# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7e3ae2e3-4129-50a9-be33-c13f8b37ce82
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-06-23
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 23.06.2021 460 2020 178 (460 20 178)
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_460-2020-178_2021-06-23.pdf

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Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 

23. Juni 2021(460 20 178)  

____________________________________________________________________ 

 

 

Strafrecht 

 

 

Fahrlässige Körperverletzung mit schwerer Schädigung etc. 

Besetzung Präsident Dieter Eglin, Richter Daniel Häring (Ref.),                           

Richterin Helena Hess; Gerichtsschreiberin Manuela Illgen 

 
Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft,                                        

Allgemeine Hauptabteilung,                                                      

Grenzacherstrasse 8, Postfach, 4132 Muttenz,  

Anklagebehörde 

 

A.____,  

vertreten durch Fürsprecher Herbert Bracher,                                

Bielstrasse 9, Postfach 217, 4502 Solothurn,  

Privatkläger 
  

gegen 

 
 B.____,  

vertreten durch Rechtsanwältin Corinne Ulmann,                            

Marktgasse 46, 4900 Langenthal,  

Beschuldigter und Berufungskläger 

 

C.____,  

vertreten durch Advokatin Ana Dettwiler,                                        

Fischmarkt 12, 4410 Liestal,  

Beschuldigter und Berufungskläger 

 
Gegenstand Fahrlässige Körperverletzung mit schwerer Schädigung etc. 

Berufung gegen das Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Land-

schaft vom 15. Mai 2020 mit Ergänzung des Urteils vom                             

6. August 2020 

 

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A. Am 25. August 2014 um ca. 08.00 Uhr stürzte A.____ während seiner Arbeit auf einer 

Baustelle der D.____ AG in E.____ BL (…) vom Baugerüst ca. sechs Meter in die Tiefe und zog 

sich diverse Verletzungen zu. Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Allgemeine Hauptabtei-

lung (nachfolgend: Staatsanwaltschaft), eröffnete noch am selben Tag ein Verfahren gegen Un-

bekannt, stellte dieses jedoch am 2. November 2016 wieder ein (vgl. act. 1523 ff.). Eine gegen 

diese Einstellungsverfügung erhobene Beschwerde von A.____ wurde mit Beschluss des Kan-

tonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht (nachfolgend: Kantonsgericht), vom 10. Ja-

nuar 2017 (Verfahren 470 16 286) gutgeheissen, die fragliche Einstellungsverfügung der Staats-

anwaltschaft aufgehoben und die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen. 

Nach entsprechenden Verfahrenseröffnungen gegenüber B.____, F.____ und C.____ erhob die 

Staatsanwaltschaft zunächst am 9. März 2018 gegen diese Personen Anklage wegen fahrlässi-

ger Körperverletzung mit schwerer Schädigung sowie fahrlässiger Gefährdung durch Verletzung 

der Regeln der Baukunde (act. S 1 ff.). Diese erste Anklageschrift wurde mit Verfügung des Straf-

gerichtspräsidenten vom 18. Juli 2018 zur Ergänzung zurückgewiesen (act. S 27 ff.). Eine er-

gänzte Anklageschrift seitens der Staatsanwaltschaft gegen dieselben Personen und wegen der-

selben Delikte wurde sodann am 22. Januar 2019 erhoben (act. S 33 ff.). 

 

B. Mit Urteil des Strafgerichtspräsidiums Basel-Landschaft (nachfolgend: Strafgerichtsprä-

sidium) vom 15. Mai 2020 mit Ergänzung des Urteils vom 6. August 2020 wurde unter anderem 

B.____ der fahrlässigen Körperverletzung mit schwerer Schädigung schuldig erklärt und zu einer 

bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 60.--, bei einer Probezeit von 2 

Jahren, verurteilt (Dispositiv-Ziffer 1). Es wurde festgestellt, dass die gegen B.____ mit Strafbe-

fehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Emmental-Oberaargau, Fraubrunnen, vom 

27. April 2011 bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je Fr. 130.--, bei einer 

Probezeit von 4 Jahren, verlängert am 2. Dezember 2011 um 1 Jahr, gemäss Art. 46 Abs. 5 des 

Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 21. Dezember 1937 (Strafgesetzbuch, StGB; SR 311) 

nicht widerrufen, sowie die Rückversetzung bezüglich der am 19. April 2014 nach der bedingten 

Entlassung verbliebenen Reststrafe von 31 Tagen gemäss Strafbefehl der Regionalen Staatsan-

waltschaft Emmental-Oberaargau vom 12. März 2013 zufolge Fristablaufs gemäss Art. 89 Abs. 4 

StGB nicht angeordnet werden dürfen (Dispositiv-Ziffer 2). C.____ wurde ebenfalls der fahrlässi-

gen Körperverletzung mit schwerer Schädigung schuldig erklärt und zu einer bedingt vollziehba-

ren Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 110.--, bei einer Probezeit von 2 Jahren, verurteilt 

(Dispositiv-Ziffer 4). Zudem wurde das Verfahren gegen die Beurteilten wegen fahrlässiger Ge-

fährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde zufolge Verletzung des Anklageprinzips 

eingestellt (Dispositiv-Ziffer 5). Im Weiteren wurden die von A.____ (nachfolgend: Privatkläger) 

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gegen die beiden Beurteilten geltend gemachten Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen 

in solidarischer Haftung dem Grundsatz nach gutgeheissen und zur Festsetzung der Haftungs-

quote sowie der Höhe der Forderungen auf den Zivilweg verwiesen (Dispositiv-Ziffer 6). Die bei-

den Beurteilten wurden dazu verpflichtet, dem Privatkläger je Fr. 509.40 (1/3 des Honorars vor 

der Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsbeistandschaft von Fr. 1'528.20) als direkter Teil der 

Parteientschädigung zu zahlen (Dispositiv-Ziffer 8.a). Die im Rahmen des Honorars der unent-

geltlichen Rechtsbeistandschaft geltend gemachte Parteientschädigung des Privatklägers in der 

Höhe von Fr. 13'610.-- (wovon Fr. 10'876.80 für den Aufwand vor Anklageerhebung sowie 

Fr. 2'733.20 für den Aufwand nach Anklageerhebung [inklusive Auslagen und MWST]) wurde aus 

der Gerichtskasse entrichtet. Die beiden Beurteilten wurden jedoch, sobald es ihre wirtschaftli-

chen Verhältnisse erlauben, verpflichtet, dem Staat je 1/3 der Kosten des unentgeltlichen Rechts-

beistandes zurückzuzahlen und diesem je 1/3 der Differenz zwischen der amtlichen Entschädi-

gung und dem vollen Honorar zu erstatten (Dispositiv-Ziffer 8.b). Ferner wurde das Honorar der 

amtlichen Verteidigerin von B.____, Rechtsanwältin Corinne Ulmann, im Betrag von insgesamt 

Fr. 5'290.10 (inklusive Auslagen und MWST) aus der Gerichtskasse entrichtet; die Mehrforderung 

wurde abgewiesen. B.____ wurde indessen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlau-

ben, verpflichtet, dem Staat die Kosten der amtlichen Verteidigung zurückzuzahlen und der amt-

lichen Verteidigung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar 

zu erstatten (Dispositiv-Ziffer 9). Schliesslich wurde die Gerichtsgebühr auf Fr. 7'500.-- festgelegt, 

wobei je ein Drittel auf die damals drei Beschuldigten entfiel (Dispositiv-Ziffer 11.a). Dem Ge-

richtsexperten wurde für seine Tätigkeit an der Hauptverhandlung eine Entschädigung von 

Fr. 1'884.75 (insgesamt 7 Stunden [inklusive Studium des Gutachtens vom 28. April 2020, Vor-

bereitung, Wegentschädigung und MWST à Fr. 250.--]) zugesprochen. Die restliche Forderung 

wurde abgewiesen (Dispositiv-Ziffer 11.b). B.____ wurde zur Tragung der ihn betreffenden Ver-

fahrenskosten von insgesamt Fr. 10'454.45, bestehend aus den Kosten des Vorverfahrens von 

Fr. 3'130.35, den anteilsmässigen Kosten des gerichtlichen Gutachtens von Fr. 4'195.85, den 

anteilsmässigen Kosten des Experten an der Hauptverhandlung von Fr. 628.25 sowie der anteils-

mässigen Gerichtsgebühr von Fr. 2'500.--, verpflichtet (Dispositiv-Ziffer 12). C.____ wurde 

ebenso zur Tragung der ihn betreffenden Verfahrenskosten von insgesamt Fr. 10'414.40, beste-

hend aus den Kosten des Vorverfahrens von Fr. 3'090.35, den anteilsmässigen Kosten des ge-

richtlichen Gutachtens von Fr. 4'195.80, den anteilsmässigen Kosten des Experten an der Haupt-

verhandlung von Fr. 628.25 sowie der anteilsmässigen Gerichtsgebühr von Fr. 2'500.--, verpflich-

tet (Dispositiv-Ziffer 14). 

 

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Auf die Begründung dieses Urteils sowie der nachfolgend aufgeführten Anträge der Parteien wird, 

soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen eingegangen. 

 

C. Gegen dieses Urteil haben der Beschuldigte B.____ mit Schreiben vom 22. Mai 2020 

und der Beschuldigte C.____ mit Eingabe vom 25. Mai 2020 die Berufung angemeldet. Mit Schrei-

ben vom 28. August 2020 (B.____) und vom 27. August 2020 (C.____) haben die Berufungsklä-

ger zuhanden des Kantonsgerichts ihre Berufungserklärungen übermittelt. 

 

D. In seiner bereits begründeten Berufungserklärung vom 28. August 2020 beantragte der 

Beschuldigte B.____, (1.) er sei vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung mit schwerer 

Schädigung freizusprechen, (2.) die auf den Beschuldigten entfallenden erstinstanzlichen Verfah-

renskosten seien vollumfänglich dem Kanton Basel-Landschaft aufzuerlegen, (3.) dem Beschul-

digten sei für das erstinstanzliche Verfahren für die Wahrung seiner Interessen eine Parteient-

schädigung gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen Strafprozessordnung vom 5. Ok-

tober 2007 (StPO; SR 312) im Umfang der am 14. Mai 2020 eingereichten Kostennote auszu-

richten, (4.) die zweitinstanzlichen Verfahrenskosten seien vollumfänglich durch den Kanton Ba-

sel-Landschaft zu tragen, (5.) dem Beschuldigten sei für das zweitinstanzliche Verfahren für die 

Wahrung seiner Interessen eine angemessene Parteientschädigung gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. 

a StPO auszurichten, (6.) die Zivilklage des Privatklägers sei abzuweisen, (7.) alles unter Kosten- 

und Entschädigungsfolgen. Des Weiteren stellte der Beschuldigte B.____ die Verfahrens- und 

Beweisanträge, (1.) es sei ihm für das zweitinstanzliche Verfahren die amtliche Verteidigung 

durch Rechtsanwältin Corinne Ulmann zu gewähren, und (2.) es seien G.____, Geschäftsleiter 

der H.____ AG, (…), und I.____, Betriebsleiter der H.____ AG, (…), als Zeugen einzuvernehmen. 

Sodann reichte der Beschuldigte B.____ mit weiterer Eingabe vom 26. November 2020 ergän-

zend diverse Belege zum Gesuch um amtliche Verteidigung ein. 

 

E. Der Beschuldigte C.____ begehrte in seiner Berufungserklärung vom 27. August 2020 

sowie in seiner Berufungsbegründung vom 26. November 2020, (1.) er sei in Aufhebung der Dis-

positiv-Ziffern 4, 6, 8.a, 8.b, 11.a und 14 des Urteils des Strafgerichtspräsidiums vom 15. Mai 

2020 sowie der Dispositiv-Ziffern 1.a und 1.b des Urteils vom 6. August 2020 als Ergänzung des 

erwähnten Urteils vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung mit schwerer Schädigung frei-

zusprechen, (2.) es seien die Forderungen des Privatklägers abzuweisen, (3.) alles unter o/e-

Kostenfolge zu Lasten des Staates. 

 

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F. In ihrer Eingabe vom 3. September 2020 teilte die Staatsanwaltschaft gegenüber dem 

Kantonsgericht mit, dass sie weder Antrag auf Nichteintreten auf die Berufungserklärungen der 

beiden Beschuldigten stelle noch Anschlussberufung erhebe. Sodann beantragte die Staatsan-

waltschaft mit Berufungsantwort vom 29. Januar 2021, (1.) sowohl die Berufung des Beschuldig-

ten B.____ als auch jene des Beschuldigten C.____ seien abzuweisen, und das vorinstanzliche 

Urteil sei vollumfänglich zu bestätigen, (2.) die Beweisanträge des Beschuldigten B.____ seien 

abzuweisen, (3.) das Gesuch des Beschuldigten B.____ um Gewährung der amtlichen Verteidi-

gung für das Berufungsverfahren sei gutzuheissen, sofern nicht von einem Weiterbestehen der 

bereits angeordneten amtlichen Verteidigung auszugehen sei, (4.) alles unter o/e-Kostenfolge zu 

Lasten der Beschuldigten. 

 

G. Der Privatkläger A.____ teilte mit Eingabe vom 23. September 2020 dem Kantonsgericht 

ebenfalls mit, dass er weder Antrag auf Nichteintreten auf die Berufungserklärungen der beiden 

Beschuldigten stelle noch Anschlussberufung erhebe. In seinem weiteren Schreiben vom 3. De-

zember 2020 stellte er sodann keine Begehren für das Berufungsverfahren und liess verlauten, 

er verzichte auf die Einreichung einer Berufungsantwort. Mit Eingabe vom 23. Februar 2021 in-

formierte sodann der Rechtsvertreter des Privatklägers das Kantonsgericht darüber, dass die Pri-

vatklägerschaft an der mündlichen Berufungsverhandlung nicht teilnehmen werde. 

 

H. Mit verfahrensleitender Verfügung des Kantonsgerichts vom 24. September 2020 wurde 

unter anderem festgestellt, dass weder die Staatsanwaltschaft noch der Privatkläger Anschluss-

berufung erklärt oder einen begründeten Antrag auf Nichteintreten gestellt haben. Mit gleicher 

Verfügung wurde festgestellt, dass das Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 15. Mai 2020 mit 

Ergänzung des Urteils vom 6. August 2020 betreffend den Beschuldigten F.____ – dieser wurde 

mit besagtem Urteil vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung mit schwerer Schädigung 

freigesprochen – rückwirkend auf das Entscheiddatum in Rechtskraft erwachsen ist (Art. 437 

Abs. 1 lit. a und Art. 437 Abs. 2 StPO). Gestützt auf diese Erkenntnis wurde der Beschuldigte 

F.____ aus dem Rubrum des kantonsgerichtlichen Verfahrens entfernt. Mit weiterer kantonsge-

richtlicher Verfügung vom 27. November 2020 wurde unter anderem dem Beschuldigten B.____ 

die amtliche Verteidigung mit Rechtsanwältin Corinne Ulmann für das zweitinstanzliche Verfahren 

bewilligt. Sodann wurde mit Verfügung vom 3. Februar 2021 unter anderem der Beweisantrag 

des Beschuldigten B.____, es seien G.____ und I.____ als Zeugen vor Kantonsgericht zu befra-

gen, abgewiesen. Mit nämlicher Verfügung wurden die Parteien zur kantonsgerichtlichen Haupt-

verhandlung geladen. Dabei wurde die persönliche Anwesenheit des Privatklägers und dessen 

Rechtsvertreters in ihr freies Ermessen gestellt. Schliesslich wurde mit Verfügung vom 9. Juni 

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2021 der Beschuldigte B.____ gestützt auf seinen Antrag vom 8. Juni 2021 vom persönlichen 

Erscheinen zur mündlichen Berufungsverhandlung dispensiert. 

 

I. Anlässlich der vom 21. bis zum 23. Juni 2021 stattfindenden Hauptverhandlung vor dem 

Kantonsgericht erscheinen als Vertreterin der Staatsanwaltschaft Staatsanwältin Denise Jeker, 

die amtliche Verteidigerin von B.____, Rechtsanwältin Corinne Ulmann, sowie der Beschuldigte 

C.____, vertreten durch Rechtsanwältin Ana Dettwiler und in Begleitung von Rechtsanwalt Erik 

Wassmer. Die Parteien wiederholen im Wesentlichen ihre bisher in Schriftform gestellten Anträge 

(vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 22-28). Der Beschuldigte C.____ wird sowohl 

zur Person als auch zur Sache eingehend befragt (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, 

S. 10-22). 

 

 

Erwägungen 

I. Formelles 

Gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, 

mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist. Gestützt auf Art. 398 

Abs. 3 StPO können mit der Berufung gerügt werden: Rechtsverletzungen, einschliesslich Über-

schreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), 

die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie Unangemessenheit 

(lit. c), wobei das Berufungsgericht das Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend über-

prüfen kann (Art. 398 Abs. 2 StPO). Vorliegend machen die Beschuldigten sowohl falsche Tatsa-

chenfeststellungen als auch Rechtsverletzungen und damit zulässige Rügegründe geltend. Die 

Legitimation der Beschuldigten zur Erhebung der Berufung ergibt sich aus Art. 382 Abs. 1 StPO. 

Nach Art. 399 Abs. 1 und 3 StPO ist die Berufung zunächst dem erstinstanzlichen Gericht innert 

10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich anzumelden und danach dem Be-

rufungsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Be-

rufungserklärung einzureichen.  

 

Aus den Akten ergibt sich, dass das Urteilsdispositiv des Strafgerichtspräsidiums vom 15. Mai 

2020 den Beschuldigten B.____ und C.____ jeweils am 19. Mai 2020 zugestellt worden ist (vgl. 

act. S 805, 809). Mit ihren Berufungsanmeldungen vom 22. Mai 2020 (B.____, act. S 1081) und 

25. Mai 2020 (C.____, act. S 1085) haben diese Parteien die zehntägige Frist gemäss Art. 399 

Abs. 1 StPO eingehalten. Auch die Fristen zur Berufungserklärung gemäss Art. 399 Abs. 3 StPO 

wurden vorliegend gewahrt: Das begründete Urteil des Strafgerichtspräsidiums vom 15. Mai 2020 

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mit Ergänzung des Urteils vom 6. August 2020 wurde den Berufungsklägern am 10. August 2020 

zugestellt (vgl. act. S 966/1 und 966/3), und mit Datum vom 28. August 2020 (B.____) und 27. Au-

gust 2020 (C.____) haben diese Parteien die Berufungserklärung beim Kantonsgericht einge-

reicht. Was die Form betrifft, so erfüllen alle Eingaben der Parteien die Anforderungen von 

Art. 385 Abs. 1 StPO. Schliesslich ergibt sich die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantons-

gerichts, Abteilung Strafrecht, als Berufungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Rechtsmittel 

aus Art. 21 Abs. 1 lit. a StPO sowie § 15 Abs. 1 lit. a des kantonalen Einführungsgesetzes vom 

12. März 2009 zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO; SGS 250). Es ist demnach 

auf die Berufungen der Beschuldigten B.____ und C.____ einzutreten. 

 

 

II. Gegenstand der Berufungen  

Gemäss Art. 404 Abs. 1 StPO überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil nur in 

den angefochtenen Punkten (vgl. auch Art. 398 Abs. 2 StPO). Aufgrund des Gegenstandes der 

Berufungserklärungen des Beschuldigten B.____ vom 28. August 2020 und des Beschuldigten 

C.____ vom 27. August 2020 ist vorliegend grundsätzlich das gesamte Urteil des Strafgerichts-

präsidiums vom 15. Mai 2020 mit Ergänzung des Urteils vom 6. August 2020 angefochten. Nicht 

mehr bestritten sind demgegenüber die folgenden Aspekte des erstinstanzlichen Urteils: sämtli-

che Teile des vorinstanzlichen Urteils, die sich auf den Beschuldigten F.____ beziehen (Disposi-

tiv-Ziffern 3, 7, 8.c, 10.a, 10.b und 13); Feststellung, dass die gegen B.____ mit Strafbefehl der 

Staatsanwaltschaft des Kantons Bern vom 27. April 2011 bedingt ausgesprochene Geldstrafe 

von 100 Tagessätzen zu je Fr. 130.--, bei einer Probezeit von 4 Jahren, verlängert am 2. Dezem-

ber 2011 um 1 Jahr, gemäss Art. 46 Abs. 5 StGB nicht widerrufen, sowie die Rückversetzung 

bezüglich der am 19. April 2014 nach der bedingten Entlassung verbliebene Reststrafe von 31 

Tagen gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern vom 12. März 2013 zufolge 

Fristablaufs gemäss Art. 89 Abs. 4 StGB nicht angeordnet werden darf (Dispositiv-Ziffer 2); Ein-

stellung des Verfahrens wegen fahrlässiger Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Bau-

kunde zufolge Verletzung des Anklageprinzips (Dispositiv-Ziffer 5); Festlegung der Höhe des Ho-

norars des unentgeltlichen Rechtsbeistandes des Privatklägers, Fürsprecher Herbert Bracher 

(Dispositiv-Ziffer 8.b Absatz 1), nicht aber die Rückerstattungspflicht zu Lasten der beiden Be-

schuldigten (Dispositiv-Ziffer 8.b Absatz 2); Festlegung der Höhe der Entschädigung der amtli-

chen Verteidigung von B.____, Rechtsanwältin Corinne Ulmann (Dispositiv-Ziffer 9 Absatz 1), 

nicht aber die Rückerstattungspflicht zu Lasten von B.____ (Dispositiv-Ziffer 9 Absatz 2); Festle-

gung der Höhe der Gerichtsgebühr, nicht aber deren Auferlegung zu Lasten der beiden Beschul-

digten (Dispositiv-Ziffer 11.a); Festlegung der Höhe der Entschädigung des Gerichtsexperten für 

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seine Tätigkeit an der Hauptverhandlung (Dispositiv-Ziffer 11.b); Festlegung der Höhe der B.____ 

betreffenden Verfahrenskosten, nicht aber deren Auferlegung zu Lasten von B.____ (Dispositiv-

Ziffer 12); Festlegung der Höhe der C.____ betreffenden Verfahrenskosten, nicht aber deren Auf-

erlegung zu Lasten von C.____ (Dispositiv-Ziffer 14). 

 

Laut Art. 391 Abs. 2 StPO darf die Rechtsmittelinstanz Entscheide nicht zum Nachteil der be-

schuldigten Person abändern, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Gunsten ergriffen worden ist 

(sog. Verbot der "reformatio in peius"). Diese Konstellation liegt in casu zufolge der ausschliess-

lich durch die Beschuldigten eingelegten Berufungen, währenddem die Staatsanwaltschaft und 

der Privatkläger weder Berufung noch Anschlussberufung erhoben haben, vor. Entsprechend 

kann das Kantonsgericht das strafgerichtliche Urteil im vorliegenden Fall punkto Schuldsprüche 

und Sanktion lediglich bestätigen oder zu Gunsten der Beschuldigten mildern, nicht aber zu deren 

Lasten verschärfen. 

 

Mit Blick auf die Prozessökonomie erlaubt Art. 82 Abs. 4 StPO den Rechtsmittelinstanzen, für die 

tatsächliche und rechtliche Würdigung des in Frage stehenden Sachverhalts auf die Begründung 

der Vorinstanz zu verweisen, wenn sie dieser beipflichten. Hingegen ist auf neue tatsächliche Vor-

bringen und rechtliche Argumente einzugehen, die erst im Rechtsmittelverfahren vorgetragen wer-

den (vgl. DANIELA BRÜSCHWEILER/RETO NADIG/REBECCA SCHNEEBELI, Zürcher Kommentar StPO, 

3. Aufl., Art. 82 N 10). Vorliegend wird daher in Anwendung der obgenannten Bestimmung bezüg-

lich Sachverhaltsfeststellung und rechtliche Würdigung in den unangefochten gebliebenen Punk-

ten bereits an dieser Stelle auf das vorinstanzliche Urteil verwiesen und nur auf neu im Berufungs-

verfahren vorgebrachte Argumente eingegangen. 

 

 

III. Die angefochtenen Punkte im Einzelnen 

1. Fahrlässige Körperverletzung mit schwerer Schädigung, begangen durch B.____ 

und C.____  

1.1 Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft vom 22. Januar 2019 (act. S 33 ff.) habe 

am Montag, 25. August 2014, um ca. 07:45 Uhr, B.____ von der Firma H.____ AG dem Privat-

kläger, welcher ihm direkt unterstellter Temporärmitarbeiter im Bereich Metallbau Montage ge-

wesen sei, den Auftrag erteilt, am Neubau der D.____ AG (…) in E.____ BL an den einige Tage 

zuvor eingebauten Fensterfronten Clips und Deckleisten zu montieren. Die Arbeiten habe der 

Privatkläger vom Fassadengerüst aus unter anderem auch auf der fünften Gerüstetage auf der 

Achse über dem Haupteingangsbereich ausführen müssen. Das Fassadengerüst sei zuvor aus 

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einem Gerüstlauf mit Innengeländer (doppelter Handlauf) und zwei Bodenkonsolen sowie auf der 

Innenseite (zur Fassade hin) mit einer Bodenkonsole erstellt worden. Die Konstruktion des Fas-

sadengerüsts sei so gewählt worden, dass beim Einbringen von Fassadenelementen und beim 

Einglasen die jeweiligen Elemente mit dem Kran zwischen Fassade und Gerüst hätten eingeführt 

werden können, wozu zeitweise die Bodenkonsolen im Innenbereich entfernt worden seien. Im 

Übrigen hätten diese Innenkonsolen der Absturzsicherung von Personen und Gegenständen ge-

dient, wobei in Beachtung von Art. 46 Abs. 2 der Verordnung vom 29. Juni 2005 über die Sicher-

heit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Bauarbeiten (Bau-

arbeitenverordnung, BauAV; SR 832.311.141) nicht erlaubt gewesen sei, von diesem Bereich 

aus zu arbeiten. Daher sei zur Sicherung des Arbeitsbereichs zwischen diesem und den Innen-

konsolen ein Innengeländer (doppelter Handlauf) angebracht worden. Zufolge auf den Gerüste-

tagen 3 bis 5 fehlender Bodenkonsolen auf der Innenseite des Fassadengerüsts sei der Privat-

kläger, welcher sich zu diesem Zeitpunkt ungesichert auf der Innenseite des Fassadengerüsts 

bewegt habe, um ca. 08.10 Uhr von der fünften Gerüstetage ca. sechs Meter tief gestürzt und auf 

die Innenkonsolen der zweiten Gerüstetage gefallen. Dabei habe sich der Privatkläger ein Poly-

trauma mit Wirbelkörperfrakturen (atypische Chance Fraktur Th 11 und Pincer Fraktur bei L3), 

einen Schlüsselbeinbruch (nicht dislozierte Claviculafraktur rechts), einen Schulterdachbruch 

(Acromionfraktur rechts), eine offene Luxation des Mittelgelenks des kleinen Fingers mit einem 

knöchernen Ausriss an der rechten Hand, eine zehn Zentimeter lange Schnittverletzung am Un-

terschenkel und eine Erosion am linken Knie zugezogen. Insbesondere die Rückenverletzungen 

verursachten dem Privatkläger nach wie vor teils schwerwiegende Beschwerden, so dass es ihm 

auch mehr als vier Jahre nach dem Sturz nicht möglich sei, längere Zeit zu stehen, zu sitzen oder 

schwere Lasten zu tragen. Die genannten Rückenverletzungen würden voraussichtlich nie mehr 

vollständig abheilen, weswegen er voraussichtlich zu 100% arbeitsunfähig bleiben werde. Betref-

fend den Sturz und die schweren Verletzungen hätten neben F.____ (J.____ GmbH) B.____ 

(H.____ AG und direkter Vorgesetzter des Verunfallten) und C.____ (K.____ GmbH und Baulei-

ter) unter anderem fahrlässig einen Menschen am Körper oder an der Gesundheit schwer ge-

schädigt, eventualiter fahrlässig durch pflichtwidriges Untätigbleiben die schwere Schädigung ei-

nes Menschen am Körper oder an der Gesundheit nicht verhindert (vgl. S. 3 f. der Anklageschrift).  

 

Konkret wurde dem Beschuldigten B.____ in Bezug auf den Privatkläger folgendes vorgeworfen: 

Am Unfalltag, um ca. 07:30 Uhr, habe dieser den ihm unterstellten Privatkläger die Arbeit zuge-

wiesen und ihm erklärt, was zu tun sei. Dabei sei der Beschuldigte als direkter Vorgesetzter des 

Privatklägers zuständig für die Zuteilung und Instruktion der vom Privatkläger zu erledigenden 

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Aufgaben gewesen. Als Vorgesetzter sei er verpflichtet gewesen, den Privatkläger korrekt zu in-

struieren und zur Beachtung der notwendigen Sicherheitsvorkehrungen anzuhalten. Insbeson-

dere hätte er den Privatkläger anweisen müssen, die Arbeiten ausschliesslich vom durch den 

doppelten Handlauf gesicherten Gerüstbereich aus auszuführen. Stattdessen sei der Beschul-

digte am Unfalltag auf der dritten oder einer anderen Gerüstetage über das Innengeländer (dop-

pelter Handlauf) gestiegen und habe sich somit auf den ungesicherten Innenbereich des Fassa-

dengerüsts begeben, wo er dem Privatkläger die zu erledigende Arbeit – im Wissen darum, dass 

das Arbeiten von diesem ungesicherten Innenbereich aus ohne zusätzliche Sicherungsmassnah-

men zur Absturzverhinderung im Sinne von Art. 46 Abs. 2 BauAV nicht erlaubt gewesen sei – 

gezeigt habe. Bei dieser Instruktion habe der Beschuldigte entgegen Art. 19 Abs. 1 BauAV keine 

persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (nachfolgend: PSAgA) verwendet und den Privat-

kläger, welcher mit der Verwendung von derartigen Schutzausrüstungen nicht vertraut gewesen 

sei, entgegen seiner Verpflichtung als Vorgesetzter auch nicht auf die zwingende Notwendigkeit 

einer solchen hingewiesen. Dadurch habe der Beschuldigte den Privatkläger in pflichtwidriger 

Unvorsichtigkeit und entgegen Art. 3 Abs. 2, Art. 5 Abs. 1, Art. 6 Abs. 1 und Art. 32a der Verord-

nung vom 19. Dezember 1983 über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten (Verord-

nung über die Unfallverhütung, VUV; SR 832.30) mindestens indirekt dazu angewiesen, sich für 

die Erledigung der Arbeit ebenfalls ungesichert auf den Innenbereich des Fassadengerüsts zu 

begeben. Dabei sei es für den Beschuldigten ohne weiteres vorhersehbar gewesen, dass sich 

der Privatkläger an seine Vorgaben halten und sich ebenfalls ungesichert in den für Arbeiten nicht 

zulässigen Innenbereich begeben würde. Somit habe der Beschuldigte den ihm unterstellten 

Temporärmitarbeiter entgegen seiner Verpflichtung als Vorgesetzter mangelhaft instruiert (vgl. 

S. 4 f. der Anklageschrift). Aufgrund dessen, dass der Beschuldigte gewusst habe, dass in die-

sem Bereich am 20. August 2014 eingeglast worden sei und dafür Gerüstveränderungen, insbe-

sondere die Entfernung der Innenkonsolen, notwendig gewesen seien, hätte er auch vorhersehen 

müssen, dass Lücken im Gerüst bestehen könnten, welche zu einem Absturz des Privatklägers 

führen könnten. Nichtsdestotrotz habe der Beschuldigte in pflichtwidriger Unvorsichtigkeit darauf 

verzichtet, den Privatkläger ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen (vgl. S. 5 der Anklage-

schrift). Weiter habe es der Beschuldigte entgegen seiner Verpflichtung als Vorgesetzter vor Ar-

beitsbeginn bzw. vor Zuweisung der Arbeit an den Privatkläger unterlassen, eine mindestens vi-

suelle Gerüstkontrolle gemäss Art. 49 Abs. 1 BauAV vorzunehmen, wie er es in seiner Funktion 

als Gerüstbenutzer und aufgrund seiner Fürsorgepflicht als Vorgesetzter hätte tun müssen. Dabei 

hätten dem Beschuldigten bei ordnungsgemässer Gerüstkontrolle die fehlenden Bodenkonsolen 

auffallen müssen. Dass durch das Fehlen der Bodenkonsolen die Gefahr eines Absturzes vom 

Gerüst für den Privatkläger bestanden habe, sei für den Beschuldigten problemlos erkennbar 

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gewesen, zumal er selber die zu erledigenden Arbeiten von diesem Bereich aus seinem Mitar-

beiter erklärt habe, weswegen er auch damit habe rechnen müssen, dass sich der Privatkläger 

entgegen den Vorschriften auf den Innenbereich begeben würde. Diesen temporären Mangel am 

Fassadengerüst hätte der Beschuldigte bei pflichtgemässer Vorsicht dem Bauleiter C.____ mel-

den müssen, welcher wiederum bis zur Wiederherstellung des ordnungsgemässen Zustandes 

durch den Gerüstbauer einen Baustopp hätte veranlassen müssen. Mit der Vornahme einer 

pflichtgemässen Gerüstkontrolle hätte der Beschuldigte den Absturz des Privatklägers somit ver-

hindern können, wozu er aufgrund seiner Stellung als Vorgesetzter verpflichtet gewesen wäre. 

Diese Verpflichtung habe den Beschuldigten umso mehr getroffen, als er gewusst habe, dass 

wenige Tage davor in der Achse über dem Haupteingangsbereich (spätere Absturzstelle) Gläser 

eingesetzt und dafür Bodenkonsolen auf der Gerüstinnenseite entfernt worden seien. Darüber 

hinaus sei ihm auch bekannt gewesen, dass der zuständige Glaser, F.____, zum Teil selbständig 

– d.h. ohne entsprechende Absprache mit der Bauleitung – Innenkonsolen entfernt habe oder 

habe entfernen lassen. Daher habe er gewusst bzw. hätte er bei pflichtgemässer Aufmerksamkeit 

wissen müssen, dass das Gerüst zur Fassadenseite aufgrund fehlender Bodenkonsolen nicht 

durchwegs begehbar gewesen sei, weswegen er sich umso mehr hätte vergewissern müssen, 

dass sämtliche Bodenkonsolen nach den Einglasarbeiten wieder eingesetzt worden seien und 

das Fassadengerüst auch im inneren Bereich zur Fassade hin durchwegs sicher gewesen sei, 

bevor er den Privatkläger für seine Arbeiten instruiert und sich selber ohne weitere Sicherungs-

massnahmen gegen Absturz gemäss Art. 19 Abs. 1 BauAV in den ungesicherten Bereich des 

Innengerüsts begeben habe. Da der Beschuldigte jedoch keine derartigen Massnahmen ergriffen 

habe, habe der Privatkläger die ihm zugewiesene Arbeit folglich so wie es ihm sein Vorgesetzter 

vorgemacht habe und im Vertrauen darauf, dass ihn dieser auf spezielle Gefahren aufmerksam 

gemacht hätte, ebenfalls ohne weitere Sicherungsmassnahmen vom ungesicherten Innenbereich 

aus und ohne zu bemerken, dass in diesem Bereich Bodenkonsolen gefehlt hätten, erledigt, wes-

wegen er schliesslich vom Gerüst gestürzt sei und sich schwerwiegende Verletzungen zugezo-

gen habe. Hätte der Beschuldigte seine Pflichten als Vorgesetzter, welcher für die Instruktion des 

Privatklägers zuständig gewesen sei, durch einen Kontrollgang auf dem Gerüst oder mindestens 

durch eine richtige (im gesicherten Bereich stattfindende) und vollständige Instruktion inkl. War-

nung vor möglichen Lücken im Gerüstinnenlauf und Weisung, einen Anseilschutz zu tragen, aus-

reichend wahrgenommen, hätte er den Absturz des Privatklägers und seine schweren Verletzun-

gen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verhindern können (vgl. S. 5 f. der Ankla-

geschrift). 

 

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Dem Beschuldigten C.____ warf die Anklage in Bezug auf den Privatkläger vor, jener habe es 

bei der Koordination der verschiedenen Arbeiten bzw. beim Aufbieten der verschiedenen Hand-

werker in pflichtwidriger Unvorsichtigkeit und entgegen Art. 3 Abs. 1 BauAV, Art. 104 SIA-Norm 

118 und Art. 1.3.1 SIA-Norm 118/222 unterlassen, ein funktionierendes Sicherheitskonzept zu 

erstellen, welches unter anderem hätte sicherstellen sollen, dass er sowie alle weiteren einge-

setzten Arbeiter jederzeit über Veränderungen am Gerüst informiert worden wären. Dadurch 

habe er es ermöglicht und begünstigt, dass sich die beteiligten Handwerker, namentlich F.____, 

selber beholfen und Bodenkonsolen selbständig und ohne Absprache mit der Bauleitung entfernt 

hätten. Durch ein entsprechendes Sicherheitskonzept hätte er auch dafür gesorgt, dass – im Falle 

von dennoch notwendigen kurzfristigen Gerüstabänderungen – das Gerüst anschliessend unver-

züglich wieder instand gestellt worden wäre, was ihm als Bauleiter oblegen hätte und auch zu-

mutbar gewesen wäre. Durch ein funktionierendes Sicherheitskonzept hätte er den Sturz und die 

Verletzungen des Privatklägers verhindern können (vgl. S. 8 f. der Anklageschrift). Weiter habe 

der Beschuldigte entgegen seiner durch Art. 49 Abs. 1 BauAV statuierten Verpflichtung zur tägli-

chen Gerüstkontrolle mindestens am Freitag, 22. August 2014 sowie zu Arbeitsbeginn am Mon-

tag, 25. August 2014 keine Kontrolle des Gerüsts vorgenommen, obwohl er aufgrund seiner Rolle 

als Bauleiter dazu verpflichtet gewesen wäre. So sei ihm als Bauleiter auch bekannt gewesen, 

dass Gerüstkontrollen der Sicherheit der Arbeiter auf dem Gerüst dienten und das Unterlassen 

dieser Gerüstkontrollen zu Sicherheitslücken und damit insbesondere zur Absturzgefahr und der 

damit verbundenen schwerwiegenden Verletzungen von Arbeitern führen könnten. Bei ordnungs-

gemässer Kontrolle hätten ihm sodann die fehlenden Bodenkonsolen auffallen müssen und er 

wäre verpflichtet gewesen, das Fassadengerüst bis zur Wiederherstellung der Sicherheit durch 

den Gerüstbauer zu sperren, womit er den Absturz des Privatklägers und seine schweren Verlet-

zungen ohne Weiteres hätte verhindern können (vgl. S. 9 der Anklageschrift). 

 

1.2 Das Strafgerichtspräsidium erachtete nach Würdigung der vorliegenden Beweise und 

Indizien den angeklagten Sachverhalt sowohl hinsichtlich des Beschuldigten B.____ als auch des 

Beschuldigten C.____ als grundsätzlich erstellt (vgl. S. 13-25 des angefochtenen Urteils). In 

rechtlicher Hinsicht bejahte die Vorinstanz betreffend den Beschuldigten B.____ die Sorgfalts-

pflichtverletzungen der mangelhaften Instruktion des Privatklägers wie auch der unterlassenen 

Gerüstkontrolle. Betreffend den Beschuldigten C.____ erkannte der Vorderrichter einzig im feh-

lenden funktionierenden Sicherheitskonzept eine Sorgfaltspflichtverletzung, währenddem er dem 

Beschuldigten eine unterlassene Gerüstkontrolle nicht vorwarf. Somit sah die Vorinstanz betref-

fend beide Beschuldigten die Tatbestände der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der 

Regeln der Baukunde wie auch der fahrlässigen schweren Körperverletzung als erfüllt an, wobei 

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sie den erstgenannten Tatbestand als im letztgenannten aufgehend betrachtete. Sowohl B.____ 

als auch C.____ wurden unter Annahme einer Mitverschuldensquote des Privatklägers von 30% 

– diesem wurde bloss ein Unterlassen der Gerüstkontrolle vorgeworfen – der fahrlässigen schwe-

ren Körperverletzung schuldig gesprochen, währenddem der Beschuldigte F.____ von derselben 

Anklage freigesprochen wurde (vgl. S. 25-45 des angefochtenen Urteils). 

 

1.3 In seiner bereits begründeten Berufungserklärung vom 28. August 2020 macht der Be-

schuldigte B.____ zunächst zum Sachverhalt geltend, die vorinstanzlichen Feststellungen zu Un-

fallhergang, -ort und -ursache seien falsch und unvollständig. So sei nicht klar, ob die Instruktion 

überhaupt auf der fünften Gerüstetage stattgefunden habe und falls ja, ob die Innenkonsolen 

während der Instruktion bereits gefehlt hätten. Zugunsten des Beschuldigten müsse vom Gegen-

teil ausgegangen werden. Sodann hätte gestützt auf die Aussagen des Privatklägers, welcher 

über eine langjährige Berufserfahrung verfüge, ein Anseilschutz an der Arbeitsstelle nichts ge-

bracht. Wie es zum Unfall gekommen sei, was der Privatkläger unmittelbar davor gemacht habe 

und wo er genau heruntergestürzt sei, bleibe unklar. Zwischen Instruktion und Unfall seien 20 

Minuten vergangen. Da die Distanz zwischen Glas und Hauptgerüst 90 cm betragen habe, habe 

der Privatkläger seine Arbeit nur auf den Innenkonsolen ausführen können, was dieser unter Hin-

weis auf die Länge seiner Arme bestätigt habe. Daher spiele die genaue Stelle der Arbeitsinstruk-

tion durch den Beschuldigten keine Rolle (vgl. S. 4-6 der Berufungserklärung). Was den Zustand 

des Gerüstes betreffe, so hätten es die Strafverfolgungsbehörden unterlassen zu untersuchen 

bzw. sich klar darüber zu äussern, ob das Gerüst nach den Regeln der Technik geplant und 

erstellt worden sei. Immerhin weise die Vorinstanz darauf hin, dass laut dem Gerichtsgutachter 

L.____, Sicherheitsingenieur und Zertifizierter Gerichtsexperte, M.____ AG, (…), vom 1. Oktober 

2019 (nachfolgend: Gerichtsgutachten bzw. gerichtliches Gutachten), der allgemeine Zustand 

des Gerüsts mangelhaft gewesen und der Unfall auch auf diesen Mangel zurückzuführen sei. Mit 

Blick auf die Fotos der Forensik und das Gerichtsgutachten sei erstellt, dass der Abstand zwi-

schen Glasfront und Gerüstgang ca. 90 cm, jener zwischen Glasfront und Innenkonsole ca. 70 

cm und lediglich jener zwischen Betonelementen und Innenkonsole 30 cm betragen habe. Ge-

mäss den nachvollziehbaren Ausführungen des Gerichtsgutachters sei der Fehler am Gerüst für 

den Gerüstbenützer auch kaum zu erkennen gewesen. Zwar liege die Vermutung nahe, dass der 

Privatkläger wegen der fehlenden Innenkonsolen gestürzt sei. Da die Lücke zwischen Fassade 

und Innenkonsolen ganze 70 cm betragen habe, sei es aber auch möglich, dass er auch dann 

gestürzt wäre, wenn die Innenkonsolen montiert gewesen wären (vgl. S. 7 f. der Berufungserklä-

rung). 

 

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Zum Rechtlichen bestreitet der Beschuldigte zunächst, unter dem Stichwort "Garantenstellung" 

der Vorgesetzte des Privatklägers gewesen zu sein. Die pauschale vorinstanzliche Feststellung 

hierzu sei undifferenziert. Mit Blick auf die Aufgaben und den Verantwortungsbereich des Be-

schuldigten sei dieser nicht für die konkrete Einhaltung der Sicherheitsvorschriften zuständig ge-

wesen. Die blosse Arbeitsanweisung gegenüber dem Privatkläger begründe noch keine qualifi-

zierte Rechtspflicht (vgl. S. 10 der Berufungserklärung). Betreffend die Sorgfaltspflichtverletzung 

sei auf das Gerichtsgutachten zu verweisen, welches einen sicheren Arbeitsplatz aufgrund der 

zu grossen Abstände zur Fassade verneint habe. Diesen Mangel zu beheben sei aber sicher 

nicht in den Kompetenzbereich des Beschuldigten gefallen. Er habe auf die Gerüstkonstruktion 

keinen Einfluss nehmen können. Der Mangel sei auch kaum erkennbar gewesen, zumal der Ab-

stand zwischen Betonelementen und Innenkonsolen 30 cm betragen habe, womit der gesetzliche 

Mindestabstand stellenweise eingehalten worden sei. Der Beschuldigte sei kein Spezialist in Ar-

beitssicherheit. Er habe ebenso nicht erkennen müssen, dass an sich begehbare Elemente nicht 

begangen werden dürften. Im Gerichtsgutachten sei der Vorzug von technischen Kollektivmass-

nahmen gegenüber organisatorischen Massnahmen auf Grossbaustellen erwähnt worden. Wäre 

in casu ein Anseilschutz obligatorisch gewesen, so hätte auf der ganzen Baustelle eine entspre-

chende Pflicht deklariert werden müssen. Das Ergreifen dieser Vorsichtsmassnahme sei ebenso 

wenig in den Kompetenzbereich des Beschuldigten gefallen. Eine Gerüstkontrolle habe sodann 

im Rahmen der Benützung des Gerüsts zu erfolgen. Der Beschuldigte habe die Arbeiten auf dem 

Gerüst an seinen Mitarbeiter, den Privatkläger, delegiert; diesem sei aufgrund seiner Erfahrung 

zuzumuten gewesen, das Gerüst selber zu kontrollieren. Da nicht erstellt sei, wann die Innenkon-

solen entfernt worden seien, sei auch nicht klar, ob eine Gerüstkontrolle überhaupt etwas genutzt 

hätte. Zudem werde dem Beschuldigten seitens der Vorinstanz zu Recht nicht nachgewiesen, 

dass er seiner Kontrollpflicht nicht nachgekommen sei. Somit habe der Beschuldigte keine Sorg-

faltspflicht verletzt, indem er den Privatkläger angewiesen habe, Arbeiten an der Fassade auszu-

führen (vgl. S. 10-12 der Berufungserklärung). Hinsichtlich Voraussehbarkeit, Vermeidbarkeit und 

Kausalität sei festzuhalten, dass der Beschuldigte aufgrund seiner Stellung von einem konformen 

Gerüst habe ausgehen dürfen. Es sei gerade nicht erstellt, ob am Instruktionsort Innenkonsolen 

gefehlt hätten. Diesfalls hätte der Privatkläger laut seinen eigenen Erläuterungen zum Unfall, wo-

nach er mehrmals am vermeintlichen Absturzort vorbeigelaufen sei, schon viel früher stürzen 

müssen. Dieses Verhalten liege ausserhalb dessen, womit der Beschuldigte vernünftigerweise 

habe rechnen müssen, was den Kausalzusammenhang unterbreche. Im Weiteren sei nicht ge-

klärt, ob eine Anordnung des Beschuldigten, die Innenkonsolen vor der Arbeitsausführung zu 

montieren, den Unfall verhindert hätte, da der Abstand zwischen den Fenstern und den Innen-

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konsolen 70 cm betragen habe. Der Privatkläger wäre womöglich gleichwohl gestürzt. Schliess-

lich habe sich der Privatkläger gemäss Spurenbild gerade nicht an der Arbeitsausführung befun-

den, als er gestürzt sei. Die Arbeitsanweisung des Beschuldigten sei daher auch aus diesem 

Grund nicht kausal für den Unfall (vgl. S. 12 f. der Berufungserklärung). Gestützt darauf habe sich 

der Beschuldigte nicht der fahrlässigen Körperverletzung mit schwerer Schädigung schuldig ge-

macht und sei dementsprechend freizusprechen (vgl. S. 12 der Berufungserklärung).  

 

In ihrem Parteivortrag vor Kantonsgericht wiederholt die Verteidigerin von B.____ ihre bisherige 

Argumentation (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 22-24). Ergänzend führt die Ver-

teidigerin an, sie sei der rechtlichen Würdigung der Vertreterin von C.____, wonach beim Privat-

kläger eine bloss leichte Körperverletzung vorliege, nicht abgeneigt (vgl. Prot. Hauptverhandlung 

Kantonsgericht, S. 28). 

 

1.4 Der Beschuldigte C.____ führt in seiner Berufungsbegründung vom 26. November 2020 

zunächst in allgemeiner Weise ins Feld, er sei bereits vor der Vorinstanz mit dem Gerichtsgut-

achter, dem als Dipl. Masch. Ing. HTL, Sicherheitsingenieur und Produktrisikomanager die erfor-

derliche Fachkompetenz gefehlt habe, nicht einverstanden gewesen (vgl. S. 2 f. der Berufungs-

begründung). Das von der Berufshaftpflichtversicherung des Beschuldigten in Auftrag gegebene 

Gutachten von N.____, dipl. Unternehmensführer NDS HF, dipl. Techniker HF Bauführung, 

O.____ GmbH, (…), vom 28. April 2020 (nachfolgend: [Privat-]Gutachten O.____ GmbH) kriti-

siere das Gerichtsgutachten sowohl hinsichtlich der falschen Verwendung der gesetzlichen Be-

griffe und Pflichten als auch in allen wesentlichen Gesichtspunkten (vgl. S. 3 der Berufungsbe-

gründung). Des Weiteren sei die Vorinstanz ihrer Pflicht, das Gerichtsgutachten anhand der ek-

latanten Abweichungen zu den Einschätzungen der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt 

(nachfolgend: SUVA) und des Gutachtens O.____ GmbH zu prüfen, nicht einmal ansatzweise 

nachgekommen (vgl. S. 3 f. der Berufungsbegründung).  

 

In tatsächlicher Hinsicht sei zunächst betreffend die Beweiswürdigung eine falsche Feststellung 

der Vorinstanz dahingehend zu rügen, als der Privatkläger vor seinem Absturz die Fensteröffnung 

vom Gebäudeinnern zu den Innenkonsolen benutzt haben soll. So seien die Innenkonsolen je-

weils oberhalb bzw. unterhalb der jeweiligen Etagenböden des Gebäudes angebracht gewesen, 

weshalb der Privatkläger nach oben hätte klettern oder nach unten springen müssen, und dies 

zusätzlich mit Arbeitsmaterial in den Händen. Ein derartiger Ablauf sei schlicht ausgeschlossen. 

Des Weiteren verkenne die Vorinstanz, dass sich die besagte Fensteröffnung auf der rechten 

Seite des Gebäudes, d.h. auf der Ostseite, befunden habe. Der Privatkläger habe aber seine 

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Arbeit vor dem Absturz von links nach rechts ausgeführt und sei auf der Frontseite des Gebäudes, 

d.h. auf der Südseite, abgestürzt. Wäre er tatsächlich vor dem Absturz von der rechten Seite des 

Gebäudes auf die Innenkonsolen gelangt, hätte er nach seinem Absturz auf der dritten Gerüste-

tage aufprallen müssen, zumal dort gemäss Fotodokumentation der Forensik nur die linke Innen-

konsole gefehlt habe, während die rechte Innenkonsole montiert gewesen sei. Allerdings sei der 

Privatkläger auf der zweiten Gerüstetage auf der linken Seite der Lücke der Innenkonsolen ab-

gestürzt. Fälschlicherweise schliesse daher die Vorinstanz ein Übersteigen des Doppelinnenge-

länders durch den Privatkläger ohne PSAgA aus. Dabei sei auf den Fotos klar erkennbar, dass 

sämtliche Doppelinnengeländer angebracht gewesen seien, was auch mit den Feststellungen der 

Polizei bei ihrem Eintreffen übereinstimme (vgl. S. 4 f. der Berufungsbegründung). Hinsichtlich 

der Konstruktion des Gerüsts und der fehlenden Innenkonsolen spiele richtigerweise die Konfor-

mität des Gerüsts für den Unfall keine ursächliche Rolle. Denn der Privatkläger sei nicht abge-

stürzt, weil das Gerüst arbeitssicherheitstechnisch nicht konform gewesen sei, sondern weil In-

nenkonsolen unbefugt entfernt worden seien und der Privatkläger in diesem Bereich ein Doppe-

linnengeländer überstiegen habe, ohne sich mit einer PSAgA abzusichern (vgl. S. 6 der Beru-

fungsbegründung). Schliesslich halte die Vorinstanz zwar richtigerweise fest, dass der Beschul-

digte über die Glaseinsetzung am Absturzort nicht informiert gewesen sei. Hingegen treffe nicht 

zu, dass der Beschuldigte F.____ einen Auftrag zur Glaseinsetzung erhalten haben müsse, da er 

keine Arbeiten in Eigenregie habe ausführen dürfen. Vielmehr habe F.____ entgegen den Kom-

munikationen in den Jourfix-Bausitzungsprotokollen in Eigenregie den Gerüstbauern vor Ort den 

Auftrag gegeben, die Innenkonsolen im Bereich der späteren Absturzstelle zu entfernen. In einem 

letzten Punkt treffe es zu, dass der Gerüstbauer zwischen dem 20. und dem 25. August 2014 

keine Änderungen am Gerüst vorgenommen habe. Wenn der Gerüstbauer zu dieser Zeit nicht 

vor Ort gewesen sei und ein Auftrag des Beschuldigten C.____ nur für die Entfernung und Wie-

dereinsetzung der Innenkonsolen im Eckbereich des zweiten und dritten Obergeschosses be-

standen habe, weil er über keine Information über die Glaseinsetzung am Unfallort verfügt habe, 

seien nur zwei Schlüsse möglich: Entweder die zwischen den Einsätzen der Gerüstbauer erfolgte 

Gerüstveränderung sei ohne Kenntnis von C.____ und damit unbefugt erfolgt oder die einzige 

bewiesene unbefugte Gerüständerung ohne Kenntnis von C.____ sei diejenige vom 20. August 

2014, welche vom Beschuldigten F.____ nachweislich in Auftrag gegeben worden sei. Unter die-

sen Umständen erweise sich der vorinstanzlich verfügte Freispruch des Letztgenannten als un-

richtig (vgl. S. 6-8 der Berufungsbegründung). 

 

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In rechtlicher Hinsicht sei bereits das Vorliegen einer schweren Körperverletzung in Form einer 

lebensgefährlichen Verletzung oder einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit des Privatklägers zwei-

felhaft, weshalb von einer einfachen Körperverletzung ausgegangen werden müsse (vgl. S. 8 f. 

der Berufungsbegründung). Das Gerüst habe im Gegensatz zur Auffassung der Vorinstanz kei-

nen Mangel aufgewiesen und die Arbeiten des Privatklägers wären vom Gerüstinnenlauf aus 

problemlos auszuführen gewesen (vgl. S. 9-11 der Berufungsbegründung). Betreffend die Ver-

antwortlichkeit des Beschuldigten C.____ vermöge der Vorwurf des fehlenden "(funktionieren-

den) Sicherheitskonzepts" bereits dem Anklageprinzip nicht zu genügen. Auch aus den von der 

Vorinstanz aufgezählten Normen ergebe sich keine Verpflichtung der Bauleitung, ein Sicherheits-

konzept zu erstellen, geschweige denn, wie ein solches Konzept genau auszusehen habe. Selbst 

wenn von einer Wahrung des Anklageprinzips auszugehen wäre, lasse sich der Vorwurf der fahr-

lässigen schweren Körperverletzung durch Unterlassen eines funktionierenden Sicherheitskon-

zepts nicht halten. Immerhin anerkenne die Vorinstanz, dass der Beschuldigte nicht verpflichtet 

gewesen sei, das Gerüst täglich einer Sichtkontrolle zu unterziehen. Doch auch der Vorderrichter 

zeige nicht auf, wie denn ein "funktionierendes Sicherheitskonzept" konkret auszusehen habe. 

Abgesehen davon habe der Beschuldigte die ihm obliegende Pflicht zur Gewährleistung der Si-

cherheit auf der Baustelle durch Anbringen eines Doppelinnengeländers am Gerüst, regelmäs-

sige Sitzungen mit Jourfix-Protokollen sowie wöchentliche Gerüstkontrollen durch den Gerüst-

bauer sehr wohl erfüllt. Die gegenteiligen Ausführungen der Vorinstanz seien nicht stichhaltig. 

Allein aus dem Umstand, dass sich jemand nicht an die Regeln gehalten habe, dürfe nicht ge-

schlossen werden, dass der Beschuldigte seinen Pflichten nicht nachgekommen sei. Der Unfall 

sei passiert, weil eine Innenkonsole unbefugt entfernt worden sei und der Privatkläger das Dop-

pelinnengeländer ohne PSAgA überstiegen habe. Die abschliessende, lapidare Feststellung der 

Vorinstanz, der Beschuldigte habe nicht für die Einhaltung der Arbeitssicherheit auf dem Gerüst 

gesorgt, sei daher unhaltbar. Der Beschuldigte habe nicht nur alle erforderlichen Sicherheits-

massnahmen getroffen. Auch sei der Unfall für den Beschuldigten weder vorhersehbar noch ver-

meidbar gewesen. Abgesehen davon sei auch kein hypothetischer Kausalverlauf ersichtlich (vgl. 

S. 11-18 der Berufungsbegründung). Was das Selbstverschulden des Privatklägers betreffe, so 

basierten die vorinstanzlichen Feststellungen auf der aktenwidrigen Annahme, der Privatkläger 

sei vor dem Absturz durch eine Fensteröffnung vom Gebäudeinnern auf die Innenkonsole ge-

langt. Der Strafgerichtspräsident dürfe nicht argumentieren, der Privatkläger habe den Bereich 

der Innenkonsolen als sicheren Arbeitsplatz ansehen können, nachdem er selbst festgestellt 

habe, dass die Gerüstkonstruktion für die Beurteilung des Falles nicht relevant sei. Vielmehr gelte 

es zu beachten, dass es dem Privatkläger ohne das Übersteigen der Doppelinnengeländer gar 

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nicht möglich gewesen sei, auf die Innenkonsolen zu gelangen. Der Unfallhergang sei derart aus-

sergewöhnlich, dass der Beschuldigte unter keinen Umständen damit habe rechnen müssen. 

Daher erscheine das vom Beschuldigten vermeintlich unterlassene "funktionierende Sicherheits-

konzept" als rechtlich nicht mehr beachtlich (vgl. S. 19-21 der Berufungsbegründung). Als Fazit 

müsse der Beschuldigte vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung freigespro-

chen werden (vgl. S. 21 der Berufungsbegründung). 

 

In ihrem Parteivortrag vor Kantonsgericht wiederholt die Verteidigerin von C.____ ihre bisherigen 

schriftlichen Ausführungen. Sie weist ergänzend darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft das Ver-

fahren ursprünglich eingestellt habe, weil ihrer Meinung nach niemand mit dem Übersteigen von 

Innenkonsolen habe rechnen müssen. Es dürfe nicht immer jemand für einen Unfall strafrechtlich 

verantwortlich gemacht werden. Von einem Bauleiter könne nicht erwartet werden, dass er die 

Baustelle permanent überwache. Die Einschätzungen der SUVA, welche die Broschüren zur Ar-

beitssicherheit herausgebe und ohne Regressmöglichkeiten Leistungen erbringe, verfügten über 

mehr Gewicht als das gerichtliche Gutachten, welches von einem Maschinenbauingenieur erstellt 

worden sei. Wenn sich jemand nicht an Regeln halte, nützte auch das beste Konzeptpapier 

nichts. Zumal es vor dem Unfall keine derartigen Vorkommnisse gegeben habe, habe der Be-

schuldigte nicht mit einem solch regelwidrigen Verhalten rechnen müssen. Ausserdem habe der 

Privatkläger über langjährige Berufserfahrung, auch in der Schweiz, verfügt. Ebenso sei das Ver-

halten des Glasers und des Privatklägers zu unberechenbar gewesen (vgl. Prot. Hauptverhand-

lung Kantonsgericht, S. 25-27). Sodann habe der Beschuldigte dargelegt, was er alles zur Sicher-

heit unternommen habe. Weder er noch die Verteidigung oder die Staatsanwaltschaft wüssten, 

was mit einem Sicherheitskonzept genau gemeint sei (vgl. Prot. Hauptverhandlung Kantonsge-

richt, S. 28).  

 

1.5 Demgegenüber führt die Staatsanwaltschaft in ihrer Berufungsantwort vom 29. Januar 

2021 hinsichtlich des Beschuldigten C.____ aus, der Privatkläger habe komplexe Verletzungen 

erlitten. Daher könne der Heilungsverlauf bzw. der noch zu erwartende Endzustand im Zeitpunkt 

des Abschlusses des Strafverfahrens regelmässig (noch) nicht beurteilt werden. Dennoch sei 

offensichtlich, dass der Privatkläger in seiner Arbeitsfähigkeit, insbesondere in seinem ange-

stammten Beruf auf dem Bau, dauerhaft mindestens erheblich eingeschränkt bleiben werde, wo-

mit klarerweise von einer schweren Körperverletzung auszugehen sei. Dass F.____ angeblich zu 

Unrecht freigesprochen worden sei, erweise sich als unbeachtlich, da ein eventuelles Mitver-

schulden von weiteren Beteiligten das Verschulden der beiden Beschuldigten B.____ und C.____ 

nicht ausschliessen würde (vgl. S. 2 f. der Berufungsantwort). Hinsichtlich des Beschuldigten 

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B.____ habe die Vorinstanz zutreffend eine Garantenstellung desselben gegenüber dem Privat-

kläger bejaht. Sodann sei der Privatkläger evidentermassen wegen einer fehlenden Innenkonsole 

vom Gerüst gefallen und nicht wegen eines mangelhaft geplanten oder erstellten Gerüsts (vgl. 

S. 3 der Berufungsantwort). 

 

In ihrem Plädoyer vor Kantonsgericht verweist die Staatsanwaltschaft auf ihre bisherigen schrift-

lichen Ausführungen. Sie führt ergänzend betreffend den Beschuldigten B.____ an, es sei fak-

tisch unmöglich, dass zwischen Instruktion und Sturz in nur 20 Minuten so viele Konsolen entfernt 

worden seien. Wenn der Privatkläger auch mit bestehenden Konsolen gestürzt wäre, so wäre 

das Spuren- und Verletzungsbild ein ganz anderes gewesen. Betreffend den Beschuldigten 

C.____ sei zu bemerken, dass dieser als Chef immer mit Fehlern seiner Mitarbeiter rechnen 

müsse. Unmittelbar vor dem Unfall habe er jedenfalls seine Kontrollpflichten vernachlässigt (vgl. 

Prot. Hauptverhandlung Kantonsgericht, S. 28).  

 

1.6.1 Allgemeines 

Hinsichtlich des Aufbaus des vorliegenden Urteils ist vorauszuschicken, dass sich dieses nicht in 

jeder Hinsicht am vorinstanzlichen Entscheid orientiert, sondern in erster Linie die Berufungen 

der beiden Beschuldigten B.____ und C.____ abhandelt. Trotz Rechtskraft des den Beschuldig-

ten F.____ betreffenden Urteils der Vorinstanz vom 15. Mai 2020 mit Ergänzung des Urteils vom 

6. August 2020 ist dessen Beteiligung teilweise ebenso zu beleuchten, da die Staatsanwaltschaft 

F.____ zusammen mit B.____ und C.____ grundsätzlich wegen desselben Lebenssachverhalts 

angeklagt hat.  

 

Betreffend die im vorliegenden Fall zugrundeliegenden Beweise und Indizien wird zunächst auf 

die zusammenfassende Darstellung auf S. 8-13 des angefochtenen Urteils verwiesen. Zu den 

Beweisregeln des Grundsatzes der freien Beweiswürdigung gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO sowie 

der Maxime "in dubio pro reo" gemäss Art. 10 Abs. 1 StPO wird bereits an dieser Stelle ebenso 

auf die theoretischen Ausführungen der Vorinstanz auf S. 9 des angefochtenen Urteils verwiesen. 

Hervorzuheben ist die auf S. 12 des angefochtenen Urteils erwähnte Besonderheit, dass im vor-

liegenden Fall ganze vier gutachterliche Einschätzungen Eingang in die Verfahrensakten gefun-

den haben, welche aber inhaltlich zum Teil erheblich voneinander abweichen. Es handelt sich 

hierbei neben dem bereits erwähnten Gerichtsgutachten (act. S 279-S 319) und den Ausführun-

gen des Gerichtsgutachters vor dem Strafgerichtspräsidium (act. S 619-S 639) um das ebenfalls 

vorgenannte Privatgutachten O.____ GmbH (act. S 405-S 419), um das vom Privatkläger einge-

reichte Gutachten von P.____, Sicherheitsfachmann EigV, Q.____ AG, (…), vom 18. Mai 2016 

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(nachfolgend: [Privat-]Gutachten Q.____ AG, act. 461-495), sowie die Kurzbeurteilung für Re-

gress AVOR der SUVA vom 2. Dezember 2014 (act. 391 f.) und die weitere Einschätzung der 

SUVA vom 8. September 2016 (act. 456 f.). Zum Stellenwert von Privatgutachten im Allgemeinen 

ist zunächst auf die dogmatischen Erwägungen der Vorinstanz auf S. 12 f. des angefochtenen 

Urteils zu verweisen. Bei der Frage, ob und in wieweit im konkreten Fall die gerichtliche Beurtei-

lung neben den weiteren Beweismitteln auf diese Gutachten abstellen kann, kann abweichend 

zur vorinstanzlichen Einschätzung (vgl. S. 13 des angefochtenen Urteils) nicht pauschal gesagt 

werden, nur anhand der nicht komplett zur Verfügung gestandenen Akten seien die Privatgutach-

ten und die Kurzbeurteilung durch die SUVA "mit Vorsicht zu geniessen", währenddem "kein 

Grund" zu Zweifeln am gerichtlichen Gutachten vorliege. So ist betreffend das gerichtliche Gut-

achten bereits in formeller Hinsicht zu bemängeln, dass darin nirgends Ausführungen zu den 

offensichtlichen inhaltlichen Widersprüchen zur dem Gerichtsgutachter vorliegenden Einschät-

zung der SUVA enthalten sind, womit sich das Gerichtsgutachten als unvollständig i.S.v. Art. 189 

lit. a StPO erweist. Des Weiteren hat die Vorinstanz offenbar ausser Acht gelassen, dass es sich 

bei der SUVA um die anerkanntermassen führende Institution in Sachen Unfallverhütung handelt, 

welche überdies für alle Fragen des Gerüstbaus hochgradig spezialisiert ist. Aus regressrechtli-

cher Sicht könnte die SUVA aus eigenem finanziellen Interesse die Meinung vertreten, im vorlie-

genden Fall sei das Baugerüst unsicher gewesen und damit Rückgriff auf die fehlbaren Personen 

nehmen. Dies hat die SUVA aber gerade nicht getan: Vielmehr führte sie in der ersten Beurteilung 

vom 2. Dezember 2014 aus, das Konzept mit dem Gerüst sei aus arbeitssicherheitstechnischer 

Sicht konform gewesen. Der Privatkläger habe sich in einem verbotenen Bereich bewegt, ohne 

dass zuvor eine Kontrolle des Gerüsts stattgefunden hätte (vgl. act. 391 f.). Ebenso gab die SUVA 

am 8. September 2016 gegenüber der Staatsanwaltschaft an, dass im ungesicherten Bereich 

nicht gearbeitet werden dürfe. Wenn der Abstand zwischen Gerüst und Fassade mehr als 30 cm 

betrage, brauche es eine Absperrung, was im vorliegenden Fall in Form eines Doppelinnenge-

länders geschehen sei. Die andere Variante sei die Benutzung einer PSAgA (vgl. act. 457-459). 

Dabei lässt die Vorinstanz ebenso unberücksichtigt, dass der Bericht der Polizei Basel-Land-

schaft, Forensik, vom 28. Oktober 2014 (act. 341-347) samt Fotodokumentation (act. 349-363) 

mit diesen Ausführungen der SUVA übereinstimmt. Im genannten Polizeibericht wird durch Pol. 

S. Wiesner, einem ehemaligen Zimmermann mit Gerüstbauausbildung, festgehalten, dass das 

Gerüst mit einem beidseitig verlaufenden Metallgeländer gegen Absturz gesichert gewesen sei, 

wobei der ungesicherte Bereich des Gerüstes nicht ohne Anseilschutz betreten werden dürfe 

(act. 343 f.). Eine ebensolche Übereinstimmung, welche seitens der Vorinstanz unerwähnt bleibt, 

findet sich in den Einschätzungen gemäss den beiden obgenannten Privatgutachten. So wird im 

Privatgutachten Q.____ AG unter anderen ausgeführt, die Innengeländer seien vorliegend korrekt 

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montiert gewesen. Der Privatkläger hätte den ungesicherten Bereich nicht ohne PSAgA betreten 

dürfen und habe eine Sichtkontrolle unterlassen (vgl. act. 473, 487-493). Ebenso gelangt das 

Privatgutachten O.____ GmbH zur Einschätzung, dass das Gerüst fachgerecht erstellt worden 

sei, der Privatkläger aber durch Übersteigen des Innengeländers ohne PSAgA seine Eigenver-

antwortung nicht wahrgenommen habe (vgl. act. S 407-S 411, 419). Des Weiteren liegen den 

Akten diverse Publikationen der SUVA bei, welche – wie nachfolgend zu zeigen sein wird – in 

casu einschlägig sind. Gemäss der Broschüre der SUVA "Fassadengerüste, Sicherheit durch 

Planung", Nr. 44077.d, Ausgabe Oktober 2012 (act. 497-555) inkl. FAQ (act. 563-647) dürfen 

Fassadengerüste nicht weiter als 30 cm von der Fassade entfernt montiert sein (act. 521, 573, 

585) und bei Abständen von über 30 cm zwischen Gerüst und Fassade muss ein doppeltes In-

nengeländer montiert werden, wobei dieses erst nach dem Einbau eines Konsolenbelags entfernt 

werden darf (act. 523, 573, 581). Zudem dürfen Gerüste nicht durch die Gerüstbenützer abge-

ändert (act. 567) und insbesondere deren Innenkonsolen ausschliesslich durch den Gerüsther-

steller, in Sonderfällen durch den Benutzer in Zusammenarbeit mit dem Gerüsthersteller und in 

Absprache mit der Bauleitung, entfernt werden (act. 601). Überdies hat durch den Gerüstbenützer 

täglich eine Sichtkontrolle und bei stark benutzten Gerüsten im Intervall von ein bis zwei Wochen 

eine Gerüstkontrolle zu erfolgen (vgl. act. 571). Aus den genannten Gründen erweist sich die 

Beurteilung durch die SUVA, gerade was die Konformität des Baugerüstes angeht, für das Kan-

tonsgericht als überaus überzeugend. Demgegenüber erscheint dem Berufungsgericht die im 

schriftlichen Gutachten bzw. vor Strafgericht gemachte Feststellung des Gerichtsgutachters, auf-

grund der fehlerhaften Planung bzw. Konstruktion des Gerüsts durch teils zu grosse Abstände 

zur Fassade und nicht abgesperrte Zugänge sei es auch mit den Innengeländern "vorhersehbar" 

gewesen, dass die Konsolen für einzelne Arbeiten als begehbare Gerüstelement genutzt würden 

(act. S 289, S 307), bzw. die "Mischform" der Gerüstkonstruktion mit einerseits für Arbeiten be-

gehbaren, aber nicht sicheren Konsolenelementen und den Innengeländern zu falschen Schlüs-

sen und unsicheren Handlungen geführt bzw. "Verwirrung" gestiftet habe (act. S 307, S 627), 

nicht überzeugend. Ferner ist auf abweichende Einschätzungen des Gerichtsexperten einerseits 

im schriftlichen Gutachten und andererseits anlässlich dessen mündlichen Ausführungen vor 

Strafgericht hinzuweisen, wo es um die in casu ebenso zentrale Frage geht, ob vom Hauptgerüst 

aus gut an der Fassade gearbeitet werde konnte: Im schriftlichen Gutachten gab der Gerichtsex-

perte noch an, man dürfe auf der Innenkonsole Fassadenarbeiten ausführen (act. S 307). Dies 

bestätigte er zunächst vor der Vorinstanz, indem er bekräftigte, die Innenkonsole sei genau für 

solche Fassadentätigkeiten gedacht und es sei für ihn nicht nachvollziehbar, dass man die Arbeit 

vom Gerüstgang aus vernünftig machen könne (act. S 625 f.). Demgegenüber relativierte er spä-

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ter vor Strafgericht seine Einschätzung dahingehend, es sei zwar grundsätzlich möglich, die Ar-

beiten bei dieser Distanz vom Gerüstgang her auszuführen, aber auf dem Konsolengang sei es 

"sicher besser machbar", so dass es "nachvollziehbar" erscheine, wenn man sie von dort aus-

führe, ansonsten es "nicht gerade ergonomisch" sei. Im Widerspruch wiederum dazu führte er 

aber ebenso aus, "gemäss den Regeln der Technik" seien die Innenkonsolen ausschliesslich als 

Arbeitsfläche an der Fassade gedacht, ansonsten man einfach Bordleisten gegen Herunterfallen 

von Gegenständen montiert hätte (act. S 627-S 633). Diese Auffälligkeiten vermögen die Über-

zeugungskraft des gerichtlichen Gutachtens in beachtlichem Mass zu erschüttern und ein Abstüt-

zen des Gerichts alleine darauf würde sich als willkürlich erweisen (vgl. NIKLAUS SCHMID/DANIEL 

JOSITSCH, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl., Art. 189 N 5). Aus 

den genannten Gründen hält sich das Kantonsgericht, anders als die Vorinstanz, weniger an das 

gerichtliche Gutachten, sondern in erster Linie an die überzeugende Beurteilung durch die SUVA, 

welche sich in ihren Publikationen jeweils auf die gesetzlichen Grundlagen (vgl. dazu nachfol-

gend, Erw. 1.6.2.3.d) stützt und zudem im Einklang mit den übrigen Beweismitteln steht. 

 

1.6.2. B.____  

1.6.2.1 Vorwurf  

Wie das Strafgerichtspräsidium auf S. 7 f. und 30 des angefochtenen Urteils richtig festhält, wer-

den dem Beschuldigten B.____ die beiden Vorwürfe gemacht, (1.) er habe den Privatkläger vor 

der Arbeitsausführung mangelhaft instruiert und (2.) er habe es unterlassen, eine visuelle Gerüst-

kontrolle vorzunehmen. Die mangelhafte Instruktion soll daraus resultieren, dass der Beschul-

digte (a.) bei Arbeitsinstruktion und -zuweisung des Privatklägers nicht zur Beachtung der not-

wendigen Sicherheitsvorkehrungen angehalten habe, (b.) sich hierbei mit dem Privatkläger ohne 

PSAgA auf den ungesicherten Bereich des Gerüstes begeben habe und (c.) den Privatkläger 

hierbei nicht explizit angewiesen habe, die Arbeit ohne PSAgA ausschliesslich vom gesicherten 

Gerüstbereich (Gerüstlauf) aus auszuführen. Durch diese fahrlässige Verletzung der Regeln der 

Baukunde habe sich der Beschuldigte als direkter Vorgesetzter des Privatklägers gleichzeitig der 

fahrlässigen schweren Körperverletzung des Privatklägers schuldig gemacht. 

 

1.6.2.2 Tatsächliches 

a) In tatsächlicher Hinsicht ist zunächst betreffend die Beweise und Indizien zur Einleitung 

zum angeklagten Sachverhalt, zu den Feststellungen am Unfallort, zu den weiteren Feststellun-

gen und Verletzungen des Privatklägers sowie zu Unfallhergang, -ort und -ursache auf die Dar-

stellung auf S. 13-18 des angefochtenen Urteils zu verweisen. Demnach ist insbesondere als 

unbestritten und erstellt anzusehen, dass der Privatkläger ab dem 15. Juli 2014 bei der Firma 

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H.____ AG als "Mitarbeiter Montage" temporär angestellt war, bei Arbeitsbeginn durch den Be-

schuldigten betreffend die zu verrichtenden Arbeiten – der Montage von Clips und Leisten an den 

Fensterfronten der Südfassade des dritten Obergeschosses des Gebäudes – instruiert worden 

ist, bevor er ca. 20 Minuten später rund sechs Meter von der fünften auf die zweite Gerüstetage 

gestürzt ist und zum Zeitpunkt des Unfalls alleine war sowie dass sich dessen Gesundheitszu-

stand seit der Erhebung der Anklage praktisch nicht verändert hat (vgl. dazu auch nachfolgend 

Erw. 1.6.2.3.b) betreffend schwere Körperverletzung).  

 

Der im Rahmen der Berufung vorgebrachte Einwand der Verteidigerin des Beschuldigten, der 

Unfall sei womöglich gar nicht während der Arbeitsausführung durch den Privatkläger erfolgt (vgl. 

S. 6 der begründeten Berufungserklärung vom 28. August 2020 sowie Plädoyer vor Strafgericht, 

act. S 711), erscheint hierbei höchst spekulativ. Es fragt sich, was denn der Privatkläger auf dem 

Gerüst gemacht haben soll, ausser zu arbeiten. Hier ist ein unmittelbarer Zusammenhang zur 

Arbeitsausführung zu bejahen, und zwar nicht nur in zeitlicher Hinsicht, sondern auch mit Blick 

auf den obgenannten Polizeibericht vom 28. Oktober 2014 samt Fotodokumentation. Darin stellte 

die Polizei unter anderem fest, dass sich auf der fünften Gerüstetage auf der Fensterbank abge-

legt ein Hammer und ein Schraubendreher befunden hätten. Angesichts der angetroffenen Situ-

ation zog die Polizei die Schlussfolgerung, dass der Privatkläger auf der fünften Gerüstetage 

seiner Arbeit nachgegangen sei, dann den geschützten Bereich, vermutlich durch Überklettern 

des Geländers, verlassen habe, sich ungesichert auf der zusätzlichen Metallkonsolen-Reihe be-

funden und schliesslich nach einem Fehltritt durch die Lücke in den Metallkonsolen ca. sechs 

Meter tief auf die zweite Gerüstetage gestürzt sei (vgl. act. 345). Auf der Fotodokumentation sind 

das genannte Werkzeug sowie die auf der fünften Gerüstetage entfernten und auf dem Aussen-

lauf des Gerüsts deponierten zwei Bodenkonsolen klar zu erkennen (act. 357 f.). Die Aufprallstelle 

auf der Gerüst-innenseite auf der zweiten Gerüstetage ergibt sich aus den dort festgestellten 

Blutanhaftungen (act. 361 f.). Auch der Privatkläger selbst legte seinerseits dar, er habe im dritten 

Obergeschoss des Gebäudes gearbeitet, bevor es zum Unfall gekommen sei (vgl. polizeiliche 

Einvernahme vom 25. August 2014 als Auskunftsperson, act. 1221; Einvernahme vom 16. Okto-

ber 2014 als beschuldigte Person, act. 1233). Nachdem die seitens des Beschuldigten ins Spiel 

gebrachte Version eines Unfalls ausserhalb der Arbeitsausführung in keiner Weise mit dem Be-

weisergebnis in Einklang bringen ist, muss sie klar verworfen werden. 

 

Hinsichtlich des Unfallhergangs hält das Gerichtsgutachten fest, dass aufgrund der Fotodoku-

mentation zum Zeitpunkt des Unfalls auf der dritten Gerüstetage eine Innenkonsole und auf der 

vierten bis siebten Gerüstetage jeweils zwei Innenkonsolen gefehlt hätten (act. S 295). Daher 

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sowie mit Blick auf die Endlage des Privatklägers nach seinem Absturz auf der zweiten Gerüste-

tage auf der linken Seite der Lücke der Innenkonsolen und dessen eigene Aussagen (act. 1291) 

ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass der Privatkläger durch die Lücke aufgrund der 

fehlenden Innenkonsolen von der linken Seite der Lücke der Innenkonsolen vom fünften Gerüst-

stock auf den zweiten Gerüststock gestürzt ist (vgl. S. 19 des angefochtenen Urteils). Allerdings 

ist abweichend zu den vorinstanzlichen Feststellungen auf S. 18 f. des angefochtenen Urteils 

nicht erwiesen, dass der Privatkläger, so wie von ihm als Beschuldigter in der Einvernahme vom 

16. Oktober 2014 (act. 1233) und als Auskunftsperson in der Befragung vom 28. Oktober 2015 

(act. 1289) angegeben, aus dem Gebäudeinneren über die Gebäudeöffnung auf das Gerüst ge-

langt sein soll. Denn zunächst stimmen die Gerüstläufe und die Gebäudestockwerke durch die 

Höhenverschiebung nicht exakt überein (vgl. nur den Polizeibericht vom 28. Oktober 2014, 

act. 353, sowie die Aussagen von C.____ anlässlich dessen Einvernahme vom 16. August 2017 

als Beschuldigter, act. 1357-1359, 1371 ff.). Der Beschuldigte C.____ weist im Rahmen seiner 

Berufung zutreffend darauf hin, dass diesfalls der Privatkläger entweder auf das Gerüst hätte 

hinaufklettern oder aber herabspringen müssen, und dies zusätzlich mit Arbeitsmaterial und 

Werkzeug in den Händen (so laut Angaben des Privatklägers selbst anlässlich dessen Einver-

nahme vom 13. August 2015 als Auskunftsperson, act. 1251), was jedoch unwahrscheinlich ist. 

Des Weiteren befand sich die obgenannte Fensteröffnung gemäss den Angaben des Privatklä-

gers anlässlich dessen Einvernahmen vom 16. Oktober 2014 als Beschuldigter (act. 1233), vom 

13. August 2015 als Auskunftsperson (act. 1249-1251) und vom 28. Oktober 2015 als Auskunfts-

person (act. 1289, 1291) sowie den Feststellungen der Polizei (vgl. Polizeibericht vom 28. Okto-

ber 2014, act. 341 ff.) auf der Ostseite des Gebäudes. Doch wenn der Privatkläger seine Arbeiten 

nachgewiesenermassen mit einer Bewegung von links nach rechts erledigte und auf der Südseite 

des Gebäudes abstürzte, kann die Version betreffend Fensterausstieg nicht zutreffen. Auffällig 

erscheint zudem in dieser Hinsicht das Aussageverhalten des Privatklägers, welcher in drei sei-

ner vier Einvernahmen jeweils zu Beginn seiner Aussagen ungefragt deklariert hat, er sei nicht 

über das Geländer geklettert (vgl. nur polizeiliche Einvernahme als Auskunftsperson vom 27. Au-

gust 2014: Er sei "definitiv" nicht über das Geländer geklettert, weil dort gar kein Geländer gewe-

sen sei, act. 1221; Einvernahme als beschuldigte Person vom 16. Oktober 2014: Er sei lediglich 

mit B.____ über das Geländer gestiegen, als dieser ihm die Arbeit gezeigt habe, act. 1233; Ein-

vernahme vom 13. August 2015 als Auskunftsperson: Nur sein Chef sei über das Geländer ge-

klettert, um ihm die Arbeit zu zeigen, währenddem er selbst auf der gesicherten Seite geblieben 

sei, act. 1251). Erst in seiner letzten Einvernahme vom 28. Oktober 2015 als Auskunftsperson 

gab der Privatkläger an, sich nicht mehr daran zu erinnern bzw. er räumte ein, er sei "vielleicht" 

über das Doppelinnengeländer geklettert, wobei auf der dritten und vierten Gerüstetage mehrere 

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Innengeländer gefehlt hätten (act. 1291; vgl. zudem Aktennotiz der Staatsanwaltschaft vom 28. 

Oktober 2015, act. 1299). Die seitens des Beschuldigten C.____ im Rahmen seiner Berufung 

getätigte Vermutung, dass dem Privatkläger angesichts dieses Aussageverhaltens sehr wohl be-

wusst gewesen sein muss, sich durch das Überklettern des Doppelinnengeländers nicht regel-

konform verhalten zu haben, ist nicht von der Hand zu weisen (vgl. dazu nachfolgend Erw. 1.6.4 

betr. Selbstverschulden). Doch nicht nur der Beschuldigte C.____ gab vor Strafgericht an, der 

Privatkläger habe den Fehler gemacht, über das Innengeländer geklettert zu sein (act. S 609). 

Das fragliche (Fehl-)Verhalten seitens des Privatklägers stützt sich bereits auf die oben in Erw. 

1.6.1 dargestellte Beweislage. Angesichts dessen kann der Privatkläger nur durch das Überstei-

gen des Doppelinnengeländers auf die Innenkonsolen gelangt sein, um hernach von links nach 

rechts arbeitend auf der zweiten Gerüstetage auf der linken Seite der Lücke der Innenkonsolen 

abzustürzen. Diese Sachverhaltsversion ist sodann im Vergleich zu derjenigen betreffend Fens-

terausstieg nicht nur die weitaus plausiblere; sie stellt abgesehen davon auch die für den Be-

schuldigten B.____ günstigere Sachverhaltsvariante dar, von welcher in Beachtung des Grund-

satzes "in dubio pro reo" auszugehen ist.  

 

b) Auch wenn seitens des Beschuldigten im Rahmen der Berufung bestritten, geht das 

Kantonsgericht mit Blick auf die diesbezüglich übereinstimmenden Aussagen des Privatklägers 

anlässlich dessen Einvernahme vom 28. Oktober 2015 als Auskunftsperson (act. 1293 f.), wo-

nach jeweils vom dritten Stockwerk des Gebäudes, entsprechend der fünften Gerüstetage, die 

Rede war, und des Beschuldigten B.____ in seinen beiden ersten Einvernahmen vom 25. August 

2014 (act. 1225 f.) und 1. September 2015 als Auskunftsperson (act. 1267) mit der Vorinstanz 

(vgl. S. 18 des angefochtenen Urteils) davon aus, dass die Instruktion des Privatklägers durch 

den Beschuldigten auf der fünften Gerüstetage stattgefunden hat. Erst später in der Befragung 

vom 1. September 2015 als Auskunftsperson sagte der Beschuldigte auf die Frage, warum er die 

fehlenden Innenkonsolen nicht bemerkt habe, relativierend aus, es sei wahrscheinlich, dass er 

nicht bis in den fünften Stock gegangen sei, sondern den Privatkläger weiter unten auf der zweiten 

Gerüstetage, wo die Bodenkonsolen installiert gewesen seien, instruiert habe (act. 1273). Diese 

Abänderung in der Darstellung stellte auch die Staatsanwaltschaft in ihrer Aktennotiz vom 2. Sep-

tember 2015 fest, indem sie unter anderem ausführte, der Beschuldigte habe nach Abschluss der 

Einvernahme nochmals Einsicht in die Fotodokumentation nehmen wollen und sich danach da-

hingehend geäussert (vgl. act. 1279). In einer späteren Einvernahme von B.____ vom 7. Novem-

ber 2017 als beschuldigte Person sagte dieser in einer Rückkehr zur ursprünglichen Version aus, 

er habe dem Privatkläger die Arbeit doch auf dem fünften Gerüstlauf gezeigt (act. 1387 ff.), bis er 

schliesslich vor der Vorinstanz angab, er wisse nicht mehr, bis zu welchem Stock er mit dem 

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Privatkläger gegangen sei (act. S 583). Wie das Strafgerichtspräsidium auf S. 12 des angefoch-

tenen Urteils richtig ausführt, haben die ersten Aussagen gegenüber den späteren allein schon 

angesichts der mit zunehmendem Zeitablauf verblassenden Erinnerung naturgemäss mehr Be-

weiskraft. Hinzu kommt, dass die ersten, zentralen Aussagen zu diesem Punkt auch klar geäus-

sert worden sind, währenddem die späteren Angaben eher vage formuliert wurden. Schliesslich 

wurde die ursprüngliche Angabe, wonach die Instruktion auf der fünften Gerüstetage stattgefun-

den habe, durch den Gerichtsgutachter (act. S 281) bestätigt. Spätere Abänderungen in den wei-

teren Einvernahmen des Beschuldigten B.____ sind somit unbeachtlich. Daher kann auch das im 

Rahmen der Berufung geltend gemachte Argument, es sei unklar, ob die Instruktion auf der fünf-

ten Gerüstetage stattgefunden habe, nicht mehr gehört werden.  

 

Bei der weiteren Frage, wo genau auf der fünften Gerüstetage die Instruktion stattgefunden hat, 

sind ebenso wenig stimmige Aussagen des Beschuldigten B.____ zu konstatieren. So gab er 

anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 25. August 2014 als Auskunftsperson noch an, als 

er dem Privatkläger die Arbeit erklärt habe, hätten sie sich zwischen Gerüst und Fassade befun-

den. Dabei hätten sie das Geländer überwinden müssen, weil zur Zeit des Unfalls ein Geländer 

montiert gewesen sei; diesbezüglich sei sich der Beschuldigte sicher (act. 1227). Demgegenüber 

betonte der Beschuldigte in der Befragung vom 1. September 2015 als Auskunftsperson, er habe 

dem Privatkläger die auszuführenden Arbeiten vom sicheren Bereich aus erklärt (act. 1269). So-

dann gab B.____ am 7. November 2017 als beschuldigte Person zu Protokoll, die Arbeitsinstruk-

tion sei auf dem normalen Gerüstboden erfolgt (act. 1387). Nachdem der Beschuldigte hierbei 

auf seine widersprüchlichen Angaben gemäss Einvernahme vom 25. August 2014 hingewiesen 

worden war, legte er folgendes dar: "In dem Fall war ich damals auch im ungeschützten Bereich 

und habe das Innengeländer damals überstiegen" (act. 1393), womit er seine frühere Aussage 

im Ergebnis bestätigte. Vor Strafgericht dazu befragt, gab der Beschuldigte schliesslich an, er 

wisse nicht mehr, ob er über das Geländer gestiegen sei (act. S 583 ff.). Demgegenüber sind die 

diesbezüglichen Aussagen des Privatklägers relativ konstant geblieben: Am 16. Oktober 2014 

äusserte er sich als beschuldigte Person, er sei mit dem Beschuldigten über das Geländer ge-

stiegen, um die Arbeit anzuschauen (act. 1233). Auch in der Einvernahme vom 13. August 2015 

erklärte der Privatkläger als Auskunftsperson, der Beschuldigte sei über das Geländer gestiegen, 

um ihm zu zeigen, was er zu tun habe, wobei er auf der gesicherten Seite geblieben sei und von 

dort aus zugesehen habe (act. 1251). Schliesslich geht der Gerichtsgutachter ebenfalls von einer 

Instruktion im Bereich der Innenkonsolen aus (vgl. act. S 307). Angesichts dieser Beweislage ist 

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für den Vorderrichter (vgl. S. 18 des angefochtenen Urteils) wie auch für das Kantonsgericht er-

stellt, dass B.____ und der Privatkläger das Doppelinnengeländer zwecks Instruktion auf dem 

ungesicherten Innenbereich überstiegen haben.  

 

In einem weiteren Punkt ist unbestritten, dass weder der Beschuldigte noch der Privatkläger auf 

dem ungesicherten Bereich einen Anseilschutz trugen. So erklärte der Beschuldigte am 1. Sep-

tember 2015 als Auskunftsperson sowie am 7. November 2017 als beschuldigte Person, im Auto 

sei zwar ein Anseilschutz zur Verfügung gestanden (act. 1271, 1395), was er vor Strafgericht 

bestätigte (act. S 587). Der Beschuldigte und der Privatkläger seien aber auf dem "eigentlich" 

nicht der Arbeit dienenden ungesicherten Bereich nicht angeseilt gewesen, obwohl sie es gemäss 

den Vorgaben der SUVA hätten sein müssen. Der Beschuldigte habe darauf verzichtet, da er sich 

eine sichere Arbeitsausführung "zugetraut" habe (vgl. Aussage vom 7. November 2017, 

act. 1395). Auch der Privatkläger bestätigte in seiner Einvernahme vom 13. August 2015 als Aus-

kunftsperson, man habe keinen Anseilschutz getragen. Dies sei nicht nur wegen des Materials 

und Werkzeugs in den Händen nicht möglich gewesen; es bringe auch nichts und er übe seinen 

Beruf ohnehin schon 20 Jahre ohne Anseilschutz aus (act. 1253-1257). 

 

Angesichts der soeben gemachten Feststellungen ist aber auch erstellt, dass der Beschuldigte 

den Privatkläger während der Instruktion nicht explizit angewiesen hat, die Arbeit ohne PSAgA 

ausschliesslich vom gesicherten Gerüstbereich (Gerüstlauf) aus auszuführen. So erklärte der Be-

schuldigte selbst anlässlich der polizeilichen Einvernahme als Auskunftsperson vom 25. August 

2014, er habe den Privatkläger gerade nicht instruiert, seine Arbeit nicht vom Gerüstinnenlauf, 

sondern von den Innenkonsolen her auszuführen (act. 1227). Auch in seiner Einvernahme vom 

1. September 2015 als Auskunftsperson gab er an, er sei davon ausgegangen, dass der Privat-

kläger die Arbeiten von der sicheren Seite aus tätige. Er habe ihm auf keinen Fall gesagt, er solle 

sich auf den ungesicherten Bereich begeben; andererseits habe er ihm aber auch nicht gesagt, 

er solle sich nicht auf den ungesicherten Bereich begeben, da er davon ausgegangen sei, dass 

er dies selber wisse (act. 1269). Vor Strafgericht legte der Beschuldigte dar, er könne sich nicht 

konkret daran erinnern, dem Privatkläger punkto Sicherheit einen Hinweis gemacht zu haben 

(act. S 583). Damit ist der weitere Vorwurf an den Beschuldigten, er habe den Privatkläger an-

lässlich der Instruktion nicht auf die übrigen Sicherheitsvorschriften hingewiesen, zugestanden. 

 

c) Was in einem weiteren Punkt den Zustand des Gerüstes betrifft, so lässt die Vorinstanz 

die Frage betreffend eine allfällige mangelhafte Planung und Erstellung des Gerüstes unter Hin-

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weis auf die fehlende Schilderung in der Anklageschrift zu Recht offen (vgl. S. 19 des angefoch-

tenen Urteils). Mit Blick auf die in Erw. 1.6.1 gemachten Feststellungen ist jedenfalls davon aus-

zugehen, dass das Gerüst weder mangelhaft geplant noch erstellt worden ist. Die Vorinstanz 

stellt unter Hinweis auf die in dieser Hinsicht übereinstimmenden gutachterlichen Einschätzun-

gen, die Ausführungen der Beschuldigten und des Privatklägers wie auch die seitens der Polizei 

erstellten Fotos vom Unfallort (vgl. nur act. 341 ff., 349 ff.) für das Kantonsgericht zutreffend fest, 

dass der Privatkläger nicht abgestürzt wäre, wenn die fehlenden Innenkonsolen montiert gewe-

sen wären (vgl. S. 20 des angefochtenen Urteils). Der im Rahmen der Berufung vorgebrachte 

Einwand des Beschuldigten B.____, das Gerüst sei nicht regelkonform erstellt worden, ist ange-

sichts dessen unerheblich. Das weitere Argument des Beschuldigten, wonach die Konsole mög-

licherweise erst nach der Instruktion entfernt worden sei, vermag ebenfalls nicht zu überzeugen: 

Weder der Privatkläger noch weitere befragte Personen erwähnen diese Hypothese. Abgesehen 

davon wäre die hierfür zur Verfügung gestandene Zeit von ca. 20 Minuten zwischen Instruktion 

durch den Beschuldigten und Arbeitsbeginn durch den Privatkläger klarerweise zu kurz gewesen, 

um einen derartigen Geschehensablauf auch nur im Ansatz plausibel erscheinen zu lassen. Es 

bestehen mithin mit Blick auf die Beweislage keinerlei Hinweise, dass jemand die Entfernung der 

Konsolen in diesem kleinen Zeitfenster vorgenommen haben könnte. Schliesslich ist der weitere 

Einwand des Beschuldigten, dass der Abstand zwischen Innenkonsolen und Fassade bis zu 70 

cm betragen habe, weshalb der Privatkläger auch von dort hätte herunterfallen können, ebenso 

wenig stichhaltig: Abgesehen davon, dass ein solcher Sachverhalt gar nicht angeklagt ist, bele-

gen die Akten, insbesondere die Fotodokumentation im Polizeibericht vom 28. Oktober 2014 

(act. 349-363), dass der Unfall an einer Stelle mit einem eher geringen Abstand passiert ist. Zu-

dem erscheint ohnehin unwahrscheinlich, dass ein ausgewachsener Mann durch eine 70 cm 

breite Lücke fällt. Nicht zuletzt sagte der Privatkläger selbst anlässlich seiner Einvernahme vom 

13. August 2015 als Auskunftsperson, dass am Unfallort die Distanz zwischen Gebäude und Ge-

rüst "vielleicht maximal 20 cm" betragen habe. Man könnte dort sicher ausrutschen und zwischen 

das Gebäude geraten, nicht aber abstürzen (act. 1251). 

 

d) Den weiteren Vorwurf der unterlassenen Gerüstkontrolle hat der Beschuldigte B.____ 

hingegen ohne Umschweife eingeräumt. So gab er in der Einvernahme vom 1. September 2015 

als Auskunftsperson befragt an: "Wie das Gerüst vorgängig ausgesehen hat, weiss ich nicht". Er 

gehe davon aus, dass das Gerüst am Unfalltag, Montag, nicht kontrolliert worden sei. Wenn man 

es geprüft hätte, wäre der Unfall nicht passiert. Des Weiteren berichtete er davon, dass es regel-

mässig Veränderungen am Gerüst und gefährliche Situationen gegeben habe (act. 1267) sowie 

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dass herumliegende Konsolen Stolperfallen seien (act. 1273). Dabei gab er zu, er hätte sich da-

mals nicht darauf geachtet, ob Innenkonsolen fehlten, da er nur kurz auf dem Gerüst gewesen 

sei (act. 1273, 1279). Auch in seiner Befragung vom 7. November 2017 als Beschuldigter gab 

B.____ an, er habe die fehlenden Konsolen nicht bemerkt, da er das Gerüst am Unfalltag selbst 

nicht kontrolliert habe (act. 1381, 1387). Vor der Vorinstanz bestätigte er, er habe die fehlenden 

Konsolen an diesem Montagmorgen nicht realisiert (act. S 585). Wie des Weiteren ein Blick in die 

Akten zeigt, vermittelt das Bild 3 der Fotodokumentation im Polizeibericht vom 28. Oktober 2014 

(act. 355) einen ungeordneten Zustand des Baugerüstes zum Zeitpunkt des Unfalls: Es fehlen 

Innenkonsolen zwischen Gerüst und Fassade, dafür liegen diese auf den Laufstegen des Gerüs-

tes. Zudem befindet sich Material (z.B. Backsteine, ein Eimer und eine Rolle) auf dem Gerüstgang 

und bildet Stolperfallen. 

 

e) Schliesslich ist mit Blick auf die vorliegende Beweislage den zutreffenden Feststellungen 

der Vorinstanz auf S. 23-25 des angefochtenen Urteils folgend als erstellt zu erachten, dass zwar 

zwecks Glaseinsetzung am 20. August 2014 an der Frontfassade des Gebäudes die Innenkon-

solen im Bereich des fünften bis dritten Gerüststockwerks entfernt und nicht wieder montiert wor-

den sind. Hingegen ist nicht nachweisbar, durch wen und wann dies geschehen ist. Insbesondere 

kann dem Beschuldigten B.____ nicht nachgewiesen werden, dass er an der Gerüstveränderung 

mitgewirkt hat. Eine Berufung des Beschuldigten darauf ist allerdings insofern irrelevant, als nach-

folgend zu prüfen sein wird, ob dem Beschuldigten in anderer Hinsicht eine Verantwortlichkeit 

gegenüber dem Privatkläger zukam, welche er nicht erfüllte. 

 

f) Nachdem somit die Umstände der Instruktion des Privatklägers durch den Beschuldigten 

sowie die von diesem unterlassene Gerüstkontrolle in tatsächlicher Hinsicht erstellt sind, gilt es 

nachfolgend zu prüfen, ob dem Beschuldigten ein strafrechtlich relevanter Vorwurf zu machen 

ist. 

 

1.6.2.3 Rechtliches  

a) Betreffend den Tatbestand der fahrlässigen schweren Körperverletzung gemäss 

Art. 125 Abs. 2 i.V.m. Art. 122 StGB kann zunächst auf die dogmatischen Ausführungen der Vor-

instanz auf S. 25 des angefochtenen Urteils verwiesen werden. Richtig erwägt das Strafgerichts-

präsidium, es sei zum Absturz des Privatklägers aufgrund der fehlenden Innenkonsolen am Un-

fallort gekommen. Daher sei zu prüfen, ob deren Fehlen eine Verletzung der Regeln der Bau-

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kunde darstelle und dadurch eine fahrlässige Gefährdung i.S.v. Art. 229 Abs. 2 StGB herbeige-

führt worden sei. Im bejahenden Fall gehe der Tatbestand von Art. 229 Abs. 2 StGB in Art. 125 

Abs. 2 StGB auf (vgl. S. 25 des angefochtenen Urteils).  

 

Betreffend den Tatbestand der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Bau-

kunde sowie fahrlässig begangene Delikte im Allgemeinen (Art. 12 Abs. 3 StGB), sei dies durch 

Handeln oder durch Unterlassen, kann wiederum auf die theoretischen Ausführungen der Vor-

instanz auf S. 25-27 des angefochtenen Urteils verwiesen werden. 

 

Gerade was die Fahrlässigkeitsdelikten immanente Sorgfaltspflichtverletzung betrifft, ist grund-

sätzlich darauf hinzuweisen, dass es zwar dem heutigen Zeitgeist entsprechen mag, bei jedem 

Unglück bzw. Unfall in strafrechtlicher Hinsicht schuldige Personen zu "suchen". Indessen kann 

eine strafrechtliche Relevanz nur dann bejaht werden, wenn eine spezifische Sorgfaltspflichtver-

letzung vorliegt und konkret nachgewiesen wird. Eine reine Erfolgshaftung ist im Strafrecht unzu-

lässig. Es gilt vielmehr das Prinzip der Eigenverantwortung, d.h. die Bereitschaft und die Pflicht, 

für das eigene Handeln und Unterlassen Verantwortung zu übernehmen. Dies bedeutet, dass 

man für das eigene Tun und Unterlassen einsteht und die Konsequenzen, etwa in Form von 

Sanktionen, dafür trägt. Ausgehend vom strafrechtlichen Schuldbegriff muss zunächst eine allfäl-

lige Sorgfaltspflicht bestimmt und danach geprüft werden, ob der mutmassliche Täter in der kon-

kreten Situation eine solche verletzt hat (vgl. nur BGer 6B_351/2017 vom 1. März 2018 betreffend 

das Strassenverkehrsrecht; vgl. ebenso SABINE GLESS, Strafrechtliche Produkthaftung, in: recht 

2/2013 S. 55 f., 64, betreffend die im Zivilrecht relevante Produkthaftung).  

 

Des Weiteren ist auf den im Strassenverkehr geltenden, von der Rechtsprechung aus Art. 26 

Abs. 1 des Schweizerischen Strassenverkehrsgesetzes vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 

741.01) abgeleiteten Vertrauensgrundsatz hinzuweisen. Demnach darf jeder Strassenbenützer, 

der sich selbst verkehrsgemäss verhält, sofern nicht besondere Umstände dagegen sprechen, 

darauf vertrauen, dass sich die anderen Verkehrsteilnehmer ebenfalls ordnungsgemäss verhal-

ten, ihn also nicht behindern oder gefährden (vgl. schon BGE 120 IV 253 f. sowie BGE 129 IV 

282 E. 2.2.1). Von Bedeutung ist dieses Prinzip nicht nur im Strassenverkehr, sondern allgemein 

überall dort, wo sich das Verhalten mehrerer Personen im sozialen Leben überschneidet, wo man 

also darauf angewiesen ist, sich auf das Handeln anderer einzustellen (vgl. bereits GÜNTER 

STRATENWERTH, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, 2. Aufl., § 16 N 49 ff., m.w.H., 

u.a. auf BGE 118 IV 277 E. 4; 120 IV 300 E. 3.d) bzw. wo es um Koordinierung der Verhaltens-

weisen verschiedener Personen geht, so z.B. in verschiedenen Berufen. Das Vertrauensprinzip 

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kann insbesondere auch im Rahmen von arbeitsteiligen Unternehmungen Bedeutung erlangen, 

denn grundsätzlich besteht die Handlungspflicht nur innerhalb der Kompetenz des Täters (vgl. 

STEFAN TRECHSEL/BIJAN FATEH-MOGHADAM, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommen-

tar, 4. Aufl., Art. 12 N 33 f., m.w.H., u.a. auf BGE 120 IV 310, 118 IV 227, 113 IV 68). Auf den 

vorliegenden Fall bezogen hat der Vertrauensgrundsatz auch auf einer Baustelle analog zu gel-

ten. Dies bedeutet, dass ein Vorgesetzter grundsätzlich damit rechnen darf, dass die Mitarbeiten-

den die grundlegenden Regeln, insbesondere elementare Sicherheitsvorschriften, einhalten – so-

fern er selbst sich regelkonform verhält.  

 

Vorliegend wird dem Beschuldigten eine Sorgfaltspflichtverletzung durch pflichtwidriges Untätig-

bleiben (unterlassene korrekte Instruktion sowie unterlassene Gerüstkontrolle) angelastet. Ein 

derartiges sog. unechtes Unterlassungsdelikt ist gegeben, wenn im Gesetz wenigstens die Her-

beiführung des Erfolgs durch Tun ausdrücklich mit Strafe bedroht wird, die beschuldigte Person 

durch ihr Tun den Erfolg tatsächlich hätte abwenden können und infolge ihrer Garantenstellung 

dazu auch verpflichtet war, so dass die Unterlassung der Erfolgsherbeiführung durch aktives Tun 

gleichwertig erscheint (vgl. Art. 11 StGB sowie STEFAN TRECHSEL/BIJAN FATEH-MOGHADAM, 

a.a.O., Art. 11 N 4, m.w.H., insbesondere auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Für die 

Annahme einer Garantenstellung genügt nicht jede, sondern nur eine qualifizierte Rechtspflicht. 

Rechtsprechung und Lehre unterscheiden zwischen Obhutspflichten, d.h. Garantenstellungen 

zum Schutz eines bestimmten Rechtsgutes gegen alle ihm drohenden Gefahren, und Überwa-

chungspflichten, d.h. Garantenstellungen zur Überwachung bestimmter Gefahrenquellen zum 

Schutze unbestimmt vieler Rechtsgüter, wobei beide Aspekte auch gleichzeitig auftreten können 

(BGE 129 IV 119 nicht publ. E. 3; 113 IV 68 E. 5b; STEFAN TRECHSEL/BIJAN FATEH-MOGHADAM, 

a.a.O., N 7). Eine Garantenstellung kann sich aus Gesetz, Vertrag, einer freiwillig eingegangenen 

Gefahrengemeinschaft oder aus der Schaffung einer Gefahr ergeben (Art. 11 Abs. 2 lit. a-d StGB; 

BGer 6B_1016/2009 vom 11. Februar 2010 E. 2.3). Für den Täter muss es objektiv möglich ge-

wesen sein, den Erfolg abzuwenden. Neben der physisch-realen Handlungsmöglichkeit muss die 

Erfolgsabwendung dem Täter auch unter normativen Gesichtspunkten zumutbar gewesen sein 

(vgl. STEFAN TRECHSEL/BIJAN FATEH-MOGHADAM, a.a.O., N 17). Die Vorinstanz (vgl. S. 26 f. des 

angefochtenen Urteils) weist zutreffend darauf hin, dass zudem ein sog. hypothetischer Kausal-

zusammenhang erforderlich ist. Am notwendigen rechtserheblichen Kausalzusammenhang fehlt 

es hingegen, wenn die Folge so weit ausserhalb der normalen Lebenserfahrung liegt, dass sie 

nicht zu erwarten war bzw. wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das Mitverschulden 

eines Dritten oder Material- oder Konstruktionsfehler, hinzutreten, mit denen schlechthin nicht 

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gerechnet werden musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und un-

mittelbarste Ursache alle anderen mitverursachenden Faktoren in den Hintergrund drängen 

(BGer 6B_1016/2009 vom 11. Februar 201 E. 2.4). 

 

b) Was in casu zunächst den Taterfolg in Form einer schweren Körperverletzung angeht, 

so stellt das Kantonsgericht mit Blick auf die vorliegenden medizinischen und verwaltungsrecht-

lichen Unterlagen betreffend den Privatkläger (vgl. nur act. 378.1.-77, 382.3 ff., 1261, S 447-501, 

elektronische Akten auf den CD der Invalidenversicherung), im Einklang mit der Vorinstanz (S. 25 

des angefochtenen Urteils) fest, dass die Verletzungen des Privatklägers als schwer im Sinne 

des Gesetzes einzustufen sind. Insofern hat sich seit dem erstinstanzlichen Urteil nichts am Ge-

sundheitszustand des Privatklägers geändert, was eine andere Qualifikation erlauben würde. So 

ist mit Blick auf die Akten von einer dauernden Arbeitsunfähigkeit des Privatklägers auszugehen. 

Dieser erlitt verschiedene Verletzungen insbesondere im Rückenbereich und musste bereits 

mehrere Operationen über sich ergehen lassen. Nachdem seit dem Unfall bereits sieben Jahre 

vergangen sind, erscheinen die Einschränkungen des Privatklägers nicht von bloss vorüberge-

hender und abheilender, sondern von dauerhafter Natur; das heisst, sie bestehen zumindest für 

eine lange andauernde Zeit. Noch heute kann der Privatkläger nicht lange stehen oder sitzen und 

zumindest kann er in seinem angestammten Beruf nicht mehr in der gleichen Weise bzw. gar 

nicht mehr arbeiten, ist also in dieser Hinsicht nach wie vor massiv eingeschränkt. Seit dem 1. Au-

gust 2015 erhält der Privatkläger denn auch eine volle Invaliditätsrente, was seitens der Beschul-

digten nicht in Abrede gestellt wird. Auch wenn im vorliegenden Verfahren durchaus auffällt, dass 

sich der Privatkläger seit der Gutheissung seiner Beschwerde gegen die ursprüngliche Verfah-

renseinstellung (vgl. Prozessgeschichte) nicht mehr aktiv am Verfahren beteiligt hat, ändert dies 

nichts daran, dass der Privatkläger eine schwere Körperverletzung davongetragen hat. 

 

c) Hinsichtlich der konkreten Verantwortlichkeit des Beschuldigten B.____ stellt die Vor-       

instanz auf S. 30-32 des angefochtenen Urteils richtig fest, dass diesem angesichts seiner Rolle 

als Vorarbeiter gegenüber dem Privatkläger eine allgemeine arbeitsvertragliche Obhutspflicht 

i.S.v. Art. 328 des Bundesgesetzes vom 30. März 1911 betreffend die Ergänzung des Schweize-

rischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht, OR; SR 220) und damit eine Garan-

tenstellung zukam. Der Beschuldigte selbst gab anlässlich seiner Einvernahmen in der Vorunter-

suchung klar und unmissverständlich an, Vorgesetzter des Beschuldigten gewesen zu sein. So 

äusserte er sich in der Einvernahme vom 1. September 2015 als Auskunftsperson dahingehend, 

dass er damals "der direkte Vorgesetzte" des Privatklägers gewesen sei und ihm die Arbeit erklärt 

habe (act. 1267). In derselben Befragung antwortete er auf die Frage "Waren Sie zum Zeitpunkt 

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des Unfalls der direkte Vorgesetzte von A.____?" mit "Ja" (act. 1275). In der Befragung vom 

7. November 2017 sagte der Beschuldigte aus, es sei schon so gewesen, dass er auf dieser 

Baustelle das Sagen gehabt habe, zumal er seit rund vier Monaten dort gearbeitet habe. Er habe 

dem Privatkläger die Arbeiten zugeteilt und erklärt sowie ihm ein Muster vorgemacht (act. 1381 

ff.). Auf explizite Frage, ob er daran festhalte, dass er damals der direkte Vorgesetzte des Privat-

klägers gewesen sei, antwortete er, wenn auch leicht relativierend, immer noch: "Ja. Ich habe 

aber keine Ausbildung gemacht wie eine Vorarbeiter- oder Polierschule. Ich bin daher nicht spe-

ziell ausgebildet und wollte damit nicht angeben bzw. mich nicht mit nicht zustehenden Titeln 

bezeichnen" (act. 1405). Erst später im Verfahren, nämlich vor den Schranken des Strafgerichts, 

begann der Beschuldigte, seine Rolle weiter herunterzuspielen. So bestätigte er, seine Stellung 

sei "ähnlich" wie diejenige eines Vorarbeiters gewesen, zumal er fest angestellt gewesen sei, 

während der Privatkläger nur über eine temporäre Anstellung verfügt habe. Er habe dem Privat-

kläger die Arbeit zugeteilt und ihm die Arbeit erklärt. Er sei jedoch kein Vorarbeiter gewesen, kein 

ausgebildeter Polier oder so etwas (act. S 581 ff.). Wie bereits oben (Erw. 1.6.2.2.b) ausgeführt, 

ist aber auf die früheren Aussagen abzustellen, währenddem die nachträglichen Relativierungen 

des Beschuldigten als unglaubhafte Schutzbehauptungen zu werten und daher unbeachtlich sind. 

Hinzu kommt in dieser Hinsicht ohnehin, dass auch der Privatkläger in seinen Einvernahmen vom 

25. August 2014 und 13. August 2015 als Auskun