# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4dbf3baf-59d3-50ef-a7ba-e63a21148d09
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2017-10-30
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 30.10.2017 SR170009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SR170009_2017-10-30.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SR170009-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: Die Oberrichter lic. iur. R. Naef, Präsident, lic. iur. M. Langmeier und 

Oberrichterin lic. iur. L. Chitvanni sowie Gerichtsschreiberin lic. iur. 

C. Baumgartner 

 

 

Beschluss vom 30. Oktober 2017 

 

in Sachen 

 
A._____,  

Gesuchstellerin 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland,  

vertreten durch Leitenden Staatsanwalt Dr. iur. R. Jäger 

Gesuchsgegnerin 

 

betreffend  

Revision 

Revisionsgesuch gegen einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft  

Winterthur/Unterland vom 27.10.2015 (A-5/2015/10034561) 

 

-  2  - 

Anträge im Revisionsverfahren: 

a) Der Gesuchstellerin (Urk. 1): 

1. Der Strafbefehl vom 27.10.2015 der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unter-

land sei im Sinne von Art. 411 StPO aufzuheben. 

2. In dieser Sache sei wegen nicht selbst verschuldeter Schuldunfähigkeit von 

einer Strafe abzusehen. 

3. Von Verfahrenskosten für das Vorverfahren sowie für das Revisionsver-

fahren sei abzusehen. 

4. Der Gesuchstellerin sei die unentgeltliche Rechtsvertretung durch RA 

X._____ zu gewähren; 

5. vorsorglich: der Vollzug der ausgesprochenen Strafe sei bis zu einem Ent-

scheid über das Revisionsgesuch zu sistieren. 

b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 16): 

1. Es sei das Revisionsgesuch gutzuheissen. 

2. Der Strafbefehl vom 27. Oktober 2015 sei aufzuheben. 

3. Es sei festzustellen, dass die Beschuldigte A._____ die Tatbestände des 

Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB und des geringfügigen 

Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter 

Abs. 1 StGB in objektiver Hinsicht erfüllt hat. 

4. Es sei aufgrund der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit von einer 

Strafe abzusehen. 

-  3  - 

Erwägungen: 

I. 

1. Mit Datum vom 27. Oktober 2015 erliess die Staatsanwaltschaft Winterthur / 

Unterland gegen die Gesuchstellerin den eingangs erwähnten und diesem Urteil 

beigehefteten Strafbefehl (Urk. D1 9). Darin erkannte die Staatsanwaltschaft die 

Gesuchstellerin des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB 

sowie des mehrfachen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 

StGB in Verbindung mit Art. 172ter StGB als schuldig. Die Gesuchstellerin wurde 

mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je CHF 60.-- sowie mit einer Busse 

von CHF 600.-- bestraft. Dieser Strafbefehl erwuchs in Rechtskraft (Urk. 1, 

Urk. 6). 

2. Mit Eingabe vom 17. Mai 2017 liess die Gesuchstellerin ein Revisionsgesuch 
einreichen und verlangte mit den oben genannten Anträgen die Aufhebung des 

gegen sie erlassenen rechtskräftigen Strafbefehls der Staatsanwaltschaft  

Winterthur / Unterland vom 27. Oktober 2015 (Urk. 1). 

3. In der Folge wurde mit Präsidialverfügung vom 13. Juni 2017 der Staatsanwalt-
schaft Winterthur / Unterland Frist zur Stellungnahme zum Revisionsbegehren 

angesetzt. Mit selbiger Verfügung wurde dem Revisionsbegehren die auf-

schiebende Wirkung erteilt und dem Verteidiger Frist angesetzt, seinen Antrag um 

Bestellung einer amtlichen Verteidigung zu begründen und dem Gericht eine ak-

tualisierte Vollmacht einzureichen. Schliesslich wurde der Privatklägerin Frist zu 

freigestellten Stellungnahme zum Revisionsbegehren angesetzt und es wurde der 

Beizug der massgeblichen Akten verfügt (Urk. 4). 

4. Am 10. Juli 2017 reichte der Verteidiger dem Gericht die Vollmacht betreffend 
das Revisionsverfahren ein. Mit gleichem Datum reichte der Verteidiger zudem 

betreffend den Antrag um amtliche Verteidigung der Gesuchstellerin Belege zu 

deren Mittellosigkeit ein (Urk. 11, Urk. 13/1-2). 

-  4  - 

5. Mit Präsidialverfügung vom 11. August 2017 bestellte das Gericht Rechts-

anwalt lic. iur. X._____ als amtlichen Verteidiger der Gesuchstellerin für das Revi-

sionsverfahren (Urk. 14). 

6. Mit Eingabe vom 26. Juni 2017 / 17. August 2018 erstattete die Staats-

anwaltschaft Winterthur / Unterland dem Gericht die Vernehmlassung zum Revi-

sionsbegehren. Darin beantragte sie die Gutheissung des Revisionsbegehrens 

(Urk. 9, 16). Die Privatklägerin liess sich nicht vernehmen. Das Revisionsverfah-

ren erweist sich somit als spruchreif. 

II.  

7. Die Gesuchstellerin bringt zur Begründung ihres Revisionsgesuchs vor, gegen 
sie sei am 6. Januar 2016 erneut ein Strafbefehl erlassen worden und zwar we-

gen gleichartiger Delikte wie im zur Revision beantragten Strafbefehl. Gegen den 

Strafbefehl vom 6. Januar 2016 sei Einsprache erhoben worden, woraufhin in je-

ner Sache am 9. März 2017 ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur ergangen 

sei. Darin sei aufgrund erkannter nicht selbst verschuldeter Schuldunfähigkeit von 

einer Bestrafung der Gesuchstellerin abgesehen worden. Das Gericht habe sich 

beim Urteil auf das von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebene Gutachten 

vom 16. September 2016 gestützt, in welchem eine Schuldunfähigkeit der Ge-

suchstellerin festgestellt worden sei (Urk. 1). 

8. Gemäss Art. 413 Abs. 2 StPO hebt das Gericht den angefochtenen Entscheid 

ganz oder teilweise auf, wenn es die geltend gemachten Revisionsgründe als ge-

geben erachtet. Es fällt selber einen neuen Entscheid, sofern es die Aktenlage er-

laubt. Ist dies nicht der Fall, so weist das Gericht die Sache an die zu bezeich-

nende Behörde zur Behandlung und Beurteilung zurück (Art. 413 Abs. 2 lit. a und 

b StPO). Soweit das Gericht die geltend gemachten Revisionsgründe als nicht 

gegeben erachtet, weist es das Revisionsgesuch ab und hebt allfällige vorsorg-

liche Massnahmen auf (Art. 413 Abs. 1 StPO). 

9. Nach erhobener Einsprache der Gesuchstellerin gegen den Strafbefehl vom 

6. Januar 2016 betreffend mehrfachen Hausfriedensbruch und mehrfachen ge-

-  5  - 

ringfügigen Diebstahl (A-3/2015/10039234) erteilte die Staatsanwaltschaft am 

12. Juli 2016 Dr. med. B._____ den Auftrag, ein Gutachten über die Schuldfähig-

keit der Gesuchstellerin zu erstellen (Urk. 7/D1/13/1). Die dem Strafbefehl vom 

6. Januar 2016 zugrunde liegenden Taten betrafen den Zeitraum vom 3. Novem-

ber 2015 bis zum 16. April 2016 (Urk. 7/6). Die Taten im zur Revision beantragten 

Strafbefehl datieren vom 5. und 13. Oktober 2015. Sie fanden somit nur rund ei-

nen Monat vor den Taten statt, welche Anlass zur psychiatrischen Begutachtung 

der Gesuchstellerin boten. 

10. Dr. med. B._____ zeichnete im psychiatrischen Gutachten vom 

16. September 2016 die Lebensgeschichte der Gesuchstellerin auf und schilderte 

neben den eigenen Untersuchungsbefunden eine Zusammenfassung von 

Fremdauskünften (Urk. 7/D1/13/7 S. 12 - 34). Zur Diagnose führte der Gutachter 

aus, obschon ein übermässiger Alkoholkonsum von Frau A._____ bestritten wer-

de, könne aufgrund der Befunde der Haaranalyse ein regelmässiger und massiv 

ausgeprägter Alkoholüberkonsum über mehrere Monate nachgewiesen werden. 

Der erreichte Wert von Ethylglucuronid liege dabei fast um das Doppelte über 

dem Grenzwert zur Feststellung eines chronischen Alkoholüberkonsums. Bei der 

Prüfung der international gültigen Diagnosekriterien (ICD-10) zur fachgerechten 

Feststellung einer Abhängigkeitserkrankung, stellte der Gutachter fest, dass die 

Gesuchstellerin sämtliche Diagnosekriterien erfülle. Somit gelangte der Gutachter 

nachvollziehbar zur Diagnose einer schweren Abhängigkeitserkrankung von Al-

kohol (ICD-10 F10.2) mit aktiver Abhängigkeit im Tatzeitraum. Der Gutachter stell-

te überdies fest, dass die Analyse der Taten deutlich mache, dass die wieder-

holten Hausfriedensbrüche und Diebstähle in direktem Zusammenhang mit der 

Alkoholabhängigkeit stünden. Des weiteren stellte der Gutachter die Auffälligkei-

ten in der Persönlichkeit und der kognitiven Leistungsfähigkeit der Gesuchstellerin 

in den Zusammenhang mit Alkohol. Schliesslich diagnostizierte der Gutachter bei 

der Gesuchstellerin Konfabulationen (erfundene, aber vom Betroffenen nicht als 

Erfindung erkannte, sondern für echt gehaltene Erinnerungen zur Füllung von Er-

innerungslücken) fest, welche gemäss Gutachter das Leitsymptom eines anam-

nestischen Syndroms darstellten. Dieses Syndrom sei die Folge von langjähri-

gem, chronischem Alkoholüberkonsum. Neben dem zweifelsfrei langjährigen 

-  6  - 

Überkonsum sowie den feststellbaren Störungen von Bewusstsein, Aufmerksam-

keit, Kognition und Wahrnehmung, habe in früheren computertomografischen Un-

tersuchungen des Gehirns der Gesuchstellerin bereits ein deutlicher Rückgang 

von Hirngewebe festgestellt werden können (vgl. dazu S. 30 "Berichte des Kan-

tonsspitals Winterthur"). Gestützt auf diese Feststellungen diagnostizierte der 

Gutachter bei der Gesuchstellerin zusätzlich ein alkoholanamnestisches Syndrom 

entsprechend ICD-10: F10.6 (Urk. 7/D1/13/7 S. 35 -37). 

11. Zur Frage der Deliktdynamik und damit verbunden der Schuldfähigkeit führte 
der Gutachter aus (Urk. 7/D1/13/7 S. 38 ff.), die Abhängigkeitserkrankung habe 

im Tatzeitraum in aktiver Form vorgelegen. Zusätzlich habe, ausgelöst durch die 

Abhängigkeitserkrankung, eine hirnorganische Schädigung in Form des anam-

nestischen Syndroms bestanden. Beide Diagnosen stünden offensichtlich in di-

rektem Zusammenhang mit den aktuellen und früheren Tatvorwürfen. Zur hirnor-

ganischen Schädigung führte der Gutachter zudem aus, in bildgebenden Unter-

suchungen habe sich gezeigt, dass unter anderem auch Stirn- und Schläfenbe-

reich des Gehirns betroffen seien. In diesen Hirnbereichen würden unter anderem 

Emotionen, Stimmungen und Sozialverhalten kontrolliert. Durch die Erkrankung 

seien bei der Gesuchstellerin sowohl die Steuerungs- als auch die Einsichtsfähig-

keit in massivem Mass eingeschränkt gewesen. Zwar könne davon ausgegangen 

werden, dass der Gesuchstellerin das strafrechtliche Konzept eines Diebstahls 

bekannt sei. Es zeige sich jedoch, dass die Gesuchstellerin krankheitsbedingt ihr 

eigenes Handeln nicht als solches wahrnehme oder interpretiere. Ursächlich hier-

für sei zunächst der bei Personen mit Abhängigkeitserkrankung typische zwang-

hafte Konsumwunsch mit Vermeidung der sehr unangenehmen Entzugssympto-

me. Die Gesuchstellerin habe dadurch ihre Hemmnisfähigkeit soweit reduzieren 

und ihr eigenes Verhalten vor sich legitimieren können, dass sie Ladendiebstähle 

begangen habe. Weiter leitete der Gutachter aus dem Bestehen der hirnorgani-

schen Schädigung ab, dass bei der Gesuchstellerin eine chronische Schädigung 

des Kurzzeitgedächtnisses vorliegt, welche dazu führt, dass der Gesuchstellerin 

die ausgesprochenen Hausverbote nicht mehr erinnerlich sind. Zusammen-

fassend stellt der Gutachter fest, dass bei der Gesuchstellerin im Tatzeitraum von 

einer Schuldunfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB auszugehen ist. 

-  7  - 

12. Der Gutachter stützt sein Ergebnis einerseits auf selbst erhobene Befunde, 

andererseits auch auf bereits vor der Begutachtung erstellte ärztliche Berichte. 

Die beiden bei der Gesuchstellerin diagnostizierten Krankheiten begründet der 

Gutachter nachvollziehbar. Mitunter stützen sich die Befunde auf messbare Un-

tersuchungsresultate (Laborresultat bei der Haaranalyse, Computertomographie 

betreffend die Hirnschädigung, Test zur kognitiven Leistungsfähigkeit). Es beste-

hen deshalb keine Zweifel, dass die Gesuchstellerin an einem Abhängigkeits-

syndrom und an einer anamnestischen Störung leidet. Im Weiteren stellt der Gut-

achter die Auswirkungen dieser Krankheiten anhand des Verhaltens der Ge-

suchstellerin begründet und nachvollziehbar dar. Gestützt auf die schweren 

Krankheitssymptome der Gesuchstellerin ist somit die Feststellung des Gutach-

ters, wonach bei der Gesuchstellerin sowohl die Einsichtsfähigkeit als auch die 

Steuerungsfähigkeit massiv eingeschränkt waren bzw. sind, zu übernehmen. 

Nachdem die Krankheiten der Gesuchstellerin das Ergebnis eines langjährigen 

Alkoholüberkonsums sind, ist ohne weiteres davon auszugehen, dass die Ge-

suchstellerin bereits im Oktober 2015 an den diagnostizierten Krankheiten und 

den entsprechenden Symptomen litt. Gemäss Gutachten wurde auch bereits zwi-

schen dem 1. April 2015 und 4. Mai 2015 anlässlich der Hospitalisation der Ge-

suchstellerin in der Klinik … eine psychische Verhaltensstörung durch schädli-

chen Alkoholgebrauch sowie der Verdacht auf das Korsakow-Syndrom (anamnes-

tisches Syndrom) geäussert (Urk. 7/D1/13/7 S. 26). Das Fazit des Gutachters, 

wonach die Gesuchstellerin als schuldunfähig im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB 

einzustufen ist, ist deshalb auch für den Tatzeitraum (5. und 13. Oktober 2015) 

des diesem Revisionsverfahren zugrunde liegenden Strafbefehls vom 27. Oktober 

2015 zu übernehmen. 

13. Gestützt auf Art. 410 Abs. 1 lit. a. StPO kann die Revision verlangt werden, 

wenn neue, vor dem Entscheid eingetretene Tatsachen oder neue Beweismittel 

vorliegen, die geeignet sind, einen Freispruch, eine wesentlich mildere oder we-

sentlich strengere Bestrafung der verurteilten Person oder eine Verurteilung der 

freigesprochenen Person herbeizuführen. 

-  8  - 

14. Gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB ist der Täter, der zur Zeit der Tat nicht fähig war, 

das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, nicht 

strafbar. Die Gesuchstellerin hat damit für die ihr im Strafbefehl vom 27. Oktober 

2015 vorgeworfenen, am 5. bzw. 13. Oktober 2015 begangenen Taten des mehr-

fachen Hausfriedensbruchs sowie des mehrfachen geringfügigen Diebstahls, 

straffrei zu bleiben. Die Tatsache der Schuldunfähigkeit steht erst durch das 

neu erhobene Gutachten fest. Es liegt somit ein Revisionsgrund gemäss 

Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO vor. Der Strafbefehl vom 27. Oktober 2015  

(A-5/2015/10034561) ist aufzuheben (Art. 413 Abs. 2 StPO). 

15. Nachdem vorliegend die Aktenlage klar ist und auch die Staatsanwaltschaft 
die Gutheissung des Revisionsbegehrens beantragt, ist durch das Berufungs-

gericht ein reformatorischer Entscheid zu fällen (Art. 413 Abs. 2 lit. b. StPO). 

16. Es ist im Revisionsverfahren unbestritten geblieben, dass die Gesuchstellerin 
die Delikte des mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie des geringfügigen Dieb-

stahls in objektiver Hinsicht begangen hat (Urk. 1). Indessen steht nun zweifellos 

fest, dass die Gesuchstellerin im Zustand nicht selbst verschuldeter Schuldun-

fähigkeit gehandelt hat. Damit liegt ein Schuldausschlussgrund vor, welcher die 

Anwendung der festgestellten Straftatbestände verunmöglicht. Es ist im Sinne von 

Art. 319 Abs. 1 lit. c. StPO vorzugehen, welche Bestimmung Anwendung findet 

(vgl. Schmid N., StPO Praxiskommentar, 2. Auflage, Art. 319 N 7; Lands-

hut/Bosshard, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO-Kommentar, 2. Auflage, 

Art. 319 N 21; Grädel/Heiniger, in: Basler Kommentar StPO, 2. Auflage, Art. 319 

N 11). Damit ist das Verfahren betreffend den Strafbefehl vom 27. Oktober 2015 

(A-5/2015/10034561) einzustellen. 

17. Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie da-
rin auch über die von der Vorinstanz getroffenen Kostenregelung (Art. 428 

Abs. 3). Der Verteidiger beantragte, es sei von Verfahrenskosten für das Vor-

verfahren sowie für das Revisionsverfahren abzusehen (Urk. 1 S. 1). Die Staats-

anwaltschaft stellte betreffend die Verfahrenskosten keinen Antrag (Urk. 16). Ge-

mäss Art. 419 StPO können einer schuldunfähigen beschuldigten Person Ver-

fahrenskosten auferlegt werden, wenn dies nach den gesamten Umständen billig 

-  9  - 

erscheint. Vorliegend sind keine Umstände ersichtlich, welche Anlass zur Kosten-

auflage an die Gesuchstellerin böten. Demzufolge sind die Kosten für das Vorver-

fahren von Fr. 800.-- gemäss Strafbefehl vom 27. Oktober 2015 auf die Staats-

kasse zu nehmen. 

18. Im Revisionsgesuch liess die Gesuchstellerin die aufschiebende Wirkung be-
antragen, welchem Antrag mit Präsidialverfügung vom 13. Juli 2017 entsprochen 

wurde. Demzufolge erübrigt es sich, über die Rückerstattung von Busse und 

Geldstrafe zu befinden. 

19. Die Kosten für das Revisionsverfahrens, inklusive der Kosten für die amtliche 

Verteidigung der Gesuchstellerin, sind ausgangsgemäss auf die Gerichtskasse zu 

nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der amtliche Verteidiger hat seine Aufwendun-

gen in der eingereichten Honorarnote vom 19. September 2017 ausgewiesen 

(Urk. 21). Entsprechend ist er für das Revisionsverfahren mit Fr. 1'465.20 

(inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen. 

Es wird beschlossen: 

1. Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 

27. Oktober 2015 (A-5/2015/10034561), mit welchem die Gesuchstellerin 
A._____ wegen mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 

StGB sowie mehrfachen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 

Ziff. 1 StGB mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je CHF 60.00 sowie 

mit einer Busse von CHF 600.00 bestraft wurde, wird aufgehoben. 

2. Das dem Strafbefehl vom 27. Oktober 2015 zugrunde liegende Verfahren 

(A-5/2015/10034561) betreffend die Beschuldigte A._____ wird eingestellt. 

3. Die mit Strafbefehl vom 27. Oktober 2015 der Gesuchstellerin auferlegten 

Kosten von Fr. 800.-- (Gebühr für das Vorverfahren) werden auf die Staats-

kasse genommen. 

-  10  - 

4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kos-

ten betragen:  

Fr. 1'465.20   amtliche Verteidigung 

5. Die Kosten des Revisionsverfahrens, inklusive der Kosten für die amtliche 

Verteidigung, werden auf die Gerichtskasse genommen. 

6. Schriftliche Mitteilung an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der  
Gesuchstellerin 

− die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland 

− die Privatklägerin C._____ Genossenschaft, vertreten durch Herrn 
D._____, … [Adresse] (im Dispositiv) 

− die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss 
Art. 12 Abs. 1 lit. c VOSTRA mittels Kopie von Urk. 3 

− die Zentrale Inkassostelle des Obergerichts 

7. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 

begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der Strafrechtlichen Abteilung 

des Bundesgerichtes (1000 Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesge-

richtsgesetzes vorgeschriebenen Weise schriftlich einzureichen. 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

-  11  - 

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer 

 
Zürich, 30. Oktober 2017 

 
 

Der Präsident: 
 
 
 

lic. iur. R. Naef 
 

Die Gerichtsschreiberin: 
 
 
 

lic. iur. C. Baumgartner 
 

 

	Beschluss vom 30. Oktober 2017
	Anträge im Revisionsverfahren:
	1. Der Strafbefehl vom 27.10.2015 der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland sei im Sinne von Art. 411 StPO aufzuheben.
	2. In dieser Sache sei wegen nicht selbst verschuldeter Schuldunfähigkeit von einer Strafe abzusehen.
	3. Von Verfahrenskosten für das Vorverfahren sowie für das Revisionsverfahren sei abzusehen.
	4. Der Gesuchstellerin sei die unentgeltliche Rechtsvertretung durch RA X._____ zu gewähren;
	5. vorsorglich: der Vollzug der ausgesprochenen Strafe sei bis zu einem Entscheid über das Revisionsgesuch zu sistieren.
	b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 16):
	1. Es sei das Revisionsgesuch gutzuheissen.
	2. Der Strafbefehl vom 27. Oktober 2015 sei aufzuheben.
	3. Es sei festzustellen, dass die Beschuldigte A._____ die Tatbestände des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB und des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB in objektiver Hinsic...
	4. Es sei aufgrund der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit von einer Strafe abzusehen.
	Erwägungen:
	I.
	1. Mit Datum vom 27. Oktober 2015 erliess die Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland gegen die Gesuchstellerin den eingangs erwähnten und diesem Urteil beigehefteten Strafbefehl (Urk. D1 9). Darin erkannte die Staatsanwaltschaft die Gesuchstellerin...
	2. Mit Eingabe vom 17. Mai 2017 liess die Gesuchstellerin ein Revisionsgesuch einreichen und verlangte mit den oben genannten Anträgen die Aufhebung des gegen sie erlassenen rechtskräftigen Strafbefehls der Staatsanwaltschaft  Winterthur / Unterland v...
	3. In der Folge wurde mit Präsidialverfügung vom 13. Juni 2017 der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland Frist zur Stellungnahme zum Revisionsbegehren angesetzt. Mit selbiger Verfügung wurde dem Revisionsbegehren die aufschiebende Wirkung erteilt...
	4. Am 10. Juli 2017 reichte der Verteidiger dem Gericht die Vollmacht betreffend das Revisionsverfahren ein. Mit gleichem Datum reichte der Verteidiger zudem betreffend den Antrag um amtliche Verteidigung der Gesuchstellerin Belege zu deren Mittellosi...
	5. Mit Präsidialverfügung vom 11. August 2017 bestellte das Gericht Rechtsanwalt lic. iur. X._____ als amtlichen Verteidiger der Gesuchstellerin für das Revisionsverfahren (Urk. 14).
	6. Mit Eingabe vom 26. Juni 2017 / 17. August 2018 erstattete die Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland dem Gericht die Vernehmlassung zum Revisionsbegehren. Darin beantragte sie die Gutheissung des Revisionsbegehrens (Urk. 9, 16). Die Privatkläg...
	II.
	7. Die Gesuchstellerin bringt zur Begründung ihres Revisionsgesuchs vor, gegen sie sei am 6. Januar 2016 erneut ein Strafbefehl erlassen worden und zwar wegen gleichartiger Delikte wie im zur Revision beantragten Strafbefehl. Gegen den Strafbefehl vom...
	8. Gemäss Art. 413 Abs. 2 StPO hebt das Gericht den angefochtenen Entscheid ganz oder teilweise auf, wenn es die geltend gemachten Revisionsgründe als gegeben erachtet. Es fällt selber einen neuen Entscheid, sofern es die Aktenlage erlaubt. Ist dies n...
	9. Nach erhobener Einsprache der Gesuchstellerin gegen den Strafbefehl vom 6. Januar 2016 betreffend mehrfachen Hausfriedensbruch und mehrfachen geringfügigen Diebstahl (A-3/2015/10039234) erteilte die Staatsanwaltschaft am 12. Juli 2016 Dr. med. B.__...
	10. Dr. med. B._____ zeichnete im psychiatrischen Gutachten vom 16. September 2016 die Lebensgeschichte der Gesuchstellerin auf und schilderte neben den eigenen Untersuchungsbefunden eine Zusammenfassung von Fremdauskünften (Urk. 7/D1/13/7 S. 12 - 34)...
	11. Zur Frage der Deliktdynamik und damit verbunden der Schuldfähigkeit führte der Gutachter aus (Urk. 7/D1/13/7 S. 38 ff.), die Abhängigkeitserkrankung habe im Tatzeitraum in aktiver Form vorgelegen. Zusätzlich habe, ausgelöst durch die Abhängigkeits...
	12. Der Gutachter stützt sein Ergebnis einerseits auf selbst erhobene Befunde, andererseits auch auf bereits vor der Begutachtung erstellte ärztliche Berichte. Die beiden bei der Gesuchstellerin diagnostizierten Krankheiten begründet der Gutachter nac...
	13. Gestützt auf Art. 410 Abs. 1 lit. a. StPO kann die Revision verlangt werden, wenn neue, vor dem Entscheid eingetretene Tatsachen oder neue Beweismittel vorliegen, die geeignet sind, einen Freispruch, eine wesentlich mildere oder wesentlich strenge...
	14. Gemäss Art. 19 Abs. 1 StGB ist der Täter, der zur Zeit der Tat nicht fähig war, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, nicht strafbar. Die Gesuchstellerin hat damit für die ihr im Strafbefehl vom 27. Oktober 2015...
	15. Nachdem vorliegend die Aktenlage klar ist und auch die Staatsanwaltschaft die Gutheissung des Revisionsbegehrens beantragt, ist durch das Berufungsgericht ein reformatorischer Entscheid zu fällen (Art. 413 Abs. 2 lit. b. StPO).
	16. Es ist im Revisionsverfahren unbestritten geblieben, dass die Gesuchstellerin die Delikte des mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie des geringfügigen Diebstahls in objektiver Hinsicht begangen hat (Urk. 1). Indessen steht nun zweifellos fest, dass d...
	17. Fällt die Rechtsmittelinstanz selber einen neuen Entscheid, so befindet sie darin auch über die von der Vorinstanz getroffenen Kostenregelung (Art. 428 Abs. 3). Der Verteidiger beantragte, es sei von Verfahrenskosten für das Vorverfahren sowie fü...
	18. Im Revisionsgesuch liess die Gesuchstellerin die aufschiebende Wirkung beantragen, welchem Antrag mit Präsidialverfügung vom 13. Juli 2017 entsprochen wurde. Demzufolge erübrigt es sich, über die Rückerstattung von Busse und Geldstrafe zu befinden.
	19. Die Kosten für das Revisionsverfahrens, inklusive der Kosten für die amtliche Verteidigung der Gesuchstellerin, sind ausgangsgemäss auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der amtliche Verteidiger hat seine Aufwendungen in der eing...

	Es wird beschlossen:
	1. Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 27. Oktober 2015 (A-5/2015/10034561), mit welchem die Gesuchstellerin A._____ wegen mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB sowie mehrfachen geringfügigen Diebstahls...
	2. Das dem Strafbefehl vom 27. Oktober 2015 zugrunde liegende Verfahren (A-5/2015/10034561) betreffend die Beschuldigte A._____ wird eingestellt.
	3. Die mit Strafbefehl vom 27. Oktober 2015 der Gesuchstellerin auferlegten Kosten von Fr. 800.-- (Gebühr für das Vorverfahren) werden auf die Staatskasse genommen.
	4. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kosten betragen:
	5. Die Kosten des Revisionsverfahrens, inklusive der Kosten für die amtliche Verteidigung, werden auf die Gerichtskasse genommen.
	6. Schriftliche Mitteilung an
	 die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden der  Gesuchstellerin
	 die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
	 die Privatklägerin C._____ Genossenschaft, vertreten durch Herrn D._____, … [Adresse] (im Dispositiv)
	 die Koordinationsstelle VOSTRA zur Entfernung der Daten gemäss Art. 12 Abs. 1 lit. c VOSTRA mittels Kopie von Urk. 3
	 die Zentrale Inkassostelle des Obergerichts

	7. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Strafsachen erhoben werden.