# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** f7230468-cf43-5835-85e2-3ac68da10514
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2010-09-01
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 01.09.2010 D-5922/2010
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5922-2010_2010-09-01.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-5922/2010
law/mah/cvv
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 .  S e p t e m b e r  2 0 1 0

Einzelrichter Walter Lang, 
mit Zustimmung von Richter Martin Zoller;
Gerichtsschreiberin Sarah Mathys.

A.__________, geboren (...),
Algerien,
vertreten durch lic. iur. Patricia Müller 
Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende Solothurn, 
(...)
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin); 
Verfügung des BFM vom 18. August 2010 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-5922/2010

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,

dass  der  Beschwerdeführer,  ein  algerischer  Staatsangehöriger  aus 
Algier,  am 30. März  2009  seinen  Heimatstaat  verliess  und  über  die 
Türkei, Griechenland und Italien am 5. April  2010 in die Schweiz ge-
langte, wo er gleichentags um Asyl nachsuchte,

dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  18. August  2010  –  eröffnet  am 
20. August 2010 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d des Asylge-
setzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch des 
Beschwerdeführers  vom 5. April  2010  nicht  eintrat,  die  Wegweisung 
nach Griechenland verfügte, den Beschwerdeführer – unter Androhung 
von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  aufforderte,  die  Schweiz 
spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen, den 
Kanton  B._______  verpflichtete,  die  Wegweisungsverfügung  zu  voll-
ziehen,  feststellte,  eine  allfällige  Beschwerde  gegen  die  vorliegende 
Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung, und dem Beschwerde-
führer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aushän-
digte,

dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 20. August 2010 (Datum 
Poststempel) gegen diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht 
durch seine Rechtsvertreterin Beschwerde einreichen und beantragen 
liess, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und das BFM anzu-
weisen,  sein Recht zum Selbsteintritt  auszuüben und sich für vorlie -
gendes Asylgesuch für zuständig zu erachten,

dass er zudem in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragen liess, es 
sei  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  der  vorliegenden  Be-
schwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen,  und  die  Vollzugs-
behörden anzuweisen, von einer Überstellung nach Griechenland ab-
zusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über den Suspensiveffekt 
der  eingereichten  Beschwerde  entschieden  habe,  es  sei  die  unent-
geltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 des Bundes-
gesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren 
(VwVG, SR 172.021) zu gewähren und auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses zu verzichten,

dass das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der Wegweisung ge-
stützt auf Art. 56  VwVG mit Verfügung vom 23. August 2010 vorsorg-
lich aussetzte,

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und zieht in Erwägung,

dass das Bundesverwaltungsgericht  auf  dem Gebiet  des  Asyls  end-
gültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  VwVG) des BFM 
entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31-33 des Verwaltungsgerichts-
gesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1 
des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  be-
sonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung 
beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 
Abs. 1 VwVG), 

dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG  und  Art. 52 
VwVG), 

dass  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  einzig  zu  prüfen  ist,  ob 
das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch 
des  Beschwerdeführers  zu  Recht  nicht  eingetreten  ist  und  infolge-
dessen die Wegweisung aus der Schweiz zu Recht verfügt hat,

dass  über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden in  einzelrichter-
licher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters respektive 
einer zweiten Richterin  entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und 
es sich, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb 
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a 
Abs. 2 AsylG), 

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asyl -
suchende in einen Drittstaat ausreisen können, welcher für die Durch-
führung  des  Asyl-  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zu-
ständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

dass  sich  aus  den  Akten  ergibt,  dass  der  Beschwerdeführer  in 
Griechenland am 3. August 2009 daktyloskopisch und in der Eurodac-
Datenbank erfasst worden ist,

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dass  das  BFM  bei  dieser  Sachlage  und  der  innert  Frist  seitens 
Griechenlands  unbeantwortet  gebliebenen  (Art. 18  Abs. 7  der  Ver-
ordnung Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung 
von Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für 
die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitglied-
staat  gestellten  Asylantrags zuständig  ist  [Dublin-II-VO]),  gestützt  auf 
Art. 10  Abs. 1  i.V.m. Art. 16  Abs. 1  Bst. a  Dublin-II-VO erfolgten  An-
frage  um  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  vom  20. Mai  2010, 
Griechenland zu Recht  als  für  die  Durchführung des Asylverfahrens 
zuständig erachtet hat,

dass in  der Beschwerde im Wesentlichen geltend gemacht  wird,  der 
Beschwerdeführer habe in Griechenland keine Möglichkeit gehabt, ein 
Asylgesuch  zu  stellen,  was  ihm  auch  nach  einer  Rückkehr  nach 
Griechenland nicht möglich sein werde, 

dass  im  Falle  des  Vollzugs der  Wegweisung  nach  Griechenland  die 
Gefahr einer indirekten Refoulements bestehe,

dass  in diversen Berichten zur Situation und Behandlung von Flücht-
lingen  in  Griechenland  darauf  hingewiesen  wird,  ein  ordnungsge-
mässer  und  gleichwertiger  Zugang  zum  dortigen  Asylverfahren  sei 
sehr fraglich und die Aufnahme- und Verfahrensbedingungen für Asyl -
suchende  würden  europäischen  und  völkerrechtlichen  Mindest-
standards nicht genügen (vgl.  Amt des Hohen Flüchtlingskommissars 
der Vereinten Nationen [UNHCR], Anmerkungen zu Griechenland als 
Aufnahmeland  für  Asylsuchende,  Dezember  2009;  Human  Rights 
Watch, Stuck in a Revolving Door, Iraqis and Other Asylum Seekers 
and Migrants at the Greece/Turkey Entrance to the European Union, 
November 2008; The Dutch Council for Refugees und andere NGO's, 
Complaint, Failing Member State: Greece, Amsterdam, 10. November 
2009), 

dass  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  des  ihm  19. April  2010  zu 
einer allfälligen Zuständigkeit Griechenlands für die Durchführung des 
Asyl-  und Wegweisungsverfahrens  durch das BFM gewährten  recht-
lichen Gehörs allerdings erklärte, er habe dort kein Asylgesuch gestellt  
und habe das auch nicht versucht (vgl. act. A7/3 S. 1),

dass  er  anlässlich  der  Befragung  im  Transitzentrum  Altstätten  vom 
19. April 2010 zur Begründung des Asylgesuchs ausführte, er sei Tor-

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hüter  beim  Fussballklub  C._______  in  D.________  gewesen,  habe 
aber sein Hobby in Algerien beruflich nicht ausüben können,

dass es immer sein Traum gewesen sei, in die Schweiz zu kommen; in 
Algerien gebe es keine Arbeit und gesellschaftliche Probleme, weshalb 
er dort nicht habe weiterleben können (vgl. act. A1/10 S. 5 f.),

dass er zudem zu Protokoll gab, in Algerien weder politisch aktiv ge-
wesen zu sein,  noch jemals  Probleme mit  irgendeiner  Behörde,  der 
Polizei,  dem Militär,  einer  Partei,  sonst  einer  Organisation  oder  mit  
privaten Drittpersonen gehabt zu haben,

dass er auch noch nie verhaftet, angeklagt oder verurteilt worden sei,

dass  der  Beschwerdeführer  somit  keine  Verfolgung  im  Sinne  des 
weiten  Verfolgungsbegriffs  gemäss  Art. 18  AsylG  geltend  macht,  er 
demnach keinen flüchtlingsrechtlichen Schutz benötigt und auch nicht 
ersichtlich  ist,  inwiefern  ihm  bei  einer  Rückkehr  nach  Algerien  eine 
menschenrechtswidrige Behandlung im Sinne von  Art. 3 der Konven-
tion  vom 4. November  1950  zum Schutze  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) drohen sollte, weshalb im Falle des 
Vollzugs der  Wegweisung  nach  Griechenland auch die  Gefahr  einer 
unzulässigen Kettenabschiebung offensichtlich nicht besteht,

dass schliesslich keine konkreten Anhaltspunkte vorliegen, die darauf 
hindeuten, der Beschwerdeführer würde im Falle einer Rückkehr nach 
Griechenland  in  eine  existenzielle  Notlage  geraten,  zumal  es  ihm 
jederzeit  offensteht,  nach  Algerien  zurückzukehren,  wo  er  seit  dem 
Jahre  2002  bis  zu  seiner  Ausreise  gearbeitet  hat  und  wo  seine 
Familienangehörigen leben, 

dass aufgrund der Akten keine Gründe zur Ausübung des Selbstein-
trittsrechts der Schweiz (Art. 3 Abs. 2 Dublin-II-VO) ersichtlich sind,

dass das BFM demzufolge zu Recht in Anwendung von Art.  34 Abs. 2 
Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat (Art. 44 Abs. 1 AsylG), vorliegend 
der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein An-
spruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl. Entscheidungen und 
Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 

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2001 Nr. 21),  weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit den 
gesetzlichen  Bestimmungen steht  und  demnach  vom Bundesamt  zu 
Recht angeordnet wurde,

dass im Rahmen des Dublin-Verfahrens, bei dem es sich um ein Über-
stellungsverfahren  in  den für  die  Prüfung des  Asylgesuches  zustän-
digen Staat handelt, systembedingt kein Raum bleibt für Ersatzmass-
nahmen im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 des 
Bundesgesetzes  vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen 
und Ausländer (AuG, SR 142.20),

dass eine entsprechende Prüfung soweit  notwendig vielmehr  bereits 
im Rahmen des Nichteintretensentscheides stattfinden muss,

dass  in  diesem  Sinne  die  Vorinstanz  den  Vollzug  der  Wegweisung 
nach Griechenland zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich be-
zeichnet hat,

dass es dem Beschwerdeführer demnach nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststellt 
oder unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde ab-
zuweisen ist, 

dass die Gesuche, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung 
zu gewähren und es sei auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu 
verzichten, angesichts des vorliegenden Entscheids in der Hauptsache 
gegenstandslos werden,

dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ge-
mäss Art. 65  Abs. 1  und 2  VwVG zufolge  Aussichtslosigkeit  der  Be-
schwerde abzuweisen ist,

dass  bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.-- 
(Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und 
Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE, 
SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63 
Abs. 1 und 5 VwVG).

(Dispositiv nächste Seite)

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und 
Verbeiständung werden abgewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an: 

- die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben; Beila-
ge: Einzahlungsschein)

- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den  Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 
Kurier; in Kopie)

- (zuständige kantonale Behörde) (in Kopie)

Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:

Walter Lang Sarah Mathys

Versand: 

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