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**Case Identifier:** 05bc3c22-2161-5870-a9e5-70d5351d53a9
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-08-19
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 19.08.2021 IV 2019/46
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2019-46_2021-08-19.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2019/46

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 20.01.2022

Entscheiddatum: 19.08.2021

Entscheid Versicherungsgericht, 19.08.2021
Art. 28 Abs. 1 IVG. Art. 16 ATSG. Invalidenrente. Invaliditätsbemessung. 
Validen- und Invalidenkarriere. Anforderungsprofil. Abklärung des 
Sachverhaltes durch Berufsberater und medizinische Sachverständige 
(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. 
August 2021, IV 2019/46).

Entscheid vom 19. August 2021

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2019/46

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber, Oberer Graben 44, 9000 St. 

Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im Dezember 2011 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab an, sie habe die Handelsmittelschule 

absolviert und sie arbeite aktuell in einem Pensum von 50 Prozent als 

Kundenbetreuerin. Das Gehalt belaufe sich auf 50 Prozent von 10’000 Franken pro 

Monat, zuzüglich Bonus. Bei der Krankentaggeldversicherung war ein Jahreslohn von 

250’000 Franken versichert (IV-act. 2). Ein Lohnausweis für das Jahr 2009 belegte 

einen Jahreslohn von 237’173 Franken (IV-act. 3). Gegenüber einer Schadeninspektorin 

der Krankentaggeldversicherung hatte die Versicherte im November 2011 angegeben 

(Fremdakten), sie habe eine kaufmännische Lehre bei der B.___ absolviert und später 

für einige Jahre in C.___ gearbeitet. Von September 2004 bis März 2011 sei sie als 

Vermögensverwalterin tätig gewesen. Sie sei für die Akquisition von neuen Kunden und 

für Vorschläge betreffend Geldanlagen zuständig gewesen. In ihrer aktuellen Tätigkeit 

betreibe sie noch keine Kundenakquisition, obwohl sie das lieber als die 

Vermögensverwaltung mache. Ihr fehle noch die Energie für die zur Kundenakquisition 

notwendigen Reisen im In- und Ausland. Die Psychiaterin med. pract. D.___ berichtete 

im März 2012 (IV-act. 24), die Versicherte leide an einer prolongiert verlaufenden 

depressiven Episode auf dem Boden einer depressiven Anpassungsstörung. Von Ende 

März 2011 bis Ende April 2011 sei sie vollständig arbeitsunfähig gewesen; seit dem 1. 

Mai 2011 sei sie wieder zu 50 Prozent arbeitsfähig. Die Tagesklinik der Integrierten 

Psychiatrie E.___ hielt in einem Bericht vom 4. Juni 2013 fest (IV-act. 56), die 

Versicherte habe sich vom 5. Februar 2013 bis zum 30. April 2013 in einer 

tagesklinischen Behandlung befunden. Sie leide an einer mittelgradigen depressiven 

Episode bei einer rezidivierenden depressiven Störung, an einer posttraumatischen 

Belastungsstörung respektive Traumafolgestörung sowie an Panikattacken. Sie sei 

A.a. 

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vollständig arbeitsunfähig. Die posttraumatische Symptomatik sei auf traumatische 

biographische Erfahrungen mit innerfamiliären sexuellen Übergriffen beziehungsweise 

mit erlebter sexueller Gewalt im Kindesalter sowie auf körperliche und psychische 

Gewalt im Rahmen von früheren partnerschaftlichen Beziehungen zurückzuführen.

Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Psychiaterin med. pract. F.___ am 2. 

September 2014 ein fachärztliches Gutachten (IV-act. 90). Sie führte aus, die 

Versicherte habe während der mehr als dreieinhalb Stunden dauernden Exploration 

eine gleichbleibend gute Aufmerksamkeit und Konzentration gezeigt. Die mnestischen 

Funktionen seien ebenfalls gut gewesen; die kognitiven Fähigkeiten hätten im oberen 

Normbereich gelegen. Das formale Denken sei unauffällig gewesen. Inhaltlich sei das 

Denken auf die subjektiven Beschwerden und Insuffizienzgefühle sowie auf das 

subjektive Krankheitskonzept fokussiert gewesen. Bei einer etwas eingeschränkten 

Affektwahrnehmung habe sich die Versicherte auf körperliche Signale, körperliche 

Regungen und Beschwerden fokussiert gezeigt. Die Stimmungslage sei etwas 

herabgesetzt, aber nicht erkennbar depressiv, sondern vor allem unzufrieden und 

anklagend gewesen. In ihrer emotionalen Resonanzfähigkeit habe die Versicherte 

angepasst, aber etwas oberflächlich gewirkt. Der Antrieb sei unauffällig, spontan, aktiv 

und initiativ gewesen. Die Psychomotorik habe unauffällig gewirkt. Klinisch seien keine 

circadianen Besonderheiten, keine Störungen der Steuerungsfähigkeit und keine 

Anzeichen für ein erhöhtes vegetatives Erregungsniveau festzustellen gewesen. Unter 

Berücksichtigung der Angaben zur sozialen und beruflichen Anamnese, der Aktenlage 

sowie der im Rahmen der Untersuchung festgestellten interaktionellen Auffälligkeiten 

sei der Eindruck von persönlichkeitsstrukturellen Auffälligkeiten in der Form von 

narzisstischen und histrionischen Zügen entstanden. Zwischen diesem insgesamt 

unauffälligen objektiven klinischen Befund und den von der Versicherten geltend 

gemachten zahlreichen körperlichen und psychischen Beschwerden habe eine 

erhebliche Diskrepanz bestanden. Die Versicherte habe aktuell vor allem mit einem 

eigenwilligen und dysfunktionalen subjektiven Krankheitskonzept und dem daraus 

resultierenden inadäquaten Krankheits-, Schon- und Vermeidungsverhalten imponiert. 

Die in den Akten beschriebenen depressiven Episoden dürften rückblickend weniger 

stark ausgeprägt gewesen sein als von den behandelnden Ärzten angenommen. Die 

psychische Symptomatik sei deutlich durch akzentuierte Persönlichkeitszüge mit 

A.b. 

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narzisstischen und histrionischen Anteilen überlagert gewesen. Die Berichte der 

behandelnden Ärzte wiesen zudem auffällige Diskrepanzen zwischen der subjektiven 

Einschätzung der Versicherten und den in den Berichten beschriebenen zahlreichen 

Aktivitäten, Fähigkeiten und interaktionalen Auffälligkeiten im Behandlungsverlauf aus. 

Die von einigen der behandelnden Ärzten gestellte Diagnose einer posttraumatischen 

Belastungsstörung sei nicht nachvollziehbar, da die Kriterien für diese Diagnose nicht 

erfüllt seien und da die behandelnden Ärzte diese Diagnose auch nicht überzeugend 

begründet hätten. Diagnostisch leide die Versicherte an einer undifferenzierten 

Somatisierungsstörung, an einer gemischten Angst- und depressiven Störung 

(Differentialdiagnose: Rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig leichter 

depressiver Episode) sowie an akzentuierten Persönlichkeitszügen mit narzisstischen 

und histrionischen Anteilen. Keine dieser Diagnosen wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit 

aus. Die Versicherte sei als Vermögensberaterin uneingeschränkt arbeitsfähig. Das 

Gutachten von med. pract. F.___ wurde von Dr. med. G.___ vom IV-internen regionalen 

ärztlichen Dienst (RAD) als überzeugend qualifiziert (IV-act. 91). Mit einer Verfügung 

vom 22. Oktober 2014 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab (IV-

act. 100).

Die Versicherte erhob am 21. November 2014 eine Beschwerde gegen die 

Verfügung vom 22. Oktober 2014 (vgl. IV-act. 101). Da sie in ihrer Beschwerdeschrift 

und in weiteren Eingaben auf wiederholte stationäre psychiatrische Behandlungen 

hingewiesen hatte, entschied die IV-Stelle am 30. Januar 2015, die angefochtene 

Verfügung zu widerrufen und weitere Abklärungen zu tätigen (IV-act. 120). Die 

Widerrufsverfügung erging noch am selben Tag (IV-act. 123). Das 

Beschwerdeverfahren wurde mit einem Entscheid vom 3. Februar 2015 abgeschrieben 

(IV 2014/550; vgl. IV-act. 125). Die Klinik H.___ berichtete am 7. Dezember 2015 (IV-act. 

140), die Versicherte sei vom 18. Juni 2015 bis zum 27. August 2015 stationär 

psychiatrisch behandelt worden. Sie leide an einer komplexen posttraumatischen 

Belastungsstörung, an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einem 

gegenwärtig mittelgradig agitiert-depressiven Zustandsbild sowie an einer chronischen 

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Zu Beginn des 

Aufenthaltes habe die Versicherte körperlich erschöpft, zugleich aber auch deutlich 

angespannt und agitiert gewirkt. Sie habe über ausgeprägte Konzentrations- und 

A.c. 

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Gedächtnisstörungen sowie über chronische körperliche Schmerzen geklagt. Der 

Gedankengang sei beschleunigt und teilweise logorrhoisch gewesen. Die Versicherte 

habe ausgeprägte Zukunftsängste gezeigt und dabei oft verzweifelt gewirkt. Nebst 

einem ausgeprägten Hyperarousal hätten Intrusionen in der Form von Flashbacks und 

Albträumen bestanden. Zu Beginn der Behandlung habe sich die Versicherte gut 

stabilisieren können. Gegen Ende des Aufenthaltes sei sie angesichts der unklaren 

beruflichen Perspektive zunehmend instabiler geworden. Sie sei wieder deutlich agitiert 

gewesen, habe Existenzängste gezeigt und Suizidgedanken geäussert. Beim Austritt 

sei sie angesichts der agitiert-depressiven Symptomatik sowie der ausgeprägten 

Erschöpfungssymptomatik in Bezug auf ihre anspruchsvolle Tätigkeit allenfalls zu 20 

Prozent arbeitsfähig gewesen. Vom 6. September 2016 bis zum 16. November 2016 

befand sich die Versicherte in einer stationären Behandlung in der Klinik I.___. Diese 

berichtete am 30. Dezember 2016 (IV-act. 167), die Versicherte leide an einer 

rezidivierenden depressiven Störung mit einem gegenwärtig schwer agitiert-

depressiven Zustandsbild, an einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung 

sowie an einer chronischen Schmerzstörung. Beim Eintritt hätten ausgeprägte 

Konzentrations-, Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörungen bestanden. Das formale 

Denken sei kohärent, aber sehr weitschweifig und logorrhoisch gewesen; es habe ein 

Gedankendrängen bestanden. Im Affekt sei die Versicherte deutlich niedergestimmt, 

affektlabil, verzweifelt, hoffnungslos, gereizt und innerlich stark unruhig gewesen. Im 

Verlauf der Behandlung sei es der Versicherten immer besser gelungen, sich selbst bei 

grosser Agitiertheit zu beruhigen und „sich in das Gespräch im Hier und Jetzt 

zurückzuholen“. Bei Unterbrechungen des logorrhoischen Erzählens und Stoppen der 

theatralischen Dramatik habe die Versicherte oft Kränkungen erlebt und sich in ihrem 

Leid nicht verstanden gefühlt. Beim Austritt sei das Zustandsbild insgesamt 

teilremittiert gewesen.

Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH 

am 17. April 2018 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 210). Der internistische 

Sachverständige hielt fest, die Anamneseerhebung sei erschwert gewesen, weil die 

Versicherte immer wieder abgeschweift sei und nicht auf die gestellten Fragen 

geantwortet habe. Sie habe über Nackenschmerzen rechts mit Ausstrahlung in den 

Oberkiefer rechts, in das rechte Ohr, temporal rechts und in die rechte Kopfseite oben, 

A.d. 

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über lumbale Rückenschmerzen beidseits, über ein Einschlafen der Arme, vor allem 

des rechten Arms, über ein Hitzegefühl und ein Kribbeln im Bereich der Hände und 

Füsse, über eine Reisekrankheit mit Übelkeit, über rezidivierende 

Bewusstseinsverluste, über rezidivierende Übelkeit mit Erbrechen, Durchfall und 

Schwindel, über Allergien auf verschiedene Lebensmittel mit Ekzemen an den Händen, 

über Bauchschmerzen, Blähungen und Bauchkoliken, über Schmerzen in den Füssen 

bei feuchter Kälte sowie über eine Urininkontinenz geklagt. Der objektive klinische 

Befund und das Blutbild seien unauffällig gewesen. Die Medikamentenspiegel für 

Vortioxetin, Mirtazapin und Desmethylmirtazapin hätten unterhalb des therapeutischen 

Bereichs, jener für Pregabalin knapp im therapeutischen Bereich gelegen. Aus 

internistischer Sicht seien ein Colon irritabile, eine Rhinoconjunctivitis allergica, ein 

Asthma bronchiale, eine Neurodermitis und eine Rosacea zu diagnostizieren. Diese 

Diagnosen führten zu passageren Beschwerden, begründeten aber keine 

Arbeitsunfähigkeit. Aus internistischer Sicht bestehe eine uneingeschränkte 

Arbeitsfähigkeit. Der psychiatrische Sachverständige führte aus, die Versicherte habe 

sehr viel geredet; das Gespräch habe strukturiert werden müssen. Sie sei affektlabil 

gewesen, habe wiederholt geweint, aber – bei Erzählungen über Erfreuliches – auch 

gelacht. Sie habe dramatisierend gewirkt. Die affektive Modulation sei eingeschränkt 

und durchwegs zum depressiven Pol hin ausgelenkt gewesen. Insgesamt habe die 

Versicherte eigentlich recht energiegeladen, aber stimmungsmässig nicht angetrieben, 

sondern vielmehr dramatisierend gewirkt. Konzentrationsstörungen hätten nicht 

bestanden; eine erhöhte Ermüdbarkeit habe nicht festgestellt werden können. Die 

Aufmerksamkeit, die Auffassung und das Gedächtnis seien intakt gewesen. Die 

Versicherte habe mehrfach geäussert, dass sie sich umbringen wolle, aber dabei habe 

sie manipulativ, fast drohend gewirkt. Diagnostisch leide die Versicherte an einer 

leichten depressiven Episode, die durch depressive Verstimmungen, eine erhöhte 

Ermüdbarkeit, Schlafstörungen mit Albträumen, leichte Konzentrationsstörungen und 

Insuffizienzgedanken gekennzeichnet sei. Im Rahmen der Depression bestehe eine 

Somatisierungstendenz, aber die depressive Symptomatik stehe ganz klar im 

Vordergrund, weshalb keine zusätzliche Schmerzstörung diagnostiziert werden könne. 

Diagnostisch lägen akzentuierte histrionische Persönlichkeitszüge vor. Zwar lägen 

posttraumatische Symptome vor, aber eine eigenständige posttraumatische 

Belastungsstörung könne nicht diagnostiziert werden, weil kein emotionaler Rückzug 

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im Sinne einer Abstumpfung gegenüber der Umgebung erkennbar sei. Aufgrund der 

erhöhten Ermüdbarkeit bestehe ein vermehrter Pausenbedarf, weshalb der 

Versicherten nur ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 80 Prozent zugemutet werden könne. 

Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung beziehe sich auf leidensadaptierte Tätigkeiten, aber 

auch auf die angestammte Tätigkeit. Im Verlauf sei es allenfalls punktuell zu 

höhergradigen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit gekommen. Der orthopädische 

Sachverständige hielt fest, die klinisch-funktionelle Untersuchung habe unauffällige 

Ergebnisse gezeitigt. Auch der radiologische Befund sei unauffällig ausgefallen. Aus 

orthopädischer Sicht könnten nur chronische Nacken-Schulterbeschwerden der 

dominanten rechten Seite ohne entsprechende Befunde diagnostiziert werden, die sich 

nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten. Der neurologische Sachverständige führte 

aus, bei einem unauffälligen klinischen Befund und keinem spezifischen Krankheitsbild 

zuzuordnenden anamnestischen Angaben seien eine unspezifische Schmerzstörung, 

anamnestisch Synkopen (möglicherweise vasovagal) sowie Kopfschmerzen und 

Schwindel bei einer Somatisierungsstörung zu diagnostizieren. Keine dieser Diagnosen 

wirke sich auf die Arbeitsfähigkeit der Versicherten aus. Die Sachverständigen hielten 

nach der Konsensbesprechung fest, dass der Versicherten für die angestammte 

Tätigkeit und für leidensadaptierte Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent zu 

attestieren sei. Der RAD-Arzt Dr. G.___ qualifizierte das Gutachten als überzeugend (IV-

act. 211).

Mit einem Vorbescheid vom 3. Mai 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit 

(IV-act. 214), dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe. Zur Begründung 

führte sie an, die von den Sachverständigen der ABI GmbH diagnostizierte leichte 

depressive Störung wirke sich rechtsprechungsgemäss nicht „invalidisierend“ aus, 

weshalb von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Das 

zumutbarerweise erzielbare Invalideneinkommen entspreche folglich dem 

Valideneinkommen von 195’828 Franken, weshalb keine Invalidität vorliege. Dagegen 

liess die Versicherte am 15. Oktober 2018 einwenden (IV-act. 228), die neu 

behandelnde Psychiaterin Dr. med. J.___ habe eine dekompensierte Zwangsstörung 

mit Angst und Insomnie, eine Migräne und eine posttraumatische Belastungsstörung 

diagnostiziert. Sie habe einen auffälligen klinischen Befund mit einem Wechsel 

zwischen einer zwanghaften Logorrhoe und einem ausgeglichenen Redefluss, mit 

A.e. 

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B.  

einem Hyperarousal, mit einem steifen, kontrollierten und antriebsgehemmten 

Verhalten, mit einem wechselhaften affektiven Rapport, mit einem zwanghaften 

Bemühen, alles umfassend und richtig darzustellen, mit einer mittelgradig reduzierten 

Schwingungsfähigkeit sowie mit einem zwanghaften, weitschweifigen, redundanten 

und logorrhoischen Gedankengang beschrieben. Ihrer Ansicht nach sei die Versicherte 

vollständig arbeitsunfähig. Die Zustandsbeschreibung von Dr. J.___ decke sich 

weitgehend mit jener im Bericht der H.___. Die Sachverständigen der ABI GmbH hätten 

diese Auffälligkeiten offenbar nicht als Krankheitssymptome, sondern nur als ein 

lästiges Verhalten qualifiziert. Sie hätten auch nicht richtig erfasst, wie anspruchsvoll 

die angestammte Tätigkeit der Versicherten gewesen sei. Der RAD-Arzt Dr. G.___ hielt 

in einer internen Notiz vom 22. Januar 2019 fest, dass sich aus den neu eingereichten 

medizinischen Berichten keine neuen, fallrelevanten Fakten ergäben (IV-act. 237). Mit 

einer Verfügung vom 22. Januar 2019 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der 

Versicherten ab IV-act. 238).

Am 25. Februar 2019 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) 

eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 22. Januar 2019 erheben (act. G 1). Ihre 

Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die 

Zusprache einer ganzen Rente rückwirkend per 19. Dezember 2012 sowie – 

eventualiter – die Einholung eines Obergutachtens nach einer vorgängigen Anhörung 

der Beschwerdeführerin durch das Gericht, alles unter Kosten- und 

Entschädigungsfolgen zulasten der IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin). 

Zur Begründung führte sie aus, die Versicherte kämpfe seit Jahren mit erheblichen 

psychischen Problemen, die wiederholt stationäre Behandlungen erfordert hätten. Sie 

habe während eines langen Zeitraums versucht, ihren Arbeitsplatz zu erhalten. Immer 

wieder habe sie im Umfang von 20 Prozent oder mehr gearbeitet. Die Arbeit habe von 

ihr eine absolute Konzentration, lange Arbeitszeiten und regelmässige Reisen verlangt. 

Die Beschwerdeführerin habe die Börse immer im Auge haben, politische Bewegungen 

weltweit verfolgen und je nachdem umgehend und gleichzeitig überlegt reagieren 

müssen. Die Verantwortung sei sehr hoch gewesen, da die Kunden ihr Millionenbeträge 

anvertraut hätten. Die Sachverständigen der ABI GmbH hätten das Anforderungsprofil 

nicht richtig erfasst. Die Beschwerdeführerin könne nicht einmal das Risiko von 

B.a. 

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Erwägungen

1.

Mit der angefochtenen Verfügung vom 22. Januar 2019 hat die Beschwerdegegnerin 

ein Rentenbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen. Den Gegenstand des 

vorangegangenen Verwaltungsverfahrens hat also die Frage nach einem allfälligen 

Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung gebildet. 

Da dieses Beschwerdeverfahren die Überprüfung der angefochtenen Verfügung auf 

deren Rechtmässigkeit bezweckt, muss sein Gegenstand jenem des vorangegangenen 

Verwaltungsverfahrens entsprechen, was bedeutet, dass in diesem 

Beschwerdeverfahren zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf 

eine Rente der Invalidenversicherung hat.

leisesten Konzentrationsdefiziten eingehen, da diese Millionenverluste zur Folge haben 

könnten. Die Sachverständigen der ABI GmbH hätten offenbar auch Mühe mit der Art 

der Beschwerdeführerin, ihre Beschwerden sehr ausführlich, weitschweifig und teils 

abschweifend zu schildern, bekundet. Dies gehöre aber zur 

Gesundheitsbeeinträchtigung der Beschwerdeführerin und hätte entsprechend 

gewürdigt werden müssen. Die Beschwerdeführerin sei insgesamt bereits viermal in 

der auf Traumata spezialisierten Klinik H.___ behandelt worden. Dass die Fachärzte 

nach mehreren Monaten Behandlung mit ihrer Einschätzung komplett falsch gelegen 

haben sollten, sei nicht vorstellbar.

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 17. April 2019 die Abweisung der 

Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten der ABI GmbH sei 

in jeder Hinsicht überzeugend; „sämtliche Rügen der Beschwerdeführerin gegen das 

ABI-Gutachten schlagen nicht durch“. Der objektive klinische Befund sei weitgehend 

unauffällig gewesen. Die Berichte der behandelnden Ärzte weckten keine ernsthaften 

Zweifel an der Überzeugungskraft des Gutachtens der ABI GmbH. Weshalb die 

Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit nicht in einem Pensum von 80 Prozent 

sollte ausüben können, sei nicht ersichtlich.

B.b. 

Die Beschwerdeführerin liess am 13. September 2019 an ihren Anträgen festhalten 

(act. G 13). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 14 f.).

B.c. 

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2.  

Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die 

während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen 

Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität 

wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 

Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu 

jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben 

wäre.

2.1. 

Die Beschwerdeführerin hat sich nach dem Abschluss einer kaufmännischen 

Ausbildung im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit zur Vermögensberaterin 

weitergebildet. Sie hat geltend gemacht, dass es ihr die so erlernten Fähigkeiten 

ermöglicht hätten, über viele Jahre hinweg eine hoch anspruchsvolle Tätigkeit 

auszuüben, die sowohl die Akquise von neuen, vermögenden Kunden als auch die 

Verwaltung des Vermögens von bestehenden Kunden beinhaltet habe. Diese Tätigkeit 

habe eine Erreichbarkeit und Verfügbarkeit praktisch rund um die Uhr verlangt. Sie sei 

mit einer sehr hohen Verantwortung verbunden gewesen und sie habe oft rasche 

Entscheidungen unter Berücksichtigung vielschichtiger und komplexer 

Zusammenhänge erfordert. Diese subjektive Schilderung erscheint zwar – gerade auch 

mit Blick auf das in jener Tätigkeit erzielte hohe Gehalt von etwa 200’000 Franken pro 

Jahr – glaubhaft, reicht für sich allein aber nicht aus, um das Anforderungsprofil der vor 

dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeübten Tätigkeit mit dem 

erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen, denn die 

allgemeine Lebenserfahrung erlaubt es nicht, zu beurteilen, inwiefern diese Angaben 

der objektiven Realität entsprechen. Die von der Beschwerdeführerin ausgeübte 

Tätigkeit ist nämlich so hochspezialisiert gewesen, dass eine Drittperson ohne eigene 

Erfahrungen in jener Tätigkeit sich keine rechte Vorstellung von deren Anforderungen 

machen kann. Selbst eine erfahrene IV-Sachbearbeiterin oder ein erfahrener 

medizinischer Sachverständiger dürfte nicht in der Lage sein, sich allein aufgrund der 

eigenen („allgemeinen“) Lebenserfahrung eine konkrete, zuverlässige Vorstellung von 

den spezifischen Anforderungen der angestammten Tätigkeit der Beschwerdeführerin 

2.2. 

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an die Konzentrationsfähigkeit, an die Durchhaltefähigkeit etc. zu machen. Das 

Erstellen eines detaillierten Anforderungsprofils jener Tätigkeit ist also ohne 

zuverlässige, objektive Angaben eines „Branchenkenners“ nicht möglich. In den Akten 

finden sich keine solchen objektiven Angaben, die eine präzise, überwiegend 

wahrscheinliche Definition des Anforderungsprofils der erlernten Tätigkeit erlauben 

würden. Die medizinischen Sachverständigen der ABI GmbH haben sich deshalb bei 

der Beantwortung der Frage nach der Zumutbarkeit der angestammten Tätigkeit trotz 

der Gesundheitsbeeinträchtigung nur auf ihre – für diesen Fall nicht ausreichende – 

allgemeine Lebenserfahrung stützen können. Sie haben sich zwar dazu äussern 

können, welche körperlichen, psychischen und geistigen Belastungen der 

Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht in welchem Ausmass zugemutet werden 

können, aber sie haben dieses „Zumutbarkeitsprofil“ nicht mit dem Anforderungsprofil 

der angestammten Tätigkeit „abgleichen“ können, weil die Beschwerdegegnerin ihnen 

kein solches Anforderungsprofil zur Verfügung gestellt hatte. Sowohl das Gutachten 

der ABI GmbH als auch das frühere psychiatrische Gutachten von med. pract. F.___ 

erwecken den Eindruck, dass die medizinischen Sachverständigen – lediglich auf ihre 

allgemeine Lebenserfahrung angewiesen – nicht in der Lage gewesen sind, eine 

Zumutbarkeitsbeurteilung gemessen an den konkreten Anforderungen der 

angestammten Tätigkeit der Beschwerdeführerin abzugeben, denn keines der 

Gutachten enthält einen Hinweis darauf, dass die medizinischen Sachverständigen 

beispielsweise dem hohen Dauerstress oder den überdurchschnittlichen 

Anforderungen an die Konzentrationsfähigkeit Rechnung getragen hätten, die für die 

Ausübung jener Tätigkeit, zumindest gemäss den Angaben der Beschwerdeführerin, 

notwendig gewesen sind. Das bedeutet nicht, dass das Gutachten der ABI GmbH 

(oder das Gutachten von med. pract. F.___) mangelhaft wäre, sondern nur dass es 

unvollständig ist, weil die Beschwerdegegnerin den Sachverständigen nicht all jene 

Informationen zur Verfügung gestellt hat, die diese zur Beantwortung der Frage nach 

der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit benötigt 

hätten. Schon vor über 20 Jahren ist in der Lehre darauf hingewiesen worden, dass die 

Bestimmung der Arbeitsfähigkeit für eine bestimmte Tätigkeit eine Zusammenarbeit 

zwischen einem Berufsberater und einem medizinischen Sachverständigen erfordert 

respektive dass ein medizinischer Sachverständiger seine Arbeitsfähigkeitsschätzung 

auf der Grundlage eines von einem Berufsberater erstellten Anforderungsprofils 

abgeben sollte (Franz Schlauri, Medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung, in: René 

Schaffhauser/Franz Schlauri, Rechtsfragen der Eingliederung Behinderter, 2000, S. 180 

f.). Indem die Beschwerdegegnerin kein solches Anforderungsprofil hat erstellen 

lassen, hat sie es den medizinischen Sachverständigen letztlich verunmöglicht, eine 

überwiegend wahrscheinlich richtige Zumutbarkeitsbeurteilung bezüglich der 

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angestammten Tätigkeit abzugeben. Die angefochtene Verfügung beruht folglich auf 

einem ungenügend abgeklärten Sachverhalt, weshalb sie in Verletzung der 

Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ergangen ist und als rechtswidrig 

aufgehoben werden muss.

Die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Diese wird ihre 

Berufsberatung oder nötigenfalls auch einen externen Sachverständigen damit 

beauftragen, ein präzises Anforderungsprofil der angestammten Tätigkeit zu 

formulieren. Der Berufsberater oder der externe Sachverständige wird dafür – wie ein 

medizinischer Sachverständiger bei der Erstellung eines Administrativgutachtens – 

eingehende Abklärungen tätigen und seine Schlussfolgerungen bezüglich des 

Anforderungsprofils der angestammten Tätigkeit für Laien verständlich und 

überzeugend begründen. Er wird sich in seiner Expertise auch zur Höhe jenes Lohnes 

äussern, der mit dieser Tätigkeit auf dem invalidenversicherungsrechtlich 

massgebenden (fiktiven) allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt erzielt werden 

kann. Den entsprechenden Betrag wird die Beschwerdegegnerin dann bei der 

Bemessung des Invaliditätsgrades als Valideneinkommen berücksichtigen, da davon 

auszugehen ist, dass die Beschwerdeführerin diese Tätigkeit ohne die 

Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin ausgeübt hätte und da dies auch das 

ökonomisch sinnvollste Verhalten gewesen wäre, weil die Beschwerdeführerin mit einer 

anderen Tätigkeit kein mindestens gleich hohes Erwerbseinkommen hätte erzielen 

können. Anschliessend wird die Beschwerdegegnerin die Sachverständigen der ABI 

GmbH im Sinne einer Ergänzung des Gutachtens auffordern, sich eingehend zur 

Zumutbarkeit der angestammten Tätigkeit unter Berücksichtigung des detaillierten 

Anforderungsprofils und der bei der Begutachtung erhobenen objektiven Befunde zu 

äussern. Selbstverständlich steht es der Beschwerdegegnerin frei, nach den 

berufsberaterischen Abklärungen ein neues Gutachten bei der ABI GmbH oder bei 

einer anderen MEDAS in Auftrag zu geben, wenn beispielsweise der RAD ein solches 

Vorgehen empfehlen sollte.

2.3. 

Sollte sich ergeben, dass die angestammte Tätigkeit nicht oder nur noch deutlich 

eingeschränkt zumutbar ist, wird die Beschwerdegegnerin dem Grundsatz 

„Eingliederung vor Rente“ folgend (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, 

Vorbemerkungen N 86 ff., mit Hinweisen) eine Umschulung der Beschwerdeführerin in 

eine leidensadaptierte Tätigkeit zu prüfen haben. Müsste die Beschwerdeführerin 

nämlich in eine „gewöhnliche“ kaufmännische Tätigkeit wechseln, die ihr gemäss dem 

diesbezüglich überzeugenden Gutachten der ABI GmbH zu 80 Prozent zumutbar ist, 

könnte sie nur ein Erwerbseinkommen erzielen, das deutlich tiefer als das 

2.4. 

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 13/14

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3.  

Dieser Verfahrensausgang gilt rechtsprechungsgemäss als ein vollständiges Obsiegen 

der Beschwerdeführerin. Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes 

auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten sind deshalb der 

Beschwerdegegnerin aufzuerlegen; der Beschwerdeführerin ist der von ihr geleistete 

Kostenvorschuss von 600 Franken zurückzuerstatten. Die Beschwerdegegnerin hat der 

Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. In einem durchschnittlich 

aufwendigen IV-Rentenfall spricht das Versicherungsgericht neu eine pauschale 

Parteientschädigung von 4’000 Franken (einschliesslich Barauslagen und 

Mehrwertsteuer) zu. In einer Plenarsitzung vom 25. Mai 2021 haben die 

Versicherungsrichterinnen und Versicherungsrichter beschlossen, die 

durchschnittlichen Ansätze für die Parteientschädigungen um 500 Franken zu erhöhen. 

Aus Praktikabilitätsgründen soll diese Praxisänderung sofort auf alle hängigen Fälle 

Anwendung finden. Diese Übergangsregelung führt dazu, dass die 

Beschwerdegegnerin einen Nachteil erleidet, weil sie allein deswegen eine um 500 

Franken höhere Parteientschädigung ausrichten muss, weil die Beschwerde erst nach 

dem Plenumsbeschluss vom 25. Mai 2021 beurteilt wird. Die Beschwerdegegnerin soll 

dies gemäss dem Beschluss des Richterplenums allerdings im Interesse der 

Praktikabilität in Kauf nehmen müssen.

Valideneinkommen wäre, wodurch wohl ein Rentenanspruch resultieren würde. Der 

statische Zentralwert der standardisierten Monatslöhne für ausgebildete 

Mitarbeiterinnen für Finanz- und Versicherungsdienstleistungen hat sich nämlich im 

Jahr 2018 auf 6’950 Franken belaufen (Bundesamt für Statistik, Schweizer 

Lohnstrukturerhebung 2018, Tabelle A1, Branchen 64–66, Kompetenzniveau 3), was 

bei einer Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent einem Jahreslohn von knapp 70’000 Franken 

entsprechen würde. Im Vergleich zum Valideneinkommen von rund 200’000 Franken 

ergäbe sich folglich eine Erwerbseinbusse von rund 130’000 Franken respektive ein 

Invaliditätsgrad von rund 65 Prozent. Zusammenfassend ist die Sache also zur 

Anfertigung eines spezifischen Anforderungsprofils der angestammten Tätigkeit durch 

einen Berufsberater oder einen spezialisierten Sachverständigen, zur anschliessenden 

Ergänzung des Gutachtens der ABI GmbH und allenfalls zur Prüfung und Durchführung 

von beruflichen Eingliederungsmassnahmen (respektive einer Umschulung) sowie zur 

neuen Verfügung betreffend das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin an die 

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.

© Kanton St.Gallen 2025 Seite 14/14

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Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1.

Die angefochtene Verfügung vom 22. Januar 2019 wird aufgehoben und die Sache 

wird zur Fortsetzung des Verwaltungsverfahrens im Sinne der Erwägungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2.

Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von 600 Franken zu bezahlen; der 

Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken 

zurückerstattet.

3.

Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin mit 4’000 Franken zu 

entschädigen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 19.08.2021
	Art. 28 Abs. 1 IVG. Art. 16 ATSG. Invalidenrente. Invaliditätsbemessung. Validen- und Invalidenkarriere. Anforderungsprofil. Abklärung des Sachverhaltes durch Berufsberater und medizinische Sachverständige (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. August 2021, IV 2019/46).

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