# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7481a9f4-c8c2-5dd1-8fbe-71a64d6c84db
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-09-01
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 01.09.2011 SST.2011.119
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SST-2011-119_2011-09-01.pdf

## Full Text

2011 Strafrecht 47 

IV. Strafrecht 

 

11 Art. 57 Abs. 3, 62c Abs. 2 StGB  
Gegenstand der Anrechnung von Massnahmeaufenthalten auf den zu 
verbüssenden Rest einer Freiheitsstrafe ist nach dem Wortlaut des Geset-
zes der mit der Massnahme verbundene Freiheitsentzug. Entgegen dem 
früheren Gesetz ist nach der Revision des Allgemeinen Teils des Strafge-
setzbuches die Frage der Eingriffsintensität nicht mehr zu prüfen. Ent-
scheidend ist einzig die zeitliche Dauer der Massnahme, nicht aber eine 
verobjektivierte konkrete Belastung des Betroffenen durch die Mass-
nahme im Verhältnis zu einem Freiheitsentzug. 
Für die Anrechnung von Massnahmen vor dem Strafurteil ist zumindest 
ein direkter Zusammenhang mit dem Strafverfahren und bei der Art der 
Massnahme eine Antizipierung der nachträglich vom Gericht zu treffen-
den Massnahme zu verlangen.  

Aus dem Entscheid des Obergerichts, 1. Strafkammer, vom 1. September 
2011 i.S. Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach gegen D.S. (SST.2011.119). 

Aus den Erwägungen 

3.2. 
Streitig ist hingegen der Umfang der anzurechnenden Verweil-

dauer in Massnahmeinstitutionen:  
Gemäss Art. 57 StGB ordnet das Gericht, wenn die Vorausset-

zungen sowohl für eine Strafe wie auch für eine Massnahme erfüllt 
sind, beide Sanktionen an (Art. 57 Abs. 1 StGB). Der Vollzug einer 
Massnahme geht einer zugleich ausgesprochenen vollziehbaren Frei-
heitsstrafe voraus (Art. 57 Abs. 2 StGB). Der mit der Massnahme 
verbundene Freiheitsentzug ist auf die Strafe anzurechnen (Art. 57 
Abs. 3 StGB). Ist die Massnahme i.S.v. Art. 62c Abs. 2 StGB aufzu-
heben und muss noch ein Rest der Freiheitsstrafe vollzogen werden, 

48 Obergericht 2011 

weil der mit der Massnahme verbundene Freiheitsentzug kürzer ist 
als die aufgeschobene Freiheitsstrafe (Art. 62c Abs. 2 StGB), so stellt 
sich in der Praxis die Frage der Anrechnung von Massnahmeaufent-
halten auf die zu verbüssende Reststrafe. Diese Frage stellt sich so-
wohl bezüglich Umfang der Massnahme als auch deren Art. Gegen-
stand der Anrechnung ist nach dem Wortlaut des Gesetzes der mit der 
Massnahme verbundene Freiheitsentzug. Entgegen dem früheren 
Gesetz ist nach der Revision des Allgemeinen Teils des Strafgesetz-
buches die Frage der Eingriffsintensität nicht mehr zu prüfen. Ent-
scheidend ist einzig die zeitliche Dauer der Massnahme, nicht aber 
eine verobjektivierte konkrete Belastung des Betroffenen durch die 
Massnahme im Verhältnis zu einem Freiheitsentzug (MARIANNE 
HEER, in: Basler Kommentar, Strafrecht I, 2. Aufl. 2007, N. 9 zu 
Art. 57 StGB). 

Umstritten und in der Praxis nicht völlig geklärt ist, wie weit 
therapeutische Massnahmen vor dem Strafurteil, z.B. fürsorgerische 
Freiheitsentziehungen oder freiwillig eingegangene stationäre thera-
peutische Massnahmen, anzurechnen sind. Dabei ist zumindest ein 
direkter Zusammenhang mit dem Strafverfahren und bei der Art der 
Massnahme eine Antizipierung der nachträglich vom Gericht zu 
treffenden Massnahme zu verlangen. Es kann insbesondere bei Ver-
urteilten, welche unabhängig von strafrechtlichen Sanktionen einen 
Grossteil ihres Lebens in therapeutischen Institutionen und Mass-
nahmen verbracht haben, nicht angehen, jegliche private oder fürsor-
gerisch eingeleitete stationäre Massnahme an spätere Freiheitsstrafen 
anzurechnen. 

2011 Jugendstrafrecht 49 

V. Jugendstrafrecht 

 

12 Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG, Art. 156 Ziff. 3 i.V.m. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB  
Der erhöhte Strafrahmen von Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG findet aufgrund 
des Verweises in Art. 156 Ziff. 3 StGB auf die Bestrafung nach Art. 140 
StGB auch auf die räuberische Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 3 i.V.m. 
Art. 140 Ziff. 3 StGB Anwendung, sofern der Jugendliche zur Zeit der Tat 
das 16. Altersjahr vollendet hat und die Tat mit besonderer Skrupel-
losigkeit begangen hat. 

Aus dem Entscheid des Obergerichts, Jugendstrafkammer, vom 28. April 
2011 i.S. Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau gegen M.H. (SJU.2010.1). 

Aus den Erwägungen 

5.3. 
5.3.1. 
Der Strafrahmen eines Freiheitsentzuges reicht bei Jugendlichen 

über 15 Jahren von einem Tag bis zu einem Jahr (Art. 25 Abs. 1 
JStG), gemäss Art. 25 Abs. 2 lit. b JStG jedoch bis zu vier Jahren, so-
fern der Jugendliche zum Zeitpunkt der Tat über 16 Jahre alt war, 
besonders skrupellos gehandelt hat und sich unter anderem des Rau-
bes gemäss Art. 140 Ziff. 3 StGB strafbar gemacht hat.  

Nach dem Gesagten ist der Angeklagte nicht wegen Raubes, 
sondern wegen räuberischer Erpressung gemäss Art. 156 Ziff. 3 
StGB schuldig zu sprechen. Die Strafe für räuberische Erpressung 
gemäss Art. 156 Ziff. 3 StGB richtet sich nach jener des Raubes ge-
mäss Art. 140 StGB, was auch die Qualifikationen von Art. 140 
Ziff. 2 und 3 StGB miteinschliesst. Der Gesetzgeber wollte mit die-
ser Gleichsetzung der Strafen bei beiden Tatbeständen erreichen, 
dass räuberische Erpressung aufgrund ihres gleichen Unrechtsgehalts 
mit der gleichen Härte bestraft wird wie Raub. Begeht somit ein dem