# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8eb2b408-d063-5be1-8a24-54cef597e4c4
**Source:** Bundesstrafgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-02-07
**Language:** de
**Title:** Bundesstrafgericht 07.02.2023 BB.2022.122
**Docket/Reference:** BB.2022.122
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BSTG_001_BB-2022-122_2023-02-07

## Full Text

Stundung und Erlass (Art. 425 StPO);;Stundung und Erlass (Art. 425 StPO);;Stundung und Erlass (Art. 425 StPO);;Stundung und Erlass (Art. 425 StPO)

Verfügung vom 7. Februar 2023 
Beschwerdekammer 

Besetzung  Bundesstrafrichter 

Patrick Robert-Nicoud, als Einzelrichter, 

Gerichtsschreiberin Santina Pizzonia  

   
 

Parteien 

  

A.,  

Gesuchsteller 

 

  

   

Gegenstand  Stundung und Erlass (Art. 425 StPO) 

  

B u n d e s s t r a f g e r i c h t   

T r i b u n a l  p é n a l  f é d é r a l  

T r i b u n a l e  p e n a l e  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  p e n a l  f e d e r a l  

 

 

Geschäftsnummer: BB.2022.122 

  

 

 

 

- 2 - 

 

 

Sachverhalt: 

 

A. Mit Beschluss BB.2022.35 (BP.2022.30) vom 8. April 2022 wies die Be-

schwerdekammer des Bundesstrafgerichts die Beschwerde von A. wegen 

Rechtsverweigerung durch die Bundesanwaltschaft ab, soweit sie darauf 

eintrat. Dabei wurde das Gesuch von A. um unentgeltliche Rechtspflege im 

Beschwerdeverfahren wegen offensichtlicher Aussichtslosigkeit der Be-

schwerde abgewiesen und ihm gestützt auf Art. 428 StPO i.V.m. Art. 73 

StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 1 BStKR ausgangsgemäss eine Gerichtsge-

bühr von Fr. 2'000.-- auferlegt.  

Mit Beschluss BB.2021.217-218 (BP.2021.80-81) vom 8. April 2022 wies die 

Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts die Beschwerde von A. und 

der B. AG, deren Verwaltungsratspräsident A. ist, wegen Rechtsverweige-

rung durch die Bundesanwaltschaft ab, soweit sie darauf eintrat. Dabei 

wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Beschwerdeverfahren 

wegen offensichtlicher Aussichtslosigkeit der Beschwerde abgewiesen und 

A. sowie der B. AG wurde gestützt auf Art. 428 StPO i.V.m. Art. 73 StBOG 

und Art. 5 und 8 Abs. 1 BStKR ausgangsgemäss eine Gerichtsgebühr von 

Fr. 2'000.-- auferlegt.  

 

 

B. Betreffend die beiden vorgenannten Beschlüsse gelangte A. mit einer einzi-

gen Eingabe vom 13. April 2022 an die Beschwerdekammer des Bun-

desstrafgerichts und ersuchte in einem ersten Punkt um Erlass «aufgrund 

seiner Mittellosigkeit» der «augenscheinlich überhöht angesetzten» Verfah-

renskosten aus dem Beschwerdeverfahren BB.2022.35 (BP.2022.30) sowie 

aus dem Beschwerdeverfahren BB.2021.217-218 (BP.2021.80-81). In ei-

nem zweiten Punkt beantragte er, die Gerichtsgebühr sei je auf Fr. 500.-- zu 

reduzieren (BB.2022.50 und BB.2022.51, je act. 1).  

Für das Gesuch um Erlass oder Reduktion der Verfahrenskosten des Be-

schwerdeverfahrens BB.2022.35 (BP.2022.30) wurde das Verfahren 

BB.2022.50 und für das zweite Gesuch betreffend die Verfahrenskosten des 

Beschwerdeverfahrens BB.2021.217-218 das Verfahren BB.2022.51 eröff-

net. 

Mit Verfügung BB.2022.50 vom 5. September 2022 wurde das Gesuch be-

treffend die Verfahrenskosten des Beschwerdeverfahrens BB.2022.35 man-

gels ausreichender Substantiierung und Bedürftigkeitsnachweises abgewie-

sen und A. ausgangsgemäss eine Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- auferlegt.   

- 3 - 

 

 

Mit Verfügung BB.2022.51 vom 5. September 2022 wurde ebenfalls das Ge-

such betreffend die Verfahrenskosten des Beschwerdeverfahrens 

BB.2021.217-218 mangels ausreichender Substantiierung und Bedürftig-

keitsnachweises abgewiesen und A. ausgangsgemäss eine Gerichtsgebühr 

von Fr. 2'000.-- auferlegt.   

 

C. Betreffend die beiden vorgenannten Verfügungen BB.2022.50 und 

BB.2022.51 je vom 5. September 2022 gelangt A. mit einer einzigen Eingabe 

vom 14. September 2022 an die Beschwerdekammer des Bundesstrafge-

richts und ersucht um Erlass «aufgrund seiner Mittellosigkeit» der «augen-

scheinlich überhöht angesetzten» Verfahrenskosten «im Umfang von 

Fr. 4000.--, d.h. 2 x Fr. 2000 und Fr. 2000, d.h. 2 x Fr.1000». Eventualiter 

seien die Verfahrenskosten auf je Fr. 500.-- zu reduzieren, d.h. auf einen 

Nettogesamtbetrag von Fr. 2'000.-- (BB.2022.122, act. 1). Mit Schreiben da-

tiert vom 24. September 2022 reichte A. eine weitere Eingabe ein, welche 

nach seiner Darstellung eine Wiederholung seines Schreibens vom 14. Sep-

tember 2022 darstelle (act. 2). Von der Eröffnung von zwei separaten Ver-

fahren wurde ausnahmsweise abgesehen. 

 

 

 

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

 

1.  

1.1 Forderungen aus Verfahrenskosten können von der Strafbehörde gestundet 

oder unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse der kosten-

pflichtigen Person herabgesetzt oder erlassen werden (Art. 425 StPO). Die 

Beschwerdekammer ist zuständig zur Behandlung von Gesuchen um Erlass 

von Verfahrenskosten, welche ein rechtskräftig abgeschlossenes Beschwer-

deverfahren betreffen (vgl. TPF 2019 35 E. 1.1 m.w.H.). Die Beschwer-

deinstanz entscheidet als Einzelgericht über Gesuche um Erlass der Verfah-

renskosten, sofern der Schwellenwert von 5000 Franken gemäss Art. 395 

lit. b StPO nicht überschritten wird (vgl. TPF 2019 35 E. 1). Demnach ent-

scheidet in casu grundsätzlich der Einzelrichter über das Gesuch.  

 

1.2 Vorliegend ersucht der Gesuchsteller um Erlass von Verfahrenskosten, de-

ren Auflage neun Tage zuvor in zwei Verfahren betreffend Erlass und Stun-

dung von Verfahrenskosten gemäss Art. 425 StPO angeordnet wurde 

(s. supra lit. B f.). Es kann offensichtlich nicht im Sinne des Gesetzgebers 

sein, dass die mit der Abweisung eines Gesuchs um Erlass oder Stundung 

von Verfahrenskosten einhergehende Kostenauflage umgehend wiederum 

- 4 - 

 

 

Gegenstand eines Gesuchs um Erlass und Stundung dieser Verfahrenskos-

ten ist. Entsprechend ist auf das Gesuch nicht einzutreten. Bei diesem Prü-

fungsergebnis ist auf die Frage, ob das Gesuch vorliegend allenfalls rechts-

missbräuchlich gestellt wurde, nicht weiter einzugehen.  

 

Selbst wenn auf das Gesuch einzutreten wäre, wäre es aus den nachfolgen-

den Gründen abzuweisen (s. nachstehend E. 2).  

 

 

2.  

2.1 Stundungen und Erlass von Forderungen aus Verfahrenskosten dienen 

vorab der Resozialisierung der beschuldigten Person, denn die Kostenauf-

lage kann sie in Anbetracht der mitunter sehr hohen Auslagen erheblich fi-

nanziell belasten und eine Rückkehr in geordnete Verhältnisse erschweren.  

 

Die Anwendung von Art. 425 StPO setzt voraus, dass die wirtschaftlichen 

Verhältnisse der kostenpflichtigen Person derart angespannt sein müssen, 

dass eine (ganze oder teilweise) Kostenauflage als unbillig erscheint. Das ist 

dann der Fall, wenn die Höhe der auferlegten Kosten unter Berücksichtigung 

der wirtschaftlichen Lage der kostenpflichtigen Person deren Resozialisie-

rung bzw. finanzielles Weiterkommen ernsthaft gefährden kann (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_610/2014 vom 28. August 2014 E. 3; Beschluss des 

Bundesstrafgerichts BB.2018.133 vom 15. Februar 2019 E. 2.1, nicht publi-

ziert in TPF 2019 35; je m.w.H.). Mit der Konzipierung von Art. 425 StPO als 

Kann-Bestimmung belässt der Gesetzgeber der Strafbehörde beim Kosten-

entscheid einen grossen Ermessens- und Beurteilungsspielraum (Urteil des 

Bundesgerichts 6B_610/2014 vom 28. August 2014 E. 3; Beschluss des 

Bundesstrafgerichts BB.2018.133 vom 15. Februar 2019 E. 2.2, nicht publi-

ziert in TPF 2019 35; je m.w.H.).  

 

2.2 Wie in den verfahrensgegenständlichen Verfügungen des Einzelrichters der 

Beschwerdekammer BB.2022.50 und BB.2022.51 je vom 5. September 

2022 im Einzelnen ausgeführt, ist dem Gesuchsteller das Verfahren um Er-

lass der Verfahrenskosten gemäss Art. 425 StPO bereits seit Jahren aus 

eigener Erfahrung bekannt. Ihm ist insbesondere bekannt, dass ihn – wie 

auch bei der Prüfung der Voraussetzungen für eine amtliche Verteidigung – 

bei der Abklärung seiner finanziellen Verhältnisse eine gewisse Mitwirkungs-

pflicht trifft. Namentlich im Zusammenhang mit Gesuchen um unentgeltliche 

Rechtspflege ist ihm bekannt, dass sein Gesuch mangels ausreichender 

Substantiierung oder mangels Bedürftigkeitsnachweises abgewiesen wer-

den kann, wenn er der ihm obliegenden Pflicht zur Offenlegung seiner finan-

ziellen Verhältnisse nicht nachkommt bzw. wenn die vorgelegten Urkunden 

- 5 - 

 

 

und die gemachten Angaben kein kohärentes und widerspruchsfreies Bild 

seiner finanziellen Verhältnisse ergeben. Der Gesuchsteller kommt seit Jah-

ren in den bisherigen Verfahren vor der Beschwerdekammer trotz wiederhol-

ter Aufforderungen zur Offenlegung der finanziellen Verhältnisse seinen Mit-

wirkungspflichten nicht nach. Der Gesuchsteller weiss, dass aufgrund des-

sen die Beschwerdekammer ihn nicht mehr zur Nachreichung von Unterla-

gen zur Offenlegung seiner finanziellen Verhältnisse auffordert.   

 

2.3 Der Gesuchsteller macht vorliegend zwar zur Begründung seines Gesuchs 

um Erlass der Verfahrenskosten wiederum Mittellosigkeit geltend, er belegt 

aber die geltend gemachten finanziellen Verhältnisse wie bis anhin nicht 

(s. zuletzt Verfügungen des Einzelrichters der Beschwerdekammer 

BB.2022.50 und BB.2022.51 vom 5. September 2022). Dieses Vorgehen 

des Gesuchstellers, in Kenntnis der Entscheidgrundlagen des Gerichts (aus-

reichende Substantiierung/Bedürftigkeitsnachweis) und des Verzichts des 

Gerichts, von diesem Unterlagen nachzufordern, rechtfertigt mit Blick auf 

sein seit Jahren gleichförmiges Prozessverhalten auch in casu keine Weite-

rungen. Mit seinem Einwand, in den betreffenden Verfügungen werde nicht 

erwähnt, welche konkreten Bestätigungen einzureichen seien, scheint der 

Gesuchsteller die in den vergangenen Jahren wiederholten Aufforderungen 

zur Offenlegung der finanziellen Verhältnisse verkennen zu wollen. Er führt 

in seinem Gesuch aus: «Gemäss beiliegender Kopie der Betreibung und 

Zwangspfaendung vom 10.1.22 der Eidgenossenschaft fuer eine Ersatzfor-

derung von rund Fr. 3.9 Mio. geht hervor, dass keinerlei pfaendbares Ver-

moegen oder Einkommen vorhanden ist und ein Verlustschein ausgestellt 

wird». Das genannte Dokument legte der Gesuchsteller seiner Eingabe ent-

gegen seinen Ausführungen gerade nicht bei (s. act. 1.1 f.). Nach dem Ge-

sagten erweist sich deshalb das Gesuch mangels ausreichender Substanti-

ierung und Bedürftigkeitsnachweises als unbegründet und es müsste abge-

wiesen werden, wenn darauf einzutreten wäre.  

 

 

3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Gesuchsteller dessen Kosten 

zu tragen (vgl. Art. 428 Abs. 1 StPO; Beschluss des Bundesstrafgerichts 

BB.2018.133 vom 15. Februar 2019 E. 5 m.w.H., nicht publiziert in TPF 2019 

35). Das vorliegende Gesuch betrifft mehrere Verfahren. Unter Berücksich-

tigung aller relevanten Umstände ist die Gerichtsgebühr in casu gesamthaft 

auf Fr. 2‘000.-- festzusetzen (vgl. Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 1 

BStKR). Dem Gesuchsteller sind die Kostenfolgen, welche mit einem abge-

wiesenen Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten einhergehen, bereits seit 

Jahren aus eigener Erfahrung bekannt (s. zuletzt Verfügungen des Einzel-

richters der Beschwerdekammer BB.2022.50 und BB.2022.51 vom 

- 6 - 

 

 

5. September 2022). Ihm ist insbesondere aus allen von ihm angestrengten 

Verfahren bei der Beschwerdekammer bekannt, dass seine Gesuche um un-

entgeltliche Rechtspflege bei offensichtlicher Aussichtslosigkeit in der Sache 

ohne Überprüfung seiner finanziellen Situation abzuweisen sind, und sein 

Prozessverhalten finanzielle Folgen für ihn nach sich zieht.  

 

- 7 - 

 

 

Demnach erkennt der Einzelrichter: 

 

1. Auf das Gesuch wird nicht eingetreten. 

 

2. Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Gesuchsteller auferlegt. 

 

 

Bellinzona, 8. Februar 2023 

 

Im Namen der Beschwerdekammer 

des Bundesstrafgerichts 

 

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zustellung an 

 

- A. 

 

 

 

 

Rechtsmittelbelehrung 

Gegen diesen Entscheid ist kein ordentliches Rechtsmittel gegeben.