# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 0aa799dc-d977-5b10-b687-3de84033ed16
**Source:** Zürich Baurekursgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2011-05-17
**Language:** de
**Title:** Dachgeschoss. Dachterrasse.
**Docket/Reference:** BRGE II Nr. 0113/2011
**URL:** https://www.baurekursgericht-zh.ch/media/BRGE_II_0113_2011_316.pdf

## Full Text

BRGE II Nr. 0113/2011 vom 17. Mai 2011 in BEZ 2012 Nr. 13 

(Bestätigt mit VB.2011.00389 vom 23. November 2011) 

Auf  einem  Flachdachwohnhaus  ohne  Attikageschoss  war  die  Herrichtung 
einer  überdachten  Dachterrasse  im  Halte  von  35,5  m2  zuzüglich  eines 
überdachten  und  eingewandeten  Treppenaufgangs  auf  der  einen  Schmalseite 
und eines  von  der Terrasse  her zugänglichen,  in  sich  geschlossenen  Raumes 
für das Einstellen von Gartenmöbeln mit einer Bodenfläche von 9,6 m2 auf der 
andern Schmalseite des Gebäudes geplant. Auf der einen Längsseite sollte der 
überdachte  Bereich  mit  einer  Glaswand  abgeschlossen  werden  und  auf  der 
andern  offen  bleiben.  Auf  beiden  Längsseiten  verblieben 
je  mit  einer 
Absturzsicherung  versehene  offene  Terrassenflächen.  Strittig  war,  ob  die 
überdachte Dachterrasse als ein gemäss Bau- und Zonenordnung unzulässiges 
anrechenbares Dachgeschoss einzustufen war.  

Aus den Erwägungen: 

2. Die Rekurrentschaft wendet sich gegen die Bewilligung für die gedeckte
Dachterrasse.  Sie  macht  geltend,  die  Leitungen  für  Heizung,  Strom,  Telefon, 
Radio/Fernsehen  sowie  Kalt-  und  Warmwasser  seien  bereits  im  Rahmen  des 
Neubaus  der  Liegenschaft  bis  zum  Boden  des  projektierten  Dachgeschosses 
hochgezogen  worden.  Damit  sei  der  geplante  Raum  für  den  dauernden 
Aufenthalt von Menschen geeignet. Er könne mit wenig Aufwand als Wohn- und 
Arbeitsraum (Hobby-  oder Bastelraum) ausgebaut werden. Der streitbetroffene 
Raum 
führe  daher  zur  Anrechenbarkeit  des  Geschosses  an  die 
Geschosszahlvorschriften.  Bei  der  projektierten  Dachterrasse  handle  es  sich 
zwar  nicht  um  einen  abgeschlossenen,  aber  auf  drei  Seiten  mit  Mauern  und 
einer  Verglasung  umschlossenen,  überdachten  Raum.  Die  Dachterrasse  sei 
geeignet,  regelmässig  und  über  eine  längere  Zeit,  namentlich  auch  über  die 
Sommermonate hinaus, zum Aufenthalt von Menschen genutzt zu werden. Dies 
gelte umso mehr, wenn von den bestehenden Anschlüssen Gebrauch gemacht 
werde.  Zudem  könne  auch  auf  der  Südostseite  mit  wenig  Aufwand  eine 
Verglasung  angebracht  und  die  Dachterrasse  so  in  einen  Wintergarten 
umgestaltet werden. Das geplante Dachgeschoss erweise sich somit schon auf 
Grund  der projektierten  Dachterrasse  allein,  auf  jeden  Fall  aber in  Verbindung 
mit dem projektierten Raum für Gartenmöbel als anrechenbares Dachgeschoss. 
(…) 

4. Zu  prüfen  ist,  ob  die  streitbetroffene  überdachte  Dachterrasse  ein
anrechenbares  Dachgeschoss  bildet.  Diesfalls  wäre  sie  unzulässig  und  die 
Bewilligung wäre aufzuheben.  

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4.1  Zunächst  fragt  sich,  ob  die  überdachte  Dachterrasse  überhaupt  als 

Dachgeschoss einzustufen ist.  

Dachgeschosse  sind  horizontale  Gebäudeabschnitte,  die  (vorbehältlich 
eines  Kniestockes  von  höchstens  0,9  m)  über  der  Schnittlinie  zwischen 
Fassade und Dachfläche liegen (§ 275 Abs. 2 PBG).  

Dass  ein  Dachgeschoss  schon  dann  vorliegt,  wenn  auf  einem  Flachdach 
nur  eine  leichte  Dachkonstruktion  montiert  wird,  die  ohne  weiteres  wieder 
entfernt  werden  könnte,  ist  wohl  zu  verneinen.  Diese  Frage  kann  indes  offen 
bleiben.  Die  geplante  überdachte  Dachterrasse 
ist  seitlich  vollständig 
eingewandet.  Das  Dach  ruht  auf  diesen  beiden  Wänden  und  auf  vier  Pfeilern 
auf  und  überdeckt  überdies  den  Treppenhausaufgang  und  den  Raum  für  das 
Einstellen  von  Gartenmöbeln.  Die  geplante,  sichtbare  Materialisierung  der 
Wände  und  der  Decke  der  Dachterrasse  ist  die  gleiche  wie  bei  den  darunter 
liegenden  Vollgeschossen,  und  die  Stärke  der Wände  ist  ebenfalls  gleich.  Ein 
auf  beiden  Längsseiten  verglastes,  zu  Wohnzwecken  dienendes  Geschoss 
würde von aussen nicht wesentlich anders aussehen als die geplante gedeckte 
Dachterrasse.  Zusammen  mit  dem  Treppenaufgang  und  dem  Raum  für 
Gartenmöbel  bildet  diese  somit  einen  horizontalen  Abschnitt  des 
Gesamtgebäudes  und  damit  ein  Geschoss  im  Rechtssinne.  Dieses  hält  sich 
innerhalb  des  in  §  281  Abs.  1  PBG  für  Dachgeschosse  vorgeschriebenen 
Profils.  Dessen  Durchbrechung  mit  dem  eingewandeten  Treppenhausaufgang 
liegt  im  Rahmen  des  nach  §  292  lit.  b  PBG  zulässigen  Masses  für 
Dachaufbauten. Mithin ist von einem Dachgeschoss auszugehen.  

4.2 Zu prüfen ist, ob dieses an die Geschosszahlvorschriften anrechenbar 

ist.  

4.2.1  Als  Geschosse  zählen  Dachgeschosse  dann,  wenn  sie  Wohn-, 
Schlaf-  oder  Arbeitsräume  aufweisen  (§  276  Abs.  1  PBG).  Damit  sind 
weitestgehend  dieselben  Räumlichkeiten  angesprochen,  deren  Flächen  auch 
an die Ausnützungsziffer anrechenbar sind, was sich nach der Vorschrift von § 
255 Abs. 1 PBG richtet. Danach sind an die Ausnützungsziffer anrechenbar alle 
dem Wohnen,  Arbeiten  oder sonst  dem  dauernden  Aufenthalt  dienenden  oder 
hierfür  verwendbaren  Räume  in  Vollgeschossen  unter  Einschluss  der  dazu 
inneren 
gehörigen  Erschliessungsflächen 
Trennwänden.  

und  Sanitärräume 

samt 

Nach ständiger Praxis gilt ein Raum dann als anrechenbar, wenn er nicht 
nur  einen  Sachzweck  erfüllt,  sondern  für  die  Ausübung  menschlicher Tätigkeit 
und  damit  für  den  Aufenthalt  von  Personen  bestimmt  ist.  Dabei  kommt  es  auf 
die objektive Eignung des Raums und nicht auf die vom Bauherrn beabsichtigte 
Nutzung  an  (VGr,  7.  Dezember  2000,  VB.2000.00304  und  00314,  E.  3b  aa  = 
BEZ 2001 Nr. 4). 

Die  Anforderungen  an  die  Eignung  richten  sich  auch  nach  der  konkreten 
Verwendung  des  Raumes.  Etwa  für  (private)  Fitnessräume  oder  Bastelräume, 
die  nicht  etwa  Sachzweckräume  sind,  gelten  die  in  §  302  Abs.  2  und  3  PBG 

 
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umschriebenen Anforderungen namentlich an die Befensterung von Wohn- und 
Schlafräume nicht.   

4.2.2  Zwar  dient  die  streitbetroffene  gedeckte  Dachterrasse  bis  auf  den 
Einstellraum und den Treppenaufgang dem Aufenthalt von Personen; sie bildet 
offenkundig  Teil  der  Wohnnutzung.  Hieraus  kann  indes  nicht  geschlossen 
werden, sie sei deswegen ein anrechenbares Dachgeschoss.  

Die  Bestimmungen  von  §  255  und  §  276  PBG  verlangen  für  die 
Anrechenbarkeit  stets  das  Vorhandensein  von  «Räumen».  Der  Begriff  des 
Raumes  ist  baurechtlich  nicht  definiert.  Eine  Legaldefinition  besteht  einzig  für 
den  Begriff  des  Gebäudes.  Nach  §  2  Abs.  1  der  Allgemeinen  Bauverordnung 
(ABV)  sind  Gebäude  Bauten  und  Anlagen,  die  einen  Raum  zum  Schutz  von 
Menschen  oder  Sachen  gegen  äussere,  namentlich  atmosphärische  Einflüsse 
mehr oder weniger vollständig abschliessen. Mit dieser Definition wird nicht ein 
vollständig,  d.h.  auf  allen  Seiten  (Wände,  Decke)  abgeschlossener  Raum 
verlangt;  Gebäudequalität  kann  auch  schon  einer  blossen  Überdachung  ohne 
Seitenwände zukommen. Demgegenüber ist der Begriff des Raumes wesentlich 
enger  auszulegen.  In  aller  Regel  ist  ein  allseitiger  Abschluss  zu  verlangen. 
Zudem  muss,  was  allein  mit  dem  allseitigen  Abschluss  gegebenenfalls  noch 
nicht gewährleistet ist, der Raum für den «dauernden» Aufenthalt von Personen 
geeignet  sein,  was  vor  allem  heisst,  dass  sich  im  betreffenden  Raum 
lassen,  die  eine  mehr  als 
temperaturmässige  Verhältnisse  herstellen 
halbjährige Nutzung zulassen; sei es durch die Installation einer Heizung, sei es 
durch  eine  Vollverglasung  und  Verbindung  zum  Wohnraum  (Wintergarten). 
Besagte  Anforderung  ist  jedenfalls  dann  zu  stellen,  wenn  es  nicht  um 
Arbeitsräume  geht;  unbeheizte  Werkstätten  dürften  an  die  Ausnützungsziffer 
anrechenbar sein.  

Nicht  im  Sinne  der  Bestimmungen  von  §  255  und  §  276  PBG  wäre  es 
demgegenüber,  wenn  die  Anrechenbarkeit  deswegen  verneint  würde,  weil  der 
nicht einem blossen Sachzweck dienende Raum von seiner Zweckbestimmung 
her betrachtet nicht dem «dauernden» Aufenthalt dient, wie dies etwa bei einem 
privaten  Fitnessraum,  einem  Bastelraum  oder  einer  Nasszelle  der  Fall  ist, 
welche Räume nicht als «Wohnräume» oder «Schlafräume» bezeichnet werden 
können,  sondern  mehr  oder  weniger  notwendige  Teile  der  Wohninfrastruktur 
bilden.  Dies  führt  nicht  etwa  dazu,  dass  solche  Räume  bzw.  das  betreffende 
Dach-  oder  Untergeschoss  nicht  anrechenbar  wären.  Insoweit  erfährt  das 
Kriterium des «dauernden» Aufenthaltes eine Einschränkung.   

Die  streitbetroffene  überdache  Dachterrasse  soll  beidseitig  eingewandet 
und nur auf der Nordwestseite verglast werden. Nicht vollständig geschlossene 
Dachterrassen,  Balkone  und  Loggias  sind  nicht  an  die  Ausnützungsziffer 
anrechenbar,  bilden  sie  doch  auf  Grund  dieser  ihrer  Ausgestaltung  nach  dem 
Gesagten  keine  dem  dauernden  Aufenthalt  dienenden  oder  hierfür 
verwendbaren  Räume.  Mithin  führen  sie  auch  nicht  zur  Anrechenbarkeit  des 
betreffenden  Geschosses  (vgl.  zum  Ganzen  auch  Ch.  Fritzsche/P.  Bösch, 
Zürcher Planungs- und Baurecht, 4. A., 2006, 11-16 ff. und 13-8).  

 
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Insoweit 

ist  gegen  das  streitbetroffene  Projekt  baurechtlich  nichts 

einzuwenden.  

4.3  Die  Rekurrentschaft  behauptet,  die  zum  Wohnen  erforderlichen  Lei-
tungsanschlüsse  seien  bereits  heute  bis  zum  Boden  des  Dachgeschosses 
hochgezogen.  Nachdem  diese  Behauptung  von  der  privaten  Rekursgegner-
schaft  anerkannt  wurde,  war  schon  deswegen  hierzu  nicht  wie  beantragt  ein 
Augenschein  durchzuführen.  Im  Übrigen  kann  aus  einer  solchen  im  Zeitpunkt 
der  Erstellung  des  Gebäudes  realisierten  vorsorglichen  Installation  nicht  auf 
eine  nunmehr  bestehende  Absicht  zur  missbräuchlichen  Verwendung  des 
Dachgeschosses geschlossen werden. Auch sonst liegen keine objektiven An-
zeichen  hierfür  vor;  der  Rekurs  bewegt  sich  diesbezüglich  im  Bereiche  reiner 
Mutmassungen.  Somit  ist  auch  unter  diesem  Gesichtspunkt  gegen  die  Bewilli-
gung nicht einzuschreiten.