# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** a32a810f-d25a-52b2-a3e4-8d105a793720
**Source:** Aargau Gerichte (AG)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2023-10-12
**Language:** de
**Title:** Aargau Obergericht Verwaltungsgericht 12.10.2023 WPR.2023.94
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/AG_Gerichte/AG_OG_006_WPR-2023-94_2023-10-12.pdf

## Full Text

Verwaltungsgericht 

2. Kammer 

 

WPR.2023.94 / ko / sf  
ZEMIS [***]; N [***] 

 

Urteil vom 12. Oktober 2023 
 
 

Besetzung  Verwaltungsrichter Blocher, Vorsitz  

Gerichtsschreiber i.V. Okutan   

Rechtspraktikantin Feusier  

 

 
   

Gesuchsteller   Amt für Migration und Integration Kanton Aargau,  

Sektion Asyl und Rückkehr, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau   

vertreten durch Beata Messmer, Bahnhofstrasse 88, 5001 Aarau 1    

 

 
   

Gesuchsgegner   A._____, von der Türkei 

z. Zt. im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft, 8058 Zürich   

amtlich vertreten durch lic. iur. Christoph Waller, Rechtsanwalt, 

Postplatz 3, Postfach, 5610 Wohlen    

 

 
   

Gegenstand  Ausschaffungshaft gestützt auf Art. 76 AIG / Haftüberprüfung 

 

 

  

 - 2 - 

 

 

   

Der Einzelrichter entnimmt den Akten: 

 

A. 

Der Gesuchsgegner reiste eigenen Angaben zufolge am 11. Oktober 2021 

illegal in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch (Akten 

des Amtes für Migration und Integration [MI-act.] 5).  

 

Mit Verfügung vom 13. Juli 2022 lehnte das Staatssekretariat für Migration 

(SEM) das Asylgesuch ab und wies den Gesuchsgegner aus der Schweiz 

weg. Zugleich ordnete es an, dass der Gesuchsgegner die Schweiz und 

den Schengen-Raum bis zum Tag nach Eintritt der Rechtskraft der 

Verfügung zu verlassen habe. Mit dem Vollzug der Wegweisung wurde der 

Kanton Aargau beauftragt (MI-act. 13. ff.). 

 

Hiergegen reichte der Gesuchsgegner am 17. August 2023 eine 

Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein, worauf dieses die 

Erlaubnis erteilte, den Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abzuwarten 

(MI-act. 21 f.). 

 

Mit Urteil vom 14. August 2023 wies das Bundesverwaltungsgericht die 

Beschwerde des Gesuchsgegners ab, womit der Asylentscheid vom 

13. Juli 2022 in Rechtskraft erwuchs (MI-act. 24 ff.). In der Folge setzte das 

SEM am 17. August 2023 eine neue Ausreisefrist bis zum 14. September 

2023 an (MI-act. 41).  

 

Einer Vorladung ins Amt für Migration und Integration (MIKA) folgend, gab 

der Gesuchsgegner anlässlich des Ausreisegesprächs vom 11. September 

2023 an, ein Gesuch um Ehevorbereitung beim Zivilstandsamt Menziken 

eingereicht zu haben (MI-act. 47). Des Weiteren sei er nicht bereit, in die 

Türkei zurückzukehren (MI-act. 48). 

 

B. 

Bei einem zweiten Ausreisegespräch gab der Gesuchsgegner am 

10. Oktober 2023 erneut an, auf keinen Fall in die Türkei zurückkehren zu 

wollen (MI-act. 64). Hierauf wurde ihm das rechtliche Gehör betreffend die 

Anordnung einer Ausschaffungshaft gewährt, worauf er erneut bekräftigte, 

nicht in die Türkei zurückkehren zu wollen (MI-act. 64 ff.). Im Anschluss an 

die Befragung wurde dem Gesuchsgegner die Anordnung der 

Ausschaffungshaft wie folgt eröffnet (act. 1): 

 

1. 
Es wird eine Ausschaffungshaft angeordnet. 
 

 - 3 - 

 

 

2. 
Die Haft begann am 10. Oktober 2023, 14.00 Uhr. Sie wird in Anwendung 
von Art. 76 AIG für drei Monate bis zum 9. Januar 2024, 12.00 Uhr, 
angeordnet. 
 
3. 
Die Haft wird im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich 
(ZAA) vollzogen. Soweit für die Befragung oder die Durchführung einer 
Haftverhandlung zwingend, erfolgt die Inhaftierung für die notwendige 
Dauer im Bezirksgefängnis Aarau. 

 

C. 

Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Einzelrichter des 

Verwaltungsgerichts wurden der Gesuchsteller und der Gesuchsgegner 

befragt. 

 

D. 

Der Gesuchsteller beantragte die Bestätigung der Haftanordnung 

(Protokoll S. 5, act. 24). 

 

Der Gesuchsgegner liess folgende Anträge stellen (Protokoll S. 5, act. 24): 

 

1. 
Die mit Verfügung des Amts für Migration und Integration vom 10. Oktober 
2023 angeordnete Haft sei nicht zu bestätigen. Der Gesuchsgegner sei mit 
sofortiger Wirkung aus der Haft zu entlassen. 
 
2. 
Der Sprechende sei als amtlicher Rechtsvertreter zu bestätigen und nach 
Abschluss des Verfahrens WPR.2023.94 angemessen aus der 
Staatskasse zu honorieren. 
 

 

 
   

Der Einzelrichter zieht in Erwägung: 

 

I. 

1. 

Das angerufene Gericht überprüft die Rechtmässigkeit und 

Angemessenheit einer durch das MIKA angeordneten Ausschaffungshaft 

aufgrund einer mündlichen Verhandlung spätestens nach 96 Stunden 

(Art. 80 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und 

Ausländer und über die Integration vom 16. Dezember 2005 [Ausländer- 

und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20], § 6 des Einführungsgesetzes 

zum Ausländerrecht vom 25. November 2008 [EGAR; SAR 122.600]). Die 

Haftüberprüfungsfrist beginnt mit der ausländerrechtlich motivierten 

Anhaltung der betroffenen Person zu laufen (vgl. BGE 127 II 174, Erw. 2. 

b/aa). 

 

 - 4 - 

 

 

2. 

Im vorliegenden Fall erschien der Gesuchsgegner am 10. Oktober, 

14.00 Uhr, einer Vorladung folgend beim MIKA und wurde ab diesem 

Zeitpunkt migrationsrechtlich festgehalten. Die mündliche Verhandlung 

begann am 12. Oktober 2023, 14.10 Uhr; das Urteil wurde um 15.35 Uhr 

eröffnet. Die richterliche Haftüberprüfung erfolgte somit innerhalb der Frist 

von 96 Stunden. 

 

II. 

1. 

Wurde ein erstinstanzlicher Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet 

oder wurde die betroffene Person mit einer Landesverweisung belegt, kann 

die zuständige kantonale Behörde die betroffene Person zur Sicherstellung 

des Vollzugs in Haft nehmen (Art. 76 AIG). 

 

Zuständige kantonale Behörde im Sinne von Art. 76 Abs. 1 AIG ist gemäss 

§ 13 Abs. 1 EGAR das MIKA. Im vorliegenden Fall wurde die 

Haftanordnung durch das MIKA und damit durch die zuständige Behörde 

erlassen (act. 1 ff.). 

 

2. 

2.1. 

Das MIKA begründet seine Haftanordnung damit, dass es den 

Gesuchsgegner aus der Schweiz ausschaffen und mit der Haft den Vollzug 

sicherstellen wolle. Der Haftzweck ist damit erstellt. 

 

2.2. 

Der Haftrichter hat sich im Rahmen der Prüfung, ob die Ausschaffungshaft 

rechtmässig ist, Gewissheit darüber zu verschaffen, ob ein erstinstanzlicher 

Weg- oder Ausweisungsentscheid eröffnet oder eine erstinstanzliche 

Landesverweisung ausgesprochen wurde (Art. 76 Abs. 1 AIG).  

 

Mit Verfügung vom 13. Juli 2022 lehnte das SEM das Asylgesuch des 

Gesuchsgegners ab und wies ihn aus der Schweiz weg (MI-act. 13 ff.) Die 

dagegen erhobene Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht wurde mit 

Urteil vom 14. August 2023 abgewiesen, womit die Verfügung vom 13. Juli 

2022 in Rechtskraft erwuchs (MI-act. 24 ff.). Es liegt damit ein 

rechtsgenüglicher Wegweisungsentscheid vor. 

 

2.3. 

Gemäss Art. 80 Abs. 6 lit. a AIG ist die Haft zu beenden, wenn sich erweist, 

dass der Vollzug der Wegweisung aus rechtlichen oder tatsächlichen 

Gründen undurchführbar ist. 

 

Dem Gesuchsgegner ist gemäss den grundsätzlich auch für das 

haftrichterliche Verfahren massgeblichen Feststellungen im Asylverfahren 

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eine Rückkehr in die Türkei zumutbar (vgl. BGE 128 II 193, Erw. 2.2.2). Er 

ist hierbei nicht gezwungen, in seine Heimatprovinz B._____ 

zurückzukehren, wo Vollzugshindernisse vorliegen könnten, sondern es 

bestehen innertürkische Rückkehralternativen, z.B. in C._____ oder in 

D._____, wo er bereits studiert hatte. 

 

Die Identität des Gesuchsgegners steht sodann fest (Protokoll S. 4, act. 23) 

und den Akten kann entnommen werden, dass beim SEM eine Kopie der 

türkischen Identitätskarte und somit ein gültiges heimatliches 

Reisedokument vorliegt (MI-act. 15). Überdies bestehen regelmässig 

Flugverbindungen in die Heimat des Gesuchsgegners (act. 2). Ein Auftrag 

zur Buchung eines DEPU-Flugs ist bereits beim SEM hängig und es kann 

bereits in den nächsten zwei Wochen mit einem Rückflug gerechnet 

werden (Protokoll S. 4, act. 23). 

 

Es sind damit keine Anzeichen vorhanden, die an der 

Ausschaffungsmöglichkeit in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht Zweifel 

aufkommen lassen würden.  

 

3. 

3.1. 

Das MIKA stützt seine Haftanordnung auf Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG, 

wonach ein Haftgrund dann vorliegt, wenn konkrete Anzeichen befürchten 

lassen, dass sich die betroffene Person der Ausschaffung entziehen will, 

insbesondere, weil sie der Mitwirkungspflicht nach Art. 90 AIG und Art. 8 

Abs. 1 lit. a oder Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, 

SR 142.31) nicht nachkommt. Ob im Sinne dieser Gesetzesbestimmung 

konkrete Anzeichen befürchten lassen, dass sich eine Person der 

Ausschaffung entziehen will, ist aufgrund des ganzen bisherigen 

Verhaltens, insbesondere auch gegenüber den Behörden, sowie ihrer 

eigenen Aussagen zu beurteilen. Auch wenn einzelne Fakten für sich eine 

Ausschaffungshaft nicht rechtfertigen, kann dies aufgrund der Gesamtheit 

der Vorkommnisse der Fall sein. Erforderlich sind gewichtige 

Anhaltspunkte dafür, dass die betroffene Person sich der Ausschaffung 

entziehen und untertauchen will. Die blosse Vermutung, dass sie sich der 

Wegweisung entziehen könnte, genügt nicht; deren Vollzug muss erheblich 

gefährdet erscheinen (vgl. BGE 129 I 139, Erw. 4.2.1).  

 

Von einer Untertauchensgefahr und damit von einem Haftgrund ist zudem 

auch dann auszugehen, wenn das bisherige Verhalten der betroffenen 

Person darauf schliessen lässt, dass sie sich behördlichen Anordnungen 

widersetzt (Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG).  

 

Eine klare Trennung der beiden genannten Haftgründe ist in der Praxis 

kaum möglich. Vielmehr ist Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 AIG wohl als 

Präzisierung von Art. 76 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 AIG zu verstehen, womit die 

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beiden Bestimmungen als einheitlicher Haftgrund zu betrachten sind (vgl. 

ANDREAS ZÜND, in: MARC SPESCHA/ANDREAS ZÜND/PETER 

BOLZLI/CONSTANTIN HRUSCHKA/FANNY DE WECK [Hrsg.], Kommentar 

Migrationsrecht, 5. Aufl., Zürich 2019, N. 7 zu Art. 76 AIG und TARKAN 

GÖKSU, in: MARTINA CARONI/THOMAS GÄCHTER/DANIELA THURNHERR 

[Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Bundesgesetz über die 

Ausländerinnen und Ausländer [AuG], Bern 2010, N. 11 zu Art. 76). 

 

3.2. 

Der Gesuchsgegner, gegen den ein rechtskräftiger Wegweisungsentscheid 

vorliegt (MI-act. 12 ff., 24 ff.), hätte die Schweiz mit der erneut angesetzten 

Ausreisefrist bis am 14. September 2023 verlassen müssen (MI-act. 41). 

Anlässlich diverser Ausreisegespräche, des rechtlichen Gehörs betreffend 

die Anordnung einer Ausschaffungshaft sowie der heutigen Verhandlung 

äusserte sich der Gesuchsgegner dahingehend, dass er nicht bereit sei, 

die Schweiz freiwillig in Richtung der Türkei zu verlassen (MI-act. 47 ff., 

63 ff., Protokoll S. 3, act. 22). In der konstanten Weigerung, der 

Ausreisepflicht nachzukommen, ist ein klares Anzeichen dafür zu 

erkennen, dass sich der Gesuchsgegner der Ausschaffung entziehen will.  

 

Entgegen der Auffassung des Vertreters des Gesuchsgegners ändert 

hieran auch nichts, dass der Gesuchsgegner in der Vergangenheit (noch) 

nicht untergetaucht und seine Weigerung zu einer Rückkehr in die Türkei 

bis anhin vornehmlich passiver Natur gewesen ist. Vielmehr ist davon 

auszugehen, dass der Gesuchsgegner nach seiner Haftentlassung oder 

einer weiteren Konkretisierung des Wegweisungsvollzugs untertauchen 

wird.  Es ist zwar nicht von der Hand zu weisen, dass sich der 

Gesuchsgegner den Behörden gegenüber bis anhin kooperativ verhalten 

hat, aufgrund der Weigerung, die Schweiz zu verlassen, ist jedoch davon 

auszugehen, dass er sich allenfalls bis zum Vorliegen eines Flugtickets in 

der zugewiesenen Unterkunft aufhalten und untertauchen würde, sobald 

ihm die Flugdaten bekannt wären. Dies umso mehr, da en Flug in den 

nächsten zwei Wochen absehbar ist (Protokoll S. 4, act. 23). 

 

Insgesamt setzte der Gesuchsgegner damit klare Anzeichen für eine 

Untertauchensgefahr, und es ist auch nicht davon auszugehen, dass er 

nach einer Entlassung aus der Ausschaffungshaft die Schweiz selbständig 

in Richtung der Türkei verlassen würde. Damit ist der Haftgrund von Art. 76 

Abs. 1 lit. b Ziff. 3 und 4 AIG erfüllt. 

 

4. 

Bezüglich der Haftbedingungen liegen keine Beanstandungen vor, die 

geeignet wären, die Haft als unverhältnismässig erscheinen zu lassen 

(Protokoll S. 5, act. 24).  Insbesondere ist auch mit einer zeitnahen 

Überführung in das Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft 

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Zürich zu rechnen, welches in besonderem Masse auf die Bedürfnisse der 

ausländerrechtlichen Administrativhaft zugeschnitten ist. 

 

5. 

Es liegen auch keine Anzeichen dafür vor, dass das MIKA dem 

Beschleunigungsgebot (Art. 76 Abs. 4 AIG) nicht ausreichend Beachtung 

geschenkt hätte. 

 

6. 

Das MIKA ordnete die Ausschaffungshaft für drei Monate an. Nachdem der 

Vollzug der Rückführung massgeblich vom Verhalten des Gesuchsgegners 

abhängig ist und es diesbezüglich zu Verzögerungen kommen kann, ist die 

beantragte Haftdauer nicht zu beanstanden. Im Übrigen ist festzuhalten, 

dass das MIKA bisher stets bemüht war, Ausschaffungen so rasch wie 

möglich zu vollziehen. Sollte das MIKA entgegen seiner bisherigen 

Gewohnheit das Beschleunigungsgebot verletzen, besteht die Möglichkeit, 

ein Haftentlassungsgesuch zu stellen.  

 

7. 

Abschliessend stellt sich die Frage, ob die Haftanordnung deshalb nicht zu 

bestätigen sei, weil sie im konkreten Fall gegen das Prinzip der 

Verhältnismässigkeit verstossen würde.  

 

Dass die Ausschaffungshaft geeignet ist, den Vollzug der Wegweisung 

sicherzustellen, liegt auf der Hand und bedarf keiner weiteren 

Ausführungen. Gleiches gilt mit Blick auf die Notwendigkeit der Anordnung 

einer Ausschaffungshaft. 

 

Eine mildere Massnahme zur Sicherstellung des Vollzugs der Wegweisung 

ist – entgegen der Auffassung des Rechtsvertreters – vorliegend nicht 

ersichtlich. Insbesondere würde die Anordnung einer Meldepflicht bzw. 

einer Eingrenzung nicht ausreichen, da dadurch nicht sichergestellt werden 

kann, dass der Gesuchsgegner tatsächlich ausreisen wird. Dies gilt umso 

mehr, als der er sich mehrfach weigerte, die Schweiz zu verlassen und mit 

seinem Verhalten keinerlei Gewähr für eine ordnungsgemässe Ausreise in 

sein Heimatland bietet. 

 

Bezüglich der familiären Verhältnisse ergeben sich keine Anhaltspunkte, 

welche gegen eine Haftanordnung sprechen würden. Eine bevorstehende 

Heirat lässt eine Haftanordnung grundsätzlich nicht hinfällig werden und es 

ist in aller Regel zumutbar, den Ausgang des Bewilligungsverfahrens im 

Ausland abzuwarten und zu gegebener Zeit bei der schweizerischen 

Auslandsvertretung im Heimaltland um eine Einreisebewilligung zwecks 

Heirat zu ersuchen. Der Wegweisungsvollzug erscheint höchstens dann 

unverhältnismässig, wenn sämtliche für den Eheschluss erforderlichen 

Papiere vorliegen, ein konkreter Heiratstermin feststeht und binnen kurzem 

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mit der Erteilung einer (Kurz-)Aufenthaltsbewilligung zu rechnen ist (Urteil 

des Bundesgerichts 2C_481/2017 vom 15. Dezember 2017, Erw. 2.3). 

Aufgrund der Aktenlage ist nicht davon auszugehen, dass die 

Voraussetzungen für einen erfolgreichen Abschluss des 

Ehevorbereitungsverfahrens in Kürze vorliegen werden, zumal der 

Gesuchsgegner dafür zunächst seinen Aufenthalt legalisieren müsste, 

allenfalls noch die hinter seinem geplanten Eheschluss liegenden Motive 

zu überprüfen sind, die Übersetzung amtlicher ausländischer Dokumente 

erfahrungsgemäss viel Zeit in Anspruch nimmt und der Gesuchsgegner 

überdies auch nicht konkret darzulegen vermag, sämtliche erforderlichen 

Dokumente bereits besorgt und dem zuständigen Zivilstandsamt 

eingereicht zu haben (Protokoll S. 4, act. 23). Entgegen der Auffassung des 

Gesuchsgegners steht damit weder die Eheschliessung noch die 

Regularisierung seines Aufenthalts unmittelbar bevor.    

 

Der Gesuchsgegner macht sodann auch nicht geltend, er sei nicht 

hafterstehungsfähig. Bezüglich der psychischen Beschwerden und der 

Suizidgedanken, welche er seit seiner Ankunft im Bezirksgefängnis habe, 

ist festzuhalten, dass er sich deswegen weder in Behandlung begeben 

noch um einen Arzt ersucht hat (Protokoll S. 3, act. 22). Des Weiteren ist 

der Gesuchsgegner darauf hinzuweisen, dass es ihm während seiner 

Inhaftierung jederzeit zusteht, eine Untersuchung durch eine ärztliche 

Fachperson zu verlangen und notwendige Medikamente zu erhalten. Dies 

wurde ihm bereits anlässlich des rechtlichen Gehörs vom 10. Oktober 2023 

mitgeteilt (MI-act. 66).  

 

Insgesamt sind damit keinerlei Gründe ersichtlich, welche die angeordnete 

Haft als unverhältnismässig erscheinen liessen. 

 

III. 

1. 

Gemäss § 28 Abs. 1 EGAR ist das Verfahren betreffend Haftüberprüfung 

unentgeltlich. Demgemäss werden keine Kosten erhoben. 

 

2. 

Dem Gesuchsgegner ist gemäss § 27 Abs. 2 EGAR zwingend ein amtlicher 

Rechtsvertreter zu bestellen, da der Gesuchsteller eine Haft für eine Dauer 

von mehr als 30 Tagen anordnete. Der Vertreter des Gesuchsgegners wird 

aufgefordert, nach Haftentlassung des Gesuchsgegners seine Kostennote 

einzureichen. 

 

IV. 

1. 

Der Gesuchsgegner wird darauf hingewiesen, dass ein 

Haftentlassungsgesuch frühestens einen Monat nach Haftüberprüfung 

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gestellt werden kann (Art. 80 Abs. 5 AIG) und beim MIKA einzureichen ist 

(§ 15 Abs. 1 EGAR). 

 

2. 

Soll die Haft gegebenenfalls verlängert werden, ist nicht zwingend eine 

Verhandlung mit Parteibefragung durchzuführen (Aargauische Gerichts- 

und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2009, S. 359 Erw. I/4.3 ff.). Im 

Rahmen des rechtlichen Gehörs hat das MIKA dem Gesuchsgegner daher 

die Frage zu unterbreiten, ob er die Durchführung einer mündlichen 

Verhandlung wünscht und ob er in diesem Fall eine Präsenzverhandlung 

verlangt oder mit einer Skype-Verhandlung einverstanden ist (Urteil des 

Bundesgerichts 2C_846/2021 vom 19. November 2021). Die Anordnung 

einer allfälligen Haftverlängerung ist dem Verwaltungsgericht spätestens 

acht Arbeitstage vor Ablauf der bewilligten Haft einzureichen. 

 

3. 

Der vorliegende Entscheid wurde den Parteien zusammen mit einer kurzen 

Begründung anlässlich der heutigen Verhandlung mündlich eröffnet. Das 

Dispositiv wurde den Parteien ausgehändigt. 

 

 
   

Der Einzelrichter erkennt: 

 

1. 

Die am 10. Oktober 2023 angeordnete Ausschaffungshaft wird bis zum 

9. Januar 2024, 12.00 Uhr, bestätigt. 

 

2. 

Die Haft ist im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich zu 

vollziehen. Für die Dauer der Befragung oder die Durchführung einer 

Haftverhandlung kann die Inhaftierung, soweit zwingend notwendig, im 

Bezirksgefängnis Aarau erfolgen. 

 

3. 

Es werden keine Kosten auferlegt. 

 

4. 

Als amtlicher Rechtsvertreter wird lic. iur. Christoph Waller, Rechtsanwalt, 

Wohlen, bestätigt. Der Rechtsvertreter wird aufgefordert, nach 

Haftentlassung des Gesuchsgegners seine detaillierte Kostennote 

einzureichen. 

 

 
   

Zustellung an: 

den Gesuchsgegner (Vertreter, im Doppel) 

das MIKA (mit Rückschein) 

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das Staatssekretariat für Migration, 3003 Bern 

 

 
   

Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten 

 

Dieser Entscheid kann wegen Verletzung von Bundesrecht, Völkerrecht, 

kantonalen verfassungsmässigen Rechten sowie interkantonalem Recht 

innert 30 Tagen seit der Zustellung mit Beschwerde in öffentlich-

rechtlichen Angelegenheiten beim Schweizerischen Bundesgericht, 

1000 Lausanne 14, angefochten werden. Die unterzeichnete Beschwerde 

muss das Begehren, wie der Entscheid zu ändern sei, sowie in gedrängter 

Form die Begründung, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt, mit 

Angabe der Beweismittel enthalten. Der angefochtene Entscheid und als 

Beweismittel angerufene Urkunden sind beizulegen (Art. 82 ff. des 

Bundesgesetzes über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz; BGG; 

SR 173.110] vom 17. Juni 2005). 

 

 
   

Aarau, 12. Oktober 2023 

 

Verwaltungsgericht des Kantons Aargau 

2. Kammer 

Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber i.V.: 

 

 

 

Blocher Okutan