# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 5d1ebbb9-3156-589e-8502-d898e41813f1
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-06-18
**Language:** de
**Title:** Erstanmeldung, hirnorganische Störung mit Dissimulation, Gerichtsgutachten überzeugt, Rückweisung zur IV-Bemessung
**Docket/Reference:** IV.2021.00576
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2021.00576.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2021.00576
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold
Ersatzrichter Sonderegger
Gerichtsschreiberin Geiger
Urteil
vom
18. Juni 2025
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Rechtsanwalt Christian Jaeggi
advo5 Rechtsanwälte
Waltersbachstrasse
5, Postfach, 8021 Zürich 1
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1966 geborene
X.___
(in einer Partnerschaft lebend und kinderlos)
schloss im Jahr 1984 die Lehre zum Postbeamten ab und arbeitete als Ausbi
ldungsverantwortlicher in der
Y.___
der Z.___
,
als
er im Mai 2005 einen Hirninfarkt erlitt.
Nach einer kurzzeitigen
Arbeitsunfähig
keit
(vgl. Urk. 7/24)
war der Versicherte bis zur Kündigung seitens
der
Arbeit
geberin per 30. Juni 2012 weiterhin
zu 80 %
bei der
Z.___
tätig (vgl. Urk. 7/17
).
Anschliessend
bezog er Arbeitslosenentschädigung und konnte im April 2013 eine
einstweilen bis Ende 2013
befristete vollzeitliche Praktikumsstelle bei der
A.___
antreten (Urk. 7/4). Am 19. September 2013
meldete sich
X.___
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Ste
lle, zur Früherfassung (Urk. 7/3) und am 15. Oktober 2013
(Eingangs
datum)
zum Leistungsbezug an (Urk. 7/7). Diese klärte die medizinischen und erwerblichen Verhältnisse ab
und holte eine Stellungnahme des
r
egionalen
ä
rztlichen Dienstes (RAD) ein (vgl. E-Mails vom 21. und 24. März 2014, Urk. 7/28-29). Gestützt auf die Beurteilung von RAD-Arzt Dr. med.
B.___
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
, wonach ein medizinischer Gesundheitsschaden für medizinische Massnahmen ausgewiesen sei
(50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit)
,
gewährte die IV-Stelle Frühin
terventionsmassnahmen in Form von «Arbeitsvermittlung plus» (Mitteilung vom 26. März 2014, Urk. 7/30
,
vgl. Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung, Urk. 7/42
). Diese Ar
beitsvermittlung wurde
mit Mitteilung vom 11. August 2014
abgeschlossen
(Urk. 7/41)
,
nachdem
der Versicherte per 1.
Juni 2014 eine neue Tätigkeit
als
Teamleiter in der
Logistik
bei der
Z.___
gefunden hatte (
Schlussbericht vom 18.
Dezember 20
1
4, Urk. 7/43
).
1.2
Nachdem
X.___
seit dem 20. März 2017 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen war, meldete er sich am
22. Juni 2017
(Eingangsdatum) erneut zum Leis
tungsbezug an (
Urk. 7/45)
.
Die IV-Stelle tätigte daraufhin medizinisc
he und erwerbliche Abklärungen und zog die Akten der AXA Krankentag
geld
ver
sicherung bei. Mit Schreiben vom 14. September 2017 teilte sie dem
Versicherten mit,
dass vorerst die Arbeitsplatzerhaltung abgeschlossen werde, da
aus seiner Sicht
aktuell medizinische Massnahmen und Abklärungen im Vordergrund ständen
und es ihm nicht momentan nicht möglich sei, an Wiederein
glie
derungsmassnahmen teilzunehmen
(Urk. 7/60).
Die von der
Z.___
beigezogene
C.___
AG liess den Versicherten vertrauensärztlich untersuchen (
vgl.
vertragsärztlicher Bericht vom 14. März 2018, Urk. 7/108 S. 6 ff.)
und kam zum Schluss, dass
X.___
aufgrund der Diagnosen und des
bisherigen Verlaufs sowie der zu erwartenden Prognose für einen unein
geschränkten Einsatz in seiner angestammten Tätigkeit als Teamleiter
D.___
untauglich sei (vgl. Urk. 7/108 S. 2 f.).
Die IV-Stelle übernahm die Kosten für ein vom 5. November 2018 bis 31. Januar 2019 dauerndes, bei der
E.___
durchzuführendes Belastbarkeitstraining samt grossem IV-Taggeld (vgl. Mittei
lung vom 16.
Oktober 2018, Urk. 7/127-128).
Mit Arztzeugnis vom 26. November 2018
riet Dr. med.
F.___
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, von einer ab Dezember 2018 geplanten Steigerung des Tagespensums beim Belastbarkeitstraining ab (Urk. 7/131), weshalb dieses per 14. Dezember 2018 aufgehoben wurde (Urk. 7/133). Die
Z.___
löste das Arbeits
verhältnis per Ende
März
2019 auf
. Vom 16. Januar bis 26. Februar 2019 befand sich der Versicherte in der Klinik
G.___
in stationärer psycho
somatisch-sozialmedizinischer Rehabilitationsbehandlung (vgl. Austritts
bericht vom 27. Februar 2019, Urk. 7/143). Im weiteren Verlauf liess die IV-Stelle
X.___
durch die
H.___
AG
I.___
polydisziplinär (
allgemein-internistisch, neurologisch, neuropsychologisch und psychiatrisch) begutachten (interdis
ziplinäres Gutachten vom 6. Januar 2020 samt neuropsychologischem Teil
gut
achten vom 15. Novem
ber 2019, Urk. 7/157-158).
Gestützt auf die versich
erungs
medizinische
Beur
teilung von
PD Dr. med. univ.
J.___
, Facharzt Neurologie, Zertifizierter Medizinischer Gutachter SIM und Vertrauens
arzt SGV, RAD
vom
28. Januar 2020
(vgl. Feststellungsblatt für den
Beschluss
vom
21. Februar 2020, Urk. 7/160 S. 13 ff.)
kündigte die IV
-Stelle dem
Ver
sicherten mit Vorbescheid vom
21. Februar 2020 die Abweisung seines
Leis
tung
sbegehrens an (Urk. 7/161). Dagegen
erhob
X.___
am 17. März respektive 29. April 2020 Einwand (Urk. 97/165
und Urk. 7/170 S. 1-6
, samt diverser B
eilagen, Urk. 7/169).
Am 14. Juli 2020 beantwortete
die begutachtende
H.___
die von der IV-Stelle
gestellten Rückfragen (Urk. 7/173 und Urk. 7/176
), wozu sich
der
Versicherte mit Eingabe
vom 5. Januar 2021
äusserte
(Urk. 7/200)
,
un
ter Beilage einer Akten-Stellung
nahme von
lic.
ph
il
.
K.___
,
Fachpsychologin für Neur
o
psychologie FSP und Psychotherapie FSP
sowie eidgenössisch an
erkannte Psychotherapeutin, vom 30. Dezember 202
0
(
Urk. 7/199)
.
Die Gutachte
r der
H.___
wurden am 2. März 2021 zur Beantwortung der im
weiteren
Einwandverfahren
vorge
brachten Kritikpunkte gebeten (Urk. 7/202)
.
Die Antwort erfolgte
am 17. März 2021 (Urk. 7/206). Dazu nahm der Versicherte am 9. Juni 2021 Stellung (Urk. 7/214).
Mit Verfügung vom
27. August 2021
wies die IV
-
Stelle wie vorbe
schieden das Leistungsbegehen ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen
e
rhob
X.___
am 24. September 2021 Beschwerde und beantragte
, es seien ihm unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 27. August 2021 die gesetzlich vorgesehenen Leistungen der Invalidenversicherung, insbe
sondere eine im Ausmass noch zu bestimmende Invalidenrente zuzusprechen, eventuell sei die Sache zur Vornahme weitere medizinischer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen (Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort
vom 8. November 2021 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 7/1-220), was dem Beschwerdeführer am 10. November 2021 mitgeteilt wurde (Urk. 9
).
3.
3.1
Mit Beschluss vom 14.
Juni
202
3
wurde vom Gericht ein polydisziplinäres Gutachten angeordnet und es wurde den Parteien Gelegenheit gegeben, um zur vorgesehenen Fragestellung Änderungen und Ergänzungen zu beantragen. Es wurde sodann in Aussicht genommen, dass die
L.___
Begutachtung, Versi
che
rungsmedizin, Universitätsspital
M.___
, mit der Begutachtung beauftragt werde (Urk.
10
).
Die
Beschwerde
gegnerin
verzichtete am
29. Juni 2023
auf die Stellung von Zusatzfragen (Urk.
12
).
Der Beschwerdeführer
erhob mit seiner
Eingabe vom
6. Juli 2023
keine Einwände gegen die vorgesehene Gutachterstelle und machte beim Fragenkatalog Änderungsvorschläge
(Urk.
1
3
).
Am
26. Juli 2023 meldete der Beschwerdeführer veränderte Verhältnisse (Urk. 14).
Mit Beschluss vom
22.
August 2023
gab
das Gericht
dem
Antr
a
g de
s Beschwerdeführers auf Aufnahme der Änderungsvorschläge teilweise statt
.
Es beauftragte die
L.___
mit der Begutachtung und forderte diese auf, die für die Begutachtung vorgesehenen Ärztinnen und Ärzte bekanntzugeben (Urk.
15
). Nachdem gegen den Beschluss vom 2
2. August 2023
kein Rechtsmittel eingelegt
worden war
, stellte das Gericht der
L.___
am
19.
Oktober 2023
die Akten zu und forderte sie auf, die für die Begutachtung vorgesehenen Ärztinnen und Ärzte bekanntzugeben (Urk.
17
). Dieser Aufforderung kam die
L.___
am
5.
Januar 2024
nach (Urk.
19
). Beide Parteien erhoben keine Einwände gegen die mit der Begutachtung betrauten Ärztinnen und Ärzte (Urk.
22-23
). Mit
Verfügung vom 6. Februar 2024 wurd
e der Gutachtensauftrag definitiv erteilt (Urk.
25
), was der
L.___
gleichentags
mitgeteilt wurde (Urk.
26
).
3.2
Am
8.
August 2024
erstattete die
L.___
ihr polydisziplinäres Gutachten (Urk.
29
).
Die Beschwerdegegnerin
verwies in ihrer Eingabe vom
13. März 2025
auf die RAD-Stellungnahme vom 11. März 202
5
(Urk.
36-37
) und der Beschwerdeführer
nahm
am
20. März 2025
(Urk.
38
) Stellung
. Die
jeweiligen
Stellungnahmen zum Gutachten wurden den Parteien mit Verfügung vom
9. April 2025
gegenseitig zugestellt (Urk.
39
).
4.
Auf die Vorbringen
der Parteien
und die eingegangenen Akten
wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfol
gend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
1.
6
Nach den Richtlinien zur Beweiswürdigung weicht das Gericht
praxisgemäss
nicht ohne zwingende Gründe von Gerichtsgutachten ab (BGE 143 V 269 E. 6.2.3.2, 135 V 465 E. 4.4). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegen
sätzliche
Meinungsäusserungen
anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
; Urteil des Bundesgerichts 8C_487/2020 vom 3. November 2020 E. 4).
1.
7
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es –
unter Berücksichtigung leistungshindernder
äusserer
Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen
Verfügung (Urk. 2) gestützt auf ihre Abklärungen - insbesondere das ergänzte poly
disziplinäre
H.___
-
Gutachten
(Urk. 7/157-158) -
davon
aus, dass
keine
invalidenversicherungs
rechtlich relevante gesundheitliche Beeinträchtigung ausgewiesen sei. So messe der Beschwerdeführer seinen eig
e
nen Einschränkungen einen höheren Stellen
wert zu, als objektivierbar sei. Der medizinische und neuropsychologische Sach
verhalt sei erstellt worden.
Die verbliebenen (gutachterlich anerkannten) Folge
schäden nach dem ischämischen Ereignis zeigten sich in organischen
Persön
lichkeits
- und Verhaltensänderungen, seien aber nicht so ausgeprägt. Zudem verfüge der Beschwerdeführer
über genügend Ressourcen, die es ihm ermög
lichten, eine
r
Erwerbstätigkeit nachzugehen.
2.2
Der Beschwerdeführer
ist demg
egenüber der Ansicht, auf das polydisziplinäre
Gutachten könne
nicht abgestellt werden, da
insbesondere das neuropsy
cho
logische Teilgutachten aufgrund gravierender Mängel nicht beweistauglich sei.
Fest stehe aber, dass aus medizinischer Sicht eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit bestehe, allerdings sei das Ausmass nicht klar.
Sollten Eingliederungs
massnahme
n
aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sein, werde
auch eine im Umfang noch zu bestimmende Invalidenrente beantragt (Urk. 1).
2.3
Die Beschwerdegegnerin verwies auf die RAD-Stellungnahme vom 11. März 2025 zum Gerichtsgutachten der
L.___
vom 8. August 2024 (Urk. 36-37), worin RAD-Arzt PD Dr.
J.___
dieses als detailliert auf die Aktenlage eingehend, Befunde selbständig und umfassend erhebend und in seinen Schlussfolgerungen nach
vollziehbar seiend bezeichnete, weshalb darauf abzustützen sei.
2.4
In seiner Stellungnahme vom 20. März 2025 (Urk. 38) führte der Beschwerde
gegner aus, dass die
L.___
-Gutachter überzeugend dargelegt hätten, dass die Erwerbsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit aufgehoben sei. Eine zumutbare Verweistätigkeit dürfte angesichts der vielfältigen Einschränkungen in einer solch leichten Tätigkeit kaum vorhanden sein. Im Ergebnis bestehe rückwirkend eine erhebliche Einschränkung der Erwerbsfähigkeit mit entsprechendem Leistungs
anspruch gegenüber der Invalidenversicherung. Die Beschwerde sei daher
gutzu
heissen
, die Sache sei an die IV-Stelle zurückzuweisen zur detaillierten Abklärung der Berechnungsgrundlagen, zur Festlegung des IV-Grades und zur Bestimmung des Leistungsanspruchs.
3.
Der berufliche
n
Massnahme «Arbeitsvermittlung plus», welche mit Mitteilung vom 11. August 2014 (Urk. 7/41) aufgrund einer erfolgten rentenausschliessen
den Eingliederung abgeschlossen werden konnte, lagen folgende medizinische Beurteilungen zugrunde:
3.1
Dr. med.
N.___
, FMH Neurologie,
berichtete in ihrem Bericht vom 18. Juli 2013 (Urk. 7/2) zuhanden des behandelnden Hausarztes Dr. med.
O.___
, Allgemeine Medizin FMH, über die neuropsychologische Stand
ortbestimmung bei zunehmender Vergesslichkeit und Status nach ischämischem
cerebrovaskulärem
Insult im Mediastrom rechts im Mai 2005. Anlässlich einer im
Universitätsspital
P.___
(
P.___
) durchgeführten neuropsychologischen Standort
bestimmung im August 2006 hätten sich
einem
residuellen
rechts anterioren Ausfallsmuster
entsprechend
Aufmerksamkeitsdefizite
mit einer deutlich reduzier
ten Fehlerkontrolle, einer Asymmetrie der höheren Hirnleistungen zu Ungunsten der figuralen Modalität sowie Verhaltensauffälligkeiten (flacher Affekt, wenig spontane Äusserungen) ergeben
.
A
namnestisch hätten sich zudem Hinweise auf zumindest teilweise vorbestehende Aufmerksamkeitsdefizite
gezeigt
. Der Beschwerdeführer habe angegeben, er sei im Verlauf
etwas vergesslicher geworden. Insbesondere sein Frischgedächtnis sei beeinträchtigt. Bei
m
Schreiben mache er Flüchtigkeitsfehler oder wiederhole sich, was auch seinen Vorgesetzten aufgefallen sei. Zudem sei er ungeduldiger und reagiere «schneller vehement», wobei eine eigentliche
Impulsivität
nicht bestehe. Reklamationen seitens
des
beruflichen oder privaten Umfeldes im Hinblick auf Verhaltensauffälligkeiten beständen nicht. Im Anschluss an den Schlaganfall habe er sich auch depressiv gefühlt, sei fachpsychiatrisch in Behandlung gewesen. Aktuell fühle er sich nicht mehr depressiv. Der Beschwerdeführer als ausgebildeter Persona
l
- und Führungsfachmann arbeite mit einem 100%-Pensum bei der
Q.___
im Personalwesen. Im aktuellen Tätigkeitsbereich müsse er überwiegend administrative Arbeiten ausführen. Die aktuelle
neuropsychologische
Unter
suchung zeige beim ernsten, etwas zurückhaltenden, ansonsten aber verhaltens
unauffälligen
Rechtshänder
folgende kognitive Befunde: leichte
visuo
-kons
truktive planerische Schwäche, nicht
sprachlich
betonte Lern- und leichte nichtsprachliche Gedächtnisschwäche, quantitativ leicht eingeschränkte lexika
lische Ideenproduktion, qualitativ mit
Compounds
sowie leichtes Perseverieren auch beim Prüfen der nicht
sprachlichen
Id
e
enproduktion. Zusätzlich finde sich eine leichte Einschränkung der Daueraufmerksamkeit. Die dargestellten Befunde en
t
sprächen einer
Funktionsstörung
rechts
fronto
-temporaler Hirnareale als
residuelle
Folge des Medianinf
ar
ktes rechts. Im Vergleich zur
Voruntersuchung
2006 seien diese Befunde weitgehend unverändert ausgeprägt, wobei die Fehlerkontrolle
deutlich
gebessert sei. Auch neuroradiologisch gäbe es keine Hinweise auf zusätzliche vaskuläre Läsionen. Mit dem Beschwerdeführer seien auf die Hirnleistung Einfluss
nehmende
Faktoren detailliert besprochen worden und
insbesondere
sei er darauf hingewiesen
worden
, dass
überwiegend
Stress- und Belastungsfaktoren zur erhöhten F
e
hleranfälligk
ei
t im Sinne einer
rascheren
kognitiven
Dekompensation
führten
. Er werde im Rahmen seiner weiteren
beruflichen
Tätigkeit eher ein 80%iges A
r
beitsp
e
nsum anstreben. Zusätzliche therapeutische Massnahmen seien aus verhaltensneurologischer Sicht nicht notwendig.
3
.2
Der den Beschwerdeführer seit 2002 behandelnde Hausarzt Dr.
O.___
nannte in seinem Bericht zuhanden der Beschwerdegegnerin (undatiert, einge
gangen am 19. November 2013, Urk. 7/14 S. 1-3)
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach ischämischem
zerebrovaskulärem
Insult im Mediastromgebiet rechts (Mai 2005). Die Prognose sei gut, allerdings sollte der Stress vermindert werden. Unter Verweis auf den Bericht von Dr.
N.___
sei eventuell ein 80%ige
s
Arbeitspensum
z
u empfehlen.
Die Leistungs
fähigkeit des
Beschwerdeführers sei vermindert, so komme es zu einer rascheren kognitiven Dekompensation bei vermehrter Belastung. Die Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit könne nicht beurteilt werden.
3.3
Dr.
N.___
hielt in ihrem Bericht vom 13.
Februar 2014 (Urk. 7/21) zuhanden Dr.
O.___
im Hinblick auf berufliche Massnahmen fest,
dass
der Beschwerdeführer seine frühere Tätigkeit als Personalleiter und Leiter Aus- und Weiterbildung bei der
Z.___
I.___
im
Anschluss
an den Schlaganfall nicht fortgeführt habe und auch beruflich seine frühere Leistungsfähigkeit nie mehr habe erreichen können, was bisher nicht bekannt gewesen sei und in bisherigen
Beurteilungen
nicht entsprechend gewürdigt worden sei. Der Beschwerdeführer sei zwar im Anschluss an den Schlaganfall noch in der Personalentwicklung
eingesetzt
worden
, habe dann aber bis Juni 2012 nur an befristeten Projekten mitgearbeitet. Via RAV sei ihm eine Stelle bei der
Q.___
vermittelt
worden. Dort könne er bis April 2014 verschiedene Arbeiten ausführen (Bearbeiten von Bewerbungen, Telefon- und
Schalterdienst
etc.). Seine jetzige Tätigkeit sei a
ber viel weniger anspruchsvoll
als die frühere. Einschränkend wirke sich zudem aus, dass der
Beschwerdeführer
n
icht mehr so kreativ sei wie früher, viele Fehler mache, insbesondere für schriftliche Arbeiten sehr viel mehr Zeit be
nötige, fehle
ranfällig sei, eine gute Arbeitsstruktur benötige und sich nicht mehr während längerer Zeit konzentrieren könne. Am wenigsten würden sich seine Defizite im direkten Kundenkontakt bemerkbar machen. Unter Berück
sichtigung des bisherigen beruflichen Verlaufs seit dem
erlittenen
Mediainfarkt im Mai 2005 sei die bisherige
Einschätzung
d
er Arbeitsfähigkeit, auch in Unkenntnis der
tatsächlichen
Arbeitsplatzsituation, zu optimistisch gewesen, was wahrscheinlich rückwirkend
auch auf eine gewisse Dissimul
ationstendenz des
Beschwerdeführers
hinweise. Der Beschwerdeführer übe aktuell eine Tätigkeit aus, die der eines Praktikanten entspreche,
habe
für seine
Arbeiten
sehr
v
iel Zeit und gut
strukturierte
Arbeitsabläufe.
Unter zusätzlichen Stress- und Belastungsfak
toren sei die Fehleranfälligkeit aufgrund einer raschen kognitiven Dekompen
sation deutlich erhöht. Unter Berücksichtigung des bisherigen
Verlaufs sei von einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit von circa 50 % in Bezug auf seine
frühere
Tätigkeit
auszugehen,
was
auch im Rahmen der derzeitigen
,
durch die IV-Stelle unterstützten beruflichen Reintegrationsmassnahmen zu berücksichtigen sei.
3.4
Zur Klärung der Frage, ob ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden für berufliche Massnahmen vorliege, legte die IV-Stelle den Fall
dem
RAD
vor
(E-Mail vom 21.
März 2014, Urk. 7/28). So habe der Beschwerdeführer 2005 einen ischämischen Infarkt erlitten
,
als er in einer anspruchsvollen Position im HR der
Z.___
gearbeitet habe. Nach lediglich fünf Wochen Arbeitsunfähigkeit sei er nach dem Hirninfarkt wieder in die angestammte Tätigkeit eingestiegen. Danach habe der Besc
hwerdeführer
Z.___
intern
circa
3- bis 4-mal
die Stelle gewechselt (teils mit Mindereinkommen verbunden). Per Ende Juni 2012 habe ihm die
Z.___
gekündigt (Restrukturierung
und keine neue passende Stelle)
. Der Beschwerdeführer sei beim RAV gewesen (ohne den Hirninfarkt zu erwähnen) und sei zu 100 % zur Arbeitsvermittlung gemeldet gewesen. Kurz vor der Aussteuerung habe das RAV noch eine Beschäf
tigungsmassnahme verfügt, sodass der Beschwerdeführer
bei einer Präsenz
von 100 % bei der
R.___
des Kantons
P.___
als «Assistent» im HR habe arbeiten können. Per 31. Dezember 2013 sei die Massnahme beendet gewesen und der Beschwerdeführer ausgesteuert
worden
. Da sich die zuständige HR-Leiterin Frau
S.___
stark um den Beschwerdeführer gesorgt habe und einen Sozialfall habe verhindern wollen, habe sie ihm im Anschluss noch eine «Praktikumsstelle» (gleiche Tätigkeit
)
organisieren können. Heute verdiene er Fr. 3'900.--/Monat. Das Praktikum sei bis Ende Juni 2014 befristet und es sei keine Festanstellung möglich. Frau
S.___
gebe an, dass der Beschwerdeführer massiv
- vor allem kognitiv - eingeschränkt sei. Seine Leistungsfähigkeit liege bei circa 20 % (
bei einer Präsenz
von 100 %). Abklärungen bei der
Z.___
hätten ergeben, dass beim Beschwerdeführer nach dem Hirninfarkt keine Einschrän
kungen bemerkt worden seien. Er habe immer zu ihrer vollen Zufriedenheit die Aufgaben erfüllt. Die internen Stellenwechsel seien nicht erfolgt, weil der Beschwerdeführer überfordert gewesen sei.
RAD-Arzt
B.___
hielt in seiner Stellungnahme per E-Mail vom 24. März 2014 fest (Urk. 7/29) fest, dass gestützt auf das von Dr.
N.___
in ihrem Zeugnis vom 13. Februar 2014 Präzisierte klar von einer Einschränkung in der Leistungs
fähigkeit auszugehen sei und der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit sicher nur zu 50 % arbeitsfähig sei. So dissimuliere er deutlich, wobei die letzte Betreuerin Frau
S.___
deutliche Defizite aufzeige. Er sei nur in einer stressfreien Tätigkeit einsetzbar. Allem
Anschein nach seien schriftliche Arbeiten weniger gut möglich als
mündliche
(wiederholte Sätze in einem Schreiben, er
wisse teilweise die Schreibweise von Wörtern nicht mehr, sodass er ein Wör
terbuch benötige etc.). Dadurch benötige er viel mehr Zeit als eine «gesunde» Person. Somit sei ein medizinscher Gesundheitsschaden für berufliche Massnah
men ausgewiesen.
3.5
Der Medical Service der
Z.___
AG beurteilte die medizinische Tauglichkeit des Beschwerdeführers für die ab Juni 2014 neu anzutretende Stelle als Teamleiter bei der
T.___
U.___
am 20. Mai 2014 (Urk. 7/37 S. 2) als gegeben und stellte ein leicht erhöhtes Morbiditätsrisiko fest.
4.
Die Verfügung
vom 27. August 2021
(Urk. 2), mit welcher das Leistungsbegehren abgewiesen wurde, basierte auf folgenden medizinischen Beurteilungen:
4.1
Der behandelnde Hausarzt Dr. med.
V.___
,
Facharzt FMH Allgemeine Innere Medizin
,
F
acharzt
Gastroskopie SGG
, welcher den
Beschwerdeführer
seit
dem 20. März 2017 behandelt, diagnostizierte in seinem Arztbericht
vom 15. Mai 2017
zuhanden der Beschwerdegegnerin Kopfschmerzen (differentialdiagnos
tisch: Migräne), einen ischämischen
cerebrovaskulä
ren
Insult vo
m
Mai 2005 und eine
fibromuskuläre
Dysplasie. Die bisherige Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer bis auf Weiteres nicht mehr zumutbar
(Urk. 7/57)
.
4.2
Im Bericht der Klinik für Neurologie des
P.___
vom 15. August 2017 (Urk. 7/59
S. 1-5, unter Verweis auf beiliegenden Bericht vom 5. Juni 2017
zuhanden der
hausärztlichen
Ärztepraxis
V.___
, S. 6-9
) zuhanden der Beschwerdegegnerin wurde eine
Dissektion
Aortis
karotis
am ehesten bei
f
ibromuskulärer
Dysplasie diagnostiziert, wobei Kopfschmerzen und Seh- sowie Konzentrationsstörungen klinisch aktuell seien. Bezüglich der Kopfschmerzen habe sich zwischenzeitlich keine Besserung ergeben. Die Schmerzen entsprächen am ehesten einem chro
nischen Spannungs-Typ-Kopfschmerz und seien für den Beschwerdeführer aktuell invalidisierend. Da Akutanalgetika wie
Novalgin
und Dafalgan nicht langfristig regelmässig eingenommen werden sollten, sei der Beginn einer Basis
therapie mit
Saroten
und Abbau der Akutanalgetika
empfohlen.
4.3
Im vertragsärztlichen Bericht
vom 14. März 2018 (Urk. 7/108 S. 6-8
)
, welche die von der
Z.___
beigezogene
C.___
AG
veranlasste,
wurden folgende Diagnosen gestellt:
-
Verdacht auf
fibromuskuläre
Dysplasie mit/bei:
-
Status nach ischämischem Mediainfarkt rechts am 7. Mai 2005 bei
spontaner
Karotis Dissektion hochzervikal
Status nach
i.v.
-Lyse
-
MRI-Schäde
l und MRA vom 22. März 2017: perlschnurartige
Lumenveränderung
ICA rechts cervikal,
fusiforme
Erweiterung der
ICA links cervikal, circa 50%-Stenose im V2-Segment der VA links,
keine neuen Ischämien
-
MRI Schädel und MRA vom 30. Mai 2017: unverändert. Verdacht
auf Pars intermedia-Zyste, differentialdiagnostisch:
Hypophysenmikroadenom
-
chronische Kopfschmerzen, am ehesten vom Spannungs-Typ
-
leichte Besserung seit Medikation mit
Saroten
-
in TCM- und Schmer
z
therapie-Behandlung
-
Hypersplenismus
mit leichter Thrombopenie und Leukopenie unklare
r
Aetiologie
(Erstdiagnose 2005), erneute Beurteilung 2015:
idiopathische/konstitutionelle Splenomegalie
-
anamnestisch Abklärungen auf erbliche Bindegewebserkrankungen:
ausstehend
-
Chronische Schlafstörungen (Abklärungen im Schlaflabor des
P.___
geplant)
-
Chronische seborrhoische Dermatitis
-
Chronischer
gastrooesophag
e
aler
Reflux
-
geplanter kieferchirurgischer Eingriff am 15. Mai 2018
Der Beschwerdeführer äussere chronische, andauernde, drückende Kopfschmer
zen seit einem Jahr. Er habe schwere Schlafstörungen und könne nur drei bis vier Stunden nachts schlafen. Er weise eine Adynamie auf und komme kaum aus dem Haus. Bei Anstrengung gerate er in Atemnot. Er
leide unter Schwindel und
sei depressiv verstimmt.
Der Beschwerdeführer habe mit dem Wissen der Arbeit
geberin und deren finanzieller Unterstützung eine Ausbildung an der W
.___
in Betriebswirtschaft gemacht, aber wegen der Krankheit eine einzige letzte mündliche
Prüfung nicht machen können.
Ein Arbeitsversuch sei gescheitert. Der Beschwerdeführer könne
s
ich nur vorstellen, dass er zwei Einheiten pro Woche à vier Stunden arbeiten würde, wobei die Tageszeit sehr wichtig sei. Die Arbeitszeit müsste sich auf die Spätschicht beschränken, da er morgens nicht um 06:00 Uhr zur Arbeit kommen könne und wegen Schlafstörungen keineswegs nachts arbeiten könne. Seine Vorstellung sei mit der Arbeitsstelle aber nicht kompatibel, da die Mitarbeiter in drei Schichten arbeiten würden.
Gestützt auf diesen vertragsärztlichen Bericht kam die
C.___
AG mit Schreiben vom 20. Juni 2018 (Urk. 7/108 S. 2) zuhanden der Arbeit
geberin zum Schluss, dass der Beschwerdeführer aufgrund der Diagnose und des bisherigen Verlaufs sowie der zu erwartenden Prognose für einen
uneinge
schränkten Einsatz in seiner angestammten Tätigkeit untauglich sei.
4.4
Dr
.
F.___
, welche den Beschwerdeführer seit dem 8. Mai 2018 psychiatrisch behandelt,
führte in ihrem
Bericht vom 17. Juli 2018 (
Urk. 7/109) zuhanden der Beschwerdegegnerin folgende Diagnosen mit
Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit fest:
-
Rezidivierende depressive Episode
n
seit Mai 2005, gegenwärtig
mittelgradig
(ICD-10: F3.1)
-
bei Status nach Mediainfarkt rechts bei spontaner Karotis-
Dissektion
-
mit panikartigen nächtlichen Angstzustände
n
, Albträumen
-
differentialdiagnostisch:
p
osttraumatische Belastungsstörung (ICD-
10: F43.1) als Traumafolgestörung nach Mediainfarkt mit
vorübergehender Hemiparese im Mai 2005
-
Status nach Mediainfarkt rechts bei spontaner Karotis-Dissektion im
Mai
2005
-
differentialdiagnostisch:
f
ibromuskuläre
Dysplasie
-
neurologische Funktionsstörung rechts
fronto
-temporal als
Residium
des Medianinfarktes
-
neurologisch: seit Februar 2014 zu 50 % arbeitsfähig
2005 sei es bei
m
damals 39-jährigen Beschwerdeführer zu einem ischämischen Mediainfarkt gekommen bei spontane
r
Carotis-Dissektion mit Hemiparese links, die sich innerhalb von vier Wochen
zurückgebildet habe,
sodass
er nach sieben Wochen zurück an den Arbeitsplatz sei (zunächst zu
80 %, danach wieder zu 100 %). D
amals habe sich auch eine erste depressive Episode entwickelt, welche behandelt
worden sei
. Seither komme es rezidivierend zu depressiven Episoden, insbesondere wenn die Leistungs- und Anpassungsanforderungen am Arbeits
platz gewechselt hätten und er sich ungenügend gefühlt habe. 2016 habe er ein Nachdiplomstudium an der W
.___
(CAS in BWL und Prozessoptimierung
) begonnen. Seit 2017 habe er infolge Umstrukturierungen bei der
Z.___
Schicht
arbeit zu leisten. Rückblickend sei festzuhalten, dass bereits während der Lehrzeit Kopfschmerzen aufgetreten seien. Mit dem Infarkt sei es zu heftigsten Kopf
schmerzen gekommen, welche nach der Phase der Rekonvaleszenz wieder verschwunden seien. Auch die nach dem Infarkt neu aufgetretenen Schlaf
störungen hätten sich vollständig zurückgebildet
. Am 20. März 2017 seien erneut und plötzlich aus dem Nichts Kopfschmerzen aufgetreten, vergleichbar mit denjenigen von 2005. Seither habe er heftige Verspannungen im Bereich des Nackens und der Schulter. Der neu aufgetretene Bruxismus mache gar eine Zahnphysiotherapie notwendig. Die ebenfalls plötzlich aufgetretenen Schlafstö
rungen und panikartigen Angstzustände mit Albträumen und grosser nächtlicher
Unruhe erschöpften den Beschwerdeführer sehr. Die Interpretation der Kopf
schmerzen, besonders in den Morgenstunden, die ausgeprägten plötzlichen Schlafstörungen und auch die panikartigen Ängste sei
en
offen beziehungsweise nicht eindeutig. Die Symptomatik (organisch und psychiatrisch bedingt) lasse die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass durch die jahrelange Überanstrengung und latente Überforderung
im Beruf damalige Erfahrungen aus dem Jahr 2005 mit Hilflosigkeit, Ohnmacht und heftigem Schmerzerleben mit der Einführung der Schichtarbeit (und der damit verbundenen Belastung für den Organismus beziehungsweise Versagen der Coping-Strategien) getriggert worden seien und auch im Rahmen einer Traumafolgestörung verstanden werden könnten.
Eine
organisch bedingte (neurologische)
Funkt
ionsstörung
der
rechte
n
fronto
-tempo
rale
n
Hirnareale als
Residium
des M
edianinfarktes
sei dokumentiert
. Der Beschwerdeführer habe sich seit März 2017
zunehmend
erschöpft und erneut eine deutlich depressive Symptomatik
entwickelt. Rückblickend sei der Beschwerde
führer 2005 zu schnell in den Arbeitsprozess zurückgekehrt. Die körperliche Erholung sei erfreulicherweise sehr gut verlaufen, die Belastbarkeit und die kognitiven Funktionen ebenfalls,
sie
seien aber diskret reduziert geblieben im Vergleich zu den Fähigkeiten vor dem Infarkt. Die Kumulation der kognitiven Einschränkungen, der verminderten Belastbarkeit und der Dissimulations
ten
denzen des Beschwerdeführers führten zu immer grössere
n
Anstrengungen, welche seit 2005 rezidivierende depressive Episoden unterschiedlichen Grades bewirkten
. N
eben dem Symptomenkomplex mit Depression, Ängsten, schweren Schlafstörungen und Kopfschmerzen sei auch ein massiver psychosozialer Rückzug mit Vermeidungsverhalten aufgetreten. Sein Konz
entrations- und Aufmerksamkeitsvermögen sei reduziert. Es gäbe Hinweise für Fehlhandlungen im Alltag, die für den Beschwerdeführer nicht nachvollziehbar seien. Der
Beschwerdeführer sei
gemäss Einschätzung von Dr.
V.___
seit dem
2
0. März 2017 und gemäss ihrer
Einschätzung
seit dem
Behandlungsbeginn am
8. Mai 2018 bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig,
wobei ein Kontakt mit der Arbeitgeberin dringend erforderlich sei, um nach internen Möglichkeiten der Reintegration zu suchen. Führungsaufgaben seien
zukünftig nicht empfehlenswert, da solche den Beschwerdeführer aufgrund kognitiver Defizite weiter erschöpften. Er
brauche einen Arbeitsplatz mit klaren Strukturen, mehr Langsamkeit, geregelter Arbeits
zeit am Tag. Ein Belastbarkeitstraining - am besten im administrativen Bereich -
bei einer weiterbestehenden 100%igen Arbeits
un
fähigkeit ab
September 2018 für drei bis sechs Monate mit maximal 3 Stunde
n/Tag zu Beginn sei zumutbar. Es
sei eine
Arbeitsfähigkeit von 50 % anzustreben, da
der Beschwerdeführer auch in Zukunft Erholungszeiten brauchen werde, um die Arbeitsfähigkeit aufrecht erhalten zu können.
4.5
Dr.
N.___
untersuchte den Beschwerdeführer zusammen mit Lic
. phil.
AA._
__
,
Neuropsychologin/Psychologin FSP, erneut am 10. Dezember 2018 verh
altensneu
rologisch-neuropsychologisch
(Urk. 7/140). Beim allseits orientierten, kooperativen, im Affekt deutlich ab
g
eflacht wirkenden Beschwerde
führer zeige sich ein tendenziell reduziertes psychomotorisches sowie kognitives Arbeitstempo, eine leichte Antriebsminderung sowie eine verminderte Belast
barkeit (subjektive Zunahme der Kopfschmerzen und der Müdigkeit im Verlauf der Untersuchung, mehrmaliges Erbrechen im Anschluss an die
Untersuchung
Zuhause). Testdiagnostisch fänden sich folgende kognitive Befunde: Gedächtnis
einschränkungen (Lern- sowie Abrufschwäche mit Betonung in der nonverbalen Modalität), Einschränkungen in der geteilten Aufmerksamkeit, Daueraufmerk
samkeit
sowie adaptiven Flexibilität und eine leicht eingeschränkte verbale sowie figurale Ideenproduktion. Hinzu kämen leichte
visuo
-kon
s
truktive Planungs
schwierigkeiten. Das anamnestisch beschriebene vorbestehende legasthenische Syndrom lasse sich nicht objektivieren respektive schien gut kompensiert zu sein. Die hier dargestellten Befunde liessen sich unverändert einer Funk
tionsstörung rechts
fronto
-temporale
r Hirnareale als
residuelle
Folgen des Mediainfarktes vereinbaren, phänomenologisch weitgehend unverändert im Vergleich zur Untersuchung von Juli 2013. Neu hinzu kämen jedoch Einschränkungen im verbalen Gedächtnis sowie der verbalen Ideenproduktion. Diese Verschlechterung sei gut mit der Zunahme der affektpath
o
logischen Symptomatik und der dafür typischen Hypofunktion der sprachdomina
n
ten Hemisphäre vereinbar, differen
tialdiagnostisch begünstigt durch altersbedingt abnehmende kognitive Ressour
cen, differentialdiagnostisch interagierende linkshemisphärische vaskuläre Läsio
nen.
Aus rein neuropsychologischer Sicht sei die aktuelle Arbeitsfähigkeit, insbesondere aufgrund der verminderten Belastbarkeit, zu 50 % eingeschränkt.
4.6
Im Austrittsbericht der Klinik
G.___
vom 27. Februar 2019 (Urk. 7/143 S. 3
10) wird über die stationäre psychosomatisch-sozialmedizinische Rehabili
tations
behandlung des Beschwerdeführers vom 16. Januar bis 26. Februar 2019 berich
tet und
werden
folgende Diagnosen aufgeführt:
-
Rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(ICD-10: F33.1)
-
Panikstörung (episo
disch paroxysmale Angst, ICD-10:
F41.0)
-
Mediainfarkt rechts bei spontaner Karotis-Dissektion im
Mai
2005
-
differentialdiagnostisch: Verdacht auf
Fibromuskuläre
Dysplasie
-
neurologische Funktionsstörung rechts
fronto
-temporal als
Residium
(ICD-10: I63.0)
-
Restless-
Legs
-Syndrom (Schlafdiagnostik im Dezember 2018, ICD-10:
G25.81)
-
Rosazea, unter
Tetralysal
(
ICD-10: L71.8)
-
Gastrooesophageale
Refluxkrankheit, unter PPI (ICD-10: K21.9)
-
Sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgrund
Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des
Gehirns/rechtshemisphärisch bedingte organische affektive Störung (ICD-
10: F07.8)
Im Verlauf habe sich
eine lebhaftere Ausdrucksweise
und ein leicht verbesserter Zugriff auf durch den Hirninfarkt begrenzt vorhandene Ressourcen gezeigt. Es persistierten aber üb
ergreifend Einbussen kognitiver Frontalhirnfunktionen mit Auswirkungen im affektiven Bereich im Sinne rechtshemisphärisch bedingter affektiver Nivellierung und Veränderung der Emotionsexpressivität. Das psycho-physische Gesamtbild habe sich im Verlauf des Aufenthaltes gebessert, wenngleich die Belastungsfähigkeit und das Durchhaltevermögen anhaltend reduziert beziehungsweise ausgeprägt störanfällig
seien. Eine Eingliederung in den 1. Arbeitsmarkt
schätzten sie
aufgrund der persistierenden neurokognitiven Einbussen der Belastbarkeit
eher als
schwierig
ein
. Für die Zeit de
s stationären Aufenthaltes habe
eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit
best
anden, im weiteren Verlauf sei
von einer mittelfristig geringgradigen Arbeitsfähigkeit von maximal 30 % auszugehen. Dabei sollte unbedingte der reduzierten
Leistungsfähigkeit
Rechnung getragen werden (
niedriges
Anforderungsprofil, begrenzte Verantwor
tung
, eigene Einte
ilung, massvoller Kundenkontakt
ohne
Schichtarbeit
)
. In Frage kämen Tätigkeiten
, welche über mehrere Wochentage, vorzugsweise im adminis
trativen Gereich über 2-3 Stunden/Tag verteilt werden könnte
n
.
«
Die
Erkenntnis der stabilisierend-förderlichen Aufrechterhaltung einer Arbeitstätigkeit begründe die gute patientenseitige Motivation
»
. Jedoch sei angesichts der hohen Störanfälligkeit besonders im mnestisch-kognitiven und vegetativen Bereich von einer Druck- und Stressbelastung grösstmöglich abzusehen.
4.7
Im Bericht der Klinik für Neurologie des
P.___
vom 13. Mai 2019 (Urk. 7/144) wurde im Nachgang zur abgeschlossenen Behandlung vom 24. Mai 2018 bis 9.
Januar 2019 als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Insomnie bei psychischer Erkrankung (Depression und Angststörung) genannt. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verbleibe ein Verdacht auf das Restless-
Legs
-Syndrom. Es sei keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden.
4.8
Im interdisziplinären (
allgemein-internistischen, neurologischen, neuropsycholo
gischen und psychiatrischen)
H.___
-Gutachten vom 6. Januar 2020, Urk. 7/157-158)
wurde in
der Konsensbeurteilung als Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit eine organische Persönlichkeits- und
Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10: F07.8)
genannt.
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verblieben folgende Diagnosen:
-
Minimales neurokognitives Defizit nach Hirnischämie der
A
rteria
c
erebri
media
rechts nach Dissektion der
A
rteria
carotis
in
t
erna
rechts
hochcervikal
(zu codieren unter ICD-10: F07.8)
-
Insomnie, vermutlich psychophysiologisch (ICD-10: F51.0)
-
weitgehend asymptomatische periodische Beinbewegungen im Schlaf
(ICD-10: G25.80)
-
Migräne ohne Aura
(
ICD-10: G43.0)
-
Spannungskopfschmerz (ICD-10: G44.4)
-
Anamnestisch
:
idiopathische Splenomegalie mit leichte
r
Thrombozytope
nie
bei negativem Abklärungsergebnis
-
Übergewicht mit einem BMI von 28.7 kg/m
2
Im Rahmen der integrativen medizinischen Beurteilung hielten die beteiligten Gutachter fest,
d
ie vom Beschwerdeführer geschilderte Symptomatik (insbe
sondere sozialer Rückzug, Motivationslosigkeit, innere Anspannung, Lustlosig
keit, fehlender Antrieb, Schlafstörungen, Kopfschmerzen) zeige sich typisch für eine Restsymptomatik nach Hirnschädigung. Sowohl nach Dossier als auch nach aktueller Untersuchung zeigten sich die Kriterien für ein Vorhandensein einer sonstigen organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10: F07.8) erfüllt. Die Symptomatik rechtfertige weder die Diagnose einer rezidivierenden depres
siven Störung noch einer Panikstörung. Im
Rahmen einer neuropsychologischen Untersuchung im Juli 20
1
3 (acht Jahr
e
nach dem Ereignis) habe sich ein geringes neurokognitives Defizit gezeigt, zu betrachten als Teilsymptom der postis
chämischen organischen Verhaltens- und Persönlichkeitsstörung. Die Auswir
kungen dieser hirnischämischen Hirnfunktionsstörung beeinträchtigten aller
dings die komplexe und auch kognitiv fordernde sowie mit ständiger Weiterbildung verbundene Tätigkeit des Beschwerdeführers über die Jahre des Berufslebens nach der Hirnischämie nicht. Die im Verlauf berichtete subjektive Zunahme der kognitiven Einschränkungen seit 2017 könne medizinisch nicht erklärt werden. Neurologisch beständen keine Hinweise für eine neu hin
zugetreten
e
somatische Erkrankung bei auch unverändertem Befund des Kontro
ll-MRI des Neurocranium
s
vom 26.
Mai 2018. Die aktuelle neuro
psychologische Begutachtung könne nicht verwertet werden, bedingt durch die schwankende Leistungsbereitschaft sowie ein implausibles Störmuster. Die
erzielten Werte in der formalisierten Beschwerdevalidierung lägen teilweise auf Zufallsniveau und weit unter dem Bereich verschiedener klinischer Populationen mit guter Anstrengungsbereitschaft (inklusive SHT, Patienten, Demenzpatienten und depressiver Patienten). Wären die erzielten Ergebnisse, die teils unter dem Niveau von Demenzpatienten im fortgeschrittenen Stadium lägen,
authentisch, wären sie nur bei Personen mit einem kompletten anamnestischen Syndrom oder einer anderen schwersten kognitiven Störung zu erhalten. Eine derart schwere Störung, auch dementielles Syndrom, könne beim Beschwerdeführer jedoch aufgrund der Diskrepanzen zum Leistungsniveau im Alltag ausgeschlossen werden, da ansonsten eine eigenständige Lebensführung sowie das Fahren eines PKW nicht möglich wäre. In Zusammenschau aller Befunde seien die in der neuropsychologischen Untersuchung gezeigten Minderleistungen als nicht-authentische neuropsychologische Störungen einzuordnen. Daher sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer den eigenen Einschränkungen einen höheren Stellenwert beimesse als somatisch-psychisch zu begründen
sei
. Auch psychiatrisch bestehe nur die bekannte organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns ohne neu hinzugetreten
e
psychische Erkrankung.
Auch die starke subjektive Einschränkung durch die Insomnie werde fraglich, denn es werde eine Besserung durch die Therapie mit
Trimipramin
150 mg
retard
zur Nacht berichtet. Inkonsistent hiermit lasse sich aber aktuell
Trimipramin
und dessen Metabolit im Serum nicht nachweisen, sodass trotz Nichteinnahme oder nur sehr unregelmässiger Einnahme nach den eigenen Angaben dennoch guter Schlaf anzunehmen sei. Zudem sei eine neuro
logische Erkrankung des Schlafes
polysomnographisch
nicht nachzuweisen gewesen und es liege kein Erkrankungsbild einer Hypersomnie vor. Die
p
olysomnographisch
festgestellten, mehrfachen
Arousals
seien kausal überwie
gend nicht durch das nicht-therapiebedürftige Schlafapnoe-Syndrom und auch nicht durch
periodische
Beinbewegungen beziehungsweise
Re
s
t
less-
Legs
bed
i
ngt. Die periodischen Beinbewegungen würden subjektiv kaum wahrgenommen, eine
Re
stless-
Legs
-Sym
p
tomatik sei überhaupt nicht zu erfragen. Diese beiden schlaf
bezogenen muskulären Störungen - häufig in Koinzidenz vorliegend
–
ent
sprächen daher einem weitgehend asymptomatischen Zustandsbild. Bei Über
gang in einen
symptomatischen
Zustand bestünden gute Therapiemöglichkeiten. Die im Verlauf wieder verstärkt in Erscheinung
getretene
Kopfschmerz-Symptomatik
lasse sich nach den IHS-Kriterien als Migräne ohne Aura in Koinzidenz mit Spannungskopfschmerzen einordnen, gefördert durch eine psychische Anspannungshaltung und Bruxismus, wobei letzterer umfangreich physikalisch behandelt werde. Die
Chronifizierungstendenz
der Kopfschmerzen mache eine
medikamentöse Akut- und Prophylaxe-Therapie nötig bei Vorhandensein von Therapien, die eine Besserung erhoffen liessen. Hinweise für einen teils medi
kamenteninduzierten Kopfschmerz lägen nicht vor. Aus allgemein-internistischer Sicht bestehe keine gesundheitliche Problematik.
Aufgrund der postischämisch verbliebenen organischen Persönlichkeits- und Verhaltensänderung beständen Einschränkungen der meisten höheren psychi
schen Funktionen, die aber nur mässig bis
leichtgradig
seien, jedoch dennoch Kompensationsschwächen bewirkten. Nicht beeinträchtigt seien lediglich die Selbstbehauptungsfähigkeit, die Mobilität und die Verkehrsfähigkeit. Sonst beständen mässige Einschränkungen (Anpassung an Regeln und Routinen, Planen und
Strukturieren
von Aufgaben, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Kompetenz und W
isse
nsanwendung, Proaktivität und Spontanaktivität,
Wider
stands
- und D
urchhaltefähigke
it, Konversations- und
Kontaktfähigkeit
zu Dritten, G
ruppenfähigkei
t und dyadische Beziehungen sowie Selbstpflege und Selbstversorgung). Eine
leichte
Beeinträchtigung
bestehe für die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit. Diese
Funktionseinschränkungen
wirkten sich derzeit sowohl im Alltag als auch im beruflichen Bereich negativ aus, seien aber medizinisch nicht vollumfänglich erklärbar und somit auch nicht vollumfänglich nachvollziehbar. Auf neurologischem Gebiet beständen minimale kognitive Funktionseinschränkungen, die aber die bisherigen administrativen, doch komplexen Tätigkeiten nicht beeinträchtigten. Abzuraten sei aber von zu stark nervlich belastenden Tätigkeiten
,
und zwar etwa im ausschliesslichen Publikums
verkehr, Personalmanagement, unter starkem Zeitdruck und mit ständig wechselnden Vorgaben sowie Überwachungsfunktionen. Schichttätig
keiten sollten möglichst nur im Zweischichtbetrieb durchgeführt werden und nicht im Nachtschichtbetrieb.
Beim Beschwerdeführer zeige sich keine affektive Erkrankung, insofern keine eigenständige depressive Störung oder Angststörung vorliege. Es lägen auch keine Hinweise für Persönlichkeitsstörungen vor. Seit der Hirnischämie bestehe eine leicht ausgeprägte organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung. Dadurch beständen leichte Kompensationsschwächen
, auch bei der Adaptierung an neue Anforderungen.
Bei eingetretener jahrelanger Ch
ronifizierung sei psychiatrisch aktuell der Erhalt des
Status
quo das therapeutische Ziel. Es bestehe insofern auch weitere
r
psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlungsbedarf bei grundsätzlich vorhandener Therapieadhärenz. Prinzipiell erscheine bei psy
chologisch unterstützte
m
Wiedereinstieg in den Beruf bei günstigem Verlauf auch
eine
vorsichtige Steigerung
der Arbeitsfähigkeit möglich. A
n Belastungen dürften beim Beschwerdeführer minime neurokognitive Funktionseinschränkungen nach
Hirnischämie im Bereich der
Arteria
cerebri
media
rechts bestehen. Zwar dürfte die neurokognitive Leistung durch die chronischen Kopfschmerzen negativ beeinflusst sein, jedoch seien die Kopfschmerzen behandelbar. Die überdauernden (postischämischen) kognitiven Einschränkungen seien aber so gering, dass sie das berufliche
Leistungsvermögen und Fortkommen in einer komplexen adminis
trativen Tätigkeit nicht beeinträchtigten. Neurologisch lägen sonst keine weiteren Einschränkungen vor. Ressourcen seien fehlende Sinnesbehinderungen, fehlende Paresen und Koordinationsstörungen der Extremitäten und ein erhaltenes Sprachverständnis und eine erhaltene Sprachproduktion.
Es seien relevante Inkonsistenzen aufgefallen, weshalb mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit davon auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer den eigenen Einschränkungen einen höheren Stellenwert beimesse, als neurologisch/psy
chiatrisch/neuropsychologisch objektivierbar sei. Hinzuweisen sei auch darauf, dass der Beschwerdeführer nach der Hirnischämie für Jahre bei der gleichen Arbeitgeberin ei
n
solides Leistungsniveau gezeigt habe. Weshalb eine Umstruk
turierung zu einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit geführt haben soll, lasse sich polydisziplinär nicht erklären.
Diese Einschätzung einer lan
g
andauernden vollen
Arbeitsunfähigkeit
sei aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht
voll
umfänglich nachvollziehbar.
Die spätere Verschlechterung falle direkt mit dem Wegfall der Kranken
t
aggelder zusammen. Der Beschwerdeführer habe im Gespräch bestätigt, dass finanzielle Sorgen seine Zukunftsängste verstärkten. Unter diesen Umständen sei eine kurzzeitige Verschlechterung des Gesun
dheits
zustandes nachvollziehbar, nicht jedoch eine längerfristige volle Arbeitsun
fähigkeit. Insbesond
e
re in der Neuropsychologie zeigten sich deutliche Hinweise auf nicht-authentische B
eschwerdeschilderungen
.
Aus
Sicht
des neurologischen und des internistischen Fachgebietes könnten keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit festgestellt werden. Bestimmend seien insofern die psychiatri
schen Erkrankungen. Retrospektiv müsse
auf
die Bestätigungen der Arbeitsun
fähigkeit der
Vorbehandler
abgestellt werden mit im Verlauf sich verändernder Arbeitsfähigkeit, bedingt durch psychische Reaktionsbildungen durch äussere
Belastungen
. Diese seien aber wieder abgeklungen, da aktuell
aufgrund der Aktenlage nur noch die schon seit der Hirnischämie bestehende Diagnose einer organischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns gestellt werden könne. Es könne sein, dass durch Kompensationsstrategien durch diese Erkrankung eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (im Vergleich zu früher) eingetreten sei, aufgrund der fehlenden Mitwirkung des Beschwerdeführers könne aber das
aktuelle Ausmass der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht sicher genug festgelegt werden.
Es könne davon ausgegangen werden, dass aktenanamnestisch mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit seit dem Februar 2014 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestanden habe. Seit März 2017 habe sich eine kurzfristige Verschlech
terung auf 0 % für drei Monate gezeigt. Anschliessend sei es zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf 50 % in angestammter Tätigkeit gekommen. Während dem stationären Aufenthalt habe eine Arbeitsfähigkeit von 0 % gegolten.
Angenommen werden könne mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass durch Wegfall der früheren affektiven Erkrankungen (spätestens ab Begutachtung feststellbar), die Arbeitsfähigkeit wieder höher liege als 50 %
, jedoch aufgrund nicht-authentischer Beschwerdedarstellung nicht exakt bemes
sen werden könne. Die derzeit durchgeführte psychiatrisch-psychotherapeutische Therapie zeige sich lege artis. Aufgrund des nunmehr schon seit Jahren bestehenden Krankheitsbildes sei therapeutisch der Erhalt des
S
tatus quo als Ziel zu definieren, weshalb eine
w
eitere therapeutische Behandlung empfohlen sei. Eine Zustandsverbesserung könne durch Ausnutzung der medikamentösen Therapieoptionen hinsichtlich der Kopfschmerzsymptomatik erreicht werden.
4.9
RAD-Arzt PD Dr.
J.___
kam in seiner Stellungnahme vom 28. Januar 2020 (Urk. 7/
1
60
S. 13 ff.) zum Schluss, dass gestützt auf das überzeugende
H.___
-Gutachten vom 6. Januar 2020 von einer organischen
Persön
lichkeits
- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10: F07.8) als Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auszugehen sei.
Die Arbeits
un
fähigkeit
in bisheriger Tätigkeit habe ab Februar 2014 50 %, ab März 2017 100 % und ab Juni 2017 50% betragen.
Die Arbeitsfähigkeit in
angepasster Tätigkeit, welche der bisherigen Tätigkeit entspreche, sei parallel zur bisherigen Tätigkeit.
4.10
4.10.1
Dr.
F.___
nahm mit Arztbericht vom 20. April 2020 Stellung zum leistungsabweisenden Vorbescheid vom 21. Februar 2020 (Urk. 7/169
, unter Beilage des E-Mail-V
erkehrs mit
lic.
p
hil.
AA._
__
vom 17. bis 21. April 2020, S. 7-12
) und führte folgende Diagnosen auf:
-
Sonstige, organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund
einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10:
F07.8) mit:
-
fronto
-temporaler Funktionsstörung rechts als
residuelle
Folge des
Mediainfarktes rechts (Mai 2005)
-
Rezidivierende depressive Episode (ICD-10_ F33.1), aktuell mittelgradig
-
Chronischer Spannungs-Typ-Kopfschmerz
-
Status nach Mediainfark
t rechts vom 7. Mai 2005 bei spontaner Karotis-
Dissektion hochzervikal
-
Status nach kompletter Hemiparese links mit vollständiger
Regression der Hemiplegie
-
MRI vom März 2017: perlschnurartige
Lumen
ver
änderung
IOCA
rechts
cervikal ohne klinische Relevanz
Der Beschwerdeführer weise eine Persönlichkeitsstruktur mit akzentuierten perfektionistischen, zwanghaften und auch ängstlich-vermeidenden Zügen auf. Der stets höflich
e
zuvorkommende Beschwerdeführer sei darum bemüht
, die an ihn gestellten Erwartungen zur Zufriedenheit Vorgesetzter oder Anderer zu erfüllen. Dies könne unter anderem auch im Zusammenhang mit der biografisch einschneidenden Erfahrung verstanden werden, im Alter von 13 Jahren von den Geschwistern und der Mutter getrennt worden zu sein und von da an mit einem harten, cholerischen Vater zusammenleben zu müssen. Akribische Tagesplanung
s
ei aus Sicht des Beschwerdeführers eine Coping-Strategie, um die Fehlerrate so klein als möglich zu halten. Bemerkenswert sei auch, dass im neuropsy
chologischen Bericht vom 3.
August 2006 eine markant reduzierte Fehler
kontrolle in einer gewissen Diskrepanz zu den subjektiv als uneingeschränkt geschilderten Arbeitsleistung
en
und der Arbeitsqualität stehe und sich anam
nestisch Hinweise für Aufmerksamkeitsdefizite fände
n
, wobei eine Akzentuierung dieser Defizite durch den Insult denkbar sei.
Im Gutachten werde davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer den eigenen
Einschränkungen
einen höheren Stellenwert beimesse als somatisch-psychisch zu begründen. Ein Beleuchten des
Gegenteils
, dass er über viele Jahre eine beträchtliche Dis
simulationstendenz aufgewiesen habe und eventuell auch ei
n
e alter
s
bedingte Zunahme der neurokognitiven Einschränkungen bestehen könnte, fehle. Die Aussagen zur Einnahme-Compliance und Schlafqualität beziehungswei
se
ver
halten
seien nicht verwertbar, da das
im Medikamentenspiegel geprüfte
Trimipramin
gar nicht verordnet worden sei. Die stattdessen
verschriebene Substanz
Trazodon
sei dagegen nicht erfasst und auch nicht im Spiegel bestimmt worden.
Zur neuropsychologischen Beurteilung führte Dr.
F.___
aus, dass die Diagnose des kognitiven Defizites nur als minimal quantifiziert worden sei und die Auseinandersetzung mit den seit Jahren dokumentierten Einbussen und deren Interpretationsmöglichkeiten fehle.
Auch dem psychiatrischen Gutachten sei keine sorgfältige Erhebung des
chronologischen
und inhaltlichen
Verlaufes der beruflichen Tätigkeiten sowie des
beruflichen
Umfelds zu ent
nehmen. Ausserdem sei die psychiatrisch-psychopathologische Befunder
hebung und deren Quantifizierung rudimentär und ungenügend. Dazu sei auch die Erfassung der psychiatrischen pharmakologischen Behandlung fehlerhaft. Im Weiteren
werde
ohne Herleitung und damit
n
achvollziehbar
eine
affektive Störung beziehungsweise eine Panikstörung
verneint
. Die bestehende depressive Symptomatik sei als typische Rest-Symptomatik nach Hirnschädigung und nicht als eigenständige Diagnose angesehen worden. Dies im Widerspruch zur erho
benen Anamnese, Befunderhebung, mehrfacher ambulanter psychiatrischer Behand
lung und vorgängiger
Hospitalisation
, was eindeutig für eine separate Symptomatik spreche.
Entgegen
der Feststellung im Gutachten habe die gesund
heitliche Verschlechterung ab
März 2017 nichts mit dem Wegfall der Taggelder ab März 2019 zu tun. Seit dem 20. März 2017 habe die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ununterbrochen
100 % betragen und dauere bis auf Weiteres an.
4.10
.2
Lic. phil.
AA.___
nahm gegenüber Dr.
F.___
Stellung zur im Dezember 2018 durchgeführten verhaltensneurologisch
-neuropsychologischen Unter
su
chung (E-Mail-Verkehr vom 17. bis 21. April 2020, Urk. 7/169 S. 7-12), anläss
lich derer der Beschwerdeführer keinerlei Hinweise auf ein simula
tives/
ag
gravatives
Verhalten respektive eine verminderte Leistungsbereitschaft gezeigt habe, sodass weiterführende Symptomvalidierungstests auch nicht notwendig gewesen seien.
Unter Berücksichtigung der Krankheitsgeschichte des Beschwer
deführers bestehe kein Zweifel daran, dass eine organische Komponente, die die Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers
limitier
e
, vorliege. Die Belast
barkeit und Stresstoleranz im Langzeitverlauf bei Menschen mit neurokognitiven Einbussen nach zerebralen Insulten sei stark abhängig vom Ausmass der Hirnverletzung sowie der individuellen kognitiven Ressourcen der betroffenen Person, wobei letztere beim Beschwerdeführer nicht sehr hoch sein dürften. Beim Beschwerdeführer kämen zudem altersbedingt abnehmende kognitive Ressourcen - begünstigt durch den
stattgehabten Hirninfarkt
- als leistungslimitierender Faktor hinzu.
4.11
Am
14. Juli 2020 (Urk. 7/176
)
beantworteten
die
H.___
-Gutachter
die medizinischen Rückfragen
und führten aus, dass
das gezeigte Verhalten des Beschwerdeführers - entgegen dem Vorbringen der behandelnden Psychiaterin - nicht auf eine Dissimulation hingewiesen habe. Die Aussage, dass altersbedingt kognitive Einschränkungen zunähmen, sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für jeden Menschen dieser Erde zutreffend. Die Ergebnisse der neurokognitiven Abklärung,
mit
überdurchschnittliche
r
Zunahme kognitiver
Einschränkungen
hätten
aufgrund von fehlender Mitarbeit nicht objektiviert werden können. Zur nicht-ordnungsgemässen Exploration der Medikamente sei anzumerken, dass der B
eschwerdeführer eine Medikamen
tenliste abgegeben habe, in welcher der
B
rintelli
x
-Wert mit 20 mg angegeben und diese im Gespräch nicht korrigiert
worden sei
.
Dass der Beschwerdeführer unter Insomnie leide, sei im Rahmen der erwähnten Grunddiagnose nachvollziehbar.
Da
Brintellix
in ausreichender Konzentration vorhanden sei, würde bei weiterhin persistierenden depressiven Symptomen der
Trazodon
-Spiegel höchstens die Empfehlung des Wechsels auf ein anderes Antidepressivum oder eine Erhöhung mit sich bringen. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei die depressive Symptomatik aber auch im Rahmen des Schädel-Hirn-Traumas zu sehen, sodass überwiegend wahrscheinlich auch ein Wechsel des Medikamentes keinen Vorteil für den Beschwerdeführer bringen würde. Aus diesem Grund sei auf die Abnahme des
Trittico
-Spiegels verzichtet worden. Im Bericht der Klinik
G.___
sei festgehalten worden, dass aufgrund persistierender neurokognitiver Einbussen der Belastbarkeit eine Inte
gration in den ersten Arbeitsmarkt schwierig sei. Da die gutachterlich durch
geführte Symptomvalidierung während der Neuropsychologie sowie der klinische Eindruck
aufgrund fehlender Mitwirkung des Beschwerdeführers
keine Rück
schlüsse auf das tatsächliche Ausmass bestehender neurokognitiver Einschrän
kungen zuliessen, sei auch kein Vergleich mit der Beurteilung der Klinik
G.___
möglich.
Da die beim Beschwerdeführer erhobenen Minderleistungen (teilweise auf Zufallsniveau) mit den in den Akten beschriebenen Diagnosen nicht zu vereinbaren seien, das heisse die Befunde nicht als valide einzuschätzen seien, könne nur gefolgert werden,
dass aufgrund der aktuell erhobenen Testwerte weder Art und Ausmass kognitiver Defizite noch Einschränkungen der Arbeits
fähigkeit aus neuropsychologischer Sicht angegeben werden könnten. Nicht ausgeschlossen werden könnten leichtere Defizite nach Hirnischämie der
Arteria
cerebri
media
rechts nach Dissektion der
Arteria
carotis
interna
rechts
(I
CD-10: F07.8) im 2005. Ob jedoch authentische kognitive Störungen vorhanden seien, entziehe sich aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung des Beschwer
deführers den
Erkenntnismöglichkeiten. Im
Weiteren sei die Berufsanamnese hinlänglich erhoben worden.
Aufgrund der im Gutachten aufgeführten Unge
reimtheiten habe keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus rein psychiatrischer Sicht erfolgen können, sodass die Diagnose der organischen Persönlichkeits- und Verhaltens
störung im psychiatrischen Gutachten unter Diagnose ohne
Einfluss
auf die
Arbeitsfähigkeit
angeführt worden sei.
So sei erneut gesagt, dass mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit eine organische Persönlichkeits- und Verhaltens
störung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns bestehe, eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus rein psychiat
rischer
Sicht und nach erfolgter neurokognitiver Untersuchung aufgrund der vorlie
genden Inkonsistenzen nicht habe gemacht werden könne. Die Beschwer
den einer rezidivierenden Depression und einer Angstsymptomatik seien im Gutachten durchaus ausreichend gewürdigt worden. So habe der Beschwer
deführer angegeben, dass depressive Symptome erst nach erfolgtem Hirnschlag aufge
treten seien. Dass die Psychiaterin nun die Depression
als eigenständige Erkrankung klassifizieren möchte, sei aus psychiatrischer Sicht nicht mehr möglich, da die hirnorganische Schädigung vor der Depression aufgetreten sei.
Bei der Untersuchung habe der Beschwerdeführer auch keine Angstsymptomatik angegeben
. Der Symptomenkomplex der Depression sowie der Angst müssten sich der Diagnose F07.8 unterordnen
.
Wie im Gutachten ausgeführt, sei eine kurzfristige Verschlechterung des Zustandsbildes nach Verlust der finanziellen Absicherung nachvollziehbar und stehe daher im Zusammenhang mit de
m
Wegfall der Taggeldleistungen. Eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit im weiteren Verlauf ab Juli 2017
könne aufgrund von zahlreichen Inkonsistenzen nicht beurteilt werden. Zusammenfassend ergäben die Einwände der
Behandlerin
keine neuen Erkenntnisse, welche an der Einschätzung der Nicht-Beurteilbarkeit der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht etwas ändern würden.
4.12
In der
Akten-Stellungnahme vom 30. Dezember 2020
(Urk. 7/199) hielt
lic.
phil.
K.___
zusammenfassend fest,
dass das neuropsychologische Teilgutachten vom 15. November 2019 gravierende Mängel aufweise. So
seien nicht alle im neuropsychologischen Fachbereich vorgebrachten Besc
hwerden untersucht worden. Die «
Vergesslichkeit» oder «Planungs-/O
rgan
isationsschwierigkeiten» seien nur oberflächlich untersucht worden. Die geltend gemachte
Müdigkeit
und die
Ermüdbarkeit
seien weder erfasst noch im
U
ntersuchungsverlauf mittels geeigneter
Instrumente
dokumentiert worden. Zudem seien die betroffenen Hirnfunktionen
des verbalen Lernens
und des verbalen
Frischgedä
chtnisses, des Textgedächtnisses, des
visuellen
Lernen
s und des visuellen Frischgedä
chtnisses nicht untersucht worden. D
ie exekutiven und die
attentio
n
ale
n
Funktionen seien nur kursorisch untersuch
t
worden. Es
fehle
eine standarisierte
Untersuchung
der A
ufmerksamkeits
teilung, flexibler Aufmerksamkeitswechsel, der Aufmerksam
keitsverteilung und -zuwendung im
Gesichtsfeld
, der visuellen
Exploration
, des verbal-kategorialen Denkens,
der
W
ortflüssigkeit und der Wortfindung. Bei
insgesamt
nur 10 eingesetzten neuropsychologischen Testverfahren (die zur Hälfte nur zu
Screeningzwecken
eingesetzt werden sollten!)
bildeten
die dabei
erzielten Testresultate das effektiv vorhandene kognitive Leistungsvermögen nur sehr rudimentär ab. Im Weiteren sei bei der Analyse der erhobenen neuro
psychologischen Befunde und bei der Darlegung der fachlichen Zusammenhänge
einseitig auf die nicht bestandene
Beschwerdenvalidierung
im WMT und auf die negativen Antwortverzerrungen im SRSI fokussiert worden. In der Diskussion sei nicht Bezug genommen worden auf die unauffällige Bearbeitung des TOMM oder auf unauffällige, eingebettete
Effortmasse
wie die RDS. Auch habe keine Auseinandersetzung mit den
früheren neuropsychologischen B
efunden
stattge
funden
, geschweige denn eine fachlich fundierte Diskussion des Outcomes bei Status nach ischämischem
cerebrovaskulärem
Insul
t im Mediastromgebiet rechts am 7. Mai 2005 mit initial
Hemineglektsyndrom
links, Hemianopsie nach links und schwerem durchgehendem
Hemisyndrom
links.
Insgesamt sei das neuropsychologische
H.___
-Teilgutachten vom 15. No
vember 2019 in wesentlichen und grundlegenden Teilen nicht gemäss der im
medico
-legalen Bereich empfohlenen gutachterlichen Kriterien für neuropsy
cho
logische Gutachten durchgeführt worden. Die erhobenen neuropsychologischen Befunde bildeten die effektiv vorhanden kognitive Leistungsfähigkeit nicht umfassend und spezifisch ab. Aus neuropsychologisch-gutachterlicher Sicht könne darauf weder bei der Beurteilung von allfällig persistierenden neuro
psychologischen Funktionsstörungen noch bei der Einschätzung der Arbeits
fähigkeit abgestellt werden.
4.13
Die
H.___
-Gutachter beantworteten am 17.
März 2021 (Urk. 7/206) die im weiteren
Einwandverfahren
vorgebrachten Kritikpunkte. So
liege
der Grund für die relativ kurze U
nt
ersuchungsdauer
im Verhalten des Beschwerdeführers; es seien Ergebnisse auf Zufallsniveau produziert worden, für die eine entsprechende schwerste kognitive Störung zweifelsfrei ausgeschlossen werden könne. Es habe eine eindeutige verminderte Kooperationsbereitschaft bestanden. Daher könnten auf Basis der psychomotorischen Testbefunde keine positiven Aussagen zu kognitiven Defiziten getroffen werden. Daran würde auch das Durchführen einer längeren Testbatterie nichts ändern. Zur Vermeidung von Testübungseffekten sei bei Untersuchungen mit eindeutig verminderter Kooperationsbereitschaft nur eine reduzierte Auswahl an Testverfahren zu verwenden.
Entgegen der ange
brachten Kritik
wäre
auch durch weitere Untersuchungen kein Erkennt
nisgewinn zu erwarten gewesen. Bei der deutlich übertriebenen Beschwerde
schilderung des Beschwerdeführers könnten subjektive Angaben nicht als Massstab für tatsäch
liche Befunde herangezogen werden. Im Weiteren seien die neuropsycho
lo
gischen Vorbefunde entsprechen ihrer unterschiedlichen Verwert
barkeit gewür
digt. Die leitliniengerechte Begutachtung könne nur umgesetzt werden, insofern ausreichende Kooperations- und Anstrengungsbereitschaft seitens des Versicher
ten bestehe.
An der gutachterlichen Einschätzung werde festgehalten. Dabei müsse das Ergebnis der
neuropsychologischen Begutachtung im Kontext aller Faktoren gesehen werden. Es
könne
keinesfalls angenommen werden, dass die erheblichen Defizite bei der neuropsychologischen Testung im Rahmen der aktuellen Begutachtung realiter bestehen. Mit einem derartig
en neurokognitiven Defi
zit wäre der
Beschwerdeführer
zu einer eigenständigen Lebensführung nicht
in der Lage. Damit kontrastiere
aber die Leistungsfähigkeit im Beruf nach dem
hirnischämischen Ereignis 2005, weshalb unter
Berücksichtigung dieser Arbeits
fäh
igkeit und der gesamtlebenswelt
lichen Kompetenzen aber kein relevantes neurokognitives Defizit angenommen werden
könne
. Es stelle sich in diesem Zusammenhang die Frage, warum es zu diesen nicht validen und auch in sich inkonsistenten neuropsychologischen Testergebnissen gekommen sei. Erklären lasse sich dies am ehesten durch die organische Verhaltensänderung, im Rahmen derer eine emotionale Überforderung in der Testsituation zu einer entsprechenden emotionalen Reaktion geführt habe, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Es sei zu betonen, dass prinzipiell nicht von keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde, sondern vielmehr die Zusammenschau der Befunde eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht ermöglicht habe. Es werde hier keinesfalls eine bewusste Simulation unterstellt. Andererseits könne aber nach den gesamten Daten keine hirnorganisch bedingte kognitive Leistungsein
schränkung relevanter Ausprägung festgestellt werden. Vom Zeitverlauf und vom Symptomenbild her sei zudem eine demenzielle
Entwicklung nicht anzunehmen. Im Gutachten
sei
aber ausgeführt
worden
, dass auch diese organische Verhal
tensänderung nach Hirnischämie zur Einschrä
nkung der Arbeitsfähigkeit führe
, bedingt durch Einschränkungen
der höheren psychischen Funktio
nen, insbe
sondere bei Stressbelastungen, Überforderungs- und Wechsel-Situationen, die aufgrund von Schwierigkeiten in der Umstellungs- und Anpassungsfähigkeit, der Motivation und Durchhaltefähigkeit sowie emotional nicht adäquat bewältigt werden könn
t
en. Typisch hierfür
sei
es auch zum Leistungsknick
gekommen
, als es zu einer arbeitgeberseitig intendierten Umstrukturierungsmassnahme
gekom
men sei
. Insofern
sei
auch eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit festgestellt
worden
, da der
Beschwerdeführer
Schwieri
gkeiten habe
,
mit veränderten beruflichen Situationen störungsfrei umzugehen. Allerdings bedeut
e dies nicht, dass er bei opti
malen Arbeitsbedingungen mit einer strukturierten, gewohnten Tätigkeit unter wohlwollenden Arbe
itsbedingun
gen nicht doch wieder das ursprüngliche Leistungsniveau wie vor der Umstrukturierungsmassnahme erreichen könnte, wobei allerdings eine ganz exakte Einschätzung
nicht möglich gewesen sei
.
4.14
R
A
D-Arzt PD Dr.
J.___
merkte am 8. April 2021 zur Antwort der
H.___
-Gutachter vom 17. März 2021 (vgl. E.
4.13
) an, dass die Gutachter eine ungenügende Performance in der neuropsychologischen Testung als ausgewiesen betonten. Die Untersuchung mittels weitere
r
Testdimensionen sei dadurch nicht möglich gewesen. Neue medizinische Tatsachen seien im Einwand nicht vorgelegt worden. Die im Gutachten gezogenen Schlüsse seien als begründet und die ergänzenden Ausführungen der involvierten Gutachter als nachvollziehbar ein
zustufen. Der medizinische und neurologische Sachverhalt sei erstellt
und nun auch wiederholt hinterfragt worden. Die ins Treffen geführten Folgeschäden nach dem ischämischen Ereignis im Gebiet der ACMD am 7. Mai 2005 seien im rein neurologischen Bereich mit einem unauffälligen Neurostatus bereits im August 2008 vollständig remittiert gewesen,
w
as das
neurologische
Fachgutachten zuletzt
bestätigt
habe. Die davon
verbliebenen
, im
Gutachten
durchaus aner
kannten, organischen P
ersönlichkeits- und Ve
rhaltensänderungen seien aber nicht so ausgeprägt
gewesen
, wie dies in den Einwänden dargestellt
werde.
Die seitens der Gutachter beobachteten Inkonsistenzen seien angesichts ihrer
Häufigkeit
im Wesentlichen den realen Tatsachen entsprechend anzunehmen. Es stehe die gutachterlich erstellte Bewertung gegen eine anderslautende der Behandler.
Von weiteren medizinischen Abklärungen sei gegenwärtig kein namhafter medizinischer Erkenntniszuwachs zu erwarten.
4.15
Lic.
phil
K.___
nahm am 1. Juni 2021 Stellung zu den durch die
H.___
beantworteten Rückfragen (Urk. 7/215) und führte aus, dass aus diesen Antworten keine neuen Erkenntnisse abzuleiten seien.
5.
Gemäss
de
r
inte
r
diszipli
n
ären Gesamtbeurteilung im
Gerichtsgutachten der
L.___
vom 8.
August 2024
(Urk.
29) bestehen beim Beschwerdeführer folgende Diag
nosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 29
S. 7-9):
-
Status nach akutem ischämischem
zerebrovaskulärem
Insult am
7. Mai
2005
-
klinisch initial
Hemineglect
-
S
yndrom links, Hemianopsie nach
links, schweres durchgehendes
Hemisyndrom
links
-
Lokalisation: Mediastromgebiet
-
Ätiologie: Dissektion der ICA mit Verschl
u
ss hochz
er
vikal rechts
-
Therapie:
erfolgreiche
i.v.
-Thrombolyse mit
Rekanalisierung
-
MRI
P.___
26. Mai 2018: postischämischer Defekt im anterioren
Mediastromgebiet rechts mit Beteiligung der Insula und e
vacuo
Dilatation des Seitenventrikels
-
Residuen:
-
leichte bi
s
mittelschwere neurokognitive sowie
verhaltensneurologische Störung mit Post-
Stroke
-
Depression und
schwerer
Fatigue
-
sonstige organische Persönlichkeits- und
V
erhaltensstörung
aufgrund e
iner Krankheit, Schädigung oder
Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10: F07.8)
-
Nicht näher bezeichnete somatoforme Störung mit Betonung
einer autonom-vegetativen Symptomatik (ICD-10: F45.9)
-
Reizdarmsyndrom, Diarrhoe-prädominant
-
intermittierende partielle Urininkontinenz
(Stressinkontinenz)
-
Andere gemischte Angststörung
en
(ICD-10: F41.3).
Mit vorübergehendem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bestand eine rezidi
vierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert
(
ICD-10: F33.4). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verblieben folgende Diagnosen:
-
Übergewicht: BMI 28.8 kg/m
2
-
Gastroösophageale
Refluxkrankheit
-
Aktenanamnestisch: idiopathische Splenomegalie (vergrösserte Milz)
Die Krankheitsentwicklung zusammenfas
s
end
(Urk. 29
S. 6 ff.)
hielten die Gutachter fest, der
Beschwerde
führer habe im Mai 2005 e
ine initial schwerste Durchblutungsstörung seiner rechten Hirnhemisphäre
erlitten
. Die Durchblutung
habe
mittels gerinnungsauflösender Substanz wiederhergestellt we
r
den
können
, aber ein Teil des Hirngewebes
sei
dabei unter
gegangen
(Hirninfarkt rechts
hemisphärisch frontalbetont). Die anfänglichen Symptome Hemiparese,
Hemineglect
sowie Hemianopsie links
seien
partiell rückläufig
gewesen
, die neuropsychologischen und psychiatrischen Einschränkungen best
ä
nden aber fort. Dr. med.
N.___
habe im Juli
2013 im Gegensatz zur anfänglich eher optimistischen Einschätzung erhebliche neuropsychokognitive Defizite, die als rechts-
frontotemporal
betonte Hirnfunktionsstörung mit darüberhinaus
gehen
den, allgemein rechtshemisphärischen Störungen (
visuokonstruktiv
planerische Probleme) zu interpretieren
seien, dokumentiert
. Trotz signifikanter rechtshemis
phärischer Fehlfunktion
sei dem Beschwerdeführer
zunächst der Wiedereinstieg in die angestammte Tätigkeit
gelungen,
dank vertrauten Aufgaben und Kollegen sowie wohlwollendem Arbeitgeber.
Letztlich
sei
die Tätigkeit als Coach und Erwachsenenbildner an einer reduzierten Belastbarkeit mit verminderter Anpassungsfähigkeit sowie eingeschränkter Toleranz bei konfrontativen Situa
tionen
gescheitert
. Letzteres
sei
durch die frontale Hirnfunktionsstörung
medizinisch erklärbar, zumal die soziokulturelle Interaktion ausschlaggebend durch das bei
m Beschwerdeführer
geschädigte Frontalhirn moduliert
werde
.
In Folge
habe der Beschwerdeführer
seinen Aufgaben als Füh
ru
ngs- und Aus
bildungsverantwortlicher bei
der
Z.___
AG nicht mehr gerecht werden
können
und
sei
in wechselnden, schlechter entl
ö
hnten Positionen
eingesetzt
worden
. Später
sei
die Reintegration in eine neue Tätigkeit bei der
Z.___
(erneute
Führungsposition mit weniger Verantwortung)
gelungen
.
Ab November 2016 habe sich sein Anforderungsprofil mit der Notwendigkeit von Schichtdiensten geändert, was im März 2017 zur Überforderung und einer psychischen Krise geführt habe. Psychiatrisch sei die Entwicklung einer depressiven Symptomatik, im Sinne einer rezidivierenden depressiven Episode (2006, 2017, differentialdiagnostisch: post
traumatische Belastungsstörung mit Trauma-Folgestörungen) dokumentiert, bei aufgehobener Arbeitsfähigkeit, nebst einer sonstigen organischen
Persönlich
keits
- und Verhaltensstörung.
Aus integrativer Gesamtperspektive
der aktuellen Begutachtung
lieg
e
eine überwiegend hirnorganische Symptomatik vor,
bestehend einerseits aus vorder
gründig verhaltensneurologischen Störungen der sozialen Interaktion bzw
.
aus Wesensveränderung und einer in der Folge reaktiv entwickelten neurotischen, somatoformen Symptombildung bzw. andererseits aus neuroko
g
nitiven Defiziten und schliesslich einer primären Post-
Stroke
-Depression mit Fatigue, auf dem Boden des erlittenen rechts-frontal-betonten Hirninfarktes. Wesentlich für die funktionellen Einschränkungen
seien
nicht die neuropsychologischen Defizite, sondern die als Folge der organischen zerebralen Läsionen vorliegenden, subtilen verhaltensneurologischen Auffälligkeiten sowie die reaktiv neurotischen Anteile.
Aus psychiatrischer Sicht führend sei eine organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung, infolge
frontotemporaler
Läsionen der rechten Gehirnhälfte, die auch strategische Zentren in den Basalganglien betr
äfen
und eine über die Jahre gut erkennbare leichtgradige basale Symptomatik verursach
t
en. Relevant in diesem Rahmen sei eine echtzeitlich gut dokumentierte
Anosognosie
(Nicht
erkennen der eigenen Defizite), die sich zwar im Verlauf bis heute zurück
entwickelt habe, aber als Residuum immer noch bestehe und auch die dysfunktionale Dissimulationstendenz erkläre. Zudem sei es nach dem Schlaganfall zu einer Veränderung der Grundpersönlichkeit mit herabgesetzter Freudfähigkeit/einer diskreten Nivellierung der Affekte sowie einer herabge
setzten Spontanität und Reagibilität gekommen. Trotz der in den Arbeitszeug
nissen ausgewiesenen guten Funktionalität lasse sich erkennen, dass der Beschwerdeführer dem komplexen Anforderungsprofil der 2005 noch ausgeübten angestammten Tätigkeit nur unter Nutzung vermehrter Ressourcen habe gerecht
werden können, im Verlauf dann auch schon früh (2006) seine Arbeitstätigkeit umstellte auf weniger fordernde Tätigkeiten bei depressiver Entwicklung (Anmerkung: Gleichzeitig sei der Beschwerdeführer auch durch seinen Partner verlassen worden, der diesen als persönlichkeitsverändert erlebt habe). Der Beschwerdeführer habe mit einer für Frontalhirnschädigungen typischen ver
mehrten, zum Teil zwanghaft anmutenden Kontrolle eigener Abläufe zur Verhinderung von Fehlern reagiert, was den Aufwand zur Bewältigung der anfallenden Aufgaben erhöht und die rasche Ermüdbarkeit erklärt habe. Nach der etwas verfrühten Reintegration am Arbeitsplatz sei es 2006 zu einer «reaktiven» depressiven Störung gekommen, wobei eine klare Abgrenzung zur primär organischen Post-
Stroke
-Depression, wie diese nach Schlaganfällen sehr häufig zu sehen sei, kaum schlüssig möglich sei.
ln
den Bereichen Antrieb, soziokultureller Interaktion und Fatigue gingen die hirnorganischen frontalen Schädigungen und die daraus direkt hirnorganisch resultierenden Beschwerden sowie die
psychiatrischen Beschwerden ineinander über, sodass eine Trennung organischer respektive nicht organischer psychiatrischer Symptome beim vorliegenden Krankheitsbild mit einer derartigen rechtshemisphärisch frontalen Infarzierung äusserst schwierig
sei
. Das beim
Beschwerdeführer
verletzte Frontalhirn modulier
e
den Antrieb und somit die psychische Grundstimmung mit. Relevant
sei
hier eine bereits früh nach dem Schlaganfall aufgetretene erhöhte Labilität im Umgang mit Herausforderungen, die 2006 in einer depressiven Entwicklung
gemündet habe
. Diagnostisch wichtig
sei
hier, dass diese Labi
lisierung auch fortbesteh
e
, wenn, wie aktuell auch, eine depressive Episode nicht vorlieg
e
. Insbesondere nach der zweiten schweren psychischen Krise 2017
habe
sich eine reaktiv neurotische Symptombildung
herauskristallisiert
mit einer Angstsymptomatik sowie einer somatoformen Beschwerdesymptomatik (partielle Urininkontinenz, Reizdarmsymptomatik mit stressinduzierten Durchfällen), die ein wesentliches Reintegrationshindernis darstellt
en
. Für die Einschätzung des Schweregrades der funktionellen Defizite
seien
nicht die neuropsychologisch messbaren kognitiven Einschränkungen auschlaggebend, sondern die im Rahmen der organischen zerebralen Läsionen vorliegenden, subtilen verhaltensneuro
logischen Auffälligkeiten sowie reaktiv neurotische Anteile. Die Schwierigkeit der aktuellen Begutachtung lieg
e
dabei wesentlich in der Abgrenzung zwischen als persistierend anzunehmenden organisch bedingten Läsionen und sekundären neurotischen Entwicklungen. Gesamthaft zeichne sich beim
Beschwerdeführer
trotz gutem Funktionsniveau und aktuell remittierten depressiven Symptome das Bild einer mittelgradigen psychischen Störung ab.
Ferner
habe
die organisch bedingte affektive Labilisierung des
Beschwerdeführers
zur Entwicklung einer Angstsymptomatik mit phobischen Anteilen
geführt
(zwanghaft anmutende
Aufrechterhaltung von Routinen zur Abwehr einer Destabilisierung bei innerer Unruhe, hiermit zusammenhängende Ängste, Bruxismus seit Hirninfarkt, Vermeidung von Expositionen, z.B. Angst, in Zügen nicht schnell genug die Toiletten zu erreichen), einer nicht näher bezeichneten
Angststörung
entspre
chend. Die Kernkriterien einer, von der behandelnden Psychiaterin differenzial
diagnostisch in Erwägung gezogenen posttraumatischen Belastungsstörung
(Flashbacks, anhaltende, wiederkehrende Erinnerungen an das Trauma etc. fehlen)
seien
hingegen klar nicht erfüllt; diese Diagnose
könne
durch den Referenten nicht bestätigt werden.
Die aktuell erhobenen validen neuropsychologischen Testbefunde
seien
als leichte- bis mittelgradige neurokognitive Leistungseinschränkung einzuordnen, mit Schwerpunkten im
attentionalen
Bereich, insbesondere bei der allgemeinen Reaktionsbereitschaft, der Aufmerksamkeitsaktivierung, der komplexen Verarbei
tungsgeschwindigkeit, den Reaktionszeiten bei der geteilten Aufmerksamkeit, der visuell-räumlichen Blockspanne und der Arbeitsgedächtnisleistung. Ferner besteh
e
eine deutlich verminderte Belastbarkeit, weshalb die neuropsychologische Untersuchung
auf zwei verschiedene Untersuchungstage
habe
aufgeteilt werden
müssen
.
Hinsichtlich der Konsistenz und Plausibilität wurden
gutachterlicherseits
Anam
nese, Aktenlage, die aktuellen psychiatrischen und somatischen sowie die validen neuropsychologischen Untersuchungsbefunde als konsistentes klinisches Gesamtbild beurteilt. Aus dem beruflichen Werdegang entstehe der täuschende Eindruck einer erfolgreichen beruflichen Wiedereingliederung nach dem Schlag
anfall. Längerfristig habe sich aber klar abgezeichnet, dass der Beschwerdeführer nach dem Schlaganfall lediglich schlechter entl
ö
hnte, einfachere Tätigkeiten habe verrichten können und nur noch befristete Verträge erhalten habe. Eine gewisse Verzerrung resultiere daraus, dass der Beschwerdeführer seine Einschränkungen gar nicht oder verzerrt wahrnehme und schamhaft besetzte Anteile nicht erwähne, u.a. auch die Kernproblematik der Persönlichkeitsveränderung. Ob diese
s Phänomen durch eine dysfunktionale Dissimulation oder wie auch aktenkundig belegt durch eine
Anosognosie
(hirnorganisches Nichterkennen der eigenen Beeinträchtigungen) erklärt werden könne
, müsse dahingestellt bleiben. Hinweise auf eine Symptomverdeutlichung, Aggravation oder gar Simulation ergäben sich anlässlich der aktuellen Begutachtung aber zu keinem Zeitpunkt. Gesamthaft sei das fehlende oder verzerrte Erkennen der krankheitsbedingten Beeinträchtigungen mit mehr als überwiegender Wahrscheinlichkeit krankheits
bedingt.
B
ei den Funktionseinschränkungen stehe eine
hirnorganische Symptomatik mit einem vielschichtigen Störungsbild, bestehend einerseits aus verhaltensneurolo
gischen Störungen der sozialen Interaktion, aus einer
somatoformen und autonom-vegetativen bzw. Angstsymptomatik, einer Fatigue und schliesslich
einer Post-
Stroke
-Depression, andererseits aus neurokognitiven Defiziten
im Vordergrund
. Die funktionellen Defizite erg
ä
ben das Gesamtbild einer mittel
gradigen psychischen Störung. Deutlich limitierend
seien
die primär hirn
organisch bedingte reduzierte Flexibilität/Anpassungsfähigkeit aufgrund der frontalen Hirnfunktionsstörung bzw. die Wesensveränderung, die neurotisch/so
matoformen bzw. die Angstsymptome, nebst einer Fatigue (hirnorganisch bedingte Antriebsminderung). Wesentlich für die funktionellen Einschränkungen
seien
die organisch bedingten Läsionen und die sekundäre neurotische Entwicklung, die leicht-
bis mittelgradige neuropsychologische Störung
trete
dagegen in den Hintergrund. Fatigue und Antriebsminderung führ
t
en zu einer Einschränkung der Durchhaltefähigkeit und damit der zumutbaren Präsenzzeit bzw. zu erhöhtem Pausenbedarf. Die frontale Hirnfunktionsstörung beein
trächtig
e
die Flexibilität, die Umstellungsfähigkeit bzw. die Anpassungsfähigkeit bei eingeschränkter Toleranz, insbesondere in Konfliktsituationen und unter Leistungs- bzw. Zeitdruck. Eine Verminderung von Flexibilität und Umstellungs
fähigkeit zeig
e
sich z.B. darin, dass der
Beschwerdeführer
Störungen von zum Teil zwanghaft aufrechterhaltenden Tagesroutinen als aversiv und bedrohlich erleb
e
(zumindest leichtgradige bis in labilen Phasen mittelgradige Ein
schränkung). In komplexen Situationen komm
e
es aufgrund der eingeschränkten Stressresistenz zur Überforderung und die Anpassung an Regeln und Routinen geling
e
nicht mehr. In der Planung und Strukturierung von Aufgaben, in der Kompetenz- und Wissensanwendung entst
ä
nd
en erst bei höheren Anforderungen wie z.B. Schichtdienst relevante Einschränkungen. Schichtdienste, Wochenend
dienste, Tätigkeiten mit hohem Leistungs- bzw. Zeitdruck, Führungsaufgaben und exponierte Tätigkeiten mit viel Kundenkontakt bzw. Konfliktpotential
seien
daher ungeeignet.
D
ie in der aktuellen neuropsychologischen Testung ausgewiesene leicht- bis mittelgradige neurokognitive Leistungseinschränkung vorwiegend im
attentionalen
Bereich - mit weit unterdurchschnittlicher Leistung bei der allgemeinen Reaktionsbereitschaft, der komplexen Verarbeitungsgeschwindigkeit und bei der Aufmerksamkeitsaktivierung bei der visuell-räumlichen Blockspanne
und Arbeitsgedächtnisleistung - führ
e
selbst bei optimal angepassten Tätigkeiten zu einer mindestens leichten qualitativen Leistungseinschränkung. Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an die Aufmerksamkeit, mit Führungsverantwortung bzw. hoher Verantwortung
seien
leidensbedingt nicht zumutbar.
Hinsichtlich Antrieb
, soziokultureller Interaktion und Fatigue
gingen
die hirnorganischen
frontalen
Schädigungen und die daraus resultierenden Beschwerden sowie die psychiatrischen Beschwerden des Exploranden ineinander über. Zudem besteh
e
ein fliessender Übergang zwischen hirnorganischen/psychiatrischen Symptomen und den somatoform-vegetativen Symptomen bzw.
Stressreaktionen, wie z.B. das Reizdarmsyndrom und die intermittierende partielle Urininkontinenz. Letztlich
sei
eine strikte Trennung organischer respektive nicht organischer psychiatrischer Symptome kaum möglich
.
Bezüglich der eigenen Gesundheitsfürsorge ergäben sich mittelgradige Ein
schränkungen aufgrund einer verzerrten Wahrnehmung der eigenen Defizite, die auch
zu einem dysfunktionale Umgang
mit der Erkrankung führ
e
. Dokumentiert
sei
weiter eine leichtgradige Abnahme der Proaktivität/ Spontanaktivität, die sich anhaltend seit dem Hirnschlag auch im Sinne einer Persönlichkeitsveränderung eingestellt
habe
. Die Durchhalte- und Widerstandsfähigkeit
seien
deutlich eingeschränkt. Im Rahmen des auch neurotischen Erlebens (zusätzlich, aber auch zusammenhängend mit den organisch bedingten Verhaltensdefiziten)
werde
für zahlreiche Aktivitäten ein höherer Aufwand benötigt, was zur erhöhten Ermüdbarkeit/Erschöpfbarkeit führ
e
(Schweregrad aktuell annähernd mittelgra
dig). Auch in der neuropsychologischen Testung zeichne sich eine deutliche Minderbelastbarkeit ab. Dem daraus resultierenden erhöhten Erholungs-
/
Pausen
bedarf
könne
nur mit reduzierter Präsenzzeit und zusätzlichen Pausen begegnet werden.
In der Gruppenfähigkeit und in der Konversation und Kontaktfähigkeit
seien
leicht- bis mittelgradige
Einschränkungen zu erwarten, in einem klar strukturierten, halbwegs harmonischen Umfeld
seien
jedoch keine Einschrän
kungen in diesem Bereich zu erkennen.
A
us somatisch internistischer Sicht
sei der Beschwerdeführer
angesichts episodisch auftretender Durchfälle
und teil
weiser Urininkontinenz auf flexible Pausen und die Nähe einer Toilette angewiesen. Längere Autofahrten und Arbeitswege, wie z.B. im Aussendienst üblich,
seien
daher nicht zumutba
r.
Gemäss psychiatrischer Einschätzung besteh
e
keine eigenständige Auffälligkeit im Persönlichkeitsbereich im Sinne einer Persönlichkeitsstörung oder
eine Persönlichkeitsakzentuierung, aber eine organisch bedingte diskrete, wenngleich relevante Persönlichkeitsveränderung. Als interpsychische Ressourcen zu werten s
eien
die sehr guten Kommunikationsfähigkeiten des
Beschwerdeführers
sowie die Fähigkeit, gewinnend und vermittelnd agieren zu können, nebst ausrei
chenden kognitiven Fähigkeiten. Als systemische Ressource
gelte
der familiäre Rückhalt. Eine Belastung
sei
der weitgehende Strukturverlust seit nunmehr fast 6 Jahren, wie auch der Umstand, dass der
Beschwerdeführer
nach dem Verlust seines Partners allein leb
e
. Die Gesamtarbeitsfähigkeit berücksichtigt sowohl die
organischen als auch die psychiatrischen bzw. neurokognitiven Einschrän
kungen. Klinisch führend für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
sei
die hirnorganische Schädigung
.
Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Führungstätigkeit
sei retrospektiv konsensual leidensbedingt seit
dem
Schlaganfall
im Mai 2005 bzw. seit Aufgabe der Führungstätigkeit vollumfänglich und bleibend
aufgehoben
. Als Folge des Hirninfarktes im Mai 2005 sei es zu einer bis heute anhaltenden qualitativen und im Verlauf der Überbelastung auch zur quantitativen Minderung der Arbeitsfähigkeit gekommen, was 2006 zu einem
eigeninitiativen
Wechsel in weniger fordernde berufliche Stellungen mit befristen Verträgen und Einkom
menseinbussen geführt habe. Die Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit sei ab dem Datum des aktuellen Gutachtens konsensual auf 49 % zu schätzen.
Optimal für eine leidensangepasste Tätigkeit wäre eine leichte, wechselbelastende, kognitiv einfache Tätigkeit, ohne hohe Anforderungen an die Aufmerksamkeit, ohne wesentlichen Zeit- und Leistungsdruck, ohne oder mit nur sehr wenig direktem Kundenkontakt bei möglichste flexibler Pausengestaltung, ohne Schichtdienste und ohne Führungsaufgaben bzw. hohe Verantwortung. Die Tätigkeit müsse Fehler
tolerieren
können. Erforderlich sei ferner - im Hinblick auf die hirnorganisch-bedingten Verhaltensauffälligkeiten - ein verständnisvolles und tolerantes Arbeitsumfeld. Angesichts der somatoformen gastrointestinalen und urogenitalen Beschwerden (stressinduzierte Durchfallepisoden und stressin
duzierte partielle Urininkontinenz) bestehe die
Notwendigkeit
einer flexiblen Pausengestaltung, bei erhöhtem Pausenbedarf für die Toilettengänge, wobei der Beschwerdeführer auf eine Toilette in der Nähe angewiesen sei. Der Arbeitsweg sollte nicht zu lang sein, möglichst nicht mehr
als eine Stunde, die Arbeitsstelle sollte mit
öV
(WC-Nähe) erreichbar sein
(Urk. 29 S. 16)
.
Zum
retrospektiven
zeitlichen Verlauf der erwähnten angepassten Tätigkeit fehlten
in den
Behandlerberichten
explizite Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit. Die
Behandlerin
Dr.
F.___
habe eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert, dies zuletzt in ihrer Stellungnahme vom 20. April 2020, in welcher zu lesen sei, «die Arbeitsunfähigkeit betrug ununterbrochen 100 % seit 20. März 2017 und bis auf Weiteres». Plausibel könne auf diese echtzeitliche Einschätzung abgestellt werden. Es sei
d
avon auszugehen, dass sich die depressive Symp
tomatik seit 2020/Anfang 2021 allmählich verbessert habe, ohne dass ein konkreter Zeitpunkt festgestellt werden könne. Bei aktuell remittierter depressiver Störung sei im Vergleich zu noch 2020 von einer Besserung des Zustandsbildes auszugehen mit der nun postulierten Arbeitsfähigkeit von 49%
(Urk. 29 S. 16)
.
Eine erfolgreiche Eingliederung in eine angepasste Tätigkeit hätte psychiat
risch/prognostisch einen hohen therapeutischen Wert. Berufliche Massnahmen und Intensivierung der Psychotherapie wären bei der Aufnahme einer angepassten Tätigkeit erforderlich. In der aktuell vollständig entpflichteten Lebenssituation sei die Prognose des psychiatrischen Leidens im Sinne einer sich andeutenden reaktiven chronifizierenden Entwicklung belastet. Medizinische Massnahmen seien nicht angezeigt, hiervon könne keine überwiegend wahr
scheinliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden. Lediglich die Fortsetzung der psychiatrische
n
Behandlung sei - in Anbetracht der reaktiv neurotisch-ängstlich-somatoformen und aktuell weitgehend remittierten depres
siven Anteile - aus therapeutischen Gründen weiterhin indiziert. Insbesondere bei Wiederaufnahme einer an
g
epassten Tätigkeit
und
den hiermit zusammen
hän
genden Belastungen des Beschwerdeführers sollte eine verhaltenstherapeutisch orientierte Behandlung erfolgen, um die in der Vergangenheit mehrfach gesehene
n
Exazerbationen mit Ausbildung einer schwerer wiegenden reaktiv-psychischen Symptomatik zu verhindern.
Prognostisch wurde festgehalten, dass neurologisch nun mehr als 19 Jahre nach dem Hirninfarkt der Endzustand mit Sicherheit erreicht sei. Es sei bereits eine optimale neuropsychologische Begleitung
mit
unter anderem
Ergotherapie
sowie auch psychiatrischer Begleitung erfolgt. Bei zugrundeliegender struktureller Hirnschädigung könne keine Besserung erwartet werden. Die psychiatrische Prognose werde auch wesentlich davon abhängen, ob eine Umsetzung einer angepassten Tätigkeit in einem reduzierten Pensum gelinge. Nach den aktuell erhobenen psychiatrischen Befunden
ergebe sich eine
aktuell wenig
ausfüllende
, zunehmend auch neurotisch überlagerte Tagesstrukturierung bei einem grund
sätzlich leistungsbereiten
Beschwerdeführer
.
W
esentlich
werde es sein, dass diese Leistungsbereitschaft des Beschwerdeführers nicht überschiessend zu einer erneuten Überforderung führe, um überhaupt einen Einstieg zu ermöglichen, wozu es einer intensiven
therapeutischen
Begleitung bedürfe. Seit August 2021 (Ende des vom Gericht
zu beurteilenden Zeitraums
; Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung) bis zum Gutachten hätten sich die
gesundheitlichen Verhältnisse nicht verändert. Die Remission der depressiven Symptomatik habe sich bereits im Laufe des Jahres 2020, fraglich Anfang 2021 eingestellt, neurologisch habe sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit August 2021 nicht gebessert. Unter relativer Schonung (keine Aufnahme einer Erwerbstätigkeit) seien gewisse Symptome weniger manifest als unter beruflicher Belastung
(Urk. 29 S. 17)
.
Psychiatrisch ergäben sich zwischen der aktuellen Beurteilung und der Einschätzung der behandelnden Psychiaterin Dr.
F.___
diagnostisch
keine
wesentlichen
Unterschiede. In ähnlicher Weise werde die organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung als führend
und die rezidivierende depressive Störung im Sinne einer sekundären Reaktionsbildung angesehen. Als einzige Abweichung seien die Diagnosen im neurotischen Bereich («Nicht näher
bezeichnete
somatoforme Störung mit Betonung einer autonomen-vegetativen
Symptomatik
» nach ICD-10: F45.9 / «Andere gemischte
Angststörungen
» nach ICD-10: F41.3) ergänzt worden, um die diesbezüglich klinisch auffällige Symp
tomatik auch
diagnostisch
zu erfassen. Auch sehe der psychiatrische Gutachter einen ähnlichen Schweregrad der Störung wie die
behandelnde
Psychiaterin. Das Vorgutachten der
H.___
vom 6. Januar 2020 sei ebenfalls von einer organischen Persönlichkeits- und
Verhaltensstörung
aufgrund einer Schädigung des Gehirns ausgegangen, wobei aber die integrative
Beurteilung
der Arbeits
fähigkeit klar abweichend zur
vorliegenden
sei. Es falle auf,
dass die damaligen Gutachter zwar die gleiche führende Diagnose einer hirnorganischen Störung stellten, die hiermit verbundenen Defizite jedoch nicht hätten quantifizieren können. Die Gutachter stützten sich einseitig auf eine eingeschränkte Beschwerdevalidität ab.
I
m Vorgutac
h
ten werde auch nicht die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gestellt, die nach Aktenlage im Einklang mit den Behandlungsunterlagen als ausgewiesen zu betrachten sei. Im Vergleich zum Vorgutachten beständen aktuell keine Kopfschmerzen mehr und es werde keine relevante Insomnie mehr beschrieben. Gemäss anamnestischen Angaben seien die Kopfschmerzen mit einem wahrscheinlichen Bruxismus assoziiert gewesen, welcher durch Optimierung einer nächtlichen
Z
ahnschiene habe remittiert werden können, was zu einem Sistieren der Kopfschmerzen geführt habe. Der Bruxismus und die Kopfschmerzen seien dabei unter der damaligen vermehrten beruflichen Belastung bei neu erforderlicher Schichtarbeit aufgetreten und hätten die psychophysischen Ressourcen des Beschwerdeführers limitiert. Im internistischen Vorgutachten der
H.___
AG vom 1. Juni 2020 seien lediglich die Diagnosen Übergewicht und eine idiopathische Vergrösserung der Milz ohne versicherungs
medizinische Relevanz geführt worden. Die anlässlich der aktuellen Begut
achtung primär limitierenden Symptome von stressinduzierten Durchfällen und Urinverlust seien nicht erwähnt worden.
6
.
6
.1
Es
besteht kein Grund, um vom Gerichtsgutachten der
L.___
abzuweichen
. Deren Expertise vom 8. August 2024 (Urk. 29) entspricht sämtlichen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise. Sie beruht auf für die strittigen Belange umfassenden Untersuchungen und berücksichtigt die vom Beschwerdeführer
geklagten Beschwerden in angemessener Weise. Sodann wurde sie in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet.
Der konkreten medizinischen Situation trägt das Gutachten Rechnung. Das Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeits
fähigkeit werden ausführlich begründet. Die Beurteilung ist nach dem Gesagten für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend, sodass für die
Entscheidfindung
darauf abgestellt werden kann
(vgl. E. 1.6)
.
Dabei erachtete auch
RAD-Arzt PD Dr.
J.___
das polydisziplinäre
L.___-
Gerichtsgutachten als valide und empfahl, darauf abzustellen (Urk. 37).
6
.2
Die
L.___
-Gutachter kamen in ihrer interdisziplinären Gesamtbeurteilung
(Urk. 29 S. 6 ff.)
nachvollziehbar zum Schluss, dass der Beschwerdeführer durch den Hirninfarkt von Mai 2005 hirnorganische Schädigungen erlitt.
Gestützt auf die
berücksichtigte Aktenlage, die
umfassende Untersuchung und die sich daraus ergebende, detailliert dargelegte Befundlage - bei einem als konsistent und plausibel beurteilte
n
Gesamtbild (S. 8) - wurden Residuen durch die
rechts-
frontale Hirnfunktionsstörung festgestellt, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirken.
So zeige sich beim Beschwerdeführer einerseits eine leichte bis mittelschwere neurokognitive sowie verhaltensneurologische Störung mit Post-
Stroke
-Syndrom sowie schwerer Fatigue und andererseits -
nebst einer somatoformen Beschwerdesymptomatik - eine sonstige organische Persönlichkeits- und Verhaltensstörung aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des Gehirns (ICD-10: F07.8), welche
psychiatrischerseits
führend sei.
Dass bei
einer derartigen rechtshemisphärischen frontalen Infar
zierung die daraus direkt hirnorganisch resultierenden
Beschwerden sowie die psychiatrischen Beschwerden ineinander übergehen, erscheint
nachvollziehbar
.
Dabei wurde als relevant beurteilt, dass
bei
m
Beschwerdeführer eine
Anosognosie
(hirnorganisches Nichterkennen der eigenen Beeinträchtigungen) echtzeitlich gut dokumentiert vorliegt, welche sich zwar im Verlauf bis heute zurückentwickelte, aber als Residuum immer noch besteht und die dysfunktionale Dissimulations
tendenz erklärt. Diese Dissimulation zeigte sich schon 200
5
mit dem täuschenden Eindruck einer erfolgreichen beruflichen Wiedereingliederung schon kurz nach dem Schlaganfall, wobei sich erst im Verlauf zeigte, dass
der Beschwerdeführer
diese Führungs- und Ausbildungstätigkeit nicht mehr verrichten konnte und er nur in wechselnden, schlechter entl
ö
hnten und einfacheren Tätigkeiten eingesetzt werden konnte.
Bereits
2014 hielt die Neurologin Dr.
N.___
fest (vgl. E. 3.3), dass der Umstand, dass der Beschwerdeführer nach dem Schlaganfall seine Leistungsfähigkeit nicht mehr habe erreichen können, lange unberücksichtigt
geblieben sei, wohl rückwirkend auf eine gewisse Dissimulationstendenz hinweise.
Davon ging auch der RAD-Arzt Dr.
B.___
aus (vgl. E. 3.4).
Auch die behandelnde Psychiaterin Dr.
F.___
verweist in ihrem Bericht vom 17. Juli 2018 (vgl. E.
4.4
) auf die Kumulation der kognitiven Einschränkungen, der verminderten Belastbarkeit und der Dissimulationstendenzen des Beschwer
deführers, welche 2006 aus Überanstrengung
resp. Überforderung mit verän
derten Leistungs- und Anpassungsanforderungen
im Beruf
erstmals zu einer depressiven Episode
geführt habe
.
Auch die am 20. März 2017 eingetretene Erschöpfung mit Kopfschmerzen und depressiver Symptomatik hänge mit der 2017 infolge Umstrukturierung bei der
Z.___
für den Beschwerdeführer eingeführten Schichtarbeit zusammen
, welche der Beschwerdeführer aus den zuvor dargelegten hirnorganisch begründeten Symptomen nicht ertrug
.
In Zusammenschau dieser zurückliegenden Beurteilungen von 2013 und 2017 und der aktenkundigen beruflichen Entwicklungen erscheint die gutachterlich festgestellte dysfunktionale Dissimulationstendenz beim Beschwerdeführer plau
sibel
.
Ohne Hinweise auf S
ymptomverdeutlichung, Aggravation oder gar Simulation ist das fehlende oder verzerrte Erkennen der krankheitsbedingten Beeinträchtigungen als mehr als überwiegend wahrscheinlich krankheitsbedingt zu betrachten. Ebenfalls überze
u
gt
in diesem Zusammenhang, dass diese Überforderungs-bedingte psychische Krise auch im März 2017 einerseits zu einer depressiven Störung führte, sich aber auch eine reaktiv neurotische Symp
tom
bildung mit einer somatoformen Beschwerdesymptomatik (partielle Urinin
kon
tinenz, Reizdarmsymptomatik mit stressinduzierten Durchfällen
)
herauskris
talli
sierte. Auch hierbei erkannten die
L.___
-Gutachter, dass ein fliessender Übergang zwischen hirnorganisch/psychiatrischen Symptomen und den somatoform-vegetativen Stressreaktionen besteh
t
.
Die gutachterlich eingeschätzte Gesamtarbeitsfähigkeit anhand den festgestellten Funktionseinschränkungen berücksichtigt sowohl die organischen als auch die psychiatrischen bzw. neurokognitiven Einschränkungen, wobei die hirnor
ganische Schädigung klinisch führend ist. Ba
sierend auf
der zuvor dargelegten
diagnostischen
Ein
ordnung der hirnorganisch-bedingten Persönlichkeits- und Verhaltensstörung
zusammen mit der krankheitsbedingten Dissimulations
tendenz kamen die Gutachter im interdisziplinären Gerichtsgutachten konsensual und nachvollziehbar zum Schluss (S. 12 f.), dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der angestammten Führungstätigkeit retrospektiv seit dem Schlaganfall im Mai 2005 bzw. seit Aufgabe der Führungstätigkeit vollum
fänglich und bleibend aufgehoben ist.
Die Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit
wurde gutachterlich
und überzeugend
ab dem Datum des
aktuellen Gutachtens
(August 2024)
interdisziplinär
auf 49 %
geschätzt
, basierend auf einem zeitlichen Pensum von 61 % bei einer qualitativen Leistungsminderung von 20 %. Optimal für eine leidensangepasste Tätigkeit
ist dabei
eine leichte, wechselbelastende, kognitiv einfache Tätigkeit, ohne hohe Anforderungen an die Aufmerksamkeit, ohne wesentlichen Zeit- und Leistungs
druck, ohne oder mit nur sehr wenig direktem Kundenkontakt bei möglichste flexibler Pausengestaltung, ohne Schichtdienste und ohne Führungsaufgaben bzw. hohe Verantwortung. Die Tätigkeit
muss
Fehler tolerieren können. Erfor
derlich
ist
ferner - im Hinblick auf die hirnorganisch-bedingten Verhaltensauf
fälligkeiten - ein verständnisvolles und tolerantes Arbeitsumfeld. Angesichts der somatoformen gastrointestinalen und urogenitalen Beschwerden besteh
t
die Notwendigkeit einer flexiblen Pausengestaltung, bei erhöhtem Pausenbedarf für die Toilettengänge, wobei der Beschwerdeführer auf eine Toilette in der Nähe angewiesen
ist
. Der Arbeitsweg sollte nicht zu lang sein, möglichst nicht mehr als eine Stunde, die Arbeitsstelle sollte mit
öV
(WC-Nähe) erreichbar sein.
Zum retrospektiven zeitlichen Verlauf
dieser
angepassten Tätigkeit
stützt sich das
L.___
-Gutachten auf die plausible echtzeitliche Beurteilung der behandelnden Psychiaterin
Dr.
F.___
(
S. 14). Sie attestierte dem Beschwerdeführer
eine volle Arbeitsunfähigkeit
- also in bisheriger und angepasster Tätigkeit -
;
dies zuletzt in ihrer Stellungnahme vom 20. April 2020,
wonach
«die Arbeitsun
fähigkeit
(…)
ununterbrochen 100 % seit 20. März 2017 und bis auf Weiteres»
betrug
(vgl. E.
4.9
.1)
.
Dr.
F.___
behandelt den Beschwerdeführer seit dem 8. Mai 2018 psychiatrisch.
In ihrem ersten Bericht zuhanden der Beschwer
degegnerin vom 17. Juli 2018 (vgl. E.
4.3
) stellte sie bei einer diagnostizierten rezidivierenden depressiven Episode seit Mai
2005 und dem Status nach Mediainfarkt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem Behandlungsbeginn am 8. Mai 2017 fest.
D
abei ist festzuhalten, dass sie als den Beschwerdeführer relativ neu begleitende Psychiaterin keinen Anlass hatte, dessen Arbeitsfähigkeit rückwirkend zu beurteilen, verwies aber auf die hausärztlich attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 20. März 2017
(vgl. E.
4.1
)
. Ausserdem ergibt sich aus
i
hrem Bericht eindeutig, dass sie schon zum damaligen Zeitpunkt den Beginn der vollen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers im März 2017 sah, so erläuterte sie den Zusammenhang zwischen der
hirnorganischen Störung und der
Dissimulationstendenz mit der
Ü
berforderung resp. Überanstr
e
ngung ab dem eingeführten Schichtbetrieb
Anfang
2017 bis zum psychischen Zusammenbruch am 20.
März 2017 mit
Kopfschmerzen und deutlicher depressiver Symptomatik
. Der schlüssigen gutachterlichen Beurteilung folgend ist daher nebst einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in
der angestammten
Tätigkeit seit dem Hirninfarkt 2005 auch in einer angepassten Tätigkeit seit dem
20. März 2017 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit anzunehmen. Hinsichtlich
des weiteren
Krankheitsverlaufs
gehe
n
die
L.___
-Gutachter davo
n aus, dass sich die depressive Symptomatik
unter relativer Schonung ohne Aufnahme einer Erwerbstätigkeit (Entpflichtung)
seit 2020/Anfang 2021 allmählich verbessert ha
t
, ohne dass ein konkreter Zeitpunkt festgestellt werden könne. Bei aktuell remittierter depressiver Störung
ist daher
im Vergleich zu noch 2020 von einer Besserung des Zustandsbildes mit der nun postulierten Arbeitsfähigkeit von 49
%
auszugehen
.
6
.3
Das Gerichtsgutachten - bei weitestgehend identischer diagnostischer Beurteilung mit derjenigen von Dr.
F.___
- setzt sich sodann ausführlich mit dem von der Beschwerdegegnerin eingeholten
H.___
-Vorgutachten vom 6. Januar 2020 (vgl. E.
4.8
und E.
4.11
, S. 17 f.
) auseinander und legt nachvoll
ziehbar dar, dass die dort festgestellte eingeschränkte Beschwerdevalidität, ohne dass die mit der hirnorganischen Störung verbundenen Defizite quantifiziert wurden, auffalle. Zudem fehle dort die Diagnose der rezidivierenden depressiven Störung, obwohl sich diese aus den Behandlungsunterlagen ergebe
;
internistisch fehlten
zudem
die primär limitierenden Symptome von stressinduzierte
n
Durch
fällen und Urinverlust, welche ein
wesentliches Reintegrationshindernis dar
stell
ten.
Der psychiatrische Gutachter bezog die
massgebenden
Standardindikatoren (vorstehend E. 1.
7
) in seine Beurteilung weitestgehend ein (
Urk. 29 S. 42 ff.), womit
dieses
ohne Weiteres zu überzeugen vermag.
6
.4
Zusammenfassend kann aufgrund der überzeugenden Feststellungen im
inter
disziplinäre
L.___
-Gutachten vom
8.
August 2024
(Urk.
29
) mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer in
der angestammten
Tätigkeit
seit Mai 2005 bzw. seit Aufgabe der Führungstätigkeit
ununterbrochen
zu 100 % arbeitsunfähig ist
. Seit dem 20. März 2017 war der Beschwerdeführer auch in einer angepassten Tätigkeit (vgl. Belastungsprofil unter E.
6
.2 und Urk. 29
S. 16) zu 100 % arbeitsunfähig; nach der Remission der depressiven Symptomatik Ende 2020/Anfang 2021
ohne konkret festzustellenden Zeitpunkt
ist
spätestens
ab dem Gutachtensdatum (August 2024) wiederum von einer 49%igen Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit
auszugehen.
7
.
7
.1
Bei
erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
Als Erwerbseinkommen im Sinne von Artikel 16 ATSG gelten gemäss Art. 25 Abs. 1 IVV mutmassliche jährliche Erwerbseinkommen, von denen Beiträge nach AHVG erhoben würden. Nicht dazu gehören indessen:
a.
Leistungen des Arbeitgebers für den Lohnausfall
infolge Unfall
oder Krankheit bei ausgewiesener Arbeitsunfähigkeit;
b.
Arbeitslosenentschädigungen, Erwerbsausfallentschädigungen nach EOG und Taggelder der Invalidenversicherung.
Die massgebenden Erwerbseinkommen nach Artikel 16 ATSG sind in Bezug auf den gleichen Zeitraum festzusetzen und richten sich nach dem Arbeitsmarkt in der Schweiz (Art. 25 Abs. 2 IVV). Soweit für die Bestimmung der massgebenden Erwerbseinkommen statistische Werte herangezogen werden, sind die Zentral
werte der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik massgebend. Andere statistische Werte können beigezogen werden, sofern das Einkommen im Einzelfall nicht in der LSE abgebildet ist. Es sind altersunabhängige und geschlechtsspezifische Werte zu verwenden (Art. 25 Abs. 3 IVV). Die statistischen Werte nach Absatz 3 sind an die betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschafts
abteilungen und an die Nominallohnentwicklung anzupassen (Art. 25 Abs. 4 IVV).
7
.2
Die
Beschwerdegegnerin
hat das Leistungsbegehren
im angefochtenen Entscheid
(Urk. 2)
unter Hinweis auf die im
H.___
-
Gutachten
vom 6. Januar 2020 beschriebenen Inkonsistenzen
ohne Weiteres abgewiesen.
In Bezug auf die erwerblichen Auswirkungen der festgestellten Arbeitsfähigkeit
hat sie
dabei
keinerlei Ausführungen gemacht und insbesondere keinen Einkommensvergleich durchgeführt.
Auch den
übrigen
Akten
-
namentlich dem
Feststellungsblatt für
den Beschluss
vom
21. Februar 2020
(Urk.
7/160
)
beziehungsweise für den Einwand vom 27. August 2021
(Urk.
7/216) -
lässt sich
kein
Einkommens
ver
gleich
entnehmen b
eziehungsweise
ist nicht ersichtlich,
dass die
Beschwerde
gegnerin
überhaupt
Vergleichseinkommen ermittelt hätte.
Auch im Nachgang zum Gerichtsgutachten vom 8. August 2024 (Urk. 29) mit den zuvor unter E.
6
.5 dargelegten
Arbeits
(
un
)
fähigkeiten
, welches die Beschwerdegegnerin gestützt auf die RAD-Stellungnahme von PD Dr.
J.___
vom 11. März 2025 als überzeugend erachtete, wurden die für die Invaliditätsbemessung erforderlichen Berechnungs
grundlagen nicht ermittelt.
Jedoch ist für die Bestimmung der Invalidität
(und
mithin
der Leistungsansprüche)
von erwerbstätigen Versicherten
(auch)
die invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse massgebend (Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG; vgl. E.
7
.1
hievor),
weshalb
-
nebst dem Gesundheits
zustand und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
-
die Bezifferung von Validen- und Invalidenlohn
einen
zentralen Aspekt der
-
nachvollziehbar zu begründenden - Invaliditätsbemessung darstellt. Die
Sache geht daher an die
Beschwerdegegnerin
zurück, damit sie
- auch unter Berücksichtigung der veränderten Einkommens- und
Leben
sverhältnisse (vgl. Urk. 14) -
die mass
geblichen Vergleichseinkommen
und die Invalidität
ermittle
und hernach über das Leistungsbegehren neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde
- dem Antrag des Beschwerdeführers entsprechend (vgl. Urk. 38) -
gutzuheissen.
8
.
8
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf
Fr.
1‘0
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8
.2
Besteht ein Zusammenhang zwischen Untersuchungsmangel seitens der Verwal
tung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen, können die Kosten eines
Gerichtsgutachtens der Verwaltung auferlegt werden. Dies ist unter anderem der Fall, wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation
notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise abgestellt hat, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht
erfüllt (BGE 143 V 269 E. 6.2.1, 140 V 70 E. 6.1, 139 V 496 E. 4.4, je mit Hinweisen).
Mit Beschluss vom
14. Juni 2023
(Urk. 10)
teilte das Gericht den Parteien mit, dass beabsichtigt werde, ein
polydisziplinäres
Gutachten einzuholen, welches
Vorgehen
impliziert, dass nicht unerhebliche Zweifel an den Feststellungen von dem von der Beschwerdegegnerin
in Auftrag gegebenen interdisziplinären
H.___
-Gutachten vom 6. Januar 2020 (Urk. 7/157-158)
bestanden haben.
Zur abschliessenden Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdefüh
rers sowie seiner Arbeitsfähigkeit war mithin die Erstellung einer Gerichts
expertise unerlässlich, was einem Untersuchungsmangel gleichkommt. Es recht
fertigt sich daher, die von der Gerichtskasse bereits beglichenen Kosten des
beim
L.___
Universitätsspital
M.___
eingeholten
Gerichtsgutachtens
im Betrag von Fr.
20'745.00
(Urk.
31
) der Beschwerdegegnerin zu überbinden.
8
.
3
Entsprechend ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, de
m
Beschwerdeführer eine volle Prozessentschädigung zu bezahlen, die
gemäss
Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) - ohne Rücksicht auf den Streitwert - nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens zu bemessen ist, wobei ein Betrag von Fr.
4
‘
7
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen erscheint.
Das Gericht erkennt:
1.
In
Gutheissung
der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
27. August 2021
aufgehoben
mit der Feststellung, dass für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
die Angaben im G
erichtsgutachten der
L.___
vom 8. August 2024
massgebend sind, und die Sache wird zur Invaliditätsbemessung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
1‘0
00.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. Rech
nung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der Gerichtskasse die Kosten des Gerichtsgutachtens
der
L.___
vom
8. August 2024
im Betrag von Fr. 20'745.00 zu erstatten. Rechnung und Einzahlungsschein wird der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
4.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Parteient
schä
digung von Fr.
4’7
00
.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer
) zu bezahlen.
5
.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Christian Jaeggi
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im ach
Ei
Dispositiv
n
ntritt
der Rechtskraft)
6
.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art.
46
BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
HurstGeiger