# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** c3fb1ba3-6ce4-567a-92a3-6b94b358900a
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2019-11-20
**Language:** de
**Title:** Neuanmeldung. Auf das urologische Gutachten kann nicht abgestellt werden, da sich die Experten nur in provisorischer Weise über den Zustand nach Heilungsverlauf nach Operation äusserten. Rückweisung.
**Docket/Reference:** IV.2018.00916
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2018.00916.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2018.00916
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Ersatzrichterin Tanner Imfeld
Gerichtsschreiberin Schleiffer Marais
Urteil
vom
2
0.
November 2019
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
Der 1968 geborene
X.___
, ohne Ausbildung und
zuletzt
als
Reini
gungsmitarbeiter von
Flugzeu
gen
bei der
Y.___
AG
tätig
, meldete sich am 30. Dezember 2014 unter Hinweis auf ein Prostataobstruktionssyndrom
bei Sta
tus nach Blasenhalsinzision sowie Inkontinenz
bei der Invalidenversicherung zum Leist
ungsbezug an (Urk. 7/1, Urk. 7/7 S. 1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
nahm
erwerbliche und medizinische Abklärungen
vor
und veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung (Allgemeine Innere Me
dizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Urologie) durch die MEDAS
Z.___
(MEDAS; Expertise
vom 8. Juli 2016, Urk. 7/39/1-1
9). Mit Vorbescheid vom 7. Oktober 2016 (Urk.
7/52,
Urk. 7/43) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen der Beschwerdeführer am 4. No
vember 2018 (Urk. 7/54, Urk. 7/57)
Einwand erhob. In der Folge tätigte
die IV-Stelle weit
ere medizinische Abklärungen
. Am 10. April 2017
nahm
der psychiat
rische MEDAS-Gutachter Stellung
(Urk. 7/65/2-3)
zu der von der IV-Stelle am 28. März 2017 gestellten Rückfrage (Urk. 7/64). In der Folge holte die IV-Stelle bei
Dr.
A.___
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein wei
teres psychiatrisches Gutachten (Expertise vom 17. Oktober 2017, Urk. 7/77/1-51) ein. Am 21. August 2018 verneinte die IV-Stelle einen Leistungsanspruch des Versicherten (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 19. September
2018 Beschwerde
(Urk. 1,
Urk. 3) und beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 21. August 2018 (Urk. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 22. November 2018 (Urk. 6) schloss die Be
schwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 26. November 2018 zur Kenntnis gebracht
wurde (Urk. 8).
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1
.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Inval
idenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (Urk. 2) damit, dass gemäss dem MEDAS-Gutachten lediglich eine kurzfristige 100%ige Arbeits
unfähigkeit, jeweils nach den urologischen Eingriffen, bestanden habe
(S. 1
)
. Die in
der Expertise
von Dr.
A.___
gestellt
en psychischen Diagnosen hätten sodann
keine erhebliche Auswirkung auf die Erwe
rbsfähigkeit
. Nach der Operation im August 2016 sei es zu einer psychischen Zustandsverschlechterung gekommen, welche jedoch nur von kurzer Dauer gewesen sei und deshalb nicht berücksichtigt werden kö
nne. Dem Beschwerdeführer seien
sämtliche körperlich leichten, wech
selbelastenden Hilfsarbeitertätigkeiten in der Nähe einer Toilette möglich, wes
halb er nach wie vor die gleichen Verdienstmöglichkeiten habe wie vor seiner Erkrankung (S. 2).
3.
3.1
Im MEDAS-Gutachten vom 8. Juli 2016 (Urk. 7/39/1-19) wurden in urologischer Hinsicht folgende Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt (S. 1
7
):
-
Pollakisurie
und
Urge
-Inkontinenz
(anamnestisch)
mit
-
urodynamisch
objektiviertem adäquatem Harnstrahl
,
bei
-
hypokapazitiver, hypersensitiver, terminal überaktiver Harnblase
-
Absenz von obstruktivem Miktionsprofil
-
Absenz von
Resturin
in der Blase
-
Status nach
-
2014 Blasenkatheter-Einlage x
3 bei Harnverhalt im Rahmen der dritten
Inguinalhernienoperation
-
2014
transurethrale
Blasenhalsinzision und Prostatamittellappen-Resek
tion
-
2015
tr
ansurethrale
Blasenhalsinzision
bei Blasenhals-
Rezidivsklerose
-
20
16
transurethrale
Resektion von Blasenhals und Prostata
Vom Teilgutachter wird ausgeführt
,
dass die vom Beschwerdeführer geklagte
Urge
-Symptomatik im Rahmen der
urodynamischen
Untersuchung habe objekti
viert werden können.
Der Beschwerdeführe
r sei
erst vor 13 Tagen einer erneuten
TUR-Prostata unterzogen worden, wobe
i der Heilungsverlauf nach einem
solchen
Eingriff
zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen könne und sich die
Urge
-Symptomatik postoperativ während dieser Zeit noch deutlich verbessern könne
(S. 16, Urk. 7/39/31-34 S. 3).
Sofern sich die Symptomatik trotz der Operation und dem Einsatz pharmakolo
gischer Massnahmen nicht besser
e
, so
erscheine die Arbeit als Reinigungsange
stellter
eher nicht ideal. Für körperlich wenig belastende Verweistä
tigkeiten in unmittelbarer Nähe einer stets benutzbaren Toilette gelte die Vermu
tung, dass solche voll zumutbar
seien. Eine permanente irreversible völlige Ar
beitsunfähigkeit ab 27. Mai 2014 sei nicht zu begründen
, wohl aber eine transi
torische jeweils postoperativ
(Urk. 7/39/1-19 S. 18)
.
3.2
Im (weiteren)
psychiatrischen Gutachten
stellte
Dr.
A.___
am
17. Oktober 2017 (Urk. 7/77/1-51) folgende Diagnosen
mit Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit (S. 45):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), reaktiv bei Perspektivverlust
-
Beginn 09/2016, mittelgradig 01-07/2017, seit 08/2017 leichtgradig im Sinne einer Teilremission
-
bei chronischen Unterleibsschmerzen (ICD-10 R52.1), gestörter Miktion und gestörter sexueller Funktion
Der Gutachter
führte aus, der Beschwerdeführer sei bis zur Leistenoperation im Juni 2014 körperlich belastbar und psychisch gesund gewesen. Nach der Opera
tion hätten sich chronische Unterleibsschmerzen sowie Störungen der Miktion und sexuellen Funktion entwickelt. Bei eingeschränkten psychischen und sozia
len Kompensations- und Bewältigungsmöglichkeiten habe sich in Verbindung mit starker Scham, konsekutivem Rückzug und Beziehungskonf
likten
nach dem Verlust einer Heilungsperspektive im August 2016
ein depressives
Syndrom ent
wickelt, wobei sich der Beschwerdeführer nicht vorstellen könne, lebenslang mit den aktuellen Einschränkungen unter Verzicht
auf Sexualität und
Paarbeziehung weiterzuleben
. Aufgrund der aktuellen Exploration liege noch knapp eine Depres
sion nach ICD-10 F32 vor, mit leichtgradiger Ausprägung. Gemäss
Aktenlage sei anzunehmen, dass diese reaktive depressive Episode im September 2016 begon
nen habe und im November 2016 leichtgradig, im Januar 2017 mittelgradig und ab August 2017 wieder leichtgradig ausgeprägt gewesen sei. Insgesamt liege eine teilremittierte mittelgradige reaktive Depression nach ICD-10 F32.1 vor, mit ak
tuell noch leichtgradigem Schweregrad
(S. 41
ff.
).
Dr.
A.___
hielt weiter fest, für
die
psychiatrische
n
Schmerzdiagnose
n
nach ICD-10 F54.40 und F
45.41
werde
ein chronischer, belastender
Schmerz
ge
forder
t
, der entweder psychogen (F45.40) oder somatisch (F45.4
1) verursacht sei, wobei bei
F45.41
psychische Faktoren für Schweregrad, Exazerbation oder Aufrechterhal
tung der Schmerzen eine wichtige Rolle spielten.
Letzteres
sei beim Beschwerde
führer nicht erkennbar, weshalb
ein einfacher chronischer unbeeinflussbarer Schmerz nach ICD-10 R52.1 vor
liege
, in Folge der zahlreichen operativen Ein
griffe.
Betreffend das Vorliegen einer
PTBS bemerkte Dr.
A.___
, dass sich eine eigentliche posttraumatische Symptomatik nicht erfassen lasse.
D
er
Beschwerde
führer
könne
über die von ihm angegebenen sexuellen Übergriffe und ungerecht
fertigten Schläge des älteren Bruders sowie seine Schamgefühle adäquat spre
chen, ohne auffällig emotional distanziert und
auch ohne
zu stark von den zuge
hörigen Emotionen vereinnahmt zu sein. Die geklagten Albträume seien nicht
traumaspezifisch
, sondern bezögen sich mehr allgemein auf die ganze verfahrene Lebenssituation. Insgesamt liege wahrscheinlich ein Trauma vor, aber keine post
traumatische Störung im Sinne einer PTBS. Ebenso wenig
bestehe eine Panikstö
rung
, da der Beschwerdeführer die v
on ihm geklagten Beschwerden (aufsteigende Wärme im Oberkörper, beschleunigter Puls, eingeschränkte Atmung mit angstty
pischen Verhaltensweisen [Fenster öffnen, Wasser trinken] mit Ängsten um sein Herz und Leben) sehr gelassen umschreibe. Es liege hier offenbar wenig Leidens
druck vor, weshalb lediglich von einer
sub
syndromalen
Panikstörung auszugehen sei
. Betreffend die im MEDAS-Gutachten festgestellte
Dysthymie
(ICD-10
F
43.1) und Zwangsstörung hielt Dr.
A.___
fest, dass aktuell keine Zwänge hätten er
fragt werden können, weshalb die Diagnose einer Zwangsstöru
ng nicht nachvoll
ziehbar sei
. Bezüglich der
Dysthymie
sei retrospektiv davon auszugehen, dass die im MEDAS-Gutachten mit der
Dysthymie
-Diagnose erfassten negativen Emotio
nen reaktiv gewesen seien und sich erst ab September 2016 in einem krankheits
wertigen Schweregrad manifestierten
(S. 43 f.),
Im Weiteren
führte
Dr.
A.___
aus
, dass zwecks Vermeidung eines Rückfalls und einer
Chronifizierung
eine konsequente Weiterbehandlung der depressiven Symptomatik im ambulanten Setting wichtig sei. Dabei sei die
Citalopramdosis
zu erhöhen und der Blutspiegel zu
bestimmen, wobei je nach Blutspiegel die Do
sierung angepasst respektive mit einem zweiten Antidepressivum ergänzt werden könne. Da
Duloxetin
auch bei Blasenschwäche eingesetzt werde, sei eine Umstel
lung auf dieses Antidepressivum zu erwägen. Gegen das vom Beschwerdeführer angegebene Grübeln und zur Verkürzung der Einschlafzeit sei ein Versuch mit niedrig dosiertem
Quetiapin
angezeigt. Schmerztherapeutisch sei zudem ein er
neuter Versuch mit
Lyrica
zu überlegen. Mit den vorgeschlagenen medikamentö
sen Anpassungen könne eine vollständige Remission erreicht werden (S. 46).
Betreffend die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit hielt Dr.
A.___
fest, dass
der Beschwerdeführer
aufgrund der Blasenschwäche (der Beschwerde
führer
könne
nicht
für
fünf bis zehn Minuten auf die Toilette
,
wenn das Flugzeug
innerhalb von 30 Minuten geputzt sei
n
müsse),
der Unterleibsschmerzen (Ver
stärkung durch rasches Treppensteigen)
und de
s Umstands, dass er aufgrund
der
Beschwerden seine Vorbild- und Führungsfunktion sowie die arbeitgeberseitigen Leis
tungsanforderungen nicht erfüllen
könne,
als Teamleiter Flugzeugreinigung
seit Mai 2014 nicht mehr arbeitsfähig sei. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit seien die Schmerzen, Depressivität und Blasenschwäche ebenfalls einschränkend. Der Beschwerdeführer sei aber in der Lage, körperlich leichte Tätigkeiten, welche einen Haltungswechsel und be
i Bedarf kurze Toiletten-Pausen erlaubten, auszuüben. Aktuell
sei eine vollschichtige Tätigkeit möglich, bei leicht vermehrtem Pausenbedarf (fünf bis zehn Minuten Pause pro Stunde). Diese Arbeitsfähigkeit sei temporär durch eine mittelschwere Depression einge
schränkt gewesen,
da es nach der Operation im August 2016 aufgrund von Per
spektivverlust zu einer Verschlechterung mit Entwicklung einer mittelgradigen reaktiven Depression gekommen
sei
, welche zwischenzeitlich teilremittiert sei. Retrospektiv zeige sich d
ie Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit wie folgt: bis Dezember 2016: 100%ige Ar
beitsfähigkeit; von Januar
bis Juli 2017: 50%ige Ar
beitsfähigkeit; seit August 2017: 100%ige Arbeitsfähigkeit (S. 49
, S. 51
).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Beurteilung, wonach im Zusammenhang mit den urologischen Beschwerden eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit in einer angepass
ten Tätigkeit
zumutbar sei
,
auf das MEDAS-Gutachten
vom 8. Juli 2016 (Urk. 7/39/1-19) ab
(Urk. 2 S. 1)
.
Der urologische Teilgutachter
wies indessen auf den lediglich provisorischen Charakter seiner Einschätzung betre
ffend Arbeitsfä
higkeit
(wenig belastende Verweistätigkeiten in unmittelbarer Nähe e
iner stets benutzbaren Toilette)
hin, da sich der Beschwerdeführer erst vor zehn Tagen einer Prostataoperation unterzogen habe und aktuell nicht vorausgesagt werden könne, wie der natürliche Heilungsverlauf in den nächsten Monaten aussehen könne
. Im Weiteren
hielt er fest
, dass
allenfalls
eine mehrwöchige antibiotische Therapie (beispielsweise mit einem
Chinolon
) zu einer Besserung
der
Symptomatik
bezüg
lich
Urge
und
Urge
-Inkontinenz
führen könne
(Urk. 7/39/1-19 S. 15, Urk. 7/39/31-34 S. 3)
.
Das Ausschöpfen einer
anticholinergischen
Therapie wurde auch vom
Arzt des Ärztlichen Regionalen Dienstes der Beschwerdegegnerin,
Dr.
B.___
, Facharzt für Innere Medizin,
empfohlen
(Urk. 7/41/6).
Ob sich der Beschwerdeführer
nach seiner Operation im März 2016
einer
solchen
Behandlung
unterzogen hat, ist aus den Akten
indessen
nicht er
sichtlich.
Nach dem Gesagte
n
hätte sich v
or dem Hintergrund der lediglich pro
visorischen Einschätzung der
MEDAS-
Gutachter das Einholen eines urologischen Verlaufsgutachtens
aufgedrängt. Ein solches hat die Beschwerdegegnerin indes
sen nicht veranlasst
.
In den medizinischen
Unterlagen
finden sich sodann Hinweise darauf, dass sich de
r
urologische
Zustand des Beschwerdeführers in der Zeit nach der MEDAS-Begutachtung nicht im Rahmen des von den Experten
prospektiv eingeschätzten V
erlaufs entwickelt, sondern
eher verschlechtert hat. So berichtete der behan
delnde Psychiater des Beschwerdeführers, Dr.
C.___
, Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie, am 4. März 2017 davon, dass er es in Sitzungen immer wieder erlebt habe, dass der Raum von einem Moment auf den anderen nach Urin gestunken habe (Urk. 7/61/1-6 S. 4 Ziff.
1.7). In den Gutachten finden sich dem
gegenüber keine Hinweise auf ungewollte
n
Urinabg
ang
während der Dauer der Exploratio
nen.
Es
bestehen
insoweit
Unklarheiten
betreffend die
diagnostizierte
Detrusoüberak
tivität
mit
Urge
-Inkontinenz
(
Urk. 7/39/31-34 S. 4)
und die Angaben des Be
schwerdeführers
gegenüber
Dr.
A.___
,
wonach er einer nicht körperlich anstren
genden Arbeit mit der Möglichkeit zu vermehrten Toilettenpausen (4-5 Pausen während 8 Stunden Arbeit) nachgehen könne (Urk. 7/77/1-55
S. 31; vgl. auch S. 28 und
S. 47)
. Diesbezüglich stellt sich die Frage,
ob eine
angepasste
Tätigkeit in der Nähe einer stets benutzbaren Toilette und mit der Möglichkeit zum ver
mehrten Toilettenbesuch der
Urge
- und Inkontinenzsymptomatik
des Beschwer
deführers
genügend
Rechnung tragen
kann.
Denn wie die frühere Rechtsver
t
re
t
e
rin des Beschwerdefüh
r
ers (Urk.
7/78) in der Stellungnahme vom 2
6.
Oktober 2017 ausführte, darf angenommen werden, dass dieser beim behandelnden Psy
chiater
ebenfalls die Gelegenheit hat, jederzeit eine WC-Pause
einzulegen
. Den
noch kämen die erwähnten «Malheurs» vor (
Urk.
7/79
S. 3
).
4.2
Im Lichte der obigen
Erwägungen
erweist sich der medizinische Sachverhalt
na
mentlich
in
urologischer
Hinsicht als unklar
. Die Sache ist deshalb an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie
zusätzliche
Abklärungen
dazu ver
anlasse.
Da die urologische Situation zweifelsohne auch Auswirkungen auf den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers hat, empfiehlt sich – wie es d
ie Beschwerdegegnerin zu Beginn
ihrer medizinischen Abklärung machte – die (erneute) Durchführung eines
polydisziplinäre
n
Gutachten
s
(Innere Med
izin, Urologie und Psychiatrie)
.
Die Beschwerde ist entsprechend gutzuheissen.
5
.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
bis IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rah
men
s
(Fr.
200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 6
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die Beschwerde wird in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung vom 21. August 2018 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen wird, damit diese, nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Leistungsanspruch de
s
Beschwerdeführers
neu ver
füge.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X.___
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundesge
setzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismit
tel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizu
legen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubSchleiffer Marais