beschwerdeführerin
ebenfalls diagnostizierten
psychischen Krankheits
bilder
auseinanderzusetzen haben wi
rd.
Dies rechtfertigt sich angesichts des Umstands, dass sich die somatischen und psychischen Beschwerden aus gutachterlicher Sicht gegenseitig ungünstig beeinflussen (Urk. 7/92/18, 7/92/52)
und die Beschwerdeführerin gegenüber
Dr.
L.___
von einer brüchigen Stim
mungslage sowie depressiven Tiefs in Zusammenhang mit den zunehmenden Schulterschmerzen berichtete
(
Urk.
7/114/2).
4.4
Nach dem Gesagten erweist sich d
er medizinische Sachverhalt für eine abschlies
sende Beurteilung eines allfälligen Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin
als unzureichend abgeklärt. Folglich ist die angefochtene Verfügung vom 1
4.
Sep
tember 2018 (
Urk.
2) in Gutheissung des Eventualantrages der Beschwerdeführe
rin aufzuheben und die Angelegenheit ist an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit diese nach ergänzender Abklärung im Sinne der obigen Erwägungen eine neue Beurteilung vornehme und sodann über den Leistungsan
spruch neu entscheide.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens
ist auf den von der Beschwerdeführerin thematisierten
Ablauf des Wartejahres (
Art.
28
Abs.
1 lit. b
IVG;
Urk.
1 S. 11) zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter einzugehen.
Damit wird sich die Beschwer
degegnerin
zu befassen
haben,
sofern
sie
im Rahmen der neuen Entscheidfindung
zum Schluss gelangen sollte, dass ein Rentenanspruch besteht
.
Offenbleiben kann grundsätzlich auch
die von den Parteien überdies diskutierte sozialversicherungs
rechtliche Qualifikation der Beschwerdeführerin
. Diesbezüglich
ist
immerhin
anzumerken, dass
entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin Anhalts
punkte dafür bestehen, dass das Arbeitspensum
bei der
Z.___
GmbH
ab März 2007 aus gesundheitlichen Gründen auf 80
%
reduziert worden war
(
Urk.
7/24/7 [=
Urk.
7/31/9]).
Dies war auch
von ärztlicher Seite aufgrund bereits damals wiederkehrend aufgetretener Rückenbeschwerden für notwendig erachtet
worden
(Urk. 7/20/5 f.).
Diese Gegebenheiten
wird die Beschwerdegegnerin eben
falls
in ihre Würdigung einzubeziehen
haben.
5.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
700.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird
in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 1
4.
September 2018 aufgehoben und die Sache an diese zurückgewiesen wird, damit sie nach ergänzenden Abklärungen im Sinne der Erwägungen über den Leistungsanspruch der Beschwerde
führerin neu verfüge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Stadt Zürich Soziale Dienste
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
FehrWürsch