# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 8778b995-6742-58fa-96af-b432ef6cda7f
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2020-10-15
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 15.10.2020 F-4955/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_F-4955-2020_2020-10-15.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung VI 

F-4955/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 5 .  O k t o b e r  2 0 2 0  

Besetzung 
 Einzelrichterin Regula Schenker Senn, 

mit Zustimmung von Richterin Barbara Balmelli, 

Gerichtsschreiberin Annina Mondgenast. 
 

 
 

Parteien 
 A._______, geboren am (…), und ihr Sohn, 

B._______, geboren am (…), 

beide Afghanistan, 

(…), 

Beschwerdeführende,  

 
 

 
gegen 

 
 

Staatssekretariat für Migration SEM, 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

 
 

 
 

Gegenstand 
 Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  

(Dublin-Verfahren);  

Verfügung des SEM vom 29. September 2020 / N (…). 

 

 

 

F-4955/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin ersuchte am 6. September 2020 für sich und ihren 

Sohn in der Schweiz um Asyl. Ein Abgleich mit der Fingerabdruck-Daten-

bank «Eurodac» ergab, dass sie bereits am 30. Mai 2018 in Griechenland 

und am 12. Dezember 2019 in Frankreich Asyl beantragt hatte. 

Anlässlich der Befragung vom 23. September 2020 wurde der Beschwer-

deführerin das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensent-

scheid und der Möglichkeit einer Überstellung nach Frankreich gewährt, 

welches gemäss Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-

ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und 

Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines 

von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-

staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-

gend: Dublin-III-VO), grundsätzlich für die Behandlung ihres Asylgesuchs 

zuständig sei. Sie machte geltend, ihr Asylgesuch sei in Frankreich abge-

wiesen worden und sie habe keine Informationen erhalten, wohin sie ge-

hen müsse. Sie wolle nicht nach Frankreich zurückkehren, da sie mit ihrem 

dort lebenden Schwager Probleme habe. Sie sei mit ihren Kindern aus ih-

rem Heimatstaat geflohen, obwohl die Familie ihres verstorbenen Eheman-

nes dagegen gewesen sei. Drei Kinder würden sich noch in Griechenland 

aufhalten; mit dem jüngsten Sohn sei sie nach Frankreich und dann in die 

Schweiz gereist. Sie habe nun Angst, ihr Schwager werde ihr etwas antun. 

In Frankreich habe sie zudem keine Hilfe für ihren Sohn erhalten, die Un-

terbringung sei schlecht gewesen und ihre Anliegen seien nicht ernst ge-

nommen worden. Körperliche Beschwerden habe sie keine, psychisch 

gehe es ihr aber nicht gut. Aufgrund von Stress habe sie Wunden an den 

Händen, die nicht verheilen würden. Ihr Sohn sei gesund. 

B.  

Am 23. September 2020 ersuchte die Vorinstanz die französischen Behör-

den um Rückübernahme der Beschwerdeführenden gemäss Art. 18 Abs. 1 

Bst. d Dublin-III-VO. Diese hiessen das Gesuch am 27. September 2020 

gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO gut. 

C.  

Mit Verfügung vom 29. September 2020 (eröffnet tags darauf) trat die Vor-

instanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf die 

Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht ein und verfügte die Über-

F-4955/2020 

Seite 3 

stellung nach Frankreich, welches gemäss Dublin-III-VO für die Behand-

lung ihrer Gesuche zuständig sei. Gleichzeitig verfügte die Vorinstanz den 

Vollzug der Wegweisung dorthin und stellte fest, einer allfälligen Be-

schwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu. 

D.  

Die zugewiesene Rechtsvertretung zeigte mit Schreiben vom 30. Septem-

ber 2020 die Beendigung des Mandatsverhältnisses an. 

E.  

Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 5. Oktober 2020 

beantragten die Beschwerdeführenden, die vorinstanzliche Verfügung sei 

aufzuheben und auf ihre Asylgesuche sei einzutreten. Eventualiter sei die 

Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In pro-

zessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewährung der aufschiebenden Wir-

kung. Weiter sei ihnen die unentgeltliche Rechtspflege unter Verzicht auf 

die Erhebung eines Kostenvorschusses zu gewähren. 

Als Beweismittel reichten sie drei undatierte Fotos eines Brandes in ihrer 

Unterkunft in Frankreich, eine Kopie der "Zuweisung zur medizinischen Ab-

klärung" vom 25. September 2020 sowie 21 Fotokopien verschiedener me-

dizinischer Unterlagen aus Griechenland (alle die Mutter der Beschwerde-

führerin betreffend) ein. 

F.  

Mit superprovisorischer Massnahme vom 7. Oktober 2020 setzte das Bun-

desverwaltungsgericht den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen 

aus. Gleichentags trafen die vorinstanzlichen Akten beim Bundesverwal-

tungsgericht ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung 

von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und 

entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend 

– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-

führenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legiti-

miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-

schwerde (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

F-4955/2020 

Seite 4 

1.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

2.  

Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher 

Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-

ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend 

aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der Be-

schwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 

AsylG).  

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 

Schriftenwechsels verzichtet. 

3.  

3.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 

2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). 

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung dieses Staates prüft das SEM die 

Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. Führt diese Prüfung zur 

Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Durchführung des Asyl-

gesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mitglied-

staat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf das 

Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).  

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zu dessen Bestimmung 

F-4955/2020 

Seite 5 

wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag ge-

stellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). 

Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) sind 

die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort 

aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; 

vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation 

im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen Antrag in einem Mit-

gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO). Im Rah-

men eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet demge-

genüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapi-

tel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.). 

Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän-

digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-

nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-

tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen, 

die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung 

im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union 

(2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist 

zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu-

ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Staat als bestimmt wer-

den, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zuständig (Art. 3 

Abs. 2 Dublin-III-VO). 

4.3 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, 

einen Antragsteller, der während der Prüfung seines Antrags in einem an-

deren Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat oder der sich im Hoheitsgebiet 

eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufenthaltstitel aufhält, nach Massgabe 

der Artikel 23, 24, 25 und 29 wiederaufzunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. b 

Dublin-III-VO). 

Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO be-

schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten-

losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er 

nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung 

zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht).  

5.  

5.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke der Beschwerdeführerin mit der «Eu-

rodac»-Datenbank ergab, dass diese am 12. Dezember 2019 in Frankreich 

F-4955/2020 

Seite 6 

ein Asylgesuch eingereicht hatte. Die Vorinstanz ersuchte deshalb die fran-

zösischen Behörden am 23. September 2020 um Wiederaufnahme der Be-

schwerdeführenden gestützt auf Art. 23 Dublin-III-VO. Diese stimmten dem 

Gesuch am 27. September 2020 zu. 

Die Beschwerdeführerin bestreitet nicht, in Frankreich ein Asylgesuch ein-

gereicht zu haben, und auch die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mit-

gliedstaates blieb unbestritten. 

5.2 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentliche 

Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebedin-

gungen für Asylsuchende in Frankreich würden systemische Schwachstel-

len aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden 

Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich 

bringen würden.  

Auf Beschwerdeebene macht die Beschwerdeführerin geltend, die Lebens-

bedingungen in der Asylunterkunft in Frankreich seien von Gewalt geprägt 

und für ein Kleinkind nicht zumutbar gewesen. Bei einer allfälligen Rück-

kehr sei eine erneute Beherbergung sodann nicht gesichert. Sie fürchte 

sich zudem vor einer Verfolgung durch ihren in Frankreich lebenden 

Schwager, da sie nach dem Tod ihres Ehemannes eine neue Beziehung 

eingegangen sei.  

Frankreich ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-

zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-

niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens 

vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, 

SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 

(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-

kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-

linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 

26.  Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben. Der Beschwerdeführerin steht es sodann offen, sich 

bei Problemen mit anderen Personen an die französischen Behörden zu 

wenden. Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 

Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt. 

F-4955/2020 

Seite 7 

5.3 Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, ihr Asylantrag sei in 

Frankreich ohne Begründung und Rechtsmittelbelehrung abgewiesen wor-

den und sie und ihr Sohn würden in ihren Heimatstaat ausgeschafft wer-

den. Eine Rückweisung nach Frankreich stelle damit eine Verletzung des 

Non-Refoulement-Prinzips dar. Weiter verletze eine Überstellung nach 

Frankreich ihr Recht auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK, 

da sich ihre Mutter und Schwester in der Schweiz befinden würden. Die 

Mutter sei psychisch angeschlagen, weshalb sie auf die Unterstützung der 

Beschwerdeführerin angewiesen sei und eine erneute Trennung der Fami-

lie nicht verkraften würde. Bei der Beschwerdeführerin selbst habe die 

Flucht zu einer psychischen Belastung geführt. Damit fordern die Be-

schwerdeführenden die Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 

Abs. 1 Dublin-III-VO, respektive der – das Selbsteintrittsrecht im Landes-

recht konkretisierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 der Asylverord-

nung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311), gemäss welcher das 

SEM ein Asylgesuch "aus humanitären Gründen" auch dann behandeln 

kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig wäre. 

5.3.1 Die Beschwerdeführenden haben kein konkretes und ernsthaftes Ri-

siko dargetan, die französischen Behörden würden sich weigern, sie wie-

deraufzunehmen und ihren Antrag auf internationalen Schutz unter Einhal-

tung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn 

auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Frankreich werde in 

ihrem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und sie zur 

Ausreise in ein Land zwingen, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit 

aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie 

Gefahr laufen würden, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu 

werden. Ausserdem haben sie nicht dargetan, die sie bei einer Rückfüh-

rung erwartenden Bedingungen in Frankreich seien derart schlecht, dass 

sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK 

oder Art. 3 FoK führen könnten. Frankreich hat der Rückübernahme der 

Beschwerdeführenden vorliegend gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-

III-VO zugestimmt, weshalb entgegen der Ansicht der Beschwerdeführen-

den über ihr Asylgesuch noch nicht rechtskräftig befunden wurde. Der Voll-

ständigkeit halber ist festzuhalten, dass auch ein definitiver Entscheid über 

ein Asylgesuch und die Wegweisung in das Heimatland nicht per se eine 

Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips darstellen würden. Das Prinzip 

der Überprüfung eines Asylgesuchs durch einen einzigen Mitgliedstaat 

("one chance only") dient im Gegenteil der Vermeidung von multiplen Asyl-

gesuchen in verschiedenen Staaten (sogenanntes "asylum shopping"; vgl. 

F-4955/2020 

Seite 8 

BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3). Die geltend gemachten psychischen Prob-

leme sind nicht belegt, weshalb darauf nicht näher einzugehen ist. 

5.3.2 Auf den Schutz von Art. 8 EMRK können sich zunächst Mitglieder der 

Kernfamilie, mithin die Ehegatten und die minderjährigen Kinder, berufen. 

Über diesen engen Kern hinausgehende verwandtschaftliche Banden fal-

len nur dann unter den Schutz der Einheit der Familie, sofern eine genü-

gend nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung vorliegt. Hinweise für 

eine solche Beziehung sind das Zusammenleben in einem gemeinsamen 

Haushalt, eine finanzielle Abhängigkeit, speziell enge familiäre Bande, re-

gelmässige Kontakte oder die Übernahme von Verantwortung für eine an-

dere Person (vgl. BGE 135 I 143 E. 3.1 m.w.H.). Bei der Mutter und der 

Schwester der Beschwerdeführerin handelt es sich nicht um Mitglieder der 

Kernfamilie. Die Beschwerdeführenden begründen sodann das geltend ge-

machte Abhängigkeitsverhältnis nicht weiter, weshalb Art. 8 EMRK nicht 

angerufen werden kann. 

5.3.3 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-

messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist 

festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-

räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch 

BVGE 2010/45 E. 8.3). 

5.4 Allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zu-

sammenhang mit der COVID-19-Pandemie stellen – gemäss aktuellem 

Kenntnisstand – lediglich temporäre Vollzugshindernisse dar und vermö-

gen am Ausgang des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern (vgl. Urteil 

des BVGer F-1829/2020 vom 9. April 2020 E. 5.2). 

6.  

Die Vorinstanz ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 

Bst. b AsylG auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden nicht einge-

treten. Das sie nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlas-

sungsbewilligung sind, wurde die Überstellung nach Frankreich in Anwen-

dung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a 

AsylV 1). 

7.  

Das Fehlen von Überstellungshindernissen ist bereits Voraussetzung des 

Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG, weshalb 

allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20) 

F-4955/2020 

Seite 9 

unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen sind (vgl. BVGE 2015/18 

E. 5.2 m.w.H.). 

8.  

Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. 

Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes-

halb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung als ge-

genstandslos erweist. 

9.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Beschwerdefüh-

renden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– 

festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die 

Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, 

SR 173.320.2]). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist unbesehen der finanziellen Verhält-

nisse der Beschwerdeführenden abzuweisen, da die Beschwerde gemäss 

den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen ist und es 

daher an einer gesetzlichen Grundlage zu deren Gewährung fehlt. 

10.  

Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 7. Oktober 2020 verfügte Vollzugs-

stopp dahin. 

(Dispositiv nächste Seite)  

F-4955/2020 

Seite 10 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abge-

wiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 750.– werden den Beschwerdeführenden 

auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zuguns-

ten der Gerichtskasse zu überweisen. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, die Vorinstanz und die 

kantonale Migrationsbehörde. 

 

Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Regula Schenker Senn Annina Mondgenast 

 

 

Versand: