# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** b22b4d94-0134-5b20-ad4c-aaf0c2d4d956
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2009-09-10
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 10.09.2009 D-6997/2008
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-6997-2008_2009-09-10.pdf

## Full Text

Abtei lung IV
D-6997/2008/dcl
{T 0/2}

U r t e i l  v o m  1 0 .  S e p t e m b e r  2 0 0 9

Richter Hans Schürch (Vorsitz), Richterin Muriel Beck 
Kadima, Richter Martin Zoller, 
Gerichtsschreiberin Anna Dürmüller.

A._______, geboren (...), Sri Lanka,
vertreten durch Samuel Häberli, 
Freiplatzaktion Zürich, 
(...),
Beschwerdeführerin,

gegen

Bundesamt für Migration (BFM),
Quellenweg 6, 3003 Bern,
Vorinstanz.

Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 
3. Oktober 2008 / N (...).

B u n d e s v e r w a l t u n g s g e r i c h t

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i f  f é d é r a l

T r i b u n a l e  a m m i n i s t r a t i v o  f e d e r a l e

T r i b u n a l  a d m i n i s t r a t i v  f e d e r a l

Besetzung

Parteien

Gegenstand

D-6997/2008

Sachverhalt:

A.
A.a Die Beschwerdeführerin, eine srilankische Staatsangehörige tami-
lischer  Ethnie  mit  letztem  Wohnsitz  in  B._______  (Bezirk  Vavuniya, 
Nordprovinz),  verliess  ihr  Heimatland  eigenen  Angaben  zufolge  am 
26. Juni 2008 auf dem Luftweg und gelangte zunächst via F._______ 
nach  Italien.  Von  Mailand  aus  sei  sie  in  einem  Personenwagen 
weitergereist  und schliesslich  am 8. Juli  2008 illegal  in  die  Schweiz 
eingereist.  Noch  am  selben  Tag  stellte  sie  im  Empfangs-  und 
Verfahrenszentrum C._______ ein Asylgesuch. Nach dem Transfer ins 
Empfangs-  und  Verfahrenszentrum  D._______  wurde  sie  dort  am 
29. Juli 2008 summarisch befragt und in der Folge für die Dauer des 
Verfahrens dem Kanton E._______ zugewiesen. Das BFM hörte  die 
Beschwerdeführerin  am  24. September  2008  ausführlich  zu  ihren 
Asylgründen an. 

A.b Anlässlich  der  Befragungen  machte  die  Beschwerdeführerin  im 
Wesentlichen geltend, Anfang Mai 2008 seien zwei Freunde ihres Va-
ters  eine Woche lang bei  ihnen zu Besuch gewesen. Nachdem sich 
diese Freunde am Morgen des 15. Mai 2008 wieder verabschiedet hät-
ten, seien am frühen Nachmittag desselben Tages zwei Polizisten ge-
kommen und hätten ihren Vater gefragt, wo die beiden LTTE-Leute sei-
en. Sie habe sich in das Gespräch eingemischt und sei anschliessend 
von den Polizisten auf den Posten mitgenommen worden. Am nächs-
ten Tag sei sie verhört  worden, wobei man ihr mit  Schlägen gedroht 
habe. Am Abend habe ein Polizist sie gegen Bezahlung von 6500 Ru-
pien freigelassen. Sie sei zu Tamilen in einem Nachbardorf geflüchtet 
und habe diese um Hilfe  gebeten. Diese Personen hätten  daraufhin 
ihre Eltern informiert. Zusammen mit ihren Eltern sei sie in der Folge 
nach Colombo geflüchtet. Dort habe sie ungefähr einen Monat bei ei-
nem Schlepper  verbracht,  bevor  sie  mit  diesem zusammen  im  Juni 
2008 aus dem Heimatland ausgereist sei. 

A.c Die  Beschwerdeführerin  reichte  im  Verlauf  des  vorinstanzlichen 
Verfahrens einen Geburtsschein (beglaubigte Kopie) zu den Akten. 

B.
Das  BFM stellte  mit  Verfügung  vom 3.  Oktober  2008  -  eröffnet  am 
7. Oktober 2008 - fest,  die Vorbringen der Beschwerdeführerin seien 
nicht asylrelevant. Demzufolge verneinte es die Flüchtlingseigenschaft 

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und lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  verfügte es die Wegwei-
sung der Beschwerdeführerin aus der Schweiz und ordnete den Voll-
zug an.

C.
Mit  Beschwerde vom 5. November  2008 (Poststempel)  liess  die Be-
schwerdeführerin beantragen, die Ziffern 3 und 4 des Dispositivs der 
vorinstanzlichen Verfügung seien aufzuheben, und sie sei infolge Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. In pro-
zessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 
20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, 
SR 172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvor-
schusses ersucht. 

Der Beschwerde lag eine Bestätigung der Fürsorgeabhängigkeit vom 
31. Oktober 2008 bei. 

D.
Mit Verfügung vom 10. November 2008 verzichtete der zuständige In-
struktionsrichter  antragsgemäss  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvor-
schusses und teilte der Beschwerdeführerin gleichzeitig mit, über das 
Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  werde  im 
Endentscheid befunden.

E.
Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 17. November 2008 voll-
umfänglich an seiner Verfügung fest und beantragte die Abweisung der 
Beschwerde.

F.
Die  Vernehmlassung  des  BFM  wurde  der  Beschwerdeführerin  am 
19. November 2008 zur Kenntnis gebracht. 

G.
Auf  entsprechende  Aufforderung  des  Instruktionsrichters  hin  reichte 
der  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin  am 2.  September  2009 
eine Kostennote zu den Akten.

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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 
2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Be-
schwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM, welche in An-
wendung des Asylgesetzes vom 26 Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) er-
gangen sind; das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in diesem Be-
reich  endgültig  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).

1.2 Die  Beschwerde  ist  form-  und  fristgerecht  eingereicht.  Die  Be-
schwerdeführerin ist legitimiert (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 sowie 
Art.  50  und  52  VwVG).  Auf  die  Beschwerde  ist  unter  Vorbehalt  der 
nachfolgenden Ausführungen (vgl. E. 3) einzutreten.

2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verlet-
zung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung 
des rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit ge-
rügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).

3.
Gemäss den Anträgen in der Beschwerde werden lediglich die Ziffern 
3 und 4 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung angefochten. 
Demzufolge ist die vorinstanzliche Verfügung vom 3. Oktober 2008, so-
weit sie die Frage der Flüchtlingseigenschaft und des Asyls betrifft, in 
Rechtskraft erwachsen. Die Wegweisung als solche (Dispositivziffer 3) 
ist damit grundsätzlich ebenfalls nicht mehr zu überprüfen; diese Dis-
positivziffer wird den Beschwerdeanträgen zufolge zwar angefochten, 
jedoch ist auf diesen Antrag nicht einzutreten, da dieser Antrag in der 
Beschwerde nicht begründet wird und bezüglich der vom BFM ange-
ordneten Wegweisung (als Folge des abgelehnten Asylgesuchs) auch 
von Amtes wegen keine Rechtsverletzung festzustellen ist. Im Folgen-
den ist daher lediglich zu untersuchen, ob die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug zu Recht als durchführbar erachtet hat oder ob allenfalls 
an Stelle des Vollzugs eine vorläufige Aufnahme anzuordnen ist.

4.
Ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder 
nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt das  Anwesenheitsverhältnis 
nach den gesetzlichen Bestimmungen über  die vorläufige  Aufnahme 

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von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgeset-
zes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer 
[AuG, SR 142.20]).

4.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtun-
gen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Auslän-
ders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenste-
hen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur 
Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben 
oder ihre Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet 
ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land ge-
zwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flücht-
linge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung 
der Schweizerischen Eidgenossenschaft  vom 18. April  1999 (BV, SR 
101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Fol-
ter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der Konven-
tion  vom 4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und 
Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) darf niemand in einen Staat ausge-
schafft  werden, in dem ihm Folter oder eine andere Art  unmenschli-
cher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung droht.

4.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen 
und Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunfts-
staat  auf  Grund von Situationen wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner 
Gewalt  und medizinischer Notlage konkret  gefährdet  sind. Wird eine 
konkrete Gefährdung festgestellt, ist - unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 
7  AuG -  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum 
Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 
2002, BBl 2002 3818).

4.3 Der Vollzug der Wegweisung ist nicht möglich, wenn die Auslände-
rin oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunfts-
staat noch in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden 
kann (Art. 83 Abs. 2 AuG).

5.
5.1 Die  Vorinstanz  erachtete  den  Vollzug  der  Wegweisung  der  Be-
schwerdeführerin  in ihr  Heimatland als zulässig,  zumutbar und mög-
lich. In  seinen diesbezüglichen Erwägungen führte das BFM im We-
sentlichen aus, der Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 

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Abs. 1 AsylG könne nicht angewendet werden, da die Beschwerdefüh-
rerin  die Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle. Aus den Akten ergäben 
sich überdies keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführerin 
im Falle der Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit  eine  durch  Art.  3  EMRK  verbotene  Strafe  oder  Behandlung 
drohen würde. In Bezug auf die Frage der Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs erwog das BFM, eine Rückkehr der Beschwerdeführerin 
in  den Norden Sri  Lankas sei  mit  Blick  auf  die  allgemeine Situation 
nicht  zumutbar; denn die Regierung habe das mit  den Liberation Ti-
gers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  ausgehandelte  Waffenstillstandsabkom-
men vom Februar 2002 am 2. Januar 2008 offiziell aufgekündigt. Fak-
tisch  sei  der  innerstaatliche,  bewaffnete  Konflikt  bereits  im  Sommer 
2006 wieder aufgeflammt. Ein Ende der gewalttätigen Auseinanderset-
zungen  und  damit  eine  substanzielle  Verbesserung  der  Menschen-
rechts- und Sicherheitslage im Norden und Osten des Landes sei der-
zeit  nicht  in  Sicht. Im Süden und Westen des Landes habe sich die 
menschenrechts-  und  sicherheitspolitische  Situation  ebenfalls  ver-
schlechtert.  Namentlich  für  Tamilen  hätten  sich  Lebensbedingungen 
aufgrund der inzwischen drastisch verschärften Sicherheitsbestimmun-
gen erschwert. Dennoch bestehe im Süden und Westen des Landes 
keine Situation allgemeiner Gewalt, weshalb der Wegweisungsvollzug 
dorthin  nicht  generell  als  unzumutbar  zu  bezeichnen  sei.  Der  Be-
schwerdeführerin sei es mit Blick auf die ihr zukommende Niederlas-
sungsfreiheit vorliegend insbesondere zuzumuten, in Colombo Wohn-
sitz zu nehmen, zumal ihre Eltern dort lebten und diese die Beschwer-
deführerin  demnach  unterstützen  könnten.  Der  Vollzug  der  Wegwei-
sung sei daher insgesamt als zumutbar zu erachten. Ausserdem sei er 
technisch möglich und praktisch durchführbar. 

5.2 In der Beschwerde wird unter Verweis auf das Grundsatzurteil des 
Bundesverwaltungsgerichts  vom  14.  Februar  2008  (BVGE  2008/2) 
ausgeführt, der Wegweisungsvollzug von Personen tamilischer Perso-
nen in den Grossraum Colombo könne nur bejaht werden, wenn be-
sonders begünstigende Umstände (Vorliegen eines tragfähigen Bezie-
hungsnetzes,  konkrete  Möglichkeit  der  Sicherung  des  Existenzmini-
mums und der Wohnsituation) vorlägen. Insbesondere bei Tamilinnen 
und Tamilen, welche aus der Nord- oder Ostprovinz stammten, könne 
eine Inanspruchnahme einer innerstaatlichen Aufenthaltsalternative im 
Süden des Landes, namentlich im Grossraum Colombo, nicht generell 
als zumutbar qualifiziert werden. Die Beschwerdeführerin stamme aus 
der Nordprovinz. Nach dem Gesagten könne der Vollzug der Wegwei-

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sung in den Grossraum Colombo demnach nur dann als zumutbar er-
klärt werden, wenn sichergestellt sei, dass sie dort über ein tragfähi-
ges  Beziehungsnetz,  eine  gesicherte  Wohnsituation  und  konkrete 
Möglichkeiten zur Existenzsicherung verfüge. Aufgrund der Aktenlage 
sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die 
Beschwerdeführerin  in  Colombo  weder  über  ein  tragfähiges  Bezie-
hungsnetz noch über eine gesicherte Wohnsituation verfüge. Den Aus-
sagen  der  Beschwerdeführerin  zufolge  hätten  ihre  Eltern  sie  zwar 
nach Colombo begleitet und hätten sich anschliessend dort aufgehal-
ten. Jedoch sei den Akten zu entnehmen, dass sich ihre Eltern ledig-
lich provisorisch bei Bekannten respektive abwechslungsweise an ver-
schiedenen  Orte  aufgehalten  hätten.  Die  Beschwerdeführerin  selber 
habe bloss einen Monat lang in  Colombo gelebt,  und zwar vor ihrer 
Ausreise aus Sri Lanka. Im Weiteren verfüge die Beschwerdeführerin 
weder über einen Schulabschluss noch über Berufserfahrung. Zudem 
habe sie keine Singhalesischkenntnisse. Damit wäre es der Beschwer-
deführerin praktisch unmöglich, sich im Grossraum Colombo eine wirt-
schaftliche  Existenz  aufzubauen. Aufgrund  der  Aktenlage  sei  davon 
auszugehen,  dass  die  Familie  der  Beschwerdeführerin  der  sozialen 
Unterschicht zuzuordnen sei und sich bereits mit der Finanzierung der 
Ausreise der Beschwerdeführerin verschuldet habe. Bei dieser Sachla-
ge müsse die Möglichkeit  einer längerfristigen Existenzsicherung der 
Beschwerdeführerin und ihrer Eltern im Grossraum Colombo verneint 
werden. Der Vollzug der Wegweisung der Beschwerdeführerin sei so-
mit unzumutbar. 

6.
Im Folgenden bleibt zu prüfen, ob die Wegweisung der Beschwerde-
führerin  nach Sri  Lanka vollzogen werden kann oder ob stattdessen 
die vorläufige Aufnahme anzuordnen ist. In diesem Zusammenhang ist 
vorab festzustellen,  dass  die  erwähnten  drei  Bedingungen  für  einen 
(vorläufigen) Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung - Unzulässig-
keit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit  -  alternativer  Natur  sind: Ist 
eine dieser Voraussetzungen erfüllt, so ist der Vollzug der Wegweisung 
als  undurchführbar  zu  erachten und die  weitere  Anwesenheit  in  der 
Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu 
regeln  (vgl.  die  zutreffenden und  weiterhin  gültigen Ausführungen in 
Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs-
kommission [EMARK] 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.).

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6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat in BVGE 2008/2 E. 7 eine um-
fassende Beurteilung der Situation in Sri Lanka vorgenommen. Es hat 
dabei unter anderem festgestellt, dass die Rückschaffung abgewiese-
ner Asylgesuchsteller aus Sri Lanka in die Nordprovinz (Distrikte Killi-
nochchi,  Mannar, Vavuniya, Mullaitivu und Jaffna) und in die Ostpro-
vinz  (Distrikte  Trincomalee,  Batticaloa  und  Ampara)  angesichts  der 
dort  herrschenden allgemeinen Lage unzumutbar ist. Bei rückkehren-
den Tamilen, die aus der Nord- oder Ostprovinz stammen, kann zudem 
nicht  von  der  generellen  Zumutbarkeit  der  Inanspruchnahme  einer 
innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  im  Süden  des  Landes,  na-
mentlich  im  Grossraum  Colombo,  ausgegangen  werden.  Damit  die 
Rückkehr abgewiesener tamilischer Asylsuchender in den Grossraum 
Colombo  als  zumutbar  qualifiziert  werden  kann,  bedarf  es  dem 
erwähnten  Grundsatzurteil  zufolge  besonders  begünstigender,  das 
heisst positiver individueller Umstände wie namentlich ein tragfähiges 
Familien- oder sonstiges Beziehungsnetz, die konkrete Möglichkeit der 
Sicherung des Existenzminimums und eine gesicherte Wohnsituation.

Seit Erlass des vorstehend zitierten Grundsatzurteils hat sich die Si-
cherheitssituation in Sri Lanka weiter verschlechtert. Die Behörden ha-
ben namentlich im Grossraum Colombo die  Sicherheitsmassnahmen 
erneut  verschärft.  Das  Risiko,  als  Tamile  willkürlichen  Verhaftungen 
und Ausweisungen ausgesetzt  zu  sein,  ist  weiter  gestiegen. Ausser-
dem haben die Behörden in Bezug auf Personen tamilischer Ethnie of-
fenbar neue Formen der Registrierung eingeführt, da namentlich aus 
dem Norden und Osten zugezogene Tamilen in Colombo als ernsthaf-
tes Sicherheitsrisiko angesehen werden (vgl. dazu das Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts vom 21. April 2009 i. S. E-8381/2007 E. 9.2.2). 
Obwohl die srilankische Regierung Ende Mai 2009 den militärischen 
Sieg über die tamilischen Rebellen verkündet hat, ist im heutigen Zeit-
punkt nach wie vor nicht klar, ob der seit rund 26 Jahren schwelende 
Bürgerkrieg damit tatsächlich zu Ende ist. Ebenfalls offen ist die Frage, 
was der militärische Sieg der  Regierung für  die Tamilen konkret  be-
deutet und wie sich die allgemeine Sicherheits- und Menschenrechts-
lage in Sri Lanka in Zukunft entwickeln wird. 

6.2 Die Beschwerdeführerin ist ethnische Tamilin, wurde in E._______ 
geboren  und  zog  im  Verlauf  ihrer  Kindheit  mit  ihrer  Familie  nach 
B._______  (Bezirk  Vavuniya,  Nordprovinz).  Dort  lebte  sie  bis  zur 
Abreise nach Colombo (mit Ausnahme von fünf Jahren, welche sie mit 
ihrer  Familie  in  F._______  verbrachte).  Das  BFM  hat  weder  die 

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ethnische  Zugehörigkeit  der  Beschwerdeführerin  noch  ihre  Herkunft 
aus  der  Nordprovinz  in  Frage  gestellt  oder  gar  bestritten,  weshalb 
diese Angaben als erstellt zu erachten sind. Gestützt auf die unter E. 
6.1 gemachten Ausführungen ist somit festzustellen, dass der Vollzug 
der  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  in  ihre  Heimatregion 
unzumutbar  ist.  Somit  muss  geprüft  werden,  ob  für  die 
Beschwerdeführerin  in  einer  anderen  Region  ihres  Heimatlandes, 
namentlich  im  Grossraum  Colombo,  eine  zumutbare 
Aufenthaltsalternative  besteht.  Die  Beschwerdeführerin  hatte  den 
Akten zufolge nie  während längerer  Zeit  Wohnsitz  in  Colombo oder 
einem  anderen  Ort  im  Süden  oder  Westen  ihres  Heimatlandes, 
sondern  hielt  sich  eigenen  Angaben  zufolge  lediglich  im  Jahr  2004 
(eine Woche) sowie unmittelbar vor ihrer Ausreise im Juni 2008 (einen 
Monat beim Schlepper) vorübergehend in Colombo auf. Das BFM geht 
in  seiner  Verfügung  allerdings  davon  aus,  die  Eltern  der 
Beschwerdeführerin  lebten  in  Colombo  und  könnten  sie  bei  einer 
Rückkehr dorthin unterstützen. Diese Auffassung überzeugt indessen 
nicht. Aus den  Aussagen der  Beschwerdeführerin  geht  zwar  hervor, 
dass ihre Eltern sie Mitte Mai 2008 nach Colombo begleitet haben und 
sich  auch  nach  ihrer  Ausreise  im  Juni  2008  noch  in  Colombo 
aufhielten (vgl. A1, S. 6 sowie A22, S. 3 und 4). Es bestehen jedoch 
keine  konkreten  Hinweise  darauf,  dass  die  Eltern  der 
Beschwerdeführerin  in  Colombo  über  einen  geregelten  Aufenthalt 
verfügen. Falls sich ihre Eltern im heutigen Zeitpunkt tatsächlich nach 
wie  vor  in  Colombo  befinden,  ist  aufgrund  der  Aktenlage  vielmehr 
davon auszugehen, dass sie sich abwechslungsweise an verschiede-
nen Orten aufhalten (vgl. A22,  S. 4 und 10). Mit  Blick auf  die Akten 
kann  somit  nicht  von  einem  gefestigten  Aufenthalt  der  Eltern  der 
Beschwerdeführerin  ausgegangen werden. Eigenen Angaben zufolge 
verfügt  die  Beschwerdeführerin  auch  nicht  über  anderweitige 
Verwandte mit Wohnsitz in Colombo. Demzufolge muss das Kriterium 
des Vorhandenseins eines  tragfähigen Beziehungsnetzes ausserhalb 
der  Heimatregion  vorliegend  verneint  werden.  Es  kann  nach  dem 
Gesagten auch nicht davon ausgegangen werden, die Beschwerdefüh-
rerin würde bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in der Region Colombo 
ohne  weiteres  eine  längerfristig  gesicherte  Unterkunft  vorfinden. 
Angesichts  der  Tatsache,  dass  die  Beschwerdeführerin  weder  über 
eine  Berufsausbildung noch über  eine  Schulbildung verfügt  und das 
Singhalesische  nicht  beherrscht,  ist  auch  ihre  Chance,  sich  in 
Colombo  aus  eigener  Kraft  eine  dauerhafte  wirtschaftliche  Existenz 
aufzubauen,  als  äusserst  gering  einzuschätzen.  Neben  wirtschaftli-

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chen Existenzproblemen hätte  eine  Rückschaffung der  Beschwerde-
führerin  nach  Colombo  möglicherweise  auch  eine  Gefährdung  ihrer 
persönlichen Sicherheit zur Folge, da Personen tamilischer Ethnie den 
Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  zufolge in  Sri  Lanka 
generell  einem  erhöhten  Risiko  willkürlicher  und  missbräuchlicher 
Polizeimassnahmen ausgesetzt sind, und zwar namentlich dann, wenn 
sie  – wie es vorliegend bei  der Beschwerdeführerin  der Fall  wäre – 
ihren  Aufenthalt  in  Colombo  nicht  mit  einem  triftigen  Grund 
(sogenannte  valid  reason)  rechtfertigen  können.  Insbesondere  die 
obligatorische Registrierung bei den lokalen Polizeibehörden sowie die 
zahlreichen Checkpoints bergen für Tamilen ein hohes Verhaftungsrisi-
ko. Mit Blick auf die vorstehenden Erwägungen ist daher festzustellen, 
dass  der  Beschwerdeführerin  innerhalb  ihres  Heimatlandes  keine 
zumutbare Aufenthaltsalternative zur Verfügung steht.

6.3 Gestützt  auf  die  vorstehenden  Erwägungen  ist  der  Vollzug  der 
Wegweisung der Beschwerdeführerin nach Sri Lanka als unzumutbar 
im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren. Nachdem den Akten 
keine Hinweise auf Ausschlussgründe im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG 
entnommen  werden  können,  ist  die  Beschwerdeführerin  in  der 
Schweiz vorläufig aufzunehmen. 

7.
Nach dem Gesagten ist  die  Beschwerde gutzuheissen. Folglich sind 
die  Dispositivziffern  4  und  5  der  angefochtenen  Verfügung  aufzuhe-
ben, und das BFM ist anzuweisen, die Beschwerdeführerin wegen Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen.

8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten aufzuerle-
gen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird da-
mit gegenstandslos.

8.2 Der obsiegenden und vertretenen Beschwerdeführerin ist zulasten 
der Vorinstanz eine Parteientschädigung für die ihr erwachsenen not-
wendigen und verhältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (vgl. Art. 
64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7  des Reglements vom 21. Februar 2008 
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsge-
richt [VGKE, SR 173.320.2]). Der in der Kostennote vom 2. September 
2009 geltend gemachte Arbeitsaufwand von drei Stunden und 30 Mi-
nuten sowie die Auslagen von Fr. 15.--  erscheinen als angemessen. 

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Der ausgewiesene Stundenansatz von Fr. 150.-- bewegt sich im Rah-
men von Art. 10 Abs. 2 VGKE. Somit hat das BFM der Beschwerdefüh-
rerin in Anwendung der genannten Bestimmungen sowie unter Berück-
sichtigung der  massgeblichen Bemessungsfaktoren (Art.  8  ff. VGKE) 
eine Parteientschädigung von insgesamt Fr. 540.--auszurichten.

(Dispositiv nächste Seite)

Seite 11

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Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:

1.
Die Beschwerde wird gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wird.

2.
Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung vom 
3. Oktober 2008 werden aufgehoben, und das BFM wird angewiesen, 
die Beschwerdeführerin vorläufig aufzunehmen.

3.
Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.

4.
Das  BFM  hat  der  Beschwerdeführerin  für  das  Verfahren  vor  dem 
Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 540.-- zu 
entrichten.

5.
Dieses Urteil geht an: 

- den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin (Einschreiben)
- das BFM, Abteilung Aufenthalt,  mit  den Akten Ref.-Nr. N (...)  (per 

Kurier; in Kopie)
- (...) (in Kopie)

Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin:

Hans Schürch Anna Dürmüller

Versand:

Seite 12