# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 86df314b-82df-5285-ab16-5644e9ee5467
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-11-06
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 06.11.2009 E-6675/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-6675-2009_2009-11-06.pdf

## Full Text

Abtei lung V
E-6675/2009/sca
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  6 .  N o v e m b e r  2 0 0 9

Einzelrichter Markus König, 
mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi;
Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler.

A._______,
Belarus,
c/o B._______,
Beschwerdeführer,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;
Verfügung des BFM vom 16. Oktober 2009 / N_______.

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

E-6675/2009

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt,

dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge am 11. Septem-
ber 2009 seinen Heimatstaat verliess, über C._______ reiste und am 
13.  September  2009  illegal  in  die  Schweiz  gelangte,  wo  er  am 14. 
September  2009  im  Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  D._______ 
(EVZ) um Asyl nachsuchte,

dass (nach Transfer) im EVZ B._______ am 5. Oktober 2009 die sum-
marische Befragung und gleichentags eine weitere Anhörung zu den 
Asylgründen im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs zu ei-
ner  am  1.  Oktober  2009  durchgeführten  radiographischen  Untersu-
chung des Handknochens stattfand,

dass der Beschwerdeführer angab, er sei sei ein Findelkind gewesen 
und sei in einem Waisenhaus in E._______, Region F._______, aufge-
wachsen, wo er nur zwei Schulklassen besucht und sonst keine Aus-
bildung erhalten habe,

dass er danach habe arbeiten und dabei Eisenbahnwaggons und Last-
wagen habe entladen müssen und sich ausgenutzt gefühlt habe,

dass er damals von einem Erzieher, genannt "G._______", geschlagen 
worden sei und auch einige Male aus dem Waisenhaus entwichen sei,

dass er  sich wegen dieser  Schwierigkeiten drei  Mal  erfolglos an die 
Polizei gewendet habe,

dass das BFM mit  Verfügung vom 16. Oktober  2009 – eröffnet  glei-
chentags – in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b  des Asylgesetzes 
vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht ein-
trat und die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz so-
wie den Vollzug anordnete,

dass  das  BFM  zur  Begründung  im  Wesentlichen  anführte,  der  Be-
schwerdeführer habe keinen Identitätsnachweis zu den Akten gereicht, 
indessen habe das Resultat der Handknochenuntersuchung ergeben, 
dass  sein  Knochenwachstum  gemäss  den  vergleichenden  Tabellen 
von Greulich und Pyle einem Skelettalter von 18 Jahren entspreche,

dass selbst unter Berücksichtigung der Unsicherheitsmarge die Abwei-
chung von 38 Monaten zwischen dem vom Beschwerdeführer angege-

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benen Alter (14 Jahre und 10 Monate) und dem ermittelten Skelettalter 
nicht erreicht werde, womit gemäss Rechtsprechung der rechtsgenüg-
liche  Nachweis  der  versuchten  Identitätstäuschung  erbracht  worden 
sei,

dass der  Beschwerdeführer mit  Eingabe vom 23. Oktober  2009 und 
"Beschwerdenachbesserung"  vom  26.  Oktober  2009  gegen  diesen 
Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und da-
bei die vollumfängliche Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die 
Rückweisung der Angelegenheit zur materiellen Prüfung seines Asyl-
gesuchs, eventualiter die Sistierung des Asylverfahrens bis zu seiner 
Volljährigkeit  und  prozessual  die  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) be-
antragte,

dass die Akten am 28. Oktober 2009 vollständig beim Bundesverwal-
tungsgericht eintrafen,

dass diesen im Übrigen zu entnehmen ist, dass der Beschwerdeführer 
im Laufe seines bisherigen Aufenthaltes in seinem Gastland bereits im 
Zusammenhang mit einem Vermögensdelikt aufgefallen ist,

und das Bundesverwaltungsgericht erwägt,

dass es endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5  des 
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfah-
ren [VwVG, SR 172.021]) des BFM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. 
Art. 31-33 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, 
SR 173.32];  Art. 83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]),

dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung beson-
ders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung be-
ziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),

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dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ein-
zutreten  ist  (Art.  108  Abs.  2  AsylG  und  Art. 6  AsylG  i.V.m.  Art. 52 
VwVG),

dass mit  Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige 
oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts 
und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden  können  (Art. 106  Abs. 1 
AsylG),

dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es 
das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu 
überprüfen  (Art. 32-35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Be-
schwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die 
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist,

dass die Vorinstanz die Frage der Wegweisung und des Vollzugs mate-
riell prüft, weshalb dem Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle 
Kognition zukommt,

dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterli-
cher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e 
AsylG) und es sich vorliegend,  wie nachfolgend aufgezeigt,  um eine 
solche handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu 
begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),

dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel 
verzichtet wurde,

dass auf  ein Asylgesuch nicht  eingetreten wird,  wenn Asylsuchende 
die Behörden über ihre Identität  täuschen und diese Täuschung auf-
grund  der  Ergebnisse  der  erkennungsdienstlichen  Behandlung  oder 
anderer Beweismittel feststeht (Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG),

dass das BFM mit überzeugender Begründung dargelegt hat, weshalb 
seitens  des  Beschwerdeführers  eine  Täuschung  der  Asylbehörden 
über seine Identität vorliege (vgl. angefochtene Verfügung S. 3),

dass  der Beschwerdeführer diesen Erwägungen nicht nur keine über-
zeugenden  Argumente  entgegenzusetzen  vermag  (vgl.  Beschwerde 
S. 3), sondern darin vielmehr eingesteht, die Behörden über sein tat-

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sächliches Alter angelogen zu haben, und in Wirklichkeit am _______ 
geboren worden zu sein,

dass das BFM demnach in Anwendung von Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG 
zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten 
ist,

dass die – nach wie vor behauptete – Minderjährigkeit des Beschwer-
deführers bei der vorliegenden Aktenlage vom BFM zu Recht als un-
glaubhaft qualifiziert worden ist,

dass die (eingestandenermassen) ohne nachvollziehbare Begründung 
nachgeschobene  neue  Altersangabe  die  Unglaubwürdigkeit  des  Be-
schwerdeführers zusätzlich bestätigt,

dass damit auch von vornherein keine Veranlassung besteht,  das Be-
schwerdeverfahren  des  Beschwerdeführers  bis  zur  angeblichen  Voll-
jährigkeit zu sistieren, weshalb dieser Eventualantrag abzuweisen ist,

dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegwei-
sung aus der Schweiz zur Folge hat, vorliegend der Beschwerdeführer 
weder eine Aufenthaltsbewilligung besitzt noch einen Anspruch auf die 
Erteilung einer solchen hat, weshalb auch die verfügte Wegweisung im 
Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und zu bestätigen 
ist  (Art.  44  Abs. 1  AsylG,  Art.  32  Bst.  a  der  Asylverordnung  1  vom 
11. August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311];  vgl. 
auch  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylre-
kurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21),

dass zu prüfen bleibt, ob es Gründe gibt, die dem Vollzug der Wegwei-
sung entgegenstehen,  da im Fall  eines  unzulässigen,  unzumutbaren 
oder unmöglichen Vollzugs das Anwesenheitsverhältnis nach den Be-
stimmungen des AuG zu regeln ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG, Art. 83 Abs. 1 
des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerin-
nen und Ausländer [AuG, SR 142.20]),

dass der  Beschwerdeführer über  sein Alter  getäuscht  hat  und damit 
auch andere Aspekte seiner Identität,  beispielsweise seine Herkunft, 
fraglich sind,

dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  Beachtung  der  massgeblichen 
völker-  und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  weil  ange-

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sichts  der  unglaubhaften  Vorbringen  keine  Anhaltspunkte  für  eine 
menschenrechtswidrige  Behandlung  ersichtlich  sind,  die  dem  Be-
schwerdeführer  im  angeblichen  Heimat-  oder  Herkunftsstaat  drohen 
würde (Art. 83 Abs. 3 AuG),

dass weder die allgemeine Lage im angeblichen Heimatland noch indi-
viduelle  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs 
des Beschwerdeführers sprechen (Art. 83 Abs. 4 AuG),

dass sich aus den Akten schliesslich auch keine Hinweise auf das Vor-
liegen technischer Vollzugshindernisse ergeben,  weshalb der  Vollzug 
auch als möglich erscheint (Art. 83 Abs. 2 AuG),

dass es demnach dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist darzutun, 
inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletze,  den 
rechtserheblichen  Sachverhalt  unrichtig  oder  unvollständig  feststelle 
oder unangemessen sei (vgl. Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde 
abzuweisen ist,

dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG – ungeachtet der nicht nachgewiesenen Be-
dürftigkeit  –  schon wegen der  Aussichtslosigkeit  der  Beschwerdebe-
gehren abzuweisen ist,

dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten in der Höhe 
von Fr. 600.-- dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 16 Abs. 1 
Bst. a VGG, Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über 
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht 
[VGKE, SR 173.320.2], Art. 63 Abs. 1 VwVG).

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird ab-
gewiesen.

3.
Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.--  werden  dem  Beschwerdeführer 
auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu 
Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.

4.
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und die kanto-
nale Ausländerbehörde.

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Markus König Rudolf Bindschedler

Versand:

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