# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0333c597-427f-57b2-933b-d6a374313bb7
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-07-17
**Language:** de
**Title:** Kein Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Arbeitsausfall eines Unternehmens aus der Innovationsberatung trotz konjunktureller Abkühlung nicht anrechenbar, da Wirtschaftsaussichten in relevanter Branche insgesamt als positiv bewertet wurden, erhebliche Umsatzschwankungen bei der Beschwerdeführerin bereits in den Jahren zuvor anfielen und sich zudem ein Klumpenrisiko verwirklichte.
**Docket/Reference:** AL.2023.00096
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/AL.2023.00096.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
AL.2023.00096
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Sozialversicherungsrichterin Maurer Reiter
Gerichtsschreiberin Gasser Küffer
Urteil
vom
17. Juli 2023
in Sac
hen
X.___
GmbH
Beschwerdeführerin
vertreten durch
Y.___
gegen
Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA)
Arbeitslosenversicherung
Postfach, 8090 Zürich
Beschwerdegegner
Sachverhalt:
1.
Die
X.___
GmbH mit Sitz in
Z.___
ist
vor allem
in der Erbringung von Beratungsdienstleistungen vornehmlich in der verarbeitenden Industrie tätig (
Urk.
7/14 S. 2,
Urk.
7/18,
Urk.
7/20 S. 3).
Nachdem ihr bereits für die Zeit vom 1
9.
März bis 3
1.
August 2020 Kurzarbeit bewilligt worden war (
Urk.
2 S. 2,
Urk.
7/19),
reichte sie dem Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA)
am 1
8.
Januar 2023
eine Voranmeldung von Kurzarbeit während der voraussichtlichen Dauer vom
1.
Februar bis
1.
August 2023 für den Gesamtbetrieb bei einem voraussichtlich prozentualen A
rbeitsausfall
von 40
%
für drei der insgesamt sieben Mitar
beite
nden
ein (
Urk.
7/14). Mit Verfügung vom
2.
Februar 2023 erhob das AWA Einspruch gegen die Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung
(
Urk.
7/12).
Die
dagegen geführte
Einsprache der
X.___
GmbH
vom
6.
März 2023 (
Urk.
7/9)
wies das AWA mit Entscheid vom 2
4.
März 2023 ab (
Urk.
7/1 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die
X.___
GmbH am 1
0.
Mai 2023 Beschwerde mit folgendem Rechtsbegehren (
Urk.
1 S. 1):
«I.
Als vorsorgliche Massnahme sei der
X.___
GmbH
Kurzarbeitsent
schädigung
rückwirkend auf
1.
Februar 2023 per sofort
zu gewähren.
II.
Der
Einspracheentscheid
und die ursprüngliche Verfügung seien
aufzu
heben und der
X.___
GmbH die beantragte
Kurzarbeitsent
-
schädi
gung
zu gewähren.»
Der Beschwerdegegner schloss in der Beschwerdeantwort vom
7.
Juni 2023 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), wovon der Beschwerdeführerin mit Verfü
gung vom 1
3.
Juni 2023 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
8).
Auf die Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, im Folgenden eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
31
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
haben Arbeitnehmer in nicht gekündigtem Arbeitsverhältnis, deren normale Arbeitszeit verkürzt oder deren Arbeit ganz eingestellt ist,
Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung,
wenn der Arbeitsausfall anrechenbar sowie voraussichtlich vorübergehend ist und
erwartet werden darf, dass durch Kurzarbeit die Arbeitsplätze erhalten werden können (Art.
31 Abs. 1
lit
. b
, c
und d
AVIG
). Voraussetzung für die Anrechen
barkeit des Arbeitsausfalles ist, dass er auf wirtschaftliche Gründe zurückzu
führen und unvermeidbar ist (Art.
32 Abs.
1
lit
. a AVIG). Die Rechtsprechung legt den Begriff der wirtschaftlichen Gründe - in Berücksichtigung des präventiven Charakters der Kurzarbeitsentschädigung - sehr weit aus und versteht darunter sowohl strukturelle als auch konjunkturelle Gründe insgesamt und nicht nur den Rückgang der Nachfrage nach den normalerweise von einem Betrieb angebotenen Gütern und Dienstleistungen (BGE 128 V 305 E. 3a; Urteile des Bundesgerichts
8C_549/2017 vom 20. Dezember 2017 E. 3.2 und
C 279/05 vom 2. November 2006 E. 1, je mit Hinweisen).
Ein auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführender und an sich grundsätzlich anrechenbarer Arbeitsausfall gilt jedoch dann nicht als anrechenbar, wenn er
branchen
,
berufs
oder betriebsüblich ist oder durch saisonale Beschäftigungs
schwankungen verursacht wird (Art.
33 Abs.
1
lit
. b AVIG). Damit will das Gesetz vor allem regelmässig wiederkehrende Arbeitsausfälle von der Kurzarbeitsent
schädigung ausschliessen (BGE 121 V 371 E. 2a, 119 V 357 E. 1a, je mit Hinwei
sen). Ebenfalls nicht anrechenbar ist ein Arbeitsausfall, wenn er durch betriebs
organisatorische Massnahmen, andere übliche Betriebsunterbrechungen oder durch Umstände bedingt ist, die zum normalen Betriebsrisiko des Arbeitgebers gehören (Art. 33 Abs. 1
lit
. a 2. Satzteil AVIG; ARV 2004 Nr. 5 S. 58 E. 2.1).
1.2
Ob der Arbeitsausfall voraussichtlich vorübergehend ist und der Arbeitsplatz durch Kurzarbeit erhalten werden kann, kann im Zeitpunkt der Voranmeldung in der Regel nur prognostisch anhand von Vermutungen geprüft werden. Nach der Rechtsprechung ist davon auszugehen, dass ein Arbeitsausfall wahrscheinlich vorübergehend sein wird und die Arbeitsplätze durch die Einführung von Kurz
arbeit erhalten werden können, solange nicht konkrete Anhaltspunkte die gegen
teilige Schlussfolgerung zulassen (BGE 121 V 371 E. 2a). Die Anspruchsvoraus
setzung des voraussichtlich vorübergehenden Arbeitsausfalles und der Eignung von Kurzarbeit zur Erhaltung der Arbeitsplätze gemäss Art. 31 Abs. 1
lit
. d AVIG beurteilt sich prospektiv vom Zeitpunkt der Voranmeldung aus und aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse, wie sie beim Erlass des
Einspracheentscheids
bestan
den haben (vgl. BGE 121 V 371 E. 2a sowie Nussbaumer, Arbeitslosenversiche
rung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], 3. Auflage, Basel 2015, S. 2407 f.
Rz
472 mit Hinweisen).
1.3
Mit dem normalen Betriebsrisiko im Sinne von Art. 33 Abs. 1
lit
. a 2. Satzteil AVIG sind die
«
gewöhnlichen
»
Arbeitsausfälle gemeint, mithin jene Ausfälle, die erfahrungsgemäss regelmässig und wiederholt auftreten, demzufolge vorherseh
bar und in verschiedener Weise kalkulatorisch erfassbar sind. Was in diesem Sinne noch als normal gelten soll, darf nach der Rechtsprechung nicht nach einem für alle Unternehmensarten allgemein gültigen Massstab bemessen werden, sondern ist in jedem Einzelfall aufgrund der mit der spezifischen Betrieb
stätigkeit verbundenen besonderen Verhältnisse zu bestimmen (BGE 138 V 333 E. 4.2.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner begründete seine
n Einspruch gegen die Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung
damit, dass der geltend gemachte
(
konjunkturelle
)
Auftrags- und Umsatzeinbruch entschädig
ung
sberechtigt sein könnte, wenn er auf ausserordentliche Umstände zurückzuführen wäre. Gemäss den Medienmit
teilungen des SECO
habe sich die Konjunkturlage vor allem im produzieren
den/verarbeitenden Gewerbe
indes
seit Dezember 2022 deutlich verbessert. Die Umsatzzahlen der Beschwerdeführerin seien bereits ab dem dritten Quartal 2022 rückläufig gewesen
,
im vierten Quartal 2022 nochmals zurückgegangen und im Januar/Februar
2023
weiter rückläufig
ausgefallen
. Indes sei kein abrupter Umsatzeinbruch ausgewiesen, sondern die Umsätze
seien
kontinuierlich zurück
gegangen. Zudem lägen keine ausserordentlichen Umstände vor, müsse doch jedes Unternehmen, das Beratungsdienstleistungen erbringe, mit Budget
-
kürzungen ihrer Kunden rechnen. Es gelinge der Beschwerdeführerin nicht, glaub
haft darzulegen, dass die geltend gemachten Arbeitsausfälle auf zu berücksichti
gende wirtschaftliche Gründe zurückzuführen seien. Entsprechend seien diese dem normalen Betriebsrisiko zuzuordnen beziehungsweise
branchen
,
betriebs- und berufsüblich und damit nicht anrechenbar (
Urk.
2 S. 3).
2.2
Die Beschwerdeführerin
macht
dagegen
im Wesentlichen geltend
(
Urk.
1)
,
im vierten Quartal 2022 hätten überproportional viele Kunden aufgrund der wirt
schaftlichen Unsicherheiten ihre Budgets massiv gekürzt und die Zusammenar
beit mit externen Dienstleistern sistiert oder minimiert. Zudem seien Projekte aus denselben Gründen verschoben oder pausiert worden, was zu einem starken Rückgang der Nachfrage nach
ihren
Dienstleistungen geführt habe. Die Tatsache, dass einige Kunden unabhängig voneinander wirtschaftliche Gründe genannt hätten, könne als klares Indiz gewertet werden, dass konjunkturelle Umstände die Ursache dieser für sie negativen Entwicklung seien.
Dass
es ab Ende 2022 zu einem massiven Auftragseinbruch
gekommen sei, reiche zudem alleine schon aus, um die
Ausserordentlichkeit
des Arbeitsausfalls anzuerkennen
(S. 2)
.
Der Auftragsbestand im Dezember 2022 sei
-
mit dem Mittel der Vorjahre verglichen
-
um 72
%
eingebrochen.
Die vorläufigen Umsatzsatzzahlen Januar und Februar 2023 lägen zudem, was sie statistisch belegt
habe
, sehr deutlich unter der Stan
dardabweichung der vorangegangenen Umsätze. Hierauf sei d
er Beschwerdegeg
ner im
angefochtenen Entscheid nicht eingegangen (S. 4).
Was die
darin
erwähnte aufhellende Konjunktur ab Dezember 2022 anbelange, welche als möglicher Grund für die Anspruchsverweigerung
heran
gezogen worden sei, gehe die Argu
mentation fehl. In der geschäftlichen Realität der Branche vergingen zwischen der «Aufhellung des Konjunkturbarom
e
ters» und effektivem Auftragsbeginn typischerweise mehrere Monate. Die zuvor rückläufige Wirtschaftslage habe dem Unternehmen ab Februar 2023 reelle Einbrüche beschert
(S. 3)
.
Im Jahr 2022 seien in Voraussicht der Situation
und eigenverantwortlich
die
Akquisetätigkeiten
nach und nach hochgefahren worden.
Auch dadurch seien die Umsätze graduell gesunken
,
was ihr nun nicht vorgeworfen werden könne (S. 3)
.
2.
3
Materiell im
Streit steht der Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung ab
1.
Februar 202
3.
Soweit die Beschwerdeführerin mit ihrem Einwand, der Beschwerdegegner sei
im
angefochtenen Entscheid
auf einen grossen Teil ihrer mit der Einsprache vorgebrachten Argumente nicht eingegangen, eine Verletzung ihres rechtlichen Gehörs geltend macht, gilt es diese formelle Rüge vorweg zu prüfen.
3.
3.1
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten (Art. 49 Abs. 3 Satz 2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
), das
heisst
eine Darstellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwägungen.
Gemäss
Art. 52 Abs. 2 Satz 2 ATSG werden
Einspracheentscheide
begründet. Die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2
der Bundesverfassung (
BV
)
fliessende
Begründungspflicht gebietet nicht, dass sich das kantonale Gericht beziehungs
weise der Versicherungsträger mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinan
dersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sich die Behörde auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich die betroffene Person über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigs
tens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich das Gericht
respektive der Versicherungsträger hat leiten lassen und auf die sich sein Ent
scheid stützt (BGE 142 II 49 E. 9.2, 136 I 229 E. 5.2, je
m.w.H
.).
3.2
Die
Beschwerdeführerin
begründete
eine Verletzung ihres Gehörsanspruchs
im Wesentlichen
damit, der Beschwerdegegner sei
im angefochtenen Entscheid
insbesondere auf ihre statistisch untermauerten Zahlen und Belege zum ausser
-
ord
en
tlichen Auftrags- und Umsatzrückgang Ende 2022
/
Anfang 2023 nicht ein
gegangen
(E. 2.2). Hierzu ist
festzuhalten, dass der Beschwerdegegner
im
ange
-
fochtenen
Entscheid
zwar die konkret vorgebrachten Zahlen der Beschwerde
-
führerin nicht kommentierte. Indes legte er unter Verweis auf die einschlägige Ver
waltungsweisung und unter Berücksichtigung der eingereichten Umsatzzahlen durchaus dar, weshalb er von keinem abrupten
, sondern einem kontinuierlichen
und
damit einhergehend von
keinem anspruchsberechtigten Umsatzrückgang ausging.
Auch
führte
der Beschwerdegegner in diesem Zusammenhang die dem Entscheid zugrunde gelegten konjunkturellen Grundlagen
an
(
Urk.
2 S. 3).
Damit nannte er zumindest
kurz die Überlegungen, von denen
er sich
hat leiten lassen und auf die sich
der angefochtene
Entscheid stützt
und
trug
den Anforderungen an die Begründungspflicht genügend Rechnung
(E. 3.1).
Hinzu kommt, dass d
ie
Beschwerdeführer
in
ihr
Anliegen mit der Beschwerde gegen
den angefochtenen Entscheid
vor einer Beschwerdeinstanz, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüft,
offensichtlich in Kenntnis der gewürdigten Sachlage
vortragen konnte, womit
selbst bei Vorliegen einer leich
ten
Verletzung des rechtlichen Gehörs
diese
als geheilt zu betrachten wäre
(BGE 142 II 218 E. 2.8.1, 137 I 195 E. 2.3.2, je mit Hinweisen).
4.
4.1
Was die materielle Streitfrage anbelangt,
gilt es aufgrund der Parteivorbringen und der Aktenlage insbesondere zu prüfen
, ob
die geltend gemachten Arbeitsaus
fälle
von voraussichtlich 40
%
ab
1.
Februar 2023
für drei der
sechs
Angestellten
in ungekündigtem Arbeitsverhältnis
(
Urk.
7/14 S. 1
, gemäss Organigramm
standen
indes
nur vier Angestellte in einem ungekündigten
beziehungsweise unbefristeten
Verhältnis,
Urk.
7/17
)
anrechenbar sind. Dabei ist grundsätzlich unbestritten, dass die
angemeldeten
Arbeitsausfälle
auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen sind, wobei
-
anders als noch mit der Voranmeldung von Kurz
arbeit vom 1
7.
März 2020 (
Urk.
7/20)
-
nunmehr keine pandemiebedingten Arbeitsausfälle mehr geltend gemacht werden.
Vielmehr begründete die Beschwerdeführerin die veränderte Auftragslage
in
der am 1
8.
Januar 2023 eingegangenen Voranmeldung
damit
, dass
Schlüsselkunden des
Unternehmen
s
, welches seit fast 15 Jahren in der Innovationsberatung vor allem im produzierenden Gewerbe tätig sei, aufgrund der wirtschaftlichen Unsi
cherheit
en
(Ukrainekrieg, Inflation, Steigerung der Energiekosten) 2023 eine Rezession erwarten würden und Massnahmen ergriffen hätten
, welche ihre Auf
tragslage verschlechtert
hätten
. So habe zum Beispiel ein Kunde die Zusammen
arbeit mit externen Dienstleistern ganz eingestellt und nur eines der beiden
gemeinsamen
Projekte
mit einer
50%igen Reduktion weitergeführt. Ein anderer Kunde habe die dritte Phase eines Projektes sistiert
(
Fr.
30'000.--)
und ein
weiterer
die Entscheidung über ein Grossprojekt über
Fr.
370'000.-- auf Mitte 2023 ver
schoben (
Urk.
7/14 S. 2
f.
).
Zur Frage nach der
vorübergehend
en
Natur
des Arbeitsausfalls führte die Beschwerdeführerin in der Voranmeldung aus, das wirtschaftliche Umfeld sollte sich im Verlauf des nächsten Jahres wieder bessern und verschobene oder sistierte Projekte
sollten
wieder aufgenommen werden können. Ausserdem seien mehrere vielversprechende
Prospect
s
vorhanden, welche im Laufe diese
s
Jahres zu neuen Projekten führen könnten. Die intensivierte
Akquisetätigkeit
und insbesondere die Unterstützung durch digitale Automatisierungstools soll
t
e
n
die Anzahl von
Prospe
c
ts
in den nächsten drei Monaten wesentlich erhöhen (
Urk.
7/14 S. 4).
4.2
In
der Umsatztabelle der Beschwerdeführerin
wird dargelegt,
dass
der Umsatz
im Jahr 2018
Fr.
76
2
’300.--, 2019
Fr.
860'878.--, im ersten Pandemiejahr 2020 Fr.
555'576.
--
und
im Jahr
2021
Fr.
811
'236.-- betrug. Im Jahr 2022 belief sich der Umsatz
gemäss dieser Aufstellung
auf Fr. 566'568.-- (
Urk.
7/13).
Die Umsatz
zahlen der einzelnen Monate von Januar 2019 bis Dezember 2022 zeigen erheb
liche Umsatzschwankungen von
Fr.
118'778.-- im Mai 2019
bis
zu Fr.
15'642.-- im Februar 2022 (
Urk.
7/15).
In einer
der Einsprache vom
6.
März 2023 beigeleg
ten
, aktualisierten
Tabelle zur Umsatzentwicklung deklarierte die Beschwerde
führerin für Januar 2023 einen negativen Umsatz von -
Fr.
17'183.-- und für Februar 2023 einen solchen von –
Fr.
11'859.-- (Beilage zu
Urk.
7/9).
Die Auf
tragsbestände per Ende der jeweiligen Jahre beliefen sich gemäss einer
weiteren
Aufstellung 2018 auf
Fr.
348'730.--, 2019 auf Fr.
104'635.--, 2020 auf
Fr.
378’528.--, 2021 au
f
Fr.
111'500
.--
und 2022 auf Fr.
65’600.-- (
Urk.
7/16).
Weder die Umsatzzahlen des Unternehmens noch de
ss
en jeweilige Auftragslage per Ende Jahr lassen auf einen
in der Vergangenheit
konstanten Geschäftsverlauf
der Beschwerdeführerin
schliessen. Vielmehr zeigen insbesondere die erheblichen Umsatzschwankungen der einzelnen Monate, welchen weder eine saisonale noch
eine
sonstige Regelmässigkeit zu entnehmen ist
(
Urk.
7/13)
, dass
erhebliche
Schwankungen
der Einnahmen
im Falle der Beschwerdeführerin eher die Regel denn die Ausnahme bildeten
.
Der hohe Umsatz des Jahres 2021 von Fr.
811'878.
-
macht ausserdem deutlich, dass die Beschwerdeführerin
höchstens kurzfristig unter den pandemiebedingten Auswirkungen auf
den Arbeitsmarkt
gelitten hat.
Ab Juli 2022
bis Februar 2023 fielen
die
von der Beschwerdeführerin
ausgewie
senen Umsätze indes
mit einem Maximum von Fr. 45'762.-- im Juli 2022
durch
wegs tief aus, waren
ab Oktober 2022 konstant abnehmend
und lagen
deutlich unter dem mehrjährigen monatlichen Durchschnitt, dies
selbst unter Ein
bezug
des Umsatzes des ersten
Pandemiejahr
s
2020
(
Fr.
762'300.-- [2018] +
Fr.
860'878.-- [2019] +
Fr.
555'576.—[2020] +
Fr.
811'236.-- [2021] =
Fr.
2'
989'990
.-- :
48
= Fr.
62'291.45
).
4.3
Entsprechend
stellt sich unter dem Blickwinkel von
Art.
33
Abs.
1
lit
. b AVIG die Frage, ob der geltend gemachte Arbeitsausfall ab Februar 2023
zufolge Einbruchs des Auftragsbestands au
f
ausserordentlichen Umständen beruht
oder als
bran
chen
-, berufs- oder betriebsüblich zu betrachten ist. Zu prüfen gilt es dabei ins
besondere, ob er die üblichen Schwankungen erheblich übersteigt
und sich
die Annahme rechtfertigt, dass er auf die geltend gemachten konjunkturellen Ein
flüsse zurückzuführen ist.
4.4
Dabei gilt es vorweg
zu berücksichtigen, dass
für die Annahme eines relevanten Arbeitsausfalls nicht unbesehen auf die Umsatzangaben der Beschwerdeführerin abgestellt werden kann.
So drängen sich an der Verlässlichkeit
ihrer Angaben
schon deshalb
Zweifel
auf
,
weil
die nunmehr angegebenen Umsätze ab Januar 2019 (
Urk.
7/15) teilweise tiefer ausfielen, als diejenigen, welche im Rahmen der Voranmeldung vom 1
7.
März 2020
,
welche
nur für den Betriebsteil Innovation Consulting
gestellt wurde
,
angegeben wurden (vgl.
Urk.
7/15 mit
Beilagenblatt
und
Urk.
7/20: z.B. Umsätze vom
Januar
, Juni, Juli und August
2019)
. Sodann wer
f
en die
angeblich
negative
n
Umsätze
für Januar und Februar 2023 (Beilage zu
Urk.
7/9)
weitere Fragen betreffend die Verlässlichkeit
der
Umsatzangaben
der Beschwerdeführerin auf. Negat
i
ve Umsatzerlöse können
zwar
ausnahmsweise zustande kommen, wenn zum Beispiel Produkte
von einem Unternehmen
zurück
genommen
oder den Kunden Geld gegeben würde
. I
m Falle der Beschwerde
führerin
als
Dienstleisterin im Beratungssektor
scheint ein negativer Umsatz indes kaum
realisierbar
. Aus ihrer Einsprache vom
6.
März 2023 er
hellt
sich denn auch, dass sie offensichtlich von
den
verrechenbaren Stunden, mithin dem
Brutto-
Um
satz für ihre Dienstleistungen, die internen Aufwände abrechnete
, mithin vom Gewinn/Verlust und nicht vom Umsatz sprach
(
Urk.
7/9 S. 3).
4.5
Was die konjunkturelle Lage anbelangt, welche die Beschwerdeführerin als Grund für ihre schlechte Auftragslage respektive das Stornieren und Sistieren von bereits laufenden Aufträgen
aus dem verarbeitenden Gewerbe
angibt,
gilt es Folgendes zu berücksichtigen:
Gemäss Medienmitteilung des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO vom 3
1.
Mai 2022 wuchs die Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe im
1.
Quartal
2022 mit 1.7
%
robust (
Urk.
7/2). Im
2.
Quartal 2022 war die Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe mit -0.5
%
nach sieben überdurchschnittlichen Quarta
len leicht rückläufig. Indes trug dazu gemäss
der
Medienmitteilung
des SECO vom
5.
September 202
2
massgeblich
die chemisch-pharmazeutische Industrie bei, welche sich rückläufigen Exporten gegenübersah. Die übrigen, typischerweise stärker konjunkturreagiblen Industriebereiche konnten dagegen leicht expan
dieren (
Urk.
7/3)
. Im
3.
Quartal 2022
war die Wertschöpfung
im verarbeitenden Gewerbe
aufgrund des herausfordernden Umfeldes
leicht rückläufig (
-0.2
%
;
Medienmitteilung des SECO vom 2
9.
November 2022,
Urk.
7/4) und im
4.
Quartal 2022 belastete
n
die konjunkturelle Abkühlung im Ausland mit angespannter Energielage in Europa und das eingetrübte internationale Umfeld die Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe mit -0.3
%
(Medienmitteilung des SECO vom 2
8.
Februar 2023,
Urk.
7/5). Gemäss dem KOF-Konjunkturbarometer
der ETH Zürich
vom 3
0.
Dezember 2022 und 3
0.
Januar 2023 hellten sich die Konjunk
turaussichten nach einer seit Mai 2022 rückläufigen Entwicklung im Dezember 2022 wieder auf und stiegen im Januar 2023 von 91.5 auf 97.2 Punkte (
Urk.
7/6)
und im Februar 2023
u
m weitere 2.6 Punkte, wobei in erster Linie die Indikatoren aus dem
gesamten
verarbeitenden Gewerbe für den Anstieg verantwortlich zeich
neten (KOF Konjunkturbarometer vom 2
8.
Februar 2023,
Urk.
7/7).
4.6
In Anbetracht
dessen kann
zwar
nicht
ausgeschlossen
werden, dass aktuelle oder potentielle Kunden der Beschwerdeführerin angesichts der verhaltenen Entwick
lung im verarbeitende
n
Gewerbe ab dem zweiten Quartal 2022 und der einge
trübten konjunkturellen Aussichten insbesondere im Herbst 2022
(vgl.
Urk.
7/6)
mit Auftragsvergaben an externe Dienstleister wie die Beschwerdeführerin zurückhaltend waren und auch Aufträge sistierten. Indes
lässt sich den Analysen des Zürcher
Wirtschaftsmonitoring
vom Dezember 2022 und März 2023 entneh
men, dass seit September 2022 kaum Unternehmen zur Kurzarbeit vorangemeldet waren (im September 2022
nur hundert
Unternehmen) und dass die Mehrheit der Unternehmen
jedenfalls
im Kanton Zürich
, selbst diejenigen aus der Industrie,
trotz verschlechterter Geschäftserwartungen seit Herbst 2022 nicht von einer Ver
schlechterung der Geschäftslage ausgingen
und
diese p
ositiv
einschätzten
(
https://www.zh.ch/de/wirtschaft-arbeit/zuercher-wirtschaftszahlen/wirtschafts-
monitoring/maerz-2023.- und dezember-2022.html
[eingesehen am 28.06.2023]
)
. Im März 2023 war
in den Analysen
von im Vergleich zum Vor
quartal deutlich verbesserte
r
Geschäftslage
und
verbesserten
Geschäftserwar
tungen
die Rede
.
Selbst wenn also einzelne (potentielle) Kunden der Beschwerdeführerin infolge einer
befürchteten
Rezession Aufträge nicht erteilten oder sistierten, gelingt es der Beschwerdeführerin
im Lichte de
s
sen
nicht
,
glaubhaft zu machen, dass
ihr Arbeitsausfäll ab Februar 2023 überwiegend wahrscheinlich rezessionsbedingt war.
Dabei fällt auch ins Gewicht, dass
die Umsatzzahlen der Beschwerdeführerin
bereits
in den Vorjahren erheblichen Schwankungen unterlagen und Phasen tiefer Umsätze
schon
früher
über mehrere Monate hinweg
anfielen (z.B. zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 durchschnittlich
Fr.
44'935.60, vgl. Umsatz
zahlen in
Urk.
7/15)
. Die
nunmehrige
Phase
dauert sodann
bereits seit Juli 2022 an
, nahm mithin nicht erst im Herbst 2022 ihren Anfang. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin in der Voranmeldung vom 1
7.
März 2020 noch
darlegte
, die Art ihrer Projekte in der Betriebsabteilung Innovation Consulting, welche immer
hin vier der dannzumal sechs Mitarbeiter beschäftigte, seien meist kurzfristig (
Urk.
7/20 S. 1 und S. 4)
;
nun aber
behauptet sie
im Widerspruch dazu
,
die
Auf
träge würden nicht in Echtzeit vergeben und hätten eine mehrmonatige Vorlauf
zeit
, weshalb sich die wirtschaftlichen Unsicherheiten im
4.
Quartal 2022 erst verzögert
ab Anfang 2023
manifestiert hätten (
Urk.
1 S. 2 und S. 5 ff.)
. Diese diskrepanten Aussagen vermögen nicht zu überzeugen
.
Im Weiteren gilt es zu berücksichtigen
, dass die Beschwerdeführerin mit ihrer Geschäftsbeziehung zur
A.___
AG
mit Sitz im Kanton Zürich
, mit welcher gemäss Angaben der ersteren ein Grossprojekt mit einem Volumen von
Fr.
370'000.-- geplant gewesen sei, welches zufolge interner Bud
g
etkürzungen zunächst bis November 2022 verzögert
, worauf
anschliessend der Entscheid dar
über bis Mitte 2023 verschoben worden sei (
Urk.
7/14 S. 2 f.
, vgl. auch: Telefon
notiz vom 1
0.
November 2022 in
: Beilage zu
Urk.
7/9
), offensichtlich ein
Klumpenr
isiko eingegangen ist.
Mit der bewussten betriebswirtschaftlichen Konzentration auf einen Grosskunden geht ein Unternehmen aber ein vorherseh
bares Risiko (Klumpenrisiko) ein, weshalb der durch den Wegfall dieses Kunden erlittene Arbeitsausfall nicht aussergewöhnlicher Natur und dem normalen Betriebsrisiko zuzurechnen ist (ARV 2011
N.
4 S. 69 E. 4.4). Daran ändert der Einwand der Beschwerdeführerin, dass sie ihre
Akquise
tätigkeiten
im Jahr 2022 in Voraussicht der Situation nach und nach hochgefahren habe und beispiels
weise im Oktober 2022 zwei grosse Kampagnen ausgeführt habe (
Urk.
1 S. 3), nichts (Urteil des Bundesgerichts 8C_549/2017 vom 2
0.
Dezember 2017 E. 4.2).
Die Beurteilung de
s
Beschwerdegegner
s
, wonach es der
Beschwerde
führerin
nicht gelungen sei, glaubhaft darzulegen, dass der von ihr geltend gemachte Arbeits
ausfall ab Februar 2023 auf zu berücksichtigende wirtschaftliche Gründe zurück
zuführen sei, erweist sich demgemäss als zutreffend. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
5.
Mit dem Entscheid in der Sache selber wird das Gesuch um vorsorgliche Mass
nahmen
während der Dauer dieses Verfahrens
obsolet.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y.___
, unter Beilage einer Kopie von
Urk.
9
-
Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA)
,
unter Beilage einer Kopie von
Urk.
9
-
seco
- Direktion für Arbeit
-
Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrGasser Küffer