# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 126c7813-a923-5d82-a1e4-4039a9e0514d
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-03-16
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 16.03.2022 E-3794/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-3794-2020_2022-03-16.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-3794/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  1 6 .  M ä r z  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richter Markus König (Vorsitz), 

Richterin Gabriela Freihofer,  

Richterin Barbara Balmelli, 

Gerichtsschreiberin Eveline Chastonay. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Iran,   

amtlich verbeiständet durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt, 

(…),  

Beschwerdeführer,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 22. Juni 2020 / N (…). 

 

  

 

E-3794/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer verliess den Iran gemäss seinen Angaben im 

August 2018 und gelangte auf dem Luftweg von B._______ über 

C._______ nach Belgrad/Serbien. Am 17. Oktober 2018 reiste er in die 

Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch. Am 5. November 

2018 wurde im Empfangs- und Verfahrenszentrum Basel die Befragung zur 

Person (BzP) durchgeführt und am 22. November 2020 der Beschwerde-

führer eingehend zu seinen Asylgründen befragt.  

A.b Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend, er sei arabi-

scher Ethnie und habe seinen letzten Wohnsitz in B._______ gehabt. Er 

habe eine gute Schulbildung und drei Jahre lang studiert, das Studium je-

doch nicht abgeschlossen. Er habe als (…), (…) und (…) gearbeitet und 

sich dazu im Irak, in Indien und in der Türkei aufgehalten; kürzlich habe er 

als Tourist D._______ besucht. Seine Eltern und die (…) Geschwister wür-

den ebenfalls in B._______ leben. Die Familie habe 200 Hektar Land be-

sessen. Unter Khomeini habe man alle alten Besitzdokumente (für Immo-

bilien und Grundstücke) gegen Dokumente der Islamischen Republik um-

tauschen müssen, was der Grossvater auch getan habe. Jedoch seien ihm 

damals nur 40 Hektar Land bestätigt worden; den restlichen Besitz habe 

die Regierung beschlagnahmt. Ahmadinejad habe nach der Machtüber-

nahme im Jahr 2013 versprochen, solche enteigneten Grundstücke ihren 

rechtmässigen Besitzern zurückzugeben. Die Familie habe daher einen 

Brief an den Führungsrat geschrieben, um das weitere Vorgehen in Erfah-

rung zu bringen, worauf ihr gesagt worden sei, sie müsse ihre Ansprüche 

auf dem Gerichtsweg einklagen. Dies habe seine Familie getan. Das Ge-

richt habe in der Folge entschieden, das Ackerland müsse durch einen 

Sachverständigen begutachtet werden. Auf dem enteigneten Grundstück 

habe sich jedoch eine Kaserne befunden, deren Kommandant eine Begut-

achtung verweigert habe. Das Verfahren vor Gericht habe sich mehr als 

drei Jahre hingezogen. Eines Morgens seien Leute des Geheimdiensts Et-

telaat ins Haus der Familie eingedrungen, hätten das Haus verwüstet und 

alle Gerichts- und Landdokumente vernichtet. Die Familie sei unter Todes-

drohungen davor gewarnt worden, die Landangelegenheit weiter zu verfol-

gen, was sie aus Angst auch nicht mehr getan habe.  

  

E-3794/2020 

Seite 3 

Etwa ein Jahr später habe er gemeinsam mit einem seiner Brüder vor dem 

Gouverneursgebäude protestiert, sie hätten friedlich einige Plakate (Text: 

"Wir sind stolze Araber und verlangen das Land unserer Vorfahren zu-

rück!") hochgehalten, als er unvermittelt einen Schlag auf den Kopf erhal-

ten habe. Bei Wiedererlangen des Bewusstseins habe er sich in einem 

dunklen Raum befunden. Dort sei er unter Folterungen verhört und erst 

nach einigen Tagen wieder freigelassen worden. Etwa vier Tage später 

habe er eine Vorladung des Revolutionsgerichts erhalten, in der ihm Hand-

lungen gegen die nationale Sicherheit und die Verbreitung von unwahren 

Informationen gegen die Regierung vorgeworfen worden seien. Er habe 

unverzüglich seinen Anwalt über alles informiert. Dieser habe ihm jedoch 

erklärt, aufgrund dieser schwerwiegenden Vorwürfe könne er nichts unter-

nehmen, und ihm zur Ausreise geraten. Kurz darauf sei er ausgereist. 

Weiter legte der Beschwerdeführer dar, der Grossvater sei Anführer von 

zwölf verschiedenen Stämmen gewesen. Seine Familie gehöre dem 

Stamm E._______ an, der von seinem Vater angeführt werde. Sollte der  

Vater versterben, würde jedoch nicht er (Beschwerdeführer), sondern ein 

Onkel und danach dessen Söhne Stammesanführer werden.  

Seit der Ausreise aus dem Iran habe er ausserdem für die Partei "Demo-

kratische Volkspartei von Ahwaz" (ADPF) gearbeitet; insbesondere habe 

er für diese Übersetzungsaufträge ausgeführt. 

A.c Zum Beleg seiner Identität reichte der Beschwerdeführer seinen  

Reisepass und zur Untermauerung seiner Vorbringen ein Bestätigungs-

schreiben der ADPF zum Beleg seiner Mitgliedschaft sowie zahlreiche  

Internet-Ausdrucke (seine Gedanken zu verschiedenen Themen im 

Schreibstil eines Märchens enthaltend) zu den Akten. 

B.  

Mit (am 25. Juni 2020 eröffneter) Verfügung vom 22. Juni 2020 stellte das 

SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und 

ordnete den Vollzug an.  

C.  

C.a Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 27. Juli 2020 erhob der  

Beschwerdeführer gegen die Verfügung des SEM Beschwerde beim  

Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte die vollumfängliche Aufhebung 

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Seite 4 

der Verfügung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewäh-

rung von Asyl; eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, die vorläufige 

Aufnahme anzuordnen, subeventualiter sei die Sache zur rechtsgenüg- 

lichen Sachverhaltsabklärung sowie neuen Entscheidfindung an die Vor- 

instanz zurückzuweisen.  

C.b Der Beschwerdeführer beantragte weiter das Ansetzen einer Frist von 

drei Wochen zum Einreichen eines Arztberichts und stellte den Antrag,  

es sei bezüglich des gegen ihn hängigen Strafverfahrens im Iran eine  

Botschaftsabklärung durchzuführen.  

C.c In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltli-

chen Prozessführung einschliesslich des Verzichts auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses sowie die Beiordnung seines Rechtsvertreters als  

unentgeltlicher Rechtsbeistand. 

D.  

Der Instruktionsrichter stellte am 6. August 2020 fest, der Beschwerdefüh-

rer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, und for-

derte ihn auf, innert Frist erstens seine Bedürftigkeit zu belegen und zwei-

tens den angekündigten Arztbericht zu den Akten zu reichen.  

E.  

Der Beschwerdeführer reichte am 12. August 2020 fristgerecht die Bestä-

tigung seiner Fürsorgeabhängigkeit sowie einen Arztbericht, datierend vom 

30. Juli 2020, nach. Gleichzeitig wies er auf verschiedene Online-Artikel 

hin und hielt fest, äusserst aktiv als Publizist tätig zu sein. 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 13. August 2020 hiess der Instruktionsrichter 

die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um 

Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gut und setzte 

Rechtsanwalt Urs Ebnöther als amtlichen Rechtsbeistand des Beschwer-

deführers ein. Mit gleicher Verfügung wurde die Vorinstanz zum Einreichen 

einer Vernehmlassung eingeladen. 

G.  

Am 20. August 2020 reichte der Beschwerdeführer die Fotografie einer ira-

nischen Eigentumsurkunde samt deutscher Übersetzung zu den Akten. 

  

E-3794/2020 

Seite 5 

H.  

Am 26. August 2020 zog die Vorinstanz ihre Verfügung vom 22. Juni 2020 

teilweise in Wiedererwägung, stellte die Flüchtlingseigenschaft des Be-

schwerdeführers fest und ordnete zufolge Unzulässigkeit des Wegwei-

sungsvollzugs die vorläufige Aufnahme in der Schweiz an.  

I.  

I.a Am 31. August 2020 stellte der Instruktionsrichter fest, zufolge der 

durch die Vorinstanz verfügten teilweisen Wiedererwägung, der Anerken-

nung der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und der damit 

verbundenen vorläufigen Aufnahme in der Schweiz werde die Beschwerde 

vom 27. Juli 2020, soweit die Flüchtlingseigenschaft und den Vollzug der 

Wegweisung betreffend, gegenstandslos. Der Beschwerdeführer wurde 

um Mitteilung innert Frist ersucht, ob er unter diesen Umständen an der 

Beschwerde (Begehren betreffend Asylgewährung und Wegweisung) fest-

halten oder diese allenfalls zurückziehen wolle. 

I.b Mit Eingabe vom 7. September 2020 teilte der Beschwerdeführer mit, 

er halte im Asylpunkt an seiner Beschwerde fest. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht 

vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet. 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, 

soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

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Seite 6 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der 

Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,  

ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein 

schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 

aArt.  108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).  

1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (und im Bereich des 

Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG; vgl. BVGE 2014/26 E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).  

4.  

4.1 Die Vorinstanz begründete ihre Abweisung des Asylgesuchs wie folgt: 

4.1.1 Hinsichtlich des unrechtmässig beschlagnahmten Landes seien die 

Angaben des Beschwerdeführers teils überzeugend und aussagekräftig 

ausgefallen. Allerdings sei schwer nachvollziehbar, dass alle die Lände-

reien betreffenden Urkunden zerstört worden seien und die Familie damit 

keinerlei Landdokumente mehr besitze. Es sei aufgrund dessen, dass  

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weitere Personen in die Angelegenheit involviert gewesen seien, anzuneh-

men, dass bei einer dieser Personen Kopien existieren würden. Ausser-

dem habe der Beschwerdeführer erklärt, nachdem die Familie die Sache 

habe auf sich ruhen lassen, seien keine weiteren Behelligungen mehr  

erfolgt. Entsprechend würden die Familienmitglieder weiterhin unbehelligt 

im Iran leben, zumal der Vater – als Stammesführer ohnehin stärker im 

Fokus der Behörden stehend – und dessen Brüder nicht weiter behelligt 

worden seien. Es sei daher nicht anzunehmen, der Beschwerdeführer 

müsse bei einer allfälligen Rückkehr allein wegen dieser Landgeschichte 

mit Verfolgungsmassnahmen rechnen.  

4.1.2 Es sei durchaus möglich, dass der Beschwerdeführer in der Vergan-

genheit einmal aufgegriffen und für eine gewisse Zeit festgehalten worden 

sei; solche Vorfälle seien vielen Iranern bekannt. Allein daraus könne noch 

keine gezielte, asylrelevante Verfolgung abgeleitet werden. Die Beschrei-

bung der vom Beschwerdeführer geltend gemachten Protestaktion, welche 

Ursache der Festnahme gewesen sein solle, sei mit Zweifeln behaftet; die 

Schilderungen dazu seien im Vergleich zu den Ausführungen über die 

Landstreitigkeiten substanzärmer ausgefallen. So habe der Beschwerde-

führer nicht überzeugend erklären können, weshalb er überhaupt eine sol-

che Protestaktion gestartet habe. Der Hinweis überzeuge nicht, er habe die 

Medien aufmerksam machen wollen, aber nicht bedacht, dass er (mit dem 

Bruder) dadurch die Sepah (Revolutionsgarde) unter Druck setzen könnte. 

Im Kontext des Wissens darum, wie die Sepah agiere und manipuliere, 

erstaune es sehr, dass der Beschwerdeführer tatsächlich so naiv gewesen 

sein wolle, vor dem Gouverneursgebäude explizit auf die Enteignungen 

und die Ungerechtigkeiten gegenüber der arabischen Ethnie aufmerksam 

zu machen. Die Erklärung, es sei kein politisches Statement gewesen, sei 

angesichts der sehr guten Schulbildung, der früheren einschlägigen Erfah-

rungen und seiner Äusserungen, die iranische Regierung verachte und  

benachteilige die Araber, nicht nachvollziehbar; vielmehr hätte ihm die  

politische Komponente einer solchen Protestaktion bekannt sein müssen. 

Die hieraus entstehenden Zweifel würden dadurch erhärtet, dass er nicht 

überzeugend habe erklären können, weshalb innerhalb der Familie nicht 

über das Ganze gesprochen worden sei. Dass die Familie Angst gehabt 

habe, überzeuge angesichts dessen, dass diese zuvor jahrelang um ihre 

Rechte gekämpft habe und sowohl der Grossvater als auch der Vater 

Stammesführer gewesen seien, in keiner Weise. Es sei anzunehmen, dass 

die behördlichen Landenteignungen und Benachteiligungen der arabi-

schen Bevölkerung innerhalb der Familie ein wichtiges Thema gewesen 

seien. Sodann habe er über den Verbleib des Bruders F._______ diffuse 

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und unstimmige Angaben gemacht; so sei nicht nachvollziehbar, dass er, 

für den Fall des Misslingens der Protestaktion, das weitere Vorgehen nicht 

mit dem Bruder abgesprochen habe. Weiter habe der Beschwerdeführer 

bisher die Vorladung des Revolutionsgerichts nicht zu den Akten gereicht. 

Die Erklärung, er habe Angst, mit der Familie Kontakt aufzunehmen, über-

zeuge nicht, zumal er hätte versuchen können, über den Familienanwalt 

oder seinen Freund (der ihm bei der Ausreise geholfen habe) Kontakt zur 

Familie aufzunehmen und so an die besagte Vorladung zu gelangen. 

4.1.3 Der Beschwerdeführer habe den Iran mit seinem eigenen Reisepass 

legal verlassen und nach C._______ fliegen können, wobei sein enger 

Freund dies organisiert und finanziert habe. Auch die diesbezüglichen An-

gaben seien vage und nicht nachvollziehbar ausgefallen. Aufgrund der un-

glaubhaften Angaben zur Protestaktion vor dem Gouverneursgebäude sei 

auch davon auszugehen, der Beschwerdeführer sei bei seiner Ausreise 

aus dem Iran keiner flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgung ausgesetzt 

gewesen.  

4.1.4 Der Beschwerdeführer mache exilpolitische Aktivitäten geltend und 

belege dies mit entsprechenden Beweismitteln. Indessen sei sein politi-

sches Engagement für die ADPF als gering einzustufen. Es sei davon aus-

zugehen, dass er nicht über ein politisches Profil verfüge, das ihn bei der 

Rückkehr in den Iran einer konkreten Gefährdung nach Art. 3 AsylG aus-

setzen würde. An dieser Einschätzung vermöchten auch die eingereichten 

Beweismittel nichts zu ändern. Die geltend gemachten subjektiven Nach-

fluchtgründe würden den Anforderungen von Art. 3 AsylG an die Flücht-

lingseigenschaft nicht standhalten, und er könne daher nicht als Flüchtling 

anerkannt werden. 

4.1.5 Zusammenfassend würden die Vorbringen weder den Anforderungen 

an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG noch denjenigen an die Flücht-

lingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten. Das Asylgesuch sei 

deshalb abzulehnen. 

4.2 In der Beschwerde wird der Sachverhalt dargelegt und zu den Erwä-

gungen der Vorinstanz festgehalten, deren Argumentation halte einer ein-

gehenden Prüfung nicht stand. 

4.2.1 So sei er tatsächlich nicht darüber im Bild, ob bezüglich der Land-

enteignung Kopien existieren würden. Er pflege aus Sicherheitsgründen 

bis heute keinen direkten Kontakt zu seiner Familie. Der Freund, der die 

Flucht organisiert habe, besuche manchmal seine Eltern und bei diesen 

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Gelegenheiten könne der Beschwerdeführer jeweils kurz über dessen  

Mobiltelefon mit seinem Vater sprechen; wobei sie nur Belanglosigkeiten 

austauschen würden, zumal namentlich die Eltern vom Abhören der Tele-

fongespräche ausgehen und sie in grösster Angst leben würden.  

Der Vater lenke bei entsprechenden Fragen ab. Der Beschwerdeführer 

werde über einen Onkel Unterlagen zu besorgen versuchen. Seine dies-

bezüglichen Aussagen würden zahlreiche Realkennzeichen aufweisen, 

was auch die Vorinstanz anerkenne.  

4.2.2 Die Vorinstanz qualifiziere auch die Inhaftierung vor der Flucht als 

glaubhaft, nehme hierzu jedoch keine seriöse Beweiswürdigung vor. Der 

Beschwerdeführer habe nicht von einer kurzfristigen Festnahme berichtet, 

sondern von einer rund zehn Tage dauernden Haft, während welcher er 

unter Folter verhört worden sei. Diese Ausführungen habe die Vorinstanz 

in Verletzung des rechtlichen Gehörs ignoriert. Demgegenüber widme sie 

sich eingehend den angeblich unglaubhaften Schilderungen zur Protest- 

aktion vor dem Gouverneursgebäude. Der Beschwerdeführer habe dar-

über tatsächlich nur wenig berichtet – es gebe über eine einmalige, kurze 

Aktion auch nicht viel zu erzählen. Zudem sei auch die Anhörung ange-

sichts der komplexen Vorbringen zu kurz ausgefallen. Es sei jedenfalls in 

seinen Schilderungen kein Bruch im Erzählstil auszumachen, und die 

Schlussfolgerung der Vorinstanz sei nicht nachvollziehbar, wonach der Be-

schwerdeführer dargelegt habe, es habe sich nicht um eine politische Bot-

schaft gehandelt. Er sei klar der Meinung, mit seinem Bruder eine politische 

Haltung kundgetan zu haben. Jedoch sei er nicht davon ausgegangen, als 

Folge der Aktion werde er von der Regierung als politischer Gegner wahr-

genommen. Zudem sei der Unterschied zwischen einem zivilen und einem 

politischen Protest unklar. Ungeachtet dessen sei diese Frage letztlich 

ebenso nebensächlich wie die Frage, ob der Beschwerdeführer und sein 

Bruder nun naiv gewesen seien oder nicht. Fakt sei, dass beide protestiert 

hätten und der Beschwerdeführer im Anschluss verhaftet und gefoltert wor-

den sei. 

4.2.3 Entgegen der Auffassung der Vorinstanz seien seine Angaben über 

den Verbleib des Bruders nach der besagten Protestaktion nicht wider-

sprüchlich ausgefallen. Er habe klar dargelegt, der Bruder sei verschwun-

den; dieser sei wohl geflohen, aber nicht verhaftet worden, ansonsten die 

Familie darüber informiert worden wäre. Dass die beiden keinen Treffpunkt 

vereinbart hätten, stimme mit ihrer Annahme überein, die Protestaktion 

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werde keine gravierenden Konsequenzen zeitigen. Zudem wäre das Ab-

machen eines solchen Treffpunkts im Fall einer Verhaftung ohnehin nutzlos 

gewesen.  

4.2.4 Die Vorinstanz habe den Sachverhalt nicht sorgfältig erstellt. So 

schreibe sie im angefochtenen Entscheid, die Familie hätte das Land nach 

der Machtergreifung von Ahmadinejad im Jahr 2013 zurückerhalten sollen. 

Dieser sei jedoch im Jahr 2013 durch Hassan Rohani abgelöst worden,  

wie dies der Beschwerdeführer auch dargelegt habe. Im zusammengefass-

ten Sachverhalt der Vorinstanz finde sich eine weitere Unstimmigkeit,  

indem diese davon ausgehe, der Beschwerdeführer sei Schiite, während 

er klar ausgesagt habe, konfessionslos zu sein und sich namentlich im  

Erwerbsleben als Schiite ausgegeben zu haben. 

4.2.5 Der Vorwurf der Vorinstanz, der Beschwerdeführer habe die Vor- 

ladung des Revolutionsgerichts nicht beibringen können, gehe ins Leere.  

Er habe während der Anhörung sowie in der Beschwerdeschrift nachvoll-

ziehbar ausgeführt, keinen (direkten) Kontakt zu seiner Familie zu haben. 

Seine Eltern seien auch gar nicht mehr im Besitz der Vorladung. Der  

damalige Verteidiger habe trotz seines Rates zur Flucht um Einsicht in die 

Verfahrensakten ersucht, diese sei ihm jedoch verweigert worden. 

4.2.6 Die von der Vorinstanz als unglaubhaft beurteilten Fluchtumstände 

seien einerseits nebensächlich; andererseits wirke ihre Unglaubhaftigkeits-

argumentation gesucht, zumal die Bundesanhörung sehr kurz ausgefallen 

sei und keine Nachfragen gestellt worden seien. Der Beschwerdeführer 

habe nur mit Hilfe des Schleppers ausreisen können; im iranischen Kontext 

sei es im Übrigen nicht unüblich, dass ein Freund einen Schlepper kenne. 

4.2.7 Der Beschwerdeführer sei aktives Mitglied der ADPF. Diese sei im 

Iran verboten und ihre Website sei zensiert. Er erreiche mit der Veröffentli-

chung seiner Texte auf der ADPF-Website ein grosses Publikum und sei 

einfach identifizierbar. Durch sein exilpolitisches Engagement erfülle er die 

Flüchtlingseigenschaft gemäss Flüchtlingskonvention. Er sei entsprechend 

zumindest als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 

4.2.8 Bei der Durchsicht der Protokolle würden sich zahlreiche Protokoll-

notizen finden, die auf eine Traumatisierung des Beschwerdeführers hin-

deuten würden. Bereits während der BzP habe er mit den Tränen gekämpft 

und davon berichtet, während der Haft geschlagen und gefoltert worden zu 

sein. Im Protokoll sei festgehalten, dass er kaum darüber habe sprechen 

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Seite 11 

können. Nachfragen zu den erlittenen Folterhandlungen seien unter- 

blieben. Während der Bundesanhörung sei er bei der Schilderung der Haft-

erlebnisse in Tränen ausgebrochen und habe nicht weitersprechen  

können. Der Befrager habe vorgeschlagen, an anderer Stelle weiterzufah-

ren. Auf dem Unterschriftenblatt der Hilfswerksvertretung (HWV) sowie im 

(mit der Beschwerde eingereichten) HWV-Protokoll sei erwähnt, dass der 

Beschwerdeführer beim Thema Haft sichtlich unruhig geworden sei; die 

HWV habe zudem angemerkt, dass eine ärztliche Bestätigung der während 

der Haft erlittenen Misshandlungen sich positiv auf die Beurteilung der 

Glaubhaftigkeit der Vorbringen auswirken würde. Die HWV sei somit der 

Ansicht gewesen, dass der Beschwerdeführer die Folter glaubhaft ge-

macht habe und an einem daraus resultierenden Trauma leide. Zudem 

habe offenbar auch der Befrager eine psychologische/psychiatrische  

Behandlung angeregt. Damit lägen zahlreiche Indizien vor, die nach  

weiteren Abklärungen verlangen würden. Der Beschwerdeführer befinde 

sich seit dem 31. Januar 2019 in ambulanter psychiatrisch-psychothera-

peutischer Behandlung und es würden regelmässige Einzelgespräche  

mit der behandelnden Ärztin stattfinden; er sei zudem auf Antidepressiva 

angewiesen.  

4.2.9 Die Vorinstanz habe auch das gegen den Beschwerdeführer lau-

fende Strafverfahren nicht in gebührender Weise berücksichtigt. Er habe 

dargelegt, dass er die Vorladung nicht beschaffen könne. Er sei während 

eines hängigen Verfahrens geflohen und habe der Vorladung des Revolu-

tionsgerichts keine Folge geleistet. Damit habe er sich in grosse Gefahr 

gebracht. Dieses Sachverhaltselement hätte die Vorinstanz mittels einer 

Botschaftsabklärung abklären respektive verifizieren müssen. Diese Unter-

lassung stelle eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes dar, mithin 

sei der rechtserhebliche Sachverhalt unrichtig beziehungsweise unvoll-

ständig abgeklärt worden. Es sei daher eine Rückweisung an die Vor- 

instanz angezeigt. Andernfalls werde beantragt. dass das Bundesverwal-

tungsgericht diese Abklärung bei der zuständigen Schweizer Vertretung in 

Auftrag gebe und abklären lasse, ob gegen den Beschwerdeführer ein  

Gerichtsverfahren laufe und welcher Tatbestand ihm vorgeworden werde. 

4.2.10 Die Vorinstanz habe auch den herabgesetzten Beweisanforderun-

gen gemäss Art. 7 AsylG nicht hinreichend Rechnung getragen. Die Mehr-

zahl der von ihr aufgeführten Ungereimtheiten hätten ohne Weiteres  

entkräftet werden können und die glaubhaften Aussagen des Beschwerde-

führers würden allfällige Unstimmigkeiten überwiegen, womit in einer Ge-

samtbetrachtung die Glaubhaftigkeit zu bejahen sei. 

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Seite 12 

4.2.11 Der Beschwerdeführer gehöre der Ethnie der Araber an. Verschie-

dene Quellen würden aufzeigen, dass ethnische Minderheiten im Iran  

systematisch diskriminiert würden, wobei Personen arabischer Ethnie aus 

B._______ besonders betroffen seien. Er und zuvor seine Familienange-

hörigen seien im Zusammenhang mit der Landenteignung aktiv gegen die 

Unterdrückung der arabischen Bevölkerungsgruppe vorgegangen und er 

habe bei der Kommunalregierung die ihm zustehenden Rechte eingefor-

dert. Dies gehe aus dem Slogan auf dem Protestplakat deutlich hervor und 

sei von den iranischen Behörden auch so aufgefasst worden. Der Be-

schwerdeführer habe sich gegen die von seiner Regierung verfolgte Politik 

aufgelehnt und sei dadurch als Regierungsgegner in den Fokus der Behör-

den geraten.  

5.  

5.1 Hinsichtlich der Frage der Flüchtlingseigenschaft aufgrund exilpoliti-

scher Aktivitäten zog das SEM am 26. August 2020 seinen Entscheid vom 

22. Juni 2020 teilweise in Wiedererwägung und nahm den Beschwerde-

führer unter Anerkennung seiner Flüchtlingseigenschaft vorläufig in der 

Schweiz auf. In der Zwischenverfügung vom 31. August 2020 wurde ihm 

entsprechend mitgeteilt, dass die Beschwerde vom 27. Juli 2020 dadurch, 

soweit die Flüchtlingseigenschaft und den Vollzug der Wegweisung betref-

fend (Ziffern 1, 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung)  

gegenstandslos geworden sei. Über diese Punkte ist daher nicht weiter zu 

befinden. 

5.2 Der Beschwerdeführer macht hingegen auch Vorfluchtgründe geltend, 

die zur Asylgewährung führen könnten (Art. 2 Abs. 1 AsylG) und deshalb 

hinsichtlich ihrer Glaubhaftigkeit und flüchtlingsrechtlichen Relevanz zu 

prüfen bleiben.  

6.  

6.1 Die Vorinstanz hat die ausführlichen Darlegungen des Beschwerdefüh-

rers bezüglich der Landenteignung als weitgehend überzeugend, aussa-

gekräftig und glaubhaft beurteilt (vgl. angefochtene Verfügung S. 4). Als 

ebenso nachvollziehbar qualifizierte sie das Vorbringen, dass der Be-

schwerdeführer einmal aufgegriffen und für eine gewisse Zeit festgehalten 

worden sein könne (vgl. a.a.O.). Weiter hegt sie keine Zweifel an seinen  

– durch Beweismittel belegten – exilpolitischen Aktivitäten (a.a.O. S. 6 f.).  

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Seite 13 

6.2 Für das Bundesverwaltungsgericht besteht keine Veranlassung, diese 

Sachverhaltselemente anders zu beurteilen, zumal die protokollierten Aus-

führungen des Beschwerdeführers dazu in der Tat erlebnis- und tatsachen-

basiert wirken.  

6.3 Hingegen erachtet das Gericht namentlich die Feststellung der Vor- 

instanz, wonach der letztlich fluchtauslösende Vorfall nicht glaubhaft sei 

und folglich keine flüchtlingsrechtlich relevanten Vorfluchtgründe vorliegen 

würden, im gesamten Verfahrenskontext als zu kurz gegriffen. Es kann 

vorab auf die überzeugenden Einwände in der Beschwerde verwiesen wer-

den (vgl. Beschwerde S. 6 ff.). 

6.3.1 Das SEM hat, wie erwähnt, keine Zweifel dazu angebracht, dass die 

Landbeschlagnahmung sich in der geschilderten Weise abgespielt hat,  

allerdings hat es moniert, der Beschwerdeführer habe in diesem Zusam-

menhang keine weiteren Dokumente beigebracht. In der Beschwerde wird  

erneut darauf hingewiesen, die bei der Familie befindlichen Unterlagen 

seien bei der Hausdurchsuchung zerstört worden. Mangels direkten  

Kontakts zur Familie wisse der Beschwerdeführer nicht, ob es noch Kopien 

gebe.  

Es war aufgrund der Schilderungen des Beschwerdeführers anzunehmen, 

dass solche Kopien existieren (zumal die Familie einen Anwalt mit ihrer 

Rechtsvertretung beauftragt habe), und auf Beschwerdeebene wurde die 

Fotografie einer Kopie der Eigentumsurkunde für die Parzelle Nummer (…) 

im Bezirk G._______ (vgl. Protokoll BzP S. 7) nachgereicht. Die Landent-

eignung wurde vom SEM zu Recht als glaubhaft qualifiziert. 

6.3.2 Der Beschwerdeführer hat in diesem Zusammenhang eine mit dem 

Bruder unternommene Zivilprotestaktion geltend gemacht. Auf diesem 

Weg hätten sie nochmals gegen die Landenteignung und auch gegen die 

Unterdrückung ihrer arabischen Ethnie protestiert. Entgegen der Auffas-

sung der Vorinstanz erweisen sich die diesbezüglichen Protokollstellen als 

kohärent, inhaltlich und zeitlich übereinstimmend; es wird aus Sicht des 

Bundesverwaltungsgerichts auch in diesen Schilderungen ein nachvoll-

ziehbares und authentisch wirkendes Aussageverhalten erkennbar.  

6.3.3 Bereits in der summarischen BzP hat der Beschwerdeführer sowohl 

die Protestaktion erwähnt als auch dargelegt, während der zehn- bis zwölf-

tägigen Haft geschlagen und gefoltert worden zu sein. Beim Vorbringen der 

Vorfälle während der Haft kämpfte er mit den Tränen und stockte in der 

Schilderung (vgl. Protokoll BzP S. 6). Er führte dennoch kurz aus, wie es 

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Seite 14 

zu dieser Haft gekommen sei, wie sich nach den Vorfällen um die Landen-

teignung alle (der Beschwerdeführer und die Familie) vorerst stillgehalten 

hätten und er erst etwa ein Jahr später mit dem Bruder friedlich vor dem 

Gouverneursgebäude protestiert habe, wo er bewusstlos geschlagen, ver-

schleppt und festgehalten worden sei. Er sei wegen dieser Vorfälle und 

wegen des Regimes ausgereist (vgl. a.a.O. S. 7). In der Anhörung schil-

derte er übereinstimmend, nach der Landenteignung und den damit  

verbundenen Vorfällen habe die Familie Angst bekommen und sich still ver-

halten. Später habe er mit dem Bruder entschieden, vor dem Gouverneurs-

gebäude zu protestieren, und sie hätten diesen Protest mit zwei Plakaten 

ausgeführt. Bereits nach wenigen Minuten sei der Beschwerdeführer von 

hinten angegriffen worden und nach einem Schlag auf den Kopf bewusst-

los zu Boden gegangen. Die geschilderten Misshandlungen während der 

Haft weisen ein hohes Mass an Realkennzeichen wie direkte Rede,  

Schilderung und Reaktion beim sexuellen Übergriff und die hieraus erkenn-

bare Scham auf. So erklärte er, wie er sich selber ein Stück Stoff über den 

Kopf habe ziehen müssen, und zeigte die Verhörsituation in direkter Rede 

plastisch und authentisch auf. Er schilderte, wie er geschlagen und getre-

ten worden sei und wie ihm mit einem Gerät Stromstösse an Armen  

und an der Brust zugefügt worden seien. Erlebnisnah wirkt auch das Vor-

bringen, wie er mittels wiederholt lauten Klingelns und andauernden 

Scheinwerferlichts vom Schlafen abgehalten worden sei, wobei insbeson-

dere die von den Lichtquellen ausgehende Hitze kaum auszuhalten ge-

wesen sei (vgl. Protokoll Anhörung, freie Schilderung ab F/A 17, S. 6 ff.). 

Weiter schilderte er – mit Unterbrüchen und sichtlich nach Worten ringend 

– wie er gezwungen worden sei, "nackt zu werden", und Spott, gefolgt von 

einem massiven sexuellen Übergriff, über sich habe ergehen lassen müs-

sen (vgl. a.a.O. F/A 18 ff.). Realitätsbezogen wirkt weiter, wie ihm das  

Essen vorgesetzt und dazu gesagt worden sei: "Du kannst wie ein Hund 

essen", da seine Hände gefesselt gewesen seien (vgl. a.a.O. F/A 21). 

6.3.4 Insgesamt sind diese Erlebnisse während des Festhaltens ange-

sichts der Dichte in der Schilderung und der vielen anderen Realitätskenn-

zeichen als glaubhaft zu qualifizieren. Die diesbezüglich pauschalisierende 

Ausführung der Vorinstanz, wonach ein solches Festhalten zwar möglich 

sei, solches aber vielen Iranern und Iranerinnen widerfahre (vgl. Verfügung 

S. 4), wird der Situation des Beschwerdeführers schon deshalb nicht  

gerecht, weil dieser massive Folterungen geltend gemacht hat. Aus den 

Erwägungen des Asylentscheids wird in der Tat nicht erkennbar, inwieweit 

die geltend gemachten Misshandlungen überhaupt in die Überlegungen 

des SEM eingeflossen sind.  

E-3794/2020 

Seite 15 

6.3.5 Dass der Beschwerdeführer zur kurz dauernden Protestaktion keine 

weitschweifenden Beschreibungen gab, lässt die ganze Aktion nicht per se 

als unglaubhaft erscheinen. Gemäss seinen diesbezüglichen Aussagen 

(vgl. a.a.O. F/A 26 ff.) entsteht das Bild eines eher spontanen Versuchs, 

auf das Unrecht in der Enteignungsgeschichte aufmerksam zu machen. 

Dass dieses Vorgehen im Kontext der politischen Realitäten im Iran in  

gewisser Weise naiv erscheint, ist nicht abzustreiten; allerdings liesse auch 

ein naives Verhalten noch nicht zwingend auf Unglaubhaftigkeit schliessen. 

Ebensowenig scheint abwegig, dass dem Beschwerdeführer der Verbleib 

seines Bruders zunächst nicht bekannt war, dürfte dieser sich doch im  

ersten Reflex (offenbar erfolgreich) in Sicherheit gebracht und versteckt 

haben. 

6.3.6 Für die Glaubhaftigkeit der Durchführung der Protestaktion und der 

daraus folgenden schwerwiegenden Nachteile sprechen weitere Indizien:  

So ist aus den protokollierten Reaktionen des die Anhörung leitenden 

Sachbearbeiters zu schliessen, dass nicht nur die HWV von der Authenti-

zität der Schilderungen spontan beeindruckt war, sondern offenbar auch 

der Befrager.  

Im ärztlichen Bericht der Psychiatrischen Dienste der H._______ Spitäler 

vom 30. Juli 2020 wird dem Beschwerdeführer die Diagnose einer Post-

traumatischen Belastungsstörung gestellt und festgehalten, der Beschwer-

deführer befinde sich seit Ende Januar 2019 wegen seiner Probleme in 

Behandlung.  

6.3.7 Der Beschwerdeführer muss sich zwar vorhalten lassen, dass er die 

Vorladung, die er kurz nach der Freilassung erhalten habe, nicht zu den 

Akten gereicht hat. Festzuhalten ist aber, dass er dieses Dokument in  

beiden Befragungen erwähnt und jeweils nachvollziehbar dargelegt hat,  

er habe Angst, mit der Familie in Kontakt zu treten (vgl. Protokoll Anhörung 

F/A 4 ff.).  

6.3.8 Gegen die Annahme der Glaubhaftigkeit einer zu diesem Zeitpunkt 

bestehenden Verfolgungssituation spricht hingegen, dass der Beschwer-

deführer den Iran problemlos auf dem Luftweg verlassen konnte. Zwar ist 

wohl nicht gänzlich auszuschliessen, dass dies in der beschriebenen Situ-

ation des Beschwerdeführers mithilfe eines Schleppers und korrupter 

Grenzbeamter möglich wäre. Es ist aber nur schwer nachvollziehbar, dass 

der Beschwerdeführer das mit der Ausreise auf dem Luftweg verbundene 

Risiko – dessen er sich sehr bewusst gewesen sei (vgl. Protokoll Anhörung 

F/A 21 S. 8) – eingegangen wäre. 

E-3794/2020 

Seite 16 

6.3.9 Die Beurteilung der Glaubhaftigkeit des angeblich fluchtauslösenden 

Ereignisses erweist sich nach dem Gesagten als schwierig. Bei der Abwä-

gung der für und der gegen die Glaubhaftigkeit sprechenden Indizien stellt 

das Gericht fest, dass die Erstgenannten überwiegen. Das Nicht- 

beibringen der Vorladung und die geschilderten Ausreiseumstände ver- 

mögen die Vielzahl klarer Realitätskennzeichen insgesamt nicht in Frage 

zu stellen. 

6.3.10 Nach dem Gesagten ist von der Glaubhaftigkeit der vom Beschwer-

deführer geltend gemachten Vorfluchtgründe auszugehen.  

6.3.11 Für die Durchführung einer Botschaftsabklärung besteht bei der 

heutigen Aktenlage ebenso wenig Veranlassung wie für die Rückweisung 

der Sache an die Vorinstanz. 

7.  

7.1 Bei der Beurteilung der flüchtlingsrechtlichen Relevanz der Ausreise-

gründe ist Folgendes festzustellen: 

7.2 Der Beschwerdeführer wurde vor seiner Ausreise im Anschluss an eine 

Protestaktion niedergeschlagen, verschleppt und in der Folge unter Miss-

handlungen festgehalten. Er reiste kurz nach der Freilassung aus und hatte 

zu diesem Zeitpunkt begründete Furcht vor flüchtlingsrechtlich relevanter 

Verfolgung. Praxisgemäss besteht die Regelvermutung, dass von erlitte-

ner, mit der Ausreise in Kausalzusammenhang stehender Vorverfolgung 

ohne Weiteres auf das Bestehen einer begründeten Furcht vor weiterer, 

zukünftiger Verfolgung zu schliessen ist (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5 

m.w.H.). Auch ist zu beachten, dass eine Person, die bereits einmal staat-

licher Verfolgung ausgesetzt war, objektive Gründe für eine ausgeprägtere 

(subjektive) Furcht hat als jemand, der erstmals in Kontakt mit staatlichen 

Sicherheitskräften kommt (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2, 2011/50 E. 3.1.1 und 

2010/57 E. 2, jeweils m.w.H.). Vorliegend besteht kein Grund, von dieser 

Regelvermutung abzuweichen.  

7.3 Die Voraussetzungen für die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft im 

Sinn von Art. 3 AsylG sind demnach – auch mit Bezug auf die Vorflucht-

gründe – erfüllt. 

7.4 Es bleibt festzustellen, dass in diesem Zusammenhang – anders als 

bei den subjektiven Nachfluchtgründen, denen das SEM in seiner Wieder-

erwägungsverfügung vom 26. August 2020 Rechnung getragen hat – 

keine Asylausschlussgründe vorliegen. 

E-3794/2020 

Seite 17 

8.  

Die Beschwerde ist nach dem Gesagten gutzuheissen. Die Verfügung des 

SEM vom 22. Juni 2020 ist aufzuheben, soweit sie nicht schon im Ver-

nehmlassungsverfahren gegenstandslos geworden ist, und die Vorinstanz 

ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer Asyl in der Schweiz zu gewähren. 

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerlegen 

(Art. 63 Abs. 1 VwVG). 

9.2 Dem Beschwerdeführer ist eine Entschädigung für die ihm erwachse-

nen notwendigen und verhältnismässig hohen Vertretungskosten zuzu-

sprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Es wurde keine Honorarnote eingereicht. 

Das Gericht stellt fest, dass bis auf die letzte Kurzmitteilung vom 7. Sep-

tember 2020 jede Eingabe der Rechtsvertretung von der Substitutin des 

beigeordneten amtlichen Anwalts verfasst und unterzeichnet worden ist, 

welche selber nicht Rechtsanwältin ist; diesem Umstand ist bei der Bestim-

mung der Parteientschädigung Rechnung zu tragen, weil dem Beschwer-

deführer unter diesen Umständen tiefere Parteikosten entstanden sein 

werden. Die vom SEM zu leistende Parteientschädigung ist dabei auf  

insgesamt Fr. 2500.– (inklusive Auslagen und Mehrwertsteueranteil) fest-

zulegen.  

 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-3794/2020 

Seite 18 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügungen des SEM vom 22. Juni 2020 wird aufgehoben, soweit sie 

nicht gegenstandslos geworden ist. Die Vorinstanz wird angewiesen, dem 

Beschwerdeführer Asyl in der Schweiz zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4.  

Das SEM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor 

dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von insgesamt 

Fr. 2500.– auszurichten 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Markus König Eveline Chastonay 

 

 

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