# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 535a7d18-3b0d-5212-a7d2-f46209c2e9a4
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-11-20
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 20.11.2023 SB230003
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB230003_2023-11-20.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer  
 

 

Geschäfts-Nr.: SB230003-O/U/cwo 
 

Mitwirkend: Oberrichter lic. iur. B. Gut, Präsident, Oberrichterin lic. iur. S. Fuchs 

und Ersatzoberrichter lic. iur. K. Vogel sowie der Gerichtsschreiber 

MLaw J. Stegmann 

 

Urteil vom 20. November 2023 

 

in Sachen 

 

A._____, 
Beschuldigter und I. Berufungskläger 

 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich, 
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. A. Knauss, 

Anklägerin und II. Berufungsklägerin (Nichteintreten) 

 

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc. 
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Winterthur 
vom 31. August 2022 (DG220022) 

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Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 4. Mai 2022 

(Urk. 19/3) ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 

(Urk. 86 S. 52 ff.; inkl. Nachtragsurteil vom 6. September 2022 betr. Kosten IRM-
Gutachten [Urk. 76; hier in kursiver Schrift ergänzt/nachgetragen]) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB, 

− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung 

mit Ziff. 2 Abs. 4 StGB sowie 

− der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wovon 50 Tage 

durch Untersuchungshaft erstanden sind, sowie mit einer Busse von Fr. 300.–. 

3. a) Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufgeschoben und die 

Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate, abzüglich 50 Tage, die durch 

Untersuchungshaft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen. 

b) Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt 

an deren Stelle eine Ersatzfreiheitstrafe von 3 Tagen. 

4. Auf die Anordnung eines Kontaktverbotes gegenüber der Privatklägerin 1 im Sinne von 

Art. 67b StGB wird verzichtet. 

5. Von der Anordnung einer Landesverweisung in Sinne von Art. 66a StGB wird abgesehen. 

6. Es wird die Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils im Sinne von 

Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes angeordnet. Das Forensische Institut Zürich (FOR) wird mit 

dem Vollzug beauftragt und der Beschuldigte verpflichtet, innert 30 Tagen ab Eintritt der 

Rechtskraft des Urteils beim Forensischen Institut Zürich, Polizei- & Justizzentrum PJZ, Er-

kennungsdienst‚ Güterstrasse 33, 8010 Zürich zwecks DNA-Probenahme für die DNA-

Profilerstellung zu erscheinen. Kommt er dieser Verpflichtung unentschuldigt nicht nach, 

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wird die Kantonspolizei hiermit verpflichtet, ihn - auf entsprechende Mitteilung des Forensi-

schen Instituts Zürich hin - zwangsweise vorzuführen. Der Beschuldigte wird auf Art. 205, 

207 und 417 StPO aufmerksam gemacht. 

7. a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 Fr. 4'000.– zuzüglich 5 % Zins 

ab 25. Oktober 2021 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtu-

ungsbegehren abgewiesen. 

b) Die Genugtuungsbegehren der Privatklägerinnen 2 und 3 werden abgewiesen. 

Die Schadenersatzbegehren der Privatklägerinnen 2 und 3 werden auf den Weg des 

Zivilprozesses verwiesen. 

8. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 3'000.00   Gebühr für das Vorverfahren;  

Fr. 2'321.30   Auslagen (Gutachten); 

Fr. 840.00   Auslagen Kantonspolizei Zürich; 

Fr. 50.00   Zeugenentschädigung B._____; 

Fr. 5'080.10   Kosten amtliche Verteidigung, Rechtsanwältin MLaw X2._____  
  (inkl. Barauslagen und MwSt.), bereits vergütet; 
 Fr. 11'921.10   Kosten amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt lic. iur. X1._____  
  (inkl. Barauslagen und MwSt.); 

Fr. 7'286.85 
  Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin 1, 
  Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ (inkl. Barauslagen 
  und MwSt.); 

Fr. 1'393.05   Kosten IRM-Gutachten; 

Fr. 35'492.40   Total. 

9. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 8 werden dem Beschuldigten auferlegt, mit Ausnahme 

der Kosten für die amtliche Verteidigung sowie für die unentgeltliche Rechtsvertretung der 

Privatklägerin 1, welche einstweilen auf die Gerichtskasse genommen werden. Art. 135 

Abs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1 StPO bleiben vorbehalten. 

10. Der Antrag der Rechtsvertreterin der Privatklägerinnen 2 und 3 auf Gewährung der unent-

geltlichen Prozessführung wird abgewiesen. 

11. Der Antrag des Beschuldigten auf Entschädigung für die erstandene Haft sowie die 

Zwangsmassnahme wird abgewiesen. 

12. [Mitteilungen] 

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13. [Rechtsmittel]" 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 87; Urk. 103; Prot. II S. 7) 

« 1. Dispositivziffern 1 bis und mit 3 sowie 6 bis und mit 7a und 7b 
zweiter Absatz als auch 9 und 11 des Urteils des Bezirksgerichts 
Winterthur vom 31.08. 2022, Geschäfts-Nr. DG220022-K/Ubegr/ 
ae, seien aufzuheben. 

2. Der Beschuldigte sei von sämtlichen Vorwürfen, soweit von der 
Vorinstanz nicht bereits eingestellt, von Schuld und Strafe vollum-
fänglich freizusprechen. 

3. Für die erstandene Untersuchungshaft sei der Beschuldigte an-
gemessen zu entschädigen. 

4. Von den Anordnungen einer Abnahme einer DNA-Probe sei ab-
zusehen. 

5. Die Zivilklage der Privatklägerin 1 sowie die Schadenersatzbe-
gehren der Privatklägerinnen 2 und 3 sei vollumfänglich abzuwei-
sen; eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen. 

6. Im Übrigen sei festzustellen, dass das erstinstanzliche Urteil in 
Rechtskraft erwachsen sei. 

7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen vor erster und 
zweiter Instanz zu Lasten des Staates.» 

b) Der Privatklägerinnen 2 (C._____) und 3 (D._____): 

(Urk. 94, schriftlich) 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung für die Privatklägerin-
nen 2 und 3 

  

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Erwägungen: 

I.  Verfahrensgang und Prozessuales 

1. Verfahrensgang 

1.1. Mit Eingabe vom 4. Mai 2022 erhob die Staatsanwaltschaft I des Kantons 

Zürich gegen A._____ beim Bezirksgericht Winterthur Anklage (Urk. 19/3). Der 

Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil ergibt sich aus dem Entscheid 

vom 31. August 2022 (Urk. 86 E. I/1 f. S. 6 f.). 

1.2. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 31. August 2022 wurde den 

Parteien gleichentags mündlich eröffnet (Urk. 67; Prot. I S. 57 ff.). Unmittelbar 

voran ging dem Urteil noch ein Beschluss der Vorinstanz, mit welchem das 

Verfahren hinsichtlich der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB 

(Anklagevorwurf 2) definitiv eingestellt wurde (Urk. 86 S. 52). 

Gegen das Urteil meldeten der Beschuldigte mit Eingabe vom 1. September 2022 

und die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 6. September 2022, demnach beide 

innert Frist, Berufung an (Urk. 70; Urk. 75).  

1.3. Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 82 = Urk. 86; Urk. 83) liess 

der Beschuldigte am 23. Dezember 2022 fristgerecht die Berufungserklärung 

einreichen (Urk. 87).  

Demgegenüber liess die Staatsanwaltschaft ihrer Berufungsanmeldung keine 

Berufungserklärung folgen, weshalb am 17. Januar 2023 in Anwendung von 

Art. 403 Abs. 1 und Abs. 3 StPO insoweit das Nichteintreten beschlossen wurde 

(Urk. 90). 

1.4. Mit Präsidialverfügung vom 25. Januar 2023 wurde den Privatklägerinnen 1 

bis 3 sowie der Staatsanwaltschaft je eine Kopie der Berufungserklärung des 

Beschuldigten zugestellt und Frist angesetzt, um gegebenenfalls Anschlussberu-

fung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. 

Mit Eingabe vom 31. Januar 2023 liessen die Privatklägerinnen 2 und 3 

vermelden, dass keine Anschlussberufung erklärt und kein Nichteintreten auf die 

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Berufung des Beschuldigten beantragt werde. Überdies liessen sie ein Gesuch 

um unentgeltliche Prozessführung stellen (Urk. 94). Die Staatsanwaltschaft und 

die Privatklägerin 1 liessen sich zur Präsidialverfügung vom 25. Januar 2023 nicht 

vernehmen (Urk. 92). 

1.5. Am 10. August 2023 wurde zur Berufungsverhandlung auf den heutigen 

Tag vorgeladen. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte 

in Begleitung seines amtlichen Verteidigers. Vorfragen waren keine zu 

entscheiden, und abgesehen von der Einvernahme des Beschuldigten waren 

auch keine Beweise abzunehmen (Prot. II S. 6 f.). 

Nach durchgeführter Berufungsverhandlung erweist sich das Verfahren als 

spruchreif. 

2. Umfang der Berufung 

2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung 

aufschiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im 

Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-

fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (vgl. BSK StPO-EUGSTER, Art. 402 N 1 

f.). 

2.2. Der Beschuldigte hat die Berufung in seiner Berufungserklärung auf den 

Schuldspruch, die Strafe, den Vollzug der Strafe, die DNA-Profil-Erstellung, die 

Zivilforderungen der Privatklägerinnen 1-3 (beschränkt auf Dispositivziffer 7 a] 

sowie 7 b] Abs. 2) sowie die Kosten- und Entschädigungsfolgen beschränkt 

(Urk. 87 S. 2; Urk. 103; Prot. II S. 7). Die Staatsanwaltschaft und die Privatkläge-

rinnen 1 bis 3 verzichteten auf die Erklärung der Anschlussberufung. 

2.3. Somit ist im Berufungsverfahren der Schuldspruch, die Strafe, der Vollzug 

der Strafe, die DNA-Profil-Erstellung, die Zivilforderungen der Privatklägerinnen 1-

3 sowie die Kosten- und Entschädigungsfolgen (Dispositivziffern 1–3, 6-7 a), 7 b) 

Abs. 2, 9 und 11; damit auch Dispositivziffer 2 des Nachtragsurteils vom 

6. September 2022 [Urk. 76]) angefochten, während sämtliche anderen Disposi-

tivziffern des vorinstanzlichen Urteils unangefochten blieben. Der Eintritt der 

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Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab festzustellen (Art. 399 Abs. 3 StPO in 

Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO sowie Art. 404 StPO). 

2.4. In den übrigen Punkten steht der angefochtene Entscheid unter Vorbehalt 

des Verschlechterungsverbotes (Art. 391 Abs. 2 StPO) grundsätzlich zur Disposi-

tion. In den angefochtenen Punkten überprüft das Berufungsgericht das erstin-

stanzliche Urteil umfassend (Art. 398 Abs. 2 und 3 StPO). 

3. Strafantragserfordernis 

3.1. Ist eine Tat gemäss Gesetz nur auf Antrag strafbar, so kann nach Art. 30 

StGB jede Person, die durch sie verletzt worden ist, die Bestrafung des Täters 

beantragen. Bei Antragsdelikten ist das Vorliegen eines gültigen Strafantrags 

Prozessvoraussetzung und somit von Amtes wegen zu prüfen (Art. 30 f. StGB, 

Art. 303 StPO, vgl. auch Art. 329 Abs.  1 lit. b und Art. 339 Abs. 2 lit. b StPO). 

3.2. Bei den in Frage kommenden Straftatbeständen handelt es sich gross-

mehrheitlich um Offizialdelikte (Art. 122 sowie 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit 

Ziff. 2 Abs. 3 und 4 StGB), sodass diesbezüglich keine Strafanträge erforderlich 

sind. 

Um ein Antragsdelikt handelt es sich einzig bei dem in der Anklage aufgeführten 

Vorwurf der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB vom 24. Oktober 

2021 zum Nachteil von E._____ (Privatklägerin 1). Ihre schriftliche Erklärung bzw. 

Einreichung des Formulars «Geltendmachung von Rechten als Privatkläger-

schaft» datierend vom 8. November 2021 erfüllt die gesetzlichen Form- und 

Fristerfordernisse (Art. 303 Abs. 1 StPO, Art. 31 StGB), sodass ein gültiger Straf-

antrag vorliegt (so auch die Vorinstanz in Urk. 86 E. II/1.1 S. 7). 

4. Verwertbarkeit polizeiliche Einvernahme der Privatklägerin 1 

4.1. Die Verteidigung machte anlässlich der Berufungsverhandlung geltend – 

wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren (Urk. 64 S. 2) –, dass die erste polizeili-

che Einvernahme der Privatklägerin 1 nicht verwertbar sei, da diese in Verletzung 

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der Teilnahmerechte des Beschuldigten durchgeführt worden sei (Urk. 64 S. 2; 

Urk. 103 S. 2 f.). 

4.2. Art. 147 Abs. 1 StPO statuiert den Grundsatz der Parteiöffentlichkeit der 

Beweiserhebungen im Untersuchungs- und Hauptverfahren. Demnach haben die 

Parteien das Recht, bei Beweiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die 

Gerichte anwesend zu sein und einvernommenen Personen Fragen zu stellen. 

Vor Eröffnung einer Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft besteht der An-

spruch auf Parteiöffentlichkeit nicht. Bei Beweiserhebungen durch die Polizei, et-

wa bei polizeilichen Einvernahmen von Auskunftspersonen gestützt auf Art. 306 

Abs. 2 lit. b StPO, sind die Parteien mit anderen Worten nicht zur Teilnahme be-

rechtigt. Soweit die Polizei nach Eröffnung der Untersuchung Einvernahmen im 

Auftrag der Staatsanwaltschaft durchführt, stehen den Verfahrensbeteiligten die 

Verfahrensrechte zu, die ihnen bei Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft 

zukommen (Urteil des Bundesgerichts 6B_1092/2022 vom 9. Januar 2023 

E. 2.3.2 mit Hinweisen). Die Strafuntersuchung gilt als eröffnet, sobald sich die 

Staatsanwaltschaft mit dem Straffall zu befassen beginnt (BGE 141 IV 20 

E. 1.1.4). Der Zeitpunkt der Eröffnung ist in der Strafprozessordnung nicht näher 

geregelt. Im Regelfall wird darüber entschieden, wenn die Ermittlungsakten bei 

der Staatsanwaltschaft eingehen (JOSITSCH/SCHMID, PK-StPO, 4. Aufl. 2023, N 12 

zu Art. 309). Wenn die Staatsanwaltschaft Zwangsmassnahmen anordnet, geht 

damit zwingend eine Eröffnung einher (Art. 309 Abs. 1 lit. b StPO). 

4.3. Aus den Akten ergibt sich, dass die Polizei am 24. Oktober 2021, 

23.53 Uhr, alarmiert wurde (Urk. 1/1 S. 2). In der Folge führte die Polizei erste 

Ermittlungshandlungen durch, wobei auch die Privatklägerin 1 am 25. Oktober 

2021 ab 10.53 Uhr befragt wurde (Urk. 3/1). Gleichentags rapportierte die Kan-

tonspolizei Zürich an die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland. Nach Über-

nahme des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich am 

26. Oktober 2021 wurde der Beschuldigte dieser zugeführt (Urk. 1/1–2). Ab die-

sem Zeitpunkt war die Strafuntersuchung zu eröffnen (Art. 309 Abs. 1 StPO). Die 

hier zur Diskussion stehende Einvernahme der Privatklägerin 1 vom 25. Oktober 

2021 fand somit im polizeilichen Ermittlungsverfahren und nicht bereits im Auftrag 

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der Staatsanwaltschaft statt. Entsprechend verletzt die Abwesenheit des Be-

schuldigten dessen Teilnahmerechte nicht, und es ist – nachdem die Privatkläge-

rin 1 bei der Staatsanwaltschaft (Urk. 3/2) und vor Vorinstanz (Prot. I S. 34 ff.) in 

Anwesenheit des Beschuldigten bzw. dessen Verteidigung und mit der Möglich-

keit zum Stellen von Fragen einvernommen wurde – nicht erkennbar, weshalb die 

polizeiliche Einvernahme nach Art. 147 Abs. 4 StPO nicht zu Lasten des Beschul-

digten verwertet werden dürfte. Daran ändert die vom Pikettstaatsanwalt der 

Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland am 25. Oktober 2021 frühmorgens 

(01.18 Uhr) angeordnete Zwangsmassnahme (Anordnung zur Blutentnahme und 

Urinasservierung; vgl. Urk. 1/1, 5/1–2) nichts. Dies bedingte zwar die Eröffnung 

des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft (Art. 309 Abs. 1 lit. b StPO), in zeitli-

cher Hinsicht lässt sich daraus jedoch nichts ableiten (JOSITSCH/SCHMID, Hand-

buch StPO, 4. Aufl. 2023, N 1223 und 1228 Fn 61; JOSITSCH/SCHMID, PK-StPO, 

4. Aufl. 2023, N 12 zu Art. 309). Es lässt sich im Übrigen auch nicht sagen, dass 

die Staatsanwaltschaft untätig geblieben wäre und die Eröffnung der Untersu-

chung hinausgeschoben hätte, führte sie doch bereits am 26. Oktober 2021 die 

Hafteinvernahme des Beschuldigten durch (Urk. 2/2; vgl. zum Ganzen auch Urteil 

OGer ZH SB220007-O vom 21. März 2023 E. II/2 S. 8 ff.). Die polizeiliche Einver-

nahme der Privatklägerin 1 vom 25. Oktober 2021 (Urk. 3/1) ist somit uneinge-

schränkt verwertbar. 

5. Antrag der Privatklägerinnen 2 und 3 um unentgeltliche Prozessführung 

5.1. Mit Eingabe vom 31. Januar 2023 liessen die Privatklägerinnen 2 und 3 

vermelden, dass keine Anschlussberufung erklärt und kein Nichteintreten auf die 

Berufung des Beschuldigten beantragt werde. Die Privatklägerinnen 2 und 3 

liessen jedoch ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung stellen (Urk. 94). 

5.2. Gemäss Art. 136 StPO gewährt die Verfahrensleitung der Privatklägerschaft 

für die Durchsetzung ihrer Zivilansprüche ganz oder teilweise die unentgeltliche 

Rechtspflege, wenn die Privatklägerschaft nicht über die erforderlichen Mittel 

verfügt (lit. a) und die Zivilklage nicht aussichtslos erscheint (lit. b). 

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5.3. Das Gesuch der Privatklägerinnen 2 und 3 um unentgeltliche Prozessfüh-

rung wurde bereits im vorinstanzlichen Verfahren gestellt (Urk. 50) und mit 

vorinstanzlichem Urteil abgewiesen (Urk. 86 S. 54; Dispositivziffer 10 [in Rechts-

kraft erwachsen]). Die Privatklägerinnen 2 und 3 liessen sodann weder Berufung 

noch Anschlussberufung anmelden bzw. erklären, weshalb die vorinstanzliche 

Abweisung der Genugtuungsbegehren der Privatklägerinnen 2 und 3 ebenfalls in 

Rechtskraft erwachsen ist (Dispositivziffer 7 b] Abs. 1). Überdies kann auch die 

die Privatklägerinnen 2 und 3 betreffende Dispositivziffer in Bezug auf deren gel-

tend gemachten Schadenersatzforderungen in Nachachtung des 

Verschlechterungsverbotes nicht zulasten des Beschuldigten abgeändert werden, 

weshalb die Schadenersatzbegehren der Privatklägerinnen 2 und 3 maximal auf 

den Weg des Zivilprozesses verwiesen werden können. 

5.4. Nach dem Dargelegten ergibt sich, dass die Durchsetzung der Zivilansprü-

che der Privatklägerinnen 2 und 3 (im vorliegenden Verfahrensstadium) kein Ver-

fahrensgegenstand mehr ist. Entsprechend ist der Antrag der Rechtsvertreterin 

der Privatklägerinnen 2 und 3 um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung 

für das Berufungsverfahren abzuweisen. 

6. Formelles 

6.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten 

Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies explizit Erwähnung 

findet. 

6.2. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 3 Abs. 2 

lit. c StPO) folgt die Pflicht des Gerichts, seinen Entscheid zu begründen. Die 

Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich 

das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf sich 

aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht 

ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand 

auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf die für den 

Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 

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Ziff. 1 EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Ar-

gument gefordert würde (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 249 

E. 1.3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_689/2019 vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2, 

mit Hinweisen). 

II.  Schuldpunkt 

1. Ausgangslage 

1.1. Verfahrensgegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens bilden die 

nachstehend umrissenen Tatvorwürfe (Urk. 19/3): 

Am 24. Oktober 2021, ca. 23.00/23.15 Uhr, sei es zwischen dem Beschuldigten 
und seiner Ehefrau, der Privatklägerin 1 (E._____), im Elternschlafzimmer der 
ehelichen Wohnung zu einem kurzen verbalen Disput gekommen, in deren Ver-
lauf der Beschuldigte die Privatklägerin 1, welche das Schlafzimmer habe ver-
lassen wollen, an den Haaren gepackt und ihr mit der flachen Hand ins Gesicht 
geschlagen habe. Als er sie erneut an den Haaren gepackt habe, sei die Privat-
klägerin 1 mit vornüber gebücktem Oberkörper auf die Knie gefallen, so dass 
deren Oberkörper auf den horizontalen Oberschenkeln zu liegen gekommen sei 
und sich der Kopf der Privatklägerin 1 etwas über dem Boden befunden habe 
(angeklagt als Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB). 

Daraufhin habe der Beschuldigte mit einem Fuss von oben herab mit derart 
grosser Wucht auf den Kopf der Privatklägerin 1 getreten, dass dieser auf den 
Boden geknallt sei und die Privatklägerin 1 deswegen eine schwere Hirner-
schütterung sowie zwei kleine Blutungen unter der äusseren Hirnhaut in der lin-
ken Schädelhälfte erlitten habe, wobei es als Flogen der schweren Hirnerschüt-
terung zu Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit 
gekommen sei, welche noch längere Zeit angedauert habe. Der Beschuldigte 
habe bei seinem wuchtigen, mit Bezug auf die Intensität des nicht oder nur 
schwer kontrollierbaren Fusstrittes insofern eine schwere, da lebensgefährliche 
Körperverletzung bewusst und billigend in Kauf genommen, zumal er dem 
Grundsatze nach gewusst habe, dass es sich beim im Kopf eines Menschen 
befindlichen Gehirns um ein lebenswichtiges, auf schwere Gewalt empfindli-
ches Organ handle und es bei solcher Gewalt zu lebensgefährlichen Verletzun-
gen des Gehirns kommen könne. So – gemäss Anklagevorwurf weiter – hätte 

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es wegen grösseren Hirnblutungen jederzeit zu einem steigenden Druck im 
Schädelinneren mit der Gefahr der Verschiebung der Hirnmasse und dadurch 
bedingter Schädigung und Absterben ganzer Hirnbereiche oder gar zu einer 
dadurch bedingten Kompression des Atemzentrums mit tödlichen Folgen kom-
men können, wozu es indessen nicht gekommen sei (angeklagt als versuchte 
schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 
Abs. 1 StGB). 

Nachdem die Privatklägerin wegen des Fusstrittes bzw. der dadurch erlittenen 
schweren Gehirnerschütterung auf der Toilette erbrochen und sich dann völlig 
geschwächt im Schlafzimmer ins Bett gelegt habe und damit wehrlos gewesen 
sei, habe der Beschuldigte ihr erneut mehrere Faustschläge gegen den Kopf 
und das Gesicht und in den Brustbereich versetzt, so dass sie erneut habe erb-
rechen müssen und (mindestens für kurze Zeit) das Bewusstsein verloren habe. 
Durch diese Schläge habe der Beschuldigte der Privatklägerin 1 länger anhal-
tende Schmerzen, so insbesondere über dem linken Brustkorb wegen der mit 
den Schlägen zugefügten Prellung, sowie einen Bluterguss am linken Auge zu-
gefügt. Bei seinen Schlägen habe der Beschuldigte deren Folgen mindestens 
bewusst und billigend in Kauf genommen (angeklagt als einfache Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 bzw. 4 
StGB. 

1.2. Wie auch schon vor Vorinstanz bestreitet der Beschuldigte beinahe in vol-

lem Umfang, was ihm die Anklage vorwirft (Prot. I S. 25 ff.; Urk. 102 S. 4 ff.). Ent-

sprechend fordert die Verteidigung einen vollumfänglichen Freispruch (Urk. 87 

S. 2, Urk. 103). 

Der Beschuldigte ist einzig dahingehend geständig, dass es am 24. Oktober 2021 

zwischen ihm und der Privatklägerin 1 zu einem kurzen (lauten) verbalen Streit 

gekommen sei, woraufhin es ein kurzes Gerangel gegeben und er die Privatklä-

gerin 1 weggestossen habe. Er sei dann aus dem Schlafzimmer heraus ins 

Wohnzimmer gegangen. Körperliche Übergriffe seinerseits gegenüber der Privat-

klägerin 1 bestritt der Beschuldigte durchwegs (Urk. 2/1 F/A 37, 42, 47, 49, 52, 54 

f., 58, 63; Urk. 2/2 F/A 12, 16; Urk. 2/3 F/A 5 ff.; Urk. 2/6 F/A 4 ff., 9 ff.; Prot. I 

S. 26 ff.; Urk. 102 S. 4 ff.). 

- 13 - 

1.3. Der Anklagesachverhalt ist somit weitestgehend bestritten, und es ist vor 

der rechtlichen Würdigung näher zu untersuchen, ob dem Beschuldigten die vor-

geworfenen körperlichen Übergriffe (Anklageziffer 1) trotz seiner entgegenste-

henden Aussagen nachgewiesen werden können. 

2. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und Beweiswürdigung, massgebli-
che Beweismittel 

2.1. Die Vorinstanz legte die massgebenden Grundsätze der Sachverhaltser-

stellung sowie die Beweiswürdigungsregeln (Urk. 86 E. III/B S. 9–11) zutreffend 

dar. Die vorhandenen Beweismittel sind uneingeschränkt verwertbar (vgl. dazu 

auch vorstehend E. I/4). 

2.2. Die Vorinstanz hat die massgeblichen Beweismittel, namentlich 

− die Aussagen des Beschuldigten (Urk. 2/1-6; Prot. I S. 16 ff.), 
− die Aussagen der Privatklägerin 1 (Urk. 3/1-3; Prot. I S. 34 ff.), 
− die Aussagen der Zeugin B._____ (Urk. 4/3), 
− die Gutachten zur körperlichen Untersuchung des Beschuldigten (Urk. 6/1) 

und der Privatklägerin 1 (Urk. 7/9), 
− der ärztliche Befund des Kantonsspitals Winterthur über die Privatklägerin 1 

(Urk. 7/3), 
− den Bericht zur Blutalkoholanalyse des Instituts für Rechtsmedizin der Uni-

versität Zürich (nachfolgend: IRM) über den Beschuldigten (Urk. 59), 
− die Rapporte der Kantonspolizei Zürich samt Fotodokumentation der Woh-

nung des Beschuldigten und der Privatklägerin 1 (Urk. 1/1-3), 

genannt, deren Ergebnisse und den Inhalt umfassend und zutreffend wiederge-

geben, worauf zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden kann 

(Urk. 86 E. III/C/1.1-1.6 S. 11-20). Überdies befinden sich in den Akten auch noch 

die Zeugeneinvernahmen von F._____ (Urk. 4/1) sowie von G._____ (Urk. 4/2; 

vgl. dazu auch nachfolgend E. II/3.3). 

3. Würdigung der Beweismittel (Anklageziffer 1) 

3.1. Die Vorinstanz erachtete den Anklagesachverhalt gestützt auf die 

massgeblichen Beweismittel als erstellt. Die Aussagen der Privatklägerin 1 und 

der Zeugin B._____ seien übereinstimmend, glaubhaft und überzeugend. Deren 

- 14 - 

Sachverhaltsdarstellung würde durch die Fotos und die Arztberichte gestützt. Die 

Aussagen des Beschuldigten seien demgegenüber teilweise widersprüchlich und 

würden keine plausiblen Erklärungen für die bei der Privatklägerin 1 festgestellten 

Verletzungen enthalten (Urk. 86 E. III/C/1.8 S. 24). Es kann vorweggenommen 

werden, dass den von der Vorinstanz aus dem Beweismaterial gezogenen 

Schlüssen zur Sachverhaltserstellung im Ergebnis zu folgen ist. Die nachstehen-

den Erwägungen sollen die vorinstanzliche Würdigung nur noch ergänzen, präzi-

sieren und verdeutlichen, dass angesichts des Beweisergebnisses kein vernünfti-

ger Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO verbleibt, dass der Sachverhalt sich 

so zugetragen hat, wie er angeklagt (Anklageziffer 1) ist. 

3.2. Aussagen der Privatklägerin 1 

3.2.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin 1 umfassend und zu-

treffend wiedergegeben, worauf verwiesen werden kann (Urk. 86 E. III/C/1.4 

S. 15-18). Auch den Ausführungen der Vorinstanz zur Glaubwürdigkeit der Privat-

klägerin 1 und zur Glaubhaftigkeit deren Aussagen (Urk. 86 E. III/C/1.7.1 b und 

1.7.2 b S. 21 und 22 f.) kann beigepflichtet werden, insoweit nicht aus der pro-

zessualen Stellung Schlüsse auf die Glaubwürdigkeit gezogen werden. Auf letzte-

ren Aspekt wird in E. II/3.4.2 unten näher eingegangen. 

3.2.2. Die Aussagen der Privatklägerin 1 sind konsistent und weisen keine ver-

dächtigen Widersprüche auf. Die Privatklägerin 1 beschrieb in ihren Einvernah-

men realitätsnah, dass es zu diesem gewalttätigen körperlichen Übergriff am 

Abend des 24. Oktober 2021 seitens des Beschuldigten gekommen sei. Sodann 

schilderte sie den gesamten Ablauf des Übergriffs von sich aus – mit nur wenigen 

Nachfragen der Befragungsperson – dreimal grösstenteils gleichlautend 

(Urk. 3/1–3; Prot. I S. 34 ff.; vgl. auch Urk. 73). Kleine Abweichungen in den Aus-

sagen der Privatklägerin 1 – wie von der Verteidigung bereits vor Vorinstanz vor-

gebracht (Urk. 63 S. 3 f.; Urk. 103) – vermögen an diesem Bild nichts zu ändern, 

sondern sind im Gegenteil völlig normal. Kleinere Holprigkeiten gibt es immer, 

wenn man einen solchen Ablauf mehrmals schildert, mit zeitlichem Abstand da-

zwischen. 

- 15 - 

3.2.3. Die Schilderungen der Privatklägerin 1 vermitteln einen erlebnisbasierten 

Eindruck – nie wirkten sie platt oder inhaltsleer, nie einstudiert oder auswendig 

gelernt. Die Aussagen kamen spontan und vertiefend, teilweise auf entsprechen-

de Nachfrage hin. Es ist eine grosse Authentizität von Situationen, Gefühlen und 

Erlebnissen erkennbar. So schilderte die Privatklägerin 1 auch Einzelheiten aus 

dem Beziehungsleben und dem Alltag, die an sich mit den strafbaren Vorwürfen 

wenig zu tun haben, die sich aber nahtlos in die Darstellungen einbetten lassen. 

Die Privatklägerin 1 war zudem spürbar darauf bedacht, den Beschuldigten nicht 

übermässig zu belasten, und erklärte mehrmals, wenn sie etwas nicht (mehr) 

wusste oder sie sich nicht mehr ganz sicher war. Ihre Aussagen enthalten keine 

Lügensignale, sondern zahlreiche Merkmale reeller, tatsächlich erlebter Ereignis-

se, unter eindrücklicher Beschreibung der Umstände und Gefühle des Erlebens. 

Im Gesamtkontext erschüttern die Aussagen – dies ohne dass sie übertrieben 

wirken. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung rügte die Verteidigung, 

dass von der Privatklägerin 1 im freien Erzählen weder die Art des Fusstrittes be-

schrieben worden sei, noch dass ein heftiger Aufprall des Kopfes auf dem Boden 

erfolgt sei. Den heftigen Aufprall habe die Privatklägerin 1 erst auf krass suggesti-

ve Frage so bejahend zur Antwort gegeben (Urk. 103 S. 3). Selbst wenn (einzel-

ne) Fragen an die Privatklägerin 1 suggestiv gewesen sein sollten, so ändert dies 

nichts an den validen Aussagen der Privatklägerin 1. Die Privatklägerin 1 hat ein 

dynamisches Geschehen detailgetreu geschildert und glaubhafte Aussagen de-

poniert. In welchem Winkel bzw. wie der Fusstritt des Beschuldigten sodann exakt 

erfolgt ist, kann vorliegend keine wesentliche Rolle spielen. Die Aussagen der Pri-

vatklägerin 1 zur Intensität des Fusstrittes des Beschuldigten und die Heftigkeit 

des Aufpralls ihres Kopfes werden überdies auch durch den Bericht des Kan-

tonsspitals Winterthur sowie dem Gutachten zur körperlichen Untersuchung des 

IRM gestützt (Urk. 7/3 und 7/9). 

3.2.4. Hinzu kommt, dass selbst wenn der Privatklägerin 1 bei den Befragungen 

Gelegenheit für grundsätzlich mögliche Ausschmückungen gegeben wurde, sie 

davon nicht Gebrauch machte (beispielsweise auf allfällige Drohungen angespro-

chen, erklärte die Privatklägerin 1, dass keine Drohungen gefallen seien [Urk. 3/1 

F/A 51]; auf allfällige Gewalt des Beschuldigten gegenüber den gemeinsamen 

- 16 - 

Kindern angesprochen, verneinte dies die Privatklägerin 1 [Urk. 3/1 F/A 59]; auf 

die Beziehung zum Beschuldigten angesprochen, erklärte die Privatklägerin 1, 

dass sie an sich ein sehr friedliches und harmonisches Eheleben führen würden 

[Urk. 3/1 F/A 21]). 

3.2.5. Die Aussagen der Privatklägerin 1 stehen überdies im Einklang mit den in 

der Wohnung des Beschuldigten und der Privatklägerin 1 festgestellten Spuren. In 

der Wohnung der Eheleute fanden sich auf dem Bett des Elternschlafzimmers 

Spuren von Erbrochenem und mehrere Haarbüschel sowie weitere Haarbüschel 

im Kinderzimmer (Urk. 1/3). Diese Spuren fügen sich lückenlos in die Schilderun-

gen der Privatklägerin 1 ein, die zwar nicht von sich aus davon berichtete, auf ihr 

Bett erbrochen zu haben (Urk. 3/2 F/A 42 ff.) oder so stark vom Beschuldigten an 

den Haaren gepackt worden zu sein, dass dabei Haarbüschel ausgerissen wor-

den wären (Prot. I S. 38 f.), aber von sich aus ab der ersten Einvernahme vom 

(Blut)Erbrechen berichtete und erklärte, vom Beschuldigten an den Haaren ge-

packt worden zu sein (Urk. 3/1 F/A 41). Die Aussagen der Privatklägerin 1 er-

scheinen umso glaubhafter, als sie den Beschuldigten belastende Umstände – 

um die sie nicht (mehr) wusste, welche aber einwandfrei ins Bild passen – von 

sich aus nicht erwähnte. Auch stützt das bei der Privatklägerin 1 festgestellte Ver-

letzungsbild, insbesondere auch in Bezug auf die Intensität des Fusstrittes, ihre 

Aussagen (Urk. 7/3, 7/9; entgegen der Ansicht der Verteidigung [Urk. 103 S. 2 

ff.]). Die starke körperliche Reaktion der Privatklägerin 1 – offensichtlich musste 

sie erbrechen – spricht ebenfalls Bände und letztlich für die Glaubhaftigkeit der 

Aussagen der Privatklägerin 1. 

3.2.6. Auch muss man sich den Ausgangspunkt der Alarmierung des Rettungs-

dienstes bzw. der Polizei vor Augen führen. Aufgrund von Lärm aus der über ihrer 

Wohnung liegenden Wohnung, ging die Nachbarin (die Zeugin B._____) bei der 

Wohnung des Beschuldigten und der Privatklägerin 1 läuten. Nachdem der 

Beschuldigte B._____ die Türe öffnete und diese in die Wohnung herein liess, 

sowie aufgrund der angetroffenen Situation bzw. der verletzten Privatklägerin 1, 

alarmierte B._____ in der Folge den Rettungsdienst (Urk. 2/1 F/A 47 f.; Urk. 4/3 

F/A 9 f.). Via die Einsatzzentrale von Schutz und Rettung wurde danach die Poli-

- 17 - 

zei alarmiert (Urk. 1/1 S. 2). Eine Falschbelastung des Beschuldigten durch die 

Privatklägerin 1 wäre bereits vor diesem Hintergrund nicht plausibel. 

3.2.7. Die Ausführungen der Privatklägerin 1 lassen sich überdies mit den 

Beobachtungen der Zeuginnen und des Zeugen in Einklang bringen, welche zwar 

beim Vorfall vom 24. Oktober 2021 nicht (direkt) dabei waren, jedoch von Streit 

zwischen den beiden respektive Gewalt des Beschuldigten gegenüber der Privat-

klägerin 1 gehört hatten. Auch hatte die Privatklägerin 1 diesen Personen (teilwei-

se) von Gewalt von Seiten des Beschuldigten ihr gegenüber berichtet. Die 

Aussagen der Privatklägerin 1 werden insbesondere durch die Ausführungen der 

Zeugin B._____ untermauert, welche während des Vorfalls zwar nicht in der 

Wohnung des Beschuldigten und der Privatklägerin 1 zugegen war, jedoch von 

der sich darunter befindlichen Wohnung aus einen Streit und Gepolter wahrnahm, 

aus eigenem Antrieb in die Wohnung des Beschuldigten und der Privatklägerin 1 

ging, dort die verletzte Privatklägerin 1 vorfand und sodann den Rettungsdienst 

alarmierte (vgl. nachfolgend E. II/3.3). 

3.2.8. Die Angst der Privatklägerin 1 vor dem Beschuldigten wird in ihren Aussa-

gen offensichtlich und ganz eindrücklich manifest, ohne dabei übertrieben zu wir-

ken. So erklärte die Privatklägerin 1 anlässlich der ersten polizeilichen Einver-

nahme, dass wenn er (der Beschuldigte) zu schlagen beginne, er nicht mehr auf-

hören könne, auch wenn sie ihn darum bitte. Es sei schwer, ihn zu beruhigen, 

wenn er in einem gewissen Zustand sei (Urk. 3/1 F/A 39). Auf die Faustschläge 

und Tritte angesprochen, erklärte die Privatklägerin 1, dass die Schläge für sie 

sehr stark gewesen seien. Sie habe von der Heizung wegkommen wollen, da sie 

Angst vor noch schwereren Verletzungen gehabt habe. Sie sei dort nicht wegge-

kommen und habe versucht, sich mit den Armen von den Schlägen zu schützen 

(Urk. 3/1 F/A 49; vgl. auch F/A 56 f. und 66). 

3.2.9. Insgesamt sind die Aussagen der Privatklägerin 1 als äusserst glaubhaft zu 

qualifizieren, wobei Aggravationstendenzen ihren Aussagen nicht zu entnehmen 

sind.  

- 18 - 

3.3. Aussagen der Zeuginnen und des Zeugen 

3.3.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Zeugin B._____ zutreffend wiederge-

geben, worauf verwiesen werden kann (Urk. 86 E. III/C/1.5 S. 18 f.). Auch die 

Ausführungen der Vorinstanz zu deren Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit der 

Aussagen können übernommen werden (Urk. 86 E. III/C/1.7.1 c und 1.7.2 c S. 21 

und 23). 

3.3.2. Es finden sich in den Akten weiter die Einvernahmen der Zeugin F._____, 

bei der es sich um die Lehrerin der Privatklägerin 2 handelt, sowie des Zeugen 

G._____, welcher der Bruder der Privatklägerin 1 ist. 

F._____ und G._____ konnten nicht direkt etwas zum eingeklagten Vorfall berich-

ten. Weder konnten sie persönlich Beobachtungen dazu machen, noch hatte – 

soweit bekannt – die Privatklägerin 1 ihnen etwas Konkretes davon erzählt 

(Urk. 4/1-3). Den Aussagen G._____s ist aber immerhin zu entnehmen, dass die 

Privatklägerin 1 ihm bereits früher von Schlägen seitens des Beschuldigten be-

richtet habe (Urk. 4/2 F/A 12 ff.). Den Aussagen von F._____ ist zu entnehmen, 

dass es im Juni/Juli 2019 zu zwei Elterngesprächen gekommen sei, nachdem die 

Privatklägerin 2 von einem (Gewalt-)Vorfall zwischen ihren Eltern (dem Beschul-

digten und der Privatklägerin 1) zu Hause erzählt habe (Urk. 4/1 F/A 19 ff.). Es sei 

dann die Schulleitung sowie die Schulsozialarbeiterin informiert und die Fachstelle 

H._____ [Opferhilfeberatung] hinzugezogen worden. Zuerst habe ein Gespräch 

(mit dem Thema: häusliche Gewalt) mit der Privatklägerin 1 alleine stattgefunden 

und danach eines mit der Privatklägerin 1 und dem Beschuldigten zusammen. 

Der Beschuldigte habe dabei häusliche Gewalt nicht verneint bzw. nicht bestritten. 

Auf Einzelheiten des Vorfalles sei man nicht eingegangen (Urk. 4/1 F/A 19 ff., vgl. 

auch Beilage 1 und 2). 

Die Aussagen von F._____ und G._____ erweisen sich als glaubhaft. Namentlich 

sind keine Lügensignale erkennbar. Sie beide haben abgegrenzt, was ihnen von 

wem erzählt worden sei. Überdies wiesen auch sie mehrmals darauf hin, dass sie 

eine Frage nicht beantworten könnten oder dass sie sich nicht sicher seien. Ihre 

Aussagen sind sodann nicht von übermässigen Belastungen gegen dem Be-

schuldigten geprägt. Wenngleich nichts Konkretes zum Vorfall vom 24. Oktober 

- 19 - 

2021 abgeleitet werden kann, sprechen die glaubhaften Aussagen indiziell dafür, 

dass der Beschuldigte bereits vor dem Vorfall vom 24. Oktober 2021 – mindes-

tens anlässlich eines weiteren Vorfalls – zu Gewalt gegenüber der Privatkläge-

rin 1 bereit war.  

3.3.3. Die Aussagen der Zeugin F._____ werden überdies von den Journaleinträ-

gen der Fachstelle H._____ bestätigt. Daraus ergibt sich das Nachfolgende 

(Urk. 10/6 [in den Akten als Urk. 8/6 gekennzeichnet]): 

Journaleintrag vom 3. Juni 2019: 

«C._____ [Privatklägerin 2] habe heute der LP F._____ gesagt, sie habe zu 
Hause "etwas erlebt, was gar nicht gut ist, aber wenn ich das erzähle, rufen Sie 
jemanden an". Vieraugengespräch C._____ und LP: A._____ [der Beschuldig-
te] habe am 30.05. [2019] E._____ [Privatklägerin 1] in den Rücken geboxt und 
sie an den Haaren gezogen. Als E._____ am Boden gelegen habe, habe 
A._____ E._____ mit den Füssen getreten. Es sei am 30.05. und am 31.05. zu 
einem Gewaltvorfall gekommen. "Früher" sei es "auch schon einmal ganz 
schlimm" gewesen. […]» 

Journaleintrag vom 17. Juni 2019: 

«E._____ bestätigt sofort, dass A._____ ihr gegenüber gewalttätig geworden 
ist, auch dass sie dies nicht tolerieren will, dass sie sich innerhalb der Familie 
hilft geholt hat. […]» 

Journaleintrag vom 2. Juli 2019: 

«A._____ [der Beschuldigte] gibt Gewalt zu, ist im Gespräch in Kontakt mit 
E._____ und mit uns. Sagt, er wolle auf keinen Fall je wieder gewalttätig wer-
den. Ist interessiert am Angebot mannebüro. E._____ sagt klar, sie werde keine 
Gewalt mehr tolerieren. […]» 

Zwar lässt sich daraus – direkt – zum konkret am 24. Oktober 2021 Vorgefallenen 

nichts ableiten. Als deutliches Indiz spricht jedoch auch diese Vorgeschichte da-

für, dass es bereits vor dem hier zu beurteilenden Vorfall zu Gewalt seitens des 

Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin 1 kam. Bemerkenswert ist sodann 

auch, dass die Privatklägerin 2 auch damals gegenüber ihrer Lehrperson von 

Fusstritten und vom Ziehen an den Haaren seitens des Beschuldigten gegenüber 

der Privatklägerin 1 berichtet haben soll. 

- 20 - 

3.3.4. Wie bereits vorstehend ausgeführt, war die Zeugin B._____ die Ersteintref-

fende nach dem hier zu beurteilenden Vorfall in der Wohnung der Privatklägerin 1 

und des Beschuldigten (vgl. vorstehend E. II/3.2.6). Diesbezüglich berichtete sie, 

wie sie Lärm aus der über ihrer Wohnung befindlichen Wohnung wahrgenommen 

habe, aufgrund dessen sogar ihre Kinder aufgewacht seien. Daraufhin sei sie 

nach oben nachschauen gegangen (Urk. 4/3 F/A 9). Gewalttätige körperliche 

Übergriffe seitens des Beschuldigten gegenüber der Privatklägerin 1 konnte die 

Zeugin B._____ ebenfalls nicht wahrnehmen. Eindrücklich berichtete sie jedoch 

davon, in welchem Zustand sie die Privatklägerin 1 in der Wohnung vorgefunden 

habe (Urk. 4/3 F/A 9, vgl. auch F/A 14 ff.): 

«halb auf dem Boden, halb auf dem Bett, ihr Oberkörper war auf dem Bett, die 
Hüfte war auf Höhe des Bettrandes, die Beine auf dem Boden. Sie war nicht 
ansprechbar und die beiden Mädchen waren auf der andern Seite des Bettes, 
völlig verwirrt und ängstlich, mit den Händen vor dem Kinn und zitterten»; «Ich 
fragte sie, ob es ihr gut gehe und sie antwortete kaum, sondern nur benommen, 
sie stöhnte und hatte Blut im Mund, sie war kraftlos»  

Nachvollziehbar und überzeugend schilderte sie auch, wie sie den Beschuldigten 

in dieser Situation wahrgenommen habe (Urk. 4/3 F/A 10, vgl. auch F/A13): 

«er war nervös, ich glaube, er war gar nicht bei sich.»,  

und wie sie mit ihm über das Vorgefallene gesprochen habe (Urk. 4/3 F/A 10): 

«Wir waren bereits am Rauchen, wir sassen am Tisch auf dem Balkon und ich 
legte meine Hände auf den Tisch und fragte ihn: "A._____, was machst du?".  
Er nahm meine Hände in seine und sagte: "Ich liebe diese Frau". Ich sagte ihm, 
dass dies keine Liebe sei, er habe sie spitalreif geschlagen. Was es ihm nütze, 
wenn sie [die Privatklägerin 1] sterbe. Er sagte mir, dass sie wolle, dass er die 
Polizei rufe, dass es mit ihnen beiden fertig sei. Ich sagte ihm, dass dies mit 
dem Schlagen so nicht gehe, ich hatte ja so etwas selber erlebt. Ich sagte ihm, 
er mache seine Kinder kaputt und niemanden anders.»  

Weiter schilderte B._____, dass die Privatklägerinnen 2 und 3 gegenüber der Po-

lizei gesagt hätten, dass der Beschuldigte die Privatklägerin 1 mit den Beinen ge-

treten und sie geschlagen habe (Urk. 4/3 F/A 10).  

Die Aussagen von B._____ sind überzeugend, glaubhaft und weisen keine Lü-

gensignale auf. Sie grenzte klar ab, was sie selbst gesehen bzw. wahrgenommen 

- 21 - 

und was sie von anderen Personen gehört hatte. Auch belastete sie den 

Beschuldigten nicht übermässig, indem sie beispielsweise erklärte, dass sie zum 

Zeitpunkt, als sie in die Wohnung gegangen sei, nicht gewusst habe, was dort 

vorgefallen sei (Urk. 4/3 F/A 10). Auch sprechen die Aussagen von B._____ –

 dass sie, als sie die Wohnung betreten habe, keine Angst gehabt habe, denn er 

(der Beschuldigte) sei ein liebevoller und hilfsbereiter Mensch, oder dass sie noch 

nie so etwas wie das Vorgefallene in den letzten sieben Jahren aus der Wohnung 

des Beschuldigten und der Privatklägerin 1 gehört habe, sie beide wirklich «mega 

freundlich» seien – für die Glaubhaftigkeit ihrer weiteren Aussagen (Urk. 4/3 F/A 9 

und 20). 

3.4. Aussagen des Beschuldigten 

3.4.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Beschuldigten ebenfalls umfassend 

und zutreffend wiedergegeben, worauf verwiesen werden kann (Urk. 86 

E. III/C/1.3 S. 12-15). Auch die Ausführungen der Vorinstanz zur Glaubwürdigkeit 

des Beschuldigten und Glaubhaftigkeit seiner Aussagen können mit nachstehen-

der Ausnahme übernommen werden (Urk. 86 E. III/C/1.7.1 a und 1.7.2 a S. 20 

und 21 f.). 

3.4.2. Zur Glaubwürdigkeit der Direktbeteiligten erwog die Vorinstanz unter ande-

rem, dass der Beschuldigte nicht der Wahrheitspflicht im Sinne von Art. 163 

Abs. 2 StPO unterliege. Als vom Verfahren direkt Betroffener habe er ein – durch-

aus legitimes – Interesse daran, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen 

Licht darzustellen. Seine Aussagen seien «daher grundsätzlich mit einer gewis-

sen Zurückhaltung zu würdigen». Und hinsichtlich der Privatklägerin 1 erwähnte 

die Vorinstanz unter anderem die an sie bei den Einvernahmen ergangene 

Strafandrohung. Solche häufig so oder ähnlich in Strafentscheiden verwendeten 

Formulierungen, welche aus der prozessualen Stellung Schlüsse für die Glaub-

würdigkeit ziehen, halten genauerer Betrachtung nicht stand resp. sind veraltet. 

Zur Unterscheidung von wahren und erfundenen Aussagen ist die prozessuale 

Stellung ein völlig untaugliches Kriterium – mit Blick auf den Beschuldigten, weil 

ein Unschuldiger dasselbe Interesse hat; oder es ist ein Zirkelschluss, indem von 

vornherein – tendenziell zumindest – von der Schuld des Beschuldigten ausge-

- 22 - 

gangen wird. Ausserdem ist das Recht tangiert, sich nicht selbst belasten zu 

müssen (Art. 113 Abs. 1 StPO). Die prozessuale Stellung einer Partei vermag für 

die Sachverhaltserstellung nie etwas beizutragen, weder im positiven noch im ne-

gativen Sinne (vgl. Urteil der erkennenden Kammer SB180079-O/U vom 18. Ok-

tober 2018 E. 3.1 S. 9). Korrekt ist stattdessen, dem Beschuldigten und auch der 

Privatklägerin 1 grundsätzlich Glaubwürdigkeit zu attestieren. Es handelt sich hier 

aber wohlgemerkt um ein untergeordnetes Detail; im Vordergrund steht – mit der 

Vorinstanz (Urk. 86 E. III/B/3 S. 10 und E. III/C/1.7 S. 20) – die Überzeugungskraft 

der Aussagen selbst, deren Glaubhaftigkeit. 

3.4.3. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung erklärte der Beschuldigte, 

dass bevor sie ins Bett gegangen seien, sie zu diskutieren begonnen hätten. 

Dann sei es zum Vorfall gekommen. Sie hätten normal diskutiert, dann sei es es-

kaliert. Er habe an diesem Tag drei oder vier kleine Gläser Areki über eine länge-

re Zeit getrunken. Im Schlafzimmer sei es laut geworden. Die Privatklägerin 1 sei 

immer näher zu ihm gekommen. Er habe nicht mehr mit ihr diskutieren wollen. Er 

habe sie dann zur Seite gestossen und sei ins Wohnzimmer gegangen. Die Pri-

vatklägerin 1 sei (dabei) nicht umgefallen. Er habe die Privatklägerin 1 weder ge-

schlagen noch an den Haaren gerissen (Urk. 102 S. 4 ff.). 

3.4.4. Der Beschuldigte berief sich bis zuletzt auf seinen Standpunkt, dass es am 

24. Oktober 2021 zwischen ihm und der Privatklägerin 1 zu einem kurzen (lauten) 

verbalen Streit gekommen sei, woraufhin es ein kurzes Gerangel gegeben und er 

die Privatklägerin 1 weggestossen habe. Er sei dann aus dem Schlafzimmer 

heraus ins Wohnzimmer gegangen. Körperliche Übergriffe seinerseits gegenüber 

der Privatklägerin 1 bestritt der Beschuldigte auch anlässlich der heutigen Beru-

fungsverhandlung (Urk. 2/1 F/A 37, 42, 47, 49, 52, 54 f., 58, 63; Urk. 2/2 F/A 12, 

16; Urk. 2/3 F/A 5 ff.; Urk. 2/6 F/A 4 ff., 9 ff.; Prot. I S. 26 ff.; Urk. 102 S. 4 ff.). 

Die pauschalen Bestreitungen des Beschuldigten wirken insgesamt platt und 

inhaltsleer. Die selektiven Erinnerungslücken des Beschuldigten, wie etwa 

(Urk. 2/1 F/A 40, vgl. auch F/A 41 ff., 61; Prot. I S. 27): 

«Ich kann mich wirklich nicht mehr ganz genau erinnern, um was es beim Streit 
gegangen ist»,  

- 23 - 

lassen seine Beteuerungen, die Privatklägerin 1 nicht an den Haaren gezogen, 

nicht mit den Fäusten geschlagen, nicht mit den Füssen gegen den Kopf getreten 

zu haben (Urk. 2/1 F/A 52, 57, 58, 62 f.; Urk. 2/2 F/A 12, 16; Urk. 2/6 F/A 8 f.), 

insbesondere im Lichte der weiteren Beweismittel (Einvernahmen Zeugen, 

Verletzungsbild der Privatklägerin 1, Fotodokumentation der Wohnung) als un-

glaubhaft bzw. als Schutzbehauptungen erscheinen. 

3.4.5. Schon aus den Aussagen des Beschuldigten selbst ergibt sich, dass er 

durchaus zu Gewalt gegenüber seiner Ehefrau neigte, erklärte er doch auf das 

Schlagen angesprochen, dass seit sie zusammen seien, es vielleicht zweimal, 

höchstens dreimal passiert sei. Er erinnere sich an zwei Male, die anderen Male 

seien es verbale Streitigkeiten gewesen (Urk. 2/3 F/A 10, vgl. auch F/A 7 ff.). 

3.4.6. Die mehrmalige, beinahe drohend anmutende Aussage des Beschuldigten, 

dass wenn er die Privatklägerin 1 ernsthaft hätte verletzen wollen, er dies leicht 

hätte machen können bzw. dass er sie anders hätte verletzen können, irritieren 

und wirken im vorliegenden Kontext befremdlich (Urk. 2/1 F/A 37, F/A 46, F/A 52). 

In die gleiche Kategorie einzuordnen ist die Aussage des Beschuldigten an der 

erstinstanzlichen Hauptverhandlung, dass der einfachere Weg gewesen wäre, 

wenn er die Privatklägerin 1 hätte schlagen oder verletzen wollen, dass er die 

Wohnung verlassen oder er sie schlimmer zugerichtet hätte, sodass man es 

gleich gesehen hätte, dass sie schwer von ihm verletzt worden sei (Prot. I S. 28). 

3.4.7. Auch die pauschalen Bestreitungen des Beschuldigten in Bezug auf die 

Journaleinträgen der Fachstelle H._____ bzw. in Bezug auf die Aussagen der 

Zeugin F._____ wirken wenig plausibel und vermögen letztlich nicht zu überzeu-

gen (Urk. 2/6 F/A 6 f., vgl. auch F/A 12 f.). 

3.4.8. An den Schilderungen des Beschuldigten zum Vorfall vom 24. Oktober 

2021 bleibt bis zuletzt unklar, wie sich die Privatklägerin 1 die bei ihr festgestellten 

Verletzungen zugezogen hat. Der Erklärungsversuch des Beschuldigten, dass die 

Privatklägerin 1 sich vielleicht an der Bettkante angeschlagen habe und sich so 

die Verletzung zugezogen habe (Urk. 2/1 F/A 69), vermögen nicht zu überzeugen 

und sind als Schutzbehauptungen zu qualifizieren. Auch konnte der Beschuldigte 

- 24 - 

keine plausible Erklärung für die in der Wohnung vorgefundenen Haarbüschel und 

Spuren von Erbrochenem im Bett des Elternschlafzimmers liefern. 

3.4.9. Die Theorien des Beschuldigten, dass die Privatklägerin 1, um ihn zu 

beschuldigen, gegebenenfalls die Haarbüschel in der Wohnung so platziert habe 

(Urk. 2/1 F/A 68), die Privatklägerin 1 aufgrund ihrer Wut es ihm nun heimzahlen 

oder ihn als schlechten Menschen darstellen wolle (Urk. 2/2 F/A 19; Prot. I S. 28) 

oder der Bruder der Privatklägerin 1 gegebenenfalls auf die Privatklägerin 1 

Einfluss genommen habe (Prot. I S. 33), finden in den Akten keinerlei Stütze. 

Auch ergibt sich wie vorstehend dargelegt nicht, dass die Zeugin B._____ – wie 

vom Beschuldigten vorgebracht (Prot. I S. 33) – gelogen hätte (vgl. vorstehend 

E. II/3.3.4).  

3.4.10. Bei diesem Mosaik von diversen Indizien, im Zusammenspiel von objekti-

ven Beweismitteln und Aussagen mehrerer unabhängiger Personen und tat-

sächlich vorliegender Verletzungen bei der Privatklägerin 1, ist eine Inszenierung 

(aus welchem Motiv auch immer) durch die Privatklägerin 1 – wie vom Beschul-

digten vorgebracht – ausgeschlossen. 

Um sich bei der vorliegenden Beweislage entlasten zu können, müsste der 

Beschuldigte in der Lage sein, glaubhafte Erklärungen für die ihn belastenden 

Momente vorzubringen. Dies gelingt ihm – auch mit seinen Ausführungen im 

Rahmen der Berufungsverhandlung – klarerweise nicht. 

3.5. Zusammenfassung und Fazit 

3.5.1. Die Aussagen der Privatklägerin 1 sind valid. Aus ihren Aussagen und den 

weiteren Indizien ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild. Die Aussagen stehen 

auch im Einklang mit ihrem Verletzungsbild, den weiteren objektiven Beweismit-

teln sowie den Aussagen der Zeuginnen und des Zeugen, insbesondere der Zeu-

gin B._____. 

Der Beschuldigte demgegenüber konnte anlässlich des gesamten Strafverfahrens 

keine Erklärung für die ihn belastenden Tatsachen liefern, und seine Aussagen 

waren bis zuletzt von Ausflüchten oder selektiven Erinnerungslücken geprägt, 

weswegen seinen Bestreitungen kein Glauben geschenkt werden kann. 

- 25 - 

3.5.2. Der Umstand, dass sich die Privatklägerin 1 die in der Anklageschrift fest-

gehaltenen Verletzungen durch die Schläge und den Fusstritt des Beschuldigten 

zuzog, ist bei der vorliegenden Beweislage sodann klar. Ihre Verletzungen sind 

mit dem ärztlichen Befund des Kantonsspitals Winterthur (Urk. 7/3) sowie dem 

Gutachten zur körperlichen Untersuchung des IRM (Urk. 7/9) rechtsgenügend er-

stellt. 

3.5.3. Dazu, dass der Beschuldigte bei seinem Fusstritt von oben herab gegen 

den Kopf der Privatklägerin 1 schwerste Verletzungen bei dieser in Kauf nahm, 

bedarf es keiner weiteren Ausführungen, erklärte der Beschuldigte doch selbst, 

dass der Kopf der wichtigste Teil unseres Körpers sei und Verletzungen daran 

zum Tod führen können (Prot. I S. 31). Auch muss der Beschuldigte die Folgen 

seiner weiteren Faustschläge, dem Schlagen mit der flachen Hand und dem An-

den-Haaren-Packen der Privatklägerin 1 mindestens billigend in Kauf genommen 

haben. 

3.5.4. Letztlich bestehen keine relevanten Zweifel daran, dass sich der in der 

Anklage umschriebene Sachverhalt (bezüglich Anklageziffer 1) so wie dort 

beschrieben zugetragen hat. Er ist damit erstellt. 

4. Rechtliche Würdigung 

4.1. Die ausführliche rechtliche Würdigung der Vorinstanz (Urk. 86 E. III/C/2 

S. 24–30) ist weitestgehend zutreffend, sodass grundsätzlich darauf verwiesen 

werden kann. Präzisierend ist jedoch das Folgende zu erwähnen: 

4.2. Das An-den-Haaren-Packen und Schlagen mit der flachen Hand ins Ge-

sicht, worauf die Privatklägerin 1 auf die Knie fiel, qualifizierte die Vorinstanz zwar 

zu Recht sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht als Tätlichkeiten im 

Sinne von Art. 126 StGB (Urk. 86 E. III/C/2.4.2 f. S. 29 f.). Jedoch ging die Vor-

instanz implizit von echter Konkurrenz zwischen diesen Tätlichkeiten und der un-

mittelbar darauffolgenden versuchten schweren Körperverletzung aus und sprach 

den Beschuldigten bezüglich beider Delikte schuldig. Dem kann nicht beigepflich-

tet werden. Denn die ersten, als Tätlichkeiten gewürdigten physischen Übergriffe 

bis zum Zu-Boden-Bringen einerseits und der darauffolgende Fusstritt auf die am 

- 26 - 

Boden liegende Privatklägerin 1 sind bei natürlicher und objektiver Betrachtung in 

räumlicher und zeitlicher Hinsicht derart eng miteinander verbunden, dass sie als 

ein einheitliches Tun erscheinen, zumal dieser Tatzusammenhang auch nie un-

terbrochen wurde. Schliesslich richten sich beide Handlungen gegen ein und das-

selbe Rechtsgut und dieselbe Rechtsgutsträgerin und beruhen auf ein und dem-

selben gefassten Willensentschluss (BGE 137 IV 113 E. 1.2 ff.; 111 IV 144 E. 3b; 

131 IV 83 E. 2.4.5; 133 IV 256 E. 4.5.3; DONATSCH/GODENZI/TAG, Strafrecht I - 

Verbrechenslehre, 10. Aufl., Zürich 2022, S. 433 ff.; STRATENWERTH, Schweizeri-

sches Strafrecht, Allgemeiner Teil I: Die Straftat, 4. Auflage, Bern 2011, § 19 N 

12). Somit liegt insoweit ein Fall von natürlicher Handlungseinheit vor, weshalb 

die Tätlichkeiten in der versuchten schweren Körperverletzung aufgehen und 

Letztere den deliktischen Unrechtsgehalt Ersterer vollständig erfasst. Rechtferti-

gungs- und/oder Schuldausschlussgründe sind nicht ersichtlich.  

Nach dem Gesagten ist der Beschuldigte für die Anklagevorwürfe 1.1 und 1.2 der 

versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung 

mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

4.3. Nach dem Geschehen bis und mit Anklagevorwurf 1.2 kam es zu einem 

Unterbruch der Übergriffe. Nachdem die Privatklägerin auf der Toilette erbrechen 

musste und sich dann völlig geschwächt im Schlafzimmer ins Bett gelegt hatte, 

traktierte der Beschuldigte seine wehrlose Ehefrau erneut. Diesbezüglich ist von 

einem neuen Willensakt auszugehen, und nun im Sinne wiederum der Erwägun-

gen der Vorinstanz ist der Beschuldigte für den Anklagevorwurf 1.3 zusätzlich der 

einfachen (qualifizierten) Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 

StGB in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 4 StGB schuldig zu sprechen.  

Der Beschuldigte schlug wissentlich und willentlich und damit direktvorsätzlich im 

Sinne von Art. 12 Abs. 2 erster Satz StGB auf die Privatklägerin 1 ein und musste 

damit rechnen, die vorliegend dokumentierten Verletzungen zu verursachen. 

4.4. Lediglich der Vollständigkeit halber kann noch angefügt werden, dass in 

Bezug auf die einfache (qualifizierte) Körperverletzung ein Schuldspruch auch 

noch in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 StGB – wie von der Staatsanwaltschaft be-

- 27 - 

antragt war (Urk. 19/3 S. 4 f.; Urk. 62 S. 1 und 3) – angezeigt gewesen wäre, da 

die Privatklägerin 1 im fraglichen Zeitpunkt als gegenüber dem Beschuldigten 

wehrlos zu qualifizieren gewesen wäre. Die Privatklägerin 1 erlitt aufgrund des 

Fusstrittes des Beschuldigten eine Gehirnerschütterung, musste sich mehrmals 

übergeben und befand sich dann geschwächt und lädiert im Schlafzimmer. Zu 

erwähnen ist auch, dass der Beschuldigte mit seiner Körpergrösse und seinem 

Gewicht (ca. 182 Zentimeter, ca. 77 Kilogramm; Urk. 6/1) der Privatklägerin 1 (ca. 

160 Zentimeter, ca. 56 Kilogramm; Urk. 7/9) nur schon körperlich deutlich überle-

gen war. 

III.  Sanktion 

1. Ausgangslage 

1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 

36 Monaten. Deren Vollzug wurde teilbedingt, im Umfang von 24 Monaten aufge-

schoben und die Probezeit für den aufgeschobenen Teil auf drei Jahre festgesetzt 

(Urk. 86 S. 52). 

1.2. Mit seiner Berufung beantragt der Beschuldigte einen vollumfänglichen 

Freispruch (Urk. 87). 

1.3. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. 

StGB, namentlich der Gesamtstrafenbildung nach Art. 49 Abs. 1 StGB in Anwen-

dung des Asperationsprinzips, sowie die Begründungsanforderungen wiederholt 

dargelegt (siehe z.B. BGE 144 IV 313 E. 1; 142 IV 365 E. 2.4.3; 141 IV 61 E. 

6.1.1; 136 IV 55 E. 5.4 ff.; BGer 6B_676/2022 vom 27. Dezember 2022, E. 2.2; je 

mit Hinweisen). Darauf kann vorab verwiesen werden. Auch die Erwägungen der 

Vorinstanz zu den allgemeinen Strafzumessungsregeln (Urk. 86 E. IV/1.1 f. sowie 

3.1.1–3.1.4. S. 30 ff.) brauchen nicht wiederholt zu werden. 

1.4. Die Vorinstanz hat den ordentlichen Strafrahmen der (versuchten) schwe-

ren Körperverletzung korrekt abgesteckt – bei diesem Tatbestand ist es Freiheits-

strafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren (Urk. 86 E. IV/1.3 S. 31). Eine An-

wendung des mit Bundesgesetz vom 17. Dezember 2021 über die Harmonisie-

- 28 - 

rung der Strafrahmen (AS 2023 259; Inkrafttreten: 1. Juli 2023) angepassten 

Strafrahmens von Art. 122 StGB kommt vorliegend nicht in Betracht, da das neue 

Recht nicht zu einem milderen Ergebnis für den Beschuldigten führen würde. Der 

Strafrahmen der einfachen (qualifizierten) Körperverletzung beträgt Freiheitsstrafe 

bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Es sind überdies keine Gründe ersichtlich, den 

ordentlichen Strafrahmen zu verlassen. 

1.5. Die (versuchte) schwere Körperverletzung ist vorliegend die schwerste 

Straftat. Für dieses schwerste Delikt ist somit die Strafe – die Einsatzstrafe – zu 

bestimmen, wobei sämtliche Tat- und Täterkomponenten zu berücksichtigen sind. 

Für das weitere Delikt – die einfache (qualifizierte) Körperverletzung – ist eine 

(gedankliche) Einzelstrafe zu bestimmen, und die Einsatzstrafe ist sodann unter 

Berücksichtigung des Asperationsprinzips zu erhöhen. 

2. Die (versuchte) schwere Körperverletzung als Hauptdelikt 

2.1. Tatverschulden 

2.1.1. In objektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte seine 

mit ihm zusammenlebenden Ehefrau zunächst mehrfach an den Haaren packte 

und ihr mit der flachen Hand ins Gesicht schlug und – als sie zu Boden gegangen 

war – einen heftigen Fusstritt gegen sie ausführte. Dieser Fusstritt richtete sich 

gegen den Kopf der Privatklägerin 1, somit gegen eine besonders empfindliche 

Körperregion, was das Tatverschulden stark erhöht. Zudem ist mit Blick auf die 

körperliche Reaktion (starkes Erbrechen) und die Verletzungsfolgen der Privat-

klägerin 1 (zwei kleine Blutungen unter der äusseren Hirnhaut und eine schwere 

Gehirnerschütterung) erstellt, dass der Beschuldigte mit heftiger Wucht gegen 

den Kopf der Privatklägerin 1 trat und insofern brachial vorging. Die Verletzungen 

erforderten zwar keinen medizinischen (operativen) Eingriff; die Privatklägerin 1 

litt aufgrund der Gehirnerschütterung jedoch an Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, 

Müdigkeit und Abgeschlagenheit (vgl. Urk. 7/3). Die Gefahr schwerwiegender o-

der gar lebensgefährlicher Kopfverletzungen lag aufgrund des heftigen Fusstrittes 

gegen den Kopf nahe. Deshalb wurde die Privatklägerin 1 auch hospitalisiert, um 

bei einer möglichen Blutungskomplikation mit einer notfallmässigen Operation ei-

- 29 - 

ne tödliche Einklemmung des Gehirns abwenden zu können (vgl. Urk. 7/9). Zu 

erwähnen ist auch, dass der Beschuldigte mit seiner Körpergrösse und seinem 

Gewicht (ca. 182 Zentimeter, ca. 77 Kilogramm; Urk. 6/1) der Privatklägerin 1 (ca. 

160 Zentimeter, ca. 56 Kilogramm; Urk. 7/9) nur schon körperlich deutlich überle-

gen war. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass bei häuslicher Gewalt hinzu 

kommt, dass das Vertrauen und das Sicherheitsbedürfnis des Ehepartners erheb-

lich und nachhaltig beeinträchtigt wird. Durch sein enorm gewalttätiges und rück-

sichtsloses Verhalten missachtete der Beschuldigte die physische und psychische 

Integrität der Privatklägerin 1 massiv. 

In Anbetracht des Dargelegten und des gesamten Spektrums möglicher schwerer 

Körperverletzungsdelikte liegt in objektiver Hinsicht ein keinesfalls leichtes Ver-

schulden vor. Die Einsatzstrafe für das objektive Tatverschulden ist, ausgehend 

vom vollendeten Delikt der schweren Körperverletzung, auf 42 Monate Freiheits-

strafe festzusetzen. 

2.1.2. Zur subjektiven Tatschwere ist auszuführen, dass der Beschuldigte 

eventualvorsätzlich handelte, wobei der vorliegend gegebene Eventualvorsatz 

angesichts der Schwere der Sorgfaltsverletzung und der Grösse der Wahrschein-

lichkeit schwerer Verletzungen klar näher beim direkten Vorsatz denn an der 

Grenze zur bewussten Fahrlässigkeit anzusiedeln ist. Die Tat geschah aus nichti-

gem Anlass. Indessen ist von einem spontanen Tatentschluss nach einer verba-

len Auseinandersetzung auszugehen. Der Beschuldigte führte den einen heftigen 

Fusstritt aus, nachdem die Privatklägerin 1 geschwächt durch die zuvor an ihr 

durch den Beschuldigten ausgeführten Tätlichkeiten (Haare packen, Schlagen mit 

der flachen Hand ins Gesicht) auf den Knien bzw. am Boden kauerte und sich 

somit in einer erniedrigten Stellung befand, was das Verhalten des Beschuldigten 

besonders rücksichtslos erscheinen lässt. 

Zu beachten ist, dass der Konsum von Alkohol zu einer erhöhten Gewaltbereit-

schaft des Beschuldigten, zu einer herabgesetzten Hemmschwelle und entspre-

chender Übertreibung seines Handelns geführt haben dürfte. Dieser Umstand ist 

jedoch nicht strafmindernd zu berücksichtigen, da dem Beschuldigten die erhöhte 

Gewaltbereitschaft sowie die herabgesetzte Hemmschwelle aufgrund des Alko-

- 30 - 

holkonsums bereits vor seinem Alkoholkonsum bewusst war. Zumal der Beschul-

digte – wie er dies anlässlich der Berufungsverhandlung ausführte (Urk. 102 S. 4) 

– lediglich drei bis vier kleine Gläser Areki über einen längeren Zeitraum getrun-

ken hat. Eine eingeschränkte Schuldfähigkeit lag beim Beschuldigten überdies 

entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 86 E. IV/3.2.1/c S. 35) nicht vor, 

da der Beschuldigte den vom Bundesgericht festgesetzten Wert der Blutalkohol-

konzentration (2.0 ‰), ab welchem die Verminderung der Schuldfähigkeit in der 

Regel angenommen wird (vgl. BGE 122 IV 49 E. 1. b) – laut der Rückrechnung 

auf den Tatzeitpunkt mit 1.47 ‰ (vgl. Urk. 59) – nicht erreicht hat. Der Beschuldig-

te hat auch nie geltend gemacht, wegen Alkoholeinwirkung nicht mehr voll ge-

wusst zu haben, was er tue. 

Die subjektiven Aspekte der Tat vermögen das objektive Verschulden somit nicht 

zu relativieren. Insgesamt ist von einem keinesfalls leichten Tatverschulden aus-

zugehen. Dem Tatverschulden angemessen ist eine Strafe von 42 Monaten Frei-

heitsstrafe. 

2.1.3. Der vollendete Versuch – als verschuldensunabhängige Tatkomponente – 

ist obligatorisch strafmildernd zu berücksichtigen (Art. 22 in Verbindung mit 

Art. 48a StGB). Das Mass der Strafmilderung hängt unter anderem von der Nähe 

des Taterfolgs und von den tatsächlichen Folgen der Tat ab (BGE 121 IV 49 E. 

1b). 

Das Risiko schwerer Kopfverletzungen war aufgrund des einen heftigen Fusstritts 

gegen den Kopf der Privatklägerin 1 hoch. Es lag nicht am Beschuldigten, dass 

keine schwere Schädigung eintrat. Dass die Verletzungen nicht gravierender 

ausgefallen sind, ist damit primär dem Zufall zu verdanken, was sich der Beschul-

digte nicht positiv anrechnen lassen kann. Zu berücksichtigen ist aber, dass die 

effektiven (physischen) Tatfolgen nicht schwerwiegend, wenngleich aufgrund der 

erlittenen zwei Blutungen unter der äusseren Hirnhaut sowie der schweren Ge-

hirnerschütterung auch nicht gering waren. Es rechtfertigt sich, den Versuch im 

Umfang von 9 Monaten strafmildernd zu berücksichtigen. 

- 31 - 

2.2. Täterkomponenten 

2.2.1. Was die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten anbelangt, kann auf 

die Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 86 E. IV/3.2.2/a S. 35 f.) verwiesen wer-

den. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung ergab sich noch, dass der 

Beschuldigte neuerdings mit seiner Freundin zusammenwohne. Er habe seine 

Kinder (seit dem Vorfall) nicht mehr gesehen. Er arbeite in einem 50 %-Pensum 

als Coiffeur und verdiene damit Fr. 2'400.– pro Monat. Er trinke gelegentlich Alko-

hol am Wochenende, er habe jedoch kein Alkoholproblem (Urk. 102 S. 2 ff.). Eine 

gesteigerte Strafempfindlichkeit weist der Beschuldigte nicht auf. Es ist nicht er-

sichtlich, weshalb die Lebensgeschichte oder der Werdegang des Beschuldigten 

Auswirkungen auf die Strafzumessung zeitigen sollten. Aus der Biografie und den 

persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten lassen sich keine strafzumes-

sungsrelevanten Faktoren ableiten. 

2.2.2. Was das Vorleben des Beschuldigten angeht, ist festzuhalten, dass er mit 

Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 22. April 2016 we-

gen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (qualifizierte Atemalkohol- oder Blutalko-

holkonzentration) im Sinne von Art. 91 Abs. 2 lit. a SVG schuldig gesprochen und 

zu einer bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 40.– sowie 

einer Busse in der Höhe von Fr. 300.– verurteilt wurde (Urk. 18/3). 

Die Vorinstanz führte dazu aus, dass die nicht einschlägige Vorstrafe nicht zu 

berücksichtigen sei (Urk. 86 E. IV/3.2.2/a S. 36). Das erscheint wohlwollend mild, 

zumal es heute immerhin erneut um ein Fehlverhalten unter Alkoholeinwirkung 

geht. Vor dem Hintergrund aber, dass bei der Tatbegehung der heute zu beurtei-

lenden Tat gut fünf Jahre zurücklagen (Urk. 18/3) und die Vorstrafe gering war, 

wäre heute nur noch eine marginale, in einer Gesamtbetrachtung zu vernachläs-

sigende Straferhöhung unter diesem Titel angezeigt. 

2.2.3. In Bezug auf das Nachtatverhalten ist festzuhalten, dass der Beschuldigte 

in der Untersuchung – wenn auch im Rahmen des Zulässigen – weder geständig 

war noch Reue an den Tag legte. Entsprechend fällt unter diesem Titel mit der 

Vorinstanz eine Strafminderung ausser Betracht. 

- 32 - 

2.2.4. Weitere strafzumessungsrelevante Faktoren sind nicht ersichtlich. Eine 

Reduktion der Strafe unter dem Titel der Verletzung des Beschleunigungsgebots 

– wie von der Verteidigung vorgebracht (Urk. 103 S. 6) – ist mit Blick auf die 

Gesamtverfahrensdauer von rund zwei Jahren noch nicht angezeigt. 

2.3. Zwischenfazit 

In Anbetracht aller relevanten Strafzumessungsgründe erscheint in Würdigung 

der objektiven und subjektiven Komponenten der begangenen Straftat sowie in 

Berücksichtigung der Täterkomponenten für die versuchte schwere Körperverlet-

zung eine Freiheitsstrafe von 33 Monaten als Einsatzstrafe angemessen. 

3. Nebendelikt: Einfache (qualifizierte) Körperverletzung 

3.1. In objektiver Hinsicht gilt anzufügen, dass der Beschuldigte die Privatkläge-

rin 1 – nachdem diese aufgrund des Fusstrittes des Beschuldigten eine Gehirn-

erschütterung erlitten hatte, sich mehrmals übergeben musste und geschwächt 

zurück im Schlafzimmer war – mehrmals mit der Faust gegen den Kopf, das 

Gesicht und den Brustbereich schlug. Durch diese Schläge erlitt die Privatkläge-

rin 1 Schmerzen über dem linken Brustkorb sowie einen Bluterguss am linken 

Auge (Urk. 7/3). Diese stellen leichtere Verletzungen dar, welche indes mit 

Schmerzen und einer gewissen Heildauer verbunden sind. Glücklicherweise wur-

de die Privatklägerin 1 anlässlich des ganzen Vorfalles nicht gravierender bzw. 

längerfristig körperlich beeinträchtigt. Es gilt jedoch zu erwähnen, dass der Be-

schuldigte wiederum gegen den Kopf und das Gesicht (insbesondere auch das 

Auge) der bereits geschwächten Privatklägerin 1 schlug, damit gegen einen der 

sensibelsten Teile des Körpers. Daher ist das Tatverschulden des Beschuldigten 

in objektiver Hinsicht als nicht mehr leicht einzustufen. 

3.2. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich. Das spontane Verhalten des 

Beschuldigten zeugt von hoher Impulsivität. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, 

dass die mehreren Faustschläge gegen die bereits durch die Tätlichkeiten und 

den Fusstritt des Beschuldigten geschwächte Privatklägerin 1 eine grosse Ge-

ringschätzung und fehlende Empathie seiner Ehefrau gegenüber zeigen. Auch 

- 33 - 

zeigt der neuerliche Übergriff auf die Privatklägerin 1, welche sich bereits be-

nommen zurück im Schlafzimmer befand, die grosse Gleichgültigkeit des Be-

schuldigten gegenüber ihrer physischen und psychischen Integrität. Was das Mo-

tiv angeht, kann angesichts der Bestreitung nur spekuliert werden. Naheliegend 

scheint, dass es dem Beschuldigten vor allem darum ging, Kontrolle und Macht 

auszuüben. Überdies und namentlich zur Alkoholisierung kann auf die vorstehen-

den Ausführungen zur versuchten schweren Körperverletzung verwiesen werden 

(vgl. vorstehend E. III/2.1.2). Die subjektiven Verschuldensaspekte vermögen das 

objektive Tatverschulden nicht zu relativieren, weshalb es bei einem nicht mehr 

leichten Tatverschulden bleibt. 

3.3. In Bezug auf die Täterkomponeten kann auf die vorstehenden Erwägungen 

zur versuchten schweren Körperverletzung verwiesen werden (vgl. vorstehend 

E. III/2.2). Die Täterkomponenten wirken sich insgesamt strafzumessungsneutral 

aus. 

3.4. Nur für sich betrachtet wäre hierfür mit der Vorinstanz eine Strafe von 

9 Monaten angemessen. 

4. Strafart 

Die Vorinstanz verurteilte den Beschuldigten sowohl hinsichtlich der versuchten 

schweren Körperverletzung als auch hinsichtlich der einfachen (qualifizierten) 

Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe. Vorab kann mit der 

Vorinstanz festgehalten werden, dass für die versuchte schwere Körperverletzung 

– aufgrund der Strafandrohung – lediglich die Ausfällung einer Freiheitsstrafe in 

Betracht kommt (Art. 122 StGB, vgl. auch Urk. 86 E. IV/2.1 f. S. 31 f.). Was die 

einfache (qualifizierte) Körperverletzung betrifft, bewegt sich die angemessene 

Strafe über dem Anwendungsbereich einer Geldstrafe (180 Tagessätze; vgl. 

Art. 34 Abs. 1 Satz 1 StGB). Überdies sind die Delikte unmittelbar miteinander 

verknüpft. Mit der Vorinstanz sind für den Beschuldigten daher sowohl für die ver-

suchte schwere Körperverletzung als auch für die einfache (qualifizierte) Körper-

verletzung Freiheitsstrafen angezeigt. 

- 34 - 

5. Festsetzung der Gesamtstrafe 

Da sich für die versuchte schwere und die einfache (qualifizierte) Körperverlet-

zung gleichartige Strafen, nämlich Freiheitsstrafen auszusprechen sind, ist in An-

wendung von Art. 49 Abs. 1 StGB eine Gesamtstrafe auszufällen. Es kommt den 

zwei Delikten verschuldensmässig zwar selbstständige Bedeutung zu; es ist aber 

von einem besonders engen sachlichen, zeitlichen und situativen Zusammenhang 

auszugehen. Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips erscheint folgende 

Rechnung angemessen: 

Delikt: Einsatzstrafe bzw.  bei Einzelbetrachtung asperiert 

Versuchte schwere Körperverletzung 33 Mt. (33 Mt.) 

Einfache (qualifizierte) Körperverletzung 9 Mt. 6 Mt. 

 42 Mt. 39 Mt. 

Es erscheint somit eine Freiheitsstrafe von 39 Monaten angemessen. Einer Erhö-

hung der erstinstanzlich festgelegten Freiheitsstrafe steht jedoch das Verschlech-

terungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) entgegen. Deshalb ist der Beschuldigte mit 

einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten zu bestrafen. 

6. Vollzug 

Hinsichtlich der Ausgangslage sowie der rechtlichen Grundlagen betreffend den 

(teilbedingten) Vollzug kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der 

Vorinstanz verwiesen werden (vgl. Urk. 86 E. V/1 f. S. 39). 

Der teilbedingte Vollzug der Freiheitsstrafe steht nur schon wegen des Ver-

schlechterungsverbotes, aber auch wegen des Fehlens einer Schlechtprognose 

im Sinne von Art. 42 Abs. 1 StGB nicht zur Diskussion. Mit Blick auf das erhebli-

che Tatverschulden des Beschuldigten, in Nachachtung des Verschlechterungs-

verbotes sowie unter Verweis auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen 

(Urk. 86 E. V/3 S. 39 f.) rechtfertigt es sich, den zu vollziehenden Anteil auf 

12 Monate festzusetzen und den Rest der Strafe (24 Monate) aufzuschieben. 

- 35 - 

Die Probezeit des aufgeschobenen Teils der Freiheitsstrafe von 24 Monaten ist 

angesichts der Vorstrafe auf 3 Jahre festzusetzen (Art. 44 Abs. 1 StGB). 

7. Anrechnung der Haft / Ersatzmassnahmen 

Gemäss Art. 51 StGB rechnet das Gericht die vom Täter während diesem oder 

einem anderen Verfahren ausgestandene Untersuchungshaft auf die Strafe an. 

Der Beschuldigte befand sich vom 25. Oktober 2021, 00.15 Uhr, bis 

13. Dezember 2021, 16.10 Uhr (Urk. 17/2 und 17/30), somit 50 Tage in Untersu-

chungshaft. Dementsprechend sind dem Beschuldigten 50 Tage als durch Haft 

erstanden an die Strafe anzurechnen (Art. 51 StGB). 

Dem Beschuldigten wurden am 13. Dezember 2021 – nach der Haftentlassung – 

verschiedene Ersatzmassnahmen auferlegt (Rayonverbot [Bezirke Winterthur, 

Pfäffikon, Bülach – Bülach Nord nur die Gemeinden Frauenstein-Teufen, Rorbas, 

Embrach, Oberembrach, Lufigen – und Andelfingen], davon ausgenommen: 

Termine im Rahmen des Eheschutzverfahrens vor dem Bezirksgericht Winterthur 

sowie allfällige Anhörungstermine bei der KESB Winterthur-Andelfingen; Kontakt-

verbot zur Privatklägerin 1; Überwachung durch Electronic Monitoring [Urk. 17/26 

und 17/32]). Die Zwangsmassnahmen wurden schliesslich mit Beschluss des 

Beziksgerichts Winterthur vom 31. August 2022 aufgehoben (Urk. 68; vgl. 

Urk. 26). Die Ersatzmassnahmen dauerten demnach 261 Tage. 

Nach der Rechtsprechung sind Ersatzmassnahmen analog der Untersuchungs-

haft auf die Freiheitsstrafe anzurechnen. Bei der Bemessung der anrechenbaren 

Dauer hat das Gericht den Grad der Beschränkung der persönlichen Freiheit im 

Vergleich zum Freiheitsentzug bei Untersuchungshaft zu berücksichtigen. Dabei 

kommt dem Gericht ein erheblicher Ermessensspielraum zu (vgl. BGE 140 IV 

74 E. 2.4, mit Hinweisen). Es ist also danach zu fragen, ob und inwiefern die nor-

male Alltagsführung beeinträchtigt wurde sowie ob es der betroffenen Person er-

schwert oder verunmöglicht wurde, der Arbeit nachzugehen, soziale Kontakte zu 

pflegen, Freizeitaktivitäten zu unternehmen usw. Weitere Beurteilungskriterien 

sind auch, mit welchem Zeit- und Kostenaufwand die Massnahme verbunden war. 

Entscheidend ist jedenfalls, dass die grundrechtsbeschränkenden Auswirkungen 

- 36 - 

der Massnahmen gestützt auf die konkreten Verhältnisse im Einzelfall ermittelt 

und angerechnet werden (vgl. BSK StPO-MANFRIN/VOGEL, Art. 237 N 119). 

Bis zu seiner Verhaftung war der Beschuldigte mit den Privatklägerinnen 1 bis 3 

an der I._____-strasse 1 in J._____ wohnhaft. Mit der Anordnung des Rayonver-

botes wurde ihm somit verunmöglicht, in seine Wohnung zurückzukehren, worauf 

er bei einem Kollegen in Zürich unterkam (Urk. 2/5; vgl. auch Prot. I S. 23). Auf 

seine Arbeitssituation hatten die angeordneten Ersatzmassnahmen jedoch keinen 

Einfluss, konnte der Beschuldigte doch noch immer in seinem Coiffeursalon in 

Zürich arbeiten (Urk. 2/6 S. 9). Das Getrenntleben des Beschuldigten und der 

Privatklägerin 1 war bis zur vorinstanzlichen Hauptverhandlung gerichtlich nicht 

geregelt, weshalb davon ausgegangen werden muss, dass der Beschuldigte –

 bedingt auch durch das Rayonverbot – keinen Kontakt zu seiner Familie, insbe-

sondere nicht zu seinen Kindern, pflegen konnte. Dies bestätigte der Beschuldigte 

auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung (Urk. 102 S. 2 ff.). Mit dem 

Electronic Monitoring, zur Überwachung des Rayonverbotes, dürfte keine grosse 

(zusätzliche) Beschränkung der persönlichen Freiheit des Beschuldigten einher-

gegangen sein. Insgesamt erscheint eine Anrechnung der Ersatzmassnahmen im 

Umfang von 10 %, demnach im Umfang von 26 Tagen, angemessen. 

8. Fazit 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte mit 36 Monaten 

Freiheitsstrafe, wovon 76 Tage durch Untersuchungshaft und Ersatzmassnahmen 

erstanden sind, zu bestrafen ist. Der Vollzug der Freiheitsstrafe ist im Umfang von 

24 Monaten aufzuschieben und die Probezeit auf 3 Jahre festzusetzen. Im Übri-

gen (12 Monate, abzüglich 76 Tage, die durch Untersuchungshaft und 

Ersatzmassnahmen erstanden sind) ist die Freiheitsstrafe zu vollziehen. 

IV.  DNA-Profil 

Mit der Vorinstanz (Urk. 86 E. VIII S. 45 f.) ist festzuhalten, dass die Vorausset-

zungen für die Abnahme einer DNA-Probe und die Erstellung eines entsprechen-

den DNA-Profils gemäss Art. 257 lit. a und b StPO vorliegend erfüllt sind. In Anbe-

- 37 - 

tracht der Schwere der Taten, der heutigen Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe 

von 36 Monaten und der nicht auszuschliessenden Gefahr von Rückfällen er-

scheint diese Massnahme – deren Zweck in der Verhinderung und erleichterten 

Aufklärung allfälliger Rückfalltaten liegt – durchaus verhältnismässig. 

V.  Zivilansprüche 

1.1. Die allgemeinen Voraussetzungen und gesetzlichen Grundlagen für die 

Beurteilung der Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen wurden durch die 

Vorinstanz korrekt wiedergegeben (Urk. 86 E. IX/1, 2 und 3 S. 46 f.). 

1.2. Die Vorinstanz hat die Genugtuungsforderung der Privatklägerin 1 von 

Fr. 7'000.– (samt Zins) mit der Zusprechung von Fr. 4'000.– nur aber immerhin 

teilweise gutgeheissen (Urk. 86 E. IX/4 S. 48 f.). 

Die Privatklägerin 1 sah davon ab, gegen den erstinstanzlichen Entscheid in Be-

rufung zu gehen, sei dies selbstständig oder im Rahmen einer Anschlussberu-

fung. Demzufolge scheidet aufgrund des Verschlechterungsverbots nach Art. 391 

Abs. 2 StPO zum vornherein aus, der Privatklägerin 1 eine höhere Genugtuung 

zuzusprechen, als es die Vorinstanz tat. 

Immerhin, dass der Privatklägerin 1 angesichts der durch den Beschuldigten 

verursachten Unbill grundsätzlich eine Genugtuung zuzusprechen ist, erscheint 

gerechtfertigt. Bezüglich ihres schlüssig begründeten Entscheids kann der 

Vorinstanz gefolgt werden und der Privatklägerin 1 mit Blick auf die Art und 

Schwere der Verletzung, die Intensität und die Dauer der Auswirkungen auf die 

Persönlichkeit sowie das Verschulden des Beschuldigten eine Genugtuung von 

Fr. 4'000.– zuzüglich Zins zuzusprechen (Urk. 86 E. IX/4.1-4.4 S. 48 f.). 

1.3. Die Vorinstanz hat die Schadenersatzbegehren der Privatklägerinnen 2 

und 3 auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Da die Privatklägerinnen 2 und 

3 weder Berufung noch Anschlussberufung gegen den erstinstanzlichen Ent-

scheid anmeldeten bzw. erklärten, scheidet aufgrund des Verschlechterungsver-

bots eine Zusprechung von Schadenersatz an die Privatklägerinnen 2 und 3 von 

vornherein aus. Überdies ist die Schadenersatzforderung der Privatklägerinnen 2 

- 38 - 

und 3 nicht hinreichend begründet und beziffert, weswegen das Schadenersatz-

begehren im Sinne von Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO auf den Weg des Zivilprozes-

ses zu verweisen ist (so auch die Vorinstanz in Urk. 86 E. IX/5.2 S. 50). 

VI.  Kosten- und Entschädigungsfolgen 

1. Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kostendispositiv 

(Dispositivziffer 9 [inkl. Dispositivziffer 2 des Nachtragsurteils vom 6. September 

2022, Urk. 76]) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO). 

2. Kosten des Berufungsverfahrens 

2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf 

Fr. 3'600.– festzusetzen (§ 16 Abs. 1 i.V.m. § 14 Abs. 1 GebV OG). 

2.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe 

ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-

terliegt fast vollumfänglich; er obsiegt einzig bezüglich dessen Absehens von ei-

ner zusätzlichen Busse, weil zwischen den Tätlichkeiten und der Körperverletzung 

eine natürliche Handlungseinheit erkannt wurde. Es rechtfertigt sich somit, die 

zweitinstanzlichen Kosten – mit Ausnahme der Entschädigung der amtlichen Ver-

teidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin 1 – zu 9/10 

dem Beschuldigten aufzuerlegen. Im Übrigen (1/10) sind die Kosten auf die Ge-

richtskasse zu nehmen. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung 

der Privatklägerin 1 sind – unter Vorbehalt der Rückforderung im Umfang der 

Kostenauflage – auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO, 

teilweise i.V.m. Art. 138 StPO). 

3. Entschädigung für die amtlichen Mandate 

3.1. Der amtliche Verteidiger (Rechtsanwalt lic. iur. X1._____) ist für seine Auf-

wendungen im Berufungsverfahren – unter Berücksichtigung der geltend gemach-

ten Aufwandspositionen (Urk. 101) sowie der tatsächlichen Dauer der 

- 39 - 

Berufungsverhandlung (Prot. II S. 5 und 13) – pauschal mit Fr. 4'000.– aus der 

Gerichtskasse zu entschädigen. 

3.2. Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin 1 (Rechtsanwältin 

lic. iur. Y._____) ist für das Berufungsverfahren – unter Berücksichtigung der gel-

tend gemachten Aufwendungen (Urk. 100) – mit Fr. 349.65 aus der Gerichtskasse 

zu entschädigen. 

4. Bei diesem Verfahrensausgang ist der Beschuldigte sodann auch nicht – wie 

von der Verteidigung beantragt (Urk. 87 S. 2; Urk. 103 S. 6) – für die erstandene 

Untersuchungshaft und die Ersatzmassnahmen zu entschädigen (vgl. dazu auch 

vorstehend E. III/8). 

Es wird beschlossen: 

1. Es wird festgestellt, dass der Vorab-Beschluss des Bezirksgerichts Winter-

thur sowie das Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 31. August 2022 

(inkl. Nachtragsurteil vom 6. September 2022 betr. Kosten IRM-Gutachten) 

wie folgt in Rechtskraft erwachsen ist: 

"Es wird beschlossen: 

1. Das Verfahren wird hinsichtlich der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB 

(Anklagevorwurf 2) definitiv eingestellt. 

2. [Mitteilungen / Rechtsmittel]» 

Sodann wird erkannt: 

1.-3. […] 

4. Auf die Anordnung eines Kontaktverbotes gegenüber der Privatklägerin 1 im Sinne 

von Art. 67b StGB wird verzichtet. 

5. Von der Anordnung einer Landesverweisung im Sinne von Art. 66a StGB wird abge-

sehen. 

6. […] 

  

- 40 - 

7. a) […] 

 b) Die Genugtuungsbegehren der Privatklägerinnen 2 und 3 werden abgewiesen. 

[…] 

8. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf: 

Fr. 3'600.00 ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 3'000.00   Gebühr für das Vorverfahren;  

Fr. 2'321.30   Auslagen (Gutachten); 

Fr. 840.00   Auslagen Kantonspolizei Zürich; 

Fr. 50.00   Zeugenentschädigung B._____; 

Fr. 5'080.10   Kosten amtliche Verteidigung, Rechtsanwältin MLaw X2._____    (inkl. Barauslagen und MwSt.), bereits vergütet; 

Fr. 11'921.10   Kosten amtliche Verteidigung, Rechtsanwalt lic. iur. X1._____ 
  (inkl. Barauslagen und MwSt.); 

Fr. 7'286.85   Kosten unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin 1,   Rechtsanwältin lic. iur. Y._____ (inkl. Barauslagen und MwSt.); 

Fr. 1'393.05   Kosten IRM-Gutachten; 

Fr. 35'492.40   Total. 

9. […] 

10. Der Antrag der Rechtsvertreterin der Privatklägerinnen 2 und 3 auf Gewährung der 

unentgeltlichen Prozessführung wird abgewiesen. 

11. […] 

12. [Mitteilungen] 

13. [Rechtsmittel]" 

2. Der Antrag der Rechtsvertreterin der Privatklägerinnen 2 und 3 um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung für das Berufungsverfahren 

wird abgewiesen. 

3. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung mit nachfolgendem Urteil. 

  

- 41 - 

Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB 

in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie 

− der einfachen (qualifizierten) Körperverletzung im Sinne von Art. 123 

Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 4 StGB. 

2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 36 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 

76 Tage durch Untersuchungshaft und Ersatzmassnahmen erstanden sind. 

3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufgescho-

ben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate, 

abzüglich 76 Tage, die durch Untersuchungshaft und Ersatzmassnahmen 

erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen. 

4. Es wird die Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils 

angeordnet. Das Forensische Institut Zürich (FOR) wird mit dem Vollzug 

beauftragt und der Beschuldigte verpflichtet, innert 30 Tagen ab Eintritt der 

Rechtskraft des Urteils beim Forensischen Institut Zürich, Polizei- & Justiz-

zentrum PJZ, Erkennungsdienst‚ Güterstrasse 33, 8010 Zürich, zwecks 

DNA-Probenahme für die DNA-Profilerstellung zu erscheinen. Kommt er 

dieser Verpflichtung unentschuldigt nicht nach, wird die Kantonspolizei hier-

mit verpflichtet, ihn – auf entsprechende Mitteilung des Forensischen Insti-

tuts Zürich hin – zwangsweise vorzuführen. 

5. a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 (E._____) 

Fr. 4'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 25. Oktober 2021 als Genugtuung 

zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewie-

sen. 

 

 

- 42 - 

b) Die Schadenersatzbegehren der Privatklägerinnen 2 (C._____) und 3 

(D._____) werden auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. 

6. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 9 [inklusive Ziff. 2 des Nach-

tragsurteils vom 6. September 2022]) wird bestätigt. 

7. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf: 

Fr. 3'600.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 4'000.–   amtliche Verteidigung, 

Fr. 349.65   unentgeltliche Rechtsvertretung Privatklägerin 1. 

8. Die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtli-

chen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin 1, 

werden zu 9/10 dem Beschuldigten auferlegt und zu 1/10 auf die Gerichts-

kasse genommen. 

Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung 

der Privatklägerin 1 im Berufungsverfahren werden zu 9/10 einstweilen und 

zu 1/10 definitiv auf die Gerichtskasse genommen. Die Rückzahlungspflicht 

des Beschuldigten bleibt im Umfang von 9/10 gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO 

und Art. 138 Abs. 1 StPO vorbehalten. 

9. Mündliche Eröffnung und schriftliche Mitteilung im Dispositiv an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Be-
schuldigten (übergeben) 

− die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (versandt) 
− die Rechtsvertretung der Privatklägerin 1 im Doppel für sich und zu-

handen der Privatklägerin 1 (versandt) 
− die Rechtsvertretung der Privatklägerinnen 2 und 3 in dreifacher Aus-

fertigung für sich und zuhanden der Privatklägerinnen 2 und 3 (ver-
sandt) 

sowie in vollständiger Ausfertigung an 

− die amtliche Verteidigung im Doppel für sich und zuhanden des Be-
schuldigten 

 

- 43 - 

 
− die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich 
− die Rechtsvertretung der Privatklägerin 1 im Doppel für sich und zu-

handen der Privatklägerin 1 
− die Rechtsvertretung der Privatklägerinnen 2 und 3 in dreifacher Aus-

fertigung für sich und zuhanden der Privatklägerinnen 2 und 3 

und nach unbenütztem Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. Erledigung allfälli-

ger Rechtsmittel an 

− die Vorinstanz 
− den Justizvollzug des Kantons Zürich, Abteilung Bewährungs- und 

Vollzugsdienste 
− das Migrationsamt des Kantons Zürich (mit Vermerk der Rechtskraft) 
− die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit Formular A 
− die Koordinationsstelle VOSTRA/DNA mit den Formularen "Löschung 

des DNA-Profils und Vernichtung des ED-Materials" zwecks Bestim-
mung der Vernichtungs- und Löschungsdaten 

− das Forensische Institut Zürich, Polizei- & Justizzentrum PJZ, Erken-
nungsdienst‚ Güterstrasse 33, 8010 Zürich, hinsichtlich Dispositivzif-
fer 4 

− K._____ AG, … [Adresse] (Dossier-Nr. 2). 

10. Gegen diesen Entscheid kann bundesrechtliche Beschwerde in Straf-
sachen erhoben werden. 

Die Beschwerde ist innert 30 Tagen, von der Zustellung der vollständigen, 
begründeten Ausfertigung an gerechnet, bei der gemäss Art. 35 und 35a 

BGerR zuständigen strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts (1000 

Lausanne 14) in der in Art. 42 des Bundesgerichtsgesetzes vorgeschriebe-

nen Weise schriftlich einzureichen. 

 

 

 

 

- 44 - 

Die Beschwerdelegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen 

richten sich nach den massgeblichen Bestimmungen des Bundesgerichts-

gesetzes. 

 
 

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer 

 
 

Zürich, 20. November 2023 
 
 

Der Präsident: 
 
 
 

lic. iur. B. Gut 
 

Der Gerichtsschreiber: 
 
 
 

MLaw J. Stegmann 
 

 
 

Zur Beachtung: 

Der/die Verurteilte wird auf die Folgen der Nichtbewährung während der Probezeit aufmerksam 

gemacht: 

Wurde der Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit aufgeschoben, muss sie vor-

erst nicht bezahlt werden. Bewährt sich der/die Verurteilte bis zum Ablauf der Probezeit, muss 

er/sie die Geldstrafe definitiv nicht mehr bezahlen (Art. 45 StGB); Analoges gilt für die bedingte 

Freiheitsstrafe. 

Eine bedingte Strafe bzw. der bedingte Teil einer Strafe kann im Übrigen vollzogen werden 

(Art. 46 Abs. 1 bzw. Abs. 4 StGB), 

- wenn der/die Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Vergehen begeht, 

- wenn der/die Verurteilte sich der Bewährungshilfe entzieht oder die Weisungen missachtet. 

	Urteil vom 20. November 2023
	"Es wird erkannt:
	1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig
	 der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
	 der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 4 StGB sowie
	 der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB.

	2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wovon 50 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind, sowie mit einer Busse von Fr. 300.–.
	3. a) Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate, abzüglich 50 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
	b) Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitstrafe von 3 Tagen.
	4. Auf die Anordnung eines Kontaktverbotes gegenüber der Privatklägerin 1 im Sinne von Art. 67b StGB wird verzichtet.
	5. Von der Anordnung einer Landesverweisung in Sinne von Art. 66a StGB wird abgesehen.
	6. Es wird die Abnahme einer DNA-Probe und Erstellung eines DNA-Profils im Sinne von Art. 5 des DNA-Profil-Gesetzes angeordnet. Das Forensische Institut Zürich (FOR) wird mit dem Vollzug beauftragt und der Beschuldigte verpflichtet, innert 30 Tagen ab...
	7. a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 Fr. 4'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 25. Oktober 2021 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
	b) Die Genugtuungsbegehren der Privatklägerinnen 2 und 3 werden abgewiesen.
	Die Schadenersatzbegehren der Privatklägerinnen 2 und 3 werden auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
	8. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
	9. Die Kosten gemäss Dispositiv-Ziffer 8 werden dem Beschuldigten auferlegt, mit Ausnahme der Kosten für die amtliche Verteidigung sowie für die unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin 1, welche einstweilen auf die Gerichtskasse genommen we...
	10. Der Antrag der Rechtsvertreterin der Privatklägerinnen 2 und 3 auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird abgewiesen.
	11. Der Antrag des Beschuldigten auf Entschädigung für die erstandene Haft sowie die Zwangsmassnahme wird abgewiesen.
	12. [Mitteilungen]
	13. [Rechtsmittel]"
	Erwägungen:
	I.   Verfahrensgang und Prozessuales

	1. Verfahrensgang
	1.1. Mit Eingabe vom 4. Mai 2022 erhob die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich gegen A._____ beim Bezirksgericht Winterthur Anklage (Urk. 19/3). Der Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil ergibt sich aus dem Entscheid vom 31. August 2022 (...
	1.2. Das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 31. August 2022 wurde den Parteien gleichentags mündlich eröffnet (Urk. 67; Prot. I S. 57 ff.). Unmittelbar voran ging dem Urteil noch ein Beschluss der Vorinstanz, mit welchem das Verfahren hinsichtlich d...
	Gegen das Urteil meldeten der Beschuldigte mit Eingabe vom 1. September 2022 und die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 6. September 2022, demnach beide innert Frist, Berufung an (Urk. 70; Urk. 75).
	1.3. Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 82 = Urk. 86; Urk. 83) liess der Beschuldigte am 23. Dezember 2022 fristgerecht die Berufungserklärung einreichen (Urk. 87).
	Demgegenüber liess die Staatsanwaltschaft ihrer Berufungsanmeldung keine Berufungserklärung folgen, weshalb am 17. Januar 2023 in Anwendung von Art. 403 Abs. 1 und Abs. 3 StPO insoweit das Nichteintreten beschlossen wurde (Urk. 90).
	1.4. Mit Präsidialverfügung vom 25. Januar 2023 wurde den Privatklägerinnen 1 bis 3 sowie der Staatsanwaltschaft je eine Kopie der Berufungserklärung des Beschuldigten zugestellt und Frist angesetzt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben od...
	Mit Eingabe vom 31. Januar 2023 liessen die Privatklägerinnen 2 und 3 vermelden, dass keine Anschlussberufung erklärt und kein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten beantragt werde. Überdies liessen sie ein Gesuch um unentgeltliche Prozess...
	1.5. Am 10. August 2023 wurde zur Berufungsverhandlung auf den heutigen Tag vorgeladen. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers. Vorfragen waren keine zu entscheiden, und abgesehen von ...

	2. Umfang der Berufung
	2.1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht erfassten Punkte in Rechtskraft ...
	2.2. Der Beschuldigte hat die Berufung in seiner Berufungserklärung auf den Schuldspruch, die Strafe, den Vollzug der Strafe, die DNA-Profil-Erstellung, die Zivilforderungen der Privatklägerinnen 1-3 (beschränkt auf Dispositivziffer 7 a] sowie 7 b] Ab...
	2.3. Somit ist im Berufungsverfahren der Schuldspruch, die Strafe, der Vollzug der Strafe, die DNA-Profil-Erstellung, die Zivilforderungen der Privatklägerinnen 1-3 sowie die Kosten- und Entschädigungsfolgen (Dispositivziffern 1–3, 6-7 a), 7 b) Abs. 2...
	2.4. In den übrigen Punkten steht der angefochtene Entscheid unter Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes (Art. 391 Abs. 2 StPO) grundsätzlich zur Disposition. In den angefochtenen Punkten überprüft das Berufungsgericht das erstinstanzliche Urteil u...

	3. Strafantragserfordernis
	3.1. Ist eine Tat gemäss Gesetz nur auf Antrag strafbar, so kann nach Art. 30 StGB jede Person, die durch sie verletzt worden ist, die Bestrafung des Täters beantragen. Bei Antragsdelikten ist das Vorliegen eines gültigen Strafantrags Prozessvorausse...
	3.2. Bei den in Frage kommenden Straftatbeständen handelt es sich grossmehrheitlich um Offizialdelikte (Art. 122 sowie 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 und 4 StGB), sodass diesbezüglich keine Strafanträge erforderlich sind.
	Um ein Antragsdelikt handelt es sich einzig bei dem in der Anklage aufgeführten Vorwurf der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB vom 24. Oktober 2021 zum Nachteil von E._____ (Privatklägerin 1). Ihre schriftliche Erklärung bzw. Einreichung ...

	4. Verwertbarkeit polizeiliche Einvernahme der Privatklägerin 1
	4.1. Die Verteidigung machte anlässlich der Berufungsverhandlung geltend – wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren (Urk. 64 S. 2) –, dass die erste polizeiliche Einvernahme der Privatklägerin 1 nicht verwertbar sei, da diese in Verletzung der Teilna...
	4.2. Art. 147 Abs. 1 StPO statuiert den Grundsatz der Parteiöffentlichkeit der Beweiserhebungen im Untersuchungs- und Hauptverfahren. Demnach haben die Parteien das Recht, bei Beweiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu ...
	4.3. Aus den Akten ergibt sich, dass die Polizei am 24. Oktober 2021, 23.53 Uhr, alarmiert wurde (Urk. 1/1 S. 2). In der Folge führte die Polizei erste Ermittlungshandlungen durch, wobei auch die Privatklägerin 1 am 25. Oktober 2021 ab 10.53 Uhr befra...

	5. Antrag der Privatklägerinnen 2 und 3 um unentgeltliche Prozessführung
	5.1. Mit Eingabe vom 31. Januar 2023 liessen die Privatklägerinnen 2 und 3 vermelden, dass keine Anschlussberufung erklärt und kein Nichteintreten auf die Berufung des Beschuldigten beantragt werde. Die Privatklägerinnen 2 und 3 liessen jedoch ein Ges...
	5.2. Gemäss Art. 136 StPO gewährt die Verfahrensleitung der Privatklägerschaft für die Durchsetzung ihrer Zivilansprüche ganz oder teilweise die unentgeltliche Rechtspflege, wenn die Privatklägerschaft nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (lit...
	5.3. Das Gesuch der Privatklägerinnen 2 und 3 um unentgeltliche Prozessführung wurde bereits im vorinstanzlichen Verfahren gestellt (Urk. 50) und mit vorinstanzlichem Urteil abgewiesen (Urk. 86 S. 54; Dispositivziffer 10 [in Rechtskraft erwachsen]). ...
	5.4. Nach dem Dargelegten ergibt sich, dass die Durchsetzung der Zivilansprüche der Privatklägerinnen 2 und 3 (im vorliegenden Verfahrensstadium) kein Verfahrensgegenstand mehr ist. Entsprechend ist der Antrag der Rechtsvertreterin der Privatklägerinn...

	6. Formelles
	6.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies explizit Erwähnung findet.
	6.2. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 3 Abs. 2 lit. c StPO) folgt die Pflicht des Gerichts, seinen Entscheid zu begründen. Die Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich das Gericht hat lei...
	II.   Schuldpunkt

	1. Ausgangslage
	1.1. Verfahrensgegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens bilden die nachstehend umrissenen Tatvorwürfe (Urk. 19/3):
	Am 24. Oktober 2021, ca. 23.00/23.15 Uhr, sei es zwischen dem Beschuldigten und seiner Ehefrau, der Privatklägerin 1 (E._____), im Elternschlafzimmer der ehelichen Wohnung zu einem kurzen verbalen Disput gekommen, in deren Verlauf der Beschuldigte die...
	Daraufhin habe der Beschuldigte mit einem Fuss von oben herab mit derart grosser Wucht auf den Kopf der Privatklägerin 1 getreten, dass dieser auf den Boden geknallt sei und die Privatklägerin 1 deswegen eine schwere Hirnerschütterung sowie zwei klein...
	Nachdem die Privatklägerin wegen des Fusstrittes bzw. der dadurch erlittenen schweren Gehirnerschütterung auf der Toilette erbrochen und sich dann völlig geschwächt im Schlafzimmer ins Bett gelegt habe und damit wehrlos gewesen sei, habe der Beschuldi...
	1.2. Wie auch schon vor Vorinstanz bestreitet der Beschuldigte beinahe in vollem Umfang, was ihm die Anklage vorwirft (Prot. I S. 25 ff.; Urk. 102 S. 4 ff.). Entsprechend fordert die Verteidigung einen vollumfänglichen Freispruch (Urk. 87 S. 2, Urk. 1...
	Der Beschuldigte ist einzig dahingehend geständig, dass es am 24. Oktober 2021 zwischen ihm und der Privatklägerin 1 zu einem kurzen (lauten) verbalen Streit gekommen sei, woraufhin es ein kurzes Gerangel gegeben und er die Privatklägerin 1 weggestoss...
	1.3. Der Anklagesachverhalt ist somit weitestgehend bestritten, und es ist vor der rechtlichen Würdigung näher zu untersuchen, ob dem Beschuldigten die vorgeworfenen körperlichen Übergriffe (Anklageziffer 1) trotz seiner entgegenstehenden Aussagen nac...

	2. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und Beweiswürdigung, massgebliche Beweismittel
	2.1. Die Vorinstanz legte die massgebenden Grundsätze der Sachverhaltserst