# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 455f61ab-f5f0-5a9e-93cd-062a616d784a
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2008-12-18
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 18.12.2008 E-4110/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4110-2008_2008-12-18.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-4110/2008
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 8 .  D e z e m b e r  2 0 0 8

Einzelrichterin Regula Schenker Senn,
mit Zustimmung von Richter Hans Schürch;
Gerichtsschreiber Rudolf Raemy.

A._______,
Pakistan,
vertreten durch B._______,
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
20. Mai 2008 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-4110/2008

Sachverhalt:

A.
Die  Beschwerdeführerin,  eine  pakistanische  Staatsangehörige  mit 
letztem Wohnsitz vor der Ausreise in Sheikhupura, Punjab, verliess ihr 
Heimatland gemäss eigenen Angaben am 6. September 2007 und er-
reichte die Schweiz am 1. Oktober 2007, wo sie am 2. Oktober 2007 
ein Asylgesuch stellte.

B.
Am 5. November  2007 wurde die  Beschwerdeführerin  im Empfangs- 
und Verfahrenszentrum C._______ zu ihren Asylgründen befragt. Am 
16. Januar 2008 erfolgte eine Anhörung durch die Vorinstanz. Anläss-
lich der Anhörungen wies die Beschwerdeführerin unter anderem dar-
auf hin, dass einer ihrer Söhne Schweizer Staatsangehöriger sei und 
dass sich ein weiterer Sohn mit einer Aufenthaltbewilligung hier aufhal-
te.  Eine  Tochter  sei  deutsche  Staatsangehörige  und  halte  sich  in 
Deutschland auf. Ein weiterer Sohn sei als Flüchtling in Deutschland 
und einer als Gastarbeiter in Kanada. Ihr Ehemann halte sich zur Zeit 
in Griechenland auf.

C.
Mit Eingabe vom 21. Februar 2008 zeigte die vormalige Rechtsvertre-
terin der Beschwerdeführerin die Mandatsübernahme an und ersuchte 
die Vorinstanz um Gewährung der vollständigen Akteneinsicht und um 
Einräumung des Rechts auf Stellungnahme nach abgeschlossener In-
struktion.

D.
Am  30. April  2008  gewährte  die  Vorinstanz  der  Beschwerdeführerin 
antragsgemäss Einsicht in die Verfahrensakten und hielt  unter ande-
rem fest, dass damit keine Frist zur Stellungnahme verbunden sei.

E.
Mit Verfügung vom 20. Mai 2008 lehnte das BFM das Asylgesuch der 
Beschwerdeführerin  ab  und  verfügte  ihre  Wegweisung.  Gleichzeitig 
wurde  die  Beschwerdeführerin  zufolge  der  Unzumutbarkeit  des  Voll-
zugs der Wegweisung in der Schweiz vorläufig aufgenommen. Zur Be-
gründung  führte  es  aus,  die  Schilderungen  der  Beschwerdeführerin 
genügten den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft nicht. Die 
Verfügung wurde am 21. Mai 2008 eröffnet.

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F.
Am 3. Juni 2008 gewährte das BFM der Beschwerdeführerin auf das 
Gesuch ihres aktuellen Rechtsvertreters vom 28. Mai 2008 Einsicht in 
die Asylakten.

G.
Mit  Eingabe vom 19. Juni 2008 (Datum Poststempel) reichte die Be-
schwerdeführerin beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen 
die Verfügung vom 20. Mai 2008 ein und beantragte deren Aufhebung, 
soweit  sie  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseingenschaft  verweigere. 
Es sei  ihr  Asyl  zu gewähren. In  verfahrensrechtlicher Hinsicht  bean-
tragte  die  Beschwerdeführerin  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege unter Beigabe eines unentgeltlichen Rechtsbeistands so-
wie den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

H.
Mit  Instruktionsverfügung vom 24. Juni  2008 bestätigte  das  Bundes-
verwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde und hielt  fest, dass 
nach Eingang und Prüfung der Vorakten darauf zurückgekommen wer-
de.

I.
Mit Zwischenverfügung vom 30. Juni 2008 verfügte das Bundesverwal-
tungsgericht,  dass die Beschwerdeführerin den Ausgang des Verfah-
rens in der Schweiz abwarten könne, wies die Gesuche um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ab 
und forderte die Beschwerdeführerin zur Bezahlung eines Kostenvor-
schusses von Fr. 600.-- bis zum 15. Juli 2008 auf.

J.
Der Kostenvorschuss wurde am 4. Juli 2008 einbezahlt.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.

1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt  das Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerden gegen Verfügungen nach  Art. 5 des Bundesgeset-
zes vom 20. Dezember 1968 über  das Verwaltungsverfahren (VwVG, 
SR 172.021). Das Bundesamt für Migration (BFM) gehört zu den Be-
hörden nach  Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundes-
verwaltungsgerichts. Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme im 
Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht 
ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde 
und entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 des Asylgeset-
zes  vom 26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 
Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführerin  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  berührt  und 
hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungswei-
se  Änderung. Die  Beschwerdeführerin  ist  daher  zur  Einreichung der 
Beschwerde legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 und 50 und 
52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e 
AsylG). Wie  nachstehend aufgezeigt,  handelt  es  sich  vorliegend  um 
eine  solche,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).

Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines 
Schriftenwechsels verzichtet.

4.
In ihrer Eingabe vom 19. Juni 2008 beantragte die Beschwerdeführerin 

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die Aufhebung der Verfügung vom 20. Mai 2008, soweit sie die Aner-
kennung als Flüchtling verweigere und die Gewährung von Asyl. Ge-
genstand des vorliegenden Verfahrens sind demnach die Fragen der 
Flüchtlingseingenschaft, des Asyls sowie sinngemäss die Wegweisung 
als solche.

5.

5.1 Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich Asyl. Als Flüchtling wird eine ausländische Person aner-
kannt, wenn sie in ihrem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt 
wohnte, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu ei-
ner  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  An-
schauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht hat,  solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen 
Druck bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist  Rechnung 
zu tragen (Art. 3 AsylG).

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachwei-
sen oder zumindest  glaubhaft  machen. Diese ist  glaubhaft  gemacht, 
wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrschein-
lichkeit  für  gegeben hält. Unglaubhaft  sind insbesondere Vorbringen, 
die in  wesentlichen Punkten zu wenig begründet  oder in sich wider-
sprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich 
auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 
AsylG).

6.

6.1 Zur Begründung ihres Asylgesuches machte die Beschwerdefüh-
rerin  im Wesentlichen geltend,  sie  sei  Angehörige  der  ahmadischen 
Glaubensgemeinschaft, weshalb sie und die ganze Familie viele Prob-
leme im Heimatland gehabt hätten. Letztlich hätten alle Familiemitglie-
der  das  Heimatland  aufgrund  dieser  Probleme  verlassen.  Ihr  Sohn 
D._______  habe  diesen  Glauben  gepredigt,  was  zu  grossen 
Problemen  mit  anderen  Dorfbewohnern,  insbesondere  mit  einer 
Person  namens  E._______  und  dessen  Familie  geführt  habe. 
Anzeigen  der  Beschwerdeführerin  und  ihrer  Familie  bei  der  Polizei 
seien  zwar  aufgenommen worden,  indessen  habe  die  Polizei  nichts 
unternommen. Im Jahre 2002 habe E._______ mit seiner Familie und 

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Freunden  zu  Hause  bei  der  Beschwerdeführerin  nach  D._______ 
gefragt,  welcher  indessen  nicht  anwesend  gewesen  sei.  Beim 
Weggehen hätten sie vor dem Haus einen Schuss abgefeuert, worauf 
ein  zweiter  Schuss  gefallen  sei,  welcher  jemanden  der  Gruppe  von 
E._______ getroffen habe. D._______ sei beschuldigt worden, diesen 
Schuss  abgegeben  zu  haben,  worauf  Anzeige  gegen  ihn  erstattet 
worden sei. Er habe sich daraufhin versteckt. Die Beschwerdeführerin 
sei  indessen  von  der  Polizei  verhaftet  und  gezwungen  worden, 
D._______ Aufenthaltsort bekannt zu geben. Bei den Schwiegereltern 
sei D._______ sodann verhaftet, für zwei Jahre ins Gefängnis gesteckt 
und  danach  gegen  Kaution  freigelassen  worden. In  der  Folge  habe 
sich D._______ nach Deutschland begeben. Nach der Ausreise ihres 
Sohnes sei  die Beschwerdeführerin  insgesamt dreimal  -  zweimal  im 
Jahre 2002 und letztmals im März oder April  2007 - von Mitgliedern 
der  Gruppe  E._______  bedroht  worden.  Diese  hätten  Schüsse  vor 
ihrem Haus abgegeben und sie aufgefordert, D._______ auszuliefern. 
Weil sie sich bedroht gefühlt  habe, habe sie sich nach Rücksprache 
mit  ihrem  Sohn  in  Kanada  zur  Ausreise  entschlossen.  Zum  Beweis 
ihrer  Vorbringen  reichte  die  Beschwerdeführerin  einen  Bericht  des 
Gerichts in Lahore betreffend D._______ vom 25. Oktober 2002 sowie 
einen Zeitungsausschnitt vom 21. April  2000 über einem Diebstahl in 
ihrem Haus zu den Akten.

6.2 Zur  Begründung  der  das  Asylgesuch  ablehnenden  Verfügung 
machte das BFM geltend, die blosse Zugehörigkeit der Beschwerde-
führerin zu der Ahmadiyya-Bewegung vermöge aufgrund der aktuellen 
Situation  in  ihrem Heimatland  keine  asylrelevante  Verfolgung  bezie-
hungsweise  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  zu  begründen.  Daher 
werde  einem  Mitglied  dieser  Bewegung  die  Flüchtlingseingenschaft 
nur dann zuerkannt, wenn es eine individuelle Verfolgung im Sinne von 
Art. 3 AsylG glaubhaft machen könne. Die von der Beschwerdeführerin 
geltend  gemachten  Übergriffe  der  Leute  aus  der  Gruppe  von 
E._______  stellten  aufgrund  ihrer  Art  und  Intensität  jedoch  keine 
Zwangssituation dar, aufgrund derselben der Beschwerdeführerin ein 
weiterer  Verbleib  im  Heimatstaat  nicht  möglich  gewesen  wäre. 
Insbesondere  sei  darauf  hinzuweisen,  dass  sie  offenbar  während 
eines  zweijährigen  Aufenthalts  in  Farooq  Abda  keine  wesentlichen 
asylrechtlich relevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt gewesen 
sei.  Ihre  Vorbringen  hielten  demnach  den  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseingenschaft nicht stand.

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6.3 In  ihrer  Beschwerde weist  die Beschwerdeführerin  auf  die allge-
mein schlechte Lage der Ahmadis in Pakistan hin und verweist dazu 
auf eine Lageanalyse der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) aus 
dem Jahre 2004 sowie einen Bericht von Amnesty International vom 
15. Mai 2001. Dazu führt  sie aus, dass sie sowohl von der pakistani-
schen Polizei  als  auch von privaten Dritten  "tangiert"  geworden sei. 
Während ihre Verhaftung durch die Polizei  schon mehrere Jahre zu-
rückliege,  seien  die  Übergriffe  der  E._______-Gruppe  immer  wieder 
erfolgt, letztmals kurz vor ihrer Ausreise. Zwar handle es sich dabei um 
Attacken privater Dritter. Diese seien indessen fraglos religiös motiviert 
gewesen und gingen auf einen Streit aus dem Jahre 2002 zurück, als 
ihr  Sohn  wegen seiner  religiösen Aktivitäten  angegriffen  und  zu un-
recht beschuldigt worden sei. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz sei-
en die Übergriffe auch durchaus von erheblicher Intensität. Mehrfach 
seien  Schüsse  auf  ihr  Haus  abgegeben  worden,  so  dass  nicht  von 
harmlosen Attacken gesprochen werden könne. Auch müssten diese 
Übergriffe  zumindest  indirekt  dem  pakistanischen  Staat  angelastet 
werden, zumal  dieser nichts gegenüber den privaten Übergriffen ge-
gen die Ahmadis unternehme und sowohl die Mullahs als auch private 
Gruppierungen  ungehindert  ihre  Angriffe  durchführen  lasse.  Auch 
wenn es zutreffe, dass die Beschwerdeführerin während einer gewis-
sen Zeit  nicht  behelligt  worden sei,  sei  festzuhalten,  dass der letzte 
Angriff kurz vor ihrer Ausreise stattgefunden habe. Angesichts der Ta-
tenlosigkeit des pakistanischen Staates sei es ihr daher nicht mehr zu-
mutbar gewesen,  sich weiterhin den Angriffen dieser  Gruppe auszu-
setzen.  Ihre  Vorbringen  erfüllten  daher  die  Anforderungen  an  die 
Flüchtlingseingenschaft gemäss Art. 3 AsylG.

6.4

6.4.1 Die Vorbringen der Beschwerdeführerin, aufgrund ihrer Zugehö-
rigkeit zu den Ahmadi und im Zusammenhang mit den Geschehnissen 
um ihren Sohn D._______ immer wieder  behelligt  und insbesondere 
im März oder April 2007 bedroht worden zu sein, hat die Vorinstanz zu 
Recht als asylrechtlich nicht relevant qualifiziert, zumal diese Ereignis-
se die erforderliche Schwelle der Intensität nicht erreichen, um als Ver-
folgung im Sinne des Flüchtlingsbegriffs gelten zu können. Zudem ist 
auf  die  weiterhin  gültige  Rechtsprechung  hinzuweisen,  wonach  die 
Diskriminierungen, welche die Ahmadi in Pakistan zu erleiden haben, 
keine  Kollektivverfolgung  darstellen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mittei-
lungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1996 Nr. 

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22 E. 5a-c; 2002 Nr. 3 E. 4 und 7c und d). Diese Einschätzung gilt auch 
in Berücksichtigung der in EMARK 2006 Nr. 18 begründeten Praxisän-
derung  hinsichtlich  der  Frage  der  flüchtlingsrechtlichen  Relevanz 
nichtstaatlicher  Verfolgung.  (Wechsel  von  der  Zurechenbarkeits-  zur 
Schutztheorie;  vgl.  dazu  auch  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts 
D-7054/2006 vom 1. Februar 2008 E. 4).

6.4.2 In ihrem Grundsatzurteil  EMARK 2006 Nr. 18 ist  die ARK zum 
Schluss gekommen, dass eine völkerrechtskonforme Anwendung von 
Art. 3  AsylG im Lichte der  Genfer  Flüchtlingskonvention  (Abkommen 
vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK.  SR 
0.142.30])  ergibt,  dass  neben  der  unmittelbaren  oder  mittelbaren 
staatlichen  auch  die  nichtstaatliche  Verfolgung  flüchtlingsrechtlich 
grundsätzlich relevant ist. Mit dieser Praxisänderung erfolgte damit ein 
Wechsel von der Zurechenbarkeits- zur so genannten Schutztheorie. 
Nach der Schutztheorie hängt aber die flüchtlingsrechtliche Relevanz 
einer Verfolgung nicht von der Frage ihres Urhebers, sondern vom Vor-
handensein eines adäquaten Schutzes durch den Heimatstaat ab (vgl. 
EMARK 2006  Nr. 18  E. 6.3.1.  und  10.2.1.).  In  diesem Sinne  kommt 
aber auch der Unterscheidung zwischen Schutzunwilligkeit und -unfä-
higkeit des Heimatstaates (bzw. allenfalls eines Quasi-Staates) grund-
sätzlich keine entscheidende Bedeutung mehr zu: Nichtstaatliche Ver-
folgung ist nach der Schutztheorie flüchtlingsrechtlich relevant, sofern 
der Heimatstaat (beziehungsweise allenfalls ein Quasi-Staat) nicht in 
der Lage oder nicht  willens ist,  adäquaten Schutz vor Verfolgung zu 
bieten (vgl. sinngemäss Art. 6 Bst. c der Richtlinie 2004/83/EG vom 29. 
April  2004 über Mindestnormen für die Anerkennung und den Status 
von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als Flüchtlinge oder als 
Personen, die anderweitig internationalen Schutz benötigen und über 
den Inhalt des zu gewährenden Schutzes ["Qualifikationsrichtlinie"]).

Mit Bezug auf die Frage, welche Art und welcher Grad von Schutz vor 
nichtstaatlicher  Verfolgung  im  Heimatstaat  (bzw.  allenfalls  in  einem 
Quasi-Staat)  als  adäquat  zu  erachten  ist  und  damit  -  aufgrund  der 
Subsidiarität  des flüchtlingsrechtlichen Schutzes -  eine Anerkennung 
als Flüchtling ausschliesst, ist nach dem Grundsatzurteil EMARK 2006 
Nr. 18 der ARK nicht eine faktische Garantie für langfristigen individu-
ellen Schutz der von nichtstaatlicher Verfolgung bedrohten Person zu 
verlangen, weil es keinem Staat gelingen kann, die absolute Sicherheit 
aller seiner Bürger und Bürgerinnen jederzeit und überall zu garantie-
ren.  Erforderlich  ist  aber,  dass  eine  funktionierende  und  effiziente 

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Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht, wobei in erster Linie an poli-
zeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe sowie an ein Rechts-  und 
Justizsystem zu denken ist, das eine effektive Strafverfolgung ermög-
licht. Im Weiteren muss die Inanspruchnahme eines solchen Schutz-
systems der betroffenen Person objektiv zugänglich und individuell zu-
mutbar sein.

6.4.3 Diese Voraussetzungen sind - unter Berücksichtigung der allge-
meinen Situation der Ahmadis in Pakistan und den konkreten Umstän-
den für die Beschwerdeführerin - im vorliegenden Fall als gegeben zu 
erachten. Somit hat die Vorinstanz die Vorbringen der Beschwerdefüh-
rerin im Ergebnis zu Recht als nicht asylrelevant erachtet.

6.5 Der Vollständigkeit  halber kann schliesslich festgehalten werden, 
dass der Flüchtlingsbegriff gemäss ständiger Praxis voraussetzt, dass 
zwischen Verfolgung und Flucht  in  zeitlicher  und sachlicher  Hinsicht 
ein  genügend  enger  Kausalzusammenhang  besteht.  Ein  fehlender 
zeitlicher Zusammenhang wird angenommen, wenn die Vorverfolgung 
nicht  mehr als unmittelbarer Anlass zur Ausreise angesehen werden 
kann.  Kausalität  zwischen  Vorverfolgung  und  Flucht  wird  in  diesem 
Sinne verneint, wenn die Verfolgung im Zeitpunkt der Ausreise schon 
einige  Jahre  zurückliegt  beziehungsweise  wenn  die  Heimat  erst  be-
achtliche  Zeit  nach  dem  Abschluss  der  Verfolgung  verlassen  wurde 
und nicht plausibel dargetan werden kann, was die Abreise erschwert 
oder verzögert hat. Ferner gilt in der Praxis der zeitliche Zusammen-
hang als  zerrissen,  wenn -  je  nach Einzelfall  -  länger  als  sechs bis 
zwölf  Monate  mit  der  Flucht  zugewartet  wurde  (vgl.  WALTER KÄLIN, 
Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt  a. M. 1990,  S. 127 f.). 
Gemäss  Rechtsprechung  hat  diese  zeitliche  Regelvermutung  aber 
nicht absolute Geltung (vgl. EMARK 1996 Nr. 25 und 1998 Nr. 20). Ge-
stützt auf diese Erwägungen sind somit die von der Beschwerdeführe-
rin bis und mit  dem Jahre 2002 geltend gemachten Ereignisse man-
gels zeitlicher und sachlicher Kausalität als asylrechtlich irrelevant zu 
bezeichnen.

6.6 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin 
nicht darzutun vermochte, dass sie einer Verfolgung im Sinne von Art. 
3  AsylG  ausgesetzt  war  oder  begründete  Furcht  hat,  einer  solchen 
ausgesetzt zu werden. Sie kann daher nicht als Flüchtling anerkannt 
werden. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch der Beschwerdeführerin im 
Ergebnis zu Recht abgelehnt.

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7.

7.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht 
ein, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Ein-
heit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

7.2 Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung ei-
ner  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet 
(Art. 44 Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21).

7.3 Vorliegend erübrigen sich Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumut-
barkeit und Möglichkeit des Vollzugs der Wegweisung, zumal die Be-
schwerdeführerin von der Vorinstanz mit Verfügung vom 20. Mai 2008 
wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  in  der 
Schweiz aufgenommen wurde.

8. Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfü-
gung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt 
richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG). 
Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.

9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sowie unter Berücksichtigung 
der mit Zwischenverfügung vom 30. Juni 2008 verweigerten unentgelt-
lichen  Rechtspflege  sind  die  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr. 
600.- der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die 
Verfahrenskosten sind durch den am 4. Juli 2008 geleisteten Kosten-
vorschuss gedeckt und sind mit diesem zu verrechnen. 

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.-  werden  der  Beschwerdeführerin 
auferlegt und mit  dem bereits bezahlten Kostenvorschuss in gleicher 
Höhe verrechnet.

3.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt und Rückkehrförderung, mit den Ak-

ten Ref.-Nr. N_______ (per Kurier; in Kopie)
- den F._______ (in Kopie)

Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber:

Regula Schenker Senn Rudolf Raemy

Versand:

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