# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2f129a18-c7d7-5b1b-8d16-b74c626767f5
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-04-14
**Language:** de
**Title:** Bern Obergericht Strafkammern 14.04.2021 SK 2020 527
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_ZivilStraf/BE_OG_005_SK-2020-527_2021-04-14.pdf

## Full Text

Obergericht
des Kantons Bern

2. Strafkammer

Cour suprême
du canton de Berne

2e Chambre pénale

Beschluss
SK 20 527 + 528

Hochschulstrasse 17
Postfach
3001 Bern
Telefon +41 31 635 48 08
Fax +41 31 634 50 54
obergericht-straf.bern@justice.be.ch
www.justice.be.ch/obergericht Bern, 14. April 2021 

Besetzung Oberrichterin Friederich Hörr (Präsidentin i.V.),
Oberrichterin Sanwald,
Oberrichter Vicari
Gerichtsschreiber Stähli

Verfahrensbeteiligte A.________

Gesuchsteller 1

und

B.________

Gesuchstellerin 2

gegen

Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern, Nordring 8, 
Postfach, 3001 Bern

Gesuchsgegnerin

und

C.________AG

Straf- und Zivilklägerin

Gegenstand Revisionsgesuch vom 9. Dezember 2020 betreffend 
Einstellungsverfügung der Kantonalen Staatsanwaltschaft für 
Wirtschaftsdelikte vom 9. Oktober 2018 (W 15 109)

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Erwägungen:

I.

1. Die Kantonale Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte (nachfolgend Staatsanwalt-
schaft) führte gegen Dr. med A.________ und Dr. med B.________ (nachfolgend 
Gesuchsteller 1, Gesuchstellerin 2 oder Gesuchsteller) seit dem 19. August 2015 
eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung, Betrug, evtl. arg-
listige Vermögensschädigung (pag. 01.001.001 des Verfahrens 
W 15 109). Der Verfahrenseröffnung ging die Strafanzeige der C.________AG 
(nachfolgend Straf- und Zivilklägerin) vom 28. Mai 2015 voraus, die zugleich ihre 
Konstituierung als Straf- und Zivilklägerin bekannt gab (pag. 04.001.001 des Verfah-
rens W 15 109). Gegenstand der Untersuchung waren Sachverhalte aus der freibe-
ruflichen Tätigkeit der Gesuchsteller als Mediziner in Bezug auf 13 ihrer PatientIn-
nen. Konkret wurde ihnen zusammengefasst vorgeworfen, dass der Gesuchsteller 1 
trotz seines für den Zeitraum vom 25. Januar 2006 bis 24. Januar 2008 ausgespro-
chenen Kassenausschlusses Leistungen an 13 PatientInnen erbracht habe und 
diese unter Mithilfe und im Namen der Gesuchstellerin 2 an die PatientInnen faktu-
riert und so durch inhaltlich unrichtige Rechnungen unrechtmässig Leistungen zu-
lasten der Krankenversicherung vorgenommen habe. 

1.1 Mit der Begründung, im Zuge der Untersuchung habe sich kein Tatverdacht erhärtet, 
stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen die Gesuchsteller mit Verfügung 
vom 9. Oktober 2018 ein (pag. 23 ff.). Darin auferlegte die Staatsanwaltschaft in 
Anwendung von Art. 426 Abs. 2 der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO; 
SR 312.00) den Gesuchstellern die gesamten Verfahrenskosten von CHF 15'353.20 
jeweils zur Hälfte. Mit Verweis auf Art. 430 Abs. 1 lit. a StPO sah sie von der Aus-
richtung einer Entschädigung und einer Genugtuung an die Gesuchsteller ab. Die 
Verfügung vom 9. Oktober 2018 erwuchs unangefochten in Rechtskraft. 

1.2 Parallel dazu lief ein weiteres Strafverfahren gegen die Gesuchsteller, dem die Straf-
anzeige der Straf- und Zivilklägerin vom 3. Mai 2010 (pag. 359 ff.) zugrunde lag 
(pag. 301). Dieses Strafverfahren fusste ebenfalls auf Sachverhalten aus der freibe-
ruflichen Tätigkeit der Gesuchsteller als Mediziner, der Tatvorwurf war mithin iden-
tisch, bezog sich jedoch auf eine andere Patientin als diejenigen im Verfahren 
W 15 109. Mit Verfügung vom 13. Juni 2019 stellte das Regionalgericht Berner Jura-
Seeland, dem nach alt- und übergangsrechtlicher Prozessordnung die Verfahrens-
leitung zukam, die unter den Nummern P02 10 1203 und P02 10 1204 geführten 
Strafverfahren gegen die Gesuchsteller ein (pag. 299 ff.). Zugleich auferlegte das 
Regionalgericht den Gesuchstellern die gesamten Verfahrenskosten von 
CHF 2'191.00 jeweils zur Hälfte, wobei es ihnen weder eine Entschädigung noch 
eine Genugtuung zusprach. Gegen diese Verfügung erhoben die Gesuchsteller in 
Bezug auf die Kosten- und Entschädigungsfolgen Beschwerde beim Obergericht des 
Kantons Bern, welches die Beschwerde nach anfänglicher Abweisung (pag. 279 ff.) 
auf Geheiss des Bundesgerichts (pag. 239 ff.) am 23. November 2020 teilweise gut-
hiess (pag. 213 ff.). Es beschloss, dass der Kanton Bern die Kosten der Verfahren 

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P02 10 1203 und P02 10 1204 zu tragen habe und den Gesuchstellern Entschädi-
gungen ausgerichtet würden (pag. 235). Mit diesem Beschluss fanden die unter den 
Nummern P02 10 1203 und P02 10 1204 geführten Verfahren ihren Abschluss. 

2. Die Gesuchsteller beantragen unter Bezugnahme auf die in den Verfahren P02 10 
1203 und P02 10 1204 gefällten Entscheide mit ihrer Eingabe vom 9. Dezember 
2020 Revision der im Verfahren W 15 109 ergangenen Einstellungsverfügung vom 
9. Oktober 2018 betreffend die darin getroffene Kostenverlegung gemäss Ziff. 3 
(pag. 1 ff.). Sie beantragen konkret, die Kosten des Verfahrens W 15 109 seien dem 
Kanton Bern aufzuerlegen und ihnen sei eine Entschädigung sowie eine angemes-
sene Genugtuung für erlittene Unbill zu entrichten (pag. 1 ff.). Die Kammer holte bei 
der Staatsanwaltschaft die Akten des Verfahrens W 15 109 (pag. 379 ff.) sowie Stel-
lungnahmen der Parteien und der Staatsanwaltschaft ein (pag. 389). Sowohl die Ge-
neralstaatsanwaltschaft – koordiniert mit der Staatsanwaltschaft – (pag. 397 f.) als 
auch die Straf- und Zivilklägerin (pag. 409 ff.) beantragen ein Nichteintreten auf das 
Revisionsgesuch, unter Auferlegung der Verfahrenskosten an die Gesuchsteller. Die 
Straf- und Zivilklägerin macht eine Entschädigung für ihre Aufwendungen im Revisi-
onsverfahren geltend (pag. 411) und reichte auf entsprechende Verfügung der Ver-
fahrensleitung hin (pag. 419) ihre Honorarnote ein (pag. 443). Mit Datum vom 28. Ja-
nuar 2021 reichten die Gesuchsteller gemeinsam eine weitere Eingabe ein (pag. 429 
ff.), welche die Gesuchstellerin 2 mit Schreiben vom 29. Januar 2021 ergänzte 
(pag. 423 f.). 

II.

3. Wer durch ein rechtskräftiges Urteil, einen Strafbefehl, einen nachträglichen richter-
lichen Entscheid oder einen Entscheid im selbstständigen Massnahmeverfahren be-
schwert ist, kann Revision verlangen (Art. 410 Abs. 1 StPO). Das Rechtsmittel der 
Revision existiert, um dem im Strafverfahren massgebenden Leitprinzip der materi-
ellen Wahrheit gerecht werden zu können, wenn der fragliche Entscheid bereits in 
Rechtskraft erwachsen ist (Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, 
BBl 2006 1085, S. 1318). Aufgrund der einschneidenden Konsequenzen strafrecht-
licher Verurteilung werden Abstriche bei der ansonsten hochgehaltenen Rechtssi-
cherheit in Bezug auf rechtskräftige Urteile im Strafprozess teilweise bewusst in Kauf 
genommenen. Hingegen soll die Revision nicht dazu dienen, verpasste Rechtsmittel 
nachzuholen (BBl 2006 1085, S. 1319).

3.1 Dass auf ein Revisionsgesuch eingetreten werden kann, setzt zunächst ein taugli-
ches Anfechtungsobjekt voraus. Taugliche Anfechtungsobjekte für ein Revisionsge-
such sind in erster Linie Entscheide der Strafbehörden, die ein Verfahren in materi-
eller Hinsicht durch einen Freispruch oder eine Verurteilung abschliessen. In der 
Lehre besteht Einigkeit darüber, dass gegen Einstellungsverfügungen die Revision 
nicht zulässig ist (BSK StPO-HEER, 2. Auflage, Art. 410 N 27). Gleiches wird mit Ver-
weis auf die bundesrätliche Botschaft (BBl 2006 1085, S. 1319) für Kosten- und Ent-
schädigungsentscheide angenommen (TPF 2011 115 E. 2.4; Beschluss des Bun-
desstrafgerichts BB.2013.42 vom 25. April 2013 E. 1.3; BB.2016.353 vom 5. Oktober 

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2016; FINGERHUTH, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO Komm., 2. Auflage, Art. 
410 N 26; BSK StPO-HEER, 2. Auflage, Art. 410 N 30; SCHMID/JOSITSCH, StPO Pra-
xiskommentar, 3. Auflage, Art. 410 N 8). Darüber hinaus muss die gesuchstellende 
Partei zur Anfechtung des Entscheids legitimiert sein. Schliesslich muss, sofern ein 
Revisionsgrund nach Art. 410 Abs. 1 lit. a oder b StPO geltend gemacht wird, das 
Gesuch innert einer Frist von 90 Tagen seit Kenntnisnahme des als Revisionsgrund 
angeführten Entscheids eingereicht werden. 

3.2 Vorliegend richten die Gesuchsteller ihr Revisionsgesuch gegen die Einstellungsver-
fügung vom 9. Oktober 2018 und beantragen eine Abänderung der darin getroffenen 
Kosten- und Entschädigungsregelung. Gegen Einstellungsverfügungen und gegen 
Kostenentscheide ist die Revision nicht zulässig. Aus diesen Gründen ist auf das 
Gesuch nicht einzutreten. Dieses Ergebnis ist mit Blick auf die der Revision zugrun-
deliegenden Zielsetzung auch angezeigt. Eine rechtskräftige Verfahrenseinstellung 
bei gleichzeitiger Kostenauflage an die Gesuchsteller hat für diese nicht die mit einer 
strafrechtlichen Verurteilung einhergehende Stigmatisierung oder einschneidende 
Sanktionen zur Folge, deren Aufhebung selbst nach Eintritt der Rechtskraft als nötig 
empfunden würde. M.a.W. ist die vom Gesetzgeber vorgenommene, besondere In-
teressenabwägung im Bereich des Strafprozessrechts, also die Inkaufnahme von 
Abstrichen bei der Rechtssicherheit zugunsten der materiellen Wahrheit, auf blosse 
Kostenentscheide nicht einschlägig.  

3.3 Ohnehin soll die Revision nicht dazu dienen, verpasste Rechtsmittel nachzuholen. 
Die angefochtene Verfügung wurde den Gesuchstellern im Oktober 2018 ordnungs-
gemäss eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt waren die Gesuchsteller zwar nicht anwaltlich 
vertreten, dies jedoch auf eigenen Wunsch hin. Die von der Verfahrensleitung der 
Staatsanwaltschaft vorgenommenen Bestrebungen zur Bestellung einer amtlichen 
Verteidigung (pag. 77 f.; 83 ff.) focht der Gesuchsteller 1 erfolgreich mit Beschwerde 
an (pag. 55 ff.). Rechtsunkenntnis über die Rechtsmittelmöglichkeiten gegen die Ein-
stellungsverfügung vom 9. Oktober 2018 im Zeitpunkt der Eröffnung kann daher kein 
hinreichender Grund sein – und wird von den Gesuchstellern auch nicht vorgebracht. 
Dies bestätigt sich mit Blick darauf, dass die Gesuchsteller gegen die in den Verfah-
ren P02 10 1203 und P02 10 1204 ergangene, im Juni 2019, eröffnete Verfügung 
mit nahezu identischer rechtlicher Fragestellung die verfügbaren Rechtsmittel ergrif-
fen, dies ohne anwaltliche Vertretung. Die vorliegend mittels Revision «angefoch-
tene» Verfügung liessen die Gesuchsteller demgegenüber unangefochten in Rechts-
kraft erwachsen. Ebenfalls mangelte es den Gesuchstellern nicht an den erforderli-
chen Sprachkenntnissen, gibt doch die Gesuchstellerin 2 selbst zu Protokoll, 
Deutsch sei ihre Muttersprache (pag. 423). Es ist somit nicht einzusehen und wird 
von den Gesuchstellern auch nicht begründet, weshalb sie gegen die vorliegend re-
levante Verfügung vom 9. Oktober 2018 nicht auch Beschwerde erhoben haben. Aus 
diesem Grund muss das vorliegende Gesuch als Versuch zur Wiederaufnahme des 
Verfahrens nach verpasster Rechtsmittelfrist betrachtet werden, wozu die Revision 
gerade nicht dienen soll.

3.4 Im Ergebnis ist auf das Revisionsgesuch vom 9. Dezember 2020 nicht einzutreten. 
Daher erübrigen sich weitergehende Ausführungen zum geltend gemachten Revisi-

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onsgrund und eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den dafür vorgebrachten Ar-
gumenten der Gesuchsteller. Es gilt jedoch festzuhalten, dass nach einer summari-
schen Prüfung kein Revisionsgrund nach Art. 410 StPO gegeben wäre.

III. Kosten

4. Bei diesem Ergebnis sind die Kosten des Verfahrens den Gesuchstellern, die mit 
ihren Anträgen vollumfänglich unterliegen, je zur Hälfte aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 
StPO). In Anwendung von Art. 25 lit. a VKD werden die Verfahrenskosten bestimmt 
auf CHF 800.00, somit ausmachend je CHF 400.00.

5. Zudem werden die Gesuchsteller gegenüber der Straf- und Zivilklägerin antrags-
gemäss entschädigungspflichtig (Art. 433 Abs. 1 StPO). Der Kammer erscheint der 
in der Honorarnote ausgewiesene Aufwand von 7 Stunden in Anbetracht der Um-
stände jedoch als zu hoch. Ebenso der geltend gemachte Stundenansatz in der 
Höhe von CHF 300.00. Angemessen erscheint ein Aufwand von 5 Stunden und ein 
Stundenansatz von CHF 250.00, woraus eine Entschädigung in Höhe von 
CHF 1'367.00 resultiert (5 Stunden à CHF 250.00, ausmachend CHF 1'250.00, zu-
züglich Spesen und Auslagen von CHF 19.30 und MWSt von 7.7%, ausmachend 
gerundet CHF 97.70). Dieser Betrag wird den Gesuchstellern ebenfalls je zur Hälfte 
auferlegt, somit ausmachend je CHF 683.50. 

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Die 2. Strafkammer beschliesst:

1. Auf das Revisionsgesuch wird nicht eingetreten. 

2. Die Verfahrenskosten von CHF 800.00 werden den Gesuchstellern je zur Hälfte, aus-
machend je CHF 400.00, zur Bezahlung auferlegt. 

3. Die Gesuchsteller werden verurteilt, der Straf- und Zivilklägerin je eine Entschädigung 
in Höhe von CHF 683.50, total ausmachend CHF 1'367.00, zu bezahlen. 

4. Zu eröffnen:
- dem Gesuchsteller 1
- der Gesuchstellerin 2
- der Straf- und Zivilklägerin
- der Generalstaatsanwaltschaft

Bern, 14. April 2021 Im Namen der 2. Strafkammer

Die Präsidentin i.V.:

Oberrichterin Friederich Hörr

Der Gerichtsschreiber:

Stähli

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim Bundesgericht, Av. du Tribunal fédéral 29, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in Strafsachen gemäss Art. 39 ff., 78 ff. und 90 ff. des Bundesgerichtsgesetzes 
(BGG; SR 173.110) geführt werden. Die Beschwerde muss den Anforderungen von Art. 42 BGG entsprechen.

Gegen den Entschädigungsentscheid kann der Rechtsbeistand der Privatklägerschaft innert 10 Tagen seit Eröff-
nung des Urteilsdispositivs bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts, Viale Stefano Franscini 7, 
6500 Bellinzona, schriftlich und begründet Beschwerde führen (Art. 138 Abs. 1 StPO, Art. 396 Abs. 1 StPO).