# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 7206813d-b456-55d8-b98d-0483afef1391
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-01-12
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Strafgericht 12.01.2023 SBK.2022.358
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_008_SBK-2022-358_2023-01-12.pdf

## Full Text

Obergericht
Beschwerdekammer in Strafsachen

SBK.2022.358
(STA.2022.7894)
Art. 10

Entscheid vom 12. Januar 2023

Besetzung Oberrichter Richli, Präsident
Oberrichterin Massari
Oberrichter Lindner
Gerichtsschreiber Burkhard

Beschwerde-
führerin

A._____,
[…]
verteidigt durch Rechtsanwalt Kenad Melunovic,
[…]

Beschwerde-
gegnerin

Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau,
Seetalplatz, Bahnhofstrasse 4, 5600 Lenzburg

Anfechtungs-
gegenstand

Verfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 12. Oktober
2022 betreffend Grundbuchsperre

in der Strafsache gegen A._____

- 2 -

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:

1.
B., C. und D. (Privatkläger) erstatteten am 30. Dezember 2021 Strafan-
zeige gegen E. wegen des Verdachts auf Veruntreuung und/oder unge-
treue Geschäftsbesorgung zu ihrem Nachteil. Er sei deswegen (unter Kos-
ten- und Entschädigungsfolgen) angemessen zu bestrafen.

Mit in gleicher Sache im Auftrag der Privatkläger am 4. Oktober 2022 gegen
die Beschwerdeführerin (Ehefrau von E.) erstatteter Strafanzeige wurde die
Eröffnung einer Strafuntersuchung gegen die Beschwerdeführerin wegen
des Verdachts auf Veruntreuung beantragt. Gleichzeitig wurde folgender
Antrag gestellt:

" Die im Gesamteigentum von A. und ihrem verstorbenen Ehemann befind-
liche Liegenschaft GB Q. Nr. […] sei zu beschlagnahmen und eine Grund-
buchsperre anzuordnen."

2.
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau verfügte am 12.Oktober 2022 Fol-
gendes:

" 1.
 Die Liegenschaft/Parzelle GB Q. Nr. […], lautend auf den Namen der Be-

schuldigten, A., und deren verstorbenen Ehemann E., wird mit Beschlag
belegt.

 2.
 Das Grundbuchamt Zofingen wird angewiesen, im Grundbuch auf der Lie-

genschaft gemäss Ziff. 1 per sofort eine Grundbuchsperre anzumerken."

3.
3.1.
Die Beschwerdeführerin erhob gegen diese ihr am 17. Oktober 2022 zuge-
stellte Verfügung mit Eingabe vom 27. Oktober 2022 Beschwerde. Sie
stellte folgende Anträge:

" 1.
Die Grundbuchsperre der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom
12. Oktober 2022 betreffend die Liegenschaft/Parzelle GB Q. Nr. […], lau-
tend auf den Namen der Beschuldigten, A., und deren verstorbenen Ehe-
mann E., sei aufzuheben;

2.
eventualiter sei die Grundbuchsperre der Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau vom 12. Oktober 2022 betreffend die Liegenschaft/Parzelle GB Q.
Nr. […], lautend auf den Namen der Beschuldigten, A., und deren verstor-
benen Ehemann E., aufzuheben und der Staatsanwaltschaft zu Begrün-
dung und Gewährung des rechtlichen Gehörs zurückzuweisen;

3.

- 3 -

subeventualtier sei Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau anzuweisen, dem
Obergericht sämtliche entscheidrelevanten und entscheidbegründenden
Aktenstücke einzureichen; diese seien der Beschwerdeführerin hiernach
zur Stellungnahme zuzustellen;

4.
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 7.7 % MWST zu Lasten des
Staats."

3.2.
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau beantragte mit Beschwerdeant-
wort vom 3. November 2022 (unter Kostenfolgen) ein Nichteintreten auf die
Beschwerde. Eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:

1.
1.1.
Gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 12. Ok-
tober 2022 ist die Beschwerde zulässig (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Be-
schwerdeausschlussgründe gemäss Art. 394 StPO liegen keine vor.

1.2.
1.2.1.
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau bringt mit Beschwerdeantwort vor,
die Beschwerdeführerin habe kein aktuelles und schützenswertes Inte-
resse an der Aufhebung der Grundbuchsperre, die eine reine Sicherungs-
massnahme sei, dargelegt oder begründet, weshalb auf ihre Beschwerde
nicht einzutreten sei.

1.2.2.
Jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder
Änderung eines Entscheides hat, kann ein Rechtsmittel ergreifen (Art. 382
Abs. 1 StPO).

1.2.3.
Die Beschwerdeführerin ist als beschuldigte Person Partei i.S.v. Art. 104
Abs. 1 lit. a StPO und gemäss angefochtener Verfügung offenbar (wenn
womöglich auch nicht alleinige) Eigentümerin der von der Grundbuchsperre
betroffenen Liegenschaft. Weil die Grundbuchsperre als prozessuale
Zwangsmassnahme in ihre Eigentumsfreiheit eingreift (vgl. hierzu FELIX
BOMMER/PETER GOLDSCHMID, in: Basler Kommentar, Schweizerische Straf-
prozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 11 zu Vor Art. 263 – 268 StPO), nament-
lich in ihre Verfügungsfreiheit, ist sie ohne Weiteres als durch die Grund-
buchsperre beschwerte und damit zur Beschwerde legitimierte Partei zu
betrachten (Art. 382 Abs. 1 StPO). Auf ihre frist- (Art. 396 Abs. 1 StPO) und

- 4 -

formgerecht (Art. 385 Abs. 1 StPO) erhobene Beschwerde ist damit einzu-
treten.

2.
2.1.
Die Beschwerdeführerin beanstandet mit Beschwerde (einzig) eine – auch
mit verweigerter Akteneinsicht begründete – ungenügende Begründung
der Verfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 12. Oktober
2022. Der geltend gemachte Tatverdacht auf Veruntreuung sei von der
Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau nicht konkret begründet worden. Sie
könne nicht nachvollziehen, was sie zum Nachteil von wem veruntreut ha-
ben soll. Sie tappe diesbezüglich im Dunkeln (mit Hinweis auf Art. 197
Abs. 1 lit. a StPO). Der angefochtenen Verfügung sei auch nicht zu entneh-
men, um welchen Deliktsbetrag es gehe. Es erschliesse sich ihr nicht, wa-
rum die Grundbuchsperre durch die Bedeutung der Straftat gerechtfertigt
sein soll (mit Hinweis auf Art. 197 Abs. 1 lit. d StPO) oder warum die damit
angestrebten Ziele nicht mit milderen Massnahmen zu erreichen seien (mit
Hinweis auf Art. 197 Abs. 1 lit. c StPO). Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau habe jene tatsächlichen Feststellungen und rechtlichen Erwägungen
nicht getroffen, die eine "Überprüfung der Anwendung von Bundesrecht"
erlaubt hätten. Sie habe deshalb die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau
nach Erlass der Grundbuchsperre am 18. und 21. Oktober 2022 um Akten-
einsicht ersucht. Die Einsicht "in sämtliche entscheidrelevanten und ent-
scheidbegründenden Aktenstücke" sei ihr aber mit Verweis auf Art. 101
StPO verweigert worden. Dadurch sei ihr Anspruch auf rechtliches Gehör
verletzt worden.

2.2.
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau beantragt mit Beschwerdeantwort
(eventualiter) die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist sie
auf ihre angefochtene Verfügung vom 12. Oktober 2022 sowie die der Be-
schwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts eingereichten Akten,
darunter die beiden Strafanzeigen vom 30. Dezember 2021 und 4. Oktober
2022. Die Beschwerdeführerin tappe nicht im Dunkeln, sondern habe
Kenntnis von den beiden ihrer Verteidigung zugestellten Strafanzeigen.
Daraus ergebe sich der Verdacht, dass sie als Mittäterin oder ev. Gehilfin
an der Veruntreuung von Vermögenswerten von über Fr. 400'000.00, über
welche ihr verstorbener Ehemann als Willensvollstrecker verfügt habe, be-
teiligt gewesen sei, zumal sie über eine Vollmacht betreffend das fragliche
"Klientelkonto" verfügt und Kenntnis von der Verschuldung ihres verstorbe-
nen Ehemannes E. (bzw. des von ihm geführten G.-büros) gehabt habe.

3.
3.1.
Die Beschwerdeführerin macht einzig eine Gehörsverletzung durch Verlet-
zung der Begründungspflicht bzw. Verweigerung der Akteneinsicht geltend.

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3.2.
3.2.1.
Eine Beschlagnahme (auch in Form einer Grundbuchsperre) ist eine vor-
sorgliche und gesetzlich in den Art. 263 ff. StPO geregelte Zwangsmass-
nahme, die dem Verhältnismässigkeitsgrundsatz genügen muss (Art. 36
BV; Art. 197 Abs. 1 StPO). Somit muss sie geeignet und erforderlich sein,
um den damit angestrebten Zweck zu erreichen. Der Zweck ergibt sich aus
dem vorsorglichen Charakter der Beschlagnahme, eine schwere oder un-
mittelbare Gefährdung bestimmter (vom Gesetzgeber in Art. 263 Abs. 1
lit. a – d StPO und Art. 71 StGB bezeichneter) öffentlicher Interessen oder
Grundrechte Dritter abzuwenden. Dieser Zweck muss die Schwere des mit
der Beschlagnahme einhergehenden Grundrechtseingriffs zu rechtfertigen
vermögen. Befindet eine Behörde über vorsorgliche Massnahmen, ist sie
aber nicht gehalten, für ihren Entscheid zeitraubende tatsächliche oder
rechtliche Abklärungen zu treffen, sondern kann sie in erster Linie auf die
ihr zur Verfügung stehenden Akten abstellen und die Sach- und Rechtslage
summarisch prüfen, wobei ihr – der Natur der Sache nach – ein erheblicher
Beurteilungs- und Ermessensspielraum zukommt (vgl. hierzu FELIX BOM-
MER/PETER GOLDSCHMID, a.a.O. N. 11 zu Art. 263 StPO; Urteil des Bundes-
gerichts 2C_720/2016 vom 18. Januar 2017 E. 2.1).

3.2.2.
Das Gesagte wirkt sich auf die Begründungsanforderungen einer Be-
schlagnahme aus. Als Ausdruck des rein vorsorglichen Charakters einer
Beschlagnahme, deren Voraussetzungen nur summarisch zu prüfen sind,
ist an ihre Begründung im Allgemeinen und gerade auch dann, wenn der
betroffenen Person die wesentlichen Umstände bereits bekannt sind, an
sich keine hohen Anforderungen zu stellen. Dennoch sind (auch als Kor-
rektiv zum erheblicher Beurteilungs- und Ermessensspielraum) wenigstens
kurz die Überlegungen zu nennen, von welchen sich die Behörde hat leiten
lassen und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Einerseits geht es darum,
zu verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt.
Andererseits soll dem Betroffenen so eine sachgerechte Anfechtung der
Beschlagnahme ermöglicht werden und soll er (sowie allenfalls auch die
Rechtsmittelinstanz) befähigt werden, sich über die Tragweite der Be-
schlagnahme ein Bild machen zu können (vgl. hierzu Urteil des Bundesge-
richts 1P.740/2005 vom 20. Juni 2006 E. 2.2), wobei diese Tragweite ins-
besondere von der Schwere des mit der Beschlagnahme einhergehenden
Grundrechtseingriffs und davon abhängt, welche Rechtsgüter in welchem
Ausmass dadurch bedroht erscheinen. Dementsprechend hält Art. 263
Abs. 2 Satz 1 StPO denn auch fest, dass eine Beschlagnahme kurz zu
begründen ist. Dem Betroffenen ist deren Grund und Reichweite darzule-
gen. Zu nennen sind insbesondere die massgeblichen Straftatbestände,

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der Rechtsgrund bzw. Zweck der Beschlagnahme sowie (kurz) aus wel-
chen tatsächlichen Gründen die Beschlagnahme erfolgt (vgl. hierzu FELIX
BOMMER/PETER GOLDSCHMID, a.a.O., N. 62 zu Art. 263 StPO).

3.3.
Die angefochtene Verfügung ist im Wesentlichen einzig damit begründet,
dass gegen die Beschwerdeführerin eine Strafuntersuchung wegen Verun-
treuung geführt werde und dass deshalb die besagte Liegenschaft im Hin-
blick auf eine Einziehung oder zur Sicherstellung von "Verfahrenskosten,
Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen" zu beschlagnahmen sei. Diese
wenigen Ausführungen allgemeiner (d.h. nicht fallbezogener) Art lassen
keinerlei Rückschlüsse darauf zu, aus welchen konkreten (fallbezogenen)
Überlegungen heraus die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau die besagte
Grundbuchsperre letztlich anordnete. Zwar legt die Begründung der ange-
fochtenen Verfügung (wenngleich die einschlägigen Gesetzesbestimmun-
gen nicht ausdrücklich genannt werden) noch nahe, dass es der Staatsan-
waltschaft Lenzburg-Aarau insbesondere um eine gesetzlich in Art. 263
Abs. 1 lit. b und d StPO geregelte Kostendeckungs- und Einziehungsbe-
schlagnahme gegangen sein könnte. Worauf der geltend gemachte Ver-
dacht der Veruntreuung konkret beruhen soll und aus welchen konkreten
(fallbezogenen) Gründen die (mutmasslich) geltend gemachten Beschlag-
nahmegründe erfüllt sein sollen, ergibt sich aus der angefochtenen Verfü-
gung aber nicht ansatzweise.

So äussert sich die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau etwa nicht dazu,
warum die angeordnete Grundbuchsperre zur Sicherstellung von Verfah-
renskosten, Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen (i.S.v. Art. 263
Abs. 1 lit. b StPO) erforderlich sein soll oder inwiefern die besagte Liegen-
schaft durch eine Straftat erlangt worden sein oder dazu bestimmt gewesen
sein soll, eine Straftat zu veranlassen oder zu belohnen (vgl. Art. 263 Abs. 1
lit. d StPO i.V.m. Art. 70 Abs. 1 StGB). Weil beides nicht offensichtlich ist,
hätten sich zumindest kurze Ausführungen hierzu aufgedrängt. Die Begrün-
dung der angefochtenen Verfügung erschöpft sich aber im Wesentlichen in
der Verwendung von formelhaften Wendungen bzw. der blossen Wieder-
gabe von Gesetzestexten und unterlässt es, die darin angeordnete Grund-
buchsperre in einen hinreichenden Bezug zu den hierfür ursächlichen Um-
ständen tatsächlicher Art zu setzen. Von daher ist nicht ersichtlich, wie die
Beschwerdeführerin die Verfügung sachgerecht hätte anfechten können.
Die Begründung der Verfügung genügt daher den in E. 3.2.2 dargelegten
Begründungsanforderungen nicht.

3.4.
Dass die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau der Beschwerdeführerin (so-
weit ersichtlich) zusammen mit der angefochtenen Verfügung (aber ohne
einen entsprechenden Verweis) auch noch die gegen die Beschwerdefüh-
rerin gerichtete (zweite) Strafanzeige vom 4. Oktober 2022 zukommen

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liess, änderte am Begründungsmangel selbst dann nichts, wenn man diese
Strafanzeige – entgegen dem sich ohne Weiteres aus Art. 80 Abs. 2 StPO
oder auch Art. 263 Abs. 2 StPO ergebenden Grundsatz, dass sich die Be-
gründung einer (Beschlagnahme-)Verfügung zumindest  in den wesent-
lichsten Punkten aus dieser selbst zu ergeben hat – ausnahmsweise als
Begründungsergänzung zuliesse. Nebst einer Bezugnahme auf ein gegen
E. geführtes Strafverfahren betreffend Veruntreuung ergibt sich aus dieser
Strafanzeige im Wesentlichen nämlich nur, dass die Beschwerdeführerin
eine Vollmacht auf ein "Klientengeldkonto" von E. gehabt haben soll und
dass bei einer Verwertung der hypothekarisch mit Fr. […] belasteten Lie-
genschaft mit einem angeblichen Verkehrswert von rund Fr. […] die Forde-
rungen der Anzeiger gedeckt wären. Diese kurz gefasste Strafanzeige ist
für sich genommen, namentlich ohne Kenntnis der der Beschwerdeführerin
erst später zugestellten (ersten) Strafanzeige vom 30. Dezember 2021 ge-
gen E., nicht verständlich, weshalb die Zustellung dieser (zweiten) Strafan-
zeige selbst bei materieller Berücksichtigung nichts an der festgestellten
Verletzung der Begründungspflicht bzw. des rechtlichen Gehörs änderte.

3.5.
3.5.1.
Damit stellt sich die Frage, ob die wegen Verletzung der Begründungs-
pflicht festzustellende Gehörsverletzung einer sog. Heilung zugänglich ist.

3.5.2.
Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs
kann ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die
Möglichkeit erhält, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die – was
hier der Fall wäre – sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei
überprüfen kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_401/2015 vom 16. Juli
2015 E. 1.1). Darüber hinaus kann selbst eine schwerwiegende Verletzung
des rechtlichen Gehörs geheilt werden, wenn und soweit die Rückweisung
zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen
führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der
betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu
vereinbaren wären. Auch hierfür ist Voraussetzung, dass die heilende In-
stanz in Bezug auf die vom Gehörsmangel betroffenen Aspekte die gleiche
Kognition hat wie die untere Instanz (Urteil des Bundesgerichts
1B_277/2019 vom 17. September 2019 E. 2.1.3 mit Hinweis u.a. auf BGE
142 II 218 E. 2.8.1).

3.5.3.
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau begründete die angefochtene
Grundbuchsperre auch mit Beschwerdeantwort kaum näher. Letztlich ver-
wies sie einzig auf die eingereichten Akten, setzte sich mit deren Inhalt aber
nur im Hinblick auf den erforderlichen hinreichenden Tatverdacht zumin-
dest kurz auseinander.  Weshalb sie die Voraussetzungen für die von ihr

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(mutmasslich) geltend gemachte Kostendeckungs- (Art. 263 Abs. 1 lit. b
StPO) und Einziehungsbeschlagnahme (Art. 263 Abs. 1 lit. d StPO) als er-
füllt zu betrachten scheint, ergibt sich aus ihrer Beschwerdeantwort aber
ebenso wenig wie aus der angefochtenen Verfügung. Damit bleibt letztlich
auch in Kenntnis der Beschwerdeantwort weitestgehend im Dunkeln, ge-
stützt auf welche fallbezogenen Motive die Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau die Grundbuchsperre anordnete. Nachdem es die Staatsanwalt-
schaft Lenzburg-Aarau auch mit Beschwerdeantwort unterlassen hat, hier-
über Klarheit zu schaffen, kann es nicht an der Beschwerdekammer in
Strafsachen des Obergerichts sein, diesbezüglich unter Beizug der einge-
reichten Akten in Mutmassungen zu verfallen. Dementsprechend sind die
Voraussetzungen für eine Heilung im Rechtsmittelverfahren nicht gegeben.
Eine solche wurde denn auch weder von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau noch von der Beschwerdeführerin beantragt.

3.6.
Damit bleibt es dabei, dass die angefochtene Verfügung wegen Verletzung
der Begründungspflicht bzw. des rechtlichen Gehörs in Gutheissung der
Beschwerde aufzuheben ist. Ob das rechtliche Gehör der Beschwerdefüh-
rerin darüber hinaus auch durch eine ihr nur ungenügend gewährte Akten-
einsicht verletzt wurde, kann offen bleiben.

4.
4.1.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens sind ausgangsgemäss auf die
Staatskasse zu nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO).

4.2.
Die Entschädigungsfrage ist nach der Kostenfrage zu beantworten. Es gilt
der Grundsatz, dass bei Auferlegung der Kosten keine Entschädigung oder
Genugtuung auszurichten ist, während bei Übernahme der Kosten durch
die Staatskasse die beschuldigte Person Anspruch auf Entschädigung hat
(BGE 137 IV 352 E. 2.4.2). Dementsprechend ist die Beschwerdeführerin
für ihren angemessenen Verteidigungsaufwand im Beschwerdeverfahren
zu entschädigen (Art. 436 Abs. 2 StPO).

Die Beschwerdeführerin hatte sich im Rahmen ihrer 6-seitigen Beschwerde
mit der 2-seitigen Verfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom
12. Oktober 2022 und den dieser Verfügung zugrunde liegenden Akten von
geringem Umfang auseinanderzusetzen. Sie konnte sich darauf beschrän-
ken, eine Gehörsverletzung infolge mangelhafter Begründung bzw. verwei-
gerter Akteneinsicht geltend zu machen. Zur 2-seitigen Beschwerdeantwort
der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 3. November 2022 liess sie
sich nicht vernehmen. Insgesamt liegen damit sowohl in rechtlicher als
auch in tatsächlicher Hinsicht einfache und übersichtliche Fallverhältnisse
vor und ist es angemessen, einerseits für Instruktion und Aktenstudium und

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andererseits für das eigentliche Führen des Beschwerdeverfahrens je zwei
Stunden einzusetzen. Der angemessene Zeitaufwand beläuft sich damit
auf 4 Stunden. Zur Anwendung gelangt der Regelstundenansatz von
Fr. 220.00 (§ 9 Abs. 2bis Satz 1 AnwT; SAR 291.150). In zusätzlicher Be-
rücksichtigung einer Auslagenpauschale von praxisgemäss 3 % sowie der
Mehrwertsteuer von 7.7 % (vgl. hierzu § 9 Abs. 2bis Satz 2 AnwT) beläuft
sich der zu entschädigende Gesamtaufwand der Beschwerdeführerin somit
auf Fr. 976.20 (Fr. 220.00 x 4 x 1.03 x 1.077).

Die Beschwerdekammer entscheidet:

1.
Die Verfügung der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau vom 12. Oktober
2022 wird in Gutheissung der Beschwerde aufgehoben.

2.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens werden auf die Staatskasse ge-
nommen.

3.
Die Obergerichtskasse wird angewiesen, der Beschwerdeführerin als Ent-
schädigung für dieses Beschwerdeverfahren Fr. 976.20 auszurichten.

Zustellung an:
[..]

Rechtsmittelbelehrung für die Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff., Art. 90 ff. BGG)

Gegen Entscheide, die das Verfahren abschliessen, kann innert 30 Tagen, von der schrift-
lichen Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des Entscheides an gerechnet, die Be-
schwerde an das Schweizerische Bundesgericht erhoben werden. Dieselbe Beschwerde
kann erhoben werden gegen selbständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide, wenn
diese einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken können oder wenn die Gutheis-
sung der Beschwerde sofort einen Endentscheid herbeiführen und damit einen bedeuten-
den Aufwand an Zeit oder Kosten für ein weitläufiges Beweisverfahren ersparen würde
(Art. 44 Abs. 1, Art. 78, Art. 90, Art. 93, Art. 100 Abs. 1 und Art. 112 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerde ist schriftlich oder in elektronischer Form beim Schweizerischen Bundes-
gericht einzureichen (Art. 42, Art. 100 Abs. 1 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren
Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschriften bzw. eine anerkannte
elektronische Signatur zu enthalten. In der Begründung ist in gedrängter Form darzulegen,
inwiefern der angefochtene Entscheid Recht (Art. 95 ff. BGG) verletzt. Die Urkunden, auf
die sich eine Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen

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hat; ebenso ist der angefochtene Entscheid beizulegen (Art. 42 BGG). Für die Beschwerde-
legitimation ist Art. 81 BGG massgebend.

Aarau, 12. Januar 2023

Obergericht des Kantons Aargau
Beschwerdekammer in Strafsachen
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Richli Burkhard