# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 630e2915-a287-5ac1-9ea8-794d81be2779
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-04-23
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 23.04.2015 UV 2014/26
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_UV-2014-26_2015-04-23.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: UV 2014/26

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: UV - Unfallversicherung

Publikationsdatum: 23.04.2015

Entscheiddatum: 23.04.2015

Entscheid Versicherungsgericht, 23.04.2015
Art. 6 UVG, angebliches Niederschlagen, psychische Beschwerden im 
Vordergrund, Adäquanzprüfung gemäss der Psycho-Praxis (Entscheid des 
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. April 2015, UV 
2014/26).Präsident Joachim Huber, Versicherungsrichter Ralph Jöhl, 
VersicherungsrichterinMiriam Lendfers; Gerichtsschreiberin Andrea 
WepferEntscheid vom 23. April 2015in 
SachenA.___,Beschwerdeführerin,vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. 
Romana Weber, GN Rechtsanwälte, St. Leonhard-Strasse 20, Postfach, 
9001 St. Gallen,gegenSchweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), 
Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358, 
6002 Luzern,Beschwerdegegnerin,betreffendVersicherungsleistungenSachverhalt:

A.    

A.a  Seit dem 5. September 2012 arbeitete A.___ bei der B.___ AG in C.___ in der 

Logistik und war deshalb bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert (Suva-

act. 1).

A.b  Auf dem Heimweg von einer Bar in D.___ ereignete sich am 12. Juni 2013 ein 

unklarer Sturz unter Alkohol-Einfluss (Suva-act. 1), und die Versicherte zog sich eine 

Commotio cerebri sowie zwei Rissquetschwunden über der linken Wange zu (Suva-

act. 26). Diese Wunden wurden im Kantonsspital St. Gallen erstversorgt.

A.c  Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht für Taggeld und Heilbehandlungen und 

sprach der Versicherten ab dem 15. Juni 2013 ein Taggeld von Fr. 33.35 zu (Suva-act. 

4)

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A.d  Gegenüber der Kantonspolizei St. Gallen gab die Versicherte zu Protokoll, sie sei 

zu Fuss von der E.___-strasse links in die F.___-strasse abgebogen. Plötzlich habe sie 

einen Schlag auf die linke Kopfseite bekommen, sei in der Folge zu Boden gestürzt und 

habe sich dabei Gesichtsverletzungen zugezogen. Infolge des Sturzes seien sowohl 

ihre Brille als auch die getragene Armbanduhr zu Bruch gegangen. Einen Angreifer 

hatte die Versicherte nicht wahrgenommen. Da sie einen Schlag einer Drittperson nicht 

ausschliessen wollte, erstattete sie dennoch Anzeige wegen einfacher 

Körperverletzung gegen Unbekannt (Suva-act. 36).

A.e  Der Hausarzt Dr. med. G.___ hielt in seinem Bericht vom 17. Juli 2013 fest, dass 

die Versicherte an einem Trauma mit Schlafstörungen leide und deswegen eine 

posttraumatische Belastungsstörung entwickelt habe. Er werde sie dem 

psychiatrischen Dienst H.___ zuweisen (Suva-act. 27).

A.f   Das psychiatrische Zentrum H.___ ging im Verlaufsbericht vom 4. November 2013 

von einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) aus. Die Versicherte 

habe sich vom 2. Juli 2013 bis zum 21. August 2013 in psychiatrischer Behandlung 

befunden und sei danach in die psychiatrische Klinik I.___ eingewiesen worden. Dort 

sei sie am 27. August 2013 ausgetreten und habe sich danach nicht mehr im Zentrum 

gemeldet (Suva-act. 70).

A.g  Der Hausarzt Dr. G.___ überwies die Versicherte mit Schreiben vom 28. August 

2013 an den Psychotherapeuten Dr. phil. J.___. Dieser erhob gemäss Bericht vom 

27. November 2013 einen Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD 

10. F.43.1) bei deutlich wahrnehmbaren depressiven Verstimmungen und Ängsten 

(Suva-act. 76).

A.h  Die Suva stellte mit Verfügung vom 6. Januar 2014 ihre Leistungen per 15. Januar 

2014 ein, da keine organisch nachweisbaren Beschwerden mehr vorliegen würden und 

die aktuell noch geklagten Beschwerden nicht adäquat kausal auf das geltend 

gemachte Ereignis zurückgeführt werden könnten (Suva-act. 82).

B.    

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B.a  Gegen die Verfügung der Suva erhob die Versicherte am 5. Februar 2014 

Einsprache. Es seien ihr weiterhin die gesetzlichen Leistungen auszurichten. 

Eventualiter seien weitere Abklärungen zu ihrem psychischen Zustand und zur 

Kausalität der psychischen Beschwerden durchzuführen. Die Adäquanz der 

psychischen Unfallfolgen sei nach wie vor zu bejahen. Die Kriterien der besonders 

dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles, der 

Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen sowie der ungewöhnlich 

langen Dauer der ärztlichen Behandlung seien erfüllt (Suva-act. 86).

B.b  Die Suva erliess am 21. März 2014 einen abweisenden Einspracheentscheid. Der 

adäquate Kausalzusammenhang zwischen den psychischen Störungen und dem Unfall 

könne nicht bejaht werden. Auch keines der bei mittelschweren Unfällen gemäss der 

Rechtsprechung zu prüfenden Kriterien sei gegeben. Der Zeitpunkt der 

Adäquanzprüfung sei rechtens, weil die Heilbehandlung bezüglich der somatischen 

Unfallfolgen zum Einstellungszeitpunkt abgeschlossen gewesen sei und die Adäquanz 

unter Ausklammerung der subjektiven/psychischen Komponenten zu beurteilen sei 

(Suva-act. 90).

C.    

C.a  Am 11. April 2014 erhob die Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführerin) 

Beschwerde gegen den Einspracheentscheid. Sie beantragte, es seien ihr die 

Leistungen gemäss Unfallversicherungsgesetz bis auf Weiteres zu erbringen. 

Eventualiter sie die Streitsache zur Durchführung weiterer Abklärungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Der in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 2013 

erfolgte Überfall sei für die Versicherte sehr eindrücklich gewesen. Die Verletzungen, 

welche die Versicherte dabei erlitten habe, seien vorliegend als schwer zu gewichten 

und auch das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen müsse vorliegend als erfüllt 

betrachtet werden. Damit seien insgesamt drei der massgeblichen Kriterien erfüllt und 

vermöchten den adäquaten Kausalzusammenhang zu erstellen (Suva-act. 93).

C.b  In ihrer Beschwerdeantwort vom 27. Mai 2014 beantragt die Suva (nachfolgend 

Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. In Bezug auf die psychischen 

Störungen sei die adäquate Unfallkausalität unbestrittenermassen nach der Psycho-

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Praxis zu prüfen. Da von einem leichten, banalen Ereignis auszugehen sei, könne die 

adäquate Kausalität zwischen Unfall und psychischen Beschwerden zum vornherein 

verneint werden. Die Adäquanz könnte auch bei Annahme eines mittelschweren 

Ereignisses im Grenzbereich zu den leichten Fällen nicht bejaht werden (act. G 3).

C.c  Mit Replik vom 23. Juni 2014 bestritt die Beschwerdeführerin, dass es sich um ein 

leichtes, banales Ereignis handle. Der Schlag, welchen sie habe erdulden müssen, sei 

zweifelsohne als massive Krafteinwirkung zu qualifizieren, weshalb das Bundesgericht 

in einem vergleichbaren Fall von einem mittleren Ereignis im mittleren Bereich 

ausgegangen sei. Ausserdem bekräftigte sie nochmals, weshalb ihrer Ansicht nach die 

Kriterien der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen 

Eindrücklichkeit des Unfalles, der schweren Verletzung wie auch der körperlichen 

Dauerschmerzen erfüllt seien (act. G 6).

C.d  Mit Duplik vom 19. August 2014 äusserte sich die Beschwerdegegnerin wie folgt: 

Es sei beweismässig nicht erstellt, dass die Beschwerdeführerin am 12. Juni 2013 

überfallen und niedergeschlagen worden sei. Das Kriterium der besonders 

dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles sei 

objektiv zu beurteilen und nicht aufgrund des subjektiven Empfindens bzw. 

Angstgefühls der versicherten Person.

Erwägungen:

1.     

1.1   Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht aus dem 

Ereignis vom 12. Juni 2013 und erbrachte entsprechend die gesetzlichen Leistungen 

bis zum 15. Januar 2014. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin auch 

nach diesem Zeitpunkt Anspruch auf gesetzliche Leistungen der Unfallversicherung 

hat.

1.2   Was die rechtlichen Grundlagen der Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin 

anbelangt, ist diesbezüglich auf die Ausführungen im angefochtenen 

Einspracheentscheid vom 21. März 2014 zu verweisen. In den Erwägungen 3 - 5 

werden die Voraussetzungen dafür zutreffend dargelegt.

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1.3   Die Beschwerdeführerin erlitt am 12. Juni 2013 einen unklaren Sturz mit einer 

Commotio cerebri und Rissquetschwunden. Während die körperlichen Verletzungen 

schnell und vollständig abheilten, standen nach dem Unfall sehr bald die psychischen 

Beschwerden im Vordergrund (Suva-act. 27, 70, 76). Diese persistierten, auch 

nachdem die Beschwerdegegnerin den Fall abgeschlossen hatte. Es ist deswegen 

korrekt und zwischen den Parteien auch nicht strittig, die Psycho-Praxis (BGE 115 V 

133) anzuwenden, um zur Frage des Fortbestehens des adäquaten 

Kausalzusammenhanges Stellung nehmen zu können.

1.4   Vorab ist das betreffende Unfallereignis als banaler bzw. leichter, schwerer oder 

dazwischen liegender mittlerer Unfall einzustufen. Bei banalen oder leichten Unfällen 

kann der adäquate Kausalzusammenhang für psychische Fehlentwicklungen 

grundsätzlich ohne weiteres verneint werden. Bei Unfällen im mittleren Bereich sind 

weitere objektiv erfassbare Umstände in die Würdigung einzubeziehen. Je nach 

Einordnung eines Unfalles im mittleren Bereich an der Grenze zu den leichten oder an 

der Grenze zu den schweren Unfällen müssen eine andere Anzahl dieser Kriterien erfüllt 

sein. Bei schweren Unfällen ist der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel zu 

bejahen.

1.5   Es konnte nicht abschliessend geklärt werden, was der Beschwerdeführerin am 

12. Juni 2013 auf dem Heimweg zugestossen war. Erwiesen ist lediglich, dass sie unter 

Alkohol-Einfluss gestürzt war und sich eine Commotio cerebri sowie über der linken 

Wange zwei Rissquetschwunden zugezogen hatte. Sie selber gab gegenüber der 

Kantonspolizei am __. Juni 2013 zu Protokoll, dass sie plötzlich einen Schlag auf die 

linke Kopfseite abbekommen habe und in der Folge zu Boden gestürzt sei. Sie habe 

sich Gesichtsverletzungen zugezogen und sowohl ihre Brille als auch die getragene 

Armbanduhr seien zu Bruch gegangen (Suva-act. 36). Später erarbeitete sie in der 

Behandlung durch den Psychotherapeuten, Diplom-Kriminologen und forensischen 

Prognostiker Dr. J.___ weitere Hinweise, welche sie der Kantonspolizei in der 

Einvernahme vom __. Januar 2014 mitteilte. Auch damit konnte jedoch kein 

Sachverhalt erstellt werden, welcher rechtsgenügliche Sicherheit bezüglich einer 

allfälligen Täterschaft oder eines Tathergangs erbracht hätte. Das 

Untersuchungsverfahren wegen einfacher Körperverletzung blieb weiterhin sistiert 

(Suva-act. 76, act. G 6.1 und 6.2). Damit steht nicht fest, ob am 12. Juni 2013 

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überhaupt ein Überfall stattgefunden hatte, und es ist auch nicht möglich, das Ereignis 

als mittelschwer zu qualifizieren. Die Beschwerdeführerin hat die Folgen der 

Beweislosigkeit zu tragen (116 V 136 E. 4). Betreffend das bewiesene Sturzereignis ist 

von einem leichten Unfall auszugehen und der adäquate Kausalzusammenhang zu 

verneinen.

2.     

2.1   Selbst wenn jedoch mit der Beschwerdeführerin davon ausgegangen würde, ein 

Überfall hätte sich tatsächlich ereignet und sie sei mit einem Schlag gegen die linke 

Kopfseite niedergestreckt worden, würde es sich nicht um ein Ereignis handeln, 

welches per se geeignet wäre, einen langdauernden psychischen Gesundheitsschaden 

zu bewirken. Ein Unfall im mittleren Bereich wäre aber jedenfalls gegeben, weshalb die 

Leistungspflicht aufgrund der von der Praxis entwickelten Kriterien zu prüfen wäre.

2.2   Für eine Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen den 

psychischen Beschwerden und dem angenommenen Überfall bräuchte es mehrere der 

unfallbezogenen Umstände. Bei einem Unfall im mittleren Bereich müssten mindestens 

drei der Kriterien vorliegen oder eines in schwerwiegender Weise erfüllt sein (BGE 115 

V 133 E. 6.c). Die in BGE 115 V 133 genannten Kriterien wären folglich einer genaueren 

Würdigung zu unterziehen.

2.3   Diesbezüglich vorgebracht wurde vor allem, die Beschwerdeführerin habe 

besonders dramatische Begleitumstände erleiden müssen, es seien ihr sehr schwere 

Verletzungen zugefügt worden und sie habe ungewöhnlich lange an den 

Verletzungsfolgen leiden müssen.

2.4   Das erste Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder der 

besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles wäre objektiv zu beurteilen. Wenn also auch 

ein Unfall subjektiv für jemanden besonders dramatisch oder eindrücklich gewesen 

sein mag, so reicht das noch nicht aus zur Bejahung dieses Kriteriums. Und es ist 

jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen (Urteil 

8C_39/2008 vom 20. November 2008 E. 5.2). Bejaht wurde das Kriterium zum Beispiel 

bei einer Massenkarambolage auf einer Autobahn (Urteil 8C_623/2007 vom 22. August 

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2008 E. 8.1), bei einem Skifahrer, welcher kopfüber mit einem Baum kollidierte 

(8C_42/2009 vom 1. Oktober 2009 E. 5.3) oder bei einem Unfall mit hoher 

Geschwindigkeit auf einer Autobahn, bei dem das Fahrzeug des Versicherten bei 

starkem Verkehr mehrmals über die Fahrbahn geschleudert wurde und sich dabei 

wiederholt überschlug (Urteil 8C_799/2008 vom 11. Februar 2009 E. 3.2.3). Der 

angenommene Überfall am 12. Juni 2013 dauerte nur sehr kurze Zeit, zeichnete sich 

weder durch besondere Brutalität noch durch das Zufügen von besonders schweren 

Verletzungen aus. Die Beschwerdeführerin wurde angegriffen und niedergeschlagen. 

Sie konnte sich an den genauen Ablauf sowie den Täter nicht erinnern, ja sie hatte ihn 

nicht einmal wahrgenommen. Insgesamt wäre davon auszugehen, dass es sich um 

einen Unfall handelte, der keine Merkmale besonderer Eindrücklichkeit aufweist.

2.5   Was das Kriterium der Schwere und besonderen Art der erlittenen Verletzung, 

insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen 

auszulösen, anbelangte, bedürfte es einer besonderen Schwere der zum Beispiel für 

das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das 

Beschwerdebild beeinflussen können (RKUV 2005 Nr. U 549 S. 238). Auch erfüllt wäre 

das Kriterium bei einer Häufung der charakteristischen Symptome, die sich 

schwerwiegend auswirken (RKUV 2003 Nr. U 489 S. 357). Im Entscheid 8C_308/2014 

vom 17. Oktober 2014 zum Beispiel wurde das Kriterium der schweren Verletzungen 

bejaht, da der Versicherte sich beim Unfallereignis verschiedene Frakturen im 

Gesichts- und Brustbereich zugezogen hatte. Diese Verletzungen seien ausserdem so 

schwer gewesen, dass er noch am Unfalltag per Helikopter vom erstbehandelnden 

Spital in ein anderes Spital verlegt habe werden müssen. Ausserdem sei er für mehrere 

Tage in ein künstliches Koma versetzt worden. Selbst wenn vorliegend bei den 

vorhandenen Gesichtsverletzungen davon ausgegangen werden müsste, dass 

möglicherweise kleine Narben verblieben – wie dies aber bei vielen Verletzungen der 

Fall ist, – so handelte es sich trotzdem lediglich um kleinere Rissquetschwunden. Aus 

Sicht des behandelnden Psychotherapeuten und des Hausarztes ist die Rede davon, 

dass die Schläge ins Gesicht bleibende Narben hinterlassen hätten (Suva-act. 76, 39). 

Jede Narbe, welche eine betroffene Person an ein unliebsames Ereignis erinnert, hat 

das Potential, dessen Verarbeitung zu behindern. Abgesehen von Äusserungen des 

behandelnden Psychotherapeuten, dass die Narben die Beschwerdeführerin an das 

Geschehene erinnerten, werden sie aber medizinisch gemäss den Akten nicht mehr 

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erwähnt und schon gar nicht als entstellend beschrieben. Es gab keinen Bedarf an 

weiterer medizinischer Versorgung der Narben, sie verheilten gut und ein chirurgisches 

Vorgehen scheint auch nicht vonnöten gewesen zu sein. Auch die initialen Folgen der 

Verletzung – die Wundversorgung mittels Naht bei gleichentags erfolgter Entlassung 

aus dem Spital  –  war alles andere als gravierend. Bei Berücksichtigung all dieser 

Umstände könnte nicht vom Vorliegen dieses Kriteriums ausgegangen werden.

2.6   Betreffend eine fortgesetzte spezifische, belastende ärztliche Behandlung wäre 

festzuhalten, dass ärztliche Verlaufskontrollen sowie medikamentöse und manuelle 

Therapien für sich allein das Kriterium nicht zu erfüllen vermöchten, aber mit 

einbezogen werden könnten. Das Kriterium wurde etwa bejaht im Falle der 

Inanspruchnahme von ärztlichen Verlaufskontrollen, medikamentöser und 

manualtherapeutischer Behandlung, andauernder psychotherapeutischer Behandlung 

mit zeitweise wöchentlichen Sitzungen, alternativer Methoden aus eigenem Antrieb und 

infolge verschriebener Medikamente und dadurch verursachter Gastritis, notwendiger 

Einnahme eines zusätzlichen Medikamentes sowie zweier Hospitalisationen deswegen. 

Selbst dann lag das Kriterium nicht ausgeprägt vor (Urteil 8C_897/2009 vom 29. Januar 

2010). Die ärztlichen Massnahmen müssten über das bei einer derartigen Verletzung 

Übliche hinausgehen (Urteil 8C_453/2012 vom 14. Dezember 2012). Im vorliegenden 

Fall könnte nicht von einem überdurchschnittlichen Therapieaufwand ausgegangen 

werden. Was die somatischen Beschwerden betrifft, war die Behandlung mit der 

Erstversorgung im Spital bereits wieder beendet. Danach standen die psychischen 

Beschwerden im Vordergrund. Deren Behandlung könnte auch bei der Prüfung dieses 

Kriteriums nicht gewichtet werden. Abgesehen von den Besuchen beim 

Psychotherapeuten ist nichts dokumentiert, was die Beschwerdeführerin unternommen 

hätte, um zu ihrem Heilungsprozess beizutragen.

2.7   In der Beschwerde lässt die Beschwerdeführerin dann vorbringen, auch das 

Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen müsse als erfüllt betrachtet werden. Dabei 

geht es um erhebliche Beschwerden, welche das Leben der Betroffenen glaubhaft 

einschränken. Die Beschwerdeführerin bringt vor, ihr widerfahre täglich Pein aufgrund 

der vorhandenen Narben. Es wäre darauf zurückzukommen, dass diesen der Charakter 

einer erheblichen Verletzung bereits in der vorstehenden Erwägung 2.5 abgesprochen 

wurde. Soweit die Beschwerdeführerin vorbringt, sie erleide psychische Pein, wäre das 

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nicht zu berücksichtigen, da nur körperliche Schmerzen massgeblich sind. Auf allfällige 

psychische Beeinträchtigungen des Lebens der Beschwerdeführerin wäre deswegen 

nicht weiter einzugehen.

2.8   Die Beschwerdeführerin bringt vor, da sie seit dem 12. Juni 2013 arbeitsunfähig 

sei und nicht abgesehen werden könne, wie lange diese Arbeitsunfähigkeit andauern 

werde, sei das Kriterium des hohen Grades und der Dauer der physischen 

Arbeitsunfähigkeit erfüllt. Die vorliegende Arbeitsunfähigkeit ist jedoch nur zu einem 

sehr kleinen Teil durch physische Beschwerden verursacht. Die Beschwerdeführerin 

war seit dem 12. Juni 2013 hauptsächlich wegen hier nicht zu berücksichtigender, 

psychischer Beschwerden nicht in der Lage zu arbeiten. Die körperlichen Verletzungen 

waren, wie bereits mehrfach erwähnt, nach kurzer Zeit vollständig abgeheilt und 

konnten eine Wiederaufnahme der Arbeit nicht behindern. Somit könnte auch nicht 

vom Vorliegen dieses Kriteriums ausgegangen werden.

2.9   Da keines der vorgebrachten Kriterien erfüllt wäre, müsste der adäquate 

Kausalzusammenhang für gesundheitliche Beeinträchtigungen ab dem 16. Januar 2014 

auch bei Annahme eines Überfalls verneint werden.

3.     

Nach dem Gesagten muss die Beschwerde abgewiesen werden. Gerichtskosten sind 

keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG; SR 830.1). Die Beschwerdeführerin hat bei 

diesem Verfahrensausgang keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.

Demgemäss hat das Versicherungsgericht

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

entschieden:

1.      Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.      Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

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		2025-07-19T09:08:04+0200
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