# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 6ff98e31-2e50-5ee4-8721-ad903c19fc02
**Source:** Zürich (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2022-11-07
**Language:** de
**Title:** Zürich Obergericht Strafkammern 07.11.2022 SB210652
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/ZH_Obergericht/ZH_OG_002_SB210652_2022-11-07.pdf

## Full Text

Obergericht des Kantons Zürich 
I. Strafkammer    
 

 

Geschäfts-Nr.: SB210652-O/U/jv 
 
Mitwirkend: die Oberrichter lic. iur. Ch. Prinz, Präsident, lic. iur. S. Volken und 

lic. iur. C. Maira sowie die Gerichtsschreiberin MLaw N. Hunziker 

 
Urteil vom 7. November 2022 

 
in Sachen 

 
A._____,  
Beschuldigter und Berufungskläger 

amtlich verteidigt durch Rechtsanwalt Dr. iur. X._____,  

 

gegen 

 
Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,  
vertreten durch Staatsanwalt lic. iur. T. Moder,  

Anklägerin und Berufungsbeklagte sowie Anschlussberufungsklägerin 

 
sowie 

 
B._____,  
Privatkläger und Anschlussberufungskläger 

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Y._____,  

 

betreffend mehrfache sexuelle Nötigung etc.  
 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung,  
vom 22. September 2021 (DG210072) 
 

sowie 
 

X._____, Dr. iur.,  
Beschwerdeführer 

-   2   - 

 

gegen 

 

Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl,  
Beschwerdegegnerin 

 

betreffend Entschädigung amtliche Verteidigung  
 
Beschwerde gegen Dispositivziffer 12 des Urteils des Bezirksgerichts  
Zürich, 2. Abteilung, vom 22. September 2021, DG210072-L 
 
 
  

-   3   - 

Anklage: 

Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 17. Mai 2021 (Urk. 55) 

ist diesem Urteil beigeheftet. 

Urteil der Vorinstanz: 
(Urk. 94 S. 149 ff.) 

"Es wird erkannt: 

1. Der Beschuldigte A._____ ist schuldig 

− der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB (Dossier 1, 

Dossier 5), 

− der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB (Dossier 8), 

− der sexuellen Handlung mit Kindern im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB (Dossier 17), 

− der mehrfachen sexuellen Handlung mit Abhängigen im Sinne von Art. 188 StGB 

(Dossier 4, Dossier 13), 

− der mehrfachen Ausnützung der Notlage im Sinne von Art. 193 Abs. 1 StGB (Dossi-

er 1, Dossier 7, Dossier 21 und Dossier 23) und 

− der sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 StGB (Dossier 2). 

2. Der Beschuldigte wird freigesprochen vom Vorwurf 

− der mehrfachen, teilweise versuchten Ausnützung der Notlage im Sinne von Art. 193 

Abs. 1 StGB (Dossier 9, Dossier 10, Dossier 12, Dossier 14 und Dossier 20), 

− der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB (Dossier 8); 

− der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB 

(Dossier 2 und Dossier 3). 

3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 71 Tage durch Haft er-

standen sind, sowie mit einer Busse von Fr. 500.–.  

4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 2 Jahren aufgeschoben und die Probe-

zeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (1 Jahr, abzüglich 71 Tagen, die durch Untersu-

chungshaft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen. 

5. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an 

deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen. 

-   4   - 

6. Dem Beschuldigten wird in Anwendung von Art. 67 Abs. 3 lit. b und c StGB lebenslänglich 

jede berufliche und jede organisierte ausserberufliche Tätigkeit verboten, die einen regel-

mässigen Kontakt zu Minderjährigen umfasst.  

7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 (C._____) Fr. 12'000.– zuzüglich 5 % 

Zins ab 24. Mai 2020 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungs-

begehren abgewiesen. 

8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 2 (D._____) Fr. 2'000.– zuzüglich 5 % 

Zins ab 21. April 2016 als Genugtuung zu bezahlen.  

9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 3 (E._____) Fr. 2'000.– zuzüglich 5 % 

Zins ab 7. Februar 2016 als Genugtuung zu bezahlen. 

10. a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 8 (F._____) Schadenersatz von 

Fr. 129.60 zuzüglich 5 % Zins auf Fr. 64.80 ab 5. April 2019 und auf Fr. 64.80 ab 

23. Oktober 2020 zu bezahlen.  

b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 8 (F._____) Fr. 2'000.– zuzüglich 

5 % Zins ab 5. April 2019 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtu-

ungsbegehren abgewiesen. 

11. Die Privatkläger 5 (G._____), Privatkläger 6 (H._____) und Privatkläger 7 (B._____) werden 

mit ihren Schadenersatz- resp. Genugtuungsbegehren auf den Zivilweg verwiesen. 

12. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:

Fr. 8'000.– ; die weiteren Kosten betragen: 

Fr. 5'000.–   Gebühr für das Vorverfahren 

Fr. 3'443.50   Auslagen (Gutachten) 

Fr. 100.–   Entschädigung Zeuge 

Fr. 500.–   Gebühr ZMG Entsiegelung (G.-Nr. GT200045-L)  

Fr. 1'923.95   amtliche Verteidigung RAin X2._____ (inkl. Barauslagen und Mwst) 

Fr. 36'084.90   amtliche Verteidigung RA X._____ (inkl. Barauslagen und MwSt) 

Fr. 7'624.75   unentgelt. Vertretung Privatkläger 1 (inkl. Barauslagen und Mwst) 

Fr. 7'519.70   unentgelt. Vertretung Privatkläger 3 (inkl. Barauslagen und Mwst) 

 Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 

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13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen 

der amtlichen Verteidigung sowie der Rechtsvertretungen des Privatklägers 1 (C._____) 

und des Privatklägers 3 (E._____) werden dem Beschuldigten zu 2/3 auferlegt und zu 1/3 

auf die Gerichtskasse genommen.  

Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der Rechtsvertretungen des Privatklägers 1 

und des Privatklägers 3 werden zu 2/3 einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vor-

behalten bleibt diesbezüglich eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO und 

Art. 426 Abs. 4 StPO. Zu 1/3 werden diese Kosten definitiv auf die Gerichtskasse genom-

men. 

14. Dem Privatkläger 7 (B._____) wird keine Prozessentschädigung zugesprochen. 

15. Die folgenden sichergestellten und beim Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich 

unter der ES-Nummer 20-02065 lagernden biologischen Spuren des Privatklägers 1 

(C._____) werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft des Ur-

teils zur Vernichtung überlassen: 

− Abstrich Eichel, SpurID/IRM: s20-05459 

− Abstrich Penisschaft, SpurID/IRM: s20-05460 

− Abstrich Anus, SpurID/IRM: s20-05461 

− Abstrich Rectum, SpurID/IRM: s20-05462 

− Abstrich Schambeinhügel, SpurID/IRM: s20-05463 

− Abstrich Rücken, SpurID/IRM: s20-05464 

− Fingernagelschmutz rechts, SpurID/IRM: s20-05465 

− Fingernagelschmutz links, SpurID/IRM: s20-05466 

− Speichel, SpurID/IRM: s20-05467 

− WSA, SpurID/IRM: s20-05468 

16. Die folgenden, von der Kantonspolizei Zürich am 24. Mai 2020 sichergestellten und bei der 

Kantonspolizei Zürich unter der Geschäftsnummer 77929396 lagernden Gegenstände sind 

dem Privatkläger 1 (C._____) nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlan-

gen herauszugeben und andernfalls nach Ablauf von drei Monaten zu vernichten: 

− Herrenhemd (Asservat Nr. A013'812'663), 
− Shirt (Asservat Nr. A013'812'674), 

− Herrenhose (Asservat Nr. A013'812'685), 

− Herrenunterwäsche (Asservat Nr. A013'812'696). 

17. Die sichergestellte und bei der Kantonspolizei Zürich unter der Geschäftsnummer 77929396 

lagernde IRM-Fotografie (Asservat-Nr. A013'812'652) wird eingezogen und der Lager-

behörde nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils zur Vernichtung überlassen. 

-   6   - 

18. f. [Mitteilung und Rechtsmittel]" 

Berufungsanträge: 

a) Der Verteidigung des Beschuldigten: 

(Urk. 95 S. 2; Urk. 122 S. 2 f.) 

"1. Der Beschuldigte sei in Abänderung von Dispositiv-Ziffer 1 des Urteils des 

Bezirksgerichts Zürich vom 22. September 2021 von sämtlichen Anklage-

vorwürfen vollumfänglich freizusprechen. 

 2. Auf ein Tätigkeitsverbot sei in Abänderung der Dispositiv-Ziffer 6 zu verzich-

ten. 

 3. Die Zivilforderungen der Privatkläger 1 (C._____), Privatkläger 2 (D._____), 

Privatkläger 3 (E._____) sowie des Privatklägers 8 (F._____) seien in 

Abänderung der Dispositiv-Ziffern 7, 8, 9 und 10 des angefochtenen Urteils 

abzuweisen. 

 4. Es seien in Abänderung der Dispositiv-Ziffern 12 und 13 die Kosten der 

Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens samt Kosten 

der amtlichen Verteidigung und der Privatkläger auf die Staatskasse zu 

nehmen. 

 5. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich der Kosten der amt-

lichen Verteidigung, seien auf die Staatskasse zu nehmen. 

 Anträge betr. Kostenbeschwerde 

 6. Es sei Dispositiv-Ziffer 12 des Entscheids des Bezirksgerichts Zürich vom 

22. September 2021 aufzuheben und die Entschädigung des Beschwerde-

führers auf CHF 42'417.55 (inkl. MWST und Spesen) festzusetzen. 

 7. Eventualiter sei Dispositiv-Ziffer 12 des Entscheids des Bezirksgerichts Zü-

rich vom 22. September 2021 aufzuheben und die Angelegenheit sei zur 

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Neuregelung der Entschädigung an die amtliche Verteidigung im Sinne der 

Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. 

 8. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MWST zu Lasten der 

Staatskasse." 

b) Der Staatsanwaltschaft: 

(Urk. 101 S. 2; Urk. 123 S. 1) 

"1. Vollumfängliche Schuldigsprechung von A._____ im Sinne der Anklage-

schrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 17. Mai 2021 (mit Ausnahme 

der Dossier 2 und 3 in Bezug auf die einfache Körperverletzung sowie Dos-

sier 8 in Bezug auf die sexuelle Nötigung) 

 2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren sowie einer Busse von 

CHF 1'000.00 

 eventualiter (bei einer Strafe von 3 Jahren oder weniger) Vollzug von einem 

Jahr Freiheitsstrafe und Gewährung des bedingten Vollzuges der restlichen 

Freiheitsstrafe, unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren 

 4. Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen bei schuldhafter Nicht-

bezahlung der Busse 

 5. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich vom 22. September 

2021 zu bestätigen." 

c) Des Rechtsvertreters des Privatklägers 7: 

(Urk. 104 S. 2; Urk. 124 S. 2): 

"1. Die Berufung des Beschuldigten sei vollumfänglich abzuweisen; 

 2. die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft sei gutzuheissen; 

-   8   - 

 3. der Beschuldigte sei in Abweichung von Ziff. 2 Abs. 1 des Vorurteils be-

treffend Dossier 20 (B._____) anklagegemäss zu verurteilen, schuldig zu 

sprechen und zu bestrafen; 

 4. der Beschuldigte sei in Abweichung von Ziff. 11 des Vorurteils zu verpflich-

ten, dem Privatkläger B._____ eine Genugtuung von CHF 2'000.– zzgl. 5% 

Zins seit dem 01.11.2016 zu bezahlen; 

 5. der Beschuldigte sei in Abweichung von Ziff. 14 des Vorurteils zu verpflich-

ten, dem Privatkläger, B._____, eine angemessene Prozessentschädigung 

zu bezahlen; 

 6. sämtliche Verfahrenskosten zulasten des Beschuldigten; 

 7. dem Privatkläger sei das Urteil hernach in vollständiger Ausführung zu-

kommen zu lassen." 

d) Des unentgeltlichen Rechtsvertreters des Privatklägers 1: 

(Prot. II S. 13) 

1. Abweisung der Berufung des Beschuldigten 

2. Gutheissung der Anschlussberufungen 

3. Im Übrigen Bestätigung des Urteils der Vorinstanz betreffend den Schuld-

punkt und die Genugtuung 

4. Kostenauflage zulasten des Beschuldigten 

e) Des unentgeltlichen Rechtsvertreters des Privatklägers 3: 

(Urk. 114 S. 2; schriftlich) 

1. Das vorinstanzliche Urteil sei hinsichtlich der Dispositiv-Ziffern 1 (Schuld-

spruch); 3, 4 und 5 (Strafe und Vollzug); 6 (Tätigkeitsverbot); 9 (Zivilforde-

rung Privatkläger 3) und 12, 13 (Kosten- und Entschädigungsfolgen) vollum-

fänglich zu bestätigen. 

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2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten des Be-

schuldigten. 

Erwägungen: 

I. Verfahrensgang, Umfang der Berufung und Prozessuales 

1. Verfahrensgang 

1.1. Der Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil ergibt sich aus dem 

angefochtenen Entscheid (Urk. 94 S. 6-10 E. I.1.). Gleiches gilt hinsichtlich diver-

ser eingestellter Dossiers sowie zwei weiterer, bereits erledigter Strafverfahren 

(a.a.O., S. 10-12 E. I.2.). 

1.2. Der Beschuldigte wurde mit Urteil der Vorinstanz vom 22. September 2021 

gemäss dem eingangs wiederholten Urteilsdispositiv schuldig gesprochen und 

bestraft. Gegen dieses Urteil meldete er gleichentags Berufung an (Prot. I S. 23) 

und erklärte innert Frist Berufung (Urk. 95). 

1.3. Mit Verfügung vom 10. Januar 2022 wurde den Privatklägern und der 

Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung 

erhoben wird, oder um begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu 

beantragen (Urk. 99). Die Staatsanwaltschaft und der Privatkläger 7 (B._____) er-

hoben Anschlussberufung (Urk. 101 und Urk. 104). Der Privatkläger 1 (C._____) 

verzichtete ausdrücklich auf eine Anschlussberufung und beantragte 

die  Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 102). Mit Verfügung vom 

15. Februar 2022 wurden die Anschlussberufungserklärungen den Parteien zuge-

stellt (Urk. 106). Mit Eingabe vom 29. August 2022 liess sich der Privatkläger 8 

(F._____) vernehmen und mitteilen, er halte an seinen Zivilansprüchen fest, wolle 

an der Berufungsverhandlung jedoch nicht teilnehmen (Urk. 112). Auch der 

Privatkläger 3 (E._____) teilte mit Eingabe vom 3. November 2022 mit, er werde 

an der Berufungsverhandlung nicht teilnehmen und er beantrage die Bestätigung 

des vorinstanzlichen Entscheids unter Kosten- und Entschädigungsfolgen 

zulasten des Beschuldigten (Urk. 114). 

-   10   - 

1.4. Die Vorinstanz entschied, dass der amtliche Verteidiger für das vorinstanz-

liche Verfahren mit insgesamt Fr. 36'084.90 zu entschädigen sei, wogegen dieser 

Beschwerde erhob. Mit Beschluss vom 4. Januar 2022 sistierte die 

III. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich ihr Beschwerdeverfahren 

bis zum Vorliegen eines Entscheids des Berufungsgerichts betreffend Eintreten 

auf die Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil (Urk. 98). Mit Beschluss vom 

11. Juli 2022 hob sie die Sistierung auf, überwies die Honorarbeschwerde zur 

weiteren Behandlung zuhanden des vorliegenden Verfahrens und schrieb ihr 

Verfahren ab (Urk. 108). Damit ist im vorliegenden Verfahren auch über die für 

das erstinstanzliche Verfahren festgesetzte Höhe der Entschädigung des amtli-

chen Verteidigers zu entscheiden.  

1.5. Am 7. November 2022 fand die Berufungsverhandlung statt. Es erschienen 

der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt 

Dr. iur. X._____, Staatsanwalt lic. iur. Moder sowie Rechtsanwalt lic. iur. Y._____ 

als Rechtsvertreter der Privatkläger 1 und 7. Der Privatkläger 7 wohnte der 

Berufungsverhandlung im Zuschauerbereich bei. Das Urteil erging im Anschluss 

an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 5 ff.; Urk. 125). 

2. Umfang der Berufung und Anschlussberufungen 

Von Anfang an unangefochten blieben die Dispositiv-Ziffern 12, die Entschädi-

gung der amtlichen Verteidigung ausgenommen, 15, 16 und 17 des vorinstanzli-

chen Entscheids (vgl. Prot. II S. 9). Zudem focht die Staatsanwaltschaft an der 

Berufungsverhandlung die Dispositiv-Ziffer 2, Spiegelstriche 2 und 3, ausdrücklich 

nicht mehr an (Urk. 123 S. 1). Der vorinstanzliche Entscheid ist somit in diesem 

Umfang in Rechtskraft erwachsen, was mit Beschluss festzuhalten ist. Im übrigen 

Umfang steht der vorinstanzliche Entscheid zur Disposition. Das Verschlechte-

rungsverbot gilt nicht (Art. 391 Abs. 2 StPO). 

3. Prozessuales 

3.1. Allgemeines 

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Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten Sach-

verhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies in 

Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-

wähnung findet. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die 

urteilende Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich 

auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss. 

Das Berufungsgericht kann sich auf die für seinen Entscheid wesentlichen 

Gesichtspunkte beschränken (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7; 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 

249 E. 1.3.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_1403/2019 vom 10. Juni 2020 E. 2.5 

mit Hinweisen). 

3.2. Strafanträge und Verjährung betr. sexuelle Belästigung 

Die Vorinstanz hat in prozessualer Hinsicht zunächst Ausführungen zur Frage der 

Strafanträge und der Frage der Verjährung im Zusammenhang mit dem in 

Dossier 1 (eventualiter), 2 und 17 eingeklagten Straftatbestand der sexuellen Be-

lästigung im Sinne von Art. 198 StGB gemacht (Urk. 94 S. 12 E. I.3.). Bei diesem 

Straftatbestand handelt es sich um ein Antragsdelikt und es liegen jeweils 

gültige Strafanträge vor (Urk. 1/3 [Dossier 1], Urk. 2/2 [Dossier 2] und Urk. 17/2 

[Dossier 17]). Weiter ist festzuhalten, dass es sich um einen Übertretungs-

tatbestand handelt und die Verjährung damit drei Jahre beträgt (Art. 109 StGB). 

Die Verjährung ist in keinem der eingeklagten Vorwürfe eingetreten. Inwiefern 

sich diese erstellen lassen und wie sie gegebenenfalls rechtlich zu qualifizieren 

sind, wird an anderer Stelle zu prüfen sein. 

3.3. Prozessrechtskonformer Tatvorhalt 

Die Verteidigung bringt vor, mehrere Tatvorhalte seien nicht prozessrechtskon-

form erfolgt und leitet aus der angeblichen Rechtsverletzung die Ungültigkeit der 

Einvernahmen des Beschuldigten ab. Daraus folgert sie einen Freispruch. 

3.3.1. Zunächst hält die Verteidigung zusammenfassend fest, dem Beschuldigten 

sei im Vorverfahren nicht der Tatvorhalt gemacht worden, ein Abhängigkeitsver-

hältnis gestaltet oder ausgenützt zu haben. Konkret bezieht sie sich offenbar auf 

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die Dossiers 1, 4, 7, 13, 20 und 21. Es genüge nicht, den (teilweise gar falschen) 

Straftatbestand zu erwähnen. Eine Einvernahme sei keine Quizshow, bei welcher 

die Verteidigung den Tatvorhalt mittels Fragen erraten müsse (Urk. 122 S. 6-13). 

Gemäss Art. 158 Abs. 1 lit. a StPO weisen Polizei oder Staatsanwaltschaft die 

beschuldigte Person zu Beginn der ersten Einvernahme in einer ihr verständli-

chen Sprache u.a. darauf hin, dass gegen sie ein Vorverfahren eingeleitet wurde 

und welche Straftaten Gegenstand des Verfahrens bilden. Einvernahmen ohne 

diese Hinweise sind nicht verwertbar (Art. 158 Abs. 2 StPO). 

Die einschlägige Rechtsprechung wurde von der Verteidigung korrekt dargestellt. 

Es ist der Verteidigung zuzustimmen, dass die alleinige Nennung des Straftat-

bestandes nicht genügt. Vorzuhalten ist – wie die Verteidigung korrekt zitiert – ein 

möglichst präziser einzelner Lebenssachverhalt und der daran geknüpfte Delikts-

vorwurf, nicht aber die präzise rechtliche Würdigung (Urk. 122 S. 6 f.). Zu 

präzisieren ist, dass sich der Tatvorhalt nach dem aktuellen Verfahrensstand 

bestimmt. Weil zu Beginn einer Strafuntersuchung in der Regel noch nicht klar ist, 

wie sich der vorgehaltene Sachverhalt bzw. die vorgeworfene Tat, welche Gegen-

stand der Ermittlungen bildet, im Einzelnen abgespielt hat, kann zu Beginn der 

Strafuntersuchung auch nicht vorgehalten werden, was erst nach Abschluss der 

Untersuchung als deren Ergebnis feststeht und gegebenenfalls zur Anklage führt 

(vgl. statt Weiterer Urteil des Bundesgerichts 6B_157/2016 vom 8. August 2016, 

E. 1.3. und 1.4.1.). Die Verteidigung hat auch richtig aus dem obergerichtlichen 

Entscheid vom 16. Januar 2017 (SB160386) zitiert, dass immerhin auch eine vor-

läufige rechtliche Qualifikation abzugeben sei, da diese für die Verteidigungs-

strategie wesentlich sein könne (Urk. 122 S. 9). 

Die Verteidigung verkennt jedoch, dass diesen Erfordernissen vorliegend Genüge 

getan wurde. Es ist der Staatsanwaltschaft zuzustimmen, dass zu Beginn der 

Strafuntersuchung das konkrete Ausmass der Geschehnisse und die konkreten 

Komponenten der inkriminierten Straftaten noch nicht feststanden (Prot. II S. 11). 

Es meldeten sich in kurzer Zeit zahlreiche Betroffene, junge – teilweise potentielle 

– Models, bei den Strafbehörden, was auch die Verteidigung anerkennt (Urk. 122 

S. 17 f.). Es mussten zahlreiche – parteiöffentliche – Befragungen mit den 

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einzelnen Geschädigten durchgeführt werden. Entsprechend ist nicht zu bean-

standen, dass in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme des Beschuldigten 

vom 10. August 2020, welche vor sämtlichen parteiöffentlichen Befragungen der 

zahlreichen einzelnen Geschädigten stattfand [vgl. die zahlreichen parteiöffentli-

chen Einvernahmen der Geschädigten in Urk. 1/7/1-22], mit Ausnahme von Dos-

sier 13 dem Beschuldigten noch nicht konkret vorgeworfen wurde, ein Abhängig-

keitsverhältnis bzw. eine Notlage ausgenützt zu haben. Betreffend Dossier 13 

wurde dem Beschuldigten bereits in diesem frühen Verfahrensstadium ausdrück-

lich vorgeworfen, ausgenützt zu haben, dass der Privatkläger 6 mit ihm einen Mo-

delvertrag gehabt habe und unerfahren gewesen sei (Urk. 1/5/4 S. 20 f.). Die 

Staatsanwaltschaft machte die Tatvorhalte gestützt auf ihren damaligen Erkennt-

nisstand. Es ist notorisch, dass sich dieser im Laufe der Untersuchung ändert. 

Entgegen der Behauptung der Verteidigung wurde dem Beschuldigten spätestens 

in der Einvernahme vom 9. Februar 2021, nachdem die Mehrzahl der parteiöffent-

lichen Einvernahmen mit den einzelnen Geschädigten stattgefunden hatte und 

das Mobiltelefon des Beschuldigten ausgewertet worden war, betreffend die ein-

zelnen Dossiers (1, 4, 7, 13, 20 und 21) vorgeworfen, ein Abhängigkeitsverhältnis 

bzw. eine Notlage ausgenützt zu haben (Urk. 1/5/6). Wie die Staatsanwaltschaft 

weiter richtig festhält (Prot. II S. 11), wurde dem Beschuldigten der Schlussvorhalt 

so gemacht, wie er in der Anklageschrift steht und er konnte sich dazu äussern. 

Zudem ist festzuhalten, dass dem Beschuldigten von Beginn weg betreffend die 

einzelnen Dossiers jeweils ein präziser einzelner Lebenssachverhalt und der da-

ran geknüpfte Deliktsvorwurf nach dem jeweils aktuellen Erkenntnisstand gestützt 

auf die Aussagen der Geschädigten und die weiteren objektiven Beweismittel 

(Chats, Modelvertrag etc.) vorgehalten wurde. Zudem wurde betreffend jedes 

Dossier eine vorläufige rechtliche Qualifikation abgegeben und deren Anpassung 

dem Beschuldigten jeweils in den Einvernahmen bekannt gegeben (vgl. Urk. 1/5/1 

[pol. EV vom 4. Juni 2020], Urk. 1/5/4 [STA EV vom 10. August 2020], Urk. 1/5/5 

[Hafteinvernahme vom 27. August 2020], Urk. 1/5/6 [STA EV vom 

9. Februar 2021], Urk. 1/5/7 [STA EV vom 1. April 2021]). 

-   14   - 

3.3.2. Soweit die Verteidigung betreffend Dossier 21 rügt, dem Beschuldigten sei 

betreffend diesen Tatvorwurf generell kein konkreter Tatvorhalt gemacht worden 

(Urk. 122 S. 12), geht sie ebenfalls fehl. Nach der ersten Einvernahme des Privat-

klägers 8 in deutscher Sprache, der parteiöffentlichen staatsanwaltschaftlichen 

Einvernahme vom 23. Oktober 2020, worin dieser die inkriminierte Tat konkret 

schilderte (Urk. 1/7/5), wurden dem Beschuldigten in der staatsanwaltschaftlichen 

Einvernahme vom 9. Februar 2021 die wesentlichen Schilderungen des Privat-

klägers 8 und gestützt darauf ein präziser Lebenssachverhalt vorgehalten 

(Urk. 1/5/6 S. 14 und 31). Der Einwand der Verteidigung, dass dem Beschuldigten 

nie der Vorwurf gemacht worden sei, den Penis des Privatklägers 8 in die Hand 

genommen zu haben, verfängt nicht (Urk. 122 S. 12). Solches wird dem Be-

schuldigten in der Anklage gar nicht vorgeworfen. 

3.3.3. Den von der Verteidigung reklamierten prozessualen Mangel betreffend 

Dossier 12 (Urk. 122 S. 11) hat die Vorinstanz zu Recht verneint (Urk. 94 S. 15 

E. I.4.4.). Sowohl im Schreiben vom 9. Juni 2020 (Urk. 12/4) als auch in der 

polizeilichen Befragung vom 16. Juni 2020 (Urk. 12/3 F/A 8 und 10) nannte der 

Privatkläger 5 ausdrücklich den 15. Juni 2017 als Zeitpunkt des ersten Vorfalls, in 

welche Akten die Verteidigung Einsicht nehmen konnte. Auf diese Zeitangaben 

verwies der Privatkläger 5 auch in der parteiöffentlichen Einvernahme vom 

30. Oktober 2020, woran der Beschuldigte und die Verteidigung teilnahmen. Zu-

dem schilderte der Privatkläger 5 diesen inkriminierten Vorfall nochmals in freier 

Erzählung (Urk. 1/7/12 F/A 13 ff.). Demnach war der Verteidigung entgegen ihrer 

Darstellung zweifelsfrei bekannt, auf welches Datum der Tatvorwurf sich bezieht. 

3.3.4. Auch dem Vorbringen der Verteidigung, wonach betreffend Dossier 17 das 

wahre Alter des Geschädigten I._____ bewusst und treudwidrig verschwiegen 

worden sei (Urk. 122 S. 11 f.), kann nicht gefolgt worden. Der Verteidigung ist 

zwar zuzustimmen, dass den Strafbehörden das Alter des Geschädigten bekannt 

war (a.a.O.), wurde dieses doch zu Beginn der polizeilichen Einvernahme des Ge-

schädigten vom 9. Juni 2020 notiert (Urk. 17/3 S. 1) und dem anwaltlich ver-

tretenen Beschuldigten anlässlich dessen staatsanwaltschaftlicher Einvernahme 

-   15   - 

vom 10. August 2020 offenbar auch vorgehalten (Urk. 1/5/4 S. 25). Entsprechend 

war aber auch der Verteidigung das Alter bekannt. 

Dass der Geschädigte (geb. am tt.mm.2004) zum Zeitpunkt der inkriminierten Tat 

am 25. April 2020 knapp noch nicht 16 Jahre alt und somit im Schutzalter war, 

war aber der Staatsanwaltschaft offensichtlich ebenso wenig bewusst wie der 

Verteidigung. Dieser Umstand wurde in der polizeilichen Befragung des Geschä-

digten vom 9. Juni 2020 nicht thematisiert (Urk. 17/3). In der parteiöffentlichen 

staatsanwaltschaftlichen Einvernahme des Geschädigten vom 4. November 2020 

wurde erstmals von diesem thematisiert, dass er zum Tatzeitpunkt kurz bzw. 

… Tage vor seinem 16. Geburtstag stand (Urk. 1/7/15 F/A 13 f. und 19). Dieser 

Einvernahme haben der Beschuldigte und die Verteidigung beigewohnt. In der 

nächsten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme des Beschuldigten am 

9. Februar 2021, zu Beginn der Befragung zu Dossier 17, wurde diesem unver-

züglich vorgehalten, dass der Geschädigte zur Tatzeit 15 Jahre alt gewesen sei 

(Urk. 1/5/6 S. 11). Entgegen der Darstellung der Verteidigung kann der Staatsan-

waltschaft damit diesbezüglich keine absichtliche Täuschung bzw. treuwidriges 

Verhalten vorgeworfen werden. Es ist kein prozessualer Mangel ersichtlich. 

3.3.5. Zusammenfassend sind die Tatvorhalte prozessrechtskonform erfolgt. 

II. Schuldpunkt 

1. Anklagevorwurf 

Der eingeklagte Sachverhalt ergibt sich aus der beigehefteten Anklageschrift 

(Urk. 55 S. 3 ff.), darauf kann verwiesen werden. 

2. Ausgangslage 

Der Beschuldigte machte in der Untersuchung, vor Vorinstanz und auch anläss-

lich der Berufungsverhandlung weitgehend von seinem Aussageverweigerungs-

recht Gebrauch und zeigte sich, abgesehen von einigen wenigen Zugaben im 

äusseren Sachverhalt hinsichtlich vereinzelter Dossiers, grundsätzlich nicht ge-

ständig, weshalb in sämtlichen Dossiers der Sachverhalt zu erstellen ist. 

-   16   - 

Die Verteidigung macht eine Verletzung des Anklagegrundsatzes gemäss Art. 9 

StPO geltend. Konkret bringt sie zusammenfassend vor, die Anklage enthalte 

lediglich eine abstrakte Nennung der Tatbestandsmerkmale der Ausnützung der 

Abhängigkeit bzw. der Notlage gemäss Art. 193 StGB. Eine konkrete 

Beschreibung der Handlungen des Beschuldigten, wie er das angebliche 

Abhängigkeitsverhältnis gestaltet und ausgenutzt habe, fehle zur Gänze. Es 

könne anhand der Sachverhaltsschilderung nicht eruiert werden, welche 

strafrechtsrelevanten Handlungen dem Beschuldigten konkret vorgeworfen 

würden (Urk. 122 S. 13 ff.). Vor der Sachverhaltserstellung ist daher 

gegebenenfalls die Einhaltung des Anklagegrundsatzes zu prüfen. 

Gemäss Art. 9 StPO kann eine Straftat nur gerichtlich beurteilt werden, wenn die 

Staatsanwaltschaft gegen eine bestimmte Person wegen eines genau beschrie-

benen Sachverhalts beim zuständigen Gericht Anklage erhoben hat. Gemäss 

Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO bezeichnet die Anklageschrift möglichst kurz, aber 

genau die vorgeworfenen Taten mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und 

Folgen der Tatausführung. Die Überprüfung des Anklagegrundsatzes darf nur 

aufgrund der Anklageschrift erfolgen. Sie definiert den relevanten Sachverhalt, 

d.h. die massgeblichen Vorwürfe und damit die zu prüfenden 

Tatbestandselemente. Der Kern der Anklage umfasst die tatsächlichen Elemente 

für die rechtliche Qualifikation unter einen Tatbestand. (BSK StPO-

NIGGLI/HEIMGARTNER, Art. 9 N 21a und 28a). Die vorgeworfene Verhaltensweise 

ist nicht generell zu umschreiben, sondern soweit wie möglich zu spezifizieren. 

Das Anklageprinzip ist verletzt, wenn die Anklage nicht die Umstände anführt, 

welche auf das Vorliegen der Kernelemente eines Tatbestands schliessen lassen. 

Abgesehen von Fällen, bei denen sich Tatbestandsmerkmale und die in 

tatsächlicher Hinsicht erforderlichen Elemente im Wesentlichen decken, genügt 

die blosse Angabe nicht, dass das betreffende Tatbestandsmerkmal vorliegt 

(a.a.O., Art. 325 N 19, 31 und 37). 

Die beschuldigte Person muss aus der Anklage ersehen können, was ihr konkret 

vorgeworfen wird, damit sie ihre Verteidigungsrechte angemessen ausüben kann. 

Dies bedingt eine zureichende, d. h. möglichst kurze, aber genaue Umschreibung 

-   17   - 

der Sachverhaltselemente, die für eine Subsumtion unter die anwendbaren Straf-

tatbestände erforderlich sind. Entscheidend ist, dass die betroffene Person genau 

weiss, welcher konkreter Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten recht-

lich qualifiziert wird, damit sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbereiten kann 

(statt Weiterer BGer 6B_460/2020 vom 10. März 2020 E. 1.4; BGE 143 IV 63 

E. 2.2).  

Stellt sich heraus, dass der Anklagegrundsatz verletzt wurde, wird die Anklage 

gemäss Art. 379 StPO in Verbindung mit Art. 329 Abs. 2 StPO in der Regel 

zurückgewiesen (BSK StPO-NIGGLI/HEIMGARTNER, Art. 9 N 54 f. und 62). Davon 

ist indes abzusehen, wenn aufgrund der Beweislage ohnehin keine Verurteilung 

erfolgen kann oder wenn eine Vielzahl gleich gelagerter Delikte angeklagt werden 

und hinsichtlich einzelner Anklagepunkte der Anklagesachverhalt zu unbestimmt 

erscheint, weshalb aus Opportunitätsgründen – mangels wesentlichen Gewichts 

des betreffenden einzelnen Delikts für die Festsetzung der Strafe – eine 

Rückweisung ausser Betracht fällt (a.a.O., Art. 351 N 2). 

Gemäss Art. 350 Abs. 1 StPO ist das Gericht an den in der Anklage 

umschriebenen Sachverhalt, nicht aber an die darin vorgenommene rechtliche 

Würdigung gebunden. Die Möglichkeit einer abweichenden strafrechtlichen 

Qualifikation wird jedoch dadurch begrenzt, dass der Sachverhalt, welcher der 

Verurteilung zugrunde liegt, mit dem angeklagten Lebensvorgang identisch sein 

muss (sog. Tatidentität). Das Gericht darf bei der Subsumtion den in der Anklage 

umschriebenen Sachverhalt weder in objektiver noch in subjektiver Hinsicht 

abändern. Unzulässig ist, durch eine Abweichung vom Anklagesacherhalt erst die 

sachverhaltsmässige Grundlage für eine Subsumtion unter den Tatbestand zu 

legen (BSK StPO-NIGGLI/HEIMGARTNER, Art. 350 N 5 und 9). Auf die einzelnen 

Vorbringen der Verteidigung ist nachfolgend für die betreffenden Dossiers separat 

einzugehen. 

3. Grundsätze der Beweiswürdigung und Beweismittel 

Die Vorinstanz hat die massgeblichen Grundsätze der Beweiswürdigung und die 

relevanten Beweismittel zutreffend dargestellt (Urk. 94 S. 29-33 E. II.3. f.), darauf 

-   18   - 

kann verwiesen werden. Mit der Vorinstanz ist erneut darauf hinzuweisen, dass 

der Umstand, dass sich der Beschuldigte auf sein Aussage- und Mitwirkungsver-

weigerungsrecht beruft, grundsätzlich nicht als Beweis seiner Schuld interpretiert 

werden darf. Dennoch ist es unter gewissen Umständen zulässig, das Schweigen 

in die Beweiswürdigung zum Nachteil des Beschuldigten miteinzubeziehen. Dies 

ist nach der Rechtsprechung der Fall, wenn belastende Beweismittel vorliegen 

und sich der Beschuldigte weigert, zu seiner Entlastung erforderliche Angaben zu 

machen, obschon eine Erklärung angesichts der belastenden Beweise vernünf-

tigerweise erwartet werden dürfte. Im Bereich rechtfertigender Tatsachen trifft den 

Beschuldigten mithin eine gewisse Beweisobliegenheit. Wenn die belastenden 

Beweise nach einer Erklärung rufen, welche der Beschuldigte eigentlich geben 

können müsste, dies jedoch nicht tut, darf nach Massgabe des gesunden Men-

schenverstandes der Schluss gezogen werden, es gebe keine plausible Erklä-

rung, die die belastenden Beweise entkräften könnte (vgl. in diesem Sinne auch 

a.a.O., S. 31 E. II.3.3., mit Verweis auf die Rechtsprechung). Mit der Vorinstanz 

ist sodann festzuhalten, dass sich hinsichtlich der Verwertbarkeit der erhobenen 

Beweismittel keine Einschränkungen ergeben (a.a.O., S. 32 f. E. II.4.3. f.). 

4. Vorbemerkungen zur Sachverhaltserstellung 

Insgesamt 16 (!) Geschädigte bzw. Privatkläger belasten den Beschuldigten mit 

ähnlich lautenden Vorwürfen. Soweit er diese in Abrede stellt, obliegt es gemäss 

dem soeben unter E. II.3. Ausgeführten dem Beschuldigten, dem Gericht eine 

plausible Erklärung dafür zu liefern, weshalb ihn derart viele Personen falsch be-

lasten sollten. Sein Standpunkt, wonach es sich um eine "Hetzkampagne" aus 

Neid auf seinen beruflichen Erfolg und Lebensstil sowie aus Enttäuschung, weil 

die Strafanzeigeerstatter ihre beruflichen Ziele nicht erreicht hätten, handle 

(Urk. 1/5/4 S. 22 F/A 148 und Urk. 121 S. 9 f.), überzeugt nicht. Es liegen keine 

Anhaltspunkte für komplotthafte Absprachen zwischen den Geschädigten oder 

bewusst unwahre Anschuldigungen vor. Auch sind keine Hinweise auf Neid, 

Enttäuschung oder andere Motive ersichtlich, weshalb die Geschädigten dem 

Beschuldigten Schaden zufügen wollen sollten. Wie im Detail zu zeigen sein wird, 

wirken die einzelnen Belastungen der Geschädigten sodann keineswegs 

-   19   - 

abgesprochen oder einstudiert, sondern es liegen vielmehr individuelle 

Schilderungen vor, die einer kritischen Überprüfung mit den Mitteln der 

Aussagenanalyse standhalten. Im Übrigen wurden die Geschädigten jeweils zu 

Beginn der Einvernahmen auf die schwerwiegenden Straffolgen einer falschen 

Anschuldigung im Sinne von Art. 303 StGB aufmerksam gemacht. Schliesslich ist 

weiter zu berücksichtigen, dass jedes Strafverfahren ein mühsamer, 

zeitraubender und grundsätzlich belastender Prozess ist, dem sich in der Regel 

niemand ohne Not aussetzt. Die behauptete "Hetzjagd" verfängt demnach nicht 

als Erklärung dafür, dass 16 Geschädigte den Beschuldigten derart belasten. Im 

Gegenteil spricht der Umstand, dass so viele Geschädigte ähnlich lautende 

Vorwürfe erheben, grundsätzlich für den Wahrheitsgehalt ihrer individuellen 

Schilderungen. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die Vorwürfe einiger-

massen zeitgleich und koordiniert zur Anzeige gebracht wurden. 

5. Dossier 1 

5.1. Anklagegrundsatz betr. Ausnützung der Notlage 

Im Ingress der Anklage wird allgemein und undifferenziert ein Abhängigkeits-

verhältnis und ein Kausalzusammenhang zwischen diesem und der Vornahme 

bzw. Duldung sexueller Handlungen beschrieben, was für sämtliche Dossiers 

Geltung haben soll. Die individuell konkreten Umstände, die auf das Vorliegen der 

angeführten Kernelemente des Straftatbestandes schliessen lassen, werden nicht 

angeführt. Die Umstände werden pauschal genannt und teilweise werden ver-

schiedene Varianten von Umständen angeführt, ohne diese hinsichtlich der ein-

zelnen Dossiers zu spezifieren (Urk. 55 S. 2). Allein gestützt auf den Ingress 

weiss der Beschuldigte nicht, welcher konkreter Handlungen er in den einzelnen 

Dossiers beschuldigt wird. Der Ingress umschreibt den Anklagesachverhalt somit 

ungenügend. 

Anders als in anderen Dossiers wird in Dossier 1 das Kerntatbestandsmerkmal 

Abhängigkeitsverhältnis und der Kausalzusammenhang zwischen diesem und der 

Vornahme bzw. Duldung sexueller Handlungen jedoch nicht nur abstrakt genannt, 

die Anklage führt vorliegend individuelle Umstände an, welche auf die genannten 

-   20   - 

Tatbestandsmerkmale schliessen lassen sollen. So wird ausgeführt, der Privat-

kläger 1 habe als Fotograf in der Modebranche tätig sein wollen und wenig Geld 

gehabt habe, weshalb er auf den Beschuldigten angewiesen gewesen sei. Der 

Beschuldigte habe sich dieser Umstände bewusst zunutze gemacht, indem er die 

beschriebenen sexuellen Handlungen gegen dessen Willen vorgenommen habe 

(Urk. 55 S. 3). Der Anklagegrundsatz ist somit gewahrt. 

5.2. Sachverhalt 

5.2.1. Die Vorinstanz hat sowohl die wesentlichen Aussagen der Beteiligten 

als  auch die relevanten Sachbeweise zutreffend dargestellt (Urk. 94 S. 34-41 

E. II.5.2.1.-5.2.4.), worauf verwiesen werden kann. Sie hat anschliessend die er-

hobenen Beweise, insbesondere die Aussagen der Beteiligten, unter Berück-

sichtigung der dazu gemachten Ausführungen der Verteidigung einer sorgfältigen 

Prüfung unterzogen und – mit Ausnahme der Erwägungen zum eingeklagten Ab-

hängigkeitsverhältnis – zutreffend gewürdigt (a.a.O., S. 41-44 E. II.5.2.5.), worauf 

mit der erwähnten Beschränkung ebenfalls vollumfänglich verwiesen werden 

kann. Die nachfolgenden Erwägungen sind damit zunächst lediglich als punktuell 

ergänzende und rekapitulierende zu verstehen. 

5.2.2. Die detaillierten, lebensnahen, authentisch und tatsächlich erlebt 

wirkenden, in der Abfolge logischen, keine relevanten Strukturbrüche 

aufweisenden und im Kerngeschehen konstanten Aussagen des Privatklägers 1 

sind überzeugend. Daran ändern auch leicht voneinander abweichende 

Schilderungen nichts, lassen sich solche doch zwanglos auf die Dynamik des 

Geschehens und den Umstand zurückführen, dass ein Ereignis zu 

unterschiedlichen Zeitpunkten nie völlig deckungsgleich geschildert wird, mithin 

Letzteres umgekehrt viel eher als Lügensignal zu werten wäre. Sodann sind beim 

Privatkläger 1 weder ein übermässiger Belastungseifer noch 

Aggravierungstendenzen auszumachen. Im Übrigen kann auf das bereits unter 

E. II.4. Erwogene verwiesen werden und ist insbesondere nochmals festzuhalten, 

dass die Belastungen des Privatklägers 1 auch im Lichte der von den übrigen 

Geschädigten erhobenen Vorwürfe stimmig erscheinen. 

-   21   - 

5.2.3. Den überzeugenden Aussagen des Privatklägers 1 steht die nicht über-

zeugende Darstellung des Beschuldigten gegenüber. Wie ebenfalls bereits weiter 

vorne unter E. II.4. ausgeführt, gibt es keine Anhaltpunkte für eine "Hetzjagd" 

gegen den Beschuldigten und auch seitens des Privatklägers 1 keine Hinweise für 

eine Falschbelastung. Augenfällig ist und stark gegen die Glaubhaftigkeit der Dar-

stellung des Beschuldigten spricht der Umstand, dass dieser sich am Morgen des 

tt. Mai 2020, d.h. zwei Tage nach dem eingeklagten Ereignis, von sich aus 

telefonisch bei der Stadtpolizei Zürich erkundigte, ob eine Strafuntersuchung 

gegen ihn geführt werde (Urk. 1/2 S. 7 und Urk. 121 S. 10). Auch anlässlich der 

Berufungsverhandlung wollte er sein Handeln nicht erklären (Urk. 121 S. 10). 

Offensichtlich war ihm bewusst, dass die eingeklagten Handlungen nicht 

einvernehmlich erfolgt waren. Seine Aussage bei der Polizei, dass er "aus allen 

Socken gefallen" sei, als er von den Vorwürfen gehört habe, und dass er absolut 

keine Erklärung dafür habe, weshalb der Privatkläger 1 ein solches Strafverfahren 

eingeleitet habe (Urk. 1/5/1 S. 3 F/A 11 f.), sind in diesem Zusammenhang als 

höchst unglaubhaft zu werten. Auch die bei der Auswertung des Mobiltelefons des 

Beschuldigten sichergestellte Notiz, in der er nach der eingeklagten Tat festhielt, 

dass der Privatkläger 1 "freiwillig mitgemacht" habe, ist in diesem Kontext als 

belastendes Indiz zu werten (Urk. 1/20/26 S. 5), ist es doch lebensfremd 

anzunehmen, dass eine solche Notiz erstellt worden wäre, wenn alles 

einvernehmlich abgelaufen wäre (vgl. so auch Urk. 94 S. 43, 2. Absatz). 

5.2.4. Im Ergebnis sind die Aussagen des Privatklägers 1 mit der Vorinstanz als 

glaubhaft einzustufen. Es ergeben sich keine bedeutsamen Zweifel an der 

Sachverhaltsdarstellung des Privatklägers 1, weshalb zur Sachverhaltserstellung 

grundsätzlich auf dessen Aussagen abgestellt werden kann. Es ist somit erstellt, 

dass die sexuellen Handlungen des Beschuldigten gegen den Willen des Privat-

klägers 1 und nach wiederholter verbaler Abwehr stattgefunden haben. Betreffend 

die Episode mit dem oralen Verkehr ist erstellt, dass Körpergewalt angewendet 

wurde. Hingegen ist nicht erstellt, dass der Beschuldigte den Privatkläger 1 

während der Episode mit der analen Penetration am Fussboden mit beiden 

Armen fest umklammerte. Bei der polizeilichen Einvernahme hat der Privatläger 1 

angegeben, dass er nicht mehr sicher sei, ob der Beschuldigte Gewalt 

-   22   - 

angewendet habe (Urk. 1/6/1 S. 12 F/A 77), bei der staatsanwaltschaftlichen 

Einvernahme gab er an, dass der Beschuldigte ihn festgehalten habe, damit er 

ihn küssen könne (Urk. 1/6/4 S. 10 F/A 37). Nach dem Grundsatz in dubio pro reo 

ist somit nicht erstellt, dass der Beschuldigte den Privatkläger 1 wie eingeklagt mit 

beiden Armen fest umklammerte, als er ihn penetrierte. Ob dies für die 

Beurteilung der Tatbestandsmässigkeit relevant ist, wird bei der rechtlichen 

Würdigung zu prüfen sein (vgl. so auch Urk. 94 S. 43 f., 3. Absatz). 

5.2.5. Das eingeklagte Abhängigkeitsverhältnis ist hingegen nicht erstellt. Der 

Privatkläger 1 wollte Fotograf in der Modebranche werden und erhoffte sich vom 

Beschuldigten, der als Modelagent tätig war, Unterstützung. Wie die Verteidigung 

zutreffend festhält, stellt der Berufswunsch Fotograf kein Abhängigkeitsverhältnis 

dar (Urk. 122 S. 22). Auch ein Versprechen einer verheissungsvollen beruflichen 

Zukunft begründet kein Abhängigkeitsverhältnis. Es bestand kein 

Arbeitsverhältnis oder eine faktische Subordination, wodurch der Beschuldigte die 

Möglichkeit gehabt hätte, stark auf den Privatkläger 1 einzuwirken. Sie hatten 

auch sonst keine  geschäftliche Beziehung. Sie trafen sich zum ersten Mal, 

nachdem sie auf Instagram miteinander kommuniziert hatten (Kennenlerntreffen). 

Die Verteidigung weist zudem zu Recht darauf hin, dass der Privatkläger 1 auch 

in finanzieller Hinsicht nicht vom Beschuldigten abhängig war (Urk. 122 S. 21). Es 

ist nicht ersichtlich, dass der Beschuldigte für die Lebenskosten des 

Privatklägers 1 hätte aufkommen sollen. Eine finanzielle Abhängigkeit lässt sich 

jedenfalls nicht aus dem Umstand ableiten, dass der Privatkläger 1 gerade etwas 

knapp bei Kasse war und der Beschuldigte ihm daher offerierte, das Uber-Taxi zu 

bezahlen (Urk. 1/11). Dass der Privatkläger 1 finanziell auf den Beschuldigten 

angewiesen gewesen wäre, wird von ihm auch gar nicht geltend gemacht. 

Solches erschiene auch lebensfremd. Durch seine abgeschlossene KV-

Berufslehre und seine berufliche Erfahrung in der Immobilienbranche hatte er 

durchaus Möglichkeiten (Urk. 1/6/1 F/A 112), sich ein finanzielles Auskommen zu 

sichern und war nicht auf Aufträge als Fotograf angewiesen. Der Privatkläger 1 

macht auch nicht geltend, auf andere Art und Weise vom Beschuldigten abhängig 

gewesen zu sein bzw. sich abhängig gefühlt zu haben. Insbesondere führte er 

nicht an, dass er den Beschuldigten benötigt hätte, um als Fotograf Fuss zu 

-   23   - 

fassen. Insgesamt liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sich der 

Privatkläger 1 in einer besonders starken Drucksituation befunden hätte. Es kann 

somit weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht von einem 

Abhängigkeitsverhältnis ausgegangen werden. Auch von einem relevanten Ver-

suchsstadium kann vorliegend noch nicht ausgegangen werden, lag doch wie 

ausgeführt noch kein Arbeitsverhältnis vor und spielte sich der eingeklagte Vorfall 

anlässlich eines ersten Kennenlerntreffens ab. 

5.3. Rechtliche Würdigung 

Die Vorinstanz hat den erstellten Anklagesachverhalt rechtlich zutreffend als 

sexuelle Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB gewürdigt. Auf die differenzierten 

und einlässlichen vorinstanzlichen Erwägungen kann vollumfänglich verwiesen 

werden (Urk. 94 S. 100-103 E. III.1.1. f.). Ergänzend zu den vorinstanzlichen Er-

wägungen ist lediglich festzuhalten, dass die erforderliche Intensität des Nöti-

gungsmittels Gewalt gegeben ist. Die sexuellen Handlungen fanden trotz wieder-

holter verbaler und physischer Gegenwehr des Privatklägers 1 und unter Anwen-

dung von Körpergewalt durch den Beschuldigten statt, indem er dessen Kopf er-

griff und seinem Genitalbereich zuführte. Art. 198 StGB kommt im Verhältnis zu 

Art. 189 StGB subsidiär zur Anwendung (BSK StGB-Maier, Art. 189 N 84). 

5.4. Fazit 

Der Beschuldigte ist der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB 

schuldig zu sprechen. Vom Vorwurf der Ausnützung der Notlage im Sinne von 

Art. 193 Abs. 1 StGB ist der Beschuldigte freizusprechen. 

6. Dossier 2 

6.1. Sachverhalt 

6.1.1. Die Vorinstanz hat die wesentlichen Aussagen der Beteiligten und die 

relevanten Sachbeweise zutreffend dargestellt (Urk. 94 S. 44-47 E. II.5.3.1.-

5.3.3.), worauf verwiesen werden kann. Sie hat anschliessend die erhobenen 

-   24   - 

Beweise zutreffend gewürdigt (a.a.O., S. 47 f. E. II.5.3.4.), worauf ebenfalls 

vollumfänglich verwiesen werden kann. 

6.1.2. Teilweise rekapitulierend und ergänzend ist festzuhalten, dass auch im vor-

liegenden Zusammenhang keine Gründe ersichtlich sind, weshalb der 

Geschädigte J._____ den Beschuldigten falsch belasten sollte. Zudem lassen 

sich auch seine Belastungen zwanglos in ein Gesamtbild fügen, was für deren 

Glaubhaftigkeit spricht. Was die eingeklagte sexuelle Belästigung anbelangt, kann 

mit der Vorinstanz ohne Weiteres auf die diesbezüglich glaubhafte Aussage des 

Geschädigten abgestellt werden, die sich mit den um den Tatzeitpunkt 

abgesetzten, klar sexuell konnotierten Sprachnachrichten des Beschuldigten in 

Einklang bringen lassen (vgl. zu Letzterem Urk. 2/1 S. 3 bzw. Urk. 2/5). 

6.2. Rechtliche Würdigung 

Die Vorinstanz hat eine zutreffende rechtliche Würdigung vorgenommen, auf die 

verwiesen werden kann (Urk. 94 S. 106 f. E. III.2.1.). 

6.3. Fazit 

Mit der Vorinstanz ist der Beschuldigte der sexuellen Belästigung im Sinne von 

Art. 198 StGB schuldig zu sprechen. 

7. Dossier 4 

7.1. Anklagegrundsatz betr. Ausnützung der Notlage (resp. sexuelle Handlungen 

mit Abhängigen) 

Vorne wurde dargelegt, weshalb der pauschale Ingress der Anklage den Anklage-

sachverhalt ungenügend umschreibt (vgl. Ziff. II.5.1.). In Dossier 4 wird dem Be-

schuldigten ohne Angabe von konkreten Handlungen pauschal vorgeworfen, er 

habe ein Abhängigkeitsverhältnis gestaltet, welches dem Geschädigten verun-

möglicht habe, sich gegen die Handlungen adäquat zur Wehr zu setzen. Die 

blosse Angabe, dass die Tatbestandsmerkmale vorlägen, genügt nicht. Vielmehr 

müssen die individuellen Umstände, die auf das rechtliche Kriterium des 

Abhängigkeitsverhältnisses und dessen Ausnutzung schliessen lassen, in der 

-   25   - 

Anklageschrift konkret genannt werden. So wäre genau anzugeben, worin das 

Abhängigkeitsverhältnis bestand und wie der Beschuldigte dieses ausnutzte. Der 

Zweck des Treffens (Fotoshooting) sagt nichts über ein allfälliges 

Abhängigkeitsverhältnis aus. Die allgemeine Aussage im Ingress, wonach der 

Beschuldigte den Geschädigten vorgespiegelt habe, er sei die nahezu einzige 

Möglichkeit für männliche Models, der ihren Wunsch, in der Modelbranche Fuss 

zu fassen, erfüllen könne, wodurch er für die Geschädigten ein 

Abhängigkeitsverhältnis geschaffen habe (Urk. 55 S. 2), ist nicht auf Dossier 4 

zugeschnitten. Der Geschädigte wollte gar nicht unbedingt Model werden 

(Urk. 1/7/19 F/A 11). Der Anklagesachverhalt ist damit hinsichtlich Ausnützung 

der Notlage resp. sexueller Handlungen mit Abhängigen nicht tauglich.  

Betreffend sexuelle Handlungen mit Abhängigen ist sodann festzuhalten, dass die 

Vorinstanz den Parteien zwar das rechtliche Gehör zur abweichenden rechtlichen 

Würdigung gewährt hat (Urk. 94 E. I.6.1.2. S. 18), die sachverhaltsmässige 

Grundlage für eine Subsumtion unter den Tatbestand sexuelle Handlungen mit 

Abhängigen wurde indes nicht geschaffen.  

Damit liegt eine Verletzung des Anklagegrundsatzes vor. 

7.2. Nichteintreten auf die Anklage 

Auf eine Rückweisung der Anklage ist vorliegend zu verzichten, weil selbst bei ei-

ner Verbesserung der Anklageschrift ein Freispruch zu ergehen hätte. Die Vo-

rinstanz hat die wesentlichen Aussagen der Beteiligten zusammengefasst 

(Urk. 94 S. 51-53 E. II.5.5.1. f.), darauf kann verwiesen werden. Auch in diesem 

Zusammenhang gilt, wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, dass keine Grün-

de ersichtlich sind, weshalb der Geschädigte K._____ den Beschuldigten falsch 

belasten sollte und sich auch seine Schilderungen plausibel in ein Gesamtbild fü-

gen, was grundsätzlich für die Darstellung spricht. Die lebensnahen Aussagen 

des Geschädigten sind glaubhaft, weshalb zur Sachverhaltserstellung darauf ab-

gestellt werden kann (a.a.O., S. 53 E. II.5.5.3.). Indes fehlt es mit der Verteidigung 

an einer Bindung zwischen dem Geschädigten und dem Beschuldigten, welche 

auf ein Abhängigkeitsverhältnis schliessen liesse (Urk. 122 S. 25). Es liegen keine 

-   26   - 

Anhaltspunkte dafür vor, dass sich der Geschädigte in einer besonders starken 

Drucksituation befunden hätte. Wie erwähnt, wollte der Geschädigte eigentlich gar 

nicht unbedingt Model werden. Der Geschädigte und der Beschuldigte standen in 

keinerlei vertraglicher bzw. geschäftlicher Beziehung. Es bestand weder ein Ar-

beitsverhältnis noch eine faktische Subordination, wodurch der Beschuldigte die 

Möglichkeit gehabt hätte, stark auf den Geschädigten einzuwirken. Sie trafen sich 

zum ersten Mal für ein Gespräch, eventuell Probeshooting (Kennenlerntreffen). 

Es war das Auftreten des Beschuldigten, das den Geschädigten beeindruckte 

bzw. daran hinderte, nein zu sagen. Der Geschädigte schilderte insbesondere 

Folgendes: "Er hat so ein Gefühl gegeben, dass er das Ziel sei, das man wolle." 

(Urk. 1/7/19 F/A 11). Es kann somit weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hin-

sicht von einem Abhängigkeitsverhältnis ausgegangen werden. Auch von einem 

relevanten Versuchsstadium kann vorliegend noch nicht ausgegangen werden, 

lag doch wie ausgeführt noch kein Arbeitsverhältnis vor und spielte sich der ein-

geklagte Vorfall anlässlich eines ersten Kennenlerntreffens ab. 

7.3. Fazit 

Auf die Anklage bezüglich des Vorwurfs der Ausnützung einer Notlage im Sinne 

von Art. 193 Abs. 1 StGB (resp. der sexuellen Handlungen mit Abhängigen im 

Sinne von Art. 188 StGB) ist folglich im vorliegenden Zusammenhang nicht einzu-

treten. 

8. Dossier 5 

8.1. Anklagegrundsatz betr. Ausnützung der Notlage 

Es kann hier auf das bei Dossier 4 Gesagte verwiesen werden (Ziff. II.7.1.). Es 

finden sich keine konkreten Anhaltspunkte für ein Abhängigkeitsverhältnis in der 

Anklageschrift. Der Geschädigte D._____ wollte ebenfalls nicht unbedingt Model 

werden (Urk. 1/7/2 F/A 7 "Ich habe mir gedacht, warum nicht." F/A 35 "Mal in die 

Modelwelt hineinsehen"). Der Anklagesachverhalt ist damit hinsichtlich Ausnüt-

zung der Notlage nicht tauglich. Damit liegt eine Verletzung des Anklagegrund-

satzes vor. 

-   27   - 

8.2. Nichteintreten auf die Anklage und Sachverhalt 

Auf eine Rückweisung der Anklage ist vorliegend zu verzichten, weil selbst bei ei-

ner Verbesserung der Anklageschrift ein Freispruch vom Vorwurf der Ausnützung 

der Notlage zu ergehen hätte. Die Vorinstanz hat die relevanten Beweismittel 

dargestellt (Urk. 94 S. 54-56 E. II.5.6.1.-5.6.3.), darauf kann verwiesen werden. 

Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass auf die glaubhaften Aussagen des Pri-

vatklägers 2 abgestellt werden kann. Der Anklagesachverhalt ist im Sinne der Er-

wägungen der Vorinstanz – mit Ausnahme des Abhängigkeitsverhältnisses – er-

stellt (a.a.O. S. 56 f. E. II.5.6.3.). Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass 

sich der Privatkläger 2 in einer besonders starken Drucksituation befunden hätte. 

Wie erwähnt, wollte der Privatkläger 2 gar nicht unbedingt Model werden. Der Pri-

vatkläger 2 und der Beschuldigte standen in keinerlei vertraglicher bzw. geschäft-

licher Beziehung. Es bestand weder ein Arbeitsverhältnis noch eine faktische 

Subordination (Urk. 1/7/2 F/A 36), wodurch der Beschuldigte die Möglichkeit ge-

habt hätte, stark auf den Privatkläger 2 einzuwirken. Im Übrigen macht der Privat-

kläger 2 nicht geltend, vom Beschuldigten abhängig gewesen zu sein bzw. das 

Gefühl gehabt zu haben. Es kann somit weder in tatsächlicher noch in rechtlicher 

Hinsicht von einem Abhängigkeitsverhältnis ausgegangen werden. Auch von ei-

nem relevanten Versuchsstadium kann vorliegend noch nicht ausgegangen wer-

den, lag doch wie ausgeführt noch kein Arbeitsverhältnis vor und spielte sich der 

eingeklagte Vorfall anlässlich eines ersten Kennenlerntreffens ab. 

Auf die Anklage bezüglich des Vorwurfs der Ausnützung einer Notlage im Sinne 

von Art. 193 Abs. 1 StGB ist folglich im vorliegenden Zusammenhang nicht einzu-

treten. 

8.3. Rechtliche Würdigung 

Der rechtliche Würdigung der Vorinstanz ist unzutreffend. Inwiefern der Be-

schuldigte den dem Privatkläger 2 zumutbaren körperlichen Widerstand über-

winden musste, ist anhand des erstellten Sachverhalts nicht dargetan. Der Privat-

kläger 2 räumte selber ein, dass er den Beschuldigten hätte wegstossen können 

(Urk. 1/7/2 F/A 13). Umstände, die ihn ausserstande gesetzt hätten, sich kräftiger 

-   28   - 

zu widersetzen, sind nicht ersichtlich. Wie gesehen, wollte der Privatkläger 2 gar 

nicht unbedingt Model werden. Er war Gymnasiast und wollte nur in die Modelwelt 

"hineinsehen" (a.a.O. 35). Es überzeugt deshalb nicht, dass die Androhung des 

Beschuldigten, dass es keinen Modeljob gebe, falls die sexuellen Handlungen 

verweigert würden, ihn an entschiedener Gegenwehr hinderte. Das 

Nötigungsmittel Gewalt ist daher nicht gegeben. 

8.4. Fazit 

Der Beschuldigte ist somit im vorliegenden Zusammenhang vom Vorwurf der 

sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB freizusprechen. 

9. Dossier 7 

9.1. Anklagegrundsatz betr. Ausnützung der Notlage 

Es kann hier im Wesentlichen auf das bei Dossier 4 Gesagte verwiesen werden 

(Ziff. II.7.1.). Es finden sich keine konkreten Anhaltspunkte für ein Abhängigkeits-

verhältnis in der Anklageschrift. Die allgemeine Aussage im Ingress, wonach der 

Beschuldigte den Geschädigten vorgespiegelt habe, er sei die nahezu einzige 

Möglichkeit für männliche Models, der ihren Wunsch, in der Modelbranche Fuss 

zu fassen, erfüllen könne, wodurch er für die Geschädigten ein Abhängigkeits-

verhältnis geschaffen habe (Urk. 55 S. 2), ist auch nicht auf Dossier 7 zuge-

schnitten. Das geschilderte Handeln des Beschuldigten trifft auf Dossier 7 nicht 

zu. Der Anklagesachverhalt ist damit nicht tauglich. Damit liegt eine Verletzung 

des Anklagegrundsatzes vor. 

9.2. Nichteintreten auf die Anklage 

Auf eine Rückweisung der Anklage ist vorliegend zu verzichten, weil selbst bei ei-

ner Verbesserung der Anklageschrift ein Freispruch zu ergehen hätte. Die Vo-

rinstanz hat die wesentlichen Aussagen der Beteiligten und die relevanten Sach-

beweise zutreffend dargestellt (Urk. 94 S. 57-59 E. II.5.7.1.-5.7.3.), worauf ver-

wiesen werden kann. Sie hat anschliessend die erhobenen Beweise – mit der 

nachfolgenden Einschränkung – zutreffend gewürdigt (a.a.O., S. 59 E. II.5.7.4.), 

-   29   - 

worauf vorab ebenfalls verwiesen werden kann. Mit der Vorinstanz ist festzuhal-

ten, dass die sich durch augenfällige Zurückhaltung auszeichnenden Aussagen 

des Privatklägers 3 glaubhaft sind, zumal sie sich auch zwanglos mit dem Inhalt 

des vorliegenden WhatsApp-Chatverlauf (Urk. 7/3) und den übrigen Untersu-

chungsergebnissen in Einklang bringen lassen. Es liegen sodann keine einleuch-

tenden Gründe oder Hinweise für eine Falschbelastung durch den Privatkläger 3 

vor. Gestützt auf dessen Darstellung lässt sich der eingeklagte Sachverhalt somit 

– mit Ausnahme des Abhängigkeitsverhältnisses – erstellen. Es liegen keine An-

haltspunkte dafür vor, dass sich der Privatkläger 3 in einer besonders starken 

Drucksituation befunden hätte. Wie die Verteidigung zutreffend ausführt, stellt der 

Berufswunsch Model kein Abhängigkeitsverhältnis dar (Urk. 122 S. 26). Der Pri-

vatkläger 3 und der Beschuldigte standen in keinerlei vertraglicher bzw. geschäft-

licher Beziehung. Es bestand weder ein Arbeitsverhältnis noch eine faktische 

Subordination, wodurch der Beschuldigte die Möglichkeit gehabt hätte, stark auf 

den Privatkläger 3 einzuwirken. Der Privatkläger 3 traf den Beschuldigten zum 

ersten Mal für ein Probeshooting, nachdem sie  auf Facebook miteinander kom-

muniziert hatten (Kennenlerntreffen). Laut dem Beschuldigten gibt es auch andere 

Agenturen mit männlichen Models (Urk. 1/5/4 F/A 150, Urk. 121 S. 11). Alles an-

dere erschiene lebensfremd. Die entsprechende Angabe überzeugt daher. Aus 

den erhobenen Beweisen ergibt sich nicht, dass der Beschuldigte dem Privatklä-

ger 3 vorspiegelte, er sei die nahezu einzige Möglichkeit für männliche Models, 

der ihren Wunsch, in der Modelbranche Fuss zu fassen, erfüllen könne. Auch 

macht der Privatkläger 3 nicht geltend, er habe den Beschuldigten gebraucht, um 

als Model Fuss zu fassen bzw. den entsprechenden Eindruck gehabt. Es kann 

somit weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht von einem 

Abhängigkeitsverhältnis ausgegangen werden. Auch von einem relevanten Ver-

suchsstadium kann vorliegend noch nicht ausgegangen werden, lag doch wie 

ausgeführt noch kein Arbeitsverhältnis vor und spielte sich der eingeklagte Vorfall 

anlässlich eines ersten Kennenlerntreffens ab. 

-   30   - 

9.3. Fazit 

Auf die Anklage bezüglich des Vorwurfs der Ausnützung einer Notlage im Sinne 

von Art. 193 Abs. 1 StGB ist folglich im vorliegenden Zusammenhang nicht einzu-

treten. 

10. Dossier 8 

10.1. Sachverhalt 

10.1.1. Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen der Beteiligten zusammen-

gefasst (Urk. 94 S. 60-63 E. II.5.8.1. f.) und unter Abhandlung der – auch im 

Berufungsverfahren erhobenen (Urk. 122 S. 26-28) – Einwände der Verteidigung 

zutreffend gewürdigt (a.a.O., S. 63 f. E. II.5.8.3.), worauf verwiesen werden kann. 

10.1.2. Teilweise rekapitulierend ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass im 

Kontext der übrigen Ermittlungsergebnisse die Aussagen des Geschädigten 

L._____ glaubhaft erscheinen. Das dem Beschuldigten vorgeworfene Verhalten 

weist diverse Parallelen zu den übrigen Dossiers auf. So fällt beispielsweise auf, 

dass auch der Geschädigte L._____ vom Beschuldigten angeschrieben wurde, 

bevor er, im Alter von 17 Jahren, überhaupt Modelerfahrung erlangt hatte. 

Sodann sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, weshalb der Geschädigte den 

Beschuldigten falsch belasten sollte. Auch das konkrete Aussageverhalten liefert 

hierfür keine Hinweise. Vielmehr sind die detaillierten, authentisch und tatsächlich 

erlebt wirkenden und – entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 122 S. 27) – 

keine wesentlichen Widersprüche aufweisenden Aussagen des Geschädigten 

überzeugend. Aus dem Umstand, dass der Geschädigte liegen blieb und 

anschliessend wohl wieder einschlief, lässt sich nichts ableiten. Opfer verhalten 

sich bekanntlich unterschiedlich und litt der Geschädigte doch bekanntlich an 

einer starken sozialen Angststörung, sodass er teilweise einfach abschaltete 

(Urk. 1/7/3 F/A 23). Ein übermässiger Belastungseifer ist ebenfalls nicht 

erkennbar. Gestützt auf die glaubhaften Aussagen des Geschädigten lässt sich 

der eingeklagte Sachverhalt rechtsgenügend erstellen. 

-   31   - 

10.2. Rechtliche Würdigung 

Die Vorinstanz hat den eingeklagten Sachverhalt in rechtlicher Hinsicht zutreffend 

gewürdigt (Urk. 94 S. 113-115 E. III.7.), darauf kann verwiesen werden. 

10.3. Fazit 

Mit der Vorinstanz ist der Beschuldigte der Schändung im Sinne von Art. 191 

StGB schuldig zu sprechen, hingegen vom Vorwurf der sexuellen Nötigung im 

Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB freizusprechen. 

11. Dossier 9 

11.1. Anklagegrundsatz betr. Ausnützung der Notlage 

Es kann hier auf das bei Dossier 7 Gesagte verwiesen werden (Ziff. II.9.1.). Es 

finden sich keine konkreten Anhaltspunkte für ein Abhängigkeitsverhältnis in der 

Anklageschrift. Der Zweck des Treffens (Probe-Fotoshooting) sagt ebenso wenig 

über ein allfälliges Abhängigkeitsverhältnis aus wie ein allfälliges Interesse des 

Geschädigten M._____ an einem Modelvertrag. Die allgemeine Aussage im 

Ingress, wonach der Beschuldigte den Geschädigten vorgespiegelt habe, er sei 

die nahezu einzige Möglichkeit für männliche Models, der ihren Wunsch, in der 

Modelbranche Fuss zu fassen, erfüllen könne, wodurch er für die Geschädigten 

ein Abhängigkeitsverhältnis geschaffen habe (Urk. 55 S. 2), ist auch nicht auf 

Dossier 9 zugeschnitten. Das geschilderte Handeln des Beschuldigten trifft auf 

Dossier 9 nicht zu. Der Anklagesachverhalt ist damit nicht tauglich. Damit liegt 

eine Verletzung des Anklagegrundsatzes vor. 

11.2. Nichteintreten auf die Anklage 

Auf eine Rückweisung der Anklage ist vorliegend zu verzichten, weil selbst bei 

einer Verbesserung der Anklageschrift mit der Vorinstanz ein Freispruch zu 

ergehen hätte. Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen der Beteiligten 

aufgeführt (Urk. 94 S. 64-67 E. II.5.9.1. f.) und sowohl in tatsächlicher als auch in 

rechtlicher Hinsicht zutreffend gewürdigt (a.a.O., S. 67 E. II.5.9.3. und S. 115 f. 

E. III.8.), worauf vorab verwiesen werden kann. Die Vorinstanz hat die Aussagen 

-   32   - 

des Geschädigten im Ergebnis zurecht als glaubhaft taxiert und richtig 

festgehalten, dass zur Erstellung des eingeklagten Sachverhalts grundsätzlich 

darauf abgestellt werden kann. Mit der Vorinstanz ist indes mit Blick auf das 

eingeklagte Abhängigkeitsverhältnis davon auszugehen, dass der Geschädigte 

gemäss seiner Erstaussage gar nicht Model werden, sondern nur ein 

Fotoshooting machen wollte (Urk. 9/3 S. 4 F/A 27). Bei der Staatsanwaltschaft 

gab er zudem zunächst an, dass er seitens des Beschuldigten keinen besonderen 

Druck verspürt habe (Urk. 1/7/10 S. 6 F/A 37). Dies wurde vom Geschädigten in 

der Folge zwar etwas relativiert (a.a.O., F/A 39), wobei die von ihm bemerkte 

Ungeduld des Beschuldigten auch mit Blick auf die rechtliche Würdigung noch 

kein Abhängigkeitsverhältnis zu begründen vermag. Es kann somit weder in 

tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht von einem Abhängigkeitsverhältnis 

ausgegangen werden. Weiter hat die Vorinstanz richtig festgehalten, dass auch 

keine sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB vorliegt (Urk. 94 

S. 116 E. III.8.2. f.), auf die entsprechenden Ausführungen kann wie bereits 

erwähnt verwiesen werden. 

11.3. Fazit 

Auf die Anklage bezüglich des Vorwurfs der Ausnützung einer Notlage im Sinne 

von Art. 193 Abs. 1 StGB ist folglich im vorliegenden Zusammenhang nicht einzu-

treten. 

12. Dossier 10 

12.1. Anklagegrundsatz betr. Ausnützung der Notlage 

Es kann hier auf das bei Dossier 7 Gesagte verwiesen werden (Ziff. II.9.1.). Es 

finden sich keine konkreten Anhaltspunkte für ein Abhängigkeitsverhältnis in der 

Anklageschrift. Der Zweck des Treffens (Probe-Fotoshooting) sagt nichts über ein 

allfälliges Abhängigkeitsverhältnis aus. Die allgemeine Aussage im Ingress, wo-

nach der Beschuldigte den Geschädigten vorgespiegelt habe, er sei die nahezu 

einzige Möglichkeit für männliche Models, der ihren Wunsch, in der Modelbranche 

Fuss zu fassen, erfüllen könne, wodurch er für die Geschädigten ein Abhängig-

-   33   - 

keitsverhältnis geschaffen habe (Urk. 55 S. 2), ist auch nicht auf Dossier 10 

zugeschnitten. Der Privatkläger 4 stand offenbar bereits bei einer anderen 

Agentur unter Vertrag und war nicht auf einen Modelvertrag mit der Agentur des 

Beschuldigten angewiesen (Urk. 1/7/11 F/A 13 und 23). Der Anklagesachverhalt 

ist damit nicht tauglich. Damit liegt eine Verletzung des Anklagegrundsatzes vor. 

12.2. Nichteintreten auf die Anklage 

Auf eine Rückweisung der Anklage ist vorliegend zu verzichten, weil selbst bei 

einer Verbesserung der Anklageschrift mit der Vorinstanz ein Freispruch zu 

ergehen hätte. Die Vorinstanz hat die wesentlichen Aussagen der Beteiligten 

zutreffend zusammengefasst (Urk. 94 S. 67-70 E. II.5.10.1. f.) und sowohl in 

tatsächlicher als auch in rechtlicher Hinsicht zutreffend gewürdigt (a.a.O., S. 70 

E. II.5.10.3. und S. 116 E. III.9.), worauf vorab verwiesen werden kann. Die 

Vorinstanz hat die Aussagen des Privatklägers 4 trotz gewisser Divergenzen 

insgesamt zurecht als glaubhaft eingestuft und richtig festgehalten, dass zur 

Erstellung des eingeklagten Sachverhalts grundsätzlich darauf abgestellt werden 

kann. Mit ihr ist jedoch in Bezug auf das eingeklagte Abhängigkeitsverhältnis zu 

beachten, dass der Privatkläger 4 offenbar bereits bei einer anderen Agentur 

unter Vertrag stand und auch nicht auf einen Modelvertrag mit der Agentur des 

Beschuldigten angewiesen war (Urk. 1/7/11 S. 4 ff. F/A 13 und F/A 23). Auch die 

Warnung des Beschuldigten, dass der Privatkläger 4 ohne ihn in Zürich nichts 

erreichen werde (Urk. 10/3 F/A 23), hat daher wohl keine allzu grosse Wirkung bei 

ihm ausgelöst. Es kann somit weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht 

von einem Abhängigkeitsverhältnis ausgegangen werden. Weiter hat die 

Vorinstanz richtig festgehalten, dass auch keine sexuelle Nötigung im Sinne von 

Art. 189 Abs. 1 StGB vorliegt (Urk. 94 S. 116 E. III.9.2. f.), auf die entsprechenden 

Ausführungen kann wie schon erwähnt verwiesen werden. 

12.3. Fazit 

Auf die Anklage bezüglich des Vorwurfs der Ausnützung einer Notlage im Sinne 

von Art. 193 Abs. 1 StGB ist folglich im vorliegenden Zusammenhang nicht einzu-

treten. 

-   34   - 

13. Dossier 12 

13.1. Anklagegrundsatz betr. Ausnützung der Notlage 

Es kann hier auf das bei Dossier 7 Gesagte verwiesen werden (Ziff. II.9.1.). Es 

finden sich keine konkreten Anhaltspunkte für ein Abhängigkeitsverhältnis in der 

Anklageschrift. Der Zweck des Treffens (Fotoshooting) sagt ebenso wenig über 

ein allfälliges Abhängigkeitsverhältnis aus wie die Nennung des Alters und der 

Unerfahrenheit des Privatklägers 5. Die allgemeine Aussage im Ingress, wonach 

der Beschuldigte den Geschädigten vorgespiegelt habe, er sei die nahezu einzige 

Möglichkeit für männliche Models, der ihren Wunsch, in der Modelbranche Fuss 

zu  fassen, erfüllen könne, wodurch er für die Geschädigten ein Abhängigkeits-

verhältnis geschaffen habe (Urk. 55 S. 2), ist auch nicht auf Dossier 12 zuge-

schnitten. Das geschilderte Handeln des Beschuldigten trifft auf Dossier 12 nicht 

zu. Der Anklagesachverhalt ist damit nicht tauglich. Damit liegt eine Verletzung 

des Anklagegrundsatzes vor. 

13.2. Nichteintreten auf die Anklage 

Auf eine Rückweisung der Anklage ist vorliegend zu verzichten, weil selbst bei 

einer Verbesserung der Anklageschrift mit der Vorinstanz ein Freispruch zu 

ergehen hätte. Die Vorinstanz hat die wesentlichen Aussagen der Beteiligten und 

die relevanten Sachbeweise zutreffend dargestellt (Urk. 94 S. 71-75 E. II.5.11.1.-

5.11.3.), darauf kann verwiesen werden. Sie hat sodann die erhobenen Beweise 

sowohl in tatsächlicher als auch in rechtlicher Hinsicht zutreffend gewürdigt 

(a.a.O., S. 75 f. E. II.5.11.4. und S. 117 E. III.10.), worauf ebenfalls verwiesen 

werden kann. Die Vorinstanz hat die detaillierten und eher zurückhaltenden 

Aussagen des Privatklägers 5 zurecht als glaubhaft taxiert und richtig 

festgehalten, dass zur Erstellung des eingeklagten Sachverhalts grundsätzlich 

darauf abgestellt werden kann. Der Beschuldigte gab in diesem Zusammenhang 

an, es könne sein, dass er sich beim Fotoshooting unter dem Einfluss von Alkohol 

von hinten an den Privatkläger 5 geschmiegt habe (Urk. 1/5/6 S. 10 F/A 70), was 

nicht als Geständnis zu werten ist, aber ebenfalls für die Darstellung des 

Privatklägers 5 spricht. Mit der Vorinstanz ist indes mit Blick auf das eingeklagte 

-   35   - 

Abhängigkeitsverhältnis festzuhalten, dass der Privatkläger 5 vor dem 

eingeklagten Ereignis zwar noch keine Erfahrungen als Model gemacht hatte 

(Urk. 12/3 S. 2 F/A 8). Weiter gab er bei der Polizei im Rahmen seiner ersten 

Einvernahme an, er sei damals 18 Jahre alt gewesen und habe die Übergriffe 

überhaupt nicht einordnen können. Er habe sich sehr unwohl gefühlt, sei aber vor 

allem verwirrt gewesen. Er habe auch nicht das Gefühl gehabt, dass er in dem 

Moment gefährdet gewesen sei. Er habe sich nicht gewaltsam angegriffen gefühlt, 

womit er sagen wolle, dass er sich körperlich nicht in Gefahr gefühlt habe, weil er 

sich dem Beschuldigten körperlich überlegen gefühlt habe. Entsprechend habe er 

sich auch nicht gewehrt, sei aber auch nicht auf die Avancen des Beschuldigten 

eingegangen. Er sei einfach verdutzt dagestanden und habe versucht, das Ganze 

einzuordnen (a.a.O., S. 3 f. F/A 10). Der Privatkläger 5 hat somit die Duldung der 

sexuellen Handlungen zunächst nicht auf eine Drucksituation oder ein 

Abhängigkeitsverhältnis zurückgeführt, sondern auf seine Überforderung bzw. 

Verwirrung, wobei er sich dem Beschuldigten körperlich überlegen fühlte, diesen 

also nicht als eigentliche Gefahr wahrnahm. Er gab auch an, er sei gehemmt 

gewesen, etwas zu sagen, da er nicht homophob habe erscheinen wollen (a.a.O., 

S. 4). Erst auf explizite Nachfragen bei der Staatsanwaltschaft bestätigte der 

Privatkläger 5 eher vage eine Art Drucksituation (Urk. 1/7/12 S. 5 ff. F/A 20 und 

28). Zurecht ging die Vorinstanz vor diesem Hintergrund davon aus, dass der 

Druck nicht besonders gross gewesen sein kann und verneinte nach dem 

Grundsatz in dubio pro reo ein Abhängigkeitsverhältnis. Es kann somit weder in 

tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht von einem Abhängigkeitsverhältnis 

ausgegangen werden. Weiter hat die Vorinstanz richtig festgehalten, dass auch 

keine (versuchte) sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB vorliegt 

(Urk. 94 S. 117 E. III.10.2.), auf die entsprechenden Ausführungen kann wie 

erwähnt verwiesen werden. 

13.3. Fazit 

Auf die Anklage bezüglich des Vorwurfs der Ausnützung einer Notlage im Sinne 

von Art. 193 Abs. 1 StGB ist folglich im vorliegenden Zusammenhang nicht einzu-

treten. 

-   36   - 

14. Dossier 13 

14.1. Anklagegrundsatz betr. Ausnützung der Notlage 

Anders als in anderen Dossiers ist vorliegend ein konkretes mögliches Abhängig-

keitsverhältnis – ein Modelvertrag zwischen dem Beschuldigten und dem un-

erfahrenen Privatkläger 6 – umschrieben (Urk. 55 S. 9). Der Anklagegrundsatz ist 

somit gewahrt. 

14.2. Sachverhalt 

14.2.1. Die Vorinstanz hat die wesentlichen Aussagen der Beteiligten und die 

relevanten Sachbeweise zusammengefasst (Urk. 94 S. 76-80 E. II.5.12.1.-

5.12.3.), darauf kann verwiesen werden. Auch was die Würdigung der 

Beweismittel anbelangt (a.a.O., S. 80 f. E. II.5.12.4.) kann vorab auf die 

zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. 

14.2.2. Teilweise rekapitulierend und ergänzend ist festzuhalten, dass die Aus-

sagen des Privatklägers 6 betreffend die Kontaktaufnahme und die Art der 

Kommunikation mit dem Beschuldigten durch den vorliegenden WhatsApp-

Chatverlauf (Urk. 13/4) im Wesentlichen belegt ist. Aus dem Chatverlauf ergibt 

sich nicht, dass es am 9. März 2019 zu einem sexuellen Übergriff gekommen 

wäre. Es sind jedoch keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, weshalb der 

Privatkläger 6 den Beschuldigten falsch beschuldigen sollte und es liegen auch 

sonst keine Gründe vor, an der glaubhaften Darstellung des Privatklägers 6 zu 

zweifeln, weshalb zur Erstellung des eingeklagten Sachverhalts grundsätzlich auf 

dessen Aussagen abgestellt werden kann. Mit Blick auf das eingeklagte 

Abhängigkeitsverhältnis ist zunächst zu sagen, dass der Privatkläger 6 anders als 

die meisten anderen Geschädigten bzw. Privatkläger einen Modelvertrag mit dem 

Beschuldigten hatte (Urk. 19/9). Er erhoffte sich Jobs und Geld aus der 

Zusammenarbeit mit der Agentur des Beschuldigten (Urk. 19/2 F/A 10). Des 

Weiteren ist festzuhalten, dass sich der Privatkläger 6 über zwei Jahre hinweg 

intensiv mit seinem Körper und einer möglichen Karriere als Model beschäftigte, 

er mithin unbedingt Model werden wollte. Eindrücklich ist sodann die fordernde 

-   37   - 

Art des Beschuldigten, die auf den im Tatzeitpunkt gerade einmal 16 Jahre alten 

Privatkläger 6 eine starke Wirkung gehabt haben muss. Aufforderungen wie "hot" 

und nicht "boring" zu sein, dürften ihn auch verunsichert haben. Jedenfalls kann 

ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte den 

Privatkläger 6 offensiv und stark beeinflusste. Entsprechend ist auch das 

eingeklagte Abhängigkeitsverhältnis erstellt. Zweifellos war sich der Beschuldigte 

über seine Machtposition dem Privatkläger 6 gegenüber im Klaren. Es ist somit 

erstellt, dass er das dadurch geschaffene Abhängigkeitsverhältnis ausgenutzt hat, 

womit auch der innere Sachverhalt vollumfänglich erstellt ist.  

14.3. Rechtliche Würdigung 

Die Vorinstanz hat den Sachverhalt differenziert und zutreffend unter den Tat-

bestand der Ausnützung der Notlage subsumiert. Auf diese Erwägungen kann 

vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 94 S. 117 f. E. III.11.1.). Aufgrund des 

Alters des Geschädigten im Tatzeitpunkt (16 Jahre) hat die Vorinstanz zwar 

richtig erkannt, dass auch der Art. 193 StGB vorgehende Art. 188 StGB erfüllt 

wäre. Wie bereits unter Ziff. II.7.1. dargelegt, hat die Vorinstanz den Parteien zwar 

das rechtliche Gehör zur abweichenden rechtlichen Würdigung gewährt (Urk. 94 

E. I.6.1.2. S. 18), die sachverhaltsmässige Grundlage für eine Subsumtion unter 

den Tatbestand sexuelle Handlungen mit Abhängigen wurde indes nicht 

geschaffen. 

14.4. Fazit 

Der Beschuldigte ist im vorliegenden Zusammenhang der Ausnützung der Notla-

ge im Sinne von Art. 193 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

15. Dossier 14 

15.1. Anklagegrundsatz betr. Ausnützung der Notlage 

Anders als in anderen Dossiers ist vorliegend ein konkretes mögliches Ab-

hängigkeitsverhältnis – ein zukünftiger Modelvertrag zwischen dem Beschuldigten 

-   38   - 

und dem Geschädigten N._____ – umschrieben (Urk. 55 S. 9). Der Anklage-

grundsatz ist somit gewahrt. 

15.2. Sachverhalt 

Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen der Beteiligten aufgeführt (Urk. 94 

S. 81-83 E. II.5.13.1. f.) und sowohl in tatsächlicher als auch in rechtlicher 

Hinsicht zutreffend gewürdigt (a.a.O., S. 83 f. E. II.5.13.3. und S. 119 E. III.12.), 

worauf vorab verwiesen werden kann. Die Vorinstanz hat die Aussagen des 

Geschädigten zurecht als glaubhaft eingestuft und richtig festgehalten, dass zur 

Erstellung des eingeklagten Sachverhalts grundsätzlich darauf abgestellt werden 

kann. Mit der Vorinstanz ist jedoch mit Blick auf das eingeklagte 

Abhängigkeitsverhältnis davon auszugehen, dass keine Anhaltspunkte dafür 

vorliegen, dass sich der Geschädigte in einer besonders starken Drucksituation 

befunden hätte. Weder war es ein wirklich grosser Wunsch von ihm, Model zu 

werden – er hat den Modeljob höchstens als Nebenbeschäftigung angesehen und 

war weder vorher noch nachher bei anderen Agenturen (vgl. Urk. 1/7/14 F/A 34 

und 36) –, noch bestand ein Arbeitsverhältnis, durch das der Beschuldigte die 

Möglichkeit gehabt hätte, stark auf den Geschädigten einzuwirken. Der 

Geschädigte hatte höchstens ein entferntes Interesse daran, die Modeltätigkeit 

als Zufallsfund nebenbei auszuüben ("Sie schrieben mich an, ob ich mal 

vorbeikommen wolle." "Ich dachte mir, warum nicht.", a.a.O. F/A 33 f.). Es kann 

somit weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht von einem 

Abhängigkeitsverhältnis ausgegangen werden. Auch von einem relevanten 

Versuchsstadium kann vorliegend noch nicht ausgegangen werden, lag doch wie 

ausgeführt noch kein Arbeitsverhältnis vor und spielte sich der eingeklagte Vorfall 

anlässlich eines ersten Kennenlerntreffens ab. 

15.3. Fazit 

Der Beschuldigte ist im vorliegenden Zusammenhang vom Vorwurf der versuch-

ten Ausnützung der Notlage im Sinne von Art. 193 StGB freizusprechen. 

-   39   - 

16. Dossier 17 

16.1. Sachverhalt 

16.1.1. Die Vorinstanz hat die wesentlichen Aussagen der Beteiligten zusammen-

gefasst (Urk. 94 S. 84-87 E. II.5.14.1. f.), darauf kann verwiesen werden. Auch 

was die Beweiswürdigung anbelangt (a.a.O., S. 87-89 E. II.5.14.3.) kann auf die 

zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. 

16.1.2. Mit der Vorinstanz ist teilweise rekapitulierend festzuhalten, dass auf die 

glaubhaften Aussagen des Geschädigten I._____ abgestellt werden kann. Auch 

der vorliegende Vorwurf weist starke Parallelen zu den übrigen eingeklagten 

Ereignissen auf, was ebenfalls für die Glaubhaftigkeit der Darstellung des Ge-

schädigten spricht. Ohne Weiteres kann sodann von einem Abhängigkeits-

verhältnis zum im Tatzeitpunkt 15 Jahre alten Geschädigten ausgegangen 

werden, der beim Beschuldigten als Model unter Vertrag stand (Urk. 1/7/16). 

Zudem ist rechtsgenügend erstellt, dass der Beschuldigte wusste, dass der 

Geschädigte noch keine 16 Jahre alt war, was sich einerseits aus dem zitierten 

Vertrag ergibt, den der Beschuldigte am 12. März 2020 und somit gut einen 

Monat vor dem eingeklagten Ereignis unterzeichnet hatte, als auch aus dem 

Umstand, dass er selber angab, dass er über die Identitätskarten der Models 

Kenntnis von deren Alter gehabt hätte (Urk. 1/5/6 S. 11 F/A 79). Vor diesem 

Hintergrund muss die Aussage des Beschuldigten, wonach er das Alter des 

Geschädigten nicht gekannt habe (a.a.O., F/A 80-82), als reine 

Schutzbehauptung gewertet werden. Der eingeklagte Sachverhalt ist damit 

erstellt. 

16.2. Rechtliche Würdigung 

Die Vorinstanz hat eine zutreffende rechtliche Würdigung vorgenommen, auf die 

verwiesen werden kann (Urk. 94 S. 120 f. E. III.13.). Aufgrund des Alters des Ge-

schädigten im Tatzeitpunkt (15 Jahre) hat sie insbesondere richtig erkannt, dass 

ausschliesslich der Art. 193 StGB und Art. 198 StGB vorgehende Art. 187 Ziff. 1 

StGB erfüllt ist. Die Verteidigung macht geltend, es fehle an der erforderlichen Er-

-   40   - 

heblichkeit, weshalb der Beschuldigte freizusprechen sei (Urk. 122 S. 29-31). Der 

Ansicht der Verteidigung kann nicht gefolgt werden. Die Handlungen des Be-

schuldigten erfolgten gezielt und nicht unabsichtlich. In ihrer Gesamtheit über-

schreiten die Handlungen (Kuss auf den Mund, Hals, Griff in die Unterhose etc.) 

die Grenze zur sexuellen Handlung und können nicht unter die Gruppe der ambi-

valenten Verhaltensweisen eingeordnet werden. Dem Umstand, dass der Ge-

schädigte drei Tage vor seinem 16. Geburtstag stand, ist bei der Strafzumessung 

zu berücksichtigen. 

16.3. Fazit 

Mit der Vorinstanz ist der Beschuldigte somit der sexuellen Handlung mit Kindern 

im Sinne von Art. 187 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen. 

17. Dossier 20 

17.1. Anklagegrundsatz betr. Ausnützung der Notlage 

Es kann hier auf das bei Dossier 4 Gesagte verwiesen werden (Ziff. II.7.1.). Es 

finden sich keine konkreten Anhaltspunkte für ein Abhängigkeitsverhältnis in der 

Anklageschrift. Der Wunsch des Privatklägers 7, als Model zu arbeiten, war eben-

falls nicht sehr ausgeprägt und es war ihm nicht wichtig, als Model angestellt zu 

werden (Urk. 1/7/6 S. 7 F/A 28). Der Anklagesachverhalt ist damit hinsichtlich 

Ausnützung der Notlage nicht tauglich. Damit liegt eine Verletzung des Anklage-

grundsatzes vor. 

17.2. Nichteintreten auf die Anklage 

Auf eine Rückweisung der Anklage ist vorliegend zu verzichten, weil selbst bei ei-

ner Verbesserung der Anklageschrift mit der Vorinstanz ein Freispruch zu erge-

hen hätte. Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen der Beteiligten dargestellt 

(Urk. 94 S. 89-92 E. II.5.15.1. f.) und sowohl in tatsächlicher als auch in rechtli-

cher Hinsicht zutreffend gewürdigt (a.a.O., S. 92 f. E. II.5.15.3. und S. 121 f. 

E. III.14.), darauf kann vorab verwiesen werden. 

-   41   - 

Mit der Vorinstanz ist vorab festzuhalten, dass der Beschuldigte einräumte, den 

Penis des Privatklägers 7 angefasst zu haben (Urk. 1/5/6 S. 13 F/A 93 f.), womit 

der Sachverhalt in diesem Punkt bereits aufgrund der Zugaben des Beschuldigten 

erstellt ist. Im Übrigen hat die Vorinstanz die Aussagen des Privatklägers 7 

zurecht als glaubhaft taxiert und richtig festgehalten, dass zur Erstellung des 

eingeklagten Sachverhalts darauf abgestellt werden kann. Mit der Vorinstanz ist 

jedoch mit Blick auf das eingeklagte Abhängigkeitsverhältnis festzuhalten, dass 

der Wunsch des Privatklägers 7, als Model zu arbeiten, nicht sehr ausgeprägt und 

es ihm nicht wichtig war, als Model angestellt zu werden (Urk. 1/7/6 S. 7 F/A 28). 

Dazu kommt, dass der Privatkläger 7 gerade einmal rund zwei Jahre jünger ist als 

der Beschuldigte und damit auch altersmässig nichts auf ein besonderes 

Machtgefälle hindeutet. Somit ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass es 

dem Privatkläger 7 durchaus möglich war, sich gegen die Handlungen des 

Beschuldigten entschieden zur Wehr zu setzen. Zugunsten des Beschuldigten 

muss deshalb nach dem Grundsatz in dubio pro reo das Vorliegen eines 

Abhängigkeitsverhältnisses verneint werden. Es kann deshalb weder in 

tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht von einem Abhängigkeitsverhältnis 

ausgegangen werden. Weiter hat die Vorinstanz richtig festgehalten, dass auch 

der Tatbestand der (versuchten) sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 

StGB (i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) nicht erfüllt ist: Erstellt ist, dass es zu den 

Berührungen an Schulter, Gesicht und Becken gekommen ist. Sodann hat der 

Beschuldigte den Penis des Privatklägers 7 frottiert, worauf der zunächst 

überraschte Privatkläger 7 allerdings zurückweichen konnte. Der Beschuldigte 

musste bei den ersten Berührungen keinen ausdrücklich manifestierten 

Widerstand des Privatklägers 7 überwinden und hat, nachdem der Privatkläger 7 

zurückgewichen ist, nicht weiter versucht, dessen Penis zu berühren (vgl. so 

bereits Urk. 94 S. 121 f. E. III.14.3.). Auch von einem relevanten Versuchsstadium 

kann deshalb vor dem Hintergrund des erstellten Sachverhalts nicht ausgegangen 

werden. 

-   42   - 

17.3. Fazit 

Auf die Anklage bezüglich des Vorwurfs der (versuchten) Ausnützung einer Not-

lage im Sinne von Art. 193 Abs. 1 StGB (i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB) ist folglich im 

vorliegenden Zusammenhang nicht einzutreten. 

18. Dossier 21 

18.1. Anklagegrundsatz betr. Ausnützung der Notlage 

Es kann hier auf das bei Dossier 7 Gesagte verwiesen werden (Ziff. II.9.1.). Es 

finden sich keine konkreten Anhaltspunkte für ein Abhängigkeitsverhältnis in der 

Anklageschrift. Die allgemeine Aussage im Ingress, wonach der Beschuldigte den 

Geschädigten vorgespiegelt habe, er sei die nahezu einzige Möglichkeit für 

männliche Models, der ihren Wunsch, in der Modelbranche Fuss zu fassen, erfül-

len könne, wodurch er für die Geschädigten ein Abhängigkeitsverhältnis geschaf-

fen habe (Urk. 55 S. 2), ist auch nicht auf Dossier 21 zugeschnitten. Das geschil-

derte Handeln des Beschuldigten trifft auf Dossier 21 nicht zu. Der Anklagesach-

verhalt ist damit nicht tauglich. Damit liegt eine Verletzung des Anklagegrundsat-

zes vor. 

18.2. Nichteintreten auf die Anklage 

Auf eine Rückweisung der Anklage ist vorliegend zu verzichten, weil selbst bei ei-

ner Verbesserung der Anklageschrift ein Freispruch zu ergehen hätte. Die Vo-

rinstanz hat die wesentlichen Aussagen der Beteiligten zusammengefasst 

(Urk. 94 S. 93 f. E. II.5.16.1. f.), darauf kann verwiesen werden. Auch was die 

Beweiswürdigung anbelangt (a.a.O., S. 94 E. II.5.16.3.) kann – mit der nachfol-

genden Einschränkung – auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz ver-

wiesen werden. Teilweise rekapitulierend ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass 

auch der vorliegende Vorwurf starke Parallelen zu den übrigen Dossiers aufweist 

und keine Anhaltspunkte für eine Falschaussage vonseiten des Privatklägers 8 

vorliegen, auf dessen glaubhafte Angaben zur Erstellung des eingeklagten Sach-

verhalts abgestellt werden kann. Aus dem Umstand, dass der Privatkläger 8 auch 

nach dem Vorfall weiterhin als Model tätig sein wollte, lässt sich schliessen, dass 

-   43   - 

dies seinem starken Wunsch entsprach. Trotzdem liegen keine Anhaltspunkte 

dafür vor, dass sich der Privatkläger 8 in einer besonders starken Drucksituation 

befunden hätte. Der Berufswunsch Model stellt kein Abhängigkeitsverhältnis dar. 

Zwischen dem Privatkläger 8 und dem Beschuldigten bestand kein 

Arbeitsverhältnis oder eine faktische Subordination, wodurch der Beschuldigte die 

Möglichkeit gehabt hätte, stark auf den Privatkläger 8 einzuwirken. Der 

Privatkläger 8 traf den Beschuldigten zum ersten Mal für ein Probeshooting 

(Kennenlerntreffen). Und der Privatkläger 8 bestätigte ausdrücklich, dass der 

Beschuldigte ihm keinen Modelvertrag versprochen habe (Urk. 1/7/5 F/A 35), was 

gegen eine besondere Drucksituation spricht. Laut dem Beschuldigten gibt es 

zudem auch andere Agenturen mit männlichen Models (Urk. 1/5/4 F/A 150, 

Urk. 121 S. 11). Alles andere erschiene lebensfremd. Die entsprechende Angabe 

überzeugt daher. Aus den erhobenen Beweisen ergibt sich nicht, dass der 

Beschuldigte dem Privatkläger 8 vorspiegelte, er sei die nahezu einzige 

Möglichkeit für männliche Models, der ihren Wunsch, in der Modelbranche Fuss 

zu fassen, erfüllen könne. Auch macht der Privatkläger 8 nicht geltend, er habe 

den Beschuldigten benötigt, um als Model Fuss zu fassen bzw. den ent-

sprechenden Eindruck gehabt. Es kann somit weder in tatsächlicher noch in 

rechtlicher Hinsicht von einem Abhängigkeitsverhältnis ausgegangen werden. 

Auch von einem relevanten Versuchsstadium kann vorliegend noch nicht 

ausgegangen werden, lag doch wie ausgeführt noch kein Arbeitsverhältnis vor 

und spielte sich der eingeklagte Vorfall anlässlich eines ersten Kennenlerntreffens 

ab. 

18.3. Fazit 

Auf die Anklage bezüglich des Vorwurfs der Ausnützung einer Notlage im Sinne 

von Art. 193 Abs. 1 StGB ist folglich im vorliegenden Zusammenhang nicht einzu-

treten. 

-   44   - 

19. Dossier 23 

19.1. Anklagegrundsatz betr. Ausnützung der Notlage 

Anders als in anderen Dossiers ist vorliegend ein konkretes mögliches Abhängig-

keitsverhältnis – eine (auch finanzielle) Abhängigkeit zwischen Model und Model-

agent und das Versprechen einer grossen Modelkarriere – umschrieben (Urk. 55 

S. 12 f.). Der Anklagegrundsatz ist somit gewahrt. 

19.2. Sachverhalt 

19.2.1. Die Vorinstanz hat die wesentlichen Aussagen der Beteiligten und die re-

levanten Sachbeweise richtig dargestellt (Urk. 94 S. 95-99 E. II.5.17.1.-5.17.3.), 

darauf kann verwiesen werden. Sie hat sodann die erhobenen Beweise – mit der 

nachfolgenden Einschränkung – zutreffend gewürdigt (a.a.O., S. 99 f. 

E. II.5.17.4.), worauf ebenfalls verwiesen werden kann. 

19.2.2. Teilweise rekapitulierend ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass auf die 

glaubhaften Aussagen des Geschädigten O._____ abgestellt werden kann, des-

sen Darstellung durch den vorliegenden WhatsApp-Chatverlauf (Urk. 23/4-7) ge-

stützt wird. Auch hier gilt, dass keine Gründe für eine Falschaussage des Ge-

schädigten vorliegen und sich die von ihm erhobenen Vorwürfe zwanglos mit den 

übrigen Dossiers in Einklang bringen lassen. Betreffend den ersten Vorfall lässt 

sich der Sachverhalt in Bezug auf den eingeklagten Zungenkuss nicht erstellen, 

da der Geschädigte in diesem Zusammenhang zweimal aussagte, der Beschul-

digte habe lediglich versucht, ihn zu küssen (Urk. 23/3 S. 2 F/A 9 und Urk. 1/7/22 

S. 3 F/A 2). In Bezug auf die weiteren Handlungen ist der eingeklagte Sachverhalt 

erstellt.  

19.2.3. Entgegen der Vorinstanz ist indes mit Blick auf das eingeklagte Abhängig-

keitsverhältnis festzuhalten, dass der Geschädigte zwar ein gewisses Interesse 

an einer Modeltätigkeit hatte. Im Vordergrund stand aber ein rein pekuniäres Inte-

resse. Dies betonte er abermals (Urk. 1/7/22 F/A 5-7 und Urk. 23/3 F/A 9 f.). Der 

Beschuldigte köderte den Geschädigten, indem er ihm Geld und einen Auftrag als 

Model versprach. Zwischen dem Geschädigten und dem Beschuldigten bestand 

-   45   - 

jedoch kein Arbeitsverhältnis oder eine faktische Subordination, wodurch der Be-

schuldigte die Möglichkeit gehabt hätte, stark auf den Geschädigten einzuwirken. 

Sie standen auch sonst in keiner geschäftlichen Beziehung. Auch dafür, dass der 

Geschädigte aus einer finanziellen Notlage heraus gehandelt hätte, bestehen kei-

ne Anhaltspunkte. Er war Lehrling und hatte schlicht nicht viel Geld (Urk. 1/7/22 

F/A 5). Folglich liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sich der Geschädigte 

in einer besonders starken Drucksituation befunden hätte und nach dem Grund-

satz in dubio pro reo ist ein (finanzielles) Abhängigkeitsverhältnis zu verneinen. 

Es kann somit weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht von einem Ab-

hängigkeitsverhältnis ausgegangen werden. 

19.3. Fazit 

Der Beschuldigte ist im vorliegenden Zusammenhang vom Vorwurf der (mehrfa-

chen) Ausnützung der Notlage im Sinne von Art. 193 Abs. 1 StGB freizusprechen. 

III. Strafpunkt 

1. Grundlagen der Strafzumessung, Strafrahmen und Strafart 

1.1. Die Vorinstanz hat zutreffende Ausführungen zu den Grundlagen der Straf-

zumessung, zum Strafrahmen und zur Strafart gemacht (Urk. 94 S. 124-127 

E. IV.1. f.), darauf kann zunächst verwiesen werden. Ergänzend ist dazu festzu-

halten, was folgt: Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraus-

setzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu 

der Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch 

das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. 

Dabei ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 

StGB). Gemäss neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei einer 

Mehrzahl von begangenen Delikten im Rahmen der Festlegung der 

angemessenen Sanktion nach der sogenannten konkreten Methode vorzugehen 

und in diesem Zusammenhang grundsätzlich für jede konkrete Tat die 

angemessene Strafhöhe sowie die passende Strafart zu bestimmen ist (BGE 144 

IV 217 ff.). Dabei ist die Bildung einer Gesamtstrafe nur bei gleichartigen Strafen 

-   46   - 

möglich, während ungleichartige kumulativ zu verhängen sind. Mehrere 

gleichartige Strafen liegen vor, wenn das Gericht im konkreten Fall für jede 

einzelne Straftat eine gleichartige Strafe ausfällt bzw. ausfällen würde. Nach der 

gesetzlichen Konzeption basiert die Gesamtstrafe begrifflich auf mehreren 

selbständigen Einzelstrafen, was voraussetzt, dass das Gericht zumindest 

gedanklich für sämtliche begangenen Taten eine konkrete Strafe gebildet hat 

(BGE 144 IV 234). Gleichzeitig lässt das Bundesgericht für bestimmte 

Konstellationen aber nach wie vor Ausnahmen von der konkreten Methode zu, 

dies insbesondere dann, wenn verschiedene Delikte zeitlich und sachlich derart 

eng miteinander verknüpft sind, dass sie sich nicht sinnvoll auftrennen und für 

sich allein beurteilen lassen (Urteile des Bundesgerichts 6B_483/2016 vom 

30. April 2018, E. 2.4; 6B_210/2017 vom 25. September 2017, E. 2.2.1; 

6B_523/2018 vom 23. August 2018, E. 1.2.2; Urteil des Obergerichts des Kantons 

Zürich, II. Strafkammer, vom 10. Januar 2019, SB180398, E. III./4.). 

1.2. Mit der Vorinstanz ist vom Strafrahmen der sexuellen Nötigung im Sinne von 

Art. 189 Abs. 1 StGB als schwerstes Delikt auszugehen, das mit einer Freiheits-

strafe von einem bis zu zehn Jahren bestraft wird. Der Beschuldigte hat nicht nur 

den Oralverkehr sondern auch die anale Penetration erzwungen (vgl. Urk. 94 

S. 102 E. III.1.2.1.2. f.). Eine Erweiterung des Strafrahmens drängt sich nicht auf, 

so dass eine Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens festzusetzen ist. 

Weiter ist davon auszugehen, dass für die begangenen Taten – mit Ausnahme 

der sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 StGB gemäss Dossier 2 – eine 

Freiheitsstrafe auszufällen ist. Der Beschuldigte nutzte seine Machtstellung als 

Modelagent planmässig und perfide aus. Die Taten spielten sich mehrheitlich 

nach dem gleichen Muster ab. Er spielte mit den Träumen und der Naivität junger 

Männer und nutzte ihre Wünsche aus, im Modebusiness Fuss zu fassen. Aus 

spezialpräventiven Gründen erscheint eine Freiheitsstrafe geboten. Für die 

sexuelle Belästigung ist eine separate Busse auszufällen, da eine Asperation 

mangels Gleichartigkeit der Strafen ausgeschlossen ist (vgl. zum Ganzen in 

diesem Sinne bereits Urk. 94 S. 126 f. E. IV.2.). 

-   47   - 

2. Konkrete Strafzumessung und auszufällende Strafe 

2.1. Einsatzstrafe für die sexuelle Nötigung zum Nachteil des Privatklägers 1 

(Dossier 1) 

2.1.1. Zum objektiven Tatverschulden erwog die Vorinstanz zutreffend, dass vor 

dem Hintergrund, dass sich die objektive Tatschwere primär nach dem einge-

setzten Nötigungsmittel bestimmt, dem Beschuldigten kein besonders gewalt-

tätiges oder grausames Tatvorgehen vorgeworfen werden kann, da die 

nötigenden Handlungen ohne Waffengewalt erfolgten und nur durch geringen 

Kraftaufwand gekennzeichnet waren. Der Beschuldigte handelte allerdings 

perfide, als er durch die persönlichen Gespräche eine Vertrauenssituation schuf, 

in der es auch zu (einvernehmlichen) Körperkontakten wie Umarmen kam, wobei 

sich der Beschuldigte und der Privatkläger 1 in der Folge gemeinsam auf den 

Boden legten. Durch die vorgenommene sexuellen Handlungen wurde das 

geschützte Rechtsgut, die sexuelle Selbstbestimmung, in erheblicher Weise 

missachtet, wobei der Privatkläger 1 zum Tatzeitpunkt erst 21 Jahre alt war (Urk. 

94 S. 127 f. E. IV.3.1.). 

2.1.2. Zum subjektiven Tatverschulden ist mit der Vorinstanz weiter festzuhalten, 

dass der Beschuldigte direktvorsätzlich handelte. Seine Beweggründe waren rein 

egoistischer Natur, er wollte seine sexuellen Bedürfnisse befriedigen. Strafmil-

dernd ist in Betracht zu ziehen, dass der Beschuldigte glaubhaft aussagte, er ha-

be vor dem gegenständlichen Ereignis an einem Apéro und an einem anschlies-

senden Essen teilgenommen (Urk. 1/5/1 S. 9 f. F/A 88). Es ist ohne Weiteres an-

zunehmen, dass er dabei nicht nur unerhebliche Mengen an Alkohol trank. Als 

sich der Privatkläger 1 bei ihm einfand, wurde – gemäss übereinstimmender Aus-

sagen – mindestens eine Champagnerflasche geöffnet, wobei der Beschuldigte – 

nach Aussage des Privatklägers 1 – ungefähr 8 Gläser getrunken habe (vgl. dazu 

Urk. 1/5/1 S. 9 F/A 82 und Urk. 1/6/1 S. 8 F/A 33). Es darf somit ohne Weiteres 

angenommen werden, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt erheblich alkoho-

lisiert war, weshalb er nur teilweise fähig war, das Unrecht seiner Tat einzusehen 

oder gemäss dieser Einsicht zu handeln. Damit ist von einer leicht verminderten 

Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB auszugehen. Das objektive Tat-

-   48   - 

verschulden wird somit durch das subjektive bzw. die verminderte Schuldfähigkeit 

relativiert (Urk. 94 S. 128 E. IV.3.2.). 

2.1.3. Abschliessend erwog die Vorinstanz, das Tatverschulden wiege insgesamt 

noch leicht und aufgrund der Tatschwere erscheine eine Einsatzstrafe von 

15 Monaten Freiheitsstrafe angemessen (Urk. 94 S. 128 E. IV.3.2.2.; zur verwen-

deten Terminologie für die Verschuldensprädikate vgl. a.a.O., S. 125 E. IV.1.3.). 

Die Verschuldensbemessung als "noch leicht" erweist sich vor dem Hintergrund 

des sehr weiten Strafrahmens von bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe als ange-

messen. Ebenso die festgelegte Einsatzstrafe, die sicher nicht zu tief ist. Mit der 

Vorinstanz ist die Einsatzstrafe im Folgenden im Sinne der vorne unter E. III.1.1. 

gemachten Ausführungen zu asperieren. 

2.2. Asperation der weiteren Delikte 

2.2.1. Schändung zum Nachteil des Geschädigten L._____ (Dossier 8) 

Die Vorinstanz hielt dazu fest, dass sich der Beschuldigte auf den auf dem Bauch 

schlafenden, gerade einmal 17 Jahre alten Geschädigten legte und diesen anal 

penetrierte, wodurch dessen geschützte sexuelle Selbstbestimmung in erheb-

lichem Masse beeinträchtigt wurde. Erschwerend kommt hinzu, dass der Be-

schuldigte im gleichen Zimmer wie der Geschädigte schlief und dadurch eine Ver-

trauenssituation ausnutzte. Er handelte direktvorsätzlich und einzig, um seine 

sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen, mithin aus rein egoistischen Motiven. Die 

objektive Tatschwere wird durch die subjektive nicht relativiert. Das 

Tatverschulden ist insgesamt als gerade noch leicht zu bewerten (Urk. 94 

S. 128 f. E. IV.4.1.). Diese Ausführungen der Vorinstanz können übernommen 

werden. Die Vorinstanz asperierte um 8 Monate, was sich jedoch angesichts des 

sehr weiten Strafrahmens von bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe als knapp nicht 

mehr angemessen erweist. Der von der Verteidigung angeführte 

Strafmilderungsgrund gemäss Art. 48 lit. e StGB (Urk. 122 S. 33) greift nicht, 

zumal sich der Beschuldigte seit dem Jahr 2011 weiterer ähnlicher Delikte 

schuldig gemacht hat. Eine Asperation um 10 Monate erscheint angemessen. 

-   49   - 

2.2.2. Sexuelle Handlung mit einem Kind zum Nachteil des Geschädigten I._____ 

(Dossier 17) 

Die Vorinstanz erwog richtig, dass die relevanten Tathandlungen für sich alleine 

betrachtet an der Grenze zu sexuellen Handlungen liegen und vor allem in ihrer 

Kombination tatbestandsmässig sind. Zudem stand der Geschädigte zum Tat-

zeitpunkt wenige Tage vor seinem 16. Geburtstag. Der Beschuldigte offenbarte 

somit eine nur sehr geringe kriminelle Energie. Er handelte direktvorsätzlich. 

Seine Beweggründe waren auch hier rein egoistischer Natur, indem er versuchte, 

seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Die objektive Tatschwere wird durch 

das subjektive Tatverschulden nicht relativiert (Urk. 94 S. 130 E. IV.4.3.). Mit der 

Vorinstanz ist das Tatverschulden insgesamt als leicht zu bewerten. Angesichts 

des doch weiten Strafrahmens von bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe erscheint 

jedoch eine Asperation um 3 Monate angemessen. 

2.2.3. Ausnützung der Notlage (Dossiers 13) 

2.2.4. Der Beschuldigte hat anlässlich eines Fotoshootings seinen Penis am 

Oberschenkel des Privatklägers 6 gerieben, die Unterhose des Privatklägers 6 

geöffnet und sich dessen Penis angeschaut sowie den Privatkläger 6 umarmt und 

geküsst. Dadurch wurde das durch die Strafnorm geschützte Rechtsgut der 

sexuellen Selbstbestimmung in nicht unerheblicher Weise beeinträchtigt. Der 

Privatkläger 6 war zum Tatzeitpunkt gerade mal 16 Jahre alt und hatte seinen 

ersten Modelvertrag mit der Agentur des Beschuldigten. Das Vorgehen des 

Beschuldigten war planmässig, wobei er bewusst das jugendliche Alter, die 

Unerfahrenheit und den grossen Wunsch des Privatklägers 6, Model zu sein, 

ausnutzte und ihn mit seiner fordernden Art offensiv und stark beeinflusste und 

verunsicherte. Der Beschuldigte baute bewusst ein Abhängigkeitsverhältnis zum 

Privatkläger 6 auf, das er dann ausnutzte, um ihn sexuell zu missbrauchen. Das 

sexuelle Selbstbestimmungsrecht des Privatklägers 6 war ihm dabei 

weitestgehend egal. Die Tat zeichnet sich durch eine erhebliche Dreistigkeit und 

Perfidie aus und offenbart eine erhebliche kriminelle Energie. 

-   50   - 

2.2.5. Der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich und aus rein egoistischen 

Motiven, nämlich um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Die objektive 

Tatschwere wird durch das subjektive Tatverschulden nicht relativiert. Das Tat-

verschulden ist insgesamt als nicht mehr leicht zu bewerten und eine Asperation 

um 4 Monate erscheint angesichts des Strafrahmens von