# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2d2342be-b606-502b-a9b8-109b83bfa0a3
**Source:** St. Gallen (SG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-04-26
**Language:** de
**Title:** St.Gallen Versicherungsgericht 26.04.2022 IV 2021/134
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SG_Gerichte/SG_VSG_001_IV-2021-134_2022-04-26.pdf

## Full Text

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St.Galler Gerichte

Fall-Nr.: IV 2021/134

Stelle: Versicherungsgericht

Rubrik: IV - Invalidenversicherung

Publikationsdatum: 12.08.2022

Entscheiddatum: 26.04.2022

Entscheid Versicherungsgericht, 26.04.2022
Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Art. 43 Abs. 1 ATSG. Rentenanspruch. 
Invalidenrente. Würdigung eines polydisziplinären MEDAS-Gutachtens. 
Ergänzung des Gutachtens (Entscheid des Versicherungsgerichts des 
Kantons St. Gallen vom 26. April 2022, IV 2021/134).

Entscheid vom 26. April 2022

Besetzung

Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-

Studerus; Gerichtsschreiber Tobias Bolt

Geschäftsnr.

IV 2021/134

Parteien

A.___,

Beschwerdeführerin,

vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber, Oberer Graben 44, 9000 St. 

Gallen,

gegen

IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,

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Beschwerdegegnerin,

Gegenstand

Rente

Sachverhalt

A.  

A.___ meldete sich im April 2009 zum Bezug von Leistungen der 

Invalidenversicherung an (IV-act. 2). Sie gab an, sie habe keine Berufsausbildung 

absolviert. Sie arbeite in einem Pensum von 80 Prozent im B.___ und in der C.___ des 

D.___. Die Klinik E.___ berichtete im Juni 2009 (IV-act. 16), die Versicherte leide an 

einer Periarthropathia genu rechts unklarer Ätiologie sowie an einem leicht- bis 

mittelgradig ausgeprägten depressiven, antriebsverminderten Syndrom. Im Auftrag der 

IV-Stelle erstattete die MEDAS Ostschweiz am 14. April 2010 ein polydisziplinäres 

Gutachten (IV-act. 45). Die Sachverständigen hielten fest, die Versicherte leide an 

einem chronischen Schmerzsyndrom bei einem Status nach einer Kniegelenks-

Arthroskopie, an einer hypochondrischen Störung sowie an einer mittelschweren 

depressiven Episode. Körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten seien ihr zu 70 

Prozent zumutbar. Die Arbeitsunfähigkeit von 30 Prozent resultiere aus einer 

depressionsbedingten Verlangsamung, Konzentrationseinbusse und leicht 

verminderten Zumutbarkeit der Schmerzüberwindung. Die psychiatrische 

Arbeitsfähigkeitsschätzung stehe etwas auf wackligen Füssen, da die Angaben der 

Versicherten teilweise von gewissen Inkonsistenzen geprägt gewesen seien. Mit einer 

Verfügung vom 28. September 2010 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der 

Versicherten ab (IV-act. 63). Zur Begründung führte sie an, die Versicherte sei als zu 80 

Prozent erwerbstätig und zu 20 Prozent im Aufgabenbereich Haushalt tätig zu 

qualifizieren. Da ihr ein Erwerbspensum von 70 Prozent zumutbar sei, betrage die 

Einschränkung im Erwerbsbereich lediglich zehn Prozent. Unter Berücksichtigung der 

Qualifikation ergebe sich ein gewichteter Teilinvaliditätsgrad von acht Prozent (= 80% × 

10%). Im Haushalt sei die Versicherte nicht eingeschränkt. Der Gesamtinvaliditätsgrad 

betrage folglich lediglich acht Prozent. Ein Rentenanspruch setze aber einen 

A.a. 

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Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent voraus. Diese Verfügung erwuchs 

unangefochten in formelle Rechtskraft.

Im September 2018 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von 

Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 64). Dem Anmeldeformular lag ein 

Bericht des Gynäkologen Dr. med. F.___ vom 13. Juli 2018 bei, laut dem die 

Versicherte an einem bilateralen Mamma-Carcinom litt (IV-act. 65). Im Mai 2020 

berichtete Dr. F.___ (IV-act. 118), die Psyche der Versicherten habe sich 

zwischenzeitlich aufgehellt; die somatische Situation sei unverändert geblieben. Am 

rechten Arm werde eine Lymphdrainage durchgeführt. Die Versicherte sei für 

körperliche Belastungen nicht arbeitsfähig. Für andere Tätigkeiten sei sie sprachlich 

und intellektuell nicht qualifiziert. Ebenfalls im Mai 2020 teilte Dr. med. G.___ der IV-

Stelle mit (IV-act. 119), aufgrund einer ausgeprägten schmerzhaften Kapselfibrose 

seien der Versicherten körperlich belastende Tätigkeiten nicht zumutbar. Ausgedehnte 

Oberkörperbewegungen, das Tragen von schweren Gegenständen und eine 

Schmerzauslösung müssten weiterhin vermieden werden. Die Psychiaterin Dr. med. 

H.___ berichtete Ende Mai 2020 (IV-act. 120), die Versicherte leide an einer 

andauernden Persönlichkeitsveränderung bei einem chronischen Schmerzsyndrom, an 

einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen 

Episode sowie an einer posttraumatischen Verbitterungsstörung. Sie sei vollständig 

arbeitsunfähig.

A.b. 

Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die MEDAS Interlaken Unterseen GmbH am 7. 

Dezember 2020 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 148). Die internistische 

Sachverständige hielt fest, bei der klinischen Untersuchung seien beidseits 

Vernarbungen und Adhäsionen bei Mammaimplantaten aufgefallen. Anamnestisch leide 

die Versicherte an einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom. Soweit es aus 

internistischer Sicht eruierbar sei, könne die bisherige Behandlung als adäquat 

qualifiziert werden. Der Verlauf nach dem bilateralen Mammacarcinom sei medizinisch 

bisher positiv. Die Heilungschancen seien aus rein internistischer Sicht realistisch, aber 

vorerst müsse der weitere Verlauf abgewartet werden. Im Vordergrund stünden 

offensichtlich psychische Probleme. Aus rein internistischer Sicht könne für adaptierte 

Tätigkeiten eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Der 

psychiatrische Sachverständige führte aus, auf die Frage nach aktuellen Beschwerden 

A.c. 

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habe die Versicherte in einer kaum stoppbaren Logorrhoe über den Krebs, die Ärzte, 

die Operationen und die Schmerzen berichtet. Krebs sei Krieg, habe sie mehrfach 

wiederholt. Konkrete Auswirkungen der Beschwerden auf den Alltag, die Freizeit oder 

den Beruf seien nicht beschrieben worden. Die Mimik und die Gestik seien klagend, 

jammernd, teilweise dramatisch und teilweise dramatisch anmutend gewesen. Die 

Interaktion sei durch die Klagen und die Logorrhoe geprägt gewesen. Die 

Glaubhaftigkeit sei nicht grundsätzlich in Frage gestellt gewesen. Die Versicherte habe 

ein ausgestrecktes Klageverhalten und weniger einen typisch depressiven Habitus 

gezeigt. Der Affekt sei rasch wechselnd gewesen. Die psychische Belastbarkeit sei klar 

eingeschränkt gewesen. Unter Berücksichtigung des aktenmässig dokumentierten 

Verlaufs sei von einer Anpassungsstörung mit einer Verzweiflung und Verbitterung 

sowie einer ausgeprägten Expressivität bei einer als lebensbedrohlich erlebten 

Erkrankung auszugehen, wobei differentialdiagnostisch auch eine rezidivierende 

depressive Störung mit einer atypischen Symptomatik vorliegen könnte. Zudem liege 

eine dysfunktionale Störungsverarbeitung vor, die sich allerdings nicht auf die 

Arbeitsfähigkeit auswirke. Die Versicherte sei zu 50 Prozent arbeitsfähig. Diese 

Arbeitsfähigkeitsschätzung sei seit der „Antragstellung“ in der zweiten Hälfte des 

Jahres 2018 gültig. Der rheumatologische Sachverständige hielt fest, bei den aktiv 

durchgeführten Funktionsprüfungen des Achsenorgans, der Schultergelenke, den 

Gelenken der rechten Hand und des rechten Daumens sowie der Hüft- und 

Kniegelenke habe die Versicherte eine deutliche, schmerzbedingte Selbstlimitierung 

gezeigt. Bei den passiven Funktionsprüfungen sei ein ausgeprägtes Abwehrverhalten 

aufgefallen, das von Stöhnen und Weinen begleitet gewesen sei. Die Waddell-Tests 

seien aber negativ ausgefallen. Bei der körperlichen Untersuchung sei eine deutliche 

vegetative Begleitreaktion mit einem vermehrten Schwitzen festzustellen gewesen. In 

der Zusammenschau der angegebenen Beschwerden, der Aktenlage, der 

laborchemischen und bildgebenden Befunde sowie der klinisch erhobenen Befunde am 

Bewegungsapparat lägen als Grunderkrankungen am Bewegungsapparat eine rechts 

aktivierte, mittelschwere Pangonarthrose und links eine manifeste, leichtgradige 

mediale und femoro-patelläre Gonarthrose als Ausdruck einer schmerzbedingten 

Schonung sowie eine erheblich und schmerzhaft eingeschränkte Schulterfunktion 

beidseits infolge derber Narbenstränge und Adhäsionen bei einem Status nach 

mehrfachen Eingriffen an beiden Mammae in den Jahren 2018 und 2020 vor. Bezüglich 

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der angegebenen belastungsabhängigen Schmerzen im ersten Strecksehnenfach liege 

mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Zusammenhang mit dem Aromatase-Inhibitor vor. Das 

Ausmass der von der Versicherten angegebenen, als invalidisierend empfundenen 

Schmerzen lasse sich nicht vollumfänglich durch die klinischen und bildgebenden 

Befunde erklären. Aus rheumatologischer Sicht bestehe eine Einschränkung für 

manuell schwere oder repetitive manuelle Tätigkeiten, für körperlich schwere Arbeiten, 

für Arbeiten, die ausschliesslich oder häufig im Stehen oder Gehen ausgeübt werden 

müssten, sowie für Tätigkeiten im Kauern oder Knien. Kraftaufwendige Arbeiten mit 

den Armen sowie Verrichtungen mit den Armen an oder über der Schulterhorizontalen 

seien unzumutbar. Die angestammte Tätigkeit als Mitarbeiterin im Reinigungsdienst sei 

der Versicherten lediglich noch während maximal drei Stunden pro Tag zumutbar. 

Dabei bestehe eine Einschränkung der Leistung von etwa zehn Prozent. Der 

Arbeitsfähigkeitsgrad betrage damit insgesamt 30 Prozent. Eine leidensadaptierte 

Tätigkeit sei der Versicherten während etwa fünf Stunden pro Tag zumutbar. Aufgrund 

eines erhöhten Pausenbedarfs sowie eines langsameren Arbeitstempos sei die 

Leistungsfähigkeit um zehn Prozent eingeschränkt. Der Arbeitsfähigkeitsgrad betrage 

folglich 50 Prozent. Nach der Konsensbesprechung führten die Sachverständigen aus, 

die Versicherte leide an einer Anpassungsstörung, an einer schmerzhaft 

eingeschränkten Schulterfunktion beidseits, an einer aktivierten Pangonarthrose rechts 

und an einer manifesten, medial und retropatellär betonten Gonarthrose links, an einer 

Arthralgie des CMC-I-Gelenks rechts sowie an einem bilateralen multizentrischen 

Mammacarcinom. Eine leidensadaptierte Tätigkeit sei ihr zu 50 Prozent zumutbar. 

Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung gelte ab Anfang Dezember 2018. Für die Zeit davor 

müsse angesichts der Operationen und der Radiotherapie eine vollständige 

Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten attestiert werden. Im Januar 2021 notierte 

Dr. med. I.___ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), das Gutachten sei 

überzeugend, weshalb auf es abgestellt werden könne (IV-act. 149).

Mit einem Vorbescheid vom 28. Januar 2021 teilte die IV-Stelle der Versicherten 

mit (IV-act. 151), dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens vorsehe. Zur 

Begründung führte sie an, die Versicherte sei als zu 80 Prozent Erwerbstätige ohne 

einen Aufgabenbereich zu qualifizieren. Als Valideneinkommen sei der zuletzt erzielte, 

auf ein Vollpensum hochgerechnete Lohn zu berücksichtigen. Das Invalideneinkommen 

A.d. 

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B.  

entspreche 50 Prozent des statistischen Zentralwertes der Hilfsarbeiterinnenlöhne. Der 

Einkommensvergleich ergebe eine prozentuale Erwerbseinbusse von 47,88 Prozent. Da 

die Versicherte als nur zu 80 Prozent erwerbstätig zu qualifizieren sei, betrage der 

Invaliditätsgrad 38,3 Prozent (= 47,88% × 80%). Ein Rentenanspruch bestehe erst ab 

einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent. Dagegen liess die Versicherte am 7. 

Mai 2021 einwenden (IV-act. 161–1 ff.), die behandelnde Psychiaterin Dr. H.___ erachte 

das Gutachten der MEDAS Interlaken Unterseen GmbH als nicht überzeugend. Selbst 

wenn man auf das Gutachten abstellen würde, müsste davon ausgegangen werden, 

dass die Versicherte ihre Restarbeitsfähigkeit realistischerweise nicht mehr verwerten 

könnte. Zu berücksichtigen sei auch, dass die Versicherte angesichts ihrer finanziellen 

Lage ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung gezwungen wäre, vollzeitig erwerbstätig 

zu sein. Bei der Berechnung des Invaliditätsgrad müsse ein „grosszügiger 

Leidensabzug“ berücksichtigt werden. Die Psychiaterin Dr. H.___ hatte am 1. Mai 2021 

festgehalten (IV-act. 161–6 ff.), der psychiatrische Sachverständige der MEDAS 

Interlaken Unterseen GmbH habe sich kaum mit der belastenden Vorgeschichte 

befasst. Insbesondere habe er keine vertiefte Befragung zum Eheleben durchgeführt. 

Offenbar sei er gar nicht an der Gesundheits-, Behandlungs-, Familien- und 

Sozialanamnese interessiert gewesen. Die RAD-Ärztin Dr. med. J.___ notierte am 7. 

Juni 2021, die Stellungnahme von Dr. H.___ wecke keinen ernsthaften Zweifel an der 

Überzeugungskraft des Gutachtens der MEDAS Interlaken Unterseen GmbH (IV-act. 

162). Mit einer Verfügung vom 9. Juni 2021 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der 

Versicherten mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab (IV-act. 163).

Am 12. Juli 2021 liess die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) eine 

Beschwerde gegen die Verfügung vom 9. Juni 2021 erheben (act. G 1). Ihre 

Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die 

Zusprache einer ganzen, eventualiter einer Dreiviertels-, subeventualiter einer halben 

und subsubeventualiter einer Viertelsrente sowie subsubsubeventualiter die Einholung 

eines Obergutachtens und subsubsubsubeventualiter die Rückweisung der Sache an 

die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) zur weiteren Abklärung. Zur 

Begründung führte sie aus, die von den Sachverständigen der MEDAS Interlaken 

Unterseen GmbH formulierten Adaptionskriterien für eine leidensangepasste Tätigkeit 

B.a. 

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Erwägungen

1.

Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung 

auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des vorangegangenen 

Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Dieses hat die Prüfung eines 

Rentenbegehrens für die Zeit ab März 2019 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) zum Gegenstand 

gehabt. Da es sich bei der Anmeldung zum Leistungsbezug im September 2018 um 

eine sogenannte Neuanmeldung gehandelt hat, hat das Eintreten darauf das 

Glaubhaftmachen einer relevanten Sachverhaltsveränderung seit der Abweisung des 

früheren Rentenbegehrens vorausgesetzt (vgl. Art. 87 Abs. 3 IVV). Das ist der 

Beschwerdeführerin mit dem Hinweis auf das bilaterale Mammacarcinom gelungen, 

seien so einschränkend, dass die Beschwerdeführerin realistischerweise keine 

Arbeitsstelle finden könne, an der sie ihre Restarbeitsfähigkeit verwerten könnte. Ohne 

die Gesundheitsbeeinträchtigung wäre sie vollzeitig erwerbstätig. Würde man davon 

ausgehen, dass sie eine ideal leidensadaptierte Arbeitsstelle finden würde, müsste man 

dem erheblichen Konkurrenznachteil Rechnung tragen, den sie erleide. Folglich müsste 

ein „Leidensabzug“ von mindestens 25 Prozent gewährt werden. Das Gutachten der 

MEDAS Interlaken Unterseen GmbH sei nicht überzeugend.

Die Beschwerdegegnerin beantragte am 13. September 2021 die teilweise Gut­

heissung der Beschwerde und die Zusprache einer Viertelsrente mit Wirkung ab dem 1. 

März 2019 (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, das von den Sachverständigen der 

MEDAS Interlaken Unterseen GmbH formulierte Belastbarkeitsprofil klinge zwar auf 

den ersten Blick sehr einschneidend, da es sehr ausführlich sei, aber bei genauerer 

Betrachtung schränke es die Auswahl der möglichen adaptierten Arbeitsplätze nicht 

wesentlich ein. In Bezug auf die „Statusfrage“ sei der Beschwerdeführerin angesichts 

der gesamten Umstände zu folgen; sie müsse als vollerwerbstätig qualifiziert werden. 

Ein Tabellenlohnabzug sei nicht gerechtfertigt. Der Invaliditätsgrad betrage unter 

Berücksichtigung einer geringfügigen Korrektur 48,75 respektive 49 Prozent. Folglich 

habe die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Viertelsrente.

B.b. 

Die Beschwerdeführerin liess am 17. Dezember 2021 an ihren Anträgen festhalten 

(act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).

B.c. 

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weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Neuanmeldung eingetreten ist. In 

diesem Beschwerdeverfahren ist folglich zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin für die 

Zeit ab dem 1. März 2019 einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung 

hat.

2.  

Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare 

Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die 

während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich 

mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses 

Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen 

Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität 

wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das 

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der 

Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare 

Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu 

jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben 

wäre. Wäre die versicherte Person ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung nicht oder 

nicht vollzeitig erwerbstätig gewesen, muss der Invaliditätsgrad nach einer anderen 

Methode berechnet werden. Ein solcher Fall liegt hier allerdings nicht vor, wie die 

Beschwerdeführerin überzeugend aufgezeigt und die Beschwerdegegnerin in ihrer 

Beschwerdeantwort eingeräumt hat, da die Beschwerdeführerin nach der 

Ehescheidung auf sich allein gestellt gewesen ist und als Hilfsarbeiterin nur in einem 

Vollzeitpensum ein existenzsicherndes Erwerbseinkommen hätte erzielen können. 

Betreuungspflichten hätten einem Vollzeitpensum nicht entgegengestanden, da die 

Kinder der Beschwerdeführerin erwachsen sind.

2.1. 

Die Beschwerdeführerin hat keine Berufsausbildung absolviert. Nach ihrer Einreise 

in die Schweiz hat sie typische Hilfsarbeiten verrichtet. Sie ist folglich als eine 

Hilfsarbeiterin zu qualifizieren, was bedeutet, dass sie ohne die 

Gesundheitsbeeinträchtigung einen durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn hätte 

erzielen können und dass das Valideneinkommen dem statistischen Zentralwert der 

Hilfsarbeiterinnenlöhne entspricht. Zwar hat die Beschwerdeführerin zuletzt einen leicht 

unter dem statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterinnenlöhne liegenden Lohn erzielt, 

aber dabei hat es sich um eine invalidenversicherungsrechtlich irrelevante „Zufälligkeit“ 

gehandelt. Hätte sich der Beschwerdeführerin die Möglichkeit geboten, an eine besser 

2.2. 

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respektive durchschnittlich entlöhnte Arbeitsstelle zu wechseln, hätte sie davon 

Gebrauch gemacht.

Für die Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist 

ausschlaggebend, welche Tätigkeiten der Beschwerdeführerin in welchem Umfang 

trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung noch zugemutet werden können. Zur 

Beantwortung dieser Frage hat die Beschwerdegegnerin die MEDAS Interlaken 

Unterseen GmbH mit einer polydisziplinären Begutachtung der Beschwerdeführerin 

beauftragt. Die Sachverständigen haben die Beschwerdeführerin umfassend 

untersucht und sie haben sowohl die subjektiven Klagen als auch die erhobenen 

objektiven klinischen und bildgebenden Befunde ausführlich wiedergegeben. Zudem 

haben sie die medizinischen Vorakten eingehend gewürdigt. Nichts deutet darauf hin, 

dass sie einen wesentlichen Aspekt übersehen oder die Untersuchung unsorgfältig 

durchgeführt hätten. Die entsprechenden Vorwürfe der behandelnden Psychiaterin Dr. 

H.___ erweisen sich als unzutreffend. Der psychiatrische Sachverständige hat alle für 

die Arbeitsfähigkeitsschätzung relevanten objektiven Befunde erhoben. Die 

Stellungnahme von Dr. H.___ zum Gutachten erweckt den Eindruck, dass diese das 

Gutachten nicht sorgfältig studiert hat, denn sie hat das Attest eines 

Arbeitsunfähigkeitsgrades von immerhin 50 Prozent sowie die entsprechende 

Diagnosestellung offenbar übersehen. Zudem weckt diese Stellungnahme den 

Verdacht, dass sich Dr. H.___ persönlich angegriffen gefühlt haben könnte, weil der 

Sachverständige die Beschwerdeführerin (angeblich) nach dem Sinn der Therapie 

gefragt habe, während Dr. H.___ davon überzeugt gewesen ist, dass ihre Therapie 

noch der einzige Halt im Leben der Beschwerdeführerin gewesen sei. Die 

Ausführungen von Dr. H.___ verstärken jedenfalls den schon aufgrund des 

Behandlungsauftrages bestehenden objektiven Anschein der Befangenheit, weshalb 

sie nicht geeignet gewesen sind, einen Zweifel an der Überzeugungskraft des 

Gutachtens der MEDAS Interlaken Unterseen GmbH zu wecken. Der rheumatologische 

Sachverständige der MEDAS Interlaken Unterseen GmbH hat anhand der objektiven 

bildgebenden und klinischen Befunde überzeugend aufgezeigt, dass der 

Beschwerdeführerin wegen der eingeschränkten Belastbarkeit der Schultern, der 

rechten Hand und der Knie verschiedene Tätigkeiten nicht mehr zugemutet werden 

können und dass die Beschwerdeführerin schmerzbedingt verlangsamt ist und 

vermehrte Pausen benötigt, was ihre Leistungsfähigkeit um zehn Prozent einschränkt. 

Nicht begründet hat der rheumatologische Sachverständige der MEDAS Interlaken 

Unterseen GmbH allerdings, weshalb die Beschwerdeführerin zusätzlich nur ein 

Pensum von maximal fünf Stunden pro Tag soll leisten können. Aus der Sicht eines 

medizinischen Laien scheint den somatischen Gesundheitsbeeinträchtigungen mit dem 

2.3. 

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3.  

Die Rückweisung einer Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung gilt hinsichtlich der 

Kosten- und Entschädigungsfolgen rechtsprechungsgemäss als ein vollständiges Ob­

siegen der beschwerdeführenden Partei. Die angesichts des durchschnittlichen Ver­

fahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten sind folglich der 

Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete 

eingeschränkten Belastbarkeitsprofil und dem Attest einer Arbeitsunfähigkeit von zehn 

Prozent für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten vollumfänglich Rechnung getragen zu 

sein, weshalb die zusätzliche Einschränkung auf ein Pensum von maximal fünf Stunden 

pro Tag überzeugend hätte begründet werden müssen. Eine solche Begründung sucht 

man im rheumatologischen Teilgutachten aber vergeblich, weshalb das darin 

enthaltene Attest einer Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent (5 Std. täglich abzüglich 10%) 

selbst für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten nicht überzeugen kann. Der psychiatrische 

Sachverständige der MEDAS Interlaken Unterseen GmbH hat – abgesehen von einem 

ausgeprägten Klage- und Jammerverhalten – einen weitgehend unauffälligen klinischen 

Befund beschrieben. Er hat zwar festgehalten, dass die psychische Belastbarkeit der 

Beschwerdeführerin in der Untersuchung „klar“ eingeschränkt gewesen sei, aber er hat 

nicht näher ausgeführt, worin diese Einschränkung genau bestanden hat. Die „Klarheit“ 

der Einschränkung der psychischen Belastbarkeit ist die einzige vom psychiatrischen 

Sachverständigen angeführte Erklärung für das Attest eines Arbeitsunfähigkeitsgrades 

von 50 Prozent für sämtliche Tätigkeiten. Das ist aber offenkundig unzureichend, um 

eine selbst für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten zur Hälfte aufgehobene 

Arbeitsfähigkeit zu belegen. Sowohl das rheumatologische als auch das psychiatrische 

Teilgutachten der MEDAS Interlaken Unterseen GmbH leiden also an einer 

mangelhaften Begründung für die Arbeitsfähigkeitsschätzung. Da die Teilgutachten 

ansonsten sorgfältig erarbeitet worden sind, ist davon auszugehen, dass die 

Sachverständigen ihre Untersuchungen lege artis durchgeführt haben, dass sie es aber 

versäumt haben, ihre Arbeitsfähigkeitsschätzungen überzeugend zu begründen. Das 

Gutachten ist damit nicht geeignet, den massgebenden medizinischen Sachverhalt mit 

dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen, 

aber es ist davon auszugehen, dass der Mangel durch eine Ergänzung des Gutachtens 

behoben werden kann. Der rheumatologische und der psychiatrische Sachverständige 

müssen deshalb aufgefordert werden, eine überzeugende Begründung für ihre jeweilige 

Arbeitsfähigkeitsschätzung nachzuliefern. Die Sache ist zur entsprechenden Ergänzung 

des Gutachtens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (vgl. BGE 137 V 210 E. 

4.4.1.4 S. 264 f.).

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Kostenvorschuss von 600 Franken zurückerstattet. Die Beschwerdegegnerin hat der 

Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. Diese ist praxisgemäss 

auf 4’000 Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.

Entscheid

im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP

1. Die angefochtene Verfügung vom 9. Juni 2021 wird aufgehoben und die Sache 

wird zur Fortsetzung des Verwaltungsverfahrens im Sinne der Erwägungen an die 

Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.

2. Die Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten von 600 Franken zu bezahlen; der 

Beschwerdeführerin wird der von ihr geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken 

zurückerstattet.

3. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin mit 4’000 Franken zu 

entschädigen.

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	Entscheid Versicherungsgericht, 26.04.2022
	Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Art. 43 Abs. 1 ATSG. Rentenanspruch. Invalidenrente. Würdigung eines polydisziplinären MEDAS-Gutachtens. Ergänzung des Gutachtens (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26. April 2022, IV 2021/134).

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		2025-07-19T01:48:30+0200
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