# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 3cf5cc71-90ca-5fb8-9c2f-fd263e424d8a
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-01-20
**Language:** de
**Title:** Zürich Baurekursgericht 20.01.2011 BRGE I Nr. 0021/2011
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Baurekurs/ZH_BRK_001_BRGE-I-Nr--0021-2011_2011-01-20.pdf

## Full Text

BRGE I Nr. 0021/2011 vom 20. Januar 2011 in BEZ 2011 Nr. 31 

2. Das Baugrundstück liegt in der Wohnzone W3. Im Streit liegt eine vom
privaten Rekursgegner angebrachte Überdachung seines Balkons. Das 
streitbetroffene Gebäude ist an der nordöstlichen Längsseite mit dem Gebäude 
auf dem Nachbargrundstück, in welchem die Rekurrentin wohnt, 

zusammengebaut. Der Balkon des privaten Rekursgegners grenzt an den 
Balkon der Rekurrentin, wobei die Stockwerke der beiden zusammengebauten 
Liegenschaften (und damit auch die Balkone) in ihrer Höhenlage um ungefähr 
ein halbes Stockwerk versetzt situiert sind. Die Balkone sind durch eine 
Flügelmauer seitlich voneinander partiell abgetrennt. 

3. Die Rekurrentin macht zunächst zusammenfassend geltend, die
streitbetroffene Balkonüberdachung rage seitlich derart hervor und liege derart 
gegenüber ihrem Balkon erhöht, dass die Aussicht von ihrem Balkon aus 
massiv eingeschränkt sei und der Schattenwurf sich zu ihren Ungunsten 
verändert habe. (…) 

5. Das Baurecht des Kantons Zürich kennt keine Vorschrift, die es
erlauben würde, ein Bauvorhaben allein deshalb zu verweigern oder in seinem 
Umfang zu reduzieren, weil es Schatten wirft oder einem Dritten Licht oder 
Aussicht entzieht. Richtig ist auch, dass der Schutz vor Licht- und 
Aussichtsentzug sowie vor Schattenwurf indirekt durch die 
Baubeschränkungsnormen gewährleistet wird, d.h. durch die Vorschriften über 
die Abstände, die Geschosszahl, die Gebäudelänge, die Gebäudebreite usw. 
(vgl. VGr, 11 Juli 1990, VB 90/0089 = RB 1990 Nr. 75 = BEZ 1990 Nr. 28). Es 
ist daher zu prüfen, ob die erstellte Überdachung diese Vorschriften, hier 
insbesondere allfällige Abstandsvorschriften, einhält. 

6.1 Gebäude oder Teile von Gebäuden unterstehen grundsätzlich der 
Abstandspflicht, soweit sie nicht wegen ihrer unterirdischen oder das 
gewachsene Terrain nicht mehr als 0,5 m überragenden Lage von den 
Abstandsvorschriften befreit sind (§ 269 PBG). Gemäss Art. 13 BZO gilt in der 

hier massgeblichen Wohnzone W3 ein Grundgrenzabstand von 5 m. Im 
Weiteren liegt insofern eine Besonderheit vor, als dass die beiden gemäss 
Denkmalpflegeinventar im Jahr 1909 erbauten Gebäude zusammengebaut sind 
und mithin die geschlossene Bauweise gegeben ist. Dies gilt es nachfolgend zu 
berücksichtigen.  

6.2 Nach § 260 Abs. 1 PBG bestimmt der Grenzabstand die nötige 
Entfernung zwischen Fassade und massgebender Grenzlinie, der 
Gebäudeabstand diejenige zwischen zwei Gebäuden. Aus dieser Vorschrift 
ergibt sich, dass Abstände ab der Fassade zu messen sind, womit sich die 

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Frage stellt, welche Abstände Vorsprünge (denen nicht Fassadencharakter 
zukommt) einzuhalten haben. Dies ist in § 260 Abs. 3 PBG geregelt. Danach 
dürfen einzelne Vorsprünge höchstens 2 m in den Abstandsbereich 
hineinragen; Erker, Balkone und dergleichen jedoch höchstens auf einem Drittel 
der betreffenden Fassadenlänge. Offensichtlich ist das hier zu beurteilende 
Balkondach als Vorsprung im Sinne von § 260 Abs. 3 PBG zu qualifizieren. 
Solche Vorsprünge sind durch diese Norm insofern abstandsprivilegiert, als sie 
gegenüber der dahinterliegenden Fassade – welche den Grenz- oder 
Gebäudeabstand oder allenfalls auch andere Abstände einzuhalten hat – 2 m in 
den Abstandsbereich hineinragen dürfen.  

In § 260 Abs. 3 PBG nicht geregelt ist der einzuhaltende Abstand des 
Vorsprunges zu den seitlich liegenden Nachbargrundstücken. Dieser Abstand 
kann dann zur Diskussion stehen, wenn eine Grundstücksgrenze schräg zu 
einer seitlichen Fassade verläuft, mit dem Ergebnis, dass zwar nicht die 
Fassade selbst, aber ein in deren Flucht verlaufender Vorsprung in das seitliche 
Abstandsfeld zu liegen kommt; ebenso dann, wenn ein Gebäude seitlich die 
Abstandsvorschriften nicht einhält, indem diesfalls ein nach vorne 
abstandsprivilegierter – und damit in diese Richtung erlaubter – 
Gebäudevorsprung den Abstandsbereich des seitlich liegenden Grundstückes 
tangiert, und zwar ohne dass er über die seitliche Fassadenflucht hinaus 
hervortritt. Abgesehen davon, dass in diesem zweiten Fall jedenfalls dann, 
wenn die seitliche Abstandswidrigkeit der Fassade auf eine Rechtsänderung 
zurückzuführen ist, die Vorschrift von § 357 Abs. 1 PBG zum Zuge käme, 
entsteht in beiden Fällen eine durch § 260 Abs. 3 PBG nicht geregelte 
Konstellation, da gemäss dieser Bestimmung der Vorsprung nur in jener 
Richtung erfasst wird, in welcher er der betreffenden Fassade vorgelagert ist.  

Eine ähnliche Konstellation liegt auch hier vor. Die streitbetroffene 
Balkonüberdachung ragt zwar seitlich nicht über die nordöstliche, zur 
rekurrentischen Liegenschaft hin liegende Fassade hinaus (andernfalls sie in 
den Luftraum über dem rekurrentischen Grundstück zu liegen käme). Hingegen 
tangiert das Vordach den Grenzabstand zum rekurrentischen Grundstück, weil 
geschlossene Bauweise vorliegt und das Vordach somit vollumfänglich im 
seitlichen Abstandsfeld des Nachbargrundstücks situiert ist.  

Die Rechtsprechung hat für solche durch § 260 Abs. 3 PBG nicht erfasste 
Fälle im Sinne einer Lückenfüllung festgehalten, dass zugunsten des seitlich 
anstossenden Grundstücks eine analoge Beschränkung des Abstands-privilegs 
auf 2 m gelten müsse, gemessen ab der Gebäudefassade hinter dem 
Vorsprung. Ein einzelner Vorsprung könne nur bis zu einer Ausladung von 2 m 
grenzbündig oder grenznah erstellt werden; weiter reiche das seitliche 

Abstandsprivileg nicht (BRKE II Nr. 239/1997 = BEZ 2003 Nr. 30, 
www.baurekursgericht-zh.ch).  

6.3 Die Vorinstanz führt aus, dass der Balkon und die strittige 
Balkonüberdachung die nordwestliche Fassadenflucht fortsetzen und das 
Vordach die den Gebäudekörper zum rekurrentischen Grundstück 
abschliessende Brandmauer (Flügelmauer) nur um circa 1,9 m – und damit um 
weniger als 2 m – überrage. Das Vordach unterstehe daher keiner seitlichen 
Abstandspflicht. 

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Die Vorinstanz misst die Ausladung des Vordaches ab dem Ende der die 
beiden Balkone trennenden Brandmauer, da diese nach ihrer Ansicht den 
Gebäudekörper auf dem rekurrentischen Grundstück abschliesst. Nach der in 
Erwägung Ziffer 6.2. genannten Rechtsprechung ist die Tiefe des Vorsprunges 
grundsätzlich ab der Gebäudefassade hinter dem Vorsprung zu messen. Bei 
aneinandergebauten Gebäuden ergibt sich die Besonderheit, dass gemäss Art. 
7 Abs. 2 BZO der Grenzbau zustimmungsfrei möglich ist, soweit an ein 
bestehendes Gebäude angebaut werden kann. Der Bauherr kann demnach 
sein Gebäude über die volle Anstosslänge an das Nachbargebäude anbauen 
(BRKE I Nr. 133/1999 = BEZ 1999 Nr. 38, www.baurekursgericht-zh.ch). Die 
horizontale Ausdehnung auf der Grundstücksgrenze wird mit andern Worten 
durch den Fassadenverlauf des Nachbargebäudes begrenzt (vgl. VGr, 5. 
November 2003, VB.2003.00254, E. 3b). Einem Bauherrn ist es nach den 
Bestimmungen über den Grenzbau somit erlaubt, bis zur Vorder- und 
Rückfassade des Nachbargebäudes anzubauen. In diesem Umfange braucht 

der Bauherr somit auch keine Zustimmung für den seitlichen Anbau von 
Gebäudevorsprüngen und haben solche unabhängig von § 260 Abs. 3 PBG 
bzw. der hierzu entwickelten Rechtsprechung über den seitlichen Abstand von 
Vorsprüngen keinen seitlichen Abstand einzuhalten. Zu messen ist in solchen 
Fällen die Ausladung des Vorsprunges ab der betreffenden Fassadenflucht des 
Nachbargebäudes. Verlaufen demgegenüber die Fassaden der 
zusammengebauten Gebäude auf der gleichen Flucht, ist die Fassade hinter 
dem Gebäudevorsprung für die Messung massgebend. 

Demnach bleibt zu prüfen, wo die Fassaden der beiden Gebäude 
verlaufen. 

6.4 Balkone sind grundsätzlich nicht fassadenbildend. Eine auf die Grenze 
gestellte Mauer, welche zwei aneinandergebaute Gebäude abtrennt, ist 
ebenfalls nicht Bestandteil der Gebäudefassade, wenn sich dieser Mauer kein 
umbauter Raum anschliesst. Ob es sich dabei um eine Brandmauer handelt 
oder nicht, spielt für die Frage, ob die Mauer als Gebäudefassade zu gelten hat, 
keine Rolle (vgl. VGr, 5. November 2003, VB.2003.00254, E. 3b). Weder der 
streitbetroffene Balkon selbst noch die Brandmauer im vorspringenden 
Abschnitt (Flügelmauer), die keinen umbauten Raum umschliesst, sondern 
lediglich die Balkone teilweise abgrenzt, sind folglich fassadenbildend. 

Demnach ist es fehlerhaft, wenn die Vorinstanz die Ausladung des 
Vordaches ab dem Ende der die beiden Balkone trennenden Brandmauer 
misst. Massgeblich ist vielmehr der Verlauf der nordwestlichen Fassade des 
streitbetroffenen Gebäudes, und zwar jenes Fassadenabschnittes, der hinter 
dem Balkon zurückzurückspringt (…). Ab jenem Fassadenabschnitt des 

streitbetroffenen Gebäudes gemessen beträgt die Gesamttiefe der in Rede 
stehenden Überdachung 3,5 m; diese setzt sich zusammen aus der 
ursprünglichen Überdachung des Balkons mit einer Ausladung von 1,6 m (die 
zugleich den Boden des oberen Balkons bildet) und dem neu erstellten 
Vordach. Die keiner seitlichen Abstandspflicht unterstehende Ausladung von 2 
m im Sinne von § 260 Abs. 3 PBG wird folglich um 1,5 m überschritten. Das 
neu erstellte Vordach ist demnach nicht bewilligungsfähig.