# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** cd6eea6c-1a3d-59f5-84cf-4061d2045d45
**Source:** Graubünden (GR)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2016-08-30
**Language:** de
**Title:** Graubünden Kantonsgericht II. Strafkammer 30.08.2016 SK2 2016 19
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/GR_Gerichte/GR_KG_005_SK2-2016-19_2016-08-30.pdf

## Full Text

Kantonsgericht von Graubünden
Dretgira chantunala dal Grischun
Tribunale cantonale dei Grigioni

Ref.: Chur, 30. August 2016 Schriftlich mitgeteilt am:
SK2 16 19 01. September 2016

Beschluss
II. Strafkammer

Vorsitz Pritzi
RichterInnen Hubert und Schnyder
Aktuar Nydegger

des X._____, Beschwerdeführer, vertreten durch MLaw Sandra Lazzarini, Qua-
derstrasse 18, 7002 Chur, 

gegen

die Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden, Jugendanwaltschaft, vom 22. 
April 2016, mitgeteilt am 22. April 2016, in Sachen des Beschwerdeführers,

betreffend vorsorgliche Anordnung von Schutzmassnahmen/Versetzung,

hat sich ergeben:

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I. Sachverhalt

A. Die Jugendanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Jugendanwaltschaft) 
führt seit dem 16. Juni 2015 gegen X._____ eine Strafuntersuchung wegen Wi-
derhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz etc. In diesem Zusammenhang 
befand sich X._____ vom 25. bis am 30. Juni 2015 in Untersuchungshaft. Mit Ver-
fügung vom 13. Juli 2015 wurde X._____ gestützt auf Art. 9 JStG sowie Art. 26 
Abs. 1 lit. d und Art. 29 JStPO während laufendem Strafverfahren zur Beobach-
tung und Abklärung (Begutachtung) in die Jugendinstitution A._____ eingewiesen. 
Der Eintritt erfolgte am Dienstag, 14. Juli 2015.

B. Während seines Aufenthalts in der A._____-Jugendstätte zeigte X._____ 
ein grundsätzlich angepasstes Verhalten. Hingegen konsumierte er weiterhin re-
gelmässig Betäubungsmittel. Trotz intensiver Betreuung sowie zahlreicher Inter-
ventionen durch die betreuenden Mitarbeiter der Jugendstätte gab X._____ mehr-
heitlich positive Urinproben (insbesondere auf Cannabis) ab. Zudem bestand der 
Verdacht, dass X._____ Cannabis in der Jugendstätte an andere Heimbewohner 
abgegeben hatte. X._____ gab den Konsum von Marihuana zu, bestritt aber, mit 
Cannabis oder anderen Substanzen gehandelt zu haben. Nachdem X._____ auch 
nach zwei Time-outs während laufender Unterbringung weiterhin Betäubungsmit-
tel, insbesondere Marihuana, konsumierte, empfahl die Jugendstätte am 19. No-
vember 2015 eine langfristig angelegte Entwöhnung des THC-Konsums. Darauf-
hin wurde die mit der Beobachtung/Abklärung von X._____ in der Jugendstätte 
angeordnete Unterbringung abgebrochen. X._____ wurde per 20. November 2015 
aufgrund des ausgeprägten Suchtverhaltens und zu seinem eigenen Schutz bei 
einer Pflegefamilie der Organisation "B._____" zwischenplatziert und am 2. De-
zember 2015 in die Therapiegemeinschaft C._____ versetzt.

C. Der Aufenthalt von X._____ in der Therapiegemeinschaft C._____ war ge-
prägt von anfänglich sehr hohem und auch nach längerem Aufenthalt noch anhal-
tendem Suchtdruck. X._____ entwendete oder kaufte trotz entsprechender Aufla-
gen mehrfach Alkohol. Er liess sich über einen Kollegen bearbeitete Kaugummis 
und Zigaretten mit unbekannten Substanzen zukommen. Zudem versuchte er sich 
durch die Einnahme von Muskatnuss zu berauschen. X._____ zeigte sich oft un-
ruhig, unkonzentriert, unmotiviert und war häufig nicht in der Lage oder nicht wil-
lens, eine ihm aufgetragene Arbeit über längere Zeit auszuführen. Im Bericht vom 
12. Mai 2016 kommt die Jugendinstitution C._____ zum Schluss, dass X._____ 
das vereinbarte Ziel einer längerfristigen Suchtmittelabstinenz nur teilweise er-
reichte. Seine Suchtproblematik sei im letzten Monat seines Time-outs besonders 

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stark zum Vorschein gekommen. Zum Zeitpunkt des Timeout-Endes lasse sich für 
X._____ keine günstige Prognose stellen. X._____ benötige eine intensive (statio-
näre) pädagogische und therapeutische Betreuung mit besonderem Augenmerk 
auf die Bewältigung seiner Sucht- und Frustrationsproblematik.

D. Im Gutachten des psychiatrisch-psychologischen Dienstes der A._____-
Jugendstätte A._____ vom 20./22. Januar 2016 wurden bei X._____ diverse 
Störungen, unter anderem auch eine Störung durch Cannabinoide, d.h. ein Ab-
hängigkeitssyndrom, festgestellt. Die Gutachterin empfahl die Anordnung einer 
Massnahme, bestehend aus einer Kombination von psychotherapeutischer Be-
handlung, Nacherziehung in institutionellem Rahmen und beruflicher Integration. 
Weiter empfahl die Gutachterin eine stationäre, mehrmonatige therapeutische Be-
handlung in einer suchtspezifischen Institution (Klinik) sowie eine therapeutische 
Auseinandersetzung mit seinen Aggressionen und seiner Impulsivität, die Entwick-
lung von Emotionsregulationsstrategien und den Ausbau von sozialen Kompeten-
zen. In einem zweiten Schritt hält die Gutachterin eine Unterbringung mit klaren, 
konstanten Strukturen, welche eine engmaschige Aufsicht, Kontrolle und Tages-
strukturierung gewährleisten kann, für richtig. Es wird eine Unterbringung in einer 
offenen, sozialpädagogisch geführten Institution mit der Möglichkeit einer flankie-
renden, ambulanten psychotherapeutischen Behandlung empfohlen.

E. X._____ befand sich im Zeitpunkt des Eingangs des psychiatrischen Gut-
achtens bereits in der Jugendinstitution C._____, einer Institution, welche die För-
derung der Cannabisabstinenz von X._____ zum Ziel hatte, aber keine weiter-
führenden therapeutischen und berufsintegrativen Möglichkeiten vorsah. X._____ 
gab trotz grossen Suchtdrucks während seines Aufenthalts im C._____ negative 
Urinproben ab. Die Jugendanwaltschaft verzichtete deshalb als Anschlusslösung 
auf die Anordnung einer mehrmonatigen therapeutischen Behandlung in einer 
suchtspezifischen Institution (Klinik) und suchte nach einer Anschlusssituation, 
welche den Empfehlungen des Gutachtens entspricht.

F. Zwecks Vollzugs der Empfehlungen gemäss Gutachten ordnete die Ju-
gendanwaltschaft mit Verfügung vom 22. April 2016, gleichentags mitgeteilt, was 
folgt, an:

"1. X._____ wird am 3. Mai 2016 in das Massnahmezentrum D._____ 
versetzt. Der Eintritt erfolgt um 15.00 Uhr.

2. X._____ wird durch einen Mitarbeiter der Institution C._____ in das 
Massnahmezentrum D._____ überführt.

3. [Rechtsmittelbelehrung]

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4. [Mitteilung]"

Die Verfügung wurde im Wesentlichen damit begründet, dass es sich beim Mass-
nahmezentrum D._____ um eine offene, sozialpädagogisch geführte Institution 
handle, welche die gemäss Gutachten erforderlichen Kriterien (Institution mit kla-
ren, konstanten Strukturen sowie engmaschige Aufsicht, Kontrolle und Tages-
strukturierung) erfülle und auch die ambulante psychotherapeutische Behandlung 
anbiete.

G. Dagegen liess X._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 
3. Mai 2016 Beschwerde an das Kantonsgericht von Graubünden erheben und 
beantragte, was folgt:

"1. Es sei die Verfügung der Jugendanwaltschaft Graubünden vom 22. 
April 2016 aufzuheben und es sei von einer Versetzung des Herrn 
X._____ in das Massnahmezentrum D._____ abzusehen.

2. Eventuell sei dem Beschwerdeführer die Versetzung in die E._____ zu 
bewilligen, oder subeventuell in eine andere, geeignete Institution als 
mildere Massnahme zu versetzen.

3. Es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen.

4. Es sei dem Beschwerdeführer für das hierseitige Verfahren vor Kan-
tonsgericht die Unterzeichnende als amtliche Verteidigerin zu bestel-
len.

5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Kantons 
Graubünden."

H. Mit Verfügung des Vorsitzenden der II. Strafkammer vom 9. Mai 2016 wur-
de das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde ab-
gewiesen.

I. In ihrer Stellungnahme vom 18. Mai 2016 beantragte die Jugendanwalt-
schaft die Abweisung der Beschwerde.

J. Mit Eingabe vom 2. Juni 2016 änderte der Beschwerdeführer das in seiner 
Beschwerde gestellte Begehren in Ziff. 2, wie folgt:

"Ziff. 2: Eventuell sei dem Beschwerdeführer die Versetzung in die E._____ 
(recte: E._____) zu bewilligen, oder er sei subeventuell in eine andere ge-
eignete und seine Freiheit weniger einschränkende Institution zu verset-
zen."

K. Auf die übrigen Eingaben der Parteien, die weitere Begründung der Anträge 
in den Rechtsschriften, auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung so-
wie auf die in vorliegender Angelegenheit erstellten Gutachten und Berichte wird, 
soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

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II. Erwägungen

1. a) Gegen die vorsorgliche Anordnung von Schutzmassnahmen im Sinne von 
Art. 5 JStG kann gemäss Art. 39 Abs. 2 lit. a JStPO Beschwerde geführt werden. 
Zuständig ist die Beschwerdeinstanz (Art. 39 Abs. 3 JStPO). Beschwerdeinstanz 
in Jugendstrafsachen ist das Kantonsgericht (Art. 7 Abs. 1 lit. c JStPO i.V.m. Art. 
22 EGzStPO). Die Zulässigkeit der Beschwerde und die Beschwerdegründe rich-
ten sich nach Art. 393 StPO (Art. 39 Abs. 1 JStPO). Im Übrigen sind die Bestim-
mungen der StPO anwendbar, sofern die JStPO keine besondere Regelung 
enthält (Art. 3 Abs. 1 JStPO). Die Beschwerde ist demnach innert 10 Tagen 
schriftlich und begründet einzureichen (Art. 322 Abs. 2 StPO; Art. 396 Abs. 1 
StPO). Die beschwerdeführende Partei hat dabei genau anzugeben, welche Punk-
te des Entscheides bzw. der Verfügung sie anficht (Art. 385 Abs. 1 lit. a StPO), 
welche Gründe einen anderen Entscheid nahelegen (Art. 385 Abs. 1 lit. b StPO) 
und welche Beweismittel sie anruft (Art. 385 Abs. 1 lit. c StPO). Mit Beschwerde 
können gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO sowohl Rechtsverletzungen, einschliesslich 
Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und 
Rechtsverzögerung (lit. a), als auch die unvollständige oder unrichtige Feststellung 
des Sachverhalts (lit. b) gerügt werden. Ferner kann die Rüge der Unangemes-
senheit (lit. c) erhoben werden. Zur Beschwerde legitimiert sind entgegen dem 
Wortlaut von Art. 382 Abs. 1 StPO nicht nur die Parteien, sondern auch die ande-
ren Verfahrensbeteiligten nach Art. 105 StPO, soweit sie ein rechtlich geschütztes 
Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheids haben, d.h. soweit 
sie durch den angefochtenen Entscheid beschwert sind. 

b) Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die vorsorgliche Anordnung 
von Schutzmassnahmen, wogegen nach dem Ausgeführten die Beschwerde 
zulässig ist. Der Beschwerdeführer als beschuldigte Person ist durch die Anord-
nung der Schutzmassnahme bzw. durch die Versetzung in das Massnahmezen-
trum D._____ direkt betroffen und damit ohne Weiteres beschwert, weshalb er zur 
Beschwerdeerhebung legitimiert ist. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist einzutreten.

2. Das Beschwerdeverfahren ist unter Vorbehalt von Art. 390 Abs. 5 StPO ein 
schriftliches und nicht öffentliches Verfahren (Art. 397 Abs. 1 StPO). Mit der Be-
schwerde können alle Mängel der angefochtenen Verfügung oder Verfahrens-
handlung geltend gemacht werden (Art. 393 Abs. 2 StPO). Insbesondere lässt die 
Beschwerde die Rüge der Sachverhaltsermittlung, der Rechtsanwendung wie 
auch der Ermessensausübung zu. Demnach können Rechtsverletzungen, einsch-

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liesslich Ermessensmissbrauch oder -überschreitung, Rechtsverweigerung und -
verzögerung wie auch die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sach-
verhalts gerügt werden. Damit sind auch neue Tatsachenbehauptungen und Be-
weise zulässig (vgl. Daniel Jositsch et al., Schweizerische Jugendstrafprozessord-
nung, Kommentar, Zürich/St. Gallen 2010, N 3 zu Art. 39 JStPO). Die Rechtsmit-
telinstanz verfügt über eine volle Kognition und ist befugt und verpflichtet, die ihr 
unterbreitete Sache frei und umfassend zu prüfen.

3. Mit Verfügung des Vorsitzenden der II. Strafkammer vom 27. Mai 2016 (KG 
act. D.3) wurde MLaw Sandra Lazzarini für das vorliegende Beschwerdeverfahren 
gestützt auf Art. 25 Abs. 1 lit. c JStPO i.V.m. Art. 24 lit. d JStPO als amtliche Ver-
teidigerin bestellt.

4. Die Beschwerde richtet sich nicht grundsätzlich gegen die vorsorgliche An-
ordnung einer Unterbringung gemäss Art. 15 JStG, sondern gegen die Versetzung 
in das Massnahmezentrum D._____ und die dort geplante ambulante psychothe-
rapeutische Behandlung (vgl. Beschwerde, Rz. 4).

a) Hat der Jugendliche eine mit Strafe bedrohte Tat begangen und ergibt die 
Abklärung, dass er einer besonderen erzieherischen Betreuung oder therapeuti-
schen Behandlung bedarf, so ordnet die urteilende Behörde die nach den Um-
ständen erforderlichen Schutzmassnahmen an, unabhängig davon, ob er schuld-
haft gehandelt hat (Art. 10 Abs. 1 JStG). Kann die notwendige Erziehung und Be-
handlung des Jugendlichen nicht anders sichergestellt werden, so ordnet die urtei-
lende Behörde die Unterbringung an. Diese erfolgt namentlich bei Privatpersonen 
oder in Erziehungs- oder Behandlungseinrichtungen, die in der Lage sind, die er-
forderliche erzieherische oder therapeutische Hilfe zu leisten (Art. 15 Abs. 1 JStG). 
Vor der Unterbringung zur Behandlung einer psychischen Störung in einer offenen 
Einrichtung oder vor der Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung ordnet 
die urteilende Behörde eine medizinische oder psychologische Begutachtung an, 
falls diese nicht bereits auf Grund von Art. 9 Abs. 3 JStG erstellt wurde (Art. 15 
Abs. 3 JStG). Während der Untersuchung kann die zuständige Behörde vorsorg-
lich die Schutzmassnahmen nach den Art. 12-15 JStG anordnen (Art. 5 JStG). 
Sämtliche vorsorglichen Schutzmassnahmen im Sinne von Art. 12 ff. i.V.m. Art. 5 
JStG müssen den Verfassungsgrundsatz der Verhältnismässigkeit gemäss Art. 36 
Abs. 3 BV wahren, das heisst, die Massnahme muss zur Zielerreichung geeignet 
und erforderlich sein, und es muss eine vernünftige Relation zwischen dem Ein-
griff und dem angestrebten Ziel bestehen (Urteil des Bundesgerichts 1B_231/2012 
vom 14. Mai 2012, E. 2.2).

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b) Die Jugendanwaltschaft stützt sich in ihrem Entscheid auf das Gutachten 
des psychiatrisch-psychologischen Dienstes der Jugendstätte A._____ vom 20. 
Januar 2016 (StA act. 2.15). Der Beschwerdeführer wendet gegen dieses Vorge-
hen ein, bei den gutachterlichen Schlussfolgerungen handle es sich um blosse 
Empfehlungen; Abweichungen davon seien möglich und bei gegebenen Umstän-
den sogar notwendig (Beschwerde, Rz. 19).

aa) Das Gutachten gelangt zum Schluss (vgl. S. 71 ff.), dass beim Beschwerde-
führer eine psychische Störung im Sinne einer hyperkinetischen Störung des So-
zialverhaltens, eine beeinträchtigte Entwicklung in erzieherischer Hinsicht mit 
Auswirkung auf sein Sozialverhalten sowie ein stark ausgeprägtes Suchtverhalten 
vorliege. Diese Beeinträchtigungen seien, so das Gutachten, deliktsrelevant. Sie 
würden - verbunden mit einer erhöhten Beeinflussbarkeit durch dissozial in Er-
scheinung getretene und konsumierende Peers - das Auftreten erneuter ähnlicher 
Delikte begünstigen und zu einem deutlich erhöhten Rückfallrisiko führen. Ohne 
besondere Unterstützung könne der prognostisch ungünstigen Entwicklung nicht 
in genügendem Ausmasse entgegengetreten werden. Um die Entwicklung in eine 
erwünschte günstige Richtung zu ermöglichen und weiter zu fördern und um 
zukünftiger Delinquenz präventiv entgegenzutreten, sei die Anordnung von Mass-
nahmen notwendig, wobei eine Kombination von psychotherapeutischer Behand-
lung, Nacherziehung im institutionellen Rahmen und beruflicher Integration sinn-
voll sei. Aufgrund der im Vordergrund stehenden Suchtproblematik werde in einem 
ersten Schritt eine stationäre, mehrmonatige therapeutische Behandlung in einer 
suchtspezifischen Institution empfohlen. Daneben solle eine therapeutische Aus-
einandersetzung des Beschwerdeführers mit seinen Aggressionen und seiner Im-
pulsivität stattfinden. Eine Rückkehr in sein gewohntes soziales und familiäres 
Umfeld stehe derzeit ausser Frage. Ambulante erzieherische Massnahmen hätten 
sich in der Vergangenheit als unzureichend abgezeichnet und es erfolge keine 
überdauernde Verhaltensänderung, welche aktuell für eine erfolgreiche Implemen-
tierung ambulanter erzieherischer Massnahmen sprechen würde. In einem zwei-
ten Schritt sei deshalb eine Unterbringung mit klaren, konstanten Strukturen ange-
zeigt, welche eine engmaschige Aufsicht, Kontrolle (inklusive Urinproben) und Ta-
gesstrukturierung gewährleisten könne. Es würde eine Unterbringung in einer of-
fenen sozialpädagogisch geführten Institution mit der Möglichkeit einer flankieren-
den, ambulanten psychotherapeutischen Behandlung empfohlen. Nach erfolgter 
suchtspezifischer Behandlung verbunden mit einer Stabilisierung des Suchtverhal-
tens könne der Versuch einer offenen Unterbringung gewagt werden. Falls aber in 
diesem Rahmen notwendige Disziplinierungen nicht befolgt und somit nicht durch-

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geführt werden könnten, müsse die Möglichkeit bestehen, die Sicherung der
Massnahme durch einen Wechsel in eine geschlossene Institution zu gewährleis-
ten. Im Rahmen der Unterbringung werde eine berufliche Zukunftsperspektive als 
äussert wichtig erachtet. Hinsichtlich einer Berufsausbildung werde davon ausge-
gangen, dass diese ihn stabilisiere.

bb) Das Gutachten ist für die streitigen Belange umfassend und es beruht auf 
allseitigen Untersuchungen, Befragungen und Berichten. Es äussert sich über die 
im Gutachterauftrag enthaltenen Fragen vollständig, genau und deutlich. Die ent-
sprechenden Schlussfolgerungen sind begründet, nachvollziehbar und schlüssig. 
Entgegen der Meinung des Beschwerdeführers (vgl. Beschwerde, Rz. 10) leidet 
es auch nicht an innerer Widersprüchlichkeit. Das Gutachten empfiehlt kein Ein-
zelsetting für den Beschwerdeführer; jedenfalls ergibt sich dies nicht aus der vom 
Beschwerdeführer zitierten Fundstelle (S. 71 f. des Gutachtens). In Anbetracht 
dessen ist nicht zu beanstanden, wenn die Jugendanwaltschaft den Schlussfolge-
rungen des Gutachtens folgt. Die Vorbringen des Beschwerdeführers vermögen 
die Aussagen des Gutachtens denn auch nicht in Zweifel zu ziehen (vgl. dazu so-
gleich im Einzelnen).

cc) Der Beschwerdeführer bringt in der Sache zunächst vor, er sei in der Lage, 
auf den Konsum von cannabishaltigen Produkten zu verzichten. Der eigentliche 
Substanzmissbrauch hänge stark von seiner Führung und Erziehung ab. Werde er 
in einem engen Rahmen betreut und würden sich für ihn keine Möglichkeiten bie-
ten, sich dissozial in Erscheinung tretenden Peer-Gruppen anzuschliessen bzw. 
sich von solchen beeinflussen zu lassen, lasse er vom Cannabis-Konsum ab. Im 
Massnahmezentrum D._____ werde das Risiko der Beeinflussung des Beschwer-
deführers durch Peer-Gruppen erhöht. Zudem sei zur Behandlung des Beschwer-
deführers eine suchtspezifische Institution nicht notwendig. Er habe in jüngster 
Vergangenheit gezeigt, dass er auch ausserhalb von derartigen Institutionen in der 
Lage sei, den Konsum von Cannabis zu unterlassen. Dem ist entgegen zu halten, 
dass der Suchtdruck beim Beschwerdeführer offenbar nach wie vor ein grosses 
Thema darstellt. Zwar hat er während seines Aufenthaltes in der Jugendinstitution 
C._____ über einige Monate auf den Konsum von Cannabis verzichtet, allerdings 
hat er sich in dieser Zeit mit anderen Mitteln (sog. Verlagerungssubstanzen) be-
rauscht oder zu berauschen versucht (Alkohol, Muskatnuss etc.). Entsprechend 
wurde ihm von der Jugendinstitution C._____ in ihrem Schlussbericht denn auch 
keine günstige Prognose gestellt. Von einer vollständig gelösten Suchtproblematik 
kann deshalb keine Rede sein, dies umso mehr auch deshalb, da er unmittelbar 
vor seinem Eintritt in das Massnahmezentrum D._____ erneut Cannabis konsu-

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mierte. Selbst wenn man diesen neuerlichen Konsum als gewisse Trotzreaktion 
gegenüber der Versetzung in den D._____ verstehen will, zeigt dieses Verhal-
tensmuster eben doch, dass sein Verzicht auf den Konsum von Cannabis 
während seiner Zeit in der Jugendinstitution C._____ nicht stabil genug und nach-
haltig war. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdefüh-
rer in für ihn schwierigen Situationen erneut Cannabis konsumiert und sich die 
Suchtproblematik damit aktualisiert. Ziel der Suchttherapie muss dementspre-
chend sein, auch unter widrigen Umständen dem Konsum von Cannabis entsagen 
zu können. Dementsprechend steht die Therapiebedürftigkeit des Beschwerdefüh-
rers aktuell ausser Frage.

dd) Im Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, er habe keine stärkere 
Neigung zu Gewalt als ein Durchschnittsmensch. Auch liege bei ihm keine 
Störung des Sozialverhaltens vor. Die vergangenen Aggressionen und die erhöhte 
Impulsivität stünden in einem engen Zusammenhang mit seinem Drogenkonsum. 
Es bestehe diesbezüglich kein Therapie- bzw. Behandlungsbedarf. Dem stehen 
indessen die Feststellungen des Gutachtens entgegen. Das aktenkundige, biswei-
len aggressive Verhalten des Beschwerdeführers etwa in Form von Wutaus-
brüchen ist gemäss Gutachten nicht (nur) auf den Drogenkonsum zurückzuführen, 
sondern wird von diesem - bedingt durch eine allgemein niedrige Frustrationstole-
ranz, eine geringe Impulskontrolle sowie durch eine mangelhafte Emotionsregula-
tion - verstärkt (vgl. Gutachten, S. 70). Wie das Gutachten andeutet (vgl. S. 63), 
dürften die Ursachen hierfür wohl in der elterlichen Erziehung, nicht jedoch (aus-
schliesslich) im Drogenkonsum zu finden sein. Die gegenteiligen Ausführungen in 
der Beschwerde vermögen nichts an der gutachterlichen Einschätzung zu ändern, 
zumal es sich dabei bloss um die eigene Sichtweise handelt und keine substanti-
ierte Auseinandersetzung mit dem Gutachten erfolgt. Der Therapie- bzw. Behand-
lungsbedarf ist somit auch in dieser Hinsicht ausgewiesen.

ee) Der Beschwerdeführer plädiert sodann für eine Unterbringung in der Institu-
tion F._____. Diese bietet jedoch die gemäss Gutachten erforderlichen psychothe-
rapeutischen Massnahmen nicht an und ist somit nur bedingt geeignet. Demge-
genüber deckt das Massnahmezentrum D._____ sämtliche therapeutischen Be-
dürfnisse des Beschwerdeführers ab. Insofern ist dieses unter therapeutischen 
Gesichtspunkten zu favorisieren bzw. die Verfügung der Jugendanwaltschaft dies-
bezüglich nicht zu beanstanden. Der Aufenthalt in der Jugendinstitution C._____ 
führte nicht dazu, dass der Beschwerdeführer seine Cannabisabhängigkeit bzw. 
den Umgang mit Rauschmitteln vollständig in den Griff bekam. Dies dürfte nicht 
zuletzt auch auf den Umstand zurückzuführen sein, dass die Betreuung in der Ju-

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gendinstitution C._____ nicht allzu "engmaschig" war. Wie denn auch im Gutach-
ten empfohlen wird, ist eine engmaschige Betreuung mit klaren Strukturen unab-
dingbar, um der Suchtmittelproblematik vorliegend Herr zu werden. Unter diesen 
Voraussetzungen erweist sich die Versetzung in das Massnahmezentrum 
D._____, welches diese Voraussetzungen zu erfüllen vermag, als geeignet und 
erforderlich. Im Übrigen hat sich der Beschwerdeführer selbst dahingehend 
geäussert, dass er eine Ausbildung absolvieren möchte. Auch diese Möglichkeit 
besteht im Massnahmezentrum D._____. Einem Aufenthalt im Massnahmezen-
trum D._____ gegenüber der vom Beschwerdeführer ins Feld geführten Institution 
F._____ gebührt somit der Vorrang, weil das Massnahmezentrum D._____ in der 
Lage ist, nebst einer Suchtmittelbehandlung sowohl eine Ausbildungsmöglichkeit 
als auch psychotherapeutische Massnahmen anzubieten, währenddem ein sol-
ches "ganzheitliches" Betreuungs- und Therapiesetting (inkl. Ausbildungsmöglich-
keit) bei der Institution F._____ nicht besteht.

ff) Ob die im Massnahmezentrum D._____ vorgesehene Gruppeneinbindung 
gegenüber einem vom Beschwerdeführer bevorzugten Einzelsetting tatsächlich zu 
den geschilderten Rückschlägen hinsichtlich der Cannabisabstinenz führen wird, 
bleibt vorerst abzuwarten. Das Massnahmezentrum D._____ hat darauf zu achten, 
derlei Risiken durch entsprechende Massnahmen entgegenzuwirken. Sollte dies 
nicht bzw. nicht in genügender Art und Weise möglich sein, wären allfällige An-
passungen der Schutzmassnahmen zu prüfen. Vorbehalten bleiben ohnehin die 
im Rahmen des Hauptverfahrens durch das Jugendgericht auszusprechenden 
bzw. allenfalls zu verlängernden (definitiven) Schutzmassnahmen.

gg) Dass der Beschwerdeführer, welcher bisher insbesondere wegen Betäu-
bungsmitteln strafrechtlich in Erscheinung getreten ist, im Massnahmezentrum 
D._____ mit anderen Delinquenten, welche schwerere, zum Teil auch Gewaltde-
likte verübt haben, in Kontakt gerät, ist hinzunehmen, zumal dieser Umstand bis 
zu einem gewissen Grad in der Natur der Sache liegt, da nicht für jede Täterkate-
gorie eigens geschaffene Massnahmezentren bestehen, und die Eignung der Un-
terbringung letztendlich nur an den tatsächlich bestehenden Möglichkeiten zu 
messen ist. Um der Suchtproblematik Herr zu werden, bedarf es vorliegend insbe-
sondere einer engmaschigen Betreuung, welche im Massnahmezentrum D._____ 
gewährleistet ist. Derzeit ist nicht ersichtlich, inwiefern Kontakte mit anderen, im 
Massnahmezentrum D._____ untergebrachten Straftätern tatsächlich zu einer ne-
gativen Beeinflussung oder anderweitigen Beeinträchtigungen beim Beschwerde-
führer geführt hätten. Insofern lässt sich auch nicht sagen, die Versetzung in das 
Massnahmezentrum D._____ sei a priori ungeeignet.

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hh) Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Versetzung des Beschwerde-
führers im Rahmen der Anordnung vorsorglicher Schutzmassnahmen in das
Massnahmezentrum D._____ mit den gutachterlichen Empfehlungen im Einklang 
steht und sich nach dem zuvor Ausgeführten als geeignet und erforderlich erweist. 
Die Verfügung der Jugendanwaltschaft vom 22. April 2016 ist somit nicht zu bean-
standen, was zur Abweisung der Beschwerde führt.

5. a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer kosten-
pflichtig (Art. 44 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 428 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 8 der 
Verordnung über die Gerichtsgebühren im Strafverfahren (VGS; BR 350.210) be-
trägt der Gebührenrahmen in Beschwerdeverfahren Fr. 1'000.00 bis Fr. 5'000.00, 
wobei in Strafverfahren gemäss JStPO der für den Erwachsenenstrafprozess gel-
tende Gebührenrahmen um die Hälfte zu reduzieren ist (Art. 11 VGS). Im vorlie-
genden Fall erscheint eine Gebühr von Fr. 800.00 als angemessen.

b) Für die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche als Auslagen ebenfalls 
Teil der Verfahrenskosten sind (Art. 422 Abs. 1 und 422 Abs. 2 lit. a StPO), ergibt 
sich dieselbe Kostenverteilung wie bei den Gerichtsgebühren. Demzufolge hat der 
Beschwerdeführer auch die Kosten der amtlichen Verteidigung zu tragen, wobei 
sie vorerst zu Lasten des Kantons Graubünden gehen und aus der Gerichtskasse 
zu bezahlen sind. Sobald es die wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschwerdefüh-
rers gestatten, wird er verpflichtet sein, diese Kosten dem Kanton zurückzuzahlen 
(vgl. 25 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO). Die amtliche Verteidigung wird 
nach dem Anwaltstarif desjenigen Kantons entschädigt, in dem das Strafverfahren 
geführt wurde (Art. 135 Abs. 1 StPO). Im vorliegenden Fall ist die Verordnung über 
die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Hono-
rarverordnung, HV, BR 310.250) massgebend, welche in ihrem Art. 5 Abs. 1 eine - 
vom Verfahrensausgang unabhängige (Entscheid der II. Strafkammer SK2 12 32 
vom 12. November 2012; Urteil des Bundesgerichts 6B_151/2013 vom 26. Sep-
tember 2013) - Entschädigung des berechtigten Aufwandes zu einem Stundenan-
satz von Fr. 200.00 vorsieht. Das Honorar für Rechtspraktikantinnen und Recht-
spraktikanten beträgt 75 Prozent des Ansatzes für Rechtsanwältinnen und 
Rechtsanwälte (Art. 6 Abs. 1 HV), vorliegend somit Fr. 150.00 pro Stunde.

Gemäss den eingereichten Honorarnoten (KG act. D.4 und D.9) macht die 
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers einen Aufwand von insgesamt 10.35 
Stunden geltend, was angesichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen so-
wie der sich aus den Umständen ergebenden, beträchtlichen Korrespondenz und 
anderweitigen Abklärungen als angemessen erscheint. Hinzu kommen Barausla-

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gen von Fr. 46.60. Der veranschlagte Stundenansatz von Fr. 150.00 ist nach dem 
Gesagten nicht zu beanstanden. Der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ist 
für das Beschwerdeverfahren somit eine Entschädigung in Höhe von Fr. 1'599.10 
(inkl. Barauslagen) zuzusprechen.

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III. Demnach wird erkannt:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 800.00 gehen zu Lasten von 
X._____.

3.a) Die Kosten der amtlichen Verteidigerin für ihre im Beschwerdeverfahren 
getätigten Aufwendungen trägt X._____. Sie gehen vorerst zu Lasten des 
Kantons Graubünden und werden aus der Gerichtskasse bezahlt. Vorbehal-
ten bleibt die Rückforderung dieser Kosten, sobald es die wirtschaftlichen 
Verhältnisse von X._____ erlauben (Art. 25 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 135 
Abs. 4 StPO).

   b) Die Entschädigung der amtlichen Verteidigerin, MLaw Sandra Lazzarini, für 
das Beschwerdeverfahren wird auf Fr. 1'599.10 (inkl. Barauslagen) festge-
legt.

4. Gegen diese Entscheidung kann gemäss Art. 78 ff. BGG Beschwerde in 
Strafsachen an das Bundesgericht geführt werden. Die Beschwerde ist dem 
Schweizerischen Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, schriftlich innert 30 
Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in 
der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die 
Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen 
und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 78 ff. und 90 ff. 
BGG.

5. Mitteilung an: