# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7431145c-0248-53a8-97fa-20d380475a19
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-08-28
**Language:** de
**Title:** Erstanmeldung, somatische und psychische Beschwerden des Beschwerdeführers ungenügend abgeklärt, RAD-Aktenbeurteilung genügt nicht. Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit kann mangels Feststehens der medizinischen Zumutbarkeit noch nicht beurteilt werden. Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2023.00147
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2023.00147.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2023.00147
I. Kammer
Sozialversicherungsrichterin Fehr, Vorsitzende
Sozialversicherungsrichter Bachofner
Ersatzrichter Wilhelm
Gerichtsschreiberin Engesser
Urteil
vom
28. August 2023
in Sa
chen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch
syndicom
- Gewerkschaft Medien und Kommunikation
lic.
iur
.
Y.___
Monbijoustrasse
33, Postfach, 3001 Bern
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
X.___
, geboren 1961, war seit dem
1.
September 1990
als Mitarbeiter Produktion
Pakete
bei der
Z.___
tätig
(
Urk.
14/6/1)
, wobei er seit dem
8.
April 2021 krankgeschrieben war
(
Urk.
14/6/9)
. Nachdem er
sich
am
7.
Mai 2021
im Rahmen eines Polizeieinsatzes in seiner Wohnung
und anschliessender fürsorgerischer Unterbringung wegen Selbst- und Fremdgefährdung
(Urk.
14/85/311-313
,
Urk.
14/85/365 f.
)
das Schienbein gebrochen hatte (
Urk.
14/5/136)
, meldete er sich am 2
7.
September 2021 bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
14/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte in der Folge erwerbliche und medizinische Abklärungen durch und holte insbesondere die Akten des zuständigen Unfallver
sicherers Suva
sowie des
Krankentaggeldversicherers Axa
Versicherungen AG
ein
.
Mit Vorbescheid vom 2
7.
Oktober 2022
stellte sie dem Versicherten die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht
(
Urk.
14/55)
, wogegen
dieser
am
8.
November 2022 Ein
wand
erhob (
Urk.
14/57)
und
ihn
am 1
6.
Dezember 2022 ergänzend begründet
e
(
Urk.
14/74)
.
Nach Eingang weiterer Berichte der behandelnden Ärzte
legte die IV-Stelle die Sache am 3
1.
Januar und
2.
Februar 2023
Dr.
med.
A.___
, Fachärztin für Orthopädie, vom
r
egionalärztlichen Dienst (RAD) zur Stellungnahme vor (
Urk.
14/86,
Urk.
14/87/5 ff.) und wies
daraufhin
das L
e
i
s
tungsbegehren des Versicherten mit
Verfügung
vom 1
4.
Februar 2023 wie angekündigt ab (
Urk.
14/88
=
Urk.
2
).
2.
Hiergegen erhob der Versichert
e
am
8.
März 2023 Beschwerde mit den Anträgen,
die Verfügung vom 1
4.
Februar 2023
sei
aufzuheben und es sei ihm nach Ablauf des Wartejahres eine ganze Rente zuzusprechen; eventualiter seien ergänzende medizinische Abklärungen durchzuführen und
gestützt
darauf sein Le
is
tungsan
spruch erneut zu prüfen (
Urk.
1
S. 2
).
Am 2
1.
März und am 2
4.
Mai 2023 reichte er ärztliche Unterlagen ins Recht (
Urk.
6-7,
Urk.
10-11). In Kenntnis dieser Unterlagen
(
Urk.
8,
Urk.
12)
schloss d
ie Beschwerdegegnerin mit Beschwerde
antwort vom
1.
Juni 2023 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
13), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
5.
Juni 2023 mitgeteilt wurde (
Urk.
15). Am
4.
Juli 2023
reichte der Beschwerdeführer
schliesslich
ein
en
weitere
n
medi
zinische
n
Bericht
zu den Akten
(
Urk.
16
-17
), welcher der Beschwerdegegnerin am 1
0.
Juli 2023 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (
Urk.
18).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da der Zeit
punkt des Invaliditätseintritts (Art. 28 Abs. 1 und 1
bis
IVG) und jener des Renten
anspruchs nicht unbedingt identisch sind, fällt eine Invalidenrente unter das neue Recht, wenn der Anspruchsbeginn ab dem 1. Januar 2022 liegt, auch wenn die Invalidität vor diesem Zeitpunkt eingetreten ist. Neurechtliche Invalidenrenten sind somit Renten, auf die gemäss Art. 29 Abs. 1 und 2 IVG der Anspruch ab dem 1. Januar 2022 entsteht (
vgl.
Rz
. 1008 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungen zu den Übergangsbestimmungen zur Einführung des line
aren Rentensystems [KS ÜB WE IV], gültig ab 1. Januar 2022).
Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Da die Entstehung eines Rentenanspruchs aufgrund der am 2
7.
September 2021 erfolgten
Anmel
dung
zum Leistungsbezug (
Urk.
14/1) ebenfalls frühestens ab diesem Datum in Betracht fällt (
Art.
29
Abs.
1 IVG), sind die ab 1. Januar 2022 gültigen Rechts
vorschriften anwendbar.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgest
ützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Ar
beitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG)
.
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Faktoren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch
zu unterscheidende Befunde
zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psychosozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne ver
selbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Er
werbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert
(Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versicherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorgaben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus
zuklammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 9C_529/2021 vom 26. Juli 2022 E. 3.2.1).
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen
praxisgemäss
nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
gemäss
medizinischer Einschätzung nach Implantation einer Knietota
l
prothese und Materialentfernung jegliche gewünschte
Aktivität
nach Vollendung des dritten postoperativen Monates erlaubt und nach acht Monaten von einer voll
ständigen Rehabilitation auszugehen sei. Demzufolge sollte eine Wiederein
gliederung im Paketzentrum realistisch sein. Die somatischen Diagnosen seien somit nur als vorübergehend anzusehen, bleibende Einschränkungen seien nicht zu erwarten (
Urk.
2 S. 1 f.).
Eine psychische Einschränkung sei ausgewiesen, diese sei jedoch auf verschie
dene
Schicksalsschläge
zurückzuführen, die als psychosoziale Faktoren gälten und dadurch nicht berücksichtigt werden könnten. Auch der Diagnosestellung könne nicht vollständig gefolgt werden, da diese nicht nachvollziehbar herge
leitet worden sei. Eine stationäre Behandlung sei bisher nicht durchgeführt worden, die medizinischen Massnahmen seien daher noch nicht ausgeschöpft (
Urk.
2 S. 2).
Die im
Einwandverfahren
durchgeführte Abklärung beim RAD habe ergeben, dass bei der Kontrolle am
6.
September 2021 eine stabile Situation bezüglich einer angepassten Tätigkeit vorgelegen habe. Bis zur Implantation de
r
Knieprothese habe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden. Nach einer postoperativen Phase von drei Monaten könne aus versicherungsmedizinischer Sicht wieder von einer Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden
(
Urk.
2 S. 2)
.
Laut der behandelnden Therapeutin bestünden insbesondere ausgeprägte Schlaf
störungen. Daher sei eine Einschränkung bei der Benutzung von Maschinen gegeben. Eine
dem Leiden des Beschwerdeführers
angepasste Tätigkeit sei zumut
bar (
Urk.
2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, die Beschwerdegegnerin habe abge
sehen von der Einholung der Suva- und der Krankentaggeldakten keine weiteren medizinischen Abklärungen ge
tätigt
. Daher fehlten die neusten Arztberichte und die Ergebnisse der weiteren Behandlung, welche die Beschwerdegegnerin nicht abgewartet habe, obschon der Gesundheitszustand aktuell noch nicht stabil sei. Weiter gehe die Beschwerdegegnerin in der Verfügung
nicht auf
seine Argumente ein und sei entgegen sämtlicher fachärztlicher Einschätzungen immer noch der Ansicht, er könne in seiner angestammten Tätigkeit wieder uneingeschränkt arbeiten.
S
eine körperlich schwere, ausschliesslich gehend
e
und stehende Tätig
keit mit ständigem Heben und Tragen, wie dies im Paketzent
r
um der Fall sei, könne
er
jedoch selbst bei einer vollständigen Rehabilitation nach einer Knie
totalprothese nicht mehr ausüben. Dieser Ansicht sei auch der vertrauensärztliche Dienst der Arbeitgeberin, so dass das Arbeitsverhältnis zwischenzeitlich per 3
1.
Mai 2023
aufgelöst
worden sei. Für die Einschätzung der Beschwerdegegnerin mangle es offensichtlich an einer medizinisch schlüssigen Grundlage (
Urk.
1 S.
8).
Die Beurteilung, dass die psychischen Beschwerden ausschliesslich auf
Schick
salsschläge
zurückzuführen seien, entbehre
jeglicher medizinischen Grundlage
. So nehme die Beschwerdegegnerin nicht Stellung zum Vorliegen einer mittel
gradigen Depression, die sehr wohl durch Schicksalsschläge verursacht werden könne und nicht per se psychosozial sei. Es liege folglich eine psychiatrische
Diagnose mit Krankheitswert vor, was auch die zuständige Krankentaggeldver
sicherung nie angezweifelt habe. Eine Remission der psychischen Beschwerden sei nicht belegt. Auch hierzu fehle eine medizinische Beurteilung durch den RAD (
Urk.
1 S. 9).
Obwohl die Diagnosestellung durch die behandelnde Psychiaterin nicht ganz nachvollziehbar sei, seien
von der Beschwerdegegnerin keine
zusätz
lichen Berichte
angefordert worden.
Sie wäre
verpflichtet gewesen, weitergehende Abklärungen bei einer psychiatrischen Fachperson durchzuführen (
Urk.
1 S. 9 f.).
Die Unterlagen der Beschwerdegegnerin seien nach dem Gesagten weder voll
ständig noch schlüssig. Damit
mangle
es nicht nur an einem rechtsgenüglichen Beweis für die Behauptung, dass er uneingeschränkt in seiner bisherigen Tätigkeit arbeiten könne, sondern sie verletze auch den Untersuchungsgrundsatz (
Urk.
1 S.
10).
Die Beschwerdegegnerin habe keinen Einkommensvergleich
durchgeführt
. Offen
sichtlich bestehe jedoch nach Ablauf des Wartejahres ein Anspruch auf eine befristete ganze Rente
,
und zwar auch ohne weitere medizinische Abklärungen. Dies sei von der Beschwerdegegnerin ebenfalls nicht geprüft worden, obwohl er aufgrund des Unfalls im Mai 2021 aus somatischer Sicht zu 100% arbeitsunfähig gewesen sei. Beim Einkommensvergleich müsse zudem ein leidensbedingter Abzug geprüft werden (
Urk.
1 S. 10).
Er werde im Mai 2023 62 Jahre alt, habe keine Berufsausbildung und arbeite seit 1990 bei der
Z.___
. Seine Deutsch- und Computerkenntnisse seien nicht aus
reichend, um eine administrative sitzende Tätigkeit auszuüben. Hilfstätigkeiten ohne besondere Anforderungen an die Ausbildung seien zu 95
%
körperlich mit
telschwere bis schwere Tätigkeiten, welche nicht sitzend oder wechselbelastend ausgeübt werden könnten
. Die Wahrscheinlichkeit, dass er selbst ohne gesund
heitliche Einschränkungen eine Stelle fände, sei bereits äussert
gering
. Würden jedoch die bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen berücksichtigt, so müsste das Entgegenkommen de
r
Arbeitgeber
in
überdurchschnittlich gross sein, womit die Verwertbarkeit der Erwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt verneint werden müsse und er folglich nach Ablauf des Wartejahrs Anspruch auf eine Rente habe. Eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin ändere an diesem
Anspruch
nichts
und
mache weder aus
rechtlichen
noch aus ökonomischen Gründen Sinn (
Urk.
1 S.
1 f.).
Im Verfahren machte der Beschwerdeführer im Weiteren geltend, die Beschwer
degegnerin habe die laufenden Untersuchungen nicht abgewartet und zu früh verfügt (
Urk.
6). Gemäss den Spezialisten liege das Problem an der nicht sachge
rechten, weil medizinisch nicht indizierten Implantierung der Knieprothese. Er
ersuchte um nochmaligen Beizug der Suva-Akten (
Urk.
10).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente verneint hat.
Ausgehend von der Anmeldung zum Leistungsbezug am 2
7.
September 2021 (
Urk.
14/1) könnte ein Rentenanspruch für die Zeit ab März 2022 in Betracht fallen (
Art.
29
Abs.
1 IVG). Daher sind die Verhältnisse betreffend die Zeit ab März 2021 im Folgenden näher zu betrachten (
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG).
3.
3.1
Gestützt auf ein am 2
8.
September 2020 durchgeführte
s
Abklärungsgespräch stellten
Dr.
med.
B.___
, Ärztlicher Leiter
,
und
lic.
phil.
C.___
, Fachpsychologin für Psychotherapie
,
an der
Klinik D.___
in ihrem Bericht vom
2.
Oktober 2020 die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Epi
sode (ICD-10 F32.1). Sie führten aus, der Beschwerdeführer habe im Juni 2020 ein ausgeprägtes depressives Zustandsbild entwickelt, ausgelöst durch eine Hirn
blutung seiner Ehefrau. Laut dem Beschwerdeführer habe bereits seit Jahren ein Stresssyndrom, charakterisiert durch Schlafstörungen, Angstzustände und Schwächeanfälle bestanden. Selbiges sei wahrscheinlich das Resultat von zahl
reichen Belastungsfaktoren in den letzten fünf Jahren. Im Hintergrund
ständen
unverarbeitete Traumata aus der Kindheit und Jugend sowie die Tendenz zu Perfektionismus und Aktivismus, was zu ständiger Überarbeitung führe. Aktuell sei
der Beschwerdeführer
auf dem Weg zur Besserung unter anderem dank der Stabilisierung des gesundheitlichen Zustandes seiner Ehefrau. Indiziert sei eine ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung. Seit etwa drei Monaten sei der Beschwerdeführer zu 100
%
arbeitsunfähig. Aufgrund der aktu
ellen Besserung des Antriebs und des Sch
l
afes empfählen sie einen langsamen Wiedereinstieg in die Arbeit mit einem
niedrigen
Pensum von zunächst etwa 20 bis 40
%
mit allmählicher Steigerung des Arbeitspensums abhängig von der Befindlichkeit (
Urk.
14/30/1).
3.2
Nachdem der Beschwerdeführer am
7.
Mai 2021 eine
Tibiakopffraktur
rechts, alle drei Säulen betreffend, mit ventraler
Tibiaplateauimpressionsfraktur
lateral erlit
ten hatte, führten die behandelnden Ärzte des Spitals
E.___
am 1
2.
Mai 202
1
eine Plattenosteosynthese ORIF me
di
al dorsal durch (
Urk.
14/85/392 ff.).
Anlässlich des Spitalaufenthaltes wurde
n
im Rahmen eines
psychiatrischen
Kon
zil
s
am 1
0.
Mai 2021
zudem eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
und
ein Burn-Out-Syndrom (ICD-10 Z73.0
) diagnostiziert
(
Urk.
14/85/366
; vgl.
Urk.
14/85/98 f.
).
Dr.
med.
F
.___
, leitender Arzt am Spital
E
.___
,
hielt in der Folge in seinen Berichten vom 2
3.
Juni und
6.
September 2021
zunächst
einen
sehr
gut
en
beziehungsweise
zeitgerechten
und
am 1
3.
Dezember 2021
bei anamnes
tisch geschilderten hauptsächlich
medialseitigen
Schmerzen nurmehr
einen
etwas schleppende
n
Heilungsverlauf fest und
attestierte dem Beschwerdeführer jeweils eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Urk.
14/85/246,
Urk.
14/85/284,
Urk.
14/85/320 f.)
.
3.3
Med.
pract
.
G.___
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
dia
gnostizierte
in ihrem Bericht vom 2
8.
Juli 2021 eine posttraumatische
Belas
tungsstörung (ICD-10 F43.2), Probleme bei der Herauslösung aus dem Elternhaus in der Kindheit (ICD-10 Z61.1), akzentuierte zwanghafte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) und eine Schlafapnoe (
Urk.
14/85/139). Der Beschwerdeführer sei weiterhin aufgrund der Knieverletzung zu 100
%
arbeitsunfähig. Aktuell sei
er
aus psychischer Sicht ebenfalls zu 100
%
arbeitsunfähig. Die Prognose
bezüglich
der Arbeitsfähigkeit sei unsicher. Denkbar sei ein Arbeitsversuch nach Aufhebung der Einschränkungen
aufgrund
der Knieverletzung. Ein niedriges Pensum in angepasster Tätigkeit könne ihm unter Umständen Halt geben (
Urk.
14/85/141).
3.4
Anlässlich der CPAP-Jahreskontrolle stellte KD
Dr.
med.
H.___
, Leitende Ärztin der Abteilung für Pneumologie am S
pital I.___
, in ihrem Bericht vom
4.
August 2021 die Diagnosen eines obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms mittelschweren Grades, Störungen des Schlaf-/Wachrhythmus (Schichtarbeit) sowie einer Tibia-Schaftfraktur im Mai 2021 und hielt fest, bei weiterhin sehr guter Therapieadhärenz finde sich ein subjektiver und objektiver Benefit. Von Vorteil sei die Umstellung auf eine geregelte Arbeitszeit ohne Schichtarbeit. Dies habe
der Beschwerdeführer
aufgrund der schweren Erkrankung seiner Ehegattin umsetzen können. Insgesamt bestehe aber weiterhin eine starke psychosoziale Belastungssituation (
Urk.
14/10/2).
3.5
Der seit
8.
Februar 2017 behandelnde Hausarzt
Dr.
med.
J.___
, Fach
arzt für Allgemeine Innere Medizin,
hielt
in seinem Bericht vom 1
3.
November 2021
eine
psychosoziale Belastungssituation (Krankheit Ehefrau, Überforderung bei der Arbeit, depressive Symptomatik
)
, eine
komplizierte Knieverletzung rechts vom 1
0.
Mai 2021 sowie ein obstruktive
s
Schlafapnoesyndroms (OSAS)
fest
. Der Beschwerdeführer sei
seit
8.
April 2021 und
bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsun
fähig, er könne aus psychischen und physischen Gründen aktuell keine Arbeiten
ausführen (
Urk.
14/8/
2
f.). Die Prognose zur Eingliederung sei aktuell nicht abschätzbar (
Urk.
14/8/5).
3.
6
Suva-
K
reisarzt med.
pract
.
K.___
, Facharzt für
Chirurgie
, führte
am
1
3.
Januar 2022
aus, eine Rückkehr in die angestammte Tätigkeit
als Betriebs
mitarbeiter Logistik, welche sehr hohe Anforderungen an die Belastbarkeit des rechten Kniegelenks stelle,
sei dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar.
Ganztägig seien nur überwiegend sitzende Tätigkeiten zumutbar, mit der Mög
lichkeit, nach Bedarf ohne zusätzliche Gewichtsbelastung von mehr als 5 kg
a
uf
zu
stehen und
u
mher
zugehen sowie
ohne häufiges Treppensteigen oder Begehen von
unebenem
Gelände. Tätigkeiten verbunden mit einer Sprungbelastung seien nicht zumutbar (
Urk.
14/85/229).
3.
7
Am 1
2.
Mai 2022 führte
Dr.
med.
L.___
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
am Spital
E
.___
,
bei Diagnose
einer sekundären Gonarthrose
rechts bei osteosynthetischer Versorgung einer
Tibiakopffraktur
rechts vom 1
1.
Mai 2021
wegen der ausgeprägten und anhal
tenden Schmerzen
eine Entfernung von Osteosynthesematerial sowie die
Implan
tation
einer totalen
Knieendoprothese
durch. Der
intraoperative
Verlauf habe sich komplikationslos gestaltet und der Beschwerdeführer habe am 1
7.
Mai 2022 in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen werden können Eine Vollbe
lastung sei nach Massgabe der
Beschwerden
per sofort erlaubt. Der Beschwerde
führer sei vom 1
2.
bis am 2
0.
Mai 2022 zu 100
%
arbeitsunfähig
(
Urk.
14/85/151 ff.)
.
Am 1
7.
Juni 2022 hielt
Dr.
L.___
bei Diagnose eines Status nach Implantation einer totalen Knieprothese rechts sowie Osteosynthesematerialentfernung vom 1
2.
Mai 2022
anlässlich der ersten Verlaufskontrolle einen unauffälligen Verlauf fest (
Urk.
14/27/4).
Am
8.
August
2022
führte
Dr.
L.___
sodann
aus, d
ie Genesungs-/Rehabilitati
onszeit sei bei weiterhin unauffälligem Verlauf dahingehend, dass nach Voll
endung des dritten postoperativen Monats jegliche gewünschte Aktivität erlaubt sei, eine Überbelastung des Kniegelenks jedoch nicht erfolgen sollte.
Nach Voll
endung des dritten postoperativen Monats könne mit einer Teilzeitarbeit von 50
%
begonnen werden. Der Beschwerdeführer sollte hierbei jedoch nicht über
fordert werden
.
Eine vollständige Rehabilitation sei meist acht Monate nach der Operation erreicht
(
Urk.
14/31/7). Ab diesem Zeitpunkt sei bei unauffälligem Ver
lauf mit einer vollständigen Eingliederung zu rechnen (
Urk.
14/31/8). Die genaue Wiedereingliederungsfähigkeit sei jedoch erst nach erneuter Vorstellung des Beschwerdeführers Ende August 2022 zu evaluieren (
Urk.
14/31/6)
.
3.
8
Am 1
5.
September 2022 hielten med.
pract
.
G.___
und
lic.
phil
.
C.___
bei unveränderten Diagnosen fest, d
ie Prognose sei aufgrund des chronifizierten psychischen Leidens und der längeren Arbeitsunfähigkeit schlecht (
Urk.
14/35/
4
).
Der Beschwerdeführer werde von seinem Hausarzt arbeitsunfähig geschrieben (
Urk.
14/35/3).
Er
sei beim Gehen sehr eingeschränkt
und
sei deswegen noch in Abklärung und Behandlung.
Zudem
leide
er
unter ausgeprägten Schlafstörungen. Tagsüber habe er wiederholte «Einschlafanfälle»
, was eine Einschränkung bei der Benutzung von Maschinen zur Folge habe (
Urk.
14/35/5).
Die Frage, w
ie viele
Stunden pro Tag eine dem Leiden angepasste Tätigkeit zumutbar sei, könnten sie nicht beantworten. Solange er mit dem Knie Probleme habe, könne eine Einglie
derung nicht erfolgen. Falls der Knieschaden behoben werden könne und der Beschwerdeführer mobiler werde,
sei
eine Abklärung zur psychischen Belast
barkeit sinnvoll (
Urk.
14/35/6).
3.
9
Am 2
6.
September 2022 berichtete
Dr.
L.___
, der Beschwerdeführer habe bei seiner Vorstellung am
9.
September 2022
erzählt
, vor etwa drei Wochen eine Torsionsverletzung des rechten Kniegelenkes erlitten zu haben, worauf Schmer
zen im
Bereich
der proximalen Tibia sowie auch mittig des Unterschenkels
auf
getreten seien
(
Urk.
14/79/1).
Mittels der
durchgeführten Untersuchungen
könne aktuell eine
Infektsituation
ausgeschlossen werden. Er könne keine konkrete Ur
s
ache der Schmerzen eruieren. Möglicherweise hätten diese tatsächlich mit dem
b
erichteten Torsionsereignis zu tun (
Urk.
14/79/2).
Am
2
0.
Oktober 2022
hielt
Dr.
L.___
fest
, die klinische Untersuchung des Knie
gelenks habe sich ohne Auffälligkeiten gezeigt. Der Beschwerdeführer sei weiter
hin extrem schmerzempfindlich gewesen. Es habe weiterhin keine Ursache für die beschriebenen Beschwerden eruiert werden können.
Weiterhin bestehe
eine
hypotrophe
Oberschenkelmuskulatur rechts. Der Beschwerdeführer sei ermutigt worden, sein Aktivitätsniveau zu steigern. Er habe sich sehr verängstigt gezeigt. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
bevorzuge
er eine vertrau
ensärztliche Beurteilung (
Urk.
14/58/2).
3.
10
Hausarzt
Dr.
J.___
legte in seinem
Einwandschreiben
vom
8.
November 2022 gegen den Vorbescheid vom 2
7.
Oktober 2022 dar, beim Beschwerdeführer liege ein komplizierter Verlauf vor. Er sei weiterhin auf eine Gehhilfe angewiesen und klage noch immer über mässige bis starke Schmerzen im rechten Knie. Die Schmerzen seien auch nachts vorhanden und würden durch gewisse Auslöser unberechenbar aggraviert. Es bestehe trotz aller Bemühungen des Beschwerde
führers weiterhin und bis auf weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bezüg
lich der bisherigen Tätigkeit. Diese sei eindeutig auf die Kniebeschwerden zurück
zuführen und wäre auch ohne die psychischen Einschränkungen vorhanden. Er
beantrage den Aufschub des Entscheids und den Zuzug eines Vertrauensarztes / einer Vertrauensärztin (
Urk.
14/60/1).
3.1
1
Dr.
med. univ.
M.___
,
praktische Ärztin,
hielt
als Vertrauensärztin
der Arbeitgeberin des
Beschwerdeführers
am 1
6.
November 2022 fest, aktuell bestehe noch keine Arbeitsfähigkeit. Nach Absprache mit dem behandelnden Orthopäden könne in einigen Monaten ein Arbeitsversuch in angepasster Tätigkeit ange
gangen werden. In der angestammten Tätigkeit werde der Beschwerdeführer keine Arbeitsfähigkeit erlangen. Innerhalb der nächsten sechs Monate könne jedoch mit grosser Wahrscheinlichkeit eine angepasste Tätigkeit
aufgenommen
werden. Aus vertrauensärztlicher Sicht sei ein Arbeitsversuch von 30
%
in einer angepassten Tätigkeit empfehlenswert. Langfristig erachte sie den Beschwerdeführer
als
zu maximal 40
%
arbeitsfähig in einer angepassten Tätigkeit, dies sei jedoch auf
grund der komplexen allgemeinen Situation noch unsicher. Dass der Beschwer
deführer wegen der Knieproblematik
wiederum
eine psychische Instabilität ent
wickelt habe, sei logisch nachvollziehbar. Grund der aktuellen Arbeitsunfähigkeit sei jedoch das Knie und nicht der psychisch noch labile Zustand (
Urk.
14/85/
90 f.).
3.1
2
Im Überweisungsschreiben
vom 2
2.
November 2022
zur Zweitmeinung an
Dr.
N.___
, Facharzt für Orthopädie,
hielt
Dr.
L.___
fest
, die Situation ähnle einem neuropathischen Schmerzsyndrom, wobei er jedoch keinen konkreten Nerv, der solche Symptome hervorrufen könnte, benennen könne. Sicherlich spiele auch eine gewisse psychische Komponente eine Rolle. Der Beschwerde
führer berichte, mit dieser Schmerz- und Beschwerdesituation nicht arbeiten zu können (
Urk.
14/68/2).
3.1
3
Dr.
N.___
nannte
in seinem Bericht vom 1
4.
Dezember 2022
als
Diagnose
n
Schmerzen Knie rechts mit Aktivitätserhöhung
tibial
medial, Differentialdiagnose durch Osteosynthesematerial medial,
einen
mögliche
n
Low-grade-Infekt
und eine
mögliche partielle Pseudarthrose
.
Er führte aus, es bestehe eine deutliche
Druck
dolenz
im Bereich
tibial
medial beziehungsweise
am
mediale
n
Gelenkspalt. Die endgradige Flexion führe zu anterioren Schmerzen. Es träten intermittierend bei
Bewegung
und Berührung stark einschiessende Schmerzen
medialseits
auf, welche nicht klar objektiviert beziehungsweise reproduziert werden könnten. Sie würden von der klinischen Untersuchung her auch zu einem möglichen Neurom medial passen. Er habe den Beschwerdeführer
explizit
dafür motiviert, zumindest teilweise mit seiner Arbeitstätigkeit zu beginnen, um seinen Arbeitsplatz nicht zu verlieren. Eine teilweise Arbeitstätigkeit von anfänglich zwei Stunden täglich oder vier Stunden wöchentlich sei als minimaler Beginn denkbar und auch medizinisch vertretbar (
Urk.
14/75/2).
3.1
4
Am
6.
Januar 2023 hielt
Dr.
L.___
fest, es scheine, als bestehe ein neuropa
thisches Schmerzsyndrom. Durch die berichtete Sensibilitätsstörung denke er an eine lumbale Mitbeteiligung. Eine konkrete Diagnose könne er jedoch nicht stel
len. Er überwies den Beschwerdeführer an
Dr.
med.
O.___
, Facharzt für Anästhesiologie (
Urk.
14/83/2).
3.1
5
RAD-Ärztin
Dr.
A.___
stellte
am
3
1.
Januar
2023
die Diagnosen eines neuropa
thischen Schmerzsyndroms, Differentialdiagnose
n
Schmerzen Knie rechts mit Aktivitätserhöhung
tibial
medial durch Osteosynthesematerial medial,
eines
mög
liche
n
Low-Grade-Infekt
s
(Punktion war negativ)
oder
einer
mögliche
n
partielle
n
Pseudarthrose (eher unwahrscheinlich) mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Den
Diagnosen
einer mittelgradigen depressive
n
Episode
(ICD-10 F32.1
)
, einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sowie eine
s
obstruktiven Schlafapnoesyndrom
s
mass sie
dagegen
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu
(
Urk.
14/87/6)
.
Eine angepasste Tätigkeit sei eine überwiegend sitzende Tätigkeit mit
Möglichkeit
zur Wechselbelastung. Das Heben leichter Gewichte sei möglich. Nicht zumutbar sei
en
häufiges Treppensteigen oder Gehen auf unebenem Gelände, Tätigkeiten auf Leitern oder Gerüsten, im Knien oder mit Sprungbelastung, Schichtarbeit und übermässigem Zeitdruck. Regelmässige Pausen müssten eingelegt werden. Der Beschwerdeführer sei
in der hier massgebenden Zeit ab März
2021, nämlich
ab dem
8.
April 2021 auf Dauer zu 100
%
arbeitsunfähig i
n der angestammten Tätigkeit
. In einer angepassten Tätigkeit sei er aus versicherungsmedizinischer Sicht
vom
8.
April 2021 bis am 3
1.
Januar 2023 zu 100
%
und ab dem
1.
Februar 2023 zu 80
%
(Arbeitsversuch mit zunehmender Steigerung) arbeitsunfähig (
Urk.
14/87/6)
.
Nach
dem
die Diagnose einer
Tibiakopffraktur
gestellt worden sei
, die am 1
1.
Mai 2021 durch eine Osteosynthese operativ versorgt worden sei, habe sich eine Arth
rose entwickelt und es sei am 1
2.
Mai 2022 eine Totalendoprothese
im
rechte
n
Knie implantiert worden. Bei zunächst unauffälligem Verlauf sei es zu Beschwer
den gekommen, die bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht eindeutig zu erklären seien. Ein Infekt
und
eine Prothesenlockerung
seien
ausgeschlossen und die Problematik als neuropathische Schmerzen eingestuft worden. Am 1
4.
Dezember 2022 sei der
Beschwerdeführer
explizit dazu motiviert worden, zumindest teilweise mit seiner Arbeitstätigkeit zu beginnen. Da er immer noch eine Gehstütze benutze und die angestammte Tätigkeit eine grosse körperliche Belastung darstelle, sei dies nur in einer angepassten Tätigkeit möglich
(
Urk.
14/87/7)
.
Auch wenn
es
sich um
eine
psychosoziale Belastungssituation durch die Erkran
kung der Ehefrau und
des Beschwerdeführers selbst
handle, wirke sich diese auf das Belastungsprofil aus. Er könne keinen Schichtdienst oder Arbeit unter Druck durchführen. Es sei nicht abzusehen, ob eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht werden könne (
Urk.
14/87/7).
Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
14/87/7 f.)
ergänzte
Dr.
A.___
am
2.
Februar 202
3
, bei der Kontrolle
vom
6.
September 2021 habe eine stabile Situation des Kniegelenks bezüglich einer angepassten Tätigkeit vorgelegen. Bis zur Implantation der Knieprothese
(am 1
2.
Mai 2022)
habe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
bestanden. Nach einer postoperativen Phase von drei Monaten könne aus versicherungsmedizinisch-theoretischer Sicht dann wieder von einer Arbeits
fähigkeit ausgegangen werden. Die psychische Situation sei durch die psychoso
ziale Belastungssituation bedingt. Laut der behandelnden Therapeutin bestünden insbesondere ausgeprägte Schlafstörungen, weshalb eine Einschränkung bei der Benutzung von Maschinen gegeben sei.
Daher sei eine angepasste Tätigkeit möglich.
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit
gab sie nun abweichend zur früheren Darstellung an, der Beschwerdeführer sei
vom
8.
April bis am
6.
September 2021 zu 100
%
, vom
7.
September 2021 bis am 1
1.
Mai 2022 zu 0
%
, vom 1
2.
Mai 2022 bis am 1
2.
August 2022 zu 100
%
und vom 1
3.
August 2022 bis auf weiteres zu 0
%
arbeitsunfähig (
Urk.
14/87/8).
3.1
6
Den im Beschwerdeverfahren eingegangenen Berichten lässt sich Folgendes ent
nehmen:
Der Anästhesis
t
Dr.
O.___
nannte
in seinem
B
ericht vom
2.
Februar 2023
als
Diagnosen rechtsseitige mediale Knieschmerzen, Genese unklar, Differentialdia
gnose myofaszial, neuropathisch
,
sowie eine reaktive Depression und Angst
störung
(
Urk.
3 S. 2 f.). Am
7.
März 2023 stellte
er
nach der Infiltration der
Genikularnerven
eine deutliche Schmerzreduktion fest.
Als
weitere diagnostische
Massnahme
schlug er
eine schmerzpsychologische
Standortbestimmung
vor
(
Urk.
7 S. 1).
PD
Dr.
med.
P.___
, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie des Bewe
gungsapparates
,
berichtete am 1
1.
Mai 2022
im Auftrag der Suva
von einer Schmerzpersistenz und Minderbelastungsfähigkeit der
Knietotalendoprothese
rechts (
Urk.
11 S. 1). Er hielt fest, das Kniegelen
k
selbst sei absolut reizlos, zeige eine sehr gute Funktion. Als einzige therapeutische Massnahme könne noch eine Inlay-Erhöhung diskutiert werden. Ob dadurch an den Schmerzen und der Minderbelastbarkeit etwas geändert werden könne
,
sei jedoch schwierig voraus
zusehen. Grundsätzlich sei er eher zurückhaltend. Es sei offensichtlich, dass
der
Beschwerdeführer
bei diesem Verlauf als Logistiker kaum mehr arbeitsfähig werde (
Urk.
11 S. 2).
Dr.
med.
Q.___
, Oberarzt Hüft- und Kniechirurgie an der
Klinik R.___
,
hielt im Rahmen einer Drittmeinung fest, es zeige sich eine komplexe Situation mit ausgeprägter Schmerzhaftigkeit im Rahmen der Belastung
antero
medial
mit Ausstrahlung im Bereich des proximalen Drittels der medialen
Tibi
adiaphyse
. Eine Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf als Logistiker sehe er nicht als gegeben an und denke, dass auch in Zukunft eine kniebelastende Arbeit nicht mehr ausgeführt werden könne (
Urk.
17 S. 2 f.).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
auf
die RAD-Stellungnahmen von
Dr.
A.___
vom
3
1.
Januar und
2.
Februar 2023 (
Urk.
14/87/2 ff.)
. Reine Aktenbeurteilungen sind rechtspre
chungsgemäss beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 8C_750/2020 vom 2
3.
April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
4.2
4.2.1
Dr.
A.___
mass in
ihrer
Beurteilung einzig de
m neuropathischen Schmerzsyndrom
(Differentialdiagnosen Schmerzen Knie rechts mit Aktivitätserhöhung
tibial
medial durch Osteosynthesematerial medial, möglicher Low-Grade-Infekt oder mögliche partielle Pseudarthrose)
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu
und h
ielt
in Übereinstimmung mit den übrigen ärztlichen Beurteilungen
die
bisher ausgeübte
,
körperlich stark belastende Tätigkeit als
Paketsortierer bei der
Z.___
des
wegen
für nicht mehr zumutbar
(
Urk.
14/87/6
).
Was die Arbeitsfähigkeit in einer
den Beschwerden angepassten Tätigkeit betrifft,
ging
Dr.
A.___
in ihrer Stellungnahme
vom 3
1.
Januar 2023
- unter Verweis auf die Einschätzung
von
Dr.
N.___
, wonach eine teilweise Arbeitstätigkeit von anfänglich zwei Stunden täglich oder vier Stunden wöchentlich als minimaler Beginn denkbar und auch medizinisch ver
tretbar sei (
Urk.
14/75/2
; vorstehend E. 3.13
) -
zunächst
davon aus
, der Beschwer
deführer sei
aus versicherungsmedizinischer Sicht
vom
8.
April 2021 bis am 3
1.
Januar 2023 zu 100
%
und ab dem
1.
Februar 2023 im Rahmen eines Arbeits
versuches
zu 80
%
mit zunehmender Steigerung arbeitsunfähig
(
Urk.
14/87/6)
.
Nach einem Telefongespräch
mit
der Sachbearbeiterin (
Urk.
14/87/7 f.) führte sie
a
m
2.
Februar 2023
dagegen
aus, vom
6.
September 2021 bis zur Implantation der Knieprothese
am 1
2.
Mai 2022
sowie wiederum nach einer postoperativen Phase von drei Monaten sei aus versicherungsmedizinischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
in einer angepassten Tätigkeit auszugehen (
Urk.
14/87/8).
Die im Abstand von nur zwei Tagen
-
und
ohne
dass zwischen
zeitlich weitere medizinische Unterlagen eingegangen wären
-
erfolgten
Stellung
nahmen von
Dr.
A.___
erweisen sich somit als widersprüchlich.
4.2.2
Insoweit die Beurteilung von
Dr.
A.___
allenfalls auf jener von
Dr.
N.___
fusst, ist indes zu betonen, dass
Dr.
N.___
vor allem den Arbeitsplatzerhalt im Auge hatte, weshalb
sich
seine
Einschätzung
zweifelsfrei
einzig auf die Zumutbarkeit der bis
herigen Tätigkeit des Beschwerdeführers bezieht
(vgl.
Urk.
14/75/2)
. Daraus können
jedoch
keine Schlüsse auf die Möglichkeit, eine den Beschwerden ange
passte Tätigkeit auszuüben,
gezogen werden
.
Andererseits ist mangels entspre
chender Begründung nicht ersichtlich, worauf
Dr.
A.___
ihre Beurteilung
stützt
, der Beschwerdeführer sei
von September 2021 bis am 1
2.
Mai 2022 sowie
drei Monate nach der Implantation der Knieprothese in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig. Soweit sie dabei von Erfahrungswerten ausgeht, ist darauf hinzuweisen, dass es zwar zutrifft, dass der Heilungsverlauf nach
der Osteo
synthese
vom 1
2.
Mai 2021 zunächst regelrecht verlief (vorstehend E. 3.2)
. Doch bescheinigte der Hausarzt noch am 1
3.
November 2021 eine Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätigkeit (vorstehend E. 3.5). Die anhaltenden Schmerzen indizierten
de
n
Einsatz der Knieprothese
am 1
2.
Mai 2022
(
Urk.
14/31/7)
, weshalb nicht zu über
zeugen vermag, dass die RAD-
Ärztin
für den Zeitraum zuvor eine vollständige Arbeitsfähigkeit für eine Verweistätigkeit postulierte
.
Nach beiden
Eingriffen
traten in der Folge gemäss sämtlichen behandelnden Ärzten Komplikationen in der Form von Schmerzen
im rechten Knie
auf, wofür sie bis
zum
aktuellen Zeit
punkt keine definitive Erklärung finden konnten
, indessen unter anderem die Diagnose eines neuropathischen Schmerzsyndroms in den Raum stellten
(
Urk.
14/58/2,
Urk.
14/60/1,
Urk.
14/68/2,
Urk.
14/75/2,
Urk.
14/79/2, Urk.14/83/2,
Urk.
3 S. 2 f.,
Urk.
11 S. 2,
Urk.
17 S. 2)
; dies ist
durch einen Neu
rologen
zu beurteilen, der gegebenenfalls eine Folgeabschätzung mittels
des ein
schlägigen Prüfungsrasters
vorzunehmen haben wird
(Meyer Ulrich/Reichmuth Marco, in: Stauffer Hans-Ulrich/
Cardinaux
Basile (Hrsg.), Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Bundesgesetz über die Invalidenversicherung IVG,
4.
Aufl., Zürich - Basel - Genf 2023, Art. 4
N.
122)
.
Festzuhalten ist zudem, dass z
war auch
Dr.
L.___
am
8.
August 2022 davon
sprach
, dass drei Monate nach der Operation jegliche Aktivität erlaubt sei. Den
noch hielt er die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit vorerst nur im Umfang von
50
%
für zumutbar
, während die vollständige Rehabilitation erst nach acht Monaten erreicht sei
(
vorstehend E.
3.7
).
Auch
die
Vertrauensärztin der Arbeit
geberin
ging
am 2
6.
November 2022 von der Aufnahme einer Verweistätigkeit
erst in einigen Monaten oder in
sechs Monaten aus (vorstehend E. 3.11); auf diese
zurückhaltende
re
n
Zumutbarkeitsbeurteilungen
ging die RAD-Ärztin nicht ein
, was zumindest geringe Zweifel an ihrer Beurteilung erweckt
.
Angesichts des geschilderten Verlaufs und den weiterhin bestehenden Schmerzen erweist es sich demnach als unzulänglich, auf reine Erfahrungswerte abzustellen
,
und
ist
eine einzelfallbezogene Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers uner
lässlich.
4.2.3
Eine
zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
in einer angepassten Tätigkeit
lässt sich
auch den weiteren
medizinischen
Unterlagen beim aktuellen Aktenstand nicht entnehmen.
Insbesondere kann auch nicht gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung vom 1
3.
Januar 2022 (vorstehend E.
3.6) von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ausgegangen werden, da seine Einschätzung nur die unfallbedingte Knieverletzung berücksichtigte, aber nicht die damals bereits dokumentierte psychische Problematik, was für die
Invalidenversicherung nicht genügt.
Im Weiteren
äusserten sich
Dr.
N.___
,
PD
Dr.
P.___
und
Dr.
Q.___
lediglich zur Zumutbarkeit der bisherigen Tätigkeit
(
Urk.
14/75/2,
Urk.
11 S. 2,
Urk.
17 S. 3)
und waren sowohl
Dr.
L.___
als auch
Dr.
J.___
der Ansicht, für die Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit sei eine fach- beziehungsweise eine vertrauensärztliche Untersuchung erforderlich
(
Urk.
14/58/2,
Urk.
14/60/1)
. Was die Einschätzung der Vertrauensärztin der Arbeitgeberin,
Dr.
M.___
,
vom 1
6.
November 2022
betrifft,
wonach der Beschwerdeführer
aufgrund des Knieleidens
in einer ange
passten Tätigkeit aktuell arbeitsunfähig, in einigen Monaten ein Arbeitsversuch zu 30
%
in angepasster Tätigkeit empfehlenswert und
er
langfristig wohl zu maximal 40
%
arbeitsfähig sei (
Urk.
14/85/90 f.)
,
bleibt unklar, worauf sie sich bei diese
r
doch eher
unsicheren
Prognose
stützt, weshalb sie sich von
v
ornherein nicht als Grundlage für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers eignet und daher nicht darauf abgestellt werden kann.
4.
3
4.3.1
In psychischer Hinsicht mass
die Beschwerdegegnerin beziehungsweise
Dr.
A.___
den Diagnosen einer posttraumatischen Belastungsstörung sowie einer mittelgra
digen depressiven Episode
ohne Begründung
keinen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit zu
(
Urk.
2 S. 1 f.,
Urk.
14/87/6)
.
In diesem Zusammenhang ist zunächst darauf hinzuweisen, dass
Dr.
A.___
Fachärztin für Orthopädie ist und mit der
Ein
schätzung der psychischen Beschwerden ihr Fachgebiet verlässt,
weshalb ihren
diesbezüglichen Ausführungen
kein Beweiswert zugemessen werden darf
.
Zudem erweist sich ihre Beurteilung
als widersprüchlich
,
attestierten die behandelnden Ärzte
bereits
vor dem 1
2.
Mai 2021 doch jeweils
aus psychischen Gründen eine Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
14/30/1,
Urk.
14/47/5)
;
konsequenterweise
wäre
n
diese
Arbeitsunfähigkeitszeiten
daher auszuklammern, was
Dr.
A.___
indessen nicht tat. Ebenso verhält es sich
bei den
von
Dr.
A.___
bei der Festlegung des zumutbaren Tätigkeitsprofils berücksichtigten
Folgen der psychischen Erkrankung
wie
die
zu vermeidende Schichtarbeit und den übermässigen Zeitdruck
(
Urk.
14/87/6 f.)
.
Auf ihre Aktenbeurteilung kann
in Anbetracht dieser Widersprüche
nicht abgestellt werden.
4.3.2
Ebenso
wenig kann
aus den weiteren medizinischen Akten ohne Weiteres auf das Fehlen einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten psychischen Störung geschlossen werden
.
Zwar trifft es zu
, dass die
befassten
Ärzte mehrfach schwer
wiegende psychosoziale Faktoren
-
wie die Erkrankung der Ehefrau des Beschwerdeführers
sowie den Tod mehrerer Familienmitglieder
und seine eigene Erkrankung
-
erwähnten und die Entstehung der psychischen Problematik darauf zurückführten
(
Urk.
14/8/3,
Urk.
14/30/1,
Urk.
14/85/139)
. In diesem Zusammen
hang erfolgte durch das anlässlich des
A
ufenthaltes
im Spital
E
.___
mit Blick auf die Grundlagen für die fürsorgerische Unterbringung
durchgeführte
psychiatrische Konzil denn auch die invalidenversicherungsrechtlich
grundsätz
lich
nicht relevante Diagnose eines
Burnout
-Syndroms
infolge der
anstrengenden Pflegesituation der Ehefrau
(
Urk.
14/85/366
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_645/2015 vom 3. Februar 2016 E. 4.1 mit Hinweis auf 8C_810/2013 vom 9. April 2014 E. 5.2.2 mit weiteren Hinweisen
)
.
Das Bestehen belastender psychosozialer Faktoren
schliesst
jedoch einen invali
disierenden Gesundheitsschaden
gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht per se aus, sondern nur, wenn die Befunde in den psychosozialen Umstän
den ihre hinreichende Erklärung finden. Dies ist dann nicht der Fall, wenn eine von der psychosozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störung mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit vorliegt.
Ausserdem
können sich psychosoziale Belastungs
faktoren mittelbar invaliditätsbegründend auswirken, indem sie einen verselb
ständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner Folgen verschlimmern (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteile des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen sowie 8C_730/2008 vom 2
3.
März 2009 E. 2).
Neben der Diagnose des
Burnout
-Syndroms lassen sich den Akten weitere psychiatrische Diagnosen entnehmen, deren
Massgeblichkeit
nicht von
v
orn
herein ausgeschlossen werden kann. So
diagnostizierten
die behandelnden Ärzte anlässlich des psychiatrischen Konzil
s
in der Klinik
E
.___
zusätzlich
eine
mittelgradige depressive Episode
(
Urk.
14/85/366)
und die behandelnden Fach
personen med.
pract
.
G.___
und
lic.
phil
.
C.___
nach dem Vorfall mit der Polizei am 1
2.
Mai 2021, der zur
Tibiakopffraktur
führte
und wegen Selbst- und
Fremdgefährdung
eine fürsorgerische Unterbringung nach sich zog
(
Urk.
14/87/7)
,
eine posttraumatische Belastungsstörung
(
Urk.
14/35/4,
Urk.
14/85/139)
. Der Umstand, dass letztere Diagnose
nach Ansicht der Beschwerdegegnerin
nicht vollständig nachvollziehbar ist, genügt dabei nicht, um das Vorliegen einer
massgeblichen
psychischen Störung
auszuschliessen
, denn
gemäss
der Rechtsprechung ist die konkrete diagnostische Einordnung einer psychischen Störung nicht von ausschlaggebender Bedeutung. Vielmehr sind die funktionellen Beeinträchtigungen für die Beurteilung, ob und inwiefern eine psychische Erkrankung invalidisierend ist,
massgebend
(Urteile des Bundesge
richts 9C_345/2019 vom 25. September 2019 E. 4.2.1 und 9C_851/2018 vom 23. Mai 2019 E. 4.1.4; BGE 140 V 193 E. 3.1).
Diesbezüglich erwähnten die behandelnden Fachpersonen
zahlreiche
Befunde
, namentlich
eine mittelgradige Störung der Konzentration und Aufmerksamkeit, einen ratlosen, bedrückten, pha
senweise verzweifelten und hoffnungslosen Affekt, eine Lust- und Motivations
losigkeit, Ängstlichkeit sowie Schlafstörungen und Suizidgedanken
(
Urk.
14/35/4), wobei nicht ohne Weiteres gesagt werden kann, dass diese allein von der psychosozialen Belastung herrühren würden und nicht davon unter
scheidbare, auf eine psychische Erkrankung zurückzuführende Befunde darstellen könnten.
Insgesamt sind bei
m Beschwerdeführer somit
durchaus psychosoziale Belastungs
faktoren vorhanden, die Entwicklung und Verlauf der psychischen Problematik beeinflussten. Daraus jedoch auf ein klinisches Beschwerdebild zu
schliessen
, das sich einzig in Beeinträchtigungen erschöpft, welche von belastenden psychoso
zialen oder soziokulturellen Faktoren herrühren (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 2
3.
März 2009 E. 2), ist nicht überzeugend.
Ob eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andau
ernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder ein damit vergleichbarer psychischer Leidenszustand mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit besteht, welchem gegenüber einem reaktiven invaliditätsfremden Geschehen auf psycho
soziale Belastungen selbständige Bedeutung zukommt, kann jedoch gestützt auf die vorliegenden Akten nicht
abschliessend
beurteilt werden. Denn eine Abgren
zung und Ausklammerung der Folgen dieser Belastungen vom allenfalls krank
heitsbedingten Unvermögen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, erfolgte bisher nicht.
Ein krankheitswertiges psychisches Leiden lässt sich damit nicht ohne Weiteres
ausschliessen
. Der Rentenanspruch de
s
Beschwerdeführer
s
kann dem
nach gestützt auf die aktuelle Aktenlage nicht von vornherein aufgrund des Fehlens eines verselbständigten psychischen Leidens verneint werden.
4.3.3
Soweit die Beschwerdegegnerin sodann gestützt darauf, dass der Beschwerde
führer bisher keine stationäre Behandlung in Anspruch genommen hat, auf
einen fehlenden Leistungsanspruch
schliesst
(
Urk.
2 S. 2)
, ist darauf hinzuweisen, dass es sich b
ei der Therapierbarkeit
einer psychischen Störung
lediglich um ein Kri
terium
handelt
, das im Rahmen der Prüfung der Standardindikatoren zu beachten ist
,
und nicht um eine einen Anspruch auf eine Invalidenrente von
v
ornherein
ausschliessende
Tatsache
(BGE 143 V 409 E. 5.1)
. Eine anhand einer umfassenden Prüfung der Standardindikatoren vorgenommene Beurteilung der Arbeitsfähig
keit des Beschwerdeführers liegt jedoch
bisher
nicht vor.
4.4
4.4.1
Nach dem Gesagten bestehen nicht auszuräumende, mehr als geringe Zweifel an der Einschätzung de
r
RAD
-Ärztin
zur Arbeitsfähigkeit, insbesondere zum Umfang und zur Ausgestaltung einer allfällig zumutbaren an die Beschwerden des Beschwerdeführers angepassten Tätigkeit
in Verlauf des
massgebenden
Zeitrau
mes
. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin kann nicht ohne Weiteres von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ausgegangen werden (Urk. 2), vielmehr ist der medizinische Sachverhalt in wesentlichen Teilen ungeklärt.
4.4.2
Da
somit
die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht feststeht, kann ent
gegen de
ssen
Vorbringen auch deren wirtschaftliche
Verwertbarkeit
bei vorge
rücktem
Alter
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht beurteilt werden. Denn die
Verwertbarkeit
ist nach dem Zeitpunkt zu bestimmen,
in dem
die medizini
schen Unterlagen eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung zur medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit erlauben (vgl. BGE 143 V 431 E. 4.5.1, 138 V 457 E. 3.3 und 3.4), was hier wie ausgeführt noch nicht der Fall ist.
4.5
Die Beschwerdegegnerin
hat daher ergänzende medizinische Abklärungen vorzu
nehmen, die sämtliche Beschwerden des Beschwerdeführers umfassen und eine hinreichende fachärztliche Grundlage darstellen, welche die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erlauben. Hierzu empfiehlt sich eine polydisziplinäre Begutach
tung, die insbesondere auch eine Beurteilung des psychischen Gesundheits
zustandes nach
Massgabe
der Standardindikatoren
gemäss
der mit BGE 141 V
281 begründeten Rechtsprechung ermöglicht. Hernach hat die Beschwerdegegne
rin neu über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu entscheiden.
Die angefochtene Verfügung vom
1
4.
Februar 2022
(Urk. 2) ist somit aufzuheben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden Abklärung im Sinne der Erwägungen und zu neuem Entscheid über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers zurückzuweisen. Die Beschwerde ist in diesem Sinne
gutzu
heissen
.
5.
5.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr. 700.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen
, unabhängig davon, ob sie beantragt oder ob das Begehren im Haupt- oder Eventualantrag gestellt wird
(BGE
141 V 281 E. 11.1,
137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2)
. Folglich sind
die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausserdem
hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitauf
wand und den Barauslagen ermessensweise auf
Fr.
1‘
7
00
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom
1
4.
Februar 2023
aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, neu entscheide.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Die Beschwerdegegnerin wird
verpflichtet,
dem Beschwerdeführer
eine Parteientschä
digung von
Fr.
1’
7
00
.-- (inkl. Barauslagen und MWST) zu bezahlen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
syndicom
- Gewerkschaft Medien und Kommunikation
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkun
den sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Die VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
FehrEngesser