# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 4e175fbd-017f-5e90-8bac-ae104f114839
**Source:** Bundesverwaltungsgericht ()
**Court Level:** federal
**Decision Date:** 2016-09-09
**Language:** de
**Title:** Bundesverwaltungsgericht 09.09.2016 E-4910/2016
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/CH_BVGer/CH_BVGE_001_E-4910-2016_2016-09-09.pdf

## Full Text

B u n d e s v e rw a l t u ng s g e r i ch t  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i f  f éd é r a l  

T r i b u n a l e  am m in i s t r a t i vo  f e d e r a l e  

T r i b u n a l  ad m i n i s t r a t i v  fe d e r a l  

 
 
 
 

 

 

  

 
 Abteilung V 

E-4910/2016 

 

 
 

  U r t e i l  v o m  9 .  S e p t e m b e r  2 0 1 6  

Besetzung 
 Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), 

Richter Jean-Pierre Monnet, Richterin Christa Luterbacher, 

Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. 

   

Parteien 

 
A._______, geboren am (…), 

Somalia,   

vertreten durch lic. iur. Martina von Wattenwyl, 

(…), 

Beschwerdeführer, 

 

  
gegen 

  
Staatssekretariat für Migration (SEM), 

Quellenweg 6, 3003 Bern, 

Vorinstanz. 

   

Gegenstand 

 
Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Ver-

fahren); Verfügung des SEM vom 26. Juli 2016 / N (…). 

 

 

 

E-4910/2016 

Seite 2 

Sachverhalt: 

A.  

Gemäss eigenen Angaben verliess der Beschwerdeführer seinen Heimat-

staat am (…) 2015 und suchte am 13. April 2016 (A11 S. 8 f.) in der 

Schweiz um Asyl nach. Abklärungen des SEM ergaben, dass der Be-

schwerdeführer in Siracusa (Sizilien) am 31. März 2016 daktyloskopiert 

wurde (A6). Auf dem Personalienblatt vom 13. April 2016 erklärte der Be-

schwerdeführer sich als minderjährig (A2). Eine vom SEM in Auftrag gege-

bene Handknochenanalyse vom 28. April 2016 ergab ein Knochenalter von 

19 oder mehr Jahren (A10). 

Anlässlich der summarischen Befragung vom 17. Mai 2016 im Empfangs- 

und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen bestand der Beschwerdeführer 

zunächst darauf, dass er am (…) geboren und daher 15 Jahre alt sei, was 

er von seiner Mutter wisse (A11 S. 3). Später erklärte er sich indes einver-

standen, sein Geburtsdatum auf den (…) festzulegen (A11 S. 3). An dieser 

Befragung wurde ihm auch das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nicht-

eintretensentscheid und der Möglichkeit einer Überstellung nach Italien ge-

währt, welches gemäss Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen 

Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien 

und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-

nes von einem Drittstaatsangehörigen    oder Staatenlosen in einem Mit-

gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dub-

lin-III-VO), grundsätzlich für die Behandlung seines Asylgesuchs zuständig 

sei. Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates wurde vom 

Beschwerdeführer nicht bestritten. Jedoch machte dieser geltend, nicht 

nach Italien zurückkehren zu wollen, da er gesehen habe, wie andere 

Flüchtlinge auf der Strasse schlafen würden (A11 S. 11). 

B.  

Am 25. Mai 2016 ersuchte das SEM die italienischen Behörden um Über-

nahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO (A15). 

Dieses Gesuch blieb unbeantwortet. 

C.  

Mit Verfügung vom 26. Juli 2016 (eröffnet am 4. August 2016) trat das SEM 

in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des 

Beschwerdeführers nicht ein und verfügte seine Überstellung nach Italien, 

welches für die Behandlung seines Asylgesuchs zuständig sei. Gleichzeitig 

verfügte das SEM den Vollzug der Wegweisung nach Italien und stellte 

E-4910/2016 

Seite 3 

fest, einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid komme keine auf-

schiebende Wirkung zu. 

D.  

Mit Beschwerde vom 11. August 2016 an das Bundesverwaltungsgericht 

beantragte der Beschwerdeführer, dass die Verfügung vom 26. Juli 2016 

aufzuheben und das SEM anzuweisen sei, sein Recht zum Selbsteintritt 

auszuüben und sich für vorliegendes Asylgesuch für zuständig zu erach-

ten. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der aufschie-

benden Wirkung und der unentgeltlichen Rechtspflege (Art. 65 VwVG 

i.V.m. Art. 110a AsylG) sowie den Verzicht auf Erhebung eines Kostenvor-

schusses. Der Eingabe lag eine Fürsorgebestätigung vom 8. August 2016 

sowie Kopie eines „Declaration Certificate“ des „Local Government of: Kis-

maio“ – ausgestellt am (…) 2014 – bei, welches von seinem Onkel (ohne 

Wissen des Beschwerdeführers) in Kismayo beantragt worden sei. 

E.  

Mit Verfügung vom 15. August 2016 – der Rechtsvertreterin am 16. August 

2016 zugestellt – setzte das Bundesverwaltungsgericht den Vollzug der 

Überstellung des Beschwerdeführers nach Italien sofort einstweilen aus. 

F.  

Die Akten der Vorinstanz trafen am 16. August 2016 beim Bundesverwal-

tungsgericht ein. 

 

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 

1.  

1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-

schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den 

Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-

waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne 

von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher 

zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-

det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend – 

endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Das Verfahren richtet 

sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts 

anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG). 

E-4910/2016 

Seite 4 

1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-

deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die 

angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-

teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur 

Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 

AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-

treten. 

2.  

2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich 

Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder 

unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt 

werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 

2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das 

SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen 

(Art. 31a Abs. 1-3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-

deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu 

Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2012/4 E. 2.2 

m.w.H.). 

2.3 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wird auf die Durchführung des 

Schriftenwechsels verzichtet. 

3.  

3.1 In der Rechtsmittelschrift vom 11. August 2016 wurde geltend ge-

macht, mit der pauschalen Annahme, der Beschwerdeführer sei volljährig, 

verletze das SEM dessen Rechte als unbegleiteter Minderjähriger, das 

heisst während der Befragung hätte eine Vertrauensperson anwesend sein 

müssen (Art. 6 Dublin-III-VO). Diese Rüge ist vorab zu prüfen, da ein Ver-

fahrensmangel allenfalls geeignet wäre, eine Kassation des vorinstanzli-

chen Entscheides zu bewirken (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungs-

verfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, 

Rz. 1151 ff.). 

3.2 Gemäss Art. 6 Abs. 2 Dublin-III-VO wird ein unbegleiteter Minderjähri-

ger in allen Verfahren der Dublin-III-VO von einem Vertreter vertreten und 

unterstützt. Um das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitglied-

staates zu erleichtern, führen die Behörden ein persönliches Gespräch mit 

der asylsuchenden Person (Art. 5 Abs. 1 Dublin-III-VO). In einem Dublin-

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Seite 5 

Verfahren informiert das SEM grundsätzlich vor der Erhebung des rechts-

erheblichen Sachverhalts beziehungsweise vor der Befragung – als ent-

scheidrelevanter Verfahrensschritt – die zuständigen kantonalen Behörden 

über die Anwesenheit einer unbegleiteten minderjährigen asylsuchenden 

Person, um die unverzügliche Bestimmung einer Vertrauensperson nach 

Art. 17 Abs. 3 Bst. b AsylG und die Befragung zum rechtserheblichen 

Sachverhalt in deren Anwesenheit zu gewährleisten (vgl. BVGE 2011/23 

E. 7).  

Nach den Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-

kurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30 ist es im ordentlichen Asyl- und 

Wegweisungsverfahren jedoch zulässig, vor der einlässlichen Anhörung zu 

den Asylgründen – ohne Beiordnung einer Vertrauensperson – vorfrage-

weise über die Frage der Glaubhaftigkeit einer geltend gemachten Minder-

jährigkeit zu befinden, wenn Zweifel an den Altersangaben der asylsuchen-

den Person bestehen. Diese Regel lässt sich in dem Sinne auch auf ein 

Dublin-Verfahren anwenden, indem vorfrageweise die Glaubhaftigkeit der 

Altersangabe überprüft wird und – falls Zweifel über die Minderjährigkeit 

bestehen – eine summarische Befragung ohne eine Vertrauensperson 

stattfindet. Folglich ist zu prüfen, ob nach der Gesuchseinreichung bezie-

hungsweise während den Vorbereitungen zur summarischen Befragung 

das SEM von einer möglichen Volljährigkeit des Beschwerdeführers aus-

gehen und damit auf einen Beizug einer Vertrauensperson verzichten 

durfte. 

3.3 Grundsätzlich trägt die asylsuchende Person die Beweislast für die von 

ihr behauptete Minderjährigkeit (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.2). Im Rah-

men einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung sämtlicher Anhaltspunkte, 

welche für oder gegen die Richtigkeit der betreffenden Altersangaben spre-

chen, vorzunehmen (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.3.4). Vor der summari-

schen Befragung gab der Beschwerdeführer auf dem Personalienblatt als 

Geburtsdatum den (…) beziehungsweise (…) – je nach Datumsformat – 

an (A2). Doch egal welches Format er anwenden wollte, aus diesen Anga-

ben lässt sich schliessen, dass er das Jahr (…) als sein Geburtsjahr be-

trachtete. Jedoch hatte er keine Identitätspapiere bei sich. Eine radiologi-

sche Untersuchung ergab einen Befund des Skelettalters von 19 Jahre o-

der mehr (statt der angegebenen 15 Jahre und 2 Monate, A10). Zwar las-

sen die Ergebnisse einer radiologischen Untersuchung keine sicheren 

Schlüsse auf die Voll- oder Minderjährigkeit zu und weisen generell nur 

einen beschränkten Aussagewert zur Bestimmung des tatsächlichen Alters 

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Seite 6 

auf (vgl. EMARK 2000 Nr. 19 E. 7a; 2004 Nr. 30 E. 6.2). Die Differenz zwi-

schen dem vom Beschwerdeführer behaupteten Geburtsdatum und dem 

festgestellten Skelettalter beträgt jedoch fast vier Jahre. Damit liegt seine 

Altersangabe ausserhalb der Bandbreite von drei Jahren des mit dem Re-

sultat der Knochenaltersanalyse vom 28. April 2016 vereinbaren Skelettal-

ters (vgl. EMARK 2000 Nr. 19 E. 7; 2001 Nr. 23 E. 4). Folglich bestanden 

im Zeitpunkt vor der Befragung des Beschwerdeführers bereits gewisse 

Zweifel an der vorgebrachten Minderjährigkeit, für welche wie erwähnt der 

Beschwerdeführer die Beweislast trägt (vgl. EMARK 2004 Nr. 30 E. 5.2). 

Nach dem Gesagten ist kein Verfahrensfehler des SEM erkennbar. Die auf 

Beschwerdestufe eingereichten Kopien von Fotos des Beschwerdeführers 

vermögen diese Erwägung nicht umzustürzen. 

3.4 Bezüglich der Frage der Minderjährigkeit gab der Beschwerdeführer 

anlässlich der Befragung vom 17. Mai 2016 des Weiteren als Geburtsda-

tum den (…) an. Dieses Datum habe ihm seine Mutter im Jahr 2009 – als 

er zwölf Jahre alt gewesen sei – angegeben. Angesprochen auf den Wi-

derspruch vermochte er sich zu erinnern, dass sie ihm dies im Jahr 2011 

erzählt habe, als er dreizehn Jahre alt gewesen sei (A11 S. 3). Diese An-

gaben widersprechen sich deutlich. Bezüglich der auf Beschwerdestufe 

eingereichten Kopie der Geburtsbestätigung gilt indes zu erwähnen, dass 

dieser nur ein geringer Beweiswert zukommt. Ferner wurde in der Be-

schwerdeschrift erwähnt, dass die Herausgabe dieses Dokuments vom 

Onkel des Beschwerdeführers veranlasst worden sei. Aus den Aussagen 

des Beschwerdeführers lässt sich schliessen, dass er am Ausstellungstag 

des Dokuments ([…] 2014) sich noch in Kismayo aufgehalten hat. Aus wel-

chen Gründen ein Onkel aus einem weit entfernten Ort (Region […]) in 

Kismayo einen Registerauszug für seinen dort lebenden Neffen ausstellen 

lassen sollte, bleibt ungeklärt. Auch überzeugt der Hinweis, der Beschwer-

deführer habe während seiner Reise schlechte Erfahrungen gemacht, mit 

welchen er nicht umgehen könne, weshalb er – mangels Konzentration – 

Daten verwechsle, nicht, um zur Klärung seines wahren Geburtsdatums 

beizutragen. 

Nach dem Gesagten konnte der Beschwerdeführer seine Altersangaben 

beziehungsweise Minderjährigkeit nicht glaubhaft machen, weshalb von 

der Volljährigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist. 

  

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Seite 7 

4.  

4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-

chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des 

Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a 

Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen 

Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. 

Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die 

Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-

fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt 

hat, auf das Asylgesuch nicht ein. 

4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem 

einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als 

zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-

ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat 

erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). 

Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (take charge) – wie das 

vorliegende – sind die in Kapitel III (Art. 8-15 Dublin-III-VO) genannten Kri-

terien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zu-

ständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es 

ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen 

Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dub-

lin-III-VO; vgl. BVGE 2012/4 E. 3.2; FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verord-

nung, 2014, K4 zu Art. 7). 

4.3 Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zu-

ständigen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die 

Annahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für 

Antragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufwei-

sen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behand-

lung im Sinne von Art. 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen 

Union (EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prüfen, ob aufgrund 

dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden 

kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zuständig bestimmt werden, wird 

der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat 

(Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO). 

E-4910/2016 

Seite 8 

4.4 Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet, 

einen Antragsteller, der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag ge-

stellt hat, nach Massgabe der Art. 21, Art. 22 und Art. 29 Dublin-III-VO auf-

zunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. a Dublin-III-VO). 

4.5 Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO 

beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-

tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn 

er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-

fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; Selbsteintrittsrecht). 

5.  

5.1 Hinsichtlich der Zuständigkeitsfrage lässt sich Folgendes sagen: Art. 8 

Dublin-III-VO (Minderjährige) wird vorliegend nicht angewendet, da von der 

Volljährigkeit des Beschwerdeführers ausgegangen wird (vgl. E. 3). Den 

vorliegenden Akten ist ferner zu entnehmen, dass sich der Beschwerde-

führer vor seiner Einreise in die Schweiz in Italien aufgehalten hatte. An-

lässlich seiner Befragung vom 17. Mai 2016 führte er aus, er habe am (…) 

2015 sein Heimatland verlassen und sei über verschiedene afrikanische 

Länder nach Libyen gelangt, von wo aus er am (…) 2016 nach Catania 

(Sizilien) gestartet sei. In Italien habe er weder ein Asylgesuch eingereicht 

noch sei er daktyloskopiert worden. Nach drei Tagen sei er mit dem Zug in 

die Schweiz gereist (A11 S. 8). Gemäss Eurodac-Eintrag wurde der Be-

schwerdeführer am 31. März 2016 in Siracusa (Sizilien) daktyloskopisch 

erfasst (A6). Das SEM ersuchte die italienischen Behörden am 25. Mai 

2016 um Aufnahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 

Dublin-III-VO (Einreise und/oder Aufenthalt). Die italienischen Behörden 

liessen das Übernahmeersuchen innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO 

vorgesehenen Frist unbeantwortet, womit sie die Zuständigkeit Italiens im-

plizit anerkannten (Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-VO). 

Die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens ist somit gegeben, die denn über 

die implizite Anrufung von Art. 8 Dublin-III-VO hinaus auch nicht bestritten 

wurde. 

5.2 Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli-

che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe-

dingungen für Asylsuchende in Italien würden systemische Schwachstellen 

aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden 

Behandlung im Sinne von Art. 4 EU-Grundrechtecharta mit sich bringen 

würden. 

E-4910/2016 

Seite 9 

5.2.1 Italien ist Signatarstaat der Europäischen Menschenrechtskonven-

tion (EMRK), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter 

und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung o-

der Strafe (FoK) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-

stellung der Flüchtlinge (FK) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 

31. Januar 1967 und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-

pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-

kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-

linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 

26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-

kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 

2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-

nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-

merichtlinie) ergeben. 

5.2.2 Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat 

bezüglich Italien keine systemischen Mängel festgestellt. Die Lage in Ita-

lien sei nicht mit derjenigen von Griechenland (vgl. Urteil des EGMR M.S.S. 

gegen Belgien und Griechenland vom 21. Januar 2011, Nr. 30696/09, 

Grosse Kammer) vergleichbar (vgl. Urteil des EGMR Tarakhel gegen 

Schweiz vom 4. November 2014, Nr. 29217/12, Grosse Kammer, §§ 114 f. 

und 120). 

5.2.3 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-

III-VO nicht gerechtfertigt. 

5.3 Der Beschwerdeführer fordert mit seinem Vorbringen die Anwendung 

der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, respektive der – 

das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung 

von Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 (AsylV 1), 

gemäss welcher das SEM das Asylgesuch "aus humanitären Gründen" 

auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer 

Staat zuständig wäre. 

5.3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO kann die Schweiz ein Asylgesuch 

materiell überprüfen, auch wenn nach der in der Dublin-III-VO vorgesehe-

nen Kriterien ein anderer Staat zuständig wäre (Selbsteintrittsrecht). Diese 

Bestimmung kann nur in Verbindung mit einer anderen Norm des interna-

tionalen oder nationalen Rechts angerufen werden (vgl. BVGE 2010/45 

E. 5). Droht ein Verstoss gegen übergeordnetes Recht, zum Beispiel ge-

gen eine Norm des Völkerrechts, so besteht ein einklagbarer Anspruch auf 

E-4910/2016 

Seite 10 

Ausübung des Selbsteintrittsrechts. Die ins nationale Recht aufgenom-

mene Norm Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 sieht vor, dass das SEM aus "humani-

tären Gründen" ein Gesuch behandeln kann. Es handelt sich hierbei um 

eine Kann-Bestimmung, die den Behörden einen gewissen Ermessens-

spielraum lässt und restriktiv auszulegen ist (vgl. BVGE 2010/45 E. 8.2.2 

und 2011/9 E. 8.1 f.). 

5.3.2 In der Beschwerdeschrift vom 11. August 2016 wurde die angebliche 

Verletzung einer internationalen Norm nicht weiter begründet. Auch handelt 

es sich beim Beschwerdeführer um einen gesunden jungen Mann (A11 

S. 11). Aufgetretene Herzprobleme wurden medizinisch behandelt; eine 

kardiologische Nachkontrolle wurde jedoch nicht angeordnet (A17). Zu-

sammenfassend ist festzustellen, dass in diesem Sinne keine Gefährdung 

nach Art. 3 EMRK oder einer anderen völkerrechtlichen Norm vorliegt. 

5.4 Der Beschwerdeführer hat auch keine konkreten Hinweise für die An-

nahme dargetan, Italien würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnahme-

richtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten. Bei ei-

ner allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich im Übrigen 

nötigenfalls an die italienischen Behörden wenden und die ihm zustehen-

den Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 

Aufnahmerichtlinie). 

5.5 Soweit der Beschwerdeführer sinngemäss das Vorliegen von "humani-

tären Gründen" geltend macht, ist Folgendes festzuhalten:  

5.5.1 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei 

der Anwendung der Kann-Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über 

einen Ermessensspielraum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Seit der Kognitions-

beschränkung durch die Asylgesetzrevision vom 1. Februar 2014 (Strei-

chung der Angemessenheitskontrolle des Bundesverwaltungsgerichts ge-

mäss aArt. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG) überprüft das Gericht den vorinstanz-

lichen Verzicht der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 nicht mehr auf 

Angemessenheit hin; das Gericht beschränkt seine Beurteilung nunmehr 

im Wesentlichen darauf, ob das SEM den Sachverhalt diesbezüglich kor-

rekt und vollständig erhoben, allen wesentlichen Umständen Rechnung ge-

tragen und seinen Ermessensspielraum korrekt ausgeübt hat (vgl. Art. 106 

Abs. 1 Bst. a und b AsylG). 

E-4910/2016 

Seite 11 

5.5.2 Die angefochtene Verfügung ist unter diesem Blickwinkel nicht zu be-

anstanden; insbesondere sind den Akten keine Hinweise auf einen Ermes-

sensmissbrauch oder ein Über- respektive Unterschreiten des Ermessens 

zu entnehmen. Das Gericht enthält sich deshalb in diesem Zusammenhang 

weiterer Äusserungen. 

5.6 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-

messenklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Der Vollständigkeit halber ist 

festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-

räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch 

BVGE 2010/45 E. 8.3). 

6.  

6.1 Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 

Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. 

Da der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder 

Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach Italien in An-

wendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a 

AsylV 1). 

6.2 Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung 

des Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, 

sind allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und Abs. 4 AuG 

unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2 

m.w.H.). 

6.3 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfü-

gung des SEM zu bestätigen. Mit vorliegendem Urteil ist der Antrag auf 

aufschiebende Wirkung der Beschwerde (Art. 107a AsylG) gegenstands-

los geworden. 

7.  

7.1 Der Beschwerdeführer ersuchte um Gewährung der unentgeltlichen 

Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG. Eine Partei, die nicht 

über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf Antrag hin von der Bezahlung 

der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos er-

scheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Aufgrund obiger Erwägungen ist die einge-

reichte Beschwerde als aussichtslos zu erachten, weshalb das Gesuch um 

Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 

Abs. 1 VwVG – auch bei ausgewiesener Bedürftigkeit – abzuweisen ist. 

E-4910/2016 

Seite 12 

Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-

rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 600.- festzu-

setzen (Art. 1-3 VGKE). Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Ge-

such um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegen-

standslos geworden.  

7.2 Gemäss Art. 110a Abs. 2 AsylG sind Beschwerden im Rahmen eines 

Dublin-Verfahrens von der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 110a 

Abs. 1 AsylG ausgeschlossen. 

7.3 Gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG wird einer mittellosen Partei, soweit es 

zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, in einem nicht aussichtslosen Ver-

fahren eine Anwältin oder ein Anwalt bestellt. Das vorliegende Verfahren 

ist – wie bereits erwähnt – als aussichtslos zu betrachten, weshalb das 

Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Sinne von Art. 65 

Abs. 2 VwVG abzuweisen ist. 

 

(Dispositiv nächste Seite) 

  

E-4910/2016 

Seite 13 

Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 

1.  

Die Beschwerde wird abgewiesen. 

2.  

Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne 

von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen. 

3.  

Die Verfahrenskosten von Fr. 600.- werden dem Beschwerdeführer aufer-

legt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten 

der Gerichtskasse zu überweisen 

4.  

Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale 

Migrationsbehörde. 

 

Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: 

  

Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe 

 

 

Versand: