# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 74fa7c9a-937f-5c52-b02c-90a9460db1b2
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2011-12-30
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 30.12.2011 D-7950/2009
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-7950-2009_2011-12-30.pdf

## Full Text

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t

T r i buna l   adm in i s t r a t i f   f édé ra l

T r i buna l e   ammin i s t r a t i vo   f ede ra l e

T r i buna l   adm in i s t r a t i v   f ede ra l

   

Abteilung IV
D­7950/2009

U r t e i l   v om   3 0 .   D e z embe r   2 0 1 1

Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz),
Richter Kurt Gysi, Richter Gérald Bovier,
Richterin Claudia Cotting­Schalch (Abteilungspräsidentin),
Richter Walter Lang;
Gerichtsschreiber Matthias Jaggi.

Parteien A._______, geboren (…), 
alias B._______, geboren (…),
Afghanistan,  
vertreten durch lic. iur. Michael Guidon, 
Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, 
(…),
Beschwerdeführer, 

gegen

Bundesamt für Migration (BFM), 
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz. 

Gegenstand Asyl und Wegweisung; 
Verfügung des BFM vom 19. November 2009 / N (…).

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Sachverhalt:

A. 
Eigenen  Angaben  zufolge  gelangte  der  Beschwerdeführer  am  26.  Mai 
2009  in  die  Schweiz,  wo  er  am  28.  Mai  2009  im  Empfangs­  und 
Verfahrenszentrum  (EVZ) C._______  um Asyl  nachsuchte. Dazu wurde 
er am 11. Juni 2009 im EVZ C._______ befragt (Kurzbefragung) und am 
30. Juni 2009 am selben Ort angehört (Anhörung).

B. 
Im Wesentlichen machte  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines 
Asylgesuchs geltend, er sei sunnitischer Paschtune und stamme aus der 
Stadt D._______ (Provinz Samangan), wo er bis zu seiner Ausreise aus 
Afghanistan auch gelebt habe. Sein Vater und sein älterer Bruder seien 
für  die  Taliban  tätig  gewesen,  als  diese  in  seinem Heimatgebiet  an  der 
Macht gewesen seien. Sein Vater sei im Jahre 1999 von den Leuten, die 
heute  wieder  an  der  Macht  seien,  getötet  worden.  Sein  älterer  Bruder 
habe  im  Jahre  2002  ins  Ausland  fliehen  müssen,  als  das  Regime  der 
Taliban  gestürzt  worden  sei.  Am  25.  Januar  2008  sei  er  von  den 
Behörden festgenommen und zum Amt für Nationale Sicherheit gebracht 
worden,  wo  man  ihm  Fragen  über  seinen  Bruder  gestellt  und  ihn 
insbesondere  durch  Schlafentzug  misshandelt  habe.  Seine  Mutter  sei 
deswegen  zu  den  Orts­ältesten  gegangen  und  habe  diese  um 
Unterstützung  gebeten.  Da  sein  Vater  ein  angesehener  Geistlicher 
gewesen  sei,  hätten  ihm  die  Ältesten  gegenüber  den  Behörden  einen 
guten Leumund ausgestellt, weshalb er nach fünfzehn Tagen Haft wieder 
freigelassen worden  sei.  Ende April  beziehungsweise  Anfang Mai  2008 
sei  er  von  den  Behörden  ein  zweites Mal  festgenommen worden.  Sein 
Onkel  habe  sich  daraufhin  bei  den  Behörden  gemeldet  und  diesen 
klarzumachen versucht,  dass er  (der Beschwerdeführer)  unschuldig  sei. 
Die  Behörden  hätten  seinem  Onkel  gesagt,  dass  sie  ihn  (den 
Beschwerdeführer)  an  die  Amerikaner  ausliefern  würden,  falls  er  nicht 
4'000  USD  bezahle.  Nachdem  sein  Onkel  das  verlangte  Geld  bezahlt 
habe,  sei  er  (der  Beschwerdeführer)  nach  zwei  Tagen  freigelassen 
worden.  Anschliessend  habe  er  sich  wenige  Tage  bei  seinem Onkel  in 
Mazar­i­Sharif  aufgehalten,  bevor  er  wieder  nach  Hause  zurückgekehrt 
sei. Dort  habe er  in  permanenter Angst  gelebt,  da  die Behörden  immer 
wieder  Leute  –  meistens  Paschtunen  –  unter  dem  Vorwand 
festgenommen hätten, sie gehörten zu den Taliban. Im September 2008, 
als die Behörden erneut begonnen hätten, eine Razzia durchzuführen, sei 
sein Onkel zu ihm gekommen und habe ihm geraten zu fliehen, da er ihm 

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nicht helfen könne, falls er (der Beschwerdeführer) erneut festgenommen 
würde.  Nachdem  er  sich  ein  paar  Tage  bei  seinem  Onkel  in  Mazar­i­
Sharif aufgehalten habe, sei er mit Hilfe von Schleppern via den Iran, wo 
er zirka drei Monate geblieben sei,  in die Türkei gereist. Von dort sei er 
nach  drei  Monaten  per  LKW  durch  im  unbekannte  Länder  an  einen 
unbekannten  Ort  gefahren,  von  wo  er  mit  dem  Zug  nach  C._______ 
gelangt  sei.  Bezüglich  der  weiteren  Aussagen  des  Beschwerdeführers 
wird auf die Akten verwiesen. 

Im  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  reichte  der  Beschwerdeführer  eine 
Taskara  (Identitätskarte),  eine  Schulbestätigung,  ein  Schreiben  des 
Amtes  der  Innensicherheit,  Kriminalfallbüro  E._______,  vom  29. 
September  2008  (inklusive  deutscher  Übersetzung),  eine 
Wohnsitzbestätigung vom 9. Juli 2009 betreffend den Beschwerdeführer 
(inklusive  deutscher  Übersetzung)  sowie  einen  Briefumschlag  zu  den 
Akten.

C. 
Mit  Verfügung  vom  19.  November  2009  –  eröffnet  am  folgenden  Tag – 
stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 
Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig 
verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug. 

Als  Begründung  führte  die  Vorinstanz  im  Wesentlichen  aus,  der 
Beschwerdeführer habe im Rahmen der Anhörung erklärt, er sei während 
der fünfzehntägigen Haft im Januar/Februar 2008 durch Schlafentzug und 
Schläge gefoltert worden. Solche Erlebnisse bildeten erfahrungsgemäss 
ein  wichtiges  Element  in  der  Begründung  eines  Asylgesuchs,  weshalb 
erwartet  hätte  werden  dürfen,  dass  der  Beschwerdeführer  diese 
Vorbringen bereits anlässlich der Kurzbefragung zumindest ansatzweise 
erwähnt  hätte,  was  er  jedoch  nicht  getan  habe,  weswegen  sie  nicht 
glaubhaft seien. Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, er sei von 
den Behörden anlässlich seiner Inhaftierung nach seinem Bruder, der bei 
den Taliban bis zu deren Vertreibung aktiv gewesen sei, gefragt worden. 
Das BFM erachte es als unwahrscheinlich und realitätsfremd, dass er im 
Zusammenhang  mit  seinem  Bruder  festgenommen  und  befragt  worden 
sei,  nachdem  sein  Bruder  bereits  im  Jahre  2002  aus  Afghanistan 
geflüchtet  sei.  Auch  aus  diesem  Grund  sei  die  Haft  des 
Beschwerdeführers  zweifelhaft.  Er  bringe  vor,  er  sei  zweimal  inhaftiert 
gewesen.  Seine  Inhaftierungen  habe  er  jedoch  in  einer  wenig 
differenzierten  Weise  geschildert,  die  nicht  den  Eindruck  zu  erwecken 

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vermöge,  dass  die  Inhaftierungen  tatsächlich  persönlich  erlebt  worden 
seien.  Jede  beliebige  Person  wäre  in  der  Lage,  das  Gleiche 
nachzuerzählen,  ohne  tatsächlich  inhaftiert  gewesen  zu  sein.  Der 
Beschwerdeführer  habe  als  Beweismittel  einen  Suchbefehl  des   Amtes 
der  Innensicherheit,  Kriminalfallbüro  E._______,  vom  29. September 
2008, der gegen ihn gerichtet sei, eingereicht. Es sei allgemein bekannt, 
dass  im  Heimatstaat  des  Beschwerdeführers  solche  Dokumente  ohne 
weiteres  unrechtmässig  erworben  werden  könnten,  weshalb  ihr 
Beweiswert  als  äusserst  gering  eingestuft  werden  müsse.  Im 
vorliegenden  Fall  sei  nicht  einsichtig,  wie  der  Beschwerdeführer  in  den 
Besitz  eines  für  den  internen  Gebrauch  einer  Kriminalbehörde 
bestimmten Suchbefehls habe kommen können. Vor dem Hintergrund der 
oben  erwähnten  Unglaubhaftigkeitselemente  sei  davon  auszugehen, 
dass dieser Suchbefehl nicht echt sei und  ihm daher keine Asylrelevanz 
zukomme.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den 
Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes 
vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  stand,  so  dass  ihre 
Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden müsse. Überdies  sei  der  Vollzug  der 
Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für die 
weitere Begründung wird auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen.

D. 
Mit  Beschwerde  vom  21.  Dezember  2009  an  das 
Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen 
Rechtsvertreter  in materieller Hinsicht  beantragen, es  sei  die Verfügung 
der  Vorinstanz  aufzuheben,  es  sei  festzustellen,  dass  er  die 
Flüchtlingseigenschaft  erfülle  und  es  sei  ihm  Asyl  zu  gewähren. 
Eventualiter  sei  festzustellen,  dass  der Wegweisungsvollzug  unzulässig 
und  unzumutbar  sei.  Die  Vorinstanz  sei  anzuweisen,  ihn  vorläufig 
aufzunehmen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  der 
Beschwerdeführer  überdies  um  Gewährung  der  unentgeltlichen 
Rechtspflege sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses. 
Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  wird,  soweit  entscheidrelevant,  in 
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. 

Mit  der  Rechtsmittelschrift  wurden  vier  Internetberichte  bezüglich  der 
Situation  in  Afghanistan  sowie  eine  Fürsorgebestätigung  vom  15. 
Dezember 2009 eingereicht. 

E. 
Mit Verfügung vom 24. Dezember 2009 stellte der Instruktionsrichter des 

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Bundesverwaltungsgerichts  fest,  der  Beschwerdeführer  könne  den 
Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Ferner  verfügte  er, 
dass über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 
im  Endentscheid  zu  befinden  sei  und  auf  die  Erhebung  eines 
Kostenvorschusses verzichtet werde. 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1. 
1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 
1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 
gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz 
des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende 
Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das 
Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 
vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls 
endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des 
Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht 
(Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom 
17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Eine  solche  Ausnahmekonstellation 
liegt nicht vor.

1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem 
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 
AsylG).

1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1 
AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Der 
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 
durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein 
schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 
Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 
105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die 
Beschwerde ist somit einzutreten.

2. 
Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 

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oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und 
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3. 
Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  verzichtete  das 
Bundesverwaltungsgericht auf die Durchführung eines Schriftenwechsels. 

4. 
4.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen 
grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person 
anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie 
zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit 
zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen 
Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete 
Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte 
Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder 
Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck 
bewirken (Art. 3 AsylG). 

4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft 
nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft 
gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 
Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere 
Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich 
widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich 
auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7 
AsylG).

4.3.  Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft  gemacht,  wenn  sie 
genügend substanziiert,  in  sich  schlüssig und plausibel  sind. Sie dürfen 
sich  nicht  in  vagen Schilderungen  erschöpfen,  in wesentlichen  Punkten 
nicht  widersprüchlich  sein,  der  inneren  Logik  entbehren  oder  den 
Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber 
hinaus muss der Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, was 
insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  er  wichtige  Tatsachen 
unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens 
Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die 
nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet 
ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass 
und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den 
Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche 

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für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen 
oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art. 
7  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen] 
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1. S. 
190 f.).

5. 
5.1.  Vorab  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  den  Wortlaut 
sämtlicher  Protokolle  mit  seiner  Unterschrift  genehmigt  hat  und  sich 
deshalb  seine  Aussagen  entgegenhalten  lassen  muss.  Im Weiteren  ist 
darauf hinzuweisen, dass den Aussagen einer asylsuchenden Person  in 
der  Empfangsstelle  beziehungsweise  im  Empfangszentrum  zu  den 
Asylgründen angesichts des summarischen Charakters der Befragung für 
die  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  nur  ein  beschränkter  Beweiswert 
zukommt  (vgl.  EMARK  2005  Nr.  7  E.  6.2.1.  S.  66  und  dort  zitierte, 
weiterhin  gültige  Praxis).  Widersprüche  dürfen  nur  dann  herangezogen 
werden,  wenn  klare  Aussagen  im  Empfangszentrum  in  wesentlichen 
Punkten  der  Asylbegründung  von  den  späteren  Aussagen  in  der 
Anhörung beim Kanton oder beim BFM diametral abweichen, oder wenn 
bestimmte  Ereignisse  oder  Befürchtungen,  welche  später  als  zentrale 
Asylgründe  genannt  werden,  nicht  bereits  in  der  Befragung  im 
Empfangszentrum zumindest ansatzweise erwähnt werden.

5.2. Das Gericht kommt nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass die 
Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  in  wesentlichen  Punkten 
widersprüchlich  beziehungsweise  unglaubhaft  sind.  So  sagte  er 
anlässlich  der  Kurzbefragung  Folgendes  aus:  Als  er  Ende  April/Anfang 
Mai  2008  zum  zweiten  Mal  festgenommen  worden  sei,  hätten  ihm  die 
Sicherheitsbeamten  gesagt:  "Wir  werden  Dich  an  die  Amerikaner 
ausliefern,  es  sei  denn, du gibst  uns Geld." Er habe seinem Onkel,  der 
ihn im Gefängnis besucht habe, davon erzählt, woraufhin der Onkel 4'000 
USD  bezahlt  habe.  So  sei  er  freigekommen  (Akten  BFM  A  1/9  S.  5). 
Demgegenüber gab der Beschwerdeführer bei der Anhörung zu Protokoll: 
Als  er  Ende  April/Anfang  Mai  2008  zum  zweiten  Mal  festgenommen 
worden  sei,  habe  sich  sein  Onkel  bei  den  Behörden  gemeldet  und 
versucht,  ihnen  klarzumachen,  dass  er  (der  Beschwerdeführer) 
unschuldig sei. Die Behörden hätten seinem Onkel gesagt: "Entweder du 
gibst  uns  so  und  so  viel  Geld  oder  wir  werden  deinen  Neffen  nach 
Bagram  an  die  Amerikaner  ausliefern."  Sein  Onkel  habe  daraufhin  die 
verlangten  4'000 USD  bezahlt,  so  sei  er  freigekommen  (A  8/17  S.  10). 
Widersprüchlich  äusserte  sich  der  Beschwerdeführer  auch  hinsichtlich 

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der  Fragen,  die  ihm  die  Behörden  angeblich  während  seiner  Haft  im 
Januar/Februar  2008  gestellt  hatten.  So  sagte  er  anlässlich  der 
Kurzbefragung  aus,  es  seien  ihm  Fragen  nach  seinem  Bruder  gestellt 
worden (A 1/9 S. 4), während er bei der Anhörung zu Protokoll gab, er sei 
Folgendes  gefragt  worden:  "Wo  ist  dein  Bruder,  wie  funktioniert  eure 
Organisation  hier?"  Es  ist  davon  auszugehen,  dass  der 
Beschwerdeführer  bereits  anlässlich  der  Kurzbefragung  vorgebracht 
hätte, dass er bei den Verhören nach der "Organisation" befragt worden 
sei,  wenn  sich  das  Geschilderte  tatsächlich  wie  behauptet  zugetragen 
hätte, zumal er dabei jeweils geschlagen worden sei (A 8/17 S. 12). 

Im  Weiteren  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  der  Beschwerdeführer  erst 
anlässlich  der  Anhörung  geltend  machte,  er  sei  während  seiner 
fünfzehntägigen  Haft  im  Januar/Februar  2008  durch  Schlafentzug  und 
Schläge  misshandelt  worden  (A  8/17  S.  10).  Derartige  einschneidende 
Erlebnisse  bilden  ein  zentrales  Element  in  der  Begründung  eines 
Asylgesuchs.  Es  ist  daher  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  der 
Beschwerdeführer  dies  nicht  bereits  bei  der  Kurzbefragung  zumindest 
ansatzweise erwähnte. Sodann ist festzuhalten,  dass auf  entsprechende 
Frage   zu  den  Schlägen  (A  8/17  F 89)  die  geltend  gemachten 
Ausführungen  des  Beschwerdeführers  "im  Rahmen  einer  etwas 
detaillierteren  Darstellung"  (vgl.  Beschwerdevorbringen  S.  3)  einen 
breiteren  Raum  hätten  einnehmen  müssen,  und  sich  nicht  in 
Allgemeinplätzen erschöpfen. Die entsprechende Antwort  (A 8/17 F 89), 
"in  Afghanistan  bestehen  Schläge  aus  Attacken  mit  Fäusten  und 
Fusstritten, Stockhieben", lässt eine persönliche Betroffenheit vermissen.

Soweit der Beschwerdeführer zu Protokoll gibt, er sei von den Behörden 
anlässlich  seiner  ersten  Inhaftierung  im  Januar/Februar  2008  nach 
seinem  Bruder  befragt  worden,  der  bei  den  Taliban  bis  zu  deren 
Vertreibung aktiv gewesen sei (A 1/9 S. 4, A 8/17 S. 12), ist festzuhalten, 
dass es als  unwahrscheinlich  und  im afghanischen Kontext  realitätsfern 
erscheint, dass er  im Zusammenhang mit seinem Bruder festgenommen 
und befragt worden sein soll, da er vorbringt, sein Bruder sei bereits  im 
Jahre  2002  aus  Afghanistan  geflüchtet  (A  1/9  S.  4).  Es  ist  davon 
auszugehen,  dass  die  Behörden  den  Beschwerdeführer  nicht  erst  im 
Jahre  2008,  sondern  bereits  früher  nach  seinem Bruder  befragt  hätten, 
hätten sie tatsächlich ein Interesse an der Person seines Bruders gehabt. 

Gegen  die  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  spricht  ausserdem  der 
Umstand,  dass  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  bezüglich  seiner 

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Verhaftungen  und  seiner  Inhaftierungen  wenig  detailliert  und 
unsubstanziiert ausgefallen sind  (A 8/17 S. 10  ff.). Den diesbezüglichen 
Vorbringen  des  Beschwerdeführers  fehlen  die  notwendigen 
Realkennzeichen einer Erzählung. Namentlich ist den Äusserungen nicht 
der erforderliche Detailreichtum einer auf tatsächlich erlebten Ereignissen 
basierenden  Schilderung  zu  entnehmen.  Die  Behauptung  in  der 
Rechtsmittelschrift,  wonach  der  Beschwerdeführer  die  ihm  zu  den 
Haftumständen  gestellten  Fragen  detailliert  beantwortet  habe,  ist 
unzutreffend.  Abgesehen  davon  gibt  der  Beschwerdeführer  in  diesem 
Zusammenhang  zu,  dass  er  nicht  jedes  Element  seiner  Erlebnisse  frei 
erzählend  detailliert  darstellen  könne,  ohne  jedoch  konkret  darzulegen, 
weshalb er dazu von sich aus nicht in der Lage war.

Gestützt auf das vorstehend Ausgeführte ist – entgegen der Behauptung 
in der Rechtsmittelschrift  – zu schliessen, dass es sich bei der von  ihm 
geltend gemachten Verfolgung  in Afghanistan  lediglich um ein Konstrukt 
handelt.  Auch  das  Schreiben  des  Amtes  der  Innensicherheit, 
Kriminalfallbüro E._______, vom 29. September 2008  ist nicht geeignet, 
die  behauptete  Verfolgung  glaubhaft  zu  machen.  Zum  einen  ist  es 
gerichtsnotorisch,  dass  insbesondere  Asylbewerber  aus  Afghanistan 
unter  Inanspruchnahme  unlauterer  Machenschaften  behördliche  und 
andere  Dokumente  zur  Stützung  ihrer  Asylvorträge  beibringen.  Zum 
anderen  ist  nicht  nachvollziehbar,  wie  der  Beschwerdeführer  in  den 
Besitz dieses vorgelegten Schreibens kommen konnte, zumal es sich um 
einen  für  den  internen  Gebrauch  einer  Kriminalbehörde  bestimmten 
Suchbefehl  handelt.  Die  Behauptung  des  Beschwerdeführers  anlässlich 
der Anhörung respektive  in der Beschwerde, wonach seiner Mutter eine 
Vorladung  übergeben  worden  sei  (A  8/17  S.  3),  vermag  an  dieser 
Einschätzung  nichts  zu  ändern,  zumal  es  sich  beim  eingereichten 
Schreiben  vom  29.  September  2008  nicht  um  eine  Vorladung,  sondern 
um  einen  Suchbefehl  handelt.  Nach  dem  Gesagten  und  vor  dem 
Hintergrund  der  vorstehend  erwähnten  Unglaubhaftigkeitselemente 
kommt dem Schreiben vom 29. September 2008 folglich kein Beweiswert 
zu.

Zusammenfassend  ist  somit  festzustellen,  dass  es  dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu 
machen, dass er in der Heimat ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG 
erlitten hat oder solche bei der Ausreise zu befürchten hatte oder im Falle 
einer  Rückkehr  nach  Afghanistan  befürchten  müsste.  Nach  dem 
Gesagten  erübrigt  es  sich,  auf  die  Ausführungen  und  Einwände  in  der 

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Beschwerde  beziehungsweise  die  eingereichten  Beweismittel  weiter 
einzugehen, da sie am Ergebnis nichts ändern können. Das BFM hat das 
Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt.

6. 
6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht 
ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 
ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit 
der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche 
Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer 
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 
Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9., EMARK 2001 Nr. 21).

7. 
7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder 
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach 
den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von 
Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes 
vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG, 
SR 142.20]).

Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt 
gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der 
Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte 
Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. 
WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.], 
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).

7.2. 
7.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche 
Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 
Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat 
entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG).

So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land 
gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus 
einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 
Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden 
(Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom 
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

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Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen 
Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 
Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere 
grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 
(FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 
4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten 
(EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder 
erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

7.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend 
darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement 
nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem 
Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 
Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5 
AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden 
Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des 
Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt 
von Art. 5 AsylG rechtmässig.

Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers 
noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer 
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit 
einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder 
Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen 
Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­
Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr 
("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer 
Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde 
(vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom 
28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren 
Hinweisen).  Dies  ist  ihm  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  nicht 
gelungen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Afghanistan 
lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als 
unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen 
Bestimmungen zulässig.

7.3. 
7.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen 
und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder 
Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 

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allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind. 
Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von 
Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl. 
Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer 
vom 8. März 2002, BBl 2002 3818, BVGE 2009/2 E. 9.2.1).

7.3.2. Die vormalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) setzte 
sich  in  ihrer  Rechtsprechung  mehrmals  eingehend  mit  der  Lage  in 
Afghanistan auseinander, äusserte sich zu verschiedenen Provinzen des 
Landes und stellte namentlich die Unterschiede zwischen der Hauptstadt 
Kabul und anderen Regionen Afghanistans dar. Dabei erkannte die ARK 
im  Jahre  2003  den  Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  –  infolge  der 
vergleichsweise  günstigeren  Situation  –  unter  bestimmten  strengen 
Voraussetzungen,  insbesondere  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes, 
der  Möglichkeit  der  Sicherung  des  Existenzminimums  und  einer 
gesicherten Wohnsituation,  als  zumutbar  (vgl.  EMARK  2003 Nr. 10  und 
Nr. 30).  Im  Jahre  2006  bestätigte  die  ARK  ihre  Rechtsprechung  (vgl. 
EMARK  2006  Nr. 9),  wobei  –  zusätzlich  zu  Kabul  –  der 
Wegweisungsvollzug  in  weitere,  abschliessend  aufgeführte  Provinzen 
(Parwan, Baghlan, Takhar, Badakhshan, Kunduz, Balkh, Sari Pul, Herat 
und die Gegend von Samangan, die nicht  zum Hazarajat  zu zählen  ist) 
unter den  in EMARK 2003 Nr. 10 erwogenen strengen Bedingungen als 
zumutbar  erklärt wurde. Betreffend  die  übrigen  östlichen,  südlichen  und 
südöstlichen  Provinzen  stellte  die  ARK  demgegenüber  fest,  dass  dort 
weiterhin  eine  allgemeine  Gewaltsituation  herrsche,  weshalb  der 
Wegweisungsvollzug dorthin nach wie vor als unzumutbar zu betrachten 
sei  (vgl.  EMARK  2006  Nr. 9  E. 7.5.3.  und  7.8.).  Diese  Rechtsprechung 
der  ARK  wurde  vom  Bundesverwaltungsgericht  bis  anhin  im 
Wesentlichen weitergeführt. 

7.3.3. Aufgrund einer zunehmenden Verschlechterung der Verhältnisse in 
Afghanistan unterzog das Bundesverwaltungsgericht die bisherige Praxis 
einer  eingehenden  Prüfung.  Dabei  gelangte  es  im  Rahmen  einer 
erneuten Lageanalyse zum Schluss, dass im Verlauf der letzten Jahre die 
allgemeine  Sicherheitslage  in  Afghanistan  über  alle  Regionen  hinweg – 
inklusive  der  urbanen  Zentren  und  der  Hauptstadt  Kabul  –  deutlich 
schlechter  geworden  sei  (vgl.  dazu  BVGE  2011/7  E. 9.1.­9.7.).  Parallel 
zur  allgemeinen  Sicherheitslage  habe  sich  namentlich  auch  die 
humanitäre Situation in Afghanistan verschlechtert, wobei aber erhebliche 
Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Gebieten festzustellen 
seien.  In  ländlichen  Gebieten  würden  sich  die  Verhältnisse 

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grossmehrheitlich  als  absolut  prekär  erweisen,  während  zumindest  in 
Kabul  eine  deutlich  bessere  Situation  anzutreffen  sei,  zumal  sich  dort 
nach den letzten Jahren auch die Sicherheitslage wieder stabilisiert habe. 
Im  erwähnten  Urteil  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht 
zusammenfassend  fest,  dass  in  Afghanistan  –  ausser  allenfalls  in 
Grossstädten  –  eine  derart  schlechte  Sicherheitslage  und  derart 
schwierige  humanitäre  Bedingungen  bestünden,  dass  die  Situation  als 
existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. 
Bezüglich  Kabul  hielt  das  Bundesverwaltungsgericht  fest,  dass  der 
Wegweisungsvollzug  dorthin  nur  dann  zumutbar  sei,  wenn  sich  im 
Einzelfall erweise, dass die betroffene Person in Kabul sozial vernetzt sei, 
sie also dort über ein  tragfähiges soziales Netz  im Sinne der bisherigen 
strengen  Anforderungen  nach  EMARK  2003  Nr.  10  verfüge. 
Offengelassen wurde im besagten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, 
ob  betreffend  die  Städte Herat  und Mazar­i­Sharif  in  gleicher Weise  zu 
entscheiden  wäre  (vgl.  a.a.O.  E. 9.8.­9.9.).  Im  zur  Publikation 
vorgesehenen  Urteil  BVGE  D­2312/2009  vom  28.  Oktober  2011  wurde 
bezüglich  der  Stadt  Herat  erkannt,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung 
dorthin,  sofern  begünstigende  Umstände  vorliegen,  als  zumutbar  zu 
erachten ist.

7.3.4.  Der  Beschwerdeführer  stammt  aus  der  Provinz  Samangan. 
Gemäss  der  soeben  dargelegten  aktuellen  Rechtsprechung  des 
Bundesverwaltungsgerichts  ist  von  der  Unzumutbarkeit  des 
Wegweisungsvollzugs dorthin auszugehen. 

7.3.5.  Bei  dieser  Sachlage  stellt  sich  die  Frage,  ob  dem 
Beschwerdeführer in Afghanistan allenfalls eine Aufenthaltsalternative zur 
Verfügung  steht.  Gemäss  den  Akten  wohnen  seine  Mutter,  seine 
Schwester,  sein  Onkel  sowie  eine  seiner  Tanten  in  der  Stadt  Mazar­i­
Sharif  (Provinz Balkh). Deshalb  ist  im Folgenden zu prüfen, ob sich der 
Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Mazar­i­Sharif  im 
Lichte der vorstehend in E. 7.3.3. aufgezeigten aktuellen Rechtsprechung 
des Bundesverwaltungsgerichts zu Afghanistan als zumutbar erweist. 

7.3.6.  Eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  in  einem  Land  führt  nicht 
automatisch  zur  Annahme  einer  konkreten  Gefährdung;  vielmehr  muss 
die  betroffene  Person  darlegen,  dass  die  Situation  auch  für  sie  eine 
konkrete  Gefährdung  darstellt.  Mithin  ist  in  der  Regel  immer  eine 
Einzelfallbeurteilung  unter  Berücksichtigung  der  individuellen 
Lebensumstände der betroffenen Person vorzunehmen (vgl. RUEDI ILLES, 

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zu Art. 83 AuG, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.]: Bundesgesetz über 
die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG),  Bern  2010,  S. 799,  Rz.  33). 
Zwar  ist  von  einer  Verschlechterung  der  Sicherheitslage  im  Norden 
Afghanistans in den letzten Jahren auszugehen und auch in der Provinz 
Balkh  ist die Zahl sicherheitsrelevanter Ereignisse angestiegen (vgl. The 
Afghanistan NGO Safety Office, ANSO Quarterly Data Report Q.4 2010; 
1.  Januar  ­  31.  Dezember  2010,  Januar  2011,  S.  13, 
http://www.ecoi.net/file_upload/1226_1295518
639_anso­quarterly­data­report­q4­2010.pdf,  aufgesucht:  24.  Oktober 
2011; The Afghanistan NGO Safety Office, ANSO Quarterly Data Report 
Q.1  2011;  1.  Januar  ­  31.  März  2011,  April  2011,  S.  10,  http://relief
web.int/sites/reliefweb.int/files/resources/ANSO%20Q1%202011.pdf, 
aufgesucht:  1. Dezember  2011;  AREU, Opium  poppy  strikes  back.  The 
2011  Return  of  Opium  in  Balkh  and  Badakhshan  Provinces,  Juli  2011, 
S.7,  http://www.unhcr.org/refworld/publisher,AREU,,,4e1d52432,0.html, 
aufgesucht: 24. Oktober 2011). Die Situation  in der Stadt Mazar­i­Sharif 
wird  aber  in  neusten  Berichten,  auch  im  Vergleich  mit  anderen 
afghanischen  Städten  und  Provinzen,  als  verhältnismässig  ruhig 
beschrieben. Im Distrikt Mazar­i­Sharif, der hauptsächlich das Stadtgebiet 
von Mazar­i­Sharif umfasst, wurde von Januar bis Juni 2009 eine einzige 
bewaffnete  Attacke  einer  feindlichen  Gruppe  registriert,  während  in  der 
Stadt Herat und in der Provinz Kabul elf beziehungsweise einundsechzig 
solcher Attacken  in dieser Periode gezählt wurden. Von Januar bis Juni 
2010  wurde  im  Distrikt  Mazar­i­Sharif  keine  einzige  Attacke  einer 
feindlichen  Gruppe  registriert,  wohingegen  in  diesem  Zeitraum  in  der 
Stadt  Herat  und  der  Provinz  Kabul  eine  respektive  achtundzwanzig 
derartiger Attacken gezählt wurden. Von Januar bis Juni 2011 wurden im 
Distrikt  Mazar­i­Sharif  drei  Attacken  feindlicher  Gruppen  registriert, 
während  in  der  Stadt  Herat  und  der  Provinz  Kabul  sieben 
beziehungsweise  vierunddreissig  solcher  Attacken  gezählt  wurden  (vgl. 
The Afghanistan NGO Safety Office, The ANSO Report,  Juni  2011  [16­
30],  S.  7,  http://reliefweb.int/sites/relief
web.int/files/resources/The%20ANSO%20Report%20%2816­30%20June
%202011%29.pdf, aufgesucht: 24. Oktober 2011; The Afghanistan NGO 
Safety Office,  ANSO Quarterly Data Report Q.  2  2011,  1.  Januar  ­  30. 
Juni  2011,  Juli  2011,  S.  10,  http://www.ecoi.net/file_upload/17
88_1311851412_anso­q2­2011.pdf,  besucht:  24. Oktober  2011).  Im Mai 
2011  hielt  der  International  Council  on  Security  and  Development  in 
einem  Bericht  fest,  der  Distrikt  Mazar­i­Sharif  sei  relativ  sicher  und  die 
Stadt  Mazar­i­Sharif  sei  eine  der  sichersten  im  ganz  Land  (vgl. 
International  Council  on  Security  and  Development,  Afghanistan 

http://www.ecoi.net/file_upload/1226_1295518639_anso-quarterly-data-report-q4-2010.pdf
http://www.ecoi.net/file_upload/1226_1295518639_anso-quarterly-data-report-q4-2010.pdf
http://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/ANSO%20Q1%202011.pdf
http://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/ANSO%20Q1%202011.pdf
http://www.unhcr.org/refworld/publisher,AREU,,,4e1d52432,0.html
http://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/The%20ANSO%20Report%20%2816-30%20June%202011%29.pdf
http://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/The%20ANSO%20Report%20%2816-30%20June%202011%29.pdf
http://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/The%20ANSO%20Report%20%2816-30%20June%202011%29.pdf
http://www.ecoi.net/file_upload/1788_1311851412_anso-q2-2011.pdf
http://www.ecoi.net/file_upload/1788_1311851412_anso-q2-2011.pdf

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Seite 15

Transition: The Death of Bin Laden and Local Dynamics, Mai 2011, S. 45, 
http://www.icosgroup.net/static/reports/bin­laden­local­dynamics.pdf, 
aufgesucht:  24.  Oktober  2011).  Im  September  2011  führte  der 
Congressional  Resarch  Service  in  einem  Bericht  aus,  dass  die  Stadt 
Mazar­i­Sharif  weitgehend  als  stabil  angesehen  werde  (vgl. 
Congressional Research Service, Afghanistan: Post­Taliban Governance, 
Security,  and  U.S.  Policy,  22.  September  2011,  S.  28, 
http://www.fas.org/sgp/crs/row/RL30588.pdf,  aufgesucht:  24.  Oktober 
2011).  An  dieser  Einschätzung,  wonach  die  Situation  in  Mazar­i­Sharif 
überwiegend  als  stabil  anzusehen  ist,  ändert  auch  der Umstand  nichts, 
dass bei einem Bombenanschlag in Mazar­i­Sharif am 6. Dezember 2011 
mindestens  vier  Personen  ums  Leben  gekommen  sind,  darunter  ein 
afghanischer  Soldat.  Dieser  Anschlag,  der  selbst  von  den  Taliban 
verurteilt  wurde,  wird  von Experten  einer Randgruppe  nahestehend  der 
Al­Qaida/Pakistan  zugeschrieben  (vgl.  http://www.nzz.ch/
nachrichten/politik/international/50_tote_bei_selbstmordattentat_in_kabul
_1.13533071.html,  aufgesucht:  20.  Dezember  2011).  Im  März  2011 
wurde zudem begonnen, die gesamte Verantwortung für die Sicherheit in 
Mazar­i­Sharif,  wie  geplant,  von  der  Internationalen 
Sicherheitsunterstützungstruppe  (ISAF)  auf  die  afghanischen 
Sicherheitskräfte  zu  übertragen  (vgl.  http://www.nato.int/cps/en/SID­
A4EA3D02­0E0E5395/natolive/news_810
69.htm?selectedLocale=en, aufgesucht: 1. Dezember 2011). Seit dem 23. 
Juli  2011  tragen  afghanische  Sicherheitskräfte  die 
Sicherheitsverantwortung  in Mazar­i­Sharif. Während eines Besuchs des 
deutschen  Aussenministers  Guido  Westerwelle  hat  die  ISAF  das 
Kommando  in  afghanische  Hände  übergeben  (vgl. 
http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Arti
kel/2011/08/2011­08­01­afghanistan­schrittweise­uebergabe.html, 
aufgesucht: 20. Dezember 2011).

Hinsichtlich  der  humanitären  Situation  in Mazar­i­Sharif  ist  festzuhalten, 
dass sich aus den vom Bundesverwaltungsgericht  konsultierten Länder­ 
und  Themenberichten  nicht  ergibt,  dass  diese  wesentlich  schlechter  ist 
als diejenige in Kabul.

7.3.7.  In  Anbetracht  dieser  Umstände  erscheint  die  Lage  in  der  Stadt 
Mazar­i­Sharif  mit  derjenigen  in  Kabul  zumindest  vergleichbar  und  es 
rechtfertigt sich nicht, von einer generellen Unzumutbarkeit der Rückkehr 
dorthin  aufgrund  der  allgemeinen  Situation  auszugehen.  Zudem  verfügt 
die Stadt Mazar­i­Sharif auch über einen Flughafen, der von Kabul, Herat, 

http://www.icosgroup.net/static/reports/bin-laden-local-dynamics.pdf
http://www.fas.org/sgp/crs/row/RL30588.pdf
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/50_tote_bei_selbstmordattentat_in_kabul_1.13533071.html
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/50_tote_bei_selbstmordattentat_in_kabul_1.13533071.html
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/50_tote_bei_selbstmordattentat_in_kabul_1.13533071.html
http://www.nato.int/cps/en/SID-A4EA3D02-0E0E5395/natolive/news_81069.htm?selectedLocale=en
http://www.nato.int/cps/en/SID-A4EA3D02-0E0E5395/natolive/news_81069.htm?selectedLocale=en
http://www.nato.int/cps/en/SID-A4EA3D02-0E0E5395/natolive/news_81069.htm?selectedLocale=en
http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2011/08/2011-08-01-afghanistan-schrittweise-uebergabe.html
http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2011/08/2011-08-01-afghanistan-schrittweise-uebergabe.html

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Seite 16

Dubai  und  Teheran  angeflogen  wird  (vgl.  http://de.wikipedia.org/wiki/
Flughafen_Masar­e_Scharif, aufgesucht: 24. Oktober 2011).

7.3.8. Vorliegend ergeben sich aus den Akten zudem keine individuellen 
Umstände, welche es rechtfertigen würden, den Vollzug der Wegweisung 
des  Beschwerdeführers  in  die  Stadt  Mazar­i­Sharif  als  unzumutbar  zu 
erachten. Gemäss den Akten wohnen seine Mutter und seine Schwester 
bei seinem Onkel  in Mazar­i­Sharif. Zudem lebt noch eine seiner Tanten 
in  dieser  Stadt,  womit  der  Beschwerdeführer  dort  über  ein  tragfähiges 
familiäres  Beziehungsnetz  verfügt,  welches  ihm  bei  der  Integration 
behilflich  sein wird.  Insbesondere  ist  anzunehmen,  dass  er  nach  seiner 
Rückkehr  nach  Mazar­i­Sharif  bei  seiner  Familie  wohnen  kann,  bis  er 
eine eigene Wohnung gefunden hat, und dass seine Familie  ihn bei der 
Suche  nach  einer  Arbeitsstelle  unterstützt.  Der  junge,  ledige 
Beschwerdeführer  ist  –  gemäss  den  Akten  –  gesund  und  hat  eine 
überdurchschnittlich  gute  Schulbildung.  Zudem  spricht  er  neben  seiner 
Muttersprache Paschtu auch Dari und er war in seiner Heimat als Inhaber 
eines Ladens während eineinhalb Jahren erwerbstätig, weswegen davon 
auszugehen ist, er werde sich bei einer Rückkehr nach Afghanistan auch 
beruflich wieder  integrieren können. Die Rückkehrhilfe der Schweiz wird 
ihm  den  Wiedereinstieg  in  seiner  Heimat  ebenfalls  erleichtern  (Art.  93 
Abs.  1  Bst.  d  AsylG;  Art.  73  ff.  der  Asylverordnung  2  vom  11.  August 
1999  [AsylV  2,  SR 142.312]).  Schliesslich  ist  darauf  hinzuweisen,  dass 
der  erst  im  Alter  von  knapp  zweiundzwanzig  Jahren  in  die  Schweiz 
eingereiste  Beschwerdeführer  den  grössten  Teil  seines  Lebens  in 
Afghanistan  verbracht  hat, weshalb  er mit  der  dortigen Sprache, Kultur, 
Arbeits­  und  Lebensweise  bestens  vertraut  ist.  Soweit  der 
Beschwerdeführer  in  der  Rechtsmittelschrift  vorbringt,  er  sei  als 
Paschtune bei einer Rückkehr in die Stadt Mazar­i­Sharif gefährdet, da es 
dort  immer  wieder  zu  Übergriffen  gegen  die  paschtunische  Minderheit 
komme, ist Folgendes festzuhalten: Es trifft zwar zu, dass die Paschtunen 
in  der  Stadt  Mazar­i­Sharif  lediglich  zehn  Prozent  der  Bevölkerung 
ausmachen  und  dort  somit  eine  Minderheit  darstellen.  Nach 
Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  leben  aber  die 
verschiedenen  ethnischen  Gruppen  von  Mazar­i­Sharif  –  trotz 
gelegentlicher Spannungen – in aller Regel friedlich zusammen, weshalb 
der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr dorthin nichts zu befürchten hat 
(vgl. dazu AREU, Deconstructing "Democracy" in Afghanistan, Mai 2011, 
S. 16, http://www.areu.org.af/EditionDetails.aspx?EditionId=535&Content­
Id=7&ParentId=7&Lang=en­US, aufgesucht: 24. Oktober 2011). 

http://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Masar-e_Scharif
http://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Masar-e_Scharif
http://www.areu.org.af/EditionDetails.aspx?EditionId=535&Content-Id=7&ParentId=7&Lang=en-US
http://www.areu.org.af/EditionDetails.aspx?EditionId=535&Content-Id=7&ParentId=7&Lang=en-US

D­7950/2009

Seite 17

Somit  ist  der Wegweisungsvollzug  des  Beschwerdeführers  in  die  Stadt 
Mazar­i­Sharif  auch  im  Lichte  der  aktuellen  Rechtsprechung  zu 
Afghanistan  sowohl  in  genereller  als  auch  in  individueller  Hinsicht  als 
zumutbar zu erachten. 

7.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der 
zuständigen  Vertretung  seines  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr 
notwendigen Reisepapiere zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. auch 
BVGE  2008/34  E.  12.),  weshalb  der  Vollzug  der Wegweisung  auch  als 
möglich zu bezeichnen ist. 

7.5.  Insgesamt  ist  der  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Vollzug  der 
Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  diesen  zu  Recht  als 
zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine 
Anordnung der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art.  83 Abs.  1­4 
AuG).

8. 
Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung 
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und 
vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die 
Beschwerde ist demnach abzuweisen. 

9. 
Da  der  Beschwerdeführer  mit  seiner  Beschwerde  vollumfänglich 
unterlegen  ist,  wären  ihm  grundsätzlich  die  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen  (Art. 63  Abs.  1  und  5  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  hat 
jedoch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ersucht. 
Gemäss  Art.  65  Abs. 1  VwVG  wird  die  Partei,  die  nicht  über  die 
erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  von  der  Bezahlung  der 
Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos 
erscheint. Vorliegend ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer 
mittellos  ist.  Zudem  erschienen  seine  Begehren  im  Zeitpunkt  der 
Beschwerdeeinreichung  als  nicht  aussichtslos.  Das  Gesuch  um 
Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  ist  demnach  gutzuheissen 
und  es  sind  dem  Beschwerdeführer  keine  Verfahrenskosten 
aufzuerlegen.

(Dispositiv nächste Seite)

D­7950/2009

Seite 18

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1. 
Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2. 
Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne 
von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen. 

3. 
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

4. 
Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die 
zuständige kantonale Behörde.

Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber:

Robert Galliker Matthias Jaggi

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