# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 750d0c8f-1802-57ee-be1c-db980a7ab67a
**Source:** Schaffhausen (SH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2021-02-15
**Language:** de
**Title:** Schaffhausen Obergericht 15.02.2021 (publiziert) 40/2008/61°
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/SH_OG/SH_OG_001_40-2008-61-_2021-02-15.pdf

## Full Text

2008 

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Keine Veröffentlichung im Amtsbericht. 

 

Art. 354 ff. ZPO. Rekurs gegen Ausweisung bzw. Anfechtung der Kündi-

gung (OGB Nr. 40/2008/61 vom 5. Dezember 2008) 

 

 Der Entscheid betreffend die Ausweisung eines Mieters, in dem der Ein-

zelrichter auch noch die Frage der Anfechtung der Kündigung sowie die 

Erstreckung des Mietverhältnisses überprüfte, ergeht im summarischen Ver-

fahren. Gegen Ausweisungsverfügungen ist der Rekurs zulässig, mithin auch 

gegen den erwähnten Entscheid.  

 

Aus den Erwägungen: 

 

 1.–  ... 

 a)  Ficht der Mieter eine ausserordentliche Kündigung an und ist ein 

Ausweisungsverfahren hängig, so entscheidet von Bundesrechts wegen die 

für die Ausweisung zuständige Behörde auch über die Wirkung der Kündi-

gung, wenn der Vermieter wegen Zahlungsrückstand gekündigt hat (Art. 274g 

Abs. 1 lit. a des Schweizerischen Obligationenrechts vom 30. März 1911 

[OR, SR 220]). Diese Bestimmung verpflichtet den Ausweisungsrichter als an 

sich sachlich unzuständige Instanz zusätzlich die Anfechtungs- und die 

Erstreckungsproblematik zu überprüfen. Für die Schlichtungsbehörde bzw. 

den Richter, die nach kantonalem Recht eigentlich zur Behandlung der An-

fechtungs- bzw. Erstreckungsproblematik berufen wären, hat die Bestimmung 

demgegenüber die sachliche und funktionelle Unzuständigkeit zur Folge, und 

zwar von dem Zeitpunkt an, in dem ein Ausweisungsverfahren hängig ist. 

Keine Rolle spielt dabei, ob das Ausweisungsverfahren vor oder nach dem 

Schlichtungs- oder Gerichtsverfahren hängig wurde (Peter Higi, Zürcher 

Kommentar, OR, 4. A., Zürich 1996, Art. 274g N. 30 und 32, S. 526 f.).  

 

 G. W. hat das Mietverhältnis wegen Zahlungsrückstands gekündigt und 

gegen F. B. und B. H. ein Ausweisungsverfahren angestrengt. Diese hatten 

jedoch die Kündigung inzwischen innert Frist (vgl. Art. 273 Abs. 1 OR) bei 

der Schlichtungsstelle bzw. beim Kantonsgericht angefochten. Die Verfahren 

waren daher beim Ausweisungsrichter, mithin beim Einzelrichter im summa-

rischen Verfahren zu vereinigen, was vorliegend auch geschehen ist. 

 

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 b)  Die Kompetenzattraktion nach Art. 274g OR zeitigt insbesondere 

zwei Konsequenzen: einerseits hat der Ausweisungsrichter – soweit nicht ge-

setzlich ausgeschlossen (vgl. Art. 271a Abs. 3 OR) – die Kündigungs-

anfechtung und ein allfälliges Erstreckungsbegehren wie auch das Aus-

weisungsbegehren mit voller Kognition zu beurteilen. Sein Entscheid ist von 

Bundesrechts wegen materieller Rechtskraft fähig. Aus diesem Grund hat der 

Richter anderseits die Verfahren auch in tatsächlicher Hinsicht umfassend zu 

prüfen. Hieraus kann jedoch noch nicht geschlossen werden, dass gegen den 

Entscheid des Ausweisungsrichters, der gleichzeitig über die Kündigungs-

anfechtung zu entscheiden hat, im kantonalen Rechtsmittelverfahren die Be-

rufung anstelle des Rekurses zulässig sei. Das Bundesrecht setzt jedenfalls 

voraus, dass das kantonale Rechtsmittel Devolutiv- und Suspensivwirkung 

hat, letzteres im Sinn einer Hemmung der Rechtskraft und in der Regel auch 

der Vollstreckbarkeit. Der nach der Schaffhauser Zivilprozessordnung als or-

dentliches Rechtsmittel ausgestaltete Rekurs erfüllt beide Voraussetzungen, 

wobei ihm allerdings im Summarverfahren die Suspensivwirkung erst bei-

gelegt werden muss (Art. 356 Abs. 2 der Zivilprozessordnung für den Kanton 

Schaffhausen vom 3. September 1951 [ZPO, SHR 273.100]). Zudem können 

auch mit dem Rekurs alle Mängel des Verfahrens und des Entscheids gerügt 

werden (Art. 355 ZPO); das Obergericht hat daher volle Kognition. Mithin 

erfüllt der Rekurs die bundesrechtlichen Vorgaben, und es besteht kein 

Grund, gegen den Entscheid des Ausweisungsrichters, der gleichzeitig über 

die Kündigungsanfechtung zu entscheiden hat, im kantonalen Rechtsmittel-

verfahren anstelle des Rekurses die Berufung zuzulassen (OGE 40/2007/22 

vom 26. Oktober 2007, E. 1b mit Hinweis).