# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 2585d1ef-8909-566d-89ea-4ef4d5b117f9
**Source:** Basel-Landschaft (BL)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2015-08-04
**Language:** de
**Title:** Basel-Land Kantonsgericht Abteilung Strafrecht 04.08.2015 470 15 155
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BL_Gerichte/BL_KG_004_470-15-155_2015-08-04.pdf

## Full Text

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Entscheid des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, vom 

4. August 2015 (470 15 155) 

____________________________________________________________________ 

 

 

 

Strafprozessrecht 

 

 

Widerruf von Ersatzmassnahmen 

 

 

Besetzung Präsident Enrico Rosa, Richter Markus Mattle (Ref.), Richter Edgar 

Schürmann; Gerichtsschreiber Dominik Haffter 

 

 

Parteien Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung WK, 

Rheinstrasse 27, 4410 Liestal,  

Beschwerdeführerin 

  

 

gegen 

 

 

 Zwangsmassnahmengericht Basel-Landschaft,  

Grenzacherstrasse 8, Postfach 810, 4132 Muttenz,  

Beschwerdegegner 

 

 

Gegenstand Rechtsverweigerung 

Beschwerde gegen den Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts 

Basel-Landschaft vom 19. Juni 2015 

 

  

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A. Mit Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts Basel-Landschaft vom 19. Juni 2015 

wurde auf den Antrag der Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft, Hauptabteilung WK, auf An-

ordnung von Untersuchungshaft gegen A.____ nicht eingetreten (Ziffer 1 des Entscheiddisposi-

tivs) und der Antrag der Staatsanwaltschaft auf polizeiliche Zuführung durch das Zwangsmass-

nahmengericht im Hinblick auf die Anordnung von Untersuchungshaft abgewiesen (Ziffer 2 des 

Entscheiddispositivs).  

 

B. Gegen diesen Entscheid erhob die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 24. Juni 2015 

Beschwerde beim Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, und beantragte, es 

sei der Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts aufzuheben, das Zwangsmassnahmenge-

richt zu verpflichten, auf den Antrag der Staatsanwaltschaft vom 18. Juni 2015 auf Anordnung 

von Untersuchungshaft einzutreten und diesen materiell zu behandeln. Im Weiteren wurde be-

antragt, es sei das Beschwerdeverfahren gegenüber dem Beschuldigten geheim zu führen, 

eventualiter die Untersuchungshaft für die vorläufige Dauer von drei Monaten durch das Kan-

tonsgericht anzuordnen, wobei der Beschuldigte diesfalls polizeilich vorzuführen und das Ver-

fahren bis zur polizeilichen Vorführung geheim zu führen und dem Beschuldigten erst nach 

dessen polizeilicher Vorführung das rechtliche Gehör zu gewähren sei; unter o/e-Kostenfolge.  

 

C. Mit Stellungnahme vom 29. Juni 2015 stellte das Zwangsmassnahmengericht den An-

trag, es sei die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen, unter o/e-Kostenfolge.  

 

 

Erwägungen 

1. Formelles 

1.1 Gemäss Art. 222 der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO, SR 312.0) kann 

die verhaftete Person Entscheide über die Anordnung, die Verlängerung und die Aufhebung der 

Untersuchungs- oder Sicherheitshaft bei der Beschwerdeinstanz anfechten. Obwohl in Art. 222 

StPO nicht explizit als beschwerdebefugt genannt, kommt auch der Staatsanwaltschaft Be-

schwerdelegitimation zu (BGE 137 IV 22, E. 1.2 ff.; MARC FORSTER, Basler Kommentar StPO, 

2. Aufl. 2014, Art. 222 N 6, mit weiteren Hinweisen). Das Verfahren richtet sich diesfalls nach 

Art. 393 ff. StPO. Laut Art. 393 Abs. 1 lit. c StPO ist die Beschwerde zulässig gegen die Ent-

scheide des Zwangsmassnahmengerichts in den in diesem Gesetz vorgesehenen Fällen. Die 

Beschwerde ist innert 10 Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzu-

reichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Die Beschwerdeinstanz beurteilt unter anderem Beschwerden 

gegen Verfahrenshandlungen und gegen nicht der Berufung unterliegende Entscheide des 

Zwangsmassnahmengerichts in den in diesem Gesetz vorgesehenen Fällen (Art. 20 Abs. 1 lit. c 

StPO). Im Kanton Basel-Landschaft wird die Funktion der Beschwerdeinstanz gemäss § 15 

Abs. 2 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EG StPO, 

SGS 250) durch die Dreierkammer des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung Strafrecht, 

ausgeübt. 

 

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1.2 Vorliegend wurden mit Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts Basel-Landschaft 

vom 19. Juni 2015 die Anträge der Staatsanwaltschaft betreffend Anordnung der Untersu-

chungshaft gegen den Beschuldigten sowie betreffend polizeiliche Zuführung durch das 

Zwangsmassnahmengericht im Hinblick auf die Anordnung von Untersuchungshaft abgewie-

sen. Es liegt somit ein zulässiges Anfechtungsobjekt vor. Die Legitimation der Staatsanwalt-

schaft ist ebenfalls gegeben. Mit Eingabe vom 24. Juni 2015 wurde die Beschwerdefrist einge-

halten. Ebenso ist die Zuständigkeit der Dreierkammer des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, 

Abteilung Strafrecht, unstrittig, so dass auf die Beschwerde einzutreten ist.  

 

 

2. Materielles 

2.1 Das Zwangsmassnahmengericht erwägt in seinem Entscheid vom 19. Juni 2015, ge-

mäss Art. 237 Abs. 5 StPO könne das Gericht Ersatzmassnahmen jederzeit widerrufen, andere 

Ersatzmassnahmen oder die Untersuchungs- bzw. die Sicherheitshaft anordnen, wenn neue 

Umstände dies erfordern oder die beschuldigte Person die ihr gemachten Auflagen nicht erfülle. 

Allerdings sei das Verfahren nach Art. 237 Abs. 5 StPO nicht geregelt, weshalb sich eine sinn-

gemässe Anwendung von Art. 228 Abs. 4 StPO empfehle, wonach das Zwangsmassnahmen-

gericht spätestens innert 5 Tagen nach Eingang der Replik bzw. nach Ablauf der in Abs. 3 ge-

nannten Frist in einer nicht öffentlichen Verhandlung entscheide, ausser die beschuldigte Per-

son verzichte ausdrücklich auf eine mündliche Verhandlung. Dies entbinde jedoch die Staats-

anwaltschaft nicht davon, wolle sie am Antrag auf Anordnung von Untersuchungshaft gegen 

den Beschuldigten festhalten, ein Verfahren gemäss Art. 224 StPO einzuleiten, weshalb auf 

den Antrag auf Anordnung von Untersuchungshaft nicht eingetreten werden könne, zumal der 

Beschuldigte bislang nicht durch die Staatsanwaltschaft befragt worden sei.  

 

2.2 Demgegenüber führt die Staatsanwaltschaft in ihrer Beschwerde vom 24. Juni 2015 

aus, die sinngemässe Anwendung der Vorschriften über das Haftentlassungsgesuch nach Art. 

228 Abs. 4 StPO komme nur in Frage, sofern die beschuldigte Person ein Gesuch um Aufhe-

bung von Ersatzmassnahmen stelle. Ferner verkenne das Zwangsmassnahmengericht, dass 

sich das Verfahren um Anordnung von Untersuchungshaft gemäss Art. 237 Abs. 5 StPO we-

sentlich vom Verfahren um Anordnung von Untersuchungshaft gemäss Art. 224 StPO unter-

scheide. Während es bei Letzterem in der Tat so sei, dass die Staatsanwaltschaft der beschul-

digten Person Gelegenheit geben müsse, sich zum Tatverdacht und zu den Haftgründen zu 

äussern, sei dies im Verfahren gemäss Ar. 237 Abs. 5 StPO eben gerade nicht der Fall, zumal 

die entsprechende Befragung bereits mittels der ursprünglichen Hafteröffnungseinvernahme 

durch die Staatsanwaltschaft sowie anlässlich der ursprünglichen Haftverhandlung durch das 

Zwangsmassnahmengericht durchgeführt worden sei. Namentlich gehe es im Haftanordnungs-

verfahren nach Art. 237 Abs. 5 StPO gerade nicht um die Feststellung des dringenden Tatver-

dachts sowie der Haftgründe, da diese bereits festgestellt worden seien, sondern um die Frage, 

ob die beschuldigte Person die ihr gemachten Auflagen nicht erfüllt habe und daher Haft anzu-

ordnen sei. Auch sei eine vorausgehende Festnahme der beschuldigten Person nur im Rahmen 

des Verfahrens nach Art. 224 StPO zwingend, nicht hingegen bei einem Verfahren im Sinne 

von Art. 237 Abs. 5 StPO, in welchem eine vorausgehende Festnahme einzig im Sinne einer 

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akzessorischen, vorläufigen Massnahme ergehen könne. Ferner liege die Kompetenz zur An-

ordnung der polizeilichen Vorführung im Sinne von Art. 207 Abs. 1 lit. d StPO bei der Verfah-

rensleitung des Zwangsmassnahmengerichts, zumal der Staatsanwaltschaft es im Verfahren 

zur Anordnung von Haft nach Art. 237 Abs. 5 StPO an der Kompetenz zur Anordnung einer 

polizeilichen Vorführung fehle, da es sich dabei um eine rein vorsorgliche Massnahme im 

Haftanordnungsverfahren des Zwangsmassnahmengerichts handle. Im Übrigen sei die Anord-

nung der polizeilichen Vorführung durch das Zwangsmassnahmengericht aus rechtsstaatlicher 

Sicht unproblematisch.  

 

2.3 Mit Stellungnahme vom 29. Juni 2015 legt das Zwangsmassnahmengericht dar, vorlie-

gend handle es sich beim Hauptantrag der Staatsanwaltschaft um einen Antrag auf Anordnung 

von Untersuchungshaft und damit um einen deutlich schwerwiegenderen Grundrechtseingriff 

als dies bei einer Änderung von Ersatzmassnahmen der Fall wäre. Somit könne nicht ein Ver-

fahren entsprechend den Bestimmungen von Art. 228 Abs. 4 StPO durchgeführt werden. Die 

Verletzung der Ersatzmassnahmen stelle im vorliegenden Fall automatisch die Begehung neuer 

Delikte dar, insbesondere sei deren Verhinderung der Grund des Erlasses dieser Ersatzmass-

nahmen gewesen. Zudem sei allein die Tatsache, dass Ersatzmassnahmen verletzt worden 

seien, für die Anordnung von Untersuchungshaft nicht ausreichend, da es sich sonst um eine 

reine Sanktion handeln würde. Vielmehr müssten neue Entwicklungen vorliegen, welche an der 

Ausgangslage im Vergleich zum vorangehenden Entscheid etwas ändern würden. Folglich 

müsse erneut geprüft werden, ob die Haftgründe gegeben seien, weshalb das Verfahren ver-

gleichbar mit einem ordentlichen Verfahren betreffend Haftanordnung gemäss Art. 224 StPO 

sei. Insofern mache eine Anhörung durch die Staatsanwaltschaft durchaus Sinn, sei das 

Zwangsmassnahmengericht doch normalerweise nicht im Besitz sämtlicher Verfahrensakten 

und kenne somit den genauen Stand des Verfahrens nicht.  

 

Auf die übrigen Vorbringen der Parteien wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgen-

den Erwägungen eingegangen.  

 

2.4 Gemäss Art. 237 Abs. 5 StPO kann das Gericht die Ersatzmassnahmen jederzeit wi-

derrufen, andere Ersatzmassnahmen oder die Untersuchungs- oder die Sicherheitshaft anord-

nen, wenn neue Umstände dies erfordern oder die beschuldigte Person die ihr gemachte Aufla-

gen nicht erfüllt. Erforderlich sind neue Entwicklungen, die sich nach Anordnung der Ersatz-

massnahmen ergeben haben und welche eine Neubeurteilung aufdrängen (BGer 1B_173/2013 

vom 29. Mai 2013, E. 4.2; MARKUS HUG/ALEXANDRA SCHEIDEGGER, Zürcher Kommentar StPO, 

2. Aufl. 2014, Art. 237 N 13). Ein Verstoss hat allerdings nicht zwingend eine Inhaftierung der 

beschuldigten Person oder eine Verschärfung der Ersatzmassnamen zur Folge, mithin ist kein 

Automatismus vorgesehen. Vielmehr ist erforderlich, dass das Verhalten der beschuldigten 

Person offenbart, dass es ihr entweder am Willen oder an der Fähigkeit fehlt, sich an die aufer-

legten Ersatzmassnahmen zu halten. Es geht folglich um eine Neubeurteilung der Verhältnis-

mässigkeit der Massnahmenanordnung. Namentlich ist im Falle der Anordnung von Untersu-

chungs- oder Sicherheitshaft nochmals zu prüfen, ob nach wie vor ein Haftgrund besteht 

(NIKLAUS SCHMID, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl. 2013, Art. 237 

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Rn 1060; FABIO MANFRIN, Ersatzmassnahmenrecht nach Schweizerischer Strafprozessordnung, 

Ein Beitrag zur Konkretisierung des Verhältnismässigkeitsprinzips im Haftrecht, erschienen in: 

Luzerner Beiträge zur Rechtswissenschaft, Band/Nr. 88, S. 334). Das Gericht trifft den Ent-

scheid von Amtes wegen oder auf Antrag der Staatsanwaltschaft oder des Beschuldigten hin 

(MATTHIAS HÄRRI, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 237 N 51; NIKLAUS SCHMID, Pra-

xiskommentar StPO, 2. Aufl. 2013, Art. 237 N 19). 

 

2.5 Weder Art. 237 Abs. 5 StPO noch die weiteren Bestimmungen der Strafprozessord-

nung regeln das Verfahren zur Anordnung von Untersuchungs- respektive Sicherheitshaft im 

Zusammenhang mit dem Widerruf von Ersatzmassnahmen explizit. In casu steht offenkundig 

der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Anordnung von Untersuchungshaft gegenüber dem Be-

schuldigten zufolge neu begangener Straftaten im Vordergrund. Es stellt sich daher in erster 

Linie die Frage, ob die Bestimmungen zur Haftanordnung nach Art. 224 StPO im vorliegenden 

Fall analog anzuwenden sind. Gemäss Art. 224 Abs. 1 StPO hat die Staatsanwaltschaft die 

beschuldigte Person unverzüglich zu befragen, sofern die Anordnung von Untersuchungshaft in 

Frage kommt. Dabei ist der beschuldigten Person Gelegenheit zu geben, sich zur drohenden 

strafprozessualen Inhaftierung, zum Tatverdacht und zu den besonderen Haftgründen zu äus-

sern (MARC FORSTER, Basler Kommentar StPO, 2. Aufl. 2014, Art. 224 N 1 f.). Soweit die 

Staatsanwaltschaft diesbezüglich vorbringt, das Verfahren im Sinne von Art. 224 StPO könne in 

casu keine analoge Anwendung finden, da eine erneute Befragung nicht notwendig sei, habe 

die Hafteröffnungseinvernahme doch bereits vor dem ursprünglichen Antrag betreffend Haftan-

ordnung stattgefunden, kann ihr nicht gefolgt werden. Entsprechend den vorstehenden rechtli-

chen Ausführungen besteht im Falle eines Verstosses gegen angeordnete Ersatzmassnahmen 

kein Automatismus, weshalb nicht ohne Weiteres eine Inhaftierung der beschuldigten Person 

anzuordnen ist. Vielmehr hat das Zwangsmassnahmengericht bei seinem Entscheid nach 

Art. 237 Abs. 5 StPO eine Neubeurteilung der Verhältnismässigkeit der Massnahmenanordnung 

vorzunehmen und in diesem Zusammenhang auch zu prüfen, ob nach wie vor ein Haftgrund 

besteht. Überdies ist die beschuldigte Person mit den neuen Entwicklungen, welche zu einer 

Neubeurteilung führen könnten, zu konfrontieren. Demzufolge ist die beschuldigte Person ein-

gehend zu befragen.  

 

2.6 Diese eingehende Befragung hat die im entsprechenden Verfahrensabschnitt zustän-

dige Verfahrensleitung durchzuführen, zumal diese sämtliche sachlichen und organisatorischen 

Anordnungen zu treffen hat, die im Rahmen eines gesetzmässigen, geordneten Strafverfahren 

erforderlich und geeignet erscheinen, das Verfahren (in casu das Vorverfahren) zu seinem ord-

nungsgemässen Abschluss zu führen, und die von Amtes wegen oder auf Antrag der Verfah-

rensbeteiligten zu treffen sind (vgl. Art. 62 Abs. 1 StPO; ADRIAN JENT, Basler Kommentar StPO, 

2. Aufl. 2014, Art. 61 N 1). Die Verfahrensleitung inne hat bis zur Einstellung oder Anklageerhe-

bung die Staatsanwaltschaft (Art. 61 lit. a StPO), im Gerichtsverfahren bei Kollegialgerichten die 

Präsidentin oder der Präsident des betreffenden Gerichts (Art. 61 lit. c StPO) und im Gerichts-

verfahren bei Einzelgerichten die Richterin oder der Richter (Art. 61 lit. d StPO).  

 

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2.7 In casu befindet sich das Verfahren nach wie vor im Vorverfahren (Art. 299 Abs. 1 

StPO), zumal das Vorverfahren erst mit Erlass eines Strafbefehls, Anklageerhebung oder Ein-

stellung des Verfahrens endet (Art. 318 Abs. 1 StPO). Demzufolge hat die Staatsanwaltschaft 

die beschuldigte Person mit den im entsprechenden Verfahrenszeitpunkt nur ihr bekannten 

neuen Umständen und mit dem Vorwurf, die gemachten Auflagen nicht erfüllt zu haben, zu kon-

frontieren bzw. zu befragen. Entsprechend den Ergebnissen dieser Befragung hat die Staats-

anwaltschaft einen Widerruf der bisherigen Ersatzmassnahmen und an deren Stelle andere 

oder zusätzliche Ersatzmassnahmen oder die Anordnung von Untersuchungshaft gegen den 

Beschuldigten beim Zwangsmassnahmengericht zu beantragen. In diesem Zusammenhang ist 

daran zu erinnern, dass sich die Befugnisse des Zwangsmassnahmengerichts hinsichtlich der 

Verfahrensleitung auf das vor ihm stattfindende Verfahren beschränken. Mithin ist dem 

Zwangsmassnahmengericht die Verfahrensleitung nur für die Verfahren in seinem Zuständig-

keitsbereich übertragen. Die Staatsanwaltschaft behält hingegen die Verfahrensleitung bezüg-

lich ihrer eigenen Befugnisse, wie sie in Art. 16 StPO festgelegt sind (BGer 1B_195/2011 vom 

28. Juni 2011, E. 2.3 f.; Pra 101 (2012) Nr. 44).  

 

2.8 Ferner spricht sich auch die Doktrin, soweit es um die Festnahme der beschuldigten 

Person im Rahmen des Verfahrens nach Art. 237 Abs. 5 StPO geht, für eine analoge Anwen-

dung der Bestimmungen von Art. 224 StPO aus (ALEXIS SCHMOCKER, Commentaire romand 

CPP, Art. 237 N 16; FABIO MANFRIN, Ersatzmassnahmenrecht nach Schweizerischer Strafpro-

zessordnung, Ein Beitrag zur Konkretisierung des Verhältnismässigkeitsprinzips im Haftrecht, 

erschienen in: Luzerner Beiträge zur Rechtswissenschaft, Band/Nr. 88, S. 335). Soweit NIKLAUS 

SCHMID eine analoge Anwendung der Bestimmungen von Art. 228 Abs. 4 StPO nahelegt 

(NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar StPO, 2. Aufl. 2013, Art. 237 N 21; NIKLAUS SCHMID, Hand-

buch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl. 2013, Rn. 1060), bezieht er sich offenbar 

auf das Gesuch der beschuldigten Person um Aufhebung der Ersatzmassnahme im Rahmen 

von Art. 237 Abs. 5 StPO, mithin ein Verfahren, welches vom vorliegenden Fall zu unterschei-

den ist.  

 

2.9 Somit drängt sich eine analoge Anwendung von Art. 224 StPO hinsichtlich des Verfah-

rens zur Anordnung von Untersuchungs- respektive Sicherheitshaft im Zusammenhang mit dem 

Widerruf von Ersatzmassnahmen auf, solange die Staatsanwaltschaft das Verfahren bis zur 

Einstellung oder Anklageerhebung zu leiten hat und namentlich die Anordnung von Untersu-

chungshaft gegen die beschuldigte Person anstrebt (Art. 61 lit. a StPO). Hat hingegen das 

Strafgericht die Verfahrensleitung inne (Art. 61 lit. c und d StPO), so ist die Sicherheitshaft im 

Zusammenhang mit dem Widerruf von Ersatzmassnahmen in analoger Anwendung von 

Art. 229 Abs. 2 StPO anzuordnen, wobei diese Bestimmung wiederum auf eine sinngemässe 

Anwendung von Art. 224 StPO verweist. Einzig hinsichtlich der Anordnung von Sicherheitshaft 

im Zusammenhang mit dem Widerruf von Ersatzmassnahmen während des Verfahrens vor dem 

Berufungsgericht kann sich das Verfahren nicht auf eine analoge Anwendung von Art. 224 

StPO stützen. Vielmehr richtet sich das Verfahren in diesem Fall nach Art. 237 Abs. 5 StPO 

i.V.m. Art. 232 StPO, weshalb die Verfahrensleitung der Berufungsinstanz die in Haft zu set-

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zende Person unverzüglich vorzuführen, anzuhören und innert 48 Stunden seit der Zuführung 

über eine allfällige Anordnung von Sicherheitshaft zu entscheiden hat.  

 

2.10 Das Zwangsmassnahmengericht ist somit zu Recht nicht auf den Antrag der Staatsan-

waltschaft auf Anordnung von Untersuchungshaft im Zusammenhang mit dem Widerruf von 

Ersatzmassnahmen eingetreten, da diese die Verfahrensregeln gemäss Art. 237 Abs. 5 StPO 

i.V.m. Art. 224 StPO nicht eingehalten hat, nämlich den Beschuldigten vorzuladen, nötigenfalls 

vorzuführen, mit den neuen Erkenntnissen zu konfrontieren, anzuhören und danach zu ent-

scheiden, ob sie weitergehende Ersatzmassnahmen oder die Anordnung von Untersuchungs-

haft beim Zwangsmassnahmengericht beantragen will oder nicht. Die Beschwerde erweist sich 

daher als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.  

 

 

3. Kosten 

Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend gehen die Verfahrenskosten zu Lasten des Staa-

tes. Die Gerichtsgebühr wird gestützt auf § 13 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren der 

Gerichte (GebT, SGS 170.31) auf Fr. 1'000.-- festgesetzt. Hinzu kommen Auslagen in der Höhe 

von Fr. 50.--, welche ebenfalls zu Lasten des Staates gehen.     

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Demnach wird erkannt: 

 

://: 1. Die Beschwerde wird abgewiesen. 

 

 2. Die Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'050.--, bestehend aus 

einer Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- sowie Auslagen von Fr. 50.--, 

gehen zu Lasten des Staates. 

 

 3. Dieser Beschluss wird den Parteien schriftlich eröffnet. 

 

 

 

Präsident 
 
 
 
 
Enrico Rosa 

Gerichtsschreiber 
 
 
 
 
Dominik Haffter 

 

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