# Swiss Caselaw Document

**Case Identifier:** 094fe4e7-1c22-54c3-8037-7e4df61cd2a7
**Source:** Bern Gerichte (BE)
**Court Level:** cantonal
**Decision Date:** 2020-08-06
**Language:** de
**Title:** Bern Verwaltungsgericht 06.08.2020 100 2020 57
**Docket/Reference:** 
**URL:** https://entscheidsuche.ch/docs/BE_Verwaltungsgericht/BE_VG_001_100-2020-57_2020-08-06.pdf

## Full Text

100.2020.57U
BDE/BER/ROS

Verwaltungsgericht des Kantons Bern
Verwaltungsrechtliche Abteilung

Urteil vom 6. August 2020

Verwaltungsrichterin Herzog, präsidierendes Mitglied
a.o. Verwaltungsrichterin Baerfuss Klossner, Verwaltungsrichter Keller
Gerichtsschreiberin Bernasconi Zenger

A.________
zzt. Regionalgefängnis Thun, Allmendstrasse 34, 3602 Thun
vertreten durch Rechtsanwalt …

Beschwerdeführer

gegen

Sicherheitsdirektion des Kantons Bern
Kramgasse 20, 3011 Bern

betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung und Wegweisung in-
folge Straffälligkeit (Entscheid der Sicherheitsdirektion des Kantons Bern 
vom 14. Januar 2020; 2019.POMGS.67)

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 2

Sachverhalt:

A.

A.________ (Jg. 1960) ist Staatsangehöriger von Marokko. Am 3. März 
1995 reiste er in die Schweiz ein und erhielt gestützt auf die Ehe mit einer 
Schweizer Bürgerin eine Aufenthaltsbewilligung und später eine Nieder-
lassungsbewilligung. Im Jahr 2002 wurde die kinderlos gebliebene Ehe 
geschieden. Am 28. Oktober 2003 heiratete A.________ in der Heimat eine 
Landsfrau. Diese reiste am 8. Januar 2004 in die Schweiz ein und erhielt 
gestützt auf die Ehe eine Aufenthaltsbewilligung und später eine Nieder-
lassungsbewilligung. Aus der Ehe stammen fünf hier geborene Töchter 
(Jg. 2005, 2007, 2010, 2015 und 2016), die ebenfalls über Niederlassungs-
bewilligungen verfügen. Aus einer nichtehelichen Beziehung hat 
A.________ eine weitere Tochter (Jg. 1993). 

Am 15. Dezember 2016 verurteilte das Regionalgericht Oberland 
A.________ wegen mehrfacher, mengenmässig qualifiziert begangener 
Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer 
teilbedingten Freiheitsstrafe von 33 Monaten.

Mit Verfügung vom 14. Dezember 2018 widerrief das Amt für Migration und 
Personenstand des Kantons Bern (MIP; heute: Amt für Bevölkerungs-
dienste [ABEV]), Migrationsdienst (MIDI), die Niederlassungsbewilligung 
von A.________ und wies ihn aus der Schweiz weg. Zudem setzte es ihm 
eine Ausreisefrist.

B.

Gegen diese Verfügung erhob A.________ am 16. Januar 2019 Be-
schwerde bei der Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern (POM; 
heute: Sicherheitsdirektion [SID]). Gleichentags ersuchte er mit separater 
Eingabe um unentgeltliche Rechtspflege. Am 25. Mai 2019 wurde 
A.________ in Untersuchungshaft genommen. Mit Entscheid vom 
14. Januar 2020 wies die SID seine Beschwerde ab. Sie gewährte ihm die 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 3

unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung seiner damaligen 
Rechtsvertreterin als amtliche Anwältin.

C.

Gegen den Entscheid der SID hat A.________ am 17. Februar 2020 Ver-
waltungsgerichtsbeschwerde erhoben mit den Anträgen, der Entscheid sei 
aufzuheben und von einem Widerruf der Niederlassungsbewilligung sei ab-
zusehen. Eventuell sei im Fall des Widerrufs der Niederlassungsbe-
willigung von seiner Wegweisung aus der Schweiz aufgrund der Härtefall-
klausel abzusehen. Gleichentags hat er mit separater Eingabe darum er-
sucht, ihm sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren unter Beiord-
nung seines Rechtsvertreters als amtlicher Anwalt.

Mit Vernehmlassung vom 4. März 2020 beantragt die SID, die Beschwerde 
sei abzuweisen. Hinsichtlich des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege 
enthält sie sich eines Antrags.

Am 21. Februar 2020 hat der MIDI dem Verwaltungsgericht einen Anzeige-
rapport der Kantonspolizei, Regionalpolizei Berner Oberland, vom 14. Ja-
nuar 2020 betreffend angeblich durch A.________ begangener quali-
fizierter Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zugestellt. 
Am 1. bzw. 7. Mai 2020 haben der MIDI bzw. die SID dem Verwaltungs-
gericht eine E-Mail des Gerichtssekretärs des Regionalgerichts Oberland 
vom 30. April 2020 sowie die Anklageschrift vom 7. April 2020 betreffend 
A.________ weitergeleitet. Gemäss dieser wurde gegen A.________ beim 
Regionalgericht Oberland Anklage wegen mehrfach vorsätzlich und 
mengenmässig qualifiziert begangener Verbrechen gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz erhoben. Am 29. Mai bzw. 2. Juni 2020 haben die SID 
bzw. A.________ hierzu Stellung genommen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 4

Erwägungen:

1.

1.1 Das Verwaltungsgericht ist zur Beurteilung der Beschwerde als 
letzte kantonale Instanz gemäss Art. 74 Abs. 1 i.V.m. Art. 76 und 77 des 
Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; 
BSG 155.21) zuständig. Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen 
Verfahren teilgenommen, ist durch den angefochtenen Entscheid beson-
ders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung 
oder Änderung (Art. 79 Abs. 1 VRPG). Die Bestimmungen über Form und 
Frist sind eingehalten (Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 VRPG). Auf die Be-
schwerde ist grundsätzlich einzutreten (vgl. zum Eventualbegehren hinten 
E. 6).

1.2 Das Verwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid auf 
Rechtsverletzungen hin (Art. 80 Bst. a und b VRPG).

2.

Umstritten sind der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des Be-
schwerdeführers und dessen Wegweisung aus der Schweiz.

2.1 Die Niederlassungsbewilligung wird unbefristet und ohne Bedin-
gungen erteilt (Art. 34 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 16. Dezember 
2005 über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration 
[Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20; vor dem 1.1.2019: 
Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer [Ausländergesetz, 
AuG]). Sie kann widerrufen werden, wenn die Ausländerin oder der Aus-
länder zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde (Art. 63 
Abs. 1 Bst. a i.V.m. Art. 62 Abs. 1 Bst. b AIG). Darunter ist eine solche von 
mehr als einem Jahr zu verstehen (BGE 139 I 31 E. 2.1, 139 I 145 E. 2.1). 
Vorausgesetzt ist, dass das Strafurteil in Rechtskraft erwachsen ist 
(BVR 2015 S. 391 E. 3.1, 2013 S. 543 E. 3.1). Der Widerrufsgrund der 
längerfristigen Freiheitsstrafe ist auch bei Ausländerinnen und Ausländern 
mit Niederlassungsbewilligung anwendbar, die sich seit mehr als 15 Jahren 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 5

ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufgehalten haben 
(Art. 63 Abs. 2 AuG in der Fassung vom 19. Juni 2015 [AS 2016 S. 1249, 
1263], Art. 126 Abs. 1 AIG analog; vgl. BGer 2C_305/2018 vom 18.11.2019 
E. 3.2 mit Hinweis).

2.2 Das Regionalgericht Oberland verurteilte den Beschwerdeführer am 
15. Dezember 2016 zu einer Freiheitsstrafe von 33 Monaten (Akten MIDI 
5B pag. 48 ff.; vorne Bst. A). Das Strafurteil ist rechtskräftig. Damit hat er 
den Widerrufsgrund der längerfristigen Freiheitsstrafe gesetzt, was er 
grundsätzlich nicht bestreitet. Er macht jedoch geltend, die Niederlassungs-
bewilligung dürfe nicht gestützt auf dieses Strafurteil widerrufen werden, da 
das Strafgericht von einer Landesverweisung abgesehen habe (Be-
schwerde S. 3). Dies trifft nicht zu: Zwar hat seit dem 1. Oktober 2016 das 
Strafgericht über die Wegweisung straffälliger Ausländerinnen und Aus-
länder zu entscheiden und kann eine Niederlassungsbewilligung nicht allein 
wegen Straffälligkeit widerrufen werden, wenn das Strafgericht von einer 
Landesverweisung abgesehen hat (vgl. Art. 63 Abs. 3 AIG). Den Migra-
tionsbehörden verbleibt aber weiterhin die Kompetenz, eine ausländer-
rechtliche Entfernungsmassnahme anzuordnen, wenn die hierzu Anlass 
gebenden Delikte vor dem 1. Oktober 2016 verübt wurden (vgl. 
BGE 146 II 1 E. 2; BGer 2C_911/2019 vom 6.2.2020 E. 4.4). Dies ist vor-
liegend der Fall. Das Strafgericht hatte sich in seinem Urteil denn auch gar 
nicht zur Landesverweisung geäussert (vgl. Akten MIDI 5B pag. 95 ff.).

2.3 Im Weiteren rügt der Beschwerdeführer, die Entfernungsmass-
nahme sei unverhältnismässig. – Der Widerruf einer Niederlassungsbe-
willigung und die Wegweisung sind auch bei Vorliegen eines Widerrufs-
grunds nur zulässig, wenn sie aufgrund der im Einzelfall vorzunehmenden 
Interessenabwägung als verhältnismässig erscheinen (Art. 5 Abs. 2 der 
Bundesverfassung [BV; SR 101] und Art. 96 AIG). Im Rahmen dieser Prü-
fung sind die öffentlichen Interessen an der Entfernungsmassnahme aus 
Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und die privaten Inter-
essen der betroffenen Person am weiteren Verbleib in der Schweiz gegen-
einander abzuwägen. Zu berücksichtigen ist die Gesamtheit der rechts-
wesentlichen Umstände im Einzelfall (vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.1; 
BVR 2013 S. 543 E. 4.1, je mit Hinweisen). Beeinträchtigt die Entfernungs-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 6

massnahme die weitere Pflege familiärer Beziehungen oder das Privat-
leben (Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention [EMRK; 
SR 0.101]; Art. 13 Abs. 1 BV), bilden Grundlage dieser Interessenab-
wägung Art. 8 Ziff. 2 EMRK und Art. 36 BV (BGE 144 II 1 E. 6.1, 143 I 21 
E. 5.1; BVR 2015 S. 391 E. 4.1). Hat die betroffene Person minderjährige 
Kinder, sind in diese Prüfung ausserdem die nach dem Übereinkommen 
vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK; SR 0.107) und 
Art. 11 BV zu berücksichtigenden Interessen im Zusammenhang mit dem 
Kindeswohl einzubeziehen (BGE 143 I 21 E. 5.5.1). Wird eine Person weg-
gewiesen, die wie hier zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt 
wurde, muss ausserdem die Frage der Zumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs Teil der umfassenden bewilligungsrechtlichen Interessenabwägung 
bilden (vgl. BGE 135 II 110 E. 4.2; zum Ganzen BVR 2013 S. 543 E. 4.1).

3.

Das öffentliche Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung und 
an der Wegweisung richtet sich nach der Schwere des Verschuldens, dem 
Verhalten gegenüber der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Allge-
meinen und der Rückfallgefahr.

3.1 Zum Verschulden ist Folgendes festzuhalten:

3.1.1 Das Verschulden, das die betroffene Person mit der längerfristigen 
Freiheitsstrafe auf sich geladen hat, ist Ausgangspunkt der Beurteilung des 
öffentlichen Interesses. Die Schwere des Verschuldens bemisst sich regel-
mässig nach der Höhe der vom Strafgericht verhängten Strafe 
(BGE 134 II 10 E. 4.2 [Pra 97/2008 Nr. 87]; BVR 2013 S. 543 E. 4.2). 
Praxisgemäss sprechen Freiheitsstrafen ab 24 Monaten für ein schweres 
Verschulden, da diese Fälle bereits als so gravierend eingestuft werden, 
dass ein vollständiger Aufschub der Strafe nicht mehr in Frage kommt und 
mindestens ein Teil zwingend vollzogen werden muss. Auch aus fremden-
polizeilicher Sicht bedeutet die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe ab 
24 Monaten in jedem Fall einen sehr schwerwiegenden Verstoss gegen die 
schweizerische Rechtsordnung (BGE 139 I 145 E. 2.3 und 3.4, 135 II 377 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 7

E. 4.4, zur hier infolge nicht mehr kurzer Aufenthaltsdauer zwar nicht an-
wendbaren sog. «Reneja-Praxis»; in Bezug auf die Beurteilung des Ver-
schuldens sind die Erwägungen aber dennoch massgeblich).

3.1.2 Das Regionalgericht Oberland verurteilte den Beschwerdeführer zu 
einer Freiheitsstrafe von 33 Monaten (vgl. vorne E. 2.2). Bereits das Straf-
mass spricht für ein schweres Verschulden, auch wenn der Vollzug für eine 
Teilstrafe von 21 Monaten mit einer Probezeit von vier Jahren aufge-
schoben wurde (vgl. hiervor E. 3.1.1; angefochtener Entscheid E. 5.1). 
Nichts anderes ergibt sich mit Blick auf die konkreten Tatumstände: Der 
Beschwerdeführer hat aus rein finanziellen Motiven eine grosse Menge 
Kokain besessen und verkauft und damit in Kauf genommen, die Gesund-
heit vieler Menschen zu gefährden (Akten MIDI 5B pag. 110, 113; vgl. für 
diese Würdigung auch BGer 2C_541/2019 vom 22.1.2020 E. 3.4.3). Dar-
über hinaus gehören qualifizierte Drogendelikte gemäss Art. 66a Abs. 1 
Bst. o des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) zu den 
Anlasstaten, die zwingend zu einer Landesverweisung führen. Auch wenn 
diese Bestimmung hier nicht direkt anwendbar ist, weil der abgeurteilte 
Drogenhandel vor deren Inkrafttreten begangen wurde, unterstreicht sie die 
Schwere der Gesetzesverletzung und ist den darin enthaltenen verfas-
sungsrechtlichen Wertungen (Art. 121 Abs. 3 Bst. a BV) insoweit Rechnung 
zu tragen, als dies zu keinem Widerspruch zu übergeordnetem Recht führt 
(BGE 139 I 31 E. 2.3.2). Ohnehin verfolgt die Rechtsprechung bei Drogen-
delikten ausländerrechtlich eine strenge Praxis (BGE 139 I 145 E. 2.5; 
BVR 2015 S. 391 E. 5.3, 2013 S. 543 E. 4.2.3 am Ende). Insgesamt ist 
beim Beschwerdeführer daher ausländerrechtlich von einem schweren Ver-
schulden auszugehen.

3.2 Zu berücksichtigen ist sodann das Verhalten des Beschwerde-
führers gegenüber der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Allge-
meinen.

3.2.1 Bei Personen, die mehrfach oder sogar regelmässig delinquiert 
haben, besteht aufgrund ihrer Einsichtslosigkeit ein erhebliches sicherheits-
polizeiliches Interesse, sie aus der Schweiz wegzuweisen. Wiederholte 
oder gar notorische Delinquenz zeigt in besonderer Weise, dass sich die 
betreffende Person von Strafurteilen nicht hat beeindrucken lassen, und 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 8

führt zum Schluss, dass sie nicht willens oder fähig ist, sich an die hiesige 
Rechtsordnung zu halten (vgl. BGE 139 I 145 E. 3.8; BVR 2013 S. 543 
E. 4.3 mit Hinweisen).

3.2.2 Der Beschwerdeführer hat, abgesehen von der Anlasstat, in den 
Jahren 2009/2010 und 2014 weitere Delikte begangen, die zu Einträgen im 
Strafregister geführt haben: Mehrfach begangene Förderung der rechts-
widrigen Ein-, Ausreise oder des rechtswidrigen Aufenthalts, mehrfach be-
gangene Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne Be-
willigung, Übertretung des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeits-
losenversicherung und die Insolvenzentschädigung sowie grobe Verletzung 
der Verkehrsregeln. Insgesamt wurde er hierfür zu Geldstrafen von 
80 Tagessätzen zu Fr. 30.-- und 50 Tagessätzen zu Fr. 50.-- sowie zu einer 
Busse von Fr. 600.-- verurteilt (Akten MIDI 5B pag. 91 f.). Hinzu kommen 
drei Bussen wegen Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsgesetz-
gebung (Akten MIDI 5B pag. 7, 9 und 16). Diese Verurteilungen wiegen 
zwar weniger schwer als die verfahrensauslösende Betäubungsmitteldelin-
quenz. Bei den Verfehlungen handelt es sich aber nicht durchwegs um 
Bagatelldelikte, was bereits die Einträge im Strafregister verdeutlichen. Zu-
dem hat der Beschwerdeführer auch während laufender Probezeit delin-
quiert und sein deliktisches Verhalten durch die Begehung schwerer Be-
täubungsmitteldelikte noch gesteigert, was deutlich macht, dass er grosse 
Mühe hat, die schweizerische Rechtsordnung zu beachten. In Übereinstim-
mung mit der Vorinstanz geht das Verwaltungsgericht deshalb davon aus, 
dass das Verhalten des Beschwerdeführers gegenüber der öffentlichen 
Sicherheit und Ordnung dem Interesse an der Beendigung seines Aufent-
halts zusätzliches Gewicht verleiht (vgl. angefochtener Entscheid E. 5.2).

3.3 Zur Rückfallgefahr ergibt sich Folgendes:

3.3.1 Aus fremdenpolizeilicher Sicht ist das Risiko eines Rückfalls umso 
weniger hinzunehmen, je schwerer die Tat wiegt, welche die ausländische 
Person verübt hat. Bei schweren Straftaten muss, angesichts der von 
diesen Delikten ausgehenden potenziellen Gefahr für die Gesellschaft, aus-
länderrechtlich selbst ein relativ geringes Rückfallrisiko nicht hingenommen 
werden. Da Art. 5 Anhang I des Freizügigkeitsabkommens (FZA; 
SR 0.142.112.681) hier nicht anwendbar ist, ist das Vorliegen einer kon-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 9

kreten gegenwärtigen Gefahr nicht Voraussetzung für eine Entfernungs-
massnahme. Vielmehr dürfen nach ständiger Rechtsprechung auch gene-
ralpräventive Überlegungen mitberücksichtigt werden (vgl. BGE 136 II 5 
E. 4.2 im Umkehrschluss; BGer 2C_1045/2019 vom 30.1.2020 E. 5.6). Die 
konkrete Prognose über das Wohlverhalten sowie der Resozialisierungsge-
danke des Strafrechts müssen bei der umfassenden fremdenpolizeilichen 
Interessenabwägung zwar ebenfalls berücksichtigt werden; sie geben aber 
nicht den Ausschlag (BGE 136 II 5 E. 4.2; BVR 2013 S. 543 E. 4.4.1 mit 
weiteren Hinweisen).

3.3.2 Der Beschwerdeführer hat bereits vor den verfahrensauslösenden 
Betäubungsmitteldelikten mehrmals delinquiert (vgl. vorne E. 3.2.2). Sein 
Einwand, er habe diese Taten nur begangen, weil seine Familie ohne den 
Erwerb aus den Drogengeschäften in ihrer Existenz bedroht gewesen 
wäre, ist unbehelflich. Die Familie wurde in dieser Zeit durch den Sozial-
dienst unterstützt und hätte sich auch ohne die Einkünfte aus den Drogen-
geschäften erhalten können (vgl. Akten MIDI 5B pag. 129; vgl. auch Straf-
urteil S. 19, Akten MIDI 5B pag. 113). Zudem trifft es nicht zu, dass sich die 
finanzielle und persönliche Situation des Beschwerdeführers und seiner Fa-
milie inzwischen entspannt hätte und ein Rückfall deshalb ausgeschlossen 
wäre (Beschwerde S. 5). Im Gegenteil: Der Beschwerdeführer befindet sich 
seit dem 25. Mai 2019 erneut in Untersuchungshaft. Am 7. April 2020 
wurde gegen ihn Anklage erhoben wegen mehrfach und mengenmässig 
qualifiziert begangener Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz 
(vgl. act. 11A; vorne Bst. C). Gemäss Anzeigerapport vom 14. Januar 2020 
wurde der Beschwerdeführer telefonisch überwacht und von der Polizei an-
gehalten, nachdem er sich vorgängig mit einer Person verabredet hatte. 
Bei der Anhaltung trug er zwei Portionen Kokaingemisch auf sich. Bei der 
anschliessenden Hausdurchsuchung wurde in seinem abgeschlossenen 
Schlafzimmer ein Kokainstein von ca. 515 Gramm gefunden. Die Polizei 
stellte in seinem Briefkasten zudem sieben Kokainportionen sicher. Meh-
rere Personen sagten gegenüber der Polizei aus, sie hätten beim Be-
schwerdeführer (regelmässig) Kokain gekauft, was er teilweise bestätigte 
(vgl. act. 4A S. 4 ff.). Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers dürfen 
diese Verfehlungen bei der Interessenabwägung jedenfalls soweit mit-
berücksichtigt werden, als er geständig ist bzw. aufgrund der Akten keine 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 10

Zweifel bestehen, dass sie ihm zur Last zu legen sind (vgl. 
BGer 2C_99/2019 vom 28.5.2019 E. 5.4.3, 2C_136/2017 vom 20.11.2017 
E. 3.4.1, 2C_39/2016 vom 31.8.2016 E. 2.5; Botschaft des Bundesrats zum 
AuG, in BBl 2002 S. 3709 ff., 3809). Dies ist jedenfalls bei einem Teil der 
vorgeworfenen Taten der Fall (vgl. Anzeigerapport S. 6, 8). Es bestehen 
somit keine Zweifel, dass der Beschwerdeführer in der Probezeit und 
während hängigem ausländerrechtlichen Verfahren im einschlägigen Be-
reich rückfällig wurde. Dieser Umstand erhöht das sicherheitspolizeiliche 
Interesse an der Entfernungsmassnahme nochmals.

3.4 Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, wenn die SID auf-
grund des (sehr) schweren Verschuldens, der Mehrfachdelinquenz sowie 
der bestehenden bzw. bereits verwirklichten Rückfallgefahr auf ein grosses 
öffentliches Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung und an 
der Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz geschlossen hat 
(angefochtener Entscheid E. 5.4).

4.

Bei den privaten Interessen, die der Entfernungsmassnahme entgegen-
stehen können, sind die Dauer der Anwesenheit und die Integration in der 
Schweiz sowie die dem Beschwerdeführer und seiner Familie drohenden 
Nachteile zu berücksichtigen.

4.1 Der heute 59-jährige Beschwerdeführer kam im Jahr 1995 im Alter 
von 34 Jahren in die Schweiz (Akten MIDI 5B pag. 32). Er lebt somit seit 25 
Jahren hier. Auch wenn man die Zeit nicht mitberücksichtigt, die er im 
Strafvollzug und in Untersuchungshaft verbracht hat, ist die Aufenthalts-
dauer immer noch sehr lang. 

4.2 Zur Integration des Beschwerdeführers ergibt sich Folgendes:

4.2.1 Mit der SID ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer diversen 
(temporären) Erwerbstätigkeiten nachging, seine Erwerbssituation jedoch 
nie gefestigt und stabil war (angefochtener Entscheid E. 6.2.3). Er war 
immer wieder arbeitslos und für längere Zeit in Marokko (vgl. Akten MIDI 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 11

5B pag. 130, 152, 170, 186, 189). Der Beschwerdeführer bestreitet die ent-
sprechenden Ausführungen der SID nicht. Dass er kein ausreichendes Ein-
kommen für seine Familie erzielen konnte, ist somit vorab auf seine un-
regelmässige Arbeitstätigkeit zurückzuführen. Er hat sodann für sich und 
seine Familie in erheblichem Umfang Sozialhilfe bezogen (Stand August 
2019: Fr. 303'894.95, Akten SID pag. 75); für eine seiner Töchter wird in-
folge Platzierung separat Sozialhilfe geleistet (Stand August 2019: 
Fr. 94'588.80, Akten SID pag. 75, Akten MIDI 5B pag. 187). Im Weiteren ist 
der Beschwerdeführer stark verschuldet; per 15. August 2018 bestanden 
gegen ihn offene Verlustscheine von Fr. 98'686.15 (Akten SID pag. 79). 
Seine beruflich-wirtschaftliche Integration ist somit nicht gelungen.

4.2.2 In sozialer Hinsicht hat die SID zu Recht erwogen, dass der Be-
schwerdeführer keine intensiven Beziehungen zur einheimischen Bevölke-
rung pflegt (angefochtener Entscheid E. 6.2.6), was er nicht bestreitet (Be-
schwerde S. 6). 

4.2.3 Bezüglich der sprachlichen Integration fällt auf, dass im Anzeige-
rapport vom 14. Januar 2020 als Verhandlungssprache «Arabisch» ange-
geben wird und auch in der Anklageschrift vom 7. April 2020 unter Sprach-
kenntnissen ausschliesslich «Arabisch» steht (act. 4A S. 2; act. 11A S. 1). 
Gemäss einem Arbeitszeugnis vom 23. Oktober 2018 spricht der Be-
schwerdeführer «etwas Deutsch» (Akten MIDI 5B pag. 208). Ob der seit 
25 Jahren in der Schweiz lebende Beschwerdeführer in sprachlicher Hin-
sicht seiner Aufenthaltsdauer entsprechend bzw. gut integriert ist, wie er 
selber geltend macht (Beschwerde S. 6), ist deshalb fraglich, kann aber 
offenbleiben. 

4.2.4 Schliesslich spricht auch die erhebliche Straffälligkeit wesentlich 
gegen eine erfolgreiche Integration, ist doch die Respektierung der rechts-
staatlichen Ordnung ein zentraler Aspekt jeglicher Integration (Art. 4 Bst. a 
der hier noch anwendbaren Verordnung vom 24. Oktober 2007 über die 
Integration von Ausländerinnen und Ausländern [VIntA; AS 2007 S. 551]; 
heute Art. 58a Bst. a AIG). Die SID ist insgesamt überzeugend zum 
Schluss gekommen, dass sich der Beschwerdeführer in der Schweiz unzu-
reichend integriert hat (angefochtener Entscheid E. 6.2.2 ff., 6.4).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 12

4.3 Zu würdigen sind weiter die dem Beschwerdeführer und seinen An-
gehörigen durch die Entfernungsmassnahme drohenden Nachteile:

4.3.1 Hinsichtlich der Rückkehr ins Heimatland ist zu berücksichtigen, 
dass der Beschwerdeführer die prägenden Kindheits- und Jugendjahre so-
wie einen Teil seines Erwachsenenlebens als Erwachsener in Marokko ver-
bracht hat. Im Weiteren ist unbestritten geblieben, dass er mit der Sprache 
und Kultur seines Heimatlandes nach wie vor vertraut ist, Kontakte zu dort 
lebenden Familienangehörigen pflegt und sich in der Vergangenheit regel-
mässig in Marokko aufgehalten hat (angefochtener Entscheid E. 6.3.1). 
Dass er dort aufgrund seines Alters nicht ohne weiteres eine Anstellung 
finden wird (Beschwerde S. 8), mag zutreffen; mit diesem Problem ist der 
Beschwerdeführer jedoch auch in der Schweiz konfrontiert. Im Übrigen hält 
er den Erwägungen der SID nichts Substanziiertes entgegen, weshalb dar-
auf verwiesen werden kann. Mit der Vorinstanz ist folglich davon auszu-
gehen, dass dem Beschwerdeführer die Wiedereingliederung in Marokko 
möglich und zumutbar ist. 

4.3.2 In familiärer Hinsicht leitet der Beschwerdeführer aus den Bezie-
hungen zu seiner Ehefrau und seinen fünf minderjährigen Kindern unter 
Hinweis auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV ein gewichtiges Inter-
esse an seinem Verbleib in der Schweiz ab. Er macht geltend, er könnte 
diese Beziehungen bei einer Rückkehr nach Marokko aufgrund der grossen 
Distanz und der fehlenden Geldmittel nicht mehr pflegen. – Wie bereits die 
SID ausgeführt hat (angefochtener Entscheid E. 6.3.2), würde die Entfer-
nungsmassnahme den Beschwerdeführer treffen. Er hat sich diese familiä-
ren Konsequenzen jedoch selber zuzuschreiben, hat ihn doch auch seine 
Verantwortung als Ehemann und Vater nicht davon abgehalten, mehrfach 
und auch schwer zu delinquieren. Sein eigenes Interesse, nicht von der 
Familie getrennt zu werden, fällt deshalb nicht entscheidend ins Gewicht. 
Seine Ehefrau und seine Kinder, die alle Niederlassungsbewilligungen be-
sitzen, würde die Trennung sicherlich mit einer gewissen Härte treffen. 
Ihnen ist die Ausreise nach Marokko nicht ohne weiteres zumutbar, obwohl 
die Ehefrau ebenfalls marokkanische Staatsangehörige ist und erst im Alter 
von knapp 30 Jahren in die Schweiz übersiedelte. Sollten sie in der 
Schweiz verbleiben, wäre die Entfernungsmassnahme mit einer erhebli-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 13

chen Beeinträchtigung des Familienlebens verbunden. In diesem Zusam-
menhang ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Familie des Beschwerde-
führers den Alltag bereits während dessen Gefängnisaufenthalts zwischen 
März 2016 und März 2017 (vgl. Akten MIDI 5B pag. 116) alleine bewältigen 
musste und seit dessen erneuter Inhaftierung im Mai 2019 (act. 11A S. 4) 
wiederum auf sich allein gestellt ist. Zudem hat sich der Beschwerdeführer 
auch ansonsten häufig für mehrere Wochen oder Monate im Ausland auf-
gehalten und seine Ehefrau sowohl bei der Kinderbetreuung als auch finan-
ziell unzureichend unterstützt. Dieser Zustand dauerte über Jahre bis min-
destens Mitte Juni 2018 an (Akten MIDI 5B pag. 130, 152, 170, 186, 189, 
232, 241 f.). Im Weiteren war die Beziehung zur Ehefrau jahrelang zer-
rüttet; häusliche Gewalt war immer wieder ein Thema (Akten MIDI pag. 5B 
pag. 130, 158 ff.). Erst kurz vor seiner erneuten Verhaftung und während 
hängigem ausländerrechtlichem Verfahren begann der Beschwerdeführer, 
mehr Betreuungs- und Haushaltsarbeiten zu übernehmen (vgl. Beschwer-
debeilage 3). Im Hinblick auf das Kindeswohl ist sodann zu berück-
sichtigen, dass die Kinder in ihrem vertrauten Umfeld bei der Mutter bleiben 
und unter den hiesigen Lebensbedingungen aufwachsen können. Die 
Mutter wird bei ihren Erziehungs- und Betreuungsaufgaben seit dem Jahr 
2010 durch den Beistand der Kinder sowie eine Familienbegleitung unter-
stützt (vgl. Akten MIDI 5B pag. 147 ff., 152 f.). Die Kinder werden zudem 
häufig in externen Einrichtungen betreut (Kindertagesstätte, Tagesschule, 
Betreuung am Wochenende; Akten MIDI 5B pag. 231, 250 ff.); die älteste 
Tochter scheint fremdplatziert zu sein (vgl. Akten SID pag. 75). Die Ehefrau 
und die Kinder können den Kontakt zum Beschwerdeführer im Übrigen in 
beschränktem Rahmen auch über die Distanz mittels der modernen 
Kommunikationsmittel und allenfalls im Rahmen von gegenseitigen 
Besuchen pflegen. 

4.4 Zusammenfassend begründen die familiären Beziehungen ein nicht 
unerhebliches privates Interesse am weiteren Verbleib des Beschwerde-
führers in der Schweiz. Der Beschwerdeführer hat sich jedoch trotz langer 
Aufenthaltsdauer nicht genügend in die hiesigen Verhältnisse integrieren 
können und der Rückkehr nach Marokko stehen keine wesentlichen Hin-
dernisse entgegen.

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 14

5.

Die Abwägung der massgeblichen öffentlichen und privaten Interessen er-
gibt Folgendes:

Der Beschwerdeführer wurde wegen mehrfacher und qualifizierter Betäu-
bungsmitteldelinquenz zu einer 33-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt. Da-
mit hat er ein schweres Verschulden auf sich geladen. Bereits zuvor war er 
wiederholt und auch während laufender Probezeit straffällig geworden. Zur-
zeit ist gegen ihn erneut ein Strafverfahren wegen qualifiziert begangener 
Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz hängig; er ist teilweise ge-
ständig. Der Beschwerdeführer wurde somit während hängigem ausländer-
rechtlichen Verfahren im einschlägigen Bereich rückfällig. Insgesamt be-
gründen diese Umstände ein sehr gewichtiges öffentliches Interesse an 
seiner Wegweisung. Dagegen haben die privaten Interessen an einem Ver-
bleib in der Schweiz zurückzustehen: Obwohl die rechtmässige Aufent-
haltsdauer des Beschwerdeführers sehr lang ist, konnte er sich weder 
beruflich-wirtschaftlich noch sozial genügend integrieren. Der Rückkehr 
nach Marokko stehen keine massgeblichen Hindernisse entgegen. In fami-
liärer Hinsicht werden die Beziehungen des Beschwerdeführers zu seiner 
Ehefrau und seinen Kindern zwar eingeschränkt. Sie können jedoch mittels 
der üblichen Kommunikationsmittel und allfälliger Besuche auch vom Aus-
land her gepflegt werden. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und 
die Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz erweisen sich 
somit auch im Licht von Art. 8 EMRK, Art. 13 BV und der KRK als ver-
hältnismässig. Das gilt im Übrigen auch unter dem Gesichtspunkt des 
Rechts auf Privatleben. Wohl ist nach einer rechtmässigen Aufent-
haltsdauer von rund zehn Jahren nach der jüngeren bundesgerichtlichen 
Rechtsprechung anzunehmen, dass die sozialen Beziehungen in der 
Schweiz so eng geworden sind, dass eine Aufenthaltsbeendigung beson-
derer Gründe bedarf. Massgebend bleibt aber allemal, wie sich die betrof-
fene Person in der Schweiz integriert hat (vgl. BGE 144 I 266 E. 3.9; 
BVR 2019 S. 314 E. 5.2; bestätigt durch BGer 2C_292/2019 vom 
8.4.2019], je mit zahlreichen Hinweisen). In dieser Hinsicht war der Be-
schwerdeführer wie dargelegt nicht erfolgreich (vorne E. 4.2). Ein unzu-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 15

lässiger Eingriff in das Privatleben ist daher ebenfalls zu verneinen, soweit 
der Schutzbereich dieser Garantie überhaupt betroffen ist.

6.

Mit dem Widerruf der Niederlassungsbewilligung ist als gesetzliche Folge 
die Wegweisung verbunden (Art. 64 Abs. 1 Bst. c AIG). Im Eventualstand-
punkt beantragt der Beschwerdeführer indes den Verzicht auf den Wegwei-
sungsvollzug «aufgrund der Härtefallklausel»; nähere Ausführungen macht 
er nicht (vgl. Rechtsbegehren 3; Beschwerde S. 9). Soweit der anwaltlich 
vertretene Beschwerdeführer damit sinngemäss eine vorläufige Aufnahme 
nach Art. 83 AIG beantragen will, ist Folgendes festzuhalten: Die vorläufige 
Aufnahme infolge Unmöglichkeit, Unzulässigkeit oder Unzumutbarkeit des 
Wegweisungsvollzugs wird vom Staatssekretariat für Migration (SEM) 
verfügt (Art. 83 Abs. 1 AIG). Nach Art. 83 Abs. 6 AIG kann nur die kan-
tonale Behörde einen entsprechenden Antrag stellen, nicht aber die betrof-
fene Ausländerin bzw. der betroffene Ausländer (BGE 137 I 305 E. 3.2 mit 
Hinweisen; BVR 2013 S. 543 E. 7.1, 2015 S. 105 E. 4 und 5 [zusammen-
gefasst]). Sollte der Beschwerdeführer mit seinem Rechtsbegehren die ver-
bindliche Feststellung von Vollzugshindernissen beantragen wollen, ist das 
Verwaltungsgericht sachlich nicht zuständig, weshalb der Antrag unzuläs-
sig ist (VGE 2019/130 vom 27.2.2020 E. 4). Gleichwohl dürfen Vollzugshin-
dernisse, die zu einer vorläufigen Aufnahme führen könnten, vor jeder weg-
weisenden Behörde geltend gemacht werden. Diese prüft nach pflichtge-
mässem Ermessen, ob es die geltend gemachten Umstände rechtfertigen, 
eine Beurteilung der Vollzugssituation bzw. eine allfällige vorläufige Auf-
nahme beim sachlich zuständigen SEM zu beantragen (Art. 83 Abs. 6 AIG). 
Eine vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs kommt vorliegend allerdings nicht in Betracht, da der Beschwerde-
führer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist (vgl. 
Art. 83 Abs. 7 Bst. a i.V.m. Abs. 4 AIG). Im Übrigen hat das Verwaltungsge-
richt dargelegt, dass es die Rückkehr des Beschwerdeführers in sein Hei-
matland mit der SID als zumutbar erachtet (vorne E. 4.3.1). Gründe, welche 
den Wegweisungsvollzug als unzulässig erscheinen lassen, macht der Be-

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 16

schwerdeführer nicht geltend und sind ebenfalls nicht ersichtlich. Ein An-
trag auf vorläufige Aufnahme beim SEM fällt damit ausser Betracht.

7.

Nach dem Gesagten hält der angefochtene Entscheid der Rechtskontrolle 
stand. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen, 
soweit darauf eingetreten werden kann. Gegen den Beschwerdeführer 
wurde beim Regionalgericht Oberland Anklage erhoben (vorne Bst. C; 
act. 11A). Bei dieser Sachlage verzichtet das Verwaltungsgericht darauf, 
eine bestimmte Ausreisefrist festzulegen (BVR 2008 S. 193 E. 8; vgl. auch 
VGE 2016/355 vom 19.4.2018 E. 8.1). Es wird Sache der zuständigen Aus-
länderbehörde sein, eine solche Frist anzusetzen, wenn aus Sicht der 
Straf- bzw. Strafvollzugsbehörden die Anwesenheit des Beschwerdeführers 
in der Schweiz nicht mehr erforderlich ist. 

8.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der unterliegende Beschwerde-
führer an sich kostenpflichtig (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Er hat für das ver-
waltungsgerichtliche Verfahren indes um unentgeltliche Rechtspflege unter 
Beiordnung seines Rechtsvertreters als amtlicher Anwalt ersucht.

8.1 Auf Gesuch hin befreit die Verwaltungsjustizbehörde eine Partei von 
den Verfahrenskosten, wenn die Partei nicht über die erforderlichen Mittel 
verfügt und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 111 
Abs. 1 VRPG; vgl. auch Art. 117 der Schweizerischen Zivilprozessordnung 
vom 19. Dezember 2008 [Zivilprozessordnung, ZPO; SR 272]). Unter den 
gleichen Voraussetzungen kann einer Partei überdies eine Anwältin oder 
ein Anwalt beigeordnet werden, wenn die tatsächlichen und rechtlichen 
Verhältnisse es rechtfertigen (Art. 111 Abs. 2 VRPG). Ein Prozess ist nicht 
aussichtslos, wenn berechtigte Hoffnung besteht, ihn zu gewinnen, das 
heisst, wenn Gewinnaussichten und Verlustgefahren sich ungefähr die 
Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Als aussichtslos 

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 17

sind demgegenüber Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinn-
aussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die des-
halb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Massgebend ist dabei, 
ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger 
Überlegung zu einem Prozess entschliessen oder aber davon absehen 
würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und 
Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb austragen können, weil er sie 
nichts kostet (BGE 142 III 138 E. 5.1; BVR 2019 S. 128 E. 4.1).

8.2 Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde muss in der Sache als von 
vornherein aussichtslos bezeichnet werden. Die SID hat einlässlich und zu-
treffend begründet, weshalb der Widerruf der Niederlassungsbewilligung 
und die Wegweisung rechtmässig sind. Dabei hat sie auf die massgebliche 
Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts und des Bundesgerichts Bezug 
genommen. Dies darf bei der Beurteilung der unentgeltlichen Rechtspflege 
im oberinstanzlichen Rechtsmittelverfahren berücksichtigt werden 
(BVR 2015 S. 487 E. 7.2 mit Hinweisen). Gegen die vorinstanzlichen Erwä-
gungen bringt der Beschwerdeführer nichts wesentlich Neues vor. Wie be-
reits vor der Vorinstanz hält er im Wesentlichen daran fest, dass die Weg-
weisung aus der Schweiz für seine Kinder mit einschneidenden Folgen ver-
bunden wäre und die Massnahme nicht verhältnismässig sei. Dass der Be-
schwerde unter diesen Umständen kein Erfolg beschieden sein konnte, 
musste auch für den Beschwerdeführer erkennbar sein. Das Gesuch um 
unentgeltliche Rechtspflege ist somit abzuweisen, ohne dass die Prozess-
armut zu prüfen wäre.

8.3 Da über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege erst im End-
entscheid befunden wird und der Beschwerdeführer deshalb keine Ge-
legenheit hatte, sein Rechtsmittel nach Abweisung dieses Begehrens zu-
rückzuziehen und damit Kosten zu sparen, sind diese praxisgemäss bloss 
im Rahmen der üblichen Abschreibungsgebühren zu erheben (BVR 2014 
S. 437 E. 7.9). Für das Gesuchsverfahren betreffend unentgeltliche 
Rechtspflege sind keine Kosten zu erheben (Art. 112 Abs. 1 VRPG). Er-
satzfähige Parteikosten sind keine angefallen (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. 
Art. 104 VRPG).

Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 06.08.2020, Nr. 100.2020.57U, 
Seite 18

Demnach entscheidet das Verwaltungsgericht:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. 

2. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht, bestimmt auf 
eine reduzierte Pauschalgebühr von Fr. 500.--, werden dem Be-
schwerdeführer auferlegt.

4. Es werden keine Parteikosten gesprochen. 

5. Zu eröffnen:
- Beschwerdeführer
- Sicherheitsdirektion des Kantons Bern
- Staatssekretariat für Migration

und mitzuteilen:
- Regionalgericht Oberland, ad PEN 20 126-128

Das präsidierende Mitglied: Die Gerichtsschreiberin:

Rechtsmittelbelehrung
Gegen dieses Urteil kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Bundesgericht, 
1000 Lausanne 14, Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gemäss 
Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bun-
desgericht (BGG; SR 173.110) geführt werden.