# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 646fcee4-a836-514b-a665-5d7d9d171449
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2012-03-13
**Language:** de
**Title:** Graubünden Verwaltungsgericht 3. Kammer 13.03.2012 S 2011 160
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_VG_003_S-2011-160_2012-03-13.pdf

## Full Text

S 11 160

3. Kammer als Versicherungsgericht

URTEIL
vom 13. März 2012

in der verwaltungsrechtlichen Streitsache

betreffend IV-Rente

1. …, geboren 1988, erlitt während dem Schulsport eine Subarachnoidialblutung 

bei ruptiertem Aneurysma der linken Carotisartherie, welche in der Folge 

diverse stationäre Spital- und Rehabilitationsaufenthalte erforderlich machte. 

Am 24. August 2004 wurde er zum Bezug von Leistungen aus der 

Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden 

angemeldet. Diese finanzierte u.a. eine ambulante Physio- u. Ergotherapie, 

Hilfsmittel (u.a. Fussheberorthese) und übernahm Reisekosten zur 

Ermöglichung des Schulbesuchs. Nach Abschluss der Sekundarschule im 

Sommer 2006 übernahm sie die Kosten für berufliche Massnahmen. 

Nachdem der Versicherte eine Lehre als Konstrukteur am Lernzentrum in 

Zürich nach wenigen Wochen zufolge deutlicher Überlastung abbrechen 

musste, zeigten die in der Folge getätigten beruflichen Abklärungen seine 

Eignung für Berufsbereiche mit PC-Arbeitsplatz. In der Folge konnte er an der 

Stiftung für wirtschaftliche und soziale Integration Erwerbsbeeinträchtigter 

(ESPAS) in Richterswil eine Ausbildung im Informatikbereich (interne und 

teilweise externe Schulungen, so u.a. bei der Migros Klubschule) antreten. Im 

Laufe der Ausbildung zeigte sich, dass eine volle Ausbildung als Informatiker 

ausgeschlossen war und auch eine Attestausbildung nicht in Frage kam, weil 

der Versicherte allgemein verlangsamt war und auf Druck sehr negativ 

reagierte. Nach Abschluss seiner Ausbildung erhielt er ab 1. Januar 2010 eine 

Stelle als Verwaltungsassistent beim Amt für Wirtschaft und Tourismus 

Graubünden. Vorgesehen war ein 60%-Pensum mit einem Bruttolohn von Fr. 

2'500.--. Das Pensum musste dann aber nach ca. 3 Wochen auf 50 % 

reduziert werden. 

Mit Vorbescheid vom 7. Februar 2011 sprach die IV-Stelle dem Versicherten 

ausgehend vom tatsächlichen Verdienst (bei einem Arbeitspensum von 100 

% Fr. 54'158.--) aufgrund eines Invaliditätsgrades (IV-Grad) von 50 % eine 

halbe Rente zu.  

Auf entsprechenden Einwand des Versicherten hin bestätigte die IV-Stelle die 

verfügte halbe Rente. Das Valideneinkommen legte sie gestützt auf Art. 26 

Abs. 1 IVV auf Fr. 60'800.-- fest. Hinsichtlich des Invalideneinkommens stellte 

sie anstelle des tatsächlich erzielten Lohnes auf die Tabellenlöhne gemäss 

den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen 

Lohnstrukturerhebungen (LSE) ab, wobei sie ausgehend von der vom 

Versicherten absolvierten Ausbildung ihrer Berechnung das 

Anforderungsniveau 3 zugrunde legte. Bei einer 50%igen Tätigkeit und unter 

Vornahme des maximalen Leidensabzuges von 25 % resultiere ein 

Invalideneinkommen von Fr. 27’852.-- und damit ein IV-Grad von 54,2 %. 

Falls der Invalidenlohn dem tatsächlichen Lohn gleichgestellt werde, ergebe 

sich ein IV-Grad von 55,5 %.

2. Dagegen erhob … am 8. Dezember 2011 Beschwerde beim 

Verwaltungsgericht mit dem Antrag um Aufhebung der angefochtenen 

Verfügung und Ausrichtung einer Dreiviertelsrente ab 1. Januar 2010 (Ziff. 1). 

Ferner ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und 

Rechtsverbeiständung (Ziff. 3). Die in der angefochtenen Verfügung 

vorgenommene Festlegung des Validenlohns werde akzeptiert. Bestritten 

werde demgegenüber die Ermittlung des hypothetischen 

Invalideneinkommens. Wie sich den Akten zweifelsfrei entnehmen lasse, 

habe die Behinderung zu einem raschen Abbruch der Konstrukteurenlehre 

geführt und sie verunmögliche ihm denn auch jede ordentliche 

Berufsausbildung. Den in der Stiftung ESPAS besuchten Kursen käme nie der 

Stellenwert einer Berufslehre zu. Selbst eine Attestausbildung sei nicht 

möglich gewesen. Er habe sich mit Einzelkursen begnügen müssen, und 

lediglich den einen oder anderen erfolgreich abschliessen können. 

Entsprechend seiner aktenkundigen quantitativen und qualitativen Defizite 

selbst bei einer 50%-Anstellung könne als Basis lediglich das 

Anforderungsniveau 4 herangezogen werden. Darauf abstellend resultiere bei 

einer 50%-Anstellung und einem 25%igen Leidensabzug ein 

Invalideneinkommen von 23'426.--, was im Vergleich mit dem 

Valideneinkommen den geltend gemachten Anspruch auf eine 

Dreiviertelsrente begründe. Angesichts der aktenkundigen Berichte und 

Abklärungsergebnisse bestünden grosse Zweifel, dass der Beschwerdeführer 

auf dem freien Arbeitsmarkt überhaupt vermittelbar sei. Wie die 

Stellungnahme des Arbeitgebers verdeutliche, erhalte er am aktuellen 

Arbeitsplatz einen Soziallohn und verfüge auch bei weitem nicht über die 

Leistungsfähigkeit eines gesunden 50%-Angestellten. Die vorinstanzliche 

Annahme, er könne auf dem freien Arbeitsmarkt 50 % des Medianlohnes 

eines Berufstätigen erzielen, gehe daher selbst bei Vornahme eines 

Leidensabzuges von 25 % fehl. 

3. Die IV-Stelle beantragte die Abweisung der Beschwerde. Unbestritten 

geblieben seien das Valideneinkommen sowie die der Verfügung zugrunde 

liegende Annahme, dass der Beschwerdeführer in einer 

behinderungsgeeigneten Tätigkeit einem 50%-Pensum nachgehen könne. 

Entgegen der beschwerdeführerischen Auffassung setze nun aber die 

Anwendbarkeit des Anforderungsniveaus 3 keine erfolgreich absolvierte 

Berufslehre oder Attestausbildung voraus. Ebenso wenig werde in diesem 

Zusammenhang verlangt, dass ein Versicherter selbstständige und 

qualifizierte Arbeiten verrichten könne. Diesfalls müsste auf das 

Anforderungsniveau 2 abgestellt werden. Vorliegend ergebe sich aus den 

Akten, dass der Beschwerdeführer in der ESPAS im Informatik-/BüroBereich 

ausgebildet worden sei, dabei einige Zertifikate erworben habe und in jenem 

Bereich auch bereits tätig sei. Dies alles zeige, dass er entsprechend über ein 

solides Berufs- und Fachwissen verfüge, welches das Abstellen auf das 

Anforderungsniveau 3 rechtfertige. Entsprechend lasse sich ein 

Invalideneinkommen von Fr. 27'851.88 bzw. ein IV-Grad von 54,2 % ermitteln. 

Selbst wenn auf die Werte gemäss Anforderungsniveau 4 abgestellt werden 

müsste, liesse sich keine Dreiviertelsrente rechtfertigen, weil sich diesfalls 

höchstens ein Leidensabzug von 15 % rechtfertigen liesse. Der 

Beschwerdeführer verfüge nämlich in Bezug auf Nationalität, Sprach-, Schul- 

u. Berufskenntnisse im Vergleich zum Durchschnitt erhebliche 

Wettbewerbsvorteile. Entsprechend würde eine Invalideneinkommen von Fr. 

26'549.45 bzw. ein IV-Grad von 56,3 % resultieren, was aufzeige, dass kein 

Anspruch auf eine Dreiviertelsrente bestehe. 

Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften wird, 

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:

1. a) Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze 

oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über 

den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität 

kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 

des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). 

Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen 

oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung 

und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der 

Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen 

Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG).

b) Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG 

in Verbindung mit Art. 28 Abs. 2 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs 

zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person 

nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen 

Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr 

zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte 

(sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, 

das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. 

Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise 

zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen 

ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt 

werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad 

bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 

V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen). 

c) Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden 

beruflichen Kenntnisse erwerben, so entspricht gemäss Art. 26 Abs. 1 der 

Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) das Erwerbseinkommen, 

das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, den nach Alter abgestuften 

Prozentsätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der 

Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik, so nach Vollendung von 

21 und vor Vollendung von 25 Altersjahren 80 %.  

d) Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei 

einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine 

Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch 

auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent 

Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von 

mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 1 IVG).

2. Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin das Valideneinkommen des 

Beschwerdeführers im Jahre 2011 gestützt auf das durchschnittliche 

Einkommen der Arbeitnehmer zur Invaliditätsbemessung bei Geburts- und 

Frühinvaliden ohne ausreichende berufliche Kenntnisse für die Altersstufe 21 

- 25 in Anwendung der Angaben des Bundesamtes für Sozialversicherungen 

(BSV) auf Fr. 60’800.-- beziffert. Von dieser Festlegung kann, nachdem sie 

seitens des Beschwerdeführers akzeptiert worden ist, ausgegangen werden. 

3. a) Im Zuge der Invaliditätsbemessung streitig ist einzig die Festlegung des 

massgebenden Invalideneinkommens. Für die Bestimmung desselben ist 

primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die 

versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine 

Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ - stabile Arbeitsverhältnisse gegeben 

sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in 

zumutbarer Weise voll ausschöpft, sowie das Einkommen aus der 

Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint, gilt 

grundsätzlich der von ihr erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches 

tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die 

versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder 

jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen 

hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom 

Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen 

Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 

3b/aa und bb, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). 

b) Praxisgemäss wird dabei auf die standardisierten Bruttolöhne 

(Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei 

jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der 

Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass 

ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, welcher 

Wert etwas tiefer ist als die bis 1998 betriebsübliche durchschnittliche 

Arbeitszeit von wöchentlich 41,9 Stunden, seit 2009 von 41,6 Stunden (Die 

Volkswirtschaft 12-2010 S. 90 Tabelle B9.2; BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 

75 f. E. 3b/bb, 124 V 321 E. 3b/aa; AHI 2000 S. 81 E. 2a).

c) Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen 

Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls 

zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich 

berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit 

körperliche Schwerarbeit verrichteten und nach Eintritt des 

Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nurmehr beschränkt 

einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche 

Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei 

Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem 

allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Rechtsprechung dem 

Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche 

Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, 

Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad 

Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber 

nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall 

Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder 

mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-

)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit 

unterdurchschnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung 

der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale 

auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall 

gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des 

Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu 

beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der 

Vergleichseinkommen mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im 

Rahmen des sogenannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt 

werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).

4. a) Im Vorbescheid vom 7. Februar 2011 ist die IV-Stelle davon ausgegangen, 

dass der Beschwerdeführer seine verbliebene Rest-Arbeitsfähigkeit im Sinne 

einer zumutbaren Erwerbstätigkeit tatsächlich voll ausnützt (50 % 

Arbeitspensum als Verwaltungsassistent beim kantonalen Amt für Wirtschaft 

und Tourismus) und dabei ein Jahreseinkommen von Fr. 27'079.-- (Fr. 2'083.-

- x 13) erzielt. Dabei ging sie vom Vorliegen eines stabilen 

Arbeitsverhältnisses sowie eines der Arbeitsleistung des Versicherten 

entsprechenden Lohnes aus. In der angefochtenen Verfügung stellte sie - 

ausgehend von einer unbestritten gebliebenen, medizinisch-theoretischen 

Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 % in einer behinderungsgeeigneten 

Tätigkeit (= körperlich leichte Tätigkeit mit überwiegen intellektueller 

Beanspruchung) - zur Ermittlung des erzielbaren Verdienstes, anstelle des 

tatsächlichen Verdienstes, neu auf die Tabellenlöhne (TA1 der LSE 2008, 

Anforderungsniveau 3) ab. Auf der Basis der üblichen durchschnittlichen 

Arbeitszeit von 41,6 Wochenstunden und einer Arbeitsfähigkeit von 50 % 

ermittelte sie unter Berücksichtigung der Lohnentwicklungen in den Jahren 

2009 - 2011 (2,1 %; 1,0 %; 1,0 %) und unter Gewährung des maximalen, 

25%igen Leidensabzuges ein hypothetisches Invalideneinkommen von Fr. 

27'851.88. Entsprechend bestätigte sie den im Vorbescheid vorgesehenen 

Anspruch auf eine halbe IV-Rente.

b) Der Beschwerdeführer erachtet dieses Einkommen als zu hoch und 

beanstandet insbesondere das zur Ermittlung herangezogene 

Anforderungsniveau 3. Er stellt sich auf den Standpunkt, als Basis könne nur 

das Anwendungsniveau 4 dienen. Das entsprechend aufgerechnete, 

nominallohnindexierte Jahreseinkommen 2011 betrage denn auch nur Fr. 

62'649.--. Bei einer medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit von 50 %  und 

unter Berücksichtigung des 25%igen Leidensabzuges betrage das 

hypothetische Invalideneinkommen Fr. 23'246.--. Aus dem Vergleich 

zwischen Validen- und Invalideneinkommen resultiere daher ein Anspruch auf 

eine Dreiviertelsrente. Seinen Einwänden kann nicht gefolgt werden.

c) Entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Auffassung setzt die 

Anwendbarkeit des Anforderungsniveaus 3 keine erfolgreich absolvierte  

Berufslehre oder Attestausbildung voraus. Ebenso wenig wird in diesem 

Zusammenhang verlangt, dass ein Versicherter selbstständige und 

qualifizierte Arbeiten verrichten kann. Erfüllt ein Versicherter nämlich letztere 

Voraussetzung, muss auf das Anforderungsniveau 2 abgestellt werden. 

Vorliegend ist daher entscheidend, ob der Beschwerdeführer, welcher keine 

Berufslehre absolvieren konnte und auch über keine Attestausbildung verfügt, 

im umschriebenen Rahmen über hinreichende Berufs- und Fachkenntnisse 

(i.c. im Dienstleistungssektor) verfügt. Dies ist zu bejahen. Aktenkundig ist, 

dass er vom 1. Mai 2007 bis 31. Dezember 2009, mithin mehr als zwei Jahre 

im Rahmen des Lehrganges EDCL (European Computer Driving Licence) 

Adanced im Informatik-/Bürobereich ausgebildet worden ist und verschiedene 

Zertifikate (Word und Powerpoint; Web Assistant SIZ) erworben hat. Im 

Abschlussbericht der ESPAS vom 23. Dezember 2009 wurde denn auch in 

vorliegend interessierendem Zusammenhang folgendes Fazit gezogen:

„Herr … verfügt über gute Kenntnisse in den gängigen Office Programmen 
(Word, Excel, Powerpoint, Access). Deshalb sollte es möglich sein, für ihn 
einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft zu finden, wenn seine 
Einschränkung, vor allem seine Verlangsamung, an diesem Arbeitsplatz 
berücksichtigt werden kann. Mittlerweile hat er den Kurs zum SIZ-Web-
Assistant abgeschlossen und hat viel Freude am Aufbau und der Pflege von 
Webseiten. Auch in diesem Bereich kann er zur Content-Pflege und zu 
Anpassungen an Webseiten eingesetzt werden. Auch in der 
Grafikbearbeitung unter Photoshop und GIMP hat er sich eingearbeitet.“

Ferner wurde anlässlich einer am 26. Januar 2009 erfolgten Besprechung 

zwischen dem Beschwerdeführer, der IV-Berufsberatung und der ESPAS 

festgehalten, dass Können und Wissen bei ihm vorhanden seien und er an 

einer „0815“-Stelle unterfordert wäre. Die Qualität seiner Arbeit sei sehr gut, 

er habe eine überlegte Vorgehensweise und arbeite recht selbstständig. Die 

mögliche Präsenzzeit und aktuelle Leistungsfähigkeit sei mit 50 % zu 

veranschlagen, wobei aufgrund der körperlichen Beeinträchtigungen ein 

durchschnittlicher Leistungsgrad von ca. 80 % erzielt werden könne.

Der Tenor dieser Aussage findet sich denn auch im Schreiben des kantonalen 

Amtes für Wirtschaft und Tourismus (AWT) vom 18. Februar 2011, wo u.a. 

ausgeführt wurde:

„Urs hat sich seit Beginn seiner Tätigkeit anfangs des letzten Jahres gut ins 
AWT-Team integriert und immer auch Interesse und Neugier an den 
anstehenden Aufgaben gezeigt. Man spürt seinen Willen, sich und seine 
Fähigkeiten produktiv einzusetzen. Er geht sehr strukturiert an die ihm 
übertragenen Aufgaben heran. 
Rein quantitativ kann das 50%-Pensum aufgrund der durch die Lähmung 
verursachten langsamen Bewegungsabläufe wohl nie dem Pensum einer 
unversehrten Person entsprechen. In Kenntnis dessen haben wir zeitlich auch 
nie irgendwelchen Druck aufgesetzt.“
Im Lichte der geschilderten Aktenlage betrachtet, ist entsprechend mit der 

Vorinstanz davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ein seinen 

Möglichkeiten entsprechendes gutes Berufs- und Fachwissen erworben hat 

und im Dienstleistungssektor hinreichende Berufs- und Fachkenntnisse 

besitzt, welche das Abstellen auf die Tabellenlöhne des Anforderungsniveaus 

3 rechtfertigen. Für das vom Beschwerdeführer beantragte Abstellen auf das 

Anforderungsniveau 4 besteht bereits daher weder Grund noch Anlass. 

Seinen physischen und psychischen Beeinträchtigungen hat die Vorinstanz 

mit der Gewährung des maximalen Leidensabzuges von 25 % angemessen 

berücksichtigt.

Der massgebende Basislohn (Lohn bei Männern im privaten Sektor 

Dienstleistungen, Anforderungsniveau 3) beläuft sich auf Fr. 5'714.--. 

Entsprechend beträgt das hypothetische Invalideneinkommen für das Jahr 

2011, wie von der Vorinstanz unter Gewährung eines 25%igen 

Leidensabzuges zutreffend ermittelt, Fr. 27'851.88 (Fr. 5'714.-- x 12 : 40 x 

41,6 x 0,5 x 1,021 x 1,01 x 1,01 x 0.75). Im Vergleich mit dem anerkannten 

Valideneinkommen für das Jahr 2011 von CHF 60'800.-- resultiert ein IV-Grad 

von 54,2 %, welcher den Anspruch auf eine halbe Rente bestätigt. 

d) Selbst wenn bei der Ermittlung des erzielbaren Verdienstes auf die 

Tabellenlöhne nach dem Anforderungsniveau 4 (Basislohn Fr. 4'806.--) 

abgestellt werden müsste, wofür aber wie dargelegt kein Anlass besteht, 

könnte der Beschwerdeführer daraus nichts zugunsten seiner Begehren 

ableiten. Nach der Rechtsprechung kann vom Tabellenlohn hinsichtlich 

verschiedener in Betracht fallender, einkommensbeeinflussender Merkmale 

ein Abzug von maximal 25 % vorgenommen werden, wobei anhand der 

gesamten Umstände des Einzelfalles zu prüfen ist, ob und in welchem 

Umfang eine Kürzung vorzunehmen ist (BGE 126 V 78 E. 5 mit Hinweisen). 

Vorliegend ist in diesem Zusammenhang relevant, dass der deutschsprachige 

Beschwerdeführer Schweizer ist sowie über die vorstehend (Erw. 4.c) 

geschilderten Schul-, Berufs- und Fachkenntnisse verfügt. Daher weist er auf 

dem Anforderungsniveau 4 im Vergleich zum Durchschnitt mit Sicherheit 

einige Wettbewerbsvorteile auf, denen bei der Bemessung der 

Leidensabzuges angemessen Rechnung zu tragen ist. Als angemessen 

erscheint daher beim Abstellen auf das Anforderungsniveau 4 ein Abzug von 

bestenfalls 15 %. Daraus resultiert unbestrittenermassen ein 

Invalideneinkommen fürs 2011 von Fr. 26'549.46, was einem IV-Grad von 

56,3 %, d.h. dem Anspruch auf eine halbe Rente entspricht. 

e) Im Lichte des Dargelegten ergibt sich demnach so oder anderes ein IV-Grad, 

welcher für die Zeit ab 1. Januar 2010 (nach Abschluss der beruflichen 

Massnahmen) einen Anspruch auf eine halbe Rente ergibt, was zur 

Abweisung der Beschwerde führt.

5. a) Zu prüfen bleibt damit noch der vom Beschwerdeführer geltend gemachte 

Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung im 

vorliegenden Beschwerdeverfahren. Nach Art. 61 lit. f ATSG muss im 

kantonalen Beschwerdeverfahren das Recht, sich verbeiständen zu lassen, 

gewährleistet sein, wobei der Beschwerde führenden Person ein 

unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt wird, wo die Verhältnisse es 

rechtfertigen. Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen 

für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung 

erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die 

anwaltliche Verbeiständung notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 47, 

100 V 62, 98 V 117). 

b) Mit der Umschreibung in Art. 61 lit. f ATSG, wonach die Verhältnisse es 

"rechtfertigen" müssen, hat der Gesetzgeber zwar weniger strenge 

Voraussetzungen aufgestellt, als sie für die unentgeltliche Vertretung im 

Verwaltungsverfahren gelten (Kieser, Kommentar zum ATSG, 2. Aufl., Zürich 

2009, Rz 104 zu Art. 61). Vorausgesetzt wird jedoch weiterhin die 

Bedürftigkeit des Ansprechers. An dieser mangelt es vorliegend. Aus den 

verschiedenen, im vorliegenden Verfahren eingereichten Unterlagen geht 

nämlich hervor, dass der Beschwerdeführer Ende Dezember 2010 über ein 

Vermögen von rund Fr. 63'000.-- (Wertschriften und Guthaben) verfügte. 

Einkommensrelevant sind sein Lohn von monatlich Fr. 2'087.70 (inkl. Anteil 

13. Monatslohn), die IV-Rente (ab 1.1.2010) von monatlich Fr. 774.-- sowie 

der anteilsmässige Ertrag auf Wertschriften und Guthaben von monatlich Fr. 

73.--. Dies ergibt ein monatliches Einkommen von Fr. 2'934.70. Diesen sind 

die anerkannten monatlichen Aufwendungen bzw. vom Beschwerdeführer 

geltend gemachten und belegten monatlichen Ausgaben gegenüberzustellen: 

- Grundbetrag für eine Einzelperson in Höhe von Fr. 1'200.-- (vgl. 

Kreisschreiben des Kantonsgerichts von Graubünden vom 18. August 

2009 betreffend Änderung der Richtlinien für die Berechnung des 

betreibungsrechtlichen Existenzminimums [Notbedarf] nach Art. 93 

SchKG), 

- Zuschlag von 20 % auf den Grundbetrag, also Fr. 240.--, 

- Wohnungsmiete Fr. 780.--, 

- Krankenkassenprämie nach KVG Fr. 227.60

- Steuern  Fr. 50.--

Dies ergibt monatliche Auslagen in der Höhe von Fr. 2’497.60. Aus dem 

Vergleich der Einnahmen von Fr. 2'934.70 und der Ausgaben von Fr. 

2’497.60.-- resultiert ein Überschuss von Fr. 437.10, welche dem 

Beschwerdeführer über dem (erweiterten) Existenzminimum zur Verfügung 

stehen. Entsprechend ist bereits die Voraussetzung der Bedürftigkeit nicht 

ausgewiesen ist. Mit dem ihm verbleibenden Überschuss ist es ihm auf jeden 

Fall möglich, die im vorliegenden Verfahren anfallenden Kosten 

(Anwaltsrechnung vom 16. Januar 2012 Fr. 2'781.85; Gerichtskosten 

insgesamt Fr. 700.--) innert Jahresfrist zu bezahlen (vgl. zum Ganzen: Bühler, 

Prozessarmut, S. 131 ff., in Gerichtskosten, Parteikosten, Prozesskaution, 

unentgeltliche Prozessführung, Bern 2001). Der Beschwerdeführer wird auf 

die Möglichkeit der Ratenzahlung hingewiesen, welche hinsichtlich der 

Gerichtskosten mit der Finanzverwaltung des Kantons Graubünden vereinbart 

werden kann. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege 

und Rechtsverbeiständung ist daher vollumfänglich abzuweisen.

6. Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von 

IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind 

nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen 

(Art. 69 Abs. 1bis IVG in der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) 

und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens 

sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.

Demnach erkennt das Gericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und 

Rechtsverbeiständung wird abgewiesen.

3. Die Kosten von Fr. 700.-- gehen zulasten von … und sind innert 30 Tagen seit 

Zustellung dieses Entscheides an die Finanzverwaltung des Kantons 

Graubünden, Chur, zu bezahlen.