# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3069323b-2acc-5561-b214-3e48475f911e
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-02-17
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Sozialversicherungsrecht 17.02.2022 720 20 355/39
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_002_720-20-355-39_2022-02-17.pdf

## Full Text

Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Sozialversiche-

rungsrecht 

 

 

vom 17. Februar 2022 (720 20 355 / 39) 

____________________________________________________________________ 

 

 

Invalidenversicherung 

 

 

Anspruch auf berufliche Massnahmen, Umschulung: Sachverhalt aus medizinischer 

Sicht ungenügend abgeklärt, Bedeutung von nach Verfügungserlass ergangenen ärztli-

chen Unterlagen 

 

 
Besetzung Präsident Dieter Freiburghaus, Kantonsrichter Jgnaz Jermann, Kan-

tonsrichter Beat Hersberger, Gerichtsschreiberin Tina Gerber 
 
 

Parteien A.____, Beschwerdeführer, vertreten durch Rémy Wyssmann, 
Rechtsanwalt und Notar, Schachenstrasse 34b, Postfach 368, 
4702 Oensingen 

  
 
gegen 
 
 

 IV-Stelle Basel-Landschaft, Hauptstrasse 109, 4102 Binningen, 
Beschwerdegegnerin 
 

  
  

Betreff Berufliche Massnahmen / Umschulung  

 

 

 

A. Der 1974 geborene A.____ schloss eine Ausbildung als Winzer ab und arbeitete zu-

letzt vom 4. September 2019 bis 31. März 2020 als Vorarbeiter Landschaftsgärtner bei der 

B.____ GmbH in C.____. Am 15. März 2020 meldete er sich unter Hinweis auf einen am 

20. Januar 2019 erlittenen Bandscheibenvorfall bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung 

(IV) zum Leistungsbezug an, wobei der Versicherte insbesondere die Umschulung in eine neue 

 
 
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Tätigkeit anstrebte. Die zuständige IV-Stelle Basel-Landschaft (IV-Stelle) klärte in der Folge die 

gesundheitlichen und erwerblichen Verhältnisse ab und führte ein Vorbescheidverfahren durch. 

Mit Verfügung vom 18. August 2020 lehnte sie den Anspruch des Versicherten auf eine Um-

schulung unter Hinweis auf eine Einkommenseinbusse von 1.2% ab.  

 

B. Gegen diese Verfügung erhob A.____, vertreten durch Rechtsanwalt Rémy Wyss-

mann, am 16. September 2020 Beschwerde ans Kantonsgericht, Abteilung Sozialversiche-

rungsrecht (Kantonsgericht). Er beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und 

die Durchführung einer gerichtlichen Begutachtung unter Einbezug der neurologischen und 

psychiatrischen Fachrichtungen, eventualiter sei die Beschwerdesache zur gutachterlichen 

Neuabklärung inklusive ergänzenden beruflich-erwerbsbezogenen Abklärungen sowie zur Neu-

beurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, subeventueliter sei das Verfahren bis 

zum rechtskräftigen Abschluss des laufenden Unfallversicherungsverfahrens und bis zum Vor-

liegen der gutachterlichen Ergebnisse der Kollektivkrankentaggeldversicherung zu sistieren. In 

beweisrechtlicher Hinsicht seien die Akten des Unfallversicherers und des Kollektivkrankentag-

geldversicherers beizuziehen sowie bei Dr. med. D.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, 

ein Verlaufsbericht einzuholen. Ferner sei eine öffentliche Gerichtsverhandlung durchzuführen 

und die Ehefrau des Beschwerdeführers als Zeugin respektive Auskunftsperson zu befragen. 

Alles unter o/e-Kostenfolge, wobei dem unterzeichnenden Anwalt die Gelegenheit zur Einrei-

chung einer detaillierten Kostennote zu geben sei. Zur Begründung wurde im Wesentlichen 

ausgeführt, dass die IV-Stelle den medizinischen Sachverhalt, insbesondere in psychiatrischer 

Sicht, ungenügend abgeklärt habe.  

 

C. Mit Eingabe vom 21. September 2020 erklärte sich die Beschwerdegegnerin mit der 

beantragten Sistierung des vorliegenden Verfahrens einverstanden. In der Folge wurde das 

Verfahren mit Verfügung vom 22. September 2020 bis zur rechtskräftigen Erledigung des un-

fallversicherungsrechtlichen Verfahrens und bis zum Vorliegen der gutachterlichen Ergebnisse 

der Kollektivkrankentaggeldversicherung sistiert.  

 

D. Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 5. März 2021 verschiedene ärztliche 

Unterlagen, darunter namentlich das vom Krankentaggeldversicherer in Auftrag gegebene Gut-

achten der E.____ AG (E.____) vom 22. Dezember 2020 ein und beantragte die Aufhebung der 

Sistierung. Das unfallversicherungsrechtliche Verfahren werde sich noch hinziehen. In Aufhe-

bung der angefochtenen Verfügung seien dem Beschwerdeführer Eingliederungsmassnahmen 

inklusive einer Umschulung zuzusprechen.  

 

E. Nachdem die Beschwerdegegnerin am 29. März 2021 ihr Einverständnis zur Fortset-

zung des Verfahrens erklärt hatte, wurde die Sistierung mit Verfügung vom 6. April 2021 aufge-

hoben und der Beschwerdegegnerin Frist zur Vernehmlassung gewährt.  

 

F. In ihrer Vernehmlassung vom 22. April 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Ab-

weisung der Beschwerde. Aus somatischer Sicht würden sowohl der behandelnde Arzt als auch 

die E.____ von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer körperlich angepassten Tätig-

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keit ausgehen. In Bezug auf den psychiatrischen Gesundheitszustand würden vom behandeln-

den Facharzt keine aktuellen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt.  

 

G. Mit Verfügung vom 26. Mai 2021 wurde der vorliegende Fall dem Gericht zur Beurtei-

lung überwiesen.  

 

H. Mit Verfügung vom 22. November 2021 wurde die auf 25. November 2021 angesetzte 

Parteiverhandlung abgeboten. 

 

I. Der Beschwerdeführer reichte mit Eingaben vom 11. Januar 2022 und 3. Februar 2022 

weitere medizinische Unterlagen ein.  

 

J. Anlässlich der heutigen Parteiverhandlung wurde der Beschwerdeführer befragt. Die 

Parteien hielten im Wesentlichen an ihren Anträgen und Begründungen fest. Auf die Vorbringen 

der Parteien wird – soweit erforderlich – im Rahmen der Erwägungen eingegangen. 

 

 

Das Kantonsgericht zieht  i n  E r w ä g u n g :  

 

1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) 

vom 19. Juni 1959 können Verfügungen der kantonalen IV-Stellen direkt vor dem Versiche-

rungsgericht am Ort der IV-Stelle angefochten werden. Anfechtungsobjekt des vorliegenden 

Verfahrens bildet eine Verfügung der IV-Stelle Basel-Landschaft, sodass die örtliche Zuständig-

keit des Kantonsgerichts Basel-Landschaft zu bejahen ist. Laut § 54 Abs. 1 lit. b des Gesetzes 

über die Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung (VPO) vom 16. Dezember 1993 beur-

teilt das Kantonsgericht als Versicherungsgericht als einzige gerichtliche Instanz des Kantons 

Beschwerden gegen Verfügungen der kantonalen IV-Stelle. Es ist somit auch sachlich zur Be-

handlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Auf die – im Übrigen frist- und formgerecht 

erhobene – Beschwerde vom 16. September 2020 ist demnach einzutreten. 

 

2. Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerde-

führers auf eine Umschulung zu Recht abgelehnt hat und in diesem Zusammenhang insbeson-

dere, ob der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers von der Beschwerdegegnerin genü-

gend abgeklärt worden ist. Massgebend ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass der an-

gefochtenen Verfügung vom 18. August 2020 entwickelt hat. Dieser Zeitpunkt bildet rechtspre-

chungsgemäss die zeitliche Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 

E. 1.2 mit Hinweis). 

 

3.1 Nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) vom 

19. Juni 1959 (in der vorliegend anwendbaren, bis 31. Dezember 2021 geltenden Fassung) 

haben invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf Eingliederungs-

massnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit wiederherzustel-

len, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den Anspruch auf die 

einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen be-

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steht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der 

Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu 

berücksichtigen (Art. 8 Abs. 1bis IVG). Laut Art. 8 Abs. 3 IVG bestehen die Eingliederungsmass-

nahmen unter anderen in Massnahmen beruflicher Art (lit. c). Zu diesen gehören die Berufsbe-

ratung (Art. 15 IVG), die erstmalige berufliche Ausbildung (Art. 16 IVG), die Umschulung 

(Art. 17 IVG), die Arbeitsvermittlung (Art. 18 Abs. 1 IVG), der Arbeitsversuch (Art. 18a IVG), 

Einarbeitungszuschüsse (Art. 18b IVG), Entschädigungen für Beitragserhöhungen (Art. 18c 

IVG) sowie die Kapitalhilfe (Art. 18d IVG). 

 

3.2 Die versicherte Person hat Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, 

wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit vo-

raussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Art. 17 Abs. 1 IVG). Unter Umschulung ist 

dabei grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verste-

hen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewe-

senen versicherten Person eine ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit zu 

vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der "annähernden Gleichwertigkeit" nicht in erster Li-

nie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu 

erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen 

Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den 

gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung le-

diglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist. 

Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der 

Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zu-

sätzliche berufliche Ausbildung offenstehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende 

oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20% erleidet, wobei es sich dabei um 

einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2 mit Hinweisen). 

 

3.3 Ausgangspunkt jedes Anspruchs auf berufliche Massnahmen der Invalidenversiche-

rung ist das Vorhandensein eines (drohenden) invalidisierenden Gesundheitsschadens. Als 

Invalidität im Sinne von Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den All-

gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG gilt 

die voraussichtliche bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfä-

higkeit als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall. Unter Erwerbsunfähigkeit ist der 

durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte 

und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust 

der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen Arbeitsmarkt zu ver-

stehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG). 

 

4.1 Das Administrativverfahren und der kantonale Sozialversicherungsprozess sind vom 

Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die 

Verwaltung und das Sozialversicherungsgericht von Amtes wegen für die richtige und vollstän-

dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Diese Untersuchungspflicht 

dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsa-

chen hinreichende Klarheit besteht (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 6. Februar 2008, 

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8C_163/2007, E. 3.2). Dem Versicherungsträger kommt grundsätzlich ein grosser Ermessens-

spielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebun-

gen zu. In jedem Fall ist der Sachverhalt jedoch soweit zu ermitteln, dass über den Leistungs-

anspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden 

werden kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 21. Oktober 2013, 8C_815/2012, publiziert 

in: SVR 2014 UV Nr. 2, E. 3.2.1, und vom 22. Januar 2020, 8C_759/2019, E. 4.2.2). Bleiben 

erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfest-

stellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen 

noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts vom 15. März 

2017, 9C_662/2016, E. 2.2 mit Hinweis). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und 

Rechtslage. 

 

4.2 Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und bei der Einschätzung der Arbeits-

fähigkeit der versicherten Person ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf 

Unterlagen angewiesen, die medizinische Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe 

des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu 

nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits-

unfähig ist. Darüber hinaus bilden die ärztlichen Stellungnahmen eine wichtige Grundlage für 

die Beurteilung der Zumutbarkeit, also der Frage, welche anderen Erwerbstätigkeiten als die 

zuletzt ausgeübte Berufsarbeit von der versicherten Person auf dem allgemeinen, ausgegliche-

nen und nach ihren persönlichen Verhältnissen in Frage kommenden Arbeitsmarkt zumutba-

rerweise noch verrichtet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit weiteren Hinweisen; vgl. 

ULRICH MEYER-BLASER, Zur Prozentgenauigkeit in der Invaliditätsschätzung, in: Schaffhau-

ser/Schlauri [Hrsg.], Rechtsfragen der Invalidität in der Sozialversicherung, St. Gallen 1999, S. 

20 f. mit Hinweisen). Auch bei der Frage nach einem Umschulungsanspruch ist es Aufgabe des 

Arztes bzw. der Ärztin, den Gesundheitszustand zu diagnostizieren. Im Weiteren hat er bzw. sie 

zur Arbeitsunfähigkeit im erlernten oder im bisher ausgeübten Beruf Stellung zu nehmen und 

sich darüber zu äussern, ob der Gesundheitszustand eine Umschulung zulässt und, bejahen-

denfalls, welche Tätigkeiten hierbei aus medizinsicher Sicht in Betracht fallen (ULRICH 

MEYER/MARCO REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Auflage, Zü-

rich/Basel/Genf 2014, Art. 17 N 6).  

 

4.3 Das Gericht hat die medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungs-

prozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) – wie alle an-

deren Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und 

pflichtgemäss zu würdigen. Dies bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismit-

tel, unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob 

die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs ge-

statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den 

Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu-

geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich 

des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen 

Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer-

den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-

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gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation 

einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Expertin oder des Experten begründet sind 

(BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c). 

 

4.4 Dennoch erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdi-

gung als vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten 

Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die ausführlichen Zusammenstellungen 

dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E. 3b und in AHI-Praxis 2001 S. 114 E. 3b, jeweils mit wei-

teren Hinweisen). So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten 

externer Spezialärztinnen und -ärzte, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Unter-

suchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befun-

de zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuer-

kennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 

125 V 351 E. 3b/bb mit weiteren Hinweisen). Stützt sich der angefochtene Entscheid hingegen 

ausschliesslich auf versicherungsinterne medizinische Unterlagen, sind an die Beweiswürdi-

gung strenge Anforderungen zu stellen. In solchen Fällen sind bereits bei geringen Zweifeln an 

der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen 

vorzunehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. Juli 2009, 8C_113/2009, E. 3.2 mit weite-

ren Hinweisen).  

 

4.5 In Bezug auf Berichte von behandelnden Ärzten darf und soll das Gericht der Erfah-

rungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche 

Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussa-

gen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des thera-

peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten 

fachmedizinischen Experten anderseits (vgl. BGE 124 I 170 E. 4; Urteil des EVG vom 13. Juni 

2001, I 506/00, E. 2b) lässt nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu 

stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu 

anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab-

weichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjek-

tiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die ansonsten unerkannt oder 

ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007, I 514/06, 

E. 2.2.1, mit Hinweisen). 

 

5. Zur Beurteilung des vorliegenden Falles liegen zahlreiche medizinische Unterlagen vor, 

die vom Gericht gesamthaft gewürdigt wurden. Im Folgenden werden diejenigen Berichte wie-

dergegeben, die sich für den vorliegenden Entscheid als ausschlaggebend erweisen: 

 

5.1 In seinem Bericht vom 6. Januar 2020 diagnostizierte F.____, Facharzt für Orthopädie, 

eine chronisch rezidivierende Lumboischialgie rechts bei Diskushernie L 4/L 5 rechts mit Pelot-

tierung der Nervenwurzel L 5 rechts und Zustand nach deutlicher Diskushernie L 5/S 1, derzeit 

in Remission und ohne Kompromittierung der neuronalen Strukturen (gemäss MRI vom 

10. Dezember 2019). Die Lumboischialgien würden durch die schwere Arbeit in der Gärtnerei 

immer wieder aktiviert.  

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5.2 Gemäss Bericht von Facharzt F.____ vom 10. März 2020 seien bei einer für den Pati-

enten zumutbaren Tätigkeit Überbelastungen zu vermeiden. Die Tätigkeit solle wechselbelastet 

sein mit Gehen, Stehen und Sitzen sowie ohne Zwangspositionen und ohne Heben oder Tra-

gen von Gewichten über 10 kg.  

 

5.3 In seiner Anmeldung zur IV-Leistungsbezug vom 15. März 2020 gab der Versicherte 

an, an einem Bandscheibenvorfall zu leiden. Als behandelnde Ärzte nannte er nebst dem Or-

thopäden F.____ einerseits einen Allgemeinmediziner, andererseits Dr. med. D.____, FMH 

Psychiatrie und Psychotherapie. Mit der Anmeldung reichte der Versicherte diverse Arbeitsun-

fähigkeitszeugnisse ein. Aus diesen wird eine von pract. med. G.____, FMH Allgemeine Innere 

Medizin, und anschliessend von Dr. med. H.____, FMH Allgemeine Innere Medizin, attestierte 

Arbeitsunfähigkeit von 100% aufgrund eines Unfalls vom 18. November 2019 bis 7. April 2020 

sowie eine von Dr. D.____ bescheinigte vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 21. Oktober 2018 

bis 31. Dezember 2018 ersichtlich. 

 

5.4 Der behandelnde Hausarzt pract. med. G.____ diagnostizierte in seinem Bericht zu-

handen der IV-Stelle vom 24. März 2020 seit 2012 chronisch rezidivierende Lumboischialgien 

sowie einen Verdacht auf eine Anpassungsstörung (ICD-10 F 43.23) im Juli 2013, behandelt in 

der Psychiatrie I.____. Der Patient könne keine schweren Lasten grösser als 7 kg heben oder 

Arbeiten in monotonen Körperpositionen ausführen. Aktuell sei er zu 100% arbeitsunfähig. Die 

Prognose sei indessen gut, sofern eine geeignete Arbeitsstelle gefunden werden könne. 

 

5.5 Auf Anfrage der IV-Stelle gab Dr. D.____ mit Schreiben vom 26. März 2020 an, dass 

sich der Versicherte nicht mehr in seiner Behandlung befinde. 

 

5.6 Mit Bericht vom 26. März 2020 zuhanden der IV-Stelle wiederholte der Facharzt 

F.____ das mit Bericht vom 10. März 2020 definierte Zumutbarkeitsprofil. Eine solche leidens-

adaptierte Tätigkeit sei dem Patienten vollschichtig möglich. Die angestammte Tätigkeit als 

Gärtner sei demgegenüber nicht mehr zumutbar.  

 

5.7 Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens reichte der Beschwerdeführer 

ausserdem folgende Arztberichte ein: 

 

5.7.1 Dr. med. J.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, der Psychiatrischen Dienste 

der K.____ AG, berichtete am 3. Juli 2013 über das Erstgespräch der Depressionssprechstun-

de mit dem Beschwerdeführer. Er führte aus, dass der Patient durch das Ärztezentrum L.____ 

bei psychosozialer Belastung und fraglicher Depression zugewiesen wurde. Diagnostiziert wur-

de ein Verdacht auf eine Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen 

Gefühlen (ICD-10 F 43.23) auf dem Hintergrund einer Persönlichkeitsakzentuierung mit kombi-

nierten (ängstlich-vermeidenden, rigiden und paranoiden) Anteilen (ICD-10 Z 73.1). Zwischen 

den persönlichen Angaben des Patienten und den eingeholten Fremdauskünften zeigten sich 

deutliche Divergenzen und Widersprüche. Es falle eine deutliche Tendenz zu einer misstrauisch 

geprägten Haltung mit Opferdarstellung auf, andererseits vermöge der Patient häufige Abbrü-

che in zwischenmenschlichen Beziehungen (Kündigungen, Verweigerung des Besuchsrechts 

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der Tochter, etc.) nicht zu begründen. Zudem imponiere der Patient mit starren Verhaltensmus-

tern mit festgefahrenen Grundsätzen, die in der Interaktion durch fehlendes Adaptionsvermögen 

möglicherweise zu gravierenden Problemen führen würden.  

 

5.7.2 In seinem Arztzeugnis vom 24. April 2019 zuhanden der Regionalen Arbeitsvermittlung 

(RAV) M.____ erklärt Dr. D.____, dass sich der Beschwerdeführer bei ihm in psychiatrischer 

Behandlung befinde. Er leide unter Nervosität und Anspannung.  

 

5.7.3 Dr. D.____ führte in einem Arztbericht vom 7. Oktober 2020 aus, dass sich der Patient 

erstmals vom 10. Dezember 2010 bis 15. Januar 2013 von ihm behandeln liess. Damals habe 

die Ablösung von den Eltern, insbesondere von seinem Adoptivvater, mit dem es immer wieder 

zu Auseinandersetzungen gekommen sei und von dem sich der Patient nachteilig behandelt 

gefühlt habe, im Vordergrund gestanden. Vom 22. August 2016 bis 8. Dezember 2016 habe der 

Patient erneut in seiner Behandlung gestanden, nachdem er sich bei einer Arbeitsstelle nachtei-

lig behandelt gefühlt habe. Am 24. Oktober 2018 sei der Patient durch das Ärztezentrum L.____ 

erneut zugewiesen worden. Am 21. September 2018 sei dem Patienten gekündigt worden, 

nachdem er am 3. August 2018 von einem Arbeitskollegen angegriffen und bedroht worden sei 

und sich anschliessend nicht entschuldigt habe, was eine Zusammenarbeit verunmöglicht habe. 

Nach dem Angriff habe der Patient unter Angstzuständen und Albträumen gelitten. Er sei ener-

gielos gewesen und habe über das Vorkommnis gegrübelt. Damals habe er unter einer Anpas-

sungsstörung mit Angst und Depressionen gelitten. Eine medikamentöse Behandlung sei von 

ihm jedoch abgelehnt worden. Am 5. November 2018 habe der Patient wieder besser schlafen 

können, er habe sich aber weiterhin depressiv gefühlt und über das Mobbing gegrübelt. Bei 

längerer Konzentration habe er Schwindel verspürt. Der Patient sei anschliessend erst wieder 

am 3. September 2020 in der Sprechstunde erschienen und habe über Rückenschmerzen, 

Schwindel, Nausea und Migränen geklagt. Am 10. September 2020 habe er berichtet, dass sei-

ne Hausärztin den Schwindel darauf zurückführe, dass er zu wenig esse und trinke. Am 

18. September 2020 habe der Patient erklärt, dass es ihm bessergehe. Er habe lediglich noch 

am Morgen nach dem Aufstehen einen leichten Schwindel. Es bessere, nachdem er etwas ge-

gessen habe.  

 

5.7.4 Am 22. Dezember 2020 erstellte die E.____ zuhanden des zuständigen Krankentag-

geldversicherers einen Bericht über die vorgenommene funktionsorientierte medizinische Abklä-

rung. Darin diagnostizierten die involvierten Fachärzte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit 

eine chronische Lumboischialgie rechts mit kleiner fokaler Diskushernie L 4/5 rechtsforami-

nal/extraforaminal mit Nervenwurzeltangierung L 4 rechts, im Verlauf unverändert gemäss MRI 

vom 28. August 2020, mit einer im Vergleich zum MRI vom 28. Januar 2019 deutlichen Regre-

dienz der medianen Diskushernie L 5/S 1 mit Resorption des damals beschriebenen Diskusse-

questers, mit einer Osteochondrose L 4/5 Modic I sowie leichten bilateralen Spondylarthrosen 

L 3-S 1 beidseits und einer Wirbelsäulenfehlform mit Hyperkyphose der BWS. Ohne Auswir-

kung auf die Arbeitsfähigkeit seien eine arterielle Hypertonie, anamnestisch eine Heliobacter 

pylori-resistente Gastritis mit Refluxsymptomatik, ein Status nach dreimaliger transitorischer 

globaler Amnesie sowie eine Migräne zu diagnostizieren. Die angestammte Tätigkeit als Land-

schaftsgärtner sei dem Exploranden aufgrund der verminderten Belastungstoleranz des unteren 

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Rückens seit dem 20. Januar 2019 nicht mehr zumutbar. In einer mittelschweren Tätigkeit in 

Wechselbelastung und in Wechselpositionen mit bloss manchmal täglich Arbeiten über Schul-

terhöhe, Stehen vorgeneigt und Knien sowie mit bloss seltenem Heben von Gewichten über 

15 kg sei er indessen aus rein rheumatologisch-orthopädischer Sicht ganztags mit voller Leis-

tung arbeitsfähig. Infolge der Schmerzchronifizierung und der Stressintoleranz mit Entwicklung 

von transitorischen globalen Amnesien scheine eine gewisse psychische Labilität vorzuliegen, 

weshalb eine psychiatrische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit empfohlen werde.  

 

5.7.5 In ihrem Bericht vom 15. November 2021 (und wortgleichen Bericht vom 2. Februar 

2022) führte Dr. med. N.____, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, aus, dass sich der Patient 

vor dem Hintergrund einer akuten Belastungsreaktion und posttraumatischer Entwicklung mit 

komorbider psychiatrischer Problematik (komplexe Mehrfachtraumatisierung, Vernachlässigung 

und Deprivation in der Kindheit) bei ihr in fachärztlicher Behandlung befinde. Der Längsverlauf 

der Erkrankung sei gekennzeichnet durch ein Narrativ, das bei posttraumatischer Genese auf-

grund einer komplexen Mehrfachtraumatisierung die Gefahr von Retraumatisierungen mit sich 

bringe. Eine störungsspezifische, adäquate psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung 

habe bisher weder ambulant noch stationär stattgefunden. Diagnostisch sei das Zustandsbild 

als chronisch-generalisierte Schmerzkrankheit, Impulskontrollproblematik und rezidivierende 

mittelschwere bis schwere depressive Störung einzuordnen. Der Patient sei psychopharmako-

logisch im Sinne einer schwergradigen Erkrankung eingestellt worden. Er sei mehrfach statio-

när behandelt worden. Trotz massiver therapeutischer Bemühungen sei es im Verlauf der letz-

ten Monate zu einer progredienten Verschlechterung des Zustandsbildes gekommen. Als Diag-

nose sei eine rezidivierende depressive Störung mit Somatisierung und intermittierenden präsu-

izidalen Phasen (ICD-10 F 33.2), differenzialdiagnostisch ein vermutetes Syndrom einer Per-

sönlichkeits- oder Verhaltensstörung als Folge einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstö-

rung des Gehirns (kindlicher Marasmus, Deprivation, ICD-10 F 07.8) festzuhalten. Es sei davon 

auszugehen, dass die Alltagsgestaltung mittel- bis langfristig einen massgeblichen Einfluss auf 

den Verlauf der Erkrankung haben werde, d.h. dass psychische Stressoren zu vermeiden seien. 

Rahmenbedingungen, welche bereits ein moderates Mass an interaktioneller Auseinanderset-

zung erfordern, seien dringend zu vermeiden. Damit liege eine hochgradige Einschränkung der 

Leistungsfähigkeit vor. Präsentiert würden Symptome auf somatischer Ebene (Ängste, Müdig-

keit, Schwäche), welche keinen psychodynamischen Hintergrund hätten. Die psychische Prob-

lematik sei dem Patienten auf der bewussten Ebene nicht zugänglich und könne daher nicht 

sinnvoll bewältigt und überwunden werden. Sie sei charakterisiert durch vorbestehende prob-

lematische Persönlichkeitszüge und beschränkte persönliche Ressourcen, welche die Bewälti-

gung von Anforderungen generell erschweren würden. Die Einschränkung der Funktionalität im 

Alltag und vor allem der Lebensqualität sei deutlich. Medizinisch-theoretisch müsse von einer 

hochgradigen 80-100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden.  

 

5.7.6 Die Stiftung O.____ berichtete mit undatiertem Schreiben über den Einsatz des Be-

schwerdeführers vom 24. November 2021 bis 31. Dezember 2021 in einem Pensum von 20%. 

Darin wird ausgeführt, dass der Versicherte seine Arbeitseinteilung in Bezug auf die körperliche 

Belastung nicht anpasse und anschliessend starke Schmerzen habe. Das Kurzzeitgedächtnis 

sei durch seine Vergangenheit mit mehrjähriger Unterernährung in der Frühkindheit im Her-

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kunftsland geschädigt. Der Versicherte könne sich durch ein verlängertes Lernverfahren theore-

tisches Wissen aneignen und das Erlernte sehr gut in die Praxis umsetzen. Die Belastbarkeit 

unter Stress sei nicht in jeder Situation gegeben. Der Versicherte benötige einen verständnis-

vollen Vorgesetzten und ein verständnisvolles Arbeitsumfeld. Gemäss seinen Erzählungen be-

stünden die neurologischen Probleme betreffend Kopfschmerzen nach Arbeiten in Innenräumen 

seit Kindheit. Hier würden weitere Abklärungen empfohlen.  

 

6. Anlässlich der Befragung an der heutigen Parteiverhandlung hat der Beschwerdeführer 

zunächst weitere Angaben zu seiner psychiatrischen Behandlung gemacht. Er führte aus, dass 

er bis März 2020 bei Dr. D.____ in Behandlung gewesen sei, die Therapie jedoch wegen der 

COVID-19-Pandemie abgebrochen habe. Eine Behandlung sei dennoch eigentlich durchge-

hend notwendig gewesen. Ab Herbst 2020 sei er wieder bei Dr. D.____ in Behandlung gewe-

sen, bevor er im April 2021 zu Dr. N.____ gewechselt habe, da ihm deren Therapieansatz bes-

ser gelegen habe. Überdies machte der Beschwerdeführer Angaben zu seiner Lebens- und 

Berufsbiografie und erläuterte, dass er wegen der Mangelernährung in seiner frühen Kindheit 

auch geistig eingeschränkt sei.  

 

7.1 Die Beschwerdegegnerin stütze sich in der angefochtenen Verfügung vom 18. August 

2020 vollumfänglich auf die Angaben des behandelnden Orthopäden F.____ vom 10. und 

26. März 2020. Sie ging demzufolge davon aus, dass der Beschwerdeführer in einer leidensan-

gepassten, wechselbelasteten Tätigkeit im Gehen, Stehen und Sitzen sowie ohne Zwangsposi-

tionen und ohne Heben und Tragen von Gewichten über 10 kg vollschichtig arbeitsfähig sei. 

Aufgrund dieser Einschätzung ermittelte Sie eine Erwerbseinbusse von 1,2% und lehnte den 

Anspruch auf eine Umschulung ab. Im Rahmen ihrer Vernehmlassung und ihres heutigen Par-

teivortrags ergänzte die Beschwerdegegnerin, dass keine genügenden Anhaltspunkte dafür 

bestünden, dass im Verfügungszeitpunkt eine psychiatrische Erkrankung vorgelegen habe. Der 

Versicherte habe sich damals nicht in psychiatrischer Behandlung befunden. Dr. D.____ habe 

auch mit Bericht vom 7. Oktober 2020 keine psychiatrischen Diagnosen gestellt. Auch für die 

Vergangenheit sei keine schlüssige Diagnosekette ersichtlich. Die Arztberichte von Dr. N.____ 

seien deutlich nach dem Erlass der Verfügung erstellt worden und seien im vorliegenden Ver-

fahren nicht zu berücksichtigen. Insgesamt fänden sich in den Akten keine Hinweise darauf, 

dass der Versicherte im Verfügungszeitpunkt und aktuell aus psychiatrischer Sicht massgeblich 

in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (gewesen) sei.  

 

7.2 Es ist nach Lage der Akten erstellt und unter den Parteien unbestritten, dass dem Be-

schwerdeführer wegen seiner Rückenbeschwerden die erlernte Tätigkeit als Winzer sowie die 

angestammte Tätigkeit als Landschaftsgärtner nicht mehr zumutbar sind. In orthopädischer 

Hinsicht ist der massgebliche Sachverhalt klar. Fraglich ist indessen, ob der Gesundheitszu-

stand des Beschwerdeführers – insbesondere in psychiatrischer Hinsicht – genügend abgeklärt 

worden ist, um über einen Umschulungsanspruch zu entscheiden.  

 

7.3 Wie in Erwägung 4.1 hiervor ausgeführt, ist das sozialversicherungsrechtliche Verfah-

ren vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht, wobei sich aus der Sach- und Rechtslage ergibt, 

welche Tatsachen zu beweisen sind. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt, ist dabei 

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der Sachverhalt massgebend, wie er sich bis zum Erlass der Verfügung am 18. August 2020 

entwickelt hat. Spätere Arztberichte sind jedoch bei der Beurteilung miteinzubeziehen, soweit 

sie Rückschlüsse auf die in diesem Zeitpunkt gegebene Situation erlauben (BGE 121 V 362 

E. 1b in fine; Urteil des Bundesgerichts vom 3. August 2021, 8C_397/2021, E. 3.2.3). Dies ist 

vorliegend einerseits beim Arztbericht von Dr. D.____ vom 7. Oktober 2020 der Fall. Dr. D.____ 

berichtet darin von einer langjährigen und wiederholten Behandlung des Beschwerdeführers, 

womit gewichtige Anhaltspunkte für eine entsprechend langjährige psychiatrische Problematik 

gegeben sind. Andererseits enthalten auch die Berichte der aktuell behandelnden Dr. N.____ 

Hinweise auf eine – möglicherweise seit Kindheit bzw. Jugend – bestehende psychiatrische 

Erkrankung. Damit erlauben letztlich sowohl die Berichte von Dr. D.____ als auch diejenigen 

von Dr. N.____ gewisse Rückschlüsse auf die Situation im Verfügungszeitpunkt. Der im vorlie-

genden Rechtsmittelverfahren eingereichte Bericht der Depressionssprechstunde bei 

Dr. J.____ vom 3. Juli 2013 bekräftigt diese Einschätzung. Doch bereits im Verfügungszeitpunkt 

lagen der Beschwerdegegnerin Hinweise für eine psychiatrische Erkrankung vor. Obwohl der 

Beschwerdeführer nicht explizit eine psychische Beeinträchtigung geltend gemacht hat, hat er 

doch bereits in seiner Anmeldung bei der IV Dr. D.____ als behandelnden Psychiater angege-

ben und mit der Anmeldung ausserdem diverse von ihm ausgestellte Arbeitsunfähigkeitszeug-

nisse eingereicht. Die zuständige IV-Stelle ist zwar nicht verpflichtet, in jede erdenkliche Rich-

tung abzuklären. Indessen ist letztlich nicht vollends nachvollziehbar, weshalb sich die Be-

schwerdegegnerin mit der Mitteilung von Dr. D.____, der Patient befinde sich bei ihm nicht 

mehr in Behandlung, begnügt hat, zumal sich der ehemals behandelnde Psychiater weder über 

die Dauer der Behandlung bei ihm noch über die während der Behandlung im Raum stehenden 

Beschwerden geäussert hat.  

 

7.4 Nicht ausschlaggebend, da nach dem massgeblichen Verfügungszeitpunkt ergangen, 

sind demgegenüber die Ergebnisse der funktionsorientierten medizinischen Abklärung der 

E.____ sowie der Bericht der Stiftung O.____. Dennoch bekräftigen diese Berichte, dass beim 

Beschwerdeführer eine massgebliche psychiatrische und gegebenenfalls neurologische bzw. 

neuropsychologische Beeinträchtigung vorliegen könnte, wobei insbesondere die von der 

Fachärzteschaft der E.____ in der Anamnese festgehaltenen transitorischen globalen Amne-

sien möglicherweise auch eine Zeit vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung betreffen.  

 

7.5 Nach dem Ausgeführten steht fest, dass letztlich nicht geklärt ist, ob und welche psy-

chische, neurologische oder neuropsychologische Einschränkungen beim Beschwerdeführer 

bestehen oder bestanden. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ist nicht genügend 

abgeklärt worden, obschon Anhaltspunkte für eine massgebliche gesundheitliche Einschrän-

kung vorliegen und im Verfügungszeitpunkt vorlagen. Steht indessen die gesundheitliche Ein-

schränkung nicht fest, so kann der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Umschulung 

nicht abschliessend beurteilt werden. Der relevante medizinische Sachverhalt bedarf vielmehr 

weiterer Abklärung.  

 

8.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können die Sozialversicherungsgerichte 

nicht frei entscheiden, ob sie eine Streitsache zur (neuen) Begutachtung an die Verwaltung zu-

rückweisen. Die Beschwerdeinstanz hat vielmehr im Regelfall selbst ein Gerichtsgutachten ein-

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zuholen, wenn sie einen im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen Sachverhalt über-

haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem 

rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Eine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hinge-

gen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten 

Frage begründet ist oder, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von 

gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1).  

 

8.2 Bei der Abklärung des Gesundheitszustandes in psychischer Hinsicht (und gegebenen-

falls in weiteren medizinischen Disziplinen) handelt es sich letztlich um einen bisher ungeklärten 

Aspekt des Leistungsanspruches des Beschwerdeführers. Da es nicht die Aufgabe der kanto-

nalen Gerichte ist, im Verwaltungsverfahren versäumte medizinische Abklärungen nachzuho-

len, steht einer Rückweisung an die Vorinstanz nichts entgegen. Diese wird angehalten, den 

Gesundheitszustand des Beschwerdeführers umfassend, jedoch insbesondere in psychiatri-

scher Hinsicht, abzuklären und notwendigenfalls eine Begutachtung anzuordnen. Gestützt auf 

die Ergebnisse dieser Aktenergänzung wird die Beschwerdegegnerin anschliessend über den 

Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu zu befinden haben. Die vorliegende Beschwer-

de ist in diesem Sinne gutzuheissen. 

 

9.1 Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Be-

willigung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht 

kostenpflichtig. Bei Parteiverhandlungen setzt das Gericht die Verfahrenskosten in Berücksich-

tigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens einheitlich auf Fr. 1’000.-- fest. Nach § 20 Abs. 3 

VPO werden die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei in angemessenem 

Ausmass auferlegt. Vorliegend ist die IV-Stelle unterliegende Partei, weshalb die Verfahrens-

kosten ihr aufzuerlegen sind.  

 

9.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Person Anspruch 

auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den 

Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses be-

messen. Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts genügt für den bundesrechtlichen An-

spruch auf eine Parteientschädigung auch ein formelles Obsiegen in dem Sinne, dass der be-

schwerdeführenden Person durch die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und der Rück-

weisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Beurteilung alle Rech-

te im Hinblick auf eine beanspruchte Leistung gewahrt bleiben (vgl. BGE 132 V 215 E. 6.2). 

Nachdem die Beschwerde gutzuheissen und die Sache zur erneuten Abklärung im Sinne der 

Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, hat diese dem Beschwerdeführer eine Par-

teientschädigung auszurichten. Der Vertreter des Beschwerdeführers hat am 17. Februar 2022 

seine Honorarnote eingereicht und einen Aufwand von insgesamt 31 Stunden und 20 Minuten 

sowie Auslagen von Fr 303.60 geltend. Die ausgewiesenen Bemühungen und Auslagen müs-

sen als zu hoch bezeichnet werden. Das Kantonsgericht hat anlässlich der heutigen Urteilsbe-

ratung beschlossen, den Entscheid über die Höhe des Honorars in Bedacht zu nehmen. Dieser 

Entscheid ergeht in einem separaten Beschluss. 

 

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10. Gemäss Art. 90 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG) vom 17. Juni 2005 

ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht zulässig 

gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen. Selbständig eröffnete Zwischenentscheide 

sind – mit Ausnahme der Zwischenentscheide über die Zuständigkeit und über Ausstandsbe-

gehren (Art. 92 BGG) – nur mit Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten anfecht-

bar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 93 Abs. 1 lit. a 

BGG) oder wenn die Gutheissung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und 

damit einen bedeutenden Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren 

ersparen würde (Art. 93 Abs. 1 lit. b BGG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung han-

delt es sich bei einem Rückweisungsentscheid an den Versicherungsträger zur Aktenergänzung 

und anschliessenden Neuverfügung nicht um einen Endentscheid, sondern um einen Zwi-

schenentscheid im Sinne von Art. 93 Abs. 1 BGG. Dies gilt auch für einen Rückweisungsent-

scheid, mit dem eine materielle Teilfrage (z.B. eine von mehreren materiell-rechtlichen An-

spruchsvoraussetzungen) beantwortet wird (vgl. BGE 133 V 477 E. 4.2). Beim vorliegenden 

Rückweisungsentscheid handelt es sich um solchen einen Zwischenentscheid im Sinne des 

BGG. Demnach ist gegen ihn eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an 

das Bundesgericht nur unter den in Art. 93 Abs. 1 BGG genannten Voraussetzungen zulässig. 

Ob diese erfüllt sind, entscheidet das Bundesgericht. Die nachstehende Rechtsmittelbelehrung 

erfolgt unter diesem ausdrücklichen Vorbehalt. 

 

  

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Demgemäss wird  e r k a n n t : 

 

://: 1. Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, als die angefochtene 

Verfügung vom 18. August 2020 aufgehoben und die Angelegenheit zu 

weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zum Erlass einer 

neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird. 

 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'000.-- werden der Be-

schwerdegegnerin auferlegt. 

Dem Beschwerdeführer wird der geleistete Kostenvorschuss in der 

Höhe von Fr. 1'000.-- zurückerstattet. 

 3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine angemes-

sene Parteientschädigung auszurichten. 

Der Entscheid über die Höhe des Honorars wird in Bedacht genommen 

und ergeht in einem separaten Beschluss. 

 

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