# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 57213faf-9122-57ac-9bdf-f7209fe15609
**Source:** Zürich Sozialversicherungsgericht (ZH)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2025-03-27
**Language:** de
**Title:** Zusprache einer befristeten Invalidenrente nach Neuanmeldung zum Leistungsbezug. Die früher als Reinigungskraft tätig gewesene Beschwerdeführerin könnte gemäss der gutachterlichen Beurteilung ab Untersuchungsdatum in einer Verweisungstätigkeit in einem 70%-Pensum arbeiten. Beim Einkommensvergleich resultiert ein rentenausschliessender IV-Grad.
**Docket/Reference:** IV.2024.00313
**URL:** https://findex.webgate.cloud/entscheide/IV.2024.00313.html

## Full Text

Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
IV.2024.00313
IV. Kammer
Sozialversicherungsrichter Hurst, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Arnold Gramigna
Sozialversicherungsrichterin Slavik
Gerichtsschreiber Hübscher
Urteil
vom
27. März 2025
in Sachen
X.___
Beschwerdeführerin
vertreten durch Rechtsanwalt Bernhard Zollinger
Rämistrasse
5, Postfach, 8024 Zürich
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich
Beschwerdegegnerin
Sachverhalt:
1.
1.1
X.___
, geboren 19
73
in der Dominikanischen Republik
(Urk.
9/11
/1
)
,
besuchte
8
Jahre lang die Grundschule (
Urk.
9/17/3). Einen Beruf erlernte sie nicht
(
Urk. 9/11/5
, Urk. 9/17/3
).
Sie
reiste im Jahr 19
98
in die Schweiz ein (Urk. 9/1
1
/
1
). Hierzulande
übte sie Hilfstätigkeiten in der Gastro
no
mie und in der Reinigung aus, bevor sie
ab dem
24
.
Mai 200
6
in einem von der
Y.___ AG
geführten
Hotel
in einem 100%-Pensum
i
m Bereich
Zimmer
rei
nigung und
Frühstücks
vor
bereitung
arbeitete
(Urk. 9/11/6
, Urk. 9/17/2
, Urk.
9/147/16
)
.
Am 19.
August 2019 (Eingangsdatum) meldete sie sich unter Hin
weis auf eine seit
dem 1
9
.
Februar 2019
bestehende
100%ige Arbeits
un
fähigkeit (Urk.
9/11/4)
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/11).
Die
IV-Stelle
führte das Standort
gespräch vom 9.
Septem
ber 2019
durch
(
Urk.
9/17) und nahm gleichentags einen IK-Auszug zu den Akten
(
Urk.
9/18).
Sie zog
überdies
die Akten der Krankentaggeld
versicherung, der A
XA Versicherungen AG
, mit den in diesen Akten enthaltenen medizi
nischen Berichten und
Stellungnahmen
, bei (Urk. 9/2
5
).
Der
Aktenbeurteilung des Ver
trauensarztes
der AXA Versicherungen AG
vom 19. Februar 2020 (Urk. 9/25/4-7)
entnahm die IV-Stelle, dass der Ver
sicherten
ab dem 1
8.
Februar 2020
in einer
leidensan
gepassten Tätig
keit
wieder
eine vollschichtige Arbeitstätigkeit zumutbar sei (Urk. 9/26/3).
Ge
stützt darauf kündigte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 30. März 2020 an, dass sie ihr Gesuch vom 19.
August 2019 um Ausrichtung einer Invalidenrente abweisen werde (Urk. 9/27).
Dagegen erhob die Versicherte keinen Einwand, woraufhin die IV-Stelle am
2.
Juni 2020 wie vorbeschieden die Abweisung des Leistungsbegehrens verfügte (Urk.
9/28).
1.2
Das Arbeitsverhältnis mit der
Y.___ AG
wurde von
der
Arbeitgeberin wegen der krankheitsbedingen Arbeitsverhinderung per 3
0.
Juni 2020 aufgelöst (Urk. 9/45/57
,
Urk.
9/49/5
). In der Folge
meldete sich
X.___
mit dem bei der IV-Stelle am 16. Oktober
2020 (Urk.
9/32) eingegangenen Schreiben ihres behandelnden Psy
chiaters
, Dr. med.
Z.___
,
Psychiatrie und Psycho
therapie sowie Allgemeine Innere Medizin FMH,
vom 15.
Oktober 2020
(Urk.
9/31)
wieder
zum Leistungsbezug an
.
Ausgehend von den dortigen Aus
führungen holte d
ie IV-Stelle
die
Bericht
e
von
Dr.
med.
A.___
, FMH ortho
pädische Chirurgie, vom 19. Januar 2021 (Urk. 9/42) und von med.
pract
.
B.___
, Assistenzarzt Orthopädie, Universitätsklinik
C.___
, vom 18. Januar 2021 (Urk. 9/43) ein.
Sie zog zudem erneut die Akten der AXA Ver
sicherungen AG bei (Urk. 9/45
, Urk. 9/49
)
.
Am 18.
Mai 2021 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass sie die Kosten für eine vom 17.
Mai bis 11.
Juni 2011 dauernde Potenzialabklärung übernehme (Urk. 9/64).
Es folgte ein Auf
bau
training, welches vom 6.
September 2021 bis 5.
März 2022 durchgeführt wurde (Urk.
9/80).
Alsdann teilte die IV
-Stelle der Versicherten am
8.
März 2022 mit, dass sie die beruflichen Massnahmen abschliesse, da die Ziele des Auf
bau
trainings nicht hätten erreicht werden
,
können
und d
en Rentenanspruch
prüfen werde
(Urk.
9/115).
D
ie IV-Stelle
holte
zunächst
den Bericht
von
Dr.
Z.___
vo
m
9.
März 2022 (
Urk.
9/117) ein.
Alsdann hielt
Dr.
A.___
auf Anfrage der IV-Stelle hin (
Urk.
9/124) mit Schreiben vom
4.
Juli 2022 fest, dass keine weitere Operation geplant und bislang keine Besserung der Situation eingetreten sei (Urk. 9/126).
Hernach
gab
die
IV-Stelle das
rheuma
tologisch
-
psychiatrische
Gutachten der
D.___
GmbH vom 24. April 2023 (Urk. 9/147)
in
Auftrag
. Am
22
.
Mai 2023 beantworteten die Gutachter
die
Rückfrage der IV-Stelle
zur möglichen Steigerung der Arbeits
fähigkeit
der Versicherte
n
durch weitere Behand
lungen
(Urk. 9/148).
Alsdann kündigte
die IV-Stelle der Versicherten
mit Vorbescheid vom 2
0.
Juni 2023
die Ausrichtung einer I
nvalidenrente
von 51
% einer ganzen Rente für die Zeit
periode vom 1.
März 2022 bis 31.
März
2023
an
(
Urk.
9/155
).
Dagegen erhob die Versicherte a
m 23.
August 2023 Einwand (Urk.
9/160).
Mit Eingabe vom 6.
September 2023
(Urk.
9/163)
reichte
s
ie die Stellungnahme von Dr.
A.___
vo
m
29.
August 2023 (Urk. 9/162) ein.
Nach Prüfung des Ein
wandes (Urk. 9/164)
sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 22. April 202
4
wie vorbeschieden
für die Zeitperiode vom 1.
März 2022 bis 31.
März
2023
eine Invalidenrente
von 51 % einer ganzen Rente
zu
(
Urk.
2).
2
.
2
.1
Dagegen erhob
X.___
mit Eingabe vom
24.
Mai 2024 (Urk. 1) Beschwerde
beim
Sozialversicherungs
gericht
des Kantons Zürich
. S
ie
bean
tragte,
dass
ihr
die
Rente
von
51
%
unbefristet
auszu
richten
sei.
Eventualiter
seien
beruf
liche
Massnahmen
(Stellenvermittlung)
zu
gewähren
(Urk. 1 S. 2)
.
In
prozessualer
Hinsicht
ersuchte
sie
um
Gewährung
der unent
geltlichen Prozess
führung und Bestellung eines unentgeltlichen Rechts
vertreters in der Person von Rechtsanwalt Bernhard Zollinger, Zürich (Urk.
1 S. 2).
2
.2
Mit Gerichtsverfügung vom 2
9.
Mai 2024 wurde der Beschwerdegegnerin Frist zur Einreichung einer Beschwerdeantwort und der IV-Akten angesetzt. Mit der
selben Verfügung wurde der Beschwerdeführerin eine Frist von 30 Tagen zur
Einreichung von Belegen zur Substantiierung ihres Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege angesetzt (
Urk.
5 S. 2).
2
.3
Alsdann ersuchte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 4. Juli 2024 um eine Fristerstreckung um einen Monat, woraufhin das Sozial
versicherungsgericht ihm unter Berücksichtigung der Gerichtsferien vom 1
5.
Juli bis 1
5.
August eine Fristerstreckung bis
4.
September 2024 gewährte (
Urk.
7).
2
.4
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 4.
Juli 2024 Ab
weisung
der
Beschwerde
(Urk.
8,
unter
Beilage
der
IV-Akten,
Urk.
9/1-196,
Urk.
10).
2
.5
In der Folge ersuchte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit seiner vom
4.
September 2024 datierenden und am 5.
September 2024 der Post übergebenen Eingabe erneut um eine Fristerstreckung um einen Monat (
Urk.
11 sowie dazu
gehöriger Briefumschlag).
2
.6
Mit Gerichtsverfügung vom
1
2.
September 2024 (Urk. 12)
wurde das vom 4.
Sep
tember 2024 datierende Fristerstreckungsgesuch der Beschwerdeführerin abge
wiesen. Mit derselben Ver
fügung wurde das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 24.
Mai 2024 um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsver
tretung
ebenfalls abgewiesen
, da das Gericht — wie mit der Verfügung vom 2
9.
Mai 2024 für den Säumnisfall angedroht (Urk. 5 S. 2) —
aufgrund der verpassten Frist zur Ein
reichung von Belegen davon ausging, dass keine pro
zessuale Bedürftigkeit be
stand
(Urk
. 12 S. 3).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird
, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht
zieht in Erwägung:
1.
1.1
Mit der angefochtenen Verfügung vom 22.
April 2024 führte die Beschwerde
geg
nerin im Wesentlichen aus,
dass die Beschwerdeführerin gemäss ihren medizi
nischen Abklärungen seit dem 18.
Februar 2019 in ihrer Gesundheit einge
schränkt sei. Bis zum
8.
März 2022 seien berufliche Massnahmen durch
geführt worden. Der Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe frühestens nach Abschluss der beruflichen Massnahmen. Der Rentenanspruch sei somit per
1.
März 2022 entstanden.
Damals sei der Beschwerdeführerin
eine Verweisungs
tätigkeit zu 50
% zumut
bar
gewesen
. Beim Einkommensvergleich (Einkommen ohne Invalidität: Fr. 49'822.60, Einkommen mit Invalidität: Fr. 24'361.45)
resul
tiere ein In
validitätsgrad von 51 %
, womit die Beschwerdeführerin ab 1. März 2022 Anspruch auf eine entsprechende Invalidenrente habe. G
emäss den Ergeb
nissen der
am 21. März 2023
durchgeführten Untersuchung
sei die Beschwerde
führerin spätestens ab jenem Tag
in einer leidensangepassten Tätig
keit zu 70 % arbeits
fähig. Infolgedessen erhöhe sich das Einkommen mit Invali
dität auf Fr. 37'895.60 und beim Einkommensvergleich ergebe sich ein renten
ausschliessender
Invaliditätsgrad
von 24 % (Urk. 2, Verfügungsteil 2 S. 1). Die Beschwerde
führerin habe folglich für die Zeitperiode vom
1.
März 2022 bis 31.
März
2023 Anspruch auf eine Invalidenrente von 51
%
einer ganzen Rente (
Urk.
2 S. 1).
1.2
Dem
hielt
die Beschwerdeführerin im Wesentlichen entgegen, dass
Dr.
A.___
gemäss seinem Schreiben vom 2
3.
August 2023 nur leichte Hilfs
tätig
keiten
,
bei denen die betroffene Hand gar nicht eingesetzt werden müsse
,
als zu
mutbar erachtet habe
(Urk.
1 S.
4)
.
Dr.
A.___
sei weiter der Auffas
sung, dass sie in einer adaptierten Tätigkeit nur zu 50
%
arbeitsfähig sei (Urk.
1 S.
7
). Laut
Dr.
A.___
sei ihr Gesundheitszustand stationär (Urk.
1 S.
4).
Seit dem
verfügten Rentenbeginn
sei somit auch
keine gesundheitliche Ver
besserung eingetreten (Urk.
1 S.
6
). Ihre gesundheitlichen Einschränkungen würden viel
mehr weiterhin
unverändert
bestehen
(Urk.
1 S.
7). Bezüglich des
Einkommens
ver
gleiches der Beschwerdegegnerin sei festzuhalten, dass
das
Validen
einkom
men
sehr tief eingesetzt
worden sei
.
Da sie
schon ohne Behin
derung ein unter
durchschnittliches Einkommen erzielt
habe, könne somit nicht angenommen werden, dass sie
mit Behinderung
ein Einkommen gemäss LSE-Durchschnitt er
zielen könnte.
Die Einkommen seien daher zu parallelisieren
(Urk.
1 S.
5). Der Gutachter habe
sodann
als mögliche Verweisungstätigkeiten die Arbeit als Museums
aufsicht, Platzanweiserin und
Billetteuse
genannt.
Dagegen sei zu
nächst ein
zu
wenden, dass es
d
en Beruf der Platzanweiserin
heutzutage gar
nicht mehr
gebe
. Für eine Tätigkeit als Museumsaufsicht würden ihr
sodann
unter anderem
die sprachlichen Fähigkeiten fehlen
(Urk.
1 S.
5)
. Und
eine
Billetteuse
, die wie sie praktisch nur einhändig arbeiten könne, sei auf dem Arbeitsmarkt nicht ein
setzbar.
Auf jeden Fall werde
sie
deutlich verlangsamt arbeiten müssen,
was beim Invalideneinkommen
mit
eine
m
leidensbedingten
Abzug von 25
%
Rechnung zu tragen sei
(Urk.
1 S.
6).
Wenn die Beschwerde
gegnerin an einer Verwertung der Restarbeitsfähigkeit festhalte, müsse sie sie auch durch
berufliche Massnahmen, insbesondere Stellenvermittlung, wieder eingliedern (Urk.
1 S.
7).
2.
2.1
2.1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundes
gesetzes über die Invali
denversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten. Die angefochtene Verfügung erging nach dem 1. Januar 202
2.
Entsprechend den allgemeinen inter
temporal
rechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 144 V 210 E. 4.3.1) ist nach der bis zum 31. Dezember 2021 geltenden Rechtslage zu beurteilen, ob bis zu diesem Zeit
punkt ein Renten
anspruch entstan
den ist. Steht ein erst nach dem 1. Januar 2022 entstandener Rentenanspruch zur Diskussion, findet darauf das seit diesem Zeitpunkt geltende Recht Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_452/2023 vom 24. Januar 2024 E. 3.2.1 mit Hinweisen).
2.1.2
Die Beschwerdeführerin meldete sich am 16. Oktober 2020 erneut zum Bezug
von IV-Leistungen
an (Urk. 9/32).
In der Folge gewährte die Beschwerde
geg
nerin zunächst
Eingliederungsmassnahmen
(Urk. 9/64, Urk. 9/80). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist hier
somit das Ende der Eingliederungs
massnahmen
für die Entstehung des Rentenanspruchs
massgebend (Urteil des
Bundesgerichts 8C_194/2024 vom
22. Oktober 2024 E. 3.5
; s. a. Art. 28 Abs. 1
bis
IVG in der ab
1.
Januar 2022 gültigen Fassung, wonach
eine Rente nach Art. 28 Abs. 1 IVG nicht zugesprochen wird, solange die Möglichkeiten zur Einglie
derung im Sinne von Art. 8 Abs. 1
bis
und 1
ter
IVG
nicht ausgeschöpft sind
). Die Beschwerde
geg
nerin hat die Eingliederungsmassnahmen im März 2022
beendet
(Urk. 9/115
). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Renten
anspruch entsteht (
Art.
29
Abs.
3 IVG). Frühestmöglicher Rentenbeginn ist somit der
1.
März 202
2.
Auf den vorliegenden Fall gelangen
folglich
die ab
1.
Januar 2022 gültigen Gesetzes
bestimmungen
zur
Anwendung. Sie werden — soweit nicht anders vermerkt — nachfolgend in dieser Fassung zitiert.
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbs
möglich
keiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
windbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
2.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG
setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diag
nose voraus
(vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entschei
dend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurtei
lende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.
3
.
2
Für die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4). Wichtigste Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen bildet — gegebenenfalls neben standardisier
ten Tests — die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptom
erfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichts 8C_127/2022 vom 8. Juli 2022 E. 5.2.2 mit Hinweisen).
2.
3
.
3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struktu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann jedoch dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl.
BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fach
ärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1).
2.4
2.4.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
2.4.2
Gemäss Art. 28b Abs. 1 IVG wird die Höhe des Rentenanspruchs in prozentualen Anteilen an einer ganzen Rente festgelegt. Bei einem Invaliditätsgrad von 50-69 % entspricht der prozentuale Anteil dem Invaliditätsgrad (Abs. 2). Bei einem Invaliditätsgrad ab 70 % besteht Anspruch auf eine ganze Rente (Abs. 3). Bei einem Invaliditätsgrad unter 50 % gelten die folgenden prozentualen Anteile (Abs. 4):
Invaliditätsgrad
prozentualer Anteil
49 Prozent47.5Prozent
48 Prozent45Prozent
47 Prozent42.5Prozent
46 Prozent40Prozent
45 Prozent37.5Prozent
44 Prozent35Prozent
43 Prozent32.5Prozent
42 Prozent30Prozent
41 Prozent27.5Prozent
40 Prozent25Prozent
2.5
Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG wird die Invalidenrente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers sich um min
destens fünf Prozentpunkte ändert (
lit
. a) oder auf 100 Prozent erhöht (
lit
. b). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu
beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswir
kungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 144 I 103 E. 2.1, 141 V 9 E. 2.3, je mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attes
tierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundes
gerichts 9C_479/2022 vom 18. Januar 2023 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 144 I 103 E. 2.1, 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_479/2022 vom 18. Januar 2023 E. 2.1, je mit Hin
weisen).
2.
6
Die rückwirkende Zusprache einer in der Höhe abgestuften und/oder zeitlich befristeten Invalidenrente richtet sich grundsätzlich nach denselben Regeln wie die Revision eines bestehenden Rentenanspruchs nach Art. 17 Abs. 1 ATSG (BGE 148 V 321 E. 7.3.1, 145 V 209 E. 5.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_142/2023 vom 18. September 2023 E. 3.3.1). Ob eine für den Renten
anspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gege
ben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Renten
beginns mit demjenigen im
—
nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden
—
Zeitpunkt der Anspruchsänderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundes
gerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis).
2.
7
2.
7
.1
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerde
fall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenen
falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen).
2.
7
.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begrün
det sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auf
trag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
7
.3
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG einge
holten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezialärzte (sog. Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuer
ken
nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3
m.w.H
.).
2.
7
.4
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfahrungs
tatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behand
lung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander
seits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichts
gutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte zu anders
lauten
den Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschät
zungen wichtige — und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende — Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblie
ben sind (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Bundes
gerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3
m.w.H
.).
3.
3.1
3.1.1
Bei Erlass der Verfügung vom
2. Juni 2020 (Urk. 9/28)
stellte die Beschwerde
gegnerin
in medizinischer Hinsicht
auf die
Aktenbeurteilung, welcher der Ver
trauensarz
t
der AXA Versicherungen AG,
Dr.
E.___
,
Allge
meine In
nere Medizin FMH,
a
m 19. Februar 2020
verfasst hatte
(Urk. 9/25/4-7)
,
ab
(
Urk. 9/26/3
).
3.1.2
In der Aktenbeurteilung vom 19.
Februar 2020 hielt
Dr.
E.___
zunächst fest, dass der behandelnde Arzt die folgende
n
Diagnose
n
gestellt habe (
Urk. 9/2
5
/
5)
:
-
Status nach Karpaltunnelspaltung und
Ganglionentfernung
Handgelenk links am
7.
Januar 2020
-
Status nach Karpaltunnelspaltung rechts am 3
0.
Juli 2019
-
Zervikalgie
mit sensorischer
Pseudoradikulopathie
obere Extremitäten beidseits
Dazu hielt
Dr.
E.___
fest, dass der Beschwerdeführerin für die Zeitperiode vom 18. Februar 2019 bis 17. Februar 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei (Urk. 9/25/5).
Dr.
E.___
führte weiter aus, dass die jetzige Arbeitsunfähigkeit durch einen Stat
us nach Karpaltunnelspaltung beid
seits mit Verdacht auf ein pseudoradikulär mitverursachtes Mischbild begründet werde. Die Ursache der pseudoradikulären Symptomatik sei komplex, naturge
mäss schlecht fassbar und entsprechend schwierig therapierbar (Urk. 9/25/5). Die Beschwerdeführerin sei in ihrer angestammten Tätigkeit zu 100 % arbeits
unfähig, da es sich bei der Arbeit als
Housekeeperin
(in einem Hotel) um eine
handgelenksbelastende Tätigkeit handle (Urk. 9/25/6). Hingegen wäre der Beschwerde
führerin eine handgelenks
chonende Tätigkeit, zum Beispiel eine Bürotä
tigkeit, ganztags zumutbar. In einer solchen Tätigkeit sei die Beschwerde
führerin ab dem 1
8.
Februar 2020 zu 100
%
arbeitsfähig (Urk. 9/25/6).
3.2
3.
2.
1
Beim Erlass der
angefochtenen Verfügung vom 22. April 2022
(
Urk.
2)
stellte die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht auf das rheumatologisch-psychiatrische Gutachten der
D.___
GmbH vom 24. April 2023 (Urk. 11/147) ab (
Urk.
11/152/8).
3.2.2
3.2.2.1
Am rheumatologisch-psychiatrischen
Gutachten
der
D.___
GmbH vom 2
4.
April 2023 waren
Dr.
med.
F.___
,
Rheumatologie und Innere Medi
zin, und
Dr.
med.
G.___
,
Psychiatrie und Psychotherapie,
be
teiligt (
Urk. 11/147/1,
Urk. 11/147/34).
Sie haben die folgenden Diagnosen mit Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (Urk.
11/147/30):
-
Chronisches Schmerzsyndrom beider Handgelenke/Hand, linksbetont
(ICD-10:
M25.53
)
mit/bei:
-
Status nach
Carpaltunnelsyndrom
(
CTS
)
-Spaltung Handgelenk rechts
Juli
/2019
-
Status nach CTS-Spaltung und
Ganglionentfe
rn
ung
Handgelenk links
Januar
/2020
-
Status nach
Chronic
Regional Pain Syndrome (
CRPS
)
linke Hand, ak
tuell keine Hinweise auf florides CRPS
-
V
erdacht auf (V.
a.
)
bilaterale (Oligo-) Arthritis der Handgelenke un
klarer Genese
-
Differentialdiagnose (
DD
)
Rheumatoide Arthritis, DD inte
rm
ittierende
Kristallarthropathie
(Arthritis
urica
?), DD
Residualzustand nach statt
gehabtem bilateralem postoperativem CRPS, linksbetont
-
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
(ICD-10:
F43.21
)
mit/bei:
-
belastender gesundheitlicher Situation und Lebenssituation (Ent
täu
schung über den negativen Heilverlauf und die Therapieresistenz, Schulden, baldige Aussteuerung beim RAV,
unsichere Perspektiven be
züglich der weiteren beruflichen Betätigung und Existenzsicherung, Wunsch nach einer späteren Rückkehr in die alte Heimat)
-
Action
Proneness
Faktoren und Persönlichkeitsdisposition mit
de
pen
denten
Zügen
-
aktuell leichtgradiger depressiver Symptomatik, diagnostische Kriterien für depressive
Episode nicht (mehr) erfüllend bei aktenanamnestischer Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode
-
keine Hinweise auf Vorgeschichte mit depressiven Episoden
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
(ICD-10:
F45.41
)
mit/bei:
-
negativem postoperativem Verlauf nach operativem Eingriff (CTS-Spaltung und
Ganglionentfe
rn
ung
) am linken Handgelenk
Januar
/2020
-
belastender gesundheitlicher Situation und Lebenssituation (Ent
täu
schung über den negativen Heilverlauf und die Therapieresistenz, Schulden, baldige Aussteuerung beim RAV,
unsichere Perspektiven be
züglich der weiteren beruflichen Betätigung und Existenzsicherung, Wunsch nach einer späteren Rückkehr in die alte Heimat)
-
Action
Proneness
Faktoren und Persönlichkeitsdisposition mit
depen
denten
Zügen
-
Wechselwirkung des Schmerzerlebens mit depressiver Befindlich
keits
störung
-
leichtgradig ausgeprägt
Als Diagnosen ohne sichere Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (Urk. 11/147/30):
-
Aktenanamnestisch chronische
Zervikalgie
und schmerzhaft
-
sensorische
Pseudoradikulopathie
der oberen Extremitäten
beidseits
, aktuell oligo
symptomatisch
(ICD-10:
M53.1
)
-
Lumbospondylogenes
bis
r
adikuläres Schmerzsyndrom L5 links, Status nach Wurzelinfiltration L5 links
April
/2021 mit 70%igem An
sprechen, aktuell oligosymptomatisch
(ICD-10:
M54.5
)
-
Adipositas
(ICD-10:
E66.99
)
3.2.2.2
In der
Beurteilung wurde unter anderem festgehalten, dass die Beschwerde
füh
rerin seit dem 1. Juli 2022 für
2 Stunden pro Tag am Vormittag bei einer Reinigungs
firma
arbeite
. Dabei wische sie die Ecken eines grossen gedeckten Platzes (Urk.
11/147/21).
Das
bei der rheumatologischen Unter
suchung vorg
e
fundene klinische Bild zeig
e
bei einer nicht
klaghaft
wirkenden 49-jährigen Frau
eine
ausgeprägte Schmerzhaftigkeit und
einen
Funktions
ver
lust des linken Handgelenks
. D
ie rechte
Hand
habe sich
weitgehend normal präsentiert
.
Trophi
sche Veränderungen oder Seitenunterschiede der beiden
Hände
seien
zur Zeit nicht zu erkennen
.
E
s besteh
e
auf der linken Seite auch nicht der Eindruck einer
klassischen
residuellen
CRPS-Hand
.
Hier
wären unter anderem
radiolo
gisch nach derart langer Dauer ebenfalls typische ossäre Struk
turveränderungen
zu
erwarten
.
D
as aktuelle Röntgenbild
zeige je
doch
eine seitengleiche Norma
lität.
Zudem sei bei der
Labor
untersuchung
ein leicht er
höhtes C-reaktives Pro
tein als Entzündungszeichen auf
gefallen
,
was
auch nicht unbedingt für die Diag
nose
CRPS
spreche
.
Hinzu komme, dass in
kein
em
Bericht ein wirklich florides klini
sches CRPS besch
rieben worden sei. Das
CRPS
sei
wiederholt nur als
Ver
dachts
diagnose bezeichnet
worden
oder
es sei
ein «Status nach CRPS» fest
gehalten
worden. Es müsse ferner berücksichtigt werden
, dass das Karpal
tunnel
syndrom und das nachfolgende Phänomen des vermuteten CRPS beid
seitig auf
ge
tr
e
t
en sei
, dass die
Beschwerdeführerin
einen serologischen Entzün
dungs
marker aufweis
e
, und insbesondere auch
, dass sie einen
absolut inter
mit
tierenden Cha
rakter ihrer Handschwellungen mit jeweils spontaner Remission
beschrieben habe.
A
ll diese auffallenden Elemente könn
t
en oder müss
t
en sogar zur Hypo
these führen, dass es sich bei
diesem Er
krankungsbild nicht um ein klassisches CRPS, sondern um eine bilaterale, schubartig auf
tretende Hand
gelenks- und/oder karpale Arthritis handeln könnte. Nicht selten
sei
eine
beid
seitige, vorerst nicht erkannte Handgelenksentzündung die patho
genetische Grundlage einer ebenfalls beidseitigen Karpaltunnelsymp
tomatik, was dif
feren
tial
diagnostisch oft zu wenig erwogen
werde
.
Auch die Foto
auf
n
ahmen ihrer linken Hand
, welche
laut
der Beschwerdeführerin
erst einige Wochen zurück
liege
, wären sehr gut mit dem klinischen Bild
einer zu diffuser Hand- und Finger
schwellung führenden subakuten oder akuten Arthritis verein
bar
(Urk.
9/147/22)
. Ehe ein definitives Zustandsbild angenommen
werde
, wie dies in einem
der handchirurgischen Berichte bereits angedeutet
werde
, m
ü
ss
e
unbe
dingt nochmals diese Möglichkeit
eines gelenksentzündlichen und wohl auch behandelbaren Phänomens abgeklärt und erwogen werden
(Urk.
9/
147/22)
.
Z
ur Diagnosesicherung
sei
sicher eine erweiterte Laboruntersuchung und ver
mutlich eine MR-Analyse des linken, eventuell beider Handgelenke
durchzu
führen
(Urk.
9/147/22). Danach sei allenfalls eine antientzündliche Basistherapie einzu
leiten, wohl auch je nach lokaler Situation der Versuch einer Steroid
infiltration,
was bislang bei der Beschwerdeführerin, soweit ersichtlich, noch
nie durchge
f
ü
hrt
worden sei
(Urk.
9/147/22
-23
)
. Es wäre kaum vertretbar, bei
der
Beschwer
deführerin
eine ab
schliessende Beurteilung von Funktions- und Arbeitsfähigkeit treffen zu wollen, ohne diese einfache Massnahme nicht zumin
dest einmal proba
torisch einge
setzt zu haben
(Urk.
9/147/2
3
)
.
Bezüglich der gegenwärtigen Arbeitsfähigkeit müsse auf eine bereits in einem früheren Akten
stück formu
lierte Beurteilung zurückgegriffen werden. Demnach befinde sich die Versicherte in einem Zustand der praktisch vollständigen funktionellen
Ein
händigkeit
.
D
ie linke Hand
könne
auf
g
rund des
schmerzhaften Handgelenks/
Carpus
glaub
würdig nur für leichteste unterstützende Hilfsbewegungen
und als Gegenhalt eingesetzt werden
. D
ie
Beschwerdeführerin
habe ge
zeigt
,
wie sie für ihre Bodenaufwisch
tätigkeit in den Ecken eines Grossraums den wischenden Besen mit Mühe zu f
ü
hren
versuche. Aufgrund dessen sei plausibel
, dass sie diese Tä
tigkeit zur
z
eit nur mit einer Einsatzzeit von 20
% erfüllen
könne (
Urk.
9/147/23)
.
In psychiatrischer Hinsicht wurde in der Beurteilung unter anderem ausgeführt
, dass
es
bei der
Beschwerdeführerin
i
m Zuge des protrahierten postoperativen Heilverlaufs bezüglich der Beschwerden in der linken Hand,
der anhaltenden vollen
Arbeitsunfähigkeit
und der zunehmenden Therapieresistenz mit entspre
chender Enttäuschung und Demoralisierung im Verlauf auch zur Entwicklung einer reak
tiven depressiven Befindlichkeitsstörung
ge
kommen sei. Diese
psy
chische
Befindlichkeitsstörung
sei bei
der stationären Be
handlung i
n der Universitäts
klinik
C.___
im Juli 2020 erstmals erwähnt
worden und habe
zur Aufnahme einer ambulanten psychiatrischen Behandlung
ge
führt.
Sie
sei
aber unter Berücksichtigung des ak
t
enanamnestischen Verlaufes eher im Hintergrund
geblieben
und
habe
für die damalige Diskussion der (Rest-)Arbeits
fähigkeit offen
bar keine Rolle
ge
spielt
. W
ährend der beruflichen Abklärungen vom Mai/Juni
2021 und vom September 2021 bis zum März 2022
sei auch über
kein
e
psy
chi
schen Einschränkungen
berichtet
worden
. Erst in einem letzten Arzt
bericht des behandelnden Psychiaters vom März 2022
sei
von
psychiatrischer Seite erstmals eine Arbeitsunfähigkeit attestiert
worden
, wobei der behandelnde Psychiater als
Begründung für die Arbeitsunfähigkeit von 50
%
in angepasster Tätigkeit sowohl das CRPS
als
auch
eine mittelgradig ausgeprägte, rezidi
vie
rende depres
sive Störung an
ge
führt
habe (Urk. 9/147/27)
.
Aktuell
liesse
sich die vor
diagnos
tizierte mittelgradige depressive Episode unter Berücksichtigung des
psy
cho
pathologischen Befundes, der anamnestischen Angaben und des Funk
tions
niveaus im Alltag
nicht (mehr) erhärten, zumal die depressiven Kardinal
symp
tome bezüglich Stimmung, Freudfähigkeit
und Antrieb nur bedingt erfüllt
seien
. So klag
e
die
Beschwerdeführerin
nicht über eine
anhaltend und die meiste Zeit
über gedrückte Stimmung
. Sie habe
vielmehr über Stimmungs
schwan
kun
gen mit allerdings häufig,
fast täglich wiederkehrenden traurigen Verstimmun
gen von
ein bis drei
Stunden Dauer
berichtet,
welche sie jedoch
nicht daran hindern
würden
, zur Arbeit zu fahren und ihre Arbeit zu verrichten. Ausserhalb der Pha
sen der
traurigen Verstimmung beschreib
e
sie ihre Stimmung als normal bei vorhandener Freudfähigkeit und
Interessen
.
Sie klage zudem auch nicht über eine
anhaltende Antriebsverminderung,
sondern sie müsse sich
lediglich inter
mittierend
zu Akti
vitäten überwinden, was ihr jedoch geling
e
, so
dass lediglich von
einer leichten Antriebsstörung auszugehen
sei
. Von den übrigen 7 Sympto
men eines depressiven Syndroms
würden
3 bejaht, wobei die Schlafstörungen eng mit den Schmerzen
z
usammenhängen
würden
und das
verminderte Selbst
wertgefühl
als eng
mit der verminderten beruflichen Leistungsfähigkeit
ver
bun
den
zu ver
stehen
sei
. Denk- und Konzentrationsstörungen
würden
ebenso wie Suizidgedan
ken oder pathologische
Schuldgefühle verneint.
Werde der klinische
Befund
betrachtet
, so zeig
e
die
Beschwerdeführer
in
zwar auf affektiver Ebene
eine gewisse depressive Phänomenologie, jedoch keine depressiven Denk
störungen,
keine kog
nitiven Störungen und keine wesentliche Antriebs
ver
minderung. Auch das recht gute Funktionsniveau im Alltag
entspreche einer
mittelgradigen depressiven Episode
nicht
. D
ie
Beschwerdeführerin könne
ihren Alltag selbstständig und relativ ungestört strukturieren, ihren alltäglichen Ver
richtungen nachgehen, den Haushalt selbständig bewältigen, die Mahl
zeiten für
sich und für ihren Sohn zubereiten und regelmässige Sozialkontakte pflegen, wenn auch in reduziertem Ausmass (früher gemeinsame Spazier
gänge, gemein
sam kochen, Schwimmen gehen mit Kolleginnen). Hierzu
sei
allerdings anzu
merken, dass die
Beschwerdeführerin
auch vor Beginn des jetzigen Leidens nebst der Arbeit für sich alleine keine spezifischen Freizeit
beschäf
ti
gungen wie sportliche Betätigungen, Lesen oder Handarbeiten aus
ge
übt
hab
e, viel
mehr
seien
gemein
same Aktivitäten mit Kolleginnen
und das gesellige Zusam
mensein ganz im Vor
dergrund
gestanden
(Urk. 9/147/27)
.
Auch jetzt
würden
Sozialkontakte eine wichtige Rolle
spielen
, insbesondere besteh
e
eine enge Beziehung zur Cousine,
die jeweils am Wochenende
vorbeikomme und mit ihren beiden Kindern bei der Beschwerdeführerin übernachte (Urk. 9/147/27-28). Auch pflege sie täglich telefonischen Kontakt zu ihren Eltern und zu den Geschwistern in der Dominikanischen Republik. Daneben pflege sie weiterhin Kontakte zu ihren vier Kolleginnen aus der Dominikanischen Republik mit deren Familien. Unter Berück
sichtigung aller vorliegenden Informationen erfülle die reaktive depres
sive Befindlichkeitsstörung die Kriterien für eine eigentliche depressive Episode nicht mehr ausreichend
.
Sie lasse sich
ätiopathologisch
am
besten
als
Anpas
sungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.21)
mit insgesamt
leichtgradiger depressiver Symptomatik
einordnen, als Reaktion auf die
verän
derten Lebensumstände, die Enttäuschung über den nega
tiven post
operativen Verlauf, die sozio-ökonomischen Sorgen und die fehlenden
beru
flichen Perspek
tiven. Die depressive Bef
in
dlichkeitsstörung steh
e
in engem Zusammenhang mit der
belas
tenden gesundheitlichen Situation und Lebens
situation
(Enttäuschung über den negativen Heilverlauf und die Therapie
resistenz, Schulden, baldige
Aussteuerung beim RAV, unsichere Perspektiven bezüglich der weiteren beruf
lichen Betätigung und
Existenzsicherung, Wunsch nach einer späteren Rückkehr in die alte Heimat)
.
Der
Umstand,
dass die
Beschwerdeführerin
sich angesichts dieser psycho
sozialen Belastungsfaktoren psychisch belastet fühl
e und
sich viele Gedanken über ihre Situation und die Zukunft mach
e
,
sei
an sich schon normal
psychologisch sehr gut nachvoll
ziehbar. Mit Blick auf die sub
jek
tive Belastung durch die ausgeprägte gedanklich-emotionale Inanspruch
nahme durch das Schmerzerleben und die ungewisse Zukunft, intermittierende Ver
stim
mungs
zustände, intermittierende Antriebsschwierigkeiten mit ver
min
dertem
Aktivitäts
niveau und Schlafs
törungen
könne
der Symptomatik aber ein gewisser Krankheitswert zugemessen
werden. Auch dadurch, dass die depressive Sympto
matik sich verstärkend auf das Schmerzerleben und
negativ auf die
«
Schmerz
verarbeitung
»
auswirken dürfte, komm
e
der depressiven Symptomatik ein gewisser Krankheitswert zu.
Zur von
Dr.
Z.___
gestellte Diagnose einer rezidi
vie
renden depressiven Störung
sei fest
zu
halten
,
dass
diese Diagnose bei fehlen
den Hinweisen auf früher aufgetretene depressive Episoden in der persönlichen Anamnese nicht nachvollziehbar
sei
.
Nebst der depressiven Anpassungsstörung
bestünden
auch Hinweise auf eine
funktionelle/psychische Überlagerung des Schmerzge
schehens im Sinne einer chronischen Schmerzkrankheit
.
D
ies
stehe
vor dem Hintergrund der anhaltend belas
tenden psychosozialen Situation, der hohen
gedanklich-emotionalen Inan
spruch
nahme durch die chronifizierten Schmerzen, der depressiven Begleitsymptomatik und der oben dargestellten Action
Proneness
-
Faktoren sowie auch angesichts einer
gewissen Diskrepanz zwischen den Beschwerdeklagen mit Angabe von per
manenten und therapiere
sistenten Schmerzen von hoher subjektiver Inten
sität im Kontrast zum klini
schen Eindruck in der psychiatrischen Untersuchung, wo die
Beschwerde
führerin
kein auffälliges Schonverhalten zeig
e
und beim Gestikulieren und beim Hantieren mit der Handtasche auch die linke Hand seitengleich einsetz
e
. Dies stehe aber
auch im Kontrast zur bescheidenen Inanspruchnahme von Therapien (Psychotherapie und Ergotherapie gestoppt) und de
n
labor
chemischen Hinwei
se
n
auf eine eingeschränkte
Medikamentencompliance
bezüg
lich der Ein
nahme der ärztlich verschriebenen Analgetika wie Dafalgan, Trama
dol, Vol
taren,
Novalgin
sowie des schlafanstossenden Antidepressivums
Trittico
.
Die zu erken
nende
funktionelle
/psychische Überlagerung des Schmerzgesche
hens mit Schmerzzentralisierung (mit
Allodynie
), übermässiger Fokussierung auf und Beschäf
tigung mit dem Schmerzerleben
sowie auch einem verminderten Aktivitäts
niveau im Alltag, welches nicht auf Funktionseinschränkungen seitens der linken Hand alleine zurückzuführen
sei
,
könne
am ehesten
einer
chro
nische
n
Schmerzstör
ung
mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10
:
F45.41)
zugeordnet werden
. A
n dieser Stelle
sei aber auch
festzuhalten
, dass das Schmerzerleben unter Berücksichtigung der vorliegenden Akte sowie der aktu
el
len klinisch-rheumatologischen Untersuchung einen klar organisch be
gründ
baren Anteil ha
be
, der die Schmerzen organisch-strukturell mehrheitlich zu begrün
den verm
öge. Damit überwiege
der organische Anteil gegenüber den psychi
schen Einflussfaktoren doch deutlich
. Es sei daher
von
einer
leichten Aus
prägung der psychischen Anteile
auszugehen
(Urk.
9/147/28)
.
3.2.2.3
Zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
wurde im
Gutachter fest
gehalten
, dass
s
ie
die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Reinigungsfachfrau in einem Hotel
a
partment aus isoliert psychiatrischer Sicht weiterhin ausüben könnte.
Diese
Tätigkeit
sei ihr aber
aufgrund der Beeinträchtigungen seitens der Handgelenke/
Hände aus rheumatologischer Sicht nicht mehr
zumutbar
(Urk.
9/147/31)
.
Im Gutachten wurde
eine der Behinderung optimal angepasste Tätigkeit wie folgt beschrieben
(Urk.
9/147/32):
Aus rheumatologischer Sicht
kämen wegen der
sehr beschränkte
n
Einsatzfähigkeit der linken Hand alternative Tätigkeiten
in Frage
, die entweder mit nur einer Hand ausübbar
seien
, oder aber für welche die linke Hand als nicht mit Kraft eingesetzte Assistenz genüg
e
. Dazu seien
Tätig
keiten wie Museumsaufsicht, Platzanweisung,
Billettverkauf
etc.
zu zählen
.
Aus psychiatrischer Sicht könnte die
Beschwerdeführerin
alle ihre
r
Ausbildung und den somatischen Leiden angepasste
n
Tätigkeiten ausüben. Besondere Anpas
sun
gen
seien
nicht erforderlich.
Bezüglich der Einschränkung der Leistung
sfähigkeit
in einer solchen Verwei
sungstätigkeit hielten die Gutachter fest, dass aus
rheumatologischer Sicht
auf
grund eines verminderten Arbeitstempos
von einer Leistungsminderung von 20
%
auszugehen
sei
.
Aus psychiatrischer Sicht
sei
in einer solchen Tätigkeit aufgrund einer ausgeprägten gedanklich-emotionalen Inanspruchnahme durch das Schmerzerleben mit Verstärkung des organischen Schmerzanteils
und leich
ter Störungen der Intentionalität und des Durchhaltevermögens eine Leistungs
minderung von
20
% zu berücksichtigen.
Aus interdisziplinärer versicherungs
medizinischer Sicht
würden sich
die von somatischer und
psychia
trischer Seite festgelegten Leis
tungsminderungen teilweise
über
schneiden
,
so dass in einer opti
mal ange
passten Tätigkeit insgesamt von einer Leistungs
minderung von 30% auszugehen
sei
(Urk.
9/147/32)
.
Die attestierte Arbeitsfähigkeit von 70
% gelte ab dem Zeitpunkt der Begut
achtung. Eine zuverlässige retrospektive Beurteilung der Entwicklung der postu
lierten Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit
sei
nicht möglich
. Es könne
jedoch festgehalten werden, dass die
Beschwerdeführerin
seit
dem
1.
Juli
2022 wieder einer Arbeitstätigkeit nachgeh
e
(2 Std pro Tag), aller
dings handl
e
es sich dabei nicht um
eine optimal angepasste Tätigkeit
(Urk.
9/147/32)
.
3.2.2.4
Auf die Frage der Beschwerdegegnerin, ob die medizinisch-theoretische Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin durch die im Gutachten vorgeschlagenen The
rapien gesteigert werden könne, antwortete
Dr.
F.___
am 22.
Mai 2023, dass eine Verbesserung der jetzigen 20
%
Arbeitsfähigkeit mög
lich sei. Beim Vor
liegen einer
Kristallarthropathie
könnte das Auftreten ent
zündlicher Rezidive durch
eine gezielte medikamentöse Prophylaxe verhindert werden. Auch für den hier etwas weniger wahrscheinlichen Fall einer bestehen
den rheumatoiden Arth
ritis böten sich entsprechende gute Behandlungs
mög
lichkeiten
an. Eine genaue Prognose zu einer zu erwartenden Verbesserung lasse sich nicht stellen. Es könnte sich aber doch um eine Steigerung der Arbeitsfähig
keit auf 50
%
oder mehr handeln, da die Untersuchung der betroffene
n
Hand strukturell keine irre
versiblen Veränderungen gezeigt habe (Urk.
9/150/2).
3.2.3
3.2.3.1
Die Beschwerdeführerin
nimmt mit
ihre
n
Vorbringen
auf die
Beurteilung des behandelnden
Arztes
Dr.
A.___
Bezug
(E. 1.2)
.
3.2.3.2
In der am 1
1.
Dezember 2020 an die AXA Versicherung AG versandte
n
E-Mail-Nachricht hielt Dr.
A.___
fest, dass er die Beschwerdeführerin aufgrund der Sudeck-Situation an beiden Händen für die Zeitperiode vom
1.
bis 31.
Dezember 2020 zu 100
% arbeitsunfähig geschrieben habe. Entgegen den Ausfüh
rungen von Prof.
H.___
(Universitätsklinik
C.___
) im Schreiben vom 30.
No
vember
2020 sei die Beschwerdeführerin
bis auf Weiteres nicht arbeitsfähig. Der (im Schreiben zu findende
, Urk. 9/4
3
/
12
) Satz, wonach eine den Beschwerden angepasste Tätigkeit aus medizinischer Sicht durchführbar sei, sei so weder ein
fühlsam noch sinnvoll, wenn man diese Hände gesehen habe (Urk.
9/45/9).
3.2.3.3
Im Arztbericht vom 19. Januar 2021 (Urk. 9/42) führte Dr.
A.___
aus, dass die Beschwerdeführerin aktuell an einem CRPS Hand links und einem CRPS Hand rechts leide (Urk.
9/42/2).
Er attestierte der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 4. November 2020 (Urk. 9/42/2). Er hielt weiter fest, dass es keine dem Leiden angepasste Tätigkeit gebe (Urk. 9/42/5).
3.2.3.4
In seiner Stellungnahme vom 2
9.
August 202
3
zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin äusserte sich
Dr.
A.___
im Wesentlichen
folgender
massen: Die Aussage, dass mit Therapieoptionen etwas verbessert werden könne, entspreche nicht den Tatsachen. Die Entzündung sei ganz klar nicht vorhanden, wie PD
I.___
, Radiologie
C.___
,
am 27.
März 2023 festgehalten habe
. Der Vorbescheid der Beschwerdegegnerin vom 20. Juni 2023 halte der medizi
nischen Realität nicht stand. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigungskraft nicht mehr einsetzbar (Urk. 9/162/1). Die theoretisch möglichen Tätigkeiten würden sich auf drei Berufe beschränken, jedoch erfülle die Beschwerdeführerin weder sprachlich noch kulturell die Anforderungen für diese drei sehr speziellen Berufe
(Urk. 9/162/1-2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging
von einem seit der rentenablehnenden Verfügung vom 2. Juni 2020 (Urk. 9/28) eingetretenen
Revisionsgrund
in Folge einer Ände
rung des Invaliditätsgrades von
mindestens fünf Prozentpunkte
n
(Art. 17 Abs. 1
lit
. a ATSG)
aus
, da — ab
dem
frühestmöglichen Rentenbeginn ab
1.
März 2022 — nunmehr ein Invaliditätsgrad von 51
%
bestehe. Sie sprach
der Beschwerde
führerin mit der
angefochtenen Verfügung vom
22
.
April
202
2
für die Zeitpe
riode vom 1.
März
20
22
bis 31.
März
202
3
eine Invalidenrente von 51 % einer ganzen Rente
zu
(Urk. 2).
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerde
führerin
über den 31.
März
202
3
hinaus
Anspruch auf eine Invalidenrente hat
(
Urk. 1
S.2).
Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen,
verhält es sich
hier
analog zum
vom Bundesgericht mit Urteil
9C_17/2010 vom 22. April 2010 E.
3.1.2 beurteilten Fall, das heisst
,
es ist lediglich der Rentenanspruch unter
Berück
sichtigung des Gesundheitszustandes im Zeitpunkt der Begutachtung zu prüfen.
Denn vorliegend kann die Arbeits
fähigkeit
seit Abschluss der be
ruflichen
Massnahmen per
8.
März 2022 (Urk. 9/115) bis zur Begutachtung vom 2
4.
April 2023 (Urk. 9/147) gestützt auf die Berichte der behandelnden Ärzte (
Urk.
9/110,
Urk.
9/117) nicht beurteilt werden. Gleichwohl sprach die Beschwerdegegnerin
zugunsten
der Beschwerde
führerin
für
diesen Zeitraum eine befristete Rente zu.
Somit
muss
eine
Verbesserung
in dieser Situation
auch nicht nachgewiesen werden.
4.2
Aus diesen Überlegungen folgt, dass auf den von der Beschwerdegegnerin bei
gezogenen
Bericht des Psychiaters
Dr.
Z.___
vom 9. März 2022 (Urk. 9/117) nicht
näher
eingegangen werden
muss
.
Dr.
Z.___
behandelte die Beschwerde
führerin vom 7. September 2020 bis 7. Dezember 2021 (Urk.
9/117/2).
Die psychi
atrische Gutachterin
Dr.
G.___
ist einlässlich auf die von
Dr.
Z.___
gestellten Diag
nosen eingegangen und hat mit ihrer mit Befunden unter
mauerten schlüssig begründeten Beurteilung aufgezeigt, dass sich der psy
chi
sche Gesundheits
zu
stand der Beschwerdeführerin seither wesentlich gebes
sert hat (E. 3.2.2.2). De
m
widersprechende
psychiatrische Berichte liegen
nicht vor
. Die Beschwerdeführer
in macht im vorliegenden Verfahren auch nicht geltend, dass ihre Arbeitsfähigkeit weiterhin durch eine psychische Gesund
heits
störung beeinträchtigt sei. Hingegen erhebt sie unter Verweis auf die Berichte und Stellung
nahmen von
Dr.
A.___
Einwendungen gegen die
Beur
teilung des rheumatologischen Gutachters (E. 1.2). Hierzu ist zu sagen, dass der behan
delnde Arzt äussert knappe Angaben zu den von ihm erhobenen objek
tiven Befunde machte («CPRS beider Hände, kalt,
Druckdolenz
, wenig beweg
lich»,
vgl. den
Arztbericht vom
19. Januar 2021,
Urk.
9/42/3)
.
Da Dr.
A.___
bei seiner
Einschätzung zudem auch nichtmedizinische Faktoren berücksichtigt hat (Urk. 9/147/30), begründen seine
Ausführungen keine Zweifel an der aus
führ
lichen und nachvollziehbar
verfassten
Beurteilung des rheumato
logischen Gutach
ters
(E.
3.2.2.2
). Es gilt ferner zu berücksichtigen, dass die behandelnden Ärztinnen und Ärzte im Zweifel für ihre Patientinnen und Patienten aussagen (E.
2.7.5
).
Auch die Ausführungen von Dr.
A.___
müssen in diesem Kon
text gelesen werden, zumal er sich mit der rechtlichen Einordnung des Falles der Beschwerdeführerin beschäftigte und dabei für die Beschwerdeführerin Partei ergriffen hat. In seiner E-Mail-Nachricht an die Rechtsschutzversicherung For
tuna vom 20. November 2020 führte Dr.
A.___
aus, dass es seiner Mei
nung nach nicht angehe, dass die AXA Ver
siche
rungen AG das Krankentaggeld gekürzt habe.
Er würde die Beschwerde
führerin am liebsten an eine Anwalts
kanzlei überweisen, damit diese
deren
Rechte wahre (Urk. 9/45/10).
Dr.
A.___
war sodann bei der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin zum Bezug von Invalidenversicherungsleistungen ebenfalls involviert (
Urk.
9/120).
Vor der Behandlung durch Dr.
A.___
war die Beschwerdeführerin in der Ortho
pädie der Univer
sitätsklinik
C.___
in Behand
lung
(
Urk.
9/120)
, wo die letzte Kontrolle am 25.
November 2020 stattfand
(Urk. 9/43/7)
und der Beschwerde
führerin letztmals
bis zum 30. November 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (Urk. 9/43/8). Anlässlich der Konsultation vom 2
5.
November 2020 wurde der Beschwerdeführerin erklärt,
dass eine Arbeitstätigkeit als Reinigungs
kraft nicht
möglich sei
, eine angepasste Tätigkeit aus medizinischer Sicht jedoch durchführbar wäre (Urk. 9/43/12). Es muss somit festgehalten werden, dass die Fachärzte der Unikli
nik
C.___
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin in einer leidensangepassten Tätigkeit bei ihrer letzten Unter
suchung der Beschwer
deführerin gar noch höher als der rheumatologische Gutachter
eingeschätzt haben
. Auch daraus lässt sich somit nichts zu Gunsten der Beschwerdeführerin ableiten.
Die Einwendungen der Beschwerdeführerin gegen das Gutachten der
D.___
GmbH vom 24. April 2023 (E. 3.2.2) verfangen somit nicht. Da dieses Gut
achten die von der Rechtsprechung
an
den
Beweiswert einer
medizinischen Exper
tise gestellten Anforderungen erfüllt (E. 2.7.2)
,
ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin darauf abgestellt hat (
Urk.
9/152/8). Mit den Fach
personen der
D.___
GmbH ist davon auszugehen, dass die Beschwerde
führerin spätestens ab dem Zeitpunkt der in dieser Gutachterstelle durch
geführten Untersuchungen vom 2
3.
März 2023 (
Urk.
9/147/1)
in einer Verweisungstä
tigkeit zu 70
%
arbeitsfähig ist (E.
3.2.2.3
).
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, wie sich
die festgestellte Arbeitsunfähigkeit der Beschwerde
führerin in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
5.2
Nach der gutachterlichen Beurteilung kommen a
us rheumatologischer Sicht wegen der sehr beschränkte
n
Einsatzfähigkeit der linken Hand nur noch alter
native Tätigkeiten in Frage, die entweder mit nur einer Hand ausübbar
sind
, oder aber für welche die linke Hand als nicht mit Kraft eingesetzte Assistenz genügt
(E.
3.2.2.3)
.
Das spricht aber nicht gegen die Verwertbarkeit der Restarbeits
fähigkeit
, denn
rechtsprechungsgemäss
bestehen
genügend realis
tische Betätigungs
möglichkeiten für Personen, die funktionell als Einarmige zu betrachten sind und überdies nur noch leichte Arbeit verrichten
können (Urteile des Bundesgerichts 8C_227/2018 vom 14. Juni 2018 E. 4.2.1; 8C_37/2016 vom 8. Juli 2016 E. 5.1.2 mit Hinweis).
5.3
5.
3
.1
Es ist ferner zu berücksichtigen, das
s
der Invaliditätsgrad b
ei erwerbstätigen Ver
sicherten gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen
ist
. Dazu wird das Erwerbs
einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
derungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffern
mässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüber
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
Als Erwerbseinkommen im Sinne von Art
.
16 ATSG gelten gemäss Art. 25 Abs. 1 IVV mutmassliche jährliche Erwerbseinkommen, von denen Beiträge nach AHVG erhoben würden. Nicht dazu gehören indessen:
a.
Leistungen des Arbeitgebers für den Lohnausfall infolge Unfall oder Krank
heit bei ausgewiesener Arbeitsunfähigkeit;
b.
Arbeitslosenentschädigungen, Erwerbsausfallentschädigungen nach EOG und Taggelder der Invalidenversicherung.
Die massgebenden Erwerbseinkommen nach Ar
t.
16 ATSG sind in Bezug auf den gleichen Zeitraum festzusetzen und richten sich nach dem Arbeitsmarkt in der Schweiz (Art. 25 Abs. 2 IVV). Soweit für die Bestimmung der massgebenden Erwerbseinkommen statistische Werte herangezogen werden, sind die Zentral
werte der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik mass
gebend. Andere statistische Werte können beigezogen werden, sofern das Einkommen im Einzelfall nicht in der LSE abgebildet ist. Es sind alters
unabhängige und geschlechtsspezifische Werte zu verwenden (Art. 25 Abs. 3 IVV). Die statistischen Werte nach Absatz 3 sind an die betriebsübliche Arbeits
zeit nach Wirtschaftsabteilungen und an die Nominallohnentwicklung anzu
passen (Art. 25 Abs. 4 IVV).
5.
3
.2
Liegt das tatsächlich erzielte Erwerbseinkommen fünf Prozent oder mehr unter
halb des branchenüblichen Zentralwertes der LSE nach Art
.
25 Absatz 3 IVV, so entspricht das Einkommen ohne Invalidität 95 Prozent dieses Zentralwertes (Art. 26 Abs. 2 IVV). Diese Bestimmung findet gemäss Art. 26 Abs. 3 IVV keine Anwendung, wenn:
a.
das Einkommen mit Invalidität nach Art
.
26
bis
Absatz 1 ebenfalls fünf Prozent oder mehr unterhalb des branchenüblichen Zentralwertes der LSE nach Art
.
25 Absatz 3 liegt; oder
b.
das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit erzielt wurde.
5.
3
.
3
Liegt kein anrechenbares Erwerbseinkommen vor, so wird das Einkommen mit Invalidität nach statistischen Werten nach Art
.
25 Abs
.
3 IVV bestimmt. Bei versicherten Personen nach Artikel 26 Absatz 6 IVV sind in Abweichung von Art
.
25 Abs
.
3 IVV geschlechtsunabhängige Werte zu verwenden (Art. 26
bis
Abs. 2 IVV; vgl. auch BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind rechtsprechungsgemäss grundsätzlich die im Verfügungs
zeitpunkt bezogen auf den Zeitpunkt des Rentenbeginns aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 150 V 67 E. 4.2, 143 V 295 E. 4.1.3). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren Beizug erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich
ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 4. Aufl. 2022, N. 93 f. zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Lohndaten wie namentlich der LSE ermittelt, ist der so erhobene Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 142 V 178 E. 1.3, 124 V 321 E. 3b/
aa
) und die versicherte Person je nach Ausprägung deswegen die verblie
bene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg verwerten kann (BGE 135 V 297 E. 5.2, 126 V 75 E. 5b/
aa
i.f
.). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfol
gen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2, 126 V 785 E. 5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug vom Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen dürfen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einflies
sen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen (zum Ganzen: BGE 148 V 174 E. 6.3 mit Hinweis auf BGE 146 V 16 E. 4.1 f. mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_770/2023 vom 11. Juli 2024 E. 6.1).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwal
tung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6 mit Hinweis). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt (oder berücksichtigt), hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen. Es ist nicht von dem von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug auszugehen und dieser zu erhöhen (oder zu vermindern) (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_14/2022 vom 21. Juli
2022 E. 5.3.1 und
9C_42/2022 vom 12. Juli 2022 E. 4.3.1, je mit Hinweisen
).
5.
4
5.
4
.1
Bezüglich des
Valideneinkommens
ging die Beschwerdegegnerin vom im indivi
duellen Konto der Beschwerdeführerin für das Jahr 2018 eingetragenen Einkom
men in der Höhe von
Fr.
48'212.-- aus. Unter Berücksichtigung der Nominallohn
entwicklung
bis 2022
errechnete sie ein hypothetisches
Validen
einkommen
2022 in der Höhe von
Fr.
49'822.60
(Urk. 9/151
/1
)
.
Die Beschwerde
führerin macht geltend, dass das von ihr als Gesunde verdiente Einkommen unter
durch
schnittlich gewesen sei. Die Vergleichseinkommen seien daher zu paralle
lisieren (E.
1.2). Zu prüfen ist, ob dieses Einkommen fünf Prozent oder mehr unterhalb des branchenüblichen Zentralwertes der LSE nach Artikel 25 Absatz 3 IVV
lag (E. 5.2.2
)
. Die Beschwerdeführerin arbeitete vor Eintritt des Gesundheitsschaden als
Housekeeperin
in einem Hotel, wobei sie
hauptsächlich in der Zimmer
reinigung tätig war (Urk. 9/11/6, Urk. 9/17/2, Urk. 9/147/16). Es rechtfertigt sich daher
für die Ermittlung des
branchenüb
lichen Zentralwertes der LSE
auf die Tabelle TA1_triage_skill_level der LSE 2018, Wirtschaftszweige 77-82 «Sonst. wirtschaftliche Dienstleistungen», Kompetenzniveau 1, Frauen in der Höhe von
Fr.
3'921
.--
auszugehen. Unter Berücksichtigung der betriebs
üblichen Arbeitszeit im Jahr 2018 (vgl. die Tabelle T 03.
02.03.01.04.01 des Bundes
amtes für Statistik, BFS) ergibt
sich ein Jahreseinkommen von gerundet
Fr.
49'287.-- ([Fr. 3'921.-- x 12] : 40 x 41.9). Wenn dem das von der Beschwerde
führerin im Jahr 2018 erzielte Einkommen in der Höhe von
Fr.
48'212.-- (Urk. 9/151/1) gegenübergestellt wird, so ergibt sich, dass dieses Einkommen 2.19
%
unter dem branchenüblichen Zentralwert der LSE lag. Es liegt somit kein Anwendungsfall von
Art.
26
Abs.
2 IVV vor beziehungsweise es ist keine Parallelisierung der Vergleichseinkommen vorzu
nehmen.
5.
4
.2
Bei der Festlegung des Invalideneinkommens kann unbestrittenermassen nicht auf die vo
n der Beschwerdeführerin sei dem 1. Juli 2022 für
2 Stunden pro Tag am Vormittag bei einer Reinigungsfirma ausgeübte Tätigkeit (E.
3.2.2.2) abge
stellt werden, da die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit
dadurch
nicht vollumfänglich verwertet
(E.
3.2.2.3)
.
Es ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerde
gegnerin für die Ermittlung des Invalideneinkommens auf lohn
sta
tistische Werte
für Hilfsarbeiten
abgestellt hat.
Ob die drei vo
m
rheuma
to
logischen Gutachter als Beispiele genannte Tätigkeiten (E.
3.2.2.3)
der Beschwer
deführerin
tatsächlich offen stehen, ist nicht zu prüfen,
ist doch von einem
aus
geglichenen Arbeitsmarkt (vgl. dazu:
Meyer/Reichmuth, a.a.O.,
N.
133
f. zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung
)
auszugehen auf
welchem die Beschwerde
führerin eine für sie passende Stelle finden könnte
.
Bezüglich des
von der Beschwerde
geg
nerin
ermittelten Einkommens im der Beschwerdeführerin zumut
baren 70%-Pensum in der H
ö
he von
Fr.
37'895.62 (
Urk.
9/151/2) sind keine Berechnungsfehler auszumachen. Die Beschwerde
führerin hält dafür, dass in ihrem Fall der maximal mögliche
leidensbedingte
Abzug von 25
%
zu
gewähren
sei (E.
1.2).
Dagegen ist einzuwenden, dass die Gutachter das von der Beschwer
deführerin zur Begründung (E.
1.2) angeführte reduzierte
Arbeitstempo
schon berücksichtigt haben und deswegen
—
aufgrund
der von ihnen darüber hinaus fest
gestellten Einschränkungen der Arbeits
fähig
keit der Beschwerdeführerin —
von einer um 30
% reduzierten Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer Verweisungstätigkeit ausgegangen sind (E.
3.2.2.3).
Demnach rechtfertigt sich kein zusätzlicher leidensbedingter Abzug (E. 5.3.3). Gründe für einen Abzug unter einem anderen Titel sind nicht ersicht
lich.
5.
4
.3
Beim Einkommensvergleich (
Valideneinkommen
2022
:
Fr.
49'822.60, Invaliden
einkommen
2022
:
Fr.
37'895.62) resultiert
e
eine Erwerbsein
busse von
Fr.
11'926.98 beziehungsweise ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 24
%
.
Die Anpassung an die Nominallohnentwicklungen
bis 2023 fällt nicht ins Gewicht, weshalb darauf verzichtet werden kann.
Der vorliegende Fall liegt sodann nicht wesentlich anders als der vom
Bundes
gericht mit Urteil 9C_810/2010 vom
1
6.
September 2011 E. 4.2
beurteilte. Auch hier
liess sich
der Verlauf der Arbeitsfähigkeit nicht annähernd genau bestim
men und die Arbeitsfähigkeit
konnte
erst gestützt auf das
von der Beschwerde
gegnerin eingeholte rheumatologisch-psychiatrische
Gutachten verbindlich und in
Abweichung
von den echtzeitlichen Stellungnahmen von
Dr.
A.___
beurteilt werden
.
Das Urteil 9C_810/2010
vom
1
6.
September 2011
wurde vom Bundesgericht mit Urteil
9C_23/2023 vom 2
1.
August 2023
E. 5.1 als
Beispiel für eine «sofortige» Rentenaufhebung bezeichnet. In einem solchen Fall ist die bisherige (höhere) Rente nicht in Anwendung von
Art.
88a
Abs.
1 IVV über drei Monate über die Veränderung des Gesundheitszustandes hinaus zu gewähren.
Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die Beschwerde
geg
nerin
Art.
88a
Abs.
1 IVV nicht angewendet und
die mit der angefochtenen Verfügung zugesprochene Rente bis
31.
März 2023
befristet hat.
6.
Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin im Sinne eines Eventualantrages beantragten beruflichen Massnahme in der Form einer Stellenvermittlung (
Urk.
1 S. 2) ist schliesslich festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin mit der
angefochtenen Verfügung vom 2
2.
April 2024 (
Urk.
2) nicht darüber verfügt hat und ihr auch nicht vorgeworfen werden kann, dass der Entscheid über berufliche Massnahmen nicht Gegenstand der Verfügung betreffend Zusprache einer Invaliden
rente geworden ist. Auf das diesbezügliche Begehren der Beschwerde
führerin ist daher mangels Anfechtungsgegenstand nicht einzutreten (BGE 131 V 164 E. 2.1, 125 V 413 E. 1a).
7
.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde
, soweit darauf einzu
treten ist.
8
.
Das vorliegende Verfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Die Ge
richtskosten sind auf Fr.
8
00.-- festzulegen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.
Das Gericht erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen
, soweit darauf eingetreten wird.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zuge
stellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Bernhard Zollinger
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.
Gegen diesen Entscheid kann innert
30 Tagen
seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundes
gesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebenten Tag vor Ostern bis und mit dem siebenten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (
Art.
46 BGG).
Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzu
stellen.
Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweis
mittel und die Unterschrift
der
beschwerdeführenden
Partei oder ihrer Rechtsvertretung
zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkun
den sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (
Art.
42 BGG).
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Der VorsitzendeDer Gerichtsschreiber
HurstHübscher