# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 67be14d7-6dc2-59a8-87d6-e0787932b0b4
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2014-01-16
**Language:** de
**Title:** Nachdienstlich nach erneutem Trauma aufgetrete Rückenbeschwerden sind mit degenerativ bedingten Veränderungen an LWS zu erklären; weder richtunggebende Verschlimmerung noch Rückfall oder Spätfolgen des Unfalls im WK. Wiederholt aufgetretene Hämaturie ebenfalls nicht unfallkausal; Abweisung.
**Docket/Reference:** MV.2012.00007
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/MV.2012.00007.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
MV.2012.00007
III. Kammer
Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Annaheim
Sozialversicherungsrichterin Fehr
Gerichtsschreiberin Fischer
Urteil
vom
16. Januar 2014
in Sachen
X.___
Beschwerdeführer
vertreten durch Fürsprecher Herbert Schober
Anwaltskanzlei
Kieser
Senn Partner
Ulrichstrasse 14, 8032 Zürich
gegen
Suva, Abteilung Militärversicherung
Laupenstrasse
11, Postfach 8715, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1984 geborene
X.___
absolvierte vom 1. bis 25. April 2008
einen
Wiederholungskurs (WK).
Beim Bau einer Brücke wollte er a
m
15. April 2008 mit drei K
ameraden
ein schweres Schnabelelement in die Brücke stossen; dieses fiel, als der neben ihm stehende Kollege ausrutschte, auf ihn (Urk. 7/2.1, Urk. 7/3, Urk. 7/4.1, Urk. 7/14.2 S. 2). Der noch gleichentags konsultierte Trup
penarzt
diagnostizierte eine starke Kon
tusion der Lendenwirbelsäule (LWS;
Urk. 7/S1); die – ebenfalls am Unfalltag durchgeführte – Computertomografie der
LSW ergab
Diskusprotrusionen
mit
foraminaler
Einengung, jedoch ohne
Ner
ven
wurzelkompression
LWK2/3 und LWK3/4 (jeweils symmetrisch) sowie LWK4/5 (links mehr als rechts;
Urk. 7/2.2). In der Folge wurde dem Versicherten vom 2. bis 18. Mai 2008 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (Urk. 7/3).
1.2
Am 13. Februar 2009 liess der Versicherte der Militärversicherung
– unter Hin
weis
auf eine seit 6. Februar 2009 anhaltende 100%ige Arbeitsunfähigkeit – ei
nen Rückfall beziehungsweise Spätfolgen des Unfalls vom 15. April 2008 mit
teilen (Urk. 7/4.1). Nach
Beizug
der
Akten des Krankenversicherers (Urk. 7/18)
und Einholung einer
versicherungsmedizinische
n
Stellungnahme (Urk. 7/20.1) lehnte
die Militärversicherung ihre Haftung für die geltend gemachten Rücken
schmerzen mit Schreiben vom 28. Mai 2009 (Urk. 7/21) ab.
Nachdem der Versi
cherte
hiegegen
opponiert hatte (Urk. 7/27, Urk. 7/44), traf die
Militärversiche
rung
weitere medizinische Abklärungen; mit Vorbescheid vom 4. Mai 2010 (Urk. 7/51) hielt sie an der Leistungsverweigerung fest.
Auf Einwand von
X.___
(Urk. 7/52) verfügte sie am 11. Juni 2010
die Abweisung des Leistungsbegehrens betreffend das
lumboradikuläre
Schmerzsyndrom L5 links bei Diskushernie (Urk. 7/55). Die vom Versicherten
hiegegen
erhobene Einspra
che (Urk. 7/56) wies sie am 23. Mai 2012 ab (Urk. 2).
2.
Gegen diesen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) liess der Versicherte am 6. Juni 2012 mit folgenden Anträgen Beschwerde erheben (Urk. 1 S. 2):
„Es sei der
Einspracheentscheid
aufzuheben, und es sei die Sache zur Aus
richtung der gesetzlichen Leistungen (insbesondere Taggelder und Heilbe
handlung, eventuell Invalidenrente und Integritätsschadenrente) an die
Be
schwerdegegnerin
zurückzuweisen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwerdegegne
rin
.“
Die Militärversicherung schloss am 28. August 2012 auf Abweisung der Be
schwerde (vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 6).
Replicando
(Urk. 10) und
duplicando
(Urk. 13) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die eingereichten Unterla
gen
ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Er
wägungen einzugehen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Militärversicherung (MVG) er
streckt sich die Haftung der Militärversicherung auf jede
Gesundheitsschädi
gung
,
die während des Dienstes in Erscheinung tritt und gemeldet oder sonst wie fest
ge
stellt wird. Die Militärversicherung haftet nicht, wenn sie den Beweis er
bringt, dass die Gesundheitsschädigung sicher vordienstlich ist oder sicher nicht während des Dienstes verursacht werden konnte (Art. 5 Abs. 2
lit
. a MVG), und wenn sie zusätzlich den Beweis erbringt, dass die
Gesundheitsschä
digung
sicher während des Dienstes weder verschlimmert noch in ihrem Ablauf beschleunigt worden ist (Art. 5 Abs. 2
lit
. b MVG). Wird der nach
Absatz
2
Buchstabe a ge
forderte Beweis erbracht, dagegen nicht derjenige nach Absatz 2 Buchstabe b, so haftet die Militärversicherung für die Verschlimmerung der
Gesund
heits
schä
digung
(Art. 5 Abs. 3 MVG).
Wird die Gesundheitsschädigung erst nach Schluss des Dienstes durch einen Arzt, Zahnarzt oder
Chiropraktor
festgestellt und bei der Militärversicherung an
gemeldet, so haftet die Militärversicherung nur, wenn die
Gesundheitsschä
digung
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit während des Dienstes verursacht worden ist. Die Militärversicherung haftet auch insoweit, als eine vordienstliche Gesundheitsschädigung wahrscheinlich durch Einwirkungen während des Dienstes verschlimmert worden ist oder wenn es sich mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit um Spätfolgen oder Rückfälle einer versicherten
Gesundheits
schädigung
handelt (Art. 6 MVG).
Laut Art. 64 MVG werden die Leistungen angemessen gekürzt, wenn die versi
cherte Gesundheitsschädigung nur teilweise auf Einwirkungen während des Dien
stes zurückgeht.
1.2
Die eine Haftung begründende Verschlimmerung kann auslösender Natur sein, in
dem sie eine latente Gesundheitsschädigung in eine klinisch manifeste Form
überführt, oder sie kann eine klinisch manifeste Gesundheitsschädigung un
günstig beeinflussen. Im zweiten Fall kann die vorbestandene
Gesundheitsschä
digung
stationär oder labil (allenfalls auch progredient) gewesen sein. Die Ver
schlimmerung selbst kann vorübergehend oder dauernd sein; sie kann auch richtunggebend sein. Ist die Verschlimmerung dauernd (oder richtunggebend), haftet die Militärversicherung auf unbestimmte Zeit, ist sie lediglich vorüberge
hend, kann die Haftung befristet werden. Voraussetzung für eine zeitliche Be
grenzung der Haftung ist, dass die Verschlimmerung mit Sicherheit behoben ist (vgl. Jürg
Maeschi
, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung, Bern 2000, N 40 und N 41 zu Art. 5 MVG mit Hinweisen). Die Verschlimmerung gilt als behoben, wenn der "Status quo ante" (Gesundheitszustand, in welchem sich der Versicherte vor dem Dienst befunden hat) oder der "Status quo sine" (Ge
sundheitszustand, in welchem sich der Versicherte befinden würde, wenn er
den Einwirkungen während des Dienstes nicht ausgesetzt gewesen wäre) er
reicht
ist (
Maeschi
, a.a.O., N 41 zu Art. 5 MVG mit Hinweisen).
1.3
Die Haftung gemäss Art. 4 und 5 MVG einerseits sowie Art. 6 MVG anderseits unterscheidet sich darin, dass im ersten Fall der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den Einwirkungen während des Dienstes und der
Gesundheitsschädi
gung
vermutet wird und nur durch den gegenteiligen Sicherheitsbeweis ausge
schlossen werden kann, während im zweiten Fall das Vorliegen adäquat kausa
ler Folgen von Einwirkungen während des Dienstes erstellt sein muss (BGE 111 V 372 E. 1b, 105 V 229 E. 3a mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Militärversicherung begründete die Leistungsverweigerung im Wesentlichen damit, dass
die Diskushernie L5/S1 degenerativer Natur sei und schon
vorbe
standen
habe. Das Fallenlassen des Brückenteils beziehungsweise die plötzliche erhebliche Rückenbelastung im WK 2008 habe – höchstens bis anfangs 2009 – zu einer Verschlimmerung des Vorzustandes geführt. Den seither bestehenden
lumbalen
Beschwerden lägen dienstfremde Ursachen zu Grunde (Urk. 2 S. 6 ff., Urk. 6
S. 3  ff. und Urk. 13 S. 1
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber im Wesentlichen
– unter Hin
weis insbesondere auf die Beurteilung von Dr. med.
Y.___
-
auf den Stand
punkt,
die im Jahr 2009 gemeldeten Beschwerden seien auf den Unfall vom 15. April 2008
zurückzuführen und weiterhin im Rahmen des Grundfalls und nicht etwa unter
dem
Titel Spätfolgen beziehungsweise Rückfall zu beurteilen. Da die
Mili
tärversicherung
den erforderliche
n S
i
c
herheitsbeweis dafür, dass
die
Ge
sundheits
schädigung
nicht durch eine Einwirkung während des Dienstes verur
sacht
wor
den sei, nicht erbracht habe, hafte sie weiterhin für das Rückenleiden (Urk. 1 S. 6 ff.,
Urk. 10 S.
2 ff.).
3.
3.1
Der Truppenarzt hielt am 15. April 2008 fest, es
sei
beim Brückenbau durch ein Brückenelement zu einer starken Kontusion der LWS gekommen. Der Beschwer
de
führer habe sofort einen heftig einschiessenden Schmerz verspürt. Es bestehe eine LWS-Kontusion mit
radikulärem
sensiblem Ausfall- und Reizsyndrom links (Urk. 7/S1).
3.2
Die Computertomographie vom 15. April 2008
ergab keinen Nachweis einer
Wirbel
körperfraktur
. Es zeigten sich ein – anlagebedingt – relativ enger
Spinal
kanal
und ein regelrechtes Alignement. Festgestellt wurden
Diskusprotrusionen
mit
foraminaler
Einengung, jedoch ohne Nervenwurzelkompression LWK2/3 und
LWK3/4 (jeweils symmetrisch) sowie LWK4/5 (links mehr als rechts)
; eine
Dis
kus
hernie
LWK 3/4 bestand nicht (Urk. 2.2).
3.3
Dr. med.
Z.___
,
Facharzt FMH für Innere Medizin, diagnostizierte am 19. April 2008 eine erstmalige
Makrohämaturie nach Geschlechtsverkehr und hielt fest, der
Beschwerdeführer
klage
über linksseitige Flankenschmerzen (Urk. 7/S1 S. 3).
3.4
Am 22. April 2008 berichtete der Truppenarzt über eine
Regredienz
der lumba
len
Schmerzen; es sei
zu einer einmaligen Makro
häma
turie
gekommen (Urk. 7/S1 S. 2). D
er Beschwerdeführer habe am 15. April 2008 bei einem Unfall beim Brückenbau einen
Schlag ins Kreuz erlitten (Urk. 7/2.1).
3.5
Am 24. April 2008 hielt der Truppenarzt fest, die Schmerzen seien unter medi
kamentöser Behandlung deutlich
regre
dient
. Es bestehe ein
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom bei
Diskusprotrusionen
LWK2/3, LWK3/4 und LWK4/5 sowie engem Spinalkanal mit leichtem
radikulärem
Reiz- beziehungsweise sensiblem Aus
fallsyndrom (Urk. 7/S1 S. 2).
3.6
Das MRI der LWS vom 11. Februar 2009 ergab eine mittelgrosse,
breitbasige
me
di
ane Diskushernie L5/S1, die zu einer
mässiggradigen
bis hochgradigen
Re
zess
ualstenose
, rechts mehr als links, führ
e
, was eine Reizung der
Nervenwur
zel
S1
rezessual
, rechts mehr a
ls links, ohne
Weiteres
zu erklären vermöge (Urk. 7/9).
3.7
Dr. med.
A.___
,
Fachärztin FMH für Innere Medizin,
bei der sich der Be
schwerdeführer am 6. Februar 2009 in Behandlung begab, attestierte diesem am
13.
b
eziehungsweise 18.
Februar 2009 – wegen eines
lumboradikulären
Syn
droms
L5 links bei Diskushernie -
vom
6.
bis 28.
Februar 2009 eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit (Urk. 7/4.1
, Urk. 7/7
).
3.
8
Dr.
A.___
gab am 4. Mai 2009 an, den Beschwerdeführer zuvor noch nie wege
n lumbaler Rückenschmerzen behandelt zu haben (Urk. 7/16a).
3.9
In ihrem Verlaufsbericht vom 4. Mai 2009 stellte Dr.
A.___
folgende Diag
no
sen (Urk. 7/19 S. 1):
-
Rezidivierendes
lumboradikuläres
Reizsyndrom L5 links
-
mittelgrosse
breitbasige
mediane Diskushernie
-
Status nach LWS-Kontusion durch Brückenelement am 15. April 2008
-
Status nach
periradikulärer
Infiltration am 16. Februar 2009
-
Rezidivierende Makrohämaturie nach Flanken-/LWS-Kontusion am 15. April 2008
-
normaler Abdominal-US, normales
Uro
-CT
Der Beschwerdeführer habe sich wegen seit November 2008 erneut vorhandener
sta
r
ker lumbaler Rückenschmerzen mit Ausstrahlung wechselse
i
tig ins rechte und
linke Bein in ärztliche Behandlung begeben.
Ausfallsymptome seien nicht vor
han
den, die Schmerzsymptomatik und die Ausstrahlung seien indes sehr aus
ge
präg
t mit positivem Hustenschmerz. Der Beschwerdeführer habe zudem ange
geben, es sei nach einer körperlichen Anstrengung zur seit der LWS- be
zieh
ungs
weise Flankenkontusion am 15. April 2008 nun dritten Episode von
Makro
hämaturie
gekommen (Urk. 7/19 S. 1). Vom 6. bis 28. Februar 2009 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden; seit dem 1. März 2009 sei der Beschwer
de
führer wieder uneingeschränkt arbeitsfähig. Der
Behandlungsab
schluss
werde voraussichtlich Ende Mai 2009 erfolgen (Urk. 7/19 S. 2).
3.10
Dr. med.
B.___
,
Facharzt FMH für Chirurgie, gelangte in seiner – gestützt auf die Akten verfassten – versicherungsmedizinischen Stellungnahme vom 12. Mai 2009 zum Schluss, dass die Diskushernie sicher bereits vordienstlich vorhanden gewesen sei.
Von der am 15. April 2008 erlittenen Rückenkontusion seien vor allem die Weichteile betroffen gewesen. Der Beschwerdeführer sei denn nach
Abschluss der Behandlung auch während rund zehn Monaten gänzlich be
schwer
defrei und bis Januar 2009 in der Lage gewesen, sämtliche Bau- bezie
hungs
weis
e Gartenarbeiten zu verrichten. Die erneut der Militärversicherung gemel
de
ten Rückenschmerzen
stellten demnach weder eine
Spätfolge
noch eine
n
Rückfall der im WK 2008 erlittenen Gesundheitsschädigung
dar
(Urk. 7/20.1 S. 2).
3.11
Nach
der Haftungsablehnung durch die Militärversicherung
hielt Dr.
A.___
mit Schreiben vom 10. Juli 2009 (Urk. 7/33) fest,
der Beschwerdeführer, den sie sei
t Januar 2000 hausärztlich behandle und über dessen Krankengeschichte sie
schon für die Zeit ab 1992
verfüge, habe seit 1992 nie an
behandlungsbedürfti
gen
R
ückenschmerzen und einer Hypäst
h
e
sie im
Dermatom
L4 gelitten. Zwar sei durchaus möglich, dass die im CT der LWS vom 15. April 2008 nachgewiesenen
Veränderungen bereits vorbestanden hätten, sie hätten bis dahin indes zu kei
nen
Beeinträchtigungen geführt.
Die aufgrund der am 15. April 2008 erlittenen
Wir
bel
säulenkontusion
aufgetretenen lumbalen Rückenschmerzen mit
Schmer
z
aus
strahlung
ins linke Bein und Hypästhesie seien nach dem Umfall relativ bald rück
läufig gewesen und hätten zu keinen Arztkonsultationen mehr geführt. Die
se
n Zustand habe der Beschwerdeführer dadurch erreichen können, dass er im
Fitnesscenter einen konsequenten Muskelaufbau gemacht und die intermit
tie
rend
vorhandenen Schmerzen ertragen habe, ohne sich
ärztlich behandeln zu lassen.
Im Zusammenhang mit
Abbrucharbeiten sei es im Januar
2009
erneut zu Rü
cken
schmerzen mit
pseudoradikulärer
Ausstrahlung gekommen. Das MRI der LWS
zeige eine
breitbasige
mediale Diskushernie mit
Rezessusstenose
. Eine
per
i
radikuläre
Infiltration und physiotherapeutische Massnahmen hätten langsam zu
einer Besserung des Beschwerdebildes geführt. Da der Beschwerdeführer vor dem
Unfall vom 15. April 2008 keinerlei Rückenschmerzen gehabt habe, seither aber
immer wieder an solchen leide, erscheine ein Zusammenhang zwischen dem frag
lichen Unfallereignis und der 2009 gemeldeten Rückensymptomatik
als über
wie
gend wahrscheinlich.
3.12
Nach Kenntnisnahme der neuen medizinischen Berichte hielt Dr.
B.___
fest, es sei weiterhin davon auszugehen, dass die im WK 2008 erlittene
Gesund
heits
schädigung
nicht kausal sei für die im Januar 2009 aufgetretenen
Rücken
be
schwerden
(vgl. versicherungsmedizinische Stellungnahme vom 4. August 2009, Urk. 7/34.1 S. 1).
3.13
Nachdem er den Beschwerdeführer – in dessen Auftrag – am 2. November 2009 untersucht hatte, stellte Prof.
Dr.
Y.___
,
eremitier
ter
Ordinarius und Chefarzt der
C.___
, in seinem Gutachten vom 15. De
zember 2009 nachstehende Diagnose (Urk. 7/43 S. 11):
-
Zustand nach Lendenkontusion am 8. [richtig: 15.] April 2008 mit
-
Nierenkontusion Grad I
-
Lumboischialgien
links mit
initialen
sensiblen Ausfällen und
initialer
Schocksituation mit Gefühlsstörungen an beiden Beinen
Der im WK erlittene Unfall sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit die allei
nige Ursache der Lendenkontusion und der Nierenkontusion Grad I
(Urk. 7/43 S. 11 f.). Unter Berücksichtigung der
Kramer’schen
Kriterien und angesichts der Beschwerdefreiheit vor dem fraglichen Ereignis sowie der unmittelbar danach aufgetretenen Beschwerden seien auch die
Lumboischialgien
mit
radikulären
Aus
fällen als überwiegend wahrscheinliche Folge des Unfalls zu interpretieren
(Urk. 7/43 S. 12)
.
Betrachte man das einmalige Auftreten einer
Lumboischialgie
im Jahr 2004 als Vorzustand, so
habe sich der Zustand - angesichts der nun schon
seit zwei Jahren anhaltenden Symptomatik bei zuvor bestandener
Be
schwer
defreiheit
- infolge des Unfalls jedenfalls verschlimmert (Urk. 7/43 S. 13).
3.14
In ihrer gestützt auf die Akten verfassten versicherungsmedizinischen Beurtei
lung vom 20. April 2010 hielt Dr. med.
D.___
,
Fachärztin FMH für Innere Medi
zin, Leiterin medizinische Fachstelle Militärversicherung, Chefärztin Militärver
sicherung, fest,
da sich die Makrohämaturie zwischen April 2008 und April 2009
mehrfach wiederholt habe, könne diese sicher nicht unfallbedingt sein. In Über
einstimmung mit Dr.
A.___
und Prof. Dr.
Y.___
sei davon auszuge
hen, dass
im April 2008 – an den Zwischenwirbelräumen auf mehreren Etagen (L2 bis S1)
-
bereits degenerative Veränderungen an der LWS bestanden hätten (Urk. 7/50 S. 6) und bei L4/L5 sowie L5/S1 je eine
Bandscheibenprotrusion
und ein ein
ge
engter
Rezessus
lateralis
vorgelegen hätten (Urk. 7/50 S. 6 f.).
Diese Verän
de
rungen seien älteren Datums und hätten durch das Geschehnis vom 15. April 2008
nicht verursacht werden können. Hinzuweisen sei in diesem Zu
sammen
hang darauf, dass es höchst unwahrscheinlich sei, dass ein derartiges Ereignis
gerade auf zwei Höhen eine traumatische Diskushernie verursache.
Es sei dem
nach mit medizinisch-praktischer Sicherheit davon auszugehen, dass beim Be
schwer
deführer ein Vorzustand bestanden habe, der 2004 nach einem zivilen
Ver
hebetrauma
erstmals akut schmerzhaft geworden sei. Im WK 2008 sei es dann – bedingt durch eine abrupte Dreh- oder Dreh-Beuge-Bewegung des Ober
körpers gegenüber der LW
S
beim Brückenbau - zu einer Verschlimmerung ge
kommen. Die Beschwerden hätten in der Folge schnell gebessert. So sei der B
e
schwerdeführer, der selbst über eine schnelle Abheilung berichtet habe, schon nach wenigen Tagen wieder in der Lage gewesen, (mit einer erheblichen Belas
tung der lumbalen Zwischenwirbelräume
verbundenen) Geschlechtsverkehr zu haben.
Die im WK ausgelöste Verschlimmerung sei aufgrund der
Befunde sowie
des aktenkundigen und des erfahrungsgemäss normalen Verlaufs
schon
lange vor
dem – erneut durch das Manipulieren einer schweren Last –
Anfang 2009
aus
ge
l
östen Schmerzschub
wieder
behoben gewesen (Urk. 7/50 S. 8).
4.
4.1
Nach Lage der Akten sind die Veränderungen an der LWS degenerativer Natur und bestanden bereits vor dem Eintritt in den WK im April 200
8.
So nahm kein
Arzt an, dass die bildgebend festgestellten Wirbelsäulenveränderungen auf den Unfall vom 15. April 2008 zurückzuführen seien
(vgl. insbesondere Urk. 7/20 S. 1, Urk. 7/33, Urk. 7/43 S. 11 ff., Urk. 7/50 S. 6 f.)
, und Dr.
D.___
legte über
zeu
gend dar, dass das fraglich Ereignis aufgrund des Hergangs, der dabei er
folgten Einwirkung auf die Wirbelsäule und der erhobenen Befunde als Ursache für die festgestellten LWS-Veränderungen ausser Betracht falle (Urk. 7/50 S. 7).
Aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers ist denn auch zu schliessen, dass
der Wirbelsäulenschaden bereits im
Jahr 2004 einmal vorübergehend
zu Be
schwerden geführt hatte (vgl. Urk. 7/14.2 S. 2).
4.2
Nach dem Geschehnis vom 15. April 2008 gingen die dadurch ausgelösten lum
balen
Beschwerden
schon bald zurück (vgl. Berichte des Truppenarztes vom 22. und
24. April 2008
[
Urk. 7/S1 S. 2 und Urk. 7/1 S. 2
] sowie Protokoll vom 2. April 2009 [Urk. 7/14.2 S. 3]
).
Der Beschwerdeführer selbst, dem noch bis am 18. Mai 2008 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden war (Urk. 7/3),
bes
t
ätigte am 2. April 2009, dass das Ganze
schnell verheilt
sei
. Er habe danach
ohne
Rückenprobleme
rund
zehn Monate auf dem Bau gearbeitet
; in ärztlicher Be
handlung habe er nicht mehr gestanden, und er habe sich auch keiner medi
ka
mentösen Therapie mehr unterzogen
(vgl. Protokoll vom 2. April 2009, Urk. 7/14.2
S. 3).
Erst als er im Januar 2009 bei Abbrucharbeiten mit dem Kant
holz an einer Mauer gezogen habe, seien wieder Rückenschmerzen aufgetreten,
die – als er die Mauer abgebrochen habe – bis in die Zehen des linken Fusses aus
zustrahlen begonnen hätten (vgl. Protokoll vom 2. April 2009, Urk. 7/14.2
S. 3).
Die daraufhin am 6. Februar 2009 konsultierte Dr.
A.___
attestierte ihm ab diesem Datum eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/4.1
).
I
n Anbe
tracht der Tatsache, dass
der Beschwerdeführer
,
nach
dem die durch den
Mitte Apri
l 2008
erlittenen Unfall ausgelösten Beschwerden rasch abge
klungen waren, n
ie mehr in Behandlung stand und während knapp neun Mo
naten wieder un
ein
geschränkt seiner körperlich belastenden Tätigkeit auf dem Bau nachging,
hat die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungspflicht für die am 13. Februar 2009 ge
meldete Symptomatik (Urk. 7/4.1)
zu Recht
im Rahmen ei
nes neu
en Versiche
rungs
falls geprüft (Urk. 1 S. 6 ff., Urk. 10 S. 2 ff.).
4.3
Aufgrund der aktenkundigen medizinischen Berichte und der Angaben des Be
schwerdeführers ist auszuschliessen, dass dieser am 15. April 2008 ein Trauma
erlitt, das eine richtunggeben
de Verschlimmerung der degenerativen Schäden an
der Wirbelsäule
bewirkte. So ist gestützt auf die medizinischen Akten und die An
gaben des Beschwerdeführers anlässlich des Gesprächs mit einem
Aus
sen
dienstmitarbeiter
der Militärversicherung am 2. April 2009 davon auszuge
hen,
dass die Kontusion der LWS schon sehr bald wieder vollständig abheilte
(vgl.
Protokoll, Urk. 7/14.2)
. Wenn der Beschwerdeführer auch noch für eine kurze Zeit
in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt war, so war er immerhin in der Lage, den WK zu Ende zu führen und seine p
hysisch belastende Tätigkeit als Bauar
beiter
danach
zunächst zu
50 %
und bereits ab dem 19. Mai 2008
– und noch bis
anfangs Februar 2009 -
wieder zu 100 % auszuüben (Urk. 7/14.2 S.
3
, Urk
.
7/3). Nachdem die ärztliche Behandlung schon drei
bis vier Wochen nach dem WK
hatte abgeschlossen werden können, konsultierte er Dr.
A.___
wegen
Rücken
beschwerde
n
erst wieder im Februar 2009
(
Urk. 7/4.1,
Urk. 7/14.2 S. 3).
Dass
d
er
Beschwerdeführer
weiterhin unter erheb
lichen
Schmerzen gelitten hätte, wie
er nach Kenntnis
nahme
der
Leistungsver
weigerung
geltend machte
(Ur
k
. 7/26, Urk. 7/27)
, steht nicht nur im Widerspruch zu seine
n
ursprünglichen Angaben (zum Beweiswert der
„
Aussagen der ersten Stunde
“
vgl.
BGE 121 V 45 E. 1a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis
), sondern auch zur während gut
Drei
viertel
jahren
gezeigten vollen Lei
stungsfähigkeit als Bau
arbeiter und erscheint daher nicht als glaubhaft.
In Anbetracht der Tatsache, dass
der durch das Trauma Mitte April 2008 ausgel
östen Symptomatik nach Lage der Akten kein weiterer
als der bereits vorbestandene strukturelle Schaden an der Wirbelsäule zu Grunde
lag
,
und a
ufgrund
des geschilderten Verlaufs ist davon auszugehen, dass die dienst
liche Verschlimmerung schon wenige Wo
chen nach dem Unfall wieder be
hoben und damit auch der Status quo sine wie
der erreicht war.
Auf die ge
gen
teiligen Ausführungen von Prof. Dr.
Y.___
und der Hausärztin Dr.
A.___
kann insofern nicht abgestellt werden, als
diese und
der genannte G
utachter
davon ausging
en
, dass der Beschwerdeführer zwi
schen dem Unfall vom 15. April
2008 und anfangs 2009 unter anhaltenden
Beschwerden
ge
litten hatte
(
vgl. Expertise Prof.
Dr.
Y.___
vom 15. Dezember 2009 [
Urk. 7/43 S. 11
] und Bericht
Dr.
A.___
vom 10. Juli 2009 [Urk. 7/33]
)
. Dies lässt sich indes
weder mit den
– unterschriftlich bestätigten - gegenteiligen Aussagen des Beschwerde
füh
rers
gegenüber dem
Aussendienstmitarbeiter der
Militärversi
cherung
am 2. April 2009
(Urk. 7/14.2 S. 3) noch mit der während über acht Monaten vollen Arbeits
fähig
keit in der die Wirbelsäule erheblich belastenden Tätigkei
t auf dem Bau verein
ba
ren.
Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auch darauf, dass
die unmittel
bar vor dem Ereignis vom 15. April 2008 bestan
dene Beschwerdefreiheit an sich noch nicht auf die Unfallkausalität der Anfang 2009 aufgetretenen
Rücken
symptomatik
schliessen
lässt
(vgl. Gutachten Prof. D
r.
Y.___
vom 15. Dezember 2009
[
Urk. 7/43 S. 11
], Bericht Dr.
A.___
vom 10. Juli 2009 [Urk. 7/33]
), handelt es sich dabei doch um einen unzulässigen „
post
hoc ergo
propter
hoc“-Schluss
, wonach eine Schädigung bereits deshalb durch einen Unfall verursacht erachtet wird, weil sie nach diesem aufgetreten ist
(
vgl.
hiezu
etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_590/2007 vom 6. Oktober 2008 E. 7.2.4).
4.4
Bei dieser Ausgangslage fällt eine Leistungspflicht der Militärversicherung für
die anfangs 2009 aufgetretenen Rückenschmerzen höchstens unter dem Titel Spät
folgen oder Rückfall in Betracht.
Angesichts des
einerseits
nach dem Unfall vom 15. April 2008 während über acht Monaten bestandenen beschwerde- und daher auch behandlungsfreien Intervalls bei voller Arbeitsfähigkeit als Bauar
bei
ter und andererseits des die erneuten Rückenbeschwerden auslösenden neuen
Ereignisses
Anfang 2009
(Urk. 7/14.2 S. 3)
ist der der Militärversicherung am
13. Februar 2009 g
emeldete Gesundheitsschaden
(Urk. 7/4.1)
indes weder als Spätfolge noch als Rückfall
zum Vorfall vom 15. April 2008
zu interpretieren.
4.5
Nach Lage der Akten ist der Unfall vom 15. April 2008 schliesslich auch nicht die
überwiegend wahrscheinliche Ursache für die – erstmals
wenige Tage
da
nach
im folgenden Wochenendurlaub
nach dem Geschlechtsverkehr
aufgetre
tene
–
mehr
malige Makrohämaturie
.
Eine – einzig vom Gutachter Prof. Dr.
Y.___
mehr als anderthalb Jahre nach dem fraglichen Ereignis diag
nostizierte –
Nierenkon
tu
sion
(Urk. 7/43 S. 10 und S. 11)
zog kein anderer Arzt auch nur in Betracht, und Dr.
D.___
legte überzeugend dar, dass eine
Unfall
kausalität
der Makrohämaturie schon aufgrund der zeitlichen Gegebenheiten
(wiederholtes Auftreten zwischen April 2008 und April 2009) auszuschliessen sei (Urk. 7/50 S. 6).
4.6
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die ab Februar 2009 behandelte
Rücken
symptomatik
nicht mit der Mitte April 2008 erlittenen LWS-Kontusion zu er
klären, sondern mit überwiegender Wahrscheinlichkeit (ausschliesslich) auf das de
generative Grundleiden respektive dessen schicksalshaften Verlauf zurückzu
führen sind. Da auch die – nachdienstlich wiederholt aufgetretene –
Makrohä
maturie
unklarer Genese in keinem überwiegend wahrscheinlichen natürlichen Kausalzusammenhang zum Geschehnis vo
m
15. April 2008 steht, erweist sich der
Einspracheentscheid
der Militärversicherung vom 23. Mai 2012 (Urk. 2) als rechtens. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Fürsprecher Herbert Schober
-
Suva, Abteilung Militärversicherung
-
Sanitas
-
Bundesamt für Gesundheit, Aufsicht Militärversicherung
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
82 ff. in Verbindung mit
Art.
90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 1
5.
Juli bis und mit 1
5.
August sowie vom 1
8.
Dezember bis und mit dem
2.
Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthal
ten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin
GräubFischer