# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 19884f1b-b997-5111-90c4-165c71fa0327
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-11-22
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 22.11.2023 D-1534/2021
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-1534-2021_2023-11-22.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-1534/2021 
 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 2 .  N o v e m b e r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Contessina Theis (Vorsitz), 

Richter William Waeber, Richter Simon Thurnheer,    

Gerichtsschreiberin Sarah Ferreyra. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…),  

und ihre Kinder, 

B._______, geboren am (…), 

C._______, geboren am (…), 

D._______, geboren am (…), 

Syrien,   

alle vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt,  

Beschwerdeführende,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 1. März 2021. 

 

 

 

D-1534/2021 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin und ihre drei Kinder, Kurden aus E._______, ver-

liessen ihren Heimatstaat Syrien am 18. Februar 2019 Richtung Türkei und 

ersuchten mit Hilfe ihrer in der Schweiz lebenden Tante (N […]) am (…) 

2019 beim Schweizerischen Generalkonsulat in F._______ um humani-

täre Visa. Am (…) 2019 wurde die Beschwerdeführerin auf der Botschaft 

befragt. Am 25. Juni 2019 bewilligte das SEM der Beschwerdeführerin und 

ihren Kindern die Einreise in die Schweiz. 

B.  

Am 7. Juli 2019 reisten die Beschwerdeführenden auf dem Luftweg legal 

in die Schweiz ein und begaben sich zur Tante der Beschwerdeführerin. 

Am 11. Juli 2019 suchten sie in der Schweiz um Asyl nach. 

C.  

Am 17. Juli 2019 wurden die Personalien der Beschwerdeführerin und der 

beiden älteren Kinder im Bundesasylzentrum (…) erfasst. Am 5. August 

2019 fand die Erstbefragung nach Art. 26 Abs. 3 AsylG (SR 142.31) der 

Beschwerdeführerin und die Anhörung zu den Asylgründen nach Art. 29 

AsylG der beiden älteren Kinder statt. Am 23. August 2019 wurde die Be-

schwerdeführerin zu den Asylgründen einlässlich angehört. 

D.  

Mit Verfügung vom 29. August 2019 teilte das SEM das Asylgesuch der 

Beschwerdeführerin und ihrer drei Kinder ins erweiterte Verfahren ein. 

E.  

Am 9. Oktober 2019 fand eine ergänzende Anhörung der Beschwerdefüh-

rerin im erweiterten Verfahren statt. 

Zur Begründung ihres Asylgesuches führte die Beschwerdeführerin aus, 

sie habe ihre Arbeitsstelle bei der (…) aufgeben müssen, weil man von ihr 

verlangt habe, nach H._______ zur Arbeit zu kommen. Aufgrund der unsi-

cheren Lage beziehungsweise der Gefahren auf dem Arbeitsweg habe sie 

dies nicht tun wollen, worauf sie ihre Stelle am 1. Januar 2016 verloren 

habe. Sie habe deshalb in der Folge ihren Ehemann unterstützt, der ein 

grosses (…) besessen habe. Am 18. März 2018 sei E._______ (von durch 

die Türkei unterstützten Rebellen) eingenommen worden, worauf in der 

Stadt Chaos ausgebrochen sei. Die Miliz sei in ihre Strasse gekommen und 

habe alle Wohnungen durchsucht. Ein Milizionär habe von ihrem Mann das 

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Mobiltelefon verlangt und ihm mit einer Handgranate gedroht. Sie habe 

dies durch einen Türschlitz beobachten können, als sie sich mit den Kin-

dern im Keller versteckt habe. Einmal habe die Miliz alle elektronischen 

Geräte aus ihrem Haus entwendet. Am 28. März 2018 sei ihr Ehemann 

zusammen mit einem Nachbarn zu seinem Geschäft gegangen. Dabei sei 

er von der Miliz mitgenommen worden, wie ihr der Nachbar berichtetet 

habe. Diese hätten ausserdem den Laden geplündert. Zweieinhalb Monate 

später, ungefähr am 17. Juni 2018, sei er nach einer Lösegeldzahlung von 

2000 USD wieder freigekommen und nachhause zurückgekehrt. Er habe 

berichtet, dass er in Haft gefoltert worden sei. Ihr Ehemann habe keinerlei 

politische Verbindungen gehabt, aber die Miliz habe sich die Ländereien 

und das Eigentum der Familie aneignen wollen. Da sie wohlhabend gewe-

sen seien, habe man ihnen alles weggenommen. Während der Inhaftie-

rung ihres Ehemannes habe sie immer wieder Drohanrufe der syrisch-kur-

dischen Partei PYD (Partiya Yekitîya Demokrat; Demokratische Einheits-

partei) erhalten, die ihre Familie als Verräter bezeichnet habe, weil sie nach 

dem Abzug der kurdischen Kämpfer in E._______ geblieben seien. Sie hät-

ten aber nirgendwo hingehen können. Die türkische Regierung habe ihnen 

vorgeworfen, sie würden mit der PYD kooperieren, weil sie in E._______ 

geblieben seien und auch das syrische Regime habe ihr gekündigt, weil 

sie nicht mehr nach H._______ zur Arbeit gegangen sei und sie beschul-

digt habe, für die PYD zu sein. Die Lebensbedingungen in E._______ seien 

zunehmend schwieriger geworden, insbesondere die medizinische Versor-

gung. Sie habe sich dann mit einigen Freundinnen in E._______ und An-

wälten und anderen hochgebildeten Leuten zusammengetan, um im Aus-

land auf die Situation in E._______ aufmerksam zu machen. Sie hätten 

immer wieder Foto- und Videoaufnahmen von schwerwiegenden Ereignis-

sen in E._______, beispielsweise nach Anschlägen, gemacht. Alle Perso-

nen, die solche Aufnahmen gemacht hätten, hätten diese jeweils an eine 

Anwältin namens I._______ weitergeleitet. I._______ habe diese dann an 

die Organisation «(…)» in Deutschland weitergegeben. Ihr Ehemann sei 

nach seiner Freilassung zusammen mit seinem Bruder zum Verwalter ge-

gangen, um eine Anzeige einzureichen. Bei der Rückfahrt sei er angehal-

ten und bedroht worden. Man habe von ihm verlangt, dass er die Anzeige 

wieder zurückziehen solle. Würde dem nicht Folge geleistet, würde man 

dafür sorgen, dass sie oder die Kinder verschwinden würden. Weil es kom-

pliziert gewesen sei, eine Anzeige bei den türkischen Behörden wieder zu-

rückzuziehen, habe ihr Ehemann dies nicht getan. Am 10. Oktober 2018 

seien rund dreissig bewaffnete Milizionäre zu ihnen nachhause gekom-

men, in die Wohnung eingedrungen, hätten alles zerbrochen und sie und 

ihre Kinder angegriffen, geschlagen und beleidigt und ihnen mit dem Tod 

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gedroht. Ihr sei gesagt worden, dass sie (die Miliz) das Recht habe ihre 

minderjährige Tochter zu verheiraten, weil sie eine Kurdin sei. Ihr Ehemann 

sei mitgenommen worden. Die Kinder seien traumatisiert von diesem An-

griff auf ihr Haus. Beim Schulhaus, welches die Miliz zu einem Stützpunkt 

umfunktioniert habe, habe sie nach ihrem Ehemann gefragt. Man habe ihr 

erlaubt, kurz mit ihm zu sprechen. Er habe ihr gesagt, dass sie E._______ 

zusammen mit den Kindern verlassen solle. Seitdem wisse sie nichts über 

seinen Verbleib. Bezüglich des Grundes seiner Inhaftierung habe sie einzig 

von einem Übersetzer erfahren, dass den neuen Besatzern eine Namens-

liste in die Hände gefallen sei, auf denen alle für die kurdische Verwaltung 

tätigen Personen erfasst gewesen seien. Da ihr Ehemann in der Nachbar-

schaftswache tätig gewesen sei, sei er vermutlich auch auf dieser Liste ge-

wesen. Einen Tag später nachts hätten die bewaffneten Gruppen an ihre 

Türe geklopft. Sie habe gespürt, dass ihr Leben in Gefahr sei und habe es 

geahnt, dass diese Gruppen betreffend ihre Aktivitäten Informationen er-

halten hätten. Sie habe um ihr Leben und das ihrer Kinder wirklich Angst 

bekommen und nicht mehr dortbleiben wollen. In jenem Moment habe sie 

den Ernst der Lage begriffen und gewusst, wenn sie so weitermache, 

werde sie bestimmt getötet. Sie habe deshalb mit ihren kurdischen Nach-

barn gesprochen, um ihre Flucht zu organisieren. Sie habe versucht, beim 

Wali (ein von der Türkei eingesetzter Bürgermeister) ihre legale Ausreise 

bewilligen zu lassen, was dieser aber abgelehnt habe, obwohl sie einen 

Termin bei der Schweizer Vertretung in F._______ gehabt hätten. Deshalb 

hätten sie illegal ausreisen müssen. Am 18. Februar 2019 habe sie mit ih-

ren Kindern Syrien verlassen und sie seien von E._______ aus bei 

J._______ über die Grenze in die Türkei gereist. 

E.a B._______, der Sohn der Beschwerdeführerin, brachte seinerseits zur 

Asylbegründung vor, er habe nicht mehr zur Schule gehen können. Er sei 

von Söhnen und Angehörigen der syrischen Miliz und der freien syrischen 

Armee geschlagen und bedroht worden. Mitschüler hätten ihn als Ungläu-

bigen beschimpft und gehasst. Zuhause seien sie attackiert und sein Vater 

entführt worden. 

E.b C._______, die ältere Tochter der Beschwerdeführerin, brachte ihrer-

seits zur Asylbegründung vor, sie sei ausgereist, weil ihre Familie ausge-

reist sei. Ihr Vater sei entführt worden. Die Miliz habe ihnen alles wegge-

nommen. Sie habe nicht mehr zur Schule gehen können, da die Situation 

für die Kurdinnen sehr beängstigend gewesen sei. Sie hätten sie geschla-

gen und schlecht behandelt und sie gezwungen, den Nikab zu tragen. Zu-

dem seien Mädchen von der Schule entführt worden. 

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Seite 5 

E.c Die Beschwerdeführenden reichten ihre Reisepässe, die Identitäts-

karte der Beschwerdeführerin, das Familienbüchlein, mehrere Dokumente 

betreffend die Arbeitsstelle der Beschwerdeführerin auf der (…) und Schul-

zeugnisse der Kinder ein. 

F.  

Mit Verfügung vom 21. Oktober 2019 lehnte das SEM die Asylgesuche vom 

11. Juli 2019 ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz, schob deren 

Vollzug jedoch wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vorläufigen Auf-

nahme auf. 

G.  

Das Bundesverwaltungsgericht hiess die dagegen erhobene Beschwerde 

vom 20. November 2019 mit Urteil D-6135/2019 vom 14. Dezember 2020 

gut, hob die Verfügung vom 21. Oktober 2019 auf und wies die Angelegen-

heit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. 

Es stellte fest, dass dem SEM eindeutige Anhaltspunkte dafür vorgelegen 

seien, dass die Visumsakten der Beschwerdeführenden Hinweise und 

Rückschlüsse auf asylbedeutsame Umstände liefern könnten und hätte 

deswegen die Visumskaten beiziehen müssen. Die Akten hätten Schreiben 

enthalten, aus deren Hinweise auf eine geschlechterspezifische Verfol-

gung hervorgehen würden. Auch anlässlich der Befragung und der Anhö-

rung habe die Beschwerdeführerin diesbezügliche Andeutungen gemacht, 

sei jedoch weder bei der Erstbefragung noch bei der Anhörung zu den Asyl-

gründen oder bei der ergänzenden Anhörung in einem Frauenteam ange-

hört worden. Dadurch sei die aus Art. 17 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 6 der Asyl-

verordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) ergebende Ver-

fahrensvorschrift, wonach die asylsuchende Person von einer Person glei-

chen Geschlechts befragt werde, wenn konkrete Hinweise auf ge-

schlechtsspezifische Verfolgung vorlägen, verletzt worden. Es könne in Be-

zug auf die Beschwerdeführerin deshalb nicht davon ausgegangen wer-

den, dass der rechtserhebliche Sachverhalt richtig und vollständig erhoben 

worden sei. Die Beschwerdeführerin sei in einer Frauenrunde nochmals zu 

den Asylgründen anzuhören. 

H.  

Am 25. Januar 2021 hörte das SEM die Beschwerdeführerin und die ältere 

Tochter in einem Frauenteam ergänzend an.  

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Dabei führten sie ergänzend aus, dass die Miliz ungefähr drei Tage nach 

der ersten Mitnahme ihres Ehemannes beziehungsweise Vaters in ihre 

Wohnung eingedrungen sei. Da das Kopftuch der Beschwerdeführerin run-

tergerutscht sei und die Töchter ohne Kopftuch gewesen seien, seien sie 

von den Milizionären als Ungläubige bezeichnet worden. Man habe die Be-

schwerdeführerin an der Hand, den Haaren und der Schulter angefasst. 

Man habe ihr die Goldkette abgerissen und versucht, sie in ein Zimmer zu 

zerren. Sie habe sich gewehrt und die Kinder hätten geweint. Dann sei sie 

von einem Milizionär gestossen worden, dass sie zu Boden gefallen sei. 

Sie habe dann gesagt: «Nimm was auch immer ihr wollt, fass einfach mich 

und die Kinder nicht an». Die Kinder hätten geschrien. Als sie hingefallen 

sei, und ihre Tochter geschrien habe, habe einer von ihnen zu ihrer Tochter 

gesagt: «Du kommst auch noch dran» und sie am Oberarm gepackt. Die 

Milizionäre hätten ihre Kinder blau geschlagen. 

I.  

Mit Verfügung vom 1. März 2021 – eröffnet am 4. März 2021 – stellte das 

SEM fest, die Beschwerdeführenden würden die Flüchtlingseigenschaft 

nicht erfüllen, lehnte ihre Asylgesuche vom 11. Juli 2019 ab und verfügte 

die Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig stellte es fest, die am 

21. Oktober 2019 angeordnete vorläufige Aufnahme bestehe weiterhin bis 

zu deren Aufhebung oder Erlöschen. 

J.  

Mit Eingabe vom 6. April 2021 liessen die Beschwerdeführenden durch ih-

ren Rechtsvertreter gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsge-

richt Beschwerde erheben und beantragen, es sei die angefochtene Verfü-

gung des SEM vom 1. März 2021 aufzuheben und die Sache dem SEM 

zur vollständigen und richtigen Abklärung und Feststellung des rechtser-

heblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Eventu-

aliter sei die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführerin und ihrer Kin-

der festzustellen und ihnen Asyl zu gewähren. Eventualiter seien die Be-

schwerdeführerin und ihre Kinder als Flüchtlinge anzuerkennen. In verfah-

rensrechtlicher Hinsicht liessen sie zudem beantragen, es sei ihnen die un-

entgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kos-

tenvorschusses zu verzichten. 

Mit der Beschwerde reichten sie eine Fürsorgebestätigung vom 24. März 

2021 und ein ärztliches Zeugnis vom 24. August 2020 betreffend den Sohn 

ein. 

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Seite 7 

K.  

Mit Verfügung vom 16. April 2021 hiess die Instruktionsrichterin des Bun-

desverwaltungsgerichts das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses. Gleichzeitig gab sie dem SEM Gelegenheit, zur Beschwerde 

vom 6. April 2021 Stellung zu nehmen. 

L.  

Am 23. April 2021 reichten die Beschwerdeführenden eine ärztliche Bestä-

tigung der ambulanten psychiatrischen Behandlung der älteren Tochter ein. 

Diese Beweismittel wurden dem SEM zur Vernehmlassung nachgesendet. 

M.  

Am 27. April 2021 reichte das SEM eine Vernehmlassung ein, worin es zu 

den formellen Rügen Stellung nahm. 

N.  

Am 18. Mai 2021 reichten die Beschwerdeführenden eine Replik und eine 

ärztliche Bestätigung von Dr. K._______ aus H._______ betreffend den 

Ehemann beziehungsweise Vater ein.  

O.  

Mit Schreiben vom 17. November 2022 teilten die Beschwerdeführenden 

mit, dass ihr Ehemann beziehungsweise Vater in E._______ durch die Ter-

roristengruppe Jabhat al-Nusra verhaftet, gefoltert und am 16. Oktober 

2022 wieder freigelassen worden sei. Er sei in einem kritischen Zustand, 

habe Schmerzen und Angst. Seit dem 3. November 2022 hätten sie keine 

Neuigkeiten mehr von ihm. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG, Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).  

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Seite 8 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 108 

Abs. 2 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie 

Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. hierzu BVGE 

2014/26 E. 5).  

3.  

Die Beschwerdeführenden rügen in formeller Hinsicht, die Vorinstanz habe 

den Anspruch auf Akteneinsicht und rechtliches Gehör schwerwiegend ver-

letzt. Zudem habe sie den Sachverhalt nicht richtig respektive unvollstän-

dig festgestellt. Diese Rügen müssten grundsätzlich vorab geprüft werden. 

Angesichts dessen, dass die materielle Prüfung zu Gunsten der Beschwer-

deführenden ausfällt, kann die Prüfung dieser Rügen aber unterbleiben. 

4.  

4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

4.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-

haftmachen der Vorbringen gemäss Art. 7 AsylG in verschiedenen Ent-

scheiden dargelegt und präzisiert. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. 

BVGE 2015/3 E. 6.5.1; Urteil des BVGer D-5779/2013 vom 23. Februar 

2015 E. 5.6.1 [als Referenzurteil publiziert] m.w.H.). 

4.3 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-

chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile 

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Seite 9 

von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, welche ihr 

gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive durch Organe des Hei-

matstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind bezie-

hungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2). Auf-

grund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Aner-

kennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-

troffene Person in ihrem Heimatland keinen ausreichenden Schutz finden 

kann (vgl. BVGE 2011/51 E. 7, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2). Aus-

gangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage 

nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begrün-

deten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des Asylent-

scheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfol-

gungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation 

im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zuguns-

ten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen 

(vgl. BVGE 2008/4 E. 5.4, WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi 

Yar/Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.17 und 11.18). 

5.  

5.1 Das SEM begründet seinen negativen Asylentscheid einerseits damit, 

dass die Verfolgungsvorbringen der Beschwerdeführenden der Asylrele-

vanz entbehrten und andererseits, weil sie nicht glaubhaft seien. 

Im Einzelnen führte es aus, die mit Plünderungen verbundenen Haus-

durchsuchungen oder die Konfiszierung von Land durch die Verwaltung 

E._______, hätten die Bewohner E._______ gleichermassen betroffen. Sie 

hätten berichtet, dass die Miliz eine Strasse nach der anderen durchsucht 

habe. Bei einer dieser Hausdurchsuchungen sei es zu einem Vergewalti-

gungsversuch gekommen. Nach heftiger Gegenwehr habe die Miliz jedoch 

von der Beschwerdeführerin abgelassen. Weiter habe die Familie von Sei-

ten der PYD anonyme Anrufe erhalten und sie darin als Verräter bezeich-

net, weil sie mit der Familie E._______ nach Abzug der YPG (Yekîneyên 

Parastina Gel; Volksverteidigungseinheiten) nicht zusammen mit einem 

Grossteil der kurdischen Bevölkerung verlassen hätten. Auch ihre Nach-

barn, die nicht aus der Stadt geflüchtet seien, hätten solche Anrufe erhal-

ten. Diesbezüglich sei aber nichts weiter geschehen. Ausserdem seien ih-

rem Ehemann über Facebook Drohnachrichten geschickt worden. Die auf 

Beschwerdeebene eingereichten Auszüge eines Nachrichtenverlaufs wür-

den aber mehrheitlichen Kommentare allgemeiner Natur zur Situation in 

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Seite 10 

E._______ und keine expliziten Drohungen zeigen, so dass auch diesbe-

züglich nicht von einer konkreten Bedrohungssituation gesprochen werden 

könne. Die geschilderten Nachteile seien Ausdruck des syrischen Bürger-

kriegs und flüchtlingsrechtlich nicht relevant. Die Telefonanrufe und der ge-

schilderte körperliche Übergriff vermöchten keine flüchtlingsrechtlich rele-

vante Intensität zu entfalten. Obschon ihr aufgrund der Suche nach ihrem 

Ehemann verschiedene Unannehmlichkeiten erwachsen seien, könne in 

Bezug auf ihre eigene Person nicht von einer zielgerichteten persönlichen 

Verfolgung gesprochen werden. Das behördliche Interesse beschränke 

sich offensichtlich auf ihren Ehemann und sie selbst sei nie entsprechend 

belangt oder befragt worden. Zudem mache sie bezüglich der regelmässi-

gen Foto- und Videoaufnahmen von schwerwiegenden Ereignissen in 

E._______ geltend, sie könne Probleme deswegen bekommen. Als kon-

kreten Anhaltspunkt hierfür habe sie erwähnt, in der Nacht habe jemand 

versucht die Wohnungstür zu öffnen, was sie von den Nachbarn erfahren 

habe. Sie glaube, dass sie beobachtet werde. Konkrete und objektive An-

haltspunkte, dass dies mit ihrer dokumentarischen Tätigkeit in Verbindung 

stehen könne, gebe es keine. So habe sie berichtet, dass sie ohne Grund 

alle paar Tage vorbeikommen und an die Tür klopfen würden. Bei allen 

Bewohnern E._______ geschehe dies. Speziell bei denen sie einen Mann 

mitgenommen hätten, würden sie dies doppelt und dreifach prüfen. Ihre 

Ausführungen liessen den Schluss nicht zu, dass sie während des Aufent-

haltes in E._______ jemals einer konkreten Gefährdung, die über das 

Mass der allgemeinen Bedrohungslage in der Stadt E._______ hinausge-

hen würde, betroffen gewesen sei. Ihre Befürchtungen würden nur auf Ver-

mutungen basieren und es gebe objektiv gesehen keinerlei Anhaltspunkte 

dafür, dass sie bei einem weiteren Verbleib in E._______ in absehbarer 

Zukunft einer flüchtlingsrechtlich relevanten und gezielten Verfolgung aus-

gesetzt gewesen wäre. Die Konsultation der Akten ihrer in der Schweiz le-

benden Tante habe keine Hinweise auf eine politische Exponiertheit ihrer 

Verwandten respektive auf drohende Nachteile im Sinne einer Reflexver-

folgung ergeben. 

Aus einem Vergleich der Aussagen der Beschwerdeführerin und deren ih-

rer Kinder ergäben sich einige Ungereimtheiten. Bezüglich der letztmaligen 

Verhaftung ihres Ehemannes am 10. Oktober 2018 würde es Unstimmig-

keiten bezüglich der Anwesenheit ihres Sohnes geben und ob dabei etwas 

und wer mit wem oder nichts gesprochen worden sei (vgl. SEM-Akten […]-

23/6 [nachfolgend A23] F36, F41; A24 F30-F36; A28 F12, F76, F47, F81-

F86; A80 F36). Die Beschwerdeführerin habe diese widersprüchlichen 

Aussagen auf die grosse seelische Belastung ihres Sohnes zurückgeführt, 

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Seite 11 

wodurch er angefangen habe, «Wirrwarr» zu reden (vgl. SEM-Akte A28 

F94). Ihre Entgegnung mute angesichts des klaren Gesprächsverlaufs zwi-

schen dem SEM und dem Sohn unbeholfen an. Weitere Widersprüche 

gebe es bezüglich des Zustands der Beschwerdeführerin, dem Zeitpunkt, 

wann die goldene Kette der Beschwerdeführerin weggenommen worden 

sei und was nach der Verhaftung des Vaters geschehen sei (vgl. SEM-Ak-

ten A22 F90, F96-F102, F100-103, F112; A24 F40; A28 F113-F114). Auch 

bezüglich des Zeitpunktes, wann die Miliz eine sogenannte «Fatwah» aus-

gesprochen habe, wonach minderjährige Kurdinnen verheiratet werden 

dürften, würden sich die Tochter und die Beschwerdeführerin widerspre-

chen (vgl. SEM-Akten A22 F74; A28 F105; A79 F31). Es wäre zwar mög-

lich, dass ähnliche Äusserungen der Miliz mehrmals vorgekommen seien. 

Allerdings wäre dann nicht nachvollziehbar, warum die Tochter nie erwähnt 

habe, dass nach dem 10. Oktober 2018 nochmals eine Hausdurchsuchung 

stattgefunden, und explizit verneint habe, dass nach der Entführung ihres 

Vaters im 2018 noch irgendetwas Spezielles passiert sei (vgl. SEM-Akte 

A24 F40-F41). Auffallend sei zudem, dass ihre Tochter anlässlich der An-

hörung vom 5. August 2019 nicht erwähnt habe, sie sei von der Miliz ge-

schlagen worden, während die Beschwerdeführerin erklärte, die Miliz habe 

bei der Hausdurchsuchung im März 2018 die Kinder so heftig geschlagen, 

dass sie blaue Flecken davongetragen hätten (vgl. SEM-Akte A79 F42). 

Anlässlich der ergänzenden Anhörung vom 25. Januar 2021 habe die 

Tochter plötzlich ebenfalls davon gesprochen, dass sie und ihr Bruder 

«schrecklich geschlagen worden seien» (vgl. SEM-Akte A80 F31). Nicht 

nur falle diese späte Angleichung der Aussagen der Tochter an die Darle-

gungen der Beschwerdeführerin auf, auch sonst erstaune die plötzlich de-

ckungsgleiche Schilderung des Vorfalls vom März 2018, sogar praktisch im 

selben Wortlaut. Allerdings hätten sie beide unterschiedlich wiedergege-

ben, was die Milizen in dieser Situation mit ihnen gesprochen hätten (vgl. 

SEM-Akten A79 F42-F46; A80 F31). Auch erstaune, dass die Tochter plötz-

lich wortwörtlich ein Gespräch wiedergeben könne, welches die Beschwer-

deführerin draussen mit der Miliz geführt habe, nachdem sie diesen nach-

gelaufen sei, obschon ihre Tochter in der Wohnung geblieben sei (vgl. 

SEM-Akte A80 F30). Dies deute alles stark darauf hin, dass sie beide ihre 

Aussagen vor der ergänzenden Anhörung nochmals aufeinander abgegli-

chen hätten. Insgesamt ergäben sich zahlreiche Widersprüche, so dass 

davon auszugehen sei, dass sich die Ereignisse um die Verhaftung des 

Ehemannes beziehungsweise Vaters nicht so zugetragen hätten, wie von 

ihnen dargestellt. Auf die entsprechenden Vorbehalte hin habe die Be-

schwerdeführerin die Unterschiede auf die seelische Belastung der Kinder 

oder auf die Vermischung der Ereignisse zurückgeführt, was angesichts 

D-1534/2021 

Seite 12 

der doch gravierenden Ungereimtheiten nicht zu überzeugen vermöge. Die 

Widersprüche würden die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen 

und damit an der vorgebrachten Entführung des Ehemannes beziehungs-

weise Vaters durch die Miliz erhärten. Folglich ergäben sich keine glaub-

haften Anhaltspunkte, dass ihnen selbst und bedingt durch die vorge-

brachte Verhaftung des Ehemannes beziehungsweise Vaters künftige 

Nachteile erwachsen könnten. 

5.2 In der Beschwerde wird demgegenüber geltend gemacht, das SEM 

habe erst in der Vernehmlassung im ersten Beschwerdeverfahren die an-

gebliche Unglaubhaftigkeit der Vorbringen nachgeschoben. Ferner sei auf 

die Verschleppung des Verfahrens durch das SEM zu verweisen. Dies 

habe dazu geführt, dass die korrekt durchgeführten Anhörungen erst drei 

Jahre nach den die Flucht auslösenden Ereignissen stattgefunden hätten. 

Zudem stütze sich das SEM zur Behauptung der Unglaubhaftigkeit einer-

seits auf angebliche Widersprüche in den Aussagen der Beschwerdefüh-

rerin und ihrer Tochter und andererseits auf die Tatsache, dass beide über-

einstimmende Aussagen gemacht hätten. Die ältere Tochter sei im Zeit-

punkt der die Flucht auslösenden Ereignisse (…) Jahre alt gewesen. Es 

sei absurd, ihre Aussagen drei Jahre später als entscheidrelevant zu be-

zeichnen. Es sei offensichtlich, dass die Tochter, welche unter psychischen 

Problemen leide und in ambulanter psychotherapeutischer Behandlung 

stehe, und am 25. Januar 2021 von 9:30 Uhr bis um 15:30 Uhr auf die 

Anhörung gewartet habe, massivem psychischen Druck habe standhalten 

müssen, was sie anlässlich der Anhörung kundgetan habe (vgl. SEM-Akte 

A80 S. 2). Sie habe beispielsweise ausdrücklich angegeben, dass sie nicht 

wisse, wann ihr Vater zum zweiten Mal entführt worden sei (vgl. SEM-Akte 

A80 F28). Absurd sei, dass die Fragen des SEM anlässlich der Anhörung 

ab Seite 4 darauf ausgerichtet gewesen seien, möglichst detaillierte Schil-

derungen zu erlangen (vgl. SEM-Akte A80). Es sei willkürlich die angebli-

che Unglaubhaftigkeit der Vorbringen gestützt auf angebliche Widersprü-

che betreffend Details wie beispielsweise das Wegreissen der Kette zu be-

gründen. Zudem hätten ihnen im Rahmen des rechtlichen Gehörs die an-

geblichen Widersprüche vorgehalten werden müssen. Es sei offensichtlich, 

dass die Tochter in ihrer Erinnerung Details zur Festnahme ihres Vaters 

verwechselt beziehungsweise vermischt habe. Es sei offensichtlich, dass 

dies wichtige Realkennzeichen – nicht Unglaubhaftigkeitsmerkmale – dar-

stellen würden. Von einer im Zeitpunkt der Ereignisse (…) Jahre alten Ju-

gendlichen könne nicht erwartet werden, dass sie die traumatisierenden 

Erlebnisse detailliert auseinanderhalten könne, insbesondere nicht nach 

drei Jahren. Die Kinder waren sowohl im Zeitpunkt der traumatisierenden 

D-1534/2021 

Seite 13 

Ereignisse wie auch im Zeitpunkt der Anhörung noch sehr jung. Weiter hät-

ten sie den Besuch der bewaffneten Miliz bei sich zu Hause im Wesentli-

chen gleich geschildert. Die Verhaftungen hätten sich innert kürzester Zeit 

ereignet. Zudem sei auf die gesundheitlichen Probleme des Sohnes zu ver-

weisen (vgl. Arztzeugnis von Dr. L._______, (…)spital vom 24. August 

2020), woraus hervorgehe, dass er an einem Morbus Basedow, einer au-

toimmunvermittelten Überfunktion der Schilddrüse leide, die er zwingend 

behandeln lassen müsse. Die Nebenwirkungen der Behandlungen seien 

gross und er leide unter diesen Beschwerden. Es sei offensichtlich, dass 

die Ausführungen der Beschwerdeführerin zu seinem Gesundheitszustand 

zugetroffen hätten und bei der Würdigung der Aussagen hätten berücksich-

tigt werden müssen. Bezüglich des Kellers handle es sich nicht um einen 

Widerspruch. Die Beschwerdeführerin habe erwähnt, dass die Hälfte des 

entsprechenden Raums oberhalb und die andere Hälfte unterhalt der Erde 

gewesen sei (vgl. SEM-Akte A28 F117). Es sei frappant, dass das SEM die 

angebliche Unglaubhaftigkeit mit Mutmassungen begründet habe. Das 

Profil der Beschwerdeführerin sei aussergewöhnlich komplex und von der 

besonderen Situation in E._______ geprägt. Das SEM habe die gesamten 

Umstände nicht vollumfänglich gewürdigt und sich auf eine Zerstückelung 

der Vorbringen sowie auf das Weglassen eines wesentlichen Teils be-

schränkt. Die Beschwerdeführerin und ihr Mann hätten beide zu einfluss-

reichen und wohlhabenden Familien gehört, und hätten in E._______ aus-

geharrt, um ihr Eigentum zu schützen. Der Bruder des Ehemannes habe 

sich im Zusammenhang mit der Einsetzung eines Verwalters für E._______ 

durch die Türkei engagiert und sei bis heute verschollen. Die Beschwerde-

führerin und ihr Ehemann hätten sich auch gegen die Besatzer gewehrt. 

Der Ehemann sei gezielt verhaftet und massiv gefoltert und erst nach meh-

reren Monaten gegen Bezahlung freigelassen worden, weil ihm vorgewor-

fen worden sei, mit der Selbstverwaltung, der PYD gearbeitet zu haben. 

Zudem hätten die Besatzer hinterlassene Listen der PYD mit Namen ge-

funden. Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann seien von sämtlichen 

Seiten verfolgt worden. Das syrische Regime suche die Beschwerdeführe-

rin aufgrund des Nichtantretens und der Kündigung der Arbeitsstelle in 

H._______, weil sie die PYD unterstütze. Der Ehemann sei wegen dem 

Reservedienst von den syrischen Behörden gesucht worden. Die extremis-

tischen Milizen und die türkischen Einheiten hätten die Beschwerdeführerin 

und ihren Ehemann verdächtigt, mit der PYD zusammenzuarbeiten. Diese 

wiederum habe die Beschwerdeführerin und ihren Ehemann beschuldigt, 

mit der Türkei zusammenzuarbeiten. Die von allen Seiten bedrohte Be-

schwerdeführerin habe unter diesen Umständen nicht ausreisen können 

und sich noch mehr engagiert. Im Rahmen der zweiten Verhaftung des 

D-1534/2021 

Seite 14 

Ehemannes seien sie und ihre Kinder gezielt von den türkischen Besatzern 

bedroht und misshandelt worden. Die Beschwerdeführerin sei beim Be-

such ihres Ehemannes am Haftort erkennungsdienstlich erfasst (Ausweis, 

Fingerabdrücke) worden. Zudem habe sich ihr Ehemann beim türkischen 

Wali über die Miliz beschwert. Auf Facebook seien nach der Verhaftung 

zahlreiche feindliche Kommentare erschienen. Zudem werde auf die ein-

gereichten Fotos verwiesen. Der Beschwerdeführerin habe jeden Moment 

die gezielte Verhaftung, Misshandlungen beziehungsweise Entführung und 

das Verschwinden lassen oder die Hinrichtung gedroht. Sie seien deshalb 

im Zeitpunkt der Ausreise gezielt asylrelevant verfolgt worden. Weiter ar-

gumentiere das SEM mehrfach, dass die Verfolgung nicht asylrelevant sei, 

da andere Personen in E._______ unter vergleichbaren Problemen gelitten 

hätten. Die Asylrelevanz einer Verfolgung sei nicht abhängig davon, ob 

auch andere Personen gezielt individuell verfolgt worden seien. In 

E._______ seien nach dem Einmarsch der türkischen Armee und islamis-

tischen Extremisten sehr viele Personen sehr gezielt verfolgt worden. Die 

Beschwerdeführerin habe gezielte Drohungen gegen sie und die Kinder 

erwähnt. Sie und die Kinder seien geschlagen worden und den Kindern sei 

gesagt worden, es sei ihr Recht, die Kinder zu töten, da sie Ungläubige 

seien. Das SEM habe es unterlassen, zu prüfen, ob die Beschwerdeführe-

rin im heutigen Zeitpunkt der Ausreise in E._______ eine gezielte asylrele-

vante Verfolgung drohen würde. Die Beschwerdeführerin habe geschildert, 

dass die türkisch kontrollierten Extremisten und die entsprechenden Be-

hörden in E._______ über die Aktivitäten der Beschwerdeführerin infor-

miert seien ([…]). Aus der Bestätigung des (…) Zentrums gehe hervor, dass 

die Beschwerdeführerin im Jahr 2018 in E._______ als Aktivistin tätig ge-

wesen sei und die Zweigstelle mit wichtigem Dokumentationsmaterial be-

liefert habe. Das (…) Zentrum versuche ausdrücklich zu erreichen, dass 

die Beschwerdeführerin als (…) Syrien über ihre Erlebnisse berichte. Die 

von der Beschwerdeführerin erwähnte Anwältin der Organisation (…) sei 

in der Zwischenzeit gezielt mit dem Tod bedroht worden und habe ebenfalls 

aus E._______ flüchten müssen. Der zuständige Wali hab der Beschwer-

deführerin zudem die Ausreise verweigert, weshalb sie gezwungen gewe-

sen sei, illegal auszureisen. Damit habe sie gegen Ausreisebestimmungen 

verstossen. Zudem würden Berichte eindeutig bestätigen, dass die Hei-

matregion der Beschwerdeführenden von Islamisten kontrolliert werde und 

Plünderungen, Enteignungen und Vergewaltigungen an der Tagesordnung 

stünden. Bei einer Rückkehr der Beschwerdeführenden müsse von einem 

Verhör durch die Behörden ausgegangen werden. Das Profil der Be-

schwerdeführerin als politische Aktivistin und Ehefrau eines kurdischen Mi-

D-1534/2021 

Seite 15 

litärdienstpflichtigen verschärfe sich durch das Einreichen eines Asylge-

suchs in der Schweiz. Die Wahrscheinlichkeit, einem willkürlichen Verhör 

und asylrelevanten Massnahmen ausgesetzt und aufgrund des politischen 

Profils von den syrischen Sicherheitskräften gezielt asylrelevant verfolgt zu 

werden, sei ausgesprochen hoch. 

5.3 In der Replik wurde ergänzt, dass der Ehemann der Beschwerdeführe-

rin an schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen leide und am 27. Ja-

nuar 2021 von den türkischen Behörden in F._______ in die von Islamisten 

kontrollierte Provinz M._______ deportiert und der dortigen bewaffneten 

Miliz übergeben worden sei. Er sei zwar freigelassen worden, müsse sich 

aber jeden Moment zur Verhaftung beziehungsweise Untersuchung bereit-

halten.  

6.   

6.1 Das SEM bezweifelt in der angefochtenen Verfügung, die Ereignisse 

um die Verhaftung des Ehemannes beziehungsweise Vaters der Be-

schwerdeführenden und die Verhaftung als solche auch. 

Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Das SEM stützte sich hin-

sichtlich der als widersprüchlich beurteilten Aussagen zwischen den Be-

schwerdeführenden auf Anhörungsprotokolle, welche nicht in einem ge-

schlechterspezifischen Team erfolgt sind (vgl. A22, A24, A28), weshalb das 

Bundesverwaltungsgericht die Sache mit Urteil D-6135/2019 vom 14. De-

zember 2020 ans SEM zurückgewiesen hat. Der Sachverhalt wurde in die-

sen Protokollen nicht rechtmässig erstellt, weshalb sich das SEM darauf in 

der angefochtenen Verfügung nicht zum Nachteil der Beschwerdeführen-

den abstützen darf. Unbeachtet lässt das SEM auch, dass das Bundesver-

waltungsgericht im obengenannten Urteil festgehalten hat, dass die von 

Dr. med. N._______ im Arztbericht vom 18. Juli 2019 betreffend den Sohn 

(vgl. Akte A26) festgestellte Nervosität und Unruhe sowie eine allfällige Ent-

wicklungsverzögerung und eine leichte Verhaltensauffälligkeit hinsichtlich 

der Glaubhaftigkeitsprüfung der Vorbringen des Sohnes zu berücksichti-

gen seien. Der Beschwerdeführer leidet an einem Morbus Basedow, einer 

autoimmunvermittelten Überfunktion der Schilddrüse. Die Anhörung des 

damals minderjährigen Beschwerdeführers fiel rudimentär aus. Dennoch 

hat er ausgeführt: «Ausserdem kamen sie zu unserem Haus und attackier-

ten uns. Sie schlugen uns und nahmen unsere persönlichen Sachen mit. 

Sie nahmen meinen Vater auch mit» «Wer hat das gemacht?» «Die be-

waffneten Gruppen. Ich weiss bis jetzt nicht, wo sich mein Vater aufhält. 

D-1534/2021 

Seite 16 

[…]» (vgl. Akte A23 F32 f.). Damit stimmen seine Aussagen im Kernge-

schehen überein mit denjenigen seiner Mutter und älteren Schwester. Zu 

Jahreszahlen und Zeitpunkten war der Sohn nicht fähig, Angaben zu ma-

chen (vgl. Akte A23 F10, F17-F21). Zudem spricht der Sohn, als hätte es 

nur eine Entführung des Vaters gegeben, und es wurde bei ihm nicht ge-

nauer nachgefragt. Der Detaillierungsgrad der Fragen und Antworten ist 

viel zu schwach, um daraus wesentliche Widersprüche abzuleiten. Bezüg-

lich der Unstimmigkeiten der Tochter wurde in der Beschwerde zu Recht 

darauf hingewiesen, dass die Tochter im Zeitpunkt der ersten Anhörung, 

welche Divergenzen zu den Aussagen der Mutter aufweisen soll, 

(…) Jahre und bei den Geschehnissen in E._______ (…) Jahre alt gewe-

sen ist. Vor dem Hintergrund, dass mit Kindern, welche das 14. Altersjahr 

noch nicht erreicht haben, in der Regel keine Anhörungen durchgeführt 

werden, ist es nicht angebracht, die Aussagen der damals (…)-jährigen 

Beschwerdeführerin, welche zudem noch nachweislich psychische Prob-

leme hat, bis ins kleinste Detail auf Abweichungen zu überprüfen, wie es 

das SEM hinsichtlich des Zeitpunktes des Wegreissens der Kette oder der 

Ausrufung der Fatwah getan hat. Im Kern stimmen die Aussagen der Mut-

ter und ihrer beiden älteren Kinder nämlich überein. Die Vorbringen der 

Beschwerdeführenden, dass die Miliz aufgrund ihrer kurdischen Ethnie den 

Vater entführte, bei ihnen zuhause vorbeigekommen ist, geplündert, den 

Vater mitgenommen und sie attackiert hat, nennen alle. Ferner berücksich-

tigte das SEM viel zu wenig, dass es aufgrund der mehrmaligen Besuche 

der Miliz schwierig ist, im Nachhinein, das heisst Jahre später, die einzel-

nen Geschehnisse dem jeweiligen Besuch zuzuordnen. Folglich führt dies 

dazu, dass ein Ereignis einem früheren oder späteren Besuch zugeordnet 

wird. Zudem wurde vom Rechtsvertreter zu Recht gerügt, dass den Kin-

dern zu den angeblichen Divergenzen der Aussagen zu deren der Mutter 

das rechtliche Gehör nicht gewährt worden ist. Wie bereits ausgeführt (vgl. 

E. 4), erübrigt sich jedoch eine weitere Rückweisung der Sache an die Vo-

rinstanz. Insgesamt haben die Beschwerdeführerin und auch die Tochter 

in durchgehend detaillierter und lebensnaher Weise dargelegt, wie sie wäh-

rend der türkischen Operation Olivenzweig im Frühjahr 2018 in E._______ 

ausgeharrt haben, als türkische Truppen und mit ihnen verbündete bewaff-

nete syrische Gruppen und kriminellen Banden in die Stadt einfielen, wel-

che die kurdischen Truppen aufgegeben haben, als es zu den Verbrechen 

gegen die Zivilbevölkerung gekommen ist. Die Schilderungen sind gespickt 

mit Realkennzeichen und stimmen mit den in verschiedensten Berichten 

beschriebenen Situation überein. Die Vorbringen sind als glaubhaft zu er-

achten. 

D-1534/2021 

Seite 17 

6.2 Das SEM geht sodann in der Verfügung davon aus, dass der Verfol-

gung durch die Besatzer die nötige Gezieltheit und Intensität fehlt, um asyl-

rechtlich relevant zu sein. Auch dieser Einschätzung kann nicht gefolgt wer-

den. 

6.2.1 Aus verschiedensten Berichten geht hervor, dass die türkischen Be-

satzer und die Miliz in Afrin systematisch gegen Kurden vorgegangen 

seien, und diese terrorisiert hätten, um sie zu vertreiben und arabische 

Flüchtlinge anzusiedeln. In einigen Berichten wird auch erwähnt, dass es 

bei der Operation Olivenzeig um eine ethnische Säuberung in Afrin gegan-

gen sei. Der österreichische Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger 

schrieb: "Ziel der Türkei ist es dabei nicht nur Afrin zu erobern und die 

YPG/YPJ zu vertreiben, sondern die gesamte Region ethnisch zu säu-

bern." […] "Ziel der Türkei ist es nicht nur Afrin zu erobern, sondern die 

kurdische Bevölkerung […] zu vertreiben oder diese zu töten, die kurdische 

Kultur und Sprache in dieser Region auszulöschen und stattdessen pro-

türkische arabische und turkmenische Siedler anzusiedeln." (vgl. Schmi-

dinger Thomas, Kampf um den Berg der Kurden: Geschichte und Gegen-

wart der Region Afrin, 2018, S. 11; auch: Van Wilgenburg, Wladimir et Aus-

tin Holmes, Amy / The Washington Post, The international community must 

stop Turkey’s ethnic cleansing plans in northern Syria, 11.10.2019, 

«https://www.washingtonpost.com/opinions/2019/10/11/international-com-

munity-must-stop-turkeys-ethnic-cleansing-plans-northern-syria/» abgeru-

fen am 21.08.2023; Al-Monitor [Washington], Turkey faces growing Kurdish 

insurgency in Syria's Afrin, 04.03.2019, «https://www.al-moni-

tor.com/pulse/originals/2019/03/Afrin-human-rights-turkey-fsa-war-cri-

mes.html» abgerufen am 21.08.2023; Schweizer Radio und Fernsehen 

[SRF], 19.03.2018, Kurden-Vertreibung in Afrin – «Die Freude an der De-

mütigung ist gross», abgerufen am 21.08.2023). Dass bei den Plünderun-

gen und Konfiszierung von Land alle Bewohner E._______ gleichermas-

sen betroffen gewesen seien, wie das SEM in der Verfügung ausführte, 

stimmt so nicht. Aus verschiedenen Berichten geht eindeutig hervor, dass 

insbesondere die kurdische Bevölkerung darunter litt. Auch die Opfer von 

Entführungen sind meistens kurdischer Ethnie oder auch wohlhabende, 

einflussreiche Zivilisten, wie Ärzte, Geschäftsmänner und Händler (vgl. Al-

Monitor a.a.O.; UN Human Rights Council [UNHRC], Report of the Inde-

pendent International Commission of Inquiry on the Syrian Arab Republic 

[A/HRC/42/51], 15.08.2019, Ziff. 66 «https://undocs.org/A/HRC/42/51» ab-

gerufen am 21.08.2023; UNHRC, Report of the Independent International 

Commission of Inquiry on the Syrian Arab Republic [A/HRC/40/70], 

D-1534/2021 

Seite 18 

31.01.2019, Ziff. 66 «https://www.ohchr.org/Documents/HRBo-

dies/HRCouncil/CoISyria/A_HRC_40_70.pdf» abgerufen am 21.08.2023; 

UN Büro des Menschrechtskommissars, Pressebericht vom 11.09.2019, 

Escalating violence and waves of displacement continue to torment civili-

ans during eighth year of Syrian conflict, abgerufen am 21.08.2023). Es 

kann jedoch vorliegend offengelassen werden, ob vor dem dargelegten 

Hintergrund die kurdische Bevölkerung E._______ im Zusammenhang mit 

der Operation Olivenzweig einer Kollektivverfolgung ausgesetzt war.  

6.2.2 Die Beschwerdeführenden sind abgesehen von ihrer kurdischen Eth-

nie auch aus anderen Motiven ins Visier der Besatzer gefallen. Es handelt 

sich bei ihnen um eine wohlhabende einflussreiche Familie, die über Ge-

schäfte und Land mit Olivenbäumen besass, wodurch sie einerseits das 

Augenmerk der Besatzer auf sich zog. Zudem ist der Bruder des Ehe-

manns wegen seines Engagements, als es um die Einsetzung eines türki-

schen Walis ging, verschollen. Aus Berichten geht hervor, dass einerseits 

finanzielle Motive aber auch politische Motive für Verhaftungen und Entfüh-

rungen in E._______ verantwortlich sind. Vermehrt würden Personen – ins-

besondere Kurden – verfolgt, welche Kritik an der Präsenz der türkischen 

Streitkräfte oder ihrer Verbündeten äussern (vgl. Amnesty International, 

Syria: Turkey must stop serious violations by allied groups and its own 

forces in Afrin, 02.08.2018, «https://www.amnesty.org/en/la-

test/news/2018/08/syria-turkey-must-stop-serious-violations-by-allied-

groups-and-its-own-forces-in-Afrin/» abgerufen am 21.08.2023; Voice of 

America [VOA], Rights Groups: Abuses on the Rise in Syria’s Afrin, 

01.06.2019, «Rights Groups: Abuses on the Rise in Syria’s Afrin [vo-

anews.com]» abgerufen am 21.08.2023). Der Beschwerdeführer zeigte 

seine Anzeiger beim Wali an und ihm wurde vorgeworfen, die PYD unter-

stützt zu haben. Zudem engagierte sich die Beschwerdeführerin beim 

Sammeln von Beweisen für Kriegsverletzungen für die Organisation (…). 

Es trifft zwar zu, dass die Beschwerdeführerin ausführte, dass die Miliz 

Strasse für Strasse durchkämmte und plünderte, aber bei ihnen wurde zu-

sätzlich der Ehemann beziehungsweise Vater entführt und gefoltert, weil 

ihm vorgeworfen wurde, dass er mit der PYD zusammengearbeitet habe. 

Weil er sich dagegen mit einer Anzeige wehrte, wurde die Familie erneut 

von Milizen aufgesucht und er mitgenommen. Die Beschwerdeführerin 

wurde zwar selbst nicht mitgenommen, führte aber aus, dass sie danach 

als alleinstehende Frau mit Kindern insbesondere von der Miliz weiter auf-

gesucht worden sei (vgl. SEM-Akte A28 F112). Die Beschwerdeführerin 

musste Fingerabdrücke und ihre Identitätskarte beim Besuch ihres Ehe-

mannes im Gefängnis hinterlegen, wodurch sie den Besatzern bekannt 

D-1534/2021 

Seite 19 

war. Die Beschwerdeführenden erlitten deshalb aufgrund ihrer kurdischen 

Ethnie und des damit zusammenhängenden Vorwurfs, sie hätten mit der 

PYD zu tun gehabt, und weil sie sich gegen die Besatzer wehrten, sowie 

ihrem Einfluss und Vermögen in E._______ gezielt ernsthafte Nachteile 

durch die Miliz.  

6.2.3 Hinsichtlich der Intensität der Besuche wurden die Beschwerdefüh-

renden geschlagen und bedroht. Einerseits wurde gedroht, den Sohn und 

die ältere Tochter mitzunehmen, andererseits, dass die ältere Tochter auch 

als Minderjährige zwangsverheiratet werden könne. Gegen die Beschwer-

deführerin wurde ein Vergewaltigungsversuch unternommen, wobei die 

Besatzer auch vorbrachten, dass die ältere Tochter auch noch «dran-

komme». Anlässlich der Anhörung in der Frauenrunde erzählte sie auch, 

dass Hand an sie und die Tochter gelegt und sie selber zu Boden geworfen 

worden sei und sie sie in ein Zimmer hätten verschleppen wollen. Sie 

machte zwar keine Vergewaltigung geltend, sondern nur eine versuchte 

Vergewaltigung. Aus den Akten und insbesondere aus Antwort 46 der An-

hörung in einer Frauenrunde geht jedoch hervor, dass es zu Übergriffen 

gekommen ist und auch gedroht worden ist, ihrer Tochter dasselbe anzutun 

(vgl. SEM-Akte A79 F46). Es handelte sich um ein Ereignis, welches der 

Beschwerdeführerin und auch der älteren Tochter, welche an psychischen 

Problemen leidet, stark zugesetzt hat. Die Miliz terrorisierte die Beschwer-

deführenden. Aufgrund des mehrmaligen Aufkreuzens der Miliz und den 

ausgesprochenen Drohungen weisen diese Vorbringen durchaus die nö-

tige Intensität auf.  

6.2.4 Auch wenn die Beschwerdeführerin nicht vergewaltigt und die beiden 

älteren Kinder bis zur Ausreise nicht mitgenommen worden sind, mussten 

sie jederzeit damit rechnen, dass dies beim nächsten Besuch der Miliz ge-

schehen könnte. Der Ehemann beziehungsweise Vater war immer noch 

inhaftiert, weshalb auch keine Anzeichen bestanden, dass der Druck auf 

die Beschwerdeführenden nachlassen würde. Die Beschwerdeführerin und 

die beiden älteren Kinder hatten deshalb im Ausreisezeitpunkt auch eine 

objektiv begründete Furcht vor weiteren ernsthaften Nachteilen. Aus dem 

Bericht des UN-Human Rights Council (vgl. UNHRC, [A/HRC/45/31], vom 

14.08.2020, S. 13) geht hervor, dass insbesondere die Situation der kurdi-

schen Frauen prekär sei, welche durch Brigaden der Syrian National Army 

(SNA) einer ständigen Angst ausgesetzt seien, welche sie dazu veran-

lasse, ihre Häuser nicht zu verlassen. Frauen und Mädchen seien verhaf-

tet, vergewaltigt und sexuell misshandelt worden. Ein ehemaliger Richter 

in Afrin habe bestätigt, dass Mitglieder der SNA mit Vergewaltigung und 

D-1534/2021 

Seite 20 

sexueller Gewalt während Hausdurchsuchungen belastet, aber nicht ver-

urteilt und nach wenigen Tagen wieder entlassen worden seien. Berichtet 

werde auch von Zwangsheirat und Entführungen von kurdischen Frauen in 

E._______. Angesichts dessen, dass E._______ immer noch unter der 

Kontrolle der türkischen Besatzer ist, müssten die Beschwerdeführenden 

auch im heutigen Zeitpunkt mit asylrelevanten Nachteilen rechnen 

(Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], Syrien: Lage der Kurd*innen in Af-

rin, 19. Oktober 2022).  

6.2.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführenden 

in E._______ aufgrund einer Kombination von frauenspezifischen Grün-

den, ihrem familiären Profil, ihrem politischen Engagement und der kurdi-

schen Ethnie einer asylrelevanten Verfolgung durch die türkischen Besat-

zer und Milizionäre ausgesetzt waren und auch heute mit asylrelevanten 

Nachteilen rechnen müssten. Eine zumutbare innerstaatliche Schutzalter-

native kann angesichts der derzeitigen Lage in Syrien ausgeschlossen 

werden (vgl. Urteil des BVGer D-5779/2013 E. 5.9 [als Referenzurteil pu-

bliziert]). 

7.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die von den Beschwerdeführen-

den glaubhaft gemachte Verfolgung asylrechtlich erheblich ist. Die Be-

schwerdeführerin und die beiden älteren Kinder erfüllen die Flüchtlingsei-

genschaft im Sinne von Art. 3 AsylG. Da den Akten überdies keine Anhalts-

punkte für eine Asylunwürdigkeit im Sinne von Art. 53 AsylG zu entnehmen 

sind, ist ihnen in der Schweiz Asyl zu gewähren. Da sich aus den Akten 

keine besonderen Umstände ergeben, die einer Anwendung von Art. 51 

Abs. 1 AsylG entgegenstehen, ist folglich das jüngste Kind der Beschwer-

deführerin gestützt auf Art. 51 Abs. 1 AsylG die Flüchtlingseigenschaft zu-

zuerkennen und ihm ebenfalls Asyl zu gewähren. 

8.  

Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die angefochtene Verfügung 

vom 1. März 2021 aufzuheben. Das SEM ist anzuweisen, den Beschwer-

deführenden Asyl zu gewähren.  

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 

 

D-1534/2021 

Seite 21 

10.  

Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts des Obsiegens in 

Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die 

ihnen erwachsenen notwendigen Kosten zuzusprechen. Der Rechtsvertre-

ter hat keine Kostennote eingereicht, weshalb die notwendigen Parteikos-

ten aufgrund der Akten zu bestimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). 

Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 

VGKE) ist die Parteientschädigung aufgrund der Akten auf Fr. 2600.– (inkl. 

Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag i.S.v. Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) 

festzusetzen. Dieser Betrag ist den Beschwerdeführenden durch das SEM 

zu entrichten. 

 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

D-1534/2021 

Seite 22 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung vom 1. März 2021 wird aufgehoben und das SEM angewie-

sen, den Beschwerdeführenden im Sinne der Erwägungen Asyl zu gewäh-

ren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden eine Parteient-

schädigung von Fr. 2600.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die zustän-

dige kantonale Behörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Contessina Theis Sarah Ferreyra 

 

 

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