# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6e15ace8-63c0-5c6f-8085-d0266a06a817
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2023-02-21
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 21.02.2023 E-5314/2022
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-5314-2022_2023-02-21.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung V 

E-5314/2022 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 1 .  F e b r u a r  2 0 2 3  

Besetzung 
 Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), 

Richter Simon Thurnheer, Richterin Esther Marti,    

Gerichtsschreiber Stefan Trottmann. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Afghanistan,   

vertreten durch MLaw Gianluca Schlaginhaufen, 

substituiert durch MLaw Lea Fritsche,  

(…) Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), (…),  

Beschwerdeführer,  

  

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug) sowie  

Datenänderung im zentralen Migrationsinformationssystem 

(ZEMIS);  

Verfügung des SEM vom 3. Oktober 2022 / N (…). 

 

 

 

E-5314/2022 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Der Beschwerdeführer suchte am 9. Januar 2022 in der Schweiz um 

Asyl nach. Am 2. Februar 2022 fand die Erstbefragung unbegleiteter min-

derjähriger Asylsuchender (EB UMA) und am 20. April 2022 die Anhörung 

nach Art. 29 AsylG (SR 142.31) statt, an welchen er im Wesentlichen aus-

führte, er sei afghanischer Staatsangehöriger paschtunischer Ethnie und 

komme aus dem Dorf B._______ im Distrikt C._______ in der Provinz 

Nangarhar. Einer seiner Brüder (D._______) habe mehrere Jahre bei der 

NGO E._______ gearbeitet, ein anderer Bruder (F._______) sei beim Ge-

heimdienst beziehungsweise Sicherheitsdienst gewesen. Er, der Be-

schwerdeführer, habe bis zum Zeitpunkt, als Afghanistan gefallen sei, nicht 

gewusst, dass F._______ bei der nationalen Sicherheit Dienst geleistet 

habe. Die Taliban seien einmal beziehungsweise mehrere Male zu seiner 

Familie nach Hause gekommen und hätten nach F._______ respektive 

nach beiden Brüdern gefragt. Sie hätten damit gedroht, entweder 

D._______ oder ihn anstelle von F._______ mitzunehmen, falls dieser sich 

nicht stelle. Als die Taliban das letzte Mal bei ihm zuhause erschienen 

seien, hätten sie D._______ mitnehmen wollen, hätten aber davon abge-

sehen, als der Dorfvorsteher mit ihnen gesprochen habe. Daraufhin habe 

sich D._______ zum Flughafen begeben, um das Land zu verlassen. Da-

zumal habe es am Flughafen einen Anschlag gegeben. Er wisse nicht, was 

D._______ dabei passiert sei respektive wo er sich momentan aufhalte. 

Aufgrund der Befürchtung, dass die Taliban ihn, den Beschwerdeführer, bei 

ihrem nächsten Besuch mitnähmen, habe ihm sein Vater gesagt, er solle 

das Land verlassen. Im Jahr 2021, vermutlich im Juli beziehungsweise 

nach dem Sturz der afghanischen Regierung habe er die Ausreise ange-

treten. Nach seiner Ausreise habe er von seinem Cousin erfahren, dass 

seine Familie aufgrund der Bedrohungen der Taliban das Haus verlassen 

habe und nach G._______ zu einem Onkel gezogen sei. Bei einer allfälli-

gen Rückkehr nach Afghanistan befürchte er, dass die Taliban ihn töten 

würden (vgl. Akten der Vorinstanz 1121635-[nachfolgend: SEM-act.] 14/13 

und 48/14).  

A.b Am 8. Februar 2022 wurde durch das Kantonsspital H._______ 

(I._______) ein Altersgutachten erstellt (vgl. SEM-act. 21/8). Die Vorinstanz 

gab dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 10. Februar 2022 die Ge-

legenheit, sich zum Ergebnis des Altersgutachtens, zur beabsichtigten An-

passung seiner Daten im zentralen Migrationssystem (ZEMIS) sowie zu 

einer möglichen Wegweisung nach Österreich schriftlich zu äussern (vgl. 

E-5314/2022 

Seite 3 

SEM-act. 22/4). Eine Stellungnahme erfolgte mit Schreiben vom 22. Feb-

ruar 2022 (vgl. SEM-act. 28/3).  

A.c Ebenfalls am 22. April 2022 wurde der Beschwerdeführer dem erwei-

terten Verfahren zugeteilt (vgl. SEM-act. 50/1).  

A.d Ausweispapiere wurden bis dato nicht zu den Akten gereicht.  

B.  

B.a Mit Verfügung vom 3. Oktober 2022 stellte das SEM fest, der Be-

schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-

such ab und ordnete die Wegweisung an. Gleichzeitig erachtete es den 

Vollzug der Wegweisung zurzeit als nicht zumutbar und verfügte die vor-

läufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz. Zudem hielt das 

SEM fest, dass das Geburtsdatum im ZEMIS auf den (…) 2004 laute und 

im ZEMIS ein Bestreitungsvermerk angebracht werde (vgl. SEM-act. 

60/13).  

B.b Aufgrund eines Versäumnisses der Vorinstanz wurden die editions-

pflichtigen Akten dem Beschwerdeführer erst mit Schreiben vom 21. Okto-

ber 2022 zugestellt. Die Verfügung wurde daher erst am 24. Oktober 2022 

rechtsgenüglich eröffnet (vgl. SEM-act. 63/1 und 65/1).  

C.  

Mit Beschwerde vom 17. November 2022 an das Bundesverwaltungsge-

richt wurde beantragt, die Dispositiv-Ziffer 7 der angefochtenen Verfügung 

sei aufzuheben, die Minderjährigkeit des Beschwerdeführers festzustellen 

und die Vorinstanz anzuweisen, das Geburtsdatum des Beschwerdefüh-

rers im ZEMIS auf den (…) 2006 abzuändern, eventualiter sei die Disposi-

tiv-Ziffer 7 der angefochtenen Verfügung aufzuheben und die Vor- 

instanz anzuweisen, das Geburtsdatum im ZEMIS beim (…) 2006 zu be-

lassen. Zudem seien die Dispositiv-Ziffern 1 bis 3 der angefochtenen Ver-

fügung aufzuheben und es sei dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren 

oder jedenfalls die Flüchtlingseigenschaft festzustellen, eventualiter sei die 

angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur vollständigen 

Feststellung des Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. 

Ferner sei es ihm vorsorglich zu erlauben, in einem Asylzentrum für min-

derjährige Asylsuchende zu wohnen und alle die mit der Minderjährigkeit 

zusammenhängenden Rechte zu geniessen. 

E-5314/2022 

Seite 4 

In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung, um Einsetzung von MLaw Gianluca Schlaginhaufen als 

unentgeltlichem Rechtsbeistand und um Verzicht auf die Erhebung eines 

Kostenvorschusses. 

Mit der Beschwerde reichte er eine gültige Vollmacht vom 11. Mai 2022 im 

Original, die angefochtene Verfügung in Kopie und ein Schreiben des SEM 

vom 21. Oktober 2022 betreffend Aufforderung zur rechtsgültigen Eröff-

nung des Entscheides in Kopie ein.  

D.  

Mit Schreiben vom 21. November 2022 bestätigte das Gericht den Eingang 

der Beschwerde. 

E.  

Mit Instruktionsverfügung vom 24. November 2022 lud die Instruktionsrich-

terin die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. 

F.  

Am 1. Dezember 2022 reichte der Beschwerdeführer eine Bestätigung 

über die Ausrichtung von Asylfürsorge vom Sozialamt J._______ vom 

24. November 2022 ein.  

G.  

Die Vorinstanz reichte am 9. Dezember 2022 ihre Vernehmlassung ein.  

H.  

Mit Instruktionsverfügung vom 13. Dezember 2022 lud die Instruktionsrich-

terin den Beschwerdeführer zur Replik ein. Dieser replizierte mit Eingabe 

vom 28. Dezember 2022.  

I.  

Mit Zwischenverfügung vom 10. Januar 2023 hiess die Instruktionsrichterin 

die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Bei-

gabe einer amtlichen Rechtsvertretung gut, setzte den mandatierten 

Rechtsvertreter MLaw Gianluca Schlaginhaufen als amtlichen Rechtsbei-

stand ein und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Auf 

den Antrag, dem Beschwerdeführer sei es vorsorglich zu erlauben, in ei-

nem Asylzentrum für minderjährige Asylsuchende zu wohnen und alle die 

mit der Minderjährigkeit zusammenhängenden Rechte zu geniessen, trat 

sie nicht ein.  

E-5314/2022 

Seite 5 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde. Das Verfahren 

richtet sich nach dem VwVG, dem VGG, dem BGG und dem AsylG (Art. 37 

VGG und Art. 6 AsylG).  

1.2 Hinsichtlich Flüchtlingseigenschaft und Asyl urteilt das Gericht endgül-

tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden (Art. 108 

Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Ver-

fahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfü-

gung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren 

Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der 

Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die 

Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 

2014/26 E. 5). 

2.2 Hinsichtlich der ZEMIS-Berichtigung entscheidet das Bundesverwal-

tungsgericht grundsätzlich mit uneingeschränkter Kognition. Es überprüft 

die angefochtene Verfügung auf Rechtsverletzungen sowie auf Angemes-

senheit hin (Art. 49 VwVG).  

3.  

Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die Fragen 

der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls (vgl. E. 5 unten) sowie die Weg-

weisung (vgl. E. 6). Der Wegweisungsvollzug ist diesbezüglich nicht mehr 

zu prüfen, nachdem die Vorinstanz den Beschwerdeführer wegen Vorlie-

gens eines Vollzugshindernisses (Unzumutbarkeit) vorläufig aufgenom-

men hat. Ebenfalls Streitgegenstand bildet die Frage der Änderung des 

Geburtsdatums im ZEMIS (vgl. E. 7 unten).  

E-5314/2022 

Seite 6 

4.  

4.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu 

beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der 

vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken (vgl. BGE 138 I 232 E. 5).  

4.2 Der Beschwerdeführer bringt in der Beschwerde vor, «[…] die Vor- 

instanz verstosse gegen den Grundsatz, eine Gesamtwürdigung der Vor-

bringungen des Gesuchstellers vorzunehmen, und zwar unter Berücksich-

tigung der Minderjährigkeit und der tiefen Schulbildung des Beschwerde-

führers.». Diesbezüglich rügt er sinngemäss eine Verletzung des rechtli-

chen Gehörs, namentlich der Begründungspflicht. Weiter macht er geltend, 

die Vorinstanz habe den Sachverhalt unvollständig festgestellt, indem sie 

nicht nach Elementen geforscht habe, die zu seinen Gunsten sprächen.  

4.3 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer 

Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt 

wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE 

2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-

hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer 

Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss 

so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht. 

Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-

ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-

lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).  

Die unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts bildet 

einen Beschwerdegrund (Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG). Unvollständig ist 

die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtswe-

sentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERT-

SCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes,  

3. Aufl. 2013, Rz. 1043).  

4.4 Der Beschwerdeführer führt aus, die Vorinstanz habe die Begrün-

dungspflicht verletzt, indem sie seine Minderjährigkeit nicht in die Gesamt-

würdigung der Vorbringen einbezogen habe. Dem ist entgegenzuhalten, 

dass die Vorinstanz eben gerade zur Überzeugung gelangt ist, der Be-

schwerdeführer sei volljährig. Das weitere Vorbringen, seine geringe 

Schulbildung sei ebenfalls nicht in die Gesamtwürdigung eingeflossen, be-

trifft die materielle Würdigung des rechtserheblichen Sachverhalts und 

E-5314/2022 

Seite 7 

nicht den Anspruch auf rechtliches Gehör. Die Begründungspflicht als Teil-

gehalt des rechtlichen Gehörs ist somit offensichtlich nicht verletzt. 

4.5 Der Beschwerdeführer stützt seine Rüge der unvollständigen Sachver-

haltsfeststellung darauf ab, dass die Vorinstanz lediglich nach belastenden 

und nicht auch entlastenden Elementen geforscht habe, da sich die Be-

gründung für die angebliche Unglaubhaftigkeit der Vorbringen zur Haupt-

sache auf – nach Ansicht der Vorinstanz – unplausible und widersprüchli-

che Aussagen stütze. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Vorinstanz 

den für das Verfahren notwendigen und rechtserheblichen Sachverhalt aus 

eigener Initiative vollständig und richtig zu ermitteln hat. Solange Zweifel 

an der Richtigkeit oder Vollständigkeit des Sachverhalts bestehen, hat sie 

weitere Abklärungen zu treffen. Dabei hat sich die Verwaltung neutral zu 

verhalten und auch für die Partei günstige Tatsachen zu ermitteln (WIEDER-

KEHR/MEYER/BÖHME, in: VwVG Kommentar, Bundesgesetz über das Ver-

waltungsverfahren und weiteren Erlassen, 2022, Art. 12 N 6). Vorliegend 

geht aus der Beschwerde nicht hervor, inwiefern die Vorinstanz den Sach-

verhalt einseitig festgestellt haben soll. Die Argumentation unter Ziffer 2.4 

der Beschwerde («Folgerung Glaubhaftigkeit») beschlägt wiederum die 

materielle Würdigung des rechtserheblichen Sachverhalts und nicht die be-

hauptete unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts.  

4.6 Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, die Sache aus for-

mellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das 

diesbezügliche Rechtsbegehren ist abzuweisen.  

5.  

5.1  

5.1.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

Erstrecken sich Verfolgungsmassnahmen neben der primär betroffenen 

Person auf Familienangehörige und Verwandte, liegt eine Reflexverfolgung 

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Seite 8 

vor. Diese ist flüchtlingsrechtlich relevant, wenn die von der Reflexverfol-

gung betroffenen Personen ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 

Abs. 2 AsylG ausgesetzt sind. 

5.1.2 Wer um Asyl nachsucht, muss gemäss Art. 7 AsylG die Flüchtlingsei-

genschaft nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Abs. 1). Glaub-

haft gemacht ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhan-

densein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). 

Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu 

wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht 

entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismit-

tel abgestützt werden (Abs. 3). 

5.2  

5.2.1 Die Vorinstanz führte in der angefochtenen Verfügung aus, es sei 

durchaus möglich, dass gewisse Personen ein erhöhtes Risiko aufweisen 

würden, in den Fokus der Taliban zu geraten, insbesondere solche, die den 

vormaligen afghanischen Behörden angehört oder für sie oder ausländi-

sche Akteure gearbeitet hätten. Zudem könne die familiäre Zugehörigkeit 

zu einer solchen Person zu einer Reflexverfolgung führen. Dies gelte ins-

besondere in Bezug auf (ehemalige) Angehörige der Polizei und der Si-

cherheitskräfte, Regierungsbeamte oder der Regierung nahestehende 

Personen. Auch wenn nicht auszuschliessen sei, dass der Bruder des Be-

schwerdeführers F._______ einige Zeit beim Sicherheitsdienst angestellt 

gewesen sei und, bei Wahrunterstellung, die Taliban tatsächlich damit ge-

droht hätten, den Beschwerdeführer oder D._______ anstelle von 

F._______ mitzunehmen, reiche dies nicht aus, von einer flüchtlingsrecht-

lich relevanten Verfolgung des Beschwerdeführers auszugehen. Die gel-

tend gemachte Ankündigung der Taliban, den Beschwerdeführer anstelle 

von F._______ mitzunehmen, sei zu wenig intensiv und halte den Anforde-

rungen an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Er 

seien keine konkreten Hinweise zu erkennen, dass die Taliban ihre Dro-

hung wahrgemacht respektive ernsthafte Verfolgungsabsichten gegen ihn 

gehegt hätten. So hätten sie bei ihrem dritten Besuch von ihrem Vorhaben, 

D._______ mitzunehmen, wieder abgesehen, als der Dorfvorsteher und 

die Dorfbewohner sich eingeschaltet hätten. Der Beschwerdeführer habe 

vermutet, dass die Taliban das nächste Mal bestimmt ihn oder D._______ 

mitgenommen hätten. Diese geltend gemachte Vermutung reiche vorlie-

gend nicht aus, um auf eine flüchtlingsrechtlich relevante Reflexverfolgung 

des Beschwerdeführers zu schliessen. Aufgrund der geltend gemachten 

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Seite 9 

Vorgehensweise der Taliban müsse deren damaliges Interesse an ihm o-

der D._______ als eher gering eingeschätzt werden. Zudem hätte er sich 

nach dem letzten beziehungsweise dritten Besuch der Taliban nicht noch 

weitere fünf Tage zuhause aufgehalten, wenn er ernsthaft etwas zu be-

fürchten gehabt hätte. Überdies sei er gemäss seinen Angaben zuvor nie 

Behelligungen durch die Taliban ausgesetzt gewesen. Die betreffenden 

Vorbringen seien somit flüchtlingsrechtlich nicht relevant.  

Des Weiteren könnten Familienangehörige von missliebigen Personen von 

Übergriffen in Afghanistan betroffen sein. Solche Behelligungen würden in 

Form von Drohungen, aber auch von Gewaltanwendung – insbesondere 

bei Hausdurchsuchungen – erfolgen. Ein systematisches Vorgehen der Ta-

liban gegen Familienangehörige von missliebigen Personen sei jedoch 

nicht erkennbar. Die Intensität der vorgebrachten Verfolgungsmassnah-

men der Taliban sei als äusserst schwach zu beurteilen. Es seien auch 

keine konkreten Hinweise vorhanden, dass der Beschwerdeführer in Zu-

kunft seitens der Taliban flüchtlingsrechtlich relevante Nachteile zu be-

fürchten hätte. Im Lichte dieser Erwägungen sei nicht von einem konkreten 

Verfolgungsinteresse der Taliban an seiner Person auszugehen. Es sei 

zwar nachvollziehbar, dass er befürchte, wegen seines familiären Umfelds 

Opfer von Reflexverfolgungsmassnahmen zu werden. Die zur Begründung 

der Flüchtlingseigenschaft notwendige objektive Furcht in Bezug auf eine 

in der Zukunft liegende flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung sei nach 

dem Gesagten aber nicht gegeben. Die Vorbringen seien demnach nicht 

geeignet, die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG zu begründen. 

Es werde darauf verzichtet, allfällig vorhandene Unglaubhaftigkeitsele-

mente in den Schilderungen des Beschwerdeführers zu erörtern.  

5.2.2 Der Beschwerdeführer erwidert in seiner Beschwerde, sein Bruder 

zähle zur vulnerabelsten Personengruppe in Afghanistan, da der Geheim-

dienst zur Hauptaufgabe habe, die afghanische Regierung sowie mehrere 

militärische Operationen beim Krieg gegen die islamistischen Taliban und 

Al-Qaida zu unterstützen. Daher erfülle sein Bruder ein besonders hohes 

Risikoprofil. Die familiäre Zugehörigkeit zu einer Person mit erhöhtem Ver-

folgungsrisiko könne zu einer Reflexverfolgung führen. Die Taliban hätten 

das Haus seiner Familie drei Mal aufgesucht und in Aussicht gestellt, bei 

einem vierten Besuch entweder den Beschwerdeführer oder seinen Bruder 

D._______ mitzunehmen. Daraufhin sei D._______ innert drei Tagen und 

er selber innert fünf Tagen aus Afghanistan geflohen. Seine Familie habe 

ihr Zuhause ebenfalls verlassen und sei nach G._______ zum Onkel ge-

flohen. Er habe ausführlich geschildert, dass sowohl gegenüber seinem 

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Seite 10 

Bruder D._______ als auch ihm gegenüber von den Taliban angedroht wor-

den sei, dass diese sie mitnehmen würden, weil ihr Bruder F._______ ab-

wesend sei. Diesbezüglich sei vorweg zu klären, dass nach bundesverwal-

tungsgerichtlicher Rechtsprechung noch nach bis zu 12 Monaten ein zeit-

licher Kausalzusammenhang zwischen dem Verfolgungsereignis und der 

Flucht angenommen werde. Ebenfalls greife das Argument nicht, dass er 

zuvor nie irgendwelchen Behelligungen durch die Taliban ausgesetzt ge-

wesen sei, da mit dem Sturz der afghanischen Regierung und der Macht-

übernahme durch die Taliban nun eine völlig neue Sachlage vorherrsche 

und seit August 2021 eben genau diejenigen Personen verfolgt würden, 

welche vor der Machtübernahmen nie – oder wenigstens wenn sie sich in 

regierungskontrollierten Gebieten aufgehalten hätten – einer Verfolgung 

ausgesetzt gewesen seien, eben weil sie für die Regierung gearbeitet hät-

ten oder dieser nahe gestanden seien.  

Sodann arbeite sein Bruder für den Geheimdienst und gehöre – wie bereits 

aufgeführt – zu den vulnerabelsten Personen in Afghanistan. Familienan-

gehörige vor allem dieser Personengruppe seien also nach bundesverwal-

tungsrechtlicher Rechtsprechung einem erhöhten Risiko einer Reflexver-

folgung ausgesetzt. Er habe des Weiteren die Besuche der Taliban detail-

reich und glaubhaft erzählt. Es sei nicht ersichtlich, was sonst noch hätte 

geschehen sollen, bevor eine hinreichende Intensität die begründete 

Furcht bejahen könne. Es sei falsch, dass die Vorinstanz bei der Argumen-

tation, die Intensität der Reflexverfolgung reiche nicht aus, auf das Urteil 

des BVGer D-1728/2022 verweise. Im zitierten Entscheid sei der Vater des 

Beschwerdeführers der Fahrer des Leiters der Kriminalpolizei und arbeite 

nicht operativ bei der Polizei mit. Richtigerweise müsse bei einer Reflexver-

folgung eines Familienmitgliedes von einem Geheimdienstmitarbeiter mit 

operativen Tätigkeiten der Massstab an die Intensität gesenkt werden, da 

eben genau diese Personengruppen im besonders hellen Rampenlicht der 

Taliban stünden (unter Verweis auf das Urteil des BVGer D-2511/2021 vom 

8. Februar 2022 E. 7.3 ff.).  

5.2.3 Die Vorinstanz entgegnet in ihrer Vernehmlassung, es seien gewisse 

Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers an-

gebracht. Insbesondere falle auf, dass er zum Kerngeschehen seiner 

Asylbegründung keine konstanten Angaben gemacht habe. So habe er in-

konsistente Angaben betreffend die – überschaubare Anzahl – Besuche 

der Taliban gemacht, insbesondere, ob diese lediglich F._______ oder 

auch D._______ gesucht hätten. Auch zum Verbleib von D._______ habe 

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Seite 11 

sich der Beschwerdeführer widersprüchlich geäussert und auch auf Nach-

frage nicht vermocht, die Widersprüche aufzulösen. Zudem seien seine 

Ausführungen zur geltend gemachten Bedrohung der Taliban vage und 

nicht konsistent ausgefallen. Auch wolle er nicht mitbekommen haben, wo-

rüber die Taliban bei ihren Besuchen gesprochen hätten, was aufgrund sei-

ner Darlegung, sie hätten ernst und laut mit seinem Vater gesprochen be-

ziehungsweise fast geschrien, nicht nachvollziehbar sei. Ferner habe er 

anfänglich dargelegt, dass sie die Türe eingetreten hätten, wäre diese nicht 

geöffnet worden, und dass sein Vater ihn einmal versteckt habe, als die 

Taliban gekommen seien. Als er später gebeten worden sei, die jeweiligen 

Besuche der Taliban detailliert zu schildern, habe er diese Vorbringen mit 

keinem Wort mehr erwähnt. Aufgrund der festgestellten Unglaubhaftigkeit-

selemente seien die geltend gemachten Verfolgungsvorbringen des Be-

schwerdeführers anzuzweifeln. Insbesondere seien aus seinen Aussagen 

keine Hinweise zu entnehmen, beziehungsweise habe er nicht glaubhaft 

zu machen vermocht, dass die Taliban ihn gezielt verfolgt hätten, wie in der 

Beschwerdeschrift behauptet werde.  

5.2.4 Der Beschwerdeführer wiederholt in der Replik einige Argumente sei-

ner Beschwerde und ergänzt, die Vorinstanz bestreite weder in der ange-

fochtenen Verfügung noch in ihrer Vernehmlassung, dass F._______ beim 

Geheim- beziehungsweise Nachrichtendienst tätig sei. In der Vernehmlas-

sung versuche sie jedoch erneut darzulegen, dass seine Vorbringen nicht 

glaubhaft seien. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung habe er aber glaub-

hafte und realitätsnahe Angaben – unter Berücksichtigung, dass er Anal-

phabet und minderjährig mit geringer Schulbindung (recte: Schulbildung) 

sei – gemacht. Die Richtigkeit seiner Angaben würde somit überwiegen.  

5.3  

5.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum 

Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu 

Recht abgelehnt hat. Die Entgegnungen in den Eingaben im Rechtsmittel-

verfahren vermögen zu keiner anderen Betrachtungsweise zu führen. Zur 

Vermeidung von Wiederholungen kann vorab auf die entsprechenden vor-

instanzlichen Erwägungen, insbesondere in der angefochtenen Verfügung 

des SEM, verwiesen werden. 

5.3.2 Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts kann 

die familiäre Zugehörigkeit zu einer Person, welche einem erhöhten Verfol-

gungsrisiko ausgesetzt ist, im afghanischen Kontext zu einer Reflexverfol-

gung führen. Um eine begründete Furcht vor einer Reflexverfolgung im 

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Seite 12 

Sinne von Art. 3 AsylG zu bejahen, muss allerdings begründeter Anlass zur 

Annahme bestehen, eine solche Verfolgung werde sich mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft auch in Bezug auf die Ange-

hörigen verwirklichen. Es müssen konkrete Indizien und tatsächliche An-

haltspunkte dargelegt werden, die die Furcht vor einer drohenden Verfol-

gung nachvollziehbar erscheinen lassen. Eine begründete Furcht vor künf-

tiger Verfolgung ist mithin zu bejahen, wenn eine Person aufgrund konkre-

ter Indizien mit guten Gründen, das heisst objektiv nachvollziehbar, be-

fürchten muss, dass ihr mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Verfolgung 

droht, und ihr deshalb eine Rückkehr in den Heimatstaat nicht zugemutet 

werden kann (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen 

Asylrekurskommission [EMARK] 1994 Nr. 5 E. 3h; Urteil des BVGer  

D-5071/2022 vom 2. Dezember 2022 E. 7.2).  

5.3.3 Das Gericht kommt vorliegend zum Schluss, dass den vorinstanzli-

chen Ausführungen dahingehend zu folgen ist, dass die ausgesprochene 

Drohung der Taliban, sie würden den Beschwerdeführer anstelle seines 

Bruders F._______ mitnehmen, den Anforderungen an die Flüchtlingsei-

genschaft nicht standhalte. Diesbezüglich ist auf die Begründung in der an-

gefochtenen Verfügung zu verweisen. Zwar ist dem Beschwerdeführer in-

soweit zuzustimmen, als die Argumentation in der angefochtenen Verfü-

gung, er sei zuvor nie Behelligungen durch die Taliban ausgesetzt gewe-

sen, unbehilflich ist. Denn in Afghanistan präsentiert sich seit der Macht-

übernahme der Taliban tatsächlich eine neue politische Situation, welche 

sich in geänderten innenpolitischen Interessen manifestieren kann. Es sind 

aber keine konkreten Indizien in den Ausführungen des Beschwerdefüh-

rers zu erkennen, welche darauf schliessen lassen, dass er aufgrund des 

Verschwindens seines Bruders F._______ und der damit in Zusammen-

hang stehenden Besuche der Taliban objektiv nachvollziehbar befürchten 

muss, ihm drohe mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Verfolgung. Diesbe-

züglich führte der Beschwerdeführer anlässlich seiner Anhörung aus, die 

Taliban hätten bei ihrem dritten Besuch von ihrem Vorhaben, D._______ 

mitzunehmen, wieder abgesehen, als der Dorfvorsteher und die Dorfbe-

wohner sich eingeschaltet hätten. Er, der Beschwerdeführer, habe dann 

vermutet, dass die Taliban das nächste Mal bestimmt ihn oder D._______ 

mitnähmen (vgl. SEM-act. 48/14 F56 ff.). In der Beschwerde führte der Be-

schwerdeführer aus, sowohl sein Bruder D._______ als auch er seien ge-

zielt von den Taliban bedroht worden, von diesen mitgenommen zu wer-

den. Nach Durchsicht der Akten ist dieses Vorbringen als aktenwidrig zu 

qualifizieren. Der Beschwerdeführer wurde gemäss eigenen Angaben nie 

persönlich bedroht, es ging jeweils immer nur um seinen Bruder D._______ 

E-5314/2022 

Seite 13 

So führte er an der Anhörung hinsichtlich des dritten Besuches der Taliban 

aus, diese hätten an diesem Tag D._______ mitnehmen wollen (vgl. SEM-

act. 48/14 F58). Auf die Frage, ob er mitbekommen habe, worüber die Ta-

liban gesprochen hätten, führte er aus, es sei um das gleiche Thema ge-

gangen, um seinen Bruder (vgl. SEM-act. 48/14 F64). In seiner Schilderung 

des dritten Besuches der Taliban führte er unter anderem aus, «Das 

nächste Mal, wenn sie gekommen wären, hätten sie bestimmt mich oder 

meinen Bruder mitgenommen.» (vgl. SEM-act. 48/14 F59). Dieses Vorbrin-

gen lässt einzig den Schluss zu, dass der Beschwerdeführer lediglich ver-

mutet, er würde anstelle von F._______ von den Taliban mitgenommen 

werden. Eine konkret gegen ihn gerichtete Bedrohung durch die Taliban ist 

daher nicht ersichtlich, insbesondere, da der Beschwerdeführer selber aus-

führt, dass es bei diesem letzten Besuch der Taliban um seinen Bruder 

D._______ gegangen sei und nicht um ihn.  

5.3.4 Es besteht daher kein Grund zur Annahme, dass die Taliban mit er-

heblicher Wahrscheinlichkeit tatsächlich Verfolgungshandlungen geplant 

beziehungsweise ein konkretes Interesse daran hätten, den Beschwerde-

führer persönlich zu behelligen.  

5.3.5 Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer nichts vorgebracht 

und ergibt sich nichts aus den Akten, was geeignet wäre, eine Furcht vor 

einer asylrechtlich relevanten (Reflex-) Verfolgung als objektiv begründet 

erscheinen zu lassen. Die Vorinstanz hat daher sein Asylgesuch zu Recht 

abgelehnt.  

6.  

6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-

derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-

lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht 

angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

7.  

7.1  

7.1.1 In Bezug auf das Rechtsbegehren des Beschwerdeführers um Ände-

rung des Geburtsdatums im ZEMIS auf den (…) 2006, eventualiter auf den 

E-5314/2022 

Seite 14 

(…) 2006, ist festzuhalten, dass die Vorinstanz zur Erfüllung ihrer gesetzli-

chen Aufgaben das ZEMIS führt, welches der Bearbeitung von Personen-

daten aus dem Ausländer- und dem Asylbereich dient (Art. 1 Abs. 1 i.V.m. 

Art. 2 des Bundesgesetzes über das Informationssystem für den Auslän-

der- und den Asylbereich vom 20. Juni 2003 [BGIAA, SR 142.51]) und in 

der Verordnung über das Zentrale Migrationsinformationssystem vom 

12. April 2006 (SR 142.513; ZEMIS-Verordnung) näher geregelt ist. Nach 

Art. 19 Abs. 1 ZEMIS-Verordnung richten sich die Rechte der Betroffenen, 

insbesondere deren Auskunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrecht sowie 

das Recht auf Informationen über die Beschaffung besonders schützens-

werter Personendaten, nach dem Datenschutzgesetz (DSG, SR 235.1) 

und dem VwVG. 

7.1.2 Wer Personendaten bearbeitet, hat sich über deren Richtigkeit zu 

vergewissern (Art. 5 Abs. 1 DSG). Werden Personendaten von Bundesor-

ganen bearbeitet, kann jede betroffene Person insbesondere verlangen, 

dass unrichtige Personendaten berichtigt werden (Art. 5 Abs. 2 i.V.m. 

Art. 25 Abs. 3 Bst. a DSG). Auf die Berichtigung besteht in einem solchen 

Fall ein absoluter und uneingeschränkter Anspruch (vgl. Urteil des Bundes-

gerichts [BGer] 1C_452/2021 vom 23. November 2022 E. 3.2; vgl. ferner 

Urteile des BVGer A-3246/2021 vom 3. Januar 2023 E. 3.2 und 

E-4826/2022 vom 22. Dezember 2022 E. 3.2, je m.w.H.). Die ZEMIS-Ver-

ordnung sieht im Übrigen in Art. 19 Abs. 3 ausdrücklich vor, dass unrichtige 

Daten von Amtes wegen zu berichtigen sind. 

7.1.3 Grundsätzlich hat die das Berichtigungsbegehren stellende Person 

die Richtigkeit der von ihr verlangten Änderung zu beweisen, die Bundes-

behörde hat im Bestreitungsfall dagegen die Richtigkeit der von ihr bear-

beiteten Personendaten zu beweisen (vgl. Urteil des BGer 1C_452/2021 

vom 23. November 2022 E. 3.2; BVGE 2013/30 E. 4.1; Urteile des BVGer 

A-3246/2021 vom 3. Januar 2023 E. 3.3 und E-4826/2022 vom 22. De-

zember 2022 E. 3.3, je m.w.H.). Nach den massgeblichen Beweisregeln 

des VwVG gilt eine Tatsache als bewiesen, wenn sie in Würdigung sämtli-

cher Erkenntnisse so wahrscheinlich ist, dass keine vernünftigen Zweifel 

bleiben; unumstössliche Gewissheit ist dagegen nicht erforderlich. Die mit 

dem Berichtigungsbegehren konfrontierte Behörde hat zwar nach dem Un-

tersuchungsgrundsatz den Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen 

abzuklären (Art. 12 VwVG); die gesuchstellende Person ist aber gemäss 

Art. 13 Abs. 1 Bst. a VwVG verpflichtet, an dessen Feststellung mitzuwir-

ken. Die materielle Beweislast, also die Folgen der Beweislosigkeit, trägt 

aber grundsätzlich die Behörde, wenn sie wie vorliegend im Bereich der 

E-5314/2022 

Seite 15 

Eingriffsverwaltung tätig ist (vgl. Urteil des BVGer D-5258/2022 vom 

12. Dezember 2022 E. 3.1.2).  

7.1.4 Kann bei einer verlangten beziehungsweise von Amtes wegen beab-

sichtigten Berichtigung weder die Richtigkeit der bisherigen noch diejenige 

der neuen Personendaten bewiesen werden, dürfen grundsätzlich weder 

die einen noch die anderen Daten bearbeitet werden (vgl. Art. 5 Abs. 1 

DSG). Dies ist jedoch nicht immer möglich, müssen doch bestimmte Per-

sonendaten zur Erfüllung wichtiger öffentlicher Aufgaben notwendiger-

weise bearbeitet werden. Dies gilt namentlich auch für die im ZEMIS er-

fasste Herkunft, den Namen und die Geburtsdaten. In solchen Fällen über-

wiegt das öffentliche Interesse an der Bearbeitung möglicherweise unzu-

treffender Daten das Interesse an deren Richtigkeit. Art. 25 Abs. 2 DSG 

sieht deshalb die Anbringung eines Vermerks vor, in dem darauf hingewie-

sen wird, dass die Richtigkeit der bearbeiteten Personendaten bestritten 

ist. Spricht dabei mehr für die Richtigkeit der neuen Daten, sind die bishe-

rigen Angaben zunächst zu berichtigen und die neuen Daten anschlies-

send mit einem derartigen Vermerk zu versehen. Ob die vormals eingetra-

genen Angaben weiterhin abrufbar bleiben sollen oder ganz zu löschen 

sind, bleibt grundsätzlich der Vorinstanz überlassen. Verhält es sich umge-

kehrt, erscheint also die Richtigkeit der bisher eingetragenen Daten als 

wahrscheinlicher oder zumindest nicht als unwahrscheinlicher, sind diese 

zu belassen und mit einem Bestreitungsvermerk zu versehen. Über dessen 

Anbringung ist jeweils von Amtes wegen und unabhängig davon zu ent-

scheiden, ob ein entsprechender Antrag gestellt worden ist (vgl. zum Gan-

zen BVGE 2018 VI/3 E. 3; Urteil des BVGer A-3246/2021 vom 3. Januar 

2023 E. 3.4). 

7.2  

7.2.1 Vorliegend obliegt es demnach grundsätzlich dem SEM zu beweisen, 

dass das aktuell im ZEMIS eingetragene Geburtsdatum ([…] 2004) korrekt 

ist. Der Beschwerdeführer wiederum hat nachzuweisen, dass das von ihm 

geltend gemachte Geburtsdatum ([…] 2006, eventualiter […] 2006) richtig 

beziehungsweise zumindest wahrscheinlicher ist als das im ZEMIS er-

fasste, ihm mithin eine höhere Glaubwürdigkeit zukommt als dem Eintrag 

(vgl. Urteil des BVGer A-3246/2021 vom 3. Januar 2023 E. 3.5). Gelingt 

keiner Partei der sichere Nachweis, ist dasjenige Geburtsdatum im ZEMIS 

zu belassen oder einzutragen, dessen Richtigkeit wahrscheinlicher ist. 

E-5314/2022 

Seite 16 

7.2.2 Im Asylverfahrens ist die Minderjährigkeit – der allgemeinen asyl-

rechtlichen Beweisregel folgend – von der asylsuchenden Person zumin-

dest glaubhaft zu machen. Über die Glaubhaftigkeit ist im Rahmen einer 

Gesamtwürdigung zu befinden. Anders verhält es sich im datenschutz-

rechtlichen Verfahren betreffend die Berichtigung von Personendaten im 

ZEMIS. Hier wird verlangt, dass die wahrscheinlichsten – also überwiegend 

wahrscheinlichen – Personendaten eingetragen werden. 

7.3  

7.3.1 Das SEM setzte das Geburtsdatum des Beschwerdeführers im 

ZEMIS auf den (…) 2004 fest. Zur Begründung seiner Verfügung führte es 

aus, der Beschwerdeführer habe anlässlich der Erstbefragung angegeben, 

am (…) 2006 geboren worden zu sein. Er habe sein angegebenes Alter 

nicht mit einem Identitätsdokument zu belegen vermocht. Da er in Afgha-

nistan und auch in seiner Wohnregion viele Verwandte habe, sei es nicht 

glaubhaft, dass er keine Identitätsdokumente habe erhältlich machen kön-

nen. Er habe behauptet, sein Geburtsdatum sei auf seiner Tazkira gestan-

den. Daraus, so das SEM, lasse sich aber kein genaues Geburtsdatum 

ableiten. Auffallend sei auch, dass er sein Geburtsdatum nie nach dem af-

ghanischen Kalender erwähnt habe. Zudem habe er auf dem Personalien-

blatt angegeben, am (…) 2006 geboren zu sein, was angesichts seiner Be-

hauptung in der Erstbefragung, am (…) 2006 geboren zu sein, nicht ver-

ständlich sei. Das Kantonsspital H._______ sei im durchgeführten Alters-

gutachten vom 4. Februar 2022 zum Schluss gekommen, der Beschwer-

deführer weise ein Mindestalter von 16 Jahren (16.4 Jahren) auf, weshalb 

das von ihm angegebene Geburtsdatum (chronologisches Lebensalter 15 

Jahre und 7 Monate) nicht stimmen könne. Die Diskrepanz dazwischen 

betrage somit rund zehn Monate, weshalb die Vor-instanz davon ausgehe, 

dass er über sein tatsächliches Alter zu täuschen versucht habe, um sich 

damit Vorteile im Asylverfahren zu verschaffen. Auf die Stellungnahme des 

Beschwerdeführers vom 22. Februar 2022 führt die Vorinstanz in der an-

gefochtenen Verfügung weiter aus, die Rechtfertigung zur fehlerhaften Ein-

tragung auf seinem Personalienblatt, dass er Analphabet sei, überzeuge 

nicht, da er immerhin sechs Jahre die Schule besucht haben wolle. Auch 

betreffend die Dokumentenbeschaffung habe sich der Beschwerdeführer 

in Widersprüche verstrickt, da er anlässlich der Erstbefragung ausgeführt 

habe, er könne keine Dokumente beschaffen, da er in Afghanistan nieman-

den habe. In der Stellungnahme zum rechtlichen Gehör habe er hingegen 

ausgeführt, er habe versucht, über seine Eltern Identitätspapiere zu be-

schaffen, was auf Grund der verschlechterten Lage nicht möglich gewesen 

E-5314/2022 

Seite 17 

sei. Zudem würden seine Verwandten für ihn «keinen Finger krumm ma-

chen». Aus der medizinischen Altersabklärung lasse sich praxisgemäss 

keine Aussage zu seiner Minder- respektive Volljährigkeit entnehmen, al-

lerdings lasse sich aus dem Gutachten entnehmen, dass er zum Zeitpunkt 

der Untersuchung ein Mindestalter von 16.4 Jahren aufweise, was im Wi-

derspruch zu seinem geltend gemachten Alter stehe. Er werde in Gesamt-

würdigung aller vorgenannten Anhaltspunkte für das weitere Verfahren als 

volljährig erachtet und sein Geburtsdatum sei auf den (…) 2004 geändert 

worden.  

7.3.2 Der Beschwerdeführer erwidert in seiner Beschwerde, er sei minder-

jährig, was er bei seiner Erstbefragung auch mehrmals ausgeführt habe. 

Er habe bei der EB UMA von sich aus auf das falsche Geburtsdatum auf-

merksam gemacht und mehrmals sein richtiges Geburtsdatum, den (…) 

2006, genannt. Die Vorinstanz habe ihm ferner keine Fragen zu seinem 

Lerninhalt gestellt, weshalb nicht einfach darauf geschlossen werden 

könne, dass ein sechsjähriger Schulbesuch mit dem Erlernen des Alpha-

betes einhergehe. Es sei stossend, Standard und Lehrplan wie in einer 

Schule in der Schweiz anzunehmen. Sein Vorbringen, er sei Analphabet, 

sei somit durchaus glaubhaft. Seine Eltern seien aufgrund der Machtüber-

nahme der Taliban weggezogen. So könne nicht der gleiche Massstab zur 

Beschaffung von Dokumenten aus dem Heimatland angesetzt werden und 

die schiere Unmöglichkeit der Dokumentenbeschaffung könne somit nicht 

ihm alleine angelastet werden. Seine weiteren Aussagen, welche darauf 

schliessen lassen würden, dass er minderjährig sei und das Geburtsdatum 

richtig angegeben habe, würden völlig ausser Acht gelassen; dies sogar in 

Kenntnis darüber, dass es sich bei ihm um einen Minderjährigen handle 

und diesem Merkmal Beachtung geschenkt werden müsse. Die Vorinstanz 

vermöge die Richtigkeit der bearbeiteten Daten somit nicht zu beweisen 

und habe diese in Verletzung von Art. 5 Abs. 1 DSG bearbeitet und mit ei-

nem Bestreitungsvermerk versehen. Aber auch wenn sowohl die Vor- 

instanz als auch er selber der Nachweis der Richtigkeit der jeweiligen Ge-

burtsdaten nicht gelungen sei, so sei gemäss Rechtsprechung des Bun-

desverwaltungsgerichts am im ZEMIS eingetragenen Datum, also dem (…) 

2006, festzuhalten.  

7.3.3 Die Vorinstanz hält dem in ihrer Vernehmlassung unter anderem ent-

gegen, auch wenn sie dem Beschwerdeführer keine Fragen zum Lerninhalt 

gestellt habe, so sei vernünftigerweise davon auszugehen, dass er nach 

einem sechsjährigen Schulbesuch einigermassen lesen und schreiben 

könne. Sie habe diesbezüglich nie behauptet, dass das schulische Niveau 

E-5314/2022 

Seite 18 

in Afghanistan demjenigen der Schweiz entspreche. Der Beschwerdefüh-

rer gehöre zudem nicht zu jener Personengruppe, welche in Afghanistan 

aufgrund unterschiedlicher Barrieren nicht habe zur Schule gehen können. 

Es sei daher unwahrscheinlich, dass es sich bei ihm um einen Analphabe-

ten handle.  

7.3.4 Der Beschwerdeführer führt in seiner Replik unter anderem aus, die 

Vorinstanz habe seine Minderjährigkeit, seine geringe Schulbildung und 

seinen Analphabetismus in die Gesamtwürdigung seiner Vorbringen nicht 

einfliessen lassen. Die Erwägungen der Vorinstanz, er habe zwar präzise 

zeitliche Angaben machen können, als er dargelegt habe, dass er nach der 

Beendigung der Schule beziehungsweise bis zum Sturz der Regierung 

zweieinhalb Jahre Cricket gespielt habe, habe sich aber bezüglich des 

Ausreisezeitpunkts mehrmals widersprochen, könne nicht nachvollzogen 

werden. Daraus sei klar ersichtlich, dass es sich um Aussagen einer min-

derjährigen, «analphabeten» Person handle, welche eine rudimentäre 

Schulbildung genossen habe und nicht wirklich Interesse an anderen The-

men als Sport interessiert sei. Aber viel wichtiger sei, dass es sich um Aus-

sagen einer Person handle, in welcher Leben genaue Daten bis heute 

keine Rolle gespielt hätten.  

7.4  

7.4.1 Das SEM hat das Alter des Beschwerdeführers im ZEMIS mit zutref-

fender Begründung auf den (…) 2004 angepasst. Es ist vorab auf die an-

gefochtene Verfügung und die Vernehmlassung der Vorinstanz zu verwei-

sen.  

7.4.2 Im Folgenden ist als erstes auf das Altersgutachten näher einzuge-

hen. Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts stellen 

medizinische Altersabklärungen je nach Ergebnis unterschiedlich zu ge-

wichtende Indizien für das Alter einer Person dar. Die Schlüsselbein- res-

pektive Skelettaltersanalyse und die zahnärztliche Untersuchung sind da-

bei grundsätzlich, anders als die Handknochenanalyse und die ärztliche 

Untersuchung, zum Beweis geeignet. Das Bundesverwaltungsgericht hat 

in dieser Hinsicht Grundsätze zur Gewichtung der Resultate der Untersu-

chungen definiert (eingehend hierzu: BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.1 f.). Sie sind 

in ihrer Formulierung auf Fälle der streitigen Abgrenzung von Minder- res-

pektive Volljährigkeit zugeschnitten, können aber auf ein streitiges Alter un-

terhalb der Volljährigkeit sinngemäss (mutatis mutandis) Anwendung fin-

den (so Urteil des BVGer D-570/2021 vom 25. März 2021 E. 10.4). Darüber 

E-5314/2022 

Seite 19 

hinaus sind die üblichen verfahrensrechtlichen Regeln der Beweiswürdi-

gung zu beachten, wobei es umso weniger auf eine Gesamtwürdigung der 

Beweise ankommt, je stärker die medizinischen Abklärungen ein Indiz für 

das Vorliegen des streitigen Alters darstellen (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2 

f., 2019 I/6 E. 6.1 ff.). 

Im Gutachten des I._______ vom 8. Februar 2022 wird unter anderem aus-

geführt, die computertomographische Untersuchung des Skeletts habe ein 

Mindestalter von 16.4 Jahren ergeben. Die zahnärztliche Untersuchung 

habe ein Mineralisationsstadium «G» ergeben, für welches kein Mindest-

alter angegeben werden könne. 

Das Bundesverwaltungsgericht hat sich zur Beweistauglichkeit von Alters-

abklärungen in grundsätzlicher Art geäussert (vgl. BVGE 2018 VI/3). Pra-

xisgemäss sind von den in der Schweiz angewandten Methoden der medi-

zinischen Altersabklärung nur die Schlüsselbein- respektive Skelettalters-

analyse und die zahnärztliche Untersuchung (nicht jedoch die Handkno-

chenaltersanalyse und die ärztliche körperliche Untersuchung) zum Be-

weis der Minder- beziehungsweise Volljährigkeit einer Person geeignet. 

Relevant für die Beurteilung sind mithin die Ergebnisse betreffend das fest-

gestellte Mindestalter der Schlüsselbeinanalyse sowie der zahnärztlichen 

Untersuchung. Medizinische Altersabklärungen stellen – je nach Ergebnis 

– unterschiedlich zu gewichtende Indizien für das Vorliegen der Minder- 

respektive Volljährigkeit einer Person dar. 

Gemäss dem Gutachten zur Altersschätzung vom 8. Februar 2022, basie-

rend auf der der radiologischen Beurteilung von Hand und Schlüsselbein, 

resultiert ein Mindestalter von 16.4 Jahren, wobei das angegebene Alter 

(zum Zeitpunkt des Gutachtens) von 15 Jahren und 7 Monaten gemäss der 

aktuellen wissenschaftlichen Studienlage nicht zutreffen könne. Unter Be-

rücksichtigung der erwähnten bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtspre-

chung kann vorliegend jedoch lediglich auf die radiologische Untersuchung 

des Schlüsselbeins abgestellt werden. Ein wesentlicher Bestandteil der 

medizinischen Altersschätzung, die eine Gesamtschau der Befunde er-

möglichen sollte, fällt demnach weg (vgl. BVGE 2018 VI/3 E. 4.2.2, 2019 

I/6 E. 6.1). Das Gutachten, hauptsächlich basierend auf der radiologischen 

Untersuchung des Schlüsselbeins, stellt nur eines von vielen und vorlie-

gend nur ein sehr schwaches Indiz für die Volljährigkeit des Beschwerde-

führers dar. Nach dem Gesagten kommt es umso mehr auf eine Gesamt-

würdigung der Beweise an.  

E-5314/2022 

Seite 20 

7.4.3 Der Beschwerdeführer reichte keine Identitätsdokumente ein, welche 

sein lediglich behauptetes Geburtsdatum belegen könnten. Auf dem Per-

sonalienblatt gab er bei seiner Einreise in die Schweiz den (…) 2006 als 

sein Geburtsdatum an (vgl. SEM-act. 1/2). Anlässlich der EB UMA führte 

er jedoch aus, sein Geburtsdatum sei der (…) 2006 respektive der (…) 

2006, dieses sei falsch aufgeschrieben worden (vgl. SEM-act. 14/13 Ziffer 

1.06). Dies erstaunt, da der Beschwerdeführer das Personalienblatt – auch 

wenn er dies, wie in der Stellungnahme vom 22. Februar 2022 behauptet, 

nicht selber ausgefüllt hat – so doch mit seiner Unterschrift versehen hat 

und somit davon auszugehen ist, er habe vom Inhalt mindestens Kenntnis 

genommen sowie sich von der Richtigkeit der Angaben vergewissert. Des 

Weiteren wirft das Aussageverhalten des Beschwerdeführers Fragen auf. 

Einerseits führt er in der Replik aus, er sei eine Person, für welche genaue 

Daten bis heute keine Rolle gespielt hätten. Andererseits vermag er an-

lässlich der EB UMA genau auszuführen, ab wann er zur Schule gegangen 

sei (mit sieben Jahren), wie lange er diese besucht habe (sechs Jahre), 

wie alt er beim Schulaustritt gewesen sei (13 Jahre alt), wie lange er Cricket 

gespielt habe (zweieinhalb Jahre) und wie lange er für seinen Fussweg zur 

Schule (sieben Minuten) oder zur Sportanlage (15 Minuten) gebraucht 

habe (vgl. SEM-act. 14/13 Ziffern 1.17.04 und 1.17.05). Es erstaunt, dass 

er zwar diese – eher unwichtigen – Daten nennen konnte, mit welchen er 

bei Wahrunterstellung tatsächlich ein Geburtsdatum haben würde, mit wel-

chem er minderjährig wäre. Andererseits erwähnte er hinsichtlich seiner 

Ausreise nur vage, diese habe im Jahr 2021 stattgefunden, er vermute, im 

(…) Monat (vgl. SEM-act. 14/13 Ziffer 5.01). Dies bedeutet, im (…) 2021. 

Im Questionaire Europa hingegen führte er aus, er sei zirka im (…) aus 

Afghanistan ausgereist (vgl. SEM-act. 2/2). Anlässlich der Anhörung führte 

er weiter aus, er sei etwa (…) Wochen nach dem Sturz der Regierung aus-

gereist (vgl. SEM-act. 48/14 F93). Dies wäre somit zirka im (…) 2021. Es 

erscheint nicht plausibel, weshalb er diejenigen Daten, welche einschnei-

dender für sein Leben und auch jüngeren Datums sind, nicht so genau wie-

derzugeben vermag wie die eher unwichtigen Daten seiner Schulzeit. Dem 

Vorbringen des Beschwerdeführers in der Beschwerde und in der Replik, 

er sei Analphabet, kann offensichtlich nicht gefolgt werden, da er gemäss 

eigenen Angaben sechs Jahre Schulbildung genossen hat. Aufgrund des 

Gesagten liegt die Schlussfolgerung nahe, dass sich der Beschwerdefüh-

rer diejenigen Daten seiner Schulzeit so zurechtgelegt hat, um aus diesen 

ein Geburtsdatum zu begründen, mit welchem er in der Schweiz als Min-

derjähriger registriert werden würde.  

E-5314/2022 

Seite 21 

7.4.4 Im Rahmen einer Gesamtwürdigung der genannten Umstände (vgl. 

EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.3.4 S. 210) gelangt das Gericht nach dem Ge-

sagten in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass es dem 

Beschwerdeführer nicht gelungen ist, die von ihm geltend gemachte  

Minderjährigkeit zum Zeitpunkt seiner Gesuchseinreichung in der Schweiz 

glaubhaft zu machen. Der Eintrag im ZEMIS ([…] 2004) ist folglich ebenso 

zu belassen wie der Bestreitungsvermerk. Somit ist die Beschwerde auch 

insoweit abzuweisen, als damit die Berichtigung des Geburtsdatums im 

ZEMIS beantragt wird. 

8.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist (Art. 49 

VwVG). Die Beschwerde ist vollumfänglich abzuweisen.  

9.  

9.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwer-

deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung mit Zwischenverfügung 

vom 10. Januar 2023 gutgeheissen wurde und keine Veränderung der fi-

nanziellen Verhältnisse des Beschwerdeführers eingetreten ist, sind die-

sem keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 

9.2 Mit derselben Verfügung wurde das Gesuch um amtliche Verbeistän-

dung gutgeheissen und dem Beschwerdeführer sein Rechtsvertreter als 

amtlicher Rechtsbeistand bestellt. Demnach ist diesem ein amtliches Ho-

norar für seine notwendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren aus-

zurichten. Bei amtlicher Vertretung geht das Bundesverwaltungsgericht in 

der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-

anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 

2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-

gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Es 

wurde keine Kostennote eingereicht. Der Vertretungsaufwand lässt sich 

aber zuverlässig aus den Akten abschätzen (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). 

Der Gesamtaufwand ist auf Fr. 850.– (inkl. Auslagen) festzusetzen.  

10.  

Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts auf dem Gebiet des Daten-

schutzes sind gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1993 

E-5314/2022 

Seite 22 

zum Bundesgesetz über den Datenschutz (VDSG, SR 235.11) dem Eidge-

nössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) be-

kanntzugeben. 

(Dispositiv nächste Seite)  

E-5314/2022 

Seite 23 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit die Aufhebung der Dispositivzif-

fern 1 bis 3 der vorinstanzlichen Verfügung (Verneinung der Flüchtlingsei-

genschaft, Ablehnung des Asylgesuchs und Anordnung der Wegweisung 

aus der Schweiz) beantragt wird. 

2.  

Die Beschwerde wird ebenfalls abgewiesen, soweit die Aufhebung der Dis-

positivziffer 7 der vorinstanzlichen Verfügung (Änderung des Geburtsda-

tums) beantragt wird. Die Vorinstanz wird angewiesen, den Bestreitungs-

vermerk im ZEMIS zu belassen. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Dem rubrizierten Rechtsvertreter wird durch das Bundesverwaltungsge-

richt ein amtliches Honorar von Fr. 850.– ausgerichtet. 

5.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM, die kantonale Mig-

rationsbehörde, das Generalsekretariat EJPD und den Eidgenössischen 

Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Gabriela Freihofer Stefan Trottmann