# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a039d7a8-1639-5d80-a7ad-bf620984dce3
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2022-11-28
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 28.11.2022 D-5356/2020
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_D-5356-2020_2022-11-28.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
    
 

 

 

  

 

 Abteilung IV 

D-5356/2020 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  2 8 .  N o v e m b e r  2 0 2 2  

Besetzung 
 Richterin Susanne Bolz-Reimann (Vorsitz), 

Richterin Daniela Brüschweiler, Richter Yanick Felley,  

Gerichtsschreiber Jonas Perrin. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

und ihr Sohn 

B._______, geboren am (…), 

beide Iran,   

beide vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt, 

(…),  

  

Beschwerdeführende,  

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Asyl und Wegweisung;  

Verfügung des SEM vom 29. September 2020 / N (…) 

 

 

 

D-5356/2020 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Die Beschwerdeführerin – eine iranische Staatsangehörige mit letztem 

Wohnsitz in C._______ – verliess gemäss eigenen Angaben ihren Heimat-

staat am 29. Juni 2017 gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann 

D._______ (D-5354/2020) und den gemeinsamen Kindern B._______ (Be-

schwerdeführer) und E._______ (D-5358/2020) auf dem Luftweg in die 

Türkei, von wo aus sie nach Griechenland gelangten. Anschliessend sei 

sie ohne ihre Familienmitglieder über Belgien in die Schweiz eingereist, wo 

sie am 15. August 2018 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) 

F._______ um Asyl nachsuchte. 

B.  

Nach der Befragung zur Person (BzP) vom 22. August 2018 beendete das 

SEM mit Verfügung vom 2. November 2018 das eingeleitete Dublin-Ver-

fahren und entschied, ihr Asylgesuch in der Schweiz zu prüfen. Am 1. Juli 

2020 entsprach das SEM dem Übernahmeersuchen Griechenlands betref-

fend den damaligen Ehemann sowie die gemeinsamen Kinder und stimmte 

deren Überstellung in die Schweiz zwecks Durchführung eines Asylverfah-

rens zu. 

C.  

Anlässlich der Anhörung vom 20. August 2020 erklärte die Beschwerde-

führerin, sie sei in C._______ geboren und in einer streng religiösen Fami-

lie mit drei Schwestern und vier Brüdern aufgewachsen, wo sie auch die 

Schule besucht habe. Einer ihrer Brüder sei inzwischen eines natürlichen 

Todes verstorben, ein anderer sei als Märtyrer gefallen. Sie habe mit ihrem 

damaligen Ehemann und ihren Kindern in den Provinzen G._______ und 

H._______ gewohnt, bevor sie wiederum nach C._______ gezogen seien, 

wo sie zuletzt gelebt hätten. Ihr damaliger Ehemann sei Lastwagenfahrer 

gewesen, sie habe als Hausfrau gearbeitet. Zur Begründung ihres Asylge-

suchs machte sie geltend, sie sei aufgrund ihrer wenig religionsbezogenen 

Lebensweise immer wieder – insbesondere von ihrer Familie – kritisiert 

worden. Vor allem ihr Bruder I._______ habe starken Druck auf sie und 

ihre Tochter ausgeübt und sie ständig kontrolliert. Dabei seien sie von ihm 

einige Male geschlagen und bedroht worden. Ihr damaliger Ehemann habe 

ihr aufgrund seiner arbeitsbedingten Abwesenheit nicht helfen können. 

Auch habe sie sich diesbezüglich nicht an die Behörden wenden können, 

da ihr Bruder Beziehungen zur Basij habe und ihr nicht geholfen worden 

wäre. Im (…)  2017 sei sie vom (…)  vergewaltigt worden. Dieser habe sie 

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Seite 3 

im Anschluss für den Fall, dass sie jemanden davon erzähle, mit dem Tod 

bedroht. Er habe ihr in der Folge telefonisch mitgeteilt, dass er über ein 

Foto von ihr unmittelbar nach der Vergewaltigung verfüge. Dieses Foto 

habe er ihr geschickt. Danach habe sie stets in Angst gelebt, dass er sie 

erneut aufsuchen oder ihre Familie davon erfahren könnte. Er habe sie 

mehrmals versucht anzurufen und sie habe ihn auch auf der Strasse gese-

hen. Direkten Kontakt hätten sie aber keinen mehr gehabt. Aus Angst vor 

der Reaktion ihres Ehemannes und ihrer Familie habe sie niemandem da-

von erzählt. Von den Behörden hätte sie sowieso keine Hilfe erhalten, 

selbst wenn sie darum gebeten hätte. Aufgrund des Vorgefallenen habe sie 

bereits in Iran eine gewisse Neigung zum Christentum entwickelt. Wegen 

des Drucks seitens ihrer Familie und der Angst aufgrund der Vergewalti-

gung sei es ihr nicht gut gegangen, weshalb sie sich letztlich dafür ent-

schieden habe, das Land zu verlassen. 

In Griechenland habe sie sich gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann 

taufen lassen. Das Taufvideo beziehungsweise den Taufschein habe sie 

ihrem Bruder I._______ per WhatsApp geschickt. Daraufhin habe dieser 

sie per WhatsApp-Nachrichten mit dem Tod bedroht. Anschliessend habe 

sie seinen Kontakt auf ihrem Mobiltelefon blockiert. 

D.  

Mit Verfügung vom 29. September 2020 – eröffnet am 30. September 2020 

– lehnte das SEM ihr Asylgesuch ab, ordnete die Wegweisung aus der 

Schweiz an und verfügte den Vollzug. 

E.  

Am 30. Oktober 2020 liess die Beschwerdeführerin gegen jene Verfügung 

beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben. In ihrer Eingabe 

beantragte sie zur Hauptsache die Aufhebung der angefochtenen Verfü-

gung und Rückweisung der Sache ans SEM; eventualiter sei ihre Flücht-

lingseigenschaft festzustellen und es sei ihr Asyl zu gewähren; subeventu-

aliter sei sie als Flüchtling vorläufig aufzunehmen; sub-subeventualiter sei 

die Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-

stellen und sie sei vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht er-

suchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Be-

freiung von der Kostenvorschusspflicht sowie um Einsicht in die Akten A3, 

A18, A28 und A31, inklusive Gehörsgewährung und Ansetzung einer Frist 

zur Beschwerdeergänzung. 

D-5356/2020 

Seite 4 

F.  

Mit Zwischenverfügung vom 3. November 2020 stellte die damalige In-

struktionsrichterin fest, die Beschwerdeführerin könne den Ausgang des 

Verfahrens in der Schweiz abwarten.  

G.  

Mit Zwischenverfügung vom 17. November 2020 hiess die damals zustän-

dige Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvor-

schusses. Zudem wurde das SEM aufgefordert, das Gesuch um Einsicht 

in die Akten A18, A28 und A31 zu behandeln, woraufhin es am 27. Novem-

ber 2020 der Beschwerdeführerin anonymisierte Kopien dieser Akten zur 

Einsicht zustellte. 

H.  

Mit Zwischenverfügung vom 8. Dezember 2020 wurde der Beschwerdefüh-

rerin Gelegenheit eingeräumt, allfällige ergänzende Ausführungen einzu-

reichen. 

I.  

Am 6. Januar 2020 ergänzte die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde und 

hielt erstmals fest, dass sie sich in der Schweiz stark politisch engagiere 

und exponiere. 

J.  

Mit Instruktionsverfügung vom 19. Januar 2021 lud die damalige Instrukti-

onsrichterin das SEM zur Vernehmlassung ein. 

K.  

In ihrer Vernehmlassung vom 4. Februar 2021 hielt die Vorinstanz an ihrer 

Verfügung und deren Begründung fest. Ergänzend nahm sie Stellung zur 

Beschwerde. 

L.  

Mit Instruktionsverfügung vom 10. Februar 2021 räumte die damalige In-

struktionsrichterin der Beschwerdeführerin Gelegenheit ein, eine Replik 

und entsprechende Beweismittel einzureichen. 

M.  

In ihrer Replik vom 25. Februar 2021 hielt die Beschwerdeführerin an den 

Begehren der Beschwerde fest. Gleichzeitig nahm sie zur Vernehmlassung 

des SEM Stellung. 

D-5356/2020 

Seite 5 

N.  

Mit Eingaben vom 14. Juni 2021, 7. Juli 2021 und 6. August 2021 reichte 

die Beschwerdeführerin verschiedene Fotografien betreffend ihre exilpoli-

tischen Tätigkeiten zu den Akten. 

O.  

Am 8. November 2021 teilte die Beschwerdeführerin dem Gericht mit, dass 

sie sich mit Scheidungsurteil des Richteramts J._______ vom (…) 2021 

von ihrem Ehemann D._______ habe scheiden lassen. 

P.  

Der Vorsitz des vorliegenden Verfahrens wurde aus organisatorischen 

Gründen am 11. Januar 2022 auf Richterin Susanne Bolz-Reimann über-

tragen. 

Q.  

Am 23. Februar 2022 reichte die Beschwerdeführerin weitere Beweismittel 

zu ihren exilpolitischen Tätigkeiten ins Recht. 

R.  

Mit Schreiben vom 14. April 2022 beantragte die Beschwerdeführerin, das 

Verfahren ihres Sohns, der unter ihrer Obhut stehe, sei mit ihrem Verfahren 

zu vereinigen. Aufgrund der Scheidung und der daraus resultierenden 

Probleme sei die Fragestellung der asylrelevanten Verfolgung beziehungs-

weise der Zulässigkeit und Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs neu zu 

prüfen und zu würdigen, weshalb die Sache an die Vorinstanz zurückzu-

weisen sei.  

S.  

Am 17. Juni 2022 reichte die Beschwerdeführerin erneut weitere Beweis-

mittel zu ihren exilpolitischen Tätigkeiten zu den Akten. 

T.  

Mit Instruktionsverfügung vom 17. August 2022 stellte die Instruktionsrich-

terin fest, das Beschwerdeverfahren betreffend den Sohn B._______ 

werde neu unter dem Beschwerdeverfahren D-5356/2020 geführt. Gleich-

zeitig wurde die Vorinstanz eingeladen, sich zu den neuen Beweismitteln 

und zur geänderten familiären Situation zu äussern.  

U.  

Am 19. August 2022 reichten die Beschwerdeführenden weitere Beweis-

mittel ein. 

D-5356/2020 

Seite 6 

V.  

Nach einmaliger Fristerstreckung zog das SEM am 29. September 2022 

seine Verfügung vom 29. September 2020 teilweise in Wiedererwägung 

und hob die Dispositivziffern 1, 3, 4 und 5 der angefochtenen Verfügung 

auf. Es stellte fest, die Beschwerdeführerin erfülle aufgrund ihres exilpoliti-

schen Engagements und den veränderten familiären Verhältnissen die 

Flüchtlingseigenschaft. Ihr Sohn werde gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG 

(SR 142.31) als Flüchtling anerkannt. Da der Vollzug ihrer Wegweisung 

zurzeit nicht zulässig sei, seien sie vorläufig aufzunehmen. 

W.  

Am 30. September 2022 wurden weitere Unterlagen zu den exilpolitischen 

Tätigkeiten der Beschwerdeführerin eingereicht.  

X.  

Am 4. Oktober 2022 ersuchte die Instruktionsrichterin die Beschwerdefüh-

renden um Stellungnahme zu einem allfälligen Beschwerderückzug.  

Y.  

Mittels Eingabe vom 13. Oktober 2022 erklärten die Beschwerdeführen-

den, sie würden an der Beschwerde festhalten.  

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig 

(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). 

1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das 

AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

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Seite 7 

1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten 

(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bis zu diesem Zeit-

punkt gültige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Ände-

rung des AsylG vom 25. September 2015). 

1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die 

Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-

men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben 

ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-

rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 

und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf 

die Beschwerde ist einzutreten. 

2.  

2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-

gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG. 

2.2 Die Verfahrensakten von D._______ (D-5354/2020) und E._______ 

(D-5358/2020) werden von Amtes wegen berücksichtigt. 

3.  

Zum Verfahrensgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist 

Folgendes festzustellen: Die Beschwerde ist betreffend die Dispositivzif-

fern 1, 3, 4 und 5 der angefochtenen Verfügung infolge Gegenstandslosig-

keit abzuschreiben, nachdem die Vorinstanz diese in Wiedererwägung ge-

zogen hat. Da die Beschwerdeführenden im Asylpunkt an ihrer Be-

schwerde festhalten, beschränkt sich der Gegenstand des vorliegenden 

Verfahrens auf die Frage, ob das SEM zu Recht – aufgrund der Verneinung 

von Vorfluchtgründen – das Asylgesuch abgewiesen und den Wegwei-

sungsvollzug angeordnet hat. Demnach sind im Folgenden einzig Vorbrin-

gen, welche die Situation vor ihrer Ausreise aus dem Iran betreffen, zu wür-

digen. Weitere Ausführungen zu ihrer Konversion zum Christentum in Grie-

chenland, der Veränderung ihrer familiären Verhältnisse und dem exilpoli-

tischen Engagement der Beschwerdeführerin erübrigen sich somit.  

4.  

4.1 Zunächst machte die Beschwerdeführerin verschiedene formelle Rü-

gen geltend. Diese sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet sein 

könnten, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. 

  

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Seite 8 

4.2  

4.2.1 Die Beschwerdeführerin rügte, die Vorinstanz habe ihren Anspruch 

auf rechtliches Gehör verletzt, da sich aus der Bezeichnung der Doku-

mente der Akten A3, A18, A28 nicht ergebe, worum es darin gehe, und sie 

ihr keine Einsicht in diese und in das Aktenstück A31 gewährt habe. 

4.2.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches 

Gehör. Dieses umfasst insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor 

Erlass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Be-

weise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Be-

weisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Be-

weise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu 

äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der An-

spruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Be-

fugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren 

ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 

E. 5.1 und 144 I 11 E. 5.3; BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.H.). 

Aus dem Akteneinsichtsrecht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs folgt, 

dass den Beteiligten grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten of-

fenzulegen sind, sofern in der sie unmittelbar betreffenden Verfügung da-

rauf abgestellt wird (BGE 132 V 387 E. 3.1 f.). Der Verwaltung obliegt zu-

dem die Einhaltung der Aktenführungspflicht; das heisst, sie hat alles in 

den Akten festzuhalten, was zur Sache gehört und für den Entscheid we-

sentlich sein kann (BGE 130 II 473 E. 4.1 m.w.H.). Der Anspruch auf Ak-

teneinsicht setzt sodann eine geordnete, übersichtliche und vollständige 

Aktenführung (Ablage, Paginierung und Registrierung der vollständigen 

Akten im Aktenverzeichnis) voraus (vgl. BVGE 2012/24 E. 3.2 und 2011/37 

E. 5.4.1, je m.H.). 

4.2.3 Was die verweigerte Offenlegung der vorinstanzlichen Akten betrifft, 

hat das Bundesverwaltungsgericht der Beschwerdeführerin mit Verfügung 

vom 17. November 2020 die Einsicht in die Aktenstücke A18, A28 und A31 

gewährt und das Einsichtsgesuch bezüglich Aktenstück A3 abgewiesen. 

Gleichzeitig erhielt sie Gelegenheit Stellung zu nehmen, wovon sie in ihrer 

Eingabe vom 6. Januar 2021 Gebrauch gemacht hat. Es handelt sich bei 

der unterlassenen Offenlegung der Akten A18, A28 und A31 um eine ge-

ringfügige Verletzung des Akteneinsichtsrechts, welche mit der Edition auf 

Beschwerdestufe und der Möglichkeit zur Stellungnahme durch die Be-

schwerdeführerin als geheilt betrachtet werden kann. Eine Aufhebung der 

Verfügung und Rückweisung der Sache rechtfertigt sich nicht, zumal in den 

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Beschwerdeergänzungen nichts geltend gemacht wird, was eine Rückwei-

sung rechtfertigen könnte. Inwiefern die erfolgte Heilung auf Beschwerde-

ebene vorliegend relevant für den Kostenentscheid ist, ist im Kostenpunkt 

zu beurteilen. 

Die Bezeichnung der Aktenstücke A3, A18 und A28 ist zwar im Aktenver-

zeichnis ungenau, rechtfertigt aber keine Rückweisung der Sache an die 

Vorinstanz, zumal der Inhalt dieser Dokumente im Rahmen der Aktenein-

sicht der Beschwerdeführerin zur Kenntnis gebracht wurde und ihr aus der 

ungenauen Bezeichnung im Aktenverzeichnis keine Nachteile entstanden 

sind. 

4.3 In der Beschwerde wurde des Weiteren gerügt, das SEM habe mit der 

angefochtenen Verfügung die Begründungspflicht verletzt. 

4.3.1 Die Begründungspflicht, als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs, gebie-

tet, dass die betroffene Person den Entscheid gestützt auf die Begründung 

sachgerecht anfechten kann und sich sowohl die betroffene Person als 

auch die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild 

machen können (vgl. BVGE 2007/30 E. 5.6; KNEUBÜHLER/PEDRETTI, in: 

Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das 

VwVG, 2. Aufl., 2019, Rz. 5 ff. zu Art. 35 VwVG). 

4.3.2 Nach Durchsicht der Verfahrensakten ist keine Verletzung der Be-

gründungspflicht durch das SEM zu erkennen. Es hat in der angefochtenen 

Verfügung nachvollziehbar und im Einzelnen hinreichend differenziert auf-

gezeigt, von welchen Überlegungen es sich leiten liess, und hat sich mit 

sämtlichen wesentlichen Vorbringen der Beschwerdeführerin auseinander-

gesetzt. Sowohl die Beschwerdeführerin als auch das Bundesverwaltungs-

gericht konnten sich von der Tragweite des Entscheides und den wesentli-

chen Überlegungen des SEM ein Bild machen; der Beschwerdeführerin 

war es angesichts der umfangreichen Beschwerdeschrift offensichtlich 

möglich, den Entscheid sachgerecht anzufechten. Ob der Begründung der 

Verfügung in allen Punkten gefolgt werden kann oder nicht, ist indes eine 

Frage der materiellen Beurteilung des Sachverhalts. 

4.4  

4.4.1 Ferner wurde gerügt, das SEM habe seine Pflicht zur vollständigen 

und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts verletzt. 

D-5356/2020 

Seite 10 

4.4.2 Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung 

ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zu-

grunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn die Behörde trotz Unter-

suchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt oder 

nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sachumstände berücksichtigt 

hat (vgl. AUER/BINDER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 16 zu 

Art. 12 VwVG). 

4.4.3 Eine unrichtige oder unvollständige Sachverhaltsfeststellung liegt 

nicht vor, da das SEM die individuellen Asylgründe der Beschwerdeführerin 

genügend abgeklärt, der Aktenlage entsprechend festgestellt und auch 

sämtliche entscheidwesentlichen Umstände berücksichtigt hat. Dass das 

SEM die eingereichten Beweismittel in pauschaler Weise in einem Satz 

ignoriert haben soll, ist nicht ersichtlich, da es in der angefochtenen Verfü-

gung alle eingereichten Beweismittel aufgelistet und darauf Bezug genom-

men hat. Hinsichtlich der gesundheitlichen Probleme der Beschwerdefüh-

rerin stellt das Gericht fest, dass im Entscheidzeitpunkt der Arztbericht vom 

2. September 2020 und verschiedene griechische Medizinalakten vorla-

gen, die das SEM in seinem Entscheid berücksichtigte. Folglich ist mit Blick 

auf die ihr obliegende Mitwirkungspflicht auch diesbezüglich keine Verlet-

zung der Untersuchungspflicht ersichtlich. Zudem wies das SEM auf die 

Behandlungsmöglichkeit ihrer psychischen Probleme hin, weshalb die 

Rüge diesbezüglich ebenfalls fehlgeht. Der Umstand, dass ihre Tochter von 

ihrem Bruder geschlagen worden sei, erwähnte das SEM in seiner Verfü-

gung zwar nicht explizit, aufgrund des Wortlauts ist aber davon auszuge-

hen, dass diese Tatsache in der Beurteilung der Situation der Beschwer-

deführerin berücksichtigt wurde. Die Frage, ob diese Erwägung auch in 

materieller Hinsicht zutreffend ist, ist keine Frage der Sachverhaltsermitt-

lung, sondern dessen rechtlicher Würdigung. 

4.5 Zuletzt ist festzustellen, dass auch keine Verletzung des Willkürverbots 

ersichtlich ist. Eine andere Würdigung des Sachverhalts als von der Be-

schwerdeführerin gewünscht, bedeutet jedenfalls noch keine Willkür. 

4.6 Nach dem Gesagten erweisen sich die formellen Rügen als unbegrün-

det. Es besteht keine Veranlassung, die angefochtene Verfügung deswe-

gen aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das 

entsprechende Rechtsbegehren ist abzuweisen. 

 

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Seite 11 

5.  

5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-

sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im 

Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-

tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer 

politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-

gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3 

Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung 

des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen 

unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen 

Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 

5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen 

oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die 

Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-

geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen 

Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-

chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte 

Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). 

6.  

6.1 Das SEM erachtete die von der Beschwerdeführerin geltend gemach-

ten Vorfluchtgründe als nicht asylrelevant. Bei den Konflikten aufgrund des 

streng religiösen Lebensstils ihrer Familie handle es sich um eine Verfol-

gung durch Dritte, weshalb zu prüfen sei, ob der Staat in der Lage sei, ihr 

künftig Schutz zu gewähren. Ihren Angaben sei zu entnehmen, dass sie 

nie versucht habe, bei den iranischen Behörden um Schutz vor ihrem Bru-

der I._______ zu ersuchen oder mithilfe ihres Ehemannes die Familien-

streitigkeiten zu lösen. Deshalb könnte den Behörden keine Untätigkeit und 

kein fehlender Schutzwille vorgeworfen werden. Vor dem Hintergrund, 

dass sie gemäss eigenen Angaben von ihrem Ehemann unterstützt werde 

und nie Probleme mit den Behörden gehabt habe, sei nicht nachvollzieh-

bar, weshalb es ihr nicht zumutbar gewesen sei, sich an die Behörden zu 

wenden. Dass ihr Bruder Kontakt zu der Basij pflege, ändere nichts daran, 

zumal sie keinerlei konkrete Angaben dazu habe machen können. Im Wei-

teren sei auch nicht ersichtlich, weshalb sie sich künftigen Nachstellungen 

seitens ihrer Familie nicht durch die Wahrnehmung einer innerstaatlichen 

Aufenthaltsalternative beziehungsweise Schutzalternative in einem ande-

ren Landesteil entziehen könne. So habe sie während ihren vergangenen 

Wohnaufenthalte in G._______ und H._______ nur wenige Probleme mit 

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Seite 12 

ihrer Familie gehabt. Ihre Befürchtung, ihr Bruder könne sie überall ausfin-

dig machen, da er ein Basij-Aktivist sei und die Basij mit dem Ettelaat zu-

sammenarbeite, sei reine Spekulation. Es spreche nichts gegen einen 

Wegzug in eine andere Region des Iran. Ihre Vorbringen betreffend die 

Probleme mit ihrer Familie würden den Anforderungen an die Flüchtlings-

eigenschaft gemäss Art. 3 AsylG somit nicht standhalten. 

Hinsichtlich der Vergewaltigung hielt die Vorinstanz fest, die Flüchtlingsei-

genschaft setze eine aktuelle Bedrohungslage voraus. Zwar sei nicht da-

von auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ihren Vergewaltiger im Iran 

zur Verantwortung ziehen könne, gleichzeitig erscheine jedoch auch die 

Gefahr gering, dass sie ihrerseits wegen der erlittenen Vergewaltigung 

strafrechtlich oder in sonstiger flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt 

werde. Die Vergewaltigung liege mittlerweile mehrere Jahre zurück und sie 

sei zwar in den Monaten nach dem Vorfall von ihm telefonisch kontaktiert, 

jedoch nicht mehr direkt aufgesucht worden. Es bestünden keine Hinweise 

dafür, dass er Anzeige erstatte oder irgendjemandem – auch nicht ihrer 

Familie – davon erzähle, zumal er selbst verheiratet sei und auch sie zum 

Schweigen aufgefordert habe. Weiteren Treffen mit diesem Mann und Be-

helligungen durch ihn könne sie sich ebenfalls durch einen Wegzug in ei-

nen anderen Landesteil entziehen. Daher seien auch diese Vorbringen 

nicht asylrelevant im Sinne von Art. 3 AsylG.  

6.2 In der Beschwerde wurde im Wesentlichen eingewendet, die Vor- 

instanz hätte zwingend prüfen müssen, ob der Beschwerdeführerin heute 

im Fall der Rückkehr in den Iran aufgrund ihres gesamten Profils eine asyl-

relevante Verfolgung drohe. Da das SEM die Vergewaltigung nicht als 

fluchtauslösendes Ereignis verstanden habe, habe es sich ohne Berück-

sichtigung der Zusammenhänge zuerst auf die Probleme mit der Familie 

konzentriert und somit die Würdigung verzerrt. Die Beschwerdeführerin 

habe aufgrund der Abwesenheit ihres Ehemannes unter der Kontrolle ihrer 

Familie gestanden und keine Möglichkeit gehabt, sich gegen deren Unter-

drückung zu wehren. Im Fall der Kontaktierung der Behörden wäre ihr nicht 

geglaubt worden. Vielmehr wäre ihr Verhalten als ehrverletzend und unsitt-

lich betrachtet worden. Es sei absurd, wenn von ihr erwartet würde, dass 

sie sich wegen ihrer Familie, welche die iranischen Kleidersitten bei ihr 

durchgesetzt habe, an die Behörden, die diese Vorschriften erlassen hät-

ten, hätte wenden müssen. Die Behörden hätten ihre Anliegen nicht ernst 

genommen und sie als Schuldige und nicht als Opfer gesehen. In diesem 

familiären Umfeld sei sie vergewaltigt worden. Sie habe sich als Vergewal-

tigungsopfer nicht an die iranischen Behörden wenden können, da diese in 

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Seite 13 

solchen Fällen nicht schutzwillig seien. Sie sei weiterhin dem Druck des 

Vergewaltigers ausgesetzt gewesen und habe damit rechnen müssen, bei 

einer weiteren Gelegenheit erneut vergewaltigt zu werden. Da er sich im-

mer wieder telefonisch gemeldet habe, sei es aktenwidrig zu behaupten, 

ihr habe im Zeitpunkt der Flucht keine Gefahr gedroht. Die Vorinstanz ver-

kenne, dass sie jederzeit von einer erneuten Vergewaltigung bedroht ge-

wesen sei, da der Täter mit dem Foto über ein Druckmittel verfügt habe, 

das er einzusetzen bereit gewesen sei. Weiter habe sie befürchten müs-

sen, von ihrer Familie getötet zu werden, falls diese von der Vergewalti-

gung erfahren hätte. Sie müsse auch zwingend das Recht und die faktische 

Möglichkeit haben, eine Strafanzeige gegen den Täter einzureichen. Zu-

dem sei sie zum Christentum konvertiert. Ihr drohe unter Gesamtwürdigung 

aller Umstände im Fall der Rückkehr in den Iran eine asylrelevante Verfol-

gung. Die iranischen Behörden seien im vorliegenden Fall nicht schutzwil-

lig beziehungsweise -fähig. Daran würde auch der Umzug in eine andere 

Region nichts ändern, da der Schutzwille der iranischen Behörden dort kei-

nesfalls grösser wäre und sie nirgends im Iran von ihrem Vergewaltiger 

sicher wäre. Auch würde ihr Bruder als Basij-Aktivist sie im ganzen Iran 

finden. Die massive Vorverfolgung durch Dritte sei teilweise bei der Herab-

setzung der begründeten Furcht vor asylrelevanter Verfolgung zu berück-

sichtigen. Es sei auch davon auszugehen, dass ihr erneut eine Vergewal-

tigung drohe, da sie offensichtlich keinen Schutz durch die Behörden er-

halte. 

6.3 In der Vernehmlassung äusserte sich die Vorinstanz zum exilpoliti-

schen Engagement und christlichen Glauben der Beschwerdeführerin. 

6.4 In der Replik hielt die Beschwerdeführerin vollumfänglich an ihren Vor-

bringen fest und äusserte sich ergänzend zu ihren subjektiven Nachflucht-

gründen. 

7.  

7.1 Betreffend das Vorbringen der Beschwerdeführerin, ihre religiöse Fa-

milie – und insbesondere ihr Bruder I._______ – habe sie und ihre Tochter 

unter starken Druck gesetzt, ist festzuhalten, dass die diesbezüglich erlit-

tenen Nachteile nicht die Schwelle der von Art. 3 AsylG geforderten Ernst-

haftigkeit erreicht haben. Zwar habe ihr Bruder sie zwei- oder dreimal und 

ihre Tochter einmal geschlagen, aus den Akten ergeben sich allerdings 

keine fundierten Indizien, dass sie vonseiten ihrer Familie aufgrund ihrer 

Vorfluchtgründe mit ernsthaften weiteren Übergriffen zu rechnen gehabt 

hätte. Das Gericht stellt insgesamt fest, dass es bis zur Ausreise zu keiner 

D-5356/2020 

Seite 14 

Aggravation der Gewalt gekommen ist, die eine gesteigerte Gewaltbereit-

schaft des Bruders vermuten lassen würde. Die Befürchtung, dass er sie 

umgebracht oder ihr anderweitig schwere Gewalt angetan hätte, erscheint 

vor diesem Hintergrund objektiv nicht begründet. An dieser Einschätzung 

vermag auch der Umstand, dass die Beschwerdeführerin inzwischen zum 

Christentum konvertiert ist und sich von ihrem Ehemann hat scheiden las-

sen, nichts zu ändern, zumal sich der Gegenstand des vorliegenden Ver-

fahrens auf die Vorfluchtgründe beschränkt (vgl. E. 3). 

7.2 Hinsichtlich der geltend gemachten Vergewaltigung durch (…) der Be-

schwerdeführerin stellt das Gericht fest, dass diese ihr zugefügten Nach-

teile zweifellos die von Art. 3 AsylG geforderte Schwelle der Ernsthaftigkeit 

erreichen (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2; vgl. statt vieler Urteil des BVGer 

D-2391/2022 vom 24. Juni 2022 E. 7.1.1 m.w.H.). Die Zufügung sexueller 

Gewalt durch nichtstaatliche Dritte – wie vorliegend – entfaltet jedoch nur 

dann asylrechtliche Relevanz, wenn der betroffenen Person im Heimat-

staat adäquater Schutz wegen ihres Geschlechts verweigert wird (vgl. Ur-

teile des BVGer E-2470/2020 vom 26. Januar 2021 E. 6.3 und E-

2108/2011 vom 1. Mai 2013 E. 6.3 ff.). 

7.3 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in der Vergangenheit bereits 

vertieft mit der Frage der Schutzfähigkeit und dem Schutzwillen der irani-

schen Behörden gegenüber Frauen, die Opfer von häuslicher oder sexuel-

ler Gewalt geworden sind, auseinandergesetzt. Dabei hielt es Folgendes 

fest: Frauen sind im Iran in vielerlei Hinsicht Diskriminierungen ausgesetzt. 

Dies äussert sich auch in der iranischen Strafgesetzgebung, welche die 

Vergewaltigung nicht als eigenen Straftatbestand auflistet. Vielmehr kom-

men in solchen Fällen die Artikel 221 ff. des Islamic Penal Code of Iran 

(IPC) zur Anwendung (ausserehelicher sexueller Verkehr). Damit Opfer 

von Vergewaltigungen aber nicht selbst für den verbotenen aussereheli-

chen sexuellen Verkehr bestraft werden, müssen sie geltend machen, der 

sexuelle Verkehr habe unter Zwang stattgefunden. Kommt es tatsächlich 

zu einer Anzeige, obliegt es der betroffenen Frau, die erlittene Tat zu be-

weisen. Hierzu sehen die entsprechenden Bestimmungen im IPC vor, dass 

sie zur Klagebegründung beispielsweise zwei männliche Zeugen und vier 

weibliche Zeuginnen präsentiert (Art. 199 IPC). Gelingt ihr der Beweis 

nicht, droht ihr eine Verurteilung wegen falscher Anschuldigung eines Se-

xualdelikts nach Art. 245 IPC (vgl. Art. 200 IPC). Es besteht für vergewal-

tigte Frauen somit eine erhebliche Gefahr, dass sie im Falle der Meldung 

der Vergewaltigung selber des Verbrechens nach Art. 221 ff. IPC angeklagt 

und verurteilt werden. Diese rechtlichen Zusammenhänge führen dazu, 

D-5356/2020 

Seite 15 

dass bei Sexualdelikten meist auf eine Anzeige verzichtet wird. Insgesamt 

ist der Zugang zu einem Gericht für Frauen grundsätzlich zwar möglich, 

aber von diversen Hindernissen begleitet. Schwierigkeiten ergeben sich 

insbesondere aufgrund des Justizsystems sowie wegen der gesellschaftli-

chen und persönlichen Situation von Frauen, die (sexuelle) Gewalt erlebt 

haben. Die dargelegten Besonderheiten des iranischen Strafverfahrens 

verhindern für Frauen den effektiven Zugang zu einem unabhängigen Ge-

richt und die Möglichkeit, der Gewalt zu entfliehen. Eine Frau, die im Falle 

erlittener sexueller Gewalt versucht, sich an ein iranisches Strafgericht zu 

wenden, kann häufig nicht mit Schutz rechnen, sondern muss in Kauf neh-

men, selber einer schweren Bestrafung zugeführt zu werden. Das Bundes-

verwaltungsgericht kam jeweils zum Schluss, dass weibliche Opfer sexu-

eller Gewalt im Iran keinen effektiven Schutz und keine Unterstützung von-

seiten staatlicher Organisationen erhalten würden (vgl. Urteile des BVGer 

E-2470/2020 E. 6.6.2 und E-2108/2011 E. 6.4 ff. m.w.H.).  

7.4 Mit Blick auf diese Praxis und den Umstand, dass die Beschwerdefüh-

rerin ihr Heimatland aufgrund der Vergewaltigung und innerhalb von drei 

Monaten verlassen hat, ist davon auszugehen, dass sie jedenfalls im Zeit-

punkt der Ausreise begründete Furcht vor Verfolgung hatte. Für die Ge-

währung von Asyl ist jedoch entscheidend, ob ihr bei einer Rückkehr in den 

Iran erneut flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung drohen würde. 

7.5 Betreffend die Möglichkeit, bei einer Rückkehr strafrechtlich verfolgt zu 

werden, stellt das Gericht Folgendes fest: Da gemäss den Angaben der 

Beschwerdeführerin in Iran niemand – abgesehen von ihr und ihrem Ver-

gewaltiger – von der Tat Kenntnis hat, erscheint die Gefahr, dass sie ihrer-

seits wegen der erlittenen Vergewaltigung strafrechtlich verfolgt wird, äus-

serst gering, zumal auch der Täter nicht gewillt sein dürfte, die Tat den Be-

hörden zur Kenntnis zu bringen, da dieser ebenfalls verheiratet ist. Zwar 

wird die Beschwerdeführerin ihren Vergewaltiger bedauerlicherweise kaum 

strafrechtlich zur Verantwortung ziehen können. Entgegen ihrer Argumen-

tation stellt einzig die fehlende faktische Möglichkeit einer Strafanzeige je-

doch keinen Asylgrund dar: Das Asyl dient nicht dem Ausgleich für erlitte-

nes Unrecht, sondern dem Schutz vor einem zukünftigen Verfolgungsrisiko 

(BVGE 2011/50 E. 3.2.1). Eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgungs-

gefahr ergibt sich daraus jedenfalls nicht (vgl. Urteil des BVGer  

E-2055/2016 vom 19. September 2019 E. 4.4.2).  

7.6 Auch das Vorbringen, im Falle einer Rückkehr würde sie erneut Opfer 

sexueller Gewalt werden, erscheint mit Blick auf das Verhalten des Täters 

D-5356/2020 

Seite 16 

unwahrscheinlich. So habe er sie zwar angerufen, aber er habe in den drei 

Monaten vor ihrer Ausreise keinen weiteren persönlichen Kontakt zu ihr 

gesucht, obwohl dieser möglich gewesen wäre. In der Folge ist davon aus-

zugehen, dass im Falle einer Rückkehr zum heutigen Zeitpunkt – fünfein-

halb Jahre nach der erlebten sexuellen Gewalt – keine Gefahr bestehen 

dürfte, dass die Beschwerdeführerin erneut Opfer sexueller Gewalt werden 

würde. Die diesbezüglich geltend gemachte subjektive Furcht erscheint da-

her objektiv nicht begründet. 

7.7 Weiter ist auch nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführerin seitens 

der eigenen Familie – insbesondere seitens ihres Bruders I._______ – auf-

grund der erlittenen Vergewaltigung künftig eine flüchtlingsrechtlich rele-

vante Verfolgungsgefahr drohen würde. Gemäss eigenen Angaben hat ihre 

Familie keine Kenntnis der Vergewaltigung. Auch ist nicht davon auszuge-

hen, dass der Täter ihre Familie über das Vorgefallene informiert hätte, zu-

mal sich dieser damit ebenfalls strafrechtlich schwer belasten würde. Somit 

ist ihre subjektive Furcht vor diesbezüglichen Schwierigkeiten mit ihrem 

damaligen Ehemann oder ihrem Bruder I._______ ebenfalls nicht objektiv 

nachvollziehbar.  

7.8 Nach dem Gesagten ist nicht davon auszugehen, dass die Beschwer-

deführerin im Fall der Rückkehr zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund ihrer Vor-

fluchtgründe flüchtlingsrelevante Nachteile seitens der iranischen Behör-

den, ihrer Familie oder des Täters zu erwarten hätte. Daran vermögen auch 

die weiteren Ausführungen in der Beschwerde nichts zu ändern.  

8.  

8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so 

verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den 

Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie 

(Art. 44 AsylG). 

8.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine 

ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf 

Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu 

Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.). 

8.3 Nachdem die Vorinstanz die vorläufige Aufnahme der Beschwerdefüh-

rerin als Flüchtling angeordnet hat, erübrigt sich eine Prüfung der Ausfüh-

rungen zum Wegweisungsvollzug (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). 

 

D-5356/2020 

Seite 17 

9.  

Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung 

Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-

wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich 

überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit sie 

nicht gegenstandslos geworden ist. 

10.  

10.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung 

sind nach dem Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen der beschwerde-

führenden Person aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen.  

10.2 Beim vorliegenden Verfahrensausgang ist von einem teilweisen Ob-

siegen der Beschwerdeführenden auszugehen. Ihnen wäre nach dem 

Grad des Durchdringens praxisgemäss ein Drittel der Verfahrenskosten 

aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom 

21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-

verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit der 

Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mit Zwi-

schenverfügung vom 17. November 2020 gutgeheissen worden ist, werden 

keine Verfahrenskosten erhoben. 

10.3 Bei Gegenstandslosigkeit des Verfahrens ist der beschwerdeführen-

den Partei eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen Kos-

ten zuzusprechen, sofern sie die Gegenstandslosigkeit nicht durch ihr ei-

genes Verhalten bewirkt hat (Art. 15 i.V.m. Art. 5 VGKE). Diese Vorausset-

zungen sind vorliegend gegeben, da die teilweise Gegenstandslosigkeit 

der Beschwerde durch die wiedererwägungsweise Anerkennung der 

Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden und die Gewährung der 

vorläufigen Aufnahme durch das SEM herbeigeführt wurde. 

10.4 Soweit die Beschwerdeführenden obsiegen, haben sie Anspruch auf 

eine Parteientschädigung für die erwachsenen notwendigen Kosten, die 

vom SEM auszurichten ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 und 4 des 

Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen 

vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Angesichts 

des Obsiegens zu zwei Dritteln ist die Parteientschädigung indessen um 

einen Drittel zu reduzieren. Im vorliegenden Verfahren wurde keine Kos-

tennote eingereicht. Auf die Nachforderung einer solchen wird indessen 

verzichtet (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE), weil der Aufwand für die Beschwer-

D-5356/2020 

Seite 18 

deführung zuverlässig abgeschätzt werden kann. Gestützt auf die in Be-

tracht zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist die um ei-

nen Drittel reduzierte Parteientschädigung aufgrund der Akten pauschal 

auf Fr. 3000.– festzusetzen. Dieser Betrag ist den Beschwerdeführenden 

durch das SEM zu entrichten. 

10.5 Praxisgemäss ist eine anteilsmässige Parteientschädigung zuzuspre-

chen, wenn, wie vorliegend (vgl. E. 4.2.3), eine Verfahrensverletzung auf 

Beschwerdeebene geheilt wird. Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden 

Bemessungsfaktoren (Art. 9-13 VGKE) ist die von der Vorinstanz auszu-

richtende Parteientschädigung um Fr. 300.- zu erhöhen. 

 

(Dispositiv nächste Seite)  

D-5356/2020 

Seite 19 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird, soweit sie die Dispositivziffern 1, 3, 4 und 5 der an-

gefochtenen Verfügung betrifft, infolge Gegenstandslosigkeit abgeschrie-

ben. Im Übrigen wird sie abgewiesen. 

2.  

Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 

3.  

Das SEM wird angewiesen, den Beschwerdeführenden eine Parteient-

schädigung in der Höhe von Fr. 3300.– auszurichten. 

4.  

Dieses Urteil geht an die Beschwerdeführenden, das SEM und die kanto-

nale Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: 

  

Susanne Bolz-Reimann Jonas Perrin 

 

 

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