# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0453248c-5403-5820-a05a-fa28a2c5d823
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2024-04-08
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 08.04.2024 D-4190/2023
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-4190-2023_2024-04-08.pdf

## Full Text

B u n d e s v e r w a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b un a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b un a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-4190/2023 

law/bah 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  8 .  A p r i l  2 0 2 4  

Besetzung 
 Richter Walter Lang (Vorsitz), 

Richterin Susanne Bolz-Reimann, Richter Gérald Bovier, 

Gerichtsschreiber Christoph Basler. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Kamerun, 

vertreten durch Lea Hungerbühler, Rechtsanwältin,substitu-

iert durch Nathalie Vainio, Rechtsanwältin, 

(…), 

Beschwerdeführerin,   

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl (ohne Wegweisungsvollzug); 

Verfügung des SEM vom 29. Juni 2023 / N (…). 

 

 

 

D-4190/2023 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

A.a Die Beschwerdeführerin, eine kamerunische Staatsangehörige mit 

letztem Aufenthalt in B._______, verliess ihr Heimatland eigenen Angaben 

gemäss am 9. Oktober 2018 und gelangte am 2. Januar 2019 in die 

Schweiz, wo sie am 4. Januar 2019 um Asyl nachsuchte. 

A.b Am 14. Januar 2019 führte das SEM mit der Beschwerdeführerin die 

Befragung zur Person (BzP) durch. Dabei erklärte sie, sie habe sich vom 

2. August bis zum 2. September 2018 in Frankreich aufgehalten. Sie sei 

von einem Mann dorthin begleitet worden, der ihr unter einem Vorwand den 

Pass abgenommen habe. Sie habe festgestellt, dass der Mann sie in ein 

Bordell gebracht habe, wo sie zur Prostitution gezwungen worden sei. 

Nachdem sie einige Freier tätlich angegriffen habe, habe der Mann ihr ge-

sagt, einige «Kunden» hätten sich über sie beschwert, worauf sie geant-

wortet habe, sie ziehe es vor, in ihre Heimat zurückzukehren. Der Mann 

habe sie zum Flughafen begleitet und ihr erst dort ihren Reisepass zurück-

gegeben, mit dem sie nach Kamerun zurückgekehrt sei. Den Reisepass 

habe sie danach verkauft. Sie habe Geld für die medizinische Behandlung 

ihres Vaters benötigt, der einen Hirnschlag erlitten habe. Sie habe ihren 

Vater unterstützt, obwohl er mit einem Gegenstand ihren Schädel zertrüm-

mert habe. Kamerun habe sie verlassen, weil ihre sexuelle Orientierung 

dort nicht akzeptiert werde. 

A.c Das SEM führte am 25. Januar 2019 eine erweiterte Befragung zur 

Person durch, bei der die Beschwerdeführerin zu ihrem beruflichen Wer-

degang, ihrem Reiseweg in die Schweiz und ihren Erlebnissen auf der 

Flucht befragt wurde. Dazu gab sie zu Protokoll, sie habe zwischen 2006 

und 2016 in C._______ gelebt, wo sie studiert und gearbeitet habe. In die-

ser Zeit habe es Krieg zwischen dem englischen und dem französischen 

Teil Kameruns gegeben. In C._______ sei es ihr besser gegangen als in 

B._______, weil sie dort keine Familie gehabt habe. Wegen den Auseinan-

dersetzungen zwischen den Sprachregionen sei sie dennoch nach 

B._______ zurückgekehrt. Eine Frau, die eine andere Frau liebe, sei in Ka-

merun eine Missgeburt. Man habe sie mit in Kirchen genommen, um für 

sie zu beten. Eines Tages habe ihr Vater sie derart zusammengeschlagen, 

dass sie eine Wunde an der Stirn gehabt habe, die habe genäht werden 

müssen. Manchmal sei die Polizei zu ihr gekommen und habe sie mitten in 

der Nacht festgenommen. Sie sei grundlos geschlagen worden und man 

habe ihr eine Schusswaffe an den Kopf gehalten und gesagt, sie müsse 

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aufhören mit dem, «was sie mache». Ihr Vater stecke hinter alledem, was 

geschehen sei. Personen, mit denen sie berufliche Kontakte gehabt habe, 

seien wegen ihr bedroht worden. 

A.d Das SEM ersuchte die französischen Behörden im Rahmen des ein-

geleiteten Dublin-Verfahrens am 14. März 2019 um die Übernahme der Be-

schwerdeführerin; diese erteilten am folgenden Tag ihre Zustimmung. Das 

SEM trat mit Verfügung vom 2. April 2019 auf ihr Asylgesuch nicht ein und 

verfügte die Wegweisung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz in den 

zuständigen Dublin-Staat (Frankreich). Das Bundesverwaltungsgericht 

hiess eine gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde vom 18. April 

2019 mit Urteil D-1874/2019 vom 29. April 2019 gut, und wies die Sache 

zur Neubeurteilung an das SEM zurück. 

A.e Die Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin übermittelte dem SEM 

am 13. Juni 2019 einen Bericht der Fachstelle Frauenhandel und Frauen-

migration (FIZ) vom 6. Juni 2019. 

A.f Das SEM trat in der Folge mit Verfügung vom 18. Juni 2019 auf ihr 

Asylgesuch erneut nicht ein und verfügte die Wegweisung der Beschwer-

deführerin aus der Schweiz in den zuständigen Dublin-Staat (Frankreich). 

Das Bundesverwaltungsgericht hiess die gegen diesen Entscheid einge-

reichte Beschwerde vom 27. Juni 2019 mit Urteil D-3292/2019 vom 3. Ok-

tober 2019 erneut gut und wies die Sache wiederum zur Neubeurteilung 

an das SEM zurück. Das SEM trat mit Verfügung vom 23. November 2020 

auf ihr Asylgesuch abermals nicht ein und verfügte die Wegweisung aus 

der Schweiz in den zuständigen Dublin-Staat (Frankreich). Die gegen diese 

Verfügung gerichtete Beschwerde vom 3. Dezember 2020 wurde vom Bun-

desverwaltungsgericht mit Urteil D-6107/2020 vom 31. März 2021 abge-

wiesen. 

A.g Aufgrund der Verfristung des Wegweisungsvollzugs nahm das SEM 

am 6. Oktober 2021 das nationale Asylverfahren wieder auf. 

A.h Das SEM hörte die Beschwerdeführerin am 12. November 2021 in An-

wesenheit ihrer Rechtsvertreterin, die ihre Einsetzung als amtliche Vertre-

tung beantragte, zu ihren Asylgründen an. Sie machte im Wesentlichen 

geltend, sie habe gelegentlich noch telefonische Kontakte mit ihrer Mutter 

und ihren Geschwistern. Ihr Vater sei am (…) 2020 verstorben. Sie habe 

ihr Heimatland verlassen, da sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Ge-

walt erlitten habe. Die Polizei, die von ihrem Vater darüber orientiert worden 

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Seite 4 

sei, habe sie zuhause mindestens zehnmal spät in der Nacht abgeholt, 

ohne einen Haftbefehl zu haben. Sie sei zwei bis drei Tage in eine Zelle 

eingeschlossen und mit Macheten geschlagen worden. Sie habe danach 

jedes Mal ins Krankenhaus gehen müssen. Es sei kein Gerichtsverfahren 

gegen sie eröffnet worden und sie habe nichts gegen die Polizisten unter-

nommen, die sie misshandelt hätten. Als ihr Vater erfahren habe, dass sie 

lesbisch sei, habe er zwei seiner Cousins gerufen, die sie wie einen Hund 

geschlagen hätten. Einer ihrer Onkel habe gesagt, es genüge, als er sie 

am Kopf habe bluten sehen. Man habe sie in ein Krankenhaus gebracht, 

wo ein Pfleger gefragt habe, ob ihr Vater sie habe töten wollen. Von diesem 

Zeitpunkt an sei sie eine Verstossene gewesen. Sie versuche, in der 

Schweiz mit Hilfe ihrer Therapeutin darüber hinwegzukommen, was 

schwierig sei. Sie sei bereits während ihrer Kindheit von Familienmitglie-

dern vergewaltigt worden, was für sie traumatisierend gewesen sei. Als sie 

in B._______ ein Internat besucht habe, habe sie ihre Partnerin D._______ 

kennengelernt, mit der sie im Versteckten eine Beziehung eingegangen 

sei. Nach Abschluss der Schule sei sie nach C._______ gezogen, wo keine 

Familienangehörigen gelebt hätten. D._______ habe sie dort besuchen 

können und niemand habe Fragen gestellt. Sie habe dort ein normales Le-

ben führen können. Nachdem sie nach B._______ zurückgekehrt sei, hät-

ten sich ihre Partnerin und sie weit weg von ihrem Zuhause getroffen. Im 

Jahr 2014 habe sie beschlossen, ihre Heimat zu verlassen. Sie habe ein 

Visum für Frankreich beantragt, doch ihr Antrag sei abgelehnt worden. 

2017 habe sie es nochmals versucht, aber auch der zweite Antrag sei ab-

gelehnt worden. 2018 habe sie dann nach Frankreich reisen können, wo 

sie sich etwa einen Monat aufgehalten habe. Ihr Vater sei aufgrund eines 

Schlaganfalls in einem öffentlichen Krankenhaus gewesen. Sie habe ihren 

Pass, in dem ein gültiges französisches Visum gewesen sei, verkauft, um 

ihren Vater in ein besseres Krankenhaus bringen zu können. Als sie ihren 

Vater einmal besucht habe, habe er sie beschimpft. Sie habe sich bei ihrer 

Partnerin versteckt und sei nur noch nachts aus dem Haus gegangen. 

Wenn sie ein Polizeiauto gesehen habe, habe sie Angst gehabt. Sie habe 

um ihr Leben gefürchtet und sich gesagt, sie müsse in ein Land gehen, wo 

sie angenommen und nicht verurteilt werde. 

A.i Am 5. Juni 2023 hörte das SEM die Beschwerdeführerin ergänzend zu 

ihren Asylgründen an. Sie führte im Wesentlichen aus, sie habe zu ihren 

Geschwistern und ihrer Mutter selten telefonischen oder schriftlichen Kon-

takt. Als sie aus Frankreich nach Kamerun zurückgekehrt sei, habe sie sich 

versteckt, weil sie in der Vergangenheit verhaftet worden sei. Sie habe al-

leine in einem kleinen Zimmer gelebt. Sie habe sich überlegt, was sie tun 

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solle. Wenn man lesbisch sei, könne man in Kamerun inhaftiert und ge-

büsst werden. Man müsse seine Veranlagung verheimlichen, werde sie be-

kannt, habe man Probleme ohne Ende. Es gebe eine Anwältin, die sich für 

ihre Sache einsetze, die selbst bedroht werde. Sie (die Beschwerdeführe-

rin) habe sich nur nachts aus ihrem Zimmer gewagt und kaum gegessen. 

Sie habe ihren Vater einmal im Spital besucht; dieser habe sie beschimpft, 

obwohl sie ihm die Behandlung bezahlt habe. Ihre Familie habe den Kon-

takt zu ihr abgebrochen, sie sei eine Ausgestossene gewesen. Sie habe in 

ständiger Angst gelebt und sich beobachtet gefühlt. Niemand habe ihre Ad-

resse gekannt. Auf Nachfrage bestätigte die Beschwerdeführerin, sie sei 

schon im Alter von neun oder zehn Jahren sexuell missbraucht worden. Als 

sie sich an ihre Mutter gewandt habe, habe diese ihr gesagt, man spreche 

nicht über «solche Sachen». Mit anderen Angehörigen habe sie nicht dar-

über gesprochen, da dies eine Schande sei. Sie habe sich geschämt und 

schuldig gefühlt. Im Fall einer Rückkehr nach Kamerun müsste sie ständig 

versteckt leben. 

B.  

Das SEM stellte mit Verfügung vom 29. Juni 2023 – eröffnet am folgenden 

Tag – fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, 

lehnte ihr Asylgesuch vom 4. Januar 2019 ab und verfügte ihre Wegwei-

sung aus der Schweiz. Da es den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar 

erachtete, ordnete es die vorläufige Aufnahme der Beschwerdeführerin an 

und beauftragte es den Kanton E._______ mit deren Umsetzung. Das Ge-

such um unentgeltliche Verbeiständung lehnte es ab. 

C.  

Die Beschwerdeführerin erhob beim Bundesverwaltungsgericht mit Ein-

gabe ihrer Rechtsvertreterin vom 31. Juli 2023 gegen diesen Entscheid Be-

schwerde. Darin wurde beantragt, es seien die Ziffern 1-3 der angefochte-

nen Verfügung aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft der Be-

schwerdeführerin anzuerkennen und die Vorinstanz sei anzuweisen, ihr in 

der Schweiz Asyl zu gewähren, eventualiter sei die Sache zur Neubeurtei-

lung der Flüchtlingseigenschaft an die Vorinstanz zurückzuweisen. In ver-

fahrensrechtlicher Hinsicht wurde beantragt, es sei die unentgeltliche 

Rechtspflege zu gewähren und zufolge Mittellosigkeit auf die Erhebung 

von Verfahrenskosten, insbesondere eines Kostenvorschusses, zu ver-

zichten. Zudem sei die unentgeltliche Vertretung zu gewähren und Rechts-

anwältin Lea Hungerbühler, substituiert durch die unterzeichnende Rechts-

anwältin, als amtliche Vertretung einzusetzen. 

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Seite 6 

Der Beschwerde lagen ein medizinischer Bericht der (…) vom 4. Novem-

ber 2021 und ein Austrittsbericht vom 15. Oktober 2021 der Psychiatri-

schen Dienste des Spitals E._______ bei. 

D.  

Mit Zwischenverfügung vom 10. August 2023 forderte der Instruktionsrich-

ter die Beschwerdeführerin auf, bis zum 25. August 2023 das beigelegte 

Formular «Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege» ausgefüllt und mit den 

nötigen Beweismitteln versehen beim Bundesverwaltungsgericht einzu-

reichen, dies mit dem Hinweis, bei ungenutzter Frist werde nicht von ihrer 

prozessualen Bedürftigkeit ausgegangen und über das Gesuch um Ge-

währung der unentgeltlichen Rechtspflege aufgrund der bisherigen Akten-

lage entschieden. Des Weiteren teilte er mit, dass über die weiteren An-

träge zu einem späteren Zeitpunkt befunden werde. 

E.  

E.a Am 28. August 2023 gingen beim Bundesverwaltungsgericht zahlrei-

che Beilagen zum Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-

pflege ein. 

E.b Der Instruktionsrichter forderte die Beschwerdeführerin am 30. August 

2023 auf, bis zum 4. September 2023 das ausgefüllte Formular «Gesuch 

um unentgeltliche Rechtspflege» nachzureichen. Dieses ging beim Gericht 

am 1. September 2023 ein. 

F.  

Mit Verfügung vom 12. September 2023 hiess der Instruktionsrichter die 

Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und amtliche 

Verbeiständung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses. Er ordnete der Beschwerdeführerin Rechtsanwältin Lea Hunger-

bühler als amtliche Rechtsbeiständin bei. Die Akten übermittelte er zur Ver-

nehmlassung an das SEM. 

G.  

Das SEM nahm in seiner Vernehmlassung vom 27. September 2023 Stel-

lung zur Beschwerde und hielt an seinem Standpunkt fest. 

H.  

Der Instruktionsrichter setzte die Beschwerdeführerin am 29. September 

2023 von der Vernehmlassung in Kenntnis und gewährte ihr die Möglich-

keit zur Einreichung einer Replik. 

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Seite 7 

I.  

Mit Replik vom 16. Oktober 2023, der eine Honorarnote beilag, äusserte 

sich die Rechtsbeiständin der Beschwerdeführerin ausführlich zur Ver-

nehmlassung. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-

ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-

son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

Eine solche Ausnahme liegt nicht vor. 

1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des Asylgesetzes in Kraft getreten 

(AS 2016 3101). Für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht 

(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom 

25. September 2015). 

1.3 Die Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilge-

nommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-

gerecht eingereichte Beschwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG 

i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten. 

2.  

Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen 

richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26 

E. 5). 

3.  

3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

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Seite 8 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

4.  

4.1 Das SEM führt zur Begründung seines Entscheides aus, die Schilde-

rungen der Beschwerdeführerin, sie habe begründete Furcht vor zukünfti-

ger Verfolgung, seien insgesamt nicht überzeugend. Ihre sexuelle Orien-

tierung werde nicht angezweifelt. Die Frage, wann sie das letzte Mal inhaf-

tiert worden sei, habe sie dahingehend beantwortet, dass dies im Jahr 

2018 gewesen sei. Hinter der Verfolgung durch die Polizei stecke ihr Vater. 

Im Juli 2018 sei sie nach Frankreich gereist, wo sie von Menschenhändlern 

zur Prostitution gezwungen worden sei. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat 

im September 2018 habe sie in einem Zimmer gewohnt; sie habe nicht 

geltend gemacht, dass sie von den Behörden erneut verfolgt worden sei. 

Sie habe lediglich von einer Auseinandersetzung mit ihrem Vater berichtet, 

der sich im Spital befunden habe. Sie habe grosse Angst gehabt, erkannt 

zu werden, weshalb sie sich stets bedeckt und nur nachts ihre Unterkunft 

verlassen habe. Sie habe nicht dargelegt, dass sie während dieses Monats 

ernsthaft bedroht worden sei. Ihr Vater sei im Oktober 2020 verstorben, 

weshalb alle Befürchtungen, die sie aufgrund dessen Taten gehabt habe, 

gegenstandslos geworden seien, da er sie nicht mehr bei den Behörden 

anzeigen könne. Da gegen sie nie ein Gerichtsverfahren eröffnet worden 

sei, sei nicht davon auszugehen, dass sie bei einer Rückkehr nach Kame-

run verhaftet werde. Ihren Schilderungen sei nicht zu entnehmen, dass sie 

seitens weiterer Personen eine Bedrohung oder Verfolgung zu befürchten 

habe. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sei nicht davon auszugehen, dass sie 

in ihrem Heimatland aufgrund ihrer Homosexualität in Zukunft einer asyl-

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Seite 9 

relevanten Verfolgung ausgesetzt werde. Ihre Befürchtungen vor zukünfti-

ger Verfolgung seien als unbegründet einzustufen. 

Die Beschwerdeführerin habe nicht überzeugend darlegen können, dass 

sie in ihrer Heimat einem unerträglichen psychischen Druck ausgesetzt ge-

wesen sei. Die geltend gemachten Inhaftierungen seien von kurzer Dauer 

gewesen und sie habe nicht von anderen Verfolgungsmassnahmen der 

Behörden berichtet. Ihr Vater habe sie krankenhausreif geschlagen, als er 

von ihrer Homosexualität erfahren habe. Weitere Ereignisse habe sie nicht 

dargelegt. Der Ursprung ihrer Probleme sei ihr Vater gewesen, da er die 

Polizei geholt habe. Ausserhalb der familiären Sphäre habe sie aufgrund 

ihrer sexuellen Veranlagung zu keinem Zeitpunkt Schwierigkeiten gehabt. 

Dies werde dadurch bestätigt, dass sie von 2006 bis 2016 in C._______ 

gelebt habe, wo sie keine Probleme gehabt habe und relativ frei habe leben 

können. Sie habe gesagt, es sei ihr besser gegangen, da sie dort keine 

Familienangehörigen gehabt habe, die über ihre Situation im Bild gewesen 

seien. Objektiv betrachtet habe sie demnach die Möglichkeit gehabt, unge-

stört in anderen Regionen ihres Heimatlandes zu leben. Ein menschenwür-

diges Leben sei ihr durch die Verfolgungen nicht verunmöglicht worden. 

4.2 In der Beschwerde wird einleitend der Sachverhalt geschildert und gel-

tend gemacht, aus den medizinischen Berichten und den Anhörungsproto-

kollen werde ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin schwer traumatisiert 

sei. Sie leide aufgrund wiederholt erlittener sexueller Gewalt an einer post-

traumatischen Belastungsstörung (PTBS). Im Frühjahr 2021 habe sie mo-

natelang hospitalisiert werden müssen, wobei sie zeitweise aufgrund aku-

ter Suizidalität habe in eine Akutstation verlegt werden müssen. Sie befinde 

sich immer noch in psychologischer Behandlung. In Kamerun würden ho-

mosexuelle Menschen seitens Regierung und Bevölkerung diskriminiert, 

stigmatisiert, marginalisiert und gefährdet. Der Staat sei nicht willens und 

nicht fähig, die betroffenen Personen zu schützen (vgl. Urteil des BVGer 

D-5342/2019 vom 11. Mai 2021 E. 7.2.1). Gemäss Art. 347-1 des kame-

runischen Strafgesetzbuches (kStGB) gälten homosexuelle Handlungen 

als Straftaten, die mit Gefängnis von sechs Monaten bis zu fünf Jahren und 

Geldstrafen bestraft würden. Diese gesetzliche Bestimmung sei auch nach 

der Überarbeitung des Strafgesetzbuchs im Jahr 2016 in Kraft geblieben. 

Es gebe keinen gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung. Auf internationa-

ler Ebene habe Kamerun die Empfehlungen verschiedener Regierungen 

zu Fragen der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität abgelehnt. 

Angehörige sexueller Minderheiten würden verhaftet und strafrechtlich ver-

folgt, homosexuelle Handlungen würden härter bestraft als in fast allen 

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Seite 10 

Ländern der Welt. Verhaftungen würden willkürlich vorgenommen und ver-

stiessen gegen die geltende Strafprozessordnung. Kamerun sei eines der 

wenigen Länder der Welt, in dem regelmässig Menschen wegen einver-

nehmlichen homosexuellen Verkehrs verfolgt würden. Die meisten Ge-

richtsverfahren wegen gleichgeschlechtlicher Beziehungen seien durch 

schwere Menschenrechtsverletzungen gekennzeichnet. Die Regierung 

trage zur Unterdrückung sexueller Minderheiten bei. Die Menschenrechts-

anwältin Alice Nkom habe darauf hingewiesen, dass Art. 347-1 kStGB so-

wohl von Beamten als auch von Richtern falsch angewendet werde. Men-

schen würden wegen Homosexualität verhaftet und verurteilt und nicht auf-

grund einer homosexuellen Handlung, wie es wie es wörtlich im Artikel 347-

1 vorgesehen sei. Das Gesetz sehe nicht vor, dass jemand nur auf Grund 

eines Verdachts verhaftet werden könne, jedoch seien die von Alice Nkom 

verteidigten Menschen alle aus Verdachtsgründen festgenommen und in 

Untersuchungshaft gesetzt worden. Bei allen Straftaten gelte, dass bei ei-

ner Verhaftung ein Haftbefehl vorliegen müsse; homosexuelle Menschen 

würden oft ohne Haftbefehl inhaftiert und zu monate- bis jahrelangen Frei-

heitsstrafen verurteilt. Die Justizbehörden seien nicht in der Lage, die Si-

cherheit von Gefängnisinsassen zu gewährleisten. Die Verhältnisse in den 

mehrfach überbelegten Gefängnissen seien im Allgemeinen sehr hart und 

oft sogar lebensbedrohlich. Regelmässig würden Inhaftierte in verschiede-

nen Gefängnissen Kameruns sterben. Personen, die sich aufgrund ihrer 

vermuteten oder tatsächlichen homosexuellen Orientierung in Haft befän-

den, würden häufig vergewaltigt oder anderweitig misshandelt. Menschen 

mit vermuteter oder tatsächlicher homosexueller Orientierung würden in 

Haft häufig vergewaltigt und anderweitig misshandelt. Homosexuelle wür-

den von der Bevölkerung während regelrechter Hetzjagden gefangenge-

nommen, vergewaltigt, gefoltert und getötet. Vor allem die Vergewaltigung 

lesbischer Frauen sei weit verbreitet. Homosexuelle gehörten zur niedrigs-

ten sozialen Gruppe. Nach einer hetzerischen Predigt des Erzbischofs von 

Yaoundé im Jahr 2015 habe sich ihre Situation verschlechtert. Es habe 

eine Hexenjagd gegen mutmassliche und tatsächliche Homosexuelle be-

gonnen. In der Presse seien Listen von «Verdächtigen» publiziert und die 

Bevölkerung aufgefordert worden, Homosexuelle anzuzeigen. Homosexu-

elle Opfer von Menschenrechtsverletzungen könnten sich nicht an die Po-

lizei wenden, da die Opfer zu Tätern kriminalisiert würden, sobald ihre se-

xuelle Orientierung bekannt werde. Die kamerunische Regierung habe im 

Juni 2023 verhindert, dass der französische Botschafter für LGBTQ-

Rechte in ihrem Land eine Konferenz über Geschlecht und sexuelle Iden-

tität abhalte. Aussenminister Lejeune Mbella Mbella habe erklärt, Homose-

xualität sei in Kamerun «ein Verbrechen des allgemeinen Rechts». Bei 

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Seite 11 

einer Rückkehr wäre die Beschwerdeführerin ernsthaften Nachteilen, na-

mentlich der Gefährdung des Lebens, Leibes und der Freiheit ausgesetzt 

und ein menschenwürdiges Leben würde ihr verunmöglicht. 

Das SEM habe in der angefochtenen Verfügung die tatsächliche und recht-

liche Situation für LGBTQ-Personen nicht analysiert und den Sachverhalt 

folglich falsch beziehungsweise ungenügend? festgestellt. Es habe deren 

Lage mit keinem Wort erwähnt und verkenne, dass die Beschwerdeführerin 

in ihrem Heimatland einer asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt sei. Indem 

das SEM die Länderhintergrundinformationen nicht in die angefochtene 

Verfügung habe einfliessen lassen, sei es ihm nicht möglich gewesen, die 

flüchtlingsrelevante Verfolgung anhand der länderspezifischen Situation zu 

analysieren, womit der Untersuchungsgrundsatz verletzt worden sei. 

Die sexuelle Orientierung von Asylsuchenden sei für die Anerkennung der 

Flüchtlingseigenschaft relevant, wenn die betreffende Person wegen ihrer 

tatsächlichen oder vermeintlichen sexuellen Orientierung Verfolgung be-

fürchten müsse. Strafgesetze, die einvernehmliche gleichgeschlechtliche 

Beziehungen zwischen Erwachsenen verbieten würden, seien als diskrimi-

nierend und gegen das Recht auf den Schutz der Privatsphäre verstossend 

beurteilt worden. Die Existenz solcher Gesetze könne unabhängig von ih-

rer Anwendung und der Schwere der angedrohten Sanktionen weitrei-

chende Auswirkungen auf die Ausübung fundamentaler Menschenrechte 

haben. Gemäss den Richtlinien des UNHCR sollte LGBTQ-Antragstellern 

aus Ländern, in denen die sexuelle Orientierung kriminalisiert werde, der 

Flüchtlingsstatus zuerkannt werden. Das Bundesverwaltungsgericht habe 

im Urteil D-7524/2015 vom 22. November 2017 E. 5.1 die Voraussetzun-

gen aufgelistet, die erfüllt sein müssten, damit die Unterdrückung von Ho-

mosexualität als asylrelevante Verfolgung gelte. Im vorliegenden Fall seien 

diese Voraussetzungen erfüllt. Homosexuelle Handlungen könnten ge-

mäss Art. 347-1 kStGB mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden und die 

kamerunischen Behörden verfolgten Homosexualität effektiv. Nebst der 

Verfolgung, welche die Beschwerdeführerin selbst erlebt habe, verstärke 

die Kriminalisierung ein allgemeines Klima der Homophobie. Dies ermögli-

che es staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren, LGBTQ-Personen unge-

straft zu verfolgen oder zu schädigen. Die Beschwerdeführerin habe nach 

ihrer Rückkehr aus Frankreich einen Monat versteckt in ihrer Heimat ge-

lebt, ohne dass sie inhaftiert worden sei, was nicht als menschenwürdiges 

Leben bezeichnet werden könne. Sie habe glaubhaft dargelegt, dass ihr 

Leben seit der Bekanntmachung ihrer Homosexualität von Misshandlun-

gen, willkürlichen Inhaftierungen, Prügeleien, Schikane und sozialem 

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Seite 12 

Ausschluss geprägt gewesen sei. Das SEM würdige den Sachverhalt 

falsch, wenn es die früher erlebten Ereignisse ausser Acht lasse und nur 

auf den einmonatigen Aufenthalt in der Heimat abstelle. Der Tod ihres Va-

ters bedeute nicht, dass die Verfolgung gegenstandslos geworden sei, 

denn die Polizei werde nach einem ersten Hinweis selbst tätig beziehungs-

weise, es seien oft auch Nachbarn oder andere Privatpersonen, die die 

Polizei wegen (angeblicher) Homosexualität auf andere Leute hetzten. In 

Kamerun würden Homosexuelle durch den Staat und die Gesellschaft ver-

folgt, weshalb die Beschwerdeführerin unabhängig vom Tod ihres Vaters 

Bedrohung oder Verfolgung befürchten müsse. Bereits damit sei erstellt, 

dass sie aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe in ihrem 

Heimatland ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sei. 

In Bezug auf den unerträglichen psychischen Druck habe die Vorinstanz 

argumentiert, dass die Inhaftierungen der Beschwerdeführerin nur von kur-

zer Dauer gewesen seien und sie ausserhalb der familiären Sphäre auf-

grund ihrer Homosexualität zu keinem Zeitpunkt Schwierigkeiten gehabt 

habe. Objektiv betrachtet hätte sie demnach die Möglichkeit gehabt, unge-

stört in anderen Regionen ihres Heimatlandes zu leben. Dieser Argumen-

tation könne nicht gefolgt werden. Die Vorinstanz halte in der angefochte-

nen Verfügung selbst fest, dass die Beschwerdeführerin bereits in 

C._______ gelebt habe, als die Misshandlungen durch ihre Familie und die 

Polizei erfolgt seien. Folglich habe die Distanz beziehungsweise das Leben 

in einer anderen Region Kameruns die Beschwerdeführerin offensichtlich 

weder vor privaten noch vor behördlichen Misshandlungen schützen kön-

nen. Das Argument der Vorinstanz gehe somit fehl. Zudem beschränke 

sich die staatliche Verfolgung Homosexueller in Kamerun nicht auf einen 

bestimmten Teil des Landes, sondern sei im ganzen Land weit verbreitet. 

Da auch unter der Zivilbevölkerung eine homophobe Stimmung herrsche, 

feuere diese die Verfolgung selbst an, womit eine homosexuelle Person in 

Kamerun in keinem Landesteil sicher sei. Entgegen der Annahme der Vo-

rinstanz sei der Beschwerdeführerin ein menschenwürdiges Leben in ih-

rem Heimatland verwehrt. Es sei dort nicht möglich, offen homosexuell zu 

leben. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) habe klargestellt, dass von 

Asylsuchenden nicht erwartet werden dürfe, dass sie ihre Homosexualität 

im Herkunftsland geheim hielten oder Zurückhaltung bei deren Ausleben 

übten, um eine Verfolgung zu vermeiden. 

4.3 In der Vernehmlassung führt das SEM aus, gemäss seiner Praxis 

müsse für die Annahme der Flüchtlingseigenschaft die zeitliche und sach-

liche Kausalität zwischen Verfolgung und Flucht gegeben sein. Die Be-

D-4190/2023 

Seite 13 

schwerdeführerin sei nach einem zweimonatigen Aufenthalt in Frankreich 

freiwillig nach Kamerun zurückgereist. Mit der Rückkehr sei der Kausalzu-

sammenhang unterbrochen worden, weshalb die Vorfluchtgründe keine 

Asylrelevanz mehr aufwiesen. Der Entscheid des SEM stütze sich auf die 

Ereignisse, die sich während des einmonatigen Aufenthalts in Kamerun zu-

getragen hätten. Hinsichtlich der geltend gemachten Strafbarkeit der Ho-

mosexualität in Kamerun genüge dieselbe nicht, um die Flüchtlingseigen-

schaft anzuerkennen. Um diese zu bejahen, müssten die Kausalität zwi-

schen Verfolgung und Flucht gegeben sein und eine innerstaatliche Flucht-

alternative fehlen. Die Beschwerdeführerin habe zwischen 2006 und 2016 

in C._______ gelebt, wo sie keine Familienangehörigen gehabt habe, die 

über ihre Homosexualität informiert gewesen seien. Sie habe dort keine 

Probleme gehabt und ein ganz normales Leben führen können. Anderen 

Angehörige und einer Tante sei ihre sexuelle Veranlagung bekannt gewe-

sen, diese hätten sie jedoch nicht angezeigt. Aus ihren Aussagen sei nicht 

ersichtlich, weshalb sie sich nach ihrer Rückkehr wieder in B._______ nie-

derlassen müsste, wo sich ihre Familie aufhalte. Sie könne ihren Wohnsitz 

so wählen, dass sie keine Verfolgung zu befürchten habe. Ihre Auffassung, 

in ganz Kamerun bestehe eine staatliche und nichtstaatliche Verfolgung, 

entspreche nicht der Realität. Gemäss Kenntnissen des SEM deute nichts 

darauf hin, dass homosexuelle Personen proaktiv gesucht und verfolgt 

würden. In B._______ gebe es Bars, die als Treffpunkte für Homosexuelle 

dienten. Zudem setzten sich verschiedene Vereinigungen für deren Vertei-

digung ein. 

4.4 In der Replik wird geltend gemacht, die Vorinstanz verkenne, dass die 

Beschwerdeführerin nicht nach Kamerun zurückgekehrt sei, um sich wie-

der unter den Schutz ihres Heimatlandes zu stellen, sondern sie sei in 

Frankreich Opfer von Menschenhandel geworden. Um der Zwangsprosti-

tution zu entkommen, sei ihr nur die Rückkehr nach Kamerun geblieben. 

Von einer freiwilligen Rückkehr könne deshalb nicht die Rede sein. Viel-

mehr habe sie sich nach ihrer Rückkehr vor den Behörden versteckt und 

nach einem neuen Weg gesucht, um aus Kamerun zu flüchten, dies unter 

der ständigen Angst, entdeckt und verfolgt zu werden. Sie habe zum Aus-

reisezeitpunkt objektiv und subjektiv begründete Furcht vor Verfolgung ge-

habt und habe diese noch heute. Da weder der zeitliche noch der sachliche 

Kausalzusammenhang unterbrochen worden seien, seien die Verfolgungs-

handlungen vom kamerunischen Staat und von Privatpersonen vor der 

Ausreise nach Frankreich für die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft 

relevant. Das SEM hätte die Vorfluchtgründe in seinem Entscheid berück-

sichtigen müssen. In diesem Zusammenhang könne die Rechtsprechung 

D-4190/2023 

Seite 14 

zu den Asylwiderrufsgründen analog herangezogen werden (vgl. BVGE 

2017 VI/11 E. 4.3). Vorliegend bedeute dies, dass aus ihrer Rückkehr von 

Frankreich kein Wegfall des Schutzbedürfnisses abgeleitet werden könne, 

da diese für sie der einzige Weg gewesen sei, der Zwangsprostitution zu 

entkommen. Sie habe nicht beabsichtigt, sich unter den Schutz ihres Hei-

matlands zu stellen und dieser sei ihr auch nicht gewährt worden. Sie sei 

aufgrund einer Zwangslage zurückgekehrt und habe jeglichen Kontakt mit 

den Behörden vermieden. 

Das SEM begründe das Vorhandensein einer innerstaatlichen Fluchtalter-

native damit, dass es in B._______ Bars gebe, die als Treffpunkt für Ho-

mosexuelle dienten. Dieses Argument stosse aufgrund des vorgängigen 

Arguments, die Beschwerdeführerin könne sich woanders als in 

B._______ niederlassen, ins Leere. Solche Bars, die auch in Yaoundé exis-

tiert hätten, seien gemäss der gemeinnützigen journalistischen Plattform 

und Organisation «Fair Planet» geschlossen worden. Sie sei durch Behör-

den und Privatpersonen verfolgt worden und fürchte in Kamerun um ihr 

Leben. Ihre Ausführungen, sie habe in C._______ «ziemlich frei leben» 

können, seien vor dem Hintergrund der vorher erlittenen massiven Gewalt 

zu sehen. Dies bedeute nicht, dass sie ihre Homosexualität offen habe le-

ben können. Die Beziehung zu ihrer damaligen Freundin habe sie nur ver-

steckt gelebt. 

Die Lage für Homosexuelle habe sich in Kamerun verschlechtert. Nachdem 

der Besuch des französischen Botschafters für LGBTQ-Rechte angekün-

digt worden sei, hätten viele Menschen in den sozialen Medien zu Selbst-

justiz und Gewalt gegen LGBTQ-Personen aufgerufen. Regierungsmitglie-

der, Beamte und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens hätten Homo-

sexuelle aufs Gröbste beschimpft. Der kamerunische Aussenminister habe 

behauptet, dass es in Kamerun keine LGBTQ-Personen gebe, was offen-

sichtlich falsch sei. Der Staat schütze sie nicht und sei oft beteiligt an ihrer 

Verfolgung. Auch eine Analyse des SEM vom 15. Oktober 2021 habe be-

stätigt, dass die staatliche und nichtstaatliche Verfolgung in ganz Kamerun 

bestehe. Gemeinnützige Organisationen rieten homosexuellen Personen, 

ihr Gefühls- und Sexualleben in absoluter Privatsphäre zu führen oder 

Schutz im Ausland zu suchen. Die Analyse habe auch ergeben, dass Or-

ganisationen, die sich für den Schutz von LGBTQ-Personen einsetzten, zu 

Zielscheiben von Gewalt würden. In einem Bericht der Schweizerischen 

Flüchtlingshilfe (SFH) werde ausgeführt, es gebe keine spezifischen sozi-

alen Kreise oder Regionen, in denen sexuelle Minderheiten weniger stig-

matisiert und marginalisiert würden. Die Konzentrierung von LGBTQ-

D-4190/2023 

Seite 15 

Organisationen auf gewisse Städte führe dazu, dass Homosexuelle nur in 

diesen Regionen Zugang zu Aktivitäten zur Verteidigung ihrer Rechte und 

zu juristischer Vertretung hätten, wobei auch Anwälte von homosexuellen 

Personen verfolgt und mit dem Tod bedroht würden. Würde sich die Be-

schwerdeführerin an einem anderen Ort als in B._______ niederlassen und 

ihre Homosexualität dort verstecken, würde dies einen unerträglichen psy-

chischen Druck im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsyIG verursachen. Da die be-

fürchteten Nachteile flächendeckend von den kamerunischen Behörden 

und von privaten Dritten ausgingen, sei eine innerstaatliche Fluchtalterna-

tive nicht gegeben. 

5.  

5.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die 

Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von 

bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher 

Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr 

die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-

gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind respektive zugefügt zu 

werden drohen. Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 

Abs. 1 AsylG liegt vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, die 

Verfolgung hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit be-

achtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder 

werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit 

in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen demnach hinreichende 

Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem 

Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Ent-

schluss zur Flucht hervorrufen würden. Die erlittene Verfolgung oder die 

begründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung muss zudem sachlich und 

zeitlich kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und 

grundsätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein. An-

spruch auf Asyl hat somit nur, wer im Zeitpunkt der Ausreise ernsthaften 

Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt war (Vorfluchtgründe) 

oder aufgrund von äusseren, nach der Ausreise eingetretenen Umständen, 

auf die er keinen Einfluss nehmen konnte, bei einer Rückkehr ins Heimat-

land solche ernsthaften Nachteile befürchten müsste (sogenannte objek-

tive Nachfluchtgründe [vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51 E. 6, 2011/50 

E. 3.1.1 und 3.1.2, 2010/57 E. 2, 2008/34 E. 7.1, 2008/12 E. 5.2 und 

2008/4 E. 5.2, jeweils m.w.H.; WALTER STÖCKLI, Flüchtlinge und Schutzbe-

dürftige, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser/Vetterli [Hrsg.], Ausländer-

recht, 3. aktualisierte und erweiterte Aufl. 2022, Rz. 14.42 f.]). 

D-4190/2023 

Seite 16 

5.2 Als Verfolgungsmotiv lässt sich die geltend gemachte Homosexualität 

gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts unter 

der in Art. 3 AsylG erwähnten "bestimmten sozialen Gruppe" erfassen (vgl. 

Referenzurteil des BVGer D-6539/2018 vom 2. April 2019 E. 7.2 m.w.H. 

und E. 8.2;). Dies steht in Einklang mit der Rechtsprechung des Europäi-

schen Gerichtshofs (EuGH), wonach homosexuelle Asylsuchende eine be-

stimmte soziale Gruppe bilden könnten, die wegen ihrer sexuellen Ausrich-

tung verfolgt werden. Die sexuelle Orientierung ist ein bedeutendes Merk-

mal der Identität, so dass von einer asylsuchender Person nicht erwartet 

werden kann, dass sie ihre Homosexualität geheim hält oder sich beim 

Ausleben dieser sexuellen Ausrichtung zurückhält, um eine Verfolgung zu 

vermeiden (vgl. Urteil des EuGH vom 7. November 2013, X, Y und Z,  

C-199/12, C-200/12, C-201/12, Rn. 41 ff.; Urteile des BVGer D-3126/2022 

vom 19. August 2022 E. 5.3, D-5839/2020 vom 13. Juli 2022 E. 7.7.2,  

D-2110/2021 vom 10. Juni 2022 E. 6.2, E-6768/2018 vom 20. März 2020 

E. 5.2, E-1115/2018 vom 24. Februar 2020 E. 6.2). 

5.3  

5.3.1 In der Beschwerde wird zu Recht darauf hingewiesen (vgl. E. 4.2), 

dass homosexuelle Handlungen in Kamerun gemäss Art. 347-1 kStGB 

nach wie vor strafbar sind und mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug ge-

ahndet werden können. Ebenso bekannt ist, dass in diesem Land ein ho-

mophobes Klima herrscht und homosexuell veranlagte Personen regel-

mässig angefeindet, physischen Übergriffen ausgesetzt sind und es immer 

wieder zu Festnahmen sowie Strafverfahren kommt. Gegen Personen, die 

verdächtigt werden, homosexuelle Kontakte zu pflegen, werden teilweise 

willkürlich strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Angehörige sexueller 

Minderheiten, die Übergriffen ausgesetzt sind, können sich in der Regel 

nicht an die Polizei wenden, weil sie mit strafrechtlicher Verfolgung und 

polizeilichen Benachteiligungen bis hin zur Inhaftierung rechnen müssen, 

wenn ihre sexuelle Veranlagung bekannt wird. Es bestehen Unterschiede 

in der Behandlung homosexueller Menschen zwischen den ländlichen und 

den städtischen Gebieten, weil die Homophobie in den Städten weniger 

ausgeprägt ist als auf dem Land. In den Städten werden Angriffe auf Ange-

hörige sexueller Minderheiten öfters bekannt, weil dort Menschenrechtsor-

ganisationen aktiv sind. In Douala und Yaoundé ist die Einstellung gegen-

über Homosexuellen offener als in anderen Regionen des Landes, weil 

sich dort zahlreiche Menschenrechtsorganisationen für die Rechte Homo-

sexueller einsetzen (vgl. Urteil des BVGer D-5342/2019 vom 11. Mai 2021 

E. 7.2.1). 

D-4190/2023 

Seite 17 

5.3.2 Die Tatsache, dass homosexuelle Handlungen in Kamerun strafbar 

sind und Homosexuelle in diesem Land angefeindet werden, führt für sich 

allein nicht zur Annahme einer objektiv begründeten Furcht vor asylrecht-

lich relevanter Verfolgung für alle Angehörigen dieser sexuellen Minderheit, 

weil nicht jeder Einzelne von ihnen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt wird. 

Vielmehr ist in jedem Einzelfall zu prüfen, ob objektivierbare Indizien für 

eine entsprechende Gefährdung bestehen (vgl. Urteil des BVGer  

D-5342/2019 vom 11. Mai 2021 E. 7.2.2). 

5.4  

5.4.1 Die Beschwerdeführerin hat im Rahmen ihrer Befragungen erklärt, 

sie sei seitens ihrer Familie bereits im Kindesalter physischer (eingeschlos-

sen sexueller) und psychischer Gewalt ausgesetzt gewesen (vgl. SEM-act. 

A72/22 F40, F44, F63, A79/17 F71 f.). Als ihrem Vater zugetragen wurde, 

dass sie mit einer Frau Zärtlichkeiten ausgetauscht hatte, wurde sie von 

ihm und zwei Verwandten derart geschlagen und verletzt, dass sie sich im 

Krankenhaus verarzten lassen musste (vgl. SEM-act. A9/12 S. 7, A13/12 

F21, A72/22 F61, F94, F98 F102). Sie geht davon aus, dass ihr Vater sich 

an die örtliche Polizei wandte und diese über ihre sexuelle Veranlagung 

informierte, weshalb sie von Polizeibeamten mehrmals festgenommen 

und, ohne dass gegen sie ein Haftbefehl vorgelegen hätte, jeweils einige 

Tage festgehalten wurde (vgl. SEM-act. A13/12 F21 f., A72/22 F61, F70 ff. 

F104). Während der (ersten) Polizeihaft sei sie so heftig misshandelt wor-

den, dass sie sich habe pflegen lassen müssen (vgl. SEM-act. A72/22 F61, 

F72).  

5.4.2 Die Beschwerdeführerin machte geltend, dass sie sich hinsichtlich 

der in ihrer Kindheit von Familienangehörigen erlittenen sexuellen Gewalt 

ihrer Mutter anvertraut habe, die weder Willens noch in der Lage gewesen 

sei, sie zu schützen (vgl. SEM-act. A79/17 F74). Ihre Mutter habe sie auch 

nicht vor den Misshandlungen ihres Vaters schützen können, zumal sie 

ebenfalls Opfer dessen körperlicher Übergriffe gewesen sei. Aufgrund der 

homosexuellen Menschen drohenden strafrechtlichen Verfolgung und der 

gesellschaftlichen Ächtung, die sie bei Bekanntwerden ihrer sexuellen Ver-

anlagung zu befürchten gehabt hätte, konnte die Beschwerdeführerin sich 

weder wegen der durch ihre Familienangehörigen erlittenen (sexuellen) 

Misshandlungen noch wegen der erlittenen Polizeigewalt an die Behörden 

ihres Heimatlandes wenden. Sie musste vielmehr befürchten, von den Jus-

tizbehörden angeklagt und verurteilt zu werden, falls diesen ihre sexuelle 

Veranlagung zugetragen worden wäre. Sie führte aus, sie sei insgesamt 

mindestens zehnmal verhaftet worden, letztmals sei sie im Laufe des 

D-4190/2023 

Seite 18 

Jahres 2018 von der Polizei mitgenommen worden (vgl. SEM-act. A72/22 

F77 f.). Aufgrund all ihrer Erlebnisse sei sie an einem Punkt angekommen, 

an dem sie sich gesagt habe, sie riskiere, getötet zu werden, wenn sie in 

Kamerun bleibe (vgl. SEM-act. A72/22 F109). 

5.4.3 Das SEM geht davon aus, dass die von der Beschwerdeführerin in 

Kamerun erlittenen Nachteile aufgrund ihrer Rückkehr von Frankreich asyl-

rechtlich nicht (mehr) relevant seien, da sie sich freiwillig  wieder unter den 

Schutz ihres Heimatlands gestellt habe. Die Beschwerdeführerin führte bei 

ihren Befragungen aus, dass sie sich in ihrer Heimat an einen «Passeur» 

(Schlepper) gewandt habe, um Kamerun zu verlassen und vorher bereits 

zweimal erfolglos ein Visum für Frankreich beantragt hatte (vgl. SEM-act. 

A9/12 S. 5 ff., A13/12 F12 ff.). Sie wurde vom «Passeur», der sie nach 

Frankreich begleitete und dort in einer Wohnung unterbrachte, in der meh-

rere Frauen unter der Aufsicht einer «Macronne» der Prostitution nachgin-

gen, hintergangen. Da er sich unter einem Vorwand ihren Reisepass aus-

händigen liess, wagte sie es nicht, die Flucht zu ergreifen (vgl. SEM-act. 

A9/12 S. 7, A13/12 F15, F39). Gemäss den Schilderungen der Beschwer-

deführerin erklärte der «Passeur» sich bereit, sie nach Kamerun zurück-

kehren zu lassen, da sie in der Wohnung, in der sie «Kunden» hätte zur 

Verfügung stehen sollen, diese angriff und durch ihr Verhalten die Nach-

barschaft aufbrachte (vgl. SEM-act. 9/12 S. 7, A13/12 F15, F18, F53). Dass 

der Schlepper und Menschenhändler ihr aufgrund seiner Machenschaften 

nicht erlauben wollte, in Frankreich zu bleiben, ist plausibel. Die Einschät-

zung des SEM, sie sei «freiwillig» in ihr Heimatland zurückgekehrt, wird 

angesichts der Alternative, in Frankreich der Zwangsprostitution nachzu-

gehen, den konkreten Umständen nicht gerecht. Da gegen die Beschwer-

deführerin in Kamerun offenbar kein Ermittlungs- oder Strafverfahren ein-

geleitet worden war (vgl. SEM-act. A72/22 F85), sie mithin von den Sicher-

heitsbehörden nicht gesucht wurde, musste sie nicht befürchten, bei ihrer 

Einreise festgenommen zu werden. Da sie versuchte, sich während des 

ungefähr einmonatigen Aufenthalts in B._______ «unsichtbar» zu machen 

(vgl. SEM-act. A72/22 F112, A79/17 F32), kann nicht davon ausgegangen 

werden, dass sie beabsichtigte, sich unter den Schutz ihrer heimatlichen 

Behörden zu stellen, die ihr solchen aufgrund ihrer Homosexualität ohne-

hin nicht gewährt hätten. Die Beschwerdeführerin erklärte vielmehr, dass 

sie sich gefürchtet habe, wenn ein Polizeiwagen vorbeigefahren sei, auch 

wenn er gar nicht «für sie bestimmt gewesen sei». Sie sei «kaputt gegan-

gen» und habe sich gefragt, wie lange sie das aushalten werde. Sie habe 

in ihrem eigenen Land Angst um ihr Leben gehabt und habe sich gesagt, 

es sei besser in ein Land zu geben, in dem sie angenommen werde, ohne 

D-4190/2023 

Seite 19 

verurteilt zu werden (vgl. SEM-act. A72/22 F112). Sie habe sich davor ge-

fürchtet, verhaftet und in ein Gefängnis gebracht zu werden. Da sie in Ka-

merun aufgewachsen sei, habe sie gewusst, «wie es laufe». Man wisse, 

wo die Polizei sei und meide diese Orte. Sie habe in ständiger Angst gelebt 

und das Gefühl gehabt, beobachtet zu werden: «Man habe das Gefühl, 

jemand klopfe an deine Türe und werde dich mitnehmen, wenn an die Türe 

der Nachbarn geklopft werde. Man werde paranoid» (vgl. SEM-act. A79/17 

F39, F52, F57).  

5.5 Gemäss konstanter Rechtsprechung hängt die Zuerkennung der 

Flüchtlingseigenschaft nicht davon ab, wer der Urheber der Verfolgung ist, 

sondern davon, ob im Heimat- oder Herkunftsstaat adäquater Schutz vor 

Verfolgung in Anspruch genommen werden kann (vgl. BVGE 2011/51 

E. 7.1-7.4). Der Einschätzung des SEM, die Beschwerdeführerin verfüge 

in Kamerun über eine innerstaatliche Schutzalternative, da sie während 

längerer Zeit unbehelligt in C._______ gelebt habe, kann nicht gefolgt wer-

den. Sie legte bei ihren Befragungen dar, dass sie in dieser im englisch-

sprachigen Landesteil von Kamerun gelegenen Stadt keinen Nachstellun-

gen ausgesetzt war, da sie dort keine Familienangehörigen hatte, die sie 

hätten behelligen oder bei der Polizei anzeigen können (vgl. SEM-act. 

A13/12 F19). In C._______ wohnten keine Menschen, die sie kannten. Die 

Beziehung zu ihrer Partnerin lebte sie im Geheimen aus (vgl. SEM-act. 

A72/22 F66), hätte sie sich in der Öffentlichkeit oder an der Universität zu 

ihrer Homosexualität bekannt, hätte ihr mit an Sicherheit grenzender Wahr-

scheinlichkeit das gleiche Schicksal wie in ihrer Heimatstadt gedroht. Wie 

bereits vorstehend erwogen (vgl. E. 5.2), darf von der Beschwerdeführerin 

nicht erwartet werden, dass sie ihre Homosexualität in Kamerun geheim 

hält oder Zurückhaltung bei deren Auslebung übt, um die Gefahr einer Ver-

folgung zu vermeiden. Das SEM hat bei seiner Einschätzung, ihr stehe eine 

innerstaatliche Schutzalternative offen, zudem der Rechtsprechung nicht 

Rechnung getragen, wonach für die in einem Landesteil von Verfolgung 

betroffene Person keine die Flüchtlingseigenschaft ausschliessende inner-

staatliche Schutzalternative in einem anderen Landesteil besteht, wenn sie 

dort in eine existenzbedrohende Situation geraten würde (vgl. BVGE 

2011/51 E. 8). Das SEM stellte in der angefochtenen Verfügung im Ergeb-

nis fest, dass die Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr in ihr Heimatland 

aufgrund der konkreten Umstände in eine existenzbedrohende Lage ge-

riete, weshalb es den Vollzug der Wegweisung folgerichtig als unzumutbar 

erachtete (vgl. die angefochtene Verfügung Ziff. III). Die Einschätzungen 

des SEM, der Beschwerdeführerin sei ein Leben in Kamerun zwar nicht 

zumutbar, es stehe ihr aber ausserhalb von B._______ eine innerstaatliche 

D-4190/2023 

Seite 20 

Fluchtalternative zur Verfügung, stehen in einem unauflöslichen Wider-

spruch zueinander. 

5.6  

5.6.1 Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Le-

bensumstände vor ihren beiden Ausreisen aus Kamerun ist festzuhalten, 

dass Eingriffe in asylrechtlich geschützte Rechtsgüter, die für sich allein 

betrachtet keine ernsthaften Nachteile darstellen, weil sie zu wenig intensiv 

sind, in ihrer Gesamtheit asylrechtlich dennoch erheblich sein können. Dies 

ist anzunehmen, wenn aufgrund ihrer Art, Dauer oder Wiederholung für die 

betroffene Person ein unerträglicher psychischer Druck entsteht, der ihr ei-

nen weiteren Verbleib im Heimatstaat unter menschenwürdigen Umstän-

den objektiv betrachtet verunmöglicht. Ausschlaggebend ist dabei nicht al-

lein, wie die betroffene Person die Situation subjektiv erlebt, sondern ob 

aufgrund der tatsächlichen Situation auch für Aussenstehende nachvoll-

ziehbar ist, dass der psychische Druck unerträglich geworden ist (vgl. 

CONSTANTIN HRUSCHKA in: Spescha et al. (Hrsg.), Kommentar zum Migra-

tionsrecht, 5. Aufl. 2019, Art. 3 AsylG N. 9, Schweizerische Flüchtlingshilfe 

SFH (Hrsg.), Handbuch zum Asyl- und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl. 

2021; S. 190 f., BVGE 2014/29 E. 4.3 f., BVGE 2010/28 E. 3.3.1.1; Urteile 

des BVGer E-3522/2020 vom 12. August 2020 E. 6.5 und E-4140/2014 

vom 13. Oktober 2014 E. 5.2). Beruht der psychische Druck einzig auf den 

gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder ähnlichen Gegebenheiten in ei-

nem Staat im Allgemeinen beziehungsweise auf der psychischen Verfas-

sung eines Asylsuchenden, ist er hingegen flüchtlingsrechtlich selbst dann 

nicht relevant, wenn die Angehörigen bestimmter politischer, religiöser oder 

ähnlicher Gruppen besonders darunter leiden (vgl. u.a. die Urteile des 

BVGer D-364/2023 vom 25. Mai 2023 E. 6.6.2, E-1333/2019 vom 23. Au-

gust 2022 E. 6.5.2 und D-5630/2020 vom 1. Juni 2021 E. 5.4). 

5.6.2 Aufgrund der Aktenlage ist glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin 

wegen der erlittenen Festnahmen, Inhaftierungen, Misshandlungen, die 

teilweise auch sexueller Natur waren, sowie der gesellschaftlichen und fa-

miliären Ausgrenzung seit längerer Zeit unter grossem Druck stand. Ihre 

Aussagen, sie sei sowohl von Familienangehörigen, als auch von Polizei-

beamten beschimpft, verachtet und misshandelt worden, sind glaubhaft. 

Weiteren Unmutsbezeugungen, Festnahmen und physischen Angriffen 

konnte sie nur dadurch entgehen, dass sie ihre sexuelle Ausrichtung ge-

heim hielt und diese nur gegenüber ihrer Partnerin und deren Familie sowie 

dem «Passeur», der sie sicher nach Frankreich bringen sollte, offenlegte. 

Dass sie die seitens ihrer Familienangehörigen und der Polizeibeamten 

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Seite 21 

erlittenen Übergriffe nicht bei den Justizbehörden anzeigte, ist vor dem Hin-

tergrund, dass sie zu Recht befürchtete, aufgrund ihrer sexuellen Veranla-

gung selbst strafrechtlich belangt und erneut misshandelt zu werden, nach-

vollziehbar. Den Aussagen der Beschwerdeführerin ist zu entnehmen, dass 

sie dem auf ihr lastenden Druck, sich verleugnen zu müssen oder miss-

handelt und strafrechtlich belangt zu werden, nicht mehr standhalten 

konnte, sich sozial vollständig zurückzog und psychisch erkrankte. Vor dem 

geschilderten persönlichen Hintergrund und der allgemeinen Lage, in der 

sich Homosexuelle in Kamerun befinden, ist unter Berücksichtigung der 

von ihr über ihr «Innenleben» gemachten Aussagen davon auszugehen, 

dass sie subjektiv unter einem unerträglichen psychischen Druck litt, der 

auch objektiv nachvollziehbar ist. Angesichts der Tatsache, dass das Aus-

leben der Homosexualität in Kamerun strafrechtlich verfolgt und gesell-

schaftlich geächtet wird, ist nicht davon auszugehen, dass sie sich, ohne 

gesellschaftlich ausgegrenzt und weiteren Übergriffen ausgesetzt zu wer-

den, vor denen sie keinen wirksamen staatlichen Schutz erhalten würde, 

in irgendeiner Region ihres Heimatlands hätte niederlassen können. Diese 

Möglichkeit stünde ihr in Kamerun nur offen, wenn sie einen Teil ihrer per-

sönlichen Identität verleugnen würde, was gemäss Rechtsprechung ver-

nünftigerweise weder erwartet werden kann noch erwartet werden darf. 

5.7 Der Beschwerdeführerin ist in Anbetracht der vorstehenden Erwägun-

gen – auch angesichts des Umstandes, dass die Schwelle der Annahme 

von begründeter Furcht, bei Personen, die bereits früher Verfolgung erlitten 

haben (Festnahmen und [sexuelle] Misshandlungen der Beschwerdefüh-

rerin), herabgesetzt ist (vgl. BVGE 2010/9 E. 5.2; Urteile des BVGer  

D-2190/2020 vom 20. März 2023 E. 5.3.5, D-707/2022 vom 19. Oktober 

2022 E. 7.2, D-5859/2020 vom 13. Mai 2022 E. 6.1) –, eine objektiv nach-

vollziehbare subjektiv begründete Furcht vor drohender, asylrechtlich rele-

vanter Verfolgung zuzuerkennen. Zudem stand sie in Kamerun unter einem 

unerträglichen psychischen Druck, dem sie nach einer Rückkehr weiterhin 

ausgesetzt wäre, da sie ihre sexuelle Veranlagung geheim halten oder un-

terdrücken müsste, wollte sie nicht asylrechtlich relevanten Verfolgungs-

massnahmen ausgesetzt werden. 

5.8 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin die Vor-

aussetzungen für die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 

AsylG erfüllt. Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte für eine 

Asylunwürdigkeit im Sinne von Art. 53 AsylG. 

D-4190/2023 

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6.  

Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen und die Verfügung des SEM 

vom 29. Juni 2023 ist aufzuheben. Die Beschwerdeführerin ist als Flücht-

ling anzuerkennen und das SEM ist anzuweisen, ihr Asyl zu gewähren. 

7.  

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 

Abs. 1 und 2 VwVG). 

8.  

Der vertretenen Beschwerdeführerin ist angesichts des Ausgangs des Ver-

fahrens in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements 

vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-

desverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die 

ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen. Die 

Rechtsbeiständin reichte am 16. Oktober 2023 eine Honorarnote ein. In 

dieser wird ein zeitlicher Aufwand von 14 Stunden und 6 Minuten (à 

Fr. 220.– / Rechtsanwältin) beziehungsweise von 30 Minuten (à Fr. 110.– / 

Praktikant) ausgewiesen. Der veranschlagte zeitliche Aufwand ist ange-

sichts des Aktenumfangs und der sich stellenden Rechtsfragen angemes-

sen. Das SEM hat der Beschwerdeführerin für das Beschwerdeverfahren 

demnach eine Parteientschädigung von Fr. 3’157.– (Fr. 3’102.– Bemühun-

gen Rechtsanwältin, Fr. 55 – Praktikant) auszurichten. 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird gutgeheissen. 

2.  

Die Verfügung des SEM vom 29. Juni 2023 wird aufgehoben. Die Be-

schwerdeführerin wird als Flüchtling anerkannt und das SEM wird ange-

wiesen, ihr Asyl zu gewähren. 

3.  

Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 

4.  

Das SEM hat der Beschwerdeführerin für das Verfahren vor dem Bundes-

verwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 3157.– auszurichten. 

5.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführerin, das SEM und die zuständige 

kantonale Behörde. 

 

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: 

  

Walter Lang Christoph Basler