# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 97b7ea5f-9be9-5477-a1d5-bb7617e96237
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2013-04-11
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 11.04.2013 S 2012 26
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2012-26_2013-04-11.pdf

## Full Text

S 12 26

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 30. Oktober 2012 / 11. April 2013

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend IV-Rente

1. … (1965) war als Schichtarbeiter bei der Firma … AG in … angestellt und bei 

der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch 

versichert. Am 22. Dezember 2000 reinigte … eine Maschine und schlug beim 

Aufrichten den Kopf an einer Eisenplatte an, was zu einer Rissquetschwunde 

führte. Anamnetisch war unklar, ob posttraumatisch eine Bewusstlosigkeit 

bestanden hatte. Ebenfalls unklar war, ob Schwindelbeschwerden nach dem 

Unfall vorhanden waren. … war in der Folge während einigen Tagen 

arbeitsunfähig, bevor ab dem 1. Januar 2001 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit 

bestand. Nachdem im September 2004 bei … plötzlich Schwindelbeschwerden 

mit Falltendenz nach rechts aufgetreten waren, erfolgte eine Rückfallmeldung 

an die SUVA. Die veranlassten medizinischen Abklärungen ergaben keine 

Hinweise auf eine unfallbedingte otoneurologische Pathologie. Stattdessen 

wurde die Diagnose einer Depression mit chronischen rechtsseitigen 

Kopfschmerzen und einem phobischen Schwankschwindel gestellt. Daraufhin 

stellte die SUVA mit Verfügung vom 15. März 2005 die Versicherungsleistungen 

per 31. März 2005 ein. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass bei … keine 

behandlungsbedürftigen Unfallfolgen mehr vorliegen würden. Die noch 

geklagten Beschwerden seien organisch als Folgen des erlittenen Unfalls nicht 

mehr erklärbar. Verantwortlich dafür seien psychische Gründe, welche zum 

Unfall nicht in einem rechtserheblichen Zusammenhang stünden. Mit 

rechtskräftigem Urteil vom 13. Januar 2006 bestätigte das Verwaltungsgericht 

des Kantons Graubünden die Einstellung der Versicherungsleistungen auf den 

31. März 2005 (Urteil des Verwaltungsgerichts vom 13. Januar 2006 S 05 124).

2. In der Zwischenzeit, am 11. März 2005, meldete sich … bei der IV-Stelle des 

Kantons Graubünden (IV-Stelle) zum Bezug von IV-Leistungen wegen 

Schwindel und Kopfschmerzen an. Mit Verfügung vom 11. Juli 2007 verneinte 

die IV-Stelle den Anspruch von … auf IV-Leistungen, da er in einer adaptierten 

Tätigkeit seit jeher als zu 100 % arbeitsfähig gegolten habe. Vom 23. 

September 2004 bis 19. Juni 2005 sei ihm vom Hausarzt eine 

gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit attestiert worden. Somit sei erstellt, 

dass er kein Jahr und länger ununterbrochen zu mindestens 40 % 

arbeitsunfähig gewesen sei, weshalb die Anspruchsvoraussetzungen für IV-

Leistungen (berufliche Massnahmen und Rentenleistungen) nicht erfüllt seien.

3. a) Am 15. Oktober 2008 ereignete sich erneut ein Unfall, als … – mittlerweile bei 

der … AG als Monteur angestellt und obligatorisch bei der Schweizerischen 

Unfallversicherungsanstalt (SUVA) versichert – zu Hause beim 

Treppenhochsteigen auf der untersten Stufe stolperte, nach vorne stürzte und 

mit der linken Kopfseite an einer Treppenstufe anschlug. Anlässlich der 

Erstbehandlung vom 16. Oktober 2008 diagnostizierte Dr. med. … ein 

Schädeltrauma mit Jochbogenfraktur links, chronische Schwindelbeschwerden 

(wahrscheinlich posttraumatischer Genese mit initialem Lagerungsschwindel, 

später phobischem Schwindel, Besserung unter Betaserc) und ein chronisches 

lumbovertebrales und cervicovertebrales Schmerzsyndrom bei leichter 

Spondylose. Daraufhin war … bis zum 26. Oktober 2008 vollständig 

arbeitsunfähig; am 27. Oktober 2008 nahm er die Arbeit teilweise (50 %) wieder 

auf. Später bestand ab dem 8. Mai 2009 wiederum eine volle 

Arbeitsunfähigkeit, bevor … ab dem 8. Februar 2010 die Arbeit wieder teilweise 

(50 %) aufnahm.

b) Mit Verfügung vom 15. März 2010 stellte die SUVA die Versicherungsleistungen 

auf den 31. März 2010 ein, da die noch geklagten Beschwerden organisch nicht 

hinreichend nachweisbar seien und eine Adäquanz zwischen dem 

Unfallereignis vom 15. Oktober 2008 und den Beschwerden zu verneinen sei. 

Es bestehe daher kein Anspruch auf eine IV-Rente oder eine 

Integritätsentschädigung. Mit rechtskräftigem Urteil vom 31. Januar 2011 

bestätigte das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden die Einstellung der 

Versicherungsleistungen auf den 31. März 2010 (Urteil des Verwaltungsgerichts 

vom 31. Januar 2011 S 10 142).

4. Am 7. Mai 2009 meldete sich … erneut bei der IV-Stelle zum Bezug von IV-

Leistungen an. Mit Gutachten vom 4. April 2011 (IV-act. 96) stellte das ärztliche 

Begutachtungsinstitut Basel (ABI) aufgrund einer Untersuchung vom 4. Januar 

2011 aus psychiatrischer (Dr. med. …) und neurologischer (Dr. med. …) Sicht 

bei … für körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere, adaptierte 

Tätigkeiten, was auch für die angestammten Arbeiten zutreffe, eine 80%ige 

Arbeits- und Leistungsfähigkeit, vollschichtig realisierbar, fest. Aus 

psychiatrischer Sicht bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 

20 %, was durch die leichte depressive Episode mit Symptomen einer 

posttraumatischen Belastungsstörung bedingt sei. Weiter liegt den Akten ein 

Case Report des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 6. Januar 2012 

bei (IV-act. 117). Mit Vorbescheid vom 29. Juni 2011 wurde … mitgeteilt, dass 

er keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen habe. Ebenso hielt ein 

Vorbescheid vom 1. Juli 2011 fest, dass er keinen Anspruch auf eine 

Invalidenrente habe. Der Vorbescheid vom 29. Juni 2011 betreffend die 

beruflichen Massnahmen wurde mit Verfügung vom 6. Januar 2012 bestätigt.

5. Mit Verfügung vom 5. Januar 2012 wurde auch am Vorbescheid betreffend den 

Anspruch auf eine Invalidenrente festgehalten. Die IV-Stelle hielt darin fest, 

dass die Gutachter des ABI in ihrem Bericht vom 4. April 2011 festgehalten 

hätten, dass die Arbeitsfähigkeit von … ab 4. Januar 2011 infolge psychischer 

Beschwerden um 20 % eingeschränkt sei. Dr. med. …, Facharzt für Psychiatrie 

und Psychotherapie, habe am 8. Februar 2010 (IV-act. 75) zwar eine 50%ige 

Arbeitsunfähigkeit attestiert, worauf jedoch nicht abgestellt werden könne, da er 

diese Einschätzung aufgrund der subjektiven Angaben von … übernommen 

habe; zudem bestünden nicht-medizinische Hintergründe, die verhinderten, den 

Arbeitsumfang zu steigern. Somit sei auf das Gutachten des ABI vom 4. April 

2011 abzustellen und es stehe fest, dass seit Januar 2011 aus medizinischer 

Sicht eine Einschränkung von 20 % vorliege, weshalb die Voraussetzungen zur 

Ausrichtung einer Invalidenrente nicht erfüllt seien. Auch die von … 

vorgebrachte Verschlechterung des physischen und psychischen 

Gesundheitszustandes seit Ende Januar 2011 sei auszuschliessen. Bezüglich 

der pauschal geltend gemachten physischen Verschlechterung habe … keine 

Belege eingereicht, weshalb nicht ersichtlich sei, inwiefern diesbezüglich nicht 

mehr auf das ABI-Gutachten vom 4. April 2011 abgestellt werden könne. Dies 

gelte umso mehr, als der Hausarzt Dr. med. … den Beschwerdeführer bereits 

vor der Untersuchung im ABI als andauernd zu 50 % arbeitsunfähig erachtete 

(vgl. den Arztbericht von Dr. med. … vom 29. Juni 2010 [IV-act. 83]), mithin also 

den gleichen Sachverhalt offensichtlich anders beurteile. Bezüglich der geltend 

gemachten psychischen Verschlechterung sei festzustellen, dass im äusserst 

kurzen Schreiben der Psychiatrischen Klinik … vom 20. September 2011 keine 

objektive Verschlechterung des Gesundheitszustandes von … festgehalten 

werde (vgl. den ärztlichen Bericht von Dr. med. …, Oberärztin der Klinik …, und 

Assistenzärztin … vom 20. September 2011 [IV-act. 113-5/6]). In diesem 

Schreiben würden keine Anamnese und keine Untersuchungsbefunde 

festgehalten und es sei offensichtlich, dass die Klinik … keine Kenntnis der 

Akten gehabt habe. Dem Schreiben liessen sich einzig die (Verdachts-) 

Diagnosen entnehmen, welche sich praktisch mit den Erkenntnissen des ABI 

anlässlich der Untersuchung Anfangs Januar 2011 deckten. Bereits zum 

Zeitpunkt der Untersuchung im ABI sei eine depressive Symptomatik mit 

Schlafstörungen festgehalten worden. Weitere medizinische Untersuchungen 

seien somit nicht angezeigt, da von ihnen keine neuen Erkenntnisse erwartet 

werden könnten.

6. Mit Beschwerde vom 7. Februar 2012 beantragte der Beschwerdeführer beim 

Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden, die Verfügung vom 5. Januar 

2012 sei aufzuheben und es sei ihm ab dem 15. Oktober 2009 mindestens eine 

halbe Rente auszurichten. Eventualiter seien mindestens ein orthopädisch-

chirurgisches Gutachten sowie ein psychiatrisches Obergutachten einzuholen. 

Der Beschwerdeführer beantragte überdies die unentgeltliche Prozessführung 

und Rechtsverbeiständung. In der Beschwerde wurde festgehalten, es stelle 

sich primär die Frage, ob die Ausführungen in den Teilgutachten der Dres. med. 

… und … (vgl. das Gutachten des ABI vom 4. April 2011) zur rückwirkenden, 

aktuellen und zukünftigen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers als schlüssig 

und nachvollziehbar zu taxieren seien sowie die darin gezogenen 

Schlussfolgerungen als begründet betrachtet werden könnten. Auf das 

neurologische Teilgutachten von Dr. med. … könne nicht abgestellt werden, da 

dieser entgegen anderer relevanter ärztlicher Berichte von einer 100%igen 

Arbeitsfähigkeit ausgehe. Überdies sei Dr. med. … ein Neurologe, wohingegen 

es sinnvoller gewesen wäre, den Beschwerdeführer durch einen 

orthopädischen Chirurgen für die Beurteilung der vorliegenden somatischen 

Beschwerden untersuchen zu lassen. Deshalb sei es unabdingbar, dass ein 

orthopädisch-chirurgisches Gutachten eingeholt werde. Es könne zudem nicht 

ausgeschlossen werden, dass die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers 

vor der Untersuchung vom 4. Januar 2011 durch das ABI mehr als 40 % 

betragen habe. Die IV-Stelle hätte mindestens abklären müssen, in welchem 

Umfang und für welchen Zeitraum eine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer 

Sicht seit dem Unfall vom 15. Oktober 2008 bestanden habe. Aus den SUVA-

Akten betreffend das Ereignis vom 15. Oktober 2008 gehe klar hervor, dass der 

Beschwerdeführer bereits damals an psychischen Problemen gelitten habe, 

welche jedoch nicht als unfallbedingt taxiert worden seien. Die IV-Stelle hätte 

folglich bezüglich der rückwirkenden psychiatrischen und somatischen 

Arbeitsunfähigkeit unbedingt noch weitere Abklärungen machen müssen. Erst 

aufgrund dessen hätte beurteilt werden können, in welchem Ausmass der 

Beschwerdeführer mindestens seit 15. Oktober 2008 arbeitsunfähig gewesen 

sei. Somit müsse für die Festlegung der Arbeitsunfähigkeit in der 

angestammten und in einer leidensangepassten Tätigkeit mindestens für die 

Zeit vom 15. Oktober 2008 bis zum 3. Januar 2011 ein orthopädisch-

chirurgisches sowie ein ergänzendes psychiatrisches Gutachten eingeholt 

werden. Seit der Begutachtung durch das ABI vom 4. Januar 2011 habe sich 

nicht nur der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers wesentlich 

verschlechtert, sondern auch die Arbeitsunfähigkeit zugenommen. Deshalb sei 

auf den ärztlichen Bericht von Dr. med. … und Assistenzärztin … vom 

26. Januar 2012 (IV-act. 121) abzustellen – wonach der Beschwerdeführer aus 

psychiatrischer Sicht zu mindestens 50 % arbeitsunfähig sei – oder ein 

psychiatrisches Obergutachten oder zumindest ein psychiatrisches 

Ergänzungsgutachten einzuholen. Auf das ABI-Teilgutachten von Dr. med. … 

vom 4. April 2011 (IV-act. 96) könne nicht abgestellt werden, berücksichtige 

dieses doch die Verschlechterung des Gesundheitszustandes und der 

Arbeitsfähigkeit nicht. Ebenso wenig seien das Ausmass und die Dauer der 

rückwirkenden psychiatrischen Arbeitsunfähigkeit festgelegt sowie ein Teil der 

somatischen Beschwerden mit Ausmass und Dauer von einem falschen 

Spezialisten beurteilt worden, was heisse, dass vorliegend auch noch ein 

orthopädischer Chirurg den Gesundheitszustand hätte beurteilen müssen. Das 

Vorgehen der IV-Stelle müsse folglich als unvollständige Feststellung des 

rechtserheblichen Sachverhalts sowie als Ermessensmissbrauch taxiert 

werden.

7. In ihrer Vernehmlassung vom 27. Februar 2012 beantragte die IV-Stelle, die 

Beschwerde sei abzuweisen, soweit sie nicht anerkannt werde. Grundsätzlich 

sei vorliegend auf das ABI-Gutachten vom 4. April 2011 abzustellen. Aufgrund 

der Akten könne entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers medizinisch-

theoretisch nach Ablauf des Wartejahres aus somatischer Sicht nicht von einer 

längerdauernden 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Bezüglich 

der psychiatrischen Arbeitsfähigkeit habe der fachärztlich psychiatrische 

Gutachter des ABI, Dr. med. …, im Teilgutachten vom 4. April 2011 zwar 

festgehalten, dass sich aufgrund der Akten keine Hinweise auf eine 

psychiatrisch begründete, höhergradige Arbeitsunfähigkeit im früheren Verlauf 

ergeben habe (vgl. das Gutachten des ABI vom 4. April 2011 [IV-act. 96]). In 

der Gesamtbeurteilung werde diesbezüglich aber festgehalten, dass der den 

Beschwerdeführer im Jahr 2010 behandelnde Psychiater, Dr. med. …, die 

Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht als nicht eingeschränkt gesehen habe 

(vgl. den ärztlichen Bericht von Dr. med. … vom 26. März 2010 [IV-act. 76]). 

Mithin sei damit festzuhalten, dass sich zwar Hinweise auf höhere 

Arbeitsunfähigkeiten im Verlauf ergeben hätten, dem Beschwerdeführer 

allerdings fachärztlich keine psychiatrische Arbeitsunfähigkeit bis Januar 2011 

attestiert worden sei. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit ab 16. August 2011 wurde 

in der Vernehmlassung festgehalten, dass aufgrund des mit der Beschwerde 

eingereichten Schreibens von Dr. med. … und Assistenzärztin … der Klinik … 

vom 26. Januar 2012 nicht mehr ohne Weiteres auf das früher erstellte ABI-

Gutachten abgestellt werden könne. Deshalb werde die IV-Stelle unter 

Berücksichtigung ihrer Untersuchungspflicht weitere Abklärungen in Bezug auf 

die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ab dem 16. August 2011 

vornehmen.

8. Mit Replik vom 21. März 2012 hielt der Beschwerdeführer fest, dass der letzte 

psychiatrische Bericht vor der ABI-Abklärung vom 4. Januar 2011 von Dr. med. 

… stamme und vom 26. März 2010 datiere (vgl. den ärztlichen Bericht von 

Dr. med. … vom 26. März 2010 [IV-act. 76]). Für die Zeit zwischen dem 

26. März 2010 und 4. Januar 2011 würden keine Abklärungen betreffend den 

psychischen Zustand des Beschwerdeführers und die Auswirkungen auf 

dessen Arbeitsfähigkeit vorliegen. Der Beschwerdeführer sei seit 16. August 

2011 bei der Assistenzärztin … in psychiatrischer Behandlung. Diese habe im 

Bericht vom 20. September 2011 ab dem 16. August 2011 den Verdacht auf 

eine posttraumatische Störung sowie eine rezidivierende depressive Störung 

mit gegenwärtig mittelgradiger Episode diagnostiziert (vgl. den ärztlichen 

Bericht von Dr. med. … und Assistenzärztin … vom 20. September 2011 [IV-

act. 113, S. 5]). Eine mittelgradige Depression entstehe bekanntlich nicht von 

heute auf morgen. Deshalb müsse davon ausgegangen werden, dass die 

erwähnte mittelgradige Depression schon einige Zeit vor dem 16. August 2011 

eingetreten sei. Um dies eruieren zu können, müsse die Beschwerdegegnerin 

für die Zeit vom 5. Januar 2011 bis 16. August 2011 unbedingt einen 

ausführlichen Bericht über den psychischen und somatischen 

Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bei Dr. med. … einholen. Erst 

dann könne die Beschwerdegegnerin abschliessend beurteilen, ab wann die 

mittelgradige Depression bestanden und welche Auswirkungen sie in der 

genannten Zeit auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers gehabt habe. 

Folglich sei das ABI-Gutachten für die Zeit vom 26. März 2010 bis 16. August 

2011 weder schlüssig noch nachvollziehbar, weshalb für die erwähnte Zeit 

unbedingt ein psychiatrisches Obergutachten, mindestens jedoch ein 

ergänzendes psychiatrisches Gutachten eingeholt werden müsse.

9. Mit Duplik vom 30. März 2012 verwies die IV-Stelle auf ihre Vernehmlassung 

vom 27. Februar 2012, an welcher vollumfänglich festgehalten werde. Es sei 

nicht zu beanstanden, dass der psychiatrische Gutachter des ABI für die Zeit 

zwischen dem Arztbericht von Dr. med. … vom 26. März 2010 und der ABI-

Untersuchung vom 4. Januar 2011 in der Gesamtbeurteilung keine 

psychiatrisch bedingte Arbeitsunfähigkeit festgehalten habe, sei doch der 

Beschwerdeführer in dieser Zeit nicht in fachärztlich psychiatrischer 

Behandlung gewesen, was Grundvoraussetzung für die Annahme eines 

erheblichen psychischen Gesundheitsschadens mit dauernder Auswirkung auf 

die Arbeitsfähigkeit sei. Das Gleiche gelte auch für den Zeitpunkt zwischen der 

Begutachtung im ABI und dem Beginn der psychiatrischen Behandlung bei der 

Assistenzärztin … im August 2011. Eine erhebliche psychiatrische Krankheit mit 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit könne nicht vor Behandlungsbeginn 

angenommen werden. Mithin sei das ABI-Gutachten schlüssig, weitere 

medizinische Abklärungen seien – was den Zeitraum bis 15. August 2011 

betreffe – nicht angezeigt.

Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie auf die angefochtene 

Verfügung wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die 

Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen IV-

Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle anfechtbar. 

Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 5. Januar 2012 

betreffend IV-Rente stellt demnach ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein 

Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die 

sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich überdies aus Art. 

49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 

370.100). Auf die zudem fristgerecht eingereichte Beschwerde ist somit 

einzutreten. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle den Anspruch auf eine 

IV-Rente zu Recht verneint hat. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob die IV-

Stelle bezüglich der rückwirkenden somatischen und psychischen 

Arbeitsunfähigkeit noch weitere Abklärungen hätte tätigen müssen, wie dies der 

Beschwerdeführer für die Zeit ab dem 15. Oktober 2008 (zweites Unfallereignis, 

siehe Sachverhalt Ziff. 3a) bis 3. Januar 2011 (Begutachtung durch das ABI in 

Basel) respektive bis 15. August 2011 (Beginn der Behandlung bei 

Assistenzärztin …) fordert. Für die Zeit ab dem 16. August 2011 anerkennt die 

IV-Stelle gestützt auf den ärztlichen Bericht von Dr. med. … und Assistenzärztin 

… vom 26. Januar 2012 (IV-act. 121) weiteren Abklärungsbedarf, insoweit 

wurde die Beschwerde folglich anerkannt.

2. a) Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem 

Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei 

einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine 

Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent 

Anspruch auf eine ganze Rente. Bei erwerbstätigen Versicherten ist der 

Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil 

des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG 

aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und 

nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger 

Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei 

ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in 

Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie 

nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der 

Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die 

beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau 

ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der 

Einkommensdifferenz der IV-Grad bestimmen lässt (allgemeine Methode des 

Einkommensvergleichs; BGE 130 V 349 E.3.4.2, mit Hinweisen).

b) Für die Ermittlung des IV-Grades kommt es primär auf die wirtschaftliche 

Erwerbsunfähigkeit und nicht auf die medizinische Arbeitsunfähigkeit an (BGE 

132 V 395 E.2.1). Ohne zuverlässige und beweistaugliche Bestimmung der 

prozentualen Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte (Zumutbarkeitsprofil als 

Beurteilungsgrundlage) ist eine seriöse Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit (IV-

Grad) indes von vorneherein gar nicht möglich (BGE 125 V 261 E.4, 122 V 160 

f. E.1c, 115 V 134 E.2). Das Bundesrecht schreibt dabei nicht vor, wie die in 

den Akten liegenden Arztberichte oder medizinischen Unterlagen als 

Beweismittel zu würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und 

Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt daher der allgemeine Grundsatz 

der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und 

Sozialversicherungsrichter die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche 

Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das 

Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Versicherungsgericht alle 

Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und 

danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige 

Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es 

bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht 

erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe 

anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These 

abstellt (vgl. BGE 125 V 352 E.3a). Für den Beweiswert von Arztberichten ist 

entscheidend, ob die Berichte für die streitigen Belange umfassend sind, auf 

allseitigen Untersuchungen beruhen, die geklagten Beschwerden 

berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden sind, 

in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen 

Situation einleuchten und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet 

sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die 

Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in 

Auftrag gegebenen Stellungnahmen als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 134 

V 231 E.5.1, 125 V 352 E.3a).

3. a) In Bezug auf die somatischen Beschwerden rügt der Beschwerdeführer in 

seiner Beschwerde vom 7. Februar 2012, dass es sinnvoller gewesen wäre, ihn 

durch einen orthopädischen Chirurgen für die Beurteilung der vorliegenden 

Beschwerden untersuchen zu lassen. Deshalb könne nicht auf die Beurteilung 

von Dr. med. …, Neurologe am ABI Basel, vom 4. April 2011 abgestellt werden. 

Es sei deshalb unabdingbar, dass ein orthopädisch-chirurgisches Gutachten 

eingeholt werde. Das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden hat 

diesbezüglich bereits in seinem Urteil vom 31. Januar 2011 betreffend 

Versicherungsleistungen nach UVG festgehalten, dass die beim 

Beschwerdeführer nachweisbaren Unfallfolgen, welche die geklagten 

Beschwerden in Form von Kopf-, Nacken- und Halsschmerzen mit 

Ausstrahlungen und Schwindel erklären könnten, zu verneinen seien. Die 

Jochbogenfraktur links sei folgenlos abgeheilt und die bildgebenden 

Abklärungen (Röntgenaufnahmen, CT, MRI) hätten keine Hinweise auf 

posttraumatische Läsionen ergeben (vgl. den kreisärztlichen Bericht von 

Dr. med. … vom 28. Dezember 2009 [IV-act. 74], den ärztlichen Bericht von 

Dr. med. …, Rehaklinik …, vom 27. Juli 2009 [IV-act. 53], sowie den ärztlichen 

Bericht von Dr. med. … vom 22. Januar 2009 [IV-act. 41]). Die beim 

Beschwerdeführer diagnostizierten psychischen Beschwerden würden gemäss 

den medizinischen Akten (vgl. den neuropsychologischen und 

psychopathologischen Bericht der Rehaklinik … vom 28. Mai 2009 [IV-act. 53] 

sowie den Bericht von Dr. med. … vom 19. Oktober 2009 [IV-act. 73]) 

übereinstimmend nicht mit dem Unfallereignis vom 15. Oktober 2008, sondern 

mit einer Extrembelastung (Inhaftierung in Konzentrationslager, 

Kriegserlebnisse) und dadurch bewirkter posttraumatischer Belastungsstörung 

in Zusammenhang gebracht. Zudem entspreche es der allgemeinen 

Lebenserfahrung, dass ein gewöhnlicher Sturz beim Treppenhochsteigen nicht 

zu psychischen Beschwerden führe. Zusammenfassend hat das 

Verwaltungsgericht in seinem Urteil vom 31. Januar 2011 somit festgehalten, 

dass der natürliche Kausalzusammenhang zwischen den geklagten physischen 

(organisch nicht nachweisbaren) und psychischen Beschwerden und dem 

Unfallereignis vom 15. Oktober 2008 fraglich beziehungsweise zu verneinen sei 

(vgl. das Urteil des Verwaltungsgerichts S 10 142 vom 31. Januar 2011 E.3b). 

Auch der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den geklagten 

Beschwerden und dem Unfallereignis vom 15. Oktober 2008 sei nach der 

Psycho-Praxis (vgl. BGE 115 V 133) zu verneinen; unabhängig davon, ob es 

sich beim Ereignis vom 15. Oktober 2008 um einen leichten Unfall oder um 

einen mittleren Unfall im Grenzbereich zu den leichten gehandelt habe (vgl. das 

Urteil des Verwaltungsgerichts S 10 142 vom 31. Januar 2011 E.3e).

b) Aufgrund des infolge des Unfallereignisses vom 15. Oktober 2008 geklagten 

Beschwerdebildes und der vorhandenen ärztlichen Berichte, war es somit 

naheliegend, dass der Beschwerdeführer durch das ABI neurologisch und nicht 

orthopädisch-chirurgisch untersucht worden ist, da bereits vorgängig – wie das 

Urteil des Verwaltungsgerichts S 10 142 vom 31. Januar 2011 deutlich 

aufgezeigt hat – keine organisch hinreichend nachweisbaren Befunde 

festgestellt werden konnten. Dies lässt sich überdies durch die Vorakten, 

welche auch dem ABI hinsichtlich seiner Untersuchung vom 4. Januar 2012 als 

Grundlage dienten und von diesem berücksichtigt wurden, aufzeigen. So wurde 

in den ärztlichen Berichten der Rehaklinik … vom 28. Mai 2009, vom 8. Juni 

2009 und vom 27. Juli 2009 (IV-act. 53) zusammenfassend festgehalten, dass 

sich nicht wahrscheinlich machen lasse, dass das in Rede stehende 

Unfallereignis mindestens zu einer leichten traumatischen Hirnverletzung 

geführt habe. Es fänden sich auf neurologischem Fachgebiet keine somatisch-

persistierende Unfallfolgen. Insgesamt seien die vom Beschwerdeführer 

gezeigten Leistungen nicht durch somatisch-strukturelle Verletzungen des 

Nervensystems erklärbar. Eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit geht aus den 

Berichten der Rehaklinik … nicht hervor. Auch dem ärztlichen Bericht der 

Dres. med. … und … der Klinik … vom 2. November 2009 (IV-act. 66) kann 

nebst den chronischen unspezifischen Schwindelbeschwerden keine Diagnose 

entnommen werden. Die Ärzte der Klinik … beurteilten die Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers für eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit für die dem 

Klinik-Aufenthalt folgenden 4 Wochen um höchstens 50 % eingeschränkt. Der 

Kreisarzt Dr. med. … hielt in seinem Bericht vom 28. Dezember 2009 (IV-

act. 74) ebenfalls fest, dass die ausführlichen und ausgedehnten 

fachmedizinischen Abklärungen keine strukturell fassbaren 

Verletzungssubstrate ergeben hätten. Gestützt auf die quantitativen 

Funktionsprüfungen, die Gehtestanalyse und den aktuellen Körperbefunden 

seien dem Beschwerdeführer bei den geklagten gesundheitlichen Beschwerden 

vorerst halbtags leichte Arbeiten mit geringen Hebe- und Tragbeschäftigungen 

(repetitiv höchstens bis zu 10 kg) und ausgeglichenen Körperpositionen, 

vorwiegend jedoch in sitzender Stellung und kurzen (repetitiven) gehenden 

Beschäftigungen bis zu 100 Meter zumutbar. Nach erfolgter Arbeitsaufnahme 

und Angewöhnung an die Arbeitsplatzsituation sei eine Steigerung der 

Arbeitsfähigkeit und eine ganztägige Beschäftigung 4 – 6 Wochen später 

prüfbar. Der Hausarzt Dr. med. … hielt schliesslich in seinem Bericht vom 

29. Juni 2010 (IV-act. 83) eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ab 8. Februar 2010 fest.

c) In seiner Gesamtbeurteilung vom 4. April 2011 (IV-act. 96, S. 24) hat das ABI 

aufgrund der Untersuchung vom 4. Januar 2011 und in Kenntnis der soeben in 

E.3a und b erwähnten Vorakten aus neurologischer Sicht (Dr. med. …) 

festgehalten, der Beschwerdeführer klage subjektiv vor allem Beschwerden im 

HWS-Bereich, eine „Drümmligkeit und Übelkeit“ sowie Schmerzen im Kopf- und 

Nackenbereich. Diesbezüglich stehe die neurologische Untersuchung im 

Vordergrund. Diagnostisch könnten die chronischen, multifaktoriell bedingten 

Kopfschmerzen festgestellt werden bei Status nach zweimaligen Kontusionen 

im Jahr 2000 und 2008. Phänomenologisch könne von einem chronischen 

Spannungstypkopfweh gesprochen werden, ein 

Medikamentenübergebrauchskopfweh sei möglich. Zudem bestünden ein 

chronisches Zervikalsyndrom mit muskulärer Dysbalance im 

Schultergürtelbereich bei bildgebend degenerativen Veränderungen und ein 

chronischer Trümmel, zum Untersuchungszeitpunkt ohne Hinweise auf eine 

zentrale oder peripher vestibuläre Funktionsstörung. Hinsichtlich 

Arbeitsfähigkeit resultiere, dass aufgrund der Kopfschmerzproblematik 

grundsätzlich keine Arbeitsunfähigkeit abzuleiten sei, qualitativ sollten Arbeiten 

in lauten Räumen vermieden werden. Aufgrund des Zervikalsyndroms seien 

körperlich schwere Tätigkeiten und Arbeiten in Zwangshaltungen, vor allem mit 

den Armen über der Schulterhöhe, nicht zumutbar. Eine körperlich leichte bis 

intermittierend mittelschwere Tätigkeit, ohne repetitives Lastenheben über 10 

und vereinzelt 15 kg, ohne Überkopfarbeiten, sei jedoch uneingeschränkt 

möglich. Aufgrund des Trümmels gebe es derzeit wenig Evidenz auf 

Befundebene, dass Einschränkungen bestünden. Vorsichtshalber sollten 

Tätigkeiten mit höheren Anforderungen an das Gleichgewichtssystem, wie 

Arbeit in Höhe oder auf unebenem Boden, vermieden werden. Aus 

internistischer und anderweitiger somatischer Sicht bestünden keine 

zusätzlichen Befunde und Diagnosen, die sich auf die Arbeitsfähigkeit 

auswirkten.

d) Die IV-Stelle ist in Kenntnis der soeben in Erwägung 3a und b erwähnten 

Vorakten und aufgrund des Gutachtens des ABI vom 4. April 2011 (IV-act. 96; 

vgl. vorstehende E.3c) in ihrer Vernehmlassung vom 27. Februar 2012 zum 

Schluss gekommen, dass entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers 

medizinisch-theoretisch nach Ablauf des Wartejahres aus somatischer Sicht 

nicht von einer längerdauernden 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen 

werden könne. Dem Sachverhalt, welcher der Verfügung vom 5. Januar 2012 

zugrunde liegt, kann denn auch entnommen werden, dass der 

Beschwerdeführer ab 1. April 2010 wieder zu 100 % arbeitsfähig gegolten hat. 

Die SUVA hat folglich die Taggeldleistungen per 31. März 2010 eingestellt. Die 

dagegen erhobene Beschwerde wurde mit Urteil vom 31. Januar 2011 vom 

Verwaltungsgericht abgewiesen (Urteil des Verwaltungsgerichts vom 31. Januar 

2011 S 10 142). Folglich stellt sich für das Gericht vorliegend die Frage, ob die 

IV-Stelle auch nach Ablauf des Wartejahres (ab 1. April 2011) zu Recht davon 

ausgegangen ist, dass aus somatischer Sicht nicht von einer längerdauernden 

50%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden konnte beziehungsweise ob 

die IV-Stelle zu Recht auf die Beurteilung durch das ABI vom 4. April 2011 (IV-

act. 96) abgestellt hat.

e) Wie vorstehend in Erwägung 3a gezeigt, hat das Verwaltungsgericht bereits in 

seinem Urteil vom 31. Januar 2011 sowohl den natürlichen als auch den 

adäquaten Kausalzusammenhang zwischen den geklagten physischen 

(organisch nicht nachweisbaren) Beschwerden und dem Unfallereignis vom 

15. Oktober 2008 verneint (vgl. das Urteil des Verwaltungsgerichts S 10 142 

vom 31. Januar 2011 E.3b). Auch den vorstehend in Erwägung 3b zitierten 

Vorakten können weder somatisch-persistierende Unfallfolgen noch andere 

strukturell fassbare Verletzungssubstrate mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit entnommen werden. Deshalb hat das ABI den 

Beschwerdeführer zu Recht neurologisch und nicht orthopädisch-chirurgisch 

untersuchen lassen. Grundsätzlich obliegt es denn auch der Gutachterstelle, 

über Art und Umfang der aufgrund der konkreten Fragestellung erforderlichen 

Untersuchungen zu befinden (vgl. das Urteil des Eidgenössischen 

Versicherungsgerichts U 343/02 vom 10. September 2003 E.2.2). Wie 

vorstehend in Erwägung 3c erläutert, ist das ABI zum Schluss gekommen, dass 

aufgrund der geklagten somatischen Beschwerden grundsätzlich keine 

Arbeitsunfähigkeit abzuleiten sei. Das Gutachten des ABI ist insofern schlüssig 

und nachvollziehbar und entspricht zudem den vorstehend in Erwägung 2b 

aufgeführten Kriterien, es ist umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, 

berücksichtigt die geklagten Beschwerden, wurde in Kenntnis der Vorakten 

(Anamnese) abgegeben und leuchtet in der Beurteilung der medizinischen 

Zusammenhänge und der medizinischen Situation ein. Die IV-Stelle hat somit 

zu Recht auf das Gutachten des ABI vom 4. April 2011 (IV-act. 96) abgestellt 

und von weiteren Abklärungen hinsichtlich der somatischen Beschwerden 

abgesehen.

4. a) In Bezug auf die psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers hat das 

ABI in seiner Gesamtbeurteilung vom 4. April 2011 (IV-act. 96, S. 24) aufgrund 

der Untersuchung vom 4. Januar 2011 aus psychiatrischer Sicht (Dr. med. …) 

festgehalten, es könne beim Beschwerdeführer eine leichte depressive Episode 

mit Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung festgestellt werden. 

Die Belastbarkeit des Beschwerdeführers sei leichtgradig, aus psychiatrischer 

Sicht um 20 % ab dem Untersuchungszeitpunkt vermindert. Diese Beurteilung 

ist grundsätzlich schlüssig und nachvollziehbar, zumal auch der Regionale 

Ärztliche Dienst (RAD) in seinem Bericht vom 23. Mai 2011 (Dr. med. …; IV-

act. 117, S. 13) festgehalten hat, dass – aufgrund der zusätzlichen psychischen 

Beschwerden, die sich seit Januar 2011 quantitativ auf die Arbeitsfähigkeit 

auswirkten – seit Januar 2011 nur noch von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in 

angepasster Tätigkeit ausgegangen werden könne. Aufgrund der Beschreibung 

der aktuellen Tätigkeit des Beschwerdeführers sei diese Tätigkeit als optimal 

adaptiert zu bezeichnen. Die Einschätzung des Hausarztes Dr. med. … (vgl. 

den ärztlichen Bericht vom 29. Juni 2010 [IV-act. 83]) einer 50%igen 

Arbeitsfähigkeit in der aktuellen Tätigkeit werde damit erklärt, dass dieser die 

Einschätzung des Beschwerdeführers selbst vollständig übernommen habe, 

zudem bestünden nicht-medizinische Hintergründe, den Arbeitsumfang zu 

steigern. Dass das ABI erst ab Untersuchungsdatum vom 4. Januar 2011 eine 

Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 20 % festhält, ist entgegen der Rüge 

des Beschwerdeführers, dass für die Zeit zwischen dem 26. März 2010 und 

4. Januar 2011 keine Abklärungen betreffend den psychischen Zustand des 

Beschwerdeführers und die Auswirkungen auf dessen Arbeitsfähigkeit vorliegen 

würden, nicht zu beanstanden. Für den Zeitraum vom 26. März 2010 (ärztlicher 

Bericht von Dr. med. … vom 26. März 2010 [IV-act. 76]) bis 4. Januar 2011 

(medizinische Untersuchung durch das ABI) als auch für die Zeit davor sind 

weder fachärztlich psychiatrische Behandlungen noch diesbezügliche 

Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aktenkundig. 

Dr. med. … erwähnt zwar (vgl. das Gutachten des ABI vom 4. April 2011 [IV-

act. 96, S. 17]), dass sich aufgrund der Akten und der eigenen Untersuchung 

Hinweise auf eine psychisch begründete höhergradige Arbeitsunfähigkeit im 

früheren Verlauf ergäben, hält aber auch korrekterweise fest, dass Dr. med. … 

in seinem ärztlichen Bericht vom 26. März 2010 keine Einschränkung der 

Arbeitsfähigkeit aus psychischer Sicht attestiert habe (vgl. den ärztlichen 

Bericht von Dr. med. … vom 26. März 2010 [IV-act. 76, S. 2]). Insgesamt ist aus 

den Akten somit kein fachärztlicher Hinweis auf eine psychisch begründete 

Arbeitsunfähigkeit bis Januar 2011 ersichtlich. So hat auch die IV-Stelle in ihrer 

Duplik vom 30. März 2011 zu Recht festgehalten, dass der Beschwerdeführer in 

der Zeit vor Januar 2011 nicht in fachärztlich psychiatrischer Behandlung 

gewesen sei, was Grundvoraussetzung für die Annahme eines erheblichen 

psychischen Gesundheitsschadens mit dauernder Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit sei. In dem von der IV-Stelle zitierten Entscheid des 

Bundesgerichts wird denn auch festgehalten, dass die Annahme eines 

psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 

Abs. 1 und Art. 6 ATSG grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines 

anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose 

voraussetze (vgl. BGE 130 V 396 E.5.3 und 6). Eine solche Diagnose ist eine 

rechtlich notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für einen 

invalidisierenden Gesundheitsschaden (vgl. BGE 132 V 65 E.3.4 mit weiteren 

Hinweisen). Mangels eines fachärztlichen Hinweises auf eine psychisch 

begründete Arbeitsunfähigkeit bis 4. Januar 2011 (Untersuchung durch das 

ABI) kann vorliegend nicht von einer erheblichen psychiatrischen Krankheit mit 

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Demnach ist das 

ABI-Gutachten vom 4. April 2011 (IV-act. 96) in Bezug auf die Einschätzung der 

Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht bis zum Zeitpunkt der ABI-

Untersuchung vom 4. Januar 2011 schlüssig und nachvollziehbar und weitere 

medizinische Abklärungen sind – was die Zeit bis zum 4. Januar 2011 betrifft – 

nicht angezeigt. Das ABI ist also zu Recht zum zusammenfassenden Schluss 

gekommen, dass beim Beschwerdeführer aus polydisziplinärer Sicht für 

körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere, adaptierte Tätigkeiten, was 

auch für die angestammten Arbeiten zutreffe, eine 80%ige Arbeits- und 

Leistungsfähigkeit bestehe (vgl. das Gutachten des ABI vom 4. April 2011 [IV-

act. 96, S. 27]). Das ABI hält diesbezüglich noch fest, das Pensum könne 

vollschichtig umgesetzt werden mit etwas erhöhtem Pausenbedarf von 5 – 10 

Minuten pro Stunde und leicht reduziertem Rendement (vgl. das Gutachten des 

ABI vom 4. April 2011 [IV-act. 96, S. 25]). Dieser Feststellung des ABI kann 

vorliegend vollumfänglich gefolgt werden.

b) Auch betreffend den Zeitraum zwischen der Begutachtung des ABI vom 

4. Januar 2011 und dem Beginn der ambulanten psychiatrischen Behandlung in 

der Klinik … bei der Assistenzärztin … am 16. August 2011 – welche beim 

Beschwerdeführer eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert hat (IV-

act. 121, S. 2 f.)  – ist den Akten kein fachärztlicher Hinweis auf eine psychisch 

begründete Arbeitsunfähigkeit zu entnehmen. Gemäss der Auffassung des 

Beschwerdeführers sei allerdings davon auszugehen, dass die mittelgradige 

depressive Episode schon einige Zeit vor dem 16. August 2011 bestanden 

habe. Aus den Akten ergeben sich jedoch hierfür keine Hinweise, dass eine 

erhebliche psychische Krankheit mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bereits 

vor Behandlungsbeginn am 16. August 2011 bestanden haben soll. Somit gilt 

auch für diesen Zeitraum, dass mangels eines fachärztlichen Hinweises nicht 

von einer erheblichen psychiatrischen Krankheit mit Auswirkung auf die 

Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden kann. Damit sind auch für den Zeitraum 

zwischen der Begutachtung des ABI vom 4. Januar 2011 bis zum Beginn der 

ambulanten psychiatrischen Behandlung in der Klinik … bei der Assistenzärztin 

… am 16. August 2011 keine weiteren medizinischen Abklärungen angezeigt 

und es ist folglich bis zum 15. August 2011 vollumfänglich auf das Gutachten 

des ABI vom 4. April 2011 (IV-act. 96) abzustellen.

c) Für die Zeit nach dem 15. August 2011 kann – wie die IV-Stelle in ihrer 

Vernehmlassung vom 27. Februar 2012 zu Recht festgehalten hat – aufgrund 

des Schreibens von Dr. med. … und Assistenzärztin … der Klinik … vom 

26. Januar 2012 (IV-act. 121) nicht mehr auf das ABI-Gutachten vom 4. April 

2011 (IV-act. 96) abgestellt werden. Gemäss diesem Schreiben wurde der 

Beschwerdeführer seit 16. August 2011 in der Klinik … ambulant psychiatrisch 

behandelt und es wurde eine objektive Verschlechterung des 

Gesundheitszustandes seit der ABI-Untersuchung vom 4. Januar 2011 

festgestellt (vgl. IV-act. 121, S. 3). So wurde im genannten Schreiben eine 

mittelgradige depressive Episode diagnostiziert, welche laut dem Bericht der 

Klinik … seit Behandlungsbeginn am 16. August 2011 bestehe (vgl. IV-act. 121, 

S. 2 f.). Im Gutachten des ABI vom 4. April 2011 ist demgegenüber noch von 

einer leichtgradigen depressiven Episode mit Symptomen einer 

posttraumatischen Belastungsstörung die Rede (vgl. IV-act. 96, S. 23). Die IV-

Stelle anerkannte folglich in ihrer Vernehmlassung vom 27. Februar 2012 zu 

Recht, dass sie weitere Abklärungen in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des 

Beschwerdeführers seit dem 16. August 2011 vornehmen werde. Für die Zeit 

nach dem 16. August 2011 ist die Beschwerde somit infolge Anerkennung 

gegenstandslos geworden.

5. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass der medizinische Sachverhalt bis 

zum 15. August 2011 vollständig abgeklärt ist und in Bezug auf die 

medizinische Beurteilung vollumfänglich auf das Gutachten des ABI vom 

4. April (IV-act. 96) abgestellt werden kann. Es ist zudem nicht ersichtlich, 

inwiefern die IV-Stelle ihr Ermessen missbraucht haben sollte. Die vom 

Beschwerdeführer beantragte Edition der SUVA-Akten ist nicht erforderlich, 

zumal die massgeblichen Unfallakten im IV-Dossier enthalten sind. Die 

Beschwerde ist somit abzuweisen, soweit sie nicht infolge Anerkennung – 

Abklärungsbedarf für die Zeit nach dem 16. August 2011 in psychischer 

Hinsicht – gegenstandslos geworden ist.

6. a) Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung von 

Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung 

von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. 

Diese Kosten werden je nach Verfahrensaufwand und unabhängig vom 

Streitwert im Umfang von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Angesichts des 

Ausgangs dieses Verfahrens sind die Kosten in der Höhe von Fr. 700.-- zu 3/4 

dem Beschwerdeführer und zu 1/4 der IV-Stelle zu überbinden. Allerdings hat 

der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 7. Februar 2012 den 

prozessualen Antrag gestellt, es sei ihm für das Verfahren vor dem 

Verwaltungsgericht die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung 

zu bewilligen und es sei ihm in der Person des unterzeichnenden 

Rechtsanwalts ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Dieser Antrag 

ist folglich zu prüfen.

b) Das Gericht kann durch verfahrensleitende Verfügung oder mit dem Entscheid 

in der Hauptsache einer Partei auf Antrag die unentgeltliche Prozessführung 

bewilligen (Art. 76 Abs. 1 VRG). Nach Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung der 

Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat jede Person, die nicht 

über die erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, 

wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Soweit es zur Wahrung 

ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf unentgeltlichen 

Rechtsbeistand (vgl. auch Art. 76 Abs. 1 – 3 VRG sowie Art. 61 lit. f ATSG). Die 

Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und 

Rechtsverbeiständung sind in der Regel erfüllt, wenn der Prozess nicht 

aussichtslos erscheint, die Partei bedürftig und die Verbeiständung durch einen 

Anwalt oder eine Anwältin notwendig oder doch geboten ist (vgl. BGE 125 V 

201 E.4a mit Hinweisen). Als aussichtslos gelten Verfahren, bei denen die 

Gewinnchancen beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahr und daher 

kaum mehr als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren 

nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahr ungefähr 

die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, 

ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger 

Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen 

Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht 

allein deshalb anstrengen können, weil er nichts kostet (vgl. BGE 122 I 267 

E.2b; KIESER, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Rz. 102 ff. zu Art. 61). 

Vorliegend erscheint der Rechtsstreit weder offensichtlich mutwillig noch von 

vornherein als aussichtslos. Auch ist die Vertretung durch einen Anwalt 

notwendig oder doch zumindest geboten, zumal es sich beim 

Beschwerdeführer um einen Laien handelt.

c) Fraglich ist, ob der Beschwerdeführer bedürftig ist. Das Bundesgericht hat in 

seinem Urteil vom 4. August 2008 festgehalten, dass sich die prozessuale 

Bedürftigkeit nach der gesamten wirtschaftlichen Situation des Rechtsuchenden 

im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs beurteile. Dazu gehörten einerseits 

sämtliche finanziellen Verpflichtungen, andererseits die Einkommens- und 

Vermögensverhältnisse. Bei der Ermittlung des notwenigen Lebensunterhaltes 

solle nicht schematisch auf das betreibungsrechtliche Existenzminimum 

abgestellt, sondern den individuellen Umständen Rechnung getragen werden. 

Die Grenze für die Annahme der Bedürftigkeit im Sinne der Regeln über die 

unentgeltliche Rechtspflege liege jedoch höher als diejenige des 

betreibungsrechtlichen Existenzminimums. Ein allfälliger Überschuss zwischen 

dem zur Verfügung stehenden Einkommen und dem Zwangsbedarf der Gesuch 

stellenden Partei sei mit den für den konkreten Fall zu erwartenden Gerichts- 

und Anwaltskosten in Beziehung zu setzen, dabei sollte es der monatliche 

Überschuss ihr ermöglichen, die Prozesskosten bei weniger aufwendigen 

Prozessen innert eines Jahres, bei anderen innert zweier Jahre zu tilgen. 

Entscheidend sei zudem, ob die Gesuch stellende Partei mit dem ihr 

verbleibenden Überschuss in der Lage sei, die anfallenden Gerichts- und 

Anwaltskostenvorschüsse innert absehbarer Zeit zu leisten (vgl. Urteil des 

Bundesgerichts 9C_234/2008 vom 4. August 2008 E.4 mit weiteren Hinweisen).

d) Der Beschwerdeführer reichte mit dem Gesuchsformular um Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung die Steuererklärung 2010, die provisorische 

Steuerrechnung für das Jahr 2011, den Kaufvertrag über das Auto Marke … 

vom 5. Juli 2011 in der Höhe von Fr. 32‘016.--, eine Leasing-Offerte betreffend 

das Auto mit monatlichen Raten in der Höhe von Fr. 501.10 sowie 

entsprechende Einzahlungsbelege, eine Zinsbestätigung für das Jahr 2011, 

welche eine Nettokapitalschuld von Fr. 12‘142.10 per Ende 2011 ausweist, 

Kontoauszüge der …bank per Ende 2011, eine Zusammenstellung der 

Krankenkassenprämien betreffend die Grund- und Zusatzversicherungen für die 

Eheleute und die beiden jüngeren Söhne gültig ab 1. Januar 2012 in der Höhe 

von Fr. 870.80 monatlich, eine Mitteilung für die Bezugsberechtigung der 

Prämienverbilligung für das Jahr 2012 in der Höhe von Fr. 6‘134.--, seinen 

Lohnausweis für das Jahr 2011, welcher einen Nettolohn von Fr. 61‘916 

ausweist, eine Lohnabrechnung der Ehefrau für Januar 2012, welche einen 

Nettolohn von Fr. 3‘086.85 ausweist, seinen Arbeitsvertrag vom 12. Oktober 

2011 mit der … AG für einen Beschäftigungsgrad von 50 % und einem 

monatlichen Bruttogehalt von Fr. 2‘525.--, den Lehrvertrag von Sohn … mit der 

Genossenschaft … Ostschweiz, eine Produktevereinbarung „Festhypothek“ mit 

der …bank vom 18. August 2011, einen Kapital- und Zinsausweis vom 

31. Dezember 2011 der …bank, den Kaufvertrag betreffend die Liegenschaft an 

der … 1 in der Höhe von Fr. 120‘000.--, eine Offerte vom 10. Oktober 2011 

betreffend Malerarbeiten am Haus in der Höhe von Fr. 16‘500.-- sowie einen 

Beleg für eine Kombiversicherung für den Privathaushalt mit den … 

Versicherungen mit einer Jahresprämie in der Höhe von Fr. 645.30 ein. Die 

Gegenüberstellung des monatlichen Einkommens mit den monatlichen 

Ausgaben des Beschwerdeführers ergibt für den Stichmonat Januar 2012 

folgendes Bild (vgl. das Kreisschreiben der Aufsichtsbehörde über 

Schuldbetreibung und Konkurs betreffend Richtlinien für die Berechnung des 

betreibungsrechtlichen Existenzminimums [Notbedarf] nach Art. 93 SchKG vom 

18. August 2009, schriftlich mitgeteilt am 14. September 2009 [nachfolgend 

Kreisschreiben vom 14. September 2009]; MEICHSSNER, Das Grundrecht auf 

unentgeltiche Rechtspflege [Art. 29 Abs. 3 BV], Basel 2008, S. 90 f.):

Monatliches Einkommen
Erwerbseinkommen Beschwerdeführer Fr. 2‘860.75

(inkl. Kinder- und Ausbildungszulage sowie 1/12 des Bonus)

Erwerbseinkommen Ehefrau Fr. 3‘086.85

Prämienverbilligung Krankenkasse Fr.    511.15

Anteil Sohn … (1992) an Wohnkosten und Verköstigung Fr.    300.--

Total Fr. 6'758.75

Prozessualer Notbedarf
Grundbetrag Ehepaar Fr. 1’700.--

Unterhalt Sohn … (1998) Fr.    600.--

Zuschlag von 20 % zum Grundbedarf Fr.    460.--

Nettomietzins Fr.    648.40

Krankenkasse (Grundvers.) für Ehepaar, … und … Fr.    770.10

Steuern Fr.    213.30

Privathaushaltversicherung Fr.      53.80

Total Fr. 4‘445.60

Gegenüberstellung
Monatliches Einkommen Fr. 6‘758.75

Prozessualer Notbedarf Fr.     – 4‘445.60
Total Überschuss Fr. 2‘313.15

Wie obenstehender Zusammenstellung zu entnehmen ist, beläuft sich der 

prozessuale Notbedarf des Beschwerdeführers auf Fr. 4‘445.60. Nicht 

berücksichtigt wurden die Leasingraten für das Auto in der Höhe von Fr. 501.10 

monatlich. Gemäss dem Kreisschreiben vom 14. September 2009 kann nur die 

Abzahlung von geleasten Kompetenzstücken zum prozessualen Notbedarf 

hinzugerechnet werden. Da der Kompetenzcharakter des Autos vorliegend 

nicht ausgewiesen ist, können auch die diesbezüglichen Leasingraten nicht 

berücksichtigt werden. Ebenso wenig können die monatlichen Leasingraten in 

der Höhe von Fr. 684.60, welche angeblich für die Unterstützung von 

Verwandten dienen, berücksichtigt werden (vgl. BÜHLER in: SCHÖBI [Hrsg.], 

Gerichtskosten, Parteikosten, Prozesskaution, unentgeltliche Prozessführung, 

Bern 2001, S. 142). Das monatliche Einkommen in der Höhe von Fr. 6‘758.75 

setzt sich aus dem Erwerbseinkommen des Beschwerdeführers sowie seiner 

Ehefrau, der Prämienverbilligung für die Krankenkasse sowie dem Anteil des 

Sohnes (1992) an Wohnkosten und Verpflegung in der Höhe von Fr. 300.-- 

zusammen. Sohn … erzielte in seinem zweiten Lehrjahr einen Nettolohn von 

Fr. 908.05 und wohnt bei seinen Eltern, weshalb es gerechtfertigt ist, dass er 

seinen Anteil an die Wohnkosten und Verpflegung den Eltern abgibt (vgl. das 

Kreisschreiben vom 14. September 2009 in Bezug auf Art. 323 Abs. 2 ZGB 

sowie BÜHLER, a.a.O., S. 142 f.). Dem Beschwerdeführer bleibt somit ein 

monatlicher Überschuss von Fr. 2‘313.15, was ihm erlaubt, 3/4 des Honorars 

seines Rechtsvertreters gemäss Honorarnote vom 16. April 2012 in der Höhe 

von Fr. 4‘391.70 sowie 3/4 der Prozesskosten in Raten innerhalb eines Jahres 

zu bezahlen (vgl. die vorstehend in E.6c zitierte bundesgerichtliche 

Rechtsprechung, sowie BÜHLER, a.a.O., S. 181 f.). Die zusätzlich geltend 

gemachten Berufsauslagen des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau für die 

Fahrkosten und die auswärtige Verpflegung in der Höhe von Fr. 640.-- können 

mangels Nachweis des Kompetenzcharakters des Autos und der Mehrauslagen 

für die auswärtige Verpflegung der Ehefrau im prozessualen Notbedarf nicht 

berücksichtigt werden. Auch die Unterstützung des volljährigen Sohnes (1989) 

in der Höhe von Fr. 500.-- pro Monat kann im prozessualen Notbedarf nicht 

berücksichtigt werden, da gemäss dem Kreisschreiben vom 14. September 

2009 die Eltern nicht mehr für ihre volljährigen Kinder mit Verdienst 

aufzukommen haben. Ein monatlicher Überschuss würde allerdings selbst dann 

resultieren, wenn man sowohl die geltend gemachten Berufsauslagen in der 

Höhe von Fr. 640.-- sowie die freiwillige monatliche Unterstützung des Sohnes 

… in der Höhe von Fr. 500.-- im prozessualen Notbedarf berücksichtigen 

würde. Der prozessuale Notbedarf würde dann Fr. 5‘585.60 betragen, womit ein 

Überschuss von Fr. 1‘173.15 resultieren würde. Auch damit wären sowohl 3/4 

des Honorars des Rechtsvertreters als auch der Prozesskosten innerhalb eines 

Jahres in Raten bezahlbar. Zusammenfassend bleibt somit festzuhalten, dass 

die Voraussetzung der Bedürftigkeit nicht gegeben ist, weshalb dem Gesuch 

um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung nicht 

stattgegeben werden kann.

e) Die teilweise obsiegende IV-Stelle hat keinen Anspruch auf Ersatz der 

Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG e contrario). Gemäss dem vorliegenden 

Ausgang des Verfahrens hat die IV-Stelle 1/4 der Parteientschädigung des 

Beschwerdeführers gemäss der Honorarnote vom 16. April 2012, nämlich 

Fr. 1‘097.90, zu übernehmen.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit sie nicht infolge Anerkennung 

gegenstandlos geworden ist.

2. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zu 3/4 zulasten von … und zu 1/4 zulasten der 

IV-Stelle des Kantons Graubünden und sind innert 30 Tagen seit Zustellung 

dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons Graubünden, Chur, zu 

bezahlen.

3. Die IV-Stelle des Kantons Graubünden entschädigt … aussergerichtlich mit 

Fr. 1‘097.90 (inkl. MWST).